Decision ID: 52f369c3-8fd9-403d-ba85-09e37a73ffbe
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Giovanni Schramm, St. Leonhardstrasse 32,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A._ (Jg. 1958) meldete sich am 16. August 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Gesuchsformular gab er u.a. an, er habe keinen Beruf erlernt. Von 1999 bis 2006 sei er
selbständig gewesen. Am 30. Mai 2006 hatte die Institution part über eine im Auftrag
der SWICA vorgenommene Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
berichtet. Dabei hatte sie die Frage beantwortet, ob der Versicherte die Arbeitsfähigkeit
von 20% als Geschäftsführer eines Kebablokals mit 50 Sitzplätzen und fünf
Angestellten steigern könne, wenn ja um wieviel und wie. Sie hatte dazu ausgeführt, die
Leistungsbereitschaft des Versicherten sei fraglich gewesen. Die Beobachtungen bei
den Tests hätten auf eine deutliche Selbstlimitierung hingewiesen. Die Konsistenz bei
den Tests sei mässig gewesen. Infolge Symptomausweitung, Selbstlimitierung und
Inkonsistenz seien die Resultate der ergonomischen Tests für die Beurteilung der
zumutbaren Belastung nur teilweise verwertbar gewesen. Eine zumutbare Tätigkeit
wäre sehr leicht und vorwiegend sitzend auszuüben. Bei einer Wiederaufnahme der
Erwerbstätigkeit sei ein ganztägiger Einsatz möglich, allerdings mit zusätzlichen
Pausen von zwei Stunden. Nach einer Anpassungszeit von drei bis sechs Monaten
könne die Arbeitszeit dann kontinuierlich gesteigert werden. Der Versicherte sollte
keine Gewichte über 15 kg (einhändig 7,5 kg) heben. In einer Berichtergänzung vom 11.
Juli 2006 war dann ausgeführt worden, der Versicherte habe seinen Betrieb verkauft.
Angesichts der bevorstehenden Leistenoperation sei keine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit von 20% möglich. Nach der Operation sollte eine volle Arbeitsfähigkeit
zumutbar sein. Dr. med. B._ berichtete der IV-Stelle am 1. Oktober 2006, der
Versicherte leide an einer koronaren Herzkrankheit (Angina pectoris CCS II-III, Stent in
Riva-Stenose 22. Nov. 2005, Perimyocarditis 5/04), an einer chronischen Lumbago bei
Diskushernienoperation L4/5, an einer chronischen Zervikobrachialgie rechts mehr als
links, an einer Leistenhernie rechts und – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an
einem chronischen oesophagealen Reflux, an Hypercholesterinämie und an Adipositas.
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe seit dem 8. September 2005 eine
Arbeitsunfähigkeit von 80%. Weiter führte Dr. med. B._ aus, seit vielen Jahren klage
der Versicherte über wechselnd intensive Schmerzen entlang der ganzen Wirbelsäule
mit Ausstrahlungen in die Arme und den Thorax. Trotz ausgedehnter Abklärungen fehle
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eine klare Diagnose. Die geklagten Beschwerden seien deshalb schwierig zu werten.
Die Leistenhernie werde nach der Operation voraussichtlich keine Beschwerden mehr
machen. Das Hauptproblem für die Arbeitsfähigkeit sei die kardiale Situation. Trotz
Stent und Medikamenten bestehe eine Angina pectoris, welche die Arbeitsfähigkeit
deutlich einschränke. Die entsprechenden Schmerzen träten bei mittlerer bis schwerer
körperlicher Belastung auf. In einem Verlaufsbericht vom 5. März 2007 gab Dr. med.
B._ an, nach der Operation der Leistenhernie im Dezember 2006 sei der Versicherte
nun von Seiten der rechten Leiste beschwerdefrei. Er klage noch über
belastungsabhängige Schmerzen über dem Brustbein, die aber nicht vom Herz
stammten. Daneben gebe der Versicherte eine Vielzahl von Schmerzen des
Bewegungsapparates an. Die Leistungsfähigkeit liege bei etwa 50%. Gemäss dem
beiliegenden Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 20. Februar 2007 war der
Versicherte aus rein kardiologischer Sicht fähig, eine leichte bis mittelschwere Arbeit
auszuführen, wobei aber eine Nikotinexposition zu vermeiden war. Die Arbeit in einem
Restaurant war deshalb aus der Sicht der Ärzte des Kantonsspitals nicht mehr möglich.
Dem Versicherten war ein regelmässiges Ausdauertraining empfohlen worden.
B.
Am 29. Juni 2007 erfolgte eine Abklärung beim Versicherten. Dieser gab an, er könne
im Kebab-Restaurant nicht mehr arbeiten. Deshalb habe er am 31. März 2006 das
Geschäft verkauft. Dr. med. C._ und Dr. med. D._ von der Kardiologie des
Kantonsspitals St. Gallen berichteten Dr. med. B._ am 23. Januar 2008, der
Versicherte leide an einer koronaren Herzkrankheit (aktuell in der Belastungsergometrie
keine Hinweise für eine Belastungskoronarinsuffizienz bis 159 Watt), an einem
schwergradigen obstruktiven Schlafapnoesyndrom (CPAP-Behandlung seit 10/07), an
einem gastrooesophagealen Reflux, an einer chronischen Lumbago und an einer
Zervikobrachialgie rechts mehr als links, an einem St. n. Perimyokarditis 04/04 sowie
an einem St. n. Leistenhernie rechts (chirurgische Revision 12/06). Seit eineinhalb
Jahren klage der Versicherte über Atemnot, vor allem beim Heben und Tragen von
Lasten sowie initial beim Bergaufgehen. Allerdings könne er problemlos längere
Strecken bergauf gehen, ohne dass es zu Atemnot oder einem thorakalen Engegefühl
komme. Die beklagten Symptome hätten sich in der Belastungsuntersuchung nicht
reproduzieren lassen. Formal elektrisch hätten sich ebenfalls keine Hinweise für eine
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Belastungskoronarinsuffizienz gezeigt. Im Vergleich zur Voruntersuchung vor einem
Jahr sei aufgefallen, dass der Versicherte weniger belastungsfähig gewesen sei. Die
Fahrradergometrie habe bei 82% des Sollwertes wegen Beinschmerzen abgebrochen
werden müssen. Mindestens mitverantwortlich für die Atemnot scheine die Angst zu
sein, erneute kardiale Ereignisse zu erleiden. Die beklagte Dyspnoe sei multifaktoriell
bedingt, wobei eine psychosoziale Komponente eine grosse Rolle spielen dürfte. Aus
rein kardiologischer Sicht sei der Versicherte fähig, eine leichte bis mittelschwere Arbeit
auszuführen. Eine Nikotin- oder Staubexposition sollte vermieden werden, da sie mit
einer Exazerbation der Atemnot einhergehe. Dem Versicherten sei eine
Gewichtsreduktion empfohlen worden. Dr. med. E._ vom RAD Ostschweiz hielt am
19. Februar 2008 fest, seitens des Versicherten sei immer wieder die Rede von zwei
Myokardinfarkten. Diese seien aber nicht aktenkundig. Der Versicherte habe mehrmals
Leistungen erbracht, die körperlicher Schwerarbeit entsprochen hätten. Dabei sei nie
eine Koronarinsuffizienz nachzuweisen gewesen. Zusammenfassend könne ausweislich
der multiplen fachärztlichen Befunde von einer vollen Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten
mit leichter bis mittelschwerer körperlicher Arbeit ohne Heben und Tragen von Lasten
über 15 kg Gewicht, ohne Nachtarbeit und ohne regelmässige und massive
Passivrauchexposition ausgegangen werden. Die IV-Stelle ermittelte das
Valideneinkommen, indem sie auf den Durchschnitt der bei der Ausgleichskasse
abgerechneten Einkommen abstellte. Das ergab einen Betrag von Fr. 65'334.-. Diesem
Betrag stellte sie ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 53'125.- gegenüber. Es
resultierte ein Invaliditätsgrad von 18,69%.
C.
Dr. med. B._ berichtete der IV-Stelle am 14. März 2008, der Versicherte verspüre seit
Februar 2008 Schmerzen im linken Handgelenk. Es handle sich um degenerative
Veränderungen als Folge einer Handgelenksfraktur 1988. Gemäss einem Bericht der
Orthopädie des Spitals Rorschach vom 8. Februar 2007 zeigten MRI-Bilder der
gesamten Wirbelsäule eine geringfügige Diskusherniation HWK 3/4, HWK 4/5, HWK 5/6
und HWK7/BWK1, LWK 4/5 und LWK 5/SWK 1 ohne Nachweis einer
Wurzelkompression. Die Bandscheiben waren altersentsprechend. Die Ärzte gaben an,
angesichts der MRI-Befunde seien die angegebenen Beschwerden mit Ausstrahlung
thorakal nicht erklärbar. Der Versicherte habe auch Schmerzen im Bereich des
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Ellbogens rechts und Schmerzen retropatellär beim Treppensteigen angegeben. Das
rechte Kniegelenk sei ohne Erguss mit einem diskreten retropatellären Reiben. Der
Bandapparat sei stabil. Aus orthopädischer Sicht sei eine Physiotherapie zur Kräftigung
der Rückenmuskulatur indiziert. Für die Epicondylitis seien ebenfalls eine
Physiotherapie und allenfalls eine Elektrotherapie indiziert. Rein orthopädisch sei eine
Berentung schwierig zu rechtfertigen. Dr. med. E._ vom RAD hielt hiezu am 26. März
2008 fest, es handle sich um therapier- und besserbare Gesundheitsschäden. Deshalb
habe die Leistungseinschätzung des RAD vom 19. Februar 2008 weiterhin Gültigkeit.
Am 26. März 2008 stellte Dr. med. E._ fest, dass sich mit der Diagnose am linken
Handgelenk kein chronischer Schmerz vereinbaren lasse. Funktionseinschränkungen
seien nicht beschrieben worden. Es handle sich nicht um einen Gesundheitsschaden,
der einer Erwerbstätigkeit im Weg stünde.
D.
Mit einem Vorbescheid vom 27. März 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie beabsichtige, sein Rentenbegehren abzuweisen. Der Versicherte liess am
29. April 2008 einwenden, er habe einen Anspruch auf eine halbe, eventualiter auf eine
Viertelsrente. Der Gewinn aus dem Betrieb habe 2002 Fr. 71'672.-, 2003 Fr. 60'936.-
und 2004 Fr. 102'044.- betragen. Dazu komme ein jährlicher Eigenverbrauch von
Fr. 24'000.- für 2002 und 2003 und von Fr. 18'000.- für 2004. Das ergebe ein
Durchschnittseinkommen von Fr. 100'217.-. Bei der Berechnung des zumutbaren
Invalideneinkommens müsse ein Leidensabzug von 10% berücksichtigt werde. Da die
Erwerbseinbusse mehr als 50% betrage, resultiere eine Invalidität von 50%. Mit einer
Verfügung vom 6. Mai 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab. Sie führte zur
Begründung insbesondere aus, der Eigenbedarf dürfe keine Berücksichtigung finden,
weil darauf keine AHV-Beiträge abgerechnet worden seien. Ausserdem handle es sich
beim Umsatz 2004 um ein ausserordentliches Ergebnis, das seither nie mehr erreicht
worden sei. Bei den späteren Jahresabschlüssen dürften die Taggeldbezüge keine
Berücksichtigung finden. Da leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar seien, könne
kein Leidensabzug berücksichtigt werden.
E.
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Der Versicherte liess am 5. Juni 2008 Beschwerde erheben und die Zusprache einer
halben Rente beantragen. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Versicherte wäre
immer noch selbständig erwerbstätig, wenn er nicht erkrankt wäre. Das Einkommen
aus der selbständigen Erwerbstätigkeit habe 2002 bis 2004 durchschnittlich Fr.
100'217.- betragen. Der Einwand, dass auf dem Eigengebrauch weder Steuern noch
Beiträge angerechnet worden seien, sei irrelevant. Praxisgemäss sei nämlich bei der
Bemessung der Valideneinkommens nur entscheidend, was die versicherte Person als
Gesunde tatsächlich verdient hätte. Es sei überwiegend wahrscheinlich, dass der
Versicherte auch ab 2005 ein ähnlich hohes Einkommen erzielt hätte. Da der
Versicherte zwei Stunden zusätzliche Pausen benötige, sei ein Leidensabzug von
mindestens 10% zu gewähren. Das ergebe ein Invalideneinkommen von Fr. 47'812.-
und damit einen Invaliditätsgrad von 52%.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 8. September 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, es sei unbestritten, dass der Versicherte ohne den
Gesundheitsschaden sein Imbisslokal weitergeführt hätte. Sie habe zwar bei der
Invalidenkarriere einen Wechsel in eine unselbständige Hilfsarbeit angenommen. Aber
die Betriebsaufgabe sei die Folge der übertriebenen Krankheitswahrnehmung des
Versicherten und damit nicht unumgänglich gewesen. Die Leistungsfähigkeit des
Versicherten sei primär durch die Herzkrankheit beeinträchtigt, wobei aber keine
Herzinfarkte nachgewiesen seien. Bei der EFL habe sich herausgestellt, dass die Arbeit
als Geschäftsführer mit fünf Mitarbeitern weiterhin zumutbar gewesen wäre. Die
Notwendigkeit, täglich zusätzliche Pausen von zwei Stunden einzuschalten, hätte
durch betriebliche Massnahmen ausgeglichen werden können. Der Versicherte habe 14
bis 15 Std. täglich gearbeitet, meistens auch am Wochenende. Das konstitutionelle
Unvermögen, über das Normalmass hinausgehende Arbeit zu leisten, stelle keinen
invaliditätsbegründenden Faktor dar. Es könne also nur jenes Einkommen
berücksichtigt werden, das im Rahmen eines normalen Pensums erzielbar gewesen
wäre. Der Versicherte könne aus der Tatsache, dass er seine Arbeitskraft im Übermass
ausbeute, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die zwei Stunden zusätzliche Pausen
hätten höchstens eine Einbusse von 25% zur Folge. Eine erwerbliche Gewichtung
würde zu einem Invaliditätsgrad von weniger als 25% führen. Bei einer Invalidenkarriere
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als Hilfsarbeiter wäre kein Abzug gerechtfertigt, weil für eine leichte Tätigkeit keine
erhöhte Pausenbedürftigkeit nachgewiesen sei. Im Betriebsgewinn sei der
Eigenverbrauch bereits abgebildet, so dass eine Aufrechnung ausgeschlossen sei. Im
Jahr 2004 habe der Versicherte bei praktisch unverändertem Erlös deutlich tiefere
Personalkosten verbucht. In diesem Jahr habe er also noch mehr Arbeiten selbst
ausgeführt und damit habe er sich übernommen. Deshalb bilde ein Einkommen von Fr.
65'000.- das rechtlich akzeptable Valideneinkommen recht genau ab.
G.
Der Versicherte liess am 14. Oktober 2008 einwenden, er habe die Imbissbude nicht
wegen übertriebener Krankheitswahrnehmung, sondern wegen der kontinuierlichen
Nikotin- und Fettexposition aufgegeben. Seine Leistungsfähigkeit werde auch durch
das Schlafapnoesyndrom und durch die Leistenhernie beeinträchtigt. Diese Leiden
seien erst nach der EFL aufgetreten, weshalb nicht einseitig auf das Ergebnis der EFL
abgestellt werden dürfe. In der Arbeitszeit von 14 bis 15 Std. täglich sei auch die reine
Präsenzzeit mit eingerechnet.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 20. Oktober 2008 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
1.1 Grundlage der Bemessung des Valideneinkommens bildet jene erwerbliche
Situation, in der sich der Beschwerdeführer befinden würde, wenn er nicht krank
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geworden wäre. Diese hypothetische erwerbliche Situation wird als Validenkarriere
bezeichnet. Auf der Grundlage dieser Validenkarriere wird das Valideneinkommen
ermittelt. Meist besteht die Validenkarriere in der hypothetischen weiteren Ausübung
der letzten Arbeitstätigkeit, so dass das Valideneinkommen anhand jenes Lohnes zu
ermitteln ist, den die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt an ihrem letzten
Arbeitsplatz erzielen würde. In der angefochtenen Verfügung ist die
Beschwerdegegnerin noch davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer seinen
Imbissbetrieb in der im Zeitpunkt des Eintritts der Gesundheitsbeeinträchtigung
bestehenden Form als Selbständigerwerbender weitergeführt hätte. Der
Beschwerdeführer ist ebenfalls dieser Auffassung. In der Tat handelt es sich dabei um
die wahrscheinlichste hypothetische Validenkarriere des Beschwerdeführers. Das
Valideneinkommen ist deshalb anhand jenes Erwerbseinkommens zu ermitteln, das der
Beschwerdeführer erzielt hätte, wenn er gesund geblieben wäre und wenn er seinen
Imbissbetrieb in der bisherigen Form und bei unveränderten äusseren Verhältnissen
weitergeführt hätte.
1.2 Auch das zumutbare Invalideneinkommen ist anhand einer hypothetischen
erwerblichen Situation des Beschwerdeführers zu ermitteln. Das gilt allein schon
deswegen, weil der Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht. Die
Beschwerdegegnerin hat der Invalidenkarriere zunächst die Hypothese zugrunde
gelegt, dass der Beschwerdeführer trotz seiner Gesundheitsbeeinträchtigung nach
dem Verkauf des Imbissbetriebes einer behinderungsadaptierten Hilfsarbeit nachgehen
könnte. In der Beschwerdeantwort hat sie dann die Auffassung vertreten, der
Beschwerdeführer könnte weiterhin in seinem Imbissbetrieb selbständig erwerbstätig
sein. Sie ist also davon ausgegangen, dass der Verkauf des Imbissbetriebes im Jahr
2006 bei der Bestimmung der Invalidenkarriere ignoriert werden müsse. Diese
Auffassung ist zutreffend, denn nach Art. 16 ATSG (zumutbare Tätigkeit) hat eine
versicherte Person die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit bestmöglich erwerblich zu
verwerten. Die unzureichende oder gar vollständig unterbleibende Verwertung der
verbliebenen Arbeitsfähigkeit kann also keine Invalidität und damit auch keinen
Rentenanspruch begründen. Die effektiv bestehende erwerbliche Situation einer
versicherten Person ist demnach nur dann als Invalidenkarriere zu qualifizieren, wenn
es sich dabei um die bestmögliche Verwertung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit
handelt. Im vorliegenden Fall zwingt dies dazu, nicht nur eine Erwerbstätigkeit des
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Beschwerdeführers, sondern auch den Verkauf des Imbissbetriebes zu ignorieren bzw.
von einem hypothetischen weiteren Ausüben der bisherigen selbständigen
Erwerbstätigkeit im eigenen Imbissbetrieb auszugehen. Die Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Hilfsarbeit wäre nämlich eine in Bezug auf das
erzielbare Einkommen deutlich weniger vorteilhafte Umsetzung der
Restarbeitsfähigkeit, weil der Beschwerdeführer dabei nicht alle seine Fähigkeiten
(Unternehmergeist, Fähigkeit, Personal zu führen und zu motivieren usw.) zur Erzielung
eines Erwerbseinkommens zur Geltung bringen könnte. In der bisherigen selbständigen
Erwerbstätigkeit wäre ihm dies weiterhin möglich. Die Invalidenkarriere ist deshalb
diejenige einer hypothetischen selbständigen Erwerbstätigkeit im eigenen
Imbissbetrieb, soweit die Gesundheitsbeeinträchtigung dies noch zulässt.
1.3 Anders als der Lohn bei unselbständiger Erwerbstätigkeit hängt das Einkommen
aus einer selbständigen Erwerbstätigkeit nicht nur von der Arbeitsleistung ab. Die
selbständig erwerbstätige Person trägt nämlich ein vielfältiges Unternehmerrisiko, das
im Extremfall trotz eines hohen Arbeitseinsatzes zu einem Reinverlust führen kann
(beispielsweise wenn eine Forderung gegenüber einem Kunden durch dessen Konkurs
uneinbringlich wird). Die Vielzahl von Faktoren, die sich – bei unveränderter
Arbeitsleistung des Selbständigerwerbenden - auf die Höhe des Reingewinns
auswirken können, lässt es nur in besonders stabilen wirtschaftlichen Situationen zu,
die erwerbliche Leistungsfähigkeit einer versicherten Person anhand des aus der
selbständigen Erwerbstätigkeit vor und nach dem Eintritt des Gesundheitsschadens
erzielten Reingewinns zu bemessen, zumal jene Einnahmen ausser Betracht bleiben
müssen, die nicht direkt mit der Arbeitsleistung der versicherten Person im eigenen
Betrieb zusammenhängen. Im vorliegenden Fall liegen keine derartigen besonders
stabilen Verhältnisse vor. Das schliesst es aus, das Valideneinkommen des
Beschwerdeführers anhand der Reingewinne der letzten Jahre zu bemessen.
Insbesondere erweisen sich die vom Beschwerdeführer vorgeschlagenen Reingewinne
2002 bis 2004 auf jeden Fall als allzu schmale Vergleichsbasis. Der Imbissbetrieb ist
seit Herbst 2006 nicht mehr Eigentum des Beschwerdeführers, wird also von einer
anderen Person und damit anders geführt. Die von dieser Person erzielten Reingewinne
können nicht zur Bemessung des Valideneinkommens herangezogen werden. Damit
bleibt nur die Variante, diejenigen hypothetischen Reingewinne zu ermitteln, die der
Beschwerdeführer selbst mit seinem Imbissbetrieb in den Jahren ab 2006 bei voller
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Gesundheit erzielt hätte. Kann dies allerdings nicht gestützt auf die bis 2004 erzielten
Reingewinne und auch nicht gestützt auf die vom Nachfolger erzielten Reingewinne
geschehen, gerät der Versuch, das Valideneinkommen des Beschwerdeführers zu
beziffern, zu einem reinen Ratespiel. Das bedeutet, dass das Valideneinkommen nicht
mit ausreichender Wahrscheinlichkeit ermittelt werden kann. Nichts anderes gilt für das
zumutbare Invalideneinkommen des Beschwerdeführers aus selbständiger
Erwerbstätigkeit, denn der Beschwerdeführer hat den Imbissbetrieb ja gar nicht mehr.
Der 2005 erzielte Reingewinn ist selbst dann, wenn die Einnahmen aus
Versicherungsleistungen abgezogen werden, nicht repräsentativ, weil nicht bekannt ist
und auch nicht mehr mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ermittelt werden kann, in welchem Ausmass und mit welchem Einsatzfähigkeit der
Beschwerdeführer im eigenen Betrieb noch tätig gewesen ist. Damit steht fest, dass
weder ein Validen- noch ein zumutbares Invalideneinkommen ermittelt werden kann,
das die erwerbliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers ohne und mit dem
Gesundheitsschaden ausreichend genau wiederspiegeln würde. Der Invaliditätsgrad
kann deshalb nicht mittels eines regulären Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG
ermittelt werden.
1.4 In dieser Situation stellt die bundesgerichtliche Rechtsprechung eine Hilfsmethode
zur Ermittlung des Invaliditätsgrades zur Verfügung, nämlich den sogenannten
erwerblich gewichteten Betätigungsvergleich (vgl. etwa Ulrich Meyer-Blaser,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, S. 216). Im vorliegenden Fall muss dazu fingiert
werden, dass der Imbissbetrieb noch unverändert besteht und dass er weiterhin dem
Beschwerdeführer gehört. Nun ist anhand der ärztlichen Umschreibung der
verbleibenden qualitativen und quantitativen Arbeitsfähigkeit zu prüfen, wie und
gegebenenfalls in welchem Umfang der Beschwerdeführer bei der Arbeit in seinem
eigenen Betrieb eingeschränkt wäre, wie er diese Einschränkung durch betriebliche
Umstellungen und durch zusätzliche technische Installationen einschränken könnte
und welchen Wert eine allfällige verbleibende Leistungseinbusse des
Beschwerdeführers für den Betrieb hätte bzw. in welchem Umfang eine
Ersatzarbeitskraft "eingekauft" werden müsste. Der erwerblich gewichtete
Betätigungsvergleich hat den Vorteil, dass er äussere Umstände, die sich auf den
Reingewinn auswirken können, ausschaltet. Er ist seiner Natur nach auf die Folgen der
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behinderungsbedingten Leistungseinbusse des Beschwerdeführers beschränkt, liefert
also ein genaues Abbild der noch verbleibenden Leistungsfähigkeit. Die Schwierigkeit
besteht darin, den Wert dieser verbleibenden Leistungsfähigkeit für den Betrieb zu
beziffern. Der Imbissbetrieb des Beschwerdeführers hatte knapp 50 Sitzplätze und im
Sommer zusätzliche Sitzplätze vor dem Lokal. Beschäftigt waren dort fünf Personen.
Es handelte sich um einen Schnellimbiss, d.h. es wurde keine eigentliche
Restaurantküche geführt, wie die Auswahl der Speisen und der Getränke im Bericht
über die Abklärung vom 29. Juni 2007 belegt. In einem Betrieb dieser Art und Grösse
erfordern die Geschäftsleitung und die Administration keine Vollzeitbeschäftigung. Es
ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer neben der Geschäftsleitung
und der Administration in erheblichem Umfang Hilfsarbeiten (Grill, Service, Kasse,
Unterhalten der Gäste) ausgeführt hat. Nach der Aufstellung im Bericht über die
Abklärung vom 29. Juni 2007 hingen nur 20% der Arbeiten nicht unmittelbar mit der
Bewirtung zusammen, so dass sie an einem anderen Ort hätten ausgeführt werden
können. Die meisten Arbeiten im Zusammenhang mit der Bewirtung der Gäste (mit
Ausnahme wohl des Einkaufs, der aber auch durch einen Angestellten erledigt werden
konnte) waren körperlich leicht. Bei der Ausübung dieser Tätigkeiten hätte der
Beschwerdeführer also keine massgebliche Beeinträchtigung seiner Arbeitsfähigkeit in
Kauf nehmen müssen. Der immer wieder betonte Bedarf nach zwei Stunden
zusätzliche Pausen pro Tag kann nicht als Arbeitsunfähigkeit von einem Viertel
interpretiert werden, denn dieser Pausenbedarf hätte nur für wenige Monate nach der
Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit bestanden, d.h. der Beschwerdeführer ist in allen
adaptierten leichten Tätigkeiten als voll arbeitsfähig qualifiziert worden. Die
Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit ist rein qualitativer Art, einerseits durch die
Reduktion auf die körperlich leichten Arbeiten, andererseits durch die Notwendigkeit,
eine Zigarettenrauchexposition zu vermeiden. Die vom Beschwerdeführer geltend
gemachte Notwendigkeit, Fettdämpfe aus dem Grill zu meiden, ist nicht relevant, denn
diesem Problem hätte durch eine wirksame Dampfabführung praktisch vollständig
abgeholfen werden können. Ausserdem arbeiteten bis zu fünf Personen (z.T. teilzeitlich)
im Betrieb, so dass der Beschwerdeführer die Arbeit am Grill einem Arbeitnehmer hätte
übertragen können. Auch das Problem der Zigarettenrauchexposition (die nach dem
Inkrafttreten des Rauchverbots in Gaststätten ebenfalls weggefallen wäre) hätte durch
eine wirksame Entlüftung so weit entschärft werden können, dass es dem
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Beschwerdeführer zumutbar gewesen wäre, weiterhin im Lokal zu arbeiten. Es wäre
dem Beschwerdeführer möglich und zumutbar gewesen, seinen Imbissbetrieb mit
wirksamen Abluftsystemen auszurüsten. Damit wäre er in der Lage gewesen, die
krankheitsbedingte unzumutbare Fettdampf- und Rauchexposition zu vermeiden, d.h.
er hätte in seinem eigenen Betrieb vollumfänglich adaptierte Arbeiten ohne quantitative
Einschränkung ausüben können. Der Wert der trotz aller Massnahmen verbleibenden
Einschränkungen des Beschwerdeführers bei der Ausübung von Hilfsarbeiten in
seinem eigenen Betrieb waren auf jeden Fall so gering, dass die Anstellung eines
weiteren Hilfsarbeiters im Umfang des Ausfalls den Reingewinn jedenfalls nicht um
mindestens 40% hätte sinken lassen. Die Beschwerdegegnerin hat also zu Recht einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint.
2.
Dasselbe Ergebnis würde resultieren, wenn als Invalidenkarriere nicht die fiktive
Weiterführung der selbständigen Erwerbstätigkeit, sondern – als Folge des Fehlens
einer Berufsausbildung – eine Hilfsarbeit angenommen würde. Das Valideneinkommen
würde sich – entsprechend dem Durchschnitt der anlässlich der Abklärung an Ort und
Stelle erhobenen Reineinkommen für 2002 bis 2004 – auf Fr. 85'588.- belaufen.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers wären die Privatbezüge nicht
aufzurechnen, weil sie in den Erfolgsrechnungen auf der Einnahmenseite aufscheinen.
Dem Valideneinkommen von Fr. 85'588.- wäre ausgehend vom Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne aller Branchen gemäss der Tabelle TA1 der vom Bundesamt für
Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung 2004, umgerechnet von 40 auf den
schweizerischen Durchschnitt von 41,6 Wochenarbeitsstunden, ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 57'258.- gegenüberzustellen. Ein (fälschlicherweise so
genannter) Leidensabzug wäre nicht gerechtfertigt, da der Beschwerdeführer
gegenüber gesunden Hilfsarbeitern in einer adaptierten Hilfstätigkeit keinen relevanten
Konkurrenznachteil hätte. Die Erwerbseinbusse von Fr. 28'330.- entspräche einem
Invaliditätsgrad von lediglich 33%, so dass die Grenze von 40% ebenfalls nicht erreicht
wäre. Im übrigen könnte durchaus auch die Auffassung vertreten werden, der
Beschwerdeführer habe den Betrieb nicht aus objektiv medizinischen Gründen
verkauft, so dass er selbst dafür gesorgt habe, dass auch die Validenkarriere nicht
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mehr diejenige des selbständigen Unternehmers, sondern diejenige eines Hilfsarbeiters
sei. Das Valideneinkommen entspräche dann dem zumutbaren Invalideneinkommen.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Der
vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung; das entsprechende Begehren ist abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Da es sich diesbezüglich um einen
durchschnittlichen Fall handelt, erweist sich praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr.
600.- als angemessen. Diese ist durch den vom Beschwerdeführer geleisteten
Vorschuss in gleicher Höhe gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht