Decision ID: 955a2dbc-9844-5686-adac-a3d643f3d03a
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1980 geborene K._ war über die Arbeitslosenversicherung bei der Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am 6. August 2006 in Bosnien von
ihrem Bruder geschlagen und dabei verletzt wurde (Suva-act. 1). Nach einer
Erstbehandlung im Spital Bihac, Bosnien, am 7. August 2006 diagnostizierte Dr. med.
A._, Arzt für Allgemeine Medizin, im ärztlichen Zwischenbericht vom 30. September
2006 (Suva-act. 5) eine leichte Distorsion der HWS und eventuell eine leichte
Commotio cerebri sowie Kontusionen. Ab 21. August 2006 attestierte Dr. A._ wieder
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, woraufhin die Suva die Taggeldleistungen einstellte
(Suva-act. 6, 9). Mit Schreiben vom 10. Oktober 2006 (Suva-act. 10) teilte Dr. A._ mit,
dass die Versicherte am 3. Oktober 2006 die Arbeit krankheitsbedingt wieder
niederlegen musste. Im ärztlichen Zwischenbericht vom 10. November 2006 stellte Dr.
A._ die Diagnose einer möglichen reaktiven Depression. Vom 26. November bis 4.
Dezember 2006 erfolgte ein stationärer Aufenthalt in der Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (Suva-act. 25). Es wurde eine Lumbalgie mit Ausstrahlung in
die rechte untere Extremität diagnostiziert.
A.b Mit Verfügung vom 18. Januar 2007 (Suva-act. 30) teilte die Suva der Versicherten
mit, dass aus medizinischer Sicht die im Rahmen des Rückfalls geltend gemachten
Rückenbeschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das
Unfallereignis vom 6. August 2006 zurückzuführen seien. Sie könne demzufolge keine
Versicherungsleistungen erbringen. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache
wies die Suva mit Einsprache-Entscheid vom 12. März 2007 (Suva-act. 45) ab.
B.
B.a Gegen diesen Einsprache-Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Eliano
Mussato, Rorschach, im Namen der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 12.
April 2007 mit den Anträgen, die Verfügung vom 18. Januar 2007 und der Einsprache-
Entscheid vom 12. März 2007 seien aufzuheben und die Suva sei zu verpflichten, der
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Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung führt der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in der Beschwerdeergänzung vom 6.
September 2007 im Wesentlichen aus, dass eine psychisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen und der natürliche Kausalzusammenhang zwischen
Unfallereignis und eingetretenem Gesundheitsschaden zweifelsfrei gegeben sei. Die
Straftat habe sich im Elternhaus, einem Ort der besonderen Vertrautheit und Sicherheit,
ereignet. Der brutale Angriff habe eine monatelange ärztliche Behandlung ausgelöst.
Die besondere Eindrücklichkeit des Unfalls und die erfahrungsgemässe Eignung,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen, seien daher gegeben. Die noch
bestehenden Beschwerden seien adäquat-kausal zum Unfall.
B.b Mit Schreiben vom 8. Oktober 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin Abweisung
der Beschwerde. Auf eine Begründung wurde - unter Hinweis auf den Einsprache-
Entscheid - verzichtet, nachdem sich aus der Beschwerde keine neuen
entscheidwesentlichen Aspekte ergeben würden.
C.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ersuchte in der Beschwerde vom 12. April
2007 um eine (formlose) Verfahrenssistierung um eine private psychiatrische
Begutachtung in Auftrag geben zu können. Mit Schreiben vom 4. Juni 2007 hat der
Präsident des Versicherungsgerichts eine solche Verfahrenssistierung als nicht
angezeigt bezeichnet.

Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob nach dem 20. August 2006 noch natürliche und adäquate
Unfallfolgen vorliegen und demnach eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
besteht.
2.
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2.1 Gemäss ständiger Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) kann
ein nach einem versicherten Unfall aufgetretenes Leiden nur dann als dessen Folge
betrachtet werden, wenn und soweit es sicher oder doch zumindest überwiegend
wahrscheinlich von jenem Unfall herrührt (natürliche Kausalität; BGE 115 V 133 und
399 sowie 117 V 359 und 369). Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt
für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 119 V 338 und 118 V 289).
Der Unfallversicherer haftet sodann nur für jene Folgen, die mit dem Unfall adäquat-
kausal zusammenhängen, wobei für die Adäquanz nicht die subjektive, sondern die
objektive Voraussehbarkeit des eingetretenen Erfolgs entscheidend ist (SVR 2000 UV
Nr. 14 S. 45). Adäquat ist der Kausalzusammenhang dann, wenn ein Ereignis geeignet
ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass an andere Ursachen
vernünftigerweise nicht zu denken ist (BGE 117 V 359 und 112 V 30). Während es
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu
beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 123 III 110 E. 3a). Nicht jeder natürliche
Kausalzusammenhang ist zugleich in rechtlicher Hinsicht adäquat. Der adäquate
Kausalzusammenhang ist ein Korrektiv zum naturwissenschaftlichen Ursachenbegriff,
der vom Recht als natürliche Kausalität übernommen wurde, aber der Einschränkung
bedarf, um für die rechtliche Verantwortlichkeit tragbar zu sein und eine vernünftige
Begrenzung der Haftung zu ermöglichen (BGE 122 V 415 E. 2c und 123 III 110 E. 3a).
2.2 Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren
strukturellen Veränderungen (organisches Substrat konnte mit Bild gebenden
Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] nachgewiesen
werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne Weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar,
bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung
der adäquaten Kausalität, können doch gerade klinische Befunde erfahrungsgemäss
auch psychisch ausgelöst werden. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist
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zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma
erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140
E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass die versicherte
Person eine Schleudertraumaverletzung erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 366 E. 6a und 382 E. 4b festgelegten Kriterien (BGE 127 V
103 E. 5b/bb). Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten
Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die
psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den
organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind,
ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 E. 3b).
3.
3.1 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die von der Beschwerdeführerin
über den 20. August 2006 hinaus geklagten Beschwerden nicht mit klar ausgewiesenen
organischen Befunden im Sinn nachweisbarer struktureller Veränderungen erklärbar
sind. Die im Spital Bihac, Bosnien, durchgeführten röntgenologischen Untersuchungen
des Schädels und der HWS ergaben keine össären Veränderungen (Suva-act. 5). Eine
am 17. Oktober 2006 in der Klinik Stephanshorn, St. Gallen, durchgeführte cranio-
cerebrale Kernspintomographie ergab keine Hinweise auf posttraumatische Residuen
(Suva-act. 12). Eine am 1. Dezember 2006 im Kantonsspital St. Gallen durchgeführte
vertebro-spinale Kernspintomographie ergab einen altersentsprechenden normalen
Befund der Wirbelsäule, des Spinalkanals sowie des miterfassten Anteils des Myelons
(Suva-act. 23).
3.2 Kreisarzt Dr. med. B._ bestätigte im Schreiben vom 17. Januar 2007, dass im
Bereich der Wirbelsäule keine strukturellen Läsionen festgestellt werden konnten. Aus
medizinischer Sicht seien die im Rahmen des Rückfalls geltend gemachten
Rückenbeschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das
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Unfallereignis vom 6. August 2006 zurückzuführen. Mithin besteht zwischen den
geklagten Rückenbeschwerden und dem Unfallereignis kein natürlicher
Kausalzusammenhang, weshalb die Beschwerdegegnerin für die Rückenbeschwerden
zu Recht keine Versicherungsleistungen erbracht hat.
4.
4.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleuderverletzungen sowie bei äquivalenten Distorsionen der HWS (vgl. dazu RKUV
1999 Nr. 341 S. 408 E. 3b) auch ohne nachweisbare pathologische bzw. organische
Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten
können. Der Umstand, dass die für ein Schleudertrauma oder eine Distorsion der HWS
typischen Beschwerden nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen,
Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die
diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE 117 V 359 E. 5d/aa). Gemäss
den medizinischen Akten, insbesondere der Beurteilung von Dr. A._ vom 30.
September 2006 (Suva-act. 5), ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
beim Vorfall vom 6. August 2006 eine leichte Distorsion der HWS erlitten hat.
4.2 Ist ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS diagnostiziert
und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit,
Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl. auch
BGE 117 V 369 E. 3e). Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteile
vom 30. Januar 2007 [U 215/05] i/S T. und vom 15. März 2007 [U 258/06] i/S G.) muss
bei einer HWS-Verletzung das typische Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens
72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem
Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS manifestieren (RKUV 2000
Nr. 359 S. 29 E. 5e). Die andern im Rahmen eines Schleudertraumas oder einer HWS-
Distorsion typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in
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einem Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen.
4.3 Bei der Beschwerdeführerin sind laut Bericht des Spitals Bihac, Bosnien, vom 7.
August 2006 (Übersetzung Suva-act. 4) innerhalb der erforderlichen Latenzzeit
Schmerzen im Nackenbereich aufgetreten. Des Weiteren klagte die
Beschwerdeführerin über Übelkeit und Erbrechen, eine kurze Amnesie (nach Sturz auf
den Boden) sowie Zittern (Suva-act. 4, 5). Gemäss ärztlichem Zwischenbericht vom 10.
November 2006 (Suva-act. 13) meldete sich die Beschwerdeführerin am 3. Oktober
2006 bei Dr. A._ und klagte über Schlafstörungen, Angstzustände und eine
depressive Verstimmung. Am 7. Dezember 2006 teilte die Beschwerdeführerin mit,
dass sie unmittelbar nach dem Zwischenfall an Kopf- und Rückenschmerzen gelitten
habe. Ebenfalls habe sie Beschwerden im Nacken unterhalb des Hinterkopfs verspürt.
Gemäss Schreiben des Psychiatrischen Zentrums Rorschach vom 19. Januar 2007
waren zu Beginn der Behandlung - ab 18. Oktober 2006 - insbesondere massive
Schlafstörungen, depressive Stimmungslage mit Interessenverlust, Antriebsschwäche,
Morgentief, Gefühllosigkeit und sozialer Rückzug feststellbar. Suizidgedanken und
Zukunftsängste sowie Symptome, welche einer Panikstörung glichen, wurden ebenfalls
erhoben. Im Weiteren litt die Beschwerdeführerin unter sich aufdrängenden quälenden
Erinnerungen an das beschriebene Trauma, vegetativer Übererregtheit, übermässiger
Schreckhaftigkeit und gab emotionale Abgestumpftheit sowie Gleichgültigkeit
gegenüber anderen Menschen an. Im Bereich der Aufmerksamkeit und des
Gedächtnisses zeigten sich Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen. Im Affekt
imponierte sie ratlos, durch das Gefühl der Gefühllosigkeit und durch Störungen der
Vitalgefühle beeinträchtigt, deprimiert, hoffnungslos, ängstlich, innerlich unruhig,
klagsam und affektlabil. Insgesamt kann angesichts dieser Aktenlage vom Auftreten
eines typischen bunten Beschwerdebilds mit einer Häufung von Beschwerden
gesprochen werden, das als natürlich-kausale Unfallfolge einer Distorsion der HWS
betrachtet werden könnte.
4.4 Die Beschwerdeführerin teilte am 7. Dezember 2006 mit (Suva-act. 20), dass mit
der Psyche sofort Schwierigkeiten aufgetreten seien und sie deshalb bereits zwei Tage
nach dem Zwischenfall im Spital Bihac in Bosnien einen Psychiater aufgesucht habe.
Nach einer Untersuchung am 3. Oktober 2006 diagnostizierte Dr. A._ eine mögliche
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reaktive Depression und überwies die Beschwerdeführerin an das Psychiatrische
Zentrum Rorschach. Gemäss dessen Schreiben vom 19. Januar 2007 (Suva-act. 33)
wurde eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1) festgestellt. Die
Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht seit dem 18. Oktober 2006 100%
arbeitsunfähig. Unter diesen Umständen gilt es festzuhalten, dass die zum typischen
Beschwerdebild einer Distorsion der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar
(teilweise) vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Die Beurteilung des Kausalzusammenhangs hat dementsprechend
praxisgemäss nicht nach den für Schleudertraumen und schleudertraumaähnlichen
Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.), sondern nach den für psychische
Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen (BGE 123 V 98 ff.; RKUV
2002 Nr. U 465 S. 437 ff.).
5.
5.1 Bei der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und einer
anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 138 ff. Erw. 6,
bestätigt unter anderem in SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31) vom Unfallereignis auszugehen.
Dabei besteht ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und
dem Unfall, wenn dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der
Beschwerden zukommt. In objektivierter Betrachtungsweise werden die Unfälle nach
ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Beschwerden zu bewirken, eingeteilt in
banale und leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und in einen
dazwischen liegenden mittleren Bereich der mittelschweren Unfälle. Bei banalen
Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und
psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil
auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung davon ausgegangen werden darf, dass ein
solcher Unfall nicht geeignet ist, einen invalidisierenden psychischen
Gesundheitsschaden zu verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit in
der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken. Dabei gelten als schwer nur solche Unfälle, bei
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denen sämtliche Umstände, insbesondere die Dramatik des Unfallereignisses und die
Dauer desselben wie auch die somatischen Unfallfolgen eine für die versicherte Person
aussergewöhnliche Eindrücklichkeit aufweisen. Mithin können auch Unfälle, die im
Volksmund als schwer bezeichnet werden, keine der Rechtsprechung zur
obligatorischen Unfallversicherung entsprechende Schwere aufweisen. Bei Unfällen im
mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und psychisch bedingter
Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des
Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere, objektiv fassbare
Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als
direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung
einzubeziehen (BGE 115 V 139 Erw. 6a-c). Dabei müssen rechtsprechungsgemäss (vgl.
BGE 115 V 140 Erw. 6c; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 Erw. 2, 2001 UV Nr. 8 S. 32, je mit
Hinweisen) die weiteren unfallbezogenen Kriterien entweder in gehäufter oder
auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt
sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Als wichtigste Kriterien gelten dabei:
- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit
des Unfalls,
- die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere
ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen,
- ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung,
- körperliche Dauerschmerzen,
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert,
- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen,
- Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit.
5.2 Der Unfall vom 6. August 2006 ist bei der im Rahmen der Prüfung des adäquaten
Kausalzusammenhangs vorzunehmenden Katalogisierung aufgrund des
Geschehensablaufs sowie mit Blick auf die entsprechende Kasuistik (vgl. Rumo-Jungo,
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Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, UVG, 3. Aufl., S.
55 ff.) den mittelschweren Unfällen zuzuordnen. Die Frage nach der genaueren
Zuteilung innerhalb dieser Kategorie von Unfällen braucht vorliegend nicht beantwortet
zu werden, weil die nachfolgende Beurteilung zeigt, dass höchstens eines der dabei zu
erfüllenden Zusatzkriterien in wesentlichem Ausmass erfüllt ist. Ebenso kann die Frage
offen bleiben, ob es sich bei den bestehenden psychischen Gesundheitsstörungen um
eine natürliche Folge des versicherten Unfalls handelt, wenn der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Störungen und dem Unfall verneint
werden muss (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67).
5.3 Dem Vorfall vom 6. August 2006 ist eine gewisse Intensität nicht abzusprechen. Die
sich dabei stellende Frage, ob ein gewalttätiger Übergriff mit Verletzungsfolge durch
ein Familienmitglied von besonderer Eindrücklichkeit ist oder besonders dramatische
Begleitumstände beinhaltet, welche objektiv geeignet sind, bei Betroffenen psychische
Abläufe in Bewegung zu setzen, kann vorliegend offen gelassen werden. Denn selbst
wenn eine solche besondere Eindrücklichkeit zu bejahen wäre, könnte höchstens von
einem erfüllten Kriterium und - vorliegend - nicht von einer derartigen Intensität
ausgegangen werden, dass die Adäquanz deshalb gegeben wäre. Den medizinischen
Akten sind keine strukturellen Schädigungen oder äussere Verletzungen zu entnehmen,
weshalb das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung nicht
erfüllt ist. Anzeichen für eine fachärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen
erheblich verschimmert hätte, sind aus den medizinischen Akten nicht ersichtlich.
Mangels physischer Verletzung erübrigen sich auch die Fragen nach der Schwierigkeit
des Heilungsverlaufs und der Erheblichkeit von diesbezüglichen Komplikationen. Im
Zusammenhang mit der Frage der Dauer der ärztlichen Behandlung und der
körperlichen Dauerschmerzen ist zu beachten, dass wie bereits in den vorherigen
Erwägungen ausgeführt, die psychischen Beschwerden bereits unmittelbar nach dem
Unfall in den Vordergrund traten. Nachdem allerdings der psychische
Gesundheitsschaden nicht in die Adäquanzbeurteilung einbezogen werden darf (BGE
123 V 99 Erw. 2a), kann weder von einer langen ärztlichen Behandlungsdauer noch von
körperlichen Dauerschmerzen ausgegangen werden, dies umso mehr, als die
Beschwerdegegnerin bereits am 21. August 2006 wieder eine Arbeit aufgenommen hat.
Indem die ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit ausschliesslich auf psychische
Beschwerden zurückzuführen ist, kann auch das Kriterium des Grads und der Dauer
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der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht als erfüllt gelten. Nachdem die
psychischen Beschwerden somit nicht in einem adäquat-kausalen Zusammenhang mit
dem Unfallereignis stehen, ist die Beschwerdegegnerin nicht verpflichtet weitere
Versicherungsleistungen zu erbringen.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einsprache-Entscheids vom 12. März 2007 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG