Decision ID: 20cf2dbe-ca87-5fd0-ae42-725b5f1a09b6
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Das SEM lehnte das Asylgesuch des Gesuchstellers vom 27. Oktober 2019
mit Entscheid vom 10. Februar 2020 ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an.
B.
Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Urteil D-1443/2020 vom 18. März
2020 die dagegen erhobene Beschwerde des Gesuchstellers gut (Disposi-
tivziffer 1), hob die Verfügung des SEM vom 10. Februar 2020 auf und wies
die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Ent-
scheidung an das SEM zurück (Dispositivziffer 2). Es erhob keine Verfah-
renskosten (Dispositivziffer 3). Eine Parteientschädigung wurde nicht aus-
gerichtet (Dispositivziffer 4).
C.
Mit Eingabe vom 20. April 2020 reichte der Gesuchsteller ein Revisionsge-
such beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er beantragte, es sei die Ziffer 4
des vorgenannten Bundesverwaltungsgerichtsurteils D-1443/2020 revisi-
onsweise aufzuheben und ihm eine angemessene Parteientschädigung für
das Beschwerdeverfahren zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Bei-
ordnung seiner Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin für das
Revisionsverfahren.
Zur Begründung führte er an, das Bundesverwaltungsgericht habe ihm mit
Urteil D-1443/2020 keine Parteientschädigung zugesprochen und dies da-
mit begründet, dass er durch eine ihm vom Bund zugewiesene Rechtsver-
tretung im Sinne von Art. 102f Abs. 1 in Verbindung mit Art. 102h Abs. 3
AsylG (SR 142.31) vertreten worden sei und ihm keine Parteikosten ent-
standen seien. Das Gericht habe dabei aus Versehen die Tatsache nicht
berücksichtigt, dass er sich im erweiterten Verfahren und nicht mehr im
Verfahren in einem Bundeszentrum befunden habe. Es wäre ihm eine an-
gemessene Parteientschädigung zuzusprechen gewesen.
Dem Revisionsgesuch war eine Honorarnote der rubrizierten Rechtsver-
treterin vom 20. April 2020 beigelegt.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Gesuchsteller den Eingang
seines Revisionsgesuchs am 22. April 2020.
D-2123/2020
Seite 3

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG auf
dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme: Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Es
ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner
Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1).
1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VGG Anwendung.
1.3 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich
gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-
such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtskraft des angefochtenen Ur-
teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen (vgl.
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2. Aufl. 2013, S. 303 Rz. 5.36).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
2.
2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund
anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von
Art. 124 BGG darzutun.
2.2 In der vorliegenden Eingabe wird der Revisionsgrund der versehentli-
chen Nichtberücksichtigung von in den Akten liegenden erheblichen Tatsa-
chen geltend gemacht (Art. 121 Bst. d BGG).
2.3 Die Verletzung von Verfahrensvorschriften im Sinne von Art. 121 BGG
ist innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausferti-
gung des Entscheids geltend zu machen (Art. 124 Abs. 1 Bst. b BGG). Das
Urteil D-1443/2020 vom 18. März 2020 wurde dem Gesuchsteller am
27. März 2020 eröffnet, weshalb das Revisionsbegehren vom 20. April
2020 rechtzeitig ist. Auf das frist- und formgerecht eingereichte Revisions-
gesuch ist deshalb einzutreten.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/21
D-2123/2020
Seite 4
3.
Zu prüfen ist, ob das Spruchgremium im Verfahren D-1443/2020 eine in
den Akten liegende erhebliche Tatsache im Sinne des Art. 121 Bst. d BGG
versehentlich nicht berücksichtigt beziehungsweise übersehen hat.
4.
4.1 Asylsuchende Personen, deren Gesuch in einem Zentrum des Bundes
behandelt wird, haben Anspruch auf unentgeltliche Beratung und Rechts-
vertretung (Art. 102f Abs. 1 AsylG). Diese Rechtsvertretung dauert bis zur
Rechtskraft des Entscheides im beschleunigten (und im Dublin-)Verfahren
oder bis zum Entscheid über die Durchführung eines erweiterten Verfah-
rens (Art. 102h Abs. 3 AsylG). Bei einem Wechsel in das erweiterte Verfah-
ren im erstinstanzlichen Verfahren entfällt grundsätzlich der Anspruch auf
unentgeltliche Rechtsvertretung gemäss Art. 102f AsylG, im Beschwerde-
verfahren richtet sich der Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeistän-
dung dann nach Art. 102m AsylG.
4.2 Nach Prüfung der Beschwerdeakten D-1443/2020 sowie der Akten des
SEM (N 721 291) ist festzustellen, dass der Gesuchsteller am (...), somit
im Laufe des erstinstanzlichen Verfahrens, dem erweiterten Verfahren ge-
mäss Art. 26d AsylG zugewiesen wurde. Das Spruchgremium hat dies
übersehen und in der Folge dem Gesuchsteller keine Parteientschädigung
zugesprochen. Deshalb ist das Urteil des Bundesverwaltungsgericht
D-1443/2020 in Bezug auf die Dispositivziffer 4 fehlerhaft zustande gekom-
men.
4.3 Der Revisionsgrund des Art. 121 Bst. d BGG ist erfüllt, das Urteil ist in
diesem Punkt zu revidieren und die Dispositivziffer 4 ist aufzuheben.
5.
5.1 Die Parteientschädigung für das Beschwerdeverfahren ist im Rahmen
des vorliegenden Revisionsverfahrens festzusetzen.
Der vom Gesuchsteller in der Honorarnote vom 20. April 2020 für das Be-
schwerdeverfahren ausgewiesene Vertretungsaufwand von 5h 40min er-
scheint angemessen und der ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 150.–
bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). Die Auslagen werden in der Honorar-
note zwar lediglich pauschal mit Fr. 20.– ausgewiesen; sie erweisen sich
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indes für das Verfahren ebenfalls als angemessen, weshalb auf die Nach-
forderung einer spezifizierten Auflistung (das Bundesverwaltungsgericht
erstattet praxisgemäss keine Pauschalen, sondern nur die effektiven Aus-
lagen) verzichtet werden kann.
Die dem Gesuchsteller für das Verfahren D-1443/2020 zustehende Partei-
entschädigung beträgt demnach insgesamt Fr. 870.–. Das SEM ist anzu-
weisen, dem Gesuchsteller diesen Betrag auszurichten.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Revisionsverfahrens sind keine Kosten zu er-
heben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung für das Revisionsverfahren wird damit obso-
let.
6.2 Dem Gesuchsteller ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung von
Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Parteientschädigung für das
Revisionsverfahren zuzusprechen. Das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtsverbeiständung für das Revisionsverfahren wird damit ge-
genstandslos.
In der Honorarnote vom 20. April 2020 wird für das Revisionsverfahren ein
Aufwand von 2h 30min zu einem Stundensatz von Fr. 150.– geltend ge-
macht. Dieser Aufwand ist als angemessen zu erachten. Die vom Bundes-
verwaltungsgericht auszurichtende Parteientschädigung für das Revisions-
verfahren wird demnach auf insgesamt Fr. 375.– festgelegt.
(Dispositiv nächste Seite)
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