Decision ID: e0246f9c-0273-59f5-b556-9d89642392ba
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 2. Dezember 2014 in der Schweiz ein
erstes Asylgesuch. Mit Verfügung vom 17. April 2015 stellte das SEM fest,
er erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
B.
Die vom Beschwerdeführer gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde
vom 21. Mai 2015 wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
E-3306/2015 vom 8. Dezember 2016 vollumfänglich abgewiesen.
II.
C.
C.a Mit Eingabe seines heutigen Rechtsvertreters vom 11. Januar 2017 an
das SEM stellte der Beschwerdeführer unter Verweis auf Art. 18 AsylG (SR
142.31) ein neues Asylgesuch.
C.b Zur Begründung brachte er vor, nach Zustellung des Beschwerde-
urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. Dezember 2016 habe er mit
seiner Mutter Kontakt aufgenommen, die in der Folge seinen Vater veran-
lasst habe, sich am 20. Dezember 2016 mit ihm telefonisch in Verbindung
zu setzen. Er habe von seinem Vater erfahren, dass dieser sich derzeit
in B._ aufhalte. Gemäss dessen Angaben habe sich der Vater zu-
nächst einige Zeit im Grossraum Colombo versteckt und in dieser Zeit da-
rauf verzichtet, seine Familienangehörigen zu kontaktieren, um sie nicht zu
gefährden. Im Dezember 2016 sei es ihm schliesslich gelungen, eine Ar-
beitserlaubnis in B._ zu beschaffen und mithilfe eines Schleppers
unerkannt auszureisen. Sein Vater habe ihn ferner davon in Kenntnis ge-
setzt, dass auch sein älterer Bruder C._ sich nach seiner Verhaf-
tung im Jahr 2014 versteckt habe und ihm nun die Flucht nach D._
gelungen sei. Gemäss den Aussagen seines Vaters, sei C._, nach-
dem er nach dem Untertauchen des Vaters festgenommen worden sei, von
den Sicherheitskräften auch zur Verbindung von ihm und dem Beschwer-
deführer zu drei Cousins mütterlicherseits (Söhne einer Schwester der
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Mutter), befragt worden, welche bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) aktiv gewesen seien. Der älteste dieser Cousins sei 2002 im Kampf
für die LTTE umgekommen. Die beiden Anderen hätten bis 2011 respektive
2014 eine Rehabilitation durchlaufen müssen. C._ habe von dem
im Jahr 2014 aus der Rehabilitation entlassenen Cousin erfahren, dass
dieser nach wie vor ständig Verhören unterzogen werde, bei welchen er
vor allem auch zu seinen Kontakten zur seiner (des Beschwerdeführers)
Familie befragt werde. Die beiden noch lebenden Cousins hätten während
ihrer Tätigkeit für die LTTE regelmässig bei seiner Mutter Unterschlupf ge-
funden und so auch regen Kontakt zu ihm und seinem Bruder gepflegt. Die
sri-lankischen Behörden seien interessiert daran zu erfahren, ob und in
welcher Form er und sein Bruder persönlich den LTTE Hilfe geleistet hät-
ten. Demnach würden ihm im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht
nur wegen seines Vaters, sondern auch wegen seines Kontakts zu den
früher für die LTTE tätigen Cousins Verfolgungsmassnahmen drohen.
Der Bruder C._ sei deswegen bereits verfolgt worden und sei ins
Ausland geflüchtet. Diese neue Bedrohungslage müsse ausgehend von
den Feststellungen im Grundsatzentscheid E-1866/2015 des Bundesver-
waltungsgerichts geprüft werden, kombiniert mit den übrigen Risikofakto-
ren, die in seinem Fall gegeben seien, wie beispielsweise die Verwandt-
schaft mit einem flüchtigen und gesuchten LTTE-Aktivisten. Eine Nicht-
beachtung von vorhandenen Risikofaktoren aufgrund einer formellen Un-
zuständigkeit würde dem Prinzip des unverjährbaren und unverzichtbaren
Charakters der durch Art. 3 EMRK geschützten Grundrechte widerspre-
chen und gegen zwingende völkerrechtliche Bestimmungen verstossen.
C.c Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Kopie
der (...) Aufenthaltsbewilligung seines Vaters (Ablaufdatum: [...] Dezember
2017), ein durch E._ ausgestelltes Touristenvisum für seinen Bru-
der C._, ausgestellt am (...) November 2016, englische Überset-
zungen der Geburtsscheine seiner Mutter und von deren Schwester
F._ (Mutter der Cousins des Beschwerdeführers), einen Todes-
schein betreffend den ältesten Cousin, Rehabilitationsurkunde und IKRK-
Besucherkarte des Cousins G._ in Kopie sowie eine Integrations-
urkunde und eine IKRK-Besucherkarte des Cousins H._ ein.
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D.
Mit Verfügung vom 30. Januar 2018 − eröffnet am 8. Februar 2018 − stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Mehrfachgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Vollzug an.
E.
E.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 12. März 2018 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde und beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei wegen Ver-
letzung des Willkürverbots, eventualiter wegen Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör respektive der Begründungspflicht aufzuheben und
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Sache
zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sach-
verhalts und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. In weiteren
(Sub-)Eventualbegehren wurde die Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers sowie die Asylgewährung respektive die
Aufhebung der Dispositivziffern 5 und 6 der angefochtenen Verfügung und
die Feststellung der Unzulässigkeit oder zumindest der Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs beantragt. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
beantragte der Beschwerdeführer unter anderem die Bekanntgabe der mit
dem vorliegenden Verfahren betrauten Gerichtspersonen und die Bestäti-
gung ihrer zufälligen Auswahl. Weiter ersuchte er darum, das SEM sei an-
zuweisen, sämtliche nicht öffentlich zugänglichen Quellen seines Lage-
bildes vom 16. August 2016 zu Sri Lanka (die in der Beschwerdeschrift
einzeln aufgezählt werden) offenzulegen, wobei danach eine angemes-
sene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen sei.
E.b Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer zwei
Stellungnahmen seines Rechtsvertreters zu Lagebildern des SEM vom
5. Juli 2016 beziehungsweise vom 16. August 2016, Gerichtsakten betref-
fend zwei vor dem High Court in Vavuniya beziehungsweise dem High
Court Colombo geführte Gerichtsverfahren mit auszugsweiser englischer
Übersetzung, einen durch seinen Rechtsvertreter verfassten Lagebericht
zu Sri Lanka vom 12. Oktober 2017, eine Publikation des Eidgenössischen
Departements für auswärtige Angelegenheiten ("Strategie: Schwerpunkte
des zukünftigen Schweizer Engagements in Sri Lanka"), eine Publikation
der sri-lankischen Armee vom 22. September 2017 ("Swiss Analyst
& Envoy Learn About Well-being of Former Combatants"), ein Formular
Ersatzreisepapierbeschaffung des sri-lankischen Generalkonsulats, eine
Reihe von Artikeln und Berichten zur allgemeinen Situation in Sri Lanka
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sowie einen elektronischen Datenträger, enthaltend eine Vielzahl weiterer
Berichte und Medienartikel zur allgemeinen Lage in Sri Lanka (total 268
Dokumente) ein.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 29. März 2018 teilte der Instruktionsrichter
dem Beschwerdeführer wunschgemäss die voraussichtliche Zusammen-
setzung des Spruchgremiums mit; mit Bezug auf die Frage der zufälligen
Auswahl des Spruchkörpers wurde auf das Geschäftsreglement des Ge-
richts verwiesen. Das Gesuch um Offenlegung der nicht öffentlich zugäng-
lichen Quellen des Lagebildes des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka
wurde abgewiesen. Schliesslich wurde der Beschwerdeführer zur Einzah-
lung eines Kostenvorschusses innert Frist aufgefordert.
G.
Der geforderte Kostenvorschuss wurde am 13. April 2018 fristgerecht ein-
bezahlt.
H.
Mit Eingabe vom 13. April 2018 erneuerte der Beschwerdeführer die Ge-
suche um Bestätigung der zufälligen Zusammensetzung des Spruchgremi-
ums, um Offenlegung der Quellen des Lagebilds des SEM sowie um Ein-
räumung einer Frist zur Beschwerdeergänzung und reichte eine von sei-
nem Rechtsvertreter überarbeitete Fassung des SEM-Lagebilds vom
5. Juli 2016 zu den Akten.
I.
I.a Der Instruktionsrichter lud das SEM mit Verfügung vom 9. Januar 2018
zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
I.b In ihrer Vernehmlassung vom 23. April 2018 hielt die Vorinstanz an ihrer
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Namentlich führte das SEM aus, der Vorwurf, das Urteil des High Court von
Vavuniya sei nicht berücksichtigt worden, sei unberechtigt. Der Rechtsver-
treter habe es im vorliegenden Fall unterlassen darzulegen, inwiefern die-
ses rechtserheblich sein solle, obwohl er in zahlreichen anderen Verfahren
schon darauf verwiesen habe. Es bestünden zudem keine Anhaltspunkte
dafür, dass das passive Verhalten des Beschwerdeführers einem Kriegs-
verbrechen gleichgesetzt würde, wie es Gegenstand des genannten Ge-
richtsverfahrens gewesen sei. Es könne aus diesem Urteil keine pauschale
Verfolgung ehemaliger LTTE-Mitglieder abgeleitet werden. Daher habe
keine Veranlassung bestanden, dieses Urteil in der angefochtenen Ver-
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fügung zu erwähnen. Der Vorwurf einer Verletzung des rechtlichen Gehörs,
weil nicht auf die Fehlerhaftigkeit des BVGer-Urteils eingegangen worden
sei, sei rechtlich nicht nachvollziehbar und unhaltbar. Ebenso erweise sich
der Vorwurf einer Verletzung der Begründungspflicht als unbegründet.
J.
Mit Eingabe vom 9. Mai 2018 machte der Beschwerdeführer von dem ihm
(mit Instruktionsverfügung vom 24. April 2018) eingeräumten Recht zur
Replik Gebrauch. Dabei hielt er daran fest, dass es eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes darstelle, dass die Vorinstanz das ihr bekannte
Urteil des High Court von Vavuniya weder in der angefochtenen Verfügung
noch in der Vernehmlassung mitberücksichtigt und gewürdigt habe. Ferner
werde auch daran festgehalten, dass die Fehlerhaftigkeit des Beschwer-
deurteils des BVGer vom 8. Dezember 2016 in seinem ersten Asylverfah-
ren zu berücksichtigen gewesen wäre, da das SEM dafür verantwortlich
sei, dass es bei einer Umsetzung der Urteile der Beschwerdeinstanz nicht
zu Völkerrechtsverletzungen komme, und es im Falle einer durch den
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gerügten Verlet-
zung von Art. 3 EMRK verantwortlich wäre. Entgegen der Argumentation in
der Vernehmlassung sei in der angefochtenen Verfügung keine hinrei-
chende Auseinandersetzung mit den eingereichten Beweismitteln erfolgt.
Zudem würden weitere Unterlagen zur Stützung der geltend gemachten
Probleme seines Bruders C._ eingereicht. Dieser sei am (...) 2017
festgenommen und nach Sri Lanka ausgeschafft worden. Während eines
Verhörs durch die sri-lankischen Sicherheitskräfte sei er über seinen Vater
sowie den Beschwerdeführer befragt und gefoltert worden. Er befinde sich
immer noch in Haft, und es sei ein Verfahren gegen ihn eröffnet worden.
Seine Cousins seien drei- oder viermal für Befragungen vom Militär mitge-
nommen worden. Zum Beleg seiner Ausführungen reichte der Beschwer-
deführer persönliche Erklärungen betreffend den Bruder C._ sowie
seine Cousins, eine Kopie einer Quittung für die von seiner Mutter für den
Bruder bezahlten Gerichtskosten vom (...) 2017, sowie eine Kopie der
Identitätskarte der Mutter mit Übersetzung zu den Akten.
K.
Mit Eingabe vom 27. Februar 2020 machte der Beschwerdeführer eine
massiv verschlechterte menschenrechtliche und politische Situation in Sri
Lanka seit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten geltend,
welche bei der Prüfung seiner Asylvorbringen zu berücksichtigen sei. Zum
Beleg wurde ein von seinem Rechtsvertreter verfasster Länderbericht vom
23. Januar 2020 sowie eine CD-ROM mit Quellen zu den Akten gereicht.
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Ferner wurde beantragt, es sei abzuklären, ob Daten des Beschwerdefüh-
rers auf dem Mobiltelefon der von den sri-lankischen Behörden festgenom-
menen Angestellten der Schweizer Botschaft gewesen seien und von wel-
chen Daten die sri-lankischen Behörden Kenntnis erlangt hätten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts Anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgend erwähnten
Ausnahme − einzutreten.
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2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
In seiner Beschwerdeeingabe beantragte der Beschwerdeführer, es sei
ihm das für sein Verfahren zuständige Spruchgremium des Bundesverwal-
tungsgerichts bekanntzugeben und es sei deren zufällige Auswahl zu be-
stätigen. Das Spruchgremium wurde ihm in der Zwischenverfügung vom
29. März 2018 – unter Vorbehalt der Anwendung von Art. 111 AsylG bezie-
hungsweise allfälliger Stellvertretungen – mitgeteilt. Auf den (erneuerten)
Antrag auf Bestätigung der Zufälligkeit der Zusammensetzung des Spruch-
körpers ist nicht einzutreten, da kein verfassungsmässiger Anspruch auf
eine zufällige Zusammensetzung des Spruchkörpers besteht und demnach
das Bundesverwaltungsgericht nicht rechtlich verpflichtet ist, dem Rechts-
vertreter des Beschwerdeführers in jedem einzelnen Fall zu bestätigen,
dass der Spruchkörper zufällig zusammengesetzt worden ist (vgl. Teilurteil
des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4 mit Verweis auf Urteil des
BVGer E-1526/2017 vom 26. April 2017).
4.
4.1 In der Beschwerde werden im Weiteren verschiedene formelle Rügen
erhoben, welche vorab zu beurteilen sind: Der Beschwerdeführer rügt eine
Verletzung des Willkürverbots, des Rechts auf Akteneinsicht, des rechtli-
chen Gehörs und der Begründungspflicht sowie eine unvollständige und
unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts.
4.2
4.2.1 Der Antrag, es seien dem Beschwerdeführer alle nicht öffentlich zu-
gänglichen Quellen des Lagebilds des SEM vom 16. August 2016 offen-
zulegen, ist abzuweisen. Es werden in diesem – nebst einigen namentlich
nicht genannten Gesprächspartnern und anderen geheim gehaltenen Re-
ferenzen – überwiegend öffentlich zugängliche, verlässliche Quellen refe-
renziert, womit dem Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Ge-
hör Genüge getan ist (vgl. Urteil des BVGer D-6394/2017 vom 27. Novem-
ber 2017 E. 4.1). Davon klar zu unterscheiden ist der Fall, dass ein zur
Entscheidung herangezogener Dienstreisebericht nicht einmal in seinen
Grundzügen veröffentlicht wird (vgl. dazu das vom Beschwerdeführer zi-
tierte Urteil des BVGer D-3747/2011 vom 13. Juli 2012 E. 3.1.2 und 3.1.3).
http://links.weblaw.ch/BVGer-D-6394/2017
E-1542/2018
Seite 9
Entsprechend ist auch der Antrag auf Einräumung einer Frist zur Be-
schwerdeergänzung abzuweisen.
4.2.2 Die Frage, inwiefern sich ein Bericht auf verlässliche und überzeu-
gende Quellen abstützt und ob die darin gezogenen Schlussfolgerungen
korrekt sind oder nicht, beschlägt nicht das rechtliche Gehör des Be-
schwerdeführers, sondern spielt im Rahmen der materiellen Würdigung
der Parteivorbringen durch das Gericht eine Rolle (vgl. Urteil des BVGer
D-1042/2018 vom 23. April 2018 E. 6.9).
4.3 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29
VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die
Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft
und in der Entscheidungsfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in
der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1
VwVG). Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass
der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur
der Fall ist, wenn sich sowohl der von der Verfügung Betroffene als auch
die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen
können. Die verfügende Behörde kann sich auf die wesentlichen Gesichts-
punkte beschränken, hat aber wenigstens kurz die Überlegungen anzufüh-
ren, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid ab-
stützte. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs-
gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe-
nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In-
teressen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl.
KNEUBÜHLER/PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum
Bundesgesetz über das VwVG, 2. Aufl. 2019, N. 5 ff. zu Art. 35; BGE
136 I 184 E. 2.2.1, BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f. und 2007/30 E. 5.6
S. 366 f.).
Nach Art. 9 BV hat jede Person Anspruch darauf, von den staatlichen
Organen ohne Willkür behandelt zu werden.
4.4
4.4.1 Der Beschwerdeführer macht zunächst eine Verletzung des Willkür-
verbots geltend, weil die Vorinstanz qualifizierte Rechtsfehler begangen
habe, indem sie die von ihm mit dem zweiten Asylgesuch vom 11. Januar
2017 eingereichten Beweismittel nicht näher geprüft, den rechtserhebli-
chen Sachverhalt nicht in seiner Gesamtheit erfasst und namentlich den
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sich aus dem Urteil des High Court Vavuniya vom 25. Juli 2017 ergeben-
den neuen Erkenntnissen zur Verfolgungssituation in Sri Lanka keine Be-
achtung geschenkt habe.
4.4.2 Dazu ist festzuhalten, dass dem verfassungsmässigen Willkürverbot
im vorliegenden Verfahren keine eigenständige Bedeutung zukommt. Der
Beschwerdeführer kann sich nur in Verbindung mit anderen Bestimmungen
(z.B. rechtliches Gehör, Sachverhaltsabklärung oder korrekte juristische
Würdigung) auf das Willkürverbot berufen. Vor diesem Hintergrund enthält
sich das Bundesverwaltungsgericht der eigenständigen Prüfung einer Ver-
letzung von Art. 9 BV.
4.5
4.5.1 Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs, weil die Vorinstanz nicht auf die von ihm dargelegte Fehler-
haftigkeit des Beschwerdeurteils E-3306/2015 des Bundesverwaltungsge-
richts vom 8. Dezember 2016 eingegangen sei. Zudem habe die Vor-
instanz die Begründungspflicht verletzt, weil sie die konkreten Feststellun-
gen im Urteil E-3306/2015 betreffend das Profil seines Vaters nicht berück-
sichtigt, den rechtserheblichen Sachverhalt hiervon ausgehend nicht voll-
ständig festgestellt und geprüft sowie die Prüfung einer drohenden Re-
flexverfolgung unterlassen habe. Die vom Beschwerdeführer dargelegten
und mit Beweismitteln untermauerten familiären Verbindungen zu ehe-
maligen Unterstützern und Mitgliedern der LTTE seien nicht sorgfältig und
ernsthaft geprüft worden.
4.5.2 Die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers, welche dem
rechtskräftig abgeschlossenen ersten Asylverfahren zugrunde lag, kann
nicht Gegenstand einer erneuten materiellen Beurteilung im Rahmen eines
zweiten Asylverfahrens bilden (res iudicata; vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl.
2013, Rz. 1192). Die Rechtskraft liesse sich einzig mittels ausserordentli-
cher Rechtsmittel und unter Beachtung der hierfür im BGG beziehungs-
weise im VwVG verankerten strengen Voraussetzungen (und im Übrigen
unter Ausschluss blosser Entscheidkritik) beseitigen. Dass die Vorinstanz
die Ausführungen im schriftlichen Asylgesuch vom 11. Januar 2017 nicht
würdigte, soweit es sich um Kritik am genannten Beschwerdeurteil des
Bundesverwaltungsgerichts handelt, erweist sich demnach als rechts-
konform und ist entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht als
Gehörsverletzung zu qualifizieren.
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Seite 11
4.5.3 Das SEM tut seiner Begründungspflicht dann Genüge, wenn es im
Rahmen der Begründung die wesentlichen Überlegungen nennt, welche
es seinem Entscheid zugrunde legt. Die Vorinstanz hat nach Auffassung
des Gerichts in einer Gesamtwürdigung der wesentlichen Vorbringen und
Eingaben des Beschwerdeführers nachvollziehbar aufgezeigt, von wel-
chen Überlegungen sie sich leiten liess, und hat sich mit den wesentlichen
Vorbringen hinreichend auseinandergesetzt. Ein explizites Eingehen auf
jeden einzelnen Aspekt ist zur hinreichenden Nachachtung der Begrün-
dungspflicht nicht erforderlich. Dieser Anforderung ist das SEM im Rahmen
seiner Erwägungen zur Sache, welche eine umfassende Würdigung der
wesentlichen vorgebrachten Gesuchsgründe beinhalten, insgesamt
gerecht geworden. Letztlich ist der Entscheid so begründet, dass sich der
Beschwerdeführer über seine Tragweite in hinreichender Weise ein Bild
machen konnte. Wie die umfangreiche Beschwerdeschrift zeigt, war es ihm
denn auch ohne weiteres möglich, die vorinstanzliche Verfügung sachge-
recht anzufechten.
4.6
4.6.1 Ferner machte der Beschwerdeführer geltend, die Vorinstanz habe in
mehrfacher Hinsicht den Sachverhalt unvollständig beziehungsweise un-
richtig abgeklärt. Sie habe es insbesondere unterlassen, Abklärungen zu
seinen im zweiten Asylgesuch erwähnten Verwandten und deren Verfol-
gung zu treffen und die Echtheit der betreffend diese Personen eingereich-
ten Dokumente zu überprüfen. Zudem sei der Sachverhalt in Bezug auf die
Sicherheitslage in Sri Lanka unrichtig abgeklärt worden. Es werde auf ein
Urteil des High Courts in Vavuniya vom Juli 2017 verwiesen, aus dem sich
ergebe, dass jegliche – auch weit zurückliegende – Unterstützungstätigkei-
ten für die LTTE zur Einleitung eines politisch motivierten Strafverfahrens
führen könnten. Zudem sei das durch zahlreiche Länderberichte dokumen-
tierte erhöhte Verfolgungsrisiko vermögender Personen im Falle einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht berücksichtigt worden. In der angefochte-
nen Verfügung sei zwar auf das Referenzurteil E-1866/2015 des Bundes-
verwaltungsgerichts verwiesen worden; jedoch habe das SEM in der Folge
keine Prüfung der in diesem Urteil genannten Risikofaktoren vorgenom-
men, sondern sich an veralteter Rechtsprechung und dem fehlerhaften
eigenen Lagebild vom 16. August 2016 orientiert. Dieses sei bewusst
unsorgfältig und manipulativ verfasst worden und genüge daher den Anfor-
derungen an ernsthaft und korrekt erhobene Länderinformationen nicht.
Mit dem beiliegenden Bericht zur aktuellen Situation in Sri Lanka werde der
Beweis dafür erbracht, wie sich die Situation in seinem Heimatstaat derzeit
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Seite 12
tatsächlich präsentiere. Die Einschätzung des SEM, dass sich die Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka grundsätzlich verbessert habe, sei nicht
korrekt. Die allgemeine Sicherheitslage für die tamilische Bevölkerung
habe sich auch nach der Wahl des Präsidenten Sirisena nicht verbessert
und auch Personen mit einem geringfügigen politischen Profil könnten je
nach Konstellation des Einzelfalls Opfer von asylrelevanter Verfolgung
werden. Die gegenteilige Annahme der Vorinstanz, welche der angefoch-
tenen Verfügung zugrunde liege, beruhe auf einer falschen Sachverhalts-
abklärung. Schliesslich habe es das SEM unterlassen, die regelmässig er-
folgende asylrelevante Verfolgung aufgrund der im Zusammenhang mit der
Ersatzreisepapier-Beschaffung beim sri-lankischen Generalkonsulat in
Genf standardmässig durchgeführten "Background Checks" zu thematisie-
ren (vgl. Beschwerde S. 21 ff.).
4.6.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung auf die geringe
Beweiskraft der eingereichten Unterlagen hin und stellte damit die Glaub-
haftigkeit der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Veränderung der
Sachverhaltslage seit dem Abschluss des ersten Asylverfahrens in Frage;
letztlich wies sie das Mehrfachgesuch mit der Begründung ab, aus den
Vorbringen lasse sich nicht auf eine asylrelevante Gefährdung schliessen.
Es ist nicht zu beanstanden, dass das SEM keine weiteren Abklärungen
zur Verifizierung der Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers traf,
da solche nichts Wesentliches zur Entscheidfindung beigetagen hätten.
4.6.3 Im Übrigen vermengt der Beschwerdeführer mit seiner Rüge der
unrichtigen Sachverhaltsabklärung die Frage der Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts mit derjenigen der rechtlichen Würdigung der
Sache. Ob die Beweiswürdigung, die Glaubhaftigkeitsprüfung sowie die
Lageeinschätzung des SEM zutreffend sind, betrifft nicht das rechtliche
Gehör oder die Erstellung des Sachverhalts, sondern ist eine Frage der
rechtlichen Würdigung der Sache, bei welcher es um die materielle Ent-
scheidung über die vorgebrachten Asylgründe geht. Der angefochtenen
Verfügung ist zu entnehmen, dass das SEM sich unter Verweis auf das
Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 mit allfälligen Risikofaktoren
des Beschwerdeführers auseinandergesetzt hat. Alleine der Umstand,
dass das SEM auf der Basis einer breiten Quellenlage einer anderen Ein-
schätzung der allgemeinen Lage in Sri Lanka folgt als vom Beschwerde-
führer gefordert, lässt nicht auf eine ungenügende oder unvollständige Ab-
klärung des Sachverhalts schliessen. Das Gleiche gilt, wenn das SEM ge-
stützt auf seine Quellen und die Akten des vorliegenden Verfahrens die
Asylvorbringen anders würdigt als der Beschwerdeführer. Insbesondere
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Seite 13
stellt das Vorbringen, das SEM habe sich nicht an der aktuellen Praxis
orientiert und sich nicht auf aktuelle Länderinformationen abgestützt, eine
Kritik an der Würdigung des Sachverhalts durch das SEM und mithin eine
Kritik in der Sache selbst dar (vgl. dazu Urteil des BVGer D-2659/2016 vom
9. September 2016 E. 6.5 mit Verweis auf Urteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 3.2.3 [als Referenzurteil publiziert]). Die Rüge, die
Vorinstanz habe den Sachverhalt falsch abgeklärt, ist nach dem Gesagten
unberechtigt. Für spezifische Abklärungen im Zusammenhang mit der Be-
schaffung von Reisepapieren bestand und besteht ebenso wenig Veran-
lassung.
4.7 Die verfahrensrechtlichen Rügen des Beschwerdeführers erweisen
sich nach dem Gesagten als unbegründet, weshalb keine Veranlassung
besteht, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben
und ans SEM zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Kassationsbegehren
sind somit abzuweisen.
5.
5.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, die vom Be-
schwerdeführer neu eingereichten Beweismittel hätten kaum Beweiswert,
zumal sie nur in Form von leicht fälschbaren Kopien vorliegen würden. Un-
geachtet der Frage der Glaubhaftigkeit seien die Vorbringen im neuen Asyl-
gesuch aber jedenfalls in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht nicht relevant.
Die geltend gemachte Verwandtschaft zu den Cousins des Beschwerde-
führers, welche LTTE-Aktivisten gewesen seien, sei zwar als Risikofaktor
im Sinne des Referenzurteils E-1866/2015 zu bewerten. Dies alleine führe
aber nicht zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Die Aktivitäten der
Cousins des Beschwerdeführers für die LTTE würden angesichts der heu-
tigen Situation in Sri Lanka nicht per se auf eine flüchtlingsrechtlich rele-
vante Gefährdung schliessen lassen. Sein Bruder C._ und die
Cousins seien nach Angaben des Beschwerdeführers zwar verhaftet und
befragt, aber immer wieder freigelassen worden. Es würden sich aus sei-
nen Schilderungen keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sie Nachteile
im Sinne von Art. 3 AsylG erlitten hätten. Angesichts der vergleichsweise
viel geringeren Risikoexposition des Beschwerdeführers erscheine es
höchst unwahrscheinlich, dass die sri-lankischen Behörden ein weiter-
gehendes Interesse an ihm haben könnten und er ernsthafte Nachteile zu
befürchten habe. Er sei im Zeitpunkt der Beendigung der Kampfhandlun-
gen im Jahre 2009 erst (...)-jährig gewesen und dürfte somit aufgrund sei-
nes jugendlichen Alters kaum in den Fokus der Behörden geraten sein.
E-1542/2018
Seite 14
Zusammenfassend sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-
rer in den Augen der sri-lankischen Sicherheitskräfte als eine Person gelte,
die eine besonders enge Beziehung zur LTTE gepflegt habe; es bestehe
damit kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer
Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde.
Zur Vermeidung von Wiederholungen könne auf die Erwägungen in der
Verfügung vom 17. April 2015 sowie dem Urteil D-3306/2015 des Bundes-
verwaltungsgerichts verwiesen werden.
5.2 Der Beschwerdeführer begründete seine Beschwerde in materieller
Hinsicht im Wesentlichen damit, die sri-lankischen Sicherheitskräfte wür-
den zweifellos neue Untersuchungsverfahren gegen seinen Vater sowie
gegen seine beiden Cousins vorbereiten, da der Verdacht bestehe, diese
hätten sich weitaus mehr für die LTTE engagiert, als sie bisher zugegeben
hätten. Die Vorinstanz habe die im vorangegangenen Asylverfahren fest-
gestellte Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zum politischen Engagement
seines Vaters sowie die sich für ihn aus dem dargelegten Sachverhalt er-
gebenden Risikofaktoren nicht in ihrer Gesamtheit gewürdigt und die im
Rahmen der Papierbeschaffung zu erwartende Backgroundabklärung
durch die Terrorbekämpfungsbehörden nicht berücksichtigt. Es sei davon
auszugehen, dass sein langjähriger Aufenthalt im Ausland, seine illegale
Ausreise und das Leben in der tamilischen Diaspora sowie die Kontakte zu
seinem Vater und seinem Bruder zu einer Reflexverfolgung führen würden.
Es sei im Falle einer Rückschaffung eine Verletzung seiner durch Art. 3
EMRK geschützten Rechte zu erwarten. Im Weiteren sei auch der Ausgang
der Kommunalwahlen in Sri Lanka vom 10. Februar 2018 für die Beurtei-
lung der Sicherheitslage abgewiesener tamilischer Asylsuchender von er-
heblicher Bedeutung. Die Machtübernahme durch den früheren Präsiden-
ten Rajapaksa stelle einen neuen rechtserheblichen Sachverhalt dar, da
nunmehr abgewiesene tamilische Asylsuchende, welche im Ausland gelebt
hätten, bei einer Rückkehr weitaus stärker von Verfolgungshandlungen be-
droht seien. In Bezug auf die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zugs sei festzustellen, dass gemäss dem Urteil des EGMR X. gegen
Schweiz, Nr. 16744/14 eine Risikoanalyse äusserst gründlich zu erfolgen
habe und im Zweifel zugunsten der Asylsuchenden zu entscheiden sei.
Ferner habe gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts in
Anbetracht des zwingenden Charakters des Non-Refoulement-Gebots
eine Überprüfung von Asylvorbringen selbst dann zu erfolgen, wenn einer
solchen formelle Gründe entgegenstehen sollten. Es müsse aufgrund der
E-1542/2018
Seite 15
gut dokumentierten Ereignisse bei der Rückschaffung tamilischer Asylsu-
chender davon ausgegangen werden, dass jeder nach Sri Lanka zurück-
geschaffte tamilische Asylsuchende jederzeit Opfer einer Verhaftung und
von Verhören unter Anwendung von Folter werden könne. Im Weiteren
liege auch eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG vor,
da er dem Risiko ausgesetzt sei, jederzeit Opfer eine Festnahme, Ver-
schleppung oder Tötung durch die Sicherheitskräfte oder paramilitärischer
Kräfte zu werden. Zurückkehrenden Tamilen würden bereits am Flughafen
Verhöre und eine Verhaftung drohen, verbunden mit dem Risiko von Miss-
handlungen. Es sei deshalb von der Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs auszugehen. Die Behörden würden im Fall seiner Rückkehr sofort
im Bilde sein über die politische Vergangenheit von ihm und seinen Ange-
hörigen. Es könne nicht bestritten werden, dass er sich den standardisier-
ten Verhören nicht entziehen könnte. In solchen Verhören bestünde eine
Gefahr für Leib und Leben.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Prüfungsgegenstand des vorlie-
gend zu beurteilenden zweiten Asylgesuchs des Beschwerdeführers nur
neue Sachverhaltselemente sein können, die sich nach dem Abschluss
des ersten Asylverfahrens ereignet haben; hingegen besteht kein Raum für
eine erneute Überprüfung von Umständen, die bereits Gegenstand des
vorangegangenen Verfahrens waren.
E-1542/2018
Seite 16
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach
Sri Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus Europa
respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht ge-
nerell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausge-
setzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurtei-
lung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form
von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren.
Dabei handelt es sich um tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindungen zu den LTTE, um die Teilnahme an exil-
politischen regimekritischen Handlungen und um das Vorliegen früherer
Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam-
menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE
(sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem
gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen
ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach
Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise zurückgeführt werden oder
die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka
zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach
risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht
wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren
eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben.
Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine
begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG
haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird,
dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu
lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
7.3 Das Gericht gelangt in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum
Schluss, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers in seinem zweiten
Asylverfahren nicht darauf schliessen lassen, dass er einer der obenge-
nannten Risikogruppen angehört und ihm aufgrund dessen die Flüchtlings-
eigenschaft zuzuerkennen wäre.
7.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er habe nach dem Abschluss
des ersten Asylverfahrens erfahren, dass sein Vater zunächst in Colombo
untergetaucht sei und sich seit Dezember 2016 in B._ aufhalte, ist
Folgendes festzustellen:
E-1542/2018
Seite 17
7.4.1 Bereits im ersten rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren wurde
vorgebracht, sein Vater habe seine Familie vor seinem Verschwinden dar-
über informiert, dass er nach Colombo gehen wolle, um seine Flucht ins
Ausland zu organisieren (vgl. Beschwerdeschrift vom 20. Mai 2015 S. 6).
Angesichts dessen sowie der eingereichten Beweismittel kann der geltend
gemachte Aufenthalt des Vaters in B._ zwar nicht von vornherein
als unglaubhaft erachtet werden. Die Darstellung, der Beschwerdeführer
habe von der Ausreise seines Vaters erst durch einen Telefonanruf von die-
sem Kenntnis erhalten, welchen seine Mutter angesichts der ihm drohen-
den Rückschaffung nach Sri Lanka veranlasst habe, erscheint aber kon-
struiert und wenig plausibel. Nach Aussagen des Beschwerdeführers habe
sein Vater eine "vorläufig für ein Jahr gültige Arbeitserlaubnis für
B._" erhalten (vgl. Eingabe vom 11. Januar 2017 S. 4). Gemäss
dem auf dem "Residency Permit" verzeichnete Ablaufdatum (Expiry) vom
(...) Dezember 2017 wurde die Aufenthaltsbewilligung demnach am (...)
oder (...) Dezember 2016 ausgestellt. Dies lässt sich aber nicht in Einklang
bringen mit dem vom Beschwerdeführer genannten Datum des Telefonan-
rufs seines Vaters aus B._ ([...] Dezember 2016; vgl. a.a.O. S. 3).
Die behauptete Chronologie erscheint auch aus folgendem Grund unplau-
sibel: Gemäss Aussage des Beschwerdeführers reiste sein Vater nach Er-
halt des Arbeitsvisums mithilfe eines Schleppers illegal aus Sri Lanka aus
(vgl. a.a.O. S. 4). Demnach dürfte seine Einreise in B._ frühestens
einige Tage nach Erhalt des Visums erfolgt sein. Der derzeitige Rechtsver-
treter wurde vom Beschwerdeführer am 3. Januar 2017 mandatiert und
aufgrund neuer Ereignisse mit der Prüfung eines neuen Gesuchs beauf-
tragt (vgl. Akteneinsichtsgesuch vom 3. Januar 2017 Akten SEM A24/3).
Hieraus ergibt sich eine Zeitspanne von höchstens wenigen Tagen zwi-
schen dem mutmasslichen Einreisezeitpunkt des Vaters in B._ und
der Einleitung des zweiten Asylverfahrens. Dass der Beschwerdeführer in-
nerhalb dieses äusserst kurzen Zeitraums die behaupteten neuen Informa-
tionen von seinem Vater erhalten und sich zur Einleitung eines neuen Asyl-
gesuchs entschlossen haben soll, muss als wenig realistisch bezeichnet
werden. Die zu den Akten gereichte Kopie der Aufenthaltsbewilligung des
Vaters ist zwar als Indiz dafür zu bewerten, dass dieser sich im Zeitraum
von Dezember 2016 bis Dezember 2017 in B._ aufgehalten hat;
dies schliesst aber nicht aus, dass er bereits zu einem früheren Zeitpunkt
über eine derartige Bewilligung verfügte und in B._ Wohnsitz nahm.
7.4.2 Nach dem Gesagten besteht Anlass zu Zweifeln, dass es sich bei
diesem Vorbringen tatsächlich um ein erst nach Abschluss des ersten Asyl-
verfahrens eingetretenes Sachverhaltselement handelt.
E-1542/2018
Seite 18
7.4.3 Darüber hinaus ist der behaupteten Flucht des Vaters des Beschwer-
deführers nach B._ nach Auffassung des Gerichts aber auch keine
asylrechtliche Relevanz beizumessen. Im Urteil E-3306/2015 des Bundes-
verwaltungsgerichts vom 8. Dezember 2016 wurde eine begründete Furcht
des Beschwerdeführers vor Reflexverfolgung verneint, mit der Argumenta-
tion, er habe bis zu seiner Ausreise trotz des Verschwindens seines Vaters
keine asylrelevanten Nachteile erlitten, was auf ein fehlendes Verfolgungs-
interesse der sri-lankischen Behörden an ihm schliessen lasse. Es ist nicht
ersichtlich, wieso der Umstand, dass gemäss Angaben des Beschwerde-
führers sein Vater sich nicht mehr im Heimatstaat verstecke, sondern sich
nunmehr im Ausland (B._) aufhalte, zu einem gesteigerten Verfol-
gungsinteresse der sri-lankischen Behörden führen könnte. Das Vorbrin-
gen in der Beschwerdeschrift, es sei den sri-lankischen Behörden im Rah-
men des Screening Prozesses über die Jahre klargeworden, dass der Va-
ter nicht ein einfaches LTTE-Mitglied gewesen sei, sondern wichtiger Auf-
gaben innegehabt habe, und dass sie über dessen Tätigkeit für den Ge-
heimdienst der LTTE zunehmend Bescheid gewusst hätten (vgl. B10/50
S. 11), muss als rein spekulativ bezeichnet werden. Aus den Akten ergibt
sich keine stichhaltige Grundlage für eine solche Vermutung.
7.5
7.5.1 Ebenso rechtfertigt es sich nicht, aus den Vorbringen betreffend den
Bruder C._ des Beschwerdeführers und seine Cousins auf eine be-
gründete Verfolgungsfurcht zu schliessen:
7.5.2 Der Beschwerdeführer brachte mit Eingabe vom 9. Mai 2018 vor,
C._ sei nach D._ geflohen und im (...) 2017 von dort nach
Sri Lanka ausgeschafft worden, wo er verhaftet und ein Strafverfahren ge-
gen ihn eingeleitet worden sei. Den zum Beleg dieser Aussagen einge-
reichten Beweismitteln kann schon deshalb nur ein reduzierter Beweiswert
beigemessen werden, weil sie lediglich in Form von wenig fälschungssi-
cheren Kopien vorliegen. Zudem vermag das Visum von C._ für
E._ höchstens dessen Aufenthalt in D._ zu belegen, nicht
aber den behaupteten Hintergrund desselben. Die Quittung betreffend die
Bezahlung von Gerichtskosten durch die Mutter von C._ und dem
Beschwerdeführer ist nicht geeignet, die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers zu untermauern, da diesem Dokument keine Angaben über den Ge-
genstand des betreffenden Gerichtsverfahrens zu entnehmen sind. Die an-
gekündigte Übersetzung dieses Dokuments wurde bisher nicht eingereicht.
Zudem wurden vom Beschwerdeführer auch keine näheren Angaben zur
E-1542/2018
Seite 19
aktuellen Situation seines Bruders, insbesondere zum Stand des genann-
ten Strafverfahrens gemacht. Insgesamt ergeben sich aus diesen Vorbrin-
gen keine hinreichend substanziierten Hinweise auf eine im heutigen Zeit-
punkt bestehende begründete Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers.
7.6
7.6.1 Beim Vorbringen, der Beschwerdeführer habe erfahren, dass
C._ nach dessen Verhaftung im Jahr 2014 auch zu ihren drei Cous-
ins befragt worden sei, die für die LTTE tätig gewesen seien und eine enge
Verbindung zu seiner Familie gepflegt hätten, handelt es sich nicht um eine
nachträglich veränderte Sachlage, sondern um ein Sachverhaltselement,
welches sich bereits vor dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
8. Dezember 2016 verwirklicht hätte, jedoch im Laufe des ersten Asylver-
fahrens vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht wurde. Dieses Vor-
bringen wäre somit letztlich nicht im Rahmen des zweiten Asylgesuchs zu
beurteilen, sondern vom Bundesverwaltungsgericht unter revisionsrechtli-
chen Gesichtspunkten zu prüfen.
7.6.2 Der durch einen Rechtsanwalt vertretene Beschwerdeführer hat kein
Revisionsbegehren gestellt, weshalb diese Vorbringen im Rahmen des
vorliegenden Verfahrens nicht abschliessend zu beurteilen sind. Immerhin
kann an dieser Stelle festgehalten werden, dass bei der heutigen Akten-
lage nicht ersichtlich zu werden scheint, weshalb es ihm nicht möglich ge-
wesen sein sollte, eine Verfolgungsfurcht aufgrund des politischen Profils
seiner drei Cousins bereits im ordentlichen Asylverfahren geltend zu ma-
chen. Auch wenn er im Zeitraum von deren Engagement für die LTTE noch
im Kindesalter war, dürfte davon ausgegangen werden, dass er hiervon
Kenntnis hatte, zumal diese Personen sich gemäss seiner Darstellung wie-
derholt bei seiner Familie aufhielten und engen Kontakt zu dieser pflegten.
Wenig unplausibel erscheint, dass der Beschwerdeführer von der Befra-
gung seines Bruders zu diesen Personen im Jahr 2014 erst nach
Abschluss des ersten Verfahrens Kenntnis erhalten haben soll. Bereits im
ersten Asylverfahren brachte er vor, er und sein Bruder seien in jenem Jahr
wiederholt zu den Tätigkeiten ihres Vaters befragt worden und sein Bruder
sei mitgenommen worden (vgl. Urteil des BVGer E-3306/2015 vom 8. De-
zember 2016 S. 3; Protokoll Anhörung Akten SEM A6/26 S. 8 f. F74 und
S. 15 ff. F123 ff.).
E-1542/2018
Seite 20
7.6.3 Abgesehen davon vermöchten die geltend gemachten Umstände das
Risikoprofil des Beschwerdeführers nicht entscheidend zu schärfen. Insbe-
sondere ist darauf hinzuweisen, dass er gemäss seinen Angaben vor sei-
ner Ausreise keine konkreten Verfolgungsmassnahmen im Zusammen-
hang mit den genannten Personen erlitt. Ein weiterhin bestehendes Verfol-
gungsinteresse der sri-lankischen Behörden an den beiden noch lebenden
Cousins des Beschwerdeführers erscheint als unwahrscheinlich, zumal
diese vor längerer Zeit bereits eine Rehabilitation durchlaufen haben sol-
len.
7.6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Gründe dargetan
wurden, die eine Neubeurteilung des Sachverhalts rechtfertigen könnten.
7.7 Dem Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei aufgrund der Daten-
übermittlung der schweizerischen Behörden an die sri-lankischen Behör-
den bei einer Rückkehr einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt, kann
nicht gefolgt werden. Bei der Ersatzreisepapierbeschaffung handelt es sich
um ein standardisiertes, lang erprobtes und gesetzlich geregeltes Ver-
fahren, bei welchem nur die zulässigen, zur Identifikation des Beschwer-
deführers notwendigen Daten übermittelt werden. Es ist nicht davon aus-
zugehen, dass der Beschwerdeführer deshalb in den Fokus der sri-
lankischen Behörden geraten sein soll beziehungsweise geraten wird. Die
diesbezüglich vom Beschwerdeführer gemachten Vorbringen sind denn
auch weitgehend als Mutmassungen einzustufen, die er nicht zu belegen
vermag (vgl. auch BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3).
7.8
7.8.1 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lässt schliesslich
auch die aktuelle allgemeine Situation in seinem Heimatstaat nicht auf eine
asylrelevante Gefährdung schliessen.
7.8.2 Die aktuelle Lage in Sri Lanka ist zwar – besonders nach den An-
schlägen vom Ostersonntag 2019 – als angespannt zu beurteilen. Nach
den Feststellungen des Gerichts ist aber nicht von einer generell erhöhten
Gefährdung von zurückkehrenden sri-lankischen Staatsangehörigen tami-
lischer Ethnie auszugehen, zumal der seither verhängte Ausnahmezustand
vier Monate nach dessen Inkraftsetzung am 20. August 2019 wieder auf-
gehoben beziehungsweise nicht verlängert worden ist.
E-1542/2018
Seite 21
7.8.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Prä-
sidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka
kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.
theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-raja-
paksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5.3.2020). Gotabaya
Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten
Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidi-
gungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journa-
listinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem
wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsver-
brechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl.
Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz
nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum
Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in
die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja-
paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche
Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.aninews.
in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-raja-
paksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen am 4.3.
2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten befürchten ins-
besondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Men-
schenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten,
Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische
Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten,
21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament
vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident
löst das Parlament auf, 3.3.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri
Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.2.2020). Dennoch gibt es
zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Macht-
wechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall
zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Prä-
E-1542/2018
Seite 22
sidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen be-
steht (vgl. zum Ganzen etwa die BVGer-Urteile D-6268/2019 vom 24. März
2020 E. 5.1, D-1466/2020 vom 23. März 2020 E. 5.5) oder E-1156/2020
vom 20. März 2020 E. 6.2).
7.8.4 Die in der Beschwerde geltend gemachte Befürchtung einer weiteren
Verschärfung der politischen wie auch der Sicherheits- und Menschen-
rechtslage in Sri Lanka nach der Wahl des neuen Präsidenten Gotabaya
Rajapaksa geht kaum über blosse Mutmassungen hinaus. Die zahlreichen
vom Beschwerdeführer eingereichten Medienberichte und die Lagebe-
richte seines Rechtsvertreters vermögen keine andere Einschätzung zu
rechtfertigen, da eine konkrete Verbindung der darin enthaltenen allgemei-
nen Feststellungen zu ihm und seiner persönlichen Situation nicht erkenn-
bar ist.
7.8.5 Ebenso kann der Argumentation einer sich aus der kürzlich erfolgten
Verhaftung einer sri-lankischen Mitarbeiterin der Schweizerischen Bot-
schaft in Colombo ergebenden Gefährdung nicht gefolgt werden, da kein
individueller Bezug dieses Vorkommnisses zum Beschwerdeführer ersicht-
lich ist. Gemäss Auskunft dieser Vertretung an das Bundesverwaltungsge-
richt befanden sich keine Daten von sich in der Schweiz aufhaltenden asyl-
suchende Personen aus Sri Lanka auf dem beschlagnahmten Mobiltelefon
der vom Sicherheitsvorfall betroffenen lokalen Angestellten der Schweizer
Botschaft. Der Antrag des Beschwerdeführers, es sei abzuklären, ob seine
Daten sich auf dem Mobiltelefon dieser Botschaftsmitarbeiterin befunden
hätten und von den sri-lankischen Behörden registriert worden seien, ist
abzuweisen.
7.8.6 Bei den vom Beschwerdeführer zitierten Verfahren vor dem High
Court Vavuniya gegen ein rehabilitiertes LTTE-Mitglied sowie vor dem High
Court in Colombo gegen Mitglieder der Tamils Rehabilitation Organisation
(TRO) handelt es sich um Einzelfälle; die betroffenen Personen weisen
Profile, auf, welche mit demjenigen des Beschwerdeführers offenkundig
nicht vergleichbar sind (vgl. BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3). Ein neues Verfol-
gungsmuster, das den Beschwerdeführer betreffen würde, kann daraus
entgegen seiner Auffassung nicht abgeleitet werden. Für den in diesem
Zusammenhang beantragten Beizug des Dossiers N (...) (vgl. Beschwer-
deschrift S. 14) besteht somit keine Veranlassung.
E-1542/2018
Seite 23
7.9 Auf die in der Beschwerde beantragte Durchführung einer weiteren An-
hörung des Beschwerdeführers kann vor dem Hintergrund der obigen Er-
wägungen und in antizipierter Beweiswürdigung – und unter Hinweis auf
den Wortlaut von Art. 111c Abs. 1 Satz 1 AsylG – verzichtet werden, zumal
er die Gelegenheit hatte, in seinem zweiten Asylgesuch und in der vorlie-
genden Beschwerdeschrift die behaupteten Verfolgungsvorbringen aus-
führlich schriftlich darzulegen. Auch die übrigen Beweisanträge (Abklärun-
gen beim IKRK, der Schweizer Botschaft in Sri Lanka sowie den Schweizer
Vertretungen in B._ und D._ und Anhörungen des Vaters
sowie von C._) sind in Anbetracht der dargelegten fehlenden flücht-
lingsrechtlichen Relevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers abzu-
weisen.
7.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 AsylG nach-
zuweisen oder glaubhaft darzutun.
Das SEM hat demnach zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und
sein zweites Asylgesuch abgewiesen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
E-1542/2018
Seite 24
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwer-
deführers noch aus den Akten konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er für
den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener
des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im
Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse
Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechts-
situation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des
Gerichts nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Urteil des BVGer
E-1542/2018
Seite 25
E-1866/2015, a.a.O., E. 12.2). Auch der EGMR hat sich mit der Gefähr-
dungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich
für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkeh-
ren müssen, wiederholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil
vom 19. September 2013, Beschwer-de Nr. 10466/11; E.G. gegen Gross-
britannien, a.a.O.; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Be-
schwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar
2011, Beschwerde Nr. 54705/08; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G.
gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14).
Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon
auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Be-
handlung. Den Akten lassen sich keine stichhaltigen Hinweise dafür ent-
nehmen, dass diese Einschätzung nicht mehr zutreffend wäre.
9.2.4 Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen
"Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre.
9.2.5 Der Vollzug erweist sich damit als zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Im
Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 ist das Gericht nach einer
eingehenden Analyse der Sicherheitslage in Sri Lanka zum Schluss ge-
kommen, dass der Vollzug von Wegweisungen in die Nordprovinz grund-
sätzlich zumutbar ist (vgl. E. 13.2). Betreffend den Distrikt Jaffna hielt es
zusammenfassend fest, dass es den Wegweisungsvollzug dorthin als zu-
mutbar erachte, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskrite-
rien – insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen
Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation – bejaht werden könne (vgl. E. 13.3.3.). In einem weiteren
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als Referenzurteil publizierten Entscheid qualifizierte das Bundesverwal-
tungsgericht auch den Vollzug von Wegweisungen ins "Vanni-Gebiet"
grundsätzlich als zumutbar (vgl. Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017
E. 9.5).
9.3.2 Nach Auffassung des Gerichts hat die Vorinstanz ferner zu Recht
auch das Bestehen individueller Wegweisungshindernisse verneint. Es
kann diesbezüglich auf die nach wie vor zutreffenden Erwägungen im Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts im ersten Asylverfahren des Beschwerde-
führers verwiesen werden (vgl. Urteil des BVGer E-3306/2015 vom 8. De-
zember 2016 E. 7.3). Es besteht kein Grund zur Annahme, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka (Vavuniya) in eine exis-
tenzielle Notlage geraten wird.
9.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
weiterhin als zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf eingetreten wird.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten zufolge der sehr
umfangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen
Bezug zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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11.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellte im vorliegenden
Fall zum wiederholten Mal ein Rechtsbegehren, über das bereits in ande-
ren Verfahren mehrfach befunden worden ist (Bestätigung der Zufälligkeit
beziehungsweise Offenlegung der objektiven Kriterien der Zusammenset-
zung des Spruchkörpers). Diese unnötig verursachten Kosten sind deshalb
dem Rechtsvertreter persönlich aufzuerlegen und auf Fr. 100.– festzuset-
zen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; vgl. auch Urteil des Bundes-
gerichts 5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6; Urteil des BVGer E-5142/2018
vom 13. November 2018 E. 6.1). Dieser Betrag ist von den Gesamtverfah-
renskosten in der Höhe von Fr. 1ꞌ500.– in Abzug zu bringen.
11.3 Im Übrigen sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.–
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der am 3. Mai 2018 geleisteten Kos-
tenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– wird diesem Betrag angerechnet.
Der offene Restbetrag beläuft sich demgemäss auf Fr. 650.–.
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