Decision ID: c51c633c-9090-4964-9dc7-ad0491a1015a
Year: 2018
Language: de
Court: BS_APG
Chamber: BS_APG_001
Canton: BS
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 2. November 2017 wurde A_(Berufungskläger) des Raubs (Lebensgefahr) schuldig erklärt und zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt (unter Einrechnung des Polizeigewahrsams vom 1. bis zum 2. Juli 2015). Von der Anklage des Vergehens gegen das Waffengesetz wurde er hingegen freigesprochen. Darüber hinaus wurde für die Dauer von fünf Jahren eine ambulante psychiatrische Behandlung angeordnet (beginnend mit dem Strafvollzug). Des Weiteren wurde über die beschlagnahmten Gegenstände verfügt und der Berufungskläger zu CHF 1‘500.– Genugtuung (zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 1. Juli 2015) an C_ (Privatkläger) verurteilt. Die Mehrforderung im Betrag von CHF 2‘000.– wurde abgewiesen. Dem Berufungskläger wurden ferner Verfahrenskosten im Betrag von CHF 21‘114.30 sowie eine Urteilsgebühr in Höhe von CHF 4‘500.– auferlegt.
Gegen dieses Urteil hat der Berufungskläger, amtlich verteidigt durch B_, am 2. November 2017 Berufung angemeldet, mit Eingabe vom 25. Januar 2018 Berufung erklärt und dieselbe mit Schreiben vom 18. Mai 2018 begründet. Er beantragt einen Freispruch vom Vorwurf des qualifizierten Raubs (Art. 140 Ziff. 4 des Schweizerischen Strafgesetzbuches [StGB, SR 311.0]). Er sei stattdessen des versuchten (einfachen) Raubs (Art. 140 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB) schuldig zu erklären. Zufolge aufgehobener oder reduzierter Schuldfähigkeit sei indes von einer Bestrafung abzusehen oder die Strafe angemessen zu reduzieren. Zudem sei eine Massnahme für junge Erwachsene, eventualiter eine ambulante Massnahme, anzuordnen. Der Vollzug einer allfälligen unbedingten oder teilbedingten Freiheitsstrafe sei zu Gunsten der Massnahme aufzuschieben. Darüber hinaus sei der Berufungskläger zu einer Genugtuung in Höhe von CHF 500.– (zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 1. Juli 2015) an den Privatkläger zu verurteilen. Die Genugtuungsmehrforderung (in Höhe von CHF 1‘000.–) sei abzuweisen. Ferner sei die Verteilung der Verfahrenskosten und der Urteilsgebühr entsprechend dem Ausgang des Verfahrens neu zu beurteilen. Schliesslich sei dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren ein Honorar von CHF 9'552.20 (zuzüglich Mehrwertsteuer im Betrag von CHF 764.20) und eine Spesenvergütung von CHF 733.60 (zuzüglich Mehrwertsteuer in Höhe von CHF 58.70) auszurichten. Alles unter o/e Kostenfolge zu Lasten des Staates. Weder die Staatsanwaltschaft noch der Privatkläger haben Anschlussberufung erklärt oder Nichteintreten auf die Berufung beantragt. Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufungsantwort vom 22. Juni 2018 indes, die Berufung kostenfällig abzuweisen und das Urteil des Strafgerichts vom 2. November 2017 zu bestätigen. Der Privatkläger hat auf die Einreichung einer Stellungnahme verzichtet.
In der Berufungserklärung bzw. der Berufungsbegründung wurde zudem der Antrag gestellt, zur Frage der Schuldfähigkeit ein forensisch-psychiatrisches Obergutachten anzuordnen. Diesbezüglich stellte die instruierende Appellationsgerichtspräsidentin mit Verfügung vom 26. März 2018 einen Entscheid des Gesamtgerichts in Aussicht. Für die Zwischenzeit wurde der entsprechende Beweisantrag vorläufig abgewiesen.
In der zweitinstanzlichen Hauptverhandlung vom 13. November 2018 wurden der Berufungskläger, E_ (als Zeuge gemäss Beweisantrag vom 10. Oktober 2018) sowie der Gutachter F_ (als Sachverständiger) befragt. Zudem wurde das bei der Kriminaltechnischen Abteilung (KTA) der Staatsanwaltschaft asservierte Tatmesser in Augenschein genommen. In der Folge gelangten die Verteidigung sowie die Staatsanwaltschaft zum Vortrag. Der fakultativ geladene Privatkläger hat auf eine Teilnahme an der Verhandlung verzichtet. Für sämtliche Ausführungen wird auf das Verhandlungsprotokoll verwiesen. Die Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben sich ‒ soweit für den Entscheid von Relevanz ‒ aus dem erstinstanzlichen Urteil und den nachfolgenden Erwägungen.

Erwägungen
1.
1.1
Nach Art. 398 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) ist die Berufung gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte zulässig, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen wird, was vorliegend der Fall ist. Zuständiges Berufungsgericht ist nach § 88 Abs. 1 und 91 Abs. 1 Ziff. 1 des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG, SG 154.100) eine Kammer des Appellationsgerichts. Der Berufungskläger ist vom angefochtenen Urteil berührt und hat ein rechtlich geschütztes Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung, sodass er gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO zur Erklärung der Berufung legitimiert ist. Auf das form- und fristgerecht eingereichte Rechtsmittel ist daher einzutreten.
1.2
Gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden.
1.3
1.3.1
Im Rechtsmittelverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Die Berufung kann demgemäss auf die Anfechtung von Teilen des Urteils beschränkt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. a und Abs. 4 StPO). Erfolgt eine Teilanfechtung, erwachsen die nicht angefochtenen Punkte in Teilrechtskraft.
1.3.2
Der Freispruch von der Anklage des Vergehens gegen das Waffengesetz, die Verfügung über die beschlagnahmten Gegenstände sowie die Abweisung der Genugtuungsmehrforderung in Höhe von CHF 2‘000.– wurden nicht angefochten und sind somit in Rechtskraft erwachsen. Darüber ist im Berufungsverfahren nicht mehr zu befinden.
2.
2.1
2.1.1
Nach Art. 309 Abs. 1 StPO eröffnet die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung, wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei, aus der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender Tatverdacht ergibt (lit. a), wenn sie Zwangsmassnahmen anordnet (lit. b) oder sie im Sinne von Art. 307 Abs. 1 StPO durch die Polizei (bei schweren Straftaten) informiert worden ist (lit. c). Dasselbe gilt bei polizeilichen Massnahmen mit hoher Eingriffsintensität wie beispielsweise bei vorläufiger Festnahme, Hausdurchsuchung und Sicherstellung von Gegenständen und Vermögenswerten (
Landshut/Bosshard
, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur StPO, 2. Auflage 2014, Art. 309 N 10b;
Schmid/Jositsch
, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Auflage, Zürich 2017, N 1228).
2.1.2
Der Berufungskläger wurde am 1. Juli 2015, um 21.47 Uhr, im Auftrag des piketthabenden Kriminalkommissärs von der Polizei wegen Raubs vorläufig festgenommen (Akten S. 30 ff.). Damit gilt die Untersuchung ab diesem Zeitpunkt als eröffnet.
2.2
2.2.1
Der Berufungskläger kritisiert in formeller Hinsicht zunächst, dass ihm kein Verteidiger zur Seite gestellt worden sei, obwohl von Anfang an ein Fall notwendiger Verteidigung vorgelegen habe (Berufungsbegründung Ziff. 2).
2.2.2
Gemäss Art. 130 lit. b StPO muss eine Person (notwendig) verteidigt werden, wenn ihr aufgrund der ihr vorgeworfenen Straftat eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr, eine freiheitsentziehende Massnahme oder eine Landesverweisung droht. Massgebend ist immer die im konkreten Verfahren drohende Strafe und nicht der abstrakte Strafrahmen des vorgeworfenen Tatbestands, wobei nach der Lehre die relativ entfernte Möglichkeit der Verurteilung zu einer Strafe der genannten Höhe genügt (
Ruckstuhl
, in: Basler Kommentar, 2. Auflage 2014, Art. 130 StPO N 18). Sind die Voraussetzungen der notwendigen Verteidigung bei Einleitung des Vorverfahrens erfüllt, so ist die Verteidigung nach der ersten Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft, jedenfalls aber vor Eröffnung der Untersuchung, sicherzustellen (Art. 131 Abs. 2 StPO). Wurden in Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben, bevor ein Verteidiger bestellt worden ist, so ist die Beweiserhebung nur gültig, wenn die beschuldigte Person auf ihre Wiederholung verzichtet (Art. 131 Abs. 3 StPO).
2.2.3
Bereits im Polizeirapport vom 1. Juli 2015 ist von einem Raub unter Messereinsatz, wobei dieses an den Hals des Opfers gehalten worden sei, die Rede (Akten S. 45 ff.). Da damit im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB eine Strafe von über zwölf Monaten ernsthaft zu erwarten und die Untersuchung zudem eröffnet war (vgl. dazu E. 2.1), hätte von Anfang an eine notwendige Verteidigung bestellt werden müssen (Art. 130 lit. b StPO). Da eine solche erst per 24. November 2016 eingesetzt wurde (Akten S. 17), sind die zuvor vom Berufungskläger gemachten Aussagen (konkret diejenigen in seiner Einvernahme vom 2. Juli 2015; vgl. Akten S. 79 ff.) nicht verwertbar (Art. 131 Abs. 3 StPO).
2.3
2.3.1
Der Berufungskläger kritisiert im Weiteren, dass sein eigenes sowie das Teilnahmerecht seines Verteidigers an den auf seine Festnahme folgenden Einvernahmen verletzt worden sei (Berufungsbegründung Ziff. 2).
2.3.2
Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Die Anwesenheit der Verteidigung bei polizeilichen Einvernahmen richtet sich nach Artikel 159 StPO. Beweise, die in Verletzung der Bestimmungen von Artikel 147 der Strafprozessordnung erhoben worden sind, dürfen nicht zulasten der Partei verwertet werden, die nicht anwesend war (Art. 147 Abs. 4 StPO).
2.3.3
Wie bereits erwähnt (vgl. E. 2.1), war die Strafuntersuchung gegen den Berufungskläger mit seiner Festnahme am 1. Juli 2015, um 21.47 Uhr, eröffnet. Die darauf folgenden Einvernahmen von G_ vom 1. Juli 2015 (Akten S. 72 ff.), des Sohnes des Opfers (H_) vom 2. Juli 2018 (Akten S. 92 ff.) sowie des Opfers selbst vom 28. Juli 2015 (Akten S. 105 ff.) sind damit als Beweisabnahmen im Sinne von Art. 147 StPO zu qualifizieren.
2.3.4
Der Berufungskläger wurde zwar im Rahmen seiner (nicht verwertbaren) ersten Befragung vom 2. Juli 2015 auf sein Teilnahmerecht an Beweiserhebungen hingewiesen und ihm wurde gesagt, dass er dieses bei der Verfahrensleitung schriftlich verlangen oder zu Protokoll geben müsse, was er nicht getan hat. Ob dieser kurze Hinweis bei einem juristischen Laien genügt, kann offen bleiben, da auch der notwendigen Verteidigung ein Teilnahmerecht hätte eingeräumt werden müssen (vgl.
Wohlers
, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur StPO, 2. Auflage, Zürich 2014, Art. 147 N 4). Mangels rechtzeitiger Bestellung einer solchen, hat der notwendige Verteidiger auch nicht an den Beweiserhebungen teilnehmen können. Damit ist dessen Teilnahmerecht verletzt worden. Die Einvernahme von G_ vom 1. Juli 2015 (Akten S. 72 ff.), diejenige des Sohnes des Opfers vom 2. Juli 2018 (Akten S. 92 ff.) sowie die Befragung des Opfers selbst vom 28. Juli 2015 (Akten S. 105 ff.) sind damit nicht verwertbar.
2.4
2.4.1
Bezüglich des Formellen wird im Weiteren geltend gemacht, der Berufungskläger sei anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung mit den Aussagen des Privatklägers nicht rechtsgenüglich konfrontiert worden. Das angebliche Opfer sei in einem Zug befragt worden, ohne dass der Berufungskläger je Gelegenheit gehabt hätte, zu den Details des vom Opfer geschilderten Ablaufs Stellung zu beziehen. Erst am Schluss der Befragung habe man den Berufungskläger gefragt, ob er dem Opfer noch etwas mitteilen wolle. Sonst sei der Berufungskläger mit keiner einzigen Aussage des Opfers konfrontiert worden. Nachdem das Opfer bereits das Gericht verlassen hatte, habe man den Berufungskläger gefragt, ob sich der Sachverhalt so zugetragen habe wie dies der Privatkläger dargestellt habe. Dieser habe dann geantwortet, dass er dieses nicht habe verletzen wollen und dass alles ungefähr so abgelaufen sei wie vom Opfer geschildert. Mangels gültiger Konfrontation seien somit alle Aussagen des angeblichen Opfers, die von der Darstellung des Berufungsklägers abweichen, nicht verwertbar (Berufungsbegründung Ziff. 4).
2.4.2
Nach den Verfahrensgarantien von Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) sowie Art. 6 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 6 Ziff. 3 lit. d der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK, SR 0.101) hat die beschuldigte Person Anspruch – als Teilgehalt des Rechts auf ein faires Verfahren – dem Belastungszeugen bzw. der sie belastenden Auskunftsperson Fragen zu stellen. Eine belastende Aussage ist grundsätzlich nur dann verwertbar, wenn der Beschuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, die entsprechende Ausführung in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeugen bzw. die ihn belastende Auskunftsperson zu stellen. Um sein Fragerecht wirksam ausüben zu können, muss der Beschuldigte in die Lage versetzt werden, die persönliche Glaubwürdigkeit des Zeugen bzw. der Auskunftsperson zu prüfen und den Beweiswert der entsprechenden Aussagen zu hinterfragen (BGE 133 I 33 E. 3.1 S. 41 f., 131 I 476 E. 2.2 S. 480 ff., 129 I 151 E. 3.1 S. 153 f.).
2.4.3
Im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung kam es – nachdem der Berufungskläger zuerst kurz auf die Tat angesprochen wurde – zu einer recht ausführlichen Befragung des Opfers. Dieses schilderte mehrmals, dass ihm das Messer an den Hals gehalten worden sei und er dieses gespürt habe. Er könne nur nicht sagen, welchen Teil des Messers er gespürt habe. Der Berufungskläger war während der ganzen Befragung anwesend. Er hatte Gelegenheit, am Schluss der Befragung Fragen zu stellen (was nur von seinem Anwalt genutzt wurde, wobei es diesem vor allem darum ging herauszufinden, wie gut das Opfer Deutsch spricht und ob es den Täter überhaupt richtig verstehen konnte). Danach erhielt wieder der Berufungskläger das Wort und konnte sich nochmals zum Sachverhalt äussern. Dabei hat er zugestanden, dass der Überfall so abgelaufen sei, wie ihn das Opfer geschildert habe. Allerdings räumte er ein, dass er dieses nicht verletzen wollte (Akten S. 398 ff.).
2.4.4
Die Einwände, die die Verteidigung gegen das Vorgehen des Strafgerichtspräsidenten bei der Befragung von mutmasslichem Täter und Opfer vorbringt, sind nicht stichhaltig. Inwiefern vor dem Hintergrund der zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine unverwertbare Konfrontation vorliegen soll, erschliesst sich nicht, zumal Art. 147 Abs. 1 Satz 1 StPO nicht vorschreibt, in welchem Zeitpunkt das Recht, Fragen zu stellen, zu gewährleisten ist ("und einvernommenen Personen Fragen zu stellen"). Wann das Fragerecht ausgeübt werden darf, bestimmt vielmehr die Verfahrensleitung (vgl. BGE 139 IV 25 E. 5.4.1 S. 34;
Wohlers
, a.a.O., Art. 147 N 6). Dementsprechend stand es dem Berufungskläger und seinem Verteidiger frei, nach der Befragung des Privatklägers, Ergänzungsfragen zu stellen bzw. stellen zu lassen. Wäre der Verteidiger effektiv der Auffassung gewesen, sein Klient hätte gleich sofort zu einer Antwort des Opfers Stellung beziehen müssen, hätte er dies unmittelbar verlangen können und müssen. Es verstösst gegen Treu und Glauben, verfahrensrechtliche Mängel erst in einem späteren Verfahrensstadium oder sogar erst in einem nachfolgenden Verfahren geltend zu machen, wenn der Einwand schon vorher hätte festgestellt und gerügt werden können (BGE 143 IV 397 E. 3.4 S. 404 ff., 143 V 66 E. 4.3 S. 69; BGer 6B_422/2017 vom 12. Dezember 2017 E. 1.4.2, 6B_178/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 4; AGE SB.2015.76 vom 29. November 2017 E. 4.4.2).
3.
3.1
Der angeklagte Sachverhalt wurde vom Berufungskläger im erstinstanzlichen Verfahren vor Strafgericht weitestgehend zugestanden. Er wendete dort einzig ein, dass er in Erinnerung habe, dass er das Opfer nicht habe verletzen wollen und ihm das auch gesagt habe (Akten S. 398 ff., 402) sowie, dass er die Klinge des Messers dem Privatkläger zwar an den Hals gehalten, sie wahrscheinlich aber nicht angedrückt habe, er sei indes nicht sicher (Akten S. 404 f.). Auch an der heutigen Berufungsverhandlung bestreitet der Berufungskläger die Tat nicht, will sich indessen nicht mehr im Detail an den Vorfall erinnern (Verhandlungsprotokoll S. 5 ff., 14).
3.2
Neben den namentlich im Kerngeschehen glaubwürdigen Schilderungen des Opfers anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung (Akten S. 399 ff.), die der Berufungskläger vor Strafgericht im Wesentlichen bestätigte (Akten S. 398 ff.) und die zu den von der Polizei rapportierten Aussagen der Beteiligten (Akten S. 46 ff.) passen, liegen diverse weitere tatsächliche Gegebenheiten vor, die den Sachverhalt objektivieren. So sind insbesondere das Verzeichnis der beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte (das Bargeld in Höhe von CHF 130.– befand sich zusammengeknüllt in der rechten Hosentasche des Berufungsklägers; das sichergestellte Messer konnte im Ladenlokal des Privatklägers gefunden werden; zudem wurden ein schwarzes Halstuch und ein weisser Latex-Handschuh sichergestellt; vgl. Akten S. 39 ff.), die diversen Tatort-Fotos (Akten S. 56 ff., 129 ff.), der Pikett-Bericht der Staatsanwaltschaft (Akten S. 66 f.), der Spurensicherungsbericht der KTA mit Fotos (Akten S. 122 f.), die kriminaltechnischen Spurensicherungs- und Untersuchungsberichte betreffend Blutspuren und Klappmesser (Akten S. 139 ff., 178 ff.), das forensisch-toxikologische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) betreffend Blut und Urin des Berufungsklägers (der Berufungskläger stand zum Tatzeitpunkt unter der Wirkung von Alkohol [zwischen 1.2 und 2.1 ‰], Hinweise auf eine zusätzliche Beeinträchtigung durch Betäubungsmittel oder verordnete Arzneistoffe bestünden nicht; vgl. Akten S. 188 ff.), die rechtsmedizinischen Gutachten des IRM betreffend den Berufungskläger und den Privatkläger (Akten S. 193 ff., 204 ff.) sowie die Unterlagen zur Krankheitsgeschichte des Privatklägers (beim Uni-Spital; vgl. Akten S. 212 ff.) zu erwähnen.
3.3
3.3.1
Der Berufungskläger gab bezüglich der Ausführung der Tat an, er habe dem Opfer zur Kenntnis gebracht, es solle Geld geben, dann würde er ihm nichts antun (Akten S. 405). Den Tonbandaufnahmen der erstinstanzlichen Gerichtsverhandlung ist zu entnehmen, dass das Opfer über keine guten Deutschkenntnisse verfügt und wohl deshalb nicht ganz genau verstand, was der Berufungskläger sagte, zumal es sich auch in einer Stresssituation befand. Entscheidend ist entgegen der Ansicht der Verteidigung (Berufungsbegründung Ziff. 14; Plädoyer-Notizen S. 5) indes nicht, was der Berufungskläger sagte oder was das Opfer verstand, sondern vielmehr wie der Berufungskläger handelte. So hielt er dem Opfer unbestrittenermassen ein Messer an den Hals. Immerhin war für das Opfer klar, dass der Täter Geld verlangte und drohte, er würde sonst „schiessen“ (Akten S. 400). Der Privatkläger öffnete dann auch die Kasse, worauf der Berufungskläger daraus das Notengeld entnahm und einsteckte. Danach kam es zu einem Handgemenge, das schliesslich zur Überwältigung des Berufungsklägers führte (Akten S. 400, 405).
3.3.2
Der Umstand, dass sich das Opfer anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nicht erinnerte, welchen Teil des Messers es am Hals gespürt habe, entlastet den Berufungskläger nicht. Einerseits ist logisch, dass das von hinten angegriffene Opfer das Messer nicht gesehen hat. Andererseits ist abwegig, dass ein Opfer mit dem Griffteil des Messers anstatt mit der Spitze bedroht worden wäre. Dass der Berufungskläger dem Privatkläger das Messer an den Hals hielt bzw. dieses zeitweise den Hals des Opfers berührte, ergibt sich bereits aus dem Polizei-Rapport bzw. dem Pikett-Bericht der Staatsanwaltschaft (vgl. Akten S. 48 f., 66). Dass das Messer zweitweise seinen Hals berührte, bestätigte das Opfer auf explizite Nachfrage auch im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung (Akten S. 399). Die nebelhafte Aussage des Berufungsklägers im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung („Ich denke nicht, dass ich die Klinge an den Hals anlegte, aber ich kann es nicht mit 100 % Sicherheit sagen“; vgl. Akten S. 405) vermag an den glaubwürdigen Depositionen des Opfers nichts zu ändern, zumal der Berufungskläger gegenüber der Polizei am Tattag äusserte, er habe das Messer dem Opfer an den Hals gehalten und hätte die Möglichkeit gehabt „durchzuziehen“ (Akten S. 50).
3.4
Nach all dem ist mit dem Strafgericht (vgl. vorinstanzliches Urteil S. 6 ff.) erstellt, dass der Berufungskläger am 1. Juli 2015 um ca. 21.40 Uhr, mit Halstuch, Sonnenbrille, Latex-Handschuh und einem Messer ausgerüstet sowie erheblich alkoholisiert, das Lebensmittelgeschäft des Privatklägers betrat, diesem das Messer an den Hals setzte (welches zeitweise direkt die Haut des Opfers berührte) und ihn aufforderte, Geld herauszugeben. Nachdem der Privatkläger in der Folge die Kasse geöffnet hatte, griff der Berufungskläger – das Messer immer noch im Halsbereich des Opfers haltend – hinein, ergriff das Notengeld und steckte es in seine rechte Hosentasche. Mit Unterstützung von G_ und H_, die dem Opfer nach dessen Rufen zu Hilfe geeilt waren, konnte der Berufungskläger danach überwältigt und bis zum Eintreffen der inzwischen requirierten Polizei arretiert werden.
4.
4.1
4.1.1
In rechtlicher Hinsicht macht der Berufungskläger geltend, er habe zu keinem Zeitpunkt die Macht über das Tatgeschehen gehabt. Er sei physisch unterlegen, betrunken und psychisch stark angeschlagen gewesen. Zudem habe er zuvor auch Drogen konsumiert. Es sei für alle Beteiligten klar gewesen, dass das Vorhaben des Berufungsklägers aufgrund seines desolaten Zustands von Vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen sei und es ihm niemals möglich gewesen wäre, den Laden mit einem allfälligen Diebesgut zu verlassen. Auch habe es im Zusammenhang mit seiner Überwältigung ein Gerangel gegeben, weswegen er nie die Möglichkeit gehabt hätte, unbehelligt davon zu rennen. Damit habe er nie ungehindert auf die Sache einwirken und dadurch die Sachherrschaft ausüben können. Insgesamt sei es ihm nicht gelungen, den Gewahrsam des Privatklägers zu brechen und den ihm vorgeworfenen Raub zu vollenden (Berufungsbegründung Ziff. 5 ff.; Plädoyer-Notizen S. 3 f.).
4.1.2
Wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 139 Ziff. 1 StGB). Wegnahme bedeutet Bruch fremden und Begründung neuen Gewahrsams. Der Gewahrsam besteht in der tatsächlichen Sachherrschaft mit dem Willen, diese auszuüben. Ob Gewahrsam gegeben ist, bestimmt sich nach den allgemeinen Anschauungen und den Regeln des sozialen Lebens (vgl.
Stratenwerth/Jenny/Bommer,
Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, Straftaten gegen Individualinteressen, 7. Auflage, Bern 2010, § 13 N 69 ff.;
Donatsch,
Strafrecht III, 10. Auflage, Zürich 2013, S. 155.). Die Wegnahme ist vollendet, wenn an die Stelle des bisherigen Gewahrsamsinhabers ein neuer getreten ist. Damit ist der Wechsel der tatsächlichen Sachherrschaft entscheidend. Befindet sich der Täter mit der Sache noch im Herrschaftsbereich des bisherigen Gewahrsamsinhabers kommt es darauf an, ob die Herrschaftsmöglichkeit des Betroffenen schon aufgehoben ist, was hinsichtlich solcher Sachen, die sich bereits in den Kleidern des Täters befinden, allgemein bejaht wird (vgl.
Donatsch
, a.a.O., S. 161 f.;
Niggli/Riedo
, in: Basler Kommentar, 4. Auflage 2019, Art. 139 StGB N 65;
Stratenwerth/Jenny/Bommer
, a.a.O., § 13 N 88).
4.1.3
Der Berufungskläger wurde vom Privatkläger, von dessen Sohn und von G_ im Ladenlokal überwältigt und bis zum Eintreffen der Polizei arretiert. Damit ist erstellt, dass er sich zu diesem Zeitpunkt noch im Herrschaftsbereich des Privatklägers befand. Es ist aufgrund des Beweisergebnisses (vgl. E. 3.4) ebenfalls nachgewiesen, dass sich das aus der Ladenklasse entnommene Geld (Bargeld in Höhe von CHF 130.–) bei der Festnahme zusammengeknüllt in der rechten Hosentasche des Berufungsklägers befand und erst von der Polizei behändigt wurde. Damit war die Herrschaftsmöglichkeit des Privatklägers im Sinne der zitierten Praxis aufgehoben. Der Berufungskläger hat damit Gewahrsam gebrochen und neuen begründet. Daran ändert entgegen der Ansicht der Verteidigung (Berufungsbegründung Ziff. 8) nichts, dass der Berufungskläger den Lebensmittelladen noch nicht verlassen hatte, zumal die Banknoten dem Beweisergebnis entsprechend zunächst eingesteckt wurden und erst danach die Überwältigung des Berufungsklägers erfolgte.
4.1.4
Unbehelflich ist schliesslich auch der Einwand der Verteidigung, der Berufungskläger sei sehr leicht zu überwältigen gewesen (Berufungsbegründung Ziff. 7 ff.). Angesichts des Umstandes, dass es mit dem Opfer, dessen Sohn und mit G_ drei Personen bedurfte, den Berufungskläger zu arretieren, erhellt, dass es ganz und gar nicht ein Leichtes war, den mit einem Messer ausgerüsteten Täter ruhig zu stellen. Vorsatz, Aneignungs- und Bereicherungsabsicht stehen ausser Frage, womit sämtliche objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale eines vollendeten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB vorliegen.
4.2
4.2.1
Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen bestraft (Art. 140 Ziff. 1 StGB). Die Strafe ist Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren, wenn der Täter das Opfer in Lebensgefahr bringt, ihm eine schwere Körperverletzung zufügt oder es grausam behandelt (Art. 140 Ziff. 4 StGB). Lebensgefahr setzt voraus, dass der Täter das Opfer vorsätzlich (Eventualvorsatz genügt) in konkrete, naheliegende, unmittelbare, akute und hochgradige Lebensgefahr bringt (BGE 121 IV 67 E. 2 S. 69 ff., 117 IV 419 E. 4 S. 423 ff.; BGer 6B_756/2008 vom 20. Januar 2009 E. 1.4, 6B_28/2016 vom 10. Oktober 2016 E. 4.2;
Niggli/Riedo
, a.a.O., Art. 140 StGB N 143). Konkrete Lebensgefahr besteht nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung beispielsweise dann, wenn das Opfer mit einem spitzen, in einem Abstand von 10–20 Zentimeter gegen seinen Hals gehaltenen Dolch bzw. Messer bedroht wird (BGE 117 IV 427 E. 3 S. 428 f., 114 IV 8 E. 2 S. 9 ff., BGer 6B_988/2013 vom 5. Mai 2014 E. 1.3.1, 6B_726/2010 vom 17. Mai 2011 E. 1.5, 6B_339/2009 vom 7. August 2009 E. 2.6; vgl. auch
Stratenwerth/Jenny/Bommer
, a.a.O., § 13 N 134;
Trechsel/Crameri
, in: Trechsel/
Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich 2018, Art. 140 N 17 f.).
4.2.2
Der Berufungskläger hat seinem Opfer gemäss Beweisergebnis (vgl. E. 3.4) ein Messer direkt an den Hals gehalten bzw. berührte mit diesem zweitweise die Hals-Haut des Opfers. Er war zur Zeit der Tat erheblich alkoholisiert. Sein Blickfeld war zudem durch seine Verhüllung eingeschränkt. Das überraschende Herantreten von hinten an das Opfer hätte eine reflexartige Abwehrbewegung und ein dynamisches Geschehen auslösen können, was für den ebenfalls unter Stress stehenden bzw. nervösen Berufungskläger in keiner Art und Weise vorhersehbar war. Das verwendete Messer wurde an der heutigen Hauptverhandlung visualisiert. Es ist eindeutig als spitz im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu qualifizieren. Irrelevant ist, dass das Messer keinen Dolch gemäss Waffengesetz darstellt. Unter den angeführten Umständen hätte ein unbedachtes Handeln des Opfers ohne Zutun des Berufungsklägers zu lebensgefährlichen Verletzungen bzw. zum Tod des Privatklägers führen können. Der Berufungskläger hat die konkrete Gefahr für eine lebensgefährliche Verletzung mit seinem konkreten Vorgehen zwar nicht angestrebt, indes zumindest in Kauf genommen, zumal er – wie bereits erwähnt (vgl. E. 3.3) – von der Möglichkeit ausging, mit dem Messer „durchzuziehen“. Im Übrigen ist eventualvorsätzliches Handeln auch dann nicht ausgeschlossen, wenn der Täter das Opfer – wie vorliegend geltend gemacht (Akten S. 402, 405) – nicht verletzen will (vgl. BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 S. 4).
4.3
Zusammenfassend ergeht auch im Berufungsverfahren ein Schuldspruch wegen lebensgefährlichem Raub gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB.
5.
5.1
5.1.1
Gemäss Gutachten von F_ vom 3. Juli 2017 leidet der Berufungskläger an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen (vermeidenden) und unreifen Anteilen (ICD-10 61.0), einer rezidivierenden depressiven Störung, zum Zeitpunkt der Tat remittiert (ICD-10 F33.4), einem schädlichen Gebrauch von Alkohol und Cannabinoiden (ICD-10 F10.1, F12.1) und einer Tabakabhängigkeit mit ständigem Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25), wobei die letztgenannte Diagnose keine Relevanz in der forensisch-psychiatrischen Beurteilung habe. Der Konsum von Amphetaminen und Pilzen sei als riskanter Konsum zu klassifizieren, was indes keine psychiatrische Diagnose darstelle. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht stehe die Persönlichkeitsproblematik im Vordergrund und sei in ihrer Ausprägung als zumindest mittelschwer einzuordnen. Nach Analyse des Verhaltens vor, während und nach der Tat und unter Berücksichtigung der diagnostischen Einordnung zum Tatzeitpunkt und der daraus resultierenden psychopathologischen Symptomatik ergebe sich aus gutachterlicher Sicht kein Hinweis für das Vorliegen einer relevanten forensisch-psychiatrischen Beeinträchtigung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit (vgl. Gutachten S. 30 ff.).
5.1.2
Der Gutachter empfiehlt eine Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB, die haftbegleitend erfolgen könne, jedoch im Anschluss an die Haftentlassung fortgeführt werden sollte. Die ambulante Behandlung könne bei einem ausgebildeten Psychotherapeuten und einem entsprechend etablierten komplementären Setting (soziotherapeutisch, arbeitsrehabilitative Unterstützung, Durchführung Abstinenzkontrollen etc.) durchgeführt werden. Eine Anbindung an eine forensische Ambulanz sei nicht zwingend notwendig. Zudem würden sich keine Anhaltspunkte für die Zweckmässigkeit einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB bzw. die Kombination verschiedener Massnahmen nach Art. 56a StGB ergeben. Im Weiteren zeigten sich in der Biografie des Berufungsklägers zwar Beeinträchtigungen in der Persönlichkeitsentwicklung, es liege jedoch eine abgeschlossene Persönlichkeitsentwicklung vor, die unreife Züge beinhalte. Es sei daher nicht von einer Verzögerung der Persönlichkeitsentwicklung auszugehen, sondern vielmehr von konsolidierten Persönlichkeitsmerkmalen. Eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB sei aus forensisch-psychiatrischer Sicht deshalb nicht indiziert (vgl. Gutachten S. 52 ff. und ergänzend Verhandlungsprotokoll S. 10 ff.).
5.2
5.2.1
Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung hat die Verteidigung am in der Berufungserklärung bzw. der Berufungsbegründung gestellten Beweisantrag betreffend Anordnung eines forensisch-psychiatrischen Obergutachtens festgehalten (Verhandlungsprotokoll S. 14 bzw. Plädoyer-Notizen S. 1 ff.).
5.2.2
Der Berufungskläger macht geltend, F_ seien bei der Ausarbeitung des Gutachtens nicht verwertbare Aussagen des Berufungsklägers vorgelegen. Zudem habe sich dieser auf die wenig detaillierten Aussagen von A_ stützen müssen und sei die Dauer von zwei Jahren zwischen der Tat und der Befragung durch den Gutachter zu berücksichtigen. Darüber hinaus sei die Auffassung des Gutachters, wonach die Steuerungsfähigkeit nicht beeinträchtigt gewesen sei, nicht nachvollziehbar. Der Berufungskläger habe sich zum Zeitpunkt der Tat in einer schwierigen Lebenssituation befunden. Er sei arbeitslos gewesen, habe Existenzängste und Probleme in seiner damaligen Beziehung gehabt. Er sei schlicht nicht in der Lage gewesen, seine Probleme selbst zu lösen oder die entsprechenden Personen aufzusuchen, um ihm aus dieser Situation zu helfen. Nur aus diesem Grund, aus purer Verzweiflung, habe sich der Berufungskläger für die Begehung der Tat vom 1. Juli 2015 entschieden. Im Übrigen sei eine schwere depressive Symptomatik mit Suizidalität während der Tatzeit, wie dies auch die langjährige Therapeutin I_ (beigezogene Berichte vom 31. Oktober 2017 und vom 21. März 2018), bestätige, zu wenig berücksichtigt worden. Insbesondere sei ausser Acht gelassen worden, dass gemäss Bericht I_ vom 31. Oktober 2017 kurz vor der Tat (am 7. April 2015), die Dosis an Medikamenten aufgrund einer depressiven Zustandsverschlechterung erhöht werden musste. Da beim Berufungskläger schwierige Lebensumstände, namentlich Erlebnisse in der Kindheit, vorlägen, habe sich das Obergutachten auch zu einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB zu äussern (Berufungserklärung S. 3 ff.; Berufungsbegründung Ziff. 15; Plädoyer-Notizen S. 1 ff.).
5.3
5.3.1
Gemäss Art. 189 lit. c StPO lässt die Verfahrensleitung ein Gutachten von Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei durch die gleiche sachverständige Person ergänzen oder verbessern oder bestimmt weitere Sachverständige, wenn Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens bestehen (vgl. BGer 6B_590/2013 vom 22. Oktober 2014 E. 1.1). Ein Gutachten stellt namentlich dann keine rechtsgenügliche Grundlage dar, wenn gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern. Das trifft etwa zu, wenn der Sachverständige die an ihn gestellten Fragen nicht beantwortet, seine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nicht begründet oder diese in sich widersprüchlich sind oder die Expertise sonstwie an Mängeln krankt, die derart offensichtlich sind, dass sie auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar sind (BGE 141 IV 369 E. 6.1 S. 372 f.).
5.3.2
Das Gericht beurteilt die Schlüssigkeit eines Gutachtens frei (Art. 10 Abs. 2 StPO) und ist nicht an den Befund oder die Stellungnahme des Sachverständigen gebunden. Es hat vielmehr zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel und der Parteivorbringen ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Auch wenn das gerichtlich eingeholte Gutachten grundsätzlich der freien Beweiswürdigung unterliegt, darf das Gericht in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe von ihm abrücken und muss Abweichungen begründen. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen kann gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigung verstossen (BGE 141 IV 305 E. 6.6.1 S. 315, 141 IV 369 E. 6.1 S. 372 f.).
5.4
An der heutigen Hauptverhandlung wurde der Gutachter (nachdem er bereits den gesamten Verlauf der Verhandlung, namentlich die Befragung von E_, im Verhandlungsaal mitverfolgt hatte) zum Gutachten und zu seinen Ausführungen (auch von der Verteidigung) einlässlich befragt. Er blieb dabei sowohl in Bezug auf die Diagnose als auch bezüglich der vorgeschlagenen Therapie mit Überzeugung bei seinen im Gutachten ausgeführten Beurteilungen (Verhandlungsprotokoll S. 10 ff.).
5.5
Es ist der Verteidigung zwar zuzustimmen, dass dem Gutachter mit dem Protokoll der Einvernahme des Berufungsklägers vom 2. Juli 2015 (vgl. Akten S. 79 ff.) unverwertbare Akten vorgelegen haben (vgl. dazu schon E. 2.2). Auf Seite 42 des Gutachtens wird bezugnehmend auf die zur Diskussion stehende Einvernahme dann auch erläutert, die Aussage des Berufungsklägers, als er auf entsprechende Frage hin erklärte, an keiner schweren Krankheit zu leiden, aus gutachterlicher Sicht gegen eine relevante Beeinträchtigung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit spreche. Es ist indes zu beachten, dass das entsprechende Zitat nur ein einzelner Baustein zur Begründung, weshalb die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit nicht beeinträchtigt gewesen ist, darstellt. Der Gutachter begründet seine Schlussfolgerung vielmehr mit einem Bündel von einleuchtenden Argumenten (keine stationäre Behandlung zum Zeitpunkt der Tat, keine Hinweise auf eine schwere depressive Symptomatik mit Suizidalität in den ihm vorliegenden Gerichtsakten [dies wäre aufgefallen bzw. dokumentiert], Unvereinbarkeit einer schweren depressiven Symptomatik mit der Planung der Tat, mit dem Ausführungsgrad [konkrete Bemühungen zur Reduktion der Auf-deckungswahrscheinlichkeit] sowie mit der kriminellen Energie zur Tatausführung). Damit stützt sich das Gutachten lege artis auf eine Vielzahl von objektiven Quellen und hat auch ohne das zur Diskussion stehende Argument Bestand, zumal der Gutachter unter dem Eindruck der Berufungsverhandlung (in Kenntnis der möglichen Unverwertbarkeit) und der seitherigen Entwicklung des Berufungsklägers auch heute ausführte, dass keine Psychopathologie offenkundig sei, die eine Einschränkung der Steuerungsfähigkeit oder der Einsichtsfähigkeit begründen könnte (Verhandlungsprotokoll S. 11). Da der Berufungskläger vor Strafgericht ausführte, dass er am Toben gewesen sei (als er aufgrund des Gerangels am Boden lag), da er nicht mit Gegenwehr rechnete und vielleicht nicht mehr „abhauen“ konnte (Akten S. 405), spricht auch das Nachtatverhalten gegen eine Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit. Dafür, dass der Berufungskläger an einer wahnhaften Störung gelitten haben könnte, ergeben sich schlechterdings keine Hinweise. Inwiefern die nach Ansicht der Verteidigung wenig detaillierten Aussagen des Berufungsklägers bzw. die Dauer von zwei Jahren zwischen der Tat und der Befragung durch den Gutachter gegen eine schlüssige Expertise sprechen, erschliesst sich nicht, zumal die Aussagen des Berufungsklägers nach Auffassung des Gutachters ausreichend valide sind (Verhandlungsprotokoll S. 13).
5.6
Dass die langjährige Therapeutin, I_, unter Anwendung der von ihr als richtig angesehenen Beurteilungskriterien zu einem für den Berufungskläger günstigeren Ergebnis gelangt, genügt nicht als Anlass, ein Obergutachten einzuholen, zumal sich F_ in seinem Gutachten einlässlich mit dem von Frau I_ geäusserten Verdacht auf eine schwere depressive Symptomatik mit Suizidalität auseinandergesetzt und mit einleuchtender Begründung (vgl. schon E. 5.5) zum Schluss kam, dass aus gutachterlicher Sicht keine durch eine depressive Störung verursachte Psychopathologie mit relevanter Beeinträchtigung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit vorliege. Im Übrigen wurde der Gutachter an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung mit dem Bericht I_ vom 31. Oktober 2017 konfrontiert (Akten S. 397) und im Vorfeld der zweitinstanzlichen Hauptverhandlung mit einer Kopie des Berichts vom 21. März 2018 bedient (Verfügung der instruierenden Appellationsgerichtspräsidentin vom 26. März 2018). Indes ist er heute mit Überzeugung bei seiner Diagnose geblieben (Verhandlungsprotokoll S. 10 ff.).
5.7
F_ hat sich in seinem Gutachten mit der Persönlichkeitsentwicklung des Berufungsklägers einlässlich beschäftigt. Er kommt mit stichhaltiger Begründung zum Schluss, dass eine abgeschlossene Persönlichkeitsentwicklung vorliege, die unreife Züge beinhalte, weshalb eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB aus forensisch-psychiatrischer Sicht nicht indiziert sei (vgl. Gutachten S. 33 ff.). An der heutigen Berufungsverhandlung wurde der Gutachter vom Gericht nochmals zum Thema einer Massnahme für junge Erwachsene befragt. Er führte dazu aus, dass beim Berufungskläger konsolidierte Verhaltensmuster, die unreif wirkten, beobachtet werden könnten. Auch nach der erstinstanzlichen Hauptverhandlung seien in Sozialem und Beruf (Rückzug in der Wohngemeinschaft, gescheiterte Arbeitsversuche) dieselben Verhaltensmuster ersichtlich. Diese Reaktionsmuster wirkten tradiert bzw. überdauernd. Es könne insgesamt nicht von einer Fehlentwicklung im Sinne von Art. 61 StGB gesprochen werden. Zudem profitiere der mittlerweile 27-jährige Berufungskläger weniger von pädagogischen Massnahmen, sondern vor allem von psychotherapeutischen Massnahmen, welche indes bei einer 61er-Massnahme eine untergeordnete Rolle spielten (Verhandlungsprotokoll S. 12).
5.8
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass F_ im schriftlichen Gutachten und anlässlich der heutigen Verhandlung klar, nachvollziehbar und schlüssig darlegen konnte, weshalb die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit weder eingeschränkt noch aufgehoben waren und weshalb eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB angezeigt ist. Seine Ausführungen brauchen deshalb nicht durch ein Obergutachten ergänzt oder überprüft zu werden. Ein solches wäre nur dann einzuholen, wenn das Gutachten an Mängeln leiden würde, die derart offensichtlich und auch für Laien erkennbar sind, dass sie das Gericht nicht hätte übersehen dürfen. Dies ist nicht der Fall, wobei es hervorzuheben gilt, dass selbst der amtliche Verteidiger das Gutachten vor erster Instanz noch als schlüssig bezeichnet hat (Akten S. 408). Dass sich der Berufungskläger – wie von der Verteidigung geltend gemacht – zur Tatzeit in einer schwierigen Lebensphase befand, wird auch vom Appellationsgericht nicht bezweifelt. Indes reicht dieser Fakt alleine nicht aus, um von einer verminderten bzw. aufgehobenen Schuldfähigkeit ausgehen zu können. Insgesamt ist der entsprechende Beweisantrag (auch vom Gesamtgericht) abzuweisen und es kann vollumfänglich auf das Gutachten von F_ vom 3. Juli 2017 abgestellt werden.
6.
6.1
An die Strafzumessung werden drei allgemeine Anforderungen gestellt: Sie muss zu einer verhältnismässigen Strafe führen (Billigkeit), ein Höchstmass an Gleichheit gewähren (Rechtssicherheit) und transparent sowie überzeugend begründet und dadurch überprüfbar sein (Legitimation durch Verfahren; vgl.
Trechsel/Thommen
, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich 2018, Art. 47 N 3;
Wiprächtiger/Keller
, in: Basler Kommentar, 4. Auflage, Basel 2019, Art. 47 StGB N 10; AGE SB.2017.35 vom 30. Juni 2017 E. 2.3.1). Massgeblich für die Strafzumessung ist gemäss Art. 47 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB, SR 311.0) das Verschulden des Täters. Dabei zu berücksichtigen sind das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse und die Strafempfindlichkeit des Täters. Die Bewertung des Verschuldens wird in Art. 42 Abs. 2 StGB dahingehend präzisiert, dass dieses nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt wird, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden. Dem Richter kommt ein Ermessen zu, in welchem Umfang er die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 134 IV 17 E. 2.1 S. 19 f.).
6.2
Ausgangslage der Strafzumessung bildet der Schuldspruch wegen lebensgefährlichem Raub. Derartige Verbrechen werden gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren sanktioniert.
6.3
6.3.1
Das Verschulden des Berufungsklägers wiegt innerhalb des qualifizierten Tatbestandes des Art. 140 Ziff. 4 StGB nicht schwer. Zwar lag eine gewisse Planung (namentlich die mitgeführte Ausrüstung [Halstuch, Sonnenbrille, Handschuhe etc.]) vor und die geschaffene Situation war gefährlich. Indes war die durch die Abwehrbewegung entstandene (physische) Handverletzung des Opfers relativ geringfügig, wobei gewisse Beeinträchtigungen in psychischer Hinsicht nicht ganz ausser Acht zu lassen sind (vgl. dazu eingehend E. 7). Insgesamt ist die vorliegend zu beurteilende Tat im Rahmen des lebensgefährlichen Raubes objektiv am untersten Rand einzuordnen.
6.3.2
Das Motiv des Berufungsklägers ist auch im Berufungsverfahren etwas unklar geblieben (vgl. Verhandlungsprotokoll S. 6). Sein Angriff von hinten war aber recht heimtückisch und die Vorgehensweise muss als ziemlich hartnäckig bezeichnet werden. Gemäss dem psychiatrischen Gutachten (auf welches vollumfänglich abgestellt werden kann; vgl. E. 5) und den ergänzenden diesbezüglichen Ausführungen F_ an der heutigen Hauptverhandlung, lag zum Tatzeitpunkt keine Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit vor. Die Alkoholisierung des Berufungsklägers (laut forensisch-toxikologischem Gutachten des IRM betreffend Blut und Urin betrug diese zum Tatzeitpunkt zwischen 1.2 und 2.1 ‰) sei lediglich begünstigender Faktor zur Deliktsbegehung gewesen und ist daher ebenfalls nicht strafmildernd zu berücksichtigen, zumal der Berufungskläger aufgrund seiner persönlichen Umstände (vgl. Verhandlungsprotokoll S. 2 ff.) als gewöhnter Trinker bezeichnet werden muss. Ferner gibt es laut forensisch-toxikologischem Gutachten des IRM keine Hinweise auf eine zusätzliche Beeinträchtigung durch Betäubungsmittel oder verordnete Arzneistoffe (vgl. Akten S. 188 ff.). Angesichts der hohen Mindeststrafe des Art. 140 Ziff. 4 StGB besteht insgesamt aber keine Notwendigkeit, die Strafe zusätzlich zu schärfen, sodass von einer Einsatzstrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe auszugehen ist.
6.4
Bezüglich der Täterkomponenten liegen mit dem schweren Vorleben ohne stabile familiäre Verhältnisse in [...] und der Schweiz, den damit verbundenen sozialen Integrationsproblemen, der im Gutachten dokumentierten Krankheit einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit Substanzmittelmissbrauch und der labilen Verfassung einige entlastende Momente vor. Der Berufungskläger zeigt sowohl Einsicht in das Unrecht seiner Tat als auch Reue, was namentlich dadurch zum Ausdruck kommt, dass er sich anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung spontan beim Privatkläger entschuldigte (Akten S. 402) und heute glaubhaft ausgesagt hat, die Tat zu bereuen (Verhandlungsprotokoll S. 15). Zudem ist der Berufungskläger gemäss aktuellem Strafregisterauszug vom 12. Oktober 2018 nicht vorbestraft, sodass es sich insgesamt rechtfertigt, die Freiheitsstrafe auf das gesetzliche Minimum von fünf Jahren festzusetzen.
6.5
Der Berufungskläger ist gemäss forensisch-psychiatrischem Gutachten von F_ behandlungsbedürftig, wobei das begangene Delikt im Zusammenhang mit der Krankheit des Berufungsklägers stehe. Der Gutachter empfiehlt eine ambulante psychiatrische Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB. Damit liesse sich das Risiko für weitere Delikte vermindern. Die ambulante Massnahme kann laut Gutachter haftbegleitend vollzogen werden. Eine Behandlung nach vorherigem Strafvollzug wäre grundsätzlich ebenfalls möglich, jedoch hinsichtlich der therapeutischen Zielsetzung weniger erfolgversprechend. Eine Massnahme für junge Erwachsene (vgl. dazu schon E. 5.7) oder eine stationäre Massnahme seien aus forensisch-psychiatrischer Sicht nicht indiziert (vgl. Gutachten S. 53 ff.).
6.6
6.6.1
Den Ausführungen des Gutachters ist vollumfänglich zu folgen. Zu ergänzen bleibt, dass sich ein Aufschub der fünfjährigen Freiheitsstrafe zu Gunsten der ambulanten Massnahme (gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB) angesichts der heute auszusprechenden langjährigen Freiheitsstrafe aufgrund des Schuldprinzips nicht (mehr) rechtfertigen lässt und einem Strafaufschub ohnehin bloss Ausnahmecharakter zukommt (BGE 129 IV 161 E. 4.2 S. 164; vgl. zudem
Trechsel/Pauen Borer
, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich 2018, Art. 63 N 6;
Heer
, in: Basler Kommentar, 4. Auflage 2019, Art. 63 StGB N 39 f.).
6.6.2
Damit kann den psychischen Problemen des Berufungsklägers nicht mehr im bisherigen Behandlungs-Setting begegnet werden. Dieses zeitigte zwar eine gewisse Wirkung, zumal der Berufungskläger – soweit ersichtlich – seit der zur Diskussion stehenden Tat vom 1. Juli 2015 strafrechtlich nicht mehr in Erscheinung getreten ist. Indes ist dem von der Verteidigung heute eingereichten Bericht von J_ [...] zu entnehmen, dass eine IV-Massnahme (Belastungstraining) bei [...] trotz der Begleitung durch [...] und den Gesprächsterminen bei E_ und I_ schon kurz nach Beginn aufgrund wiederkehrendem Fernbleiben beendet werden musste. Im Rahmen eines geschützten Arbeitsplatzes im internen technischen Dienst [...] war offenbar wiederum das vom Gutachter beschriebene Muster (vgl. dazu E. 5.7), wonach sich der Berufungskläger bei kleinsten Veränderungen in seiner Wohnsituation (Einzug eines weiteren Mieters) zurückzieht und seine Termine nicht mehr wahrzunehmen pflegt, zu beobachten. Darüber hinaus war der Berufungskläger zur Tatzeit bereits im selben Setting in Therapie (Akten S. 403; Verhandlungsprotokoll S. 4), wobei dieses das Delikt offenbar nicht verhindern konnte. Im Übrigen muss die berufliche Perspektive des Berufungsklägers seit der erstinstanzlichen Verhandlung, anlässlich welcher er ausführte, dass er eine Ausbildung beginnen möchte, indes noch nichts aufgegleist sei (Akten S. 395), heute als unverändert vage bezeichnet werden (vgl. Verhandlungsprotokoll S. 2 ff.). Ferner scheint die Aufarbeitung des Delikts in den Therapiegesprächen aktuell keine bzw. nur eine untergeordnete Rolle zu spielen (Verhandlungsprotokoll S. 6, 9).
6.6.3
Vor dem Hintergrund des soeben Referierten erscheint es notwendig, den offenbar hochsensiblen Berufungskläger anderen bzw. neuen Therapie-Ansätzen zuzuführen, zumal F_ in seinem Gutachten und anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung ausführte, dass der Berufungskläger weniger von pädagogischen Massnahmen profitiere, sondern häufigerer und intensiverer psychiatrischer Behandlung bedürfe (Verhandlungsprotokoll S. 12). Dies kann bei entsprechender Therapiemotivation seitens des Berufungsklägers mit einer vollzugsbegleitenden ambulanten Massnahme durchaus erreicht werden. Der Strafvollzug sollte deshalb als Chance verstanden werden, zumal in Strafanstalten wie beispielsweise „Wauwilermoos“ oder „Witzwil“ (grundsätzlich) auch die Möglichkeit besteht, sich beruflich zu entwickeln und eine Lehre bzw. eine Lehre mit Attest zu absolvieren.
7.
7.1
Der Berufungskläger wendet sich schliesslich gegen die vom Strafgericht (vgl. vorinstanzliches Urteil S. 13) angeordnete Zahlung einer Genugtuung an das Opfer in Höhe von CHF 1'500.– (Berufungsbegründung Ziff. 16).
7.2
Art. 47 und 49 des Schweizerischen Obligationenrechts (OR, SR 220) bestimmen, dass der Richter Personen, die in ihrer körperlichen Integrität oder in ihrer Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wurden, eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen kann. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene Unbill, indem das Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die Beeinträchtigung erträglicher gemacht wird. Bemessungskriterien sind vor allem die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, der Grad des Verschuldens des Haftpflichtigen, ein allfälliges Selbstverschulden des Geschädigten sowie die Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch die Zahlung eines Geldbetrags. Die Höhe der Summe, die als Abgeltung erlittener Unbill in Frage kommt, lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen (BGE 132 II 117 E. 2.2.2 S. 119).
7.3
7.3.1
Zu den Verletzungen, die sich das Opfer anlässlich des bereits erwähnten Gerangels (vgl. E. 3.4) an der Hand zugezogen hat, liegt ein schlüssiges Gutachten des IRM vor, das als Schlussfolgerung festhält, dass die festgestellten Verletzungen durch die Abwehrbewegungen des Opfers (Griff ins Messer) entstanden sein müssen (Akten S. 204 ff.). Damit ist nachgewiesen, dass die Verletzungen an der Hand des Opfers als Folge der Abwehrhandlung vom zur Diskussion stehenden Vorfall herrühren.
7.3.2
Das Verhalten des Opfers war auch nachvollziehbar. Wer ein Messer am Hals spürt, fühlt sich in seinem Leben bedroht und weiss, dass es wenig braucht, dass es zu lebensgefährlichen Verletzungen kommen kann. Dass sich das Opfer in Todesgefahr fühlte und sich deshalb wehrte, ist umso glaubhafter, als dass das Geschehen dynamisch und unberechenbar war. Zudem verliess der Täter den Laden nach der Wegnahme des Geldes nicht, woraus das Opfer schloss, dass das Geld nicht dessen einziges Ziel gewesen sei (Akten S. 402). Dass der Privatkläger angesichts dieser in psychischer Hinsicht stark belastenden Situation eine Verletzung an der Hand in Kauf nahm, um sich aus dieser bedrohlichen Situation zu befreien, erscheint naheliegend. Davon, dass der adäquate Kausalverlauf durch ein Selbstverschulden des Opfers unterbrochen worden sein könnte (Berufungsbegründung Ziff. 16; Plädoyer-Notizen S. 6), kann keine Rede sein.
7.4
Der Privatkläger wurde
durch den zur Diskussion stehenden Vorfall physisch und psychisch nicht unerheblich beeinträchtigt. Vor diesem Hintergrund erscheint es mit dem Strafgericht (vgl. vorinstanzliches Urteil S. 13) angemessen, dem Opfer eine Genugtuung in Höhe von CHF 1‘500.– zuzusprechen.
8.
8.1
Die schuldig gesprochene Person hat – sofern keine gesetzlichen Ausnahmen vorliegen – gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO sämtliche kausalen Verfahrenskosten zu tragen (BGer 6B_811/2014 vom 13. März 2015 E. 1.4). Die Verfahrenskosten werden somit nach dem Verursacherprinzip verlegt.
8.2
Da der Berufungskläger auch im Berufungsverfahren wegen lebensgefährlichem Raub verurteilt wird, sind die erstinstanzlichen Verfahrenskosten sowie die erstinstanzliche Urteilsgebühr zu belassen. Demgemäss trägt der Berufungskläger für das erstinstanzliche Verfahren Kosten in Höhe von CHF 21‘114.30 sowie eine Urteilsgebühr im Betrag von CHF 4‘500.–.
9.
9.1
Für die Kosten des Rechtsmittelverfahrens kommt Art. 428 Abs. 1 StPO zum Tragen. Ob bzw. inwieweit eine Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen werden (BGer 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E. 2.4.1).
9.2
Der Berufungskläger unterliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich, weswegen ihm die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens mit Einschluss einer Urteilsgebühr von CHF 1‘500.– (inklusive Kanzleiauslagen, zuzüglich der Kosten der Expertise von F_ anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung in Höhe CHF 2‘335.50, zuzüglich allfälliger übriger Auslagen) auferlegt werden (Art. 428 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 21 Abs. 1 des Gerichtsgebührenreglements [GGR, SG 154.810]) .
10.
10.1
Der amtliche Verteidiger, B_, beantragt (in eigenem Namen), es sei ihm für das erstinstanzliche Verfahren ein Honorar von CHF 9'552.20 (zuzüglich Mehrwertsteuer von CHF 764.20) und eine Spesenvergütung von CHF 733.60 (zuzüglich Mehrwertsteuer von CHF 58.70) auszurichten.
10.2
Die amtliche Verteidigung hat Entschädigungsentscheide des erstinstanzlichen Gerichts grundsätzlich bei der Beschwerdeinstanz anzufechten (Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO). Ficht eine Partei das erstinstanzliche Urteil (in der Sache) mit Berufung an, fällt das Anfechtungsobjekt des parallelen Beschwerdeverfahrens aufgrund der Rechtsnatur der Berufung als grundsätzlich reformatorisches Rechtsmittel (Art. 408 StPO) dahin. In diesen Fällen sind die Einwände des amtlichen Verteidigers gegen die Höhe seiner Entschädigung mit der Berufung zu behandeln, sodass das Dreiergericht auch zur Beurteilung dieser Rüge zuständig ist (BGE 139 IV 199 E. 5.6 S. 205 f.;
Lieber
, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur StPO, 2. Auflage, Zürich 2014, Art. 135 N 15).
10.3
10.3.1
Der amtliche Verteidiger machte im vorinstanzlichen Verfahren mit Leistungsausweis vom 31. Oktober 2017 eine Honorarforderung von insgesamt CHF 9'939.– (inklusive Mehrwertsteuer) geltend. Im Urteil der Vorinstanz wurde ihm indes „bloss“ eine Entschädigung in Höhe von CHF 8‘859.05 (inklusive Mehrwertsteuer) ausgerichtet.
10.3.2
Aus dem erstinstanzlichen Verhandlungsprotokoll (Akten S. 408) ergibt sich, dass dem amtlichen Verteidiger vor der Urteilseröffnung das rechtliche Gehör betreffend seine Honorarnote gewährt wurde. Die Kürzung des geltend gemachten Aufwands wurde offenbar auch mündlich begründet (Berufungsbegründung Ziff. 18). Indes findet sich im schriftlichen Urteil keine Begründung hierfür.
10.4
10.4.1
Art. 29 Abs. 2 BV begründet einen Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieser beinhaltet die Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen. Die Begründung muss jedenfalls kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Grundsätzlich ist ein Entscheid so zu begründen, dass die betroffene Person sich über dessen Tragweite Rechenschaft geben, ihn in voller Kenntnis der Sache weiterziehen und die obere Instanz überprüfen kann, ob die untere Instanz Recht verletzt hat (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236; BGer 1B_767/2012 vom 23. Januar 2013 E. 2.2;
Stohner
, in: Basler Kommentar, 2. Auflage 2014, Art. 81 StPO N 9).
10.4.2
Im vorliegenden Fall ist völlig unklar, welche Aufwandspositionen das Strafgericht konkret bemängelte bzw. kürzte. Es ist ebenso unbestimmt, von welchen Überlegungen sich die Vorinstanz bei ihrem Entscheid leiten liess. Demgemäss konnte sich der amtliche Verteidiger dagegen nicht wirkungsvoll verteidigen bzw. kann das Berufungsgericht nicht überprüfen, ob die Vorinstanz Recht verletzt hat. Da es sich aus prozessökonomischen Gründen nicht rechtfertigt, den Fall deshalb an das Strafgericht zurückzuweisen, wird B_ für die erste Instanz ein Honorar gemäss seiner Aufstellung zu Lasten der Strafgerichtskasse zugesprochen (unter Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO). Für den genauen Betrag wird auf das Urteilsdispositiv verwiesen.
11.
11.1
Der amtliche Verteidiger macht mit seinen beiden Honorarnoten vom 12. November 2018 für das Berufungsverfahren einen Aufwand von insgesamt rund 63 Stunden geltend (teilweise von der Volontärin erbracht).
11.2
Der vor zweiter Instanz von der Verteidigung betriebene Aufwand fällt klar zu hoch aus und kann nicht vollumfänglich entschädigt werden. Namentlich der Aufwand für die Berufungsbegründung von rund 13.5 Stunden erscheint für einen mit dem Fall befassten Advokaten zu hoch. Zudem können die diversen Aufwandposten, die Abklärungen bei der Invalidenversicherung betreffen, im Strafverfahren nicht entschädigt werden, zumal dafür gemäss Auskunft von E_ in der heutigen Hauptverhandlung die Sozialarbeiterin [...] zuständig ist (Verhandlungsprotokoll S. 9).
11.3
Dem amtlichen Verteidiger wurde am Ende der Urteilsberatung bezüglich seiner Honorarnote das rechtliche Gehör gewährt. Er erklärte sich mit einer pauschalen Kürzung seiner Honorarnote um CHF 2‘000.– einverstanden (Verhandlungsprotokoll S. 15).
11.4
Für die heutige Berufungsverhandlung (inklusive Nachbesprechung mit seinem Klienten) sind dem Verteidiger zusätzlich fünf Stunden zu vergüten. Die geltend gemachten Auslagen von insgesamt CHF 147.50 werden akzeptiert.
11.5
Für die Aufwendungen und die Auslagen sind 7,7 % MWST zu entrichten. Bezüglich des genauen Betrags wird auf das Urteilsdispositiv verwiesen.
11.6
11.6.1
Gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO hat die beschuldigte Person, die zu den Verfahrenskosten verurteilt wird, dem Gericht die der Verteidigung bezahlte Entschädigung zurückzuerstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. Diese Rückzahlungspflicht bezieht sich jedoch, wie sich aus Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO ergibt, nicht auf die Entschädigung für Aufwendungen der Verteidigung in den Punkten, in welchen der Berufungskläger obsiegt hat.
11.6.2
Da der Berufungskläger mit seiner Berufung vollumfänglich unterliegt, umfasst die Rückerstattungspflicht bezüglich des Honorars seines amtlichen Verteidigers im Falle seiner wirtschaftlichen Besserstellung 100 % des zugesprochenen Honorars.