Decision ID: d14f9f78-f67d-4fb6-981e-a493dfbd78ca
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958, meldete sich am
4.
April 2007 unter Hinweis auf Kopf
, Schulter-, Bein- und Rückenschmerzen sowie Schwindel bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom
5.
Juni 2008 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente ab
1.
April 2007 zu (
Urk.
7/58 und
Urk.
7/47). Mit Verfügung vom 2
4.
Oktober 2012 hob die IV-Stelle die bis
herige ganze Invalidenrente des Versicherten gestützt auf die Schluss
bestimmungen auf (
Urk.
7/113). Die Rentenaufhebung wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
7.
Februar 2013 im Verfahren Nr. IV.2012.01206 bestä
tigt (
Urk.
7/121).
1.2
Am 2
2.
Mai 2014 meldete sich der Versicherte erneut bei der Invaliden
versiche
rung an (
Urk.
7/127). Mit Vorbescheid vom 2
9.
August 2014 (
Urk.
7/137) wurde ein Nichteintreten auf die Neuanmeldung in Aussicht gestellt. Nachdem der Versicherte Einwände erhoben hatt
e (
Urk.
7/141;
Urk.
7/146; Urk.
7/150;
Urk.
7/164;
Urk.
7/168), trat die IV-Stelle auf die Neuanmeldung ein und holte bei
Dr.
med. Y._
ein psychiatrisches Gutachten ein, das am
7.
Oktober 2015 erstattet wurde (
Urk.
7/184). Mit Verfügung vom
5.
Juni 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch des Versicherten um unentgeltliche Rechts
ver
tretung (
Urk.
9/146 S. 2) mangels Notwendigkeit ab (
Urk.
9/175). Mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
8.
Oktober 2015 (Verfahren Nr. IV.2015.00738;
Urk.
7/185) sowie mit Urteil des Bundesgerichts vom
3.
Februar 2016 (
Urk.
7/190) wurde dieser Entscheid geschützt.
Die IV-Stelle auferlegte dem Versicherten am 2
5.
Januar 2017 eine Schaden
min
derungspflicht betreffend psychiatrische Behandlung (
Urk.
7/191). In der Folge holte die IV-Stelle bei
Dr.
med. Z._
ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 2
7.
September 2018 erstattet wurde (inklusive neuropsychologische Abklärung durch
Dr.
A._
;
Urk.
7/223). Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(
Urk.
7/226;
Urk.
7/229;
Urk.
7/232) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
9.
September 2019 einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
7/235 =
Urk.
2).
2.
2.1
Der Versicherte erhob am
8.
Oktober 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom
9.
September 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
ab dem
1.
Dezember 2014 mindestens eine halbe Invalidenrente auszurichten; die Angelegenheit sei insofern, das heisse mit der Auflage zur Berechnung des Inva
liditätsgrades gestützt auf das Gutachten von
Dr.
med. Y._
, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1 und 2). In prozessualer Hinsicht beantragte er die unentgeltliche Prozessführung und Rechts
vertretung (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3). Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerde
antwort vom
7.
November 2019 (
Urk.
6) um Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 1
2.
März 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13).
2.2
Das Sozialversicherungsgericht ordnete mit Beschluss vom
4.
Juni 20
20
(
Urk.
15
) eine psychiatrische Begutachtung des Beschwerdeführers an, wobei
Dr. med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie,
sowie Dr. C._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP,
als Gut
achter in Aussicht genommen wurde
n
. Nachdem keine
der Parteien Einwände gegen die
vorgesehenen Gutachter erhoben hatte, erteilte das Gericht mit Beschluss vom 1
0.
August 2020
(
Urk.
1
8) den definitiven Gutachtensauftrag. Am
1
7.
März 2021
erstattete
Dr.
B._
sein Gutachten
(
Urk.
32)
, unter Berücksichti
gung des neuropsychologischen Gutachtens von
Dr.
C._
vom 1
5.
März 2021 (
Urk.
33/4)
.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme dazu (
Urk.
37), was dem Beschwerdeführer am 2
6.
Mai 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
39).
M
it Eingabe vom
2
4.
Juni 2021
(
Urk.
45
)
nahm
der Beschwerde
führer
Stellung zum Gerichtsgutachten und beantragte in Abänderung seines Beschwerdebegehrens,
es sei ihm ab Dezember 2014
eine ganze
Invalidenrente
zuzusprech
en
(S. 3 Mitte). Diese Eingabe wurde
der
Beschwerdegegnerin
am
3.
September 2021
zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk
.
48
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte
Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Ein
ordnung des gel
tend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) aus, dass sie sich im Wesentlichen auf ein psychiatrisches Gutachten von
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
inklusive neuropsychologi
scher Abklärung
durch
Dr.
phil. A._
vom September 2018 stütze (S.
2 oben). Es stehe mit hinreichender Klarheit fest, dass die Leistungs
einschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruhe. Eine versicherte Gesundheitsschädigung falle somit ausser Betracht und ein Renten
anspruch sei ausgeschlossen (S. 2 Mitte). Aufgrund der unzureichenden Behandlung habe sie dem
Beschwerdeführer
eine Schadenminderungspflicht betreffend psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung auferlegt. Eine erneute psychiatrische Expertise sei unentbehrlich gewesen, um den medizi
nischen Sachverhalt betreffend Art und Ausmass des Gesundheits
schadens, Verlauf seit 2015, Vor
liegen einer allfälligen Aggravation und Arbeitsfähigkeit ergänzend abzuklären (S. 3 oben). Die Einholung eines neuen Gutachtens sei keine unzulässige „
second
opinion
“ gewesen. Im Übrigen habe der
Beschwerde
führer
im Vorfeld keine Ein
wendungen gegen eine neuerliche Begutachtung gemacht und die Expertise von
Dr.
med. Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, die vom
7.
Oktober 2015 datiere, sei für die Belange der neuen Beurteilung nicht mehr aktuell gewesen (S. 3 Mitte).
2.
2
Der
Beschwerdeführer
stellte sich in der Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt, dass auf das schlüssige Gutachten von
Dr.
Y._
vom
7.
Oktober 2015 abzustellen sei (S. 6 unten). Es liege eine Verfahrensverschleppung im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
vor, da der zweite Vorbescheid erst fünf Jahre nach der Anmeldung erlassen worden sei (S. 4). Angesichts der klaren Ausgangslage wäre die
Beschwerdegegnerin
verpflichtet gewesen, nach dem Erhalt des Gut
achtens von
Dr.
Y._
im Jahr 2015 umgehend den zweiten Vorbescheid oder die Verfügung zu erlassen (S. 5 unten). Hingegen sei sie nicht berechtigt gewesen, im Sinne einer verpönten
second
opinion
eine weitere Begutachtung einzuleiten (S. 6 oben). Es sei offensichtlich, dass der
Beschwerdegegnerin
das Ergebnis der Begutachtung nicht
«
gepasst
»
habe. Deshalb habe sie beschlossen, den
Beschwerdeführer
ein weiteres Mal begutachten zu lassen (S. 6 Mitte). Auf die erneute Begutachtung, also die
second
opinion
von
Dr.
Z._
vom 2
7.
Sep
tember 2018, dürfe klar nicht abgestellt werden (S. 6 unten)
.
Im Rahmen der Stellungnahme zum Gerichtsgutachten
(
Urk.
45
)
hielt der Beschwerdeführer fest, es sei sehr problematisch, retrospektiv über fast zehn Jahre seine Psyche aus der klinischen Untersuchung 2020/2021 und aufgrund der Akten nachträglich korrekt zu beurteilen (S. 2 Mitte). Er werde in Kürze 63 Jahre alt; eine Wiedereingliederung sei bereits altersbedingt nicht mehr möglich (S. 2 unten).
Es erscheine schon rein zeitlich, dann aber auch aufgrund der im Zumut
barkeitsprofil attestierten mangelnden Flexibilität als unmöglich, dass er seine Resterwerbsfähigkeit selbst im ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten könnte. Es sei ihm rückwirkend ab dem 2
6.
Mai 2014 gar nicht mehr möglich gewesen, seine Resterwerbsfähigkeit zu verwerten, denn die Berechnung des Invaliditätsgrades habe heute zu erfolgen. Dass dem so sei, habe die Beschwerdegegnerin mit der äusserst schleppenden Führung des Verwaltungsverfahrens zu verantworten. Ent
sprechend sei ihm ab Dezember 2014 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (S.
3 Mitte). Selbst wenn das Gericht von einer 70%igen Leistungsfähigkeit ausgehen sollte, müsste bei der Berechnung des Invaliditätsgrades ein Leidens
abzug von 25 % vorgenommen werden (S. 3 unten).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom
2
2.
Mai 2014 (
Urk.
7/127)
eingetreten. Es gilt somit zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im massgeblichen Zeitraum zwischen der gerichtlich bestätigten
Verfügung vom 2
4.
Oktober 2012
, mit welcher
die bis
herige
Invalidenrente
eingestellt
worden war (
Urk.
7/1
13;
Urk.
7/1
21
), und der angefochtenen Verfügung vom
9.
September 2019
insoweit verschlechtert hat, dass nunmehr
wieder
ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.
3.
3.1
In Bezug auf den
Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
im Zeitpunkt de
r Aufhebung der Invalidenrente
lagen insbesondere zwei Gutachten vor:
3.2
Dr. med. D._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte im Gutachten vom 1. Juli 2010 (Urk.
7
/8
3
/5-35
)
folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 20 Ziff. 4.1):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
-
akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1)
Dr.
D._
führte aus, der Beschwerdeführer sei bewusstseinsklar und zu den Qualitäten nur unscharf orientiert. Die Auffassung sei gemindert, ebenso die Konzentration (S. 11 unten). Die Stimmungslage sei latent bis offen gereizt, durchgängig
dysphorisch
, nicht eigentlich depressiv (S. 12 Mitte). Von Beginn an fielen im Verhalten starke Aggravations- und Ver
deutlichungstendenzen auf, gelegentlich scheine die Grenze zur Simulation überschritten (S. 11 unten). Es habe sich keine ausgeprägte depressive Symptomatik ermitteln lassen (S. 15 f.). Das psychische Leiden sei nun eindeutig im Sinne einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung zu sehen (S. 17 Mitte).
Dr.
D._
gab weiter an,
dass
eine angemessene Beurteilung der Arbeit
s
fähigkeit relativ schwerfalle
. Seine letzten beruflichen Tätigkeiten als
Magaziner
und Chauffeur sowie selbständiger Reisebürokaufmann sollten dem Beschwerde
führer nicht mehr zugemutet werden (S. 23 Mitte). Da mindestens ein Teil der Beschwerden durch eine subjektive Willensanstrengung aufgehoben werden könnte, könne theoretisch eine Restarbeitsfähigkeit für eine leidens
adaptierte Tätigkeit von derzeit 40 % festgelegt werden. Bei der gereizten
Grundstimmung des Beschwerdeführers sowie
der abwesenden Haltung der Um-
und Mitwelt gegenüber sei evident, dass Arbeiten in Teams beziehungsweise mit Publikums
verkehr ganz entfallen müssten. Ebenso seien Arbeiten unter Zeitdruck oder mit hohem körperlichen Einsatz nicht durchführbar (S. 24 f.).
3.3
Dr. med. E._
,
Facharzt für
Ps
ychiatrie und Psychotherapie
, nannte im Gutachten vom 4. Juni 2012 (Urk.
7
/
100
)
als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) bei fehlenden Ressourcen und dysfunktionalen Bewältigungsmechanismen (S. 9 Ziff. 5.1). Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit führte er im Wesentlichen akzentuierte ängstlich-vermeidende und
histrionische
Persönlich
keits
züge (ICD-10: Z73) an (S. 10 Ziff. 5.2).
D
r.
E._
gab im Rahmen der Befunde an, die Grundstimmung des Beschwerdeführers sei niedergeschlagen und hoffnungslos, die affektive Schwingungsfähigkeit eingeschränkt. Der Affekt sei
ängstlich, mit Gefühlen der Selbstwertminderung und Scham. Ein Leidensdruck sei spürbar und es fielen gelegentliche schmerzbedingte Positionswechsel auf. Die Beschwerdeschilderungen seien glaubhaft, hätten aber auch einen gewissen
appellativen
Charakter. Das Antriebsverhalten sei reduziert, psychomotorisch wirke der Beschwerde
führer wenig lebhaft (S. 9 oben).
Dem Beschwerdeführer sei für die zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeiten (Lagerist, Chauffeur) nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit zu attestieren. Körper
lich leichte und wechselbelastende Tätigkeiten, ohne permanenten Zeit- und Termindruck, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen wären medizinisch-theoretisch in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsatmosphäre zu 40% möglich. Das Arbeitstempo sei ver
langsamt und die emotionale Belastbarkeit erniedrigt.
Es bestehe eine Antriebs
störung mit deutlichen Hemmungen sowie eine psycho
physische Belastbarkeits
minderung mit vorzeitiger Erschöpfung
(S. 12 Ziff. 6.2 und 6.3).
3.4
Vor diesem Hintergrund wurde i
m
Urteil des hiesigen
Gerichts vom 2
7.
Februar 2013 (
Urk.
7/121
)
f
olgendes
festgehalten
(S. 11
E. 5.1)
:
«
Den aktuellen medizinischen Berichten ist übereinstimmend die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zu entnehmen. Daneben findet sich die Diagnose der Akzentuierung von Persönlichkeitszügen. Wesentliche somati
sche Diagnosen wurden nicht gestellt; eine organische Ursache der Schmerzen konnte nicht gefunden werden. Sowohl
Dr.
D._
als auch
Dr.
E._
attestierten dem Beschwerdeführer e
ine Restarbeitsfähigkeit von 40
%. Hierzu kann festgehalten werden, dass
Dr.
D._
und
Dr.
E._
ihre Gutachten basierend auf umfassenden Untersuchungen des Beschwerde
führers, unter Ein
bezug der Akten, Erhebung der vollständigen Anamnese und Befunde sowie unter Darlegung ihrer Schlussfolgerungen erstatteten. Die beiden Gutachten vermögen den praxisgemässen Anforderungen (
...
) vollumfänglich zu genügen, weshalb
auf sie abgestellt werden
kann.»
Aufgrund der damals massgebenden Rechtsprechung kam das hiesige Gericht zum Schluss, dass der Regelfall der zumutbaren Überwindbarkeit gegeben sei, so dass die aufgrund der somatoformen Schmerzstörung attestierte Minder
ung der Arbeitsfähigkeit von 60
% im versicherungsrechtlichen Rahmen ausser Betracht bleiben müsse (
S. 16
E. 5.5).
4
.
4
.1
Die im Rahmen der Neuanmeldung eingegangenen Berichte geben über den Gesundheitszustand de
s
Beschwerdeführer
s
folgendes Bild:
4.2
Dr.
med. F._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im
Verlaufsb
ericht vom
7.
Juli 2014
(
Urk.
7/135/1-3) folgende Diagnosen (S.
1 Ziff. 2
):
-
paranoide Schizophrenie
-
chronische Schmerzstörung
-
anamnestisch rezidivierende depressive Episo
den mittleren / schweren Grades
Dr.
F._
führte aus, der
Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers habe sich
ver
schlechtert
(S. 1 Ziff. 1)
.
Jede Diagnose vermöge die Arbeitsfähigkeit zu tangieren. Ihr
komorbides
Auftreten erhöhe deren pathogene Wirkung und erschwere die Behandelbarkeit. Der Beschwerdeführer bleibe bis auf Weiteres 100 % arbeitsun
fähig (S. 1 Ziff. 2). Das Schmerzsyndrom sei vorbestehend. Klinisch wichtiger sei jedoch ein sich schleichend entwickelnder psychotischer Zustand. Der zuständige Kollege der Spezialsprechstunde «Früh
erkennung von Psychosen» der G._
habe seinen Eindruck einer paranoid-schizophrenen Entwicklung bestätigt
(S. 1 Ziff. 3). Der Beschwerdeführer höre Stimmen, Geräusche, fühle sich beobachtet; er sei ständig auf der Flucht. Er
berichte
über wichtige Zusammenhänge, die er entdeckt habe. Der Antrieb sei gesteigert, hyperaktiv-hektisch. Es bestehe wenig Krankheitseinsicht (S. 2 oben). Eine stationäre Beobachtung wäre indiziert
(
S. 2
Ziff.
4
).
4
.
3
Vom 1
1.
Februar bis 1
1.
März 2015 befand sich der
Beschwerdeführer
im Sanatorium
H._
in stationärer Behandlung
. Die behandelnden Ärzte nannten i
m Austrittsbericht
vom 1
2.
März 2015 (
Urk.
7/167) die Diagnose einer
undifferenzierte
n
Schizophrenie (S. 1 Mitte). Der
Beschwerdeführer
berichte, akustische sowie visuelle Halluzinationen zu haben (S. 3 oben).
Seit etwa drei Jahren habe er begonnen, imperative S
timmen zu hören,
die ihm befehlen
würden,
Menschen
in seinem Umfeld
zu verletzen, Diebstahl zu
begehen
et
c
etera
.
Er
habe gelernt, sich diesen Stimmen zu widersetzen, leide aber sehr darunter (S.
1 unten).
Der
Beschwerdeführer
habe zudem Halluzinationen in Form von Gesichtern, die über den Schultern anderer Menschen zu sehen seien (S. 2 Mitte). Aufgrund der starken Manifestation des Erkrankungsbildes sei der Behandlungs
erfolg zwar nicht ganz ausgeblieben, müsse jedoch als unbefriedigend eingestuft werden (S. 3 oben).
4
.
4
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte im
Gutachten vom
7.
Oktober 2015
zuhanden
der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/184) die
Diag
nose einer
schwere
n
depressive
n
Episode
mit psychotischen Symptomen (S.
15
Ziff.
9.1).
Die Diagnose einer Schizophrenie lasse sich nicht bestätigen (S. 16
Ziff.
9.7).
Dr.
Y._
führte aus,
dass sich diese Diagnose weder aus den psychopathologischen Befunden des ambulanten Psychiaters noch aus dem stationären Austrittsbericht erschliesse (S. 13 unten).
Auch in der aktuellen Untersuchung zeige sich nicht das typische Bild eines Patienten mit chronischer Schizophrenie; es fehlten die formalen Denkstörungen, das desorga
nisierte Verhalten
, der abgeflachte und läppische Affekt oder Wahnsymptome. Hingegen weise der Beschwerdeführer deutliche Symptome einer Depression auf. So habe er eine stark herabgeminderte Stimmung angegeben,
Anhedonie
, nega
tive und pessimistische Zukunftsperspektiven, Interessensverlust und rezidi
vierende Suizidgedanken. Zusätzlich habe er über Ein- und Durchschlafstörungen berichtet
(S. 14 oben).
Für die in den IV
Gutachten von 2010 und 2012 gestellte anhaltende somatoforme Schmerzstörung gebe es derzeit keine Hinweise. Der Beschwerdeführer
habe
gemäss eigenen Angaben
ein- bis dreimal im Monat starke Rückenschmerzen und gelegentlich starke Kopfschmerzen. Diese Beschwerden limitierten seine Arbeitsfähigkeit nicht, weder aus objektiver noch aus subjektiver Sicht (S. 14 Mitte).
Dr.
Y._
attestierte dem Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Lagerist eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 15 Ziff. 9.2). In einer angepass
ten Tätigkeit
mit reduzierten Anforderungen an Reaktions- und Konzentrations
fähigkeit, Gruppenfähigkeit, Kontaktfähigkeit und Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben
hielt er
medizinisch-theoretisch
eine Arbeitsfähig
keit von 40 % bis 50 %
(3 - 4.5 Stunden)
für möglich (S. 15 Ziff. 9.3).
Nach einem Arbeitsunfall im Jahr 2003 habe sich zunächst ein depressives Zustandsbild entwickelt, ab 2007 sei mehrfach eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden, ab 2011 eine Störung aus dem schizo
phrenen Formenkreis. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lasse sich lediglich die affektive Störung bestätigen (S. 15
Ziff.
9.4). Die festgestellte Arbeitsunfähigkeit sei auf die langjährige psychiatrische Leidensgeschichte und die daraus resul
tierenden Einschränkungen zurückzuführen (S. 16
Ziff.
9.9). Im gegenwärtigen Zeitpunkt stehe die depressive Symptomatik mit deprimierter Stimmung, Nervo
sität, Unruhe, Grübeln, Suizidgedanken,
Anhedonie
, sozialem Rückzug sowie Ein- und Durchschlafstörungen im Vordergrund (S. 16
Ziff.
9.10.1).
Gemäss aktuellem Medikamentenspiegel nehme
d
er
Beschwerde
führer
die verschriebene Medikation nicht oder zumindest nicht regelmässig. Ob durch eine regelmässige Einnahme
eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit resultieren würde, lasse sich nicht mit Bestimmtheit sagen (S. 15
Ziff.
9.5).
In der aktuellen Begutachtung hätten sich
k
eine Hinweise auf Aggravation oder gar bewusste Simulation
ergeben
(S. 17
Ziff.
9.10.5).
4.
5
Pract
. med.
I._
,
Facharzt für Arbeitsmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), hielt mit
Stellungnahme vom 1
9.
Oktober 2015 (
Urk.
7/225 S. 3 f.)
fest, dass auf das Gutachten von
Dr.
Y._
abge
stellt werden könne. Zudem führte er aus, dass m
it einer adäquaten psycho
pharmakologischen Therapie und
einer
fachärztlich
en
psychiatrisch
-
psycho
therapeutischen Therapie aus versicherungsmedizinischer Sicht von einer Verbesserung der A
rbeitsfähigkeit
zumindest in angepasster Tätigkeit um mehr als 20
%
innerhalb eines Jahres ausgegangen werden
könne
.
4.
6
Dr.
F._
nannte im Verlaufsbericht
vo
m 1
1.
Oktober 2017 (
Urk.
7/198) die Diagnose einer chronischen paranoiden Schizophrenie.
Seit dem Bericht 2016 sei
keine wesentliche Änderung
erfolgt. Es bestehe eine
persistierende 100%ige A
rbeitsunfähigkeit
(S. 1
Ziff.
2)
.
Es zeige sich ein
halluzinatorischer
Zustand mit «Zeitreisen», Bedeutungserlebnissen, Stimmenhören (teils befehlenden Charakters), olfaktorischen Erlebnissen. Der Gedankengang sei sprunghaft, teil
weise zerfahren
. Es liege eine intensive Wahndynamik vor. Der Beschwerdeführer habe Angst, alleine zu wohnen; er lebe in der Nähe der Tochter, die Kranken
schwester sei (
S. 1
Ziff.
3).
Falls eine Zunahme der Ängste erfolge, brauche er Begleitung (S. 2
Ziff.
6).
Es fänden m
onatliche Sitzungen
statt
(S. 2
Ziff. 4
; vgl.
auch
Verlaufsb
ericht
e
vom
4.
Januar 2017,
Urk.
7/193/12-14
und
vom 1
8.
Februar 2018
,
Urk.
7/202).
4
.
7
RAD-Arzt
I._
hielt im Rahmen seiner Stellungnahme vom 1
6.
April 2018 (
Urk.
7/225/6-7) fest, dass der behandelnde Psychiater
Dr.
F._
weiterhin von einer paranoiden Schizophrenie und einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgehe. Im Rahmen einer versicherungsmedizinischen Abklärung im Jahr 2015 habe diese Diagnose nicht bestätigt werden können. Vielmehr sei von einer schweren depressiven Episode und einem gewissen Verbesserungspotential bezüglich der Arbeitsfähigkeit / funktionellen Leistungsfähigkeit ausgegangen worden. Um die aktuelle medizinische Situation adäquat zu beurteilen, werde aus versicherungs
medizinischer Sicht eine erneute psychiatrische Begutachtung empfohlen (falls möglich idealerweise Folgebegutachtung bei
Dr.
Y._
).
4.
8
Dr.
phil.
A._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie, führte in der neuropsychologischen Beurteilung
vom 1
9.
September 2018 (
Urk.
7/223/85-94)
aus, dass sich verschiedene Auffälligkeiten ergäben, die eindeutig auf suboptima
les Leistungsverhalten hinweisen würden. Es könne mit hoher Sicherheit gesagt werden, dass die erbrachten Leistungen nicht mit dem eigentlichen Leistungs
potential übereinstimmen würden
(S. 6 Mitte). Im Einzelnen zeigten sich auf
fällige Resultate in den drei eingesetzten Beschwerdevalidierungstests. In einer Aufgabe mit mehreren Lern- und Testdurchgängen liege die Leistung über beide Durchgänge hinweg betrachtet sogar signifikant unter dem Zufallsniveau (S. 6 unten). Es sei von einer gezielten Manipulation auszugehen. Noch auffälliger sei die Leistung bei einer weiteren Beschwerdevalidierungsaufgabe, bei welcher der Beschwerdeführer ein Resultat erzielt habe, das selbst bei zufälliger Testung nur in 0.01 % der Fälle zu erwarten wäre. Es sei auch hier von gezielter Manipulation auszugehen (S. 7 oben). Entsprechend schwere Beeinträchtigungen, wie sie beim Beschwerdeführer in der aktuellen Untersuchung gemessen worden seien,
wären auch mit dem aktuellen Vorhandensein von Halluzinationen üblicherweise nicht zu erwarten (S. 8 f.). Unter Berücksichtigung der diskutierten Befunde erachte er die Kriterien für das Vorliegen einer definitiven negativen Antwortverzerrung respektive Aggravation als erfüllt (S. 9 oben). Das Ausmass von tatsächlich vor
liegenden Einschränkungen lasse sich nicht sicher festlegen (S. 9 Mitte).
4.
9
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstellte am
2
7.
September 2018
ein
psychiatrisches Gutachten
(
Urk.
7/223/1-84)
,
unter Berücksichtigung der neuropsychologis
chen Abklärung durch
Dr.
A._
(vgl.
vorstehend E. 4.
8
).
Dr.
Z._
führte aus,
d
ie verschiedenen Vorgutachter hätten teilweise sehr deutlich auf Diskrepanzen, Widersprüche, Aggravation bis zur Simulation hingewiesen, sich aber dennoch in der Lage gesehen, aufgrund der subjektiven Angaben des
Beschwerdeführer
s
eine Diagnose zu stellen und zur Leistungsfähigkeit Stellung zu nehmen (S. 75 Mitte). Auch in der aktuellen psychiatrischen Untersuchung fänden sich viele Hinweise auf Diskrepanzen, Unklarheiten und Widersprüche. Die Beschwerdeschilderung bleibe insgesamt vage, unklar und der
Beschwerdeführer
habe jeweils ablehnend bis gereizt reagiert, wenn man nachgehakt habe (S. 75 unten).
Im Rahmen der zusätzlich durchgeführten neuropsychologischen Abklärung hätten sich dann wieder viele und sehr eindeutige Hinweise auf eingeschränkte Mitwirkung gefunden (S. 76 oben). Der
Beschwerdeführer
habe gezielt eine sehr viel schlechtere Leistung gezeigt als dem tatsächlichen
Leistungsniveau entspreche (S.
76 Mitte). Insgesamt heisse das aber, dass die Angaben des
Beschwerdeführer
s
nicht zuverlässig seien und dass darum weder eine psychiatrische Diagnose gestellt noch zur Leistungs
fähigkeit Stellung genommen werden könne. Es fänden sich in der ganzen Abklärung jedenfalls keine eindeutigen Hinweise dafür, dass ein schweres
psychisches Leiden nach definierte
n Kriterien bestehen würde
. Vielmehr entstehe der Eindruck, dass die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Beschwerden und Auffälligkeiten seiner Vorstellung eines psychischen Leidens entsprechen würden. Das erkläre auch die Tatsache, dass in den Akten ganz unterschiedliche Diagnosen gestellt worden seien, teilweise in nur kurzen Abständen
(S. 7
6 unten).
Aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung des Beschwerdeführers bei der Abklärung könne keine psychiatrische Diagnose gestellt werden. Einschränkun
gen liessen sich darum nicht begründen (S. 81).
5.
5
.1
Dr.
sc. hum.
C._
, Fachpsychologi
n für Neuropsychologie FSP, Zentrum J._
,
führ
te im
neuropsychologischen G
utachten
vom 1
5.
März 2021 (
Urk.
33/4)
aus, dass eine
standardisierte
neuropsychologische Testung mit normierten Testresultaten durchgeführt worden sei
(S. 12 Mitte). Der Beschwerdeführer habe beide Teile des Symptomvalidierungstests mit Werten absolviert, die extrem weit unter denen gelegen hätten, die bei motivierter Mit
arbeit erreicht
würden
(S. 13 Mitte
; S. 23 oben
).
Die Zusammenstellung der Befunde der Leistungstests lasse auf ein Aggravationsverhalten schliessen (S. 15 Mitte; S. 19 oben). Daher könnten die Ergebnisse der Leistungstests inhaltlich nicht interpretiert werden und lieferten wegen mangelnder Mitarbeit keine ver
wertbaren neuropsychologischen Befunde, da sie wahrscheinlich nicht das effek
tiv vorhandene kognitive Leistungsniveau abbildeten. Unter diesen Umständen bestehe andererseits auch das Risiko, dass tatsächliche und spezifische kognitive Defizite differenzialdiagnostisch nicht festgestellt werden könnten (S. 15 Mitte).
Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers könne w
egen
aggravierende
m
Ver
halten
aus neuropsycholo
gischer Sicht nicht beurteilt werden (S. 24). Als Ressource nannte
Dr.
C._
seine Familie (S.
23 unten). Es bestünden erhebliche psychosoziale Belastungs
faktoren wie Migrations
hintergrund, fehlende Sprach
kenntnisse und langjährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt (S. 25 Mitte).
5.2
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie, nannte in seinem Gerichtsgutachten vom 1
7.
März 2021 (
Urk.
32) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
135
Ziff.
6.1
):
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Zudem nannte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 135 f.
Ziff.
6.2):
-
Probleme, verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von narzisstisch akzentuierten Persönlichkeitszügen
-
spezifische (isolierte) Phobien (Klaustrophobie)
-
aktenkundig rezidivierende depressive Störungen, gegenwärtig remittiert
-
psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychischen und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängig
keitssyndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch
Dr.
B._
führte aus,
dass die Kontaktaufnahme an beiden Untersuchungstagen einerseits durch die Sprachbarriere, andererseits durch die misstrauische Haltung des Beschwerdeführers kompliziert gewesen sei (S. 118 Mitte). Seine Angaben seien karg, vage und diffus gewesen; es habe alles im Rahmen eines direkten Interviews erfragt werden müssen (S. 119 unten).
Die Stimmung sei an beiden Untersuchungstagen
dysphorisch
und gereizt gewesen, phasenweise leicht gedrückt, ohne durchgehende Depressivität. Inhaltlich sei der Beschwerdeführer auf somatoform anmutende Beschwerden, Schmerzen in den Oberarmen und Rückenschmerzen sowie Stimmenhören und dass er Sachen sehe, eingeengt; die diesbezüglichen Angaben seien vage und diffus gewesen (S. 120 oben). Während der gesamten Exploration seien erhebliche Diskrepanzen und Inkonsistenzen auf
gefallen. Insgesamt habe der Beschwerdeführer trotz des Ausmasses der angege
benen Schmerzen nicht schmerzgequält gewirkt (S. 120 Mitte).
Bis auf
klaustro
phobische
(Vermeiden von kleinen Räumen) sowie agoraphobische Ängste (Vermeidung von grossen Menschenmassen und der Benutzung von öffentlichen Ver
kehrsmitteln, wobei der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben mit öffentli
chen Verkehrsmitteln zur zweiten Untersuchung angereist sei) bestünden keine weiteren Phobien (S. 121 unten). Vorgetragen worden seien Stimmenhören (Stimme eines Mannes), das Gefühl, von jemandem verfolgt zu werden, visuelle Halluzinationen (er sehe Sachen, die andere nicht sehen; S. 122 oben).
Bei der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren handle es sich um eine leichtere Form der anhaltenden somatoformen Schmerz
störung. Bei dieser Diagnose müsse der Psyche keine ursächliche Rolle für die Entstehung der Störung im Sinne eines Konflikts zugesprochen werden. Beim Beschwerdeführer bestünden neben der Persönlichkeitsakzentuierung erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren: Migrationshintergrund, keine berufliche Aus
bildung, keine ausreichenden Sprachkenntnisse, langjährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, Probleme im familiären Umfeld (Erkrankung des Sohnes, Tod der Schwiegertochter), Alter sowie geringe ökonomische Stabilität (S. 171 unten).
Der Schweregrad der Schmerzstörung werde als leicht beurteilt (S. 172 Mitte).
Die Diagnose der narzisstisch akzentuierten Persönlichkeitszüge ergebe sich aus der aktuellen biografischen, familiären und sozialen Exploration (S. 173 Mitte).
Die Diagnose einer depressiven Episode lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht
stellen. Insbesondere habe im Rahmen der beiden Untersuchungs
tage keine durchgehend gedrückte Stimmung, kein Interessen
verlust und kein verminderter Antrieb objektiviert werden können (S
.
176 unten).
Die im psycho
pathologischen Befund dokumentierte
dysphorische
, gereizte, phasenweise leicht gedrückte Stimmung sei einerseits Ausdruck seiner narzisstisch akzentuierten Persönlich
keitszüge
,
andererseits der Schmerzstörung (S. 177 oben).
Die fachärztlich diagnostizierte paranoide Schizophrenie sei nicht nachvoll
zieh
bar (S. 179 Mitte). Die jahrelang durchgeführte psychiatrisch-psycho
therapeuti
sche Behandlung müsse als nicht evidenzbasiert beurteilt werden, da die Behandler von einer falschen Diagnose ausgegangen seien. Die klassischen konserva
tiven Versuche der Schmerzlinderung seien gemäss Angaben des Beschwerde
führers gescheitert. Trotz des geltend gemachten Ausmasses und der Dauer der Schmerzen sowie der daraus resultierenden funktionellen Ein
schrän
kungen, sowohl privat als auch beruflich, finde keine suffiziente Schmerz
be
handlung statt (S. 180 Mitte). Die seit Jahren präsentierten Beschwerden könnten angesichts der sozio-familiären Lage als Symbol interpretiert werden für einen «überwältigenden Verlust des Wohlbefindens». Die Konflikte und Frustrationen des Beschwerdeführers würden in körperliche Symptome umgewandelt respektive äusserten sich durch undifferenzierte somatische Beschwerden, wie die geltend gemachten Schmerzen, die organisch nicht erklärbar seien (S. 180 unten).
Die Präsentation einer erheblichen Behinderung («Ich kann überhaupt nicht arbeiten») stehe nicht im Einklang mit der Verhaltensbeobachtung und dem klinischen Befund, sei klinisch untypisch und daher nicht plausibel. Die kritische Würdigung der vorliegenden Befunde ergebe ein in sich unschlüssiges, inkon
sistentes Bild, weswegen nicht nur von einer Symptomausweitung, sondern einer bewusstseinsnahen Aggravation auszugehen sei, wie dies in der Ver
gangenheit bereits durch mehrere Gutachter beschrieben worden sei (S. 183 Mitte).
Aufgrund der ausgeprägten Aggravation könne die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nur medizinisch-theoretisch erfolgen. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Lagerist
wie auch in einer angepassten Tätigkeit
sei der Beschwerde
führer 5.95 Stunden pro Tag arbeitsfähig (70%ige Arbeitsfähigkeit bei vollem Rendement; S.
201 f.
).
Mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit sei er auch in der Vergan
genheit nicht mehr als zu 30 % in seiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt gewe
sen (S. 202 oben).
Gleichmässige Einschränkungen des Alltagsaktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen lägen nicht vor. Auch ein ausgewiesener Leidensdruck liege nicht vor. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich
seit der Rentenaufhebung im Oktober 2012
nicht verändert
. Er leide immer noch unter der gleichen Schmerzstörung
(S. 205 unten). Die Diagnosen
seien überwiegend wahrscheinlich unverändert geblieben. Es liege seit Jahren
seit 2003 - eine chronische Schmerzstörung vor (S. 206 oben). Aufgrund einer nachgewiesenen Aggravation im Rahmen der Untersuchung sowie wieder
holter Aggravation in der Vergangenheit seien die Angaben des Beschwerde
führers nicht verwertbar (S. 206 Mitte).
6.
6.1
Zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der rechtskräftigen Verfügung vom
2
4.
Oktober 2012
bis zum Zeitpunkt der Verfü
gung vom
9.
September 201
9
in einem rentenbegründenden Ausmass verschlech
tert hat.
6.2
I
m Zeitpunkt der Rentenaufhebung
vom Oktober 2012
wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme
Schmerz
störung
genannt
. Daneben
wurden akzentuierte Persönlichkeitszüge
diagno
sti
ziert.
Wesentliche somatische Diagnosen wurden nicht gestellt; eine organische Ursache der Schmerzen konnte nicht gefunden werden. So
wohl Dr.
D._
als auch Dr.
E._
attestierten dem Beschwerdeführer e
ine Restarbeitsfähigkeit von 40
%
(vgl. vorstehend E. 3)
.
6.
3
In Bezug auf den aktuellen Gesundheitszustand ging d
ie Beschwerdegegnerin gestützt auf das
psychiatrische Gutachten von
Dr.
Z._
vom September 2018
davon aus
, dass die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnli
chen Konstellation beruhe. Eine versicherte Gesundheitsschädigung falle somit ausser Betracht und ein Rentenanspruch sei ausgeschlossen
(vgl.
vor
stehend E.
2.1).
De
mgegenüber machte de
r Beschwerdeführer geltend
, dass auf das schlüssige Gutachten von
Dr.
Y._
abzustellen sei
und hielt fest
, dass a
uf die erneute Begutachtung, also die
second
opinion
von
Dr.
Z._
vom 2
7.
Sep
tember 2018, klar nicht abgestellt werden
dürfe (
vgl. vorstehend E.
2.2).
6.
4
Somit stellt sich vorab die Frage der Zulässigkeit der Einholung eines Zweit
gut
achtens.
Am
2
6.
April 2018
teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit, dass eine medizinische Untersuchung
(Psychiatrie)
als notwendig erachtet werde, und
schlug für die Begutachtung
Dr.
Z._
vor
(Urk. 7/
208
). Der Beschwerde
führer brachte in der Folge keine Einwendungen
gegen die Begutachtung
vor.
Erst im Rahmen des vorliegenden Verfahrens stellte er sich auf den Standpunkt, dass die Einholung eines Zweitgutachtens von vornherein unzu
lässig gewesen sei („
second
opinion
“). Dies vermag nicht zu überzeugen.
Dr.
Y._
führte in seinem Gutachten aus, dass der Beschwerdeführer die Medikamente gemäss aktuellem Medikamentenspiegel nicht oder zumindest nicht regelmässig einnehme (vgl. vorstehend E. 4.
4
).
RAD-Arzt
I._
hielt mit Stellungnahme vom 1
6.
April 2018 fest, dass der behandelnde Psychiater
Dr.
F._
weiterhin von einer paranoiden Schizophrenie und einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit ausgehe. Im Rahmen einer versicherungsmedizinischen Abklärung durch
Dr.
Y._
im Jahr 2015 habe diese Diagnose nicht bestätigt werden können. Vielmehr sei
Dr.
Y._
von einer schweren depressiven Episode ausgegangen. Um die aktuelle medizinische Situation adäquat zu beurteilen, werde aus versicherungsmedizinischer Sicht eine erneute psychiatrische Begut
achtung empfohlen (vgl. vorstehend E. 4.7).
Demnach ergibt sich, dass
im fraglichen Zeitpunkt
verschiedene Diagnosen im Raum
standen und auch die
Medikamente
nicht regelmässig eingenommen wurden
. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde
gegnerin
zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts ein weiteres Gutachten einholte, zumal das Gutachten von Dr.
Y._
in diesem Zeitpunkt bereits 2.5 Jahre
zurück lag
.
Schliesslich
ist darauf hinzuweisen, dass
der
Ermessens
spielraum
des
Versicherungsträger
s
in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erheb
ungen gross ist (
vgl.
Urteil des Bun
desgerichts 8C_481/2013 vom
7.
November 2013 E. 3.4).
Indem die Beschwerde
gegnerin in Nachachtung ihrer gesetzlichen Abklärungs
pflicht
eine erneute
Begutachtung anordnete, bewegte sie sich im Rahmen des ihr zustehenden Ermessensspielraums
.
6.
5
Angesichts der sehr unterschiedlichen Beurteilungen
durch
Dr.
F._
, Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
in Bezug auf
Diagnose
n,
A
rbeitsfähigkeit
und
Aggravation
gab das hiesige Gericht schliesslich ein psychiatrisches Gutachten bei
Dr.
B._
in Auftrag
(vgl. Beschluss vom
4.
Juni 2020
,
Urk.
15
)
, welches am
1
7.
März 2021
erstattet wurde (
Urk.
32)
.
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen
einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 125 V 351 E. 3b/
aa
).
Solche Abweichungsgründe liegen nicht vor. Das psychiatrische Gerichts
gut
achten von
Dr.
B._
vom 1
7.
März 2021
unter Berücksichtigung des neu
ropsychologischen Gutachtens von
Dr.
C._
vom 1
5.
März 2021
erfüllt die Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Berichte im Sinne der Recht
sprechung (vgl. vorstehend E. 1.
5
). Es setzt sich mit allen Aspekten der gesund
heitlichen Beeinträchtigungen auseinander und berücksichtigt insbesondere auch sämtliche ärztlichen Untersuchungsberichte. Insgesamt ist das Gutachten umfas
send und vermag zu überzeugen.
Die Beurteilung durch
Dr.
B._
kann
im Wesentlichen
auch mit
dem
Vor
gut
achten
von
Dr.
Z._
vom September 2018
in Einklang gebracht werden. So kam
auch
Dr.
Z._
zum Schluss, dass die Angaben des Beschwerdeführers nicht zuverlässig seien (vgl. vorstehend E. 4.9)
.
Ebenso stimmen
die
neuropsycholo
gische
n
Test
ungen
durch
Dr.
A._
und
Dr.
C._
überein
.
Dr.
A._
ging insbesondere aufgrund auffälliger Resultate in den Beschwerdevalidierungstests von gezielter Manipulation und dem Vorliegen einer Aggravation aus (vgl.
vor
stehend E. 4.8).
Dr.
C._
schloss aufgrund der Befunde der Leistungstests eben
falls auf ein Aggravationsverhalten (vgl. vorstehend E. 5.1).
6.
6
Dem Gerichtsgutachten von
Dr.
B._
stehen insbesondere die Berichte des behandelnden Psychiaters
Dr.
F._
sowie das Gutachten von
Dr.
Y._
gegenüber.
Dr.
F._
ging
bei
der Diagnose einer paranoiden Schizophrenie
von
einer vollen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers aus (vgl. vorstehend E. 4.
2
und E. 4.
6
).
Diese Diagnose wurde im März 2015 durch die
Ärzte des Sanatoriums
H._
bestätigt (
vgl.
E. 4.3).
Dr.
Y._
diagnostizierte eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen und attestierte dem Beschwer
deführer in einer angepassten Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 40 % bis 50 % (vgl. vorstehend E. 4.4).
Dr.
B._
hielt dazu fest, dass d
ie
Diagnosen einer paranoiden Schizophrenie sowie einer rezidivierenden depressiven Störung im Ausmass einer mittel
schweren bis schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen nicht nachvollziehbar
seien
(
Urk.
32 S. 206 oben).
Zum Zeitpunkt der aktuellen Unter
suchung sowie bereits zum Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr.
Z._
habe weder eine depressive Symptomatik noch eine psychotische Störung vorgelegen (
Urk.
32 S. 197 unten).
Zur Beurteilung durch
Dr.
Y._
gab
Dr.
B._
an, dass die Diagnose einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen aufgrund der im Gutachten beschriebenen Symptomatik nicht nachvollziehbar sei
. Gewöhnlich würden die Betroffenen im Rahmen einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen einen depressiven Wahn entwickeln, entsprechend den depressiven Denkinhalten als Schuldwahn, Verarmungswahn, Minderwertig
keits
wahn, nihilistischer Wahn oder hypochondrischer Wahn
(U
rk.
32 S. 193
f.
).
Nur gelegentlich komme es auch zum
parathymen
, inkongruenten Wahn, meist als Verfolgungswahn, bei dem der Betroffene sich beobachtet wähne. Auch hier sei meist eine Beziehung zu typisch depressiven Denkinhalten nachweisbar, was
beim Beschwerdeführer
nicht der Fall sei. Es sei darauf hinzuweisen, dass auf
grund einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen
die
durch den Gutachter beurteilte Teilarbeitsfähigkeit von 40-50 % nicht nachvoll
ziehbar erscheine. Zudem habe
Dr.
Y._
die Durchführung von ent
spre
chenden Symptomvalidierungsverfahren versäumt (
Urk.
32 S. 194 oben).
Zur Diagnose einer Schizophrenie führte
Dr.
B._
aus,
dass an beiden Untersu
chungstagen keine krankheitswertigen inhaltlichen Denkstörungen und auch keine Ich-Störungen feststellbar gewesen seien. Auch hätten keine Hinweise
für Wahn oder Sinnestäuschungen in Form von Halluzinationen oder illusionären Verkennungen bestanden. D
ie durch den Beschwerdeführer gelten
d
gemachten Wahrnehmungsstörungen lägen im rein Subjektiven und könnten nicht objekti
viert werden. Aufgrund einer nachgewiesenen Aggravation seien die Angaben des Beschwerdeführers
betreffend Wahrnehmungsstörungen nicht verwertbar. Ein
halluzinatorisches
Erleben sei häufig aus der Verhaltens
beobachtung zu erkennen
, was beim Beschwerdeführer nicht habe konstatiert werden können
(
Urk.
32 S. 199 Mitte).
Beim Beschwerdeführer
liege keine paranoide Schizophre
nie vor, weswegen es auch nicht verwundere, dass sich die geltend gemachten Beschwerden unter der psychopharmakologischen Behandlung nicht verbessert hätten und diese inzwischen abgesetzt worden sei (
Urk.
32 S. 200 oben).
Insgesamt
vermögen die Einschätzungen von
Dr.
F._
und
Dr.
Y._
das
psychiatrische
Gutachten von
Dr.
B._
nicht in Zweifel zu ziehen.
6.
7
Nach dem Gesagten kann
in Bezug auf den aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
vom
März 2021
abgestellt werden.
Demn
ach
besteht
beim Beschwerdeführer
– bei de
r Diagnose
einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
– eine
70%ige Arbeitsfähigkeit
.
Dr.
B._
hielt fest, dass
d
ie Diagnosen überwiegend wahrscheinlich unverändert geblieben
seien
. Es liege seit Jahren - seit 2003 - eine chronische Schmerzstörung vor
(vgl. vorstehend E. 5.2).
6.
8
Im
Zeitpunkt de
r Aufhebung der Invalidenrente
wurde die Diagnose einer anhal
tenden somatoformen Schmerzstörung gestellt (vgl. vorstehend E.
6.2
). Dazu führte
Dr.
B._
aus, dass die differentialdiagnostisch erwogene Entität im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht gestellt werden könne. Insbesondere fehle beim Beschwerdeführer mit Verweis auf die Angaben in den Akten und in der aktuellen Exploration das gemäss ICD-10-Kriterien geforderte Charakteristikum im Sinne einer wiederholten Darbietung körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischen Unter
suchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse und Versicherung der Ärzte, dass die Symptome nicht körperlich begründbar seien (
Urk.
32 S. 171 oben).
Bei der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, wie sie beim Beschwerdeführer vorliege, handle es sich um eine leichtere Form der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (
Urk.
32 S. 171 unten).
Dr.
B._
hielt
weiter
fest, dass
sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers seit der Rentenaufhebung im Oktober 2012 nicht verändert habe. Er leide immer noch unter der gleichen Schmerzstörung
(vgl. vorstehend E. 5.2).
Soweit in der Zwischenzeit verschiedene
andere
Diagnosen gestellt wurden
–
insbeson
dere
Schizophrenie sowie
rezidivierende depressive Störung mit psychotischen Symptomen
-
,
wurden
diese durch
Dr.
B._
entkräftet
(vgl. vorstehend E. 6.
6
)
.
Im Übrigen ist festzuhalten, dass
nicht die Diagnose massgebend
ist
, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Sympto
matik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 1
4.
Dezember 2016 E. 5.1 mit weiteren Hin
weisen).
Soweit dem Beschwerdeführer nun eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde - im Oktober 2012 wurde
noch
von einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit aus
gegangen - handelt es sich lediglich um eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts. So hielt
Dr.
B._
fest, dass der Beschwerdeführer mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auch in der Vergangenheit nicht mehr als zu 30 % in seiner Leistungsfähigkeit beein
trächtigt gewesen sei (vgl. vorstehend E. 5.2). Zu bemerken ist, dass in der aktuellen Beurteilung die Aggravation berücksichtigt wurde. Zu den im Jahr 2012
massgebenden Beurteilungen durch
Dr.
D._
und
Dr.
E._
(vgl.
vor
stehend E. 3.2 und E. 3.3) hielt
Dr.
B._
indessen
fest, dass es diese versäumt hätten, aufgrund der Aggravation entsprechende Symptom
vali
dierungs
verfahren durchzuführen und eine neuropsychologische Untersuchung zu veranlassen (Urk. 32
S. 190 Mitte und
S. 191 Mitte).
Objektiv betrachtet hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers somit seit 2012 nicht in relevanter Weise verändert und die (divergente) Einschätzung seiner Arbeitsfähigkeit durch den Gutachter
Dr.
B._
stellt lediglich eine andere Beurteilung des gleichgebliebenen Sachverhalts dar.
6.
9
Zusammenfassend ist festzuhalten
, dass keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers
vorliegt.
Ein Revisionsgrund ist somit zu verneinen
, weshalb
eine weitere Anspruchsprüfung
entfällt
.
Demnach
erweist sich die angefochtene Verfügung als zutreffend, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
7.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Da diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt sind, ist de
m
Beschwerdeführer antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3
) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilli
gen und die unentgeltliche Rechtsvertretung in der Person von Rechtsanw
ältin
Dr.
Barbara Wyler
zu gewähren.
7.2
Die
Gerichtsk
osten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
1’0
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss de
m
Beschwerdeführer aufzu
erlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einst
wei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7
.3
In Bezug auf die Frage nach der Kostentragung
des Gerichtsgutachtens (
psychiatri
sches und neuropsychologisches Gutachten von
Dr.
B._
und
Dr.
C._
vom 15./1
7.
März 2021, vorstehend E. 5,
Urk.
34-35; Laborkosten,
Urk.
25
;
Dolmetscherkosten,
Urk.
29-31) in der Höhe von
Fr.
10'138.05
ist fest
zuhalten,
dass die
gerichtlichen Abklärungskosten
der Verwaltung auferlegt werden können, wenn ein Zusammenhang zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzu
ordnen
,
besteht. Dies ist unter anderem der Fall, wenn die Verwaltung zur
Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizi
nische Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (BGE 140
V
70 E. 6.1 mit Hin
weisen).
Das Gericht gelangte mit Beschluss vom
4.
Juni 2020 (
Urk.
15) zum Schluss, auf
grund der vorliegenden Akten lasse sich nicht feststellen, ob das Leistungs
begehren der Beschwerdefüh
rerin zu Recht verneint worden sei.
Insgesamt bestünden aufgrund der Akten Zweifel an der Schlüssigkeit der
E
inschätzung durch
Dr.
Z._
,
zumal das Vorliegen einer allfälligen Aggravation zuvor weder im Gutachten von
Dr.
Y._
noch in den Stellungnahmen im Rahmen des Feststellungsblattes ein Thema gewesen war.
Durch
Dr.
Z._
nicht beantwortet
wurde in der Folge
auch
die im Rahmen der Neuanmeldung entscheidende Frage nach der Veränderung des Gesundheitszustandes, während
Dr.
Y._
von einer leichten Verbesserung ausgegangen war. Damit lagen unterschiedliche Beurteilungen vor, und die Beschwerdegegnerin stellte auf das Gutachten von
Dr.
Z._
ab, obwohl dieses angesichts
der
übrigen Aktenlage nicht zu über
zeu
gen vermochte und wesentliche Fragen nicht beantwortete.
M
ithin liess sich wegen der Verletzung der Abklärungspflicht durch die Verwal
tung nicht feststellen, ob die Leistungsansprüche de
s
Beschwerdeführer
s
zu Recht verneint worden waren.
Demnach sind
die Kosten des Gerichts
gutachtens im Betrag von
insgesamt
Fr.
10'138.05 (
Urk.
26, 29-31, 34
35
) der Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen
.
7.4
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Mit Honorarnote vom
2
4.
Juni 2021
machte Rechtsanwältin
Dr.
Barbara Wyler
einen Aufwand von insgesamt
20.2
6 Stunden und Barauslagen von
Fr.
224.50
(zuzüglich Mehrwertsteuer) geltend (
Urk.
44
),
was
angesichts der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Falles angemessen erscheint. Beim praxis
gemässen Stu
ndenansatz von
Fr.
220.-- ist die
unentgeltliche Rechtsver
treter
in
somit mit
Fr.
5'042.20
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
7.
5
D
er Beschwerdeführer
ist zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet, sobald
er
dazu in der Lage ist (
§
16
Abs.
4
GSVGer
).