Decision ID: f739f391-91a3-5844-bdef-f82781c1ac85
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 22. Oktober 2019 in der
Schweiz um Asyl nach und wurden dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Re-
gion (...) zugewiesen. A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) wurde
am 25. November 2019 summarisch und am 17. Dezember 2019 einge-
hend zu seinen Asylgründen befragt. B._ (nachfolgend: Beschwer-
deführerin) und ihre Töchter D._ und C._ wurden am 26.
November 2019 zu ihren Fluchtgründen angehört. Am 20. Dezember 2019
wurden die Beschwerdeführenden dem erweiterten Verfahren zugewiesen.
Eine ergänzende Anhörung der Beschwerdeführerin fand am 20. Januar
2020 statt.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs machten die Beschwerdeführenden im
Wesentlichen geltend, irakische Staatsangehörige kurdischer Ethnie zu
sein und aus der Autonomen Region Kurdistan (ARK) zu stammen; vor ih-
rer Ausreise hätten sie in F._ gelebt.
Der Beschwerdeführer brachte vor, im Jahre 1991 Opfer einer Minenexplo-
sion geworden zu sein und dabei ein Bein verloren zu haben. Er habe an
der Universität in G._ (...) und (...) studiert und nach dem Studium
als Lehrer und später als Direktor in der (...)schule (...) gearbeitet. Ab dem
Jahr 2004 sei er als Prüfungsaufseher in der Erziehungsdirektion beschäf-
tigt gewesen. Am (...). August 2019 habe er die Gesamtaufsicht über die
Prüfungen in der (...)schule (...) gehabt und dabei beobachtet, dass eine
Schülerin mithilfe eines Bluetooth-Gerätes betrogen habe. Der Leiter des
Prüfungssaales habe dann einen Rapport verfasst, den er, der Beschwer-
deführer, unterschrieben habe, während eine weitere Aufsichtsperson die
Unterschrift verweigert habe. Bei der Schülerin habe es sich um die Tochter
der (...) von H._ Barzani, eine Familienangehörige des einflussrei-
chen Barzani-Clans, gehandelt. Zwei Tage nach dem Vorfall habe ihn der
Leiter der Erziehungsdirektion von I._ angerufen und ihm mitgeteilt,
dass er seine Arbeit als Prüfungsaufseher nicht mehr wahrnehmen könne
und ein Komitee der Erziehungsdirektion von F._ gegen ihn ermit-
teln würde. Tags darauf seien zwei Mitglieder der Asayesh zu ihm nach
Hause gekommen und hätten eine Vorladung überbracht. In der folgenden
Nacht seien bewaffnete Männer, welche dem Clan der Barzani angehörten,
in seine Wohnung eingedrungen, hätten ihn mitgenommen und aufgefor-
dert, gegenüber dem Ermittlungskomitee und der Asayesh auszusagen,
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dass die betreffende Schülerin nicht betrogen habe und er von der Oppo-
sitionspartei Newiy Neu für seine Lüge bezahlt worden sei. Sollte er dieser
Aufforderung nicht nachkommen, würde er der sexuellen Belästigung der
Schülerin sowie des Hochverrats am kurdischen Volk und der kurdischen
Regierung beschuldigt werden. Er sei auch mit dem Tod bedroht worden.
Danach sei er freigelassen worden. Gleichentags habe er sich bei der
Asayesh gemeldet, wo er ein Dokument unterschrieben habe. Ihm sei mit-
geteilt worden, dass am 5. September 2019 das Ermittlungskomitee Unter-
suchungen vornehmen würde und er sich einen Tag zuvor wieder bei ihnen
melden müsse. Ausserdem habe er die Auflage erhalten, F._ wäh-
rend der darauffolgenden zehn Tage nicht zu verlassen. Aus Angst, vom
Barzani-Clan umgebracht zu werden oder eine lebenslange Haftstrafe ver-
büssen zu müssen, habe er mit seiner Familie die ARK am 28. August 2019
Richtung Türkei verlassen. Nach seiner Ausreise sei seine Wohnung von
der Regierung versiegelt und beschlagnahmt worden.
Die Beschwerdeführerin brachte vor, im Jahre 1995 in F._ das (...)
abgeschlossen und zuletzt im (...) in J._ gearbeitet zu haben. Ihr
Vater sei Mitglied in der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) und
Oberhaupt des Dorfes gewesen. Da er sich geweigert habe, zwischen der
KDP und der Baath-Partei zu vermitteln, sei er im Jahre 1986 von der KDP
umgebracht worden. Ihre Brüder hätten sich geweigert, der KDP beizutre-
ten, weswegen man das Haus der Familie im Jahre 1995 in Brand gesetzt
habe, wobei sie und ihre Schwester sich Verbrennungen zugezogen hät-
ten. Nachdem ihr Ehemann im Jahre 2019 Probleme mit dem Barzani-Clan
bekommen habe, habe sie um sein Leben gefürchtet. Es seien Mitglieder
der Asayesh zu ihr gekommen und hätten ein Schreiben für ihn abgegeben.
In der darauffolgenden Nacht seien Männer ins Haus eingedrungen, hätten
ihren Ehemann mitgenommen und sie derart gestossen, dass sie ihr Be-
wusstsein verloren habe.
Die Töchter machten keine eigenen Asylgründe geltend, sondern führten
aus, wegen der Probleme ihres Vaters ausgereist zu sein.
Zum Nachweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden unter an-
derem Kopien ihrer irakischen Identitätskarten zu den Akten. Zur Stützung
der Asylvorbringen reichten sie weitere Beweismittel ein, dazu wird auf das
Urteil des BVGer E-2194/2020 verwiesen (ebd. Sachverhalt Bst. A).
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A.b Mit Verfügung vom 24. März 2020 stellte das SEM fest, die Beschwer-
deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylge-
such ab und verfügte die Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug.
Für die zwischenzeitlich volljährige Tochter C._ erging gleichentags
eine separate Verfügung. Zur Begründung führte das SEM aus, die Tätig-
keiten der Beschwerdeführenden müssten nicht bezweifelt werden. Die da-
rauf basierend geltend gemachten Asylgründe seien aber nicht glaubhaft.
Sodann seien die weit zurückliegenden Umstände rund um den Tod des
Vaters der Beschwerdeführerin und die Verbrennung des Hauses nicht
asylrelevant.
A.c Die gegen diese Verfügungen erhobenen Beschwerden vom 24. April
2020 wies das Bundesverwaltungsgericht mit den Urteilen E-2194/2020
(Eltern und die beiden minderjährigen Töchter D._ und E._)
sowie E-2195/2020 (inzwischen volljährige Tochter C._) vom 18.
November 2020 ab. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, auch
wenn die Einschätzung des SEM nicht überall geteilt werden könne, erwie-
sen sich die Asylvorbringen in einer Gesamteinschätzung als unglaubhaft
und das SEM habe zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das
Asylgesuch abgewiesen (vgl. E-2194/2020 E. 7).
Hinsichtlich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs kam das Gericht
zum Schluss, die Beschwerdeführenden hätten bis zu ihrer Ausreise Ende
August 2019 in F._ gelebt. Mit der Mutter und den Cousins des Be-
schwerdeführers sowie der Mutter, den Geschwistern und Onkel der Be-
schwerdeführerin lebten noch nahe Familienmitglieder und weitere Ver-
wandte in F._ beziehungsweise der ARK. Demnach könne davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführenden dort über ein trag-
fähiges Beziehungsnetz verfügten, auf dessen Unterstützung sie zählen
können. Es lägen überdies keine Anhaltspunkte für relevante gesundheitli-
che Probleme vor und beide verfügten über eine sehr gute Schul- und Be-
rufsbildung sowie langjährige Berufserfahrung (vgl. ebd. E. 9.4.2). Der Voll-
zug der Wegweisung sei insbesondere auch unter dem Aspekt des Kindes-
wohls zumutbar (vgl. ebd. E. 9.4.4.2).
II.
B.
Mit einer als "Wiederwägungsgesuch" bezeichneten Eingabe vom 19. Feb-
ruar 2021 gelangten die Beschwerdeführenden, handelnd durch die rubri-
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zierte Rechtsvertreterin, ans SEM. Sie beantragten damit, es sei wiederer-
wägungsweise auf die Verfügungen des SEM vom 24. März 2020 zurück-
zukommen, es sei den Beschwerdeführenden Asyl zu gewähren, eventua-
liter seien sie vorläufig aufzunehmen. Verfahrensrechtlich ersuchten sie um
Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung bis zum Abschluss des Verfah-
rens sowie um Verzicht auf die Erhebung von Verfahrenskosten inklusive
entsprechendem Vorschuss.
In der Eingabe wurde im Wesentlichen geltend gemacht, nach Eintritt der
Rechtskraft, konkret am 21. Januar 2021, sei durch K._ auf Youtube
ein Video veröffentlicht worden, das die Ermordung des Vaters der Be-
schwerdeführerin im Jahre 1986 durch Angehörige des Barzani-Clans
zeige. Die Beschwerdeführerin habe dann am 22. Januar 2021 dieses Vi-
deo auf ihrem Facebook-Account veröffentlicht, worauf sie seitens ihrer
Schwestern gewarnt worden sei, dass alle Personen, die das Video teilten,
unterstützten oder daran beteiligt seien, Probleme mit dem Barzani-Clan
erhielten. Diesbezüglich wurden zwei Screenshots inklusive deutschspra-
chige Übersetzung eingereicht.
Des Weiteren wurde geltend gemacht, der Haftbefehl betreffend die Vor-
fälle von Ende August/Anfang September 2019 habe endlich zugeschickt
werden können. Dieses Dokument vermöge die im Rahmen des ordentli-
chen Asylverfahrens nicht als glaubhaft erachteten Vorbringen nun zu be-
legen. Dazu wurde ein fremdsprachiges Dokument vom
12. Oktober 2019 in Kopie inklusive deutschsprachige Übersetzung zu
den Akten gegeben.
Schliesslich wurde geltend gemacht, der Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführenden habe sich erheblich verschlechtert. So lebe der Be-
schwerdeführer angesichts seiner körperlichen Einschränkung mit Schwie-
rigkeiten in der Notunterkunft, was sich inzwischen auf seine mentale Ge-
sundheit auswirke. Aus diesem Grund habe er sich für eine psychologische
Behandlung angemeldet. Zum Beleg wurde eine Einladung zu einer psy-
chologischen Erstkonsultation vom 7. Januar 2021 der Psychiatrischen
Dienste (...) (PD[...]) und später ein Bericht nach Erstkonsultation vom 23.
Februar 2021 zu den Akten gereicht. Auch die Kinder kämpften mit psychi-
schen Verstimmungen. Zwei Töchter hätten sodann an einem Brückenan-
gebot zur Integration an der kantonalen Berufsschule teilgenommen und
dies nach Rechtskraft der Verfügungen vom 24. März 2020 wieder abbre-
chen müssen, was sich negativ ausgewirkt habe.
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Insgesamt hätten sich nach Rechtskraft der SEM-Verfügung Tatsachen er-
geben, die in ihrer Gesamtbetrachtung die Angst vor Verfolgung begründet
sowie den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen.
C.
Mit Verfügung vom 16. März 2021 stellte das SEM fest, die Beschwerde-
führenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies ihr als Mehrfach-
gesuch anhand genommenes Gesuch ab, ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz und den Vollzug an, wies das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Verfahrensführung ab und erhob eine Gebühr von
Fr. 600.–.
D.
Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden – handelnd
durch die rubrizierte Rechtsvertreterin – am 13. April 2021 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragen, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und es sei ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren.
Eventualiter sei die Unzumutbarkeit und Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs festzustellen und sie seien in der Schweiz vorläufig aufzunehmen,
subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen.
In formeller Hinsicht ersuchen sie angesichts ihrer Mittellosigkeit um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf Erhebung
eines Kostenvorschusses.
E.
Mit Verfügung vom 19. April 2021 stellte das Bundesverwaltungsgericht
fest, die Beschwerdeführenden könnten den Ausgang des Verfahrens in
der Schweiz abwarten.
F.
Mit Eingabe vom 20. April 2021 liessen die Beschwerdeführenden einen
Bericht der PD(...) betreffend die Tochter D._ zu den Akten reichen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Der Antrag auf Verzicht der Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit
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dem Entscheid in der Sache gegenstandslos. Die Beschwerdesache er-
weist sich sodann als spruchreif, weshalb der Verfahrensantrag auf Anset-
zung einer Frist zur Nachreichung ärztlicher Berichte abzuweisen ist.
5.
Vorab ist festzustellen, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung zu-
nächst eine Qualifizierung der als "Wiedererwägungsgesuch" bezeichne-
ten Eingabe vom 19. Februar 2021 vorgenommen hat. Es stellt fest, mit
der geltend gemachten Bedrohung wegen der Veröffentlichung des Videos
würden im Sinne subjektiver Nachfluchtgründe neue Umstände betreffend
die Flüchtlingseigenschaft vorgebracht. Da es sich dabei um die Hauptbe-
gründung des Gesuches handle, werde dieses als Mehrfachgesuch entge-
gengenommen. Bei der geltend gemachten Verschlechterung des Gesund-
heitszustandes handle es sich sodann inhaltlich um ein einfaches Wieder-
erwägungsgesuch und der eingereichte Haftbefehl werde unter dem As-
pekt eines sogenannten qualifizierten Wiedererwägungsgesuches entge-
gengenommen und geprüft.
Diese Qualifizierung ist weitgehend korrekt. Zwar wäre der eingereichte
Haftbefehl, der angeblich am 12. Oktober 2019 ausgestellt worden sei,
grundsätzlich revisionsweise gegen das Urteil E-2195/2020 (und
E-2194/2020) beim Bundesverwaltungsgericht einzureichen gewesen, wie
das SEM selbst zutreffend erkennt. Es spricht allerdings nichts dagegen,
vorliegend auch das diesbezügliche Eintreten des SEM auf das Gesuch
vom 19. Februar 2021 als Verfahrensgegenstand zu betrachten, zumal den
Beschwerdeführenden weder daraus noch aus dem Vorgehen der Vo-
rinstanz ein Nachteil erwächst. Vielmehr ist nicht erkennbar, inwiefern der
nachgereichte Haftbefehl im Rahmen eines Revisionsverfahrens als recht-
zeitig beigebracht hätte erachtet werden können. Die der Beschwerde-
schrift zu entnehmende Erklärung, weshalb er erst jetzt eingereicht werde,
fällt nämlich wenig überzeugend aus (vgl. ebd. Ziffer 20).
6.
Zum subenventualiter gestellten Antrag auf Rückweisung der Angelegen-
heit an das SEM wird im Rahmen der materiellen Beschwerdebegründung
ausgeführt, die Vorinstanz habe den Untersuchungsgrundsatz gemäss
Art. 12 VwVG verletzt. Dies gleich mehrfach, nämlich indem sie die Um-
stände rund um die Gefährdung von K._ und dessen Veröffentli-
chung des Videos nicht genügend abgeklärt habe, indem sie dem Haftbe-
fehl pauschal mit dem Hinweis darauf, dass er nur in Kopie vorliege, die
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Beweiskraft abgesprochen habe, sowie indem sie die Erzählungen der Be-
schwerdeführenden nicht im massgeblichen Kontext, insbesondere des
brutalen Vorgehens des Barzani-Clans gegen jegliche Kritiker, gewürdigt
habe, was dazu führe, dass die Beschwerdeführenden bei der Rückkehr
der Willkür der nordirakischen Behörden ausgesetzt würden.
Diese Vorhalte sind offensichtlich unbegründet. Ein Mehrfachgesuch ist ge-
mäss Art. 111c AsylG schriftlich und begründet einzureichen. Es ergibt sich
aus der angefochtenen Verfügung, dass das SEM die im Gesuch vom
19. Februar 2021 in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft neu vorgebrach-
ten Gründe – die Veröffentlichung des Videos von K._ und dessen
Teilung und Kommentierung durch die Beschwerdeführerin auf Facebook
– in allen wesentlichen Punkten zur Kenntnis genommen und seinem Ent-
scheid zugrunde gelegt hat. Insbesondere erweist sich der Einwand, es
habe den Kontext übersehen, als aktenwidrig (vgl. angefochtene Verfü-
gung, Erw. II/1 sowie IV/1). Inwiefern es die Gefährdung von K._
genauer hätte abklären müssen, ist nicht ersichtlich. Auch der Einwand,
der Haftbefehl sei vom SEM mit einer pauschalen Begründung aus dem
Recht gewiesen worden, ist aktenwidrig (vgl. ebd. Erw. IV/2). Schliesslich
verwechseln die Beschwerdeführenden teilweise Fragen formellen Rechts
mit materieller Kritik an der Würdigung durch das SEM. Auf die materiellen
Einwände ist, soweit entscheidwesentlich, in der Erwägung 9 einzugehen.
Zusammenfassend ist der Einwand der Verletzung von Art. 12 VwVG un-
begründet und die angefochtene Verfügung unter dem Aspekt von Art. 106
Abs. 1 Bst. b AsylG rechtmässig. Der Kassationsantrag ist abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch exilpolitische Aktivitä-
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ten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht soge-
nannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend
(vgl. hierzu BVGE 2009/28 E. 7.1).
7.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen-
satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwer-
deführers. Für das Glaubhaftmachen reicht es jedoch nicht aus, wenn der
Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten
Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE
2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
8.
8.1 Materiell kommt das SEM in der angefochtenen Verfügung hinsichtlich
der Flüchtlingseigenschaft im Wesentlichen zum Schluss, der Tod des Va-
ters der Beschwerdeführerin im Jahr 1986 sei schon Gegenstand des ers-
ten Asylverfahrens gewesen. Aufgrund der langen Zeitdauer zwischen dem
Vorfall und dem Ausreisezeitpunkt habe das SEM dieses Vorbringen im
Asylentscheid vom 24. März 2020 als flüchtlingsrechtlich irrelevant qualifi-
ziert. Ausschlaggebend sei insbesondere gewesen, dass die Beschwerde-
führerin explizit zu Protokoll gegeben habe, infolge des Todes ihres Vaters
keine Schwierigkeiten gehabt zu haben. Es gebe auch keine weiteren Hin-
weise dafür, dass sie wegen eines besonderen (politischen) Engagements
während der Zeit ihres Aufenthaltes im Irak den Behörden allgemein res-
pektive dem Barzani-Clan speziell ins Visier geraten sei. Bei der Beurtei-
lung des Risikoprofils aufgrund exilpolitischer Aktivitäten sei in erster Linie
weder die Funktionsbezeichnung eines exilpolitisch Tätigen noch seine Be-
triebsamkeit, sondern dessen tatsächliches Wirken in Bezug auf eine ge-
zielte und wirksame Veränderung der politischen Verhältnisse im Heimat-
land massgeblich. Bei der Wiedergabe des Youtube-Videos zum Tod des
Vaters 1986 und der dazu geschriebenen Kritik und Forderung an den herr-
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schenden Barzani-Clan handle es sich nicht per se um eine äusserst be-
deutende Aktivität, aufgrund welcher die Beschwerdeführerin von den ira-
kischen Behörden respektive der Barzani-Familie als besonders gefährli-
che Gegnerin eingestuft werden müsste. Zwar stehe das Video mit dem
hauptsächlichen Inhalt über den Tod des Vaters wohl in einer engen Ver-
bindung mit ihr. Allerdings sei festzustellen, dass das bereits bestehende
Video auf der Facebook-Seite lediglich wiedergegeben worden sei. Weder
sei es selbst erstellt noch sei auf irgendeine Weise daran persönlich mit-
gewirkt worden. Die Aufnahme befasse sich zudem mit Vorfällen, welche
sehr lange zurücklägen. Es sei daher fraglich, ob die Beschwerdeführen-
den wegen der Wiedergabe eines Videos über Ereignisse, die vor rund 35
Jahren geschehen und allen Beteiligten längstens bekannt seien, vom
Barzani-Clan verfolgt werden sollten, zumal sie nach dem Tod des Vaters
nie Schwierigkeiten gehabt hätten. Im Übrigen sei festzustellen, dass mit
einer Schnellrecherche des SEM zu einem Facebook-Konto auf die Namen
lautend «B._» und «L._» das erwähnte Youtube-Video nicht
habe gefunden werden können, womit auch unklar bleibe, wie gross das
Echo auf das geteilte Video auf Facebook ausgefallen sei. Aufgrund der
gesamten Umstände sei der Beitrag auf Facebook demnach nicht geeig-
net, um bei der Beschwerdeführerin (und ihrer Familie) das Profil einer ex-
ponierten Gegnerin der irakischen Machtinhaber bejahen zu können, wel-
che für den Barzani-Clan als gefährliche Person beziehungsweise von die-
sen als Gefahr für ihr politisches Gefüge eingestuft werden müsste.
Schliesslich sprächen auch ihre äusserst unsubstantiierten und pauschal
gehaltenen Äusserungen zur angeblichen Gefährdungslage in Folge des
geteilten Youtube-Videos gegen eine begründete Furcht vor ernsthaften
Nachteilen seitens der Barzani-Familie. Sie habe dazu ausgeführt, sie sei
von ihrer Schwester in Deutschland telefonisch informiert worden, dass alle
Personen, die dieses Video geteilt hätten oder bei dessen Produktion be-
teiligt gewesen seien, ins Visier der Barzani-Familie geraten seien. Die Per-
son K._, welche das Video veröffentlicht habe, sei bereits vor vielen
Jahren aufgrund ihrer Verfolgung durch die Barzani-Familie in Deutschland
als Flüchtling aufgenommen worden. Damit vermöge die Beschwerdefüh-
rerin jedoch keine überzeugende Gefährdungslage darzulegen, be-
schränke sie sich in ihren Angaben doch auf blosse Behauptungen, welche
grösstenteils nicht überprüfbar seien. So habe sie unterlassen, genauer
auszuführen, welche konkrete Anzeichen auf ihre Gefährdung hinwiesen
und auf welche Weise der Barzani-Clan den Fokus auf sie und ihre Familie
gerichtet habe. Insgesamt sei daher nicht davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführerin und ihre Familie von diesen in den Personenkreis der
derart gefährlichen Exponenten eingereiht würden, um mit hinreichender
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Wahrscheinlichkeit ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG aus-
gesetzt zu werden. An dieser Einschätzung vermöge auch der eingereichte
Focus-Artikel vom Mai 2020 über den Angriff von Barzani-Unterstützern auf
K._ nichts zu ändern. So beziehe sich der Artikel insbesondere auf
Verwicklungen der Barzanis in Anschläge auf den Oppositionellen
K._ in M._. Einen konkreten Bezug zur Beschwerdeführerin
– ausser dem erst viel später veröffentlichten Video von K._ zu ih-
rem Vater – lasse der Artikel vermissen. Ungeachtet dieser Einschätzung
falle sodann auf, dass im Youtube-Video erklärt werde, dass ihr Vater Ende
(...) von der KDP/DPK festgenommen und später in Haft getötet worden
sei. Anlässlich ihrer Befragungen im ordentlichen Asylverfahren habe die
Beschwerdeführerin jedoch zu Protokoll gegeben, ihr Vater sei 1986 fest-
genommen worden und gestorben. Diese Unstimmigkeiten liessen kleinere
Zweifel am Wahrheitsgehalt aufkommen, könnten jedoch zum aktuellen
Zeitpunkt aufgrund der Erläuterungen zur fehlenden Gefährdungslage ver-
nachlässigt werden. In Anbetracht der erwähnten Einschätzung erübrigten
sich an dieser Stelle weitere Erörterungen zum geltend gemachten fehlen-
den staatlichen Schutz in der ARK sowie einer drohenden Diskriminierung
und Verletzung des Kindeswohls, da gar nicht erst von einer Gefährdung
ihrer Person oder einer Trennung von ihren Kindern bei der Rückkehr in
den Heimatstaat auszugehen sei.
Der vom Beschwerdeführer neu eingereichte Haftbefehl, welcher Bezug
auf seine vor der Ausreise erfolgte Verfolgung seitens des Asayesh und
des Barzani-Clans belegen solle, liege nur in Kopie vor. Kopien wiesen auf-
grund ihrer leichten Manipulierbarkeit einen verminderten Beweiswert auf.
Es gebe aber auch formelle Ungereimtheiten. So stimme der darin festge-
haltene Name des Angeklagten nicht vollständig mit jenem des Beschwer-
deführers überein und das Dokument sei so vage abgefasst, dass die ihm
zur Last gelegte Anschuldigung daraus nicht hervorgehe. Dieses Beweis-
mittel sei daher nicht geeignet, seine Vorbringen als glaubhaft erscheinen
zu lassen.
Aufgrund ihrer insgesamt nicht überzeugenden Angaben und fehlenden
Hinweisen dazu sowie dem untauglichen Beweismittel sei nicht davon aus-
zugehen, dass den Beschwerdeführenden und ihren Kindern seitens des
Barzani-Clans und des Asayesh in der ARK eine flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung drohe. Demzufolge vermöchten sie weder neue Asyl-
gründe zu begründen noch ihre bereits geltend gemachten Vorbringen zu
belegen, weshalb das Mehrfachgesuch abzulehnen sei.
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8.2 In der Rechtsmitteleingabe wiederholen die Beschwerdeführenden zu-
nächst im Wesentlichen ihre ursprünglichen Asylgründe und die bereits in
ihrem "Wiederwägungsgesuch" geltend gemachten Umstände rund um die
Veröffentlichung respektive Teilung des Videos über den Tod ihres Vaters
durch die Beschwerdeführerin. Sie betonen, sie hätten all diese Umstände
glaubhaft gemacht und in Berücksichtigung dessen, dass sie bereits bei
der Ausreise im Fokus des Barzani-Clans gestanden hätten, nun erneut mit
dem Video und der darin gestellten Forderungen als Oppositionelle aufge-
fallen seien, sei ihre Furcht heute klarerweise begründet. Dies werde nicht
zuletzt durch den eingereichten Haftbefehl belegt. Im Einzelnen wird auf
die Einwände, soweit wesentlich, in der folgenden Erwägung eingegangen.
9.
Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach einer Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die angefochtene Verfügung zu bestätigen ist. Auf die aus-
führlichen und zutreffenden Erwägungen kann verwiesen werden. Ergän-
zend ist folgendes festzuhalten:
Soweit in der Beschwerdeschrift wiederholt an die im ordentlichen Asylver-
fahren geltend gemachten Ausreisegründe (vgl. oben Sachverhalt Bst. A
mit Hinweisen) angeknüpft wird und diese als Teil der heute bestehenden
Gefährdung dargestellt werden, kann vollumfänglich auf die ausführlichen
Erwägungen 7.1-7.7 im Urteil E-2194/2020 vom 18. November 2020 ver-
wiesen werden. Das Gericht kam dort zum Schluss, dass es weder dem
Beschwerdeführer noch der Beschwerdeführerin – trotz ausführlicher Er-
zählweise – gelungen sei, in Bezug auf die Bedrohungslage im Heimatstaat
ein nachvollziehbares, plausibles und in sich stimmiges Bild des Erlebten
zu zeichnen. Es kam abschliessend zum Schluss, es sei den Beschwerde-
führenden nicht gelungen, mit ihren Vorbringen die Flüchtlingseigenschaft
glaubhaft zu machen.
Zu Recht kommt das SEM zum Schluss, mit dem nachgereichten Haftbe-
fehl vom 12. Oktober 2019 vermöchten die Beschwerdeführenden nicht,
diese Ausreisegründe, vorab die Verfolgung des Beschwerdeführers sei-
tens des Barzani-Clans respektive des Asayesh aufgrund des aufgedeck-
ten Betruges, doch noch zu belegen. Dass das SEM dem in Kopie einge-
reichten Dokument geringen Beweiswert beimisst, ist in keiner Weise zu
beanstanden. Entgegen dem Einwand in der Beschwerde beschränkt es
sich gerade nicht auf dieses Argument, sondern bringt auch inhaltliche
Zweifel an. Es ist in der Tat nicht nachvollziehbar, weshalb dem Haftbefehl
als Grund für die angeordnete Verhaftung einzig zu entnehmen ist: "Wegen
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der Anzeige und den Informationen, die ihr dem Gericht übergeben habt".
Hinzu kommen erhebliche Zweifel aufgrund des Einreichezeitpunktes die-
ses Beweismittels. Es leuchtet nicht ein, weshalb der den Beschwerdefüh-
renden nahestehende Cousin jetzt plötzlich bereit gewesen sein soll, ein
erhebliches Risiko einer eigenen Gefährdung in Kauf zu nehmen, nachdem
sich die Verwandtschaft während des ganzen ordentlichen Verfahrens des-
halb geweigert habe, dieses Dokument zu beschaffen (vgl. Beschwerde-
schrift, Ziffer 20).
Hinsichtlich der geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe, wonach
die Flüchtlingseigenschaft begründet werde durch die Teilung des Videos
der Tötung ihres Vaters 1987 durch den Barzani-Clan, kann ebenfalls voll-
umfänglich auf die Würdigung durch die Vorinstanz verwiesen werden. Der
Einwand, der Vorwurf der Pauschalität gehe fehl, ist unberechtigt. So ist
seltsam, dass die Schwester der Beschwerdeführerin, die auf die Gefähr-
dung aufmerksam gemacht habe, nicht ansatzweise angeben kann, wel-
che Personen im Zusammenhang mit diesem Video in den Fokus geraten
seien und was passiert sei. Das Argument, eine Internetsuche ergebe
keine Treffer zu den Umständen der Ermordung des Vaters durch den
Barzani-Clan, woraus zu schliessen sei, dass die Öffentlichkeit erst mit der
Veröffentlichung des Videos darauf aufmerksam geworden sei, vermag der
Beschwerdeführerin sodann kein gewichtigeres oppositionelles Profil zu
verleihen. Auch der Hinweis, das SEM habe offensichtlich falsch gesucht
und nicht das richtige Profil bewertet, sowie das ursprüngliche Video sei
von über 35'000 und eine kürzere Version von über 3’000 Personen ange-
schaut worden, ändert daran nichts. Es ist nicht davon auszugehen, die
Beschwerdeführerin und ihre Familie wären nun plötzlich deswegen im Fo-
kus. Daran ändern der Einwand, der Barzani-Clan gehe zunehmend bru-
taler gegen Oppositionelle vor, insbesondere Journalisten, sowie die ge-
nannten Berichte nichts. Wie bereits erwähnt, war es sodann nicht Sache
des SEM, zur Gefährdung von K._ weitere Abklärungen zu treffen.
Aus den vorliegenden Akten ergibt sich jedenfalls nicht, dass sein Profil mit
jenem der Beschwerdeführenden vergleichbar wäre.
Zusammenfassend hat das SEM zu Recht festgestellt, die Beschwerdefüh-
renden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht und hat das Mehrfachge-
such zu Recht abgewiesen.
10.
10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
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Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
10.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG (SR 142.20).
11.2
11.2.1 Das SEM begründet die Anordnung des Wegweisungsvollzugs wie
folgt:
Nachdem das Mehrfachgesuch abzulehnen sei, stünden dem Vollzug der
Wegweisung keine flüchtlingsrechtlichen, aber auch sonst keine völker-
rechtlichen Hindernisse entgegen. Hinsichtlich der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs verweist es zunächst auf die Erwägungen des BVGer in
den erst kurz zuvor ergangenen Urteilen E-2194/2020 und E-2195/2020
vom 18. November 2020, wo die Zumutbarkeit unter Berücksichtigung des
spezifischen Falles inklusive Würdigung des Kindeswohls explizit bejaht
worden sei (m.H.a. die dortigen E. 9.4.1ff.und E. 8.4.1f.). Die entsprechen-
den Erwägungen erwiesen sich weiterhin als gültig, zumal dem Gesuch
vom 19. Februar 2021 keine konkreten und glaubhaften Hinweise auf das
Bestehen von (neuen) Wegweisungsvollzugshindernissen entnommen
werden könnten. Bezüglich der im Gesuch erwähnten und mit psychiatri-
schem Bericht vom 23. Februar 2021 untermauerten psychischen Verfas-
sung des Beschwerdeführers (und seiner Familie) sei auf die Rückkehrhil-
femassnahmen aufmerksam zu machen, welche von ihm und seiner Fami-
lie bei Bedarf in Anspruch genommen werden könnten. Dem psychiatri-
schen Bericht sei in erster Linie zu entnehmen, dass sich sein Gesund-
heitszustand insbesondere seit dem ablehnenden Asylentscheid respek-
tive Urteil verschlechtert habe und er sich seither bewusstseinsgetrübt, af-
fektstarr, antriebsgehemmt und mutistisch zeige. Es sei zwar nachvollzieh-
bar, dass insbesondere seine aktuelle Situation in der Notunterkunft sowie
der bevorstehende Vollzug der Wegweisung und die damit verbundene Zu-
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kunftsangst für ihn und seine Kinder in ihrer Situation belastend seien, in-
des vermöge dies nicht zu rechtfertigen, den Wegweisungsvollzug im
Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG (recte: AIG) als unzumutbar zu bezeichnen
(m.H.a. Urteil des BVGer D-3994/2016, E. 8.4 vom 22. August 2017). Der
neu vorgebrachte Sachverhalt habe bereits in der Eingabe liquide darge-
legt werden müssen. Auf die in Aussicht gestellten weiteren ärztlichen Be-
richte könne somit verzichtet werden.
11.2.2 In der Beschwerdeschrift wird entgegnet, der Vollzug erweise sich
aufgrund drohender Verletzung insbesondere von Art. 3 EMRK auch dann
als unzulässig, wenn die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden
nicht anerkannt werde. Er sei aber auch unzumutbar, dies aufgrund der
Gefährdung seitens des Barzani-Clans, wegen der Diskriminierung auf-
grund ihrer kurdischen Ethnie, der Behinderung des Beschwerdeführers
sowie dessen verschlechtertem Gesundheitszustand. Auch der ver-
schlechterte Gesundheitszustand weiterer Familienmitglieder sei ange-
messen zu berücksichtigen.
11.3 Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Einschätzung des SEM in der
angefochtenen Verfügung, es lägen keine (einfachen) Wiedererwägungs-
gründe vor und der Vollzug der Wegweisung erweise sich auch heute als
zulässig und zumutbar.
11.3.1 Zu Recht wird vom SEM auf die Erwägungen der Urteile des BVGer
E-2194/2020 und E-2195/2020 vom 18. November 2020 verwiesen, die
auch heute – nicht einmal ein halbes Jahr später - nach wie vor Gültigkeit
haben (vgl. ebd. E.8 und 9). Des Weiteren ist vollumfänglich auf die zutref-
fenden Erwägungen des SEM in der angefochtenen Verfügung (vgl. oben
E. 11.2.1) zu verweisen, an denen die Einwände in der Beschwerde offen-
sichtlich nichts zu ändern vermögen.
Dies gilt auch für den auf Beschwerdestufe eingereichten Bericht der
PD(...) betreffend die Tochter D._ (vgl. Sachverhalt Bst. F). Es ist
diesem Untersuchungsbericht nach klinischer Einschätzung vom 12. April
2021 zu entnehmen, dass D._ durch den Hausarzt überwiesen wor-
den sei. Dem Befund ist unter anderem zu entnehmen, dass es sich bei ihr
um eine mitteilungsbereite, wache, offene und reife Jugendliche handle,
die gut deutsch spreche und bezüglich kognitivem Potenzial überdurch-
schnittlich erscheine. Sie berichte unter anderem von Ein- und Durch-
schlafproblemen und wiederkehrenden Albträumen. Als belastende Ereig-
nisse würden die Flucht mit traumatischen Erlebnissen und die aktuelle
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Asylsituation benannt. Es sei im November 2020, nach negativem Asylent-
scheid, einmalig zu (...) gekommen. Lebensüberdrussgedanken seien be-
kannt, der Wunsch aus der Situation zu können. Es bestünden aber keine
konkreten suizidalen Absichten oder Pläne. Es wird der Verdacht auf Post-
traumatische Belastungsstörung gestellt; stark destabilisierend würden der
negative Asylentscheid und die unklaren Zukunftsperspektiven gesehen.
Es sei deshalb eine dringende psychotherapeutische Begleitung indiziert.
Als grosse Ressourcen werden der gute Familienzusammenhalt und das
kognitive Potenzial von D._ bezeichnet. Sie werde angemeldet im
(...) für die psychotherapeutische Behandlung.
Es ergibt sich aus diesem Bericht, dass D._ über gute Ressourcen
verfügt und in erster Linie unter den schwierigen Umständen auf der Flucht
(im Lastwagen) sowie der unsicheren Aufenthaltssituation im Hinblick auf
Perspektiven leidet. Im Bericht wird unter "gesellschaftlichen Belastungs-
faktoren" Migration oder die soziale Verpflanzung als stark bezeichnet. An-
gesichts des Alters von D._ im Zeitpunkt der Flucht ([...] Jahre) ist
naheliegend, dass nebst den schwierigen Erlebnissen auf der Flucht und
der heutigen ungewissen Situation auch das plötzliche Verlassen ihres ge-
wohnten sozialen Lebensumfeldes für sie belastend war und ist. Es ist da-
von auszugehen, dass die Rückkehr in das angestammte Umfeld für
D._ zu einer Entlastung führen kann, zumal es noch keine zwei
Jahre her ist, dass die Familie ihren Heimatstaat verlassen hat. Sie wird
zudem im Familienverband zurückkehren, den sie offenbar als stark stüt-
zend empfindet. Ergänzend kann auch für sie auf die medizinische Rück-
kehrhilfe verwiesen werden. Die Beschwerdeführenden wissen seit letzten
November, dass sie verpflichtet sind, die Schweiz zu verlassen. Es wird
nicht zuletzt an den Eltern liegen, gegebenenfalls unterstützt von den be-
handelnden Ärzten und Therapeuten, ihre Töchter auf die Rückkehr vorzu-
bereiten. Für die begünstigenden Umstände im Heimatstaat kann erneut
auf das Urteil E-2195/2020 E. 9.4 verwiesen werden.
11.4 Schliesslich obliegt es, wie bereits im ordentlichen Asylverfahren fest-
gehalten, den Beschwerdeführenden, sich bei der zuständigen Vertretung
des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und BVGE 2008/34 E. 12), weshalb
der Vollzug der Wegweisung als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2
AIG).
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11.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine (einfachen) Wiedererwä-
gungsgründe vorliegen. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich auch
heute als zulässig, zumutbar und möglich (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerdebe-
gehren schon bei Einreichung des Rechtsmittels als aussichtslos zu gelten
hatten. Damit ist – ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürftigkeit
der Beschwerdeführenden – eine der kumulativ zu erfüllenden Vorausset-
zungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65
Abs. 1 VwVG nicht erfüllt und das entsprechende Gesuch ist abzuweisen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr.1’500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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