Decision ID: fcda6226-bef2-4b17-abbf-7696aa572ae7
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. oec. Fritz Dahinden, Blumenbergplatz 1,
9000 St. Gallen,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan-Str. 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1982 geborene R._ war bei der A._ seit 13. November 2006 als
Aussendienstmitarbeiter tätig und dadurch bei der AXA Versicherungen AG
(nachfolgend: AXA) unfallversichert, als er am 26. März 2007 bei einer Auffahrkollision
eine commotio cerebri (AXA-act. M 3) und eine HWS-Distorsion erlitt (AXA-act. M 8).
Nach vollständiger Arbeitsunfähigkeit konnte der Versicherte die Arbeit ab 5. April 2007
wieder zu 20 % und ab 12. April 2007 zu 50 % aufnehmen. Am 29. und 30. Mai 2007
war er nochmals zu 100 % arbeitsunfähig, ab Juni 2007 wieder zu 50 % (AXA-act.
M 8). Die AXA anerkannte ihre Leistungspflicht für das Unfallereignis und erbrachte die
gesetzlichen Versicherungsleistungen (Heilkosten und Taggelder), wobei sie bei der
Berechnung der Taggelder von einem versicherten Verdienst von Fr. 50'763.-- ausging
(AXA-act. A 4 S. 3).
A.b Per 31. Mai 2007 kündigte der Versicherte sein Arbeitsverhältnis (AXA-act. A 19).
Am 1. Januar 2008 trat er, nun wieder vollständig arbeitsfähig, eine neue Stelle im
Aussendienst einer Versicherungsgesellschaft an (AXA-act. A 59).
A.c Nachdem die AXA mit Schreiben vom 26. September 2007 (AXA-act. A 49) einen
Fehler in der Taggeldberechnung geltend gemacht und den versicherten Verdienst,
basierend auf dem durchschnittlichen Monatseinkommen aus den Löhnen von
November 2006 bis und mit Februar 2007, auf den Betrag von Fr. 45'479.-- korrigiert
hatte, hielt sie mit Verfügung vom 16. Januar 2008 an diesen Berechnungsgrundlagen
fest. Sie begründete dies damit, dass der Lohn des Versicherten starken
Schwankungen unterlegen habe, weshalb nach Art. 23 Abs. 3 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV, SR 832.202) auf einen angemessenen Durchschnittslohn
abzustellen sei (AXA-act. A 66).
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die gegen diese Verfügung durch Rechtsanwalt lic. oec. F. Dahinden, St. Gallen, für
den Versicherten erhobene Einsprache (AXA-act. A 69) wies die AXA mit Entscheid
vom 1. September 2008 ab. Auf Grund ihrer Überprüfung der Berechnung des
versicherten Verdienstes hielt sie jedoch fest, dass eigentlich nur auf die Löhne der
Monate Februar und März 2007 abzustellen wäre, was einen versicherten Verdienst
von Fr. 44'280.-- ergeben würde. Zu Gunsten des Versicherten verzichtete sie jedoch
auf eine Anpassung (AXA-act. A 73).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 2. Oktober 2008 Beschwerde erheben. Der
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids vom
1. September 2008, die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin, die
Leistungsansprüche auf der Basis eines versicherten Jahresverdienstes von
mindestens Fr. 65'526.-- (ausschliesslich basierend auf dem im Monat Februar 2007
erzielten Lohn) zu errechnen und die Streitsache zur Festlegung der
Leistungsansprüche an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 20. Januar 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 4. Oktober 2008 (recte: 4. März 2009; act. G 11) und Duplik vom
24. März 2009 (act. G 13) hielten die Parteien unverändert an ihren Anträgen fest.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird, soweit

entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist einzig die Bemessung des versicherten Verdienstes für die
Taggeldleistungen. Während der Beschwerdeführer argumentiert, der versicherte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verdienst bemesse sich mindestens nach dem im Februar 2007 erzielten Lohn, hält die
Beschwerdegegnerin dafür, es seien die gesamten, seit Beginn der vereinbarten Provi
sionsentlöhnung erzielten Einkommen, d.h. jene der Monate Februar und März 2007, in
die Berechnung miteinzubeziehen.
2.
2.1 Nach Art. 15 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG,
SR 832.20) werden Taggelder und Renten nach dem versicherten Verdienst bemessen.
Als versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der Taggelder der letzte vor dem
Unfall bezogene Lohn, für die Bemessung der Renten der innerhalb eines Jahres vor
dem Unfall bezogene Lohn (Art. 15 Abs. 2 UVG). Gestützt auf Abs. 3 dieser Norm hat
der Bundesrat in Art. 22 - 24 UVV nähere Bestimmungen zum versicherten Verdienst
erlassen. Gemäss Art. 22 UVV, welcher den versicherten Verdienst "im Allgemeinen"
regelt, gilt als versicherter Verdienst der nach der Bundesgesetzgebung über die AHV
massgebende Lohn mit verschiedenen, hier nicht zur Diskussion stehenden
Abweichungen (Abs. 2). Nach Abs. 3 der Bestimmung gilt als Grundlage für die
Bemessung der Taggelder der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn, einschliesslich
noch nicht ausbezahlter Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht.
2.2 Art. 23 UVV enthält Bestimmungen über den massgebenden Lohn für das
Taggeld in Sonderfällen. Gemäss Abs. 1 wird der versicherte Verdienst nach dem Lohn
festgesetzt, den der Versicherte ohne Militärdienst, Zivildienst, Zivilschutzdienst, Unfall,
Krankheit, Mutterschaft, Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit erzielt hätte, wenn er aus
einem dieser Gründe keinen oder einen verminderten Lohn bezogen hat. Übt der
Versicherte keine regelmässige Erwerbstätigkeit aus oder unterliegt sein Lohn starken
Schwankungen, so wird auf einen angemessenen Durchschnittslohn pro Tag abgestellt
(Abs. 3). Hat die Heilbehandlung wenigstens drei Monate gedauert und wäre der Lohn
des Versicherten in dieser Zeit um mindestens 10 Prozent erhöht worden, so wird der
massgebende Lohn für die Zukunft neu bestimmt (Abs. 7).
2.3 Massgebend für die nach der abstrakten Methode erfolgende Berechnung des
Taggeldes ist somit nicht der mutmasslich entgangene Verdienst, sondern jener, den
die versicherte Person vor dem Unfall bezogen hat. Das gilt grundsätzlich auch für die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
in Art. 23 UVV geregelten Sonderfälle. Mit Ausnahme von Abs. 7 (lang andauernde
Taggeldberechtigung) und Abs. 8 (Rückfall) knüpfen die Regeln des Art. 23 UVV
allesamt an Tatsachen an, die sich vor dem Unfall verwirklicht haben. Art. 23 Abs. 3
UVV zielt darauf, dort einen Ausgleich zu schaffen, wo eine versicherte Person einen
Unfall zufälligerweise in einer Tief- oder eventuell gar einer Nichtlohnphase im Rahmen
der bislang ausgeübten Erwerbstätigkeit erleidet. Damit wird nichts am Prinzip
geändert, wonach die bis zum Unfall geltenden Verhältnisse massgebend sind:
Arbeitsverhältnisse, die erst nach dem Unfallereignis angetreten oder umgestaltet
werden (sollten), bleiben bei der Taggeldberechnung ausser Acht. Das Kriterium der
starken Lohnschwankungen ist erfüllt, wenn der Lohn vom erzielten Umsatz oder
anderen mehr oder weniger unbestimmten Faktoren abhängig ist (vgl. die in BGE 128
V 300 f. E. 2b/aa und cc erwähnte Rechtsprechung). Ob die Voraussetzungen zur
Anwendung dieser Sonderregelung erfüllt sind, ist mit Blick auf dasjenige
Arbeitsverhältnis zu beurteilen, in dem die versicherte Person im Unfallzeitpunkt stand
(RKUV 1997 Nr. U 274 S. 181 ff. E. 3b mit Hinweisen). Bei einem Taxifahrer, dessen
monatlicher Verdienst im Zeitraum von acht Monaten vor dem Unfallereignis um
Fr. 851.-- schwankte, ist der durchschnittlich erzielte Lohn relevant (nicht
veröffentlichtes Urteil T. vom 23. Oktober 1990 [U 130/89]). In RKUV 1989 Nr. U 70
S. 213 ff. entschied das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar
2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts), dass bei einem im Frühling
engagierten, Ende Oktober verunfallten Eishockeyspieler nicht auf den zuletzt erzielten
(monatlichen) Verdienst abzustellen sei. Da der Spielerlohn weitgehend von den durch
die Mannschaft erzielten Punkten und von der Zuschauerzahl abhängig war, wurde
davon ausgegangen, dass er starken Schwankungen im Sinn von Art. 23 Abs. 3 UVV
unterliege, und für die Taggeldberechnung ein angemessener Durchschnittslohn pro
Tag als massgebend erachtet. Dieser wurde prognostisch auf Grund der vertraglichen
Abreden bestimmt.
2.4 Ereignet sich ein Unfall während eines seit längerer Zeit dauernden
Arbeitsverhältnisses, birgt die Beurteilung, ob der Lohn starken Schwankungen
gemäss Art. 23 Abs. 3 UVV unterliegt, keine grösseren Probleme. Anzuknüpfen ist an
die in der Vergangenheit erzielten Entgelte. Diese (rückblickende) Möglichkeit entfällt,
wenn - etwa bei erst seit kurzem bestehendem Arbeitsvertrag - im Zeitpunkt des
Unfalls noch keine Löhne geleistet worden sind. Die kurze Dauer des Arbeitsvertrags
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_330%2F2008&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F128-V-298%3Ade&number_of_ranks=0#page298 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_330%2F2008&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F128-V-298%3Ade&number_of_ranks=0#page298
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und der Umstand, dass bis zum Unfallereignis keine Entgelte ausbezahlt wurden,
schliessen die Anwendung von Art. 23 Abs. 3 UVV indes nicht grundsätzlich aus. Es ist
Zufall und mit Blick auf den Normzweck unbeachtlich, ob ein Unfall in ein mehrjähriges
Arbeitsverhältnis fällt oder sich bereits kurz nach Antritt einer neuen Stelle ereignet. Es
verstösst weiter nicht gegen das Prinzip, wonach die Verhältnisse im Zeitpunkt des
Unfalls massgebend sind, wenn die Auswirkungen der aktuellen Lohnabrede geprüft
werden (BGE 128 V 301 E. 2b/bb).
3.
3.1 Gemäss Arbeitsvertrag vom 13. November 2006 (AXA-act. A 19) trat der
Beschwerdeführer per selbem Datum bei der A._ nach einem internen Wechsel die
Stelle eines Aussendienstmitarbeiters/Junior-Sales an. Dabei wurde "für die ersten drei
Monate" vereinbart, dass ein Garantielohn von Fr. 3'000.-- brutto oder die
Provisionstabelle (Anhang B) zum Tragen käme. "Ab (gemeint ist wohl: Nach) dem
dritten Anstellungsmonat" sollte kein Garantielohn mehr geschuldet sein, sondern die
Provisionstabelle (Anhang B) zur Anwendung kommen. Ein Anspruch auf einen
13. Monatslohn wurde ausdrücklich verneint.
3.2 Den Lohnabrechnungen ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer im
November 2006 (vom 13. bis 30. November) Fr. 1'800.-- (Garantielohn), im Dezember
2006 Fr. 3'383.02 (Umsatz/Ferienanteil), im Januar 2007 Fr. 3'000.-- (Garantielohn), im
Februar 2007 Fr. 5'460.50 (Umsatz/Ferienanteil) und im März 2007 (1. bis 25. März)
Fr. 1'548.-- (Umsatz) Lohn generierte (AXA-act. A 42). Demnach wurde dem
Beschwerdeführer im Sinn der nicht ganz klaren Vertragsklausel ab Februar 2007 kein
Lohn mehr garantiert. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Lohn ausschliesslich nach den
getätigten Umsätzen abgerechnet.
3.3 Das EVG hielt mit Urteil vom 17. Januar 2001 im Fall eines Taxichauffeurs fest,
dass bei einem vollständig umsatzabhängigen Lohn - ungeachtet dessen, wie lange
das konkrete Vertragsverhältnis im Zeitpunkt des Unfallereignisses bereits dauerte und
ob Entgelte ausbezahlt wurden - das Kriterium der starken Lohnschwankungen
gemäss Art. 23 Abs. 3 UVV als erfüllt gelte (RKUV 2001 Nr. U 423 S. 203 f. E. 3c/cc).
Vorliegend wurde der Lohn ab Februar 2007 nur noch auf Grund der erzielten Umsätze
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausgerichtet. Dabei ist offensichtlich, dass die Umsätze eines
Aussendienstmitarbeiters/Junior Sales von diversen Faktoren, wie Verkaufstalent,
Kunden- und Beziehungsnetzen, jeweiliger Marktsituation und allfälliger
Verkaufserfahrung etc. abhängen und der Lohn dadurch stark schwankt. Die
Bemessung des massgebenden Lohnes hat damit in Übereinstimmung mit den
Auffassungen der Parteien auf Grund von Art. 23 Abs. 3 UVV zu erfolgen.
4.
4.1 Uneinigkeit besteht jedoch hinsichtlich der konkret für die Bemessung des
versicherten Verdienstes beizuziehenden Monatslöhne. Der Beschwerdeführer macht
geltend, dass er ohne den Unfall jeweils mindestens einen Monatslohn in Höhe des
Februarlohnes hätte erreichen können. Er beruft sich dabei auf ein Schreiben der
Arbeitgeberin (vgl. AXA-act. A 6), welche davon ausgegangen war, dass er auch nach
dem Februar 2007 höhere Monatslöhne als den Garantielohn von Fr. 3'000.-- erzielt
hätte. Mehr als eine Prognose lässt sich aus diesem Schreiben jedoch nicht
entnehmen. Weiter hält der Beschwerdeführer fest, dass er ohne das Unfallereignis im
März 2007 zusätzlich einen grösseren Auftrag unter Dach und Fach hätte bringen
können, weshalb ihm die erst im April 2007 ausgerichtete Provision bereits im März
2007 zugeflossen wäre. Daher dürfe nicht nur auf den tatsächlich entrichteten Märzlohn
abgestellt werden. Hierzu ist einmal festzuhalten, dass sich allein aus der
Lohnabrechnung des Monats April 2007 (act. G 1.1.10), während welchem der
Beschwerdeführer immerhin bereits wieder zu mehr als 50 % gearbeitet hat, nicht auf
einen konkreten, unfallbedingt verzögerten Vertragsabschluss schliessen lässt. Selbst
wenn dieser behauptete Vertrag jedoch ohne den Unfall bereits Ende März 2007 hätte
abgeschlossen werden können, würde dem Beschwerdeführer daraus kein Vorteil
erwachsen. Nachdem Art. 22 Abs. 3 UVV als Grundlage für die Bemessung der
Taggelder auf den letzten vor dem Unfall erzielten Lohn abstellt, können lediglich die
bis zum Unfalltag erreichten Provisionen berücksichtigt werden. Anzumerken bleibt,
dass sich demgegenüber auch Bemühungen während eines für die Bemessung des
versicherten Verdienstes nicht berücksichtigten Monates, welche aber vor dem Unfall
und somit in den massgeblichen Monaten zu einem Vertragsabschluss geführt haben,
positiv auf die Höhe des versicherten Verdienstes ausgewirkt hätten. Solche
Verwerfungen liegen im Wesen der Lohnabrechnungen auf Grund reiner
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Provisionsentschädigung. In dem Sinn kann vorliegend somit von einem relativ fairen
Ausgleich ausgegangen werden.
4.2 Auch das Argument des Beschwerdeführers, es müssten auf Grund des kurzen
Arbeitsverhältnisses Vergleichslöhne beigezogen werden, vermag nicht zu überzeugen.
Wie kaum ein anderer Bereich ist derjenige des Verkaufs einem Vergleich nicht
zugänglich. Im Unterschied zu einem Taxichauffeur, bei welchem die Umsätze zwar
von Tages- oder Nachtschichten, Feier- oder Werktagen, dem jeweiligen Standort etc.
abhängen (vgl. RKUV 2001 Nr. U 423 S. 204 E. 3c/cc), oder zu einem Skilehrer, bei
dem die Arbeitstage stark von Wetter- und Schneeverhältnissen sowie der Anzahl
Gäste beeinflusst werden (vgl. BGE 128 V 303 E. 3b), kann bei Verkäufern kein
Vergleich aus einem ähnlichen, auf dieselbe Zeitperiode beschränkten Bereich gezogen
werden. Wie bereits ausgeführt hängen die Umsätze in diesem Berufssegment vom
Verkaufstalent, Kunden- und Beziehungsnetzen, jeweiliger Marktsituation sowie
allenfalls Erfahrung und Alter des Aussendienstmitarbeiters ab. Daher können bereits
im selben Verkaufsteam die Umsatzzahlen derart stark voneinander abweichen, dass
sich kein Durchschnittslohn ausmachen lässt. Aus diesem Grund ist die Lohnhöhe
ehemaliger Arbeitskollegen des Beschwerdeführers für den hier zu beurteilenden Fall
unerheblich. Im Übrigen wären auch weitere Abklärungen nicht geeignet, ein mit den
tatsächlichen Verhältnissen überwiegend wahrscheinlich besser übereinstimmendes
Resultat zu erbringen.
4.3 Nach dem Gesagten lässt sich grundsätzlich nicht beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin als Basis für die Bemessung des versicherten Verdienstes auf die
Löhne der Monate Februar und März 2007, also diejenigen vor Eintritt des
Unfallereignisses, abgestellt hat. Hingegen haben sich bei ihrer Berechnung insofern
Fehler eingeschlichen, als sie den März-Lohn auf einen Monat aufgerechnet und den
versicherten Verdienst auf Grund von Monaten auf ein Jahr hochgerechnet hat. Art. 23
Abs. 3 UVV stellt wörtlich auf einen angemessenen "Durchschnittslohn pro Tag" ab.
Folglich wäre die Summe aus den Löhnen Februar und März 2007 von Fr. 7'008.50
(Fr. 5'460.50 + Fr. 1'548.00) durch die Anzahl der damit abgegoltenen Kalendertage
von insgesamt 53 (28 Tage + 25 Tage) zu teilen, was einen Durchschnittslohn von
Fr. 132.23 pro Tag (Fr. 7'008.50: 53 Tage) ergibt. Dieser scheint sowohl auf Grund der
gesamten Umstände als auch im Hinblick auf die Annahme der Arbeitgeberin, dass der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer zukünftig einen höheren als den Garantielohn erzielen könne, als
angemessen. Umgerechnet auf ein Jahr resultiert demnach ein versicherter Verdienst
von Fr. 48'266.10 (Fr. 132.23 x 365 Tage). Auf diesen ist für die Berechnung der
Taggelder abzustellen.
5.
Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, die Beschwerdegegnerin hätte nach
dreimonatiger Heilbehandlung auch Art. 23 Abs. 7 UVV berücksichtigen müssen. Zur
Begründung verweist er wiederum auf einen ehemaligen Arbeitskollegen, welcher nach
ungefähr einem Jahr als Aussendienstmitarbeiter einen Bruttolohn von Fr. 11'829.44
erzielt habe (vgl. act. G 1.1.9). Zudem habe er selber bei seiner neuen Arbeitgeberin,
der Versicherungsgesellschaft, bereits Bruttoeinkünfte von bis zu Fr. 9'638.30 erreicht
und dies, obgleich er sich noch in Ausbildung befinde (act. G 1.1.11). Auf die Einholung
einer Expertise zur Lohnentwicklung des Beschwerdeführers ab März 2007 - gemäss
seinem Antrag - kann hingegen verzichtet werden. Es ist im Rahmen der
Mitwirkungspflicht der Versicherten deren Sache, mit dem im Sozialversicherungsrecht
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit darzutun, dass eine
Erhöhung erfolgt wäre, wenn kein Unfall eingetreten wäre (RKUV 1994 Nr. U 195 S. 211
E. 5b). Vorliegend sind jedoch keinerlei Anhaltspunkte vorhanden, dass der
Beschwerdeführer, sofern er sein Arbeitsverhältnis nicht selbst gekündigt hätte, bereits
nach drei Monaten auf Grund einer beträchtlichen Umsatzsteigerung mindestens 10 %
mehr Lohn erzielt hätte. Hingegen scheint auch hier die hypothetische
Lohnentwicklung des Beschwerdeführers einem Vergleich mit anderen
Aussendienstmitarbeitern nicht zugänglich. Da die geltend gemachte Lohnsteigerung
somit nicht als überwiegend wahrscheinlich betrachtet werden kann, fällt eine
Anwendung von Art. 23 Abs. 7 UVV nicht in Betracht.
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin bei der Berechnung der
von ihr geschuldeten Taggelder von einem versicherten Verdienst von Fr. 48'266.10
auszugehen hat.
7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 1. September 2008 dahingehend gutzuheissen, dass der
versicherte Verdienst für die auf Grund des Unfalls vom 26. März 2007 auszurichtenden
Taggelder des Beschwerdeführers auf Fr. 48'266.10 festgelegt wird. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Der Beschwerdeführer hat bei diesem
Verfahrensausgang Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es
rechtfertigt sich, die Entschädigung - wie in vergleichbaren Verfahren üblich - auf
pauschal Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG