Decision ID: 6f9c1969-06fd-40f0-a4b4-bd7e8cacb023
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die B._ AG schrieb im Zusammenhang mit dem Projekt betreffend
Ersatzneubau und Sanierung des Alterszentrums B._ in
D._ am E._ 2021 im Kantonsamtsblatt und auf simap.ch
im offenen Verfahren nach GATT/WTO die Beschaffung von
Lüftungsanlagen (BKP 244) aus.
2. Die Zuschlagskriterien wurden dabei wie folgt festgelegt: - Qualität (Fachkompetenz Firma, Referenzen etc.) 50%
- Preis 50%
3. Innert angesetzter Frist bis am 21. September 2021 reichten drei Anbieter
ihre Offerten ein. Nach der Offertöffnung am 24. September 2021 zeigte
sich dabei folgendes Bild: A._ AG, Fr. 948'814.20
C._ AG, Fr. 972'606.39
F._ AG, Fr. 1'158'764.10
4. Nach der Offertbereinigung durch das Bewertungsgremium ergaben sich
folgende Ergebnisse: C._ AG, Fr. 972'606.39 100.00%
A._ AG, Fr. 1'011'979.30 104.05%
F._ AG, Fr. 1'158'764.10 119.00%
Die Auswertung der bereinigten Offerten brachte beim Zuschlagskriterium
'Qualität' allen drei Anbieterinnen die maximale Punktezahl ein, sodass der
Preis für die Reihenfolge ausschlaggebend wurde. Entsprechend erhielt
die C._ AG gesamthaft 300 Punkte, die A._ AG 274.5
Punkte und die F._ AG 181.25 Punkte.
5. Am 8. Oktober 2021, mitgeteilt am 21. Oktober 2021, erteilte die
B._ AG (Vergabebehörde) der C._ AG
(Zuschlagsempfängerin) den Zuschlag zum Preis von Fr. 972'606.39.
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6. Gegen diesen Entscheid liess die A._ AG (Beschwerdeführerin)
mit Eingabe vom 12. November 2021 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht Graubünden erheben. Sie beantragt dabei kostenfällig
und unter Einräumung der aufschiebenden Wirkung die Aufhebung des
angefochtenen Vergabeentscheids und Vergabe an sich selber,
eventualiter sei der angefochtene Vergabeentscheid aufzuheben und die
Angelegenheit an die Vorinstanz zur Neuausfällung des Entscheids
zurückzuweisen; subeventualiter sei die Rechtswidrigkeit des
angefochtenen Entscheids festzustellen für den Fall, dass die
Vergabebehörde vor Ablauf der Rechtsmittelfrist mit der
Zuschlagsempfängerin einen rechtsgültigen Vertrag eingegangen sei. Zur
Begründung bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, dass die
Vergabebehörde eigenmächtig und falsch von Fr. 948'814.20 auf
Fr. 1'011'979.30 korrigiert habe. Die Einheitspreise seien überall korrekt
angegeben worden, hingegen habe sie die Zwischenergebnisse gewisser
Einzelpositionen falsch übernommen. Indem die Vergabebehörde
ausgehend von den falsch übernommenen Zwischenergebnissen
Korrekturen vorgenommen habe, sei der offensichtliche Rechnungsfehler
auf ihrer Seite. Die unrechtmässigen Korrekturen der Vergabebehörde
hätten dazu geführt, dass die Beschwerdeführerin nicht die höchste
Bewertung erhalten habe.
7. Die B._ AG (Beschwerdegegnerin) verzichtete in ihrer
Vernehmlassung vom 13. Dezember 2021 auf einen Antrag in der
Hauptsache. Die Verfahrenskosten seien aber unabhängig vom
Verfahrensausgang der Beschwerdeführerin zu überbinden und auf eine
Zusprechung einer Parteientschädigung zu Lasten der
Beschwerdegegnerin sei abzusehen. Sie argumentiert, dass aus ihrer Sicht
bei der Vielzahl von Additionsfehlern im Angebot der Beschwerdeführerin,
welche über mehrere, teils in den Offertunterlagen weit
auseinanderliegenden Seiten verstreut und deshalb nicht leicht ersichtlich
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seien bzw. nicht leicht nachvollzogen werden konnten. Es handle sich
damit vorliegend nicht um 'offensichtliche', d.h. leicht erkennbare
Rechnungsfehler, welche gemäss der Submissionsgesetzgebung von der
Beschwerdegegnerin zu korrigieren seien. Gelange das
Verwaltungsgericht zur selben Auffassung, wäre die Beschwerde
abzuweisen. Als Beschwerdegegnerin habe sie aber auch nichts dagegen
einzuwenden, wenn das Gericht mit Blick auf den Aspekt des
wirtschaftlichen Einsatzes öffentlicher Mittel zur Auffassung gelange, dass
dem Tatbestandselement 'offensichtlich' keine selbständige Bedeutung
zukomme und jeder Rechnungsfehler zu korrigieren sei. In jedem Fall aber
musste die Beschwerdegegnerin die zahlreichen versteckten Rechenfehler
nicht (vollständig) erkennen und bleibe das vorliegende Verfahren als von
der Beschwerdeführerin verursacht.
8. Die Zuschlagsempfängerin beteiligte sich nicht am Beschwerdeverfahren.
9. In ihrer Replik vom 23. Dezember 2021 stellt die Beschwerdeführerin klar,
dass sie mit ihrer Beschwerde nicht die Korrektur eigener Rechenfehler
verlange, sondern sie die Anerkennung der von ihr korrekt angegebenen
Offertsumme in der Höhe von Fr. 948'814.20 anstrebe ohne
Berücksichtigung der eigenmächtigen und unrechtmässigen Korrekturen
durch die Beschwerdegegnerin. Weil das Beschwerdeverfahren durch die
unrechtmässigen Abänderungen der Beschwerdegegnerin verursacht
worden sei, und sie zudem nicht bereit gewesen sei, ihren
Vergabeentscheid vor Ablauf der Rechtsmittelfrist in Wiedererwägung zu
ziehen, sei der Beschwerdeführerin nichts anderes übriggeblieben, als die
vorliegende Beschwerde einzureichen.
10. Am 7. Januar 2020 wehrt sich die Beschwerdegegnerin in ihrer Duplik
gegen die Vorwürfe der Beschwerdeführerin. Deren Angebot enthalte eine
Vielzahl von Additionsfehlern bzw. von falsch berechneten
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Zwischensummen, die weit verstreut im Angebot lägen und deshalb selbst
einem fachkundigen Prüfer nicht ins Auge springen würden. Das Angebot
der Beschwerdeführerin leide an Rechenfehlern, welche sie sich selber
zuzuschreiben habe. Der Beschwerdegegnerin könne nicht angelastet
werden, diese nicht entdeckt zu haben; sie habe daher auf die
angegebenen Zwischensummen vertrauen dürfen und die Additionsfehler
dieser Zwischensummen nach bestem Wissen und Gewissen korrigieren
dürfen. Eine Wiedererwägung sei schon deshalb innert der kurzen
Beschwerdefrist nicht in Frage gekommen, weil ein solcher Entscheid auch
die Zuschlagsempfängerin betroffen hätte, der vorgängig das rechtliche
Gehör hätte gewährt werden müssen. An der beantragten Überbindung der
Verfahrenskosten an die Beschwerdeführerin und dem Absehen von einer
Parteientschädigung hielt sie fest.
11. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte dem Gericht am 14.
Januar 2022 seine Honorarnote über einen Gesamtbetrag von Fr. 5'492.60
ein.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Zuschlagsentscheid vom 8. Oktober,
mitgeteilt am 21. Oktober 2021, worin die Beschwerdegegnerin die
ausgeschriebene Beschaffung von Lüftungsanlagen (BKP 244) zum Preis
von CHF 972'606.39 an die Zuschlagsempfängerin erteilte. Damit konnte
sich die Beschwerdeführerin mit dem Preisangebot von CHF 948'814.20
(nach der "Offertbereinigung" durch die Beschwerdegegnerin allerdings auf
CHF 1'011'979.30 erhöht) nicht einverstanden erklären, weshalb sie
dagegen am 12. November 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
erhob und die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die
Erteilung des Auftrags an sich selber beantragte, eventualiter sei die Sache
zur Neuausfällung des Entscheids an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, subeventualiter sei die Rechtswidrigkeit des Entscheids
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festzustellen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Es ist demnach
die Rechtmässigkeit des Vorgehens der Beschwerdegegnerin und deren
Zuschlagsentscheids an die Zuschlagsempfängerin (prozessual
Beigeladene) zu prüfen.
1.2. Die strittige Auftragsvergabe untersteht unbestritten dem öffentlichen
Beschaffungsrecht. Konkret kommen die einschlägigen Normen des
revidierten (GATT/WTO-)Übereinkommens über das öffentliche
Beschaffungswesen (SR 0.632.231.422), der Interkantonalen
Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB; SR
172.056.5 [BR 803.510]), des Submissionsgesetzes für den Kanton
Graubünden (SubG; BR 803.300) mitsamt zugehöriger
Submissionsverordnung (SubV; BR 803.310) zur Anwendung. Das
vorliegende Verfahren vor Verwaltungsgericht richtet sich nach dem
Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100).
1.3. An der eingereichten Beschwerde gibt es weder bezüglich ihrer Form (=
Erfordernis an Rechtsschriften nach Art. 38 VRG [Rechtsbegehren;
Sachverhalt; Begründung]) noch bezüglich der Wahrung der 10-tägigen
Rügefrist nach Art. 15 Abs. 2 IVöB und Art. 26 Abs. 1 SubG etwas
auszusetzen, zumal das Ziel der Beschwerde materiell klar erkennbar ist
und die Rechtsschrift vom 12. November 2021 gegen den
Zuschlagsentscheid vom 8. Oktober, mitgeteilt am 21. Oktober 2021, als
eingeschriebene Post empfangen von der Beschwerdeführerin
nachweislich am 2. November 2021, auch innert der gesetzlichen
Anfechtungsfrist von 10 Tagen erfolgt ist. Die Beschwerde ist
infolgedessen frist- und formgerecht eingereicht worden.
1.4. Nach Art. 15 Abs. 1 IVöB (Beschwerde an unabhängige kantonale Instanz
zulässig) bzw. Art. 25 Abs. 2 lit. c SubG (Beschwerde an das
Verwaltungsgericht) kann namentlich gegen den Zuschlag und den
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Ausschluss vom Vergabeverfahren Beschwerde erhoben werden. Die
örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen Verwaltungsgerichts
ist damit gegeben, da es um die gerichtlich unabhängige Überprüfung des
angefochtenen Zuschlagsentscheids vom 8. Oktober 2021 geht.
1.5. Zur Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist
legitimiert, wer durch den strittigen Entscheid berührt und ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art.
50 VRG). Die Legitimation ist gegeben, wenn die Beschwerdeführerin als
nicht berücksichtigte Bewerberin eine reelle Chance hat, bei Gutheissung
ihres Rechtsmittels den Zuschlag zu erhalten; ob dies zutrifft, ist aufgrund
der Begehren und Rügen der Beschwerdeführerin zu beurteilen. Im
konkreten Fall ist die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin als
ursprünglich preisgünstigste Anbieterin zu bejahen, verlangt sie doch die
Auftragsvergabe an sich selber und hätte deshalb den Zuschlag erhalten,
wenn die Bereinigung ihrer Offerte mit Erhöhung des Angebots auf CH
1'011'979.30 durch die Beschwerdegegnerin zu Unrecht erfolgt ist.
1.6. Die Überprüfung von Vergabeentscheiden beschränkt sich laut Art. 16 Abs.
1 IVöB i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SubG auf Rechtsverletzungen einschliesslich
Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie auf unvollständige
oder unrichtige Sachverhaltsfeststellungen. Dabei kann das
Verwaltungsgericht sein Ermessen nicht an die Stelle desjenigen der
Vorinstanz setzen (Art. 16 Abs. 2 IVöB i.V.m. Art. 27 Abs. 2 SubG).
Vielmehr hat es Lösungen der Vergabebehörde zu akzeptieren, die mit
sachlichen Gründen vertretbar sind, auch wenn eine andere Lösung als
zweckmässiger erschiene (vgl. dazu Urteile des Verwaltungsgerichts
[VGU] U 19 14 vom 19. März 2019 E.2.2.3.1, U 19 7 vom 19. März 2019
E.7, U 18 52 vom 30. Oktober 2018 E.5.2). Das Gericht kann nur dort
eingreifen, wo eine Bewertung erwiesenermassen falsch und sachlich nicht
haltbar ist; Voraussetzung für ein Eingreifen und somit eine Korrektur ist
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der Nachweis einer willkürlichen, sachlich nicht zu rechtfertigenden
Bewertung eines Kriteriums.
2. Materiell geht es um die "Bereinigung von Angeboten" bzw. die "Korrektur
von Fehlern". Im konkreten Fall liegt ein Devis zur Beurteilung, in dem auf
186 Seiten Einzelpositionen offeriert werden müssen (1. Ebene).
Fortlaufend sind dort auch Positionen mit Zwischentotals (2. Ebene)
auszufüllen. Auf den Seiten 186-192 folgt die Zusammenstellung dieser
Zwischentotals, welche zu Gesamtbeträgen zusammengestellt werden für
die Sammelpositionen 'Übergangsposition' (BKP 240) sowie
'Lufttechnische Anlagen' (BKP 244) mit den Teilbereichen 'Küche' (BKP
244.1), 'West' (BKP 244.2), 'Ost' (BKP 244.3), und 'Gewerksübergreifende
Befestigung DG/Spezialschächte Lüftung' (BKP 244.4), nachfolgend als
Sammeltotals (3. Ebene) bezeichnet. Die Summe der BKP 240 und 244
ergeben dann die Offert-summe 'Total Brutto Neubau', zu welcher noch der
Betrag 'Total Brutto Umbau EG Altbau' hinzuzuzählen ist und nach Abzug
von Rabatt und Skonto sowie Hinzurechnung der MWST die Offertsumme
Total Netto ergibt. Die Beschwerdegegnerin hat dazu anlässlich der
"Bereinigung der Offerte" der Beschwerdeführerin namentlich zwei Fehler
bei den "Zwischentotals" (2. Ebene) erkannt und korrigiert; ein weiterer,
kleinerer Fehler wurde von ihr übersehen. So im Einzelnen (1) beim
Offertteil 'Lufttechnische Anlagen, Küche' [BKP 244.1] (kleiner Fehler); (2)
im Abschnitt 'West' [BKP 244.2] bei der Position 'Apparate' [BKP 244.2.0]
sowie (3) im Abschnitt 'Ost' [BKP 244.3]. Nach Vornahme der Korrekturen
der zwei erkannten Fehler in den "Zwischentotals" durch die
Beschwerdegegnerin ergab sich eine Diskrepanz beim Zusammenrechnen
der Einzelpositionen sowie der Sammelpositionen (= Zwischentotals).
Angesichts der Fülle von Einzelpositionen (auf 186 Seiten) hat die
Beschwerdegegnerin von den Sammelpositionen aus gerechnet und (an
sich mathematisch korrekte) Korrekturen vorgenommen. Die Positionen
BKP 244.2 und BKP 244.3 wurden dadurch einmal um CHF 29'646.-- und
einmal um CHF 44'909.-- nach oben korrigiert, was die Offerte der
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Beschwerdeführerin in der Position 'Total Brutto Neubau' von ursprünglich
CHF 953'299 gemäss Zusammenstellung der Vergabebehörde (vgl. Akten
Beschwerdeführerin [Bf-act.] 4) auf neu CHF 1'027'576.-- anhob. Nach
Berücksichtigung der weiteren, unveränderten Positionen ergab sich somit
nach Berücksichtigung von Rabatt, Skonto und MWST ein neuer
Gesamtoffertbetrag in der Höhe von CHF 1'011'979.30 (anstatt dem
ursprünglichen Gesamtangebot von CHF 948'814.20).
2.1. Das Verwaltungsgericht hat zur 'Bereinigung von Angeboten' bzw. zur
'Korrektur von Fehlern' bereits in seinen früheren Urteilen U 21 53 vom 26.
Oktober 2021 E.2.5 und U 14 64 vom 21. Oktober 2014 E. 3b und 3c
Stellung genommen und darin seine langjährige Praxis zu 'Rechenfehlern'
bestätigt.
2.2. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Anträge und der Argumentation der
Beschwerdeführerin ist der einschlägige Art. 24 SubV, der wie folgt lautet: Art. 24 SubV Prüfung und Bereinigung 1 Die Angebote sind auf die Einhaltung der Formvorschriften zu überprüfen. 2 Danach werden die Angebote technisch und rechnerisch bereinigt sowie aufgrund der
Eignungs- und Zuschlagskriterien geprüft. Im Bedarfsfall können Dritte als Sachver-
ständige beigezogen werden. 3 Offensichtliche Rechnungsfehler, das heisst fehlerhafte arithmetische Operationen mit
im Angebot richtig aufgeführten Grössen, sind zu korrigieren. Unzulässig ist hingegen
die Korrektur von Kalkulationsfehlern und Fehlern in der Preiserklärung. 4 Nach der Prüfung und Bereinigung wird eine Vergleichstabelle über die Angebote erstellt.
2.3. Aus dem Verhandlungsverbot (Art. 19 SubG) ergibt sich das Prinzip der
grundsätzlichen Unveränderbarkeit der Angebote nach deren Einreichung
bei der Vergabebehörde (Art. 18 SubG und Art. 25 SubV). Im Rahmen der
Offertbereinigung kann die Vergabebehörde zwar offensichtliche
Rechnungsfehler korrigieren. Die Korrektur von Kalkulationsfehlern und
Fehlern in der Preiserklärung kommt allerdings nicht in Frage (Art. 24
SubV). Ausserdem kann die Vergabebehörde von den Anbietern
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Erläuterungen bezüglich ihrer Eignung und ihres Angebots verlangen.
Diese nachträglichen Auskünfte dürfen aber keine Änderung der
Angebotsgrundlagen oder der offerierten Preise zur Folge haben. Es
dürfen nur vorhandene Offertinhalte im Rahmen der Offertbereinigung
klargestellt oder präzisiert werden (Art. 25 SubV; vgl. zum Ganzen:
GALLI/MOSER/LANG/STEINER, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts,
3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, N 710-712). Auf jeden Fall ist die
Gleichbehandlung der Anbietenden im Offertbereinigungsprozess zu
gewährleisten. Bei den nachträglichen Erläuterungen ist zu vermeiden,
dass auf diese Art und Weise verdeckte Angebote eingebracht werden
können oder dass Leistungsinhalte absichtlich offengelassen werden, um
das Angebot nachträglich in Kenntnis der Konkurrenzofferten anzupassen.
Bei der Bereinigung der Angebote ist zu beachten, dass diese nicht nur
hinsichtlich des Preises sondern auch in Bezug auf die offerierte Leistung
nach Ablauf der Eingabefrist nicht mehr geändert werden dürfen.
Insbesondere Offertbereinigungen technischer Natur, die über die
Berichtigung von Rechnungsfehlern oder anderen offensichtlichen
Irrtümern oder Fehlern hinausgehen, sind zurückhaltend zu handhaben
und dürfen nicht zu einer Änderung des Leistungsinhaltes führen. Neben
offensichtlichen Rechnungsfehlern dürfen u.U. auch andere eindeutig als
solche erkennbare Versehen und Irrtümer korrigiert werden. In Frage
kommen z.B. offensichtliche Schreibfehler (GALLI/MOSER/LANG/STEINER,
a.a.O., N 713-724). Rechnungsfehler sind fehlerhaft durchgeführte
Operationen mit im Angebot aufgeführten Grössen. Rechnungsfehler
müssen offensichtlich sein, damit sie noch korrigiert werden dürfen und es
muss eine unlautere Absicht der Anbieterin ausgeschlossen sein. Zudem
muss der tatsächliche Wille der Anbieterin feststehen, um einen
Rechnungsfehler korrigieren zu können (PVG 1990 Nr. 7;
GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., N 725-739).
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2.4. Übertragungsfehler können im Gegensatz zu Rechenfehlern jedoch nicht
nachträglich korrigiert werden. Wenn die Vergabebehörde im Rahmen der
Offertbereinigung feststellt, dass eine Position in der Offerte nicht der
Summe der angeführten Beträge entspricht, so darf sie die Position nicht
entsprechend korrigieren. Vielmehr ist ein Additionsfehler anzunehmen,
der entsprechend zu korrigieren ist und nicht ein in der Angebotssumme
nicht zu korrigierender Übertragungsfehler (GALLI/MOSER/LANG/STEINER,
a.a.O., N 731 mit Hinweis auf das Urteil des Kantonsgericht Freiburg FR
602 2008-21 vom 5. Juni 2008). Submissionsrechtlich betrachtet muss die
Anbieterin folgerichtig eine mit einem Übertragungsfehler behaftete Offerte
grundsätzlich gegen sich gelten lassen. Mit dieser Bestimmung sollen
Manipulationen an den Angeboten nach Offertöffnung möglichst
ausgeschlossen werden, um die Chancengleichheit zu wahren. Zudem soll
im Sinne der Klarheit und Transparenz verhindert werden, dass die
Vergabebehörde selbst Nachforschungen anstellt, ob tatsächlich
irgendwelche Fehler vorliegen. Den Offerierenden wird somit bei der
Ausfüllung ihrer Offertunterlagen die zumutbare Sorgfaltspflicht auferlegt,
dafür zu sorgen, dass sie den Gesamtpreis eintragen, der auch ihrem
klaren Äusserungswillen entspricht. Massgebend sind grundsätzlich immer
die Einzelpositionen im Devis und der sich daraus ergebende
Gesamtangebotspreis; und nicht etwa (falsche) Zwischentotale aufgrund
anderweitig nicht erklärbarer Übertragungsfehler. Dementsprechend
dürfen Angebote nach der Offertöffnung materiell auch nicht mehr
verändert werden. Irgendwelche Korrekturen der Offerte sind einzig und
allein bei "offensichtlichen Rechenfehlern" zulässig, aber gerade nicht bei
anderweitig nicht auf den ersten Blick erklärbaren Rechen- oder
Übertragungsfehlern bei Sammelpositionen bzw. bloss "Zwischentotalen."
2.5. Nach dem soeben Gesagten stellt sich folglich grundsätzlich die Frage, ob
die Beschwerdegegnerin überhaupt berechtigt war, die falschen
Zwischentotale (auf der 2. Ebene) (mathematisch korrekt) zu korrigieren,
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obwohl die Einzelpositionen (auf der 1. Ebene) als auch der offerierte
Gesamtpreis (auf der 3. Ebene) dem eigentlichen Äusserungswillen der
Beschwerdeführerin entsprachen. Eine Rücksprache von Seiten der
Beschwerdegegnerin wäre in dieser Situation durchaus möglich und
sinnvoll gewesen, um die von ihr bei den Zwischentotalen festgestellten
Unklarheiten auszuräumen. Genau aus demselben Grund ist die Sache –
bei Gutheissung der Beschwerde zufolge fehlender Kompetenz der
Beschwerdegegnerin für die aufgerechneten Korrekturen – kassatorisch
und nicht reformatorisch zur Neuvergabe der ausgeschriebenen Arbeiten
an die Vergabeinstanz zurückzuweisen.
2.6. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts ist die Beschwerdegegnerin
vorliegend mangels Vorliegens eines "offensichtlichen Rechenfehlers" im
Sinne von Art. 24 Abs. 3 SubV nicht verpflichtet gewesen, die festgestellten
Unklarheiten (siehe Aufzählung E.2, hiervor; "Fehler bei Zwischentotals")
selbst zu korrigieren. Wenn sie aber nach Fehlern forschte und diese dann
auch korrigierte und deshalb von 'offensichtlichen Rechenfehlern' ausging,
dann hätten ihre Korrekturen zu 100 % richtig, vollständig und
nachvollziehbar sein müssen, weil sie in diesem Fall zu erhöhter Vorsicht
bei der Abänderung des bestehenden Gesamtangebotes der
Beschwerdeführerin verpflichtet gewesen wäre. Mit andern Worten obliegt
es bei einer solchen Fallkonstellation der Vergabeinstanz, den Nachweis
zu erbringen, dass ein 'offensichtlicher Rechenfehler' (leicht erkennbarer
Additionsfehler) vorliegt.
2.7. Konkret sind im Detail "drei Fehler des Zwischentotals" näher zu würdigen:
Fehler Nr. 1: Beim Offertteil 'Lufttechnische Anlagen, Küche', BKP 244.1,
ist nachfolgender Fehler im Devis passiert. Auf S. 53 sollte ein
'Wickelfalzrohr' offeriert werden. Dazu gab es zwei Positionen, nämlich für
Durchmesser 315 mm und für Durchmesser 250 mm. Die
Beschwerdeführerin offerierte beim grösseren Durchmesser 4 m à CHF
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69.50 [= CHF 278.--] und beim kleineren Durchmesser 3 m à CHF 55.-- [=
CHF 165.--]; d.h. sie hat beim Zwischentotal die Position mit CHF 278.--
vergessen. Als Folgefehler wurde in der Sammelposition bzw. beim
Zwischentotal 'Kanäle und Rohre' (BKP 244.1.1) auf S. 57 des Devis CHF
26'555.-- ausgewiesen. Beide Zahlen, d.h. die CHF 165.-- und auch die
CHF 26'555.-- wurden dann korrekt in der Zusammenstellung auf S. 187
der Offerte übertragen, sodass das Zwischentotal 'Kanäle und Rohre' BKP
244.1.1 dort mit CHF 26'555.-- eingetragen wurde. Das Zwischentotal
'Küche' BPK 244.1 ist im Devis (S. 72) sowie in der Zusammenstellung (auf
S. 188) mit CHF 216'578.-- ausgewiesen, was letztlich die korrekte Zahl ist
(nämlich inkl. der zuvor vergessenen CHF 278.--, welche im Zwischentotal
von CHF 26'555.-- nicht mitenthalten sind). Die Nachberechnung hätte ein
Zwischentotal von CHF 26'833.-- ergeben. Dieser Fehler ist ein 'echter
Rechnungsfehler' der Beschwerdeführerin, den die Beschwerdegegnerin
aber nicht erkannt und somit auch nicht korrigiert hat. Angesichts der
Geringfügigkeit des abweichenden Betrags (CHF 278.--) im Vergleich zur
Offertsumme kann dieser Fehler als vernachlässigbar eingestuft werden,
zumal er keinerlei Einfluss auf die Reihenfolge der Angebote hat. Dieser
(kleine) Fehler spielt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
keine Rolle; wäre bei einer Neuvergabe aber zu berücksichtigen, was für
einen kassatorischen Gerichtsentscheid spricht.
Fehler Nr. 2: Im Abschnitt 'West' (BKP 244.2) hat die Beschwerdeführerin
die Position 'Apparate' (BKP 244.2.0) mit CHF 29'646.-- (im Devis S. 73)
angegeben und auf S. 78 bestätigt; für die Position 'Kanäle und Rohre'
(BKP 244.2.1) wies die Beschwerdeführerin auf S. 90 für die Position
'Zuluft' (BKP 244.2.1.101) ein Zwischentotal von CHF 19'413.-- aus, auf S.
99 für die Position 'Abluft' (BKP 244.2.1.244) ein Zwischentotal von
CHF 13'268.--, auf S. 101 für die Position 'Aussenluft' (BKP 244.2.1.387)
CHF 2'221.-- und auf S. 103 für die Position 'Fortluft' (BKP 244.2.1.453)
CHF 1'284.--. Auf derselben Seite gab sie als Total für die Sammelposition
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'Kanäle und Rohre' (BKP 244.2.1) einen Betrag von CHF 65'832.-- an, was
arithmetisch nicht korrekt ist, ergeben die genannten Teilbeträge CHF
19'413.-- + CHF 13'268.-- + 2'221.-- + CHF 1'284.-- doch insgesamt CHF
36'186.-- und nicht die aufgeführten CHF 65'832.--. Vergleicht man die
beiden Zahlen, stellt man fest, dass die Differenz exakt CHF 29'646.-- (=
Betrag der Position 'Apparate' unter BKP 244.2.0) beträgt. Somit liegt ein
'Übertragungsfehler' vor, denn im Total von BKP 244.2 wurden CHF
281'551.-- ausgewiesen, was zwar arithmetisch falsch ist, wenn man die
Zwischentotals in der Kostenzusammenstellung (BKP 244.2.0 – BKP
244.2.4) zusammenzählt, hingegen richtig ist, wenn man die
Zwischentotals auf einer tieferen Ebene (etwa BKP 244.2.1.x) bzw. die
Einheitspreise (Einzelpositionen, 1. Ebene) zusammenrechnet. Der Fehler
ist einzig auf einer Zwischentotalebene geschehen und hätte als reiner
'Übertragungsfehler' von der Beschwerdegegnerin gar nicht korrigiert
werden dürfen. Sie hätte ausschliesslich auf das Total CHF 281'551.--
abstellen müssen.
Fehler Nr. 3: Im Abschnitt "Ost" (BKP 244.3) beklagt die
Beschwerdeführerin denselben Fehler: Das Zwischentotal der Position
244.3.1 'Kanäle und Rohre' enthalte schon die Position 244.3.0 'Apparate'
im Umfang von CHF 44'909.--. Es sei daher nicht das von ihr in der Offerte
falsch deklarierte Zwischentotal unter Position 244.3.1 von CHF 107'169.--
massgebend, sondern der Gesamtbetrag von CHF 62'260.--, welcher sich
aus den Zwischentotals [CHF 31'924.-- + CHF 25'984.-- + CHF 2'444.-- +
CHF 1'908.--] zusammensetze. Für die Ermittlung des Totals von BKP
244.3 sei indes der korrekte Betrag von CHF 420'080.-- angegeben
worden. Auch hier kann also nicht von einem 'offensichtlichen
Rechenfehler' im Sinne von Art. 24 Abs. 3 SubV die Rede sein, womit die
Beschwerdegegnerin nicht korrigierend hätte eingreifen dürfen, sondern
korrekterweise allein auf das Total CHF 420'080.-- hätte abstellen müssen.
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2.8. Zusammengefasst ergibt sich, dass die vorgenommenen Korrekturen der
Beschwerdegegnerin im Umfang von CHF 74'555.-- (mit Erhöhungen CHF
29'646.-- [BKP 244.2] und CHF 44'909.-- [BKP 244.3]) in der Position 'Total
Brutto Neubau', welche zu einem "Bereinigten Angebot" in der Höhe von
CHF 1'011'979.30 anstelle der "Ursprünglichen Preisofferte" mit einem
Angebot von CHF 948'814.20 führte, rechtlich nicht haltbar sind, da die
Beschwerdegegnerin nicht befugt war, die falschen Zwischentotale über
die massgebenden Einzelpositionen sowie die
Kostenzusammenstellungen zu stellen und gestützt darauf das
preisgünstigste Angebot der Beschwerdeführerin im Ergebnis
eigenmächtig abzuändern.
3.1. Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen, der angefochtene
Zuschlagsentscheid vom 8. Oktober 2021 aufzuheben und die Sache an
die Beschwerdegegnerin zur neuen Vergabe im Sinne der Erwägungen
zurückzuweisen.
3.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Angesichts der
Bedeutung des Auftrags und der mittleren Komplexität des Falles erscheint
eine Staatsgebühr in der Höhe von CHF 4'000.-- als angemessen (vgl. etwa
Urteile des Verwaltungsgerichts [VGU] U 14 82 vom 25. November 2014:
Auftragssumme rund CHF 1 Mio. [Staatsgebühr CHF 4'000.--]; U 18 51 vom
18. Dezember 2018: Auftragsvolumen rund CHF 1 Mio. [Staatgebühr CHF
5'000.--]). Weil sich die Beigeladene (Zuschlagsempfängerin) nicht an
diesem Verfahren beteiligt hat, werden ihr auch keine Kosten auferlegt.
3.3. Aussergerichtlich hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die
durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen
(Art. 78 Abs. 1 VRG). Es ist dabei grundsätzlich auf die Honorarnote des
Anwalts der Beschwerdeführerin vom 14. Januar 2022 in der Höhe von
CHF 5'492.60 (explizit ohne Mehrwertsteuer [CHF 422.95]) abzustellen
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(zusammengesetzt aus: Arbeits-/Zeitaufwand 20.51 Std. à CHF 260.--/Std.
[CHF 5'332.60] plus Kleinspesenpauschale 3 % [CHF 160.--]). Nach Art. 3
Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung [HV]; BR
310.250) gilt im Kanton Graubünden üblicherweise ein Stundenansatz von
(im Durchschnitt) CHF 240.--. Laut Art. 4 Abs. 1 HV kann bei Vorliegen
einer Honorarvereinbarung davon abgewichen werden, wobei der
maximale Stundenansatz in diesem Fall bei CHF 270.-- liegt. Vorliegend
wurde eine entsprechende Honorarvereinbarung (Datum 12. November
2021) mit einem Stundenansatz von CHF 260.-- (zzgl. MWST) eingereicht.
Für das Gericht besteht vorliegend keine Veranlassung, diese Kostennote
über CHF 5'492.60 betragsmässig abzuändern. Die Beschwerdegegnerin
hat der Beschwerdeführerin somit eine Parteientschädigung in besagter
Höhe zu bezahlen.