Decision ID: be295f08-5ea4-551c-931e-fa3fb822a133
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Das damalige Bundesamt für Migration (BFM; heute Staatssekretariat für
Migration, SEM) stellte mit Verfügung vom 12. Mai 2006 fest, der
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte
demzufolge sein Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es die Wegweisung des
Beschwerdeführers und ordnete den Vollzug an. Die dagegen erhobene
Beschwerde vom 14. Juni 2006 hiess die damalige Schweizerische
Asylrekurskommission (ARK) gut. Sie anerkannte den Beschwerdeführer
mit Urteil vom 12. Oktober 2006 als Flüchtling ung gewährte ihm – wie in
seinem Asylgesuch vom 27. Januar 2004 beantragt – Asyl.
B.
B.a Mit Schreiben vom 19. April 2017 ersuchte die Staatsanwaltschaft des
Kantons B._ das SEM um Amtshilfe und setzte es darüber in
Kenntnis, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der polizeilichen
Befragung vom 7. Dezember 2016 bezüglich Widerhandlung nach Art. 118
Abs. 2 AuG (neu: AIG [SR 142.20]) sowie weiterer Delikte angegeben
habe, nach seinem Gefängnisaufenthalt weiter für die PKK in C._,
D._ und E._ teilweise unter falschem Namen und mit
falschem Pass gearbeitet zu haben. Dies habe er im Asylverfahren nicht
erwähnt, um in der Schweiz aufgenommen zu werden. Zudem sei der
Name, den er als denjenigen seines Vaters angebe, in Wirklichkeit der
Name seines Onkels. Die zuständige Staatsanwältin ersuchte das SEM um
Beantwortung einiger Fragen in Hinblick auf eine bevorstehende
Einvernahme.
B.b Am 2. Mai 2017 beantwortete das SEM das Amtshilfeersuchen und
ersuchte seinerseits zur Prüfung eines allfälligen Widerrufsverfahrens um
Einsicht in die polizeilichen Befragungsprotokolle vom 7. Dezember 2016
und in weitere wesentliche Strafakten.
B.c Am 23. Mai 2017, 16. Juni 2017 und 5. Februar 2018 liess die
Staatsanwaltschaft des Kantons B._ dem SEM Kopien diverser
Strafunterlagen zukommen.
B.d Mit Schreiben vom 29. Mai 2018 eröffnete das SEM dem
Beschwerdeführer die Gelegenheit, das rechtliche Gehör zu einer
allfälligen Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie einem Widerruf
des Aslys aufgrund seiner unterschiedlichen Angaben im damaligen Asyl-
und heutigen Strafverfahren wahrzunehmen.
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B.e Nachdem innert angesetzter Frist keine Stellungnahme einging, lud
das SEM den Beschwerdeführer am 13. Juli 2018 zu einer persönlichen
Anhörung am 3. August 2018 vor. Der Zustellversuch der Vorladung
scheiterte, da der Beschwerdeführer unter der angegebenen Adresse nicht
ermittelt werden konnte. Ein weiterer Zustellversuch am 30. Juli 2018 an
eine andere mutmassliche Adresse blieb ebenfalls erfolglos und der
Beschwerdeführer erschien nicht zur Anhörung, weshalb diese abgesagt
wurde.
B.f Am 6. August 2018 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das
rechtliche Gehör zu seinem Nichterscheinen an der Anhörung sowie zur
beabsichtigten Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und dem
erlegenen Asylwiderruf. Das Einschreiben wurde mit dem Vermerk "nicht
abgeholt" retourniert und die angesetzte Frist lief ungenutzt ab.
B.g Mit Verfügung vom 18. Januar 2019 aberkannte das SEM die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers und widerrief das Asyl.
C.
C.a Mit Beschwerde vom 18. Februar 2019 gelangte der Beschwerdefüh-
rer an das Bundesverwaltungsgericht mit den Begehren, die Verfügung
vom 18. Januar 2019 sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei
nicht abzuerkennen und sein Asyl sei nicht zu widerrufen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistän-
dung. Des Weiteren beantragte er, ihm sei eine ergänzende Begründung
anhand der Vorakten zu gestatten.
C.b Mit Zwischenverfügung vom 22. Februar 2019 forderte der zuständige
Instruktionsrichter den Beschwerdeführer dazu auf, eine Fürsorgebestäti-
gung beziehungsweise das ausgefüllte Formular "Gesuch um unentgeltli-
che Rechtspflege" wahrheitsgetreu ausgefüllt nachzureichen. Im Unterlas-
sungsfall werde davon ausgegangen, dass er nicht bedürftig im Sinne des
Gesetzes sei. Über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege werde nach Eingang der erwähnten Dokumente beziehungs-
weise nach Ablauf der dafür gewährten Frist befunden. Einstweilen werde
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Des Weiteren
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werde dem Beschwerdeführer eine siebentägige Frist ab Erhalt dieser Zwi-
schenverfügung zur Beschwerdeergänzung eingeräumt. Nach Ablauf der
Frist werde gestützt auf die bestehende Aktenlage entschieden.
C.c Mit Schreiben vom 26. Februar 2019 überwies die Vorinstanz die Ein-
gabe des Beschwerdeführers vom 21. Februar 2019 an das Bundesver-
waltungsgericht. Darin verlangte er Einsicht in einzelne Aktenstücke, wel-
che ihm von der Vorinstanz verweigert worden war.
C.d Mit Beschwerde vom 3. März 2019 beantragte der Beschwerdeführer,
die Zwischenverfügung der Vorinstanz vom 20. Februar 2019 sei aufzuhe-
ben und die Vorinstanz zu verpflichten, Einsicht in die Aktenstücke mit den
Nummern B1/3, B2/5, B3/1, B4/105, B5/22, B6/208, B20/1 und B21/1 zu
gewähren.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege
mit unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu gewähren.
C.e Mit Beschwerdeergänzung vom 4. März 2019 hielt der Beschwerde-
führer an seinen bisherigen Anträgen in der Beschwerde vom 18. Februar
2019 fest und ersuchte um Sistierung des Verfahrens bis zum Entscheid
über die Beschwerde gegen die Einschränkung der Akteneinsicht.
C.f Mit einer weiteren Eingabe vom 4. März 2019 ersuchte der Beschwer-
deführer um Fristerstreckung zur Einreichung des Gesuchsformulars der
unentgeltlichen Rechtspflege und der zugehörigen Belege. Sie wurde ihm
gewährt.
C.g Am 7. März 2019 reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht vom
26. Februar 2019 von Dr. med. F._ ein.
C.h Mit Eingabe vom 19. März 2019 übermittelte der Beschwerdeführer
das ausgefüllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" und
weitere Belege.
C.i Mit Zwischenverfügung vom 29. März 2019 hiess der Instruktionsrich-
ter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie
der amtlichen Rechtsverbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses. Das Akteneinsichtsgesuch wies er ab. Zudem
eröffnete er der Vorinstanz die Gelegenheit zur Einreichung einer Ver-
nehmlassung.
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C.j Mit Vernehmlassung vom 10. April 2019 hielt die Vorinstanz insbeson-
dere fest, der Beschwerdeführer habe seine Mitwirkungspflicht nicht wahr-
genommen, indem er sich im vorinstanzlichen Verfahren nicht geäussert
habe.
C.k Mit Zwischenverfügung vom 12. April 2019 gewährte der Instruktions-
richter dem Beschwerdeführer die Gelegenheit zur Replik, welche dieser
am 26. April 2019 vorläufig wahrnahm. Zugleich ersuchte er um Fristerstre-
ckung zur Einreichung einer weiteren Replik.
C.l Innert erstreckter Frist äusserte sich der Beschwerdeführer nochmals
in Form der ergänzenden Replik vom 10. Mai 2019 und reichte einen Aus-
trittsbericht der G._ vom 20. April 2017 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde und ihre Ergänzung wurden innert Frist eingereicht
und erfüllen die Anforderungen an Inhalt und Form. Der Beschwerdeführer
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hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefoch-
tene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse
an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einrei-
chung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG;
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Im Asylbereich kann mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, ein-
schliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens sowie die un-
richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft aber-
kannt und/oder das Asyl widerrufen, wenn die ausländische Person das
Asyl oder die Flüchtlingseigenschaft durch falsche Angaben oder Ver-
schweigen wesentlicher Tatsachen erschlichen hat. Dieser Inhalt korres-
pondiert mit der Pflicht der asylsuchenden Person aus Art. 8 Abs. 1 Bst. c
AsylG, die Gründe für das Asylgesuch anzugeben. Die Falschangabe oder
das Verschweigen wesentlicher Tatsachen muss kausal für die Gewährung
von Asyl oder die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gewesen sein.
Verschweigt eine Person beispielsweise nur wesentliche Tatsachen, die
eine Asylunwürdigkeit begründen, ist aber die Flüchtlingseigenschaft ge-
mäss der Flüchtlingskonvention erfüllt, so kommt allein der Widerruf des
Asyls, nicht aber der Flüchtlingseigenschaft in Betracht (CONSTANTIN
HRUSCHKA in: Spescha et al. (Hrsg.), Kommentar zum Migrationsrecht,
5. Aufl. 2019, Art. 63 AsylG N. 2). Bei Aberkennung der Flüchtlingseigen-
schaft entfällt allerdings ohne Weiteres auch das Asyl.
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung damit, dass der Beschwer-
deführer im Rahmen eines gegen ihn eingeleiteten Strafverfahrens bei der
polizeilichen Befragung vom 7. Dezember 2016 angegeben habe, er sei
sieben Jahre im Gefängnis gewesen. Nach seiner Freilassung habe er in
verschiedenen Balkanländern unter den falschen Namen H._ oder
J._ beziehungsweise unter seinem richtigen Namen für die PKK
gearbeitet. Er habe ab dem (...) Altersjahr bis zu seiner Einreise in die
Schweiz nur für die PKK gelebt und Personen in "Politik, Geschichte und
Pistole" ausgebildet. Er habe ebenfalls Leute getötet. Diese Dinge habe er
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im Asylverfahren verschwiegen, um in der Schweiz aufgenommen zu wer-
den. Anlässlich der Befragung vom 8. Mai 2017 habe er gegenüber der
Staatsanwaltschaft B._ weiter zu Protokoll gegeben, H._
K._ sei bei der PKK sein Code- beziehungsweise Kampfname ge-
wesen. Er sei heute Sympathisant der PKK. Diese Angaben widersprächen
seinen Aussagen im Rahmen des Asylverfahrens, wonach er im Jahr (...)
Bekanntschaft mit der PKK gemacht, kein aktiver Militant gewesen, aber
sich aktiv für die Partei engagiert habe, indem er Flugblätter verteilt, PKK-
Anhänger beherbergt und verpflegt, an Demonstrationen teilgenommen,
Kurierarbeiten erledigt sowie Spendengelder und Informationen weiterge-
leitet habe. Seine Inhaftierung sei vom (...) 1992 bis (...) 1999 gewesen.
Anschliessend sei er nicht in den Militärdienst eingerückt, weshalb ihn die
Militärbehörden gesucht hätten. Seit der Haftentlassung sei er für die HA-
DEP tätig gewesen und habe versteckt gelebt. Im Asylverfahren habe er
unter anderem einen Auszug aus dem Personenregister vom (...) 2004 ein-
gereicht, wonach er von den Behörden gesucht werde. Im Rahmen des
Ehevorbereitungsverfahrens vor dem Zivilstandskreis L._ habe er
einen Personenregisterauszug vom (...) 2012 ohne einen solchen Vermerk
eingereicht. Dementsprechend sei beim Auszug des Personenregisters
vom (...) 2004 von einem gefälschten Dokument auszugehen. Aufgrund
seiner neuen Aussagen, wonach er selbst Leute getötet habe und als Aus-
bildner sehr aktiv in die Tätigkeiten der PKK eingebunden gewesen sei,
liege nahe, dass er anlässlich seines Asylverfahrens falsche Angaben ge-
macht habe und – sollte er die Flüchtlingseigenschaft überhaupt erfüllt ha-
ben – von der Flüchtlingseigenschaft auszuschliessen gewesen wäre. Auf-
grund seines Verhaltens und der Einreichung eines gefälschten Beweis-
mittels könne ihm die Gefährdung im Heimatstaat nicht geglaubt werden.
Zudem habe er seine Mitwirkungspflicht im Rahmen seines Asylverfahrens
in schuldhafter Weise grob verletzt.
4.2 Der Beschwerdeführer erwiderte in seiner Beschwerde vom 18. Feb-
ruar 2019 im Wesentlichen, er leide an psychischen Problemen, die Aus-
wirkungen auf sein Aussageverhalten gehabt und verunmöglicht hätten,
dass er seine administrativen Belange habe erledigen können. So würde
es die PKK wohl kaum zulassen, dass ein Minderjähriger als Ausbildner im
Pistolenschiessen eingesetzt werde. Zudem sei eine Pistole nicht das ge-
eignete Instrument und er sei wohl nicht in einer Gegend gewesen, wo es
tatsächlich zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit den türkischen
Streitkräften gekommen sei. Er habe im Strafverfahren seine Aussagen et-
was ausgeschmückt. Unbestrittenermassen habe er nicht auf die Schrei-
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Seite 8
ben der Vorinstanz reagiert, allerdings könne ihn in Hinblick auf einen Asyl-
widerruf keine Mitwirkungspflicht treffen. In der angefochtenen Verfügung
vermenge die Vorinstanz Widerrufsgründe gemäss Art. 63 AsylG mit Grün-
den für die Asylunwürdigkeit nach Art. 53 AsylG. Akteneinsicht in Strafak-
ten sei unter anderem nur möglich, wenn diese für die Bearbeitung eines
hängigen Verwaltungsverfahrens benötigt würden. Vorliegend hätte die
Staatsanwaltschaft keine Akteneinsicht erteilen dürfen. In seinen Aussa-
gen sei kein grosser Unterschied erkennbar, die Eckpunkte – so zum Bei-
spiel die Dauer seiner Inhaftierung – stimmten im Grossen und Ganzen
überein. Seine Zuwendung zur HADEP widerspreche sich nicht mit einem
bis zur Flucht in die Schweiz fortdauernden Engagement für die PKK. Nach
vorübergehenden Aufenthalten in C._ und E._ sei er in die
Türkei zurückgekehrt, bevor er sich zur Flucht in die Schweiz entschieden
habe. Es sei nicht auszuschliessen, dass Einträge zu laufenden Fahndun-
gen nicht mehr in Auszügen aus dem türkischen Zivilstandsregister zu fin-
den seien. Vor dem Schluss auf ein gefälschtes Dokument seien in der
Türkei Abklärungen vorzunehmen. In den Punkten, die letztendlich zu einer
Anerkennung als Flüchtling geführt hätten, gebe es keine Abweichungen.
Er könnte höchstens einen Grund für seine Asylunwürdigkeit gesetzt ha-
ben.
4.3 In der Beschwerdeergänzung vom 4. März 2019 hielt er an seinen bis-
herigen Anträgen fest und ergänzte insbesondere, den Aufenthalt in den
Balkanländern habe er im ursprünglichen Asylverfahren nicht erwähnt.
Sein Aufenthalt während seines Lebens im Untergrund spiele keine grosse
Rolle. Wichtig sei bloss, dass er 2004 aus der Türkei in die Schweiz geflo-
hen sei. Seine Decknamen H._ und J._ scheine er im Asyl-
verfahren nicht erwähnt zu haben und auch über C._ oder
E._ habe er nicht gesprochen. Seine Aussagen zur Ausbildung an
Waffen oder zur Tötung von Leuten seien als Ausfluss seiner psychischen
Gesundheitsschädigung zu betrachten.
4.4 Mit Vernehmlassung vom 10. April 2019 vertrat die Vorinstanz weiter-
hin die Ansicht, der Beschwerdeführer habe seine Mitwirkungspflicht nicht
wahrgenommen.
4.5 Mit Replik vom 26. April 2019 hielt der Beschwerdeführer wiederholt
fest, die Mitwirkungspflicht könne sich nur auf das Asylverfahren beziehen
und sei nicht auf das Asylwiderrufsverfahren anwendbar. Des Weiteren
seien Anfragen an den behandelnden Psychiater bisher unbeantwortet ge-
blieben, was der Grund für die mangelhaften Belege seiner psychischen
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Erkrankung sei. Im Übrigen stimme die von der Vorinstanz formulierte Zu-
sammenfassung des Inhalts der Befragung vom 7. Dezember 2016 nicht
mit dem entsprechenden Protokoll überein.
4.6 In seiner ergänzenden Replik vom 10. Mai 2019 machte er zusätzlich
zu seinen Ausführungen vom 26. April 2019 im Wesentlichen geltend,
seine Aussagen bei der Befragung vom 7. Dezember 2016 seien aufgrund
seiner damaligen psychisch extrem schlechten Verfassung mit stationärem
Aufenthalt in der G._ sowie Verlegung und Operation im
M._ vor beziehungsweise auch nach der erwähnten Befragung mit
grosser Zurückhaltung zu würdigen. Damit seine Angaben auf Glaubhaf-
tigkeit geprüft werden könnten, müsse eigentlich eine Anhörung stattfin-
den, welche entweder durch das Bundesverwaltungsgericht selbst oder bei
Rückgabe der Akten an die Vorinstanz durch diese vorgenommen werden
könnte.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer bringt zunächst vor, die Akteneinsicht durch die
Vorinstanz bei der Staatsanwaltschaft sei zu Unrecht erfolgt. Seiner An-
sicht nach habe es sich vorliegend nicht um ein hängiges Verwaltungsver-
fahren gehandelt, weshalb die Staatsanwaltschaft der Vorinstanz keine Ak-
teneinsicht hätte gewähren dürfen.
5.2 Gemäss Art. 101 Abs. 2 StPO können andere Behörden in die Strafak-
ten einsehen, wenn sie diese unter anderem für die Bearbeitung hängiger
Verwaltungsverfahren benötigen und der Einsichtnahme keine überwie-
genden öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen. Art. 194
Abs. 2 StPO zufolge stellen Verwaltungsbehörden ebenfalls ihre Akten zur
Einsichtnahme zur Verfügung, wenn der Herausgabe keine überwiegen-
den öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen.
5.3 Die Vorinstanz hat ihr Akteneinsichtsgesuch vom 2. Mai 2017 bei der
Staatsanwaltschaft des Kantons B._ gestützt auf Art. 12 VwVG be-
antragt, wonach der Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln ist. Eine
Behörde hat das Recht, bei der Sachverhaltsermittlung auf dem Wege der
Amtshilfe Erkenntnisse anderer Behörden beizuziehen (KRAUSKOPF / EM-
MENEGGER / BABEY, in: Waldmann / Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommen-
tar VwVG, N. 179). Nach Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Ge-
währung des Asylstatus kann die Vorinstanz grundsätzlich jederzeit ein Wi-
derrufsverfahren einleiten, wenn sie feststellt, dass die im Asylverfahren
gemachten Angaben falsch sind oder wesentliche Tatsachen verschwiegen
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wurden (vgl. Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, Schweize-
rische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], 2. A. 2015, S. 234 f.). Vorliegend gab
das Akteneinsichtsgesuch der Staatsanwaltschaft des Kantons B._
vom 19. April 2017 der Vorinstanz hinreichend Anlass für eine solche An-
nahme. Sinn und Zweck der Aktenkenntnis in das laufende Strafverfahren
liegt in der Informationsbeschaffung beziehungsweise Sachverhaltsermitt-
lung für ein anderes Verfahren mittels behördlicher Amts- respektive
Rechtshilfe (JEAN-PIERRE GRETER, Die Akteneinsicht im Schweizerischen
Strafverfahren, Diss. Zürich 2012, S. 107).
5.4 Weder hat der Beschwerdeführer der Akteneinsicht entgegenstehende
private oder öffentliche Interessen geltend gemacht, noch sind solche auf-
grund der Aktenlage ersichtlich. Daher durfte die Vorinstanz Einsicht in die
Strafakten des Beschwerdeführers nehmen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er weder auf die Schrei-
ben der Vorinstanz reagiert noch an der vorgesehenen Anhörung teilge-
nommen hat. Er begründet diese Umstände mit seiner psychischen Prob-
lematik und macht überdies geltend, ihn treffe in Hinblick auf eine Aberken-
nung der Flüchtlingseigenschaft und einen Asylwiderruf keine Mitwirkungs-
pflicht, da sich Art. 8 AsylG lediglich auf das Asylverfahren beziehe.
6.2 Nach Art. 8 Abs. 1 sind Asylsuchende verpflichtet, an der Feststellung
des Sachverhalts mitzuwirken. Sie müssen unter anderem ihre Identität
offenlegen (Bst. a) und bei der Anhörung angeben, weshalb sie um Asyl
nachsuchen (Bst. c).
6.3 Die Argumentation hinsichtlich der angeblich fehlenden Mitwirkungs-
pflicht des Beschwerdeführers im Widerrufsverfahren verfängt nicht. Die
Widerrufsbestimmung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG ist gerade für Fall-
konstellationen vorgesehen, in denen die Asylbehörden erst nach der Asyl-
gewährung Kenntnis von Sachverhaltselementen erhalten, die zur Abwei-
sung des Asyls geführt hätten, sofern sie bereits während des Asylverfah-
rens bekannt gewesen wären. Die entsprechenden Voraussetzungen hat-
ten somit von Anfang an nicht bestanden (vgl. Botschaft zum Asylgesetz
und zu einem Bundesbeschluss betreffend den Rückzug des Vorbehaltes
zu Art. 24 des Übereinkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
vom 31. August 1977, BBl 1977 III 135). Insofern gehen die falschen An-
gaben oder das Verschweigen wesentlicher Tatsachen der vom Widerruf
betroffenen Person bereits auf das Asylverfahren zurück und ziehen das
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Seite 11
Widerrufsverfahren nach sich. Dementsprechend sind die Asylbehörden
auch bei der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts im Widerrufs-
verfahren auf die Mitwirkung der Personen mit Flüchtlings- und Asylstatus
angewiesen und letztere trifft diesbezüglich eine Pflicht zur Mitwirkung.
Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers wird in der angefochte-
nen Verfügung aus seiner fehlenden Mitwirkung nicht sogleich automatisch
der Schluss gezogen, er würde die Widerrufsgründe anerkennen. Die Vor-
instanz darf jedoch – wie bereits mehrmals angedroht – aufgrund der Ak-
tenlage entscheiden.
6.4
6.4.1 Seine psychische Problematik belegt der Beschwerdeführer zum ei-
nen mit dem Arztbericht vom 26. Februar 2019 von Dr. med. F._,
Allgemeine Innere Medizin FMH. Darin wird auf eine seit kurzem beste-
hende hausärztliche Betreuung und eine seit vielen Jahren andauernde
regelmässige psychotherapeutische Behandlung sowie Einnahme psycho-
aktiver Medikamente hingewiesen. Mit seiner ergänzenden Replik reichte
der Beschwerdeführer zum anderen einen Austrittsbericht der G._
vom 20. April 2017 ein, wonach er vom 14. November bis 1. Dezember
2016, und vom 10. Dezember 2016 bis 28. März 2017 in jener Klinik hos-
pitalisiert gewesen war. Dazwischen befand er sich vom 1. bis 5. Dezem-
ber 2016 für eine Operation am Arm im M._. Dem erwähnten Aus-
trittsbericht sind die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, sowie eine posttraumati-
sche Belastungsstörung zu entnehmen. Weiter geht aus dem Bericht her-
vor, das Funktionsniveau des Beschwerdeführers sei initial derart einge-
schränkt gewesen, dass er seinen Verpflichtungen im Alltag nicht habe
nachgehen können. In allen administrativen Bereichen habe er Unterstüt-
zung seitens des Pflegepersonals und der klinikeigenen Sozialarbeiterin
benötigt. Zudem sei er bei all seinen auswärtigen Terminen durch ein Mit-
glied der Erwachsenenschutzbehörde begleitet worden. Der Klinikaustritt
sei in eine betreute Wohnform erfolgt, da in der nächsten Zeit nicht davon
auszugehen gewesen sei, dass der Beschwerdeführer ein selbständiges
und geordnetes Leben führen könne. Dokumentiert ist in diesem Bericht
ebenfalls die Angst des Beschwerdeführers vor seiner eigenen (aggressi-
ven) Reaktion.
6.4.2 In der Tat liegt aufgrund dieser Aktenlage der Schluss nahe, dass der
Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der polizeilichen Einvernahme am 7. De-
zember 2016, welche zur Eröffnung des vorliegenden Verfahrens geführt
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Seite 12
hat, psychisch stark angeschlagen und – wegen der Operation vom 1. De-
zember 2016 – zudem physisch eingeschränkt war. Dieser Schluss erhär-
tet sich weiter, nachdem eine weitere polizeiliche Einvernahme in anderer
Angelegenheit vom 8. Dezember 2016 aufgrund seines schlechten Ge-
sundheitszustands abgebrochen und erst am 9. Dezember 2016 fortge-
führt worden war (B4/105; Anzeigerapport vom 11. November 2016, Poli-
zeiliche Befragungen vom 8. und 9. Dezember 2016). Zwar vermögen
diese Umstände mittels eines echtzeitlichen medizinischen Dokuments zu
erklären, dass sich der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt seiner selbstbe-
lastenden Aussagen insbesondere psychisch in einer sehr schlechten Ver-
fassung befunden hatte und es ist durchaus denkbar, dass er die Folgen
davon für seinen Flüchtlings- und Asylstatus nicht erblicken konnte. Den-
noch war aufgrund dieser Sachlage aus Sicht der Vorinstanz die Prüfung
eines allfälligen Widerrufsverfahrens angezeigt und erfolgte zu Recht.
6.4.3 Des Weiteren konnte der Beschwerdeführer diesen schlechten psy-
chischen Zustand lediglich für den Zeitraum von November 2016 bis März
2017 mit medizinischen Akten hinreichend belegen. Der Arztbericht vom
26. Februar 2019 basiert auf einer erst seit kurzem bestehenden hausärzt-
lichen Betreuung und enthält insbesondere keine Hinweise für fortwäh-
rende Einschränkungen in seiner Fähigkeit, seinen alltäglichen Pflichten
nachkommen zu können. Seit März 2017 wechselte er in eine betreute
Wohnung und eine professionelle Unterstützung durch die Erwachsenen-
schutzbehörde in administrativen Belangen war bereits während seines
stationären Aufenthalts in die Wege geleitet worden. Am 8. Mai 2017 war
er gemäss den vorliegenden Akten in der Lage, an einer polizeilichen Be-
fragung teilzunehmen. Am 28. Mai 2018 hatte die Vorinstanz ihm erstmals
rechtliches Gehör im Hinblick auf einen eventuellen Asylwiderruf oder Ab-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft gewährt. Darüber hinaus gelangte
sie mit Vorladungen zu einer Anhörung am 13. Juli 2018 und am 30. Juli
2018 sowie mit Schreiben vom 6. August 2018 erneut mehrmals erfolglos
an ihn, bevor sie am 18. Januar 2019 einen Aberkennungsentscheid fällte.
6.4.4 Damit vermochte der Beschwerdeführer zwar glaubhaft darzulegen,
dass er sich vom November 2016 bis März 2017 psychisch in einer sehr
schlechten Verfassung befunden hatte. Insgesamt konnte er allerdings die
vorgebrachten gesundheitlichen Gründe, welche ihn offenbar daran gehin-
dert haben sollen, das ihm gewährte rechtliche Gehör wahrzunehmen und
zur Anhörung zu erscheinen, für den darüberhinausgehenden Zeitraum
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Seite 13
nicht hinreichend belegen. Damit ist von einer Verletzung seiner Mitwir-
kungspflicht auszugehen und die Vorinstanz durfte aufgrund der Aktenlage
entscheiden.
7.
7.1 Gegen die vorinstanzliche Verfügung bringt der Beschwerdeführer zu
Recht vor, sein Hinweis auf den Gefängnisaufenthalt von sieben Jahren
allein könne keinen Grund für die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft
und den Widerruf des Asyls gesetzt haben.
7.2 Dem im Asylverfahren eingereichten Auszug aus dem Personen-
standsregister vom (...) 2004 war noch ein Vermerk zu entnehmen, wo-
nach der Beschwerdeführer von der Gendarmerie gesucht werde. Im Urteil
vom 12. Oktober 2006 sah die ARK keine konkrete Veranlassung, an der
Authentizität dieses Registerauszugs zu zweifeln (Urteil vom 12. Oktober
2006 E. 4.2.2). Aus dem aktuell geltenden Gesetz über die Zivilstandsre-
gistrierung Nr. 5490 vom 29. April 2006 geht hervor, dass nur Angaben zu
persönlichen Daten (Staatsbürgernummer, Geschlecht, Geburtsort, Ge-
burtsdatum, Familienstand, Sterberegister, Wohnort) und der Familienan-
gehörigen im Personenregisterauszug erfasst und aufgeführt werden (Re-
public of Turkey, Turkey: Civil Registration Services Law, 29.04.2006,
<http://unstats.un.org/unsd/vitalstatkb/Attachment1083.aspx?
AttachmentType=1>, abgerufen am 13.08.2020). Eine vom Immigration
and Refugee Board of Canada (IRP) vorgenommene COI-Abklärung vom
September 2016 ergab bei Konsultation mehrerer türkischer Anwälte, dass
im türkischen Personenregister beziehungsweise im Auszug davon keine
Vermerke bezüglich einer polizeilichen Fahndung erwähnt werden (IRB,
Turkey: Information on the Nüfus Kayit Ornegi [extract of civil registry], in-
cluding format, purpose, and issuing body; information included on the
document, including family members and whether an individual can requ-
est the omission of particular family members, such as siblings; availability
of fraudulent Nüfus Kayit Ornegi, vom 13. September 2016,
<https://www.refworld.org/docid/5894656c4.html>, abgerufen am
17.08.2020). Gemäss einer Schnellrecherche der SFH gaben verschie-
dene türkische Kontaktpersonen an, dass die "Civil Registration Offices"
selber keine Überprüfung auf vorliegende Haftbefehle vornehme. Es könne
aber sein, dass diese von den Justizbehörden in besonderen Fällen über
Haftbefehle informiert würden und bei Erscheinen der gesuchten Person
die Polizei alarmierten (SFH, Türkei – Ausstellung von amtlichen Doku-
menten – Schnellrecherche vom 4. März 2015). Im Urteil vom 12. Oktober
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2006 erachtete die ARK noch aufgrund des genannten Vermerks des da-
maligen Personenstandregisterauszugs die Suche durch die Gendarmerie
nach dem Beschwerdeführer als glaubhaft. Daher lässt allein der fehlende
Hinweis auf die behördliche Suche im Auszug aus dem Personenstands-
register vom (...) 2012 nicht den automatischen Schluss auf eine Fäl-
schung des Auszugs aus dem Personenstandsregister vom (...) 2004 zu.
Weitere Abklärungen hierzu erübrigen sich auf Beschwerdeebene.
7.3 Die Verwendung der Identitäten N._ und O._ sowie den
Decknamen H._ erwähnte der Beschwerdeführer bereits im Asyl-
verfahren (vgl. A13 S. 3, 7, 8 und 23). Insofern handelt es sich bei der Aus-
sage des Beschwerdeführers anlässlich der Befragung durch die Staats-
anwaltschaft vom 8. Mai 2017, H._ K._ sei sein Code- be-
ziehungsweise Kampfname gewesen, lediglich um eine Spezifizierung.
Hieraus allein ergeben sich keine Hinweise auf falsche Angaben oder ver-
schwiegene Tatsachen.
7.4 Hingegen gibt es noch einige Sachverhaltselemente, die der Be-
schwerdeführer im Asylverfahren nicht erwähnt hatte. Hier stellt sich die
Frage, ob es sich um wesentliche verschwiegene Tatsachen handelt, durch
welche er sich die Flüchtlingseigenschaft und/oder die Asylgewährung er-
schlichen hat.
7.4.1 Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu Recht festhält,
ist ein Widerspruch zu den Aussagen des Beschwerdeführers im Asylver-
fahren darin zu erblicken, dass er sich bei der Befragung vom 8. Mai 2017
als früheres Mitglied und heutiger Sympathisant der PKK bezeichnete. Be-
reits bei der polizeilichen Einvernahme vom 28. November 2016 hielt der
Beschwerdeführer fest, er gehöre der PKK an (B6). Bei der Anhörung vom
29. November 2004 erklärte er noch, dass er nach seiner Haftzeit auf kei-
nen Fall mehr mit illegalen Geschäften mit der PKK habe zu tun haben
wollen und zur HADEP gegangen sei, damit er für sein Volk doch noch
etwas Sinnvolles tun konnte (A13/12). Von seinen Tätigkeiten für die HA-
DEP ist den für das Widerrufsverfahren eingeholten strafrechtlichen Akten
hingegen nichts zu entnehmen, obwohl er zeitweise offenbar hauptsächlich
für sie politisch aktiv gewesen sei (BVGer-act. 15 S. 7 f.). Insofern handelt
es sich bei der fortgesetzten Tätigkeit für die PKK verbunden mit der feh-
lenden Erwähnung derjenigen für die HADEP nicht um isolierte Angaben,
die er an der polizeilichen Einvernahme vom 7. Dezember 2016 gemacht
hatte, welche allein durch seine damalige schlechte psychische Verfas-
sung zu erklären wären (vgl. dazu E. 6.4.4 des Urteils). Zudem verwendet
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der Beschwerdeführer offenbar heute noch seinen Decknamen bei der
PKK "H._ K._" als Benutzernamen im Facebook-Account
(BVGer-act. 19 S. 5; Protokoll 8. Mai 2017 S. 4). Dies erscheint aufgrund
seiner Aussagen anlässlich der Anhörung vom 29. November 2004, wo-
nach er nichts mehr mit der PKK zu tun haben wollte, kaum nachvollzieh-
bar. Aus den Akten ergeben sich damit mehrfache Hinweise des Beschwer-
deführers, wonach er seine Tätigkeiten bei der PKK nach seiner Haftent-
lassung am 17. März 1999 – entgegen seinen Angaben im Asylverfahren –
fortgeführt hat.
7.4.2 Seinen Aufenthalt in diversen Balkanstaaten nach seiner Freilassung
aus der Haft am 17. März 1999 hat der Beschwerdeführer in seiner Be-
schwerdeergänzung vom 4. März 2019 nicht bestritten beziehungsweise in
seiner Replik vom 10. Mai 2019 sogar explizit bestätigt (BVGer-act. 6 und
19). In der Anhörung vom 29. November 2004 beantwortete er die Frage,
ob er schon einmal im Ausland gewesen sei, noch mit nein. Er gab vor, bis
zu seiner Ausreise in verschiedenen Ortschaften in der Türkei gewesen zu
sein (A13/6 und 8). Entgegen der Ansicht seines Rechtsvertreters spielt es
sehr wohl eine Rolle, wo sich der Beschwerdeführer "im Untergrund" auf-
gehalten hatte. Da der Beschwerdeführer nach seinen Balkanaufenthalten
offenbar noch einmal in die Türkei einreiste (um seine schwer erkrankte
Mutter zu besuchen; vgl. BVGer-act. 19 S. 4), konnte er sich zu diesem
Zeitpunkt nicht in unmittelbarer Gefahr an Leib und Leben befunden haben.
Nachdem er zugegebenermassen seine Auslandaufenthalte verschwiegen
hatte, weist die Fluchtgeschichte des Beschwerdeführers aus heutiger
Sicht in wesentlichen Teilen Lücken auf.
7.4.3 Die Nutzung einer weiteren falschen Identität – J._ – hätte für
sich allein keinen unmittelbaren Einfluss auf den Ausgang seines Asylver-
fahrens gehabt, zumal er damals bereits die Verwendung einiger falscher
Namen erwähnt hatte (vgl. dazu E. 7.3 des Urteils). Allerdings blieb im da-
maligen Asylverfahren ebenfalls unerwähnt, dass er diesen Namen offen-
bar in C._ verwendet hatte.
7.4.4 In diesem Kontext sind auch die seit der polizeilichen Befragung vom
7. Dezember 2016 im Raum stehenden Aussagen des Beschwerdeführers
zu sehen, wonach er für die PKK Leute getötet und andere Tätigkeiten
ausgeführt habe, wie etwa die Ausbildung von Personen in Politik, Ge-
schichte und Pistole. Im Widerspruch dazu stehen seine Angaben im Asyl-
verfahren, nach welchen er sein Engagement für die PKK mit Verteilung
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von Flugblättern, Beherbergung und Verpflegung von PKK-Anhängern, Or-
ganisation von Demonstrationen, Kurierarbeiten sowie Weiterleitung von
Spendengeldern und Informationen umschrieben hatte. Der Rechtsvertre-
ter bringt vor, der Beschwerdeführer habe – um aufgrund seiner Fremdge-
fährdung in Haft genommen zu werden – die Schilderungen seiner Tätig-
keiten für die PKK übertrieben. Diese diametral auseinandergehenden
Aussagen allein damit, mit der Fantasie oder der psychischen Problematik
des Beschwerdeführers zu erklären – wie dies sein Rechtsvertreter ver-
sucht – vermag wenig zu überzeugen. Dies gilt umso mehr, als die der
schlechten psychischen Verfassung des Beschwerdeführers zuzuschrei-
benden Anteile, insbesondere seine zu jenem Zeitraum mangelnden Fä-
higkeiten, seinen administrativen Verpflichtungen im Alltag nachzukom-
men, betrafen (vgl. E. 6.4.1 des Urteils). Jedenfalls erscheint die in der
Replik vorgebrachte lapidare Behauptung, der Beschwerdeführer habe im
Balkan lediglich Zeitungen der PKK verkauft (vgl. BVGer-act. 19 S. 4), un-
ter den bereits genannten Umständen wenig glaubhaft.
7.4.5 In Zusammenschau aller im Asylverfahren nicht erwähnten, als we-
sentlich anzusehenden Aspekte seiner Fluchtgeschichte bleibt nebulös,
weshalb der Beschwerdeführer seine fortgesetzte Tätigkeit für die PKK
nach seiner Entlassung aus der Haft, seine anschliessenden Ausland-
aufenthalte in diversen Balkanstaaten mit Rückkehr in die Türkei sowie die
Verwendung der Identität "J._" in C._ verschwiegen hatte.
In Kenntnis dieser Umstände wären im damaligen Asylverfahren Zweifel
an den Asylgründen des Beschwerdeführers aufgekommen, welche sich
nachteilig auf die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen ausgewirkt hätten. Zu-
dem wäre seine Flüchtlingseigenschaft aufgrund der aus den Balkanstaa-
ten erfolgten erneuten Einreise in die Türkei vor seiner Ausreise am 21. Ja-
nuar 2004 wohl verneint worden. Aufgrund der Verletzung seiner Mitwir-
kungspflicht versäumte es der Beschwerdeführer zudem, im vorliegenden
Verfahren weitere Erkenntnisse zum rechtserheblichen Sachverhalt zu lie-
fern. Gemäss aktueller Aktenlage hat der Beschwerdeführer daher durch
falsche Angaben beziehungsweise das Verschweigen wesentlicher Tatsa-
chen die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und somit die Gewäh-
rung des Asyls erschlichen.
8.
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass die Voraussetzungen von
Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt sind und die Vorinstanz dem Beschwer-
deführer im Ergebnis zu Recht gestützt darauf die Flüchtlingseigenschaft
aberkannt und das Asyl widerrufen hat. Aus diesen Erwägungen ergibt
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sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den
rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106
Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde
mit Zwischenverfügung vom 29. März 2019 das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheis-
sen und es ist weiterhin von der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwer-
deführers auszugehen. Demgemäss sind trotz Unterliegens keine Verfah-
renskosten aufzuerlegen.
9.2 Mit Zwischenverfügung vom 29. März 2019 wurde dem Beschwerde-
führer zudem die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt und sein
Rechtsvertreter lic. iur. Jürg Walker als amtlicher Rechtsbeistand beigeord-
net, weshalb ihm ein amtliches Honorar auszurichten ist. Der amtliche
Rechtsbeistand wurde zudem über den Entschädigungsrahmen informiert.
Er hat keine Honorarnote eingereicht, weshalb sein Aufwand aufgrund der
Akten festzusetzen ist (Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Bei einem Stundenansatz von Fr. 220.–
ergibt sich daraus ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 4'290.– (inkl.
Auslagen).
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