Decision ID: e9caec23-d215-59a5-b7cf-8e34c24fd615
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer oder Versicherter) wurde
(...) 1966 geboren. Der deutsche Staatsangehörige ist ledig und Vater ei-
ner Tochter (...). Der gelernte (...) Chemikant legte in der Schweiz als
Grenzgänger von 2008 bis 2014 eine gesamte Versicherungszeit von 4
Jahren und 10 Monaten zurück. Zuletzt war er gemäss Einsatzvertrag vom
13. Juni 2013 bei der B._ AG temporär als Chemikant angestellt.
Vom 24. Juni 2013 bis zum letzten effektiven Arbeitstag am 21. März 2014
wurde er bei der C._ AG eingesetzt. Er wurde zum Stundenlohn
von Fr. 36.82 entschädigt und verdiente von Juli bis Dezember 2013 ins-
gesamt Fr. 41'752.90 brutto. Er meldete sich am 5. September 2014 zum
Leistungsbezug bei der schweizerischen Invalidenversicherung (IV) an,
nachdem er an Speiseröhrenkrebs erkrankt war (Akten [nachfolgend: act.]
der Invalidenversicherungsstelle für Versicherte im Ausland IVSTA [nach-
folgend: Vorinstanz] 2, 16, Seite 2, 3, 9, 14, act. 28, Seite 4, 7).
A.b Die Vorinstanz sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 11. Juni
2015 mit Wirkung ab 1. März 2015 eine ganze Invalidenrente im Betrag
von Fr. 329.- und eine Kinderrente zu (Invaliditätsgrad von 100 %; act. 28;
vgl. auch act. 24).
A.c Die IV-Stelle D._ bestätigte mit Mitteilung vom 10. März 2016
nach einer Überprüfung den Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (In-
validitätsgrad von 100 %; act. 37; vgl. auch act. 36).
B.
B.a Die IV-Stelle D._ leitete mit einem Formular vom 28. April 2017
eine erneute Revision der Invalidenrente ein (act. 42 f.). Dr. E._,
Allgemeinmediziner beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), empfahl mit
Stellungnahme vom 21. Juli 2017 eine polydisziplinäre Begutachtung (act.
45).
B.b Im polydisziplinären Gutachten der (Abklärungsstelle) F._ vom
20. November 2017, an dem eine Internistin, ein Orthopäde, ein Psychiater
und ein Onkologe mitwirkten, wurde aus onkologischer Sicht ein erfreuli-
cher Verlauf berichtet. Die Gutachter stellten folgende (polydisziplinären)
Hauptdiagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit fest:
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(1.) mild ausgeprägtes tumor- und behandlungsassoziiertes Fatigue Syn-
drom, (2.) körperliche Dekonditionierung bei Status nach Ernährungsprob-
lemen aufgrund von neoadjuvanter Radiochemotherapie, anschliessender
Ösophagus-Teilresektion und Magenhochzug, (3.) Blockwirbelbildung L1/2
mit paradoxer Kyphosierung des thorakolumbalen Übergangs in Folge ei-
ner konservativ therapierten Spondylodiszitis L1/2 2014/15 (zudem: belas-
tungsabhängige Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule), (4.) multi-
segmentale degenerative Veränderungen Punctum maximum L5/S1 bei
Zustand nach Dekompressionsoperation am lumbosakralen Übergang
2012 bei anamnestischer Wirbelsäulenverletzung (zudem: belastungsab-
hängige Schmerzen), (5.) Zustand nach Tumorresektion mit Teilentfernung
der Speiseröhre, Magen und Gallenblase 2014 mit Schwäche der Bauch-
muskulatur und im Bereich des Musculus latissimus dorsi (zudem: einge-
schränkte Belastungsfähigkeit der Bauchmuskulatur und Funktionsein-
schränkung des rechten Arms bei Grobarbeiten und Wurfbewegungen).
Die Arbeitsfähigkeit in einer detailliert beschriebenen, adaptierten Verweis-
tätigkeit wurde ab 1. Januar 2017 mit 70 % angegeben. Eine Arbeitsfähig-
keit in der angestammten Tätigkeit als Chemikant wurde aus polydiszipli-
närer Sicht verneint (act. 57, Seite 40 ff.).
B.c Der Onkologe der (Abklärungsstelle) F._ führte mit ergänzen-
dem Schreiben vom 8. Januar 2018 auf die Nachfrage der IV-Stelle
D._ (unter anderem) aus, «sofern die genannten Einschränkungen
(einer adaptierten) Tätigkeit berücksichtigt werden und der Explorand zum
Beispiel vermehrt im Schwerpunkt Controlling (als Operator) eingesetzt
werden kann, steht einer Wiederaufnahme einer Tätigkeit als entspre-
chend spezialisierter Chemikant aus gesundheitlichen Gründen aus onko-
logischer Sicht nichts im Wege» (act. 63; vgl. auch act. 57, Seite 39; vgl.
auch act. 58, 60, 61, 62).
B.d Die IV-Stelle D._ stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom
10. April 2018 die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (act. 66; vgl.
auch act. 65).
B.e Der Versicherte erhob am 8. Mai 2018 Einwand und beantragte, auf
den Erlass der vorgesehenen Verfügung sei zu verzichten und ihm sei eine
Umschulung zum Chemielaboranten zu ermöglichen (act. 70).
B.f Die Vorinstanz verfügte am 15. Juni 2018 die Einstellung der Invaliden-
rente (soweit ersichtlich) per 31. Juli 2018. Sie ermittelte im Rahmen eines
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Einkommensvergleichs einen Invaliditätsgrad von 37 % und begründete,
weshalb kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht (act. 73).
C.
C.a Der Beschwerdeführer beantragte mit Beschwerde vom 14. August
2018 die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die «Neuberech-
nung des Invaliditätsgrads auf der Basis des tatsächlichen Verdienstes im
Beispieljahr 2014». Er führte im Wesentlichen aus, gemäss dem polydis-
ziplinären Gutachten könne die angestammte Tätigkeit als Chemikant nicht
mehr ausgeübt werden. Der Invaliditätsgrad von 37 % sei nicht korrekt er-
mittelt worden. Ausgehend vom ausgewiesenen Jahreseinkommen 2014
von Fr. 81'200.- resultiere ein Invaliditätsgrad von 42 %. Demzufolge stehe
ihm eine Rente zu (BVGer act. 1).
C.b Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 15. November
2018 unter Beilage einer Stellungnahme der IV-Stelle D._, «die Be-
schwerde sei gutzuheissen und dem Beschwerdeführer sei mit Wirkung ab
1. August 2018 eine Viertelsrente zuzusprechen» (BVGer act. 6). Die
IV-Stelle D._ führte im Wesentlichen aus, das letzte, temporäre
Anstellungsverhältnis sei gemäss dem Arbeitgeberfragebogen aus wirt-
schaftlichen Gründen gekündigt worden, weshalb der Versicherte seit dem
15. Dezember 2014 auch bei guter Gesundheit nicht mehr für B._
arbeiten würde (vgl. act. 16, Seite 2). Das Valideneinkommen sei folglich
zu Recht auf der Grundlage der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(LSE) bestimmt worden. Das Invalideneinkommen basiere auf dem LSE-
Tabellenlohn eines Hilfsarbeiters und nicht eines Chemikanten. Aufgrund
des erheblich eingeschränkten Arbeitsprofils könne zudem ein leidensbe-
dingter Abzug von 10 % gewährt werden. Damit resultiere ein Anspruch auf
eine Viertelsrente.
C.c Der Beschwerdeführer führte mit Replik vom 5. Dezember 2018 im
Wesentlichen aus (BVGer act. 8), dass ihm nicht aus wirtschaftlichen Grün-
den gekündigt worden wäre, wenn er gesund geblieben wäre. Er sei von
Arbeitgeber B._ mehrfach angefragt worden, wann er wieder zur
Verfügung stehen würde. Zudem sei er bei C._ als Übernahmekan-
didat für eine Festanstellung registriert gewesen. Das Berufsbild des Che-
mikanten kenne weiter keine Teilzeitbeschäftigung. Zudem sei falsch, dass
man als Chemikant nur wenig körperlich arbeiten müsse. Die Tätigkeit als
Operator setze voraus, dass der Arbeitnehmer umfangreiche Fachkennt-
nisse über die Chemieanlage, die dort ablaufenden Produktionsprozesse
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und die zu produzierenden Produkte habe. Er sei nicht in der Lage, die
Tätigkeit als Operator «ad hoc» auszuführen. Kein Arbeitgeber würde ihn
unter diesen Umständen als Operator einstellen.
C.d Die Vorinstanz führte mit Duplik vom 14. Januar 2019 aus, sie ver-
bleibe «bei den bisherigen Feststellungen und Anträgen» (BVGer act. 10).
C.e Der Instruktionsrichter schloss den Schriftenwechsel mit Verfügung
vom 17. Januar 2019 ab (BVGer act. 11).
C.f Der Beschwerdeführer führte mit unaufgeforderter Eingabe vom
29. Januar 2019 sinngemäss aus, die zwei beigelegten Schreiben von
B._ und C._ würden belegen, dass er (1.) bei guter Gesund-
heit bei C._ weiterbeschäftigt worden wäre und (2.) eine Teilzeitbe-
schäftigung im Berufsbild des Chemikanten nicht vorgesehen sei (BVGer
act. 13).
C.g Der Beschwerdeführer teilte im November 2019 mit, er sei nach Thai-
land ausgewandert (BVGer act. 15). Auf eine entsprechende Aufforderung
des Instruktionsrichters bezeichnete er ein Zustelldomizil in der Schweiz
(BVGer act. 16, 17).
C.h Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten
Unterlagen wird – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochte-
nen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48 Abs. 1
VwVG). Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde
(BVGer act. 4), ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE 2013/46 E. 3.2).
2.3 Nach ständiger Rechtsprechung beschränkt sich die Prüfung des So-
zialversicherungsgerichts auf die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass
der angefochtenen Verwaltungsverfügung entwickelt haben (vgl. Urteil des
BGer 8C_489/2016 vom 29. November 2016 E. 5.2 m.H. auf BGE 132 V
215 E. 3.1.1; 130 V 138 E. 2.1; 121 V 362 E. 1b). Tatsachen, die jenen
Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand ei-
ner neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
2.4 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger mit aktuellem
Aufenthalt in Thailand. Zwischen der Schweiz und Thailand besteht kein
Staatsvertrag über Leistungen der Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden-
versicherung. Zu beachten sind aber das Freizügigkeitsabkommen vom
21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemein-
schaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss An-
hang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft
getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr.
987/2009 (SR 0.831.109.268.11). Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die
durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr. 1224/
2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der Schweiz und
den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer anspruchserheb-
lichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbereich des FZA
und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem Recht (vgl.
BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013
E. 4).
2.5 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
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Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 15. Juni 2018 in Kraft standen; weiter aber auch Vor-
schriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
3.2 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen
und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen
sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-
tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
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BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen). Zwar
gilt für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung, doch hat die Rechtsprechung in
Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt-
linien für die Beweiswürdigung aufgestellt (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b). So
kommt den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und
bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351
E. 3b/bb).
3.3 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16
ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommens-
vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die ver-
sicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der me-
dizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch
eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom-
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Vali-
deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise
zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern-
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden,
worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen
lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343
E. 3.4.2; Urteil des BGer 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 5.1).
3.4 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c). Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens
60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine ganze
Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %,
so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die
ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der
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Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschränkung gilt jedoch nicht
für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der Schweiz,
sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (Art. 7 VO [EG]
883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1).
3.5 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Ren-
tenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge-
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho-
ben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Revision von Invalidenrenten gibt
jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den In-
validitätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbeson-
dere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszu-
standes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Ge-
sundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufga-
benbereich von Bedeutung; dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfä-
higkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung.
Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli-
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext un-
beachtlich. Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Renten-
anspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig»)
zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 m.H.). Ist eine anspruchserhebliche Änderung des Sachver-
halts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach
dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen Rechtszustand
(vgl. Urteil des BGer 9C_273/2014 vom 16. Juni 2014 E. 3.1.1 mit Hinweis).
4.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz die ganze Invalidenrente des
Beschwerdeführers mit Verfügung vom 15. Juni 2018 zu Recht aufgehoben
hat.
5.
5.1 Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Ab-
schluss eines Rentenrevisionsverfahrens eine anspruchsrelevante Ände-
rung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige
Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruches
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und – bei
Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen eines
Gesundheitsschadens – Durchführung eines Einkommensvergleichs be-
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Seite 10
ruht (BGE 133 V 108 E. 5.4). Eine Revisionsverfügung gilt dann als Ver-
gleichsbasis, wenn sie die ursprüngliche Rentenverfügung nicht bestätigt,
sondern die laufende Rente aufgrund eines neu festgesetzten Invaliditäts-
grades geändert hat. Dabei kommt einer Verfügung, welche die ursprüng-
liche Rentenverfügung bloss bestätigt, bei der Bestimmung der zeitlichen
Vergleichsbasis keine Rechtserheblichkeit zu (vgl. BGE 109 V 262 E. 4a;
BGE 130 V 71 E. 3.2.3). Dies gilt im vorliegenden Fall mit Blick auf die
Mitteilung der IV-Stelle D._ vom 10. März 2016, mit der die ganze
Invalidenrente bestätigt wurde (act. 37). Als Vergleichsbasis kommt damit
nur die Verfügung vom 11. Juni 2015 in Betracht, mit der dem Versicherten
mit Wirkung ab 1. März 2015 eine ganze Invalidenrente zugesprochen
wurde (Invaliditätsgrad von 100 %; act. 28; vgl. auch den für die erstmalige
Berentung massgeblichen RAD-Aktenbericht in act. 24).
5.2 Im polydisziplinären Gutachten der (Abklärungsstelle) F._ vom
20. November 2017 wurde aus onkologischer Sicht von einem erfreulichen
Verlauf berichtet. Die Gutachter stellten im Vergleich mit dem Zustand am
11. Juni 2015 explizit eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation
fest (act. 57, Seite 44). Ab Juli 2016 bzw. ab Januar 2017 attestierten sie
dem Versicherten ein teilweise wiedererlangtes Leistungsvermögen. Damit
ist ein Revisionsgrund ausgewiesen. Gestützt auf das beweiskräftige poly-
disziplinäre Gutachten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
in einer adaptierten Tätigkeit, wie sie von den Gutachtern detailliert be-
schrieben wurde, ab Januar 2017 wieder zu 70 % arbeitsfähig ist (act. 57,
Seite 40 ff.). Diese nachvollziehbare Einschätzung wird auch vom Be-
schwerdeführer nicht in Frage gestellt.
6.
Zur Invaliditätsbemessung im Rahmen eines Einkommensvergleichs ist
Folgendes festzuhalten:
6.1
6.1.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist nach der Rechtspre-
chung entscheidend, was die versicherte Person nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient
hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teue-
rung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst an-
geknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätig-
keit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von
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Seite 11
diesem Erfahrungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit er-
stellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 134 V 322 E. 4.1; Urteil des BGer
8C_897/2017 vom 14. Mai 2018 E. 3.1). Lässt sich das ohne gesundheitli-
che Beeinträchtigung realisierbare Einkommen nicht konkret ermitteln oder
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die ver-
sicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invali-
dität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Valideneinkommen auf Grund-
lage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöh-
nung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen
Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Urteil des BGer
8C_934/2015 vom 9. Mai 2016 E. 2.2; Urteil des BGer 8C_379/2017 vom
8. September 2017 E. 3.2.1).
6.1.2 Der Versicherte war gemäss dem unbefristeten Einsatzvertrag vom
13. Juni 2013 bei der B._ AG temporär als Chemikant angestellt.
Vom 24. Juni 2013 bis zum letzten effektiven Arbeitstag am 21. März 2014
wurde er bei der C._ AG eingesetzt. Er wurde zum Stundenlohn
von Fr. 36.82 entschädigt und verdiente von Juli bis Dezember 2013 ins-
gesamt Fr. 41'752.90 brutto (act. 2, 16, Seite 2, 3, 9, 14). Da B._ im
Arbeitgeberfragebogen angab, das Beschäftigungsverhältnis sei per 15.
Dezember 2014 wegen der Lagerreduktion beim Kunden (C._) auf-
gelöst worden («Auftragslage schlecht»), kann nicht angenommen werden,
dass der Versicherte 2017 immer noch temporär bei B._ angestellt
gewesen wäre. Gleichwohl stellt das seinerzeitige Einkommen - als regu-
lärer «Marktlohn» eines gelernten Chemikanten - einen gewichtigen An-
haltspunkt für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Versicherten dar.
Es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der
Versicherte 2017 im Gesundheitsfall als Chemikant ein ähnliches Einkom-
men wie im zweiten Halbjahr 2013 erzielt hätte. Somit ist für das Validen-
einkommen auf dieses konkrete Einkommen abzustellen. Das Validenein-
kommen beträgt unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von
2013 bis 2017 Fr. 85'211.- (Fr. 41'752.90 x 2 = Fr. 83’505.80; Fr. 83’505.80
: 2204 x 2249). Das Vorgehen der Vorinstanz, die gestützt auf den LSE-
Tabellenlohn für eine Tätigkeit auf dem Kompetenzniveau 2 im verarbei-
tenden Gewerbe bzw. in der Herstellung von Waren (Wirtschaftszweige
10 – 33) von einem erheblich tieferen Valideneinkommen von Fr. 74'034.-
ausging (act. 73), vermag demgegenüber nicht zu überzeugen. Der Be-
schwerdeführer legte seiner unaufgeforderten Eingabe vom 29. Januar
2019 zudem eine Bescheinigung der C._ bei, wonach er in der en-
geren Auswahl für eine Festanstellung als «Chemiefachmann» stand, der
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Seite 12
Interviewprozess aufgrund der Erkrankung aber nicht fortgeführt werden
konnte (BVGer act. 13). Die Aussichten auf eine Festanstellung können an
dieser Stelle nicht abschliessend abgeschätzt werden. Es ist aber anzu-
nehmen, dass der Versicherte im Falle einer Festanstellung mindestens
das gleiche Einkommen wie als temporär Beschäftigter erzielt hätte. Auch
ein höheres Einkommen scheint denkbar.
6.2 Im Bereich der Invalidenversicherung gilt die Fiktion des ausgegliche-
nen Arbeitsmarkts. Dabei handelt es sich um einen theoretischen und ab-
strakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsanspruch der Invalidenversi-
cherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff
umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Stel-
lenangebot und der Nachfrage. Andererseits bezeichnet er einen Arbeits-
markt, der von seiner Struktur einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten
offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körperlichen Ein-
satzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die
invalide Person die Möglichkeit hat, ihre verbleibende Erwerbsfähigkeit zu
verwerten. Für die Bemessung der Invalidität ist nicht darauf abzustellen,
ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene
Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Ar-
beitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (vgl. BGE
110 V 276 E. 4b; ZAK 1991 Seite 320 E. 3b und AHI 1998 S. 291 E. 2b).
An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten
sind mithin keine übermässigen Anforderungen zu stellen (vgl. dazu im Ein-
zelnen SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 5.1). Unter Berück-
sichtigung eines ausgeglichenen Arbeitsmarkts ist ohne Weiteres davon
auszugehen, dass der Versicherte seine Restarbeitsfähigkeit von 70 % in
einer adaptierten Tätigkeit verwerten kann. Demzufolge ist ihm ein (hypo-
thetisches) Invalideneinkommen anzurechnen.
6.3
6.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der be-
ruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Per-
son konkret steht. Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gege-
ben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheits-
schadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbs-
tätigkeit aufgenommen hat, so können insbesondere Tabellenlöhne ge-
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mäss LSE herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweis; Ur-
teil des BGer 9C_422/2017 vom 17. Mai 2017 E. 4.1), wobei grundsätzlich
immer die aktuellsten statistischen Daten zu verwenden sind (BGE 143 V
295 E. 2.3). In der Regel ist auf die LSE-Tabelle TA1 und den darin enthal-
tenen Totalwert abzustellen (Urteil des BGer 8C_457/2017 vom 11. Okto-
ber 2017 E. 6.2; vgl. auch Urteil des BGer 9C_358/2017 vom 2. Mai 2018
E. 5.2 mit Hinweisen), wobei aber auf Löhne einzelner Sektoren oder gar
einzelner Branchen abgestellt werden kann, wenn dies als sachgerecht er-
scheint, um der im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Verwertung der ver-
bleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen. Dies geschieht nament-
lich bei Personen, die vor der Gesundheitsschädigung lange Zeit in diesem
Bereich tätig gewesen sind und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen
kaum in Frage kommt. Da den Tabellenlöhnen generell eine Arbeitszeit von
40 Wochenstunden zu Grunde liegt, ist eine Umrechnung auf eine betriebs-
übliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit erforderlich (BGE 126 V 75
E. 3b bb). Zudem ist eine Anpassung an die Nominallohnentwicklung vor-
zunehmen, wobei nach Geschlechtern zu differenzieren, das heisst auf den
branchenspezifischen Lohnindex für Frauen oder Männer abzustellen ist
(BGE 129 V 408 E. 3.1.2).
6.3.2 Der Beschwerdeführer hat nach Eintritt des Gesundheitsschadens
keine zumutbare neue Erwerbstätigkeit mehr aufgenommen. Demzufolge
ist sein Invalideneinkommen auf der Grundlage der Tabelle TA1 der LSE
2014 zu bemessen. Im polydisziplinären Gutachten wurde explizit festge-
halten, dass in der angestammten Tätigkeit als Chemikant (aufgrund der
glaubwürdig geschilderten körperlichen Beanspruchung) keine Arbeitsfä-
higkeit mehr besteht. Die Arbeitsfähigkeit in einer detailliert beschriebenen,
adaptierten Verweistätigkeit wurde ab 1. Januar 2017 mit 70 % angegeben
(act. 57, Seite 42, 43; act. 63). Der Onkologe der (Abklärungsstelle)
F._ führte mit ergänzendem Schreiben vom 8. Januar 2018 auf die
Nachfrage der IV-Stelle D._ relativierend aus, «sofern die genann-
ten Einschränkungen (einer adaptierten) Tätigkeit berücksichtigt werden
und der Explorand zum Beispiel vermehrt im Schwerpunkt Controlling (als
Operator) eingesetzt werden kann, steht einer Wiederaufnahme einer Tä-
tigkeit als entsprechend spezialisierter Chemikant aus gesundheitlichen
Gründen aus onkologischer Sicht nichts im Wege» (act. 63; vgl. auch act.
57, Seite 39). Diesbezüglich ist indessen fraglich, ob die «spezialisierte»
Tätigkeit als Operator ohne zusätzliche Befähigungsmassnahme «ad hoc»
ausgeübt werden könnte - der Beschwerdeführer bestreitet es (BVGer act.
8). Zudem scheint fraglich, ob diese im Detail nicht beschriebene Tätigkeit
mit der (auch vom Onkologen anerkannten) «Erschöpfungsproblematik
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(tumor- und behandlungsassoziierte Fatigue), der Dekonditionierung und
Kraftlosigkeit» sowie der «Dumping-Problematik mit imperativem Stuhl-
drang» vereinbar ist und überdies in Teilzeit ausgeübt werden kann (act.
57, Seite 39, 43; vgl. auch BVGer act. 13). Die Vorinstanz hat diesem Ein-
wand Rechnung getragen, indem sie bei der Bemessung des Validenein-
kommens auf den Totalwert der LSE für eine Tätigkeit auf dem (tiefsten)
Kompetenzniveau 1 ausgewichen ist, das keine berufliche Ausbildung
voraussetzt. Entsprechend der attestierten Arbeitsfähigkeit hat sie den be-
treffenden Tabellenlohn (Totalwert für Männer) nur zu 70 % angerechnet.
Das Invalideneinkommen betrug demzufolge (bezogen auf das Jahr 2016)
Fr. 46'915.- (act. 73). Dieses Vorgehen, das sich im Ergebnis zu Gunsten
des Versicherten auswirkt, scheint sachgerecht. Es entspricht der allgemei-
nen Regel und eröffnet dem (immer noch) erheblich beeinträchtigten Be-
schwerdeführer ein denkbar breites Spektrum an möglichen Verweistätig-
keiten – gegebenenfalls auch ausserhalb der Herstellung von chemischen
und pharmazeutischen Erzeugnissen.
6.4
6.4.1 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabel-
lenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen
werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass
der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthalts-
kategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
können (BGE 142 V 178 E. 1.3; 124 V 321 E. 3b/aa). Aufgrund dieser Fak-
toren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf
einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch-
schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht au-
tomatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht
übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2; 126 V 75 E. 5b;
Urteil des BGer 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.1).
6.4.2 Im vorliegenden Fall ist beachtlich, dass dem Beschwerdeführer auf-
grund seiner Ausbildung und langjährigen Berufserfahrung auch adaptierte
(körperlich leichte) Verweistätigkeiten in der «Herstellung von chemischen
und pharmazeutischen Erzeugnissen» offenstehen (Wirtschaftszweige 20,
21), die im Vergleich mit dem herangezogenen Totalwert der LSE 2014 von
Fr. 5'312.- weitaus besser bezahlt werden. So beläuft sich der Tabellenlohn
eines Mannes für eine Tätigkeit auf dem (tiefsten) Kompetenzniveau 1 im
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Wirtschaftszweig 20 (Chemie) auf Fr. 6'640.-. Die Tabellenlöhne im Wirt-
schaftszweig 21 (Pharma) liegen sogar noch höher, der angegebene Wert
für das Kompetenzniveau 1 von Fr. 8'432.- ist aber statistisch unsicher. In
Anbetracht der besseren Verdienstmöglichkeiten in den Wirtschaftszwei-
gen 20 und 21 ist das vom Totalwert für ungelernte Tätigkeiten abgeleitete
Invalideneinkommen – entgegen den Ausführungen der IV-Stelle
D._ (BVGer act. 6) – nicht zusätzlich zu kürzen. Ohne einen lei-
densbedingten Abzug, aber unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen
Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche und der Nominallohnentwicklung
von 2014 bis 2017 resultiert ein Valideneinkommen von Fr. 47'125.-.
6.5 Ausgehend von einem Valideneinkommen von Fr. 85'211.- und einem
Valideneinkommen von Fr. 47'125.- resultiert (2017) eine Erwerbseinbusse
von Fr. 38'086.-. Damit beläuft sich der Invaliditätsgrad auf 45 %, womit der
Versicherte – unter Vorbehalt des Wohnsitz- und Aufenthaltserfordernisses
nach Art. 29 Abs. 4 IVG i.V.m. Art. 7 VO [EG] 883/2004 – Anspruch auf eine
Viertelsrente hat (vgl. die Erwägung 3.4). Der Beschwerdeführer teilte im
November 2019 mit, er sei nach Thailand ausgewandert (BVGer act. 15).
Demnach scheint er das Wohnsitz- und Aufenthaltserfordernisses aktuell
nicht mehr zu erfüllen. Die Vorinstanz hat dementsprechend vor dem Er-
lass der neuen Verfügung zu prüfen, ob bzw. bis wann der Anspruch auf
die Viertelsrente zu befristen ist.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Beschwerde mit Blick auf
das Valideneinkommen, das von der Vorinstanz zu tief angesetzt wurde,
als begründet erweist. Der Beschwerdeführer hat mit Wirkung ab 1. August
2018 – unter Vorbehalt des Wohnsitz- und Aufenthaltserfordernisses nach
Art. 29 Abs. 4 IVG i.V.m. Art. 7 VO [EG] 883/2004 – bei einem Invaliditäts-
grad von 45 % Anspruch auf eine Viertelsrente der schweizerischen Inva-
lidenversicherung. Die angefochtene Verfügung ist dahingehend abzuän-
dern. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. Die Vorinstanz
wird angewiesen, vor dem Erlass der neuen Verfügung zu prüfen, ob bzw.
bis wann der Anspruch auf die Viertelsrente zu befristen ist.
8.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m.
Art. 69 Abs. 2 IVG), wobei die Verfahrenskosten grundsätzlich der unterlie-
genden Partei auferlegt werden (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dem obsiegenden
Beschwerdeführer sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen, weshalb ihm
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der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.- nach Eintritt der Rechtskraft
dieses Urteils zurückzuerstatten ist (BVGer act. 4). Der Vorinstanz sind
ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 2 VwVG).
8.2 Dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer sind durch das Be-
schwerdeverfahren keine unverhältnismässig hohen Kosten entstanden,
weshalb ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (vgl. Art. 64 Abs.
1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Die IV-Stelle für Versicherte im Ausland hat unab-
hängig vom Verfahrensausgang keinen Anspruch auf Parteientschädigung
(Art. 7 Abs. 3 VGKE).
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