Decision ID: 68eb95b4-07e2-414d-8b23-c6317dad43d7
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, arbeitete seit dem 1. Juli 2000 bei der
Y._
GmbH in Zürich als Verkaufsleiter (Urk. 7/33). Am 14. September 2000 stürzte er während der Arbeit von der Rampentreppe und erlitt dabei Prellungen am Rücken und am Nacken. Die Basler Versicherungen erbrachte
die obligatorischen Versicherungsleistungen für diesen Unfall (vgl.
Urk. 7/2
30,
Urk
7/40/
1-47,
Urk.
7/43/1-42). Wegen Rü
ckenbeschwerden, Übelkeit, Müdig
keit,
Konzen
trationsschwierigkeiten
sowie Schlafstörungen meldete sich
X._
am 19. November 2001 bei der Invaliden
versi
cherung zum Leistungsbezug (Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit, Rente) an (Urk. 7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle, holte den Arbeitgeberbericht der
Y._
GmbH vom 11. Dezember 2001 (Urk. 7/33) sowie den Arztbericht von PD Dr. med.
Z._
, Spezialarzt FMH für Physikalische Medizin und Reha
bilitation, speziell
Rheuma
erkrankungen
, vom 18. Dezember 2001 (Urk. 7/34/1; unter Beilage des Austrittsberichts der Rheuma- und Reha
bilitations
klinik
A._
vom 5. Dezember 2001,
Urk.
7/34/2-6) ein. Ausserdem zog sie die Akten der Basler Versicherungen über den Unfall vom 14. September 2000 bei (Urk. 7/2-30,
Urk
7/40/1-47,
Urk.
7/43/1-42). Sodann nahm die IV-Stelle das von der Basler Versicherungen in Auftrag gege
bene Gutachten der Medizi
nischen Abklärungsstelle (MEDAS)
B._
, vom 28. Mai 2004 zu den Akten, welches die Antworten auf die von ihr zuvor gestellten Ergänzungs
fragen beinhaltet (Urk. 7/57/1-51). Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 27. Juli 2004 wies die IV-Stelle den Anspruch des Versicherten auf berufliche Massnahmen ab, da die Abklärungen ergeben hätten, dass er sich derzeit nicht in der Lage fühle, solche in Anspruch zu nehmen (Urk. 7/59). Mit Verfügung vom 15. September 2004 verneinte die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invaliden
rente ebenfalls, da der
Invaliditäts
grad
lediglich 36 % (
Validen
einkommen
: Fr. 72'000.--, Invalideneinkommen: Fr. 46'245.--) betrage (Urk. 7/65). Gegen diese Verfügung liess
X._
am 18. Oktober 2004 (Urk. 7/68) Einsprache erheben, welche die IV
Stelle mit Entscheid vom 19. Mai 2005 (
Urk.
7/82) abwies, wobei sie nun
mehr zum Ergebnis gekommen war, der Invaliditätsgrad betrage lediglich 9 % (
Validen
einkommen
: Fr. 41'496.56, Invalideneinkommen: Fr. 37'884.27). Die gegen diesen
Einspracheentscheid
am 2
0.
Juni 2005 (
Urk.
7/83) erhobene Beschwerde wies das Sozialver
sicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 1
4.
Juni 2006 ab, wobei es den Invaliditätsgrad auf rund 17,5 %
(
Valideneinkommen
:
Fr.
50‘000.--, Invalideneinkommen:
Fr.
41‘225.75)
bezif
fer
te (
Urk.
7/86). Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 2
1.
Dezember 2011 (Datum des Posteingangs) meldete sich
X._
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/93). Die IV-Stelle holte die Arztberichte von
Dr.
Z._
vom 17. Januar 2012 (
Urk.
7/100) und von
Dr.
med.
C._
, Psycho
thera
pie FMH, vom
4.
Februar 2012 (
Urk.
7/102) ein. Sodann liess sie das
polydis
ziplinäre
Gutachten der MEDAS
D._
GmbH vom 2
2.
Januar 2013 erstellen (
Urk.
7/113). Mit Schreiben vom 29. Mai 2013
auferlegte
die IV
Stelle dem Versicherten
als
Schadenminderungs
pflicht
,
er
habe
eine sechs Wochen dauernde stationäre psychiatrische Behandlung mit Optimierung der Pharmakotherapie und intensiver Psycho
therapie, Reduktion und Absetzen der suchterzeugenden Massnahme und danach eine tagesstationäre psych
iatrische Behandlung durchzuführen (Urk. 7/114).
X._
antwortete darauf mit Schreiben vom 2
3.
Juli 2013, er könne sich nicht vorstellen, dass ein stationärer Klinikaufenthalt eine Verbesserung seines Zustandes erbrin
gen würde. Ausserdem sei er alleinerziehender Vater zweier Kinder im Alter von 17 und 15 Jahren. Er könne sich nicht vorstellen, wie seine Kinder sechs Wochen getrennt von ihm leben könnten und er habe auch niemanden gefunden, der bereit sei, die Verantwortung für diese Zeit zu übernehmen. Er habe grosse Bedenken, seine Kinder sechs Wochen sich selber zu überlassen und befürchte, dass er deswegen während des Klinikaufenthalts in einen
Panik
zustand
geraten könnte. Er ersuche deshalb, ihn von der Auflage eines stationären
Klinik
aufenthalts
von sechs Wochen zu befreien, wobei er aber bereit sei, alternative Lösungen zu suchen (Urk.
7/118). Die IV-Stelle änderte die Schadenminderungspflicht in der Folge insoweit ab, als sie den Versi
cherten zur Durchführung einer mindestens 8 Wochen dauernden
tageskli
nischen
psychiatrischen Behandlung mit Optimierung der Pharma
kotherapie und intensiver Psychotherapie, Reduktion und Absetzen der suchterzeugen
den Massnahme verpflichtete (Schreiben vom 2
0.
November 2013,
Urk.
7/120). In Umsetzung dieser Verpflichtung trat der Versicherte ab dem 1
7.
März 2014 für sechs Wochen in die Tagesklinik
der
E._
AG ein (Urk.
7/123). Am 3
0.
Mai 2014 erstattete die
E._
AG ihren Bericht über diese tagesklinische Behandlung (
Urk.
7/126). Die IV-Stelle holte ihrerseits den Bericht der
E._
AG vom 1
9.
Juni 2014 ein (Urk. 7/128). Mit Vorbescheid vom 1
5.
September 2014 stellte die IV-Stelle
X._
die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht, da die Abklärungen ergeben hätten, dass er die ihm auferlegte
Schadenminderungs
pflicht
nicht erfüllt habe. E
s
fehle
an der Optimierung der Pharmakotherapie und einer dokumentierten Abstinenz von suchterzeugenden und anderen ni
cht angezeigten Substanzen
(
Urk.
7/129)
.
Gegen diesen Vorbescheid erhob
X._
durch Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
am
3.
Oktober 2014 (Urk. 7/131) bzw. am
6.
November 2014 (
Urk.
7/135) und am 2
8.
November 2014 (
Urk.
7/138)
Einwand.
Die IV-Stelle holte den Verlaufsbericht von Dr.
C._
vom 1
2.
Juni 2015 ein (
Urk.
7/143). Dazu liess der Versicherte am 2
0.
August 2015 Stellung nehmen (
Urk.
7/145). Am 1
8.
September 2015 teilte die IV-Stelle
X._
mit, die Abklärungen hätten ergeben, dass zurzeit nicht abschliessend beurteilt werden könne, ob die Ein
schränkung der Erwerbsfähigkeit bleibend sei oder zumindest längere Zeit andauere. Gemäss medizinische
r
Einschätzung könne der Gesundheits
zustand mit einer statio
nären psychiatrischen Behandlung zu
r
Optimierung der psychopharma
kotherapeutischen Behandlung und einer dokumentierten Abstinenz von suchterzeugenden Substanzen wesentlich verbessert werden. Der Versicherte habe bis zum 3
1.
Oktober 2015 mitzuteilen,
in welcher Klinik er diese Mass
nahme durchführen werde. Wenn er an den entsprechenden Mass
nahmen nicht teilnehmen werde, könne dies dazu führen, dass auf das
Leistungsge
such
entweder nicht eingetreten werde oder aufgrund der Akten entschieden werden müsse
(
Urk.
7/146).
Der Versicherte liess dazu am 30. Oktober 2015 Stellung nehmen (
Urk.
7/147). Mit Vorbescheid vom 18. Dezember 2015 stellte die IV-Stelle
X._
erneut die Ab
weisung des
Leistungsbe
gehrens
in Aussicht, da ihm die Ausübung einer
be
hinderungsangepassten
Erwerbstätigkeit uneingeschränkt zumutbar sei (Urk. 7/150). Dagegen liess der Versicherte am 2
7.
Januar 2016 Einwand erheben (
Urk.
7/152).
Mit Ver
fügung vom
2.
Juni 2016
verneinte
die IV
Stelle
einen
Leistungsanspruch von
X._
(
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
am
7.
Juli 2016 durch Rechts
an
wältin
Friedauer
Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
„1.
Es sei die Verfügung vom
2.
Juni 2016 aufzuheben.
2.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Insbesondere sei die
Be
schwer
degegnerin
zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Inva
li
denrente auszurichten.
3.
Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weitere medi
zini
sche Abklärungen zu tätigen und gestützt darauf den
Invaliditäts
grad
zu bestimmen.
4.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.“
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 2
6.
August 2016 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am 2
9.
August 2016 mitge
teilt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psycho
soziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie
oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belas
tenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungs
situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychi
sche Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinrei
chende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wir
kungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar
invaliditäts
begründend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
In Bezug auf mögliche psychische
Komorbiditäten
verliert eine depressive Problematik nicht bereits wegen einer medizinischen
Konnexität
zum Schmerzleiden ihre Bedeutung als potentiell ressourcenhemmender Faktor
(BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Bei Störungen im mittelgradigen Bereich ist indes die
invalidisierende Wirkung - weiterhin - besonders sorgfältig zu prüfen. Es darf nicht unbesehen darauf geschlossen werden, eine solche Störung vermöchte eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde (teilweise) Erwerbsunfähigkeit zu bewirken und wäre damit eine relevante Komorbidität
(
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.3;
vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_125/2015 vom 18
.
Novem
ber 2015 E.
7.2.1 mit Hinweis und 9C_168/2015 vom 1
3.
April 2016 E. 4.2). Auch nach der Praxis
änderung vom 3.
Juni 2015
(BGE 141 V 281)
gelten psychische Störungen der hier interessierenden Art nur als invalidisierend, wenn sie schwer und therapeu
tisch nicht (mehr)
angehbar
sind, was namentlich bei noch nicht lange
chro
nifizierten
Krankheitsgeschehen
voraussetzt, dass keine therapeutische Option mehr und somit eine Behandlungsresistenz besteht
(
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.2; v
gl. Urteile des Bund
esgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
7.2.1). An der bun
desgerichtlichen Praxis, wonach leichte bis höchstens mittelschwere Störun
gen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar sind und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen (vgl. Urteile des Bund
esgerichtes 9C_836/2014 vom 23. März 2015 E. 3.1, 9C_474/2013 vom 20.
Februar 2014 E. 5.4, 9C_696/2012 vom 19.
Juni 2013 E.
4.3.2.1, 9C_250/201
2 vom 29. November 2012 E.
5, 9C_736/2011 vom 7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1 sowie 9C_917/2012 E. 3.2 vom 14.
August 2013) hat
BGE 141 V 281
nichts geändert (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E.
7.2.1 und 9C_168/2015 vom 13.
April 2016 E. 4.2 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiese
nermassen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hin
weis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konse
quent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch
zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI
2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des
Beweiswer
tes
eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die
rechts
anwendende
Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auf
lage 2003, S. 24 f.).
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfahrungs
tatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behand
lung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die
unter
schiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach)
Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fach
me
dizinischen
Experten anderseits (BGE 124 I 170
E. 4
) nicht zu, ein Administ
rativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass wei
terer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Arzt
personen
bzw.
Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige
–
und nicht rein subjektiver Inter
pretation entspringende
–
Aspekte benennen, die bei der Begutachtung uner
kannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil
des Bun
desgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
1.
6
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geän
dert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsäch
lich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem
Revisi
onsfall
nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl.
auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine
anspruchs
begründende
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
Die Abweisung des Leistungsbegehrens des Beschwerdeführers gemäss dem
Ein
spracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 19. Mai 2005 (
Urk.
7/82) basierte auf folgenden ärztlichen Einschätzungen und Abklä
rungen:
2.1
Die Ärzte des
F._
, Ergonomie und Hygiene diag
nostizierten in ihrem Bericht vom 27. März 2001 (Urk.
7/
10
/1-6
) ein chronisches
cervico
thoracovertebrales
sowie - intermittierend -
spondylo
ge
nes
Schmerz
syndrom
bei Fehlstatik (
thoracaler
Flachrücken mit kompen
sa
torischer
cervica
ler
Gibbusbildung
, Adipositas per
magnam
), Verkalkungen der Ligamenta
flava
auf mehreren Etagen im
cervicothoracalen
Übergang sowie
thoracolumbalen
Übergangsbereich sowie überbrückende
Spondylo
phyten
im mittleren LWS-Be
reich bei Verdacht auf DISH (Diffuse Idio
pathi
sche Skelettale Hyperosthose), ei
nen Status nach
thoracolumbale
m
Morbus Scheuermann, einen Status nach BWS-Kontusion sowie wahrschein
licher Distorsion der unteren Halswirbelsäule
9/2000 und einen Status nach
Selb
st
u
nfall
mit wahrscheinlicher BWS-
HWS-
Kon
tusion/Distorsion 9/98, ein chro
nisches
lumbospondylogenes
Syndrom links sowie
Periarthropathia
coxae
links bei Adipositas per
magnam
und Tendenz zu
Sacrum
acutum
sowie einen Status nach
Novicularefraktur
rechts 9/98 mit Osteosynthese vom 23. Dezember 1998. Die Belastbarkei
t aufgrund der Evalua
tion der f
unk
tionellen Leistungsfähigkeit entspreche zum heutigen Zeitpunkt einer knapp mittelschweren Tätigkeit in reduziertem Umfang. Um die Rehabili
tation zu erleichtern, werde empfohlen, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit noch zu akzeptieren, allerdings mit einer zeitlichen Begrenzung von vier Monaten. Anschliessend sei die Arbeitsfähigkeit innert zwei Monaten zu erhöhen auf 100 % in einer knapp mittelschweren Tätigkeit im Aussendienst oder Ver
kauf, wobei in diesen Zeitrahmen auch eine allfällige stationäre Behandlung fallen würde. Von psychosozialer Seite her
sei
das Problem des häufigen Stellen
wechsels, der bereits erfolgten Aussteuerung bei der Arbeitslosenkasse und die nicht abgeschlossene Berufsausbildung zu vermerken. Dies mache den Be
schwerdeführer zusammen mit seinen vorbestehenden körperlichen Vorausset
zungen teils von
Nischenarbeits
plätzen
abhängig.
2.2
Laut dem Austrittsbericht der Rheuma- und Rehabilitationsklinik
A._
vom 5. Dezember 2001 (Urk.
7/30/3-6
) bestehen beim Beschwerdeführer ein
Panver
tebralsyndrom
mit
thorakospondylogenem
Syndrom,
Wirbelsäulen
fehlhaltung
und
-
f
ehlform
, Adipositas
permagna
, DISH sowie ein beginnen
des Fibromyalgie-Syndrom. Der Beschwerdeführer sei vom 18. Oktober bis zum 15. November 2001 in der Klinik hospitalisiert gewesen. Die Zuweisung sei erfolgt bei per
sistierenden, unter ambulanten Be
dingungen
therapie
resisten
ten
Beschwerden. Trotz mannigfaltiger Therapien sei die
Schmerz
symptoma
tik
im Wesentlichen unbeeinflussbar geblieben. Insgesamt habe der Beschwer
deführer einzig die Möglichkeit zum stetigen Wechsel der
Körper
position
als schmerzlindernd er
lebt. Auch sei es unter der vorsichtig ein
schle
ichenden Therapie mit
Amitripty
lin
im Sinne ei
ner Veränderung der Schmerzwahr
nehmung zu einer subjektiven Verbesserung der
Beschwerde
symptomatik
gekommen, weshalb dem Beschwer
deführer die Weiterführung dieser Medikation sowie gleichzeitig der regelmäs
sige Besuch einer gruppen
dynamischen Bewegungstherapie wie z.B.
Aquafit
empfohlen worden seien. Ebenso sei angesichts der erheblichen psychosozialen Proble
matik die Weiterführung einer psychologischen Begleitung erforder
lich. Es sei dem Beschwerdeführer während der
Hospitalisation
auch gelungen, 10 kg abzu
nehmen, weshalb er das begonnene Diätprogramm weiterführen möchte. Bis und mit dem 25. November 2001 sei der Beschwerdeführer zu 100 % ar
beits
unfähig gewesen. Vom 26. November 2001 bis zum 24. Januar 2002 be
stehe in
einer leichten bis mittelschweren körperlichen Tätigkeit und unter der Möglichkeit zum raschen Wechsel der Körperposition eine Arbeitsun
fähigkeit von 75 %, danach sei eine hausärztliche Neubeurteilung vorzu
nehmen.
2.3
Gemäss dem Arztbericht von PD Dr.
Z._
vom 18. Dezember 2001
(Urk.
7/34
) leidet der Beschwerdeführer unter einer Fibromyalgie, einem
Panvertebral
syndrom
bei Status nach Sturz auf
den Rücken im September 2000 so
wie einer Adipositas per magna. Der Gesundheitszusta
nd sei stationär bis sich verschlech
ternd. In seiner zuletzt ausgeübten Tätigke
it sei er weiterhin zu 100 % arbeits
unfähig.
2.4
Die Ärzte der MEDAS
B._
stellten in ihrem Gutachten vom 28. Mai 2004 (Urk.
7/57
) folgende Diagnose (S. 28/29):
1.
mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
:
Fibromyalgiesyndrom
- anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
Anhaltende, derzeit
leichtgradige
depressive Störung bei
somatoformer
Schmerzstörung, schwieriger psychosozialer
Situation, Adipositas
permagna
und Schlafapnoe-Syndrom
Panvertebrales Schmerzsyndrom
-
Fehlform
/Fehlstatik der Wirbelsäule
-
Adipositas
permagna
(180,5 cm/160 kg/BMI 49,5, morbide Adipositas)
-
Zustand nach
thorako
-lumbalem Morbus Scheuermann
-
diffuse idiopathische
skelettale
Hyperostose
(DISH)
-
Mittelschweres bis schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
(nächtliche
Überdruckbeatmung indiziert)
2.
ohne wesentliche Einschränkung der Arbeit
sfähigkeit, aber mit
Krankheits
wert
:
Leichtgradige
Restbeschwerden am rechten Handgelenk bei Zustand nach
primär verkannter
Skaphoidfraktur
am 9. Oktober 1998
-
Status nach Entwicklung einer
Pseudarthrose
-
Status nach operativer Behandlung mit Osteosynthese und Spongiosa-
plastik
am 23. Dezember 1998
Möglicherweise Zustand nach Fraktur an der Basis des
Dens
axis
vor
vielen
Jahren (CT-Befund)
3.
Nebenbefunde
:
Status nach Tonsillektomie
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in einem
Gastrobetrieb
mit italienischen Spezi
alitäten, in welchem der Beschwerdeführer sowohl im Aussendienst als
auch
als
Magaziner
tätig gewesen sei, bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von 30 %. Eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit sei ihm zu 80 % zu
mutbar. Der Beschwerdeführer sei nicht geeignet zum Heben und Tragen von Lasten. Aktuell bestünden ausserdem noch Bedenken bezüglich einer
Aussen
diensttätigkeit
, da der Beschwerdeführer unter einem Schlafapnoe-Syndrom leide und Schmerzmittel einnehme, welche potentiell die Fahr
taug
lichkeit ein
schränkten. In Frage käme deshalb am ehesten eine Tätigkeit im Bürobereich. Bei den Einschränkungen des Beschwerdeführers spiele die Adi
positas
permagna
eine Hauptrolle, insbesondere bezüglich der drohenden statischen Überlastung und der Atem-Dekompensation. Sie stelle einen enormen Risikofaktor bezüglich der Entwicklung eines Diabetes mellitus bei hoher familiärer Belastung dar. Eine entsprechende konsequente Therapie sei aus vitaler Sicht absolut unerlässlich. Ohne drastische Gewichtsreduktion bestehe das realistische und hohe Risiko, dass der Beschwerdeführer in mittleren Jah
ren ein mit Rückenschmerzen,
Go
narthrosen
und Diabetes belasteter, ateminsuffizienter und kardial einge
schränkter Mann sei.
3.
Der vorliegend angefochtene Entscheid stützt sich auf folgende medizi
ni
schen Abklärungen:
3.1
Laut dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
7.
Januar 2012 (
Urk.
7/100) steht beim Beschwerdeführer ein Panvertebral-Syndrom im Vordergrund. Die HWS
Be
weg
lichkeit sei reduziert, die
Reklination
vermindert. Der Beschwer
de
führer klage über ständige Schmerzen im HWS-Bereich. In der LWS weise
er
erhebliche lumbale Degenerationen in Form von
Osteochondrosen
, Spon
dy
losen und
Spondylarthrosen
auf. Im Rahmen seiner Schmerzproblematik sei auch eine Depression aufgetreten. Diesbezüglich seien Auskünfte beim Psychiater einzuholen. Das Schmerzbild sei in den letzten Jahren stationär. Der Allgemeinzustand habe sich durch die Magen-Bypass-Operation eher verbessert.
3.2
Gemäss dem Bericht des Psychiaters
Dr.
C._
vom
4.
Februar 2012 (Urk. 7/102)
bestehen
beim Beschwerdeführer eine ängstlich-depressiv-hypo
chondrische Entwicklung mit Angst vor Kontrollverlust, bei Status nach
Enuresis
nocturna
und Adipositas per magna seit dem Kindes- und Jugend
alter, mit aussergewöhnlich starker Tendenz zu Scham und Ver
drängung, mit zwanghaften und paranoiden Anteilen, bei
bildungs
fremder
Herkunft
;
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, mit Tendenz zu paranoid
er Verarbeitung (ICD-10: F33.11;
ein Status nach (psychogener)
En
uresis
nocturna
(ICD-10: F98.0);
ein
e
Adipositas sowie ein panvertebrales
Schmerz
syndrom
.
Der Beschwerde
führer sei
aus ärztlich-psychiatrischer Sicht in der freien Wirt
schaft (nach 10
Jahren ohne Arbeit) zu 80-100
%
arbeitsunfähig. Die
Rest
arbeitsfähigkeit
sei nicht verwertbar.
Aus der Lebensgeschichte des Beschwerdeführers gehe hervor, dass er bereits als kleines Kind wiederholt grossen Belastungen aus
gesetzt gewesen sei. Der extreme Anspruch seiner Eltern an ihn und seine berufliche Karriere hätten für ihn eine Überforderung bedeutet. Diese habe sich unter anderem in einer extremen Gewichtszunahme geäussert, welcher die Eltern nicht die entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Gleich
zeitig sei er Bettnässer gewesen. So habe schon bald eine tiefe „Scham- und
Ver
drängungskarriere
“ begonnen, die bis heute andauere. Es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine berufliche Ausbildung abzuschliessen. Nach einem Autounfall im Jahr 2000 sei er nicht mehr zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit in der Lage gewesen. Seither leide er unter Schmerzen, sei oft depressiv und seit Jahren vom Sozialamt abhängig. Das Budget sei sehr eng bemessen, was für den Beschwerdeführer demütigend und entwürdigend sei. Er sei mehr als 150 kg schwer gewesen und habe in der Zwischenzeit nach einer Magenoperation auf 110 kg abgenommen. Der Beschwerdeführer sei geschieden und lebe mit seinen zwei Söhnen zusammen. Er sei als Haus
mann tätig und leide darunter, keinen Beruf erlernt zu haben und auszuüben.
Er schäme sich für seine Situation und trete immer so auf, als ob er tüchtig wäre. Gleichzeitig gelinge es ihm nicht, mit der zur Verfügung stehenden Zeit etwas Vernünftiges zu unter
nehmen und sich zum Beispiel weiterzu
bil
den.
Er lebe zurückgezogen, müsse der Aussenwelt immer etwas vor
machen und setze dazu wie eine Maske auf, was er über all die Jahre vor
trefflich ein
geübt habe. Die Scham- und Verdrängungsproblematik durch
ziehe sein Leben wie ein roter Faden und begleite ihn seit der Jugend. Es bestehe eine Tendenz zu ängstlich-paranoider Verarbeitung von Belastungs
situationen und eine latente Suizidalität.
3.3
Laut dem Gutachten der
MEDAS
D._
GmbH
vom 2
2.
Januar 2013
beste
hen beim Beschwerde
führer folgende Diagnosen (
Urk.
7/1
1
3/32-33):
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
1.
Rezidivierende depressive Störung, unvollständig remittiert, F33.8; seit 2000
2.
Chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren F45.41 seit 2000
3.
Chronisches
Zervikalsyndrom
und
Zervikozephalsyndrom
mit/bei
mehr
segmentalen
degenerativen HWS-Veränderungen und muskulärer
Dys
balance
im Nacken-/Schultergürtel M53.0 seit 1998
4.
Chronisch intermittierendes
Lumbosakralsyndrom
linksbetont
mit/bei
fortgeschrittener segmentaler degenerativer Veränderung, - generellem Flachrücken, M54.4 seit 1998
5.
Diffuse idiopathische
skelettale
Hyperostose
, M48.19, dokumentiert seit 2001
ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
5.
Opiat- und
Benzodiazepinabhängigkeit
(F11.2, F13.2) und
Stimulantien
gebrauch
, Differentialdiagnose: Missbrauch bei unklarer Indikation (F15.1), seit 2004
6.
Risikoprofil für
Osteopenie
(DISH-Leiden, Vitamin-D und Vitamin-B12-Mangel) Z91.8, seit ca. 2001
7.
Anamnestisch HWS-Verletzung im Alter von 13 Jahren, mit/bei alter, konsolidierter, nicht-dislozierter
Dens
-Basisfraktur, Z87.3, dokumentiert seit 2001
8.
Status nach operierter Os
naviculare
Fraktur rechts 1998, Z87.3
9.
Zustand nach Magen-Bypass-Operation 2006 bei Adipositas; Z92.4
10.
Vorbefundlich
: Schlafapnoesyndrom, G47.3; Erstdiagnose 2003
Der Beschwerdeführer
besitze einen normalen Schulabschluss, habe aber eine
Bauzeichnerlehre
abgebrochen. Nach eigener Schilderung hätte er in der Kinder- und Jugendzeit mit Übergewicht zu kämpfen gehabt, sei von seinen Eltern nicht unterstützt worden und sei in eine Aussenseiterrolle geraten. Seine Erwerbsbiografie sei sehr wechselhaft, meistens sei er im
Dienst
leistungs
- und Verkaufsbereich tätig gewesen, wo er nach seiner Schilderung durchaus erfolgreich gewesen sei.
Auf der psychischen Ebene wirke die depressive Störung in Form reduzierter Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, reduzierte
r
Durchhaltefähigkeit, Ein
schränkung des allgemeinen Aktivitätsniveaus durch Antriebsstörung und soziale Unsicherheit beeinträchtigend. Im Arbeitsleben resultierten bei jeder Art von Tätigkeit Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Auf der somatischen Ebene wirkten sich die Wirbelsäulenveränderungen auf die körperliche Belastbarkeit beeinträchtigend aus. Bezogen auf die frühere Tätigkeit des Beschwerdeführers kämen Arbeiten mit mittelschwerem und schwerem Heben und Tragen nicht mehr in Frage, die letzte Tätigkeit wäre nur noch eingeschränkt zumutbar. Die vom Beschwerdeführer somatisch attribuierten chronischen Schmerzen führten zu einer verminderten Belastungstoleranz und subjektiven Leistungsinsuffizienz bei jeder Art von Tätigkeit. Die Schmerzsymptomatik sei aufgrund der psychiatrischen
Komorbiditäten
vom Beschwerdeführer nicht vollständig mit Willensanstrengung zu überwinden.
Im sozialen Bereich bestünden aufgrund der unvollständig remittierten depressiven Episode, der chronischen
Schmerzstörung und des Medika
mentenmissbrauchs
bzw. der Medikamentenabhängigkeit, Einschränkungen durch Passivität, Rückzugsverhalten und soziale Ängste. Diese Beein
trächti
gungen seien durch eine adäquate Therapie weitgehend abzubauen.
Schweres und mittelschweres Heben und Tragen seien über
fordernd und führten zur
Beschwerdeexazerbation
und zu Arbeits
ausfällen. Die letzte Tätigkeit sei daher nicht mehr behinderungsangepasst.
Die bemessene Arbeitsunfähigkeit begründe sich ausschliesslich durch ein physisches und ein psychisches Leiden mit Krankheitswert. Die bisherige Tätigkeit sei nur noch zu rund 2
1⁄2
Stunden pro Tag zumutbar, bei längerer Präsenz ergebe sich eine
Leistungs
minderung
auf 50
%
aufgrund reduzierten Arbeitstempos, ver
mehrten Pausen und erforderlichen Hilfestellungen. Körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten in Wechselhaltung mit
Wechselbe
lastung
und
Gewichtslimite
für Lasten heben und tragen von 10 kg seien dem Beschwer
deführer noch zumutbar, aus psychiatrischen Gründen aber lediglich zu einem Pensum von 50
%
bzw. 4 bis 4 1⁄2 Stunden pro Tag.
Bei quantitativer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe keine zusätzliche verminderte Leistungsfähigkeit.
Es bestünden Therapieoptionen für eine Besserung des psychischen Gesundheitszustandes in Form einer zunächst vollstationären psychiatrischen Behandlung mit psychiatrisch-psychothera
peutischen Mass
nahmen, verbalen und non-verbalen Interven
tionen, Pharmako
therapie, kritischer, leitliniengerechter Abhängig
keit. Aktuell resultiere aus den psy
chopathologischen Befunden eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit für jede Art von Tätigkeit bei nicht ausgeschöpften
Therapie
optionen
. Die
muskuloske
lettalen
Befunde begründeten eine geringe Restarbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit und eine unein
geschränkte Arbeitsfähigkeit mit geringer Leistungsminderung für angepasste Tätigkeiten, entsprechend der MEDAS-Beurteilung anlässlich der Begut
achtung 200
4.
Demnach habe es seit 2004 und dem heutigen Zeitpunkt eine Verschlechterung in psychischer Hinsicht gegeben
, bei unverändertem oder weiter
chronifiziertem
Schmerzproblem. Somatisch könne eine Verbesserung des Gesundheitszustandes durch die deutliche
Gewichts
reduktion
nach Magenbypass-Operation konstatiert wer
den, die sich aber nicht in einer Besserung der Schmerzproblematik oder des psychischen Gesundheits
zustandes ausgewirkt habe. Die jetzige Beurteilung gelte ab dem
Begut
achtungszeitpunkt
am 1
5.
November 201
2.
3.4
Gemäss dem Bericht der
E._
AG vom 1
9.
Juni 2014 (
Urk.
7/128) bestehen beim Beschwerdeführer eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, mit Tendenz zur paranoiden Verarbeitung (ICD-10 F33.11), Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der
Lebensbewältigung (ICD-10 Z73) mit Einschränkung von Aktivitäten durch körperliche Behinderung, mit sozialem Rollenkonflikt und narzisstischer Akzentuierung (Differentialdiagnose: Narzisstische
Persön
lichkeitsstörung
), eine ängstlich-hypochondrische Entwicklung mit Angst vor Kontrollverlust (Differentialdiagnose: generalisierte Angststörung)
,
ein
pan
vertebrales
Schmerzsyndrom (ohne Hinweise für psychosomatische Beschwerden) sowie ein Status nach Opiat- und
Benzodiazepinabhängigkeit
, aktuell sporadische Einnahme bei Bedarf (Opiate bei Schmerzen,
Temesta
bei ausgeprägter Angst). Neben der ausgeprägten Schmerzsymptomatik
stehe sicherlich die narzisstische Persönlichkeitsstörung einer Arbeitsintegration deutlich im Weg. Neben der Externalisierungstendenz wirke der Beschwerde
führer gefangen in seine
r
Welt, scheine den eigenen Anteil und seine eigenen Möglichkeiten wenig wahrzunehmen und könne alternative Ideen und Ange
bote kaum aufnehmen. Die Schmerzsymptomatik sei zudem stark
chroni
fi
ziert
. Betreffend die psychiatrische Symptomatik sei von einer lediglich geringen Verbesserung auszugehen, weswegen die Prognose eher ungünstig sei. Es bestehe eine grosse Diskrepanz zwischen dem, was der Beschwerde
führer gerne machen würde und dem, was körperlich und kognitiv machbar sei. Zudem erschwere die narzisstische Komponente er
reichbare
Zwischen
schritte
oder Zwischenziele. Die Arbeitsfähigke
it sei für mindestens 70 bis 80
% für den er
sten Arbeitsmarkt nicht gegeben,
jedoch wäre es sinnvoll, den Beschwerdeführer dahingehend zu unterstützen, dass er direkt am ersten Arbeitsmarkt wieder mit 20 bis 30
%
einsteigen könnte.
Ein
Arbeits
be
lastungstraining
wäre rein theoretisch sehr sinnvoll, es bestünden jedoch beim Beschwerdeführer vermehrt Hinweise, dass er dies aufgrund von Schamgefühlen und Stolz nicht annehmen könnte.
3.5
Dr.
med.
G._
, Allgemeine Innere Medizin FMH, vom Regionalen Ärztliche
n
Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin hielt in der Stellungnahme vom
2
5.
Juni 2014 (
Urk.
7/134/7
) fest,
eine komplette Abstinenz werde nicht ausgewiesen, sondern eine sporadische Einnahme bei Bedarf (Opiate bei Schmerzen,
Temesta
bei ausgeprägter Angst) dargelegt. Es sei unklar, in wel
chem Umfang der Beschwerdeführer weiterhin suchterzeugende Substanzen einnehme. Eine psychiatrische Medikation habe er hingegen abgelehnt. Aus medizinischer Sicht habe der Beschwerdeführer die ihm auferlegten Mass
nahmen zur Erfüllung seiner Schadenminderungspflicht nicht erfüllt. Es fehle
an der
Optimierung der Pharmakotherapie und an einer dokumentierten Abstinenz von suchterzeugenden und anderen nicht ange
zeigten Substanzen. Es sei weiterhin zumindest von einer 50%igen Arbeits
fähigkeit in körperlich angepassten Tätigkeiten analog Gutachten auszu
gehen, die medizinischen Massnahmen, welche zu einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit hätten führen können, seien in
wesentlichen Punkten nicht umgesetzt worden. Nach Behandlung sei gemäss psychiatrischem Gutachter der MEDAS
D._
eine höhere als eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
in körperlich angepasster Tätigkeit nicht zu erwarten.
Die aktuelle Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von nur 20 bis 30
%
entspreche einer anderen Ein
schätzung des gleichen Sachverhalts verglichen mit der MEDAS
D._
.
3.6
Dr.
C._
führte in seinem Bericht vom 1
2.
Juni 2015 (Urk. 7/143/3-8) aus,
die im Gutachten vom 2
2.
Januar 2013 und von der Tagesklinik von März bis Mai 2014 festgestellte Problematik in der Lebensbewältigung, ins
besondere im sozialen Bereich
bestehe weiterhin und beeinträchtige die Lebensqualität. Der Beschwerdeführer leide unter den extrem hohen Anfor
derungen, die seine Eltern an ihn gestellt hätten,
welche
er nicht erfüllen könne. Die Scham sei derart tief, dass er mit niemandem über die reale Situation reden könne. Er habe im Leben nicht reüssiert und sei vom Sozial
amt abhängig, was er als aussergewöhnlich demütigend erlebe. Der Beschwerdeführer lebe sehr zurückgezogen und gehe nur selten aus der Wohnung. Der Tagesablauf bestehe in der Beschäftigung mit dem Internet und virtuellen Vorstellungen. Der Beschwerdeführer leide weiterhin unter verminderter Libido, Traurigkeit, Ohnmachtsgefühlen, einem narzissti
schen Charakterzug mit entsprechender Kränkungsbereitschaft, Ten
denz zu ausge
prägtem Misstrauen und zeitweiser paranoider Verar
beitung von Belastungs
situationen, Existenz- und Zukunftsängsten und wiederholten
Sinnlosig
keitsgedanken
. Er sei vermindert frustrationstolerant und konflikt
fähig. Auch die mehrwöchige Behandlung in der Tagesklinik habe keine wesentlich
e
Ver
änderung des Zustandes erbracht.
Der Beschwerdeführer habe das Antide
pressivum
Valdoxan
über mehrere Wochen eingenommen. Weil
sich
die erhoffte Wirkung eines wesentlich verbesserten Antriebs und der
Lustfähig
keit
trotz leicht verbessertem Schlaf auch bei Verdoppelung d
er Dosis nicht eingestellt habe, habe er es wieder abgesetzt. Er nehme gelegentlich
Temesta
und Schmerzmedikamente.
Der Beschwerdeführer sei aus ärztlich-psychia
trischer Sicht in der freien Wirtschaft nach wie vor zu 80-100
%
arbeitsunfä
hig. Die Restarbeitsfähigkeit sei nicht verwertbar. Die aktuelle psychothera
peutische Behandlung habe zum Zweck, eine Ver
schlechterung des psychi
schen Zustandsbildes mit der Gefahr einer
Suizid
handlung
zu verhindern.
Die Prognose sei infaust.
3.7
3.7.1
Am
7.
September 2015 (
Urk.
7/149/3-4) nahm RAD-Ärztin
Dr.
G._
erneut Stellung. Es sei weiter nicht nachzuvollziehen, ob die
Medika
menten
abhän
gigkeit
tatsächlich
habe sistiert werden können, denn entsprechende
Labor
berichte
lägen nicht vor. Eine ungünstige Verlaufsentw
icklung und
Chronifi
zierung
sei
möglich, jedoch schienen die medizinischen Massnahmen nicht umfassen
d
ausgeschöpft zu sein. Es
seien
weder eine Abstinenz noch Behandlungsversuche der Depression mit verschiedenen Psychopharmaka dokumentiert. Es müsse daher angenommen werden, dass nicht alle
Behand
lungsoptionen
mit genügender Konsequenz umgesetzt worden seien. Es müsse allenfalls eine erneute polydisziplinäre Begutachtung in Erwägung ge
zogen werden, zunächst sei vom Beschwerdeführer aber eine stationäre psy
chiatrische Behandlung zur Optimierung der psychopharmakologischen Behandlung und eine dokumentierte Abstinenz von suchterzeugenden Sub
stanzen zu verlangen. Die ambulante Behandlung habe keine Besserung gebracht und der psychiatrische Gutachter der MEDAS
D._
empfehle eine stationäre Behandlung.
3.7.2
Am 1
3.
September 2015
(
Urk.
7/149/5)
führte
Dr.
G._
aus, es müsse daran festgehalten werden, dass eine stationäre psychotherapeutische Behandlung notwendig sei. Auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer allein
erziehen
der Vater sei,
sei
bisher Rücksicht genommen worden, die Ziele hätten aber mit der tagesklinischen Behandlung nicht erreicht werden können. Da die Kinder nun bald 20 und 17 1⁄2 Jahre alt seien, scheine es nicht plausibel, dass dem Beschwerdeführer keine Abwesenheit mögl
ich sei. Während der
tages
klini
schen
Behandlung habe der Beschwerdeführer eine psychiatrische Medi
ka
tion abgelehnt. Es sei lediglich
Valdoxan
versucht worden, was nicht einer leitliniengerechten Behandlung entspreche.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seiner Beschwerde geltend, indem er sich vom 1
7.
März bis zum
9.
Mai 2014 bei der
E._
AG teilstationär und in
der Folge bei
Dr.
C._
ambulant
habe
behandeln lassen, sich einer Therapie mit Antidepressiva (insbesondere
Valdoxan
) unterzogen und sich von der Medikamentenabhängigkeit befreit habe, habe er die ihm auferlegte Schadenminderungspflicht vollumfänglich erfüllt. Es könne ihm nicht vorgehalten werden, dass sich trotz pflichtgemässer Behandlung kein Heilerfolg eingestellt habe. Es seien ausserdem die behandeln
den Ärzte, welche die erforderliche Behandlung bestimmten
und es ginge zu weit, wenn vom Beschwerdeführer verlangt würde, eine Behandlung als falsch zu erkennen und von sich aus Korrekturen anzubringen. Die Vorwürfe der Beschwerdegegnerin, der Leidensdruck sei nicht gross, es liege eine
Ver
meidungsverhalten
vor und bei der Tagesstrukturierung sei keine Ein
schrän
kung ersichtlich, seien klar
aktenwidrig. Nur weil die Gutachter eine Aggra
vation nicht ausgeschlossen hätten, könne nun auch nicht ohne weiteres auf eine solche geschlossen werden. Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer keinen Suchtmittelentzug durch
geführt habe, sei aktenwidrig, ergebe sich doch aus den vorhandenen Berichten sehr wohl, dass keine Medikamentenabhängigkeit mehr bestehe. Schliesslich
könne dem
Beschwerdeführer
auch nicht zum Vorwurf gemacht werden, er habe
Antide
pressiva nicht i
n genügendem Umfang eingenommen
. D
ie
Beschwerdegeg
nerin
habe ihm
diesbezüglich keine konkreten Auflagen gemacht, sondern die Medikation den behandelnden Ärzten über
lassen. Es müsse sodann berücksichtigt werden, dass beim Beschwerdeführer eine
Persönlichkeitsstö
rung
vorliege und sich vor diesem Hintergrund die Pharma
kotherapie gar nicht als zumutbar erweise. Zusammenfassend habe der Beschwerdeführer die ihm auferlegte Schadenminderungspflicht vollum
fänglich erfüllt. Abge
sehen davon sei er von der Beschwerdegegnerin nicht genügend auf die Fol
gen einer allfälligen Nichterfüllung der
Schaden
minderungspflicht
hinge
wiesen worden.
Selbst bei einer Verletzung der Schadenminderungspflicht könne schliesslich der Leistungsanspruch nicht ohne weiteres abgewiesen werden, sondern es sei das
Verhältnismässig
keitsprinzip
zu beachten. Im Falle des Beschwerde
führers würde sich selbst eine Kürzung der Leistungen nicht als verhältnis
mässig erweisen (
Urk.
1).
4.2
Demgegenüber
führt
die Beschwerdegegnerin zur Begründung der
angefoch
tenen Verfügung aus
,
die Abklärungen hätten ergeben, dass dem Beschwer
deführer die bisherige Tätigkeit als Verkäufer/
Aussendienstmit
arbeiter
aus somatischer Sicht nicht mehr zumutbar sei. Eine
behinderungs
angepasste
Tätigkeit sei ihm hingegen zu 100
%
zumutbar. Der somatische Gesundheits
zustand sei seit 2004 unverändert. Eine körperlich leichte Tätig
keit in
Wech
selhaltung
mit Wechselbelastung sei dem Beschwerdeführer weiterhin unein
geschränkt zumutbar. Der psychische Gesundheitszustand habe sich trotz regelmässiger psychiatrischer Behandlung nicht verändert. Der Beschwerde
führer gebe zwar an, einen Suchtmittelentzug durchgeführt zu haben, es lägen daz
u aber keinerlei Unterlagen vor, e
ben so wenig über die Einnahme des Medikaments
Valdoxan
, welches der Beschwerdeführer selbständig abgesetzt habe. Nach wie vor finde keine adäquate Behandlung statt. Der Leidensdruck sei nicht gross, es liege ein Vermeidungsverhalten vor und auch bei der Tagesstruktur sei keine Einschränkung ersichtlich. Es bestehe eine Aggravationstendenz. Die psychischen Beschwerden seien behandelbar und die Arbeitsfähigkeit nicht dauerhaft eingeschränkt. Der Beschwerde
führer verfüge über die notwendigen Ressourcen, um die Krank
heit zu über
winden.
Aus
p
sychiatrischer Sicht sei kein IV
-relevanter
Gesund
heitsschaden
ausgewiesen. Es sei dem Beschwerdeführer zumutbar, einer
behinderungsan
gepassten
Tätigkeit in vollem Umfang nachzugehen
(
Urk.
2).
5.
5.1.
Im vorliegenden Verfahren zu prüfen ist die Frage, ob sich der Gesundheits
zu
stand des Beschwerdeführers
im Zeitraum zwischen
dem
Einsprache
ent
scheid
vom 19. Mai 2005 (
Urk.
7/82)
, mit welchem die
Beschwerde
gegnerin
den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers verneint hat
und der ange
fochtenen Verfügung vom
2.
Juni 2016 (Urk. 2) in
an
spruchs
relevan
ter
Weise verschlechtert hat.
5.2
Das
Gutachten der MEDAS
D._
GmbH vom 2
2.
Januar 2013 (Urk. 7/113)
erfüllt die rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (E. 1
.4
). Es beruht auf eigenständigen Untersuchungen in den Fachgebieten Rheumatologie sowie
Psychiatrie
und wurde in Kenntnis der rele
v
anten
Vorakten
abgegeben. Die am Gutachten beteiligten Fachärzte erhoben jeweils eine ausführliche Anam
nese, gingen in ihren Beurteilungen auf die Beschwerden
des Beschwerde
führers
ein und setzten sich insbesondere mit früheren Einschätzungen aus
einander.
Auch bei
–
nicht von der Rechtsprechung des Bundesgerichtes zu den
somato
formen
Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosomatischen Störungen (BGE 130 V 352 [bisherige Rechtsprechung], BGE 141 V 281 [am
3.
Juni 2015 geänderte Rechtsprechung]) erfassten – Depressionen und
Per
sönlichkeitsstörungen
, ist es keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Fall gutachtlich befassten Arztpersonen, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer andauernden oder vorüber
gehenden Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Aus
prägung) führt. Dies unter anderem deshalb, weil die Arbeitsunfähigkeit ein unbestimmter Rechts
begriff des formellen Gesetzes (
Art.
6 ATSG) ist, dessen praktische Handha
bung im Einzelfall der rechtsanwendenden Stelle obliegt, welche den durch Gesetz und Rechtsprechung gezogenen normativen Rahmen zu berücksichti
gen hat (BGE 140 V 193 E. 3.1; vgl. E. 1.7). Aufgrund der in diesem
Leitent
scheid
näher umschriebenen tatsächlichen und rechtlichen Gegebenheiten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesund
heitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst, mit
den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung, unter Berück
sichtigung der subjektiven Beschwerden, Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht zustän
dig sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beein
trächtigungen kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende
Beur
teilungskompetenz
zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähig
keit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE
140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2). Die
Rechts
an
wender
prüfen dabei die medizinischen Angaben frei, insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmen
bedingungen gehalten haben. Das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung sind (
Art.
7
Abs.
2 erster Satz ATSG), und ob die
versiche
rungs
medizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektiver Grund
lage erfolgt ist (
Art.
7
Abs.
2 zweiter Satz ATSG; BGE 141 V 281 E. 5.2.2 mit Hin
weisen). Die Ärzte und die Organe der Rechtsanwendung prüfen demnach die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_901/2015 vom
8.
Juli 2016 E. 3.1).
Ob die vorliegend zur Diskussion stehenden Diagnosen einen invalidisieren
den Gesundheitsschaden darstellen, ist eine Rechtsfrage. Aus rechtlicher Sicht kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass diese ihren Beweiswert verlöre (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichtes 8C_283/2015 vom 24. Juni 2015 E. 2 mit Hinweis).
5.3
Aus somatischer Sicht sind dem Beschwerdeführer Tätigkeiten ohne schweres und mittelschweres Heben und Tragen vollumfänglich zumutbar.
Zu beach
ten ist in diesem Zusammenhang, dass sich der somatische Gesundheits
zu
stand des Beschwerdeführers durch die im Jahre 2006 vorgenommene Magen-Bypass-Operation und die damit verbundene Gewichtsreduktion seit 2005 t
endenziell eher verbessert hat.
Eine Verschlechterung des
somatische
n
Gesundheitszustand
s
des Beschwerdeführers seit dem 1
9.
M
ai 2005 ist nicht eingetreten
.
5.4
Betreffend d
i
e von den Ärzten der MEDAS
D._
gestellte Diagnose einer
rezidivierenden
depressiven Störung
gilt es zu beachten, dass es sich bei depressiven Episoden definitionsgemäss um vorübergehende Leiden handelt, welchen es grundsätzlich an einem Krankheitscharakter fehlt. Daran ändert
auch nichts, wenn sie vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_176/2011 vom 2
9.
Juni 2011 E. 4.3).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen sodann leichte bis mittel
gradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (statt vieler: BGE 140 V 193 E.
3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den normativen Anforderungen des
Art.
7
Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (BGE 141 V 281 E. 3.7.1 bis 3.7.3). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht auszuschliessen sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären)
Behandlungs
möglichkeiten
in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (BGE 140 V 193 E. 3.3; BGE 137 V 64 E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 1
2.
Mai 2016 E. 4.1).
5.5
Der Beschwerdeführer befindet sich zwar in dauerhafter ambulanter psychiatri
scher Behandlung und er hat sich im Rahmen der ihm von der Beschwerdegegnerin auferlegten Schadenminderungspflicht auch
teil
sta
tionär
behandeln lassen. Eine stationäre Behandlung ist bis anhin aber nicht durchgeführt worden. Der Beschwerdeführer hat sodann mehrere Medika
mente eingenommen, welche aber
wegen
den Nebenwirkungen wieder abgesetzt worden sind. Das zuletzt eingenommene
Valdoxan
hat er selb
stän
dig abgesetzt,
weil er keine
wesentlichen
Verbesserungen
seines seelischen Zustands
sehen konnte
, wobei er aber gemäss seinen Angaben immerhin nach Einnahme des Medikaments besser schlafen konnte
(Urk. 7/143/4).
Ins
gesamt kann damit nicht v
on einer optimalen und nachhaltigen Aus
schöpfung der therapeutischen und medi
kame
ntösen
Behandlungsmöglich
keiten
gesprochen werden
.
5.
6
Hinzu kommt, dass die Annahme einer invalidisierenden Wirkung der beim Beschwerdeführer bestehenden rezidivierenden depressiven Störung auch bedingt, dass es sich dabei um ein selbständiges, von allfälligen psycho
so
zialen Belastungsfaktoren losgelöstes depressives Leiden handelt (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_651/2014 vom 2
3.
Dezember 2014 E. 5.2 mit Hin
weisen;
und 9C_140/2014 vom
7.
Januar 2015 E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.3 unter Hinweis auf BGE 127 V 294 E. 5a).
Gemäss Aktenlage spielen vorliegend psychosoziale Belastungsfaktoren eine massgebliche Rolle. Der Beschwerdeführer brach seine Lehre als
Hochbau
zeichner
ab und konnte in der Folge auch keine andere Berufs
ausbildung absolvieren. Seine berufliche Karriere entsprach in keiner Phase seinen eige
nen hohen Erwartungen und vor allem auch
nicht
jener seiner Eltern.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer mangels Ausbildung und Erfahrung keinen seinen Vorstellungen entsprechenden Beruf ausüben kann, ist denn auch mitursächlich dafür, dass ein niederschwelliger Einstieg in den Arbeits
markt nicht möglich
scheint
. Ebenso
wurde
die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit durch den Umstand erschwert, dass der Beschwerde
führer allein
erziehender Vater
zweiter Kinder war
. Schliesslich leidet der Beschwerde
führer auch unter seiner schlechten finanziellen Situation. Die Abhängigkeit vom Sozialamt empfindet er als demütigend
und beschämend.
Der
Beschwer
de
führer
ist
in seinem Alltag in wesentlichem Mass dadurch eingeschränkt, dass ihm nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehe
n, was ihn frustriert und beschämt.
5.7
Schliesslich ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer über Ressour
cen verfügt, welche es als zumutbar erscheinen lassen, seine psychi
schen Gesundheitsbeeinträchtigungen zu überwinden und einer Erwerbstä
tigkeit nachzugehen. So bekam er trotz seiner gesundheitlichen Probleme
im Scheidungsverfahren die alleinige elterliche Sorge über seine beiden Söhne zugesprochen (
Urk.
7/89) und er war offenbar in der Lage für diese zu sorgen und sie zu erziehen. Dass der Beschwerdeführer seine Aufgaben als alleiner
ziehender Vater erfüllt hat, spricht für ein nicht unerhebliches
Funktions
niveau
(
Urk.
7/113/29). Das Verhältnis zu seinen Söhnen ist gut. Es ist dem Beschwerdeführer sodann nach der ihm zusetzenden Trennung von seiner langjährigen Partnerin gelungen, wieder eine neue Freundin zu finden (
Urk.
7/143/3). Im Weiteren hat der Beschwerdeführer auch regelmässigen Kontakt zu seiner in unmittelbarer Nähe wohnenden Schwester. Kontakte ausserhalb der Familie finden zwar eher selten statt,
es ist aber ein Freundes- und Bekanntenkreis vorhanden (
Urk
7/113/15).
Ein ausgeprägter sozialer Rückzug liegt nicht vor.
Es war dem Beschwerdeführer während all
den Jahren
auch möglich, nach aussen als gut funktionierender Mann und Vater zu wirken. Selbst vor seinen Söhnen hielt er seine Abhängigkeit von der Sozialhilfe verborgen (Urk. 7/102/9).
5.8
Die gutachterlich diagnostizierte rezidivierende depressive Störung, unvoll
stän
dig remittiert, ist daher aus rechtlicher Sicht nicht als invali
disierend zu
betrachten.
Es ergibt sich damit, dass sich der Gesundheitszu
stand des Beschwerdeführers seit dem 19. Mai 2005 nicht in
an
spruchs
rele
van
ter
Weise verschlechtert hat.
5.9
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6
.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1bis IVG sind ermessensweise auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss
dem Beschwerdeführer
aufzuerle
gen.