Decision ID: 56b7a924-bb2a-574f-b6d5-eca1069ad469
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden, Kurden mit letztem Wohnsitz in Erbil, stell-
ten am 30. Juli 2018 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ)
G._ Asylgesuche. Am 16. August 2018 fanden im EVZ die Kurzbe-
fragungen zur Person und am 10. September 2018 die Anhörungen zu den
Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt (jeweils mit
den Beschwerdeführenden 1–3).
A.b Am 10. September 2018 wurde dem Beschwerdeführer 1 das rechtli-
che Gehör zu Aussagen der Beschwerdeführerinnen 2 und 3 anlässlich ih-
rer Anhörungen gewährt.
A.c Am 22. Oktober 2018 fand eine ergänzende Anhörung des Beschwer-
deführers 1 statt.
B.
B.a Der Beschwerdeführer 1 brachte zur Begründung seines Asylgesuchs
vor, er sei im Jahr 1986 mit seiner Familie von seinem Geburtsort
H._ (Bezirk I._, Provinz Suleimaniya) nach Erbil umgezo-
gen. Im Jahr (...) sei er den Peschmerga beigetreten. Nach einer militäri-
schen Ausbildung in J._ habe er für diese – zunächst an diesem
Ort, ab (...) in K._ und ab (...) in Erbil – als Soldat gedient. Er sei
vorwiegend zur Bewachung von Gebäuden und für Strassenkontrollen ein-
gesetzt worden. Nach dem Sturz von Saddam Hussein sei er im Jahr (...)
nach Kirkuk umgezogen, sei aber weiterhin in Erbil für die Peschmerga als
Unteroffizier tätig gewesen. Seit sieben, acht oder neun Jahren (2009,
2010 oder 2011) sei er zudem (...) in der Geheimdienstabteilung der Pe-
schmerga (Hawalgrie) gewesen ([...] Klasse L._). Seine Aufgabe
habe darin bestanden, Informationen über salafistische und islamistische
Personen zu sammeln. Manchmal habe er auch den ihm untergebenen
Soldaten Wachaufgaben zugeteilt. Nach Ausbruch des Kriegs gegen den
sogenannten Islamischen Staat (IS) am 8. Juni 2014 habe er neben den
Geheimdienstaufgaben auch an der Front uniformiert Dienst geleistet. Er
habe Gespräche der IS-Kämpfer mit einem Gerät abgehört und diese In-
formationen weitergeleitet sowie Wachdienste verrichtet, sei aber selber
nicht in Kampfhandlungen verwickelt gewesen. Nach dem Ende der Aus-
einandersetzungen mit dem IS im Jahr 2017 sei er neben seinen Geheim-
dienstaufgaben damit beauftragt worden, Berichte über seine Einheit zu
verfassen. Zuletzt habe er bei den Peschmerga den Rang eines (...) Gra-
des bekleidet.
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Seit 2015 sei er wegen seiner Tätigkeit für den Geheimdienst vom IS sowie
von der Miliz "Hashed Al-Shaabi" (Volksmobilmachungskräfte) bedroht
worden. Er habe drei- oder viermal ─ das erste Mal im Juni oder Juli 2015
sowie zweimal im Jahr 2017, das letzte Mal 10 bis 15 Tage vor der Ausreise
─ telefonische Anrufe von kurdisch sprechenden Personen erhalten, in
welchen gedroht worden sei, ihn zu töten und seiner Frau und den Kindern
etwas anzutun, wenn er seine Tätigkeit für den Geheimdienst nicht ein-
stelle. Zudem habe es im Jahr 2017 noch zwei weitere Drohanrufe gege-
ben, die seine Frau entgegengenommen habe, da er im Bad beziehungs-
weise beim Einkaufen gewesen sei. Er gehe davon aus, dass sowohl die
islamistischen Extremisten als auch die "Hashed Al Shaabi" durch Infor-
manten über seine Tätigkeit für die Peschmerga Bescheid gewusst hätten.
Am 16. Oktober 2017 hätten die "Hashed Al Shaabi" und die irakische
Armee Kirkuk angegriffen und übernommen. Da diese nach Angehörigen
der Peschmerga gesucht hätten, sei er noch am selben Tag alleine von
dort nach Erbil geflohen. Nach seiner Flucht hätten die "Hashed Al Shaabi"
ihn zu Hause gesucht und dabei seine Familienangehörigen bedroht. Zehn
Tage nach seiner Flucht aus Kirkuk seien seine Ehefrau und die Kinder ihm
nach Erbil nachgereist, und sie hätten in der Folge bis zur Ausreise dort
gelebt. Er sei in dieser Zeit weiterhin für die Peschmerga tätig gewesen.
Aufgrund der telefonischen Drohungen hätten sie sich schliesslich zur Aus-
reise entschlossen.
Im Übrigen befürchte er, auch Nachteile seitens der Regierungskräfte zu
erleiden, weil er sein Heimatland verlassen und Kenntnis geheimer Infor-
mationen habe, sowie weil er seine Dienstwaffe verkauft habe. Im Jahr
2016 oder 2017 habe er versucht, sich von seiner Funktion beim Geheim-
dienst entbinden zu lassen, jedoch sei seine Kündigung von den Pe-
schmerga nicht akzeptiert worden.
Am (...) 2018 sei er mit seiner Familie per Bus nach Istanbul gereist, wobei
sie die Grenze legal überquert hätten. Nach einem fünftägigen Aufenthalt
dort seien sie von einem Schlepper in einer Yacht nach Italien gebracht
worden, von wo sie per Bus und Zug in die Schweiz weitergereist seien.
B.b Die Beschwerdeführerin 2 gab zu Protokoll, sie sei wegen der Tätigkeit
und der Probleme ihres Ehemannes ausgereist. Er sei seit (...) Jahren
([...]) bei den Peschmerga und seit dem Jahr (...) für den Geheimdienst
(Hawalgrie) in Kirkuk tätig gewesen. Leute der "Hashd Al-Shaabi" hätten
mehrmals ihr Haus gestürmt und sie und ihre Familie bedroht. Sie sei des-
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halb zu ihrem Mann nach Erbil gereist. Dieser sei dort wegen seiner Tätig-
keit für den Hawalgrie telefonisch mit dem Tod bedroht worden. Sie habe
zweimal selber solche Telefonanarufe entgegengenommen. Sie und ihre
Familie hätten ihr Heimatland verlassen, weil ihre Leben in Gefahr gewe-
sen seien.
B.c Die Beschwerdeführerin 3 bestätigte im Wesentlichen, dass ihre Fami-
lie durch die "Hashd Al-Shaabi" in Kirkuk belästigt worden sei und sie nach
dem Umzug nach Erbil Drohanrufe erhalten hätten. Das Leben der Familie
sei wegen der Tätigkeit ihres Vaters für den Geheimdienst in Gefahr gewe-
sen.
B.d Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden fol-
gende Beweismittel ein:
− Identitätskarten (Original)
− Eheschein (Original)
− Nationalitätenausweise des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau
(Original)
− Bescheinigung für Märtyrer und Opfer des (...) zugunsten der Be-
schwerdeführerin (Original und Kopie)
− Ausweis für Vertriebene aus Kirkuk, zugunsten des Beschwerdeführers
vom (...) (Original und Kopie)
− Ausweis des Beschwerdeführers für Rückkehrer nach Kirkuk (Original)
− Wohnsitzbestätigung des Beschwerdeführers (Original)
− Zwei Ausweise für Vertriebene des Beschwerdeführers und seiner Ehe-
frau (Original)
− Peschmerga-Ausweis des Beschwerdeführers (Original)
− Bestätigungsschreiben des Bataillons (...) zugunsten des Beschwerde-
führers vom (...) (Kopie)
− Schreiben des Beschwerdeführers an seinen Vorgesetzten vom (...)
(Kopie) inklusive Übersetzung
− Bericht des Vorgesetzten des Beschwerdeführers über eine Offensive
gegen den IS vom (...) (Kopie)
− Zertifikat betreffend eine Erste-Hilfe-Ausbildung des Beschwerdeführers
− Mehrere Fotografien des Beschwerdeführers im Militärdienst
− USB-Stick mit Filmaufnahmen eines Militäreinsatzes
− DHL-Sendezettel
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Seite 5
C.
Mit Verfügung vom 28. November 2018 (eröffnet am 30. November 2018)
stellte die Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlings-
eigenschaft nicht erfüllen würden, wies ihre Asylgesuche ab und ordnete
ihre Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
D.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 31. Dezember 2018 erhoben die
Beschwerdeführenden Beschwerde gegen diese Verfügung: sie beantrag-
ten, diese sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass sie die Flüchtlings-
eigenschaft erfüllen würden, und ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei
die Unzulässigkeit, allenfalls Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
festzustellen und ihnen als Folge davon die vorläufige Aufnahme zu ge-
währen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten die Beschwerde-
führenden um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. In der
Beilage reichten sie zwei Dokumente des "General Command of Kurdistan
Regional Protection Forces, Command of M._" vom (...) respektive
(...) in Kopie ein.
E.
Der Instruktionsrichter hiess mit Zwischenverfügung vom 10. Januar 2019
das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut
und forderte die Beschwerdeführenden dazu auf, innert Frist die in Aussicht
gestellten Beweismittel im Original inklusive Übersetzung nachzureichen.
F.
Am 23. Januar 2019 übermittelte das SEM dem Bundesverwaltungsgericht
eine Sendung mit den Originalen der zusammen mit der Beschwerdeein-
gabe in Kopie eingereichten Dokumente.
G.
Mit Eingabe vom 23. Januar 2019 reichten die Beschwerdeführenden
Übersetzungen der genannten Dokumente nach und machten ergänzende
Ausführungen zu ihren Beschwerdevorbringen.
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 29. Januar 2019 wurde die Vorinstanz zur
Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.
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Seite 6
I.
In seiner Vernehmlassung vom 6. Februar 2018 (recte: 2019) hielt das
SEM an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
J.
Mit Eingabe vom 27. Februar 2019 machten die Beschwerdeführenden
von dem ihnen (mit Instruktionsverfügung vom 12. Februar 2019) einge-
räumten Recht zur Replik Gebrauch und reichten weitere Kopien der mit
der Beschwerde eingereichten Dokumente sowie einen Ausdruck des
Wikipedia Artikels über die "M._ Army" ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
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ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, die Be-
schwerdeführenden hätten gemäss ihren Aussagen nach ihrem Umzug
nach Erbil im Oktober 2016 keine Probleme mehr mit den "Hashed Al
Shaabi" gehabt. Es fehle somit den vorgebrachten Drohungen durch diese
Miliz an einem zeitlichen und sachlichen Kausalzusammenhang mit der
Ausreise der Beschwerdeführenden im (...) 2018. Im Weiteren seien ihre
Angaben zu den Drohanrufen, welche die Beschwerdeführerin 2 auf dem
Mobiltelefon ihres Ehemannes entgegengenommen habe, widersprüch-
lich. Insbesondere hätten sie unterschiedliche Angaben dazu gemacht,
wo der Beschwerdeführer sich im Zeitpunkt dieser Anrufe aufgehalten
habe, und ihre Aussagen zum persönlichen Erleben dieser Drohungen
seien oberflächlich und stereotyp ausgefallen; sie würden auch keinen in-
dividuellen Bezug aufweisen.
Im Weiteren sei davon zwar auszugehen, dass der Beschwerdeführer Mit-
glied der Peschmerga gewesen sei; jedoch sei seine behauptete Tätigkeit
für die Geheimdienstabteilung als unglaubhaft zu qualifizieren. Die Be-
schwerdeführenden hätten unterschiedliche Angaben dazu gemacht, wann
er mit dieser Tätigkeit begonnen habe. In der Anhörung habe er zuerst zu-
gesichert, er wolle versuchen, eine Bestätigung für seine Tätigkeit bei den
Peschmerga zu beschaffen, später aber zur Protokoll gegeben, dies be-
reits versucht zu haben und dass keine solchen Bestätigungen ausgestellt
würden. Ferner habe er die Frage nach den seitens der Peschmerga zu
erwartenden Konsequenzen seiner Ausreise nicht zu beantworten ver-
mocht. Von einem langjährigen Mitarbeiter dieser Organisation wäre dies-
bezüglich mehr Wissen zu erwarten. Aus diesen Ungereimtheiten sei der
Schluss zu ziehen, dass der Beschwerdeführer weder von den Pe-
schmerga desertiert, noch beim Geheimdienst derselben gearbeitet habe.
Somit erscheine auch der vorgebrachte Verkauf seiner Dienstwaffe un-
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wahrscheinlich, zumal er nach seinen Angaben die Reisekosten aus sei-
nem Ersparten hätte bezahlen können. Im Weiteren mute seltsam an, dass
die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 genaue Angaben zur Tätigkeit des Be-
schwerdeführers beim Geheimdienst hätten machen können. Ungewöhn-
lich sei auch, dass der Beschwerdeführer keine Namen von Mitgliedern
dschihadistischer Organisationen, über welche er Informationen gesam-
melt habe, habe nennen wollen, hingegen bereit gewesen sei, Auskunft
über die Namen und Grade von Geheimdienstmitarbeitern zu geben. Die
Asylvorbringen der Beschwerdeführenden würden nach dem Gesagten
den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG so-
wie an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Hieran
vermöchten auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern.
Im Weiteren würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür erge-
ben, dass den Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr in den Hei-
matstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK ver-
botene Strafe oder Behandlung drohe. Sie stammten aus der Autonomen
Region Kurdistan (ARK). Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts sei für die einheimische kurdische Bevölkerung in dieser Re-
gion nicht von einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG
(SR 142.20) auszugehen. Es herrsche in der ARK keine Situation allgemei-
ner Gewalt. Ferner würden auch keine individuellen Gründe gegen die Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. Es sei davon auszuge-
hen, dass sie im Irak in guten finanziellen Verhältnissen gelebt hätten, und
sie würden in Erbil über ein Familiennetz verfügen.
3.2
3.2.1 In ihrer Beschwerdeschrift führten die Beschwerdeführenden aus, ihr
Umzug nach Erbil habe nicht, wie von der Vorinstanz angeführt, im Oktober
2016, sondern im Oktober 2017 stattgefunden. Zwischen diesem Ereignis
und ihrer Ausreise am (...) 2018 liege eine Zeitspanne von (...) Monaten.
Der Beschwerdeführer sei für die Peschmerga teils in Uniform und teils für
den Geheimdienst in Zivil tätig gewesen, bis seine Identität durch die
"Hashed Al Shaabi" aufgedeckt und er von diesen bedroht worden sei. Die
Drohungen seitens dieser Organisation hätten bis zur Ausreise angehalten,
und es werde aus den Aussagen der Beschwerdeführenden deutlich, dass
sie sich in einer konkreten Gefahr befunden hätten. Die Argumentation der
Vorinstanz, es habe kein konkreter Kausalzusammenhang mit der Ausreise
bestanden, sei unzutreffend. Auch der Argumentation der Vorinstanz hin-
sichtlich der Glaubhaftigkeit der Drohanrufe und der Tätigkeit des Be-
schwerdeführers für die Peschmerga könne nicht gefolgt werden.
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Die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 hätten erst von seiner Tätigkeit für den
Geheimdienst erfahren, als Angehörige der "Hashed Al Shaabi" ihre Woh-
nung gestürmt und bei der Hausdurchsuchung erklärt hätten, sie wollten
ihn wegen seiner Tätigkeit festnehmen. Er habe seine Familie vorher nie
über Details seiner Aktivitäten informiert. Es sei auch zu berücksichtigen,
dass seine Ehefrau Analphabetin sei. Aufgrund seiner langjährigen Tätig-
keit habe er Kenntnisse von Staatsgeheimnissen sowie über die islamisti-
schen und salafistischen Organisationen. Deswegen hätten sowohl diese
Organisationen als auch die kurdischen Behörden ein grosses Interesse
an ihm. Er habe im Übrigen klar zu Protokoll gegeben, dass seine Flucht
für ihn schwere Konsequenzen haben würde. Er gelte bei der KDP (Kurdi-
sche Demokratische Partei), mit welcher der Geheimdienst verbunden sei,
als Verräter und müsse mit dem Tod oder einer langen Gefängnisstrafe
rechnen. Es sei gegen ihn ein Haftbefehl erlassen worden. Die Angaben
der Beschwerdeführenden seien übereinstimmend und sie hätten mehrere
Beweismittel zu den Akten gereicht, die die Angaben des Beschwerdefüh-
rers belegen würden. Es sei daher nicht nachvollziehbar, dass die Vor-
instanz ihre Vorbringen als unglaubhaft bezeichnet habe. Da sie ins Visier
der kurdischen Behörden sowie der islamistischen Organisationen geraten
seien, müsse davon ausgegangen werden, dass sie im Falle einer Rück-
kehr in den Irak staatlicher sowie nicht-staatlicher Verfolgung ausgesetzt
wären. Im Übrigen sei der Wegweisungsvollzug angesichts der dem Be-
schwerdeführer mit Sicherheit drohenden Gefährdung an Leib, Leben und
Freiheit auch unzumutbar, weshalb sie zumindest vorläufig aufzunehmen
seien.
3.2.2 In ihrer ergänzenden Eingabe vom 23. Januar 2019 führten die Be-
schwerdeführenden namentlich aus, sie seien vom IS und der "Hashed Al
Shaabi" nach der Enttarnung der Identität des Beschwerdeführers bedroht
worden, weil dieser mehrere Mitglieder beziehungsweise Unterstützer die-
ser Organisationen habe festnehmen lassen. Diese seien weiterhin fast im
ganzen Staatsgebiet des Irak in verschiedener Weise aktiv. Die Brutalität
dieser Organisationen und die fehlende Schutzfähigkeit der staatlichen Si-
cherheitskräfte seien der Hauptgrund für ihre Flucht gewesen.
3.3 Die Vorinstanz stellte in ihrer Vernehmlassung fest, der Zeitpunkt des
Umzugs der Beschwerdeführenden nach Erbil sei in der angefochtenen
Verfügung zwar falsch angegeben worden. Dies ändere aber nichts daran,
dass der Beschwerdeführer in der Anhörung behauptet habe, in Erbil keine
Probleme mehr mit den "Hashed al Shaabi" gehabt zu haben. Zudem sei
in der Anhörung nie die Rede von einer "Enttarnung" seiner Identität durch
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diese Organisation die Rede gewesen, was einen weiteren Widerspruch in
Bezug auf die angebliche Geheimdiensttätigkeit darstelle. Vielmehr habe
der Beschwerdeführer in der Anhörung keine persönliche Verfolgung durch
diese Organisation geltend gemacht; diese hätten nach seinen Aussagen
vielmehr alle Häuser, in denen Peschmerga gewohnt hätten, durchsucht.
Im Weiteren seien in der Beschwerdeschrift die Probleme seitens des IS
beziehungsweise der "Hashed al Shaabi" vermischt worden. Die neu ein-
gereichten Dokumente würden über keine Echtheitsmerkmale verfügen.
Die Briefköpfe der beiden Schreiben seien unterschiedlich, obwohl sie an-
geblich von derselben Amtsstelle stammen würden. Zudem sei der Irak
äusserst korrupt, weshalb die käufliche Erwerbbarkeit solcher Dokumente
offensichtlich sei. Es stelle sich auch die Frage, weshalb diese angeblich
im (...) beziehungsweise (...) 2018 ausgestellten Schreiben nicht bereits
im erstinstanzlichen Verfahren eingereicht worden seien, und wie diese an
den Geheimdienst adressierten Verfügungen in den Besitz des Beschwer-
deführers gelangt seien.
3.4 In der Replik wurde daran festgehalten, dass die Drohungen gegen den
Beschwerdeführer im Juli 2015 begonnen hätten, nachdem seine Identität
enttarnt worden sei. Mutmasslich sei seine Identität von zwei am (...) 2014
vom IS gefangengenommenen Peschmerga unter Folter preisgegeben
worden. Die "Hashed al Shaabi" könnten seine Identität durch Kreise des
irakischen Geheimdiensts erfahren haben. Hätten sie seine Identität nicht
gekannt, hätten sie die Razzien gegen seine Familie nicht durchführen kön-
nen. Die Behauptung der Vorinstanz, er habe in Erbil keine Probleme mehr
mit den "Hashed al Shaabi" gehabt, sei falsch. Er sei sowohl von diesen
als auch vom IS telefonisch bedroht worden. Auch wenn er in der Anhörung
nicht explizit von seiner Enttarnung gesprochen habe, gehe aus seinen
Aussagen hervor, dass eine solche erfolgt sei. An der Echtheit der einge-
reichten Dokumente werde festgehalten. Er habe diese von einem guten
Freund erhalten, welcher ebenfalls beim Geheimdienst tätig sei. Dieser
habe ihm diese Schreiben erst nach mehrmaliger und dringender Bitte zu-
gestellt, weshalb sie nicht schon im erstinstanzlichen Verfahren hätten ein-
gereicht werden können. Die Briefköpfe seien unterschiedlich, weil die Do-
kumente von unterschiedlichen Amtsstellen ausgestellt worden seien. Es
könne bei Bedarf eine Verifizierung durch das kurdische Konsulat oder die
Behörden der Autonomen Region Kurdistan vorgenommen werden.
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Seite 11
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung
oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete
Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-
tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei für die Peschmerga tä-
tig gewesen, wird durch die eingereichten Beweismittel gestützt
(Peschmerga-Ausweis, Bestätigung des Bataillons M._ vom [...],
Schreiben des Beschwerdeführers an Vorgesetzten vom [...]), und die
Glaubhaftigkeit dieser Darstellung wurde von der Vorinstanz zu Recht nicht
grundsätzlich bestritten. Jedoch besteht Anlass zu gewissen Zweifeln an
der Behauptung des Beschwerdeführers, für den Geheimdienst (Ha-
walgrie) der Peschmerga tätig gewesen zu sein. Seine Ausführungen dazu,
wann er die angebliche Geheimdiensttätigkeit aufgenommen habe, sind
auffallend vage ("vor sieben, acht oder neun Jahren") und stehen im Wi-
derspruch zur Angabe seiner Ehefrau, er habe bereits im Jahr 2005 mit
dieser Tätigkeit begonnen. Ebenso wenig substanziiert sind die Aussagen
des Beschwerdeführers zur Art seiner Tätigkeiten für den Geheimdienst
und den Umständen seiner Einberufung in diese Funktion. Zudem ist, wie
die Vorinstanz zu Recht feststellte, schwer nachvollziehbar, dass er bereit
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war, Namen von Vorgesetzten und anderen Angehörigen des Geheim-
dienstes offenzulegen, nicht aber diejenigen der Mitglieder der gewalttäti-
gen islamistischen Organisationen, die er ausspioniert haben will.
Die Frage, ob diese Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
zu genügen vermögen, kann aber letztlich offengelassen werden, da, wie
im Folgenden zu zeigen ist, die von den Beschwerdeführenden befürchte-
ten Nachteile aufgrund dieses Engagements des Beschwerdeführers je-
denfalls als nicht asylrelevant zu erachten sind.
5.2 Angesichts der in Berichten verschiedener Quellen dokumentierten
Umstände der Einnahme Kirkuks durch die irakische Armee und die mit
dieser verbündeten Miliz "Hashed Al Shaabi" am 16. Oktober 2017 (vgl.
z.B. European Asylum Support Office [EASO]. COI Query, Iraq, Treatment
of Kurds in Tuz and Kirkuk, 14. Dezember 2018; Landinfo – Norwegian
Country of Origin Information Centre: Northern Iraq: Security situation and
the situation for internally displaced persons [IDPs] in the disputed areas,
incl. possibility to enter and access the Kurdistan Region of Iraq [KRI],
5. November 2018, S. 14 ff.), erscheint die von den Beschwerdeführenden
geschilderte Hausdurchsuchung und die damit verbundene Suche nach
dem Beschwerdeführer durch Angehörige der "Hashed Al Shaabi" durch-
aus plausibel. Ihre Aussagen deuten aber darauf hin, dass es sich nicht um
gezielt gegen sie gerichtete Massnahmen handelte, sondern um Über-
griffe, die Ausdruck der dort damals herrschenden allgemeinen Gewalt-
situation waren. Die Behauptung, die Identität des Beschwerdeführers sei
durch die "Hashed Al Shaabi" "enttarnt" worden, mit welcher eine gezielte
Verfolgung geltend gemacht wird, ist eine blosse Vermutung, für welche
sich in den Akten keine konkreten Anhaltspunkte finden. Demnach hat die
Vorinstanz zu Recht einen sachlichen und zeitlichen Kausalzusammen-
hang der Ereignisse, welche die Beschwerdeführenden zum Umzug von
Kirkuk nach Erbil veranlassten, mit ihrer rund (...) Monate später erfolgten
Ausreise verneint und diesen keine asylrechtliche Relevanz beigemessen.
5.3 Ferner gab der Beschwerdeführer ausdrücklich zu Protokoll, er habe
nach seinem Umzug nach Erbil keine Probleme mehr mit den "Hashed Al
Shaabi" gehabt (vgl. Protokoll Anhörung A14 F80). Dies steht im Einklang
damit, dass diese Miliz gemäss verschiedenen Quellen im Gebiet der KRG
nicht präsent ist (vgl. EASO Informationsbericht über das Herkunftsland,
Irak, Akteure, die Schutz bieten können, November 2018 S. 49; Landinfo
– Norwegian Country of Origin Information Centre, a.a.O. S. 23). Demnach
besteht auch kein Grund zur Annahme, dass die Beschwerdeführenden in
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Seite 13
absehbarer Zukunft an ihrem letzten Wohnsitz Erbil relevante Verfolgungs-
massnahmen seitens der "Hashed Al Shaabi" zu befürchten haben.
5.4 Betreffend die von den Beschwerdeführenden vorgebachten telefoni-
schen Drohungen ist Folgendes festzustellen:
5.4.1 Die Aussagen der Beschwerdeführenden 1 und 2 decken sich hin-
sichtlich der Anzahl der Drohanrufe als auch deren zeitlicher Einordnung
im Wesentlichen. Übereinstimmend sind auch ihre Angaben dazu, wo sich
der Beschwerdeführer 1 aufhielt, als seine Ehefrau zwei der Anrufe entge-
gennahm. Dass sie die chronologische Reihenfolge dieser beiden Anrufe
unterschiedlich darstellten, stellt keinen wesentlichen Widerspruch dar. Zu-
dem sind ihre Angaben zum Inhalt der Drohungen von zu erwartender Sub-
stanziiertheit. Diese Vorbringen sind somit entgegen der Auffassung der
Vorinstanz als überwiegend glaubhaft zu erachten.
5.4.2 Zur Identität der Personen, welche die Beschwerdeführenden telefo-
nisch bedrohten, vermochten sie allerdings keine genauen Angaben zu
machen. Der Beschwerdeführer ordnete diese in der BzP dem IS zu (vgl.
Protokoll BzP A7 S. 9), während er im Rahmen der Anhörung von kurdisch
sprechenden Personen sprach, die über seine Aktivitäten und Aufgaben für
die Peschmerga Bescheid gewusst hätten (vgl. Protokoll Anhörung A14
S. 7 f.). Sowohl den "salafistischen Extremisten" als auch den "islamisti-
schen Extremisten" und "geheimen Gruppierungen des IS" sei seine Tätig-
keit bekannt gewesen (vgl. a.a.O. A14 F55). Die Beschwerdeführerin 2
bezeichnete die Anrufer als "Langbärtige, die sich Muslime nannten" (vgl.
Protokoll Anhörung A15 F30). Die Aussage in der Eingabe vom 27. Februar
2019, die Beschwerdeführenden seien auch durch die "Hashed Al Shaabi"
telefonisch bedroht worden, steht sowohl zu den obengenannten Angaben
sowie zur klaren Aussage des Beschwerdeführers, von diesen in Erbil nicht
mehr verfolgt worden zu sein (vgl. E. 5.3), im Widerspruch und ist demnach
als unglaubhaft zu erachten.
5.4.3 Jedenfalls ist festzustellen, dass der irakische Ministerpräsident al-
Abadi am 10. Dezember 2017 den mehr als dreijährigen Krieg gegen den
IS für beendet erklärte (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ] vom 11.12.2017,
"Irak proklamiert das Ende des IS"). Die offene Bedrohungssituation der
ARK durch den IS hat sich damit vor einiger Zeit aufgelöst (vgl. Urteil des
BVGer E-6430/2016 vom 31. Januar 2018 E. 6.4). Infolge der Beendigung
des Kriegs gegen den IS liegt eine objektiv veränderte Situation im Irak vor,
und es ist nicht davon auszugehen, dass zum heutigen Zeitpunkt Anlass
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für eine begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen durch Mitglieder
des IS oder durch andere islamistische Extremisten besteht (vgl. Urteil des
BVGer E-3052/2018 vom 8. April 2020 E. 7.1)
5.4.4 Im Weiteren ergibt sich aus den Akten, dass sich die ersten Drohan-
rufe im Jahr 2015 ereigneten, ohne dass die Beschwerdeführenden bis zu
ihrer Ausreise im Sommer 2018 weitergehende Nachteile durch die Anrufer
erlitten hätten.
5.4.5 Insgesamt gelangt das Gericht zum Schluss, dass sich aus den von
den Beschwerdeführenden vorgebrachten telefonischen Drohungen im
heutigen Zeitpunkt nicht auf eine begründete Furcht vor Verfolgung asyl-
rechtlich relevanten Ausmasses schliessen lässt.
5.5 Im Weiteren lassen sich den Akten auch keine stichhaltigen Hinweise
dafür entnehmen, dass der Beschwerdeführer wegen des unerlaubten Ver-
lassens der Peschmerga bei einer Rückkehr in den Nordirak mit flüchtlings-
rechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen durch diese zu rechnen hat:
5.5.1 Eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion vermag für sich allein
die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen (vgl. auch Art. 3 Abs. 3
AsylG). Diese ist erst dann anzuerkennen, wenn die Behandlung wegen
Wehrdienstverweigerung oder Desertion zu einer Verfolgung im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG führt. Hierfür muss die betroffene Person aus den in
dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehö-
rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauun-
gen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behand-
lung zu gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2
AsylG gleichkommt.
5.5.2 Gemäss Rechtsprechung des Gerichts begründet das unerlaubte
Fernbleiben eines Peschmergas niederen Ranges vom freiwilligen Dienst
grundsätzlich keine asylrelevante Verfolgung (vgl. Urteil des BVGer
E-5668/2018 vom 3. April 2020 E. 6.3, m.w.H.). Die Rekrutierung bei den
Peschmerga erfolgt freiwillig und vertraglich, eine allgemeine Dienstpflicht
gibt es nicht. Verschiedene Berichte heben hervor, eine Desertion sei bei
den Peschmerga nicht problematisch; viele Personen verliessen das Land,
aber es ständen immer genügend freiwillige Kämpfer zur Verfügung. Bei
Deserteuren – das heisst, bei Personen, die ihren Dienst vor Ablauf ihres
Vertrages unerlaubt verlassen – wird in erster Linie die hinterlegte Geld-
Garantie eingezogen. Aber auch dies scheint nur in ungefähr 10 Prozent
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der Fälle tatsächlich zu geschehen. Zudem wird die Person von den Pe-
schmerga ausgeschlossen. Wer mit der Waffe flieht, kann ausnahmsweise
mit einer Freiheitsstrafe bestraft werden, insbesondere wenn versucht
wird, diese zu verkaufen. Eine Quelle spricht zwar davon, ein Deserteur,
der von der Front fliehe, könne vor ein Militärgericht gestellt und zum Tod
verurteilt werden, jedoch kennt diese Quelle keine entsprechenden Fälle
(vgl. zum Ganzen: Urteil des BVGer E-209/2017 vom 25. November 2019
E. 4.7 m.w.H.; Migrationsverket, [Schwedische Migrationsbehörde], An-
ställning och avslutande av tjänst i peshmergan, Juni 2017, S. 1 ff.; Danish
Refugee Council, The Kurdistan Region of Iraq [KRI], April 2016, S. 41 f.,
124; Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Irak: Peschmerga in der KRG-
Region, Auskunft der SFH-Länderanalyse, 7. Januar 2019, S. 8 und 11 f.;
EASO, Informationsbericht über das Herkunftsland, Irak, Gezielte Gewalt
gegen Individuen, März 2019, S. 81 f.).
5.5.3 Der Beschwerdeführer macht weder geltend, er habe seine Waffe
mitgenommen, noch er sei von der Front geflohen. Gemäss seinen Anga-
ben bekleidete er keine besonders hochrangige Funktion bei den Pe-
schmerga ([...] Ranges), und die ihm übertragenen Aufgaben waren eher
untergeordneter Natur. Ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit der be-
haupteten Tätigkeit des Beschwerdeführers für den Geheimdient (Ha-
walgrie) lassen seine Vorbringen jedenfalls nicht darauf schliessen, dass
er wesentliche Kenntnisse vertraulicher Informationen besitzen dürfte, wel-
che ein erhöhtes Verfolgungsinteresse der Peschmerga begründen könn-
ten. Demnach besteht kein Grund zur Annahme, dass der Beschwerdefüh-
rer aus einem Grund nach Art. 3 AsylG mit einer härteren Bestrafung rech-
nen müsste, als andere Dienstabbrecher. Einen anderen Schluss vermö-
gen auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumente (Haftbefehl,
Suchbefehl) nicht zu rechtfertigen. Zum einen ist die Echtheit derselben in
Zweifel zu ziehen: Es handelt sich um behördeninterne Dokumente, die der
betroffenen Person grundsätzlich nicht ausgehändigt werden. Nach Aus-
sagen des Beschwerdeführers wurden sie ihm auf seine Bitte hin durch
einen beim Geheimdienst arbeitenden Freund übermittelt; mit dieser Erklä-
rung zu deren Beschaffung ist aber kaum vereinbar, dass die Schreiben im
Original eingereicht wurden. Überdies sind diesen Dokumenten auch in-
haltlich keine Hinweise auf eine drohende Bestrafung des Beschwerdefüh-
rers asylrechtlich relevanten Ausmasses zu entnehmen.
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5.6 Gegen eine begründete Verfolgungsfurcht der Beschwerdeführenden
im Zeitpunkt ihrer Ausreise spricht schliesslich auch der Umstand, dass sie
gemäss ihren Angaben den Irak legal mit den eigenen Reisepässen ver-
lassen konnten.
5.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen-
den nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfol-
gungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat
ihre Asylgesuche demzufolge zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
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AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be-
schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus ihren Aussagen noch aus den Akten
Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Hei-
matstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Ge-
mäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten die Be-
schwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Wie oben ausgeführt (vgl. vorstehende E. 5.5), gelten diese Fest-
stellungen auch für den Fall, dass sich der Beschwerdeführer nach der
Rückkehr einem behördlichen Verfahren wegen seines angeblich uner-
laubten Fernbleibens vom Peschmerga-Dienst stellen müsste. Die allge-
meine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungs-
vollzug zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen
(vgl. Referenzurteil des BVGer E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015
E. 6.3 mit Hinweis auf Urteil E-847/2014 vom 13. April 2015).
7.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-3737/2015 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-847/2014
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7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr-
dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläu-
fige Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 Im Urteil BVGE 2008/5 – in dem eine einlässliche Auseinanderset-
zung mit der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die drei
damaligen kurdischen Provinzen des Nordiraks (Dohuk, Erbil und Suleima-
niya) stattfand – hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass sich sowohl
die Sicherheits- als auch die Menschenrechtslage in dieser Region im Ver-
hältnis zum restlichen Irak relativ gut darstelle. Gestützt auf die vorgenom-
mene Lageanalyse kam das Bundesverwaltungsgericht damals zum
Schluss, dass ein Wegweisungsvollzug in die kurdischen Provinzen dann
zumutbar ist, wenn die betreffende Person ursprünglich aus der Region
stammt oder eine längere Zeit dort gelebt hat und über ein soziales Netz
(Familie, Verwandtschaft oder Bekanntenkreis) verfügt (vgl. BVGE 2008/5
E. 7.5, insbesondere E. 7.5.1 und 7.5.8). Diese Praxis wurde in der Folge-
zeit durch das Bundesverwaltungsgericht bekräftigt. In der im Referenz-
urteil E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 vorgenommenen Lageein-
schätzung wurde festgestellt, dass in den vier Provinzen der KRG-Region
(Dohuk, Erbil, Suleimaniya, Halabja) nicht von einer Situation allgemeiner
Gewalt im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AIG auszugehen ist. Diese Einschätzung
hat nach wie vor Gültigkeit (vgl. zuletzt Urteile des BVGer D-3399/2019
vom 25. Mai 2020 E. 8.4 und D-787/2020 vom 17. April 2020 E. 7.3.1). Der
Wegweisungsvollzug in den Nordirak ist damit nach wie vor als grundsätz-
lich zumutbar zu bezeichnen.
7.3.2 Den begünstigenden individuellen Faktoren – insbesondere denjeni-
gen eines tragfähigen familiären Beziehungsnetzes – ist angesichts der
Belastung der behördlichen Infrastrukturen durch im Irak intern Vertriebene
("Internally Displaced Persons" [IDPs]) gleichwohl ein besonderes Gewicht
beizumessen (vgl. u.a. Urteile des BVGer D-787/2020 vom 17. April 2020
E. 7.3, D-7151/2018 vom 25. Februar 2020 E. 7.4.4, m.w.H.). Die Anord-
nung des Wegweisungsvollzugs setzt insbesondere voraus, dass die be-
treffende Person ursprünglich aus der Region stammt oder längere Zeit
dort gelebt hat und dort über ein soziales Beziehungsnetz (Familie, Ver-
wandtschaft oder Bekanntenkreis) oder über Beziehungen zu den herr-
schenden Parteien verfügt.
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Unter Beachtung dieser Grundsätze qualifiziert das Gericht auch den Voll-
zug der Wegweisung von Familien mit Kindern in die KRG-Region nicht als
grundsätzlich unzumutbar (vgl. das Urteil BVGer E-7174/2018 vom 14. Fe-
bruar 2020 E. 8.3.5 mit Hinweisen auf entsprechende Entscheide).
7.3.3 Die Beschwerdeführenden lebten bis (...) und von (...) bis zu ihrer
Ausreise im (...) 2018 in Erbil. Gemäss Aussagen des Beschwerdeführers
sind auch seine Eltern und Geschwister in Erbil wohnhaft und er steht mit
diesen nach wie vor in Kontakt (vgl. Akten SEM A7 S. 5, A14 F12 f.). Auch
Angehörige der Beschwerdeführerin leben in der Autonomen Kurdischen
Region (vgl. Akten SEM A8 S. 5). Demnach kann davon ausgegangen wer-
den, dass die Beschwerdeführenden dort über ein tragfähiges Beziehungs-
netz verfügen, auf dessen Unterstützung sie zählen können. Es liegen
überdies keine Anhaltspunkte für relevante gesundheitliche Probleme vor.
7.3.4 Insgesamt sind keine Aspekte ersichtlich, die darauf schliessen las-
sen würden, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr aus per-
sönlichen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Art in
eine existenzielle Notlage geraten würden.
7.3.5 Sind von einem Wegweisungsvollzug (auch) minderjährige Kinder
betroffen, ist bei der Beurteilung der Zumutbarkeit desselben der Aspekt
des Kindeswohls zu berücksichtigen.
7.3.5.1 Unter dem Aspekt des Kindeswohls im Sinne von Art. 3 Abs. 1 KRK
sind im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des Vollzugs sämtliche Um-
stände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegwei-
sung wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für ein
Kind namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Be-
urteilung von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, In-
tensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugs-
personen (insbesondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand
und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, sowie der Grad der er-
folgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade
letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick
auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration bezie-
hungsweise Integration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger
Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal
vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwick-
lungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld
des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch
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dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann
eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz eine Ent-
wurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen
die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. dazu BVGE
2009/51 E. 5.6 und 2009/28 E. 9.3.2).
7.3.5.2 Die beiden jüngeren Kinder (Beschwerdeführende 5 und 6) dürften
in erster Linie an seinen Eltern und Geschwistern orientiert sein. Die beiden
älteren Kinder (Beschwerdeführende 3 und 4) befinden sich in der Phase
der Adoleszenz und dürften sich mit einer Rückkehr in das Heimatland
schwerer tun. Da sie jedoch mit ihren Geschwistern und Eltern in den Nord-
irak zurückkehren werden, wo sie sich in einem tragfähigen familiären Netz
wiederfinden werden, werden auch sie sich im Nordirak zurechtfinden kön-
nen. Abgesehen von der nur rund zweijährigen Dauer des Aufenthalts in
der Schweiz lassen sich den Akten keine Anhaltspunkte für eine besondere
Verwurzelung der Kinder in der Schweiz entnehmen. Es besteht kein
Grund zur Annahme, sie hätten sich in der Schweiz bereits derart stark
assimiliert, dass eine Reintegration im Heimatland verunmöglicht würde o-
der unzumutbar wäre. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Kin-
der aufgrund des Zusammenlebens mit den Eltern und dem längeren vo-
rangehenden Aufenthalt im Nordirak mit der dortigen Kultur und Sprache
vertraut sind, weshalb ihnen die Reintegration im Heimatland ohne grös-
sere Probleme gelingen dürfte (vgl. Urteil des BVGer D-6464/2018 vom
26. Februar 2020 E. 10.2.4).
7.3.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich im Bedarfsfall
bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr
notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und
dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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