Decision ID: 632224b7-af3f-5025-a525-bb6d4a93404a
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde von der IV-Stelle des Kantons St. Gallen am 10. Februar 2015
rückwirkend ab dem 1. Mai 2010 eine ganze Invalidenrente zugesprochen (EL-act.
75-10 ff., Dossier 1 [act. G 5.1]). Am 22. Mai 2015 meldete sie sich bei der EL-
Durchführungsstelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Ergänzungsleistungen an
(EL-act. 74-1 ff., Dossier 1). Die Beiständin des 2012 geborenen Sohnes der
Versicherten hatte in einem Begleitschreiben vom 4. Mai 2015 festgehalten (EL-act.
76-2, Dossier 1), dass der Sohn kurz nach seiner Geburt wegen der psychischen
Erkrankung der Versicherten fremdplatziert worden sei. Anschliessend sei ein
Aufenthalt auf der Mutter-Kind-Station einer psychiatrischen Klinik erfolgt.
Zwischenzeitlich sei die Versicherte zwar in der Lage, ihren Sohn zu betreuen. Sie
benötige aber behinderungsbedingt immer wieder Auszeiten. Der Sohn werde deshalb
tagsüber in der Kinderkippe B._ in C._ betreut. Einmal pro Woche sowie in Zeiten,
in denen es der Versicherten nicht gut gehe (Entlastung, Klinikaufenthalte), übernachte
er bei der Pflegefamilie D._ in C._. Die Familie D._ habe eine
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Pflegeplatzbewilligung; das Pflegeverhältnis werde durch die Kinder- und Jugendhilfe
St. Gallen begleitet. Durch die behinderungsbedingte Fremdbetreuung des Sohnes
entstünden der Versicherten immense Kosten. Die Beiständin des Sohnes hatte darum
gebeten, die Kosten für die Kinderkrippe sowie die Kosten für die Pflegefamilie bei den
Ergänzungsleistungen anzurechnen.
A.b Mit Verfügung vom 20. Februar 2016 (EL-act. 52, Dossier 1) sprach die EL-
Durchführungsstelle der Versicherten für den Zeitraum 1. August bis 31. Dezember
2010 eine monatliche Ergänzungsleistung von Fr. 1'084.-- (5 x Fr. 1'084.--), für den
Zeitraum 1. Januar bis 31. März 2011 eine monatliche Ergänzungsleistung von Fr.
1'108.-- (3 x Fr. 1'108.--), für den Monat April 2011 eine Ergänzungsleistung von Fr.
1'147.-- (1 x Fr. 1'147.--), für den Monat Juni 2011 eine Ergänzungsleistung von Fr.
326.-- (1 x Fr. 326.--), für das Jahr 2013 eine monatliche Ergänzungsleistung von Fr.
425.-- (12 x Fr. 425.--), für das Jahr 2015 eine monatliche Ergänzungsleistung von Fr.
462.--, für den Zeitraum 1. Januar bis 29. Februar 2016 eine monatliche
Ergänzungsleistung von Fr. 477.-- und ab dem 1. März 2016 eine monatliche
Ergänzungsleistung von Fr. 901.-- zu. Für die übrigen Zeiträume ab 1. Mai 2010 wies
sie das EL-Gesuch wegen eines Einnahmenüberschusses ab. Die Kosten für die
Kinderkrippe und für die Pflegefamilie waren in der EL-Berechnung nicht berücksichtigt
worden. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.c In einem Schreiben vom 6. Juli 2016 an die EL-Durchführungsstelle erklärte die
Versicherte, sie sei auch der Meinung, dass die Kosten für die Kinderkrippe nicht von
der EL, sondern vom Vater, übernommen werden müssten (EL-act. 38, Dossier 1). Die
Kosten für die Pflegefamilie habe sie bisher selbst getragen. In Zukunft sehe sie aber
einen finanziellen Engpass auf sich zukommen. Aktuell seien die Grosseltern die
Pflegeeltern ihres Sohnes. Auf Dauer benötige sie jedoch eine neue Pflegefamilie. Die
Versicherte warf die Frage auf, wer die Kosten für die Pflegefamilie in Zukunft
übernehme. Auf Nachfrage hin reichte die Versicherte am 9. September 2016 eine
Aufstellung der Betreuungskosten für ihren Sohn mitsamt Belegen ein (EL-act. 31,
Dossier 1).
A.d Am 14. Oktober 2016 teilte EL-Durchführungsstelle der Versicherten mit (EL-act.
30, Dossier 1), dass bei einer Erwerbstätigkeit und der damit verbundenen
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Fremdbetreuung des Kindes die Betreuungskosten (Kinderkrippe) vom
Erwerbseinkommen in Abzug gebracht werden könnten. Da die Versicherte jedoch
keiner Erwerbstätigkeit nachgehe, könnten keine Betreuungskosten angerechnet
werden. Auch die Kosten für die Pflegefamilie könnten nicht übernommen werden, da
kein Pflegevertrag bestehe. Das Schreiben enthielt keinen Hinweis auf die Möglichkeit,
eine anfechtbare Verfügung zu verlangen.
B.
B.a Am 11. November 2016 bat die Versicherte die EL-Durchführungsstelle darum, zu
prüfen, ob es sich bei den Kosten für die Fremdplatzierung um Behinderungskosten
handle (EL-act. 26, Dossier 1). Dem Gesuch lag ein Pflegevertrag vom 4. August 2014
bei (EL-act. 26-2 ff., Dossier 1). Am 21. November 2016 reichte die Versicherte die
Betreuungsverträge der Kinderkrippe B._ ein (EL-act. 25, Dossier 1).
B.b Mit Verfügung vom 30. Dezember 2016 (EL-act. 21, Dossier 1) eröffnete die EL-
Durchführungsstelle der Versicherten, dass die Betreuungskosten für deren Sohn
gemäss Art. 10 ELG nicht in der EL-Berechnung berücksichtigt werden könnten.
Sozialpädagogische Leistungen sowie Tagesbetreuungen seien explizit von der EL-
Finanzierung ausgenommen. Die EL-Durchführungsstelle prüfte nicht, ob die
Betreuungskosten gestützt auf Art. 14 ELG (Krankheits- und Behinderungskosten)
übernommen werden könnten.
B.c Gegen die Verfügung vom 30. Dezember 2016 wendete die Versicherte am 30.
Januar 2017 ein (EL-act. 19, Dossier 1), dass die Betreuungskosten für ihren Sohn als
Krankheitskosten in der EL-Berechnung zu berücksichtigen seien, da die
Kinderbetreuung von der KESB verordnet worden sei. Am 2. Februar 2017 machte die
Versicherte ergänzend geltend, dass durch die Betreuung des Sohnes in der
Tagesstätte und in der Pflegefamilie eine permanente Fremdplatzierung habe
verhindert werden können, was bedeutend höhere Kosten verursacht hätte. Zudem
reichte sie diverse Unterlagen ein (EL-act. 17, Dossier 1).
B.d Mit Entscheid vom 20. März 2017 (EL-act. 9, Dossier 1) wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache ab. Zur Begründung hielt sie fest, die Verfügung
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vom 30. Dezember 2016 sei dahingehend zu deuten, dass auf das
Wiedererwägungsgesuch eingetreten worden sei und der bisher festgesetzte
monatliche EL-Anspruch unverändert bleibe. Der Sohn der Versicherten sei jeweils nur
vorübergehend in der Pflegefamilie. Die aus dem Aufenthalt bei der Pflegefamilie
resultierenden Kosten seien deshalb aus dem Lebensbedarf bzw. mit der Kinderrente
zu decken, da Art. 10 ELG keine Deckung von Kosten für die Kinderkrippe und für
Kurzaufenthalte in Pflegeheimen vorsehe. Die Krankheitskosten seien separat zu
verfügen, weshalb die Versicherte in Kürze eine eigenständige Verfügung erhalten
werde.
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 28. April 2017 Beschwerde (act. G 1). Sie erklärte sinngemäss,
mit dem Einspracheentscheid nicht einverstanden zu sein. Sie beantragte die
Übernahme der Betreuungskosten für ihren Sohn rückwirkend ab Juli 2012.
C.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 19.
Mai 2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung verwies sie auf
die Erwägungen im Einspracheentscheid.
C.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 9).
C.d Das Versicherungsgericht bat die Beschwerdegegnerin am 19. März 2018 darum,
die seit dem 18. Mai 2017 bis heute aufgelaufenen EL-Akten nachzureichen (act. G 10).
Die angeforderten Akten gingen am 29. März 2018 beim Versicherungsgericht ein (act.
G 11.1 [Dossier 2]).
C.e Am 23. April 2018 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme mitsamt
weiteren Unterlagen ein (act. G 13). F._ hatte in einem Schreiben vom 23. April 2018
ausgeführt, dass er die Beschwerdeführerin seit Oktober 2017 in ihren administrativen
Angelegenheiten unterstütze. Zu seinem Erstaunen habe die EL-Durchführungsstelle
die Betreuungskosten für den Sohn für das Jahr 2017 übernommen. Es sollte eine
Möglichkeit geben, dass die Beschwerdeführerin die Kosten nicht selber tragen müsse.
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin greife seines Erachtens nicht. Dem
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Schreiben lag u.a. eine Kopie einer Verfügung betreffend Krankheits- und
Behinderungskosten vom 11. April 2018 bei (act. G 13.1.3). Die Beschwerdegegnerin
hatte die Kosten für die Kinderkrippe für den Zeitraum Februar bis Mai 2017, abzüglich
der Verpflegungskosten, übernommen.
C.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme hierzu (act. G 14).
C.g Am 15. Juni 2018 bat das Versicherungsgericht die Beschwerdegegnerin, die seit
dem 22. März 2018 aufgelaufenen EL-Akten (mitsamt den EL-Krankheitskostenakten)
nachzureichen (act. G 15). Die angeforderten Akten gingen am 21. Juni 2018 beim
Gericht ein (act. G 16). Mit einer Verfügung betreffend Krankheits- und
Behinderungskosten vom 31. Mai 2018 hatte die Beschwerdegegnerin auch die Kosten
für die Kinderkrippe für den Januar 2017 und Mai 2017 übernommen (EL-act. 6, act. G
16.1 [Dossier 3]).
C.h Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Stellungnahme (act. G 17).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin hat sich im Februar 2015 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen angemeldet. Bereits damals hat sie neben der Ausrichtung einer
laufenden Ergänzungsleistung auch die Übernahme der Kosten für die Kinderkrippe
und für die Pflegefamilie beantragt (EL-act. 76-2). Mit Verfügung vom 20. Februar 2016
hat die Beschwerdegegnerin über den laufenden EL-Anspruch rückwirkend ab 1.
August 2010 entschieden. Diese Verfügung ist rechtskräftig geworden. Nichts in dieser
Verfügung deutet darauf hin, dass die Beschwerdegegnerin damit gleichzeitig das
Gesuch um die Übernahme der Kosten für die Kinderkrippe und die Pflegefamilie hätte
abweisen wollen. Tatsächlich wäre es äusserst ungewöhnlich gewesen, wenn in einer
Verfügung über eine laufende Ergänzungsleistung auch über die Vergütung von
Krankheits- und Behinderungskosten entschieden worden wäre. Diese fallen nämlich
kaum je regelmässig an, sodass sie in die laufende Anspruchsberechnung eingesetzt
werden könnten. Über sie wird deshalb in aller Regel getrennt verfügt. Das Vorgehen
der Beschwerdegegnerin muss also so interpretiert werden, dass diese es vergessen
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hat, über das Gesuch um die Übernahme der Kosten für die Kinderkrippe und die
Pflegefamilie (getrennt) zu verfügen. Die Verfügung vom 20. Februar 2016 betreffend
die rückwirkende Zusprache einer laufenden Ergänzungsleistung hat also keine
Antwort auf die Frage nach der Vergütung der Kosten für die Kinderkrippe und für die
wiederholten kurzen Aufenthalte bei den Pflegeeltern gegeben. Das bedeutet, dass das
Gesuch vom 6. Juli 2016 kein Wiedererwägungsgesuch gewesen sein kann, denn mit
diesem Gesuch ist ja etwas geltend gemacht worden, das die Verfügung vom 20.
Februar 2016 gar nicht geregelt hat, nämlich die Vergütung der Kosten der
Kinderkrippe und der Kosten der kurzen Aufenthalte bei der Pflegefamilie. Auf das
Gesuch vom 6. Juli 2016 hat die Beschwerdegegnerin am 14. Oktober 2016
geantwortet, dass weder die Kosten für die Kinderkrippe noch jene für die Pflegefamilie
übernommen werden könnten. Dieses Antwortschreiben der Beschwerdegegnerin hat
keinen Hinweis darauf enthalten, dass die Beschwerdeführerin den Erlass einer
Verfügung verlangen könne, wenn sie mit dem Inhalt der Mitteilung nicht einverstanden
sei (Art. 51 ATSG). Es hat sich also nicht um eine rechtskraftfähige Mitteilung, sondern
nur um eine Information gehandelt. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um die
Übernahme der Kosten für die Kinderkrippe und für die Pflegefamilie ist somit weiterhin
unbehandelt geblieben.
1.2 Am 11. November 2016 hat die Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin
erneut darum ersucht, zu prüfen, ob es sich bei den Kosten für die Fremdplatzierung
um Behinderungskosten handle. Die Beschwerdeführerin hat diesmal sogar
ausdrücklich die Prüfung des Gesuchs gestützt auf Art. 14 ELG (Krankheits- und
Behinderungskosten) verlangt. Trotzdem hat die Beschwerdegegnerin dieses
Schreiben irrtümlicherweise als gegen die Verfügung vom 20. Februar 2016 gerichtetes
Wiedererwägungsgesuch behandelt; sie hat konsequenterweise einen allfälligen
Anspruch auf die Vergütung der Betreuungskosten einzig unter dem Blickwinkel des
Art. 10 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung (ELG, SR 831.30), d.h. der laufenden EL-
Anspruchsberechnung, geprüft und dann am 30. Dezember 2016 entsprechend negativ
verfügt. Auch der Autor des hier angefochtenen Einspracheentscheides ist dann von
einer am 30. Dezember 2016 verfügten Abweisung eines gegen die Verfügung vom 20.
Februar 2016 gerichteten Wiedererwägungsgesuches ausgegangen. Die Begründung
des Einspracheentscheides hat sich dementsprechend ausschliesslich auf die
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Anwendbarkeit des Art. 10 ELG (i.V.m. Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1) bezogen. Allerdings
ist der Umstand, dass die Betreuungskosten in der laufenden Ergänzungsleistung gar
nicht berücksichtigt werden können, von der Beschwerdeführerin nie bestritten
worden. Weder sie noch die Beschwerdegegnerin haben je ein Interesse an der
Aufhebung oder Korrektur der Verfügung vom 20. Februar 2016 betreffend die laufende
Ergänzungsleistung gehabt. Dass die Beschwerdeführerin trotzdem Einsprache gegen
die Verfügung vom 30. Dezember 2016 und später Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid erhoben hat, ist nur durch einen Irrtum erklärbar: Die
Beschwerdeführerin als juristische Laiin dürfte davon ausgegangen sein, dass mit der
Verfügung vom 30. Dezember 2016 und dem nachfolgenden Einspracheentscheid ihr
Gesuch um die Übernahme der Betreuungskosten durch die EL definitiv, d.h. auch
gestützt auf Art. 14 ELG, abgelehnt worden sei. Dies ist nach dem oben Gesagten
jedoch nicht der Fall gewesen. Der Einspracheentscheid resp. die ihm zugrunde
liegende Verfügung haben sich lediglich damit befasst,ob die Betreuungskosten als
Ausgaben in der laufenden EL zu berücksichtigen sind.Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass weder die Beschwerdeführerin noch die Beschwerdegegnerin ein
schutzwürdiges Interesse an einer Beurteilung des angefochtenen
Einspracheentscheides (und der ihm zugrunde liegenden Verfügung vom 30. Dezember
2016) haben können, weil sein Entscheidinhalt durch das Gesuch um die Übernahme
der Kosten der Aufenthalte in der Kinderkrippe oder der Übernachtungen bei den
Pflegeeltern nicht tangiert ist. Auf die Beschwerde kann daher nicht eingetreten
werden.
1.3 Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass das Gesuch der
Beschwerdeführerin um die Übernahme der Kosten für die Kinderkrippe und die
Pflegefamilie rückwirkend ab _ 2012 (Geburt des Sohnes), welches die
Beschwerdeführerin erstmals mit der Anmeldung zum EL-Bezug im Mai 2015 gestellt
hat, weiterhin (zumindest weitestgehend) unbehandelt ist; immerhin hat die
Beschwerdegegnerin mit zwei Verfügungen vom 11. April 2018 und 31. Mai 2018
entschieden, dass sie mit Wirkung ab Januar 2017 die Kosten der Kinderkrippe
übernehme. Diese Verfügungen (die nicht als mitangefochtene pendente lite
Verfügungen zu qualifizieren sind, weil sich der Streitgegenstand nach der ständigen
Rechtsprechung des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen nur auf den
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Sachverhalt bis und mit Einspracheerhebung beschränkt) enthalten keine Begründung.
Sie dürften sich aber auf den Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG stützen, laut dem die Kosten der
Betreuung in Tagesstrukturen zu vergüten sind, wobei die Kinderkrippe als
Tagesstruktur zu betrachten wäre. Wie im Folgenden darzulegen ist, wird sogar für die
Übernachtungen bei den Pflegeeltern eine Subsumtion unter Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG
notwendig sein. Im Sinne einer Ankündigung einer zukünftigen Praxisänderung ist
folgendes festzuhalten: Art. 13 Abs. 1 der st. gallischen Verordnung über die Vergütung
von Krankheits- und Behinderungskosten bei den Ergänzungsleistungen (VKB, sGS
351.53) sah in ihrer bis 31. Dezember 2012 gültigen Fassung eine Vergütung für
Aufenthalte in Tagesstrukturen bei invaliden und altersrentenbeziehenden Personen
vor; die seit dem 1. Januar 2012 gültige Fassung sieht die Vergütung von Kosten für
Hilfe und Betreuung in anerkannten Tagesstrukturen nur an Personen in einer
Einrichtung für Menschen mit Behinderung und an Personen in einer zugelassenen
Tages- und Nachstruktur vor (siehe auch Verordnung über die Zulassung von Tages-
und Nachtstrukturen, sGS 331.22). Obwohl der Wortlaut von Art. 13 Abs. 1 lit. b VKB in
der neuen Fassung offener formuliert ist, scheinen weiterhin nur betagte Menschen,
nicht jedoch Kinder, gemeint zu sein; darauf lässt zumindest das Verzeichnis der
aktuell zugelassenen Tages- und Nachtstrukturen schliessen (siehe www.sg.ch/home/
soziales/alter/tages_und _nachtstrukturen/_jcr_content/Par/downloadlist/
DownloadListPar/download.ocFile/Verzeichnis%20der%20zugelassenen%20Tages-
%20und%20Nachtstrukturen.pdf, besucht am 9. August 2018). Dabei dürfte es sich
um ein Versehen handeln, das auf eine ausfüllungsbedürftige Lücke in Art. 14 Abs. 1 lit.
b ELG zurückzuführen ist: Würde sich der Sohn der Beschwerdeführerin dauernd in
einem Kinderheim bzw. in einer Pflegefamilie aufhalten, bestünde ein Anspruch auf eine
(gesonderte) Heimberechnung. Der Sohn der Beschwerdeführerin würde also, obwohl
er gesund ist, als heimbedürftig qualifiziert. Der Grund dafür bestünde in seiner durch
das kindliche Alter bedingten Betreuungsbedürftigkeit, die es ihm nicht erlauben
würde, alleine zu leben. Wenn er aber aufgrund seiner altersbedingten
Betreuungsbedürftigkeit heimbedürftig wäre, dann ist er auch für kürzere Phasen
(tagsüber oder nachts) betreuungsbedürftig. Ist die Beschwerdeführerin objektiv nicht
in der Lage, während dieser kürzeren Phasen die notwendige Betreuungsleistung zu
erbringen, dann muss diese Aufgabe durch Drittpersonen erfüllt werden. Bei
drittbetreuungsbedürftigen Kindern, die nicht in einem Heim leben, weil sie die meiste
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Zeit bei einem Elternteil leben können, besteht ein ebenso dringender Bedarf nach
einem Kostenersatz wie bei einem dauernden Heimaufenthalt. Da der Existenzbedarf
des Elternteils und des Kindes nicht gewährleistet wäre, wenn die Kosten der immer
wieder notwendigen, stunden- oder tageweisen Drittbetreuung nicht vergütet würden,
besteht eine offensichtlich planwidrige Leistungslücke, die durch keinen anderen
Sozialversicherungsträger gedeckt werden könnte und die zu einer
Sozialhilfeabhängigkeit führen müsste. Jedoch deutet nichts darauf hin, dass der
Gesetzgeber sich dieser Leistungslücke bewusst gewesen wäre und dass er sie in Kauf
genommen hätte. Deshalb ist bei der Interpretation des Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG (und
somit auch in der kantonalen Ausführungsgesetzgebung) von einer
ausfüllungsbedürftigen Gesetzeslücke auszugehen: In Fällen wie dem vorliegenden
besteht auch ein Vergütungsanspruch für kurzzeitige Aufenthalte eines
betreuungsbedürftigen Kindes in Kinderkrippen, bei Pflegefamilien oder in ähnlichen
geeigneten Institutionen, wenn die Eltern objektiv nicht in der Lage sind, das Kind
durchgehend zu betreuen. Im Rahmen der noch zu prüfenden Anspruchsberechtigung
wird die Beschwerdegegnerin also zu klären haben, ob zwischenzeitlich ein guter
Kontakt des Vaters zu seinem Sohn hat hergestellt werden können und ob der Vater
die vorübergehende Betreuungsleistung erbringen könnte, zu welcher die
Beschwerdeführerin objektiv nicht fähig ist (siehe Entscheid des Kreisgerichts vom _
2017 betreffend Unterhalt, EL-act. 8-5, Dossier 1).
1.4 Die oben dargelegte Interpretation des Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG hätte eine
Praxisänderung zur Folge. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ist nämlich
in seiner früheren Rechtsprechung davon ausgegangen, dass die Kosten für
vorübergehende Aufenthalte von Kindern und Jugendlichen in Heimen, Pflegefamilien
oder in anderen geeigneten Institutionen keine Krankheits- und Behinderungskosten im
Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG (bzw. aArt. 3d Abs. 1 lit. b ELG) darstellten
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. März 2008, EL
2007/37 E. 3.2). Eine Änderung der Rechtsprechung setzt nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung wichtige Gründe voraus. Sie lässt sich mit der Rechtssicherheit
grundsätzlich nur vereinbaren, wenn die neue Lösung einer besseren Erkenntnis der
ratio legis, veränderten äusseren Verhältnissen oder gewandelten
Rechtsanschauungen entspricht (BGE 134 V 72 E. 3.3 mit Hinweisen). Eine
Praxisänderung muss sich deshalb auf ernsthafte sachliche Gründe stützen können,
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die − vor allem im Interesse der Rechtssicherheit − umso gewichtiger sein müssen, je
länger die als falsch oder nicht mehr zeitgemäss erachtete Rechtsanwendung
gehandhabt worden ist (BGE 136 III 6 E. 3 mit Hinweisen). Die alte Rechtsprechung zu
Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG hätte einerseits eine stossende Ungleichbehandlung zur Folge:
Würde der Sohn der Beschwerdeführerin dauernd oder längere Zeit in einer
Pflegefamilie leben (Heimaufenthalt), wären die Betreuungskosten als Teil der
Tagestaxe abzugsfähig. Da sich der Sohn der Beschwerdeführerin nur zeitweise in
einer Kinderkrippe oder in einer Pflegefamilie aufhält, würden dieselben
Betreuungskosten nicht vergütet. Die Nichtvergütung der Betreuungskosten, die einen
hohen Ausgabenposten für die Beschwerdeführerin bedeuten, hätte andererseits zur
Folge, dass die Beschwerdeführerin ergänzend auf Sozialhilfe angewiesen wäre. Dies
steht dem Ziel der Ergänzungsleistungen, nämlich der Deckung des Existenzbedarfs
der versicherten Personen (Art. 2 Abs. 1 ELG), klar entgegen. Die oben dargelegte,
neue Interpretation von Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG entspricht somit einer besseren
Erkenntnis der ratio legis. Folglich sind die Kosten für notwendige
Betreuungsleistungen von Kindern, die nicht dauernd oder längere Zeit in einem Heim
leben, gestützt auf Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG zu vergüten.
1.5 Demnach ist nicht auf die Beschwerde gegen den angefochtenen
Einspracheentscheid vom 20. März 2017 einzutreten.
2.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).