Decision ID: c252ac99-5d57-4dd2-8980-7443f88828a5
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Der 1965 geborene Beschwerdeführer meldete sich am 26. April 2001 erst-
mals bei der Beschwerdegegnerin wegen Schmerzen im Rücken und den
Beinen zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration) der Eidgenössi-
schen Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte da-
raufhin medizinische und berufliche Abklärungen und sprach dem Be-
schwerdeführer Eingliederungsmassnahmen zu. Im Jahr 2004 absolvierte
der Beschwerdeführer im Rahmen dieser Eingliederungsmassnahmen das
Handelsdiplom VSH. Mit Verfügung vom 26. Mai 2005 sprach die Be-
schwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine halbe Invalidenrente mit
Wirkung ab dem 1. August 2004 zu.
1.2.
Im Rahmen eines im Jahr 2012 eingeleiteten Revisionsverfahrens liess die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer auf Empfehlung des Regio-
nalen Ärztlichen Dienstes (RAD) bidisziplinär begutachten (Gutachten der
Dres. med. C., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatolo-
gie, Q., und D., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Q., vom
9. November 2012). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren hob die
Beschwerdegegnerin die bisher ausgerichtete halbe Invalidenrente mit
Verfügung vom 15. März 2013 revisionsweise in Anwendung der Schluss-
bestimmungen zur 6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket, auf. Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3.
Nachdem der Beschwerdeführer Interesse an Wiedereingliederungsmass-
nahmen bekundet hatte, sprach die Beschwerdegegnerin ihm am 18. März
2013 Beratung und Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung
zu. Mit Verfügung vom 9. April 2013 verfügte die Beschwerdegegnerin zu-
dem die Weiterausrichtung der zuvor aufgehobenen Invalidenrente wäh-
rend der Dauer der Wiedereingliederungsmassnahmen. In der Folge er-
teilte die Beschwerdegegnerin Kostengutsprache für verschiedene berufli-
che Wiedereingliederungsmassnahmen (Belastbarkeitstrainings, Aufbau-
training, Bewerbungscoaching). Am 9. Juli 2014 verfügte die Beschwerde-
gegnerin die Einstellung der beruflichen Wiedereingliederungsmassnah-
men per 31. Mai 2014 sowie die gleichzeitige Einstellung der Weiteraus-
richtung der Invalidenrente. In Gutheissung der dagegen erhobenen Be-
schwerde hob das Versicherungsgericht die Verfügung vom 9. Juli 2014
mit Urteil VBE.2014.611 vom 2. Juni 2015 auf und verpflichtete die Be-
schwerdegegnerin, dem Beschwerdeführer im Sinne der Erwägungen wei-
terhin Wiedereingliederungsmassnahmen sowie während deren Dauer die
bisherige Rente weiterauszurichten. In der Folge leistete die Beschwerde-
gegnerin erneut Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom 4. Januar bis
- 3 -
am 31. August 2016 und verfügte nach durchgeführtem Vorbescheidver-
fahren am 17. Oktober 2016 die Aufhebung der Kostengutsprache für Wie-
dereingliederungsmassnahmen sowie die Einstellung der Weiterausrich-
tung der Rente per 31. August 2016.
1.4.
Auf die in der Zwischenzeit eingereichte Neuanmeldung vom 13. Mai 2016
trat die Beschwerdegegnerin mangels Glaubhaftmachung einer anspruchs-
erheblichen Tatsachenänderung mit Verfügung vom 11. November 2016
nicht ein. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsge-
richt mit Urteil VBE.2016.791 vom 12. April 2017 ab, soweit es darauf ein-
trat.
1.5.
Am 29. Juni 2020 meldete sich der Beschwerdeführer erneut bei der Be-
schwerdegegnerin zum Leistungsbezug (berufliche Integration/Rente) an.
Nach Aktualisierung der medizinischen Akten und Rücksprache mit dem
RAD liess die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer begutachten
(Gutachten der Medizinisches Gutachtenzentrum Region St. Gallen GmbH,
Rorschach [MGSG], vom 17. Juli 2021). Nach durchgeführtem Vorbe-
scheidverfahren wies sie das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers
mit Verfügung vom 4. November 2021 ab.
2.
2.1.
Gegen die Verfügung vom 4. November 2021 erhob der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 9. Dezember 2021 fristgerecht Beschwerde und stellte
folgende Rechtsbegehren:
"1. Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 4. November 2021 aufzuheben.
2. Es sei dem Beschwerdeführer eine Rente gestützt auf einen Invalidi-
tätsgrad von mindestens 40% zuzusprechen.
3. Es seien berufliche Eingliederungsmassnahmen zu prüfen.
4. Eventualiter seien weitere Sachverhaltsabklärungen zu treffen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 3. Januar 2022 beantragte die Beschwerdegeg-
nerin die Abweisung der Beschwerde.
- 4 -
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 7. Januar 2022 wurde die be-
rufliche Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers im Verfahren beigela-
den und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Diese verzichtete mit
Eingabe vom 11. Januar 2022 auf eine Stellungnahme.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegeh-
ren des Beschwerdeführers zu Recht mit Verfügung vom 4. November
2021 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 341) abgewiesen hat.
2.
Die angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den all-
gemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich mass-
gebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354
E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen
der IVV sowie des ATSG in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen
Fassung anwendbar.
3.
In der angefochtenen Verfügung vom 4. November 2021 (VB 341) stützte
sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen
auf das polydisziplinäre (internistisch-neurologisch-psychiatrisch-orthopä-
dische) MGSG-Gutachten vom 17. Juli 2021. Darin wurden interdisziplinär
die nachfolgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ge-
stellt (VB 333.2 S. 18):
"Pseudolumboischialgie links bei Osteochondrose und Spondylarthrose L4 bis S1 mit Diskushernie L4/5 und möglicher Irritation der Nervenwurzel L5 rechts
Coxarthrose links
Rezidivierende depressive Störung mit leichten Episoden und , gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0)
Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, iatrogen,  (ICD-10: F11.2)"
In der angestammten Tätigkeit als Postzusteller betrage die Arbeitsfähig-
keit des Beschwerdeführers seit Dezember 2013 35 % und seit August
2020 20 % bei voller Stundenpräsenz. Angepasste Tätigkeiten ohne er-
höhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche
geistige Flexibilität und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung könn-
ten dem Beschwerdeführer ab März 2013 bei voller Stundenpräsenz zu
- 5 -
80 % zugemutet werden. Seit Dezember 2013 sollte es sich zudem um kör-
perlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen handeln, die abwech-
selnd sitzend und stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte
Körperhaltungen durchgeführt werden könnten, und seit August 2020 um
Arbeiten ohne häufiges Gehen, speziell auf Treppen, Leitern und unebe-
nem Boden sowie ohne hockende Positionen (VB 333.2 S. 19).
4.
4.1.
4.1.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
4.1.2.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
4.2.
Das MGSG-Gutachten vom 17. Juli 2021 wird den von der Rechtsprechung
formulierten Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Stellung-
nahme (vgl. E. 4.1. hiervor) gerecht. Das Gutachten ist in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) erstellt worden (vgl. VB 333.2 S. 3 ff.; 333.3 S. 2;
333.5 S. 3 ff.), gibt die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers aus-
führlich wieder (vgl. VB 333.2 S. 5 ff.; 333.3 S. 2 ff.; 333.4 S. 4 f.; 333.5
S. 12 ff.), beruht auf allseitigen Untersuchungen der beteiligten Fachdiszip-
linen (vgl. VB 333.2 S. 8 f.; 333.3 S. 5 f.; 333.4 S. 5 f.; 333.5 S. 19 ff.) und
die Gutachter setzten sich im Anschluss an die Herleitung der Diagnosen
eingehend mit den subjektiven Beschwerdeangaben bzw. den medizini-
schen Akten auseinander (vgl. VB 333.2 S. 10 ff., 17 ff.; 333.3 S. 6 f.; 333.4
S. 7 f.; 22 ff.). Es wurden ferner Zusatzuntersuchungen durchgeführt (La-
boruntersuchungen, Röntgenuntersuchung, MRI-Aufnahmen und Elektro-
neuromyographien, vgl. VB 333.2 S. 4, 9, 14; 333.3 S. 2, 9 f.; 333.5
S. 21 f.). Das Gutachten ist in der Beurteilung der medizinischen Zusam-
menhänge und der medizinischen Situation nachvollziehbar und damit
grundsätzlich geeignet, den Beweis für den anspruchserheblichen medizi-
nischen Sachverhalt zu erbringen.
- 6 -
4.3.
Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber im Wesentlichen vor, die Be-
schwerdegegnerin habe den Untersuchungsgrundsatz und den Grundsatz
der freien Beweiswürdigung verletzt. Mit dem MGSG-Gutachten, insbeson-
dere dem psychiatrischen Teilgutachten, sei der Sachverhalt nicht vollstän-
dig abgeklärt worden und dieses sei aus verschiedenen Gründen nicht
schlüssig (vgl. Beschwerde S. 3):
4.3.1.
Aufgrund seiner Aussage, dass er ein Alkoholproblem gehabt habe, und
den Hinweisen im psychiatrischen Gutachten, dass sein Opioid-Konsum
problematisch sei, hätten weitere Laboruntersuchungen und Abklärungen
durchgeführt werden müssen, da die am 12. und 17. Mai 2021 durchge-
führte Laboruntersuchung nicht ausreichen würde (vgl. Beschwerde
S. 3 f.). Da der Psychiater explizit festgehalten habe, dass der Opioid-Kon-
sum Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben dürfte, hätte anhand ei-
nes strukturierten Beweisverfahrens abgeklärt werden müssen, ob sich das
diagnostizierte Abhängigkeitssyndrom auf die Arbeitsfähigkeit des Be-
schwerdeführers auswirke (vgl. Beschwerde S. 4).
Dem MGSG-Gutachten ist diesbezüglich zu entnehmen, Opioide könnten
einige der aufgeführten psychiatrischen Befunde begründen, wie den ver-
minderten Antrieb, die verminderte Fähigkeit, Freude zu empfinden, die
vermehrte Ermüdbarkeit und die Verminderung von Interessen. Der Opioid-
Konsum dürfte damit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben. Der Be-
schwerdeführer besitze ein Bewusstsein für die mit dem Opioid-Konsum
verbundene Problematik und nehme selbst an, dass der aktuelle Konsum
zu hoch sei (VB 333.5 S. 24). Entgegen den Ausführungen des Beschwer-
deführers kam der psychiatrische Gutachter sodann in Auseinanderset-
zung mit den Indikatoren (VB 333.5 S. 25 ff.) zur Einschätzung, dass die
Diagnose "Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, iatrogen,
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F11.2)" mit Auswirkungen auf die Arbeits-
fähigkeit zu stellen sei (VB 333.5 S. 22). Er hielt nachvollziehbar fest, dem
Beschwerdeführer sei die Fortsetzung der regelmässigen psychiatrischen
und psychotherapeutischen Behandlung, kombiniert mit einer adäquaten
Medikation, zu empfehlen, die noch intensiviert werden könnte. Auch sei
eine deutliche Reduktion der Opiatmedikation zu empfehlen. Unter diesen
therapeutischen Massnahmen sei im günstigen Fall innerhalb eines Jahres
eine Besserung des psychischen Zustandsbildes mit Verbesserung der Ar-
beitsfähigkeit und einer etwa 90%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tä-
tigkeit medizinisch-theoretisch zu erwarten (VB 333.5 S. 32). Entgegen
dem Beschwerdeführer äusserte sich der psychiatrische Gutachter damit
dazu, dass und inwiefern das Abhängigkeitssyndrom Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit hat. Hinsichtlich Alkoholkonsum ist dem MGSG-Gutachten
zu entnehmen, mit Hilfe seiner Psychiaterin habe der Beschwerdeführer
den Alkoholkonsum nach wenigen Monaten in den Griff bekommen und
- 7 -
heute trinke er nur noch selten (vielleicht einmal in der Woche) etwas Alko-
hol (VB 333.5 S. 13). Anhaltspunkte für diesbezüglich weitergehende Ab-
klärungen bestanden damit nicht. Zudem ist insgesamt darauf hinzuweisen,
dass es den Gutachtern obliegt, die notwendigen Abklärungen vorzuneh-
men, damit die fachliche Güte und Vollständigkeit gewährleistet sind
(BGE 139 V 349 E. 3.3 S. 352 f.). Dass keine weiteren Laboruntersuchun-
gen durchgeführt wurden, lag damit im Ermessen des Gutachters und ist
mit Blick auf dessen schlüssig begründete Ausführungen nicht zu bean-
standen.
4.3.2.
Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, der psychiatrische Gutachter habe
das strukturierte Beweisverfahren nicht korrekt durchgeführt. Es würden
Angaben dazu fehlen, welche Rückschlüsse die Persönlichkeitsmerkmale
auf das Leistungsvermögen zulassen würden. Es bleibe unklar, worin die
vom psychiatrischen Gutachter festgehaltenen Ressourcen liegen würden
und warum keine Leistungseinschränkung bestehen solle, obwohl der psy-
chiatrische Gutachter eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenni-
veaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen bejahe. Zudem fehle eine
ausreichende Begründung für die festgestellte Arbeitsfähigkeit in ange-
passter Tätigkeit (vgl. Beschwerde S. 4).
Hinsichtlich der Persönlichkeit des Beschwerdeführers hielt der psychiatri-
sche Gutachter jedoch fest, es würden keine tief verwurzelten oder anhal-
tenden Verhaltensmuster bestehen, die mit gestörter sozialer Funktions-
oder Leistungsfähigkeit einhergehen würden. Die Selbst- und Fremdwahr-
nehmung, die Realitätsprüfung und Urteilsbildung, die Beziehungsfähigkeit
und Kontaktgestaltung, die Affektsteuerung und Impulskontrolle, die
Selbstwertregulation und Regressionsfähigkeit, die Intentionalität sowie der
Antrieb und die Abwehrorganisation seien nicht relevant beeinträchtigt. So
kam der psychiatrische Gutachter, wie vom Beschwerdeführer verlangt, be-
gründet auf seine Einschätzung, dass sich keine Befunde erheben lassen
würden, die die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung oder einer akzentu-
ierten Persönlichkeit nach ICD-10 begründen würden (VB 333.5 S. 25 f.).
Der psychiatrische Gutachter hielt in Kenntnis und Würdigung des Tages-
ablaufs und der Freizeitaktivitäten des Beschwerdeführers (VB 333.5
S. 17, 25) fest, es würden lebendige und unterstützende Beziehungen zu
den Kindern, den Geschwistern, der Mutter und regelmässige und verbind-
liche Kontakte mit Bekannten und Kollegen bestehen. Der Beschwerdefüh-
rer wirke gut kommunikationsfähig und gut kontaktfähig (VB 333.5 S. 26,
30). Damit wurden die vorhandenen Ressourcen explizit erfasst. Des Wei-
teren beschrieb der psychiatrische Gutachter die angepasste Tätigkeit um-
fassend und hielt fest, bei einer solchen sollte es sich aus psychiatrischer
Sicht um eine Tätigkeit ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten
Zeitdruck (Stressbelastung), ohne erforderliche geistige Flexibilität und
- 8 -
ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung handeln (VB 333.5 S. 31). Ent-
gegen dem Beschwerdeführer ging der psychiatrische Gutachter in einer
solchen Tätigkeit nicht von keiner, sondern von einer Leistungseinschrän-
kung von 20 % bei voller Stundenpräsenz aus (VB 333.5 S. 31).
Dass der psychiatrische Gutachter das strukturierte Beweisverfahren nicht
korrekt durchgeführt hätte, ist damit insgesamt nicht ersichtlich. Hinsichtlich
der diesbezüglichen medizinischen Beurteilung des Sachverhalts durch die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 4) ist so-
dann darauf hinzuweisen, dass diese bereits deshalb unbehelflich ist, weil
sie als medizinische Laiin hierfür nicht befähigt ist (vgl. Urteile des Bundes-
gerichts 9C_283/2017 vom 29. August 2017 E. 4.1.2; 9C_614/2015 vom
21. Juni 2016 E. 5.1).
4.3.3.
Des Weiteren schlage der psychiatrische Gutachter weitere Massnahmen
und Behandlungen vor, womit eine negative Prognose gegeben sei, worauf
der psychiatrische Gutachter aber nicht eingehe (vgl. Beschwerde S. 4).
Diesbezüglich ist jedoch darauf hinzuweisen, dass der psychiatrische Gut-
achter explizit auf die Prognose eingegangen ist und nachvollziehbar fest-
gehalten hat, aus psychiatrischer Sicht erscheine die Prognose nach dem
bisherigen Krankheitsverlauf begrenzt. Unter Weiterführung und Optimie-
rung der regelmässigen psychiatrischen und psychotherapeutischen Be-
handlung und deutlicher Reduktion der Opiatmedikation sei im günstigsten
Fall innerhalb eines Jahres eine Besserung des psychischen Zustandsbil-
des mit Verbesserung der Arbeitsfähigkeit und einer etwa 90%igen Arbeits-
fähigkeit in angepasster Tätigkeit medizinisch-theoretisch zu erwarten
(VB 333.5 S. 32).
4.3.4.
Der Beschwerdeführer hält weiter fest, der psychiatrische Gutachter er-
wähne die Eingliederung, bei der eine Steigerung auf mehr als 50 % nicht
möglich gewesen sei, ziehe aber nicht die entsprechenden Schlüsse, son-
dern schreibe nur, eine Eingliederung sei möglich. Hier hätte vielmehr ge-
prüft werden müssen, ob die trotz optimaler Kooperation misslungene Ein-
gliederung bedeutsam sei (vgl. Beschwerde S. 4).
Entscheidend für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist jedoch nicht das
Ergebnis eines Arbeitstrainings, da ein solches nicht auf vertieften medizi-
nischen Untersuchungen beruht, sondern auf berufspraktischen Beobach-
tungen. Es gibt in erster Linie die subjektive Arbeitsleistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers wieder. Die abschliessende Beurteilung der sich aus
einem Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit
obliegt jedoch in der Hauptsache den ärztlichen Fachkräften (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_48/2018 vom 18. Mai 2018 E. 5 mit Hinweisen). Dem
psychiatrischen Gutachter lag der Abschlussbericht Integration vom
- 9 -
24. August 2016 vor (VB 333.5 S. 6 f.). Er kam in dessen Kenntnis aber
dennoch zu seiner gutachterlichen Einschätzung, dass trotz der erhobenen
Diagnosen eine zumutbare Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer
beruflichen Tätigkeit mit Verwertung der Arbeitsfähigkeit anzunehmen und
der Beschwerdeführer einem Arbeitsumfeld zumutbar sei. Aus psychiatri-
scher Sicht würden damit bei Berücksichtigung des Belastungsprofils einer
sofortigen beruflichen Eingliederung keine medizinischen Hinderungs-
gründe entgegenstehen (VB 333.5 S. 28, 31).
4.3.5.
Der psychiatrische Gutachter komme unter dem Titel testpsychologische
Zusatzuntersuchungen zum Schluss, dass er (der Beschwerdeführer) mäs-
sig beeinträchtigt sei. Diese Angaben seien allerdings nicht verwertbar.
Denn es scheine, dass der psychiatrische Gutachter sich für seine Schluss-
folgerung lediglich auf die Anamnese sowie allenfalls Verhaltensbeobach-
tungen gestützt habe. So erwähne er keine Gesamtpunktzahl. Dies er-
staune nicht, da der Beschwerdeführer während der Untersuchung keinen
Fragebogen ausgefüllt habe. Es fehle bei der Beurteilung des Gesundheits-
schadens das Funktionsniveau nach Mini-ICF, weshalb die Beurteilung der
Leistungsfähigkeitsbeeinträchtigung und damit der Arbeitsfähigkeit rein
spekulativ und theoretisch bleibe (vgl. Beschwerde S. 5).
Der psychiatrische Gutachter hat entgegen dem Beschwerdeführer jedoch
die funktionelle Leistungsfähigkeit nach Mini-ICF-App in seinem Gutachten
erfasst, die eingeschätzten Beeinträchtigungen mit Punktzahlen angege-
ben und diese erläutert (VB 333.5 S. 20 f.). Er führte sodann zusammen-
fassend aus, nach Mini-ICF-App würden sich eine mässig ausgeprägte Be-
einträchtigung der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit und eine leicht
ausgeprägte Beeinträchtigung der Kompetenz- und Wissensanwendung,
der Gruppenfähigkeit und der Mobilität und Verkehrsfähigkeit erheben las-
sen (VB 333.5 S. 21). Diese Schlussfolgerung liess er auch in die Beurtei-
lung der Leistungsfähigkeit miteinfliessen (VB 333.5 S. 30).
4.3.6.
Soweit der Beschwerdeführer bemängelt, dass keine fremdanamnesti-
schen Daten erhoben worden seien, um die Beurteilung zu validieren (vgl.
Beschwerde S. 5), ist zu beachten, dass die Notwendigkeit der Einholung
einer Fremdanamnese in erster Linie eine Frage des medizinischen Ermes-
sens ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_794/2017 vom 27. März 2018
E. 4.2.1 mit Hinweisen). Dass der psychiatrische Gutachter auf die Einho-
lung von Auskünften von Drittpersonen verzichtete, ist demnach nicht zu
beanstanden.
4.3.7.
Der Beschwerdeführer rügt schliesslich, es sei nicht nachvollziehbar, wieso
die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer nicht rheumatologisch
- 10 -
habe abklären lassen. Zudem hätte auch eine neuropsychologische Abklä-
rung durchgeführt werden müssen, da die behandelnde Psychiaterin von
einer stark reduzierten Konzentrationsfähigkeit und einem verlangsamten
Denken berichtet habe (vgl. Beschwerde S. 5).
Mit der Rüge, dass der Einbezug der Fachdisziplin Rheumatologie zwin-
gend notwendig gewesen wäre, dringt der Beschwerdeführer nicht durch,
denn Dr. med. E. ist als Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma-
tologie des Bewegungsapparates gleich wie Rheumatologen für die Beur-
teilung von Beschwerden des Bewegungsapparates fachkompetent (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_474/2017 vom 4. Oktober 2017 E. 4.2). Eine
Vielzahl von Krankheitsbildern kann von einem Orthopäden wie auch ei-
nem Rheumatologen beurteilt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_688/2016 vom 16. Februar 2017 E. 3.5), weshalb nicht zu beanstanden
ist, dass vorliegend keine rheumatologische Begutachtung stattfand.
Betreffend die Notwendigkeit einer neuropsychologischen Untersuchung
ist darauf hinzuweisen, dass es Aufgabe des Mediziners oder der Medizi-
nerin ist, den Gesundheitszustand zu beurteilen (BGE 140 V 193 E. 3.2
S. 195 f.), und es sich bei der Neuropsychologie um ein Teilgebiet der Psy-
chologie und nicht um eine Disziplin der Medizin handelt (vgl. hierzu Pschy-
rembel Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 1260 zum Begriff "Neu-
ropsychologie"). Die neuropsychologischen Abklärungen sind als Hilfsmit-
tel für die fachärztliche Begutachtung und nicht als eigenständige medizi-
nisch-gutachterliche Abklärungen anzusehen, zumal die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit den hierfür kompetenten medizinischen Sachverständigen
vorbehalten ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_715/2016 vom 24. Ja-
nuar 2017 E. 3.3). Es wäre sodann der begutachtenden Stelle überlassen,
zu beurteilen, ob ein Facharzt einer weiteren medizinischen Disziplin (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_635/2016 vom 14. Dezember 2016 E. 3.2.4)
bzw. ein neuropsychologischer Sachverständiger beizuziehen gewesen
wäre, was die MGSG-Gutachter jedoch nicht als notwendig erachtet hatten.
4.4.
Zusammenfassend sind weder den Ausführungen des Beschwerdeführers
(vgl. Rügeprinzip, BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit Hinweis auf BGE 110
V 48 E. 4a S. 53) noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche
am MGSG-Gutachten vom 17. Juli 2021 Zweifel zu begründen vermöchten
(Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; BGE 134 V 109
E. 9.5, mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1). Der medizinische Sachver-
halt erweist sich vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb
auf weitere Abklärungen (vgl. Beschwerde S. 5 f.) in antizipierter Beweis-
würdigung verzichtet werden kann (BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 mit Hin-
weisen) und entgegen dem Beschwerdeführer keine Verletzung der Unter-
suchungspflicht oder des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung durch
die Beschwerdegegnerin (vgl. Beschwerde S. 3) ersichtlich ist.
- 11 -
5.
5.1.
Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens
bringt der Beschwerdeführer vor, es sei ein Abzug vom Tabellenlohn von
10 % zu gewähren, da er gesundheitlich bedingt nur noch teilzeitlich er-
werbstätig sein könne und das Zumutbarkeitsprofil stark eingeschränkt sei
(vgl. Beschwerde S. 6).
5.2.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch-
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu
kürzen. Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzu-
setzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umstän-
den des konkreten Einzelfalls ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter,
Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad),
welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Ein
Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im
Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person we-
gen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte
(Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unter-
durchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der
Höhe des Abzugs ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf
das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall ge-
samthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellen-
lohns zu begrenzen (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; 134 V 322 E. 5.2
S. 327 f. 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75 [insbesondere E. 5 S. 78 ff.]).
5.3.
Bezüglich der 20%igen Leistungseinschränkung bei voller Stundenpräsenz
in angepasster Tätigkeit (VB 333.2 S. 19) ist festzuhalten, dass bei grund-
sätzlich vollzeitlich arbeitsfähigen Männern, die krankheitsbedingt lediglich
reduziert einsatzfähig sind, anders als bei einem Teilzeitpensum, kein Ab-
zug vom Tabellenlohn vorzunehmen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_211/2018 vom 8. Mai 2018 E. 4.4 mit Hinweisen). Der von der Be-
schwerdegegnerin angewandte (VB 341 S. 2) und vom Beschwerdeführer
unbestritten gebliebene Tabellenlohn des Kompetenzniveaus 1 basiert auf
einer Vielzahl von leichten Tätigkeiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2). Diesbezüglich gilt insbe-
sondere auch, dass die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, körperlich
schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einem leidensbedingten
Abzug führt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 29. Oktober
2020 E. 3.3.3.2). Den gesundheitlichen Einschränkungen – soweit sie aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht massgebend sind – wurde zudem
vorliegend bereits bei der Arbeitsfähigkeitseinschätzung mit der 20%igen
Leistungseinschränkung und mit der Definition des Zumutbarkeitsprofils
- 12 -
(VB 333.2 S. 19) sowie bei der unbestrittenen Einteilung in das Kompetenz-
niveau 1 Rechnung getragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_206/2021
vom 10. Juni 2021 E. 4.4.5 mit Hinweisen).
Da vorliegend zudem selbst bei Vornahme eines 15%igen Abzugs vom Ta-
bellenlohn kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
(Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG) resultieren würde (Valideneinkommen:
Fr. 74'601.00 [VB 341 S. 2]; Invalideneinkommen: Fr. 55'090.00 [VB 341
S. 2] x 0.85 = Fr. 46'826.50; Erwerbseinbusse: Fr. 74'601.00 -
Fr. 46'826.50 = Fr. 27'774.50; Invaliditätsgrad: Fr. 27'774.50 / Fr. 74'601.00
x 100 % = 37.2 %; gerundet gemäss BGE 130 V 121 = 37 %) und ein hö-
herer Abzug rechtsprechungsgemäss klarerweise nicht gerechtfertigt wäre
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_297/2018 vom 6. Juli 2018 4.1 ff.;
9C_830/2017 vom 16. März 2017 E. 5; 8C_480/2017 vom 1. Februar 2018
E. 3), erübrigen sich diesbezügliche Weiterungen.
Die Beschwerdegegnerin hat das Leistungsbegehren des Beschwerdefüh-
rers betreffend Invalidenrente damit zu Recht mit Verfügung vom 4. No-
vember 2021 (VB 341) abgewiesen.
6.
6.1.
Der Beschwerdeführer fordert des Weiteren die Prüfung des Anspruchs auf
berufliche Massnahmen (vgl. Beschwerde S. 6).
6.2.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen setzt einen Eingliederungs-
willen bzw. eine subjektive Eingliederungsfähigkeit voraus (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_202/2021 vom 17. Dezember 2021 E. 7.2;
9C_469/2016 vom 22. Dezember 2016 E. 7). Zwar mögen berufliche Mass-
nahmen auch bezwecken, subjektive Eingliederungshindernisse im Sinne
einer Krankheitsüberzeugung zu beseitigen. Es bedarf indessen auch dies-
falls eines Eingliederungswillens bzw. einer entsprechenden Motivation der
versicherten Person (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_202/2021 vom
17. Dezember 2021 E. 7.1). Ihr Fehlen muss mit dem Beweisgrad der über-
wiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Dabei sind insbesondere die ge-
genüber der Verwaltung und den medizinischen Experten gemachten Aus-
sagen betreffend Krankheitsüberzeugung bzw. Arbeitsmotivation zu be-
rücksichtigen. Ebenfalls von Belang sein können die im Vorbescheidver-
fahren und vor kantonalem Versicherungsgericht gemachten Ausführun-
gen bzw. gestellten Anträge (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_231/2015
vom 7. September 2015 E. 4.2 mit Hinweisen).
6.3.
In der Vergangenheit finanzierte die Beschwerdegegnerin dem Beschwer-
deführer in den Jahren 2003 und 2004 eine Umschulung mit Absolvierung
- 13 -
des Handelsdiploms VSH (VB 48; 56 ̧63; 73) und sprach ihm – nach revi-
sionsweiser Aufhebung (VB 163) der seit dem 1. August 2004 (VB 98) ge-
währten halben Invalidenrente – am 18. März 2013 Beratung und Unter-
stützung bei der beruflichen Wiedereingliederung im Rahmen von Wieder-
eingliederungsmassnahmen nach Art. 8a IVG zu (VB 165). In der Folge er-
teilte die Beschwerdegegnerin Kostengutsprache für verschiedene berufli-
che Wiedereingliederungsmassnahmen (Belastbarkeitstrainings [VB 172;
180], Aufbautrainings [VB 188; 242; 251], Bewerbungscoaching [VB 200]).
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2016 hob die Beschwerdegegnerin die
Kostengutsprache für Wiedereingliederungsmassnahmen auf und hielt
fest, die Eingliederungsfortschritte hätten nicht wie geplant erfolgen und ein
stabiles Pensum von über vier Stunden hätte nicht umgesetzt werden kön-
nen. Nach Angaben des Beschwerdeführers suche dieser weiter eine Be-
schäftigung im Rahmen eines 50 % Pensums (VB 283 S. 1). Ausweislich
der Akten nahm der Beschwerdeführer in der Folge jedoch keine Erwerbs-
tätigkeit auf (VB 304 S. 6; 323 S. 2). Beschwerdeweise hält der Beschwer-
deführer sodann weiter daran fest, dass das Pensum über vier Stunden aus
medizinischen und nicht invaliditätsfremden Gründen nicht habe erreicht
werden können und daher die Eingliederung nicht möglich gewesen sei
(vgl. Beschwerde S. 6). Dem MGSG-Gutachten vom 17. Juli 2021 ist hin-
sichtlich der Krankheitsüberzeugung bzw. der Arbeitsmotivation des Be-
schwerdeführers zu entnehmen, der Beschwerdeführer glaube nicht, je
wieder arbeiten zu können (VB 333.2 S. 7). Seinen Angaben zufolge könne
er so – wegen der körperlichen Beschwerden – nicht arbeiten (VB 333.3
S. 4; 333.5 S. 16). Beruflich sehe er keine Aussichten für die Zukunft. Mit
seinen Einschränkungen sei er nicht vermittelbar. Er könne maximal 50 %
arbeiten, ausschliesslich im Büro, brauche Hilfsmittel wie einen höhenver-
stellbaren Schreibtisch und müsse häufige Pausen einlegen. Er mache
keine Pläne für die Zukunft (VB 333.5 S. 18).
Da sich der Beschwerdeführer damit weiterhin als maximal 50 % arbeitsfä-
hig erachtet, eine ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung hat, bis
anhin trotz der medizinisch-theoretisch bestehenden mindestens 80%igen
Arbeitsfähigkeit ausweislich der Akten keine Arbeitsbemühungen vorge-
nommen hat und sowohl im Vorbescheid- wie auch im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren nicht substantiiert dargelegt hat, welche Eingliede-
rungsmassnahmen zu ergreifen wären, ist der subjektive Eingliederungs-
wille des Beschwerdeführers im Umfang des gutachterlich festgehaltenen
Pensums von 80 % in Würdigung aller Umstände zu verneinen (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_202/2021 vom 17. Dezember 2021 E. 7;
8C_111/2018 Urteil vom 21. August 2018 E. 6). Damit erübrigt sich die Prü-
fung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen und die Verneinung des An-
spruchs auf berufliche Massnahmen mit Verfügung vom 4. November 2021
(VB 341) ist im Ergebnis ebenfalls zu bestätigen.
- 14 -
7.
7.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
7.3.
Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu.