Decision ID: 99589382-9d19-4b39-96ac-e3685dac809b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, absolvierte eine
Anlehre
als
Fugenabdichter
und war zuletzt in diesem Beruf tätig. Im Jahr 2003 meldete er sich unter Hinweis auf einen unfallb
edingten Gesundheitsschaden am rechten
Knie erstmals bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/3). Diese verneinte mit unange
fochten gebliebenem
Einspracheentscheid
vom
2.
Oktober 2006 (U
rk.
8/80)
einen Anspruch auf eine Invalidenrente
.
1.2
Im Jahr 2007 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine erhebliche Verschlechterung
seines Gesundheitszustands erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 8/82). Mit unangefochten gebliebener Verfügung vom 2
2.
November 2007 verneinte die IV-Stelle abermals einen Anspruch auf eine Invalidenrente
(Urk. 8/106)
.
1.3
Mit Gesuch vom 2
0.
Januar 2015 meldete sich der Versicherte, der zwischenzeit
lich bis Ende 2013 teilzeitlich als Verkäufer in einem Schmuckgeschäft tätig gewesen war, unter Hinweis auf Schmerzen und Depression erneut bei der
IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/117). Die IV-Stelle wies das Leistungs
begehren mit Verfügung vom 1
0.
Juli 2015 (
Urk.
8/134) ab. Die hiergegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht gut (Urteil IV.2015.00930 vom 2
8.
Februar 2017
,
Urk.
8/139
) und wies die Sache zur Einholung eines polydis
ziplinären Gutachtens an die IV-S
telle zurück.
1.4
Dies
e liess den Versicherten im Zentrum Z._
begut
achten (Expertise vom
7.
November 2017,
Urk.
8/164)
und holte die aktuellen Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
8/179;
Urk.
8/184)
.
Mit Vorbescheid vom
9.
Juli 2018 (
Urk.
8/187) stellte sie die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht.
Nachdem der Versicherte hiergegen Einwände erhoben hatte (
Urk.
8/198; Urk. 8/200;
Urk.
8/236), holte die IV-Stelle weitere medizinische Berichte ein und liess ihn
durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic
. phil.
B._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP,
begutachten. Gestützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten vom
5.
August 2020 (
Urk.
8/263)
stellte sie dem Versicherten am
1.
Oktober 2020 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, was sie mit Verfügung vom
3.
Dezember 2020 (
Urk.
8/283 =
Urk.
2) bestätigte.
2.
Hiergegen er
hob X._
am 2
0.
Januar 2021 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es seien ihm die gesetz
lichen Leistungen nach IVG, zumindest aber eine befristete R
ente, zu gewähren;
eventuell sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Be
schwerde
gegnerin zurückzuweisen;
dies alles unter Kosten
und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 2
4.
Februar 2021 (
Urk.
7) auf Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
6.
März 2021 (
Urk.
9) mitgeteilt wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien
und
auf die Akten ist, soweit für die
Entscheid
findung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen
und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitge
hend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar.
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts
abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wieder
erwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
1.5
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V
263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_
122/2020 vom 26
.
Februar 2021 E. 2
). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des ana
log anwendbaren Art. 88a Abs. 1
IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
begründete die leistungsabweisende Verfügung haupt
sächlich damit, dass gestützt
auf
die
bidisziplinäre
Begu
t
achtung
durch D
r.
A._
und
lic
. phil.
B._
keine Diagnose mit einer dauerhaften oder langdauernden Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
habe
festgestellt werden
können
. Der Beschwerdeführer sei voll erwerbsfähig
(
Urk.
2 S. 2)
.
2.2
Der
Beschwerdeführer
liess Mängel am
bidisziplinären
Gutachten vorbringen
und hielt dafür, auf die Einschätzungen der behandelnden Ärzte abzustellen, wonach er zu 100
%
arbeitsunfähig sei, was die Ausrichtung einer ganzen Rente rechtfer
tige. Zumindest habe er
gestützt auf die Einschätzung im
Z._
-Gutachten vom
7.
November 201
7
seit Juli 2015 einen Anspruch auf eine befristete Rente
.
2.3
2.3.1
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet - da (nur) dieser
auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sach
verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (vgl.
E. 1.5
)
- der unangefochten in Rechtskraft erwachsene
Einspracheentscheid
vom
2.
Oktober 2006 (
Urk.
8/80). Dieser stützte sich auf das
Z._
-G
utach
t
en vom 12.
Mai 2006, worin die
verantwortlichen
Fachärzte folgende Diagnosen gestellt hatten (
Urk.
8/63 S. 23):
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Belastungsabhängige
,
retropatelläre
Beschwerden mit/bei
-
Status
nach Distorsionst
rauma des rechten Knies am 1
3.
August
2000 mit vorderer Kreuzbandruptur und Ruptur des lateralen Seitenbandes
-
Status nach
arthroskopisch
assistierter vorderer Kreuzb
andersatz
plastik rechts am 1
3.
Februar
2001
-
Status
nach Knie-
Rearthroskopie
rechts mit Gelenktoilette und Re
sek
tion de
r
Plica
mediopatellaris
am 1
1.
September
2011
-
dokumentierter
Chondropathia
pat
ellae
mit diskretem Knorpelscha
den
Grad
1
latero-femoral
-
Belastungsabhängige
Beschwerden
im
Bereich der r
echten abdomi
nalen Narbe mit/bei
-
Status nach
Ureterrekonstruktion
rechts wegen kongenitale
m dista
lem Megaureter am 1
7.
Dezember
2003
-
Status nach rezidivierender Calciumoxalat
Nephrolithiasis
-
Aktuell normaler globaler Nierenfunktion
sowie ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
-
Leichte depressive Episode oh
ne somatisches Syndrom (ICD-10
F32.00) mit/bei
Anpassungsproblemen bei Veränderung der Lebensumstände (ICD-10 Z 60.0)
Die Ärzte hielten dannzumal fest, unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Versicherte – aus somatischen Gründen - für eine behinde
rungsangepasste Tätigkeit, welche die verminderte Belastbarkeit seines rechten Kniegelenkes und sein Unvermögen, repetitiv schwere Lasten zu tragen und zu heben berücksichtige, voll ar
beitsfähig (Urk. 8
/63 S. 25).
2.3.2
Zu prüfen ist, ob sich seit der letzten rechtskräft
igen Leistungsbeurteilung am 2.
Oktober 2006 der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wesentlich verschlechtert hat und damit ein Revisionsgrund nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorliegt.
3.
3.1
Mit
Urteil IV.2015.00930
vom 2
8.
Februar 2017
(
Urk.
8/139
S. 10 f.)
stellte das hiesige Gericht fest, dass der medizinische Sachverhalt seit dem
2.
Oktober 2006 bis zur leistungsabweisenden Verfügung vom 1
0.
Juli 2015 (
Urk.
8/134) ungenü
gend abgeklärt sei. So beständen aufgrund der Angaben der behandelnden Ärzte
und entgegen der Einschätzung der RAD-Ärztin
Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit. In soma
tischer Hinsicht seien zusätzliche Diagnosen nun auch in Bezug auf die Wirbel
säule gestellt worden. Jüngere bildgebende Abklärungen aus dem Jahr 2014 hätte
n im Unterschied zu damals, als
noch keine degenerativen Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsä
ule bestanden, vermehrt
sklero
sierende
Interver
tebralgelenke
ergeben.
Der zuständige Facharzt sei von einer verminderten Belastbarkeit des Achsenorgans mit Auswirkung nunmehr auch auf die Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen.
Zudem habe der
Bericht
vom 1
6.
Dezember 2014 (
Urk.
8/116 S. 9) zur interdis
ziplinären Schmerzbehandlung
psychopathologische Befunde enthalten, die mit Blick auf die Befunde im
Z._
-Gutachten vom 1
2.
Mai 2006 eine Verschlechte
rung des Gesundheitszustands
aus psychischer Sicht
jedenfalls nicht ausschlies
sen
würden
.
So
sei
von einer deutlichen Zunahme der Depression berichtet und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in
jeglicher
Tätigkeit attestiert
worden
.
Aufgrund der Verschiedenartigkeit der Gesundheitsschäden wurde die Sache zur polydisziplinären Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
3.2
Die medizinische Aktenlage seit
dem 1
0.
Juli 2015
präsentiert sich wie folgt:
3.2.1
Im polydisziplinären
Z._
-Gutachten vom
7.
November 2
017
(
Urk.
8/164)
wurden auf der Grundlage der chirurgisch-internistischen, rheumatologischen, neuropsychologischen und psychiatrischen Beurteilungen folgende Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt:
-
Belastungsabhängige Beschwerden im Bereich der abdominalen Narbe
-
Belastungsabhängige betont
retropatelläre
Beschwerden am rechten Knie
gelenk bei:
-
Status nach vorderer Kreuzbandplastik am 1
3.
Februar 2001, voraus
gehende diagnostische Arthroskopie am 1
6.
Oktober 2000, Gelenks
toilette mit Resektion d
er
Plica
mediopatellaris
am 11.
September 2001
-
erneuter Distorsion ohne richtunggebende Veränderungen am
8.
April 2002
-
guter Kompensation ohne schonbedingte Atrophien
-
arthroskopisch
dokumentierter
Chondropathia
patellae
Grad I lateral/
femoral
-
MRI-dokumentierter
Chondropathia
patellae
Grad I bei im Übrigen unauffälligen Binnenstrukturen
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90)
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter Adipositas Grad I nach WHO,
Hyperlipidämie
, axiale
Hiatushernie
, Verdacht auf Migräne,
Dysthymia
(ICD-10 F34.1) sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41).
Zu den Auswirkungen der Befunde auf die Funktions- und Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter an, dass der Beschwerdeführer aus rheumatologischer Sicht für die ursprünglich ausgeübte Tätigkeit als
Fugenabdichter
zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Für eine kniegelenkschonende Verweistätigkeit ohne repetitiv kniende Arbeits
positionen oder Positionen in Knieflexion mit Gewichtsbelastung, ohne Tätigkei
ten auf unebenem Boden respektive mit regelmässigen Erschütterungen, idealer
weise mit Wechsel zwischen sitzenden und stehenden Arbeitsabläufen
,
bestehe aus rheumatologischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Dies gelte auch für die zuletzt im Schmuckgeschäft ausgeübte T
ätigkeit
.
Aus somatischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand seit der letzten Begutachtung nicht verändert.
Die
psychiatrische
Gutachterin
führte aus, dass aktuell wegen der unbehandelten ADHS und der ungenügend behandelten depressiven Störung in bisheriger und angepasster Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Zwölf Monate nach einer leitliniengerechten Behandlung sollte eine erneute psychiatrische
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolgen
. Hinsichtlich Längsverlauf sei es seit der letzten Begutachtung im Mai 2006 zu einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands gekommen, wobei der genaue Zeitpunkt aufgrund von fehlender Dokumentation rückwirkend nicht festgestellt werden könne (S. 69 f.).
3.2.2
Am 1
2.
März 2018
(
Urk.
8/179)
nannten
Dr.
med. C._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
phil.
D._
, klinischer Psychologe und Super
visor,
vom
Zentrum
E._
folgende
psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradiger Episode
(ICD-10 F33.1)
-
Verdacht auf eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
Sie gaben an, dass beim Beschwerdeführer eine leitliniengerechte Behandlung für die Depression durchgeführt werde und das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom in Abklärung sei.
Sie bezifferten die Arbeitsfähigkeit nicht, führten aber an, dass der Beschwerdeführer aufgrund von Schmerzen, Konzentrationsstörungen, fehlen
dem Durchhaltevermögen und fehlender Belastbarkeit eingeschränkt sei. Ressourcen seien praktisch keine vorhanden; die Prognose für eine Eingliederung sei aufgrund von Vergesslichkeit, hohem Schlafbedarf, Lustlosigkeit, vollständi
gem Rückzug und Antriebslosigkeit schlecht.
Am 1
6.
Juli 2018 (
Urk.
8/193) ergänzten die psychiatrischen Fachpersonen, dass der Beschwerdeführer seit Dezember 2017 im Rahmen einer leitliniengerechten Behandlung alle zwei Wochen an psychiatrisch-psychotherapeutischen Sitzun
gen teilnehme. Die Abklärung der Aufmerksamkeitsdefizit-Symptomatik
habe
zu einem unklaren Ergebnis geführt, eine Verlaufsabklärung sei geplant.
Am
4.
September 2018 (
Urk.
8/202/1-2) g
aben die Fachpersonen des
Zentrums
E._
an, dass die Ergebnisse aus der Anamneseerhebung und der standardisierten Diagnostik
den
Verdacht auf
eine
Aufmerksamkeits
defizits-/Hyperaktivitätsstörung
(ADHS)
stützen würden. Therapeutisch ständen
komorbide
Störungen im Vordergrund, die nie richtig behandelt worden seien. Nach Angaben des Beschwerdeführers zeige sich eine
Chronifizierung
der depres
siven Symptomatik.
Am 1
3.
Juni 2019
(
Urk.
8/232/4)
gaben die Fachpersonen an, dass man nach der Abklärung der ADHS an ihrem Zentrum mit der Behandlung begonnen habe.
Die Behandlung mit
Wellbutrin
von 2015 bis 2019 habe keine Besserung gebracht, weshalb
man
Ritalin zur Unterstützung gegeben habe. Dieses sei wegen Neben
wirkungen rasch abgesetzt worden. Man sei dann zur Medikation mit
Anitdepres
siva
zurückgekehrt, wobei hier
Brintellix
keine Wirkung gezeigt habe und
Saroten
mit erhöhter Müdigkeit einhergegangen sei. Aktuell werde mit
Deprivita
und
Dafalgan
behandelt. Die Konzentrationsstörungen hätten daher höchstwahr
scheinlich einen Zusammenhang
mit
der Depression
, die nach wie vor
mit einem
massive
n
Rückzugsverhalten ohne Besserung
einhergehe. Seit dem 1.
Januar 2014
bestehe
unverändert eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auch für ange
passte Tätigkeiten.
3.2.3
Vom 2
8.
November bis 2
4.
Dezember 2019 befand sich der Beschwerdeführer im Sanatorium
F._
auf der Akutstation für affektive Störungen in stationär-psychiatrischer Behandlung. Im Austrittsberi
cht vom 3
0.
Dezember 2019 (Urk.
8/249) wurde eine rezidivierende depressive Störung mittelgradiger E
pisode diagnostiziert.
Es erfolgte keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit.
Der Beschwer
deführer habe an einem multimodalen Therapieprogramm teilgenommen, wobei er grundsätzlich von den tagesstrukturierenden und milieutherapeutischen Effekten der Behandlung profitiert habe. Auffallend sei gewesen, dass er Mühe
bekundet habe
,
sich länger als 30 Minuten zu konzentrieren. Oft habe er die Gruppentherapie frühzeitig verlassen, da sich eine starke Nervosität eingestellt habe
und er über Konzentrationsschwierigkeiten berichtet habe. Im Stationsalltag habe man den Beschwerdeführer als sehr zurückgezogen erlebt. Medikamentös habe man
zusätzlich zu
Wellbutrin
eine Behandlung mit
Olanzapin
etabliert. Der Beschwerdeführer habe leicht stabilisiert aus der stationären Behandlung ent
lassen werden können; eine ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung sei indiziert.
3.2.4
Am 2
8.
Mai 2020 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag der Beschwerdegeg
nerin psychiatrisch (
Urk.
8/263/1-87) und am 1
0.
Juli neuropsychologisch (
Urk.
8/263/88-107) begutachtet.
In der Expertise vom 5.
August 2020
gab
Dr.
A._
an, dass keine
psychiatrischen
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nannte er eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig höchstens leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0
;
S. 75
).
Weder mit der höchstens leichten depressiven Episode noch mit der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeits
störung liessen sich Einschränkungen in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit oder in einer ideal adaptierten Tätigkeit
begründen. Wesentlich für die Beeinträchtigun
gen seien die inzwischen deutlich verstärkt aufgetretenen psychosozialen Belastungsfaktoren wie die (wohl realistische) Einschätzung des Beschwerdefüh
rers, in ideal adaptierter Tätigkeit keine Stelle zu finden
(S. 81)
.
Zum Längsverlauf
führte
Dr.
A._
aus, dass sicherlich vorübergehend die Kriterien
einer depressi
ven Episode (bis zu einer mittelgradigen Ausprägung) erfüllt gewesen seien, es könne aber aufgrund der Aktenlage nicht eindeutig gesagt werden, von wann bis wann dies der Fall
gewesen sei
(S. 80).
3.2.5
Am 2
5.
Oktober 2020
(
Urk.
8/273)
gaben
med.
pract
. G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und der Psychologe
D._
vom
Zentrum
E._
an, dass der Beschwerdeführer auch für angepasste Tätigkeiten
nach wie vor
zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Die Einschätzung im
bidisziplinären
Gutachten, dass der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsfähig sein soll, sei nicht nachvollziehbar.
Zur Diagnostik
ergänzten
die Fachpersonen, dass erst neuerliche Abklärungen ergeben hätten, dass der ältere Bruder den Beschwer
deführer im Alter von sieben Jahren über einen Zeitraum von einem bis zwei Jahren missbraucht habe. Der gleiche Bruder habe die Ehefrau des Beschwerde
führers
vor der Heirat mit dem Beschwerdeführer
immer wieder missbraucht und sie zu vergewaltigen versucht. Dies habe erst nach der Heirat mit dem Beschwer
deführer
aufgehört. Seither kontrolliere der Beschwerdeführer seine Ehefrau in paranoider Weise, wobei er von einer inneren Stimme getrieben
werde
. Grund für die innere Stimme und die damit zusammenhängende Arbeitsunfähigkeit sei der sexuelle Missbrauch durch den Bruder, das Verhältnis des Bruders gegenüber der Ehefrau des Beschwerdeführers sowie die damit einhergehende zwanghafte Kontrolle seiner Ehefrau sei
t
20 Jahren bis heute. Deshalb sei seit der Kindheit des Beschwerdeführers von einer paranoiden Persönlichkeitsstörung auszugehen.
Die Fachpersonen nannten
die folgenden psychiatrischen und neuropsycholo
gischen Diagnosen:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
-
Paranoide Persönlichkeitsstörung (F60.0)
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0)
4
.
4
.1
Gestützt auf das
Z._
-Gutachten vom
7.
November 2017 und unter Berücksich
tigung der übrigen medizinischen Aktenlage steht
unbestritten
ermassen
fest,
dass der Beschwerdeführer
aus somatischer Sicht
in Tätigkeit
en
mit
dem gutachterlich umschriebenen
Belastungsprofil
(E. 3.2.1)
weiterhin
voll arbeitsfähig ist
.
Der begutachtende Rheumatologe hat anhand seiner Untersuchungsergebnisse sowie der
unauffälligen
Röntgen- und MRI-Befunde nachvollziehbar aufgezeigt,
dass
trotz der angegebenen Schmerzen im Lumbalbereich
keine leistungseinschrän
kende Wirbelsäulenproblematik besteht
.
Damit
hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers aus somatischer Sicht - trotz
diskreter
Zunahme des
retropatellären
Kno
rp
elschadens am rechten Knie - nicht revis
i
onsrelevant verschlechtert.
4.2
4.2.1
Um das Revisionsgesuch vom 2
0.
Januar 2015 (
Urk.
8/117) aus psychiatrischer Sicht zu beurteilen,
lag der Beschwerdegegnerin das psychiatrische Gutachten der
Z._
-
Ärzte
vom
7.
November 2017
vor
.
D
ie psychiatrische Gutachterin
stellte
darin
fest, dass
es seit der letzten Begutachtung im Mai 2006 (E. 2.3.1) zu einer Verschlechterung der psychiatrischen Befundlage gekommen sei. Die bereits damals diagnostizierte depressive Störung wurde n
eu als mittelgradig eingestuft. Die
psychiatrische
Gutachterin attestierte dem Beschwerdeführer
aufgrund der depressiven Störung sowie der einfachen Aufmerksamkeits- und Aktivitäts
störung
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
.
Am
5.
Dezember 2017 (
Urk.
8/186 S. 3-5) nahm der RAD zum
Z._
-Gutachten Stellung und hielt fest, dass das Gutachten ausführlich sei, sich mit der Aktenlage a
useinander
setze und auf klinischen Untersuchungen beruhe. Die Diagnosen und Befunde seien plausibel und nac
hvollziehbar.
Ferner wies er darauf hin, dass gemäss Gutachten mit einer leitliniengerechten Behandlung der depressiven Störung und der ADHS eine Besserung der Symptomatik
sowie
eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei. Es werde eine vorzeitige medizinische Überprüfung sechs Monate nach Einleitung der leitliniengerechten psychiatrischen Behandlung empfohlen. Gleichentags teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit (Urk. 8/166)
, dass der Gesundheitszustand mit einer entsprechenden Behandlung wesentlich verbessert werden könne. Während diese Behandlung durchgeführt werde, werde nicht über einen Rentenanspruch entschieden.
4.2.2
Am 3
0.
November 2017 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zur invali
disierenden Wirkung von leichten bis mittel
schwere
n
depressiven Störungen geändert.
Seither sind gemäss
BGE 143 V 418 grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittel
schwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unter
ziehen. Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxis
änderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl.
statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen)
.
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bun
desgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E.
5.2.2 und 8C_
300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
Die grundsätzliche Behandelbarkeit
der
depressiven Störung schliesst demnach einen Leistungsanspruch
des Beschwerdeführers
nicht aus. Namentlich ist
nicht
zutreffend
, dass ein Revisionsgesuch vor Durchführung einer an sich zumutbaren medizinischen Behandlung noch nicht zu beurteilen wäre. Dieses muss geprüft
werden, auch wenn in Zukunft Behandlungsmassnahmen beabsichtigt und möglich sind. Die Therapierbarkeit und/oder prognostische Besserungsfähigkeit einer Erkrankung, und so auch einer depressiven Störung, steht der Ausrichtung einer Invalidenrente nicht im Weg.
4.2.3
Dass die Beschwerdegegnerin den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers bei ansonsten gegebenen Voraussetzungen mit der Begründung nicht beurteilt hat, dass der Gesundheitszustand mit einer entsprechenden Behandlung (Mitteilung vom
5.
Dezember 2017, Urk. 8/166) und einem stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik von mindestens vier Wochen (Mitteilung vom 1
8.
Sep
tember 2019, Urk. 8/237)
verbessert werden
könne
,
erweist sich damit als unrechtmässig
. Vielmehr hätte die Beschwerdegegnerin nach Eingang des
Z._
-Gutachtens das Revisionsgesuch des Beschwerdeführers beurteilen und insbeson
dere die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren unterziehen müssen, auch wenn sie gestützt auf die Expertise der Ansicht war, dass sich der Gesundheitszustand in Zukunft verbessern lasse.
Wie der RAD ausgeführt hat, legten die für das
Z._
-Gutachten verantwortlichen Fachärzte und
- vorliegend von besonderem Interesse
-
die für das psychiatrische Teilgutachten verantwortliche Psychiaterin den medizinischen Sachverhalt in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar. Auf das Gutachten kann demnach grundsätzlich abgestellt werden.
Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer psychische Probleme hat, die sich auf die Arbeits
fähigkeit auswirken.
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
Gestützt auf das
Z._
-Gutachten ist mittlerweile von einem mehrjährigen Verlauf der psychischen Erkrankung, insbesondere der depressiven Störung, auszugehen, die seit mindestens 2003 aktenkundig ist (vgl.
Urk.
8/33).
Während sich im
Z._
-Gutachten vom 1
2.
Mai 2006 (E. 2.3.1) die depressive Störung noch als leichtgra
dig und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit präsentiert hatte,
zeigte sie sich im Zeitpunkt der zweiten
Z._
-Begutachtung im November 201
7 mittelgradig ausgeprägt. Hinzu kam die Diagnose einer
unbehandelten
ADHS. Das Beschwer
debild hatte sich bis zur zweiten Begutachtung deutlich akzentuiert.
So
massen die Gutachter
diesem neu
erhebliche Auswirkungen
auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit
zu
. Die Relevanz des Krankheitsgeschehens
ergibt sich zudem aus der Empfehlung der Gutachter, eine leitliniengerechte Behandlung der depressiven Störung und der ADHS mit Optimierung und Ergänzung der Pharmakotherapie an die Hand zu nehmen (
Urk.
8/164/1-73 S. 71).
Damit ist von einer mindestens mittelgradigen Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde auszugehen.
Ebenfalls liegt eine Komorbidität vor, da die Arbeitsfähigkeit in der ursprüng
lichen Tätigkeit als
Fugenabdichter
auch aufgrund
der
objektivierten Knie
beschwerden eingeschränkt ist.
Zudem
wirkt sich neben
der depressiven Störung auch die diagnostizierte ADHS ressourcenhemmend aus.
Beim Komplex «Persönlichkeit» weist der Beschwerdeführer aufgrund seines schulischen und beruflichen Werdegangs deutlich eingeschränkte Ressourcen auf (
Urk.
8/164/1-73 S. 21). Aufgrund des beschriebenen Tagesablaufs
(S. 22)
zeigt sich
ein
tiefes
A
ktivitätsniveau;
der Beschwerdeführer
kann sich
in seinem Alltag
kaum selbstwirksam einbringen.
Der Beschwerdeführer lebt nicht völlig zurück
gezogen.
Der Kontakt zu den engeren Familienmitgliedern ist intakt, ansonsten bestehen eher wenige soziale Aktivitäten. Die persönlichen Ressourcen sind damit
eher
unterdurchschnittlich.
Aus dem psychiatrischen Teilgutachten sind keine Inkonsistenzen ersichtlich. Es ergeben sich aus den Akten auch keine Anhalts
punkte dafür, dass der Beschwerdeführer in seinem Alltag aufgrund des geschil
derten Tagesablaufs über Ressourcen verfügt, die er im Rahmen einer Erwerbs
tätigkeit nutzen könnte.
Insofern kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in Diskrepanz zur gutachterlichen Arbeitsunfähigkeits
schätzung eigentlich
deutlich
mehr leisten könnte.
Eine Gesamtwürdigung der massgeblichen Standardindikatoren zeigt damit, dass der Beschwerdeführer
(spätestens)
zum Zeitpunkt der Begutachtung
aufgrund
der bis anhin unbehand
elten psychiatrischen Störungen mit der nunmehr mittel
gradig ausgeprägten Depression
in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich ein
geschränkt war, weshalb die
gutachterlich
attestierte
100%ige
Arbeitsunfähig
keit insgesamt nachvollziehbar erscheint.
Somit
hat sich die gesundheitliche Situation ab N
ovember 201
7 revisionsrelevant verschlechtert.
4.3
4.3.1
Die psychiatrische und neuropsychologische Begutachtung durch
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
(E. 3.2.4) fand statt, n
achdem sich der Beschwerdeführer im Zentrum
E._
einer
engmaschige
n
psychiatrische
n
Behandlung einschliess
lich medi
kamentöser Therapie unterzogen (E.
3.2.2) und sich
während eines
Monat
s
zur Weiterbehandlung
in
das Sanatorium
F._
begeben hatte
(E. 3.2.3).
Die Gutachter
legten ihre medizinischen Einschätzungen unter Berücksichtigung der umfassenden psychiatrischen
Vorakten
in einer nachvollziehbaren Weise dar und kamen aufgrund ihrer Untersuchung des Beschwerdeführers zum Schluss, dass sich die psychische Symptomatik
nach den Therapien
verbessert habe.
So wird von beiden Fachleuten trotz «etwas niedergeschlagenem Gesamteindruck» eine unauffällige Mimik und Gestik sowie eine uneingeschränkte Modulations
fähigkeit beschrieben.
Dr.
A._
hat im psychiatrischen Teilgutachten nachvoll
ziehbar aufgezeigt, weshalb beim Beschwerdeführer anders als noch vor dem Aufenthalt
im Sanatorium
F._
nunmehr
eine höchstens leichtgradige
depressive
Episode vorliegt. Insbesondere hat
Dr.
A._
dargelegt, dass
das psychiatrische Beschwerdebild nun von psychosozialen Belastungsfaktoren überlagert wird
, die einen grossen Einfluss auf
die
Niedergeschlagenheit
des Beschwerdeführers und sein depressives Erleben
haben
,
während sich die eigent
liche psychiatrische Befundlage gebessert hat
.
Die Abgrenzung von medizinisch und nicht medizinisch begründeten Funktionseinschränkungen erscheint auch
in
Anbetracht der seit der letzten Begutachtung intensivierten psychiatrischen Behandlung
plausibel
und bestätigt die Prognose der
Z._
-Gutachter, dass sich das p
sychiatrische Beschwerdebild innert zwölf Monaten nach einer leitlinien
gerechten Behandl
ung erheblich verbessern lasse.
Den noch bestehenden psychiatrischen und neuropsychologischen Defiziten haben
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
Rechnung getragen, indem
sie
ausgeführt haben, dass
eine für den Beschwerdeführer ideal adaptierte
Tätigkeit
konstruktiv-praktische Aufgaben nach klaren Vorgaben enthalten soll
.
Die behandelnden Ärzte haben
demgegen
über
bei gleich gebliebenen Befunden in ihrer Stellungnahme vom 2
5.
Oktober
2020 zusätzlich zu den bisherigen Diagnosen eine paranoide Persönlichkeits
störung diagnostiziert, da eine Missbrauchsthematik im Zusammenhang mit dem älteren Bruder des Beschwerdeführers bekannt geworden sei. Von diesem biographischen Aspekt nahm auch
Dr.
A._
im Rahmen der Anamneseerhebung Kenntnis, mass ihm aber
im Gegensatz zu den
beh
andelnden Ärzten des
Zentrums
E._
und in Übereinstimmung mit den Ärzten des Sanatoriums
F._
keine diagnostische Relevanz zu.
Abgesehen davon, dass damit nicht von einer gesicherten psychiatrischen Diagnose auszugehen ist,
konnten die behandelnden Ärzte aber auch nicht plausibilisieren, inwiefern
sich das seitherige «Stimmen hören» konkret auf die Arbeitsfähigkeit des B
eschwerde
führers auswirkt
, so dass mit
Dr.
A._
davon auszugehen ist, dass diesem Umstand im Hinblick auf die psychiatrische Gesamtsituation keine
richtung
gebende
Bedeutung zukommt.
4.3.2
Der langjährige Krankheitsverlauf zusammen mit der kniebedingten K
omorbidi
tät,
das weiterhin eingeschränkte Aktivitätsniveau
sowie
die
unterdurchschnitt
lichen
persönlichen Ressourcen des Beschwerdeführers wirken sich zwar nach wie vor einschränkend aus
.
Dementsprechend haben diese Einschränkungen
auch
Niederschlag in der
gutachterlichen
Umschreibung einer angepassten Tätigkeit gefunden.
In einer Gesamtwürdigung der Standardindikatoren vermag die
Schlussfolgerung der Gutachter
aber zu überzeugen
, dass diese Einschränkungen darüber hinaus bei
der nunmehr sehr gering ausgeprägten
psychisc
hen
Sympto
matik keinen Einfluss
mehr
auf die Arbeitsfähigkeit haben.
4.3.3
Gestützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten ist somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zwar weiterhin an psychischen Problemen leidet, welche sich aber
wegen der gebesserten Symptomatik
ab
August
2020
nicht mehr in renten
relevantem
Ausmass auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
, was im Rahmen der Rentenrevision zu berücksichtigen ist
.
4.4
Aufgrund der 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab November 2017 und der uneinge
schränkten Arbeitsfähigkeit ab
August
2020 ergibt sich damit, dass der Beschwer
deführer ab
1.
November 2017
bis am 3
1.
Oktober
2020
(
Art.
88a
Abs.
1 IVV)
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde in diesem Umfang und zur Aufhebu
ng der angefochtenen Verfügung.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1’600
.-- (inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.