Decision ID: df8e41c4-4b03-5f64-a177-81081814a47d
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. L.Y. (geb. 15. Oktober 2007) wurde auf Anfang des Schuljahres 2014/15 in die
1. Regelklasse der Primarschule X. eingeschult. Der Schulrat teilte ihn in das Schulhaus
«A.» ein, was er der Mutter von L.Y., K.Y., am 11. Juni 2014 mittels Verfügung
eröffnete. Der kürzeste Schulweg von L.Y.s Wohnadresse an der R.-strasse 00a zum
Schulhaus A. an der S.-strasse 03 beträgt ca. 1'300 m (www.geoportal.ch). Der
Schulweg ins Schulhaus «B.» (R.-strasse 01), wo ebenfalls erste Klassen geführt
werden, ist demgegenüber in wenigen Minuten zu bewältigen. Hier geht L.Y.s ältere
Schwester M.Y. zur Schule; aktuell im übrigen auch er selbst.
B. Gegen die Schulhauszuteilung rekurrierte K.Y. mit Eingabe vom 14. Juni 2014
an die Rekursstelle Volksschule Sarganserland-See-Gaster mit dem Antrag, L.Y. solle
im Schulhaus B. eingeschult werden. Sie machte geltend, die vorgesehene
Schulhauszuteilung stelle sie als alleinerziehende Mutter vor Probleme. Der Schulweg
ins A. sei viel weiter als ins B. und für den Erstklässler gefahrvoll. Da sie einer
Teilzeitarbeit nachgehe, könne sie L.Y. dabei nicht begleiten (vi-act. 1).
In seiner Rekursvernehmlassung verwies der Schulrat auf das gemeindeeigene
Zuweisungskonzept, wonach die Schülerinnen und Schüler in erster Linie sprachlich
durchmischt und in zahlenmässig ausgeglichene Klassen eingeteilt würden.
Fremdsprachigkeit und Klassengrösse seien die Hauptkriterien;
Geschlechterverteilung, Schulweglänge und die Einteilung von mehr als einem Kind
aus dem gleichen Kindergarten würden ebenfalls berücksichtigt und als Nebenkriterien
gleich stark gewichtet (vi-act. 4).
Am 19. Juli 2014 beging die Präsidentin der Rekursstelle L.Y.s Schulweg ins Schulhaus
A. in zwei Varianten (Protokoll in vi-act. 6). Mit Entscheid vom 23. Juli 2014, der am
5. August 2014 zunächst im Dispositiv (vi-act. 7) und am 16. August 2014 motiviert
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eröffnet wurde (act. 2), hiess die Rekursinstanz das Rechtsmittel gut und wies L.Y. dem
Schulhaus B. zu. In der Sache hielt sie im Wesentlichen fest, es bestehe kein
Rechtsanspruch auf freie Schul- oder Klassenwahl. Der Schulweg von L.Y.s Wohnort
ins Schulhaus A. könne einem Erstklässler gerade noch zugemutet werden, sei jedoch
an der oberen Grenze. Die Schulbehörde habe den Zuweisungsentscheid im Rahmen
der gesetzlichen Vorgaben nach pflichtgemässem Ermessen zu fällen und müsse den
Umständen des konkreten Einzelfalles Rechnung tragen. Auf die persönliche Situation
von L.Y. sei der Schulrat weder in der Verfügung noch in seiner Rekursvernehmlassung
eingegangen. Wäge man L.Y.s Interesse an einem für alle Beteiligten reibungsloseren
und besser zu bewältigenden Alltag (d.h. am Schulbesuch im benachbarten Schulhaus
B.) gegenüber dem Interesse der Schulbehörde an der Aufrechterhaltung ihrer (abstrakt
vorgenommenen) Zuteilung ab, sei den Interessen des Schülers im konkreten Fall
Vorrang einzuräumen.
C. Gegen den Rekursentscheid erhob der örtliche Schulrat für die politische
Gemeinde X. (Beschwerdeführerin) mit Eingaben vom 25. August und 16. September
2014 Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1 und 6). Die Gemeinde beantragt, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass ausreichende
sachliche und rechtliche Gründe vorlägen, um L.Y. dem Schulhaus A. zuzuweisen,
eventuell sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
Mit Eingaben vom 29. September 2014 (act. 9) und vom 5. Oktober 2014 (act. 12)
liessen sich die Rekursstelle Volksschule Sarganserland-See-Gaster (Vorinstanz) bzw.
K.Y. (Beschwerdegegnerin) zur Beschwerde vernehmen. Beide beantragten die
Abweisung des Rechtsmittels. Am 13. November 2014 reichte die Beschwerdeführerin
eine ergänzende Stellungnahme ein (Replik; act. 18). Die Beschwerdegegnerin liess
sich hierzu erneut vernehmen (act. 21).
Auf die Begründung des angefochtenen Entscheids und die Darlegungen der
Verfahrensbeteiligten ist – soweit wesentlich – in den nachstehenden Erwägungen
weiter einzugehen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1.
1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Schul-
bzw. politische Gemeinde ist Trägerin der öffentlichen Volksschule; ihr obliegt die
Organisation und Führung der Schule vor Ort (Art. 88 Abs. 1 und 89 Abs. 1 der
Verfassung des Kantons St. Gallen, sGS 111.1, KV, in Verbindung mit Art. 2, 4 und 111
des Volksschulgesetzes, sGS 213.1, VSG). Die Beschwerdeführerin wurde durch den
angefochtenen Entscheid in ihrer Stellung als Hoheitsträgerin in schulrechtlichen
Dingen berührt, was sie in vertretbarer Weise geltend macht und zudem offensichtlich
ist. Sie ist daher zur Ergreifung des Rechtsmittels grundsätzlich legitimiert (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 und 2 VRP; vgl. BGer 2C_274/2014 vom 29. Juli 2014
E. 1.2 mit Hinweisen; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen –
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 447 ff. mit
Hinweisen).
1.2. Die Beschwerdeführerin beantragt einerseits die Aufhebung des
angefochtenen Entscheids (Rechtsbegehren Ziff. 1). Andererseits ersucht sie um
gerichtliche Feststellung, dass ausreichend sachliche und rechtliche Gründe vorlagen,
um L.Y. dem Schulhaus A. zuzuweisen (Rechtsbegehren Ziff. 2).
Feststellungsansprüche gelten praxisgemäss als subsidiär. Sie bestehen dann nicht,
wenn die gesuchstellende Person in der betreffenden Angelegenheit ebenso gut – d.h.
ohne unzumutbare Nachteile – ein Gestaltungsurteil erwirken kann (BGE 137 II 199 E.
6.5 mit Hinweisen; Bosshart/Bertschi, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N 26 zu § 19 VRG).
Konkret ist nicht ersichtlich, was sich die Beschwerdeführerin vom separaten
Feststellungsbegehren erhofft bzw. was nicht bereits das beantragte Gestaltungsurteil
bewirken kann: Wird der angefochtene Entscheid aufgehoben, würde damit die
tatsächliche und rechtliche Begründung des kommunalen Entscheids bestätigt.
Umgekehrt ist es nicht denkbar, dass solche Gründe separat festzustellen wären, ohne
dass dies zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führen müsste. Mangels
Feststellungsinteresse ist auf das Rechtsbegehren Ziff. 2 nicht einzutreten.
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1.3. Im Übrigen – soweit die Beschwerdeführerin um ein Gestaltungsurteil ersucht
– ist auf die Beschwerde einzutreten. Die Beschwerdeeingabe vom 29. September
2014 entspricht unter Berücksichtigung der Ergänzung vom 5. Oktober 2014 den
gesetzlichen Anforderungen in zeitlicher, formaler und inhaltlicher Hinsicht (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
2. Das Prozessbegehren der Beschwerdeführerin, die Vernehmlassung der
Vorinstanz aus dem Recht zu weisen (vgl. act. 18), ist unbegründet und abzuweisen.
Die Vorinstanz hat zwar in ihrer Eingabe vom 29. September 2014 (act. 9) zunächst
festgehalten, auf eine Vernehmlassung werde verzichtet, beantragte dann aber die
Abweisung des Rechtsmittels und begründete diesen Antrag kurz. Dieses Vorgehen ist
nicht zu beanstanden.
3. Streitgegenstand ist die Frage, ob die Vorinstanz den Zuteilungsentscheid der
Beschwerdeführerin zu Recht aufgehoben und L.Y. dem Schulhaus B. zugewiesen hat.
4. Art. 19 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR
101, BV) gewährleistet den Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen
Grundschulunterricht. Die Kantone sorgen gemäss Art. 62 Abs. 1 und 2 Satz 1 BV für
ausreichenden Grundschulunterricht, der allen Kindern offen steht. Der Unterricht muss
grundsätzlich am Wohnort der Schüler erteilt werden; die räumliche Distanz zwischen
Wohn- und Schulort darf den Zweck der ausreichenden Grundschulausbildung nicht
gefährden (vgl. BGE 133 I 156 E. 3.1). Aus dem Anspruch auf ausreichenden
Grundschulunterricht – und aus dem Anspruch auf Chancen- und Rechtsgleichheit (vgl.
BGer 2C_495/2007 vom 27. März 2008 E. 2.2) – ergibt sich auch ein
verfassungsmässiger Anspruch auf einen zumutbaren Schulweg. Die Zuteilung in ein
etwas weiter entferntes Schulhaus greift nicht in den Schutzbereich des Schülers auf
Unversehrtheit und auf Förderung seiner Entwicklung im Sinn von Art. 11 BV ein (vgl.
BGer 2C_495/2007 vom 27. März 2008, veröffentlicht in ZBl 109/2008 S. 494 ff., E. 2.4
mit Hinweisen auf weitere Rechtsprechung). Ein Rechtsanspruch auf Einteilung ins
nächstgelegene Schulhaus besteht deshalb nicht (vgl. VerwGE B 2013/174 vom
12. Februar 2014 E. 3.1, www.gerichte.sg.ch; Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.
2008.00537 vom 21. Januar 2009 E. 4.2.1, www.vgr.zh.ch).
http://www.vgr.zh.ch
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Ob ein Schulweg als zumutbar gelten kann, ist gestützt auf eine Würdigung der
konkreten Gesamtumstände zu beurteilen. Insbesondere sind die Person des Schülers,
so sein Entwicklungsstand und seine Gesundheit, die Art des Schulwegs (Länge,
Marschzeit, Höhenunterschied, Beschaffenheit) sowie die sich daraus ergebende
Gefährlichkeit zu berücksichtigen. Ausser Acht zu bleiben hat, ob ein Weg subjektiv als
lang, schlecht begehbar oder gefährlich empfunden wird; abzustellen ist einzig auf
objektivierte Kriterien (vgl. GVP 2008 Nr. 7 mit Hinweis auf BGer 2P.101/2004 vom 14.
Oktober 2004 E. 4.1; zum Ganzen vgl. auch VerwGE B 2013/174, a.a.O., E. 2.1).
5.
5.1. Gemäss Art. 26 VSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 der Verordnung über den
Volksschulunterricht (sGS 213.12, VVU) bildet der Schulrat unter Berücksichtigung von
Quartiergrenzen und Schulwegen nach Leistungsfähigkeit, sozialer Herkunft und
Muttersprache ausgeglichene Klassen. In den Regelklassen der Primar- und
Sekundarschule beträgt die Zahl der Schülerinnen und Schüler 20 bis 24 (Art. 27 Abs. 1
lit. a VSG).
5.2. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind Gemeinden in einem
Sachbereich autonom, wenn das kantonale (oder eidgenössische) Recht diesen nicht
abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung
überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit einräumt. Der
geschützte Autonomiebereich kann sich auf die Befugnis zum Erlass oder Vollzug
eigener kommunaler Vorschriften beziehen oder einen entsprechenden Spielraum bei
der Anwendung kantonalen oder eidgenössischen Rechts betreffen. Der Schutz der
Gemeindeautonomie setzt eine solche nicht in einem ganzen Aufgabengebiet, sondern
lediglich im streitigen Bereich voraus. Der Umfang der kommunalen Autonomie ergibt
sich aus dem für den entsprechenden Bereich anwendbaren Verfassungs- und
Gesetzesrecht (statt vieler vgl. BGE 139 I 169 E. 6.1; 138 I 242 E. 5.2; 136 I 395 E 3.2.1;
135 I 233 E. 2.2; je mit Hinweisen).
Im Kanton St. Gallen sind die Gemeinden autonom, soweit das Gesetz ihre
Entscheidungsfreiheit nicht einschränkt (Art. 89 Abs. 1 KV). In der Rechtsetzung hat die
Gemeinde Entscheidungsfreiheit, wenn das Gesetz keine abschliessende Regelung
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trifft oder die Gemeinde ausdrücklich zur Rechtsetzung ermächtigt (Abs. 2). Nach
Art. 92 KV erfüllt die Schulgemeinde die ihr durch das Gesetz übertragenen Aufgaben
im Schul- und Bildungsbereich. Träger der Volksschule sind die Schulgemeinden (Art. 4
Abs. 1 VSG). Dabei erfüllt der Schulrat deren Aufgaben, die nicht durch Gesetz,
Gemeindeordnung, Reglement oder Vereinbarung anderen Organen übertragen sind
(Art. 111 Abs. 2 VSG). In diesem Rahmen führt und organisiert der Schulrat die Schule
(Art. 111 Abs. 1 VSG). Dessen kommunaler Autonomiebereich gewinnt durch
verschiedene materielle Bestimmungen weiter an Konturen. Was die Klassenbildung
betrifft, regelt der Regierungsrat gestützt auf Art. 26 VSG in Art. 1 Abs. 1 VVU nur die
grundlegenden Anforderungen (Grundsätze der Klassenbildung) und überlässt dem
Schulrat die Umsetzung dieser Vorgaben. Insofern kommt der Beschwerdeführerin in
der hier strittigen Klassenbildung bzw. Schulhauszuteilung Autonomie zu (zum Ganzen
vgl. BGer 2C_274/2014 vom 29. Juli 2014 E. 2.1 bzw. VerwGE B 2013/174, a.a.O.,
E. 3.1). Ob diese durch den vorinstanzlichen Entscheid verletzt worden ist, gilt es
nachfolgend zu prüfen.
5.3. In ihrem Autonomiebereich kann sich eine Gemeinde dagegen zur Wehr
setzen, dass eine kantonale Rechtsmittelbehörde die den betreffenden Sachbereich
ordnenden kommunalen, kantonalen oder bundesrechtlichen Normen falsch anwendet
oder ihre Prüfungsbefugnis überschreitet (statt vieler vgl. BGE 128 I 3 E. 2b mit
Hinweis). Konkret ist die Kognition nach Massgabe des kantonalen Verfahrensrechts
auch im Rekursverfahren – entgegen der anderslautenden Auffassung der Vorinstanz in
E. 3e des angefochtenen Entscheids und der dort zitierten Lehrmeinung (J. Raschle,
Schulrecht der Volksschule im Kanton St. Gallen, 2. Aufl., St. Gallen 2008, S. 188) – auf
blosse Rechtskontrolle beschränkt. Denn im Bereich der Autonomie einer öffentlich-
rechtlichen Körperschaft oder einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt kann
sich der Rekurrent vor der kantonalen Rekursinstanz nicht auf die Unangemessenheit
der Verfügung oder des Entscheids berufen (vgl. Art. 46 Abs. 2 VRP; VerwGE B
2013/174, a.a.O., E. 3.1). Im verwaltungsgerichtlichen Verfahren gilt diese
Einschränkung ohnehin (vgl. Art. 61 Abs. 1 VRP).
Ein Ermessensmissbrauch – und damit eine von den kantonalen Rechtsmittelinstanzen
zu korrigierende Rechtsverletzung – wird jedoch angenommen, wenn sich die Behörde
zwar an den Rahmen des ihr vom Gesetz eingeräumten Ermessens hält, jedoch die bei
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der Ermessensausübung zu achtenden verfassungsrechtlichen Grundsätze,
insbesondere den Grundsatz der Rechtsgleichheit, der Verhältnismässigkeit oder das
Verbot der Willkür, verletzt (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 742). Der allgemeine
Rechtsgleichheitsgrundsatz gemäss Art. 8 Abs. 1 BV verpflichtet die Behörden, gleiche
Sachverhalte mit identischen relevanten Tatsachen gleich zu behandeln, es sei denn,
ein sachlicher Grund rechtfertige eine unterschiedliche Behandlung.
Ungleichbehandlungen im Rahmen der Rechtsanwendung in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten müssen sich vernünftig begründen lassen beziehungsweise sachlich
haltbar sein (vgl. z.B. BGE 136 I 345 E. 5 mit Hinweisen). Willkür liegt immer dann vor,
wenn ein staatlicher Akt sinn- und zwecklos, offensichtlich unhaltbar oder sachlich
nicht begründbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem und offensichtlichem
Widerspruch steht, eine Norm oder einen klaren unumstrittenen Rechtsgrundsatz
offensichtlich verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken
zuwiderläuft. Willkür geht immer mit grober Unrichtigkeit einher, liegt aber nicht bereits
vor, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre
(vgl. z.B. BGE 134 I 140 E. 5.4 mit Hinweisen).
5.4. Die Vorinstanz hat L.Y.s Schulweg an sich gerade noch als zumutbar erachtet.
Sie kam jedoch zum Schluss, die vorgenommene Zuteilung greife übermässig in die
persönlichen Interessen des Schülers ein. Interessen, welche gegen seine Zuteilung ins
Schulhaus B. sprächen, habe die heutige Beschwerdeführerin weder dargetan noch
seien solche ersichtlich. Die Vorinstanz begründete damit sinngemäss, die
angefochtene Verfügung sei nicht verhältnismässig. In den Augen der
Beschwerdeführerin ist diese Begründung nicht nachvollziehbar. Die offensichtlich
vorteilhaftere Behandlung von L.Y. wirke sich rechtsungleich auf alle anderen
Schülerinnen und Schüler aus. Gerade auf die rechtsgleiche Behandlung aller Kinder
lege sie aber besonderen Wert. Mehrere Kinder müssten an näher gelegenen
Schulhäusern vorbeigehen und zu Gunsten pädagogisch sinnvoll zusammengesetzter
Klassen einen längeren Schulweg in Kauf nehmen. Aus dem Umkreis des Schulhauses
B. betreffe dies neben L.Y. neun weitere Kinder. Etwa 20 der 55 Erstklässler hätten
einen Schulweg von über einem Kilometer; der längste betrage über zwei Kilometer.
Die besonderen Umstände von alleinerziehenden Elternteilen berücksichtigt die
Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben nicht (act. 6, Ziff. 4). Dies sei bei der
herrschenden Häufigkeit von Ein-Eltern-Haushalten nicht praktikabel. Die
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Rechtsgleichheit in Bezug auf eine sinnvolle Klasseneinteilung geniesse gegenüber den
Individualinteressen «einzelner Eltern» Vorrang. L.Y. könne den vorgesehenen
Schulweg bewältigen, weshalb die Vorinstanz sein Individualwohl in unverantwortlicher
Weise über das Allgemeinwohl und die pädagogischen Interessen aller Kinder gestellt
habe.
5.5. Die Beschwerdeführerin hat dargelegt, dass die Schulhauszuteilung nach
pädagogisch sinnvollen Kriterien erfolgen solle, wobei Fremdsprachigkeit bzw.
Sprachdurchmischung das Hauptkriterium sei (vgl. vi-act. 4). In der Beschwerde macht
sie weiter geltend, dass es aufgrund der sozio-kulturell unterschiedlich
zusammengesetzten Quartiere Klassen mit einem Überhang an Kindern mit
Migrationshintergrund gäbe, wenn an diesen Zuteilungskriterien nicht weiter
festgehalten würde. Damit würden speziell diese fremdsprachigen Kinder in ihrer
schulischen Entwicklung beeinträchtigt (act. 6, S. 2). Weiter macht die
Beschwerdeführerin sinngemäss geltend, L.Y. sei aus diesen pädagogischen Gründen
in ein weiter weg gelegenes Schulhaus eingeteilt worden (act. 6, S. 3).
5.5.1. Aus den Klassenlisten der jeweils als Doppelklassen geführten ersten und
zweiten Klassen (vi-act. 4c, S. 1-10) ergibt sich mit Blick auf das
Hauptzuweisungskriterium folgendes :
Schulhaus A.: PS1a / PS2a 19 Kinder davon 4 «Ausländer» (21%)
Schulhaus C.: PS1a / PS2a 16 Kinder davon 6 «Ausländer» (37.5%)
(effektiv fremdsprachig: 25%)
PS1b / PS2b 17 Kinder davon 3 «Ausländer» (17.6%)
Schulhaus B.: PS1a / PS2a 20 Kinder davon 4 «Ausländer» (20%)
PS1b / PS2b 20 Kinder davon 7 «Ausländer» (35%)
(effektiv fremdsprachig: 20%)
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Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund liegt in allen Klassen zwischen 17.6
und 25 Prozent. Das Verhältnis zwischen ihnen und den Kindern von
deutschsprachigen Eltern ist in den Klassen ungefähr gleich. Damit wird das
angestrebte Ziel der ausgewogenen Durchmischung erreicht. Dies bedingt jedoch, wie
aus der Tabelle in act. 7/3 hervorgeht, dass etliche Schülerinnen und Schüler an den
nächstgelegenen Schulhäusern vorbeigehen und den Unterricht in weiter entfernt
liegenden Schulhäusern besuchen müssen. Betroffen sind Kinder, die den
Schulhäusern A. und C. zugeteilt worden sind; umgekehrt muss keines der ins
Schulhaus B. eingeteilten Kinder einen weiteren Weg auf sich nehmen als für den
Schulbesuch unbedingt notwendig. Ähnlich wie L.Y. wurden dagegen auch die
Schülerinnen Nr. 9 / PS1a C. und Nr. 11 / PS1a A. behandelt: Die Distanz zwischen
Wohnadresse und Schulhaus B. beträgt bei ihnen 130 bzw. 120 m. Stattdessen
müssen beide einen Schulweg von rund 1'000 m auf sich nehmen (vgl. auch hierzu
act. 7/3).
5.5.2. Die Beschwerdeführerin wendet diese beiden gesetzlichen Kriterien zur
Schulhauszuteilung weder grob unrichtig, d.h. willkürlich, noch in einer Art und Weise
an, die zu Rechtsungleichheiten führt. Die Klassen sind, wenn man die Kinder
deutscher Eltern nicht den fremdsprachigen hinzurechnet, in ähnlichem Mass
durchmischt und von der Grösse her ausgeglichen. Die Durchmischung bringt es mit
sich, dass teilweise längere Schulwege in Kauf genommen werden müssen. Es liegt
somit auf der Hand, dass es durch den gewählten Zuteilungsmodus zu Zielkonflikten
mit anderen gleichwertigen gesetzlichen Kriterien – zu berücksichtigen sind namentlich
auch die Quartiergrenzen und die Schulwege (vgl. Art. 1 Abs. 1 VVU) – kommen kann.
Über diese ist im Einzelfall wertend bzw. abwägend zu entscheiden.
5.6. Die Vorinstanz hat die Gutheissung des Rechtsmittels auf das Ergebnis einer
Verhältnismässigkeitsprüfung gestützt, wozu sie entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin grundsätzlich befugt ist (vgl. E. 4.3 hiervor). Sie hat ausgeführt,
L.Y.s Schulweg liege an der oberen Grenze des Zumutbaren. Auf die entsprechenden
Erwägungen 6 und 7 des angefochtenen Entscheids kann ohne weiteres verwiesen
werden; sie sind zutreffend und die Beschwerdeführerin hat die vorinstanzlichen
Feststellungen betreffend der Schulwege nicht bestritten.
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5.6.1. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit fordert, dass die
Verwaltungsmassnahmen zur Verwirklichung eines im öffentlichen Interesse liegenden
Ziels geeignet und notwendig sind. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem
vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die den Privaten auferlegt werden,
d.h. Zweck und Mittel müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Eine
Massnahme ist unverhältnismässig, wenn das Ziel mit einem weniger schweren Eingriff
erreicht werden kann (vgl. z.B. Wiederkehr/Richli, Praxis des allgemeinen
Verwaltungsrechts, Band I, Bern 2012, Rz. 1735 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
des Bundesgerichts).
5.6.2. Die von der Beschwerdeführerin vorgenommene Gewichtung der
Zuteilungskriterien bringt unter Umständen längere Schulwege mit sich, als dies bei
einer Beschulung im nächstgelegenen Quartierschulhaus der Fall wäre (vgl. act. 7/3).
Die Beschwerdeführerin begründet dies mit dem öffentlichen Interesse an einer
pädagogisch sinnvollen Klassenzusammensetzung, was an sich zulässig ist. Das
Verhältnismässigkeitsprinzip bleibt gewahrt, wenn der längere Schulweg im Einzelfall
tatsächlich notwendig ist, um dieses Ziel zu erreichen. Aus dem Erfordernis einer
ausgewogenen Zweck-Mittel-Relation ergibt sich aber, dass das öffentliche Interesse,
einen Schüler einem weiter entfernten Schulhaus zuzuteilen, um so grösser sein muss,
je länger sein Schulweg dadurch wird. Absolut begrenzt wird die Zuteilungsautonomie
der Gemeinde durch die individuelle Zumutbarkeit des Schulweges für den betroffenen
Schüler.
5.6.3. Der Schulweg ins Schulhaus A. ist für L.Y. an der oberen Grenze des
Zumutbaren. Die Zuteilung in dieses Schulhaus bedarf deshalb eines gewichtigen und
konkreten öffentlichen Interesses; ein pauschaler Verweis auf die Zuteilungskriterien
genügt unter diesen Umständen nicht. Aus den Eingaben der Beschwerdeführerin
ergibt sich keine zureichende Begründung, weshalb L.Y. den Unterricht mit Blick auf
die Zuteilungskriterien im Schulhaus A. besuchen muss. Die Beschwerdeführerin legte
nicht dar, dass die sprachliche Durchmischung oder die Klassengrössen durch den
angefochtenen Entscheid aus dem Gleichgewicht gebracht würden. Dies ist auch nicht
ersichtlich. Die Doppelklasse im Schulhaus A. umfasst (ohne L.Y.) 19 Kinder, davon 4
fremdsprachige. Je 20 Kinder (inkl. L.Y.) besuchen die beiden Doppelklassen im
Schulhaus B., davon sprechen 3 bzw. 4 nicht Deutsch als Muttersprache. Gegen ein
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überwiegendes öffentliches Interesse an L.Y.s Zuteilung ins Schulhaus A. spricht
zudem, dass der Schüler Nr. 5 aus der Klasse PS1b B. – dieser wohnt an der R.-
strasse 02 und damit in unmittelbarer Nachbarschaft von L.Y. und ist ebenfalls
deutscher Muttersprache – in das Schulhaus B. zugewiesen werden konnte.
Demgegenüber sind die privaten Interessen von L.Y. am Schulbesuch im Schulhaus B.
ausgewiesen. Nicht nur ist der Schulweg um ein Vielfaches kürzer und wird damit
seiner familiären Situation besser gerecht, L.Y. kann den kurzen und gefahrlosen
Schulweg darüber hinaus zusammen mit seiner Schwester M.Y. zurücklegen. Diese
Interessen überwiegen. Die Vorinstanz hat die Zuteilungsverfügung zu Recht
aufgehoben. Es ist entgegen den Befürchtungen der Beschwerdeführerin nicht
ersichtlich, inwiefern dadurch an ihrem Zuteilungsmodus nicht mehr festgehalten
werden könnte. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
6. Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung der Kosten ist zu verzichten
(Art. 95 Abs. 3 VRP).
In Klagefällen und im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht besteht Anspruch
auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 Abs. 1 VRP), was der obsiegenden
Beschwerdegegnerin grundsätzlich zu Gute käme (vgl. Art. 98bis VRP). Die Vorschriften
der Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO) über die Parteientschädigung
finden sachgemässe Anwendung (Art. 98ter VRP). Die nicht anwaltlich vertretene
Beschwerdegegnerin hat kein Begehren um Zusprache einer ausseramtlichen
Entschädigung gestellt. Weil es an dieser grundlegenden Voraussetzung fehlt, besteht
konkret kein Anspruch (Art. 98ter VRP in Verbindung mit Art. 105 Abs. 1 ZPO e
contrario; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 820; V. Rüegg, in: Spühler/Tenchio/Infanger
[Hrsg.], Basler Kommentar ZPO, 2. Aufl. 2013, N 2 zu Art. 105 ZPO). Die mit ihren
Anträgen unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98bis VRP); das entsprechende Begehren ist abzuweisen.