Decision ID: c3e2ab82-e15a-566a-b3ea-331984161335
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 21. November 2020 in die Schweiz ein,
wo er am 23. November 2020 um Asyl nachsuchte. Am 30. November 2020
fand die Personalienaufnahme (PA) statt und am 11. Februar 2021 wurde
er vom SEM ausführlich zu seinen Asylgründen angehört.
Er brachte dabei vor, er sei tamilischer Ethnie und in B._ bei
C._ geboren. Sein Vater sei (...) verschwunden und habe sich erst
(...) Jahre später aus D._ wieder bei seiner Familie gemeldet. Auf-
grund des Krieges sei seine Familie im Jahr (...) zunächst nach E._
und ein Jahr später ins (...)-Gebiet gezogen. Im Jahr (...) sei dann der Um-
zug nach F._ erfolgt, wo sich seine Familie letztlich langfristig habe
niederlassen können. Sein ältester Bruder, G._, sei im (...)-Gebiet
mit der «Bewegung» in Kontakt gekommen. Ab dem Jahr (...) sei der Kon-
takt zu diesem abgebrochen, er wisse nicht, ob sein Bruder noch am Leben
sei. (...) habe er in F._ die Schule mit dem
A-Level abgeschlossen und anschliessend ein Jahr in einer Fabrik als (...)
gearbeitet. Danach habe er (...)kurse und einen (...)-Kurs besucht. Ab (...)
habe er im (...) von H._ in einem (...) gearbeitet. Nachdem sein
zweitältester Bruder, I._, (...) in die J._ ausgereist sei, und
auch der drittälteste Bruder, K._, (...) die Heimat in Richtung Eu-
ropa verlassen habe, habe er mit seiner Mutter, seiner älteren invaliden
Schwester sowie deren Ehemann und Kind zusammengelebt. I._
habe ihn ab dem Jahr (...) mehrmals in der Heimat besucht und die Familie
auch finanziell unterstützt. (...) sei sein Vater in D._ verstorben, wo-
raufhin er und seine Mutter zur Kremation nach D._ gereist seien.
Am (...) sei er auf dem Weg zur Arbeit (...) von einer tamilischen Frau, die
sich als Hilfsperson für (...) ausgegeben habe, angesprochen worden.
Später habe diese Frau bei ihm im (...) einige Artikel gekauft. Kurz darauf
sei sie in seinen (...) zurückkehrt, und habe ihn gebeten, ihre Tasche für
sie aufzubewahren, da (...) habe. Zunächst habe er abgelehnt. Die Frau
habe ihm dann versichert, die Tasche innert Wochenfrist wieder abzuholen,
und ihm auch gezeigt, dass ausser Kleidung, einem Ordner und ihrer
Make-Up-Box nichts in der Tasche sei. Sie habe zu weinen begonnen.
Seine Arbeitskollegin, welche die Szene mitbekommen habe, habe ihm da-
raufhin zugesichert, die Tasche auch aushändigen zu können, sollte er bei
der Abholung in der darauffolgenden Woche nicht vor Ort sein. Er habe
schliesslich eingewilligt und die Tasche mit dem Vermerk ihres Namens,
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des Datums und der Angabe, dass sie seine Verwandte sei, im (...) in ei-
nem Schrank bei der Kasse hinterlegt. Er sei an jenem Tag etwas früher
nach Hause gegangen, um an einer (...) teilnehmen zu können. Zu Hause
sei er von seiner Arbeitskollegin angerufen worden. Sie habe ihm mitgeteilt,
dass zwei Personen in Begleitung der (...)polizei nach der von ihm verstau-
ten Tasche gefragt und diese dann mitgenommen hätten. Er habe sich
noch keine Sorgen gemacht, da dies nichts Aussergewöhnliches gewesen
sei, und sei zur (...) gegangen. Während der (...) habe ihm seine Mutter
telefonisch mitgeteilt, dass er von zwei Männern in zivil zu Hause gesucht
worden sei. Das habe ihn beunruhigt. Er habe die (...) verlassen und seine
Arbeitskollegin angerufen, die ihm mitgeteilt habe, dass in der Tasche ein
(...) und ein (...) mit Informationen über kriminelle Machenschaften von
Politikern und einem Video zu einem geplanten Mord einer (...) gefunden
worden seien. Der ihm bei der Arbeit zugewiesene Aufseher habe die Po-
lizisten zur Sichtung der Daten begleiten können und einem anderen Auf-
seher anschliessend davon erzählt. Die Arbeitskollegin sei auch von der
Polizei befragt worden. Er habe anschliessend auf die Telefonnummer an-
gerufen, welcher seiner Mutter von den zwei Männern hinterlassen worden
sei. Die Person am anderen Ende der Leitung habe ihn aufgefordert, am
Folgetag gegen Mittag in der Nähe der Post, die neben dem Polizeiposten
in L._ sei, zu warten. Auf Anraten seines Schwagers habe er gleich
nach dem Telefonat sein Haus verlassen und sei zu einem Kollegen ge-
gangen, dessen Bruder ihm wiederum empfohlen habe, sich an einen An-
walt zu wenden. Er habe am nächsten Morgen vom kontaktierten Anwalt
den Rat erhalten, dem Treffen fernzubleiben, da kein ihn betreffender Ter-
min-Eintrag ersichtlich und die Wahl des Treffpunktes ausserhalb des Po-
lizeipostens verdächtig sei. Er habe sich in der Folge bei seinem Vorge-
setzten gemeldet, der ihn angewiesen habe, erst nach Klärung dieser An-
gelegenheit wieder zur Arbeit zu erscheinen. Nach dem versäumten Termin
habe die Polizei beziehungsweise der Geheimdienst noch am selben Tag
zwei Mal bei ihm zu Hause und auch am Arbeitsplatz nach ihm gesucht. Er
habe sich daraufhin bei einem Freund in H._ versteckt. Sein Kol-
lege in F._, bei dem er sich zuvor aufgehalten habe, sei dann eben-
falls von der Polizei besucht worden. Er sei in der Folge mit Hilfe eines
Schleppers und einem fremden Reisepass am (...) aus Sri Lanka ausge-
reist. Bei einer Rückkehr in die Heimat fürchte er sich vor einer Befragung
durch den Geheimdienst wegen der Geschehnisse mit der Aufbewahrung
der Tasche, aber auch aufgrund seiner illegalen Ausreise.
Der Beschwerdeführer reichte eine beglaubigte Kopie seines Geburts-
scheins zu den Akten.
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B.
Das SEM unterbreitet dem Beschwerdeführer am 18. Februar 2021 einen
Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Die Stellungnahme der Rechtsver-
tretung ging am 19. Februar 2021 beim SEM ein.
C.
Mit Verfügung vom 22. Februar 2021 – gleichentags eröffnet – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
D.
Mit Eingabe vom 22. Februar 2021 teilte die damalige Rechtsvertretung
dem SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit.
E.
Der Beschwerdeführer erhob gegen die Verfügung des SEM vom 22. Feb-
ruar 2021 mit Eingabe vom 24. März 2021 fristgerecht Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, es sei die vorinstanzliche Verfü-
gung aufzuheben und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei festzustellen,
dass der Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei
und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung eines
amtlichen Rechtsbeistands.
Der Beschwerde lagen ein Internetartikel vom (...) samt Übersetzung und
eine Arbeitsbestätigung vom (...) bei.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
25. März 2021 den Eingang der Beschwerde.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
25. März 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG
[SR 142.31]).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren
richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG
nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Ver-
ordnung über Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem
Coronavirus vom 1. April 2020 [COVID-19-Verordnung Asyl; SR 142.318]
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur
Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht zum Zeitpunkt
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der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit
verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit
ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen
konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus
einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung
als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5; Ent-
scheide und Mitteilungen der [ehemaligen] Asylrekurskommission
[EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung dahingehend, dass die Aus-
führungen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlings-
eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden. Es gebe keinen
Anlass anzunehmen, dass der Beschwerdeführer bei der Befragung im Zu-
sammenhang mit der aufbewahrten Tasche ernsthafte Nachteile zu be-
fürchten gehabt hätte. Die Vorladung durch die Behörden sei als legitime
staatliche Massnahme zu werten, sodass die entsprechenden Vorbringen
flüchtlingsrechtlich nicht relevant seien. Dass die Sicherheitskräfte seines
Heimatlandes ein Interesse daran gehabt hätten, an nähere Informationen
zum Ursprung der von ihm beschriebenen Daten zu gelangen, vermöge in
Anbetracht der Brisanz des Inhalts keineswegs zu überraschen. Es sei
auch nicht davon auszugehen, dass er zum Zeitpunkt der Vorladung spe-
ziell unter Verdacht der Behörden gestanden sei, da er lediglich zu einem
Termin am Folgetag eingeladen worden sei. Die Behörden hätten an die-
sem Abend keine besonderen Anstrengungen unternommen, um seinen
genauen Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Seine Annahme, wonach der
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Geheimdienst im Falle seines Erscheinens «etwas Illegales» hätte machen
können, sei rein spekulativer Natur. Das Vorhandensein einer besonderen
Gefahrensituation schliesse er in erster Linie daraus, dass der ihm be-
kannte Anwalt über Kontakte erfahren habe, sein Termin sei nicht offiziell
beim Polizeiposten vermerkt, und aufgrund des aus dessen Sicht unge-
wöhnlichen Treffpunkts. Diese Informationen – ganz abgesehen davon,
dass deren Quelle zweifelhaft scheine – vermöchten eine Furcht vor ernst-
haften Nachteilen nicht objektiv zu begründen. Es scheine vielmehr mög-
lich, dass eine Befragung im Zusammenhang mit einer delikaten Ermittlung
nicht allen Personen innerhalb eines Polizeipostens mitgeteilt werde. Zu-
dem sei seine Furcht, aufgrund der Probleme seiner Brüder besonders ins
Visier der Behörden zu geraten, nicht begründet, da er noch im Jahr (...)
frei nach D._ und wieder zurück habe reisen können. Auch sonst
sei er nicht politisch aktiv gewesen und habe keinerlei Probleme mit den
Behörden gehabt. Sein in der J._ lebender Bruder sei zwischen (...)
und (...) mehrmals ferienhalber in die Heimat zurückgekehrt, ohne dabei
behelligt zu werden. Deshalb sei es nicht nachvollzuziehen, dass die Be-
hörden gerade beim Beschwerdeführer einen unberechtigten und voreili-
gen Verdacht auf kriminelle Tätigkeiten hätten schöpfen sollen. Er habe
nicht geltend gemacht, vor seiner Ausreise flüchtlingsrechtlich relevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Vielmehr sei er bis
(...) in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe also nach Kriegsende noch (...)
Jahre in seinem Heimatstaat gelebt. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise
bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse sei-
tens der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei aufgrund
der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in flüchtlingsrecht-
lich relevanter Weise verfolgt werden sollte. Weder habe er die Präsident-
schaftswahl respektive deren Folgen als Gefährdungselement vorgebracht
noch seien den Akten Hinweise auf eine Verschärfung seiner persönlichen
Situation aufgrund dieses Ereignisses zu entnehmen. Die Anforderungen
an die Annahme einer begründeten Verfolgungsfurcht seien damit nicht ge-
geben.
Bei offensichtlich fehlender flüchtlingsrechtlicher Relevanz könne darauf
verzichtet werden, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers einzugehen. Gleichwohl werde summarisch
aufgezeigt, weshalb es ihm auch nicht gelungen sei, seine Gründe für die
Ausreise glaubhaft darzulegen. Seine Ausführungen zu den zentralen Ele-
menten seien nicht substantiiert ausgefallen. Es sei ihm insbesondere nicht
gelungen, das Telefonat mit dem Geheimdienst so zu schildern, als habe
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er dieses tatsächlich selbst erlebt. Seine Erzählungen enthielten Wider-
sprüche und Aspekte, die nicht mit der allgemeinen Erfahrung zu vereinen
seien. Es sei unverständlich, weshalb er die Tasche entgegengenommen
habe, da er sich aufgrund der Erfahrungen seines Bruders der Gefahr hätte
bewusst sein müssen. Der Beschwerdeführer habe nicht schlüssig erläu-
tern können, weshalb er den Fehler seines Bruders so leichtfertig wieder-
holt habe. Seine Begründung, Mitleid mit der ihm unbekannten tamilischen
Dame gehabt zu haben, überzeuge nicht. Zudem sei seine Erklärung, wie
er an die Informationen zum Inhalt der Datenträger gelangt sei, nicht mit
der allgemeinen Erwartung an die Sicherheitsbehörden im Umgang mit
derart brisantem Material zu vereinen.
5.2 Der Beschwerdeführer wiederholt in der Rechtsmitteleingabe seine
Asylvorbringen und stellt richtig, entgegen den Ausführungen in der ange-
fochtenen Verfügung sei nur einer seiner Brüder in einen Bombenanschlag
involviert gewesen. Ergänzend hält er fest, seit seiner Flucht sei seine Fa-
milie mehrfach von singhalesischen Personen aufgesucht worden, die sich
nicht immer als Mitarbeiter des Geheimdienstes ausgäben. Zuletzt seien
am (...) in zivil gekleidete Geheimdienstmitarbeiter bei seiner Mutter gewe-
sen und hätten ihr ein Fahndungsblatt gezeigt und gedroht, er müsse sich
innerhalb von (...) bis (...) (...) auf dem Polizeiposten in F._ stellen,
ansonsten schlimme Dinge passieren würden. Der Beschwerdeführer ent-
gegnet sodann, seine Vorbringen seien nicht widersprüchlich und würden
nicht der allgemeinen Erfahrung und der Logik des Handels widerspre-
chen. Er habe den Ablauf des Telefonats mit den sri-lankischen Behörden
so detailliert wie nur möglich geschildert. Das Gespräch habe nur sehr kurz
gedauert. Der Geheimdienst habe grob und befehlend mit ihm gesprochen.
Bei der freien Schilderung des Vorgefallenen sei es für ihn emotional
schwierig gewesen und er sei durcheinandergeraten. Auf Nachfrage hin
habe er sich aber korrigiert, was ihm nicht vorgeworfen werden könne. Zu-
dem sei er sich nicht sicher, ob der Dolmetscher sein Tamilisch gut verstan-
den habe, da in F._ ein einzigartiger Dialekt gesprochen werde. Die
Geschichte seines Bruders kenne er nicht richtig, weshalb nicht von ihm
erwartet werden könne, dass er daraus eine Lehre gezogen hätte. Er habe
sich überreden lassen, die Tasche aufzubewahren, zumal die Frau damit
bereits die Sicherheitskontrolle passiert gehabt habe. Laut dem Reglement
für (...) sei es erlaubt, Taschen von Verwandten und Freunden aufzube-
wahren, sofern die Aufsichtsperson informiert werde. Durch die Nachricht,
welche er seinem Aufseher hinterlassen habe, habe er sich an sämtliche
Regeln des (...) gehalten. Sodann sei nicht anzunehmen, dass die sri-lan-
kischen Behörden gleich behutsam mit sensiblen Informationen umgehen
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würden, wie die schweizerischen Behörden das tun würden. Seit der Flucht
leide er an Gedächtnisschwund und Depressionen. Seine Anfrage beim
BAZ für ein Gespräch mit einem Psychologen sei abgelehnt worden; statt-
dessen habe er Schlaftabletten erhalten. Es sei ihm daher nicht möglich,
ein ärztliches Gutachten einzureichen.
Das Vorgehen des Geheimdienstes könne an sich durchaus als eine legi-
time staatliche Massnahme gewertet werden, aber die Tatsache, dass der
Treffpunkt nicht beim Polizeiposten, sondern auf einem öffentlichen Platz
hätte stattfinden sollen, sei in keinem Land üblich. Dem beigelegten Zei-
tungsartikel sei zu entnehmen, dass wieder vermehrt (...) entführt und
grausam gefoltert würden, was seine Furcht bestätige. Durch die Gescheh-
nisse am Flughafen seien die Behörden erneut auf seine Familie aufmerk-
sam geworden. Dabei sei ihnen bestimmt sein Bruder aufgefallen, der in
einen ähnlichen Fall verwickelt gewesen sei. Es sei durchaus anzuneh-
men, dass die Behörden erst ab diesem Zeitpunkt wirklich einen Grund
gehabt hätten, ihn zu verdächtigen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers zu
Recht als nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG erachtet hat. Die
Ausführungen auf Beschwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer anderen
Beurteilung zu führen.
6.2 Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung erwogen, dass die Vor-
ladung des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit der von ihm aufbe-
wahrten Tasche als legitime staatliche Massnahme zu werten ist, sodass
seine entsprechenden Vorbringen flüchtlingsrechtlich nicht relevant seien.
Auf diese Ausführungen kann vollumfänglich verwiesen werden. Aus dem
Beschwerdeeinwand, es sei absolut unüblich, dass der Ort der Vorladung
nicht der Polizeiposten sondern ein öffentlicher Platz (Poststation) gewe-
sen sei, vermag der Beschwerdeführer – bei Wahrunterstellung (vgl. dazu
nachstehend E. 6.3) – nichts abzuleiten, zumal nicht plausibel erscheint,
dass die Behörden, sofern sie ihm asylrelevante Nachteile hätten zufügen
wollen, auf einen öffentlichen Platz vorgeladen hätten. Ein illegales Verhal-
ten der Behörden wäre jedenfalls weniger aufgefallen bei einem Treffpunkt
auf der Polizeistation. Die Vorinstanz hat ferner zutreffend ausgeführt, dass
der in der J._ lebende Bruder des Beschwerdeführers zwischen
(...) und (...) mehrmals ferienhalber in die Heimat zurückgekehrt sei, ohne
dabei behelligt zu werden. Deshalb erscheint es nicht nachvollziehbar,
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dass die Behörden gerade beim Beschwerdeführer einen unberechtigten
und voreiligen Verdacht auf kriminelle Tätigkeiten hätten schöpfen sollen.
Dies umso mehr als der Beschwerdeführer an der Anhörung verneinte, je
politisch aktiv gewesen zu sein (vgl. SEM-act. 1082210-28/18 [28] F77). Es
handelt sich demnach bei der Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers
lediglich um eine subjektive Befürchtung, die objektiv nicht gerechtfertigt
erscheint, zumal seine Arbeitskollegin, welche beim Aufbewahren der Ta-
sche der Frau behilflich war, den Angaben des Beschwerdeführers nach
ebenfalls befragt wurde (vgl. a.a.O. F56 S. 8) und dabei offenbar keine
Nachteile erlitten hat. Aus den Ausführungen in der Beschwerdeschrift, laut
dem Reglement für (...)mitarbeiter sei die Aufbewahrung von Taschen von
Verwandten und Freunden bei Information der Aufsichtsperson erlaubt, ist
ebenfalls zu schliessen, dass er bei einer Befragung durch die Sicherheits-
behörden nichts zu befürchten gehabt hätte. Im Übrigen macht der Be-
schwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift allgemeine Ausführungen zur
Lage von (...), die sich nicht auf ihn als (...)mitarbeiter und ehemaligen
Arbeiter eines (...) beziehen, und legt hierfür einen Medienbericht bei. Da-
raus vermag er ebenfalls nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Das Vorlie-
gen einer objektiven Furcht vor künftiger Verfolgung bei einer Rückkehr im
Sinne von Art. 3 AsylG ist demnach zu verneinen.
6.3 Mit Blick auf die vorstehenden Erwägungen kann eine abschliessende
Beurteilung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Ausreisegründe
grundsätzlich offengelassen werden. Bezugnehmend auf die diesbezüglich
zutreffenden summarischen Ausführungen der Vorinstanz und die Entgeg-
nungen auf Beschwerdeebene ist indes folgendes festzuhalten. Das Vor-
bringen, dass der Beschwerdeführer nach dem Vorfall im (...) von
H._ nach L._ – eine Stadt im Distrikt L._, Nordwest-
provinz, rund (...) km vom (...) in H._ entfernt – vorgeladen worden
sein soll, erscheint wenig plausibel, nachdem L._ weder im Bezirk
des Vorfalls ([...] H._; [...]) noch des Heimatortes des Beschwerde-
führers, F._ ([...]; [...]) liegt. Ferner vermag der Beschwerdeführer
auch aus der Behauptung, der Dolmetscher habe seinen speziellen Dialekt
aus F._ nicht verstanden, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Es
gelingt ihm nicht, damit die ihm vom SEM vorgehaltenen Unstimmigkeiten
zu erklären, führte er zu Beginn der Anhörung doch aus, den Dolmetscher
«sehr gut» zu verstehen (vgl. SEM-act. 28 F1). Zudem hat er nach der
Rückübersetzung seiner Aussagen unterschriftlich bestätigt, das Protokoll
sei vollständig und entspreche seinen freien Äusserungen (vgl. a.a.O.
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S. 18). Darauf muss er sich behaften lassen. Eine weitergehende Ausei-
nandersetzung mit der Glaubhaftigkeit der Vorbringen kann nach dem Ge-
sagten infolge fehlender Asylrelevanz letztlich aber unterbleiben.
6.4 Im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert)
hält das Bundesverwaltungsgericht fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag
in die «Stop-List», Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten)
seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Ent-
scheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Be-
jahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden
das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respek-
tive durch die IOM begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben
schwach risikobegründende Faktoren darstellen; dies bedeute, dass diese
in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernst-
haften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemach-
ten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwir-
kung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Ein-
zelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung be-
jaht werden müsse (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.5.5).
Wie vorstehend dargelegt, hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, im
Zeitpunkt der Ausreise flüchtlingsrechtlich relevant gefährdet gewesen zu
sein. Seinen Angaben nach war er in Sri Lanka politisch nicht aktiv (vgl.
SEM-act. 28 F77). Alleine aus der tamilischen Ethnie, seine ursprüngliche
Herkunft aus dem C._-Bezirk im Norden Sri Lankas – vor seiner
Ausreise lebte er seit (...) in F._ in der (...) –, seinem Alter und der
mittlerweile gut (...)jährigen Landesabwesenheit in einem tamilischen
Diasporazentrum wie die Schweiz kann der Beschwerdeführer keine Ge-
fährdung ableiten, welche über einen sogenannten Background Check
(Befragungen, Überprüfung von Auslandsaufenthalten und Tätigkeiten in
Sri Lanka und im Ausland) hinausgeht. Es ist somit nicht anzunehmen,
dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen. Die Risikoprüfung fällt daher,
wie von der Vorinstanz festgehalten, zu Ungunsten des Beschwerdefüh-
rers aus. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die zutreffenden Er-
wägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden.
6.5 An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle – als volatil zu be-
zeichnende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungs-
gericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die
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aktuellen Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner
Entscheidfindung. Weder aus dem Machtwechsel 2019 noch aus dem Vor-
fall betreffend eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in
Sri Lanka, noch aus den zwischenzeitlich im August 2020 erfolgten Parla-
mentswahlen vermag der Beschwerdeführer etwas zu seinen Gunsten ab-
zuleiten. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach speziell der
Beschwerdeführer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt wäre. Ebenso gibt es
zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Macht-
wechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt wären.
6.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer auf-
grund des Dargelegten die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und die Vor-
instanz sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar oder unmög-
lich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Bei der Geltendmachung von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-
genschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis mög-
lich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE
2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
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Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 und Art. 4 der
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.
Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.3 Sodann ergeben sich – entgegen der unsubstantiierten Behauptung
des Beschwerdeführers – weder aus seinen Aussagen noch aus den Akten
Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Hei-
matstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Ge-
mäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt
den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24
E. 10.4). Auch der EGMR hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell
davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine unmenschli-
che Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenom-
men werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September
2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Ausführungen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür,
dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit einer nach EMRK oder FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre.
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8.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zudem zur Einschätzung,
dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in rele-
vanter Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine
Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem
Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs be-
jaht. Ihre Schlussfolgerungen sind im Ergebnis nicht zu beanstanden. Der
bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE
ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Der Beschwerdeführer stammt aus der
Westprovinz, in welche ein Wegweisungsvollzug gemäss Rechtsprechung
generell als zumutbar zu erachten ist (vgl. BVGE 2008/2. E. 7.6.1). Auch
unter Berücksichtigung des Vorfalls im Zusammenhang mit der Mitarbeite-
rin der Schweizerischen Botschaft und der aktuellen politischen Situation
rund um Präsident Gotabaya Rajapaksa, dessen Auflösung des Parla-
ments sowie den durchgeführten Neuwahlen, sieht das Bundesverwal-
tungsgericht keine Veranlassung, den Wegweisungsvollzug sri-lankischer
Staatsangehöriger tamilischer Ethnie als generell unzumutbar einzustufen
(vgl. Urteil E-1128/2020 vom 17. März 2020). Es besteht kein Grund zur
Annahme, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen konkret auf
den Beschwerdeführer auswirken könnten.
8.3.2 Der Beschwerdeführer hat bis zu seiner Ausreise in F._ ge-
lebt, die Schule abgeschlossen (A-Level) und mehrere (...) in einer (...)
und als Verkäufer in einem (...) am (...) in H._ gearbeitet, womit er
über Berufserfahrung verfügt. Seine Mutter, seine Schwester und sein
Schwager leben nach wie vor im Haus seiner Familie (vgl. SEM-act. 28
F8). Zudem verfügt der Beschwerdeführer über weitere Verwandte in Sri
Lanka, wie seine Tante mütterlicherseits und weitere Verwandte, wo er
aber nicht wisse, wo sie wohnen würden (vgl. a.a.O. F20 f.).
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8.3.3 In gesundheitlicher Hinsicht bringt der Beschwerdeführer zwar erst-
mals auf Beschwerdeebene vor, depressiv zu sein. Die Tatsache, dass er
sein Leben in Sri Lanka habe zurücklassen müssen, beschäftige ihn sehr.
Seit den Geschehnissen denke er jeden Tag an diese zwei lebensverän-
dernden Tage und frage sich, ob er etwas Anderes hätte machen können.
Er habe seither Schlafprobleme und brauche Schlaftabletten, damit er ei-
nen halbwegs ruhigen Schlaf finden könne (Beschwerde, Ziff. II, S. 4 f.).
Praxisgemäss ist bei einer Rückweisung von Personen mit gesundheitli-
chen Problemen nur dann von einer medizinisch bedingten Unzumutbar-
keit auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit einer Weiterbehand-
lung eine drastische und lebensbedrohliche Verschlechterung des Ge-
sundheitszustands nach sich zöge (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3). Diese
Schwelle ist hier – abgesehen davon, dass der Beschwerdeführer die dar-
gelegten psychischen Beschwerden nicht durch einen ärztlichen Bericht
belegt hat und bei der Anhörung ausführte, er fühle sich nebst geheiltem
Verlauf einer Coronakrankheit gut (vgl. SEM act. 28 F2 f.) – nicht erreicht.
Die vorgebrachten gesundheitlichen Beschwerden stellen demnach kein
Wegweisungshindernis dar. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich da-
mit als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch
als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten
fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83
Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen
ist (Art. 106 AsylG) ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Mit vorliegendem Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
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10.2 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie die Beiordnung eines
amtlichen Rechtsbeistandes gemäss Art. 102m Abs. 4 i.V.m. Abs. 1 Bst. a
AsylG. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Be-
gehren als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der beiden kumu-
lativ zu erfüllenden Voraussetzungen (Bedürftigkeit und Nicht-Aussichtslo-
sigkeit) nicht gegeben, weshalb die Gesuche abzuweisen sind.
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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