Decision ID: f468cf52-8461-4df1-ab92-156e02a14710
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1963 geborene
X._
ist gelernte Kleinkindererzieherin und arbei
tete
zuletzt
von
August 2004 bis
Ende
März 2012 beim Verein
Y._
bei einem 40%-Pensum (Urk. 13/7). Die An
stellung als Klassenassistenz bei der Gemeinde
Z._
(Urk. 3/4) bei ei
nem 42.68%-Pensum a
b
1. August 2013 wurde noch während der Probezeit aus
gesundheitlichen Gründen aufgelöst
(Urk. 3/6)
.
Am 21. Juni 2012 meldete sich die Versi
cherte wegen ihrer psychischen Erkrankung bei der
Sozialversiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 13/3). In der Folge tätigte die IV-Stelle medizinische und berufliche Abklärungen (Urk. 13/7,
Urk. 13
/
9, Urk. 13
/11, Urk. 13/13-13, Urk. 13/18
, Urk. 13/21/6).
Mit Vorbe
scheid
vom 7. Mai 2013 kündigte die IV-Stelle die Abweisung des Rentenbegehrens an
(Urk. 13/22). Dagegen erhob
X._
am 15. Mai beziehungsweise
21. Juni
2013 Einwand (Urk. 13/25 und Urk. 13/28). Am 1. November 2013 verfügte die IV-Stelle die vorbeschiedene Abweisung des Rentengesuches (Urk. 2).
2.
Hiergeg
en erhob
X._
am 4. Dezember 2013 Beschwerde und bean
tragte, es sei ihr unter Aufhebung der Verfügung vom 1.
November 2013 eine Dreiviertels
-I
nvalidenrente zuzusprechen; unter Kosten- und
Entschädigungs
folgen
zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1). Zudem ersuchte sie um Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung und um Bestellung von Rechtsan
walt
lic
.
iur
.
et
oec
. Ervin
Deplazes
zum unentgeltlichen Rechtsbeistand.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 17. Februar 2013 im Sinne einer teilweisen Gutheissung die Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen (Urk. 11-12, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 13/1-38). Mit Verfügung vom 27. Februar 2014 wurde die Beschwerdeführerin zur Stellung
nahme aufgefordert (Urk. 14)
welche
sich mit Schreiben vom 24. März 2014 mit der Rückweisung der Sache zu ergänze
nden Abklärungen einverstan
den
erklärte
(
Urk. 16).
Dies wurde der Beschwerdegegnerin am
14. April 2014
mitgeteilt (
Urk.
17
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die Verneinung des Rentenanspruchs ge
stützt
auf die bis zum Verfügungserlass vorliegenden
Arztberichte des
A._
vom 11. Januar 2013 (Urk. 13/
1
5) und
von Dr. med.
B._
, Fachärztin
FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie
, vom
13. August
2012 (Urk. 13/9) und vom 5. März 2013 (Urk. 13/16)
, wonach der Beschwerde
führerin die bisherige Tätigkeit als Kleinkindererzieherin zu 50 % zumutbar sei. Dabei qualifizierte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführe
rin als zu 70 % im Erwerbsbereich und zu 30
%
im Haushalt tätig und er
rechne
te unter An
wen
dung der gemischten Methode einen rentenaus
schliessenden
Gesamtinvalidi
täts
grad
von 25 % (Urk. 2).
1.2
Mit Beschwerde vom 4. Dezember 2013 reichte die Beschwerdeführerin aktuelle
Arztberichte des
C._
vom 13. November 2013
(Urk. 3/9) und von der behandelnden Psychiaterin
Dr.
B._
vom 16. November 2013 (Urk. 3/10) ein, welche eine veränderte Einschätzung der Ar
beitsfähigkeit beinhalten.
1.2.1
Das
A._
hielt in seinem Bericht vom 1
3.
November
2
013
(
Urk. 3/9)
fest, dass auf Grund des bisherigen Verlaufs nicht mehr davon ausgegangen werden könne, dass eine 50%ige Tätigkeit (wie zuvor noch prog
nostiziert) möglich sei. Eine leichte, wenige Stunden umfassende Beschäftigung
könne weiter versucht werden. Wegen der weiterhin fehlenden Konstanz und trotz
guter Motivation und hohen eigenen Leistungsansprüchen dürfte es im ersten Arbeitsmarkt sehr schwierig sein.
1.2.2
Dr.
B._
brachte in ihrem Bericht vom 16. November 2013
(Urk. 3/10)
vor,
dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin leider viel zu optimistisch ein
geschätzt worden sei. Ein Arbeitsversuch als Klassenassistenz von 42.68 % habe
während der Probezeit aufgelöst werden müssen. Trotz grossem Einsatz sei die Be
schwerdeführerin mit dem Arbeitspensum und dem Arbeitsweg völlig über
for
dert gewesen.
Auf Grund des Verlaufs könne nicht von einer – wie von der
Beschwerdegegne
rin
angenommenen
–
50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Eine stun
denweise Beschäftigung könne weiterhin versucht werden, aber auch dies
be
züg
lich sei die Beschwerdeführerin eingeschränkt. So schaffe sie es bei der Arbeit nicht,
wie von ihr erwartet, mit den Kindern Spaziergänge und Ausflüge durch
zuführen.
Wenn sie die Räumlichkeiten verlassen müsse, führe dies zu massiven
un
kontrollierbaren Ängsten und sie sei dann nicht mehr in der Lage, die Ver
ant
wortung für die anvertrauten Kinder zu übernehmen. Bei Zweifeln an der Ar
beits
unfähigkeit werde dringend um die Veranlassung eines psychiatri
schen Gut
achtens gebeten.
1.3
Med.
pract
.
D._
, Facharzt für Neurologie FMH, vom Regionalen Ärzt
lichen Dienst (RAD) nahm am 10. Februar 2014
(Urk. 12)
Stellung
zur verän
der
ten Einschätzung der Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin und führte aus, dass anhand der ergänzenden Berichte erkennbar werde, dass die vorgän
gig atte
stierte Arbeitsfähigkeit von 50 % nicht mehr realistisch sei. Da der Grad der Arbeitsfähigkeit jedoch nicht genannt werde, werde empfohlen bei
Dr.
B
._
nachzufragen, welc
he Arbeitsfähigkeit prozentual
aktuell vorliege bezie
hungsweise zurückliegend vorgelegen habe. Ausserdem soll
t
e
n
im Sinne der
Scha
densminderungspflicht
das Behandlungskonzept für die Beschwerdeführe
rin
sowie die für die Angststörung durchgeführten beziehungsweise geplanten
evidenz-basierten therapeutischen Massnahmen inklusive Frequenz
konkret dar
gestellt werden
.
Falls keine evidenz-basierten therapeutischen Massnahmen ein
gesetzt werden sollten, sei darzustellen, warum aufgrund der alternativ ein
ge
setzten therapeutischen Massnahmen eine Besserung des Gesundheitszustan
des und in welchem Zeitraum zu erwarten sei.
1.4
Gestützt auf diese vorgenannte Stellungnahme des RAD-Arztes (vgl. Erwägung 1.3)
ersuchte die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort vom 17. Februar
2014 (Urk. 11) im Sinne einer teilweisen Gutheissung
um
Rückweisung der Sa
che
zu weiteren Abklärungen.
2.
Aufgrund der übereinstimmenden Parteianträge, dass hinsichtlich der Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ergänzende Abklärungen not
we
ndig sind und sich diese augenscheinlich unter diesen Umständen auf
dräng
en,
ist die Sache
zu ergänzenden Abklärungen
und zu neuem Entscheid
an die
Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
3.
3.1
Im Weiteren bestreitet die Beschwerdeführerin die von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene
Qualifikation (Erwerb 70 % und Haushalt 30 %, vgl. Urk. 1 S.
5
f.
),
welche auf einer telefonischen Auskunft des Abklärungsdienstes am
16. April 2013 beruht (Urk. 13/21/6-8).
Es gäbe keine Anhaltspunkte, weshalb die
Beschwerdeführerin als ausgebildete Kleinkindererzieherin im
Gesundheits
fall
nicht
einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde.
3.2
Eine solche bloss telefonisch eingeholte Auskunft durch den Abklärungsdienst
genügt den Voraussetzungen einer rechtsgenügenden Sachverhaltserstellung nicht,
weshalb
gegebenenfalls
eine ordnungsgemässe detail
lierte
Haushaltsab
klä
rung
vor Ort
durchzuführen
sein wird
.
4
.
4
.1
Die Gerichtkosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- und Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 600.-- anzusetzen und
aus
gangsgemäss
der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei aufzuerlegen.
4
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Prozessentschädigung hat. Diese wird ohne Rücksicht auf den Strei
twert nach der
Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeiten des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungs
ge
richt
[
GSVGer
]
) und auf Fr.
1‘3
00
-- (inklusive Mehrwertsteuer und
Bar
auslagen
) festgesetzt.
4
.3
Bei diese
m
Ausgang des Verfahrens
erweist sich das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos (vgl. Urk. 1 S. 2).