Decision ID: cf8f13f0-9e6f-5d28-8b8a-7afb4893745c
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 24.08.2011 Art. 15 Abs. 2; Art. 94 Abs. 1; Art. 95 Abs. 1, 1bis AVIG; Art. 40b AVIV; Art. 25 Abs. 1 ATSG; Art. 70 ATSG; Rückerstattung. Versicherte bezog Arbeitslosenentschädigung aufgrund Vorleistungspflicht der Arbeitslosenkasse. Nachträglich wurde eine IV-Viertelsrente gewährt. Nachträgliche Anpassung des versicherten Verdiensts auch bei Anwendung eines Pauschalsatzes. Verbleibende Erwerbsfähigkeit entspricht der Differenz zwischen 100% und dem IV-Grad. Rückerstattung der in diesem Zeitraum aufgrund der Vorleistungspflicht der ALV zu viel bezogenen Arbeitslosentaggelder maximal bis zum Betrag der im gleichen Zeitraum bezogenen IV-Leistungen. Rest wird provisorisch mit möglichen Leistungen des BV-Versicherers verrechnet. Kein Anwendungsfall grosser Härte, da bloss Verrechnung erfolgt (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. August 2011, AVI 2010/95). Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und Marie Löhrer; a.o. Gerichtsschreiber David Zünd Entscheid vom 24. August 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Romeo Minini, Gotthardstrasse 21, Postfach 1959, 8027 Zürich, gegen UNIA Arbeitslosenkasse, Sterneggweg 3, 8706 Meilen, Beschwerdegegnerin, betreffend Rückerstattung von Taggeldleistungen (Koordination IV, BV) Sachverhalt:
A.
A.a A._ war ab 1. Oktober 2005 als Mitarbeiterin Warenlogistik bei der B._ AG
beschäftigt. Die Arbeitgeberin löste das Arbeitsverhältnis am 26. September 2007 per
30. November 2007 infolge Krankheit auf (act. G 7.1/39). Seit dem 28. Juni 2007 war
sie zu 100% arbeitsunfähig und bezog anschliessend Krankentaggelder von der Swica
Krankenkasse (vgl. act. G 7.1/51).
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Am 10. März 2008 beantragte die Versicherte bei der Eidgenössischen
Invalidenversicherung Leistungen (act. G 10.1/28). Ab dem 1. Dezember 2008
attestierte Dr. med. C._ der Versicherten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (act. G
10.1/62). Sie meldete sich in der Folge per 4. Dezember 2008 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) St. Gallen zur Arbeitsvermittlung an (act. G 7.1/32).
Das RAV St. Gallen erhöhte die Vermittlungsfähigkeit anlässlich der Anweisung in ein
Programm zur vorübergehenden Beschäftigung ab 4. Juni 2009 auf 100% (act G
7.1/31, 32). Am 12. August 2010 sprach die IV-Stelle des Kantons St. Gallen der
Versicherten rückwirkend ab 1. Juni 2008 bei einem Invaliditätsgrad von 42% eine
Viertelsrente zu (act. G 10.1/93).
A.b Mit Verfügung vom 16. Juli 2010 forderte die Unia Arbeitslosenkasse wegen der
rückwirkend ab Juni 2008 gewährten Viertelsrente Leistungen zurück. Dies mit der
Begründung, dass die Arbeitslosenkasse ab Rahmenfristbeginn nur noch Leistungen
für die verbleibende Erwerbsfähigkeit von maximal 58% entschädigen dürfe. Für die
Monate Juni 2009 bis Dezember 2009 ergebe sich deshalb eine Rückforderung von
Fr. 5'369.20. Ein Betrag von Fr. 2'622.15 werde mit IV-Leistungen verrechnet, maximal
Fr. 2'747.05 werde mit allfälligen Leistungen des Versicherers der beruflichen Vorsorge
verrechnet. Der definitive Betrag werde eruiert, wenn Rentenbeginn und Rentenhöhe
bekannt seien. Ein allfälliger Rest werde erlassen (act. G 7.1/6).
A.c Die Versicherte erhob, vertreten durch Rechtsanwalt Romeo Minini, am 9.
September 2010 Einsprache und beantragte, die Verfügung vom 16. Juli 2010
betreffend Rückforderung und Verrechnung von Leistungen sei aufzuheben und es sei
von einer Rückforderung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 5'369.20 abzusehen.
Eventualiter beantragte sie, von einer allfälligen Rückerstattung der
Versicherungsleistungen wegen grosser Härte abzusehen. Der hierfür nötige gute
Glauben beim Empfang der Leistungen sei anzunehmen und ein allfälliges
Erlassgesuch könne zu einem späteren Zeitpunkt in rechtsgültiger Weise gestellt
werden (act. G 7.1/5).
A.d Mit Einspracheentscheid vom 17. September 2010 wies die Unia
Arbeitslosenkasse die Einsprache vom 9. September 2010 ab. Sie begründete dies
damit, dass in der Einsprache keine neuen Sachverhalte geltend gemacht würden, was
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keine andere Einschätzung als im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung zulasse.
Insbesondere der Hinweis in der Einsprache, es sei eventualiter von einer allfälligen
Rückerstattung der Versicherungsleistungen wegen grosser Härte abzusehen, greife
nicht, da es sich bei der Verrechnung zwischen der Invalidenversicherung und der
Arbeitslosenversicherung um eine gesetzliche Vorschrift handle (act. G 7.1/4).
B.
B.a Am 18. Oktober 2010 erhob die Versicherte Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 17. September 2010. Dieser sei aufzuheben. Im Übrigen hält
die Beschwerdeführerin an den Rechtsbegehren der Einsprache fest. Der
Rückforderungsbetrag von Fr. 5'369.20 setze sich offenbar aus einem
Verrechnungsbetrag Invalidenversicherung (IV) von Fr. 2'622.15 und dem
provisorischen Verrechnungsbetrag Berufliche Vorsorge von Fr. 2'747.05 zusammen.
Die Beschwerdegegnerin habe jedoch von der IV die entsprechenden Leistungen in der
Höhe von 2'622.15 bereits zurückerhalten, weshalb kein Verrechnungsanspruch der
Beschwerdegegnerin mehr bestehe (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeergänzung vom 15. November 2010 (Postaufgabe) hält die
Beschwerdeführerin unverändert an den in der Beschwerde vom 18. Oktober 2010
gestellten Anträgen fest. Die Vorleistungen bezüglich der Invalidenrente der IV seien
bereits verrechnet worden und für weitere Verrechnungen gegenüber der IV bestehe
kein Verrechnungsgegenstand. Allfällige Vorleistungen bezüglich einer Invalidenrente
aus der beruflichen Vorsorge seien wegen gutem Glauben und grosser Härte zu
erlassen (act. G 5).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 3. Dezember 2010 (Postaufgabe) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie führt aus, dass sie der
Beschwerdeführerin aufgrund der Vorleistungspflicht Leistungen erbracht habe und die
IV sehe aufgrund des der Kasse zugestellten Verrechnungsantrages vom 1. Juli 2010
vor, der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 42% mit Wirkung ab Juli
2008 (gemeint ist wohl Juni 2008) eine Invalidenrente auszurichten. Im Zeitraum vom 1.
Juli 2009 (gemeint ist wohl 1. Juni 2009) bis und mit 31. Dezember 2009 habe sie der
Beschwerdeführerin ausgehend von einem Vermittlungsgrad von 100% aufgrund des
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Pauschalansatzes von Fr. 102.00 im Tag Arbeitslosenentschädigung ausgezahlt. Die
aufgrund des Beschlusses der IV um 42% gekürzte Anspruchsberechtigung sei
korrekt. Die der Rückforderungsverfügung beigelegte Berechnungstabelle basiere auf
einer monatlichen Invalidenrente von Fr. 419.00 und kürze den ursprünglichen
Anspruch auf 58% des Pauschalansatzes.
Sie bestreite nicht, dass die Beschwerdeführerin die Leistungen der
Arbeitslosenversicherung gutgläubig in Empfang genommen habe. Das von der
Beschwerdeführerin genannte Erlassverfahren finde indessen, was die direkte
Verrechnung zwischen den Sozialversicherungen betreffe, keine Anwendung. Daran
ändere auch der Hinweis darauf, dass die Invalidenrente das notwendige
Existenzminimum nicht decke, nichts.
Eine Verrechnung mit dem Versicherer der beruflichen Vorsorge sei noch nicht erfolgt
und die diesbezügliche Berechnung könne erst erfolgen, wenn der Kasse bekannt sei,
wie hoch die Invalidenrente aus der beruflichen Vorsorge sei (act. G 7).
B.d Die Beschwerdeführerin verzichtet auf eine Replik (act. G 9).
C.
Während des laufenden Verfahrens forderte das Versicherungsgericht bei der
Beschwerdegegnerin die Akten der Invalidenversicherung nach (act. G 10). Die
Beschwerdeführerin liess sich dazu nicht vernehmen (act. G 16).

Erwägungen:
1.
1.1 Der vorliegende Sachverhalt ereignete sich vollständig vor Inkrafttreten der im Zuge
der 4. AVIG-Revision revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR
837.0). Die neuen Normen sind am 1. April 2011 in Kraft getreten. Entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln beurteilt sich der vorliegende Sachverhalt
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nach den zum Zeitpunkt von dessen Verwirklichung anwendbaren Gesetzen und somit
auch nach den AVIG-Normen vor der 4. AVIG-Revision.
1.2 Art. 70 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sieht vor, dass die berechtigte Person
Vorleistung verlangen kann, wenn ein Versicherungsfall einen Anspruch auf
Sozialversicherungsleistungen begründet, aber Zweifel darüber bestehen, welche
Sozialversicherung die Leistungen zu erbringen hat. Gemäss Art. 70 Abs. 2 lit. b ATSG
ist die Arbeitslosenversicherung für Leistungen, deren Übernahme durch die
Arbeitslosenversicherung, die Krankenversicherung, die Unfallversicherung oder die
Invalidenversicherung umstritten ist, vorleistungspflichtig. Gemäss Art. 71 ATSG
erbringt der vorleistungspflichtige Versicherungsträger die Leistungen nach den für ihn
geltenden Bestimmungen; wird der Fall von einem anderen Träger übernommen, so hat
dieser die Vorleistungen im Rahmen seiner Leistungspflicht zurückzuerstatten (BGE
136 V 195 E. 3.2 und E. 3.3).
1.3 Nach Art. 95 Abs. 1 AVIG richtet sich die Rückforderung mit Ausnahme der Fälle
von Art. 55 AVIG (Rückerstattung von Insolvenzentschädigung) nach Art. 25 ATSG.
Nach Abs. 1 Satz 1 der letztgenannten Bestimmung sind unrechtmässig bezogene
Leistungen zurückzuerstatten. Art. 95 Abs. 1 AVIG hält fest, dass eine versicherte
Person, die Arbeitslosenentschädigung bezogen hat und später für denselben Zeitraum
Renten oder Taggelder der Invalidenversicherung, der beruflichen Vorsorge, der
Erwerbsersatzordnung für Dienstleistende in Armee, Zivildienst und Zivilschutz, der
Militärversicherung, der obligatorischen Unfallversicherung, der Krankenversicherung
oder gesetzliche Familienzulagen erhält, zur Rückerstattung der in diesem Zeitraum
bezogenen Arbeitslosentaggelder verpflichtet ist. In Abweichung von Art. 25 Abs. 1
ATSG beschränkt sich die Rückforderungssumme auf die Höhe der von den
obgenannten Institutionen für denselben Zeitraum ausgerichteten Leistungen.
Rückforderungen und fällige Leistungen aufgrund des AVIG können gemäss Art. 94
Abs. 1 AVIG sowohl untereinander als auch mit Rückforderungen sowie fälligen Renten
und Taggeldern der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), der
Invalidenversicherung, der beruflichen Vorsorge, der Erwerbsersatzordnung für
Dienstleistende in Armee, Zivildienst und Zivilschutz, der Militärversicherung, der
obligatorischen Unfallversicherung, der Krankenversicherung sowie von
bis
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Ergänzungsleistungen zur AHV/IV und von gesetzlichen Familienzulagen verrechnet
werden (BGE 136 V 195 E. 3.4).
Eine Leistung in der Sozialversicherung ist nach ständiger Rechtsprechung des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts (heute: Bundesgericht) nur zurückzuerstatten,
wenn in verfahrensrechtlicher Hinsicht entweder die für die Wiedererwägung oder die
für die prozessuale Revision erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind. In Art. 53
ATSG hat diese Rechtsprechung nun eine formellgesetzliche Fassung erhalten. Danach
kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Demgegenüber ist der
Versicherungsträger verpflichtet, mittels sogenannter prozessualer Revision auf eine
formell rechtskräftige Verfügung oder einen Einspracheentscheid zurückzukommen,
wenn neue Tatsachen oder Beweismittel entdeckt werden, die zu einer anderen
rechtlichen Beurteilung führen, in diesem Sinn also erheblich sind. Gemäss
höchstrichterlicher Rechtsprechung stellt die rückwirkende Zusprechung einer
Invalidenrente hinsichtlich formlos erbrachter Taggeldleistungen der
Arbeitslosenversicherung eine neue erhebliche Tatsache dar, deren Unkenntnis die
Arbeitslosenkasse nicht zu vertreten hat, weshalb ein Zurückkommen auf die
ausgerichteten Leistungen auf dem Wege der prozessualen Revision im Allgemeinen
als zulässig erachtet wird (BGE 132 V 357 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4 Im Regelfall wird der versicherte Verdienst auf der Basis des im Sinn der AHV-
Gesetzgebung massgebenden Lohnes bemessen, der während eines
Bemessungszeitraums aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise
erzielt wurde (Art. 23 Abs. 1 AVIG). Der Bundesrat hat in Art. 37 der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIV;
SR 837.02) den Bemessungszeitraum für den versicherten Verdienst festgelegt. In der
Regel entspricht der auf diese Weise definierte Lohn der aktuellen Leistungsfähigkeit
der arbeitslosen Person. Allfällige gesundheitsbedingte Leistungseinbussen können
sich naturgemäss nur im Lohn niederschlagen, wenn sie nicht unmittelbar vor oder
sogar erst während der Arbeitslosigkeit entstanden sind. Tritt mit anderen Worten eine
gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unmittelbar vor oder
während der Arbeitslosigkeit ein, so entspricht die aktuelle Leistungsfähigkeit nicht
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mehr derjenigen vor der Arbeitslosigkeit, welche die Lohnbasis bildete. Weil der Lohn
vor Eintritt der Arbeitslosigkeit aber Bemessungsgrundlage für den versicherten
Verdienst darstellt, muss in diesen Fällen nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung eine Anpassung nach Art. 40b AVIV erfolgen. Eine Korrektur gemäss
Art. 40b AVIV ist daher durchzuführen, wenn der versicherte Verdienst auf einem Lohn
beruht, den die versicherte Person im Zeitpunkt der Arbeitslosigkeit auf Grund einer
zwischenzeitlich eingetretenen Invalidität nicht mehr erzielen könnte. Unmittelbarkeit im
Sinn von Art. 40b AVIV liegt also dann vor, wenn sich die gesundheitsbedingte
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit (noch) nicht im Lohn niedergeschlagen hat, der
gemäss Art. 23 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 37 AVIV Bemessungsgrundlage für
den versicherten Verdienst bildet (BGE 133 V 534 f. E. 4.1.2).
Durch das Abstellen auf die verbleibende Erwerbsfähigkeit im Sinn von Art. 40b AVIV
soll verhindert werden, dass die Arbeitslosenentschädigung auf einem Verdienst
ermittelt wird, den die versicherte Person nicht mehr erzielen könnte. Die
Verordnungsbestimmung betrifft nicht allein die Leistungskoordination zwischen
Arbeitslosen- und Invalidenversicherung, sondern - in allgemeiner Weise - die
Abgrenzung der Zuständigkeit der Arbeitslosenversicherung gegenüber anderen
Versicherungsträgern nach Massgabe der Erwerbsfähigkeit. Sinn und Zweck der
Verordnungsbestimmung ist mit anderen Worten, die Leistungspflicht der
Arbeitslosenversicherung auf einen Umfang zu beschränken, der sich nach der
verbleibenden Erwerbsfähigkeit der versicherten Person während der Dauer der
Arbeitslosigkeit auszurichten hat. Dies gilt nach der bundesrichterlichen
Rechtsprechung auch dann, wenn der versicherte Verdienst aufgrund von
Pauschalansätzen nach Art. 41 AVIV festgelegt wurde und nicht nach dem Regelfall
von Art. 23 AVIG (Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2007, C 154/06, E. 7.2
mit Hinweis).
2.
Im vorliegenden Fall ist die grundsätzliche Rückerstattungspflicht - namentlich das
Vorhandensein eines Rückkommenstitels (Rentenzusprache) - für den von der
Beschwerdegegnerin festgesetzten Zeitraum zu Recht nicht umstritten. Umstritten ist
hingegen, ob und in welchem Umfang die bereits ausgezahlten Leistungen der
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Beschwerdegegnerin zurückgefordert beziehungsweise die Rückforderung mit
Leistungen der IV und beruflichen Vorsorge verrechnet werden kann.
2.1 Die Beschwerdeführerin erhielt ab 4. Dezember 2008 Arbeitslosenentschädigung.
Als versicherter Verdienst wurde der Pauschalansatz von Fr. 102.- gemäss Art. 41 Abs.
1 lit. c AVIV herangezogen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen AVI 2009/102 vom 1. September 2010). Bei diesem Pauschalansatz wird keine
verminderte Erwerbsfähigkeit angenommen. Man geht im Gegenteil davon aus, dass
die arbeitslose Person zu 100% erwerbsfähig ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
14. September 2007, C 154/06, E. 7.4). Da der verwendete Pauschalansatz von einer
Erwerbsfähigkeit von 100% ausgeht und die Beschwerdeführerin gemäss der
Feststellung der IV nur noch zu 58% erwerbsfähig war, war nach der angeführten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine nachträgliche Anpassung des versicherten
Verdiensts gemäss Art. 40b AVIV vorzunehmen. Dabei konnte die Beschwerdegegnerin
die verbleibende Erwerbsfähigkeit als Differenz von 100% und dem von der IV
verfügten Invaliditätsgrad von 42% berechnen (vgl. das Kreisschreiben über die
Arbeitslosenentschädigung vom Januar 2007 [KS-ALE], Rz C28). Die
Beschwerdeführerin war demzufolge noch zu 58% erwerbsfähig und der versicherte
Verdienst auf 58% des Pauschalansatzes von Fr. 102.- (Art. 41 Abs. 1 lit. c AVIV) zu
kürzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2007, C 154/06, E. 7.6).
2.2 Die Beschwerdegegnerin ging in diesem Sinn vor: Sie reduzierte den versicherten
Verdienst von Fr. 2'213.-- um 42% auf Fr. 1'248.-- ab 1. Juni 2009. Bis zum Ablauf des
Höchstanspruchs von 260 Taggeldern im Dezember 2009 resultierte so eine
Rückforderung in der Höhe von Fr. 5'369.20 (act. G 7.1/12-12.7). Es ist nicht
ersichtlich, inwiefern die Berechnung fehlerhaft sein soll, wie dies von der
Beschwerdeführerin vorsorglich bestritten, aber nicht näher begründet wird. Die
Berechnung der Rückforderung ist rechtens.
2.3 Die Beschwerdeführerin rügt, der rückgeforderte Betrag sei gemäss der Verfügung
der IV vom 12. August 2010 im Umfang von Fr. 2'622.15 bereits bei der rückwirkenden
Auszahlung seitens der IV abgezogen worden (act. G 10.1/93). Es bestehe somit kein
Raum für eine weitere, darüber hinausgehende Rückforderung. Es trifft zu, dass die IV
bei der Rentenverfügung vom 12. August 2010 einen Betrag von Fr. 2'622.15
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zurückbehalten bzw. mit Leistungen der Beschwerdegegnerin verrechnet hat. Dabei
handelt es sich nicht um eine neuerliche Rückforderungsverfügung, wofür die IV auch
gar nicht zuständig wäre. Vielmehr geht es hier einzig um den Vollzug der von der
Beschwerdegegnerin verfügten Rückforderung zu viel ausbezahlter
Arbeitslosentaggelder mit Leistungen der IV in der Höhe von Fr. 2'622.15.
Die Beschwerdegegnerin hat korrekterweise berücksichtigt, dass sie gemäss Art. 95
Abs. 1 AVIG die Rückforderung auf maximal die von der IV der Beschwerdeführerin
rückwirkend pro Monat zugesprochenen Rentenbetreffnisse beschränken muss. Aus
diesem Grund kann von der Beschwerdeführerin nicht mehr als Fr. 2'622.15
zurückgefordert bzw. mit Leistungen der IV verrechnet werden.
2.4 In der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin die Rückforderung
nicht auf die Höhe der im fraglichen Zeitraum zugesprochenen IV-Leistungen
beschränkt, sondern darüber hinaus auch den Restbetrag der zu viel ausbezahlten
Arbeitslosenentschädigung im Umfang von Fr. 2'747.05 zurückgefordert und
vorsorglich einen entsprechenden Verrechnungsanspruch gegenüber allfälligen
Leistungen der Pensionskasse angebracht.
2.5 Eine Rückforderung gemäss Art. 95 Abs. 1 AVIG kann erst verfügt werden, wenn
die Leistungen aus beruflicher Vorsorge feststehen. Zum Verfügungszeitpunkt war
noch völlig unklar, ob und in welchem Umfang die Beschwerdeführerin Leistungen
seitens des BV Versicherers erhalten würde. Die diesbezügliche "provisorische"
Rückforderung ist deshalb schlicht zu früh erfolgt. Eine Rückforderung nach
Leistungsfestsetzung des BV Versicherers ist dadurch jedoch nicht ausgeschlossen.
Falls dieser ebenfalls rückwirkend für den fraglichen Zeitraum (Juni bis Dezember 2009)
Leistungen ausrichtet, wird die Beschwerdegegnerin wiederum Art. 95 Abs 1 AVIG zu
beachten haben und somit maximal den monatlich durch den BV Versicherer
zugesprochenen Betrag rückfordern bzw. entsprechend verrechnen lassen können. Im
Umfang von Fr. 2'747.05 ist daher die angefochtene Rückforderung zur Zeit
aufzuheben.
3.
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Die Beschwerdeführerin beantragt eventualiter, es sei von einer Rückforderung infolge
grosser Härte gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG abzusehen.
Zuständig für die Beurteilung eines Erlassgesuches ist erstinstanzlich das kantonale
Amt für Arbeit (vgl. Art. 95 Abs. 3 i.V.m. Art. 85 lit. e AVIG). Ein Entscheid des
kantonalen Amts betreffend Erlass, der beim Versicherungsgericht angefochten werden
könnte, liegt nicht vor. Insoweit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Eine
Überweisung der Erlassfrage an die zuständige Instanz rechtfertigt sich nicht.
Einerseits wird mit diesem Entscheid die Rückforderung betreffend vorsorgliche
Verrechnung mit Leistungen der beruflichen Vorsorge aufgehoben, womit sich die
Frage des Erlasses nicht stellt. Anderseits ist die Rückforderung in Höhe von Fr.
2'622.15 durch Verrechnung mit IV-Leistungen getilgt, weshalb sich auch hier die
Frage des Erlasses nicht stellt. Immerhin bleibt der Beschwerdeführerin offen, bei der
zuständigen Instanz ein Erlassgesuch zu stellen
4.
Die Rückforderung in Höhe von Fr. 2'622.15 bzw. die entsprechende Verrechnung mit
IV-Leistungen ist somit nicht zu beanstanden und die Beschwerde in diesem Punkt
abzuweisen. Gutzuheissen ist die Beschwerde jedoch bezüglich der Rückforderung in
Höhe von Fr. 2'747.05 bzw. die provisorische Verrechnung mit zukünftigen Leistungen
des BV Versicherers in diesem Umfang. Auf den Eventualantrag um Erlass der
Rückforderung wegen grosser Härte gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG ist nicht
einzutreten.
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde, soweit auf sie einzutreten ist, teilweise
gutzuheissen. Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 61 lit. a ATSG). Bei
diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird (Art. 61 lit. g
ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. des st. gallischen Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRP;
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sGS 951.1]). Angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP