Decision ID: 94e5065b-8546-51cb-a23d-a35c762116ec
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980, meldete sich am 2
1.
März 2003 unter Hinweis
auf
Ellbogen-, Arm- und Handbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/2). Die IV-Stelle sprach ihm
mit Verfügung vom 2
9.
Juni 2004 berufliche Massnahmen (Abklärung im
Appisberg
) zu (
Urk.
8/25)
; diese wurde gesundheitshalber (vgl.
Urk.
8/35) beziehungsweise schmerzbedingt vorzeitig abgebrochen (
Urk.
8/38). Eine weitere, am 1
2.
Mai 2006 begonnene Abklärung wurde am
7.
Juli 2006 vorzeitig abgebrochen (
Urk.
8/60 S. 3 Mitte,
Urk.
8/62 =
Urk.
8/67).
Sodann sprach die IV-Stelle dem Versicherten
mit Verfügung vom 31. März 2008 ab April 2008
(
Urk.
8/117)
und mit Verfügung vom 11. April 2008 von Januar 2004 bis Dezember 2005 (
Urk.
8/118)
eine
Dreiviertelsrente
zu.
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2009 sprach sie ihm eine ganze Rente ab Januar 2009 zu (
Urk.
8/158)
,
und mit Verfügung vom 1
1.
Februar 2010 eine
Hilf
losen
entschädigung
bei leichter Hilflosigkeit ab Januar 2008 (
Urk.
8/165).
1.2
Nach Eingang eines
Revisionsfragebogen
s vom
2
4.
November 2014 (
Urk.
8/169)
sowie von
Berichte
n
über zwischen dem 1
8.
November 2010 und
2.
April 2012
erfolgte Observationen
(
Urk.
8/192-196)
sistierte die IV-Stelle m
it Verfügung vom 1
0.
Dezember 2012 (
Urk.
8/
211
) und 1
1.
Dezember 2012 (
Urk.
8/
212
) die Ausrichtung der
Hilflosenentschädigung
und der Rente per sofort. Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 1
5.
März 2013 bestätigt (
Urk.
8/
224
; Prozess Nr. IV.2013.00089
).
Sodann holte sie ein polydisziplinäres
Gutachten
ein
, das am 2
0.
August 2013 erstattet wurde (
Urk.
8/235)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/245,
Urk.
8/247,
Urk.
8/250)
hob
sie
m
it Verfügung
en
vom 19. Juni 2014 die zugesprochene
Hilflosenentschädigung
(
Urk.
8/254 =
Urk.
2) und Rente (
Urk.
8/253 =
Urk.
9/2
)
wiederer
wägungsweise auf.
2
.
Am 22. August 2014 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. Juni 2014 betreffend Hilfslosenentschädigung (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine
Hilflosenentschädigung
wegen leichter Hilflosigkeit auszurichten (Urk. 1 S. 2).
Am 2
5.
August 2014 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
9.
Juni 2014 betreffend Rente (
Urk.
9/2) und beantragte, diese sei auf
zuheben und es sei festzustellen, dass die wiedererwägungsweise Aufhebung der früheren Verfügungen zu Unrecht erfolgt sei (Urk. 9/1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantworten
vom
6.
Oktober 2014 (
Urk.
7,
Urk.
9/7) die Abweisung der Beschwerden sowie eine
reformatio
in
peius
im Sinne einer Rentenaufhebung bereits ab Dezember 201
3.
Mit Eingabe vom 16.
Januar 2015 hielt der Beschwerdeführer an seinen gestellten Anträgen
fest
(
Urk.
9/14
).
D
ie B
eschwer
degegnerin verzichtete
a
m 2
9.
Januar 2015 auf eine Stellungnahme (
Urk.
9/
17).
Am 1
7.
Februar 2015 wurde das Verfahren Nr. IV.2014.00816 betreffend Rente mit dem vorliegenden Verfahren betreffend
Hilflosenentschädigung
vereinigt (
Urk.
10,
Urk.
9/18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen,
dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz
der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Ein
kommensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Über
wachung bedarf Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Renten
bezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe
nen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sions
grund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.5
Auch andere Dauerleistungen werden angepasst, wenn sich der ihr zugrunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (
Art.
17
Abs.
2 ATSG).
1.6
Fehlen die in Art. 17 ATSG genannten Voraussetzungen, so
können Ver
fügungen
nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger
Verwaltungs
verfügungen
geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwaltung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a, E. 1 mit Hinweisen). Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung
gegebenen
falls mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüngliche
Renten
verfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE
128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
1.
7
Vorausgesetzt für eine Wiedererwägung gestützt auf
Art.
53
Abs.
2 ATSG ist, dass kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, also nur dieser einzige Schluss denkbar ist; dieses Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 138 V 324 E. 3.3).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung betreffend
Hilf
losen
entschädigung
davon aus,
die
Zusprache
habe auf einem nicht nachvoll
ziehbaren Abklärungsbericht basiert. Gemäss dem aktuellen
poly
disziplinären
Gutachten sei weder im Bereich Ankleiden/Ausziehen noch bei der Kör
perpflege mit einer erheblichen Einschränkung zu rechnen (
Urk.
2
S.
2 f.).
In der Verfügung betreffend Rente
(
Urk.
9/2)
ging sie davon aus, die früheren
Rentenzusprachen hätten auf ungenügen
den und nicht nachvollziehbaren Grundlagen beruht.
Abzustellen sei auf das eingeholte
p
olydiszip
linäre
Gut
achten
(
S.
3
).
Der entsprechende Einkommensvergleich ergebe einen
Invali
ditäts
grad
von rund 11
%
, womit kein Rentenanspruch mehr bestehe (S. 3 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1)
, gemäss dem eingeholten Gutachten habe sich sein Gesundheitszustand seit der
Zusprache
der
Hilflosenentschädigung
im Jahr 2010 nicht relevant verbessert (S. 3
Ziff.
2), und
diese sei, aus näher dargelegten Gründen, nicht zweifellos unrichtig gewesen (S. 5 ff.
Ziff.
9 ff.).
Auch die
Rentenzusprache
sei nicht zweifellos unrichtig gewesen (
Urk.
9/1 S. 5 f.
Ziff.
9 ff.). Dank seinen zwischenzeitlich unternommenen Eingliederungs
versuchen dürfte im heutigen Zeitpunkt ein Revisionsgrund vorliegen, weshalb wohl
demnächst mit einer Revisionsverfügung der Beschwerdegegnerin zu rechnen sei (
Urk.
9/1 S. 6
Ziff.
12).
2.3
Strittig und zu prüfen ist mithin, ob die ursprünglichen Leistungszusprachen zweifellos unrichtig gewesen sind oder allenfalls ein Revisionsgrund gegeben ist.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer wurde am 1
3.
November 2002 wegen eines
Karpaltunnel
syndroms
und einer
Ulnariskompression
operiert; dabei wurde der
Nervus
ulnaris
iatrogen durchtrennt; am 1
8.
September 2003 (
Urk.
8/235 S. 20
Ziff.
4.2.3, unter
lit
. b/1) wurde der
Ne
r
vus
ulnaris
rekonstruiert (
Urk.
8/235 S. 2 oben).
3.2
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Neurologie, nannte in seinem Bericht vom 2
6.
Juni 2003 (
Urk.
8/13/1-4) als Diagnose eine
Ulnarisparese
links (
lit
. A) und führte unter anderem aus, die Prognose müsse vom Handchirurgen beurteilt werden
(
lit
. D.7). Im Beiblatt attestierte er eine Arbeitsfähigkeit ganztags in behinderungsangepasster Tätigkeit (
Urk.
8/13/4).
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie, führte in seinem Bericht vom
8.
Juli 2003 (
Urk.
8/14/5) aus, er behandle den Beschwerde
-
führer seit dem
8.
Januar 2003 (
Ziff.
4),
nannte als Diagnose eine Läsion des
Nervus
ulnaris
links (
Ziff.
1)
,
und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem 1
3.
November 2002 (
Ziff.
2).
In seinem Bericht vom
4.
Dezember 2003 führte
Dr.
Z._
aus, der Beschwerde
führer sei in einer angepassten Tätigkeit sofort arbeitsfähig;
da
bei sei darauf zu achten, dass der linke Arm nicht manuell belastet werden müsse (
Urk.
8/17/3 unten).
3.3
PD
Dr.
med.
A._
, Teamleiter Handchirurgie,
Klinik B._
, berichtete am 2
0.
Dezember 2004 über seine Untersuchung des Beschwerde
führers (
Urk.
8/41/4-5). Er führte unter anderem aus, zwei Jahre nach iatrogener Läsion des distalen
N.
ulnaris
scheine die Rekonstruktion des Nervs zumindest eine protektive Sensibilität erbracht zu haben, scheinbar aber keine motorische Funktion. Vor allem bestehe ein lokales chronisches
Schmer
z
syndrom
, das offensichtlich auch zu einer Funktions- und Koordi
nations
störung der prima
vista
nicht betroffenen motorischen Einheiten geführt habe. Eine erneute Nervenrekonstruktion sei sicherlich nicht sinnvoll. Da der Patient mit Sicherheit nicht mehr in den Metzgerberuf zurückkehren könne, stehe die berufliche Rehabilitation und sinnvollerweise Umschulung im Vordergrund.
3.4
Auf Anfrage des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers führte
Dr.
Z._
(vor
stehend E. 3.2) am 2
6.
April 2006 aus, seiner Meinung nach könne der Beschwerdeführer seinen linken Arm nicht einsetzen; er müsste also eine ein
händige Tätigkeit ausführen, was vor allem im Sinn von
Überwachungs
funktionen
möglich wäre (
Urk.
8/41/1-2 S. 2
Ziff.
3).
3.
5
Vom 1
1.
bis 2
3.
Dezember 2006 weilte der Beschwerdeführer stationär in der
K
linik
I._
, worüber am
5.
Januar 2007 berichtet wurde (
Urk.
8/81). Dabei wurden
[hauptsächlich]
die folgenden Diagnosen gestellt (S. 1):
chronisches neuropathische
s Schmerzsyndrom Arm links bei [unter anderem]
vollständiger
Ulnarisläsion
/-parese links
Nervus
suralis
-Syndrom Fuss links bei
Status nach
Suralisinterponat
-Entnahme am 1
8.
September 2003
depressive Entwicklung mit / bei
soziofamiliärer und existentieller Belastungssituation
Zum Verlauf wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei ohne erreichte Schmerzlinderung trotz physiotherapeutischer, physikalischer und medikamen
töse
r
Massnahmen entlassen worden (S. 2 unten).
3.
6
Am
4.
Mai 2007 erstattete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/90).
Der Gutachter nannte folgende, hier im somatischen Teil verkürzt angeführte, Diagnosen (S. 6 Mitte):
chronisches neuropathisches Schmerzsyndrom Arm links
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
familiäre und psychosoziale Belastungssituation
Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich langfristig keine eigenständige, über die somatischen Einschränkungen
hinausgehende Arbeitsunfähigkeit (S. 7 Mitte).
3.
7
Dr.
med.
D._
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte am 2
3.
Mai 2007 aus, gemäss dem eingeholten Gutachten sei eine eigenständige psychiatri
sche Erkrankung von invalidisierendem Ausmass nicht nachgewiesen; es bestehe weiterhin eine Rest-Arbeitsfähigkeit von 100
%
in körperlich
leidens
ange
passter
Tätigkeit (
Urk.
8/95 S. 6 unten).
Gestützt darauf wurde zur Ermittlung des Invalideneinkommens von einem Pensum von 100
%
ausgegangen, dies mit einem Abzug von 20
%
vom statistischen Tabellenlohn
wegen der eingeschränkten Funktionsfähigkeit der
adominanten
linken Hand (
Urk.
8/93 S. 1 unten,
Urk.
8/96 S. 7 oben).
3.8
Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.2)
bezeichnete
in seinem Bericht vom 1
1
.
Dezember
2007
(
Urk.
8/104/1-4) den Gesundheitszustand als stationär (Ziff.
1), bezeichnete die Diagnose als unverändert (
Ziff.
2), nannte
als
Befund
„Schmerzen Os
pisiforme
links, rechter Mittelfinger eingeschlafen“ (
Ziff.
3),
und
als therapeutische Massnahme die Überweisung an den Handchirurgen
Dr.
Z._
(
Ziff.
4; vgl.
Urk.
8/104/5). Im Beiblatt
attestierte er eine Arbeitsfähigkeit
halb
tags in behinderungsangepasster Tätigkeit (
Urk.
8/1
04
/4).
3.9
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, RAD, führte am
7.
Januar 2008 aus,
Dr.
Y._
habe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit attestiert. Dieser Einschätzung könne gefolgt werden,
„da die linke Hand praktisch nicht benutzbar ist“.
Für den Versicherten kämen nur einhändige Arbeiten in Frage und diese
„sind
wegen der vorhandenen Dauerschmerzen nur halbtags möglich
“
(
Urk.
8/105 S. 2 unten).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer erlitt am 1
1.
Mai 2008 einen Auffahrunfall und wurde sodann von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Neurologie, konsiliarisch untersucht, worüber dieser am 2
8.
Mai 2008 berichtete (
Urk.
8/128/8-11) und in seiner Beurteilung einen Status nach Auffahrunfall mit Commotio cerebri, HWS-Distorsion, mit massiver
cervico-cephaler
Symptomatik
anführte
(S. 3 unten).
Am 1
9.
August 2008 berichtete
Dr.
F._
über die am
8.
Juli 2008 erfolgte Konsultation und nannte ein akutes
Lumbovertebralsyndrom
mit
Lumbo
ischial
gie
links (
Urk.
8/128/12-13 S. 1 unten).
4.2
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2) führte in seinem Bericht vom 1
1.
Februar 2009 (
Urk.
8/126/9-10) aus, die letzte Kontrolle habe am
7.
November 2008 stattge
funden (
Ziff.
1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Ziff.
1.1):
Läsion des
Nervus
ulnaris
im Handgelenksbereich links
keine vollständige Nervenregeneration nach Nervenrekonstruk
t
ion
ausgeprägtes und neurogenes Schmerzsyndrom der oberen linken Extre
mität
persistierende Irritation des
Nervus
ulnaris
im
Sulcus
links bei Status nach submuskulärer Vorverlagerung
Hyperpathie
des Fusses links bei Status nach Entnahme des
Nervus
suralis
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem 1
3.
November 2002 (
Ziff.
1.6).
Ferner führte er aus, schon kleine Belastungen des linken Armes führten zu erheblichen Beschwerden, so dass der Arm praktisch für keine Tätigkeit eingesetzt werden könne (
Ziff.
1.7).
4.3
In seinem Überweisungsschreiben vom 2
0.
Januar 2009 nannte
Dr.
F._
(vor
stehend E. 4.1) nebst dem
Lumbovertebralsyndrom
einen neuen Unfall mit
Auf
fahrkollision
am 1
4.
Januar 2009 (
Urk.
8/128/14-15).
4.4
Vom 2
6.
Januar bis
6.
Februar 2009 weilte der Beschwerdeführer stationär in der
Klinik B._
, worüber am 2
5.
Februar 2009 berichtet wurde (
Urk.
8/127/17-20).
Dabei wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1 Mitte):
reaktiviertes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechtsbetont
klinisch leichte SIG-Dysfunktion rechts
seitliche Autokollision am 1
4.
Januar 2009
Fehlstatik der Wirbelsäule, muskuläre
Dysbalance
Status nach Auffahrkollision am 1
1.
Mai 2008 mit
kraniocervikalem
Beschleunigungstrauma
chronisches neuropathisches Schmerzsyndrom Arm links
iatrogene
Nervus
ulnaris
-Läsion links bei Status nach Transposition des
N.
ulnaris
sowie Karpaltunnelspaltung und Spaltung der Loge de
Guyon
links am 1
3.
November 2002
diverse
Reoperationen
Ellenbogen links
Zum Verlauf wurde ausgeführt, der Patient sei zur intensiven stationären Therapie bei lumbaler
Schmerzexazerbation
zugewiesen worden. Er habe an einem Komplexprogramm mit angepasster Analgesie sowie intensiven physika
lischen aktiven Massnahmen mit Einzeltherapie, Wassertherapie, Nordic Walking und medizinischer Trainingstherapie (MTT) im Verlauf, partizipiert. Unter den genannten Massnahmen seien vor
allem
die lumbalen Beschwerden deutlich rückläufig gewesen (S. 3 Mitte).
4.5
Die Fachpersonen des
Zentrum
s G._
führten in ihrem Bericht vom 2
7.
Februar 2009
(
Urk.
8/129/7-9)
aus, der Beschwerdeführer sei vom 2
4.
Oktober bis 1
8.
Dezember 2007 in tagesklinischer Behandlung gewesen und seither finde eine ambulante Einzeltherapie zirka einmal pro Monat und eine medikamentöse Therapie statt (
Ziff.
1.2).
Als Diagnosen nannten sie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD
10 F45.4), eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (F43.23), eine iatrogene Läsion des
N.
ulnaris
links im November 2002, Rekonstruktion im September 2003, Revision im März 2005, anhaltende neurogene Schmerzen und eine weiterhin eingeschränkte Funktion des
N.
ulnaris
links (
Ziff.
1.1).
Wegen der Probleme mit dem linken Arm und der linken Hand (starke Schmerzen, Bewegungseinschränkung) sei die Arbeit als Metzger nicht mehr möglich. Auch die übrigen Schmerzen (Kopf-, Nacken-, Rückenschmerzen) verhinderten eine Arbeitstätigkeit (
Ziff.
1.7). Der Patient sei gegenwärtig und vermutlich auch auf längere Sicht zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.9).
4.6
Am
7.
Juli 2009
wurde der Beschwerdeführer im
RAD
untersucht, worüber am
1
7.
August 2009
berichtet wurde.
Aus c
hirurgi
scher Sicht (
Urk.
8/141) wurden folgende Hauptdiagnosen (S. 5 Ziff.
9) genannt:
Ausbildung einer „Krallenhand“ links bei Zustand nach iatrogener Nervenverletzung
Zustand nach HWS-Distorsion und LWS-Prellung
Verdacht auf massive Symptomausweitung
Aus fachchirurgischer Sicht sei überwiegend wahrscheinlich die iatrogene
Nerven
schädigung
für den jetzigen Gesundheitszustand ausschlaggebend; ohne diese Verletzung würde überwiegend wahrscheinlich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Metzger bestehen (S. 5
Ziff.
10
). Die Verkehrsunfälle müssten als Bagatelltraumen gesehen werden, die nach höchstens einem halben Jahr nicht einmal mehr als richtunggebende Verschlimmerung eines
vorbe
stehenden
Leidens gewertet werden könnten (S. 6 oben).
Aus p
sychiatri
scher Sicht
(
Urk.
8/142)
wurden folgende Diagnosen genannt (S.
3
Ziff.
12):
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Anpassungsstörung, verbunden mit Angst, Depression und
Zukunfts
sorgen
(F43.23)
Neurasthenie (F48.0)
Probleme in Verbindung mit der sozialen Umgebung und bei Verände
rungen der Lebensumstände (Z60.0)
Probleme im familiären Umfeld, bedingt durch die Krankenkarriere (Z63.0)
Aktuell verhindere ein somatischer und psychischer Gesundheitsschaden von erheblichem Krankheitswert vollständig die Ausschöpfung der funktionellen Leistungs
fähigkeit für jede beruflich zu verwertende Tätigkeit (S. 3
Ziff.
13).
4.7
Gemäss Eintrag im Feststellungsblatt vom 1
6.
Oktober 2009 (
Urk.
8/
143) ergab das
Konsensusgespräch
der beiden RAD-Ärzte am 1
3.
August 2009 folgende
s
Ergebnis (S. 4 f.):
Beim Versicherten bestehe keine Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätigkeit. Dies begründe sich auf somatischem Gebiet
durch die Ausbildung einer „Krallenhand“ links bei Status nach iatrogener Nervendurchtrennung, und auf psychiatrischem Gebiet
durch die Ausbildung einer chronischen Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren
einer Anpassungsstörung, verbunden mit Angst, Depression und
Zukunfts
sorgen
einer Neurasthenie
Problemen in Verbindung mit der sozialen Umgebung und bei Veränderung der Lebensumstände sowie
Problemen im familiären Umkreis, bedingt durch die Krankenkarriere
Dies wurde am
2.
Oktober 2009 durch Ausführungen aus psychiatrischer Sicht, die postulierte volle Arbeitsunfähigkeit bestätigend, ergänzt (S. 5 Mitte).
5
.
5.1
Dr.
F._
(vorstehend E. 4.1) berichtete am
1.
November 2011
über die bei ihm im September 2009, im Juli 2010 sowie im März, im Juli und zweimal im Oktober 2011 erfolgten Konsultationen (
Urk.
8/171/1-3).
5.2
Die Fachpersonen des
Zentrums G._
machten in ihrem Bericht vom
8.
Dezember 2011 (
Urk.
8/175/7-8
) vergleichbare Angaben wie im Februar 2009 (vorstehend E.
4.5).
5.3
Dr.
Z._
führte am
1
3.
Dezember 2011
aus, seit seinem Bericht vom Februar 2009 (vgl. vorstehend E. 4.2) hätten sich keine neuen Aspekte und bezüglich Arbeits
unfähigkeit keine Veränderungen ergeben
(
Urk.
8/177/5; vgl. Urk.
8/180).
5.4
Die Fachpersonen des
Zentrums G._
nahmen mit Bericht vom 1
6.
Januar 2013
(Urk.
8/220)
zu den Observationsergebnissen Stellung (S. 1 f.) und führten unter anderem aus, welches ihres Erachtens 2013 die „richtigen Diagnosen“ seien (S.
3); die Arbeitsfähigkeit betrage 100
%
(S. 3 unten).
5.5
Am 2
0.
August 2013 erstatteten die Ärzte des
Institutes H._
ein
Gutachten
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
8/235)
. Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben des Beschwerdeführers (S. 8 ff.) und ihre vom 2
4.
bis 2
6.
Juni 2013 (S. 1) erfolgten Untersuchungen (S. 11 ff.).
Im orthopädischen Teil des Gutachtens (S. 17 ff.) wurde unter anderem aus
geführt, die vom Exploranden als invalidisierend angegebenen Beschwerden im Bereich der linken oberen Extremität liessen sich durch die klinischen Befunde keinesfalls nachvollziehen. Die deutlichen Inkonsistenzen sowie das fehlende Ansprechen auf anamnestisch erheblichen
Analgetikakonsum
sprächen dabei klar für eine massive nicht-organische Komponente. In Zusammenschau mit dem Observationsmaterial s
ei
allerdings festzuhalten, dass die vermeintlich geschonte linke Hand im Alltag überaus aktiv eingesetzt werde. So lägen zahl
reiche Fotos vor, welche den Exploranden bei Überkopfmanövern oder Tragen grösserer Lasten wie einer 6er-Packung Wasserflaschen, Spielgerät, Wasser
eimer, Ski, Kinderwagen, Maxi-
Cosi
, Kisten, Schachteln und Velo zeigten. Der Explorand verwende die linke Hand auch, um Gegenstände aufzufangen, sich abzustützen und das Auto zu steuern. Die Angaben des Exploranden seien nicht zuletzt
auch
insofern
massiv in Frage zu stellen, als das vermeintlich eingenommene Paracetamol im Serum nicht nachweisbar sei (S. 21 Mitte).
Im neurologischen Teil des Gutachtens (S. 22 ff.) wurde unter anderem ausge
führt,
die Observation habe offenbar auf einen seitengleichen Gebrauch der Hände hingewiesen beziehungsweise
dies
auch dokumentiert
, was in Kongruenz
stehe zu der offenbar weiterhin stattfindenden Teilnahme am Strassenverkehr ohne Einrichtung des PKW für Einarmbetrieb.
Bei der aktuellen Untersuchung ergäben sich nun gleichfalls Inkonsistenzen betreffs dieser
Ulnarisparese
. Zum einen sei die Unterarmmuskulatur seitengleich ausgeprägt, so dass eine proxi
male
Ulnarisläsion
sicher auszuschliessen sei, zum anderen bestehe keine typische Krallenhand, sondern lediglich eine Beugestellung der Finger IV und V bei seitengleicher vegetativer Innervation (Schweissproduktion). Die wohl
rechts
betonten
, aber trotzdem auch links nachweisbaren
Verschwielungen
sprächen eindeutig für einen entsprechenden Gebrauch, wie dies auch in der Obser
vierung zutage trete (S. 25 unten).
Die Gutachter nannten folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26
Ziff.
5.1):
Zustand nach
Ulnarisläsion
distal mit partieller Remission
Ferner nannten sie die folgenden, hier gekürzt angeführten Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26 f.
Ziff.
5.2):
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
chronische Beschwerden im Bereich von Ellbogen und Hand der
adominanten
linken Seite
chronische
Zervikalgie
massiver Verdacht auf Schmerzausweitung
anamnestisch Herzrhythmusstörungen
Zur Arbeitsfähigkeit führten sie aus, zusammengefasst sei der Explorand aus polydisziplinärer Sicht für eine körperlich leichte bis mittelschwere, wechsel
belastende Tätigkeit, bei welcher die linke Hand vorwiegend als Hilfshand ein
gesetzt werde, zu 100
%
arbeits- und
leistungsfähig. Tätigkeiten, welche eine
Fein
beweglichkeit
sämtlicher Finger der linken Hand erforderten, seien nicht möglich (S. 28 oben).
Zum Verlauf führten
d
ie
Gutachter
aus,
eine Einschränkung der Gebrauchs
fähigkeit der linken Hand bestehe wahrscheinlich seit der ersten Operation im Jahr 200
2.
Genau
e
Angaben des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit seien aufgrund der Akten nicht möglich. Die Arbeitsfähigkeit, wie sie von
ihn
en festgestellt worden sei, sei wahrscheinlich nach den Unfällen von 2008 und 2009 nur vorübergehend vermindert gewesen. Wahrscheinlich habe die festgestellte Arbeits
fähigkeit schon seit Jahren bestanden, was die Bilder der Observation 2011 auch gezeigt hätten. Sicher gelte die Arbeitsfähigkeit ab dem
Unter
suchungs
datum
im Juni 2013 (S. 28
Ziff.
6.3).
Aus neurologischer Sicht bestehe Übereinstimmung mit den von
Dr.
Y._
2007 beschriebenen Befunden; die von ihm angegebene Arbeitsfähigkeit von 50
%
für angepasste Tätigkeiten sei (hingegen) nicht nachvollziehbar. Mit den Angaben von
Dr.
F._
bestehe nur teilweise Übereinstimmung, und bei der RAD-Untersuchung 2009 seien die nicht objektivierbaren Symptome nicht von den objektiven Befunden abgegrenzt worden (S. 28
Ziff.
6.5).
Aus orthopädischer Sicht könne das 2009 angegebene
lumbospondylogene
Syndrom mit fehlender Arbeitsfähigkeit als Metzger höchstens als vorüber
gehende Einschätzung angesehen werden (S. 28 unten).
Aus psychiatrischer Sicht hätten die Ärzte des
Zentrums G._
eine anhaltende
somato
forme
Schmerzstörung mit Depressionen und neuropsychologischen Ein
schränkungen angegeben und den Exploranden als zu 100
%
arbeitsunfähig beurteilt. Eine Depression liege gemäss den Feststellungen der Gutachter nicht vor und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung werde ebenfalls nicht bestätigt. Übereinstimmung bestehe mit der Beurteilung durch
Dr.
C._
2007 mit einer
Dysthymie
und einem Schmerzsyndrom ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit. Die Einschätzung der RAD-Ärzte, dass eine vielschichtige Problematik vorliege, könne bestätigt werden. Die Beurteilung, dass der Explo
rand dadurch an der Wiedereingliederung gehindert werde, sei zwar aufgrund der subjektiven Überzeugung des Exploranden nachvollziehbar, stehe aber im Gegensatz zu einer medizinisch möglichen Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit (S. 29 oben).
5.6
In einer e
rgänzende
n
Stellungnahme
vom
1
2.
September 2013 (
Urk.
8/
239)
führten die
H._
-Gutachter auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin unter anderem aus, ursprünglich habe der Handchirurg leidensadaptiert eine volle Arbeits
fähigkeit anerkannt und die Beschwerdegegnerin folgerichtig eine Rentenabweisung angekündigt.
Dann habe sie jedoch auf den Verlaufsbericht eines Neurologen abgestellt, der nur noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit anerkannt habe, wobei die im Vordergrund stehenden Schmerzen im Bereich des Os
pisiforme
links keine eigentlich
en
neurologischen Schmerzen gewesen seien (S. 1).
Wie die Observation 2011 gezeigt habe und
die Gutachter in ihrer Untersuchung polydisziplinär medizinisch objektiv hätten
feststellen können, bestehe keine wesentliche Einschränkung. Offensichtlich sei dies früher anders eingeschätzt worden, so dass sie ihre eigene objektive Einschätzung sicher ab Juni 2013 bestätigen könnten; wie die Observationsbefunde auch für Drittpersonen zeigten, habe dies offensichtlich im Jahr 2011 schon vorgelegen.
Wie in den Teilgutachten ausgeführt, stimme die Observation mit der gutachterlichen objektiven Befundlage überein (S. 2).
6.
Am
9.
November 2009 wurde über die am
5.
November 2009 erfolgte Abklärung betreffend
Hilflosenentschädigung
berichtet (
Urk.
8/
151).
Im Bereich „Ankleiden / Auskleiden“ gab der Beschwerdeführer an, seine Ehefrau müsse ihm beim Anziehen der Socken helfen, den Pullover über den Kopf bringen und die Hose einfädeln. Den Rest könne er mit angepasster Kleidung selber erledigen. Verschlüsse seien für ihn ein Problem; sobald sie etwas kniffliger zu bedienen seien (Hemden) oder der Stoff streng sitze (Jeans), benötige er Dritthilfe (S. 1 unten). Im Bereich „Körperpflege“ wurde festgehalten, der Beschwerdeführer benötige Hilfe beim Waschen und vor allem beim Abtrocknen (S. 2 Mitte).
In allen anderen Bereich
en
wurde kein Hilfsbedarf festgestellt, womit ein solcher bei zwei Lebensverrichtungen anerkannt wurde (S. 3 unten).
7.
7.1
Dr.
Z._
, der den Beschwerdeführer
seit Januar 2003
betreuende Handchirurg, attestierte im Dezember 2003 eine volle Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten; es sei darauf zu achten, dass der linke Arm nicht manuell belastet werden müsse (vorstehend E. 3.2). Im April 2006 führte er auf Anfrage aus, seiner Meinung nach könne der Beschwerdeführer den linken Arm nicht einsetzen, er müsste also eine einhändige Tätigkeit ausüben (vorstehend E. 3.4), zu deren zeitlichen Umfang sich
Dr.
Z._
nicht - insbesondere nicht ein
schränkend - äusserte. Auch RAD-Arzt
Dr.
D._
erachtete im Mai 2007 eine Rest-Arbeitsfähigkeit von 100
%
in körperlich angepasster Tätigkeit als gegeben (vorstehend E. 3.7).
Auf der Basis dieser Beurteilungen stellte die Beschwerdegegnerin mit Vor
bescheid vom 1
9.
Oktober 2007
(
Urk.
8/
69) in Aussicht, einen Rentenan
spruch zu verneinen.
7.2
Daraufhin wandte der Beschwerdeführer ein, die ärztlicherseits angenommene Arbeitsfähigkeit von 100
%
für einarmige Tätigkeiten entspreche einer medizi
nisch-theoretischen Einschätzung, die sich jedoch zum aktuellen Zeitpunkt nicht bewahrheitet habe (
Urk.
8/
102 S. 1 unten).
In der Folge holte die Beschwerdegegnerin, wie vom Beschwerdeführer bean
tragt, beim Neurologen
Dr.
Y._
- der 2003 letztmals berichtet und eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
in behinderungsangepasster Tätigkeit attestiert hatte (vorstehend E. 3.2) - einen Bericht ein, der im
Dezemb
er 2007
erstattet wurde. Darin bezeichnete
Dr.
Y._
den Gesundheitszustand als stationär und
die Diagnosen als
unverändert; im Beiblatt kreuzte er bei der Frage der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit „halbtags“ an (vor
stehend E. 3.8).
RAD-Arzt
Dr.
E._
führte sodann im Januar 2008 aus, der Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
durch
Dr.
Y._
könne gefolgt werden,
da die linke Hand praktisch nicht benutzbar sei.
Es kämen nur einhändige Arbeiten in Frage und diese seien wegen der vorhandenen Dauerschmerzen nur halbtags möglich (vorstehend E. 3.9).
7.3
Dr.
Y._
erstattete im Dezember 2007 einen äusserst rudimentären Bericht; ausser einigen handschriftlichen Stichworten zum aktuellen Befund (Schmerzen Os
pisiforme
links, rechter Mittelfinger eingeschlafen) beschränkte er sich auf das Ankreuzen von im Formular angebotenen Optionen. Insbesondere fehlt jegliche Begründung dafür, warum bei stationärem Gesundheitszustand und gleich
gebliebener Diagnose die Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätig
keiten nicht mehr 100
%
, sondern nur noch 50
%
betragen sollte.
RAD-Arzt
Dr.
E._
hat dazu keine Bemerkung gemacht, woraus zu schliessen ist, dass er es nicht bemerkt hat, was wiederum nahelegt, dass er sich mit den Akten und den dort enthaltenen (übereinstimmenden) Beurteilungen nicht, jedenfalls nicht eingehend, befasst hat, sondern lediglich den zuletzt einge
gangenen Bericht kommentiert hat.
Sodann führte er aus, der Beurteilung, wonach die Arbeitsfähigkeit 50
%
betrage, könne gefolgt werden, weil die linke Hand praktisch nicht benutzbar sei. Das leuchtet nicht ein: Faktische
Einhändigkeit
vermag wohl die Um
schreibung dessen zu beeinflussen, was als leidensangepasste Tätigkeit gilt, ist aber für sich alleine nicht geeignet, auf eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten zu schliessen.
Schliesslich führte er aus, es kämen nur einhändige Arbeiten in Frage und diese seien wegen Dauerschmerzen nur halbtags möglich. Worauf er dies stützte, führte er nicht aus.
D
ie Konstruktion
, wonach „Dauerschmerzen“ die Arbeitsfähigkeit um 50
%
verminderten,
findet sich
denn auch in keinem der aktenkundigen Berichte
, sondern erstmals und ohne jegliche nähere Begrün
dung in den knappen Ausführungen von
Dr.
E._
.
7.4
Dem Vorbescheid lagen übereinstimmende Beurteilungen zugrunde, die auf eine volle Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit schliessen liessen. Die Beschwerdegegnerin ist da
von
anschliessend einzig gestützt auf einen - vom Neurologen, auf den sich der Beschwerdeführer berufen hatte, ausgefüllten -Formularbericht abgerückt, obwohl dieser Bericht weder ein
e
nennenswerte
Befundaufnahme noch irgendeine Begründung für die postulierte Arbeitsun
fähigkeit enthielt. Seitens des RAD wurden diese Mängel nicht beachtet, sondern
es wurde
die gleiche Arbeitsunfähigkeit postuliert, wobei die damit ver
bundenen Ausführungen keine nachvollziehbare Begründung darstellten.
Insgesamt ist festzustellen, dass die Annahme einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 50
%
in leidensangepasster Tätigkeit - im Widerspruch zu
allen bis zum Erlass des Vo
rbescheids
übereinstimmend
abgegebenen
Beurteilungen - nicht einfach eine etwas fragwürdige Ermessensbetätigung darstellte. Im Lichte der damals vorhandenen Akten muss sie vielmehr als nicht begründet, nicht begründbar und damit objektiv falsch eingestuft werden. Sie ist, mit anderen Worten, zweifel
los unrichtig (vorstehend E. 1.7
); die korrekte Entscheidung hätte - wie noch im Vorbescheid in Aussicht gestellt - das Verneinen eines
Rentenanspruchs zu Folge gehabt und
haben müssen.
7.5
Damit sind die entsprechenden Vo
raussetzungen (vorstehend E. 1.6
) erfüllt, und das Zurückkommen der Beschwerdegegnerin auf die 2008 zweifellos unrichtige
Rentenzusprache
und die wiedererwägungsweise neu erfolgte Beurteilung von Gesundheitszustand und Invaliditätsgrad erweisen sich als rechtens.
Das gilt auch für die
Erhöhung der
Rente im Dezember 2009 (
Urk.
8/
158).
Die nach erfolgte
r
RAD-Untersuchung abgegebene Einschätzung, wonach auch für leidensangepasste Tätigkeiten keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe (vorstehend E. 4.7)
,
ist eine derartige Gemengelage von möglicherweise anspruchsrelevanten und klarerweise invaliditätsfremden Elementen, dass sie nicht ernsthaft als nach
vollziehbare Begründung für die erfolgte
Leistungszusprache
in Betracht kommen kann.
7.6
Die Beschwerdegegnerin hat die erfolgten Zusprachen mithin zulässigerweise aufgehoben und der aktuellen Anspruchsprüfung das eingeholte Gutachten zugrunde gelegt.
Dessen Beweistauglichkeit wurde auch vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt (vgl.
Urk.
9/1), dies zu Recht, erfüllt es doch alle praxisgemässen Kriterien
(vorstehend E. 1.8
) vollumfänglich.
Auch die darauf aufbauende Invaliditätsbemessung ist beschwerdeweise nicht in Frage gestellt worden und gibt nach Lage der Akten (vgl.
Urk.
8/242) zu keinen Beanstandungen Anlass.
Somit erweist sich die Verfügung vom 1
9.
Juni 2014, mit der die
Beschwer
degegnerin
einen Rentenanspruch verneint hat, als rechtens, was zur Ab
weisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
8.
8.1
Grundlage der
Zusprache
einer
Hilflosenentschädigung
im Februar 2010 (Urk.
8/165) bildete der Abklärungsbericht vom November 2009, wo eine Hilfsbedürftigkeit in den Bereichen „Ankleiden / Auskleiden“ und „Körper
pflege“ festgestellt worden war (vorstehend E. 6).
Zwar wurde - was einen Mangel darstellt - im Abklärungsbericht nicht ausge
führt, worauf diese Hilfsbedürftigkeit zurückzuführen sei. Aus den etwa zeit
gleichen medizinischen Unterlagen (vorstehend E. 4.5 bis E. 4.7) ergibt sich jedoch zweifelsfrei, dass die Einschränkung auf die damals registrierte und mit starken Schmerzen und Bewegungseinschränkung umschriebene Problematik des linken Arms und der linken Hand zurückgeführt wurde.
8.2
Im 2013 erstatteten Gutachten wurde aus der Sicht verschiedener medizinischer Disziplinen übereinstimmend - und überdies bestätigt durch das
Observations
material
- festgehalten, dass die vermeintlich geschonte linke Hand im Alltag über
aus aktiv eingesetzt werde (vorstehend E. 5.5).
Steht damit fest, dass die 2009 angenommene ganze oder weitgehende
Funktions
unfähigkeit
der linken Hand nicht mehr besteht, so entfällt auch die darauf zurückgeführte Hilfsbedürftigkeit und es hat sich der für den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
massgebende Sachverhalt revisionsrelevant ver
ändert, womit eine erneute Anspruchsprüfung zulässig und geboten ist (vor
stehend E. 1.5).
8.3
Ausweislich der - unbestritten gebliebenen - gutachterlichen Feststellung macht der Beschwerdeführer (auch) von seiner linken Hand regen Gebrauch. Die für die einstige Hilfsbedürftigkeit in den Bereichen „Ankleiden / Auskleiden“ und „Körperpflege“ angenommene körperliche Beeinträchtigung besteht somit nicht mehr. Entsprechend ist in den genannten Bereichen auch keine Hilfsbedürf
tigkeit mehr ausgewiesen.
8.4
Die Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht einen fortgesetzten Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
verneint;
richtigerweise hätte sie dies nicht mit dem Zurückkommen auf
die ursprüngliche
Leistungszusprache
, sondern dem Vor
liegen eines Revisionsgrundes begründet.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach im Ergebnis als zutreffend, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
9.
Die Kosten der beiden Verfahren gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
1‘000.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.