Decision ID: a9a48d37-d4c5-4102-bcd3-d866026d630d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Übertretung von Verkehrsvorschriften
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 1. Oktober 2015 (GC150144)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl des Stadtrichteramtes Zürich vom 13. März 2015 ist diesem Urteil
beigeheftet (Urk. 17/2).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Einsprecher ist schuldig der mehrfachen Übertretung der Verkehrsvor-
schriften im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1
SVG, Art. 73 Abs. 6a SSV, Art. 34 Abs. 2 SVG sowie Art. 47 Abs. 2 SVG
(Überfahren der Sicherheitslinie, Fahren links der Sicherheitslinie und Nicht-
beibehalten des Platzes in der stehenden Kolonne).
2. Der Einsprecher wird bestraft mit einer Busse von Fr. 250.–.
3. Bezahlt der Einsprecher die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 900.–. Allfällige weitere Ausla-
gen bleiben vorbehalten.
5. Die Gerichtskosten werden dem Einsprecher auferlegt. Über diese Kosten
stellt die Gerichtskasse Rechnung.
Die Kosten des Stadtrichteramtes Zürich im Betrag von Fr. 829.– (Fr. 759.–
Kosten gemäss Strafbefehl Nr. 2014-038-687 vom 13. März 2015 sowie
Fr. 70.– Weisungsgebühr) werden dem Einsprecher auferlegt. Diese Kosten
sowie die Busse von Fr. 250.– werden durch das Stadtrichteramt Zürich
eingefordert.
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Berufungsanträge:
a) des Verteidigers des Beschuldigten:
(Urk. 44 S. 2)
1. In Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils sei der Berufungskläger frei-
zusprechen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse für
beide Instanzen.
b) des Stadtrichteramtes Zürich:
(Urk. 49)
Keine Anträge.
_

Erwägungen:
1. Verfahrensgang
1.1. Mit Strafbefehl Nr. 2014-038-687 des Stadtrichteramtes Zürich vom 9. Juli
2014 wurde der Beschuldigte wegen Überfahrens der Sicherheitslinie, Fahrens
links der Sicherheitslinie und wegen Nichtbeibehaltens des Platzes in der stehen-
den Kolonne mit einer Busse von Fr. 310.– bestraft. Sodann wurde ihm die Ver-
fahrensgebühr von Fr. 330.– auferlegt (Urk. 2). Dagegen erhob der Beschuldigte
am 16. Juli 2014 Einsprache. Nach Befragung des Beschuldigten (Urk. 6) sowie
der Durchführung der Einvernahme des Polizisten B._ als Zeuge (Urk. 15)
erliess das Stadtrichteramt Zürich am 13. März 2015 einen redaktionell angepass-
ten, neuen Strafbefehl Nr. 2014-038-687 und bestrafte den Beschuldigten erneut
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wegen Überfahrens der Sicherheitslinie, Fahrens links der Sicherheitslinie und
wegen Nichtbeibehaltens des Platzes in der stehenden Kolonne mit einer Busse
von Fr. 310.– und auferlegte ihm die weiteren Verfahrensgebühren von nunmehr
insgesamt Fr. 759.– (Urk. 17/2). Am 17. März 2015 liess der Beschuldigte fristge-
recht Einsprache gegen diesen Strafbefehl erheben (Urk. 18). Das Stadtrichter-
amt Zürich hielt am Strafbefehl vom 13. März 2015 fest und überwies die Akten
mit Schreiben vom 5. Juni 2015 dem Bezirksgericht Zürich (Urk. 24).
1.2. Das Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, sprach den Be-
schuldigten mit Urteil vom 1. Oktober 2015 der mehrfachen Übertretung der Ver-
kehrsvorschriften im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27
Abs. 1 SVG, Art. 73 Abs. 6a SSV, Art. 34 Abs. 2 SVG und Art. 47 Abs. 2 SVG
(Überfahren der Sicherheitslinie, Fahren links der Sicherheitslinie und Nichtbeibe-
haltung des Platzes in der stehenden Kolonne) schuldig, bestrafte ihn mit einer
Busse von Fr. 250.– und setzte eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen fest. Zu-
dem auferlegte es dem Beschuldigten sämtliche Kosten (Urk. 35 S. 14 f.).
1.3. Das Urteil wurde am Tag seiner Fällung mündlich eröffnet und dem Be-
schuldigten und seinem Verteidiger im Dispositiv übergeben (Prot. I S. 13). Der
Beschuldigte liess am 5. Oktober 2015 rechtzeitig Berufung gegen das Urteil an-
melden (Urk. 31). Das begründete Urteil wurde dem Verteidiger am 29. Oktober
2015 zugestellt (Urk. 34/2), worauf dieser namens des Beschuldigten mit Eingabe
vom 4. November 2015 fristgerecht die Berufungserklärung einreichte (Urk. 36).
Auf entsprechende Fristansetzung hin verzichtete das Stadtrichteramt auf die Er-
hebung einer Anschlussberufung (Urk. 39). Mit Beschluss vom 16. November
2015 wurde das schriftliche Verfahren angeordnet und dem Beschuldigten Frist
angesetzt, um seine Berufungsanträge zu stellen und zu begründen (Urk. 40). Der
Verteidiger reichte mit Eingabe vom 19. Januar 2016 die Berufungsbegründung
innert erstreckter Frist ein (Urk. 44). Das Stadtrichteramt verzichtete auf eine Be-
rufungsantwort und beantragte die Abweisung der Berufung (Urk. 49). Die Vor-
instanz liess sich nicht vernehmen (Urk. 48).
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2. Umfang der Berufung
Die Berufung hat gemäss Art. 402 StPO im Umfang der Anfechtung aufschieben-
de Wirkung und die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird dem-
entsprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzli-
che Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Nachdem
der Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich anfechten liess (Urk. 44
S. 2), ist dieses in seiner Gesamtheit zu überprüfen.
3. Sachverhalt
3.1. Bilden ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen
Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Ur-
teil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhaltes sei offensichtlich
unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Behauptungen und Be-
weise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO).
Betreffend den Sachverhalt hat das Berufungsgericht nur zu prüfen, ob klare Feh-
ler bei der Sachverhaltsermittlung, wie namentlich Versehen, Irrtümer oder offen-
sichtliche Diskrepanzen zwischen der sich aus den Akten sowie der Hauptver-
handlung ergebenden Akten- und Beweislage auf der einen und der Urteilsbe-
gründung auf der anderen Seite vorliegen. Gesamthaft gesehen sind Konstellati-
onen relevant, die als willkürliche Sachverhaltserstellung zu qualifizieren sind (vgl.
Schmid, StPO - Praxiskommentar, 2013, Art. 398 N 12 f.; BSK StPO - Eugster,
2014, Art. 398 N 3; BGE 6B_696/2011 vom 6. März 2012, E. 2.1). Willkür bei der
Beweiswürdigung liegt vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich un-
haltbar ist oder mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht. Dass
eine andere Lösung oder Würdigung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vor-
zuziehen wäre, genügt nicht (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.4 mit Hinweisen).
3.2. Dem Beschuldigten wird mit Strafbefehl des Stadtrichteramtes Zürich vom
13. März 2015 vorgeworfen, am 22. Mai 2014 um 8.45 Uhr als Lenker des Motor-
rades Yamaha ... ABS ZH ... an der Tobelhof-/Dreiwiesenstrasse in Zürich 7 aus
der Kolonne ausgeschert zu sein, links der Sicherheitslinie die stehende Kolonne
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überholt zu haben und anschliessend kurz vor der Ampel wieder in die stehende
Kolonne eingebogen zu sein (Urk. 17/2).
3.3. Die Vorinstanz gelangte zusammengefasst zum Schluss, die Aussagen des
Beschuldigten seien konstant und wirkten grundsätzlich verlässlich, wobei er sich
jedoch darauf beschränkt habe, ein Überfahren der Sicherheitslinie in Abrede zu
stellen. Die Aussagen des Zeugen wiesen genauso wie der Polizeirapport einige
Ungenauigkeiten auf, weshalb seine Aussagen nicht vollumfänglich verlässlich
seien. Dass der Polizeirapport so kurz ausgefallen sei, lasse sich aber damit er-
klären, dass der Polizeibeamte davon ausgegangen sei, der Beschuldigte sei ge-
ständig und den Rapport zudem vier Tage nach dem Vorfall erstellt habe. Sodann
sei nachvollziehbar, dass der Polizist B._ sich anlässlich der Einvernahme
nicht mehr im Einzelnen an den Vorfall habe erinnern können, zumal es für ihn ei-
ne Routinekontrolle gewesen sei und diese beinahe ein Jahr zurückliege. Hinge-
gen enthalte das Notizbüchlein des Polizisten Angaben zum besagten Vorfall,
wobei insbesondere die Worte " Si.h.Li" und "Ausscheren" ausschlaggebend sei-
en und einen konkreten Bezug zum Vorfall zuliessen. Im Übrigen spreche für die
Darstellung des Zeugen, dass die damalige Kontrolle ausschliesslich dem Über-
fahren der Sicherheitslinie gegolten habe, womit spezifisch auf derartige Verfeh-
lungen geachtet und nur entsprechende Verfehlungen rapportiert worden seien.
Insgesamt sei daher erstellt, dass der Beschuldigte aus der Kolonne ausgeschert
sei, die Sicherheitslinie überfahren habe und links der Sicherheitslinie die rollende
Kolonne überholt habe und anschliessend wieder in die Kolonne eingebogen sei
(Urk. 35 S. 8 ff.).
3.4. Der Beschuldigte anerkennt, zum eingeklagten Zeitpunkt auf der Tobel-
hofstrasse stadteinwärts unterwegs gewesen und an einigen rollenden Fahrzeu-
gen vorbeigefahren zu sein bzw. zwei bis drei Autos überholt zu haben. Hingegen
bestreitet er, die Sicherheitslinie dabei überfahren zu haben (Urk. 6 S. 1 f.; Prot. I
S. 8-10). Der Beschuldigte rügt, die Vorinstanz habe die Aussagen nicht korrekt
gewürdigt. Ausserdem habe die Vorinstanz den Notizbucheintrag des Polizeibe-
amten als massgebend erachtet, obwohl er dazu nicht habe Stellung nehmen
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können. Der Sachverhalt sei deshalb offensichtlich nicht richtig ermittelt worden
(Urk. 44 S. 7 f.).
3.5. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten und des Zeugen zutref-
fend wiedergegeben, worauf, um Wiederholungen zu vermeiden, vorab verwiesen
werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 35 S. 5-7).
3.6. Die Verteidigung macht geltend, der als Zeuge einvernommene Polizeibe-
amte könne sich nicht mehr an den konkreten Vorfall erinnern. Zudem sei der
Sachverhalt im Polizeirapport derart kurz gehalten, dass sich niemand, auch nicht
der Zeuge, später gestützt auf diesen Polizeirapport an einen konkreten Vorfall er-
innern könne (Urk. 27 S. 2 f., Urk. 44 S. 2 f.).
Der Verteidigung ist insofern zuzustimmen, als der Polizeirapport vom 26. Mai
2014 kurz ausgefallen ist und den massgeblichen Sachverhalt nur mit einem Satz
festhält (Urk. 1 S. 2). In Übereinstimmung mit den vorinstanzlichen Erwägungen
ist die Kürze des konkreten Rapports aber nachvollziehbar, ging der rapportieren-
de Polizeibeamte damals zu Recht davon aus, der Beschuldigte sei geständig.
Zudem ist der Vorinstanz zuzustimmen, wonach der rapportierende Polizeibeamte
auch plausibel erklären konnte, wie es zur fehlerhaften Rapportierung des Verfeh-
lungsdatums kam (Urk. 35 S. 9). Der Polizeirapport ist demnach nicht weiter zu
beanstanden, stellt für sich allein aber auch kein Beweismittel für den umstritte-
nen Sachverhalt dar. Der Umstand, dass der Polizeibeamte den Rapport erst vier
Tage nach dem Vorfall erstellte und aus Versehen das Datum der Verfehlung
nicht korrekt anpasste, vermag die Glaubwürdigkeit desselben sowie die Glaub-
haftigkeit seiner Depositionen indes nicht grundsätzlich zu beeinträchtigen.
Der rapportierende Polizeibeamte, B._, wurde am 3. März 2015 vom Stadt-
richteramt der Stadt Zürich als Zeuge befragt (Urk. 15). Dabei führte er aus, er
habe den Polizeirapport vor der Einvernahme noch einmal konsultiert und er kön-
ne sich noch an den konkreten Vorfall erinnern, weil er gezielt das Überfahren der
Sicherheitslinie kontrolliert und sich spezifisch auf Motorräder geachtet habe (Urk.
15 S. 1 f.).
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Zunächst ist festzuhalten, dass der Polizeibeamte B._ als Zeuge unter der
Strafandrohung von Art. 307 StGB einvernommen wurde und kein Anlass zur An-
nahme besteht, er habe den Beschuldigten wissentlich und willentlich zu Unrecht
belasten wollen. Der Beschuldigte und B._ kennen sich nicht, weshalb kein
Interesse an einer falschen Anschuldigung seitens des Polizeibeamten auszu-
machen ist.
Sodann ist es nicht unüblich und daher unverdächtig, dass Polizisten ihren Rap-
port vor einer Zeugeneinvernahme noch einmal konsultieren, um anhand dieser
Gedankenstütze (insbesondere anhand von Zeit, Ort und Grundsachverhalt) den
konkreten Fall aus der Mehrzahl ähnlicher Beobachtungen herauszuschälen und
sich zu vergegenwärtigen. Im konkreten Fall zog der Polizeibeamte als zusätzli-
che Gedankenstütze einen Notizbucheintrag hinzu, welchen er anlässlich der Ein-
vernahme in Kopie zu den Akten reichte (Urk. 15 S. 2 und Urk. 15/2). Bezüglich
dieses Notizbucheintrages wandte der Verteidiger ein, es könne nicht darauf ab-
gestellt werden, da der Zeuge den Eintrag nicht erläutert habe und dem Beschul-
digten keine Gelegenheit gegeben wurde, zur entsprechenden Notiz und deren
Inhalt Stellung nehmen zu können (Urk. 44 S. 6 f.). Dieser Einwand zielt ins Lee-
re, waren doch sowohl der Verteidiger wie auch der Beschuldigte selber an der
Einvernahme des Polizeibeamten anwesend (Urk. 15 S. 1), anlässlich welcher der
Notizbucheintrag zu Sprache kam. Dass dabei nicht jedes einzelne eingetragene
Wort vorgehalten wurde, ändert nichts daran, dass der Beschuldigte Gelegenheit
hatte, dazu Stellung zu nehmen, weshalb dieser als verwertbar gilt und bei der
Sachverhaltserstellung berücksichtigt werden kann.
Der Polizeibeamte führte anlässlich der Einvernahme aus, er könne sich an den
konkreten Vorfall erinnern, da sie gezielt das Überfahren der Sicherheitslinie kon-
trolliert hätten, spezifisch Motorräder (Urk. 15 S. 2 f.). Der Beschuldigte sei nicht
innerhalb der Sicherheitslinie gefahren, da er ihn verzeigt habe (Urk. 15 S. 3).
Diese Depositionen des Polizeibeamten erweisen sich insofern als glaubhaft, als
dass an besagtem Morgen an der Tobelhofstrasse in Zürich das Überholen und
Überfahren der Sicherheitslinie durch Motorräder kontrolliert wurde. Der Umstand,
dass eine Verzeigung des Beschuldigten, welcher unbestrittenermassen als Mo-
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torradfahrer an besagter Örtlichkeit unterwegs war, erfolgte, stellt jedenfalls ein
sehr starkes Indiz dafür dar, dass er eine Verletzung der Verkehrsregeln, wie die
ihm vorgeworfene, begangen hat.
Die Depositionen des Polizeibeamten anlässlich der Zeugeneinvernahme vom
3. März 2015 gehen denn auch über das im Polizeirapport Festgehaltene hinaus.
So machte er zusätzliche Angaben zur Kontrolle an sich, mithin, dass er diese
gemeinsam mit Wachmeister C._ durchgeführt habe und zwei Strassen,
nämlich die Dreiwiesen- und die Tobelhofstrasse, beobachtet worden seien (Urk.
15 S. 1). Zudem machte er konkrete Ausführungen zu seiner Position und schil-
derte, wie er links der Kolonne in einem Gebüsch gestanden sei und einen freien
Blick auf die Fahrbahn und die Sicherheitslinie gehabt habe. Sodann vermochte
er seine Kontrollposition in einem Google-Maps-Foto einzuzeichnen und zu schil-
dern, wie er letztlich den Beschuldigten angehalten habe, indem er bei Grünlicht
über den Fussgängerstreifen gegangen sei und ihm mitgeteilt habe, er mache ei-
ne Verkehrskontrolle und habe festgestellt, dass er (der Beschuldigte) die Sicher-
heitslinie links überfahren habe (Urk. 15 S. 2). Er könne sich zwar nicht mehr da-
ran erinnern, ob der Beschuldigte das vorderste oder zweitvorderste Fahrzeug
gewesen sei, jener habe aber angehalten, als er zu erkennen gegeben habe,
dass es sich um eine Verkehrskontrolle handle (Urk. 15 S. 4). Der Zeuge B._
beschränkte sich somit nicht nur darauf, den Rapport wiederzugeben oder dessen
Inhalt zu bestätigen, sondern machte ergänzende Ausführungen zur besagten
Verkehrskontrolle und dem konkreten Vorfall mit dem Beschuldigten. Dass er sich
an einzelne Details, insbesondere die Endposition des Beschuldigten nicht mehr
erinnern konnte, lässt seine Aussagen nicht insgesamt als unglaubhaft erschei-
nen. Vielmehr gab der Zeuge gerade an, wenn er sich an ein bestimmtes Detail
nicht mehr erinnern konnte, so beispielsweise hinsichtlich der Endposition des
Beschuldigten, welche für ihn nur insofern relevant und damit erinnerungswürdig
gewesen war, als diese den Fortgang der Kontrolle betraf, wobei er diesbezüglich
glaubhafte Angaben machen konnte. Somit sind die Depositionen des Polizeibe-
amten B._ - angesichts des Fehlens eines Grunds zur böswilligen Bezichti-
gung - bereits starke Indizien dafür, dass sich der Polizist zusammen auch mit
seinen Handnotizen im schwarzen Büchlein, die er in Kopie zu den Akten reichte
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(Urk. 15 S. 2) tatsächlich an den Vorfall zu erinnern vermochte und der dem Be-
schuldigten vorgeworfene Sachverhalt zutrifft.
Trotz der Einwendungen der Verteidigung ist somit nicht zu beanstanden, dass
die Vorinstanz sich bei der Sachverhaltserstellung auch auf den Notizbucheintrag
des Polizeibeamten B._ stützte und mit Verweis auf die notierten Begriffe
"Si.h.Li" und "Ausscheren" einen konkreten Bezug zum Vorfall erkannte, zumal
der Beschuldigte das Ausscheren nicht bestritt (Prot. I S. 10). Der Polizeibeamte
notierte sich anlässlich der Verkehrskontrolle nicht nur die persönlichen Angaben
des Beschuldigten sowie die Details zu seinem Motorrad, sondern vermerkte zu-
sätzlich die Begriffe "Si.h.Li" und "Ausscheren" und hielt die Bemerkung "auf dem
Weg in die Schule" fest (Urk. 15/2). Dass der Beschuldigte sich zum besagten
Zeitpunkt auf dem Weg zur Schule befand, bestätigte er selber (Urk. 6 S. 1), wo-
mit jedenfalls feststeht, dass der Notizbucheintrag den dem Strafbefehl zugrunde-
liegenden Vorfall betrifft. Nicht ersichtlich ist, weshalb der Polizeibeamte B._
sich die Begriffe "Si.h.Li" und "Ausscheren" notiert haben soll, wenn eine entspre-
chende Verfehlung des Beschuldigten nicht tatsächlich vorgelegen hätte. Viel-
mehr deutet der Eintrag des Polizeibeamten darauf hin, dass sich der Beschuldig-
te eben gerade dem Vorwurf entsprechend verhalten hat. Das gilt umso mehr, als
es in der fraglichen Kontrolle gezielt um das Überfahren der Sicherheitslinie spezi-
fisch durch Motorräder ging (Urk. 15 S. 2). Von einer willkürlichen Berücksichti-
gung des Notizbucheintrages kann jedenfalls nicht die Rede sein.
Nicht auszugehen ist schliesslich von einer Verwechslung des Beschuldigten mit
dem wahren Täter. Der Polizeibeamte hatte von seinem Beobachtungsstandort
eine gute Übersicht über die Tobelhofstrasse und die Sicherheitslinie (Urk. 15/1).
Er hielt den Beschuldigten umgehend nach dessen Verfehlung an und notierte
sich seine Personalien anhand der vom Beschuldigten ausgehändigten Dokumen-
te sowie die Angaben zum vom Beschuldigten gefahrenen Motorrad. Damit be-
stehen entgegen den Einwendungen der Verteidigung lediglich marginale theore-
tische Zweifel an einer Verwechslung, womit vernünftige Zweifel an der Täter-
schaft des Beschuldigten ausgeschlossen werden können.
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Schliesslich stellen auch die konkreten Verhältnisse an der Tobelhofstrasse ein
Indiz dafür dar, dass der Beschuldigte beim Überholen der Kolonne die Sicher-
heitslinie überfahren hat. Aus dem Google-Maps-Foto der Tobelhofstrasse (Urk. 6
S. 4 und Urk. 15/1) ergibt sich, dass es sich dabei um eine relativ schmale aber
an dieser Stelle gerade Strasse handelt. Ein Überholen einer rollenden Kolonne
ohne die Sicherheitslinie zu überfahren, erscheint angesichts der Platzverhältnis-
se beinahe unmöglich, insbesondere wenn der Beschuldigte, wie er selber aus-
führte, mehrere rollende Fahrzeuge überholt hat.
3.7. Wenngleich die Depositionen des Beschuldigten anlässlich der Einvernahme
vom 16. Dezember 2014 mehrheitlich widerspruchsfrei sind und er den Sachver-
halt vorbehältlich des Überfahrens der Sicherheitslinie anerkennt, fällt dennoch
auf, dass er hinsichtlich dieser konkreten Frage bei wenig ausführlichen Bestrei-
tungen blieb (Urk. 6 S. 2). Dies ist sein gutes Recht, passt aber nicht zu seinem
übrigen Aussageverhalten, zumal er die übrigen Umstände der Verkehrskontrolle
detailliert umschrieb. Insgesamt erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten
zwar nicht als unglaubhaft, vermögen aber auch keine von den Darstellungen des
Polizeibeamten abweichende Überzeugung zu schaffen bzw. ernsthafte Zweifel
an den glaubhaften Belastungen des Polizeibeamten zu begründen.
3.8. Im Ergebnis stellte die Vorinstanz damit willkürfrei auf die Aussagen des Po-
lizeibeamten ab und erachtete den dem Strafbefehl zugrundeliegenden Sachver-
halt als erstellt.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten als mehrfache
Übertretung der Verkehrsvorschriften im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbin-
dung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 73 Abs. 6a SSV, Art. 34 Abs. 2 SVG sowie
Art. 47 Abs. 2 SVG.
4.2. Die vorinstanzlichen Ausführungen zur rechtlichen Würdigung sind zutref-
fend, weshalb darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO, Urk. 35 S. 12
ff.). Indem der Beschuldigte die rollende Kolonne überholte und dabei die Sicher-
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heitslinie überfuhr, missachtete er Art. 34 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27
Abs. 1 SVG und Art. 73 Abs. 6a SSV sowie Art. 47 Abs. 2 SVG und beging dem-
nach mehrfach eine einfache Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG. Der vorinstanzliche Schuldspruch ist somit zu bestätigen.
5. Sanktion
5.1. Die Vorinstanz hat korrekt dargelegt, dass Art. 90 Abs. 1 SVG als Sanktion
eine Busse vorsieht, welche gemäss Art. 106 Abs. 1 StGB maximal Fr. 10'000.–
betragen kann, und dass die Strafe innerhalb des Strafrahmens nach dem Ver-
schulden zu bemessen ist (Urk. 35 S. 13).
5.2. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass weder Sach-
noch Personenschaden entstanden ist. Auch eine konkrete Gefährdung ist nicht
erstellt. Die abstrakte Gefährdung von weiteren Verkehrsteilnehmern ist sodann
als eher gering zu bezeichnen. Mit der Vorinstanz ist von einem leichten Ver-
schulden des Beschuldigten auszugehen. In subjektiver Hinsicht ist zu beachten,
dass der Beschuldigte mit direktem Vorsatz die Kolonne überholte, hinsichtlich
des Überfahrens der Sicherheitslinie mindestens eventualvorsätzlich handelte,
sodass die subjektive Tatschwere die objektive Schwere der Tat nicht zu mindern
vermag. Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann auf die Aus-
führungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 35 S. 13).
5.3. Unter Berücksichtigung der strafzumessungsrelevanten Faktoren und der fi-
nanziellen Verhältnisse des Beschuldigten erachtete die Vorinstanz eine Busse
von Fr. 250.– für angemessen (Urk. 35 S. 13). Dem ist nichts entgegenzuhalten.
Die Busse in der Höhe von Fr. 250.– ist zu bestätigen.
5.4. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfrei-
heitsstrafe auszufällen (Art. 106 Abs. 2 StGB). Diese ist nach den Verhältnissen
des Täters so zu bemessen, dass sie seinem Verschulden angemessen ist
(Art. 106 Abs. 3 StGB), wobei dem Gericht bei der Bemessung ein weiter Ermes-
sensspielraum zusteht (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3). Praxisgemäss ist von einem
Umwandlungssatz von Fr. 100.– pro Tag auszugehen. Eine Ersatzfreiheitsstrafe
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von 3 Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse erweist sich unter diesen
Umständen als angemessen.
6. Kosten
Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 4 und 5) zu bestä-
tigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldigte im Berufungsverfahren mit sei-
nem Antrag auf Freispruch unterliegt, sind ihm auch die Kosten dieses Verfahrens
aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).