Decision ID: fd5af77f-24f0-4b3b-9215-9dd84abab7cc
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 11. Mai 2016 richtete die französische Steuerbehörde, die Direc-
tion Générale des Finances Publiques (DGFP; nachfolgend auch: ersu-
chende Behörde), gestützt auf Art. 28 des Abkommens vom 9. September
1966 zwischen der Schweiz und Frankreich zur Vermeidung der Doppel-
besteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Ver-
mögen und zur Vermeidung von Steuerbetrug und Steuerflucht
(SR 0.672.934.91, DBA CH-FR) ein Amtshilfeersuchen an die Eidgenössi-
sche Steuerverwaltung (ESTV; nachfolgend auch: Vorinstanz).
Als vom Ersuchen betroffene Personen nannte die DGFP mutmasslich in
Frankreich steuerpflichtige Personen, die anhand einer dem Ersuchen bei-
gelegten Liste identifizierbar seien. Als Informationsinhaberin in der
Schweiz wurde die UBS AG (gemeint: UBS Switzerland AG; nachfolgend:
UBS) genannt. Die Informationen würden für die Erhebung der französi-
schen Einkommenssteuer («impôt sur le revenu») für die Steuerjahre 2010
bis 2014 und die Solidaritätssteuer auf Vermögen («impôt de solidarité sur
la fortune») für die Steuerjahre 2010 bis 2015 benötigt.
A.b Grundlage des Ersuchens bildeten drei Listen, die aus einer in
Deutschland gegen die UBS geführten Strafuntersuchung stammen und
Angaben zu über 45'000 UBS-Konten enthalten. Anhand der in den Listen
erfassten Domizil-Codes vermutete die DGFP, dass die ihr mehrheitlich na-
mentlich nicht bekannten Kontoinhaber beziehungsweise wirtschaftlich Be-
rechtigten einer Steuerpflicht in Frankreich unterliegen. Aufgrund zahlrei-
cher Hinweise, wonach französische Steuerpflichtige ihren Steuerpflichten
nicht nachgekommen waren und mit Blick darauf, dass gegen die UBS in
Frankreich ein Strafverfahren wegen des Aufbaus eines umfassenden
Steuerfluchtsystems eingeleitet worden war, nahm die DGFP an, dass die
in den Listen aufgeführten Kontodaten beziehungsweise die damit verbun-
denen Vermögenswerte in Frankreich pflicht- und rechtswidrig weder de-
klariert noch versteuert worden waren. Die DGFP schätzte die dadurch für
den französischen Fiskus entstandenen Mindereinnahmen auf bis zu meh-
rere Milliarden Euro.
A.c Konkret ersuchte die DGFP die ESTV für jedes in der Beilage des Er-
suchens aufgeführte Konto um die Übermittlung der folgenden Informatio-
nen für den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2015:
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a) Name(n)/Vorname(n), Geburtsdaten und letzte bekannte Adresse ge-
mäss den Bankunterlagen
(i) des/der Kontoinhaber(s)
(ii) der wirtschaftlich berechtigten Person(en) gemäss Formular A
(iii) jeder anderen Person, die in die Rechte und Pflichten der beiden
letztgenannten Personen tritt
b) die Kontostände jeweils per 1. Januar der Jahre 2010 bis 2015.
B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 10. Juni 2016 forderte die Vorinstanz die
UBS auf, die ersuchten Informationen einzureichen. Zudem bat sie diese,
die betroffenen Personen mit noch aktiven Geschäftsbeziehungen über
das Amtshilfeverfahren zu informieren.
B.b Darüber hinaus informierte die ESTV die betroffenen Personen mittels
Publikation im Bundesblatt vom 26. Juli 2016 über das laufende Amtshilfe-
verfahren und den wesentlichen Inhalt des Amtshilfeersuchens.
C.
Die UBS erteilte der ESTV die ersuchten Informationen mit Teillieferungen
im Zeitraum vom 24. Juni 2016 bis 28. Juli 2017.
D.
Die ESTV und die DGFP einigten sich im Briefwechsel vom 11. Juli 2017
auf eine Verständigungslösung betreffend Einhaltung des Spezialitätsprin-
zips. Zudem teilte die DGFP der ESTV am 11. Juli 2017 mit, allfällige von
den schweizerischen Behörden im Zusammenhang mit UBS-Konten erhal-
tene Informationen würden im Strafverfahren gegen die Bank nicht verwen-
det werden.
E.
E.a Am 9. Februar 2018 erliess die ESTV acht Schlussverfügungen gegen
gewisse betroffene Personen – darunter die UBS, die mit Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-4974/2016 vom 25. Oktober 2016 als Partei an-
erkannt worden war –, in denen sie das Amtshilfeersuchen Frankreichs als
zulässig qualifizierte und die Amtshilfe im von der DGFP beantragten Um-
fang gewährte.
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Seite 4
E.b Am 9. März 2018 erhob die UBS beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde. Sie beantragte, die Schlussverfügungen vom 9. Februar 2018
sowie die Editionsverfügung vom 10. Juni 2016 (vgl. B.a.) seien aufzuhe-
ben. Mit Urteil A-1488/2018 vom 30. Juli 2018 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde gut, soweit es darauf eintrat, und hob die
Schlussverfügungen vom 9. Februar 2018 und die Editionsverfügung vom
10. Juni 2016 auf.
E.c Eine gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde der ESTV hiess das
Bundesgericht mit Urteil 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019, auszugsweise
publiziert als BGE 146 II 150, gut und bestätigte die Editionsverfügung der
ESTV vom 10. Juni 2016 und die Schlussverfügungen vom 9. Februar
2018. Das Gericht qualifizierte das Listenersuchen Frankreichs vom
11. Mai 2016 als zulässig und die verlangten Informationen als voraussicht-
lich erheblich. Weiter erkannte es keine konkreten Anhaltspunkte für eine
Verletzung des Spezialitätsprinzips oder der Geheimhaltungspflicht durch
Frankreich.
F.
Im Anschluss an das höchstrichterliche Urteil vom 26. Juli 2019 und die
erst später öffentlich zugänglich gewordene schriftliche Urteilsbegründung
nahm die ESTV die Bearbeitung der sistierten Verfahren, deren Ausgang
von der Beurteilung des Ersuchens der DGFP vom 11. Mai 2016 abhängig
war, wieder auf. Die ESTV gewährte den Beschwerdeführenden das recht-
liche Gehör zur beabsichtigten Datenübermittlung an Frankreich. Diese
verzichteten auf eine Stellungnahme.
G.
Mit Schlussverfügung vom 9. Oktober 2020 ordnete die ESTV die Leistung
der Amtshilfe in Bezug auf die von der DGFP erfragten Bankinformationen
betreffend die Beschwerdeführenden an.
H.
Am 11. November 2020 erhoben die Beschwerdeführenden Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten, die Schlussverfügung
der ESTV vom 9. Oktober 2020 sei aufzuheben und auf das Amtshilfeer-
suchen sei nicht einzutreten. Eventualiter sei jene aufzuheben und das
Amtshilfeersuchen abzuweisen. Subeventualiter sei die Schlussverfügung
vom 9. Oktober 2020 insoweit aufzuheben und das Amtshilfeersuchen ab-
zuweisen, als sie eine Herausgabepflicht von Bankunterlagen und Informa-
tionen betreffend Sachverhalte erfasse, die sich vor dem 1. Februar 2013
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zugetragen hätten. Subeventualiter sei die Schlussverfügung vom 9. Okto-
ber 2020 insoweit aufzuheben und die Amtshilfe auf die Übermittlung der
nachfolgenden Informationen zu beschränken: «Bei der "Bank UBS" exis-
tieren keine Informationen zu den Konten auf den beigelegten Listen».
Schliesslich ersuchten die Beschwerdeführenden um Sistierung des Ver-
fahrens, bis der ersuchende Staat die Erklärung abgegeben habe, dass
Daten nicht unrechtmässig beschafft wurden.
I.
Am 7. Juni 2021 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein. Die Be-
schwerdeführenden verzichteten auf eine Replik.
J.
Am 15. September 2021 teilte das Bundesverwaltungsgericht den Parteien
mit, dass nunmehr die Abteilung VI für die Bearbeitung des von den Be-
schwerdeführenden eingeleiteten Verfahrens A-5708/2020 zuständig sei
und dieses neu unter der Verfahrensnummer F-5708/2020 geführt werde.
Ferner wurde die Zusammensetzung des Spruchkörpers sowie die einge-
setzte Gerichtsschreiberin bekannt gegeben und eine Frist zur Einreichung
eines allfälligen Ausstandbegehrens angesetzt. Die Beschwerdeführenden
liessen sich innert Frist nicht dazu vernehmen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV im Bereich der internationalen Amts-
hilfe in Steuersachen zuständig (Art. 19 Abs. 1 und 5 des Bundesgesetzes
vom 28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersachen
[StAhiG, SR 651.1] i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Die Beschwerdeführenden sind zur Erhebung der Beschwerde legiti-
miert (Art. 19 Abs. 2 StAhiG, Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 VwVG;
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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Seite 6
2.
2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das
Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen.
2.3 Die streitige Schlussverfügung bezieht sich auf das Listenersuchen der
DGFP, welches durch das Bundesgericht mit Leitentscheid vom 26. Juli
2019 – gefällt in öffentlicher Beratung und auszugsweise amtlich publiziert
als BGE 146 II 150 – als zulässig qualifiziert wurde mit der Folge, dass die
entsprechende Amtshilfe zu gewähren war. Das Bundesverwaltungsgericht
ist an dieses Präjudiz gebunden; es darf in Bezug auf Fragen, welche das
Bundesgericht in diesem Zusammenhang beantwortet hat, nicht von des-
sen Erwägungen abweichen. Ein Beurteilungsspielraum verbleibt ihm le-
diglich in Bezug auf Fragen, welche das Bundesgericht offen gelassen hat
(vgl. Urteile des BVGer A-3045/2020, A-3047/2020 und A-3048/2020, je-
weils vom 29. März 2021 E. 1.4.3, je mit Hinweisen).
3.
Die Beschwerdeführenden stellen sich auf den Standpunkt, dem Amtshil-
feersuchen würden Daten zu Grunde liegen, die nicht rechtmässig erwor-
ben worden seien. Sie beantragen die Sistierung des vorliegenden Verfah-
rens, sofern der DGFP Gelegenheit geboten werde, eine Erklärung zur
Rechtmässigkeit der Herkunft der Daten abzugeben.
Da die DGFP nicht aufgefordert wurde, eine solche Erklärung abzugeben,
erweist sich der Antrag der Beschwerdeführenden auf Sistierung des Ver-
fahrens als gegenstandslos. Zur Frage der rechtmässigen Herkunft der
dem Amtshilfeersuchen zu Grunde liegenden Daten wird auf E. 9 verwie-
sen.
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Seite 7
4.
4.1 Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs. Die Vorinstanz stütze sich in ihrer Schlussverfügung auf den Bundes-
gerichtsentscheid 2C_653/2018 (publiziert als BGE 146 II 150) und be-
zeichne diesen als Pilotentscheid. Das Verfahren, aus dem dieser Ent-
scheid hervorgehe, sei zwischen der Vorinstanz und der UBS geführt wor-
den. Das vorliegende Verfahren dagegen spiele zwischen der Vorinstanz
und zwei vom Amtshilfeersuchen der DGFP betroffenen Personen. Die Er-
kenntnisse aus dem einen Verfahren unbesehen ins andere zu übertragen
verletze den Anspruch auf rechtliches Gehör. Des Weiteren habe die Vor-
instanz eine Verletzung des Ordre public lediglich pauschal verneint.
4.2 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) folgt unter
anderem die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu be-
gründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den
Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die
wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten
lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen,
dass sich der Entscheid mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan-
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE
142 III 433 E. 4.3.2; 141 III 28 E. 3.2.4).
4.3 Wie bereits erwähnt (E. 2.3) wurde das Listenersuchen der DGFP, auf
welches sich die streitige Schlussverfügung bezieht, durch den Bundesge-
richtsentscheid 2C_653/2018 als zulässig qualifiziert. Die darin gemachten
Feststellungen sind für das vorliegende Verfahren somit massgebend. In-
wiefern ein Verweis der Vorinstanz auf diesen Entscheid im Zusammen-
hang mit der Frage der Zulässigkeit des Amtshilfeersuchens eine Gehörs-
verletzung darstellen soll, ist somit nicht ersichtlich.
Bezüglich des Vorbringens, die Vorinstanz habe eine Verletzung des Ordre
public lediglich pauschal verneint, gilt es festzuhalten, dass sie nicht gehal-
ten war, zu jedem Einwand der Beschwerdeführenden ausführlich Stellung
zu nehmen. Im Übrigen hat sie, wenn auch mit einer knappen Begründung,
den erhobenen Einwand ausdrücklich verneint. Eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs liegt somit nicht vor (vgl. auch Urteil des BVGer A-1883/2021
vom 22. Februar 2022 E. 2.2.3).
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Seite 8
5.
5.1 Landesrechtlich ist die internationale Amtshilfe in Steuersachen im
Steueramtshilfegesetz geregelt, welches am 1. Februar 2013 in Kraft ge-
treten ist. Abweichende Bestimmungen des im Einzelfall anwendbaren Ab-
kommens bleiben vorbehalten (Art. 1 Abs. 2 StAhiG).
5.2 Das Amtshilfeersuchen der DGFP stützt sich auf Art. 28 DBA CH-FR
(in der hier anwendbaren Fassung gemäss Art. 7 des Zusatzabkommens
vom 27. August 2009 [AS 2010 5683; nachfolgend: Zusatzabkommen
2009]) und auf Ziff. XI des im DBA CH-FR (SR 0.672.934.91) integrierten
Zusatzprotokolls (SR 0.672.934.91) in der Fassung gemäss Art. 1 der Ver-
einbarung vom 25. Juni 2014 über die Änderung des Zusatzprotokolls zum
revidierten Abkommen zwischen der Schweiz und Frankreich vom 9. Sep-
tember 1966 zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der
Steuern vom Einkommen und vom Vermögen und zur Vermeidung von
Steuerbetrug und Steuerflucht (AS 2016 1195; nachfolgend: Vereinbarung
2014).
5.2.1 Gemäss Art. 11 Abs. 3 des Zusatzabkommens 2009 findet das Zu-
satzabkommen auf Informationsbegehren betreffend Kalender- oder Ge-
schäftsjahre Anwendung, die ab dem 1. Januar nach der Unterzeichnung
dieses Zusatzabkommens beginnen. Die zitierte Fassung von Art. 28 DBA
CH-FR ist somit anwendbar auf Amtshilfeersuchen, welche die Kalender-
oder Geschäftsjahre ab 1. Januar 2010 betreffen.
5.2.2 In den Übergangsbestimmungen sieht die Vereinbarung 2014 ihre
Anwendung auf Informationsbegehren betreffend Kalender- oder Ge-
schäftsjahre, die ab dem 1. Januar 2010 beginnen, vor (Art. 2 Abs. 2 der
Vereinbarung 2014). Im Sinne einer Ausnahme findet Art. 1 Abs. 1 der Ver-
einbarung 2014 Anwendung auf Informationsbegehren über Sachverhalte,
welche Zeiträume ab dem 1. Februar 2013 betreffen (Art. 2 Abs. 3 der Ver-
einbarung 2014). Gemäss dem Leiturteil des Bundesgerichts beschränkt
Art. 2 Abs. 3 der Vereinbarung 2014 jedoch die Anwendung von Ziff. XI
Abs. 3 Bst. a des Zusatzprotokolls nur für Gruppenersuchen auf Informati-
onen betreffend Zeiträume ab dem 1. Februar 2013. Demgegenüber kann
die Amtshilfe für den Zeitraum ab dem 1. Januar 2010 gewährt werden,
wenn es sich – wie im vorliegenden Fall – um ein Listenersuchen handelt,
bei welchem die betroffenen Personen nicht namentlich genannt, sondern
anhand bekannter Banknummern identifiziert werden (BGE 146 II 150
E. 5.6).
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Seite 9
6.
6.1 Gemäss Ziff. XI Abs. 3 des Zusatzprotokolls muss das Amtshilfegesuch
folgende Informationen enthalten: die Identität der in eine Prüfung oder Un-
tersuchung einbezogenen Person, wobei diese Information mittels Angabe
des Namens der betreffenden Person oder weiterer Informationen, welche
ihre Identifikation ermöglichen, geliefert werden kann (Bst. a), die Zeitperi-
ode, für welche die Informationen verlangt werden (Bst. b), die Beschrei-
bung der verlangten Informationen sowie Angaben hinsichtlich der Form,
in der der ersuchende Staat diese Informationen vom ersuchten Staat zu
erhalten wünscht (Bst. c), den Steuerzweck, für den die Informationen ver-
langt werden (Bst. d) und soweit bekannt, den Namen und die Adresse des
mutmasslichen Inhabers der verlangten Informationen (Bst. e). Die Buch-
staben a) – e) sind so auszulegen, dass sie einen wirksamen Informations-
austausch für die Anwendung von Artikel 28 DBA CH-F nicht behindern.
6.2 Das Bundesgericht hat in BGE 146 II 150 das Amtshilfeersuchen
Frankreichs vom 11. Mai 2016 für zulässig erklärt, womit es implizit auch
die Voraussetzungen von Ziff. XI Abs. 3 des Zusatzprotokolls als erfüllt er-
achtete. Entsprechend ist auf den in Bezug auf das Subeventualbegehren
formulierten Einwand der Beschwerdeführenden, die Übermittlung von In-
formationen, deren Inhaberin die «UBS Switzerland AG» sei, gehe über
das Amtshilfeersuchen, welches die Übermittlung von Informationen er-
frage, deren Inhaberin die «Bank UBS» sei, hinaus und sei deshalb nicht
zulässig, nicht weiter einzugehen (vgl. Ziff. XI Abs. 3 Bst. e i.V.m. Ziff. XI
Abs. 4 des Zusatzprotokolls).
7.
7.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 erster Satz DBA CH-FR tauschen die zuständi-
gen Behörden der Vertragsstaaten die Informationen aus, die zur Durch-
führung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung des
innerstaatlichen Rechts betreffend Steuern jeder Art und Bezeichnung, die
für Rechnung der Vertragsstaaten oder ihrer politischen Unterabteilungen
oder lokalen Körperschaften erhoben werden, voraussichtlich erheblich
sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Ab-
kommen widerspricht.
Der Verweis auf «voraussichtlich erhebliche» Informationen in Art. 28
Abs. 1 DBA CH-FR soll einen möglichst breiten Informationsaustausch in
Steuersachen gewährleisten, ohne dass die Vertragsstaaten eine «fishing
expedition» durchführen oder Informationen verlangen können, deren Er-
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Seite 10
heblichkeit für die Aufklärung der Steuerangelegenheiten bestimmter Steu-
erpflichtiger wenig wahrscheinlich ist (Ziff. XI Abs. 2 des Zusatzprotokolls).
Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit der beantragten In-
formationen gilt als erfüllt, wenn zum Zeitpunkt der Einreichung des Amts-
hilfegesuchs bei vernünftiger Betrachtung die Möglichkeit besteht, dass
sich die Informationen als erheblich erweisen. Keine Rolle spielt, ob sich
die Informationen nach ihrer Übermittelung als unerheblich herausstellen.
Die Beurteilung der voraussichtlichen Erheblichkeit obliegt in erster Linie
dem ersuchenden Staat. Der ersuchte Staat beschränkt sich auf die Prü-
fung, ob die verlangten Informationen mit dem im Ersuchen dargelegten
Sachverhalt zusammenhängen und sich möglicherweise für die Verwen-
dung im ausländischen Verfahren eignen (sog. Plausibilitätsprüfung); er
kann die Übermittlung von Informationen nur verweigern, wenn er sicher
ist, dass sie für den ersuchenden Staat nicht sachdienlich sind (BGE 144
II 206 E. 4.3; 142 II 161 E. 2.1.1). Einem Amtshilfeersuchen fehlt es dem-
nach an der voraussichtlichen Erheblichkeit, wenn es zur Beschaffung von
Beweismitteln aufs Geratewohl und ohne konkreten Zusammenhang zum
laufenden Steuerverfahren gestellt wird («fishing expedition»; BGE 146 II
150 E. 6.1.2). Das Verbot der «fishing expedition» entspricht dem Grund-
satz der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV), der zwingend einzuhalten
ist (Urteil des BVGer A-1562/2018 vom 3. August 2020 E. 2.4.2).
7.2 Der Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 26 des Wiener Übereinkom-
mens vom 23. Mai 1969 über das Recht der Verträge [VRK, SR 0.111])
führt im Rahmen der Amtshilfe in Steuersachen dazu, dass der ersuchte
Staat grundsätzlich an die Angaben des ersuchenden Staates gebunden
ist, soweit diese nicht aufgrund von Fehlern, Lücken oder offensichtlichen
Widersprüchen sofort entkräftet werden können (BGE 144 II 206 E. 4.4;
142 II 218 E. 3.3; Urteil A-1562/2018 E. 2.5). Auf diesem Vertrauen gründet
letztlich das ganze Amtshilfeverfahren (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-
4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020 vom 25. März 2021 E. 2.5.1).
7.3 Auf ein Ersuchen ist nach Art. 7 Bst. c StAhiG nicht einzutreten, wenn
es den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, «insbesondere wenn es
auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht strafbare
Handlungen erlangt worden sind». Letzteres bedeutet, dass die objektiven
Tatbestandsmerkmale eines Straftatbestandes des StGB erfüllt sein müs-
sen und die Delikte unter die schweizerische Straf- bzw. Gerichtshoheit ge-
mäss Art. 3 bis 8 StGB fallen (BGE 143 II 202 E. 8.5.6).
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Seite 11
Sofern eine Partei behauptet, ein Amtshilfeersuchen beruhe auf strafbaren
Handlungen, ist jeweils zu prüfen, ob das Ersuchen dem im internationalen
öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben entspricht.
Gegen diesen Grundsatz wird etwa verstossen, wenn der ersuchende
Staat versichert hatte, dass keine auf schweizerischem Territorium ge-
heime Bankdaten für ein Amtshilfeersuchen verwendet werden, und er
dennoch ein Ersuchen stellt, das direkt oder indirekt kausal mit solchen
geheimen Daten zusammenhängt (vgl. BGE 143 II 224 E. 6.4; statt vieler:
Urteil des BVGer A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 6.2). Ein treuwidri-
ges Verhalten ist in der Regel auch ohne vorgängige ausdrückliche Zusi-
cherung anzunehmen, wenn der ersuchende Staat illegal erworbene Daten
kauft und ein darauf abgestütztes Amtshilfeersuchen stellt (vgl. Urteil des
BGer 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3.4). Das blosse Verwenden
illegal erworbener Daten durch den ersuchenden Staat, welche dieser im
Rahmen der (spontanen) Amtshilfe durch einen anderen Staat erhalten
hat, stellt rechtssprechungsgemäss jedoch noch kein treuwidriges Verhal-
ten dar (Urteil des BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.3.5;
Urteile des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 3.4,
A-3186/2019 vom 20. August 2020 E. 2.8.3, A-1534/2018 E. 6.2).
8.
8.1 Die Beschwerdeführenden führen an, die DGFP lege nicht dar, inwie-
fern gegen sie – die Beschwerdeführenden – ein konkreter Verdacht be-
stehe, dass sie ihren steuerlichen Pflichten nicht nachgekommen wären.
Die DGFP nehme ihre Steuerpflicht aufgrund des angegebenen Domizil-
codes an. Aus diesem lasse sich aber weder ableiten, dass die betreffende
Person in Frankreich tatsächlich steuerlichen Verpflichtungen nachzukom-
men, noch dass sie solche verletzt habe. Das Amtshilfeersuchen stelle eine
unzulässige Beweisausforschung («fishing expedition») dar und es fehle
an der voraussichtlichen Erheblichkeit der angeforderten Informationen.
Des Weiteren habe die ersuchende Behörde das Subsidiaritätsprinzip nicht
eingehalten, indem sie darauf verzichtet habe, die anonymen Bankkonti
auf der besagten Liste mit den Kontennummern aller in Frankreich Steuer-
pflichtigen abzugleichen.
8.2 Das Bundesgericht hat das Amtshilfeersuchen Frankreichs vom
11. Mai 2016 im Rahmen von BGE 146 II 150 beurteilt und für zulässig
erachtet (Sachverhalt Bst. E.c). Diese Rechtsprechung ist für das vorlie-
gende Verfahren von präjudizieller Bedeutung. Dementsprechend bleibt für
das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich kein Raum, die Amtshilfe in
Abweichung zu den Erwägungen des Bundesgerichts zu verweigern (vgl.
F-5708/2020
Seite 12
E. 2.3). Zu prüfen sind nunmehr einzig individuelle Vorbringen für eine
Amtshilfeverweigerung. Indem das Bundesgericht das Amtshilfeersuchen
vom 11. Mai 2016 als zulässig beurteilt hat, hat es implizit auch den Domi-
zil-Code als hinreichenden Anknüpfungspunkt für eine mögliche Steuer-
pflicht in Frankreich (für die Jahre 2010 bis 2015) qualifiziert (vgl. BGE 146
II 150 E. 6.3). Die Beschwerdeführenden beziehungsweise ihre individuelle
Banknummer befand sich unbestrittenermassen auf den UBS-Listen, und
zwar in Verbindung mit dem Domizil-Code für Frankreich. Die Rüge, wo-
nach es sich beim Amtshilfeersuchen um eine «fishing expedition» handle
und es an der voraussichtlichen Erheblichkeit der Daten mangle, erweist
sich folglich als offensichtlich unbegründet. Gleiches gilt für die Rüge der
Verletzung des Subsidiaritätsprinzips. Das Bundesgericht hat sich einge-
hend mit dieser Thematik auseinandergesetzt und ist zum Schluss gekom-
men, dass die DGFP sämtliche innerstaatlichen Massnahmen ausge-
schöpft und folglich das Subsidiaritätsprinzip nicht verletzt hat (s. hierzu
Urteil 2C_653/2018 E. 9, nicht publ. in: BGE 146 II 150).
9.
9.1 Die Beschwerdeführenden monieren, das Amtshilfeersuchen basiere
auf Informationen, die durch strafbare Handlungen, insbesondere in Ver-
letzung von Art. 47 Abs. 1 Bst. c BankG (SR 952.0), erlangt worden seien,
was eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben darstelle und
gegen den Ordre public verstosse. Entsprechend sei auf das Amtshilfeer-
suchen gemäss Art. 7 Bst. c StAhiG nicht einzutreten. Vorliegend habe eine
UBS-Angestellte kundenspezifische Daten auf dem privaten Laufwerk ih-
res Computers abgespeichert. Diese Liste habe die Mitarbeiterin bei ihrem
Arbeitsortswechsel von der Schweiz nach Deutschland – entgegen ihrer
Zusicherung gegenüber dem bisherigen Arbeitgeber – unvollständig ge-
löscht. Es sei weder nachvollziehbar, weshalb ihr bisheriger Vorgesetzter
überhaupt eine Zustimmung zur eingeschränkten Datenübertragung erteilt
habe, noch weshalb er die verlangte Löschung nicht eingehender geprüft
habe. Zudem würden die sichergestellten Listen einen Zufallsfund darstel-
len und dürften deshalb nicht verwertet werden. Der Grundsatz von Treu
und Glauben sei überdies verletzt, da die DGFP das Amtshilfeersuchen
unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gestellt habe, indem sie behauptet
habe, die Daten amtshilfeweise von Deutschland erhalten zu haben.
9.2 Gemäss der Rechtsprechung ist keine Verletzung von Treu und Glau-
ben gegeben, wenn der Kausalzusammenhang zwischen einer allfälligen
Straftat und einem Amtshilfeersuchen unterbrochen ist (Urteile
A-3047/2020 E. 5.2.3.2, in anderer Konstellation: A-1534/2018 E. 3.6; vgl.
F-5708/2020
Seite 13
E. 7.3). Im vorliegenden Fall wäre der Kausalzusammenhang zwischen ei-
ner allfälligen Straftat der Bankmitarbeiterin oder ihrem Vorgesetzten und
dem französischen Amtshilfeersuchen ohnehin unterbrochen, weil
Deutschland die Daten im Rahmen einer spontanen Amtshilfe an Frank-
reich übermittelt hat (aus dem Beschluss des Bundesstrafgerichts
BB.2019.63 vom 20. November 2019, in welchem eine vorsätzliche Verlet-
zung des Bankkundengeheimnisses verneint wird, ergibt sich entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführenden nichts Gegenteiliges). So braucht nicht
weiter geprüft zu werden, ob die Mitarbeitenden der Bank tatsächlich eine
Straftat begangen haben. Es erübrigt sich daher auch, die von den Be-
schwerdeführenden gewünschten Verfahrensakten des Bundesstrafge-
richts beizuziehen (zur antizipierten Beweiswürdigung s. BGE 141 I 60
E. 3.3). Die französische Steuerbehörde hat zudem gegenüber der
Schweiz keine Zusicherung abgegeben, wonach sie die von Deutschland
erhaltenen Daten nicht verwenden werde. Die Vorinstanz hatte somit kei-
nen Anlass, die Einhaltung des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips in
Frage zu stellen (vgl. E. 7.3). Damit erübrigt es sich folglich auch, insoweit
auf die Frage nach einer allfälligen Verletzung des Ordre public einzuge-
hen.
9.3 Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, es handle sich bei
den gefundenen Listen um Zufallsfunde, die nicht verwertbar seien, geht
ihr Einwand ebenfalls fehl. Die Listen B und C wurden im Rahmen eines
deutschen Strafverfahrens, mithin im Rahmen einer Hausdurchsuchung
bei einer Bank in Deutschland gefunden. Ob diese Informationen im Rah-
men eines französischen Steuererhebungs- oder eines Steuerstrafverfah-
rens nach französischem Recht verwertbar wären, ist grundsätzlich im
französischen Verfahren zu prüfen. Denn gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung sind die strafrechtlichen Garantien namentlich von Art. 6
EMRK im Amtshilfeverfahren nicht anwendbar (BGE 139 II 404 E. 6).
10.
10.1 Die Beschwerdeführenden erachten den Ordre public als verletzt, da
ihr Recht auf Achtung ihrer Privatsphäre und auf informationelle Selbstbe-
stimmung gemäss Art. 13 BV, Art. 8 EMRK und Art. 17 des Internationalen
Paktes vom 16. Dezember 1966 über bürgerliche und politische
Rechte (SR 0.103.2; UNO-Pakt II) nicht respektiert worden sei. Für die
Übermittlung ihrer Daten auf dem Weg der Amtshilfe fehle es sowohl an
einer rechtlichen Grundlage als auch am öffentlichen Interesse und der
Verhältnismässigkeit, insbesondere, weil während des gesamten vorlie-
gend relevanten Zeitraums zwischen der Schweiz und der Europäischen
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Union und damit auch Frankreich das EU-Zinsbesteuerungsabkommen
von 2004 in Kraft gewesen sei. Dieses habe vorgesehen, dass Schweizer
Banken auf Gelder von französischen Kunden, welche anonym bleiben
wollten, eine pauschale Steuer einbehalten und in der Folge an Frankreich
abführen würden und die Schweiz Amtshilfe einzig bei Steuerbetrug leiste.
Mit dem vorliegenden Amtshilfeersuchen werde das fragliche Abkommen
umgangen. Aufgrund der Verletzung des Ordre public könne auf das Amts-
hilfeersuchen nicht eingetreten werden.
10.2 Einleitend gilt es festzuhalten, dass die Amtshilfebestimmungen, um
den Eingriff in die von Art. 13 BV, Art. 8 EMRK und Art. 17 UNO-Pakt II
garantierte Privatsphäre der betroffenen Personen so mild wie möglich zu
halten, jeweils voraussetzen, dass die ersuchten Informationen für den
vom ersuchten Staat verfolgten Steuerzweck «voraussichtlich erheblich»
(Art. 28 Abs. 1 DBA CH-FR) sind (BGE 147 II 13 E. 3.4.2). Diese Voraus-
setzungen sind – wie bereits dargelegt (E. 8.2) – erfüllt. Zudem hat bereits
der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in seinem Urteil «G.S.B.
gegen die Schweiz» 28601/11 vom 22. Dezember 2015 eine Verletzung
von Art. 8 EMRK einstimmig verneint. Art. 17 UNO-Pakt II geht bezüglich
der vorliegend relevanten Bereiche nicht über Art. 8 EMRK hinaus, wes-
halb sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen. Eine Verletzung des
Ordre public liegt nicht vor.
10.3 Zum Einwand der Umgehung des EU-Zinsbesteuerungsabkommens
ist festzuhalten, dass die DGFP gemäss ihrem Amtshilfeersuchen die ano-
nymen Bankkonten der Listen B und C unter anderem mit Informationen,
die der französischen Behörde gestützt auf das EU-Zinsbesteuerungsab-
kommen bereits offengelegt worden sind, abgeglichen hat. Die auf diese
Weise identifizierten Konti hat die DGFP explizit von ihrem Ersuchen aus-
genommen (vgl. S. 3 des Amtshilfeersuchens). Damit erweisen sich die
Befürchtungen der Beschwerdeführenden als unbegründet. Diese machen
denn auch weder geltend, dass ihre zur Übermittlung vorgesehenen Daten
bereits gestützt auf das EU-Zinsbesteuerungsabkommen den französi-
schen Steuerbehörden übermittelt worden seien, noch dass ihnen gegen-
über ein Steuerrückbehalt erfolgt sei (zur Konzeption des Steuerrückbe-
halts gemäss EU-Zinsbesteuerungsabkommen siehe: ROBERT WALDBUR-
GER, Abgeltungssteuern im Konflikt mit dem EU-Zinsbesteuerungsabkom-
men in: IFF Forum für Steuerrecht, 2012, S. 169-180, S. 170). Doch auch
wenn dies der Fall wäre, wäre auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
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instanz zu verweisen, wonach eine allfällige Verrechnung des Steuerrück-
behalts mit der im Wohnsitzstaat fälligen Steuer vor den dortigen Behörden
geltend zu machen wäre.
11.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Antrag, auf das
Amtshilfegesuch sei nicht einzutreten (bzw. die Vorinstanz entsprechend
anzuweisen), abzuweisen ist.
12.
12.1 Die Beschwerdeführenden beantragen in ihrem Eventualbegehren
die Abweisung des Amtshilfegesuchs. Zur Begründung führen sie erneut
die Verletzung des Schutzes ihrer Privatsphäre und die Verletzung des
DSG (SR 235.1) an. Die Übermittlung der besagten Excel-Liste von der
Schweiz nach Deutschland und von dort aus an weitere Datenbearbeiter
verletze das DSG, denn weder hätten sie – die Beschwerdeführenden –
eine Einwilligung zur Übermittlung ihrer Daten erteilt, noch gebe es eine
gesetzliche Grundlage hierfür. Auch kenne das Datenschutzrecht kein so-
genanntes Konzernprivileg.
12.2 Bezüglich des Einwands der Verletzung des Schutzes der Pri-
vatsphäre wird auf E. 10.2 verwiesen.
12.3 Der datenschutzrechtliche Aspekt wurde bereits in anderen, ähnlichen
Verfahren vorgebracht und höchstrichterlich beurteilt. Das Bundesgericht
hat die Anwendung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen nach DSG
im internationalen Amtshilfeverfahren in Steuersachen grundsätzlich be-
jaht (Urteil des BGer 2C_726/2018 vom 14. Oktober 2019 E. 3.3). Jedoch
werden die Vorschriften des DSG verdrängt, soweit das anwendbare DBA
sowie das StAhiG und die Steueramtshilfeverordnung selbst datenschutz-
rechtliche Bestimmungen enthalten (Vorrang des Völkerrechts sowie des
Spezialgesetzes; BGE 147 II 13 E. 3.4.2; Urteile 2C_726/2018 E. 3.3,
2C_619/2018 E. 4.2 und 4.4; betreffend Dritte: BGE 146 I 172 E. 7.2 und
7.4). Denn insoweit ist die erforderliche Abwägung der Interessen des er-
suchenden Staats an der Klärung der steuerlichen Verhältnisse gegenüber
den Geheimhaltungsinteressen eines Steuerpflichtigen bereits erfolgt.
Eine solche Spezialbestimmung ist mit Art. 28 DBA CH-FR gegeben und
geht insoweit auch den Bestimmungen des DSG vor.
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13.
In Bezug auf den Subeventualantrag, Informationen betreffend Sachver-
halte vor dem 1. Februar 2013 seien nicht herauszugeben, da es sich vor-
liegend um ein Gruppenersuchen (und nicht um ein Listenersuchen)
handle, weshalb nach Art. 2 Abs. 2 Vereinbarung 2014 und Ziff. XI Abs. 3
Bst. a Zusatzprotokoll DBA CH-FR ausschliesslich für den Zeitraum ab
dem 1. Februar 2013 Amtshilfe geleistet werden könne, wird auf E. 5.2.2
verwiesen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden handelt es
sich vorliegend um ein Listenersuchen, weshalb Amtshilfe für den Zeitraum
ab dem 1. Januar 2010 gewährt werden kann (s. auch BGE 146 II 150
E. 5.6).
14.
Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die in der Schlussver-
fügung vom 9. Oktober 2020 vorgesehene Amtshilfeleistung erfüllt. Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
15.
15.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Beschwerdeführen-
den die auf Fr. 5'000.– festzusetzenden Verfahrenskosten zu tragen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher
Höhe einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskos-
ten zu verwenden.
15.2 Den unterliegenden Beschwerdeführenden ist keine Parteientschädi-
gung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1
VGKE e contrario).
16.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann innerhalb von 10 Tagen nur dann mit Beschwerde in öffent-
lich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen
werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt
oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeuten-
den Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt (Art. 83 Bst. h,
Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.
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