Decision ID: deafb9a4-6eab-480a-b4a7-107c6a5ab641
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ wurde am 30. Juni 2010 für die Kantons- und Gemeindesteuern 2009 mit einem
steuerbaren Einkommen und Vermögen von je CHF 0 sowie für die direkte
Bundessteuer 2009 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 0 veranlagt. Da sie
trotz Mahnung und Hinweis auf Säumnisfolgen die Steuererklärung 2010 nicht
einreichte, wurde sie am 13. Februar 2013 für die Kantons- und Gemeindesteuern 2010
mit einem steuerbaren Einkommen und Vermögen von je CHF 0 sowie für die direkte
Bundessteuer 2010 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 0 veranlagt. Für die
Kantons- und Gemeindesteuern 2011 wurde sie am 11. September 2013 mit einem
steuerbaren Einkommen von CHF 15'300 und einem steuerbaren Vermögen von CHF 0
sowie für die direkte Bundessteuer 2011 mit einem steuerbaren Einkommen von
CHF 15'600 veranlagt. Nachdem im Rahmen eines Strafverfahrens gegen A._ vom
Untersuchungsamt Y._ Kontoauszüge an das Kantonale Steueramt St. Gallen
weitergeleitet worden waren, aus welchen sich für die Jahre 2009 bis 2011 fünf
Überweisungen an A._ vom Konto K._ sel. ergaben, leitete das Kantonale Steueramt
am 30. September 2019 ein Nachsteuerverfahren ein. Mit Entscheid des Kreisgerichts
Y._ vom 3. Oktober 2019 wurde A._ der Anstiftung zur ungetreuen
Geschäftsbesorgung für schuldig erklärt und zu einer bedingten Geldstrafe sowie einer
Ersatzzahlung an den Staat verurteilt (act. G 8/9/9).
A.a.
Den in der Folge ergangenen Nachsteuerverfügungen vom 7. September 2020 legte
das Kantonale Steueramt unversteuerte Einkommen von je CHF 250'000 für die Jahre
2009 und 2011 sowie CHF 20'000 für das Jahr 2010 zugrunde. A._ wurde verpflichtet,
für die Kantons- und Gemeindesteuern Nachsteuerbeträge von CHF 58'493 (2009),
CHF 745.60 (2010) und CHF 56'592 (2011) sowie für die direkte Bundessteuersteuer
Nachsteuerbeträge von CHF 26'835.75 (2009), CHF 29.25 (2010) und CHF 27'579.55
(2011) zu leisten (act. G 8/9/13). Die dagegen von A._ erhobene Einsprache wies das
Kantonale Steueramt mit Einspracheentscheid vom 27. Oktober 2020 ab (act. G
A.b.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Da die steuerrechtlichen Vorschriften des Bundes und der Kantone zur Nachsteuer-
Veranlagung vereinheitlicht sind, erledigte die Vorinstanz den Rekurs betreffend die
Kantons- und Gemeindesteuern einerseits und die Beschwerde betreffend die direkte
Bundessteuer anderseits zu Recht im gleichen Entscheid, aber mit getrennten
Dispositivziffern; unter diesen Umständen durfte auch die Beschwerdeführer die
Beschwerden in einer gemeinsamen Rechtsschrift erheben (BGE 135 II 260 E. 1.3).
Ebenso ist es zulässig, dass das Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen
Urteil entscheidet (vgl. BGer 2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2). - Die
8/9/16). Die hiergegen erhobenen Rechtsmittel (Rekurs und Beschwerde) wies die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 15. Februar
2022 ab (act. G 2).
Gegen diesen Entscheid erhob A._ (Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 20. Februar
2022 Beschwerde mit der Feststellung, dass sie an den im vorinstanzlichen Verfahren
gestellten Anträgen festhalte (act. G 1).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 2. März 2022 beantragte die Vorinstanz Nichteintreten auf
die Beschwerde. Der Beschwerdegegner stellte in der Vernehmlassung vom 14. März
2022 den Antrag auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (act. G
10). Die Beschwerdebeteiligte verzichtete stillschweigend auf eine Stellungnahme (vgl.
act. G 9).
B.b.
In der Eingabe vom 1. Mai 2022 bestätigte die Beschwerdeführerin ihren Standpunkt
(act. G 12). Die Vorinstanz teilte am 3. Mai 2022 den Verzicht auf eine weitere
Stellungnahme mit (act. G 15).
B.c.
Auf die Vorbringen in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens und die Akten wird,
soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.d.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeverfahren B 2022/36 und 2022/37 werden entsprechend vereinigt.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 229 in Verbindung
mit Art. 196 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2
der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 145
des Gesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Die
Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde legitimiert, und die Eingabe vom 20. Februar
2022 entspricht zeitlich, formal und inhaltlich - mit den nachstehend darzulegenden
Ausnahmen - den gesetzlichen Anforderungen (Art. 229 in Verbindung mit Art. 196 Abs.
1 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP; Art. 145 in Verbindung mit Art.
140 Abs. 1 und 2 DBG). Aus der Beschwerde (act. G 1) und der weiteren
Stellungnahme (act. G 12) ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin mit dem
vorinstanzlichen Entscheid nicht einverstanden ist und sie sinngemäss dessen
Aufhebung beantragt; unter anderem macht sie die Verjährung der
Nachsteuerforderung geltend (vgl. nachstehende E. 2.2). In diesem Umfang ist auf die
Beschwerde einzutreten. Soweit die Beschwerde überdies, anstelle eines expliziten
Antrags, die Feststellung enthält, dass an den im vorinstanzlichen Verfahren gestellten
Anträgen festgehalten werde (act. G 1 mit Verweis auf act. G 8/1, G 8/13), kann auf die
Prüfung jener Anträge nicht eingetreten werden, da ein blosser pauschaler Verweis auf
Eingaben im vorinstanzlichen Verfahren nicht zulässig ist und die Begehren vielmehr in
der Beschwerdeschrift selbst vorzubringen sind (vgl. Staub/Günthardt, in: Rizvi/
Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar,
Zürich/St. Gallen 2020, N 6 f. zu Art. 48 VRP m.H.).
2.
Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht
bekannt waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine
rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist, so wird die nicht erhobene Steuer samt
Zins als Nachsteuer eingefordert (Art. 199 Abs. 1 StG; Art. 151 Abs. 1 DBG). Als nicht
bekannt im Sinn der gesetzlichen Tatbestände gelten Tatsachen und Beweismittel, die
zum Zeitpunkt der Veranlagung bereits bestanden haben, aber während des
ordentlichen Veranlagungsverfahrens oder eines allenfalls sich daran anschliessenden
Rechtsmittelverfahrens nicht aktenkundig waren, d.h. also erst nach der rechtskräftigen
Veranlagung eines Steuerpflichtigen zum Vorschein gekommen sind (vgl. Zigerlig/
Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, VII. Rz. 110 mit Hinweisen;
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Höhn/Waldburger, Steuerrecht, Band I, 9. Aufl., Bern 2001, S. 985 f.; VerwGE B
2010/230 vom 26. Januar 2011, E. 4). Praxisgemäss darf sich die Behörde
grundsätzlich darauf verlassen, dass die Steuererklärung richtig und vollständig ist.
Allerdings liegen "neue Tatsachen", die ein Nachsteuerverfahren rechtfertigen, nach
der Rechtsprechung dann nicht mehr vor, wenn die Steuerbehörde ihre
Untersuchungspflicht im ordentlichen Veranlagungsverfahren verletzt hat. Die Praxis
nimmt eine Pflicht der Veranlagungsbehörde, ergänzende Abklärungen schon im
ordentlichen Veranlagungsverfahren vorzunehmen, üblicherweise dann an, wenn die
Steuererklärung Fehler enthält, die klar ersichtlich bzw. offensichtlich sind. Es braucht
also eine in die Augen springende Falschdeklaration seitens der Pflichtigen, welche die
Behörde bei gehöriger Sorgfalt schon im ordentlichen Veranlagungsverfahren zu
zusätzlichen Abklärungen hätte veranlassen müssen. Dagegen wird die behördliche
Untersuchungspflicht solange nicht verletzt, als eine Unstimmigkeit aus den Angaben
des Pflichtigen in der Steuererklärung nicht ohne Weiteres ersichtlich ist oder wenn die
Behörde wohl hätte Verdacht schöpfen können, ohne dass das aber zwingend
gewesen wäre (VerwGE B 2013/264 f. vom 24. März 2015 E. 2.1 m.H.).
Das Recht, ein Nachsteuerverfahren einzuleiten, erlischt zehn Jahre, in Fällen gemäss
Art. 132 Abs. 2 und Art. 200 lit. c StG zwanzig Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, für
die eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskräftige Veranlagung
unvollständig ist (Art. 203 Abs. 1 Satz 1 StG). Das Recht, die Nachsteuer festzusetzen,
erlischt 15 Jahre, in Fällen gemäss Art. 132 Abs. 2 und Art. 200 lit. c StG 25 Jahre nach
Ablauf der Steuerperiode, auf die sie sich bezieht (Art. 203 Abs. 3 StG). Art. 152 DBG
enthält eine analoge Regelung.
Unbestritten blieb, dass mit Blick auf die in den Jahren 2010 und 2013
abgeschlossenen Steuerveranlagungen 2009 bis 2011 und die am 30. September 2019
beim zuständigen Steueramt eingegangene Mitteilung der Staatsanwaltschaft über
Vergütungen auf das Konto der Beschwerdeführerin bei der Bank X._ von insgesamt
CHF 564'733.89 (act. G 8/9/4) zu Recht ein Nachsteuerverfahren eröffnet wurde. In den
Steuererklärungen 2009 bis 2011 war die erwähnte Kontoverbindung nicht aufgeführt
worden (act. G 8/9/1/3, 2/3 und 3/3) und sie gelangte dem Beschwerdegegner erst mit
der erwähnten Mitteilung zur Kenntnis.
Die Beschwerdeführerin macht die Verjährung der streitigen Nachsteuerforderungen
geltend (act. G 12 S. 4 unten). Die Einleitung des Nachsteuerverfahrens durch den
Beschwerdegegner erfolgte am 30. September 2019 (act. G 8/9/5) und damit gut neun
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Jahre nach Ablauf der Steuerperiode 2009. In diesem Zeitpunkt war die zehnjährigen
Verwirkungsfristen nach Art. 203 Abs. 1 StG und Art. 152 Abs. 1 DBG zur Einleitung
eines Nachsteuerverfahrens für die Steuerperioden 2009 bis 2011 noch nicht
abgelaufen. Die Festsetzung der Nachsteuer erfolgte mit Verfügungen vom
7. September 2020 (act. G 8/9/13) und damit innerhalb der fünfzehnjährigen
Verwirkungsfristen von Art. 203 Abs. 3 StG und Art. 152 Abs. 3 DBG. Entsprechend
geht der Einwand der Verjährung fehl.
Art. 16 DBG und Art. 29 StG bringen im Bereich der Besteuerung des Einkommens
natürlicher Personen das Konzept der Reinvermögenszugangstheorie zum Ausdruck.
Danach unterliegen aufgrund der Generalklausel von Art. 16 Abs. 1 DBG bzw. Art. 29
Abs. 1 StG und des nicht abschliessenden Positivkatalogs (Art. 17-23 DBG, Art. 30-36
StG) alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte der direkten Bundessteuer bzw.
der Einkommenssteuer. Vorbehalten bleiben die Kapitalgewinne aus der Veräusserung
von Privatvermögen (Art. 16 Abs. 3 DBG, Art. 29 Abs. 3 StG) und die im Negativkatalog
von Art. 24 DBG und Art. 37 StG abschliessend aufgezählten Fälle (BGE 139 II 363 E.
2.1). Die subjektive Zuordnung von Einkommen und Vermögen natürlicher Personen ist
ein ungeschriebenes Element des Steuertatbestandes. Sie bildet ebenso
Voraussetzung wie Schranke einer allgemeinen, auf Generalklauseln (Art. 16 Abs. 1
DBG bzw. Art. 29 Abs. 1 StG) beruhenden Besteuerung des Reinvermögenszugangs.
Allgemein gilt, dass die subjektive Zuordnung im Steuerrecht mit der zivilrechtlichen
Sichtweise übereinstimmt, es sei denn, das Gesetz sehe eine eigenständige
steuerrechtliche Zurechnungsregel vor oder verfolge eine wirtschaftliche
Betrachtungsweise (BGer 2C_95/2013 vom 21. August 2013 E. 2.1 m.H.).
Die Steuerbehörde trägt die Beweislast für die steuerbegründenden und -erhöhenden
Tatsachen, wohingegen die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und -
mindernden Tatsachen beweisbelastet ist (vgl. statt vieler BGer 2C_678/2012 vom
17. Mai 2013 E. 3.6). Mit Blick auf die Gesamteinkommensbesteuerung ist nach der
Rechtsprechung zu folgern, dass die (von der Steuerbehörde zu beweisenden)
Einkünfte, die als Entgelt für die Arbeit oder die Dienste einer Person anfallen,
vermutungsweise derselben Person zuzuordnen sind. Macht die steuerpflichtige
natürliche Person geltend, das Entgelt stehe nicht ihr, sondern einer anderen
natürlichen oder juristischen Person zu, behauptet sie eine aus ihrer Optik
steuermindernde Tatsache. Ihr obliegt es dann, die gesetzliche Vermutung anhand des
Beweises des Gegenteils zu entkräften, solange sich dies nicht bereits aus einer
anderslautenden gesetzlichen Anordnung ergibt (BGer 2C_95/2013 a.a.O. E. 2.2).
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorliegend ergeben sich aus den Auszügen des auf K._ sel. lautenden Kontos bei der
Bank X._ und dem Entscheid des Kreisgerichts Y._ vom 3. Oktober 2019
Überweisungen von CHF 250'000 (9. Januar 2009), CHF 20'000 (18. Januar 2010) und
CHF 250'000 (3. August 2011) auf das auf die Beschwerdeführerin lautende Konto bei
derselben Bank (act. G 8/9/4, G 8/9/9). Die Vorinstanz führte hierzu im angefochtenen
Entscheid aus, diese Einkünfte unterlägen aufgrund des
Gesamtreineinkommenssteuerprinzips grundsätzlich der Einkommenssteuer. Die
Beschwerdeführerin mache zu den Einkünften weder schlüssige Ausführungen noch
habe sie Unterlagen eingereicht, die den Einkommenszufluss widerlegen oder
nachweisen würden, dass es sich um steuerfreie Einkünfte (Art. 37 StG) handle. Dass
sie vom Kreisgericht Y._ von der Anklage der mehrfachen ungetreuen
Geschäftsbesorgung freigesprochen worden sei, ändere nichts am steuerrechtlich
relevanten Einkommenszufluss. Der Freispruch sei erfolgt, weil der Vorwurf, die
Beschwerdeführerin habe die ihr zur Verfügung gestandenen Vollmachten von K._ sel.
missbraucht, nicht erstellt oder teilweise aktenwidrig gewesen sei. Dass ihr Geld vom
Konto K._ sel. zugeflossen sei, habe ausser Frage gestanden. Aus diesem Grund
komme auch dem Ausgang allfälliger Rechtsmittel gegen den Entscheid des
Kreisgerichts Y._ für die Besteuerung der Einkünfte keine Bedeutung zu. Auch
hinsichtlich der vom Kreisgericht festgelegten Ersatzforderung von CHF 250'000 sei
der Ausgang allfälliger Rechtsmittelverfahren nicht von Relevanz, da aufgrund der
Schulden der Beschwerdeführerin in nächster Zukunft nicht ernsthaft mit der
Bezahlung der Ersatzforderung zu rechnen und deshalb der Betrag von CHF 250'000
nicht von der Besteuerung auszunehmen sei. Sollte das Geld tatsächlich noch auf
einem Konto für einen besonderen Zweck vorhanden sein, so ändere dies ebenfalls
nichts am Einkommenszufluss, denn beim Prinzip der
Gesamtreineinkommensbesteuerung bleibe die Art der Einkommensverwendung
grundsätzlich unberücksichtigt (Zigerlig/Oertli/Hofmann a.a.O., II. Rz. 63). Die
Ausführungen der Beschwerdeführerin und die eingereichten Unterlagen vermöchten
insgesamt das Beweisergebnis, dass ihr in den Jahren 2009 bis 2011 insgesamt
CHF 520'000 zugeflossen seien, nicht zu entkräften. Mit dem Beschwerdegegner sei
daher davon auszugehen, dass die CHF 520'000 als übrige Einkünfte der
Einkommenssteuer unterlägen (act. G 2).
2.4.
Die Vorinstanz begründete ihren Standpunkt nachvollziehbar. Kann von einer
Privatperson nach den Umständen eine Handlung oder eine Äusserung über
Gegebenheiten, die sie besser kennt als die Behörde, erwartet werden und bleibt eine
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
solche aus, so haben die Behörden nicht nach Tatsachen zu forschen, die nicht
aktenkundig sind (vgl. BGE 130 II 493, E. 3.2, und BGE 128 II 139, E. 2b). Vorliegend
hätte die - beweisbelastete (vgl. vorstehende E. 2.3) - Beschwerdeführerin in den
vorinstanzlichen Verfahren aussagekräftige Bestätigungen beschaffen müssen, um eine
Unrechtmässigkeit der Besteuerung des Vermögenszuflusses auf ihr Bankkonto
darzutun. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass nach der Rechtsprechung
strenge Beweiserfordernisse zu beachten sind, wenn es um internationale Geschäfts-
und Rechtsbeziehungen - vorliegend Zahlungsabwicklungen über ausländische Konten
- geht. Bei Zahlungseingängen auf solchen Konten ist somit nicht nur der
Vertragspartner (Geldgeber/überweisende Person) zu nennen, sondern es sind die
gesamten Umstände darzulegen, die im konkreten Fall zur Ausrichtung des
Geldbetrags geführt haben. Es sind die Verträge der jeweiligen Grundgeschäfte
vorzuweisen sowie allfällige schriftliche Vereinbarungen, ferner die Korrespondenz mit
dem Geldgeber und den allenfalls involvierten Banken (vgl. BGer 2C_797/2012 vom 31.
Juli 2013, E. 2.2.2 mit Hinweisen).
Erklärende Ausführungen im dargelegten Sinn finden sich - wie bereits in den Eingaben
der vorinstanzlichen Verfahren - in den beiden Eingaben des vorliegenden Verfahrens
(act. G 1, G 12) nicht. Die Beschwerdeführerin hält unter anderem fest, innerhalb der
Vorinstanz seien Personen der Scientology Gruppierung eingebunden (act. G 1 S. 2),
S._ habe sich für den Heimaufenthalt von K._ sel. "aktiv angestellt" (act. G 1 S. 3),
Drahtzieher der Scientologen Gruppierung sei Rechtsanwalt Dr. X._ mit seinem
Gefolge (act. G 1 S. 4) und letzterer sei mit einem Bankangestellten in den Tresorraum
der Bank X._ gelangt, um den Tresor zu räumen; auch sei der Banksafe bei der Bank
B._ entwendet worden (act. G 12 S. 5). Sodann habe die Staatsanwaltschaft des
Fürstentum Liechtenstein das gegen sie (die Beschwerdeführerin) laufende Verfahren
eingestellt (act. G 12 S. 6). Diese Darlegungen vermögen allesamt an den begründeten
Feststellungen im vorinstanzlichen Entscheid nichts zu ändern; die diesbezüglich
gestellten Beweisanträge (act. G 12 S. 2) sind daher abzuweisen. Der vorinstanzliche
Entscheid bestätigte mithin die vom Beschwerdegegner im Rahmen des
Nachsteuerverfahrens vorgenommenen Aufrechnungen von Einkommen von
CHF 250'000 (Zahlung vom 9. Januar 2009), CHF 20'000 (Zahlung vom 18. Januar
2010) und CHF 250'000 (Zahlung vom 3. August 2011) zum steuerbaren Einkommen
der Beschwerdeführerin zu Recht.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.