Decision ID: ac7002ba-9c3b-5805-a0cf-388e54016ab7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 6. Oktober 2020 im Bundesasylzent-
rum (BAZ) B._ um Asyl in der Schweiz. Auf dem Personalienblatt
gab er an, am (...) geboren und damit noch minderjährig zu sein (vgl. vor-
instanzliche Akten (...)-1/2 (nachfolgend als «Akte A1» bezeichnet).
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac)
ergab, dass er am (...) 2020 in Griechenland illegal in das Hoheitsgebiet
der Dublin-Staaten eingereist war und dort am (...) 2020 um Asyl ersucht
hatte. Ferner hatte er am (...) 2020 in Rumänien um Asyl ersucht, wo ihm
in der Folge am (...) 2020 subsidiärer Schutz gewährt wurde.
C.
C.a Anlässlich der am 26. Oktober 2020 durchgeführten Erstbefragung un-
begleiteter minderjähriger Asylsuchender (EB UMA) machte er mit Bezug
auf sein Alter und seine bisherigen Aufenthalte in Drittstaaten im Wesentli-
chen Folgendes geltend:
Er werde in fünf oder sechs Monaten (...) Jahre alt. Dies wisse er, weil
seine Eltern ihm sein Geburtsdatum mitgeteilt hätten respektive hätten
diese das Datum auf die Rückseite eines Fotos seiner Geburt geschrieben.
Er sei laut afghanischem Kalender am (...) geboren (entspricht im gregori-
anischen Kalender dem [...]). In Afghanistan habe er die Schule (...) Jahre
lang besucht. Kurz vor Abschluss der (...) Klasse sei er ausgereist; die
Schule habe er 2019 verlassen. Als er eingeschult worden sei, sei er fünf
oder sechs Jahre alt gewesen. An das Jahr der Einschulung könne er sich
nicht erinnern. Er habe das Land am (...) 2019 verlassen, damals sei er
ungefähr (...) Jahre alt gewesen.
Am (...) 2020 sei er in Griechenland angekommen, wo er etwa drei bis vier
Monate geblieben sei und mehrheitlich im Haus von Schleppern gewohnt
habe. Entgegen der Eurodac-Angaben habe er in Griechenland nie um
Asyl ersucht oder eine Aufenthaltsbewilligung erhalten; er habe zwar ein
Papier erhalten, dieses habe ihm der Schlepper jedoch abgenommen. In
Rumänien sei er verhaftet worden und habe 14 Tage in Quarantäne ver-
bracht. Danach habe er etwa drei bis vier Monate bei seinem Schlepper
gewohnt. Er verneinte, in Griechenland oder Rumänien ein Asylgesuch ge-
stellt zu haben.
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Als einzige Beweismittel reichte er Kopien von zwei Tazkira ein. Die Origi-
nale seien ihm vom Schlepper abgenommen worden. Dieser habe ihm ge-
sagt, dass man ihn als Minderjährigen nicht zu seinem Bruder weiterreisen
lassen würde, wenn man bei ihm die Tazkira finden würde. Den Schlepper
kenne er nicht und könne ihn nicht mehr kontaktieren – wenn man am Ziel
angelangt sei, schalte der Schlepper sein Telefon aus. Seine Schuldoku-
mente seien in Afghanistan.
C.b Ferner gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das rechtliche Ge-
hör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und einer Wegweisung
nach Griechenland oder Rumänien.
Diesbezüglich machte er geltend, dort niemanden zu kennen und hier in
der Schweiz seinen Bruder zu haben. Weder in Griechenland noch in Ru-
mänien habe er eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. In Griechenland wür-
den die Leute keine Flüchtlinge mögen, die Flüchtlinge würden geschlagen
und umgebracht.
C.c Sodann konfrontierte das SEM den Beschwerdeführer mit den Aussa-
gen seines Bruders anlässlich dessen ersten Interview in der Schweiz. Die-
ser habe gesagt, sein Bruder namens A._ habe den Jahrgang (...).
Diesbezüglich antwortete er, nicht zu wissen, wie es zu dieser Diskrepanz
gekommen sei. Sein Bruder sei jetzt (...) Jahre alt. Nach ihm habe die Mut-
ter eine Fehlgeburt gehabt und danach sei er auf die Welt gekommen. Ihr
Altersunterschied betrage sieben bis acht Jahre.
Das SEM teilte ihm mit, dass anlässlich des Gesprächs seine Minderjäh-
rigkeit nicht abschliessend habe festgestellt werden können und er mög-
licherweise zu einer medizinischen Altersabklärung aufgeboten werde.
D.
Am 26. Oktober 2020 stellte das SEM ein Informationsersuchen an die
griechischen Behörden betreffend den Stand des Asylverfahrens des Be-
schwerdeführers in Griechenland.
Gemäss der Antwort der griechischen Behörden vom 20. Oktober 2020
(recte: 29. Oktober 2020) sei der Beschwerdeführer in Griechenland mit
Geburtsdatum (...) bekannt. Sein Asylgesuch sei am (...) 2020 abgeschrie-
ben worden.
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Seite 4
E.
Am 30. Oktober 2020 ersuchte das SEM die rumänischen Behörden ge-
stützt auf das im Eurodac registrierte Asylgesuch in Rumänien und die
Schutzmarkierung um Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss
der Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den
Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger,
dem Abkommen vom 28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen
Bundesrat und der Regierung von Rumänien über die Rückübernahme von
Personen mit irregulärem Aufenthalt sowie der Europäischen Vereinbarung
vom 16. Oktober 1980 über den Übergang der Verantwortung für Flücht-
linge.
F.
Am 11. November 2020 wurde vom Institut für Rechtsmedizin der Univer-
sität (...) eine Analyse zur Altersbestimmung durchgeführt. Die radiologi-
schen Untersuchungen der linken Hand, der medialen Schlüsselbeinenden
und der dritten Molaren ergaben für den Beschwerdeführer ein wahr-
scheinliches Alter von circa 19-20 Jahren sowie ein zu berücksichtigendes
Mindestalter von 18.5 Jahren.
Zum Resultat dieser Analyse wurde dem Beschwerdeführer am 25. No-
vember 2020 das rechtliche Gehör gewährt.
G.
Mit Stellungnahme vom 30. November 2020 nahm der Beschwerdeführer
sein rechtliches Gehör war und führte aus, an dem von ihm geltend ge-
machten Alter festzuhalten und über das Ergebnis des Altersgutachtens
enttäuscht zu sein. Er verstehe nicht, weshalb man ihm nicht glaube. Ge-
mäss der von ihm eingereichten Kopie seiner Tazkira sei er im Jahr (...)
(...) gewesen, was mit seinen Aussagen zum Alter übereinstimme. Er habe
an der EB UMA erwähnt, dass sein Geburtsdatum der (...) – umgerechnet
der (...) – sei. Er betone mit Nachdruck, dass er minderjährig sei.
H.
Sein Geburtsdatum wurde in Folge im ZEMIS auf den (...) angepasst und
es wurde ein Bestreitungsvermerk angebracht.
I.
Am 4. Dezember 2020 stimmten die rumänischen Behörden dem Rück-
übernahmeersuchen des SEM zu. Die rumänischen Behörden führten
E-6332/2020
Seite 5
überdies aus, dass der Beschwerdeführer in Rumänien mit dem Geburts-
datum (...) bekannt sei und über eine Aufenthaltsbewilligung mit Gültigkeit
bis zum (...) verfüge. Mit Schreiben vom gleichen Tag präzisierten die ru-
mänischen Behörden, dass ihm in Rumänien subsidiärer Schutz gewährt
worden sei.
J.
Am 11. Dezember 2020 wurde der Entscheidentwurf der Rechtsvertretung
zur Stellungnahme ausgehändigt.
K.
Am 14. Dezember 2020 nahm der Beschwerdeführer Stellung zum Ent-
scheidentwurf des SEM.
L.
Mit Verfügung vom 14. Dezember 2020 – eröffnet tags darauf – trat das
SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein (Dispositivziffer
1), ordnete die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 2) sowie den
Vollzug an (Dispositivziffern 3-4) und händigte ihm die editionspflichtigen
Akten gemäss Aktenverzeichnis aus (Dispositivziffer 5). Überdies stellte
das SEM fest, dass sein Geburtsdatum im ZEMIS – mit Bestreitungsver-
merk – auf den (...) lautet (Dispositivziffer 6).
M.
Mit Beschwerdeeingabe vom 15. Dezember 2020 gelangte der Beschwer-
deführer an das Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragte er – in zwei
separaten und vorgedruckten Beschwerdeformularen – das Eintreten auf
sein Asylgesuch und die Prüfung desselben in der Schweiz sowie die An-
passung des Geburtsdatums im ZEMIS auf den (...). In prozessualer Hin-
sicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklu-
sive Kostenvorschussverzicht und amtlicher Verbeiständung.
N.
Im vorliegenden Verfahren zog das Bundesverwaltungsgericht die vo-
rinstanzlichen Akten des Bruders des Beschwerdeführers bei (N [...]).
Diese lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 18. Dezember 2020 vor
(vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
O.
Die vorinstanzlichen Akten den Beschwerdeführer betreffend lagen dem
Bundesverwaltungsgericht am 16. Dezember 2020 in elektronischer Form
vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
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Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet hinsichtlich der ZEMIS-Berich-
tigung mit uneingeschränkter Kognition (Art. 49 VwVG).
2.2 Gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG und Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf
die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet, da sich die vorlie-
gende Beschwerde – wie nachfolgend ausgeführt – als offensichtlich un-
begründet erweist.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer stellt im vorliegenden Verfahren den Antrag,
sein Geburtsdatum sei im ZEMIS auf den (...) zu berichtigen.
3.2 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes
über das Informationssystem für den Ausländer- und Asylbereich vom
20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-
rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (ZEMIS-Verord-
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Seite 7
nung, SR 142.513) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-
nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Aus-
kunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informa-
tionen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten,
nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem VwVG.
3.3 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nisationen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlan-
gen, dass unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m.
Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen
Fall ein absoluter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. Urteile des Bun-
desverwaltungsgerichts [BVGer] A-7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 3.2
und A-7822/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.2, je m.w.H.; vgl. ferner Urteil
des Bundesgerichts [BGer] 1C_224/2014 vom 25. September 2014 E. 3.1).
Die ZEMIS-Verordnung sieht im Übrigen in Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor,
dass unrichtige Daten von Amtes wegen zu berichtigen sind.
3.4 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die
Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung zu beweisen, die Bundesbe-
hörde im Bestreitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten
Personendaten (vgl. Urteil des BGer 1C_240/2012 vom 13. August 2012
E. 3.1; BVGE 2013/30 E. 4.1). Nach den massgeblichen Beweisregeln des
VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher
Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel blei-
ben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. Die mit dem
Berichtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Untersu-
chungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abzu-
klären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist jedoch gemäss
Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung mitzuwir-
ken (vgl. zum Ganzen Urteile des BVGer A-7588/2015 vom 26. Februar
2016 E. 3.3 und A-7822/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.3, je m.w.H.).
Amtliche Dokumente ausländischer Staaten, deren Zweck es ist, die Iden-
tität ihres Inhabers nachzuweisen, gelten nicht als öffentliche Urkunden im
Sinne von Art. 9 ZGB, weshalb ihnen nicht ohne Weiteres ein erhöhter Be-
weiswert zukommt und sie wie andere Urkunden einer freien Beweiswür-
digung zu unterziehen sind (vgl. Urteile des BVGer A-7588/2015 vom
26. Februar 2016 E. 3.3 und A-7822/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.3, je
m.w.H.; vgl. ferner Urteile des BGer 6B_394/2009 vom 27. Juli 2009 E. 1.1
und 5A_3/2007 vom 27. Februar 2007 E. 2).
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3.5 Kann bei einer verlangten oder von Amtes wegen beabsichtigten Be-
richtigung weder die Richtigkeit der bisherigen Personendaten noch dieje-
nige der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich we-
der die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1
DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Per-
sonendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger-
weise bearbeitet werden. Das gilt namentlich auch für im ZEMIS erfasste
Daten. In solchen Fällen überwiegt das öffentliche Interesse an der Bear-
beitung möglicherweise unzutreffender Daten das Interesse an deren Rich-
tigkeit. Unter diesen Umständen sieht Art. 25 Abs. 2 DSG deshalb die An-
bringung eines Vermerks vor, in dem darauf hingewiesen wird, dass die
Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten bestritten und/oder nicht gesi-
chert ist. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die
bisherigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten an-
schliessend mit einem derartigen Vermerk zu versehen. Ob die vormals
eingetragenen Angaben (als Neben- beziehungsweise Aliasidentität) wei-
terhin abrufbar bleiben sollen oder ganz zu löschen sind, bleibt grundsätz-
lich der Vorinstanz überlassen. Verhält es sich umgekehrt, erscheint also
die Richtigkeit der bisher eingetragenen Daten als wahrscheinlicher oder
zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind diese zu belassen und mit
einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über die Anbringung eines ent-
sprechenden Vermerks ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig da-
von zu entscheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl.
zum Ganzen Urteile des BVGer A-7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 3.4
und A-7822/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.4, je m.w.H.; vgl. ferner Urteil
des BGer 1C_240/2012 vom 13. August 2012 E. 3.2). Im datenschutz-
rechtlichen Verfahren betreffend die Berichtigung von Personendaten im
ZEMIS wird mithin verlangt, dass die wahrscheinlichsten – also überwie-
gend wahrscheinlichen – Personendaten eingetragen werden.
4.
4.1 Es obliegt somit zunächst grundsätzlich der Vorinstanz zu beweisen,
dass der aktuelle ZEMIS-Eintrag des Geburtsdatums des Beschwerdefüh-
rers ([...]) korrekt beziehungsweise zumindest wahrscheinlich ist. Der Be-
schwerdeführer wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihm geltend
gemachte Geburtsdatum ([...]) richtig beziehungsweise zumindest wahr-
scheinlicher ist als die derzeit im ZEMIS erfasste Angabe. Gelingt keiner
Partei der sichere Nachweis des Geburtsdatums, ist dasjenige Geburtsda-
tum im ZEMIS zu belassen oder einzutragen, dessen Richtigkeit wahr-
scheinlicher erscheint.
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Seite 9
4.2 Im Asylverfahren ist das Geburtsdatum – der allgemeinen asylrechtli-
chen Beweisregel folgend – von der asylsuchenden Person zumindest
glaubhaft zu machen. Über die Glaubhaftigkeit ist im Rahmen einer Ge-
samtwürdigung zu befinden. Anders verhält es sich im datenschutzrechtli-
chen Verfahren betreffend die Berichtigung von Personendaten im ZEMIS.
Hier wird verlangt, dass die wahrscheinlichsten – also überwiegend wahr-
scheinlichen – Personendaten eingetragen werden.
5.
5.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Geburtsda-
tum nicht wahrscheinlicher ist als dasjenige, welches im ZEMIS mit Bestrei-
tungsvermerk eingetragen ist.
5.2 Die Vorinstanz stützte den bestehenden ZEMIS-Eintrag auf ihrer An-
sicht nach vage, unsubstanziierte und widersprüchliche Angaben des Be-
schwerdeführers zu seinem Reiseweg und den damit im Eurodac verzeich-
neten Asylgesuchen sowie seiner schulischen Laufbahn in Afghanistan, die
Aussage des Bruders des Beschwerdeführers in dessen Asylverfahren,
wonach der Beschwerdeführer den Jahrgang (...) habe sowie das medizi-
nischen Altersgutachten, welches für den Beschwerdeführer ein wahr-
scheinliches Alter von circa 19-20 Jahren ergab.
5.3 Der Beschwerdeführer brachte hiergegen im vorinstanzlichen Verfah-
ren und auf Beschwerdeebene vor, dass die von ihm eingereichten Tazkira-
Kopien und die konsistenten und glaubhaften Angaben zu seinem Alter die
von ihm geltend gemachte Minderjährigkeit glaubhaft machen beziehungs-
weise belegen würden. Sein Bruder müsse anlässlich seiner Befragung im
Jahr 2015 bei den Angaben zu den Geburtsdaten seiner Geschwister et-
was durcheinandergebracht haben respektive habe er lediglich gesagt, das
Geburtsdatum des Beschwerdeführers sei «(...) etwas»; diesbezüglich
habe sein Bruder beim SEM Akteneinsicht verlangt, um diese angebliche
Aussage zu überprüfen.
5.4 Es ist zunächst festzustellen, dass der Beschwerdeführer betreffend
seine Aufenthalte in Griechenland und Rumänien offensichtlich tatsachen-
widrige Angaben gemacht hat. In beiden Ländern hat er gemäss Eurodac-
Eintragungen Asylgesuche eingereicht. In Rumänien wurde ihm gar sub-
sidiärer Schutz gewährt. Dies hat er stets bestritten, sogar als er direkt mit
den Abklärungsresultaten konfrontiert wurde (vgl. Akte A13, Ziff. 5.02). So-
dann hat er in Rumänien offenbar angegeben, am (...) geboren zu sein
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(vgl. Akte 33). Dies hat er sich entgegenhalten zu lassen, auch wenn er im
Rahmen der Stellungnahme zum Entscheidentwurf angab, sich lediglich
als Volljähriger ausgegeben zu haben, um weiterreisen zu können (vgl.
Akte 40; Beschwerdeeingabe vom 15. Dezember 2020).
Sodann ergibt sich aus den Akten des Bruders, dass dieser anlässlich sei-
ner Befragung zur Person (BzP) angab, einen Bruder namens A._
mit Jahrgang (...) zu haben (vgl. N [...], Akte A5, Ziff. 3.01). Die Richtigkeit
der Protokollierung seiner Aussagen hat er unterschriftlich bestätigt. Es
ergibt sich demnach aus dem Protokoll nicht, dass er bezogen auf das Ge-
burtsdatum seines Bruders gesagt hätte, dieses sei «(...) etwas». Es ist
daher davon auszugehen, dass sein Bruder tatsächlich das Jahr (und nicht
das Jahrzehnt) (...) meinte.
5.5 Zum Beweiswert der eingereichten (Kopien der) afghanischen Tazkira
ist Folgendes zu sagen:
Zunächst liegen die eingereichten Tazkira (bis zum heutigen Datum) nicht
im Original, sondern lediglich als Kopie vor. Kopien kommt aufgrund der
leichten Fälschbarkeit und des Fehlens von Sicherheitsmerkmalen (resp.
der nicht möglichen Überprüfung kopierter Sicherheitsmerkmale) im Ge-
gensatz zu im Original vorliegenden Ausweisdokumenten wie Reisepässen
eine geringere Beweiskraft zu. Der Beschwerdeführer stellte bereits im vo-
rinstanzlichen Verfahren die Einreichung der Original-Tazkira in Aussicht
(vgl. Akte 31, S. 2). In seiner Beschwerdeeingabe führte er hierzu aus, dass
seine Original-Tazkira im Besitz seines Schleppers in Afghanistan gewesen
sei. Dieser habe die Tazkira nun seinem Vater übergeben, welcher sie an
das BAZ B._ geschickt habe. Sobald er die Tazkira erhalte, werde
er sie dem Gericht einreichen. In antizipierter Beweiswürdigung ist die Zu-
stellung der Tazkira im Original jedoch nicht abzuwarten. Selbst bei Vorlie-
gen einer Original-Tazkira ist das vom Beschwerdeführer geltend ge-
machte Geburtsdatum damit noch nicht bewiesen. Afghanische Tazkira
gelten nicht als fälschungssicher und ihnen kommt deshalb gemäss gel-
tender Rechtsprechung nur ein verminderter Beweiswert zu. Auch bei Vor-
liegen des Originals besteht die Möglichkeit, dass die darin enthaltenen
zeitlichen Angaben über das Geburtsdatum nicht dem wirklichen Alter ent-
sprechen (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.2, 2013/30 E. 4.2.2), womit sie nur eine
geringe Beweiskraft zu entfalten vermögen. Nicht nachvollziehbar ist so-
dann, weshalb es dem Beschwerdeführer nun plötzlich möglich gewesen
sein soll, seinen Schlepper zu kontaktieren und dass dieser nach wie vor
im Besitz seiner Tazkira gewesen sei. Dies, nachdem er an der EB UMA
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Seite 11
angegeben hat, den Schlepper nicht zu kennen und ihn nicht mehr kontak-
tieren zu können (vgl. A13, Ziff. 4.07). Zudem ist nicht einsichtig, weshalb
der Beschwerdeführer lediglich um die Beschaffung seiner Original-Tazkira
bemüht war und die sich ebenfalls in Afghanistan befindlichen Schuldoku-
mente, welche wohl wesentlich einfacher zu beschaffen gewesen wären
und allenfalls wichtige Hinweise auf sein tatsächliches Alter enthalten hät-
ten, scheinbar nicht in die Schweiz schicken liess (vgl. A13, Ziff. 4.04).
Dass der Beschwerdeführer am (...) geboren wurde, vermag er mit den
Tazkira – unbeachtlich ob lediglich als Kopie oder im Original vorliegend –
nicht zu belegen.
5.6
5.6.1 Die im Institut für Rechtsmedizin der Universität (...) am 11. Novem-
ber 2020 erfolgte Begutachtung des Beschwerdeführers folgte den Emp-
fehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forensische Altersdiagnostik der
Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (AGFAD) für Alterseinschätzun-
gen bei Lebenden und dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Nebst der
körperlichen Untersuchung des Beschwerdeführers (ohne Genital) wurden
ein Röntgenbild der linken Hand, ein Zahnröntgen (Orthopantomogramm)
sowie CT-Aufnahmen der Schlüsselbeine vorgenommen.
Die einzelnen Untersuchungen brachten folgende Resultate hervor: Ge-
mäss der zahnärztlichen Beurteilung dürfte der Beschwerdeführer zwi-
schen 18.5 und 22.4 Jahre alt sein mit einem Durchschnittsalter von 20.5
Jahren. Dabei sei die potenzielle Variation aufgrund des ethnischen Hinter-
grunds berücksichtigt worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass das 18. Le-
bensjahr erreicht worden sei, betrage je nach der verwendeten Methode
zwischen 85.3% und mehr als 96.3%. Basierend auf der radiologischen
Untersuchung seiner Hand habe sich für den Beschwerdeführer je nach
verwendeter Methode ein Alter von 19 Jahren respektive ein Mindestalter
von 16.1 Jahren (bei einem Median von 18.8 Jahren und einem Maximum
von 19.9 Jahren) ergeben. Bei der radiologischen Untersuchung seiner
Schlüsselbeine habe sich ein Mindestalter von 17.4 Jahren (Median 18.8
Jahre, Maximum 20.2 Jahre) ergeben. Zusammenfassend gelangte der
Gutachter zum Schluss, dass die Untersuchungen in einem wahrscheinli-
chen Alter von circa 19-20 Jahren resultierten, wobei das zu berücksichti-
gende höchste Mindestalter 18.5 Jahre betrage. Das angegebene Alter von
circa (...) und (...) Monaten erscheine daher eher unwahrscheinlich.
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Seite 12
5.6.2 Dem Altersgutachten vom 19. November 2020, das nach wissen-
schaftlichen Kriterien erstellt wurde und auf mehreren Einzeluntersuchun-
gen basiert, wodurch die Aussagekraft bedeutend erhöht wird, ist eine er-
hebliche Beweiskraft beizumessen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2; BVGE
2019 I/6 E. 6.1, 6.3-6.5). Gemäss dem Altersgutachten ergibt sich für die
Zahnuntersuchung ein Mindestalter von 18.5 Jahren, wobei sich die an-
hand der beiden Analysen ergebenden Altersspannen überlappen. Dies ist
gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts als starkes Indiz
für die Volljährigkeit zu werten (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). Die Resul-
tate des Altersgutachten sind mit dem vom Beschwerdeführer angegebe-
nen Geburtsjahr (...) somit nicht vereinbar. Vielmehr ist davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer mindestens rund zwei Jahre älter ist, als an-
gegeben. Das SEM setzte das Geburtsdatum dementsprechend auf den
(...) fest, was im Zeitpunkt der Untersuchung vom 11. November 2020 dem
Alter von (...) Jahren entspricht. Die Wahl des (...) als Geburtstag ist üb-
lich, wenn das Geburtsdatum einer im ZEMIS einzutragenden Person nicht
exakt bestimmt werden kann.
5.7 Nach einer Gesamtwürdigung aller Indizien konnte weder das SEM
noch der Beschwerdeführer die Richtigkeit des jeweils behaupteten Ge-
burtsdatums nachweisen. Insgesamt erscheint das vom Beschwerdeführer
geltend gemachte Geburtsdatum vom (...) aber nicht als wahrscheinlicher
als dasjenige, welches im ZEMIS eingetragen ist ([...]). Die (äusserst
knapp begründete) Beschwerde bezüglich Ziffer 6 des Dispositivs der an-
gefochtenen Verfügung ist somit abzuweisen und das im ZEMIS erfasste
Geburtsdatum mit Bestreitungsvermerk beizubehalten.
6.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt
zu geben.
7.
7.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs.1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (BVGE 2017 VI/5 E. 3.1
und 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
E-6332/2020
Seite 13
7.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
8.
8.1 Das SEM führte zur Begründung seines Nichteintretensentscheids aus,
gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG werde in der Regel nicht auf Asylge-
suche eingetreten, wenn Asylsuchende in einen vom Bundesrat bezeich-
neten sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurück-
kehren könnten, in dem sie sich vorher aufgehalten hätten. Der Bundesrat
habe Rumänien als sicheren Drittstaat bezeichnet. Abklärungen des SEM
hätten ergeben, dass Rumänien dem Beschwerdeführer subsidiären
Schutz gewährt und sich am 4. Dezember 2020 (recte: 2. Dezember 2020)
bereit erklärt habe, den Beschwerdeführer zurückzunehmen. Rumänien
sei ein Rechtsstaat mit funktionierendem Justiz- und Polizeisystem. Sollte
er sich durch die rumänischen Behörden oder Drittpersonen ungerecht o-
der rechtswidrig behandelt fühlen, könne er sich mit einer Beschwerde an
die zuständigen Stellen werden oder eine Anzeige einreichen. Ferner
könne er aus der Anwesenheit seines Bruders in der Schweiz nichts zu
seinen Gunsten ableiten, da sie beide volljährig seien und keine Hinweise
auf ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihnen beiden be-
stünden. Es stehe ihnen natürlich frei, sich gegenseitig zu besuchen. Über-
dies lägen keine Hinweise vor, dass Rumänien seinen völkerrechtlichen
Verpflichtungen nicht nachgekommen wäre und sein Asylverfahren – an
dessen Ende ihm subsidiärer Schutz gewährt worden sei – nicht korrekt
durchgeführt hätte. Sodann sei gemäss Art. 25 Abs. 2 VwVG einem Be-
gehren um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder von Wegwei-
sungshindernissen in den Heimat- oder Herkunftsstaat in der Schweiz zur
dann zu entsprechen, wenn er ein schutzwürdiges Interesse nachweise.
Dieser Nachweis könne ihm aber nicht gelingen, wenn ihm bereits ein Dritt-
staat einen Schutzstatus erteilt habe. Er könne deshalb nach Rumänien
zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Refoule-
ment-Prinzips zu befürchten. Demzufolge sei auf das Asylgesuch nicht ein-
zutreten.
Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung nach Rumänien stellte das SEM
fest, dass keine Gründe gegen die Zumutbarkeit desselben sprächen. Ru-
mänien habe die Qualifikationsrichtlinie 2011/95/EU umgesetzt. Somit
habe er mit dem ihm gewährten subsidiären Schutz in Rumänien Zugang
zu Unterstützungsleistungen. Dadurch stünden ihm notfalls einklagbare
Ansprüche in Bezug auf Sozialleistungen, Wohnraum und medizinischer
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Versorgung zu. Er sei gehalten, die ihm zustehenden Leistungen bei den
rumänischen Behörden geltend zu machen. Sollte Rumänien seinen Ver-
pflichtungen ihm gegenüber nicht nachkommen, stehe es ihm offen, seine
Rechte bei den rumänischen Behörden auf dem Rechtsweg einzufordern.
Es lägen somit keine begründeten Anhaltspunkte dafür vor, dass er nach
einer Rückkehr nach Rumänien in eine existenzielle Notlage geraten
könnte. Der Vollzug der Wegweisung sei zudem möglich, eine entspre-
chende Zustimmung von Rumänien liege vor.
8.2 Dem hielt der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmittelschrift lediglich
entgegen, dass er minderjährig sei und einen Anspruch darauf habe, bei
seinem Bruder in der Schweiz zu bleiben.
9.
9.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re-
gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a
Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann,
in welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
9.2 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Rumänien um einen verfolgungssicheren Drittstaat im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den vorinstanzlichen Akten
ist sodann zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in Rumänien sub-
sidiären Schutzstatus erlangt hat und die rumänischen Behörden seiner
Rückübernahme ausdrücklich zustimmten. Demnach sind die Vorausset-
zungen für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a
AsylG erfüllt, weshalb das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers zu Recht nicht eingetreten ist.
10.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2
11.2.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtli-
che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
Solange der Beschwerdeführer in Rumänien subsidiären Schutz geniesst,
besteht kein Anlass zur Annahme, es drohe ihm eine Verletzung des in
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) verankerten Grundsatzes der Nichtrück-
schiebung.
11.2.2 Rumänien ist Signatarstaat der EMRK und des Übereinkommens
vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschli-
che oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105). Zudem
gibt es keine Anhaltspunkte, dass Rumänien seine aus diesen Konventio-
nen entstehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht einhalten würde.
Namentlich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass Rumänien an die
Richtlinie 2011/95/EU (Richtlinie des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 13. Dezember 2011 über Normen für die Anerkennung von Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen als Personen mit Anspruch auf inter-
nationalen Schutz, für einen einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für
Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des zu ge-
währenden Schutzes) gebunden ist. Es liegen zudem auch keine Anhalts-
punkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer bei der Rückkehr nach Ru-
mänien unter Missachtung von Art. 3 EMRK einer menschenunwürdigen
oder erniedrigenden Behandlung ausgesetzt wäre. Es obliegt ihm, bei den
zuständigen Behörden seine Rechte geltend zu machen und nötigenfalls
auf dem Rechtsweg durchzusetzen.
11.3
11.3.1 Sodann kann der Vollzug der Wegweisung nach Art. 83 Abs. 4 AIG
für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat-
oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, all-
gemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
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Seite 16
11.3.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG hat der Bundesrat Rumänien als
Staat bezeichnet, in welchen die Rückkehr in der Regel zumutbar ist (vgl.
Anhang 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung so-
wie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL,
SR 142.281]). Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutung
umzustossen (vgl. Urteil des BVGer E-2613/2020 vom 28. Mai 2020 E. 8),
was dem Beschwerdeführer jedoch weder im vorinstanzlichen Verfahren
noch im Beschwerdeverfahren gelungen ist.
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs mit zutreffender Begründung bejaht. Der Inhalt der
Beschwerde führt zu keiner anderen Betrachtungsweise.
11.4 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die rumänischen Behörden einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben.
Dem steht auch die Corona-Pandemie nicht entgegen. Bei dieser handelt
es sich – wenn überhaupt – um ein temporäres Vollzugshindernis, wel-
chem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden
Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situa-
tion in Rumänien angepasst wird (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d
und e sowie das Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9
m.w.H.).
11.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
13.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und amtlichen Verbeiständung gemäss Art. 102m Abs. 1
AsylG. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass sich die
(äusserst knapp begründeten) Begehren – sowohl den vorinstanzlichen
Nichteintretensentscheid als auch die ZEMIS-Änderung betreffend – als
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aussichtslos erweisen und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung
zu deren Gewährung fehlt.
13.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Mit dem vorliegend instruktionslos ergehenden,
verfahrensabschliessenden Urteil in der Sache ist das Gesuch um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses hinfällig.
(Dispositiv nächste Seite)
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