Decision ID: e86a7c52-7513-555d-ba4e-c78d660fdace
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 22. Januar 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Bei einem
Arbeitsunfall am 20. September 2005 (Sprung vom Bagger) hatte sich der Versicherte
einen Bruch des rechten Handgelenks, namentlich eine distale Radiusfraktur rechts,
zugezogen. Im Spital B._ war gleichentags die operative Versorgung mittels einer
offenen Reposition und Anlage einer winkelstabilen Plattenosteosynthese erfolgt. Der
Heilungsverlauf war in der Folge schleppend gewesen; der Versicherte hatte über
anhaltend intensive Schmerzen im Handgelenk geklagt. Ein Reha-Aufenthalt in der
Klinik Bellikon vom 6. Februar bis 22. März 2006 hatte keine Verbesserung gebracht. In
der Folge war beim Versicherten am 14. Juni 2006 eine vorzeitige Metallentfernung
sowie eine Denervation des dorsalen Handgelenks durchgeführt worden. Der Eingriff
hatte zwar eine Verbesserung der Beweglichkeit im Handgelenk gebracht, bei jedoch
unverändertem Schmerzempfinden. Gemäss einem Bericht der Abteilung Chronische
Schmerzen/Palliative Care am Spital C._ vom 29. September 2006 war der
Versicherte vom 22. bis 30. August 2006 hospitalisiert gewesen. Als Diagnosen waren
eine psychische Dekompensation mit ausgeprägter Angststörung, Wahnvorstellungen
und latenter Suizidalität sowie ein chronisches Schmerzsyndrom der rechten Hand mit
einer Generalisierung der Schmerzen angegeben worden (Fremdakten G 6.2, IV-act.
12).
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A.b Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. D._, Spezialarzt für Innere Medizin,
nannte in seinem Bericht an die IV-Stelle vom 9. Februar 2007 als Diagnosen eine
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, eine somatoforme
Schmerzstörung mit chronischem Schmerzsyndrom der rechten Hand sowie
persistierende postoperative Schmerzen wegen Metallentfernung und Denervation des
dorsalen Handgelenks. Er attestierte dem Versicherten eine seit dem 20. September
2005 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als
Bauarbeiter sowie in anderen Tätigkeiten wegen der Gebrauchsunfähigkeit der rechten
Hand sowie “der massiven psychischen Entgleisung“ (IV-act. 13).
A.c In einem Bericht vom 23. Mai 2007 gaben die behandelnden Ärzte der
Psychiatrischen Klinik E._ an, dass der Versicherte vom 29. November 2006 bis 12.
Januar 2007 in stationärer Behandlung gewesen sei (nachdem er erstmals bereits am
30. August 2006 wegen einer ähnlichen Problematik für eine Nacht hospitalisiert
gewesen sei). Als Diagnosen nannten sie eine schwere depressive Episode mit
psychotischen Symptomen, bestehend seit August 2006, anamnestisch eine
somatoforme Schmerzstörung sowie ein chronisches Schmerzsyndrom der rechten
Hand. Sie hielten fest, dass aufgrund des regressiven Verhaltens des Versicherten beim
Eintritt kein vollständiger Befund habe erhoben werden können. Offenbar bestehe ein
ausgeprägtes Misstrauen gegenüber Ärzten. Der Versicherte habe ständig vorhandene
paranoid gefärbte Ängste geschildert. Affektiv habe er ratlos und deprimiert gewirkt. Es
sei ein Verlust der Vitalgefühle vorhanden gewesen. Der Versicherte habe über eine oft
bestehende innere Unruhe geklagt. Der Antrieb und die Psychomotorik seien stark
gehemmt gewesen. Von Suizidalität habe sich der Versicherte distanzieren können. Im
Rahmen der Behandlung sei es bezüglich der depressiven Symptomatik mit
psychotischen Symptomen zu einer deutlichen Rückläufigkeit und Stabilisierung
gekommen. Aus psychiatrischer Sicht könne zum Zeitpunkt der Entlassung von einer
positiven Prognose ausgegangen werden, sofern der Versicherte sich auf eine
regelmässige psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung einlasse.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit könne der Versicherte die bisherige Tätigkeit als
Baggerführer nicht mehr ausführen. Andere Tätigkeiten seien zumutbar, wobei die
Eingliederung schrittweise und vorzugsweise im geschützten Rahmen erfolgen sollte
(IV-act. 19).
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A.d Der seit November 2006 ambulant behandelnde Arzt der Psychiatrischen Klinik
E._ Ambulatorium für Sozialpsychiatrie, nannte in seinem Bericht vom 9. August
2007 als Diagnosen eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ausgelöst durch den Status
nach Radiusfraktur rechts mit schwerem Rehabilitationsdefizit. Er hielt fest, dass trotz
hoher Dosierungen von Antidepressiva und Seroquel bisher lediglich ein teilremittierter
Zustand habe erreicht werden können. Es bestehe nach wie vor ein ausgeprägtes
depressives Syndrom mit regressivem passivem Verhalten. Schon vor der psychischen
Dekompensation im August 2006 sei bezüglich der Heilung der Radiusfraktur ein
exzessives Schonverhalten aufgetreten. Diesbezüglich liege also auch eine schwer
gestörte Krankheitsverarbeitung vor. Die Prognose sei aufgrund des schon lange
dauernden und schwierigen Verlaufs als eher ungünstig zu beurteilen. Der Versicherte
sei infolge der schweren depressiven Symptomatik mit Antriebshemmung,
Konzentrationsstörungen, immobilisierenden paranoid gefärbten Ängsten sowie den
somatischen Einschränkungen bei chronischen Schmerzen und exzessiver Schonung
der rechten Hand in jeglicher Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 21).
A.e Mit einer Verfügung vom 13. März 2008 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine
ganze Rente mit Wirkung ab 1. September 2006 zu (IV-act. 39).
A.f Im Januar 2010 leitete die IV-Stelle eine Rentenrevision von Amtes wegen ein (IV-
act. 41). In einem Verlaufsbericht vom 23. März 2010 gab der ambulant behandelnde
Arzt der Psychiatrischen Klinik D._ einen stationären Gesundheitszustand des
Versicherten an (IV-act. 48). Dr. D._ berichtete am 22. April 2010, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich leider nicht gebessert, sondern sei
gleichbleibend bis verschlechtert. Trotz intensiven psychiatrischen Bemühungen und
ausgedehnter Psychopharmakatherapie habe sich weder eine Stimmungsaufhellung
noch eine Verbesserung der Konzentrationsstörungen und paranoid gefärbten Ängsten
gezeigt. Die Schonhaltung der rechten Hand sei markant. Eine Arbeitsfähigkeit des
Versicherten lasse sich nicht mehr erreichen (IV-act. 51).
A.g Am 9. Februar 2011 liess sich der Versicherte von seiner Beiständin, Frau F._
(Beistandsernennung am 25. März 2010, vgl. IV-act. 57), zum Bezug von Hilf
losenentschädigung anmelden. Frau F._ gab im Fragebogen an, dass sie seit vier
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Jahren die Begleitung und Anleitung des Versicherten bei der persönlichen Pflege, bei
der Haushaltsführung, bei der Erziehung und bei ausserhäuslichen Kontakten
übernehme. Seit ca. zwei Jahren könne der Versicherte nur noch abends und in
Begleitung aus dem Haus (IV-act. 55).
A.h Mit einer internen Meldung vom 11. Juli 2011 wurde von der zuständigen
Sachbearbeiterin der IV-Stelle der Verdacht auf nicht zielkonforme Leistungen
betreffend den Versicherten erhoben. In der Begründung verwies die Sachbearbeiterin
insbesondere auf die Ergebnisse des von der zuständigen Unfallversicherung
veranlassten handchirurgischen Konsiliums (IV-act. 67). Dr. med. G._, FMH Chirurgie
und Handchirurgie, hatte in ihrem Bericht vom 15. April 2010 festgehalten, dass der
Versicherte nicht ordentlich habe untersucht werden können. Er habe absolut rigide
und teilnahmslos auf dem Stuhl gesessen und seitlich auf den Boden gestarrt. Fragen
habe er keine beantwortet. Auch eine lediglich passive Untersuchung der rechten Hand
sei kaum möglich gewesen, da der Versicherte sich gegen Bewegungen aktiv gesperrt
und die Hand zurückgezogen habe. Es seien folgende Befunde zu erheben gewesen:
seitengleich ausgebildete Vorderarmmuskulatur, beidseits keine
Handgelenksschwellung, Mittelhandumfang sei ebenfalls gleich, keine Atrophien der
Interosseusmuskulatur, keinerlei Thenaratrophie, Haut sei in ihrer Qualität absolut
seitengleich, kein Feuchtigkeitsunterschied, keine trophischen Störungen, beide Hände
zeigten Nikotinspuren an den Fingerspitzen, seitengleiche normale Beschwielung ohne
Arbeitsspuren, Faustschluss sei beidseits normal, Fingerstreckung ebenfalls. Das
Röntgenbild habe keine Auffälligkeiten gezeigt. Aufgrund der Klinik sei anzunehmen,
dass höchstwahrscheinlich kein posttraumatisches Karpaltunnelsyndrom vorliege.
Jedenfalls werde die rechte Hand nicht extrem geschont, da sonst fünf Jahre nach
dem Unfall doch erkennbare Muskelatrophien, vor allem der Vorderarmmuskulatur,
vorlägen (Fremdakten G 6.2). Der IV-interne Arzt Dr. med. H._ hielt in seiner
medizinischen Einschätzung vom 9. August 2011 fest, dass angesichts der Schwere
der übereinstimmend beschriebenen psychischen Störung nicht von einem einfachen
sekundären Krankheitsgewinn ausgegangen werden könne. Dennoch sei auch in einem
solch schweren Fallverlauf eine anfängliche Täuschungsabsicht nie sicher
auszuschliessen. Beim Versicherten sei überhaupt keine ausserhäusliche Aktivität zu
erwarten. Sollte der Versicherte selbständig und unbegleitet ausserhalb der häuslichen
Umgebung in Erscheinung treten, wären die geltend gemachten Einschränkungen
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unwahrscheinlich (IV-act. 68). Aufgrund der vorliegenden Verdachtsmomente
veranlasste die IV-Stelle in der Folge eine Überwachung des Versicherten (IV-act.
69-70).
A.i Am 22. November 2011 erschien der Versicherte in Begleitung von Frau F._ zu
einem Standortgespräch mit der zuständigen Sachbearbeiterin der IV-Stelle. Gemäss
dem Protokoll wurden sämtliche Fragen von Frau F._ beantwortet. Sie gab im
Wesentlichen an, dass der Gesundheitszustand des Versicherten unverändert und er
nach wie vor dauernd auf Unterstützung und Begleitung angewiesen sei. Insbesondere
erklärte sie, dass der Versicherte tagsüber immer nur in der Wohnung sei und nur für
Arzttermine oder am Abend, wenn es dunkel sei, raus gehe. Sie sei dann immer mit
dabei. Sie müsse ihn zu sämtlichen Tätigkeiten im Haushalt und bei der
Kindererziehung auffordern und ihn dabei anleiten, ansonsten würde er gar nichts tun.
Autofahren könne er, seitdem er krank geworden sei, nicht mehr (IV-act. 74, 75).
A.j Gemäss einem Bericht der mit der Überwachung beauftragten I._ GmbH vom 24.
November 2011 hatte der Versicherte während der vom 13. September bis
22. November 2011 dauernden Vorermittlungsphase nur einmal, nämlich am 22.
November 2011 anlässlich des Termins bei der IV-Stelle, gesehen werden können (IV-
act. 78). Der zuständige Ermittlungsbeauftragte der IV-Stelle führte am 14. Dezember
2011 einen unangemeldeten Hausbesuch beim Versicherten durch und befragte diesen
im Beisein von Frau F._ zum aktuellen Gesundheitszustand. Im Protokoll hielt der
Ermittlungsbeauftragte abschliessend fest, dass die Verdachtsmomente auf einen
ungerechtfertigten Leistungsbezug auch unter Anwendung weitergehender
Abklärungsmassnahmen nicht hätten erhärtet werden können. Es müsse überwiegend
wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass der Versicherte psychisch schwer
eingeschränkt sei (IV-act. 79). Am 23. Dezember 2011 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass er weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Invalidenrente
habe (IV-act. 82).
A.k Am 27. März 2012 wurde Frau F._ als Beiständin des Versicherten entlassen und
neu Frau J._ als Beiständin ernannt. Frau F._ kümmerte sich zusammen mit der
neuen Beiständin und mit dem Einverständnis des K._ in L (damals noch: M._ in
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L._) weiterhin um den Versicherten, seine Ehefrau und die drei Kinder (IV-act. 86 -
91, Fremdakten G 6.2).
A.l Im Rahmen der Abklärung des Anspruchs des Versicherten auf
Hilflosenentschädigung bzw. des Bedarfs einer lebenspraktischen Begleitung fand am
27. September 2012 eine Abklärung des Versicherten durch den Regionalen Ärztlichen
Dienst der IV-Stelle (RAD) statt. Der Versicherte erschien in Begleitung von Frau F._
und seiner Beiständin. In ihrem Bericht vom 28. September 2012 hielt die RAD-Ärztin
Dr. med. N._, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, zusammenfassend fest, der
Vergleich der aktuell erhobenen Befunde mit jenen aus früheren psychiatrischen
Berichten ergebe, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert
habe. Er biete in der Abklärungssituation ein mutistisches Bild, wirke antriebsgehemmt,
blockiert, affektiv kaum schwingungsfähig, angespannt, ängstlich und ratlos. Die
Angaben von Frau F._ betreffend den extrem reduzierten Eigenantrieb, den
Interessensverlust, den sozialen Rückzug sowie den Unterstützungsbedarf im Alltag
seien nachvollziehbar und glaubhaft. Der Versicherte sei motorisch nicht relevant
eingeschränkt und in der Lage, einfache alltagspraktische Verrichtungen auszuführen.
Aus psychischen Gründen benötige er jedoch bei den meisten alltäglichen
Verrichtungen anhaltend Aufforderung, teilweise Anleitung und Überwachung. Zu einer
selbständigen Lebensführung wäre der Versicherte ohne kontinuierliche Betreuung und
Begleitung aufgrund seiner schweren psychischen Erkrankung nicht in der Lage (IV-
act. 100).
A.m Abklärungen der IV-Stelle im Internet ergaben, dass Frau F._ Inhaberin eines
Einzelunternehmens mit dem Zweck von diversen Transporten aller Art ist. Das
Unternehmen nennt sich “Transporte O._“ und ist seit dem 3. Februar 2012 im
Handelsregister des Kantons St. Gallen eingetragen. Fotos im Internet zeigen Frau
F._ mit einem weissen Lieferwagen, auf welchem der Firmenname aufgedruckt ist.
Das Fahrzeugnummernschild ist auf das Einzelunternehmen registriert (IV-act. 102 -
104). Die zuständige Sachbearbeiterin hielt in einer Aktennotiz vom 14. Dezember 2012
fest, dass das Bewegungsverhalten des Versicherten, seiner Ehefrau sowie Frau F._
vom 19. bis 29. Oktober 2012 mittels Videoüberwachung (der benachbarten
Liegenschaften der Familie F._ und der Familie des Versicherten) dokumentiert
worden sei, um den geltend gemachten Betreuungsaufwand zu überprüfen (IV-act.
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107). Die Auswertung der Überwachung ergab, dass Frau F._ jeweils etwa um
Mitternacht mit dem Firmenlieferwagen wegfuhr. Dabei hatte sie regelmässig Mitglieder
der Familie des Versicherten als Begleitung dabei. Am 29. Oktober 2012 konnte der
Versicherte beobachtet werden, wie er als Beifahrer Frau F._ im Firmenlieferwagen
begleitete (vgl. IV-act. 125). Gemäss einem Bericht des Ermittlungsbeauftragten der IV-
Stelle vom 19. Dezember 2012 erfolgte am 27. September 2012 und vom 28.
November bis 5. Dezember 2012 zusätzlich eine (Personen-)Observation des
Versicherten und seiner (ebenfalls zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung
angemeldeten) Ehefrau. Der Ermittlungsbeauftragte hielt fest, die Observation habe
ergeben, dass der Versicherte regelmässig, mehrere Nächte in Folge mit Frau F._ auf
Tour gegangen sei, um Zeitungen zu verteilen. Die Tour habe quer durch P._ geführt.
Der Versicherte habe keinerlei Einschränkungen an der Hand gezeigt und beim
Verteilen der Zeitungsbündel kraftvoll zugepackt. Am 30. November 2012 habe
beobachtet werden können, dass der Versicherte den Lieferwagen selbst gelenkt bzw.
umgeparkt habe. Das beobachtete hohe Funktionsniveau beim Austeilen der Zeitungen
entspreche in keiner Weise den anlässlich der Abklärung vom 27. September 2012 vom
Versicherten geltend gemachten Einschränkungen und Schmerzen. Es habe sich auch
gezeigt, dass der Versicherte keine Angst gegenüber unbekannten Dritten zeige, mit
welchen er auf der Tour in Kontakt gekommen sei. Weiter habe er sich zeitweise
scheinbar unbetreut im Verteilzentrum in Q._ in der Nähe des Lieferwagens
aufgehalten, während Frau F._ anderweitig beschäftigt gewesen sei. Angesichts der
Observationsergebnisse könne festgestellt werden, dass der Versicherte seine rechte
Hand völlig uneingeschränkt einsetzen könne, namentlich könne er Türen öffnen, mit
schweren Zeitungsbündeln hantieren, usw. Offensichtlich seien die geltend gemachten
grossen Schmerzen nicht vorhanden. Der Betreuungsaufwand, wie er von Frau F._
geschildert worden sei, liege in dieser Form nicht vor (z.B. hätten entgegen den
Angaben von Frau F._, wonach sie jede Nacht zweimal nach dem Versicherten und
seiner Familie sehe, keine solchen Kontrollgänge stattgefunden). Trotz der
bestehenden Widersprüche hätten jedoch die gesundheitlichen Einschränkungen des
Versicherten bzw. die bei ihm gestellten Diagnosen nicht gänzlich widerlegt werden
können. Der Sachverhalt müsse weiter abgeklärt werden (IV-act. 108). Anlässlich eines
Gesprächs am 6. September 2013 wurde der Versicherte mit den
Observationsergebnissen konfrontiert. Gemäss dem Protokoll des zuständigen IV-
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Mitarbeiters räumte die ebenfalls anwesende Frau F._ auf Nachfrage ein, dass sie
den Versicherten regelmässig auf die Zeitungsliefertour mitgenommen habe. Jedoch
habe sie ihn nicht zum Arbeiten mitgenommen, sondern nur im Sinn einer Spazierfahrt.
Der Versicherte habe ihr nichts geholfen (IV-act. 122).
A.n Im Rahmen einer weiteren im Oktober 2013 von Amtes wegen eingeleiteten
Rentenrevision gab Dr. D._ in seinem Verlaufsbericht vom 19. Dezember 2013 einen
verschlechterten Gesundheitszustand des Versicherten an. Er hielt fest, dass sich der
Versicherte und seine Ehefrau seit Bekanntwerden, dass eine Observation durchgeführt
worden sei, völlig abgekapselt hätten. Sie öffneten niemandem die Tür und hätten die
Fensterläden geschlossen. Die Therapie bestehe zurzeit nur in der Abgabe von
psychotropen Medikamenten. Sprechstundenbesuche würden verweigert (IV-act. 137).
A.o Am 17. April 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine bidisziplinäre
Begutachtung in den Fachbereichen Orthopädie und Psychiatrie durch das
Neurologicum Zürichsee vorgesehen sei (IV-act. 147). Am 4. August 2014 teilte der
psychiatrische Gutachter des Neurologicum Zürichsee, Dr. med. R._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, mit, dass der Versicherte beim ersten
Begutachtungstermin in Begleitung von Frau F._ als Übersetzerin erschienen sei,
was er nicht akzeptiert habe. Er habe den Versicherten wieder nach Hause geschickt.
Zum heutigen zweiten Untersuchungstermin mit Anwesenheit eines Dolmetschers sei
der Versicherte nicht erschienen (IV-act. 153). Die Beiständin teilte der IV-Stelle am 6.
August 2014 mit, dass der Versicherte den Termin nicht habe wahrnehmen können. Er
habe sich in seiner Wohnung eingeschlossen und sich geweigert diese zu verlassen.
Gegenüber Frau F._ habe er angegeben, Angst vor dem Gutachter zu haben (IV-act.
154). Mit einem Schreiben vom 8. August 2014 wies die IV-Stelle den Versicherten im
Rahmen eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens auf seine Mitwirkungspflichten hin und
forderte ihn auf, sich einer Begutachtung durch das Neurologicum Zürichsee zu
unterziehen. Er habe sich bis spätestens 15. August 2014 mit der Gutachtensstelle in
Verbindung zu setzen, um einen neuen Begutachtungstermin zu vereinbaren. Sollten
die Auflagen nicht erfüllt werden oder er sich der medizinischen Abklärung nicht
unterziehen, würden gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG die Rentenleistungen eingestellt
(IV-act. 155). In der Folge wurde ein neuer Untersuchungstermin bei Dr. R._ für den
1. Oktober 2014 vereinbart (vgl. IV-act. 157). Die Beiständin erklärte der IV-Stelle am
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25. September 2014 telefonisch, sie könne nicht garantieren, dass der Versicherte den
Termin wahrnehmen werde, da er gesundheitlich in sehr schlechter Verfassung sei. Er
öffne seit einigen Monaten die Wohnungstür nicht, ausser der Spitex-Pflegerin, welche
ihn täglich unterstütze. Der Versicherte lebe praktisch im Dunkeln auf dem Estrich und
spreche mit niemandem. Auch Frau F._ habe nur noch einen beschränkten Zugang
zum Versicherten. Frau F._ habe die drei Kinder des Versicherten und seiner Ehefrau
in Abstimmung mit den Behörden in Pflege genommen und habe sich deswegen von
den Eheleuten etwas zurückziehen müssen. Den Begutachtungstermin könne der
Versicherte allein gar nicht wahrnehmen. Sie hoffe, dass die Spitex-Pflegerin Zugang
zum Versicherten finden und er in deren Begleitung zur Untersuchung erscheinen
werde (IV-act. 158). Mit einem Schreiben vom 26. September 2014 wurde seitens der
KESB K._ festgehalten, dass es dem Versicherten aus gesundheitlichen bzw.
psychischen Gründen wohl nicht möglich sei, den Termin einzuhalten. Ihres Erachtens
sei der Versicherte diesbezüglich klar urteilsunfähig. Die Spitex-Pflegerin werde jedoch
alles daran setzen, den Versicherten von der absoluten Notwendigkeit des
Arztbesuches zu überzeugen. Falls der Versicherte den Termin nicht wahrnehme,
werde vorgeschlagen, dass die IV-Stelle der KESB eine Institution angebe, in welcher
der Versicherte begutachtet werden könne. Notfalls könnte er seitens der KESB zur
Abklärung in diese Institution eingewiesen werden (IV-act. 160). Am 1. Oktober 2014
teilte Dr. R._ telefonisch mit, dass der Versicherte in Begleitung der Spitex-Pflegerin
zwar zum Untersuchungstermin erschienen sei, die Begutachtung jedoch aufgrund des
aggressiven Verhaltens des Versicherten nicht habe durchgeführt werden können. In
seinem diesbezüglichen Bericht vom 2. Oktober 2014 hielt Dr. R._ fest, dass der
Versicherte sich bei der Kontaktaufnahme und während der Wartezeit vor dem
Untersuchungsbeginn hochgradig auffällig verhalten habe. Er habe nicht gesprochen
und regungslos auf dem Stuhl gesessen. Nach Ankunft des Dolmetschers habe der
Versicherte auf einer Plastikunterlage die Einverständniserklärung zum Unterzeichnen
vorgelegt bekommen. Er habe die Schreibunterlage in die linke Hand genommen und
es sei ihm ein Kugelschreiber angeboten worden, mit der Bitte, diesen in die rechte
Hand zu nehmen. Nachdem der Versicherte begonnen habe, den rechten Arm zu
heben, habe er völlig unerwartet und sehr energisch die Schreibunterlage auf den
Boden geworfen. Dies sei mit einer derartigen Wucht und Aggressivität geschehen,
dass der Versicherte gebeten worden sei, die Praxis zu verlassen. Dieser Aufforderung
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habe der Versicherte augenblicklich Folge geleistet. Der Versicherte sei klar nicht
untersuchbar gewesen. Zudem habe ein nicht zu unterschätzendes Risiko von
aggressiven, fremdgefährdenden Handlungen seitens des Versicherten vorgelegen. Zur
Begründung dieses auffälligen Verhaltens könne nichts Abschliessendes gesagt
werden. Das Verhalten könne allerdings nicht mit den in den Akten aufgeführten
psychischen Störungen erklärt werden und erscheine für einige der diagnostizierten
Störungen hochgradig untypisch. Weiter könne nicht nachvollzogen werden, weshalb
trotz fortgesetzter ambulanter psychiatrischer Behandlung mit intensiver
Psychopharmakotherapie keine Verbesserung, sondern eine massive Verschlechterung
des Zustandsbildes aufgetreten sei. In Anbetracht dieser Umstände und im Kontext der
Gesamtsituation könne das Vorliegen eines strategischen, zweckgebundenen
Verhaltens nicht ausgeschlossen werden. Da beim Versicherten die ambulante
Untersuchbarkeit nicht vorhanden sei, werde – falls die IV-Stelle eine gründliche und
wissenschaftlich fundierte Abklärung des Sachverhaltes wünsche – eine stationäre
Begutachtung, vorzugsweise in einem forensisch-psychiatrischen Setting, empfohlen.
Geeignet dafür wäre z.B. die Forensische Klinik der Universität Zürich (IV-act. 165). Die
Spitex-Pflegerin, welche den Versicherten zur Untersuchung begleitet hatte, hatte
gemäss einer Aktennotiz zu dem Vorfall festgehalten, dass der Versicherte die ihm
vorgelegten Papiere nicht habe unterschreiben können. Es sei ihm dann aber der
Kugelschreiber in die Hand gezwängt worden und er sei gezwungen worden, obwohl er
es nicht gekonnt habe. Der Versicherte habe dann alles hingeworfen und sei gegangen,
wobei er die Türe hinter sich zugeschlagen habe. Sie habe den Versicherten
anschliessend am Boden sitzend und weinend angetroffen. Er habe offensichtlich
Angst gehabt. Der Arzt (Dr. R._) habe sich unmöglich benommen, was der IV-Stelle
gemeldet werden müsse (IV-act. 163).
A.p Die orthopädische Teilbegutachtung war am 18. Juni 2014 erfolgt. Gemäss seinem
Gutachten vom 26. Februar 2015 hatte Dr. med. S._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie FMH, aus orthopädischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten feststellen können. In der Beurteilung hielt Dr. S._
fest, die Befunderhebung habe keinerlei Einschränkungen oder neurologische Defizite
der rechten Hand ergeben. Die Radiusfraktur sei vollständig ausgeheilt. Auffallend sei
die rechtsseitig gut ausgebildete Hand- und Unterarmmuskulatur. Zudem sei die
Beschwielung der rechten Hand so gut, dass der dringende Verdacht auf eine
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körperliche Tätigkeit, insbesondere eine Handwerkstätigkeit, bestehe. Bezüglich der
Arbeitsfähigkeit sei die Ausübung der bisherigen sowie jeder anderen Tätigkeit aus
orthopädischer und schmerzdiagnostischer Sicht zu 100% möglich (IV-act. 168).
A.q Mit einem Vorbescheid vom 23. März 2015 stellte die IV-Stelle die Einstellung der
Invalidenrente des Versicherten in Aussicht. Zur Begründung stellte sie sich auf den
Standpunkt, dass der Versicherte mit seinem Verhalten betreffend die psychiatrische
Begutachtung bei Dr. R._ seine gesetzlich geschuldeten Mitwirkungspflichten im
Sinn von Art. 43 Abs. 2 ATSG unentschuldbar verletzt habe. Dr. R._ habe einen
Zusammenhang zwischen dem gezeigten Verhalten des Versicherten und dem in den
Akten beschriebenen Krankheitsbild deutlich verneint und darauf hingewiesen, dass
das Vorliegen eines strategischen und zweckgebundenen Verhaltens nicht
ausgeschlossen werden könne. Angesichts der in den Akten mittlerweile
dokumentierten überdeutlichen Diskrepanzen sei nicht davon auszugehen, dass das
ungebührliche Auftreten des Versicherten gegenüber dem Gutachter durch ein
krankhaftes Geschehen zu erklären sei. Vielmehr sei anzunehmen, dass – selbst bei
Vorliegen gewisser gesundheitlicher Beeinträchtigungen – wesentlich auch der Unwille
zur Klärung der tatsächlichen Verhältnisse, die eine Weiterausrichtung der Rente in
Frage gestellt hätten, zum Verweigerungsverhalten beigetragen habe. Als Folge der
Mitwirkungspflichtverletzung sei aufgrund der Akten zu entscheiden. Aus den
Observationsergebnissen ergebe sich, dass der Versicherte über wesentlich höhere
Ressourcen verfüge, als bisher angenommen worden sei. Entgegen früherer
Darstellungen könne der Versicherte die rechte Hand kraftvoll, ausdauernd und mit
Geschick einsetzen, was sich insbesondere beim Verteilen der Zeitungen mit Frau
F._ gezeigt habe. Aus diesem Grund sei auch die gutachterliche Einschätzung von
Dr. S._ überzeugend, wonach der Versicherte aus somatischer Sicht voll arbeitsfähig
sei. Bezüglich der psychischen Erkrankung sei zu beachten, dass die von Frau F._
beschriebene engmaschige Betreuung und Aufsicht zumindest in der Kontrollphase
nicht stattgefunden habe. Frau F._ habe nachweislich Falschangaben gemacht.
Zusammen mit der Beurteilung von Dr. R._ bestünden ernsthafte Zweifel am
Fortbestehen einer relevanten psychischen Krankheit. Die aktuelle Situation könne
dahingehend interpretiert werden, dass der Versicherte unter Vorspiegelung falscher
Tatsachen weitere IV-Leistungen habe erwirken wollen. Das Auftreten des Versicherten
bei Dr. R._ könne bei dieser Sichtweise als plausible und nicht krankheitsbedingte
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Verzweiflungs- und Abwehrreaktion nachvollzogen werden. Diese Hypothese lasse sich
zwar nicht beweisen, es könne aber noch viel weniger gesagt werden, dass eine
invalidisierende Krankheit überwiegend wahrscheinlich sei. Durch die Observation habe
eine Erwerbsaufnahme des Versicherten nachgewiesen werden können. Selbst wenn
die Angaben von Frau F._ zuträfen, wonach der Versicherte keinen Lohn erhalten
habe, müsste angenommen werden, dass der Arbeitseinsatz eine Gegenleistung für die
Bemühungen von Frau F._ darstelle und damit nicht unentgeltlich sei. Im Gutachten
von Dr. S._ seien deutliche Hinweise auf eine körperliche Tätigkeit beschrieben
worden. Dies sei als Indiz dafür zu werten, dass der Versicherte auch im Sommer 2014
einem Erwerb nachgegangen sei. Die Erwerbsaufnahme stelle einen Revisionsgrund
dar, so dass der Rentenanspruch neu festzusetzen sei. Da ein die Arbeitsfähigkeit
wesentlich einschränkender Gesundheitsschaden nicht mehr nachgewiesen sei, sei die
Rente einzustellen. Ergänzend sei festzuhalten, dass auch die Voraussetzungen für
eine Sanktion nach Art. 7b Abs. 2 IVG erfüllt seien, namentlich durch die nicht
gemeldete Erwerbsaufnahme (lit. b), durch das (wahrscheinlich) unrechtmässige
Erwirken von IV-Leistungen (lit. c) und die Weigerung des Versicherten, sich
untersuchen zu lassen und damit notwendige Auskünfte zu erteilen (lit. d). Sollte also
die Auffassung vertreten werden, dass eine auf Art. 43 Abs. 3 ATSG gestützte
Aktenbeurteilung nicht zulässig sei, müsste auf die genannten Sanktionsbestimmungen
verwiesen werden (IV-act. 170). Am 8. Mai 2015 liess der Versicherte gegen diesen
Vorbescheid Einwand erheben (IV-act. 176). Mit einer Verfügung vom 29. Mai 2015
stellte die IV-Stelle die bisherige Rente des Versicherten ein. Einer allfälligen
Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (IV-act. 180).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde des Versicherten
(nachfolgend Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Arthur
Andermatt, vom 29. Juni 2015. Der Beschwerdeführer lässt die Aufhebung der
Verfügung vom 29. Mai 2015 und die Weiterausrichtung der bisherigen ganzen
Invalidenrente beantragen. In prozessualer Hinsicht lautet der Antrag auf
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung. In der Begründung beanstandet der
Rechtsvertreter zunächst, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer im
Vorfeld der Begutachtung die Namen der Gutachter am Neurologicum Zürichsee nicht
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bekannt gegeben habe, womit der Beschwerdeführer keine Möglichkeit gehabt habe,
sich diesbezüglich zu äussern. Es handle sich um einen nicht zu heilenden Mangel,
weshalb das bidisziplinäre Gutachten aus dem Recht zu weisen sei. Selbst wenn
darauf abgestellt würde, wären die Voraussetzungen für eine Revision der
Invalidenrente nicht erfüllt. Der Gutachter Dr. S._ begründe die attestierte volle
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers allein damit, dass die Muskulatur und die
Beschwielung der Hände hervorragend ausgeprägt seien. Bereits im
Revisionsverfahren von 2010 habe eine handchirurgische Untersuchung vom 15. April
2010 durch Dr. G._ ergeben, dass die Vorderarmmuskulatur seitengleich ausgebildet
sei. Auch habe die Ärztin darauf hingewiesen, dass die rechte Hand nicht extrem
geschont werde, da sonst fünf Jahr nach dem Unfall ein Muskelschwund eingetreten
wäre. Die Beschwerdegegnerin habe das Rentenrevisionsverfahren dennoch mit dem
Schreiben vom 23. Dezember 2011 abgeschlossen. Das Gutachten von Dr. S._
enthalte somit keine neuen medizinischen Erkenntnisse, welche den Invaliditätsgrad
des Beschwerdeführers zu ändern vermöchten. Die Schlussfolgerung des
psychiatrischen Gutachters Dr. R._, wonach er beim Beschwerdeführer ein
strategisches, zweckgebundenes Verhalten vermute, sei nicht nachvollziehbar. Med.
pract. T._, bei welcher der Beschwerdeführer seit September 2014 in
(psychiatrischer) Behandlung sei, habe am 16. Juni 2015 berichtet, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der Diagnosen schwere depressive Episode mit
psychotischen Symptomen, Panikstörung, ev. im Rahmen einer sozialen Phobie, und
einer anhaltend somatoformen Schmerzstörung zu 100% arbeitsunfähig sei. Aufgrund
der sich widersprechenden ärztlichen Beurteilungen werde die Einholung eines
Gerichtsgutachtens beantragt. Betreffend die Observationsergebnisse sei festzuhalten,
dass diese blosse Momentaufnahmen seien und damit keine Erwerbsaufnahme des
Beschwerdeführers nachgewiesen werde könne. Frau F._ habe den
Beschwerdeführer als Therapiemassnahme auf die Zeitungstour mitgenommen (act. G
1). Med. pract. T._, Oberärztin am Ambulatorium der Psychiatrischen Klinik E._,
hatte in ihrem Bericht vom 16. Juni 2015 zur Beurteilung festgehalten, dass sie den
Beschwerdeführer klinisch als schwer krank einstufe und dies seit Jahren. Diese
Einschätzung werde von der Spitex-Pflegerin geteilt (act. G 1.1.4).
B.b Am 11. September 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass bei der Beurteilung der Situation
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des Beschwerdeführers das Beziehungsdreieck zwischen ihm, seiner Ehefrau und der
Betreuerin Frau F._ zu berücksichtigen sei. Angeblich würden die Eheleute rund um
die Uhr von Frau F._ betreut. Frau F._ habe auch im Abklärungsverfahren praktisch
alle Auskünfte erteilt, da der Beschwerdeführer und seine Ehefrau für Dritte kaum
ansprechbar seien. Die Angaben von Frau F._ betreffend das Ausmass der
erforderlichen Betreuung erschienen unrealistisch und unglaubwürdig, weshalb die IV-
Stelle eine ausgedehnte Überwachung der Eheleute veranlasst habe. Die Überwachung
habe gezeigt, dass Frau F._ Falschangaben gemacht habe: Statt den
Beschwerdeführer und seine Familie zu betreuen, habe sie in der Nacht mit ihrem
Lieferwagen Zeitungen verteilt und sich dabei u.a. vom Beschwerdeführer unterstützen
lassen. Der Beschwerdeführer habe beim Verteilen der Zeitungsbündel seine angeblich
gebrauchsunfähige Hand flink, mit Geschick und kraftvoll einsetzen können. Aufgrund
des dringlichen Abklärungsbedarfs sei eine bidisziplinäre Begutachtung veranlasst
worden. Es sei zutreffend, dass dem Beschwerdeführer mit dem Schreiben vom 17.
April 2014 nur die Gutachterstelle und nicht die Namen der begutachtenden Ärzte
mitgeteilt worden sei. Am 19. Mai 2014 habe jedoch das Neurologicum Zürichsee dem
Beschwerdeführer die Namen der Gutachter und die rund einen Monat in der Zukunft
liegenden Untersuchungstermine bekannt gegeben. Es sei dem Beschwerdeführer
daher möglich gewesen, Einwände noch geltend zu machen. Da auch in der
Beschwerde keine substantiierten Einwände gegen die Gutachter erhoben worden
seien, könne der minimale Mangel, dass die Namen der Gutachter nicht bereits im
Schreiben vom 17. April 2014 genannt worden seien, keinen Zusammenhang mit der
mangelnden Kooperation des Beschwerdeführers bei der psychiatrischen
Begutachtung begründen. Die Begutachtung sei aus objektiver Sicht klarerweise
zumutbar und das Verhalten des Beschwerdeführers durch den geringfügigen
Verfahrensmangel nicht zu entschuldigen gewesen. Eine (subjektive) Unzumutbarkeit
könnte angenommen werden, wenn der Beschwerdeführer aus gesundheitlichen
Gründen nicht hätte begutachtet werden können. Dies sei vorliegend unwahrscheinlich.
Der vom Beschwerdeführer ins Recht gelegte Bericht von med. pract. T._ sei nicht
überzeugend. Die Ärztin beurteile den Beschwerdeführer aus Sicht einer unkritischen
Therapeutin. Sie habe sich weder mit dem Aspekt einer möglichen Täuschung noch mit
den offenkundigen Inkonsistenzen auseinandergesetzt. Demgegenüber habe die
Beurteilung von Dr. R._ viel grösseres Gewicht. Zwar habe er keine vollständige
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Abklärung durchführen können, sei jedoch durch das Studium der Akten sehr gut
vorbereitet gewesen. Die Vereinbarkeit des beobachteten Verhaltens mit dem in den
Akten dokumentierten Krankheitsbild habe Dr. R._ klar verneint und auf ein
mögliches strategisches und zweckgebundenes Verhalten hingewiesen. Der
orthopädische Gutachter Dr. S._ habe ein Täuschungsverhalten des
Beschwerdeführers sogar für wahrscheinlich gehalten. Auf die Wahrnehmungen der bei
der Begutachtung anwesenden Spitex-Pflegerin könne nicht abgestellt werden, da die
Pflegerin mangels Kenntnis der Gesamtsituation die Reaktionen der Beteiligten nicht
richtig habe einordnen können. Da auch betreffend das Verhalten des Gutachters keine
Aspekte ersichtlich seien, die zur Annahme einer Unzumutbarkeit der Begutachtung
führten, sei es rechtens gewesen, in Anwendung von Art. 43 Abs. 3 ATSG auf weitere
Abklärungen zu verzichten und aufgrund der Akten zu entscheiden. Dabei habe der
Beschwerdeführer den Nachteil für die Beweislosigkeit von Tatsachen, aus denen er
Rechte ableite, zu tragen. Aus somatischer Sicht sei angesichts des orthopädischen
Gutachtens sowie der Observationsergebnisse ein Täuschungsverhalten des
Beschwerdeführers in Bezug auf die behaupteten Einschränkungen der rechten Hand
anzunehmen. Weiter seien auch alle Kriterien gemäss den bei Verdacht auf Simulation
von Gutachtern häufig angewendeten Leitlinien “Diagnostic criteria for malingered
neurocognitive dysfunction“ erfüllt, womit beim Beschwerdeführer sehr deutliche
Hinweise auf eine Simulation der Leiden bestünden. Unter den gegebenen Umständen
sei das Fortbestehen eines relevanten Funktionsverlusts nicht rechtsgenüglich
nachgewiesen. Der Beschwerdeführer sei damit rechtlich so zu stellen, wie wenn eine
gesundheitliche Verbesserung eingetreten wäre. Die Anspruchsvoraussetzungen für
eine Rente seien folglich nicht mehr erfüllt (act. G 6).
B.c In einer Replik vom 11. November 2015 hält der Beschwerdeführer an seinen
Beschwerdeanträgen fest. Zur Begründung führt der Rechtsvertreter an, dass keine
schuldhafte Verletzung von Mitwirkungspflichten gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG vorliege.
Vor dem Untersuchungstermin bei Dr. R._ am 1. Oktober 2014 habe die KESB K._
der Beschwerdegegnerin mitgeteilt, dass aufgrund des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers eine Teilnahme am Untersuchungstermin nicht garantiert werden
könne, da er diesbezüglich wohl urteilsunfähig sei. Die KESB habe vorgeschlagen,
dass die Beschwerdegegnerin ihr eine Institution angebe, wo der Beschwerdeführer zur
Abklärung eingewiesen werden könne. Der KESB sei somit bereits im Vorfeld klar
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gewesen, dass eine ambulante Untersuchung des Beschwerdeführers vermutlich nicht
möglich sei und eine Begutachtung stationär vorzunehmen wäre. Die
Beschwerdegegnerin habe die Hinweise und das Angebot der KESB ignoriert. Dr.
R._ habe in seinem Bericht festgehalten, dass der Sachverhalt nicht ambulant
abgeklärt werden könne und die Untersuchung im Rahmen einer stationären
Begutachtung stattzufinden habe. Die ambulante Untersuchung sei für die notwendige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG somit
ungeeignet und eine Verletzung der Mitwirkungspflicht durch den Beschwerdeführer
aus diesem Grund unmöglich gewesen. Dass die Beschwerdegegnerin trotz der
Hinweise von Dr. R._ und der KESB K._ keine stationäre Untersuchung veranlasst
habe, stelle eine Verletzung ihrer Abklärungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG dar.
Weiter sei ein Revisionsgrund nicht gegeben. Die vorliegenden Akten, inklusive der
Observationsergebnisse, belegten keine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrads.
Vielmehr zeige der Bericht von med. pract. T._, dass ein unverändert schlechter
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vorliege (act. G 10).
B.d Mit einer Duplik vom 14. Dezember 2015 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem
Antrag auf Beschwerdeabweisung fest. Zur Begründung führt sie aus, das Schreiben
der KESB, worin diese Zweifel geäussert habe, dass sich der Beschwerdeführer einer
ambulanten Begutachtung unterziehen würde, dokumentiere eindrücklich die
Weigerungshaltung des Beschwerdeführers. Daraus ergebe sich aber gerade nicht,
dass sich der Beschwerdeführer im stationären Rahmen williger hätte untersuchen
lassen. Die Einschätzung von Dr. R._, wonach der Beschwerdeführer ambulant nicht
untersuchbar sei und allenfalls eine stationäre Abklärung durchgeführt werden müsse,
sei unter dem Eindruck des aggressiven und als fremdgefährdend eingestuften
Verhaltens des Beschwerdeführers entstanden. Es hätten also
Sicherheitsüberlegungen im Vordergrund gestanden. Es leuchte ein, dass für stationäre
Abklärungen spezialisierte Institutionen besser in der Lage seien, auf allfällige
Aggressionen von Exploranden angemessen zu reagieren und die Gefährdung des
Personals in vertretbaren Grenzen zu halten. Damit sei aber nicht gesagt, dass
vorliegend eine solche Abklärung geschuldet gewesen sei. Nach der überzeugenden
Auffassung von Dr. R._ könne das aggressive Verhalten des Beschwerdeführers
durch das in den Akten dokumentierte Beschwerdebild nicht erklärt werden und sei
hochgradig untypisch. Die Gründe für das aggressive Verhalten seien im strategischen
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und zweckgebundenen Vorgehen zu suchen. Das in den Akten dokumentierte
Beschwerdebild begründe somit keine medizinische Notwendigkeit für eine stationäre
Abklärung. Durch sein unentschuldbar aggressives Verhalten habe der
Beschwerdeführer die Untersuchung vereitelt und damit seine Mitwirkungspflicht
verletzt, was einen Entscheid aufgrund der Akten rechtfertige. Ein invalidisierender
Gesundheitsschaden sei heute nicht mehr rechtsgenüglich nachgewiesen (act. G 13).

Erwägungen
1.
Anfechtungsgegenstand ist die Verfügung vom 29. Mai 2015, mit welcher die
Beschwerdegegnerin die bisher ausgerichtete ganze Rente des Beschwerdeführers
eingestellt hat. Die Verfügung vom 9. Juni 2015, mit welcher ein Anspruch des
Beschwerdeführers auf Hilflosenentschädigung abgelehnt worden ist (vgl. IV-act. 186),
stellt nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens dar.
2.
In formeller Hinsicht rügt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs: Die Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer mit
dem Schreiben vom 17. April 2014 die Namen der untersuchenden Gutachter am
Neurologicum Zürichsee nicht bekannt gegeben, wodurch der Beschwerdeführer keine
Möglichkeit gehabt habe, sich diesbezüglich zu äussern. Art. 44 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) normiert
als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs, dass der Versicherungsträger, der zur Abklärung
des Sachverhalts ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen
einholen muss, der Partei deren oder dessen Namen bekannt zu geben hat. Diese kann
den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und Gegenvorschläge machen.
Tatsächlich hat die Beschwerdegegnerin in ihrem Schreiben vom 17. April 2014
lediglich die Gutachterstelle und nicht die Namen der Gutachter genannt (vgl. IV-act.
147). Jedoch ist der Beschwerdeführer mit dem Schreiben der Gutachterstelle vom 19.
Mai 2014 über die auf rund einen Monat später angesetzten Untersuchungstermine
sowie die untersuchenden Gutachter informiert worden (vgl. IV-act. 151). Da der
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Beschwerdeführer somit rechtzeitig vor der Begutachtung über die Namen der
untersuchenden Gutachter in Kenntnis gesetzt worden ist, wäre es ihm ohne weiteres
möglich gewesen, allfällige Einwände noch geltend zu machen. Auch wenn der
Umstand, dass die Bekanntgabe der Namen nicht durch die Beschwerdegegnerin
selbst erfolgt ist, einen Verfahrensmangel darstellt, ist dem Beschwerdeführer
vorliegend jedenfalls kein Nachteil daraus erwachsen, welcher eine Verletzung des
Gehörsanspruchs begründen könnte. Der Beschwerdeführer ist mit anderen Worten in
seinen Verfahrensrechten, namentlich seinen Beschwerdemöglichkeiten und
Äusserungsrechten, nicht beeinträchtigt gewesen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
27. Juli 2015, 9C_190/2015, E. 3). Im Übrigen hat der Rechtsvertreter im
Beschwerdeverfahren auch keine substantiierten Einwendungen in Bezug auf die
gesetzlichen Ausstands- und Ablehnungsgründe gemäss Art. 36 Abs. 1 ATSG bzw. Art.
10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021)
gemacht. Eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung aus formellen Gründen kommt
folglich nicht in Betracht.
3.
3.1 In Bezug auf die angefochtene Verfügung vom 29. Mai 2015 stellt sich die Frage,
ob diese als Sanktions- oder Revisionsverfügung zu interpretieren ist. Die
Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung einleitend die Sanktionsbestimmungen Art.
43 Abs. 3 ATSG und Art. 7b Abs. 2 IVG wiedergegeben. Weiter hat sie festgehalten,
dass der Beschwerdeführer seine gesetzlich geschuldeten Mitwirkungspflichten
unentschuldbar verletzt habe, indem er die mit dem Schreiben vom 8. August 2014
definierten Auflagen, namentlich sich der medizinischen Abklärung zu unterziehen,
nicht erfüllt habe. Als Folge dieser Verletzung der Mitwirkungspflichten sei aufgrund der
Akten zu entscheiden. Gestützt auf den Aktenstand zum Zeitpunkt der Verfügung sei
ein wesentlich einschränkender Gesundheitsschaden des Beschwerdeführers nicht
mehr nachgewiesen, womit die Rente einzustellen sei. Sollte die Auffassung vertreten
werden, dass eine auf Art. 43 Abs. 3 ATSG gestützte Aktenbeurteilung nicht zulässig
sei, müsste auf die genannten Sanktionsbestimmungen verwiesen werden (Art. 7b Abs.
2 IVG), die subsidiär anzuwenden wären (vgl. IV-act. 180).
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3.2 Aus der Verfügung ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin das mit dem
Schreiben vom 8. August 2014 (vgl. IV-act. 155) gegen den Beschwerdeführer
eingeleitete Sanktionsverfahren mit dem bereits seit Oktober 2013 laufenden
Rentenrevisionsverfahren vermischt hat. Im Rahmen der sanktionsweise
vorgenommenen Beurteilung "aufgrund der Akten" hat sie entsprechend einem
Revisionsentscheid den bisherigen Rentenanspruch des Beschwerdeführers für die
Zukunft definitiv verneint. Dabei hat sie den im vorliegenden Revisionsverfahren ihr
obliegenden Nachteil der Beweislosigkeit (bezüglich der Veränderung des
Gesundheitszustands) unzulässigerweise dem Beschwerdeführer auferlegt. Die von der
Beschwerdegegnerin gewählte Sanktion eines Entscheids aufgrund der Akten ist
innerhalb des von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens zur Überprüfung, ob
eine Aufhebung oder Herabsetzung der Rente in Betracht kommt, untauglich, da es im
Revisionsverfahren gerade darum geht, die Akten zu ergänzen, d.h. den allenfalls
veränderten Sachverhalt zu erheben. Der Entscheid aufgrund der bereits vorhandenen
Akten läuft grundsätzlich auf eine Bestätigung der formell rechtskräftigen
Leistungszusprache hinaus, welche jedoch möglicherweise nicht oder nicht mehr
richtig ist. Die Sanktionsmöglichkeit des Aktenentscheids macht nur in jenen
Konstellationen Sinn, in denen die leistungsbeanspruchende versicherte Person die
materielle Beweislast, d.h. den Nachteil der Beweislosigkeit trägt. Verunmöglicht die
versicherte Person durch die Verweigerung der Mitwirkung bei der
Sachverhaltsabklärung die Ermittlung des leistungserheblichen Sachverhalts, so hat sie
den aus dem Fehlen des Nachweises des behaupteten anspruchsbegründenden
Sachverhalts resultierenden Nachteil zu tragen, d.h. sie erhält keine oder nicht die
vollen Leistungen. In Art. 43 Abs. 3 ATSG fehlt eine Sanktionsmöglichkeit bei einer
Mitwirkungsverweigerung in jenen Konstellationen, in denen die materielle Beweislast,
d.h. der Nachteil der Beweislosigkeit bei der Verwaltung liegt, wie bei einem von Amtes
wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens bzw. einem Verfahren, in dem eine Korrektur
einer laufenden Leistung zu Ungunsten der versicherten Person zu prüfen ist. Das
ATSG weist diesbezüglich eine ausfüllungsbedürftige Lücke auf. Diese Lücke hat das
Bundesgericht geschlossen, indem es einen vollständigen Leistungstopp als zulässige
Anordnung gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG qualifiziert hat (BGE 139 V 585).
3.3 Aufgrund des Wortlauts der Verfügung 29. Mai 2015, der erwähnten
Sanktionsbestimmungen, auf welche die Beschwerdegegnerin in ihren Ausführungen
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Bezug genommen hat, sowie des Verfahrensablaufs bzw. des Kontextes, in welchem
die Verfügung erlassen worden ist, überwiegt vorliegend klar der Sanktionscharakter
der Verfügung, womit diese entsprechend als Sanktionsverfügung zu interpretieren ist.
Dabei ist die Sanktion in der Renteneinstellung und nicht im Entscheid aufgrund der
Akten zu sehen. Aus der Qualifikation als Sanktionsverfügung folgt, dass im Folgenden
nicht die materiell-rechtliche Richtigkeit der Renteneinstellung zu überprüfen, sondern
die formell-rechtliche Frage zu beantworten ist, ob die Voraussetzungen für den Erlass
einer Sanktionsverfügung bzw. die Anordnung einer Renteneinstellung als Sanktion
vorgelegen haben.
3.4 Gemäss Art. 43 Abs. 3 Satz 2 ATSG können die vorgesehenen Sanktionen erst
nach Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens angeordnet werden, wobei
der versicherten Person klar mittzuteilen ist, welches Verhalten ihrerseits erwartet wird.
Nachdem der Beschwerdeführer unentschuldigt nicht zum zweiten
Begutachtungstermin bei Dr. R._ vom 4. August 2014 erschienen war (vgl. IV-act.
153), hat die Beschwerdegegnerin mit dem Schreiben vom 8. August 2014 ein Mahn-
und Bedenkzeitverfahren eröffnet (vgl. IV-act. 155). Dem Beschwerdeführer ist auferlegt
worden, dass er sich einerseits der Begutachtung durch die Ärzte des Neurologicums
Zürichsee unterziehe, und dass er sich andererseits bis spätestens 15. August 2014 mit
der Gutachtensstelle in Verbindung setze, um einen neuen Begutachtungstermin (bei
Dr. R._) zu vereinbaren. Der Beschwerdeführer hat in der Folge einen
entsprechenden Termin für den 1. Oktober 2014 vereinbart und ist zur Begutachtung
erschienen. Damit hat er die beiden Auflagen der Beschwerdegegnerin erfüllt. Wie sich
der Beschwerdeführer während der Begutachtung verhalten hat, ist nicht zu
berücksichtigen, da dies von der Beschwerdegegnerin nicht zum Gegenstand der
Auflagen vom 8. August 2014 gemacht worden ist. Da der Beschwerdeführer die
Auflagen erfüllt hat, kommt eine Sanktionsverfügung gestützt auf das mit dem
Schreiben vom 8. August 2014 eröffnete Mahn- und Bedenkzeitverfahren nicht in
Betracht. Dieses ist mit der Auflagenerfüllung durch den Beschwerdeführer als
abgeschlossen zu betrachten. Um eine Sanktionsverfügung erlassen zu können, hätte
die Beschwerdegegnerin in der Folge eine weitere Abklärung anordnen und – bei
Nichtbefolgung seitens des Beschwerdeführers – ein neues Mahn- und
Bedenkzeitverfahren eröffnen müssen. Da sich die Sanktionsverfügung vom 29. Mai
2015 somit nicht auf ein vorhergehendes Mahn- und Bedenkzeitverfahren stützt, sind
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die formellen Voraussetzungen für deren Erlass gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG nicht
gegeben.
3.5 Die Beschwerdegegnerin verweist in einer subsidiären Verfügungsbegründung auf
die Bestimmung von Art. 7b Abs. 2 IVG (vgl. IV-act. 180-9). Nach dieser Bestimmung
können Leistungen in Abweichung von Art. 21 Abs. 4 ATSG (richtig wäre: Art. 43 Abs. 3
ATSG, vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Art. 43 N 105) ohne Mahn- und
Bedenkzeitverfahren gekürzt werden, wenn die versicherte Person trotz Aufforderung
der IV-Stelle nach Art. 3c Abs. 6 [IVG] nicht unverzüglich eine Anmeldung
vorgenommen hat und sich dies nachteilig auf die Dauer oder das Ausmass der
Arbeitsunfähigkeit oder der Invalidität auswirkt (lit. a), der Meldepflicht nach Art. 31
Abs. 1 ATSG nicht nachgekommen ist (lit. b), die Leistungen der Invalidenversicherung
zu Unrecht erwirkt oder zu erwirken versucht hat (lit. c) oder der IV-Stelle die Auskünfte
nicht erteilt hat, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe benötigt (lit. d).
Die Beschwerdegegnerin sieht gemäss ihren Ausführungen im Vorbescheid vom 23.
März 2015 insbesondere die Bestimmungen lit. b durch eine nicht gemeldete
Erwerbsaufnahme des Beschwerdeführers sowie lit. c durch das (wahrscheinlich)
unrechtmässige Erwirken von IV-Leistungen als erfüllt an. Weiter ist sie der Ansicht,
dass durch die Weigerung des Beschwerdeführers, sich untersuchen zu lassen und
damit die notwendigen Auskünfte zu erteilen, auch Art. 7b Abs. 2 lit. d IVG erfüllt sei
(vgl. IV-act. 170-9). Dem ist entgegenzuhalten, dass die Pflicht einer versicherten
Person, sich zumutbaren medizinischen Abklärungen zu unterziehen, in Art. 43 Abs. 2
ATSG geregelt ist. Eine Sanktion der Verletzung dieser Mitwirkungspflicht kommt
gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG nur nach dem darin vorgeschriebenen Mahn- und
Bedenkzeitverfahren in Betracht. Die Weigerung einer versicherten Person, sich
medizinischen Abklärungen zu unterziehen, kann somit nicht unter Art. 7b Abs. 2 lit. d
IVG subsumiert werden. Bei der Annahme, der Beschwerdeführer habe eine
Erwerbstätigkeit aufgenommen, hat sich die Beschwerdegegnerin auf das
Observationsmaterial gestützt. Sie hat ausgeführt, die Abklärungen hätten ergeben,
dass der Beschwerdeführer für Frau F._ entgeltliche Arbeitseinsätze (Unterstützung
beim Ausliefern von Zeitungen) geleistet habe. Die vorliegenden Unterlagen reichen
jedoch bei weitem nicht aus, um mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine
Erwerbsaufnahme des Beschwerdeführers anzunehmen. Ebenso wenig lässt sich
überwiegend wahrscheinlich begründen, dass der Beschwerdeführer IV-Leistungen zu
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Unrecht erwirkt hat. Somit kann keiner der in Art. 7b Abs. 2 IVG erwähnten
Anwendungsfälle als erfüllt betrachtet werden, womit die Sanktionsverfügung auch
nicht gestützt auf Art. 7b Abs. 2 IVG hätte erlassen werden dürfen.
3.6 Zusammengefasst erweist sich die als Sanktionsverfügung zu betrachtende
Verfügung vom 29. Mai 2015 als unrechtmässig und ist vollumfänglich und ersatzlos
aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin wird das Verwaltungsverfahren weiterzuführen
haben. Da nur die Anordnung einer Sanktion Gegenstand des vorliegenden Verfahrens
bildet, sind der Beschwerdegegnerin keine Vorschriften in Bezug auf das
Verwaltungsverfahren zu machen. Dennoch ist im Sinne eines obiter dictums
Folgendes festzuhalten: Gestützt auf die vorliegenden Akten kann nicht überwiegend
wahrscheinlich ausgeschlossen werden, dass das auffällige Verhalten des
Beschwerdeführers, welches er im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung bei Dr.
R._ gezeigt hat, krankheitsbedingt ist. Es erscheint daher eine weitergehende
Abklärung angezeigt, die – wie von Dr. R._ im Bericht vom 2. Oktober 2014
empfohlen (vgl. IV-act. 165) – in Form einer psychiatrischen Begutachtung im
stationären Rahmen erfolgen sollte. Der untersuchende Gutachter wird dabei sämtliche
psychiatrischen Vorberichte sowie die Observationsergebnisse zu berücksichtigen
haben. Für den Fall, dass beim Beschwerdeführer eine anhaltend somatoforme
Schmerzstörung oder ein vergleichbares syndromales Beschwerdebild diagnostiziert
würde, hätte der Gutachter seine Beurteilung unter Berücksichtigung der mit dem
Bundesgerichtsentscheid vom 3. Juni 2015, BGE 141 V 281 ff., diesbezüglich neu
eingeführten Praxis vorzunehmen.
4.
4.1 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung
der angefochtenen Verfügung vom 29. Mai 2015 gutzuheissen.
4.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
bis
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Angelegenheit angemessen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat deshalb die
gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der vom Beschwerdeführer
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (Sgs 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Für einen
durchschnittlichen Vertretungsaufwand, wie es die vorliegende Angelegenheit erfordert
hat, erscheint eine praxisgemäss pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die Beschwerdegegnerin
hat somit dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.