Decision ID: db4e00d0-6f74-4587-9b10-46084291e7ff
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, meldete sich am 19. Februar 2010 unter Hinweis auf eine schwere Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/74). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom 19. April 2011 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine
ganze
Rente ab 1. Sept
ember 2010 zu (Urk. 8/94).
Am 18. Januar 2013 teilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert (Urk. 8/120).
1.2
Nach Eingang eines am 12. April 2015 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 8/126) holte die IV-Stelle unter anderem bei Dr.
Y._
ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 12. Dezember 2016 erstattet wurde (Urk. 8/174). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/179
; Urk.
8/194) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 20. Februar 2018 die bisher ausgerichtete Rente rückwirkend per 1. Januar 2014 auf (Urk. 2 = Urk. 8/198) und forderte mit Verfügung vom 27. Februar 2018 (Urk. 5/2 = Urk. 8/199) vom Ver
sicherten zu Unrecht bezogene IV-Leistungen für die Zeitdauer vom 1. Januar 2014 bis zum 28. Februar 2018 in der Höhe von gesamthaft Fr. 117'330.
--
zurück
.
2.
Der Versicherte erhob am
23. März 2018
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 20. Februar 2018 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm bis und mit 31. März 2018 eine ganze Rente und mit Wirkung ab 1. April 2018 eine
Dreiviertelsrente
, eventuell eine halbe Rente, zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Am 13. April 2018 erhob der Beschwer
deführer Beschwerde gegen die Verfügung vom 27. Februar 2018 (Urk. 5/2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Rückforderung vollumfänglich, eventuell in der Höhe von Fr. 87'957.50, abzuweisen (Urk. 5/1 S. 2). Mit Gerichts
verfügung vom 19. April 2018 wurde der die Rückforderungsverfügung betref
fende Prozess IV.2018.00351 mit dem vorliegenden Prozess vereinigt und als dadurch erledigt abgeschrieben (Urk. 5/4).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 30. April 2018 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 14. Mai 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Am 9. Juli 2018 (Urk. 11) reichte der Beschwer
deführer eine am 31. Mai 2018 erstattete ärztliche Stellungnahme (Urk. 12) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
ga
benbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der
Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte
Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.7
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträch
tigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde
und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen
Verfügung
vom 20. Februar 2018
(Urk. 2) davon aus, d
ass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor
liege. Zwar habe der psychiatrische Gutachter eine derzeit mittelgradige rezidi
vierende depressive Störung diagnostiziert, die Befunde seien jedoch weniger stark ausgeprägt und entsprächen höchstens einer leichtgradigen depressiven Störung. Zudem lägen gute Ressourcen vor (S. 2 oben). Der Beschwerdeführer habe es unterlassen,
der Beschwerdegegnerin
bis spätestens am 1. Januar 2014 zu melden, dass er ein Einkommen erwirtschafte, weshalb eine Meldepflichtver
letzung vorliege und die Rente rückwirkend auf diesen Zeitpunkt eingestellt werde (S. 2 Mitte).
Die Rückforderungsverfügung vom 27. Februar 2018 (Urk. 5/2) begründete die Beschwerdegegnerin mit dieser Meldepflichtverletzung (S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), er habe keine schuldhafte Meldepflichtverletzung begangen, da es ein finanzielles Chaos mit Dr.
Z._
gegeben habe, der ihn beschäftigt habe. Erst anlässlich der Besprechung mit
seinem Buchhalter und
der Beschwerdegegnerin am 22. Dezember 2015 sei es möglich gewesen, zur Erwerbssituation Stellung zu nehmen und einen Einkommensvergleich zu tätigen (S. 10). Anhand dieser Besprechung habe die Beschwerdegegnerin
zudem
erkennen können und müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestünden, weshalb der Rück
forderungsanspruch verwirkt sei (S. 11 oben). Dass er in seiner angestammten Tätigkeit als Radiologe voll arbeitsfähig sei, sei aktenwidrig und wirklichkeits
fremd. Das Risiko von Kunstfehlern und Fehleinschätzungen sei viel zu hoch (S. 16 Mitte).
Auch d
en
komplexen Aufgaben, welche der Hausarztberuf bein
halte, vermöge er nicht in vollem Umfang zu genügen. Die vom Gutachter beschriebenen Einschränkungen führten in dem sehr anspruchsvollen Beruf eines Mediziners zu einer rententangierenden Leistungseinschränkung, auch wenn der Beschwerdeführer über gewisse Ressourcen verfüge (S. 17).
Bei der Berechnung des
Valideneinkommens
sei
schliesslich
zu berücksichtigen, dass er heute ohne Gesundheitsschaden nicht mehr als leitender Arzt, sondern als Chefarzt tätig wäre und mindestens ein Einkommen zwischen
Fr. 750'000.--
und Fr. 1'000'000.--
erzielen würde (S. 18 Mitte).
Gestützt auf die Abklärung der Beschwerdegegnerin vom 8. Mai 2017 sei zumin
dest von einem Invaliditätsgrad von 66.47
%
beziehungsweise 66 bis 68 % aus
zugehen (Urk. 1 S. 19 oben; Urk. 5/1 S. 9 unten). Damit sei der Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
ab 1. Januar 2014 ausgewiesen. Der Rückforderungsanspruch für die strittige Zeit betrage deshalb
selbst unter Annahme eines
nicht verwirkten
Rückforderungsanspruchs infolge
Meldepflichtverletzung lediglich Fr. 29'332.-- (Urk. 5/1 S. 8 unten und S. 9 unten).
2.3
Unbestritten ist, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der rentenbestätigenden Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 18. Januar 2013 (Urk. 8/120) erheblich verbessert hat, womit ein Revisionsgrund
gegeben ist (vgl. vorstehend E. 1.3
). Strittig und zu prüfen
bleibt
, ob und in welchem
Umfang
weiterhin ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers besteht, ob eine Verletzung von Meldepflichten vorliegt und ob ein Rückforderungsanspruch gegeben ist.
3.
3.1
Dr.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte im psychiatrischen Gutachten vom 6. Dezember 2010
zuhanden der Helsana Ver
sicherungen AG als Krankenversicherung
(Urk.
8/42/2-11) als
D
iagnose eine mittel- bis schwergradige depressive
Episode mit psychotischer Symptomatik, ICD-10 F.33 (S. 7 Ziff. 3).
In der Anstellung des Beschwerdeführers als leitender Radiologe am Kantonsspital
B._
sei es zu ungelösten Konflikten mit dem Nach
folger des kürzlich zurückgetretenen Chefarztes gekommen, welcher ihm auch als Chefarzt vorgezogen worden sei. Er habe sich Intrigen ausgesetzt gefühlt und sei nicht informiert worden über Entscheide. Somit sei er zunehmend in eine psychi
sche Bedrängnis hineingekommen, was zu mehreren Aufenthalten in psychiat
rischen Kliniken geführt habe (S. 4 Mitte).
Das Risiko
von
Kunstfehler
n sei
bei seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Radiologe derzeit erheblich, gleiches gelte wohl bei einem Berufswechsel zum Allgemeinmediziner (S.
7
Ziff. 4). Der Ver
sicherte sei derzeit in beiden Tätigkeiten nicht arbeitsfähig (S. 8 Ziff. 5).
3.2
Dr.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte im psychiatrischen Gutachten vom 6. Januar 2013 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 8/118) als Diagnose eine anhaltend depressive Episode, gegenwärtig mittel- bis schwergradig
ausgeprägt, mit somatischem Syndrom im Rahmen einer depressiven Entwicklung nach ICD-10 F32.11/F32.21 (S. 14 Ziff. IV).
Die depressive Symptomatik habe sich mittlerweile weitgehend vom auslösenden Moment
entkoppelt
und eine Eigendynamik entwickelt (S. 16 Mitte). Es liege in jedweder Tätigkeit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vor. Angesichts des weiterhin mittel- bis schwer
gradig ausgeprägten depressiven Syndroms sei von einer geringen Belastbarkeit auszugehen. Es sei leicht vorstellbar, dass der Versicherte in psychosozialen Anforderungssituationen schnell mit Überforderung und Zunahme der depressi
ven Symptomatik reagieren
würde
. Im Vergleich zur rentenbegründenden Befundlage habe sich der Gesundheitszustand weder einschneidend noch nach
haltig verbessert (S. 17 oben). Gegenwärtig sei eine Arbeitsrehabilitation nur in einem geschützten Arbeitsrahmen mit stundenweiser Tätigkeit in ruhiger, stress
armer, gut strukturierter, nicht monotoner Arbeitsatmosphäre sinnvoll. Di
es
er Tätigkeit gehe der Versicherte derzeit nach (S. 17 Mitte)
. Unter Berücksichtigung des bisherigen schon deutlich prolongierten Verlaufs sei von eine
m längeren weiteren Behandlungs- und Heilverlauf auszugehen. Der
Chronifizierungsgrad
müsse als hoch beurteilt werden (S. 17 unten).
4.
4.1
Dr.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte
im Verlaufsbericht vom 22. Mai 2015 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 8/129)
aus, er behandle den Beschwerdeführer seit 2009 (S. 3 Ziff. 3.1). Er stellte
als Diagnose eine schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen
(ICD-10
F32.3
)
seit August 2009 (S. 1 Ziff. 1.2). Insgesamt sei der Zustand des Patienten unverändert. Er
habe
nach wie vor Antriebsstörungen und Freudlosig
keit. Er könne sich nur kurzzeitig konzentrieren. Auch der Arbeitsversuch in der Allgemeinpraxis habe nicht so weit gesteigert werden können, als dass eine rentenverändernde Arbeitsfähigkeit vorliegen würde
. Der Gedankengang sei verlangsamt, der Patient fühle sich müde, habe keine Lebensfreude und wenig Interessen. Auch mit der Arbeit in der Praxis habe er eher Mühe, arbeite offenbar sehr langsam. Psychomotorisch sei er verlangsamt und habe Morgentiefs. Der Schlaf sei weiterhin nur oberflächlich und nicht erholsam, er habe öfters Alb
träume. Funktionell einschränkend sei vor allem die deutliche Verlangsamung. Er brauche viel Zeit für die wenigen Patienten, die er behandle (S. 1 Ziff. 1.3). Die bisherige Tätigkeit als Radiologe könne zu 100
%
nicht mehr ausgeführt werden. Er könne maximal 2 Mal 2 Stunden pro Woche in reduziertem und deutlich verlangsamten Arbeitstempo in der Allgemeinpraxis eines
Kollegen arbeiten. Die Leistungsfähigkeit sei zu 50
%
vermindert (S. 2 Ziff. 2.1). Termine bei
ihm,
Dr.
D._
,
fänden alle drei bis vier Monate statt (S. 3 Ziff. 3. 1).
4.2
Im Verlaufsbericht vom 18. September 2016 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 8/164) stellte Dr.
D._
die gleichen Diagnosen (S. 1 Ziff. 1.2). Auch wenn eine leichte Besserung eingetreten sei, sei der Zustand des Patienten insge
samt unverändert.
A
m 9. Juli 2015
habe er
berichtet, dass er seine Stelle beim anstellenden Allgemeinarzt
gekündigt
habe, da es zu Differenzen gekommen sei. Am 1. September 2015 habe
er begonnen,
in einer Gemeinschaftspraxis in
E._
als Allgemeinarzt zu arbeiten.
Anlässlich der
drei
Termine
2016 habe er durchgängig berichtet, dass er in einem Pensum von 60
%
arbeite. Bei genauer Exploration habe sich gezeigt, dass etwa eine Leistungsminderung von 50
%
bestehe. Er müsse nach eigenen Angaben so langsam arbeiten, da er bei Überlas
tung sehr schnell einen Rückfall erleide. Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich damit ab 1. Januar 2016 eine zeitliche Arbeitsfähigkeit von 60
%
in der Tätigkeit als Allgemeinarzt mit einer Leistungsreduktion um 50
%
.
Somit bleibe in ange
passter Tätigkeit schlussendlich eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
(S. 1 Ziff. 1.3).
4.3
Dr.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
im
psychiatrischen Gutachten vom 12. Dezember 2016 zuhanden der Beschwer
degegnerin (Urk. 8/174) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradig, F33.1 (S. 17 Ziff. 5.1). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Verdacht auf eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung,
ICD-10
Z73.0 (Ziff. 5.2).
In der angestammten Tätigkeit f
ühle sich der Versicherte als 0
% arbeitsfähig. Er brauche mehr Zeit für alles und fühle sich unsicher, E
ntscheidun
gen zu treffen
(S. 9 Ziff. 3.7).
Er könne sich vorstellen, in einem Pensum von 60
%
als Allgemeinarzt zu arbeiten (Ziff. 3.8). Sein Tagesablauf gestalte sich so, dass er um 7 Uhr aufstehe, danach erledige er die Morgentoilette und frühstücke mit der Familie. Dann nehme er die Medikamente ein, um 8:20 Uhr nehme er den Zug nach
E._
. Von 8:30 bis 12:00 Uhr und von 14:00 bis 17:00 Uhr halte er Sprechstunde; danach sei er wieder zuhause, spreche mit den Kindern und unter
stütze sie bei den Schulaufgaben. Abends werde mit der Familie gegessen und gesprochen. Beim Schachspielen verliere er öfters gegen seinen Sohn. Zirka um 23:30 Uhr gehe er zu Bett; manchmal bleibe er länger in der Praxis, weil er denke, dass er zuhause mit seinen «leeren Batterien» leicht gereizt werde (S. 10 Ziff. 3.10).
Zum psychiatrischen Untersuchungsbefund nach
AMDP
führte Dr.
Y._
unter anderem aus, d
er formale Gedankengang sei eingeengt, aber gut strukturiert und in Kohärenz, Stringenz und Tempo ungestört. Der Versicherte sei in depres
siver
Mittellage und vermindert schwingungsfähig. Die affektive Modulations
fähigkeit sei somit reduziert. Er verfüge nicht über das Gesamtspektrum der Emotionen. Die Mimik und Gestik sei
en
psychomotorisch reduziert, der Sprach
fluss
leicht verlangsamt (
S. 14 f. Ziff. 4.2).
Das
Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen Erkrankungen habe ergeben, dass die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen nicht beeinträchtigt sei. Die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von A
ufgaben, d
ie Flexibilität/Umstellungsfähigkeit und die Durchhaltefähigkeit seien leichtgradig beeinträchtigt. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten/Selbstbehaup
tungsfähigkeit sei nicht eingeschränkt. Die Fähigkeit zu aus
serberuflichen Tätigkeiten und die Wegefähigkeit seien nicht eingeschränkt (S. 15 f. Ziff. 4.3).
Die Hamilton Depression
Scale
(HAMD) ergebe einen Wert von 12/68, was einer symptomatischen Depression entspreche. Die Montgomery-
Asberg
Skala der Depressionen (MADRS) ergebe einen Wert von 26/60, was einer schweren Depression entspreche (S. 16 Ziff. 4.4).
Die narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung des Beschwerdeführers, welcher sich als «Alphatier» bezeichne, mache es ihm schwer, sich in einem Arbeitsteam unterzuordnen. Aggravationshinweise hätten sich keine gefunden (S. 18 Ziff. 6.2).
Die bisherige psychiatrische Therapie sei nicht leitliniengerecht
(S. 19 Ziff. 6.4.1)
. Die Frequenz der psychotherapeutischen Behandlung sollte erhöht werden, um
geeignete Copingstrategien für die Depression und die narzisstische Persönlich
keitsakzentuierung zu erarbeiten. Da der Verlauf der Erkrankung nicht vorher
sehbar sei, könne ein exakter Zeitpunkt für einen versicherungsmedizinisch relevanten Wirkungseintritt nicht festgelegt werden. (S. 19 Ziff. 6.4.3).
Die
erhaltenen
Fähigkeit
en
stellten ebenso wie die familiäre Unterstützung, das Bildungsniveau, die Motivation und die Therapieadhärenz mobilisierbare Ressourcen dar (S. 20 Ziff. 6.5). Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe Hin
weise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen ergeben. Es bestünden Diskrepanzen zwischen der schweren subjektiven Beein
trächtigung und dem weitgehend intakten psychosozialen Funktionsniveau bei der Alltagsbewältigung. Die subjektiven Beeinträchtigungen bezögen sich auf die verminderte Belastbarkeit und das Empfinden der Diskriminierung und Krän
kung. Demgegenüber habe der Versicherte ein weitgehend intaktes Sozialleben innert seiner Familie und mit seinen türkischen Kollegen (S. 20 Ziff. 6.6).
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als
leitender Arzt
Radiolog
i
e habe bei 0
%
gelegen von August 2009 bis April 2015, bei 30
%
von Mai 2015 bis August 2016
und
bei 50
%
vom September 2016 bis zum Untersuchungstag
sowie
bis auf Weiteres (
vgl. S. 21 f.;
S. 22 Ziff. 7.1). Die Arbeitsfähigkeit in der leidens
angepassten Tätigkeit als Allgemeinarzt
habe bei 0
%
gelegen von August 2009 bis April 2015, bei 50
%
von Mai 2015
bis August 2016 und bei 60
%
von
Sep
tember 2016 bis zum Untersuchungstag sowie bis auf Weiteres (vgl. S. 21 f.; S. 22 Ziff. 7.2). Eine stufenweise Steigerung des Arbeitspensums in der aktuell ausge
übten angepassten Tätigkeit beginnend mit einem Zeitpensum von 60
%
und Steigerung um 10
%
monatlich seien erfolgsversprechend und medizinisch zumutbar. Eine erneute Begutachtung werde nach 6 Monaten leitliniengerechter Therapie empfohlen, sofern dann noch kein Arbeitspensum von 100
%
erreicht sei (S. 23 Ziff. 7.2; S. 19 Ziff. 6.4.3+5). Das positive Leistungsbild umfasse Tätig
keiten, die klar strukturiert seien
und ohne
gehäufte Veränderungen betreffend den zeitlichen Rahmen, die sozialen Kontakte und Inhalte
auskämen
. Die Tätig
keiten sollten
zusätzliche betriebsunübliche
Pausen
ermöglichen
und ohne konfliktträchtige soziale Interaktionen auskommen
(S. 23 Ziff. 7.2).
Der Versicherte habe 2013 wieder begonnen, teilzeitig als Allgemeinarzt zu arbeiten. Es sei insofern ab 2013 von einer Verbesserung des Gesundheitszustan
des auszugehen, auch wenn gemäss Dokumentation erst ab Mai 2015 eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit anzunehmen sei (S. 23 Ziff. 8).
4.4
Dr.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nahm am 9. Februar 2017 Stellung zum psy
chiatrischen Gutachten von Dr.
Y._
(Urk. 8/177 S. 5). Dabei führte sie aus, der Gesundheitszustand habe sich inzwischen verbessert und sei weiterhin besse
rungsfähig, so dass medizinisch-theoretisch unter Fortführung
der integrativen psychiatrisch
-psychotherapeutischen Behandlung
mit monatlicher Steigerung des Pensums um zirka 10
%
innerhalb von 4 bis 6 Monaten
wieder eine Arbeits
fähigkeit von 100
%
in der angepassten Tätigkeit erreicht werden könne.
Es werde empfohlen, vollumfänglich auf die Beurteilungen des Gutachtens abzustellen.
4.5
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.1+2) nahm am 31. Mai 2018 Stellung zu einem
Fragenkatalog des Beschwerdeführers (Urk.
12
). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivierende depressive Störung mit derzeit mittelgradiger depressiver Episode (
ICD-10
F33.1). Er stellte keine
Diag
nose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mit dem Hinweis, eine
Z-Codie
rung (Persönlichkeitsakzentuierung) sei keine eigentliche Diagnose (S. 9 Ziff. 6.1+2).
In Abweichung von
der Beurteilung der Funktionseinschränkungen
durch
Dr.
Y._
stelle er fest, dass die Fähigkeit zur Planung und Strukturie
rung von
Aufgaben sowie Flexibilität, Umstellungsfähigkeit und Durchhalte
fähigkeit aus seiner Sicht mittelgradig beeinträchtigt sei. Als Funktionseinschrän
kung gälten vor allem auch die mangelnde Konzentrationsfähigkeit und die Kurz
zeitgedächtnisstörung, die vom Gutachter nicht erwähnt werde (S. 10 Ziff. 7.2). Aus seiner Sicht könne mit einer Erhöhung der Therapiefrequenz nichts Wesent
liches erreicht werden und der Verlauf habe ja gezeigt, dass der Patient durchaus Copingstrategien habe, sei es doch zu einer Besserung und zur Wiederaufnahme einer – wenn auch leidensangepassten – Arbeit gekommen.
Wie der Verlauf seit 2009 zeige, könne die Arbeitsfähigkeit nur ganz langsam gesteig
ert werden (S. 11 Ziff. 9).
5.
5.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
Y._
vom 12. Dezember 2016 ist
für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berück
sichtigt auch die gekl
agten Beschwerden
,
wurde
in Kenntnis
und kritischer
Wür
digung
der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben,
leuchtet
in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion ein
und
seine
Schlussfolgerungen
werden
begründet
. Auf das Gutachten, welches entsprechend vollen Beweiswert geniesst (vgl. vorstehend
E. 1.6
), ist in Übereinstimmung mit der Stellungnahme des RAD (vorstehend E. 4.4) abzustel
len. Auch der Beschwerdeführer macht
e
grundsätzlich nichts Gegenteiliges geltend (vgl. etwa Urk. 1 S. 14 Ziff. 33).
Indem
die
Beschwerdegegnerin
sich auf den Standpunkt stellt
e
, der objektive Schweregrad der Befunde sei zu wenig stark ausgeprägt, als dass sie die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung rechtfertigen würden (vorstehend E. 2.
1), setzt
sie
sich zu sämtlichen
fachärzt
lichen
Beurteilungen durch den Gutachter, den behand
elnden Arzt (vorstehend E. 4.1, 4.2 und 4.5
) und
den RAD
in Widerspruch.
Es ist darauf hinzuweisen, dass für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht die Diagnosen, sondern die daraus resultierenden funktionellen Einschränkungen entscheidend sind (vgl. etwa Urteil des Bundes
gerichts
9C_549/2017 vom 13. Februar 2018 E. 3.3 mit Hinweis).
Aufgabe
der
rechtsanwendende
n
Behörde ist nicht die eigenständige Diagnose
stellung, sondern die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien
, konkret die
Vornahme der
Indikatorenprüfung
(vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.1
, E. 1.7
).
Gutachterlich ausgewiesene Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist eine rezidivierende depressive Störung, im Gutach
tensze
itpunkt mittelgradig ausgeprägt
(ICD-10 F 33.1), weshalb ein strukturiertes Beweisverfahren
gemäss
BGE 141 V 281 durchzuführen ist. Da das Gutachten eine
schlüssige Beurteilung des Leistungsvermögens des Beschwerdeführers im Lichte der nunmehr
massgeblichen
Indikatoren
(E. 1.5)
erlaubt, kann es vorlie
gend als Grundlage für die Rentenprüfung dienen.
5.2
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
über einen eingeengten formalen Gedankengang verfügt. Er ist vermindert schwin
gungsfähig, die affektive Modulationsfähigkeit somit reduziert. Mimik und Gestik sind psychomotorisch reduziert, der Sprachfluss leicht verlangsamt. Leichtgradig beeinträchtigt ist sodann die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Auf
gaben, die Flexibilität/Umstellungsfähigkeit und die Durchhaltefähigkeit
(vorste
hend E. 4.3)
.
Demnach bestehen beim Beschwerdeführer mässige psychische Beeinträchtigungen.
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
–
resistenz
ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer seit 20
09
in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung befindet und pharmakologisch behandelt wird
. Obwohl Therapiesitzungen nur in grossen zeitlichen Abständen von 3 bis 4 Monaten stattfanden, konnte eine
deutliche
Verbesserung
des Gesundheits
zustandes
erzielt werden.
Andererseits ist eine gewisse Chroni
fizierung der Depression, welche auch Dr.
C._
konstatiert hatte (vorstehend E. 3.2),
nicht von der Hand zu weisen, weshalb die von Dr.
Y._
gestellte Prognose
des Erreichens einer vollen Arbeitsfähigkeit innert 4-6 Monaten bei leitliniengerech
ter Therapie
nicht unbesehen übernommen werden kann.
Dies umso mehr, als
Dr.
Y._
diese Prognose selber relativiert
e
,
indem er ausführt
e
, der Verlauf der Erkrankung sei nicht vorhersehbar und ein exakter Zeitpunkt für einen versicherungsmedizinisch relevanten Wirkungseintritt könne nicht festgelegt werden (
E. 4.3
). D
er Beschwerdeführer
ist
durchaus motiviert, zu arbeiten
(vgl. auch Urk. 8/174 S. 16 unten)
, und
hat
sich bereits selbständig soweit einge
gliedert und umgeschult, dass er ei
n 60% Pensum als selbständiger Allgemeina
rzt
mit einem
entsprechenden Patientenstamm aufbauen konnte.
Der bisherigen Therapie war also in Kombination mit den beruflichen Eigenan
strengungen des Beschwerdeführers durchaus Erfolg beschieden.
Im Fazit sind die Therapiemög
lichkeiten bei
grundsätzlich
positiven
langfristigen
Besserungs
aussichten
mög
licherweise
noch nicht
vollständig
ausgeschöpft, während die Selbsteingliede
rungsbemühungen klar genügend ausfallen.
Eine psychiatrische Komorbidität liegt nicht vor.
Zum Komplex Persönlichkeit ist
festzuhalten, dass
beim
Beschwerdeführer, der sich als «Alphatier» bezeichnete, von Dr.
Y._
zwar eine narzisstische
Persönlichkeitsakzentuierung diagnostiziert wurde, welche es ihm schwermache, sich in einem Arbeitsteam unterzuordnen. In der angepassten Tätigkeit als selb
ständiger Allgemeinarzt hat dies jedoch
mangels Unterordnung
keine Auswir
kungen
. Von Dr.
A._
wurde
er als intellektuell überdurchschnittlich differen
zierte Persönlichkeit bezeichnet (Urk. 8/42 S. 6 Mitte), während Dr.
Y._
festhielt, er wirke seiner Herkunft und Bildung entsprechend gebildet und aus
reichend introspektionsfähig, die Intelligenz werde klinisch als durchschnittlich eingeschätzt (Urk. 8/174 S. 13 Ziff. 4.1).
Der Beschwerdeführer verfügt über eine
ausgezeichnete
einschlägige akademische Ausbildung und
18 Jahre
Berufserfah
rung als Radiologe
(vgl. Urk. 8/174 S. 8 unten)
, als
selbständiger
Allgemeinarzt ist di
ese jedoch noch
relativ
bescheiden
.
Der Beschwerdeführer verfügt
insgesamt über
gute
persönliche Ressourcen.
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer
mit seiner Ehefrau und den
drei
gemeinsamen
Kindern (Jahrgänge 2002, 2004, 2007) zusammenlebt und Kontakt zu seinen überwiegend türkischen Freunden hält (vgl. Urk. 8/174 S. 7 Mitte und S. 11 Mitte). Er verfügt zudem über eine
n gere
gelten Tagesablauf, wobei er
teilzeitig tagsüber
Patienten in der Praxis betreut, am Abend mit der Familie isst, den Kindern bei den Schulaufgaben hilft und gelegentlich
auch
mit dem Sohn Schach spielt (vgl. vorstehend E. 4.3).
In seiner Freizeit
widmet er sich der Garten
arbeit (Urk. 8/174 S. 11 unten) und verbrachte im Sommer 2016 in der Türkei
3 bis 4 Wochen Familienferien (Urk. 8/174 S. 12 oben). Damit verfügt der
Beschwerdeführer
durchaus über soziale Ressourcen und ist fähig, einen doch relativ anspruchsvollen Tagesablauf zu bewältigen. Zu berücksichtigen ist jedoch auch, dass dieser Tagesablauf sowie der
wöchentliche
Arbeitsrh
yth
mus
und die Pausenzeiten
weitgehend auf den
aktuellen
Gesund
heitszustand
abgestimmt
sind (
vgl. etwa Urk. 8/176 S. 3 Mitte)
,
weshalb aus dem sozialen Kontext nicht ohne Weiteres auf brachliegende Res
sourcen geschlossen werden darf.
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunkt des Aktivi
tät
s
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist festzuhalten, dass im sozialen
und
im beruflichen Kontext
soweit ersichtlich keine divergierenden
Ein
schränkungen vorliegen.
So schilderte der Beschwerdeführer zwar obigen Tages
ablauf, gab aber auch an, dass er manchmal länger in der Praxis bleibe, weil er denke, dass er zuhause mit seinen «leeren Batterien» leicht gereizt werde (vorste
hend E. 4.3). Entgegen Dr.
Y._
kann daher aus dem weitgehend intakten Sozialleben innerhalb der Familie und mit seinen türkischen Kollegen nicht darauf geschlossen werden, die verminderte berufliche Belastbarkeit sei nicht konsistent
(vorstehend E. 4.3)
, zumal er dabei ausser Acht lässt, dass ein intaktes Sozialleben eine Ressource ist, die möglicherweise die aktuelle Arbeitsfähigkeit gerade erst
mitermöglicht.
Der Beschwerdeführer fällt denn auch keinesfalls mit überdurchschnittlichem
Freizeitaktivismus
auf. Aggravations
hinweise schliess
lich
fanden
sich gemäss Dr.
Y._
keine (vorstehend E. 4.3).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich festzuha
lten, dass der Beschwerdeführer vom 22. Oktober bis 18. November 2009 in der Klinik
G._
(Urk. 8/42 S. 3 Mitte)
und
vom 16. März bis 21. April 2010
sowie vom 6. Mai bis 25. Juni 2010
in der Klinik
H._
(
Urk.
8/27/13-15+19; Urk. 8/27/16-18
)
stationär behandelt wurde. Seither wird er von Dr.
D._
ambulant
betreut, wobei Sitzungen zuletzt a
lle drei bis vier Monate stattf
a
nden (vorstehend E. 4.1). Diese
relativ
weitmaschige therapeutische
Betreuung
ist gemäss Dr.
Y._
nicht leitliniengerecht und lässt im Verbund mit der Tatsache, dass seit Juni 2010 keine stationären Aufenthalte mehr stattfanden, auf den ersten Blick auf einen
geringen
Leidensdruck schliessen. Indes ist nicht zu übersehen, dass die drei stationären Aufenthalte zu keiner wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes geführt hatten
und gemäss Gutachten von Dr.
C._
im Januar 2013 der Schweregrad und der deutlich prolongierte Behandlungs- und Heilverlauf zwar für eine stationäre Aufnahme sprachen, andererseits aber durch eine solche Massnahme auch regressive Tendenzen zu befürchten waren (Urk. 8/118 S. 17 f.). Immerhin fand der Beschwerdeführer ungeachtet des weit
maschigen ambulanten Sitzungsrhythmus’ den Weg zurück ins Arbeitsleben, womit der Anlass zu e
iner Anpassung der insoweit erfolgreichen Therapie aus
Sicht des Beschwerdeführers gefehlt haben dürfte.
Die Eingliederungsbemühun
gen des Beschwerdeführers sind
vorbildlich
, nahm er doch die Gelegenheit wahr, in geschütztem Rahmen zu arbeiten, schulte sich zum Allgemeinarzt um und konnte einen
Patientenstamm
aufbauen. Insgesamt ist behandlungs- und einglie
derungsamnestisch auf einen mittleren Leidensdruck zu schliessen.
5.3
Zusammengefasst führt die Prüfung der einzelnen Indikatoren zum Schluss, dass
der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im
psychiatrischen
Gutachten
von Dr.
Y._
gefolgt werden kann
. Es trifft zwar mit der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 2 S. 2 oben) zu, dass es dem Beschwerdeführer möglich ist, einen gere
gelten Tagesablauf einzuhalten, regelmässig zur Arbeit zu gehen, sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern, Ferien im Ausland zu verbringen und Kontakte im Familien- und Freundeskreis zu pflegen. Diese Tätigkeiten erfordern jedoch bei Weitem nicht dieselbe kognitive
Leistungsfähigkeit
wie die äusserst anspruchsvolle Tätigkeit als Radiologe oder Allgemeinpraktiker. Wie der Beschwerdeführer richtig festhält (vgl. Urk. 1 S. 16 Ziff. 38)
, ist das Risiko von Kunstfehlern und Fehleinschätzungen als Radiologe hoch und
handelt es sich insbesondere beim Allgemeinarzt um eine
mehrdimensionale Arbeit, welche nicht nur somatische, sondern auch psychosoziale und soziokulturelle Aspekte bein
haltet.
In einer derart anspruchsvollen Tätigkeit wirken sich auch die verhältnis
mässig
diskreten psychischen Beeinträchtigungen
des Beschwerdeführers in der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, in der Flexibili
tät/Umstellungsfähigkeit und in der
Durchhaltefähigkeit
nachhaltig aus. Dass der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit we
iter verbessert werden
können
, erscheint
angesichts der zuletzt positiven Entwicklung
als
realistisch
. Der Beschwerdeführer wird im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht seitens der Beschwerdegegnerin zu einer leitlinienger
e
chten psychiatrischen Behandlung anzuhalten sein
und es wird nach Durchführung der Behandlung eine Nachbe
gutachtung vorzunehmen sein
, worauf Dr.
Y._
zu Recht hinwies
(vgl. vor
stehend E. 4.3)
.
5.4
Es ist somit erstellt, dass die
medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nach einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit von August 2009 bis April 2015 in der angestammten Tätigkeit als Radiologe ab 1. Mai 2015 wieder bei 30
%
lag und seit 1. September 2016 bei 50
%
liegt. Die
medizin
i
sch-theore
tische
Arbeitsfähigkeit in der leidensangepassten Tätigkeit als Allgemeinarzt lag ab
1.
Mai 2015 wieder bei 50
%
und liegt seit
1.
September 2016 bei 60
%
.
Wie die
Zahlen
aus dem
individuellen Konto (
Urk.
8/176 S. 6) zeigen, war der Beschwerdeführer jedoch bereits ab dem Jahr 2013 wieder in der Lage, ein namhaftes Einkommen als Allgemeinpraktiker zu erwirtschaften.
Die erwerb
lichen Auswirkungen seines Gesundheitsschadens haben sich entsprechend bereits ab
1.
Januar 2013 gebessert.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invaliden
einkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentver
gleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat.
6.
3
Entgegen der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit, welche auch in ange
passter Tätigkeit als Allgemeinarzt von August 2009 bis April 2015 bei 0
%
lag und erst ab
1.
Mai 2015 wieder zu 50
%
gegeben war, war es dem Beschwerde
führer möglich, ab dem Jahr 2013 ein beträchtliches Einkommen zu generieren.
Entsprechend hatten sich die erwerblichen Auswirkungen des Gesundheits
schadens des Beschwerdeführers ab dem Jahr 2013 gebessert.
Die Beschwerdegegnerin errechnete im Abklärungsbericht für Selbständigerwer
bende vom 8. Mai 2017 (Urk. 8/176) gestützt auf die
Buchungen im individuellen Konto und die Lohnstrukturerhebung
für das Jahr
2014
bei einem
Validen
ein
kommen
von Fr. 310'85
6.40
und einem Invalideneinkommen von
Fr.
99'41
4
.
50
einen Invaliditätsgrad von rund 68
%
. Für das Jahr 2015 ging
sie von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
311'789.-
-
und einem Invalideneinkommen von
Fr.
99'712.75
aus, was wiederum einem Invaliditätsgrad von 68
%
entsprach.
Für das Jahr 2016 gelangte sie bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 312'724
.35
und einem Invalideneinkommen von Fr.
104'839.55
zu einem Invaliditätsgrad von rund 66
%
(S. 8).
Dies geschah unter der Annahme einer angepassten Tätigkeit als
Allgemeinarz
t
,
was
bis
1.
September 2016
sachgerecht ist, da die Arbeitsfähig
keit
als leitender Arzt Radiologie
von August 2009 bis April 2015 0
%
und ab
1.
Mai 2015 bis 3
1.
August 2016
3
0
%
betrug.
Damit schöpfte
der Beschwerde
füh
r
er
die
ihm
verbliebene Erwerbsfähigkeit voll aus, hätte doch in der ange
stammten Tätigkeit bis April 2015 eine Erwerbseinbusse von 100
%
und ab
1.
Mai 20
1
5 bis 3
1.
August 2016 – bei einem mangels zuverlässiger statistischer Grund
lage
zur Bestimmung des Invalideneinkommen
s
vorzunehmenden Prozentver
gleich
(vgl. nachfolgend)
–
eine
Erwerbseinbusse von
70
%
resultiert.
Die Berechnung
der in den Jahren 2014 bis 2016 tatsächlich erzielten Einkommen
ist korrekt und wurde auch vom Beschwerdeführer nicht beanstandet. Soweit er sich auf den Standpunkt stellt, das
Valideneinkommen
habe sich am Verdienst eines Chefarztes zu orientieren (vgl. vorstehend E.
2.2
), so kann ihm n
icht gefolgt werden. Denn dieser grosse
Karriereschritt
wäre auch von diversen weiteren Faktoren neben dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers abhängig gewe
sen,
was der
folgenschwere
Misserfolg bei
seiner
Bewerbung
als
Chefarzt am Kantonsspital
B._
im Jahr 2009 gerade belegt.
Ab
1.
September 2016 kam es gemäss Gutachter zu einer weiteren Verbesserung des Gesundheitszustandes. Ab diesem Datum ist
dem Beschwerdeführer die Arbeit als leitender Arzt Radiologie wieder zu 50
%
zumutbar.
Von der Verwertbarkeit dieser Restarbeitsfähigkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
ist trotz mehr
jährige
r
Absenz vom Fachgebiet
beim im Gutachtenszeitpunkt
4
9-jährigen Beschwerdeführer
auszugehen.
Zur Bestimmung der Erwerbsei
n
busse ist auf einen Prozentvergleich zurückzugreifen,
da das Invalideneinkommen anhand von statistischen Daten
für einen leitenden Facharzt
Radiologie
nicht hinreichend genau festgestellt werden kann.
Der Prozentvergleich führt jedoch vorliegend zu einem
ausreichend
zuverlässigen Ergebnis: Zur Plausibilisierung sei angeführt, dass gemäss einer vom Bundesamt für Gesundheit beim Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien Bass in Auftrag gegebenen Studie zum Einkommen von Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz das Durchschnittseinkommen für einen Facharzt Radiologie im Anstellungsverhältnis im Jahr 2014
Fr.
331'323.
-
-
betrug, was nah beim für das Jahr 2016 einzusetzenden
Valideneinkommen
von
Fr.
312'724.-
-
liegt.
Entsprechend
beträgt
die Erwerbsei
nbusse ab
1.
September 2016
50
%
. Mit
seiner
Tätigkeit als Allgemeinarzt schöpfte der Beschwerdeführer sein
e
Erwerbsfähigkeit ab diesem Datum
bei einer Erwerbseinbusse von 66
%
nicht mehr
in dem ihm zumutbaren Umfang aus
, weshalb auf diese Tätigkeit nicht abzustellen ist.
6.4
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass
sich
der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers
seit der rentenbestätigenden
Mitteilung
vom 1
8.
Januar 2013 (
Urk.
8/120) verändert hat: Der Invaliditätsgrad lag ab
1.
Januar 201
4
bei
68
%
,
ab
1.
Januar 2016
bei
66
%
und ab
1.
September 2016
bei
50
%
.
Es bleibt
im Folgenden
zu klären,
per welchem
Zeitpunkt die Rente herabzusetzen ist.
7.
7.1
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten, der Hilflosenentschädigungen und der Assistenzbeiträge erfolgt gemäss
Art.
88
bis
Abs. 2
der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV)
a.
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgen
den Monats an;
b.
rückwirkend ab Eintritt der für
den Anspruch erheblichen Änderung, wenn die beziehende Person die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihr nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war
.
Rentenberechtigte haben jede für den Leistungsanspruch wesentliche
Änderung, namentlich eine solche des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder E
rwerbs
fähigkeit sowie der persönlichen und
gegebenenfalls der
wirtschaftlichen Verhältnisse
unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen (
Art.
31 ATSG
und Art.
77 IVV
).
Für den Tatbestand der Meldepflichtverletzung ist ein schuldhaftes Fehlver
halten erforderlich, wobei nach ständiger Rechtsprechung bereits eine leichte Fahrlässigkeit genügt (BGE 118 V 214 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 8C_127/2013 vom 2
2.
April 2013 E. 4.1).
Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist
,
wenn sie aller Wahrschein
lichkeit nach längere Zeit andauern wird oder ohne wesentliche Unterbrechung bereits drei Monate angedauert hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_232/2016 vom 30. September 2016 E. 4
).
7.2
Gemäss
Art.
25
Abs.
1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzu
erstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt. Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach Entrichtung der einzelnen Leistung (
Art.
25
Abs.
2 Satz 1 ATSG). Bei diesen Fristen handelt es sich um Verwirkungsfristen, die immer und von Amtes wegen zu berücksichtigen sind (BGE 133 V 579 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach der Recht
sprechung ist unter der Wendung "nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat" (
Art.
25
Abs.
2 ATSG) der Zeitpunkt zu verstehen, in dem die
Verwaltung bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erken
nen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen, oder mit andern Worten, in welchem sich der Versicherungsträger hätte Rechenschaft geben müssen über Grundsatz, Ausmass und Adres
sat des Rückforderungsan
spruchs. Das setzt unter anderem
voraus, dass über die Unrechtmässigkeit des Leistungs
bezugs rechtmässig verfügt respektive
- im Beschwerdefall - gerichtlich entschieden ist. Das Bundesgericht hat denn auch wiederholt entschieden, es sei nicht bundesrechtswidrig, zuverlässige Kenntnis von der Rechtswidrigkeit des Leistungsbezugs erst nach Eintritt der Rechtskraft der Rentenaufhebung anzu
nehmen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_642/2014 vom 23. März 2015, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
7.3
Nach Darstellung des Beschwerdeführers habe Dr.
Z._
, welcher ihm seit
2012
einen geschützten Arbeitsplatz in seiner Praxis offeriert hatte, von ihm verlangt, dass er immer mehr Patienten betreue beziehungsweise mehr leiste. Da er froh und dankbar über die Möglichkeit gewesen sei, als Allgemeinarzt tätig zu sein, sei es ihm auch in Anbetracht seiner angeschlagenen gesundheitlichen Situation nicht möglich gewesen, sich gegen den zunehmenden Druck, mehr zu arbeiten, zu wehren, was 2014 zur Zunahme der Depression mit anschliessender erneuter vollständiger Arbeitsunfähigkeit geführt habe (Urk. 1 S. 8 f. Ziff. 20). Die Erwerbssituation
des Beschwerdeführers hatte sich also bereits im Verlauf der Jahre 2013 und 2014 verbessert, wobei unerheblich ist, inwieweit dies freiwillig oder auf Druck von Dr.
Z._
geschah. Diese Verbesserung schlug sich denn auch im Bruttoverdienst des Beschwerdeführers nieder, welcher im Jahr 2014 rund Fr. 99'415.
--
betrug
(vgl. Urk. 8/176 S. 7
).
Es
ist
mit Blick
etwa
auf die im Recht liegenden Nachtragsabrechnungen mit
der
medisuisse
vom 16. September 2015 für die Jahre 2013 und 2014
(vgl. Urk. 8/153/1-4)
und die
erst im November 2015 erstellten korrekten Lohn
ausweise für die genannten Jahre
(vgl. Urk. 8/153
/6; Urk. 8/154/6
)
aktenkundig
, dass
die administrative Abwicklung des Arbeitsverhältnisses schleppend war
. Die Lohnzahlungen wurden aber dem Konto des Beschwerdeführers anerkanntermas
sen gutgeschrieben (vgl. Urk. 1 S. 9 Ziff. 21) und es kann ihm auch unmöglich entgangen sein, dass er deutlich mehr Patienten betreute und entsprechend deut
lich mehr Einnahmen generierte
als zuvor
.
Dennoch gab er selbst im Revisions
fragebogen vom
April 2015
noch an, er arbeite in einem Pensum von lediglich 20 bis 30
%
(Urk. 8/126 S. 3).
Auf die veränderten Verhältnisse wurde die Beschwerdegegnerin
in der Folge
nicht durch eine Meldung seitens des Beschwerdeführers aufmerksam, sondern durch
eine Anfrage
von dessen
Vorsorgestiftung
vom 15. September 2015
betref
fend rückwirkende Versicherung ab 1. Januar 2013 (Urk. 8/137).
Der Beschwer
degegnerin ist zuzustimmen, dass de
r
Beschwerdeführer
spätestens am
1.
Januar 2014 hätte melden müssen,
dass er
bereits während eines Jahres eine
zunehmende Za
hl an Patienten betreut habe
und sich seine Erwerbsverhältnisse entsprechend verändert
h
ä
tten
.
Insofern hat der Beschwerdeführer
die Pflicht zur unverzüg
lichen Mitteilung von erheblichen Veränderungen in der Erwerbssituation
, auf welche er in der Mitteilung vom 1
8.
Januar 2013 (
Urk.
8/120) hingewiesen worden war,
klarer
weise
schuldhaft
verletzt, womit
die Rentenanpassung zu Recht rückwirkend erfolgte
(E. 7.1)
.
7.4
Ein Invaliditätsgrad von 68
%
ab
1.
Januar 2013 beziehungsweise von 66
%
ab
1.
Januar 2016 (E. 6.4) ergibt Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
(E. 1.2), ein Invaliditätsgrad von 50
%
ab
1.
September 2016 (E. 6.4) Anspruch auf ein
e
halbe Rente der Invalidenversicherung.
Im Zeitpunkt der Meldepflichtverletzung dauerte die Verbesserung schon länger als drei Monate an, weshalb
die
mit Mitteilung vom 1
8.
Januar 2013 bestätigte ganze Rente
per
1.
Januar 2014
auf eine
Dreiviertelsrente
und per
1.
Dezember 2016, drei Monate nach Ver
besserung
, auf eine halbe Rente herabzusetzen ist.
Die Beschwerde
gegen die
rentenauf
hebende
Verfügung vom 2
0.
Februar 2018
(
Urk.
2)
ist in diesem Sinne teilweise gutzuheissen.
7.5
Da die rentenaufhebende Verfügung vom 20. Februar 2018 noch nicht in Rechts
kraft erwachsen ist, ist der Rückforderungsanspruch nicht verwirkt.
Die zu Unrecht bezogenen Leistungen sind vom Beschwe
rdeführer zurückzuerstatten. Der
Betrag der geschuldeten Rückerstattung ist von der Beschwerdegegnerin nach Rechtskraft dieses Urteils neu zu
berechnen
.
8.
8.
1
Im Ergebnis ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die
Verfügung vom 20. Februar 2018
betreffend Einstellung der Invalidenrente
(
Urk.
2)
aufzuheben und festzustellen, dass der
Beschwerdeführer
ab
1.
Januar 201
4
Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und
ab 1.
Dezember 2016
Anspruch auf e
ine
halb
e
Rente
der Invalidenversicherung
hat.
8.2
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde
ist
die
Rückerstattungsverfügung
vom 27. Februar 2018
(
Urk.
5/2)
dahingehend abzuändern, als festzustellen ist,
dass der Beschwerdeführer für ab
1.
Januar 2014 zu
viel ausgerichtete Leistungen der Invalidenversicherung im Grundsatz rückerstattungspflichtig ist. Die Sache ist an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese den verbleibenden Rück
forderungsbetrag nach Rechtskraft dieses Urteils neu berechne
und
verfüge
.
9.
9.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zu
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
9.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat der obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ist die reduzierte Prozessentschä
digung ermessensweise auf
Fr.
2'400.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin folglich zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine
reduzierte
Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 2’400.-- zu bezahlen.