Decision ID: 21cfbe39-3a5d-54b0-b7d2-7e65917c131d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 19. Juli 2017 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 28. Juli 2017 und
der Anhörung vom 27. September 2017 machte er im Wesentlichen Fol-
gendes geltend:
Er sei tamilischer Ethnie und stamme aus B._, wo er zusammen mit
seinen Eltern, seiner Grossmutter, seinem (...) sowie (...) Geschwistern
gelebt habe. Sein (...) habe zwischenzeitlich ein Rehabilitationsprogramm
durchlaufen und etwa ab dem Jahr 2011 wieder bei ihnen gelebt. Ab und
an seien Personen des Criminal Investigation Department (CID) vorbeige-
kommen und hätten nach dem (...) gesucht. Nachdem dieser aufgrund sei-
ner Probleme Sri Lanka im (...) 2014 verlassen habe, seien CID-Leute vor-
beigekommen und hätten sich nach seinem Verbleib erkundigt. An der Be-
erdigung seiner (...) (...) 2017 hätten viele Kollegen seines (...), welche
damals bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen seien,
teilgenommen. Infolgedessen seien Leute des CID bei ihnen zuhause vor-
beigekommen und hätten ihn eines Tages, als er krank zuhause gewesen
sei, ins Camp nach C._ mitgenommen. Dies sei nur deshalb pas-
siert, weil sie ihn – ein im damaligen Zeitpunkt (...)-jähriger Knabe – mit
seinem – fast (...) Jahrzehnte älteren – (...) verwechselt hätten. In der
Folge sei er zum Aufenthaltsort seines (...) und zu Waffenverstecken be-
fragt worden. Er habe angefangen zu weinen, weshalb sie ihn dann umge-
hend wieder haben gehen lassen. Er habe die Auflage erhalten wieder vor-
beizukommen, falls dies von ihnen gewünscht werde. Nachdem er seiner
Mutter vom Vorfall erzählt habe, sei er tags darauf – etwa am (...) 2017 –
zu einem Onkel ins nahe gelegene D._ gebracht worden. Danach
sei er noch einmal zuhause in B._ gesucht worden. Nach circa ein-
einhalb Monaten – (...) – sei er nach der Schule auf dem Heimweg von
Personen in Zivil angehalten und wiederum ins C._ Camp gebracht
worden. Er sei erneut zum Aufenthaltsort seines (...) befragt worden; dabei
hätten sie ihm gedroht, seine Schwester zu holen. Sie hätten ihm gesagt,
er solle niemandem davon erzählen, weshalb seine Mutter erst davon er-
fahren habe, nachdem seine Lehrerin diese auf seine Verhaltensänderung
angesprochen habe. Daraufhin habe ihn seine Mutter etwa (...) nach Co-
lombo zu einer Tante geschickt, von wo aus er am (...) 2017 Sri Lanka
verlassen habe.
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Der Beschwerdeführer reichte die folgenden Beweismittel und Dokumente
zu den Akten:
– seine sri-lankische Identitätskarte im Original,
– eine Kopie seiner Geburtsurkunde,
– ein Schuleintrittszertifikat,
– ein Schulaustrittszertifikat vom 26. April 2017,
– Dokumente zum vom (...) durchlaufenen Rehabilitationsprogramm,
– einen Arztbericht.
B.
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2017 wurde von der Kindes- und Erwach-
senenschutzbehörde E._ betreffend den Beschwerdeführer eine
Vertretungsbeistandschaft im Sinne von Art. 306 Abs. 2 ZGB angeordnet.
C.
Das SEM beauftragte die Schweizerische Botschaft in Colombo, nähere
Abklärungen zu den Asylvorbringen des Beschwerdeführers sowie den Le-
bens- und Wohnverhältnissen seiner Familie in Sri Lanka zu tätigen. Die
Botschaft hat in der Folge vor Ort die Mutter des Beschwerdeführers (sowie
die ebenfalls anwesende Tante) interviewt und das Ergebnis dieses Ge-
sprächs in ihrem Bericht vom 19. März 2018 zusammengefasst.
D.
In seiner Stellungnahme vom 26. März 2018 äusserte sich der Beschwer-
deführer zum Inhalt dieser Botschaftsabklärung.
E.
Mit Verfügung vom 18. Mai 2018 – eröffnet am 22. Mai 2018 – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte
sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es seine Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug an.
F.
Mit dagegen erhobener Beschwerde vom 21. Juni 2018 an das Bundes-
verwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung aufgrund einer Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs, eventualiter aufgrund einer Verletzung der Begründungspflicht, und
die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Eventualiter sei die Sache
zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sach-
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verhaltes und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Wei-
ter sei eventualiter seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl
zu gewähren, eventualiter sei die angefochtene Verfügung in den Disposi-
tivziffern 4 und 5 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer
Hinsicht beantragte er die unverzügliche Bekanntgabe des Spruchkörpers
unter gleichzeitiger Bekanntgabe, ob diese Gerichtspersonen zufällig aus-
gewählt worden seien und andernfalls die Auswahlkriterien bekannt zu ge-
ben, die vollständige Einsicht in die gesamten Akten der Vorinstanz – ins-
besondere in die Aktenstücke A29 und A30 – unter Gewährung einer Frist
zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung und die Anweisung an das
SEM, sämtliche nicht öffentlich zugängliche Quellen seines Lagebildes
vom 16. August 2016 zu Sri Lanka offenzulegen sowie Gewährung einer
Frist zur Beschwerdeergänzung.
Auf die Begründung wird – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 26. Juni 2018 stellte die vormals zuständige
Instruktionsrichterin den einstweiligen legalen Aufenthalt des Beschwerde-
führers in der Schweiz für die Dauer des Verfahrens fest.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2018 teilte die vormals zuständige In-
struktionsrichterin dem Beschwerdeführer die Zusammensetzung des
Spruchkörpers mit, wies das SEM an, im Sinne der Erwägungen Einsicht
in die Akten A29 und A30 zu gewähren und gewährte dem Beschwerdefüh-
rer eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung.
I.
Mit Beschwerdeergänzung vom 27. Juli 2018 äusserte sich der Beschwer-
deführer zur gewährten Einsicht in die Aktenstücke A29 und A30 und
reichte fünf Berichte über die Zustände in den Waisenhäusern, Schutzhäu-
sern und Jugendstrafanstalten respektive Erziehungsheimen in Sri Lanka
zu den Akten.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2019 zeigte der unterzeichnende
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Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer den Wechsel des Verfahrens-
vorsitzes an und informierte ihn zudem über einen weiteren Wechsel in der
Zusammensetzung des Spruchkörpers.
K.
Im vorliegenden Verfahren wurden die Akten des (...) des Beschwerdefüh-
rers (N [...]) beigezogen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 6
3.
Der Beschwerdeführer erhebt in seiner Beschwerdeeingabe verschiedene
formelle Rügen. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet
wären, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken.
3.1 Der Beschwerdeführer beantragt, sämtliche nicht öffentlich zugängli-
chen Quellen des Länderberichts des SEM vom 16. August 2016 zu Sri
Lanka seien offenzulegen und es sei danach eine angemessene Frist zur
Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen.
Dieser Antrag wurde bereits mehrfach vom Bundesverwaltungsgericht be-
urteilt und ist daher abzuweisen (vgl. etwa Urteil des BVGer E-626/2018
vom 9. Juli 2018 E. 5; D-109/2018 vom 16. Mai 2018 E. 6.3).
3.2 Nach gewährter Akteneinsicht durch die Vorinstanz rügte der Be-
schwerdeführer in seiner Beschwerdeergänzung die nicht vollständige Of-
fenlegung der Botschaftsantwort (vgl. vorinstanzliche Akte A30). Das SEM
habe zu Unrecht die unter Punkt 7 gemachten Ausführungen des zustän-
digen Immigration Liaision Officers (ILO) als interne Einschätzung katego-
risiert und geschwärzt. Die Einschätzung enthalte höchstwahrscheinlich für
die objektive Feststellung der Glaubhaftigkeit des vorgebrachten Sachver-
halts wichtige Punkte. Damit seien ihm rechtserhebliche Informationen vor-
enthalten worden, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle.
Insofern der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeeingabe rügte, es sei
ihm zu Unrecht die Botschaftsantwort nicht offengelegt worden, ist festzu-
stellen, dass eine diesbezüglich allfällig bestandene Verletzung des recht-
lichen Gehörs mit der nachträglich gewährten Einsicht in die fragliche Akte
als geheilt zu betrachten ist. Als im Resultat ohne Belang erweist sich fer-
ner auch der Umstand, dass die Vorinstanz Punkt 7 geschwärzt hat. Die
entsprechenden Ausführungen erschöpfen sich hierbei hauptsächlich in
der faktischen Feststellung, dass der Ablauf des Gesprächs in einer ruhi-
gen Atmosphäre erfolgt sei, die Aussagen ruhig vorgetragen worden seien
und die Mutter und die Tante sich stellenweise besprochen hätten.
3.3 Im Weiteren rügte der Beschwerdeführer ein einschüchterndes Ge-
sprächsambiente anlässlich der «Besprechung» (vermutungsweise BzP)
und der Anhörung, welches ihn daran gehindert habe, frei und in der not-
wendigen Ausführlichkeit über seine Asylgründe zu sprechen. Er habe sich
insbesondere durch den Dolmetscher eingeschüchtert gefühlt, welcher un-
freundlich und herablassend im Ton gewesen sei. Es habe mitunter kein
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angemessenes Vertrauensklima bestanden, was gerade für einen unbe-
gleiteten minderjährigen Asylsuchenden von äusserster Bedeutung sei.
Dies verletzte das Recht auf vorgängige Stellungnahme und Anhörung als
Teilgehalt des rechtlichen Gehörs.
Die entsprechende Parteibehauptung findet in den Akten keine Stütze.
Ganz im Gegenteil: Aus dem Anhörungsprotokoll erhellt sich vielmehr, dass
die befragende Person sogar sehr bemüht war, ein angenehmes und dem
Alter des Beschwerdeführers entsprechendes Gesprächsklima zu schaffen
(vgl. A22, F3, F10 f., F78, F97, F114, F122, F146). Im Weiteren wurde wäh-
rend der insgesamt viereinhalb Stunden (reine Anhörungszeit) dauernden
Anhörung darauf geachtet, genügend Pausen zu machen (insgesamt de-
ren fünf). Es ist dem Gericht nicht möglich, aufgrund der Akten das Verhal-
ten des Dolmetschers gegenüber dem Beschwerdeführer zu beurteilen.
Jedoch hatten weder die an der Anhörung anwesende Rechtsvertretung
(welche auch an der BzP teilnahm) noch die Hilfswerksvertretung entspre-
chende Bemerkungen anzubringen (vgl. auch A22, Unterschriftenblatt der
Hilfswerksvertretung). Auch wäre es dem Beschwerdeführer ohne Weite-
res möglich gewesen, ein derartiges Verhalten des Dolmetschers nach der
BzP seiner Rechtsvertretung zur Kenntnis zu bringen. Im Hinblick auf die
Anhörung bat seine Rechtsvertretung das SEM, auf seine Verfassung in
besonderem Masse Rücksicht zu nehmen und den Dolmetscher anzuwei-
sen, in einfachen und leicht verständlichen Sätzen zu sprechen; eine ent-
sprechende Rüge oder ähnliches in Bezug auf den Dolmetscher findet sich
nicht in den Akten. Diese Rüge ist folglich unbegründet.
3.4 Der für die Übersetzung der Anhörung beauftragte Dolmetscher sei zu-
dem offensichtlich unqualifiziert gewesen. Wie erwähnt, habe er sich durch
diesen eingeschüchtert gefühlt, was darauf hinweise, dass dieser nicht
oder nicht genügend im Umfang mit unbegleiteten minderjährigen Asylsu-
chenden, welche eine äusserst verwundbare Gruppe seien, geschult wor-
den sei. Darüber hinaus weise das Protokoll der Anhörung an mehreren
Stellen auf eine mangelhafte Übersetzung hin. So habe der Dolmetscher
an einer Stelle die Frage wiederholen müssen. Dies sei ein Anhaltspunkt
dafür, dass er die Fragen für den Beschwerdeführer nicht verständlich
übersetzt habe. Auch weitere Protokollstellen (F92 und F93) zeigten die
mangelhafte Qualität der Übersetzung. Es sei daher davon auszugehen,
dass die ungenauen Übersetzungen der Fragen zu unpräzisen Antworten
seitens des Beschwerdeführers geführt hätten.
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Hinsichtlich der angeblichen Einschüchterung durch den Dolmetscher ist
auf obige Erwägung (E. 3.3) zu verweisen. Aus den Akten ergeben sich
sodann auch keine Anzeichen für Verständigungsschwierigkeiten zwi-
schen dem Beschwerdeführer und dem eingesetzten Dolmetscher. Alleine
die Tatsache, dass eine Frage erneut gestellt werden musste – was an sol-
chen Anhörungen eher die Regel denn die Ausnahme ist – lässt nicht auf
eine mangelhafte Übersetzung schliessen. Aus der vom Beschwerdeführer
angeführten Protokollstelle (vgl. A22, F75) ist ersichtlich, dass der Dolmet-
scher gar von sich aus und zu Gunsten des Beschwerdeführers anmerkte,
dieser habe ihn womöglich falsch verstanden, weshalb er die Frage wie-
derholte. Bei Frage 92 bezog sich der Beschwerdeführer offensichtlich auf
das Foto seines (...). Dies wird mit seiner Antwort auf die darauffolgende
Frage sogleich klar (vgl. A22, F93). Inwiefern diese Protokollstelle eine
mangelhafte Qualität der Übersetzung zeigen soll, erschliesst sich nicht.
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer angab,
den Dolmetscher gut zu verstehen (vgl. A22, S. 1). Nach erfolgter Rück-
übersetzung bestätigte er, das Protokoll sei ihm Satz für Satz vorgelesen
worden, es sei vollständig und entspreche seinen freien Äusserungen (vgl.
A22, S. 20). So mussten nachträglich auch keine substanziellen Korrektu-
ren oder Bemerkungen angebracht werden. Weder die an der Anhörung
anwesende Hilfswerksvertreterin noch seine Rechtsvertretung brachten
entsprechende Einwände zum Protokoll an. Vor diesem Hintergrund ist die
Infragestellung der fachlichen Qualitäten des eingesetzten Dolmetschers
nicht haltbar.
3.5 Im Weiteren rügte der Beschwerdeführer eine Verletzung der Begrün-
dungspflicht, indem das SEM den eingereichten Arztbericht vom (...) De-
zember 2017 nicht gewürdigt habe. Dieser halte eindeutig fest, dass er
psychische Gewalt erfahren habe und zwei Mal entführt worden sei; eine
Traumatisierung werde bestätigt. Die sei als Teilbeweis seiner Verfolgung
zu werten. Das SEM habe die Beweiskraft des Arztberichts jedoch nicht
berücksichtigt. In diesem Zusammenhang habe das SEM auch nicht ein-
mal ansatzweise geprüft respektive berücksichtigt, dass in seinem Fall von
einer erhöhten Verfolgungsempfindlichkeit auszugehen sei.
Der Beschwerdeführer verwechselt hier eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs mit der von der Vorinstanz vorgenommenen Beweiswürdigung.
Eine diesbezügliche Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt jedenfalls
nicht vor. Die Vorinstanz hat sämtliche eingereichten Beweismittel – so
auch den Arztbericht – im Sachverhalt aufgenommen (vgl. angefochtene
Verfügung E. I Ziff. 3). Das SEM führte im angefochtenen Entscheid aus,
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dass die eingereichten Beweismittel nicht geeignet seien, zu einer anderen
Einschätzung betreffend seine Asylvorbringen zu gelangen, weshalb auf
diese nicht näher einzugehen sei (vgl. a.a.O., E. I Ziff. 2, S. 6). Bei der
Beurteilung des Wegweisungsvollzugs – und somit dort, wo dem Arztbe-
richt im vorliegenden Fall Relevanz zukommt – wird der Bericht gar explizit
herangezogen und gewürdigt. Die psychische Verfassung des Beschwer-
deführers wurde bei der Beurteilung des Wegweisungsvollzugs angemes-
sen berücksichtigt (vgl. E. III Ziff. 2 S. 9). Der Arztbericht ist nachfolgend im
Rahmen der materiellen Prüfung seiner Asylvorbringen zu würdigen (vgl.
nachfolgend E. 7.7).
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs respektive der Begründungspflicht
ist damit nicht ersichtlich. Die Rüge ist abzuweisen.
3.6 Weiter habe das SEM die familiären Beziehungen des Beschwerdefüh-
rers zu Personen mit LTTE-Verbindungen – namentlich sein in der Schweiz
lebender (...) sowie ein weiterer (...), welcher im Krieg Gliedmassen verlo-
ren und eine Rehabilitationshaft durchlaufen habe – nicht berücksichtigt.
Diese familiären Verbindungen stellten einen wichtigen Faktor in seiner
Fluchtgeschichte dar, zumal es sich bei den zwei erlebten Verfolgungs-
massnahmen im (...) und (...) 2017 um klare Reflexverfolgungen aufgrund
des in der Schweiz wohnhaften (...) handle. Das SEM hätte daher das Dos-
sier des (...) beiziehen müssen, um die Gefährdungslage des Beschwer-
deführers zu begründen. Dies sei jedoch nicht geschehen, oder zumindest
sei ein Beizug des Dossiers in der angefochtenen Verfügung nicht ersicht-
lich.
Die Behauptung des Beschwerdeführers, das SEM habe das Dossier des
(...) nicht beigezogen respektive schweige sich über einen allfälligen Bei-
zug aus, ist klar aktenwidrig. Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung
festhält, wurden die Akten des (...) beigezogen (vgl. a.a.O. S. 3, Ziff. 7).
3.7 Schliesslich habe das SEM die aktuelle Situation in Sri Lanka unvoll-
ständig und inkorrekt abgeklärt. Die Menschenrechtslage in Sri Lanka –
unter anderem in Bezug auf die allgemeine Situation für Tamilen sowie die
Existenz von Folter und Korruption – habe sich entgegen der Ansicht des
SEM durch die Wahl des neuen Präsidenten Sirisena nicht verbessert.
Alleine der Umstand, dass das SEM zum einen in seiner Länderpraxis zu
Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer vertreten,
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und es zum anderen aus sachlichen Gründen auch zu einer anderen Wür-
digung der Gesuchsvorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer ver-
langt, spricht weder für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung noch
stellt dies eine Verletzung der Begründungs- beziehungsweise Beweiswür-
digungspflicht dar (vgl. auch D-4909/2017 E. 2.2).
3.8 Nach dem Ausgeführten erweisen sich die prozessualen Rügen des
Beschwerdeführers als nicht stichhaltig. Eine Rückweisung der Sache an
das SEM fällt demnach ausser Betracht, womit das Gericht in der Sache
zu entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
Für den Fall einer materiellen Beurteilung der Beschwerde durch das Bun-
desverwaltungsgericht stellte der Beschwerdeführer die folgenden Beweis-
anträge: Es sei nach Offenlegung der gesamten Botschaftsantwort eine
angemessene Frist zur Einreichung einer Stellungnahme zu den angebli-
chen Widersprüchen zwischen seinen Vorbringen und denjenigen seiner
Mutter zu gewähren. Weiter sei eine Frist zur Einreichung eines fachärztli-
chen psychiatrischen Berichts sowie zur Einreichung zusätzlicher Beweis-
mittel betreffend die LTTE-Vergangenheit des anderen (...) zu gewähren.
Dem Beweisantrag zur Gewährung einer Frist für die Einreichung einer
Stellungnahme zur Botschaftsantwort wurde bereits Genüge getan
(vgl. Bst. I). Zu den weiteren beantragten Fristen ist festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer während des gesamten Beschwerdeverfahrens weder
einen psychiatrischen Bericht noch weitere Beweismittel zur LTTE-Vergan-
genheit des anderen (...) einreichte. Es hätte dem anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführer aufgrund seiner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG
oblegen und mit Verweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG offen gestanden, von
sich aus allfällige weitere Beweismittel einzureichen.
Die Beweisanträge sind daher abzuweisen, soweit sie nicht gegenstands-
los geworden sind.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Ihren Asylentscheid begründete die Vorinstanz zur Hauptsache mit der
Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers.
Zum einen sei es zu Diskrepanzen zwischen seinen Aussagen und denje-
nigen seiner Mutter anlässlich der Botschaftsabklärung gekommen. So
hätten sie beide augenscheinlich von unterschiedlichen Camps
(C._ resp. F._ Camp) gesprochen. Seine diesbezüglich im
Rahmen des rechtlichen Gehörs eingereichte Stellungnahme, seine Mutter
habe es wohl so genannt, weil das Camp vielleicht an der (...)-Strasse
liege, vermöge diese Angaben nicht zu erklären. Sodann habe seine Mutter
lediglich eine Festnahme – welche sich überdies im Jahr 2015 zugetragen
haben soll – erwähnt und überdies ausgeführt, dass er dabei stark geschla-
gen worden sei. Weiter habe sie erzählt, dass sie nach der telefonischen
Information über seine Festnahme zum Camp gegangen sei und stunden-
lang geschrien habe, woraufhin er schliesslich freigelassen worden sei.
Demgegenüber habe er geschildert, zwei Mal festgenommen und freige-
lassen worden zu sein, da er zu weinen begonnen habe. Danach sei er
nach Hause gegangen und habe alles seiner Mutter erzählt – die angebli-
che Intervention der Mutter beim Camp habe er nicht erwähnt. Während
der Befragung sei er seinen Aussagen zufolge auch nicht geschlagen wor-
den. Seine im Rahmen des rechtlichen Gehörs gemachten Ausführungen
hätten diese Widersprüche nicht hinreichend zu erklären vermocht. Dass
seine Mutter schon alt sei und die Jahreszahlen womöglich verwechselt
habe, vermöge nicht zu überzeugen, zumal es sich um einen erheblichen
Widerspruch von mehreren Jahren handle. Nach wie vor unklar sei, wes-
halb seine Mutter die zweite Festnahme überhaupt nicht erwähnt habe.
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Seite 12
Zum anderen seien seine Vorbringen unsubstanziiert ausgefallen. Es
könne nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um erlebnisbasierte
Aussagen handle. Anlässlich der Anhörung sei er mehrfach aufgefordert
worden, ausführlich über die Vorfälle in Sri Lanka zu berichten. Auch unter
Berücksichtigung seines Alters habe er nur stereotype Aussagen machen
können, welche nicht erlebnisbasiert seien und vielmehr durch eine ausge-
prägte Detailarmut, Oberflächlichkeit und Leblosigkeit gekennzeichnet
seien. Seine Aussagen betreffend die erste Mitnahme und Befragung durch
die CID-Personen hätten sich im Wesentlichen darauf beschränkt, dass sie
ihn nach dem Verbleib des (...) und nach Waffenverstecken befragt hätten.
Auch auf erneute Nachfragen habe er lediglich oberflächlich geantwortet
und leblose und von Detailarmut geprägte Aussagen gemacht. Dasselbe
gelte für seine Ausführungen zur zweiten Festnahme und Befragung. Es
sei auch schlicht nicht nachvollziehbar, weshalb das CID nur ihn und nicht
beispielsweise auch seine Mutter oder seinen Vater hätte befragen sollen.
Seinen Angaben zufolge habe sein (...) seit etwa dem Jahr 2011 bis zu
seiner Ausreise im Jahr 2014 bei ihnen gelebt. Er sei damals erst ein (...)
respektive (...) Jahre altes Kind gewesen. Es dürfte kaum davon auszuge-
hen sein, dass er sich mit ihm über seine angeblichen Waffenverstecke
hätte unterhalten sollen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb das CID ge-
rade von ihm diese Informationen hätte erhalten sollen und nicht viel eher
von seiner Mutter oder seinem Vater. Schliesslich habe er auch nicht nach-
vollziehbar darzulegen vermocht, weshalb die CID-Beamten ihn für seinen
(...) Jahre älteren (...) gehalten hätten.
Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten kein
Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen ver-
mocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und
in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Somit bestehe kein begrün-
deter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde.
Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG
nicht und sein Asylgesuch sei abzulehnen.
6.2
6.2.1 In materieller Hinsicht äusserte sich der Beschwerdeführer in seiner
Beschwerdeeingabe zunächst zur Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen.
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Hierzu habe das SEM den Arztbericht vom (...) Dezember 2017 nicht be-
rücksichtigt, demzufolge er aufgrund erlebter Traumatisierungen psychi-
sche Probleme habe. Dieser ärztliche Befund gelte als Teilbeweis der ge-
schilderten Reflexverfolgungen. Als objektives Beweismittel habe der Arzt-
bericht in jedem Fall Vorrang vor der Glaubhaftigkeitsprüfung.
6.2.2 Zu den Argumenten der Vorinstanz äusserte er sich wie folgt:
Aus der Botschaftsantwort erhelle sich, dass seine Vorbringen mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit glaubhaft seien und darin entgegen der Be-
hauptung der Vorinstanz keine Widersprüche zu finden seien. Es sei offen-
sichtlich, dass es sich bei der von der Mutter angegebenen Jahreszahl be-
treffend seine Verhaftung (nämlich das Jahr 2015) um eine simple Ver-
wechslung handle. Ein Tippfehler sei ebenfalls nicht auszuschliessen. Ab-
gesehen davon habe sich seine Mutter chronologisch konsistent geäus-
sert. Rechne man die Zeitangaben der Mutter betreffend die Geschehnisse
nach der Freilassung vom Datum der Ausreise (...) 2017 zurück, sei klar,
dass die erwähnte Festnahme im Jahr 2017 erfolgt sei. Für die unter-
schiedliche Bezeichnung des Camps gebe es mehrere plausible Erklärun-
gen. Es sei durchaus möglich, dass entweder er selbst oder die Mutter den
Namen des Camps verwechselt hätten. Da das Camp an der (...) Strasse
liege, sei nachvollziehbar, dass es die Mutter so genannt habe. Nahelie-
gend sei auch, dass das Camp bei der lokalen Bevölkerung unter beiden
Namen, also C._ Camp und F._ Camp bekannt sei, da es
an der gleichnamigen Strasse liege. Aufgrund der unterschiedlichen Be-
zeichnung des Camps sei jedenfalls nicht zwingend von einem unglaub-
haften Sachverhalt auszugehen. Betreffend die Verwechslung des minder-
jährigen Beschwerdeführers mit seinem um fast (...) Jahrzehnte älteren
(...) sei viel eher davon auszugehen, dass das CID wissentlich eine Re-
flexverfolgung begangen habe. Da aber die Entführung eines minderjähri-
gen Buben selbst für sri-lankische Verhältnisse die Rechtstaatlichkeit zu
sehr strapaziert hätte, hätten sich die CID-Beamten bewusst dafür ent-
schieden, offiziell von einer Festnahme des (...) zu sprechen und erst da-
nach eine Verwechslung einzugestehen. Schliesslich enthalte die Bot-
schaftsantwort viele Informationen, welche mit seinen Vorbringen überein-
stimmten (so zum Aufsuchen des Beschwerdeführers durch CID-Beamte
nach Wegzug nach Colombo bzw. Flucht ins Ausland, zum Wohnort der
Familie, zum Aufenthalt des (...) bei der Familie zwischen 2011 und 2014,
zu den wiederholten Besuchen des CID nach Flucht des (...) im Jahr 2014
sowie den Geschehnissen vor seiner Ausreise im [...] 2017).
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Zum Vorwurf der unsubstanziierten Schilderungen führte er aus, dass er
im Umfang, wie das von einem jugendlichen, stark traumatisierten und ein-
geschüchterten Asylsuchenden erwartet werden könne, geantwortet habe.
Es müsse auch dem Umstand Rechnung getragen werden, dass das Vo-
kabular eines (...)-jährigen um ein Vieles eingeschränkter sei als bei einem
Erwachsenen. Seine Aussagen seien gerade für einen Minderjährigen in-
haltlich aussagekräftig und ausreichend umfangreich. Dies gelte insbeson-
dere bei seinen Antworten zu den Fragen 97 f. und 107. Bei Frage 107 sei
die Art seiner Antwort – welche absolut befriedigend und ausreichend aus-
gefallen sei – der Fragestellung geschuldet. Es wäre vermessen, auf diese
Frage eine umfangreiche Antwort zu erwarten. Genau die Antwort auf diese
Frage werde aber seitens der Vorinstanz als einziges Beispiel für den Vor-
wurf der vagen und oberflächlichen Aussagen genannt. Im Anhörungspro-
tokoll fänden sich des Weiteren Realkennzeichen. Er habe den Eingang
des Camps, wie auch den Weg zum Hauptgebäude beschrieben; sein Be-
schrieb der Kletterpflanzen als «Pflanzen, mit denen man gut einen Zaun
machen kann» entsprächen dem Vokabular eines Kindes. Er habe ferner
gestikuliert, was zeige, dass er ein mentales Bild des Ortes gehabt habe
und es ihm schwergefallen sei, seine erlebten Eindrücke zu verbalisieren.
Sodann habe er Teile des Dialogs seiner Befragung ausführlich wiederge-
geben.
Die Begründung des SEM in Bezug auf die Glaubhaftigkeit sei somit nicht
nachvollziehbar.
6.2.3 Betreffend die Asylrelevanz seiner Vorbringen führte der Beschwer-
deführer aus, dass ihm bei einer Rückkehr eine erneute Reflexverfolgung
drohen würde. Seine Absenz sei von den sri-lankischen Behörden bereits
bemerkt worden. Bei einer Rückkehr würde er den Behörden bei Ankunft
am Flughafen aufgrund seines Kindesalters mit Sicherheit auffallen. Dabei
würden die Behörden erfahren, dass er sich zu jenem (...) in die Schweiz
begeben habe, welcher die Ursache für die Reflexverfolgung gegen ihn sei.
Deshalb würden ihn die Behörden erst recht nochmals zu seinem (...) be-
fragen. Dabei dürfe als gesichert angenommen werden, dass der (...) ver-
dächtigt werde, den tamilischen Kampf wiederzubeleben. Weiter bestehe
aufgrund seiner Traumatisierung eine erhöhte Verfolgungsempfindlichkeit,
welche insbesondere bei Kindern zu berücksichtigen sei – dies ergebe sich
auch aus den Verpflichtungen der Schweiz aus dem Übereinkommen über
die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 (KRK, SR 0.107). Es be-
stehe bei einer Rückkehr die Gefahr einer Retraumatisierung.
E-3602/2018
Seite 15
7.
7.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung der Vorinstanz zu stützen ist. Der Beschwer-
deführer vermag dem in seiner Beschwerdeeingabe insgesamt nichts
Überzeugendes entgegenzusetzen, zumal sich diese in weiten Teilen auf
die Wiedergabe von formellen Rügen beschränkt und sich nur punktuell mit
der Argumentation der Vorinstanz auseinandersetzt.
7.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, nicht der inneren Logik entbehren oder den Tatsa-
chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind sub-
stantiiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderun-
gen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer An-
hörung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine
Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü-
che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in
die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung
für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die
gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-
sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt
oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-
wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir-
kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die
Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht.
Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5
E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; ANNE KNEER und LINUS SONDEREG-
GER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015 S. 5).
7.3 In Bezug auf die von der Schweizerischen Botschaft in Sri Lanka vor-
genommenen Abklärungen vor Ort ist vorab festzuhalten, dass sämtliche
Angaben im Bericht vom 19. März 2018 rein auf den Aussagen der eigenen
Mutter des Beschwerdeführers (und dessen ebenfalls anwesenden Tante)
basieren. Aufgrund des sehr engen Verwandtschaftsverhältnisses sowie
der zeitlichen Umstände der Abklärungen (wenige Monate nach der Anhö-
rung des Beschwerdeführers) kann daher nicht ausgeschlossen werden,
E-3602/2018
Seite 16
dass mögliche Absprachen vorgenommen wurden beziehungsweise dass
der Beschwerdeführer seine Familie zumindest über den Inhalt seiner ge-
genüber den Asylbehörden getätigten Asylvorbringen in Kenntnis gesetzt
hat. Aus den Akten geht diesbezüglich denn auch klar hervor, dass er in
regem telefonischem Austausch mit seiner Familie steht und er diese im
Abstand von jeweils wenigen Tagen kontaktiert (vgl. A22, F 45-49). Entge-
gen der Auffassung der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers ist daher
der blosse Umstand, dass zwischen den Angaben des Beschwerdeführers
und seiner Mutter gewisse übereinstimmende Aspekte vorliegen, nicht be-
reits als Zeichen der Glaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen zu werten. Viel-
mehr sind die Aussagen im Einzelnen zu würdigen und zu gewichten.
Hierbei ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass die anlässlich der Bot-
schaftsabklärung festgehaltenen Aussagen seiner Mutter in den Kernpunk-
ten erheblich von seinen eigenen Schilderungen abweichen. Dies betrifft
insbesondere die Widersprüche betreffend die Frage, wann er effektiv ins
Visier der Behörden geraten ist, das Jahr der (finalen) Festnahme, die Ge-
waltanwendung anlässlich der Befragung, die (nicht erwähnte) zweite Fest-
nahme und die Umstände der Entlassung (vgl. A30, Ziff. 1 und Ziff. 6).
7.3.1 Unklar ist zunächst, wann und weshalb der Beschwerdeführer ins Vi-
sier der Behörden geraten sein soll. Anlässlich der Anhörung führte der Be-
schwerdeführer diesbezüglich aus, dass Beamte des CID sowohl nach der
Flucht seines (...) als auch insbesondere nach der Beerdigung seiner (...)
oft gekommen seien, wobei ihr Interesse aber dem geflohenen (...) gegol-
ten habe (vgl. A22, F138). Er selbst habe diese CID-Beamten in dieser Zeit
lediglich einmal gesehen, sonst seien sie stets gekommen, wenn er in der
Schule gewesen sei (vgl. A22, F83 ff.). Im (...) 2017 sei er dann erstmals
selbst das Ziel des CID gewesen und unvermittelt verhaftet worden (vgl.
A22, F79). Demgegenüber erklärte seine Mutter anlässlich der Botschafts-
abklärung, dass das CID nach ein paar Besuchen seine Aufmerksamkeit
auf den Beschwerdeführer gerichtet und angenommen habe, er sei der
(...). Später habe das CID angefangen, ihn vor den Augen der anderen
Familienmitglieder zu bedrohen. Die Wiederholung dieser drohenden Be-
suche hätten den Beschwerdeführer mental stark belastet, worauf sich sein
Verhalten verändert habe (vgl. A30 Ziff. 6). Demzufolge wäre der Be-
schwerdeführer nicht nur bei mehreren Besuchen des CID zugegen gewe-
sen, sondern gar wiederholt Opfer von Drohungen seitens der Behörden
geworden – dies noch vor seiner ersten Verhaftung im Jahr 2017. Folglich
besteht in dieser Hinsicht ein erheblicher Widerspruch zwischen seinen
Aussagen und denjenigen seiner Mutter.
E-3602/2018
Seite 17
7.3.2 Des Weiteren scheint ein Tippfehler seitens der Behörden bezogen
auf das Jahr der Verhaftung wenig wahrscheinlich, zumal die entspre-
chende Jahreszahl gleich an mehreren Stellen des Berichts aufgeführt wird
(vgl. A 30, Ziffer 1 und 6). Zusätzlich ist festzuhalten, dass im Falle einer
Verwechslung seitens der Mutter anzunehmen ist, dass die ebenfalls an-
wesende Tante berichtigend eingeschritten wäre. Zwar ist die Schilderung
des Beschwerdeführers betreffend die Ereignisse nach seiner Verhaftung
in chronologischer Hinsicht etwas schlüssiger, den Widerspruch vermag
dies jedoch nicht zu erklären.
Zusätzlich ist festzuhalten, dass unerklärt blieb, weshalb die Mutter die
zweite Festnahme überhaupt gar nicht erwähnte. Dies ist insofern nicht
nachvollziehbar, da genau dieses Ereignis dem Beschwerdeführer zufolge
der eigentliche Grund dafür gewesen sein soll, weshalb die Mutter ihn nach
Colombo geschickt habe (vgl. A22, F79).
7.3.3 Die Mutter sagte sodann aus, der Beschwerdeführer sei während der
Haft von den Soldaten stark geschlagen worden (vgl. a.a.O. Ziff. 6). Dem-
gegenüber verneinte der Beschwerdeführer ausdrücklich in Haft geschla-
gen worden zu sein (vgl. A22, F102). Die diesbezügliche Erklärung des
Beschwerdeführers, seine Mutter habe ihm mit der Dramatisierung der Ge-
schehnisse vermutlich helfen wollen (vgl. A32, S. 2), überzeugt nicht.
7.3.4 Schliesslich schilderte die Mutter des Beschwerdeführers auch den
Ablauf seiner angeblichen Entlassung gänzlich unterschiedlich. Der Be-
schwerdeführer gab zu Protokoll, er habe angefangen zu weinen, weswe-
gen die Soldaten ihn hätten gehen lassen. Er sei sodann nach Hause ge-
gangen und habe seiner Mutter von diesem Vorfall erzählt (vgl. A22, F108
ff.). Gemäss der Mutter habe sie einen Anruf bekommen, in dem ihr mitge-
teilt worden sei, dass (...) verhaftet worden sei. Daraufhin habe sie sich
sofort zum Armeecamp begeben, wo sie stundenlang auf der Strasse ge-
fleht und geschrien habe, bis der Beschwerdeführer freigelassen worden
sei (vgl. A30, Ziff. 6). Es wäre zu erwarten gewesen, dass die Schilderun-
gen der Mutter und des Beschwerdeführers betreffend wie und wo die Mut-
ter von diesem Ereignis erfahren hat (zuhause resp. beim Armeecamp;
durch den Beschwerdeführer selbst resp. durch einen Anruf der Armee)
übereinstimmen. Weder in der Stellungnahme zur Botschaftsantwort (vgl.
A32) noch in den Eingaben auf Beschwerdeebene äusserte sich der Be-
schwerdeführer zu diesem Widerspruch. Damit hat er diesen weiterhin ge-
gen sich gelten zu lassen.
E-3602/2018
Seite 18
7.3.5 Angesichts dieser erheblichen und zentrale Aspekte betreffenden Wi-
dersprüche kann letztlich auch offengelassen werden, ob sich das
C._ Camp tatsächlich an der (...)-Strasse befindet und deshalb all-
fällig im Volksmund auch F._-Camp genannt wird. Es ist dem Be-
schwerdeführer zwar zuzustimmen, insofern er ausführt, die Aussagen sei-
ner Mutter stimmten in gewissen Punkten mit seinen Vorbringen überein.
Dieses Übereinstimmen betrifft jedoch zur Hauptsache biographische An-
gaben, Angaben über die Probleme seines (...) sowie seine Wohnorte nach
seiner angeblichen Freilassung. Hierzu kann auf das zuvor (in E. 7.3.) Ge-
sagte verwiesen werden.
Insgesamt ist festzustellen, dass die Ergebnisse der Botschaftsabklärung
die Kernvorbringen des Beschwerdeführers nicht zu stützen vermögen.
7.4 Weiter ist mit dem SEM festzustellen, dass seine Schilderungen – ins-
besondere zu den beiden Befragungen – im Wesentlichen substanzarm
ausfielen. Diesbezüglich kann im Grundsatz auf die zutreffenden Erwägun-
gen des SEM in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (dort E.
II Ziff. 2). Insbesondere sind dem Protokoll praktisch keine Gefühls- oder
Gedankenschilderungen zu entnehmen (Ausnahmen: «Ich habe mir Sor-
gen um meine Schwester gemacht», A22, F79; «Aus Angst habe ich ange-
fangen laut zu weinen», F114; «Ich bin mit Angst in die Schule gegangen.
Schon nach der ersten Mitnahme hatte ich Angst gehabt», F124). Der Be-
schwerdeführer beschränkte sich hauptsächlich auf das Aufführen einfa-
cher Handlungsstränge. Obschon bei einer minderjährigen und allenfalls
traumatisierten Person der Massstab bezüglich der zu erwartenden Refle-
xion der Ereignisse tiefer angesetzt werden muss, ist die eindimensionale
Erzählweise des Beschwerdeführers auffällig und nicht nachvollziehbar.
Nicht nachvollziehbar ist sodann, dass sich der Beschwerdeführer an der
Ende September 2017 stattfindenden Anhörung nicht einmal mehr an den
Namen seiner Tante erinnern konnte, bei welcher er zuletzt rund (...) Mo-
nate bis (...) 2017 gelebt haben will. Er habe sich auch «nicht gut» daran
erinnern können, wo in Colombo die Tante gelebt habe (vgl. A22, F64 und
F66).
7.5 Im Weiteren fusst die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verfol-
gung auf einer Reihe von Umständen, welche nicht nachvollziehbar sind
und teilweise als lebensfremd betrachtet werden müssen. Diesbezüglich
führte das SEM zu Recht an, dass nicht nachvollziehbar sei, weshalb das
CID nur ihn und beispielsweise nicht auch seine Mutter oder seinen Vater
E-3602/2018
Seite 19
hätte befragen sollen, zumal angesichts seines damaligen Alters ([...] res-
pektive [...] Jahre) sicherlich nicht davon auszugehen gewesen sein dürfte,
dass sich der (...) mit ihm über seine angeblichen Waffenverstecke unter-
halten hätte. Naheliegender für das CID wäre es gewesen, diese Informa-
tionen von seinen Eltern zu erhalten. Als geradezu lebensfremd muss vor
diesem Hintergrund sodann auch die angebliche Verwechslung mit seinem
fast (...) Jahrzehnte älteren (...) seitens der sri-lankischen Behörden be-
zeichnet werden. Es ist schlicht nicht vorstellbar, unter welchen Vorausset-
zungen eine derartige Verwechslung hätte erfolgen können respektive
weshalb das CID den Beschwerdeführer hätte festnehmen sollen, um dann
die offensichtlich unhaltbare Erklärung der Verwechslung nachzuschieben,
zumal die Eltern selbst offenbar nie einvernommen worden sind. Die dies-
bezüglich in seiner Beschwerdeeingabe vorgebrachte Erklärung des Be-
schwerdeführers überzeugt nicht und stellt lediglich eine (äusserst speku-
lative) Vermutung dar.
Vor diesem Hintergrund kommt den oben angeführten Unglaubhaftigkeit-
selementen weiteres Gewicht zu.
7.6 Die Schilderungen des Beschwerdeführers weisen entgegen seiner
Auffassung letztlich auch kaum klare Realkennzeichen auf. Angesichts sei-
ner insgesamt klar als substanzlos zu bezeichnenden Schilderungen (vgl.
oben E. 7.4) vermögen auch die vereinzelten Sätzen zu entnehmenden
Konkretisierungen (vgl. bspw. A22, F79, F97 oder F108) klar nicht zu einer
anderen Einschätzung zu führen. Insbesondere die im Rahmen der Be-
schwerdeeingabe hierzu angeführte Beschreibung von Kletterpflanzen
kann für sich genommen kaum als signifikantes Realkennzeichen gewertet
werden.
7.7 Nach Ansicht des Beschwerdeführers ist der Arztbericht vom (...) De-
zember 2017 (vgl. A3, Beweismittel 7 [nachfolgend BM]) als Teilbeweis sei-
ner Vorbringen zu würdigen. Im Arztbericht wird jedoch lediglich ein Vita-
min-D Mangel diagnostiziert (vgl. A3, BM7, Ziff. 2) und zudem eine psychi-
atrische Betreuung als notwendig und angemessen betrachtet (vgl. a.a.O.
Ziff. 3.2). Insofern sich der Arzt (unter «Anamnese», vgl. a.a.O. Ziff. 1.1) zu
den Erlebnissen des Beschwerdeführers im Heimatstaat äussert ist festzu-
halten, dass er dabei unter «Anamnese» lediglich die Angaben des Be-
schwerdeführers wiedergibt. Inwiefern darin – wie vom Beschwerdeführer
behauptet – ein Teilbeweis seiner Vorbringen zu sehen sein sollte, er-
schliesst sich dem Gericht nicht. Ohnehin kann eine allfällige – und im vor-
E-3602/2018
Seite 20
liegenden Fall nicht diagnostizierte – Traumatisierung auch auf andere Er-
eignisse als die vom Beschwerdeführer geltend gemachten zurückzufüh-
ren sein. Der Arztbericht ist somit nicht geeignet, seine Vorbringen zu un-
termauern.
7.8 Da der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend machte, aufgrund
einer (allenfalls bewussten) Verwechslung mit seinem (...) verfolgt worden
und überdies in der Schweiz bei diesem wohnhaft zu sein, zog das Bun-
desverwaltungsgericht vorliegend ebenfalls die vorinstanzlichen Akten des
(...) (N [...]) bei. Daraus ergeben sich jedoch keine Hinweise auf eine Ver-
folgung des Beschwerdeführers.
7.9 Insgesamt hat die Vorinstanz zutreffend die Asylvorbringen des Be-
schwerdeführers als nicht glaubhaft eingestuft. Demnach ist es ihm nicht
gelungen, eine asylrechtlich relevante Gefährdung im Zeitpunkt seiner
Ausreise aus Sri Lanka glaubhaft zu machen.
7.10 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Urteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) fest, bestimmte Risikofaktoren
(frühere Verhaftungen, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitä-
ten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im
Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur
Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber wür-
den das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise res-
pektive durch die IOM begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben
schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese
in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernst-
haften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemach-
ten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwir-
kung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Ein-
zelfallprüfung zu berücksichtigen mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung be-
jaht werden müsse (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.5.5).
Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, seine Inhaftierungen respek-
tive die Befragungen aufgrund seines geflüchteten (...) glaubhaft zu ma-
chen. Er weist auch keine direkten Verbindungen zur LTTE auf und machte
keine regimekritischen exilpolitischen Aktivitäten geltend. Damit erfüllt er
keine der stark risikobegründenden Faktoren. Er verfügt zwar in der Person
seines (...) über einen entfernten Verwandten, der als ehemaliges LTTE-
E-3602/2018
Seite 21
Mitglieder eine Rehabilitation durchlaufen hat; da es ihm jedoch nicht ge-
lungen ist, Vorfluchtgründe glaubhaft zu machen, ist folglich auch nicht da-
von auszugehen, dass er vor seiner Ausreise deswegen Nachteile erlitten
hatte. Allenfalls vorhandene Risikofaktoren begründeten somit keine Ver-
folgung seitens der sri-lankischen Behörden. Es ergeben sich weder aus
den vorinstanzlichen Akten des Beschwerdeführers noch seines (...) Hin-
weise darauf, dass den sri-lankischen Behörden der Aufenthalt des Be-
schwerdeführers bei seinem (...) in der Schweiz bekannt geworden wäre.
Die tamilische Ethnie des Beschwerdeführers sowie die längere Landes-
abwesenheit stellen lediglich schwach risikobegründende Faktoren dar.
Gesamthaft betrachtet ist – auch aufgrund seines jungen Alters – kaum
davon auszugehen, dass er von den sri-lankischen Behörden als Gefahr
wahrgenommen würde und somit gefährdet wäre. Eine allfällige Strafe und
Überprüfung respektive Befragung aufgrund der Einreise ohne ordentliche
Identitätspapiere stellt keinen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3
Abs. 2 AsylG dar.
7.11 Das SEM hat folglich das Bestehen einer Verfolgungssituation des
Beschwerdeführers und mithin dessen Flüchtlingseigenschaft und die Ge-
währung des Asyls zu Recht verneint.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
E-3602/2018
Seite 22
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur
Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;
vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.
10.1 Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung führte die Vorinstanz aus,
dass sich weder aus den Akten noch aus seinen Aussagen Anhaltspunkte
dafür ergäben, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe
oder Behandlung drohe. Der Vollzug der Wegweisung sei auch mit Blick
auf die KRK zulässig.
Er habe vor seiner Ausreise im (...) 2017 den überwiegenden Teil seines
bisherigen Lebens in der Nordprovinz in Sri Lanka gelebt. Seine Eltern leb-
ten nach wie vor im Haus in B._, welches sie im Rahmen eines
«Housing Assistance Programm» erhalten hätten. Eine Tante lebe als
Nachbarin seiner Familie in B._; weitere Angehörige lebten eben-
falls in G._ respektive der näheren Region. Mit seiner Familie stehe
er in regelmässigem Kontakt. Insgesamt verfüge er in seiner Heimatregion
über ein intaktes soziales Beziehungsnetz, auf welches er bei einer Rück-
kehr zurückgreifen könne. Die Schule habe er bis zur (...) Klasse besucht,
sein Vater sei Tagelöhner, seine Mutter koche für Anlässe, wobei das Ein-
kommen seinen Angaben zufolge ausgereicht habe, um für die Ausbildung
und den Lebensunterhalt aufzukommen. Es sei davon auszugehen, dass
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Seite 23
seine Familie ihn wieder bei sich aufnehmen und wirtschaftlich unterstüt-
zen werde, sodass er nicht in eine existenzielle Notlage geriete, zumal er
auch selber zu Protokoll gegeben habe, im Falle einer Rückkehr wieder zu
seiner Mutter zu gehen. Schliesslich seien seine angeblichen psychischen
Probleme weitestgehend unbelegt geblieben. Der von ihm eingereichte
Arztbericht vom (...) Januar 2018 (recte: [...] Dezember 2017) attestiere
ihm einen Vitaminmangel. Betreffend die psychischen Probleme werde le-
diglich festgehalten, dass eine psychiatrische Aufarbeitung der traumati-
schen Erlebnisse im Heimatstaat angezeigt sei. Gemäss Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts sei davon auszugehen, dass für die Be-
handlung von psychischen Problemen eine ambulante Therapie im Distrikt
G._ in verschiedenen staatlichen Institutionen zugänglich wäre und
grundsätzlich vom Staat bezahlt würde. Es wäre ihm zuzumuten, sich ge-
gebenenfalls an eine dieser Kliniken zu wenden. Auch eine medikamen-
töse Behandlung beispielsweise mit einem Antidepressivum wäre in Sri
Lanka grundsätzlich kostenlos erhältlich. Die gegebenenfalls erforderliche
Behandlung seiner psychischen Probleme stelle demnach kein Wegwei-
sungsvollzugshindernis dar.
Der Vollzug der Wegweisung sei somit zulässig, zumutbar und möglich.
10.2 Hiergegen brachte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeein-
gabe vor, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen
sei, dass jeder nach Sri Lanka zurückgeschaffte tamilische Asylgesuchstel-
ler jederzeit Opfer einer Verhaftung und Verhören unter Anwendung von
Folter werden könne. Auch bei ihm sei von einer solchen Gefahr auszuge-
hen, weshalb der Wegweisungsvollzug unzulässig sei. Gemäss Recht-
sprechung des EGMR müsse die Risikoanalyse äusserst sorgfältig erfol-
gen. Bereits die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, welche syste-
matisch verfolgt werde, sei ausreichend, um unter Art. 3 der EMRK ge-
schützt zu werden. Gerade bei Kindern, die eine besonders schutzbedürf-
tige Gruppe darstellten, müsse die vorzunehmende Überprüfung des «real
risk» äusserst gründlich sein.
Der Vollzug der Wegweisung sei im Weiteren unzumutbar. Die sri-lanki-
schen Behörden würden bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers nach
Sri Lanka sofort in Kenntnis über seine familiäre Vergangenheit sowie
seine exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz und insbesondere seinen
Aufenthalt bei seinem (...) sein. Den standardisierten Verhören der sri-lan-
kischen Behörden – wobei eine akute Gefahr für Leib und Leben bestünde
– würde er sich nicht entziehen können.
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Seite 24
In seiner Beschwerdeergänzung vom 27. Juli 2018 rügte der Beschwerde-
führer hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs eine Verletzung der sich aus
der KRK für die Schweiz ergebenden Verpflichtungen. Das SEM habe
rechtserhebliche Informationen – welche sich aus der Botschaftsantwort
ergäben – bewusst nicht berücksichtigt. Eine Wegweisung in die dort dar-
gestellten familiären und ökonomischen Verhältnisse sei nicht mit dem Pri-
mat des Kindeswohles gemäss Art. 3 KRK vereinbar. Der Botschaftsant-
wort lasse sich entnehmen, dass die Lage der Eltern des Beschwerdefüh-
rers – welche einen insgesamt (...)köpfigen Haushalt zu unterhalten hätten
– äusserst schwierig sei. Der Vater arbeite – wenn es ihm sein Gesund-
heitszustand erlaube – als Tagelöhner und generiere nur ein kleines Ein-
kommen. Die Mutter habe ebenfalls keine permanente Arbeit, die Familie
hänge aber hauptsächlich von ihrem Einkommen ab. Hinzu komme, dass
der Vater Alkoholiker sei. Die Lage der anderen Familienangehörigen sei
vergleichbar mit jener der Eltern des Beschwerdeführers, ein Bruder müt-
terlicherseits sei zudem in psychiatrischer Behandlung. Die familiäre Situ-
ation werde in der angefochtenen Verfügung verfälscht wiedergegeben,
zumal diese Aspekte gar nicht erwähnt worden seien. Zudem sei fraglich,
ob allenfalls nur ausgewählte, besonders arme und verwundbare Familien
in den Genuss des «Assistance Housing Programm» kämen. Jedenfalls
verweise der reine Umstand der Existenz eines solchen Programms bereits
auf die humanitäre Notlage der Region beziehungsweise der betreffenden
Familien. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in dieses Umfeld könne
nicht im Sinne des Kindeswohls sein. Die Existenz eines tragfähigen fami-
liären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesi-
cherte wirtschaftliche Situation seien entgegen der Vorinstanz klar nicht
gegeben.
10.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
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Seite 25
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.).
Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl.
EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K.
gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08;
N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde
Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof – entgegen der Auffas-
sung des Beschwerdeführers – dass nicht in genereller Weise davon aus-
zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Be-
handlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob der oder die
Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hät-
ten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse, verschiedene As-
pekte – welche im Wesentlichen durch die in E. 7.10 identifizierten Risiko-
faktoren abgedeckt sind (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94;
EGMR, E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O., § 13 und 69) – in Betracht
gezogen werden, wobei dem Umstand gebührend Beachtung zu schenken
sei, dass diese einzelnen Aspekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet
möglicherweise kein "real risk" darstellen, diese Schwelle bei einer kumu-
lativen Würdigung erreichen könnten.
Nachdem der Beschwerdeführer – wie in E. 7 ausgeführt – nicht glaubhaft
gemacht hat, dass er befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland
die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrecht-
lich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhalts-
punkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine menschenrechtswid-
rige Behandlung in Sri Lanka drohen.
Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-
nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
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10.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.4.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu
auch vorstehend E. 6.5 sowie statt vieler Urteil des BVGer E-895/2020 vom
15. April 2020 E. 9.3).
10.4.2 In individueller Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass der Be-
schwerdeführer mittlerweile (...) Jahre alt und damit volljährig ist. Die von
ihm unter Hinweis auf seine Minderjährigkeit geltend gemachten Wegwei-
sungsvollzugshindernisse sind folglich nicht mehr von Relevanz. Nachfol-
gend wird daher verzichtet, darauf einzugehen. Sodann kann an dieser
Stelle vollständig auf die zutreffenden und ausführlichen Erwägungen der
Vorinstanz gemäss angefochtener Verfügung (dort E. III Ziff. 2) und obiger
Zusammenfassung (vgl. E. 10.1) verwiesen werden. Die Einwände des Be-
schwerdeführers vermögen diese Einschätzung nicht umzustossen. Er be-
findet sich nun in einem arbeitsfähigen Alter und es ist ihm zuzumuten, sich
bei einer Rückkehr eine Arbeit zu suchen und selbständig für seinen Le-
bensunterhalt aufzukommen. Wenngleich seine (grosse) Familie in Sri
Lanka mit gewissen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ist nicht davon aus-
zugehen, er würde bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage gera-
ten. Im Übrigen ist davon auszugehen, dass die Familie vom in der
Schweiz lebenden (...) des Beschwerdeführers – welcher vor seiner Aus-
reise jahrelang bei der Familie gewohnt und den Beschwerdeführer in der
Schweiz bei sich aufgenommen hat – finanzielle Unterstützung erfährt.
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Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
10.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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