Decision ID: da9ec523-8f83-5c78-ab4a-f87fe3cc6641
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
meldete sich am 14. Juli 2011 bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/4). Die IV-Stelle klärte den Sachver
hal
t ab und verneinte mit Verfü
gung vom 13. Dezember 2012 einen Rentenanspruch der Versicherten
(
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt
Thomas U.K. Brunner, mit Eingabe vom 31. Januar 2013 Beschwerde erheben und die Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung sowie die Zusprache mindestens einer Viertelsrente oder von Eingliederungsmassnahmen beantragen. Eventualiter
beantragte
sie
die Sistierung des
Verfahren
s und ihre
(
insbesondere psychiatri
sch
e) Begutachtung
. In formeller Hinsicht
liess
sie ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung
stellen
(
Urk.
1).
Mit Vernehmlassung vom 25. April 2013 beantragte die IV-Stelle
,
die Sache sei zur weiteren Abklärung an sie zurückzuweisen (
Urk.
10).
Mit Verfügung vom 2
2.
Juli 2013 bewilligte
das Gericht der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und ernannte Rechtsanwalt Thomas U.K. Brunner zu ihrem unentgeltlichen Rechtsvertreter.
Mit Replik vom 15. November 2013 liess sich die Beschwerdeführerin mit der Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Sachverhalts
abklärung einverstanden
e
rk
lären
(
Urk.
20). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 16. Dezember 2013 auf eine Duplik (
Urk.
23).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Mit vorliegende
r
Beschwerde
gegen die rentenablehnende Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 13. Dezember 2012
lässt die Beschwerde
führerin die Zusprache mindestens einer Viertelsrente
, eventualiter die Sistierung des Ver
fahrens und ihre
(
insbesondere psychiatrische
)
Begutachtung
beantr
a
gen
(
Urk.
1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Vernehmlassung vom 25. April 2013 die Rückweisung der Sache an sie
zur weiteren Abk
l
ärung des
Sachverhalt
s
. Zur Begründung gab sie an, gemäss
gleichentags erfolgter
Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
zum
im Beschwerdeverfahren einge
reichte
n
Arztbericht von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
vom 19. Januar 2013 (
Urk.
3/3)
sei eine chronifizierte mittel- bis schwergradige depress
ive Störung mit anhaltender 100
%iger Arbeitsunfähigkeit
für jegliche Erwerbstätigkeit diagnostiziert worden
. Es
sei
deshalb
zur Klärung der medizinischen Sachlage ein
e
psychiatrische
Beg
utacht
ung
angezeigt (
Urk.
10 und
Urk.
11/51).
Die Beschwerdeführerin erklärt sich mit Replik vom 15. November 2013 mit der Rückweisung zur psychiatrischen Begutachtung einverstanden, sofern dabei eine neutrale Begutacht
ung gewährleistet sei
(
Urk.
20).
2
.
In der angefochtenen Verfügung ging die Beschwerdegegnerin von einer verblie
benen Restarbeitsfähigkeit von 50
%
für leidensangepasste Tätigkeiten aus (
Urk.
11/49 =
Urk.
2).
Den Akten ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin seit 2002 in regel
mässiger psychiatrischer Behandlung bei
Dr.
Y._
befindet (
vgl. ärztliches Zeugnis von
Dr.
Y._
vom 16. April 2011 [
Urk.
11/3 – 3
] und Anmeldung der Beschwerdeführerin bei der Beschwerdegegnerin vom 14. Juli 2011
[
Urk.
11/4 – 5]
)
und schon immer psychisch wenig belastbar war (vgl. Arztbericht von
Dr.
Y._
vom 17. August 2011 [
Urk.
11/9 – 2], Austrittsbericht der Psychiatri
schen Privatklinik
Z._
[
Urk.
11/17 – 1]
und Bericht von
Dr.
Y._
vom 1
2.
November 2011 [
Urk.
11/18
]
). Im Rahmen eines stationären Aufenthalts in der
A._
vom 13. November bis 10. Dezember 2011 wurde eine rezidivierende, mittelgradige depressive Störung di
agnostiziert (
Urk.
11/33).
Dem im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht von
Dr.
Y._
vom
19. Januar 2013 ist zu entnehmen, dass sich der psychische Zustand der Beschwer
deführerin seit August / November 2011 deutlich verschlechtert habe. Ein Arbeitsversuch als Kioskverkäuferin mit einem 50%
-
Pensum in den Monaten August bis Oktober 2011 habe wegen deutlicher Zunahme körperlicher Beschwerden
sowie
der psychischen Verzweiflung und der Depression abgebro
chen werden müssen. Seither liege diagnostisch konstant eine chronifizierte mittel- bis schwergradige depressive Störung (ICD-10 F33.2 / 33.11) vor. Aus
druck hiervon seien diverse stationäre Klinikaufenthalte, so jener in der
A._
vom 13. November bis 10. Dezember 2011, in der
B._
vom 30. April bis 16. Mai 2012 und im
Z._
vom 10. Juli bis 14. August 2012 sowie vom 11. Oktober bis 13. November 201
2.
Er hielt fest, die Beschwerdeführerin sei immer wieder schwer verzweifelt, deprimiert, oft ernsthaft suizidal. Sie sei schwer antriebsgestört, energielos, habe Sinnlosigkeitsgefühle, Verzweiflungszust
ä
nde
und
permanente Suizidphantasien. Sie habe Schlafstörungen, sei vital schwer eingeschränkt, leide zudem an multiplen Körperschmerzen und sei nicht fähig
,
Kontakte zu knüpfen. Er beurteile die Bes
c
hwerdeführerin wegen des anhaltenden schweren depressiven Zustandes seit November 2011 als durch
-
gehend zu 100
%
arbeits
unfähig. Dies für alle Arten leistungsorientierter Tätigkeiten, phasenweise aber auch für Tätigkeiten in einer geschützten Werkstätte. Die Prognose sei sowohl bezüglich der körperlichen Beschwerden
als auch und
vor allem des psychi
schen Zustandes sehr ungünstig. Es müsse von einer anhaltenden vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Dieser Verlauf zeige sich trotz kon
stanter stationärer und ambulanter psycho
-
therapeutischer Behandlung und trotz regelmässiger Pharmakotherapie (
Urk.
3/3).
3.
Nachdem die Anträge der Parteien insoweit gleich lauten, als beide Parteien von einer ungenügenden Abklärung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin ausgehen
,
und
da gestützt auf den
im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht
von
Dr.
Y._
und d
i
e zitierten Akten
der Sachverhalt abklärungsbedürftig
erscheint
, ist die angefochtene Verfügung vom
13. Dezember 2012
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie nach erfolgten Abklärungen über den psychischen Gesundheit
s
z
u
st
and der Beschwerdeführerin und allenfalls sich daraus ergebende
n
weitere
n
Abklärungen
erneut verfüge
.
Die Beschwerdegegnerin wird
eine gesetzeskonforme Begutachtung in die Wege zu leiten und
der Beschwerdeführerin im Rahmen der weiteren Abklärungen das rechtliche Gehör zu gewähren haben.
4
.
4
.1
Die Gerichtskosten werden gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
auf
Fr.
400.
--
angesetzt und ent
sp
rechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin auferlegt.
4
.2
De
m
unentgeltliche
n
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt T
h
omas
U.
K
. Brunner
,
ist
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen sowie unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Stundenan
-
satzes von
Fr.
200.-- und der eingereichten Honorarnote vom
1
7.
Juni
2014
(
Urk.
2
6
)
, mit welcher ein Aufwand von
9.52
Stunden und
Barauslagen
von
Fr.
67.40
ausgewiesen
werden
(
Urk.
18),
eine Prozessentschädigung zulasten der Beschwerdegegnerin in der Höhe von
Fr.
2‘129.10
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
zuzusprechen.