Decision ID: db8be66e-2acf-5d10-961f-c15fd54d61cf
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch B._,
und dieser durch Edwin Bigger, Rechtsagent, Sonnenbühlstrasse 3, 9200 Gossau,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich im Januar 2007 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung
(IV) an (IV-act. 1). Dr. med. C._, Facharzt FMH Allgemeine Medizin, bestätigte im
Bericht vom 5. März 2007 die Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eines
dementiellen Syndroms seit mindestens drei Jahren, einer hypertensiven und
koronaren Herzkrankheit und eines Diabetes mellitus mit Polyneuropathie und
Mirkoalbuminurie. Seit Januar 2004 sei der Versicherte als Chauffeur voll arbeitsunfähig
(IV-act. 11-1/17ff). Nach Durchführung von weiteren Abklärungen, insbesondere einer
Medas-Begutachtung (IV-act. 24), stellte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem
Beistand des Versicherten die Ablehnung des Rentenanspruchs in Aussicht. Dem
Valideneinkommen von Fr. 49'856.-- stellte sie nach Berücksichtigung eines
Leidensabzugs von 10 % ein Invalideneinkommen von Fr. 44'870.-- gegenüber, woraus
sich ein dem Leidensabzug entsprechender Invaliditätsgrad ergab (IV-act. 36). Nach
Eingang der Stellungnahmen des Beistands vom 18. Februar und 11. April 2008 (IV-act.
37, 40, 41) und weiteren Abklärungen verfügte die IV-Stelle am 10. Juni 2009 im Sinn
des Vorbescheids. Zur Begründung hielt sie unter anderem fest, eine mögliche
Eingliederung in den Arbeitsmarkt sei erneut geprüft worden. Nach den Unterlagen des
IV-Eingliederungsberaters sei jedoch diesbezüglich keine weitere Hilfe durch die IV
gewünscht worden. Die Eingliederungsbemühungen seien deshalb abgeschlossen
worden (IV-act. 52).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob Rechtsagent Edwin Bigger, Gossau, für den
Versicherten bzw. in Vertretung des Beistands am 6. Juli 2009 (mit Ergänzung vom 17.
August 2009) Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei für die Zeit nach Ablauf der Wartezeit bis Dezember 2007 eine
ganze IV-Rente zuzusprechen. Im Übrigen sei die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und dem
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Beschwerdeführer nach Ablauf der Wartezeit eine ganze unbefristete IV-Rente
zuzusprechen. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Zur Begründung legte der Rechtsvertreter unter
anderem dar, Ende 2005 hätten sich beim Beschwerdeführer eine zunehmende soziale
Überforderung, eine ausgeprägte Vergesslichkeit und Depressionen gezeigt. Es habe
deshalb eine Beistandsschaft angeordnet werden müssen. Der Beistand habe
feststellen müssen, dass der Beschwerdeführer mit seiner Lebensführung sowie der
Regelung seiner Angelegenheiten völlig überfordert und kaum noch zu sozialen
Kontakten fähig sei. Er habe völlig isoliert gelebt und sei mit der Strukturierung des
Tagesablaufs und dem selbständigen Wohnen und der unabdingbaren
Medikamenteneinnahme überfordert gewesen. Die Medikamenteneinnahme sei daher
täglich bei den Sozialen Diensten erfolgt. Weil sich die Situation zunehmend
verschlechtert und sich eine ambulante Beratung und Betreuung als unzureichend
erwiesen habe, sei ein geeigneter Heimplatz gesucht und im Männerheim D._
gefunden worden. Dort werde der Beschwerdeführer in der Korberei
arbeitstherapeutisch beschäftigt. Er sei offensichtlich aus medizinischen Gründen auf
eine betreute Wohnform angewiesen. Die Beschwerdegegnerin habe es bislang
unterlassen, das tatsächliche Arbeits-Leistungsvermögen des Beschwerdeführers
abzuklären. So habe sie bis dato keinen Bericht der Korberei des Männerheims D._
eingeholt und auch keine anderweitige arbeitspraktische Abklärung des objektiven
Arbeits-Leistungsvermögens durchgeführt. Auch liege kein Bericht der Stiftung
Business House über die Arbeitsleistungen des Beschwerdeführers während des
Beschäftigungsprogramms vor. Immerhin habe es sich gezeigt, dass der
Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr länger als Chauffeur
beschäftigt werden könne. Der Beginn der diesbezüglichen Arbeitsunfähigkeit sei
zumindest ab Frühling/Sommer 2005 anzunehmen. Einig seien sich die medizinischen
Gutachter sodann, dass auch für angepasste Tätigkeiten bis Dezember 2007 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % gegeben gewesen sei. Demzufolge stehe ihm nach
Ablauf der Wartefrist bis zu diesem Zeitpunkt eine volle (ganze) IV-Rente zu. Der
Beschwerdeführer müsse im Männerheim D._ rund um die Uhr betreut werden, damit
er nicht gleich wieder in einen depressiven Zustand verfalle. Er müsse dauernd zu
Medikamenteneinnahme und sozialen und häuslichen Verrichtungen angehalten
werden. Er brauche ständig Anleitung, Unterstützung und Führung. Seine
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Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit seien stark herabgesetzt. Arbeitsdruck
vermöge er nicht auszuhalten. Seine Arbeitsleistung entspreche bei Weitem nicht dem,
was gleichaltrige geistig Gesunde im Durchschnitt zu erbringen vermöchten. Dies
vermöge der Beschwerdeführer allerdings nicht selbst zu erkennen. Er überschätze
sich und seine Arbeitsleistung massiv. Der Hausarzt Dr. C._ habe bei seiner
Diagnosestellung klinische Befunde und den klinischen Verlauf berücksichtigt, indem er
fremdanamnestische Angaben des Männerheims D._ einbezogen habe. Würden der
klinische Verlauf und die Tatsache berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer schon
mehr als ein Jahr nicht unter Depressionen leide, komme man unweigerlich zum
Schluss, dass der Diagnosestellung von Hausarzt und Neurologie des Kantonsspitals
der Beweiswert der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zukomme. Wenn die Diagnose
der Medas zutreffend wäre, müsste der Beschwerdeführer aktuell in der Lage sein, die
einfachen und leichten, sich wiederholenden Arbeiten in der Korberei selbständig zu
erfüllen. Zudem müsste er aufgrund seines guten Arbeits- und Leistungswillens
imstande sein, an seinem geschützten Arbeitsplatz ein volles Arbeitspensum zu
erfüllen. Aufgrund des seitherigen klinischen Verlaufs und des unveränderten
Erscheinungsbilds des geistigen Abbaus sei davon auszugehen, dass schon im
Zeitpunkt der Medas-Begutachtung ein dementielles Syndrom vorhanden gewesen sei
und dies umso mehr im heutigen Zeitpunkt zutreffe. Die Beschwerdegegnerin bzw. der
beauftragte Eingliederungsberater hätten es trotz entsprechender Aufforderung durch
den Beistand versäumt, sich beim Männerheim D._ über Arbeitsleistungen und
Einschränkungen des Beschwerdeführers zu erkundigen. Selbst wenn der
Beschwerdeführer in einer leichten angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig wäre, was
bestritten und durch die hausärztliche Beurteilung unter Berücksichtigung der Angaben
der Korberei im Männerheim widerlegt werde, sei der von der Beschwerdegegnerin
angenommene Invaliditätsgrad von 10 % zu gering.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 22. September 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung hielt sie im
Wesentlichen fest, so hilflos, wie ihn Beistand und Rechtsvertreter darstellen wollten,
sei der Beschwerdeführer offenbar gar nicht. So sei er bei der Medas Bern im
Dezember 2007 pünktlich und ohne Begleitung erschienen (IV-act. 24-16/36). Der
Hausarzt habe sich von Anfang an wie der Anwalt des Beschwerdeführers verhalten
und eine Vollberentung gefordert. Auf seine Aussagen über die Arbeitsfähigkeit könne
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somit nicht abgestellt werden. Das Medas-Gutachten sei umfassend. Es sei nicht
einzusehen, warum darauf nicht abgestellt werden könne. Selbst unter
Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 25 % bestehe kein Rentenanspruch.
B.c Am 25. September wurde die unentgeltliche Prozessführung für das Verfahren vor
dem Versicherungsgericht bewilligt.
B.d Mit Replik vom 24. Oktober 2009 (act. G 8) hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an seinem Standpunkt fest und legte unter anderem dar,
angesichts der erheblichen Einschränkungen des Beschwerdeführers im
lebenspraktischen Bereich genüge eine blosse Eingliederungsberatung nicht. Allein
damit werde keine berufliche Eingliederung gelingen. Dies habe der Beistand seinerzeit
zum Ausdruck bringen wollen. Gegen adäquate und zielführende
Eingliederungsmassnahmen hätten weder der Beschwerdeführer noch der Beistand
etwas einzuwenden. Der Beschwerdeführer sei zwar in der Lage gewesen, sich ohne
Begleitung bei der Medas in Bern einzufinden. Immerhin habe aber sichergestellt
werden müssen, dass er diesen Termin wahrnehme und er sich zur rechten Zeit auf
den Weg mache. Die Vorsprache bei der Medas ohne Begleitung ändere nichts daran,
dass der Beschwerdeführer vielfältiger Hilfe und Unterstützung bedürfe.
B.e In der Duplik vom 5. November 2009 bestätigte die Beschwerdegegnerin ihren
Antrag und ihre Ausführungen (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob beim Beschwerdeführer ein gesundheitliches Leiden besteht, das ihn in
seiner Arbeits- und Erwerbsfähigkeit langdauernd beeinträchtigt, so dass ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert (Art. 6 bis 8 und 16 ATSG in Verbindung
mit Art. 4 und 28 IVG in der ab 1. Januar 2008 gültigen Fassung). Als Gesunder wäre er
nach Lage der Akten vollzeitlich erwerbstätig, weshalb sich die Invalidität durch
Einkommensvergleich bemisst (Art. 16 ATSG). Unter Invalidität wird die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung
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der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer war (ohne berufliche Ausbildung) bis 2002 als Chauffeur
(Kat. B) bzw. Maschinist tätig; die letzte Festanstellung verlor er aus wirtschaftlichen
Gründen. In den Jahren 2003 und 2004 bezog er Arbeitslosenentschädigung. Von
Dezember 2004 bis November 2005 arbeitete er als Chauffeur in einem befristeten
Beschäftigungsprogramm des H._ (IV-act. 6, 8, 24-21/36, 24-29/36, 30). Seit Juni
2007 lebte er im Männerheim D._ und steht seit September 2007 unter
Beistandschaft (IV-act. 14, 17, 29). - Der Kardiologe Dr. med. E._ hatte am
22. November 2006 berichtet, aufgrund der Befunde und der kardialen
Beschwerdefreiheit sei der Beschwerdeführer aus kardiologischer Sicht arbeits- und
vermittlungsfähig und fahrtauglich für die üblichen Führerscheinkategorien, nicht aber
in einer erhöhten Verantwortung (Lastwagen). Er werde dies gegenüber dem
Strassenverkehrsamt so formulieren und die bisherigen Auflagen bestätigen (IV-act.
11-16/17). Eine psychologisch-neuropsychologische Untersuchung im Kantonsspital
St. Gallen, Neurologie, ergab gemäss Berichten vom 14. Dezember 2006 und 18.
Januar 2007 das Vorliegen leichter bis mittelschwerer kognitiver Störungen sowie die
Erforderlichkeit weiterer Abklärungen. Die beschriebene Verwahrlosung und der soziale
Rückzug seien aus neuropsychologischer Sicht nicht allein durch die kognitiven
Störungen erklärbar. Es sei anzunehmen, dass eine depressive oder sonstige
psychische Komponente mitbeteiligt sei, was noch genauer zu explorieren sei. Ein Teil
der beschriebenen Defizite sei möglicherweise vorbestehend. Der Beschwerdeführer
bestätige, dass bereits im Kindesalter eine Legasthenie und eine Dyskalkulie bestanden
hätten (IV-act. 11-9/17, 11-13/17). In weiteren Berichten des Kantonsspitals vom 6.
Februar, 1. März und 13. März 2007 wurde unter anderem festgehalten, in der
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Zusammenschau der Befunde sei am ehesten von einer beginnenden vaskulären
Demenz (Diagnose: dementielles Syndrom) auszugehen. Nach seiner
Selbsteinschätzung sei der Beschwerdeführer "nicht depressiv". Zur Arbeitsfähigkeit
nahmen die Ärzte des Kantonsspitals keine Stellung (IV-act. 11-7/17, 12-1/9ff,
12-6/9ff). Im Bericht vom 5. März 2007 bescheinigte Dr. C._ aufgrund der
medizinischen Störung mit dem dementiellen Syndrom eine volle Arbeitsunfähigkeit
seit ca. Januar 2004. Unter Anleitung könnte der Beschwerdeführer leichte Arbeiten zu
10-15 % begleitet und geführt ausführen (IV-act. 11-1/17ff).
2.2 Eine interdisziplinäre Medas-Begutachtung (neurologisch/neuro-psychologisch/
psy-chiatrisch) ergab gemäss Bericht vom 21. Dezember 2007 die Diagnosen einer
diabetischen Polyneuropathie, einer weitgehend remittierten mittelschweren bis
schweren depressiven Episode mit somatischem Syndrom und "Pseudodemenz", jetzt
neurologisch nicht mehr objektivierbar, einer hypertensiven und koronaren
Herzkrankheit und eines Diabetes mellitus Typ II. Die Gutachter kamen unter anderem
zum Schluss, dass die Ergebnisse der neurologischen, neuropsychologischen und
psychiatrischen Untersuchungen klar gegen eine dementielle Entwicklung sprechen
würden. Derzeit liessen sich keine wesentlichen und leistungsrelevanten kognitiven
Defizite feststellen. Aus neurologischer Sicht habe sich einzig eine Polyneuropathie
feststellen lassen, die höchstwahrscheinlich eine Folge des Diabetes mellitus Typ II
darstelle und gewisse qualitative Auswirkungen auf das berufliche Leistungsvermögen
habe. Für die Frage, ob eine Demenz vorliege oder nicht, seien letztlich immer die
klinischen Befunde und der klinische Verlauf entscheidend, und nicht die Ergebnisse
der apparativ-technischen Hilfsmittel wie z.B. der Bildgebung. Deshalb lasse ein
pathologischer Befund (Glioseherde), wie er sich beim Beschwerdeführer in der
bildgebenden Untersuchung des Gehirns (MRT) präsentiert habe, nicht ohne weiteres
auf eine krankheitswertige zerebrale Störung schliessen; selbst dann nicht, wenn der
Befund als "deutlich über das Altersmass hinaus gehend" beschrieben werde.
Natürlich könne eine Progredienz solcher vaskulär bedingter zerebraler Läsionen im
Verlauf der nächsten Jahre nicht ausgeschlossen werden. Prognostisch könne aber
kaum vorausgesagt werden, ob in Zukunft mit der Entwicklung einer klinisch relevanten
Enzephalopathie zu rechnen sei. Es sei anzunehmen, dass einerseits die antidepressive
Therapie, anderseits die Stabilisierung der Lebenssituation (betreutes Wohnen) zur
Remission der Depression beigetragen habe. Zurückgeblieben sei eine auffällige
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Unselbständigkeit in persönlichen und häuslichen Angelegenheiten, was sicher nicht
nur mit der durchgemachten affektiven Störung, sondern wesentlich auch mit einer
schon prämorbiden "Unreife" in diesem Bereich assoziiert sein dürfte. Der
Beschwerdeführer habe - wie er auch selbst bemerkt habe - nie gelernt, "für sich
selber" zu sorgen, nachdem er bis zum 32. Altersjahr von der Mutter und danach von
der Ehefrau versorgt worden sei. Diese "Unreife" erstrecke sich jedoch nicht auf seine
beruflichen Tätigkeiten und beeinträchtige die Leistungsfähigkeit als Chauffeur nicht.
Aus medizinischer Sicht sei eine betreute Wohnform weiterhin angezeigt. Die vom
Hausarzt im Bericht vom 5. März 2007 vorgenommene Leistungseinschätzung sei aus
heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar, habe sich doch der Gesundheitszustand
inzwischen entscheidend verbessert (Remission des depressiven Zustands und der
damit einhergehenden kognitiven Funktionsstörungen). Im Weiteren könne auf die
Ergebnisse der kardiologischen Kontrolluntersuchungen vom November 2006
abgestützt werden, nachdem seit diesem Zeitpunkt keine neuen kardialen
ischämischen Ereignisse aufgetreten seien und der Beschwerdeführer selbst keine
Verschlechterung hinsichtlich der Angina pectoris geltend mache. Die angestammte
Tätigkeit als Berufschauffeur (auch für kleine Lastwagen bis 3.5 Tonnen) sei aus
kardiologischer Sicht und auch wegen der Polyneuropathie dauerhaft nicht mehr
zumutbar. Die Beeinträchtigungen liessen sich durch weitere medizinische
Massnahmen kaum noch vermindern. Eine Weiterführung der antidepressiven
Medikation für etwa drei bis sechs Monate sei angezeigt, um das Risiko eines Rückfalls
zu verkleinern. Eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit von 100% für die
bisherige Tätigkeit liege seit November 2005 vor. Die vom Hausarzt vorgenommene
Rückdatierung bis in den Januar 2004 lasse sich aus heutiger Sicht schwer
nachvollziehen, erscheine jedoch wenig plausibel, da der Beschwerdeführer noch bis
November 2005 als Chauffeur tätig gewesen sei, auch wenn parallel dazu schon
Störungen der sozialen Funktionen aufgetreten seien. Für angepasste Tätigkeiten habe
ebenfalls seit November 2005 eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, dies wegen
der sich in dieser Zeit immer stärker manifestierenden depressiven Entwicklung. Das
Leistungsprofil für angepasste Tätigkeiten gelte ab dem Zeitpunkt der Begutachtung.
Der Beschwerdeführer könne eine Reihe angepasster leichter, seinem schulischen
Hintergrund angepasste Tätigkeiten mit vollem zeitlichen Pensum an fünf Tagen die
Woche ausüben. Aufgrund der diabetischen Polyneuropathie seien körperlich schwere
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Arbeiten, z.B. auf dem Bau, auf Gerüsten, Leitern sowie lange Gehstrecken zu
vermeiden. Auch sollte die Tätigkeit nicht ausschliesslich stehend ausgeübt werden
müssen. Wegen der Kardiopathie seien körperlich schwere Tätigkeiten
ausgeschlossen. Der Beschwerdeführer sei ausreichend eingliederungsfähig.
Berufliche Massnahmen im Sinn von Stellenvermittlung könnten ab sofort durchgeführt
werden. Eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft sei zumutbar. Die Umsetzbarkeit hänge
nicht von medizinischen Gesichtspunkten ab (IV-act. 24 S. 23-26).
2.3 Die RAD-Ärztin Dr. med. F._ hielt am 16. Januar 2008 fest, das Medas-
Gutachten sei umfassend, kohärent, in sich widerspruchsfrei und nachvollziehbar (IV-
act. 25). Am 29. Januar 2008 teilte der Beistand des Beschwerdeführers mit, dieser
müsse rund um die Uhr betreut werden (IV-act. 28). Im Schlussbericht der
Eingliederungsberatung vom 11. Februar 2008 wurde die Eingliederung
(Arbeitsvermittlung) wegen fehlender subjektiver Eingliederungsfähigkeit als
abgeschlossen erklärt (IV-act. 30). Am 13. Februar 2008 bestätigte die RAD-Ärztin ihren
Standpunkt (IV-act. 32). In zwei Stellungnahmen vom 11. April 2008 hielt der Beistand
des Beschwerdeführers fest, der Beschwerdeführer habe in seinem Leben viele
Schwierigkeiten gehabt und man könne ihm einen ungesunden Lebenswandel
vorwerfen. Arbeitsscheu sei er jedoch nie gewesen, und eine berufliche Eingliederung
sollte realisiert werden können. Im Medas-Gutachten fehle eine Fremdanamnese. Es
sei nicht so, dass er eine vorübergehende schwere depressive Störung ohne
bleibenden Schaden habe überwinden können. Auch treffe nicht zu, dass die
nachträgliche Rückdatierung der 100%igen Arbeitsunfähigkeit durch den Hausarzt auf
den 1. Januar 2004 nicht nachvollziehbar sei, weil der Beschwerdeführer bis Oktober
2005 als Chauffeur gearbeitet habe. Er sei hier in einem Arbeitsprogramm für
Langzeitarbeitslose beschäftigt gewesen. Er habe immer arbeiten wollen, und die
Arbeit sei sein ganzer Stolz gewesen. Der Lohn sei dem Programmanbieter vom
Sozialamt voll entschädigt worden. Da sei es rasch geschehen, dass man
Veränderungen in der Vermittelbarkeit nicht wahrnehme, weil der Beschwerdeführer
nachgehend betreut worden sei. Sodann würden die Gutachter eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% auch für angepasste Tätigkeiten bis zur Begutachtung im Dezember 2007
für gegeben erachten und feststellen, dass das neue "Leistungsprofil" (90%
arbeitsfähig für angepasste Arbeiten) ab dem Zeitpunkt des Gutachtens festgestellt
werden könne. Das sei eine sensationelle gesundheitliche Karriere. Die Gutachter
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würden den Beschwerdeführer als praktisch uneingeschränkt arbeitsfähig bezeichnen,
obschon er (gemäss ihrer Feststellung) gleichzeitig stationär betreut werden müsse.
Der Eingliederungsberatung sei nochmals ein Auftrag zu erteilen (IV-act. 40). Für den
Fall, dass ein Rentenentscheid gefällt werde, sei festzuhalten, dass Menschen mit einer
psychischen Beeinträchtigung wie der Beschwerdeführer deutlich tiefer entlöhnt
würden als gesunde Arbeitnehmende. Mit seinem psychischen Leiden stelle er hohe
Anforderungen an die Toleranz von Mitarbeitenden und an die Führung durch
Vorgesetzte. Er bedürfe im Rahmen einer Beschäftigung einer ständigen Betreuung
und wohlwollenden Unterstützung. Ohne dauernde stationäre Betreuung sei eine
Beschäftigung leidensbedingt praktisch ausgeschlossen. Dementsprechend sei die
Verwertung der theoretischen Teilarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers deutlich in
Frage gestellt und derzeit sicher nicht im Umfang von 90% möglich. Er bedürfe
dringend der Vorbereitung auf eine berufliche Eingliederung im Rahmen von
Integrationsmassnahmen. Vom Invalideneinkommen sei zumindest ein Abzug von 25%
vorzunehmen (IV-act. 41).
2.4 Am 16. Mai 2008 hielt RAD-Arzt Dr. med. G._ unter anderem fest, die Prüfung
von Eingliederungsmassnahmen werde im Rahmen der (medizinischen)
Einschränkungen befürwortet (IV-act. 42). Im Protokoll des IV-Eingliederungsberaters
wurde am 20. Januar 2009 unter anderem vermerkt, dass der Beschwerdeführer keine
Möglichkeit für eine Arbeitsstelle in der freien Wirtschaft sehe. Im D._ gefalle es ihm
sehr gut, da er ohne Druck arbeiten könne. Er sei dort auch gut betreut. Sein Ziel sei
es, wieder alleine zu leben in einer eigenen Wohnung. Am 26. Januar 2009 hielt der IV-
Eingliederungsberater fest, aus seiner Sicht könne der Beschwerdeführer leichte
Arbeiten ohne grossen Zeitdruck verrichten. Dies beweise er im D._, wo er seit
geraumer Zeit am Korbflechten sei. Er fühle sich nicht wohl im ersten Arbeitsmarkt, da
der Druck überall zu gross sei. Er und sein Beistand wünschten keine
Arbeitsvermittlung, sondern die Rentenprüfung. Der Beschwerdeführer sei
handwerklich geschickt, ausdauernd und könne selbständig arbeiten; die Feinmotorik
sei auch gut. Der "Fall" sei abzuschliessen (IV-act. 46, 47). Dr. C._ berichtete am 12.
Mai 2009, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei stationär bei
gleichgebliebener Diagnose. Er brauche nach wie vor eine ständige Betreuung für seine
sozialen und medizinischen Bedürfnisse (IV-act. 50). Dr. G._ hielt am 9. Juni 2009
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fest, es sei (bei unveränderter Situation) weiterhin am Ergebnis der Medas-Abklärung
festzuhalten (IV-act. 51).
3.
3.1 Die psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht
ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch
immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-
psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der
Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von
medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag (BGE 124 I 175 Erw. 4; Urteil des
Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG]
vom 13. Juni 2001 [I 506/00]) kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ-
oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer
Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen
Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten abweichenden
Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich lediglich dann, wenn die behandelnden
Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche im Rahmen der
psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet sind, zu einer
abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 13. März 2006 [I
676/05] Erw. 2.4). Sodann lassen sich psychosoziale und soziokulturelle Faktoren oft
nicht klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. Trotzdem können solche
äusseren Umstände nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen im Sinn des
Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche Invaliditätsbegriff selber klar
zwischen der versicherten Person als Trägerin des (invalidisierenden)
Gesundheitsschadens und der durch ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit
unterscheidet. Infolgedessen können psychische Störungen, die durch soziale
Umstände verursacht werden und bei Wegfall der Belastungsfaktoren wieder
verschwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Je stärker psychosoziale oder
soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das
Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine davon zu
unterscheidende fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert
vorhanden sein (BGE 127 V 294 Erw. 5a). Nur wenn und soweit psychosoziale und
soziokulturelle Faktoren einen derart verselbständigten Gesundheitsschaden
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aufrechterhalten oder seine - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen
bestehenden - Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_578/2007 vom 13. Februar 2008, Erw. 2.2 in
fine mit Hinweisen). In diesem Sinn werden Wechselwirkungen zwischen sich
körperlich und psychisch manifestierenden Störungen und der sozialen Umwelt
berücksichtigt, wenn auch bedeutend weniger stark als nach dem bio-psycho-sozialen
Krankheitsmodell (SVR 2008 IV Nr. 6 S. 15 Erw. 5.4; Urteil des Bundesgerichts
9C_830/2007 vom 29. Juli 2008, Erw. 4.2).
Die Medas-Gutachter gingen aufgrund der Vorgeschichte davon aus, dass die 2006
neuropsychologisch objektivierbaren kognitiven, vor allem mnestischen Störungen
durch eine psychiatrische Affektion, nämlich eine depressive Störung, verursacht
worden seien: Die anamnestischen Daten würden darauf schliessen lassen, dass sich
diese in den letzten drei bis vier Jahren in engem Zusammenhang mit der Trennung
und Scheidung (und der rund zwei Jahre zuvor erlebten Kündigung aus wirtschaftlichen
Gründen) entwickelt habe. Der Beschwerdeführer habe sich sozial zurückgezogen,
habe Termine nicht mehr wahrgenommen und habe Zeichen der Verwahrlosung
gezeigt. Das syndromale Erscheinungsbild lasse sich am besten einer mindestens
mittelschweren, wenn nicht schweren depressiven Episode (mit somatischem
Syndrom) zuordnen. Schwere depressive Zustände würden häufig von erheblichen
geistigen Beschwerden, vor allem Konzentrations- und Gedächtnisstörungen begleitet,
die so ausgeprägt sein könnten, dass sie kaum von einer dementiellen Entwicklung zu
unterscheiden seien. Man spreche in diesen Fällen von "Pseudodemenz". Klagen über
geistige Beschwerden und das klinische Erscheinungsbild eines "geistigen Abbaus"
könnten dann sogar im Vordergrund stehen und die "klassischen"
Depressionssymptome überdecken. Aktuell liessen sich im Rahmen der
psychiatrischen Untersuchung keine relevanten depressiven Zeichen mehr feststellen,
was sich mit den Angaben des Beschwerdeführers decke, der ein Abklingen der
depressiven Beschwerden seit der Etablierung einer medikamentösen Behandlung in
den letzten zwei Monaten beschreibe (IV-act. 24 S. 23f).
Bereits anlässlich der psychologisch-neuropsychologischen Untersuchung am
Kantonsspital vom Frühjahr 2007 liessen sich die Verwahrlosung und der soziale
Rückzug nicht mit den kognitiven Störungen allein erklären. Vielmehr wurde als
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Ursache eine depressive oder sonstige psychische Komponente vermutet (IV-act.
11-13/17). Diese Vermutung wurde von den Medas-Gutachtern bestätigt. Im Weiteren
können unter anderem psychische Probleme zu einer Störung der Aufmerksamkeit und
zur Beeinträchtigung anderer kognitiver Funktionen führen (B.P. Radanov, Über den
Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten nach Halswirbelsäulen-
Distorsion, SZS 1996, 471ff, 473). Die Neuropsychologie vermag es dementsprechend
nicht, selbständig die Beurteilung einer Genese abschliessend vorzunehmen (vgl. BGE
119 V 341 Erw. 2b/bb; Entscheid des Versicherungsgerichts vom 29. März 2001 [IV
1998/305] S. 12). Anderseits lässt sich jedoch aus dem Umstand, dass der
Beschwerdeführer gegenüber den Medas-Gutachtern das Abklingen der depressiven
Beschwerden beschrieb, nichts ableiten, denn er hatte sich bereits Anfang 2007
gegenüber den Ärzten des Kantonsspitals als "nicht depressiv" eingeschätzt (IV-act.
12-7/9). Seine Selbsteinschätzung erscheint damit nicht ohne Weiteres verwertbar.
3.2 Die Medas-Gutachter bescheinigten eine auffallende Unselbständigkeit des
Beschwerdeführers in persönlichen und häuslichen Dingen und leiteten daraus implizit
ab, dass die betreute Wohnform weiterhin angezeigt sei. Sie verneinten jedoch eine
durch diese Unselbständigkeit hervorgerufene Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit
in einer beruflichen Tätigkeit (IV-act. 24 S. 24). Der Beistand des Beschwerdeführers
erklärte diesbezüglich, die Betreuung sei "rund um die Uhr" notwendig. Er
beanstandete die fehlende Fremdanamnese (vgl. IV-act. 24-13/36) im Medas-
Gutachten. Diese würde aufzeigen, dass seit Jahren ein langsamer Prozess laufe, in
welchem die Arbeitsfähigkeit immer mehr zurückgegangen sei. Eine irreversible
Veränderung sei in einem einzigen Gespräch sehr schwer feststellbar. Der
Beschwerdeführer müsse zur Medikamenteneinnahme angehalten werden. Er erreiche
in der Korberei an einem geschützten Arbeitsplatz eine Leistung von weniger als 50%,
und wenn er versuchsweise gefordert werde, reagiere er sofort mit Migräne und
weiteren Störungen. Es bestehe kein Zweifel, dass er dauernd auf die Heimbetreuung
angewiesen sein werde. Er wirke in seinem Verhalten überaus kindlich, aber auch
schwammig und wenig gefühlsdifferenziert. Die psychische und soziale Entwicklung
seit dem Verlust des letzten Arbeitsplatzes (2002) und der Scheidung seien für ihn
traumatisch gewesen. Es sei nicht so, dass er eine vorübergehende schwere
depressive Störung ohne bleibenden Schaden habe überwinden können (IV-act. 28,
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40). Diese Darlegungen bestätigte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in
diesem Verfahren (act. G 1).
Auch wenn der Beistand des Beschwerdeführers die gesundheitliche Situation nicht als
(medizinische) Fachperson beurteilen konnte, so wäre es doch angezeigt gewesen,
seine Aussagen zur Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers bei der von ihm
ausgeübten Tätigkeit (weniger als 50% in geschütztem Rahmen) durch Einholung eines
Berichts beim Männerheim D._ zu klären. Dies umso mehr, als auch der Hausarzt Dr.
C._ am 12. Mai 2009 - und damit noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung -
bescheinigte, der Beschwerdeführer müsse für sämtliche Verrichtungen instruiert
werden. Eine selbständige Ausführung einer Tätigkeit sei nicht möglich. Kleinere
leichtere Arbeiten unter Anleitung und unter Aufsicht könne er ausführen. Er werde
dazu täglich instruiert. Der zeitliche Rahmen betrage ca. 2 Stunden pro Halbtag, wobei
mit einer sehr verlangsamten Arbeitsweise zu rechnen sei. Die Leistungsfähigkeit sei
durch die Geschwindigkeit sowie auch durch die Genauigkeit massiv herabgesetzt, so
dass nur begleitetes Arbeiten möglich sei (IV-act. 50).
3.3 Die Medas-Gutachter bestätigten in der Zeit von November 2005 bis Dezember
2007 (Begutachtungs-Datum) eine volle Arbeitsunfähigkeit auch in einer adaptierten
Tätigkeit und für die Zeit danach eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Dieser
Übergang von voller Arbeitsunfähigkeit zu voller Arbeitsfähigkeit mit dem Zeitpunkt der
Begutachtung erscheint angesichts der geschilderten Verhältnisse insofern zumindest
erklärungsbedürftig, als eine Zustandsverbesserung lediglich in dem Mass
dokumentiert ist, als die Wohn- und Arbeitssituation nach Lage der Akten zur
Stabilisierung der Gesundheitssituation des Beschwerdeführers beigetragen habe. Die
Annahme einer uneingeschränkten Einsetzbarkeit des Beschwerdeführers an einem
Arbeitsplatz auf dem in Betracht fallenden Arbeitsmarkt von einem Tag auf den
anderen ist damit noch nicht begründet; sie steht auch mit den übrigen medizinischen
Akten nicht in Einklang. Der geltend gemachte Umstand, dass sich trotz Abklingen der
Depression nichts an der eingeschränkten (kognitiven) Leistungsfähigkeit geändert
habe, was für ein dementielles Syndrom spreche (act. G 1 S. 9), lässt sich aufgrund der
vorliegenden Aktenlage nicht ohne weiteres widerlegen. Entgegen der Auffassung der
Medas-Gutachter (IV-act. 24 S. 25) lässt sich sodann der vom Hausarzt Dr. C._ auf
Januar 2004 angesetzte Beginn der Arbeitsunfähigkeit (zumindest teilweise) damit
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erklären, dass es sich bei der vom Beschwerdeführer von Dezember 2004 bis
November 2005 ausgeübten Tätigkeit bei der Stiftung H._ (IV-act. 8) um einen
Arbeitsplatz im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms in geschütztem Rahmen
gehandelt hatte. Der Lohn von Fr. 2'800.-- pro Monat, welcher der Arbeitsleistung
entsprochen haben soll (IV-act. 8), wurde dem Programmanbieter zudem offenbar vom
Sozialamt voll vergütet (IV-act. 40). Ein Bericht der Stiftung H._ über die Tätigkeit des
Beschwerdeführers liegt - abgesehen vom Arbeitgeber-Fragebogen - nicht vor, so dass
sich die dort erbrachte effektive Leistung nicht abschätzen lässt. Jedenfalls lässt sich
nicht einfach eine uneingeschränkte Leistung unterstellen. Mit der von der Medas
gewählten Begründung kann ein Beginn der Arbeitsunfähigkeit per November 2005
somit nicht belegt werden.
Das Medas-Gutachten überzeugt inhaltlich überdies insofern nicht, als kein Bericht des
Männerheims D._ - als Wohn- und Arbeitsort des Beschwerdeführers im streitigen
Zeitraum - in die Beurteilung mit einbezogen wurde. Wenn, wie die Medas-Gutachter
schreiben, die klinischen Befunde und der klinische Verlauf (und nicht apparative
Messungen) massgebend sind (IV-act. 24-23/36), so sind auch Feststellungen von
betreuenden/arbeitgebenden Institutionen einzubeziehen, da auch sie die tatsächliche
("klinische") Situation zu erhellen vermögen. Ein Bericht des Männerheims D._ wird
daher noch einzuholen und die Sache den Medas-Gutachtern zur erneuten Beurteilung
vorzulegen sein. Die Medas-Gutachter äusserten sich zudem - wie der
Beschwerdeführer zu Recht geltend machen lässt (act. G 1 S. 7) - soweit ersichtlich nur
zur Funktion des Langzeitgedächtnisses. Zum Kurzzeitgedächtnis liegen keine
Feststellungen vor (vgl. IV-act. 24-16/36 oben). Der Beschwerdeführer lässt in diesem
Zusammenhang ausführen, gerade sein Kurzzeitgedächtnis sei ganz erheblich
beeinträchtigt, so dass er bei seiner arbeitstherapeutischen Beschäftigung in der
Korberei täglich über seine Arbeiten instruiert werden müsse (act. G 1 S. 7 mit Hinweis
auf den Bericht von Dr. C._ vom 12. Mai 2009 [IV-act. 50-2/2]). Auch zu diesem
Punkt werden die Medas-Gutachter noch Stellung zu nehmen haben. Schliesslich ist
festzuhalten, dass vorliegend der Zeitraum bis 10. Juni 2009 (Datum der
angefochtenen Verfügung) in Frage steht. Mit Blick darauf, dass auch die Medas-
Gutachter eine Progredienz der vaskulär bedingten lakunären zerebralen Läsionen im
Verlauf der Folgejahre nicht ausschlossen (IV-act. 24-23/36), erscheint auch aus
diesem Grund eine weitere Abklärung (des zwischenzeitlichen Verlaufs) gerechtfertigt.
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3.4 Wie auch immer das Resultat der erneuten Abklärung lauten wird, stellt sich
vorliegend die Frage des befristeten Rentenanspruchs. Mit dem Ablauf des
sogenannten Wartejahrs entsteht - unabhängig davon, ob eine berufliche Eingliederung
begonnen oder abgeschlossen wurde - ein Rentenanspruch. Der für die "vorläufige"
Invalidenrente massgebende Invaliditätsgrad wird durch einen sich auf die
Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf (Art. 6 ATSG) stützenden Einkommensvergleich
ermittelt (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts vom 14. Januar 2010 i/S P. [IV
2008/254] Erw. 4.4). Die Medas-Gutachter bescheinigten die von ihnen festgestellte
volle Arbeitsfähigkeit wie erwähnt sowohl in der bisherigen als auch in einer adaptierten
Tätigkeit mit Beginn ab November 2005. Das Wartejahr wäre somit, ausgehend von der
Taxierung durch die Medas-Gutachter, im November 2006 abgelaufen, wobei jedoch
wie dargelegt deren Begründung für diesen Arbeitsunfähigkeits-Beginn nicht
überzeugt. Auch hierzu werden die Medas-Gutachter mit Blick auf die vorstehenden
Ausführungen noch Stellung zu nehmen und den Arbeitsunfähigkeitsbeginn zu
überprüfen haben. Ein befristeter Rentenanspruch für die Zeit vor der Medas-
Begutachtung ist unter diesen Gegebenheiten auf jeden Fall näher zu prüfen.
3.5 Der Beschwerdeführer lässt geltend machen, seine Arbeitsfähigkeit sei auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwertbar (act. G 1). Bei der Frage der
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf nicht von realitätsfremden
Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer zumutbaren
Tätigkeit dort nicht gesprochen werden, wo diese nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines Arbeitgebers möglich wäre und
das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum vornherein als ausgeschlossen
erscheint. Allerdings beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarkts nicht nur
ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen,
sondern bezeichnet einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer
verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten
beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen
Einsatzes (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Dezember 2003 [I 349/01] mit Hinweisen ).
Nach der Rechtsprechung darf aber beispielsweise auf eine medizinisch-theoretische
Restarbeitsfähigkeit von 50% nicht abgestellt werden, wenn sie praktisch nicht
ausgenützt werden kann (vgl. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
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Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Auflage, S.
115 und 116, mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2007 [I 304/06],
Erw. 4.1 und 4.2; zur Frage der sozialpraktischen Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 12. Oktober 2004 [I 299/04], Erw. 4.3.1 mit
Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin nahm zur Frage der Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit keine
Stellung. Nach Vorliegen des Resultats der ergänzenden medizinischen Abklärungen
und nach erneuter Festlegung der Arbeitsfähigkeit wird auch diese Frage zu erörtern
sein.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde in dem dahingehend
gutzuheissen, dass die Sache zur weiteren Abklärung (Einholung eines Berichts beim
Männerwohnheim D._ sowie der Stiftung H._ und anschliessende
Gutachtenergänzung, gegebenenfalls auch Durchführung einer beruflichen Abklärung,
sowie erneute Rentenprüfung, gegebenenfalls Prüfung eines befristeten
Rentenanspruchs) und zu entsprechender neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Mit Blick auf das Obsiegen des Beschwerdeführers hat die
Beschwerdegegnerin die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
4.3 Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens, welcher für die Festlegung der
Parteientschädigung als volles Obsiegen gilt, hat der Beschwerdeführer Anspruch auf
Parteientschädigung gegenüber der Beschwerdegegnerin (Art. 61 lit. g ATSG).
Ausgehend von der in vergleichbaren Fällen praxisgemäss zugesprochenen
Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer mit diesem
Betrag zu entschädigen.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP