Decision ID: 1e685578-4ec6-50a0-a120-53a166ed9344
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Gabriele Sturm, Signalstrasse 17, Postfach 529,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 11. Mai 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an und
beantragte eine Umschulung auf eine neue Tätigkeit sowie eine Rente (vgl. IV-act. 1).
Sein letztes Arbeitsverhältnis bei der B._ AG hatte die Arbeitgeberin wegen schweren
persönlichen Drohungen per 30. April 2007 gekündigt, ihn am 14. Februar 2007 per
sofort von der Arbeit freigestellt und gegen ihn Strafanzeige eingereicht (vgl. IV-act. 11).
Anlässlich einer Standortbestimmung mit dem Eingliederungsberater der IV vom 29.
Mai 2007 machte der Versicherte geltend, seit 2001 gesundheitliche Probleme zu
haben. Er sei sehr vergesslich, könne sich nicht gut konzentrieren, sei depressiv, voller
Spannungen, sehr reizbar und habe eine chronische Psychose. Er werde zurzeit von
der Bewährungshilfe, Herr C._, betreut (vgl. IV-act. 8). Gemäss Arztbericht vom
7. August 2007 stellte der behandelnde med. pract. D._, Psychiatrisches Zentrum
E._, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: eine rezidivierende
depressive Störung seit Juni 2002, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F61.0) mit kränkbaren, paranoiden und dissozialen Zügen seit der Jugend
sowie Störungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum sonstiger
psychotroper Substanzen, schädlicher Gebrauch, seit 1997, gegenwärtig abstinent
(ICD-10 F19.19). Beim Versicherten werde seit 21. März 2007 eine
Gesprächspsychotherapie inklusive medikamentöser Therapie durchgeführt. Ab
Behandlungsbeginn bestehe für seine bisherige Tätigkeit eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Eine ergänzende medizinische Abklärung bei einer MEDAS sei
angezeigt (vgl. IV-act. 14-1ff.). Dem Arztbericht lag auch ein Bericht vom 5. Juni 2007
über eine testpsychologische Untersuchung des Versicherten im Mai 2007 im
Psychiatrischen Zentrum E._ bei. Die Psychologin lic. phil. F._ beurteilte darin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aufgrund der Testung die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit des Versicherten als
aktuell stark reduziert auf dem Niveau einer Intelligenzminderung. Es lägen hoch
auffällige Befunde vor, die diagnostisch schwer einzuordnen seien (IV-act. 14-9ff.).
A.b Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) empfahl am 16. November 2007 eine
psychiatrische Begutachtung des Versicherten (IV-act. 15-2). Wegen einer längeren
Auslandabwesenheit des Versicherten konnte diese Begutachtung nicht wie
vorgesehen im Januar 2008, sondern erst im November 2009 stattfinden (vgl. IV-act. 22
bis 31). Im Gutachten vom 24. Juli 2010 hielt Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) mit kränkbaren paranoiden und
dissozialen Zügen seit der Jugend fest. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit wurden die Störung durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum
sonstiger psychotropischer Substanzen, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F19.19),
gegenwärtig abstinent, sowie die rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F 33.11),
gegenwärtig remittiert, aufgeführt. Die diagnostische Einordnung des Leidens des
Versicherten erscheine nicht ganz einfach. Aufgrund der komplexen Befundlage mache
es am ehesten Sinn, sich der Diagnose des Psychiatrischen Zentrums E._
anzuschliessen. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hilfsarbeiter bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 70 bis 100% (IV-act. 45).
A.c Gestützt auf eine Observation des Bruders des Versicherten durch einen anderen
Versicherer und weil eine aktuelle fachärztliche Behandlung nicht mehr stattfand,
schöpfte die IV-Stelle den Verdacht, der Versicherte simuliere seine Arbeits- und
Funktionsunfähigkeit. Sie ordnete daher eine Observation des Versicherten an, welche
in der Zeit vom 4. November bis 18. Dezember 2010 stattfand. Gestützt auf den
Ermittlungsbericht vom 24. Januar 2011 (IV-act. 64) kam RAD-Arzt Dr. med. H._
zunächst zur Feststellung, der Versicherte sei an einem angepassten Arbeitsplatz, wo
man wohl auf eine gewisse Reizbarkeit Rücksicht zu nehmen hätte, voll arbeitsfähig
(IV-act. 65-3). Mit Vorbescheid vom 21. April 2011 teilte hierauf die IV-Stelle dem
Beschwerdeführer mit, sein Antrag auf Invalidenrente werde abgelehnt (IV-act. 70f.).
Dagegen erhob der Versicherte zusammen mit seinem Hausarzt Dr. med. I._
Einwand. Dr. I._ machte insbesondere geltend, gestützt auf seine langjährige
Betreuung gehe er beim Versicherten von einer chronischen Psychose vom Typ
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schizophrenie aus. Bei dieser Krankheit mangle es an realitätsnaher Krankheitseinsicht,
weshalb sich der Versicherte immer wieder der psychiatrischen Behandlung entzogen
habe. Nun finde aber regelmässig eine psychiatrische Behandlung bei Dr. med. J._ in
Goldach statt (IV-act. 74). RAD-Arzt Dr. H._ empfahl daraufhin das Einholen eines
Arztberichts bei Dr. J._ inklusive Stellungnahme zur Medikamentencompliance (IV-
act. 75). Dr. J._ stellte im Arztbericht vom 15. Juli 2011 die Diagnose einer
paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.0) seit ca. 2004. Der Versicherte sei seit dem
21. Dezember 2010 (Behandlungsbeginn) zu 100% arbeitsunfähig. Er werde seither von
ihm mit Antipsychotika behandelt, ohne dass bisher eine wesentliche Besserung der
Symptomatik habe erzielt werden können. Es bestehe eine Schädigung des Denkens
und der Denkinhalte, der Wahrnehmung und der Wahrnehmungsverarbeitung. Es
resultierten Störungen im situationsgerechten Verhalten und in der
zwischenmenschlichen Interaktion. Auch die Beweglichkeit und Geschicklichkeit
erscheine beeinträchtigt. Eine vorgenommene Blutspiegelbestimmung von Quetiapin
(Seroquel) und Risperidon habe gezeigt, dass der Versicherte diese Medikamente
einnehme (IV-act. 80). Gestützt auf die neue Diagnose der Schizophrenie hielt RAD-Arzt
Dr. H._ am 11. August 2011 fest, der Fall müsse in anderem Licht betrachtet werden.
Das Observationsergebnis sei nicht geeignet, diese Diagnose zu widerlegen. Wegen
seiner Schizophrenie sei der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen keinem
Arbeitgeber des offenen Arbeitsmarkts auf die Dauer zumutbar (IV-act. 84). Auf
nochmalige Nachfrage der Sachbearbeiterin der IV empfahl der RAD-Arzt am 8.
November 2011 die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens bei Dr. med. K._,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter
SIM, (IV-act. 87).
A.d Im Gutachten vom 9. Mai 2012 kam Dr. K._ zum Schluss, er könne keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen. Die mangelhafte Mitwirkung
des Versicherten verunmögliche dies. In der Psychiatrie müsse man sich bei der
Diagnostik grossmehrheitlich auf die Angaben des Exploranden abstützen, der über
sein inneres subjektives Erleben berichte. Diese Angaben seien grossmehrheitlich nicht
nachprüfbar. Wenn sich im Rahmen einer arbeitsmedizinischen Einschätzung
herausstelle, dass der Explorand teilweise falsche Angaben mache, und dieser zudem
bei einer neuropsychologischen Abklärung nicht optimal mitarbeite, könnten keine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
validen Aussagen zu den Einschränkungen respektive zur Überwindbarkeit der
beklagten Störungen gemacht werden (IV-act. 98-69).
A.e Mit neuerlichem Vorbescheid vom 26. September 2012 teilte die IV-Stelle
Rechtsanwältin G. Sturm, Rorschach, als Rechtsvertreterin des Versicherten mit, es
bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (IV-act. 108). Nachdem kein Einwand
erhoben wurde, lehnte die IV-Stelle einen Rentenanspruch des Versicherten mit
Verfügung vom 5. November 2012 ab (IV-act. 109).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der Rechtsvertreterin des
Versicherten vom 6. Dezember 2012 mit den Anträgen, dem Beschwerdeführer seien
berufliche Massnahmen zu gewähren, eventualiter sei ihm eine ganze Rente
zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung machte sie
geltend, der Beschwerdeführer sei gemäss seinem Hausarzt arbeitsfähig, aber nur im
geschützten Rahmen. Er wolle primär keine Rente, sondern einen geschützten
Arbeitsplatz. Gemäss dem behandelnden Psychiater Dr. J._ sei die Observation nicht
geeignet, das Vorliegen der Diagnose der Schizophrenie zu widerlegen. Vielmehr seien
die im Rahmen der Videoüberwachung gezeigten Verhaltensweisen des
Beschwerdeführers vereinbar mit Wahrnehmungsstörungen, wie sie bei einer
Schizophrenie vorlägen. Der Beschwerdeführer leide zudem aufgrund der
Observationen unter verstärktem Verfolgungswahn (act. G 1). Der Beschwerde lag eine
ausführliche Stellungnahme von Dr. J._ vom 2. Dezember 2012 bei (act. G 1.2). Ein
zusammen mit der Beschwerde eingereichtes Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
zog die Vertreterin des Beschwerdeführers am 7. Januar 2013 wieder zurück (act. G 3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 18. Februar 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Eine invalidisierende Krankheit sei nicht
rechtsgenüglich nachgewiesen. Der Beschwerdeführer habe keinen Beruf erlernt, was
aber nicht auf gesundheitliche Probleme zurückgeführt werden könne. Folglich bestehe
auch kein Anspruch auf eine erstmalige berufliche Ausbildung oder eine Umschulung
(act. G 7).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.c Mit Replik vom 2. Mai 2013 macht die Vertreterin des Beschwerdeführers geltend,
im Vordergrund stünden Massnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt. Soweit eine
solche Eingliederung nicht möglich sei, sei eine Arbeitsvermittlung in einen geschützten
Bereich zuzusprechen (act. G 9). Sie reicht zudem eine weitere ausführliche
Stellungnahme von Dr. J._ vom 29. April 2013 zur Beschwerdeantwort ein (act. G
9.1).
B.d Mit Duplik vom 14. Juni 2013 weist die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass
Dr. J._ als behandelnder Arzt einen völlig anderen Zugang zum Fall habe als ein
Gutachter. Auch wenn die Auffälligkeiten des Beschwerdeführers am Arbeitsplatz
"vereinbar" seien mit der gestellten Diagnose, sei diese Vereinbarkeit für den Nachweis
eines Leistungsanspruchs nicht hinreichend. Der Inhalt des von Dr. J._ als
Verfolgungswahn bezeichneten Wahns sei immer noch unbekannt, womit das zentrale
Thema der behaupteten Krankheit auffallend vage bleibe (act. G 11).

Erwägungen:
1.
Der Beschwerdeführer beantragt u.a. die Gewährung beruflicher Massnahmen
(act. G 1).
1.1 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich lediglich
Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen, zu denen die zuständige
Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellung
genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1).
1.2 Was die Ansprüche auf berufliche Massnahmen oder andere
Eingliederungsmassnahmen anbelangt, so ist festzustellen, dass diese nicht
Gegenstand der Verfügung vom 5. November 2012 (IV-act. 109) waren. Im Hinblick
darauf, dass die angefochtene Verfügung von keiner Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers ausgeht und somit auch nicht von einem rentenbegründenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Invaliditätsgrad, ist die Frage betreffend berufliche Massnahmen auch nicht
notwendigerweise deren Gegenstand. Unter diesen Umständen ist der Anspruch auf
berufliche Massnahmen sowie andere Eingliederungsmassnahmen nicht
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens, weshalb auf den
entsprechenden Beschwerdeantrag nicht einzutreten ist.
2.
Am 1. Januar 2008 sind die mit der 5. IV-Revision und am 1. Januar 2012 die aufgrund
der IV-Revision 6A geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In materiell-rechtlicher
Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene
Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids
beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen
Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136
E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 5. November 2012
ergangen (IV-act. 109), wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. und 6A IV-Revision begonnen hat
(die Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen erfolgte am 11. Mai 2007, IV-act. 1).
Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die
noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 bzw. bis
31. Dezember 2011 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab 1. Januar 2012
auf die neuen Normen der 6A IV-Revision abzustellen. Nachfolgend werden die seit
1. Januar 2012 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben, soweit
nicht ausdrücklich auf die altrechtlichen Bestimmungen verwiesen wird.
3.
3.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder länger
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die
versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine drei Viertel Rente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50%, oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid
ist.
3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
3.3 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen
sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und
nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten. Dennoch hat es die
Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf
Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die
Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. In Bezug auf
Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung
tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl.
BGE 125 V 351 mit Hinweisen).
3.4 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 43 Abs. 1
und Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der Versicherungsträger bzw. im
Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen
abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein. Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus, da es - unter Vorbehalt der Mitwirkungspflichten der
versicherten Person (Art. 43 Abs. 3 ATSG) - Sache des Sozialversicherungsgerichts
(oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des
Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die
Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der
Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn
es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund
einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b
S. 264).
4.
4.1 Streitig und zu prüfen ist im vorliegenden Verfahren die Frage, ob beim
Beschwerdeführer eine gesundheitlich bedingte Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Die
Beschwerdegegnerin hat eine solche Arbeitsunfähigkeit gestützt auf das Gutachten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
von Dr. K._ verneint. Der Beschwerdeführer erachtet dieses Gutachten nicht als
beweistauglich und beruft sich hierfür insbesondere auf Stellungnahmen seines
behandelnden Psychiaters Dr. J._.
4.2 Dr. K._ hat sich in seinem Gutachten ausführlich mit den früheren ärztlichen
Einschätzungen auseinandergesetzt. Er hat dabei darauf hingewiesen, dass mit
Ausnahme des Hausarztes Dr. I._ und des behandelnden Psychiaters Dr. J._
niemand vom Vorliegen einer Psychose oder einer Schizophrenie ausgegangen sei,
obwohl allen anderen psychiatrischen Behandlern und auch dem Vorgutachter Dr.
G._ die vom Beschwerdeführer beklagten psychotischen Symptome bekannt
gewesen seien. Der Vorgutachter Dr. G._ habe festgehalten, dass sich keine
Anhaltspunkte für psychotische Erlebnisweisen oder Ich-Störungen ergeben hätten.
Hier sei also unterschieden worden zwischen anamnestischen Angaben und ärztlichen
Befunden. Dr. J._ habe eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert, deren Beginn er
6 Jahre vor Beginn seiner Behandlung zurückdatiert habe. Der Beschwerdeführer habe
gegenüber Dr. J._ im Wesentlichen dieselben einigermassen diffusen Angaben
gemacht (Spannungen in beiden Beinen, er sei vergesslich, habe Angstzustände, es
bestünden Verfolgungsgefühle, die dauerhaft seien [die Dauerhaftigkeit entspreche nun
aber nicht der aktuellen Anamnese], teils auch aggressive Zustände, es komme vor,
dass er gegen Sachen schlage und er könne keinen längeren Augenkontakt
aufrechterhalten). Einen Psychostatus scheine Dr. J._ nicht erhoben zu haben,
vielmehr mache er unter dem Titel "ärztlicher Befund" allgemeine Ausführungen zur
Diagnose Schizophrenie. Im Falle des Beschwerdeführers stütze Dr. J._ diese
Diagnose auf die Tatsache ab, dass der Beschwerdeführer über anhaltenden
Verfolgungswahn (von länger als 4 Wochen Dauer) berichtet habe. Ihm (dem Gutachter)
gegenüber habe der Beschwerdeführer lediglich über Episoden berichtet, in denen er
plötzlich Angst beispielsweise vor einem Kollegen gehabt habe (vgl. IV-act. 98-65). In
seiner Stellungnahme vom 2. Dezember 2012 äussert sich Dr. J._ insofern zu diesen
Ausführungen des Gutachters, als er darauf hinweist, dass dem Beschwerdeführer
anlässlich des stationären Aufenthalts in der Psychiatrischen Klinik L._ im Jahr 2003
sowie in der Klinik M._ im Jahr 2005 je ein Antipsychotikum (Seroquel und Zyprexa)
verschrieben worden sei, d.h. die damaligen psychiatrischen Behandler wohl ebenfalls
von psychotischen Phasen ausgegangen seien. Nach Kokainkonsum oder nach einem
Kokainabhängigkeitssyndrom seien psychotische Phasen (Störungen der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wahrnehmung) nicht selten beschrieben, die dauerhaft sein könnten (vgl. act. G 1.2 S.
5f.). Im Bericht der Klinik M._ vom 2. Juni 2005 wird nun allerdings nur ein "Status
nach erster psychotischer Episode vor 1 Jahr" beschrieben. Unter regelmässiger
neuroleptischer Behandlung (Seroquel) hätten sich die psychotischen Zeichen vor
einem Jahr vollständig zurückgebildet und seien seither nicht mehr aufgetreten. Auch
während des immerhin 20-tägigen stationären Aufenthalts traten offensichtlich keine
psychotischen Symptome auf. Im Vordergrund stand damals vielmehr die Diagnose
einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) wegen
sehr belastender psychosozialer Situation (vgl. IV-act. 55). Wie zudem Dr. K._ in
seinem Gutachten ausführte, konnte anlässlich des stationären Aufenthalts des
Beschwerdeführers in der Klinik L._ im Jahr 2003 aufgrund einer
testpsychologischen Untersuchung der Verdacht einer Hebephrenie weder verifiziert
noch falsifiziert werden (vgl. IV-act. 98-58 und IV-act. 51-2). Es ist somit mit dem
Gutachter davon auszugehen, dass im Rahmen der stationären Aufenthalte des
Beschwerdeführers in den Jahren 2003 und 2005 die Frage des Vorliegens einer
Schizophrenie wohl geprüft, nicht aber bestätigt worden ist.
4.3 Dr. K._ führt in seinem Gutachten weiter aus, dass die höhergradigen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers immer wieder mit
neuropsychologischen Einschränkungen begründet würden. Die von ihm veranlasste
neuropsychologische Abklärung bei Dr. phil. N._ habe nun allerdings eindeutige
Hinweise auf suboptimales Leistungsverhalten bis zur Simulation gezeigt. Bereits bei
der beim Psychiatrischen Zentrum im Jahr 2007 durchgeführten neuropsychologischen
Testung würden - bei geringer Leistungsmotivation des Beschwerdeführers -
Inkonsistenzen beschrieben. Eine neuropsychologische Abklärung setze eine optimale
Mitarbeit voraus, ansonsten keine zuverlässigen Angaben möglich seien (vgl. IV-act.
98-66f.). Dr. J._ macht in seiner Stellungnahme vom 2. Dezember 2012 dazu geltend,
zwar seien der Rey Test und auch der Word Memory Test (WMT) Verfahren, die in der
Beschwerdevalidierung sinnvoll angewandt werden könnten. In der neueren Literatur
werde jedoch darauf hingewiesen, dass der WMT Test bei der Diagnose der
Schizophrenie in überwiegender Weise zu keinen sinnvollen Ergebnissen führe.
Beschwerdevalidierungstests könnten zudem gemäss einer Stellungnahme der
Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
vom 28. Januar 2011 weder Aggravation noch Simulation objektiv nachweisen. Zudem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
könnten auch sprachliche Probleme oder Interaktionen zwischen Gutachter und
Proband - der Beschwerdeführer habe ihm den Gutachter als eher kühl und distanziert
sowie mit Nebenbemerkungen auftretend beschrieben - das Ergebnis beeinflusst
haben. Dem Beschwerdeführer hätte schliesslich klar gemacht werden müssen, dass
er seinen Leistungsanspruch verliere, wenn er bei den Tests nicht richtig mitmache
(act. G 1.2 S. 9f.).
4.4 Auch wenn Beschwerdevalidierungstests nicht geeignet sein mögen, Aggravation
oder Simulation objektiv nachzuweisen, können sie doch einen wichtigen Bestandteil
einer systematischen Abklärung der Plausibilität von Beschwerden darstellen, die ein
Versicherter im Rahmen einer IV-Begutachtung schildert (vgl. Peter Rüesch/André
Meichtry/René Schaffert/Jan Kool, Mehr Objektivität und Effizienz durch
Beschwerdevalidierungstests?, CHSS 2/2009 S. 121). Auch die von Dr. J._
eingereichte Stellungnahme des DGGPN hält fest, dass in begründeten Einzelfällen
Beschwerdevalidierungstests zusätzliche Informationen liefern könnten, wenn die
Ergebnisse in einer umfassenden psychiatrischen Gesamtbeurteilung gewürdigt
würden. Sie könnten diese umfassende Gesamtbeurteilung aber in keinem Fall
ersetzen (vgl. S. 3 der Stellungnahme des DGGPN, act. G 1.2). Diese Voraussetzungen
sind im vorliegenden Fall erfüllt: Die neuropsychologische Abklärung und die dabei
auch vorgenommenen Beschwerdevalidierungstests fanden lediglich in Ergänzung zur
umfassenden Gesamtbegutachtung durch Dr. K._ statt. Dr. K._ geht in seinem
Gutachten gestützt auf die neuropsychologische Abklärung zudem lediglich von
"Hinweisen auf suboptimales Leistungsverhalten und Simulation" und nicht etwa von
objektiv feststehender Simulation aus. Dass die neuropsychologische Abklärung durch
sprachliche Schwierigkeiten des Beschwerdeführers oder nicht weiter substantiierte
"Nebenbemerkungen" des Psychologen beeinträchtigt worden sein soll, ist zwar
theoretisch möglich. Nachdem dies jedoch erst im Nachhinein in hypothetischer Form
im Rahmen der Beschwerde geltend gemacht wurde, erscheinen solche
Beeinträchtigungen wenig wahrscheinlich.
4.5 Bereits RAD-Arzt Dr. H._ hat in seiner Stellungnahme vom 11. August 2011
festgehalten, dass die Observation nicht geeignet sei, die Diagnose der Schizophrenie
zu widerlegen (IV-act. 84). Der Gutachter Dr. K._ stützt sich denn auch bei seinem
Gutachten nicht auf diese Observation ab. Dass eine Observation bei einem Menschen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mit paranoider Schizophrenie zu einer Verstärkung des Krankheitsbildes führen kann,
ist zwar plausibel. Eine solche Verstärkung des Verfolgungswahns wird vom
Beschwerdeführer bzw. von seinem behandelnden Psychiater pauschal behauptet, ein
Verfolgungswahn ergibt sich nun allerdings gerade nicht aus der Anamnese im
Gutachten von Dr. K._ (vgl. IV-act. 98-45ff.). Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer
Duplik zu Recht ausführt, bleibt vielmehr der Inhalt des vom behandelnden Psychiater
diagnostizierten Verfolgungswahns unbekannt und auffallend vage (vgl. act. G 11).
Soweit Dr. J._ geltend macht, die während der Observation gezeigten
Verkehrsregelverletzungen sowie Verhaltensweisen würden für das Vorliegen von
abnormalem unangepasstem Verhalten sprechen (vgl. act. G 9.1), gilt festzuhalten,
dass nicht jedes unangepasste Verhalten - und mag es auch als abnormal erscheinen -
einem invalidisierenden Gesundheitsschaden gleichgesetzt werden kann. Anzumerken
gilt zudem, dass der behandelnde Psychiater aufgrund des Fotos Nr. 34 im
Ermittlungsbericht (vgl. IV-act. 64-46) von einem auffälligen Verhalten des
Beschwerdeführers spricht, weil dieser "in ausufernder Gestik in der Warteschlange mit
zwei bis drei vor ihm stehenden Personen spontan spricht und diese augenscheinlich
mit Unverständnis auf die Aussagen des Klienten reagieren" (vgl. act. G 9.1 S. 6).
Diesen Eindruck könnte dieses Foto tatsächlich erwecken, er wird jedoch durch die
entsprechende filmische Sequenz auf der DVD klar widerlegt: Der Beschwerdeführer
gestikuliert dort nämlich erst nachdem der vor ihm wartende Mann offenkundig eine
Frage an ihn gestellt hat, das Verhalten des Beschwerdeführers erscheint dabei
keineswegs abnormal, sondern adäquat. Mit der Beschwerdegegnerin ist daher
festzuhalten, dass die Ausführungen von Dr. J._ im vorliegenden
Beschwerdeverfahren vor allem auch die unterschiedliche Rolle von behandelndem
und begutachtendem Arzt deutlich machen: Während ein behandelnder Arzt
grundsätzlich davon ausgeht, dass die Beschwerdeschilderungen seines Patienten
zutreffen, ist ein Gutachter zur kritischen Würdigung dieser Beschwerdeschilderungen
verpflichtet, insbesondere auch dann, wenn - wie vorliegend - Inkonsistenzen
bestehen. Zuzustimmen ist Dr. J._ insofern, als die Ergebnisse der Observation eine
paranoide Schizophrenie weder belegen noch widerlegen. Festzuhalten gilt jedoch
auch, dass die vom behandelnden Psychiater geschilderten Symptome, wonach der
Beschwerdeführer "apathisch, verlangsamt und auffassungsgestört" wirke (vgl. IV-act.
80-3), weder bei der Observation noch bei der Begutachtung beobachtet werden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
konnten. Zudem geht aus dem Gutachten hervor, dass der Beschwerdeführer mit
seinem Krankheitsverhalten sehr viel Zuwendung durch seine Angehörigen erfährt (IV-
act. 98-50 und 98-53f.). Dieser sekundäre Krankheitsgewinn ist für die Belange der IV
unbeachtlich.
4.6 Insgesamt sind somit die Einwendungen des behandelnden Psychiaters nicht
geeignet, die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. K._ in Frage zu stellen. Dr. K._
hat nachvollziehbar festgehalten, dass man sich auf die Angaben des
Beschwerdeführers nicht verlassen könne, weshalb es ihm nicht möglich sei, eine
psychiatrische Diagnose zu stellen. Dazu gehört insbesondere auch die Falschaussage
des Beschwerdeführers, wonach er die Neuroleptika regelmässig einnehme (IV-act.
98-68). Anzumerken bleibt dabei, dass schon die durch den Hausarzt in Auftrag
gegebene Blutanalyse im Juli 2011 eine Medikation unterhalb des therapeutischen
Bereichs ergab (vgl. IV-act. 80-6). Dazu kommen weitere Ungereimtheiten wie z.B. die
fast zweijährige Auslandabwesenheit des Beschwerdeführers kurz nach Einreichung
der IV-Anmeldung (vgl. IV-act. 36), nicht nachvollziehbare behauptete Arbeitsversuche
(vgl. IV-act. 81ff.), oder die ihm trotz angeblich schwerer psychischer Erkrankung
offenbar mögliche Familiengründung (vgl. IV-act. 98-47). Ferner lässt sich seine Klage,
"er traue sich kaum noch alleine raus" (IV-act. 97-2), nicht mit den
Observationsergebnissen vereinbaren. Dr. K._ hat nachvollziehbar begründet,
weshalb er das Vorliegen einer paranoiden Schizophrenie oder anderer psychiatrischer
Krankheiten nicht für überwiegend wahrscheinlich hält. Damit bleibt die Behauptung
des Beschwerdeführers, dass er aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig sei,
beweislos. Daran können auch weitere medizinische Abklärungen nichts ändern. Der
Rentenantrag des Beschwerdeführers ist daher zufolge Beweislosigkeit der von ihm
behaupteten Arbeitsunfähigkeit zu Recht abgelehnt worden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 7. August 2008, 9C_164/08, E. 4.3).
5.
5.1 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen,
soweit auf diese einzutreten ist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
angemessen. Diese ist dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen unter
Anrechnung des von ihm bezahlten Kostenvorschusses von Fr. 600.--.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP