Decision ID: cc63df43-efda-4b0d-a3df-949ac96970c5
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980,
wurde
mit Verfügung vom 11. April 2012 von der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle,
mit Wirkung ab 1. Mai 2010 bis 30. September 2010 eine ganze Rente sowie mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 eine
Dreiviertelsrente
zugesprochen (Urk. 6/135+140+143).
Die dagegen erhobene Beschwerde wurde
mit Urteil
des hiesigen Sozialversicherungs
gerichts
vom 11. Juni 2013
gutgeheissen und ihm wurde
ab
1. November 2008 eine ganze Rente der Invalidenversicherung
zugesprochen
(Urk. 6/236
; Prozess IV.2012.00524
).
1.2
Aufgrund dieses Urteils passte die IV-Stelle die I
nvalidenrente des Versicherten
sowie die dazugehörige Kinderrente mit Verfügungen vom 13. Dezember 2013 rückwirkend per 1. November 2008
an und nahm gleichzeitig diverse Verrech
nungen vor:
Betreffend Kinderrente verrechnete die IV-Stelle Leistungen des Amtes für Zu
satzleistungen der Stadt Zürich (nachfolgend: AZL) im Betrag von Fr. 10‘201.-- und Leistungen
des Versicherten
im Betrag von Fr. 5‘786.-- sowie Rückforderun
gen in der Höhe von Fr. 16‘725.-- mit Rentennachzahlungen an dessen Tochter
Y._
(Kinderrente zur IV-Rente des Vaters) beziehungsweise an die Kindsmut
ter für die Periode vom 1. November 2008 bis 30. November 2013 (Urk. 6/320).
Betreffend Hauptrente des Versicherten verrechnete die IV-Stelle Leistungen des AZL im Betrag von Fr. 11‘366.--, Leistungen der SWICA Gesundheitsorganisa
tion, Winterthur, im Betrag von Fr. 21‘909.80 sowie Leistungen des Sozialdepar
tements der Stadt Zürich im Betrag von Fr. 1‘663.25 sowie Rückforderungen von Fr. 41‘829.-- mit Rentennachzahlungen für die Periode vom 1. November 2008 bis 30. November 2013 (Urk. 6/312).
Die gegen beide Verfügungen erhobenen Beschwerden des Versicherten
hiess das hiesige Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 30. Juni 2016 teilweise gut und erkannte betreffend Nachzahlung der Kinderrente, dass der Betrag von Fr. 6'250.-- direkt an den Versicherten anstatt die Kindsmutter auszurichten
und zu verzin
sen sei. Sodann sei dieser Betrag um die Vorschussleistung des Versicherten im Umfang von Fr. 5'786.-- zu erhöhen (Dispositiv Ziffer 1.1). Weiter erkannte das hiesige Gericht betreffend Nachzahlung der Hauptrente, dass der dem Versicher
ten auszubezahlende Betrag von Fr. 21'889.95 um Fr. 1'663.25 auf Fr. 23'553.20 zu erhöhen sei (Dispositiv Ziffer 1.2; Prozess IV.2014.00107 vereinigt mit IV.2014.00120, Urk. 6/435/1-14).
Das Bundesgericht wies die dagegen
vom Versicherten
erhobene Beschwerde mit Urteil vom 21. Juni
2017 ab
(Urk. 6/448).
1.3
Am 21. November 2017 ersuchte der Versicherte die IV-Stelle
unter Hinweis auf das Bundesgerichtsurteil vom 21. Juni 2017
um Auszahlung der ihm
rechtskräftig zugesprochenen Leistungen (Urk. 6/450).
Daraufhin wurde dem Versicherten durch die IV-Stelle a
m 28. November 2017 (Urk. 6/451) und 7. Dezember 2017 (Urk. 6/453) mit
geteilt
, nach Prüfung des besagten Urteils schulde ihm die IV-Stelle keine Geldleistungen. Dagegen opponierte der Versicherte wiederum mit E-Mail vom 1
9.
und 21. Dezember 2017 (Urk. 6/454-455).
Mit Schreiben vom 20. Februar 2018 forderte der damalige Rechtsvertreter des Versicherten die Um
setzung des Urteils beziehungsweise die Auszahlung von Fr. 13'501.25 (Fr. 6'052.-- + Fr. 5'786.-- + Fr. 1'663.25) zuzüglich Verzugszins von 5
%
. Mit Verfügung vom 4. Juni 2018
(Urk. 6/461 = Urk. 2
/1
)
führte die IV-Stelle aus, sie werde dem Versicherten den Betrag von Fr. 1'663.25
zuzüglich Verzugszins von Fr. 561.-- (S. 1 unten) sowie den Betrag von Fr. 5'632.-- zuzüglich Verzugszins von Fr. 2'095.--
überweisen
(S. 2 unten). Das Begehren um Nachzahlung und Verzinsung von Fr. 5'786.-- wies sie hingegen ab (S. 2 oben).
2.
Der Versicherte erhob am
5. Juli 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
4. Juni 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen. Sodann sei festzustellen, dass ihm im Verwal
tungsverfahren ausserordentliche Umtriebe in Form anwaltlicher Vertretung ver
ursacht worden seien. Eventuell sei ihm für das Verwaltungsverfahren eine Pro
zessentschädigung
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
23. August 2018
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
24. August 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7
).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
56 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialver
si
cherungsrechts (ATSG) kann gegen
Einspracheentscheide
oder Verfügungen, ge
gen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben werden (
Abs.
1). Zudem kann Beschwerde erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen
Einspracheentscheid
erlässt (
Abs.
2). Diese Bestimmung bezieht sich auf Fälle der Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung.
1.2
Nach
Art.
29
Abs.
1 der Bundesverfassung (BV) haben die Parteien Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist.
Eine Verletzung von
Art.
29
Abs.
1 BV – sowie gegebenenfalls von
Art.
6
Ziff.
1 EMRK (BGE 130 I 174 mit Hinweisen) – liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behan
delt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29
Abs.
1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (sog. Rechtsverzöge
rung).
Für den Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe – beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörden oder auf andere Umstände – die Rechtsver
weigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entscheidend ist aus
schliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt (SVR 2001 IV Nr. 24 S. 73 f. E. 3a und b, BGE 124 V 130, 117
Ia
116 E. 3a, 197 E. 1c, 103 V 190 E. 3c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 4. Juni 2018
unter anderem
davon aus, der Betrag von Fr. 5'786.-- sei dem Beschwerdeführer gemäss Verfügung vom 13. Dezember 2013 bereits ausbezahlt worden. Deshalb müsse sein Begehren um Nachzahlung und Verzinsung von Fr. 5'786.-- abgewie
sen werden (Urk. 2 S. 2 oben).
2.2
Demgegenüber stellte sich d
er Beschwerdeführer auf den Standpunkt
(Urk. 1)
, ge
stützt auf das Urteil des hiesigen Gerichts vom 30. Juni 2016 sei ihm eine Forde
rung resultierend aus der Nachzahlung der Kinderrente von insgesamt Fr. 12'036.-
-, welche sich zusammensetze aus
Fr. 6'250.-- (bisher an die Kinds
mutter ausgerichteter Teil) sowie Fr. 5'786.--
, zugesprochen worden
(S. 4
lit
. B.2).
Der Betrag von Fr. 6'250.-- sei ihm zwischenzeitlich ausbezahlt worden. Hinge
gen sei der Betrag von Fr. 5'786.-- nach ausstehend und werde daher nachgefor
dert (S. 7 Ziff. 7).
3
.
3.1
Sinngemäss ist die am 5. Juli 2018 erhobene Beschwerde als Rechtsverweige
rungsbeschwerde aufzufassen
.
3.2
Mit Urteil vom 30. Juni 2016 erkannte das hiesige Gericht betreffend Nachzah
lung der Kinderrente, dass der Betrag von Fr. 6'250.-- direkt an den Versicherten anstatt die Kindsmutter auszurichten und zu verzinsen sei. Sodann sei dieser Be
trag um die Vorschussleistung des Versicherten im Umfang von Fr. 5'786.-- zu erhöhen (Urk. 6/435/13-14 Dispositiv Ziffer 1.1). Der Beschwerdeführer zog die
ses Urteil weiter ans Bundesgericht, wobei der zugesprochene Betrag von Fr. 5'786.-- nicht Streitgegenstand war. Somit erwuchs das Urteil vom 30. Juni 2016 betreffend den zugesprochenen Betrag von Fr. 5'786.-- in Teilrechtskraft. Die Beschwerdegegnerin erhob keine Beschwerde gegen das besagte Urteil des hiesigen Gerichts. Nachdem das Bundesgericht mit Urteil vom 21. Juni 2017 die Beschwerde abwies (Urk. 6/
448
), erwuchs
en die
zuvor genannte
n Dispositiv-
Zif
fer
n
1.1 und Ziffer 1.2
vollumfänglich
in Rechtskraft.
Dementsprechend muss sich die Beschwerdegegnerin entgegenhalten lassen, dass dem Beschwerdeführer
der Betrag von Fr. 5'786.-- (durch ihn erbrachte Vorschussleistungen) rechtskräftig zugesprochen wurde
.
Es liegt insofern eine abgeurteilte Sache vor.
3.3
Dementsprechend ist der dem Beschwerdeführer mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 30. Juni 2016 zugesprochene Betrag von Fr. 5'786.-- von der Beschwerde
gegnerin umgehend auszurichten und die Beschwerde gutzuheissen.
4.
Soweit der Beschwerdeführer unter Ziffer 2 seiner Anträge ein Feststellungsbe
gehren stellt,
ist
diese
s
mit Blick auf
Antrag Ziffer 3
und die Beschwerdebegrün
dung sowie unter Berücksichtigung des für die Auslegung von Willenserklärun
gen zwischen Behörden und versicherten Personen massgebenden Prinzips von Treu und Glauben (vgl. in BGE 130 V 61 nicht publizierte E. 3.2.1 des Urteils des Bundesgerichts I 138/02 vom 2
7.
Oktober 2003, mit weiteren Hinweisen) als Leis
tungsbegehren auf
Ausrichtung einer Entschädigung für das Verwaltungsverfah
ren zu interpretieren.
Da die Parteientschädigung im Verwaltungsverfahren allerdings nicht Gegen
stand der angefochtenen Verfügung vom 4. Juni 2018 (Urk. 2/1) bildete, ist da
rauf mangels Anfechtungsgegenstand
s
nicht einzutreten (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).