Decision ID: 54d434d8-c316-5a9a-938e-15bfd22e7586
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
und
A._,
Beigeladene,
betreffend
Rentenrückerstattung
Sachverhalt:
A.
Mit einer Verfügung vom 2. März 2004 bewilligte die IV-Stelle H._ die Übernahme der
Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung in der Form einer Anlehre im A._.
Die Massnahme war befristet bis 7. August 2006. Dr. med. B._ von den
psychiatrischen Diensten C._ berichtete der IV-Stelle am 18. Januar 2007, der
Versicherte benötige nach wie vor eine enge Betreuung. Deshalb werde er noch für ein
bis zwei Jahre im A._ arbeiten. Das A._ stellte am 16. März 2007 ein Gesuch um
die Drittauszahlung der zu erwartenden Invalidenrente des Versicherten. Sie
begründete dieses Begehren folgendermassen: "Verrechnung Wohnheimkosten". Der
Versicherte hatte der Drittauszahlung am 6. März 2007 auf dem Gesuchsformular
unterschriftlich zugestimmt. Mit einer Verfügung vom 29. März 2007 erklärte die IV-
Stelle die berufliche Eingliederungsmassnahme auf den vorgesehenen Termin (7.
August 2006) für beendet. Mit einem Vorbescheid vom 30. März 2007 teilte sie dem
Versicherten mit, dass er ab 8. August 2006, also im Anschluss an die
Taggeldberechtigung, einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Am 4. Juli
2007 sprach die IV-Stelle dem Versicherten rückwirkend ab 1. August 2006 eine Rente
von Fr. 1433.- bzw. ab 1. Januar 2007 von Fr. 1473.- zu. Sie ordnete die Verrechnung
der Rentennachzahlung mit einer Taggeldrückforderung von Fr. 91.25 an.
B.
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Das A._ teilte der IV-Stelle in einem Schreiben vom 27. August 2007 mit, dass es im
März 2007 einen Drittauszahlungsantrag gestellt habe. Die Drittauszahlung hätte zur
Verrechnung mit den Wohnheimkosten des Versicherten erfolgen sollen. Der
Versicherte trete am 31. August 2007 aus dem A._ aus. Die Summe der
ausstehenden Wohnheimkosten belaufe sich auf Fr. 10'496.-. Da die IV-Stelle die
Rentennachzahlung bereits dem Versicherten ausgerichtet habe, habe sie einen Fehler
begangen. Die IV-Stelle habe aber bereits telephonisch zugesichert, dass sie sich um
die Schuldbegleichung kümmern werde. Am 13. September 2007 ersuchte das A._
auf dem entsprechenden Formular nochmals um die Verrechnung der offenen
Wohnheimkosten mit der Invalidenrentennachzahlung. Gemäss einer Aufstellung des
A._ belief sich die Summe der offenen Pensionsrechnungen des Versicherten für die
Zeit vom August 2006 bis Juli 2007 auf Fr. 11'712.-. Die IV-Stelle teilte dem A._ am
17. September 2007 mit, dass nur die offenen Wohnheimkosten bis und mit Juni 2007
zur Verrechnung gestellt werden könnten, da die Nachzahlung nur die Zeit bis 30. Juni
2007 betroffen habe. Verrechnet werden könne deshalb nur der Teilbetrag von Fr.
9468.-. Mit einer Verfügung vom 19. September 2007 forderte die IV-Stelle Fr. 9468.-
vom Versicherten zurück. Sie begründete dies damit, dass dieser Betrag von der
Nachzahlung hätte abgezogen werden müssen. Deshalb seien ihm Fr. 9468.- zuviel
ausbezahlt worden.
C.
Der Versicherte wandte sich am 13. Oktober 2007 schriftlich an das
Versicherungsgericht. Er machte geltend, Herr X._ vom A._ habe ihm bestätigt,
dass die Auszahlung voll für ihn bestimmt gewesen sei. Er habe während der Lehre
wöchentlich Fr. 50.- oder Fr. 57.- erhalten. Da er jedes Wochenende nach Hause
gegangen sei, habe er bei seiner Mutter Schulden machen müssen, um die
Fahrtkosten, die Kosten des Aufenthalts zuhause und die Kosten für seinen Hund
bezahlen zu können. Er habe alles bis auf Fr. 2300.-, die er für den Urlaub und zum
Kauf von Kleidern benötigt habe, zur Tilgung der in den letzten drei Jahren
aufgelaufenen Schulden verwendet. Er bitte um den Erlass, da er in gutem Glauben
gehandelt habe, als er mit der Nachzahlung seine Schulden getilgt habe. Die
Gerichtsleitung teilte ihm am 1. Oktober 2007 mit, dass nicht klar sei, ob er die
Rückforderung bestreiten oder ein Erlassgesuch stellen wolle. Der Versicherte
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antwortete am 17. Oktober 2007, er sei mit der Rückforderung nicht einverstanden. Die
Gründe dafür ständen in seinem Brief vom 13. Oktober 2007. Am 25. Oktober 2007
ersuchte der Versicherte um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von der Kostenvorschusspflicht), was ihm am 4. Dezember 2007 bewilligt
wurde.
D.
Die IV-Stelle beantragte am 30. November 2007, auf die Eingabe des Versicherten sei
nicht einzutreten. Sie begründete dies damit, dass der Beschwerdeführer nur ein
Erlassgesuch gestellt habe. Gegen die Rückforderung habe er keine Rügen
vorgebracht. Es sei zudem nicht ersichtlich, inwiefern die Rückforderung
rechtsfehlerhaft sein sollte.
E.
Die Gerichtsleitung lud am 18. Februar 2008 das A._ bei. Dieses machte am 25.
Februar 2008 geltend, die Pensionsrechnungen seien zur direkten Zahlung an die
Mutter des Versicherten geschickt worden. Diese Rechnungen seien jedoch nicht
bezahlt worden. Da die Auszahlung der Invalidenrente noch hängig gewesen sei, hätten
der Familie H._ die finanziellen Mittel zur Begleichung der Rechnungen gefehlt. Um
sicherzustellen, dass die ausstehenden Rechnungen beglichen würden und dass sich
die Bezahlung nicht noch weiter verzögere, sei ein Gesuch um eine Drittauszahlung
gestellt worden. Der Versicherte habe dieses Gesuch unterzeichnet. Er habe deshalb
gewusst, dass die Rente an das A._ und nicht an ihn auszubezahlen sei.
Irrtümlicherweise sei die Rente dann doch ihm ausbezahlt worden. Der Versicherte
habe darauf nicht reagiert und die Rente behalten.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung klar zum Ausdruck
gebracht, dass eine allfällige Beschwerde gegen die Rückforderung beim
Versicherungsgericht, ein allfälliges Erlassgesuch aber bei ihr selbst einzureichen sei.
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Wäre der Beschwerdeführer mit der Rückforderung einverstanden gewesen und hätte
er sich darauf beschränken wollen, sich an die Beschwerdegegnerin zu wenden, um
den Erlass der Rückforderung zu erreichen, so hätte er sein Schreiben vom 13.
Oktober 2007 an die Beschwerdegegnerin gerichtet. Er hat es aber an das
Versicherungsgericht adressiert, d.h. er hat sich in dieser Sache an das Gericht
gewandt. Bei der Interpretation des Schreibens vom 13. Oktober 2007 ist deshalb zu
vermuten, dass der Beschwerdeführer die Rückforderung durch das
Versicherungsgericht auf ihre Rechtmässigkeit hat prüfen lassen wollen. Dass er dieses
Begehren mit Argumenten begründet hat, die nur im Zusammenhang mit dem Erlass
einer Rückforderung von Bedeutung sein können, lässt entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin nicht nur eine einzige Interpretation des Schreibens vom 13.
Oktober 2007, nämlich diejenige, dass es sich ausschliesslich um ein Erlassgesuch
handle, zu. Es ist durchaus möglich, dass der Beschwerdeführer nur irrtümlicherweise
diese erlassspezifischen Argumente gegen die Rückforderung ins Feld geführt hat. Die
im Schreiben vom 13. Oktober 2007 enthaltene Begründung ändert deshalb nichts
daran, dass sie sich vermutungsweise auf eine Beschwerde und nicht auf ein an
unzuständiger Stelle eingereichtes Erlassgesuch bezieht. Das Schreiben des
Beschwerdeführers vom 13. Oktober 2007 hat aber trotz der Vermutung, dass es sich
um eine Beschwerde handle, für sich allein nicht ausgereicht, um den Willen des
Beschwerdeführers mit ausreichender Sicherheit zu ermitteln. Das Gericht hat deshalb
gestützt auf Art. 61 lit. b Satz 2 ATSG den Beschwerdeführer ersucht, die richtige
Interpretation seines Schreibens vom 13. Oktober 2007 zu ermöglichen. Daraufhin hat
der Beschwerdeführer am 18. Oktober 2007 die Vermutung, dass dieses Schreiben als
Beschwerde zu interpretieren sei, bestätigt. Damit hat er - entgegen der von der
Beschwerdegegnerin offenbar vertretenen Auffassung - nicht nachträglich ein
Erlassgesuch in eine Beschwerde umgedeutet. Im übrigen wäre selbst dann, wenn
diese Auffassung der Beschwerdegegnerin richtig wäre, rechtzeitig Beschwerde
erhoben worden, denn am 18. Oktober 2007 war die Beschwerdefrist noch nicht
abgelaufen. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
2.1 Der Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen ist weder abtretbar noch
verpfändbar; jede Abtretung oder Verpfändung ist nichtig (Art. 22 Abs. 1 ATSG).
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Nachzahlungen von Sozialversicherungsleistungen können jedoch an einen Arbeitgeber
oder an die öffentliche oder private Fürsorge abgetreten werden, soweit diese
Vorschussleistungen erbracht haben (Art. 22 Abs. 2 lit. a ATSG). Damit ist keine
Abtretung im Sinne von Art. 164 ff. OR gemeint. Eine Drittauszahlung ist ohne
Abtretung gemäss Art. 164 ff. OR zulässig, wenn ein eindeutiges Rückforderungsrecht
des Bevorschussenden besteht (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, N. 31 zu Art. 22
ATSG). Dementsprechend haben Arbeitgeber, Einrichtungen der beruflichen Vorsorge,
Krankenversicherungen, öffentliche und private Fürsorgestellen oder
Haftpflichtversicherungen, die Vorschussleistungen erbracht haben, einen Anspruch
darauf, dass die Invalidenrentennachzahlung bis zur Höhe ihrer Vorschussleistungen
verrechnet und an sie ausbezahlt wird (Art. 85bis Abs. 1 IVV). Als Vorschussleistungen
gelten u.a. freiwillige Leistungen, sofern die versicherte Person zu deren Rückzahlung
verpflichtet ist und der Auszahlung der Rentennachzahlung an die bevorschussende
Stelle zugestimmt hat (Art. 85bis Abs. 2 lit. a IVV). Die Leistungen des A._, deren
Vorschusscharakter zu prüfen ist, haben darin bestanden, dass die Wohnheimkosten
zwar dem Beschwerdeführer monatlich in Rechnung gestellt, aber bis zum Entscheid
über das Invalidenrentengesuch gestundet worden sind. Mit dieser Vorfinanzierung des
Aufwandes für Kost und Logis hat das A._ dem Beschwerdeführer
Vorschussleistungen in natura erbracht, denn aufgrund der "Verzögerung" in der
Zusprache der Invalidenrente hat der Beschwerdeführer nicht über jene finanziellen
Mittel verfügt, die er benötigt hätte, um für die Wohnheimkosten aufzukommen. Hätte
das A._ den entsprechenden Bedarf des Beschwerdeführers nicht in natura erbracht
und damit bevorschusst, hätte die öffentliche Sozialhilfe dafür aufkommen müssen. Die
in den gestundeten Wohnheimrechnungen ausgewiesenen Leistungen des A._ sind
somit Vorschussleistungen im Sinn von Art. 85 IVV gewesen. Das A._ ist weder
gesetzlich noch aufgrund vertraglicher Abreden verpflichtet gewesen, in dieser Form
Vorschussleistungen auf die zu erwartende Invalidenrente zu erbringen. Es hat sich
also um freiwillige Vorschussleistungen im Sinne von Art. 85 Abs. 2 lit. a IVV
gehandelt. Sowohl für das A._ als auch für den Beschwerdeführer hat zum
vornherein festgestanden, dass die Stundung der Wohnheimrechnungen mit der
(rückwirkenden) Zusprache einer Invalidenrente dahinfallen würde. Der
Beschwerdeführer ist also zur Bezahlung dieser Wohnheimrechnungen und damit zur
"Rückzahlung" der in natura (Kost und Logis) erbrachten Leistungen verpflichtet.
bis
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Zudem hat er der Auszahlung des erforderlichen Teils der Invalidenrentennachzahlung
an das A._ am 6. März 2007 ausdrücklich zugestimmt. Zwar hat er zu diesem
Zeitpunkt noch nicht über den Vorbescheid betreffend sein Rentengesuch verfügt, aber
das war gar nicht erforderlich, einerseits weil er daraus gar nicht hätte erkennen
können, wie hoch die Nachzahlung ausfallen würde, andererseits weil er genau wusste,
welcher Betrag an Vorschussleistungen des A._ aus der Rentennachzahlung zu
decken sein würde, denn er hatte ja monatlich die entsprechenden Rechnungen
erhalten. Höher als die Summe der offenen Wohnheimrechnungen konnte die
Verrechnung mit der Rentennachzahlung nicht ausfallen. Der Beschwerdeführer ist
deshalb bei der Zustimmung zur Verrechnung und Drittauszahlung am 6. März 2007
ausreichend darüber informiert gewesen, welchen Forderungsbetrag des A._ er
durch die Rentennachzahlung würde decken müssen, um wirksam einer Verrechnung
und Drittauszahlung zustimmen zu können. Da das A._ im März 2007 und damit
rechtzeitig ein korrektes Gesuch gestellt hat, sind alle Voraussetzungen der
Verrechnung der Rentennachzahlung mit der Forderung des A._ und der
Drittauszahlung des durch Verrechnung gedeckten Teils der Rentennachzahlung an
das A._ erfüllt gewesen. Trotzdem ist die Verrechnung und damit natürlich auch die
Drittauszahlung an das A._ unterblieben. Die Ursache dafür war nicht irgendein
Fehlverhalten des Beschwerdeführers, sondern ausschliesslich der Irrtum der
Beschwerdegegnerin (vgl. die Ziff. II/4 der Beschwerdeantwort).
2.2 Gemäss Art. 120 Abs. 1 OR kann eine Verrechnung erfolgen, wenn zwei Personen
einander Geldsummen schulden. Zwar hat das Sozialversicherungsrecht diese
Rechtsfigur aus dem Privatrecht übernommen (vgl. Franz Schlauri, Die
zweigübergreifende Verrechnung und weitere Instrumente der
Vollstreckungskoordination des Sozialversicherungsrechts, in: Schaffhauser/Schlauri
[Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2004, S. 145 ff.), aber es hat sie modifiziert.
Es wird nämlich davon ausgegangen, dass der gegen den Sozialversicherungsträger
gerichteten Forderung der versicherten Person eine gegen die versicherte Person
gerichtete Forderung gegenüberstehen könne, die nicht dem schuldnerischen
Sozialversicherungsträger, sondern entweder einem anderen Sozialversicherungsträger
oder einer ausserhalb des Sozialversicherungssystems stehenden Person oder
Institution zustehe. Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer gegenüber der
Beschwerdegegnerin eine Forderung auf die Rentennachzahlung. Die gegen den
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Beschwerdeführer gerichtete Forderung ist keine eigene Forderung der
Beschwerdegegnerin, sondern die Forderung des A._. Erst durch den Beizug dieser
Forderung des A._ entsteht eine Verrechnungssituation, denn die
Beschwerdegegnerin selbst hat keine eigene gegen den Beschwerdeführer gerichtete
Forderung. Will man Art. 120 Abs. 1 OR soweit wie möglich analog anwenden, muss
eine Einheit bestehend aus der Beschwerdegegnerin und dem A._ fingiert werden,
d.h. diese beiden erscheinen verrechnungsrechtlich als eine einzige Person. Nun hat
die Beschwerdegegnerin aber die Rentennachzahlungsforderung des
Beschwerdeführers durch Zahlung getilgt. Mit dem Vollzug der Zahlung hat die
Verrechnungssituation zu bestehen aufgehört, d.h. die vom A._ beantragte
Verrechnung und Drittauszahlung ist nicht mehr möglich gewesen. Dafür ist die
Forderung des A._ gegenüber dem Beschwerdeführer aus den Wohnheimkosten
immer noch offen gewesen.
2.3 Der Beschwerdeführer ist durch diese Zahlung nicht analog zu Art. 62 ff. OR
ungerechtfertigt bereichert worden, denn er schuldete dem A._ ja immer noch die
Bezahlung der offenen Wohnheimkosten. Die ihm ausgerichtete Rentennachzahlung
stimmte nicht nur mit der - formell rechtskräftigen - Rentenverfügung vom 4. Juli 2007,
sondern auch mit den einschlägigen Gesetzesbestimmungen betreffend den
Invalidenrentenanspruch überein. Er hat also nicht zu Unrecht Rentenleistungen
erhalten. Dies schliesst eine Rückforderung der dem Beschwerdeführer nachbezahlten
Rentenleistungen als unrechtmässig bezogen gestützt auf Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG
aus. Es bleibt zu prüfen, ob die irrtümliche Verletzung der Verrechnungspflicht durch
die Beschwerdegegnerin eine Rückforderung der Rentennachzahlung erlaubt. Der
einzige Zweck der solcherart begründeten Rückforderung würde darin bestehen, die
Verrechnungssituation wiederherzustellen, um die irrtümlicherweise unterbliebene
Verrechnung nun doch noch vornehmen und anschliessend dem A._ den
entsprechenden Teil der Rentennachzahlung zur Deckung der bevorschussten
Wohnheimkosten ausrichten zu können. Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG, der auf den
Grundstrukturen der Kondiktion (Art. 62 ff. OR) fusst, bietet für eine so begründete
Rückforderung keine gesetzliche Grundlage, da der Beschwerdeführer durch das
Unterbleiben der Verrechnung nicht bereichert worden ist. Eine andere gesetzliche
Grundlage für eine Rückforderung zum Zwecke der Wiederherstellung der
Verrechnungssituation ist nicht erkennbar. Weder Art. 22 ATSG noch Art. 85 IVV bis
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enthalten eine Regelung für den Fall der irrtümlicherweise unterbliebenen Verrechnung.
Es liegt auch keine ausfüllungsbedürftige Gesetzeslücke vor, die richterrechtlich durch
die Regelung auszufüllen wäre, dass eine Pflicht zur Rückerstattung einer
Leistungsnachzahlung bestehe, wenn eine Verrechnung zugunsten eines
bevorschussenden Dritten (oder zugunsten eines anderen Sozialversicherungsträgers)
irrtümlicherweise unterblieben sei. Das bedeutet, dass es bei einer irrtümlicherweise
unterlassenen Verrechnung keine Rückerstattungspflicht zur Wiederherstellung der
Verrechnungssituation gibt. Eine irrtümlicherweise unterlassene Verrechnung kann also
nie nachgeholt werden. Die mit der Verrechnung angestrebte Inkassoerleichterung
zugunsten der bevorschussenden Dritten ist endgültig gescheitert. Die angefochtene
Rückforderungsverfügung vom 19. September 2007 ist als rechtswidrig aufzuheben.
Sollte dem A._ durch das Unterlassen der beantragten Verrechnung ein Schaden
entstanden sein, weil sich die gegen den Beschwerdeführer gerichteten
Wohnheimforderungen als uneinbringlich erweisen (Verlustschein), so stellt sich
möglicherweise die Frage einer Verantwortlichkeit der Beschwerdegegnerin nach Art.
78 Abs. 1 ATSG (vgl. BGE 133 V 14 ff.). Diese Frage kann aber nicht Gegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die angefochtene Verfügung in
vollumfänglicher Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Das Beschwerdeverfahren
in IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr beträgt Fr. 200.- bis Fr. 1000.-. Sie
bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr
von Fr. 600.- erscheint als gerechtfertigt. Das beigeladene A._, das sich weitgehend
auf eine Sachverhaltsdarstellung beschränkt hat, ist nicht kostenpflichtig (vgl. H. Seiler/
N. von Werdt/A. Güngerich, Stämpflis Handkommentar SHK, Bundesgerichtsgesetz
[BGG], N. 14 zu Art. 66 BGG). Die Gerichtsgebühr ist deshalb vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG