Decision ID: c76a0b87-229a-50a9-88a9-59114fffa11c
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Das Hochbauamt des Baudepartements des Kantons St. Gallen führte zur
Beschaffung der Laboreinrichtungen für das Schulgebäude Gossau der
Pädagogischen Hochschule St. Gallen ein Einladungsverfahren durch. Innert der
angesetzten Frist reichten vier Anbieter eine Offerte ein. Mit Verfügung vom 18. März
2005 vergab das Hochbauamt den Zuschlag für die Beschaffung der
Laboreinrichtungen zum Preis von Fr. 148'445.-- (inkl. MWSt) der R. Von Allmen AG,
Böckten. Als Begründung wurde angeführt, deren Angebot sei das wirtschaftlich
günstigste und preislich das günstigste derjenigen Offerten, welche den Vorgaben
entsprächen. Die Anbieterin bilde, im Gegensatz zur billigsten Anbieterin
(Unternehmervariante), welche keine Lehrlinge ausbilde, vier Lehrlinge aus.
B./ Mit Eingabe vom 21. März 2005 erhob die Waldner AG, Hinwil, Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Zuschlag zugunsten der R. Von Allmen AG sei
aufzuheben und neu zu beurteilen. Zur Begründung bringt sie im wesentlichen vor, die
Auftraggeberin bezeichne ihr Angebot als Unternehmervariante. Sie halte jedoch fest,
dass sie die Submissionsunterlagen vollständig ausgefüllt eingereicht habe und es sich
bei ihrer Offerte deshalb nicht um eine Unternehmervariante im Sinn der Verordnung
über das öffentliche Beschaffungswesen (sGS 841.11, abgekürzt VöB) handle. Es treffe
zwar zu, dass die Sammlungsschränke in der bewährten Standardausführung mit Glas-
Flügeltüren gerechnet seien anstatt mit den im Wortlaut verlangten
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Schiebetürschränken. Einen ähnlichen Vorbehalt habe sie auch bei der Farbgebung
gemacht.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 14. April 2005 auf Abweisung der
Beschwerde. Sie hält fest, die Auftraggeberin sei nicht verpflichtet, Varianten und
Teilangebote zu berücksichtigen. In den Ausschreibungsunterlagen sei festgehalten
worden, dass die Einreichung einer Unternehmervariante (Zusatzvariante zur
ausgeschriebenen Lösung) nur zusammen mit einem vollständigen Angebot für die
ausgeschriebene Aufgabe gemäss unverändertem Leistungsverzeichnis zugelassen
sei. Damit stehe fest, dass das Einreichen einer Unternehmervariante nur zusammen
mit einem vollständigen Angebot zulässig und die Auftraggeberin nicht verpflichtet
gewesen sei, Varianten zu berücksichtigen. Aus den Vorbringen der
Beschwerdeführerin gehe eindeutig hervor, dass diese innert der Eingabefrist für die
ausgeschriebenen Leistungen kein vollständiges Angebot eingereicht habe, da sie
namentlich den Mehrpreis für die Glasschiebefronten der Hängeschrankanlagen in ihrer
Offerte nicht ausgewiesen habe.
Die Beschwerdegegnerin beteiligte sich am Verfahren nicht.
Am 2. Mai 2005 teilte die Vorinstanz mit, am 28. April 2005 sei der Vertrag zwischen
dem Hochbauamt und der R. Von Allmen AG abgeschlossen worden.
In ihren Stellungnahmen vom 6. und 12. Mai 2005 hielten die Verfahrensbeteiligten an
ihren Anträgen fest.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 5 Abs. 2 des
Einführungsgesetzes zur Gesetzgebung über das öffentliche Beschaffungswesen, sGS
841.1, abgekürzt EGöB). Die Beschwerdeführerin ist als nicht berücksichtigte
Anbieterin zur Beschwerde legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
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Beschwerdeschrift vom 21. März 2005 wurde rechtzeitig innerhalb der Frist von zehn
Tagen eingereicht und kann formal und inhaltlich als den gesetzlichen Anforderungen
genügend betrachtet werden (Art. 15 Abs. 1 der Interkantonalen Vereinbarung über das
öffentliche Beschaffungswesen, sGS 841.32, abgekürzt IVöB; Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2./ Nach Art. 16 Abs. 1 IVöB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen,
einschliesslich Ueberschreitung oder Missbrauch des Ermessens, sowie unrichtige
oder unvollständige Feststellungen des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden.
Dagegen kann Unangemessenheit nicht gerügt werden (Art. 16 Abs. 2 IVöB). Diese
Vorschriften entsprechen den allgemeinen Grundsätzen des st. gallischen
Verfahrensrechts (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Im Beschwerdeverfahren gegen
Beschaffungsverfügungen kann somit nur geprüft werden, ob die Vorinstanz ihr
Ermessen überschritten oder missbraucht hat und damit rechtswidrig handelte (vgl.
statt vieler GVP 1999 Nr. 37 mit Hinweisen).
Art. 27 Abs. 1 VöB bestimmt, dass der Anbieter zusätzlich zum verlangten Angebot
Varianten oder Teilangebote einreichen kann. Vorbehalten bleiben abweichende
Bestimmungen in den Ausschreibungsunterlagen (Art. 27 Abs. 2 VöB).
Fest steht, dass die Vorinstanz in der Einladung zur Offertstellung ausdrücklich
Glasschiebetürvitrinen bzw. Glasschiebefronten bzw. Schiebetürgarnituren verlangte.
Die Beschwerdeführerin hielt in ihrem Begleitschreiben zur Offerte fest, die
Sammlungsschränke seien mit Glas-Flügel-türen gerechnet. Einen weiteren Vorbehalt
machte sie bezüglich der Farbe der Stahlrohrgestelle. Wie die Vorinstanz in ihrer
Vernehmlassung zutreffend festhält, hat die Beschwerdeführerin diesen Sachverhalt
nicht bestritten. Die Beschwerdeführerin hat ausdrücklich als zutreffend anerkannt,
dass sie die Sammlungsschränke in ihrer bewährten Standard-ausführung mit Glas-
Flügeltüren anstatt den im Wortlaut verlangten Schiebetürschränken gerechnet habe.
Einen ähnlichen Vorbehalt habe sie auch bei der Farbgebung gemacht, wo sie
ebenfalls auf die kalkulierten Standardfarben aufmerksam gemacht habe. Der
zuständige Sachbearbeiter der mit der Beschaffung beauftragten Unternehmung kenne
ihre qualitativ hochstehende Standardausführung sehr wohl aus früheren Aufträgen,
und es gebe gute technische und wirtschaftliche Argumente, die dafür sprächen. Sie
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habe ihm gegenüber ihre Bereitschaft erklärt, auf Wunsch eine Sonderausführung zu
liefern, und sie habe auch ihren Mehrpreis genannt. Dieser liege immer noch deutlich
unter dem berücksichtigten Preis der Beschwerdegegnerin.
Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen nicht darzutun, inwiefern der
Zuschlag rechtswidrig ist oder auf einem unrichtig festgestellten Sachverhalt beruht. Es
steht ausser Frage, dass das Angebot der Beschwerdeführerin hinsichtlich der
Ausführung der Schranktüren nicht dem Leistungsverzeichnis entsprach. Die
Auftraggeberin hat ausdrücklich Schiebetürvitrinen bzw. Glasschiebefronten verlangt,
während das Angebot der Beschwerdeführerin auf Flügeltüren basierte. Somit hat die
Vorinstanz deren Angebot zu Recht als Unternehmervariante bezeichnet. Es handelte
sich bei der Art und Ausführung der Türen nicht nur um eine geringfügige Abweichung,
sondern um eine von der Auftraggeberin explizit verlangte Eigenschaft des zu
beschaffenden Objekts. Unter diesen Umständen hätte die Beschwerdeführerin
gleichzeitig mit dem eingereichten Angebot auch ein solches unterbreiten müssen,
welches den verlangten Spezifikationen genau entsprach. Indem sie ausschliesslich ein
Angebot mit Flügeltüren anstelle eines solchen mit Schiebetüren einreichte, unterliess
sie dies, weshalb sich die Vorinstanz zu Recht auf den Standpunkt stellt, die
Beschwerdeführerin habe kein dem Leistungsverzeichnis entsprechendes Angebot
eingereicht.
Ob die mit der Beschaffung beauftragte Unternehmung die Qualität der
Standardprodukte der Beschwerdeführerin kennt und welche Vorteile diese Produkte
haben, ist im vorliegenden Fall nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Es stand der
Auftraggeberin frei, die aus ihrer Sicht zweckmässigen Objekte in der ihr zweckmässig
erscheinenden Ausführung zu verlangen und deren Anforderungen dementsprechend
zu umschreiben. Im Beschwerdeverfahren gegen den Zuschlag ist nicht zu prüfen, ob
die von der Auftraggeberin verlangte Leistung als solche sinnvoll ist oder nicht. Es ist
davon auszugehen, dass die Vorinstanz gute Gründe hatte, die Sammlungsschränke
bzw. Laborschränke mit Schiebetüren anstatt mit Flügeltüren zu beschaffen.
Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die Vorinstanz
zu Recht davon ausgegangen ist, dass das Angebot der Beschwerdeführerin eine
Unternehmervariante war und die Beschwerdeführerin kein Angebot eingereicht hat,
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das dem Leistungsverzeichnis entspricht. Folglich ist die Beschwerde gegen den
Zuschlag als unbegründet abzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ueber ausseramtliche Kosten ist mangels Antrags nicht zu befinden (Art. 98ter VRP in
Verbindung mit Art. 263 Abs. 3 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).