Decision ID: ad4c7995-15b6-4346-8b64-1bdf69c41f8d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Im Verfahren der Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») mit dem Verfah-
renszeichen SV.21.0580 betreffend Massnahme gemäss Art. 73 StGB,
sprach die BA B. mit Verfügung vom 4. Mai 2022 keine eingezogenen Ver-
mögenswerte zu. Die BA begründete diesen Entscheid im Wesentlichen da-
mit, dass B. keinen Antrag auf Zusprechung eingezogener Vermögenswerte
gestellt habe, obschon die BA mit eingeschriebener Postsendung vom
15. Januar 2021 der C. GmbH Frist bis 24. Januar 2022 eingeräumt habe,
um namens ihrer Mandantschaft, die am eingestellten Verfahren
EAII.07.0033 als Privatklägerschaft teilgenommen habe, Vollstreckungstitel
zu erwirken und bei der BA einzureichen. Dem Schreiben vom 15. Januar
2021 habe das Formular «Antrag auf Zusprechung eingezogener Vermö-
genswerte zu Gunsten Geschädigter (Art. 73 StGB)» beigelegen, das bis
22. Februar 2021 an die BA zu retournieren gewesen sei. Im Namen von B.
seien weder ein Vollstreckungstitel noch ein Antrag auf Zusprechung einge-
zogener Vermögenswerde eingereicht worden. Sowohl Vollstreckungstitel
als auch ein ausdrücklicher Antrag («auf dessen Verlangen») seien zwin-
gende Erfordernisse für die Anordnung einer Zuweisung zu Gunsten des Ge-
schädigten. Die gesetzlichen Voraussetzungen gemäss Art. 73 Abs. 1 StGB
seien demnach nicht erfüllt (Akten BA, pag. 03.000-0001 ff., ...50 f.).
B. Mit als «Beschwerde gegen Verfügung Strafverfahren EAII.07.0033, Verfah-
rensnummer bei Bundesanwaltschaft: SV.21.0580, Geschädigter: B.» be-
zeichneter Eingabe vom 18. Juni 2022 gelangte A. an die Beschwerdekam-
mer des Bundesstrafgerichts. A. bringt vor, Tochter und rechtmässige Erbin
des Geschädigten B. zu sein. Die Verfügung und Aktenstücke habe sie erst
am 17. Juni 2022 durch die BA Bern übergeben bekommen. Sie habe vor
diesem Zeitpunkt keine Informationen über das Strafverfahren gehabt. Ihr
Vater B. sei bereits am 13. April 2018 verstorben. Seitdem seien keine Do-
kumente das Strafverfahren betreffend an die der BA vorliegenden Wohna-
dresse ihres Vaters, noch an sie, seine rechtmässige Alleinerbin versandt
worden. Es sei demnach verabsäumt worden, sie rechtzeitig über das Straf-
verfahren, die Fristen und den Vollstreckungstitel zu benachrichtigen. Daher
lege sie fristgerecht Beschwerde ein und fordere die Zusprechung der Ver-
mögenswerte aus dem Verfahren für den Geschädigten B. ein (act. 1).
C. Mit Schreiben vom 22. Juni 2022 bat die Beschwerdekammer die BA, die
Verfügung und Aktenstücke einzureichen, die A. am 17. Juni 2022 überge-
ben worden seien (act. 2). Am 27. Juni 2022 (Postaufgabe 28. Juni 2022)
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reichte die BA die Akten betreffend Aushändigung der Verfügung vom 4. Mai
2022 an A. ein (act. 5).
D. Am 29. August 2022 ging bei der Beschwerdekammer eine Kopie zur Kennt-
nis eines Schreibens der BA vom 26. August 2022 betreffend das Verfahren
SV.21.0580 ein (act. 6). Die Eingabe wird A. mit vorliegendem Beschluss zur
Kenntnis gebracht.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO (i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO und
Art. 37 Abs. 1 StBOG) kann gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen
der Bundesanwaltschaft bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts Beschwerde erhoben werden. Art. 393 StPO liegt – wie Art. 86 BGG
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_674/2019 vom 29. Juli 2019 E. 2.2) – der
Gedanke zugrunde, dass die Beschwerdekammer mit einer Angelegenheit
nicht befasst werden soll, wenn die erhobenen Rügen vollumfänglich einer
ihrer Vorinstanzen wirksam vorgetragen werden können. Die Beschwerde-
führerin bestreitet nicht, dass die Beschwerdegegnerin der C. GmbH Frist
zur Stellung des Gesuches und zur Einreichung von Vollstreckungstiteln ge-
setzt hat und dass diese unbenutzt verstrichen sei. Durch ihre Erläuterungen
laufen die Vorbringen der Beschwerdeführerin auf die Geltendmachung ei-
nes Fristwiederherstellungsgrundes hinaus. Mit einem Fristwiederherstel-
lungsgesuch gemäss Art. 94 StPO bei der Behörde, bei welcher die ver-
säumte Verfahrenshandlung hätte vorgenommen werden sollen, können
diesbezügliche Entschuldigungsgründe wirksam vorgebracht werden. Wenn
wie vorliegend keine über das Thema Fristversäumnis hinausgehende Rü-
gen betreffend die Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung erhoben
werden (können), ist grundsätzlich zuerst von diesem speziellen Rechtsbe-
helf Gebrauch zu machen, bevor der Weg an die Beschwerdekammer be-
schritten wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_674/2019 vom 29. Juli 2019
E. 2.2). Nach dem Gesagten ist auf die Beschwerde nicht einzutreten und
die vorliegende Eingabe zuständigkeitshalber an die Beschwerdegegnerin –
die für das fragliche Fristwiederherstellungsgesuch zuständige Behörde –
weiterzuleiten.
2. Auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr ist zu verzichten (Art. 5 BStKR).
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3. Mitteilungen sind den Adressatinnen und Adressaten an ihren Wohnsitz, ih-
ren gewöhnlichen Aufenthaltsort oder an ihren Sitz zuzustellen (Art. 87
Abs. 1 StPO). Parteien und Rechtsbeistände mit Wohnsitz, gewöhnlichem
Aufenthalt oder Sitz im Ausland haben in der Schweiz ein Zustellungsdomizil
zu bezeichnen; vorbehalten bleiben staatsvertragliche Vereinbarungen, wo-
nach Mitteilungen direkt zugestellt werden können (Art. 87 Abs. 2 StPO).
Die Beschwerdeführerin gibt in ihrer Beschwerde eine Adresse in den Verei-
nigten Staaten von Amerika an. Zwischen der Schweiz und den Vereinigten
Staaten von Amerika besteht keine staatsvertragliche Vereinbarung, wonach
Mitteilungen direkt zugestellt werden können. Der vorliegende Beschluss ist
auf dem diplomatischen Weg zuzustellen.
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