Decision ID: ba656c1f-6e3c-46ac-9ae0-4775a33db8be
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Nicola Celia, Zürcherstrasse 49, Postfach 644,
8853 Lachen SZ,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Erlass der Rückerstattung von Ergänzungsleistungen zur AHV
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1936 geborene, am 13. März 2002 verwitwete T._ meldete sich am 6. Juni
2002 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zur AHV (Witwenrente) an. Im
Anmeldeformular war unter anderem angegeben, sie verfüge über ein Sparvermögen
von Fr. 7'760.30. Die weiteren Fragen nach allfälligem Vermögen, insbesondere auch
die Frage nach Grundeigentum im In- oder Ausland, waren ebenso verneint wie die
Frage, ob sie an einer unverteilten Erbschaft beteiligt sei. Mit einer Verfügung vom 22.
August 2002 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen der
Versicherten mit Wirkung ab 1. Juni 2002 eine ordentliche Ergänzungsleistung und eine
ausserordentliche Ergänzungsleistung zu. Die Anspruchsberechnung wies als einzigen
Vermögenswert das deklarierte Sparvermögen aus. Bereits am 10. Mai 2002 hatte die
Versicherte aus der Kollektiv-Lebensversicherung des verstorbenen Ehemannes
Fr. 111'855.40 ausbezahlt erhalten. Darüber wurde die Sozialversicherungsanstalt aber
erst am 9. Oktober 2002 informiert. Die AHV-Zweigstelle forderte die EL-
Durchführungsstelle auf, eine Rückforderung vorzunehmen. Trotzdem berücksichtigte
diese das sich seit Mai 2002 auf Fr. 119'615.-- belaufende Sparvermögen erst ab
1. November 2002 (Verfügung vom 24. Oktober 2002). In der Folge wurde der EL-
Anspruch verschiedentlich angepasst.
A.b Am 23. Mai 2005 unterzeichnete die Versicherte ein Revisionsformular. Wieder
verneinte sie die Fragen nach Grundeigentum im In- und Ausland und nach einer
Beteiligung an einer unverteilten Erbschaft. Die Steuerveranlagungsberechnung 2004
wies aber ein Liegenschaftsvermögen von Fr. 35'000.-- aus. Die
Sozialversicherungsanstalt nahm am 13. September 2005 Abklärungen auf (unter
anderem betreffend die italienische Rente, die Abnahme des Sparvermögens und die
Liegenschaft). Nachdem sie den EL-Anspruch am 9. Januar 2006 auf monatlich
Fr. 514.-- festgesetzt hatte, reduzierte sie ihn anpassungs-, aber auch
wiedererwägungsweise (betreffend diverse Positionen) am 16. Februar 2006 ab 1. März
2006 auf Fr. 270.--. Am 17. Juli 2006 übermittelte die AHV-Zweigstelle eine
Liegenschaftsschätzung vom 20. Juni 2006, die einen Wert des Anteils der
Versicherten an der Liegenschaft von 27'000 Euro auswies. Auf Anfrage der
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Sozialversicherungsanstalt, seit wann die Versicherte im Besitz der Liegenschaft sei,
liess sie am 5. September 2006 telefonisch mitteilen, das Haus sei zwischen 1955 und
1965 gebaut worden. Mit Verfügung vom 4. August 2006 setzte die
Sozialversicherungsanstalt den EL-Anspruch der Versicherten mit dem Hinweis, dass
die rückwirkende Berechnung später erfolgen werde, ab 1. August 2006 auf Fr. 250.--
pro Monat herab (höhere italienische Rente, Liegenschaftswert Fr. 41'949.-- und
jährlicher Mietertrag von Fr. 2'097.--). Am 5. September 2006 verfügte die
Sozialversicherungsanstalt eine Rückforderung an die Versicherte für in der Zeit vom
1. Juni 2002 bis 31. Juli 2006 zuviel bezogene Leistungen von insgesamt Fr. 12'129.--
(ordentliche Ergänzungsleistungen im Betrag von Fr. 11'424.--; ausserordentliche
Ergänzungsleistungen für die Zeit von 1. Juni bis 31. Oktober 2002 im Betrag von
Fr. 705.--), weil die Liegenschaft in der ursprünglichen Verfügung mangels Deklaration
nicht berücksichtigt worden sei.
A.c In der Einsprache vom 22. September 2006 gegen die Verfügung vom 5.
September 2006 brachte die Versicherte vor, sie habe sich in gutem Glauben mit dem
Ersuchen um Unterstützung und Hilfe an die AHV-Zweigstelle gewandt, weil sie der
deutschen Sprache nicht mächtig sei. In den Steuererklärungen habe sie das
Grundeigentum immer ausgewiesen. Sie könne nicht nachvollziehen, wieso die
Steuererklärungen und diverse andere Unterlagen bei der Anmeldung nicht
mitgeschickt und wieso die entsprechenden Angaben im Anmeldeformular nicht
gemacht worden seien. Der Einsprache lag die Steuererklärung 2002 bei. Die
Sozialversicherungsanstalt wies die Einsprache am 14. Dezember 2006 ab.
A.d Im Beschwerdeverfahren liess die Versicherte am 15. Januar 2007 einwenden, sie
habe sich von A._ von der AHV-Zweigstelle helfen lassen, welche ihre Familie lange
gekannt, über die Liegenschaft in Italien Bescheid gewusst und das Anmeldeformular
ausgefüllt habe. Die Versicherte könne nicht sagen, warum die Frage nach
Grundeigentum verneint worden sei. Sie sei gutgläubig davon ausgegangen, dass das
Formular richtig ausgefüllt und dass die Steuererklärung beigelegt worden sei. Bereits
in der Steuerveranlagung 2002 sei die Liegenschaft enthalten gewesen. Die EL-
Durchführungsstelle habe seit dem 23. Mai 2005 über die Liegenschaft im Wert von
Fr. 35'000.-- Bescheid gewusst. Sie hätte sich die Auskunft, seit wann die Versicherte
Eigentümerin der Liegenschaft sei, durch einen einfachen Telefonanruf bei der
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Gemeindeverwaltung oder beim Sohn der Versicherten holen können. Die
Erlassvoraussetzungen seien offensichtlich erfüllt. Da die Liegenschaft seit 2002
steuerlich deklariert worden sei, könne von einer absichtlichen oder grobfahrlässigen
Täuschung keine Rede sein. Angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse der
Versicherten würde die Rückerstattung eine grosse Härte bedeuten. - Die
Sozialversicherungsanstalt beantragte am 22. Januar 2007 die Abweisung der
Beschwerde. Es treffe nicht zu, dass Mitarbeiter der Zweigstelle vor dem 30. Mai 2005
über die Liegenschaft Bescheid gewusst hätten. - Die Versicherte liess am 23. Januar
2007 einwenden, die EL-Durchführungsstelle hätte bei der AHV-Zweigstelle telefonisch
nachfragen können, seit wann die Liegenschaft versteuert werde. Dann hätte sie die
Auskunft erhalten, dass bereits die Steuerveranlagung 2002 die Liegenschaft
ausgewiesen habe. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess die
Beschwerde mit Entscheid vom 3. Mai 2007, soweit auf sie eingetreten werden konnte,
teilweise gut und setzte die Rückforderung ordentlicher Ergänzungsleistungen auf
Fr. 11'259.-- fest. Den Rekurs hiess es, soweit auf ihn eingetreten werden konnte,
vollumfänglich gut und hob die Rückforderung ausserordentlicher
Ergänzungsleistungen auf. Der Entscheid wurde rechtskräftig.
B.
B.a Daraufhin nahm die Sozialversicherungsanstalt am 3. Juli 2007 Abklärungen zu
dem Erlassgesuch an die Hand, das die Versicherte bereits am 25. September 2006
gestellt und worin sie geltend gemacht hatte, sie habe die von der AHV-Zweigstelle
ausgefüllten Formulare in gutem Glauben lediglich unterzeichnet, denn sie sei der
deutschen Sprache nicht mächtig. Der Rechtsvertreter der Versicherten wiederholte mit
Schreiben vom 16. Juli 2007 den gestellten Antrag um Erlass. Die Sachbearbeiterin der
Zweigstelle, welche der Versicherten bei der Anmeldung geholfen habe, habe über die
Liegenschaft in Italien Bescheid gewusst. Weshalb die Frage nach Grundeigentum
dann trotzdem verneint worden sei, könne die Versicherte nicht sagen. Sie habe
gutgläubig angenommen, die Zweigstelle habe das Formular richtig ausgefüllt und die
Steuererklärung beigelegt. Sie habe nichts zu verbergen und habe die Liegenschaft
denn auch bereits im Jahr 2002 den Steuerbehörden deklariert. Von einer absichtlichen
oder grobfahrlässigen Täuschung könne daher keine Rede sein. Zu berücksichtigen
sei, dass der Versicherten zum Anmeldezeitpunkt eben erst der Ehemann verstorben
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gewesen sei und ihr nebst den erforderlichen Verfahrens- und Sprachkenntnissen auch
die nötige Kraft gefehlt habe, weshalb sie um die Hilfe der Zweigstelle froh gewesen sei
und dieser volles Vertrauen geschenkt habe. Die Gutgläubigkeit der Versicherten sei zu
vermuten und nach dem Gesagten offensichtlich.
B.b Mit Verfügung vom 26. Juli 2007 wies die Sozialversicherungsanstalt das
Erlassgesuch ab. Die Voraussetzungen des guten Glaubens seien nicht erfüllt. Es sei
der Versicherten gemäss dem vorhandenen Vermögen möglich, die Rückforderung zu
begleichen.
B.c Mit Einsprache vom 24. August 2007 liess die Versicherte die Aufhebung der
Verfügung vom 26. Juli 2007 und den Erlass der Rückforderung von Fr. 11'259.--
beantragen. Die Liegenschaft in Italien habe dem verstorbenen Ehemann der
Versicherten gehört und sei nach seinem Tod zu je einem Drittel zwischen der
Versicherten und den beiden Söhnen aufgeteilt worden. Aus der Steuererklärung 2002
gehe hervor, dass die Erbteilung am 14. November 2002 erfolgt sei. Dass die
Versicherte die Liegenschaft vor der EL-Anmeldung vom 6. Juni 2002 besessen habe,
sei daher aktenwidrig und falsch. Sie habe die Liegenschaft vielmehr erst nach Beginn
des EL-Anspruchs besessen, und zwar nur zu einem Drittel, und sie habe die
Liegenschaft den Steuerbehörden am 9. Mai 2003 unverzüglich für das Steuerjahr 2002
deklariert. Mit dem EL-Revisionsformular vom 23. Mai 2005 habe die
Sozialversicherungsanstalt die Steuerveranlagungsverfügung 2004 erhalten, aus der
ersichtlich sei, dass die Versicherte eine Liegenschaft im Wert von Fr. 35'000.--
besitze. Von einer Meldepflichtverletzung könne somit weder im einen noch im andern
Fall die Rede sein. Aufgrund ihrer Schulbildung und des beruflichen Werdegangs sei
nicht erstaunlich, dass die Versicherte nur gebrochen Deutsch spreche und die
Sprache ungenügend verstehe und sich beim Umgang mit Behörden schon immer
habe helfen lassen müssen.
B.d Mit Entscheid vom 23. Oktober 2007 wies die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen die Einsprache ab. Für die Anrechnung von Erbschaftsvermögen sei
grundsätzlich der Zeitpunkt des Erwerbs der Erbschaft (Art. 506 ZGB, recte: Art. 560
ZGB; Eröffnung des Erbgangs) massgebend. Die Versicherte hätte bei der Anmeldung
angeben müssen, dass sie an einer unverteilten Erbschaft beteiligt sei. Die Verneinung
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der Frage stelle eine Verletzung der Auskunftspflicht dar. Dass die Versicherte sich
beim Ausfüllen des Formulars habe helfen lassen, habe sie nicht von der Überprüfung
der Angaben entbunden. Eine solche hätte durch Übersetzung der Fragen und
Antworten mit Hilfe ihrer Söhne oder einer Drittperson erfolgen müssen. Die Frage nach
einer Beteiligung an einer unverteilten Erbschaft sei auch für eine relativ ungebildete
Person verständlich. Die Versicherte könne sich nicht auf besondere Umstände
berufen, welche ihr die Kontrolle verunmöglicht hätten. Es sei von einer nicht leicht zu
nehmenden Verletzung der Auskunftspflicht auszugehen. Mangels des gutgläubigen
Bezugs erübrige sich eine Abklärung der grossen Härte.
C.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Nicola
Celia für die Betroffene am 29. Oktober 2007 (Poststempel: 30. Oktober 2007)
erhobene Beschwerde mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben
und die Rückforderung sei vollumfänglich zu erlassen, ausserdem sei der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin legt unter anderem dar, auf die Liegenschaft in
Italien sei nach Art. 86 Abs. 2 IPRG und einem Staatsvertrag italienisches Recht
anwendbar. Sämtliche erbrechtlichen Fragen (auch der Zeitpunkt des Erwerbs der
Erbliegenschaft) richteten sich nach italienischem Recht, das für den Erwerb eine
Annahme voraussetze. Diese ausdrückliche bzw. konkludente Annahme der Erbschaft
sei frühestens anlässlich der Erbteilung erfolgt. Bei der EL-Anmeldung sei die
Beschwerdeführerin somit noch nicht Miteigentümerin der Liegenschaft und nicht an
einer unverteilten Erbschaft beteiligt gewesen. Mit dem Revisionsformular vom 23. Mai
2005 habe die Beschwerdegegnerin die Steuerveranlagungsverfügung 2004 erhalten,
aus der ersichtlich gewesen sei, dass die Beschwerdeführerin eine Liegenschaft im
Wert von Fr. 35'000.-- besitze. Eine Meldepflichtverletzung habe nicht stattgefunden.
Die Beschwerdeführerin habe sich damals kurz nach dem Tod ihres schwerkranken
Ehemannes in einer absoluten Ausnahmesituation befunden, welche es ihr
verunmöglicht habe, die Angaben im Formular selbständig zu kontrollieren. Das
beweise sich aus dem Umstand, dass die Liegenschaft in der Steuerveranlagung 2004
ohne weiteres deklariert sei. Selbst wenn man trotzdem von einer
Meldepflichtverletzung ausginge, sei das Verhalten als leichte Fahrlässigkeit zu
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bewerten. Die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage gewesen, den vorgeworfenen
Rechtsmangel zu erkennen. Sie bleibe weiterhin EL-Bezügerin, weshalb die grosse
Härte offensichtlich erfüllt sei.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 21. November 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Selbst wenn das italienische Recht
mit der von der Beschwerdeführerin genannten Folge zur Anwendung kommen sollte,
so hätte sie bei der EL-Anmeldung wenigstens angeben müssen, dass das Schicksal
einer Beteiligung an einer unverteilten Erbschaft noch in der Schwebe liege. Da sie das
unterlassen habe, bleibe es bei der Verletzung der Auskunftspflicht.
E.
Mit Replik vom 26. November 2007 bringt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
vor, diese habe die Frage nach der unverteilten Erbschaft richtig beantwortet. Die
Antwort, dass eine Beteiligung an einer unverteilten Erbschaft "in der Schwebe" sei,
könne nirgends angekreuzt werden. Juristische Kenntnisse könnten bei der
Beschwerdeführerin nicht vorausgesetzt werden. Nicht einmal der
Beschwerdegegnerin sei aufgefallen, dass nicht Schweizer Recht anwendbar sein
könne. Hätte die Beschwerdegegnerin ausserdem so sorgfältig gearbeitet, wie sie es
von der 70-jährigen Beschwerdeführerin verlange, so hätte sie angesichts der
deklarierten Verwitwung knapp drei Monate vor der Anmeldung selber herausfinden
müssen, dass noch zusätzliche Informationen einzuholen seien. Die
Beschwerdeführerin könne sich auf ihren guten Glauben berufen.
F.
Die Beschwerdegegnerin hat am 3. Dezember 2007 an ihrem Antrag festgehalten.

Erwägungen:
1.
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Über die Rückforderung von ordentlichen Ergänzungsleistungen von Fr. 11'259.-- ist
rechtskräftig entschieden. Streitgegenstand bildet vorliegend einzig die Ablehnung des
Erlassgesuchs. Der Sachverhalt, der für die Bewilligung oder Verweigerung des
Erlasses der Rückerstattungsschuld massgebend ist, nämlich der Leistungsbezug und
das Verhalten der Beschwerdeführerin (insbesondere das fragliche Unterlassen einer
Anzeige oder Meldung) haben sich vor dem 1. Januar 2008 ereignet, so dass das auf
diesen Zeitpunkt hin in Kraft getretene ELG vom 6. Oktober 2006 nicht anwendbar ist.
2.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG, welcher
gemäss Art. 1 Abs. 1 ELG auch im Bereich der Ergänzungsleistungen anwendbar ist,
zurückzuerstatten (Satz 1); wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie
nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Satz 2). Für einen Erlass
müssen beide Voraussetzungen (gutgläubiger Bezug und grosse Härte) kumulativ
erfüllt sein.
3.
3.1 Die Rückforderung hatte ihren Grund darin, dass der EL-Anspruch der
Beschwerdeführerin ohne Berücksichtigung ihres Liegenschaftsvermögens berechnet
worden war.
3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 ATSG muss, wer Versicherungsleistungen beansprucht,
unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur
Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich sind. Im Anmeldeformular zum
Bezug von Ergänzungsleistungen, das die Beschwerdeführerin am 6. Juni 2002
unterzeichnet hat, war angegeben, sie verfüge weder über Grundeigentum noch sei sie
an einer unverteilten Erbschaft beteiligt. Eine Liegenschaftsschätzung vom 20. Juni
2006 (act. 65-4 ff./9) enthält ein Gutachten über den Marktwert von vier Parzellen (zwei
kleine Wohnungen, ein Lager und ein landwirtschaftliches Grundstück) in einer
italienischen Gemeinde, und zwar bezogen auf den Eigentumsanteil der
Beschwerdeführerin. Die beiden Wohnungen stünden im alleinigen Eigentum der
Beschwerdeführerin und seien 25'000 Euro wert. Das Lager und der landwirtschaftliche
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Boden mit Marktwerten von 5'000 und von 1'000 Euro gehörten aufgrund der Erbfolge
in den Nachlass des Ehemannes der Beschwerdeführerin zu einem Drittel der
Beschwerdeführerin (also mit einem Wert von zusammen 2'000 Euro) und zu zwei
Dritteln den beiden Söhnen. Daraus geht somit hervor, dass das Eigentum am
wertmässigen Hauptteil der Grundstücke, nämlich dasjenige an den Wohnungen,
unabhängig vom Erbgang ihres Ehemannes allein der Beschwerdeführerin zustand,
und zwar gemäss der Auskunft vom 5. September 2006 wohl schon seit langem,
jedenfalls schon vor Juni 2002. Die entsprechende Angabe im Anmeldeformular erweist
sich demnach als falsch.
3.3 Die Beschwerdeführerin macht für diesen Fall einer Auskunftspflichtverletzung
geltend, sie habe das Grundeigentum in der Steuererklärung angegeben und sich bei
der EL-Anmeldung gutgläubig auf die Hilfe der AHV-Zweigstelle beim Ausfüllen des
Formulars verlassen dürfen. Sie sei zur Zeit der Anmeldung infolge des kürzlich
erlebten Todes ihres kranken Ehegatten und der mangelnden (Sprach-)Kenntnisse
nicht in der Lage gewesen, die Angaben im Formular selbständig zu kontrollieren. Der
Beschwerdeführerin mag zuzubilligen sein, dass sie sich der Unrechtmässigkeit der
entgegengenommenen Ergänzungsleistungen nicht bewusst gewesen ist und nicht
absichtlich zu hohe Leistungen erwirkt und bezogen hat. Die Erlassvoraussetzung des
guten Glaubens ist aber nicht schon mit der Unkenntnis des Rechtsmangels gegeben.
Die Rechtsprechung unterscheidet zwischen dem guten Glauben als fehlendem
Unrechtsbewusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den gegebenen Umständen
auf den guten Glauben berufen kann beziehungsweise ob er bei zumutbarer
Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen sollen (BGE
122 V 223 E. 3). Der Bezüger unrechtmässiger Leistungen darf sich nicht nur keiner
böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht
haben. Der Erlass der Rückforderung ist daher zu verweigern, wenn der
Leistungsbezüger die nach den Umständen gebotene zumutbare Aufmerksamkeit nicht
beachtet oder seine Meldepflicht hinsichtlich Änderungen in den massgebenden
Verhältnissen in grober Weise verletzt hat (BGE 102 V 245). Die versicherte Person, die
sich auf den guten Glauben beruft, darf ihre Melde- und Auskunftspflicht somit nicht in
grober Weise verletzt haben; eine bloss leichte Verletzung der Sorgfalts- und
Aufmerksamkeitspflicht schliesst hingegen eine Berufung auf den guten Glauben nicht
aus (BGE 110 V 176 = ZAK 1985 S. 63). Nach der Rechtsprechung ist grobe
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Fahrlässigkeit gegeben, wenn jemand das ausser Acht lässt, was jedem verständigen
Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte
einleuchten müssen (BGE 110 V 181 E. 3d). Das Mass der erforderlichen Sorgfalt
beurteilt sich also zwar nach einem objektiven Massstab, doch darf das den
Betroffenen in ihrer Subjektivität noch Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit,
Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden (RKUV 1989 Nr. U
79 S. 368; vgl. zum Ganzen auch der Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S E. vom 14. August 2006, I 622/05).
3.4 Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass eine
grobfahrlässige Nachlässigkeit bejaht werden muss, wenn konkrete, formularmässig
gestellte Fragen unrichtig (oder gar nicht) beantwortet werden. Dass das Formular von
dritter Seite ausgefüllt wird, vermag die versicherte Person praxisgemäss von ihrer
Verantwortung für die Richtigkeit der Angaben nicht zu entlasten (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S H. vom 15. Mai 2000, P 49/99, mit
Hinweisen auf BGE 110 V 181 f. E. 3d und Ulrich Meyer, Die Rückerstattung von
Sozialversicherungsleistungen, in: ZBJV 1995 S. 484; vgl. ZAK 1989 S. 179). Die
vorliegend geschilderten Umstände sind nicht geeignet, die Auskunftspflichtverletzung
davon abweichend als lediglich leichte Fahrlässigkeit zu beurteilen. Es liegt keine
Urteilsunfähigkeit der Beschwerdeführerin (vgl. BGE 112 V 97 = ZAK 1987 S. 488) vor.
Auszugehen ist demnach von grober Fahrlässigkeit, zumal der Umstand des Eigentums
an den Grundstücken mit ihrem angesichts der übrigen finanziellen Verhältnisse der
Beschwerdeführerin nicht unbedeutenden Wert von ihr nicht zu übersehen war.
3.5 Kann sich die Beschwerdeführerin nicht auf ihren guten Glauben beim Bezug der
überhöhten Leistungen berufen, so kann dahingestellt bleiben, ob die
Erlassvoraussetzung der grosse Härte erfüllt wäre. Die Beschwerdegegnerin hat das
Erlassgesuch zu Recht abgelehnt.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
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4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben. Es besteht bei diesem Ausgang des
Verfahrens kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Beschwerdeführerin hat
aber ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung stellen lassen. Die
Voraussetzungen sind erfüllt, so dass diese zu bewilligen ist, wobei Rechtsanwalt lic.
iur. Nicola Celia, Lachen, zum Beistand bestimmt wird. Die Höhe der Entschädigung ist
vom Gericht ermessensweise festzusetzen. Eine Entschädigung von Fr. 3'500.--
erscheint als angemessen. Diese Entschädigung ist in Anwendung von Art. 31 Abs. 3
des st. gallischen Anwaltsgesetzes um 20 % auf Fr. 2'800.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu kürzen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG