Decision ID: d43da8c6-2764-4632-aac3-16f32f39c1a8
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1994, bezieht seit 1. September 2015 eine ganze Rente der Invalidenversicherung (vgl. Urk. 14/2/10-13). Am 11. März 2019 (Eingangs
datum) meldete sich der Versicherte beim Sozialversicherungszentrum Thurgau zum Bezug von Zusatzleistungen zu
seiner Invalidenrente an (Urk.
14/2/1-6).
Mit Verfügung vom 8. November 2019 (Urk. 14/21) trat das Sozialversicherungs
zentrum Thurgau unter Hinweis auf die mangelnde kantonale Zuständigkeit nicht auf die Anmeldung des Versicherten ein. Die dagegen vom Versicherten am 4. Dezember 2019 erhobene Einsprache (Urk. 14/22/1) wies das Sozialver
sicherungszentrum Thurgau mit Entscheid vom 27. Mai 2020 ab (Urk. 14/30 = Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid des Sozialversicherungszentrums Thurgau vom 27. Mai 2020 (Urk. 2) erhob der Versicherte mit Eingabe vom 26. Juni 2020 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und es sei festzustellen, d
ass das Sozialversicherungszent
rum Thurgau auf sein Gesuch um Ausrichtung von Ergänzungsleistungen einzutreten und dieses zu beurteilen habe (S. 2 Ziff. 1 und 2). Eventuell sei sein Wohnsitz festzustellen, mithin die kantonale und inner
kantonale Zuständigkeit zur Beurteilung seines Gesuchs (S. 2 Ziff. 3). Der Beschwerdegegner ersuchte in der Beschwerdeantwort vom 1. September 2020 um Abweisung der Beschwerde (Urk. 13). Diese Eingabe wurde dem Beschwerde
führer am 2. September 2020 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 15). Der Beschwerdeführer reichte am 14. September 2020 (Urk. 16) eine
Nichteintretens
verfügung
der Ausgleichskasse Bern sowie seine dagegen erhobene Einsprache (Urk. 17/1-2) ein, was dem Beschwerdegegner am 18. September 2020 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraus
setzungen nach Art. 4-6 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zusatzleis
tungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (Art. 2 Abs. 1 ELG).
Zuständig für die Festsetzung und die Auszahlung der Ergänzungsleistung ist der Kanton, in dem der Bezüger Wohnsitz hat (Art. 21 Abs. 1 Satz 1 ELG). Der Wohn
sitz einer Person bestimmt sich gemäss Art. 13 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
nach Art. 23-26 des Zivilgesetzbuches (ZGB).
1.2
Nach Art. 23 Abs. 1
Teils
atz
1
ZGB befindet sich der Wohnsitz einer Person an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Für die Begründung
ein
es Wohnsitzes müssen somit zwei Merkmale erfüllt sein: ein objektives äusseres, der Aufenthalt, sowie ein subjektives inneres, di
e Absicht dauernden Verbleibens, wobei dieses
Element
aufgrund von erkennbaren Umständen objektiv bestimmt werden muss
.
Zu diesen Umständen zählen die Erwirkung einer Niederlassungsbewilligung, die unangefochtene Inanspruch
nahme der Steuerhoheit, die einwohnerrechtliche Registrierung, die polizeiliche Anmeldung beziehungsweise die Schriftenhinterlegung und die tatsächlichen Wohnverhältnisse. Es geht regelmässig um die Klärung der Frage, wo im konkre
ten Fall der Lebensmittelpunkt liegt
(
Ueli
Kieser
, Kommentar zum
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
, 4
.
Auflage, Zürich
/St.
Gallen
20
20
, Art. 13
N 16
f.
mit Hinweisen).
Der Aufenthalt zum Zweck der Ausbildung oder die Unterbringung einer Person in einer Erziehungs- oder Pflegeeinrichtung, einem Spital oder einer Strafanstalt begründet gemäss Art. 23 Abs. 1
Teils
atz
2 ZGB für sich allein keinen Wohnsitz.
Die Unterbringung ist eine Einweisung durch Dritte, die nicht aus eigenem Willen erfolgt.
Keine Unterbringung ist
der
freiwillige,
selbst
bestimmte Eintritt einer urteilsfähigen Person
in eine Anstalt. Wird dadurch der Lebensmittelpunkt in die Anstalt verlegt, wie beispielsweise bei einem Pflegeheim, so begründet dies einen Wohnsitz
(vgl
. Daniel
Staehelin
in: Basler Kommentar Zivilgesetzbuch I, 6. Auf
lage, Basel 2018
, Art. 23 ZGB N 19h).
Gemäss Art. 24 Abs. 1 ZGB bleibt
der einmal begründete
Wohnsitz
einer Person
bestehen
bis zum Erwerb eines neuen Wohnsitzes
.
1.
3
Ungeachtet des dargelegten zivilrechtlichen Grundsatzes, wonach mit dem selbst
bestimmten Eintritt in eine Institution Wohnsitz begründet werden kann, bestimmt Art. 21 Abs. 1 Satz 2 ELG, dass der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer anderen Anstalt keine neue Zuständigkeit begründet.
In diesem Bereich
hat der Gesetzgeber somit eine Regelung getroffen, bei welcher - ähnlich wie im Fürsorgebereich - der zivilrechtliche Wohnsitz und die Zuständigkeit für die Festsetzung und die Auszahlung der (Ergänzungs-)Leistung auseinanderfallen können
(vgl. BGE 142 V 67 E. 3
.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner führte im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) aus,
der Beschwerdeführer scheine
aufgrund der Tatsache, dass
er
in die Wohnung eines Bekannten nach
Z._
gezogen sei und bei ihm ein Zimmer gemietet habe, sowie des Umstandes, dass er sich bei der Einwohnerkontrolle der Gemeinde
Z._
angemeldet habe und fortan in
Z._
besteuert worden sei, in der Gemeinde
Z._
Wohnsitz genommen zu haben. Die erste Voraussetzung zur Begründung eines Wohnsitzes, der Aufenthalt als objektives äusseres Merk
mal, sei gegeben. Bei der Würdigung des Sachverhalts unter Beachtung der zwei
ten Voraussetzung, der Absicht des dauernden Verbleibens als subjektives inneres Merkmal, zeige sich, dass diese nicht erfüllt sei (S. 4 Mitte). Der Beschwerdeführer habe knapp eine Woche in
Z._
gewohnt. Seither habe er ausschliesslich in Zürich und im Fürstentum Liechtenstein gelebt. Weder sein familiäres, berufliches noch soziales Umfeld befinde sich in
Z._
oder im Kanton Thurgau. Der Lebensmittelpunkt sei nie im Kanton Thurgau respektive
Z._
im Konkreten gewesen; er habe einzig deshalb eine Woche dort gelebt, weil er bei einem Bekannten ein Zimmer habe mieten können. Nach dem Auszug habe er sich keine neue Wohnmöglichkeit in oder um
Z._
gesucht (S. 4 unten). Dies lasse unter Beachtung der Rechtsprechung des Sozialversicherungsgerichts des Kan
tons Zürich (ZL.2012.00118) nur den Schluss zu, dass er nie die Absicht des dauernden Verbleibens in
Z._
gehabt habe (S. 4 f.). Im Übrigen habe der Beschwerdeführer spätestens durch seinen mehrmonatigen Aufenthalt in der Stadt Zürich ab dem 20. Februar 2015 einen neuen tatsächlichen Wohnsitz genommen. Bei den Notschlafstellen
A._
und
B._
handle es sich nicht um Heime oder andere Anstalten im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 2 ELG, womit keine Ausnahme vom Wohnsitzprinzip vorliege (S. 5 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt in der Beschwerde (Urk. 1) fest, dass er in
Z._
seinen Wohnsitz begründet habe und dort nach wie vor seinen Wohnsitz habe, weshalb der Beschwerdegegner für die Bearbeitung des Gesuchs um Ausrichtung von Ergänzungsleistungen zuständig sei (S. 9 oben). Es sei von aussen erkennbar, dass er den Aufenthalt in
Z._
nicht nur kurzweilig, sondern für eine gewisse Dauer anzulegen beabsichtigt habe (S. 7 Mitte). Dass er aufgrund der Auseinandersetzungen mit dem Untervermieter nach einer Woche bereits wieder ausgezogen sei, verhindere eine Wohnsitzbegründung nicht, da ein Aufenthalt kürzester Dauer (Einzug) zur Begründung eines Wohnsitzes genüge, soweit die objektiv erkennbare Absicht des dauernden Verweilens und die Begründung eines neuen Lebensmittelpunktes gegeben sei
en
(S. 7 unten). Das Übernachten in
Obdachlosen-Unterkünften spreche gegen die Absicht des dauernden Verbleibens in Zürich, da er seit seinem Auszug aus dem Zimmer in
Z._
nicht mehr über eine eigentliche Wohngelegenheit verfügt habe (S. 8 Mitte).
2.3
Strittig
und zu prüfen ist die Zuständigkeit zur Ausrichtung von Zusatzleistungen an den Beschwerdeführer.
Da
die vorliegende
Beschwerde gegen einen Entscheid des Sozialversicherungszentrums Thurgau erhoben wurde, stellt sich vorab die Frage der örtlichen Zuständigkeit des
Sozialversicherungsgericht
s
des Kantons Zürich
zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde.
3.
3.1
Nach Art. 58 Abs. 1 ATSG
ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons
zuständig
, in dem die versicherte Person oder der Beschwerde führende Dritte zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat.
Das ELG enthält keine Regelung zur örtlichen Zuständigkeit, weshalb Art. 58 Abs. 1 ATSG anwendbar ist (vgl. dazu
das
Urteil des Bundesgerichts 9C_260/2018 vom 18. Dezember 2018, wonach keine Lücke anzunehmen und eine abweichende Regelung nicht zulässig ist).
3.2
Der Beschwerdeführer lebt seit dem 14. Januar 2019 im Wohnheim
C._
in
D._
(vgl. Urk. 14/5/4)
.
Es liegen keine Hinweise vor, dass dieser Heimeintritt nicht freiwillig erfolgt wäre. Somit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer durch den selbstbestimmten Eintritt in das Wohnheim
C._
sein
en Lebensmittelpunkt ins Heim verlegte
und damit in dessen Standortgemeinde
D._
einen neuen zivilrechtlichen Wohnsitz begründete.
3.3
Nach dem Gesagten hatte der Beschwerdeführer am 26. Juni 2020 (Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung) Wohnsitz im Kanton Zürich.
Die Ausnahmebestimmung des Art. 21 Abs. 1 ELG bezieht sich nur auf
die Zuständigkeit für die Fest
setzung und die Auszahlung der
Ergänzungs
l
eistung
en
und ist somit in Bezug auf die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts
nicht
anwendbar
.
Da
mit ist d
ie Zuständigkeit des
hiesigen Gerichts
zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
gegeben.
4.
4.1
Wie unter
Erwägung 1.1
dargelegt, wird d
ie kantonale Zuständigkeit für die Fest
setzung und die Auszahlung der Ergänzungsleistung
en
ebenfalls an den zivil
rechtlichen Wohnsitz der
bezugsberechtigten
Person geknüpft.
4.2
Im Zeitpunkt der Anmeldung zum Bezug von Ergänzungsleistungen (März 2019) lebte der Beschwerdeführer im Wohnheim
C._
in
D._
. Da es sich
da
bei unbestrittenermassen um ein
e
Institution im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 2 ELG
handelt, verm
ag
der dortige Aufenthalt keine neue Zuständigkeit zu begründen.
Zuständig ist
beziehungsweise
bleibt somit der Kanton, in welchem
der Beschwerdeführer
unmittelbar vor dem Heimeintritt zivilrechtlichen Wohn
sitz hatte.
4.3
Über die früheren Aufenthalte des Beschwerdeführers ist
den Akten
F
olgendes zu entnehmen (vgl. Urk. 1 S. 5; Urk. 2 S. 4 oben;
Urk. 14/11/2;
Urk. 14/18;
Urk.
17/2)
:
-
16.06.18 - 13.01.19: obdachlos
-
18.07.16 - 15.06.18:
E._
, Zürich
-
01.04.16 - 17.07.16: obdachlos
-
28.07.15 - 31.03.16:
F._
-
05.05.15 - 27.07.15: Notschlafstelle
B._
, Zürich
-
20.02.15 - 04.05.15:
A._
Notschlafstelle Zürich
-
19.07.13 - 20.02.15:
G._
(Fürstentum
L
iechtenstein
)
-
12.07.13 - 19.07.13: Gemeinde
Z._
TG
-
01.05.
13
- 11.07.13:
H._
BE
,
im Haushalt des Vaters
-
Februar
2011 bis April 2013:
I._
in
J._
BE (in dieser Zeit offenbar in
K._
ZH angemeldet
)
-
ab Geburt bis 30. März 2001:
Wohnsitz im Kanton B
ern
4.4
Vor dem Eintritt in das Wohnheim
C._
war der Beschwerdeführer
somit
zeitweise obdachlos und hielt sich in Heimen und Notschlafstellen im Kan
ton Zürich auf.
Unbestritten ist, dass nicht auf die
Aufenthalte im
F._
sowie in der Institution
E._
, Zürich,
abgestellt werden kann, da diese
- wie das
Wohnheim
C._
-
gemäss Art. 21 Abs. 1 Satz 2 ELG
keine neue Zuständigkeit begründen.
4.5
Der Beschwerdegegner
machte im angefochtenen Entscheid geltend
, dass
es sich b
ei den Notschlafstellen
A._
und
B._
nicht um Heime oder andere Anstalten im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 2 ELG
handle
, womit keine Ausnahme vom Wohnsitzprinzip vorliege
.
Dazu ist festzuhalten, dass
sich der Beschwerdeführer
während mehreren Wochen in zwei Notschlafstellen
in Zürich
auf
hielt
.
Es
erscheint
jedoch
abwegig,
im
Zusammenhang mit dem
Aufenthalt in einer Notschlafstelle, notabene einer Ein
richtung, in welcher Obdachlosen oder von Obdachlosigkeit bedrohten Personen
vorübergehend
ein Bett für die Nacht zur Verfügung gestellt wird, von der Absicht dauernden Verbleibens auszugehen.
Für die Begründung eines Wohnsitzes fehlt es somit am subjektiven Merkmal
.
4.
6
Aus der Stellungnahme vom 16. Oktober 2019 (Urk. 14/17
; Fragen in Urk. 14/14
) ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer
nach dem Wegzug aus
Z._
in Zürich und zum Teil in Liechtenstein bei einem Freund
aufgehalten habe
.
Der Beschwerdeführer
könne sich nicht mehr an alle Details erinnern. I
n der Zeit vom 19. Juli 2013 bis 20. Februar 20
15 habe er zum Teil
bei einem Freund in
Liechtenstein
gewohnt und dort auf dem Sofa
übernachtet.
Dass der Beschwerdeführer im Fürstentum Liechtenstein Wohnsitz begründet hätte
, wurde nicht geltend gemacht und ergibt sich auch nicht aus den Akten.
So
verfügte er
dort
nicht über eine eigene Wohnung oder ein eigenes Zimmer, son
dern
übernachtete
bei einem Kollegen auf dem Sofa.
Zudem
meldet
e
sich
der Beschwerdeführer
in der Schweiz nicht ab und es bestehen auch keine Hinweise, dass
er sich im Fürstentu
m Liechtenstein angemeldet
respektive sich
der Mittel
punkt
sein
er Lebensbeziehungen
dort befunden hätte.
4.7
Damit is
t zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
in
Z._
TG
einen Wohnsitz begründet hat
, wo er vom 12. bis 19. Juli 2013 lebte
.
Wie unter Erwägung 1.2 dargelegt, befindet sich d
er zivilrechtliche Wohnsitz einer Person an dem Ort, den sie sich mit einer festen Niederlassung zum Zwecke dauernden Verbleibens zum Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen gemacht hat. Der Lebensmittelpunkt befindet sich in der Regel dort, wo man schläft, die Freizeit verbringt, wo sich die persönlichen Gegenstände befinden und wo die Postadresse ist. Die Anmeldung auf der Einwohnerkontrolle ist nur, aber immerhin Indiz für die Wohnsitzbegründung (
Carigiet
/Koch,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009,
S. 78 Mitte).
Das objektive äussere Kriterium der Wohnsitzbegründung in
Z._
, den Auf
enthalt, hat der
Beschwerdeführer
mit dem tatsächlichen Bezug
d
es
Zimmers in
d
er Dreizimmerwohnung
des Bekannten seiner Mutter
erfüllt.
Dies wird auch vom
Beschwerdegegner
anerkannt.
Unbestritten ist
ausserdem
, dass der Beschwerdeführer seit dem 12. Juli 2013 in der Gemeinde
Z._
TG gemeldet ist (Bestätigung der Einwohnerkontrolle
Z._
vom 3. Oktober 2019, Urk. 14/20/3) und fortan in
Z._
besteuert wurde (vgl.
Steuerveranlagungen der Jahr 2013 - 2017,
Urk. 14/
5/7-17).
Zuvor war er seit Mai 2013 bei seinem leiblichen Vater in
H._
BE ange
meldet, der ihn
dann
offenbar
aus der Wohnung geworfen hat (vgl. Verfügung der Ausgleichskasse des Kantons Bern vom 20. Juli 2020, Urk. 17/2).
Durch den
Umzug nach
Z._
verfüg
te der Beschwerdeführer
über
ein eige
nes Zimmer, in dem er
schlaf
en und seine Effekten aufbewahren konnte.
Es kann davon ausgegangen werden, dass sich dort auch der
Mittelpunkt
seiner Lebens
beziehungen befand
.
Ein berufliches Umfeld fehlte, da der Beschwerdeführer kei
ner beruflichen Tätigkeit nachging.
Über sein
soziale
s
Umfeld
, insbesondere die
Freizeitaktivitäten
,
ist nichts
Näheres
bekannt. Es bestehen
indessen
keine Hin
weise, dass er während seines Aufenthaltes in
Z._
seine sozialen Kontakte
an
einem
anderen
Ort
gehabt hä
tte.
Auch das familiäre Umfeld weist nicht auf einen anderen
M
ittelpunkt
seiner Beziehungen
hin. So wurde
d
er
Beschwerde
führer
von seinem Vater aus de
r
Wohnung geworfen. Zu seiner Mutter und den Geschwistern besteht
offenbar kaum
Kontakt, kennt er doch nicht einmal deren genauen Aufenthaltsort (vgl. Urk. 14/17/1).
Somit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit der Absicht des dauernden Verweilens und der Begründung eines neuen Lebensmittelpunktes nach
Z._
gezogen ist.
Der Beschwerdegegner machte geltend, dass der Beschwerdeführer nur knapp eine Woche in
Z._
gewohnt habe.
E
s ist unbestritten,
dass
d
er
Beschwer
deführer
nach Auseinandersetzungen mit dem Untervermieter am 19. Juli 2013 bereits wieder aus der Wohnung
in
Z._
ausgezogen
ist
.
Dies ist indessen nicht von Belang,
da die Absicht dauernden Verweilens nur im Moment der Begründung des Wohnsitzes bestanden haben muss. Ändert sich diese Absicht, so bleibt der einmal erworbene Wohnsitz bis zur Begründung eines neuen beste
hen (
Staehelin
, a.a.O., Art. 23 N 7 mit Verweisen).
Weiter gab der Beschwerdegegner an, dass der Beschwerdeführer einzig deshalb in
Z._
gelebt habe, weil er dort bei einem Bekannten ein Zimmer habe mieten können.
Gemäss Angaben des damaligen
Beistandes hat
der Beschwerde
führer eine Wohn- und Meldeadresse gebraucht, weil er obdachlos
war
. Auf Empfehlung seiner Mutter habe er bei einem Bekannten von ihr ein Zimmer gemietet (Urk. 14/17/1 Ziff. 1).
Dazu ist festzuhalten, dass
die Gründe, welche dazu führen, dass jemand seinen Lebensmittelpunkt an einen bestimmten Ort ver
legt
, unerheblich sind
(
Staehelin
, a.a.O., Art. 23 N 24).
Soweit sich der Beschwerdegegner auf den Entscheid ZL.2012.00118
des hiesigen Gerichts
beruft, ist festzuhalten, dass sich der Versicherte
im zitierten
Fall ledig
lich im Hinblick auf den Abschluss der Lehre in einem möblierten Zimmer auf
hielt, dort als Wochenaufenthalter gemeldet war und
nur
einen befristeten
Untermietvertrag abgeschlossen hatte. Somit vermag
d
er
Beschwerdegegner
aus diesem Entscheid nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
4.8
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer mit dem
Zu
zug nach
Z._
, wo
er
bei einem Bekannten
seiner Mutter
ein Zimmer mietete und sich bei der Einwohnerkontrolle anmeldete, einen neuen Wohnsitz begründet
hat
.
Da er in der Folge
–
mit Ausnahme der Heimaufenthalte, welche keine neue Zuständigkeit zu begründen vermögen
- keinen neuen Wohnsitz
mehr
erworben hat (vgl. vorstehende E. 4.2-4.6),
ist der Kanton
Thurgau
im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 1 ELG
zuständig für die Festsetzung und Auszahlung der jährlichen Ergänzungsleistung an
den Beschwerdeführer
.
Dies führt
zur
Gutheissung der Beschwerde
.