Decision ID: 6e6a6ff7-16f0-46a0-9e20-67f7ef769671
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 1. November 2021 stellten die syrischen Staatsangehörigen
B._ (geb. [...], Gesuchstellerin 1) und ihre Tochter C._ (geb.
[...] Gesuchstellerin 2) auf der Schweizer Vertretung in Beirut je ein Gesuch
um Erteilung eines Visums für einen langfristigen Aufenthalt in der Schweiz
(sog. Visum D).
B.
Mit Formularverfügungen vom 12. November 2021 (eröffnet am 15. No-
vember 2021) lehnte die Schweizer Auslandvertretung die Gesuche ab
(Akten der Vorinstanz [SEM act.] 2/21 ff.).
C.
Gegen diese negativen Visaentscheide erhob der Beschwerdeführer mit
Schreiben vom 12. Dezember 2021 Einsprache (SEM act. 1). Mit Verfü-
gung vom 11. Januar 2022 wies das SEM die Einsprache gegen die Ver-
weigerungen der Erteilung humanitärer Visa ab (SEM act. 3).
D.
Am 7. Februar 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen den Einsprache-
entscheid vom 11. Januar 2022 Beschwerde. Er beantragte die Aufhebung
der Verfügung, die Gutheissung der Visa-Gesuche und raschmögliche Be-
willigung der Einreisen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren
Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses und Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(BVGer act. 1).
Auf entsprechende verfahrensleitende Anordnung vom 17. Februar 2022
hin ergänzte der Beschwerdeführer das Rechtsmittel am 17. März 2022 mit
Unterlagen zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (BVGer act. 3
und 4).
E.
Mit Zwischenverfügung vom 11. April 2022 hiess das Bundesverwaltungs-
gericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut (BVGer act. 5).
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F.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 6. Mai 2022 auf Ab-
weisung der Beschwerde (BVGer act. 6).
G.
Der Beschwerdeführer liess sich trotz gewährten Replikrechts nicht ver-
nehmen (SEM act. 7 und 8).
H.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen
Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufge-
führten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen unter anderem Verfü-
gungen des SEM, die im Einspracheverfahren gegen die Verweigerung ei-
nes nationalen Visums aus humanitären Gründen ergehen. In dieser Ma-
terie entscheidet das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c
Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Als Adressat der Verfügung und unterliegender Einsprecher hat der Be-
schwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung; er ist zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die
Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht (vgl. Art. 50 VwVG,
Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – sofern, wie vorliegend, nicht eine kantonale
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Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit ge-
rügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im
Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebun-
den und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemach-
ten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die
Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1 Als Staatsangehörige Syriens unterliegen die Gesuchstellerinnen für
die Einreise in die Schweiz der Visumspflicht. Mit ihren Gesuchen beab-
sichtigen sie einen längerfristigen Aufenthalt hierzulande. Auf ihre vorlie-
gend zu prüfenden Visagesuche vom 1. November 2021 gelangt daher
nicht Schengen-, sondern ausschliesslich nationales Recht zur Anwen-
dung (vgl. Art. 4 Abs. 1 i.V.m. Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 15. August
2018 über die Einreise und die Visumserteilung [VEV, SR 142.204]; BVGE
2018 VII/5 E. 3.5 und E. 3.6.1 m.H.).
3.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen
Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen
aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt
erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere dann vor, wenn die be-
treffende Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an
Leib und Leben gefährdet ist.
3.3 Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr restriktiven Be-
dingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3 m.H.). Die Erteilung ei-
nes Visums aus humanitären Gründen im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV setzt
voraus, dass bei einer Person aufgrund der konkreten Umstände offen-
sichtlich davon ausgegangen werden muss, dass sie sich im Heimat- oder
Herkunftsstaat in einer besonderen Notsituation befindet, die ein behördli-
ches Eingreifen zwingend erforderlich macht und es rechtfertigt, ihr ein Ein-
reisevisum zu erteilen. Dies kann etwa bei akuten kriegerischen Ereignis-
sen oder aufgrund einer konkreten individuellen Gefährdung, die sie mehr
als andere Personen betrifft, gegeben sein. Befindet sich die betroffene
Person bereits in einem Drittstaat oder ist sie nach einem Aufenthalt in ei-
nem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder Herkunftsland zurückgekehrt und
hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in der
Regel davon auszugehen, dass keine Gefährdung mehr besteht
(BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; Urteile des BVGer F-533/2020 vom 31. Mai
2021 E. 3.2; F-898/2021 vom 19. April 2021 E. 3.2).
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3.4 Das Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefähr-
dung, der persönlichen Umstände der betroffenen Person und der Lage im
Heimat- oder Herkunftsland zu prüfen. Dabei können auch weitere Krite-
rien wie das Bestehen von Bindungen zur Schweiz und die hier bestehen-
den Integrationsaussichten oder die Unmöglichkeit, in einem anderen Land
um Schutz nachzusuchen, mitberücksichtigt werden (BVGE 2018 VII/5
E. 3.6.3; Urteile F-533/2020 E. 3.3 f.; F-898/2021 E. 3.3).
4.
4.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung zusammenfas-
send aus, die Gesuchstellerinnen hätten anscheinend problemlos in den
Libanon einreisen und von dort in ihre Heimat zurückkehren können. Wes-
halb sie den Libanon wieder verlassen hätten anstatt zu versuchen, sich
dort festzusetzen, erscheine nicht nachvollziehbar. Aufgrund dieses Ver-
haltens sei vielmehr davon auszugehen, dass sie am aktuellen Aufenthalts-
ort in Syrien (Aleppo) nicht unmittelbar und konkret an Leib und Leben ge-
fährdet seien. Wohl würden die schwierigen Lebensbedingungen nicht ver-
kannt, die Gesuchstellerinnen befänden sich indes gemessen am Fortkom-
men vieler anderer Personen in Syrien in einer vergleichbaren Situation.
Auch sei es ihnen offensichtlich möglich, ihren Lebensunterhalt, wenn auch
in bescheidenem Rahmen, zu bestreiten. Die Lage präsentiere sich mithin
nicht dergestalt, dass ein weiterer Verbleib für sie in diesem Land gänzlich
unzumutbar wäre und ein behördliches Eingreifen geradezu unumgänglich
erschiene. Die prekären Lebensumstände sowie die eingereichten Akten
vermöchten für sich allein keine entsprechende unmittelbare Gefährdung
vor Ort zu begründen.
In der Vernehmlassung ergänzte das SEM, die Gesuchstellerinnen seien
ungeachtet der von ihnen geschilderten Wohn- und Lebensbedingungen in
Aleppo und der geltend gemachten ungenügenden medizinischen Versor-
gung freiwillig vom Libanon nach Syrien zurückgekehrt. Die medizinischen
Probleme der Gesuchstellerin 1 (Herzinsuffizienz, Phobien) erwiesen sich
nicht als dermassen gravierend, dass sie sich in einer aktuellen Notsitua-
tion befände und zwingend im Ausland medizinisch versorgt werden müss-
te. Nötigenfalls könne sie sich auch an die in Syrien tätigen Hilfsorganisa-
tionen (z.B. Médecins Sans Frontières) wenden. Der Umstand, dass eine
medizinische Behandlung in der Schweiz generell geeigneter und leichter
zugänglich wäre als in Syrien oder einem Nachbarland, rechtfertige keine
Änderung des Entscheides.
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4.2 Der Beschwerdeführer wandte dagegen im Wesentlichen ein, das SEM
stütze sich nur auf Spekulationen und nicht auf objektive Tatsachen. Die
vorinstanzlichen Feststellungen zur Lage in Syrien und im Libanon seien
falsch, nicht auf dem aktuellen Stand und realitätsfremd. Die Situation sy-
rischer Flüchtlinge in diesen beiden Ländern sei ständigem Wandel unter-
worfen, verschlechtere sich fortlaufend und habe inzwischen katastrophale
Ausmasse angenommen. Die Vorinstanz habe sich damit kaum auseinan-
dergesetzt und weder die Argumente der Gesuchstellerinnen noch die vor-
gebrachten Beweise richtig gewürdigt. Gemäss der vorinstanzlichen Praxis
müssten syrische Staatsangehörige, die in einen Drittstaat einreisten, vom
Verfahren zur Erlangung humanitärer Visa ausgeschlossen werden. Be-
sagte Praxis könne nicht für alle Verfahren zutreffend sein und dürfe des-
halb nicht verallgemeinert werden. Die Gesuchstellerinnen seien physisch
und psychisch angeschlagen und hätten im Libanon keinen hinreichenden
Schutz gefunden. Aus Afrin vertrieben, wohnten sie aktuell im zerstörten
Aleppo im Keller eines Hauses, wo es an allem Notwendigen fehle. Bislang
hätten sie vergeblich versucht, sich bei einer humanitären oder karitativen
Organisation zu registrieren. Als alleinstehende Frauen (der Ehemann der
Gesuchstellerin 1 sei verstorben und den Bruder der Gesuchstellerin 2
habe man entführt) führten sie ein tragisches und schwieriges Leben. Zu-
dem seien sie beide krank. Die eingereichten Unterlagen belegten, dass
ihr Gesundheitszustand sich sehr besorgniserregend präsentiere und sie
medizinisch im Ausland behandelt werden müssten. Es handle sich um
schwere Erkrankungen, die lebensbedrohlich seien und vom SEM unter-
schätzt würden. Die medizinische Grundversorgung in Syrien sei intermit-
tierend und nicht immer verfügbar. Zudem reiche sie für eine Genesung
und Verbesserung des Gesundheitszustandes der Betroffenen bei weitem
nicht aus. Die Gesuchstellerinnen hätten Anspruch auf Hilfe, Betreuung so-
wie die Mittel, welche für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich seien.
Dies alles sei in Syrien nicht möglich und werde an keinem Ort angeboten.
Schliesslich könnten sie in diesem Land nicht durch Verwandte unterstützt
werden. Durch die Unmöglichkeit, Syrien zu verlassen, seien sie unmittel-
bar an Leib und Leben gefährdet und aufgrund ihrer Gesundheit übermäs-
sig von der dortigen Notlage betroffen. Deshalb sei vorliegend ein Eingrei-
fen der Schweizer Behörden mittels der Erteilung humanitärer Visa zwin-
gend erforderlich.
5.
5.1 Einer der Aspekte, mit denen sich die Vorinstanz in ihrem Entscheid
befasste, betrifft den Umstand, dass die Gesuchstellerinnen, um besagte
Visa zu beantragen, die schweizerische Botschaft in Beirut aufsuchten.
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Das SEM leitete daraus ab, dass es für die Betroffenen auch möglich ge-
wesen wäre, im Libanon zu bleiben, anstatt nach Syrien zurückzukehren.
Auf die Frage, ob sie sich erneut in den Libanon begeben und dort als Bür-
gerkriegsflüchtlinge Schutz erhalten könnten, ist allerdings nicht näher ein-
zugehen, zeigen doch die nachfolgenden Erwägungen, dass die Gesuch-
stellerinnen auch in ihrem Heimatland Syrien nicht – wie von Art. 4 Abs. 2
VEV verlangt – ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet sind.
5.2 Mit Blick auf die Würdigung der Ausführungen des Beschwerdeführers
wäre sodann anzumerken, dass für die Erteilung eines humanitären Vi-
sums, im Gegensatz zum Asylverfahren, ein erhöhtes Beweismass gilt. Die
Gefährdung muss offensichtlich sein; eine blosse Glaubhaftmachung ge-
nügt nicht (statt vieler: Urteile des BVGer F-698/2021 vom 1. Oktober 2021
E. 5.1; F-274/2020 vom 22. Juni 2021 E. 5.2; F-533/2020 vom 31. Mai 2021
E. 3.4 m.w.H.).
5.3 Soweit der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe ausführ-
lich auf die schwierigen Bedingungen von syrischen Flüchtlingen innerhalb
von Syrien Bezug nimmt und dem SEM in diesem Zusammenhang vorwirft,
es habe total falsche Vorstellungen über die Lage vor Ort und verfüge über
Informationen, die nicht auf dem aktuellsten Stand und zum Teil realitäts-
fremd seien, so ist darauf hinzuweisen, dass seine allgemein gehaltenen
Vorbringen nicht geeignet sind, eine konkrete Gefährdung der Gesuchstel-
lerinnen in diesem Land aufzuzeigen (vgl. dazu E. 3.2 und 3.3 hiervor). Der
Beschwerdeführer erwähnt denn lediglich, die betreffenden Personen
(seine Mutter und die Schwester) lebten aktuell in der zerstörten Stadt Al-
eppo im Keller eines Hauses. Der genaue Aufenthaltsort der Betroffenen
ist nicht bekannt. Die Sicherheits- und Versorgungslage in Syrien ist jedoch
– je nach Region und Stadt(teil) – sehr unterschiedlich. Die schwierigen
Lebensbedingungen der Gesuchstellerinnen werden keineswegs ver-
kannt, allerdings beschreibt der Beschwerdeführer, wie eben dargetan, an-
sonsten nicht mehr als die ganz allgemeine Situation von Bürgerkriegs-
flüchtlingen, von der sich diejenige der betreffenden Familienangehörigen
kaum abhebt. Insbesondere zeigt er nicht auf, inwiefern für die beiden
Frauen eine konkrete individuelle Gefährdung an Leib und Leben besteht.
Schliesslich kehrten sie, nachdem sie sich für die Visagesuche in den Li-
banon begeben hatten, freiwillig und ohne Restriktionen gewärtigt zu ha-
ben, nach Syrien zurück, was ebenfalls darauf hindeutet, dass sie sich in
ihrer Heimat nicht an Leib und Leben bedroht fühlen. Die hohe Schwelle
zur Ausstellung humanitärer Visa wird vorliegend insoweit nicht erreicht.
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5.4 Nicht anders verhält es sich hinsichtlich der gesundheitlichen Situation
der Gesuchstellerinnen. Dazu liegt einzig ein Bericht der syrischen Ärzte-
kammer vom 29. Januar 2020 vor. Demnach litt die Gesuchstellerin 1 da-
mals an arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) mit kardialer Ischämie
(Herzinsuffizienz) sowie nicht näher umschriebener Phobien aufgrund der
schlechten Umgebungsbedingungen. Es wurde ihr daher geraten, sich im
Ausland behandeln zu lassen (siehe SEM act. 2, pag. 52/53). Zum Ge-
sundheitszustand der Gesuchstellerin 2 ist nichts aktenkundig. Der Be-
schwerdeführer wiederholte in der Rechtsmitteleingabe lediglich, dass die
Gesuchstellerinnen sehr krank seien, ohne dies auch nur ansatzweise zu
konkretisieren. Die beschriebenen Probleme, soweit belegt, zeigen auf,
dass keine medizinischen Notfälle vorliegen. Abgesehen davon wird im
fraglichen Bericht nicht substantiiert dargelegt, welcher Behandlungen die
Gesuchstellerin 1 denn konkret bedürfte und warum diese nur im Ausland
möglich sein sollen. Nicht gefolgt werden kann in diesem Zusammenhang
der Behauptung des Beschwerdeführers, eine adäquate medizinische Ver-
sorgung sei an keinem Ort in Syrien möglich. Der Bericht der syrischen
Ärztekammer (mit einem Stempel der Gesundheitsdirektion von Aleppo
versehen) berechtigt vielmehr zum Schluss, dass die Gesuchstellerin 1 vor
Ort bei einem Arzt war und sich untersuchen und behandeln liess, womit
der Zugang zu einer minimalen medizinischen Grundversorgung gewähr-
leistet erscheint. Bei dieser Sach- und Aktenlage kann nicht davon ausge-
gangen werden, dass eine Einreise in die Schweiz aus medizinischen
Gründen zwingend erforderlich sei. Zudem gilt es darauf hinzuweisen, was
auch das SEM erwähnt hat, dass die medizinische Infrastruktur in Syrien
nicht dasselbe Niveau aufweisen muss wie diejenige hierzulande. Den Ge-
suchstellerinnen kommt ferner zu Gute, dass sie regelmässig Gelder von
der Schweiz nach Syrien überwiesen erhalten (SEM act. 2/20-22). Notfalls
können sie sich überdies an die in Syrien tätigen Hilfsorganisationen wen-
den. Aus den gesamten Akten sind mithin keine substantiierten Anhalts-
punkte ersichtlich, welche auf das Vorliegen einer medizinischen Notlage
im Sinne der Rechtsprechung schliessen liessen.
6.
Alles in allem gestaltet sich die Situation der Gesuchstellerinnen zwar
schwierig, doch lassen – gemessen am Schicksal des Rests der syrischen
Bevölkerung – weder ihre Lebensbedingungen noch die gesundheitlichen
Beschwerden darauf schliessen, sie befänden sich in einer unmittelbaren,
ernsthaften und konkreten Gefährdung an Leib und Leben, sodass ein be-
hördliches Eingreifen als zwingend notwendig erscheinen würde.
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7.
Damit ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Gesuchstellerinnen die
Voraussetzungen für die Ausstellung von humanitären Visa für die Schweiz
nicht erfüllen. Die angefochtene Verfügung hat den rechtserheblichen
Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt, verletzt Bundesrecht nicht
und ist angemessen (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge ab-
zuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Diesem wurde aber für das Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege im
Sinne eines Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die
Auferlegung von Verfahrenskosten (Art. 65 Abs. 1 VwVG) zugesprochen
(BVGer act. 5).
Dispositiv nächste Seite
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