Decision ID: 0a2410b3-1c69-4edd-95a0-3bba9cf28aaa
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war arbeitslos und dadurch über die Kantonale
Arbeitslosenkasse St. Gallen bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am
2. Dezember 2018 eine Treppe hinunterstürzte. Die Kantonale Arbeitslosenkasse St.
Gallen meldete der Suva den Unfall am 11. Dezember 2018 (Suva-act. 1).
A.a.
Eine Erstbehandlung hatte am Unfalltag in der Klinik für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen
(nachfolgend: KSSG) stattgefunden. Der behandelnde Arzt Dr. med. B._ und die
behandelnde Ärztin Dr. med. C._ hatten nach Röntgenuntersuchungen der linken
Schulter, des linken Knies und des linken Fusses frische Frakturen ausgeschlossen,
eine Kontusion der linken Schulter, des linken Knies und des linken Fusses bei
Treppensturz vom 2. Dezember 2018 sowie eine Gonathrose links bei Status nach VKB
Plastik Spital D._ vor 28 Jahren diagnostiziert und dem Versicherten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bis 9. Dezember 2018 bescheinigt. Im Untersuchungsbericht vom 3.
Dezember 2018 hatten sie ausserdem festgehalten, dass sie den Versicherten zur
A.b.
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erneuten Beurteilung der Rotatorenmanschette in ihrer Sprechstunde sehen würden
(Suva-act. 3).
Anlässlich der Verlaufsuntersuchung vom 11. Dezember 2018 im KSSG berichtete
der Versicherte über eine Besserung der Schmerzen und der Beweglichkeit in der
Schulter. Allerdings bestehe noch keine volle Schulterkraft. Der behandelnde Arzt Dr.
med. E._ sah laut Untersuchungsbericht vom 20. Dezember 2018 klinisch keinen
Hinweis auf eine relevante Rotatorenmanschettenruptur im Sinne einer
Pseudoparalyse, empfahl vorerst ein konservatives Vorgehen mit Physiotherapie und
Analgetika und befand den Versicherten für körperlich schwere Arbeiten bis 31.
Dezember 2018 zu 100% arbeitsunfähig (Suva-act. 6.).
A.c.
Mit Schreiben vom 14. Dezember 2018 sprach die Suva dem Versicherten für die
Folgen des Unfalls vom 2. Dezember 2018 die gesetzlichen Leistungen
(Heilbehandlung und Taggeld) zu (Suva-act. 5).
A.d.
Am 7. Januar 2019 ging bei der Suva ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. med.
F._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, ein, wonach der Versicherte
voraussichtlich vom 1. bis 13. Januar 2019 zu 100% arbeitsunfähig sei (Suva-act. 7).
Am 10. Januar 2019 reichte Dr. F._ der Suva einen ärztlichen Zwischenbericht ein
(Suva-act. 9). Er wies den Versicherten ausserdem einer MRT-Untersuchung zu,
welche am 18. Januar 2019 durch Dr. med. G._, Radiologie H._, durchgeführt
wurde. Die MRT-Bildgebung zeigte links eine transmurale Ruptur der
Supraspinatussehne über die gesamte Breite und der kranialen Anteile der
Subscapularis- und Infraspinatussehne ohne Muskelatrophie sowie eine Pulleyruptur
mit anteromedialer Verlagerung der tendinotisch verdickten Bizepssehne (Suva-act.
15). Am 22. Januar 2019 bescheinigte Dr. F._ dem Versicherten für den Zeitraum
vom 14. bis 27. Januar 2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 10). Am 24.
Januar 2019 folgte eine Untersuchung im KSSG durch Dr. med. I._ und Dr. med.
B._, welche eine traumatische Rotatorenmanschettenruptur links (SSP
[Supraspinatus] transmural, ISP [Infraspinatus], SSC [Subscapularis] Oberrand) nach
Treppensturz vom 2. Dezember 2018 diagnostizierten und eine Rotatorenmanschetten-
Rekonstruktion (SSP, ISP, SSC) sowie eine Bizepstenotomie planten (Suva-act. 13).
A.e.
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Dem Versicherten wurde sodann ein Arztzeugnis für eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vom 28. Januar bis 1. Februar 2019 ausgestellt (Suva-act. 16).
Am 25. Januar 2019 reichte das KSSG der Suva ein Kostengutsprachegesuch für
einen Spitalaufenthalt mit Eintritt am 1. Februar 2019 zur Behandlung einer
Rotatorenmanschettenruptur ein (Suva-act. 11), worauf die Suva dem KSSG mit
Schreiben vom 28. Januar 2019 mitteilte, dass sie zu den Versicherungsleistungen
noch nicht endgültig Stellung nehmen könne, jedoch nach Durchführung der
Abklärungen über ihre Leistungspflicht informieren werde (Suva-act. 12).
A.f.
Am 4. Februar 2019 wurde der Versicherte durch Dr. med. J._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Orthopädie
K._, untersucht, der eine ausgedehnte Rotatorenmanschettenläsion Schulter rechts
(richtig: links) nach Sturz vom 2. Dezember 2018 diagnostizierte und mit dem
Versicherten die Operationsindikation der Schultersituation besprach (Suva-act. 19).
Mit Schreiben vom 4. Februar 2019 reichte die Klinik L._ der Suva ein
Kostengutsprachegesuch für einen vom 6. bis 10. Februar 2019 dauernden stationären
Aufenthalt zur Durchführung einer Arthroskopie und Rotatorenmanschetten-
Rekonstruktion, evtl. Verstärkungsplastik links durch Dr. J._ ein (Suva-act. 18). Am 6.
Februar 2019 führte Dr. J._ beim Versicherten eine Schulterarthroskopie mit
Débridement/Bizepstenotomie links durch (Suva-act. 21; siehe auch Suva-act. 22).
Noch gleichentags stellte er ihm eine Physiotherapieverordnung aus (Suva-act. 52). Am
11. Februar 2019 bescheinigte er ihm für die Zeit vom 1. Februar bis 22. März 2019
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 32).
A.g.
Nachdem der Schadenfall am 31. Januar 2019 durch Suva-Kreisarzt Dr. med.
M._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, und am 12. Februar 2019 durch Suva-
Kreisarzt Dr. med. N._, Facharzt für Chirurgie, spez. Unfallchirurgie, beurteilt worden
war (Suva-act. 14), teilte die Suva dem Versicherten mit Schreiben vom 12. Februar
2019 mit, dass die noch bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt seien. Der
Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall vom 2. Dezember 2018 eingestellt hätte, sei
gemäss medizinischer Beurteilung spätestens am 6. Februar 2019 erreicht gewesen.
Deshalb werde der Fall per 6. Februar 2019 abgeschlossen und ein Anspruch auf
A.h.
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St.Galler Gerichte
B.
weitere Versicherungsleistungen abgelehnt. Die bisherigen Versicherungsleistungen
(Taggeld und Heilkosten) würden auf diesen Zeitpunkt eingestellt (Suva-act. 25).
Nachdem Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavas, als Rechtsvertreter des Versicherten, die
Suva mit Schreiben vom 19. Februar 2019 um eine anfechtbare Verfügung ersucht
hatte (Suva-act. 33), hielt diese mit Verfügung vom 20. Februar 2019 an ihrer
Leistungsablehnung per 6. Februar 2019 fest (Suva-act. 34). Mit Verfügung vom 21.
März 2019 teilte die Suva dem Rechtsvertreter des Versicherten mit, ihr Schreiben vom
20. Februar 2019 (gemeint wohl: ihre Verfügung vom 20. Februar 2019) (Suva-act. 34)
zurückzuziehen, und stellte fest, dass der Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall
vom 2. Dezember 2018 eingestellt hätte, gemäss medizinischer Beurteilung spätestens
am 16. Dezember 2018 erreicht sei. Der Fall werde deshalb, was die Unfallfolgen
anbelange, per 6. Februar 2019 abgeschlossen und ein Anspruch auf weitere
Versicherungsleistungen werde abgelehnt. Die bisherigen Versicherungsleistungen
(Taggeld und Heilkosten) würden auf diesen Zeitpunkt eingestellt (Suva-act. 44). Der
Versicherte war von Dr. J._ weiterhin, d.h. bis 18. April 2019, zu 100% arbeitsunfähig
geschrieben worden (Suva-act. 50).
A.i.
Der Versicherte liess am 6. Mai 2019 durch seinen Rechtsvertreter Einsprache
gegen die Verfügung vom 21. März 2019 erheben (Suva-act. 54). Er verwies in seiner
Einsprache auf ein weiteres Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. J._, in welchem
dieser ihm bis zum 13. Juni 2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hatte
(Suva-act. 54; bzgl. einer weiteren Physiotherapieverordnung vgl. Suva-act. 59).
B.a.
Nachdem die Suva den Rechtsvertreter des Versicherten mit Schreiben vom 7.
Mai 2019 dazu aufgefordert hatte, eine Einsprachebegründung nachzureichen (Suva-
act. 55), reichte Rechtsanwalt Glavas am 27. Mai 2019 eine weitere Eingabe ein und
erklärte, an der Einsprache festzuhalten (Suva-act. 61).
B.b.
Am 31. Mai 2019 legte die Suva den Schadenfall Dr. N._ vor. Dieser erklärte, die
verfügungsweise Terminierung des Status quo sine per 16. Dezember 2018
medizinisch nicht begründen zu können. Medizinisch sei einzig die Terminierung auf
den 6. Februar 2019 erwiesen (Suva-act. 62). In der Folge ergänzte die Suva die
B.c.
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C.
medizinischen Abklärungen mit einem fachradiologischen Gutachten von Prof. Dr.
med. O._, Chefarzt des Instituts für Radiologie und Nuklearmedizin des Spitals P._
(Suva-act. 64), und liess den Schadenfall nochmals durch Dr. N._ beurteilen (Suva-
act. 67).
Am 4. Juli 2019 wurde der Versicherte durch Dr. med. I._ und Dr. med. Q._,
Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des
KSSG, untersucht, die im Untersuchungsbericht vom 11. Juli 2019 eine traumatische
irreparable Rotatorenmanschettenruptur links (SSP transmural, ISP und SSC Oberrand)
nach Treppensturz vom 2. Dezember 2018 mit/bei Status nach Schulterarthroskopie
mit Débridement und Bizepstenotomie links am 6. Februar 2019 diagnostizierten und
anamnestisch festhielten, dass der Versicherte über eine eingeschränkte und
schmerzhafte Abduktion des linken Arms seit einem Treppensturz von Dezember 2018
berichte (Suva-act. 65).
B.d.
Mit Einspracheentscheid vom 19. August 2019 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten ab. Sie habe mit Verfügung vom 21. März 2019 zu Recht einen Anspruch
auf Versicherungsleistungen ab "05.02.2019" verneint (Suva-act. 69).
B.e.
Gegen den Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 20. September 2019
Beschwerde erheben. Darin beantragte er dessen Aufhebung und die fortdauernde
Erbringung von UVG-Leistungen. Eventualiter sei der angefochtene
Einspracheentscheid aufzuheben und vom Gericht aus eine Abklärung der
Beschwerdeursachen durchführen zu lassen. Für das vorliegende Verfahren sei die
unentgeltliche Verbeiständung zu gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 29. November 2019 beantragte die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
C.b.
Mit Schreiben vom 3. Dezember 2019 entsprach die verfahrensleitende Richterin
dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch Dr.
Glavas für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 8).
C.c.
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Erwägungen
1.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht im
Zusammenhang mit dem Unfall vom 2. Dezember 2018 und erstattete entsprechend
Heilkosten und richtete Taggelder aus. Zwischen den Parteien umstritten und
nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der Leistungseinstellung per 6. Februar
2019. Mit Verfügung vom 21. März 2019 stellte die Beschwerdegegnerin die bisherigen
Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilkosten) per 6. Februar 2019 ein, hielt
gleichzeitig aber fest, "bis jetzt" die gesetzlichen Versicherungsleistungen erbracht zu
haben (Suva-act. 44). Ob die Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses davon ausgegangen ist, über den 5. Februar 2019
In seiner Replik vom 19. Februar 2020 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an den Beschwerdeanträgen fest (act. G 12).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 14).C.e.
Nachdem sich anlässlich der Bearbeitung des Falles für das Versicherungsgericht
die Fragen ergeben hatten, bis wann die Beschwerdegegnerin für das
Schadensereignis vom 2. Dezember 2018 effektiv Versicherungsleistungen erbracht
und ob sie die Kosten für die Operation vom 6. Februar 2019 übernommen hatte,
forderte die verfahrensleitende Richterin die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 4.
November 2020 auf, unter Beilage entsprechender Belege mitzuteilen, wann die letzte
von der Beschwerdegegnerin übernommene Behandlung (unter Angabe der
Behandlungsart) stattgefunden habe und wann das letzte Taggeld geleistet worden sei.
Allfällig getätigte Zahlungen, die später wieder zurückgefordert oder zurückerstattet
worden seien, seien ebenfalls anzugeben (act. G 15). Mit Schreiben vom 10. November
2020 teilte die Beschwerdegegnerin dem Versicherungsgericht unter Einreichung eines
Borderaus für Regresszwecke vom 9. November 2020 (act. G 16.1) insbesondere mit,
dass sie lediglich bis 5. Februar 2019 Taggelder bezahlt und die Kosten der bis zu
diesem Datum durchgeführten Heilbehandlungen (der linken Schulter) übernommen
habe. Die nach dem 5. Februar 2019 für die linke Schulter erbrachten
Heilbehandlungen seien nicht von ihr übernommen worden. Dies treffe insbesondere
auch für die Operation vom 6. Februar 2019 zu (act. G 16).
C.f.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
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Versicherungsleistungen zu erbringen, ist unklar (vgl. dazu act. G 15 f.). Aus der
Begründung des Einspracheentscheids vom 19. August 2019 (Suva-act. 69) in
Zusammenschau mit der kreisärztlichen Beurteilung vom 23. Juli 2019 von Dr. N._
(Suva-act. 67) ist aber offensichtlich abzuleiten, dass die Beschwerdegegnerin von
einer Verneinung ihrer Leistungspflicht einen Tag vor der Operation vom 6. Februar
2019 ausgeht, was denn auch mit der Rückforderung sämtlicher nach dem 5. Februar
2019 angefallenen Heilkostenleistungen übereinstimmt (vgl. act. G 16 und G 16.1). Bei
der im angefochtenen Einsprachentscheid vom 19. August 2019 (Suva-act. 69)
bezüglich des Leistungseinstellungszeitpunkts verwendeten Formulierung "ab dem
05.02.2019" handelt es sich damit offenbar um ein Versehen.
2.
Der Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung setzt zunächst einen Unfall im
Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) voraus. Als solcher gilt eine plötzliche,
nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Der Unfallversicherer hat bei
Vorliegen eines Unfalls gemäss Art. 4 ATSG für einen Gesundheitsschaden nur
insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser in einem natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 181 E. 3.1 f. mit
Hinweisen; siehe dazu André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser
[Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff.
zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Barbara Klett/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli
[Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK
UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten oder
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts
vom 1. September 2008, 8C_522/2007, E. 4.3.2; KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art.
6; BSK UVG-Hofer, N 66 74 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58). Bei
physischen Unfallfolgen hat indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
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aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des
Unfallversicherers gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine
selbstständige Bedeutung (BGE 118 V 291 f. E. 3a). Ob ein natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit;
die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen; Thomas Locher/
Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N 58 f.).
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, so entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der
Unfall nicht mehr die natürliche (und adäquate) Ursache des Gesundheitsschadens
darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen
beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er
unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige
Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften oder
andersartig geschädigten Vorzustands auch ohne den Unfall früher oder später
eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. zum Ganzen RKUV 1994 Nr. U 206
S. 328 f. E. 3b, mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008,
8C_101/2008, E. 2.2; KOSS UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art.
6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54). Trifft ein Unfall auf einen vorgeschädigten Körper
und steht medizinisch fest, dass weder der Status quo ante noch der Status quo sine je
wieder erreicht werden können, spricht die Rechtsprechung von einer
richtungsgebenden Verschlimmerung (BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2007, 8C_467/2007,
E. 3.1). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss
das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein (Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E.
2.2).
2.2.
Sollte die operative Behandlung vom 6. Februar 2019 einem (teil-)unfallkausalen
Gesundheitsschaden gegolten haben, wäre die Beschwerdegegnerin dafür bis zur
Heilung der Operationsfolgen leistungspflichtig. Während eine entsprechende
Unfallkausalität von der Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilungen von Dr.
M._ vom 30. Januar 2019 (Suva-act. 14) sowie von Dr. N._ vom 12. Februar 2019
(Suva-act. 14) und 23. Juli 2019 (Suva-act. 67) und auch gestützt auf das
fachradiologische Gutachten von Prof. O._ vom 12. Juni 2019 (Suva-act. 64) verneint
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
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3.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden
Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie
umfassend und pflichtgemäss, zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon,
von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw.
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (zum Ganzen BGE 125 V
352 E. 3a mit Hinweis; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 2020, N 130 zu Art. 61).
Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Auf das Ergebnis
versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen - zu denen die medizinischen
Beurteilungen der Kreisärzte Dr. M._ und Dr. N._ vom 30. Januar, 12. Februar und
23. Juli 2019 (Suva-act. 14, 67) gehören - kann nicht abgestellt werden, wenn auch nur
geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 229 E.
5.2, 135 V 469 f. E. 4.4 und 471 E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts vom 16. September
2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2). Die Rechtsprechung erachtet sodann Aktengutachten
als zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. Voraussetzung ist
ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte bzw. die Expertin imstande
ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 24. März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1 mit Hinweis).
Angesichts der obigen Darlegungen sprechen keine formellrechtlichen Gründe gegen
den Einbezug der kreisärztlichen Aktenbeurteilungen. Ob letztlich auf diese abgestellt
werden kann, ist im Rahmen der nachfolgenden materiellrechtlichen Beurteilung bzw.
Beweiswürdigung zu prüfen.
wird, vertritt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers insbesondere unter Hinweis
auf Art. 36 UVG den gegenteiligen Standpunkt.
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4.
Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung (6. Februar 2019) wies die linke
Rotatorenmanschette des Beschwerdeführers unbestrittenermassen eine
kernspintomographisch objektivierte transmurale Ruptur der Supraspinatussehne über
die gesamte Breite und Rupturen der kranialen Anteile der Subscapularis- und
Infraspinatussehne auf. Zudem hatte sich eine Pulleyruptur mit anteromedialer
Verlagerung der tendinotisch verdickten Bizepsehne gezeigt (Suva-act. 15). Am 6.
Februar 2019 hatten sich die strukturellen Sehnenschädigungen sowie die
anteromediale Luxierung der Bizepssehne intraoperativ bzw. arthroskopisch bestätigt
und die Bizpessehne hatte sich aufgefasert dargestellt (Suva-act. 21).
4.1.
Die Rotatorenmanschette, wie auch die lange Bizepssehne, neigen zur
Degeneration. Allerdings können sie auch als Folge eines Traumas ein- oder abreissen
(vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2005, S.
628, 724 f., 728 ff., 732; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 225, 1681;
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 250). Nachfolgend ist also
zunächst zu prüfen, ob es sich bei der ausgedehnten Rotatorenmanschettenläsion mit
Beteiligung dreier Sehnen um eine direkte Unfallverletzung oder einen degenerativen
Vorzustand handelt. Allgemein ist vorweg zu nehmen, dass die Ausdrücke "Ruptur"
und "Läsion" nicht automatisch auf ein erlittenes Trauma hindeuten (Debrunner, a.a.O.,
S. 412, 628, 724 f., 728 ff; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1681; Pschyrembel, a.a.O., S.
1576, 1646).
4.2.
Der Vergleich bildgebender Untersuchungsergebnisse aus der Zeit vor und nach
dem Unfall würde für die Abgrenzung Vorzustand bzw. neue unfallbedingte strukturelle
Schädigung eine bedeutsame Beweisgrundlage darstellen (vgl. dazu BGE 134 V 232 E.
5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E.
2). Im konkreten Fall liegen indes keine vor dem Unfall erstellten radiologischen Bilder
vor, weshalb diesbezügliche Erkenntnisse fehlen. Die Schädigungen der
Rotatorenmanschette links wurden bereits im Rahmen der MRT-Untersuchung vom 18.
Januar 2019 erhoben (Suva-act. 15), was noch als unfallnaher bildgebender Befund
angesehen werden kann. Damit ist an sich nicht ausgeschlossen, dass sich der
Beschwerdeführer die am 6. Februar 2019 operierte Rotatorenmanschettenläsion beim
Unfall vom 2. Dezember 2018 zugezogen hat bzw. dass diese eine traumatische
Verletzung darstellt. Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, legen jedoch Dr.
M._ und Dr. N._ in ihren Beurteilungen vom 30. Januar 2019, 12. Februar 2019
(Suva-act. 14) und 23. Juli 2019 (Suva-act. 67) anhand massgebender Kriterien und
bedeutsamer Umstände im Rahmen der Kausalitätsbeurteilung dar, weshalb die
4.3.
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Rotatorenmanschettenläsion beim Beschwerdeführer an der linken Schulter mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht erst beim Unfall vom 2.
Dezember 2018 entstanden ist.
4.4.
Dr. N._ stellt in seiner Beurteilung vom 12. Februar 2019 zunächst zutreffend
fest, dass Dr. G._ im MRT-Untersuchungsbericht vom 18. Januar 2019 (Suva-act. 15)
keine Ursachenbeurteilung der Sehnenschädigung im gesamten
Rotatorenmanschettensehnenbereich abgegeben habe (Suva-act. 14). Dr. N._ hat die
radiologischen Bilder gesichtet (vgl. dazu Suva-act. 14). Er bezeichnet die
radiologische Beurteilung von Dr. G._ als nicht korrekt. Offensichtlich meint er damit
nicht, dass der Radiologe falsche Befunde erhoben hat, sondern dass in dessen
Bericht gewisse Befunde unerwähnt geblieben sind. Erstens sei die Muskulatur bereits
fortgeschritten verfettet mit Goutallier Grad 3 für die Supraspinatussehne und Grad 2
für die Infraspinatussehne, auch wenn die axiale Ebene unzureichend für eine
Beurteilung nach Zanetti sei. Zweitens sei die stärkste Retraktion der Supraspinatus-
und Infraspinatussehne bis zum Glenoid der Beweis für eine langdauernde
vorbestehende komplette degenerative Surpaspinatus- und Infraspinatussehnenläsion.
Drittens bestehe ein kompletter Humeruskopfhochstand, am Acromion anstehend mit
kompletter Aufhebung des subacromialen Raums und beginnender Arrosion und
Bildung eines "NEO-Schulterdaches" aufgrund langdauernd vorbestehendem
komplettem Rotatorenmanschetten-Defekt, chronisch schleichend degenerativ
verursacht. Alle diese Befunde hätten sich intraoperativ vollständig bestätigt ohne
Nachweis einer Folge des Unfallereignisses vom 2. Dezember 2018.
4.4.1.
Der Arthroskopiebefund einer Verfettung von Supraspinatus- und
Infraspinatussehne kann dem Operationsbericht vom 7. Februar 2019 (Suva-act. 21)
nicht explizit entnommen werden. Zudem hält Prof. O._ im fachradiologischen
Gutachten vom 12. Juni 2019 fest, dass eine anhand der vorliegenden Bildgebung vom
18. Januar 2019 abschliessende Beurteilung der Muskelqualität des Musculus
supraspinatus und Musculus infraspinatus mangels unzureichender sagittaler Schnitte
nicht möglich sei (Suva-act. 64). Laut medizinischer Literatur weist jedoch die
Irreparabilität, die sich in der Operation vom 6. Februar 2019 gezeigt hat, bzw. dass mit
der Operation keine zufriedenstellende Rekonstruktion der Rotatorenmanschette erzielt
wurde (Suva-act. 21, 65), auf eine Muskelverfettung hin. Auch die laut
Operationsbericht vom 6. Februar 2019 vorliegende Retraktion der
Supraspinatussehne und der Infraspinatussehne bis zum Glenoid ist ein bedeutsames
4.4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
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Indiz dafür, dass beim Beschwerdeführer bereits vor dem Trauma eine Schädigung der
Rotatorenmanschette vorgelegen haben muss (zum Ganzen vgl. Swiss Medical Forum,
Ausgabe 2019/1516, Übersichtsartikel, Revidierte Unterscheidungskriterien,
Degenerative oder traumatische Läsionen der Rotatorenmanschette, zu finden unter
https://doi.org/10.4414/smf.2019.03247, abgerufen am 30. Oktober 2020, S. 265 f.;
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 2016, 8C_594/2016, E. 3.1,
3.2.3.2). Wie von Dr. N._ überzeugend und schlüssig festgestellt (Suva-act. 14), wird
die Annahme degenerativer und damit vorbestehender Läsionen der
Rotatorenmanschette schliesslich durch den - im Übrigen auch von Dr. G._
erhobenen (Suva-act. 15) - deutlichen Humeruskopfhochstand mit den erosiven
Veränderungen am Tuberculum majus mit kleinen Zysten gestützt (vgl. https://
edoc.ub.uni-muenchen.de/20462/1/ Plass_Andre_R.pdf, abgerufen am 30. Oktober
2020; Swiss Medical Forum, a.a.O., 264). Dr. M._ hat den massiven
Humeruskopfhochstand gleichfalls als Hinweis auf eine ältere Genese der
Rotatorenmanschettenruptur gesehen (Suva-act. 14). Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die drei obgenannten Befunde ein einheitliches Bild von Folgen
eines vorbestehenden kompletten Rotatorenmanschettendefekts ergeben, welche sich
über eine längere Dauer entwickelt haben. Die Beurteilung von Dr. N._ wird auch von
Prof. O._ gestützt, der in seinem fachradiologischen Gutachten vom 12. Juni 2019
(Suva-act. 64) hinsichtlich der Ursächlichkeit des massiven Schadens der
Rotatorenmanschette der linken Schulter festhält, dass in der sechs Wochen nach dem
Trauma durchgeführten MR-Arthrographie vom 18. Januar 2019 eine Retraktion der
Supraspinatussehne Patte Grad III sowie ein Humeruskopfhochstand beständen und
diese beiden Befunde darauf hindeuten würden, dass die Läsion chronisch sei und
nicht auf das inkriminierte Trauma zurückgeführt werden könne.
4.5.
Wie von Dr. N._ in seiner Beurteilung vom 23. Juli 2019 (Suva-act. 67) erörtert,
sind insbesondere auch dem zeitlichen Verlauf und der Art und Weise, wie die
Beschwerdeproblematik beim Beschwerdeführer nach dem Treppensturz mit
Schulterprellung links aufgetreten ist, überzeugende Erkenntnisse für die
Kausalitätsbeurteilung zu entnehmen. Dr. N._ schliesst aus den vorliegenden Akten,
dass bereits neun Tage nach der Schulterprellung links kein Hinweis im Sinne einer
Pseudoparalyse für eine akute, unfallkausale und massive Rotatorenmanschettenläsion
bestanden habe, wie dies aus medizinischer Erfahrung und umfassend belegt nach
einer unfallkausalen massiven und vollständigen Rotatorenmanschetten-
Sehnendurchtrennung unweigerlich der Fall wäre (Suva-act. 67-4). Die Pseudoparalyse
4.5.1.
https://edoc.ub.uni-muenchen.de/20462/1/ https://edoc.ub.uni-muenchen.de/20462/1/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
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ist laut medizinischer Literatur und bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein typisches
Symptom einer traumatisch bedingten Läsion der Supraspinatussehne, bei welcher der
Arm nicht mehr aktiv über die Horizontale gehoben werden kann (Debrunner, a.a.O., S.
728; Pschyrembel, a.a.O., S. 1576; Swiss Medical Forum, a.a.O., S. 263; Urteile des
Bundesgerichts vom 13. Dezember 2016, 8C_606/2016, und vom 22. Oktober 2019,
8C_446/2019).
Dass beim Beschwerdeführer nach dem Unfall vom 2. Dezember 2018 nicht
sofort eine Pseudoparalyse aufgetreten ist, lässt sich zwar anhand der von den Ärzten
beim Beschwerdeführer erhobenen Befunde nicht uneingeschränkt bestätigen. So
ergab die klinische Untersuchung am Unfalltag durch Dr. B._ und Dr. C._ eine
schmerzbedingt eingeschränkte Beweglichkeit mit aktiver Elevation 20° und einer
aktiven Abduktion 30°, wobei der Normwert jeweils 180° beträgt. Zudem waren der
Jobe-Test sowie die Aussenrotation gegen Widerstand schmerzhaft (Suva-act. 3).
Allerdings berichtete der Beschwerdeführer anlässlich der Untersuchung durch Dr.
E._ vom 11. Dezember 2018 über eine Besserung der Schulterbeschwerden, sowohl
der Schmerzen wie auch der Beweglichkeit. Entsprechend erhob Dr. E._, wie von Dr.
N._ zutreffend festgestellt, klinisch bereits eine aktive globale Schulterbeweglichkeit
und Elevation bis knapp 90°, assistiert bis 140°. In dieser Position konnte der Arm
gehalten werden und Dr. E._ hielt angesichts dieses Befundstatus fest, dass kein
Hinweis auf eine relevante Rotatorenmanschettenruptur im Sinne einer Pseudoparalyse
bestehe (Suva-act. 6). Auch die Aussage von Dr. M._ - es habe nur eine leicht
eingeschränkte Elevation des Armes bestanden (Suva-act. 14) - erscheint in Bezug auf
dieses Untersuchungsergebnis überzeugend. Erst im ärztlichen Zwischenbericht vom
10. Januar 2019 hielt Dr. F._ sodann wieder fest, dass die Schulter bei allen
Bewegungen schmerze (Suva-act. 9), worauf sich in der MRT-Untersuchung durch Dr.
G._ vom 18. Januar 2019 die drei Sehnenrupturen, insbesondere die transmurale
Ruptur der Supraspinatussehne, zeigten (Suva-act. 15). Der dargelegte zeitliche Verlauf
der Beschwerdesymptomatik vermag jedenfalls insgesamt keine eindeutige,
persistierende Pseudoparalyse zu sichern (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts
vom 22. Oktober 2019, 8C_446/2019, E. 3). Beim Beschwerdeführer wies gerade die
Supraspinatussehne des Supraspinatusmuskels, welcher die Elevation und Abduktion
des Arms ermöglicht, eine transmurale Ruptur auf, womit bei einer traumatischen
Läsion eine eindeutige Pseudoparalyse zu erwarten wäre. Wie Dr. M._ in seiner
Beurteilung vom 30. Januar 2019 mithin nachvollziehbar und überzeugend festhält,
weist der vorliegende Sachverhalt vielmehr auf eine ältere und damit vorbestehende
Schädigung hin (Suva-act. 14).
4.5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
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4.6.
Ein massgebendes Beurteilungskriterium für die Ursächlichkeit einer
Gesundheitsschädigung bildet im Weiteren der Unfallhergang. Insbesondere für
Rotatorenmanschettenläsionen werden in den medizinischen Fachartikeln konkrete
Verletzungsmechanismen beschrieben, welche zu einer traumatischen Sehnenruptur
führen können. Als potenziell geeignete Verletzungsmechanismen werden genannt: das
Abscheren des Sehnenansatzes von innen, sobald der maximal zulässige
Rotationswinkel überschritten ist und der Sehnenansatz mit dem Pfannenrand in
Konflikt gerät (sogenanntes inneres Impingement), z.B. bei einer Schulter(sub)luxation;
die passive Traktion, z.B. nach unten (beim Versuch einen schweren fallenden
Gegenstand aufzufangen), ventral oder medial; die exzentrische Belastung
angespannter Anteile der Rotatorenmanschette, z.B. bei passiv forcierter Aussen- oder
Innenrotation bei anliegendem oder abgespreiztem Arm, z.B. bei einem Sturz vom
Gerüst nach vorn mit dem Versuch, den Fall durch Festhalten abzufangen. Die
traumatische Ruptur der Rotatorenmanschette erfolgt gemäss Literatur also in der
Regel nicht durch ein direktes Anpralltrauma, sondern durch indirekte
Gewalteinwirkung bzw. durch eine plötzliche körpereigene Kraftanstrengung, mit der
die mechanische Belastbarkeit des Sehnengewebes überschritten wird. Die direkte
Krafteinwirkung auf die Schulter (Sturz, Prellung, Schlag) ist unter anderem deshalb ein
eher ungeeigneter Hergang, weil die Rotatorenmanschette durch den knöchernen
Schutz der Schulterhöhe (Akromion) und durch den Delta-Muskel gut abgeschirmt ist
(vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 22. Oktober 2019, 8C_446/2019, E.
5.2.2; Swiss Medical Forum, a.a.O., S. 263; http:// www.gaertner-servatius.de/
krankheiten/-rotatorenmanschettenruptur_leitlinien.pdf, abgerufen am 30. Oktober
2020).
4.6.1.
Dafür, dass sich der Beschwerdeführer beim Sturz mit der rechten Hand hätte
schützen bzw. stützen wollen, gibt es weder in den Akten Hinweise noch enthalten die
Eingaben des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers entsprechende Ausführungen
zum Unfallhergang (vgl. Suva-act. 54, act. G 1, G 12). Im Zusammenhang mit dem
vorliegend untypischen Unfallmechanismus ist schliesslich zu ergänzen, dass Dr. M._
und Dr. N._ bezüglich der konkreten Rotatorenmanschettenproblematik von einer
massiven Schädigung bzw. einem massiven Schaden, einem schweren Vorschaden
und einer weit fortgeschrittenen Schädigung sämtlicher Sehnen der
Rotatorenmanschette ausgehen (Suva-act. 14, 67-4). Diese Einstufungen erscheinen
angesichts der operativ irreparablen Rotatorenmanschette (vgl. Suva-act. 21, 65;
Erwägung 5.4.2) überzeugend und es ist im Weiteren nur schwer vorstellbar, dass
4.6.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
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durch ein einzelnes und zudem untypisches Unfallereignis mehrere Sehnen der
Rotatorenmanschette verletzt worden sind. Dies gilt umso mehr, als selbst hinsichtlich
des direkten Anpralltraumas nicht von einer massiven Gewalteinwirkung auf die linke
Schulter mit einer schwerwiegenden Kontusionsverletzung auszugehen ist. So zeigte
die Schulter am Unfalltag klinisch in der Untersuchung durch Dr. B._ und Dr. C._
keine typischen Kontusionsfolgen, d.h. keine Rötung, keine Schwellung oder
Überwärmung und auch kein Hämatom (Suva-act. 3). Solche Befunde hätten
zumindest ein Hinweis auf eine namhafte Krafteinwirkung auf die Schulter sein können
(vgl. Debrunner, a.a.O., S. 412). Laut schlüssiger und überzeugender Beurteilung von
Prof. O._ wären sodann im Falle einer traumatischen Ätiologie in der rund sechs
Wochen nach dem Unfall durchgeführten MRI-Untersuchung vom 18. Januar 2019
(Suva-act. 15) auch Veränderungen des Knochens (im Sinne von traumatischen
Knochenmarksödemen) oder des Knochenmarks zu erwarten gewesen (Suva-act. 64;
vgl. dazu Pschyrembel, a.a.O., S. 277 "Bone bruise"). Die Beschwerdegegnerin weist
schliesslich in der Beschwerdeantwort vom 29. November 2019 (act. G 7) überzeugend
darauf hin, dass auch der aktenkundige Sturzvorgang mit einer primären Landung auf
dem linken Knie und linken Fuss und danach noch auf der linken Schulter (Suva-act. 3)
auf eine eher leichte Prellung hinweise.
Eine Gesamtbetrachtung im Sinne der vorangegangenen Erwägungen lässt mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit den Schluss zu, dass - wie
von Dr. N._, Dr. M._ und Prof. O._ übereinstimmend beurteilt - zwischen der alle
drei Sehnen betreffenden Rotatorenmanschettenläsionen und dem Unfallereignis vom
2. Dezember 2018 kein natürlicher Kausalzusammenhang vorliegt. Weder die
radiologisch objektivierten Befunde noch der Beschwerdeverlauf oder der
Unfallmechanismus deuten auf eine traumatische Rotatorenmanschettenläsion hin. Zur
Supraspinatussehne ist zudem festzuhalten, dass diese durch ihren topographischen
Verlauf einer besonderen mechanischen Beanspruchung ausgesetzt ist und bereits früh
degenerative Veränderungen aufweisen kann. Die Reissfestigkeit nimmt abhängig vom
Lebensalter ab. So kommt einem Trauma in der Regel nur geringe Bedeutung zu
(Gelegenheitsursache [Medizinische Begutachtung, Grundlagen und Praxis, hrsg. von
Hans Hermann Marx, 6. Aufl. 1992, S. 393; Debrunner, a.a.O., S. 725]). Abgesehen von
der blossen zeitlichen Abfolge ist kein konkreter Faktor ersichtlich, der für eine
Unfallkausalität spricht. Der zeitliche Aspekt allein reicht jedoch nicht aus, um von einer
natürlich unfallkausalen organisch strukturellen Schädigung auszugehen. Andernfalls
würde man sich mit dem blossen Anschein eines Beweises bzw. mit der blossen
Möglichkeit begnügen und davon ausgehen, dass eine gesundheitliche Schädigung
schon dann durch den Unfall verursacht sei, wenn sie nach diesem auftrat (vgl. dazu
4.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
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5.
die beweisrechtlich untaugliche Formel "post hoc ergo propter hoc" z.B. in Kieser,
a.a.O., N 96 zu Art. 4; Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl.
Bern 1989, S. 460 N 1205; SVR 2009 UV Nr. 113 8C_590/2007, S. 52 E. 7.2.4 mit
weiteren Hinweisen; BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb). Die alleinige anamnestische Erklärung
von Dr. J._ im Untersuchungsbericht vom 5. Februar 2019, der Beschwerdeführer
habe sich bei einem Sturz am 2. Dezember 2018 eine Rotatorenmanschettenläsion der
linken Schulter zugezogen, vermag an obiger Beurteilung nichts zu ändern (Suva-act.
19). Anamneseangaben gelten nicht als ärztliche Würdigung bzw. Beurteilung der
medizinischen Situation bzw. als medizinische Kausalitätsbeurteilung. Die Anamnese
beinhaltet insbesondere Berichte des Patienten über seine Vorgeschichte
(Pschyrembel, a.a.O., S. 82; Roche Lexikon, a.a.O., S. 74 f.), welche dem
untersuchenden Arzt neben den von ihm erhobenen Befunden und Diagnosen erst
dazu dienen, eine eigene medizinische Beurteilung vorzunehmen. Eine anamnestische
Angabe allein vermag jedenfalls keine Zweifel an einer umfassend begründeten
medizinischen Beurteilung zu begründen. Eine richtungsgebende, mithin dauernde,
unfallbedingte Verschlimmerung der degenerativ rupturierten Rotatorenmanschette ist
offensichtlich ebenfalls auszuschliessen. Abgesehen davon, dass eine
richtungsgebende Verschlimmerung in den medizinischen Akten nirgends diskutiert
wurde, erscheint eine solche aufgrund derselben Kriterien bzw. Umstände, wie sie für
die Verneinung einer unfallbedingten Rotatorenmanschettenläsion (vgl. Erwägungen 4.4
ff.) soeben angeführt worden sind, nicht überwiegend wahrscheinlich.
Wird davon ausgegangen, dass die nach dem Sturz aufgetretenen linksseitigen
Schulterbeschwerden des Beschwerdeführers Folge einer blossen
Kontusionsverletzung ohne strukturelle Läsion oder eines lediglich aktivierten (zuvor
stummen) degenerativen Vorzustands sind, hat die Beschwerdegegnerin nur
Leistungen bis zur Heilung der spezifischen Kontusionsfolgen bzw. für das unmittelbar
im Zusammenhang mit den Unfällen stehende Schmerzsyndrom gemäss Art. 36 Abs. 1
UVG zu übernehmen. Mit dem Erreichen des Status quo sine vel ante entfällt eine
Teilursächlichkeit (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E.
5.3; KOSS UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, mit Hinweisen; SVR 2010
UV Nr. 31 S. 125, 8C_816/2009 E. 4.3; vgl. Erwägung 2.1). Solange jedoch der Status
quo sine vel ante noch nicht wieder erreicht ist, hat die Beschwerdegegnerin gestützt
auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch die Kosten für
Pflegeleistungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art.
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
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10 UVG fallen. Unter Umständen hat der Beschwerdeführer damit Anspruch auf eine,
operative Eingriffe miteinschliessende, zweckmässige Behandlung, wenn diese im
Gesamtkontext gesehen letztlich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der
(vorzeitigen) Beseitigung der vom Unfall zumindest mitverursachten Schmerzen dient
und nicht gesagt werden kann, die Operation wäre auch ohne den durch die Unfälle
bewirkten Beschwerdeschub überwiegend wahrscheinlich im selben Zeitpunkt
notwendig geworden (Urteile des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012,
E. 5.3, und 24. Juni 2008, 8C_326/2008, E. 6). Anders verhält es sich, wenn der Unfall
nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mit dessen
Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, manifest werden lässt, ohne im
Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige Bedeutung
anzunehmen (SVR 2012 UV Nr. 8 S. 27, 8C_380/2011, E. 4.2.1; Urteil des
Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5.3 mit Hinweisen).
Wie bereits erwähnt, entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass
Weichteilverletzungen wie Kontusionen und Distorsionen normalerweise innert kurzer
Zeit abheilen und sich die damit verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbilden (vgl.
Debrunner, a.a.O., S. 412). Diese medizinische Erfahrungstatsache darf im Rahmen des
im Sozialversicherungsrecht zur Anwendung gelangenden
Wahrscheinlichkeitsbeweises berücksichtigt werden (Locher/Gächter, a.a.O., § 70 N 58
f.). Dies hat insbesondere für den Nachweis des Zeitpunkts des Dahinfallens natürlich
kausaler Unfallfolgen zu gelten, welcher sich häufig nur mit Erfahrungswerten
bestimmen lässt (Urteil des EVG vom 18. September 2002, U 60/02, E. 2.2).
Medizinische Erfahrungssätze beziehen sich auf den Regelfall. Eine Ausnahme von der
Regel ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie sich eben als solche
präsentieren. Im vorliegenden Fall geht Dr. N._ in seinen Beurteilungen vom 12.
Februar und 23. Juli 2019 (Suva-act. 14, 67) von einer zeitlich limitierten
vorübergehenden Verschlimmerung des degenerativen Vorzustandes und einem
spätestens per 5. Februar 2019, d.h. einen Tag vor der Operation vom 6. Februar 2019,
erreichten Status quo sine aus. Die Frage nach dem Erreichen des Status quo ante
kann sich wegen der Schulteroperation vom 6. Februar 2019 nicht mehr stellen (vgl.
dazu Dr. N._ in Suva-act. 67-4). Dr. N._ führt aus, dass die Operation des linken
Schultergelenks einzig auf den erkrankungsbedingten, massiven und irreparablen
Schaden der Sehnen der Rotatorenmanschette des linken Schultergelenks aufgrund
chronisch degenerativer Abnützung abgezielt und nicht der operativen Behandlung von
Unfallfolgen aus dem Ereignis vom 2. Dezember 2018 gedient habe (Suva-act. 14, 67).
Dass am 6. Februar 2019 die kernspintomographisch und arthroskopisch objektvierten
strukturellen Gesundheitsschädigungen im Bereich der Rotatorenmanschette operativ
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
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6.
therapiert wurden (Suva-act. 21), ist unbestritten. In den Erwägungen 4.4 ff. wurde
umfassend dargelegt, dass es sich bei diesen nicht um neue unfallkausale
Gesundheitsschäden gehandelt hat. Wie in Erwägung 4.6.2 ausgeführt, kann sodann
das Anpralltrauma, welches der Beschwerdeführer am 2. Dezember 2018 erlitten hat,
nicht als schwerwiegend eingestuft werden. Im Regelfall ist davon auszugehen, dass
der Schweregrad der Prellung wiederum Einfluss auf die Heilungsdauer hat, womit im
konkreten Fall auch nicht von bedeutsamen Kontusionsfolgen auszugehen ist.
Dagegen zeigte sich beim Beschwerdeführer eine umfassende vorbestehende
Läsionsproblematik im Bereich der linken Rotatorenmanschette. Vor diesem
Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Folgen der Kontusion im
Operationszeitpunkt mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
verheilt gewesen waren und der Unfall für die fortdauernde Beschwerdesymptomatik
nur eine Zufalls- bzw. Gelegenheitsursache gebildet hat. In Übereinstimmung mit der
Beschwerdegegnerin (vgl. Beschwerdeantwort vom 29. November 2019 [act. G 7]) ist
zu ergänzen, dass bereits neun Tage nach dem Unfall eine schnelle Besserung der
Beschwerdesymptomatik dokumentiert ist (Suva-act. 6). Auch dieser Umstand weist
auf eine Heilung der Kontusionsfolgen in dem von Dr. N._ angenommenen Zeitraum
von rund zwei Monaten hin.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Unfall vom 2. Dezember 2018 seine
kausale Bedeutung für die Schulterproblematik links des Beschwerdeführers mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit spätestens am 5. Februar 2019
verloren hatte bzw. das Fehlen eines natürlichen Kausalzusammenhangs dargetan ist.
Eine weitergehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin, insbesondere für die
Kosten der Operation vom 6. Februar 2019, besteht demzufolge nicht.
5.3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 19.
August 2019 nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
6.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).6.2.
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Mit Blick auf den zu beurteilenden Sachverhalt,
6.3.
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