Decision ID: 31e6adc9-2602-451f-af5b-d8aa650af223
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war als „Bauarbeiter“ (spezifischer: als Bauhilfsarbeiter und Eisenleger; vgl.
Suva-act. 37) bei der B._ AG angestellt und dadurch bei der Suva gegen Unfälle
versichert. Am 10. Juli 2019 verunfallte er während der Arbeit auf der Baustelle, wobei
er sich gemäss der Unfallmeldung vom 18. Juli 2019 einen Bruch am Rücken und eine
Beschädigung der Zahnprothese zuzog (Suva-act. 2). Die Suva teilte dem Versicherten
am 22. Juli 2019 mit (Suva-act. 4), dass sie die Versicherungsleistungen im
Zusammenhang mit den Rückenbeschwerden erbringen werde; bezüglich der
Zahnbehandlung werde der Versicherte zu einem späteren Zeitpunkt eine separate
Stellungnahme erhalten. Sie werde der Arbeitgeberin für die Zeit frühestens ab dem 13.
Juli 2019 ein Taggeld von 129.55 Franken pro Kalendertag ausrichten. Das
Kantonsspital C._ hatte am 19. Juli 2019 berichtet (Suva-act. 10), der Versicherte
habe sich am 10. Juli 2019 eine craniale Keilfraktur mit einer Kyphosierung L1 und
einer cranialen, inkompletten Berstungsfraktur L4 sowie einen Zahnprothesenbruch
zugezogen. Zudem leide er an einer Osteochondrose L5/S1. Am 12. Juli 2019 seien
eine percutane, transpediculäre Ballonkyphoplastie L1 und L4, eine dorsale
Spondylodese L3–L5 sowie eine Beckenkammspogiosaentnahme dorsal rechts
durchgeführt worden. Der intra- und postoperative Verlauf habe sich komplikationslos
gestaltet. Am 19. Juli 2019 sei der Versicherte aus der stationären Behandlung
entlassen worden. Für die Zeit bis zum 25. August 2019 sei eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Am 13. August 2019 beantwortete der Versicherte
verschiedene Fragen der Suva (Suva-act. 13). Er gab an, er sei am 10. Juli 2019
A.a.
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zwischen 16.00 und 16.30 Uhr damit beschäftigt gewesen, alleine von Hand (nicht
näher bezeichnetes) Material zu bewegen. Dabei sei er mit Brettern auf der Schulter
gestolpert und rückwärts mit seinem gesamten Eigengewicht auf den Rücken gefallen,
wobei er auf einer etwa 50 cm hohen Betonbrüstung (vgl. Suva-act. 37) gelandet sei.
Das Spital D._ berichtete am 26. August 2019 (Suva-act. 19), der Versicherte
habe über einen erfreulichen postoperativen Verlauf berichtet, aber angegeben, dass
bei längerem Sitzen nach wie vor tieflumbale Schmerzen aufträten. Sensomotorische
Defizite hätten nicht objektiviert werden können. Die Wunden seien reizlos und der
Versicherte benötige keine Schmerzmittel mehr. Der radiologische Befund sei
unauffällig. Das Osteosynthesematerial sitze fest in Position; neue Frakturen seien nicht
aufgetreten. Bis zur nächsten Kontrolluntersuchung am 21. Oktober 2019 sei der
Versicherte weiterhin zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Ab dem 1. Oktober 2019 überwies
die Suva das Taggeld direkt an den in E._ wohnhaften Versicherten (vgl. Suva-act.
28). Am 21. Oktober 2019 berichtete das Spital D._ (Suva-act. 38), drei Monate nach
dem Unfall sei der Zustand zufriedenstellend. Nun könne eine Physiotherapie in die
Wege geleitet werden. Der Versicherte sei nach wie vor vollständig arbeitsunfähig, aber
es sei zu erwarten, dass die Physiotherapie die Schmerzsituation wesentlich
verbessern und damit die Arbeitsfähigkeit wiederherstellen werde. In einem weiteren
Bericht vom 14. Januar 2020 hielten die Ärzte des Spital D._ fest (Suva-act. 60), die
Physiotherapie habe die tieflumbalen Schmerzen bislang noch nicht wesentlich
beeinflussen können. Die Behandlung sollte weitergeführt werden. Vor allem sollte ein
Muskelaufbau am Rücken angestrebt werden. Momentan sei der Versicherte weiterhin
vollständig arbeitsunfähig. Sollte der abschliessende Physiotherapiezyklus die
tieflumbalen Schmerzen nicht positiv beeinflussen, werde eine erneute Operation zur
Entfernung des Osteosynthesematerials in Erwägung zu ziehen sein. Am 10.
September 2020 wurde das Osteosynthesematerial operativ entfernt (Suva-act. 132
und 135). Am 16. November 2020 teilte der Versicherte telefonisch mit (Suva-act. 142),
die Schmerzsituation habe sich durch die Entfernung des Osteosynthesematerials nicht
wesentlich verändert. Aktuell könne er wegen den COVID-19-Massnahmen keine
Physiotherapie durchführen. In der Folge gelang es dem Versicherten offenbar doch
noch, einen Physiotherapeuten zu finden, der ihn behandelte (vgl. Suva-act. 145 und
150).
A.b.
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Am 24. Februar 2021 fand eine kreisärztliche Untersuchung durch den Spezialarzt
für orthopädische Chirurgie und Traumatologie Dr. med. F._ statt. Der Suva-Kreisarzt
berichtete (Suva-act. 165), der Versicherte habe hauptsächlich über dauernd
vorhandene, allerdings nicht allzu intensive Schmerzen im unteren Rückenbereich
geklagt, die sich verstärkten, wenn er mehr als 20 Minuten sitze ohne sich zu bewegen.
Die Physiotherapie sei Ende Januar 2021 beendet worden. Der Versicherte habe sich
mit einer minimalen Unsicherheit, aber ohne Hinken, bewegt. Die Fortbewegung sei in
Neutralstellung uneingeschränkt gewesen. Beim Zehen- und Fersengang habe der
Versicherte über Schmerzen in der Lumbalregion geklagt. Der Zehenstand sei mit
minimalen Schmerzen, der Fersenstand nur teilweise möglich gewesen. Die lumbale
Lordose sei verflacht gewesen. Bei der klinischen Prüfung sei insbesondere ein
gewisses Beweglichkeitsdefizit aufgefallen. Die paravertebrale Muskulatur sei auf der
linken Seite minimal verspannt gewesen. Der Versicherte habe eine gewisse
Druckdolenz angegeben. Ansonsten sei der (im Bericht ausführlich beschriebene)
objektive klinische Befund weitgehend unauffällig gewesen. Diagnostisch leide der
Versicherte an einem Status nach einer Kontusion der lumbalen Wirbelsäule mit einer
vertebralen Fraktur L1 und L4. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar.
Tätigkeiten, bei denen der Versicherte nur selten mehr als 15 kg und nur gelegentlich
mehr als 10 kg bewegen müsse, die vorwiegend leicht und nur manchmal mittelschwer
seien, die nur selten Rotationen und nur gelegentlich eine sitzende, vornüber geneigte
Position oder eine stehende, vornüber geneigte Position erforderten, die nur manchmal
zu längerem Sitzen oder Stehen zwängen, vorwiegend wechselbelastend ausgeübt
werden könnten, nur selten ein Gehen auf unebenem Boden, nur gelegentlich das
Besteigen von Treppen und nie das Besteigen von Leitern erforderten, seien dagegen
uneingeschränkt zumutbar. Aus medizinischer Sicht seien eine Fortsetzung der
Physiotherapie sowie die Wiederaufnahme einer Analgetikatherapie zur Verbesserung
der Schmerzsituation zu empfehlen. Der Integritätsschaden sei ausgehend von der
Suva-Tabelle 7.2 unter Berücksichtigung des schmerzbedingten Rotationsdefizites, der
Abflachung der Lendenwirbelsäule und der Spondylodese auf zehn Prozent
festzusetzen (Suva-act. 164).
A.c.
Die Suva teilte dem Versicherten am 15. März 2021 telefonisch (Suva-act. 168)
und schriftlich (Suva-act. 172) mit, dass sie die Taggeldzahlungen per 1. Mai 2021
A.d.
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B.
einstellen werde. Der Versicherte habe einen Anspruch auf zwei weitere Serien
Physiotherapie im Jahr 2021. Sie werde den Anspruch auf eine Invalidenrente und auf
eine Integritätsentschädigung prüfen. Bezüglich der Integritätsentschädigung werde sie
von einem Integritätsschaden von zehn Prozent ausgehen. Für die
Invaliditätsbemessung sei ausschlaggebend, dass dem Versicherten die angestammte
Tätigkeit nicht mehr, eine leidensadaptierte Tätigkeit dagegen uneingeschränkt
zumutbar sei. Rechtsprechungsgemäss sei der Versicherte verpflichtet, seine
Resterwerbsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu verwerten. Ein
Sachbearbeiter der Suva verglich den zuletzt erzielten Lohn (der Versicherte war nur
wenige Tage eingesetzt worden; vgl. Suva-act. 181) von 26.35 Franken pro Stunde,
hochgerechnet auf einen Jahreslohn von 60’289 Franken (= 26.35 × 176 × 13), mit dem
statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne (2018: 67’767 Franken; unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung 2018–2021: 69’475 Franken), was unter
Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von zehn Prozent einen Invaliditätsgrad
von gerundet minus vier Prozent ergab (Suva-act. 184). Mit einer Verfügung vom 28.
Mai 2021 sprach die Suva dem Versicherten eine Integritätsentschädigung von 14’820
Franken zu, welcher sie wie angekündigt einen Integritätsschaden von zehn Prozent
zugrundelegte; das Rentenbegehren wies sie ab (Suva-act. 189). Zur Begründung
führte sie an, der Versicherte könne in einer leidensadaptierten Tätigkeit ein höheres als
das zuletzt erzielte Erwerbseinkommen generieren, weshalb er nicht rentenbegründend
invalid sei.
Am 24. Juni 2021 liess der Versicherte eine vorsorgliche Einsprache gegen die
Verfügung vom 28. Mai 2021 erheben (Suva-act. 194). Am 14. September 2021 liess er
geltend machen (Suva-act. 203), der Chirurg Dr. med. G._ habe ein Privatgutachten
erstellt, das belege, dass der Versicherte in einem höheren Ausmass invalid sei, als die
Suva angenommen habe. Der Versicherte beantrage daher die Zusprache einer
Invalidenrente und die Zusprache einer dem realen Integritätsschaden entsprechenden
(höheren) Integritätsentschädigung. In seinem undatierten Privatgutachten hatte Dr.
G._ festgehalten (Suva-act. 204), der Versicherte habe über dauernde Schmerzen,
Schlafstörungen und Symptome geklagt, die auf eine reaktive Depression hindeuteten.
Der Gang sei unsicher, instabil und phasenweise hinkend gewesen. Wiederholt habe
B.a.
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der Versicherte das Gleichgewicht verloren, wobei er wie erstarrt sei und eine
Fallneigung präsentiert habe, was gesamthaft an das Parkinson’sche Syndrom erinnert
habe. Bei der klinischen Untersuchung habe sich eine erhebliche
Druckschmerzhaftigkeit gezeigt. Die Lordose sei verflacht gewesen. Die Flexion und die
Extension sowie die Rotation des Rumpfes seien um etwa einen Drittel eingeschränkt
und schmerzhaft gewesen. Die paravertebrale Muskulatur habe eine erhebliche
Verspannung und Hypotonie aufgewiesen. Die Berührungssensibilität sei vermindert
gewesen. Die Kraft in den unteren Extremitäten sei erheblich vermindert gewesen. Die
bleibende Invalidität betrage 21–22 Prozent. Sie begründe sich durch die schwere
Schädigung der Wirbelsäule, die komplexen chirurgischen Eingriffe, die deutlich
sichtbare und unästhetische Narbe, die Beschädigung im Kieferbereich mit dem Verlust
von Zähnen und der Notwendigkeit einer prothetischen Versorgung, das reaktive
ängstlich-depressive Syndrom sowie die Verschlimmerung eines vorbestehenden
Diabetes. Dem Versicherten sei sowohl die bisherige als auch jede andere körperlich
belastende Tätigkeit bleibend nicht mehr zumutbar. Unter Berücksichtigung sämtlicher
Einschränkungen müsse leider selbst für minimal belastende manuelle Tätigkeiten eine
Arbeitsunfähigkeit attestiert werden.
Mit einem Entscheid vom 21. September 2021 wies die Suva die Einsprache ab
(Suva-act. 206). Zur Begründung führte sie an, die Beurteilung von Dr. G._ sei nicht
aussagekräftig, weil dieser sich offenkundig auf E._ische Tabellenwerte gestützt
habe. Zudem sei der Invaliditätsgrad im schweizerischen Sozialversicherungsrecht vom
Rechtsanwender respektive im Beschwerdefall vom Richter und nicht vom Mediziner
festzusetzen. Schliesslich seien Berichte von ausländischen Ärzten mit Vorbehalt zu
würdigen, da die versicherungsmedizinische Beurteilung rechtsprechungsgemäss eine
gewisse Vertrautheit mit dem schweizerischen Sozialversicherungsrecht voraussetze.
Die Beurteilung von Dr. G._ wecke jedenfalls keinen Zweifel an der
Überzeugungskraft der kreisärztlichen Beurteilung durch Dr. F._, weshalb mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehe, dass dem
Versicherten leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt zumutbar seien. Die
Integritätsschadensbemessung durch Dr. F._ sei ebenfalls überzeugend, denn dieser
habe sich an den Suva-Tabellen orientiert, die auf dem Erfahrungswissen spezialisierter
Fachärzte beruhten und folglich eine hohe Überzeugungskraft aufwiesen. Der
B.b.
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C.
entsprechende Tabellenwert betrage fünf bis zehn Prozent. Dr. F._ habe
überzeugend dargelegt, dass sich insbesondere unter Berücksichtigung des
Rotationsdefizites die Anwendung des oberen Grenzwertes von zehn Prozent
rechtfertige. Das angebliche ängstlich-depressive Syndrom sowie die angebliche
Verschlimmerung des Diabetes seien weder fachärztlich ausgewiesen noch als
unfallkausal zu qualifizieren.
Am 22. Oktober 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 21. September 2021 erheben
(act. G 1). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides, eine unabhängige medizinische Begutachtung im Auftrag des
Versicherungsgerichtes sowie die Zusprache einer angemessenen Invalidenrente. Zur
Begründung führte sie aus, der Beschwerdeführer habe zwischenzeitlich – nur dank
persönlicher Kontakte – in E._ eine leichte Hilfsarbeit aufnehmen können. Sein
Gesundheitszustand erlaube es ihm allerdings nicht, mehr als sechs Stunden pro Tag
zu arbeiten. Die Beurteilung von Dr. G._ sei objektiv und berücksichtige die
massgebenden Tatsachen. Sie könne nicht einfach ignoriert werden, nur weil sie von
einem ausländischen Facharzt erstellt worden sei. Zur Beseitigung der Widersprüche
zwischen der kreisärztlichen Beurteilung von Dr. F._ und jener von Dr. G._ sei ein
Gerichtsgutachten einzuholen.
C.a.
Die Suva (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte in der
Beschwerdeantwort vom 28. Februar 2022 die Abweisung der Beschwerde (act. G 8).
Zur Begründung führte sie an, die Beurteilung von Dr. G._ sei nicht geeignet, Zweifel
an der Überzeugungskraft des kreisärztlichen Berichtes von Dr. F._ zu wecken. Aus
dem Privatgutachten gehe nicht hervor, welche Akten Dr. G._ überhaupt zur
Verfügung gestanden hätten. Zudem verfüge Dr. G._ über keine Kenntnisse
bezüglich des schweizerischen Sozialversicherungssystems. Schliesslich habe er bei
seiner Beurteilung auch die zwar unfallkausalen, für die Arbeitsfähigkeitsschätzung
aber irrelevanten Zahnschäden sowie den unfallfremden Diabetes und die nicht
belegten respektive nicht adäquat kausal verursachten psychischen Beschwerden
berücksichtigt.
C.b.
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Erwägungen
1. Den Anfechtungsgegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 21. September 2021, mit dem die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer eine Integritätsentschädigung von 14’280 Franken zugesprochen
und das Rentenbegehren abgewiesen hat. Der Einspracheentscheid ist betreffend die
Integritätsentschädigung unangefochten geblieben. Zwischen den Parteien streitig und
zu prüfen ist der Rentenanspruch.
2.
Der Beschwerdeführer liess in der Replik vom 7. Juni 2022 an seinen Anträgen
festhalten (act. G 15). Der Eingabe lag ein Gutachten des Orthopäden Dr. H._ vom
27. Mai 2022 bei (act. G 15.1). Dieser hatte festgehalten, die Flexion und die Extension
der Lendenwirbelsäule seien eingeschränkt gewesen und hätten schmerzhaft
imponiert. Der Versicherte habe Druckschmerzen angegeben. Die paravertebrale
Muskulatur sei, mehrheitlich auf der linken Seite, diffus verspannt gewesen. Die
Rotation und die Seitwärtsbewegungen seien minimal eingeschränkt und schmerzhaft
gewesen (Flexion bis 30°, Extension bis 20°). Der Lasègue-Test sei positiv gewesen.
Die Gehfähigkeit habe bis auf ein leichtes Hinken, das sich bei Richtungsänderungen
oder beim Treppengehen stärker gezeigt habe, normal gewirkt. Die Positionswechsel
seien möglich, aber schmerzhaft gewesen. Das Sitzen und die Rückenlage habe der
Versicherte schmerzbedingt nur für kurze Zeit toleriert. Trotz des guten Heilverlaufs mit
einer erfreulichen Erholung des funktionellen Leistungsniveaus schränkten die
anatomischen Veränderungen die Fähigkeit zur Ausübung von Tätigkeiten mit einem
mittleren oder hohen funktionellen Anforderungsniveau, also namentlich von
Tätigkeiten, die eine wiederholte Belastung oder Überlastung durch eine Kompression
der Wirbelsäule durch das Heben von Gewichten erforderten, deutlich ein. Mit Blick auf
die anerkannten Tabellenwerte sei ein bleibender biologischer Schaden von 20 Prozent
anzuerkennen.
C.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine „umfassende“ Duplik (act. G 17).C.d.
Ist eine versicherte Person infolge eines versicherten Unfalls zu mindestens zehn
Prozent invalid, hat sie gemäss dem Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Für die
2.1.
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Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und
nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage durch eine ihr
zumutbare Erwerbstätigkeit erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum jenem
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
Der Beschwerdeführer hat seinen eigenen Angaben zufolge eine Berufsausbildung
im Herkunftsland absolviert, deren Abschluss allerdings in der Schweiz nicht anerkannt
beziehungsweise mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis vergleichbar ist,
weshalb der Beschwerdeführer nach seiner Einreise in die Schweiz verschiedene
Hilfsarbeiten verrichtet hat. Offenbar hatte er sich bereits davor in seinem
Herkunftsland darauf spezialisiert, als Eisenleger zu arbeiten. In der Zeit, in der er den
hier zur Diskussion stehenden Unfall erlitten hat, ist er zwar nicht als Eisenleger
angestellt gewesen, aber angeblich soll geplant gewesen sein, dass er nach dem
Ablauf der Probezeit vorwiegend als Eisenleger hätte arbeiten können. Auch wenn der
Beschwerdeführer über eine gewisse Berufserfahrung in jenem Bereich verfügt hat,
kann er nicht als gelernter Eisenleger qualifiziert werden, denn dafür fehlt es an der
entsprechenden schulischen Ausbildung und an einem entsprechenden (anerkannten)
Abschluss. Zudem hatte der Beschwerdeführer vor dem Unfall nicht so lange als
Eisenleger gearbeitet, dass seine Fertigkeiten mit jenem eines erfahrenen, gelernten
Eisenlegers hätten verglichen werden können. Dementsprechend hat der
Beschwerdeführer auch keinen Lohn erzielt, der jenem eines gelernten Eisenlegers
entsprochen hätte. Der zuletzt erzielte Lohn hat unter dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne gelegen. Da in den Akten nichts darauf hindeutet, dass der
Beschwerdeführer als Hilfsarbeiter nur unterdurchschnittlich leistungsfähig gewesen
wäre, rechtfertigt es sich nicht, für die Bemessung des Valideneinkommens von einem
unterdurchschnittlichen Lohn auszugehen. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer
zuletzt nur einen unterdurchschnittlichen Lohn erzielt hat, ist auf für die Bemessung der
Invalidität irrelevante Zwänge des tatsächlichen Arbeitsmarktes zurückzuführen, denn
der Beschwerdeführer hat glaubhaft dargelegt, dass er Schwierigkeiten bei der
Arbeitssuche gehabt und sich deshalb von einem Personalverleiher für einen
Temporäreinsatz hat einstellen lassen. Hätte sich dem Beschwerdeführer die
Möglichkeit geboten, eine durchschnittlich entlöhnte Hilfsarbeitsstelle anzunehmen,
hätte er davon überwiegend wahrscheinlich Gebrauch gemacht. Das auf dem hier
massgebenden allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt erzielbare
Valideneinkommen entspricht folglich dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne.
2.2.
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Die Sachverständigen Dres. F._, G._ und H._ haben übereinstimmend und
überzeugend begründet aufgezeigt, dass dem Beschwerdeführer aufgrund seiner
unfallbedingten Rückenbeschwerden mittelschwere und schwere Tätigkeiten bleibend
nicht mehr zumutbar sind. Der Privatsachverständige Dr. G._ hat sich auf den
Standpunkt gestellt, dass der Beschwerdeführer selbst für leichte Tätigkeiten nicht
mehr arbeitsfähig sei. Diese Behauptung hat er nicht mit objektiven klinischen
Befunden, sondern nur gestützt auf die gestellten Diagnosen begründet, was nicht
überzeugt und zudem auch der Tatsache widerspricht, dass der Beschwerdeführer
anschliessend wieder eine in einem gewissen Umfang durchaus auch körperlich
belastende Erwerbstätigkeit aufgenommen und während sechs Stunden pro Tag
ausgeübt hat. Sodann beziffert auch Dr. G._ selbst den bleibenden Schaden auf
lediglich 21 bis 22 Prozent, was nicht für eine vollständige Arbeitsunfähigkeit spricht.
Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass der Beschwerdeführer gegenüber Dr. F._
offenbar ein grotesk anmutendes, stark übertriebenes Beschwerdebild präsentiert hat,
das weder die behandelnden Ärzte noch die Sachverständigen Dres. F._ und H._ je
haben beobachten können. Die offensichtliche Beschwerdeverdeutlichung dürfte die
Beurteilung von Dr. G._ verfälschend beeinflusst haben, zumal aus seinem
Gutachten nicht hervorgeht, ob und welche Vorakten ihm überhaupt bekannt gewesen
sind. Der Privatsachverständige Dr. H._ hat sich nicht zur Arbeitsfähigkeit für leichte
Tätigkeiten geäussert, was den Schluss zulässt, dass er solche als zumutbar qualifiziert
hat. Entscheidend ist aber, dass der Kreisarzt Dr. F._ nach einer eingehenden
Würdigung der medizinischen Akten und einer umfassenden persönlichen
Untersuchung des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung der relevanten
objektiven klinischen Befunde leidensadaptierte, körperlich leichte Tätigkeiten mit einer
überzeugenden Begründung als uneingeschränkt zumutbar qualifiziert hat. Aus dem
sorgfältig erarbeiteten kreisärztlichen Bericht geht hervor, dass Dr. F._ sämtlichen
relevanten medizinischen Tatsachen gebührend Rechnung getragen und sich bei
seiner Beurteilung von den massgebenden klinischen Befunden hat leiten lassen.
Widersprüche innerhalb des Berichtes sind nicht auszumachen. Das Privatgutachten
von Dr. H._ enthält bezüglich der Arbeitsfähigkeitsschätzung keine Hinweise, die
Zweifel an der Beurteilung von Dr. F._ wecken würden. Die abweichende Beurteilung
durch Dr. G._ überzeugt aus den oben dargelegten Gründen nicht und weckt
deshalb ebenfalls keinen Zweifel an der Überzeugungskraft der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._. Damit steht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer
eine leidensadaptierte Tätigkeit ohne quantitative Einschränkungen ausüben könnte.
Da auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt zahlreiche Hilfsarbeitsstellen
existieren, die dem von Dr. F._ definierten Anforderungsprofil gerecht werden, und
2.3.
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3. Gerichtskosten sind mangels einer im UVG enthaltenen Ausnahme vom Grundsatz
des Art. 61 lit. f ATSG nicht zu erheben. Der obsiegende und durch eine
gemeinnützige Organisation im Sinne des Art. 12 Abs. 1 lit. b des St. Galler
Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) vertretene Beschwerdeführer hat einen Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Da seine Vertreterin keine Rechtsanwältin ist, ist die
Entschädigung auf einen Viertel des praxisgemäss üblichen Ansatzes von 4’000
Franken, also auf 1’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer),
festzusetzen.