Decision ID: 645154f7-41a5-54a4-9226-ee1bd1d32408
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Am 18. Mai 1995 bzw. 18. September 2008 verstarben die Eheleute A._. Sie
hinterliessen die drei Töchter B._, C._ und D._. Das Betreibungsamt M._ pfändete
in der Folge den Anteil von B._ am ungeteilten Nachlass im Umfang von rund
CHF 110'000. Das Obergericht N._ ordnete am 4. Oktober 2013 die Auflösung und
Liquidation des Nachlasses an, worauf das Bezirksgericht O._ mit Entscheid vom
10. November 2015 seine Zustimmung zu einem subjektiv-partiellen Erbteilungsvertrag
zwischen B._ einerseits und ihren beiden Schwestern andererseits erteilte. B._ wurde
dabei ein Erbanteil von CHF 1'944'764.80 zugesprochen. Da sie mit dem Entscheid
nicht einverstanden war, konsultierte sie am 27. November 2015 Rechtsanwalt
Dr. X._, welcher den Entscheid zunächst am 3. Dezember 2015 beim Obergericht des
Kantons Aargau und danach am 6. Juni 2016 beim Bundesgericht erfolglos anfocht
(vgl. BGer 5A_434/2016 vom 10. Januar 2017).
Am 21. April 2016 schloss B._ mit der X._ Rechtsanwälte AG eine schriftliche
Honorarvereinbarung mit folgendem Wortlaut in Bezug auf die Höhe des Honorars:
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1. Die Parteien kommen überein, das Honorar von X._ in den zivilrechtlichen
Erbstreitigkeiten von B._ wie folgt zu vereinbaren:
a. 20 % des gerichtlich oder aussergerichtlich zugesprochenen Erbschaftsbetrages
(zzgl. MwSt);
b. In jedem Fall mindestens aber CHF 100'000 (zzgl. MwSt).
2. Allfällige von Dritten zu zahlenden Parteientschädigungen stehen X._ zu. [...]
Die X._ Rechtsanwälte AG erstellte am 29. Mai 2017 eine "Zwischenabrechnung" über
CHF 388'952.95 (exkl. MwSt) bzw. CHF 420'069.20 (inkl. 8% MwSt). Dies entsprach
dem vereinbarten Honorar, das heisst 20% der Erbschaft im Betrag von
CHF 1'944'764.80 zuzüglich Mehrwertsteuer, und bezog sich auf den Zeitraum
zwischen 27. November 2015 und 23. Mai 2017.
B. Mit Eingabe vom 10. Juli 2017 erstattete B._ bei der Anwaltskammer Anzeige
gegen Rechtsanwalt Dr. X._ wegen mehrfacher Verletzung der Berufsregeln für
Anwältinnen und Anwälte und forderte neben deren Feststellung die Anordnung von
Disziplinarmassnahmen. Am 21. Juli 2017 erhob B._ zudem Strafanzeige gegen
Rechtsanwalt Dr. X._ beim Kantonalen Untersuchungsamt St. Gallen, welches mit
Nichtanhandnahmeverfügung vom 3. August 2017 auf die Strafsache nicht eintrat und
die Verfügung an die Anwaltskammer übermittelte. Nachdem B._ (nachfolgend
Anzeigerin) die Anzeige vom 10. Juli 2017 ergänzt hatte, eröffnete die Anwaltskammer
am 28. September 2017 ein Disziplinarverfahren gegen Rechtsanwalt Dr. X._ und
einen weiteren bei der X._ Rechtsanwälte AG tätigen Rechtsanwalt. Mit Entscheid
vom 22. August 2018 stellte die Anwaltskammer fest, dass Rechtsanwalt Dr. X._
sowohl gegen Art. 12 lit. a BGFA (sorgfältige und gewissenhafte Berufsausübung) als
auch gegen Art. 12 lit. e BGFA (Erfolgshonorar) verstossen habe (Ziff. 1 des
Dispositivs), und verfügte eine Busse von CHF 10'000 (Ziff. 3). Die Entscheidgebühr
von CHF 2'000 wurde Rechtsanwalt Dr. X._ auferlegt (Ziff. 4); auf die Zusprechung
einer Parteientschädigung verzichtet (Ziff. 5). Der Anzeige gegen den zweiten
Rechtsanwalt wurde dagegen keine Folge geleistet (Ziff. 2).
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C. Mit Eingabe vom 3. Oktober 2018 und Ergänzung seines in der Zwischenzeit
mandatierten Rechtsvertreters vom 26. November 2018 erhob Rechtsanwalt Dr. X._
(Beschwerdeführer) gegen den am 21. September 2018 zugestellten Entscheid der
Anwaltskammer (Vorinstanz) Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragte,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MwSt) sei der angefochtene Entscheid
mit Ausnahme von Ziff. 2 des Dispositivs vollumfänglich aufzuheben und von
Disziplinarmassnahmen gegen den Beschwerdeführer sei abzusehen. Die Vorinstanz
verwies am 12. Dezember 2018 unter Verzicht auf eine Vernehmlassung auf die
Erwägungen im angefochtenen Entscheid. Mit Eingabe vom 16. Januar 2019
verzichtete der Beschwerdeführer ausdrücklich auf eine weitere Stellungnahme.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...)
Mit Schreiben vom 4. Oktober 2018 wurde der Beschwerdeführer lediglich
aufgefordert, die Beschwerde hinsichtlich der Darstellung des Sachverhalts und der
Begründung zu ergänzen (act. 4). Eine Frist zur Ergänzung des Antrags wurde nicht
beantragt und entsprechend auch nicht gewährt. Die mit der Beschwerdeergänzung
vom 26. November 2018 gestellten Rechtsbegehren erfolgten folglich nach Ablauf der
Beschwerdefrist und sind somit unbeachtlich (vgl. Art. 48 VRP; Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz 920). Massgebend sind demnach lediglich
die mit der Beschwerde vom 3. Oktober 2018 gestellten Anträge, welche sich jedoch
mit Ausnahme des Eventualantrags auf Rückweisung an die Vorinstanz weitgehend mit
denjenigen vom 26. November 2018 decken. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Die Abnahme der vom Beschwerdeführer gestellten Beweisanträge – seine eigene
Befragung und die Befragung seines Mitarbeiters – ist nicht erforderlich.
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Zum Anspruch auf rechtliches Gehör, wie er sich für das Verfahren vor
Verwaltungsgericht aus Art. 64 in Verbindung mit Art. 12 und 15 VRP und aus Art. 29
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
ableitet, gehört das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine
Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zur Sache zu äussern sowie das Recht auf
Abnahme der rechtzeitig und formrichtig angebotenen rechtserheblichen Beweismittel
(BGE 127 I 54 E. 2b). Indessen räumt Art. 29 Abs. 2 BV keinen Anspruch auf eine
mündliche Anhörung ein (BGE 130 II 425 E. 2.1). Auch steht die Verfassungsgarantie
einer vorweggenommenen Beweiswürdigung nicht entgegen. Das Gericht kann auf die
Abnahme von Beweisen verzichten, wenn es aufgrund bereits abgenommener Beweise
seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür annehmen kann, seine Überzeugung
werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert (vgl. VerwGE B 2015/1 vom
24. März 2016 E. 2, www.gerichte.sg.ch; BGE 134 I 140 E. 5.3; 130 II 425 E. 2.1; BGer
2C_276/2011 vom 10. Oktober 2011, in BGE 137 II 393 nicht veröffentlichte E. 2.1).
Der Sachverhalt ist der schriftlichen Darstellung umfassend zugänglich. Dies gilt nicht
nur für die diversen Vorbringen des Beschwerdeführers selbst, sondern auch für die
nach seiner Auffassung wesentlichen Inhalte der Aussagen seines Mitarbeiters. Der im
vorliegenden Verfahren entscheidrelevante Sachverhalt blieb jedenfalls unbestritten. In
Frage steht einzig die rechtliche Beurteilung der Frage, ob der Beschwerdeführer mit
dem Abschluss der Honorarvereinbarung vom 21. April 2016 gegen Art. 12 lit. a
(sorgfältige und gewissenhafte Berufsausübung) und lit. e BGFA (Erfolgshonorar)
verstossen hat.
3. Gemäss Art. 12 BGFA gelten für Anwältinnen und Anwälte verschiedene
Berufsregeln und -pflichten. Nach dessen lit. a üben Anwälte ihren Beruf sorgfältig und
gewissenhaft aus. Nach Art. 12 lit. e BGFA dürfen sie vor Beendigung eines
Rechtsstreits mit der Klientin keine Vereinbarung über die Beteiligung am
Prozessgewinn als Ersatz für das Honorar abschliessen; sie dürfen sich auch nicht
dazu verpflichten, im Falle eines ungünstigen Abschlusses des Verfahrens auf das
Honorar zu verzichten. Die Anwälte, die Parteien vor Gerichtsbehörden vertreten,
unterstehen gemäss Art. 14 BGFA der Aufsicht einer durch den Kanton bezeichneten
Behörde. Im Kanton St. Gallen beaufsichtigt die Anwaltskammer die Anwältinnen und
Anwälte (vgl. Art. 5 Abs. 1 AnwG); ihr obliegt auch die Durchführung von
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Disziplinarverfahren. Ergibt sich, dass eine Anwältin oder ein Anwalt gegen das BGFA
verstossen hat, kann die Anwaltskammer eine Disziplinarmassnahme gemäss Art. 17
Abs. 1 BGFA anordnen. In Betracht kommen dabei eine Verwarnung (lit. a), ein Verweis
(lit. b), eine Busse bis CHF 20'000 (lit. c), ein befristetes Berufsausübungsverbot (lit. d)
und schliesslich ein dauerndes Berufsausübungsverbot (lit. e).
4. Dem Beschwerdeführer wird zunächst vorgeworfen, gegen Art. 12 lit. e BGFA
verstossen zu haben, indem er eine unzulässige Honorarvereinbarung (Erfolgshonorar)
abgeschlossen habe.
4.1. Das in Art. 12 lit. e BGFA stipulierte Verbot von Erfolgshonoraren soll verhindern,
dass der Rechtsanwalt seine Unabhängigkeit verliert, weil er wegen der Erfolgsabrede
am Prozessergebnis persönlich interessiert ist. Weiter soll das Verbot der Gefahr
begegnen, dass der Rechtssuchende durch seinen Anwalt, der die Prozessaussichten
besser beurteilen kann als er, übervorteilt wird. Die Vereinbarung eines Erfolgshonorars
kann im Einzelfall sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Ein solches liegt jedenfalls
dann vor, wenn die Bezahlung des Rechtsanwalts vom Ausgang des ihm übertragenen
Mandats abhängt und das endgültige Honorar im Zeitpunkt der Mandatserteilung noch
nicht feststeht. Der Rechtsanwalt muss unabhängig vom Ausgang des Verfahrens ein
Honorar erzielen, welches nicht nur seine Selbstkosten deckt, sondern ihm auch einen
angemessenen Gewinn ermöglicht (BGer 2A.98/2006 vom 24. Juli 2006 E. 2.1 f. mit
zahlreichen Hinweisen).
4.2. Der Beschwerdeführer und seine Klientin – die Anzeigerin – vereinbarten am
21. April 2016 eine Erfolgsbeteiligung des Beschwerdeführers von 20% des gerichtlich
oder aussergerichtlich zugesprochenen Erbschaftsbetrags, in jedem Fall aber
mindestens CHF 100'000 (jeweils zzgl. MwSt). Die Vorinstanz hat die Vereinbarung zu
Recht als grundsätzlich zulässiges pactum de palmario (sog. Sieges-/Erfolgsprämie)
qualifiziert, mit welchem das (in jedem Fall) geschuldete Honorar bei erfolgreicher
Mandatsführung erhöht wird (vgl. E. 2b des angefochtenen Entscheids). Der
Zulässigkeit einer solchen Honorarvereinbarung sind rechtsprechungsgemäss gewisse
Grenzen gesetzt. So hat das Bundesgericht bereits im Urteil 2A.98/2006 vom 24. Juli
2006 festgehalten, das Verbot des (reinen) Erfolgshonorars dürfe erstens nicht mit einer
geringfügigen erfolgsunabhängigen Entschädigung unterlaufen werden (vgl.
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vorstehende E. 3.1). Zweitens dürfe die vom Erfolg abhängige Honorarkomponente im
Verhältnis zu dem in jedem Fall geschuldeten Honorar nicht so hoch sein, dass die
Unabhängigkeit des Anwalts beeinträchtigt sei und die Gefahr einer Übervorteilung
bestehe. Klar überschritten sei die Grenze jedenfalls dann, wenn das erfolgsabhängige
Honorar höher sei als das erfolgsunabhängige Honorar. Drittens bestehe eine zeitliche
Grenze für den Abschluss eines pactum de palmario: Ein solches darf zu Beginn des
Mandatsverhältnisses oder nach Beendigung des Rechtsstreits abgeschlossen
werden, nicht aber während des laufenden Mandats. Dies ergibt sich einerseits aus
Art. 12 lit. i BGFA, wonach die Anwälte ihre Klientschaft bei Übernahme des Mandats
über die Grundsätze ihrer Rechnungsstellung aufzuklären haben. Andererseits ist diese
Einschränkung erforderlich, um die Gefahr einer Übervorteilung einzudämmen. Denn
ein Anwaltswechsel während laufendem Mandat ist für den Mandanten mit Kosten und
Verzögerungen verbunden, womit er sich in einer gewissen Zwangslage befindet, wenn
sein Anwalt zu diesem Zeitpunkt die Zustimmung zu einer Erfolgsprämie verlangt. Der
Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit durch diese drei Einschränkungen ist geeignet,
erforderlich und zumutbar, um der Gefahr der Übervorteilung und des Verlusts der
Unabhängigkeit des Anwalts entgegenzuwirken (BGE 143 III 600 E. 2.7.5 mit Hinweis
auf die bisherige Rechtsprechung des Bundesgerichts).
4.3. Grundsätzlich kann vorliegend offenbleiben, ob die Vereinbarung der Parteien die
ersten beiden Voraussetzungen erfüllt, weil die dritte Voraussetzung nicht gegeben ist:
Die Anzeigerin mandatierte den Beschwerdeführer bereits am 27. November 2015 im
Zusammenhang mit dem Rechtsmittelverfahren gegen den Entscheid des
Bezirksgerichts O._ vom 10. November 2015 (vgl. act. 12/10 Beilage 20). Die
Vereinbarung über die Erfolgsbeteiligung betreffend Honorar in den zivilrechtlichen
Erbstreitigkeiten der Anzeigerin wiederum datiert dagegen vom 21. April 2016 (vgl.
act. 12/1 Beilage 2) und damit fünf Monate nach Mandatsübernahme. Daraus, dass
dem Beschwerdeführer bei Abschluss der Vereinbarung die vom Bundesgericht im
Entscheid BGE 143 III 600 festgesetzten Voraussetzungen nicht bekannt gewesen sind
(vgl. act. 8 IV.6, 9), kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten. Einerseits ist der
Wortlaut von Art. 12 lit. e BGFA klar, dass Anwälte vor Beendigung eines Rechtsstreits
mit dem Klienten keine Vereinbarung über die Beteiligung am Prozessgewinn
abschliessen dürfen. Andererseits hielt das Bundesgericht bereits in seiner früheren
Rechtsprechung fest, dass ein pactum de palmario zu Beginn des
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Mandatsverhältnisses oder nach Beendigung des Rechtsstreits abgeschlossen werden
darf, nicht aber während eines laufenden Mandats (so etwa BGer 5P.111/1999 vom
18. Juni 1999). Keine Rolle spielt schliesslich, ob die Initiative für den Abschluss der
Vereinbarung von der Klientin oder vom Anwalt ausging. Denn das entsprechende
Verbot dient dem Schutz des öffentlichen Interesses an der Unabhängigkeit des
Anwalts und es soll damit verhindert werden, dass der Anwalt seine Unabhängigkeit
verliert, weil er wegen der Erfolgsabrede am Prozessergebnis persönlich interessiert ist
(vgl. W. Fellmann, Anwaltsrecht, 2. Aufl. 2017, Rz. 437 f.). Der Abschluss des
vorliegend in Frage stehenden pactum de palmario während des laufenden Mandats
verletzt folglich Art. 12 lit. e BGFA.
Der Vollständigkeit halber sei immerhin darauf hingewiesen, dass mit dem in jedem Fall
geschuldeten Betrag von CHF 100'000 ein angemessenes Grundhonorar gegeben ist.
In der Stundenzusammenstellung wies der Beschwerdeführer im Zeitraum zwischen
27. November 2015 und 23. Mai 2017 einen Aufwand von insgesamt 427.48 Stunden
aus (vgl. act. 12/1 Beilage 8). Damit würde sich das Grundhonorar auf einen
Stundenansatz von rund CHF 230 belaufen; dieser Betrag liegt zwischen dem Ansatz
für amtliche Mandate und dem mittleren Honorar im Kanton St. Gallen (vgl. Art. 24
Abs. 1 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, HonO;
Art. 31 Abs. 3 AnwG), weshalb es sich nicht um eine geringfügige Entschädigung
handelt. Fraglich ist dagegen, ob die vom Erfolg abhängige Honorarkomponente im
Verhältnis zum in jedem Fall geschuldeten Honorar so hoch ist, dass die
Unabhängigkeit des Anwalts beeinträchtigt ist und die Gefahr einer Übervorteilung
besteht. Immerhin fällt das erfolgsabhängige Honorar mit rund CHF 290'000
(CHF 388'952.95 abzüglich Grundhonorar von CHF 100'000) knapp dreifach höher aus
wie das erfolgsunabhängige Honorar.
5. Die Vorinstanz stellte sodann fest, der Beschwerdeführer habe gegen Art. 12 lit. a
BGFA (sorgfältige und gewissenhafte Berufsausübung) verstossen, weil er ein krass
übersetztes Honorar gefordert habe.
5.1. Die Höhe des Honorars gehört grundsätzlich zur Vertragsfreiheit und ist nicht im
Rahmen der Berufspflichten überprüfbar. Einzig dann, wenn ein Anwalt eine krass
übersetzte Honorarforderung stellt, kann dies zu einer disziplinarrechtlichen Sanktion
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führen. Ein schwerwiegender Fall liegt dann vor, wenn das geltend gemachte Honorar
unverhältnismässig, unangemessen, schlicht nicht gerechtfertigt oder nicht
nachvollziehbar ist. Es ist dabei im Einzelfall abzuklären, ob das Honorar in einem
angemessenen Verhältnis zum Aufwand stand. Eine Abweichung von über 30 Prozent
kann zu einer Disziplinierung führen (Brunner/Henn/Kriesi, Anwaltsrecht, Zürich 2015,
Rz. 29). Als Ausdruck eines vernünftigen Masses für Anwaltshonorare und das dabei
Übliche können die Verordnungen über die Prozessentschädigungen als Anhaltspunkte
dafür dienen, was als angemessene und übliche Entschädigung für die
Verfahrensführung oder vergleichbare Dienstleistungen von Anwälten erscheint (vgl.
K. Schiller, Das Erfolgshonorar nach BGFA, S. 354, in: SJZ 100/2004 S. 353). Dabei
führt nicht jede Tarifüberschreitung zu einer Disziplinierung; vielmehr bedarf es einer
krassen Abweichung nach oben, das heisst einer erheblich übersetzten
Honorarforderung des Anwalts. Es kommt in diesem Zusammenhang nicht nur auf die
Höhe der Überforderung an, sondern ebenso sehr auf die gesamten Nebenumstände.
Disziplinarrechtlich relevant ist eine Honorarüberforderung namentlich dann, wenn sie
unter Anwendung von Mitteln erfolgt, die eines Anwalts unwürdig sind (vgl. Entscheid
der Aufsichtskommission über die Anwältinnen und Anwälte des Kantons Basel-Stadt
vom 27. August 2007 E. 3.1, in: BJM 2010 S. 157). Die Schranke zur Annahme eines
"offenbaren Missverhältnisses" sollte erst dort zu liegen kommen, wo die Vereinbarung
der fraglichen Erfolgsprämie von aussen betrachtet schlicht keinen Sinn ergibt und der
an den Anwalt zu bezahlende Preis geradezu wucherisch erscheint (vgl. Schumacher/
Dallafior, Die Vereinbarung von Erfolgsprämien, S. 1291, in: AJP 2017 S. 1284).
5.2. Der Beschwerdeführer erstellte am 29. Mai 2017 eine "Zwischenabrechnung" über
CHF 388'952.95 (exkl. MwSt) bzw. CHF 420'069.20 (inkl. 8% MwSt). Dies entsprach
dem vereinbarten Honorar, das heisst 20% der Erbschaft im Betrag von
CHF 1'944'764.80 zuzüglich Mehrwertsteuer, und bezog sich auf den Zeitraum
zwischen 27. November 2015 und 23. Mai 2017. Aus der angehängten
Leistungszusammenstellung ergaben sich lediglich Informationen zu den erbrachten
Leistungen, nicht aber die hierfür aufgewendete Zeit (vgl. act. 12/1 Beilage 3). Gemäss
der aktenkundigen Stundenzusammenstellung belief sich der Aufwand auf insgesamt
427.48 Stunden, umfassend den Zeitraum vom 27. November 2015 bis 14. Juni 2017
(vgl. act. 12/1 Beilage 8).
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Zunächst ist festzuhalten, dass die Honorarvereinbarung vom 21. April 2016 lediglich
Leistungen umfasst, die das zivilrechtliche Erbverfahren betreffen; dieses wurde mit
dem Urteil des Bundesgerichts 5A_434/2016 vom 10. Januar 2017 rechtskräftig
abgeschlossen. Davon ging im Übrigen offensichtlich auch der Beschwerdeführer aus
(vgl. act. 12/1 Beilage 9). Entsprechend stellte er weitere Leistungen, welche nicht die
Mitwirkung des Bezirksgerichts O._ bei der Erbteilung betrafen, separat in Rechnung
(act. 12/1 Beilage 7: Honorarnote vom 12. Juni 2017 für den Zeitraum vom 31. Mai bis
12. Juni 2017 über CHF 7'304.40; act. 12/1 Beilagen 13-15: Honorarnoten vom 29. Mai
2017 für diverse Strafverfahren im Umfang von insgesamt CHF 41'100). Wie der
Beschwerdeführer bzw. sein Mitarbeiter in der E-Mail vom 15. Juni 2017 an die
Anzeigerin selbst erkannt hat, wären Leistungen, welche nicht im Zusammenhang mit
den zivilrechtlichen Erbstreitigkeiten stehen, separat geltend zu machen (vgl. act. 12/1
Beilage 9).
5.3. Gestützt auf Art. 12 lit. i BGFA kann der Klient jederzeit eine detaillierte Rechnung
verlangen. Diese Pflicht ergibt sich im Übrigen bereits aus der Rechenschaftspflicht
des Beauftragten nach Art. 400 Abs. 1 des Obligationenrechts (SR 220, OR). Der
Anwalt hat daher auf Verlangen seiner Klienten detailliert abzurechnen. Die Klienten
können auch zu jeder beliebigen Zeit eine detaillierte Zwischenabrechnung verlangen.
Ob die Abrechnung nach Meinung des Anwalts tunlich, notwendig oder angebracht ist,
bleibt ohne Bedeutung. Da die aufgewendete Zeit nicht nur bei der Vereinbarung eines
Stundenansatzes, sondern auch beim Pauschal- oder Streitwerthonorar für die
Beurteilung der Angemessenheit der Rechnung massgebend ist, hat die detaillierte
Abrechnung "die einzelnen Bemühungen und die für jede einzelne derselben
aufgewendete Zeit zu nennen". Eine Überprüfung der Anwaltsrechnung ist nämlich nur
möglich, wenn der Klient weiss, wie viel Zeit der Anwalt für jede einzelne Leistung
eingesetzt hat (vgl. Fellmann, a.a.O., Rz. 506). Die Vorinstanz hat folglich zu Recht
erkannt, dass entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers die Dokumentation
sämtlicher Leistungen durch die Vereinbarung eines Pauschal- bzw. Erfolgshonorars
nicht obsolet wird, da dieses andernfalls gar nicht auf seine Angemessenheit überprüft
werden könnte. Der Schluss der Vorinstanz, wonach vorliegend auf die ausgewiesenen
427.48 Stunden abzustellen ist und sich dementsprechend ein Stundenansatz von
CHF 910 ergibt, ist demnach nicht zu beanstanden.
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5.4. Der Beschwerdeführer vertrat die Anzeigerin in einem Verfahren um Zustimmung
zu einem subjektiv-partiellen Erbteilungsvertrag, wobei sich der Erbanteil der
Anzeigerin auf CHF 1'944'764.80 belief. Da mit den zivilrechtlichen Erbverfahren die
Alleinerbenstellung der Anzeigerin angestrebt wurde, betrug der massgebende
Streitwert CHF 5'905'718.91 (vgl. act. 12/1 Beilage 1). Der Beschwerdeführer focht den
Entscheid des Bezirksgerichts O._ vom 10. November 2015 zunächst beim
Obergericht des Kantons Aargau und danach beim Bundesgericht (erfolglos) an. Bis
zur Zwischenabrechnung vom 29. Mai 2017 dauerte das Mandat insgesamt eineinhalb
Jahre. Aufgrund der Aktenlage ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz davon
auszugehen, dass die Angelegenheit weder rechtlich noch tatsächlich besondere
Schwierigkeiten bot (vgl. E. 3c/bb des angefochtenen Entscheids). Insbesondere
beschränkte sich der Verfahrensgegenstand grundsätzlich auf die Frage der Mitwirkung
des Bezirksgerichts O._ bei der Erbteilung, wobei sich zumindest die Beschwerde ans
Bundesgericht von Anfang an als aussichtslos erwies (vgl. BGer 5A_434/2016 vom
10. Januar 2017 E. 8). Die Vorinstanz weist weiter zu Recht darauf hin, dass das Risiko
überschaubar war, zumal ein Erbanteil von rund CHF 1.9 Mio. gesichert war. Nicht von
der Hand zu weisen ist dagegen, dass die Mandatsführung wegen der Art der
Kommunikation der Anzeigerin und der Ansprüche, welche sie an die Arbeitsführung
der Anwälte stellte, keine einfache Angelegenheit war. Auch mussten gewisse Arbeiten
unter Zeitdruck erledigt werden.
Wie dargelegt können die Verordnungen über die Prozessentschädigungen als
Anhaltspunkte dafür dienen, was als angemessene und übliche Entschädigung für die
Verfahrensführung oder vergleichbare Dienstleistungen von Anwälten erscheint. Der
Beschwerdeführer macht in seiner Kostennote an das Obergericht des Kantons Aargau
unter Berücksichtigung des dort geltenden Dekrets über die Entschädigung der
Anwälte (SAR 291.150) einen Betrag von CHF 165'256.10 (zuzüglich 4% Barauslagen
und 8% MWSt) geltend (vgl. act. 9/68). Im Kanton Aargau beträgt die
Grundentschädigung in Zivilsachen bei einem Streitwert über CHF 3'080'000 bis
CHF 6'160'000 CHF 44'440 zuzüglich 1,4% des Streitwerts. Für zusätzliche
Rechtsschriften und Verhandlungen erhöht sich die Grundentschädigung um je 5% bis
30%. Überflüssige Eingaben fallen nicht in Betracht. Im Rechtsmittelverfahren beträgt
die Entschädigung des Anwaltes je nach Aufwand 50% bis 100% des nach den Regeln
für das erstinstanzliche Verfahren berechneten Betrags (vgl. §§ 3 Abs. 1 Ziff. 10, 6
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Abs. 3 und 8 des Dekrets über die Entschädigung der Anwälte, SAR 291.150). Soweit
der Beschwerdeführer demnach geltend macht, im Verfahren vor Obergericht wäre ihm
ein Honorar von CHF 171'866.35 (inkl. Barauslagen, ohne MWSt; vgl. act. 9/68)
zugestanden, kann ihm unter diesen Umständen nicht gefolgt werden. Dabei handelt
es sich um die maximal mögliche Entschädigung (30% für zusätzliche Rechtsschrift;
100% für Rechtsmittelverfahren), welche aufgrund der vorliegenden Sachlage mit
hoher Wahrscheinlichkeit nicht zugesprochen worden wäre. Der minimal
auszurichtende Betrag hätte sich dagegen auf knapp CHF 67'000 belaufen. In der bis
31. Dezember 2018 geltenden Fassung der st. galischen Honorarordnung betrug im
Kanton St. Gallen im Zivilprozess das mittlere Honorar für einen Streitwert über
CHF 2'000'000 im Übrigen CHF 37'600 zuzüglich 1,2% des Streitwerts (vgl. aArt. 14
lit. g HonO). Für das Rechtsmittelverfahren beträgt das Honorar im schriftlichen
Verfahren 20% bis 50% (vgl. Art. 26 lit. a HonO). Im Kanton St. Gallen hätte das
mittlere Honorar vorliegend demzufolge zwischen etwa CHF 21'700 und CHF 54'300
betragen. Vor Bundesgericht richtet sich das Honorar in der Regel nach dem Streitwert
und innerhalb der vorgesehenen Rahmenbeträge nach der Wichtigkeit der Streitsache,
ihrer Schwierigkeit sowie dem Umfang der Arbeitsleistung und dem Zeitaufwand des
Anwaltes oder der Anwältin (Art. 3 und 4 des Reglements über die Parteientschädigung
und die Entschädigung für die amtliche Vertretung im Verfahren vor dem
Bundesgericht, SR 173.110.210.3). In Berücksichtigung der in Art. 4 des Reglements
aufgeführten Rahmenbeträge – das Honorar wäre bei einem Streitwert von rund
CHF 5.9 Mio. auf CHF 20'000 bis CHF 59'000 (Kürzung vorbehalten) festgesetzt
worden – machte der Beschwerdeführer den Minimalbetrag von CHF 20'000 geltend.
Gestützt auf die Prozessordnungen wären dem Beschwerdeführer bei Obsiegen
aufgrund der weder rechtlich noch tatsächlich besonderen Schwierigkeit des Falles mit
hoher Wahrscheinlichkeit kaum mehr als CHF 100'000 zugesprochen worden. Der vom
Beschwerdeführer in Rechnung gestellte Betrag von knapp CHF 400'000 liegt damit –
trotz rechtlicher und sachlicher Einfachheit des Verfahrens – viermal höher und erweist
sich damit als unverhältnismässig. Daran ändert nichts, dass – so die Vorinstanz – die
gegen einen Entscheid des Obergerichts des Kantons N._ als Aufsichtsbehörde in
Betreibungs- und Konkurssachen eingereichte Beschwerde ans Bundesgericht
ebenfalls unter die Honorarvereinbarung fallen soll (vgl. E. 3c/aa des angefochtenen
Entscheids).
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Auch nach den st. gallischen Honorarusanzen wäre in Übereinstimmung mit den
vorinstanzlichen Ausführungen (vgl. E. 3c/cc) von einem Stundenansatz von CHF 300
bis CHF 400 auszugehen gewesen. Der Stundenansatz von CHF 910 liegt dabei über
das zwei- bis dreifache des üblichen Ansatzes und erweist sich damit auch in dieser
Hinsicht als massiv übersetzt. Hinzu kommt, dass dem Beschwerdeführer gemäss
Ziffer 2 der getroffenen Honorarvereinbarung vom 21. April 2016 zusätzlich allfällige
von Dritten zu zahlende Parteientschädigungen zustanden. Entsprechend verlangte der
Beschwerdeführer am 30. November 2015 beim Sozialamt der Wohnsitzgemeinde der
Anzeigerin einen Kostenvorschuss für anwaltliche Bemühungen im Umfang von
CHF 2'000. Am 21. Dezember 2015 bestätigte das gleiche Sozialamt zudem die
Auszahlung eines weiteren Kostenvorschusses von CHF 1'500 für das juristische
Verfahren bezüglich der erbrechtlichen Angelegenheiten (vgl. act. 12/3 Beilage 28-30).
5.5. Zusammengefasst ergibt sich, dass die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach
von einem offenbaren Missverhältnis zwischen Leistungen und Gegenleistung
ausgegangen werden müsse, nicht zu beanstanden ist. Die vom Beschwerdeführer an
die Anzeigerin gestellte Honorarforderung im Zusammenhang mit der erbrechtlichen
Streitigkeit ist krass übersetzt und verstösst damit gegen Art. 12 lit. a BGFA.
6. Der Beschwerdeführer wendet sich nicht gegen die Höhe der gegen ihn ausgefällten
Busse in der Höhe von CHF 10'000. Diese bewegt sich denn auch innerhalb des
Rahmens gemäss Art. 17 Abs. 1 Ingress und lit. c BGFA, der eine Obergrenze von
CHF 20'000 festlegt, und damit innerhalb des der Vorinstanz zustehenden
Ermessensspielraums.
7. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde insgesamt als unbegründet. Sie ist
abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziffer 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in der
gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Entschädigung
ausseramtlicher Kosten für das Beschwerdeverfahren (Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte