Decision ID: 4847d35e-c4fc-4a37-9573-9b30fc903d8c
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
1. A._,
2. Fondation suisse pour les téléthèses, rue de Charmettes 10b, 2000 Neuchâtel,
Beschwerdeführerinnen,
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beide vertreten durch Fürsprecher Marc F. Suter, Zentralstrasse 47, 2502 Biel/Bienne,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilfsmittel (Umweltkontrollgerät)
Sachverhalt:
A. A._ bezog seit langer Zeit eine ganze Invalidenrente und eine Entschädigung bei
einer schwergradigen Hilflosigkeit. Sie lebte im B._ in C._. Dr. med. D._, Innere
Medizin FMH, berichtete der IV-Stelle am 23. März 2009 (IV-act. 40), die Versicherte
leide seit 1988 an einer chronisch progredienten multiplen Sklerose mit rechts- und
beinbetonter Tetraspastik und -parese. Neu hinzugekommen sei nun eine Hüft-Hemi-
Endoprothese rechts bei Schenkelhalsfraktur 2006 und supracondylärer Femurfraktur
links 2009 (Spontanfrakturen). Die Fondation suisse pour les téléthèses reichte der IV-
Stelle am 23. Dezember 2010 einen Kostenvoranschlag für einen IR-Empfänger mit
potentialfreiem Kontakt, für einen Sender Medi 1 Taste/60 + Jack und einen Jelly Bean
Taster blau (Fr. 555.58) sowie für eine Pauschale für die Bedarfs- und
Fähigkeitsanalyse, die Inbetriebsetzung, die Schulung etc. (Fr. 6'503.35) ein (IV-act.
22-1 f.). Gemäss einem "Gesuch um Zuteilung von Hilfsmitteln" vom 31. August 2010
(IV-act. 22-5) handelte es sich um eine Infrarotfernsteuerung (Sende-, Empfang- und
Steuergerät), die es der Versicherten erlauben sollte, das Rufsystem zu bedienen.
Begründet wurde dieses Gesuch mit einer sehr starken Einschränkung der
Bewegungsmöglichkeit der Arme und Hände. Der rechte Arm könne für
Alltagshandlungen gar nicht mehr, der linke Arm nur noch begrenzt eingesetzt werden.
In einer Telephonnotiz vom 14. Februar 2011 hielt der zuständige Sachbearbeiter der
IV-Stelle fest (IV-act. 18), es handle sich um ein Notrufsystem. Die Versicherte sei
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aufgrund der fortgeschrittenen MS aus körperlicher und geistiger Sicht nicht mehr in
der Lage, den heimüblichen Alarmknopf zu betätigen. Sie vergesse jeweils, wo sich
dieser Knopf befinde. Der Jelly Bean Taster sollte wie eine Armbanduhr am linken
Handgelenk befestigt werden, damit die Versicherte mit der rechten Hand dieses
Notrufsystem bedienen könne. Da der Jelly Bean Taster sehr empfindlich sei, aktiviere
bereits eine leichte Berührung das System. Mit einem Vorbescheid vom 17. Februar
2011 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Gesuchs um die
Abgabe dieses Hilfsmittels an (IV-act. 21), da Alarm- und Notrufsysteme keine
Hilfsmittel seien und zudem zur Ausstattung der betreuenden Institution gehörten. Mit
einer Verfügung vom 5. April 2011 wies die IV-Stelle das Gesuch ab (IV-act. 16).
A.a Die Versicherte (Beschwerdeführerin 1) und die Fondation suisse pour les télé
thèses (Beschwerdeführerin 2) erhoben am 23. Mai 2011 Beschwerde gegen diese
Abweisungsverfügung (act. G 1). Sie stellten sinngemäss die Begehren, die Be
schwerdegegnerin sei zu verurteilen, die Kosten des beantragten Hilfsmittels zu über
nehmen und die Leistungspauschale zu bezahlen; eventualiter sei die Streitsache im

Sinn der richterlichen Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der
gemeinsame Rechtsvertreter der beiden Beschwerdeführerinnen führte zur
Begründung insbesondere aus, die Leistung sei bereits erbracht worden, aber die
Beschwerdegegnerin habe keine Entschädigung ausgerichtet. Demnach sei auch die
Beschwerdeführerin 2 zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Das Behindertenwohnheim
verfüge über ein Personenrufsystem, wie es auch in Spitälern installiert sei. Der
Rufknopf, der betätigt werden müsse, sei i.d.R. am Bett montiert. Die
Beschwerdeführerin 1 könne diesen Knopf behinderungsbedingt nicht (mehr)
zuverlässig betätigen. Das verhindere die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt.
Das B._ habe die Beschwerdeführerin 2 beauftragt, die Möglichkeit einer Versorgung
mit einem individuellen Umweltkontrollgerät zu klären. Nach einer ersten Evaluation vor
Ort habe man ein individuelles Hilfsmittelsystem bestehend aus einem Sendegerät,
einem Infrarotempfänger und einem Taster in Betracht gezogen. Diese wurden mit der
Personenrufanlage des B._ gekoppelt. Die Beschwerdeführerin 1 habe die Geräte zu
Testzwecken erhalten. Da das Bedienelement zu sensibel reagiert habe, sei auf ein
neues Sendegerät gewechselt worden, das aus einem Infrarotschalter mit einem
vertieften Druckknopf bestanden habe. Die Beschwerdeführerin 1 könne mit der
rechten Hand den Knopf am linken Handgelenk betätigen. Da es sich um ein Hilfsmittel
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mit vorwiegend persönlichem Charakter handle, gehöre es nicht zur Einrichtung des
B._ Es gehe also entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht um ein
Notrufsystem, sondern um denjenigen Teil eines Rufsystems, der nicht zur
bestehenden Ausstattung der behindertengerecht angepassten Räume gehöre. Es sei
auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Beschwerdeführerin 1 zugeschnitten und
finde nur für sie Verwendung. Da es von der Beschwerdeführerin 1 mit der noch
verbliebenen Handfunktion rechts bedient werden könne, weise es einen persönlichen
Charakter auf. Es könnte von der Beschwerdeführerin 1 in einer anderen Einrichtung
weiterverwendet werden. Die Dienstleistungen der Beschwerdeführerin 2 seien
integrierender Bestandteil der Hilfsmittelabgabe und deshalb ebenfalls zu vergüten.
A.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 7. September 2011 die Abweisung der
Beschwerden (act. G 7). Sie machte geltend, es sei fraglich, ob überhaupt ein
Umweltkontrollgerät zur Diskussion stehe, denn mit dem beantragten Gerät werde
lediglich das Alarmsystem des Heims bedient. Da das Heim bereits über die
entsprechenden technischen Einrichtungen verfüge, bestehe schon grundsätzlich kein
Anspruch auf ein Umweltkontrollgerät. Das Sendegerät bestehe nur aus einem
Druckknopf, der wie ein Armband befestigt sei. Es habe nicht speziell der konkreten
Invalidität angepasst werden müssen. Nach einer sachgemässen Reinigung könnte es
ohne weiteres von einer anderen Person benützt werden. Deshalb fehle der vorwiegend
persönliche Charakter. Der Preis von über Fr. 7'000.-- entspreche nicht dem Grundsatz
der Einfachheit und Zweckmässigkeit. Es sei nämlich keine grosse Abklärung nötig
gewesen, von einem Gebrauchstraining könne nicht die Rede sein und die technische
Installation habe nur in der elektronischen Anmeldung des Senders bei der
Empfangsanlage bestanden. Im Übrigen müssten günstigere Anbieter berücksichtigt
werden.
A.c In ihrer Replik vom 24. Oktober 2011 liessen die Beschwerdeführerinnen ein
wenden (act. G 11), das von der Beschwerdeführerin 2 installierte Hilfsmittelsystem
funktioniere tadellos. Der Vorbescheid und die angefochtene Verfügung seien nicht der
Beschwerdeführerin 1, sondern deren Sohn zugestellt worden. Das zeige, dass die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin 1 nicht ernst nehme. Die
Beschwerdeführerin 1 lebe in einer Institution, die das betreute Wohnen sicherstelle. Da
diese Institution also nicht therapeutischen Zwecken diene, sei sie kein Spital und auch
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keine spezialisierte Institution für Chronischkranke. Das Wohnheim habe nur die
Grundausstattung, also ein Rufsystem, zur Verfügung zu stellen. Die individuell
angepasste Steuerung und die Erschliessung des bauseitig bereitgestellten
Rufsystems durch ein elektronisches Hilfsmittel seien Sache der Invalidenversicherung,
denn nur selten sei ein Pensionär auf ein solches Hilfsmittel angewiesen. Das strittige
Hilfsmittel sei ein Umweltkontrollgerät, weil es nur der Kontaktherstellung diene, denn
anschliessend könne die Beschwerdeführerin 1 auf andere Weise kommunizieren. Das
Hilfsmittel sei nicht frei auf dem Markt verfügbar und müsse fachmännisch installiert
und kalibriert werden. Ohne die Unterstützung durch die Beschwerdeführerin 2 könne
es gar nicht in Betrieb genommen werden. Ein vorwiegend persönlicher Charakter des
Hilfsmittels sei bereits dann anzunehmen, wenn es von einer Person exklusiv benützt
und bei einem Umzug in eine andere Institution mitgenommen werde. Da die
Dienstleistungspauschale auf dem zwischen der Beschwerdeführerin 2 und der
Invalidenversicherung abgeschlossenen Vertrag beruhe, müsse darauf verzichtet
werden, die konkreten Kosten im Einzelfall zu bemessen. Das Abstellen auf einen
Durchschnittsbetrag erleichtere die Abrechnung. Die Dienstleistungspauschale sei
deshalb ohne Prüfung im Einzelfall geschuldet. Es gebe keine anderen Anbieter, die ein
solches Umweltkontrollgerät liefern und installieren könnten.
A.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 28. Oktober 2011 auf eine Stellungnahme
zur Replik (act. G 13).
Erwägungen:
1.
1.1 Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung berührt ist
und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 59
ATSG). Die Fondation suisse pour les téléthèses ist durch die angefochtene Verfügung
ideell betroffen, weil ihr Stiftungszweck – das Anstreben einer ausreichenden
Versorgung von Behinderten mit elektronischen Hilfsmitteln – durch diese im konkreten
Fall vereitelt wird. Zudem wäre sie in eine Art vertragliche Beziehung mit der
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Beschwerdegegnerin getreten, wenn diese Kostengutsprache für die leihweise Abgabe
des beantragten Hilfsmittels erteilt hätte. Sie ist also durch die angefochtene Verfügung
stärker betroffen als die Allgemeinheit. Wer in diesem Sinne durch eine Verfügung
(besonders) berührt ist, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung und ist
deshalb aktivlegitimiert. Deshalb ist auch auf die Beschwerde der Fondation suisse
pour les téléthèses einzutreten.
1.2 Da die (gemeinsam erhobenen) Beschwerden denselben Anfechtungsgegenstand,
nämlich die Verfügung vom 5. April 2011, betreffen, rechtfertigt sich schon aus
verfahrensökonomischen Gründen eine Vereinigung der beiden Verfahren, denn bei
zwei getrennten Verfahren müsste die jeweils andere Beschwerdeführerin über eine
Beiladung einbezogen werden. Hinzu kommt, dass sich auch der Streitgegenstand der
beiden Beschwerden weitgehend deckt. Das Interesse der Beschwerdeführerin 2 ist
zwar hauptsächlich darauf gerichtet, der Beschwerdegegnerin ein bestimmtes
Hilfsmittel verkaufen zu können, während die Beschwerdeführerin 1 eine leihweise
Abgabe dieses Hilfsmittels durch die Beschwerdegegnerin anstrebt, aber der von der
Beschwerdeführerin 2 angestrebte Kauf des Hilfsmittels durch die
Beschwerdegegnerin hängt direkt von der Bejahung eines Anspruchs der
Beschwerdeführerin 1 auf die Abgabe dieses Hilfsmittels ab, so dass sich eine
gemeinsame Beurteilung geradezu aufdrängt.
2. Versicherte, die als Folge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die
Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte
bedürfen, haben im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne
Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit einen Anspruch auf solche Hilfsmittel (Art. 21 Abs. 2
IVG). Der Bundesrat hat die Aufgabe, diese Liste zu erstellen, an das zuständige
Departement delegiert (Art. 14 Abs. 1 IVV). Dieses hat die Aufgabe mit der Verordnung
über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) und
insbesondere mit der Hilfsmittelliste im Anhang zu dieser Verordnung erfüllt.
2.1 Das bewilligte Hilfsmittel ist nicht als Kommunikationsgerät (vgl. die Rz 15.02 der
Liste im Anhang zur HVI) zu qualifizieren, da es nicht dazu dient, die Pflege des täg
lichen Kontakts mit der Umwelt zu ermöglichen, d.h. die fehlende Sprechfähigkeit einer
versicherten Person zu ersetzen. Sein Zweck besteht vielmehr darin, eine Pflege- oder
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Betreuungsperson herbeirufen zu können. Die anschliessende Kommunikation mit
dieser Pflege- oder Betreuungsperson ist der Beschwerdeführerin 1 dann ohne
Hilfsmittel möglich. Zur Diskussion steht deshalb ein Kommunikationsgerät gemäss der
Rz 15.05 der Liste im Anhang zur HVI.
2.2 Gemäss der Ziffer 15.05 der Liste im Anhang zur HVI wird ein Umweltkontrollgerät
abgegeben, wenn eine schwerstgelähmte versicherte Person, die nicht in einem Spital
oder in einer spezialisierten Institution für chronisch Kranke untergebracht ist, nur
durch ein solches Gerät mit der Umwelt in Kontakt treten kann. Im Kreisschreiben des
Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung (KHMI, Fassung per 1. Juli 2011) wird in der Rz 15.05.3
ausgeführt, Empfangs- und Steuergeräte gehörten zur Einrichtung einer
behindertengerechten Institution. Deshalb hätten Behinderte in spezialisierten
Institutionen keinen Anspruch auf solche Geräte. Dagegen übernehme die
Invalidenversicherung die Kosten für Komponenten mit vorwiegend persönlichem
Charakter, die die Versicherten bei einem allfälligen Wegzug mitnehmen und an einem
anderen Ort weiterverwenden könnten. Dazu gehöre in erster Linie das Sendegerät.
Diese Regelung dürfte auf der Überlegung beruhen, dass es für Umweltkontrollgeräte,
die von schwerstgelähmten Personen eingesetzt werden, zwei mögliche
Leistungserbringer gebe, nämlich einerseits das Spital oder die Institution, in der sich
die schwersteglähmten Personen aufhalten, und andererseits die
Invalidenversicherung. Die Rz 15.05 der Liste im Anhang zur HVI enthält also eine
eigentliche Koordinationsbestimmung, welche die Zuständigkeitsbereiche der beiden
möglichen Leistungserbringer gegeneinander abgrenzt. Dieser Koordinationsbedarf
besteht auch bei anderen Hilfsmitteln zur Selbstsorge. So werden etwa Elektrobetten
und Krankenheber nur zur Verwendung im privaten Wohnbereich abgegeben (vgl. die
Ziff. 14.03 und 14.02 der Liste im Anhang zur HVI), weil es selbstverständlich ist, dass
sie den darauf angewiesenen Personen im Spital oder in der Institution für chronisch
Kranke als Teil der Pflegeleistungen zur Verfügung gestellt werden. Lebt eine
schwerstgelähmte Person in einer spezialisierten Institution, so ist diese Institution
nach dem hinter der Rz 15.05 der Liste im Anhang zur HVI stehenden koordi
nationsrechtlichen Konzept dazu da, den Kontakt dieser Person mit der Umwelt so weit
als technisch möglich sicherzustellen. Wie die Institution diese Aufgabe erfüllt, hat die
Invalidenversicherung nicht zu interessieren. Es ist ihr also unbenommen, statt der
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Installation einer Rufanlage, die auch von einer schwerstgelähmten Person bedient
werden kann, während 24 Std. täglich eine persönliche Betreuung einzusetzen, die auf
jede Äusserung dieser Person reagieren kann. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist
eine Rufanlage in einer spezialisierten Institution also dazu da, die Kosten einer 24
Std.-Betreuung zu sparen, d.h. die Anschaffung einer Rufanlage ist eine die
Betriebskosten dauerhaft senkende Investition. Deshalb ist eine Rufanlage von der
spezialisierten Institution und nicht von der schwerstgelähmten Person bzw. an ihrer
Stelle von der Invalidenversicherung zur Verfügung zu stellen. Versehen mit dem
allseits bekannten Klingelknopf ist die Rufanlage längst normaler Einrichtungsstandard
der spezialisierten Institutionen. In der Ziff. 15.05 der Liste im Anhang zur HVI wird
deshalb unterstellt, dass Umweltkontrollgeräte, welche die standardmässig
vorhandene Rufanlage ergänzten, um diese auch für schwerstgelähmte Personen
bedienbar zu machen, in einem Spital oder in einer spezialisierten Institution ebenfalls
zum Standard gehörten. Koordinationsrechtlich betrachtet liegt die entsprechende
Leistungspflicht nach dem Konzept der Rz 15.05 der Liste im Anhang zur HVI also bei
den Spitälern und bei den spezialisierten Institutionen und nicht bei den Patienten bzw.
der Invalidenversicherung.
2.3 Das gilt allerdings nur für die eine reguläre Rufanlage ergänzenden
Umweltkontrollgeräte, die selbst wieder Standard sind, d.h. die später auch von
anderen, in gleicher Weise behinderten Personen ohne jede Abänderung weiter benützt
werden können. Stellt das die reguläre Rufanlage ergänzende Umweltkontrollgerät
allerdings eine einzelfallangepasste und möglicherweise sehr teure Sonderanfertigung
dar, weil die Besonderheit der Behinderung die Bedienung eines standardmässigen
Umweltkontrollgeräts nicht erlaubt, und ist nicht damit zu rechnen, dass später auch
andere schwerstgelähmte Personen auf diese Spezialanfertigung angewiesen sein
werden, dann handelt es sich bei der Anschaffung dieses einzelnen
Umweltkontrollgeräts aus der Sicht der betreffenden Institution nicht um eine sinnvolle,
langfristig betriebskostensenkende Investition. Damit liegt die Pflicht zur
Leistungserbringung nach dem Konzept der Rz 15.05 der Liste im Anhang zur HVI nicht
bei der Institution, sondern bei der schwerstgelähmten Person und damit bei der
Invalidenversicherung.
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2.4 Das beantragte Gerät erfordert keine Anpassung, d.h. es kann von der Be
schwerdeführerin in seiner Standardausführung verwendet werden und die bestehende
Rufanlage ist nach der Installation einer elektronischen Verbindung fähig, einer Vielzahl
von Benützern solcher Geräte zu genügen. Zudem bedeutet die Anschaffung solcher
Geräte und die entsprechende Installation einer elektronischen Verbindung für das
B._ keine besonders hohe und deshalb betriebswirtschaftlich nicht zu
rechtfertigende Investition. Zudem kann das Gerät, worauf die Beschwerdegegnerin zu
Recht hingewiesen hat, später ohne weiteres auch durch andere Bewohner des B._
benützt werden. Demnach kann nicht von einem vorwiegend persönlichen Charakter
dieses Geräts gesprochen werden. Damit lässt sich die Abgabe dieses Geräts durch
die Invalidenversicherung also nicht rechtfertigen.
2.5 Zu prüfen bleibt, was unter einer spezialisierten Institution zu verstehen ist, denn
davon hängt es ab, ob die Institution oder die versicherte Person (bzw. an ihrer Stelle
die Invalidenversicherung) das die bestehende, reguläre Anlage ergänzende Umwelt
kontrollgerät zu finanzieren hat. Da die entscheidende Frage diejenige nach dem
betriebswirtschaftlichen Sinn einer dauerhaften Ergänzung der bestehenden Rufanlage
mit Klingelknopf ist, müssen der Kostenaufwand für die Anschaffung eines
entsprechenden Umweltkontrollgeräts und die dadurch zu erreichende dauerhafte
Kosteneinsparung gegeneinander abgewogen werden. Für Sonderanfertigungen, die
nur für eine bestimmte schwerstgelähmte Person verwendet werden können, hat die
Vewaltungspraxis (vgl. die Rz 15.05.3 KHMI) eine Abwägung vorweggenommen, indem
sie die Anschaffung durch die Institution indirekt als unangemessen qualifiziert und
einen Leistungsanspruch der schwerstgelähmten Person bejaht hat. Für die
Standardausführung eines entsprechenden Umweltkontrollgeräts hingegen gilt, dass
der Kostenaufwand für die Anschaffung als gering zu betrachten ist, denn der dadurch
bewirkte (buchhalterische) Erfolg besteht darin, dass eine behinderte Person
aufgenommen werden kann, ohne eine persönliche 24 Std.-Betreuung zur Verfügung
stellen zu müssen. Kann eine 24 Std.-Betreuung unterbleiben, indem in ein die
vorhandene Rufanlage ergänzendes, standardisiertes Umweltkontrollgerät investiert
wird, so kann der betreffenden Institution nicht mit dem Argument die Spezialisierung
abgesprochen werden, sie habe ja nur eine einzige auf ein solches Gerät angewiesene
Person aufgenommen, denn das hätte zur Folge, dass diese Institution eine
entsprechend behinderte Person aufnehmen und die Kosten der dazu unerlässlichen
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Ergänzung ihrer Rufanlage auf die Invalidenversicherung überwälzen könnte. Das kann
offensichtlich nicht der Sinn der Hilfsmittelversorgung durch die Invalidenversicherung
sein. Wenn eine Institution also erstmals eine auf ein Umweltkontrollgerät zur
Ergänzung der bestehenden Rufanlage angewiesene Person auf Dauer (und nicht nur
als Notlösung bis zu dem von Anfang an beabsichtigten Wechsel in eine effektiv
spezialisierte Institution) aufnimmt, so handelt es sich demnach um eine spezialisierte
Institution im Sinn der Rz 15.05 der Liste im Anhang zur HVI. Würde eine solche
Institution nicht als in dieser Form spezialisiert betrachtet, so dass sie die Kosten der
Investition in die notwendige Ergänzung ihrer bestehenden Rufanlage auf die
Invalidenversicherung überwälzen könnte, wäre nicht einzusehen, weshalb Gleiches
nicht auch für Institutionen gelten sollte, die - beispielsweise als reines Altersheim -
nicht über ein Elektrobett oder einen Krankenheber verfügen, obwohl sie diese
Hilfsmittel nun benötigen, weil sie erstmals auf Dauer eine schwer pflegebedürftige
Person aufgenommen (bzw. behalten) haben. Auch sie müssten diesen
Investitionsaufwand auf dem Wege der Hilfsmittelabgabe an die pflegebedürftige
Person auf die Invalidenversicherung überwälzen können. Das ist koordi
nationsrechtlich offensichtlich nicht gewollt. Deshalb muss auch für das vorliegend be
antragte Gerät gelten, dass es - oder eine andere technisch sinnvolle Ergänzung der
bestehenden Rufanlage - durch das B._ hätte angeschafft werden müssen. Das
schliesst einen Leistungsanspruch gestützt auf die Rz 15.05 der Liste im Anhang zur
HVI auf. Die Beschwerdegegnerin hat das entsprechende Begehren zu Recht ab
gewiesen.
3. Demnach sind die Beschwerden anzuweisen. Da die Beschwerdeführerinnen
unterliegen, besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die entsprechenden
Begehren sind abzuweisen. Die unterliegenden Beschwerdeführerinnen haben für die
Kosten der Beschwerdeverfahren aufzukommen. Die Gerichtsgebühr ist entsprechend
dem durchschnittlichen Aufwand für die vereinigten Beschwerdeverfahren auf Fr.
600.-- festzusetzen. Da sich die Beschwerdeführerinnen in gemeinsamen Eingaben mit
einer einheitlichen Argumentation geäussert haben, rechtfertigt es sich, die Kosten
hälftig aufzuteilen. Die Beschwerdeführerin 1 und die Beschwerdeführerin 2 haben
deshalb jeweils Fr. 300.-- zu bezahlen. Diese Forderungen sind durch die in gleicher
Höhe geleisteten beiden Vorschusszahlungen gedeckt.
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP