Decision ID: 24782f11-e2c0-4ef8-9f02-8a25e09c717c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965, war bis Juni 1998 im Detailhandel erwerbstätig
und
von da an
Hausfrau
und Mutter
(
Urk.
6/4/1,
6/5/6). Am
1.
Juni 2017 (
Urk.
6/5) meldete sie sich unter Hinweis auf eine
Poliarthropathie
mit Daumenarthrose beidseits, rezidivierende depressive Störungen, gegenwärtig mittelgradig (F33.1), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0) sowie eine Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent (F10.21)
,
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversi
cherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte
daraufhin medizinische und erwerblich-berufliche Abklärungen
. Mit
Mitteilung
vom
3
0.
Oktober 2017
teilte
sie
der Versicherten
unter Hinweis
darauf
, dass
diese
selbst keine Eingliederungsmassnahmen gewünscht habe,
mit,
Eingliederungs
massna
hmen
würden nicht durchgeführt
, sondern die Rentenprüfung an Hand genommen
(
Urk.
6/18-19
).
Sodann
stellte
die IV-Stelle
mit
Vorbescheid vom 1
6.
April 2018
(
Urk.
6/29)
in Aussicht, das Leistungs
begehren von
X._
abzuweisen.
Dagegen erhob die
Versicherte
mit Ein
gabe vom
7.
beziehungsweise 2
4.
Mai 2018 (
Urk.
6/34, 6/37)
Einwand
und bean
tragte,
ihr
sei
eine ganze Rente auszurichten.
Nach
erneut
er
Rücksprache mit dem regionalen ärztlichen Dienst
(RAD)
und Gewährung des rechtlichen Gehörs hierzu (vgl.
Urk.
6/38
sowie Stellungnahme der Versicherten vom 1
1.
Juli 2018
,
Urk.
6/39) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2.
August 2018
einen Ren
tenanspruch der Versicherten
(
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
3.
September 2018 beim hiesigen Sozialversi
cherungsgericht
Beschwerde
(
Urk.
1) und beantragte, die angefochtene Verfü
gung vom
2.
August 2018 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen
, insbesondere sei ihr ab No
vember 2017 eine Rente auszurichten
; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
1.
Oktober 2018 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), wovon der Beschwerdeführerin am 2
4.
Oktober 2018 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt
hatten
, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden eingetre
ten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im We
sentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinreichende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung in BGE 145 V 215 E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit BGE 145 V 215 dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diagnostizierten - Abhängigkeits
syndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen werden kann (E. 5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E. 6).
Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängigkeits
syndrome (E. 6.2).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängigkeitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störun
gen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhängigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktio
nelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stär
ker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeig
net ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Be
richte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegen
teiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
Die neue Rechtsprechung zu den Suchterkrankungen ist im Grundsatz sofort an
wendbar und gilt nicht nur für künftige, sondern für alle im Zeitpunkt der Ände
rung hängigen Fälle (Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.1 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin wies das Leistungsbegehren mit der Begründung ab, es sei der Beschwerdeführerin möglich, unter Abstinenz einer adaptieren Tätigkeit uneingeschränkt nachzugehen. So habe sich im MRI des Schädels keine alkohol
bedingte oder sonstige Pathologie gezeigt. Auch sei weiterhin von einem
Substanzabusus
von Benzodiazepinen auszugehen
. Schliesslich seien alkoholbe
dingte neurologische Auffälligkeiten bei dauerhafter Abstinenz und sofern keine Substanzschädigung des Gehirns vorliege, reversibel (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor,
die Beschwerdegegnerin sei zu Unrecht davon ausgegangen, dass sie im ersten Arbeitsmarkt bestehen könne. Vielmehr sei ihr nur eine im geschützten Rahmen ausgeübte Tätigkeit zumutbar, womit sie Anspruch auf ganze Invalidenrente habe (
Urk.
1 S. 6 und 8). Sollte wider Erwarten von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeits
markt ausgegangen werden, sei zu berücksichtigen, dass
das
Valideneinkommen
zu tief und das Invalideneinkommen zu hoch angesetzt
worden sei
(
Urk.
1 S. 4-5). Sodann
wär
e
ihr der
(maximale) leidensbedingte Abzug
im Umfang
von 25 % zu gewähren (
Urk.
1 S. 5),
womit ihr
auch in
diesem Fall
eine Invalidenrente
zustünde
.
3.
3.1
Am 1
0.
Juli 2017 (
Urk.
6/15/1-4) berichtete
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für allgemeine innere Medizin und langjähriger Hausarzt der Beschwerdeführerin, diese befinde sich seit über zehn Jahren wegen depressiven Episoden und Alko
holüberkonsum in wiederholter Behandlung. Aktuell benötige sie eine intensive, suchtspezifische Begleitung sowie regelmässige Psychotherapie zur Verhinderung von Rückfällen in die Alkoholsucht. Von einer eindeutigen Stabilisierung der Si
tuation könne noch nicht ausgegangen werden.
3.
2
Am
1.
März 2018 wurde die Beschwerdeführer
in
durch die
Neuropsychologin,
MSc
Z._
, untersucht (
Untersuchungsbericht vom
8.
März 2018,
Urk.
6/26/9, 6/33/2-6)
.
Als bisherige «untersuchungsrelevante Diagnosen» nannte
MSc
Z._
folgende:
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyn
drom, gegenwärtig abstinent, aber in Behandlung mit aversiven oder hemmenden Medikamenten (F10.23)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa und Hypnotika: Schädlicher Gebrauch (F13.1)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyn
drom, ständiger Substanzgebrauch (F17.25)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, ängstlichen und abhängigen Zügen (F61.0)
-
Generalisierte Angststörung (F41.1)
-
Rezidivierende depressive Störung (F33)
Die Neuropsychologin
berichtet
e
, das anlässlich der Untersuchung festgestellte Arbeitstempo sei als
stark verlangsamt zu bezeichnen, wobei von einer schwan
kenden
K
onzentrationsfähigkeit auszugehen sei.
Instruktionen hätten teils wie
derholt präsentiert werden müssen. Im Gespräch habe die Beschwerdeführerin auch vereinzelt den Faden verloren. Zudem habe sich
eine
deutlich erhöhte Ant
wortlatenz gezeigt, wobei auch Fehler wiederholt begangen worden seien. Die Frustrationstoleranz sei vermindert und es habe sich ein leicht impulsives Ver
halten gezeigt, was in Anbetracht der deutlichen Verlangsamung irritierend ge
wirkt habe (
Urk.
6/33/3
)
.
Gestützt auf die anlässlich der Untersuchung durchge
führten Testverfahren gelangte
MSc
Z._
zum Schluss, bei der Beschwerdefüh
rerin liege ein aktuell deutlich beeinträchtigtes kognitives Leistungsprofil mit Ein
schränkungen in nahezu allen getesteten Bereichen vor. Im Vordergrund des kog
nitiven Störungsbildes stehe eine deutliche
(
non
-)
verbale Gedächtnisstörung
so
wie
auch eine starke psychomotorische Verlangsamung und exekutive Dysfunk
tionen (
Urk.
6/33/4).
Infolge dessen sei von einer mittelschweren neuropsycholo
gischen Störung auszugehen. Um einer Progredienz der Gedächtnisstörung sowie weitere
r
kognitive
r Leistungen entgegen
zuwirken, sei die Aufrechterhaltung der Abstinenz dringend angezeigt. Sofern die affektiven Symptome behandelt und gemildert werden könnten, sei eine Verbesserung der kognitiven Leistungsfähig
keit zu erwarten (
Urk.
6/33/5).
3.
3
Anlässlich
eines
am 2
0.
März 2018 am Kantonsspital
A._
, Institut für Ra
diologie und Nuklearmedizin, durchgeführten MRI des Schädels (Bericht vom 2
0.
März 2018,
Urk.
6/26/14-15) wurde
festgestellt
, dass kein akuter oder ch
ro
nischer ischämischer Infarkt, keine pathologische Atrophie der
Hippocampusfor
mation
beidseits, keine Raumforderungen sowie keine pathologische Atrophie
infra
- und
supratentoriell
, jedoch eine kleine
mikroangiopathische
Foci
cerebellär
bds
.
DD erweiterte Virchow
R
obinsche
Räume vorliegen
würden
(
Urk.
6/26/14).
3.
4
Dr.
med.
B._
, Fachar
zt für Psychiatrie und Psychot
h
er
apie,
behandeln
der Psychiater,
nannte in seinem
Bericht vom 2
7.
März 2018 (
Urk.
6/26/1-8)
fol
gende Diagnosen
(
Urk.
6/26/4)
:
Mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Mittelschwere kognitive Störung, wahrscheinlich alkoholbedingt, ICD-1
0
F10.74
-
Persönlichkeitsstörung Cluster C - Typus, ängstlich vermeidend, ICD-10 F60.6
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung,
gg
Vollremission unter Therapie, ICD-10 F33.4
-
Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig Vollabstinenz unter
Disulfiram
, ICD-10 F10.23
-
Unklar
e
Arthropathien
/ Arthritiden
H
abitual
asthenischer Habitus mit BMI 17
-
Nikotinabhängigkeit ICD-10 F17.25
Während der Arzt für die erlernte Tätigkeit als Drogerieverkäuferin eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit attestierte, liess er die Frage hinsichtlich einer adaptierten Beschäftigung unbeantwortet
. Er hielt lediglich fest, die derzeit ausgeübte unent
geltliche Hilfstätigkeit
in einer Wohngruppe für Demenzpatienten
(circa drei Stunden an drei Tagen in der Woche, wobei jeweils ein Ruheta
g zwischen den Einsätzen erfolg
e) sei der Beschwerdeführerin weiterhin zumutbar (
Urk.
6/26/7).
Als Faktoren, welche der Eingliederung im Wege stünden nannte der Arzt die eingeschränkte Hirnleistung sowie die Ängste der Beschwerdeführerin.
Befund
mässig hielt
Dr.
B._
fest, die Affekte seien
gut moduliert und
die Stimmung befinde sich in der Mittellage.
Die Beschwerdeführerin
berichte mit positivem Af
fekt über die von ihr ausgeübte Arbeit in der Wohngruppe, äussere sich gleich
zeitig jedoch auch traurig in Bezug auf den fehlenden Kontakt zu ihrer Tochter (
Urk.
6/26/3).
3.
5
In seinem vom 1
0.
September 2018
datierten
Bericht
(
Urk.
3/4) bestätigte
Dr.
Y._
,
dass die Beschwerdeführerin seit einem Jahr keinen Alkohol konsumiert habe. Auch sei die Benzodiazepin-Einnahme dosiert und nicht missbräuchlich erfolgt
(
Urk.
3/5)
.
4.
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und seine Auswirkung auf
deren Leistungsfähigkeit
lassen sich aufgrund der aktuellen Aktenlage nicht abschlies
send beurteilen.
So wurde zwar aus neuropsychologischer Sicht ein deutlich beeinträchtigtes kog
nitives Leistungsprofil mit Einschränkungen in nahezu allen getesteten Bereichen erhoben und dafürgehalten, bei einer Milderung der affektiven Symptome sei eine
Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit zu erwarten (E. 3.2). Nachdem gemäss Rechtsprechung neuropsychologische Abklärungen
lediglich e
ine Zu
-
satzuntersuchung
darstellen
, und es grundsätzlich Aufgabe des psychiatrischen - oder allenfalls des neurologischen - Facharztes bleibt, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 9C_299/2019 vom 2
7.
Juni 2019 E. 4
)
, wäre diesbezüg
lich eine nachvollziehbare Auseinandersetzung durch den behandelnden Psychi
ater zu erwarten gewesen. Freilich erachtete auch er eine Vollabstinenz für die Gesamtprognose als zentral und empfahl eine
Reevaluation
nach weiteren sechs Monaten, da ein Maximum an Erholung nach etwa 12 Monaten Abstinenz zu erreichen sei (
Urk.
6/26/5). Weshalb aber - seiner Einschätzung zufolge - bloss eine Beschäftigung im geschützten Rahmen beim Erreichen einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit möglich sein soll (
Urk.
6/26/5), bleibt unklar, zumal eine MRI-Untersuchung des Gehirns im Wesentlichen Normalbefunde ergab und der Psychiater das Vorliegen einer depressiven Symptomatik ausdrücklich verneinte (
Urk.
6/26/4). Ferner fehlt es hinsichtlich der erhobenen Verhaltungsstörungen durch Alkohol und Sedativa/Hypnotika (E. 3.2, E. 3.4;
Urk.
6/13,
Urk.
6/40/3) an dem nunmehr von der Rechtsprechung geforderten strukturierten Beweisverfah
ren, wie es grundsätzlich bei allen psychischen Erkrankungen durchzuführen ist (E. 1.3). Mithin kann weder auf die Beurteilung des behandelnden Psychiaters abgestellt werden, noch findet die Annahme des RAD, in einer adaptieren Tätig
keit bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/28/6-7), in den Akten eine hinreichende Stütze.
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die fachfremde Einschätzung des Psy
chiaters, aus seiner Sicht sei mittels Skelettszintigraphie eine klinisch relevante entzündlich-rheumatische Erkrankung mit ausreichender Sicherheit ausgeschlos
sen worden (
Urk.
6/26/7), mit Blick auf die von
Dr.
med.
C._
, Facharzt Rheumatologie und Innere Medizin, in Aussicht gestellten weiteren Untersuchun
gen (
Urk.
6/9/7) nicht zu genügen vermag.
5.
Nach dem Gesagten ist es bei der aktuellen medizinischen Aktenlage nicht mög
lich, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die funktionelle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu beurteilen. Die Be
schwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung
aufzuheben
und die Sache zur Durchführung einer psychiatrischen
- sowie allen
falls einer rheumatologischen -
Abklärung und zu neuem Entscheid an die Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen
ist
.
Dabei wird die Beschwerdegegnerin nicht nur abzuklären haben, ob und in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin imstande ist, eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt auszuüben, sondern auch, ob gegebe
nenfalls eine (allfällige) Abstinenz zu einer Verbesserung der Leistungs- respek
tive der Arbeitsfähigkeit führen würde.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen; nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57).
6.2
Ausgangsgemäss steht der
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
in
gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
eine Prozessentschädigung zu, welche ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
zu bemessen und
auf Fr.
1’8
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.