Decision ID: 60436280-8eea-483c-80bb-fd7d0bc84023
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfacher Diebstahl
Berufung gegen ein Urteil des Jugendgerichtes des Bezirkes Horgen vom
12. August 2015 (DJ150001)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 22. Juni 2013
(Urk. 13) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 44)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte wird freigesprochen.
2. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wird abgewiesen.
3. Die Kantonspolizei Schwyz wird angewiesen, der Beschuldigten die anlässlich der Haus-
durchsuchung vom 10. August 2014 sichergestellten Gegenstände nach Rechtskraft des
Urteils auf erstes Verlangen herauszugeben. Verlangt die Beschuldigte die Gegenstände
nicht bis spätestens 30 Tage nach Rechtskraft des Urteils, werden diese der Kantonspolizei
Schwyz zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
4. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die Gerichtskasse
genommen.
5. Der Beschuldigten wird eine persönliche Umtriebsentschädigung von Fr. 250.– aus der Ge-
richtskasse zugesprochen.
6. (Mitteilungen.)
7. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge:
a) der Privatklägerschaft ...-Apotheke A._ (Urk. 28 S. 1 und Urk. 47, sinn-
gemäss):
1. Die Beschuldigte sei wegen mehrfachen Diebstahls, betrügerischen Miss-
brauchs einer Datenverarbeitungsanlage und Urkundenfälschung schuldig
zu sprechen und zu bestrafen.
2. Dem Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin sei zu
entsprechen.
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3. Die Kantonspolizei Schwyz sei anzuweisen, die bei der Beschuldigten
anlässlich der Hausdurchsuchung vom 10. August 2014 sichergestellten
Gegenstände nach Rechtskraft des Urteils der Privatklägerin herauszu-
geben.
b) der Oberjugendanwaltschaft (vgl. Urk. 38, schriftlich):
Verzicht auf Antragstellung.
c) der Beschuldigten (Urk. 46 S. 3 ff., sinngemäss):
Vollumfänglicher Freispruch.

Erwägungen:
1. Prozessverlauf
Mit Urteil des Jugendgerichtes des Bezirkes Horgen vom 12. August 2015 wurde
die Beschuldigte vom Vorwurf des mehrfachen Diebstahls freigesprochen und die
Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wurden abge-
wiesen (Urk. 26). Gegen dieses Urteil hat die Privatklägerschaft mit Eingabe vom
26. August 2015 fristgerecht Berufung angemeldet (Urk. 20) und mit Eingabe vom
30. November 2015 – ebenfalls innert Frist – die Berufungserklärung eingereicht
(Urk. 28). Sie ficht das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an, beantragt Schul-
digsprechung der Beschuldigten wegen mehrfachen Diebstahls, betrügerischen
Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage und Urkundenfälschung, Ausfällung
einer Strafe, Gutheissung der Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren und
Herausgabe der sichergestellten Gegenstände an die Privatklägerschaft (Urk. 28;
Urk. 47).
Mit Präsidialverfügung vom 1. Dezember 2015 wurde der Privatklägerin Frist zur
Leistung einer Prozesskaution angesetzt (Urk. 30). Die Kaution ging fristwahrend
am 7. Dezember 2015 bei der Obergerichtskasse ein (Urk. 32/1).
Der Beschuldigten und der Oberjugendanwaltschaft wurde mit Verfügung vom
18. Dezember 2015 Frist zur Erklärung der Anschlussberufung sowie zur Stel-
lungnahme zu den Beweisanträgen der Privatklägerin angesetzt (Urk. 36). Die
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Oberjugendanwaltschaft hat mit Eingabe vom 5. Januar 2016 auf Anschluss-
berufung und auf Stellungnahme zu den Beweisanträgen der Privatklägerschaft
verzichtet (Urk. 38). Die Beschuldigte liess sich nicht vernehmen.
Mit Präsidialverfügung vom 17. Februar 2016 wurden sämtliche Beweisanträge
abgewiesen, welche die Privatklägerin gleichzeitig mit der Berufungserklärung
gestellt hatte (Urk. 40).
Am 3. März 2016 erging die Vorladung zur heutigen Berufungsverhandlung an die
Privatklägerschaft und die Beschuldigte; die Oberjugendanwaltschaft wurde fakul-
tativ vorgeladen (Urk. 42).
An der heutigen Berufungsverhandlung hielt die Privatklägerin an ihrer Berufung
und an den diesbezüglich gestellten Anträgen fest (Urk. 47), die Beschuldigte be-
antragte sinngemäss eine Bestätigung des vorinstanzlichen Freispruchs (Urk. 46
S. 3 ff.).
Es ist festzuhalten, dass das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich angefochten ist
und in keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Sachverhalt
2.1. Anklagevorwurf
In der Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 22. Juni 2015
wird der Beschuldigten vorgeworfen, sie habe in der Zeit vom 30. September
2013 bis 25. Juni 2014 in der ...-Apotheke A._, wo sie in der fraglichen Zeit
als Lehrtochter angestellt war, mehrfach mittels falscher Computereingaben den
Artikelstamm des Produktelagers manipuliert und mehrfach Stornobuchungen
durchgeführt, welche nicht durch Kundenrückgaben ausgelöst worden seien. Die
davon betroffenen Produkte und Geldbeträge im Gesamtbetrag von Fr. 2'812.85
habe sie in Bereicherungsabsicht für sich selber bezogen, im Wissen darum, dass
sie keinen Rechtsanspruch darauf gehabt habe.
Die Beschuldigte bestreitet ihre Täterschaft. Es ist daher zu prüfen, ob sich der
Sachverhalt erstellen lässt.
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2.2. Anklagegrundsatz
Gestützt auf den in Art. 9 StPO verankerten Anklagegrundsatz kann eine Straftat
nur gerichtlich beurteilt werden, wenn wegen eines genau umschriebenen Sach-
verhalts Anklage erhoben wird. Dies bedeutet, dass die der beschuldigten Person
vorgeworfenen Delikte konkret und präzise zu umschreiben sind und das Gericht
an die eingeklagte Tat gebunden ist (BGE 133 IV 245 f. E: 6.3.).
Die Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis erhebt in der Anklageschrift vom 22. Juni
2013 den Vorwurf des mehrfachen Diebstahls. Dem Tatbestand des Art. 139
StGB entsprechend ist der Anklagesachverhalt insgesamt und insbesondere der
Ingress in Ziffer 1 erster Absatz der Anklageschrift umschrieben. Dagegen findet
sich keine Umschreibung eines Sachverhalts, der sich unter den Tatbestand der
Urkundenfälschung (Art. 251 StGB) oder des betrügerischen Missbrauchs einer
Datenverarbeitungsanlage (Art. 147 StGB) subsumieren liesse. Ein dies-
bezüglicher Schuldspruch, wie er von der Privatklägerin beantragt wird, kommt
daher infolge fehlender Wahrung des Anklagegrundsatzes zum vornherein nicht
in Betracht. Ob eine Rückweisung an die Jugendanwaltschaft zwecks Anklage-
ergänzung angeordnet werden könnte, hängt davon ab, ob der Beschuldigten
zweifelsfrei die vorgeworfenen Diebstähle – und damit auch Manipulationen –
nachgewiesen werden können.
2.3. Grundsätze der Beweiswürdigung
Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Beweiswürdigung zutreffend dargelegt. Es
kann bezüglich der Maxime "in dubio pro reo", des Indizienbeweises und der
Würdigung von Aussagen auf ihre zutreffenden Erwägungen verwiesen werden
(Urk. 26 S. 4 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine strafrechtliche Verurteilung nur
erfolgen darf, wenn keine vernünftigen Zweifel an der Verwirklichung des
vorgeworfenen Sachverhalts und an der Täterschaft der beschuldigten Person
bestehen. Dies gilt uneingeschränkt auch für den Indizienbeweis.
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2.4. Sachverhaltserstellung betreffend Tatvorgehen
Unabhängig von der Frage nach der Täterschaft ist vorab zu prüfen, ob sich
Stornobuchungen ohne Kundenrückgaben und Manipulationen am Artikelstamm
des Produktelagers im Sinne des angeklagten Tatvorgehens erstellen lassen.
Der Tatvorwurf beruht auf den Aussagen von A._, dem Inhaber der ...-
Apotheke, A._, den von ihm mit seinem Computersystem erstellten Listen
betreffend Manipulationen im Lagerbestand und Stornobuchungen an der Kasse
und den entsprechenden Verkaufs- und Stornoquittungen (Urk. HD 1/10, 1/11,
11/14 und 11/15).
A._ erstattete am 30. Juni 2014 bei der Polizei Anzeige gegen die Beschul-
digte wegen mehrfachen Produkte- und Bargelddiebstahls und konstituierte die
von ihm als Einzelfirma geführte ...-Apotheke, A._, als Privatklägerschaft
(Urk. HD 1/2 und Urk. HD 1/3). In der polizeilichen Einvernahme vom 11. August
2014 sagte er aus, er habe festgestellt, dass über einen längeren Zeitraum von
über einem Jahr höhere Fehlbeträge als normal in den Barkassen aufgetreten
seien. Er habe das Personal per E-Mail informiert. Am 23. Juni 2014 habe die
Mitarbeiterin C._ ihn darauf aufmerksam gemacht, dass ein Verkauf vom
Samstag am Montag um 07.40 Uhr an der Kasse storniert worden sei. Er habe
daher im Computersystem eine Analyse vorgenommen und habe 17 weitere der-
artige Stornierungen feststellen können, die erste datierend auf 16. Mai 2014. Die
damit verknüpften Lagerveränderungen seien grossteils kurz nach den erwähnten
Storni manuell korrigiert worden. Die Lagermanipulationen betreffend die Artikel
der stornierten Verkäufe hätten vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn stattgefunden,
16 der 17 Stornierungen seien ausserhalb der Öffnungszeiten des Geschäfts vor-
genommen worden. Er habe die Daten und Uhrzeiten der Änderungen mit den
Arbeitszeiten des Personals verglichen und habe festgestellt, dass die Beschul-
digte jedes Mal anwesend gewesen sei (Urk. HD1/18 S. 2 f.). Es sei Bargeld aus
der Kasse gestohlen worden sowie diverse Produkte aus dem Sortiment wie Lip-
penstifte, künstliche Fingernägel, Nagellack, Parfüms, Schminksachen, Cremen,
Verhütungsmittel etc. Die Abbuchungen im Lagerbestand vor Geschäftsöffnung,
in einem Zeitpunkt, als die Beschuldigte als praktisch einzige Angestellte anwe-
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send gewesen sei, seien klar Diebstähle der Beschuldigten (Urk. HD 1/ 18 S. 4).
Die Analyse der Systemdaten der stornierten Verkäufe und der fehlenden Artikel
hinterlasse bei ihm keinen Zweifel, dass einzig die Beschuldigte für alle diese De-
likte in Frage kommen könne. Das übrige Personal habe mindestens in einem o-
der mehreren Fällen ein gutes Alibi z.B. Schule, Ferien, späterer Arbeitsbeginn
(Urk. HD 1/18 S. 5).
In seiner Einvernahme als Auskunftsperson vom 20. März 2015 (Urk. HD 2)
bestätigte A._, er habe im Oktober 2013 bemerkt, dass mit der Kassenab-
rechnung etwas nicht stimme. Es hätten sich Bargelddifferenzen gehäuft, die auf
mögliche Diebstähle hinwiesen. Er habe eine E-Mail an seine Mitarbeiterinnen
geschrieben und sie davon in Kenntnis gesetzt (Urk. HD 2 S. 3). C._ habe
ihm Ende Juni 2014 einen Storno gezeigt, der am frühen Morgen vor der Ge-
schäftsöffnung gemacht worden sei (Urk. HD 2 S. 4). Er habe dann die Vorgänge
kontrolliert und habe die Storni gemäss der von ihm eingereichten Liste 4
(Urk. HD 1/15) gefunden (Urk. HD 2 S. 5). A._ gab ferner Erklärungen zu den
von ihm eingereichten Listen ab. Die Liste Nr. 1 (Urk. HD 1/10) zeige das Datum
und den Zeitpunkt der Vornahme von Lagerveränderungen auf. Daraus sei er-
sichtlich, dass Mutationen zu einer Zeit vorgenommen worden seien, als das Ge-
schäft geschlossen gewesen sei. Zu den orange eingefärbten Artikeln habe er
keine Bareingänge, weshalb er wisse, dass der Lagerbestand manipuliert worden
sei (Urk. HD 2 S. 7). Zur Liste 2 (Urk. HD 1/11) erklärte er, es handle sich um eine
Zusammenstellung der Artikelstammmanipulationen ausserhalb der Öffnungszei-
ten, zu welchen Zeiten die Beschuldigte im Geschäft gewesen sei (Urk. HD 2
S. 7). Die Liste 3 (Urk. HD 1/12) zeige die Bezüge zu Zeitpunkten vor Geschäfts-
öffnung auf, welche richtig durch Kreditverkäufe abgewickelt worden seien
(Urk. HD 2 S. 7).
Die im Anklagevorwurf aufgeführten Stornobuchungen (Anklagepositionen 26 bis
42) sind aufgrund der seitens der Privatklägerschaft eingereichten Quittungen
(HD 1/14) belegt. Sie sind auf der Liste 4 (Urk. HD 1/15) der Privatklägerschaft
korrekt aufgeführt.
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Die in den Anklagepositionen 1 bis 25 aufgeführten Produkte, die sich die Täter-
schaft in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht angeeignet haben soll und
bezüglich welcher die Täterschaft Manipulationen am Artikelstamm des Produkte-
lagers vorgenommen haben soll, beruhen auf den Listen, welche A._ erstellt
hat.
Die durch den Vertreter der Privatklägerin eingereichten Listen erwecken – wie im
Übrigen auch der Vertreter der Privatklägerin anlässlich der Berufungsverhand-
lung selbst – einen grundsätzlich vertrauenswürdigen Eindruck. Es ist nicht davon
auszugehen, dass der Vertreter der Privatklägerin die Listen nachträglich
manipulierte, um einen Vorwurf gegen die Beschuldigte zu konstruieren. Es ist
auch nicht ersichtlich, dass die Beschuldigte und der Vertreter der Privatklägerin
– abgesehen von den heute zu beurteilenden Vorfällen – im Rahmen des Lehr-
verhältnisses persönliche Differenzen gehabt hätten. Ein Interesse des Vertreters
der Privatklägerin, selbst ungerechtfertigte Barbezüge zu tätigen oder falsche
Stornobuchungen vorzunehmen, ist nicht erkennbar, zumal der Vertreter der
Privatklägerin hierdurch, als Inhaber der als Einzelfirma ausgestalteten Privat-
klägerin, wie er auch selbst zutreffend vorbrachte (vgl. Prot. II S. 13), keinerlei
finanzielle Vorteile gehabt hätte. Mit der Vorinstanz ist somit festzuhalten, dass
keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass A._ falsche Listen erstellt haben
könnte, um seine Mitarbeiterinnen zu Unrecht des Diebstahls zu belasten. Die von
ihm erstellten Listen sind nachvollziehbar. Betreffend die Stornierungen liegen
zudem entsprechende Kassenquittungen vor (Urk. HD 1/14).
Die Beschuldigte bestätigte, dass in der Apotheke recht viele Sachen wegge-
kommen seien und es immer Kassadifferenzen gegeben habe. Dass Sachen ge-
stohlen worden seien, sei oft erst viel später bemerkt worden. Zum Beispiel hätten
Kunden eine Packung geöffnet, den Artikel herausgenommen und die Packung
wieder hingestellt (Urk. HD 1/19). Die Beschuldigte bestätigte, dass die Parfüme-
rie-Abteilung die Kasse gemacht und bemerkt habe, dass Geld fehle. Das habe
sich im Team herumgesprochen und Herr A._ habe dann ein E-Mail an alle
geschrieben, falls jemand finanzielle Probleme habe, solle man sich bei ihm mel-
den und darüber sprechen (Urk. HD 1/19 S. 5). Es habe einen Storno am Morgen
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früh gegeben und jemand habe sich gefragt, wie das gehen könne; sie wisse je-
doch nicht mehr, wer dies entdeckt habe (Urk. HD 4 S. 8). Sie glaube, D._
habe diesen auffälligen Storno an der Kasse entdeckt und habe die Kolleginnen
der Pharma-Abteilung und später diejenigen der Parfümerie-Abteilung darauf
aufmerksam gemacht (Urk. HD 4 S. 9).
Die Aussagen der Beschuldigten stützen die Darstellung von A._, wonach
eine Stornobuchung am frühen Morgen aufgefallen ist und er die Mitarbeiterinnen
mit einem E-Mail davon in Kenntnis gesetzt hat, dass in der Kasse Geld fehle.
Diese übereinstimmenden Aussagen, die eingereichten Stornoquittungen sowie
die von A._ erstellten Listen betreffend Manipulationen am Artikelstamm er-
geben ein stimmiges Ganzes. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass
A._ zu Unrecht tatbestandsmässiges Handeln zur Anzeige gebracht haben
könnte und die von ihm eingereichten Listen konstruiert sein könnten. Insbeson-
dere erscheint die von der Beschuldigten in den Raum gestellte Vermutung, er
habe die entsprechenden Manipulationen selber vorgenommen, als reine Unter-
stellung. Es ist – wie bereits erwähnt – schlicht nicht einzusehen, was A._ für
ein Interesse daran haben könnte, durch eine falsche Anzeige basierend auf kon-
struierten Listen seine Mitarbeiterinnen einem Diebstahlsverdacht und der Gefahr
eines Einbezugs in eine Strafuntersuchung auszusetzen.
Es bestehen keine vernünftigen Zweifel, dass es zu den von A._ zur Anzeige
gebrachten und in der Anklage enthaltenen Stornobuchungen ohne Kundenrück-
gaben und Manipulationen am Artikelstamm des Produktelagers gekommen ist.
Der Sachverhalt ist somit bis auf die Frage der Täterschaft erstellt.
2.5. Sachverhaltserstellung betreffend Täterschaft
2.5.1. Indizienbeweis
Die Beschuldigte bestritt im Vorverfahren, in der Befragung vor Vorinstanz und
auch in der heutigen Berufungsverhandlung konstant, die Taten begangen zu ha-
ben. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, liegen bezüglich der
Täterschaft keine direkten Beweismittel vor. Weder kann sich die Anklage auf
Personalbeweise wie Zeugenaussagen stützen, noch auf Sachbeweise wie z.B.
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Aufnahmen von Überwachungskameras oder naturwissenschaftliche Spuren-
beweise. Bezüglich der Täterschaft muss sich die Beweisführung auf Indizien ab-
stützen. Nachfolgend ist auf die Umstände und Indizien einzugehen, welche für
die Ermittlung der Täterschaft von Bedeutung sein können.
2.5.2. Indizien im Einzelnen
a) Mögliche Täterschaft
Gemäss Aussage von A._ hatten alle 18 Angestellten in der ...-Apotheke
(Urk. HD 2 S. 3) Zugang zu den Kassen und konnten entweder mit einem Allge-
meinvisum ("AS") oder mit einem personenbezogenen Visum bestehend aus zwei
Buchstaben Zugriff auf die Kasse nehmen. Das persönliche Visum war nicht ge-
schützt und konnte auch von den anderen Mitarbeiterinnen benutzt werden
(Urk. HD 2 S. 2; vgl. auch Prot. II S. 10 f.). Er bestätigte ferner, dass jede Ange-
stellte auch Stornobuchungen machen konnte (Urk. HD 2 S. 3). Ausserdem hat-
ten alle Angestellten Zugang zum Lager (Urk. HD 2 S. 5) und kontrollierten Liefe-
rungen und Lagerbestände (Urk. HD 2 S. 6).
Für den Zutritt zu den Geschäftsräumen existierten ursprünglich 3 Schlüssel für
das Personal, einer davon ist verschwunden, die übrigen beiden Schlüssel
werden unter der Verantwortung der Mitarbeiterinnen so verteilt, dass diejenigen,
die am Morgen Frühdienst haben, den Laden betreten können (Urk. HD 2 S. 5).
Da jede Angestellte mit einem allgemeinen Visum oder einem persönlichen (eig-
nen oder fremden) Visum Zugriff auf die Kasse und Zutritt zum Lager hatte und
sich mit einem Mitarbeiterschlüssel auch ausserhalb der Geschäftsöffnungszeiten
Zutritt zum Geschäft verschaffen konnte, kommt grundsätzlich jede Mitarbeiterin
der ...-Apotheke als mögliche Täterin in Betracht. Die Täterschaft einer aussen-
stehenden Person ist aufgrund des Umstandes, dass der dritte Schlüssel ver-
schwunden ist, theoretisch möglich, kann jedoch ausgeschlossen werden, da die
Delikte jeweils um die Geschäftsöffnungszeiten herum begangen wurden, Mit-
arbeiterinnen im Geschäft waren und der modus operandi Kenntnisse des
Kassensystems und der Lagerbewirtschaftung voraussetzt.
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b) Hinweise auf eine Täterschaft der Beschuldigten
aa) Beschlagnahmte Gegenstände und Personalbezüge der Beschuldigten
Am 10. August 2014 wurde am Wohnort der Beschuldigten eine Haus-
durchsuchung durchgeführt (Urk. HD 5/3). Dabei wurden Produkte sichergestellt,
welche Gegenstand von manipulierten Lagerveränderungen bildeten (Lippenstifte
der Marke Misslyn, Lidschatten der gleichen Marke, ein Parfum "Roberto Cavalli",
ein Parfum "Jimmy Choo" und ein Augenbrauenstift "Shiseido").
Die Beschuldigte erklärte auf Vorhalt der beschlagnahmten Gegenstände, sie ha-
be diese bar einkassiert, dabei habe sie den Artikel eingelesen, das Visum einge-
geben, die Mitarbeiterprozente von 30 % eingegeben und dann das Geld in die
Kasse gelegt (Urk. HD 1/19 S. 13). Dieses Vorbringen der Beschuldigten lässt
sich aufgrund der Akten nicht widerlegen, zumal die von A._ eingereichte
Liste der Bezüge der Beschuldigten in der Zeit vom 13. August 2012 bis 28. Juni
2014 (Urk. HD 1/7) lediglich Kreditbezüge betrifft. Wenn ein beschlagnahmtes
Produkt nicht auf der Kreditliste erscheint, kann daraus nicht der Schluss gezogen
werden, es sei nicht bar bezahlt worden. Der Vertreter der Privatklägerin hielt in
diesem Zusammenhang im Rahmen der Berufungsverhandlung fest, dass ein
Diebstahl betreffend diese anlässlich der Hausdurchsuchung sichergestellten
Produkte als erwiesen gelten könne, da die von der Beschuldigten behaupteten
Barzahlungen nicht aus den Kassenjournalen der betreffenden Tage ersichtlich
würden, was aber zwingend der Fall sein müsste, wenn die Beschuldigte für die
Produkte Barzahlungen vorgenommen hätte (Urk. 47 S. 2). Diesbezüglich ist da-
rauf hinzuweisen, dass die Kassenjournale der betreffenden Tage nicht bei den
Akten liegen, womit die entsprechenden Ausführungen des Vertreters der Privat-
klägerin undokumentiert geblieben sind und nicht überprüft werden können. Ein
Vergleich der Produkte gemäss Liste der Kreditbezüge der Beschuldigten und der
bei ihr beschlagnahmten Produkte mit denjenigen, welche Gegenstand der La-
germanipulationen bildeten, ergibt jedoch diverse Übereinstimmungen, auch be-
züglich nicht alltäglicher Produkte. So geht aus der Liste der Kreditbezüge der
Beschuldigten (Urk. HD 1/7) hervor, dass sie am 8. Februar 2014 ein Verhü-
tungsmittel (Elyfem) bezogen hat, welches auch bei den Produkten betreffend La-
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germanipulationen zu finden ist (Anklagevorwurf Position 25). Beschlagnahmt
wurden Lippenstifte der Marke Misslyn und Parfums der Marke Jimmy Choo und
Roberto Cavalli, welche sich in den Anklagepositionen finden (Positionen, 4, 5,
10, 11 und 12).
Die Gewichtung dieser Übereinstimmungen als Indiz zulasten der Beschuldigten
muss jedoch gering ausfallen, da zu berücksichtigen ist, dass weitere 17 Mitarbei-
terinnen in der ...-Apotheke tätig waren und auch deren Personalbezüge mit den
gestohlenen Produkten verglichen werden müssten. Insbesondere ist darauf hin-
zuweisen, dass sich beim Deliktsgut verschiedene gestohlene Parfums befinden
(Anklageschrift Positionen 6-9), die keinen erkennbaren Bezug zu den von der
Beschuldigten verwendeten Produkten aufweisen.
Zu ergänzen ist an dieser Stelle, dass der Vertreter der Privatklägerin im Rahmen
der Berufungsverhandlung mehrfach auf ein bei der Beschuldigten beschlag-
nahmtes Parfum der Marke "Roberto Cavalli Exotica" Bezug nahm, an welchem
eine Nummer angebracht gewesen sei, wobei anhand dieser Nummer über die
Lieferantin E._ Inc. habe nachgewiesen werden können, dass das Parfum an
die ...-Apotheke geliefert worden sei (Prot. II S. 10 f.; Urk. 47 S. 2). Dabei ist
darauf hinzuweisen, dass es sich bei der durch den Vertreter der Privatklägerin
aufgefundenen Nummer auf der Flasche – wobei auch hier eine grundsätzlich
undokumentiert gebliebene Parteibehauptung vorliegt – um eine blosse Chargen-
nummer handelt. Die konkrete Einzelflasche Parfum kann mit einer solchen, eine
ganze Charge umfassenden Nummer nicht einzeln zurückverfolgt werden, was
auch der Vertreter der Privatklägerin einräumte (vgl. Prot. II S. 10 f.). Im Übrigen
liegen auch in diesem Zusammenhang keine Kassenjournale bei den Akten,
welche widerlegen könnten, dass die Beschuldigte das Parfum bar bezahlt hat.
bb) Arbeitszeiten der Beschuldigten
Den von A._ erstellten Listen sind die Zeiten der Vornahme der falschen
Stornobuchungen und Änderungen im Artikelstamm zu entnehmen. Er sagte aus,
er habe diese Zeiten mit den Arbeitszeiten aller Mitarbeitenden verglichen und sei
zum Schluss gekommen, dass die Beschuldigte die einzige Mitarbeitende sei,
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welche immer anwesend gewesen sei, alle andere Mitarbeiterinnen hätten min-
destens bezüglich eines oder mehrerer Vorfälle ein gutes Alibi, z.B. Schule, Feri-
en, späterer Arbeitsbeginn (Urk. HD 1/18 S. 5).
Die eingereichten Stundenpläne decken lediglich die Zeit vom 28. April 2014 bis
28. Juni 2014 ab (Urk. HD 1/9). Der Anklagevorwurf bezieht sich jedoch auch auf
diverse Vorfälle, welche vor dem 28. April 2014 liegen (Position 1 erste drei
Vorfälle, 2, 3, 5-7, 12, 18 erster Vorfall, 19, 23 und 25). Bezüglich der Vorfälle,
welche nicht durch Stundenpläne aller Mitarbeitenden abgedeckt sind, kann nicht
überprüft werden, ob die Beschuldigte die einzige Mitarbeitende war, welche zur
Tatzeit zur Arbeit eingeteilt war. Auf die Einholung der entsprechenden Arbeits-
pläne kann jedoch verzichtet werden, zumal es am Beweisergebnis nichts ändern
würde, wenn die Beschuldigte in jener Zeit immer zur Arbeit eingeteilt gewesen
wäre (vgl. die Ausführungen nachstehend unter 2.6.)
Betreffend die Zeit ab 28. April 2014 bis 28. Juni 2014 hat die Vorinstanz festge-
halten (Urk. 26 S. 13), dass die Beschuldigte gemäss den eingereichten Arbeits-
plänen am 26. Juni 2014 den ganzen Tag in der Schule war. Der Vertreter der
Privatklägerin führte anlässlich der Berufungsverhandlung nun aber aus, dass die
Feststellung der Vorinstanz, die Beschuldigte sei am 26. Juni 2014 in der Schule
gewesen, auf einen Irrtum des den Rapport erstellenden Polizeibeamten zurück-
zuführen sei. Aus seinen Listen sei ersichtlich, dass sich sein Vorwurf nicht auf
den 26. Juni 2014, sondern auf den 16. Juni 2014 bezogen habe. Betreffend den
26. Juni 2014 habe er nie einen Vorwurf erhoben (Urk. 47 S. 4). Dieser Einwand
erscheint nachvollziehbar und berechtigt, ist doch für den 26. Juni 2014 in der
Liste des Vertreters der Privatklägerin betreffend die Lagermanipulationen keine
Lagerveränderung eingetragen (vgl. Urk. HD 1/11). Dass es sich um einen Ver-
schrieb des Polizeibeamten handeln muss, wird auch daraus ersichtlich, dass der
von der Anklage erfasste Deliktszeitraum am 25. Juni 2014 endet (Urk. HD 13
S. 1) und dass auch die genannte Liste des Vertreters der Privatklägerin nur die
Zeit bis zum 24. Juni 2014 abdeckt (vgl. wiederum Urk. HD 1/11). Zudem hat der
Vertreter der Privatklägerin betreffend den 26. Juni 2016 tatsächlich nie Vorwürfe
gegen die Beschuldigte erhoben. Am 16. Juni 2014 ist demgegenüber eine Ver-
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änderung des Lagers ersichtlich (vgl. Urk. HD 1/10 und Urk. HD 1/11). Die Be-
schuldigte war am 16. Juni 2014 in der Apotheke anwesend, wobei auch in die-
sem Zusammenhang anzumerken ist, dass sie an diesem Datum nicht allein im
Geschäft war (Urk. HD 1/9) und dass das Kassenjournal des betreffenden Tages
nicht im Recht liegt, anhand welchem überprüft werden könnte, ob die Beschul-
digte das bezogene Produkt nicht doch bar bezahlt hat.
Die Beschuldigte hatte an den von den Arbeitsplänen erfassten Tagen, an wel-
chen die Diebstähle verübt wurden, in der Regel mit mindestens einer weiteren
Mitarbeiterin gleichzeitig Dienst. Einzig betreffend den 20. Juni 2014 kann auf-
grund der Akten als nachgewiesen erachtet werden, dass die Beschuldigte am
Morgen schon früh im Geschäft war, ohne dass eine weitere Mitarbeiterin zu-
gegen gewesen wäre. So ist der durch den Vertreter der Privatklägerin ins Recht
gereichten Arbeitszeitliste zu entnehmen, dass die Beschuldigte am Morgen des
20. Juni 2014 allein eingeteilt war. Der Eintrag des frühen Dienstes zur Reinigung
der Geschäftsräumlichkeiten erscheint auf der Liste des Vertreters der Privatklä-
gerin zwar am 19. Juni 2014 (vgl. Urk. HD 1/9), die Beschuldigte hat jedoch selbst
anerkannt, dass sich dieser Eintrag auf den Morgen des 20. Juni 2014 bezieht
(Prot. I S. 10). An jenem Morgen erfolgten zwei Bargeldbezüge um 7.33 Uhr und
um 7.35 Uhr (Urk. HD 1/15) sowie die Stornierung eines Lippenstiftes um 7.49
Uhr (Urk. HD 1/10 und Urk. 1/11). Die weiteren Mitarbeiterinnen mussten dabei
erst um 9 Uhr – zum Zeitpunkt der Öffnung der Apotheke – oder jedenfalls kurz
davor zugegen sein. Die Bargeldbezüge und die Stornierung des Lippenstiftes er-
folgten aber im Zeitraum von rund 1 - 1 1⁄2 Stunden vor der eigentlichen Ge-
schäftsöffnung. Es ist vor diesem Hintergrund nicht anzunehmen, dass andere
Mitarbeiterinnen bereits derart früh in der Apotheke waren. Deshalb wird klar,
dass sowohl die beiden Bargeld-Bezüge als auch die Stornierung des Lippen-
stiftes durch die Beschuldigte erfolgt sein müssen. Im Übrigen kann auch nicht
angenommen werden, dass die Beschuldigte den Lippenstift bar bezahlt hat, wür-
de es doch keinerlei Sinn ergeben, zunächst zwei Barbezüge aus der Kasse zu
tätigen und hernach den Lippenstift bar zu bezahlen. Auch ein entsprechender
Bezug des Lippenstiftes über die Monatsrechnung ist nachgewiesenermassen
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nicht erfolgt (vgl. Urk. 48). Die Beschuldigte B._ ist somit bezüglich der Posi-
tionen 11, 39 und 40 der Anklageschrift schuldig zu sprechen.
Betreffend die weiteren durch die Anklageschrift erfassten Vorwürfe ist jedoch
– wie bereits erwähnt – festzuhalten, dass die Beschuldigte an den von den
Arbeitsplänen erfassten Tagen, an welchen die Diebstähle verübt worden sind,
stets mit mindestens einer weiteren Mitarbeiterin gleichzeitig Dienst hatte. Die
Schlussfolgerungen von A._ basieren auf der Annahme, dass nur eine Per-
son alle Delikte begangen hat; es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden,
dass die Delikte von verschiedenen Personen verübt wurden.
Soweit der Vertreter der Privatklägerin anlässlich der heutigen Berufungs-
verhandlung vorbrachte, die Beschuldigte sei nicht nur am 20. Juni 2014, sondern
auch am 12. Juni 2014 frühmorgens allein in der Apotheke gewesen
(Urk. 47 S. 2), ist festzuhalten, dass der Beschuldigten betreffend den 12. Juni
2014 gar keine Delinquenz vorgeworfen wird (vgl. Urk. HD 13 S. 2 ff.). Hinsichtlich
aller weiteren Vorwürfe – abgesehen von denjenigen am 12. Juni und am 20. Juni
2014 – behauptet selbst der Vertreter der Privatklägerin nicht, dass die Beschul-
digte jeweils konkret allein im Geschäft war. Ein zeitlich relativ früh am Morgen
gelegener Bezug ist noch am 23. Juni 2014 um 7.36 Uhr gegeben (HD 13 S. 2
Pos. 1). Auch an jenem Morgen war die Beschuldigte allerdings nicht allein
(vgl. Urk. HD 1/9) in der Apotheke. Betreffend die weiteren Vorwürfe fällt auf, dass
die zur Anklage gebrachten Stornierungen und Bargeldbezüge oft relativ kurz vor
der Öffnung der Apotheke erfolgten oder dass die Privatklägerin an den betref-
fenden Daten jedenfalls nicht allein zur Arbeit eingeteilt war. Es kommen mithin in
allen anderen der Beschuldigten durch die Anklageschrift vorgeworfenen Fällen
auch andere Mitarbeiterinnen in Frage, welche im Zeitpunkt der Delinquenz eben-
falls bereits in den Geschäftsräumlichkeiten der Privatklägerin waren oder zumin-
dest sein konnten. Die Fälle vor dem 28. April 2014 fallen – wie bereits erwähnt –
schon deshalb ausser Betracht, da diesbezüglich keine Arbeitszeitlisten vorliegen
(vgl. Urk. HD 1/9).
Der Vertreter der Privatklägerin führte zudem aus, dass die Delikte in seiner
Apotheke ausgeblieben seien, nachdem der Lehrvertrag mit der Beschuldigten
- 16 -
aufgelöst worden sei (Urk. 47 S. 5). Auch aus diesem Umstand ist nicht zwingend
darauf zu schliessen, dass die Beschuldigte alle in der Anklageschrift enthaltenen
Bargeldbezüge und Stornierungen vorgenommen hat. Es ist auch denkbar, dass
allenfalls weitere Tatbeteiligte aufgrund der Auflösung des Arbeitsverhältnisses
mit der Beschuldigten erkannt haben, dass eine Delinquenz im Betrieb der Privat-
klägerin das hohe Risiko einer Vertragsauflösung und der Einleitung eines Straf-
verfahrens mit sich bringt.
Schliesslich hielt der Vertreter der Privatklägerin fest, dass er es in den gesamten
18 Jahren seiner Selbständigkeit nie erlebt habe, dass eine Angestellte derart
wenig Bezüge von Produkten in der Apotheke getätigt habe wie die Beschuldigte
(Prot. II S. 10). In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Be-
schuldigte ja auch geltend machte, einen Grossteil der Produkte gegen Barzah-
lung an der Kasse bezogen zu haben, welche Barzahlungen selbstredend nicht in
der Zusammenstellung des Vertreters der Privatklägerin betreffend Produktebe-
züge auf Monatsrechnung erscheinen. Solche Barzahlungen können – wie bereits
ausgeführt – ohne Einblick in die Kassenjournale der Privatklägerin nicht widerlegt
werden.
Abgesehen von den Positionen 11, 39 und 40 der Anklageschrift, in welchen ein
Schuldspruch zu erfolgen hat, ist die Beschuldigte folglich freizusprechen.
2.6. Fazit
Abgesehen von den am 20. Juni 2014 begangenen Delikten betreffend die Positi-
onen 11, 39 und 40 der Anklageschrift kommen alle Mitarbeiterinnen der
...-Apotheke als Täterinnen in Betracht. Alle hatten in der fraglichen Zeit Zugriff
auf die beiden Geschäftsschlüssel und damit auch ausserhalb der Öffnungszeiten
Zutritt zum Geschäft, konnten Stornobuchungen an der Kasse ausführen, hatten
Zutritt zum Lager und konnten Manipulationen am Artikelstamm vornehmen. Ein-
zig betreffend den 20. Juni 2014 kann aufgrund der Akten nachgewiesen werden,
dass sich die Beschuldigte frühmorgens allein in der Apotheke befand.
Zwar befinden sich unter dem Deliktsgut Produkte, die von der Beschuldigten
verwendet wurden, von ihr auf Rechnung mit Mitarbeiterrabatt gekauft wurden
- 17 -
und sich teilweise auch unter den bei der Hausdurchsuchung sichergestellten
Gegenständen finden, jedoch auch Produkte, insbesondere teure Parfums, wel-
che nicht mit den von der Beschuldigten verwendeten übereinstimmen. Da es sich
bei den weiteren Angestellten ebenfalls um Frauen handelte und auch Diebstähle
zwecks Weitergabe der gestohlenen Produkte an Angehörige oder Bekannte in
Betracht zu ziehen sind, lässt der Umstand, dass sich unter dem Deliktsgut auch
die von der Beschuldigten verwendete Antibabypille befand, keinen klaren
Schluss auf ihre Täterschaft zu. Des Weiteren ist an dieser Stelle erneut in Er-
innerung zu rufen, dass die Beschuldigte wiederholt geltend machte, einen Gross-
teil der Produkte bar an der Kasse bezahlt zu haben, wobei ein solches Vorgehen
nicht widerlegt werden kann, zumal sich die Kassenjournale der betreffenden Ta-
ge nicht bei den Akten befinden.
Den Arbeitsplänen für die Zeit von 28. April 2014 bis 28. Juni 2014 ist zu entneh-
men, dass die Beschuldigte mit Ausnahme eines Vorfalls zu allen Zeitpunkten, in
welchen die deliktischen Handlungen vorgenommen wurden, Dienst hatte, wobei
– abgesehen vom 20. Juni 2014 – immer mindestens eine weitere Mitarbeiterin
gleichzeitig mit ihr anwesend war und auch nicht ausgeschlossen werden kann,
dass eine Mitarbeiterin im Geschäft anwesend war, welche im Arbeitsplan nicht
eingetragen war. Letztere Feststellung gilt auch für die Zeit, betreffend welche
keine Arbeitspläne vorliegen, weshalb auf die Einholung zusätzlicher Arbeitspläne
verzichtet werden kann.
Die Beschuldigte ist damit einzig bezüglich der Positionen 11, 39 und 40 der
Anklageschrift schuldig zu sprechen. Betreffend die weiteren Positionen liegen
zwar gewichtige Indizien für eine Täterschaft der Beschuldigten vor, jedoch kann
diesbezüglich nicht ohne rechtserhebliche Zweifel und mit hinreichender Sicher-
heit auf ihre Täterschaft geschlossen werden. Dem Grundsatz in dubio pro reo
folgend ist die Beschuldigte daher im Übrigen freizusprechen.
3. Rechtliche Würdigung
Die rechtliche Würdigung der Jugendanwaltschaft erweist sich als zutreffend und
wurde – abgesehen von der bereits unter Ziff. 2.2 des vorliegenden Entscheides
- 18 -
behandelten Problematik – auch durch den Vertreter der Privatklägerin sowie die
Beschuldigte selbst nicht beanstandet.
Die durch die Anklagebehörde umschriebenen und durch das Beweisergebnis
erstellten Tatvorwürfe betreffend die Positionen 11, 39 und 40 der Anklageschrift
erfüllen sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht die Tatbestands-
merkmale des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB. Dabei ist aufgrund
des unterschiedlichen Tatvorgehens der Beschuldigten (Bargeldbezüge sowie
Stornierung), trotz des zeitlich engen Zusammenhangs der Delinquenz, von einer
mehrfachen Tatbegehung auszugehen.
Da im Übrigen weder Schuldausschluss- noch Rechtfertigungsgründe vorliegen,
ist die Beschuldigte betreffend die Positionen 11, 39 und 40 der Anklageschrift
des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig zu spre-
chen. Im Übrigen ist sie freizusprechen.
4. Strafzumessung
4.1 Bei der Strafzumessung für jugendliche Täter ist deren Lebens- und Famili-
enverhältnissen sowie der Entwicklung der Persönlichkeit besondere Beachtung
zu schenken (Art. 2 Abs. 2 JStG). Im Jugendstrafrecht spielen Sühne und
Vergeltung eine untergeordnete Rolle. Es steht der Gedanke der Erziehung und
Besserung im Vordergrund, weshalb bei der Wahl der Sanktion sowie deren Zu-
messung in erster Linie erzieherische Gesichtspunkte massgebend sind. Den-
noch kommt dem Verschulden auch im Bereich des Jugendstrafrechts Gewicht
zu, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der
Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichtigen sind (Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG
i.V.m. mit Art. 47 Abs. 1 StGB; Gürber/Hug/Schläfli, in: Basler Kommentar zum
StGB, Basel 2013, N 11 zu Art. 1 JStG). Das Verschulden wird nach der Schwere
der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerf-
lichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach
bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der
Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
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4.2 Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB wird im Erwachsenenstrafrecht
mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Im Jugendstrafrecht
kommen als Strafe grundsätzlich ein Verweis (Art. 22 JStG) oder eine persönliche
Leistung (Art. 23 JStG) infrage. Bei Beginn der Delinquenz hatte die Beschuldigte
das 15. Altersjahr bereits vollendet, weshalb vorliegend darüber hinaus die Vor-
aussetzungen zur Bestrafung mit einer Busse bis Fr. 2000.– (Art. 24 JStG) sowie
Freiheitsentzug von einem Tag bis zu einem Jahr (Art. 25 Abs. 1 JStG) erfüllt
sind.
4.3 Entsprechend dem vorinstanzlichen Antrag der Jugendanwaltschaft
Limmattal/Albis (Urk. HD 13 S. 6) erscheint die Sanktionierung der Beschuldigten
mit einer Busse als angemessen. In objektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der
Deliktsbetrag der Taten insgesamt Fr. 352.95 beträgt, womit der mehrfache Dieb-
stahl nicht mehr als geringfügig im Sinne von Art. 172ter Abs. 1 StGB erachtet
werden kann, wobei sich der Deliktsbetrag jedoch noch in der Nähe des geringfü-
gigen Bereichs befindet. Das Verschulden der Beschuldigten ist in Anbetracht der
objektiven Tatschwere als noch leicht zu erachten und wird durch die subjektive
Tatschwere nicht relativiert, zumal die Beschuldigte mit ihrem mehrfachen Dieb-
stahl zulasten ihrer Arbeitgeberin deren Vertrauen grob missbrauchte.
4.4 Zu den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten kann den Akten ent-
nommen werden, dass sie am tt.mm.1996 in F._ geboren ist. Sie hat zwei
Geschwister und wohnte bis vor Kurzem noch bei ihren Eltern in G._. Sowohl
zu ihren Eltern als auch zu ihren Geschwistern hat sie gemäss eigenen Angaben
ein gutes bzw. normales Verhältnis. In ihrer Freizeit ist sie oft mit Kollegen und ih-
ren beiden besten Freundinnen in G._ unterwegs. Die Beschuldigte war bei
der Privatklägerin in der Berufslehre, heute arbeitet sie mit einem Pensum von
100% in H._ in einer I._-Apotheke. Durch diese Tätigkeit erzielt sie ein
Einkommen von Fr. 3'800.– pro Monat, wobei sie zusätzlich einen 13. Monatslohn
erhält. Sie wohnt aktuell nicht mehr bei ihren Eltern, sondern in einer Wohnge-
meinschaft in J._/ZH und hat einen monatlichen Mietkostenanteil von
Fr. 880.– sowie Kosten für ihre Krankenkasse in Höhe von rund Fr. 250.– pro Mo-
nat zu tragen. Ihre Ersparnisse belaufen sich auf etwa Fr. 3'000.–. Über Schulden
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verfügt sie nicht (Urk. 46 S. 2; vgl. auch Urk. HD 1/20, Urk. HD 4 S. 11 und Prot. I
S. 5 ff.). Abgesehen von den finanziellen Verhältnissen zeitigen die persönlichen
Verhältnisse der Beschuldigten keinen wesentlichen Einfluss auf die Strafzumes-
sung, insbesondere wirken sich diese weder straferhöhend, noch strafmindernd
aus.
4.5 Auch im Übrigen sind sodann weder Straferhöhungs- noch Strafmin-
derungsgründe ersichtlich.
4.6 In Anbetracht des insgesamt noch leichten Verschuldens der Beschuldigten
und unter Berücksichtigung ihrer finanziellen Verhältnisse erweist sich eine Busse
in Höhe von Fr. 400.– als angemessen.
5. Vollzug
Gemäss Art. 35 Abs. 1 JStG schiebt die urteilende Behörde den Vollzug einer
Busse, einer persönlichen Leistung oder eines Freiheitsentzuges von höchstens
30 Monaten ganz oder teilweise auf, soweit eine unbedingte Strafe nicht notwen-
dig erscheint, um eine jugendliche Person von der Begehung weiterer Verbrechen
oder Vergehen abzuhalten.
Bei der Beschuldigten handelt es sich um eine Ersttäterin; sie weist keine Vor-
strafen auf (Urk. 27; vgl. auch Urk. 46 S. 3). Es ist insgesamt davon auszugehen,
dass sich die Beschuldigte durch das vorliegende Strafverfahren sowie durch eine
bedingte Ausfällung der Busse genügend beeindrucken lässt und dass sie sich in
Zukunft wohl verhalten wird.
Der Vollzug der Busse ist folglich bedingt aufzuschieben. Die Probezeit ist in
Anwendung von Art. 35 Abs. 2 JStG in Verbindung mit Art. 29 JStG auf 1 Jahr
festzusetzen.
6. Beschlagnahmte Gegenstände
Bezüglich der beschlagnahmten Gegenstände ist vollumfänglich auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 26
S. 17f.). Da die Beschuldigte im Zusammenhang mit den bei ihr beschlagnahmten
- 21 -
Gegenständen auch im Berufungsverfahren freizusprechen ist, sind ihr die an-
lässlich der Hausdurchsuchung sichergestellten Gegenstände herauszugeben.
Zwar wurde anlässlich der Hausdurchsuchung auch zwei Lippenstifte der Marke
Misslyn gefunden (Urk. HD 5/3). Dabei kann aber nicht mit Sicherheit festgestellt
werden, dass es sich bei einem der beiden Lippenstifte um denjenigen handelt,
welche die Beschuldigte am 20. Juni 2014 entwendet hat.
7. Zivilansprüche
7.1 Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat ent-
weder selbständig auf dem Wege des Zivilprozesses geltend machen oder
adhäsionsweise durch schriftliches oder mündliches Begehren an das für den
Entscheid über die Anklage zuständige Strafgericht (Art. 119 i.V.m. Art. 122
Abs. 1 StPO). Sie wird dadurch zur Privatklägerschaft bzw. Zivilklägerschaft
(Art. 119 Abs. 2 lit. b StPO). Grundsätzlich hat das Gericht über die anhängig ge-
machte Zivilklage zu entscheiden, wenn es die beschuldigte Person schuldig
spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Wird die Klage der Privatklägerschaft jedoch
weder hinreichend begründet oder beziffert, noch vom Beschuldigten anerkannt,
so ist die Zivilklage auf den Weg des ordentlichen Zivilprozesses zu verweisen
(Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO und Art. 124 Abs. 2 StPO).
7.2 Der Vertreter der Privatklägerin stellt ein Schadenersatzbegehren in Höhe
von Fr. 6'055.– (Urk. HD 8/1-2, Urk. 28 S. 1 und Urk. 47, sinngemäss). Der durch
die Beschuldigte im Zusammenhang mit dem heute auszufällenden Schuldspruch
betreffend die Positionen 11, 39 und 40 der Anklageschrift zum Nachteil der Pri-
vatklägerin verursachte Schaden beträgt Fr. 352.95 (Pos. 11, Fr. 13.60, Lippen-
stift der Marke Misslyn, M20.87; Pos. 39, Fr. 112.60, Bargeldbezug gemäss
Quittung Nr. 15; Pos. 40, Fr. 226.75, Bargeldbezug gemäss Quittung Nr. 16; vgl.
Urk. HD 13 S. 3 und S. 7). Der verursachte Schaden erscheint in diesem Umfang
rechtsgenügend nachgewiesen. Die Beschuldigte ist demgemäss zu verpflichten,
der Privatklägerin Schadenersatz in Höhe von Fr. 352.95 zu bezahlen. Im Mehr-
betrag ist das Schadenersatzbegehren abzuweisen.
- 22 -
7.3.1 Der Vertreter der Privatklägerin stellt darüber hinaus ein Genugtuungs-
begehren (Urk. HD 8/1-2, Urk. 28 S. 1 und Urk. 47, sinngemäss). Gemäss
Art. 49 OR hat Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, wer in
seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, sofern die Schwere der Verlet-
zung es rechtfertigt und diese nicht anders wiedergutgemacht worden ist. Neben
der Verletzung von Persönlichkeitsrechten müssen für die Zusprechung einer
Genugtuung die allgemeinen Voraussetzungen der Haftung (Widerrechtlichkeit,
Verschulden, Kausalzusammenhang) erfüllt sein. Zudem müssen besondere Um-
stände gegeben sein, welche die Zusprechung einer Genugtuung rechtfertigen.
Solche liegen nicht bereits bei jeder geringfügigen Beeinträchtigung des Wohl-
befindens vor. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass der erlittene körperliche oder
seelische Schmerz von einer gewissen Schwere sein muss (Schwenzer,
Schweizerisches Obligationenrecht, AT, 6. Auflage 2012, S. 113). Es muss eine
bedeutende Störung des psychischen Gleichgewichts vorliegen. War der (psychi-
sche oder seelische) Schmerz von kurzer Dauer, so muss er heftig gewesen sein;
war er nicht heftig, so muss er von längerer Dauer gewesen sein (BK OR-Brehm,
4. Auflage 2013, Art. 47 N 14a, 28 f).
7.3.2 Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Privatklägerin bzw. der Vertreter der
Privatklägerin durch den mehrfachen Diebstahl der Beschuldigten im Sinne von
Art. 49 OR in der umschriebenen notwendigen Schwere in den persönlichen Ver-
hältnissen verletzt worden sein könnte. Das Genugtuungsbegehren der Privat-
klägerin ist folglich abzuweisen.
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die beschuldigte Person trägt die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanz-
lichen Gerichtsverfahrens, wenn sie verurteilt wird. Wird das Verfahren eingestellt
oder die beschuldigte Person freigesprochen, können ihr die Verfahrenskosten
ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig oder schuldhaft die
Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat
(Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO). Im Dispositiv vom
28. April 2016 wurde irrtümlicherweise festgehalten, dass der Beschuldigten für
die Kosten des Vorverfahrens und der beiden Gerichtsverfahren Fr. 500.– aufer-
- 23 -
legt werden. Gemäss Art. 428 StPO tragen die Parteien die Kosten des Be-
rufungsverfahrens jedoch nach Obsiegen und Unterliegen. Die Beschuldigte hat
keine Berufung erhoben, weshalb ihr für das Berufungsverfahren in vorliegender
Konstellation auch keine Kosten auferlegt werden können. Ziff. 9 des am 28. April
2016 ausgefertigten Dispositivs ist insofern zu berichtigen und es ist in der berich-
tigten Ausfertigung festzuhalten, dass der Beschuldigten aufgrund des erfolgten
Teilschuldspruchs für die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen
Gerichtsverfahrens Fr. 500.– aufzuerlegen sind. Alle übrigen Kosten des Vorver-
fahrens und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens sind auf die Gerichtskasse
zu nehmen.
Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist auf Fr. 3'000.– festzulegen.
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien – wie bereits er-
wähnt – nach Massgabe ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1
StPO). Vorliegend hat einzig die Privatklägerin Berufung erhoben. Da sie – mit
Ausnahme des Teilschuldspruchs – weitgehend unterliegt, hat sie die Kosten des
Berufungsverfahrens im Umfang von vier Fünfteln zu tragen. Diese Kosten sind
mit der von der Privatklägerin geleisteten Prozesskaution zu verrechnen. Der
Mehrbetrag ist der Privatklägerin nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils heraus-
zugeben.