Decision ID: fb4118f6-d94c-53b3-a8f1-d4aa118951fb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 6. September 2019 richtete der Service Public Fédéral Finances (nach-
folgend: SPF) ein Amtshilfeersuchen an die Eidgenössische Steuerverwal-
tung (nachfolgend: ESTV oder Vorinstanz). Der SPF stütze sich dabei auf
Art. 5 des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft und der Europäischen Union über den automa-
tischen Informationsaustausch über Finanzkonten zur Förderung der Steu-
erehrlichkeit bei internationalen Sachverhalten (AIA-Abkommen; ehem.
Zinsbesteuerungsabkommen; SR 0.641.926.81).
Der SPF führte als vom Ersuchen betroffene Personen die A._ NV
(nachfolgend: betroffene Person 1), die B._ NV (nachfolgend: be-
troffene Person 2), die C._ NV (nachfolgend: betroffene Person 3)
auf. Das Amtshilfeersuchen betrifft gemäss Angaben des SPF den Zeit-
raum vom 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2018. Der SPF ersuchte um
die folgenden Informationen: «Prière de fournir, pour la période d’investi-
gation mentionnée, les comptes annuels complets (avec détails et an-
nexes) et les avis d’imposition correspondants se rapportant à la société
suisse susmentionnée».
Der SPF führte im Ersuchen aus, dass die Steuersituation der betroffenen
Personen 1-3 in Belgien für die Jahre 2017 und 2018 überprüft werde und
der SPF in diesem Zusammenhang Informationen der E._ AG
(nachfolgend: E AG oder beschwerdeberechtigte Person) benötige. Die
belgischen Gesellschaften würden mit der E AG in Verbindung stehen. Die
betroffenen Personen 1-3 und die E AG seien nämlich Teil derselben Un-
ternehmensgruppe. Die E AG sei innerhalb diese Gruppe für den zentrali-
sierten Einkauf zuständig (als sog. «procurement center») und erhalte
Kommissionen als Entschädigung für die erbrachten Dienstleistungen. Der
SPF benötige die Informationen, um die Nachvollziehbarkeit bzw. wirt-
schaftliche Begründetheit der von den betroffenen Personen 1-3 bezahlten
Kommissionen an die E AG überprüfen und in Anwendung des belgischen
Rechts eine korrekte Erhebung der Körperschaftssteuer vornehmen zu
können.
B.
Die ESTV erliess am 11. Oktober 2019 eine Editionsverfügung gegenüber
der E AG gestützt auf Art. 9 des Bundegesetzes vom 28. September 2012
über die internationale Amtshilfe in Steuersachen (StAhiG; SR 651.1) und
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ebenfalls am 11. Oktober 2019 eine Editionsverfügung gegenüber der
Steuerverwaltung des Kantons Zug gestützt auf Art. 11 StAhiG.
Die E AG hat die einverlangten Informationen der ESTV fristgerecht einge-
reicht und die betroffenen Personen 1-3 über das Amtshilfeverfahren infor-
miert. Die Steuerverwaltung des Kantons Zug hat die einverlangten Infor-
mationen der ESTV ebenfalls fristgerecht zukommen lassen.
C.
Die ESTV hat mit E-Mail vom 21. Februar 2020 den SPF um ergänzende
Informationen betreffend die voraussichtliche Erheblichkeit der ersuchten
Informationen ersucht, welche der SPF mit dem Schreiben vom 6. April
2020 übermittelte.
D.
Am 13. Mai 2020 hat die ESTV per E-Mail eine Rückfrage an den SPF
hinsichtlich einer Zusicherungen über die Einhaltung des Subsidiaritäts-
und des Gegenseitigkeitsprinzips gerichtet, welche der SPF mit E-Mail vom
3. Juni 2020 abgegeben hat.
E.
Am 8. September 2020 erliess die ESTV gegenüber den betroffenen Per-
sonen 1-3 und der E AG eine Schlussverfügung. Darin kam die ESTV zum
Schluss, dass das Amtshilfeersuchen die entsprechenden Anforderungen
erfülle und die verlangten Informationen zu übermitteln seien.
F.
Mit Beschwerde vom 9. Oktober 2020 beantragen die betroffenen Perso-
nen 1-3 und die beschwerdeberechtigte Person (nachfolgend zusammen
auch: Beschwerdeführerinnen) die Aufhebung der Schlussverfügung. Zu-
dem seien den Beschwerdeführerinnen im Rahmen dieses Verfahrens
keine Kosten aufzuerlegen und eine Parteientschädigung zuzusprechen.
G.
Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 7. Dezember 2020,
die Beschwerde sei kostenpflichtig abzuweisen.
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Seite 4
H.
Mit Eingabe vom 12. Februar 2021 reichten die Beschwerdeführerinnen
eine Stellungnahme ein.
Auf die Parteivorbringen und die eingereichten Akten wird nachfolgend in-
soweit eingegangen, als sie für das vorliegende Urteil entscheidwesentlich
sind.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen der
belgischen Steuerbehörde vom 6. September 2019 gestützt auf Art. 5 AIA-
Abkommen zugrunde. Das Verfahren richtet sich nach dem StAhiG
(vgl. Art. 24 StAhiG e contrario). Vorbehalten bleiben abweichende
Bestimmungen des im vorliegenden Fall anwendbaren AIA-Abkommen
(vgl. Art. 1 Abs. 2 StAhiG). Gemäss Art. 19 Abs. 5 StAhiG gelten die
Bestimmungen über die Bundesrechtspflege, soweit das StAhiG keine
abweichenden Bestimmungen enthält.
1.2 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG; SR 173.32) beurteilt dieses die Beschwer-
den gegen die Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021). Zu den
beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehören
Schlussverfügungen der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe
(vgl. Art. 32 VGG e contrario; Art. 19 Abs. 1 StAhiG). Die Zuständigkeit des
Bundesverwaltungsgerichts zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde
ist somit gegeben.
Die Beschwerdeführerinnen erfüllen als Adressaten der angefochtenen
Schlussverfügung bzw. als Personen, deren Daten übermittelt werden sol-
len, die Voraussetzungen der Beschwerdelegitimation (Art. 48 Abs. 1
VwVG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 StAhiG). Die Beschwerde wurde überdies form-
und fristgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 19 Abs. 5 StAhiG).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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Seite 5
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die beschwerdeführende Partei kann neben
der Verletzung von Bundesrecht und der unrichtigen oder unvollständigen
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts auch die Unangemes-
senheit rügen (Art. 49 Bst. a-c VwVG).
2.
2.1 Eine staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in
Steuersachen ist das ehemalige Zinsbesteuerungsabkommen, welches
am 1. Juli 2005 in Kraft getreten ist. Dieses Abkommen wurde mit Protokoll
vom 27. Mai 2015 per 1. Januar 2017 umbenannt in AIA-Abkommen und
teilweise inhaltlich geändert (Änderungsprotokoll vom 27. Mai 2015 zu dem
Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Eu-
ropäischen Gemeinschaft über Regelungen, die den in der Richtlinie
2003/48/EG des Rates im Bereich der Besteuerung von Zinserträgen fest-
gelegten Regelungen gleichwertig sind, AS 2016 5003 sowie ABl. der Eu-
ropäischen Union L 333 vom 19. Dezember 2015 S. 10 ff.; s. hierzu Urteil
des BVGer A-7299/2016 vom 28. Februar 2018 E. 4.2).
Gemäss Art. 5 Abs. 1 AIA-Abkommen tauschen die zuständige Behörde
der Schweiz und die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten (der Euro-
päischen Union) auf Ersuchen die Informationen aus, die zur Durchführung
des Abkommens oder zur Verwaltung oder Durchsetzung des innerstaatli-
chen Rechts über Steuern jeder Art und Bezeichnung, die für Rechnung
der Schweiz und der Mitgliedstaaten oder ihrer politischen Unterabteilun-
gen oder ihrer lokalen Körperschaften erhoben werden, voraussichtlich er-
heblich sind. Dies soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung
nicht einem geltenden Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der
Schweiz und dem betreffenden Mitgliedstaat widerspricht.
Mit Bezug auf die Verpflichtung zur Leistung von Amtshilfe auf Ersuchen
ist die Rechtsgrundlage von Art. 5 AIA-Abkommen mit der Amtshilfeklausel
in einem Doppelbesteuerungsabkommen grundsätzlich gleichwertig, denn
sie richten sich beide nach dem gleichen Standard, wie er insbesondere in
Art. 26 des Musterabkommens der Organisation für wirtschaftliche Zusam-
menarbeit und Entwicklung (nachfolgend: OECD-MA) zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung von Einkommen und Vermögen sowie dem dazugehö-
rigen Kommentar festgehalten ist (vgl. Botschaft zur Genehmigung und
Umsetzung eines Protokolls zur Änderung des Zinsbesteuerungsabkom-
mens zwischen der Schweiz und der EU, BBl 2015 9199, 9208 f.). Es recht-
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fertigt sich daher, die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den einschlä-
gigen Amtshilfeklauseln in den jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen
sinngemäss für die Amtshilfe auf Ersuchen basierend auf dem AIA-Abkom-
men heranzuziehen. Art. 5 AIA-Abkommen findet Anwendung auf den Aus-
tausch von Informationen bezüglich sämtlicher Steuerarten (vgl. BBl 2015
9199, 9219 f.).
2.2 Art. 5 Abs. 2 AIA-Abkommen enthält bestimmte Beschränkungen der
Pflicht zur Leistung von Amtshilfe. Der ersuchte Vertragsstaat ist gemäss
dieser Vorschrift nicht verpflichtet,
a) Verwaltungsmassnahmen durchzuführen, die von den Gesetzen und
der Verwaltungspraxis der Schweiz oder des Mitgliedstaats abweichen;
b) Informationen zu erteilen, die nach den Gesetzen oder im üblichen Ver-
waltungsverfahren der Schweiz oder des Mitgliedstaats nicht beschafft
werden können;
c) Informationen zu erteilen, die ein Handels-, Geschäfts-, Industrie-, Ge-
werbe- oder Berufsgeheimnis oder ein Geschäftsverfahren preisgeben
würden oder deren Erteilung der öffentlichen Ordnung (ordre public)
widerspräche.
Freilich statuiert die Art. 5 Abs. 2 AIA-Abkommen vorgehende Vorschrift
von Art. 5 Abs. 4 AIA-Abkommen ihrerseits Einschränkungen der in ersterer
Bestimmung vorgesehenen Beschränkungen der Amtshilfeverpflichtung
(vgl. Urteil des BVGer A-3791/2017 vom 5. Januar 2018 E. 4).
2.3
2.3.1 Das Verbot der Beweisausforschung ist Ausdruck des Verhältnis-
mässigkeitsgrundsatzes. Es sollen soweit als möglich relevante Informati-
onen ausgetauscht werden können, ohne dass ein Vertragsstaat «fishing
expeditions» eines anderen Staates unterstützen oder Informationen lie-
fern muss, deren Relevanz unwahrscheinlich ist (BGE 144 II 206 E. 4.2
sowie statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.1
mit Hinweisen).
2.3.2 Abs. 3 des Protokolls zum AIA-Abkommen hält dementsprechend
fest, dass der Zweck der Verweisung auf Informationen, die voraussichtlich
erheblich sind, darin besteht, einen möglichst weitgehenden Informations-
austausch in Steuerbelangen zu gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten
zu erlauben, «fishing expeditions» zu betreiben oder um Informationen zu
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Seite 7
ersuchen, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange einer be-
stimmten steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist. Abs. 2 des Proto-
kolls zum AIA-Abkommen sieht zwar wichtige verfahrenstechnische Vo-
raussetzungen für die Vermeidung von «fishing expeditions» vor; seine
Ziff. i-v sind jedoch nicht so auszulegen, dass sie einen wirksamen Infor-
mationsaustausch behindern.
2.3.3 Weiter besteht nach Abs. 2 des Protokolls zum AIA-Abkommen
Einvernehmen darüber, dass die Steuerbehörden des ersuchenden
Staates bei der Stellung eines Amtshilfebegehrens nach Art. 5 AIA-
Abkommen den Steuerbehörden des ersuchten Staates die
nachstehenden Angaben zu liefern haben:
i) die Identität der in eine Überprüfung oder Untersuchung
einbezogenen Person;
ii) den Zeitraum, für den die Informationen angefordert werden;
iii) eine Beschreibung der angeforderten Informationen sowie
Angaben hinsichtlich der Art und Form, in der der ersuchende Staat
diese Informationen vom ersuchten Staat zu erhalten wünscht;
iv) den Steuerzweck, für den die Informationen angefordert werden;
v) soweit bekannt, Name und Anschrift jeder Person, von der
angenommen wird, dass sie über die gewünschten Informationen
verfügt.
2.3.4 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine dort steuerpflichtige Person korrekt zu be-
steuern. Ob eine Information in diesem Sinne erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend beurteilen. Die Rolle des er-
suchten Staates beschränkt sich dabei darauf, zu überprüfen, ob die vom
ersuchenden Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im
Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie mög-
licherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (sog. Plausibilitätskontrolle; zum Ganzen statt vieler BGE 144 II 29
E. 4.2.2, 142 II 161 E. 2.1.1 je mit weiteren Hinweisen sowie Urteil des
BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen).
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Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der Begrün-
dung, die verlangten Informationen seien nicht notwendig, nur verweigern,
wenn ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der im
ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich er-
scheint (vgl. statt vieler BGE 143 II 185 E. 3.3.2, 141 II 436 E. 4.4.3 mit
weiteren Hinweisen und Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020
E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. zum Kriterium der voraussichtlichen
Erheblichkeit auch Art. 26 Abs. 1 OECD-MA). In letzterem Sinne ist auch
Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen, wonach Informationen, welche voraus-
sichtlich nicht erheblich sind, nicht übermittelt werden dürfen (statt vieler
Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hin-
weisen; vgl. auch Art. 4 Abs. 3 StAhiG). Keine Rolle spielt dagegen, wenn
sich nach der Beschaffung der Informationen herausstellt, dass diese nicht
relevant sind (BGE 143 II 185 E. 3.3.2 mit Hinweisen, zit. in Urteil des BGer
2C_615/2018 vom 26. März 2019 E. 3.2).
2.3.5 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist demnach
erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit
besteht, dass sich die angefragten Angaben als in diesem Sinn erheblich
erweisen werden. Die voraussichtliche Erheblichkeit von geforderten Un-
terlagen oder Auskünften muss sich dabei bereits aus dem Amtshilfege-
such ergeben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2 und Urteil des BVGer A-
5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.3, je mit Hinweisen). Soweit die Behör-
den des ersuchenden Staates verpflichtet sind, den massgeblichen Sach-
verhalt darzulegen, kann von ihnen indes nicht erwartet werden, dass sie
dies bereits lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn
und Zweck der Amtshilfe nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Infor-
mationen und Unterlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im
Dunkeln gebliebene Punkte erst noch geklärt werden. Daher ist gemäss
Rechtsprechung von der ersuchenden Behörde nicht der strikte Beweis
des Sachverhalts zu verlangen, doch muss sie hinreichende Verdachtsmo-
mente für dessen Vorliegen dartun (statt vieler Urteil des BVGer A-
5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.3 mit Hinweisen).
2.4
2.4.1 Ein wichtiges Element in der internationalen Behördenzusammenar-
beit bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmiss-
brauch oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit den in Art. 7
StAhiG genannten Konstellationen – prinzipiell kein Anlass besteht, an
Sachverhaltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln
(sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip; BGE 144 II 206 E. 4.4, 143 II 224
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Seite 9
E. 6.3, 142 II 218 E. 3.3, 142 II 161 E. 2.1.3 f.; Urteil des BGer 2C_646/2017
vom 9. April 2018 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen; Urteil des BVGer A-
3095/2018 vom 29. Mai 2019 E. 2.5). Auf diesem Vertrauen gründet letzt-
lich das ganze Amtshilfeverfahren. Dementsprechend ist die ESTV an die
Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als diese
nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort ent-
kräftet werden kann (BGE 142 II 218 E. 3.1, 139 II 451 E. 2.2.1; Urteile des
BVGer A-3773/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.6 und A-381/2018 vom 21.
November 2018 E. 4.2). Gleiches gilt für die vom ersuchenden Staat abge-
gebenen Erklärungen. Werden diese sofort entkräftet, kann der ersuchte
Staat ihnen nicht mehr vertrauen (vgl. Urteil des BVGer A-4228/2018 vom
26. August 2019 E. 8). Folglich ist die Wahrung des Grundsatzes erst bei
konkreten Anhaltspunkten auf eine zweckwidrige Verwendung im ersu-
chenden Staat zu überprüfen (vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2; Urteil des BGer
2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 E. 7.3; BVGE 2018 III/1 E. 2.9.1; Urteile
des BVGer A-769/2017 vom 23. April 2019 E. 2.4.1 sowie A-3716/2015
vom 16. Februar 2016 E. 3.5). Es liegt dabei an der betroffenen Person,
den Sachverhalt mittels Urkunden klarerweise und entscheidend zu wider-
legen (vgl. BGE 139 II 451 E. 2.3.3; Urteile des BVGer A-769/2017 vom
23. April 2019 E. 2.4.2 und A-381/2018 vom 21. November 2018 E. 4.2).
2.4.2 Das völkerrechtliche Vertrauensprinzip spielt ebenfalls eine Rolle in
Bezug auf das Spezialitätsprinzip. Gestützt auf das Vertrauensprinzip kann
grundsätzlich als selbstverständlich vorausgesetzt werden, dass der
Spezialitätsgrundsatz durch Staaten eingehalten wird, die mit der Schweiz
durch einen Amts- oder Rechtshilfevertrag verbunden sind (vgl. BGE 128
II 407 E. 3.2 und 4.3.1, 115 Ib 373 E. 8, 107 Ib 264 E. 4b). Folglich ist die
Wahrung des Grundsatzes erst bei konkreten Anhaltspunkten auf eine
zweckwidrige Verwendung im ersuchenden Staat zu überprüfen bzw. eine
entsprechende Zusicherung einzuholen (vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2; Urteil
des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 E. 7.3; BVGE 2018 III/1
E. 2.9.1).
Der Spezialitätsvorbehalt ist in Art. 6 Abs. 2 AIA-Abkommen festgehalten.
Die in den Unterlagen erwähnten Personen sind damit durch das
Spezialitätsprinzip geschützt, welches auch eine persönliche Dimension
aufweist (Urteile des BGer 2C_537/2019 vom 13. Juli 2020 E. 3.4.3 und
3.5, 2C_376/2019 vom 13. Juli 2020 E. 7.1.3).
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Seite 10
2.5
2.5.1 Nach dem in Abs. 1 des Protokolls zum AIA-Abkommen erwähnten
Subsidiaritätsprinzip (vgl. zur vergleichbaren Regelung in Art. 6 Abs. 2
Bst. g StAhiG statt vieler Urteil des BVGer A-2725/2019 vom 25. Februar
2020 E. 2.6.1 mit Hinweisen) besteht Einvernehmen darüber, dass der
ersuchende Vertragsstaat ein Begehren um Austausch von Informationen
erst dann stellt, wenn er zur Beschaffung der Informationen alle in seinem
innerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehenen üblichen Mittel
ausgeschöpft hat, sofern dies nicht mit unverhältnismässigen
Schwierigkeiten verbunden ist.
2.5.2 Aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips (E. 2.4.1) besteht
rechtsprechungsgemäss kein Anlass, an einer von der ersuchenden Be-
hörde abgegebenen Erklärung der Ausschöpfung aller üblichen innerstaat-
lichen Mittel zu zweifeln; es sei denn, es liege ein gegen die Einhaltung des
Subsidiaritätsprinzips sprechendes sowie ein ernsthafter Zweifel an der
Richtigkeit der Erklärung begründendes konkretes Element vor (vgl. BGE
144 II 206 E. 3.3.2; Urteile des BVGer A-3703/2019 vom 23. April 2020
E. 2.4.2 und E. 2.7.1, A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.6.2, A-
4025/2016 vom 2. Mai 2017 E. 3.2.4).
2.6 Nach Art. 5 Abs. 2 Bst. a AIA-Abkommen ist die Schweiz als ersuchter
Staat nicht verpflichtet, Informationen zu erteilen, die von den Gesetzen
oder der Verwaltungspraxis des ersuchenden Staates abweichen
(sog. Grundsatz der Reziprozität; vgl. auch Art. 6 Abs. 2 Bst. f StAhiG). Die
Erhältlichkeit von Informationen ist Teil dieses Reziprozitätsprinzips. Die
Reziprozität beschränkt sich nämlich nicht bloss auf den Fall eines
Amtshilfeersuchens in einem anderen Staat, sondern sie beinhaltet auch
die Erhältlichkeit der Informationen in einem innerstaatlichen Verfahren.
Der ersuchte Staat ist nicht verpflichtet, über sein innerstaatliches Recht
hinauszugehen, um dem ersuchenden Staat Informationen zu beschaffen
oder herauszugeben. Der ersuchte Staat ist also nur verpflichtet, dem
ersuchenden Staat diejenigen Kanäle zur Informationsbeschaffung zur
Verfügung zu stellen, die auch dem ersuchten Staat zur Durchführung
seines innerstaatlichen Rechts offenstehen (zum Ganzen Urteil des BVGer
A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.7).
In der Praxis ist es häufig schwierig zu ermitteln, ob der um Amtshilfe
ersuchende Staat nach seinem Recht die fraglichen Informationen
beschaffen könnte bzw. Amtshilfe leisten dürfte, weshalb das OECD-MA
vorsieht, dass der ersuchende Staat mit dem Amtshilfeersuchen eine
A-5034/2020
Seite 11
entsprechende Bestätigung abgeben muss. Liegt eine entsprechende
Bestätigung des ersuchenden Staates vor, darf der um Amtshilfe ersuchte
Staat aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips die Gewährung
von Amtshilfe wegen fehlender Reziprozität nur dann ablehnen, wenn er
Gründe dafür hat, dass die abgegebene Erklärung klarerweise
unzutreffend ist (zum Ganzen Urteil des BGer 2C_646/2017 vom 9. April
2018 E. 2.1 und E. 2.4).
3.
3.1 Vorwegzunehmen ist, dass das Ersuchen des SPF konkrete Fragen
beinhaltet, die sich auf eine identifizierte Person im Rahmen einer im
ersuchenden Staat laufenden Untersuchung beziehen (s. E. 2.3.1 f.).
Somit erfüllt das vorliegend zu beurteilende Amtshilfeersuchen des SPF
die formellen Voraussetzungen gemäss Abs. 2 des Protokolls zum AIA-
Abkommen. Das Ersuchen erweist sich damit als hinreichend konkret.
3.2 Die Beschwerdeführerinnen bringen im Wesentlichen vor, dass die
Jahresrechnungen 2017 und 2018 sowie die Steuerveranlagungen 2017
und 2018 der E AG nicht als voraussichtlich erheblich anzusehen und da-
her nicht auszutauschen seien.
Es ist grundsätzlich Sache des ersuchenden Staats zu bestimmen, welche
Informationen für die Besteuerung voraussichtlich erheblich sind
(s. E. 2.3.4 f.). Der SPF möchte mit dem Ersuchen insbesondere die Steu-
ersituation der betroffenen Personen 1-3 in Belgien überprüfen. Der SPF
benötige die Informationen über die E AG, um die Nachvollziehbarkeit bzw.
wirtschaftliche Begründetheit der von den betroffenen Personen 1-3 be-
zahlten Kommissionen an die E AG überprüfen («Afin de pouvoir juger du
caractère réel et réaliste des commissions prises en charge par les
sociétés belges, nous aurions besoin d’informations issues de la compta-
bilité de la société suisse»). Die vom SPF im Zusammenhang mit der Be-
steuerung der betroffenen Personen ersuchten Informationen betreffend
die Jahresrechnungen und Steuerveranlagungen der E AG erscheinen da-
mit vorliegend als geeignet (vgl. BGE 143 II 185 E. 4.4 sowie Urteil des
BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.3.1), auf die Körperschafts-
steuern und damit die Steuersituation der betroffenen Personen 1-3 in Bel-
gien einen Einfluss zu haben und damit erheblich zu sein («Impôt des
sociétés», «La demande a pour but d'obtenir des renseignements destinés
à faire une application correcte de la législation beIge relative aux impôts
mentionnés»). Der im Ersuchen sowie im Schreiben vom 6. April 2020 ge-
nannte Sachverhalt hängt überdies mit den verlangten Informationen sowie
A-5034/2020
Seite 12
den ersuchten Dokumenten rechtsgenügend zusammen. Die ersuchten In-
formationen sind demnach dazu geeignet, im ausländischen Verfahren ge-
gen die betroffenen Person 1-3 verwendet zu werden. Damit ist in casu –
in Übereinstimmung mit den Erwägungen in der Schlussverfügung der Vo-
rinstanz – die voraussichtliche Erheblichkeit grundsätzlich von sämtlichen
Informationen gegeben.
3.3 Entsprechend misslingt es den Beschwerdeführerinnen mit den unsub-
stantiierten Behauptungen (der «fehlenden voraussichtlichen Erheblich-
keit» der Informationen) aufzuzeigen, dass ein Zusammenhang zwischen
den verlangten Informationen und der in Belgien durchgeführten Untersu-
chung wenig wahrscheinlich erscheint. Ebenso vermögen die Beschwer-
deführerinnen mit ihren Argumenten nicht substantiiert die Erklärungen der
SPF sofort zu entkräften (s. E. 2.4.1). Entgegen der Ansicht der Beschwer-
deführerinnen vermögen die Transferpreisstudie und weitere Kennzahlen,
über welche die belgischen Steuerbehörden verfügten, die verlangten Jah-
resrechnungen der E AG, welche den Einkauf für die anderen Gruppenge-
sellschaften besorgt, nicht zu ersetzen. Die Jahresrechnungen der E AG
ermöglichen der SPF insbesondere die weiterfakturierten Preise (bzw. die
an die E AG bezahlten Kommissionen) aufgrund der «Cost-Plus-Methode»
zu überprüfen (vgl. dazu die Ausführungen der SPF in ihrem Schreiben
vom 6. April 2020). Dabei ist zu beachten, dass die Amtshilfe nach bundes-
rechtlicher Rechtsprechung auch dann zulässig ist, wenn die belgische Be-
hörde über einige oder alle erbetenen Informationen verfügt und die er-
suchten Informationen zur Überprüfung oder Validierung der bereits vor-
handenen Informationen verwenden werden (s. hierzu Urteil des BVGer A-
2667/2020 vom 12. Februar 2021 E. 7.4.1). Im Weiteren sind auch die
Steuerveranlagungen voraussichtlich erheblich. Einerseits hat eine amtli-
che Veranlagung einen erhöhten Beweiswert, andererseits lassen sich aus
der Steuerveranlagung eines Gruppenmitglieds Rückschlüsse auf kon-
zerninterne Verrechnungspreisstrategien ziehen. Es besteht aufgrund des
völkerrechtlichen Vertrauensprinzips deshalb kein Anlass (s. E. 2.4.1), an
der Richtigkeit der Ausführungen und Erklärungen der ersuchenden Be-
hörde mit Bezug auf die voraussichtliche Erheblichkeit der verlangten In-
formationen zu zweifeln.
3.4 Sodann besteht im vorliegenden Verfahren mit Blick auf das völker-
rechtliche Vertrauensprinzip (s. E. 2.4.1) auch kein Anlass, an der im Ersu-
chen enthaltenen Erklärungen («comme iI n’a pas été possible d’obtenir
ces informations via les sociétés belges, nous sollicitions l’assistance de
l’administration fiscale suisse afin de les obtenir») sowie der in der E-Mail
A-5034/2020
Seite 13
vom 3. Juni 2020 enthaltenen Bestätigung («L'administration fiscale beIge
a épuisé tous les moyens internes afin d’obtenir l’information requise») zu
zweifeln, dass alle in Belgien verfügbaren Mittel zur Informationsbeschaf-
fung genutzt wurden. Die Beschwerdeführerinnen haben nämlich keine
stichhaltigen konkreten Anhaltspunkte für eine fehlende Ausschöpfung al-
ler üblichen, in Belgien den Steuerbehörden zur Verfügung stehenden Mit-
tel der Informationsbeschaffung dargetan und vermögen keine ernsthaften
Zweifel an der Richtigkeit der erwähnten, im Ersuchen sowie in der E-Mail
abgegebenen Erklärung der SPF zu wecken (vgl. E. 2.5.1 f. sowie das Ur-
teil des BGer 2C_703/2019 vom 16. November 2020 E. 6.5). Von der Ver-
mutung, dass der ersuchende Staat seinen vertraglichen Verpflichtungen
nachkam und die üblichen, der Steuerbehörden zur Verfügung stehenden
Mittel – wie zugesichert – ausgeschöpft hat, ist vorliegend angesichts der
von den Beschwerdeführerinnen vorgebrachten Argumenten sowie Be-
hauptungen nicht abzuweichen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass
die Einforderung von Steuerveranlagungen und Jahresrechnungen der
schweizerischen E AG bei den Gruppengesellschaften in Belgien nicht
mehr als «übliche Mittel» der Beschaffung von Informationen betrachtet
werden kann. Dies muss insbesondere deshalb gelten, weil nicht klar ist,
ob nach belgischem Recht die SFP dazu überhaupt berechtigt war, was die
Beschwerdeführerinnen ja gerade bestreiten (vgl. Urteil des BVGer A-
2667/2020 vom 12. Februar 2021 E. 7.4.1). Überdies erschliesst sich dem
Bundesverwaltungsgericht nicht, inwiefern die Beschwerdeführerinnen
gleichzeitig vorbringen können, die belgische Steuerverwaltung könnte ei-
nerseits die Jahresrechnungen der E AG nicht einverlangen und anderer-
seits einwenden, das Subsidiaritätsprinzip sei verletzt.
Damit kann in den Vorbringen der Beschwerdeführerinnen kein rechtsge-
nügender Grund erblickt werden, wonach die im Zusammenhang mit dem
Ersuchen von der ESTV beabsichtigte Amtshilfe gestützt auf das Subsidi-
aritätsprinzip zu verweigern wäre.
3.5 Abschliessend bemängeln die Beschwerdeführerinnen eine «Verlet-
zung des Gegenseitigkeitsprinzips bzw. des Erhältlichkeitsprinzips». Amts-
hilfe sei nur insoweit zu leisten, als die eingeforderten Informationen auch
nach dem Recht des ersuchenden Staates hätten beschafft werden kön-
nen. Dem vorliegenden belgischen Amtshilfeersuchen mangle es an dieser
Voraussetzung.
Die von den Beschwerdeführerinnen angesprochene Erhältlichkeit der In-
formationen ist gerade Teil des Gegenseitigkeitsprinzips (Reziprozität;
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vgl. E. 2.6). Die in der E-Mail vom 3. Juni 2020 enthaltene Zusicherung des
SPF («La demande est conforme à la législation et aux pratiques administ-
ratives applicables en Belgique» und insbesondere «Si les renseignements
demandés se trouvaient en Belgique, l’Administration fiscale belge serait
en mesure de les obtenir suivant la législation interne et les procédures
administratives régulières applicables en Belgique») entspricht seinem In-
halt nach einer Erklärung, wonach die ersuchende Behörde die Informati-
onen, um die sie ersucht, in Anwendung ihres Rechts oder im ordentlichen
Rahmen ihrer Verwaltungspraxis erhalten könnte (vgl. E. 2.6). Die Gewäh-
rung von Amtshilfe darf aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips
nur dann abgelehnt werden, wenn Gründe dafür vorliegen, dass die abge-
gebene Erklärung klarerweise unzutreffend ist (vgl. E. 2.6). Die nicht weiter
belegten Behauptungen der Beschwerdeführerinnen reichen dafür nicht
aus und überzeugen auch nicht. Offenbleiben kann, ob die Ansicht der Be-
schwerdeführerinnen zutrifft, dass die belgische Steuerverwaltung die Jah-
resrechnungen der E AG bei den Beschwerdeführerinnen 1 bis 3 in Belgien
nicht einverlangen kann. Es erschliesst sich dem Bundesverwaltungsge-
richt jedoch nicht, inwiefern – bei einem Amtshilfegesuch der Schweiz, bei
dem die Informationen in Belgien sind – die belgische Steuerverwaltung
die Jahresrechnungen einer belgischen Unternehmung nicht direkt bei die-
ser einverlangen könnte. Insofern ist den Beschwerdeführerinnen auch in
diesem Punkt nicht zu folgen.
3.6 Andere Gründe, die im vorliegenden Fall gegen eine Gewährung von
Amtshilfe sprechen würden, sind weder geltend gemacht noch sonst er-
sichtlich.
4.
Ausgangsgemäss haben die unterliegenden Beschwerdeführerinnen die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf
CHF 5'000.– festzulegen (vgl. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kosten-
vorschuss ist zur Bezahlung dieser Kosten zu verwenden.
Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG
e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE).
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005
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über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur
dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen
um einen besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG
handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist,
entscheidet das Bundesgericht.
Das Dispositiv folgt auf der nächsten Seite.
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