Decision ID: f18d1080-48c0-4a67-814c-53986d0d4dcf
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1991, absolvierte vom 6. August 2012 bis 28. Juni 2013
Zivildienst
an der «
Y._
»
(
Urk.
12/2)
.
Im
Novem
ber
und
Dezember 2013 leistete er weitere Diensttage im Zivildienst
(
Urk.
12/7/21)
.
Mit E-Mail vom 16. April 2014 meldete sich der Versicherte aufgrund psychischer Probleme bei der
Suva, Abteilung
Militärversicherung
,
an
. Er sei während seinem Zivildiensteinsatz vom August 2012 bis Juni 2013 gemobbt worden
(Urk. 12/4).
Nachdem die
Militärversicherung
ein
psychiatrisches Gutachten vom 13
.
August
2015 bei
Dr.
med
.
Z._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eingeholt hatte (Urk. 12/67), anerkannte sie mit Schreiben vom 16. September 2015 ihre Leis
tungspflicht für die mittelgradige depressive Episode, welche jedoch aktuell in Remission sei (Urk. 12/71).
Mit Schreiben vom 12. Februar 2016 teilte der behandelnde
Dr.
med.
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, der
Militärversicherung
mit, es habe sich eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes des Versicherten
ergeben (Urk.
12/91
).
Nach Einholung medizinischer Berichte veranlasste die
Mili
tärversicherung
eine psychiatrische Aktenbeurteilung, welche am 5. Februar 2018 durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, MV-
Psychiater Suva Versicherungsmedizin, erstattet wurde (Urk. 12/123; Urk. 12/128
). Mit Schreiben vom 27. März 2018 teilte die
Militärversicherung
dem Versicherten mit, sie übernehme die Behandlungskosten im Zusammenhang mit seiner depres
siven Problematik (Urk. 12/131).
Am 11. Dezember 2018 erfolgte ein durch
Dr.
B._
verfasstes psychiatrisches Gutachten (Urk. 12/200).
Gestützt darauf lehnte die
Militärversicherung
die Haftung für die psychischen Beschwerden des Versicherten ab und stellte die Leistungen mit Verfügung vom 20. März 2020 ein (Urk. 12/233).
Nachdem der Versicherte dagegen Einsprache erhob
en hatte
(
vom 1
5.
April 2019,
Urk.
12/238
/2-9
; vom
6.
Mai 2019,
Urk. 12/236
/1-3
)
, holte die
Militärversicherung
eine weitere psychiatrische Expertise ein, welche am 2
6.
Mai 2020 durch
Dr.
med.
C._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH
, Pharmazeu
tische Medizin FMH,
verfasst
wurde (Urk. 12/279). Mit Entscheid vom 21. Juli 2020 wies die
Militärversicherung
die Einsprache ab (Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 11. September
2020 (Urk. 1) sowie ergänzend am
12. Oktober 2020 (Urk. 6) Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid
vom 21.
Juli 2020 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und die
Militärversicherung
sei zu verpflichten, ihm weiterhin die gesetzlichen Leistungen aus der Militär
versicherung auszurichten (Urk. 6 S. 2).
Die Militärversicherung schloss mit
Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2020 auf Abweisung der Beschwerde, so
weit darauf einzutreten sei (Urk. 11). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 22. Dezember 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
5
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG) er
streckt sich die Haftung der Militärversicherung auf jede Gesundheitsschädigung, die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie fest
gestellt wird. Die Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis erbringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (
Art.
5
Abs.
2
lit
. a MVG), und wenn sie zusätzlich den Beweis erbringt, dass diese Gesundheitsschädigung sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2
lit
. b MVG). Wird der nach Absatz 2 Buchstabe a geforderte Beweis erbracht, dagegen nicht derjenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die Mili
tärversicherung für die Verschlimmerung der Gesundheitsschädigung. Der nach Absatz 2 Buchstabe b geforderte Beweis gilt auch für die Bemessung des versi
cherten Schadens (Art. 5 Abs. 3 MVG).
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt, Zahnarzt oder
Chiropraktor
festgestellt und bei der Militärversicherung ange
meldet, oder werden Spätfolgen oder Rückfälle geltend gemacht, so haftet die Militärversicherung nur, wenn die Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht oder verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten Gesundheitsschädigung handelt (Art. 6 MVG).
1.2
Die Haftung gemäss Art.
5 MVG einerseits sowie Art.
6 MVG anderseits unter
scheidet sich darin, dass im ersten Fall der adäquate Kausalzusammenhang zwi
schen den Einwirkungen während des Dienstes und der Gesundheitsschädigung vermutet wird und nur durch den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausgeschlossen werden kann, während im zweiten Fall das Vorliegen adäquat kausaler Folgen von Einwirkungen während des Dienstes erstellt sein muss (BGE 111 V 372 E. 1b mit Hinweis). Der Sicherheitsbeweis gilt als geleistet, wenn feststeht, dass nach der medizinischen Erfahrung eine Einwirkung verschlimmernder Faktoren
während des Dienstes praktisch ausgeschlossen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_185/2019 vom 1
1.
Oktober 2019 E. 5.2).
1.3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dür
fen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese ab
stellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134
V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspra
cheentscheid
(Urk. 2) davon aus, gestützt auf das beweiskräftige Gutachten von
Dr.
C._
sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit kein Kausalzusammenhang
gemäss Art. 6 MVG
(vgl. S. 5 Ziff. 4a)
zwischen der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung und dem geleisteten Zivildienst gegeben (S. 6 f.).
Mit Beschwerdeantwort hielt die Beschwerdegegnerin daran fest, es würden keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des Gutachtens
von
Dr.
C._
vorliegen (S. 6 f. Ziff. 10). Seine Ausführungen würden sich so
dann
auch mit jenen von
Dr.
D._
decken. Dieser habe bereits im Juni be
zie
hungsweise Oktober 2014 festgestellt, der Beschwerdeführer zeige eine queru
lato
rische Seite mit narzisstischen Elementen und einem Hang zur Dramatisierung, zumindest auf verbaler Ebene. Seine Ausdrucksweise lasse auf eine Persönlich
keitsstörung schliessen (S. 7 Ziff. 11). Die Haftungsanerkennung habe zudem für zwei depressive Episoden gegolten, welche im Anerkennungszeitpunkt jeweils
bereits wieder remittiert gewesen seien. Vorliegend gehe es jedoch um die Persön
lichkeitsstörung mit narzisstischen und vermeidenden Anteilen, welche seit dem Jugendalter bestehe und den verschiedenen depressiven Episoden zugrunde liege (S. 7 Ziff. 12).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer in seiner ergänzenden Be
schwerde (Urk. 6) auf den Standpunkt,
die Beschwerdegegnerin habe ihre Haftung für den eingetretenen psychischen Gesundheitsschaden sowohl mit Schreiben vom 16. September 2015 als auch mit jenem vom 27. März 2018 anerkannt. Beim Beschwerdeführer sei es seit Behandlungsbeginn nie zu einer vollständigen Hei
lung der Gesundheitsschädigung gekommen, sondern die medikamentöse Be
hand
lung müsse bis aktuell fortgesetzt werden. Soweit - wider Erwarten - von einer Haftung gestützt auf Art. 6 MVG ausgegangen werden sollte, habe die Beschwerdegegnerin auch den Wegfall des die Haftung begründenden Kausal
zusammenhangs zwischen dem Gesundheitsschaden und der Einwirkung wäh
rend des Zivildienstes nicht bewiesen. Das Gutachten von
Dr.
C._
stelle eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts, insbesondere der Beurteilung durch die
E._
vom 10. Juli 2015 dar, gestützt auf welche die Beschwerdegegnerin die Haftung anerkannt habe. Die rechtskräftig anerkannte Haftung bestehe fort (S. 11 f.
Ziff.
16). Ein Zurückkommen auf die Haftungsanerkennung sei einzig unter den Voraussetzungen der Wiedererwägung möglich
. Wiedererwä
gungs
gründe seien weder von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht, noch sei die Voraussetzung der zweifellosen Unrichtigkeit der Haftungsanerkennung gegeben (S. 12 Ziff. 17).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Haftung für die psy
chischen Beschwerden des Beschwerdeführers
über den 3.
Januar 2019
hinaus
zu Recht abgelehnt hat.
3.
3.1
Am 5. Juni 2014 nahm
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psych
iatrie und Psycho
therapie, V
ersicherungsmedizin,
wie folgt
Stellung
zur
Frage nach der
Persönlich
keitsstruktur beziehungsweise einer Persönlichkeitsstörung des Beschwerde
füh
rers (Urk. 12/34): Aus der Email-Korrespondenz des Beschwerdeführers könne eine querulatorische Seite mit narzisstischen Elementen mit einer Form der Dra
ma
tisierung
erkannt werden. Jedoch könne basierend auf Emails keine Persön
lichkeitsdiagnose gestellt werden.
Zu einem späteren Zeitpunkt, mit Stellungnahme vom 26. Oktober 2014, hielt
Dr.
D._
fest, die Eingabe des Beschwerdeführers im Nachgang an die Mit
teilung vom Juli 2014 der Beschwerdegegnerin deute auf eine Persönlichkeits
störung hin. Die
eigentliche P
roblematik
bestehe in den Persönlichkeits
merk
malen des Beschwerdeführers (Urk. 12/58).
3.2
Am 13. August 2015 erstattete
Dr.
Z._
vom
E._
, eine psychiatrische Expertise (Urk. 12/
67
).
Er hielt gestützt auf die Akten sowie seine Untersuchung vom 10. Juli 2015 zusammenfassend fest, das be
schrie
bene Krankheitsbild des Beschwerdeführers in den Jahren 2013 und 2014 sei kompatibel mit der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10), die derzeit als in Remission betrachtet werden könne.
Diese Störung sei durch die Kritik und mangelnde Anerkennung durch seine Vorgesetzten während des Zivildienstes ausgelöst worden. Dies
sei
auch in Resonanz mit den Persönlichkeitsmerkmalen des Beschwerdeführers (Per
fektionismus, Bedürfnis, sich nützlich und anerkannt zu fühlen, vom akademi
schen und berufliche
n
Erfolg abhängiges Selbstwertgefühl, mangelnde Durch
setz
ungsfähigkeit)
zu sehen. Seit Sommer 2014 sei er vollständig arbeitsfähig. Er bedürfe keiner weiteren psychotherapeutischen Begleitung und das Antide
pres
sivum könne schrittweise abgesetzt werden (S. 10 f.).
3.3
Am 6. November 2015 nahm der Beschwerdeführer eine psychiatrisc
he Behand
lung bei
Dr.
A._
auf. Als Diagnose wurde
eine schwere depressive Episode
(ICD-10:
F32.2) und eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1; Bericht vom 12. Februar 2016, Urk. 12/91)
festgestellt
.
Die antidepressive Medi
ka
tion habe wieder erhöht werden müssen.
3.4
Mit Formularbericht vom 25. März 2017 gab
Dr.
A._
an, er könne aufgrund der
zu kurzen Beobachtungsdauer keine Diagnose stellen. Das Antidepressivum werde
durch
den
Hausarzt verschrieben (Urk. 12/108).
3.5
Der Beschwerdeführer wurde aufgrund einer durch seinen Hausarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,
diagnostizierten
rezidivie
renden depressiven Störung ans
Spital G._
überwiesen (vgl. Formularbericht vom
2
1.
November 2017,
Urk.
12/110).
Gemäss Bericht einer In
ter
nistin am
Spital G._
vom 20. Dezember 2017 (Urk. 12/122) leidet der Beschwer
de
führer seit der depressiven Episode aufgrund von Mobbing während de
s
Zivil
dienst
es
an häufigen Episoden mit Verschlechterung der Stimmung (S. 1 f.). Als Diagnose
wurde
eine rezidivierende depressive Störung, aktuell schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2) gestellt (S. 2 Ziff. 3). Unter antide
pressiver Medikation
zeige sich eine Verbesserung der Stimmung, der Konzen
tra
tionsstörung und des Schlafes
(
Ziff.
6). Im Sinne einer Krisenintervention werde die Behandlung bis Ende Januar 2018 weitergeführt (Ziff. 7).
3.6
Am
5. Februar 2018
erstattete
Dr.
B._
eine Aktenbeurteilung (
Urk.
12/123).
Er führte aus, d
er Beschwerdeführer befinde sich sei
t
November 2015 praktisch durchgängig in einer ambulanten psychiatrischen Th
erapie und habe seither bis im S
ommer 2017 dauerhaft ein Antidepressivum eingenommen. Nachdem er das Antidepressivum habe ausschleichen lassen, sei es bald (ab August 201
7) wieder zu einer schweren Exaz
erbation der
depressiven Symptomatik gekommen. Aus ver
sicherungspsychiatrischer Sicht sei aus diesen Gründen nach der
Zusprache
der Haftung durch die Militärversicherung nie eine komplette Remission respek
tive ein Zustand wie davor erreicht worden (
S. 8 oben). Die rezidivierende de
pressive Störung, aktuell schwere Episode, sei
als Spätfolge
auf
die depressive Störung im Zusammenhang mit dem
Zivildienst
vom 6. August 2012 bis 28. Juni 2013
zurückzufü
hren (
S. 8 unten).
3.7
Dr.
B._
erstattete am
11. Dezember 2018
sein versicherungspsychiatrisches Gutachten (Urk. 12/200; Übersetzung vgl. Urk. 12/205)
.
Zur Persönlichkeitsentwicklung habe der Beschwerdeführer keine Auffälligkeiten angegeben. Als er von
J._
in die Schweiz gezogen sei, sei es etwas schwierig gewesen. Es habe während der Schulzeit mehrmals Auseinandersetzungen (verbal und tätlich) mit Albanern gegeben. Dies habe ihn allerdings nie wirklich belastet. Zudem habe er, nachdem er in die Schulstufe A habe wechseln können, kaum mehr Kontakt mit Albanern gehabt. Gesamthaft sei er bis zum Zivildienst nie aussergewöhnlichen psychischen Belastungen ausgesetzt gewesen und er habe bis dahin nie unter besonderen psychischen Schwierigkeiten gelitten. Er sei auch nie in Behandlung gewesen (S. 13)
.
Dr.
B._
führte aus, d
a der Beschwerdeführer emotionale Aspekte und Zusam
menhänge schlecht wahrnehme, seien seine Schilderungen zu Herkunftsfamilie und Anamnese abstrakt und hölzern geblieben
(S. 19 Mitte)
.
Es liege eine schwere Persönlichkeitspathologie vor. Eine solche entwickle sich in aller Regel aus einer Kombination zwischen genetischen Faktoren und ungünstigen Einflüssen wäh
rend der Persönlichkeitsentwicklung. Über die Persönlichkeiten der Eltern sei hier praktisch nichts bekannt - die diesbezüglichen Angaben des Beschwerdeführers seien wenig aussagekräftig (S. 19 unten).
Insgesamt seien die Umstände während des ersten Zivildiensteinsatzes aus psy
chiatrischer Sicht nicht als stark belastend oder aussergewöhnlich zu beurteilen. Es sei nicht ungewöhnlich, dass in einer grossen Administration gewisse Anord
nungen für einen sensiblen, intelligenten Menschen keinen Sinn machen würden, und ebenso wenig, dass sich diese manchmal rasch ändern würden. Zudem sei es auch nicht aussergewöhnlich, dass ein Zivildienstleistender viele verschiedene, einfache Funktionen zu übernehmen habe. Ebenfalls komme es nicht selten vor, dass gewisse Vorgesetzte nicht kompetent seien. Bei den konkreten Punkten (Be
willigung von Ferien und eines Generalabonnements, Regelung betreffen Über
stunden) entstehe nicht der Eindruck, dass die Haltung der Verantwortlichen ge
genüber dem Beschwerdeführer grundsätzlich negativ gewesen sei
. Hinzu komme
, dass
d
er
Beschwerdeführer
doch vier Wochen Ferien bezogen habe, obwohl er diese kurzfristig eingegeben habe und die
se nicht bewilligt
worden seien. Den
noch habe das
keine Sanktionen nach sich gezogen. Wie er selbst anlässlich der Exploration berichtet habe, sei der Anstoss für die Überstunden nicht primär von seinen Vorgesetzten, sondern von ihm selbst ausgegangen (S. 21 Mitte).
Während
des Zivildiensteinsatzes sei es vor allem zu psychosomatischen Beschw
er
den (Magenbrennen, Inappetenz, Müdigkeit und Schlafstörung) gekommen.
Wah
r
scheinlich habe zusätzlich eine gewisse depressive Symptomatik bestanden. In diagnostischer Hinsicht handle es sich dabei überwiegend wahrscheinlich um eine Anpassungsstörung im Sinne einer längeren depressiven Reaktion (ICD-10: F43.21). In psychodynamischer Hinsicht habe dies einer narzisstischen Krise ent
sprochen. Die psychischen Beschwerden hätten stärker auf der Persönlichkeits
struktur des Beschwerdeführers als auf den Umständen anlässlich des Einsatzes beruht. Bis dahin habe er mit Bestleistungen als Master-Student brilliert und
sei
mehrmals ausgezeichnet worden. Nun sei er auf einmal Zivildienstleistender gewesen, welcher einfache Tätigkeiten habe ausüben und sich habe unterordnen müssen. Dabei habe er sich als Perfektionist schwer getan mit gewissen Unzu
länglichkeiten im administrativen Bereich
- welche aber wahrscheinlich in einem durchaus üblichen Rahmen gelegen hätten (S. 21 f.).
Der Beschwerdeführer bilde sich seine Urteile in einer stark abstrahierenden, rationalisierenden Weise. A
n ein
mal gefassten Vorstellungen halte er in einer aussergewöhnlich rigiden W
eise fest. D
ies betreffe auch die Überzeugung, dass seine psychischen Probleme auf einem Mobbing während dem Zivildiensteinsatz beruht hätten.
Die damaligen Einflüsse während dieses Einsatzes seien jedoch wahrscheinlich
weder schwerwiegend noch aussergewöhnlich gewesen. Trotzdem sei es dabei zu einer ersten narzisstischen Krise gekommen,
laut ICD-10 ent
sprechend einer Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik. Dies stelle eine
von der Intensität her leichte Störung dar - die Vollendung dieses Einsatzes wäre mit einer mittelgradigen oder schweren depressiven Symptomatik kaum möglich gewesen. Diese erstmalige narzisstische Krise sei für den Beschwerdeführer
ein
schneidend und erschütternd gewesen - obwohl er sich danach zeitweise wieder in einem psychisch kompensierten Zustand befunden habe und spätere Krisen (September 2013 mit Abbruch des Masterstudiums; Januar 2014 mit Abbruch des Praktikums als Bauleiter) deutlich schwerer gewesen seien. Von daher sei teilweise verständlich, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner narzisstischen
Grundhaltung und seiner ungenügenden Fähigkeit, emotional bedeutsame Aspekte
und Zusammenhänge in angemessener Weise zu erfassen, auf einer Verursachung seines psychischen Leidens durch diesen Zivildiensteinsatz beharre (S
. 23 unten).
Die häufigen Therapeutenwechsel seien auch
vor
dem Hintergrund der Tatsache zu sehen, dass es dem Beschwerdeführer schwerfalle, Vertrauen zu Therapeuten aufzubauen. Er wolle eine erneute depressive Episode unbedingt verhindern, wes
halb er sehr viel lese über psychiatrische Therapie, wobei er sein Wissen stark in die Behandlung einbringen wolle (S. 24 unten).
Aktuell ergebe sich aufgrund der neu gestellten und im Vordergrund stehenden Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung eine wesentlich andere Beur
teilung als noch am 4. Februar 2018, als er eine Aktenbeurteilung vorgenommen habe (S. 25 unten).
Dr.
B._
kam in seiner Beurteilung zum Schluss, im weiteren Verlauf
im An
schluss
an die Anpassungsstörung während des Zivildienstes sei es mehrmals zu psychischen Dekompensationen mit jeweils mittelgradiger bis schwerer depressi
ver Symptomatik gekommen. So unter anderem im September 2013 beim Antritt des Masterstudiums, im Januar 2014 während eines Praktikums als Bauleiter sowie im Juli 2017 während einer mehrmonatigen Auslandreise mit dem Bruder.
Auslöser dieser Dekompensationen seien wiederum neue äussere Umstände ge
wesen, auf welche der Beschwerdeführer aufgrund einer Persönlichkeitsstörung jeweils mit der Entwicklung von depressiven und psychosomatischen Symptomen reagiert habe. Während des Zivildienstes sei die Arbeitsfähigkeit nicht erheblich eingeschränkt gewesen. Auch nach den späteren depressiven Episoden habe der Beschwerdeführer wieder während längerer Phasen eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht. Er sei fähig gewesen, sein Masterstudium im Sommer 2017 ohne zeitliche Verzögerung abzuschliessen
(S. 28 oben).
Die genannten schweren psychischen Dekompensationen hätten ebenfalls darauf beruht, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung jeweils durch neue Umstände überfordert gewesen sei. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wäre es auch ohne
den zu beurteilenden Zivildiensteinsatz seit mehreren Jahren zu einem identi
sche
n
Langzeitverlauf gekommen, da dieser auf der dienstfremden Persön
lich
keits
stö
ru
ng beruhe
(S. 29 oben
).
Aktuell liege höchstens ein leichtgradiger depressiver Zustand vor (wenn über
haupt), welcher die Arbeitsfähigkeit nicht einschränke (S. 29 Mitte).
3.8
Dr.
med.
I._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt mit Schreiben vom 19. Februar 2019 fest, der Beschwerdeführer sei seit Mai 2018 bei ihm in Behandlung und leide an einer aktuell schweren depressiven Störung. Er leide jedoch an
keine
r
Persönlichkeits- oder Anpassungsstörung
(
Urk.
12/231
/7
)
.
3.9
Am 2
0.
April 2019 führte
Dr.
I._
aus, die von ihm gestellten Diagnosen hätten sich angepasst und die Behandlung sei angepasst worden. Der Beschwer
deführer habe wieder eine Arbeit gefunden.
Dr.
I._
wies darauf hin, dass sich der Beschwerdeführer bei der Begutachtung, welche die Beschwerdegegnerin in Auftrag gegeben habe, in einer
hypomanischen Phase im Rahmen einer De
kompensation seiner bipolaren Störung Typ II
befunden habe. Diese bipolare Störung sei während des Zivildienstes aufgetreten (Urk.
12/236
).
3.10
Seit dem 1
6.
August 2019 befindet sich der Beschwerdeführer gemäss Schreiben vom 22. April 2020 bei
Dr.
med. Forster
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie,
in Behandlung. Dieser diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4). Es erfolge eine psychopharmakologische Behandlung (Urk. 7/4).
3.11
Am 4. Mai 2020 wurde der Beschwerdeführer während über fünf Stunden durch
Dr.
C._
untersucht. In seinem Gutachten vom
26. Mai 2020
(Urk. 12/279) stellte er folgende Diagnosen (S.
26):
-
gemischte narzisstische und vermeidende Persönlichkeit (ICD-10 F61.0), seit der Adoleszenz
-
rezidivierende depressive Störung, derzeit in Remission (ICD-10 F33.4), seit Oktober 2013
Dr.
C._
führt
e
aus, die rezidivierende depressive Störung des Beschwer
defüh
rers sei Teil einer Persönlichkeitsstruktur, die durch eine Anfälligkeit für narzis
stische Verletzungen bei ihm gekennzeichnet sei, wenn er sich zurückgewiesen oder sogar verunglimpft fühle,
beispielsweise
wenn er während des Zivildienstes nicht dazu au
fgerufen wo
rd
en sei
, seine Kollegen ins Café zu begleiten. Da er übe
r
empfindlich auf Kritik reagiere, fühle
er sich durch negatives Feedb
ack angegriffen und geschwächt,
wie währ
end seines Zivildienstes
in Freiburg.
Er habe sich auch
beobachtet
gefühlt
, zum
Beispiel
wenn sein Vorgesetzter die Tür seines Büros offen
gelassen habe
.
Der Beschwerdeführer habe
einen ständigen
Druck in diesen Situationen
beschrieben
. Dennoch
sei er
nicht bereit, sich nahe
stehenden Personen wie seiner Mutter anzuvertrauen, obwohl sie eine enge Bezie
hung zueinander
hätten
und er
seine Familie regelmäss
ig besuche.
Das Verhalten
des Beschwerdeführers lasse
darauf schliess
en, dass er ein bestimmtes Ersc
hei
nungsbild aufrechterhalten mü
ss
e
, insbesondere das Bild des Schülers, der d
ie Prüfungen mit Bravour bestehe. Konfrontiert mit Situationen,
die mit diesem Image und dieser Identität unvereinbar
seien
, wie Kritik und Feedbac
k, wälze er seinen Teil der
Verantwortung für dies
e Erfahrungen auf andere ab
und
begebe
sich in die Rolle eines Opfers von Ungerechtigkeit
(er nehme dies als Mobbing
oder Eifersucht
wahr). In diesem Rahmen versuche der Beschwerdeführer
, die Be
ziehungen zu anderen zu kontrollieren und die Art u
nd Weise, wie er wahrge
nommen we
rd
e
. Dies zeige
sich in seiner Tendenz, das Gespräch mit dem
Gut
achter
durch abschweifende Reden zu dominieren.
Die Erkenntnisse von
Dr.
D._
und
Dr.
B._
, welche bereits eine narzis
stische Problematik festgestellt hätten, würden mit den Beobachtungen der vor
lie
genden Untersuchung
übereinstimmen. In der Tat zeige der Beschwerdeführer Besonderheiten
von unreifen Abwehrmechanismen wie Verleugnung, Spaltung, Projektion und Idealisierung, wenn er beispielsweise von seiner eigenen Persön
lichkei
t spreche oder seine Mutter als «ideale Frau» beschreibe
(S. 35)
.
Im Alter von 12 Jahren
sei der Beschwerdeführer
mit seiner Mutter und seinem Bruder zu seinem Vater
gezogen
und ha
be
in der ersten Zeit Integrations
schwierigkeiten während des ersten und zweiten Schuljahr
e
s
gehabt
. In
diesem Zusammenhang habe er
Erfahrungen mit sozialer Ablehnung und Konflikten, einschlie
ss
lich gewalttätiger Konflikte, mit Sc
hülern albanischer Herkunft erlebt.
Da er gezwungen
gewesen sei
, in den Aufnahmeklassen zuerst Französisch zu lernen,
habe
er seinen Status als sehr guter Schüler
verloren,
bevor er
nach eigenen Worten wieder aufs S
chulniveau zurückkehrte, das er in
J._
gewohnt
gewesen sei
.
Diese Erfahrungen von Verlust und Verletzung und sein Drang zur narzisstischen Rekonstruktion hätten die Identifikation des Beschwerdeführers mit einer ide
alisierten Welt verstärkt
.
Der Wechsel an die EPFL im September 2013, nach dem erfolgreichen Abschluss der Ingenieurschule mit ausgezeichneten Noten,
habe
eine grosse Veränderung und Herausforderung dar
gestellt
und das Risiko
geborgen
, dass sein idealisiertes Bild im Falle eines Misserfolgs zusammenbr
e
ch
e. Dies habe
zu einer ersten schweren depressiven Episode
ge
führt.
Dieses Muster habe sich mit dem Beginn seines Masterstudiums im Herbst 2015
,
das er nach eigenen Worten als an
spruchsvoller und anstrengender erlebt habe,
wiederholt.
Nach
dem Ende seiner
akademischen Laufbahn
habe
er schliess
lich
im Herbst 2017
eine mittelschwere bis schwere depressive Episode
mit
Behandlung über mehrere Monate
erlebt
.
Nach Meinung des Beschwerdeführers sei
Lausanne mit schmerzhaften Erinne
run
gen an Versage
n und Ungerechtigkeit verbunden. Dass er dann eine
Inge
ni
eur
stelle in B
asel angenommen habe
, zeug
e
auch von seiner Unfähigkeit, Er
fah
rungen zu integriere
n
, die seiner Identifikation mit einem idealisierten Selbst
bild zuwiderlaufen.
Der Beschwerdeführer sei
auf die Erklärung seiner depressi
ven Episoden durch seine Erfahrungen während des Zivildienstes in Freiburg fest
ge
legt
.
In der Tat
stünden
die objektiven Elemente der Anamnese im Gegensatz zu diesem Erklärungsmodell des Beschwerdeführers, der unter depressiven Episoden leide, die in engem zeitliche
m
Zusammenhang mit wichtigen Etappen seines Lebenslaufs aufgetreten seien und zu grossen existenziellen Ängsten geführt hätten, insbesondere zu Versagensängsten (S. 36 oben).
Der frühere Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers sei
also nicht offen
sicht
lich
durch d
en Zivildienst in Fribourg
beeinflusst worden
. Die Funktionsweise der Persönlichkeit
des Beschwerdeführers
erklär
e jedoch
seine Fixierung auf die Hypothese eines Einflusses seiner Erfahrungen während des Zivildienstes auf seine
n psychischen Gesundheitszustand (S. 36 Ziff. 3).
3.12
Nachdem es
infolge Stellenwechsel von Basel nach Zürich
zu einem weiteren Therapeutenwechsel
gekommen war
, berichtete
Dr.
med.
K._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, mit Bericht vom
10.
September 2020
über die seit 13. Mai 2020 stattfindende Behandlung. Anlass dazu gebe eine unter Psychopharmakotherapie remittierte rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.4). Die Kriterien für die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung
seien ihrer Ansicht nach nicht gegeben. Bis auf die Zeit während des Zivildienstes seien kei
nerlei unpassende und tiefgreifende auffällige Verhaltensmuster in persönlichen und sozialen Situationen bekannt, welche andauernd, gleichförmig und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt seien (Urk. 7/7).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht
sowohl für die am 16. April 2014 gemeldete remittierte mittelgradige depressive Episode
(
Schreiben vom 16. S
eptember 2015
,
Urk. 12/71) als auch
für die
im Februar 2016 gemeldete Episode einer rezidivierenden depressiven Störung anerkannt hat (vgl. Schreiben vom 27. März 2018, Urk. 12/131)
. Für die damals
eingetretenen Krank
heitsmanifestationen erbrachte die Beschwerdegegne
rin die gesetzlichen Leistun
gen
. Strittig und zu prüfen ist, ob sie eine Haftung über den 3.
Januar 2019
hinaus zu Recht verneint hat.
4.2
Die frühere
Leistungserbringung für
die
depressive
n
Episoden
ist
aufgrund
der
Haftungsanerkennung und den
echtzeitlichen
ärztlichen Berichten nicht zu bean
standen und
wird auch
von der Beschwerdegegnerin nicht
bemängelt
. Allerdings ergaben die weiteren Abklärungen, dass eine Persönlichkeitsstörung
im Vorder
grund steht
, welche sich zwar zeitlich nach dem Zivildienst
vermehrt
zu zeigen begann, aber nicht auf eine dienstliche Verursachung zurückzuführen ist.
Wie
Dr.
B._
und
Dr.
C._
ausführlich aufzeigten und darlegten,
bestand
diese
bereits zuvor
. Äussere Umstände (wie beispielsweise wohl erstmals der Zivil
diensteinsatz) führten zu einer Dekompensation und einer depressiven Episode im
Rahmen der Persönlichkeitsstörung.
Letztere
hat gemäss ICD-10 ihren
Ursprung
in der Kindheit/Jugend
und manifestiert sich dann endgültig im Erwachsenenalter (
vgl. dazu
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10., übera
r
beitete Auflage, Bern 2015, S.
2
76)
.
Dr.
B._
und
Dr.
C._
wiesen in diesem
Zusammenhang auf die Migration des Beschwerdeführers hin, welcher als Zwölf
jähriger in die Schweiz kam und
damit verbunden Erfahrungen von Verlust und Verletzung machte
. Dies hat - so die Einordnung durch
Dr.
C._
-
zusammen mit
seine
m
Drang zur narzisstischen Rekonstruktion die Identifikation des Be
schwerdeführers mit einer idealisierten Welt verstärkt.
Bemerkenswerterweise wies der beratende Arzt
Dr.
D._
bereits früh im Verwaltungsverfahren
auf die Möglichkeit einer vorliegenden Persönlichkeitsstörung hin. Seiner Einschät
zung vom Oktober 2014 ist zu entnehmen, dass er die eigentliche Problematik des Beschwerdeführers in seinen Persönlichkeitsmerkmalen
sah
(vgl. E. 3.1).
Auch
Dr.
Z._
, der mit Gutachten vom August 2015 eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom, derzeit in Remission, diagnostizierte, wies
darauf hin, diese Diagnose sei in Resonanz mit den Persönlichkeitsmerkmalen des Beschwerdeführers zu sehen (vgl. E. 3.2). Dass eine depressive Störung, welche über den Januar 2019
hinaus
anhalten würde, aufgrund von Kritik und man
geln
der Anerkennung (vgl. E. 3.2 und 3.11), geleisteten Überstunden und
allenfalls
nicht kompete
nten Vorgesetzten (vgl. E. 3.7), mithin einer Überforderungs
situa
tion
während des Zivildien
steinsatzes
,
ausgelöst wird, ist,
wie die fachärztlichen Einschätzungen zeigen, nicht überwiegend wahrscheinlich. Die psychische Gesundheitsbeeinträchtigung ist nicht mehr auf die dama
ls erlittene depressive Episode
, sondern vielmehr
auf die diagnostizierte
Persönlichkeitsstörung
zu
rück
zuführen
.
Hierfür besteht keine Haftung der Beschwerdegegnerin.
4.3
Zur vom Beschwerdeführer thematisierten Notwendigkeit eines Wiedererwä
gungs
grundes im Hinblick auf die Leistungsableh
n
ung nach zwei
Haftungsaner
ken
nung
en ist vorwegzuschicken, dass sich das Erkenntnis der Beschwerdegegnerin einzig auf die entsprechenden Leistungen bezog. Begründungselemente können nicht wiedererwogen werden, sondern einzig die Leistungszusprachen (oder
–
ver
weigerungen
). Dass nach
Leistungszusprache
der Wegfall der Kausalität von der Beschwerdegegnerin dargelegt werden muss, ist unstrittig. Dies ist ihr mit der schlüssigen gutachterlichen Einschätzung denn auch gelungen
(E. 4.5)
. Anzu
fügen bleibt, dass vorliegend nur vorübergehende
und keine Dauerl
eistungen ausgerich
tet wurden. Damit ist auch eine allfällig denkbare Revisionsthematik nicht zu diskutieren.
Zur Genese der gesundheitlichen Einschränkung ist sodann zu bemerken, dass es bei der
Leistungszusprache
und
im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per
3.
Januar 2019
nicht
um d
enselben Gesundheitsschaden
einer
depressiven Epi
sode
ging.
Dies
ergibt sich
insbesondere
aufgrund der
Gutachten von
Dr.
B._
und
Dr.
C._
.
Die depressiven Episoden respektive Anpassungsstörung im Zusammenhang mit dem Zivildiensteinsatz waren jeweils beide remittiert im Zeitpunkt der Anerken
nung.
Es kam zu vielen Therapeutenwechseln, was keinen langen Beobachtungs
zeitraum für die einzelnen Behandler zuliess. Dies im Gegensatz zu den beiden versicherungsmedizinischen Begutachtungen, welche dank der Vorlage der gesamten medizinischen Akten wie auch der Korrespondenz zwischen dem Be
schwerdeführer und der Beschwerdegegnerin einen Überblick über die gesamte fachpsychiatrische Behandlungszeit
hatten
.
Dr.
B._
zeigte ausführlich und nachvollziehbar auf, dass
eine Persönlichkeitsstörung vorliegt, welche
nicht im
Zivildiensteinsatz
ihren Auslöser hat.
Zwischen der Anpassungsstörung während de
s
Zivildienst
es
und den späteren depressiven Episoden bestand
auch
gemäss
Dr.
B._
kein direkter kausaler Zusammenhang
. Der Beschwerdeführer sehe einen derartigen Zusammenhang zwar, weil die psychischen Beschwerden wäh
rend des Zivildienstes Ausdruck einer wahrscheinlich erstmaligen narzisstisch-depressiven Krise dargestellt hätten. Auslöser für die mehrmaligen psychischen Dekompensationen
waren
aber
nach
übereinstimmender Ansicht von
Dr.
B._
wie auch
Dr.
C._
jeweils
neue äussere Umstände (vgl. E. 3.
7
und
Urk.
12/200 S. 28
sowie E. 3.11
).
D
ie Haftungsvoraussetzungen
- weder jene von Art. 5 MVG noch jene von Art. 6 MVG -
hinsichtlich der Persönlichkeitsstörung
sind somit nicht erfüllt. Weder gestützt auf die Berichte des früher behandelnden
Dr.
I._
(vgl. E. 3.8 f.)
noch
auf
den Bericht
der im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen
Einspracheentscheides
aktuell behandelnden
Dr.
K._
(vgl.
E. 3.12)
wird die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nachvollziehbar
widerlegt. Entgegen der Ansicht von
Dr.
K._
zeigten die Gutachter auf
fällige und anhaltende Verhaltensmuster des Beschwerdeführers auf
(vgl. E. 3.7 und 3.11)
. Gerade ihr Argument, es handle sich bei der Diagnose einer Persön
lichkeitsstörung um eine Längsschnittdiagnose (vgl. Urk. 7/7), vermag der
Dia
gno
seherleitung
durch die beiden Gutachter nichts entgegenzuhalten, zumal die Gutachter
umfassende
Kenntnis der
Vorakten
hatten. Dahingegen bleibt unklar, auf welche Anamnese oder
Vorakten
sich
Dr.
K._
stützt, zumal die Behandlung durch sie erst im Mai 2020 begann.
4.4
D
as
Gutachten von
Dr.
B._
wie auch
dasjenige
von
Dr.
C._
sind
für die Beantwortung der Fragen umfassend und erfüllen die
praxisgemässen
K
riterien (vgl. vorstehend E. 1.3
) vollumfänglich.
Beide
beruhen
auf für die strittigen Be
lange umfassenden Untersuchungen und berücksichtigen die vom Beschwerde
führer geklagten Beschwerden in angemessener Weise. Sie wurden in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet und tragen der kon
kre
ten medizinischen Situation Rechnung, leuchten in der Darlegung der me
di
zinischen Zusammenhänge ein und begründen die vorgenommenen Schlussfol
gerungen zum Gesundheitszustand ausführlich. Daher kann - entsprechend der Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin - für die
Entscheidfindung
darauf
abge
stellt werden.
4.5
Folglich stehen die früheren Haftungsanerkennungen dem angefochtenen
Ein
spracheentscheid
respektive einer Leistungseinstellung per
3.
Januar 2019 nicht entgegen.
Der
Einspracheentscheid
erweist sich daher als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.