Decision ID: b8c400a1-c162-4ebe-8fe0-b47452080bf4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980,
war bereits im Alter von
12
Jahren
mehrmals
aufgrund eines Myxoms im linken Oberkiefer operiert worden Urk. 6/2/10
-11
). Ab dem Jahr 1998
wurden
weitere kieferchirurgische Eingriffe
vorgenommen
(Urk. 6/2/12 ff.).
Die Versicherte
w
ar
ab
dem
4
. Januar 2000
ohne Ausbildung
als Mitarbeiterin Verkauf
bei der
Genossenschaft Y._
mit einem Pensum von durchschnittlich 4.8 Stunden pro Tag
tätig
(
Urk. 6/2/5,
Urk. 6/11/
1 f.
, Urk. 6/9/1)
. Daneben war sie seit Juni 1998 in der Reinigungsbranche tätig, zuletzt seit dem 6. Mai
2003 bei der
Z._
AG,
mit einem Pensum von 3.75 Stunden pro Tag (Urk. 6/9/1, Urk. 6/12/2).
Sie war aus kieferchirurgischer Sicht ab dem 14. Februar 2001 zunächst in unter
schiedlichem Ausmass und dann ab zirka Dezember 2003 anhaltend zu 100 % arbeitsunfähig und bezog Krankentaggelder (Urk. 6/2/3,
Urk. 6/11/1)
.
In der Folge
war sie nicht mehr erwerbstätig (Urk. 6/9/1).
Am 16. März 2004 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf Schmerzen im Kiefer, Kopfschmerzen und Augenprobleme bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/3/5 und 7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, wobei sie die Versicherte vom
Institut A._
internistisch, neurologisch und psychiatrisch begutachten liess (Gutachten vom 2. November 2005, Urk. 6/27).
1
.2
Im Anschluss
erteilte
die IV-Stelle
am 2
2.
Februar 2006
Kostengutsprache für
die Ausbildungsvorbereitung und am
6.
Juli 2006 für die
erstmalige berufliche Aus
bildung
in der Form des
Handelsdiplom
s
an der Handels
schule
B._
(Urk. 6/55/1).
Dazu
erbrachte sie Taggeldleistungen (Urk. 6/56/1). Die beruflichen Massnahmen wurden per 22. August 2006 abgebrochen, da die Versicherte mitgeteilt hatte, ihr Gesundheitszustand habe sich so stark ver
schlechtert, dass sie
zurzeit
nicht in der Lage sei, die Handelsschule zu besuchen (Urk. 6/73/1
,
Urk.
6/74
).
1.3
Die IV-Stelle leitete daraufhin die Rentenprüfung ein.
Dabei
qualifizierte sie die Versicherte als Vollerwerbstätige (Urk. 6/88/6). Sodann ging sie
gestützt auf das
Gutachten des
A._
vom 2. November 2005
von einem Mittelgesichtsschmerz links mit neuropathischer Komponente im ersten und zweiten T
rigeminusast links und
einer
dadurch begründeten
100%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten sowie
einer
50%igen Leistungsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
aus
(Urk. 6/27/16 f., Urk. 6/88/4
f.
)
. Gestützt darauf sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom
2. April 2008 rückwirkend ab dem 1.
Dezember
200
4
eine
Drei
viertelsrente
bei einem Invaliditätsgrad von 66 % zu (Urk. 6/101, Urk. 6/99/1 f.).
1.4
Am 25. Juli 2008
kam der
Sohn
C._
zur Welt
(Urk. 6/103/3).
Anlässlich
der in den Jahren 2009/2010 durchgeführten Rentenrevision (Urk. 6/106 ff.)
bestätigte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 2. Dezember 2010 die
Dreiviertelsrente
bei einem unveränderten Invaliditätsgrad von 66 %
(Urk. 6/119)
. Auch die Qualifikation als Vollerwerbstätige stellte sie nicht in Frage (Urk. 6/118/4)
. Die Versicherte
wurde sodann im Jahr 2011 Mutter ihres zweiten Sohnes
D._
(Urk. 6/121/1
, Urk. 6/141/1
)
. Die in den Jahren 2016/2017 durchgeführte Rentenrevision (Urk. 6/123 ff.) führte ebenfalls zur Bestätigung der
Dreiviertelsrente
bei gleichgebliebenem Invaliditätsgrad
und unveränderter Qua
lifikation (Mitteilung vom 8. März 2017,
Urk. 6/143
, Urk. 6/141/1
).
1.5
Schliesslich nahm die IV-Stelle im April 2018 erneut ein Rentenrevisionsverfah
ren
a
n
die Hand
(Urk. 6/144).
Im Rahmen der Abklärungen liess sie die Versi
cherte erneut vom
A._
internistisch, orthopädisch, psychiatrisch sowie neurolo
gisch begutachten (Gutachten vom 7. Januar 2019, Urk. 6/163). Zudem führte die IV-Stelle eine Haushaltsabklärung durch
(Bericht vom
11. April 2019,
Urk. 6/165).
D
ie IV-Stelle
qualifizierte
die Versicherte
gestützt darauf
neu als zu 50 % im Haushalt und zu 50 % im Erwerbsbereich tätig (Urk. 6/
167/5).
Ausge
hend von einer Arbeitsfähigkeit von 75 % in einer angepassten Tätigkeit
und einer uneingeschränkten Zumutbarkeit der Haushalttätigkeit
ermittelte die
IV-Stelle
mittels
der gemischten Methode
nunmehr
einen Invaliditätsgrad von 14 % (Urk. 6/167/6). Mit Vorbescheid vom 15. Juli 2019 stellte sie der Ver
-
sicherten die Einstellung der Rente in Aussicht (Urk. 6/168). Dagegen erhob die Versicherte am 29. Juli, ergänzt am 5. September 2019
,
Einwand (Urk. 6/169/1, Urk. 6/175) und reichte am 18. September 2019 einen Bericht ihres Hausarztes Dr. med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 7. September 2019 zu den Akten (Urk. 6/176/1 f.). Am 20. März 2020 verfügte die
IV-Stelle im angekündig
ten Sinne und stell
t
e die Rente der Versicherten auf das Ende des der Zustellung
der Verfügung
folgenden Monats ein (Urk. 6/181 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte
am 19. Mai 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine
Dreivier
telsrente
der Invalidenversicherung auszurichten (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerde
gegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 8. Juli 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin zog in der angefochtenen Verfügung in Erwägung, die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass seit Oktober 2018 eine Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit eingetreten sei. Aus ärztlicher Sicht sei der Beschwer
deführerin die Ausübung einer körperlich leichten Tätigkeit zu 75 % zumutbar (Urk. 2 S. 1). Die B
eschwerdeführerin sei zu 50 % im
Haushalt und zu 50 % im Erwerbsbereich zu qualifizieren. Eine Einschränkung im Haushalt liege nicht vor. Der durchgeführte Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 14 %. Es bestehe kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente (Urk. 2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
es sei keine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustandes und des Invaliditätsgra
des gegeben (Urk. 1 S. 2 ff.).
Die Abklärungen des
A._
aus dem Jahre 2005 hätten eine Einschränkung von 20 % im Haushaltsbereich ergeben (Urk. 1 S. 4 f.). Daran habe sich nichts geändert. Die gemischte Methode sei in diesem Revisionsverfah
ren nicht anzuwenden.
Eventualiter sei jedenfalls eine Einschränkung von min
destens 20 %
im Haushalt
gegeben (Urk. 1 S. 5).
Im Weitern
sei die Anwendung der gemischten
Methode im Sinne des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) im Fall Di
Trizio
auch
diskriminierend
(Urk. 1 S. 6).
3.
3.1
Die revisions- oder wiedererwä
gungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versicherten Personen, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben,
ist
nur zulässig, wenn die Ver
waltung zuvor die Notwendigkeit von Eingliederungsmassnahmen geprüft hat (
Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2010 vom 26. April 2011
E. 3.3).
Damit
wird
dem Umstand Rechnung getragen, dass diese Personen aufgrund ihres fortge
schrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus folgenden lang
jährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selbständig wieder einzugliedern. Die Über
nahme der beiden Abgrenzungskriterien bedeutet jedoch nicht, dass die Betroffe
nen einen Besitzstandsanspruch geltend machen können. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin zugestanden, dass die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar ist (vgl. erwähntes Urteil 9C_228/2010 E. 3.5).
Ausnahmen von der diesfalls grundsätzlich (
«
vermutungsweise
»
) anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor,
wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzu
führen ist,
wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesell
schaftlichen Leben integriert ist
oder wenn sie über besonders breite Ausbildun
gen und Berufserfahrungen verfügt.
Verlangt sind immer konkrete Anhalts
punkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entspre
chender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbs
leben integrieren
(Urteil des Bundesgerichts 8C_826/2018 vom 14. August 2019 E. 3.2.2)
.
Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewie
sene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu ver
werten.
Fehlt der Eingliederungswille bzw. die subjektive Eingliederungsfähigkeit, d.h. ist die Eingliederungsbereitschaft aus invaliditätsfremden Gründen nicht gegeben, darf die Rente ohne vorgängige Prüfung von Massnahmen der (Wieder-) Einglie
derung und ohne Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG herabgesetzt oder aufgehoben werden. Berufliche Massnah
men können zwar unter anderem dazu dienen, subjektive Eingliederungshinder
nisse im Sinne einer Krankheitsüberzeugung der versicherten Person zu beseiti
gen. Es bedarf indessen auch diesfalls eines Eingliederungswillens bzw. einer ent
sprechenden Motivation der versicherten Person. Es sind insbesondere die gegen
über der Verwaltung und den medizinischen Experten gemachten Aussagen betreffend Krankheitsüberzeugung bzw. Arbeitsmotivation zu berücksichtigen. Ebenfalls von Belang sein können die im
Vorbescheidverfahren
und vor kanto
nalem Versicherungsgericht gemachten Ausführungen respektive gestellten Anträge (
Urteil des Bundesgerichts 9C_50/2020 vom 9. Juli 2020 E. 3.1 mit wei
teren Hinweisen).
Ob die Rechtsprechung
im Zusammenhang mit der
Pflicht zur
Durchführung von Eingliederungsmassnahmen nach langjährigem Rentenbezug
auch auf Rentenre
visionen anwendbar ist, welche allein auf einer Änderung des Status basieren,
liess das Bundesgericht
soweit ersichtlich
bis anhin offen
(Urteil des Bundesge
richts 9C_752/2013 vom 27. Juni 2014 E. 4.2.2)
.
Da im vorliegenden Fall nebst der veränderten Qualifikation auch eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit im Raum steht (Erhöhung der Leistungsfähigkeit von 50 % auf 75 % in einer adap
tierten Tätigkeit, Urk. 6/163/9)
und sich die Beschwerdegegnerin allein darauf beruft (Urk. 2 S. 1)
, braucht auf diese Frage indessen nicht näher eingegangen zu werden.
3.2
Der Beschwerdeführerin wurde mit
Verfügung vom
2. April 2008 (rückwirkend
ab
1. Dezember 2004
) eine Dreiviertelrente zugesprochen (
Urk.
6/101/1
)
.
Im
mass
gebenden
Zeitp
unkt der rentenaufhebenden Verfügung vom 20. März 2020
(Urk. 2, vgl.
BGE 141 V 5
E. 4.2.1
)
,
bezog
sie
ihre Rente
damit seit
über
1
5
Jahren
(vgl. BGE 139 V 442 E. 4.3)
.
Sie
fällt
somit
unter den vom Bundesgericht beson
ders geschützten
Personenkreis
und es ist ihr die Selbsteingliederung grundsätz
lich nicht mehr zumutbar
.
3.3
Mit Bezug auf die subjektive Eingliederungsfähigkeit ist festzuhalten, dass
die Experten des
A._
ohne nähere Begründung
davon ausgingen, berufliche Mass
nahmen seien aufgrund der subjektiven Einschätzung der Beschwerdeführerin kaum sinnvoll durchführbar (Urk. 6/163/10).
D
ie Beschwerdeführerin
selbst
erwähnte im Rahmen der Begutachtung, sie fühle sich nicht arbeitsfähig (Urk. 6/163/22)
, was jedoch nicht ohne Weiteres den Schluss zulässt, dass sie
sich
Eingliederungsmassnahmen
entgegenstellen würde, die
nach Lage der Akten weder durch die Gutachter - denen auch keine entsprechenden Fragen unterbrei
tet wurden (
Urk.
6/151/3) - noch im weiteren
Abklärungsverfahren thematisiert wurden
.
Allein aufgrund dieser Aussage im Rahmen der Begutachtung
lässt sich ein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen nicht verneinen. Diese
hätte
n
viel
mehr
Anlass gegeben, die Motivation de
r
Beschwerdeführerin
für Eingliederungs
massnahmen näher zu prüfen
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_235/2019 vom 2
0.
Januar 2020 E. 3.2.3)
, obschon
sie sich bei der Beschwerdegegnerin
nach der Rentenzusprechung
nicht von sich aus
um Eingliederungsmassnahmen bemüht oder nach einer geeigneten Stelle gesucht
hat
(Urk. 6/165/3).
3.4
Eine
nicht
invaliditätsbedingte arbeitsmarktliche Desintegration, aus welcher kein Anspruch auf Abklärung respektive Durchführung beruflicher Eingliederungs
massnahmen abgeleitet werden kann, liegt vor, wenn einer versicherten Person die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit seit Jahren zumutbar war und die beruf
liche Selbstintegration aus
invaliditätsfremden
Gründen unterblieben
ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_661/2014 vom 17. September 2015 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
Der Beschwerdeführerin war gemäss
Gutachten des
A._
aus dem Jahr 2005
durchgehend
seit
der Zuspr
echung der Dreiviertel
rente
im Jahr 2008 (Urk. 6/101/1)
ein Pensum von 50 % in einer Verweistätigkeit zumutbar
(Urk. 6/27/18 f.)
.
Trotzdem war sie unbestrittenermassen seit Dezember 2003 nicht mehr erwerbstätig (Urk. 6/11/1, Urk. 6/163/21)
.
Allerdings wurde die
Beschwerdeführerin
im Juli 2008 –
kurz
nach
Erlass der rentenzusprechenden Verfügung vom 2. April 2008
–
und ferner im Jahr 2011
Mutter von zwei Söhnen und
widmete
sich der
Familie respektive der
Kinderer
ziehung
. Dies bestätigte sie auch anlässlich der Begutachtung durch das
A._
vom 29. Oktober 2018, als sie ausführte, seit der Geburt ihrer beiden Söhne habe sie ausschliesslich im Haushalt gearbeitet
(Urk. 6/
163/27)
, was sie voll ausgelastet habe (
Urk.
6/163/32)
.
Laut Haushaltabklärungsbericht vom 1
1.
April 2019
bewäl
tigt
sie
trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen
praktisch sämtliche im Haushalt anfallenden Arbeiten
und die Kindererziehung
selbständig
, indem sie
diese in Etappen erledigt und
sich zwischendurch ausruht (
Urk.
6/165/2
; vgl. auch
Urk.
6/163/36
).
In Anbetracht dieses Aufgabenbereichs
kann nicht gesagt werden, sie habe
die ihr aus ärztlicher Sicht
zumutbare
A
rbeits
- beziehungsweise Leis
tungs
fähigkeit nicht aus
ge
schöpft.
Vor diesem Hintergrund
kann es der Beschwerdeführerin
jedoch
nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass sie sich mit der ab dem 1. Dezember 2004 ausgerichteten Dreiviertelrente – welche seither jeweils bestätigt wurde (Urk. 6/119, Urk. 6/143) – begnügte
und sich nicht zusätzlich um eine
Erwerbstätigkeit
bemühte
.
Letztlich
verlangt die Rechtsprechung konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wie
der) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten.
Diesbezüglich ergibt sich aus den Akten, dass die Beschwerdeführerin keine abgeschlossene Ausbildung hat und lediglich die obli
gatorische Schulzeit absolvierte (Urk. 6/3/4, Urk. 6/163/21 f.). Im Anschluss arbeitete sie
nur
während rund fünf Jahren – von 1998 bis zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Dezember 2003 – in verschiedenen Anstellungen im Ver
kauf und in der Reinigung, welche Tätigkeiten ihr nicht mehr zumutbar sind. Danach war sie nicht mehr erwerbstätig (Urk. 6/9/1, Urk. 6/11/1, Urk. 6/163/21, Urk. 6/27/19). Damit steht fest, dass die Beschwerdeführerin nicht auf eine – und sei es auch weit zurückliegende – gefestigte und unter den heute herrschenden Verhältnissen aktualisierbare berufliche Erfahrung zurückgreifen kann, welche für die Selbsteingliederung nutzbar wäre.
Zudem hat sie auch wenig Kontakte ausserhalb der Familie (Urk. 6/163/38).
Entscheidend ist damit, dass die Beschwerdeführerin
in keiner Weise dem von der einschlägigen Rechtsprechung skizzierten Bild einer besonders agilen und gewandten sowie im gesellschaftli
chen Leben integrierten Person oder einer solchen mit einer besonders breiten Ausbildung und Berufserfahrung
entspricht.
Trotz der fehlenden Bemühungen um eine Eingliederung kann
auch
nicht
leicht
hin
gesagt werden, die Beschwerdeführerin selbst
wolle
keine beruflichen Mass
nahmen.
Immerhin nahm sie im
Februar 2006 im Rahmen von beruflichen Mass
nahmen
die
Vorbereitungen für die Handelsschule
auf, die
im Sommer 2006 aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen werde
n
mussten
(
Urk.
6/41,
Urk.
6/55/1, Urk.
6/73/1).
3.
5
In einem vergleichbaren Fall verneinte das Bundesgericht denn auch die Selbst
eingliederungsfähigkeit einer Versicherten,
welche
als
zu 50 % im Haushalt und
zu
50 % im Erwerb qualifiziert worden war und bei
der
überhaupt keine (invali
ditätsbedingte) langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt vorlag (Urteil des Bundes
gerichts 9C_50/2020 vom 9. Juli 2020 E. 4.2.1 und E. 4.3
).
Schliesslich
ist der vorliegende Sachverhalt auch nicht mit jenem gemäss Urteil des Bundesgerichts 9C_752/2013
vom 27. Juni 2014
vergleichbar, da es dort um eine arbeitsmarktliche Absenz infolge Drogenkonsums ging
(vgl. Erwägung 4.3.2)
.
Das Selbsteingliederungspotential der Beschwerde
führerin
erreicht nach dem Gesagten insgesamt nicht ein Ausmass, welches die
Beschwerdegegnerin
von der
Prüfung und allenfalls der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen enthe
ben würde.
Dies hat sie bisher unterlassen
.
Damit
ist die Rentenaufhebung so lange nicht gerechtfertigt, als die Beschwerdegegnerin die Wiedereingliederung
- gegebenenfalls unter Anwendung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
-
nicht aktiv gefördert und die Beschwerdeführerin nicht hinreichend auf die berufliche Eingliederung vorbereitet hat.
Erst hernach wird allenfalls zu prüfen sein, wie es sich mit dem weiteren Rentenanspruch verhält.
Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin einstweilen weiterhin Anspruch auf die bisherige Drei
viertelrente hat.
3.
6
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt sich
(einstweilen)
die Prüfung des Vorliegens der Voraussetzungen für eine Rentenrevision.
Diesbezüglich ist
aller
dings anzumerken, dass
eine Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar ist. Ein Revisionsgrund kann unter Umständen
- entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 6)
-
auch
(
wieder
)
in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts
im Sinn
ein
es
familiär
bedingten
Statuswechsel
s
von einer Vollerwerbstätigkeit (bzw. Nichterwerbstätigkeit) hin zu einer Teilerwerbstätigkeit
bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen).
Dies
gilt
hier
umso mehr, als die angefochtene Verfügung vom 20. März 2020 in Anwendung des am 1. Januar 2018
neu in Kraft getretenen Berechnungsmodells der gemischten Methode gemäss Art. 27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ergangen ist (Urk. 6/167/6).
Mit dieser Bemessung der Invalidität im Erwerbs- und Aufgabenbereich, je bezo
gen auf ein Vollzeitpensum, und der anschliessenden Gewichtung
entsprechend dem zeitlichen Anteil entfällt die vom EGMR hauptsächlich beanstandete zwei
fache Berücksichtigung der Teilzeiterwerbstätigkeit und folglich auch die Diskri
minierung teilerwerbstätiger Personen
(
zur Publikation
vorgesehenes
Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2020 vom 27. Oktober 2020 E. 5.2).
4.
4.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG in der hier anwendbaren, bis am 3
1.
Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung (
Art.
83 ATSG) kostenpflichtig.
Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensauf
wand und
unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr.
700
.
—
anzusetzen
und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
4.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat
die
Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung (Art. 61
lit
. g ATSG). Die Entschädigung wird unab
hängig vom Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwie
rigkeit des Prozesses bemes
sen (§ 34 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht).
In Anwendung dieser Grundsätze
erscheint
vorliegend
eine Prozessent
schädigung von Fr. 2‘000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen
.