Decision ID: 98207a22-9f67-46bc-9a66-3d054403cefa
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente (Wiedererwägung, Aufhebung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ erlitt am 22. Dezember 1998 einen Sturz auf den rechten Arm und das
rechte Bein. In der Folge berichtete sie über Sensibilitätsstörungen. Bereits seit
10 Jahren litt sie an Rückenschmerzen (vgl. Zeugnis der erstbehandelnden Dr. med.
B._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 3. Februar 1999, act.
G 4.12-22). Am 2. September 1999 meldete sich die Versicherte zum Bezug von
Rentenleistungen an (act. G 4.3). Der Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine
Innere Medizin, diagnostizierte im Bericht vom 24. September 1999 als "wichtige
Leiden" ein chronisches Cervicalsyndrom bei muskulärer Dysbalance und mässigen
degenerativen HWS-Veränderungen, eine psychisch-vegetative Überlagerung sowie
eine Migräne und episodische Spannungskopfschmerzen. Für die Tätigkeit als
Hausfrau bestehe eine bleibende mindestens 20%ige Einschränkung. Allerdings sei die
Beurteilung wegen der starken emotionalen Überlagerung sehr schwierig. Glaubhaft sei
auch eine Verschlechterung der Beschwerden durch Arbeit. Die Versicherte gebe an,
nach zwei bis drei Stunden Putzarbeit geschafft zu sein. Auch nervlicher Stress löse
eindeutig Beschwerden aus (act. G 4.8).
A.b Am 23. Februar 2000 ersuchte die IV-Stelle den Fachbereich Rheumatologie des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), wo die Versicherte im Januar 1999 ambulant be
handelt worden war (vgl. Bericht vom 5. Februar 1999, act. G 4.8-4 ff.), um eine medi
zinische Abklärung der Versicherten (act. G 4.17). Im Schreiben vom 2. März 2000 ant
worteten die Rheumatologen des KSSG, sie müssten eine Begutachtung wegen Be
fangenheit ablehnen. Eine objektive Begutachtung sei aufgrund der Reaktionen der
Versicherten und ihres Ehemanns während der früheren Vorstellungen im
Ambulatorium des KSSG nicht möglich (act. G 4.19). Daraufhin beauftragte die IV-
Stelle das Zentrum für medizinische Begutachtung (ZMB), Basel, mit einer
Begutachtung (act. G 4.22). Am 2. Mai 2001 teilte das ZMB mit, dass mit einer
Wartezeit von bis zu 18 Monaten zu rechnen sei (act. G 4.25).
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A.c Auf Nachfrage der IV-Stelle berichtete der Hausarzt am 28. Juni 2001, dass die
Versicherte höchstens zwei bis drei Stunden pro Tag eine leichte Arbeit ausführen
könne (act. G 4.28). Der RAD-Arzt gab in der Stellungnahme vom 4. Juli 2001 an, er
"vertraue Dr. C._ in seiner Beurteilung", wonach der Versicherten eine Arbeit zwei
Stunden pro Tag zumutbar sei. Auf jeden Fall sei eine ganze Rente ausgewiesen. Die
ZMB-Begutachtung sei zu annullieren (act. G 4.29).
A.d Am 11. Oktober 2001 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der Ver
sicherten durch. Im Bericht vom 29. Oktober 2001 kam die Abklärungsperson zum
Schluss, dass die Versicherte im Gesundheitsfall zu 100% erwerbstätig wäre (act.
G 4.36). Mit Verfügung vom 20. März 2002 sprach die IV-Stelle der Versicherten bei
Annahme eines Invaliditätsgrades von 80 % mit Wirkung ab 1. November 2000 eine
ganze Rente samt Zusatzrenten zu (act. G 4.42).
A.e Nach der Durchführung einer von Amtes wegen eingeleiteten Revision teilte die
IV-Stelle der Versicherten am 5. Juli 2006 mit, dass weiterhin ein Anspruch auf die bis
herige Invalidenrente bestehe (act. G 4.52).
A.f Im Rahmen einer weiteren von Amtes wegen eingeleiteten Revision gab die Ver
sicherte im entsprechenden Fragebogen einen gleichgebliebenen Gesundheitszustand
an (act. G 4.59). Der Hausarzt berichtete, dass sich der Gesundheitszustand der Ver
sicherten verbessert habe (Verlaufsbericht vom 15. Mai 2009, act. G 4.61). Die IV-Stelle
forderte den Hausarzt am 28. Mai 2009 auf, zur Frage nach der zumutbaren Arbeits
fähigkeit in angepassten Tätigkeiten Stellung zu nehmen (act. G 4.63). Dieser teilte der
IV-Stelle am 19. Oktober 2009 telefonisch mit, dass er hierzu keine Antwort geben
könne und deshalb vorschlage, die Versicherte durch den RAD begutachten zu lassen.
Er kenne die Versicherte zu wenig und wisse auch, dass es "zu einem Clinch" mit ihr
kommen würde, da sie bestimmt anderer Meinung sei als er. Er wolle sich diesen
Problemen entziehen (act. G 4.69).
A.g Am 29. Januar und 4. Februar 2010 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle
im Medizinischen Gutachtenszentrum St. Gallen rheumatologisch-psychiatrisch begut
achtet. Die MGSG-Experten diagnostizierten im Gutachten vom 3. Juni 2010 mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes lokalisatorisch ausgedehntes
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muskuloskelettales Schmerzsyndrom (ICD-10: M79.0) sowie eine initiale Valgus-
Gonarthrose beidseits (ICD-10: M17.0). Aus bidisziplinärer Sicht verfüge die Versicherte
für leidensangepasste Tätigkeiten über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Die damalige
Zusprache einer ganzen Invalidenrente sei medizinisch nicht nachvollziehbar (act.
G 4.76; vgl. auch die ergänzende gutachterliche Stellungnahme vom 1. September
2010, act. G 4.85).
A.h Mit Vorbescheid vom 20. Oktober 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, ihre Rente wiedererwägungsweise aufzuheben (act. G 4.93). Dagegen erhob
die Versicherte am 14. Januar 2011 Einwand und beantragte, es sei ihr weiterhin eine
ganze Rente auszurichten (act. G 4.103). Am 2. Februar 2011 verfügte die IV-Stelle
entsprechend dem Vorbescheid und hob die Rentenleistungen wiedererwägungsweise
per Ende März 2011 auf (act. G 4.105).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 2. Februar 2011 richtet sich die Beschwerde vom
1. März 2011. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und Ent
schädigungsfolge deren Aufhebung. Es sei ihr weiterhin eine ganze Rente zu
entrichten. Im Wesentlichen stellt sie sich auf den Standpunkt, die ursprüngliche
Rentenzusprache gestützt auf die hausärztliche Einschätzung sei nicht zweifellos
unrichtig, weshalb sie nicht in Wiedererwägung gezogen werden dürfe. Ferner sei sie
nicht in der Lage, ein Einkommen zu erzielen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 7. April 2011
die Abweisung der Beschwerde. Sie hält daran fest, dass die ursprüngliche Rentenzu
sprache auf einem unvollständig festgestellten Sachverhalt beruhe, da sie sich einzig
auf einen Bericht des Hausarztes gestützt habe. Weitere medizinische Abklärungen
wären zwingend erforderlich gewesen. Daher liege eine Verletzung des Untersuchungs
grundsatzes vor. Ferner sei auch der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" verletzt
worden. Die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der Rentenleistungen seien
erfüllt (act. G 4).
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B.c Die Beschwerdeführerin hält in der Replik vom 30. Mai 2011 unverändert an ihren
Anträgen fest (act. G 8) und reicht Berichte des behandelnden Dr. med. D._, Facharzt
für Innere Medizin und Rheumatologie FMH, vom 4. und 6. April 2011 ein (act. G 8.1 f.).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 10).
B.e Am 9. Dezember 2011 reicht die Beschwerdeführerin den Bericht eines Ein
satzprogramms ein (Beurteilung vom 12. August 2011, act. G 12.1), der ihre gesund
heitlichen Probleme sowie deren erwerblichen Auswirkungen nachvollziehbar be
schreibe (act. G 12).

Erwägungen:
1. Mit Verfügung vom 2. Februar 2011 hat die Beschwerdegegnerin die Rentenver
fügungen vom 13. Februar 2002 (act. G 4.41), vom 20. März 2002 (act. G 4.42) sowie
vom 1. September 2009 in Wiedererwägung gezogen und mit Wirkung ab April 2011
die zuvor zugesprochene ganze Rente aufgehoben. Strittig und zu prüfen ist somit, ob
die Voraussetzungen für die Wiedererwägung erfüllt sind. Soweit die
Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 13. Februar 2002 in Wiedererwägung zog,
verkennt sie, dass diese Verfügung infolge Korrektur der Leistungsart (halbe Rente in
ganze Rente korrigiert) durch die Verfügung vom 20. März 2002 bereits aufgehoben
bzw. ersetzt wurde. Sie hat daher keine rechtliche Bedeutung. Selbst wenn die
Verfügung vom 20. März 2002 wiedererwägungsweise aufgehoben würde, lebte die
nicht mehr existierende Verfügung vom 13. Februar 2002 nicht mehr auf. Die von der
Beschwerdegegnerin ebenfalls in Wiedererwägung gezogene Verfügung vom
1. September 2009 betraf einzig die Kinderrente ab August 2009 (act. G 4.67). Bei der
Kinderrente handelt es sich indessen nicht um einen eigenständigen Rentenanspruch,
sondern lediglich um einen familienbedingten Zuschlag zur Stammrente der
Beschwerdeführerin. Deshalb fallen entsprechende Verfügungen bei
wiedererwägungsweiser Aufhebung der Stammrente ohne weiteres dahin. Ein
ausdrückliches Zurückkommen auf die Verfügungen betreffend Kinderrenten ist nicht
erforderlich.
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2. Gemäss Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und
wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
2.1 Eine voraussetzungslose Neubeurteilung der invaliditätsmässigen
Voraussetzungen genügt nach ständiger Rechtsprechung nicht, um eine Invalidenrente
auf dem Weg der Wiedererwägung herabzusetzen oder gar aufzuheben. Eine
Reduktion der Rente unter dem Titel "Wiedererwägung" kann nur bei Unvertretbarkeit
der ursprünglichen Rentenzusprache erfolgen, drohte die Wiedererwägung in einer
Vielzahl langjähriger Rentenbezugsverhältnisse ansonsten doch zum Instrument einer
solchen voraussetzungslosen Neuprüfung zu werden, was sich mit dem Wesen der
Rechtsbeständigkeit formell zugesprochener Dauerleistungen nicht vertrüge.
Zurückhaltung bei der Annahme zweifelloser Unrichtigkeit ist stets dann geboten, wenn
der Wiedererwägungsgrund eine materielle Anspruchsvoraussetzung betrifft, deren
Beurteilung massgeblich auf Schätzungen oder Beweiswürdigungen und damit auf
Elementen beruht, die notwendigerweise Ermessenszüge aufweisen. Eine vor dem
Hintergrund der seinerzeitigen Rechtspraxis vertretbare Beurteilung der
invaliditätsmässigen Anspruchsvoraussetzungen kann nicht zweifellos unrichtig sein
(Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juli 2011, 8C_962/2010, E. 3.1 mit Hinweisen).
2.2 Vorliegend ist einzig umstritten, ob die Interpretation der medizinischen
Grundlagen, die für die Rentenzusprache vom 20. März 2002 massgebend waren,
vertretbar gewesen ist.
2.2.1 Grundlage der Rentenzusprache bildete die hausärztliche Beurteilung vom
28. Juni 2001, wonach die Beschwerdeführerin an einem Tag höchstens zwei bis drei
Stunden lang eine leichte Arbeit ausführen könne. Dabei stützte sich der Hausarzt nicht
auf objektive Befunde, sondern einzig auf die Schmerzangaben der
Beschwerdeführerin (Nackenschmerzen, multiple somatoforme Beschwerden) und
deren Angaben betreffend ihre stundenweise Tätigkeit in einem Restaurant sowie
betreffend die von ihr erbrachten Leistungen im Haushalt (vgl. auch die Kritik der
MGSG-Gutachter, act. G 4.76-19). Eine nachvollziehbare, gestützt auf die eigenen
Wahrnehmungen des Hausarztes ergangene Arbeitsfähigkeitsbeurteilung fehlt. Eine
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ergänzende Abklärung hielt er des Weiteren allein mit Blick auf die lange Wartezeit der
in Auftrag gegebenen Begutachtung beim ZMB für nicht angezeigt (act. G 4.28). Der
Hausarztbericht vom 28. Juni 2001 stellt damit keine genügende Grundlage für eine
Rentenzusprache dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. November 2008,
8C_339/2008, E. 3.3).
2.2.2 Dies gilt umso mehr, als der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
am 28. Juni 2001 als stationär beschrieben wurde und der Hausarzt im früheren Bericht
vom 24. September 1999 bezüglich der Arbeitsfähigkeit keine sichere Einschätzung ab
zugeben vermochte sowie auf eine stark emotionale Überlagerung hinwies, die eine
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung schwierig mache. Er sprach bloss von einer - wenn auch -
mindestens 20%igen bleibenden Einschränkung als Hausfrau (act. G 4.8). Ferner
machten die übrigen behandelnden medizinischen Fachpersonen auf eine eindeutige
Aggravation (vgl. die Aussage von Dr. B._ vom 8. März 1999, act. G 4.12-21, sowie
der behandelnden Rheumatologen des KSSG im Bericht vom 5. Februar 1999, act.
G 4.8-5; vgl. ferner auch die Aussage des behandelnden Dr. D._, der von auffallend
übersteigerten Schmerzäusserungen sprach, act. G 8.2, S. 4) und einen erheblichen
sowie offensichtlichen Krankheitsgewinn aufmerksam (act. G 4.8-6). Damit geht einher,
dass die Beschwerdeführerin offenbar bereits vor dem Hausarztbericht vom 28. Juni
2001 versuchte, sachfremd auf ärztliche Beurteilungen einzuwirken (vgl. die Aus
führungen von Dr. B._, wonach die Versicherte mit ihrem Mann vorbeigekommen sei
und vehement eine Bestätigung der Arbeitsunfähigkeit verlangt habe, act. G 4.12-21;
die Rheumatologen des KSSG hielten eine objektive Begutachtung aufgrund des
anlässlich der ambulanten Behandlung vom 21. und 27. Januar 1999 gezeigten
Verhaltens der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes für nicht möglich, act.
G 4.19). Auch dieser Umstand hätte zwingend dazu führen müssen, nebst der
hausärztlichen Einschätzung noch eine unabhängige medizinische Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit einzuholen. Zumindest war es nicht vertretbar, wenn der RAD damals
einzig "im Vertrauen" auf den Hausarzt sowie ohne jegliche medizinische Begründung
einen ganzen Rentenanspruch empfahl und die bereits in Auftrag gegebene ZMB-
Begutachtung annullieren liess (act. G 4.29). Diese Sichtweise wird dadurch bestätigt,
als sich der Hausarzt aufgrund des Verhaltens der Beschwerdeführerin mittlerweile
ausser Stande sieht, eine zuverlässige Arbeitsfähigkeitseinschätzung abzugeben (er
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"wisse, dass es zu einem Clinch mit der Versicherten kommen würde, da sie bestimmt
anderer Meinung sei als er. Er möchte sich diesen Problemen entziehen", act. G 4.69).
2.2.3 Hinzu kommt, dass sich aus den übrigen medizinischen Akten keine
Gesichtspunkte ergeben, welche die hausärztliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung bzw.
eine nahezu vollständige Erwerbsunfähigkeit als schlüssig erscheinen liessen (vgl. den
Bericht der Rheinburg Klinik vom 19. Juli 1999, act. G 4.8-10 ff.; Bericht des KSSG
vom 5. Februar 1999, act. G 4.8-4 ff.). Daran ändert nichts, dass der RAD-Arzt in der
Stellungnahme vom 4. Juli 2001 im Nachgang zur hausärztlichen Einschätzung die
Zusprache einer ganzen Rente empfahl. Denn die Stellungnahme beruht - wie bereits
erwähnt - nicht auf einer eigenen medizinischen Würdigung der hausärztlichen Be
urteilung, geschweige denn der übrigen Aktenlage, sondern sie erfolgte einzig "im Ver
trauen" auf den Hausarzt (act. G 4.29). Schliesslich hielten auch die MGSG-Gutachter
die hausärztlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit retrospektiv für nicht nachvollziehbar
(act. G 4.76-19).
2.2.4 Im Licht der genannten Umstände wären vor einem Rentenentscheid
weitere medizinische Abklärungen zwingend erforderlich gewesen. Dass solche
unterblieben sind und somit die Sachverhaltsabklärung offensichtlich unvollständig
war, stellt eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dar (Urteile des
Bundesgerichts vom 11. November 2008, 8C_339/2008, E. 3.3, sowie vom 14. April
2009, 9C_1014/2008, E. 3.2.5), weshalb die zweifellose Unrichtigkeit der
ursprünglichen Rentenverfügung mit der Beschwerdegegnerin zu bejahen ist.
3. Steht die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung fest und
ist die Berichtigung von erheblicher Bedeutung, was auf die vorliegende periodische
Dauerleistung zutrifft, sind die Anspruchsberechtigung und allenfalls der Umfang des
Anspruchs gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung pro futuro zu prüfen. Es ist
wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG auf der Grundlage eines
richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad bei Erlass der
streitigen Verfügung zu ermitteln, woraus sich die Anspruchsberechtigung und
allenfalls der Umfang des Anspruchs ergeben (Urteil des Bundesgerichts vom 14. April
2009, 9C_1014/2008, E. 3.3 mit Hinweisen). Zu prüfen ist damit ein allfälliger
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Rentenanspruch bei Erlass der angefochtenen Wiedererwägungsverfügung vom
2. Februar 2011.
3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.2 In medizinischer Hinsicht stützt sich die wiedererwägungsweise
Renteneinstellung auf das interdisziplinäre MGSG-Gutachten vom 3. Juni 2010, worin
der Beschwerdeführerin für leidensangepasste Tätigkeiten eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bescheinigt wurde (act. G 4.76). Bei der Würdigung der gutachterlichen
Einschätzung fällt ins Gewicht, dass sie auf umfassender Aktenkenntnis sowie
interdisziplinären eigenen Untersuchungen beruht, das gesamte Leidensbild der
Beschwerdeführerin berücksichtigt und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse
nachvollziehbar sind. Es ergeben sich keine Zweifel am Gutachten. Auch die
Beschwerdeführerin benennt keine. Solche sowie eine seither eingetretene relevante
Verschlechterung des Gesundheitszustands bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses
ergeben sich auch nicht aus den Berichten des behandelnden Dr. D._ vom 4. und
6. April 2011 (act. G 8.1 f.). Vielmehr bescheinigte dieser - entgegen der
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin (vgl. act. G 4.76-7) - eine 70 bis 80%ige
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (act. G 8.2, S. 5), was lediglich eine
geringfügige Abweichung zur gutachterlichen Einschätzung darstellt.
3.3 Bezüglich der Bestimmung des Invaliditätsgrads besteht kein Anlass, von der -
unbestrittenen - bisherigen Vornahme eines Prozentvergleichs abzuweichen (vgl. Ver
fügungen vom 2. Februar 2011, act. G 4.105, und vom 20. März 2002, act. G 4.42).
3.3.1 Die Beschwerdeführerin wendet allerdings ein, dass sie mit Blick auf die
seit mehr als 11 Jahren dauernde Arbeitsabwesenheit, ihr fortgeschrittenes Alter (im
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung 55-jährig) sowie die im Rahmen von
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Verweistätigkeiten zu beachtenden qualitativen Einschränkungen kein Einkommen
mehr erzielen könne (act. G 1, S. 7 f. und act. G 8, S. 4 f.).
3.3.2 Das fortgeschrittene Alter vermag rechtsprechungsgemäss frühestens ab
60 Jahren
unter bestimmten weiteren Voraussetzungen zur Verneinung einer verwertbaren
Resterwerbsfähigkeit führen (etwa Urteil des Bundesgerichts vom 4. April 2008,
9C_833/2007, E. 3.5 mit Hinweisen). Von dieser Altersgrenze ist die Beschwerde
führerin jedoch noch mehrere Jahre entfernt. Des Weiteren ist auch nicht ersichtlich, in
wiefern die langjährige Abwesenheit von der Arbeitswelt einer Aufnahme einer Hilfs
arbeitertätigkeit mit Anforderungsniveau 4 entgegen stehen könnte, werden doch
hierfür in der Regel keine Berufserfahrungen vorausgesetzt. Die von den Ärzten
umschriebene Verweistätigkeit (gemäss Dr. D._: leichte Arbeiten, vorwiegend sitzend
und mit der Möglichkeit etwa halbstündlich aufzustehen und etwas herumzugehen,
sowie ohne stereotype Tätigkeiten der oberen Extremitäten, act. G 8.1; gemäss
MGSG-Gutachten: keine monoton-repetitive Tätigkeiten, die ergonomisch ungünstige
Zwangshaltungen abverlangen sowie ein Belastungsniveau von leicht überschreiten;
kein häufiges Stehen und Gehen, insbesondere auf unebenem Untergrund, sowie kein
häufiges Besteigen von Treppen, Leitern, Podesten und dergleichen; langanhaltende,
repetitive Überkopfarbeiten mit hochgezogenen Schultern und extendierter HWS sind
zu vermeiden, act. G 4.76-14 f.) führt zwar zu einem erheblich eingeschränkten
Spektrum von noch möglichen Erwerbstätigkeiten. Hingegen ist nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt lediglich noch Nischenarbeitsplätze offen stehen.
Diese Betrachtungsweise findet ihre Bestätigung im Bericht über das von der
Beschwerdeführerin besuchte Einsatzprogramm vom 12. August 2011, wo sie eine
rund 50%ige Leistungsfähigkeit erbracht hatte. Zusammenfassend wurde festgehalten,
dass Arbeitswille und Potential für eine Entwicklung in Richtung Arbeitsmarkt
vorhanden seien. Einschränkend habe sich primär das Krankheitsdenken der
Beschwerdeführerin ausgewirkt (act. G 12.1). Daher und mit Blick darauf, dass die
Beschwerdeführerin über eine quantitativ nicht eingeschränkte Leistungsfähigkeit
verfügt, ist nicht zu erwarten, sie vermöchte kein einem Hilfsarbeiterinnenlohn mit
Anforderungsniveau 4 entsprechendes Invalideneinkommen mehr zu erzielen.
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3.4 Die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang der Beschwerdeführerin
ein Tabellenlohnabzug zu gewähren ist, kann vorliegend offen bleiben, da selbst die
Gewährung eines 25%igen Abzuges zu einem entsprechenden nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad führen würde.
4. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren
ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig
vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, wobei der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- anzurechnen ist. Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP