Decision ID: 6b8b01b8-3717-4bdc-b2ab-519fd02a990e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Am xx.xx.2020 verstarb der 19xx geborene A. Er hinterliess als Erben/-
innen die Töchter seiner vorverstorbenen Schwester, E und C (nachfolgend die Be-
schwerdeführerin) sowie seinen Halbbruder F. Am 3. Juli 2020 bescheinigte das Be-
zirksgericht G die Erbenstellung der vorstehend genannten Personen. Im Erbschein
wird ferner festgehalten, dass weder eine Verfügung von Todes wegen eröffnet noch
eine Erbausschlagungserklärung abgegeben worden ist.
Die Beschwerdeführerin liess mit Schreiben vom 28. Mai 2020 und 16. Ju-
li 2020 um Einsicht in die Steuerakten des Erblassers ersuchen. Konkret ersuchte sie
um Zustellung einer Kopie der letzten eingereichten Steuererklärung des Erblassers,
eventualiter des Wertschriftenverzeichnisses. Zur Begründung liess die Beschwerde-
führerin anführen, dass es ihr ohne diese Unterlagen nicht möglich sei, die Steuererklä-
rung, den Inventarfragebogen und das Tresoröffnungsprotokoll auszufüllen.
Mit Verfügung vom 3. August 2020 lehnte das kantonale Steueramt das Ak-
teneinsichtsgesuch der Beschwerdeführerin ab. Zur Begründung führte es an, dass
das Inventarisationsverfahren noch nicht abgeschlossen sei und bis zu dessen Been-
digung keine Akteneinsicht gewährt werden könne.
B. Am 7. September 2020 liess die Beschwerdeführerin gegen die Verweige-
rung der Akteneinsicht Beschwerde bzw. Rekurs erheben und beantragen, die Einsicht
in die letzte Steuererklärung des Erblassers sei zu gewähren. Eventualiter sei ihr das
letzte Wertschriftenverzeichnis des Erblassers offenzulegen. Ferner liess die Be-
schwerdeführerin die Zusprechung einer Parteientschädigung beantragen.
Das Steuerrekursgericht nahm die Eingabe als Beschwerde bezüglich der
direkten Bundessteuer sowie als Rekurs betreffend die Staats- und Gemeindesteuern
entgegen (1 DB.2020.156 und 1 ST.2020.183).
Mit Eingabe vom 18. September 2020 beantragte die Beschwerdeführerin die
Durchführung einer öffentlichen Verhandlung.
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1 DB.2020.156 1 ST.2020.183
Das kantonale Steueramt schloss mit Beschwerde- bzw. Rekursantwort vom
13. Oktober 2020 auf Abweisung der Rechtsmittel, unter Kostenfolge zu Lasten der
Beschwerdeführerin.
Mit Replik vom 18. November 2020, Duplik vom 18. Dezember 2020, Triplik
vom 11. Februar 2021 und Quadruplik vom 26. Februar 2021 hielten die Parteien an
ihren Anträgen unverändert fest.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird – soweit rechtserheblich – in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Die Beschwerdeführerin ersucht mit Eingabe vom 18. September 2020 um
eine mündliche Verhandlung.
Das Verfahren vor dem Steuerrekursgericht ist grundsätzlich schriftlich; es
ergibt sich weder aus der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) noch aus der
Europäischen Menschenrechtskonvention vom 4. November 1950 (EMRK) ein An-
spruch auf eine mündliche Verhandlung. So räumt der Anspruch auf rechtliches Gehör
(Art. 29 Abs. 2 BV) keinen grundsätzlichen Anspruch auf eine mündliche Anhörung ein
(BGE 134 I 140 E. 5.3; BGer, 16. November 2018, 2C_339/2018, E. 6.2). Dasselbe gilt
für das Recht auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK; diese Garantie fin-
det nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts und der europäischen Organe
auf Steuerverfahren keine Anwendung (vgl. BGr, 3. Januar 2006, 2P.347/2005, E. 1).
Im vorliegenden Verfahren besteht damit kein Anspruch der Beschwerdefüh-
rerin auf eine mündliche Vorsprache. Da eine Anhörung auch sonst als nicht erforder-
lich erscheint, ist ihr diesbezüglicher Antrag abzuweisen.
2. a) Als Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2
BV besitzt die steuerpflichtige Person ein Akteneinsichtsrecht. Sowohl das Bundesge-
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setz über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) als auch das kan-
tonale Steuergesetz vom 8. Juni 1997 (StG) sehen daher in Art. 114 bzw. § 124 einen
entsprechenden Anspruch des Steuerpflichtigen vor (je Abs. 1 Satz 1). Allerdings ist
die Einsicht auf die vom Steuerpflichtigen selber eingereichten oder von ihm unter-
zeichneten Akten beschränkt. Die übrigen Akten stehen dem Steuerpflichtigen zur Ein-
sicht offen, sofern die Ermittlung des Sachverhalts abgeschlossen ist und soweit nicht
öffentliche oder private Interessen entgegenstehen (je Abs. 2).
Verweigert die Behörde einem Steuerpflichtigen die Akteneinsicht, hat sie dies
auf dessen Ersuchen in einer Verfügung festzuhalten, wobei die Verfügung durch Be-
schwerde angefochten werden kann (Art. 114 Abs. 4 DBG). Diese Vorschrift beschlägt
zwar nur die direkte Bundessteuer, da eine entsprechende Bestimmung im StG fehlt.
Weil jedoch die Akten bei beiden Steuern in der Regel dieselben sind – insbesondere
ist nur eine Steuererklärung samt Beilagen einzureichen –, entfaltet Art. 114 Abs. 4
DBG auch Wirkung für die Staats- und Gemeindesteuern. Mithin ist die Verfügung über
die Verweigerung des Akteneinsichtsrechts naheliegenderweise auch für diese Steuer
zu erlassen und kann diese in der Folge auch gleichermassen angefochten werden.
b) Art. 114 Abs. 4 DBG sieht als Rechtsmittel gegen die Verfügung über die
Ablehnung der Akteneinsicht die Beschwerde vor. Damit besteht keine Einsprache-
möglichkeit, sodass kein entsprechendes Verfahren durchzuführen und kein diesbe-
züglicher Entscheid zu erlassen ist. Stattdessen ist in der Ablehnungsverfügung nur
das Rechtsmittel der Beschwerde (direkte Bundessteuer) bzw. des Rekurses (Staats-
und Gemeindesteuern, vgl. hierzu nachstehende Erwägung) vorzusehen und vom
Steuerpflichtigen zu ergreifen.
Zur Behandlung von Beschwerden betreffend die direkte Bundessteuer ist
erstinstanzlich das Steuerrekursgericht zuständig (§ 13 Abs. 1 der Verordnung des
Regierungsrats über die Durchführung des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-
steuer vom 4. November 1998/1. Januar 2021, VO DBG). Zweite Beschwerdeinstanz
ist das Verwaltungsgericht (§ 14 Abs. 1 VO DBG). Damit fällt die Behandlung von Be-
schwerden gegen die Verweigerung der Akteneinsicht bezüglich der direkten Bundes-
steuer erstinstanzlich in die Zuständigkeit des Steuerrekursgerichts. Hinsichtlich der
Staats- und Gemeindesteuern ist es naheliegend, als Rechtsmittel gegen die Ableh-
nungsverfügung den Rekurs zuzulassen und für dessen Behandlung erstinstanzlich
ebenfalls das Steuerrekursgericht als zuständig zu erklären (vgl. § 147 Abs. 1 StG).
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Denn diese Gleichschaltung des Rechtsmittelwegs mit demjenigen bei der direkten
Bundessteuer drängt sich sowohl von der Sache her als auch aus Gründen der vertika-
len Steuerharmonisierung auf (vgl. Art. 50 StHG).
3. a) Berechtigt zur Akteneinsicht sind die steuerpflichtige Person und ihr ver-
traglicher oder gesetzlicher Vertreter. Auch Erben besitzen ein grundsätzlich gleiches
Akteneinsichtsrecht wie die steuerpflichtige Person (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 3. A., 2016, Art. 114 N 27 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/
Rohner, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 4. A., 2021, § 124 N 25 StG). Dies
stellt die Folge davon dar, dass die Erben als Universalsukzessoren in die Rechtsstel-
lung des Erblassers vollständig und ohne weiteres Zutun eintreten (Art. 560 ZGB sowie
Ivo Schwander, in: Basler Kommentar, 6. A., 2019, Art. 560 N 1 ff.). Anknüpfend an
diese zivilrechtliche Regelung halten auch Art. 12 Abs. 1 DBG und § 11 Abs. 1 StG
fest, dass beim Versterben des Steuerpflichtigen die Erben in seine Rechte und Pflich-
ten eintreten.
Als Erben gelten diejenigen Personen, die von Gesetzes wegen, durch letzt-
willige Verfügung oder kraft Erbvertrag zur Erbschaft berufen sind. Sind mehrere Erben
vorhanden, steht jedem Einzelnen das Akteneinsichtsrecht zu (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Art. 114 N 27 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Rohner, § 124 N 25 StG, auch
zum Folgenden). Wer als Erbe Akteneinsicht verlangt, hat seine Erbberechtigung (z.B.
mit einer Erbbescheinigung) nachzuweisen.
Stirbt ein Steuerpflichtiger, so sind als Folge der erwähnten Universal-/
Steuersukzession an dessen Stelle seine Erben berechtigt, das Akteneinsichtsrecht
auszuüben.
b) Gemäss Art. 114 Abs. 2 DBG ist das Akteneinsichtsrecht allerdings ausge-
schlossen, wenn ihm schützenswerte öffentliche oder private Interessen entgegenste-
hen. Erforderlich ist somit eine Interessenabwägung. Abzuwägen sind die öffentlichen
oder privaten Interessen an der Geheimhaltung gegenüber den Interessen des Steuer-
pflichtigen um umfassenden Einblick in die verfahrenserheblichen Akten. Massgebend
ist dabei der Verhältnismässigkeitsgrundsatz. Nach diesem Grundsatz entscheidet sich
auch, ob die Einsicht aufgeschoben, eingeschränkt oder gänzlich ausgeschlossen
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werden soll (Zweifel/Hunziker in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bun-
desgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. A., 2017, Art. 114 N 26 DBG, m.w.H.).
Das Recht des Steuerpflichtigen, in die von ihm selber eingereichten Akten
Einsicht zu nehmen, ist indessen nach dem Gesetzeswortlaut grundsätzlich an keine
weiteren Voraussetzungen geknüpft. Insbesondere hat in diesem Fall keine Interes-
senabwägung stattzufinden. Da die Erben des Steuerpflichtigen auch im Steuerrecht
als Gesamtnachfolger in dessen Rechte und Pflichten eintreten (Art. 12 Abs. 1 DBG,
§ 11 Abs. 1 StG), steht ihnen dieses voraussetzungslose Einsichtsrecht grundsätzlich
ebenfalls zu, auch wenn sie die betreffenden Aktenstücke nicht selber eingereicht bzw.
unterzeichnet haben. Das Bundesgericht hat indessen entschieden, dass das Akten-
einsichtsrecht der Erben als Rechtsnachfolger nicht uneingeschränkt gilt und weniger
weit geht (BGr, 10. Februar 1999 = StE 2000 B 92.52. Nr. 3, auch zum Folgenden). So
ist einerseits der Geheimnissphäre des Erblassers Rechnung zu tragen. Andererseits
könnte der Kontrollzweck des amtlichen Inventars während der Dauer eines Inventari-
sationsverfahrens durch eine vorzeitige Gewährung der Akteneinsicht vereitelt werden
(Peter Locher, Kommentar zum DBG, III. Teil, 2015, Art. 114 N 27).
Das Steuerinventar bezweckt, das am Todestag vorhandene Vermögen mög-
lichst rasch festzustellen, zu sichten und zu bewerten. Die Inventarisation bedeutet
deshalb in erster Linie eine Bestandesaufnahme und Bewertung der dem Verstorbenen
am Todestag zustehenden Aktiven und Passiven. Das Steuerinventar dient dabei
hauptsächlich als Grundlage für die Feststellung allfälliger Steuerhinterziehungen
durch den Erblasser (Kontrollmittel) und als Grundlage für eine sachgerechte Veranla-
gung des Erblassers für die noch offenen Veranlagungen.
Die Mitwirkungspflichten, welche den Erben im Rahmen des Inventarisations-
verfahren zukommen, werden in Art. 157 DBG bzw. § 166 StG geregelt. Demnach sind
die Erben dazu verpflichtet über alle Verhältnisse, die für die Feststellung der Steuer-
faktoren des Erblassers von Bedeutung sein können, wahrheitsgemäss Auskunft zu
erteilen, die Bücher, Urkunden, Ausweise und Aufzeichnungen, die über den Nachlass
Aufschluss verschaffen können, vorzuweisen und alle Räumlichkeiten und Behältnisse
zu öffnen, die dem Erblasser zur Verfügung gestanden haben.
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4. Die Streitfrage im vorliegenden Verfahren beschränkt sich einzig und allein
darauf, ob die Vorinstanz die Akteneinsicht zu Recht mit Verweis auf das laufende In-
ventarisationsverfahren verweigert hat.
a) Die Beschwerdeführerin lässt dazu ausführen, dass es angesichts der Haf-
tung der Erben für Steuerschulden nicht angehe, dass den steuerpflichtigen Erben die
Einsicht in die Steuerunterlagen verweigert und es ihnen damit verunmöglicht werde,
sich rasch einen Überblick über die finanzielle Situation des Erblassers sowie allfällige
Steuerforderungen zu verschaffen. Gerade für Erben, die kein enges Verhältnis zum
Erblasser hätten, oder bei sehr komplexen Verhältnissen sei es wichtig, möglichst
rasch Informationen zur finanziellen Situation des Erblassers zu erhalten (vgl. Daniel
Leu, Auskunftsrechte von Erben wirtschaftlich Berechtigter de lege lata und de lege
ferenda, successio, 2017, S. 270 ff., S. 275.; Marc'Antonio Iten, Die Willensvollstre-
ckung in fünf Phasen, 2019, Rz. 315).
Mit Verweis auf einen Entscheid der Steuerrekurskommission Basel Stadt
lässt die Beschwerdeführerin sodann ausführen, dass der Kontrollzweck der Inventari-
sation aufgrund der zwischenzeitlichen Einführung der straflosen Selbstanzeige von
Erben mittlerweile erheblich an Bedeutung verloren habe (BJM 2019, S. 261 ff., E. 3c).
Ausserdem würden ‒ wenn die Erben unversteuerte Vermögenswerte anzeigen ‒ heu-
te nur noch drei anstatt früher zehn Steuerperioden nachbesteuert. Die rechtliche Aus-
gangslage sei somit eine andere als im Zeitpunkt als der einschlägige BGr, 10. Febru-
ar 1999, 2A.276/1998 (StE 2000 B 92.52 Nr. 3) entschieden wurde. Ein weiterer
Unterschied zum besagten Bundesgerichtsentscheid bestehe sodann darin, dass die
Erben den Erblasser im vom Bundesgericht zu beurteilenden Sachverhalt gekannt hät-
ten. Dies treffe vorliegend jedoch gerade nicht zu. Da die Erben den Erblasser nicht
gekannt hätten, sei das Verweigern der Akteneinsicht zudem ohnehin nicht geeignet
um eine allfällige Steuerhinterziehung zu verhindern. Es habe kein Naheverhältnis zum
Erblasser bestanden, weshalb sie keine Angaben zu dessen detaillierten Vermögens-
verhältnissen machen können.
b) Die Inventaraufnahme dient – wie bereits ausgeführt – mitunter als Kon-
trollmittel. Geprüft werden soll, ob der Erblasser seinen Steuerpflichten nachgekom-
men ist (Wetzel/Malla in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz
über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, 3. A.,
2017, Art. 54 N 4, mit weiteren Hinweisen, auch zum Folgenden). Das amtliche Inven-
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tar ist ein bewährtes und wirksames Mittel, um Steuerhinterziehungen festzustellen,
vermag es doch wertvolle Anhaltspunkte über das Einkommen des Erblassers zu ver-
mitteln. Im Kanton Zürich werden denn auch rund 30% der Steuerhinterziehungen bei
der Inventaraufnahme entdeckt. Der Umstand dass eine Nachsteuer über allfällig hin-
terzogene Bestandteile von Vermögen und Einkommen nur noch mit Bezug auf die
letzten drei vor dem Todesjahr abgelaufenen Steuerperioden erhoben wird (Art. 153a
Abs. 2 DBG), mag möglicherweise dazu führen, dass ein geringerer Anreiz besteht,
dem Steueramt bislang unbekannte Vermögenswerte und Einkommensbestandteile zu
verschweigen. Es ändert jedoch nichts daran, dass die Inventarisation nach wie vor
primär dazu dient und geeignet ist, allfällige Steuerhinterziehungen aufzudecken. Ob
Anhaltspunkte für eine allfällige Steuerhinterziehung durch den Erblasser bestehen, ist
derweil unerheblich. Nicht einzusehen ist sodann, inwiefern die Einführung der straflo-
sen Selbstanzeige den Kontrollzweck der Inventarisation mindern würde, hat doch die
Steuerbehörde keinerlei Einfluss darauf, ob ein Steuerpflichtiger davon Gebrauch
macht oder nicht. Nach dem Gesagten besteht somit unverändert ein öffentliches Inte-
resse, welches eine Verweigerung der Akteneinsicht für die Dauer des Inventarisati-
onsverfahrens rechtfertigt.
Damit die Akteneinsicht dennoch bereits vor Abschluss des Inventarisations-
verfahrens zu gewähren wäre, müsste ein gegenüber dem öffentlichen Interesse höher
zu gewichtendes privates Interesse der Beschwerdeführerin vorliegen. Vorab ist darauf
hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin das Erbe angenommen bzw. nicht ausge-
schlagen hat (vgl. Art. 566 und 567 ZGB). Soweit sie somit geltend macht, dass die
Akteneinsicht vor Abschluss des Inventarisationsverfahrens gewährt werden müsse,
damit sie in der Lage ist, sich ein Bild über allfällig bestehende Steuerschulden zu ma-
chen, ist sie nicht zu hören. Die Ausschlagungsfrist und die damit verbundene Möglich-
keit, sich von allfälligen Schulden des Nachlasses zu befreien, ist bereits unlängst ab-
gelaufen. Damit ist eine zeitliche Dringlichkeit mit Bezug auf die Gewährung der
Akteneinsicht in dieser Hinsicht von vornherein nicht ersichtlich.
Im Wesentlichen argumentiert die Beschwerdeführerin damit, dass sie dem
Erblasser nicht nahe gestanden sei und ihr sowie den übrigen Erben demzufolge keine
Details zu dessen Einkommens- und Vermögensverhältnisse bekannt seien. Wie die
Vorinstanz zutreffend ausführt, ist das persönliche Verhältnis zum Erblasser in dieser
Hinsicht von untergeordneter Bedeutung. Selbst wenn man sich sehr nahe steht, weiss
man über die konkreten Einkommens- und Vermögensverhältnisse – sowie insbeson-
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dere wie das Vermögen angelegt wurde – des Erblassers üblicherweise wenig bis gar
nichts. Mit dem Ableben des Erblassers erhält man jedoch Zugang zu dessen Unterla-
gen und Hinterlassenschaften und erlangt somit das für das Inventarisationsverfahren
erforderliche Wissen über den Nachlass. Wie aus den Ausführungen der Beschwerde-
führerin sowie der von ihr in diesem Verfahren eingereichten Steuererklärung 2019
hervorgeht, war ihr bekannt, dass der Erblasser zuletzt im Pflegezentrum H an der
...strasse .. in B wohnhaft war. Die Beschwerdeführerin behauptet diesbezüglich, dass
der gesamte Inhalt des vom Erblasser bewohnten Zimmers inkl. Mobiliar "covidge-
recht" entsorgt worden sei, noch bevor die Erben erstmals von der Erbberechtigung
ansatzweise erfuhren. Der Beschwerdeführerin war nach eigenen Angaben auch be-
kannt, dass der Erblasser zuletzt verbeiständet war. Angeblich scheiterte der Versuch,
mit dem Beistand in Kontakt zu treten bzw. erhielt die Beschwerdeführerin von diesem
keine Antwort. Auch die KESB verweigere die Auskunft mit Verweis auf das Amtsge-
heimnis. Hinsichtlich dieser Bemühungen beschränkt sich die Beschwerdeführerin al-
lerdings auf unsubstanziierte Behauptungen und bringt keine entsprechenden Belege
bei. Dass das Pflegeheim sämtliches Hab und Gut des Erblassers nicht bloss aus dem
Zimmer entfernt, sondern gleich umgehend entsorgt hat, noch bevor feststand, ob
überhaupt Erben vorhanden sind, welche möglicherweise ein Interesse an den Hinter-
lassenschaften geltend machen, erscheint lebensfremd und nicht glaubhaft. Der Erb-
schein bescheinigt die Erbenstellung der Beschwerdeführerin. Hiermit sollte sie bei der
KESB bzw. dem zuständigen Beistand ohne Weiteres Auskunft über die finanziellen
Verhältnisse des Erblassers erhalten. Aus dem Wesen der Universalsukzession im
Sinn von Art. 560 ZGB folgt schliesslich, dass nicht nur sämtliche Vermögensrechte,
sondern insbesondere auch die Auskunftsansprüche auf die Erben übergehen, soweit
sie nicht höchstpersönliche Rechte des Erblassers betreffen (BGE 133 III 664 S. 667,
E. 2.5). Gemäss Art. 425 ZGB hat der Beistand überdies bei Beendigung des Mandats
zu Handen der KESB einen Schlussbericht zu verfassen, welcher den Erben zugestellt
wird (Abs. 3). Entsprechende Belege, wonach die KESB die Herausgabe dieses Be-
richts verweigert und insbesondere keine Informationen über die Finanzen des Erblas-
sers erteilt hätte – welche klar nicht in den höchstpersönlichen Bereich fallen –, legt die
Beschwerdeführerin denn auch keine vor. Insofern erscheint das Vorbringen der Be-
schwerdeführerin, wonach sie über keinerlei Informationen zum Nachlass des Erblas-
sers verfügt bzw. diese nicht erhältlich sind, als nicht nachvollziehbar. Es muss viel-
mehr davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin sehr wohl über die
Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Erblassers Bescheid weiss oder sie
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zumindest über die Möglichkeiten verfügt, sich die entsprechenden Unterlagen zu be-
schaffen.
Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzustellen, dass der Beschwer-
deführerin der Nachweis eines rechtsgenügenden privaten Interesses für die Gewäh-
rung der Akteneinsicht somit misslingt. Es besteht unter Berücksichtigung des öffentli-
chen Interesses, welches gegen eine Gewährung der Akteneinsicht während einem
laufenden Inventarisationsverfahren spricht, kein Grund, der Beschwerdeführerin vor-
zeitig Akteneinsicht zu gewähren. Der Beschwerdeführerin wurde die Akteneinsicht
durch die Vorinstanz somit einstweilen zu Recht verweigert.
c) Abschliessend bringt die Beschwerdeführerin vor, dass die Beschwerde-
gegnerin die Akteneinsicht in einem weiteren Fall zumindest teilweise gewährt habe.
Die Beschwerdeführerin macht damit sinngemäss einen Verstoss gegen den Grund-
satz der Rechtsgleichheit geltend. Der Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Verwal-
tung geht dem Rechtsgleichheitsprinzip im Konfliktfall in der Regel vor. Wenn eine Be-
hörde in einem Fall eine vom Gesetz abweichende Entscheidung getroffen hat, gibt
das den Privaten, die sich in der gleichen Lage befinden, grundsätzlich keinen An-
spruch darauf, ebenfalls abweichend von dieser Norm behandelt zu werden (BGE 136
V 390, 392). Dies gilt allerdings nur dann, wenn die abweichende Behandlung nur in
einem einzigen oder in einigen wenigen Fällen erfolgt ist. Besteht hingegen eine ei-
gentliche gesetzeswidrige Praxis und lehnt es die Behörde ab, diese aufzugeben, so
können Private verlangen, dass die widerrechtliche Begünstigung, die Dritten zuteil
wurde, auch ihnen gewährt werde (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 8. A., 2020, Rz 599, m.w.H.). Die Beschwerdeführerin spricht selbst von einem
Einzelfall, in welchem das Gesuch um Akteneinsicht offenbar anders gehandhabt wor-
den sei. Damit fehlt es bereits an der Voraussetzung einer eigentlichen gesetzeswidri-
gen Praxis. Zudem liegt dem Entscheid eine Interessenabwägung zugrunde, die je
nach den Umständen anders ausfallen kann. Gestützt darauf kann im Sinne einer anti-
zipierten Beweiswürdigung auf eine weitere Untersuchung verzichtet werden, da diese
am Ergebnis so oder anders nichts zu ändern vermögen würde.
5. Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Rechtsmittel. Ausgangsge-
mäss sind die Kosten des Verfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 144
Abs. 1 DBG bzw. § 151 Abs. 1 StG). Die Zusprechung einer Parteientschädigung ent-
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fällt (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwal-
tungsverfahren vom 20. Dezember 1968; § 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwal-
tungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959).