Decision ID: 2c05a50e-d982-56ee-92c3-a84067ac78dd
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Beschluss vom 8. Oktober 2013 verabschiedete die Regierung des
Kantons Graubünden (nachfolgend: Regierung oder Vorinstanz) die neue
Spitalplanung Psychiatrie (Dispositiv-Ziff. 1), erliess eine neue Spitalliste
Psychiatrie und setzte diese auf den 1. November 2013 in Kraft (Dispositiv-
Ziff. 2). Gleichzeitig hob sie ihre bisher gültige Spitalliste (Stand Juli 2012),
Teil Psychiatrie, auf (Dispositiv-Ziff. 3). Mit der neuen Spitalliste wurde der
Clinica Holistica Engiadina, Susch, ein Leistungsauftrag für Stressfolgeer-
krankungen (Akutpsychiatrie) erteilt (Protokoll Nr. 936 [nachfolgend: RRB
936] sowie amtliche Publikation vom 10. Oktober 2013; act. 1 Beilage 2
und 3). Im Unterschied zum bisherigen Leistungsauftrag wurde keine Be-
schränkung der Bettenkapazität mehr vorgenommen.
B.
Gegen den RRB 936 erhob der Kanton Zürich, vertreten durch die Gesund-
heitsdirektion des Kantons Zürich, mit Datum vom 11. November 2013 Be-
schwerde und beantragte, die Spitalliste Psychiatrie des Kantons Graubün-
den vom 8. Oktober 2013 sei mit Bezug auf die Zulassung der Clinica Ho-
listica Engiadina, Susch (nachfolgend Clinica Holistica oder Beschwerde-
gegnerin) aufzuheben und zum neuen Entscheid an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. Eventualiter sei der Leistungsauftrag an die Clinica Holistica auf
die Zulassung von insgesamt fünf Betten zu Lasten der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung (OKP) zu beschränken (act. 1).
B.a Der Beschwerdeführer begründete seine Beschwerdelegitimation da-
mit, dass er durch die unbeschränkte Aufnahme der Clinica Holistica in die
Spitalliste Psychiatrie in mehreren schützenswerten Interessen betroffen
sei, nämlich in seinem Mitwirkungsinteresse an der Planung, seinem finan-
ziellen Interesse und seinem Planungsinteresse.
B.b In materieller Hinsicht rügte der Beschwerdeführer im Wesentlichen,
der erteilte Leistungsauftrag an die Clinica Holistica beruhe auf einer KVG-
widrigen Planung im Bereich Psychiatrie. Insbesondere seien die Patien-
tenströme ungenügend abgeklärt, die Pflicht zur Koordination nicht beach-
tet und keine Wirtschaftlichkeitsprüfung und Betriebsvergleiche vorgenom-
men worden. Zudem habe die Vorinstanz den Bedarf nicht rechtskonform
ermittelt und ungerechtfertigte Überkapazitäten zu Lasten der OKP ge-
schaffen. Schliesslich macht der Beschwerdeführer auch eine Gehörsver-
letzung geltend.
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C.
Der Instruktionsrichter beschränkte den Schriftenwechsel zunächst auf die
Frage der Beschwerdelegitimation (Verfügung vom 5. Dezember 2013
[act. 2]). Den Antrag der Beschwerdegegnerin vom 16. Dezember 2013, es
sei der Beschwerde vom 11. November 2013 die aufschiebende Wirkung
– ohne vorgängige Anhörung der Gegenpartei – zu entziehen (act. 3), wies
der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 19. Dezember 2013
(betreffend superprovisorischen Entzug [act. 4]) und Zwischenverfügung
vom 14. Januar 2014 (act. 10) ab.
D.
Nach Eingang der Stellungnahmen der Parteien (vgl. act. 5, 9, 16-18) und
des Bundesamtes für Gesundheit (BAG [act. 11]) zur Beschwerdelegitima-
tion sowie einem Meinungsaustausch mit dem Bundesgericht zur Zustän-
digkeitsfrage (act. 21 f.), bejahte das Bundesverwaltungsgericht seine Zu-
ständigkeit, die Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers und trat
auf die Beschwerde ein (Zwischenverfügung vom 23. Juli 2014).
E.
Auf die dagegen erhobene Beschwerde der Regierung vom 12./14. August
2014 trat das Bundesgericht mit Urteil 2C_706/2014 vom 20. August 2014
nicht ein (act. 38).
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 22. August 2014 schloss die Vorinstanz auf
Abweisung der Beschwerde (act. 37). Zur Begründung führte sie unter an-
derem aus, die Clinica Holistica sei seit dem 31. August 2010 (RRB
815/2010) zur Tätigkeit zu Lasten der OKP zugelassen, wobei ihr fünf Bet-
ten für Bündner KVG-Patientinnen und Patienten zugewiesen worden
seien. Aufgrund der KVG-Revision zur Spitalfinanzierung sei eine neue,
leistungsorientierte Planung vorgenommen worden. Entsprechend enthiel-
ten die Spitallisten Akutsomatik, Rehabilitation und Psychiatrie Zuweisun-
gen von Leistungsbereichen und nicht mehr Zuweisungen von Betten.
Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers seien die Planungsvor-
gaben gemäss Art. 58a KVV beachtet worden. Der Kanton Graubünden
habe die ausserkantonalen Patientenströme in die Clinica Holistica abge-
klärt und gewürdigt. Die von der Clinica Holistica erbrachten Pflegetage für
Zürcher Patientinnen und Patienten (3'306 im Jahr 2012, was neun Betten
entspreche) seien mit Blick auf die Gesamtmenge der im Strukturbericht
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Seite 4
Psychiatrie des Kantons Zürich für den Bereich F3 (Diagnosegruppe affek-
tive Störungen gemäss internationaler Klassifikation psychischer Störun-
gen [ICD-10]) ausgewiesenen Pflegetage (von 120'145 im Jahr 2009) als
marginal zu qualifizieren. Ein Einwirken auf die Zürcher Verordnungspla-
nung sei zu verneinen. Daher habe sich beim Erlass der Spitalliste Psychi-
atrie vom November 2013 eine Koordination der Planung mit dem Kanton
Zürich erübrigt. Die Wirtschaftlichkeit der Clinica Holistica sei bereits mit
Beschluss vom 31. August 2010 geprüft und bejaht worden.
G.
Die Beschwerdegegnerin liess in ihrer Beschwerdeantwort vom 8. Septem-
ber 2014 folgende Anträge stellen (act. 41):
1. Die Beschwerde vom 11. November 2013 sei vollumfänglich abzuwei-
sen.
2. Eventualiter 1: Sollte das Hauptbegehren des Kantons Zürich gutge-
heissen werden, so sei festzustellen, dass bis zum neuen Entscheid
der Regierung betreffend Leistungsauftrag der Clinica Holistica, die
Clinica Holistica ohne Kapazitätsbegrenzung auf der Spitalliste fun-
giert – falls dies abgewiesen wird – eventualiter im Umfang wie durch
den Leistungsauftrag der alten Bündner Spitalliste (Stand Juli 2012)
festgehalten.
3. Eventualiter 2: Sollte das Bundesverwaltungsgericht über die Anträge
des Kantons Zürich hinausgehen und die Clinica Holistica von der Spi-
talliste streichen, so sei der Clinica Holistica eine Übergangsfrist von
12 Monaten einzuräumen, währenddessen die Clinica Holistica ohne
Kapazitätsbegrenzung auf der Spitalliste fungiert, – falls dies abgewie-
sen wird – eventualiter im Umfang wie durch den Leistungsauftrag der
alten Bündner Spitalliste (Stand Juli 2012) festgehalten.
4. Eventualiter 3: Sollte das Eventualbegehren des Kantons Zürich ganz
oder teilweise gutgeheissen werden, so sei der Clinica Holistica eine
Frist von 12 Monaten einzuräumen, währenddessen diese ohne Ka-
pazitätsbegrenzung auf der Spitalliste fungiert, – falls dies abgewiesen
wird – eventualiter im Umfang wie durch den Leistungsauftrag der al-
ten Bündner Spitalliste (Stand Juli 2012) festgehalten.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschwerde-
führers.
Die Beschwerdegegnerin nahm eingehend zu den Vorbringen des Be-
schwerdeführers Stellung. Unter Hinweis auf ein rechtliches Kurzgutachten
von Prof. Dr. Bernhard Rütsche vom 31. August 2014 (act. 41 B 15; nach-
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folgend: Rütsche Kurzgutachten) machte sie namentlich geltend, der Kan-
ton Graubünden könne von Bundesrechts wegen nicht verpflichtet werden,
im Leistungsauftrag an die Clinica Holistica mittels Vorgabe von Bettenzah-
len (oder auf andere Weise) Mengenbegrenzungen vorzusehen. Der Kan-
ton Zürich könne nicht geltend machen, die Clinica Holistica sei für die Ver-
sorgung der Bündner Bevölkerung nicht notwendig oder durch die Ertei-
lung des Leistungsauftrages an die Clinica Holistica seien die Planungskri-
terien der Qualität und Wirtschaftlichkeit verletzt worden. Der Kanton Grau-
bünden sei nicht verpflichtet gewesen, seine Spitalplanung in Bezug auf
die Erteilung des Leistungsauftrages an die Clinica Holistica mit dem Kan-
ton Zürich zu koordinieren.
Die Beschwerdegegnerin vertrete nach wie vor die Ansicht, der Kanton Zü-
rich sei durch die Spitalplanung des Kantons Graubünden nicht besonders
beschwert und wäre daher nicht zur Beschwerde legitimiert. Sodann er-
wachse dem Kanton Zürich aus den gestellten Begehren kein praktischer
Nutzen.
H.
Auf entsprechende Einladung des Instruktionsrichters nahm das BAG am
15. Oktober 2014 Stellung (act. 43). Das Amt verwies insbesondere auf
seine Stellungnahme zur Beschwerdelegitimation vom 12. Februar 2014
(vgl. act. 11), in welcher es das System der Planung nach dem revidierten
KVG dargelegt und begründet habe, weshalb der Kanton Zürich nicht in
schutzwürdigen Interessen betroffen sei. Bei der Koordination zwischen
den Kantonen gehe es darum, sicherzustellen, dass die Patientinnen und
Patienten die notwendige Behandlung erhalten könnten, ohne die Planung
anderer Kantone zu beeinträchtigen. Eine Mengensteuerung würde die
Spitalwahlfreiheit und den Wettbewerb zwischen den Spitälern beeinträch-
tigen. Die "Abgrenzung der Überkapazitäten" sei im System der neuen Spi-
talfinanzierung "nur indirekt und begrenzt durch eine Steuerung des Ange-
botes möglich" (S. 4). Sodann sei "die Führung einer Kapazitätsplanung
nicht gleichbedeutend mit einer Festsetzung der Kapazitätsmengen". Die
Planung sei leistungsorientiert oder kapazitätsorientiert, weil namentlich
die Bestimmung des Bedarfs und die Evaluation des Angebotes aufgrund
von Leistungszahlen oder Bettenzahlen stattfänden. Art. 58e KVV sehe ko-
härent mit dem System der Spitalfinanzierung keine Mengensteuerung vor
(S. 5).
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I.
Die Clinica Holistica schloss sich in ihren Schlussbemerkungen vom 3. No-
vember 2014 den Ausführungen des BAG an und verwies im Übrigen auf
ihre Beschwerdeantwort (act. 48).
J.
Auch die Vorinstanz schloss sich den Ausführungen des BAG an und ver-
zichtete auf weitere Bemerkungen (Stellungnahme vom 11./12. November
2014; act. 50).
K.
Nach gewährter Akteneinsicht (vgl. act. 49 und 52) reichte der Beschwer-
deführer am 26. November 2014 seine Schlussstellungnahme ein (act. 52).
Darin ging er zunächst auf die Koordinationspflicht ein und führte aus, die
Vorgaben des Art. 58d KVV hätten eine formelle und eine materielle Seite.
Die Nichtbeachtung dieser Verpflichtung stelle auch eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör dar, weshalb der angefochtene Be-
schluss bereits aus formellen Gründen aufzuheben sei. Weiter nahm er zur
Vernehmlassung der Vorinstanz, zur Beschwerdeantwort der Beschwerde-
gegnerin bzw. zum Kurzgutachten von Rütsche sowie zum Bericht des
BAG Stellung.
L.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin reichte am 15. Dezember
2014 ihre Kostennote zu den Akten (act. 55).
M.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereich-
ten Akten wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen
der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Seite 7

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Juli 2014 hat das Bundesverwaltungsge-
richt seine Zuständigkeit sowie die Beschwerdelegitimation des Beschwer-
deführers bejaht und ist auf die Beschwerde eingetreten. Auf die dagegen
erhobene Beschwerde ist das Bundesgericht mit Urteil 2C_706/2014 vom
20. August 2014 nicht eingetreten. Im Urteil BGer 9C_849/2014 vom
21. Mai 2015 (zur BGE-Publikation vorgesehen) hat sich das Bundesge-
richt eingehender mit der Zuständigkeitsfrage auseinandergesetzt und
festgehalten, der Status der Beschwerde führenden Parteien habe keinen
Einfluss auf den Rechtsmittelweg, weshalb ein Klageverfahren nach
Art. 120 Abs. 1 Bst. b BGG auch dann ausgeschlossen sei, wenn zwei
Kantone am Recht stünden. Vielmehr stehe allen Betroffenen gegen einen
Zulassungsentscheid gemäss Art. 39 KVG ausschliesslich die Beschwerde
an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 53 Abs. 1 KVG) offen
(9C_849/2014 E. 1.4). Betreffend die Zuständigkeit des Bundesverwal-
tungsgerichts und die Beschwerdelegitimation bzw. die Prüfung der Eintre-
tensvoraussetzungen kann daher auf die Zwischenverfügung vom 23. Juli
2014 verwiesen werden.
2.
Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich gemäss
Art. 37 VGG und Art. 53 Abs. 2 Satz 1 KVG grundsätzlich nach den Vor-
schriften des VwVG. Vorbehalten bleiben allfällige Abweichungen des VGG
und die besonderen Bestimmungen des Art. 53 Abs. 2 KVG.
2.1 Mit Beschwerde gegen einen Spitallistenentscheid im Sinne von Art. 39
Abs. 1 KVG kann die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des
Missbrauchs oder der Überschreitung des Ermessens und die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-
rügt werden. Nicht zulässig ist hingegen die Rüge der Unangemessenheit
(Art. 53 Abs. 2 Bst. e KVG i.V.m. Art. 49 VwVG).
2.2 Die Beschwerdegegnerin verweist – zu Recht – auf die Rechtspre-
chung des Bundesgerichts, wonach bei Vorliegen der Beschwerdelegitima-
tion der Beschwerdeführer mit sämtlichen ihm gemäss anwendbaren Pro-
zessrecht zustehenden Rügen zugelassen ist, sofern ihm durch die Gut-
heissung der Beschwerde ein praktischer Nutzen entstehen könnte (BGE
137 II 30 E. 2.3). Das Anfechtungsinteresse muss nicht mit dem Interesse
übereinstimmen, das durch die vom Beschwerdeführer als verletzt be-
zeichneten Normen geschützt wird (BGE 141 II 50 E. 2.1; 137 II 30
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E. 2.2.3). Beschwerdelegitimation und Beschwerdegründe sind auch im
Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht bzw. im Anwendungsbereich des
VwVG auseinanderzuhalten (vgl. KÖLZ/HÄNER/ BERTSCHI, Verwaltungsver-
fahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, S. 327;
BGE 139 II 499 E. 2.2; 137 II 30 E. 2.3; Urteil BGer 1C_492/2010 vom
23. März 2011 E. 3.2; KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffentliches Verfahrens-
recht, 2012, Rz. 1432; MARTIN BERTSCHI, in: Kommentar Verwaltungs-
rechtspflegegesetzes des Kantons Zürich [VRG], 3. Aufl. 2014, § 21 Rz. 18
f.).
2.3 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (vgl. act. 41 Rz. 38 ff.)
ist der praktische Nutzen vorliegend ohne Weiteres zu bejahen, würde die
Clinica Holistica doch bei Gutheissung der Beschwerde nicht so wie von
der Vorinstanz vorgesehen auf der Bündner Spitalliste vom November
2013 figurieren (vgl. BGE 137 II 30 E. 2.3 und 1C_492/2010 E. 3.2). Nicht
entscheidend ist, worin der Nutzen des Kantons Zürich aus Sicht der Cli-
nica Holistica bestehen könnte oder welches die (nicht dargelegten) Be-
weggründe des Beschwerdeführers sein könnten (vgl. act. 41 Rz. 39 ff.);
vorbehalten bleibt das Rechtsmissbrauchsverbot (vgl. BERTSCHI, a.a.O.,
§ 21 Rz. 21).
2.4 Demnach kann der zur Beschwerde legitimierte Beschwerdeführer ge-
stützt auf Art. 49 Bst. a VwVG auch die Verletzung von KVG- (oder KVV-
)Bestimmungen rügen, die nicht den Schutz seiner Interessen bezwecken
(vgl. auch KIENER/RÜTSCHE/KUHN, a.a.O., Rz. 1432; BERTSCHI, a.a.O.,
Rz. 19). Zu beachten ist aber, dass die Rüge der Unangemessenheit nicht
zulässig ist und der Kanton bei der Spitalplanung bzw. beim Erlass der Spi-
talliste über einen erheblichen Ermessensspielraum verfügt (Urteile BVGer
C-401/2012 vom 28. Januar 2014 E. 3.2 und C-6088/2011 vom 6. Mai 2014
E. 2.5.3.2, je mit Hinweisen). Soweit das KVG gewisse Planungsmassnah-
men in das Ermessen der Kantone stellt (was im Rahmen der materiellen
Prüfung zu beurteilen sein wird), kann sich daher nicht die Frage stellen,
ob ein Kanton "auf Geheiss anderer Kantone" (Rütsche Kurzgutachten,
Rz. 7) zur Vornahme bestimmter Massnahmen verpflichtet werden soll.
3.
Streitgegenstand im vorliegenden Verfahren bildet die Frage, ob der ange-
fochtene RRB 936, soweit der Clinica Holistica damit ein Leistungsauftrag
für Stressfolgeerkrankungen erteilt wurde, den Grundsätzen des KVG ent-
spricht.
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Seite 9
3.1 Der angefochtene Beschluss wurde am 8. Oktober 2013 erlassen, wes-
halb die im Rahmen der KVG-Revision zur Spitalfinanzierung vorgenom-
menen und am 1. Januar 2009 in Kraft getretenen Änderungen des Geset-
zes (Änderung vom 21. Dezember 2007, AS 2008 2049) und der Ausfüh-
rungsbestimmungen (insbesondere KVV [SR 832.102], Änderung vom
22. Oktober 2008, AS 2008 5097) zu beachten sind (vgl. auch Urteile
BVGer C-325/2010 vom 7. Juni 2012 E. 3 und C-4302/2011 vom 15. Juli
2015 E. 3.2).
3.2 Art. 39 Abs. 1 KVG, welcher – in Verbindung mit Art. 35 Abs. 1 KVG –
bestimmt, unter welchen Voraussetzungen Spitäler zur Tätigkeit zu Lasten
der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) zugelassen wer-
den, hat mit der Revision zur Spitalfinanzierung keine Änderung erfahren.
Demnach muss ein Spital eine ausreichende ärztliche Betreuung gewähr-
leisten, über das erforderliche Fachpersonal und zweckentsprechende me-
dizinische Einrichtungen verfügen und eine zweckentsprechende pharma-
zeutische Versorgung gewährleisten (Bst. a-c). Im Weiteren muss ein Spi-
tal für die Zulassung der von einem oder mehreren Kantonen gemeinsam
aufgestellten Planung für eine bedarfsgerechte Spitalversorgung entspre-
chen, wobei private Trägerschaften angemessen in die Planung einzube-
ziehen sind (Bst. d). Bst. e setzt schliesslich voraus, dass die Spitäler oder
die einzelnen Abteilungen in der nach Leistungsaufträgen in Kategorien
gegliederten Spitalliste des Kantons aufgeführt sind.
Art. 39 Abs. 1 Bst. a-c KVG regeln die Dienstleistungs- und Infrastrukturvo-
raussetzungen, welche in erster Linie durch die Behörden des Standort-
kantons zu prüfen sind. Bst. d statuiert eine Bedarfsdeckungs- und Koordi-
nationsvoraussetzung und Bst. e eine Publizitäts- und Transparenzvoraus-
setzung (an welche Rechtswirkungen geknüpft werden). Die Vorausset-
zungen gemäss Bst. d und e sollen eine Koordination der Leistungserbrin-
ger, eine optimale Ressourcennutzung und eine Eindämmung der Kosten
bewirken (BVGE 2010/15 E. 4.1 mit Hinweis auf die Botschaft des Bundes-
rates über die Revision der Krankenversicherung vom 6. November 1991
[BBl 1992 I 166 f.]; C-401/2012 E. 6.1; zur Bedeutung im revidierten KVG
vgl. auch nachfolgende E. 4).
3.3 Seit dem 1. Januar 2009 sind die Kantone nach Art. 39 KVG zudem
(ausdrücklich) verpflichtet, ihre Planung zu koordinieren (Abs. 2) und im
Bereich der hochspezialisierten Medizin gemeinsam eine gesamtschwei-
zerische Planung zu beschliessen (Abs. 2bis). Weiter hat der Bundesrat ein-
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heitliche Planungskriterien auf der Grundlage von Qualität und Wirtschaft-
lichkeit zu erlassen, wobei er zuvor die Kantone, die Leistungserbringer
und die Versicherer anzuhören hat (Abs. 2ter). Diesem Auftrag ist der Bun-
desrat mit dem Erlass der Art. 58a ff. KVV (in Kraft seit 1. Januar 2009)
nachgekommen.
3.4 Gemäss Abs. 3 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des KVG
vom 21. Dezember 2007 (Spitalfinanzierung [nachfolgend: UeB KVG])
müssen die kantonalen Spitalplanungen spätestens drei Jahre nach dem
Einführungszeitpunkt der Regelungen gemäss Abs. 1 UeB KVG (d.h. spä-
testens auf den 1. Januar 2015) den Anforderungen von Art. 39 KVG ent-
sprechen. Dabei müssen sie auf Betriebsvergleiche zu Qualität und Wirt-
schaftlichkeit abgestützt sein.
3.5 Die seit 1. Januar 2009 anwendbaren (C-325/2010 E. 4.6) Planungs-
kriterien legen Folgendes fest:
3.5.1 Die Spitalplanung für eine bedarfsgerechte Versorgung im Sinne von
Art. 39 Abs. 1 Bst. d KVG umfasst die Sicherstellung der stationären Be-
handlung im Spital für Einwohnerinnen und Einwohner der Kantone, die die
Planung erstellen. Die Kantone habe ihre Planung periodisch zu überprü-
fen (Art. 58a KVV).
3.5.2 Gemäss Art. 58b KVV ermitteln die Kantone den Bedarf in nachvoll-
ziehbaren Schritten. Sie stützen sich namentlich auf statistisch ausgewie-
sene Daten und Vergleiche (Abs. 1). Sie ermitteln das Angebot, das in Ein-
richtungen beansprucht wird, die nicht auf der von ihnen erlassenen Liste
aufgeführt sind (Abs. 2). Sie bestimmen das Angebot, das durch die Auf-
führung von inner- und ausserkantonalen Einrichtungen auf der Spitalliste
gemäss Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG zu sichern ist, damit die Versorgung
gewährleistet ist. Dieses Angebot entspricht dem nach Art. 58b Abs. 1 KVV
ermittelten Versorgungsbedarf abzüglich des nach Art. 58b Abs. 2 KVV er-
mittelten Angebots (Abs. 3). Bei der Beurteilung und Auswahl des auf der
Liste zu sichernden Angebotes berücksichtigen die Kantone insbesondere
die Wirtschaftlichkeit und Qualität der Leistungserbringung, den Zugang
der Patientinnen und Patienten zur Behandlung innert nützlicher Frist so-
wie die Bereitschaft und Fähigkeit der Einrichtung zur Erfüllung des Leis-
tungsauftrages (Abs. 4). Weiter werden die Kriterien festgelegt, welche bei
der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit und Qualität zu beachten sind, näm-
lich die Effizienz der Leistungserbringung, der Nachweis der notwendigen
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Seite 11
Qualität und im Spitalbereich die Mindestfallzahlen und die Nutzung von
Synergien (Abs. 5).
3.5.3 Für die Versorgung der versicherten Personen in Spitälern zur Be-
handlung von akutsomatischen Krankheiten sowie in Geburtshäusern
schreibt Art. 58c Bst. a KVV eine leistungsorientierte Planung vor. Die Pla-
nung für die Versorgung der versicherten Personen in Spitälern zur reha-
bilitativen und zur psychiatrischen Behandlung kann hingegen leistungsori-
entiert oder kapazitätsbezogen erfolgen (Art. 58c Bst. b KVV).
3.5.4 Im Rahmen der Verpflichtung zur interkantonalen Koordination der
Planungen (Art. 39 Abs. 2 KVG) müssen die Kantone gemäss Art. 58d KVV
insbesondere die nötigen Informationen über die Patientenströme auswer-
ten und diese mit den betroffenen Kantonen austauschen (Bst. a) sowie
die Planungsmassnahmen mit den davon in ihrer Versorgungssituation be-
troffenen Kantonen koordinieren (Bst. b).
3.5.5 Art. 58e KVV sieht vor, dass die Kantone auf ihrer Liste nach Art. 39
Abs. 1 Bst. e KVG die inner- und ausserkantonalen Einrichtungen auffüh-
ren, die notwendig sind, um das nach Art. 58b Abs. 3 KVV bestimmte An-
gebot sicherzustellen (Abs. 1). Auf den Listen wird für jedes Spital das dem
Leistungsauftrag entsprechende Leistungsspektrum aufgeführt (Abs. 2).
Die Kantone erteilen jeder Einrichtung auf ihrer Liste einen Leistungsauf-
trag nach Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG. Dieser kann insbesondere die Pflicht
zum Notfalldienst beinhalten (Abs. 3).
4.
Vorab ist auf die Frage einzugehen, inwieweit sich die Zielsetzungen der
Spitalplanung mit der KVG-Revision zur Spitalfinanzierung verändert ha-
ben.
4.1 In der Zwischenverfügung vom 23. Juli 2014 hat das Bundesverwal-
tungsgericht erwogen, der Gesetzgeber habe mit der KVG-Revision zur
Spitalfinanzierung in verschiedener Hinsicht mehr Wettbewerbselemente
verankern wollen. Verstärkt werden sollte insbesondere der interkantonale
Wettbewerb durch die Neuregelung der ausserkantonalen Wahlbehand-
lung. Nach Art. 41 Abs. 1bis KVG kann die versicherte Person für die stati-
onäre Behandlung unter den Spitälern frei wählen, die auf der Spitalliste
ihres Wohnkantons oder jener des Standortkantons aufgeführt sind (Lis-
tenspital). Neu muss sich auch der Wohnkanton an den Kosten für eine
ausserkantonale Wahlbehandlung beteiligen (vgl. Art. 41 Abs. 1bis Satz 2
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KVG). Den Wettbewerb fördern soll zudem das Institut des Vertragsspitals.
Der vom Gesetzgeber angestrebte Wettbewerb soll einerseits zwischen
den Listenspitälern (innerkantonal und interkantonal) und andererseits zwi-
schen Listenspitälern und Vertragsspitälern spielen. Er ersetzt aber nicht
die kantonale Planung für eine bedarfsgerechte Spitalversorgung, wie so-
wohl aus Art. 39 Abs. 1 Bst. d KVG als auch aus Art. 58a Abs. 1 KVV her-
vorgeht. Bedarfsgerecht ist die Versorgungsplanung grundsätzlich dann,
wenn sie den Bedarf – aber nicht mehr als diesen – deckt (Zwischenverfü-
gung C-6266/2013 vom 23. Juli 2014 E. 4.6.1 m.w.H.).
4.2 Von den Beteiligten wird Folgendes vorgebracht:
4.2.1 Die Beschwerdegegnerin macht – insbesondere unter Hinweis auf
Rütsche (Kurzgutachten, Rz. 11 ff.) sowie die Stellungnahme des BAG vom
12. Februar 2014 – geltend, unter einer bedarfsgerechten Spitalplanung
sei nach neuem Recht eine Spitalplanung zu verstehen, welche für die
Kantonseinwohnerinnen und -einwohner die Versorgungssicherheit (inkl.
Versorgungsqualität) gewährleiste und gleichzeitig Raum für Wettbewerb
schaffe. Die Planung sei auf die Verhinderung einer Unterversorgung (bzw.
Schlechtversorgung) ausgerichtet. Dies ergebe sich direkt aus dem Wort-
laut von Art. 58b Abs. 3 KVV und sei vom Bundesverwaltungsgericht mit
BVGE 2012/30 E. 4.7 und 4.9 auch so bestätigt worden. Die Kostenein-
dämmung sollte nunmehr durch den Wettbewerb und nicht mittels Planung
erreicht werden. Vom Gesetzgeber sei gewünscht, dass die Kantone Leis-
tungsaufträge an Spitäler erteilten, die auch für die Behandlung von aus-
serkantonalen Patientinnen und Patienten freie Kapazitäten hätten. Wie
hoch diese freien Kapazitäten seien, sei unerheblich. Es könne nicht sein,
dass unter einer leistungsorientieren bedarfsgerechten Spitalplanung eine
Planung zu verstehen sei, welche als Obergrenze den Bedarf der eigenen
Bevölkerung habe (act. 41 S. 11).
4.2.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Kostenbegrenzung im Gesund-
heitswesen bzw. die optimale Ressourcennutzung gehörten weiterhin zu
den Zielen des KVG. Hätte der Gesetzgeber auf die Bedarfsgerechtigkeit
als Zulassungsvoraussetzung verzichten wollen, hätte er Art. 39 KVG er-
satzlos gestrichen. Könnte jeder Kanton unbesehen seines eigenen Ver-
sorgungsbedarfs Spitäler auf seiner Liste anführen, würden schweizweit
massive Überkapazitäten ermöglicht. Da die Nachfrage immer auch ange-
botsinduziert sei, hätte dies hohe zusätzliche Kosten zulasten der OKP zur
Folge. Die Koordinationspflicht von Art. 39 Abs. 2 KVG ziele auf eine be-
darfsgerechte interkantonale Versorgung; dies schliesse die Zulassung
C-6266/2013
Seite 13
nicht bedarfsnotwendiger Spitäler bzw. Kapazitäten aus (act. 52 S. 13). Im
Übrigen sei die – zwingend erforderliche – bedarfsgerechte Versorgungs-
planung nicht mit einer – nicht zwingend nötigen – Mengensteuerung
gleichzusetzen (act. 52 S. 20). Vorliegend habe die Vorinstanz mit dem an-
gefochtenen Beschluss – namentlich im Bereich der Stressfolgekrankhei-
ten – erhebliche Überkapazitäten zu Lasten der OKP geschaffen (act. 1
S. 22). Mit der neuen Spitalliste Psychiatrie habe sie ohne ausgewiesenen
Bedarf die zugelassenen Betten im Bereich Psychiatrie um 70 auf 289 Bet-
ten erhöht. Die Clinica Holistica sei für die Versorgung des Kantons Grau-
bünden offensichtlich nicht notwendig, dennoch sei die Kapazität von 5 auf
50 Betten erhöht worden (act. 52 S. 8).
4.2.3 Die Vorinstanz äussert sich in ihrer Vernehmlassung nicht zu den Zie-
len der Spitalplanung, sondern verweist im Wesentlichen auf die Stellung-
nahme des BAG (vgl. act. 37 S. 12). Dem Versorgungsbericht Psychiatrie
des Gesundheitsamtes vom 7. April 2011 betreffend Bedarf 2020 (V-act. 3;
nachfolgend: Versorgungsbericht) lässt sich unter anderem Folgendes ent-
nehmen: "Wie bisher verpflichtet auch das revidierte KVG die Kantone, für
eine bedarfsgerechte Spitalversorgung zu sorgen und mittels Spitalpla-
nung die Kosten zu dämpfen (...). Die kantonale Spitalliste hat diejenigen
Leistungen sicherzustellen, die für die stationäre Versorgung der kantona-
len Wohnbevölkerung erforderlich sind". In Zukunft würden zwei Typen von
Spitälern unterschieden: a) Listenspitäler mit staatlichem Leistungsauftrag
(...) und b) Vertragsspitäler ohne staatlichen Leistungsauftrag (...).
Schliesslich wird auf die Bestimmungen zur Koordinationspflicht (Art. 39
Abs. 2 KVG und Art. 58d KVV) hingewiesen und festgehalten, im Rahmen
der Spitalplanung 2012 finde ein "reger Austausch mit weiteren Kantonen
statt". Dabei würden "insbesondere die Kantonsgrenzen überschreitenden
Patientenströme thematisiert" (S. 6).
4.2.4 Das BAG verweist in seiner Stellungnahme vom 15. Oktober 2015
(act. 43) betreffend Grundsätze der Planung nach neuem Recht auf seine
Stellungnahme zur Beschwerdelegitimation (act. 11). Darin legt es zu-
nächst die Voraussetzungen für die Zulassung der Spitäler (Art. 39 KVG)
und die Planungskriterien dar. Letztere sollten die Unterschiede in den Pla-
nungskonzepten verringern und den effizienten Mitteleinsatz fördern. Mit
der Leistungsfinanzierung und den erweiterten Wahlmöglichkeiten sollten
die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung und der Qualitätswettbe-
werb gefördert werden. Die Planung müsse den neuen Vorgaben Rech-
nung tragen, immer mit dem Ziel, die Versorgungssicherheit der Kantons-
C-6266/2013
Seite 14
bevölkerung sicherzustellen. Mit der Gesetzesrevision könne "die Abgren-
zung der Überkapazitäten nur indirekt und begrenzt durch eine Steuerung
des Angebotes, das auf die Liste aufgenommen wird, erfolgen, weil das
den Versicherten zur Verfügung stehende Angebot wegen der Wahlmög-
lichkeiten und wegen den Vertragsspitälern über das auf der kantonalen
Liste aufgeführte Angebot hinaus ausgedehnt wird". Das revidierte KVG
erlaube einen Wettbewerb unter den Leistungserbringern auf zwei Stufen:
erstens bei der Auswahl durch die Kantone im Rahmen der Spitalplanung,
zweitens bei der Auswahl durch die Patientinnen und Patienten (bzw. deren
behandelnden Ärztinnen und Ärzte) sowohl unter den innerkantonalen als
auch unter den ausserkantonalen Spitälern. Mit den Planungskriterien
nicht vereinbar wäre es, die entsprechend dem Bedarf nötigen Einrichtun-
gen auf der Liste aufzunehmen, und dann nach Lösungen zu suchen, damit
die Patientinnen und Patienten von ihrer Wahlmöglichkeit nicht Gebrauch
machten. Eine Mengensteuerung würde die Entfaltung des Qualitätswett-
bewerbs im Rahmen der freien Spitalwahl einschränken. In der Stellung-
nahme vom 15. Oktober 2015 (act. 43) wird zudem ausgeführt, dass es bei
der Pflicht zur Koordination der Planung darum gehe, sicherzustellen, dass
die Versicherten die notwendige Behandlung erhalten könnten, ohne die
Planung anderer Kantone zu beeinträchtigen.
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hatte sich zwar bisher bereits mit den
Zielen und Grundsätzen der Spitalplanung nach dem revidierten KVG zu
befassen. Die Frage, ob die Vermeidung von Überkapazitäten im revidier-
ten KVG weiterhin zu den Zielen der Spitalplanung gehöre, war bisher aber
noch nicht zu entscheiden. Auch hatte sich das Gericht noch nicht näher
mit der Koordinationspflicht der Kantone zu befassen. Auf die Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts (und des Bundesgerichts) ist nach-
folgend einzugehen.
4.3.1 Im Urteil C-325/2010 hat das Bundesverwaltungsgericht analysiert,
inwiefern sich die Anforderungen an die Spitalplanung bzw. Spitalliste auf-
grund der KVG-Revision zur Spitalfinanzierung (grundlegend) geändert ha-
ben. Grundlegend neu ist demnach die Verpflichtung der Kantone, eine in-
tegrale Spitalliste zu erlassen und im Bereich der Akutsomatik eine leis-
tungsorientierte (statt eine kapazitätsorientierte) Planung vorzunehmen.
Die Bedarfsermittlung muss nicht nur auf statistisch ausgewiesene Daten,
sondern auch auf Vergleiche abgestützt sein. Zudem müssen die Kantone
ihre Planungen (vermehrt) interkantonal koordinieren. Bei der Bedarfspla-
nung haben die Kantone ab 1. Januar 2012 zwar zu berücksichtigen, dass
C-6266/2013
Seite 15
die Versicherten auch ein ausserkantonales Listenspital wählen können o-
der sich allenfalls in einem Vertragsspital behandeln lassen. Die in Art. 58b
Abs. 1-3 verankerten Grundsätze zur Ermittlung des Angebots, das auf der
Spitalliste zu sichern ist, entsprechen aber (abgesehen von der geforderten
Abstützung auf Vergleiche [Abs. 1]) der bisherigen Rechtsprechung. Auch
stimmen die in Art. 58b Abs. 4 und Abs. 5 KVV aufgeführten Kriterien zur
Beurteilung und Auswahl der Spitäler bzw. zur Prüfung der Wirtschaftlich-
keit und Qualität mit der bisherigen Rechtsprechung überein (C-325/2010
E. 4.4.4).
4.3.2 Es ist zu unterscheiden zwischen der Bedarfsermittlung, die zuerst
zu erfolgen hat, und der zweiten Phase der Bedarfsdeckung mit der Aus-
wahl der Leistungserbringer. Erst in dieser zweiten Phase ist die Wirtschaft-
lichkeit der Leistungserbringer zu beurteilen (Urteil BVGer C-5576/ 2011
vom 2. Juni 2014 E. 4.2).
4.3.3 Für die Auswahl der Spitäler, welchen ein Leistungsauftrag erteilt
werden soll, muss zwingend eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durch Be-
triebsvergleiche vorgenommen werden (C-4302/2011 E. 5.3; Urteil BVGer
C-5647/2011 vom 16. Juli 2013 E. 5.3.1). Die im Zusammenhang mit der
Spitalfinanzierung entwickelten Grundsätze der Wirtschaftlichkeitsprüfung
(grundlegend betreffend Akutsomatik BVGE 2014/36 E. 4 ff.; zur Zusam-
menfassung wichtiger Grundsätze vgl. bspw. Urteil BVGer C-4310/2013
vom 20. April 2015 E. 3 ff.; betreffend Psychiatrie Urteil C-3133/2013 vom
24. August 2015 E. 8.2 ff. und E. 17) sind auch bei der Spitalplanung zu
berücksichtigen (C-4302/2011 E. 5.2).
4.3.4 Die Kosteneindämmung – beispielsweise durch eine Konzentration
des Angebots – entspricht weiterhin der Zielsetzung des KVG. Die Vorgabe
von Mindestfallzahlen soll nicht nur die Qualität, sondern auch die Effizienz
und die Wirtschaftlichkeit fördern (Urteil BVGer C-401/2012 vom 28. Ja-
nuar 2014 E. 9.2 und 14; vgl. auch BGE 138 II 398 E. 7.2.2). Aus der durch
Art. 41 Abs. 1bis KVG gewährleisteten freien Spitalwahl kann nicht abgelei-
tet werden, dass alle Spitäler auf die Spitalliste aufgenommen werden müs-
sen (C-401/2012 E. 10.2).
4.3.5 Eine Mengensteuerung ist auch bei einer leistungsorientierten Spital-
planung nicht grundsätzlich unzulässig. Bei einer leistungsbezogenen Pla-
nung darf aber keine kapazitätsbezogene Mengensteuerung durch Vor-
gabe von Bettenkapazitäten erfolgen (Urteil BVGer C-4302/2011 vom
C-6266/2013
Seite 16
15. Juli 2015 E. 6.2-6.3; zur Zulässigkeit der Mengensteuerung vgl. auch
BGE 138 II 398 E. 3).
4.3.6 Die Spitalplanung soll gemäss BVGE 2012/30 einerseits die Versor-
gung aller vom Versicherungsobligatorium erfassten Versicherten sicher-
stellen und andererseits durch Zusammenwirken mit Wettbewerbselemen-
ten den Rahmen für die Optimierung der Ressourcennutzung bilden (E. 4.7
mit Hinweis auf die Botschaft des Bundesrates betreffend die Änderung
des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung [Spitalfinanzierung]
vom 15. September 2004 [BBl 2004 5564; nachfolgend: Botschaft zur Spi-
talfinanzierung]). Mit der Verpflichtung zur Spitalplanung soll das öffentli-
che Interesse der Versicherten an der Gewährleistung der Versorgungssi-
cherheit und der Versicherten und Steuerzahler an der Kostenbegrenzung
geschützt werden (BVGE 2012/30 E. 4.7 mit Hinweis auf BGE 138 II 398).
Entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin kann aus BVGE 2012/30
nicht abgeleitet werden, die Spitalplanung habe sich nunmehr auf die Ver-
hinderung einer Unterversorgung (bzw. Schlechtversorgung) zu beschrän-
ken. In diesem Fall war die Beschwerdelegitimation eines Vertragsspitals
zu beurteilen (wobei diese verneint wurde). Das Gericht erwog, Art. 58b
Abs. 3 KVV sei nach seinem Wortlaut auf die Verhinderung einer Unterver-
sorgung ausgerichtet. Die Frage, ob der zweite Satz von Art. 58b Abs. 3
KVV auch auf die Vermeidung einer Überversorgung ausgerichtet sei,
könne offenbleiben, da eine entsprechende Verpflichtung einzig zum
Schutz der Öffentlichkeit bestehen könnte. Anhaltspunkte für eine Ver-
pflichtung der Kantone zur Mengensteuerung betreffend die Listenspitäler
zugunsten von Institutionen, welche nicht auf der Liste aufgeführt sind,
seien im KVG nicht vorhanden (BVGE 2012/30 E. 4.9).
4.3.7 Primäres Ziel der Spitalplanung ist das Sicherstellen einer bedarfs-
gerechten Versorgung der Bevölkerung (BVGE 2012/30 E. 4.7; BGE 138 II
398 E. 5.3). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hat die Spital-
planung aber zweifellos weiterhin auch das Ziel, die Kosten einzudämmen
bzw. Überkapazitäten zu vermeiden. "L'obiettivo della pianificazione ospe-
daliera e dei mandati di prestazioni è di garantire la copertura del fabbiso-
gno medico necessario e nel contempo di contenere i costi" (BGE 138 II
398 E. 3.5.2). "La pianificazione ospedaliera serve, da un lato, a evitare le
sovraccapacità e i costi aggiuntivi che ne derivano, dall'altro, e innanzitutto,
ad assicurare una sufficiente copertura ospedaliera della popolazione"
(BGE 138 II 398 E. 5.3).
C-6266/2013
Seite 17
4.4 In einem nächsten Schritt ist aufgrund der Materialien zu prüfen, ob
bzw. inwiefern der Gesetzgeber die Ziele der Spitalplanung ändern wollte.
4.4.1 Im Entwurf des Bundesrates (BBl 2004 5593) waren insbesondere
folgende Änderungen des Art. 39 KVG vorgesehen: In Abs. 1 Bst. d war
der (bisherige) Satzteil "wobei private Trägerschaften angemessen in die
Planung einzubeziehen sind" nicht mehr enthalten. Grundlegend neu wa-
ren die vorgeschlagenen Abs. 2 – 5.
Abs. 2: Die Planung einer bedarfsgerechten Spitalversorgung nach Abs. 1
Bst. d muss sich auf die Versorgung aller nach diesem Gesetz versiche-
rungspflichtigen Personen (Art. 3) beziehen und die Patientenströme zwi-
schen den Kantonen berücksichtigen. Private Trägerschaften sind ange-
messen in die Planung einzubeziehen.
[Abs. 3 betrifft die hochspezialisierte Medizin].
Abs. 4: Die Spitalliste nach Abs. 1 Bst. e muss sämtliche für die Versorgung
notwendigen Spitäler des Kantons, die über einen Leistungsauftrag verfü-
gen, umfassen; sie kann auch Spitäler in anderen Kantonen umfassen, für
die der Kanton mit einem oder mehreren anderen Kantonen oder mit denen
er direkt eine Vereinbarung abgeschlossen hat. Mit dem Erteilen von Leis-
tungsaufträgen können die Kantone Auflagen verbinden.
Abs. 5: Der Bundesrat kann allgemeine, einheitliche Grundsätze für die
Planung erlassen, soweit dies für die gemeinsame Erstellung der Planun-
gen durch mehrere Kantone erforderlich ist. Er hört zuvor die Kantone an.
4.4.2 Laut der Botschaft zur Spitalfinanzierung sollte mit der KVG-Revision
unter anderem "das Zusammenwirken von staatlicher Planung und Wett-
bewerbselementen neu geregelt werden, so dass die Spitalplanung einer-
seits die Versorgung aller vom Versicherungsobligatorium erfassten Versi-
cherten sicherstellt und andererseits den Rahmen für die Optimierung der
Ressourcennutzung bildet" (BBl 2004 5564). Weiter sollten "mehrere be-
reits im System verankerte Anreize zur Kosteneindämmung verstärkt wer-
den" (BBl 2004 5587). Zum neu gefassten Art. 39 wird unter anderem aus-
geführt, aufgrund der neuen Finanzierungsregelung hätten "[...] die Kan-
tone kein Interesse, unzweckmässige oder überflüssige Strukturen auf-
recht zu erhalten. Erfolgt dies trotzdem, geschieht es nicht im Interesse der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung, sondern aufgrund eines an-
deren Interesses des Kantons. An dieser Stelle soll nochmals unterstrichen
werden, dass ein Kanton nur dann bedarfsgerecht planen kann, wenn er
C-6266/2013
Seite 18
die Patientenströme kennt und seine Kapazitäten mit den Nachbarkanto-
nen koordinieren kann" (BBl 2004 5575). Betreffend Abs. 5 wird festgehal-
ten, dass dem Bundesrat die Kompetenz eingeräumt werden soll, "zwecks
einheitlicher Umsetzung der Bestimmungen des KVG und einer besseren
Koordination unter den Kantonen Grundsätze aus seiner bisherigen Recht-
sprechung zu formulieren und diese im Hinblick auf die Einführung der
neuen Finanzierungsregelung zu ergänzen" (BBl 2004 5576). Der Bund
könne den Kantonen aufgrund der verfassungsmässigen Kompetenzaus-
scheidung nicht eine interkantonale Planung vorschreiben (BBl 2004
5567).
Unter dem Titel "Volkswirtschaftliche Auswirkungen" wird zudem auf die
Besonderheiten des Marktes im Gesundheitswesen eingegangen. "Das
Angebot bestimmt weitgehend die Nachfrage, und die Preise spielen für
die Verbraucher/Versicherten keine direkte Rolle. Aus sozialpolitischen
Gründen muss das System zudem der gesamten Bevölkerung den Zugang
zu einem qualitativ hochstehenden Pflegeangebot gewährleisten. Im Hin-
blick auf eine rationelle Verwendung der Ressourcen sprechen diese Fak-
ten dafür, dass der Staat bei der Infrastrukturplanung (Bereitstellung der
nötigen Kapazitäten entsprechend dem effektiven Bedarf, kantonsinterne
und interkantonale Koordination) eine führende Rolle übernimmt. Die Aus-
weitung der kantonalen Spitalplanung im Hinblick auf die Sicherstellung
der Versorgung aller Versicherten ist daher völlig gerechtfertigt, denn nur
so kann die Planung wirksam sein [...]. Im Idealfall sollten einzig die Markt-
und Wettbewerbsregeln bestimmen, wer Zugang zum Markt erhält. Man
könnte es daher bedauern, dass mit der Revision der Einflussbereich des
Staates durch die Ausweitung der Mitfinanzierung und die verstärkte Ge-
wichtung der Planung vergrössert wird. Immerhin würde mit der vorge-
schlagenen Regelung im festgelegten Rahmen der Tarifwettbewerb ver-
stärkt. In einem «Markt» jedoch, in dem die Nachfrage zu einem grossen
Teil angebotsinduziert ist und in dem die «Preise» durch eine Behörde ge-
nehmigt oder fixiert sind und der Konsument nicht unmittelbar für die Kos-
ten der konsumierten Leistungen aufkommt, gilt es indessen, die Regeln
für die Teilnahme am «Markt» den besonderen Verhältnissen anzupassen"
(BBl 2004 5587 f.).
4.4.3 Der Ständerat (als Erstrat) sah – der Mehrheit seiner Kommission
(SGK) folgend – im März 2006 davon ab, einen grundlegenden System-
wechsel vorzunehmen und entschied sich für das politisch Machbare
("Rückzugsgefecht" aufgrund des massiven Widerstandes der Kantone
C-6266/2013
Seite 19
[AB 2006 S 41]). Es sollte ein erster Schritt – ein Zwischenschritt – zu wei-
teren, grundlegenderen Veränderungen sein. Zu diesem ersten Schritt ge-
höre insbesondere die Gleichstellung der Listenspitäler (öffentliche und pri-
vate) in Bezug auf Planung und Finanzierung (AB 2006 S 41 ff. [verschie-
dene Voten]) und die Einteilung der Spitäler in drei Kategorien (Listenspi-
täler, Vertragsspitäler und übrige Spitäler). Ständerat Urs Schwaller hob
zudem hervor, dass der Bundesrat nun einheitliche Grundsätze (bzw. Kri-
terien) für die Planung erlasse und die Kantone verpflichtet würden, ihre
Planung zu koordinieren (AB 2006 S 42). Nach Ständerat Christoffel
Brändli brachte die neue Vorlage "[...] endlich alle Listenspitäler – staatlich
und privat – auf die gleiche Finanzierungsbasis; er sichert allen KVG-Ver-
sicherten eine Gleichbehandlung bezüglich der Kantonsbeiträge; und er
gibt den Versicherungen in diesem grossen Gesundheitsmarkt auch die
Möglichkeit, OKP-Verträge auch mit Spitälern abzuschliessen, die von den
Kantonen nicht für die Versorgungssicherheit bestimmt sind" (AB 2006 S
43).
4.4.4 Über das Spannungsverhältnis Planung und Wettbewerb wurde so-
wohl im Ständerat als auch im Nationalrat namentlich im Zusammenhang
mit der Einführung der freien Spitalwahl und der Vertragsspitäler debattiert.
Verschiedene Ratsmitglieder machten geltend, damit würde die Spitalpla-
nung der Kantone ausgehebelt bzw. man dürfe die beiden Systeme (Pla-
nung einerseits, freier Markt andererseits) nicht vermischen (vgl. bspw. A-
lain Berset [AB 2006 S 50], Stéphane Rossini [AB 2007 N 457], Hugo Fasel
[AB 2007 N 457] und Kommissionssprecher Yves Guisan [AB 2007 N
458]). Dem wurde entgegengehalten, die freie Spitalwahl fördere das Den-
ken in grösseren Versorgungsregionen, zwinge zur Koordination zwischen
den Kantonen und führe zu mehr interkantonaler Planung, womit auch
Überkapazitäten abgebaut werden könnten (vgl. Jacqueline Fehr, Pierre
Triponez [AB 2007 N 440], Bundesrat Pascal Couchepin [AB 2007 N 441],
Kommissionssprecherin Ruth Humbel [AB 2007 N 441 f.]). Betreffend Ver-
tragsspitäler wurde sodann betont, dass es sich bei den von Vertragsspi-
tälern erbrachten OKP-Leistungen um einen geringen Anteil handeln
werde, der die Planung nicht erheblich beeinflusse (vgl. Roland Borer [AB
2007 N 456] und insbes. Bundesrat Pascal Couchepin [AB 2007 N 458]).
Die Einteilung in Listenspitäler, Vertragsspitäler und übrige Spitäler bringe,
nebst der Grundlage für die Fallkostenpauschale, ein Wettbewerbselement
in die Vorlage. Die Listenspitäler müssten sich dann den Qualitäts- und
Kostenvergleich mit den blossen Vertragsspitälern gefallen lassen. Zudem
würde auch gewährleistet, dass die kantonale Bedarfsplanung nicht über-
borde und es nicht zu einer Mengenausweitung im Vergleich zu heute
C-6266/2013
Seite 20
komme (Urs Schwaller [AB 2006 S 51]). Bundesrat Pascal Couchepin
betonte, es gebe nicht Planung oder freien Markt: "Il faut à la fois de la
planification, parce que c'est probablement un instrument qui permet de
juguler un certain nombre de coûts, et un marché libre, parce que c'est
quelque chose qui permet de développer des initiatives et d'être créatif, et
qui exerce aussi une certaine pression sur la planification si elle a été faite
de manière complaisante ou inefficace" (AB 2006 S 53). Schliesslich wies
Bundesrat Pascal Couchepin auch darauf hin, dass es immer Leute geben
werde, die sich in einem Nicht-Listenspital bzw. ausserkantonal behandeln
liessen und die Kantone bei ihrer Planung mit verschiedenen Unsicherhei-
ten umgehen müssten (AB 2007 N 441 und 458, vgl. auch AB 2006 S 53).
4.4.5 Die Einführung der Koordinationspflicht (Art. 39 Abs. 2 KVG) erfolgte
auf Antrag der SGK des Ständerates und war in beiden Räten unbestritten
(vgl. AB 2006 S 49 ff., AB 2007 N 426 ff.). Umstritten war hingegen die
Formulierung der nun in Art. 39 Abs. 2ter KVG verankerten Bestimmung,
welche den Bundesrat zum Erlass einheitlicher Planungskriterien beauf-
tragt. Die SGK des Ständerates wollte dem Bundesrat – im Unterschied zu
dessen Entwurf – nicht nur die Kompetenz zum Erlass von Planungskrite-
rien erteilen, sondern ihn dazu verpflichten, was auch dem Wunsch der
Kantone entspreche (vgl. Protokoll der Sitzungen der SGK des Ständera-
tes vom 23., 24. + 25. Januar 2006, S. 45 f.). Zudem sollte der Begriff "Kri-
terien" statt "Grundsätze" verwendet werden, weil es um das formelle Pla-
nungsrecht, nicht um materielle Planungsinhalte gehe (Kommissionsspre-
cherin Christiane Brunner [AB 2006 S 50]; vgl. auch Trix Heberlein [AB
2006 S 50], Protokoll der Sitzungen der SGK des Ständerates vom 23., 24.
+ 25. Januar 2006, S. 46). Nach dem Willen des Nationalrates sollten die
Planungskriterien konkretisiert werden, entsprechend den zentralen Krite-
rien der Systemsteuerung, welche die KVG-Revision vorsehe. Daher seien
als Planungskriterien "Qualität, Wirtschaftlichkeit und Grundversorgung"
vorzugeben (vgl. AB 2007 N 427 [Antrag Gutzwiller] und AB 2007 N 434
ff.). Die Spitalplanung und insbesondere die Auswahl der Listenspitäler
müssten Kriterien geleitet und transparent erfolgen (AB 2007 N 428 ff. und
434 ff. [verschiedene Voten]). Der Ständerat schloss sich bei der Differenz-
bereinigung dem Nationalrat hinsichtlich der beiden Kriterien Qualität und
Wirtschaftlichkeit an, strich aber die Grundversorgung (AB 2007 S 750 f.).
Der Nationalrat hielt im Grundsatz an den drei Planungskriterien fest, er-
setzte jedoch das Kriterium der Grundversorgung durch Versorgungssi-
cherheit (AB 2007 N 1769). Im Ständerat stiess auch das Kriterium der
Versorgungssicherheit auf Widerstand, weil dies allenfalls eine Grundlage
bilden könne, um später eine Spitalplanung durch den Bund einzuführen.
C-6266/2013
Seite 21
Für die Versorgungssicherheit seien gemäss Verfassung die Kantone zu-
ständig (AB 2007 S 1036). Die ständerätliche Version setzte sich schliess-
lich in der Einigungskonferenz durch mit der Begründung, "dass detaillierte
Bundesvorgaben zur Planung der Versorgungssicherheit nicht notwendig
sind. Die Planung ist Kantonssache, und kantonale Planungen müssen so
oder so auf die Versorgungssicherheit ausgerichtet und bedarfsgerecht
sein. Diese Idee ist übrigens auch in Artikel 39 Absatz 1 Buchstabe d be-
reits enthalten" (AB 2007 S 1196; vgl. auch AB 2007 N 2050).
4.5 Aufgrund der Materialien lässt sich die Ansicht, der Gesetzgeber habe
die Funktion der Spitalplanung im Sinne von Art. 39 Abs. 1 KVG auf die
Verhinderung einer Unterversorgung beschränken wollen, nicht bestätigen.
Die Kosteneindämmung und namentlich der Abbau von Überkapazitäten
gehören weiterhin zu den Zielen der Spitalplanung. Eine interkantonale Ko-
ordination der Planung ist für das Erreichen der verschiedenen Ziele (na-
mentlich die Bedarfsdeckung, eine optimale Ressourcennutzung sowie die
Eindämmung der Kosten) von erheblicher Bedeutung. Die in Art. 39 Abs. 2
KVG verankerte und in Art. 58d KVV konkretisierte Pflicht zur Koordination
der Planungen gilt daher – entsprechend dem Wortlaut der Bestimmungen
– generell und nicht nur zur Vermeidung einer Unterversorgung.
5.
Zu prüfen ist im Folgenden, ob der streitige Spitallistenbeschluss auf einer
Spitalplanung beruht, welche den bundesrechtlichen Anforderungen ent-
spricht.
5.1 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, aufgrund der KVG-
Revision zur Spitalfinanzierung sei für die Bereiche Akutsomatik, Psychiat-
rie und Rehabilitation eine leistungsorientierte Planung vorgenommen wor-
den. Entsprechend enthielten die Spitallisten nicht mehr Zuweisungen von
Betten, sondern von Leistungsbereichen. Die Patientenströme seien be-
rücksichtigt worden. Eine Koordination mit dem Kanton Zürich sei nicht er-
forderlich gewesen, weil die von der Clinica Holistica für den Kanton Zürich
erbrachten Pflegetage nur einen geringen Anteil ausmachten. Die Wirt-
schaftlichkeit der Clinica Holistica sei bereits mit Beschluss vom 31. August
2010 geprüft und bejaht worden.
5.2 Den Kantonen steht es gemäss Art. 58c Bst. b KVV frei, ob sie für den
Bereich Psychiatrie eine leistungsorientierte oder eine kapazitätsbezogene
Planung vornehmen. Erfolgt die Vergütung gemäss Art. 49 Abs. 1 KVG leis-
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tungsbezogen, erscheint primär eine leistungsorientierte Planung sachge-
recht, weil dann zwischen Planung und Finanzierung Kompatibilität besteht
(vgl. BAG, KVV-Änderungen per 1. Januar 2009, Änderungen und Kom-
mentar im Wortlaut [abrufbar unter: www.bag.admin.ch > Themen > Kran-
kenversicherung > Revisionen der Krankenversicherung > abgeschlos-
sene Revisionen > Spitalfinanzierung; besucht am 1.9.2015], nachfolgend:
Kommentar KVV-Änderungen, S. 4). Wie die Vorinstanz zutreffend erwo-
gen hat, sind bei einer leistungsorientierten Spitalplanung den Listenspitä-
lern keine Bettenkapazitäten zuzuweisen (vgl. oben E. 4.3.5). Bei einer
leistungsorientierten Planung hat namentlich die Ermittlung des Bedarfs
und die Evaluation des Angebotes aufgrund von Leistungszahlen (Fall-
bzw. diagnosebezogene Falldaten) zu erfolgen (vgl. Stellungnahme BAG
[act. 43] S. 5; Kommentar KVV-Änderungen, S. 7). Bettenzahlen und Pfle-
getage sind hingegen bei der kapazitätsorientierten Planung die massge-
benden Bezugsgrössen.
5.2.1 Laut Versorgungsbericht (V-act. 3) sollte für die Psychiatrieplanung
"näherungsweise" auf die ICD-Hauptdiagnose der behandlungsrelevanten
Grunderkrankungen abgestellt werden (S. 8). Weil zurzeit sowohl die Aus-
gestaltung als auch der Zeitpunkt des Inkrafttretens der für den Bereich
Psychiatrie geltenden Tarifstruktur noch nicht bekannt seien, würden die
psychiatrischen Leistungen sowohl fall- als auch pflegetagsbezogen ermit-
telt (S. 8 Fn 5). Es wurden folgende Diagnosegruppen (als Leistungsberei-
che) gebildet:
– F0 organische Störungen, ausser Demenz
– F0 Demenz
– F1 Störungen durch schädlichen Gebrauch
– F2 Schizophrenien
– F3 affektive Störungen
– F4 Angst- und Anpassungsstörungen
– F5 "neurotische" Störungen
– F6 Persönlichkeitsstörungen
– F7 Intelligenzminderungen
– F8 Entwicklungsstörungen
– F9 Verhaltensstörungen
– keine psychiatrische Hauptdiagnose gemäss ICD-10 Kapitel V (F)
5.2.2 Eine Analyse nach Leistungsbereichen (Diagnosegruppen) wurde
bei der Nachfragestruktur vorgenommen, dabei wurde auf die Daten des
C-6266/2013
Seite 23
Jahres 2008 abgestellt. Die erbrachte Leistungsmenge innerhalb einzelner
Diagnosegruppen wird mittels Fallzahlen, mittlerer Aufenthaltsdauer, An-
zahl Zusatzversicherter sowie Pflegetagen ausgewiesen. Die mittlere Auf-
enthaltsdauer innerhalb der Diagnosegruppen schwanke (mit Werten zwi-
schen 6.7 und 57.1 Tagen) sehr stark (vgl. S. 17). Der zukünftige Bedarf
nach Diagnosegruppen für das Jahr 2020 wird mittels Fallzahlen und Pfle-
getagen prognostiziert (S. 22). Das Prognosemodell für die Psychiatrie be-
rücksichtige nur den Faktor Demographie. Weitere Faktoren (wie bspw.
Substitution stationärer durch ambulante Leistungen und die mittlere Auf-
enthaltsdauer) würden nicht berücksichtigt, weil die Prognose mit zu gros-
sen Unsicherheiten behaftet sei. Zudem könne davon ausgegangen wer-
den, dass sich die verschiedenen Einflussfaktoren zumindest teilweise ge-
genseitig aufheben würden (S. 12). Aufgrund der prognostizierten Bevöl-
kerungszunahme sei eine Fallzunahme von 4.2% zu erwarten. Der demo-
graphische Wandel führe zudem zu einem Anstieg der Pflegetage (Erhö-
hung insgesamt um 5.7%). Mit erheblichen Fallzunahmen sei in den Leis-
tungsbereichen Demenz, organische Störungen und bei Fällen ohne psy-
chiatrische Hauptdiagnose zu rechnen (S. 22).
5.2.3 Ob im Bereich Psychiatrie eine Prognose allein aufgrund der demo-
graphischen Entwicklung den Anforderungen gemäss Art. 58b Abs. 1 KVV
entspricht, erscheint fraglich. Nach dieser Bestimmung muss die Bedarfs-
ermittlung nicht nur auf statistisch ausgewiesene Daten, sondern auch auf
Vergleiche abgestützt sein. Das BAG führt in seinem Kommentar zu
Art. 58b Abs. 1 KVV insbesondere aus: "Vergleiche, welche im Rahmen
der Bedarfsermittlung angestellt werden, sollen namentlich die Orientie-
rung am Besten, also ein Benchmarking erlauben, im Gegensatz zur Fort-
schreibung der bestehenden Trends" (Kommentar KVV-Änderungen S. 7).
Die Frage muss vorliegend jedoch nicht abschliessend beurteilt werden,
denn die Bündner Psychiatrieplanung entspricht in verschiedener Hinsicht
nicht den bundesrechtlichen Anforderungen, wie sich aus den nachfolgen-
den Erwägungen ergibt.
5.2.4 Im Strukturbericht Psychiatrie vom 20. September 2013 (nachfol-
gend: Strukturbericht) werden – nach grundsätzlichen Ausführungen zur
Spitalplanung – die Ergebnisse der Leistungsanalyse 2008 und der Bedarf-
sprognose 2020 dargelegt (V-act. 4 S. 6 ff.). Anschliessend folgen längere
grundsätzliche Ausführungen zu den Evaluationskriterien. Unter Ziff. 4 "Be-
werbungsverfahren" steht: "Da die im Kanton Graubünden tätigen Psychi-
atrischen Kliniken die Versorgung der Bündner Bevölkerung sicherstellen,
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wurde auf ein Bewerbungsverfahren verzichtet. Für die Versorgung der ita-
lienischsprachigen Teile Graubündens wird wie in der Vergangenheit die
Clinica psichiatrica cantonale, Mendrisio, auf die Spitalliste aufgenommen"
(Strukturbericht, S. 15). Unter Ziff. 5 "Evaluationsverfahren" wird schliess-
lich (sehr kurz) ausgeführt, die Wirtschaftlichkeit der Psychiatrischen
Dienste Graubünden (PDGR [Kliniken Waldhaus und Beverin]) und die Kin-
der- und Jugendpsychiatrie Graubünden (KJP) sei gegeben; die Clinica
psichiatrica cantonale, Mendrisio, sei auf der Spitalliste des Kantons Tes-
sin, weshalb auf ein separates Evaluationsverfahren durch den Kanton
Graubünden verzichtet werde (a.a.O.). Zum Entwurf der Spitalliste wird er-
wähnt, die auf der neuen Spitalliste aufgeführten Leistungserbringer wür-
den den Bedarf der Bündner Bevölkerung an stationären psychiatrischen
Versorgung auch unter Berücksichtigung der sich allenfalls verändernden
Patientenströme und der für das Jahr 2020 prognostizierten Bedarfsent-
wicklung zu decken vermögen (S. 16). Als "Leistungsaufträge" werden
"Akutpsychiatrie", "Rehabilitationspsychiatrie", "Gerontopsychiatrie",
"Suchtbehandlung", "Stressfolgeerkrankungen", "Psychotherapiestation"
im Bereich Erwachsene sowie "Kinder und Jugendliche" vorgesehen. Für
"Stressfolgeerkrankungen" wird die Clinica Holistica, die hier zum ersten
Mal erwähnt wird, vorgesehen (S. 16).
5.2.5 Wie die Vorinstanz feststellen konnte, dass der von ihr ermittelte Be-
darf durch die Bündner Spitäler gedeckt werden kann, lässt sich dem Struk-
turbericht nicht entnehmen. Es wird weder auf Leistungsdaten noch auf
Kapazitäten Bezug genommen. Insbesondere wird nicht erläutert, welche
Leistungsbereiche (Diagnosegruppen) von den einzelnen Kliniken abge-
deckt werden können. Ebenso fehlen Ausführungen dazu, wie die Diagno-
segruppen allenfalls mit den Kategorien der Leistungsaufträge korrespon-
dieren sollen. Indem die Vorinstanz auf ein Bewerbungsverfahren verzich-
tete, entzog sie den Psychiatriebereich dem Wettbewerb, der gemäss dem
Willen des Gesetzgebers namentlich bei der Bedarfsdeckung bzw. bei der
Auswahl der Leistungserbringer gelten soll. Eine bundesrechtskonforme
Wirtschaftlichkeitsprüfung ist nicht dokumentiert. Obwohl in den allgemei-
nen Grundsätzen (vgl. Strukturbericht S. 5, Versorgungsbericht S. 6) auf
die besondere Bedeutung der interkantonalen Koordination im Sinne von
Art. 39 Abs. 2 KVG und Art. 58d KVV hingewiesen wird, lässt sich den Pla-
nungsgrundlagen nichts zur Auswertung der Patientenströme und zur Ko-
ordination mit anderen Kantonen entnehmen.
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5.3 Der Leistungsauftrag an die Clinica Holistica zur Behandlung von
Stressfolgeerkrankungen beruht nach dem Gesagten auf einer KVG-widri-
gen Planung. Was die Bedarfsermittlung für Stressfolgeerkrankungen im
Besonderen betrifft, ist ergänzend Folgendes festzuhalten:
5.3.1 Für eine "Diagnosekategorie Stressfolgeerkrankungen" wurde kein
Bedarf erhoben, und es wurde auch nicht definiert, was unter diesen Er-
krankungen zu verstehen sei. Eine Stressfolgeerkrankung ist keine Diag-
nose gemäss ICD-10, auf deren Klassifikation sich die Vorinstanz abstüt-
zen wollte. Eine allgemein anerkannte Definition der Stressfolgeerkrankun-
gen gibt es soweit ersichtlich nicht. Gemäss Max-Planck-Institut für Psy-
chiatrie gelten als Stressfolgeerkrankungen heute "nicht nur Zivilisations-
krankheiten wie Herzinfarkt, sondern auch Depression und Burnout"
(<www.psych.mpg.de/1967972/stressfolge>; besucht am 19.8.2015).
Burnout wird in der ICD-10 im Kapitel XXI (Z) "Faktoren, die den Gesund-
heitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswe-
sens führen", unter Z73 (Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der
Lebensbewältigung) klassiert. Die Kategorien Z00-Z99 sind für Fälle vor-
gesehen, in denen Sachverhalte als "Diagnosen" oder "Probleme" ange-
geben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter
den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind (vgl. Urteil BGer 9C_537/2011
vom 28. Juni 2012 E. 3.1 m.w.H.; <http://www.icd-code.de/icd/code/Z00-
Z99.html>, besucht am 19.8.2015).
5.3.2 Laut Vernehmlassung und RRB 815/2010 (mit welchem der Clinica
Holistica erstmals ein Leistungsauftrag für Stressfolgeerkrankungen erteilt
wurde) werden folgende Diagnosegruppen der Kategorie Stressfolgeer-
krankung zugeordnet: F3 (ohne F30, F31 und F34) sowie F4 (ohne F43.0
und F43.1). Im Abschnitt F3 der ICD-10 werden die affektiven Störungen
aufgeführt: manische Episode (F30), bipolare affektive Störung (F31), de-
pressive Episode (F32), rezidivierende depressive Störung (F33), anhal-
tende affektive Störungen (F34), andere affektive Störungen (F38), nicht
näher bezeichnete affektive Störung (F39). Abschnitt F4 enthält neuroti-
sche, Belastungs- und somatoforme Störungen, nämlich: phobische Stö-
rungen (F40), andere Angststörungen (F41), Zwangsstörung (F42), Reak-
tionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (F43), dissozi-
ative Störungen (Konversionsstörungen; F44), somatoforme Störungen
(F45) und andere neurotische Störungen (F48).
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5.3.3 Aus dem Umstand, dass die Patientinnen und Patienten, die ins Be-
handlungskonzept der Clinica Holistica "passen", regelmässig eine Haupt-
diagnose aus der Gruppe F3 oder F4 aufweisen, kann nicht der Umkehr-
schluss gezogen werden, die unter F3 und F4 aufgeführten Diagnosen
seien grundsätzlich als Stressfolgeerkrankungen zu qualifizieren. Daran
ändert nichts, dass die Vorinstanz verschiedene Diagnosegruppen (F30,
F31, F34 [bzw. F34.1 Zyklothymia] F43 und F43.1) ausgenommen hat, weil
das Behandlungskonzept der Clinica Holistica zur Behandlung solcher Stö-
rungen nicht geeignet sei (vgl. act. 37 S. 5). Wenn bspw. bei einzelnen
Patientinnen und Patienten Stress als Ursache der depressiven Störung
identifiziert wird, kann daraus nicht abgeleitet werden, jede depressive Stö-
rung sei eine Stressfolgeerkrankung.
5.3.4 Selbst wenn die Vorinstanz in ihrer aktuellen Psychiatrieplanung eine
Bedarfsermittlung für Stressfolgeerkrankungen entsprechend den Ausfüh-
rungen in der Vernehmlassung und im RRB 815/2010 vorgenommen hätte,
würde dies den Anforderungen von Art. 58b Abs. 1 KVV nicht genügen.
5.4 Unbehelflich ist sodann das Vorbringen der Vorinstanz, die Wirtschaft-
lichkeit der Clinica Holistica sei bereits mit RRB 815/2010 beurteilt worden.
Abgesehen davon, dass die damals vorgenommene Wirtschaftlichkeitsprü-
fung kaum den bundesrechtlichen Anforderungen entsprechen würde (vgl.
RRB 815/2010 S. 3 f.), setzt der Erlass einer neuen Spitalliste grundsätz-
lich eine neue Planung entsprechend den Planungskriterien (Art. 58a KVV
i.V.m. Art. 39 Abs. 2ter KVG) und eine Wirtschaftlichkeitsprüfung aller Leis-
tungserbringer, die für einen Leistungsauftrag infrage kommen, voraus. Mit
Blick auf die vorinstanzlichen Ausführungen, wonach die bereits im Rah-
men der Aufnahme der Clinica Holistica in die Spitalliste gemachten Abklä-
rungen im Versorgungsbericht bzw. im Strukturbericht nicht wiederholt wor-
den seien, weil bereits voraussehbar gewesen sei, dass der Leistungsauf-
trag an die Clinica Holistica nicht geändert würde (Vernehmlassung S. 4),
ist zu betonen, dass die Spitalliste Ergebnis einer (bundesrechtskonfor-
men) Spitalplanung ist, nicht umgekehrt.
5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde entsprechend
dem Hauptantrag gutzuheissen ist. Der angefochtene Beschluss ist – so-
weit er die Clinica Holistica betrifft – aufzuheben und die Sache ist zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Bei diesem Ergebnis ist
nicht zu prüfen, ob der Beschwerdeführer mit Bezug auf seinen Eventu-
alantrag einen praktischen Nutzen bzw. ein schutzwürdiges Interesse gel-
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tend machen kann. Offenbleiben kann zudem, ob die Verletzung der Koor-
dinationspflicht gemäss Art. 39 Abs. 2 KVG auch als Gehörsverletzung zu
qualifizieren wäre.
5.6 Zu den Eventualanträgen der Beschwerdegegnerin (bzw. zu den An-
trägen [auf Feststellung] unter Ziff. 2 der Beschwerdeantwort; vgl. Sach-
verhalt Bst. G) ist Folgendes festzuhalten: Aufgehoben wird mit dem vor-
liegenden Urteil die von der Vorinstanz erlassene Spitalliste Psychiatrie
(Dispositiv-Ziff. 2), soweit die Clinica Holistica betreffend, sowie die Aufhe-
bung der Spitalliste Psychiatrie (Stand Juli 2012) gemäss Dispositiv-Ziff. 3,
soweit die Clinica Holistica betreffend. Damit gilt für die Clinica Holistica
weiterhin die "alte" Spitalliste Psychiatrie (Stand Juli 2012). Dies entspricht
dem unter "Eventualiter 1" gestellten (Sub)Eventualantrag.
6.
Zu befinden ist abschliessend über die Verfahrenskosten und allfällige Par-
teientschädigungen.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der
Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Den Vorinstanzen
werden jedoch keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
Kostenpflichtig wird demnach die Beschwerdegegnerin. Die Verfahrens-
kosten für das vorliegende Verfahren werden auf CHF 4'000.- festgesetzt.
6.2 Dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer sind keine verhält-
nismässig hohen Kosten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG erwachsen,
weshalb ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen ist.
7.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-
gericht gegen Entscheide auf dem Gebiet der Krankenversicherung, die
das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 33 Bst. i VGG in Verbin-
dung mit Art. 53 Abs. 1 KVG getroffen hat, ist gemäss Art. 83 Bst. r des
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) unzuläs-
sig. Das vorliegende Urteil ist somit endgültig.
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