Decision ID: 9a35cc88-afc6-58e9-94f4-a861e708b3dd
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 3. August 2020 in der Schweiz um
Asyl. Auf seinem (nicht selbständig ausgefüllten) Personalienblatt wurde
als Geburtsjahr 2004 eingetragen (Akten der Vorinstanz [SEM act.] 1).
B.
Ein Abgleich mit der Fingerabdruck-Datenbank Eurodac ergab, dass der
Beschwerdeführer am 23. August 2016 in Bulgarien und am 9. November
2017 in Österreich um Asyl nachgesucht hatte (SEM act. 7). In der Folge
stellte das SEM am 6. August 2020 sowohl bei den bulgarischen als auch
den österreichischen Behörden ein Informationsersuchen gemäss Art. 34
der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO;
vgl. SEM act. 10-11).
C.
Am 25. August 2020 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der Erstbe-
fragung für unbegleitete Minderjährige (nachfolgend: EB UMA) im Beisein
seiner Rechtsvertretung befragt. Als Geburtsdatum gab er den 1. Januar
2003 an. Gleichzeitig gewährte ihm das SEM das rechtliche Gehör zum
medizinischen Sachverhalt. Zur Altersabklärung wurden ihm überdies glei-
chentags medizinische Zusatzfragen gestellt. Anlässlich der Befragung
reichte er eine fotografierte Kopie einer am 29. Juli 2018 ausgestellten
Tazkera (auch Tazkira; afghanischer Personalausweis) zu den Akten (SEM
act. 17-19).
D.
Mit Schreiben vom 28. August 2020 beantworteten die bulgarischen Be-
hörden das Informationsersuchen des SEM. Den Angaben ist zu entneh-
men, dass der Beschwerdeführer im dortigen Asylverfahren mit Geburts-
datum «21. März 2001» registriert wurde (SEM act. 25).
E.
Da das SEM Zweifel an der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers hegte,
wurde bei ihm am 4. September 2020 im Institut für Rechtsmedizin der
Universität Basel (nachfolgend: IRM Basel) eine medizinische Altersabklä-
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rung durchgeführt. Das entsprechende Gutachten datiert vom 9. Septem-
ber 2020. Zusammenfassend wurde darin festgestellt, dass der Beschwer-
deführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollen-
det und die Volljährigkeit erreicht habe. Das Mindestalter betrage 17.1
Jahre; das angegebene Lebensalter von 17 Jahren und 8 Monaten sei
nicht zu widerlegen (SEM act. 29).
F.
Mit Schreiben vom 17. September 2020 teilte das SEM dem Beschwerde-
führer im Sinne des rechtlichen Gehörs im Wesentlichen mit, die geltend
gemachte Minderjährigkeit habe weder glaubhaft gemacht werden können
noch sei sie belegt worden. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung werde er
für das weitere Verfahren als volljährig betrachtet. Zudem informierte die
Vorinstanz über ihre Absicht, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers
im Zentralen Migrationsinformationssystem ZEMIS von Amtes wegen auf
den 1. Januar 2002 anzupassen. Gestützt auf Art. 25 Abs. 2 Datenschutz-
gesetz (DSG, SR 235.1) werde der Eintrag dabei mit einem Bestreitungs-
vermerk versehen, sofern er mit der Anpassung des Datums nicht einver-
standen sei. Schliesslich wurde er über einen allfälligen Nichteintretensent-
scheid und die Möglichkeit einer Überstellung nach Bulgarien bzw. Öster-
reich informiert. In diesem Zusammenhang stellte ihm das SEM auch eine
anonymisierte Kopie des Altersgutachtens vom 9. September 2020, das
Informationsbegehren des SEM an Bulgarien sowie die darauffolgende
Antwort vom 28. August 2020 in anonymiserter Form zu (SEM act. 31).
G.
Am 25. September 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Stellung-
nahme ein und hielt darin an seiner Minderjährigkeit fest. Er machte über-
dies geltend, es sei ein Bestreitungsvermerk beim neuen Geburtsdatum
anzubringen, und er verlange bereits jetzt eine beschwerdefähige Verfü-
gung betreffend die Altersanpassung. Weiter erklärte er sich weder mit ei-
ner Wegweisung nach Bulgarien noch nach Österreich einverstanden
(SEM act. 33).
H.
Am 30. September 2020 erfasste das SEM das Geburtsdatum des Be-
schwerdeführers im ZEMIS mit 1. Januar 2002 und brachte gleichzeitig ei-
nen Bestreitungsvermerk an (SEM act. 34).
I.
Die Vorinstanz ersuchte am 30. September beziehungsweise 5. Oktober
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2020 sowohl die bulgarischen als auch die österreichischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b bzw.
Bst. d Dublin-III-VO. Die bulgarischen Behörden lehnten das Ersuchen am
6. Oktober 2020 ab. Die österreichischen Behörden hiessen das Gesuch
gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO am 6. Oktober 2020 gut und
teilten gleichzeitig mit, der Beschwerdeführer sei dort mit dem Geburtsda-
tum «9. Mai 2002» registriert worden (SEM act. 36, 41, 45, 47).
J.
Am 1. Oktober 2020 informierte das SEM den Beschwerdeführer schriftlich
darüber, dass die Anpassung des Geburtsdatums erst mit dem Endent-
scheid anfechtbar sei und das Geburtsdatum im ZEMIS mit einem Bestrei-
tungsvermerk versehen worden sei (SEM act. 40).
K.
Mit Verfügung vom 9. Oktober 2020 (eröffnet am 12. Oktober 2020) trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Überstellung
nach Österreich, da dieses Land gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung
seines Asylgesuchs zuständig sei, und legte sein Geburtsdatum mit Be-
streitungsvermerk auf den 1. Januar 2002 fest. Gleichzeitig verfügte das
SEM den Vollzug der Wegweisung und stellte fest, einer allfälligen Be-
schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
L.
Der Beschwerdeführer beantragte mit Rechtsmitteleingabe vom 19. Okto-
ber 2020 an das Bundesverwaltungsgericht, die vorinstanzliche Verfügung
sei aufzuheben und auf sein Asylgesuch sei einzutreten. Das SEM sei an-
zuweisen, das im ZEMIS geführte Geburtsdatum auf den 1. Januar 2003
zu berichtigen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der
aufschiebenden Wirkung. Die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von ei-
ner Überstellung nach Österreich abzusehen, bis das Bundesverwaltungs-
gericht über den Suspensiveffekt der Beschwerde entschieden habe. Wei-
ter sei ihm die unentgeltliche Prozessführung unter Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu gewähren (Akten des Bundesverwal-
tungsgerichts [BVGer act.] 1).
M.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 20. Oktober 2020 setzte das
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Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Überstellung per sofort einst-
weilen aus (BVGer act. 2). Am 21. Oktober 2020 trafen die vorinstanzlichen
Akten beim Bundesverwaltungsgericht ein.
N.
Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Zwischenverfügung vom 27. Ok-
tober 2020 das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65
Abs. 1 VwVG gut und erkannte der Beschwerde die aufschiebende Wir-
kung zu (BVGer act. 3).
O.
In ihrer Vernehmlassung vom 23. November 2020 beantragte die Vor-
instanz die Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 4).
P.
Mit Schreiben vom 1. Dezember 2020 stellte der Beschwerdeführer dem
Gericht das Original seiner Tazkera zu. Am 6. Januar 2021 reichte er im
Rahmen seines Replikrechts eine schriftliche Stellungnahme ein (BVGer
act. 8 und 9).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig.
Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs.
1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Der Verfügung des SEM vom 9. Oktober 2020 liegt eine mangelhafte
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Rechtsmittelbelehrung zugrunde, beträgt doch die Rechtsmittelfrist in Ver-
fahren betreffend Datenänderung im ZEMIS 30 Tage (Art. 50 Abs. 1
VwVG). In diesem Sinne liegt eine fehlerhafte Eröffnung vor. Vorliegend
hat dies jedoch keine Folgen, bewirkte doch die falsche Rechtsmittelbeleh-
rung keine Rechtsnachteile für den Beschwerdeführer, zumal er den
ZEMIS-Eintrag mittels Beschwerde anfechten konnte und seit seiner Be-
schwerdeeingabe genügend Zeit hatte, Ergänzungen einzureichen (vgl.
zum Ganzen UHLMANN/SCHILLING-SCHWANK, in: Praxiskommentar VwVG,
2. Aufl. 2016, Art. 38 N 22 f.). Überdies hat der Beschwerdeführer selber
die falsche Rechtsmittelbelehrung nicht gerügt.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
Hinsichtlich der ZEMIS-Berichtigung entscheidet das Bundesverwaltungs-
gericht mit uneingeschränkter Kognition (Art. 49 VwVG).
4.
In seiner Rechtsmitteleingabe beantragt der Beschwerdeführer, das SEM
sei anzuweisen, sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den 1. Januar 2003 zu
berichtigen. Zusammenfassend macht er geltend, das von ihm angege-
bene Datum sei zumindest wahrscheinlicher als das derzeit im ZEMIS er-
fasste. Davon ausgehend, dass es sich bei ihm um einen unbegleiteten
Minderjährigen handle, sei das SEM anzuweisen, gemäss Art. 8 Abs. 4
Dublin-III-VO auf sein Asylgesuch einzutreten.
5.
5.1 In ihrer Verfügung vom 9. Oktober 2020 führte die Vorinstanz in Bezug
auf das Alter des Beschwerdeführers zusammenfassend aus, die anläss-
lich der Erstbefragung vom 25. August 2020 geltend gemachte Minderjäh-
rigkeit habe weder glaubhaft gemacht noch belegt werden können, wes-
halb er in Gesamtwürdigung aller wesentlichen Anhaltspunkte für das wei-
tere Verfahren als volljährig betrachtet werde. Dies begründete das SEM
im Wesentlichen mit den Angaben zum geltend gemachten Lebensweg
und dem Umstand, dass die Familienverhältnisse während der Befragung
ungenau geblieben seien. Das rechtsmedizinische Gutachten des IRM Ba-
sel vom 9. September 2020 habe zudem ergeben, dass in einer Gesamt-
würdigung das vom Beschwerdeführer ungefähr angegebene Lebensalter
von 17 Jahren und 8 Monaten zwar nicht zu widerlegen sei, zumal das
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Mindestalter 17.1 Jahre betrage, er jedoch mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit das 18. Lebensjahr vollendet habe. Zwar habe er die fotografierte
Kopie einer am 29. Juli 2018 ausgestellten Tazkera zum Nachweis seiner
Identität und geltend gemachten Minderjährigkeit zu den Akten gelegt. Je-
doch sei nach ständiger Praxis der Asylbehörde eine Fotokopie kein rechts-
genügliches Dokument im Sinne von Art. 1 a Bst. c AsylV 1. Darüber hin-
aus sei die zweifelsfreie Herkunft dieses Dokuments nicht feststellbar, zu-
mal hinlänglich bekannt sei, dass Tazkeras leicht fälschbar oder käuflich zu
erwerben seien. Somit gelinge es dem Beschwerdeführer nicht, die geltend
gemachte Minderjährigkeit nachzuweisen.
5.2 Der Beschwerdeführer hielt demgegenüber an seiner Minderjährigkeit
fest. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, er habe anläss-
lich der EB UMA erklärt, es sei ihm bei seiner Ankunft in Bulgarien phy-
sisch und psychisch sehr schlecht gegangen. Er erinnere sich zwar
nicht mehr, unter welchen Personalien er dort erfasst worden sei; aber
er wisse, dass er bei der dortigen Einreise vor circa vier Jahren sehr
jung, nämlich zwölf Jahre alt gewesen sei. Bei seiner Registrierung in
Österreich Ende 2017 habe er nicht einmal gewusst, dass er den Stam-
mesnamen als Familiennamen angeben müsste und sei somit mit dem Fa-
miliennamen B._ und als 15-jährig registriert worden. Es habe in
Österreich eine Befragung zum Alter, aber keine medizinische Abklärung
stattgefunden. Beim Verlassen seines Heimatlandes sei er im jungen Kin-
desalter gewesen und habe weder das genaue Alter noch das Geburtsda-
tum gekannt. So habe er in Österreich «irgendein» Datum angegeben. Das
exakte Alter habe er erst nach der Registrierung in Österreich von seinen
Eltern erfahren. Danach sei dieses nicht mehr geprüft worden und er habe
es unterlassen, sein Alter korrigieren zu lassen. Im Rahmen der vorin-
stanzlichen EB UMA habe er alle Fragen mit bestem Wissen, plausibel
und nachvollziehbar beantwortet. Im Asylverfahren habe er kontinuier-
lich angegeben, dass seine Eltern ein Duplikat seiner Tazkera hätten
erstellen lassen und er von seinem genauen Alter erst mit der neuen
Tazkera erfahren habe. Das Altersgutachten des IRM Basel gewichte
die Untersuchungsergebnisse nach dem Mindestalterkonzept. Im Fazit
des Gutachtens werde festgehalten, dass er mit «überwiegender» Wahr-
scheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet, die Volljährigkeit erreicht habe
und das Mindestalter 17.1 Jahren betrage. Dies sei somit mit dem angege-
ben Alter von 17 Jahren und 8 Monaten zu vereinbaren. Die Vorinstanz
mache zu diesem Fazit keine differenzierten Ausführungen, obwohl in der
Schlussfolgerung des Gutachtens klar formuliert werde, dass «das ange-
gebene Lebensalter von 17 Jahren und 8 Monaten nicht zu wiederlegen
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sei». Das SEM stütze sich allein auf die Registrierungen in Österreich und
in Bulgarien. Weiter halte die Vorinstanz fest, dass die Aussagen des Be-
schwerdeführers zur eingereichten Tazkera Unstimmigkeiten aufweisen
würden. Sie mache geltend, dass es sich beim erwähnten Dokument um
eine Kopie handle und bekannt sei, dass afghanische Ausweise käuflich
erwerbbar seien und leicht gefälscht werden könnten. Zur Untermauerung
seiner Altersangaben habe er (Beschwerdeführer) ein Duplikat seiner Taz-
kera eingereicht. Dessen Erstellung sei nicht einfach gewesen; er habe in
diesem Verfahren mehrere Personen kontaktiert. Den stereotypen Ausfüh-
rungen der Vorinstanz in Bezug auf die Tazkera könne daher nicht gefolgt
werden. Insgesamt seien ihre Vorwürfe als haltlos zurückzuweisen.
5.3 In der Vernehmlassung vom 23. November 2020 ergänzte das SEM im
Wesentlichen, der Beschwerdeführer habe nach Auskunft der österreichi-
schen Behörden glaubhaft angegeben, am 9. Mai 2002 geboren worden
zu sein. Bei Berücksichtigung dieses Geburtsdatums hätte er beim Eintritt
ins Bundesasylzentrum Basel (BAZ Basel) als volljährige Person gegolten.
Dies stehe im Gegensatz zum Geburtsjahr 2004, welches er dort angege-
ben habe (BVGer act. 4).
5.4 Der Beschwerdeführer machte replikweise unter anderem geltend, die
Vorinstanz unterlasse es auch in der Vernehmlassung, eine Gesamtwürdi-
gung der Indizien, die für oder gegen eine Minderjährigkeit sprechen wür-
den, vorzunehmen. Es sei auch die eurozentristische Sicht der Vor-
instanz auf die Welt zu kritisieren. Für das SEM erscheine es undenkbar,
dass jemand sein wirkliches Alter nicht kenne. Zudem sei unklar, woher
das SEM wisse, dass er in Österreich glaubhaft angegeben habe, am
9. Mai 2002 geboren zu sein (BVGer act. 9).
6.
Vorerst gilt es über die die Berichtigung des Geburtsdatums im ZEMIS zu
befinden.
6.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (vgl. Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesge-
setzes über das Informationssystem für den Ausländer- und Asylbereich
vom 20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das
Zentrale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (ZEMIS-Verord-
nung, SR 142.513) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-
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nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Aus-
kunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informa-
tionen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten,
nach dem DSG und dem VwVG.
6.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nisationen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlan-
gen, dass unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m.
Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen
Fall ein absoluter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. Urteile des BVGer
A-7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 3.2 und A-7822/2015 vom 25. Feb-
ruar 2016 E. 3.2, je m.w.H.).
6.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die
Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung zu beweisen, die Bundesbe-
hörde im Bestreitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten
Personendaten (vgl. BVGE 2013/30 E. 4.1). Nach den massgeblichen Be-
weisregeln des VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdi-
gung sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünfti-
gen Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforder-
lich. Die mit dem Berichtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat nach
dem Untersuchungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes
wegen abzuklären (Art. 12 VwVG), wobei die gesuchstellende Person ge-
mäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet ist, an dessen Feststellung
mitzuwirken (vgl. zum Ganzen Urteile des BVGer A-7588/2015 vom
26. Februar 2016 E. 3.3 und A-7822/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.3, je
m.w.H.).
6.4 Kann bei einer verlangten oder von Amtes wegen beabsichtigten Be-
richtigung weder die Richtigkeit der bisherigen Personendaten noch dieje-
nige der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich we-
der die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1
DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Per-
sonendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger-
weise bearbeitet werden. Das gilt namentlich auch für im ZEMIS erfasste
Daten. In solchen Fällen überwiegt das öffentliche Interesse an der Bear-
beitung möglicherweise unzutreffender Daten das Interesse an deren Rich-
tigkeit. Unter diesen Umständen sieht Art. 25 Abs. 2 DSG deshalb die An-
bringung eines Vermerks vor, in dem darauf hingewiesen wird, dass die
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Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten bestritten und/oder nicht gesi-
chert ist. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die
bisherigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten an-
schliessend mit einem derartigen Vermerk zu versehen. Ob die vormals
eingetragenen Angaben (als Neben- beziehungsweise Aliasidentität) wei-
terhin abrufbar bleiben sollen oder ganz zu löschen sind, bleibt grundsätz-
lich der Vorinstanz überlassen. Verhält es sich umgekehrt, erscheint also
die Richtigkeit der bisher eingetragenen Daten als wahrscheinlicher oder
zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind diese zu belassen und mit
einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über die Anbringung eines ent-
sprechenden Vermerks ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig da-
von zu entscheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl.
zum Ganzen Urteile des BVGer A-7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 3.4
und A-7822/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.4, je m.w.H.).
6.5 Es obliegt somit zunächst grundsätzlich der Vorinstanz zu beweisen,
dass der aktuelle ZEMIS-Eintrag des Geburtsdatums des Beschwerdefüh-
rers (1. Januar 2002) korrekt beziehungsweise zumindest wahrscheinlich
ist. Der Beschwerdeführer wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihm
geltend gemachte Geburtsdatum (1. Januar 2003) richtig beziehungsweise
zumindest wahrscheinlicher ist als die derzeit im ZEMIS erfasste Angabe.
Gelingt keiner Partei der sichere Nachweis des Geburtsdatums, ist dasje-
nige Geburtsdatum im ZEMIS zu belassen oder einzutragen, dessen Rich-
tigkeit wahrscheinlicher erscheint.
6.6 Ergänzend gilt es darauf hinzuweisen, dass im Asylverfahren das Ge-
burtsdatum von der asylsuchenden Person zumindest glaubhaft zu ma-
chen ist. Sofern der Beschwerdeführer auf das Urteil des BVGer
A-1987/2016 vom 6. September 2016 hinweist, welches mit Verweis auf
das Urteil A-7588/2015 vom 26. Januar 2016 zum Schluss kommt, im Asyl-
verfahren müsse im Zweifelsfall von der Minderjährigkeit der gesuchstel-
lenden Person ausgegangen werden, so ist dieser Grundsatz insofern zu
präzisieren, als dass die gesuchstellende Person die von ihr behauptete
Minderjährigkeit lediglich glaubhaft zu machen hat. Glaubhaft ist die Min-
derjährigkeit dann, wenn für deren Vorhandensein gewisse Elemente spre-
chen, selbst wenn das Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass die
gesuchstellende Person bereits volljährig ist (BGE 140 III 610 E. 4.1; 130
III 321 E. 3.3). In diesem Sinne kann auch die mit Beschwerde eingereichte
Stellungnahme der Deutschen Ethikkommission kein anderes Resultat
herbeiführen. In einer Gesamtwürdigung müssen die Gründe, welche für
die Minderjährigkeit sprechen, überwiegen (BVGE 2010/57 E. 2.3). Gelingt
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es dem Beschwerdeführer nicht, seine Minderjährigkeit zumindest glaub-
haft zu machen, respektive bleiben entsprechende Behauptungen unsub-
stanziiert, so ist von der Beweislosigkeit und mithin von einer Volljährigkeit
auszugehen (EMARK 2004 Nr. 30 E. 7.1).
7.
Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Geburtsda-
tum nicht wahrscheinlicher ist als dasjenige, welches im ZEMIS mit Bestrei-
tungsvermerk eingetragen ist.
7.1 Der Beschwerdeführer ersuchte am 23. August 2016 in Bulgarien um
Asyl und wurde dort mit dem Geburtsdatum 21. März 2001 erfasst. Nach
seinem Aufenthalt in Bulgarien reiste er nach Österreich, wo er ebenfalls
einen Asylantrag stellte. Die österreichischen Behörden gingen in der
Folge zum Zeitpunkt der Antragstellung von der Minderjährigkeit des Be-
schwerdeführers aus und registrierten ihn mit Geburtsdatum 9. Mai 2002,
weshalb auf seine Rücküberstellung nach Bulgarien verzichtet wurde
(SEM act. 45, 49). Nachdem sein Asylgesuch in Österreich rechtskräftig
abgewiesen worden war, reiste er in die Schweiz ein und gab bei seinem
Eintritt im BAZ Basel das Geburtsjahr 2004 an (SEM act. 1, act. 33 S. 2).
Die Angabe jeweils unterschiedlicher Geburtsjahre lässt – insbesondere im
Kontext des abgewiesenen negativen österreichischen Asylentscheids –
bereits gewisse Zweifel an der behaupteten Minderjährigkeit aufkommen.
Seine diesbezügliche pauschale Erklärung, das in Bulgarien angegebene
Datum habe er vergessen, in Österreich habe er irgendein Datum angege-
ben, vermag dabei nicht zu überzeugen (SEM act. 17 S. 4).
7.2 Weiter ist auf die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der EB
UMA einzugehen. Entgegen den Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe
sind diese gerade nicht als stimmig und insgesamt glaubhaft einzustufen.
7.2.1. Der Beschwerdeführer führte dort aus, er sei etwa 12 Jahre alt ge-
wesen, als er nach Bulgarien gekommen sei; man habe auch keine Finger-
abdrücke von ihm genommen. Dem ist jedoch nicht so. Ein Abgleich mit
der Fingerabdruck-Datenbank Eurodac ergab, dass er am 23. August 2016
anlässlich der Einreichung seines Asylgesuchs in Bulgarien daktylosko-
pisch erfasst worden war. Gemäss Erwägungsgrund 17 der Verordnung
[EU] Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 (Eurodac-VO) werden lediglich Personen, die mindestens
14 Jahre alt sind, die Fingerabdrücke abgenommen und die Daten dem
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Zentralsystem übermittelt. In diesem Sinne dürfte er zum Zeitpunkt seiner
Gesuchseinreichung in Bulgarien (23. August 2016) mindestens 14 Jahre
alt gewesen sein.
7.2.2. Diese Annahme wird durch das Vorbringen des Beschwerdeführers
bekräftigt, er habe von zu Hause erfahren, dass er im Jahr 1381 (afghani-
scher Kalender), im zweiten oder dritten Monat (Mai/Juni 2002) geboren
worden sei. Seine Eltern hätten eine Tazkera ausstellen lassen und ihm
gesagt, er sei 16 Jahre alt. Auf den Hinweis, er sei somit 18 Jahre alt, führte
er aus, er kenne sich mit dem afghanischen Kalender nicht so genau aus.
Er machte zudem geltend, seine Eltern würden kein genaues Datum
schreiben, aber sie (die Eltern) würden sich erinnern, in welchem Monat
und in welchem Jahr er geboren worden sei. Seine behaupteten Unkennt-
nisse betreffend den afghanischen Zeitkalender erklären hingegen nicht,
wieso ihm seine Eltern diesen Zeitpunkt (zweiter oder dritter Monat des
Jahres 1381) angegeben haben.
7.2.3. Seine wiederum anlässlich der EB UMA gemachte Angabe, er habe
erst vor ungefähr drei Monaten durch seine Eltern von seinem «richtigen»
Alter erfahren, erscheint überdies wenig nachvollziehbar, führte er doch
selbst aus, er habe bereits einmal eine Tazkera besessen, die allerdings
verloren gegangen sei. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2020 stellte er
dem Gericht überdies das Original einer Tazkera zu, welche bereits am
29. Juli 2018 ausgestellt worden war. Somit hätte ihm sein Alter bereits
durch diese Tazkera bekannt sein müssen.
7.2.4. Es ist dem SEM demnach nicht vorzuwerfen, dass es aufgrund der
oben dargelegten Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der EB
UMA Zweifel am geltend gemachten Alter des Beschwerdeführers hegte.
In seiner Verfügung vom 9. Oktober 2020 legte es denn – entgegen den
beschwerdeweisen Behauptungen – auch nachvollziehbar dar, inwiefern
die Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug auf seine behauptete Min-
derjährigkeit nicht zu überzeugen vermochten.
7.3 Weiter ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, sein Geburtsda-
tum anhand rechtsgenüglicher Identitätspapiere zu belegen. Er hat zwar
im vorliegenden Verfahren eine Tazkera im Original nacheingereicht, die-
ser kommt gemäss Rechtsprechung aber nur ein verminderter Beweiswert
zu, da sie nicht fälschungssicher ist (BVGE 2019 I/6 E. 6.2, BVGE 2013/30,
E. 4.2.2). Zudem hält das eingereichte Dokument kein exaktes Geburtsjahr
fest, sondern verweist lediglich im Sinne einer Altersschätzung darauf,
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dass «der Beschwerdeführer gemäss Aussehen 13-jährig in 1395
(2016/2017) gewesen sei» (vgl. auch Replik vom 6. Januar 2021).
7.4 Nachfolgend ist auf das am IRM Basel am 9. September 2020 erstellte
Altersgutachten einzugehen. Der Beschwerdeführer erblickt darin ein star-
kes Indiz für seine Minderjährigkeit.
7.4.1. Dem Altersgutachten, das nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt
wurde und auf mehreren Einzeluntersuchungen basiert, wodurch die Aus-
sagekraft bedeutend erhöht wird, ist eine erhebliche Beweiskraft beizu-
messen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2; BVGE 2019 I/6 E. 6.1, 6.3-6.5).
Gemäss der medizinischen Altersabklärung des IRM Basel entsprach der
radiologische Befund der linken Hand des Beschwerdeführers dem Refe-
renzbild eines 19-jährigen Jungen. Es wurde darauf hingewiesen, dass
eine Altersschätzung der linken Hand mittels Röntgenuntersuchung grund-
sätzlich nur bis zur vollständigen Verknöcherung des Handskelettes durch-
geführt werden könne, welche bei Knaben normalerweise ab einem mini-
malen Alter von 16.1 Jahren vorliegt. Die radiologische Untersuchung der
medialen Schlüsselbeinepiphysen ergab ein mittleres Alter von 18.6 Jah-
ren (+/- 1.4 Jahren). Das minimale Alter lag bei 17.1 Jahren. Nach den Er-
gebnissen der zahnärztlichen Untersuchung konnte beim Beschwerdefüh-
rer an den Zähnen 1 bis 7 im 3. Quadranten ein vollständiger Abschluss
des Wurzelwachstums festgestellt werden, was ab einem Alter von 16 Jah-
ren zur Beobachtung kommt. Dies kann jedoch nur als Mittelwert und nicht
als Minimum gewertet werden. Die Ergebnisse der Untersuchung an den
3. Molaren des Unterkiefers weisen auf einen vollständigen Abschluss des
Wurzelwachstums hin. Es kann daher nur noch ein Mindestalter angege-
ben werden. Dieses liegt bei 17 Jahren. Die 3. Molaren des Oberkiefers
weisen auf ein absolutes Mindestalter von 16.6 (20.6 [Anmerkung des Bun-
desverwaltungsgerichts: als Mittelwert] - [2.4 x 1.645]) Jahre hin. Zusam-
menfassend gelangte der Gutachter zum Schluss, dass der Beschwerde-
führer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet
und die Volljährigkeit erreicht habe. Das Mindestalter betrage 17.1 Jahre,
das angegebene Lebensalter von 17 Jahren und 8 Monaten sei nicht zu
widerlegen.
7.4.2. Da sowohl bei der Schlüsselbein- respektive Skelettanalyse wie
auch bei der zahnärztlichen Untersuchung das ermittelte Mindestalter un-
ter 18 Jahren lag, sind gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts anhand der Altersabklärung keine Aussage zur Minder- bzw. Voll-
jährigkeit einer Person möglich, wenn das Maximalalter bei beiden oder
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einer Methode darüber liegt (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). In einem Fall
wie vorliegend sind denn auch sowohl eine Voll- wie auch eine Minderjäh-
rigkeit möglich, ohne dass sich eine verlässliche Aussage darüber machen
lässt, was wahrscheinlicher ist.
7.5 Eine Gesamtwürdigung aller Indizien ergibt, dass weder das SEM
noch der Beschwerdeführer die Richtigkeit des jeweils behaupteten Ge-
burtsdatums nachweisen konnten. Sowohl das Altersgutachten wie auch
die Tazkera lassen einerseits keine eindeutigen Schlüsse auf sein Alter zu.
Dem Beschwerdeführer ist es andererseits nicht gelungen, seine Minder-
jährigkeit wenigstens glaubhaft zu machen. In diesem Sinne ist auch die
Würdigung der äusserlichen Erscheinung lediglich als sehr schwaches In-
diz zu werten (vgl. Urteil des BVGer E-3013/2020 vom 8. Juli 2020 E. 4.3.2
m.w.H.). Insgesamt erscheint das vom Beschwerdeführer geltend ge-
machte Geburtsdatum vom 1. Januar 2003 nicht als wahrscheinlicher als
dasjenige, welches im ZEMIS eingetragen ist (1. Januar 2002). Das im
ZEMIS erfasste Geburtsdatum (mit Bestreitungsvermerk) ist folglich beizu-
behalten.
7.6 Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Da-
tenschutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt
zu geben.
8.
8.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs.1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (BVGE 2017 VI/5 E. 3.1
und 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
8.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
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Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
8.3 Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge)
sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der
dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskri-
terien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Si-
tuation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in ei-
nem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im
Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet dem-
gegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Ka-
pitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
8.4 Von Wiederaufnahmeverfahren ausgeschlossen sind unbegleitete
Minderjährige (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 2014,
Kap. 16 zu Art. 8). Im Falle von unbegleiteten Minderjährigen ohne famili-
äre Anknüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8
Abs. 4 Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem der Minderjährige sei-
nen Antrag gestellt hat. Eine Anwendung dieser Bestimmung würde im vor-
liegenden Fall eine vorrangige Zuständigkeit der Schweiz begründen.
8.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
9.
9.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 23. August 2016 in Bulgarien und
am 9. November 2017 in Österreich je ein Asylgesuch eingereicht hatte.
Das SEM ersuchte deshalb die dortigen Behörden um Wiederaufnahme
des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b bzw. Bst. d Dublin-
III-VO. Während die bulgarischen Behörden das Gesuch ablehnten, stimm-
ten die österreichischen Behörden am 6. Oktober 2020 zu. Die grundsätz-
liche Zuständigkeit Österreichs ist damit gegeben.
9.2 Der Beschwerdeführer führt in seiner Rechtsmitteleingabe in diesem
Zusammenhang aus, das SEM sei anzuweisen, gemäss Art. 8 Abs. 4 Dub-
lin-III-VO auf sein Gesuch einzutreten. Wie den vorgenannten Erwägungen
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zu entnehmen ist, konnte er seine Minderjährigkeit hingegen nicht glaub-
haft machen (E. 6.5). An der grundsätzlichen Zuständigkeit Österreichs än-
dert sich damit nichts.
9.3 Der Beschwerdeführer hat weiter kein konkretes und ernsthaftes Ri-
siko dargetan, die österreichischen Behörden würden sich weigern, ihn
wieder aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter
Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind
auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Österreich werde in
seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur
Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine
Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in
dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen
zu werden. Es liegen überdies keine Hinweise dafür vor, dass die Behand-
lung seines Asylgesuchs mangelhaft gewesen sein könnte und seine Weg-
weisung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips verfügt worden
wäre. Das Prinzip der Überprüfung eines Asylgesuchs durch einen einzi-
gen Mitgliedstaat ("one chance only") dient im Gegenteil der Vermeidung
von multiplen Asylgesuchen in verschiedenen Staaten (sogenanntes
"asylum shopping"; vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3).
9.4 Den Akten des vorinstanzlichen Verfahrens ist bezüglich des Gesund-
heitszustands des Beschwerdeführers zu entnehmen, dass er gemäss ei-
genen Angaben an Kopfschmerzen leide und Nierensteine hätte, deswe-
gen habe er auch immer wieder Bauchschmerzen; er sei aber nicht beim
Arzt gewesen (vgl. SEM act. 18). In seiner schriftlichen Stellungnahme vom
25. September 2020 macht er weiter geltend, dass der Aufenthalt in Öster-
reich nicht gut für seine Psyche gewesen sei. Er sei drogensüchtig gewor-
den (SEM act. 33). Sowohl den Akten wie auch der Beschwerde sind je-
doch keine weiteren Angaben oder medizinische Akten zu entnehmen. An-
lässlich der EB UMA erklärte er auf die Frage nach gesundheitlichen Be-
einträchtigungen denn auch, es gehe ihm gut, er benötige keinen Arzt
(SEM act. 17 S. 11). Damit lässt sich sein Gesundheitszustand nicht als
derart gravierend bezeichnen, als dass eine Überstellung nach Österreich
eine tatsächliche Gefahr (real risk) einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit
sich bringen würde (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Recht-
sprechung des EGMR sowie Urteil des EGMR P. gegen Belgien vom 13.
Dezember 2016 [Nr. 41738/10]).
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9.5 Weiter besteht auch für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss
Art. 29a Abs. 3 AsylV1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO keine Veran-
lassung. Eine Ermessenunterschreitung liegt nicht vor und wurde im Übri-
gen auch nicht geltend gemacht.
10.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung nach Österreich in Anwendung von Art. 44
AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
11.
Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG, weshalb
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen sind (vgl. BVGE 2015/18
E. 5.2 m.w.H.).
12.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit
Zwischenverfügung vom 27. Oktober 2020 die unentgeltliche Prozessfüh-
rung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt worden ist, sind keine Verfah-
renskosten zu erheben.
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