Decision ID: 745753e2-0b7f-4d88-afc8-3ea780acfd94
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung
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Sachverhalt:
A.
A.a L._ arbeitete ab 1. April 2009 im Restaurant Z._ (act. G 5.52). Mit
"Aufhebungsvertrag" vom 8. September 2009 lösten die Versicherte und ihre
Arbeitgebenden den bestehenden Arbeitsvertrag in gegenseitigem Einverständnis per
30. September 2009 auf (act. G 5.50). In der Folge meldete sich die Versicherte per
1. Oktober 2009 zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung an. Als Grund für die
Beendigung des Arbeitsverhältnisses nannte sie die "nicht tarifliche Zahlung" (act. G
5.48).
A.b Mit Schreiben vom 12. Oktober 2009 teilte die Kantonale Arbeitslosenkasse
(nachfolgend: Kasse) der Versicherten mit, aus der eingeholten Stellungnahme ihrer
Arbeitgebenden gehe hervor, dass das Arbeitsverhältnis auf ihren (der Versicherten)
Wunsch aufgelöst worden sei. Die Arbeitgebenden hätten mitgeteilt, sie hätten die
Arbeitszeiten der Versicherten ändern (nicht kürzen) wollen. Diese sei von den neuen
Schichten nicht begeistert gewesen und habe sich geweigert, so zu arbeiten. Bei einem
nächsten Gespräch habe die Versicherte verkündet, ihre Grossmutter sei krank,
weshalb sie nur noch teilzeitlich arbeiten wolle. Daraufhin habe die Versicherte den
Arbeitgebenden einen Auflösungsvertrag gebracht mit dem Wunsch, einen neuen
Arbeitsvertrag abzuschliessen, aber nur eine Teilzeitanstellung. In der Folge sei die
Versicherte oft krank gewesen und die Arbeitgebenden hätten sie gefragt, wie sie im
Oktober arbeiten könne oder wolle und ob sie (die Arbeitgebenden) mit ihr rechnen
könnten. Daraufhin habe die Versicherte geäussert, die Arbeitgebenden sollten den
Aufhebungsvertrag bestehen lassen und keinen neuen Arbeitsvertrag als
Teilzeitangestellte machen. Aufgrund dieses Sachverhalts seien die Arbeitgebenden
dem Wunsch der Versicherten nachgekommen und hätten keinen neuen Arbeitsvertrag
erstellt. Da zwischen der freiwilligen Stellenaufgabe und dem Eintritt der
Arbeitslosigkeit offensichtlich ein Zusammenhang bestehe, sei die Kasse verpflichtet,
eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu verfügen. Die Kasse gewährte der
Versicherten diesbezüglich das rechtliche Gehör (act. G 5.34).
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Mit undatierter Stellungnahme (Eingang bei der Kasse: 15. Oktober 2009) machte die
Versicherte geltend, die Aussagen ihrer ehemaligen Arbeitgebenden entsprächen nicht
der Wahrheit. Als sie die Stelle angetreten habe, sei ihr nicht der tarifliche Lohn
zugesichert gewesen, weil sich der Betrieb dies angeblich nicht habe leisten können.
Es sei ihr aber mündlich zugesagt worden, dass sie nach drei Monaten, wenn das
Geschäft laufe, mehr Geld erhalten solle. Den Tariflohn habe sie aber nicht erhalten;
stattdessen seien Aushilfen angestellt worden. Ende August 2009 hätten die
Arbeitgebenden die geschäftliche Situation mit ihr besprochen. Um Aushilfen
einzusparen, hätten die Arbeitgebenden einen Änderungsvertrag abschliessen wollen,
wonach sie (die Versicherte) ab sofort in Teilschichten hätte arbeiten sollen. Das hätte
sie sich jedoch nicht leisten können, da sie viermal am Tag hätte hin- und herfahren
müssen und ihr diese Kosten nicht ersetzt worden wären. Dann habe sie erfahren, dass
es ihren Grosseltern schlecht gehe, worauf sie ihre Arbeitgebenden gebeten habe, den
Vertrag ab Oktober 2009 auf eine Teilzeitstelle im Stundenlohn zu ändern. Die
Arbeitgebenden hätten gemeint, sie würden das Arbeitsverhältnis nicht kündigen,
sondern einen Aufhebungsvertrag schliessen, wobei ab Oktober 2009 ein neuer Vertrag
auf Stundenbasis folgen solle. Als sie (die Versicherte) anfangs September noch nichts
erhalten habe, habe sie den Aufhebungsvertrag erstellt und ihn am 8. September 2009
unterschreiben lassen. Am 9. September 2009 (vgl. act. G 5.29) habe sie erfahren, dass
sie operiert werden müsse; in der Folge sei sie krank gewesen. Es habe dann auch
Differenzen betreffend Überstunden gegeben, woraufhin ihr die Arbeitgebenden
mitgeteilt hätten, sie hätten keine Lust mehr und es wäre besser, sie (die Versicherte)
würde gar nicht mehr kommen. Das mit dem neuen Vertrag im Oktober sei somit
erledigt, der Aufhebungsvertrag aber bereits unterzeichnet gewesen (act. G 5.28; vgl.
auch act. G 5.32).
B.
B.a Mit Verfügung vom 18. November 2009 stellte die Kasse die Versicherte für 43
Tage ab 1. Oktober 2009 in der Anspruchsberechtigung ein. Zur Begründung hielt sie
im Wesentlichen fest, durch die vorzeitige Ausstellung des Aufhebungsvertrags habe
die Versicherte das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Es wäre ihr zuzumuten gewesen, zuerst
die Ausstellung des neuen Arbeitsvertrags abzuwarten und dann eventuell nach einer
anderen Stelle zu suchen, um für einen lückenlosen Übergang von einem Arbeitgeber
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zum anderen zu sorgen. Eine versicherte Person sei verpflichtet, ihr Möglichstes zu
unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu verhindern. Dieser
Schadenminderungspflicht sei die Versicherte nur ungenügend nachgekommen. Weil
sie zudem auf die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist von einem
Monat verzichtet habe und so verfrüht arbeitslos geworden sei, müsse ihr ein
Verschulden an ihrer Arbeitslosigkeit angelastet werden, welches als schwer eingestuft
werde (act. G 5.19).
B.b Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 7. Dezember 2009 Einsprache.
Sie machte im Wesentlichen geltend, sie habe sich schon anfangs September 2009 um
eine neue Stelle bemüht. Sie habe ein Probegespräch im Café A._ gehabt. Dabei sei
ein Probetag vereinbart worden. Infolge der Operation habe sie diesen erst im Oktober
2009 absolvieren können. Wäre es nicht zu der Krankheit gekommen, hätte sie den
Probetag im September 2009 absolvieren und per Oktober 2009 die Arbeit im Café
A._ fortsetzen (bzw. aufnehmen) können (act. G 5.13).
B.c Mit Entscheid vom 13. Januar 2010 wies die Kasse die Einsprache ab. Die
bisherige Arbeitsstelle sei der Versicherten zumutbar gewesen, was von ihr auch gar
nicht bestritten werde. Sie mache aber geltend, dass ihr eine Stelle im Café A._
zugesichert gewesen sei, sie aber leider krank geworden sei und den Probetag daher
erst im Oktober 2009 habe wahrnehmen können. Dazu müsse festgehalten werden,
dass die Versicherte erst kündigen dürfe, wenn sie eine feste Zusage für einen neuen
Arbeitsplatz und somit einen Rechtsanspruch gegenüber ihrem neuen Arbeitgeber
habe. Dies sei vorliegend offensichtlich nicht der Fall gewesen. Auch handle es sich bei
der Arbeit im Café A._ nicht um eine Stelle im gleichen Umfang wie vorher,
ansonsten die Versicherte gar nicht Antrag auf Arbeitslosenentschädigung hätte stellen
müssen. Durch die Unterzeichnung des Aufhebungsvertrags treffe die Versicherte ein
Selbstverschulden an der Arbeitslosigkeit, weshalb sie in der Anspruchsberechtigung
eingestellt werden müsse. Die verfügten 43 Einstelltage seien angemessen (act. G 5.3).
C.
C.a Mit Eingabe vom 10. Februar 2010 (Datum der Postaufgabe) erhebt die Versicherte
Beschwerde und beantragt sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids vom
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13. Januar 2010. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, im angefochtenen
Entscheid werde der Sachverhalt nicht korrekt wiedergegeben. Die angekündigten
Teilschichten und der daraus resultierende finanzielle Verlust hätten sie dazu bewegt,
sich beruflich neu zu orientieren, zumal sie bisher auch den Tariflohn nicht erhalten
habe. Sie habe sich im Café A._ beworben. So hätte sie stundenweise im Restaurant
Z._ arbeiten und im Café A._ tätig sein können. Im August 2009 habe sie bereits
eine feste "Inaussichtstellung" gehabt. Unter diesen Gesichtspunkten habe sie den
Aufhebungsvertrag im Restaurant Z._ unterzeichnet; dort sei in der Folge kein neuer
Arbeitsvertrag mehr zustande gekommen. Da sie vom 9. September bis 17. Oktober
2009 krank gewesen sei, habe kein nahtloser Übergang zum neuen Arbeitgeber im
Café A._ erfolgen können. Auch habe sie dort zunächst nur eine Teilzeitstelle, da sie
davon ausgegangen sei, noch (stundenweise) im Restaurant Z._ zu arbeiten (act. G
1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. März 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wiederholt sie im Wesentlichen die im
angefochtenen Entscheid angeführten Argumente (act. G 5).
C.c Mit Replik vom 6. April 2010 hält die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag fest. Der
Beschwerdeantwort sei zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt
noch immer nicht richtig erfasst habe (act. G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (vgl. act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne
dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der
Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über
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die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]). Unter diesen Einstellungstatbestand sind auch Fälle der vorzeitigen Auflösung
von Arbeitsverhältnissen in gegenseitigem Einvernehmen zu subsumieren (Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Juli 2010, AVI 2010/33 E. 3,
mit Hinweis auf Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8.
Mai 2002, AVI 2001/276 E. 3a). Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe findet
demnach das sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip seine Grenze
bei der Zumutbarkeit. So kann es der versicherten Person nicht zugemutet werden,
eine Stelle, die im Sinn von Art. 16 Abs. 2 AVIG unzumutbar und damit von der
Annahmepflicht ausgenommen ist, beizubehalten.
1.2 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen
Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime")
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Damit dürfen bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten
Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden;
insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der
versicherten Person zu berücksichtigen (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinn des Übereinkommens gesprochen werden, wenn eine
versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber oder durch die
Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt für den Fall, da
die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen vermag
(BGE 124 V 238 E. 4b/aa).
2.
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2.1 Vorliegend geht aus den Akten hervor und ist im Übrigen unbestritten, dass die
ehemaligen Arbeitgebenden die Arbeitszeiten der Beschwerdeführerin ändern wollten
(andere Schichten), womit diese aus finanziellen Gründen (täglich vier Fahrten zwischen
Wohn- und Arbeitsort) nicht einverstanden war. Die Beschwerdeführerin äusserte
daraufhin den Wunsch, nur noch teilzeitlich im Stundenlohn zu arbeiten, womit die
Arbeitgebenden (ursprünglich) einverstanden gewesen waren. Der in der Folge
unterzeichnete Aufhebungsvertrag, mit welchem der bestehende Arbeitsvertrag per 30.
September 2009 beendet wurde (act. G 5.50), war von der Beschwerdeführerin erstellt
worden. Weshalb im Anschluss kein neuer Arbeitsvertrag für eine Teilzeitstelle im
Stundenlohn zustande kam, ist unklar. Während die Arbeitgebenden in ihrer
Stellungnahme an die Beschwerdegegnerin ausführten, die Beschwerdeführerin habe
nach ihrer Krankheit kein Interesse mehr an einer Teilzeitanstellung bekundet (act. G
5.36), macht die Beschwerdeführerin geltend, nachdem Unstimmigkeiten in Bezug auf
geleistete Überstunden und den Tariflohn entstanden seien, hätten die Arbeitgebenden
keinen neuen Arbeitsvertrag mehr schliessen wollen (act. G 1). Wie es sich damit
verhält, braucht vorliegend jedoch nicht geklärt zu werden, wie nachfolgend zu zeigen
sein wird.
2.2 Wie oben (E. 1.1) erwähnt, findet das sozialversicherungsrechtliche
Schadenminderungsprinzip im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe seine Grenze bei
der Zumutbarkeit, welche anhand von Art. 16 Abs. 2 AVIG zu prüfen ist. Soweit die in
dieser Bestimmung erwähnten Bedingungen erfüllt sind, ist die Zumutbarkeit, am
bisherigen Arbeitsplatz zu verweilen, in analoger Anwendung zu verneinen, da es nicht
anginge, der versicherten Person selbstverschuldete Arbeitslosigkeit vorzuwerfen,
obwohl sie eine Arbeit aufgegeben hat, die nach Art. 16 AVIG gar nicht
annahmepflichtig wäre (Chopard, a.a.O., S. 116).
Wie die Beschwerdeführerin bereits im Verwaltungsverfahren vorgebracht hat (vgl. act.
G 5.28), lag ihr Lohn im Restaurant Z._ unter dem gesamtarbeitsvertraglichen
Mindestlohn, was sie als Grund angab, weshalb die von den Arbeitgebenden
beabsichtigte Änderung der Arbeitszeiten für sie (die Beschwerdeführerin) aufgrund der
mit den Mehrfahrten verbundenen Kosten nicht in Frage komme. Aus dem
Arbeitsvertrag betreffend das Arbeitsverhältnis im Restaurant Z._ geht hervor, dass
der Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-GAV; Stand 1. Januar 2009,
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abrufbar unter: http://www.l-gav.ch/deutsch/L-GAV.pdf) auf das besagte
Arbeitsverhältnis anwendbar war (act. G 5.52). Dieser GAV ist vom Bundesrat allgemein
verbindlich erklärt worden, weshalb die Mindestlöhne gemäss Art. 10 des L-GAV
jedenfalls Anwendung finden (vgl. BBI 2008, 9229). Im vorliegenden Fall wurde gemäss
schriftlichem Arbeitsvertrag ein Bruttolohn von Fr. 3'700.-- vereinbart. Zudem geht aus
dem Vertrag hervor, dass die Beschwerdeführerin eine Berufsausbildung zur
Servicefachfrau absolviert hat und im fraglichen Zeitpunkt über sieben Jahre
Berufspraxis (inkl. Lehre) verfügte. Für Mitarbeitende mit derartigen Qualifikationen
sieht Art. 10 Ziff. 1 L-GAV ab 1. Januar 2009 Mindestlöhne von Fr. 3'823.-- (drei- bis
vierjährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis oder
zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest und sieben
Jahren Berufspraxis [inkl. Lehre]) bzw. Fr. 4'172.-- (Berufslehre [berufliche
Grundbildung] mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis und sieben Jahren Berufspraxis
[inkl. Lehre]) vor. Zwar kann aufgrund der Akten nicht beurteilt werden, in welche dieser
beiden Kategorien die Beschwerdeführerin fällt (sie selbst hat mittlerweile offenbar
Lohnforderungen auf der Basis von Fr. 4'172.-- pro Monat geltend machen lassen; vgl.
act. G 1), doch lag der arbeitsvertraglich vereinbarte Lohn von Fr. 3'700.-- in jedem Fall
unter dem gesamtarbeitsvertraglichen Mindestlohn. In Art. 16 Abs. 2 lit. a AVIG wird
ausdrücklich statuiert, dass eine Arbeit, die den gesamtarbeitsvertraglichen
Bedingungen nicht entspricht, unzumutbar und damit von der Annahmepflicht
ausgeschlossen ist. Folglich durfte die Beschwerdeführerin diese Stelle aufgeben, ohne
sich dem Vorwurf der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit aussetzen zu müssen. Da
die Arbeitslosigkeit infolge Unzumutbarkeit der aufgegebenen Stelle nicht als
selbstverschuldet qualifiziert werden darf, bleibt kein Raum für eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung. Entsprechend ist der angefochtene Einspracheentscheid
aufzuheben.
3.
Nach dem oben Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Der angefochtene
Einspracheentscheid ist aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit.
a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]).
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53