Decision ID: d4fdb2bd-0282-596f-8e36-13e1550475c0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 6./8. Oktober 2008 (nach einer Früherfassungsmeldung der
Einrichtung der beruflichen Vorsorge vom 16. September 2008 wegen seit 25. Januar
2007 mit Unterbrüchen bestehender, ab 22. August 2007 andauernder
Arbeitsunfähigkeit, IV-act. 1) zum Bezug von Leistungen (Rente) der
Invalidenversicherung an. Sie sei 1992 in die Schweiz gekommen. Seit 2003 leide sie
an Schmerzen im linken Fuss. Zuletzt sei sie von September 1998 bis November 2007
[damals richtig erst Kündigung, IV-act. 18-22] zu 100 % als Reinigungsangestellte
beschäftigt gewesen (IV-act. 7). Gemäss Arbeitgeberbescheinigung (IV-act. 18) hatte
das Pensum bei gut 80 % gelegen. Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH, hatte am
15. März 2008 (IV-act. 2-3 und 3-6) von einem Köhler II [...] III Fuss links seit 2004
berichtet und zuletzt eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab 22. August 2007 und von
50 % seit 3. Dezember 2007 attestiert. Gemäss Bericht der Klinik für Orthopädie/
Traumatologie am Spital C._ vom 3. April 2007 (IV-act. 3-5) hatte die Versicherte
berichtet, ihr sei vor etwa drei Jahren ein Zementeimer auf den Fuss gefallen. Bei
einem CT vom 26. Januar 2007 sei eine Osteolyse-Zone an der Basis des Os
metatarsale IV gefunden worden und am 21. März 2007 operativ behandelt worden. Es
hatte sich gemäss Bericht vom 12. August 2008 (IV-act. 3-1 f.) um eine Curettage
intraossär bei benigner Neoplasie (Histologie: tumorfreies, spongiöses Knochengewebe
mit Fettmarkanteilen) gehandelt. Am 22. August 2007 (Fremd-act. 1-21) war eine
weitere Operation erfolgt (Trimmung des Metatarsale III Köpfchens und Debasierung
der Grundphalanx Dig. III bei M. Köhler II sowie Revision der Narbe über dem Mittelfuss
bei Verdacht auf Narbenneurom, vgl. IV-act. 3-1). - Nachdem bereits Begutachtungen
durch Dr. med. D._, Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. E._, Allgemeine
Innere Medizin, erfolgt waren (Fremd-act. 1-3; soweit ersichtlich nicht aktenkundig),
A.a.
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gab Dr. med. F._, Arzt für Allgemeine Medizin, der Krankentaggeldversicherung am
14. November 2008 (Fremd-act. 3-7 f.) eine Arbeitsfähigkeitsschätzung von 50 % für
angepasste Arbeiten bekannt.
Dr. med. G._, Allgemein- und Unfallchirurgie, diagnostizierte bei der
Versicherten in einem Gutachten zuhanden der Krankentaggeldversicherung vom 19.
November 2008 (IV-act. 30-3 ff.) hauptsächlich ein generalisiertes Schmerzsyndrom am
linken Bein und lumbal links bei Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung. Die
nur sehr schlecht Deutsch sprechende Versicherte wäre rein medizinisch-theoretisch in
der bisherigen Tätigkeit als Reinigungsangestellte arbeitsfähig. Auf Grund der
somatoformen Schmerzstörung mit Selbstlimitierung und fehlender Motivation lasse
sich die Arbeitsfähigkeit jedoch zweifelsfrei nicht praktisch umsetzen. Das
Schmerzsyndrom sei diffus und nicht erklärbar. Der Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle des Kantons St. Gallen gegenüber gab der Gutachter bekannt, in einer
adaptierten Tätigkeit bestehe sicherlich eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-
act. 30-1 f.).
A.b.
Diese gewährte der Versicherten Arbeitsvermittlung (11. Februar 2009, IV-act. 36).
Am 10. August 2009 (IV-act. 39) gab die IV-Eingliederungsverantwortliche aber
bekannt, die Versicherte fühle sich nicht mehr arbeitsfähig. Sie sei zwar zu 100 % beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) angemeldet, habe dort aber schon länger
ein Zeugnis einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % präsentiert. Nun sei sie voll
arbeitsunfähig gemeldet (nach Angaben der zuständigen Arbeitslosenkasse war der
Versicherten vom 1. März 2008 bis 18. November 2008 ein halbes Arbeitslosentaggeld
ausgerichtet worden, bevor ab 19. November 2008 ein Zeugnis voller Arbeitsfähigkeit
vorgelegt worden sei; dann noch Taggeld bis 2. März 2009; IV-act. 77 und IV-act. 90).
A.c.
Dr. B._ gab in einem IV-Arztbericht vom 15. November 2009 (IV-act. 48)
bekannt, die Versicherte sei seit 1. Februar 2009 voll arbeitsunfähig. Sie habe
Schmerzen am Rücken (LWS), am ganzen linken Bein, am linken Knie und vor allem am
linken Fuss. Gemäss Beilage (IV-act. 48-11) hatte am 7. Oktober 2009 eine
Erstkonsultation bei den Psychiatrie-Diensten Süd stattgefunden, wo eine mittelgradige
depressive Episode angegeben worden war. - Radiologisch waren gemäss einem
Bericht eines Radiologie-Zentrums vom 3. April 2009 (IV-act. 48-5 f.) u.a. eine deutliche
A.d.
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ventrale Bandscheibenprotrusion Th11/12, eine mässiggradige Spinalkanalstenose
L3/4, ein Verdacht auf Kontaktierung/Irritation der Nervenwurzel L3 rechts,
längerstreckige Kontaktierung/mögliche Irritation der Nervenwurzel L5 beidseits und
eine deutliche ventrale und ventro-laterale Diskushernie L5/S1 mit dort Verdacht auf
längerstreckige Kontaktierung/Irritation der Nervenwurzel L5 beidseits beschrieben
worden. - In einem IV-Arztbericht vom 18. Januar 2010 (IV-act. 51) attestierte das
Psychiatrie-Zentrum Süd der Versicherten volle Arbeitsunfähigkeit wegen einer
mittelgradigen depressiven Episode und Verdachts auf eine somatoforme
Schmerzstörung. - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung ging
in der Folge am 26. Januar 2010 (IV-act. 52) von einer vollen Arbeitsunfähigkeit der
Versicherten aus. - Berufliche Massnahmen wurden am 3. Mai 2010 (IV-act. 59)
abgewiesen.
In einem interdisziplinären Gutachten vom 24. Januar 2011 (IV-act. 68) gab das
Medizinische [Institution] H._ (Dr. med. I._, Facharzt für Rheumatologie,
Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, und Dr. med. J._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie) an, als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
lägen bei der Versicherten (verkürzt wiedergegeben) vor ein CRPS II des linken Fusses
seit 2008 (chronifiziertes Schmerzsyndrom), ein lumbospondylogenes bis
lumboradikuläres Schmerzsyndrom links und eine leichte depressive Episode. Daneben
bestünden beginnende Gonarthrosen links und eine Adipositas Klasse I. Die bisherige
Tätigkeit als Reinigungsangestellte sei nicht mehr zumutbar, wahrscheinlich ab Februar
2009. In einer adaptierten, wechselbelastenden, vor allem im Sitzen auszuübenden
Tätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit für vier Stunden pro Tag zumutbar. Psychiatrisch
gesehen bestehe nach einer Verbesserung eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens noch
30 %. Die Versicherte verfüge über eine normale manuelle Funktion, die ihr gewisse
Kontrollfunktionen auszuüben erlauben würde. Diese Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
aus somatischer Sicht stehe in einem Widerspruch zur Beurteilung des Hausarztes und
derjenigen der Versicherten selbst, die sich für jegliche Tätigkeiten für nicht mehr
arbeitsfähig halte, auch nicht mehr für solche im Haushalt (vgl. insbesondere IV-
act. 68-7). Das Ausmass der Funktionsstörung des linken Fusses - insgesamt müsse
von einem dystrophen Fuss gesprochen werden (IV-act. 68-32) - mit Auswirkungen auf
die ganze linke Körperhälfte bezüglich Diagnosen und Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
A.e.
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richtig einzuschätzen, sei schwierig. Es sei verständlich, dass sich die Versicherte, die
auf die Funktionen ihrer Hände und vor allem Füsse angewiesen sei, aufgrund des
Schmerzzustandes und der Strukturveränderungen nicht mehr arbeitsfähig fühle (IV-
act. 68-9). Aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten habe eigentlich keine
psychiatrische Behandlung stattgefunden (vgl. IV-act. 68-7).
In einem Fragebogen vom 16. März 2011 (IV-act. 82) gab die Versicherte an, die
meisten Arbeiten im Haushalt (Planung, Ernährung, Wohnungspflege, Einkauf, Wäsche)
nicht mehr erledigen zu können (Ausnahmen: Tisch decken, Lavabo reinigen, kleinere
Einkäufe).
A.f.
Gegen einen Vorbescheid, ab 1. Februar 2010 eine Viertelsrente bei einem
Invaliditätsgrad von 48 % (bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % und bei einem vom
Beschäftigungsgrad von 82 % auf ein Vollpensum aufgerechneten Einkommen)
zusprechen zu wollen (IV-act. 84), wandte Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter für die
Versicherte am 13. Mai 2011 (IV-act. 88) ein, es sei eine ganze Rente geschuldet. Die
Einrichtung der beruflichen Vorsorge hatte am 7. April 2011 (IV-act. 87) ebenfalls
Einwand erhoben und geltend gemacht, die Arbeitsunfähigkeit habe im Jahr 2007
begonnen. - Am 27. Juni 2011 und 8. Juli 2011 (IV-act. 95 f.) sprach die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten ab
1. Februar 2010 eine Viertelsrente zu. - Die hiergegen am 29. August 2011 (IV-act. 99)
erhobene Beschwerde (IV 2011/256) wurde vom Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen mit Entscheid vom 27. September 2013 (IV-act. 120) teilweise gutgeheissen
und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Im
rheumatologischorthopädischen Gutachtensteil sei nicht erläutert worden, was aus den
erwähnten Inkonsistenzen für die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung abgeleitet worden sei. Es
sei ausgeführt worden, bei der Restbelastbarkeit der unteren rechten Extremität bzw.
der oberen rechten Extremität der Versicherten ohne die Möglichkeit, längerdauernd
sitzen zu können, sei keine Definition einer adaptierten Tätigkeit möglich. Das lasse
darauf schliessen, dass der Gutachter die Arbeitsfähigkeit der Versicherten als
vollumfänglich aufgehoben betrachtet habe. Er habe zudem offenbar deren
Selbsteinschätzung einer vollen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit für zutreffend
erachtet und ausserdem ausgeführt, die Beurteilung sowohl des Hausarztes wie des
Psychiaters (volle Arbeitsunfähigkeit der Versicherten) müsse wahrscheinlich
A.g.
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übernommen werden. Die gutachterlich insgesamt attestierte Arbeitsunfähigkeit von
50 % stehe dazu im Widerspruch, wozu eine Stellungnahme des Gutachters der
Rheumatologie fehle, und sie (die betreffende Arbeitsunfähigkeit) sei bei der unklaren
medizinischen Aktenlage nicht genügend belegt.
Dr. B._ erklärte am 30. Oktober 2013 (IV-act. 133), aufgrund der
Beschwerdeangaben der Versicherten habe sich gesamthaft eine Verschlechterung
eingestellt bezüglich Rückenschmerzen, einer anhaltenden depressiven Störung, einer
Otalgie HWS-bedingt, und einer (wohl:) PHS [Periarthropathia humeroscapularis] rechte
Schulter. Dr. med. K._, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, hatte im
Arztbericht vom 22. Mai 2013 (IV-act. 133-8) eine solche HWS-bedingte Otalgie sowie
eine leichte sensorineurale Schwerhörigkeit der Versicherten beidseits festgestellt.
A.h.
Das Medizinische Gutachtenzentrum MGSG (Dr. med. L._, Spezialarzt
Orthopädie FMH; Dr. med. M._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) gab im
orthopädisch-psychiatrischen Gutachten vom 8. April 2014 (IV-act. 128) bekannt, es
lägen als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor (erstens) ein
Lumbovertebralsyndrom bei Anterolisthesis Grad I nach Meyerding L3 gegenüber L4,
Diskushernie L3/4 und L4/5 sowie Diskusprotrusion L5/S1 mit leichter Kompression der
Nervenwurzel L3 rechts intraforaminal, L4 beidseits recessal, minimalem Kontakt zur
Nervenwurzel S1 rechts, Spinalkanalstenose L3/4, Facettengelenksarthrosen L4 bis S1
und linkskonvexer leichter Skoliose sowie akzentuierter fettiger Degeneration der
paraspinalen Muskulatur, (zweitens) eine rezidivierende depressive Störung mit
mittelgradigen depressiven Episoden, bestehend von etwa 02/2009 bis 10/2010, und
(drittens) eine chronische depressive Verstimmung (Dysthymie), bestehend seit etwa
11/2010. Daneben lägen eine massive Adipositas, eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung und akzentuierte passive, abhängige Persönlichkeitszüge vor. Die
Tätigkeit als Reinigungsangestellte sei der Versicherten wegen der Einschränkung der
emotionalen Belastbarkeit, der geistigen Flexibilität, des Antriebs, der Interessen, der
Motivation und der Dauerbelastbarkeit seit Februar 2009 (nur) zu 60 % zumutbar und
wegen der seit April 2009 bestehenden degenerativen Veränderungen der LWS seien
ihr Tätigkeiten vorwiegend im Stehen und mit häufig inklinierter und rotierter
Körperhaltung nicht mehr vollumfänglich zumutbar. In Tätigkeiten ohne erhöhte
emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität,
A.i.
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ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung, die
ausserdem körperlich leicht seien, abwechslungsweise sitzend und stehend und
zudem in temperierten Räumen ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei häufig
inklinierte und reklinierte oder rotierte Körperhaltungen eingenommen werden müssten,
habe die Arbeitsfähigkeit der Versicherten von Februar 2009 bis Oktober 2010 70 %
betragen, seit November 2010 betrage sie 100 % (vgl. insbesondere IV-act. 146-35 f.).
Der Sachverhalt im Zeitraum vor Februar 2009 lasse sich bei gegebener Aktenlage
(unter anderem keine MRI-Untersuchungen) nicht beurteilen (IV-act. 146-37). - Rein
somatisch gesehen bestehe ab April 2009 eine Arbeitsfähigkeit der Versicherten als
Reinigungsangestellte von 60 %, in adaptierten Tätigkeiten sei die Arbeitsfähigkeit seit
jeher nicht eingeschränkt. Aus rein psychiatrischer Sicht habe in angestammter
Tätigkeit als Reinigungsangestellte von Februar 2009 bis Oktober 2010 wegen der
mittelgradigen depressiven Episode eine Arbeitsfähigkeit von 60 % bestanden, seit
November 2010 eine solche von 80 %. In einer adaptierten Tätigkeit habe die
psychiatrisch betrachtete Arbeitsfähigkeit im ersten Zeitraum 70 % betragen, im
zweiten bestehe 100 % Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 146-29 f.). - Der RAD schloss sich
der Einschätzung am 25. Juli 2014 (IV-act. 152) an.
Am 11. August 2014 (IV-act. 158 f.) stellte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
des Kantons St. Gallen der Versicherten in Aussicht zu verfügen, dass kein
Rentenanspruch bestehe, dass die laufende Viertelsrente für die Zukunft eingestellt und
dass auf eine Rückforderung verzichtet werde. Vor November 2010 habe wegen einer
mittelgradigen depressiven Episode eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % bestanden, somit
wegen eines Leidens, das in aller Regel nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit führe, weil es
therapeutisch gut angehbar sei. - Der Rechtsvertreter der Versicherten wandte am
22. September 2014 (IV-act. 162) ein, es sei ab Februar 2010 eine ganze Rente
zuzusprechen. - Am 26. September 2014 (IV-act. 166) verfügte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle im Sinn des Vorbescheids. Ein Invaliditätsgrad
bestehe nicht. Am 1. Oktober 2014 (IV-act. 171) ersetzte sie die Verfügung, indem sie
die Anordnungen wiederholte und um den Entzug der aufschiebenden Wirkung einer
Beschwerde ergänzte. - Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies eine
Beschwerde vom 3. November 2014 (IV-act. 173; IV 2014/505) gegen diese Verfügung
mit Entscheid vom 12. Mai 2017 (IV-act. 198) ab. Dem MGSG-Gutachten sei volle
A.j.
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B.
Beweiskraft zuzuerkennen. In leidensangepasster Tätigkeit sei die Versicherte voll
arbeitsfähig.
Der Rechtsvertreter der Versicherten hatte inzwischen am 18. Mai 2015 (IV-act.
187, Eingang 19. Mai 2015) eine Verschlechterung deren Gesundheitszustands
angezeigt. Dr. B._ hatte am 16. Mai 2015 (IV-act. 188) berichtet, seit Oktober 2014
habe die Versicherte deutlich mehr Rückenbeschwerden mit Ausstrahlung ins linke
Bein, die auf eine - im Ausmass neue - schwere Spinalkanalstenose zurückgehen
würden. Gemäss den Ärzten des Kantonsspitals St. Gallen sei eine Operation indiziert.
Das mache natürlich Angst, so dass sich auch der psychische Zustand der
Versicherten verschlechtert habe. Die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital
St. Gallen hatte am 26. März 2015 (IV-act. 189) berichtet, gemäss einem MRI der LWS
vom 5. März 2015 (vgl. IV-act. 190) lägen eine Pseudo-Spondylolisthese L3/4 Grad I
nach Meyerding, ein Bandscheibenvorfall L3/4, eine schwere Spinalkanalstenose L3/4
und eine Foraminalstenose mit Kompression der Nervenwurzel L4 links vor. Es seien
noch Funktionsaufnahmen der Wirbelsäule nötig. Die Psychiatrie-Dienste Süd hatten
der Versicherten gemäss Bericht vom 13. April 2015 (IV-act. 191) zu einer stationären
psychiatrischen Behandlung, eventuell auf der Station 50+ in der Klinik N._, geraten.
Der Ehemann wolle, dass sie trotz der Sprachbarriere eine Behandlung aufnehme.
B.a.
Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen nahm am 11. Juli
2017 (IV-act. 200) an, die eingereichten Unterlagen seien bereits im
Beschwerdeverfahren berücksichtigt worden. Eine Verschlechterung des Zustands im
Vergleich zum Referenzzeitpunkt sei weder plausibel noch dokumentiert. Sie erliess
gleichentags (IV-act. 201) einen Vorbescheid, auf das Gesuch vom 19. Mai 2015 nicht
einzutreten. - Nachdem der Rechtsvertreter am 7. September 2017 (vgl. IV-act. 208)
festgehalten hatte, er werde wegen eines inzwischen gestellten neuen Gesuchs mit
Eingangsdatum vom 1. September 2017 keinen Einwand erheben (und er ersuche um
eine Prüfung dieses neuen Gesuchs), verfügte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
des Kantons St. Gallen am 11. September 2017, auf das Gesuch vom 19. Mai 2015
werde nicht eingetreten.
B.b.
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Am 19. Juni 2017 (IV-act. 202) hatte die Versicherte ein IV-Anmeldeformular
ausgefüllt, das mit Schreiben des Rechtsvertreters betreffend "Anmeldung für
Erwachsene: Berufliche Integration/Rente" vom 26. Juni 2017 bei der Zweigstelle (IV-
act. 203) eingereicht worden und am 28. Juni 2017 dort eingegangen war. Das
Formular trägt ausserdem das erwähnte Eingangsdatum der
Sozialversicherungsanstalt vom 1. September 2017.
B.c.
Mit Schreiben vom 13. September 2017 (IV-act. 210) forderte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle betreffend das neue Gesuch vom 1. September
2017 Belege für eine Glaubhaftmachung einer Veränderung seit 1. Oktober 2014,
worauf der Rechtsvertreter der Versicherten am 27. September 2017 (IV-act. 212)
ärztliche Zeugnisse einreichte. Dr. med. O._, Fachärztin Psychiatrie und
Psychotherapie FHM, hatte der Versicherten am 27. Juni 2017 eine Arbeitsunfähigkeit
von 50 % attestiert und Dr. B._ am 13. Juni 2017 von einer deutlichen
Verschlechterung ihres Rückenleidens seit Anfang 2015 berichtet.
B.d.
Das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI) erklärte in einem Gutachten vom
20. März 2018 (IV-act. 227; Begutachtung im Januar 2018), als Diagnose mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit liege bei der Versicherten ein chronisches panvertebrales
Schmerzsyndrom vor unter lumbaler Betonung bei radiologisch unauffälligem Befund
der Halswirbelsäule sowie Pseudospondylolisthese Grad I, Diskushernie und schwerer
Spinalkanalstenose LWK3/4 mit foraminaler Stenose rechts und rezessaler Verengung
links sowie Kompression der Nervenwurzel L4 links ohne radikuläre Symptomatik.
Daneben bestünden eine Schmerzverarbeitungsstörung, chronische Beschwerden im
Bereich der gesamten linken unteren Extremität, eine Dysthymie, ein inkomplettes
metabolisches Syndrom und ein Karpaltunnelsyndrom beidseits. In der angestammten
Tätigkeit im Reinigungsdienst und in anderen überwiegend im Stehen und Gehen
auszuübenden sowie in körperlich mittelschweren und schweren Tätigkeiten sei die
Versicherte (seit März 2015) bleibend voll arbeitsunfähig. Für Tätigkeiten im Haushalt
bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 15 %. In einer körperlich leichten,
adaptierten Tätigkeit sei die Versicherte voll arbeits- und leistungsfähig. Vor März 2015
habe keine längerdauernde höhergradige Arbeitsunfähigkeit bestanden. An
medizinischen Massnahmen könnten (ohne Effekt für die Arbeitsfähigkeit) eine
Gewichtsreduktion, eine Kontrolle der arteriellen Hypertonie mittels 24-Stunden-
B.e.
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C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter für die
Betroffene am 2. November 2018 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter
beantragt insbesondere, der Beschwerdeführerin sei ab 1. Oktober 2014 eine ganze
Rente, eventualiter mindestens eine Viertelsrente, zuzusprechen, subeventualiter sei
die Sache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Das
Verfahren sei bis zum Eintretensentscheid im derzeit bei der Beschwerdegegnerin
hängigen (weiteren) Neuanmeldeverfahren (sc. vom 24. Oktober 2018, unten D.b) zu
sistieren. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Die Beschwerdeführerin mache in der genannten
Neuanmeldung eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend.
Sie nehme gegen ihre psychischen und somatischen Leiden regelmässig Medikamente
ein. Die Sachlage zeige, dass die Beschwerdeführerin nicht nur in der angestammten,
sondern auch in jeglicher angepassten Tätigkeit bleibend voll arbeitsunfähig sei. Es
lasse sich nicht miteinander vereinbaren, in der leichten, höchstens im Grenzbereich zu
mittelschwerer Arbeit anzusiedelnden bisherigen Reinigungstätigkeit einerseits eine
Blutdruckprofils mit allenfalls Anpassung der Medikation und eine nächtliche
Pulsoxymetrie zum Ausschluss eines Schlafapnoesyndroms empfohlen werden.
Am 27. April 2018 (IV-act. 231) wurde festgehalten, ein Anspruch auf berufliche
Massnahmen bestehe nicht, weil sich die Versicherte zur Mitwirkung nicht in der Lage
fühle. - Mit Einwand vom 5. Juli 2018 (IV-act. 238) beantragte der Rechtsvertreter der
Versicherten die Zusprache einer vollen (gemeint: ganzen) Rente, eventualiter
mindestens einer Viertelsrente, ab Oktober 2014. Er reichte diverse ärztliche Berichte
ein (IV-act. 235), am 11. Juli 2018 (IV-act. 236) ergänzend eine Medikamentenliste. -
Das ABI erklärte in einer Stellungnahme vom 28. August 2018 (IV-act. 241), die
Unterlagen und Angaben bezögen sich auf eine Zeit viele Monate bis Jahre vor der
Begutachtung. Teilweise seien die Berichte im Gutachten aufgeführt. Es gebe keine
neuen Informationen aus der Zeit seit der Erstellung des Gutachtens und keine, die
nicht bereits ausführlich diskutiert worden wären.
B.f.
Mit Verfügung vom 27. September 2018 (IV-act. 243) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch der
Versicherten, der am 1. September 2017 gestellt worden sei, ab. Ein Invaliditätsgrad
liege nicht vor.
B.g.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/28
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volle Arbeitsunfähigkeit, in einer anderen leichten Arbeit aber anderseits eine volle
Arbeitsfähigkeit anzunehmen. Die Annahme, die blosse Möglichkeit zu zeitweisem
Sitzen könnte die Arbeitsfähigkeit so massiv beeinflussen, sei geradezu willkürlich.
Auch in angepasster Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin voll arbeitsunfähig. Sollte
eine Restarbeitsfähigkeit angenommen werden, wäre sie nicht verwertbar. Der im
Gutachten beschriebene Tätigkeitsbereich sei so eng, dass nicht mehr von einer
realistischen Nachfrage ausgegangen werden könne. Der Beschwerdeführerin
verbleibe in ihrem Alter von 61 Jahren nur noch eine kurze erwerbliche Aktivitätsdauer.
Dazu kämen der psychisch äusserst instabile Zustand, die fehlende Ausbildung sowie
das Fehlen von Berufserfahrung oder anderweitigen Kenntnissen in Bereichen
ausserhalb des Berufs als Reinigungsangestellte. Zu rügen sei das auf Fr. 52'680.--
festgelegte Invalideneinkommen. Es könne dafür nicht einfach auf das
Valideneinkommen abgestellt werden. Gemäss dem Lohnrechner salarium des Bundes
könne eine Person mit den Voraussetzungen der Beschwerdeführerin jährlich
durchschnittlich Fr. 43'296.-- verdienen, wovon ein Abzug von 25 % zu machen wäre.
Es bestehe auch diesfalls Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente.
D.
Das Verfahren ist am 15. November 2018 antragsgemäss sistiert und die
Sistierung ist nach Anzeige einer vorgesehenen Verlaufsbegutachtung verlängert
worden. Nach Eingang des entsprechenden Gutachtens (Gutachten des ABI vom
12. Juni 2019) beim Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist die Sistierung am
3. Oktober 2019 aufgehoben worden.
D.a.
Am 12./24. Oktober 2018 (IV-act. 244) hatte sich die Beschwerdeführerin wie
erwähnt erneut angemeldet. Dr. B._ hatte am 16. Oktober 2018 (IV-act. 248) erklärt,
die Beschwerdeführerin leide an Erkrankungen, die bisher nicht bekannt gewesen
seien. Es bestehe der Verdacht auf eine Polymyalgia rheumatica und vor sechs
Wochen sei ein schweres Erysipel des rechten Unterschenkels aufgetreten, das bei
noch anhaltender deutlicher Schwellung inzwischen abgeheilt sei. - Am 30. Oktober
2018 (IV-act. 250) hatte der Rechtsvertreter mitgeteilt, die Beschwerdeführerin habe
letztmals im Dezember 2008 (gemäss IV-act. 249 wohl: Februar 2008) bei der
Arbeitgeberin gearbeitet.
D.b.
Im ABI-Gutachten vom 12. Juni 2019 (auch IV-act. 269; Begutachtungen am 9.
und 10. April und am 13. Mai 2019) waren als Diagnosen mit Einfluss auf die
D.c.
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E.
In einer Beschwerdeergänzung vom 4. November 2019 bringt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin vor, gemäss einer Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 20.
August 2019 sei die Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten, adaptierten
Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Die Beschwerdegegnerin stütze sich dabei auf das
Gutachten des ABI vom 12. Juni 2019. Gemäss einem Arztbericht von Dr. B._ vom
24. September 2019 sei es aber sicherlich nicht zutreffend, die Beschwerdeführerin für
eine adaptierte Tätigkeit als voll arbeitsfähig zu beurteilen. Eine entsprechende Stelle
existiere zudem gar nicht. Die Beschwerdeführerin könne nicht acht Stunden lang im
Sitzen oder im Stehen Arbeit verrichten und auch keine Lasten heben. Sie sei auch für
leichte Arbeit nur noch zu 50 % arbeitsfähig. Auch das fortgeschrittene Alter und die
Adipositas seien zu berücksichtigen. Angesichts der in der angestammten Tätigkeit
anerkannten vollen Arbeitsunfähigkeit sei auch in einer angepassten Tätigkeit eine volle
Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. Eine Arbeitsfähigkeit wäre zudem nicht mehr
verwertbar. Der gutachterlich umschriebene Tätigkeitsbereich sei sehr eng umgrenzt.
Dazu kämen das fortgeschrittene Alter von inzwischen 62 Jahren und weitere
persönliche und berufliche Gegebenheiten. Die Beschwerdeführerin habe nur vier Jahre
lang die Grundschule in ihrer Heimat besucht und sei 1992 in die Schweiz gekommen
Arbeitsfähigkeit (teilweise verkürzt wiedergegeben) bezeichnet worden (erstens) eine
Hypermobilität, (zweitens) ein chronisches thorakolumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit myostatischer Insuffizienz mit den entsprechenden
muskuloligamentären Überlastungsreaktionen, leichter s-förmiger
Thorakolumbalskoliose, radiologisch und kernspintomographisch Spondylolisthese
L3/4 Grad I nach Meyerding und gemäss Befund Spinalkanalstenose L3/4, ohne aktuell
fassbare Radikulopathie oder Claudicatio spinalis, (drittens) ein chronisches
zervikospondylogenes Schmerzsyndrom und (viertens) beginnende Bouchard-
Arthrosen Dig. II und III beidseits. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien
anamnestisch eine Dysthymie, ausserdem eine Schmerzverarbeitungsstörung, ein
inkomplettes metabolisches Syndrom, ein Status nach 1-Etagen-Venenthrombose Bein
rechts am 24.02.2019, Karpaltunnel-Syndrome beidseits, chronische Beschwerden im
Bereich des linken Fusses und ein Status nach Schulteroperation rechts 09/1995. Die
angestammte Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin seit Februar 2014 nicht mehr
zumutbar. In einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Einnahme von die
Wirbelsäule belastenden Zwangshaltungen sei eine volle Arbeitsfähigkeit zumutbar.
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und hier zuerst als Hausfrau und Mutter tätig gewesen. Als Reinigungsangestellte habe
sie lediglich während vier Jahren gearbeitet. Sie spreche kein Deutsch; auch bei der
Begutachtung habe sie durch eine Dolmetscherin begleitet werden müssen.
Ausserdem leide sie an extremer Adipositas (BMI 45). Des Weiteren wäre ein
Leidensabzug von 25 % am Platz. Das durchschnittliche erzielbare maximale
Einkommen einer Person mit den Eigenschaften der Beschwerdeführerin betrage
gemäss Lohnrechner jährlich Fr. 41'148.--, was nach Abzug des Leidensabzugs
verglichen mit dem Valideneinkommen von Fr. 52'680.-- einen Invaliditätsgrad von
41.42 % ausmache. Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente bestehe somit unter
allen Umständen.
F.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 7. Januar 2020 (act. G 13) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Es seien die Voraussetzungen
einer Ausdehnung des Streitgegenstands bis zum Zeitpunkt des ABI-
Verlaufsgutachtens vom 12. Juni 2019 erfüllt. Aufgrund der Angaben des Hausarztes
vom 16. Oktober 2018 und vom 14. Dezember 2018, wonach eine Polymyalgie bei der
Beschwerdeführerin mit Steroiden behandelt werde, sei diese Verlaufsbegutachtung
veranlasst worden. Der medizinische Sachverhalt sei damit umfassend abgeklärt und
aktualisiert worden. Die Beschwerdeführerin habe darauf in ihrer
Beschwerdeergänzung Bezug genommen. Die Gutachter hätten nachvollziehbar
erklärt, dass sich die Anforderungen an eine Reinigungsangestellte und das
Zumutbarkeitsprofil einer leidensangepassten Tätigkeit nicht deckten. Insgesamt habe
sich gemäss dem Verlaufsgutachten die medizinische Arbeitsfähigkeit seit der
Vorbegutachtung von 2018 nicht verändert. Es bestehe eine deutliche Diskrepanz
zwischen dem Ausmass der subjektiv beklagten Beschwerden und den
objektivierbaren Befunden. Der Verdacht auf eine Polymyalgia rheumatica habe sich
nicht bestätigt. Die im Januar 2019 hinzugekommene Unterschenkelvenenthrombose
rechts sei unter Therapie vollständig abgeheilt. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von
100 % für eine angepasste Verweistätigkeit sei nachvollziehbar. Das Finden einer Stelle
sei für die Beschwerdeführerin zwar erschwert, aber nicht von vornherein
ausgeschlossen. In Industrie und Gewerbe gebe es verschiedene einfache
Hilfstätigkeiten, die den in den ABI-Gutachten umschriebenen Anforderungsprofilen
Rechnung tragen würden. Hilfsarbeiten erforderten weder gute Sprachkenntnisse noch
ein besonderes Bildungsniveau. Es sei auch nicht von einem relevanten Umstellungs-
und Einarbeitungsaufwand auszugehen. Auch das fortgeschrittene Alter der bei der
Begutachtung vom 20. März 2018 61 Jahre und elf Monate alten Beschwerdeführerin
schliesse eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht aus. Für den
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Einkommensvergleich würden weiterhin die Feststellungen im Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Mai 2017 gelten.
G.
Mit Replik vom 13. Februar 2020 (act. G 15) hält der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin dafür, das ABI-Gutachten enthalte entgegen der Annahme der
Beschwerdegegnerin gerade keine in sich schlüssige Darstellung der medizinischen
Zusammenhänge. Die körperlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin seien
nicht hinreichend untersucht worden. Die pauschalen Ausführungen der
Beschwerdegegnerin zur Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit seien unzutreffend. Es
stehe ausser Zweifel, dass die Beschwerdeführerin an diversen gravierenden
Gesundheitsschäden leide. Sie sei seit knapp 20 Jahren vom Arbeitsmarkt abwesend.
Altersbedingt bestehe eine sehr geringe Anpassungsfähigkeit an eine neue Tätigkeit
und Branche. Nicht einmal theoretisch verbleibe eine Möglichkeit, innert knapp zwei
Jahren bis zur ordentlichen Pensionierung eine allenfalls verbleibende bescheidene
Arbeitsfähigkeit zu verwerten. Dazu wäre nämlich ein nicht realistisches
Entgegenkommen eines Arbeitgebers erforderlich.
H.
Die Beschwerdegegnerin hält am 21. Februar 2020 an ihrem Antrag fest und verzichtet
im Übrigen auf die Erstattung einer Duplik.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt zunächst die Verfügung vom 27. September 2018, mit welcher die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin abwies. Sie hatte
damit ein Gesuch um Neuanmeldung vom 26. Juni 2017 - nicht wie in der Verfügung
erwähnt ein solches vom 1. September 2017 - zu beurteilen, denn das Gesuch ging
damals (erstmals) ein. Die Beschwerdegegnerin ist auf diese Neuanmeldung angesichts
der am 27. September 2017 eingereichten Arztberichte eingetreten und hat die
Begutachtung vom Januar 2018 veranlasst, was nicht zu beanstanden ist. - Die
Neuanmeldung vom Mai 2015 dagegen lässt sich angesichts der in formelle
Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 11. September 2017 vorliegend nicht prüfen.
1.1.
Während das Gericht nach ständiger Rechtsprechung in der Regel den
Sachverhalt beurteilt, der bis zur Zeit des Erlasses der angefochtenen Verfügung -
1.2.
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2.
vorliegend also bis 27. September 2018 - gegeben war, kann es ausnahmsweise aus
prozessökonomischen Gründen auch die späteren Verhältnisse in die richterliche
Beurteilung miteinbeziehen, mithin den das Prozessthema bildenden Streitgegenstand
in zeitlicher Hinsicht ausdehnen. Das ist jedoch - analog zu den Voraussetzungen einer
Ausdehnung des Verfahrens auf sachlicher Ebene - nur zulässig, wenn der nach Erlass
der Verfügung eingetretene, (sc. allenfalls) zu einer neuen rechtlichen Beurteilung der
Streitsache ab jenem Zeitpunkt führende Sachverhalt hinreichend genau abgeklärt ist,
wenn die betreffende Frage mit dem bisherigen Streitgegenstand so eng
zusammenhängt, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann,
und wenn die Verfahrensrechte der Parteien, insbesondere deren Anspruch auf
rechtliches Gehör, respektiert worden sind. In Bezug auf das letztgenannte Erfordernis
muss sich die Verwaltung mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert haben
(vgl. Bundesgerichtsurteile vom 15. Oktober 2015, 9C_540/2015 E. 3.1, und vom 8.
Januar 2018, 9C_349/2017 E. 2.1 f., BGE 130 V 501 E. 1.2). - Letzteres ist vorliegend
für den Sachverhalt bis zum Zeitpunkt des ABI-Verlaufsgutachtens vom 12. Juni 2019
der Fall (act. G 13 S. 5 III Ziff. 2). Es ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdegegnerin sich demnach auch zur (weiteren) Neuanmeldung (je nach
Verfahrensausgang betreffend Neuanmeldung vom Juni 2017 auch als
Verschlechterungsmeldung zu betrachten) vom 12./24. Oktober 2018, auf welche sie
sich durch Veranlassung der Verlaufsbegutachtung ebenfalls eingelassen hat,
geäussert hat und auch diese im vorliegenden Verfahren zum Streitgegenstand zählen
will.
Berufliche Massnahmen waren am 27. April 2018 abgelehnt worden und die
Beschwerdeführerin ihrerseits lässt allein Rentenleistungen beantragen, so dass die
Massnahmen unter diesem Aspekt nicht Streitgegenstand bilden.
1.3.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. - Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG, vgl. schon
BGE 102 V 165).
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/28
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3.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 ATSG, vorliegend somit frühestens ab 1. Dezember 2017. Die Schaffung
dieser Bestimmung hat keine Veränderung des (nämlich in Art. 4 IVG und Art. 28 IVG
geregelten) Zeitpunkts des Eintritts des Versicherungsfalls mit sich gebracht (vgl.
Bundesgerichtsentscheid vom 14. Dezember 2015, 9C_655/2015 E. 4; Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. Mai 2016, IV 2013/641 E. 1.1).
2.2.
Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wurden
im Januar 2018 durch das ABI polydisziplinär abgeklärt, nachdem in früheren Verfahren
diverse Gutachten erstattet worden waren. Die Beschwerdeführerin hat bei der
betreffenden fallführenden allgemeininternistischen Abklärung namentlich von lumbalen
Rückenschmerzen, linksseitigen Beinschmerzen (bei dreimaliger Operation, zuletzt im
August 2007), konsekutiven Schlafstörungen, Hinterkopf- und Nackenschmerzen, einer
Hörminderung links, beidseitigen linksbetonten Knieschmerzen, Schmerzen an den
Armen, Füssen, Zehen und beiden Händen mit dort morgendlichen Schwellungen,
medikamentös behandelter Hypertonie mit schwankenden Blutdruckwerten, Dyspnoe
beim Treppensteigen und Aufstehen, Schwindel, Kollapsneigung, vermehrter
Müdigkeit, Gewichtszunahme wegen der Medikamente, Refluxneigung und Problemen
am linken Auge (Kataraktoperation empfohlen) berichtet (IV-act. 227-12).
3.1.
Allgemeininternistisch wurde gutachterlich festgehalten, die Arbeitsfähigkeit sei
nicht beeinträchtigt. Allerdings wurden eine Ernährungsberatung, körperliche Aktivität,
ein 24-Stunden-Blutdruckprofil und eine nächtliche Pulsoxymetrie zum Ausschluss
eines Schlafapnoesyndroms empfohlen (vgl. IV-act. 227-14). In der Anamnese wurde
auf die sensorineurale Schwerhörigkeit der Beschwerdeführerin beidseits hingewiesen
(IV-act. 227-13). - Die Ausführungen können nachvollzogen werden.
3.2.
Psychiatrisch gesehen ergab sich gutachterlich, dass zwar eine
Schmerzverarbeitungsstörung und eine Dysthymie vorlägen, die Arbeitsfähigkeit aber
nicht eingeschränkt sei (vgl. IV-act. 227-17). Die Beschwerdeführerin neige dazu, die
Beschwerden auf dem Hintergrund invaliditätsfremder Faktoren (wirtschaftliche Lage,
3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/28
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praktisch keine Deutschkenntnisse, Alter von 61 Jahren) zu verdeutlichen. Sie habe
während Jahren mit guter Leistung gearbeitet; von der Persönlichkeit her bestehe keine
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin werde lege artis
antidepressiv behandelt. Sie nehme gegen die Schlafstörungen auch Quetiapin ein. Die
Kooperation sei gegeben (vgl. IV-act. 227-19 ff.). - Auch diese gutachterlichen
Darlegungen erscheinen nachvollziehbar.
Aufgrund der orthopädischen Begutachtung wurde dargelegt, im Gangbild bestehe
objektiv eine Entlastung des linken medialen Fussrandes und bei der Untersuchung der
Wirbelsäule habe sich (unter Gegenspannung) eine massiv bis vollständig aufgehobene
Beweglichkeit aller Abschnitte gezeigt. Beschwerden der Beschwerdeführerin im
Bereich der lumbalen Wirbelsäule seien angesichts der erheblichen Degeneration, der
Spinalkanalstenose und der radikulären Affektion durchaus nachvollziehbar (vgl. IV-act.
227-25 f.). Spätestens ab der radiologischen Dokumentation erheblicher degenerativer
Veränderungen der lumbalen Wirbelsäule im März 2015 sei die Beschwerdeführerin in
der bisherigen Tätigkeit bleibend voll arbeitsunfähig (vgl. IV-act. 227-26). Der
Einschätzung von Dr. G._ (einer Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin) könne - sc.
nur - betreffend eine körperlich sehr leichte Verweistätigkeit gefolgt werden (vgl. IV-
act. 227-26; die angestammte Tätigkeit sollte aber nicht mehr zugemutet werden). Der
diesbezüglichen (sc. somatisch betrachteten) Einschätzung des Medizinischen
[Institution] H._ (verstanden als: keine Arbeitsfähigkeit für adaptierte Verrichtungen)
könne entsprechend keinesfalls gefolgt werden. Im Unterschied zur Beurteilung des
MGSG sollten der Beschwerdeführerin bei radiologisch doch erheblicher lumbaler
Degeneration überwiegend im Stehen und im Gehen zu verübende Tätigkeiten
(einschliesslich der bisherigen Tätigkeit) nicht mehr zugemutet werden. Der
Einschätzung der Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom 26. März
2015 könne nicht gefolgt werden; dass an ein invasives Vorgehen gedacht werde,
erstaune angesichts der Hinweise für ein nicht-organisches Geschehen (vgl. IV-
act. 227-27 f.). - Auch diese Beurteilung erscheint nachvollziehbar, wenn auch darauf
hinzuweisen ist, dass im späteren Verlaufsgutachten doch für die Zukunft mit einer
möglichen Operationsindikation gerechnet wurde. Es wird zudem, auch wenn
diagnostisch die LWS betreffend nur die MRI-Aufnahme von 2015 erwähnt wurde,
ersichtlich, dass im Januar 2018 neue (immerhin Röntgen-) Bilder der LWS und des
Knies links erstellt worden sind (vgl. IV-act. 227-24).
3.4.
Bei der neurologischen Untersuchung beklagte die Beschwerdeführerin unter
anderem ergänzend Schulterschmerzen rechts, Schmerzen im Bereich des Kopfes, der
Stirne links, im linken Oberbauch, Taubheitsgefühle und Blockierung im Bereich der
3.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/28
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4.
Hände bzw. Finger, Sensibilitätsstörungen (vgl. IV-act. 227-28). Der Gutachter
erwähnte, in den von Mitarbeit abhängigen und subjektiv beeinflussbaren Bereichen
habe die Beschwerdeführerin stark pathologische Befunde präsentiert (Visus [0.3
rechts und 0.1 links], Gehörverminderung links, muskuläre Schwäche, verlangsamte
Feinmotorik usw.), während in den davon unabhängigen Tests keine pathologischen
Befunde hätten erhoben werden können. Zu der bildgebend nachgewiesenen
hochgradigen lumbalen Spinalkanalstenose LWK3/4 mit Kompression der
Nervenwurzel L4 links habe sich klinisch kein objektivierbares Korrelat finden lassen.
Die beschriebenen Schmerzen seien auch weder für eine spinale Claudicatio typisch
noch würden sie der radikulären L4-Symptomatik entsprechen. Es hätten sich auch
keine indirekten Hinweise auf eine höhergradige Schädigung der Nervenwurzel L4
ergeben (PSR [Patellarsehnenreflex] beidseits auslösbar, kein entsprechendes
sensomotorisches Defizit und keine muskuläre Atrophie). Die Operationsindikation sei
daher - zumindest zur Begutachtungszeit - nicht nachvollziehbar (vgl. IV-act. 227-31 f.).
Die Arbeitsfähigkeit einschränkende Diagnosen bestünden nicht. Die Einschränkung
der Belastbarkeit müsse allerdings rheumatologisch-orthopädisch beurteilt werden (vgl.
IV-act. 227-32). - Auch wenn die erwähnte Begründung bei der vorliegenden Aktenlage
(vgl. insbesondere die Beurteilung der Nachvollziehbarkeit lumbaler Beschwerden im
orthopädischen Teil, vgl. IV-act. 227-25 f.) gewisse Zweifel hinsichtlich dieser
gutachterlich neurologischen Abwägung zwischen subjektiven und objektivierbaren
Beschwerden aufkommen lässt, rechtfertigt es sich insgesamt, die Beurteilung
gesamthaft als überwiegend wahrscheinlich zutreffend zu betrachten.
Das Ergebnis des polydisziplinären Gutachtens vom 20. März 2018 kann
insgesamt als verlässlich betrachtet werden.
3.6.
Bei der jüngsten aktenkundigen Begutachtung, jener durch das ABI vom April/Mai
2019, war wiederum die Disziplin der allgemeinen inneren Medizin fallführend (vgl. IV-
act. 269-28 ff.). Die Beschwerdeführerin beklagte insbesondere Schmerzen im Bereich
der Aussenseite des rechten Oberschenkels, lumbal (maximal, nadelstichartig mit
Ausstrahlung in den rechten Oberschenkel), aber auch im Bereich beider Schultern, der
linken Ferse, beider Hände und links frontal am Kopf. Morgens und bei Kälte träten
verstärkte Schmerzen auf, morgens auch Schwindel. Schmerzlindernd sei das Liegen
mit hochgehaltenem Bein rechts. Abends komme es jeweils ohne Anstrengung zu
Atemnot und Schwindel. Im Dezember 2018 habe sie eine oberflächliche
Thrombophlebitis rechts erlitten und nehme seither Xarelto ein (vgl. IV-act. 269-28 f.).
4.1.
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Der Gutachter der Allgemeinen Inneren Medizin stellte bei der Beschwerdeführerin
keine die Arbeitsfähigkeit tangierende Diagnose, beschrieb aber ein inkomplettes
metabolisches Syndrom mit Adipositas, asymptomatischer Hyperurikämie und
arterieller Hypertonie sowie einen Status nach 1-Etagen-Venenthrombose Bein rechts
(V. tibialis posterior) am 24.02.2019. Wegen der hypertonen Blutdruckwerte und der
Gefahr eines hämorrhagischen Infarktes sollte die Medikation mit Xarelto abgesetzt
werden (vgl. IV-act. 269-32 f.).
4.2.
Die Gutachterin der Psychiatrie hielt fest, die im Verlauf geschilderten affektiven
Beschwerden der Beschwerdeführerin seien am ehesten unter Dysthymie zu
subsumieren. Als allein vorliegende zwei Diagnosen ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit erwähnte sie anamnestisch diese Störung und eine
Schmerzverarbeitungsstörung (einzig durch Hinweis auf die früher erhobene Diagnose
begründet). Es sei aktuell lediglich eine durch körperliche Beschwerden verursachte
Schlafstörung beklagt worden. Die Beschwerdeführerin nehme regelmässig Cymbalta
(vgl. IV-act. 269-39 f.). Daneben wird allerdings auch Quetiapin eingesetzt (vgl. IV-
act. 269-38). - Das Ergebnis der Begutachtung erscheint nachvollziehbar.
4.3.
Der Gutachter der Neurologie gab wieder, die Beschwerdeführerin habe (nebst
oben bereits erwähnten Leiden) von Taubheit des rechten Beins berichtet, daneben
von Schmerzen in den Vorderarmen und Händen beidseits mit Taubheitsgefühl und
Ameisenlaufen und vor allem morgens Schwellung der Hände. Sie trage manchmal
tagsüber (an den Händen) Schienen. Wegen der Thrombose seien Therapien wie früher
mit Wärme und Massagen nicht möglich (vgl. IV-act. 269-45). Der Experte erklärte,
Hinweise auf das Vorliegen einer radikulären Reiz- oder Ausfallssymptomatik an den
unteren Extremitäten hätten sich keine ergeben. Die Nervendehnungstests seien
negativ und das Reflexbild sei symmetrisch gewesen, eine über eine
Schmerzhemmung hinausgehende Parese habe es nicht gegeben. Die angegebene
Sensibilitätsstörung des gesamten linken Beins sei zirkulär und nicht radikulär
zuzuordnen gewesen. Kernspintomographisch sei im März 2015 eine hochgradige
lumbale Spinalkanalstenose L3/4 mit Kompression der linken Nervenwurzel L4 durch
eine Diskushernie nachgewiesen worden, weshalb eine Claudicatio spinalis in Frage
komme. Die Beschwerdeführerin habe zwar verstärkte Kreuzschmerzen beim Gehen,
aber keine Ausstrahlung in die Beine angegeben. Zudem seien durch
Hyperlordosierung der LWS keine Beschwerden in den Beinen auslösbar gewesen, so
dass diese Diagnose zurzeit klinisch nicht gestellt werden könne. Zu den
Schulterschmerzen findet sich keine Stellungnahme (vgl. IV-act. 269-48 f.). Nebst dem
chronischen Lumbovertebralsyndrom wurde als Diagnose ein Karpaltunnelsyndrom
4.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/28
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beidseits festgestellt. Im Weiteren gab der Gutachter an, es habe deutliche Zeichen
einer funktionellen Überlagerung gegeben (Finger-Nasen-Versuch, weitgehend
fehlende Prüfbarkeit der Kraft im Beckenbereich und insbesondere Ergebnis der
Sensibilitätsprüfung mit Testung des Lagesinns; vgl. IV-act. 269-49). Es sei jedoch
nicht der Eindruck einer Aggravation aufgekommen. Das Verhalten der
Beschwerdeführerin sei regressiv, wozu auf das psychiatrische Gutachten zu verweisen
sei (vgl. IV-act. 269-49). Mittel- bis längerfristig werde möglicherweise eine
Dekompression der Spinalkanalstenose L3/4 nötig werden. Die Beschwerdeführerin
bedürfe beim Finden einer geeigneten Arbeitstätigkeit der Hilfestellung (vgl. IV-
act. 269-50 f.). - In diesem Zusammenhang fällt wiederum auf, dass in der Diagnose
einzig die MRI-Aufnahme vom 5. März 2015 erwähnt wurde, die dem Gutachter
ausserdem nicht zur Verfügung stand (vgl. IV-act. 269-47 und 48). Bezüglich des
Karpaltunnelsyndroms wurde gutachterlich begründet, weshalb keine
elektrodiagnostischen Untersuchungen vorgenommen wurden (kein Einfluss; vgl. IV-
act. 269-49), bei dem für die Arbeitsfähigkeit bedeutenderen lumbalen Leiden erfolgte
soweit ersichtlich aber keine Begründung. Das erschiene als Manko, wäre nicht
wenigstens eine bei der Vorbegutachtung erstellte neuere röntgenologische Aufnahme
vom Januar 2018 bei der rheumatologischen Begutachtung (vgl. unten E. 4.5)
berücksichtigt worden.
Die Gutachterin der Rheumatologie gab bekannt, die Beschwerdeführerin habe ihr
namentlich von Schmerzen im Schulter-Nackenbereich mit Ausstrahlung in beide Arme
und im Thorakal- und Lumbalbereich mit Ausstrahlungen in beide Beine bis in die
Füsse berichtet. Gehen könne sie maximal 20 Minuten ohne Unterbruch, dann komme
es zu einer Zunahme der Schmerzen mit Ausstrahlungen in die Beine. Stehen und
Sitzen könne sie maximal während einer Viertelstunde, dann komme es zu einer
Schmerzzunahme. Im Liegen nähmen vorwiegend die Schulter-Nackenschmerzen zu
(vgl. IV-act. 269-53). - Bei den Befunden wurde beschrieben, beim Be- und Entkleiden
habe keine Einschränkung der Wirbelsäulenbeweglichkeit festgestellt werden müssen;
auch sei dabei eine Hüftflexion beidseits von mindestens 110° beobachtet worden. Die
Schultergürtelmuskulatur sei verkürzt, diffus tonuserhöht und druckdolent gewesen.
Weder bei den HWS- noch den LWS-Funktionsprüfungen habe sich eine radikuläre
oder pseudoradikuläre Symptomatik provozieren lassen. Die aktive
Schultergelenksbeweglichkeit rechts sei eingeschränkt gewesen, Ellenbogen und
Handgelenke seien mit Ausnahme einer Überstreckbarkeit altersentsprechend und
schmerzfrei beweglich gewesen. Ausser einer beginnenden derben Schwellung der
PIP-Gelenke Dig. II und II beidseits hätten im Bereich der Hände keine Hinweise für
arthritische oder arthrotische Veränderungen bestanden. Der M. rectus femoris sei
4.5.
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beidseits deutlich verkürzt gewesen (vgl. IV-act. 269-54 f.). Die Expertin erklärte, bei
klinisch unauffälligem Befund sei auf die Durchführung von Röntgenaufnahmen der
Schulter verzichtet worden. Abgesehen vom Vorliegen eines Spreizfusses mit
beginnendem Hallux valgus sei der linke Fuss unauffällig gewesen. Bei der klinischen
Untersuchung habe eine myostatische Insuffizienz mit entsprechenden
muskuloligamentären Überlastungsreaktionen imponiert. Auf den jüngsten
Röntgenaufnahmen der LWS vom Januar 2018 habe sich (im Vergleich zu Februar
2014) unverändert die Spondylolisthese LWK3/4 bei ansonsten unauffälligem Befund
gezeigt. In den nur bis WK5 beurteilbaren Röntgenaufnahmen der HWS habe sich mit
Ausnahme einer ventralen Spondylose C3/4 und C4/5 ein unauffälliger Befund gezeigt.
Ein Teil der von der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden lasse sich durch
eine allgemeine Hypermobilität mit Überstreckbarkeit der Gelenke erklären, durch die
es bei nur ungenügender muskulärer Stabilisierung immer wieder zu
Überlastungserscheinungen im Bereich der peripheren Gelenke und zu Blockierungen
im Wirbelsäulenbereich mit entsprechender Beschwerdesymptomatik komme. Darüber
hinaus habe sich in den vergangenen Jahren ein generalisiertes mulitlokuläres
Schmerzsyndrom mit Ganzkörperschmerzen und vegetativer Begleitsymptomatik
entwickelt. Eine Fibromyalgie sei gemäss ACR-Kriterien nicht gegeben, weil die
Beschwerdeführerin auch an den Kontrollpunkten Druckschmerzen angebe. Hinweise
für ein entzündlich-rheumatisches Geschehen hätten sich weder klinisch noch
labortechnisch, radiologisch oder kernspintomographisch finden lassen (vgl. IV-
act. 269-57 f.). Der Verdacht auf eine Polymyalgia rheumatica habe sich nicht bestätigt;
die erhöhten Entzündungswerte würden sich am ehesten auf das damals
diagnostizierte schwere Erysipel zurückführen lassen. Seit der Diagnose der
Spondylolisthese L3/4 sei die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Es gebe keine
Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit für eine leichte adaptierte Tätigkeit seit der
Begutachtung vom Januar 2018 längerfristig relevant eingeschränkt gewesen wäre (vgl.
IV-act. 269-59 f.).
Die Gutachterin der Angiologie stellte im Knöchelbereich der Beschwerdeführerin
eine Umfangsdifferenz von 2 cm fest. Es sei eine mässiggradige epifasciale Varikose
sichtbar gewesen, am linken Unterschenkel prätibial habe sich eine leicht livid-rötliche
Hautveränderung mit angedeuteten ekzematösen Anteilen gefunden. Die A. tibialis
posterior links sei nicht sicher nachweisbar gewesen. Die Expertin erklärte,
duplexsonographisch gesehen sei die Unterschenkelvenenthrombose vollständig
abgeheilt. Etwas inkongruent zu diesen Befunden habe aber klinisch noch eine
Schwellung im Bereich des Unterschenkels bestanden. Eine zusätzliche epifasciale
Veneninsuffizienz habe aber ausgeschlossen werden können. Das tiefe Venensystem
4.6.
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5.
sei aktuell vollständig rekanalisiert und es bestehe kein postthrombotisches Syndrom.
Eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit habe nicht bestanden und bestehe nicht
(vgl. IV-act. 269-64).
Insgesamt lässt sich bei dieser Aktenlage festhalten, dass der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin durch das ABI im Verlauf zweimal gutachterlich in einer Weise
abgeklärt wurde, dass auf die Ergebnisse für die Arbeitsfähigkeit abgestellt werden
kann. Dabei sind auch die vorgefundenen deutlichen Diskrepanzen (betreffend die
demonstrierten Einschränkungen der Wirbelsäulen-, Schulter- und
Hüftgelenksbeweglichkeit) und der Umstand der positiven Waddell-Zeichen für eine
nicht-organische Beschwerdekomponente berücksichtigt worden. Diese nicht-
organische Schmerzkomponente war am ehesten auf die
Schmerzverarbeitungsstörung zurückzuführen (vgl. IV-act. 269-11 f.). Die Compliance
der Beschwerdeführerin wurde jeweils als gegeben betrachtet. Für eine in
verschiedener Hinsicht leidensadaptierte Tätigkeit besteht danach - trotz unter
anderem gutachterlich festgestellter radiologisch erheblicher lumbaler Degeneration -
volle Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
5.1.
Zu berücksichtigen ist indessen, dass bei der Beschwerdeführerin mannigfache
gesundheitliche Beeinträchtigungen zusammenfallen. Vor der für dieses Verfahren
massgeblichen Zeit waren somatische Leiden (insbesondere am Fuss) operativ
angegangen worden. Gemäss den ärztlichen Berichten aus dem insgesamt
aktenmässig zu überblickenden langen Zeitablauf waren die Beeinträchtigungen
vorübergehend so erheblich gewesen, dass sich in einem älteren Gutachten (vom
24. Januar 2011), das allerdings insgesamt nicht hatte als stichhaltig betrachtet werden
können, bei insgesamt attestierter Arbeitsfähigkeit für vier Stunden pro Tag immerhin
Anhaltspunkte für eine aus somatischen Gründen angenommene volle
Arbeitsunfähigkeit für adaptierte Tätigkeit gefunden hatten. Es hatte damals nebst dem
Wirbelsäulenleiden ein CRPS II des linken Fusses vorgelegen. Psychiatrisch gesehen
war damals - nach einer Verbesserung - von einer Arbeitsunfähigkeit von noch
höchstens 30 % ausgegangen worden. Auch das MGSG hatte für eine vorübergehende
Zeit (vom Februar 2009 bis Oktober 2010) eine psychiatrisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin von 30 % angenommen.
5.2.
In der vorliegend massgeblichen Zeit wurde der Beschwerdeführerin - von
nichtgutachterlicher Stelle - ein operatives Vorgehen gegen die lumbalen Beschwerden
angeraten. Im jüngsten Gutachten wurde dazu festgehalten, mittel- bis längerfristig
5.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/28
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6.
werde eine Dekompression der Spinalkanalstenose möglicherweise erforderlich werden
(IV-act. 269-13). Gemäss diesem Gutachten handelt es sich bei den objektivierten
Leiden zusammenfassend im Wesentlichen wie erwähnt um eine Hypermobilität und
um Wirbelsäulenschmerzsyndrome, die zwei Etagen betreffen, nämlich ein chronisches
thorakolumbospondylogenes und ein chronisches zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom. Von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sind zudem beginnende
Arthrosen von Fingern auf beiden Seiten. Daneben liegen aber auch Karpaltunnel-
Syndrome auf beiden Seiten (nebst einem Status nach Schulteroperation rechts) vor.
Die Beschwerdeführerin trägt nach der Aktenlage zeitweise Schienen. Sie leidet ferner
gemäss dem ABI-Verlaufsgutachten auch noch an chronischen Beschwerden im
Bereich des linken Fusses. Es besteht des Weiteren ein Status nach einer
Venenthrombose am rechten Bein vom Februar 2019. Zudem liegt ein inkomplettes
metabolisches Syndrom vor. Ausserdem sind auch noch psychische
Beeinträchtigungen vorhanden (Schmerzverarbeitungsstörung, anamnestisch
Dysthymie). Dazu kommt schliesslich, dass im ABI-Gutachten vom August 2018 auch
eine Abklärung hinsichtlich eines möglichen Schlafapnoesyndroms befürwortet wurde
(vgl. IV-act. 227-14). - Wenn also auch auf eine volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit zu schliessen ist, so kann der erschwerende Umstand des Zusammenfallens
der multilokulären Leiden der Beschwerdeführerin doch nicht ausser Acht gelassen
werden. Ins Gewicht fällt auch, dass der Beschwerdeführerin nun wegen der erlittenen
Thrombose gewisse Therapien nicht mehr möglich sind.
In erwerblicher Hinsicht ist für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen
Versicherten gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 ATSG anwendbar. Danach wird für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
6.1.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Übt sie keine Erwerbstätigkeit mehr aus, sind hierfür statistische Werte
beizuziehen (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.1, vgl. etwa auch Bundesgerichtsentscheid vom
26. Januar 2016, 9C_762/2015). - Die Beschwerdeführerin hat nach Eintritt der
gesundheitlichen Beeinträchtigungen keine Tätigkeit mehr aufgenommen, so dass
6.2.
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mangels für ein zumutbares Invalideneinkommen repräsentativen Einkommens
grundsätzlich auf die Tabellenlöhne zu greifen ist.
Das setzt indessen voraus, dass die festgestellte volle Arbeitsfähigkeit noch
verwertbar ist. Bei der Invaliditätsbemessung wird wie in Art. 16 ATSG angeordnet eine
ausgeglichene Arbeitsmarktlage angenommen. Es kommt demnach nicht darauf an, ob
eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich an eine
Stelle vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie
die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017 E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b).
Der massgebliche theoretische und abstrakte ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64,
BGE 129 V 480 E. 4.2.2) hat nämlich rein hypothetischen Charakter und dient
ausserdem dazu, die Risiken von Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander
abzugrenzen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit
1. Januar 2007: Schweizerisches Bundesgericht] vom 10. Juli 2006, I 186/05 E. 2.3,
Bundesgerichtsurteil vom 23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V 276
E. 4b, vgl. auch BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2). Was die verlangten
beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch den körperlichen Einsatz
angeht, weist er einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf (vgl.
Bundesgerichtsentscheide vom 5. November 2018, 9C_304/2018 E. 5.1.1, und vom
10. April 2019, 8C_811/2018 E. 4.4.1). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
umfasst er selbst sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote,
bei welchen gesundheitlich Beeinträchtigte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 18. Dezember
2019, 9C_693/2019 E. 5.1.3, und vom 28. November 2014, 9C_485/2014).
Realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der Invaliditätsbemessung aber nicht
berücksichtigt werden. Von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG kann
insbesondere dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015,
8C_582/2015, und vom 25. September 2018, 8C_290/2018 E. 5.4, ZAK 1991 S. 318
E. 3b).
6.3.
Eine für die Beschwerdeführerin adaptierte Tätigkeit hat gemäss dem
polydisziplinären ABI-Verlaufsgutachten verschiedene Erfordernisse zu erfüllen. Die
6.4.
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Beschwerdeführerin sei neurologisch betrachtet darauf angewiesen, eine körperlich
leichte Tätigkeit zu haben, die vorwiegend im Sitzen auszuüben sei. Es müsse möglich
sein, zwischendurch aufzustehen und umherzugehen, allerdings nicht über längere
Strecken, denn die Beschwerdeführerin müsse immer wieder absitzen können.
Zwangshaltungen wie Bücken seien nicht möglich, die Hebe- und Traglimite liege bei
10 kg (vgl. IV-act. 269-50). Nach dieser Umschreibung ist davon auszugehen, dass die
Voraussetzungen die Auswahl von Arbeitsstellen auch auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt erheblich einschränken. - Im ersten ABI-Gutachten war davon
ausgegangen worden, dass es sich um eine leichte Tätigkeit unter Wechselbelastung
handeln sollte, die immer wieder auch im Sitzen ausgeübt werden könne, während
überwiegend im Stehen und im Gehen auszuübende Arbeit nicht mehr zumutbar sei.
Das wiederholte Heben und Tragen von Lasten war schon bei Gewichten über 5 kg als
zu vermeiden erklärt worden, was eine weitere Einengung auf sehr leichte Arbeit
bedeutet. - Bei der früheren (vor hier massgeblicher Zeit erfolgten) MGSG-
Begutachtung waren die Anforderungen so umschrieben worden, dass eine adaptierte
Tätigkeit körperlich leicht sein und abwechslungsweise sitzend und stehend und
zudem in temperierten Räumen sollte ausgeübt werden können, ohne dass dabei
häufig inklinierte und reklinierte oder rotierte Körperhaltungen eingenommen werden
müssten. Dazu waren im ehemals als beweiskräftig beurteilten Gutachten auch
Erfordernisse aus psychiatrischer Sicht formuliert worden, sollte es sich doch um
Tätigkeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne
erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne
überdurchschnittliche Dauerbelastung handeln. Solche die Arbeitsplatzauswahl aus
psychischen Gründen weiter einschränkenden Anforderungen sind in den ABI-
Gutachten nicht mehr erwähnt, doch wird (bei Wegfall der Dysthymie) - anstelle der
vordiagnostizierten anhaltenden somatoformen Schmerzstörung - eine
Schmerzverarbeitungsstörung angenommen. Eine medikamentöse Behandlung erfolgt
gemäss dem ABI-Verlaufsgutachten weiterhin (vgl. IV-act. 269-38). - Von einer
Verbesserung des Gesundheitszustands mit der Folge des Wegfalls der früher
vorgesehenen Anforderungen ist nicht auszugehen. - Eine geeignete Stelle hat somit
zusammenfassend verschiedenen erheblich einschränkenden Anforderungen zu
genügen.
Wie dargelegt verfügt die Beschwerdeführerin jedoch (seit November 2010, vgl.
MGSG-Gutachten, wieder) über ein Leistungsvermögen für eine vollständige (also auch
vollzeitliche) Erwerbstätigkeit in adaptierten Tätigkeiten. Dass sie praktisch keine
Deutschkenntnisse (vgl. beispielsweise IV-act. 227-19) vorweisen kann, ist, wie der
Rechtsprechung zu möglichen Abzugsgründen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7.
6.5.
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7.
Gemäss gerichtlich beurteilter Verfügung vom 1. Oktober 2014 hatten damals eine volle
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in leidensangepasster Tätigkeit und kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad vorgelegen. Bei dem MRI vom März 2015 waren
dann die schwere Spinalkanalstenose L3/4 und die Foraminalstenose mit Kompression
der Nervenwurzel L4 links gefunden worden, worauf ihr gemäss dem ABI-Gutachten
Dezember 2011, 8C_328/2011 E. 10.2) zu entnehmen ist, für Einsatzmöglichkeiten in
einfachen und repetitiven Tätigkeiten zudem nicht als ausserordentliches Hindernis zu
betrachten, ebenso wenig die fehlende berufliche Ausbildung (vgl. wiederum zum
Faktor als möglichen Abzugsgrund Bundesgerichtsurteil vom 18. August 2014,
9C_426/2014 E. 4.2). Dagegen ist vorliegend zu berücksichtigen, dass die
Beschwerdeführerin angesichts des Auftretens der gesundheitlichen Einschränkungen
und von Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2007 bei Erlass der angefochtenen Verfügung nach
der Aktenlage bereits während rund zehn Jahren vom realen Arbeitsmarkt abwesend
gewesen war. Zuvor hatte sie gemäss IK-Auszug (IV-act. 60) nebst dem ab 1998
innegehabten Arbeitsverhältnis hauptsächlich noch von 1992 bis 1997 eine Anstellung
in einem Restaurant gehabt (Küche, Lingerie, Reinigung, vgl. IV-act. 68-50). Der ganze
von ihr bisher ausgeübte Tätigkeitsbereich fällt somit aus medizinischen Gründen (volle
Arbeitsunfähigkeit) für sie nicht mehr in Betracht. Zum Zeitpunkt (vgl. BGE 138 V 457
E. 3.3) des MGSG-Gutachtens war die Beschwerdeführerin 57-jährig gewesen, beim
(vorliegend relevanten) ersten ABI-Gutachten war sie knapp 61-jährig und bei der ABI-
Verlaufsbegutachtung 62-jährig. Ihre Aktivitätsdauer für eine Erwerbstätigkeit war
demnach zu vorliegend massgeblicher Zeit nur noch sehr begrenzt. Auch wenn die
Rechtsprechung für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer versicherter
Personen relativ hohe Hürden aufgestellt hat (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 18.
Dezember 2019, 9C_693/2019 E. 3), ist deshalb bei einer Gesamtbetrachtung aller
massgeblichen Umstände davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die ihr
verbleibende Restarbeitsfähigkeit auch auf einem als ausgeglichen fingierten
Arbeitsmarkt nicht mehr verwerten konnte. Diese Annahme drängt sich nebst all den
erwähnten Gegebenheiten insbesondere auch deshalb auf, weil unter den erwähnten
verschiedenen Lokalisationen der Leiden auch beide Hände der Beschwerdeführerin
sind, die von gewissen gesundheitlichen Schädigungen betroffen sind.
War die Arbeitsfähigkeit insgesamt nicht mehr verwertbar, ist von einem
Invaliditätsgrad von 100 % auszugehen. Angesichts des Alters der Beschwerdeführerin
und der Vorgeschichte waren keine beruflichen Massnahmen verfügbar, welche diesen
Invaliditätsgrad hätten senken können.
6.6.
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vom 20. März 2018 in bisheriger Tätigkeit eine bleibende volle Arbeitsunfähigkeit zu
attestieren war. Angesichts der vollen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit ab
März 2015 lief eine (mögliche) Wartezeit (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Bei der ABI-
Begutachtung vom Januar 2018, bei welcher neurographisch das Karpaltunnelsyndrom
beidseits nachgewiesen worden war, links ein mittelschweres und rechts ein leichtes
(vgl. IV-act. 227-31), war die Beschwerdeführerin wie erwähnt bereits knapp 61-jährig.
Es ist anzunehmen, dass diese für die Verwertbarkeit relevanten Beeinträchtigungen
(wie etwa auch das metabolische Syndrom) nicht erst unmittelbar vor jener
Begutachtung aufgetreten waren. Es rechtfertigt sich bei den durch die Begutachtung
von 2018 bekannt gewordenen Gegebenheiten insgesamt anzunehmen, dass bei
Ablauf eines möglichen Wartejahres im März 2016 von einer so erheblichen
Einschränkung der erwerblichen Möglichkeiten der Beschwerdeführerin auszugehen
ist, dass keine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vorlag.
Angesichts der oben dargelegten erwerblichen Folgen dieses Umstands bestand
damals eine (auch noch weiterdauernde) volle Invalidität. Auch bei der medizinischen
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in adaptierter Tätigkeit von 100 % - bei aber
gemäss Gutachten spätestens ab März 2015 bestehender voller Arbeitsunfähigkeit in
der bisherigen Tätigkeit (vgl. IV-act. 227-26) - ist demnach der Versicherungsfall Rente
(mit Ablauf des genannten Wartejahres im März 2016 und voller Invalidität)
anzunehmen, denn andernfalls wäre es in vielen Fällen verunmöglicht, das - als
Erheblichkeitsschwelle mit Bezug auf Dauer und Ausmass der
Leistungsbeeinträchtigung gedachte - Wartejahr überhaupt zurückzulegen (vgl. dazu
den Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [nunmehr des
Bundesgerichts] vom 23. Oktober 2003, I 392/02 E. 4.2.2; vgl. auch den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Februar 2014, IV 2012/142
E. 3.5.1). Nach Art. 29 Abs. 1 IVG ist eine Rentenauszahlung angesichts der
Neuanmeldung vom 26. Juni 2017 allerdings frühestens im Dezember 2017 möglich.
Die Auszahlung der ganzen Rente kann daher ab 1. Dezember 2017 erfolgen.
8.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 27. September 2018 teilweise gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin ist ab 1. Dezember 2017 eine ganze Rente auszuzahlen.
8.1.
Es rechtfertigt sich, bei diesem Ausgang des Verfahrens für die Kosten von einem
vollen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen und die Gerichtskosten, die nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69
Abs. 1 IVG), gesamthaft der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1
8.2.
bis
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