Decision ID: 66ace782-d946-5897-92f3-853be295c8e7
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ stellte im Juni 2006 ein Gesuch um einen Rückenschutzgurt (Hilfsmittel, IV-
act. 1). Sie gab an, dass sie am 13. November 2005 im Treppenhaus gestürzt und
seither (teilweise) arbeitsunfähig sei. Sie sei seit 1982 als Betriebsassistentin/Büglerin
tätig. Eine IV-Sachbearbeiterin notierte am 21. Juli 2006, dass die Prüfung von
beruflichen Eingliederungsmassnahmen und eines Rentenanspruchs eingeleitet werde,
da die Versicherte die Arbeit nicht mehr habe aufnehmen können (IV-act. 15).
A.b Die B._ AG berichtete am 28. Juli 2006 (IV-act. 17), dass sie die Versicherte vom
1. Dezember 2004 bis 30. Juli 2006 als Büglerin/Betriebsassistentin beschäftigt habe.
Die Kündigung sei wegen des Unfalls vom 13. November 2005 erfolgt. Die Versicherte
habe in einem vollen Pensum gearbeitet und einen Monatslohn von Fr. 4'670.45 erzielt
(zzgl. 13. Monatslohn, siehe auch IK-Auszug, IV-act. 16, wonach die Arbeitgeberin seit
1983 Löhne abrechne). Es habe sich um eine vorwiegend stehend, teilweise gebeugt
rotierend auszuübende Tätigkeit gehandelt, bei der die Versicherte nie oder selten
Gewichte habe bewegen müssen.
A.c Vom 19. April bis 31. Mai 2006 war die Versicherte in der Rehaklinik Bellikon
stationär behandelt worden. Die Klinikärzte hielten im Austrittsbericht vom 9. Juni 2006
fest (IV-act. 18-8 ff.), dass die Resultate der physischen Leistungstests für die
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Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit infolge Symptomausweitung,
Selbstlimitierung und Inkonsistenzen nicht verwertbar gewesen seien. Das Ausmass
der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich aus somatischer Sicht
wegen den wenig relevanten objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen
Untersuchung und der bildgebenden Abklärung nur ungenügend erklären. Darüber
hinaus liege keine psychiatrische Störung mit Krankheitswert vor. Die Versicherte sei in
der angestammten Tätigkeit sowie in jeder anderen leichten bis mittelschweren
Tätigkeit voll arbeitsfähig. Im April 2007 wurde die Versicherte interdisziplinär
(allgemein-internistisch, rheumatologisch, psychiatrisch) durch die ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) begutachtet (Gutachten vom 18. Juni 2007, IV-act.
32). Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter ein
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links und ein chronisches zerviko-
brachiales Schmerzsyndrom rechtsbetont an. Eine psychische, arbeitseinschränkende
Funktionsstörung hat die psychiatrische Gutachterin nicht feststellen können. Die ABI-
Gutachter erachteten die Versicherte aufgrund der somatischen Einschränkungen für
den angestammten Beruf als Büglerin noch zu 50 % arbeitsfähig. Für körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten sei die Versicherte voll arbeitsfähig.
A.d Mit Verfügung vom 31. Januar 2008 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei
einem IV-Grad von 30 % ab (IV-act. 54). Die gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde wies das Versicherungsgericht am 29. September 2009 ab (IV 2008/128,
IV-act. 82). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
B.a Am 24./26. Januar 2011 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 84). Sie machte Rückenprobleme, Kopfschmerzen,
Beinschmerzen, Magen-Darm-Probleme und psychische Probleme geltend. Sie sei seit
November 2005 arbeitsunfähig. Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, hatte in einem beiliegenden Bericht vom 28. Oktober 2010
angegeben, dass die Versicherte an einer mittel- bis schwergradigen depressiven
Episode mit somatischen Syndrom (F32.11), an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung (F45.4) und an Merkmalen einer anankastischen
Persönlichkeitsstörung (F60.5) leide (IV-act. 85). Die Versicherte sei seit dem 4. Oktober
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2007 aus rein psychiatrischer Sicht zu 70 % arbeitsunfähig. Der Hausarzt der
Versicherten, Dr. med. D._, hatte in einem Bericht vom 19. Oktober 2010 darüber
informiert, dass sich die Versicherte am 2. August 2010 einer Spondylodese L5/S1
unterzogen habe (IV-act. 89-3 f.). Die Versicherte sei seit Beginn der Behandlung bei
ihm, d.h. seit dem 9. Oktober 2006, voll arbeitsunfähig. Die Klinik für Orthopädische
Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) hatte gleichentags berichtet, dass die
Versicherte bei der Nachkontrolle weiterhin über Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in
beide Beine und über gelegentliche Kopfschmerzen geklagt habe (IV-act. 95-10 f.). Am
29. Oktober 2010 war eine ISG-Infiltration beidseits erfolgt (IV-act. 95-12 f.). Bei einer
Verlaufskontrolle vom 18. Januar 2011 hatte die Versicherte über massive Schmerzen
im Bereich der oberen und unteren LWS, der HWS und der BWS geklagt. Zudem hatte
sie starke Kopfschmerzen und starke Gliederschmerzen angegeben. Die Klinikärzte
hatten vermerkt, dass die Versicherte auffällig depressive verstimmt gewesen sei
(Bericht der Orthopädischen Chirurgie des KSSG vom 19. Januar 2011, IV-act. 95-12
f.).
B.b Dr. C._ teilte am 28. April 2011 mit (IV-act. 100), dass die Versicherte wegen
einer starken depressiven Stimmungs- und Antriebslage aktuell nicht imstande sei,
irgendeiner Tätigkeit nachzugehen. Dr. D._ berichtete am 20. Juni 2011 (IV-act. 101),
dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert habe. Die
Versicherte habe sich am 11. April 2011 einer Operation im Bereich der BWS
(Fenestra¬tion BWK6/7 links) unterzogen. Einem beigelegten Bericht der
Neurochirurgie des KSSG vom 1. Juni 2011 (IV-act. 101-9 f.) war zu entnehmen, dass
die Versicherte nach der Operation eine allgemeine Beschwerdeverschlechterung
beschrieben hatte. Sie habe Schmerzen im Bereich der gesamten Wirbelsäule,
intermittierende Kraftverluste im rechten Arm, Kopfschmerzen und Übelkeit
angegeben. Am 28. September 2011 informierte Dr. D._ erneut über eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes (IV-act. 108). Die Operation im Bereich
der BWS habe zu mehr Schmerzen geführt. Die Versicherte leide nun an einem
Panvertebralsyndrom mit Ausbreitung der Schmerzen in den ganzen Körper. Zwar sei
die Wunde verheilt, die Stabilität der Wirbelsäule habe aber abgenommen, was zur
Intensivierung der Schmerzen geführt habe. Dr. C._ berichtete am 8. Dezember 2011
über einen stationären Gesundheitszustand (IV-act. 113). Die Versicherte habe sich am
31. Oktober 2011 mit der Begründung, dass sie eine andere Therapie auszuprobieren
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wünsche, von ihrer Behandlung abgemeldet. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe
weiterhin für alle Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit. Der neue behandelnde
Psychiater, Dr. med. E._, erklärte am 19. Januar 2012, dass er bei der
Behandlungsübernahme mit dem Hausarzt der Versicherten vereinbart habe, der IV-
Stelle vorerst keine Stellungnahme abzugeben (IV-act. 115).
B.c Im Januar 2013 wurde die Versicherte durch das Zentrum für Interdisziplinäre
Medizinische Begutachtungen AG (ZIMB) interdisziplinär (allgemein-internistisch,
neurologisch, psychiatrisch, rheumatologisch) begutachtet (Gutachten vom 18. März
2013, IV-act. 134). Die Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Chronifiziertes panvertebrales Schmerzsyndrom mit/bei
- degenerativen Veränderungen der HWS, BWS und LWS
- Status nach Spondylodese L5/S1 bei isthmischer Spondylolyse und Listhesis mit
Anteroglissement L5/S1 Grad I nach Meyerding am 2.8.2010
- Status nach Exploration BWK6/7 links am 11.4.2011
- sekundärer Symptomausweitung im Sinne einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung (F45.4)
• mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11).
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine
chronifizierte Kopfschmerzsymptomatik multifaktorieller Ätiologie mit/bei langjährigem
Analgetika-Abusus, eine chronische Dyspepsie mit/bei Status nach Magenulkus-
Operation 1982, ein Reizdarmsyndrom mit Obstipation, eine essentielle arterielle
Hypertonie, eine Hypercholesterinämie und einen Uterus myomatosus mit
Stressinkontinenzsymptomatik. Der rheumatologische Gutachter Dr. med. F._ führte
aus, dass eine deutliche Diskrepanz zwischen subjektiv erlebter Schmerzintensität und
Belastungstoleranz und der ausgeprägten demonstrierten Bewegungseinschränkung
der LWS einerseits und den radiologisch zu erhebenden früheren und aktuellen
Befunden andererseits bestehe. Aufgrund der Wirbelsäulen-Fehlform bzw. -Fehlhaltung
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und bei Status nach Spondylodese L5/S1 seien belastungsabhängige lumbale bis
lumbospondylogene wie auch thorakale Schmerzen erklärbar; das von der Versicherten
geschilderte Ausmass der Beschwerden, die ausgesprochene Druckschmerzhaftigkeit
entlang der gesamten Wirbelsäule und auch die fast vollständige
Bewegungseinschränkung der LWS liessen sich mit den strukturellen radiologischen
Befunden jedoch nicht erklären. Neben den zweifellos vorhandenen strukturellen
Befunden müsse deshalb eine wesentliche nicht-organische Schmerzkomponente
postuliert werden, wie dies bereits anlässlich der früheren Untersuchungen
festgehalten worden sei. Von Seiten der subjektiven Beschwerden und der klinischen
Befunde sei der Befund weitgehend unverändert im Vergleich zu Vorbegutachtung
durch das ABI im Jahr 2007. Entsprechend sei die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin in einer chemischen Reinigung, welche häufig
stehend am Bügelbrett habe verrichtet werden müssen, weiterhin als zu 50 %
eingeschränkt zu beurteilen. Körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne
Sitzen länger als eine Stunde bzw. Stehen an Ort länger als 30 Minuten am Stück, ohne
repetitives Heben von Lasten über 5 kg bzw. von Einzellasten über 15 kg und ohne
häufiges Treppensteigen seien der Versicherten unverändert ohne Einschränkung
zumutbar. Der neurologische Gutachter Dr. med. G._ erklärte, dass er in der
Untersuchung kein den Beschwerden zugrundeliegendes fokal-neurologisches Defizit
gefunden habe. Auffällig seien ein selbstlimitierendes, dysfunktionales
Krankheitsverhalten mit deutlicher Diskrepanz zwischen der Bewegung auf
Aufforderung und der Spontanmotorik und inkonsistente und unplausible Defizite mit
deutlich überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht organischer Ursache gewesen. Damit
stimmten auch die unauffälligen kraniellen Bildgebungen und die nicht
richtungsweisenden spinalen Kernspintomographien überein. Insbesondere habe sich
kein Hinweis für eine radikuläre Ausfallssymptomatik im Bereich des linken Beines
gefunden. Aus neurologischer Sicht bestehe keine Minderung der Arbeitsfähigkeit. Der
psychiatrische Gutachter Dr. med. H._ gab an, dass die Versicherte in ihrer
Schmerzschilderung glaubhaft gewirkt habe und ein Leidensdruck spürbar gewesen
sei. Es hätten sich keine Aggravations- oder Verdeutlichungstendenzen gezeigt. Bei
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung liege häufig ein bewusster oder
unbewusster Konflikt vor, der für das Auftreten und die Aufrechterhaltung der
Schmerzstörung verantwortlich sei. Bei der Versicherten liege ein solcher Konflikt vor:
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Sie habe unter Tränen vom stationären Aufenthalt in Bellikon im Jahr 2006 und den
dort gemachten Aussagen, dass sie nichts habe und arbeiten könne, berichtet. Diese
Äusserungen seien für die Versicherte sehr kränkend gewesen, sie habe sich als
Simulantin dargestellt gefühlt und letztlich sei ihr vom Arbeitgeber gekündigt worden.
Diese Kränkung sei insbesondere deshalb schwerwiegend gewesen, weil die
Versicherte ihre bis dahin erlittenen Schicksalsschläge alle sehr gut gemeistert und
immer funktioniert habe. Es liege eine psychiatrische Komorbidität vor: Die Versicherte
leide seit Jahren unter einer depressiven Erkrankung, die zurzeit mittelgradig
ausgeprägt sei. Auch ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit
unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung sei
zu bejahen. Ausserdem bestehe ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens.
Ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer
an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheitsgewinn, Flucht in die Krankheit) liege insbesondere nicht vor, weil nicht alle
therapeutischen Massnahmen ausgeschöpft worden seien. Die Versicherte habe über
seit dem Jahr 2006 bestehende depressive Symptome mit Deprimiertheit, schneller
Erschöpfung und Kraftlosigkeit sowie über kognitive und mnestische Defizite berichtet.
Die kognitiven und mnestischen Defizite seien allerdings nicht so stark ausgeprägt,
dass sie im Untersuchungsgespräch aufgefallen wären. Des Weiteren bestünden ein
leichter Interessenverlust sowie eine Freudlosigkeit. Hinweise für eine
Persönlichkeitsstörung gebe es aufgrund des Untersuchungsgesprächs nicht. Seit
Anfang 2008 bestehe aus psychiatrischer Sicht eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit. Neben
der Schmerzsymptomatik sei die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf die depressive
Symptomatik zurückzuführen. Die Versicherte benötige Pausen, müsse aufgrund der
Schmerzen die Position verändern, sei langsamer, könne sich schlechter konzentrieren
und verfüge über eine eingeschränkte Aufnahmefähigkeit. Auch die gedankliche
Flexibilität sei vermindert. Die antidepressive Medikation sollte deutlich erhöht werden.
Zudem sei der Aufbau einer geregelten Tagesstruktur zu empfehlen. Würden diese
Massnahmen umgesetzt, sei es durchaus möglich, dass sich die Arbeitsfähigkeit in den
nächsten ein bis zwei Jahren verbessern werde, weshalb eine Wiederbegutachtung in
zwei Jahren empfohlen werde. In polydisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit wie auch in einer
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dem körperlichen Leiden optimal angepassten Verweistätigkeit seit Anfang 2008 auf 50
%.
B.d RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 11. April 2013 (IV-act. 137), dass die
somatische Beurteilung des ZIMB die Qualitätskriterien erfülle. Auf das psychiatrische
Gutachten könne hingegen aus den von RAD-Ärztin Dr. med. J._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, angeführten Gründen nicht abgestellt werden. Dr.
J._ hatte in ihrer Stellungnahme vom 17. April 2013 erklärt, dass das psychiatrische
Teilgutachten nicht ohne weiteres plausibel sei. Die Diagnosen einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung und einer depressiven Episode von mittelgradiger
Ausprägung seien nicht nachvollziehbar. Zudem sei die bisherige Aktenlage nicht
angemessen gewürdigt worden. Dr. J._ empfahl eine ergänzende psychiatrische
Untersuchung durch den RAD. Zudem sollte nochmals versucht werden, eine
Einschätzung von Dr. E._ zu erhalten.
B.e Die psychiatrische Abklärung durch RAD-Ärztin Dr. J._ fand am 21. August 2013
statt (IV-act. 144). Als psychiatrische Diagnosen gab sie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, eine anankastische Persönlichkeitsstörung und eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig remittiert, bei einem Status nach leichten bis
mittelgradigen depressiven Episoden, an. Dr. J._ hielt fest, dass die Versicherte
aktuell durch das Erleben der Schmerzen und anderer körperlichen Beeinträchtigungen
und vor dem Hintergrund der anankastischen Persönlichkeitsstörung und der
rezidivierenden depressiven Störung deutlich in ihren Ressourcen eingeschränkt sei.
Die Durchhaltefähigkeit und Flexibilität seien schwer beeinträchtigt und es bestünden
Einschränkungen in der Wahrnehmung von ausserberuflichen Aktivitäten und der
Wegefähigkeit. Die Versicherte sei in ihrem Denken und Erleben auf die körperlichen
Störungen fixiert. Das Leiden sei glaubhaft spürbar; eine Aggravation oder Simulation
liege nicht vor. Chronische, therapieresistente körperliche Begleiterkrankungen seien
vorhanden. Die Erkrankung habe schmerzbedingt zwar zu einem sozialen Rückzug,
jedoch nicht in allen Lebensbelangen, geführt. Die Versicherte halte einen ausgefüllten
Tagesablauf aufrecht und pflege soziale Kontakte. Ein primärer Krankheitsgewinn als
Folge einer nicht ausreichenden emotionalen Konfliktbewältigung sei im Rahmen der
Persönlichkeitsstörung und der lebensgeschichtlichen Schwierigkeiten ausgewiesen
(behinderter Sohn, gescheitertes Lebensmodell mit Scheidung, Schwierigkeiten bei der
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kulturellen Eingewöhnung). Die Versicherte stehe in langjähriger psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung. Sie nehme die Therapie bei Dr. E._ engagiert
wahr. Die Schmerzstörung habe sich seit der ABI-Begutachtung weiter verstärkt und
verfestigt. Die psychischen Ressourcen hätten zunehmend abgenommen. Die
Versicherte sei aus psychischen Gründen aktuell zu 40 % in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt. Sie benötige vermehrte Pausen und Erholungszeiten und infolge der
Verlangsamung einen vermehrten Zeitaufwand. Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit
weiche nicht wesentlich von der Einschätzung von Dr. H._ ab. Der
Gesundheitszustand habe sich seit der Begutachtung im ZIMB etwas verbessert
(damals noch leichte depressive Symptomatik). Von Sommer 2011 bis Januar 2013 sei,
analog der Beurteilung von Dr. C._ bei einer ausgewiesenen mittelgradigen
depressiven Episode, von einer wesentlichen Zustandsverschlechterung und von einer
70 %igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszugehen. Nach dem Wechsel des
Behandlers sei ab Ende 2011 wieder eine kontinuierliche Besserung des
Gesundheitszustands anzunehmen. Leider lägen hierzu keine fachpsychiatrischen
Informationen vor, so dass keine retrospektive Angabe über den prozentualen Verlauf
der Arbeitsfähigkeit möglich sei. Ab spätestens Januar 2013 (ZIMB-Begutachtung) bis
zur RAD-Untersuchung am 21. August 2013 sei von einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. Seit dem 21. August
2013 bestehe noch eine 40 %ige Arbeitsunfähigkeit. Eine wesentliche Verbesserung
der Arbeitsfähigkeit könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreicht
werden.
B.f Mit Vorbescheid vom 15. Januar 2014 (IV-act. 159) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 26 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Zur
Begründung führte sie an, dass das ABI im Jahr 2007 zum Schluss gekommen sei,
dass keine krankheitsbedingte psychische Störung nachweisbar sei, obwohl der
behandelnde Psychiater bereits damals eine 70 %ige Arbeitsunfähigkeit wegen einer
mittelgradigen depressiven Störung auf dem Boden einer anankastischen
Persönlichkeit bescheinigt habe. Heute werde wiederum von einer mittelgradigen
depressiven Episode mit somatischem Syndrom ausgegangen. Auch die
anankastische Persönlichkeitsstörung sei bereits dazumal bekannt gewesen.
Folgerichtig sei derselbe medizinische Sachverhalt heute lediglich different beurteilt
worden. Das Rentenbegehren sei daher abzuweisen. Im Übrigen handle es sich bei der
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mittelgradigen Depression lediglich um eine reaktive Begleiterscheinung zu einem
syndromalen Leiden, die nicht invalidisierend sei. Auch wenn die Depression nicht aus
einer Schmerzstörung ableitbar wäre, wäre diese nicht invalidisierend, da keine von
psychosozialen Faktoren losgelöste, ausprägte psychische Störung vorliege. Dagegen
liess die Versicherte am 20. März 2014 einwenden (IV-act. 168), dass nicht mehr
dieselbe medizinische Situation vorliege wie im Zeitpunkt der ABI-Begutachtung. Es sei
auf die Beurteilung der RAD-Ärztin abzustellen.
B.g Mit Verfügung vom 8. Mai 2014 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem IV-
Grad von 26 % aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 170). Zum
Einwand erwiderte sie, dass es eine Rechtsfrage sei, ob ein ärztlicherseits
diagnostiziertes Leiden den Rechtsbegriff der invalidisierenden Krankheit erfülle.
Mittelschwere psychische Störungen depressiver Natur seien als im Prinzip
therapeutisch angehbar zu betrachten.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
6. Juni 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer Invalidenrente mit Wirkung ab
Sommer 2012. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Der Rechtsvertreter stellte
zudem ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung. Zur Begründung machte er geltend, es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb die RAD-Ärztin die Auswertung der Hamilton-
Depressionsskala vom ZIMB nicht eingefordert habe. Die Beschwerdegegnerin habe
übersehen, dass die RAD-Ärztin bis Sommer 2011 keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit erkannt habe. Der medizinische Sachverhalt sei mitnichten derselbe.
Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung könne wegen der Persönlichkeitsstörung
nicht überwunden werden. Die Beschwerdegegnerin habe zudem übersehen, dass die
Beschwerdeführerin in ständiger und sehr engmaschiger Behandlung gestanden habe
und stehe. Die RAD-Ärztin habe sehr genau ausgeführt, weshalb die
Beschwerdeführerin zu 40 % arbeitsunfähig sei. Für den Sachbearbeiter der
Beschwerdegegnerin bestehe kein Spielraum, davon abzuweichen.
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C.b Am 1. Juli 2014 zog der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege zurück (act. G 4).
C.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 29. August 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung brachte sie vor, dass es nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung keineswegs allein Sache der Arztperson sei,
abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle verbindlich zu entscheiden, ob das
medizinisch festgestellte Leiden zu einer Arbeitsunfähigkeit führe. Bei der
Untersuchung durch die RAD-Ärztin sei eine depressive Störung nicht mehr
ausgewiesen gewesen. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vermöge nach
der Rechtsprechung in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken. Die Angaben der RAD-Ärztin zu den
Foerster-Kriterien seien durch den Rechtsanwender kritisch zu hinterfragen. Bei der
Beschwerdeführerin liege keine ausgewiesene Komorbidität vor. Die geschilderten
Schmerzen liessen sich nicht durch organisch-strukturelle Befunde erklären. Die
Diagnose einer anankastischen Persönlichkeitsstörung habe vom ZIMB-Gutachter
nicht gestellt werden können, weshalb auch keine psychische Komorbidität
angenommen werden könne. Ein sozialer Rückzug sei nicht ausgewiesen. Sowohl Dr.
H._ als auch die RAD-Ärztin seien von einem primären Krankheitsgewinn
ausgegangen. Unbefriedigende Behandlungsergebnisse lägen jedoch nicht vor. Da die
Mehrzahl der Foerster-Kriterien zu verneinen sei, sei der Regelfall der zumutbaren
Überwindbarkeit gegeben. Die von der RAD-Ärztin attestierte Minderung der
Arbeitsfähigkeit von 40 % müsse im versicherungsrechtlichen Rahmen daher ausser
Acht bleiben. Das Vorliegen eines invalidisierenden psychischen Gesundheitsschadens
sei somit zu verneinen.
C.d Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hielt in seiner Replik vom 30.
September 2014 ergänzend fest (act. G 8), dass die Behörde die Arbeitsfähigkeit nicht
willkürlich festsetzen dürfe. Für eine Neufestlegung brauche es triftige Gründe, die die
Beschwerdegegnerin in keiner Weise vorgebracht habe. Die Beschwerdegegnerin habe
sich auch nicht intensiv mit der Persönlichkeitsstörung der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt. Zudem habe die Beschwerdegegnerin das fachärztlich
festgestellte Vorliegen einer Komorbidität nicht in genügender Weise widerlegen
können.
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C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin hatte sich erstmals im Juni 2006 zum Bezug von IV-
Leistungen angemeldet. Mit Verfügung vom 31. Januar 2008 hatte die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch bei einem IV-Grad von 30 % verneint. Die
dagegen erhobene Beschwerde hatte das Versicherungsgericht am 29. September
2009 abgewiesen, d.h. es hatte die Abweisung des Rentengesuchs bestätigt. Dieser
Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen. Bei der Anmeldung vom Januar 2011 handelt
es sich somit um eine sogenannte Neuanmeldung.
1.2 Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR
831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird,
dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert
hat. Der Anmeldung haben unter anderem aktuelle Berichte von Dr. D._ und der
Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG beigelegen. Aus diesen geht hervor, dass
sich die Beschwerdeführerin im August 2010 einer Spondylodese L5/S1 unterzogen
habe und seither weiterhin an Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Beine leide.
Die Beschwerdeführerin hat mit den eingereichten Arztberichten somit eine erhebliche
gesundheitliche Veränderung glaubhaft gemacht. Die Beschwerdegegnerin ist daher zu
Recht auf die Neuanmeldung eingetreten.
1.3 Mit der angefochtenen Verfügung vom 8. Mai 2014 hat die Beschwerdegegnerin
dann allerdings einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint. Die
Beschwerdeführerin hat sich im Januar 2011 zum Leistungsbezug angemeldet. Da
gemäss Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR
831.20) ein Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach dessen
Geltendmachung entsteht, ist nachfolgend ein Rentenanspruch ab 1. Juli 2011 zu
prüfen.
2.
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2.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art.
8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.3 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
2.4 In somatischer Hinsicht macht die Beschwerdeführerin Schmerzen am ganzen
Körper, insbesondere am Rücken und am Kopf, geltend. Die Beschwerdeführerin fühlt
sich bereits seit einem Treppensturz im November 2005 körperlich schwer
beeinträchtigt. Weder die Rehaklinik Bellikon, wo sie von April bis Mai 2006 einen
stationären Aufenthalt absolviert hat, noch die ABI-Gutachter, die die
Beschwerdeführerin im April 2007 interdisziplinär begutachtet haben, haben sich das
Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen erklären können. Während
die Ärzte der Rehaklinik Bellikon davon ausgegangen sind, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit als Büglerin sowie in
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Verweistätigkeiten voll arbeitsfähig sei, haben die ABI-Gutachter der
Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in der Tätigkeit als Büglerin eine 50 %ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert. Für körperlich leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten haben allerdings auch sie eine vollständige Arbeitsfähigkeit bejaht. Der
rheumatologische Gutachter des ZIMB, der die Beschwerdeführerin im Januar 2013
begutachtet hat, hat erklärt, dass die subjektiven Beschwerden und die klinischen
Befunde weitgehend unverändert seien; die zwischenzeitlich durchgeführte
Spondylodese habe diesbezüglich keine Änderung gebracht (IV-act. 134-43). Aufgrund
der Wirbelsäulenfehlform bzw. -fehlhaltung und bei einem Status nach einer
Spondylodese L5/S1 seien belastungsabhängige lumbale bis lumbospondylogene wie
auch thorakale Schmerzen erklärbar. Wie die Vorgutachter ist der rheumatologische
ZIMB-Gutachter aber zum Schluss gekommen, dass das von der Beschwerdeführerin
geschilderte Ausmass der Beschwerden nicht mit den strukturellen radiologischen
Befunden begründet werden könne. Auch der neurologische ZIMB-Gutachter hat kein
den geltend gemachten Beschwerden zugrundeliegendes fokal-neurologisches Defizit
gefunden, und diese deshalb auf eine nicht organische Ursache zurückgeführt. Die
Fachärzte sind somit − wie im Übrigen auch die behandelnde Psychiaterin Dr. C._ −
übereinstimmend von einer nichtorganischen Schmerzkomponente ausgegangen. Die
(mit dem ABI-Gutachter übereinstimmende) Einschätzung des rheumatologischen
Gutachters, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Büglerin
lediglich noch zu 50 % arbeitsfähig sei, leuchtet unter Berücksichtigung der
festgestellten degenerativen Veränderungen der HWS, der BWS und LWS sowie der
Operationen an der LWS und der BWS und der Tatsache, dass es sich bei der
angestammten Tätigkeit um eine vorwiegend stehende Tätigkeit gehandelt hat, bei
welcher der Rücken oft gebeugt und rotiert gehalten werden muss, ein. Angesichts der
verminderten Belastbarkeit der HWS, der BWS und der LWS überzeugt auch die
Aussage des rheumatologischen Gutachters, dass die Beschwerdeführerin lediglich
noch körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten unter Einhaltung bestimmter
Adaptionskriterien (nicht länger Sitzen als eine Stunde am Stück etc.) ausüben kann.
Demnach ist auf die Einschätzung der ZIMB-Gutachter abzustellen, wonach die
Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in der angestammten Tätigkeit als Büglerin/
Betriebsassistentin seit Jahren lediglich noch zu 50 % arbeitsfähig ist. Demgegenüber
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ist die Beschwerdeführerin in einer körperlich angepassten Tätigkeit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nie längerfristig arbeitsunfähig gewesen.
2.5 In psychiatrischer Hinsicht liegen insbesondere das psychiatrische Teilgutachten
des ZIMB vom 18. März 2013 sowie der Untersuchungsbericht der RAD-Psychiaterin
Dr. J._ vom 23. August 2013 im Recht.
2.5.1 Der psychiatrische ZIMB-Gutachter Dr. H._ hat der Beschwerdeführerin
wegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und einer mittelschweren
depressiven Episode mit somatischem Syndrom ab Anfang 2008 eine 50 %ige
Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit attestiert. RAD-Ärztin Dr. J._ hat das
Gutachten von Dr. H._ als in Teilen nicht ohne weiteres plausibel bezeichnet und die
Beschwerdeführerin deshalb am 21. August 2013, d.h. rund sieben Monate nach der
Begutachtung, persönlich untersucht. Die Einschätzungen von Dr. H._ und von Dr.
J._ beruhen auf einer unvollständigen Aktenlage: Obwohl die Beschwerdeführerin
offenbar seit ca. Ende 2011 engmaschig durch Dr. E._ psychiatrisch-
psychotherapeutisch behandelt wird, liegt kein Bericht des Behandlers bei den Akten.
Eine rezidivierende depressive Störung ist Schwankungen unterworfen, weshalb für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zwingend eine Längsschnittbeurteilung notwendig ist.
Eine solche ist jedoch nur möglich, wenn der Gutachter resp. die Gutachterin über die
Krankengeschichte oder wenigstens über detaillierte Verlaufsberichte des
behandelnden Psychiaters verfügt. Auf die Einschätzungen von Dr. H._ und Dr. J._
kann bereits aus diesem Grund nicht abgestellt werden.
2.5.2 Die Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. H._ und der RAD-Ärztin
überzeugen aber auch aus anderen Gründen nicht. Die RAD-Ärztin hat der
Beschwerdeführerin eine anankastische Persönlichkeitsstörung attestiert. Mit der
divergierenden Einschätzung von Dr. H._ hat sie sich nicht auseinandergesetzt,
sondern lediglich erwähnt, dass dieser die Diagnose einer anankastischen
Persönlichkeitsstörung nicht habe nachvollziehen können (IV-act. 144-8). Für einen
medizinischen Laien ist es deshalb nicht möglich, zu beurteilen, welche diagnostische
Einschätzung in medizinischer Hinsicht überzeugender ist. Als beeinträchtigende
Faktoren hat die RAD-Ärztin in Anlehnung an das Mini-ICF-P eine schmerzbedingte
schwere Beeinträchtigung der Durchhaltefähigkeit und der Flexibilität (Schnelligkeit,
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Reaktionsfähigkeit, Beweglichkeit) und eine mittelgradige Beeinträchtigung der
ausserberuflichen Aktivitäten angegeben (IV-act. 144-7). Obwohl die RAD-Ärztin am
Gutachten von Dr. H._ bemängelt hat, dass die Auswertung der Hamilton-
Depressionsskala nicht bei den Akten liege und deren Ergebnis daher nicht
nachvollzogen werden könne, hat sie selber die Auswertung des Mini-ICF-P nicht zu
den Akten gelegt. Hinzu kommt, dass sie nicht dargelegt hat, wie sie aus den von ihr
festgestellten Einschränkungen auf eine Arbeitsunfähigkeit von gerade 40 %
geschlossen hat. Des Weiteren überzeugt die rückwirkende Arbeitsfähigkeitsschätzung
der RAD-Ärztin nicht: Sie hat ausgeführt, dass für die Zeit ab Ende 2011 eine
kontinuierliche Verbesserung des Gesundheitszustandes anzunehmen sei. Eine
retrospektive Angabe über den prozentualen Verlauf der Arbeitsfähigkeit sei jedoch
nicht möglich, da für die Zeit ab Ende 2011 bis zur Begutachtung im Januar 2013 keine
fachpsychiatrischen Informationen im Recht lägen. Zugunsten der Beschwerdeführerin
ist sie deshalb, gestützt auf die Angaben von Dr. C._, für die Zeit von Sommer 2011
bis Januar 2013 von einer 70 %igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Die
Beschwerdeführerin hat die Behandlung bei Dr. C._ jedoch bereits im Oktober 2011
abgebrochen, d.h. sie hat für die Zeit ab November 2011 gar keine
Arbeitsfähigkeitsschätzung mehr abgeben können (IV-act. 113). Zudem hat Dr. C._
der Beschwerdeführerin seit Oktober 2007 durchgehend eine 70 %igen
Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 85). Das Gericht ist in seinem Entscheid vom 29.
September 2009 jedoch davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin im
Beurteilungszeitraum (d.h. bis Ende Januar 2008) aus psychiatrischer Sicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
gewesen ist.
2.5.3 Bezüglich der von Dr. H._ und von der RAD-Ärztin diagnostizierten
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ist anzumerken, dass das Bundesgericht
seine Praxis zur Beurteilung des Anspruchs auf eine Invalidenrente wegen
somatoformer Schmerzstörungen zwischenzeitlich geändert hat (BGE 141 V 281 vom
3. Juni 2015). Zwar verlieren nach dem alten Verfahrensstandard eingeholte Gutachten
durch die Praxisänderung nicht per se ihren Beweiswert. Allerdings ist im Rahmen einer
gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten
entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen
Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (vgl. BGE 141 V 281 E. 8). Die
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Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens konzentriert sich neu vermehrt auch
auf die Ressourcen, welche die schmerzbedingte Belastung kompensieren können und
damit die Leistungsfähigkeit begünstigen (BGE 141 V 281 E. 4.1.1). Im Rahmen der
Würdigung von Funktionseinschränkungen muss also auch das positive Leistungsbild
untersucht und nicht nur aufgezeigt werden, welche Defizite vorhanden sind, sondern
das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen
beschrieben werden. Die Arbeitsunfähigkeit leitet sich gleichsam aus dem Saldo aller
wesentlichen Belastungen und Ressourcen ab (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1). Zwar hat die
RAD-Ärztin die Ressourcen der Beschwerdeführerin im Untersuchungsbericht
umschrieben (soziale Kontakte, ausgefüllter Tagesablauf etc.). Bei der Prüfung, ob die
Beschwerdeführerin trotz der subjektiv empfundenen Schmerzen einer Erwerbstätigkeit
nachgehen könnte, hat sie sich jedoch nicht ausreichend mit den vorhandenen,
erheblichen Ressourcen (Fitnessbesuche mit dem Sohn, lese viel, interessiere sich für
alles, koche viel, gehe Einkaufen, teile sich die häuslichen Aufgaben mit dem Sohn,
habe einige gute Kolleginnen, mit denen sie sich treffe, habe Kontakt zu ihrer
Ursprungsfamilie, unternehme Ausflüge etc.) auseinandergesetzt (IV-act. 144-10). Auch
Dr. H._ hat sich zu wenig mit den Ressourcen der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt (siehe IV-act. 134-53). Ob einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beizumessen ist, hängt auch von
der Persönlichkeit der betroffenen Person ab. Wie bereits erwähnt, ist unklar, ob die
Beschwerdeführerin an einer massgeblichen anankastischen Persönlichkeitsstörung
leidet. Vor diesem Hintergrund ist es dem Gericht nicht möglich, die Überwindbarkeit
der somatoformen Schmerzstörung anhand der Akten zu beurteilen.
2.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder auf das psychiatrische
Teilgutachten von Dr. H._ vom 18. März 2013 noch auf den RAD-
Untersuchungsbericht vom 23. August 2013 abgestellt werden kann. Da nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, ob und wenn ja,
inwieweit die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt ist, ist eine erneute psychiatrische Begutachtung notwendig. Der zu
beauftragende Gutachter wird dabei auch zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit ab 1. Juli
2010 (frühestmöglicher Beginn des Wartejahres) Stellung nehmen müssen. Die
Begutachtung hat unter Berücksichtigung der Krankengeschichte von Dr. E._ (und
wenn möglich auch derjenigen von Dr. C._) zu erfolgen. Sofern noch vorhanden, sind
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dem zu beauftragenden Gutachter auch die Auswertungen der Hamilton-Skala von Dr.
H._ und des Mini-ICF-P von der RAD-Ärztin Dr. J._ zur Verfügung zu stellen.
2.7 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die
Neubegutachtung in Auftrag geben muss, d.h. ob die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist oder ob das Gericht die
Sachverhaltsabklärung zu übernehmen hat. Gestützt auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung müsste im vorliegenden Fall ein Gerichtsgutachten eingeholt werden,
da bereits ein Administrativgutachten des ZIMB im Recht liegt, dessen psychiatrisches
Teilgutachten nicht überzeugt und deshalb nicht beweiskräftig ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Dezember 2014, 8C_633/2014 E. 3.2; BGE 137 V 210 E.
4.4.1.4). Diese Praxis leuchtet jedoch nicht ein, da es nicht die Aufgabe des
Versicherungsgerichts ist, den Sachverhalt zu ermitteln. Diese Aufgabe hat der
Gesetzgeber vielmehr der IV-Stelle zugewiesen (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Es wäre also
gesetzwidrig, wenn das Gericht die Sachverhaltsermittlung von der IV-Stelle
„übernehmen“ würde. Dies gilt erst Recht für einen Fall wie den vorliegenden, wo nebst
der Begutachtung weitere Abklärungen, namentlich die Einholung der
Krankengeschichte bei Dr. E._, notwendig sind und wo die Beschwerdegegnerin
weder auf das von ihr eingeholte Gutachten noch auf die Schlussfolgerung der
Administrativuntersuchung ihrer RAD-Ärztin abgestellt hat. Die psychiatrische
Neubegutachtung ist folglich durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag zu geben.
2.8 Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde wegen der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1
ATSG aufzuheben und die Sache ist zur erneuten psychiatrischen Begutachtung im
Sinne der Erwägung 2.6 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
3.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
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Verwaltung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (BGE 132 V 215 E.
6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
3.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine Honorarnote
eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.