Decision ID: caf2637c-1c2e-48f6-8411-1159588011e2
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Ehrverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom 16. Dezember 2010 (DE100003)
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Anklage
Die Anklageschrift des Anklägers vom 9. April 2008 sowie deren Bereinigung vom
26. Oktober 2010 sind diesem Urteil beigeheftet (Urk. 2/7 und 2/71).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte ist einer strafbaren Handlung nicht schuldig und wird freige-
sprochen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'800.–; über die weiteren
Kosten wird die Gerichtskasse Rechnung stellen.
3. Die Kosten werden dem Ankläger auferlegt.
4. Dem Angeklagten wird keine Umtriebsentschädigung zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) des Vertreters des Anklägers:
(Urk. 26 S. 1)
1. Es sei das Urteil der Einzelrichterin am Bezirksgericht Affoltern am Al-
bis vom 16.12.2010 aufzuheben.
2. Es sei der Angeklagte der Verleumdung im Sinne von Art. 174 Ziff. 1
StGB, evtl. der üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 StGB,
schuldig zu sprechen und mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à
Fr. 100.00, bedingt zu erlassen bei einer Probezeit von zwei Jahren,
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und einer Busse von Fr. 400.00 zu bestrafen, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen zulasten des Angeklagten.
b) des Angeklagten:
(Prot. II S. 13, sinngemäss)
Freispruch.
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Das Gericht erwägt:
I.
a) Dem Angeklagten wird vorgeworfen, er habe nach einer zunächst verba-
len Auseinandersetzung den Ankläger, der ihm in die Sanitärgarderobe des
...spitals C._ gefolgt sei, zur Seite gestossen und geschrien, dieser sei ver-
rückt geworden und wolle ihn schlagen. Dann habe er die Tür des Garderoben-
raums aufgerissen und sei schreiend in Richtung Ausgang gestürmt. Auf dem
Korridor habe der Angeklagte weiterhin laut gerufen, der Ankläger wolle ihn
schlagen. Dies habe der Ankläger selber nicht mehr hören können, weil er in der
Garderobe zurückgeblieben sei, aber nachher von einer Ärztin erfahren. Zur frag-
lichen Zeit habe sich auch die Röntgenassistentin D._ auf dem Korridor be-
funden (Urk. 2/7 S. 3/4). Der Angeklagte habe somit wider besseres Wissen ge-
genüber dem Ankläger, anderen Mitarbeitern des Spitals und allfälligen weiteren
Anwesenden die unwahre Behauptung aufgestellt, der Ankläger habe ihn schla-
gen wollen. Er habe sich somit der Verleumdung (Art. 174 Ziff. 1 StGB), zumin-
dest aber der üblen Nachrede (Art. 173 Ziff. 1 StGB) schuldig gemacht. Der weite-
re Vorwurf, dass der Angeklagte sich selber Verletzungen zugefügt und dann Fo-
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tos davon vorgelegt und behauptet habe, die Verletzungen stammten vom Anklä-
ger, wurde bei der Bereinigung der Anklage fallen gelassen (Urk. 2/71 S. 2).
b) Mit Urteil vom 16. Dezember 2010 sprach die Einzelrichterin in Strafsa-
chen am Bezirksgericht Affoltern den Angeklagten vollumfänglich frei und aufer-
legte die Verfahrenskosten dem Ankläger (Urk. 18 S. 18).
c) Gegen dieses Urteil liess der Ankläger rechtzeitig die Berufung anmelden
(Urk. 8; § 414 Abs. 1 StPO/ZH) und hernach auch fristgerecht seine Beanstan-
dungen benennen (Urk. 14, vgl. Urk. 12; § 414 Abs. 4 StPO/ZH). Er rügt damit die
vorinstanzliche Beweiswürdigung und verlangt sinngemäss einen Schuldspruch
gemäss Anklage und die Bestrafung des Angeklagten. Im Berufungsverfahren
verzichtete der Ankläger auf Beweisanträge (Urk. 22) und beantragte auch der
Angeklagte keine Beweisergänzungen. Nach der heutigen Berufungsverhandlung
erweist sich der Prozess als spruchreif.
d) Das angefochtene Urteil ist vor dem Inkrafttreten der eidgenössischen
Strafprozessordnung ergangen. Auf das Rechtsmittelverfahren bleiben daher die
Bestimmungen der zürcherischen Strafprozessordnung (StPO/ZH; LS 321) und
des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG; LS 211.1) anwendbar (Art. 453 Abs. 1
StPO).
II.
Die Verfolgung der Vergehen gegen die Ehre verjährt in vier Jahren
(Art. 178 Abs. 1 StGB). Ist vor Ablauf der Verjährungsfrist ein erstinstanzliches Ur-
teil ergangen, so tritt die Verjährung nicht mehr ein (Art. 97 Abs. 3 StGB). Letzte-
res gilt jedoch nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur für verurteilende
Erkenntnisse (BGE 134 IV 331). Ist ein Angeklagter erstinstanzlich freigesprochen
worden, so läuft die Verjährungsfrist weiter. Vorliegend ist ein Ehrverletzungsde-
likt eingeklagt, das am 13. Dezember 2007 – mithin exakt vor vier Jahren – be-
gangen worden sein soll. Der Tag der Tatbegehung wird indessen bei der Fristbe-
rechnung nicht mitgezählt (BGE 107 Ib 75 f.). Der heutige Tag ist somit vorliegend
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der letzte Tag der Verjährungsfrist. Das eingeklagte Delikt ist demnach noch nicht
verjährt. Auf die Anklage ist einzutreten.
III.
1. Unbestritten ist, dass dem Vorfall in und vor der Sanitärgarderobe eine
verbale Auseinandersetzung zwischen den heutigen Prozessparteien vorausging.
Die diesbezüglichen Schilderungen des Anklägers (Urk. 2/3/2, Urk. 2/40 S. 5-7)
und des Angeklagten (Urk. 2/41 S. 3, Prot. I S. 6) stimmen weitgehend überein.
Der Ankläger ersuchte demnach den Angeklagten, ihm bei einer Arbeit am PC
behilflich zu sein. Der Angeklagte bat ihn um etwas Geduld, weil er zuerst die
Reinigung der Narkosegeräte zu Ende führen wollte. Der Ankläger erwiderte,
dass der Angeklagte faul sei (vgl. zu dieser Phase auch die Aussagen der Zeugin
E._ (Urk. 2/64 S. 25), und begab sich in ein Büro, um am PC zu arbeiten.
Später ging auch der Angeklagte dorthin, um mit ihm zu reden bzw. – nach seinen
eigenen Angaben –, um zu fragen, wieso der Ankläger ihn anschreie. Dieser lehn-
te jedoch ein Gespräch ab, wobei der Angeklagte hierzu ausführte, der Ankläger
habe ihn erneut angeschrien und ihn zum Verschwinden aufgefordert. Etwas spä-
ter begegneten sich die beiden Männer in einem Umkleideraum erneut, wobei der
Angeklagte dem Ankläger erklärte, dass ihm übel sei und er nach Hause bzw.
zum Arzt gehe. Der Ankläger war damit nicht einverstanden. Der Angeklagte legte
jedoch das Diensttelefon hin, verliess den Raum und suchte die Garderobe der
Anästhesiepflege auf, um sich umzuziehen. Der Ankläger folgte ihm und versuch-
te, ihn vom Verlassen des Arbeitsplatzes abzuhalten.
2. Bezüglich des weiteren Geschehens gehen die Aussagen der beiden un-
mittelbar Beteiligten erheblich auseinander.
a) Der Ankläger führte dazu aus, dass der Angeklagte nun sogleich ge-
schrien habe, er (der Ankläger) sei verrückt geworden und wolle ihn schlagen.
Dann habe ihn der Angeklagte energisch zur Seite geschoben, die Türe aufgeris-
sen und sei schreiend in Richtung Ausgang gestürmt (Urk. 2/3/2, Urk. 2/40 S. 3).
Es sei nicht zu Handgreiflichkeiten gekommen (Urk. 2/40 S. 7). Da die Türe wie-
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der zugefallen sei, habe er nicht gehört, was der Angeklagte auf dem Korridor ge-
schrien habe. Er habe jedoch im nachhinein von F._ und von D._ erfah-
ren, dass der Angeklagte geschrien habe, er (der Ankläger) wolle ihn schlagen
(Urk. 2/3/2, Urk. 2/40 S. 3).
b) Der Angeklagte gab demgegenüber zu Protokoll, dass er sich umgezogen
habe und die Garderobe habe verlassen wollen. Da sei der Ankläger erschienen,
habe sich in die Türe gestellt, ihm den Weg versperrt und ihn angeschrien. Er sei
total aggressiv gewesen. Als er, der Angeklagte, habe hinausgehen wollen, habe
ihn der Ankläger nicht direkt geschlagen, sei aber "in ihn hineingesprungen" und
habe ihn am Arm gepackt (Urk. 2/41 S. 3/5, Prot. I S. 6). Er selber habe um Hilfe
geschrien, worauf der Ankläger erschrocken sei und von ihm abgelassen habe. Er
habe den Ankläger nicht zur Seite gestossen, aber zu ihm gesagt: "Wollen Sie
mich schlagen?" (Urk. 2/41 S. 4). In diesem Moment habe er begründeten Anlass
zur Annahme gehabt, dass ihn der Ankläger im nächsten Moment schlagen würde
(a.a.O., S. 8). Er sei hinausgerannt und habe um Hilfe geschrien (Prot. I S. 6). Auf
dem Korridor habe F._ ihn gefragt, was los sei (Prot. I S. 9). Er habe geant-
wortet, dass der Ankläger ihn schlagen wolle (Prot. I S. 6, 7, 9 und 11). Er habe in
diesem Moment Angst gehabt, weil ihn der Ankläger ja vorher angegriffen habe
(Urk. 2/41 S. 5). Er habe sicher nicht die Absicht gehabt, den Ankläger zu beleidi-
gen (a.a.O., S. 7). Dass er verletzt gewesen sei, hätten er bzw. seine Frau erst
zuhause bemerkt (a.a.O., S. 7, Prot. I S. 7).
c) Als erstellt gelten kann zunächst, dass der Ankläger bei der Garderoben-
tür stand und dem Angeklagten den Weg nach draussen versperrte. Dies gab er
implizite zu, indem er auf den entsprechenden Vorhalt der Untersuchungsrichterin
antwortete, es sei (dort) so eng, dass es keine andere Möglichkeit gegeben habe
(Urk. 2/40 S. 7). Letzteres erweist sich aufgrund der vom Ankläger selber einge-
reichten Grundriss-Skizze des Garderobenraums mit Massangaben (Urk. 2/42/3
S. 1) allerdings als unzutreffend. Der Ankläger hätte ohne weiteres zur Seite tre-
ten und dem Angeklagten den Weg zum Verlassen des Raums freigeben können.
Als unzutreffend erweist sich sodann die Aussage des Anklägers, dass es nicht
zu Handgreiflichkeiten gekommen sei (Urk. 2/40 S. 7), brachte er doch an anderer
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Stelle selber vor, der Angeklagte habe ihn "energisch zur Seite geschoben" und
sei aus der Garderobe gelaufen (a.a.O., S. 3; vgl. auch Urk. 26 S. 1 f.). Des weite-
ren sagte die Zeugin F._ aus, der Ankläger habe ihr (unmittelbar) nach dem
Vorfall gesagt, er habe versucht, den Angeklagten in der Garderobe zurückzuhal-
ten und ihn (hierzu) am Arm gepackt (Urk. 2/ 64 S. 5). Auch die Zeuginnen
D._ (a.a.O, S. 10) und G._ (a.a.O., S. 14/15) hatten vom Ankläger ge-
hört, dass er den Angeklagten am Arm gepackt bzw. gehalten hatte. Geschlagen
hatte er ihn jedoch gemäss dessen eigenen Angaben nicht (Urk. 2/41 S. 5). Die
Aussage des Angeklagten hingegen, dass er um Hilfe geschrien habe, findet in
den Zeugenaussagen von F._ und D._ (Urk. 2/64 S. 5 und 9) ihre Be-
stätigung. Zusammenfassend ist somit bezüglich der Geschehnisse in der Garde-
robe davon auszugehen, dass der Ankläger den Raum betrat, den Angeklagten
vom Weggehen abhalten wollte und sich so vor der Türe aufstellte, dass diesem
der Weg nach draussen versperrt war. Ausserdem packte er den Angeklagten am
Arm. Dieser schrie indessen um Hilfe und machte sich den Weg aus der Garde-
robe frei, wozu er den Ankläger zur Seite drängen musste. Dass er dabei subjek-
tiv den Eindruck hatte, dieser sei "in ihn hineingesprungen", erscheint als möglich,
spielt aber im übrigen keine Rolle. Ob der Angeklagte schon in dieser Phase des
Geschehens sagte, der Ankläger wolle ihn schlagen (vgl. Urk. 2/3/2), bleibt be-
langlos, da ausser ihm und dem Ankläger niemand im Raum war und die dort ge-
fallenen Äusserungen schon deswegen weder den Tatbestand der Verleumdung
noch denjenigen der üblen Nachrede erfüllen können. Für den vorliegenden Ehr-
verletzungsprozess ohne Bedeutung sind schliesslich auch die Verletzungen,
welche der Angeklagte bei der Auseinandersetzung in der Garderobe erlitten ha-
ben soll (vgl. Urk. 2/42/2). Davon wusste er nach eigenem Bekunden noch gar
nichts, als er nach dem Verlassen des Umkleideraums allenfalls etwas Ehrenrüh-
riges über den Ankläger sagte.
d) Bezüglich der nachfolgenden Ereignisse auf dem Korridor wird dem An-
geklagten zur Last gelegt, dass er in Gegenwart von Drittpersonen laut gerufen
habe, der Ankläger wolle ihn schlagen (Urk. 2/7 S. 3). Dies hat er in der Untersu-
chung (Urk. 2/41 S. 4), vor der Einzelrichterin (Prot. I S. 6, 7, 9 und 11) und an-
lässlich der heutigen Berufungsverhandlung (Prot. II S. 8) mehrfach als zutreffend
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bestätigt. Der eingeklagte Sachverhalt ist somit, soweit er allenfalls als Ehrverlet-
zung zu würdigen sein kann, erstellt.
e) Allfällige weitere Äusserungen des Angeklagten, der Ankläger "spinne
doch" und habe ihn "angegriffen" (vgl. Zeugenaussage D._, Urk. 2/64 S. 9),
oder gar, der Ankläger habe ihn "angegriffen" und wolle ihn "umbringen" (Zeu-
genaussage F._, Urk. 2/64 S. 5), sind nicht Gegenstand der Anklage. Ob der
Angeklagte dergleichen sagte, braucht daher nicht geprüft zu werden.
3. Die Absichten, welche der Ankläger bei der Auseinandersetzung in der
Garderobe hegte, sind Gedanken, die sich in seinem Kopf abspielten, und des-
halb einem direkten Beweis nicht zugänglich. Darauf kann einzig aufgrund der
äusseren Umstände zurückgeschlossen werden. Der Ankläger brachte hierzu vor,
dass er den Angeklagten habe dazu überreden wollen, weiterhin seine Arbeit zu
verrichten (Urk. 2/40 S. 6). Dies erscheint vor dem Hintergrund der vorangegan-
genen Ereignisse (Erw. III/1), aber auch der Tatsache, dass der Ankläger für sei-
ne Arbeit auf einen Anästhesiepfleger angewiesen war (vgl. Urk. 2/40 S. 6,
Urk. 2/64 S. 14), ohne weiteres als glaubhaft. Nach dem vorstehend Gesagten
(Erw. III/2c) ist ferner erstellt, dass er sich zu diesem Zweck im Türbereich auf-
stellte und damit dem Angeklagten den Weg nach draussen versperrte, und dass
er ihn am Arm packte. Auch der Angeklagte selbst behauptet aber nicht, dass der
Ankläger ihn schlug oder zumindest zu schlagen versuchte. Derlei wäre im Hin-
blick darauf, dass er den Angeklagten dazu bringen wollte, weiter zu arbeiten,
auch nicht zielführend gewesen. Es ist demnach davon auszugehen, dass der
Ankläger den Angeklagten nicht schlagen wollte und dessen diesbezügliche
Äusserung auf dem Korridor vor der Sanitärgarderobe objektiv nicht den Tatsa-
chen entsprach.
4. In subjektiver Hinsicht hingegen konnte die Situation in der Garderobe
dem Angeklagten durchaus als bedrohlich erscheinen. Der Ankläger wollte ihn
immerhin am Verlassen des Raumes hindern und packte ihn am Arm. Eine Be-
fürchtung des Angeklagten, dass der Ankläger ihn auch schlagen könnte, er-
scheint unter solchen Umständen nicht als abwegig. Die von den Zeuginnen
F._ und D._ gehörten Hilferufe (Urk. 2/64 S. 5 und 9) und die Aussagen
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dieser Zeuginnen, dass der Angeklagte an ihnen vorbei zum Ausgang gerannt
(F._, Urk. 2/64 S. 5) bzw. schnell und ohne zu stoppen an ihnen vorbeige-
rannt sei (D._, a.a.O., S. 9), lassen den Schluss zu, dass der Angeklagte tat-
sächlich Angst vor weitergehenden Handgreiflichkeiten hatte. Auch aus der Zeu-
geneinvernahme von H._, welcher Angestellten der Ankläger angeblich vor
Jahren einmal mit einem Lagerungskissen im Affekt auf den Kopf geschlagen ha-
ben soll, geht hervor, dass der Angeklagte aufgrund des Rufs des Anklägers ent-
sprechende Befürchtungen haben konnte (Urk. 64 S. 29). Zwar war der Vorfall
dem Angeklagten nicht im Detail bekannt, jedoch wusste er um das Gerücht, dass
zwischen den beiden etwas geschehen war (Prot. II S. 11 f.).
IV.
1. a) Der üblen Nachrede macht sich schuldig, wer jemanden bei einer an-
deren Person eines unehrenhaften Verhaltens oder anderer Tatsachen beschul-
digt oder verdächtigt, die geeignet sind, den Ruf des Betroffenen zu schädigen
(Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Erfolgt die ehrenrührige Äusserung wider besseres
Wissen, so erfüllt sie den Tatbestand der Verleumdung (Art. 174 Ziff. 1 Abs. 1
StGB). Die strafrechtlich geschützte Ehre besteht im Ruf, ein ehrbarer Mensch zu
sein, d.h. sich so zu benehmen, wie nach allgemeiner Auffassung ein charakter-
lich anständiger Mensch sich zu verhalten pflegt (Trechsel et al., StGB-
Praxiskommentar, N 1 vor Art. 173 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Äusserungen, die lediglich den guten Ruf des Betroffenen als Geschäfts- oder Be-
rufsmann zu beeinträchtigen vermögen, ohne zugleich seine Geltung als ehrbarer
Mensch in Frage zu stellen, erfüllen die genannten Straftatbestände nicht (a.a.O.,
N 3 mit weiteren Hinweisen).
b) Die Äusserung eines Spitalpflegers, der ihm fachlich vorgesetzte Arzt wol-
le ihn schlagen, betrifft nicht dessen fachliche Kompetenz und Reputation. Dem
Arzt wird damit vielmehr die Absicht zur Begehung einer Straftat (Tätlichkeiten)
und jedenfalls ein Verhalten vorgeworfen, das elementaren Anstandsregeln zuwi-
derläuft. Der vorliegend eingeklagte, vom Angeklagten eingestandene Sachver-
halt erfüllt damit in objektiver Hinsicht den Tatbestand der üblen Nachrede oder
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Verleumdung. Dass der Angeklagte die fragliche Äusserung vorsätzlich tätigte,
bedarf sodann keiner weiteren Erläuterung.
2. Wie bereits dargelegt wurde (Erw. III/3), ist nicht davon auszugehen, dass
der Ankläger den Angeklagten schlagen wollte, und entsprach somit die einge-
klagte Äusserung objektiv nicht der Wahrheit. Eine Entlastung des Angeklagten
über den Wahrheitsbeweis (Art. 173 Ziff. 2 StGB) fällt demnach ausser Betracht.
3. a) Die Einzelrichterin hat den Angeklagten jedoch zu Recht zum Beweis
zugelassen, dass er ernsthafte Gründe hatte, in guten Treuen anzunehmen, der
Ankläger wolle ihn schlagen. Dieser Entlastungsbeweis bleibt einem Beschuldig-
ten nur verwehrt, wenn er die inkriminierte Äusserung vorwiegend in der Absicht
vorgebracht hat, jemandem Übles vorzuwerfen, insbesondere wenn sie sich auf
das Privat- oder Familienleben des Betroffenen bezieht (Art. 173 Ziff. 3 StGB).
Vorliegend rief der Angeklagte unmittelbar nach der Auseinandersetzung in der
Sanitärgarderobe und gemäss den Aussagen der Zeugin F._ in einem Zu-
stand emotionaler Aufgewühltheit (Urk. 2/64 S. 5: "Er war sehr aufgebracht und
unter 'Strom'. ... Ich versuchte zu fragen, was los sei ..., doch er rannte an mir
vorbei ..."), der Ankläger wolle ihn schlagen. Unter diesen Umständen erscheint
ohne weiteres als glaubhaft, dass er die eingeklagte Äusserung unter dem Ein-
druck der unmittelbar vorangegangenen verbalen und teilweise auch handgreifli-
chen Auseinandersetzung spontan tätigte, ohne sich ihres möglicherweise ehren-
rührigen Gehalts überhaupt bewusst zu werden (vgl. Urk. 2/41 S. 7: "Nein, das
war mir nicht bewusst. Ich wurde ja angegriffen").
b) Wie bereits erörtert wurde (Erw. III/4), war das Verhalten des Anklägers
gegenüber dem allein mit ihm in der Sanitärgarderobe anwesenden Angeklagten
durchaus geeignet, diesem jedenfalls kurzfristig Angst zu machen und in ihm ins-
besondere auch die Befürchtung zu erwecken, der Ankläger würde ihn nun schla-
gen. Die Hilferufe des Angeklagten und sein von den Zeuginnen geschildertes
fluchtartiges Verlassen der Örtlichkeit bilden ein deutliches Indiz, dass der Ange-
klagte auch tatsächlich mit weitergehenden Tätlichkeiten des Anklägers rechnete.
Mit seiner Äusserung, der Ankläger wolle ihn schlagen, brachte er lediglich diese
Befürchtung zum Ausdruck, zu welcher in diesem Moment aus seiner subjektiven
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Sicht durchaus ein begründeter Anlass bestand. Es ist somit davon auszugehen,
dass er im Tatzeitpunkt aus nachvollziehbaren Gründen glaubte, seine nun als
ehrverletzend eingeklagte Äusserung sei wahr. Dies führt zur Freisprechung des
Angeklagten (Art. 173 Ziff. 2 StGB).
V.
Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdis-
positiv zu bestätigen und sind dem unterliegenden Ankläger auch die Kosten des
Berufungsverfahrens aufzuerlegen. Nachdem der vorliegende Prozess für den
Angeklagten letztlich mit nicht unerheblichen persönlichen Umtrieben verbunden
war, ist der Ankläger überdies zu verpflichten, ihm für das Berufungsverfahren ei-
ne Umtriebsentschädigung von Fr. 300.– zu bezahlen (§§ 190 und 396a
StPO/ZH).