Decision ID: 962057b9-1afe-4148-85cf-e12e142c189a
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 25. Mai 2016 bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an, da er seit 2003 methadonabhängig,
seit 2012 zunehmend depressiv sei und seit 2015 an einem Burnout leide (IV-act. 1).
A.a.
Der Versicherte hatte vom 1. Dezember 2015 bis 23. März 2016 in stationärer
Behandlung in der Psychiatrischen Klinik B._ gestanden, wo Störungen durch
Kokain: Abhängigkeitssyndrom: Gegenwärtig abstinent, aber in beschützender
Umgebung (ICD-10: F14.21), Störungen durch Opioide: Abhängigkeitssyndrom:
Gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm (80 mg
Methadon täglich, ICD-10: F11.22), eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode: mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), eine
Grenzpsychose (ICD-10: F21); Status nach polymorpher psychotischer Störung ohne
Symptome einer Schizophrenie, mit akuter Belastung sowie Probleme mit Bezug auf
Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10: Z73) diagnostiziert worden waren.
Aus der erhobenen Anamnese geht unter anderem hervor, dass er im Alter von ca. 33
Jahren während mehrerer Wochen wegen einer schweren Psychose in der Klinik C._
behandelt worden sei. Er sei seit 10 Jahren in einem Methadonprogramm und habe
seine seit 1. Januar 2002 innegehabte Stelle als Polymechaniker bei der D._ AG auf
den 30. November 2015 gekündigt, da der Vorgesetzte immer mehr Druck aufgesetzt
habe. Nach zwei Jahren fast ohne Beikonsum habe er seit Sommer wieder begonnen,
Kokain zu konsumieren (Austrittsbericht vom 23. März 2016, IV-act. 8; Angaben
Arbeitgeberin vom 3. Juni 2016, IV-act. 4). Am 2. Mai 2016 hatte der Versicherte eine
A.b.
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teilstationäre Behandlung im Psychiatriezentrum E._ aufgenommen (Arztbericht vom
3. Oktober 2016 [Posteingang], IV-act. 15).
Vom 8. Juli bis 3. Oktober 2016 erfolgte eine weitere stationäre Therapie in der
KPK B._, während welcher die Methadondosis auf die Hälfte reduziert werden konnte
(Austrittsbericht vom 3. Oktober 2016, IV-act. 16).
A.c.
Med. pract. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, KPK B._, hielt
im Arztbericht vom 31. Januar 2017 fest, aktuell bestehe eine mässige Einschränkung
der körperlichen Leistungsfähigkeit und eine mittelgradige Verminderung der
Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit. Diese wirkten sich durch kürzere
Arbeitsphasen, häufigere Pausen und ein reduziertes Tagespensum aus. In bisheriger
Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 20 % mit ca. 60%iger bis 80%iger
Leistungsfähigkeit seit dem 1. Dezember 2016. Eine angepasste Tätigkeit sei dem
Versicherten während einer bis zwei Stunden täglich zumutbar (IV-act. 24). Der
Krankentaggeldversicherer beauftragte Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, mit der Begutachtung des Versicherten. Dieser kam gemäss Bericht
vom 18. Januar 2017 zum Schluss, das Verhalten und die Lebensgeschichte des
Versicherten seien (für Suchtkranke) sehr typisch. Er lege sich nicht fest, die Auskünfte
seien nicht kohärent, es bestünden eine konsequente Schuldzuweisung und
Opferhaltung. Er sei antriebslos, emotionslos, eingeengt auf das Ziel, ganz clean zu
werden, verfüge (aber) über keine überzeugenden Konzepte, dies zu erreichen.
Eingeengt und fixiert sei er auch darauf, dass das jetzt verschriebene Trittico schuld an
seiner Schlappheit sei. In diesem Zustand sei der Versicherte nicht fähig, eine
Arbeitsleistung zu erbringen. Es bestünden keine Anhaltspunkte, dass sich sein
Zustand in absehbarer Frist verbessern werde. Es fehle ein überzeugendes, greifendes
Konzept oder eine kompetente, rasche und intensive Behandlung (IV-act. 28).
A.d.
Der Versicherte war vom 6. Januar bis 17. April 2017 in teilstationärer Behandlung
in der KPK B._ (Verlaufsbericht, med. pract. F._, KPK B._, vom 14. März 2018
[Posteingang], IV-act. 63). RAD-Ärztin Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, nahm am 10. Februar 2017 Stellung, unter Ausblendung des
Suchtleidens bestehe in adaptierten Tätigkeiten eine auf 100 % steigerbare
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 33). Die IV-Stelle sprach dem Versicherten daraufhin ein
A.e.
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Arbeitstraining in der I._ vom 11. März 2017 bis insgesamt 31. Januar 2018 zu
(Mitteilungen vom 7. März 2017, IV-act. 38, vom 22. Juni 2017, IV-act. 46, und vom
15. Januar 2018, IV-act. 56). Im (undatierten, wohl am 31. Januar 2018 verfassten)
Schlussbericht zur Massnahme wurde im Wesentlichen ausgeführt, zur Zeit sei es nicht
möglich, die Präsenzzeit auf über 50 % zu erhöhen. Eine Anstellung zu 50 % sei gut
machbar, sofern die Arbeit und Umstände am Arbeitsplatz gewisse Kriterien erfüllten
(ruhig und soweit möglich stressfrei; IV-act. 59-6). Im Rahmen der Massnahme habe
der Versicherte einen Schnuppertag in einem Shop für J._ und einen (ca. 14 Tage
dauernden, IV-act. 61-10 f.) Einsatz bei einem K._ absolviert. Vom Betreiber des
J._ habe er Ende Dezember eine Absage erhalten. Den Arbeitsversuch bei einem
K._ in L._ habe er aufgegeben, weil ihn die Leute im öffentlichen Verkehr (nach
erneuter Umstellung des Antidepressivums) zu sehr gestresst hätten und sich sein
früherer Dealer dort aufhalte (IV-act. 59-8; vgl. zum Ganzen auch Assessment- und
Verlaufsprotokoll, IV-act. 61). Med. pract. F._ hielt im Verlaufsbericht vom 14. März
2018 [Posteingang] fest, der Versicherte habe eindeutige Konzentrationsstörungen
sowie Symptome der Reizüberflutung beschrieben. Er habe sich als psychisch nicht
ausreichend stabil erwiesen und nach dem Schnuppertag im Geschäft für J._
deutliche Anzeichen für eine erheblich reduzierte psychische Belastbarkeit geschildert,
die ihn an die psychotische Symptomatik im Jahr 1998 erinnert hätte. Es sei ihm von
ärztlicher Seite von weiteren Arbeitsversuchen abgeraten worden. Seit 5. Februar 2018
sei er erneut in teilstationärer Behandlung. Er habe ihn wegen des gesundheitlichen
Risikos im Falle eines fortgesetzten Arbeitseinsatzes ab 6. Februar 2018 zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 63). Die Eingliederungsverantwortliche schloss den
Fall per 23. Februar 2018 ab (IV-act. 61-11 f.).
Im Hinblick auf eine Begutachtung wurde dem Versicherten eine dreimonatige
Abstinenz auferlegt (RAD-Stellungnahme vom 28. März 2018, IV-act. 64; Aufforderung
vom 21. Juni 2018, IV-act. 69; Mahn- und Bedenkzeitverfahren vom 12. Oktober 2018,
IV-act. 77). Med. pract. F._ führte im Arztbericht vom 29. Oktober 2018 im
Wesentlichen aus, das Konzentrationsvermögen des Versicherten sei
krankheitsbedingt erheblich beeinträchtigt, die Aufmerksamkeitsspanne sei auf ein
Minimum verkürzt. Bereits einfache administrative Aufgaben könnten ihn belasten und
überfordern. Das Konzentrationsniveau könne derzeit für maximal eine halbe bis eine
A.f.
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ganze Stunde auf einem hinreichenden Level gehalten werden. Darüber hinaus sei
aufgrund einer raschen Ermüdbarkeit auch die körperliche Belastbarkeit zeitlich
beschränkt. Der Wiedereingliederungsversuch im Jahre 2017 habe Hinweise für eine
erheblich eingeschränkte Arbeitsfähigkeit selbst unter reduziertem Leistungsanspruch
und adaptierten Bedingungen ergeben. Der Versicherte sei deshalb für nicht absehbare
Dauer im ersten Arbeitsmarkt zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act. 82).
Die IV-Stelle beauftragte am 7. Dezember 2018 Prof.Dr.med. M._, FMH
Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, mit der psychiatrischen Begutachtung des
Versicherten (IV-act. 86). Der Gutachter veranlasste ein MRT des Neurocraniums und
eine neuropsychologische Zusatzuntersuchung bei Dipl. Psych. N._ (IV-act. 88). Er
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10:
F33.4), im Verlauf mittelgradig (ICD-10: F33.1), psychische und Verhaltensstörungen
durch Opioide; Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich
überwachten Ersatzdrogenprogramm (ICD-10: F11.22) sowie Störungen durch Kokain:
Schädlicher Gebrauch, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F14.1). Er führte aus, wie
bereits durch den Vorgutachter Dr. G._ beschrieben, habe der Versicherte eine
"typische Suchtkarriere" mit einer dazu adäquaten Verhaltensweise geboten.
Externalisierungen mit Schuldzuweisungen und motivational ich-bezogene
Äusserungen hätten das Gespräch dominiert. Es sei schwierig gewesen, eine echte
Motivation und eine ernst gemeinte Anstrengungsbereitschaft für eine
Widereingliederung zu erkennen (IV-act. 93-67). Während der Begutachtung seien ein
stark süsslicher Geruch, übermässiges Schwitzen und eine zunehmende innere
Unruhe, ähnelnd einer Entzugssymptomatik, aufgefallen (IV-act. 93-54, 67). Die
angegebene Störung der Durchhaltefähigkeit mit Absinken der Konzentrationsfähigkeit
und die laut werdenden, nicht beherrschbaren Gedanken und die frühzeitige
Erschöpftheit hätten weder in der mehrstündigen psychiatrischen noch in der
neuropsychologischen Zusatzuntersuchung auch nur ansatzweise objektiv
nachvollzogen werden können. Psychopathologisch hätten keine Auffälligkeiten
bestanden. Ein MRI des Neurocraniums sei ohne Hinweise auf strukturelle
Folgeschäden des langjährigen Substanzkonsums gewesen. Zeichen einer akuten
polymorphen Störung hätten nicht bestanden (IV-act. 93-68). Gesamthaft sei aus
psychiatrisch-neuropsychologischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in
A.g.
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zuletzt ausgeübter und in adaptierter Tätigkeit auszugehen. Die Einschätzung des
Verlaufs sei schwierig, da der behandelnde Psychiater von einer nicht objektivierbaren
und nachvollziehbaren Symptomkonstellation ausgegangen sei. Die Beurteilung sei
unter Einbezug bildgebender Verfahren und einer objektivierenden
neuropsychologischen Diagnostik erfolgt, während die Einschätzung des
behandelnden Psychiaters ausschliesslich klinisch erfolgt sei. Die Gründe für die
Diskrepanz der Arbeitsfähigkeitsschätzung blieben schlussendlich offen;
möglicherweise habe sich der behandelnde Psychiater durch die subjektiven Angaben
des Versicherten sehr stark leiten lassen. Auch im Verlauf sei von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 93-74 f.).
RAD-Ärztin Dr. H._ nahm am 6. Februar 2019 Stellung, das Gutachten sei
ausführlich, in sich schlüssig und nachvollziehbar. Es könne darauf abgestellt werden
(IV-act. 96). Mit Vorbescheid vom 1. März 2019 gewährte die IV-Stelle dem
Versicherten das rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des
Leistungsbegehrens (IV-act. 99). Mit Einwand vom 25. April 2019 liess der Versicherte
geltend machen, er lebe heute konsumfrei und methadonfrei. Massgebend sei nicht
mehr die Diagnose, sondern die funktionelle Auswirkung der Störung. Zudem sei
Prof. M._ wirtschaftlich (von den IV-Stellen) abhängig. Er - der Versicherte - sei
aufgrund seines psychischen und chronifizierten Leidens auf berufliche Massnahmen
der IV angewiesen. Sinngemäss wurde zudem vorgebracht, entgegen der Annahme
des Gutachters sei die Depression nicht remittiert (IV-act. 106-1 ff.). Der behandelnde
med. pract. F._ nahm am 29. April 2019 Stellung zum Gutachten (IV-act. 108-2 ff.),
wozu sich RAD-Ärztin Dr. H._ am 3. Juni 2019 unter anderem dahingehend äusserte,
im Einwand würden keine neuen medizinischen Tatsachen vorgebracht (IV-act. 109).
A.h.
Mit Verfügung vom 19. Juni 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab. Zur
Begründung hielt sie fest, die Einwände vom 25. April 2019 seien geprüft worden. Sie
führten zu keinem anderen Ergebnis, da keine neuen Fakten geltend gemacht würden.
Es werde auf die beiliegende RAD-Stellungnahme vom 3. Juni 2019 verwiesen (IV-
act. 110).
A.i.
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B.
Mit Beschwerde vom 13. August 2019 (act. G 1) und deren Ergänzung vom
19. September 2019 (act. G 3) beantragt A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer),
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. M. Boltshauser, die Verfügung vom 19. Juni 2019
sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben. Es seien zusätzliche
medizinische Abklärungen durchzuführen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu
weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Weiter sei ihm die
unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Er lässt ausführen, das Gutachten von
Prof. M._ weise erhebliche Mängel auf, weshalb nicht darauf abzustellen sei. Gemäss
dem behandelnden med. pract. F._ bestehe die depressive Störung seit mehreren
Jahren und sei nicht remittiert. Der Gutachter stütze sich nicht (nur) auf objektive
Befunde, sondern (auch) auf seine Mutmassungen. Er erkläre, eine Einschätzung zum
Verlauf sei nicht möglich. Ohnehin sei für die retrospektive Beurteilung auf die Berichte
der behandelnden Ärzte abzustellen. Während des Arbeitstrainings sei er als motiviert
und engagiert wahrgenommen worden. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der
Gutachter seine Motivation in Frage stelle. Seine krankheitsbedingte Belastungsgrenze
sei mehrfach erprobt worden und liege bei 50 %. Damit sei auf die Beurteilung der
Arbeitsintegrationsexperten abzustellen. Zudem diskreditiere der Gutachter die
Eingliederungsexperten in unzulässiger und generalisierender Weise. Entgegen der
Annahme des Gutachters fänden die ambulanten Behandlungen nicht monatlich,
sondern wöchentlich statt. Es werde bestritten, dass sich der behandelnde Psychiater
von seinen Aussagen habe leiten lassen. Unzutreffend sei auch die Deutung seines
Schwitzens während der Behandlung als Entzugserscheinung. Er sei seit Jahren
abstinent. Die Laborbefunde liessen sich durch gelegentlichen Alkoholkonsum und die
einmalige Einnahme von Lorazepam aus Furcht vor der bevorstehenden Begutachtung
erklären. In einem Entscheid vom 9. Januar 2019 habe das Versicherungsgericht
aufgrund der finanziellen Abhängigkeit des Gutachters dessen Unbefangenheit in Frage
gestellt. Das vorliegende Gutachten weise schwerwiegende Mängel auf, weshalb
darauf nicht abgestellt werden könne. Gemäss neuer Rechtsprechung dürfe einem
Abhängigkeitssyndrom bzw. einer Substanzkonsumstörung nicht mehr von vornherein
jegliche IV-rechtliche Relevanz abgesprochen werden.
B.a.
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Am 2. Oktober 2019 zieht der Beschwerdeführer das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege zurück (act. G 6).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 30. Oktober 2019 beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Das Gutachten von Prof. M._
erfülle die vom Bundesgericht gestellten Anforderungen an den Beweiswert und sei
beweiskräftig. Er leite die Diagnosen gestützt auf die objektiven Befunde, die
Verhaltensbeobachtung, den Tagesablauf, die Anamnese und auch die Beobachtungen
anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung her. Aufgrund des unauffälligen
Psychostatus, der unauffälligen neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse und
des MRI-Befunds sowie des strukturierten Tagesablaufs sei nachvollziehbar, dass der
Beschwerdeführer nicht an einem die Arbeitsfähigkeit einschränkenden
Gesundheitsschaden leide. Daran ändere auch die neue Rechtsprechung zu
Abhängigkeitssyndromen nichts, da sich die diagnostizierten psychischen und
Verhaltensstörungen durch Opioide auf die objektiven Befunde, das Verhalten und den
Tagesablauf nicht negativ auswirkten. Bezüglich Benzodiazepine sei fraglich, ob
überhaupt ein Abhängigkeitssyndrom einwandfrei diagnostiziert werden könne. Dass
der Gutachter diesbezüglich den Sachverhalt nicht vollumfänglich habe klären können,
sei im Ergebnis unerheblich, da weder an der mehrstündigen psychiatrischen noch an
der mehrstündigen neuropsychologischen Untersuchung eine frühzeitige Erschöpfung
habe festgestellt werden können. Die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten
und Arbeitsleistungen sei in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die
Eingliederungsfachleute auf Grundlage der von ihnen erhobenen subjektiven
Arbeitsleistung zu beantworten. Es sei eine Erfahrungstatsache, dass behandelnde
Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen würden. Die während der stationären
und tagesklinischen Klinikaufenthalte vorliegende 100%ige Arbeitsunfähigkeit sei
jeweils nur vorübergehend gewesen. Im Weiteren bestünden keine Hinweise dafür,
dass der Gesundheitszustand retrospektiv schlechter gewesen sei, womit rückwirkend
nicht von einer wesentlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
könne. Aufgrund des vom Beschwerdeführer angerufenen Entscheids des
Versicherungsgerichts vom 9. Januar 2019 könne nicht generell auf eine
Unverwertbarkeit aller Gutachten von Prof. M._ geschlossen werden (act. G 8).
B.c.
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Erwägungen
1.
Mit Replik vom 2. Dezember 2019 macht der Beschwerdeführer unter anderem
geltend, der Gutachter habe nicht nur eine von den Arbeitsintegrationsexperten
abweichende Einschätzung vorgenommen, sondern deren Arbeit und Fähigkeiten in
Frage gestellt, was nicht Aufgabe eines Gutachters sei. Entgegen der
Beschwerdegegnerin könne einem Bericht eines behandelnden Arztes nicht a priori
jeglicher Beweiswert abgesprochen werden und stünden Hausärzte im engsten
Kontakt mit den Versicherten. Die Kritik med pract. F._s am Gutachten sei fundiert.
Der Entscheid des Versicherungsgerichts vom 9. Januar 2019 betreffe nicht bloss
einen Einzelfall. Es sei davon auszugehen, dass Prof. M._ im Zweifelsfall eher
zugunsten der beauftragenden IV-Stelle entscheide. Aus diesem Grund sei das
Gutachten kritisch zu beurteilen und könne darauf nicht abgestellt werden (act. G 10).
Als Bestandteil der Replik lässt der Beschwerdeführer eine undatierte, von ihm selbst
verfasste Stellungnahme zur Begutachtung und zum Gutachten einreichen
(act. G 10.1).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 18. Dezember 2019 auf eine Duplik
(act. G 12).
B.e.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 289 E. 3.2;
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016, 8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist
1.2.
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zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden objektiviert werden können und sich
auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 427 E. 6). Für
somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren
mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6). Mit BGE 145 V 215 hat
das Bundesgericht entschieden, dass fortan - gleich wie bei allen anderen psychischen
Erkrankungen (vgl. BGE 143 V 409 und 418) - auf der Grundlage eines strukturierten
Beweisverfahrens (Standardindikatorenprüfung) nach BGE 141 V 281 zu ermitteln ist,
ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes
Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person
auswirkt. Dabei kann und muss im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens
insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung
getragen werden (BGE 145 V 215 E. 6.3 und E. 7 S. 228; Urteil des Bundesgerichts
vom 17. Februar 2021, 8C_701/2020, E. 4). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
1.4.
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Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Im Sinne einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
Die Rechtsanwendenden prüfen insbesondere, ob die Ärzte ausschliesslich
funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folge der gesundheitlichen
Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 1 erster Satz ATSG), sowie, ob die
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektiver Grundlage erfolgt
ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG). Recht und Medizin tragen je nach ihren fachlichen
und funktionellen Zuständigkeiten zur Festlegung ein und derselben Arbeitsunfähigkeit
bei. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des
strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung
überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der
Indikatoren widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben
Rechnung tragen (BGE 141 V 307, E. 5.2.2 f., BGE 144 V 54, E. 4.3). Berücksichtigen
die Experten die in BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend, hat ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung auch aus Sicht der Rechtsanwendenden Bestand.
Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet
(BGE 145 V 368 f., E. 4.3).
1.5.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
1.6.
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2.
3.
Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.7.
Der Beschwerdeführer war ab 1. Dezember 2015 in stationärer Behandlung in der
psychiatrischen Klinik B._ und bis zum 30. November 2016 zu 100 % und ab
1. Dezember 2016 zu 80 % arbeitsunfähig geschrieben (Arztbericht med. pract. F._
vom 31. Januar 2017, IV-act. 24, und ärztliches Zeugnis med. pract. F._ vom
30. November 2016, Fremdakten, act. 2-12). Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG dauerte somit bis zum 30. November 2016. Bei Anmeldung am 25. Mai 2016 (IV-
act. 1) besteht ein allfälliger Rentenanspruch frühestens nach Ablauf der
sechsmonatigen Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG, mithin ab 1. Dezember 2016.
2.1.
Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung bildet das psychiatrische
Gutachten von Prof. M._ vom 31. Januar 2019 (IV-act. 93). Dieses ist im Folgenden
auf seine Beweistauglichkeit zu prüfen.
2.2.
Der Beschwerdeführer bringt zunächst vor, Prof. M._ sei aufgrund des Volumens
an Aufträgen seitens der IV-Stelle St. Gallen befangen. Weiter lasse auf
Voreingenommenheit schliessen, dass er geäussert habe, er sei als Gutachter
gewohnt, aus den Wiedereingliederungseinrichtungen oftmals Berichte mit wenig
realitätsnahen Einschätzungen bei unzureichender Distanzierungsfähigkeit der
3.1.
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Berichterstattenden zu lesen (IV-act. 93-67). Gemäss konstanter bundesgerichtlicher
Rechtsprechung vermögen weder das blosse Auftragsvolumen bei einem Gutachter
oder einer Gutachterstelle bzw. der regelmässige Beizug derselben (Urteile des
Bundesgerichts vom 4. September 2020, 9C_212/2020, E. 4.1, vom 29. Januar 2019,
9C_704/2018, E. 5.1, vom 25. Oktober 2016, 8C_354/2016, E. 5 und vom 29. Mai
2015, 8C_467/2014, E. 4) noch eine starke Abweichung bei der Auswertung der
Häufigkeitsverteilung von attestierten Arbeitsunfähigkeitsgraden für sich allein
genommen objektiv den Anschein von Befangenheit eines Gutachters oder einer
Gutachterstelle zu wecken. Auch kritische Äusserungen zu behandelnden Ärzten (Urteil
des Bundesgerichts vom 19. August 2016, 9C_276/2016, E. 3.1.2 mit Hinweis) und
analog auch zu Eingliederungsinstitutionen reichen dafür nicht aus. Für die Annahme
des Vorliegens einer Befangenheit bedarf es weiterer, die konkrete Begutachtung
betreffende Umstände (Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2020, 9C_25/2020,
E. 5.1.2.2), welche vorliegend vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht werden.
Überdies steht die Zurückhaltung des Gutachters gegenüber der Einschätzung der
Eingliederungseinrichtung im Kontext zur vorangehenden Aussage, dass im Gespräch
Externalisierungen und Schuldzuweisungen des Beschwerdeführers dominiert hätten
und es schwierig gewesen sei, eine echte Motivation und ernst gemeinte
Anstrengungsbereitschaft zur Wiedereingliederung zu erkennen (IV-act. 93-67). Die
Aussage des Gutachters ist also nicht pauschal, sondern konkretisiert.
Es finden sich Diskrepanzen zwischen den Ausführungen des Gutachters bzw.
dem Gutachten einerseits und den Aussagen des Beschwerdeführers bzw. des ihn
behandelnden med. pract. F._ andererseits. So führte med. pract. F._ in der
Stellungnahme vom 29. April 2019 aus, der Beschwerdeführer habe ihm eindeutig
geschildert, dass der Gutachter eine Elekroencephalographie (EEG) habe durchführen
lassen, welche im Gutachten nicht erwähnt sei (IV-act. 108-4). RAD-Ärztin Dr. H._
führte dazu in ihrer Stellungnahme vom 3. Juni 2019 nachvollziehbar aus, in den Akten
fänden sich keine Anhaltspunkte für eine entsprechende Indikation (IV-act. 109). Weiter
ist in der gutachterlichen Anamnese vermerkt, die ambulante psychiatrische
Behandlung bei med pract. F._ finde einmalig im Monat statt (IV-act. 93-52). Aus
dem Arztbericht vom 29. Oktober 2018 geht lediglich hervor, dass der
Beschwerdeführer in laufender, regelmässiger ambulanter Behandlung sei, letztmals
am 9. Oktober 2018 (IV-act. 82). In der Stellungnahme vom 29. April 2019 hielt med.
pract. F._ fest, entgegen dem Gutachten fänden die Therapiesitzungen wöchentlich
statt (IV-act. 108-3). Bezüglich des Substanzkonsums führte der Gutachter an, bei der
Untersuchung sei ihm aufgefallen, dass der Beschwerdeführer zunehmend geschwitzt
habe, unruhig geworden sei und von ihm ein stark süsslicher Geruch ausgegangen sei.
3.2.
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4.
Die Symptomatik habe stark jener eines Entzuges geähnelt. Gemäss Gutachten gab
der Beschwerdeführer an, ausschliesslich Subutex 6 mg und Wellbutrin 300 mg
erhalten zu haben (IV-act. 93-53). Demgegenüber machten er bzw. med. pract. F._
nach der Begutachtung geltend, er habe aus Furcht vor der bevorstehenden
Begutachtung einmalig Lorazepam eingenommen, welches er von med. pract. F._ in
Reserve erhalten habe. Er habe den Gutachter darüber informiert (IV-act. 108-2;
act. G 3-8; act. G 10.1). Dieser wolle ihm Drogenkonsum unterstellen und damit ein
schlechtes Licht auf ihn werfen (act. G 3-8).
Das Urindrogenscreening war jedoch auf Ethylglucuronid und Benzodiazepine
positiv, obwohl - so der Gutachter - med. pract. F._ den Beschwerdeführer für
glaubhaft abstinent halte und dieser die Einnahme von Benzodiazepinen bestritten
habe. Es erscheint somit nachvollziehbar, dass der Gutachter eine
Entzugssymptomatik diskutierte. Auch seine Aussage, der Beschwerdeführer sei sehr
erfahren mit Drogen und Substanzen und im Verschleiern der Symptome (letzte
Anstellung; IV-act. 93-54, 67), ist begründet. Sie verweist auf die Anamnese des
Beschwerdeführers, er habe im Arbeitsumfeld seine Sucht verheimlicht (Austrittsbericht
der psychiatrischen Klinik B._ vom 3. Oktober 2016, IV-act. 16) bzw. der Arbeitgeber
habe nichts von seiner Drogenvergangenheit und seinem Drogenkonsum gewusst (IV-
act. 93-45). Wie noch darzulegen sein wird, konnte der Gutachter keine sich auf die
quantitative Arbeitsfähigkeit auswirkenden funktionellen Beeinträchtigungen feststellen,
sodass er dem Beschwerdeführer in adaptierten Tätigkeiten eine vollumfängliche
Arbeitsfähigkeit attestierte. Dieses Ergebnis wird durch die von ihm gehegten Zweifel
an der Abstinenz des Beschwerdeführers (gerade) bekräftigt. Gesamtbetrachtend kann
somit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Befangenheit des
Gutachters ausgegangen werden, welche die Beweistauglichkeit von vornherein
einschränkt.
3.3.
Nachfolgend ist die Beweistauglichkeit in materieller Hinsicht noch eingehender zu
prüfen. Der Beschwerdeführer beklagte sich anlässlich der Begutachtung über
Reizüberflutungssituationen (Probleme mit lauten Geräuschen und grossen
Menschenansammlungen) und vorzeitige Erschöpfbarkeit. Die Durchhaltefähigkeit sei
eingeschränkt. Er berichtete über laut werdende Gedanken, die er nicht beherrschen
könne. Er könne seine Gedanken nicht "abstellen". Dies führe zu
Konzentrationsstörungen und frühzeitiger Erschöpfbarkeit. In sozialen Kontakten sei er
schnell überfordert und müsse sich zurückziehen (IV-act. 93-41, 50). Er habe Kontakte
zu Menschen, die drogenabhängig gewesen seien, abgebrochen und habe nur noch
4.1.
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selten soziale Kontakte. Dies entspreche seinem Wunsch. Soziale Kontakte würden ihn
anstrengen wegen seiner Probleme. Bis 2014 habe er in einer Rockband gespielt. Er
spiele Schlagzeug (IV-act. 93-44). Er wolle kein Methadon mehr nehmen, da dies
ähnlich wie der Konsum von Heroin stigmatisiere. Es sei ihm schon immer schwer
gefallen, sich zu konzentrieren. Schlafstörungen habe er seit 2004. Unter chronischem
Kokainkonsum sei er schwer depressiv geworden. Mit Wellbutrin gehe es ihm
stimmungsmässig besser. Aktuell habe er lediglich leichte Stimmungsschwankungen,
womit er zurecht komme (IV-act. 93-50). Den Tagesverlauf beschreibt er hauptsächlich
geprägt durch Lesen, Spaziergänge mit dem Hund und Nutzung des Internets (IV-
act. 93-51). Die ADL-Kompetenzen (Activities of Daily Living) seien nicht eingeschränkt,
im Haushalt könne er alle Arbeiten erledigen (IV-act. 93-51).
Gemäss Prof. M._ erschien das Langzeitgedächtnis in der
Untersuchungssituation (im Januar 2019) intakt. Es hätten sich allerdings Hinweise auf
gewisse Zeitgitterstörungen ergeben. Konzentration und Aufmerksamkeit seien nicht
herabgesetzt gewesen oder im Verlauf der Untersuchung wesentlich abgefallen. Im
Denken bestehe Stimmenhören im Sinne von Gedankenlautwerden. Die
Grundstimmung sei indifferent und weder zum negativen noch zum positiven Pol
verschoben. Vorzeitige Erschöpfbarkeit und vermehrte Müdigkeit würden angegeben.
Freudfähigkeit und Interessen seien nicht eingeschränkt. Die Psychomotorik sei
anfänglich ruhig gewesen und einer zunehmenden Unruhe gewichen. Der Antrieb sei
nicht wesentlich reduziert. Es bestehe ein mässiges soziales Rückzugsverhalten (IV-
act. 93-56). In der neuropsychologischen Testung erbrachte der Beschwerdeführer in
ruhiger Umgebung ohne grosse Störreize in nahezu allen durchgeführten Testverfahren
unauffällige Resultate im erwarteten, durchschnittlichen Bereich und zum Teil auch
überdurchschnittliche Leistungen (IV-act. 93-60, 83). Ein MRT des Neurocraniums war
unauffällig und ergab insbesondere keine strukturelle Schädigung aufgrund des
jahrelangen Konsums (IV-act. 93-58, 68). Demgegenüber hatte der behandelnde
Psychiater med. pract. F._ am 29. Oktober 2018 folgenden Befund geschildert:
Aufmerksamkeit und Konzentration seien vermindert, die Psychomotorik deutlich
verlangsamt, die Mimik selten diskret grimassierend. Im Gespräch zeigten sich
Hinweise für eine mittelgradige Gedächtnisstörung. Das formale Denken sei
verlangsamt, inhaltlich eingeengt auf eine Perspektivelosigkeit mit Zukunfts- und
Existenzängsten. Im Affekt sei der Beschwerdeführer mittelgradig depressiv
herabgestimmt, etwas ratlos wirkend, ängstlich, diskret gereizt, innerlich unruhig,
klagsam, ambivalent. Die vorbestehenden Ein- und Durchschlafstörungen hätten
zugenommen. Das Konzentrationsvermögen sei krankheitsbedingt erheblich
beeinträchtigt, die Aufmerksamkeitsspanne sei auf ein Minimum verkürzt. Bereits
4.2.
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einfache administrative Aufgaben könnten den Versicherten belasten und überfordern.
Das Konzentrationsniveau könne derzeit für maximal eine halbe bis eine ganze Stunde
auf einem hinreichenden Level gehalten werden. Darüber hinaus sei aufgrund einer
raschen Ermüdbarkeit auch die körperliche Belastbarkeit zeitlich beschränkt (IV-
act. 82). Sodann führte med. pract. F._ in der Stellungnahme vom 29. April 2019 aus,
der Versicherte habe anlässlich des Schnuppertags im J._ psychosenahe Symptome
entwickelt, weshalb ihm aufgrund der gesundheitlichen Gefährdung im Falle einer
Berufstätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei (IV-act. 108). Der
Beschwerdeführer selbst erklärt die unterschiedliche Beurteilung seiner kognitiven
Fähigkeiten (nebst der Wirkung von Adrenalin) vor allem mit der angepassten, ruhigen
und wohlwollenden Atmosphäre, in der die neuropsychologischen Tests stattgefunden
hätten. Auch habe er seine Leistung in der I._ nur dank eines ruhigen Arbeitsplatzes
in einem geschlossenen Raum erbringen können. Es falle ihm schwer, seine
Empfindungen, Gedanken und seelischen Nöte sichtbar zu machen oder zu
artikulieren. Da er über Jahre ein funktionierendes Bild habe abgeben müssen, verfalle
er in Stresssituationen in eine Art Überlebensmodus, in dem er scheinbar ruhig und
gelassen wirke und dazu neige, Dinge schön zu reden, da der Wunsch, alles möge in
Ordnung sein, überwiege (act. 10.1).
Was die kognitive Leistungsfähigkeit betrifft, ist festzuhalten, dass die Befunde des
Gutachters durch eine neuropsychologische Untersuchung im Vergleich zu jenen von
med. pract. F._ zusätzlich objektiviert sind. Die von med. pract. F._ angeführten
Symptome während des Schnuppertages im J._ vermögen eine dauerhafte
vollständige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht überzeugend zu begründen. Für
die vom Beschwerdeführer angeführte Dissimulation ergeben sich aus den Akten keine
hinreichenden objektiven Hinweise, insbesondere wird keine entsprechende
Beeinträchtigung der Persönlichkeit diagnostiziert oder diskutiert.
4.3.
In Anbetracht der im Rahmen der Begutachtung erhobenen psychopathologischen
und neuropsychologischen Befunde erscheint nachvollziehbar, dass keine
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit attestiert werden konnten. Aufgrund der Angaben
des Beschwerdeführers und der von der Hausärztin erhobenen Urinproben ist davon
auszugehen, dass kein regelmässiger und beeinträchtigender Beikonsum (mehr)
besteht. Dass die Abhängigkeitserkrankung die Arbeitsfähigkeit nicht massgeblich
beeinträchtigt, erscheint auch plausibel, weil der Sinn der Heroinsubstitution durch
Methadon und später Subutex gerade darin besteht, konsumbedingte
Beeinträchtigungen zu minimieren. Eine solche Behandlungsmassnahme kann von
Suchtkranken im Sinne der Schadenminderungs- bzw. Mitwirkungspflicht verlangt
4.4.
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5.
werden, soweit sie im konkreten Fall zumutbar ist (Art. 7 Abs. 1 und 2 IVG; Art. 7a IVG;
Urteile des Bundesgerichts vom 7. November 2019, 9C_309/2019, E. 4.2.2, und vom
22. Mai 2019, 8C_741/2018, E. 4.1 mit Hinweis). Der Gutachter hielt als Inkonsistenz
fest, dass der Beschwerdeführer im Methadonprogramm jahrelang Beikonsum gepflegt
habe und jetzt einen kompletten Ausstieg wünsche, ohne je eine
Entwöhnungsbehandlung durchlaufen zu haben (IV-act. 93-53). Dass die mittelgradige
Depression unter Wellbutrin zumindest insoweit remittiert ist, dass sie die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht mindert, deckt sich zum einen mit den
vom Gutachter erhobenen Befunden unter Berücksichtigung, dass sich die beklagte
vorzeitige Erschöpfbarkeit und vermehrte Müdigkeit während den mehrstündigen
(zwei- und dreistündigen auch gemäss dem Beschwerdeführer, act. G 10.1)
Untersuchungen nicht feststellen liessen (IV-act. 93-56, 68). Zum anderen gab der
Beschwerdeführer selber an, unter Wellbutrin gehe es ihm aktuell stimmungsmässig
besser. Er habe nur noch leichte Stimmungsschwankungen, mit denen er
zurechtkomme (IV-act. 93-50). Was die abweichende Beurteilung durch die I._
betrifft, gehen dieser ärztliche Einschätzungen grundsätzlich vor (Urteile des
Bundesgerichts vom 8. Januar 2019, 8C_334/2018, E. 4.2.1, und vom 27. Juni 2018,
8C_48/2018, E. 4.3.1). Zudem endete die Massnahme am 31. Januar 2018, ein Jahr vor
der Begutachtung durch Prof. M._ (IV-act. 59, 93).
Zusammenfassend hat der Gutachter nachvollziehbar dargelegt und ergibt sich
aus der Indikatorenprüfung (ausreichendes Funktionsniveau für den Alltag, keine
psychiatrische Komorbidität oder Begleiterkrankung, diverse Inkonsistenzen,
motivationale Aspekte sowie mögliche Therapieoptionen), dass der Beschwerdeführer
weder durch die depressive noch durch die Suchterkrankung unter andauernden
funktionellen Einschränkungen leidet (vgl. zur Prüfung invalidisierender Auswirkungen
einer Abhängigkeitserkrankung via Standardindikatoren Urteil des Bundesgerichts vom
17. Februar 2021, 8C_701/2020, insbesondere E. 6.2.3). Auf das Gutachten ist daher
insoweit abzustellen, als der Beschwerdeführer ab dem Zeitpunkt der Begutachtung in
der angestammten sowie in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist.
4.5.
Zum retrospektiven Verlauf führte der Gutachter aus, die Einschätzung des
Verlaufs sei schwierig, da der behandelnde Psychiater von einer nicht objektivierbaren
und nachvollziehbaren Symptomkonstellation ausgegangen sei. Aus gutachterlicher
Sicht seien die objektiven Fakten massgebend, die keine Psychopathologika, keine
strukturellen Läsionen und keine neuro-kognitiven Störungen auswiesen. Letztendlich
blieben die Gründe für die maximal diskrepante Einschätzung des behandelnden
5.1.
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Psychiaters offen. Daher könne er auch im Verlauf keine Arbeitsunfähigkeit attestieren.
Während der stationären und tagesklinischen Aufenthalte habe natürlich
definitionsgemäss eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (IV-act. 93-74).
Der Beschwerdeführer war vom 1. Dezember 2015 bis 23. März 2016 in stationärer
(Austrittsbericht psychiatrische Klinik B._ vom 23. März 2016, IV-act. 8), vom 2. Mai
bis 3. Juni 2016 in teilstationärer (Arztbericht Psychiatrie-Zentrum E._ vom
3. Oktober 2016 [Posteingang], IV-act. 15) und vom 8. Juli bis 3. Oktober 2016
wiederum in stationärer (Austrittsbericht psychiatrische Klinik B._ vom 3. Oktober
2016, IV-act. 16) Behandlung. Somit Bestand zum Zeitpunkt des Beginns eines
allfälligen Rentenanspruchs am 1. Dezember 2016 (E. 2.1) und darüber hinaus keine
längerfristige durch zeitlich anspruchsvolle Therapien begründete vollumfängliche
Arbeitsunfähigkeit mehr. Dr. G._ kam in seinem Gutachten vom 18. Januar 2017 zum
Schluss, der Beschwerdeführer sei eingeengt und fixiert darauf, dass die
Krankenversicherung durch die Ablehnung der Kostenübernahme für die weitere
teilstationäre Therapie ihn um eine Chance gebracht habe, und darauf, dass die neu
verordneten Medikamente Schuld an seiner aktuellen Schlappheit seien. In diesem
Zustand sei er nicht fähig, eine Arbeitsleistung zu erbringen. Mangels eines
überzeugenden greifenden Konzepts sehe er keine Chance, dass sich daran innert
nützlicher Zeit etwas ändere (Fremdakten, act. 2-9). Dr. G._ wies dabei auf eine
fehlende kompetente, rasche und intensive Behandlung hin und ging nicht davon aus,
dass dem Beschwerdeführer eine solche nicht zumutbar wäre. Seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist somit nicht massgebend, da sie unter Ausblendung der
Selbsteingliederungspflicht erfolgte. RAD-Ärztin Dr. H._ nahm denn auch gestützt
darauf - unter Ausblendung des Suchtleidens bzw. einer begleitenden Abstinenz
hinsichtlich des Beikonsums als flankierende Massnahme - in adaptierten Tätigkeiten
eine auf 100 % steigerbare Arbeitsfähigkeit an (Stellungnahme vom 10. Februar 2017,
IV-act. 33). Vom 13. März 2017 bis 31. Januar 2018 erfolgte das Arbeitstraining, wobei
eine Präsenzzeit von 50 % und eine Leistungsfähigkeit von 70 % bis 80 % erreicht
werden konnten (IV-act. 59). Der Gutachter kannte und würdigte diesen Bericht. Wie
bereits im Zusammenhang mit der Frage der Befangenheit dargelegt wurde, vermag
dieser Bericht die gutachterliche Einschätzung nicht zu entkräften. Med. pract. F._
erhob gemäss Berichten vom 14. März 2018 (IV-act. 63) und vom 29. Oktober 2018 (IV-
act. 83) im Wesentlichen gleich gebliebene Befunde und beschrieb keine Verbesserung
des Gesundheitszustandes bis zur Begutachtung, ebenso berichtete der
Beschwerdeführer selbst nicht von einer solchen. Zudem ist davon auszugehen, dass
sich allfällige funktionelle Beeinträchtigungen während den Jahren 2017 und 2018 nicht
mehr objektivieren lassen. Eine rentenbegründende Erwerbsunfähigkeit für diesen
5.2.
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