Decision ID: 77ba7485-e1ac-4153-9f6e-e9b06e6120fb
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gefährdung ohne verbrecherische Absicht (Art. 225 Abs. 1 StGB) etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 16. März 2016 (DG150034)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 15. Juli 2015
(HD Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet.
Beschluss der Vorinstanz:
1. Auf den Anklagevorwurf Ziff. 4 wird betreffend des geringfügigen Diebstahls
(HD) nicht eingetreten.
2. (Mitteilungssatz)
3. (Rechtsmittel)
Urteil der Vorinstanz:
1. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ folgende Tatbestände in
objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt hat:
- Gefährdung ohne verbrecherische Absicht im Sinne von Art. 225
Abs. 1 StGB,
- Vergehen gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a in
Verbindung mit Art. 15 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 WG und Art. 26 Abs. 1 lit. a
WV.
Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit erfolgt hinsichtlich
dieser Anklagevorwürfe keine Bestrafung des Beschuldigten.
2. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
- der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB,
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- des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,
- des Vergehens gegen das Chemikaliengesetz im Sinne von Art. 49
Abs. 3 lit. b in Verbindung mit Art. 8 und Art. 21 ChemG,
- des Exhibitionismus im Sinne von Art. 194 Abs. 1 StGB,
- des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbin-
dung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB,
- der Entwendung eines Fahrrades zum Gebrauch im Sinne von Art. 94
Abs. 4 SVG.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten sowie
mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von
Fr. 400.–.
4. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe sind zu vollziehen, sind jedoch durch
Haft bereits vollständig erstanden.
5. Die Busse ist zu bezahlen. Sie entspricht 4 Tagen Ersatzfreiheitsstrafe und
ist durch die Haft bereits vollständig geleistet.
6. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59
Abs. 1 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet.
Die erstandenen 513 Tage Untersuchungs- und Sicherheitshaft (gerechnet
bis und mit 16. März 2016) abzüglich der Freiheitsstrafe von 7 Monaten, der
Geldstrafe von 60 Tagessätzen sowie der Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse
von 4 Tagen werden an die Dauer der stationären Massnahme angerechnet.
7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland
vom 10. Juni 2015 beschlagnahmten Beweismittel werden eingezogen und
vernichtet:
a) Aufbewahrungsort Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage:
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- 10 Stück GP90 Patronen, Asservat Nr. A006'157'648;
b) Aufbewahrungsort Forensisches Institut Zürich:
- 1 Löffel und ein blutkontaminiertes Papiertüchlein, Asservat
Nr. A006'228'520;
- diverse Gefässe mit grünen Pulverrückständen, Asservat
Nr. A006'228'633;
- diverse Lösungsmittel und andere Chemikalien (gemäss Kurzbericht
des Forensischen Instituts Zürich vom 24. September 2013), Asservat
Nr. A006'228'768;
- 2 Blechgebinde (1 x 1'000 ml Ether PHEUR, 1 x 600 g Petrolether),
Asservat Nr. A006'228'564;
- diverse Säuren und andere Chemikalien (gemäss Kurzbericht des Fo-
rensischen Instituts Zürich vom 24. September 2013), Asservat
Nr. A006'228'860;
- 1 braun farbene Flasche, beschriftet mit "Ether PHEUR", zu 1/3 gefüllt,
Asservat Nr. A007'345'882;
- 1 transparente Flasche mit der Aufschrift "Kirsch", Asservat
Nr. A'007'345'893;
- 1 transparente 1,5-Liter PET-Flasche "Bitter Lemon", zur Hälfte gefüllt,
Asservat Nr. A007'345'903.
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8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'200.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.00 Gebühr für das Vorverfahren Fr. 16'425.60 Auslagen Untersuchung (MIG, Gutachten) Fr. 2'533.00 Auslagen (Verlaufsbericht Therapie / Gutachten) Fr. 39'596.35 amtliche Verteidigung
Fr. 64'754.95 Total
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermäs-
sigt sich die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
9. Die Kosten der Untersuchung (ausgenommen die Gutachtenskosten), des
gerichtlichen Verfahrens sowie die Kosten der Beschwerdeverfahren beim
Obergericht des Kantons Zürich betreffend Verlängerung Untersuchungshaft
bzw. Sicherheitshaft im Betrag von total Fr. 2'000.– (UB150062-O, Be-
schluss vom 21. Mai 2015; UB150163-O, Beschluss vom 19. Januar 2016),
ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Be-
schuldigten zur Hälfte auferlegt und zur Hälfte auf die Staatskasse genom-
men. Die Gutachtenskosten von Fr. 15'842.65 sowie Fr. 28.45 werden voll-
umfänglich auf die Staatskasse genommen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genom-
men; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
10. (Mitteilungssatz)
11. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 148 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der versuchten einfachen Körperver-
letzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
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Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB
von Schuld und Strafe freizusprechen;
2. Die Anordnung der stationären therapeutischen Massnahme im Sinne
von Art. 59 Abs. 1 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) sei
aufzuheben und der Beschuldigte auf freien Fuss zu setzen;
3. Die Kosten seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen und
dem Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung im Sinne
von Art. 429 StPO zuzusprechen.
b) Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 121, schriftlich)
Verzicht auf Berufung und Anschlussberufung und Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils.
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte / Prozessuales
1. Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur
vom 16. März 2016 (DG150034), liess der Beschuldigte mit Eingabe vom
24. März 2016 (HD Urk. 103) innert Frist Berufung anmelden. Das vollständig be-
gründete Urteil (Urk. 109) wurde vom Beschuldigten am 24. Mai 2016 (HD
Urk. 106) entgegengenommen. Am 10. Juni 2016 (Datum Poststempel) reichte
der amtliche Verteidiger die Berufungserklärung fristgerecht ein (Urk. 115). Mit
Präsidialverfügung vom 15. Juni 2016 wurde der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland sowie den Privatklägern 1-2 unter Hinweis auf die Berufungser-
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klärung des Beschuldigten Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum
Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt (Urk. 119; Empfangsbestäti-
gungen: Urk. 120/1-4). Mit Eingabe vom 21. Juni 2016 verzichtete die Staatsan-
waltschaft auf Anschlussberufung (Urk. 121). Die Privatkläger liessen sich nicht
vernehmen.
2. Am 23. Juni 2016 wurde der Beschuldigte notfallmässig in die Psychiatrische
Klinik Münsterlingen eingewiesen (s. Urk. 128), was mit Präsidialverfügung vom
1. Juli 2016 nachträglich genehmigt wurde (Urk. 129). Mit Eingabe vom 20. Juli
2016 (Urk. 133) stellte die Verteidigung das Gesuch, dem Beschuldigten sei der
vorzeitige Massnahmevollzug für eine stationäre therapeutische Massnahme im
Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) zu ge-
nehmigen. Dem Antrag wurde – nach Einholung einer diesbezüglichen Vernehm-
lassung seitens der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (Urk. 134 und
Urk. 136) – mit Präsidialverfügung vom 29. Juli 2016 entsprochen (Urk. 137). Der
Beschuldigte trat den Massnahmevollzug am 7. September 2016 in der Klinik für
Forensische Psychiatrie Rheinau an (Urk. 140).
3. Mit der Berufungserklärung stellte die Verteidigung den Antrag, B._ und
C._ als Zeugen zu befragen (Urk. 115 S. 3). Dieser Beweisantrag wurde mit
Präsidialverfügung vom 25. Oktober 2016 einstweilen abgewiesen (Urk. 142). An-
lässlich der Berufungsverhandlung wurden keine Beweisanträge mehr gestellt.
4. Am 27. Oktober 2016 ergingen die Vorladungen zur heutigen Berufungsver-
handlung (Urk. 145).
5.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-Eugster, Art. 402 N 1 f.).
5.2. Der Beschuldigte lässt die Dispositivziffern 2 teilweise (Schuldsprüche betref-
fend versuchte einfache Körperverletzung und Nötigung), 6 (Anordnung einer sta-
tionären Massnahme) sowie 9 (Kostenauflage) anfechten. Damit erwächst das
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vorinstanzliche Urteil hinsichtlich Dispositivziffern 1 (Tatbestandserfüllung in nicht
selbstverschuldeter Schuldunfähigkeit), 2 zum Teil (Schuldsprüche betreffend
mehrfachen Hausfriedensbruchs, Vergehens gegen das Chemikaliengesetz, Ex-
hibitionismus, geringfügigen Diebstahls und Entwendung eines Fahrrades zum
Gebrauch), 7 (Einziehungen) und 8 (Kostenaufstellung) sowie der vorinstanzliche
Beschluss (Nichteintreten auf Anklagevorwurf Ziff. 4 betreffend des geringfügigen
Diebstahls [HD]) in Rechtskraft, was vorab mit Beschluss festzustellen ist.
6.1. Die Verteidigung macht geltend, das Gutachten von Prof. Dr. med. D._
vom 13. April 2015 (HD Urk. 11/10) sei nicht verwertbar. So habe Prof. Dr. med.
D._ als beauftragter Gutachter dieses nicht selbst erstellt und sei bei einer
Gesamtuntersuchungsdauer von 4.75 Stunden selbst nur gerade während einer
halben Stunde bei der Exploration des Beschuldigen präsent gewesen. Dies wie
auch eine sogenannte testpsychologische Untersuchung durch einen Diplom-
Psychologen widerspreche den vom Bundesgericht gemachten Vorgaben zur er-
forderlichen Sorgfalt der gutachterlichen Tätigkeit (HD Urk. 93 S. 31 f., Urk. 115
S. 4 und Urk. 148 S. 19, S. 21 ff. und S. 29 f.).
6.2. Hierzu ist festzustellen, dass die detaillierten, einlässlichen und sorgfältigen
Erwägungen der Vorinstanz zur Verwertbarkeit des Gutachtens, die sich einge-
hend mit der in der Aktuellen Juristischen Praxis (AJP) geäusserten Kritik der als
renommierte und anerkannte Gutachter tätigen Fachärzte an der neusten bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung (Elmar Habermeyer/Marc Graf/Thomas
Noll/Frank Urbaniok, Psychologen als Gutachter in Strafverfahren, in: AJP 2/
2016, S. 127-134) auseinandersetzen (Urk. 109 S. 8-15), derart überzeugend
sind, dass es sich rechtfertigt, auf diese vollumfänglich zu verweisen, statt sie hier
wörtlich zu wiederholen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Aus dem Gutachten ergibt sich vor-
liegend, dass der sachverständigen Beurteilung namentlich umfangreiche Klinik-
berichte der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, der Integrierten Psychiatrie
Winterthur, des Psychiatriezentrums Rheinau und der Psychiatrischen Klinik
Schlössli aus den Jahren zwischen 1993 und 2004 zugrunde lagen
(Urk. HD 11/10 S. 2) und dass ebenso wie die Angaben des Beschuldigten bei
der Exploration (Urk. HD 11/10 S. 20-29 und S. 34) auch der Inhalt des Entlas-
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sungsberichts der Psychiatrischen Klinik Schlössli über eine Behandlung vom
10. bis 22. Juli 2008, der Kurzbericht der Fachstelle Forensic Assessment der
Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich vom 27. August 2014, der Einweisungs-
bericht des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes im Amt für Justizvollzug
(Urk. HD 11/10 S. 14-19 und S. 29-34) in die Beurteilung einflossen. Im Hinblick
auf das Ergänzungsgutachten vom 9. Dezember 2015 (Urk. 67) wurden sodann
weitere Arztberichte eingeholt, deren Inhalt ebenfalls dem Gutachtensschluss zu-
grunde gelegt wurden (Urk. 67 S. 3-9). In diesem Ergänzungsgutachten setzt sich
der Sachverständige sowohl mit den seitens der Verteidigung unter Hinweis auf
den Austrittsbericht der Station ... der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psy-
chotherapie Bern erhobenen Beanstandungen als auch mit dem Inhalt der zusätz-
lichen Arztberichte und der sich daraus ergebenden Entwicklung des Beschuldig-
ten im Rahmen des Auftrages vollständig und einlässlich auseinander (Urk. 67
S. 13-16). Es wird sorgfältig und nachvollziehbar dargelegt, weshalb an der ge-
stellten Diagnose eines schizophrenen Residuums (ICD-10: F20.5) in Verbindung
mit einer Störung durch multiplen Substanzgebrauch (ICD-10: F19.21) festgehal-
ten wird (Urk. 67 S. 10). Im Ergänzungsgutachten wird schlüssig aufgezeigt, dass
den Ärzten der Station ... in Bern die Langzeitanamnese des Beschuldigten und
auch die Krankengeschichte des psychiatrisch-Psychologischen Dienstes, welche
den Zeitraum von Oktober 2014 bis August 2015 umfasst, nicht bekannt waren,
jedoch die beiden Diagnosen entgegen der Ansicht der Verteidigung kein grund-
sätzlich "völlig anderes Bild" liefern, da sie beide in die gleiche Hauptkategorie
von Erkrankungen fallen, welche unter dem Titel "Schizophrenie, schizotype und
wahnhafte Störungen" nach ICD-10 F2 zusammengefasst werden (Urk. 67 S. 11
f. und S. 13). Der Vorinstanz ist vollumfänglich beizupflichten, wenn sie festhält,
dass sich der Gutachter Prof. Dr. med. D._ im Rahmen dieses Ergänzungs-
gutachtens nochmals eingehend mit dem Beschuldigten und seiner Entwicklung
auseinandergesetzt habe (Urk. 109 S. 14). Aus dem Dargelegten erhellt, dass die
psychiatrischen Untersuchungen des Beschuldigten von insgesamt 4.75 Stunden,
bei welchen der rechtsunterzeichnende Sachverständige eine halbe Stunde eben-
falls anwesend war, insbesondere auch der Erhebung der verschiedenen Anam-
nesen und der Angaben des Beschuldigten zu den Deliktsvorwürfen, der Haftzeit
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und seiner Perspektiven diente (Urk. 11/10 S. 20-29). Angesichts des langandau-
ernden Krankheitszustandes des Beschuldigten (der seit 1993 dokumentiert ist)
und der sich daraus ergebenden umfangreichen Krankengeschichte mit Dutzen-
den Klinik- und Interventionsberichten machten sie offensichtlich nicht den mass-
geblichen Bestandteil der gutachterlichen Tätigkeit aus, wie sich unschwer auf-
grund des Anteiles an den Ausführungen im schriftlichen Gutachten verifizieren
lässt. Es kann mithin vorliegend nicht die Rede davon sein, der beauftragte Sach-
verständige habe den massgeblichen Beitrag an der eigentlichen Begutachtung
dem linksunterzeichnenden Facharzt überlassen, nur weil auf diesen ein grösse-
rer zeitlicher Anteil an den persönlichen Untersuchungen des Beschuldigten ent-
fällt, da die eigentliche gutachterliche Tätigkeit wie dargelegt weitaus mehr um-
fasste als diese Untersuchungen. Die massgebliche fachärztliche Beurteilung des
Beschuldigten erfolgte denn auch namentlich gestützt auf das Studium von Kran-
kenakten aus einem Zeitraum von mehr als 20 Jahren, der gesamten Strafakten
und diverser Kriseninterventionsberichten, und erfolgte unter Berücksichtigung
der delegierten Explorationsgespräche und des Ergebnisses der testpsychologi-
schen Untersuchung in Berücksichtigung all dieser Umstände und der gesamten
persönlichen Entwicklung des Beschuldigten.
Gestützt auf die Gutachtenserteilung vom 28. Oktober 2014 war der Gutachter
Prof. Dr. med. D._ einzig bei einer vollständigen Delegation an eine andere
Person gehalten, vorgängig die Zustimmung der Verfahrensleitung (damals die
Staatsanwaltschaft) einzuholen (Urk. HD 11/1 S. 5), was mit der Vorschrift in § 27
Abs. 1 PPGV des Kt. ZH übereinstimmt. Nach dessen Abs. 2 ist der Gutachter
ausdrücklich berechtigt, Teile seiner Aufgabe an andere Fachpersonen des glei-
chen Dienstes zu delegieren (Verordnung über psychiatrische und psychologi-
sche Gutachten in Straf- und Zivilverfahren des Kantons Zürich vom
1./8. September 2010; PPGV [OS 321.4]). Entgegen der Meinung der Verteidi-
gung (Urk. 148 S. 28) sind damit klarerweise nicht nur reine Hilfspersonen ge-
meint. Damit war der beauftragte Gutachter berechtigt, den ...-Arzt der Klinik für
Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich Dr. med.
Dipl.-Psych. E._, der das Gutachten mitunterzeichnete und die Untersuchun-
gen des Beschuldigten in der Untersuchungshaft vornahm, mit Teilen der Arbeit
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für das Gutachten zu betrauen und er bedurfte dafür auch nicht der Zustimmung
des Auftraggebers, da dieser an der gleichen Klinik tätig war wie der Gutachter
selbst. Eine Verletzung der Teilnahmerechte, wie sie der Verteidiger rügt, weil er
zur Delegation nicht Stellung nehmen konnte (Urk. 148 S. 27 ff.), liegt unter die-
sen Umständen ebenfalls nicht vor. Vorliegend handelte es sich zudem um einen
Haftfall und es war Eile geboten, wie dem Gutachter auch ausdrücklich mitgeteilt
wurde (Urk. HD 11/1 S. 6). Umso mehr musste es dem Gutachter daher überlas-
sen bleiben, welche Arbeiten er qualifizierten Mitarbeitern überlassen konnte, oh-
ne dass er die Gesamtverantwortung für die Beurteilung abgeben musste. Entge-
gen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 148 S. 21 ff.) stellt die Formulierung der
Auflistung auf Seite 1 des Gutachtens keinen schlüssigen Grund zur Annahme,
das Gutachten sei überwiegend oder vollständig von Dr. E._ erstellt worden,
dar.
Hinsichtlich des Beizugs des Diplom-Psychologen für die testpsychologische Un-
tersuchung kann wiederum auf die einlässlichen und überzeugenden Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 109 S. 14), denen nichts hinzuzufügen ist.
Mit der Vorinstanz ist daher festzuhalten, dass das vorliegende Gutachten vom
13. April 2015 und das Ergänzungsgutachten vom 9. Dezember 2015 von Prof.
Dr. med. D._ den Vorgaben der Strafprozessordnung entsprechen und ohne
Einschränkungen verwertbar sind. Abgesehen davon ist es für das Gericht auf-
grund der Akten auch ohne Berücksichtigung des Gutachtens offensichtlich, dass
eine Massnahme angezeigt ist (s. hierzu auch nachfolgende Erwägungen, insbe-
sondere unter Ziffer VI. 4.-5.).
7. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die ein-
gangs erwähnten Anträge stellen.
II. Sachverhalt
1. Versuchte einfache Körperverletzung (ND 7)
1.1. Der Beschuldigte gibt hinsichtlich Anklageziffer 2 (ND 7) zu, dass er ca. 20 ml
Ether in ein Getränk gemischt und dieses Mischgetränk dem Geschädigten
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B._ angeboten habe (ND 7 Urk. 3 S. 2 f; Prot. I S. 12 ff.). Er macht aber gel-
tend, es sei nur eine sehr schwache Dosis gewesen und er habe dem Geschädig-
ten gesagt, dass das Getränk Ether enthalte (ND 7 Urk. 3 S. 2). Zudem rieche
Ether sehr stark, was der Geschädigte bemerkt haben müsse (ND 7 Urk. 3 S. 3
und Urk. 115 S. 3). Im Übrigen ist der Sachverhalt gemäss Anklageschrift erstellt.
1.2. Als Beweismittel liegen lediglich die Aussagen des Beschuldigten (ND 7
Urk. 3 und 6; Prot. I S. 12 ff.; Prot. II S. 17 f.) und des Geschädigten B._ (ND
7 Urk. 4 und 5) vor. Die sichergestellten Flaschen, das entsprechende Gutachten
des Forensischen Instituts Zürich (ND 7 Urk. 11/4 und 11/6) sowie die ärztlichen
Befunde und Berichte (ND 7 Urk. 12/4-6) können zur Frage, ob der Beschuldigte
dem Geschädigten gesagt hatte oder nicht, dass es im Getränk Diethylether ha-
be, nur Indizien liefern.
1.3. Bei der Abwägung von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdigkeit einer
Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden. Die allgemeine
Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich nebst ihrer prozessualen Stellung auch
aus ihrem wirtschaftlichen Interesse am Ausgang des Verfahrens sowie aus de-
ren persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen Prozessbeteiligten.
Das Interesse des Beschuldigten, sein Verhalten in einem günstigen Licht darzu-
stellen, ist angesichts der ihm vorgeworfenen Tat sowohl legitim als auch offen-
sichtlich. Demgegenüber ist ein relevantes Interesse des Geschädigten am Aus-
gang des Verfahrens nicht auszumachen. Weder macht er Zivilansprüche geltend
noch finden sich Hinweise auf Rachegefühle. Dies ist bei der Beurteilung der
Aussagen der beiden Beteiligten zu berücksichtigen, wobei einschränkend fest-
zuhalten ist, dass der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer Person eine untergeord-
nete Bedeutung zukommt.
Weitaus gewichtiger für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit
ist der materielle Gehalt und damit die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage,
welche durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf
ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben
entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3 mit Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts
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6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen). Hier ist insbesonde-
re zu prüfen, ob die Aussagen in den wesentlichen Punkten widerspruchsfrei, in
ihrem Kerngehalt stimmig und schlüssig sind sowie ob sie (soweit objektiv mög-
lich) anhand erstellter Sachverhalte korrekt verifizierbar sind. Zu achten ist auf
Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertreibungen, auch
auf Widersprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinreichenden
Zahl von Realitätskriterien und das Fehlen von Lügensignalen (vgl. Rolf Bender,
Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985]
S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdig-
keits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. Auflage, München 2014, N 313 ff.
und N 370 ff.).
1.4. Der Beschuldigte gab gegenüber der Polizei am 3. Dezember 2014 an, er
habe dem Geschädigten gesagt, dass es sich um eine Alkoholverbindung handle,
ein Alkoholgemisch. Der Geschädigte habe gewusst, dass es eine spezielle Alko-
holmischung sei (ND 7 Urk. 3 S. 2 f.). Am 10. März 2015 erklärte der Beschuldigte
im Anschluss an die Zeugeneinvernahme des Geschädigten gegenüber der
Staatsanwaltschaft, er habe dem Geschädigten ausdrücklich gesagt, dass es sich
um Diethylether gehandelt habe (ND 7 Urk. 6 S. 2). Anlässlich seiner Befragung
im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptverhandlung bekräftigte er, dem Geschä-
digten gesagt zu haben, dass Diethylether in der Flasche sei und es nicht einfach
ein Mischgetränk sei (Prot. I S. 14). Auch vor Berufungsinstanz gab der Beschul-
digte an, B._ gesagt zu haben, dass es Ether drin habe (Prot. II S. 18).
1.5. Der Geschädigte B._ wiederum sagte am Tag nach dem Vorfall gegen-
über der Polizei aus, der Beschuldigte habe ihm ein "Gemisch mit Alkohol" ange-
boten, was er als "selber gemischten Alkohol" bezeichnet habe. Der Geschädigte
habe gefragt, um was für ein Gemisch es sich handle, aber keine Antwort erhal-
ten, woraufhin er zwei Schlucke davon genommen habe. Es habe wie ein ärztli-
ches Mittel geschmeckt und "ähnlich wie Wodka oder ein anderer purer Alkohol"
gebrannt. Dass es sich um Ether gehandelt habe, habe der Beschuldigte ihm
nicht gesagt. Erst später habe ihn jemand darauf aufmerksam gemacht, dass er
das Getränk nicht zu sich nehmen dürfe, da es Ether enthalte (ND 7 Urk. 4 S. 4-
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9). Gegenüber der Staatsanwaltschaft bestätige der Geschädigte diese Aussa-
gen. Der Beschuldigte habe von einem Alkoholgemisch, das er selbst gemixt ha-
be, gesprochen und nie gesagt, dass es sich um Ether handle. Es habe etwas
komisch gerochen, aber er, der Geschädigte, habe gedacht, das komme vom Al-
kohol (ND 7 Urk. 5 S. 5 ff.).
1.6. Bei der Würdigung der Aussagen des Beschuldigten und des Geschädigten
fällt auf, dass der Beschuldigte am Anfang der Untersuchung lediglich davon
sprach, dass er dem Geschädigten gesagt habe, es handle sich um ein Alkohol-
gemisch, und dies gegenüber der Polizei mit dem Hinweis, Ether sei auch ein Al-
kohol, mehrmals zu rechtfertigen suchte. Erst nachdem er der Zeugeneinvernah-
me des Geschädigten beigewohnt hatte, sagte er aus, er habe diesem damals
gesagt, es handle sich um Diethylether, woran er in der Folge festhielt. Immer
wieder machte der Beschuldigte auch längere Ausführungen zur angeblichen Un-
gefährlichkeit seiner "Alkoholmischung".
Ein solcher Bruch ist demgegenüber in den Aussagen des Geschädigten nicht
auszumachen. Jener gab konstant zu Protokoll, der Beschuldige habe nicht ge-
sagt, dass es sich um Ether handle. Dies wird durch den Austrittsbericht des Kan-
tonsspitals Winterthur vom 30. Juli 2014 gestützt, wonach der Geschädigte ge-
sagt habe, der Beschuldigte habe ihm gegenüber erklärt, es handle sich um nor-
malen Alkohol (ND 7 Urk. 12/4 S. 1). Die kleineren Unsicherheiten in den Aussa-
gen des Geschädigten, so bezüglich der Frage, wann es ihm schwindlig gewor-
den sei, vermögen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen bezüglich der Kernfrage
nicht zu beeinträchtigen. Auch ist, entgegen der Ansicht der Verteidigung
(Urk. 148 S. 9), nicht davon auszugehen, dass der Ethergeruch so penetrant war,
dass es einem Laien, der mit Ether nicht vertraut war, aufgefallen wäre, nahm der
Geschädigte doch nur einen "komischen Geruch" wahr, den er aber dem Alkohol
zuschrieb.
1.7. Aufgrund der glaubhaften Aussagen des Geschädigten ist damit rechtsgenü-
gend erstellt, dass der Beschuldigte dem Geschädigten von seinem Etherge-
misch, dass rund 20 ml reinen Ether enthielt, angeboten hat, ohne ihn darüber
aufgeklärt zu haben, dass sich Ether darin befand, und dass der Geschädigte an-
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schliessend ohne zu wissen, dass es Ether enthielt, zwei Schlucke davon getrun-
ken hat.
2. Nötigung (ND 4)
2.1. Bezüglich des ihm vorgeworfenen Sachverhaltes in Anklageziffer 3 (ND 4)
gibt der Beschuldigte zu, dass er am 28. August 2013 in der Fachstelle Erwach-
senenschutz in F._ während des Gesprächs mit der Geschädigten C._
ein Messer in der Hand gehalten hat, laut geworden ist und anschliessend von ihr
Fr. 50.– erhalten hat (ND 4 Urk. 2 S. 1 f.; Prot. I S. 15 f.). Er bestreitet aber, der
Geschädigten das Messer mit der Klinge auf den Unterarm gedrückt zu haben.
Vielmehr habe sie ihm das Geld von sich aus gegeben (ND 4 Urk. 2 S. 2 f. und
ND 4 Urk. 5 S. 2). Im Übrigen ist der Sachverhalt gemäss Anklageschrift erstellt.
2.2. Als Beweismittel liegen einzig die Aussagen des Beschuldigten (ND 4 Urk. 2
und 5; Prot. I S. 15 ff.; Prot. II S. 18 f.) und der Geschädigten C._ (ND 4
Urk. 3 und 4) vor.
2.3. Bezüglich der theoretischen Grundlagen der Aussagenwürdigung, namentlich
der Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit, kann auf die obigen Ausführungen unter
Ziffer 1.3. verwiesen werden.
Wiederum ist das Interesse des Beschuldigten, sein Verhalten in einem günstigen
Licht darzustellen, sowohl legitim als auch offensichtlich. Erneut ist auch hier nicht
auszumachen, inwiefern die Geschädigte ein Interesse am Ausgang des Verfah-
rens haben könnte, zog sie doch ihren Strafantrag zurück (ND 4 Urk. 7).
2.4. Der Beschuldigte gab gegenüber der Polizei zu Protokoll, dass es bestimmt
möglich sei, er sich aber nicht mehr daran erinnern könne, der Geschädigten das
Messer auf den Arm gelegt zu haben. Ebenso wenig könne er sich erinnern, wel-
ches Messer er dabei gehabt habe. Die Geschädigte habe ihm von sich aus
Fr. 50.– gegeben (ND 4 Urk. 2 S. 1-4). In seiner Einvernahme durch die Staats-
anwaltschaft bestritt er, der Geschädigten das Messer auf den Arm gelegt zu ha-
ben (ND 4 Urk. 5 S. 2). In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wie auch in der
Berufungsverhandlung gab er zwar zu, etwas lauter geworden zu sein, stritt je-
- 16 -
doch erneut ab, ein Messer in der Hand gehalten oder der Geschädigten auf den
Arm gelegt zu haben (Prot. I S 15 f.; Prot. II S. 18 f.).
2.5. Die Geschädigte C._ führte in ihrer polizeilichen Einvernahme am 24.
September 2013 aus, der Beschuldigte habe am 28. August 2013 in der Fachstel-
le Erwachsenenschutz in F._ die Barauszahlung seines monatlichen Le-
bensunterhalts von Fr. 600.– verlangt und sei dabei aggressiv aufgetreten. So
habe er seinen Koffer gegen den Boden geschlagen und einen Hammer oder
Geissfuss zur Hand gehabt. Sie habe herausgefunden, dass er die Fr. 600.– be-
reits bezogen und abgehoben hatte, und ihm dies mitgeteilt. Daraufhin habe der
Beschuldigte gesagt, das sei nicht er gewesen, und habe ein Messer gezogen, ihr
mit der Klinge auf den rechten Unterarm gedrückt und das Geld verlangt. Sie sei
erschrocken, habe es aber geschafft, ihn auf Fr. 50.– herunterzuhandeln. Erst
nach Erhalt dieses Betrages habe er das Messer wieder eingepackt (ND 4 Urk. 3
S. 1-3). Gegenüber der Staatsanwaltschaft sagte sie am 10. März 2015 aus, der
Beschuldigte sei erschienen und habe seine monatliche Zahlung gefordert. Als sie
dies überprüft und festgestellt habe, dass er die Zahlung bereits erhalten hatte,
habe er ein Messer hervorgenommen und ihr auf den Arm gelegt. Sie habe seine
Forderung auf Fr. 50.– heruntergehandelt und ihm diese Summe ausbezahlt, wo-
rauf er die Fachstelle verlassen habe (ND 4 Urk. 4 S. 3 f.).
2.6. Erneut fallen Unstimmigkeiten in den Aussagen des Beschuldigten auf. So
räumte er anfangs gegenüber der Polizei mehrmals ein, es könne sein, dass er
der Geschädigten ein Messer mit der Kante auf den Arm gelegt habe (ND 4 Urk. 2
S. 1 f.), bestritt dies dann aber später und in den folgenden Einvernahmen wiede-
rum (ND 4 Urk. 2 S. 2, ND 4 Urk. 5 S. 2; Prot. I S. 16; Prot. II S. 18 f.). Dabei fällt
auf, dass der Beschuldigte ein leicht ausweichendes Aussageverhalten an den
Tag legt. So machte er gleichzeitig Erinnerungslücken geltend und brachte vor,
sich nicht mehr daran erinnern zu können, was für ein Messer es gewesen sei
(ND 4 Urk. 2 S. 2 f.). Gegenüber der Staatsanwaltschaft wiederum beschränkte er
sich darauf, die Vorwürfe zu bestreiten und die Aussagen der Geschädigten in
Zweifel zu ziehen (ND 4 Urk. 5 S. 2). Details zum Vorfall fehlen in seinen damals
gemachten Angaben vollkommen.
- 17 -
Demgegenüber sind die Aussagen der Geschädigten detailliert und nachvollzieh-
bar. Sie gab auch offen zu, wo sie sich nicht mehr erinnern konnte oder unsicher
war. Sie bemühte sich ferner, den Beschuldigten nicht übermässig zu belasten:
So sagte sie aus, dieser sei nach Erhalt der Fr. 50.– anständig geworden und ha-
be sogar einen entsprechenden Beleg unterzeichnet (ND 4 Urk. 3 S. 2 und ND 4
Urk. 4 S. 4). Das Messer habe sie nur ganz sachte berührt und keine Eindrücke
auf ihrem Arm hinterlassen (ND 4 Urk. 4 S. 7). Ein paar Tage später sei er noch-
mals vorbeigekommen und habe sich entschuldigt (ND 4 Urk. 4 S. 4). Kleinere
Unsicherheiten und Widersprüche in den Aussagen der Geschädigten, so in ihrer
Beschreibung des Messers (ND 4 Urk. 3 S. 2 und ND 4 Urk. 4 S. 6-8), sind ohne
Weiteres durch die lange Zeitdauer von eineinhalb Jahren zwischen dem Vorfall
und der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme zu erklären. Wie die Vorinstanz
zutreffend festhielt, stimmt die einen Monat nach dem Vorfall abgegebene Be-
schreibung der Tatwaffe durch die Geschädigte zudem mit dem beim Beschuldig-
ten sichergestellten Messer grösstenteils überein (vgl. ND 4 Urk. 1). Dies stützt
die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Geschädigten zusätzlich. Die Verteidigung
monierte anlässlich der Berufungsverhandlung ferner, schon der Umstand, dass
die Geschädigte durch eine Theke vom Beschuldigten getrennt gewesen sei, las-
se ihre Schilderung des Tatvorgangs als zweifelhaft erscheinen (Urk. 148 S. 15).
Sie übersieht aber, dass die besagte Theke nur 30 cm breit war (ND 4 Urk. 4
S. 11, S. 13). Auch dass erstaune, dass die übrigen Mitarbeiter nichts vom Vorfall
mitbekommen haben sollen, obschon sich der Beschuldigte gemäss der Geschä-
digten in einem aufgebrachten und lärmigen Zustand befunden habe, wie die Ver-
teidigung geltend macht (Urk. 148 S. 15), widerspricht den Akten. So gab die Ge-
schädigte klar zu Protokoll, dass eine Mitarbeiterin, Frau G._, den Vorfall be-
obachtet hatte (ND 4 Urk. 4 S. 11) und die Geschädigte auch gerade deshalb den
Beschuldigten übernommen hatte, weil ihre Kollegin etwas eingeschüchtert war
(ND 4 Urk. 3 S. 1). Abgesehen davon ist auch kein Motiv erkennbar, weshalb die
Zeugin C._ den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte.
2.7. Gestützt auf die überzeugenden und glaubhaften Aussagen der Geschädig-
ten C._, die in Bezug auf die Tatwaffe überdies durch das beim Beschuldig-
- 18 -
ten sichergestellte Messer bestätigt werden, ist der Sachverhalt gemäss Anklage-
schrift somit auch bezüglich ND 4 erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
1. Versuchte einfache Körperverletzung (ND 7)
1.1. Der objektive Tatbestand von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB erfordert, dass ein
Mensch an Körper oder Gesundheit mit Gift geschädigt wird. Vorliegend trat keine
solche Schädigung auf; dem Geschädigten B._ wurde es als Folge des Kon-
sums des Ethergemisches des Beschuldigten nur schwindlig. Er wurde zwar über
Nacht hospitalisiert, ohne dass aber weitere Beschwerden auftraten (ND 7
Urk. 12/4; ND 7 Urk. 12/6). Der objektive Tatbestand von Art. 123 Ziff. 2 StGB ist
damit nicht erfüllt.
1.2. Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz ausreicht. Der Be-
schuldigte verfügt gemäss eigener Aussage über ein "chemisches Allgemeinwis-
sen" und hat bereits selbst Ethermischungen konsumiert (ND 7 Urk. 3 S. 5 und
S. 7 und ND 7 Urk. 6 S. 2). Ihm war daher – wie die Vorinstanz zutreffend erwog
(Urk. 109 E. II. 4.4.) – bestens bekannt, welche Folgen der Konsum von Ether ha-
ben kann. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 148 S. 7) sind auch klei-
nere Mengen von Ether bereits gesundheitsgefährdend und nicht normalem Alko-
hol gleichzustellen. Indem der Beschuldigte dem Geschädigten dennoch eine
ganze Flasche gefüllt mit seinem Ethergemisch anbot und ihn nicht über den da-
rin enthaltenen Ether warnte, nahm er zumindest in Kauf, dass dies zu einer kör-
perlichen Beeinträchtigung führen könnte, da ab diesem Zeitpunkt nicht mehr kon-
trollierbar war, wieviel der Geschädigte dann trinken würde. Dass solche Folgen
nicht eintraten, ist nur dem Zufall zu verdanken. Festzuhalten ist dabei, dass er
aufgrund der Gesamtmenge von ca. 20 ml Ether und seinen persönlichen Erfah-
rungen immerhin davon ausgehen durfte, dass keine lebensgefährliche oder an-
derweitig schwere Schädigung der Gesundheit im Sinne von Art. 122 StGB hätte
resultieren können.
- 19 -
1.3. Da nur der subjektive Tatbestand, nicht aber der objektive Tatbestand erfüllt
ist und der Beschuldigte alles unternommen hat, um den Taterfolg zu bewirken,
liegt ein Versuch vor.
1.4. Gemäss der Einschätzung im Gutachten von Prof. Dr. med. D._ vom
13. April 2015 (HD Urk. 11/10), welche im Ergänzungsgutachten vom
9. Dezember 2015 klar bestätigt wurde (HD Urk. 67), war der Beschuldigte zum
Tatzeitpunkt zwar in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt, ohne
dass aber eine eigentliche Schuldunfähigkeit vorlag (HD Urk. 11/10 S. 53).
1.5. Der Beschuldigte ist folglich der versuchten einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig
zu sprechen.
2. Nötigung (ND 4)
2.1. Den objektiven Tatbestand der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB erfüllt
unter anderem, wer einen anderen durch Androhung ernstlicher Nachteile nötigt,
etwas zu tun. Dabei ist erforderlich, dass der Täter die Zufügung eines Übels als
von seinem Willen abhängig erscheinen lässt (BGE 120 IV 17 E. 2a mit Hinwei-
sen). Ob er dies tatsächlich ernst meint, spielt keine Rolle (BGE 105 IV 120
E. 2a). Weiter ist erforderlich, dass die Tathandlung rechtswidrig ist und das Opfer
gerade dadurch zum vom Täter angestrebten Verhalten veranlasst wird (Vera
Delnon/Bernhard Rüdy, BSK StGB II, N 45 zu Art. 181).
Vorliegend wurde der Beschuldigte laut und aggressiv, ehe er der Geschädigten
C._ ein Messer auf den Unterarm legte. So drohte er ihr implizit, sie damit zu
verletzen. Da er dazu nur das Messer niederdrücken musste, war es auch offen-
sichtlich, dass es von ihm abhing, ob dies geschah oder nicht. Eine solche Dro-
hung mit einer Waffe ist ohne Weiteres geeignet, auch eine nicht besonders
ängstliche Person gefügig zu machen. Vorliegend war die Geschädigte nicht die
dem Beschuldigten zugeteilte Fallbearbeiterin und konnte daher auch nicht ab-
schätzen, wie ernst es dem Beschuldigten war (vgl. ND 4 Urk. 3 S. 2). Die Dro-
hung des Beschuldigten stellt damit eine klare Nötigungshandlung im Sinne von
- 20 -
Art. 181 StGB dar (vgl. auch BGE 101 IV 47 E. 2.b; BGE 104 IV 170 E. 2). Indem
der Beschuldigte der Geschädigten mit Gewalt drohte, setzte er zudem ein uner-
laubtes Mittel ein. Folglich war seine Handlung auch rechtswidrig. Dass die Ge-
schädigte durch die Drohung des Beschuldigten dazu gebracht wurde, ihm
Fr. 50.– auszuzahlen, ist aufgrund ihrer Aussagen erwiesen. Der Einwand der
Verteidigung, es sei nicht das Messer, sondern das Lautwerden gewesen, wel-
ches die Geschädigte zur Auszahlung des Geldes veranlasst habe (ND 4 Urk. 5
S. 2), hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Es ist vielmehr von einem Ge-
samteindruck auszugehen, den der aggressiv und laut auftretende Beschuldigte
dann mit dem Messereinsatz auf die Spitze trieb und die Geschädigte dermassen
einschüchterte, dass sie ihm in der Folge Fr. 50.– ausbezahlte (ND 4 Urk. 4 S. 9).
Von einer Einigung oder einem freiwilligen Entgegenkommen seitens der Ge-
schädigten kann unter den gegebenen Umständen keine Rede sein. Daran ändert
auch nichts, dass sie die verlangte Geldsumme von Fr. 600.– auf Fr. 50.– herun-
terhandelte, zumal der Beschuldigte auch keinen Anspruch auf Auszahlung eines
Geldbetrages hatte, weil ihm der monatliche Betrag bereits ausbezahlt worden
war (ND 4 Urk. 3 S. 1-3). Der objektive Tatbestand von Art. 181 StGB ist damit er-
füllt.
2.2. Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, der sich auf die Beeinflussung und das ab-
genötigte Verhalten beziehen muss. Eine weitergehende Absicht wie etwa eine
Bereicherungsabsicht ist nicht erforderlich (Trechsel, StGB Praxiskommentar,
N 14 zu Art. 181).
Vorliegend legte es der Beschuldigte mit seinem eskalierenden Verhalten offen-
sichtlich darauf aus, Geld ausbezahlt zu bekommen, obschon er nach der Aus-
kunft der Geschädigten wusste, dass er keinen Anspruch darauf hatte. Er erfüllte
damit auch den subjektiven Tatbestand der Nötigung gemäss Art. 181 StGB.
2.3. Wie beim Tatbestand der versuchten einfachen Körperverletzung (vgl. oben
unter Ziffer 1.4.) ist gestützt auf das Gutachten von Prof. Dr. med. D._ vom
13. April 2015 auch hier von einer stark eingeschränkten Schuldfähigkeit, nicht
aber von einer Schuldunfähigkeit des Beschuldigten auszugehen (HD Urk. 11/10
- 21 -
S. 52). Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten folglich der Nötigung im Sinne
von Art. 181 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Das Gericht bemisst die Strafe nach dem Verschulden des Täters. Es berück-
sichtigt das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe
auf das Leben des Täters. Nach Art. 47 Abs. 2 StGB bestimmt sich die Bewertung
des Verschuldens nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des be-
troffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen
und Zielen des Täters sowie danach, wie weit der Täter nach den inneren und
äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu ver-
meiden.
2. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das ge-
setzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Da vorliegend
indessen keine ausserordentlichen Gegebenheiten im Sinne der Rechtsprechung
bestehen, ist ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens nicht erforderlich (BGE
136 IV 55 ff.). Insbesondere ist zu beachten, dass die verminderte Schuldfähigkeit
allein nicht dazu führt, den ordentlichen Strafrahmen zu unterschreiten, weil es
dazu weiterer, ins Gewicht fallender Umstände bedarf, die das Verschulden als
besonders leicht erscheinen lassen (BGE 136 IV 55, E. 5.8), welche in casu indes
nicht vorliegen. Mit der Vorinstanz (Urk. 109 E. III. 1.2. und 2.1.) sind diese Straf-
zumessungsfaktoren deshalb innerhalb des ordentlichen Strafrahmens straferhö-
hend bzw. strafmindernd zu berücksichtigen. Bei der Bildung der Gesamtstrafe
nach Art. 49 Abs. 1 StGB hat der Richter in einem ersten Schritt den Strafrahmen
für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für diese
Tat in Nachachtung der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteil
6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1 und 2.3.2; mit Hinweisen, bestätigt in Ur-
teilen 6B_375/2014 vom 28. August 2014, E. 2.6. und 6B_1246/2015 vom 9. März
- 22 -
2016 E. 1.1) unter Beachtung aller objektiven und subjektiven verschuldensrele-
vanten Umstände festzusetzen. Sodann hat er in einem weiteren Schritt die übri-
gen Delikte zu beurteilen und die Einsatzstrafe in Anwendung des Asperations-
prinzips zu erhöhen, ehe nach Festlegung dieser (hypothetischen) Gesamtstrafe
für sämtliche Delikte die allgemeinen Täterkomponenten zu berücksichtigen sind.
Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist indes nur bei
gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhän-
gen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen aus-
gesprochen werden (BGE 137 IV 57 E. 4.3.1). Geld- und Freiheitsstrafe sind kei-
ne gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB (BGE 137 IV 57
E. 4.3.1). Das Gericht kann somit auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen,
wenn es im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss eine Freiheitsstrafe
ausfällen würde (konkrete Methode; BGE 138 IV 120 E. 5.1; 137 IV 249 E. 3.4.2).
Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen vor-
sehen, genügt nicht (BGE 138 IV 120 E. 5.2).
3. Als schwerste Tat gilt grundsätzlich jene, die mit dem schärfsten Strafrahmen
bedroht ist, und nicht jene, die nach den konkreten Umständen verschuldensmäs-
sig am schwersten wiegt (BSK Strafrecht I-Ackermann, 3. Aufl., Basel 2013,
Art. 49 N 116 mit weiteren Hinweisen). Nötigung als vorliegend schwerste Tat, für
die der Beschuldigte bestraft wird, sieht als Sanktion eine Freiheitsstrafe bis 3
Jahre oder Geldstrafe vor.
4. Bei der Beurteilung der objektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Be-
schuldigte zwar ein Messer auf den Arm der Geschädigten C._ legte, diese
aber nicht verletzte. Es handelte sich um eine gemäss der Geschädigten "ganz
sachte Berührung", die keine Spuren hinterliess (ND 4 Urk. 4 S. 7). Zudem ging
es letztlich nicht um viel Geld, welches er forderte, gab sich der Beschuldigte
doch mit Fr. 50.– zufrieden. Dennoch ist nicht ausser Acht zu lassen, dass das an
den Tag gelegte Verhalten des Beschuldigten zudem aggressiv und laut war, was
eine für die Geschädigte negative Dynamik des Handlungsgeschehens begünstig-
te und deshalb gerade wegen der Unberechenbarkeit des Beschuldigten bedroh-
lich erschien. Das objektive Tatverschulden wiegt insgesamt nicht mehr leicht.
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- 23 -
Zur subjektiven Tatschwere ist auszuführen, dass der Beschuldigte aus rein fi-
nanziellen Interessen handelte. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, liess er
sich aber von den ursprünglich geforderten Fr. 600.– auf Fr. 50.– herunterhan-
deln. Zudem ist zu seinen Gunsten davon auszugehen, dass er (irrtümlich) glaub-
te, einen Anspruch auf die Auszahlung des Geldes zu haben (vgl. Prot. II S. 18 f.).
Auch zu seinen Gunsten ist sodann zu berücksichtigen, dass, wie bereits ausge-
führt (vgl. oben unter E.III. 2.3), die Schuldfähigkeit des Beschuldigten bezüglich
der Nötigung aufgrund seiner schweren und chronifizierten Schizophrenie und der
damit verbundenen Suchtkrankheit in schwerem Grade vermindert war (HD
Urk. 11/10 S. 52 f.).
Das subjektive Tatverschulden relativiert folglich das objektive beträchtlich. Die
von der Vorinstanz festgelegte Einsatzstrafe von 3 Monaten (Urk. 109 E. III. 2.4.)
erweist sich als angemessen, weshalb davon auszugehen ist.
5. Wie bereits erwähnt, ist diese Einsatzstrafe in einem zweiten Schritt unter Ein-
bezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips angemes-
sen zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen. Hierbei ist vorab festzuhalten, dass bei al-
len Delikten von einer in schwerem Grade verminderten Schuldfähigkeit auszuge-
hen ist, welche sich erheblich strafmindernd auswirkt (HD Urk. 11/10 S. 52 f.).
6. Zum objektiven Tatverschulden der versuchten einfachen Körperverletzung
(ND 7) ist auszuführen, dass der Beschuldigte dem Geschädigten eine Flasche
mit einem Alkoholgemisch anbot, das ca. 20 ml Ether enthielt und es nur dem Zu-
fall zu verdanken ist, dass es zu keinen gesundheitlichen Schäden kam. Demge-
genüber liegt subjektiv lediglich Eventualvorsatz vor. Zu Gunsten des Beschuldig-
ten ist auch davon auszugehen, dass er den Geschädigten nicht die ganze Fla-
sche hätte trinken lassen, da er das Gemisch ja auch selbst konsumieren wollte.
Insgesamt betrachtet wiegt das Tatverschulden damit leicht. Eine Einsatzstrafe
von einem Monat erscheint angemessen.
7. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält (Urk. 109 E. III. 3.3.), ist zum objektiven
Tatverschulden mit Bezug auf die zwei Hausfriedensbrüche (HD und ND 6) fest-
zuhalten, dass diese nur zur Begehung zweier geringfügiger Diebstähle erfolgten.
- 24 -
Ebenso ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass der Beschuldigte in Verlet-
zung des Hausrechts keine grosse kriminelle Energie zeigte, indem er die Laden-
lokale betrat. Für den mehrfachen Hausfriedensbruch erweist sich demnach eine
hypothetische Einsatzstrafe von einem Monat als angemessen.
8. Bezüglich des objektiven Tatverschuldens des Vergehens gegen das Chemika-
liengesetz (ND 3) ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die gefährlichen Chemi-
kalien nur während zwei Tagen ungenügend gesichert in seiner ehemaligen
Wohnung aufbewahrte. Subjektiv fällt ins Gewicht, dass er es bewusst unterliess,
für eine sichere Aufbewahrung zu sorgen. Insgesamt wiegt das Tatverschulden
leicht. Eine Einsatzstrafe von einem Monat erweist sich deshalb – mit der Vor-
instanz (Urk. 109 E. III. 3.4.) – als angemessen.
9. Der Beschuldigte wurde im Jahre 2008 mit einer bedingten Geldstrafe bestraft,
welche später widerrufen wurde. In der Folge erwirkte er vier unbedingte Geld-
strafen. Dennoch delinquierte er nicht einmal ein Jahr nach der letzten Geldstrafe
erneut. Angesichts dieser offensichtlichen Uneinsichtigkeit des Beschuldigten er-
weist sich eine weitere Geldstrafe als dem Verschulden nicht mehr angemessen.
Es ist deshalb für alle Delikte, deren Strafrahmen dies erlaubt, eine Freiheitsstrafe
auszufällen.
10. Bei der Asperation ist das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr
Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbständigkeit sowie die Gleich-
heit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehungsweisen zu
beachten. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts wird dabei geringer zu
veranschlagen sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich oder situativ in einem en-
gen Zusammenhang stehen (BGer 6B_323/2010, Urteil vom 23. Juni 2010).
Vorliegend rechtfertigt es sich, die für das Hauptdelikt eingesetzte hypothetische
Einsatzstrafe von 3 Monaten Freiheitsstrafe durch die diversen Nebendelikte un-
ter Beachtung des Asperationsprinzips auf insgesamt 6 Monate zu erhöhen.
11. Diese verschuldensangemessene Strafe ist aufgrund von Umständen, die mit
der Tat grundsätzlich nichts zu tun haben, zu erhöhen oder herabzusetzen. Mass-
- 25 -
gebend hierfür sind im Wesentlichen täterbezogene Komponenten wie die per-
sönlichen Verhältnisse, Vorstrafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtat-
verhalten (Geständnis, Einsicht, Reue etc.; vgl. BSK StGB I-Wiprächtiger/Keller,
Art. 47 N 120 ff; Trechsel/Affolter-Eijsten, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Pra-
xiskommentar, 2. Aufl., Art. 47 StGB N 22 ff.).
12. Bezüglich der persönlichen Verhältnisse kann auf die diesbezüglichen Ausfüh-
rungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 109 E. III. 4.2.). Heute ergänzte
der Beschuldigte, seine Rente sei während des Straf- oder Massnahmevollzugs
sistiert und er habe eine Vetretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermö-
gensverwaltung. Er habe zwei bis drei Verlustscheine, lebe seit 30 Monaten abs-
tinent und erhalte 12 mg Subutex pro Tag (Prot. II S. 12-15). Die schwierige Kind-
heit des Beschuldigten, der gemäss eigenen Angaben vom Vater und seinem
Grossvater missbraucht wurde, ist strafmindernd zu werten. Der Beschuldigte
weist in der Schweiz fünf Vorstrafen auf (Urk. 146), wovon vier bezüglich des
mehrfachen Hausfriedensbruchs einschlägig sind, und delinquierte (mit Ausnah-
me des Sachverhaltes gemäss HD) während einer laufenden Strafuntersuchung,
was deutlich straferhöhend zu berücksichtigen ist. Von einem eigentlichen Ge-
ständnis ist nur bezüglich des mehrfachen Hausfriedensbruchs und des Verge-
hens gegen das Chemikaliengesetz, was aber durch die jeweils klare Beweislage
relativiert wird, auszugehen. Dass der Beschuldigte sich nach der Nötigung bei
der Geschädigten entschuldigte, welche in der Folge ihren Strafantrag zurückzog
(ND 4 Urk. 7), ist wiederum leicht strafmindernd zu werten.
13. Unter Berücksichtigung der erwähnten Strafzumessungsgründe ist die Ein-
satzstrafe auf 7 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
14. Bezüglich der Delinquenz des Beschuldigten hinsichtlich des Tatbestandes
des Exhibitionismus (ND 9), für welchen das Strafgesetz lediglich eine Bestrafung
mit Geldstrafe vorsieht, ist beim Tatverschulden zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte aus reinem Egoismus zur Befriedigung seiner Lust handelte und sich
dabei um die Auswirkungen auf die Geschädigte H._ foutierte. Aufgrund der
in schwerem Grade verminderten Schuldfähigkeit wiegt das Verschulden des Be-
- 26 -
schuldigten hinsichtlich des Exhibitionismus als gerade noch leicht. Eine hypothe-
tische Einsatzstrafe von 60 Tagessätzen erweist sich als angemessen.
Bezüglich der persönlichen Verhältnisse kann auf die obigen Ausführungen (IV.
12.) verwiesen werden (Urk. 109 E. III. 4.2.). Erneut sind diese strafmindernd und
die fünf Vorstrafen des Beschuldigten sowie das Delinquieren während einer lau-
fenden Strafuntersuchung deutlich straferhöhend zu werten. Das Geständnis ist
angesichts der klaren Beweislage zu relativieren. Ebenso ist festzuhalten, dass
der Beschuldigte keine nennenswerte Einsicht oder Reue zeigte (ND 9 Urk. 3
S. 3). Die hypothetische Einsatzstrafe für den Exhibitionismus wäre folglich mit
Verweis auf die obigen Erwägungen zu erhöhen, was sich angesichts des Ver-
schlechterungsverbotes gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO allerdings verbietet. Unter
Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse des arbeitslosen und von der Sozi-
alhilfe lebenden Beschuldigten erweist sich ein Tagessatz in der Höhe von
Fr. 30.– als angemessen.
15. Zum geringfügigen Diebstahl (ND 6) sowie zur Entwendung eines Fahrrades
zum Gebrauch (ND 2) ist auszuführen, dass der Beschuldigte aus seiner Sucht
heraus handelte und der Deliktsbetrag von Fr. 16.50 auch im Rahmen des gering-
fügigen Diebstahls sehr tief ist. Dass seine Schuldfähigkeit in schwerem Grade
vermindert war, wurde bereits ausgeführt. Der Beschuldigte handelte ferner ohne
grosse kriminelle Energie oder Raffinesse, als er das Diebesgut respektive das
bereits von einem Dritten dem Eigentümer entwendete Fahrrad behändigte. Eine
Busse von Fr. 100.– erweist sich daher dem Verschulden und den finanziellen
Verhältnissen des Beschuldigten als angemessen.
16. Der Beschuldigte ist folglich mit 7 Monaten Freiheitsstrafe, einer Geldstrafe
von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 100.– zu bestrafen.
V. Vollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit
oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
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um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten
(Art. 42 Abs. 1 StGB).
2. Vorliegend weist der Beschuldigte fünf teilweise einschlägige Vorstrafen auf
und hat bereits einmal eine verlängerte Probezeit nicht bestanden (Urk. 146). Zu-
dem ist aufgrund des Gutachtens von Prof. Dr. med. D._ vom 13. April 2015
(HD Urk. 11/10 S. 49 und S. 53 f.) von einem hohen Rückfallrisiko auszugehen.
Dem Beschuldigten kann daher keine günstige Prognose mehr gestellt werden.
Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe sind folglich zu vollziehen.
3. Einer Anrechnung der erstandenen Haft im Sinne von Art. 51 StGB steht nichts
entgegen, wobei ein Tag Haft einem Tagessatz Geldstrafe entspricht. Da sich der
Beschuldigte vom 20. Oktober 2014 bis zum vorzeitigen Massnahmevollzug am
7. September 2016 und damit während 688 Tagen in Haft befand, sind die Frei-
heitsstrafe, die Geldstrafe von 60 Tagessätzen sowie auch die Busse von
Fr. 100.–, welche 1 Tag Ersatzfreiheitsstrafe entspricht, durch Haft bereits voll-
ständig erstanden.
VI. Massnahme
1. Vorinstanzlich wurde für den Beschuldigten eine stationäre therapeutische
Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB (Behandlung von psychischen Stö-
rungen) angeordnet und ausführlich sowie sorgfältig begründet (Urk. 109 E. V.
S. 38 ff.).
Seitens der Anklagebehörde wird – der Empfehlung des Gutachters folgend –
auch vor Berufungsinstanz die Anordnung einer stationären therapeutischen
Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB beantragt (Urk. 121). Die Verteidi-
gung beantragt, auf die Anordnung einer Massnahme sei zu verzichten (Urk. 115
S. 4 f. und Urk. 148 S. 1). Der Beschuldigte lehnte während der Untersuchung
und im erstinstanzlichen Verfahren die Anordnung einer stationären Massnahme
vehement ab (Prot. I S. 42 f.), erklärte sich jedoch mit einer ambulanten Mass-
nahme einverstanden (Prot. I S. 27 f. und S. 43). Anlässlich der Berufungsver-
handlung äusserte er sich dahingehend, dass kein Rückfallrisiko bestehe und er
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sich eine stationäre Massnahme nicht vorstellen könne. Er mache aber das Beste
daraus und werde seine Medikamente einnehmen (Prot. II S. 15 f.).
2. Gemäss Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine Stra-
fe allein nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen
und ein Behandlungsbedürfnis des Täters besteht. Ist der Täter von Suchtstoffen
abhängig, so kann das Gericht eine ambulante Behandlung anordnen, wenn der
Täter eine mit Strafe bedrohte Tat verübt, die mit seinem Zustand in Zusammen-
hang steht und zu erwarten ist, dass sich dadurch der Gefahr weiterer mit dem
Zustand des Täters in Zusammenhang stehender Taten begegnen lasse (Art. 63
Abs. 1 StGB).
3. Wie seitens der Vorinstanz zutreffend ausgeführt (Urk. 109 E. V 2.4.3. und
2.4.4.), enthält das psychiatrische Gutachten von Prof. Dr. med. D._ vom
13. April 2015 folgende Schlussfolgerungen: Aufgrund der diagnostizierten
Suchterkrankung und der schizophrenen Grunderkrankung, welche mit den Taten
in Zusammenhang stehen, besteht ein hohes Rückfallrisiko für vergleichbare
Straftaten (HD Urk. 11/10 S. 53 f.). Grundsätzlich bestehe die Gefahr, dass der
Beschuldigte in psychotischer Verfassung aus einem paranoiden Bedrohungser-
leben heraus Dritte angreifen und verletzen könne (HD Urk. 11/10 S. 49). Sowohl
für die schizophrene Grunderkrankung als auch für die Suchtproblematik stünden
grundsätzlich gute Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung (HD Urk. 11/10
S. 49 f.). Da damit zu rechnen sei, dass der Beschuldigte im Falle einer Entlas-
sung ohne Weiterbehandlung relativ rasch wieder psychotrope Substanzen kon-
sumieren werde, was zur erneuten psychopathologischen Destabilisierung führen
würde, komme zum jetzigen Zeitpunkt nur eine stationäre Massnahme gemäss
Art. 59 StGB in Frage, da sich der Beschuldigte einer ambulanten Behandlung mit
hoher Wahrscheinlichkeit entziehen würde. Eine ausschliessliche Suchtbehand-
lung gemäss Art. 60 StGB würde dem komplexen Störungsbild des Beschuldigten
nicht gerecht werden (HD Urk. 11/10 S. 50). An dieser Diagnose und Einschät-
zung wurde im psychiatrischen Ergänzungsgutachten vom 9. Dezember 2015 in
nachvollziehbarer Weise festgehalten (HD Urk. 67 S. 10-16). Der von der Vertei-
digung angeführte Austrittsbericht vom 6. August 2015 der forensisch-
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psychiatrischen Station ... in Bern (HD Urk. 43), wonach der Beschuldigte kein
fremdaggressives Verhalten an den Tag lege und wach und bewusstseinsklar,
medikamentencompliant, kooperativ und stets absprachefähig sei (HD Urk. 43
S. 2), vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Wie im psychiatrischen
Ergänzungsgutachten vom 9. Dezember 2015 klar ausgeführt wird, stützt sich der
Austrittsbericht einzig auf eine kurzzeitige Beobachtung und Behandlung des Be-
schuldigten, während die für die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie nötige
Langzeitanamnese, namentlich die Krankengeschichte des Psychiatrisch-
Psychologischen Dienstes, nicht berücksichtigt wurde (Urk. 67 S. 10 f.), weshalb
nicht auf ihn abgestellt werden kann.
4. Die Verteidigung führte aus, die Verhältnismässigkeit der Massnahme und die
Therapiewilligkeit seien nicht gegeben (Urk. 115 S. 5 und Urk. 148 S. 38 f.).
Zur Frage der Verhältnismässigkeit kann vollumfänglich auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 109 E. V. 2.4.). Dass der Be-
schuldigte eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt, zeigte sich vorliegend
mehrmals. So ist es nur dem Zufall zu verdanken, dass bei der Detonation des
Feuerwerkskörpers im Gebäude des I._ keine Personen schwerer verletzt
wurden, da der Beschuldigte selbst von der Heftigkeit der Explosion überrascht
wurde (Prot. I S. 10). Ebenso hätte der Vorfall in der Fachstelle Erwachsenen-
schutz ... ohne Weiteres mit einer Verletzung enden können, hätte die Geschä-
digte C._ anders reagiert. Zudem hatte der Geschädigte B._ Glück, kei-
ne gesundheitliche Schädigung im Sinne einer einfachen Körperverletzung erlitten
zu haben. Wie die Vorinstanz korrekt festhielt (Urk. 109 E. V 2.4.7.), wäre bei vol-
ler Schuldfähigkeit des Beschuldigten eine mehrjährige Freiheitsstrafe auszuspre-
chen. Die fortgesetzte Delinquenz des Beschuldigten, bei welcher überdies eine
gewisse progrediente Entwicklung im Sinne einer Ausweitung der Delinquenz auf
neue, weitere Deliktsarten auszumachen ist, zeigt auf, dass der bestehenden
Rückfallgefahr nur mit einer stationären Massnahme begegnet werden kann, um
ein strukturiertes Setting zur Behandlung seiner schwer ausgeprägten und chroni-
fizierten Krankheit sowie die erforderliche Kontinuität der damit einhergehenden
Medikamentation zu gewährleisten. Aus der Krankengeschichte des Beschuldig-
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ten geht ferner hervor, dass er seit seiner Verhaftung mehrmals zur medikamen-
tösen Behandlung seiner psychischen Störung in eine psychiatrische Klinik ver-
legt werden musste: vom 30. Oktober 2014 bis zum 4. November 2014 (HD
Urk. 12/1-7), vom 10. Dezember 2014 bis zum 7. Januar 2015 (HD Urk. 12/9-14),
und vom 8. Juli 2015 bis zum 14. Juli 2015 (HD Urk. 17/40-42), sodann am
2. Februar 2016 (HD Urk. 85/1-5) und am 8. Juni 2016 (Urk. 17/1-2), wobei je-
weils nach seiner Rückverlegung ins Gefängnis die medikamentöse Behandlung
fortgeführt wurde. Der Zustand des Beschuldigten erforderte regelmässig eine er-
neute Verlegung in eine Klinik (s. HD Urk. 17/40), auch, weil der Beschuldigte
wiederholt die Medikamente nicht mehr regelmässig einnahm. So wurde er am
23. Juni 2016 notfallmässig in die Psychiatrische Klinik Münsterlingen eingewie-
sen (s. Urk. 128 und Urk. 129) und trat schliesslich am 7. September 2016 den
vorzeitigen Massnahmevollzug in der Klinik Rheinau an (Urk. 140). Es ist folglich
offensichtlich, dass eine ambulante Massnahme selbst im strukturierten Rahmen
des Strafvollzuges nicht ausreicht, um die Krankheit des Beschuldigten zuverläs-
sig zu behandeln und damit langfristig eine weitere Delinquenz zu verhindern. Die
Anordnung einer stationären Massnahme erweist sich demnach trotz des schwe-
ren Eingriffs in die Freiheit des Beschuldigten als verhältnismässig, da keine mil-
dere Massnahme erkennbar ist, mittels welcher die erforderliche Behandlung des
Beschuldigten durchgeführt werden kann.
Der Beschuldige ist, wie bereits erwähnt, mit einer ambulanten, nicht jedoch mit
einer stationären Massnahme einverstanden (Prot. I S. 42 f. und Prot. II S. 15).
Auch der Gutachter kam zum Schluss, dass dem Beschuldigten die Bereitschaft,
sich dauerhaft auf eine Therapie einzulassen, abgeht (HD Urk. 11/10 S. 50). Wie
seitens der Vorinstanz aber zutreffend erwogen wurde (Urk. 109 E. V. 2.5.), be-
stehen gute Chancen, dass die zurzeit bezüglich einer stationären Massnahme
fehlende Therapiewilligkeit des Beschuldigten im Verlauf der Behandlung erarbei-
tet werden kann, ist seine fehlende Krankheitseinsicht doch gerade Teil des
Krankheitsbildes. Dafür spricht auch seine heutige Aussage, er werde das Beste
aus der Massnahme machen (Prot. II S. 15). Die nur eingeschränkt vorhandene
Massnahmewilligkeit spricht daher ebenfalls nicht gegen die Durchführung einer
Massnahme, zumal an die Bereitschaft, eine stationäre Massnahme gemäss
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Art. 59 StGB zu absolvieren, keine allzu strengen Anforderungen zu stellen sind
(s. Urk. 109 E. V. 2.5.1. und die darin zitierte bundesgerichtliche Rechtspre-
chung).
5. Die vorinstanzliche Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme
im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) ist
deshalb zu bestätigen.
6. Da die vorliegend anzuordnende stationäre Massnahme auch dem Schutz der
Öffentlichkeit vor Wiederholungstaten des Beschuldigten dient, ist die erstandene
Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 688 Tagen, abzüglich der Freiheitsstrafe
von 7 Monaten, der Geldstrafe von 60 Tagessätzen sowie der Ersatzfreiheitsstra-
fe für die Busse von 1 Tag, an die stationäre Massnahme anzurechnen und zur-
zeit keine Entschädigung zuzusprechen (vgl. BGE 141 IV 236 E. 3.9 und E. 4).
Sollte sich erweisen, dass die konkrete Massnahmedauer kürzer ist als die ver-
bleibende, bereits erstandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft, so wäre dann
eine Entschädigung zuzusprechen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die vorinstanzliche Kostenauflage
(Dispositivziffer 9) zu bestätigen. Die auferlegten Kosten sind aber sofort definitiv
abzuschreiben. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich diejenigen
der amtlichen Verteidigung, sind dem Beschuldigten aufzuerlegen aber sofort de-
finitiv abzuschreiben.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 4'000.– festzusetzen.
3. Seitens der Privatkläger wurden keine Entschädigungen beantragt.