Decision ID: 5e0e750d-21ea-5914-85e3-1bfd26e3776b
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Sonja Gabi, Gabi/Zarro/Von Gunten Rechts-
anwälte, Flurstrasse 30, 8048 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 6. September 2008 zum Bezug von IV-Leistungen an (act.
G 4.1.1). Anlässlich des Frühinterventionsgesprächs vom 25. September 2008 gab die
behandelnde Dr. med. B._, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie FMH,
gegenüber dem RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin FMH, an, die
Versicherte leide an einer grossen mediolateralen Diskushernie C6/C7 links mit
Schmerzausweitung in den linken Arm sowie an einer depressiven Störung (seit der
Ablehnung einer vom Kantonsspital St. Gallen [KSSG] vorgeschlagenen operativen
Sanierung). In der angestammten leichten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin werde
die Versicherte durch die Schmerzen sowie durch die eingeschränkte
Kopfbeweglichkeit eingeschränkt (act. G 4.1.21).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 29. Juni 2009 durch Dr. med.
D._, Spezialarzt Orthopädische Chirurgie FMH, begutachtet. Im Gutachten vom
6. August 2009 diagnostizierte der Experte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Diskushernie C6/7 mit leichtgradiger foraminaler Einengung links und fraglicher
Irritation der Nervenwurzel C7 und Kompression der Nervenwurzel C8 links, eine
mässige rechtsseitig mediolaterale Diskushernie L4/5 mit Kompression der
Nervenwurzel L5 rechts und mässiger Spondylarthrose L4 - S1. Für eine dem Leiden
ideal angepasste Tätigkeit verfüge die Versicherte über eine 90%ige Arbeitsfähigkeit,
während in der angestammten Tätigkeit nur noch eine 35%ige Arbeitsfähigkeit bestehe
(act. G 4.1.40). Am 26. August 2009 unterzog sich die Versicherte einer Fenestration
L4/5 rechts mit Nukleotomie im KSSG und blieb dort bis 6. September 2009
hospitalisiert (Bericht der Neurochirurgie des KSSG vom 1. Oktober 2009, act.
G 4.1.47). Zur stationären Rehabilitation weilte die Versicherte anschliessend für die
Dauer vom 7. bis 26. September 2009 in der Klinik Valens (Austrittsbericht vom
29. September 2009, act. G 4.1.47-3 ff.).
A.c RAD-Arzt Dr. C._ nahm am 11. Februar 2010 eine eigene Untersuchung der
Versicherten vor. Im Bericht vom 26. Februar 2010 gelangte er zum Schluss, aus
somatischer Sicht finde sich keine wesentliche Einschränkung der Funktionsfähigkeit,
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so dass in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit keine Einschränkung bestehe. Die
offensichtliche Schmerzverarbeitungsstörung könne auch differentialdiagnostisch als
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung interpretiert werden, die nach der
gängigen Rechtsprechung zu keiner Arbeitsunfähigkeit führe (act. G 4.1.55). Gestützt
auf diese medizinische Beurteilung verfügte die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren die Abweisung des Leistungsbegehrens, da sowohl für die
angestammte wie auch für eine leidensangepasste Tätigkeit eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bestehe (Verfügung vom 6. August 2010, act. G 4.1.69). Die dagegen
erhobene Beschwerde vom 14. September 2010 (act. G 4.1.70-2 ff.) hiess das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 11. August 2011, IV 2010/357, teilweise gut
und wies die Sache zur Vornahme ergänzender Abklärungen und zu neuer Verfügung
im Sinn der Erwägungen an die IV-Stelle zurück (act. G 4.1.81).
A.d Im Rahmen einer bidisziplinären (rheumatologisch-psychiatrischen) Begutachtung
wurde die Versicherte am 24. November 2011 (rheumatologisch durch Dr. med. E._,
u.a. Facharzt FMH für Rheumatologie) und am 16. Dezember 2011 (psychiatrisch durch
Dr. med. F._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie; zum psychiatrischen
Teilgutachten vom 27. Januar 2012 siehe act. G 4.1.88-46 ff.) untersucht. Im
bidisziplinären Gutachten vom 7. Februar 2012 diagnostizierten die Experten mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes zerviko-radikuläres Schmerzsyndrom
links mit foraminaler Einengung C6/7 links mit Irritation der Nervenwurzel C7 und
Kompression der Nervenwurzel C8 links sowie mit Pseudo Impingement Syndrom der
linken Schulter (ICD-10: M50.1); ein chronifiziertes lumbovertebrales, eventuell
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit/bei kernspintomografisch gesicherter
voluminöser Diskushernie L4/5 medio rechts lateral nach kaudal sequestriert, Status
nach Fenestration LWK 4/5 rechts, Sequesterektomie und Nukleotomie am 26. August
2009 sowie kernspintomografisch deutlicher epiduraler Narbenbildung, wobei die
durchziehende Nervenwurzel L5 in der Narbe eingepackt ist (ICD-10: M51.1).
Psychiatrischerseits wurden keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt. Bei der angestammten Montagetätigkeit handle es sich um eine repetitive
Tätigkeit in Inklinationsposition einerseits des Kopf-Hals-Bereichs wie auch des
Oberkörpers mit bimanueller feinmotorischer Belastung, die primär aus zervikaler,
sekundär aber auch aus sitzender Sicht wegen der lumbalen persistierenden
Schmerzproblematik nicht mehr zumutbar sei. Eine wechselbelastende Tätigkeit in
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aufrechter Position ohne Inklination, ohne repetitive Tätigkeit mit entsprechender
optischer Kontrolle sei in einer Intensität von 1 bis 2 Stunden pro Tag zumutbar (act.
G 4.1.88). Auf eine von RAD-Arzt Dr. C._ veranlasste Rückfrage (act. G 4.1.89 f.) gab
Dr. E._ am 29. Februar 2012 an, im Rahmen seiner Begutachtung keine apparative
Diagnostik veranlasst zu haben (act. G 4.1.91). Daraufhin empfahl RAD-Arzt Dr. C._
ein erweitertes neurologisches Konsilium (neurologische Untersuchung, EMG, ENG;
falls notwendig zervikales und lumbales MRI) einzuholen (Stellungnahme vom 1. März
2012, act. G 4.1.92).
A.e Am 5. Juni 2012 wurde die Versicherte von Dr. med. G._, Fachärztin für
Neurologie FMH, untersucht. Im neurologischen Gutachten vom "6. Juni
2012" (Posteingang IV-Stelle: 19. Juli 2012), das sich u.a. auf ein MRI HWS vom
21. Juni 2012 stützt (act. G 4.1.107-14), diagnostizierte die Expertin eine Diskopathie
auf Höhe HWK 6/7 (mit/bei aktuell ohne radiologisch nachweisbarem Kontakt zu einer
Nervenwurzel, subjektiven Sensibilitätsstörungen im Bereich der linken Hand, aber
ohne objektivierbare neurologische Ausfälle, chronischen Nackenschmerzen mit
Ausstrahlung in die Schultern linksbetont ohne radikuläre Schmerzen) und einen Status
nach Sequesterektomie und Nukleotomie LWK 4/5 rechts am 26. August 2009 (mit
radiologischem Nachweis einer deutlichen epiduralen Narbenbildung im Bereich der
durchziehenden Nervenwurzel L5 rechts, aber ohne Verlagerung derselben, klinisch
und elektrophysiologisch fehlenden Hinweisen für radikuläre motorische Ausfälle,
subjektiv nicht-dermatombezogenen Sensibilitätsstörungen im rechten Fuss, ins Bein
ausstrahlenden Schmerzen rechts, nicht sicher radikulär). Die Versicherte leide an
chronischen Nacken- und lumbalen Rückenschmerzen, die mit ihren
Bandscheibenleiden in Zusammenhang stehen dürften. Daneben liege aber auch eine
Symptomausweitung vor, die keine organische Ursache habe. Sowohl bei der
angestammten als auch bei leidensangepassten Tätigkeiten sollte es der Versicherten
möglich sein, täglich 4 bis 5 Stunden produktiv zu arbeiten (act. G 4.1.107). "Nach
Beratung durch den Rechtsdienst" (die in den Akten nicht dokumentiert ist) hielt RAD-
Arzt Dr. C._ in der Stellungnahme vom 20. August 2012 fest, die neurologische
Gutachterin schliesse eine organische Ursache der von der Versicherten geklagten
Schmerzen "grossmehrheitlich" aus. Damit rücke die Möglichkeit einer somatoformen
Schmerzstörung, die vom psychiatrischen Gutachter angesichts der im bidisziplinären
Gutachten geforderten somatischen Schmerzursache verneint worden sei, wieder in
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den Vordergrund. Da Dr. F._ aber weder eine psychische Ko-Morbidität von
erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer noch andere qualifizierende
Kriterien festgestellt habe, gelte für den RAD der Grundsatz der zumutbaren
Schmerzüberwindung. Deshalb sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit sowohl in der
angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen (act. G 4.1.109-2;
vgl. auch Stellungnahme vom 14. August 2012, act. G 4.1.108).
A.f Mit Vorbescheid vom 14. Mai 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht,
das Leistungsbegehren abzuweisen (act. G 4.1.118). Dagegen erhob die Versicherte
am 20. Mai 2013 Einwand (act. G 4.1.121), den sie am 10. Juni 2013 ergänzend
begründete (act. G 4.1.124). RAD-Arzt Dr. C._ sah keine Veranlassung, von seiner
bisherigen Einschätzung abzuweichen (Stellungnahme vom 21. Juni 2013, act.
G 4.1.125). Am 9. Juli 2013 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsbegehrens (act. G 4.1.126).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 9. Juli 2013 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 10. September 2013. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer "vollen" (wohl: einer
ganzen) Rente. Eventualiter seien ergänzende orthopädisch-rheumatologische
Abklärungen anzuordnen. Zur Begründung bringt sie vor, das bidisziplinäre Gutachten
sei beweiskräftig und gestützt darauf sei der Rentenanspruch zu ermitteln. Zudem
befremde es, dass die Beschwerdegegnerin, wenn sie schon der Auffassung gewesen
sei, dass Dr. E._ seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit rheumatologisch-
orthopädisch nicht ausreichend begründet habe, nicht den üblichen Weg gegangen sei
und schriftliche Zusatzfragen an den Gutachter gestellt habe, der diese dann hätte
beantworten können. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin sei nicht korrekt
gewesen und vermittle den Eindruck, dass die Beschwerdegegnerin dem Gutachter in
Anbetracht der für sie offenbar unerwünschten Einschätzung gar nicht erst die
Gelegenheit zu zusätzlichen Erklärungen habe geben wollen. Aufgrund der Akten sei
auch offensichtlich, dass RAD-Arzt Dr. C._ nur eines wolle: seine ursprüngliche
Einschätzung, die auch das Versicherungsgericht nicht habe gelten lassen, wenigstens
im Ergebnis - keine Berentung - bestätigt zu sehen. Ihre Schmerzen hätten klare
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organische Ursachen (act. G 1). Mit der Beschwerde reicht sie u.a. einen Bericht von
Dr. B._ vom 29. Mai 2013 ein (act. G 1.3).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 21. Oktober
2013 die Abweisung der Beschwerde. Die Einschätzung des RAD sei schlüssig und
beweiskräftig. Die Neurologin habe die Ansicht der Beschwerdeführerin widerlegt,
wonach die Schmerzen auf die Diskushernien zurückzuführen seien. Die
Försterkriterien seien nicht erfüllt, weshalb die somatoforme Schmerzstörung
überwindbar sei. Mit dem RAD sei daher von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit
auszugehen (act. G 4).
B.c In der Replik vom 26. Januar 2014 hält die Beschwerdeführerin unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 10).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 12).
B.e Mit Schreiben vom 11. Juni 2014 haben die Parteien Gelegenheit erhalten, zur vom
Gericht beschlossenen Anordnung eines polydisziplinären Gerichtsgutachtens Stellung
zu nehmen (act. 13). Am 30. Juni 2014 wurde das ZMB Zentrum für Medizinische
Begutachtung mit der Anfertigung des polydisziplinären Gerichtsgutachtens beauftragt
(act. G 15; vgl. auch act. G 17). Die Beschwerdeführerin wurde vom 3. bis 7. November
2014 stationär im ZMB polydisziplinär (internistisch, rheumatologisch, neurologisch und
psychiatrisch) untersucht. Im Gesamtgutachten vom 18. Dezember 2014 führten die
Experten aus, die Beschwerdeführerin leide u.a. an einem chronischen
cervikospondylogenen Syndrom links, einem chronischen lumbospondylogenen
Syndrom rechts, einer Hyperlaxitätstendenz und psychologischen Faktoren und
Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten mit leichter depressiver
Episode. Sowohl für die angestammte sowie für leidensangepasste Tätigkeiten
bescheinigten die Experten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Einschränkung des
Rendements um 30% und zusätzliche leistungsmässige Verminderung um 20%). Der
Beginn der herabgesetzten Arbeitsfähigkeit müsse auf Oktober 2007 datiert werden.
Nach der Rückenoperation im August 2009 sei während maximal 6 Monaten von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die von der Beschwerdeführerin geklagten
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Leiden könnten durch die somatischen Befunde überwiegend erklärt werden (act.
G 19).
B.f Die Beschwerdeführerin teilte am 15. Januar 2015 mit, sie "akzeptiere" das ZMB-
Gutachten (act. G 21). Am 23. Januar 2015 nahm die Beschwerdegegnerin Stellung
zum ZMB-Gutachten. Nach Rücksprache mit dem RAD erfülle das Gerichtsgutachten
die Anforderungen an beweiskräftige Gutachten. Die versicherungsmedizinischen
Schlussfolgerungen, die einerseits auf eigenen Untersuchungen und andererseits auf
einer intensiven Auseinandersetzung mit den Stellungnahmen der Vorgutachter be
ruhten, seien nachvollziehbar (act. G 22).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin umstritten und
nachfolgend zu prüfen.
1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines ärztlichen Berichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
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der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
1.3 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Demgemäss hat
der Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss).
2.
Zu beurteilen gilt es vorab die Frage, ob die medizinischen Akten eine schlüssige Be
urteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zulässt.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung (act.
G 4.1.126) auf die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. C._ (siehe Stellungnahmen vom
14. und 20. August 2012, act. G 4.1.108 f.), der die Beschwerdeführerin sowohl für die
angestammte als auch für leidensangepasste Tätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig
hielt.
2.2 Zunächst ist in formeller Hinsicht zu bemerken, dass es nicht angehen kann, dass
der RAD - wie im vorliegenden Fall - von externen Gutachten abweicht, ohne dass er
vorgängig von den Gutachtern eine weitere Stellungnahme einholt. Vorliegend wäre
RAD-Arzt Dr. C._ verpflichtet gewesen, spätestens nach Eingang des neurologischen
Gutachtens den rheumatologischen sowie den psychiatrischen Gutachter mit dem von
ihm erkannten Abklärungsbedarf zu konfrontieren und ihnen Gelegenheit zu einer
Stellungnahme zu geben. Erst danach wären bei Fortbestehen von Zweifeln weitere
Abklärungsmassnahmen zulässig und zwar grundsätzlich nicht in Form - wie vorliegend
- von kurzen Aktenbeurteilungen durch den RAD (act. G 4.1.108 f.), sondern im
Rahmen von neuen externen (Ober-)Gutachten (Urteil des Bundesgerichts vom
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14. Februar 2014, 8C_874/2013, E. 3.3). Auch inhaltlich überzeugt die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit durch RAD-Arzt Dr. C._ nicht. Der von ihm gezogene Schluss, die
neurologische Gutachterin habe "grossmehrheitlich" ein Schmerzsyndrom mit einer
Symptomausweitung beschrieben (act. G 4.1.108-1) und schliesse eine organische
Ursache der von der Beschwerdeführerin beklagten Schmerzen "grossmehrheitlich"
aus, beruht auf einer ungenauen Lektüre des neurologischen Gutachtens bzw. auf einer
nicht nachvollziehbaren Interpretation. So hielt die neurologische Expertin fest,
"Tatsache bleibt aber, dass die Versicherte an chronischen Nacken- und lumbalen
Rückenschmerzen leidet, die mit ihren Bandscheibenleiden in Zusammenhang stehen
dürften". "Neben diesen Schmerzen" liege aber auch eine Symptomausweitung vor,
die keine organische Ursache habe (act. G 4.1.107-12). Des Weiteren lässt RAD-Arzt
Dr. C._ bei seiner Würdigung ausser Acht, dass erfahrungsgemäss eine lumbale
Symptomatik, je nach Ausprägung und Schweregrad, die Arbeitsfähigkeit auch ohne
radikuläre Beteiligung einschränken kann (so Urteile des Bundesgerichts vom 4. August
2010, 9C_1059/2009, E. 4, und vom 24. Januar 2011, 9C_870/2010, E. 4.3). Im Licht
dieser Umstände erweist sich die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch den RAD als nicht
beweiskräftig.
2.3 Was das bidisziplinäre Gutachten vom 7. Februar 2012 anbelangt, so ist RAD-Arzt
Dr. C._ insoweit beizupflichten, als dass sich dieses nicht auf eine apparative
Diagnostik stützt (act. G 4.1.91), was Zweifel entstehen lässt. Diese werden durch die
fehlende kritische Würdigung der Schmerzangaben der Beschwerdeführerin und der
Einschätzung der neurologischen Expertin erhärtet ("Seine Beurteilung berücksichtigt
meines Erachtens zu stark die vermeintliche radikuläre Komponente und die
Selbsteinschätzung der Versicherten", act. G 4.1.107-13). Insgesamt bestehen damit
erhebliche Zweifel an der rheumatologischen Einschätzung, die deren Beweiskraft zu
erschüttern vermag.
2.4 Betreffend das psychiatrische Teilgutachten von Dr. F._ gilt es zu beachten, dass
gerade bei der Einschätzung allfälliger psychosomatischer Krankheitsbilder eine valide
somatische Befunderhebung notwendig ist, zumal die somatoforme Schmerzstörung
Symptome umschreibt, die körperlich nicht begründbar sind, mithin einen Ausschluss
organischer Ursachen verlangt. Deshalb hat die Erhebung objektiver somatischer
Befunde gegenüber der psychiatrischen Diagnostik im zeitlichen Ablauf in der Regel
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auch Vorrang (vgl. zum Ganzen Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für
Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, in:
Schweizerische Ärztezeitung, 2004; 85: Nr. 20, S. 1050). Die fehlende Beweiskraft der
rheumatologischen Beurteilung beschlägt damit vorliegend zwangsläufig auch die sich
darauf abstützende psychiatrische Einschätzung.
2.5 Die neurologische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vom 6. Juni 2012 wiederum
beschränkt sich auf ihr Fachgebiet und stellt keine umfassende Einschätzung des
gesamten Leidensbilds dar. Zumindest fehlt es an einer konsensualen polydisziplinären
Beurteilung.
2.6 Demgegenüber erfüllt das ZMB-Gutachten vom 18. Dezember 2014 sämtliche
Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Expertise. Bei der Würdigung der
gerichtsgutachterlichen Beurteilung fällt ins Gewicht, dass sie auf eigenständigen
Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die medizinischen
Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Abweichungen von den Vorakten wurden
eingehend und nachvollziehbar begründet. Die von der Beschwerdeführerin geklagten
Beschwerden wurden umfassend berücksichtigt und gewürdigt. Die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Weiter
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
berücksichtigt worden wären. Mit den Parteien ist deshalb auf die darin enthaltene
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung abzustellen (seit Oktober 2007 50%ige Arbeitsunfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten, unterbrochen durch eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit für die Dauer von 26. August 2009 [Operationsdatum]; vgl. act.
G 4.1.51-5) bis 26. Februar 2010 [6 Monate], act. G 19, S. 75 ff.). Entsprechend des
von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung (faktisch)
vorgenommenen Prozentvergleichs resultieren bei einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ein
Invaliditätsgrad von 50% und für die Dauer der vollständigen
Arbeitsunfähigkeit von 100%. Die Fragen, ob und in welcher Höhe ein
Tabellenlohnabzug gewährt werden kann, können vorliegend offen gelassen werden,
da die konkreten Umstände (nur noch körperlich leichte leidensangepasste Tätigkeiten,
act. G 19, S. 76) keinen rentenrelevanten Abzug von (mindestens) 20% rechtfertigen.
Unter Berücksichtigung der seit Oktober 2007 bestehenden Arbeitsunfähigkeit und der
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am 6. September 2008 erfolgten Anmeldung zum Leistungsbezug (act. G 4.1.1) hat die
Beschwerdeführerin gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG ab 1. März 2009 Anspruch auf eine
halbe Rente. In Nachachtung der dreimonatigen Fristen von Art. 88a Abs. 1 und 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) hat die
Beschwerdeführerin für die ab 26. August 2009 für 6 Monate bescheinigte vollständige
Arbeitsunfähigkeit für die Dauer vom 1. Dezember 2009 bis 31. Mai 2010 Anspruch auf
eine ganze Rente sowie ab 1. Juni 2010 wieder Anspruch auf eine halbe Rente.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 9. Juli 2013 aufzuheben und der
Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. März bis 30. November eine halbe, für die
Dauer vom 1. Dezember 2009 bis 31. Mai 2010 eine ganze und ab 1. Juni 2010 eine
halbe Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Berechnung und Ausrichtung der
Rentenleistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit mit Rücksicht auf das
erforderliche Gerichtsgutachten als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens
entsprechend sind sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl.
betreffend Überklagung Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
19. Dezember 2011, IV 2009/459, E. 5.2 f.).
3.3 In Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat die
Beschwerdegegnerin die für das Gerichtsgutachten angefallenen Kosten von
Fr. 19'169.25.-- (act. G 24.1) zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
3.4 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei ins
besondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen ist
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
bis
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Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint unter
Berücksichtigung des durch das Gerichtsgutachten entstandenen Mehraufwands eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Bei diesem Ausgang erübrigt sich eine Entschädigung aus der
gewährten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (act. G 6).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP