Decision ID: e0b3c07c-df0c-465f-b65c-1931946e5a56
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
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vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei, Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 27. Januar 2011 bei der IV-Stelle zur Früherfassung (IV-
act. 1). Nach einem Früherfassungsgespräch am 8. Februar 2011 (IV-act. 2) meldete sie
sich am 24. Februar 2011 zum Leistungsbezug an (IV-act. 4). Im Protokoll wurde
festgehalten, die Versicherte leide an einer Muskelschwäche, die trotz intensiver
Abklärungen unklar geblieben sei. Sie sei seit einem Jahr stark in der Beweglichkeit
eingeschränkt. Früher habe sie Heimarbeit in der Kabelkonfektion in einem Pensum
von ca. 20-30% erledigt, was ein hohes feinmotorisches Geschick erfordert habe.
Daher könne sie diese Arbeit nicht mehr ausführen. Auch ihr kleines Coiffeurgeschäft,
das sie zu Hause betrieben habe, könne sie wegen der Beschwerden nicht mehr
weiterführen. Im Anmeldeformular gab die Versicherte an, sie habe die Heimarbeit in
einem Umfang von 30% ausgeführt (IV-act. 4-5). Am 15. März 2011 nahm der
Regionale Ärztliche Dienst Ostschweiz (RAD) Kontakt mit der Hausärztin der
Versicherten, Dr. med. B._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, Kontakt
auf. Diese gab an, die Versicherte leide an einer distal betonten atrophen Tetraparese
bisher ungeklärter Äthiologie, die seit über zehn Jahren progredient verlaufe (IV-
act. 14). Dadurch bestehe eine eingeschränkte Gehfähigkeit an zwei
Amerikanerstöcken. Die Kraft und Beweglichkeit der Arme und vor allem die
Feinmotorik der Hände seien eingeschränkt. Es seien keine Ressourcen vorhanden, die
eine Erwerbstätigkeit ermöglichen würden. Am 21. März 2011 wurde der Versicherten
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mitgeteilt, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes keine
Eingliederungsmassnahmen möglich seien und daher ihr Anspruch auf
Rentenleistungen geprüft werde (IV-act. 20).
A.b Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt vom
14. August 2011 gab die Versicherte an, sie sei seit 2009 aus gesundheitlichen
Gründen nicht mehr erwerbstätig. Zuletzt habe sie die Heimarbeit in einem 40%-
Pensum ausgeübt (IV-act. 23). Wegen ihrer Beschwerden benötige sie Hilfe beim
Rüsten, dem Tischdecken und dem Heben schwerer Pfannen. Es sei ihr nicht möglich,
den Boden aufzuwischen und eine gründliche Reinigung vorzunehmen. Staubsaugen
sowie das tägliche Betten machen und das Reinigen des Bades (Dusche/WC/Lavabo)
seien ihr etappenweise selbst möglich. Schwere Taschen könne sie nicht mehr tragen.
Den Grosseinkauf tätige sie in Begleitung des Ehemannes und des Sohnes. Es sei ihr
nicht möglich, den Wäschekorb zur Maschine zu tragen. Dies und das Aufhängen der
Wäsche werde durch den Sohn oder den Ehemann erledigt. Kleine Wäsche könne sie
am kleinen Wäscheständer selbst aufhängen. Das Bügeln sowie das Zusammenlegen
und Versorgen der Wäsche seien etappenweise möglich.
A.c Am 19. Januar 2012 besuchte eine Abklärungsperson der IV-Stelle die Versicherte
zu Hause (IV-act. 35). Gemäss dem Abklärungsbericht Haushalt vom 23. Februar 2012
gab die Versicherte an, im Bereich Haushaltführung sei sie nicht eingeschränkt. Bei der
Ernährung sei sie zu 30% eingeschränkt. Diese Einschränkung wurde anerkannt. Bei
der Wohnungspflege anerkannte die IV-Stelle eine 20%ige Einschränkung, wobei die
Versicherte eine 30%ige Einschränkung geltend gemacht hatte. Beim Bereich Einkauf
und weitere Besorgungen betrachtete sich die Versicherte als zu 50% eingeschränkt.
In diesem Bereich wurde ihr gestützt auf die Mitwirkungspflicht der
Familienangehörigen keine Einschränkung zuerkannt. Bei der Wäsche und
Kleiderpflege wurde die von der Versicherten geltend gemachte Einschränkung von
40% anerkannt. Unter "Ziffer 7.7 Verschiedenes" (worunter z.B. die Pflanzen- und
Gartenpflege und die Haustierhaltung fallen) betrachtete sich die Versicherte als zu
50% eingeschränkt. Bei diesem Bereich wurde unter Verweis darauf, dass es dem
Ehemann und dem Sohn zumutbar sei, diese Arbeiten zu übernehmen, keine
Einschränkung anerkannt (IV-act. 35-11f.). Dem unterzeichneten Bericht fügte die
Versicherte handschriftlich hinzu: "Würde heute 50-70%
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arbeiten!" (IV-act. 35-8). Die Haushaltsabklärung ergab eine Einschränkung der Ver
sicherten im Haushalt von 23%, was bei Gewichtung der Bereiche Haushalt 70% und
Arbeitstätigkeit 30% zu einem Invaliditätsgrad von 46.1% führte (IV-act. 35-13). Mit
Vorbescheid vom 26. Juni 2012 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, bei einem
Invaliditätsgrad von 46.1% habe sie Anspruch auf eine Viertelsrente (IV-act. 42).
A.d Dagegen liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter am 30. August 2012
einwenden, sie habe immer gearbeitet. 19_, also ein Jahr nachdem ihr erster Sohn
geboren worden sei, habe sie bereits wieder gearbeitet (IV-act. 46). Auch als 19_ ihr
zweiter Sohn geboren worden sei, habe sie Heimarbeit geleistet und sei gleichzeitig als
selbständige Coiffeuse tätig gewesen. Der jüngste Sohn absolviere nun eine Lehre und
bedürfe keiner Betreuung mehr. Ohne gesundheitliche Beeinträchtigung wäre es ihr
damit möglich, zu 100% zu arbeiten. Auf jeden Fall würde sie – wie auf dem
Abklärungsbericht angegeben – zu 50-70% arbeiten. Dafür gebe es genügend
Anhaltspunkte und die Gewichtung müsse daher umgekehrt werden (70%
Arbeitstätigkeit, 30% Haushalt), woraus ein Invaliditätsgrad von über 70% und damit
ein Anspruch auf eine ganze Rente resultiere. Beim Lesen des Abklärungsberichtes
falle auf, dass die dargestellten Einschränkungen nicht mit ihrem Zustand
übereinstimmten. Es falle ihr schwer, ihre Einschränkungen zu akzeptieren. Daher neige
sie dazu, ihren Zustand besser darzustellen, als er tatsächlich sei. Die in Ziff. 7.2
aufgeführten Einschränkungen stimmten nicht mit einer Einschränkung von 30%
überein. Die tatsächliche Einschränkung betrage mindestens 70%. So könne sie das
Wasser für Teigwaren und Gemüse nicht mehr selbst aufsetzen, da sie dafür keine
Kraft habe. Sie könne weder Flaschen noch Büchsen öffnen. Sie habe zu wenig Kraft,
die Pfannen zu reinigen und sie könne lediglich noch oberflächliche Reinigungsarbeiten
durchführen. Auch die unter Ziff. 7.3 geltend gemachte Einschränkung von 30% sei zu
tief. Alles, was ein bisschen Kraft benötige, könne sie nicht mehr ausführen. Arbeiten
über Schulterhöhe seien ihr nicht mehr zumutbar. Abzustauben und das Bad
oberflächlich zu reinigen sei alles, was sie noch ausführen könne. Von eigentlichem
Betten machen könne nicht gesprochen werden, da es ihr nicht mehr möglich sei, das
Leintuch über die Matratze zu spannen. Auch beim Einkauf sei die angegebene
Einschränkung zu tief. Sie könne sich im Haus nur mühsam fortbewegen. Es sei ihr auf
keinen Fall möglich, kleine Einkäufe selbständig zu machen, da sie die Strecke von
15min bis zum nächsten Laden nicht alleine zu Fuss zurücklegen könne. Auch bei der
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Wäsche müssten den grössten Teil Andere besorgen. Sie könne lediglich kleine
Wäschestücke aufhängen und selber Bügeln. Im Bereich Garten- oder Pflanzenpflege
seien ihr keinerlei Arbeiten mehr möglich. Es sei nicht ersichtlich, wieso daraus nur eine
50%ige Einschränkung resultieren solle. Zusammenfassend liege die Einschränkung
weit über 23%. Selbst wenn ein Teil der Einschränkung durch die
Schadenminderungspflicht des Ehemannes aufgefangen werde, gelange man zu einer
Einschränkung von mindestens 60%. Es sei überdies auch möglich, dass sie und die
Abklärungsperson nicht von den gleichen 30% gesprochen hätten. Während sie
gemeint habe, sie würde in den 30%, in denen sie nicht arbeite, den Haushalt
erledigen, habe die Abklärungsperson von einem 30%igen Arbeitspensum gesprochen.
Sie habe deshalb den handschriftlichen Vermerk (50-70% Arbeitstätigkeit) angebracht.
Darauf deute auch die Tatsache hin, dass sie bereits mehr gearbeitet habe, als die
Kinder noch klein gewesen seien.
A.e Am 10. Oktober 2012 nahm die IV-Stelle zum Einwand Stellung (IV-act. 49). Sie
hielt fest, dass es zur Frage der Arbeitstätigkeit unterschiedliche Angaben der
Versicherten gebe. Im Haushaltformular vom 19. August 2011 habe die Versicherte
schriftlich bestätigt, dass sie heute einer 40%igen Tätigkeit nachgehen würde.
Anlässlich des Hausbesuches habe sie hingegen von 30% gesprochen. Erst bei der
Retournierung des Fragebogens habe sie geltend gemacht, dass sie heute zu 50-70%
erwerbstätig wäre. Die spontanen Aussagen der ersten Stunde seien in der Regel
zuverlässiger als spätere Ausführungen, weil erstere noch weniger von
versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst seien. Die Versicherte habe den
Haushaltsabklärungsbericht ohne Ergänzungen oder Änderungen unterzeichnet,
obwohl nun behauptet werde, der Gesundheitszustand sei von der Versicherten besser
dargestellt worden, als er tatsächlich sei. Die Versicherte habe gesagt, das Kochen und
Rüsten sei ihr grundsätzlich möglich, sie brauche einfach länger als früher. Die
aufgezählten Tätigkeiten wie im Keller Vorräte holen, Wasser abschütten, gründliche
Reinigung etc. müssten nicht täglich ausgeführt werden. Weiter gehöre es nicht zu den
alltäglichen Arbeiten, Kalkflecken zu entfernen, Leintücher zu wechseln oder Arbeiten
über Schulterhöhe auszuführen. Staubsaugen sei ihr gemäss eigenen Angaben
oberflächlich möglich und sonst könne sie den Roboter einsetzen. Die Versicherte sei
auch früher beim Grosseinkauf durch den Ehemann unterstützt worden. Im Rahmen
der Schadenminderungspflicht sei es dem Ehemann zumutbar, diesen Teil zu
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übernehmen, weshalb der Versicherten unter diesem Punkt keine Einschränkung
angerechnet worden sei. Auch der Transport der Wäsche könne den anderen
Familienmitgliedern im Rahmen der Schadenminderungspflicht zugemutet werden. Die
Gartenarbeit und Tierpflege sei früher bereits teilweise durch den Sohn und den
Ehemann geleistet worden. Es sei ihnen zumutbar, diese Tätigkeiten ganz zu
übernehmen. Daher werde am Entscheid festgehalten. Am 10. Oktober 2012 verfügte
die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 51).
B.
B.a Dagegen liess die Versicherte am 21. Dezember 2012 Beschwerde erheben
(act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte, die Verfügung vom 9. November 2012 sei
aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei ab 1. August 2011 eine ganze IV-Rente
zuzusprechen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, was er bereits im
Einwand vorgebracht hatte. Darauf kann verwiesen werden (vgl. vorne A.c),
insbesondere da die Eingabe vom 30. August 2012 zum integrierenden Bestandteil der
Beschwerdeschrift erklärt wurde. Zusätzlich wurde eingewendet, die Feststellungen der
Beschwerdegegnerin bezüglich der Erwerbstätigkeit seien aktenwidrig. Bereits im
Protokoll des Frühinterventionsgesprächs sei festgehalten worden, dass die
Beschwerdeführerin Heimarbeiten im Durchschnitt von 20-30% erledigt und zu Hause
ein kleines Coiffeurgeschäft betrieben habe. Im Anmeldeformular habe die
Beschwerdeführerin erneut angegeben, sie habe Heimarbeit im Umfang von 30%
ausgeführt. Auf diesem Formular habe sie zwar die Coiffeurtätigkeit nicht angegeben,
diese sei aber bereits aktenkundig gewesen. Richtig sei, dass die Beschwerdeführerin
im Fragebogen zur Rentenabklärung bei der Frage nach der Erwerbstätigkeit ein
Ausmass von 40% angegeben habe. Dabei sei sie aber von einer Angestelltentätigkeit
ausgegangen und habe ihre selbständige Tätigkeit als Coiffeuse nicht erwähnt. Dies
erkenne man auch daran, dass sie bei der Tätigkeit "Heimarbeit" angegeben habe. Es
sei offensichtlich anlässlich der Haushaltabklärung zu einem Missverständnis
gekommen. Die Beschwerdeführerin habe die Angaben auf dem Abklärungsbericht
sofort nach Eintreffen korrigiert und zurückgesandt. Diese Korrektur sei auch lange vor
Beizug des Anwaltes erfolgt, so dass nicht davon ausgegangen werden könne, die
Korrektur sei gestützt auf seine Beratung erfolgt. Wenn die Gewichtung Haushalt/
Erwerbstätigkeit richtigerweise umgekehrt würde (30% Haushalt, 70%
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Erwerbstätigkeit), ergäbe sich ein Invaliditätsgrad von über 70% und damit ein
Anspruch auf eine ganze Rente. Aber auch bei der unzutreffenden Gewichtung ergäbe
sich bei richtiger Betrachtung ein Invaliditätsgrad von über 70%. Die Abklärungsperson
habe im Bericht selbst festgehalten, sie habe den Eindruck, die Beschwerdeführerin
spreche nicht gern über ihre Krankheit. In diesem Zusammenhang hätte der
Abklärungsperson auch auffallen müssen, dass die Beschwerdeführerin ihren Zustand
aus diesen Gründen beschönigt habe.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. März 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen (act. G 4). Sie hielt vorab fest, dass im vorliegenden
Beschwerdeverfahren nur die Verfügung vom 9. November 2012 angefochten sei. Die
Verfügung vom 15. Oktober 2012 sei weder angefochten noch beigelegt worden. Sie
erkläre sich aber damit einverstanden, den Streitgegenstand auf die Verfügung vom
15. Oktober 2012 auszudehnen. Zur Begründung ihres Standpunktes führte die
Beschwerdegegnerin an, die Beschwerdeführerin mache geltend, sie sei zusätzlich zur
Heimarbeit auch noch als Coiffeuse erwerbstätig gewesen. Obwohl die
Beschwerdeführerin angegeben habe, sie habe diese Tätigkeit in der Steuererklärung
deklariert, fehlten diese Unterlagen. Sie verfüge deshalb nicht über Angaben zum
Umfang und zum finanziellen Erfolg dieser Tätigkeit. Dem Auszug aus dem
individuellen Konto sei nicht zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin je einen
selbständigen Erwerb abgerechnet hätte. Die Beschwerdeführerin habe einzig in den
Jahren 1989 und 1990 ein Einkommen von ca. Fr. 38'000.-- verdient. Seither habe sie
durchschnittlich lediglich ein Einkommen von Fr. 8'500.-- verdient. Daher sei sie (die
Beschwerdegegnerin) nach wie vor der Ansicht, die Qualifikation richtig vorgenommen
zu haben. In Bezug auf die geltend gemachten weit grösseren Einschränkungen seien
im Hinblick auf die Schadenminderungspflicht des Ehemannes und des Sohnes zu
Recht bei diversen Positionen nur kleinere Einschränkungen berücksichtigt worden. IV-
rechtlich ohnehin nicht versichert seien Tätigkeiten, die das Übliche und Notwendige
überschritten bzw. reine Freizeitbeschäftigungen darstellten (z.B. Brot- und
Kuchenbacken, Garten- und Tierpflege). Im Rahmen der Schadenminderungspflicht
werde von jedem Versicherten verlangt, dass er sich optimal einrichte und den
Einschränkungen angemessene Hilfsmittel verwende. Dies habe die
Beschwerdeführerin bereits getan. Es wären aber noch weitere Massnahmen denkbar
(Lagern der Vorräte in der Küche, Onlineeinkauf von Nahrungsmitteln). Die Probleme
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mit der Fortbewegung könne die Beschwerdeführerin allenfalls durch geeignete(re)
Hilfsmittel verringern oder sogar beheben. Abschliessend hielt die IV-Stelle an der
Qualifikation und den ermittelten Einschränkungen fest.
B.c Mit Replik vom 25. April 2013 beantragte der Rechtsvertreter der Beschwerde
führerin, die Verfügungen vom 9. November 2012 und vom 15. Oktober 2012 seien
aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei eine ganze Rente ab 1. August 2011
zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin behauptete, die Verfügung
vom 15. Oktober 2012 sei ihm nie rechtsgültig zugestellt worden (nur der
Beschwerdeführerin selbst), er erkläre sich aber damit einverstanden, das Verfahren auf
diese Verfügung auszudehnen. Zur Sache führte er aus, es gehe aus den Akten klar
hervor, dass die Beschwerdeführerin immer berufstätig gewesen sei. Sie habe immer
Heimarbeit verrichtet, auch als die Kinder noch kleiner gewesen seien. In solchen
Fällen erfolge die Ausdehnung der Erwerbstätigkeit in der Regel erst, wenn das jüngste
Kind eine Lehre absolviere und den ganzen Tag von zu Hause abwesend sei. Dies sei
bei der Beschwerdeführerin erst im Jahr 20_ der Fall gewesen, als der jüngste Sohn
seine Lehre begonnen habe. Der RAD habe festgehalten, dass die von den Ärzten
festgestellte volle Arbeitsunfähigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht zu
bestätigen sei und jegliche Tätigkeiten betreffe. Es könne aber dann nicht sein, dass
die volle Arbeitsunfähigkeit in einer Arbeitnehmertätigkeit jegliche Tätigkeiten betreffe,
die Beschwerdeführerin aber im Haushalt nur zu 23% eingeschränkt sein solle. Die von
der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeführte Arbeit weiche nicht dermassen von der
Haushaltstätigkeit ab. Der Vorwurf, die Beschwerdeführerin müsse sich, was die
Auswahl der Hilfsmittel betreffe, professionell beraten lassen, sei verfehlt, da die
Beschwerdeführerin diesbezüglich durch Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin beraten
werde.
B.d Die Beschwerdegegnerin hielt an ihren Ausführungen fest und verzichtete auf eine
Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
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Die Zusprache der Invalidenrente wurde von der Beschwerdegegnerin auf zwei Ver
fügungen aufgeteilt. Die Beschwerdegegnerin sprach der Beschwerdeführerin ab dem
1. November 2012 für die Zukunft (Verfügung vom 15. Oktober 2012, IV-act. 52) und
rückwirkend ab dem 1. August 2011 bis 31. Oktober 2012 eine Viertelsrente zu (Ver
fügung vom 9. November 2012, IV-act. 53). Es ist nicht zulässig, den Rentenanspruch
für bestimmte Perioden je getrennt zu verfügen. Die Verfügungen vom 15. Oktober
2012 und 9. November 2012 bilden deshalb nur Teile ein und derselben
Rentenverfügung. Keiner der beiden Verfügungsteile ist für sich allein rechtskraftfähig,
nur zusammen bilden sie die Rentenverfügung. Der Umstand allein, dass Umfang und
allenfalls Dauer des Rentenanspruchs über den verfügungsweise geregelten Zeitraum
hinweg variieren können, ist unter anfechtungs- und streitgegenständlichem
Gesichtspunkt belanglos. In anfechtungs- und streitgegenständlicher Hinsicht
irrelevant ist, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften und/oder
befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Verfügungen gleichen Datums
eröffnet wird (vgl. BGE 131 V 164 ff. E. 2.3). Nur eine solche Betrachtungsweise ist mit
dem Grundsatz vereinbar, dass die Abklärungs-, Beurteilungs-, Beschlusses- und
Verfügungspflicht der IV-Stelle stets den gesamten Zeitraum bis zum Verfügungserlass
umfasst. Streitgegenstand ist somit der Rentenanspruch ab August 2011.
2.
2.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen, und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität.
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die
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Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
2.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Als Aufgabenbereich einer im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter
anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV).
Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität
diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in
einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet. Gemäss Art. 27 IVV ist nur der Einkommensvergleich anzustellen, wenn
anzunehmen ist, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In
ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls
in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im
Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen Verhaltensweise der
versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu abzuklären, ob die
versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten
Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren berufliche Fähigkeiten,
Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei auf die hypothetischen
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Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt
entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150).
3.
3.1 Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin heute ohne
die Gesundheitsbeeinträchtigung teilweise erwerbstätig und teilweise im Haushalt tätig
wäre. Es stellt sich nun die Frage nach der Erwerbsquote der Beschwerdeführerin.
Während die Beschwerdeführerin zuletzt eine Erwerbsquote von 50-70% angab, hat
die Beschwerdegegnerin eine solche von 30% berücksichtigt. Die
Beschwerdegegnerin begründet ihre Auffassung damit, dass die Beschwerdeführerin
diese Zahl zunächst selbst angegeben habe und dass es keine Hinweise darauf gebe,
dass sie mehr habe arbeiten wollen. Sie habe in den letzten Jahren durchschnittlich nur
ein sehr geringes Einkommen erzielt. Zudem gebe es keine Unterlagen, welche die
selbständige Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Coiffeuse belegen würden. Die
Beschwerdeführerin argumentiert hingegen, sie habe stets gearbeitet, auch als ihre
Kinder noch kleiner gewesen seien: einerseits als Heimarbeiterin und andererseits als
selbständige Coiffeuse bei sich zu Hause. Ab dem Jahr 20_, als der jüngste Sohn mit
der Lehre begonnen habe, hätte sie sogar eine 100%ige Tätigkeit ausüben können.
Sicherlich wäre sie heute aber zu 50-70% erwerbstätig.
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat selbst bereits darauf hingewiesen, dass es über die
hypothetische Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin widersprüchliche Angaben
gebe. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hatte bereits im Einwand geltend
gemacht, anlässlich der Abklärung sei es bei der Besprechung zwischen der
Abklärungsperson und der Beschwerdeführerin zu einem Missverständnis gekommen.
Die Abklärungsperson notierte im Abklärungsbericht, sie halte es für nicht glaubhaft,
dass die Beschwerdeführerin zu mehr als 30% arbeitstätig wäre, da die
Beschwerdeführerin auch bisher nicht mehr gearbeitet habe. Im Abklärungsbericht ist
dementsprechend vermerkt: "A._ würde bei voller Gesundheit wie bisher 30%
arbeiten." Bei dieser Aussage ist nicht klar ersichtlich, was sie genau wiedergibt. Die
Aussage wurde wohl so wiedergegeben, wie sie von der Abklärungsperson gewürdigt
worden war. Hier fällt auf, dass es problematisch ist, wenn nicht zwischen der
Protokollierung der Aussagen der versicherten Person und dem eigentlichen
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Abklärungsbericht mit allfälligen Wertungen der Abklärungsperson unterschieden wird.
Weil eine korrekte Protokollierung fehlt, ist jedenfalls nicht auszuschliessen, dass die
Abklärungsperson und die Beschwerdeführerin sich tatsächlich falsch verstanden
haben. Es ist durchaus denkbar, dass die Beschwerdeführerin heute effektiv mehr
arbeiten würde als früher, da ihr jüngster Sohn nun auch in der Lehre ist. Hier wäre eine
klare Unterscheidung zwischen den gestellten Fragen und den Antworten der
Beschwerdeführerin (wörtliche Protokollierung) und den abschliessenden Beurteilungen
inkl. Wertungen der Abklärungsperson notwendig gewesen. Jedenfalls wäre es aber
angesichts der aufgezeigten Widersprüche unerlässlich gewesen, die
Beschwerdeführerin nochmals zu befragen. Die Beschwerdeführerin hätte gefragt
werden müssen, wieso sie gerade zu 50-70% erwerbstätig sein möchte. Dabei hätte
man allenfalls die genauen Gründe erfahren und so die Aussage der
Beschwerdeführerin besser plausibilisieren können. Die Beschwerdeführerin hätte
dabei möglicherweise genauer angeben können, wie sie sich die Aufteilung vorstellt
(Anteil von x-% Heimarbeit und x-% Coiffeurtätigkeit). Dabei dürfte massgeblich ins
Gewicht fallen, dass die Beschwerdeführerin seit 20_, als der jüngste Sohn seine
Lehre begonnen hat, keine Betreuungspflichten mehr gehabt hat. Entspricht es doch
heutzutage eher der Regel, dass eine Frau, wenn sie keine Betreuungspflichten
gegenüber Kindern mehr hat, erneut eine Arbeitstätigkeit aufnimmt oder ihr
bestehendes Pensum aufstockt. Unter Berücksichtigung des vom Ehemann erzielten,
eher bescheidenen Einkommens wäre eine Ausdehnung des Pensums der
Beschwerdeführerin (allenfalls sogar bis auf 100%) auch aus finanziellen Gründen
denkbar. Auch die Angabe der Beschwerdeführerin, dass sie arbeiten würde, weil sie
Freude an ihrer Arbeit habe, darf nicht ohne Weiteres als unglaubhaft abgetan werden.
Eine Ausdehnung des Pensums erscheint auch dadurch als wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin einer Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, auch als ihre Kinder noch
jünger gewesen sind. Der Sachverhalt wurde in dieser Hinsicht nur unzureichend
abgeklärt. Die Sache ist daher zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.3 Die Beschwerdegegnerin hat dabei sorgfältig abzuklären, in welchem Pensum die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall arbeitstätig wäre (Heimarbeit und Tätigkeit als
Coiffeuse). Zudem ist genau zu prüfen, bei welchen Haushaltstätigkeiten die
Beschwerdeführerin wie stark eingeschränkt ist. Da eine ordentliche medizinische
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Untersuchung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin mit Beurteilung der
qualitativen und quantitativen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit fehlt, ist
allenfalls ein Neurologe beizuziehen und aufzufordern, dazu Stellung zu nehmen,
welche Tätigkeiten im Haushalt er für die Beschwerdeführerin noch als möglich
erachte. Denn es erscheint entgegen der Einschätzung des RAD-Arztes nicht plausibel,
dass die Beschwerdeführerin für jegliche (Erwerbs-)Tätigkeiten (d.h. auch für sämtliche
leidensadaptierte, leichte Tätigkeiten) zu 100% arbeitsunfähig ist, sie aber im Haushalt
lediglich zu weniger als 50% eingeschränkt sein soll. Daher drängt sich eine
medizinische Stellungnahme zur Fähigkeit der Beschwerdeführerin, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, auf.
4.
4.1 Gemäss Art. 43 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) nimmt der Versicherungsträger die notwendigen
Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Zur
Sachverhaltsfeststellung bedient er sich nötigenfalls folgender Beweismittel: Urkunden,
Auskünfte von Parteien, Auskünfte von Drittpersonen, Augenschein und Gutachten von
Sachverständigen (Art. 55 ATSG i.V.m. Art. 12 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]). Im vorliegenden Fall war der Augenschein,
d.h. die Haushaltsabklärung bei der Beschwerdeführerin zu Hause, das für die
Abklärung zentrale Beweismittel. Bei einem Augenschein handelt es sich um eine
Beweiserhebung durch eigene Sinneswahrnehmung der entscheidenden Behörde. Die
korrekte Ermittlung des Sachverhaltes erfordert hier, dass die Abklärungsperson sich
ein Bild an Ort und Stelle macht und sich selbst unmittelbar davon überzeugt, bei
welchen Aufgaben die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen
Beeinträchtigung im Haushaltsbereich eingeschränkt ist. Durch eine Abklärung an Ort
und Stelle können wesentliche Erkenntnisse gewonnen werden, die sich durch ein
Gespräch allein nicht ermitteln lassen. Der Augenschein soll der Abklärungsperson ein
Bild der konkreten Situation verschaffen. Die Abklärung an Ort und Stelle darf daher
nicht auf eine Befragung der versicherten Person und der Familienmitglieder
beschränkt bleiben. Die versicherte Person hat der Abklärungsperson vielmehr zu
zeigen, ob und gegebenenfalls wie es ihr möglich ist, einzelne Aufgaben im Haushalt zu
erledigen.
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4.2 Vorliegend gab die Beschwerdeführerin anlässlich des Früherfassungsgesprächs
an, sie erledige leichte Tätigkeiten wie das Kochen, aber ohne das Heben von Pfannen,
selbst (IV-act. 2-2). Im Abklärungsbericht ist zu lesen, es fehle der Beschwerdeführerin
an der nötigen Kraft in den Händen. Das Rüsten von Gemüse sei daher sehr mühsam
und sie habe einiges länger als früher. Das Kochen sei möglich, sie könne aber keine
schweren Pfannen heben. Sie habe nun einen elektronischen Büchsenöffner gekauft,
eine Flasche könne sie aber nicht öffnen. Früher habe sie gerne Brot und Kuchen
gebacken, heute könne sie dies nicht mehr. Ebensowenig sei es ihr möglich, die Küche
gründlich zu reinigen (vgl. IV-act. 35-6). Der Bericht vermittelt den Eindruck, als sei die
Beschwerdeführerin im Bereich Ernährung sehr stark eingeschränkt. In der
abschliessenden Beurteilung wurde im Bereich Ernährung dann aber lediglich eine
30%ige Einschränkung berücksichtigt (vgl. IV-act. 35-11). Die Beschwerdegegnerin
stellte sich in der Stellungnahme zum Einwand auf den Standpunkt, Kochen und
Rüsten sei der Beschwerdeführerin möglich, sie brauche einfach länger als früher und
Wasser abgiessen sei keine alltägliche Tätigkeit (vgl. IV-act. 49). Im Abklärungsbericht
finden sich keine Hinweise dazu, wie die Beschwerdeführerin kochen sollte, ohne
Pfannen zu heben und ohne Wasser abzuschütten. Es erscheint nicht stimmig, dass
die Beschwerdeführerin in diesem Bereich lediglich zu 30% eingeschränkt sein soll,
wirkt sich doch gerade bei diesen Tätigkeiten die fehlende Kraft in den Armen und
Händen beträchtlich aus. Gerade in solchen Fällen wäre es angezeigt, dass die
Abklärungsperson die versicherte Person dabei beobachtet, wie sie beispielsweise
Gemüse rüstet oder wie sie eine Pfanne hebt. Der Abklärungsbericht erweist sich in
dieser Hinsicht als ungenügend.
4.3 Bei der Abklärung vor Ort hätte die Abklärungsperson genau festhalten müssen,
wie sich die Einschränkungen der Beschwerdeführerin, bzw. ihrer fehlende Kraft, auf
die Betätigungen auswirkt. Für die Beurteilung der tatsächlichen Einschränkungen sind
diese Beobachtungen unverzichtbar. Dazu reicht eine blosse Befragung der
versicherten Person beweisrechtlich nicht aus. Die Abklärungsperson hat auch ihre
Beobachtungen genau zu protokollieren. Bei der Abklärung vor Ort ist es daher
notwendig, dass erstens zwischen der Protokollierung der Befragung der versicherten
Person und der Protokollierung der Beobachtungen unterschieden wird. Zweitens ist
aber auch klar zu unterscheiden zwischen der Protokollierung der Befragung der
versicherten Person (Protokoll über die von der Abklärungsperson gestellten Fragen
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und den von der versicherten Person darauf erwiderten Antworten) und den daraus
gewonnenen eigenen Einschätzungen der Abklärungsperson. Aus einem
Abklärungsbericht muss also klar zu erkennen sein, welches 1. die wiedergegebenen
Aussagen der versicherten Person sind (Frage- und Antwortprotokoll), 2. welche
Angaben bereits eine subjektive Wertung der Abklärungsperson enthalten
(abschliessende Würdigung der Haushaltsabklärung) und 3. welches die
niedergeschriebenen Beobachtungen der Abklärungsperson sind (Protokoll über die
gemachten Beobachtungen; allfällige Wertungen oder Hinweise auf den gewonnenen
subjektiven Eindruck sind klar als solche hervorzuheben).
4.4 Es ist durchaus denkbar, dass die Abklärungsperson die Einschränkungen einer
versicherten Person höher einschätzt als diese selbst, wenn – wie möglicherweise im
vorliegenden Fall – die versicherte Person ihren Zustand besser darstellt, als er
tatsächlich ist. Eine versicherte Person kann sich beispielsweise bis zum Äussersten
zusammenreissen und einzelne Aufgaben mit gosser Mühe vorzeigen, die sie, wäre sie
unbeobachtet, niemals erledigen würde. Eine versicherte Person kann aber auch ihre
Schmerzdarstellung deutlich übertreiben. Darauf hat die Abklärungsperson zu achten.
Sie soll dies notieren, aber diese Bemerkungen klar als ihre persönliche Einschätzung
zu erkennen geben. Jedenfalls darf auch in Fällen, in denen eine versicherte Person
ihren Gesundheitszustand besser darstellt, als er tatsächlich ist, und sie deshalb zu
geringe Einschränkungen geltend gemacht hat, nicht allein auf diese ursprünglichen
Angaben der versicherten Person abgestellt werden.
4.5 Unter "Ziff. 7.5 Wäsche und Kleiderpflege" wurde im Abklärungsbericht vermerkt,
den Wäschekorb trage der Sohn oder der Ehemann. Das Sortieren der Wäsche sei
möglich, ebenso das Aufhängen von kleinen Wäschestücken. Für grössere Wäsche
fehle der Beschwerdeführerin die Kraft. Die Beschwerdeführerin habe beim Bügeln
sicher doppelt so lange wie früher. Etwa die Hälfte der Wäsche werde von der
Schwiegermutter gebügelt. Auch das Kleiderflicken erledige die Schwiegermutter, da
die Beschwerdeführerin feinmotorische Sachen nicht mehr erledigen könne. Auch hier
vermittelt der Abklärungsbericht den Eindruck, die Beschwerdeführerin sei bei diesen
Tätigkeiten sehr stark eingeschränkt. Abschliessend wurde dabei aber – ohne weitere
Bemerkung – lediglich eine Einschränkung von 40% berücksichtigt. Diese nur geringe
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Einschränkung ist mit den Angaben im Bericht nicht zu vereinbaren. Auch in dieser
Hinsicht erweist sich daher der Abklärungsbericht als ungenügend.
5.
5.1 Es drängt sich die Schlussfolgerung auf, dass die Beschwerdegegnerin bei der
Haushaltabklärung in einem ganz erheblichen Ausmass die Mithilfe des Ehemannes
und des Sohnes berücksichtigt hat, ohne diese allerdings nachvollziehbar zu beziffern
und bei den einzelnen Bereichen auszuweisen und zu begründen. Wohl bedingt durch
diese Schadenminderungspflicht hat sie nur eine geringe Einschränkung der
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Haushalt ermittelt. Unter Ziff. 7.3 wurde
im Abklärungsbericht vermerkt, es sei dem Ehemann zumutbar, einen Teil der
Wohnungspflege zu übernehmen. Die Einschränkung der Beschwerdeführerin
verringere sich daher um 10%. Welche Tätigkeiten dem Ehemann genau zumutbar sein
sollen, wurde nicht erwähnt. Unter Ziff. 7.4 hielt der Abklärungsbericht fest, es sei dem
Ehemann zumutbar, den Einkauf zu übernehmen. Deshalb werde der
Beschwerdeführerin bei diesem Aufgabenbereich keine Einschränkung angerechnet
(vgl. IV-act. 35-11). Auch unter Ziff. 7.7 gilt die Beschwerdeführerin gemäss
Abklärungsbericht als nicht eingeschränkt, da es ihrem Ehemann und ihrem Sohn
zumutbar sei, die Gartenarbeit und die Tierpflege vollständig zu übernehmen. Wieso
die Hilfe durch Dritte einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
haben soll, wird nicht ausgeführt. Es fällt auf, dass hier nicht unterschieden wird
zwischen der persönlichen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin (ihrer
persönlichen Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen) und der Mithilfe Dritter,
durch welche die Einschränkungen der Beschwerdeführerin eine Verminderung
erfahren sollen. Aus dem vorliegenden Haushaltsbericht könnte auch der Schluss
gezogen werden, dass es dem Ehemann und dem Sohn zumutbar sei, den gesamten
Haushalt alleine (ohne Hilfe der Beschwerdeführerin) zu erledigen, womit die
Beschwerdeführerin (nach dieser Sichtweise) im Haushalt gar nicht invalid wäre.
5.2 Im Rahmen der Schadenminderungspflicht sind die Auswirkungen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung durch geeignete organisatorische Massnahmen
möglichst zu mildern. So hat sich die Beschwerdeführerin beispielsweise einen
Roboterstaubsauger und einen elektronischen Büchsenöffner angeschafft. Für die
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Frage, ob und gegebenenfalls zu wie viel Prozent eine Person im Aufgabenbereich
invalid ist, ist es hingegen irrelevant, ob und gegebenenfalls wer die versicherte Person
bei der Erledigung dieser Aufgaben unterstützt oder unterstützen könnte. Denn bereits
die Beeinträchtigung des versicherten Gutes (der Fähigkeit, im Aufgabenbereich tätig
zu sein) begründet die Invalidität einer versicherten Person. Die Wohnsituation einer
versicherten Person, d.h. ob sie alleine, in einer Partnerschaft oder ein einer Familie mit
Kindern wohnt, darf keinen Einfluss darauf haben, ob sie als invalid gilt oder nicht.
Versichert ist nicht die Fähigkeit von Lebenspartnern oder einer ganzen
Familiengemeinschaft, zusammen die Aufgaben im Haushaltsbereich zu erledigen,
sondern ausschliesslich die Fähigkeit der versicherten Person selbst, diese Aufgaben
auszuführen. Die Schadenminderungspflicht kann also keine (reale oder fiktive) Pflicht
des Ehegatten oder der Kinder einer versicherten Person beinhalten, diese Aufgaben
teilweise oder sogar vollständig zu übernehmen (vgl. zu dieser Frage die Urteile des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Oktober 2009, IV 2008/235,
E. 4, 28. Oktober 2009, IV 2008/103 unter Verweis auf Hardy Landolt,
Hauswirtschaftliche Schadenminderungspflicht von Angehörigen bei der Inva
liditätsbemessung, in: Schaffhauser/Schlauri[Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung
2007, S. 115 ff.; vgl. aber die in BGE 130 V 396 nicht publizierte E. 8 des Urteils des
Bundesgerichts vom 18. Mai 2004 I 457/02).
5.3 Wollte die Beschwerdegegnerin dessen ungeachtet eine
Schadenminderungspflicht des Ehegatten und des Sohnes heranziehen, hätte sie sehr
genau abzuklären, wie sich die Situation im Haushalt der Beschwerdeführerin konkret
darstellt. Beispielsweise wäre dann genau zu prüfen, wie sich die Situation mittags
gestaltet. Gemäss Abklärungsbericht ist der Ehemann immer und der Sohn meistens
mittags zu Hause. Zur Situation mittags müsste aber genau abgeklärt werden, wie viel
Zeit den beiden zur Verfügung steht. Denn da die Beschwerdeführerin eingeschränkt ist
und keine Töpfe mit Wasser aufsetzen kann, werden der Ehemann und der Sohn nicht
nach Hause kommen und sich an den Tisch setzen und essen können. Bevor die
Beschwerdeführerin damit beginnen kann zu kochen, muss jemand das Wasser
aufsetzen. Sind die Speisen fertig gekocht, muss jemand das Wasser abgiessen usw.
Diese Organisation bringt einen erheblichen Mehraufwand mit sich, der nicht
unberücksichtigt bleiben darf. Der Ehemann und der Sohn müssten dazu befragt
werden, wie viel Zeit ihnen über Mittag zur Verfügung steht. Ungeklärt ist u.a. auch, ob
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die Familie in der Küche essen kann, oder ob die Speisen ins Esszimmer gebracht
werden müssen. Eine entsprechend umfassende Abklärungspflicht besteht natürlich für
alle Aufgabenbereiche, bei denen auf die Schadenminderungspflicht durch
Familienmitglieder zurückgegriffen werden will.
6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der massgebliche Sachverhalt nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Die Sache ist deshalb zur weiteren Ab
klärung an die Beschwerdeführerin zurückzuweisen. Dieser Verfahrensausgang wird
praxisgemäss als Unterliegen der Beschwerdeführerin betrachtet, was zur Folge hat,
dass die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat. Die
Parteientschädigung wird auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festgesetzt. Da der Verfahrensaufwand als durchschnittlich zu betrachten ist, beträgt
die von der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu bezahlende Gerichtsgebühr
Fr. 600.--. Der Kostenvorschuss von ebenfalls Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin
zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP