Decision ID: 06f1b7f8-8d1f-5a72-ad18-9090d279f51c
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Grundstücke Nrn. 0000 (L. GmbH), 0001 (M.K. und P.K.) und 0002 (E.W.),
Grundbuch O., liegen nördlich von M. in der Gemeinde O. und sind gemäss
rechtskräftigem Zonenplan der Gemeinde O. der Landwirtschaftszone (östliches
Teilgebiet) bzw. der Intensiverholungszone Reiten (IE R; westliches Teilgebiet)
zugewiesen (www.geoportal.ch). Im Gebiet der bestehenden IE R sind die Grundstücke
mit diversen Ställen und Reithallen überbaut. Auf dem Grundstück Nr. 0001 befindet
sich zudem ein Wohnhaus mit angebauter Scheune.
... (Situationsplan) ...
B. Die der Landwirtschaftszone zugewiesenen Teilflächen sind mit verschiedenen,
ohne Baubewilligung erstellten reitsportlichen Bauten und Anlagen überbaut
(Allwetterplatz mit Sandbelag, Wellblechunterstand auf einbetonierten Stützpfosten,
Naturhindernisse, Erdwälle). Mit Schreiben vom 29. November 2006 verweigerte das
heutige Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (AREG) die Zustimmung zur
nachträglichen Baubewilligung im ordentlichen Baubewilligungsverfahren und forderte
den Gemeinderat O. auf, die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
anzuordnen.
C. Um die reitsportlichen Anlagen dennoch zu erhalten, liessen die betroffenen
Grundeigentümer in der Folge eine Ausweitung der IE R auf die Gesamtfläche ihrer
Grundstücke prüfen. Der Gemeinderat O. reichte dem AREG am 13. April 2007 den
Teilzonenplan "L." erstmals zur Vorprüfung ein. Dieses hielt fest, bereits die im Jahr
1994 erfolgte Einzonung der bestehenden IE R sei aufgrund des Standorts abseits der
Bauzone äusserst fragwürdig. Bereits damals sei bestimmt worden, dass mit der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einzonung gleichzeitig der Vollausbau abgesteckt sei. Ein wichtiges öffentliches
Interesse an der Erweiterung der Zone sei zudem nicht gegeben. Der Gemeinderat
lehnte den Teilzonenplan mit Verfügung vom 1. Oktober 2007 ab. Nachdem die
Grundeigentümer hiergegen rekurriert und auf das rege Interesse am Reitsport
hingewiesen hatten, widerrief der Gemeinderat seine Verfügung und unterbreitete den
Teilzonenplan am 20. November 2008 erneut dem AREG zur Vorprüfung. Dieses
stimmte der Umzonung nun im Grundsatz zu, forderte aber, dass die Qualität des
Bodens als Fruchtfolgefläche (FFF) planerisch geschützt werde, damit der Boden im
Bedarfsfall wieder landwirtschaftlich genutzt werden könne.
D. Der Gemeinderat überlagerte den gesamten Planperimeter mit der geforderten
Nutzungsbeschränkung hinsichtlich der FFF und erliess den Teilzonenplan "L." am
16. Februar 2009. Innert der Auflagefrist vom 11. März bis 9. April 2009 erhoben der
WWF Schweiz, vertreten durch die Sektion St. Gallen, und die Eigentümer der
nördlichen Nachbargrundstücke – H.B. und D.B. (Nr. 0003) sowie H.H. (Nrn. 0004 und
0005) – Einsprachen. Diese Grundstücke waren bereits Gegenstand diverser Verfahren,
aus denen letztlich die Abweisung eines entsprechenden Einzonungsgesuchs in die
Wohn-Gewerbezone 2 (vgl. BGer 1C_252/2012 vom 12. März 2013) und die teilweise
Verpflichtung zur Wiederherstellung zu Unrecht umgenutzter und erweiterter Bauten
bzw. Anlagen resultierte (vgl. VerwGE B 2012/162 vom 29. August 2014,
www.gerichte.sg.ch).
Anlässlich einer Einspracheverhandlung wurde mit dem WWF vereinbart, dass das
Plangebiet des Teilzonenplans mittels eines zusätzlichen Überbauungsplanes in einen
Baubereich sowie in freizuhaltende Arealteile unterteilt werden solle. Der Gemeinderat
wies beide Einsprachen mit Entscheid vom 7. September 2009 ab. Weiter stellte er am
14. Oktober 2009 fest, dass ein zustimmender Entscheid der Bürgerschaft vorliege –
das fakultative Referendum gegen den Planerlass war nicht ergriffen worden – und
eröffnete den Einsprechern die Rechtsmittelfrist. Den vom Ehepaar H.B. und D.B. und
H.H. erhobenen Rekurs wies das Baudepartement mit Entscheid vom 25. Oktober
2010 ab.
E. Gegen diesen Rekursentscheid erhoben H.B. und D.B. sowie H.H.
(Beschwerdeführer) am 9. November 2010 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Verfahren B 2010/266, act. 1). Am 15. Dezember 2010 beantragten die
Beschwerdeführer, entweder die Frist zur Begründung der Beschwerde bis zum
Vorliegen der rechtskräftigen Genehmigungsverfügung zu erstrecken oder das
Verfahren bis zu diesem Zeitpunkt zu sistieren (act. 6). Der
Verwaltungsgerichtspräsident sistierte das Verfahren mit Verfügung vom 17. Dezember
2010 bis zur Genehmigung des Teilzonenplans L. und nahm die Frist zur Ergänzung der
Beschwerde ab (act. 7).
F. Im Hinblick auf die Genehmigung des Teilzonenplans und des bereits vorbereiteten
Überbauungsplans (vgl. dazu oben Bst. D) klärte das AREG ab, inwiefern dem
Plangebiet noch FFF-Qualität zukomme. Das beigezogene Amt für Umwelt und Energie
(AFU) hielt in einer Stellungnahme vom 14. Januar 2011 fest, der vom Plan erfasste Teil
der Parzelle Nr. 0000 (Sandplatz östlich der Stallgebäude) sowie der bereits überbaute
Teil der Parzelle Nr. 0001 (östlich des Gebäudes Vers.-Nr. 0006) genügten aufgrund der
bereits erstellten Bauten und Anlagen den qualitativen Anforderungen an FFF nicht
mehr (Rekursdossier 12-2088, act. 18). Diese Einschränkung betrifft etwa die Hälfte
des Plangebietes (ebd., vgl. Skizze). Aus diesem Grund passte der Gemeinderat O. den
Teilzonenplan hinsichtlich der FFF an und überarbeitete den Überbauungsplan. Er
erliess den Teilzonenplan "L." (Änderungen bezüglich FFF) und den Überbauungsplan
"L." am 22. August 2011 und legte die Erlasse vom 7. September bis 6. Oktober 2011
(erneut) öffentlich auf. Eine von H.B. und D.B. sowie H.H. gegen beide Pläne erhobene
Einsprache wies der Gemeinderat O. am 19. März 2012 ab.
G. Als unterlegene Einsprecher erhoben H.B. und D.B. sowie H.H. gegen diesen
Entscheid Rekurs beim Baudepartement. Dieses wies zunächst in einem selbständig
eröffneten Zwischenentscheid das gegen die zuständige Sachbearbeiterin gestellte
Ausstandsbegehren ab. Mit Entscheid vom 2. Oktober 2012 wies es den Rekurs in der
Hauptsache ab, soweit es darauf eintrat. Das Baudepartement verneinte seine
Zuständigkeit hinsichtlich der gegen die Zulässigkeit der Einzonung vorgebrachten
Rügen, weil diesbezüglich Rechtshängigkeit beim Verwaltungsgericht bestehe. Seine
Zuständigkeit bejahte es, soweit eine Verletzung des Koordinationsgebotes geltend
gemacht sowie Rügen gegen den Überbauungsplan erhoben worden waren. In dieser
Hinsicht wies es den Rekurs ab (Entscheid Nr. 48/2012 vom 2. Oktober 2012).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
H. Gegen den Rekursentscheid erhoben H.B. und D.B. sowie H.H. (Beschwerdeführer)
mit Eingabe vom 17. Oktober 2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht (Verfahren B
2012/227, act. 1). Am 4. November 2012 beantragten sie, das Verfahren vorläufig zu
sistieren und im Anschluss an die rechtskräftige Erledigung des Ausstandsbegehrens –
dieses war ebenfalls beim Verwaltungsgericht angefochten worden (Verfahren B
2012/179); das Bundesgericht hat das Vorliegen von Ausstandsgründen mit Urteil vom
5. Mai 2014 in letzter Instanz verneint (Entscheid 1C_96/2014) – und nach erfolgter
Genehmigung der Planerlasse durch das Baudepartement Frist für die
Beschwerdeergänzung anzusetzen. In der Vernehmlassung vom 8. November 2012
teilte das Baudepartement mit, das Genehmigungsverfahren betreffend Teilzonenplan
einschliesslich der Änderung sowie betreffend Überbauungsplan sei bereits eingeleitet
und werde in absehbarer Zeit abgeschlossen (act. 10). Mit Verfügung vom 11. Februar
2013 sistierte der Präsident des Verwaltungsgerichts das Beschwerdeverfahren bis zur
Genehmigung der beiden Planerlasse (act. 20).
I. Mit Schreiben vom 28. August 2014 teilte das AREG dem Verwaltungsgericht mit, die
Genehmigung sei bis Ende 2014 (allenfalls Frühling 2015) zu erwarten. Die
Genehmigung hänge von der Auszonung einer Kompensationsfläche ab. Am
26. Januar 2015 hielt das AREG sinngemäss fest, die Einzonung geniesse derzeit keine
Priorität und werde zu Gunsten eines wirtschaftlich bedeutenden Grossprojekts
zurückgestellt. Die Genehmigung der streitigen Erlasse könne "im optimalen Fall
frühestens etwa Mitte 2016" in Aussicht gestellt werden.
J. Mit Eingabe vom 2. März 2015 beantragten die Beschwerdeführer, die Sistierung
beider Beschwerdeverfahren zu beenden, die beiden Beschwerden zu schützen und
die Angelegenheit zur koordinierten Behandlung von Rekurs und Genehmigung an das
Baudepartement zurückzuweisen. Am 4. März 2015 teilte der Präsident des
Verwaltungsgerichts den Verfahrensbeteiligten die Absicht mit, die Sistierungen
aufzuheben und bei der Behandlung der Beschwerde davon auszugehen, dass die
streitigen Pläne auf absehbare Zeit nicht genehmigungsfähig seien. Vorinstanz und
AREG verzichteten zunächst auf eine Stellungnahme. Die Beschwerdegegner L. GmbH
sowie M.K. beantragten in ihrer Stellungnahme vom 11. März 2015, die Sistierung
aufrecht zu erhalten. Das Begehren um Aufhebung der Sistierung erneuerte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführer am 18. Januar 2016. Die Beschwerdegegner
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beantragten in der Folge, die Verfahren weiter zu sistieren. Das AREG bejahte die
Genehmigungsfähigkeit der Erlasse nach geltender Raumplanungsgesetzgebung
(vorbehältlich der Genehmigung des angepassten Richtplans durch den Bundesrat)
und beantragte ebenfalls die weitere Sistierung (Vernehmlassung vom 29. April 2016).
In einer weiteren Stellungnahme vom 19. Mai 2016 hielten die Beschwerdeführer an
ihren Anträgen und Begründungen fest.
K. Am 14. Dezember 2017 teilte das AREG mit, die Planerlasse könnten nun
grundsätzlich genehmigt werden, nachdem der kantonale Richtplan (Teil Siedlung) am
1. November 2017 vom Bundesrat genehmigt worden sei. Allerdings sei der
Planperimeter nicht Teil des im kantonalen Richtplan ausgeschiedenen
Siedlungsgebiets; die Genehmigung bedinge eine Änderung des Richtplanes. Diese
werde durch den Bundesrat voraussichtlich im Herbst 2018 genehmigt. Die
Genehmigung der Planerlasse sei im Anschluss zu erwarten.
Der Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts teilte den Parteien am 5. Januar 2018
mit, eine weitere Sistierung sei nicht mehr zu rechtfertigen. Dies gelte umso mehr, als
die streitigen Planerlasse seit neun bzw. sieben Jahren von der Genehmigungsbehörde
mit immer neuen Begründungen als derzeit nicht genehmigungsfähig bezeichnet
würden. Die Sistierung der Verfahren werde aufgehoben. Die Verfahrensbeteiligten
liessen sich hierzu inhaltlich nicht vernehmen.
Auf die angefochtenen Entscheide, die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die
Akten wird – soweit notwendig – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Beschwerden, die sich auf denselben Streitgegenstand beziehen und die nämlichen
Tatbestands- und Rechtsfragen aufwerfen, können verfahrensrechtlich vereinigt und in
einem einzigen Entscheid erledigt werden (GVP 1972 Nr. 30). Die Verfahren B 2010/266
und B 2012/227 betreffen zwar zwei verschiedene Streitgegenstände. Die Planerlasse
haben jedoch dieselben Grundstücke zum Gegenstand und werfen die nämlichen
Tatbestands- und Rechtsfragen auf; die Verfahrensbeteiligten sind zudem identisch.
Die zu klärenden Rechtsfragen hängen aktenmässig und inhaltlich eng zusammen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
lassen sich ohne weiteres in einem Entscheid beantworten. Die Verfahren sind zu
vereinigen.
2. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Das
Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführer
sind zur Beschwerdeerhebung befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Die Beschwerden wurde mit Eingaben vom 9. November 2010 (Verfahren B 2010/266)
bzw. 17. Oktober 2012 (Verfahren B 2012/227) rechtzeitig erhoben. Zu einer
eigentlichen nachträglichen Beschwerdebegründung kam es zwar in keinem der beiden
Verfahren. Aus den Eingaben der Beschwerdeführer vom 2. März 2015, 18. Januar
2016, 23. Mai 2016 und 22. April 2016 ergeben sich jedoch Anträge und Begründung in
inhaltlich und formell ausreichender Weise (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1
und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerden ist demnach einzutreten.
3. Seit 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz vom 5. Juli 2016 (sGS 731.1,
nGS 2017-049, PBG) in Kraft. Gleichzeitig ist das Gesetz über die Raumplanung und
das öffentliche Baurecht vom 6. Juni 1972 (sGS 731.1, BauG) aufgehoben worden
(Art. 172 PBG). Damit stellt sich die Frage, ob auf die Verfahren das bisher geltende
BauG oder die Bestimmungen des neuen PBG anzuwenden sind. Auf Nutzungspläne,
die bei Vollzugsbeginn des PBG nach Art. 29 BauG bereits öffentlich aufgelegen
haben, wird gemäss Art. 174 PBG das bisherige Recht angewendet. Dies gilt nicht nur
für die Verfahrensvorschriften, sondern auch für die materiellen Vorschriften des
Raumplanungsrechts. Weil das neue PBG erst während des hängigen
Beschwerdeverfahrens in Kraft getreten ist, beurteilen sich die streitigen Planerlasse
weiterhin nach den Bestimmungen des BauG (vgl. auch Kreisschreiben des
Baudepartements vom 8. März 2017, "Übergangsrechtliche Bestimmungen im
Planungs- und Baugesetz", S. 4 f., www.sg.ch).
4. Eine weitere übergangsrechtliche Fragestellung ergibt sich weiter aus dem Umstand,
dass am 1. Mai 2014, d.h. während der Dauer der Sistierung der
verwaltungsgerichtlichen Verfahren, die Revision des Bundesgesetzes über die
Raumplanung (SR 700, RPG) vom 15. Juni 2012 in Kraft getreten ist (AS 2014 899; vgl.
Botschaft des Bundesrates vom 20. Januar 2010, in: BBl 2010 1049 ff.). Sowohl der
bis
http://www.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Grundsatzentscheid, die bestehende IE R im Gebiet L. zu Lasten der
Landwirtschaftszone zu vergrössern, als auch die Änderung bezüglich FFF und der
Erlass eines Überbauungsplanes ergingen in Anwendung der bis Ende April 2014
anwendbaren Fassung des RPG. Dies gilt auch für die beiden angefochtenen
Rekursentscheide.
4.1. Mit der am 1. Mai 2014 in Kraft getretenen Revision des RPG wollte der
Gesetzgeber die Zersiedelung eindämmen und den Kulturlandverlust stoppen, dies
unter anderem durch inhaltliche Anforderungen an die kantonalen Richtpläne im
Bereich Siedlung (Botschaft, a.a.O., 1053). Nach der Übergangsbestimmung von Art.
38a RPG passen die Kantone innert fünf Jahren nach Inkrafttreten der Änderung ihre
Richtpläne an die Anforderungen der Art. 8 und 8a Abs. 1 RPG an (Abs. 1). Bis zur
Genehmigung dieser Richtplananpassung durch den Bundesrat darf im betreffenden
Kanton die Fläche der rechtskräftig ausgeschiedenen Bauzonen insgesamt nicht
vergrössert werden (Abs. 2). Bis zur Genehmigung der Richtplananpassung sind damit
grundsätzlich alle Einzonungen, die bis zum 1. Mai 2014 nicht rechtskräftig geworden
sind, zu kompensieren. Der Gesetzgeber, der davon ausging, dass die Bauzonen in
zahlreichen Kantonen überdimensioniert seien und das geltende Recht lückenhaft sei –
insbesondere fehlten klare Vorgaben zur Entwicklung und Begrenzung des
Siedlungsgebietes in den kantonalen Richtplänen –, schuf mit Art. 38a RPG bewusst
griffige Übergangsbestimmungen. Die Kantone mussten nach der Revision ihre
Richtpläne anpassen, um insbesondere die Grösse der Siedlungsfläche insgesamt und
ihre Verteilung im Kanton zu bestimmen, eine hochwertige Siedlungsentwicklung nach
innen zu bewirken und sicherzustellen, dass die Bauzonen den Anforderungen von Art.
15 RPG entsprechen (Art. 8a RPG). Wo dies nicht der Fall ist, sind Rückzonungen
erforderlich (Art. 15 Abs. 2 RPG; zum Ganzen vgl. BGer 1C_365/2015 vom
9. Dezember 2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Es besteht ein gewichtiges öffentliches
Interesse daran, dass die rechtskräftigen Bauzonen der Kantone während der
Übergangsfrist nicht noch vergrössert werden, um die Anpassung der Richtpläne und
allenfalls gebotene Rückzonungen nicht negativ zu präjudizieren. Es sprechen deshalb
zwingende Gründe für die sofortige Anwendung von Art. 38a Abs. 2 RGP (BGer
1C_612/2014 vom 26. August 2015 E. 2.6, in: ZBl 116/2015 S. 607; 1C_365/2015 vom
9. Dezember 2015 E. 4.3.1 mit Hinweis).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Richtplan-Anpassung 15 wurde von der Regierung des Kantons St. Gallen am
28. Juni 2016 erlassen und vom Bundesrat am 3. Februar 2017 genehmigt (BBl 2012
1221). Dass bis dahin die Übergangsbestimmung von Art. 38 Abs. 2 RPG galt, ist
offensichtlich. Den genannten öffentlichen Interessen liefe es nun diametral entgegen,
wenn der neue kantonale Richtplan sowie die revidierte Fassung von Art. 15 RPG nach
der Genehmigung des Richtplanes durch den Bundesrat nicht angewendet und
stattdessen zum alten Recht zurückgekehrt würde. Sinn und Zweck der sofortigen
Anwendung von Art. 38a RPG lag wie erwähnt darin, die Anpassung der Richtpläne
und allenfalls gebotene Rückzonungen nicht negativ zu präjudizieren. Gerade dies wäre
jedoch die Folge, wenn eine Zonenplanrevision, die – wie hier – diesem
Übergangsregime unterlag, nach Genehmigung des Richtplans nicht auf die
Vereinbarkeit mit diesem und mit Art. 15 RPG in seiner heutigen Fassung überprüft
würde (BGer 1C_384/2017 vom 16. Januar 2018 E. 2.5). Das Bundesgericht hatte aus
diesem Grund bereits früher in einem den Kanton Luzern betreffenden Fall die Sache
zur Prüfung der streitigen Einzonungen im Lichte des revidierten Richtplanes und des
revidierten RPG an den Regierungsrat zurückgewiesen, nachdem der revidierte
kantonale Richtplan während des bundesgerichtlichen Verfahrens vom Bundesrat
genehmigt worden war (BGer 1C_315/2015 vom 24. August 2016 E. 3.5; nicht
publiziert in BGE 142 II 509).
4.2. Planungsbehörde ist im Rahmen von Verfassung, Gesetz und übergeordneter
Planung die politische Gemeinde (Art. 2 Abs. 1 und Art. 4 f. BauG). Für den Erlass und
die Änderung von Baureglement und Zonenplan ist die Bürgerschaft zuständig.
Schutzverordnungen und Sondernutzungspläne werden von der zuständigen
Gemeindebehörde bzw. dem Gemeinderat, also der Exekutive, erlassen und geändert
(Art. 29 f. BauG; B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 63).
Der Planungsbehörde kommt dabei ein Entscheidungsspielraum zu. Die Ausübung des
Ermessens hat gestützt auf allgemeine Rechtsprinzipien zweckmässig und
angemessen zu erfolgen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 740). Nach Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG gewährleistet das
kantonale Recht die volle Überprüfung von Nutzungsplänen durch wenigstens eine
Beschwerdebehörde. Der Anspruch umfasst neben der Rechts- und
Sachverhaltskontrolle auch die Ermessensüberprüfung (BGE 127 II 238 E. 3.b; BGE
118 Ib 381 E. 3.c). Diese Funktion ist im kantonalen Recht dem Rekursverfahren vor
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dem Baudepartement zugedacht (Art. 46 Abs. 1 VRP). Hält sich die politische
Gemeinde an die erwähnten Schranken, wahrt dieses den nötigen Ermessensspielraum
der Planungsbehörde bei der Orts- und Regionalplanung (Art. 3 Abs. 2 BauG).
Demgegenüber ist die Kognition des Verwaltungsgerichts bei der Überprüfung der
Nutzungsplanung beschränkt, indem es lediglich zur Rechtskontrolle befugt ist (Art. 61
Abs. 1 und 2 VRP). Liegt ein Entscheid noch innerhalb des Ermessensspielraums bzw.
wurden die Verfassungsprinzipien sowie der Sinn und Zweck der gesetzlichen Ordnung
beachtet, ist noch keine Rechtsverletzung gegeben, selbst wenn das Ermessen
unzweckmässig gehandhabt wurde. Anders verhält es sich bei einem qualifizierten
Ermessensfehler, wenn die Verwaltungsbehörde das Ermessen missbraucht bzw. über-
oder unterschritten hat. Solche Entscheide müssen vom Verwaltungsgericht
aufgehoben werden (vgl. z.B. VerwGE B 2015/308 vom 26. Oktober 2017 mit Hinweis
auf VerwGE B 2013/166 vom 4. Dezember 2014 E. 2.2, beide www.gerichte.sg.ch;
Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 740 mit Hinweisen).
4.3. Nach der bis Ende April 2014 geltenden Fassung von Art. 15 RPG umfassten
Bauzonen Land, das sich für die Überbauung eignet und weitgehend überbaut ist oder
voraussichtlich innert 15 Jahren benötigt und erschlossen wird. Mit der revidierten
Fassung von Art. 15 RPG wurde die Schaffung neuer Bauzonen zusätzlich an diverse
neue Bedingungen geknüpft: Die Bauzonen sind so festzulegen, dass sie dem
voraussichtlichen Bedarf für 15 Jahre entsprechen (Abs. 1). Überdimensionierte
Bauzonen sind zu reduzieren (Abs. 2). Lage und Grösse der Bauzonen sind über die
Gemeindegrenzen hinaus abzustimmen; dabei sind die Ziele und Grundsätze der
Raumplanung zu befolgen. Insbesondere sind die Fruchtfolgeflächen zu erhalten sowie
Natur und Landschaft zu schonen (Abs. 3). Land kann neu einer Bauzone zugewiesen
werden, wenn es sich für die Überbauung eignet, es auch im Fall einer konsequenten
Mobilisierung der inneren Nutzungsreserven in den bestehenden Bauzonen
voraussichtlich innerhalb von 15 Jahren benötigt, erschlossen und überbaut wird,
Kulturland damit nicht zerstückelt wird, seine Verfügbarkeit rechtlich sichergestellt ist
und damit die Vorgaben des Richtplans umgesetzt werden (Abs. 4 lit. a-e). Bei der
Erweiterung von Bauzonen sind sodann weitere Kriterien zu berücksichtigen, etwa die
Richtplaninhalte im Bereich Siedlung gemäss Art. 8a RPG und Art. 5 und 5a RPV.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Schaffung neuer Bauzonen ist demnach – anders als noch in den Rekursverfahren
– von einer Vielzahl planerischer Wertentscheidungen abhängig gemacht worden. Weil
dem Verwaltungsgericht lediglich die Rechtskontrolle über die Erlasse der
Planungsbehörde zugedacht ist, geht es nicht an, dass es die streitige Einzonung
(mitsamt Sondernutzungsplan) als erste (und einzige) kantonale Instanz im Lichte des
revidierten Richtplans und des revidierten RPG – unter Berücksichtigung der Einwände
der Beschwerdeführer – prüft. Wie die Beschwerdeführer in ihrer Eingabe vom 25. Mai
2016 zu Recht geltend machen, ist dies eine Ermessensbetätigung und damit Sache
der politischen Gemeinde als Planungsbehörde. Diese wird sich mit der Frage befassen
müssen, ob die Neueinzonung von unbebauten Fruchtfolgeflächen zugunsten des
Pferdesports im Lichte der dargelegten Voraussetzungen und Vorgaben erwünscht und
zulässig ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Planperimeter heute nicht Teil des
im Richtplan ausgeschiedenen Siedlungsgebietes ist. Wird nicht erneut eingezont,
wäre sodann die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes anzuordnen. Die
Beschwerden sind bereits aus diesem Grund gutzuheissen, und die Rekursentscheide
sind mitsamt den zu Grunde liegenden Planerlassen aufzuheben.
5. Das AREG ist demgegenüber offenbar der Meinung, die Prüfung nach Art. 15 RPG in
der neuen Fassung könne mit den (noch ausstehenden) Genehmigungsentscheiden
erfolgen.
5.1. Gemäss Art. 26 RPG genehmigt eine kantonale Behörde die Nutzungspläne und
ihre Anpassungen (Abs. 1). Sie prüft diese auf ihre Übereinstimmung mit den vom
Bundesrat genehmigten kantonalen Richtplänen (Abs. 2). Mit der Genehmigung durch
die kantonale Behörde werden die Nutzungspläne verbindlich (Abs. 3).
Dem kantonalen Recht bleibt es vorbehalten, über die Mindestanforderungen von Art.
26 Abs. 2 RPG hinaus weitere Genehmigungsvoraussetzungen vorzusehen. So ist im
Kanton St. Gallen der Nutzungsplan im Genehmigungsverfahren auch auf seine
Zweckmässigkeit und Angemessenheit hin zu prüfen (Art. 31 in Verbindung mit Art. 3
Abs. 2 BauG; B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 262).
Allerdings respektiert die Genehmigungsbehörde – in Anbetracht von Art. 2 Abs. 3 RPG
und der Gemeindeautonomie – das Ermessen der Planungsbehörde und schreitet nur
ein, wenn sich der kommunale Planerlass auf Grund überkommunaler öffentlicher
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Interessen als unzweckmässig erweist, wenn dieser den wegleitenden Grundsätzen
und Zielen der Raumplanung nicht entspricht oder ihnen unzureichend Rechnung trägt
(VerwGE B 2013/232/267 vom 16. April 2014 E. 1.4.1 mit Hinweis auf Waldmann/
Hänni, Kommentar zum Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 26 N 15). Die
Genehmigung ist ein Instrument der Aufsicht des Kantons über die (kommunale)
Nutzungsplanung. Sie ist mehr als blosse Kontrolle, sondern selbst ein Akt der
Nutzungsplanung (A. Ruch, in: Aemissegger/Moor/Ruch/Tschannen, Praxiskommentar
RPG: Nutzungsplanung, Zürich 2016, Art. 26 N 5)
Die Genehmigung ist ein Gültigkeitserfordernis (Art. 26 Abs. 3 RPG). Nach einhelliger
Lehre hat sie konstitutive Bedeutung, weshalb die Anordnungen des Nutzungsplans
erst angewendet werden dürfen, wenn der Genehmigungsbeschluss rechtskräftig
geworden ist (vgl. z.B. Ruch, a.a.O., Art. 26 N 44; Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 26 N
17; P. Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl. 2016,
S. 238; vgl. auch die Hinweise in BGer 1C_190/2007 vom 7. Dezember 2007 E. 2.2.2).
5.2. Die zweifache Überprüfungsmöglichkeit von Nutzungsplänen – Genehmigung
durch eine kantonale Behörde einerseits, Anfechtung mit einem Rechtsmittel
andererseits – wirft die Frage nach der gebotenen Koordination der beiden Verfahren
auf. Über die Genehmigung muss von Amtes wegen entschieden werden; sie
gewährleistet eine gesamtheitliche Sicht auf die Nutzungsplanung. Die Genehmigung
ist nur eine vorläufige Kontrolle, die Rechtsmittelbehörden sind an den
Genehmigungsentscheid nicht gebunden. Zu einem Anfechtungsverfahren kommt es
nur, wenn jemand ein Rechtsmittel gegen den Nutzungsplan ergriffen hat. Der
Rechtsmittelentscheid beschränkt sich regelmässig auf die angefochtenen Punkte
(BGE 135 II 22 E. 1.2.3; Ruch, a.a.O., Art. 26 N 19).
5.2.1. In zeitlicher Hinsicht ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts eine
Abstimmung des Rechtsmittelentscheids auf den Genehmigungsentscheid bereits im
Rahmen des kantonalen Rechtsmittelverfahrens verlangt (vgl. z.B. BGer 1C_190/2007
vom 7. Dezember 2007 E. 2.2.2.2 mit Hinweisen). Dies ergibt sich aus den – auf das
Nutzungsplanverfahren sinngemäss anwendbaren – Koordinationsgrundsätzen von
Art. 25a RPG: Erfordert die Errichtung oder die Änderung einer Baute oder Anlage
Verfügungen mehrerer Behörden, so ist eine Behörde zu bezeichnen, die für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausreichende Koordination sorgt (Abs. 1). Die für die Koordination verantwortliche
Behörde kann die erforderlichen verfahrensleitenden Anordnungen treffen, sorgt für
eine gemeinsame öffentliche Auflage aller Gesuchsunterlagen, holt von allen beteiligten
kantonalen und eidgenössischen Behörden umfassende Stellungnahmen zum
Vorhaben ein und sorgt für eine inhaltliche Abstimmung sowie möglichst für eine
gemeinsame oder gleichzeitige Eröffnung der Verfügungen (vgl. Abs. 2). Die
Verfügungen dürfen keine Widersprüche enthalten (Abs. 3).
Koordiniert muss auch werden, wenn für die verschiedenen Bewilligungen nur eine
Behörde zuständig ist. Die Natur der zu koordinierenden Bewilligungen – namentlich
wenn es sich um raumplanungs- bzw. umweltschutzrechtliche oder um
gewerbepolizeiliche Verfügungen handelt – ist dabei unerheblich (Waldmann/Hänni,
a.a.O., N 22 zu Art. 25a RPG). Die Koordinationspflicht gilt in materieller Hinsicht
("inhaltliche Abstimmung" bzw. "Widerspruchsfreiheit") gleichermassen wie in formeller
(Einsetzung einer "Leitbehörde" und einheitlicher Rechtsmittelinstanzen [Art. 33 Abs. 4
RPG]; vgl. z.B. Hänni, a.a.O., S. 478 ff.; R. Wiederkehr, Ausgewählte Fragen der
Koordinationspflicht nach Art. 25a RPG aus Sicht der Praxis, in: AJP 2015 S. 599 ff.).
Die Koordinationspflicht besteht, wenn zwischen den anzuwendenden Vorschriften ein
"enger sachlicher Zusammenhang" besteht, womit diese Vorschriften nicht getrennt
und unabhängig voneinander beurteilt werden dürfen, ansonsten die gesonderte
Behandlung sachlich zu unhaltbaren Ergebnissen führen könnte (vgl. Hänni, a.a.O., S.
480; zum Ganzen vgl. VerwGE B 2013/232/267 vom 16. April 2014 E. 2,
www.gerichte.sg.ch).
5.2.2. Die genannten Grundsätze gelten gemäss Art. 25a Abs. 4 RPG für das
Nutzungsplanverfahren lediglich "sinngemäss". Koordinationspflichtig sind in erster
Linie Bauten und Anlagen, die ihrer Natur nach nur in einem Planungsverfahren erfasst
werden können (Sondernutzungspläne) sowie die Einzonung von Wald (BGE 116 Ib 54;
Botschaft vom 30. Mai 1994 zu einer Revision des Bundesgesetzes über die
Raumplanung, in: BBl 1994 III 1075 ff., 1089). Für eine sinngemässe Anwendung auf
das Nutzungsplanverfahren eignet sich Art. 25a Abs. 1 RPG, wonach eine für die
Koordination zuständige Behörde bezeichnet werden soll. Dabei wird regelmässig das
Nutzungsplanverfahren zum Leitverfahren bestimmt, weil dieses eine umfassende
Prüfung ermöglicht (Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 25a N 75). Ebenfalls sinngemäss
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anwendbar sind die Vorschriften bezüglich verfahrensmässiger und inhaltlicher
Abstimmung, namentlich bei der Publikation, beim Einholen von Stellungnahmen und
bei der gemeinsamen oder gleichzeitigen Entscheideröffnung (Waldmann/Hänni, a.a.O.,
Art. 25a N 74 und 76).
5.2.3. Im vorliegenden Fall ergibt sich der Koordinationsbedarf aus dem Umstand, dass
die Beschwerdeführer erst mit (konstitutiver) Genehmigung der streitigen
Nutzungspläne materiell beschwert sind. Gemäss einem Teil der Lehre soll die
Eröffnung des Planungsaktes mit Blick auf Art. 25a Abs. 4 RPG zusammen mit dem
Genehmigungsentscheid im Sinne von Art. 26 RPG bzw. zusammen mit dem
Rechtsmittelentscheid erfolgen, damit im Fall einer weiteren Anfechtung eine
gesamthafte Überprüfung erfolgen kann (A. Marti, in: Aemisegger/Kuttler/Moor/Ruch
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Zürich 1999 ff., Art. 25a
N 45 f.). Das Bundesrecht verlangt nach der Praxis des Bundesgerichts jedoch nicht,
dass der Genehmigungsentscheid bei derjenigen Behörde anfechtbar ist, welche die
Rechtsmittel gemäss Art. 33 RPG beurteilt. Das kantonale Recht hat lediglich ein
Verfahren zur Verfügung zu stellen, welches Widersprüche vermeidet. Auf welche
Weise diese Koordination hergestellt wird, bleibt grundsätzlich den Kantonen
überlassen (Art. 25 Abs. 1 RPG; BGer 1P.222/2000 vom 22. November 2000, in: ZBl
102/2001 S. 383 ff. E. 3b mit Hinweisen). Der Genehmigungsentscheid muss
spätestens im Beschwerdeverfahren vor der letzten kantonalen Rechtsmittelinstanz
eingeholt werden; die gebotene Koordination darf nicht erst vor Bundesgericht erfolgen
(Entscheid 1C_190/2007 vom 7. Dezember 2007 E. 2.2.2.2 und 2.2.2.3 mit Hinweisen).
Dies entspricht der Praxis des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen (vgl. Heer,
a.a.O., Rz. 226 und 239) und führte im konkreten Fall zur Sistierung der beiden
Beschwerdeverfahren
5.3.
5.3.1. Im Verfahren B 2010/266 hat die Vorinstanz das AREG am 20. Dezember 2010 –
d.h. zwei Monate nach Eingang der Beschwerde beim Verwaltungsgericht – dazu
angehalten, das Genehmigungsverfahren durchzuführen (act. 8). In einem Schreiben an
die beschwerdebeteiligte Gemeinde vom 21. Februar 2011 (act. 10) führte der damals
zuständige Kreisplaner aus, der Teilzonenplan L. stehe in engem Zusammenhang mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dem Überbauungsplan L. Die beiden Genehmigungsverfahren seien deshalb zu
koordinieren. Er ersuchte den Gemeinderat, den Überbauungsplan ebenfalls zur
Genehmigung einzureichen. Zudem verwies er auf eine Stellungnahme des AFU vom
14. Januar 2011, wonach gewisse Gebiete im Teilzonenplanperimeter keine FFF-
Qualität mehr aufweisen würden, was die vorgängige Anpassung beider
Planungsinstrumente bedinge. Aus diesem Grund retournierte er den Teilzonenplan L.
an die Beschwerdebeteiligte zur Überarbeitung. Diese legte die mit Beschluss vom
22. August 2011 in diesem Sinn geänderten Planerlasse vom 7. September 2011 bis
6. Oktober 2011 öffentlich auf (ABl 2011 2269 f.). Weder die Perimeterumgrenzung
noch die Zonierung sind von dieser Änderung betroffen; diese betrifft lediglich die
Reduktion der mit einer Nutzungsbeschränkung gemäss Art. 28 BauG (Erhaltung
der FFF-Qualität bzw. Rückführbarkeit zur landwirtschaftlichen Nutzung) überlagerten
Fläche im Plangebiet (vgl. act. 19 mit Beilagen).
5.3.2. Weder der Teilzonenplan (Verfahren B 2010/266) noch dessen Änderung und
Überlagerung mit einem Sondernutzungsplan (Verfahren B 2012/227) sind
zwischenzeitlich durch das AREG genehmigt worden. Der Entscheid über die
Genehmigung ist zufolge raumplanungsrechtlicher Rahmenbedingungen vielmehr
immer wieder hinausgeschoben worden. Am 28. August 2014 teilte das AREG dem
Verwaltungsgericht mit, durch die mittlerweile in Kraft getretene Revision des RPG sei
eine Vergrösserung des Siedlungsgebietes über die heutigen Grenzen hinaus nicht
möglich, es sei denn, es erfolge eine flächengleiche Kompensation. Eine
entsprechende Kompensationsfläche liege derzeit nicht vor, solle jedoch durch eine
Zonenplanänderung im Herbst 2014 geschaffen werden (act. 21). Ende Januar 2015
orientierte das AREG das Verwaltungsgericht darüber, die Einzonung geniesse derzeit
keine Priorität, sie sei zugunsten einer anderen kompensationspflichtigen
Bauzonenvergrösserung zurückgestellt worden. Die Genehmigung erfolge nach der
Genehmigung des revidierten kantonalen Richtplanes (frühestens Mitte 2016). In einem
weiteren Schreiben vom 29. April 2016 beurteilte das AREG die streitigen Planerlasse –
vorbehältlich der Genehmigung des neuen kantonalen Richtplanes – als
genehmigungsfähig und sprach sich für die weitere Sistierung der
Beschwerdeverfahren aus. Am 14. Dezember 2017 teilte das AREG schliesslich mit,
der kantonale Richtplan, Teil Siedlung, sei vom Bundesrat am 1. November 2017
genehmigt worden. Neue Bauzonen könnten indes nur innerhalb der im Richtplan
ocites
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
festgelegten Siedlungsgebiete ausgeschieden werden. Ein solcher Eintrag bestehe für
die zu genehmigende Einzonung nicht; die Änderung werde in die Richtplananpassung
2018 aufgenommen. Die Genehmigung der Richtplananpassung durch den Bundesrat
sei im Herbst 2018 zu erwarten. Die Planerlasse könnten in der Folge im Spätherbst
2018 genehmigt werden.
5.3.3. Gemäss (dem hier noch anzuwendenden) Art. 3 BauG setzt die Regierung
durch Verordnung Fristen für das Genehmigungsverfahren nach Art. 31 BauG sowie für
alle zur Errichtung und Änderung von Bauten und Anlagen erforderlichen Verfahren fest
und regelt deren Wirkung. Die Verordnung vom 24. November 1998 über die
Verfahrenskoordination und Fristen in Bausachen (in Vollzug bis 30. September 2017,
sGS 731.21, nGS 34-13, VKoV) bestimmte in Ausführung dieser Gesetzesbestimmung
für das Genehmigungsverfahren über Teilrevisionen der Ortsplanung sowie von
Überbauungs- oder Gestaltungsplänen eine Frist von vier bzw. zwölf Wochen (je
nachdem ob eine Vorprüfung stattgefunden hat und ob es zu deren Ergebnis
Differenzen gibt; vgl. Art. 3 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang Ziff. 3.1 VKoV). An diesen
Fristen hat sich mit der Revision des Bau- und Planungsrechts nichts geändert (vgl.
Anhang 1 Ziff. 3.1 der Verordnung vom 27. Juni 2017 zum Planungs- und Baugesetz,
sGS 731.11). Diese (Ordnungs-)Fristen dienen nicht zuletzt der formellen und
inhaltlichen Koordination zwischen Genehmigungsentscheid und Beschwerdeverfahren
und sind Ausdruck offensichtlichen Koordinationsbedarfs. Die Fristen wurden in den
vorliegend zu beurteilenden Fällen offensichtlich nicht eingehalten.
5.3.4. Inhaltlich betrifft der Genehmigungsentscheid den Planerlass der politischen
Gemeinde als Planungsbehörde. Wenn die Genehmigung erst nach Abschluss eines
allfälligen Rekursverfahrens erfolgt, sind sich daraus ergebende Änderungen
selbstverständlich auch im Genehmigungsverfahren zu beachten. Das Ansinnen des
AREG, die Erlasse nach einschneidenden Änderungen der Rechtslage (Revision RPG
2012) und des kantonalen Richtplanes nach diversen neuen Gesichtspunkten zu
genehmigen, ist unzulässig. Das Gebot der inhaltlichen Koordination ist verletzt, wenn
der Genehmigungsverfügung ein neues rechtliches und tatsächliches Fundament
unterstellt wird. Gegenstand einer Genehmigung zum heutigen Zeitpunkt wäre
jedenfalls nicht mehr die Ermessensausübung der Planungsbehörde. Das AREG würde
diese vielmehr nach neuen Aspekten selbst vornehmen. Das in Aussicht gestellte
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorgehen, einen für die Genehmigung passenden Moment abzuwarten, nachdem über
Jahre hinweg die Genehmigungsfähigkeit der Planerlasse offenkundig nicht gegeben
war, ist unzulässig. Das Genehmigungsverfahren soll eine mit der Rechtsausübung der
Planungsbehörde inhaltlich und zeitlich koordinierte Aussage darüber liefern, ob der
kommunale Plan mit der übergeordneten Planung zu vereinbaren ist oder nicht. Diese
Aussage kann heute, nach neun bzw. sechseinhalb Jahren und nach grundlegender
Änderung der rechtlichen und richtplanerischen Grundlagen, nicht mehr nachgeholt
werden. Das AREG hätte vielmehr die Pläne zeitnah genehmigen (den Teilzonenplan L.
eventuell nur unter Auflagen und Bedingungen) oder aber spätestens nach Inkrafttreten
der RPG-Revision deren Nichtgenehmigung verfügen müssen.
6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtenen Rekursentscheide und mit
diesen auch die streitigen Planerlasse aufzuheben sind.
7.
7.1. Nach den konkreten Umständen rechtfertigt es sich, die amtlichen Kosten der
Beschwerdeverfahren den unterliegenden Beschwerdegegnern und dem Staat je zur
Hälfte aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 und 2 VRP). Die Beschwerdegegner haften für ihren
Anteil solidarisch. Eine Entscheidgebühr von insgesamt CHF 4'000 ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung der
Kosten beim Staat wird verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP). Den Beschwerdeführern sind
die von ihnen in den Beschwerdeverfahren B 2010/266 und B 2012/227 geleisteten
Kostenvorschüsse von insgesamt CHF 8'000 zurückzuerstatten.
7.2. Neu zu verlegen sind sodann die amtlichen Kosten der beiden Rekursverfahren
von CHF 2'500 (Verfahren 09-6301) bzw. CHF 3'500 (Verfahren 12-2088). In der Regel
wird die Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und deren Anteile analog dem
Rechtsmittelentscheid vorgenommen (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach
st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 103).
Dementsprechend haben die Beschwerdegegner und der Staat je die Hälfte
(CHF 3'000) zu tragen. Die Beschwerdegegner haften für ihren Anteil solidarisch. Auf
die Erhebung der Kosten des Staates ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kostenvorschüsse von insgesamt CHF 2'000 sind den Beschwerdeführern H.H. sowie
H.B. und D.B. je zur Hälfte zurückzuerstatten.
7.3. Bei diesem Verfahrensausgang haben die Beschwerdeführer Anspruch auf
Entschädigung ihrer ausseramtlichen Kosten für die Rekurs- und die
Beschwerdeverfahren. Die Komplexität des Falles machte den Beizug eines
Rechtsvertreters für die Rekursverfahren notwendig (Art. 98 Abs. 1 und 2, Art. 98 und
Art. 98 VRP, letzterer in Verbindung mit Art. 106 Abs. 1 und 107 Abs. 2 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt
das Honorar pauschal CHF 500 bis 6'000 vor Verwaltungsbehörden und CHF 1'000 bis
12'000 vor Verwaltungsgericht, Verwaltungsrekurskommission und
Versicherungsgericht (Art. 22 Abs. 1 lit. a und b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten, sGS 963.75, HonO). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten
Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach
Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den
wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO).
Für die verwaltungsgerichtlichen Verfahren beantragen die Beschwerdeführer ein
Pauschalhonorar von je CHF 3'000 (insgesamt CHF 6'000; zuzüglich Barauslagen,
zuzüglich Mehrwertsteuer). Dies erscheint angemessen. Die Entschädigung für die
Beschwerdeverfahren beträgt demnach insgesamt CHF 6'000 (zuzüglich 4%
Barauslagen, zuzüglich 8% Mehrwertsteuer, vgl. Art. 28 Abs. 1 und 29 HonO).
Für die eher aufwendigen Rekursverfahren ist – wie beantragt – eine Entschädigung
von je CHF 3'500 (insgesamt CHF 7'000; zuzüglich Barauslagen, zuzüglich 8%
Mehrwertsteuer) angemessen.
Die gesamthafte Entschädigung von CHF 13'000 (zuzüglich 4%, d.h. CHF 520
Barauslagen, zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) wird den Beschwerdegegnern und dem
Staat je zur Hälfte auferlegt. Die Beschwerdegegner haften für ihren Anteil solidarisch.