Decision ID: 796f520b-fb5e-448f-bcbc-028692f01efb
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1971, war zuletzt vom 1. Mai bis 31. Dezember 2004 bei der Y._ Transport als Chauffeur tätig, wobei der letzte Arbeitstag der 24. September 2004 war (Urk. 7/12). Am 9. Mai 2006 meldete er sich wegen einer psychischen Erkrankung erstmals bei der Invalidenversicherung an (Urk. 7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und verneinte nach durchgeführtem Vorbescheidver
fahren (Urk. 7/13) mit Verfügung vom 13. September 2006 einen Leistungsan
spruch des Versicherten (Urk. 7/17). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 10. September 2013 meldete sich der Versicherte wegen einer chronischen Depression sowie wegen eines Burnouts erneut bei der Invalidenversicherung an (vgl. Urk. 7/20 in Verbindung mit Urk. 7/21; Unterzeichnung des Anmeldeformu
lars am 2. Dezember 2013; Urk. 7/24). Die IV-Stelle tätigte erneute Abklärungen und zog die Akten der Taggeldversicherung (Urk. 7/40) bei. Zwischenzeitlich war der Versicherte vom 30. Juli 2014 bis 31. Mai 2015 bei der Z._ Getränke
service AG als Allrounder und Lagerist tätig (vgl. Urk. 7/55). Die IV-Stelle erteilte am 6. November 2015 Kostengutsprache für ein Belastbarkeits
training (vgl. Urk. 7/52), welches jedoch per 11. Januar 2016 abgebrochen wurde (Urk. 7/68). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/80; Urk. 7/82; Urk. 7/91) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. April 2017 einen Leis
tungs
anspruch des Versicherten (Urk. 7/98 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 3. April 2017 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 22. Mai 2017 Beschwerde mit dem Antrag auf deren Aufhebung und Zusprache einer Rente, eventuell Rückweisung zur erneuten Abklärung oder zur Gewährung
von Eingliederungsmassnahmen (Urk. 1 S.
2). Mit Beschwerdeantwort vom 23. Juni
2017 (Urk. 6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 15. August 2017 mitgeteilt wurde. Gleichzeitig wurde ihm antragsgemäss (Urk. 1 S. 3) die unentgeltliche Rechts
pflege bewilligt (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zu
spre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich
gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs
- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b mit Hinweisen; vgl. zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_429/2017 vom 20. Dezem
ber 2017 E. 2.2). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
-
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2) wie folgt: Es liege keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor, welche die Arbeitsfähigkeit längerfristig einschränke. Die Arbeitsunfähigkeit sei auf persönliche Sorgen zurückzuführen, was nicht versichert sei. Die Kriterien für eine mittelgradige depressive Störung seien nicht erfüllt. Persönliche Ressourcen seien vor
handen; der Beschwerdeführer sei fähig, seinen Tagesablauf zu organisieren und die anfallenden Haushalttätigkeiten zu erledigen, ebenso bestünden ausserhäus
liche Kontakte. Es lägen viele Belastungsfaktoren wie Scheidung, Mobbing am Arbeitsplatz sowie finanzielle Probleme vor (S. 1-2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte geltend (Urk. 1), er leide seit langem an einer Depression. Angesichts der ärztlichen Befunde lägen nicht nur irrelevante persön
liche Sorgen vor, sondern davon klar unterscheidbare psychische Erkrankungen. Seine Lebensumstände hätten allenfalls dazu beigetragen (S. 8). Die depressive
Störung habe invalidisierende Wirkung und er sei zu 100 % arbeitsunfähig (S. 10
). Dies zeige sich auch in seinem missglückten Arbeitsversuch (S. 12). Dr. A._ habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % festgestellt. Bei einem Abzug vom Tabellenlohn in Höhe von 20 % habe er Anspruch auf eine halbe Rente (S. 13) und Integrationsmassnahmen (S. 16).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit Erlass der ursprünglichen leistungsvernei
nen
den Verfügung vom 13. September 2006 (Urk. 7/17) anspruchsrelevant ver
ändert haben (vgl. vorstehend E. 1.3).
3.
3.1
Der leistungsverneinenden Verfügung vom 13. September 2006 (Urk. 7/17) lagen folgende medizinische Berichte zugrunde:
3.2
Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte mit Bericht vom 11. Juni 2006 (Urk. 7/9/1-2) eine anhaltende depressive Störung bei schwieriger psychosozialer Situation, einen Verdacht auf eine Persönlichkeits
störung sowie eine mögliche
Aufmerksamkeitsdefizi
t-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS; lit. A). Als Verkäufer sei der Beschwerdeführer seit 27. September 2004 zu 100 % arbeitsunfähig (lit. B). Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig und könne durch medizinische Massnahmen verbessert werden (lit. C). Im Lauf des Jahres 2004 sei es zu einer zunehmenden psychosozialen Belastungssituation und dadurch zu einer zunehmenden depressiven Störung gekommen, welche im September 2004 dekompensiert sei. Eine Hospitalisation von Januar bis März 2005 habe eine Verbesserung erbracht. Zurück in der alten Situation hätten die unveränderten psychosozialen Stressoren wieder einen unverändert schlechten Zustand bewirkt. Ein beruflicher Wiedereinstieg im Sommer 2005 sei misslungen. Es sei eine zögerliche Besserung zu erwarten. Ob und wann eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit möglich sein werde, sei schwierig zu beurteilen (lit. D).
3.3
Die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums
C._
berichteten am 22. Juni 2006 (Urk. 7/
10) und stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (lit. A):
-
mittelschwere depressive Episode bei komplexer psychosozialer Belas
tungs
situation (ICD-10 F32.1), bestehend seit Ende 2004
-
Verdacht auf hyperkinetisches Syndrom (ADHD; ICD-10 F90.0), bestehend seit der Kindheit
Als Fahrer im Transportgewerbe sei der Beschwerdeführer vom 11. April bis zum 30. Juni 2006 vollständig arbeitsunfähig (lit. B). Aktuell zeige er sich motiviert, eine neue Anstellung zu suchen. Ab 1. Juli 2006 bestehe eine 100%ige Arbeits
fähigkeit. Allerdings sei bei erfolgloser Stellensuche eine erneute depressive Reaktion zu befürchten (S. 4).
3.4
PD Dr. D._, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt am 7. Juli 2006 (Urk. 7/16/3) fest, es werde eine erhebliche psychosoziale Belastung deutlich. Eine als mittelschwer bezeichnete depressive Episode sei abgeklungen und es sei eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert worden.
Gestützt auf diese Sachlage verneinte die Beschwerdegegnerin einen Leistungs
anspruch des Beschwerdeführers.
4.
4.1
Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte mit Bericht vom 12. Februar 2014 (Urk. 7/26) folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):
-
Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vermeidenden, abhän
gigen und unreifen Zügen (ICD-10 F61.09) mit und bei
-
rezidivierenden depressiven Episoden, gegenwärtig leichtgradige Epi
sode (ICD-10 F33.1)
-
Zustand nach Störungen durch Kokain, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F14.1)
-
Differentialdiagnose (DD): neurotische Störung
Der Beschwerdeführer lebe seit Jahren zurückgezogen ohne vorgegebene Tages
struktur und scheinbar ohne wesentliche soziale Einbindung. Er verfüge sicher über Ressourcen, die er auf der Handlungsebene aus noch nicht eindeutig zu benennenden Gründen nicht zu nutzen vermöge (Ziff. 1.4). Die Arbeitsfähigkeit sei nicht beurteilbar; der Beschwerdeführer sei seit Jahren nicht berufstätig (Ziff. 1.7). Für Integrationsmassnahmen sei ein Pensum von etwa 50 % möglich (Ziff. 1.8).
4.2
Am 20. Februar 2015 berichtete Dr. E._ erneut (Urk. 7/32) und hielt bei unveränderter Diagnose (Ziff. 1.2) fest, der Beschwerdeführer habe sich selbst in den Arbeitsmarkt integriert und arbeite seit dem Spätsommer 2014 ohne spezielle Anpassungen am Arbeitsplatz zu 100 % als Lagerist in einem Getränkehandel. Das Anforderungsprofil sei hoch, intermittierend sei es zu Ausfällen gekommen (Ziff. 2.1). Der Verlauf bleibe abzuwarten (Ziff. 3.3).
4.3
Mit einem weiteren Bericht vom 8. Juni 2015 (Urk. 7/36) wiederholte Dr. E._ die bereits gestellten Diagnosen (Ziff. 1.2) und hielt fest, dass sich der Be
schwer
deführer in der letzten Anstellung schikaniert, entwertet und ausgenützt gefühlt habe. Im Zuge dieser Entwicklung sei es zu einer deutlichen psychischen Desta
bilisierung gekommen, und er sei bezüglich dieser Tätigkeit ab 10. April 2015 voll arbeitsunfähig geworden. Beeinträchtigungen bestünden im Hinblick auf das interaktionelle Verhalten des Beschwerdeführers, der aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur dazu tendiere, in einer Art „vorauseilendem Gehorsam" maximalen Einsatz in einer Intensität zu zeigen, die auf Dauer nicht durchzuhalten sei. Problematisch seien seine dependenten Züge. Auf der anderen Seite zeige er seit der Krankschreibung durchaus regressive Züge im Sinne einer Symptomaus
weitung und Selbstlimitierung und dem Hang zur demonstrativ anmutenden Beschwerdeschilderung bei gleichzeitigem Festhalten an einem selbstbestimmten Behandlungs- und Therapiekonzept. Die wechselhafte Dynamik sei überwiegend vor dem Hintergrund der Persönlichkeitsstörung zu verstehen. Das Leiden sei chronifiziert, die therapeutische Bearbeitung der Erkrankung sei bisher nur in Ansätzen möglich gewesen; der Beschwerdeführer zeige ein Abwehr- und Ver
meidungsverhalten (Ziff. 1.3).
An einer vergleichbaren Stelle sei der Beschwerdeführer medizinisch-theoretisch etwa ab Juli 2015 zu mindestens 50 % arbeitsfähig. Ab August 2015 sei eine Steigerung auf 80 % anzunehmen. Die Realisierung dieser Arbeitsfähigkeit bleibe abzuwarten und sei nicht zwingend nur von medizinischen Aspekten abhängig (Ziff. 2.1).
4.4
Zuhanden der Taggeldversicherung nahm Dr. E._ am 24. Juni 2015 (Urk. 7/40/8-9) Stellung und stellte folgende Diagnosen (S. 1):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, abhängig-vermeidenden und unreifen Anteilen (ICD-10 F60.8) mit und bei
-
rezidivierenden Anpassungsstörungen im Rahmen von psychoso
zialen Überforderungssituationen
-
Zustand nach Störungen durch Kokain, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F14.1)
-
Verdacht auf Erkrankung aus dem somatoformen Bereich
Im Rahmen der stattgehabten Ereignisse am letzten Arbeitsplatz sei es beim Patienten zu einer Reaktivierung der pathologischen Persönlichkeitszüge ge
kommen; zum einen externalisiere er die Verantwortung für die Geschehnisse nahezu vollständig - er sehe sich als Opfer verschiedener Personen und Insti
tu
tionen - zum anderen zeigten sich die bereits bekannten kindlich-trotzigen Züge mit unbewusst manipulativem Verhalten in Situationen, in denen versucht werde, verschiedene Aspekte therapeutisch aufzugreifen. Auch könne er sich nur schwer auf ein im Zusammenhang mit den fortdauernd angegebenen mittel- bis schwergradigen Symptomen angemessenes Behandlungskonzept einlassen, es stehe eine stationäre Behandlung zur Diskussion (S. 1). Schliesslich wolle der Patient seine Arbeitsunfähigkeit in der Form selbst definieren, dass er sich auch nach Wegfall der Belastungssituation seit einigen Wochen ausserstande fühle, einer Arbeit nachzugehen. Begründet werde dies aus Sicht des Patienten mit den Erlebnissen am letzten Arbeitsplatz. Gleichzeitig habe er Mühe, dass seine Angaben nicht vollständig als krankheitswertig beurteilt würden. Hinter der Dynamik stehe sicher auch die Angst, sich mit dem Sozialamt auseinander setzen zu müssen. Eine weitere Arbeitsunfähigkeit über Juli 2015 hinaus sei nicht mehr zu plausi
bilisieren. Hinsichtlich der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit sei eine vertrauensärztliche Untersuchung zu empfehlen (S. 2).
4.5
Am 24. August 2015 (Urk. 7/73/3-16) erstattete Dr. med. E. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zuhanden der Taggeldversicherung ein vertrau
ens
ärztliches Gutachten und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine Panikstörung (ICD-10 F41.1). Die folgenden Diagnosen hätten keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10 unten f.):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
Status nach Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
-
schädlicher Gebrauch von Cannabinoiden (ICD-10 F12.1)
-
schädlicher Gebrauch von Kokain (ICD-10 F14.1)
-
Verdacht auf Alkoholmissbrauch (ICD-10 F10.1)
Weiterhin zeige sich ein Kokain- und Cannabismissbrauch, beides sei aktuell laborchemisch positiv getestet worden, und es bestehe auch ein Verdacht auf Alkoholmissbrauch.
Dieser und der Drogenmissbrauch würden sich jedoch nicht negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirken.
Auffällig sei auch, dass die antide
pressive Medikation unterhalb des therapeutischen Bereichs sei, was Fragen nach der Compliance des Beschwerdeführers aufwerfe (S. 10). Es bestehe eine Arbeits
un
fähigkeit von 50 %. Eine Behandlung der Panikstörung sei noch nicht erfolgt. Die Einschätzung von Dr. E._, wonach eine Arbeitsunfähigkeit über Juli 2015 hinaus nicht zu plausibilisieren sei, sei zutreffend für die letzte Arbeits
tätigkeit mit massivem Mobbing und dadurch resultierender psychischer Gesund
heitsbeeinträchtigung. Diese sei nur in Bezug auf die letzte Arbeitsstelle zu sehen. Anlässlich der Begutachtung habe sich aber auch gezeigt, dass der Versicherte unter einer Panikstörung leide, die bisher nicht behandelt worden sei. Diese rechtfertige eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % auf über Juli 2015 hinaus (S. 11 unten f.).
4.6
Dr. E._ nahm am 11. September 2015 Stellung zum Bericht von Dr. A._ und hielt fest, es sei bemerkenswert, dass der Kollege nach nur einem Gespräch feststelle, dass keine Persönlichkeitsstörung vorliege, und ebenso bemerkenswert sei es, dass er lediglich gestützt auf die Selbstangaben des Patienten und ohne entsprechende Symptomatik in der Gesprächssituation und ohne aktenanam
nestische Hinweise neu die Diagnose einer Panikstörung stellen könne. Ebenso erstaune, dass einzig aufgrund dieser Diagnose ohne zusätzliche objektivierende Angaben durch Dritte hieraus eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werde. Es sei weiterhin an der Diagnose einer kombinierten Persönlichkeits
stö
rung festzuhalten. In akuten Krisen seien polymorphe Beschwerden wie depres
sives Erleben, Anspannung, Angstattacken, psychosomatische Beschwerden, Kon
sum von psychotrophen Substanzen etc. möglich. Eine gegenwärtige Arbeits
un
fähigkeit aus sozial-medizinischer Sicht von 40 bis 50 % sei nach dem weiteren klinischen Verlauf seit Juli 2015 mittlerweile plausibel (S. 1-2).
4.7
Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. phil. G._, Medizinisches Zentrum H._, stellten mit Bericht vom 25. Januar 2016 (Urk. 6/70/4-6) folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Alkoholmissbrauch
-
Störung durch Tabak
-
Störung durch Cannabis
-
Status nach Suizidversuch 2004
Es bestehe Arbeitsunfähigkeit seit 10. April 2015 (S. 2 Mitte).
In einem weiteren Bericht vom 27. Juli 2016 (Urk. 6/77/5-6) hielten die Fachleute des H._ fest, der Patient sei ständig krank, leide nach wie vor an täglicher Emesis, Überforderung bei Reise in die Behandlung und immer wieder an Panikanfällen und Angstattacken. Nach den ersten 8 Wochen Tagesklinik sei eine leichte Verbesserung der Situation eingetreten, aber nach wie vor mit vielen Ausfällen wegen Krankheit und Angst, daher habe man ein zweites 8-Wochen-Programm begonnen mit dem Versuch, alle Termine regelmässig wahrzunehmen, was bisher aber auch nicht gelungen sei. Nach wie vor bestünden trotz Medi
kation Ängste, Reiseschwierigkeiten, Gedankenkreisen.
4.8
Dr. med. I._, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie, RAD, führte am 7. September 2016 (Urk. 6/79/6) aus, die von Dr. A._ festgestellte Panik-Symptomatik könne auch durch Entzugserscheinungen vorge
täuscht werden. Das H._ teile hingegen mit, der Beschwerdeführer habe seinen Alkoholmissbrauch reduziert, kiffe nur noch selten und konsumiere kein Kokain mehr. Ob dies durch objektive Befunde überprüft worden sei, werde nicht mit
geteilt. Die Berichte des H._ seien nicht geeignet, das begründete Gutachten von Dr. A._ zu widerlegen. Es bestünden weiter zahlreiche psychosoziale Belastungen durch Betreibungen und Schulden sowie Probleme am Arbeitsplatz. Im Privatleben bestünden keine wesentlichen Einschränkungen; der Tagesablauf sei geordnet und es bestünden keine Hinweise auf einen sozialen Rückzug. Da der Beschwerdeführer im Zeitraum von August 2014 bis Ende Mai 2015 zu 100 % als Lagerist gearbeitet habe und Dr. A._ nachvollziehbar mindestens von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgehe, erhebliche psychosoziale Belastungen und wahr
scheinlich eine Sucht-Problematik vorlägen, sei ein dauerhafter Gesundheits
schaden nicht ausgewiesen.
4.9
Die Fachleute des H._ wiederholten im Austrittsbericht vom 22. November 2016 (Urk. 6/90/4-7) die bereits gestellten Diagnosen (vgl. vorstehend E. 4.9) und hielten fest, die Arbeitsunfähigkeit betrage nach wie vor 100 %. (S. 3). Die Proble
matik lasse sich so umschreiben, dass
der Beschwerdeführer während den Arbeits
stellen, vor allem an der letzten, massiver und dauernder Kritik ausgesetzt ge
wesen sei, was zusammen mit dem Betrug der Ehefrau und ihrer Kritik sowie derjenigen der Mutter zu einem tiefen Selbstwertgefühl
geführt habe. Es sei Über
for
derung und schlussendlich im Rahmen der mangelnden Problemlösefähig
keiten zu vollständiger Überforderung gekommen. Die Störung werde durch die positive Verstärkung eines Rückzugs vor Anforderungen aufrechterhalten (S. 2 unten f.).
Mit einem weiteren, ebenfalls am 22. November 2016 verfassten Bericht (Urk. 6/90/1-2) führten die Fachleute des H._ aus, der angebliche Konsum von Cannabis als Ursache der Störung sei nicht nachvollziehbar. Der Beschwerde
führer habe mit dem Konsum erst begonnen, als er bereits depressiv gewesen sei, und zwar im Sinne eines inkompletten Selbstheilungsversuches, er habe damit sich beruhigen und etwas schlafen können. Seit diesem Frühjahr habe er nicht mehr konsumiert, was laborchemisch nachgeprüft worden sei. Der Alkohol
konsum sei sehr moderat. Mit Ausnahme des letzten Sommers, als er ein Mal Kokain konsumiert habe, sei es in den letzten Jahren nicht mehr zu Kokain
konsum gekommen (S. 2).
5.
5.1
Im Jahr 2006 diagnostizierten die beteiligten Ärzte eine anhaltende depressive Störung bei schwieriger psychosozialer Situation, einen Verdacht auf eine Per-sönlichkeitsstörung sowie ein mögliches ADHS (vgl. vorstehend E. 3.2) bezieh
ungsweise eine mittelschwere depressive Episode bei komplexer psychosozialer Belastungssituation (vgl. vorstehend E. 3.3), wobei ab Juli 2006 wieder von einer
vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen wurde. In der Folge stellte Dr.
E._
(vorstehend E. 4.1) zunächst die Verdachtsdiagnose einer Persönlichkeitsstörung bei rezidivierenden depressiven Episoden, differentialdiagnostisch eine neurotische Störung, und ging von einer gegenwärtig leichtgradigen Episode aus. Dr. A._ (vorstehend E. 4.5) diagnostizierte eine Panikstörung, welche Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Die Fachleute des H._ diagnostizierten eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
, sowie Alkoholmissbrauch und Störung durch Cannabis (vorstehend E. 4.7).
Invalidenversicherungsrechtlich sind
jedoch
nicht die Diagnosen und deren An
zahl entscheidend, sondern die Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträch
tigungen auf die Arbeitsfähigkeit (BGE 136 V 279 E.3.2.1 S. 281 mit Hinweis auf BGE 127 V 294).
Hierzu liegen unterschiedliche Einschätzungen vor: Dr. E._ erachtete den Beschwerdeführer zunächst als zu 50 % integrationsfähig und ging nach Beendigung der 100%igen Anstellung als Lagerist von einer 50%igen Arbeits
fähigkeit aus, welche auf 80 % steigerbar sei (vorstehend E. 4.3). Im Juli 2015 liess sich gemäss Dr. E._ eine weitere Arbeitsunfähigkeit nicht mehr rechtfertigen (vorstehend E. 4.4) Dr. A._ erachtete den Beschwerdeführer hingegen als zu nur 50 % arbeitsfähig (vorstehend E. 4.5); dem schloss sich Dr. E._ - wenn auch mit Kritik an der Einschätzung durch Dr. A._ - an (vorstehend E. 4.6). Die Fachleute des H._ gingen sodann von voller Arbeits
unfähigkeit aus (vorstehend E. 4.7, 4.9). Dabei fällt auf, dass bereits im Jahr 2006 Anzeichen einer schwierigen psychosozialen Situation vorhanden waren, die das Beschwerdebild massgeblich beeinflussten. So wies Dr. B._ darauf hin, dass es i
m Lauf des Jahres 2004 zu einer zunehmenden psychosozialen Belastungs
situation und dadurch zu einer zunehmenden depressiven Störung gekommen
sei
, welche im September 2004 dekompensiert sei. Eine Hospitalisation von Januar bis März 2005 habe eine Verbesserung erbracht. Zurück in der alten Situation hätten die unveränderten psychosozialen Stressoren wieder einen unverän
dert schlechten Zustand bewirkt (vgl. vorstehend E. 3.2). Auch die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums C._ (vgl. vorstehend E. 3.3) stellten die mittelschwere depressive Episode mit einer komplexen psychosozialen Belastungssituation in Zusammenhang und hielten fest, dass bei erfolgloser Stellensuche eine erneute depressive Reaktion zu befürchten sei. Diese Faktoren wurden auch von sämt
lichen später beteiligten Ärzten als relevant beurteilt: Dr. E._ wies darauf hin,
dass sich der Beschwerdeführer in der letzten Anstellung schikaniert, ent
wer
tet und ausgenützt gefühlt habe, und dass es i
m Zuge dieser Entwicklung zu einer deutlichen psychischen Destabilisierung gekommen
sei
. Ob die von ihm angenommene Arbeitsfähigkeit von 80 % realisierbar sei, hänge nicht nur von medizinischen Aspekten ab (vgl. vorstehend E. 4.3).
Im Rahmen der stattgehabten Ereignisse am letzten Arbeitsplatz sei es beim Patienten zu einer Reaktivierung der pathologisch
en Persönlichkeitszüge gekommen. Weiter habe sic
h der Be
schwer
deführer auch nach Wegfall der Belastungssituation ausserstande gefühlt, einer Arbeit nachzugehen, und dies auf die Erlebnisse am letzten Arbeitsplatz zurückgeführt. Hinter der Dynamik stehe sicher auch die Angst, sich mit dem Sozialamt auseinander setzen zu müssen (vgl. vorstehend E. 4.4).
Dr. A._ hielt fest, dass d
ie Einschätzung
durch
Dr. E._
, wonach eine Arbeitsun
fähigkeit über Juli 2015 hinaus nicht zu plausibilisieren sei, für die letzte Arbeitstätigkeit mit massivem Mobbing und dadurch resultierender psychisc
her Gesundheitsbeeinträchtigung
zutreffend sei
(vgl. vorstehend E. 4.5; zur Nachvollziehbarkeit der Beurteilung durch Dr. A._ vgl. nachfolgend E. 5.4). Gemäss Beur
teilung der Fachleute des H._ (vgl. vorstehend E. 4.9) lasse
sich
d
ie Prob
lematik so umschreiben, dass der Beschwerdeführer während den Arbeitsstellen, vor allem an der letzten, massiver und dauernder Kritik ausgesetzt gewesen sei, was zusammen mit dem Betrug der Ehefrau und ihrer Kritik sowie derjenigen der Mutter zu einem tiefen Selbstwertgefühl geführt habe. Es sei Überforderung und schlussendlich im Rahmen der mangelnden Problemlösefähigkeiten zu vollstän
diger Überforderung gekommen. Die Störung werde durch die positive Verstärkung eines Rück
zugs vor Anforderungen aufrecht
erhalten
.
5.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
krankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(fach-)
ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zu
kunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vor
dergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
trächtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokul
tu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selb
ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.3
Vorliegend stehen
psychosoziale und soziokulturelle Faktoren
deutlich im
Vor
der
grund und
prägen
das Beschwerdebild
massgeblich. Dies zeigt sich insbesondere im Umstand, dass der Beschwerdeführer während acht Monaten (vgl. Urk. 7/55/1 Ziff. 2.1 und Ziff. 2.3) fähig war, ein Pensum von 100 % zu leisten. Dass er dieses Arbeitsverhältnis aus psychosozialen Gründen (Mobbing) aufgab, ist zwar nachvollziehbar, vermag aber auch unter Berücksichtigung der damals bereits bestehenden psychiatrischen Diagnosen (Verdacht auf kombinierte Per
sönlichkeitsstörung mit vermeidenden, abhängigen und unreifen Zügen bei rezi
divierenden depressiven Episoden; vgl. vorstehend E. 4.1) grundsätzlich nicht zu einer nachhaltigen substantiellen Arbeitsunfähigkeit zu führen. Gemäss Beurtei
lung durch Dr. E._ liess sich denn eine Arbeitsunfähigkeit
über Juli 2015 hinaus nicht mehr plausibilisieren
(vgl. E. 4.4), woraus zu schliessen ist, dass die von ihm f
estgestellte psychische Störung
nicht besonders ausgeprägt ist. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass es sich um eine invalidenversiche
rungs
recht
lich nicht massgebliche arbeitsplatzbezogene und damit psychosozial verursachte Arbeitsunfähigkeit handelte.
5.4
An dieser Einschätzung vermag die Beurteilung durch Dr. A._ nichts zu ändern, da sein Bericht nicht überzeugend ist: Obwohl der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Begutachtung positiv auf
Kokain
und Cannabis getestet wurde und ein Verdacht
auf Alkoholmissbrauch
bestand, erachtete Dr. A._ dies ohne weitere Begründung als nicht arbeitsfähigkeitsrelevant, was nicht nachvoll
zieh
bar ist. Dr. A._ stellte weiter aufgrund des Nachweises der antidepressiven Medikation unterhalb des therapeutischen Bereichs die Frage nach der Com
pliance des Beschwerdeführers, ging aber dennoch von einer 50%igen Arbeits
unfähigkeit aus, was nicht schlüssig ist. Zusammen mit dem Umstand, dass die von Dr. A._ diagnostizierte Panikstörung grundsätzlich wohl ebenfalls behandlungsfähig ist, zeigen sich in der Beurteilung durch Dr. A._ zu viele Unstimmigkeiten, als dass seiner Beurteilung gefolgt werden könnte. Dass Dr. E._ in seinem Bericht vom 11. September 2015 (vgl. E. 4.6) der Ein
schätzung durch Dr. A._ trotz viel Kritik folgte, ist möglicherweise auch darauf zurückzuführen sein, dass er dem Beschwerdeführer nicht den Bezug von Krankentaggeldern erschweren wollte.
5.5
Zu den Berichten der Fachleute des H._ ist festzuhalten, dass die bereits von Dr. A._ festgestellte fragliche Compliance des Beschwerdeführers hinsicht
lich der verordneten Medikamente nach Lage der Akten am H._ nicht labor
chemisch überprüft wurde (vgl. Urk. 7/74/7, wo die Medikation einzig nach Angaben des Patienten beschrieben wurde), weshalb fragwürdig erscheint, dass, wie im Bericht vom 22. November 2016 festgehalten (Urk. 7/90/2), mehrfache Versuche der medikamentösen Behandlung ohne Erfolg geblieben seien. Dass die Fachleute des H._ den Beschwerdeführer in jeder Tätigkeit - zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit finden sich keine Angaben - als zu 100 % arbeitsunfähig erachteten, ohne sich mit den wie vorstehend dargelegt im Vordergrund stehenden psychosozialen Faktoren auseinander zu setzen, setzt den Beweiswert ihrer Einschätzung herab, zumal sie nicht ausdrücklich von einem nun verselb
ständigten Gesundheitsschaden ausgingen.
Neben diesen inhaltlichen Bedenken ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass nicht nur allgemein
prak
tizierende Hausärzte, sondern auch behandelnde Spezialärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353
E
. 3b/cc mit Hinweisen).
5.6
Gemäss BGE 143 V 418 (E. 7) sind neu sämtliche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 (E. 4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressio
nen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Wenn
jedoch wie vorliegend
psychosoziale Faktoren im Vordergrund stehen und nach ärztlicher Einschätzung eine Depression nicht verselbständigt ist, besteht kein verselbständigter Gesundheitsschaden im Rechtssinn und ist keine Indika
torenprüfung durchzuführen. Ein psychosozial bedingtes Beschwerdebild vermag zwar medizinisch die Diagnose einer depressiven Episode, aber rechtlich keine Invalidität zu begründen (Urteil des Bundesgerichts vom 1
7.
Mai
2018, 8C_858/2017 E. 3.2)
.
5.7
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht keine Arbeitsunfähigkeit und damit keine Invalidität ausgewiesen ist. Eine Verschlechterung ist somit nicht ausgewiesen.
Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem
u
nterliegenden Beschwer
deführer
aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
In Anwendung dieser Kriterien ist die
die Entschädigung von
Rechtsanwältin Aurelia Jenny
bei An
-
wendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 2
2
0.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr. 2'500.
-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Der Beschwerdeführer
ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach
er
zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern
er
dazu in der Lage ist.