Decision ID: 8f26865e-f329-5abf-b1ee-b0f31ccb83c4
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._ Genossenschaft angestellt und
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsgesellschaft (Suva) gegen Berufs-
und Nichtberufsunfälle sowie gegen Berufskrankheiten versichert. Am 17. Dezember
2012 meldete die Arbeitgeberin der Suva, der Versicherte sei gleichentags auf einer
Baustelle in C._ von der Leiter gestürzt und habe sich dabei eine Zerrung am rechten
Fussgelenk zugezogen (Suva-act. 1). Dr. med. D._, Assistenzarzt am Departement für
Chirurgie und Orthopädie des Spitals E._, berichtete ebenfalls am 17. Dezember
2012 über die Notfallkonsultation. Der Patient sei beim Unfall auf die rechte Hand
gestürzt und mit dem rechten oberen Sprunggelenk (OSG) im Sinne eines
Supinationstraumas umgeknickt. Als Diagnosen hielt er eine OSG-Distorsion Grad 2
rechts und eine Handgelenkskontusion rechts fest. Das Sprunggelenk wurde in der
Tarsofix-Orthese für sechs Wochen Tag und Nacht ruhiggestellt mit fakultativer
Stockentlastung, am Handgelenk wurde ein Voltarensalbenverband angelegt. Es wurde
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab 17. bis 21. Dezember 2012 attestiert und
danach gemäss Hausarzt (Suva-act. 14). Die Suva erbrachte die gesetzlichen
Leistungen (Taggeld und Heilbehandlung [Suva-act. 9 und 10]). Die Hausärztin des
Versicherten, Dr. med. F._, verlängerte das Arbeitsunfähigkeitsattest bis 7. Januar
2013 (Arztzeugnis UVG vom Januar 2013 [Suva-act. 16]). Ab diesem Datum bestand
offenbar wieder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Am 10. September 2013
meldete der Versicherte der Suva telefonisch einen Rückfall (Suva-act. 24). Auf
Zuweisung von Dr. F._ war im Spital E._ eine zunehmende und schmerzhafte
Schwellung am rechten oberen Sprunggelenk am 9. September 2013 zunächst
sonographisch und röntgenologisch abgeklärt worden (Suva-act. 32); am 20.
September 2013 wurde eine Magnetresonanztomographie (MRI) durchgeführt (Suva-
act. 33). Dabei wurde eine Teilruptur des Ligamentum fibulotalare anterius, eine
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Tendovaginitis der Flexor hallucis longus-Sehne sowie der Peronealsehnen und eine
Entzündungsreaktion im Sinus tarsi festgestellt (Suva-act. 49). Dr. med. G._,
stellvertretender Chefarzt Chirurgie am Spital E._, verordnete Physiotherapie, unter
welcher er eine Beschwerdelinderung in zwei bis drei Monaten erwartete. Er gab an,
die Beschwerden müssten mit dem Unfall vom 17. Dezember 2012 in Zusammenhang
gebracht werden (Bericht vom 21. Oktober 2013 [Suva-act. 49]). Die Suva richtete
erneut die gesetzlichen Leistungen aus (Anspruchsbeginn 7. September 2013 [Suva-
act. 36 und 37; vgl. auch Suva-act. 57]). Nachdem die belastungsabhängigen, durch
forcierte Dorsalextension verstärkten Schmerzen weiterhin persistierten, führte Dr.
G._ am 18. März 2014 bei Verdacht auf ein Weichteilimpingement im artero-lateralen
Gelenkspalt eine OSG-Arthroskopie rechts mit Narbensresektion durch (Suva-act. 80
f.). In den Sprechstundenberichten vom 5. Mai und 3. Juni 2014 hielt Dr. G._ einen
ausgeprägten Schmerzzustand OSG rechts fest und vermerkte, dass eine Diskrepanz
zwischen den beklagten Beschwerden und den Befunden bestehe. Elf Wochen nach
dem Eingriff empfahl er der Suva, den Patienten zu beurteilen und allenfalls nach
Bellikon zu überweisen (Suva-act. 86 und 98). Am 20. Juni 2014 untersuchte Suva-
Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie FMH, speziell Allgemein- und
Unfallchirurgie, den Versicherten und diagnostizierte therapieresistente diffuse
Schmerzen OSG rechts unklarer Ätiologie. Als Differentialdiagnose erhob er eine
Aggravation. Die Symptomatik könne mit klinischen Befunden nicht in Einklang
gebracht werden. Es liessen sich keine pathologischen Befunde nachweisen, keine
wesentliche Instabilität, keinerlei Distrophiezeichen (Suva-act. 108). Vom 3. Juli bis 7.
August 2014 war der Versicherte zur arbeitsorientierten Rehabilitation in der Rehaklinik
Bellikon. Im Rahmen dieses Aufenthalts wurde er am 15. Juli 2014 in der Fuss-
Sprechstunde an der Klinik I._ abgeklärt. Im dort durchgeführten MRI (vgl. Suva-act.
125) konnte keinerlei Pathologie gefunden werden, welche die Beschwerden hätte
erklären können. Aus orthopädischer Sicht könne keine Therapie empfohlen werden,
da schlichtweg die Ursache der Beschwerden absolut unklar bleibe. Die Klinikärzte Dr.
med. J._ und med. pract. K._ hielten im Austrittsbericht vom 11. August 2014 fest,
dass eine erhebliche Symptomausweitung habe beobachtet werden können. Die zu
erwartenden Verbesserungen bezüglich Funktion und Belastbarkeit seien zufolge
Selbstlimitierung nicht erreicht worden. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stütze sich
deshalb wesentlich auf medizinisch-theoretische Überlegungen. Es sei dem
Versicherten zumutbar, sowohl in der angestammten Tätigkeit als Hilfselektriker wie
auch in anderen mittelschweren Tätigkeiten ganztags ohne Einschränkungen zu
arbeiten (Suva-act. 125). Mit Schreiben vom 14. August 2014 teilte die Suva dem
Versicherten mit, dass sie die Taggeldleistungen angesichts der erwähnten Berichte auf
den 17. August 2014 einstelle. Mit dem Hinweis, dass weitere medizinische
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Behandlung nicht mehr notwendig sei, stellte sie auch die Versicherungsleistungen
dafür auf den gleichen Zeitpunkt ein. Sie empfahl dem Versicherten, nachdem er seine
Anstellung bei der B._ Genossenschaft zwischenzeitlich verloren hatte (vgl. Suva-act.
103), sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum zu melden (Suva-act. 124).
B.
Im Februar 2018 setzte sich der Versicherte im Zusammenhang mit der vorstehend
geschilderten Fussverletzung erneut mit der Suva in Kontakt (Suva-act. 128 ff.), denn er
hatte am 31. Januar 2018 seine Hausärztin, Dr. F._, aufgesucht, welche alsdann neue
Abklärungen im Spital E._ veranlasst hatte (Suva-act. 138 und 140). Im Arztzeugnis
UVG vom 18. April 2018 stellte sie sich die Frage, ob ein Rückfall zum Unfall vom 17.
Dezember 2012 vorliege. Hierzu bedürfe es einer weiteren Abklärung. Sie
diagnostizierte einen Zustand nach Distorsion OSG rechts. Es bestehe eine Hautrötung
und Reizung und leichte Schwellung (Röntgenbefund / Dopplersonographie: keine
pathologischen Befunde [Morbus Sudek], keine bildgebenden Hinweise auf
Algodystrophie). Bei der Untersuchung sei starke Schmerzhaftigkeit angegeben
worden. Schon der kleinste Bewegungsansatz habe heftigste Schmerzen verursacht.
Dr. F._ attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 14. Januar bis 5. März
2018, danach eine solche von 40 % (Suva-act. 146). Dr. med. L._, Facharzt für
Radiologie vom Diagnose Zentrum M._, erkannte im MRI vom 11. Mai 2018
moderate narbige Veränderungen am lateralen Bandapparat betreffend das
Ligamentum fibulotalare anterius und fibulocalcaneare bei Status nach stattgehabten
(Partial-)Rupturen; zudem etwas akzentuierte Flüssigkeit an der Flexor hallucis longus-
Sehnenscheide, vermutlich durch anlagebedingte Kommunikation mit dem OSG und
ohne eindeutigen Krankheitswert; weiter ein anlagebedingtes Os calcaneus
secundarius mit perifokal reizlosen Verhältnissen ohne unmittelbaren Krankheitswert
und schliesslich eine geringe insertionsnahe Tendinopathie der Achillessehne mit
diskreter peritendinitischer Reizung (Suva-act. 150). Die Suva legte das medizinische
Dossier ihrem Kreisarzt Dr. med. N._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, zur Beurteilung der Rückfallkausalität vor
(Suva-act. 151 und 154). In seiner Stellungnahme vom 5. Juli 2018 kam er zum
Schluss, dass - wie schon anlässlich der kreisärztlichen Beurteilung von vor vier Jahren
- die erneut durchgeführten Abklärungen ebenfalls keine unfallkausalen Befunde
ergeben hätten, die das Beschwerdebild erklären könnten. Somit sei die
Rückfallkausalität nicht gegeben und aus unfallkausaler Sicht seien weder weitere
Abklärungen noch weitere Behandlungsmassnahmen indiziert (Suva-act. 156). Mit
Verfügung vom 27. Juli 2018 lehnte es die Suva gestützt auf diese kreisärztliche
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Beurteilung ab, Versicherungsleistungen für den gemeldeten Rückfall zu erbringen
(Suva-act. 157).
C.
Am 16. August 2018 sprach der Versicherte bei der Suva vor und erhob Einsprache
gegen die leistungsverweigernde Verfügung. Er ersuchte um nochmalige Prüfung der
Rückfallkausalität (Suva-act. 165) und reichte dazu einen Nachtrag von Dr. L._ zum
MRI vom 11. Mai 2018 (Suva-act. 164) sowie eine Beurteilung dieses MRI durch den
O._-schen Facharzt für Radiologie Dr. med. P._ ein (Suva-act. 162; gerichtlich
beglaubigte Übersetzung vom 7. August 2018 Suva-act. 165). Kreisazt Dr. N._, dem
die ergänzten Akten zur Zweitbeurteilung unterbreitet wurden, kam am 17. August 2018
zum Schluss, dass sich durch das von Dr. P._ beschriebene ausgeprägte Ödem des
Musculus hallucis longus bzw. die Tendosynovitis der beschriebenen Sehne, die
kleinere retrocalcaneare Bursitis und das beginnende Tarsaltunnelsyndrom keine
wesentlichen neuen Erkenntnisse ergäben. Es lägen keine unfallkausalen Pathologien
vor. Somit könne auch nach der Zweitbeurteilung an der Ablehnung der
Rückfallkausalität festgehalten werden (Suva-act. 167). Mit Entscheid vom 12.
November 2018 wies die Suva die erhobene Einsprache ab, weil die ihr gemeldeten
Fussbeschwerden nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 17. Dezember 2012 zurückgeführt werden
könnten. Demzufolge sei der Anspruch auf Versicherungsleistungen mit der Verfügung
vom 27. Juli 2018 zu Recht verneint worden (Suva-act. 177).
D.
Mit Schreiben vom 20. (richtig wohl: 17.) November 2018 erklärte der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer), dass er mit dem erwähnten Einsprachentscheid
nicht einverstanden sei (Suva-act. 179). Die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
übersandte das ihr zugestellte Schreiben zuständigkeitshalber dem
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (Suva act. 181 = act. G 0 [Akten G 1]).
Innert noch laufender Beschwerdefrist ergänzte der Beschwerdeführer am 30.
November 2018 seine Eingabe (act. G 3) und legte eine weitere Stellungnahme von Dr.
P._ vom 27. November 2018 zum MRI vom 11. Mai 2018 in gerichtlich beglaubigter
Übersetzung vor (act. G 3.1). Am 6. Dezember 2018 stellte er zudem Antrag auf
Heilbehandlung und Taggeld sowie Übernahme sämtlicher Folgekosten und
Schadenersatz (act. G 5). Zur Beschwerdeantwort aufgefordert unterbreitete die
Beschwerdegegnerin das Dossier dem Leiter der Fachgruppe Chirurgie, Abteilung
Versicherungsmedizin, PD Dr. med. Q._, Facharzt für orthopädische Chirurgie, zur
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nochmaligen Beurteilung, ob die vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Beschwerden am rechten Fuss mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest
teilweise in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem am 17. Dezember 2012
erlittenen Unfall stehen würden (vgl. Suva-act. 190 Einleitung). Dr. Q._ verneinte
diese Frage in seiner orthopädisch-chirurgischen Beurteilung vom 21. Februar 2019
(Suva-act. 190 S. 7). Gestützt darauf beantragte die Beschwerdegegnerin mit
Beschwerdeantwort vom 28. Februar 2019 die Abweisung der Beschwerde (act. G 9).
Zur Replik eingeladen, beklagte sich der Beschwerdeführer darüber, wie die
Beschwerdegegnerin ihn behandle, und stellte einen Bezug zu einem früher erlittenen
Unfall mit Daumenverletzung von 1997 her, bei welchem er ähnliche Erfahrungen
gemacht habe. Er habe den Eindruck, als Simulant hingestellt zu werden (act. G 11). Zu
diesem früheren Unfall reichte er unter anderem Korrespondenz und medizinische
Unterlagen ein (act. G 11.1 bis G 11.12). Mit Duplik vom 23. April 2019 wies die
Beschwerdegegnerin darauf hin, dass die im Zusammenhang mit dem früheren Unfall
gemachten Ausführungen für das hängige Gerichtsverfahren irrelevant seien (act. G
13).

Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zu
dieser Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle,
die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor
diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend
stehen Folgen eines Unfalls vom 17. Dezember 2012 zur Debatte, weshalb die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung finden.
2.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu beurteilen ist die Leistungspflicht
der Beschwerdegegnerin für den im Februar 2018 gemeldeten Rückfall oder die
Spätfolgen zum Unfall vom 17. Dezember 2012. Nicht Gegenstand dieses Prozesses
bildet - worauf die Beschwerdegegnerin in ihrer Duplik zu Recht hingewiesen hat - ein
früher erlittener Unfall mit einer Verletzung am Daumen der rechten Hand. Dieser Unfall
war nicht Gegenstand der ursprünglich angefochtenen Verfügung, weshalb er nicht
Anfechtungsgegenstand im vorliegenden Prozess sein kann (vgl. dazu BGE 131 V 164
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E. 2.1, 125 V 414 E. 1a, 119 Ib 36 E. 1b, je mit Hinweisen). Soweit der
Beschwerdeführer mit seiner Replik beabsichtigt, (auch) Leistungen für diesen früheren
Unfall geltend zu machen, kann darauf nicht eingetreten werden.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra
Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen
natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel
auf Angaben ärztlicher Expertinnen und Experten angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 123 III 110,
112 V 30, 107 V 173, Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Im Bereich organisch
objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der
aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des
Unfallversicherers indessen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate
weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2, 117 V 365 mit
Hinweisen).
2.1.
Gemäss Art. 11 UVV werden Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und
Spätfolgen gewährt, wobei Rückfälle und Spätfolgen besondere revisionsrechtliche
Tatbestände sind (Art. 22 UVG; vgl. BGE 127 V 457 E. 4b mit Hinweis). Praxisgemäss
handelt es sich bei einem Rückfall um das Wiederaufflackern einer vermeintlich
geheilten Krankheit oder von vermeintlich geheilten Unfallfolgen, sodass es erneut zu
ärztlicher Behandlung und möglicherweise zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt. Von
Spätfolgen wird dann gesprochen, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Lauf
längerer Zeit organische oder psychische Folgen zeitigt, die zu einem anders gearteten
Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen begrifflich an ein
bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des
(damaligen) Unfallversicherers nur dann auslösen, wenn zwischen den erneut geltend
gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen
Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht
(BGE 129 V 181 E. 3.1, 118 V 296 f. E. 2c; SVR 2003 UV Nr. 14 S. 43 E. 4).
2.2.
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Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen
(BGE 144 V 429 E. 3.2). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet
sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (Art. 43 und 61 lit. c des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]; vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsrecht tragen deshalb die Parteien in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte; bei einer leistungsaufhebenden Tatfrage liegt die Beweislast
somit beim Unfallversicherer, bei einer leistungsbegründenden Tatfrage bei der
versicherten Person. Diese Beweisregel entfaltet ihre Wirkung allerdings erst, wenn es
sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund
einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b
mit Hinweisen).
2.3.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, also ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Nach der
Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im
Wesentlichen gestützt auf versicherungsinterne medizinische Beurteilungen (darunter
fallen auch solche von Vertrauensärzten) zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei auch
nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind. Ein Anspruch auf eine
2.4.
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3.
versicherungsexterne Begutachtung besteht gemäss Rechtsprechung nicht (BGE 135
V 465).
Die Beschwerdegegnerin hat den angefochtenen leistungsverweigernden
Entscheid im Wesentlichen auf die kreisärztlichen Stellungnahmen ihres Facharztes für
orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates Dr. N._ vom
5. Juli 2018 (Suva-act. 156) und vom 17. August 2018 (Zweitbeurteilung; Suva-act. 167)
abgestützt. Im Beschwerdeverfahren hat sie zusätzlich die orthopädisch-chirurgische
Beurteilung ihres Facharztes für Orthopädische Chirurgie und Leiters der Fachgruppe
Chirurgie Dr. Q._ vom 21. Februar 2019 (Suva-act. 190) vorgelegt. Es ist vorab zu
prüfen, wie es um den Beweiswert dieser versicherungsintern produzierten
medizinischen Unterlagen bestellt ist, welchen der Beschwerdeführer sinngemäss unter
Hinweis auf die von Dr. L._ erhobenen Befunde (Suva-act. 150 und 164) sowie die
beiden Stellungnahmen des Radiologen Dr. P._, die erste (Suva-act. 162) undatiert,
die zweite vom 27. November 2018 (Suva-act. 184 = act. G 3.1), bestreitet.
3.1.
Die ärztlichen Stellungnahmen der Suva-Fachärzte wurden in Kenntnis und unter
Würdigung der Vorakten erstellt. Zu der als Rückfall gemeldeten, vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerdesymptomatik hat die Beschwerdegegnerin
die aktuelle haus- und spitalärztliche Befunderhebung (Suva-act. 138, 140 und 146)
beigezogen und über die Hausärztin eine erneute Bildgebung des betroffenen Fusses
mittels MRI bei Dr. L._ veranlasst (Suva-act. 150). Damit hat die Beschwerdegegnerin
den Rückfallsachverhalt in medizinischer Hinsicht in umfassender Weise abgeklärt. Es
sind keine Anhaltspunkte erkennbar, dass im Abklärungszeitpunkt objektiv wesentliche
Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Damit kann grundsätzlich auf diese
Stellungnahmen abgestellt werden. Zu prüfen bleibt, ob sich aufgrund namentlich der
Einschätzung von Dr. P._ keine geringen Zweifel an der Zuverlässigkeit der von den
Suva-Fachärzten gezogenen Schlussfolgerungen ergeben.
3.2.
Dr. P._ hat als Facharzt für Radiologie zweimal ausschliesslich das von Dr. L._
vom Diagnose Zentrum M._ durchgeführte MRI vom 11. Mai 2018 und dessen
Bericht darüber aus seiner Sicht kommentiert. Dabei ist er zum Schluss gekommen,
der Befund entspreche einem ausgeprägten Ödem der Sehne des Musculus hallucis
longus bzw. einer posttraumatischen Tendosynovitis dieser Sehne. Zudem erkannte er
eine kleinere retrocalcaneare Bursitis und ein Anfangssyndrom des Tarsalsinus mit
einer Randbeschädigung des Ligamentum talocalcaneum interosseum am Calcaneus.
Er empfahl, die Meinung eines Orthopäden einzuholen (Suva-act. 165). Das Ödem sei
3.3.
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nach der partiellen, zwischenzeitlich wieder verwachsenen Sehnenruptur entstanden
und dominiere den erhobenen Befund. Die Sehne des Musculus hallucis longus sei auf
der ganzen Länge breiter und ödemartiger. Das Ödem ergreife auch den distalen Teil
der Sehne auf der plantaren Seite des rechten Fusses. Die Fusssohle könne deshalb
nicht richtig funktionieren. Diese beschriebenen Änderungen, welche er als
Verletzungsfolgen bezeichnete, seien aus ihm nicht bekannten Gründen (gemeint wohl
im MRI-Bericht von Dr. L._ vom 11. Mai 2018) nicht beschrieben worden, sollten aber
berücksichtigt werden (Suva-act. 184). In der orthopädisch-chirurgischen Beurteilung
vom 21. Februar 2019 wies Dr. Q._, dem anders als Dr. P._ die gesamte
medizinische Dokumentation zum rechten OSG zur Verfügung stand, zu Recht darauf
hin, dass sich dessen Beurteilung des Ödems bzw. der Tendosynovitis, welche er
schwergewichtig als Hauptursache der Beschwerden betrachtete, mit der
Einschätzung von Dr. L._ decke, wonach die etwas akzentuierte
Flüssigkeitsmarkierung der Flexor hallucis longus-Sehnenscheide dorsal des OSG
durchaus auf eine Tendovaginitis der Flexor hallucis longus-Sehne dorsal des OSG (bei
entsprechender klinischer Symptomatik) hindeute (Suva-act. 164). Die erwähnte
Beurteilung gab Dr. L._ im Anschluss an die erste Stellungnahme von Dr. P._ ab;
dieser hat sie jedoch offensichtlich nie gesehen. Jedenfalls waren aber die
diesbezüglichen medizinischen Einschätzungen - anders als von Dr. P._ unterstellt -
den involvierten Suva-Ärzten bekannt. Vergleichend mit der bereits aus dem Grundfall
vorhandenen Aktenlage (insbesondere dem MRI des Spital E._ vom 20. September
2013 [vgl. Bericht der Oberärztin Radiologie Dr. med. R._ in Suva-act. 33, wo bereits
eine deutliche Flüssigkeitsansammlung innerhalb der Sehnenscheide der Flexor
hallucis longus-Sehne und eine Tendovaginitis derselben beschrieben wird]), von
welcher Dr. P._ ebenfalls keine Kenntnis hatte, schlossen sie auf das Vorliegen einer
vorbestehenden entzündlichen Affektion einer Sehnenscheide, wie sie typischerweise
bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung auftritt. Dr. Q._ begründet dies
damit, dass die Angabe von Dr. R._ zur Indikation für die Untersuchung vom 20.
September 2013 - zunehmende Schwellung und Schmerzen im Bereich des lateralen
OSG - sowohl für eine Chlamydieninfektion, welche beim Beschwerdeführer ebenfalls
bekannt war (vgl. die diesbezügliche Meldung der Hausärztin Dr. F._ in Suva-act. 46),
als auch für eine Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis sprechen könne,
was sie in ihrer Beurteilung auch diskutiert und die Differentialdiagnose diffuse, am
ehesten narbige inflammatorische Veränderungen der Weichteile in der Nachbarschaft
zum Aussenknöchel gestellt habe. Zudem würden auch die von Dr. G._ erhobene
Reizung der Sehnen sowohl um den Innen- als auch den Aussenknöchel (Suva-act. 49)
und die massiven Nacht- oder Ruheschmerzen, über welche der Beschwerdeführer
gegenüber Kreisarzt Dr. H._ berichtet habe (Suva-act. 108), für ein entzündliches
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4.