Decision ID: 8f159981-f16c-437b-99d8-4b083b1ef0d0
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1981,
ist
ge
lernte
Köchin
und
mel
dete sich a
m 2
6.
Februar 2010
unter Hinweis auf Lebensmittelintoleranzen sowie diverse weitere Leiden
zum Bezug von Leistungen der Invalide
nversiche
rung (berufliche Massna
hmen) an (
Urk.
7/14
Ziff.
5.2 und
Ziff.
6.2
).
D
ie Sozial
versicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
wies
das Leistungsbegehren
wegen
Verle
tzung der Mitwirkungspflicht
mit Verfügung vom 1
0.
Mai 2011 (
Urk.
7/42)
ab.
1.2
Am
5.
Juli 2011 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/52).
Die IV-Stelle klärte die
medizinische
und
beruflich-
erwerbliche Situation ab
, wobei sie
insbesondere eine Untersuchung der Versicherten bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst
(
vgl.
Urk.
7/59-60)
und eine Berufsberatung zur Prüfung des Anspruchs auf eine Umschulung (vgl.
Urk.
7/67
Ziff.
3 und
Urk.
7/99) veranlasste.
Mit Email vom
1
5.
August 2013
(
Urk.
7/94)
machte die Versicherte
geltend
,
ihr sei nicht
nur eine Vollzeit-Umschulung
,
sondern auch ein Taggeld
zu gewähren
. Am 2
3.
Oktober 2013 informierte die
IV-Stelle die Versicherte, dass während der Umschulung keine Taggelder ausgerichtet werden könnten (
Urk.
7/99/10 f.), woraufhin die Versicherte am 2
2.
Januar 2014
den
Erlass einer Verfügung
ver
langte
(
Urk.
7/99/12 unten).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
7/98
,
Urk.
7/103
)
verneinte die
IV-Stelle
mit Verfügung vom 1
9.
März 2014 (
Urk.
7/107 =
Urk.
2) einen Anspruch der Versicherten auf Taggelder der Invalidenversicherung.
2.
Die Versicherte erhob am
5.
Mai 2014
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
9.
März 2014
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben, und es sei
ihr
hinsichtlich der ihr zugesicherten Umschulung ein Taggeld auszubezahlen. Zur Berechnung der Höhe des Taggeldanspruchs sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Eventuell sei für die Bemessung des Tag
geldanspruchs auf
Art.
20
sexies
Abs.
1 lit. b der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) abzustellen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5.
Juni 2014
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
2
3.
Oktober 2014 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10
).
3.
Am 2
2.
April 2014
hatte
die Versicherte unter Hinweis auf ein Hüftleiden ein weiteres Gesuch um Ausrichtung von Leistungen der Invalidenversicherung
gestellt
(
Urk.
7/111
Ziff.
6.2)
.
Am 1
6.
Mai 2014 teilte
die
IV-Stell
e ihr unter
Hin
weis auf zwei
in den nächsten Monaten
bevorstehende
Hüftoperationen
den Abschluss der
Berufsberatung
mit und verneinte einen Anspruch auf berufliche Massnahmen
(
Urk.
7/118).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität (
Art.
8 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss
Art.
8 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu er
halten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (
Abs.
1).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
unter anderem in
Massnahmen berufli
cher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe
;
Abs.
3 lit. b).
1.2
Versicherte haben während der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen nach
Art.
8
Abs.
3 IVG Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahmen verhindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50
%
arbeitsunfähig (
Art.
6
ATSG
) sind (
Art.
22
Abs.
1 IVG).
Das Taggeld besteht aus einer Grundentschädigung, auf die alle Versicherten Anspruch haben, und einem Kindergeld für Versicherte mi
t Kindern (
Art.
22
Abs.
2 IVG).
Die Grundentschädigung beträgt 80
%
des letzten ohne gesundheitliche Ein
schränkung erzielten Erwerbseinkommens, jedoch nicht mehr als 80
%
des Höchstbetrages des Taggeldes nach
Art.
24
Abs.
1 IVG (
Art.
23
Abs.
1 IVG).
Als erwerbstätig gelten
gemäss
Art.
20
sexies
Abs.
1
der Verordnung über die Invali
denversicherung (
IVV
)
unter anderem Versicher
te, die unmittelbar vor Beginn i
hrer Arbeitsunfähigkeit (
Art.
6 ATSG) eine Erwerbstätigkeit ausgeübt haben (lit.
a)
, oder glaubhaft machen, dass sie nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätten (lit. b).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Taggelder
mit der Begrün
dung, dass
die Voraussetzungen nach
Art.
20
sexies
IVV nicht erfüllt seien (S. 1 unten); die Beschwerdeführerin habe unmittelbar vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im März 2010 (S. 2 Mitte) kein Einkommen erzielt und es könne auch nicht ange
nommen werden, dass sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Erwerbs
tätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätte. Taggelder stellten sodann akzessorische Leistungen zu beruflichen Massnahmen dar.
Bis heute habe der Beschwerdeführerin je
doch keine berufliche Massnahme
zugesprochen werden können (S. 2 unten, S. 3 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) demgegenüber gel
tend,
mit der Beschwerdegegnerin sei unstreitig vereinbart worden, dass sie vollzeitlich zur Heilpädagogin umgeschult werden solle. Da sie als Köchin zu
dem zu 100
%
arbeitsunfähig sei, seien die Voraussetzungen gemäss
Art.
22
Abs.
1 IVG erfüllt und es bestehe ein Anspruch auf Taggeld
er
(S. 6
Ziff.
25). Die Annahme der Beschwerdegegnerin, dass sie (die Beschwerdeführerin) erst im März 2010 arbeitsunfähig geworden sei und hiervor über zwei Jahre ke
in
Ein
kommen erzielt habe, sei - aus näher dargelegten Gründen - unzutreffend
, wes
halb die Beschwerdegegnerin fehl gehe, wenn sie den - von ihr dem Grunde nach bejahten - Anspruch auf Taggeld
er
auf dem Wege der Bemessung auf null reduziere
(S. 6 f.
Ziff.
26 ff.
).
Es
sei erstellt, dass der Gesundheitsschaden schon weit vor dem Jahr 2010 eingetreten sei
und sich insbesondere seit 2003 immer weiter verschlimmert habe, so dass sie spätestens ab dem Jahr 2005 keine Tä
tigkeit mehr habe ausüben könne
, welche in Zusammenhang mit der Zube
reitung von Speisen stehe, auf deren Inhaltsstoffe sie allergisch reagiere. Hin
sichtlich der Bemessung der Taggelder sei damit auf das in den Jahren 2003 bis 2005 erzielte Erwerbseinkommen abzustellen (S. 8 f.
Ziff.
34).
3.
3.1
Gemäss
Art.
49
Abs.
1 ATSG hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forde
rungen und Anordnungen, die erheblich sind, oder mit denen die be
troffene Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Dem Begehren um Erlass einer Feststellungsverfügung ist gemäss
Art.
49
Abs.
2 ATSG zu entsprechen, wenn die gesuchstellende Person ein schützenswertes Interesse glaubhaft macht.
3.2
Das Dispositiv der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) lautet auf Abweisung des Leistungsbegehrens. Aus dem Titel der Verfügung ergibt sich, dass konkret ein Anspruch auf Taggelder verneint wurde.
Die
angefochtene Verfü
gung ist daher als Gestaltungs- beziehungsweise Leistungsverfügung im Sinne von
Art.
49
Abs.
1 ATSG
,
und d
as Beschwerdebegehren, welches auf Ausri
chtung von Tag
geldern lautet,
als Leistungsbegehren
,
zu qualifizieren.
Strit
tig und zu prüfen ist
somit
, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Taggelder zu Recht verneint hat.
3.3
Die Beschwerdeführerin beantragte die Ausrichtung von Taggeldern während ihrer Umschulung
zur Heilpädagogin
.
Dem Verlaufsprotokoll der Berufsberatung
(
Urk.
7/99)
ist zu entnehmen,
dass ei
ne Umschulung zur Heilpädagogin anlässlich der mit der Beschwerdeführerin geführten Gespräche
ein Thema war
und
die
s
bezüglich
auch
Abklärungen getä
tigt
wurde
n
(vgl. etwa
die
Einträge vom 1
1.
Juni sowie vom 10.
,
1
1.
und 1
8.
Juli
201
3). Anlässlich des Gesprächs vom
5.
August 2013 wurde der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass die Beschwerdegegnerin die Ausbildung
an sich finanzieren würde (vgl. Eintrag vom
5.
August 2013)
.
Berufliche Massnah
men
im Sinne einer Umschulung zur
Heilpädagogin
wurden
der Beschwerde
führerin
in der Folge
jed
och
nie mittels Mitteilung oder Verfügung zugespro
chen
. Vor diesem Hintergrund kann die Umschulungsmassnahme entgegen der (anderweitigen) Einschätzung der Beschwerdeführerin nicht als unstreitig ver
einbart gelten - ein Gespräch mit einem Sachbearbeiter genügt hierzu nicht.
Sodann kann es als unbestritten gelten, dass
die Beschwerdeführerin vor Erlass der ange
fochtenen Verfügung und auch im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung
keine
berufliche
n
Massnahmen, namentlich keine
Umschulung
,
erhielt
.
Viel
mehr
führte
auch die Beschwerdeführerin
aus
,
wegen ihrer
Hüftbeschwerden
könnten zurz
eit
keine Umschulungsmassnahmen ergriffen werden
,
und
es
sei
auch unklar, welche Umschulung überhaupt in Frage käme
(
Urk.
1 S. 5 f.
Ziff.
21 f.).
Mit Mitteilung vom
1
6.
Mai 2014 wurde
ein
Anspruch auf berufliche Massnahmen
seitens der Beschwerdegegnerin denn auch
verneint
(
vgl.
Urk.
7/118).
3.4
D
as Taggeld
bildet
eine akzessorische Leistung zu Eingliede
rungsmassnahmen
(vgl.
Art.
22
Abs.
1 IVG)
. Das
bedeutet, dass ein Taggeld
grundsätzlich nur aus
geric
htet werden kann, wenn und so
lange Eingliederungsmassnahmen durch
geführt oder i
m An
schluss daran Rekonva
leszenzzeiten bei mindestens 50%iger Arbeitsunfähigkeit
zurückgelegt werden
(vgl. Randziffer 1001 des
Kreisschrei
ben
s
über die Tagge
lder der Invalidenversicherung
in der ab
1.
Januar 2012 gültigen Fassung; KSTI).
Da der Beschwerdeführerin nach dem Gesagten
(noch) keine Eingliede
rungs
mass
nahmen
in Form von beruflichen Massnahmen
zugesprochen wurden beziehungsweise keine solchen durchgeführt werden, fehlt es bereits an der zur Ausrichtung von Taggeldern berechtigenden
zentralen
Grundvoraussetzung
. Darauf hat die Beschwerdegegnerin im letzten Absatz der angefochtenen Verfü
gung auch zutreffend hingewiesen.
Von einer Prüfung der (weiteren) Anspruchs
voraussetzungen
(vgl. vorstehend E. 1.2 sowie Rz 1003 KSTI)
kann daher zum jetzigen Zeitpunkt abgesehen werden.
Sollte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zu einem späteren Zeit
punkt berufliche Massnahmen zusprechen, wird sie zu jenem
Zeitpunkt
(erneut)
über
den Anspruch auf
Taggelder
zu
befinden
und gegebenenfalls darüber zu verfügen haben
.
3.5
Zusammengefasst erweist sich die angefochtene Verfügung
im Resultat
als rech
tens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
Bei diesem Resultat
kann von den beantragten
Zeugeneinvernahmen (
vgl.
Urk.
1 S.
4 und S.
8) abgesehen werden.
4.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
I
VG sind ermessensweise auf
Fr. 4
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerle
gen.
D
as Gericht erkennt
:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
4
00
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwalt Friedrich Frank
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.