Decision ID: b11fe6ed-028e-409b-bf8d-3e295bcef394
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961,
war
seit dem 9
.
April 2001
als
Operatrice
bei
der
Y._
AG,
angestellt, als die Arbeitgeberin das Arbeits
verhältnis unter Einhaltung der Kündigungsfrist am 2
8
. Februar auf den 30. Apri
l 2015
kündigte (Urk. 6/18
Ziff. 2-3, Ziff. 10-11
). In der Folge meldete sich die Ver
sicherte am 1
.
Mai 2015
beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszent
rum
(RAV
) zum
Leistungsbezug an und stellte sich der Arbeitsvermitt
lung
zur Ver
fügung (Urk. 6/16
Ziff. 2, Urk. 6/
17
).
Gestützt auf die Meldung des RAV
vom 5
.
Mai 2015 (Urk. 6
/
1
) stellte das Amt für
Wirtschaft und Arbeit (AWA) die Versicherte mit Verfügung vom 8
.
Mai 2015
(Urk. 6/8
) wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühungen ab 1.
Mai 2015
für die Dauer von 7
Tagen in der Anspruchsberechtigung ein.
Dagegen erhob die Versicherte am 12. Mai 2015 Einsprache (Urk. 6/
9
), welche das
AWA mit Einspracheentscheid vom 24.
Juni 2015 abwies (Urk. 6/
10
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 6
.
Juli
2015 gegen den Einspracheentscheid vom 24.
Juni
2015 (Urk. 2) Beschwerde und beantragte
sinngemäss
,
von einer Ein
stellung in der Anspruchsberechtigung sei abzusehen
(S. 1 f.).
Mit Beschwerdeantwort vom 21
. Ju
l
i 2015 (Urk. 5) beantragte das AWA die Ab
weisung der Besc
hwerde, was der
Beschwerdeführer
in am 23
. Ju
l
i
2015 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 7).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosen
ver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss die versicherte Per
son, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zu
stän
digen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu ver
meiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu su
chen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Be
müh
ungen nachweisen können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1 lit.
c AVIG ist die versi
cherte
Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persön
lich nicht
genügend um
zumutbare Arbeit bemüht. Dieser Einstellungsgrund ist schon dann
gegeben, wenn die versicherte Person vor Eintritt der Arbeitslosig
keit ihren Ob
liegenheiten nicht nachgekommen ist. Sie hat sich daher bereits während der Kündigungsfrist oder bei einem im vornherein befristeten Arbeits
verhältnis vor dessen Beendigung von sich aus, das heisst ohne besondere Aufforderung durch eine Amtsstelle oder Abgabe eines Merkblattes um einen neuen Arbeitsplatz zu bewerben (BGE 139 V 524 E. 4.2; Urteile des Bundesge
richts 8C_21/2015 vom
3.
März
2015, E.
3.5, und 8C_917/2013 vom
4.
März
2014, E.
2.1, je mit Hin
wei
sen, sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_271/2011 vom 1
4.
Juni 2011 E.
2.2). Die Pflicht zur Stellensuche dauert auch bei einer
vorübergehenden Ort- oder
Landesabwesenheit fort (Urteil des Bundesgerichts 8C_21/2015 vom
3.
März 2015
E. 3.4 mit Hinweis).
1.3
Bei der Beurteilung de
r Frage, ob sich eine versicher
te Person genügend um zu
mutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sonder
n auch die Quali
tät ihrer Bewer
bungen von Bedeutung (BGE
139 V 524 E. 2.1.4, und
124 V 225 E. 4a
je
mit Hinweis
en
).
Dabei kommt es nicht auf den Erfolg der Arbeitsbemühungen an, sondern viel
mehr auf
die Tatsache und Intensität der
selben (
BGE 124 V 225 E. 6; Urteil des Bundesgerichts C 16/07 vom 2
2.
Februar 2007 E. 3.1
). Die Ar
beitsbemühungen
müssen zudem umso intensiver sein, je weniger Aussicht eine versicherte Per
son
hat, eine Stelle zu finden (
vgl.
Barbara Kupfer Bucher, Bundesgesetz über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung,
4.
Auf
lage, Zürich 2013, S. 104).
Betreffend Quantität der persönlichen Arbeitsbemühungen können zwar keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden, in der Regel müssen aber min
des
tens zehn bis zwölf geeignete Arbeitsbemühungen je Kontrollperiode nach
g
e
wiesen werden (BGE 139 V 524 E.
2.1.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_917/2013
vom
4.
März 2014 E. 2.2
).
1.4
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittel
schwerem und 31
bis 60 Tag
e bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3
der
Ver
ordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insol
venz
entschädigung
; AVIV
).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner begründete seinen Einspracheentscheid (
Urk.
2) damit, dass die Beschwerdeführerin in der Zeit vor Anmeldung zur Arbeitsvermittlung
lediglich
6
Arbeitsbemühungen nachgewiesen habe, was in quantitativer Hin
sich
t den Anforderungen, alles Zumutbare zu unternehmen, um die Arbeitslo
sigkeit
zu verkürzen, klar nicht
genüge
. Die Pflicht zur Vornahme
rechts
genüg
li
cher
per
sönlicher Arbeitsbemühungen stelle eine derart elementare Ver
haltensregel dar, dass sie auch ohne vorgängige Aufklärung durch die Verwal
tung befolgt wer
den müsse. Es wäre der Beschwerdeführerin unbenommen ge
wesen, sich sofort nach Erhalt der Kündigung über ihre Pflichten zu informieren (S. 2 f.
Ziff.
4).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, sie habe sich direkt nach Erhalt ihrer Kün
digung beim RAV gemeldet und
sei nicht darüber informiert worden
, dass
sie 10 bis 12 Arbeitsbemühungen nachweisen müsse. Sie habe auch keine entsprechenden Vorkenntnisse gehabt.
Sie hätte ohne wei
teres 12 Bemühungen eingereicht, wenn sie davon Kenntnis gehabt hätte. Die richtigen Informationen seien ihr vorenthalten worden (S. 1).
2.3
S
trittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdeführer
in zu Recht für die Dauer von 7
Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde
.
3.
3.1
Wie dargelegt (vorstehend E. 1.2
) muss sich die versicherte Person schon wäh
rend der Zeit vor der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung um Arbeit bemühen. Diese Pflicht ist unter anderem insbesondere während der Kündi
gungsfrist und bei einem befristeten Arbeitsverhältnis mindestens in den drei letzten Monaten zu erfüllen (vgl. Kreisschreiben des Staatssekretariats für Wirt
schaft über die Arbeitslosenentschädigung, AVIG-Praxis ALE, gültig ab 1. Janu
ar
2015, Randziffer B314).
Die
Arbeitgeber
in
künd
igte das Arbeitsverhältnis am 28. Februar auf den 30. April
2015
un
ter Einhaltung der zwei
monatigen Kündig
ungsfrist
. Der letzte
geleistete Arbeitstag war am 31
.
März 2015
(Urk. 6/
18
Ziff.
10-11 und
Ziff.
14
).
Unbestritten ist, dass die
Beschwerdeführer
in
in der Zeit von
März
bis Ende
April 2015
, lediglich insgesamt 6
Arbeit
sbemühungen (vgl. Urk. 6/6
) und damit in Anbetracht der gemäss der konstanten Rechtsprechung des Bundesgerichts durchschnittlich geforderten 10 bis 12 Arbeitsbemühungen p
ro Monat (vgl. vor
stehend E.
1.3
) in quantitativer Hinsicht ungenügende Arbeitsbemühungen nach
gewiesen hat.
3.2
Zu prüfen ist, ob ein entschuldbarer Grund hierfür vorliegt.
Die Beschwerde
führerin machte geltend, sie
sei
vom RAV nicht darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie 10 bis 12 Arbeitsbemühungen nachzuweisen habe.
Diese Argumentation ist indes
nur bedingt
stichhaltig. Die Pflicht
der
Ver
sicherungsleis
tungen beanspruchenden Person zur Arbeitssuche – als Teil
der
Schadenmin
der
ungspflicht – ergibt sich direkt aus dem Gesetz (Art. 17 Abs. 1 AVIG). Die versicherte Person kann sich daher insbeson
der
e nicht damit exkul
pieren, nicht gewusst zu haben, dass sie schon
vor
Aufnahme
der
Stem
pelkon
trolle
zur ernsthaften Arbeitssuche verpflichtet war und nicht darauf aufmerk
sam gemacht worden sei (Urteile C 236/04 vom 28. Dezember 2004 und C 200/03
vom 15. Dezember 2003 je mit Hinweis; vgl. auch ARV 1980 Nr. 44 S. 109). Sie hat sich dementsprechend während einer allfälligen Kündigungs
frist, aber auch generell während
der
Zeit
vor
Anmeldung (ARV 1982 Nr.
4 S.
40) unaufge
for
der
t um Stellen zu bemühen (Urteil des Bundesgerichts C 138/05 vom 3. Juli 2006 E. 2.1).
Im Ergebnis ist
daher
der
Tatbestand
der
ungenügenden persönlichen
Arbeitsbe
mühungen
gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG erfüllt, womit
die
Beschwerdefüh
rer
in
zu Recht in
der
Anspruchsberechtigung eingestellt wurde.
4.
Die verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von 7
Tagen liegt im mittleren Bereich des leichten Verschuldens
(vgl. vorstehend E.
1.4
)
.
Dabei hat der Beschwerdegegner einen im vorliegenden Fall besonderen Umstand offensichtlich nicht berücksichtig
t
. Die Beschwerdeführerin hat sich
nämlich nach Erhalt der Kündigung beim RAV über ihre Pflichten erkundigt
–
was
auch vom Beschwerdegegner nicht in Frage gestellt wurde - und hätte, wäre sie entsprechend informiert worden, die nötigen Bewerbungen getätigt.
Zwar kann sie sich nicht erfolgreich auf den Grundsatz des Vertrauensschutzes
berufen und so gestellt werden, wie wenn die genannte Information erfolgt wäre,
kann sie doch die Auskunftsperson nicht mehr namentlich nennen. Aber im Rahmen Verschuldensbeurteilung muss berücksichtigt werden, dass mit eini
ger Wahrscheinlichkeit der Beschwerdeführerin auf ihre Anfrage hin Auskünfte erteilt wurden, gerade diese, für die vorliegende Sanktionierung entscheidende, jedoch nicht.
Vor diesem Hintergrund ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Umfang von lediglich 3 Tagen angemessen.
5.
Der angefochtene Entscheid
ist
somit
dahin abzuändern, dass in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Zahl der Einstelltage auf 3 reduziert wird
.