Decision ID: 92d949c6-83e1-4fc3-9128-661db9764845
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, meldete sich erstmals am 4. März 2008 (Urk. 6/3) bei der Invalidenversicherung zur Früherfassung und am 22. April 2008 unter Hinweis auf eine massive Erschöpfungsdepression zum Leistungsbe
zug an (Urk. 6/14). Mit Verfügung vom 6. Januar 2009 (Urk. 6/31) sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, eine befristete ganze Rente vom 1. März bis 31. Mai 2008 zu.
Am 5. Juni 2009 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/34). Die IV-Stelle sprach ihr mit Verfügung vom 18. März 2010 (Urk. 6/61) eine
Viertelsrente
vom 1. August 2008 bis 31. März 2009 sowie eine gan
ze Rente vom 1. April bis 31. Oktober 2009 zu.
1.2
Nach Eingang einer weiteren Anmeldung vom 22. August 2012 (Urk. 6/70) er
folgte am 8. Mai 2013 eine Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining (Urk. 6/92) und am 27. August 2013 (Urk. 6/101) sowie am 12. Februar 2014 (Urk. 6/111) eine Kostengutsprache für ein Aufbautraining. Am 26. März 2014 (Urk. 6/116) informierte die IV-Stelle die Versicherte über den Abbruch der In
tegrationsmassnahmen aus gesundheitlichen Gründen. In der Folge klärte die IV-Stelle die medizinische Situation ab und verneinte nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Urk. 6/132, Urk. 6/136, Urk. 6/142, Urk. 6/155) mit Ver
fügung vom 1. September 2016 (Urk. 6/169 = Urk. 2) einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 5. Oktober 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1. September 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und ihr sei eine Rente zu gewähren (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1). Eventuell sei ein Gerichtsgut
achten einzuholen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 2) oder allenfalls die Sache an die Be
schwerdegegnerin für
weitere Abklärungen zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 10. November 2016 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführerin erstattete am 6. März 2017 ihre Replik (Urk. 11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 14), was der Beschwerdeführerin am 2. Mai 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter
anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anfor
derungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E.
5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärun
gen durch Nichteintreten. Tritt sie jedoch auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die vom Antrag
steller oder der Antragstellerin glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades oder der Hilflosigkeit oder der Höhe des invaliditätsbedingten Be
treuungsaufwandes oder Hilfebedarfs (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2) auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen. Stellt sie fest, dass der In
validitätsgrad, die Hilflosigkeit, der invaliditätsbedingte Betreuungsaufwand oder der Hilfebedarf seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellten Veränderungen genügen, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität oder Hilflosigkeit oder einen anspruchsbegründenden Betreuungsaufwand oder Hilfebedarf zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prü
fungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2a und b).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
gust 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
standes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
ons
grund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
sprache
entscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenan
spruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und In
validitätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März
2010 E. 2.1 mit Hinwei
sen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Be
lange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
ak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Nach Art. 49 der Verordnung über die In
validenversicherung (IVV) beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzun
gen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rah
men ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemein
en fachlichen Wei
sungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober
2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten,
welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden ha
ben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober
2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG be
treffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September
2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfol
gerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni
2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem ex
ter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen
Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
ti
onen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
si
cherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren
– nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und
Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen
auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren abweisenden Entscheid (Urk. 2) da
mit, die Beschwerdeführerin sei seit dem 17. Februar 2012 in ihrer bisherigen Tätigkeit eingeschränkt. Sie leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, vorwiegend ausgelöst durch belastende
Faktoren im Berufsalltag. Die Beschwer
den seien aber behandelbar und die Arbeitsfähigkeit sei nicht dauerhaft bezie
hungsweise längerfristig eingeschränkt. Es sei demnach kein Gesundheitsscha
den ausgewiesen, der Anspruch auf eine Leistung der Invalidenversicherung be
grün
de. Auch aus den vorgebrachten somatischen
Beschwerden könne keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden (Urk. 2 S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin beschwerdeweise (Urk. 1) gel
tend, die Einschätzung ihres behandelnden Facharztes vermöge Zweifel an der versicherungsinternen Meinung zu wecken (S. 9 oben). Es liege eine invalidi
sierende Wirkung der depressiven Störung vor (S. 9 unten). Die konsequente Therapie habe bisher noch keine Früchte getragen (S. 10 oben). Invaliditäts
fremde Gründe seien nicht ersichtlich und ein Überwiegen von psychosozialen Faktoren sei nicht nachgewiesen. Es handle sich um einen verselbständigten Gesundheitsschaden mit Krankheitswert (S. 11). Beim Gutachten von Dr.
Y._
vom 30. August 2014
handle es sich um ein Parteigutachten der Krankentag
geld
versicherung, das ohne Beachtung ihrer Mitwirkungsrechte zustande ge
kom
men sei. Es sei auch aus anderen Gründen nicht beweiskräftig. Der rechts
erhebliche Sachverhalt sei betreffend Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit unter ande
rem aus psychiatrischer wie auch aus orthopädischer
und dermatolo
gischer Sicht ungenügend abgeklärt worden (S. 16 f.). Schliesslich
sei bei Vor
nahme eines Ein
kommensvergleichs ein leidensbedingter Abzug von mindestens 20 % ge
recht
fertigt (S. 17 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invali
denrente, wobei in erster Linie die Arbeitsfähigkeit in psychischer Hinsicht um
stritten ist.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin leidet seit März 2007 an einer depressi
ven Störung nach Überlastung durch eine hohe Arbeitslast, einen Arbeitsplatz
konflikt und einen Todesfall in der Familie (vgl. Bericht von Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. März 2008, Urk. 6/23/15-25;
Bericht von Dr. med.
A._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 4. Juni 2008, Urk. 6/21)
,
was zu
einer voll
ständigen Arbeits
unfähigkeit von März 2007 bis Mai 2008 und einer 70%igen Arbeits
unfähigkeit von Juni bis Juli 2008
führte
(vgl. Stellungnahme Dr. med.
B._
, Praktischer
Arzt, RAD, vom 13. August 2008, Urk. 6/24). Dies hatte die
Zuspra
che
einer befristeten ganzen Rente vom 1. März bis 31. Mai 2008 zur Folge (Urk. 6/31).
3.2
Die Verfügung vom 18. März 2010, mit welcher der Beschwerdeführerin erneut eine Invalidenrente zugesprochen wurde (vgl. Urk. 6/61), stützte sich im We
sent
lichen (vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss, versicherungsmedizinische Beurteilung durch den RAD, Urk. 6/54/2) auf den Bericht von Dr.
A._
vom 23. Oktober 2009 (Urk. 6/52), in welchem dieser der Beschwerdeführerin aktuell eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) bei Status nach mittelgradiger depressiver Episode von Februar bis Juni 2009 diagnostizierte (Ziff. 2.1) und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit von Februar bis Juli 2009 und hernach
eine solche im Umfang von 25 % seit August 2009 attestierte (Ziff. 3).
4.
4.1
Seit der Verfügung vom 18. März 2010 sind unter anderem folgende Arztbe
richte eingegangen:
4.2
Am 28. August 2012 erstattete Dr. med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, der Krankentaggeldversicherung der Beschwerdeführerin ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 6/127/8-17). Gestützt auf die Akten, die Anamnese und das Ergebnis der am 13. August 2012 durchgeführten Befunder
he
bung nannte er als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8 Ziff. 5.1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11). Er führte aus, bei der Be
schwerdeführerin bestünden weiterhin Symptome einer mittelgradigen depressi
ven Störung mit somatischem Syndrom bei der nunmehr dritten Phase einer rezidivierenden Störung. Bei Berücksichtigung der Dauer der beiden vorangegan
genen depressiven Phasen und des Umstandes, dass sich die Symptome nach eigenen Angaben deutlich
gebessert hätten, sei davon auszugehen, dass eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (bei einem Pensum von zuletzt 80 %) in zwei Monaten ab Begutachtungsdatum wieder erreicht sein werde. Die
E._
ung
des Arbeits
pensums auf die ursprünglichen 80 % sei dann nach weiteren zwei Wochen möglich und eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe wieder in drei Monaten (S. 7 f. Ziff. 4). Mit einer namhaften Besserung der Gesundheitsschädigung könne somit gerechnet werden. Die aktuelle medikamentöse Therapie und Psy
chotherapie sollten fortgeführt werden. Die Prognose sei gut (S. 8 Ziff. 6.4).
4.3
Dr.
A._
berichtete der Beschwerdegegnerin am 19. Oktober 2012 (Urk. 6/84/1-4) über den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin. Er diag
nostizierte eine rezidivierende schwere depressive Episode (Ziff. 1.1) und erach
tete die Beschwerdeführerin aktuell und seit 17. Februar 2012 in ihrer ange
stammten Tätigkeit als Psychologin
als vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.6). Die Prognose sei zurzeit noch unklar. Nach der dritten depressiven Phase seit 2007 sei eine Tätigkeit in einem 100%-Pensum unwahrscheinlich, da ein erneuter Rückfall nach zu starker Arbeitsbelastung zu befürchten sei (Ziff. 1.4). Künftig gehe er von einer um 40-50 % verminderten Leistungsfähigkeit aus (Ziff. 1.7). Eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei in zirka zwei bis drei Mona
ten in einem Umfang von 50 % möglich (Ziff. 1.9).
Ergänzend hielt der behandelnde Arzt gleichentags (Urk. 6/84/5-6) fest, die Be
schwerdeführerin sei aktuell nicht arbeitsfähig im alten Beruf. Bei den vorheri
gen Krankheitsphasen habe sich die Beschwerdeführerin zwar wieder erholt, sie habe aber neue Stellen mit reduzierten Pensen (70 bzw. 80 %) angenommen und es sei trotzdem wieder eine Krankheitsphase aufgetreten. Mittel- bis lang
fristig gehe er von einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit von zirka 40-50 % aus bei erneutem Arbeitsbeginn voraussichtlich ab Januar 2013 (Urk. 6/84/6).
4.4
Gutachter Dr.
Y._
kritisierte in seiner Stellungnahme vom 3. Dezember 2012 (Urk. 6/127/6-7) zuhanden des Krankentaggeldversicherers, dass im Bericht von Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 4.3) kein psychischer Befund dokumentiert wor
den sei. Die Angaben der Beschwerdeführerin, auf welche sich Dr.
A._
be
ziehe, seien jedoch aufgrund der eigenen Untersuchung nachvollziehbar. Die auf der Basis von zwei wöchentlichen psychotherapeutischen Einzelgesprächen abgegebene Prognose, dass ab Januar 2013 wieder eine 50-80%ige Arbeitsfä
hig
keit gegeben sei, bewege sich im Rahmen der Varianz. Auf der Basis der nunmehr
vorliegenden neuen Informationen ge
lange
er zur Einschätzung, dass die Beschwerdeführerin ab Januar 2013 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit im ange
stammten Beruf wieder erreichen könne und das ursprüngliche Arbeitspensum von 80 % dann nach weiteren zwei Wochen wieder möglich sein werde (S. 2).
4.5
Dem Verlaufsbericht von Dr.
A._
vom 24. Februar 2013 (Urk. 6/89) lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bei weiterhin depressiver Stim
mungslage und mangelndem Antrieb nicht in der Lage sei zu arbeiten. Der ge
plante Wiedereinstieg mit einem Teilzeitpensum auf Januar/Februar 2013 sei aufgrund der Krankheitssymptome nicht gelungen. Nach erneuter leichter Ver
schlechterung sei aus psychiatrischer Sicht eine Tagesklinik beziehungsweise ein Klinikaufenthalt und eine medikamentöse Neueinstellung zu erwägen (S. 1).
4.6
Dr. med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in sei
nem Bericht vom 4. April 2014 (Urk. 6/119) unter den Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung auf und nannte eine behandelte arterielle Hypertonie, eine COPD (
obstructive
pulmonary
disease
) bei langjährigem Nikotinabusus, ein chronisch rezidivierendes zervika
les und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom sowie eine rezidivierende Periarthri
tis
humeroscapularis
(PHS) beidseits als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1). Er hielt fest, seit Monaten
bestehe wieder eine de
pres
sive Grundstimmung in wechselnder Ausprägung. Der Wechsel des Psychi
a
ters und die Umstellung der antidepressiven Medikation hätten 2013 eine ge
wisse Verbesserung gebracht. In den letzten Monaten habe sich aber die Lage wieder zusehends verschlechtert. Einerseits gebe es verschiedene
körperliche Probleme, wobei hier vor allem die
muskuloskelettalen
Beschwerden und vor allem ein hartnäckiges
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom zu erwähnen seien. Anderer
seits sei die Mutter der
Beschwerdeführerin im Februar dieses Jahres ge
storben. Dies habe auch dazu geführt, dass die Beschwerdeführerin das Ar
beits
integrationsprogramm habe abbrechen müssen und seit dem 15. März 2014 wieder vollständig krankgeschrieben sei (Ziff. 1.4).
4.7
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 9. Juli 2014 über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
(Urk. 6/125/6-10). Bei der Beschwerdeführerin liege diagnostisch eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), und ein psychophysischer Erschöp
fungszustand (ICD-10 Z73.0) vor. Hinsichtlich der Diagnosen ohne Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit verwies er auf die vom Hausarzt Dr.
E._
ge
stell
ten somatischen Diagnosen (Ziff. 1.1). Prognostisch sei mit einem schwieri
gen Verlauf zu rechnen mit anhaltend reduzierter Vitalkraft (Ziff. 1.4). Gegen
wärtig bestehe eine seit dem 19. Juni 2013 dauernde vollständige Arbeitsunfä
higkeit (Ziff. 1.6). Die zuletzt ausgeübte berufliche Tätigkeit der Beschwerde
führerin könne mit den vorliegenden Einschränkungen (verminderte Vitalkraft, Energie und Antrieb, erhöhte Ermüdbarkeit, kognitive Defizite mit Konzentrati
ons
störungen und verminderter Konzentrationsfähigkeit, erhöhte Krankheits
an
fällig
keit) nicht ausgeübt werden. Wie das Belastungs- und Aufbautraining gezeigt habe, sei eine behinderungsangepasste Tätigkeit in einem Umfang von 4 Stunden täglich möglich. Voraussetzung sei aber - wie im Abschlussbericht er
wähnt - die Stabilisierung des gesundheitlichen Zustandes (Ziff. 1.7).
4.8
Dr.
Y._
erstatte am 30. August 2014 eine psychiatrische Kurzbeurteilung über
seine am 25. Juli 2014 durchgeführte Untersuchung (Urk. 6/129/4-14). Er konnte keine psychiatrische Diagnose mit Krankheitswert stellen (S. 8 Ziff. 3.2.1) und nannte als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähig
keit eine
depres
si
ve Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4), und eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0) als Differentialdiagnose (S. 9 Ziff. 3.2.2). Er erhob einen weitgehend normalen psychischen Befund. Eine zuvor bestehende de
pressive
Erkrankung sei unter der aktuellen Medikation und psychiat
risch/psycho
the
ra
peutischen Be
handlung soweit remittiert, dass wieder eine vollständige Be
last
barkeit für den angestammten Beruf als Psychologin bestehe. Für die Tätigkeit als Klinikleiterin bedürfe es jedoch einer Eingewöhnungszeit durch die vor
herige berufliche Tä
tigkeit als Psychologin von mindestens einem halben Jahr. Weder aus der Anamnese noch aus den Angaben zum aktuellen Tagesablauf respektive zur aktuellen Lebenssituation seien Anhaltspunkte dafür zu ent
nehmen, dass die Belastbarkeit relevant eingeschränkt sei. Es fänden sich keine depressive Symptomatik, keine Antriebsstörung, keine Konzentrations
störungen und keine Beeinträchtigung des Denkablaufs. Die Beschwerdeführerin
berichte
über eine gute soziale Integration mit verschiedenen Hobbys und einen gut ausgefüllten Tagesablauf. Die aktuelle Behandlung solle bei guter Prognose fortgeführt wer
den (S. 9 Ziff. 5). Es bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkei
ten (S. 10 Ziff. 7).
4.9
Med.
pract
.
F._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, RAD, bestätigte in seiner Stellungnahme vom 18. Oktober 2014 (Urk. 6/130/5-6) die Einschätzung von Dr.
Y._
vollumfänglich und legte als Belastungsprofil keine Tätigkeiten als Psychologin in Bereichen, die deutlich erhöhte Ansprüche an eine seelische Stabilität stellen, fest. Es bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit ab dem Zeitpunkt der Begutachtung.
4.10
Auf Ver
lange
n der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin nahm Dr.
D._
mit Schreiben vom 9. März 2015 (Urk. 6/141) Stellung zum Kurzgutachten von Dr.
Y._
(vgl. vorstehend E. 4.8). Aufgrund seiner Befunderhebungen vom 19. Mai und 3. September 2014 sei
die aktuelle depressive Episode der rezidi
vierenden depressiven Störung nicht remittiert (S. 1). Im aktuellen Tagesablauf seien die Defizite nicht erwähnt worden (Erschöpfung, Ermüdbarkeit, etc.). Dar
aus eine volle 100%ige Leistungsfähigkeit abzuleiten, sei nicht gerechtfertigt (S. 2 oben). Ebenfalls bestehe keine ungetrübte Belastbarkeit, denn zum damali
gen Zeitpunkt und bis heute habe die Beschwerdeführerin grosse Mühe, den Alltag zu bewältigen. Viele Pendenzen würden liegen bleiben, würden wochen
lang aufgeschoben werden. Weder werde die Post geöffnet noch Telefonate ent
gegen genommen (S. 2 Mitte).
4.11
Im Verlaufsbericht vom 20. September 2015 (Urk. 6/149) nannte Dr.
D._
als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige de
pressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.01), und erachtete aus psychiatrischer Sicht eine Wiederaufnahme des Aufbautrainings aufgrund des verbesserten psychischen Befundes als möglich. Zu berücksichtigen seien aber auch die dermatologischen und orthopädischen Probleme der Beschwerdeführe
rin. Der verbesserte Gesundheitszustand erlaube die Wiederaufnahme des im März 2014 abgebrochenen Aufbautrainings (Ziff. 1.2 und Ziff. 2). Ein Wieder
einstieg mit drei Stunden pro Tag sollte möglich sein (Ziff. 4.2).
4.12
Dr.
C._
nannte in seinem Bericht vom 5. April 2016 (Urk. 6/159) unter ande
rem gestützt auf die Berichte von Dr. med.
G._
, Fach
ärztin für Dermatologie und Venerologie (Urk. 6/160/1-5), die gleichen Diag
nosen wie auch schon im Bericht vom 4. April 2014 (vgl. vorstehend E. 4.6), er
gänzt um eine Psoriasis
vulgaris
mit vor allem Befall der Hände und der Füsse (Erst
diagnose Oktober 2014) sowie
eine
Psoriasisarthritis
/Daktylitis an der lin
ken Hand (Erstdiagnose August 2015 und Behandlung seit April 2016) als Diag
no
sen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte der
Hausarzt neu eine Hyper
choles
teri
nämie (behandelt seit Mai 2012) und einen Prädiabetes seit Oktober 2013 (Ziff. 1.1). Des Weiteren führte er aus, aus psychischer Sicht habe sich die Situ
ation nur wenig verändert, insgesamt bestehe nach wie vor eine ausge
prägte depressive Störung in wechselnder Ausprägung. Neu habe sich eine Pso
riasis
vulgaris
manifestiert, welche jetzt zu einer Arthritis/Daktylitis am linken Dau
men geführt habe. Dadurch sei die Beschwerdeführerin nicht nur wegen der Schmer
zen, sondern auch wegen der Funktionseinbusse der linken Hand stark eingeschränkt. Im Weiteren leide die Beschwerdeführerin immer wieder an Rü
ckenschmerzen, bei welchen es wiederholt zu Exazerbationen gekommen sei. Sie sei auch deshalb in regelmässiger physiotherapeutischer Behandlung. Zu
sätzlich gebe es psychosoziale Belastungsfaktoren: Familiäre Probleme nach dem Tod der Mutter, Kündigung der langjährigen Wohnung und Umzug fort aus der vertrauten Umgebung, Scheitern der Arbeitsintegrationsprogramme, etc. (Ziff. 1.4). Aus ärztlicher Sicht bestehe weiterhin eine vollständige Arbeitsunfä
higkeit (Ziff. 1.7).
4.13
RAD-Arzt med.
pract
.
F._
erachtete in seiner Stellungnahme vom 26. September 2015 (Urk. 6/168/4-5) die vom behandelnden Facharzt erhobenen psychischen Befunde vom September 2015 gegenüber Mai 2015 als unverän
dert, womit sich keine neuen medizinischen Tatsachen ergäben, welche nicht auch zum Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr.
Y._
vom 30. August 2014 bekannt gewesen seien. Seit Frühjahr 2015 bestehe eine weitere Verbesserung des Gesundheitszustandes, mithin nur eine leichtgradige depressive Episode. Berufliche Massnahmen seien aus versicherungsmedizinischer Sicht erneut sinnvoll und sollten geprüft werden.
Mit Stellungnahme vom 2. Juli 2016 (Urk. 6/168/6) hielt der RAD-Arzt fest, dass die Beschwerdeführerin gemäss dem eingereichten dermatologischen Arzt
bericht (Urk. 6/16) an Hautveränderungen an den Händen leide.
Diese hätten aber gleich wie die vom Hausarzt erwähnten Rückenschmerzen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin leidet seit 2007 an rezidivierenden depressiven Episo
den. Mit Verfügungen vom 6. Januar 2009 (Urk. 6/91) und 18. März 2010 (Urk. 6/61) wurden ihr aufgrund der Schwere der gesundheitlichen Beeinträchti
gung jeweils befristete Invalidenrenten - zuletzt eine ganze Rente vom 1. April bis 31. Oktober 2009 - zugesprochen.
Nach der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin im Jahr 2012 werden wiede
rum überwiegend psychische Gründe für die Arbeitsunfähigkeit geltend ge
macht.
5.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. No
vem
ber
2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte
psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cher
ten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen rezidivierender oder episodischer Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermassen
therapie
resistent sind (
BGE 141 V 281
E.
4.3.1.2 mit Hinweisen;
BGE 140 V 193 E. 3.3
; Urteil
des Bundesgerichts 8C_5/2017 vom 11. April 2017 E. 4.2 und 5.2).
Bei depressiven Störungen im mittelgradigen Bereich ist die invalidisierende Wir
kung besonders sorgfältig zu prüfen. Es darf nicht unbesehen darauf geschlos
sen werden, eine solche Störung vermöchte eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde (teilweise) Erwerbsunfähigkeit zu bewirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November
2015 E. 7.2.1 mit weiteren Hin
weisen). Angesichts der materiellen Beweislast der die Invalidenrente bean
spruchenden Person fällt die Anerkennung einer rentenbegründenden Invalidi
tät nur in Betracht, wenn die Aktenlage ein stimmiges Gesamtbild zeichnet, das auf eine therapeutisch nicht angehbare erhebliche funktionelle Behinderung
schliessen
lässt. Von einer leistungsrelevanten
Erwerbseinbusse
ist jedenfalls
so
lange
nicht auszugehen, als die zumutbare therapeutische Option einer fach
ärztlich angeordneten intensiven Psychotherapie nicht konsequent und moti
viert verfolgt wurde (Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2016 vom 28. April 2016 E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen).
5.3
Aufgrund der vorhandenen medizinischen Berichte ist ohne weiteres davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin seit Frühling 2012 an einer depressi
ven Störung litt, wobei Dr.
Y._
eine mittelgradige und der behandelnde Fach
arzt Dr.
A._
gar eine schwere Episode diagnostizierten. Beide gingen jedoch von einer insofern guten Prognose aus, als dass die Beschwerdeführerin ab Januar 2013 ihre angestammte Arbeit wieder aufnehmen könne, wenn auch zuerst in einem reduzierten Pensum (vgl. vorstehend E. 4.2-4.4). Zwar wies Dr.
A._
in seinem Verlaufsbericht vom 24. Februar 2013 daraufhin, dass bei der Beschwerdeführerin weiterhin eine depressive Stimmungslage bestehe und aufgrund mangelnden Antriebs und der Krankheitssymptome die Wiederauf
nahme der Arbeitstätigkeit in einem Teilzeitpensum nicht gelungen sei und er deshalb einen Klinikaufenthalt erwäge (vgl. vorstehend E. 4.5). Ein solcher wurde jedoch nach Lage der Akten nicht umgesetzt. Im Gegenteil, absolvierte die Beschwerdeführerin ein Aufbautraining bei der Institution
H._
GmbH (vgl. Urk. 6/118).
Nach dem Wechsel des behandelnden Facharztes diagnostizierte Dr.
D._
im Juli 2014 nunmehr eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige Epi
sode, und attestierte eine seit dem 19. Juni 2013 bestehende Arbeitsunfähigkeit und stellte prognostisch einen schwierigen Verlauf dar (vgl. vorstehend E. 4.7). Demgegenüber ging Dr.
Y._
in seiner Kurzbeurteilung vom 30. August 2014 von einer Remission aus und erhob einen weitgehend normalen Befund (vgl. vorstehend E. 4.8). Dieser Einschätzung konnte sich Dr.
D._
zunächst nicht anschliessen. Er hielt in seinem Bericht
vom 9. März 2015 fest, die depressive Störung sei nicht remittiert und es bestünden noch Defizite (vgl. vorstehend E. 4.11). In seinem Verlaufsbericht vom 20. September 2015 diagnostizierte er zwar weiterhin eine leichtgradige depressive Störung, ging jedoch ebenfalls von einem gebesserten Gesundheitszustand aus, welcher es der Beschwerdeführerin erlaube, das zuvor abgebrochene Aufbautraining (vgl. Urk. 6/116) wiederauf
zunehmen (vgl. vorstehend E. 4.11).
5.4
Mit Ausnahme von Dr.
A._
, der im Bericht vom Oktober 2012 für eine be
schränkte Zeitspanne von ein paar Monaten eine schwere depressive Störung diagnostiziert hatte (vgl. vorstehend E. 4.3), ging keiner der involvierten Ärzte von einer den Schweregrad einer mittelgradigen depressiven Episode überstei
genden Störung aus.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können depressive Störungen ein
zig dann als invalidisierend gelten, wenn sie
erwiesenermassen therapieresistent sind (vgl. vorstehend E. 5.2). Denn selbst bei Annahme des fortwährenden Be
ste
hens einer Depression im Zeitpunkt des Verfügungserlasses (1. Septem
ber
2016, Urk. 2), liegt bei der abgeklungenen mittelgradigen
und nunmehr leicht
gradigen depressiven Episode (und dem von Dr.
D._
diagnostizierten psycho
physischen Erschöpfungszustand; Urteil des Bundesgerichts 9C_645/2015 vom 3. Febru
ar 2016 E. 4.1 mit Hinweis auf 8C_810/2013 vom 9. April 2014 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen) in der Regel praxisgemäss keine psychische Störung mit invalidisierender Wirkung vor. Damit fehlt es der vorliegenden psychischen Beeinträchtigung – so
lange
therapeutisch
angehbar
(vgl. nach
stehend E. 5.5) - bereits diagnosebedingt an einem hinreichenden Schweregrad, um als invalidi
sierender Gesundheitsschaden zu gelten.
Fehlt einer gestellten psychiatrischen Diagnose ein Bezug zum Schweregrad, ist die medizinische Anspruchsgrund
lage, welche zur Anerkennung einer
Invalidität führt, nicht gegeben, ungeachtet der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit (
E. 5.3.5 des teilweise in BGE 143 V 66 publizierten
Urteil
s des Bundesgerichts 8C_814/2016 vom 3. April 2017 E. 5.3.5
).
Offen bleiben kann damit vorliegend auch, ob das Beschwerdebild mitprägende und als nicht versicherte Faktoren auszuscheidende (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1 und E. 4.3.1.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_140/2014 vom 7. Januar 2015 E. 3.3) psychosoziale Faktoren eine Rolle spielten.
5.5
Den ärztlichen Beurteilungen, wonach sich die depressive Symptomatik gegen Mitte des Jahres 2015 zurückgebildet hatte, steht einzig die Beurteilung des be
handelnden Facharztes Dr.
D._
entgegen, gemäss welchem die Einschränkun
gen weiterhin bestehen und zu einer deutlich verminderten Leistungsfähigkeit – zumindest für den Wiedereinstig mit drei Stunden pro Tag – führen. Damit rechnete auch er trotz Unsicherheit in der Behandlungsprognose insgesamt mit einer gesundheitlichen Verbesserung (vgl. vorstehend E. 4.11). Folglich hat sich mittels psychotherapeutischem Einsatz und Medikation die depressive Sympto
matik verringert, was für die Wirksamkeit der im Jahr 2013 umgestellten Thera
pie (vgl. vorstehend E. 4.6) spricht. Ferner ergeht aus Dr.
D._
s Verlaufsbericht vom 20. September 2015, dass die Beschwerdeführerin mittels delegierter Psy
chotherapie mit Sitzungen alle 2-3 Wochen und psychiatrischer Kontrollen alle 2-3 Monate behandelt wird (Urk. 6/149 Ziff. 3.1). Eine solche Behandlungska
denz deutet auf einen zwar vorhandenen, aber nicht allzu grossen Leidensdruck hin. Von einer konsequenten
(vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_814/2016 vom 3. April 2017 E. 5.3.2 mit Hinweisen), langjährigen Depressi
onstherapie, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweisen würde, kann je
denfalls nicht gesprochen werden. Bislang absolvierte die Beschwerdeführerin
auch
keine stationäre Therapie.
Ein
e
stationäre oder ambulante tagesklinische Behandlung
wurde vom vormaligen Facharzt Dr.
A._
zwar erwogen (vgl. vorstehend E. 4.5), jedoch schien der Leidensdruck
hierfür
nicht
gross
genug geworden zu sein.
Auch die Akten und insbesondere die Gutachten der Kran
kentaggeldversicherung (vgl. vorstehend E. 4.2 und E. 4.8), auf welche sich die Beschwerdegegnerin in ihrem Entscheid stützte (vgl. Feststellungsblatt Einwand vom 1. September 2016, Urk. 6/168), und
welche
- zumindest dasjenige vom 28. August 2012 -
grundsätzlich die praxisgemässen Anforderungen an ein Gutachten
erfüllen (vgl. vorstehend E. 1.4
)
, geben keinerlei Hinweise auf
eine seit mehreren Jahren und trotz adäquater Therapie behandlungsresistente, inva
lidisierende Depression.
Davon abgesehen, dass länger (mehr als sechs, selten zwölf Monate) dauernde Störungen grundsätzlich nicht unter ICD-10 F33 (oder F34) erfasst werden, ist als Indiz gegen einen anhaltenden depressiven Zustand zu berücksichtigen, dass hier die für episodische depressive Störungen charak
teristischen Zeiten vollständiger Remission konkret in den Akten dokumentiert sind (vgl. Urk. 6/24, Urk. 6/54). Damit ist das Erfordernis der Therapieresistenz nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht geforderten Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 138 V 219 E. 6) ausgewiesen.
5.6
Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Replik vom 6. März 2017 (Urk. 11) auf Art. 21 Abs. 4 ATSG hinweist, wonach die Beschwerdegegnerin, wenn sie eine über die Behandlungsempfehlung der behandelnden Ärzte hinausgehende The
rapie v
er
lange
, dazu vorgängig aufzufordern habe (S. 2 ff.), ist ihr Folgendes entgegenzuhalten: Der in Art. 21 Abs. 4 ATSG vorgesehene Kürzungs- bzw. Verweigerungstatbestand erfasst gerade erst ein nach Eintritt des Versiche
rungsfalles liegendes Verhalten der versicherten Person (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich 2015, N 133 zu Art. 21
ATSG). Erst dann darf die Verwaltung im Rahmen der Schadenminderungspflicht und nach Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
therapeutische
Massnahmen
einfordern. Hat die Versicherte keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, weil sie an keinem invalidisierenden Gesundheitsschaden leidet, greift das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
nicht. Denn es drohen ihr nicht aufgrund eines zu sanktionierenden Fehlverhaltens Leistungen vorenthalten zu werden, auf die sie ohne das ihr vorgeworfene Verhalten Anspruch hätte. Mit anderen Worten ist unter diesen Umständen bei Fehlen einer therapieresistenten invalidisieren
den psychischen Störung kein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
nach Art. 7b Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 21 Abs. 4 Satz 2 ATSG durchzuführen (Urteil des Bundesgerichts 8C_165/2016 vom 29. August 2016 E. 6).
5.7
Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass
die Behandlungsmöglichkeiten der psy
chischen Beeinträchtigung noch nicht vollständig ausgeschöpft
sind
, sodass es insgesamt am Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung fehlt.
Unter diesen Umständen erübrigt sich auch die Einholung eines von der Beschwerdeführerin beantragten Ge
richts
gutachtens (vgl. Urk. 1 S. 2), da davon keine neuen relevanten medizini
schen Erkenntnisse zu erwarten sind.
6.
Was sodann die somatischen Beschwerden betrifft, leidet die Beschwerdeführe
rin gemäss den Angaben ihres Hausarztes an einer Psoriasis
vulgaris
mit Befall der Hände und der Füsse sowie an einer
Psoriasisarthritis
/
Datylitis
am linken Daumen, was zu einer Funktionseinbusse der linken Hand führe. Ferner leidet die Beschwerdeführerin gemäss Dr.
C._
immer wieder an Rückenschmerzen (vgl. vorstehend E. 4.12).
Dass diese neu vorgebrachten Diagnosen eine Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit hätten, ist, wie der RAD in seinen Ausführungen vom 2. Juli 2016 überzeu
gend ausgeführt hat (vgl. vorstehend E. 4.13), aufgrund der vorliegenden Akten nicht ersichtlich, zumal die letzte Behandlung hinsichtlich der Psoriasis am 10. September 2015 stattgefunden hat und von Dr.
G._
keine Arbeits
unfä
hig
keit attestiert wurde (Urk. 6/160/1-5 Ziff. 1.2) und auch der radio
logische Be
fund vom Mai 2015 hinsichtlich der Rückenschmerzen unauffällig blieb (Urk. 6/160/6).
7.
Zusammenfassend ergibt sich damit weder aufgrund der psychischen noch der somatischen Beeinträchtigungen eine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin. Damit besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Der angefochtene Entscheid vom 1. September 2016 er
weist sich als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.