Decision ID: 981f6268-da9f-5f02-a809-b268d3c75368
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
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vertreten durch die Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell, Poststrasse 23, Postfach 1544,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Beginn)
Sachverhalt:
A.
A._, geboren 1949, meldete sich am 2./4. März 2003 (act. 1) erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Sie habe den Beruf E._ erlernt, sei Mutter
dreier Kinder und erledige als Selbständigerwerbende Büro- und Reinigungsarbeiten.
Sie leide an Multipler Sklerose. Nachdem das Leistungsgesuch abgewiesen worden
war (Einspracheentscheid vom 23. Oktober 2003, act. 19), meldete sie sich am
10. August 2004 (act. 22) nochmals an. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen tätigte wiederum Abklärungen. Ein Gutachten am Kantonsspital
St. Gallen vom 11. April 2007 (act. 70) ergab die Diagnose einer Multiplen Sklerose mit/
bei initial schubförmigem, sekundär chronisch-progredientem Verlauf, Status nach
Retrobulbärneuritis beidseits, mittelschwerem paraspastischem Syndrom, Fatigue-
Syndrom, internukleärer Ophthalmoplegie links und mittelschweren neurokognitiven
Funktionseinschränkungen vom frontalen Typ. Im administrativen Bereich bestehe eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im höchsten Fall von 50 %, denn die
neurokognitiven Funktionseinschränkungen bedingten eine reduzierte Belastbarkeit.
Für körperliche Arbeiten in einer Reinigungsunternehmung sei die Versicherte zu 100 %
arbeitsunfähig. Wenn in einem Haushalt ein Anteil von 30 % schwerer Arbeiten
postuliert werde, sei die Restarbeitsfähigkeit im Haushalt bei 70 % anzusetzen. Die
signifikante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20 % oder mehr sei ab 1. Januar
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2003 anzunehmen. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle wies abschliessend auch
dieses Gesuch der Versicherten mit Verfügung vom 26. September 2007 (act. 83) ab.
Eine Beschwerde gegen die Verfügung wurde später mit Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. April 2009 (act. 124;
Invaliditätsgrad von 34 %, festgesetzt anhand der gemischten Methode der
Invaliditätsbemessung mit Anteilen von 65 % Erwerbstätigkeit und von 35 % Haushalt)
abgewiesen.
B.
B.a Im Gerichtsverfahren hatte die Versicherte am 5. Februar 2008 unter Beilage eines
Arztberichts von Dr. med. B._, Fachärztin für Neurologie FMH, vom 30. Januar 2008
eine Verschlechterung des Gesundheitszustands vom Januar 2008 anzeigen und um
Berücksichtigung dieser Tatsache im Gerichtsverfahren ersuchen lassen (act. 97-2 und
98). Es waren im Verwaltungsverfahren Hilfsmittelgesuche (Februar 2008, act. 99:
Rollstuhl; Dezember 2008, act. 105 und 110: Hörgeräte und Treppenlift) gefolgt. Mit
Schreiben vom 21. August 2009 (act. 135) meldete die Versicherte den Eintritt eines
Schubs mit einer weiteren Verschlechterung im Mai 2009 und beantragte sinngemäss
die Ausrichtung einer Rente. Sie reichte einen Bericht von Dr. B._ vom 17. August
2009 ein. Die Ärztin hatte erklärt, es sei seit dem letzten Schubereignis der bekannten
Multiplen Sklerose im Januar 2008 zu einer erheblichen Zunahme der Paraspastizität
mit entsprechender Einschränkung der Gehfähigkeit gekommen. Für Strecken von
mehr als 200 m werde mittlerweile ein Rollstuhl benötigt. Daneben liege eine
Sehbehinderung rechts vor. Die beschriebenen Einschränkungen im Bereich der Hände
mit Verlust der Geschicklichkeit beruhten auf einer leicht reduzierten
Oberflächensensibilität und auf der auch die Arme betreffenden Spastizität. Die
geklagte Fatigue-Symptomatik lasse sich natürlich nicht objektivieren, sei bei MS-
Patienten aber besonders im vorliegenden Krankheitsstadium sehr häufig. Eine
verwertbare Arbeitsfähigkeit sei nicht mehr gegeben.
B.b Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung schlug daraufhin
am 15. September 2009 (act. 137) vor, bei Dr. B._ und beim Hausarzt einen IV-
Arztbericht einzuholen und nach dem Verlauf der Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2007 zu
fragen.
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B.c Der versandte Arztbericht enthielt indessen die Frage nach dem Verlauf der
Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2009. Dr. B._ gab im Bericht (undatiert; act. 140) an, im
gefragten Zeitraum sei die Versicherte sowohl als Reinigungskraft wie als
Sachbearbeiterin voll arbeitsunfähig. Die Arbeitsfähigkeit sei aber bereits vorher
erheblich eingeschränkt gewesen. Auch für Haushalttätigkeiten sei die Versicherte auf
Hilfe angewiesen. Die Seheinschränkungen und die rasche Ermüdbarkeit
verunmöglichten konzentriertes Arbeiten; als Sachbearbeiterin bestehe eine
verwertbare Leistung von maximal 10 %.
B.d Am 17. September 2009 stellte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der
Versicherten im Hinblick auf eine allfällige Haushaltabklärung einen Fragebogen
betreffend Erwerbstätigkeit und Haushalt zu, den diese ausfüllte und am
25. September 2009 unterzeichnet retournierte (act. 142).
B.e Dr. med. C._, Facharzt Allgemeine Medizin FMH, gab in seinem Arztbericht vom
5. Oktober 2009 (act. 143) an, die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Die
Versicherte sei nicht mehr genügend mobil und belastbar. Seit einem Schub im Januar
2008 sei die Erkrankung rasch progredient gewesen; schon vorher seien aber
schleichende Verschlechterungen sichtbar gewesen.
B.f Am 7. Dezember 2009 fand eine Abklärung an Ort und Stelle im Haushalt
(act. 148) statt. Die Versicherte gab danach an, ohne Gesundheitsschaden hätte sie ihr
Pensum in der Zwischenzeit auf 80 % erhöht, vorwiegend im Bürobereich. Eine solche
kontinuierliche Erhöhung wäre bereits im Jahr 2002 geplant gewesen. Die
selbständigerwerbende Tätigkeit von rund 5 % Umfang wäre beibehalten worden. Sie
sei aus gesundheitlichen Gründen um einen Viertel (von acht auf sechs Stunden pro
Monat) reduziert worden. Im Haushalt wurde eine Einschränkung von 37.5 %
festgestellt. Bei gemischter Methode (80 % Erwerb, 15 % Hausfrau, 5 % Tätigkeit als
Selbständigerwerbende) wurde ein Invaliditätsgrad von 86.87 % ermittelt. Die
Versicherte ergänzte, sie habe ab 2002 aus gesundheitlichen Gründen nach und nach
alle Reinigungsstellen kündigen müssen. - Die Abklärungsperson schlug Abklärungen
zum Beginn der Verschlechterung und der Wartezeit vor.
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B.g Der RAD befürwortete am 24. Dezember 2009 (act. 151), die Verschlechterung auf
Ende Januar 2008 zu datieren. - Im Weiteren stellte sich die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle am 15. Januar 2010 (act. 154) auf den Standpunkt,
der Rentenanspruch beginne erst sechs Monate nach Einreichung des Gesuchs, da
Versicherungsfall und Anmeldung nicht aus dem Jahr 2008 stammten. Dass das
Gerichtsverfahren bis Mai 2009 gedauert habe, könne nicht der IV angelastet werden.
Die Versicherte hätte schon während des gerichtlichen Verfahrens ein neues Gesuch
einreichen müssen. Mit Vorbescheid vom 22. März 2010 (act. 162 f.) wurde der
Versicherten die Zusprechung einer ganzen Rente bei einem Invaliditätsgrad von 87 %
ab 1. Februar 2010 in Aussicht gestellt.
B.h Die Versicherte liess am 22. April 2010 (act. 164) einwenden, die Verwaltung sei
schon am 7. Februar 2008 über die Verschlechterung (samt Bericht von Dr. B._) in
Kenntnis gesetzt worden. Trotzdem berufe sie sich (zu Unrecht) darauf, dass ein neues
Gesuch erst am 14. August 2009 gestellt worden sei. Der Rentenbeginn sei
entsprechend vorzuverlegen. - Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons
St. Gallen verfügte am 24. Juni 2010 (act. 168) im Sinn des Vorbescheids. Der
erwähnte Arztbericht habe dem kantonalen Versicherungsgericht bereits vor dem Urteil
vorgelegen. Gemäss dem Urteil (S. 9) hätte sie die Möglichkeit zu einer Neuanmeldung
gehabt.
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Frau D._, Pro Infirmis St. Gallen-
Appenzell, für die Betroffene am 23. Juli 2010 (Poststempel: 13. August 2010)
erhobene Beschwerde. Die Rechtsvertreterin beantragt, die angefochtene Verfügung
sei insofern aufzuheben, als dass der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2009 eine
ganze Rente zuzusprechen sei. Die Beschwerdegegnerin sei durch das
Versicherungsgericht am 7. Februar 2008 von der Verschlechterung in Kenntnis gesetzt
worden. Sie wäre gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG verpflichtet gewesen, von Amtes wegen
die notwendigen Abklärungen vorzunehmen und zu überprüfen, ob die
Voraussetzungen für eine rentenwirksame Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erfüllt
gewesen seien. Die Verfügung vom 26. September 2007 sei damals noch nicht in
Rechtskraft erwachsen gewesen. Falls die Beschwerdegegnerin für eine Prüfung der
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Rentenberechtigung eine Neuanmeldung für notwendig erachtet hätte, so hätte sie die
Beschwerdeführerin (in Kenntnis der Verschlechterung und des hängigen
Gerichtsverfahrens) dazu auffordern müssen. Andernfalls habe sie Art. 27 ATSG
verletzt. Nachdem die Beschwerdeführerin im Mai 2009 einen weiteren
Krankheitsschub erlitten habe, habe sie am 24. August 2009 erneut eine Anmeldung
eingereicht. Nach Ablauf eines Wartejahres nach der Verschlechterung bestehe
Anspruch auf eine ganze Rente.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 4./7. Oktober 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie habe den
Untersuchungsgrundsatz nicht verletzt, denn aufgrund des Devolutiveffekts der
Beschwerde sei die Zuständigkeit zur Beurteilung der Streitsache von der Verwaltung
auf das Gericht übergegangen. Die Beschwerdeführerin habe das Schreiben vom
5. Februar 2008 denn auch einzig dem Gericht zugestellt. Eine Neuanmeldung habe sie
nicht gemacht. Für eine Beratungspflicht müsse ein hinreichender Anlass bestehen. Es
müsse nicht über alle denkbaren Ansprüche informiert werden. Es müsse auch keine
Beratung über allgemein oder der versicherten Person bekannte Informationen
erfolgen. Es sei allgemein bekannt und der Beschwerdeführerin konkret bekannt
gewesen, dass nach einer Ablehnung einer Rente jederzeit und voraussetzungslos eine
Neuanmeldung möglich sei. Die Beschwerdeführerin habe, wie sich aus dem Schreiben
ergebe, am 5. Februar 2008 bewusst hierauf verzichtet und habe die Verschlechterung
im rechtshängigen Beschwerdeverfahren berücksichtigt wissen wollen. Deshalb sei sie
nicht verpflichtet gewesen, die Beschwerdeführerin auf die Möglichkeit einer
Neuanmeldung hinzuweisen. Am 21. August 2009 habe die Beschwerdeführerin eine
rechtsgültige Neuanmeldung eingereicht. Es sei ihr zu Recht erst ab Februar 2010 eine
Rente ausgerichtet worden.
E.
Die Beschwerdeführerin liess am 19./21. Oktober 2010 auf die Erstattung einer Replik
verzichten.

Erwägungen:
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1.
Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin hat
die angefochtene Verfügung am 24. Juni 2010, also unter der Geltung des Rechts
dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum
Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht in
eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück. Die nach dem Zeitpunkt des
Erlasses der angefochtenen Verfügung erfolgten Rechtsänderungen sind hingegen
nicht mehr zu berücksichtigen. - Soll auf bestimmte Sachverhalte nicht neues Recht
Anwendung finden, sondern das aufgehobene Recht massgebend bleiben, muss eine
geltende Norm die Weiteranwendbarkeit aufgehobenen Rechts für bestimmte
Sachverhalte anordnen. Die 5. IV-Revision enthält keine die Rente betreffende
übergangsrechtliche Bestimmung. Das Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt
aber bezüglich des Anspruchsbeginns zu Recht eine ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl.
das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007). Die Definition der Sachverhalte,
auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, kann etwa durch den Zeitpunkt des
Eintritts des Versicherungsfalls, definiert nach dem alten, ausser Kraft getretenen
Recht, erfolgen (zum Ganzen im Detail der Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Das Bundesamt für
Sozialversicherungen hat indessen im Rundschreiben die Anwendung alten Rechts
auch für Fälle vorgesehen, in denen der Versicherungsfall im Jahr 2008 eintritt (d.h. das
Wartejahr vor dem 1. Januar 2008 zu laufen beginnt und im Jahr 2008 erfüllt wird) und
die Anmeldung spätestens im Jahr 2008 erfolgte. Diese Übergangsordnung hat das
Gericht übernommen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
i/S F. vom 25. März 2011, IV 2009/425). - Ob der Rentenbeginn nach den bis
31. Dezember 2007 gültigen Regeln oder nach den Bestimmungen der 5. IV-Revision
zu bestimmen ist, wird sich aus den folgenden Erwägungen ergeben.
2.
2.1 Wer eine Versicherungsleistung beansprucht, hat sich nach Art. 29 Abs. 1 ATSG
beim zuständigen Versicherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung
gültigen Form anzumelden. Für die Invalidenversicherung sieht Art. 65 Abs. 1 IVV in der
seit 1. Januar 2008 gültigen Fassung in diesem Sinn vor, dass, wer auf Leistungen der
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Versicherung Anspruch erhebt, sich mit einem amtlichen Formular anzumelden hat.
Wird eine Anmeldung nicht formgerecht oder bei einer unzuständigen Stelle
eingereicht, so ist gemäss Art. 29 Abs. 3 ATSG für die Einhaltung der Fristen und für
die an die Anmeldung geknüpften Rechtswirkungen trotzdem der Zeitpunkt
massgebend, in dem sie der Post übergeben oder bei der unzuständigen Stelle
eingereicht wird.
2.2 Nach Art. 31 ATSG ist jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung mass
gebenden Verhältnissen von den Bezügerinnen und Bezügern, ihren Angehörigen oder
Dritten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungsträger oder dem jeweils
zuständigen Durchführungsorgan zu melden (Abs. 1). Gemäss Art. 77 IVV hat unter
anderem der Berechtigte jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung
(darunter namentlich eine solche des Gesundheitszustandes) unverzüglich der IV-Stelle
anzuzeigen. Erhält eine an der Durchführung der Sozialversicherung beteiligte Person
oder Stelle Kenntnis davon, dass sich die für die Leistung massgebenden Verhältnisse
geändert haben, so ist dies gemäss Art. 31 Abs. 2 ATSG dem Versicherungsträger zu
melden.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin, welche an einer progredient verlaufenden
Schubkrankheit leidet, hat sich am 10. August 2004 nach einer ersten
Gesuchsabweisung zum zweiten Mal bei der IV angemeldet. Die einen Anspruch
wiederum ablehnende Verfügung vom 26. September 2007 hat sie in der Folge mit
dem Antrag, ihr eine Viertelsrente zuzusprechen, angefochten.
3.2 Während des hängigen Beschwerdeverfahrens hat sie dem Gericht am 5. Februar
2008 vortragen lassen, es habe sich seit ca. zwei Wochen eine gesundheitliche
Verschlechterung eingestellt, und hat darum ersuchen lassen, diese Tatsache beim
Entscheid zu berücksichtigen.
3.3 Die Beschwerdeführerin hat im Eintritt der Verschlechterung im Januar 2008
demnach - wie die Beschwerdegegnerin zu Recht festhält - einen Beschwerdegrund
gesehen. Weil es sich aber um einen nach dem Zeitpunkt des Erlasses der damals
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angefochtenen Verfügung vom 26. September 2007 eingetretenen Sachverhalt
handelte, konnte er als solcher nicht berücksichtigt werden. Denn für die richterliche
Beurteilung sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse massgebend, wie sie bis
zum Zeitpunkt der angefochtenen Verwaltungsverfügung bestanden haben (BGE 121 V
366 E. 1b; BGE 125 V 150 E. 2c). Spätere Sachverhaltsentwicklungen sind allenfalls
Gegenstand weiterer Verwaltungsverfahren.
3.4 Auch wenn die Anzeige der Verschlechterung des Gesundheitszustands im
Rahmen des Beschwerdeverfahrens an die Adresse des Gerichts - und nicht an die IV-
Stelle als vorgesehene Adressatin für Änderungsmeldungen und Neuanmeldungen -
ergangen ist, würde es zu kurz greifen, ihr ausschliesslich die Bedeutung eines
Beschwerdeantrags beizumessen. Dem Inhalt nach handelt es sich um die
Geltendmachung einer gesundheitlichen Verschlechterung. Es kommt ausserdem der
Wille zum Ausdruck, den veränderten Sachverhalt allgemein im Hinblick auf den
Rentenanspruch berücksichtigt zu wissen. Es trifft wohl zu, dass der
Beschwerdeführerin, die bereits einmal eine Neuanmeldung nach einer Abweisung
getätigt hat, bekannt war, dass eine Neuanmeldung möglich war und wo sie
einzureichen ist. Indessen stand ihr Anspruch im Februar 2008 in einem hängigen
Beschwerdeverfahren, womit von ihr (und ihrer nicht-anwaltlichen Vertreterin) nicht
ohne weiteres erwartet werden konnte, dass sie die erstinstanzliche Zuständigkeit der
Verwaltung in diesem Fall (zufolge der rechtlichen Gegebenheiten gemäss E. 3.3)
erkannte. Ihr Schreiben vom 5. Februar 2008 ist daher auch als allgemeine Meldung
einer gesundheitlichen Verschlechterung auszulegen, welche sie an die unzuständige
Stelle richtete. Die Meldung ist der Beschwerdegegnerin im Übrigen auch zur Kenntnis
gelangt.
3.5 Zu berücksichtigen ist, dass zum damaligen Zeitpunkt noch nicht absehbar war,
ob sich aufgrund der Anmeldung vom August 2004 am Ende ein Rentenanspruch
ergeben werde oder nicht. Das sollte sich erst mit dem Eintritt der Rechtskraft des
Gerichtsentscheids zeigen. Zwischenzeitliche Änderungsmeldungen müssen in solchen
Situationen zwangsläufig je nach dem Ausgang des Verfahrens rückblickend
unterschiedlich ausgelegt werden. Ergibt sich, dass ein Rentenanspruch vorlag, muss
eine frühere Meldung als Verschlechterungsmeldung (Anpassungsgesuch) interpretiert
werden. Bleibt es bei der Leistungsabweisung, so ist dieselbe Meldung im Nachhinein
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als Neuanmeldung auszulegen. In solchen Konstellationen kann eine versicherte
Person während der Zeit der Rechtshängigkeit eine Meldung nur machen, ohne um
deren endgültige juristische Qualifikation zu wissen.
3.6 Mit der Rechtskraft des Gerichtsurteils vom 24. April 2009 zeigte sich, dass die
Verschlechterungsmeldung vom Februar 2008 als Neuanmeldung zu betrachten ist.
4.
4.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen
Fassung) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch
auf eine Viertelsrente.
4.2 Aufgrund des Arztberichts von Dr. B._ vom 30. Januar 2008 (neu aufgetretene
Parese, Verschlechterung der Sehschärfe; vgl. Beurteilung des RAD, act. 151) und der
übrigen medizinischen Aktenlage kann davon ausgegangen werden, dass die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ab Januar 2008 für den Erwerbsbereich
eine volle war. Die Beschwerdegegnerin hat für den Zeitraum nach Eintritt der
Verschlechterung demnach zutreffend einen Invaliditätsgrad errechnet, der 70 %
übersteigt. Ein solcher Teilinvaliditätsgrad ergibt sich bereits aus dem Teilbereich der
Erwerbstätigkeit (Anteil 0.8 mit Arbeitsunfähigkeit von 100 %). Die Beschwerdeführerin
hat daher Anspruch auf die ihr zugesprochene ganze Rente.
5.
5.1 Da die Neuanmeldung im Jahr 2008 gemacht worden und die relevante
Arbeitsunfähigkeit bereits vor 2007 eingetreten ist (im Jahr 2003 wurde bereits die
Grenze von 20 % zur Eröffnung eines Wartejahres erreicht; vgl. act. 70), ist der
Rentenanspruchsbeginn gemäss dem in E. 1 Dargelegten nach den bis 31. Dezember
2007 gültig gewesenen Bestimmungen (im Folgenden zitiert) festzulegen.
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5.2 Der Eintritt des Rentenfalls wird demnach durch Art. 29 Abs. 1 IVG geregelt. Der
Rentenanspruch entsteht (abgesehen von der hier nicht anwendbaren lit. a) frühestens
in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG) gewesen war (lit. b). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Ein
wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an
mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV;
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004,
I 19/04). Auch vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu
berücksichtigen (ZAK 1966 S. 58; Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum IVG, 1. A. 1997, S. 238; BGE 117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C. vom 2. März 2000, I 307/99).
5.3 Es rechtfertigt sich, für die Bestimmung der während der Wartezeit
massgeblichen durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit - wie es die Beschwerdegegnerin
im Grundsatz getan hat - auf das Ergebnis der Mischrechnung der Arbeitsunfähigkeiten
anhand der gemischten Methode abzustellen. Für die Zeit vor der Verschlechterung
des Gesundheitszustands ist daher von einer Arbeitsunfähigkeit von 34 % (act. 124-10)
und danach (ab Januar 2008) von einer solchen von 87 % auszugehen. Die für einen
Rentenanspruch erforderliche durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens
40 % wird zwei Monate nach der Verschlechterung erreicht (10 x 34 % + 2 x 87 % =
514 %; 514/12 = 42.8 %). Ab 1. März 2008 besteht daher bei einer durchschnittlichen
Arbeitsunfähigkeit von 40 % während des zurückliegenden Jahres und anschliessender
damals bestehender Invalidität von über 70 % Anspruch auf eine Viertelsrente. Trotz
der Invalidität von mehr als 70 % kann zunächst noch keine ganze Rente
zugesprochen werden, weil für die massgebliche Rentenstufe beide Elemente in der
jeweiligen Höhe vorhanden sein müssen (vgl. AHI 1996 S. 187; vgl. Rz 4001 f. des vom
Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH, in der Fassung 2004). Nach Ablauf
von drei Monaten, somit ab 1. Juni 2008, hat die Beschwerdeführerin dann Anspruch
auf die ganze Rente. Denn bei der rückwirkenden stufenweisen Rentenzusprechung
richtet sich der Zeitpunkt einer Rentenerhöhung ausschliesslich nach Art. 88a Abs. 2
IVV. Art. 88 Abs. 2 IVV findet keine Anwendung (vgl. BGE 109 V 125). Nach Art. 88a
ter
bis
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Abs. 2 IVV ist eine anspruchsbeeinflussende Änderung bei einer Verschlechterung der
Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate angedauert hat. Art. 29 IVV ist sinngemäss anwendbar.
6.
6.1 Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 24. Juni 2010 insofern zu schützen, als der Beschwerdeführerin ab
1. März 2008 eine Viertelsrente und ab 1. Juni 2008 eine ganze Rente zuzusprechen ist.
6.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Der
Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
6.3 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht ohne Rücksicht auf
den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. Die Beschwerdeführerin hat vollständig obsiegt (vgl. Art. 98 ff.
VRP/SG). Sie ist durch die Pro Infirmis vertreten. Ihre Rechtsvertreterin hat keine
Parteientschädigung beantragt. Nach der Rechtsprechung hat eine durch die Pro
Infirmis vertretene Beschwerde führende Person Anspruch auf eine
Parteientschädigung (BGE 122 V 278; Entscheide des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S U. vom 10. April 2002, I 284/01, und i/S K. vom
27. November 2001, I 682/00). Ein ausdrücklicher Antrag ist nicht notwendig (BGE
118 V 139 f.). Die Entschädigung ist vorliegend ermessensweise auf Fr. 500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP