Decision ID: 0eb5ffb2-479a-454f-84f5-b57ae94fc125
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1958 geborene
X._
war seit dem 19. Juni 2000 bei der
Y._
als Mitarbeiterin Sortierung in einem 100 %-Pensum tätig (Urk. 12/6). Am 7. November 2006 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Depression, Asthma und eine Thrombose bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 12/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen.
Am 2. Februar 2007 ordnete sie eine psychiatrische Begutachtung an (Urk. 12/13). Das Gutachten wurde am 20. April 2007 erstattet (Urk. 12/18). Gestützt auf die Schlussfolgerungen der Gutachterin sprach die IV-Stelle der Versicherten nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
mit Verfügung
en
vom 24. Juli 2007
und 2
7.
August 2007
bei einem Invaliditätsgrad von 75 %
eine
ganze Rente
der Invalidenversicherung
ab
1.
Oktober 2006
zu (Urk. 12/26
und Urk.
12/29
). Im Rahmen einer im Mai 2010 eingeleiteten Rentenrevision
holte die
IV-Stelle
einen Verlaufsbericht des beh
an
delnden Psychiaters ein (Urk.
12/34) und
teilte der Versicherten
am 5. November 2010
mit
, es bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente
(Urk. 12/36).
Im November 2015 wurde eine weitere Rentenrevision eingeleitet. Nach
Einholung eines Verlaufsberichts des behandelnden Psychiaters (Bericht vom
2.
April 2016,
Urk.
12/41)
ordnete die IV-Stelle am 13. April 2016 eine psy
chiatrische Begutachtung an (Urk. 12/44).
Die Exploration fand am 21.
Septem
ber 2016 statt.
Das
Gutachten wurde am 28. November 2017 erstattet (Urk. 12/51).
Mit Vorbescheid vom 9. Januar 2018 stellte die IV-Stelle der Versi
cherten die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (Urk. 12/54). Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 15. Januar 2018
(Urk. 12/55) und ergän
zender
Begründung
vom
26. Februar 2018
Einwand (Urk. 12/
80
).
Mit Verfügung vom 20. Juni 2018 stellte die IV-Stelle die Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein (Urk. 12/88
= Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
21. August 2018
Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
das Verfahren zur Durchführung von Eingliederungsmassnahmen gemäss Art. 8a
des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
und zur ergänzenden medizini
schen Abklärung und allfälligem neuen Entscheid in der Rentenfrage an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin sei während des Verfahrens gemäss Art. 8a IVG zu verpflichten, der Beschwerdeführerin weiterhin die bisherige ganze Rente auszurichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegeg
nerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2018 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 11), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 26. Oktober 2018
mitgeteilt wurde (Urk. 13). Mit Eingabe vom 1. Oktober 2019 reichte die Beschwerdeführerin den Befund der MRI-Untersuchung der Lenden
wirbelsäule vom 12. März 2019 ein (Urk. 14 und Urk. 15), welcher der Beschwer
de
gegnerin am 3.
Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für
die
Entscheidfindung
erforderlich, in den n
achfolgenden Erwägungen einzuge
hen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130
V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145
V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten
Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.3
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeig
net ist. Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich nach dem konkreten Beweisbedarf. Sie fehlt ganz allgemein in Fällen, die sich durch die Erhebung prägnanter Befunde und übereinstimmende fachärztliche Einschätzun
gen hinsichtlich Diagnose und funktioneller Auswirkungen im Rahmen beweis
wertgier Arztberichte und Gutachten (vgl. BGE 125 V 351) auszeichnen. Was die Befunde angeht, ist e
twa an
Störungsbilder wie Schizo
phrenie, Zwangs-, Ess- und Panikstörungen zu denken, die sich aufgrund klinischer psychiatrischer Untersu
chung bezüglich ihrer Überprüf- und Objektivierbarkeit mit somatischen Erkran
kungen vergleichen lassen (BGE 139 V 547 E. 7.1.4). Hier zeigt sich die Beweis
problematik, wenn überhaupt, vor allem bezüglich der funktionellen Auswirkun
gen. Daher hat
auch
bei jenen Störungen ein
e
vertiefende Prüfung hinsichtlich des funktionellen Schweregrades und insbesondere der Konsistenz zu erfolgen, wenn Hinweise auf Inkonsistenzen, auf Aggravation oder Simulation bestehen.
Andererseits bleibt ein strukturiertes Beweisverfahren dort entbehrlich, wo im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nach
vollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Ein
schätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 418 E. 7.1).
1.3
1.3.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5,
117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung
(
IVV
)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssach
verhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.3.3
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage
sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grund
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versi
cherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1)
.
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben wor
den ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmögli
chen,
gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die IV-Stelle,
gemäss dem psychiatrischen Gutachten vom 28. November 2017 seien keine Diagnosen mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr vorhanden. Die Beschwerdeführerin sei spätestens ab Oktober 2016 für eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit ohne Nacht- oder Schichtarbeit, ohne Kundenkontakt und nur mit Routinearbeiten zu 100 % arbeitsfähig. Auf das schlüssige und nachvollziehbare Gutachten könne abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie sich die Teil
nahme an beruflichen Eingliederungsmassnahmen nicht vorstellen könne. Somit sei die Motivation für eine Teilnahme nicht vorhanden (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
bei der
verfügten
Rentenaufhebung
sei sie
über 60
Jahre alt
gewesen
und
habe
deshalb
Anspruch auf
berufliche Wiedereingliederungsmassnahmen
.
Während der Dauer der Eingliederungsmassnahme sei die laufende Rente weiterhin auszurichten
(Urk. 1 S. 15
f.)
.
Sie bestritt
sodann
die Beweistauglichkeit des Gutachtens
und verlangte ergänzende medizinische
Abklärungen
(Urk. 1 S. 22 ff.)
.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob eine revisionsrechtlich bedeutsame Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, welche eine Rentenaufhebung recht
fertigt. Insbesondere
ist zu prüfen, ob seit den
Verfügung
en
der Beschwerde
geg
nerin
vom 24. Juli 2007
bzw.
2
7.
August 2007
(
Urk. 12/
26 und Urk.
12/29
)
, mit welchen
der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab
1.
Oktober 2006
eine
ganze Rente
zugesprochen worden war, eine wesentliche Veränderung
des Gesundheits
zustandes und der sich daraus ergebenden Arbeitsfähigkeit stattgefunden hat.
Weiter gehört
bei der Rentenaufhebung auch die Frage der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung
z
um Streitgegenstand
(
Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_84/2019 vom 2
9.
August 2019
E. 2.2 und
8C_494/2018 vom
6.
Juni 2019
E.
2.2).
3.
3.1
Die ursprüngliche
Rentenzusprache
vom
24. Juli
bzw.
27.
August 2007
(
Urk.
12/26 und Urk.
12/29
) beruhte in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf
dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. April 200
7. Dr.
Z._
führte darin aus,
die 49-jährige, vorgealterte, sonst äusserlich unauffällige Beschwerdeführerin
sei
pünktlich zur Untersuchung
gekommen
und sei kooperativ.
Die Deutschkennt
nisse seien für die Exploration ausreichend.
Im Gespräch sei die Beschwerdeführe
rin passiv, sie beantworte aber bereitwillig alle Fragen und sei freundlich. Affektiv wirke sie andauernd bedrückt bis verzweifelt, sie breche beim Sprechen über die Kinder in Tränen aus, sonst sei sie
affektiv starr
und kaum schwingungsfähig. Psychomotorisch sei die Versicherte blockiert und wirke verlangsamt. In der Untersuchungssituation seien keine Schmerzäusserungen zu beobachten. Die Schilderungen wirkten sachlich, es ergäben sich keine Anhaltspunkte für Aggra
vation oder Simulation. D
ie bereits mehrfach fachärztlich gestellten Diagnosen der
Agoraphobie mit Panikstörung
F40.01 und der
rezidivierenden depressiven Stö
rung
F33 könnten bestätigt werden. Aktuell lieg
e
eine
mittelgradige bis schwere depressive Episode
vor. Das bis 2005 trotz vielen Belastungen und Stressoren knapp erhaltene psychische Gleichgewicht sei durch den Tod der Mutter nachhaltig erschüttert worden und seither komme die Beschwerdeführerin nicht mehr aus dem Teufelskreis von Angst und Depression heraus. Sie führe ein sozial isoliertes Leben,
lass
e
keine sozialen Kontakte mehr zu und nehme an keinerlei gesellschaftlichem Leben mehr teil.
So s
e
i
en keine korrektiven oder aufhellenden Erlebnisse oder Erfahrung
en
mehr möglich. Die früheren, über Jahre protektiv wirksamen Ressour
cen der Ablenkung und Bestätigung durch die Arbeit und die dadurch entstehenden sozialen Kontakte seien durch die Krankheitssymptomatik wirkungslos geworden. Die Komorbidität der Angst und Depression behinderten die Krankheitsbewälti
gung und Willensanstrengung stark. Angst und Depression verstärkte
n
sich gegen
seitig ungünstig; die Agoraphobie mit den sozial phobischen Zügen verhindere Berufsmöglichkeiten, Rehabilitationsmassnahmen und Integrationsbemühungen. Schuld- und Schamgefühle trieben die Beschwerdeführerin zusätzlich in die Isola
tion, sogar auch innerhalb der Familie. Als Ressource sei die seit Anfang gesuchte psychiatrische Hilfe zu sehen. Die Beschwerdeführerin habe eine adäquate Krank
heitseinsicht und sei der Ansicht, dass ihre Problematik psychischer Natur sei. Trotz in idealer Weise eingeleiteter psychiatrischer Behandlung lege
artis
habe der Krank
heitsverlauf bisher nicht beeinflusst werden können, was prognostisch als ungüns
tiger Faktor zu werten sei. Im Tagesablauf zeigten sich die starken Behinderungen und Einschränkungen, die invalidisierend wirkten. Die Beschwerdeführerin habe massive Schlafstörungen, durch die Angst komme sie kaum zur Ruhe und könne sich dem normalen Tagesgeschehen kaum mehr zuwenden, durch die Antriebslo
sigkeit und das ständige Grübeln könne sie kaum etwas machen oder sich konzent
rieren und sinnvoll beschäftigen, wegen der Agoraphobie könne sie das Haus nicht alleine verlassen und wegen der angst- und depressionsbedingten Isolation führe sie ein zurückgezogenes Leben und nehme am sozialen Leben nicht mehr teil.
Die Prognose sei mit grosser Wahrscheinlichkeit ungünstig, obwohl es sich erst um einen zweijährigen Krankheitsverlauf handle. Als Negativfaktoren bestünden die familiäre Belastung für Depressionen, die bereits seit Jahren bestehende, nie behandelte rezidivierende depressive Störung, die
Komorbidität mit der Angster
krankung und vor allem jetzt die eindrückliche Therapieresistenz trotz sofortiger adäquater und intensiver psychiatrischer Behandlung. Es sei nicht auszuschliessen, dass die Erkrankungen bereits chronifiziert seien. Auch wenn im besten Falle eine Remission eintreten würde, so sei mit einem langen Heilverlauf und wahrscheinlich mit der Persistenz einer Restsymptomatik und entsprechend erhöhter Vulnerabilität für weitere psychische Dekompensationen zu rechnen. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit bezogen auf alle, auch behinderungsangepasste Tätigkeiten aufgrund der psychischen Komorbidität einer depressiven und einer massiven Angsterkrankung – beides psychische Störungen mit Krankheitswert – seit Oktober 2005 zu 100 % eingeschränkt. Aufgrund der floriden, bisher therapieresistenten Symptomatik sei die Versicherte nicht eingliederungsfähig. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beruhe hauptsächlich auf psychischen Leiden von Krankheitswert, die durch psychosoziale Belastungen mitausgelöst und verstärkt werden könnten (Urk. 12/18 S.
5 ff.).
3.2
Im Rahmen des
im November 2015
eingeleiteten R
evisionsverfahrens
holte
die Be
schwerdegegnerin einen Verlaufsbericht
des behandelnden Psychiaters
Dr.
A._
ein
(Urk. 12/
41
) und liess die
Beschwerdeführer
in
bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
psychiatrisch begutachten (Urk.
12/51
)
.
3.2.1
Der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
nannte in seinem Bericht vom 2.
April 2016
zuhanden der IV-Stelle
die folgenden Diagnosen
:
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F
40.01) bestehend seit 2005
-
rezidivierende depressive Störung, schwere Episode mit somatischem Syn
drom bestehend seit 2005
-
Verlust von mehreren nahen Angehörigen in der Kindheit (Z61.0)
Tod eines Familienangehörigen (Z63.4) bestehend seit 1980
Er führte aus, an der grundsätzlichen Befundlage habe sich wenig geändert. Die aktuell 58-jährige, unverändert übergewichtige Beschwerdeführerin wirke im Gespräch niedergeschlagen und
klagsam
.
Sie berichte von chronisch rezidivie
rendem Kranksein. Sie leide unter Atemproblemen bei Asthma, Schmerzen in ver
schiedenen Körperbereichen, vereinzeltem Schwindel und Fieber. Im Vordergrund der Beschwerden stünden aber die andauernde Müdigkeit bei massiven Schlaf
störungen, Ängste vor sozialen Situationen und dem andauernden sich Sorgen machen um die Gesundheit der Verwandten. Die eigene Wohnung könne sie teil
weise nur in Begleitung Dritter verlassen. In Bezug auf angepasste Tätigkeiten hielt er fest, vorstellbar seien leichte zeitlich eingeschränkte Hilfstätigkeiten oder Heimtätigkeiten. Haupthindernis für Arbeiten ausser Haus seien ihre starken sozialen Ängste. Sie sei zu 75
% arbeitsunfähig (Urk. 12/41).
3.2.2
Im psychiatrischen Gutachten vom
28.
November 2017
wurden
im Begutach
tungszeitpunkt (21.
September 2016) keine
Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
und keine Diagnosen ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt (Urk. 12/51 S.
57). Der Gutachter führte aus, bei der Beschwerdeführerin bestünden lebensgeschichtlich verschiedene Belastungen, beispielsweise der Ver
lust des ersten Mannes durch einen Motorradunfall, deutliche Schwierigkeiten mit dem zweiten Mann, von dem sie getrennt lebe, da dieser Drogen gehandelt habe und
Strafen habe verbüssen müssen. Zudem sei es zum Verlust der Mutter im Jahr 2005 gekommen und es bestehe kaum oder kein Kontakt mit der Tochter aus erster Ehe. Aus emotionaler Sicht seien diese lebensgeschichtlichen Ereignisse bel
a
stend und hätten mit dazu beigetragen, dass ein depressives Syndrom ent
standen sei.
Insofern müsse gutachterlich davon ausgegangen werden, dass rezidivierende depressive Phasen auch schweren
Ausmasses (ICD-10: F33.31) mit
parathymen
psychotischen Symptomen vorgelegen hätten. Zum Zeitpunkt der Begutachtung sei es überwiegend wahrscheinlich so, dass die depressive Phase als remittiert angesehen werden müsse.
Auch d
ie früher diagnostizierte
Agora
phobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01)
, mit
Vermeidung von Menschenmen
gen, öffentliche
n
Plätze
n
, alleinige
m
Reisen sowie die Vermeidung des Reisens mit weiter Entfernung von zu Hause
,
habe sich
im
weiteren Verlauf
verbessert
und sei
remittiert.
Auch habe die in den Akten genannte generalisierte Angststö
rung nicht verifiziert werden können.
Generalisierte Ängste seien von der Beschwerdeführerin nicht überzeugend dargestellt worden.
Eine schizoaffektive Störung mit depressiver Phase
(ICD-10: F25.1) sei nach Aktenlage ehemals diag
nostiziert worden. Sie sei auch als Differ
en
zialdiagnose einer Depression mit psy
chotischen Symptomen zu sehen. Es erscheine dennoch so,
dass die jüngeren Arztberichte diese Diagnose nicht mehr aufnähmen und auch aus gutachterlicher Sicht erscheine diese Diagnose nicht zuzutreffen.
Dies deshalb, weil psychotische Phänomene über die Dauer nicht im Vordergrund gestanden hätten, wenngleich sie auch begleitend zur Depression vorhanden gewesen seien.
Für
eine posttrau
matische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
fehlten
traumatische Ereignisse im Sinne eines katastrophalen Ausmasses
(wie
Folter oder Kriegsereignisse oder Ver
gewaltigungen
)
. Zudem bestünden keine Flashbacks bezüglich solcher oder ähn
licher Situationen, wenngleich selbstverständlich belastende Ereignisse aus dem Leben der Beschwerdeführerin erinnert und betrauert würden. Einen Anhalt für eine Persönlichkeitsstörung oder Persönlichkeitsakzentuierung habe gutachter
lich bei der Beschwerdeführerin nicht verifiziert werden können und erscheine überwiegen
d
unwahrscheinlich als Auslöser oder Verstärker für die stattgehabten Depressionen und die Angststörung.
Auch sei eine Persönlichkeitsstörung von den Behandlern nicht klassifiziert worden (
Urk.
12/51 S. 57 ff.).
Die Kooperati
o
n der Beschwerdeführerin bei den erfolgten Therapien mit der Arzt
angabe im 2016, dass sie fünf Mal pro Jahr zur Therapie gekommen sei, zeige auf, dass die Beschwerdeführerin einerseits kooperativ gewesen sei, jedoch der
Leidensdruck gemessen an den niederfrequenten Arztbesuchen nicht als sehr hoch eingeschätzt werden könne
. Zudem
habe die
im Rahmen der
Begutachtung durchgeführte
Labor- und Haaranalyse
ergeben
, dass
die von der Beschwerdefüh
rerin angegebenen Medikamente
Trittico
und
Seroquel
nicht im Blut/Plasma nachweisbar gewesen seien
. Dies obwohl die Beschwerdeführerin angegeben habe, diese Medikamente täglich über längere Zeiträume eingenommen zu haben. I
n
sofern bestehe
keine ausreichende oder angemessene Kooperation bezüglich der verordneten Therapien
. Aus gutachterlicher Sicht seien der Be
s
chwerdeführerin versicherungsmedizinisch Eingliederungsmassnahmen zumutbar. Die angege
bene Schwere der Symptomatik müsse aufgrund der sehr auffälligen Beschwer
devalidierung und Falschaussagen
betreffend Medikamenteneinnahme
deutlich infrage gestellt werden
(Urk. 12/51 S.
61
ff
.)
.
Im zeitlichen Verlauf seit 2007
bis zur aktuellen
Begutachtung müsse von einer
Verbesserung des Gesundheitszustandes bezüglich der Angstsymptomatik, aber auch der depressiven Symptomatik ausgegangen werden. Die hier im HAMD Test festgestellte ausgeprägte Depression müsse aufgrund der sehr auffälligen Beschwerdevalidierung, der Nichteinnahme von psychopharmakologischen Medikamenten, obwohl verordnet, als deutlich abgemildert beziehungsweise remittiert eingeschätzt werden. Gleiches gelte für die angeführt
e
schwere Angst
störung im Sinne einer Agoraphobie mit Panikstörung,
wogegen versicherungs
medizinisch
die Auslandaufenthalte (auch wenn sie in
Begleitung des Vaters durchgeführt worden seien) sprächen
. Bereits im Arztbericht von
Dr.
A._
vom Januar 2007 sei bezüglich der vorgenannten Diagnosen zu konstatieren, dass er familiäre Belastungen
wie
den Abort eines Kindes der Tochter, Krankenhausauf
enthalte eines Sohnes und den Besuch der Rekrutenschule eines Sohnes als wesentlich
e
Ursache der Depression
-
und
der
Angststörung gesehen habe. Wenn man die auch damals schon geltenden versicherungsmedizinischen Kriterien auf diese klinische Situation anwende, so müssten familiäre Aspekte oder auch Trauer versicherungsmedizinisch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausgeklam
mert werden. Dennoch scheine aufgrund der Gesamtsituation eine persistierende Agoraphobie mit Panik und auch depressiven Phasen, zumindest nach Beschrei
bung der Behandler, weiter vorgelegen zu haben. Wenn man diese medizinischen Beschreibungen im Sinne eines multifaktoriellen Geschehens zugrunde
lege und abwäge, könne eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit zumindest bis zu Beginn des Jah
res 2015 versicherungsmedizinisch angenommen werden.
Ab Anfang des Jahres 2015 müsse aufgrund der Berichter
stattung des
Dr.
A._
vom 31.
März 2016 mit der Dokumentation von weitmaschigen Behandlungsterminen
(
von fünf pro Jahr
)
und einer dort beschriebenen (ungenügenden) Motivation der Beschwerde
führerin
angenommen werden, dass es zu einer Verbesserung des Gesundheits
zustandes gekommen sei. Deshalb sei von Anfang des Jahres 2015 bis zum hie
sigen Begutachtungszeitpunkt versicherungsmedizinisch von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und einer 90%igen Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen.
Ab Begutachtungszeitpunkt müsse aufgrund der auffälligen Beschwerdevalidierung und der damit äusserst unsicheren Authentizität der Symptomangaben
und wegen der Nichteinnahme der verschriebenen Medikamente von einer weiteren Verbesserung des Gesund
heitszustandes ausgegangen werden. Diese Verbesserung des Gesundheitszustan
des wirke sich weiter positiv auf die Arbeitsfähigkeit aus, sodass diese ab dem Begutachtungszeitpunkt unter Zugrundelegung aller verwertbaren Informationen aus versicherungs
medizinischer
Sicht gesamthaft auf 100
%
anzusetzen sei
(Urk. 12/51
S.
72
f
f
.).
Bezüglich des funktionellen Leistungsvermögens bestünden unter Berücksichti
gung der Eigenangaben der Beschwerdeführerin in der Befragung zunächst Defi
zite bezüglich der Orientierung, der Aufmerksamkeit und der Gedächtnisleistung, des formalen Denkens und der Wahrnehmung
,
inklu
sive akustischen und opti
schen H
alluzinationen
, auch bestünden
Zwänge
. Darüber hinaus sei nach Anga
ben der Beschwerdeführerin die Affektivität sowie der Antrieb gestört. Dement
sprechend wäre, die Angaben der Beschwerdeführerin alleinig zugrunde gelegt, ein sehr stark beeinträchtigtes funktionelles Leistungsvermögen im Sinne eines stark negativen Leistungsbildes ableitbar. Unter Berücksichtigung der jeweils stark auffälligen Beschwerdevalidierung, der
Unplausibilitäten
bezüglich der Angaben der Beschwerdeführerin über die Medikamenteneinnahme sowie der Mobilität im Sinne von Auslandaufenthalten im 2015 und 2016 müsse versiche
rungsmedizinisch das zuvor beschriebene negative Leistungsbild deutlich relati
viert werden. Dementsprechend
sei
aus versicherungsmedizinischer Sicht bezüg
lich des positiven Leistungsbildes deutliches Potenzial vorhanden. Konkret bedeute dies, dass bei der Explorandin aus
hiesiger gutachterlicher S
icht einfache Routinetätigkeiten mit handwerklicher Komponente 8.5 Stunden pro Werktag bei 100 % Leistung ab dem Begutachtungszeitpunkt medizinisch
theoretisch
ausge
übt werden könnten, inklusive der bisherigen Tätigkeit als Mitarbeiterin Sortie
rung (Urk. 12/51 S. 75
)
.
3.2.3
Der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
nannte in seinem Bericht
vom 23. Februar 2018 zuhanden der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (
Stellungnahme zum Gutachten, Urk. 12/70) weiterhin die Diagnosen einer Agoraphobie mit Panikstörung (ICD_10: F 401.1) und einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-
10: F 33.1). Er führte aus, der Vater der Beschwerdeführerin sei am 2
5.
Oktober 2017 verstorben. Er habe nach dem Tod der Mutter eine enorm wichtige Stütze für den psychischen Zustand der Beschwerdeführerin dargestellt. Der Tod des Vaters habe sie einerseits an den lebensbedrohlichen Verlust der Mutter erinnert und sie andererseits der stützen
den Obhut einer verlässlichen Vertrauensperson beraubt. Beides habe ihre Ängste und ihr depressives Bild verstärkt.
Die wenig intensive Behandlungsfrequenz sei nicht Ausdruck eines fehlenden Krankheits- und Leidensdrucks, sondern sei im Gegenteil Hinweis auf ein schweres, aber chronisches Leiden mit geringen Erfolgs
aussichten durch psychiatrische Massnahmen.
Für die Ergebnisse der Blut- und Haartestung habe er keine Erklärung
.
Das psychiatrische Fachgutachten von
Dr.
B._
, das ihm allerdings nicht vollständig vorliege,
erscheine ihm in der Beurteilung der erhobenen Befunde einseitig und parteiisch zu Ungunsten der Beschwerdeführerin. Die auffälligen psychopathologischen Befunde, der im Depressionstest (HAMD) erhobenen Summen-Score, der eine ausgeprägte Depres
sion ausweise und die Testung mittels Panik- und
Agoraphobieskala
(PAS), wel
che eine schwere Angststörung nahelege, würden von
Dr.
B._
allesamt als manipulativ und interessengeleitet abgetan und damit als Aggravation, Dissimu
la
tion und Simulation dargestellt. Dies erfolge, ohne dass der dazu verwendete Test namentlich genannt werde und ohne dass die damit erhobenen Befunde nachvollziehbar dargestellt würden. Damit allein werde aus einer kranken und leidenden Beschwerdeführerin eine gesunde Frau, die nur ihre Arbeitsfähigkeit verstecken wolle. Zudem fehle vom Gutachter jeglicher Hinweis auf die ungenü
genden
Kenntnisse
der deutschen Sprache, was sicher auch während der Begut
achtung zu Missverständnissen geführt habe (Urk. 12/70).
4.
4.1
4.1.1
Im angefochtenen Entscheid stützte sich die Beschwerdegegnerin in erster Linie auf das psychiatrische Gutachten vom
28.
November 2017
, welches die recht
sprechungsgemäss
erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entschei
dungsgrundlagen (vgl.
vorne
E.
1.4
)
erfüllt
. Es beruht auf
einer
fachärz
tlichen Untersuchung durch den
Gutachter und
wurde in Kenntnis der relevanten Vorak
ten abgegeben. Es würdigt die vorhandenen Arztberichte sorgfältig, berücksich
tigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinreichend auseinander.
Die Darlegung der medizinischen
Zusammen
hänge ist einleuchtend
und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nach
vollziehbar.
Überdies spricht sich der Gutachter darüber aus, inwiefern eine effektive Verände
rung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat.
4.1.2
Es besteht
keinerlei Anlass an der Qualifi
k
a
tion des Gutachters zu zweifeln. Dass er
ein erfahrener Sucht-Spezialist ist und
von einem RAD-Arzt mit Facharzt
titel
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie vorgeschlagen wurde
– wie die Beschwerdeführerin beschwerdeweise beanstandet (Urk. 1 S. 22)
–
, ändert daran nichts
.
Die Beschwerdeführerin hat nichts vorgebracht, was die Fachkompetenz des Gutachters in Frage stellen würde.
4.1.3
Die
Beschwerdeführerin
macht
weiter
geltend
, die Begutachtung
hätte zwingend u
n
t
er
Beizug
einer Übersetzungsperson stattfinden soll
en (Urk. 1 S. 29).
Der bestmöglichen sprachlichen Verständigung zwischen Experte und versicher
ter Person kommt insbesondere bei der psychiatrischen Abklärung besonderes Gewicht zu. Nach der Rechtsprechung ist daher bei psychiatrischen Begutachtun
gen eine Übersetzungshilfe beizuziehen, sofern sprachliche Schwierigkeiten bestehen und das Untersuchungsgespräch nicht in der Muttersprache des
Explo
randen geführt werden kann.
Es
besteht indessen kein unbedingter Anspruch auf Durchführung einer medizinischen Abklärung in der Muttersprache oder auf
Bei
zug
eines Übersetzers
.
Grundsätzlich hat der Gutachter im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung zu entscheiden, ob eine medizinische Abklärung in der Mut
tersprache des Exploranden oder unter
Beizug
eines Übersetzers im Einzelfall gebote
n ist
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_578/2014
vom 17. Oktober 2014 E. 4.2.5 mit Hinweisen)
.
Dem Gutachten sind keinerlei Anhaltspunkte zu entnehmen, die auf sprachliche Schwierigkeiten schliessen lassen würden
,
und auch von der Beschwerdeführerin werden keine konkreten Beispiele dargetan, die auf Verständigungsprobleme hin
deuten würden.
Der Gutachter
hielt
denn auch ausdrücklich
fest, dass die Deutschkenntnisse
der Beschwerdeführerin
für die Exploration ausreichend seien (Urk. 12/51 S. 18
)
.
Zum selben Schluss gelangte b
ereits
Dr.
Z._
in ihrem
Gutachten vom 20.
April 2007 (
vgl. vorne E. 3.1 und
Urk. 12/18 S. 5).
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass auch der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
offenbar nicht türkisch spricht – wie die Beschwerdeführerin selbst vorbringt (Urk. 1 S. 30).
Dass
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 23.
Februar 2018 in Bezug auf
die Begut
achtung
auf ungenügende Sprachkenntnisse
der Beschwerdeführerin
hinweist
(vgl. vorne E. 3.2.3)
, obwohl er
sie
selbst
auch auf D
eutsch therapiert, ist wider
sprüchlich.
Zudem wurde die Beschwerdeführerin in der Mitteilung der Beschwer
degegnerin vom 13. April 2016
(Urk. 12/44)
darauf hingewiesen, dass der Gut
achter deutschsprachig sei, und aufgefordert,
einen allfälligen
Bedarf für einen Dolmetscher frühzeitig zu melden.
Vor diesem Hintergrund
vermag
dieser
Ein
wand die Beweistauglichkeit des Gutachtens nicht in Frage zu stellen.
4.1.4
Soweit die Beschwerdeführerin
vorbringt, dass im vorliegenden Fall kein Anlass für eine Haaranalyse bestanden habe
(Urk. 1 S. 22 ff.)
, ist darauf hinzuweisen, dass
es im fachärztlichen Ermessen der Gutachter liegt, welche
Abklärungen als not
wendig erachtet werden
.
Der
Gutachter
hat sich
vorliegend für den Nachweis der
Malcompliance
in Bezug auf Psychopharmaka
denn auch
nicht allein auf die Haar
analyse
gestützt, sondern d
ie
Malcompliance
ergab sich bereits aus der Blutanalyse und wurde durch die Haaranalyse lediglich erhärtet.
Die
Haaranalye
ermöglichte zudem die Analyse gewisser Wirkstoffe über einen längeren Zeitraum.
Die Beurtei
lung der
Frage, ob
Haaranalysen ein taugliches Mittel zur Klärung der
Medikamen
t
en
compliance
darstellen
, obliegt den medizinischen Fachpersonen. Es ist nicht
Aufgabe
der Beschwerdeführerin
oder ihrer Rechtsvertreterin
, die Testergebnisse, welche anlässlich der Begutachtung gewonnen wurden, selbst zu interpretieren und damit die Erkenntnisse des Gutachters in Frage zu stellen.
4
.2
4.2.1
Der Gutachter
kommt zum Schluss
, dass die bei der
Rentenzusprache
vorgelegenen Diagnosen im Zeitpunkt der Begutachtung nicht mehr als erfüllt erachtet werden können.
Er
weist auf
verschiedene
lebensgeschichtlich belastende Ereignisse hin, welche mit dazu beigetragen hätten, dass bei der Beschwerdeführerin ein depres
sives Syndrom entstanden sei.
Es
müsse davon ausgegangen werden, dass rezidi
vierende depressive Phasen auch schweren Ausmasses (ICD-10: F33.31) mit
parathymen
psychotischen Symptomen vorgelegen hätten. Zum Zeitpunkt der Begutachtung
könne sowohl
die depressive Phase
wie auch
die früher diagnosti
zierte
Agoraphobie mit Panikstörung
als remittiert angesehen werden.
Die
Beschwerdevalidierung
sei
stark auffällig gewesen und
die Beschwerdeführerin
habe
bezüglich der Medikamenteneinnahme
falsche Angaben gemacht
.
Für eine Remission der
Agoraphobie mit Panikstörung
spreche
auch
, dass wieder
Ausland
aufenthalte in der Türkei
(
im Jahr 2015 u
nd 2016
)
möglich seien
, auch wenn sie
nicht alleine durchgeführt worden seien.
Der
HAMD
-
Test
, der eine
ausgeprägte Depression
gezeigt habe,
sei
aufgrund der sehr au
ffälligen Beschwerdevalidierung und
der Nichteinnahme von psychopharmakologischen Medikamenten
kaum aussagekräftig
.
D
ie Beschwerdeführerin
sei zwar
bei den erfolgten Therapien
kooperativ gewesen
,
jedoch
könne
der
Leidensdruck gemessen an den niederfre
quenten Arztbesuchen nicht als sehr hoch eingeschätzt werden
. Zudem sei in der
aktuellen
Be
gutachtung im Rahmen der Laboranalyse
nachgewiesen worden, dass
die von der Beschwerdeführerin angegebenen Medikamente
Trittico
und
Seroquel
nicht im Blut/Plasma nachweisbar gewesen seien
. Dies obwohl die Beschwerde
führerin angegeben habe, diese Medikamente täglich über längere Zeiträume ein
genommen zu haben. Insofern bestehe
keine ausreichende oder angemessene Kooperation bezüglich der verordneten
Medikamente
(
vgl.
vorne E.
3.2)
.
In Bezug auf die Beschwerdevalidierung
führte
der Gutachter
aus
, die Beschwer
deführerin habe deutlich auffällige Testergebnisse erzielt, was dahingehend zu bewerten sei, dass die Beschwerdeführerin nur mit eingeschränkter Anstren
gungsbereitschaft (Testmotivation) in diesem Verfahren mitgewirkt habe. Dies zeige sich daran, dass die geforderten unauffälligen Ergebnisbereiche im vorlie
genden Fall gemessen an den Cut-Offs extrem weit in den falschen Antwortbe
reich überschritten worden seien. Zudem lägen wichtige Testbereiche deutlich unter der Zufallswahrscheinlichkeit von 50 % richtiger Antworten für das Aus
füllen eines solchen Tests. In anderen Worten sei das Ergebnis der Beschwerde
führerin schlechter als beispielsweise im Vergleich zu einer stark dementen Per
son, was aus testpsycholog
i
scher Sicht als Ergebnis
als
extrem auffällig
gelte. Die im Raum stehenden psychischen Einschränkungen oder Diagnosen könnten ein solches Ergebnis in diesem Test nicht rechtfertigen oder sinnvoll erklären. Das Testergebnis zeige demnach einen manipulativen und interessegeleiteten Ant
wortstil der Beschwerdeführerin (Urk. 12/51 S.
40).
Der Gutachter
wies
zudem
darauf hin
, dass d
ie psychopharmakologische Therapie sich nicht in hohem Masse korrelierend an der
Diagnosestellung der Behandler ausgerichtet
habe
(Urk. 12/51 S. 60 f.).
4.2.2
Der
behandelnde
Psychiater
Dr.
A._
vermag
die Beurteilung des Gutacht
ers
Dr.
B._
nicht in Frage zu stellen. So bezeichnet er das Gutachten pauschal als
einseitig und parteiisch zuu
ngunsten der Beschwerdeführerin
(vgl. vorne E.
3.3.3)
, ohne jedoch näher auf die von
Dr.
B._
aufgezeigten Inkonsistenzen einzugehen und nachvollziehbare
Gründe hierfür
zu liefern.
In Bezug auf
die Ergebnisse der Blut- und Haartestung
hält er lediglich fest, dass er hierfür
keine Erklärung habe
(vgl. vorne E.
3.2.3)
.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzu
weisen, dass
Dr.
A._
das Gutachten gemäss eigenen Angaben nicht vollständig vorlag
(vgl. vorne E.
3.2.3)
und seine Kritik auch vor diesem Hintergrund nicht
stichhaltig ist
.
Auch seine Aussage, die wenig intensive Behandlungsfrequenz sei nicht Ausdruck eines fehlenden Krankheits- und Leidensdrucks, sondern sei Hin
weis auf ein schweres, aber chronisches Leiden mit geringen Erfolgsaussichten durch psychiatrische Massnahmen
(vgl. vorne E
.
3.2.3)
,
überzeugt nicht, zumal
gemäss
Dr.
B._
fünf Behandl
ungstermine im Jahr aus psychot
h
e
r
a
peutischer Sicht nicht
ausreichen
, um eine Agoraphobie mit Panikstörung und eine Depres
sion nachhaltig zu verbessern.
Dr.
B._
erachtet zudem die psychopharmakolo
gische Therapie gemessen an den gestellten Diagnosen als nicht mehr zielgerich
tet
(vgl. Urk. 12/51 S. 60
f.)
. Auch dazu äussert sich
Dr.
A._
nicht.
Insgesamt
entsteht
vielmehr
der Ei
n
druck, dass Dr.
A._
als behandelnder Spezialarzt auf
grund seiner auftragsrechtliche
n
Vertrauensstellung zugunsten seiner Patientin aussag
t (vgl. BGE 135 V 465 E.
4.5)
.
4.2.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass i
m Rahmen der Begutachtung
Diskrepan
zen zwischen Testergebnissen und objektiv
ierbar
en Befunden
bestanden
, wofür sich keine psychiatrische Erklärung finden
liess
.
Darüber hinaus
stellte der Gut
achter
fest
, dass die Beschwerdeführerin die
verordneten Medikamente
entgegen ihren Angaben
nicht einnahm und
lediglich niederfrequente Therapien stattfan
den
, was auf einen geringen Leidensdruck schliessen lässt
. Der Gutachter wies
schliesslich
auf vorhanden
e
invaliditätsfremde Faktoren
(familiäre Belastungen wie der Tod von Angehörigen) hin.
Unter Berücksichtigung der
auf
gezeigten Inkonsistenzen
sowie unter Ausklammerung psychosozialer Belastungsfaktoren gelangte der Gutachter
zum Ergebnis, dass
im Zeitpunkt der Begutachtung
ein erhebliches
krankheitsmässiges
Geschehen nicht mehr mit
überwiegender
Wahr
scheinlich
keit festgestellt werden konnte
und entsprechend keine medizinisch begrün
dete Arbeitsunfähigkeit
mehr
bestand.
Unter diesen Umständen kann von einer
Indikatorenprüfung
abgesehen
werden,
da im Rahmen der Begutachtung
eine Arbeitsun
fähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wurde (
vgl. vorne E.
1.2.3,
BGE 143 V
409 E. 4.5.3; BGE 143 V 418 E.
7.1
, vgl. auch
Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_825/2018 vom 6. März 2019 E.
8.3
).
4.2.4
Aus d
em Bericht des Hausarztes der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
C._
, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 29. Juli 2018 zuhanden der Rechts
vertreterin der Beschwerdeführerin, kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten, zumal diesem
Bericht
wegen zu weniger Konsultationen keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu entnehmen ist (Urk. 3/9).
4.2.5
Der von der Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 1. Oktober 2019 eingereichte Bericht vom 12. März 2019
(Urk. 15)
betreffend die gleichentags durchgeführte MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule datiert nach Erlass der angefochtenen Verfügung
(20. Juni 2018
)
und lässt keine Rückschlüsse auf
den
somatischen Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt
des
Verfügungserla
s
s
e
s zu.
Er
ist
daher
auch
nicht geeignet, die Beurteilung
in diesem Zeitpunkt
zu beeinflussen
.
4.3
Nach dem Gesagten geht
aus dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
B._
hervor,
dass im Begutachtungszeitpunkt kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden mehr vorlag.
Somit
ist von einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. Entsprechend ist eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen, mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit erstellt. Da ein Revisionsgrund vorliegt, ist der Rentenan
spruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinwei
sen).
4.4
Da
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt
ist
, dass die Beschwerdeführerin ab dem Zeitpunkt der Begutachtung in der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als
Mitarbeiterin Sortierung
zu 100
% arbeitsfähig ist,
ist von einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad auszugehen
.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin aufgrund
ihres
fortgeschrittenen Alters ihre Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung noch verwerten kann.
5.2
Die Beschwerdeführerin war
bei Erlass der rentenaufhebenden Verfügung
60 Jahre alt
. Damit
hat
sie
die Schwelle des 55.
Altersjahres klar überschritten
und
fällt grundsätzlich unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezügerkreis
(vgl. vorne E. 1.3.3)
. Anhaltspunkte dafür, dass sie
sich
trotz ihres fortgeschrittenen Alters ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integ
rieren könnte
und deshalb ausnahmsweise von der Zumutbarkeit einer Selbstein
gliederung auszugehen ist
,
liegen nicht vor
.
Aufgrund ihrer Aussage im Rahmen der Begutachtung, wonach sie
glaube, nich
t mehr arbeiten zu können (Urk. 12/51 S.
52)
, kann die subjektive Eingliederungsfähigkeit nicht von vornherein verneint werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_797/2
018 vom 10. September 2019 E. 5.1; 9C_231/2015 vom 7 September 2015 E.
4.2 mit Hinweisen). Die Beschwer
degegnerin wird daher zunächst Eingliederungsmassnahmen zu prüfen und durchzuführen haben, bevor sie über die revisionsweise Aufhebung der Rente entscheidet
.
5.3
Die angefochtene Verfügung ist somit aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
Eingliederungsmassnahmen
durchführe, soweit deren Voraussetzungen erfüllt sind
,
und
anschliessend
– wenn möglich nach Lage der Akten oder allenfalls nach weiteren Abklärungen -
erneut
über den Rentenanspruch
verfüge. In diesem Sinne ist die Be
schwerde
gutzuheis
sen
, womit die
Beschwerdeführer
in
einstweilen weiterhin Anspruch auf eine
ganze Rente
hat.
6.
6.1
Die Kos
ten des Verfahrens sind auf Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
6.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die
vertretene
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung, die in Anwendung vo
n Art. 61
lit
. g ATSG in Verbin
dung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversi
cherungsgericht (
GSVGer
) auf Fr.
2’
3
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzu
setzen ist.
6.3
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege als gegenstandslos.