Decision ID: 892d0b70-428d-41c3-a606-8738538a54ff
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die obligatorische Grundversicherung für
X._
, geboren 1934,
führt die
Mutuel
Assurance
Maladie
SA (
Nachfolgend:
Mutuel
).
Die Jahresfranchise betrug 2014
Fr.
1‘000.- (vgl. Urk. 7/2).
Im Zusammenhang mit einer Leistungsabrechnung der
Y._
AG
vom 24. Januar 2014
in der Höhe von
Fr.
1‘836.38 stellte die
Mutuel
dem Versicherten am 10.
März 2014
die
Franchise
von
Fr.
1‘000.-- und
einen Selbstbehalt
von Fr. 83.64, total
Fr.
1‘083.64 in Rechnung (
Urk.
7/3; vgl.
Beilage 1 zu
Urk.
7/18).
Am 17.
Mai 2014 erfolgte betreffend diesen Betrag eine erste Mahnung, zuzüglich Mahnspesen von
Fr.
10.-- (Urk. 7/9), und am 2
2.
Juni 2014 eine weitere letzte Mahnung, wobei nunmehr Mahnspesen im Betrag von
Fr.
30.00 in Rechnung gestellt wurden
(Urk. 7/10). Am 16. Januar 2015 leitete die
Mutuel
für den Betrag von
Fr.
776.55 (
Fr.
1
‘
083.64 abzgl. eine Teilzahlung von
Fr.
307.10; vgl.
Urk.
7/8 S. 1) zuzüglich Zins von 5 % ab 8. September 2014 und
Dossiereröffnungskosten
von
Fr.
90.-- gegen den Versicherten die Betreibung ein (Urk. 7/13). Im genannten Umfang zuzüglich Zustellkosten von
Fr.
26.30 erliess das Betreibungsamt
Z._
in d
er Betreibung Nr.
A._
am 10.
Februar 2015 einen Zahlungsbefehl, g
egen den der Versicherte am 16.
Februar 2014 Rechtsvorschlag erhob (Urk. 7/14). Diesen beseitige die
Mutuel
mit Verfügung vom 27. Februar 2015 und verpflichtete den Versicherten zur Bezahlung von
Fr.
866.55 (
Fr.
776.55 +
Fr.
90.--
Dossiereröffnungskosten
) und Verzugszins von 5 % (Urk. 7/15). Die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 7/16) wies die
Mutuel
mit
Einspracheentscheid
vom 5. Mai 2015 ab und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung (Urk. 2 =
Urk.
7/18).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 5. Mai 2
015 erhob der Versicherte am 3.
Juni 2015 Beschwerde mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, der Entscheid der
Mutuel
sei ersatzlos aufzuheben (Urk. 1). Die
Mutuel
beantragte in der Beschwerdeantwort vom 10. Juli 2015 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Verfügung
vom 17. Juli 2015 wurde
dem Antrag des Beschwerdeführers
entsprochen und
die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederhergestellt (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
Die bei einer Krankenkasse versicherten Personen
haben sich
gemäss
Art.
64
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG)
an den Kosten für erbrachte Leistungen zu beteiligen.
Die
Kostenbeteiligung besteht
aus
einem
festen Jahresbetrag (Franchise
)
und 10 %
der die Franchise übersteigenden Kosten (Selbstbehalt
;
Art.
64
Abs.
2
lit
. a und b KVG
).
Bezahlen Versicherte fällige Kostenbeteiligungen trotz Mahnung nicht,
so hat der Versicherer das Voll
streckungsverfahre
n einzuleiten (Art. 105b
der Verordnung üb
er die Kran
kenversicherung; KVV
).
Die Krank
enkassen sind berechtigt, bei Zahlungsverzug
Mahn- und
Umtriebsspesen
zu verrechnen (Art. 105b Abs. 2 KVV). Dies setzt voraus, dass die versicherte Person die (unnötigen) Kosten schuldhaft verursacht hat, dass die Entschädigung angemessen ist, und der Krankenversicherer in seinen allgemeinen Bestimmungen über die Rechte und Pflichten der Ver
sicherten eine entsprechende Regelung vorsieht (BGE 125 V 276 f.).
3.
Während die Beschwerdegegnerin in der mit dem Beschwerdeführer geführten Korrespondenz (vgl.
Urk.
7/8)
,
in ihren Entscheiden (Verfügung vom 27. Februar 2015,
Einspracheentscheid
vom 5. Mai 2015;
Urk.
2,
Urk.
7/15) und in der Beschwerdeantwort vom 10. Juli 2015 (Urk. 6) daran festhielt, abzüglich der zu berücksichtigenden Teilzahlung von
Fr.
307.10 habe der Beschwerdeführer die von ihm zu tragende Franchise und den Selbstbehalt im Zusammenhang mit der Rechnung der
Y._
AG
vom 24. Januar 2014
nicht beglichen, macht der Beschwerdeführer geltend,
im Zeitpunkt des Zahlungsbefehls seien sämtliche Verpflichtungen gegenüber der Beschwerdegegnerin erfüllt
gewesen. Es seien weder Prämien
noch Franchisen oder Selbstbehalte offen gewesen. In ihrer Abrechnung vom 2
2.
Dezember 2014 habe die Beschwerdegegnerin dies selber bestätigt. Der Zahlungsbefehl beruhe auf einer Situation, die überholt sei (Urk. 1 S. 2). Diesen Standpunkt
hatte
d
er
Beschwerdeführer
bereits im
Einspracheverfahren
vertreten (vgl.
Urk.
7/16)
4.
4.1
Die
Y._
AG stellte
im Januar 2014
Fr.
1‘836.38 in Rechnung. Die Beschwerdegegnerin vergütete diese Kosten, stellte dem Beschwerdeführer
aber
die Jahresfranchise von
Fr.
1000.-- (vgl. Police für das Jahr 2014;
Urk.
7/2) und einen Selbstbehalt von
Fr.
83.64 in Rechnung. Beides ist belegt und unbestritten (vgl.
Urk.
7/3). Ebenso ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin diese Beträge gestützt auf
Art.
64
Abs.
2 KVG schuldete.
4.2
Stri
ttig ist die Bezahlung
der Franchise und des Selbstbehaltes
.
Aktenkundig
sind zwei Mahnungen
(Urk. 7/9,
Urk.
7/10) und
die Anhebung der Betreibung
(Urk. 7/13), wobei die Beschwerdegegnerin die
ursprüngliche Forderung von Fr.
1
‘083.85 um
Fr.
307.10
herabsetzte
.
Dazu sah
sie
sich durch
eine Zahlung des Beschwerdeführer
s von
Fr.
500.-- im
Juli 2014
veranlasst
,
von der
sie den erwähnten Teilbetrag an die Franchisen- und
Selbstbehaltforderung
und den Restbetrag an
ältere fällige Forderungen
anrechnete (vgl.
Urk.
6 S. 4
Ziff.
3, Urk.
7/8,
Urk.
7/19).
Dass die noch offene Restforderung zwischenzeitlich beglichen wurde, belegte der Beschwerdeführer nicht.
4.3
Der Beschwerdeführer wandte ein, das Vorgehen der Beschwerdegegnerin
sei intransparent. Obschon die
Angelegenheit das Jahr 2
014 betreffe, würden ver
schiedene
Jahre miteinander vermischt, was die Sache verwirrend mache (Urk. 1 S. 3).
Gegenstand dieses Verfahrens ist ein das Jahr 2014 betreffender
Abrech
nungsvorgang
.
Die den Zeitraum 1. Januar bis 30. Juni 2015 umfassende Auf
stellung (Anhang 4 zu
Urk.
7/18
=
Urk.
7/19
) weist insbesondere die
dem Beschwerdeführer am 10. März 2014 in Rechnung gestellten
Fr.
1‘083.65 sowie die
Zahlung des Beschwerdeführers von
Fr.
500.--
am 1. Juli 2015
aus, von welcher die Beschwerdegegnerin
Fr.
307.10 an die vorliegend strittige Forde
rung anrechnete. Auch im Übrigen ist aus der Aufstellung
ersichtlich, welche Beträge dem Beschwerdeführer jeweils in Rechnung geste
llt wurden (vorab die monatlich
zu bezahlenden Prämien) und welche Zahlungen er geleistet hat. Inwiefern diese Aufstellungen nicht zutreffend sind, legte der Beschwerdeführer
nicht weiter dar. Nicht konkretisiert blieb auch der Einwand, die
Beschwerde
gegnerin
habe geleistete Zahlungen „zweckentfremdet“ (Urk.
1 S.
3). Der Beschwerdeführer bezeichnete
nicht
konkret, welche Zahlung dies betrifft und an welche Forderung diese Zahlung zu Unrecht angerechnet wurde.
Weder vor noch nach dem 1. Juli 2015 ist eine Zahlung verbucht, die betragsmässig der noch offenen Forderung entspricht (vgl.
Urk.
7/19).
Unzutreffend ist ferner der Standpunkt des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin habe in der Abrechnung vom 2
2.
Dezember 2014 anerkannt, dass die Franchise und der Selbstbehalt bezahlt worden seien. In
der fraglichen
Abrechnung, die andere
Vorgänge betrifft, ist
zuletzt
aufgeführt, sowohl hinsichtlich Franchise als auch
bezüglich
Selbstbehalt
betrage der Saldo Null (vgl. Anhang zu
Urk.
7/7). Die
s
stellt indessen keine Zahlungsbestätigung dar, sondern die Information, dass im laufenden Jahr sowohl die Franchise als auch der maximal zu tragende Selbst
behalt bereits in Rechnung gestellt wurden.
4.4
Zusammengefasst hat die Beschwerdegegnerin
rechtsgenüglich
dargetan, dass der Beschwerdeführer ihr v
on den am 10. März 2014 i
n Rechnung gestellten Fr.
1‘083.65 (Urk. 7/3)
noch Fr.
776.55
schuldet
.
Für diesen Betrag
leitete
die Beschwerdegegnerin zu Recht die Betreibung
ein
(Urk. 7/14).
5.
5.1
Zusätzlich zur Prämienforderung verlangt die Beschwerdegegnerin unter der Bezeichnung
Dossiereröffnungskosten
Fr.
90.-- (Urk. 2 S. 2,
Urk.
7/15 S. 2). Dabei handelt es sich offensichtlich um Verwaltungskosten im Zusammenhang mit
dem
Inkasso der offenen Forderung. Diese Kosten kann die
Beschwerdegeg
nerin
gemäss den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) dem säumigen Schuldner in Rechnung stellen (
Art.
3
Ziff.
1 AVB;
Urk.
7/1
S. 1) und sie sind nicht unangemessen.
Damit sind die Voraussetzungen zur Überbindung dieser Kosten erfüllt (vgl. vorstehende E. 2).
5.2
M
angels gesetzlicher Grundlage
hat die Beschwerdegegnerin k
ei
ne
n Anspruch auf den geltend gemachten Verzugszins von 5
%
.
Art.
26 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) kann nicht als gesetzliche Grundlage
dafür
dienen und
auch
in
Art.
105a KVV hat der
Verord
nungsgeber
lediglich für die Prämien einen Verzugszinssatz festgesetzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts K 12/05 vom
1.
März 2006 E. 3.3 mit Hinweis).
5.3
Die versicherte Person kann nicht mit Verfügung oder
Einspracheentscheid
zur Bezahlung von Betreibungskosten verpflichtet werden. Diese werden von Geset
zes wegen von ihr geschuldet (
Art.
68 des Bundesgesetzes üb
er
Schuldbetrei
bung
und Konkurs;
SchKG), werden bei erfolgreicher Betreibung zur Schuld geschlagen und sind zusätzlich zum zugesprochenen Betrag zu bezahlen (Urteil des Bundesgerichts K12/05 vom
1.
März 2006, E. 3.4 mit Hinweisen). Sie bilden nicht Gegenstand des Rechtsöffnungsverfahrens, weshalb dafür keine
Rechts
öffnung
zu erteilen ist (Urteil
des
Bundesgericht
s
K 68/04 vom 2
6.
August 2004 = RKUV 2004 Nr. KV 306 S. 463 mit Hinweisen).
Auf diesen Umstand hat
die Beschwerdegegnerin im
Einspracheentscheid
zutreffend
hingewiesen
(Urk. 2 S. 3
).
5.4
Aus den Erwägungen folgt, dass der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin
in
teilweiser
Gutheissung der Beschwerde
Fr.
776.55
für
noch offene
Kostenbe
teiligungen
im Zusammenhang mit der Leistungsabrechnung
betreffend
die
Rechnung der
Y._
AG
vom 2
4.
Januar 2014
zuzüglich
Verwaltungskosten
von Fr.
9
0.-- schuldet. In diesem Umfang ist der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr.
A._
des Betreibungsamtes
Z._
(Zahlungsbefehl vom
1
0.
Februar 2015
) aufzuheben.
D
i
e Einzelrichter
in
erkennt:
1.
In
teilweiser
Gutheissung der Beschwerde wird festgestellt, dass der Beschwerdefüh
rer der
Mutuel
Assurances
Maladie
SA
Fr.
776.55 für noch offene Kostenbeteiligungen im Zusammenhang mit der Leistungsabrechnung
betreffend
die
Rechnung der
Y._
AG vom 2
4.
Januar 2014 zuzü
glich Verwaltungskosten von Fr.
90.--
schuldet. In diesem Umfang wird der Rechtsvorschlag in der
Betreibung Nr.
A._
des Betreibungsamtes
Z._
(Zahlungsbefehl vom 1
0.
Februar 2015)
aufgehoben.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Mutuel
Assurance
Maladie
SA
Bundesamt für Gesundheit
4.