Decision ID: f582e7d8-2e00-40fc-b29f-9ff7cd9a999d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. A._, Staatsangehörige von Bosnien und Herzegowina, reiste am 8. Februar 2015 in
die Schweiz ein und heiratete am 9. Februar 2015 den in der Schweiz niedergelassenen
Landsmann B._. Am 12. Februar 2015 erhielt sie eine Aufenthaltsbewilligung im
Rahmen des Familiennachzugs, die letztmals am 27. Januar 2016 bis 11. Februar 2017
verlängert wurde. Mit Entscheid des Kreisgerichtes X._ vom 31. August 2016 wurde
die Ehe geschieden.
b. Mit Verfügung vom 6. Januar 2017 verlängerte das Migrationsamt St. Gallen die
Aufenthaltsbewilligung von A._ nicht mehr. Zur Begründung hielt es unter anderem
fest, dass die eheliche Gemeinschaft in der Schweiz weniger als drei Jahre bestanden
habe. Wichtige Gründe, welche eine Verlängerung erfordern würden, seien nicht
nachgewiesen. Mangels entsprechender Nachweise sei nicht glaubhaft dargelegt, dass
sie in der Ehe Opfer häuslicher Gewalt geworden sei. Gemäss den Akten habe sie
einen Deutschkurs besuchen und einer Tätigkeit nachgehen können. Es deute nichts
darauf hin, dass sie sich nicht frei hätte bewegen können. Nachdem sie sich nur kurze
Zeit in der Schweiz aufgehalten habe, sei ihr eine Rückkehr zumutbar (act. G 7/7 I/72).
Den gegen diese Verfügung durch Rechtsanwalt lic. iur. Urs Bertschinger, Buchs, für
A._ erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St.
Gallen (Vorinstanz) mit Entscheid vom 7. Januar 2019 ab (act. G 2B).
B.
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a. Gegen diesen Rekursentscheid erhob Rechtsanwalt Bertschinger für A._
(Beschwerdeführerin) am 22. Januar 2019 Beschwerde (act. G 1). In der
Beschwerdeergänzung vom 27. Februar 2019 stellte der Rechtsvertreter die
Rechtsbegehren, der Rekursentscheid sei aufzuheben und es sei die
Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin zu verlängern. Eventuell sei der
Rekursentscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des
Migrationsamts (act. G 5).
b. In der Vernehmlassung vom 11. März 2019 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid (act. G 6).
c. Auf die Vorbringen in der Beschwerdeergänzung und die Akten wird, soweit für den

Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP).
Anfechtungsgegenstand ist der abschlägige Rekursentscheid der Vorinstanz vom
7. Januar 2019, der zur Nichtverlängerung der bis 11. Februar 2017 gültig gewesenen
Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin ergangen ist. Mit Ablauf der
Gültigkeitsdauer ist die Aufenthaltsbewilligung erloschen (Art. 61 Abs. 1 lit. c des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer; SR 142.20; AuG, in der bis
31. Dezember 2018 gültig gewesenen Fassung). Der Rechtsstreit betrifft mithin die
Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung (vgl. dazu BGer 2C_1020/2012 vom
15. Oktober 2012 E. 2.1; 2C_235/2012 vom 13. März 2013 E. 1.1). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 22. Januar 2019 in
Verbindung mit der Ergänzung vom 27. Februar 2019 (act. G 1 und 5) wurde form- und
fristgerecht eingereicht (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und
2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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Per 1. Januar 2019 wurde das AuG revidiert und in "Bundesgesetz über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration" (AIG) umbenannt. Nach Art.
126 Abs. 1 AIG bleibt auf Gesuche (um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung), die
vor dem 1. Januar 2019 eingereicht worden sind, das bisherige materielle Recht
anwendbar (vgl. auch BGer 2C_769/2008 vom 5. Februar 2009, E. 2.1; BGer
2C_505/2013 vom 4. Oktober 2013, E. 1). Dementsprechend bleibt für die vorliegende
Prüfung der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung das AuG anwendbar.
2.
2.1. Ausländischen Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung haben
Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen
zusammenwohnen (Art. 43 Abs. 1 AuG). Der Bewilligungsanspruch besteht trotz
Auflösung bzw. definitiven Scheiterns der Ehegemeinschaft fort, wenn diese
mindestens drei Jahre gedauert und die betroffene ausländische Person sich hier
erfolgreich integriert hat (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG) oder wenn wichtige Gründe einen
Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Die beiden Kriterien - Fristablauf
und Integration - sind für den Anspruch nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG kumulativ
erforderlich (BGE 136 II 113 E. 3.3.3). Der Begriff der "Ehegemeinschaft" im Sinne von
Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG setzt voraus, dass die eheliche Beziehung tatsächlich gelebt
wird und ein gegenseitiger Ehewille besteht. Dabei ist im Wesentlichen auf die Dauer
der nach aussen wahrnehmbaren ehelichen Wohngemeinschaft abzustellen (BGer
2C_544/2010 vom 23. Dezember 2010 E. 2.2). Bei der Berechnung der absolut
geltenden Dreijahresfrist kommt es gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf
die in der Schweiz gemeinsam verbrachte Zeit an (BGer 2C_366/2012 vom 1. Mai 2012
E. 2.1; 2C_430/2011 vom 11. Oktober 2011 E. 4.1 und 4.1.1; BGE 136 II 113 E. 3.3).
Massgeblicher Zeitpunkt für die retrospektive Berechnung der Dauer der ehelichen
Gemeinschaft ist in der Regel die Aufgabe der Hausgemeinschaft (BGE 136 II 113
E. 3.2).
2.2. Aufgrund der Akten hat vorliegend als dargetan zu gelten, dass die Ehe der
Beschwerdeführerin mit B._ vom 9. Februar 2015 (Heirat nach Einreise in die Schweiz)
bis 31. August 2016 (Scheidung) bestand. Damit fehlt es an der Voraussetzung der
Dreijahresfrist gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG, weshalb sich eine Prüfung der
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Integrationsvoraussetzung - die Beschwerdeführerin absolvierte Deutschkurse mit
Erfolg und arbeitete danach im Rahmen einer Festanstellung (vgl. act. G 7/7 I/71) -
erübrigt. Zu klären bleibt jedoch, ob die Aufenthaltsbewilligung aufgrund von Art. 50
Abs. 1 lit. b AuG verlängert werden kann. Nach dieser Norm besteht der Anspruch des
Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung
der Ehe oder der Familiengemeinschaft weiter, wenn wichtige persönliche Gründe
einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Wichtige persönliche
Gründe können namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer
ehelicher Gewalt wurde und die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark
gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG). Bei der Beurteilung der wichtigen
persönlichen Gründe sind sämtliche Aspekte des Einzelfalles mit zu berücksichtigen.
Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur
Schweiz geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn
die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt.
Entscheidend ist, ob die persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung als
stark gefährdet zu gelten hat und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre
(vgl. BGE 138 II 229 E. 3.1). Häusliche Gewalt bedeutet systematische Misshandlung
mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben und nicht eine einmalige Ohrfeige oder
eine verbale Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits. Die physische oder
psychische Zwangsausübung und deren Auswirkungen müssen vielmehr von einer
gewissen Konstanz bzw. Intensität sein. Psychische bzw. sozioökonomische
Druckausübung wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen und Einsperren kann
einen für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten Grad an unzulässiger
Oppression erreichen. Dies ist praxisgemäss der Fall, wenn die psychische Integrität
des Opfers bei einer Aufrechterhaltung der ehelichen Gemeinschaft schwer
beeinträchtigt würde (vgl. Urteil 2C_221/2011 vom 30. Juli 2011 E. 2). Nicht jede
unglückliche, belastende und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende
Entwicklung einer Beziehung begründet indessen bereits einen nachehelichen Härtefall
(BGE 138 II 229 E. 3.2.1 f.).
2.3. In der Stellungnahme vom 18. November 2016 an das Migrationsamt führte die
Beschwerdeführerin unter anderem aus, dass nach einer monatelangen psychischen
und körperlichen Tortur durch ihren Ex-Ehemann und seiner im gleichen Haushalt
wohnenden Familie keine erträgliche und menschenwürdige Ehe zu führen gewesen
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sei. Sie hätten (als Ehepaar) kein eigenes Privatleben gehabt. Sie selber sei immer der
Kontrolle, Beschimpfungen und Nörgeleien der Eltern des Ex-Ehemannes ausgesetzt
gewesen. Sie habe in seinen und ihren Augen nichts recht machen können. Ihre sehr
frauenfeindlichen und konservativen Ansichten seien eine enorme Belastung gewesen.
Ihr Ex-Ehemann habe enormen psychischen Druck auf sie ausgeübt. Immer sei sie
seiner Kontrolle ausgesetzt gewesen. Aufgrund seiner - ihr vor der Ehe nicht bekannten
- Marihuana-Sucht sei er psychisch sehr labil gewesen. Gegen Ende der Ehe habe es
Tage gegeben, wo er ihr regelmässig das Handy und die Schlüssel weggenommen
habe, damit sie nicht mehr ins Haus könne. Es sei ihr nicht erlaubt gewesen, ihr
eigenes Geld (zu verwalten) und ein Bankkonto zu führen. Der Kontakt zu ihren Eltern
sei ihr grundsätzlich verboten bzw. nur in gewissen Abständen erlaubt worden. Von
ihm geschenkte Sachen habe er wieder weggenommen. Zusätzlich habe er ihren Pass
versteckt, damit sie nicht weggehen könne. Die gerichtlich angeordnete Zahlung ihrer
Krankenkassenrechnungen habe er nicht eingehalten. Sie habe ein
Betreibungsbegehren gegen ihn einleiten müssen. Es sei unmöglich gewesen, die Ehe
weiterzuführen. In der kurzen Zeit in der Schweiz habe sie sich trotz aller Umstände
einen ganz kleinen, aber für sie sehr wichtigen Freundeskreis aufbauen können. Sie
habe sich innert kurzer Zeit integrieren, sich gute Deutschkenntnisse aneignen und die
Fahrprüfung machen können. Sie habe eine eigene Wohnung und eine feste
Arbeitsstelle. Sie könne ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Nach der Einreise habe
sie ihr in Bosnien angefangenes Wirtschaftsstudium an der Universität Liechtenstein
weiterführen wollen. Dieses habe sie aufgrund der Umstände wieder abbrechen
müssen. In Bosnien erwarte sie ausser ihren Eltern kein soziales Umfeld mehr.
Aufgrund der dortigen Wirtschaftslage und des abgebrochenen Studiums habe sie
ohne Abschluss schlechte Arbeitsaussichten (act. G 7/7 I/71).
Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, für die von der
Beschwerdeführerin geschilderten Vorkommnisse fänden sich in den Akten keine
Hinweise. Sie schildere die behauptete eheliche Gewalt nicht konkret und belege ihre
Aussagen weder mit Arztberichten noch mit anderen Unterlagen. Die angebliche
ständige Kontrolle und Abschottung von der Umwelt sei nicht glaubhaft, weil die
Beschwerdeführerin einer Erwerbstätigkeit nachgehe und zahlreiche Deutschkurse
habe besuchen können. Die für die Begründung eines nachehelichen Härtefalls
erforderliche Intensität der körperlichen und psychischen Zwangsausübung sei nicht
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nachgewiesen. Soweit die Beschwerdeführerin beantrage, C._ als Zeugin zu befragen,
sei zu beachten, dass diese bei den geltend gemachten Vorkommnissen nicht
anwesend gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe sich nach ihren Angaben einer
guten Kollegin anvertraut. Deren Aussagen seien somit für sich allein nicht geeignet,
eheliche Gewalt in der erforderlichen Intensität zu beweisen. Daher könne auf die
beantragte Zeugenbefragung verzichtet werden. Ein nachehelicher Härtefall im Sinn
von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG sei zu verneinen. Die Beschwerdeführerin mache nicht
geltend, dass die soziale Wiedereingliederung im Heimatland bei einer Rückkehr stark
gefährdet wäre. Ein solche Gefährdung sei aus den Akten auch nicht ersichtlich.
Vielmehr bestehe ein gutes Verhältnis zur Familie, bei welcher die Beschwerdeführerin
offenbar auch in der Zeit vor der Ehescheidung geweilt habe (act. G 7/7 I/54 S. 2 und I/
71 S. 2). Die privaten Interessen der Beschwerdeführerin an einem Verbleib in der
Schweiz vermöchten die entgegenstehenden öffentlichen Interessen (Durchsetzung
einer restriktiven Einwanderungspolitik) nicht zu überwiegen. Ihr Aufenthalt in der
Schweiz sei von kurzer Dauer gewesen. Den weitaus grössten Teil ihres Lebens habe
sie in ihrer Heimat verbracht. Sie sei mit den dortigen Lebensumständen vertraut und
könne dort wieder Fuss fassen. In beruflicher Hinsicht könnten ihr die erworbenen
Sprachkenntnisse dienlich sein. Das angefangene Studium könne allenfalls wieder
aufgenommen werden. Eine Rückkehr ins Heimatland sei ihr zumutbar. Die
ungünstigeren wirtschaftlichen Verhältnisse im Heimatland im Vergleich zu denjenigen
in der Schweiz begründeten keine Unzumutbarkeit der Rückkehr (act. G 2).
3.
3.1. Die Beschwerdeführerin hält vorliegend daran fest, Opfer ehelicher Gewalt
geworden zu sein. Sie sei vom Ehemann ständig kontrolliert, psychisch unter Druck
gesetzt und von der Umwelt abgeschottet worden. Auch habe er mehrfach körperliche
Gewalt angewendet. Es werde diesbezüglich auf die Stellungnahme vom
18. November 2016 (vgl. vorstehende E. 2.3) verwiesen. Die Beschwerdeführerin sei
durch das Zusammenleben in ihrer Persönlichkeit ernstlich gefährdet gewesen und es
habe ihr eine Fortführung der ehelichen Beziehung nicht länger zugemutet werden
können. Die tatsächliche Gewalt wiederspiegle sich auch in der sehr kurzen Ehedauer
von lediglich eineinhalb Jahren. Die Beschwerdeführerin habe aus Angst und Scham
keine Strafanzeige erstattet. Sie habe sich jedoch einer guten Kollegin anvertraut, der
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sie über die Gewaltvorkommnisse erzählt habe (Beweisantrag: Zeugenbefragung). Die
Vorinstanz führe aus, dass die eheliche Gewalt unter anderem durch glaubwürdige
Zeugenaussagen glaubhaft gemacht werden könnten, verzichte dann aber auf die
beantragte Zeugenbefragung. Dies stelle eine Verweigerung des rechtlichen Gehörs
dar. Es sei Sache des Gerichts zu ergründen, was die Beschwerdeführerin der Zeugin
alles anvertraut habe, ob die Aussagen der Beschwerdeführerin glaubhaft gewesen
seien und ob die Zeugin allenfalls sogar Verletzungen bei der Beschwerdeführerin
festgestellt habe. Auch die Interessenabwägung und der Grundsatz der
Verhältnismässigkeit sprächen für eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Die
Beschwerdeführerin sei hier sehr gut integriert. Sie gehe einer geregelten Arbeit nach
und erziele dabei ein existenzsicherndes Einkommen. Innert kürzester Zeit habe sie
sich sehr gute Deutschkenntnisse aneignen können. Sie sei zu keinem Zeitpunkt auf
Sozialhilfe angewiesen gewesen und es bestünden keine offenen Schulden. Sie habe
sich auch nicht strafbar gemacht. In ihrem Heimatland habe sie keine beruflichen
Perspektiven. Ihre privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz würden die
öffentlichen Interessen an einer Fernhaltung überwiegen (act. G 5).
3.2. Die betroffene Person muss die eheliche Gewalt bzw. häusliche Oppression in
geeigneter Weise glaubhaft machen (Arztberichte oder psychiatrische Gutachten,
Polizeirapporte, Berichte/Einschätzungen von Fachstellen [Frauenhäuser, Opferhilfe
usw.], glaubwürdige Zeugenaussagen von weiteren Angehörigen oder Nachbarn etc.).
Allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen
genügen nicht. Wird häusliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet,
muss vielmehr die Systematik der Misshandlung bzw. deren zeitliches Andauern und
die daraus entstehende subjektive Belastung nachvollziehbar konkretisiert und
beweismässig unterlegt werden. Dasselbe gilt, soweit geltend gemacht werden soll, bei
einer Rückkehr erweise sich die soziale Wiedereingliederung als stark gefährdet. Auch
hier genügen allgemeine Hinweise nicht. Die befürchtete Beeinträchtigung muss im
Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände glaubhaft erscheinen. Nur in diesem Fall
und beim Bestehen entsprechender Beweisanträge, die nicht in antizipierter
Beweiswürdigung abgewiesen werden können, wobei aber allfälligen sachinhärenten
besonderen Beweisschwierigkeiten Rechnung zu tragen ist, rechtfertigt es sich, ein
ausländerrechtliches Beweisverfahren durchzuführen (BGE 138 II 229 a.a.O., E. 3.2.3).
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3.3. Die geltend gemachte Tatsache der kurzen Ehedauer allein bildet entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführerin keinen Hinweis auf Gewaltausübung während der
Ehe. Auch aus dem Vorbringen, dass ihr Ehemann Kontrolle über sie ausgeübt habe,
lässt sich nicht eine erhebliche (psychische) Gewaltausübung ableiten. Jedenfalls im
Rahmen des Besuchs der Deutschkurse sowie ihrer Erwerbstätigkeit dürften ihr (vom
Ehemann nicht kontrollierte) Sozialkontakte möglich gewesen sein. Weitere
Gegebenheiten, welche geeignet wären, eheliche Gewalt in der von der
Rechtsprechung verlangten Intensität und Konstanz (BGE 138 II 229 E. 3.2.1 f.) zu
belegen, sind weder konkret behauptet noch nachgewiesen. Das Vorbringen der
Beschwerdeführerin, aus Angst und Scham keine Strafanzeige erstattet zu haben,
vermag einen Nachweis nicht zu ersetzen. Die Schilderung der Vorkommnisse
gegenüber einer guten Kollegin bildet angesichts der dargelegten strengen Praxis (E.
3.2) keinen zureichenden Anlass, die Kollegin als Zeugin zu befragen, zumal auch eine
Bestätigung des von der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom
18. November 2016 dargelegten Standpunktes durch ihre Kollegin keinen tauglichen
Beweis für eine Gewaltausübung durch den Ex-Ehemann darstellen würde. Die
Vorinstanz verzichtete unter diesen Umständen zu Recht auf eine Zeugenbefragung;
eine Gehörsverletzung kann ihr nicht vorgeworfen werden. Die in der Beschwerde als
mögliches Ergebnis der Zeugenbefragung lediglich angetönten allfälligen
(körperlichen?) Verletzungen (act. G 5 S. 6 oben) fanden in der Stellungnahme vom
18. November 2016 keine Erwähnung. Dort wird einzig festgehalten, dass die
Aggressivität des Ex-Ehemannes sich manchmal auch auf körperlicher Ebene
ausgewirkt habe (act. G 7/7 I/71). Unter diesen Umständen hat eine Ausübung von
ehelicher Gewalt im erwähnten Sinn als nicht bewiesen zu gelten.
3.4. Die starke Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im Herkunftsland stellt
für sich allein (d.h. auch ohne Gefahr für Leib und Leben) einen wichtigen persönlichen
Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG dar. Die Beschwerdeführerin macht nicht
explizit geltend, ihre soziale Wiedereingliederung sei stark gefährdet. Sie hält indessen
fest, dass sie in ihrem Heimatland keine beruflichen Perspektiven habe (act. G 5 S. 6).
Bei der sozialen Wiedereingliederung ist entscheidend, ob die persönliche, berufliche
und familiäre Wiedereingliederung der betroffenen ausländischen Person bei einer
Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hätte und nicht, ob ein Leben in
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der Schweiz einfacher wäre und vorgezogen würde (BGer 2C_17/2012 vom 24. Januar
2012 E. 2.3.1; BGE 137 II 345 E. 3.2.3). Ein persönlicher nachehelicher Härtefall setzt
aufgrund der gesamten Umstände eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das
Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der
Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss (vgl. BGer 2C_17/2012 vom
24. Januar 2012 E. 2.3.1). Die Feststellung im vorinstanzlichen Entscheid, dass nach
wie vor familiäre Beziehungen der Beschwerdeführerin in ihrem Heimatstaat bestehen
(act. G 2 S. 8), wo sie die ersten 25 Jahre ihres Lebens verbrachte, blieb vorliegend
unbestritten. Aus dem Umstand, dass sie dort keine berufliche Ausbildung absolviert
hatte und ihre Familie oder weitere nahestehende Personen in Bosnien ihr keine
wirtschaftliche Hilfe leisten können, lässt sich keine starke Gefährdung ableiten, die
gegen eine Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin in ihrer Heimat sprechen
würde. Der Umstand, dass sich der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz für die
Beschwerdeführerin in Bosnien schwieriger gestaltet als in der Schweiz, hat keine
Unzumutbarkeit der Rückkehr zur Folge. Wurden keine engen Beziehungen zur
Schweiz geknüpft und war der Aufenthalt im Land nur von kurzer Dauer, besteht
praxisgemäss kein Anspruch auf einen weiteren Verbleib, auch wenn die betroffene
ausländische Person hier nicht straffällig geworden ist, gearbeitet hat und inzwischen
auch gut Deutsch spricht (BGer 2C_17/2012 vom 24. Januar 2012 E. 2.3.1; VerwGE B
2013/234 vom 11. November 2014 E. 2.6). Aus dem Umstand, dass die
Beschwerdeführerin in der Schweiz beruflich integriert ist, lässt sich entsprechend der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kein Anspruch auf einen weiteren Verbleib in der
Schweiz ableiten. Es sind auch keine anderen wichtigen persönlichen Gründe
ersichtlich, welche einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erfordern würden. Unter
diesen Umständen bestätigte die Vorinstanz zu Recht die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung.
4. (...).