Decision ID: a95241f5-6176-5ab9-9d8f-01c9b15a1765
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen türkischen Staatsan-
gehörigen kurdischer Ethnie, der eigenen Angaben zufolge in der Provinz
Bingöl lebte. Am 21. Juni 2007 liess er durch seinen damaligen Rechts-
vertreter ein schriftliches Asylgesuch aus dem Ausland stellen. In der Fol-
ge meldete sich der Beschwerdeführer persönlich bei der Schweizeri-
schen Botschaft in Ankara und wurde dort zu seinen Asylgründen ange-
hört. Mit Verfügung vom 29. November 2007 bewilligte das BFM dem Be-
schwerdeführer die Einreise in die Schweiz zur Durchführung des inländi-
schen Asylverfahrens. Am 10. Januar 2008 reiste der Beschwerdeführer
auf dem Luftweg in die Schweiz ein.
B.
Am 16. Januar 2008 stellte der Beschwerdeführer sein Inland-Asylgesuch
im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) M._. Anlässlich der
Befragung vom 23. Januar 2008 im EVZ M._ sowie der Direktan-
hörung vom 6. Juli 2012 durch das BFM machte der Beschwerdeführer
zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er ent-
stamme einer politisch exponierten Familie. Sein Familienverband sei seit
Jahren von den Auseinandersetzungen zwischen dem türkischen Staat
und kurdischen Aufständischen betroffen gewesen. Ungefähr im Jahre
1996 sei überdies das Wohnhaus seiner Familie vom Staat in Brand ge-
steckt worden. Darüber hinaus lebten mehrere Verwandte von ihm als
Flüchtlinge in europäischen Staaten, so auch in der Schweiz. In der Tür-
kei habe er während mehrerer Jahre die Kurdische Arbeiterpartei (PKK)
auf verschiedene Weise unterstützt. So habe er PKK-Kämpfer namentlich
mit Lebensmitteln und weiteren für die PKK nützlichen Gebrauchsgütern
versorgt. Dabei sei er im September 2006 auf frischer Tat ertappt, festge-
nommen und für die Dauer von vier Monaten in U-Haft versetzt worden,
als er zwei von ihm gekaufte und für die PKK bestimmte Radiogeräte auf
sich getragen habe. Aus diesem Grunde sei er schliesslich am 21. Juli
2010 durch das N._-Gericht wegen PKK-Unterstützung bezie-
hungsweise Mitgliedschaft zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und
drei Monaten verurteilt worden. Zur Zeit sei beim Kassationsgericht eine
Beschwerde gegen dieses Urteil hängig.
Im Jahre 2007 habe sich sodann ein aus Syrien stammender PKK-
Kämpfer den türkischen Behörden gestellt. Im Rahmen der polizeilichen
Befragung habe jener zahlreiche Personen, darunter auch ihn, konkreter
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Unterstützungstätigkeiten zugunsten der PKK bezichtigt. Gestützt auf
diese Angaben sei er mit einer zweiten Anklage wegen PKK-Unter-
stützung bzw. Mitgliedschaft konfrontiert worden. Da er für die türkischen
Behörden indessen nicht greifbar gewesen und bereits in der Schweiz
gewesen sei, habe das N._-Gericht mit Entscheid vom
25. Dezember 2008 sein Verfahren abgetrennt und gleichzeitig einen Vor-
führbefehl gegen ihn erlassen. Demgegenüber seien Mitangeklagte zu
einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 3 Monaten verurteilt worden. Im
Falle einer Rückkehr in die Türkei befürchte der Beschwerdeführer, auf-
grund der gegen ihn hängigen Gerichtsverfahren und des gegen ihn be-
stehenden gerichtlichen Vorführbefehls dem Gericht vorgeführt, in U-Haft
versetzt und gegebenenfalls dem Strafvollzug zugeführt zu werden.
Um seine Identität und seine türkische Staatsangehörigkeit zu belegen
habe der Beschwerdeführer seinen türkischen Reisepass sowie seine
Identitätskarte (Nüfus) abgegeben.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im Laufe
seines Asylverfahrens zahlreiche Dokumente ein.
C.
Mit Verfügung vom 19. März 2013 – eröffnet am 22. März 2013 – lehnte
das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur
Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Vorbringen des
Beschwerdeführers vermöchten den Anforderungen an die Anerkennung
der Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen. Eine asylrelevante Verfol-
gung liege nämlich nicht vor, wenn staatliche Massnahmen rechtsstaat-
lich legitimen Zwecken dienten. Der Beschwerdeführer habe geltend ge-
macht, dass er aufgrund seiner Unterstützung der PKK mit zwei Gerichts-
verfahren in der Türkei konfrontiert sei. Im ersten Verfahren sei er mit Ur-
teil des N._-Gerichts vom 21. Juli 2010 zu einer Freiheitsstrafe
von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Zur Zeit sei beim
Kassationsgericht eine Beschwerde gegen dieses Urteil hängig. Im zwei-
ten Verfahren habe das N._-Gericht mit Entscheid vom 25. De-
zember 2008 das Verfahren gegen den nicht greifbaren Beschwerdefüh-
rer abgetrennt und einen Vorführbefehl gegen ihn erlassen. Seine Mitan-
geklagten seien zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Mona-
ten verurteilt worden.
In diesen beiden Verfahren seien gegenüber dem Beschwerdeführer im
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Einzelnen die folgenden Vorwürfe erhoben worden. Der Beschwerdefüh-
rer habe zuhanden der PKK zwei sogenannte Weltradios gekauft. Das
dafür benötigte Bargeld sei einer Banküberweisung aus Frankreich ent-
nommen worden. Gemäss Aussagen eines PKK-Kämpfers habe der Be-
schwerdeführer zugunsten der PKK verschiedene Lebensmittel, eine
SIM-Telefonkarte sowie 50 Paar grosse Batterien geliefert, die für Vorrich-
tungen zur Explosion von Minen verwendet worden seien.
Der Beschwerdeführer habe diese Sachverhalte gegenüber dem BFM im
Rahmen seiner Anhörung ausdrücklich bestätigt. Er habe sie zudem wie
folgt präzisiert und darüber hinaus weitere Unterstützungshandlungen
geltend gemacht. Die zwei "Weltradios" habe er eigens in einem be-
stimmten, vertrauenswürdigen Geschäft in O._ erworben, da de-
ren Verkauf offiziell nicht zugelassen gewesen sei. Ferner habe er in ver-
schiedenen türkischen Städten gezielt weitere von der PKK gewünschte
Utensilien eingekauft bzw. erworben. So sei er z.B. einmal im Jahre 2006
eigens nach P._ gereist, wo er mehrere Fotoapparate und Digital-
kameras sowie acht Uhren entgegengenommen habe. Darüber hinaus
habe er seit mehreren Jahren regelmässige Grosseinkäufe im Betrag von
300 – 400 Euro pro Einkauf getätigt, beinhaltend Lebensmittel und
Gebrauchsgegenstände wie z.B. Rucksäcke und Kleider. Schliesslich ha-
be er den PKK-Kämpfern auch Informationen z.B. über Militäroperationen
oder Truppenbewegungen in der Gegend geliefert.
Daraus ergebe sich das folgende Gesamtbild: Diese vom Beschwerde-
führer geleisteten Unterstützungstätigkeiten seien als systematisch und
umfassend sowie von der Vorgehensweise her als konspirativ zu charak-
terisieren (regelmässige en gros-Lebensmittellieferungen, im Weiteren
u.a. Lieferungen von Batterien, Uhren, Kameras, Angaben über Truppen-
bewegungen). Diese Unterstützungstätigkeiten stünden damit in einem
deutlichen Kontrast etwa zu einer gelegentlichen, bestenfalls "halbfreiwil-
ligen" Unterstützung von an die Haustüre klopfenden PKK-Kämpfern (Le-
bensmittel aus dem Küchenvorrat, Verköstigung). Die vorliegenden Un-
terstützungshandlungen stellten vielmehr eine qualifizierte, über mehrere
Jahre hinweg erfolgende, regelmässige, klarerweise freiwillige und aus
eigenem Antrieb erfolgende, systematische logistische Unterstützung der
PKK dar. Durch seine freiwillige Tätigkeit habe der Beschwerdeführer
zumindest in Kauf genommen, einen direkten Tatbeitrag zugunsten des
Fortkommens der PKK-Kämpfer und einen zumindest indirekten Beitrag
zugunsten der bewaffneten Aktionen der PKK zu leisten (wie z.B. Batte-
rien für Minen, Kameras für die Vorbereitung bewaffneter Aktionen).
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Die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) verfolge ihre Ziele bekanntermassen
mindestens seit 1984 bis heute in massgeblichen Teilen mit militärischen
und damit gewaltsamen Mitteln in Form eines "bewaffneten Kampfes".
Diese Vorgehensweise sei notorischerweise mit zahlreichen und unver-
hältnismässigen Gewalttaten verbunden, die insgesamt einen ausseror-
dentlich hohen Blutzoll gefordert hätten und noch immer forderten. Die
PKK gelte denn auch sowohl in der Europäischen Union als auch in den
USA als terroristische Organisation.
Eingangs sei dargelegt worden, dass keine asylrelevante Verfolgung vor-
liege, wenn staatliche Massnahmen, und damit auch eine strafrechtliche
Verfolgung, rechtsstaatlich legitimen Zwecken dienten. Ob die entspre-
chenden Voraussetzungen an eine legitime strafrechtliche Verfolgung vor-
liegend erfüllt seien, sei im Folgenden näher zu prüfen: Vor dem geschil-
derten Hintergrund der PKK sei eine strafrechtliche Verfolgung einer qua-
lifizierten logistischen Unterstützungstätigkeit im oben geschilderten Um-
fang einer mit gewalttätigen Methoden operierenden Organisation im
Kern als offenkundig legitim zu erachten. Die entsprechenden Tatvorwürfe
in den beiden gegen den Beschwerdeführer hängigen Strafverfahren
werden ihm sodann offensichtlich nicht lediglich unterschoben, wie er im
Rahmen der Anhörung zu den Asylgründen selbst eingeräumt, ja betont
habe. Aus dem Strafmass gemäss erstinstanzlichem Urteil vom 21. Juli
2010 von sechs Jahren und drei Monaten Haft sei sodann kein Politmalus
ersichtlich. Dasselbe gelte auch für das zweite Verfahren, wo er allenfalls
mit einem ähnlichen Strafmass zu rechnen habe (Mitangeklagte in jenem
Verfahren seien ebenfalls zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verur-
teilt worden). Im Lichte der einschlägigen Sachverhalte erscheine ein
derartiges Strafmass auch aus hiesiger Sicht durchaus als angemessen,
jedenfalls nicht als unverhältnismässig. Ein derartiges Strafmass bewege
sich zudem in einem ähnlichen abstrakten Strafrahmen wie etwa in
Deutschland und Frankreich und entspreche der dortigen Gerichtspraxis
für vergleichbare Taten. Aufgrund der gesamten Aktenlage sei ferner nicht
ersichtlich, dass die beiden Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer
rechtsstaatlichen Anforderungen nicht zu genügen vermöchten. So sei
beispielsweise im ersten Verfahren das ursprüngliche erstinstanzliche Ur-
teil durch das Kassationsgericht aufgrund eines Formfehlers (fehlende
Unterschrift auf dem Gerichtsprotokoll) aufgehoben worden. Das erstin-
stanzliche Gericht habe den Mangel anschliessend behoben und am
21. Juli 2010 ein erneutes Urteil gefällt, gegen welches derzeit wiederum
eine Beschwerde beim Kassationsgericht hängig sei. Sodann habe der
Beschwerdeführer selbst betont, dass das bisherige Verfahren auf korrek-
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te Weise erfolgt sei und dass er insbesondere auch mit keinen Übergrif-
fen in der Polizei- und U-Haft konfrontiert gewesen sei. Angesichts des-
sen und im Licht der heutzutage insgesamt verbesserten Menschen-
rechtslage in der Türkei sei davon auszugehen, dass ihm auch im weite-
ren Verfahrensverlauf und namentlich auch beim zweiten noch erstin-
stanzlich offenen Verfahren keine Verletzung fundamentaler Menschen-
rechte drohe. Es sei demnach insbesondere von einem weiterhin fairen
Gerichtsverfahren auszugehen, bei dem ihm bei einer allfälligen erneuten
Polizei-, Untersuchungs- oder Sicherheitshaft bzw. im Strafvollzug keine
Misshandlungen oder gar Folter drohten. Darauf folge, dass die beiden
gegen den Beschwerdeführer angehobenen Gerichtsverfahren keine
asylrechtliche Bedeutung entfalteten.
Der Wegweisungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich.
D.
D.a Mit Beschwerde vom 22. April 2013 liess der Beschwerdeführer die
nachfolgend aufgeführten Rechtsbegehren stellen: Die Verfügung des
BFM vom 19. März 2013 sei aufzuheben. Es sei festzustellen, dass der
Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfüllt, und es sei ihm Asyl
zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumut-
barkeit der Wegweisung festzustellen und in der Folge die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers in der Schweiz anzuordnen. Auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten.
Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwä-
gungen eingegangen.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen liess der Beschwerdeführer die
nachfolgend aufgeführten Beweismittel zu den Akten reichen: die Fotoko-
pie eines Schreibens vom 15. Juni 2012 der Staatsanwaltschaft an das
Präsidium der (...). Strafkammer des Kassationsgerichts nebst Überset-
zung, die Bestätigung vom 12. April 2013 des türkischen Rechtsvertreters
betreffend den Verfahrensstand nebst Übersetzung, die Fotokopie eines
Artikels aus dem Spiegel.
E.
E.a Mit Zwischenverfügung vom 3. Mai 2013 hiess der Instruktionsrichter
das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut
und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
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E.b In ihrer Vernehmlassung vom 14. Mai 2013 schloss die Vorinstanz
auf die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung machte das BFM
geltend, es halte ausdrücklich an seinem Standpunkt fest. Es stütze sich
bei seinen Erwägungen auf die konkreten und vom Beschwerdeführer
unbestrittenen Unterstützungshandlungen zugunsten der PKK. Diese Un-
terstützungshandlungen hätten auch aus hiesiger Rechtssicht die Grenze
zum Strafbaren eindeutig überschritten. So sei an dieser Stelle etwa noch
einmal auf die Lieferung von Batteriesets hingewiesen, die offenbar für
Vorrichtungen zur Explosion von Minen verwendet worden seien. Es sei
dabei notorisch, dass die PKK seit Jahren systematisch Minen zum Ein-
satz gebracht habe, die zahlreiche Todesopfer und Verletzte gefordert
hätten. Das BFM erachte deshalb die gegen den Beschwerdeführer an-
gehobenen Strafverfahren in der Türkei klarerweise als legitim und damit
als asylrechtlich unbeachtlich.
E.c In seiner Replik vom 14. Juni 2013 beantragte der Beschwerdeführer
die Gutheissung der Beschwerde und machte zur Begründung im We-
sentlichen geltend, das türkische Strafgesetzbuch sei eine Rezeption des
italienischen Strafgesetzbuches von Mussolini. Die gesamte türkische
Rechtsordnung sei gegen die ethnischen Minderheiten gerichtet. Seit der
Gründung der Republik begehe der türkische Staat Verbrechen an den
ethnischen Minderheiten. Vor dem Hintergrund der historischen Tatsa-
chen könne die Unterstützung der PKK durch den Beschwerdeführer
nicht einfach pauschal als ein Verbrechen bezeichnet werden. Vielmehr
hätten die damaligen Umstände den Beschwerdeführer dazu gezwungen,
die PKK zu unterstützen. Es sei demnach nicht nachvollziehbar, warum
die Vorinstanz die Verurteilung des Beschwerdeführers durch einen sol-
chen Staat für legitim und gerecht halte.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Be-
hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Aus-
lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende
Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998
[AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne
von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwal-
tungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher
zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1
AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des
Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
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chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
In seiner Beschwerdeschrift vom 22. April 2013 macht der Beschwerde-
führer zur Begründung im Wesentlichen geltend, es sei eine bekannte
Tatsache, dass die türkischen Sicherheitskräfte im Verlaufe des Krieges
unzählige Male Menschenrechtsverletzungen begangen hätten und im-
mer noch begingen. Es sei ebenfalls eine bekannte Tatsache, dass sich
die türkische Justiz im Falle der Angeklagten und Verdächtigen, die im
Zusammenhang mit der PKK festgenommen worden seien, kaum an die
rechtsstaatlichen Prinzipien gehalten habe. Vor dem Hintergrund dieser
Tatsachen könne keine Rede davon sein, dass die gegen den Beschwer-
deführer ausgesprochenen Strafen verhältnismässig seien. Weiter sei zu
erwähnen, dass sich an der Menschenrechtslage in der Türkei, sehe man
von ein paar kosmetischen Gesetzesänderungen ab, nichts geändert ha-
be. So etwa komme die Folter in Polizeihaft immer noch oft vor. Wie die
jüngsten Berichte zur allgemeinen Situation in der Türkei zeigten, sei die
Lage der Menschenrechte trotz rechtlicher Verbesserungen in der Praxis
weiterhin problematisch, wobei echte oder mutmassliche Mitglieder als
von staatsgefährdend eingestuften Organisationen besonders gefährdet
seien, von den Sicherheitskräften verfolgt und in deren Gewahrsam
misshandelt oder gefoltert zu werden.
5.
5.1 Die Flucht vor einer rechtsstaatlich legitimen Strafverfolgung im Hei-
matland bildet grundsätzlich keinen Grund für die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft und für die Asylgewährung. Ausnahmsweise kann
aber die Durchführung eines Strafverfahrens wegen eines gemeinrechtli-
chen Delikts eine Verfolgung im asylrechtlichen Sinne darstellen. Dies
trifft unter anderem dann zu, wenn einer Person eine gemeinrechtliche
Tat untergeschoben wird, um sie wegen ihrer äusseren oder inneren
Merkmale, namentlich ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit
zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen Anschauun-
gen zu verfolgen, oder wenn die Situation eines Täters, der ein gemein-
rechtliches Delikt tatsächlich begangen hat, aus einem solchen Motiv in
bedeutender Weise erschwert wird. Eine solche Erschwerung der Lage
(sog. Politmalus) ist insbesondere dann anzunehmen, wenn deswegen
eine unverhältnismässig hohe Strafe ausgefällt wird (sog. Malus im abso-
luten Sinne), wenn das Strafverfahren rechtsstaatlichen Ansprüchen kla-
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rerweise nicht zu genügen vermag oder wenn der asylsuchenden Person
in Form der Strafe oder im Rahmen der Strafverbüssung eine Verletzung
fundamentaler Menschenrechte, insbesondere Folter droht (vgl. BVGE
2011/10 E. 4.3 S.127 f., mit weiteren Hinweisen).
5.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur
Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt
der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit
verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit
ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen
konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus
einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili-
gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als rea-
listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2011/50
E. 3.1.1 S. 996 f.; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004
Nr. 1 E. 6a S. 9).
5.3 Gegen den Beschwerdeführer erging am 21. Juli 2010 ein Urteil des
N._-Gerichts. Diesem Urteil zufolge hat der Beschwerdeführer im
Heimatstaat die Verbüssung einer sechs Jahre und drei Monate währen-
den Freiheitsstrafe wegen Unterstützung der PKK beziehungsweise Mit-
gliedschaft zu gewärtigen. Dieses Urteil ist noch nicht in Rechtskraft er-
wachsen, weil es der Beschwerdeführer nochmals vor dem Kassations-
gericht anfechten liess. Des Weiteren droht dem Beschwerdeführer ein
zweites Strafverfahren, hat doch das N._-Gericht mit Entscheid
vom 25. Dezember 2008 das Verfahren gegen den nicht greifbaren Be-
schwerdeführer abgetrennt und einen Vorführbefehl gegen ihn erlassen.
Seine Mitangeklagten seien zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren
und drei Monaten verurteilt worden.
5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht berücksichtigt bei seinen Urteilen
die neueste ihm bekannte Rechtsprechung des Bundesgerichtes (vgl.
ANDRÉ MOSER, MICHAEL BEUSCH, LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor
dem Bundesverwaltungsgericht, Handbücher für die Anwaltspraxis, Band
X, Basel 2008, Rz. 2.198, S. 89). Zur Qualifikation des Vorgehens der
PKK in der Türkei führt das Bundesgericht in BGE 133 IV 76
(1A.181/2006/1A.211/2006) E. 3.8 S. 85 aus: "Selbst in bürgerkriegsähn-
lichen Auseinandersetzungen handelt es sich dabei nicht mehr um ange-
messene oder wenigstens einigermassen verständliche Mittel des gewalt-
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tätigen Widerstands gegen die geltend gemachte ethnische Verfolgung
und Unterdrückung (BGE 131 II 235 E. 3.2-3.3 S. 245 f.; 130 II 337
E. 3.2-3.3 S. 343 f.; 128 II 355 E. 4.2 S. 365, je mit Hinweisen)". Dem-
nach erachtet das Bundesgericht die Gewaltanwendung durch die PKK
als unverhältnismässig und nicht gerechtfertigt. Das Bundesverwaltungs-
gericht hat die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu beachten. Für die
Unterstützung von gewaltbereiten Organisationen ist der Nachweis von
kausalen Tatbeiträgen im Hinblick auf ein konkretes Delikt nicht erforder-
lich (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-8260/2008 vom 26. Au-
gust 2009 E. 5.3). Aufgrund des Gesagten und der Tatsache, dass sich
der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben jahrelang freiwillig in er-
heblichem Ausmass zugunsten der PKK logistisch betätigt hat und insbe-
sondere Material für mutmassliche Sprengstoffanschläge (grosse Batte-
rien) beschafft hat, ist die Argumentation der Vorinstanz zu bestätigen,
wonach die aus den Akten ersichtliche strafrechtliche Verfolgung des Be-
schwerdeführers durch die türkischen Behörden wegen Verübung von
Straftaten zur Unterstützung einer terroristischen Organisation, nämlich
der PKK, als rechtsstaatlich legitim bezeichnet werden muss. An der Ver-
werflichkeit der Taten des Beschwerdeführers vermag nämlich auch der
Umstand, dass die Türkei das italienische Strafgesetzbuch unter Mussoli-
ni rezipierte, nichts zu ändern. Übereinstimmend mit der Vorinstanz ist
festzuhalten, dass die erstinstanzliche Verurteilung zu einer Haftstrafe
von sechs Jahren und drei Monaten durch das N._-Gericht in Be-
rücksichtigung der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Delikte und
des dazugehörigen Strafrahmens von fünf bis zehn Jahren Gefängnis
(Art. 314 Abs. 2 des türkischen Strafgesetzbuchs) als mit dem Gesetz
vereinbar erscheint; auch in der Bundesrepublik Deutschland hätte der
Beschwerdeführer bei einer Verurteilung nach den §§ 129a und 129b
StGB mit einer bis zu zehnjährigen Freiheitsstrafe zu rechnen. Nach dem
Gesagten kann aus der Höhe der verhängten Strafe vorliegend nicht auf
das Vorliegen eines Politmalus geschlossen werden. Im Übrigen aner-
kennt der Beschwerdeführer selbst die ihm von der türkischen Justiz vor-
geworfenen Delikte vorbehaltlos (A65/22 F161 S. 14), weshalb die Akten
den Schluss zulassen, das Gericht habe sich sorgfältig und differenziert
mit seinem Fall auseinandergesetzt und die gegen ihn erhobenen straf-
rechtlichen Vorwürfe nicht einfach aus der Luft gegriffen. Aus den Akten
sind überdies keine Hinweise ersichtlich, die das Strafverfahren gegen
den Beschwerdeführer als rechtsstaatlich unzulässig erscheinen lassen
würden. Vielmehr erhärtet sich angesichts der Kassation des erstinstanz-
lichen Urteils wegen eines Formfehlers (fehlende Unterschrift auf einem
Gerichtsprotokoll) der Eindruck, vorliegend könne ein Politmalus ausge-
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schlossen werden. Insbesondere machte der Beschwerdeführer im vor-
liegenden Verfahren nicht geltend, er sei zu einem Geständnis gezwun-
gen worden; vielmehr gab er den gegen ihn erhobenen Sachverhalt an-
lässlich der Anhörung zu. Im Weiteren ist festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer gemäss eigenen Aussagen keine Übergriffe während der
Polizei- und Untersuchungshaft vermelden konnte. Angesichts der teil-
weise verbesserten Menschenrechtslage hat der Beschwerdeführer auch
keinen Anlass, im zweiten, erstinstanzlich noch offenen Verfahren eine
Verletzung fundamentaler Menschenrechte zu erwarten. Zusammenfas-
send ist daher festzuhalten, dass in Bezug auf den Beschwerdeführer
keine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegt.
6.
Unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage erfüllt der Beschwerde-
führer somit die Voraussetzungen zur Zuerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft nicht, weshalb die Vorinstanz das Asylbegehren zu Recht abge-
lehnt hat.
7.
7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein,
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der
Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-
ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG,
SR 142.20]).
Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/50
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Seite 13
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigs-
tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein
Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein-
kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November
1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK,
SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann
der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vor-
liegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Be-
schwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von
Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimat- oder Herkunftsstaat dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen
Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde
(vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren
Hinweisen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht ge-
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lungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei lässt
den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-
scheinen. An dieser Einschätzung ändern auch die vom Beschwerdefüh-
rer eingereichten Beweismittel nichts. Nach dem Gesagten ist der Vollzug
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat
auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete
Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die
vorläufige Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Vorab ist festzustellen, dass angesichts der heutigen Lage in der
Türkei nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder von kriegeri-
schen oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen werden
kann, welche für den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine konkrete
Gefährdung darstellen würde. Es bleibt demnach zu prüfen, ob individuel-
le Gründe vorliegen, die eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen
Heimatstaat als unzumutbar erscheinen lassen.
8.3.3 Es sind keine sonstigen individuellen Gründe ersichtlich, welche
gegen die Zumutbarkeit einer Rückkehr des Beschwerdeführers in seine
Heimat sprechen würden. Er hat bis zu seiner Ausreise im Januar 2008
immer in der Türkei gewohnt und ist daher mit den dortigen Lebensum-
ständen bestens vertraut. Gemäss den Akten leben seine Eltern und
mehrere Geschwister an verschiedenen Orten in der Türkei (A31/11
Ziff. 12 S. 3), weswegen er dort über ein tragfähiges soziales Netz ver-
fügt. Zudem hat er jahrelange Berufserfahrung als (...) und (...), weshalb
er in der Lage sein wird, sich in der Heimat wirtschaftlich zu reintegrieren.
Zur Überbrückung allfälliger Anfangsschwierigkeiten kann er beim BFM
Rückkehrhilfe beantragen. Insbesondere genügen blosse soziale und
wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im
Allgemeinen betroffen ist, nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne
von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Es ist
somit nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
in seinen Heimatstaat in eine existenzielle Notlage geraten würde.
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8.3.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als
zumutbar zu bezeichnen.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. BVGE 2008/34
E.12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu be-
zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
8.5 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegwei-
sung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zu-
mutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]),
(Dispositiv nächste Seite)
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