Decision ID: 98d6de7c-5acb-4928-9a14-6c91694fc95b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Hinwil vom 19. März 2020 (FE190199-E)
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Rechtsbegehren:
der Klägerin (Urk. 13/1 S. 2 f.): 1. Der Beklagte sei zu verpflichten, die Pässe der Kinder C._
und D._ beim Bezirksgericht Hinwil zu hinterlegen. Dies sei ohne Anhörung des Beklagten anzuordnen.
2. Die Pässe der Kinder C._ und D._ seien der Klägerin auf erstes Verlangen herauszugeben. Eventualiter sei der  zu verpflichten, der Klägerin die Pässe der Kinder C._ und D._ auf erstes Verlangen herauszugeben, unter Androhung der Überweisung an den Strafrichter zur Bestrafung nach Art. 292 StGB mit Busse.
3. Die Kinder C._ und D._ seien für die Dauer des  unter die Obhut der Klägerin zu stellen.
4. Der Beklagte sei zu berechtigen, die Kinder während der  in F._ [Staat in Asien] oder in der Schweiz nach  der Eltern auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
5. Eventualiter sei der Klägerin zu erlauben, den Wohnsitz der  nach F._ (zurück) zu verlegen.
6. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin ab dem 1.  2019 für die Dauer des Verfahrens für sich selbst und für die Kinder C._ und D._ folgende Unterhaltsbeiträge zu : Für die Dauer des Aufenthalts in der Schweiz: Für sich persönlich: Fr. 1'416.–, C._: Fr. 800.– zuzüglich Kinderzulage, D._: Fr. 800.– zuzüglich Kinderzulage,
Ausserdem ist der Beklagte zu verpflichten, die Kinderzulage für E._ an die Klägerin weiterzuleiten. Ab dem der Rückkehr nach F._ folgenden Monat: Für sich persönlich: Fr. 908.-, C._: Fr. 1'054.– zuzüglich Kinderzulage, D._: Fr. 1'054.– zuzüglich Kinderzulage.
Es sei der Klägerin die unentgeltliche Prozessführung und  zu gewähren und ihr in der Person des Unterzeichnenden einen unentgeltlichen Rechtsbeistand beizugeben.
des Beklagten (Urk. 13/28 S. 2 ff.): 1. Die gemeinsamen Kinder der Parteien, C._, geboren am
tt.mm.2006, und D._, geboren am tt.mm.2011, seien für die
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Dauer des Verfahrens unter der gemeinsamen Obhut der  zu belassen. Eventualiter sei dem Beklagten die alleinige Obhut über die Kinder zuzuteilen.
2. Die Betreuung für die gemeinsamen Kinder C._ und D._ sei wie folgt zu regeln: • von Januar bis April geteilte Betreuung durch beide Elterntei-
le in F._ (eventualiter 2020 in der Schweiz) • im Mai und Juni Betreuung durch die Mutter in F._
(eventualiter 2020 in der Schweiz) • im Juli und August geteilte Betreuung durch beide Elternteile
in der Schweiz • im September und Oktober Betreuung durch den Vater in
F._ • im November und Dezember geteilte Betreuung durch beide
Elternteile in F._ Die geteilte Betreuungszeit sei wie folgt zu regeln: Der Vater betreut die Kinder: • jeweils von Sonntagabend bis Mittwochmittag • jeweils an den geraden Wochenenden von Freitagabend bis
Sonntagabend • jedes zweite Jahr (erstmals 2020/21) während der Winterfe-
rien (über Neujahr) Die Mutter betreut die Kinder: • jeweils von Mittwochmittag bis Freitagabend • jeweils an den ungeraden Wochenenden von Freitagabend
bis Sonntagabend • jedes zweite Jahr (erstmals 2022/23) während der Winterfe-
rien (über Neujahr) Abweichende Wochenend-, Feiertags- oder Ferienkontakte nach gegenseitiger Absprache bleiben vorbehalten.
3. Es seien keine Kinderunterhaltsbeiträge zuzusprechen und es sei festzulegen, dass die Parteien diejenigen Kosten für C._ und D._ jeweils selber übernehmen, welche während der Zeit , die sie beim betreuenden Elternteil verbringen (insb. , Anteil Miete). Ausserordentliche Kinderkosten (mehr als CHF 100.– pro , z.B. Zahnarztkosten, Privatschulen, Kosten für  Förderungsmassnahmen, etc.) seien durch die Parteien je hälftig zu übernehmen. Voraussetzung für die hälftige Kostentra-
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gung ist, dass sich die Parteien vorgängig über die  Ausgabe geeinigt haben. Kommt keine Einigung zustande, so trägt der veranlassende Elternteil die entsprechende Ausgabe einstweilen allein; die gerichtliche Geltendmachung der  bleibt vorbehalten. Eventualiter sei der Beklagte zu verpflichten, ab 1. Februar 2020 bis zur Rechtskraft des Scheidungsurteils an die gemeinsamen Kinder C._ und D._ Kinderunterhaltsbeiträge () in der Höhe von monatlich je Fr. 200.– zu leisten, zahlbar  an die Klägerin.
4. Es sei festzustellen, dass die Parteien einander für die Dauer des Scheidungsverfahrens keine persönlichen Unterhaltsbeiträge schulden.
5. Die Klägerin sei zu verpflichten, unverzüglich alle nötigen  vorzunehmen, um den gemeinsamen Kindern den  während ihrer Aufenthaltsdauer in der Schweiz zu , unter Androhung einer angemessenen Strafe nach Art. 292 StGB bei Nichtbeachtung der gerichtlichen Weisung.
6. Es seien die Parteien mangels Einigung anlässlich der heutigen Verhandlung gestützt auf Art. 297 Abs. 2 ZPO dazu anzuhalten, die strittigen Kinderbelange mittels Mediation einer Lösung  und es sei nötigenfalls gestützt auf Art. 307 ZGB als Kindesschutzmassnahme eine Mediation anzuordnen. Das  sei für die Dauer der Mediation zu sistieren.
7. Die von der Klägerin gestellten Anträge seien abzuweisen, soweit sie nicht mit den vorliegenden Anträgen übereinstimmen.
8. Es sei dem Beklagten die unentgeltliche Rechtspflege zu  und in der Person des Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
9. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich MwSt.) zulasten der Klägerin.
an der Verhandlung vom 30. Januar 2020 modifizierter Hauptantrag des Beklagten (Prot. I S. 20): Die Kinder C._ und D._ seien für die Dauer des Verfahrens unter die alleinige Obhut des Beklagten zu stellen.
an der Verhandlung vom 27. Februar 2020 neu gestellter Antrag des Beklagten (Prot. I S. 47): Die beim Gericht deponierten Pässe der Kinder seien den Parteien für die Dauer des Verfahrens nicht herauszugeben.
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Verfügung des Bezirksgerichts Hinwil, Einzelgericht, vom 19. März 2020: (Urk. 13/39 S. 47 ff. = Urk. 2 S. 47 ff.)
1. Der Antrag der Klägerin auf Verlegung des Wohnsitzes der Kinder nach F._ wird abgewiesen.
2. Die Kinder C._, geboren tt.mm.2006, und D._, geboren tt.mm.2011, werden ab sofort für die Dauer des Scheidungsverfahrens unter die Obhut des Beklagten gestellt.
3. Der Klägerin wird die Weisung erteilt, sämtliche notwendigen Handlungen vorzunehmen, um den Kindern C._ und D._ den Schulbesuch in der Schweiz für die Dauer des Verfahrens zu ermöglichen. Im Unterlassungsfall kann die Klägerin wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung gemäss Art. 292 StGB bestraft werden.
4. Dem Beklagten werden nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist  diese Dispositiv-Ziffer die Pässe der Kinder auf erstes Verlangen .
5. Die Klägerin wird während ihrer Aufenthaltsdauer in der Schweiz für  und verpflichtet erklärt, die Kinder C._ und D._ während der Dauer des Scheidungsverfahrens auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
− am Mittwochnachmittag nach Schulschluss bis 19.00 Uhr; − jedes zweite Wochenende von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag,
19.00 Uhr, und an den anderen Wochenenden von Samstag 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr;
− während der Hälfte der Schulferien der Kinder, wobei die Aufteilung der Ferien und die übrigen Modalitäten zwischen den Parteien frühzeitig  sind. Können sich die Parteien nicht einigen, so kommt der Klägerin in Jahren mit gerader Jahreszahl das Entscheidungsrecht  der Aufteilung der Ferien zu; dem Beklagten in Jahren mit  Jahreszahl.
Während der Aufenthaltsdauer der Klägerin in F._ wird sie für  erklärt, die Kinder C._ und D._ für die Dauer des  auf eigene Kosten während der Hälfte der Schulferien der Kinder zu betreuen, wobei die Parteien verpflichtet werden, die Aufteilung der  und die übrigen Modalitäten 2 Monate im Voraus abzusprechen. Können sich die Parteien nicht einigen, so kommt der Klägerin in Jahren mit gerader Jahreszahl das Entscheidungsrecht bezüglich der Aufteilung der Ferien zu; dem Beklagten in Jahren mit ungerader Jahreszahl. Im Übrigen sind die Parteien berechtigt, ein abweichendes oder  Betreuungs- bzw. Ferienrecht unter altersgemässer Mitsprache der Kinder von Mal zu Mal unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und des Wohls aller Beteiligten gegenseitig zu vereinbaren.
6. Der Beklagte wird verpflichtet, für die Kinder C._ und D._ für den Monat Dezember 2019 je einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 320.15 (davon
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Fr. 100.– Betreuungsunterhalt) zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder  Familienzulagen zu bezahlen. Für die Monate Januar bis März 2020 wird festgestellt, dass der Beklagte mangels finanzieller Leistungsfähigkeit nicht in der Lage ist,  zu bezahlen. Ab April 2020 für die weitere Dauer des Verfahrens wird festgestellt, dass die Klägerin mangels Leistungsfähigkeit nicht in der Lage ist,  für C._ und D._ zu bezahlen. Es wird festgestellt, dass mit den festgelegten Kinderunterhaltsbeiträgen der gebührende Bedarf der Kinder nicht gedeckt ist. Zur Deckung des  Bedarfs fehlen monatlich die folgenden Beträge:
− 1.1.20 bis 31.3.20 Fr. 1'250.– für C._ (davon Fr. 550.– );
Fr. 1'050.– für D._ (davon Fr. 550.– )
− 1.4.20 bis 30.6.20 Fr. 1'683.50 für C._ (davon Fr. 958.50 Betreuungsunterhalt);
Fr. 1'483.50 für D._ (davon Fr. 958.50 Betreuungsunterhalt)
− ab 1.7.20 Fr. 954.50 für C._ (davon Fr. 59.50 );
Fr. 874.50 für D._ (davon Fr. 59.50 ).
Vermögen: nicht relevant für die Unterhaltsberechnung 7. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für den Monat Dezember 2019
einen persönlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'563.65 zu bezahlen. Es wird festgestellt, dass der Beklagte von Januar 2020 bis März 2020 man-
gels Leistungsfähigkeit nicht in der Lage ist, persönliche Unterhaltsbeiträge zu bezahlen. Es wird festgestellt, dass sich die Parteien ab April 2020 keine persönliche Unterhaltsbeiträge schulden.
8. Diesem Entscheid liegen folgende finanzielle Verhältnisse zugrunde: Einkommen netto pro Monat:
− Klägerin: Fr. 0.– bis 30. Juni 2020; Fr. 2'350.– ab 1. Juli 2020 während ihrer Aufenthalts-
dauer in der Schweiz für die Dauer des  (hypothetisch);
Fr. 840.– ab 1. Juli 2020 während ihrer  in F._ für die Dauer des  (hypothetisch).
− Beklagter: Fr. 6'846.60 vom 1. Dezember bis 31. Dezember 2019
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Fr. 0.– ab 1. Januar 2020 bis 30. Juni 2020; Fr. 2'600.– ab 1. Juli 2020 für die restliche Dauer des
Verfahrens (hypothetisch). Einkommen Kinder: je Fr. 200.– Kinderzulagen Vermögen: nicht relevant für die Unterhaltsberechnung.
9. Den Parteien wird je die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt. 10. Der Klägerin wird Rechtsanwalt Dr. iur. X._ als unentgeltlicher Rechts-
beistand bestellt. 11. Dem Beklagten wird Rechtsanwalt MLaw Y._ als unentgeltlicher
Rechtsbeistand bestellt. 12. Im Übrigen werden die Anträge der Parteien abgewiesen. 13. Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen wird im Endentscheid befun-
den. 14. [Schriftliche Mitteilung] 15. [Rechtsmittelbelehrung: Berufung, Frist 10 Tage, ohne Stillstand]
Berufungsanträge:
der Klägerin und Berufungsklägerin (Urk. 5 S. 2 f.): "1. Die Ziff. 2-8 der Verfügung der Vorinstanz vom 19. März 2020 sei-
en aufzuheben und wie folgt zu ersetzen: Die Kinder C._, geboren tt.mm.2006, und D._, geboren
tt.mm.2011, werden für die Dauer des Scheidungsverfahrens  die Obhut der Klägerin gestellt.
Ziff. 3 gestrichen Der Klägerin werden nach Eintritt der Rechtskraft des obergericht-
lichen Urteils die Pässe der Kinder auf erstes Verlangen .
Der Beklagte wird für berechtigt und verpflichtet erklärt, die Kinder C._ und D._ während der Dauer des  auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
Jedes zweite Wochenende von Freitag Abend 18.00 Uhr bis Sonntag 19.00 Uhr sowie während der Hälfte der Schulferien der Kinder, wobei die Aufteilung der Ferien und die übrigen  zwischen Parteien frühzeitig abzusprechen sind. Können sich die Parteien nicht einigen, so kommt dem Beklagten in Jahren mit gerader Jahreszahl das Entscheidungsrecht bezüglich der  der Ferien zu, der Klägerin in den Jahren mit ungerader .
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Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin während des  für die Pflege und Erziehung der Kinder  monatliche Unterhaltsbeiträge, zuzüglich Kinderzulagen, zu bezahlen, zahlbar im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats:
C._ Dezember 2019: Fr. 320.15 Januar bis Dezember 2020: Fr. 500.– Ab Januar 2021: Fr. 650.– D._ Dezember 2019: Fr. 320.15
Januar bis April 2020: Fr. 2'288.– (davon Fr. 1'888.– )
Mai bis Dezember 2020: Fr. 2'221.– (davon Fr. 1'821.– )
Ab Januar 2021: Fr. 1'407.– (davon Fr. 907.– )
Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin während des  Unterhaltsbeiträge wie folgt zu bezahlen:
Klägerin: Dezember 2019: Fr. 1'563.65 Ab Januar 2021: Fr. 500.–
Einkommen der Klägerin bis Dezember 2020: Fr. 0.– Einkommen der Klägerin ab Januar 2021: Fr. 2'068.– Einkommen des Beklagten Januar bis April 2020: Fr. 4'805.–
(ALE) Einkommen des Beklagten ab Mai 2020: Fr. 5'200.– Einkommen Kinder: Fr. 200.– / Fr. 250.– Kinderzulage.
Der Beklagte sei ausserdem zu verpflichten, die Kinderzulage für E'._ [recte: E._] an die Klägerin weiterzuleiten, solange er sie bezieht.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt.) zu Lasten des Beklagten.
3. Der Beklagten [recte: Klägerin] sei die unentgeltliche  und Verbeiständung für das obergerichtliche Verfahren zu  und ihr in der Person des Unterzeichnenden ein  Rechtsbeistand beizugeben.
4. Es sei der Berufung die aufschiebende Wirkung zu gewähren."
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des Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 24 S. 2): " 1. Es sei die Berufung der Berufungsklägerin vollumfänglich abzu-
weisen und der Entscheid des BG Hinwil vom 19. März 2020 zu bestätigen.
2. Es sei dem Berufungsbeklagten für das obergerichtliche  weiterhin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und in meiner Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWSt zulasten der Berufungsklägerin."

Erwägungen:
I.
1. Die Parteien heirateten am tt. Mai 2006. Sie sind Eltern der Kinder
C._, geboren am tt.mm.2006, und D._, geboren am tt.mm.2011. Im Jahr
2014 erfolgte die Scheidung und unmittelbar nach der Geburt des nicht gemein-
samen Kindes E._ (am tt.mm.2015) heirateten sie (am tt. April 2015) wieder.
Die Parteien sind beide Weltenbummler mit Schwerpunkt F._. Seit April 2016
leben sie wieder getrennt, wobei sie während dieser Phase teilweise gemeinsam
und teilweise getrennt an verschiedenen Orten auf der Welt wohnten (Urk. 13/1
S. 6 f.; Urk. 13/28 S. 4).
2. Am 16. Dezember 2019 machte die Klägerin und Berufungsklägerin
(fortan Klägerin) vor Vorinstanz ein Scheidungsverfahren anhängig und stellte
gleichzeitig die obgenannten Anträge zur Anordnung superprovisorischer bzw.
vorsorglicher Massnahmen für die Dauer des Scheidungsverfahrens (Urk. 13/1).
Nachdem die Vorinstanz dem superprovisorischen Antrag mit Verfügung vom
19. Dezember 2019 stattgegeben hatte (Urk. 13/7), hinterlegte der Beklagte und
Berufungsbeklagte (fortan Beklagter) die Pässe der Kinder bei der Vorinstanz
(vgl. Urk. 13/14). Nach Durchführung zweier Verhandlungen (vgl. Prot. I S. 9 ff.
und S. 25 ff.) und einer Kinderanhörung (vgl. Urk. 13/33) erliess die Vorinstanz
am 19. März 2020 den eingangs wiedergegebenen Massnahmenentscheid
(Urk. 13/39 = Urk. 2; zum detaillierten vorinstanzlichen Prozessverlauf vgl. Urk. 2
E. I S. 5 f.).
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3. Dagegen erhob die Klägerin mit Eingaben vom 29. April 2020 (Urk. 1)
und 7. Mai 2020 (Urk. 5) rechtzeitig (vgl. Urk. 13/40) Berufung mit den vorne zi-
tierten Berufungsanträgen. Das klägerische Gesuch um Erteilung der aufschie-
benden Wirkung wurde mit Präsidialverfügung vom 14. Mai 2020 abgewiesen
(Urk. 16). Auf die dagegen erhobene Beschwerde der Klägerin trat das Bundes-
gericht mit Urteil vom 19. Mai 2020 nicht ein (Urk. 20 [unbegründete Fassung];
Urk. 21 [begründete Fassung]). Mit Abänderungsbegehren vom 20. Mai 2020 be-
antragte die Klägerin, es sei unter Berücksichtigung der veränderten Verhältnisse
erneut über ihren Antrag um Aufschub der Vollstreckung zu entscheiden
(Urk. 17). Dieses Begehren wurde mit Präsidialverfügung vom 28. Mai 2020 ab-
gewiesen (Urk. 22). Mit Eingabe vom 19. Juni 2020 erstattete der Beklagte fristge-
recht (vgl. Urk. 23) seine Berufungsantwort (Urk. 24). Dazu liess sich die Klägerin
mit Eingabe vom 23. Juli 2020 innert erstreckter Frist (vgl. Urk. 27; Urk. 28) ver-
nehmen (Urk. 29). Das Doppel dieser Eingabe wurde dem Beklagten zur Kenntnis
zugestellt (Prot. II S. 10). Weitere Eingaben der Parteien folgten nicht.
4. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 13/1-40). Das
Verfahren erweist sich als spruchreif.
II.
1. Prozessuale Vorbemerkungen
1.1 Betreffend die summarische Natur des vorliegenden Massnahmenver-
fahrens und insbesondere das Erfordernis der blossen Glaubhaftmachung der
rechtserheblichen Tatsachen kann vorweg auf die zutreffenden Ausführungen im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 2 E. II S. 6 f.).
1.2 Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine un-
richtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO).
Die Berufungsinstanz verfügt über eine vollständige Überprüfungsbefugnis der
Streitsache, mithin über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfra-
gen, einschliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung (Angemessenheits-
prüfung; BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.1). In der schriftlichen Beru-
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fungsbegründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwie-
fern der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft
zu betrachten ist bzw. an einem der genannten Fehler leidet (BGE 142 I 93 E. 8.2;
138 III 374 E. 4.3.1). Die Berufungsinstanz hat sich – abgesehen von offensichtli-
chen Mängeln – grundsätzlich auf die Beurteilung der Beanstandungen zu be-
schränken, die in der Berufungsschrift in rechtsgenügender Weise erhoben wer-
den (vgl. BGE 142 III 413 E. 2.2.4). In diesem Rahmen ist insoweit auf die Partei-
vorbringen einzugehen, als dies für die Entscheidfindung erforderlich ist (vgl.
BGE 134 I 83 E. 4.1).
1.3 Im Berufungsverfahren sind neue Vorbringen grundsätzlich nur noch
unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig. Art. 296 ZPO sta-
tuiert für Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten – wie sie vorlie-
gend zu beurteilen sind – den Untersuchungs- und Offizialgrundsatz, weshalb das
Gericht in diesem Bereich den Sachverhalt von Amtes wegen erforscht und ohne
Bindung an die Parteianträge entscheidet. In Verfahren, welche der umfassenden
Untersuchungsmaxime unterstehen, können die Parteien auch im Berufungsver-
fahren neue Tatsachen und Beweismittel unbeschränkt vorbringen. Die Bestim-
mung von Art. 317 Abs. 1 ZPO gilt somit nicht für Verfahren, in welchen Kinderbe-
lange zu beurteilen sind (BGE 144 III 349 E. 4.2.1).
2. Prozessgegenstand
Die Klägerin verlangt mit ihrer Berufung die Aufhebung der Dispositiv-
Ziffern 2-8 der vorinstanzlichen Verfügung und wehrt sich gegen sämtliche An-
ordnungen betreffend Kinderbelange, ausgenommen die Nichtgenehmigung des
Auslandwegzugs, sowie gegen den vorinstanzlichen Entscheid betreffend Ehegat-
tenunterhalt. Die Berufung hemmt die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit des
angefochtenen Entscheids im Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Die
Dispositiv-Ziffern 1 und 9-11 der vorinstanzlichen Verfügung blieben unangefoch-
ten und sind damit in Rechtskraft erwachsen. Dies ist vorzumerken.
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III.
A. OBHUT
1. Vorinstanzlicher Entscheid betr. Aufenthaltsortswechsel / Obhut
1.1 Ausgehend von den Anträgen und Vorbringen der Parteien prüfte die
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zunächst, ob der Klägerin im Sinne von
Art. 301a Abs. 2 ZGB genehmigt werden kann, mit den Kindern nach F._
wegzuziehen. Wie bereits erwähnt (vgl. oben E. II.2.1), blieb der diesbezügliche
Entscheid der Vorinstanz im Berufungsverfahren unangefochten. Da die Frage
der Genehmigung der Veränderung des Aufenthaltsortes der Kinder im Wesentli-
chen anhand derselben Kriterien zu beurteilen ist, welche bei der Obhutszuteilung
im Trennungs- bzw. Scheidungsfall heranzuziehen sind (nämlich persönliche Be-
ziehungen zwischen Eltern und Kindern; erzieherische Fähigkeiten und Bin-
dungstoleranz der Eltern; Bereitschaft, die Kinder in eigener Obhut zu haben und
sie weitgehend persönlich zu betreuen; Gewährleistung der notwendigen Stabilität
der Verhältnisse, um den Kindern eine harmonischen Entfaltung in körperlicher,
seelischer und geistiger Hinsicht zu ermöglichen; vgl. BGE 142 III 481 E. 2.7, sie-
he auch Urk. 2 E. III.5.2 ff. S. 10 ff.), und die Obhut im Berufungsverfahren nach
wie vor streitig ist, ist im Folgenden dennoch auch auf die diesbezüglichen Erwä-
gungen der Vorinstanz einzugehen.
1.2 Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, dass sich die Kinder seit April
2019 in der Schweiz aufhielten, jedoch bis zur längeren Abwesenheit der Klägerin
im Oktober/November 2019 nicht angemeldet worden und somit auch nicht schul-
pflichtig gewesen seien. Der Beklagte habe die Kinder alsdann während des Aus-
landaufenthalts der Klägerin ohne deren Zustimmung bei der Gemeinde
G._ ZH angemeldet. Bevor die Kinder mit der Klägerin in die Schweiz ge-
kommen seien, hätten sie mit ihr in einer Wohnung in F._ gewohnt und dort
auch eine Schule besucht. Seit ihrem rund einjährigen Aufenthalt in der Schweiz
seien die Kinder nicht zur Schule gegangen, sondern von der Klägerin von zu
Hause aus unterrichtet worden.
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Die Erziehungsfähigkeit beider Parteien sei von der jeweiligen Gegenpartei
nicht bestritten worden. Es sei festzuhalten, dass sich beide Elternteile sehr um
ihre Kinder bemühten und versuchten, ihnen ein liebevolles, fürsorgliches und
förderndes Umfeld zu bieten.
Um zu beurteilen, ob es zum besseren Wohl der Kinder sei, mit der Klägerin
nach F._ zu ziehen oder beim Beklagten in der Schweiz zu bleiben, seien die
Konturen der von den Parteien aufgestellten – künftigen – Betreuungskonzepte
näher zu beleuchten. Das Betreuungskonzept der Klägerin sehe vor, dass die
Kinder jeweils von August/September bis Ende Juni des Folgejahres eine Privat-
schule in F._ besuchen würden. Der Unterricht dauere dabei jeweils von
Montag bis Freitag von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr, bei einem Schulweg von etwa
einer Stunde. Die Klägerin würde in der Zeit, in welcher die Kinder die Schule be-
suchten, einer Stelle als Geschäftsführerin eines Restaurants in H._ [Stadt in
F._] nachgehen. Dies sei ihr aber lediglich möglich, wenn die Kinder in eine
Privatschule gehen könnten. Während der schulfreien Zeit von Juli bis Ende Au-
gust wären die Kinder wohl jeweils in der Schweiz oder würden andere Freunde in
Asien besuchen. Die Kinder und die Klägerin würden zudem in einer von der Klä-
gerin bereits gemieteten Wohnung wohnen. Die Klägerin sei denn auch darum
bemüht, dass die Wohnung nicht verloren gehe. Auch das Betreuungskonzept
des Beklagten sehe vor, dass die Kinder in einer Tagesschule betreut würden.
Der Beklagte wolle die Kinder in die ...-schule in G._ ZH schicken; die monat-
lich dafür zu bezahlenden Fr. 600.– sollten – seiner Ansicht nach – im Rahmen
des Finanzierbaren liegen. Im Weiteren sei die Betreuung der Kinder durch seine
Mutter sichergestellt, welche lediglich fünf Minuten von ihm entfernt wohne. Die
Kinder würden mit ihm in seiner momentan gemieteten 3.5-Zimmerwohnung in
G._ ZH wohnen. Auch habe er eine Arbeit in Aussicht, welche er voraus-
sichtlich im Mai 2020 aufnehmen könne. Dabei handle es sich jedoch nicht um ei-
ne dauerhafte Joblösung, da es eine Stelle in der Eventbranche sei und die
Events nur während einer gewissen Zeit stattfinden würden. Grundsätzlich wären
wohl die Betreuungskonzepte beider Parteien mit dem Kindeswohl vereinbar. Der
Eigenbetreuung durch die Eltern käme in beiden Konzepten etwa derselbe Stel-
lenwert zu, die Konzepte seien sich insofern sehr ähnlich. Das Betreuungskon-
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zept des Beklagten biete jedoch den Vorteil, dass die Schule in kürzerer Distanz
zum Wohnort der Kinder liegen würde und seine Mutter einen Teil der Kinderbe-
treuung übernehmen könnte.
Bezüglich dem bisherigen Betreuungskonzept hätten die Parteien unter-
schiedliche Ausführungen gemacht. Die Klägerin stelle sich auf den Standpunkt,
dass seit der Trennung im Jahr 2016 sie die Inhaberin der faktischen Obhut ge-
wesen sei und die Hauptbetreuungslast getragen habe, wohingegen der Beklagte
die Kinder lediglich dann gesehen habe, wenn er zusammen mit der Klägerin und
den Kindern in F._ gewesen sei. Der Beklagte sei demgegenüber der An-
sicht, die Parteien hätten ein Lebensmodell mit wechselnden Aufenthalten gelebt.
Aufschlussreich in diesem Zusammenhang – so die Vorinstanz im Weiteren –
seien insbesondere die Ausführungen der älteren Tochter C._ anlässlich der
Kinderanhörung. C._ habe festgehalten, dass sie und D._ mehrheitlich
von beiden Parteien betreut worden seien, sofern der Beklagte sich am gleichen
Ort wie die Klägerin aufgehalten habe. Während der Abwesenheiten des Beklag-
ten sei es die Klägerin gewesen, welche die Hauptbetreuung der Kinder über-
nommen habe. Es sei demnach davon auszugehen, dass die Klägerin – abgese-
hen von ihrer Reise im Oktober bis etwa Mitte November 2019 nach I._
[Staat in Asien] und F._ – stets zugegen und die Hauptbezugsperson der
Kinder gewesen sei, dass aber auch der Beklagte sich sehr um die Kinder ge-
kümmert habe und genauso zu einem grossen Teil die Betreuung der Kinder
(mit)übernommen habe. Da auch der Beklagte stets eine enge Bezugsperson der
Kinder gewesen sei, scheine der Umstand, dass die Klägerin bis anhin die Haupt-
betreuung übernommen habe, für den Entscheid betreffend künftigem Aufent-
haltsort der Kinder nicht alleine ausschlaggebend zu sein.
Unter dem Gesichtspunkt der Stabilität der Verhältnisse sei darauf hinzuwei-
sen, dass bei der Wahl des künftigen Aufenthaltsortes der Kinder angesichts de-
ren Alters grundsätzlich nicht nur personen-, sondern auch umgebungsbezogene
Komponenten beizuziehen wären. Vorliegend bestehe jedoch die Problematik,
dass sich die Kinder zwar seit einem Jahr in der Schweiz aufhielten, sie während
dieser Zeit aber nicht in die Schule gegangen, sondern von der Klägerin von zu
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Hause aus unterrichtet worden seien. Ein soziales Umfeld hätten sie entspre-
chend in der Schweiz bis anhin nicht aufbauen können. An einem solchen fehle
es aber auch in F._, seien die Kinder doch seit einem Jahr nicht mehr dort
gewesen. Demgemäss mangle es sowohl in F._ als auch in der Schweiz –
abgesehen von den Familien der Parteien und der Freundin bzw. Familie, bei
welcher die Klägerin und die Kinder wohnten – an einer sozialen Integration.
Grundsätzlich seien zwar beide Parteien darum bemüht, den Kindern ein stabiles
Umfeld zu bieten. Die Klägerin wolle nach F._ zurückkehren, damit die Kin-
der dort in die Schule gehen könnten und sie selber einer Erwerbstätigkeit als
Restaurantmanagerin nachgehen und sich zu einem späteren Zeitpunkt selbstän-
dig machen könnte. Der Beklagte sehe demgegenüber die Schweiz und F._
als gleichwertige Wohnorte an, da die Kinder sich an beiden Orten regelmässig
aufgehalten hätten. Zudem schliesse er nicht aus, in Zukunft in H._ leben zu
wollen, zumal es seine erste Priorität sei, bei seinen Kindern zu sein und Zeit mit
ihnen verbringen zu können. Dem Beklagten sei es allerdings ein Anliegen, dass
die künftige Betreuung geregelt, eine nachhaltige Finanzierung des Lebensmo-
dells sowie die Beschulung der Kinder sichergestellt sei. Die zukünftige Finanzie-
rung der Familie sei denn auch der grösste Streitpunkt zwischen den Parteien.
Die Klägerin sei der Ansicht, die Privatschule der Kinder und der übrige Bedarf
der Familie sei vom Beklagten von der Schweiz aus zu finanzieren. Gemäss ei-
genen Angaben wäre sie mit ihrem Job in F._ nämlich nicht in der Lage, den
Bedarf der Familie zu decken. Entsprechend wäre der Aufenthalt in F._ von
der Finanzierung durch den Beklagten (aus der Schweiz) abhängig. Die Erwerbs-
situation des Beklagten sei jedoch unsicher, zumal er in der Schweiz hauptsäch-
lich im Gastronomiebereich tätig gewesen sei und im Winter weniger gute Er-
werbsaussichten habe. Der Beklagte verfüge lediglich über eine Ausbildung als
Yogalehrer. In diesem Beruf sei es ihm kaum möglich, in einem Vollzeitpensum
zu arbeiten. Das Betreuungskonzept der Klägerin bringe demnach den Nachteil
mit sich, dass es grösstenteils von der finanziellen Leistungsfähigkeit des Beklag-
ten abhänge und darüber hinaus in F._ wohl keine sozialen und familiären
Absicherungen vorhanden wären. Ausserdem sei zu berücksichtigen, dass die
Klägerin momentan – gemäss eigenen Angaben – sicherstellen müsse, dass ihre
- 16 -
Wohnung in F._ nicht verloren gehe. Demgegenüber beabsichtige der Be-
klagte, vorläufig in G._ ZH zu bleiben. Der Vorteil bei einem Wohnsitz in der
Schweiz sei sicherlich, dass – selbst wenn die Familienfinanzierung durch die
Parteien nicht sichergestellt werden könnte – ein Auffangnetz in Form von Sozial-
hilfe vorhanden wäre. Zudem könne der Beklagte bei der Kinderbetreuung auf die
Unterstützung seiner Mutter zählen, an welche die Kinder bereits gewöhnt seien.
Angesichts all dieser Umstände entspreche es somit eher dem Kindeswohl, wenn
die Kinder für die Dauer des Verfahrens in der Schweiz lebten. Der Klägerin sei
daher die beantragte Wegzugsbewilligung nicht zu erteilen (vgl. zum Ganzen Urk. 2 E. III S. 7-21)
1.3 Im Rahmen ihres Entscheids betreffend Obhut erwog die Vorinstanz im Weiteren, dass zwar im Falle einer Verweigerung der Wegzugsbewilligung
nicht mehr die gedankliche Hypothese gelten könne, dass der wegzugswillige El-
ternteil auch tatsächlich wegziehe. Vorliegend habe die Klägerin jedoch ohne je-
den Vorbehalt klargestellt, dass sie sich keine Zukunft in der Schweiz vorstellen
könne und sie auch im Falle der Nichtgenehmigung des Wegzugs alleine mit
E._ zurück nach F._ gehen werde. Sie habe allerdings auch erklärt, den
Sommer 2020 in der Schweiz verbringen zu wollen, damit sie Geld für sich und ih-
re Kinder verdienen könne. Denkbar wäre demnach auch, dass die Kinder wäh-
rend des Aufenthalts der Klägerin in der Schweiz durch diese betreut bzw. unter
ihre Obhut gestellt würden. Zu berücksichtigen sei aber, dass die Klägerin den
Kindern keine optimale Wohn- und Schlafsituation bieten könne, da sie mit ihnen
bei einer Bekannten im Wohnzimmer lebe und auf der Couch übernachte und
auch in Zukunft nicht vor habe, sich in der Schweiz eine eigene Wohnung zu su-
chen. Der Beklagte hingegen sei in G._ ZH angemeldet und habe dort eine
3.5-Zimmerwohnung angemietet, welche genügend Platz für die Kinder biete. Da
die Kinder im Falle des Auslandswegzugs der Klägerin aufgrund der verweigerten
Wegzugsbewilligung ohnehin unter die Obhut des Beklagten gestellt werden
müssten, erscheine es am zielführendsten und dem Kindeswohl am ehesten ent-
sprechend, wenn diese für die Dauer des Verfahrens unter die Obhut des Beklag-
ten gestellt würden. Damit könne auch schnellstmöglich eine Integration der Kin-
der in den Schulbetrieb stattfinden, was bisher nicht hätte umgesetzt werden kön-
- 17 -
nen. Entsprechend seien die Kinder C._ und D._ ab sofort und für die
Dauer des Verfahrens unter die Obhut des Beklagten zu stellen (Urk. 2 E. IV.1
S. 21 f.).
2. Vorbringen der Klägerin im Berufungsverfahren
2.1 Die Klägerin macht im Rahmen ihrer Berufungsschrift vom 7. Mai 2020
geltend, seit dem vorinstanzlichen Entscheid vom 19. März 2020 hätten sich di-
verse Umstände geändert: Mittlerweile sei es wegen der Corona-Pandemie nicht
mehr möglich, nach F._ zu reisen. Durch den Zeitablauf sei die Stelle im
Restaurant in F._, für welche die Klägerin für die Saison 2019/2020 zugesagt
habe, ausgelaufen. Auch sei es unwahrscheinlich, dass sie diese Stelle in der
nächsten Saison 2020/2021 ausüben könne, zumal das Restaurant auf Touristen
ausgerichtet sei und F._ wohl bis 2021 von sehr viel weniger Touristen be-
sucht werde. Auch dies sei ein Grund, weshalb die Klägerin nicht nach F._
zurückkehren könne. Sie habe ihre Pläne entsprechend ändern und sich ent-
scheiden müssen, in der Schweiz zu bleiben. Daher habe sie auch auf eine An-
fechtung der Dispositiv-Ziffer 1 der vorinstanzlichen Verfügung verzichtet. Des
Weiteren habe sie sich und die Kinder mittlerweile bei der Einwohnerkontrolle in
Zürich und beim Sozialamt angemeldet. Auch sei sie dabei, die Kinder für die
Schule anzumelden. In den letzten zwei Monaten hätten die Kinder wegen den
corona-bedingten Schulschliessungen ohnehin nicht zur Schule gehen können.
Im verbleibenden Rest des Schuljahres würden die Kinder jedoch die öffentliche
Schule besuchen.
Der vorinstanzliche Obhutsentscheid beruhe auf einer falschen Prämisse –
dem Wegzug der Klägerin nach F._. Nunmehr sei der Zuteilungsentscheid
unter Berücksichtigung des Verbleibens der Klägerin in der Schweiz zu fällen. Wie
die Vorinstanz richtig festgestellt habe, sei die Klägerin die Hauptbezugs- und
Hauptbetreuungsperson der Kinder, bei welcher die Kinder – mit Ausnahme einer
sechswöchigen Phase im Herbst 2019 – immer gelebt hätten. Unrichtig sei dem-
gegenüber, dass der Beklagte sich substantiell an der Kinderbetreuung beteiligt
habe. Diesbezüglich habe er im letzten Jahr kein grosses Engagement gezeigt,
habe er doch monatelang in "unmittelbarer Nachbarschaft der Klägerin" gearbei-
- 18 -
tet, es aber nie für nötig befunden, zu den Kindern zu kommen. Die tägliche Er-
ziehungsarbeit habe er der Klägerin überlassen. Die Klägerin sei bereit und in der
Lage, die Kinder persönlich zu betreuen. Demgegenüber beginne der Beklagte im
Mai 2020 gemäss eigenen Angaben Vollzeit zu arbeiten und stehe demnach nicht
für die persönliche Betreuung der Kinder zur Verfügung. Zwar befinde sich die
Klägerin (wie im Übrigen auch der Beklagte) in einer schweren Beziehungskrise,
trotzdem sei sie in jeder Hinsicht erziehungsfähig und könne die Kinder bestens
und weitgehend alleine betreuen. Der Beklagte sei ein regelmässiger LSD-
Konsument, was die Kinder in F._ mitbekommen hätten. Es sei klar, dass die
Betreuung der Kinder unter Einfluss von LSD nicht möglich sei. Bedeutend sei im
Weiteren, dass die Zuteilung der Obhut über C._ und D._ an den Be-
klagten zu einer Trennung von ihrer Halbschwester E._ führen würde. Aus-
serdem seien die äusseren Umstände bei der Klägerin nunmehr mindestens
gleich gut, wie diejenigen beim Beklagten, zumal sie jetzt in einer 3.5-
Zimmerwohnung (in Zürich) wohne und in Zukunft vom Sozialamt unterstützt wer-
de. Die Gründe für die Zusprechung der Obhut an den Beklagten seien demnach
weggefallen, womit wieder das Element im Vordergrund stehe, dass die Kinder
unter die Obhut der Hauptbezugsperson zu stellen seien. Das Prinzip der Stabili-
tät gebiete, dass die Kinder wie bisher von der Klägerin betreut würden (Urk. 5
S. 5-9).
2.2 In ihrer Stellungnahme vom 23. Juli 2020 bringt die Klägerin im Weite-
ren vor, sie habe sich an ihrem neuen Wohnort in J._ mittlerweile gut einge-
richtet. Sie könne den Kindern dort langfristig eine angemessene Unterkunft bie-
ten und den Schulbesuch ermöglichen. Ihr neuer Wohnort sei nicht "entlegen".
Zudem seien die Schulen in Obwalden wohl nicht schlechter als diejenigen in Zü-
rich. Entgegen der Ansicht des Beklagten könnten die Kinder nicht nur im Kanton
Zürich "richtig aufwachsen". Die "Situation" beim Beklagten sei weder dauerhaft
noch bewährt und auch nicht gefestigt, vielmehr müsse er seine Wohnung in
G._ ZH im Februar 2021 verlassen. Zudem laufe seine Arbeitslosenentschä-
digung im Juli 2021 aus. Die Gründe für den "Obhutsentzug" seien demnach
weggefallen, weshalb es die "Obhut der Klägerin wiederher[zu]stellen" gelte
(Urk. 29 S. 2 ff.).
- 19 -
3. Beurteilung
3.1 Das Vorbringen der Klägerin, der vorinstanzliche Obhutsentscheid be-
ruhe auf einer falschen Prämisse, erweist sich als unbegründet. Wie die zitierten
Erwägungen der Vorinstanz zeigen, wurde im angefochtenen Entscheid sehr wohl
auch geprüft, ob C._ und D._ für die Dauer des Aufenthalts der Klägerin
in der Schweiz unter ihre Obhut gestellt werden könnten. Diese Option wurde als-
dann aus Kindeswohlüberlegungen verworfen (vgl. oben E. III.1.3).
3.2 Soweit die Klägerin veränderte Umstände geltend macht, ist festzuhal-
ten, dass sich seit Erlass des vorinstanzlichen Massnahmenentscheids tatsäch-
lich einige Änderungen ergeben haben. Diese waren denn auch weitgehend be-
reits Gegenstand der Präsidialverfügungen vom 14. und 28. Mai 2020 betreffend
aufschiebende Wirkung (Urk. 16; Urk. 22). Im Einzelnen geht es dabei um Fol-
gendes:
Die Klägerin konnte Ende April 2020 vorübergehend bzw. befristet bis
31. Mai 2020 zur Untermiete in eine 3.5-Zimmer-Genossenschaftswohnung am
K._ ..., in ... Zürich ziehen, nachdem sie – gemäss eigenen Angaben – auf-
grund der Restriktionen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus beschlossen
hatte, vorläufig in der Schweiz zu bleiben sowie sich und die Kinder beim Kreisbü-
ro in Zürich anzumelden (Urk. 1 S. 4; Urk. 5 S. 4 f.; Urk. 7/3; siehe auch Urk. 16
S. 7 und S. 10). Schliesslich meldete sie sich dann am 11. Mai 2020 mit der Ad-
resse "c/o L._, K._ ..., ... Zürich" beim Personalmeldeamt der Stadt Zü-
rich an (Urk. 19/1) und erwirkte mit Datum vom 12. resp. 14. Mai 2020 bei der
Kreisschulbehörde M._ der Stadt Zürich für C._ und D._ Klassen-
zuteilungen mit Schulbeginn per 18. resp. 19. Mai 2020 (Urk. 19/6-7). Am
14./15. Mai 2020 erhielt die Klägerin von den Sozialbehörden der Stadt Zürich
wirtschaftliche Hilfe (Barauszahlung) und es wurde ihr Unterstützung bei der
Wohnungssuche zugesichert (Urk. 19/2-4). Gleichentags – am 15. Mai 2020 – un-
terzeichnete sie einen Untermietvertrag für zwei Zimmer in einem 6.5-Zimmer-
Haus in J._ mit Mietbeginn 1. Juni 2020 (Urk. 19/5; vgl. zum Ganzen auch
Urk. 22 S. 6 ff.). Gemäss eigenen Angaben hat sie sich dort in der Zwischenzeit
zusammen mit E._ eingerichtet (Urk. 29 S. 3).
- 20 -
Die Schulverwaltung der Stadt G._ bestätigte bereits mit Schreiben
vom 8. Mai 2020, dass C._ und D._ per 18. Mai 2020 in die Oberstufe
bzw. "Klasse 2a ..." der Schule G._ eingeteilt wurden (Urk. 12/5-8; Urk. 15B).
Davon hatte die Klägerin spätestens seit dem 10. Mai 2020 Kenntnis (Urk. 12/8;
siehe auch Urk. 22 S. 6).
Der Beklagte vermochte in der Zwischenzeit glaubhaft zu machen, dass er
in seiner seit November 2019 gemieteten 3.5-Zimmerwohnung an der N._-
strasse ... in G._ ZH noch bis am 28. Februar 2021 verbleiben kann
(Urk. 12/2; siehe auch Urk. 16 S. 11 und Urk. 22 S. 7). Seit 25. Februar 2020 ist
er zum Bezug von Arbeitslosenentschädigungen berechtigt; die Rahmenfrist läuft
bis 24. Februar 2022 (Urk. 12/3; siehe auch Urk. 12/4 und Urk. 26/3-4). Gemäss
eigenen Angaben sucht er eine Teilzeitstelle (Urk. 24 S. 11 und S. 14).
Seit der mit Verfügung vom 14. Mai 2020 verweigerten Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung leben die Kinder C._ und D._ unter der Obhut des
Beklagten in G._ ZH und besuchen dort die Schule (vgl. Urk. 22 S. 8). Aus
dem Kurzprotokoll des schulischen Standortgespräches vom 15. Juni 2020 geht
hervor, dass C._ sich in ihrer Klasse gut abgeholt und wohl fühlt; sie sei mo-
tiviert, kognitiv stark und habe ein sehr hohes Niveau. Da C._ nach Ein-
schätzung der Lehrperson ans Gymnasium gehöre, sei geplant, dass sie zum
Aufholen von Lücken in einzelnen Fächern die 1. Sek A wiederhole, damit ihr
dann der Übertritt ins Gymnasium gelingen könnte (vgl. Urk. 26/1). Mit dem Be-
klagten ist daher davon auszugehen, dass sich die Kinder mittlerweile sowohl
schulisch als auch sozial gut in G._ ZH integriert haben.
3.3 Auch unter Berücksichtigung all dieser Umstände ist es nach wie vor
zutreffend, dass der Beklagte den Kindern im Rahmen der vorsorglichen Mass-
nahmen während der Dauer des Scheidungsverfahrens die grössere Stabilität
bieten kann. Dies ergibt sich nicht nur daraus, dass die Kinder nun am Wohnort
des Beklagten eingeschult und sozial integriert sind, sondern insbesondere auch
aus dem Verhalten der Klägerin im Berufungsverfahren. Denn – wie bereits in der
Präsidialverfügung vom 28. Mai 2020 festgehalten wurde – zeigte ihr wider-
sprüchliches Verhalten in Bezug auf die Schulanmeldung in Zürich und den per
- 21 -
1. Juni 2020 geplanten Umzug nach J._, dass die zur Wahrung des Kindes-
wohls erforderliche Integration der Kinder in ein soziales und schulisches Umfeld
für sie weiterhin untergeordnete Bedeutung hat. Entsprechend vermochte sie
nicht glaubhaft zu machen, dass sie die Kinder im Falle einer Zuteilung der Obhut
an sie an ihrem neuen Wohnort sofort einschulen würde (vgl. Urk. 22 S. 6 f.). Hin-
zu kommt, dass nach wie vor Zweifel daran bestehen, dass die Klägerin länger-
fristig in der Schweiz verbleiben will (vgl. Urk. 22 S. 6 und S. 8). Dass sich an ih-
rem gefestigten Auswanderungswillen etwas geändert hat, ist weder angesichts
ihrer Ausführungen in der Berufungsschrift glaubhaft (so bereits Urk. 16 S. 9 f.),
noch lässt sich dies aus dem blossen Umstand ableiten, dass sie seit dem 1. Juni
2020 über einen unbefristeten Untermietvertrag verfügt (so bereits Urk. 22 S. 8).
Mangels näherer Begründung seitens der Klägerin ist zudem nicht nachvollzieh-
bar, weshalb sie sich im Berufungsverfahren – zu einem Zeitpunkt, als C._
und D._ bereits in G._ ZH wohnten und eingeschult waren – für einen
Umzug an einen den Kindern völlig unbekannten, in beachtlicher Distanz zum
Wohnort des Beklagten liegenden Ort entschied (vgl. dazu bereits Urk. 22 S. 8).
Zwar ist zu berücksichtigen, dass die erwerbs- und vermögenslose Klägerin wohl
nicht über eine unbeschränkte Auswahl an Wohnmöglichkeiten verfügte. Wie die
Klägerin jedoch selbst ausführte und belegte, wäre sie bei der Wohnungssuche
durch die Sozialbehörden der Stadt Zürich unterstützt worden (Urk. 17 S. 3;
Urk. 19/2). Dass es ihr nicht möglich oder zumutbar gewesen wäre, eine Woh-
nung im Grossraum Zürich/G._ ZH zu finden, wurde von der Klägerin mit
keinem Wort geltend gemacht, geschweige denn belegt. Mit ihrem Umzug in ei-
nen rund 100 Kilometer entfernten und mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer er-
reichbaren Ort nahm sie nicht nur eine Erschwerung des Besuchsrechts (vgl. da-
zu unten E. III.C.2) in Kauf, sondern verunmöglichte auch, dass C._ und
D._ unter der Woche ihre Halbschwester E._ treffen können. Wie der
Klägerin bewusst ist (vgl. Urk. 5 S. 8 f.), stellt die Trennung der Halbgeschwister
für alle drei Kinder eine schwere Belastung dar, zumal diese bis anhin immer zu-
sammen waren und ein enges Verhältnis zueinander haben. Ungeachtet dessen
ist die Klägerin mit E._ nach J._ gezogen und hat damit die Verwirkli-
chung ihrer eigenen Pläne über das Wohl der Kinder gestellt. Auch vor diesem
- 22 -
Hintergrund vermag sie mit den neu geschaffenen Verhältnissen nichts für ihren
Standpunkt zu gewinnen.
3.4 Auch die Argumentation der Klägerin, wonach bei ihrem Verbleib in der
Schweiz wieder das Element in der Vordergrund rücke, dass sie die Hauptbe-
zugsperson der Kinder sei, überzeugt bei der gegebenen Ausgangslage nicht. Be-
reits die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die
Kinder stets auch zum Beklagten eine enge Bindung hatten (und nach wie vor
haben). Dass die Kinder nach den Trennungen der Parteien jeweils weiterhin
mehrheitlich von beiden Parteien betreut wurden, sofern sich diese am gleichen
Ort aufgehalten haben, ergibt sich aus den glaubhaften Schilderungen der Kinder
anlässlich ihrer Anhörung vom 5. Februar 2020 (vgl. Urk. 13/33). Zudem ist unbe-
stritten, dass der Beklagte während dem sechswöchigen Auslandaufenthalt der
Klägerin (und E._s) im Herbst 2019 die Hauptverantwortung für C._ und
D._ übernahm (vgl. Urk. 13/28 S. 12; Prot. I S. 27). Es ist daher glaubhaft,
dass sich auch der Beklagte stets sehr um die Kinder gekümmert und einen sub-
stantiellen Beitrag an die Betreuungs- und Erziehungsarbeit geleistet hat (zu den
diesbezüglichen Ausführungen des Beklagten vgl. Urk. 13/28 S. 12 f. und Urk. 24
S. 4). Selbst wenn die Klägerin von April 2019 bis April 2020 insgesamt den grös-
seren Anteil der täglichen Betreuungs- und Erziehungsarbeit übernommen hat, ist
dies für die Frage der Obhut nicht alleine ausschlaggebend. Vielmehr tritt dieser
Umstand vorliegend in den Hintergrund, da die Kinder bereits vor ihrem Umzug
zum Beklagten im Frühling 2020 regelmässig, zeitweise auch während mehreren
Wochen alleine, von diesem betreut wurden (so bereits die Vorinstanz, vgl. Urk. 2
E. III.6.6.8 S. 21) und nunmehr auch problemlos dort integriert werden konnten.
3.5 Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, bestehen im Weiteren keine
Anhaltspunkte dafür, die Erziehungsfähigkeit einer Partei in Zweifel zu ziehen.
Daran vermögen auch die unsubstantiierten Ausführungen der Klägerin im Beru-
fungsverfahren (Urk. 5 Rz 38 S. 8) nichts zu ändern (so bereits Urk. 16 S. 9).
3.6 Wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, besteht demnach auch
unter Berücksichtigung der veränderten Umstände kein Anlass den vorinstanzli-
- 23 -
chen Obhutsentscheid zu ändern. Die Berufung erweist sich in diesem Punkt als
unbegründet und ist demnach abzuweisen.
B. WEISUNG BETR. SCHULBESUCH
Mit Dispositiv-Ziffer 3 der vorinstanzlichen Verfügung wurde der Klägerin –
strafbewehrt unter Hinweis auf Art. 292 StGB – die Weisung erteilt, sämtliche
notwendigen Handlungen vorzunehmen, um den Kindern C._ und D._
den Schulbesuch in der Schweiz für die Dauer des Verfahrens zu ermöglichen
(Urk. 2 S. 47; zur Begründung vgl. Urk. 2 E. V.2.3 S. 27). Diesbezüglich macht die
Klägerin im Berufungsverfahren ohne nähere Begründung geltend, sie sei der
entsprechenden Aufforderung bereits nachgekommen, weshalb Dispositiv-Ziffer 3
zufolge Gegenstandslosigkeit aufzuheben sei (Urk. 5 S. 7). Zwar konnte die Ein-
schulung der Kinder in G._ ZH mittlerweile umgesetzt werden (vgl. oben
E. III.A.3.2). Die Weisung wird dadurch jedoch nicht gegenstandslos, sondern hat
Gültigkeit für die gesamte Dauer des Scheidungsverfahrens. Wie die Ausführun-
gen in der Präsidialverfügung vom 28. Mai 2020 zeigen (Urk. 22 S. 6 f.), hat sich
die Klägerin auch im Berufungsverfahren nicht genügend um die zur Wahrung
des Kindeswohls erforderliche sofortige Integration der Kinder in den Schulbetrieb
bemüht. Zur Sicherstellung einer ordentlichen Beschulung der unter gemeinsamer
elterlicher Sorge stehenden Kinder erscheint die Weisung daher nach wie vor
notwendig. Die Dispositiv-Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung ist somit zu be-
stätigen.
C. BESUCHSRECHT / HERAUSGABE DER PÄSSE
1. Die Vorinstanz legte sowohl für die Aufenthaltsdauer der Klägerin in
der Schweiz wie auch für ihren künftigen Aufenthalt in F._ ein Besuchs- resp.
Betreuungsrecht der Klägerin fest (Urk. 2 E. IV.2-3.3 S. 22 ff.). Zudem verfügte
sie, dass die beim Gericht hinterlegten Pässe der Kinder dem Beklagten (nach
unbenutztem Ablauf der Rechtmittelfrist) auf erstes Verlangen herausgegeben
werden (Urk. 2 E. IV.3.4 S. 24).
- 24 -
2. Die Klägerin verlangt zwar die Aufhebung der vorinstanzlichen Be-
suchs- und Betreuungsregelung. Ihr diesbezüglicher Berufungsantrag ist aber an
die Gutheissung der Berufung betreffend Obhut gekoppelt (vgl. Urk. 5 S. 2), was
sich auch aus den Ausführungen in der Berufungsbegründung ergibt (vgl. Urk. 5
S. 10). Für den Fall der Bestätigung des vorinstanzlichen Obhutsentscheid ver-
langt die Klägerin demnach keine Änderung des vorinstanzlichen Entscheids.
Zwar ist aktenkundig und unbestritten, dass die Klägerin seit ihrem Umzug nach
J._ das ihr eingeräumte Besuchsrecht am Mittwochnachmittag nicht mehr
wahrnimmt bzw. wahrnehmen kann und die Kinder stattdessen offenbar jeweils
an drei Wochenenden pro Monat betreut (vgl. Urk. 24 S. 3; Urk. 26/2; Urk. 29
S. 3). Weder sie noch der Beklagte verlangen diesbezüglich jedoch eine Anpas-
sung der vorinstanzlichen Regelung. Da beide Parteien anwaltlich vertreten sind,
kann und darf davon ausgegangen werden, dass die Parteien entsprechende An-
träge gestellt hätten, falls noch weitere gerichtliche Anordnungen bzw. Anpassun-
gen nötig (gewesen) wären. Bei dieser Ausgangslage ist anzunehmen, dass sich
die Parteien über die Änderung bereits einigen konnten (vgl. dazu insb. Urk. 26/2)
und sich entsprechende Anpassungen im Berufungsverfahren erübrigen. Mithin
bleibt es auch in Bezug auf das Besuchsrecht beim vorinstanzlichen Entscheid.
3. Zu bestätigten ist im Weiteren die vorinstanzliche Anordnung in Bezug
auf die Pässe der Kinder (Dispositiv-Ziffer 4 der angefochtenen Verfügung), zumal
auch der diesbezügliche Berufungsantrag der Klägerin lediglich für den Fall der
Gutheissung der Berufung betreffend Obhut gestellt wurde (vgl. Urk. 5 S. 2 und
S. 10).
D. UNTERHALT
1. Ausgangslage
Die Vorinstanz legte ihrer Unterhaltsberechnung die folgenden drei Phasen
zu Grunde (Urk. 2 Dispositiv-Ziffern 6-8):
- Phase 1: Dezember 2019
- Phase 2: Januar bis März 2020
- Phase 3: ab April 2020 für die weitere Dauer des Verfahrens.
- 25 -
Dabei ging sie – wie gesehen – davon aus, dass die Kinder in den ersten
beiden Phasen unter der Obhut der Klägerin sowie ab April 2020 unter der Obhut
des Beklagten leben. Diese Ausgangslage besteht nach dem Gesagten auch im
Berufungsverfahren.
2. Phase 1 (Dezember 2019)
2.1 Für den Dezember 2019 ging die Vorinstanz auf Seiten des Beklagten
von einem Einkommen von Fr. 6'846.60 und einem Bedarf von Fr. 2'429.– aus
und setzte – unter Berücksichtigung bereits geleisteter Zahlungen – an die Kläge-
rin zahlbare Kinderunterhaltsbeiträge von je Fr. 320.15 (davon Fr. 100.– Betreu-
ungsunterhalt) für C._ und D._ sowie Ehegattenunterhaltsbeiträge von
Fr. 1'563.65 für die Klägerin fest (Urk. 2 E. VI.5.3 S. 44 f.).
2.2 Da diese Unterhaltsbeiträge im Berufungsverfahren unbeanstandet
blieben (vgl. Urk. 5 S. 2 f. und S. 10 ff.; Urk. 24 S. 2 ff.) und sich überdies als an-
gemessen erweisen, bleibt es für den Dezember 2019 bei den vorinstanzlich er-
rechneten Beträgen.
3. Phase 2 (Januar bis März 2020)
3.1 Für Januar bis März 2020 setzte die Vorinstanz mangels Leistungsfä-
higkeit des Beklagten keine Unterhaltsbeiträge fest. Dazu erwog sie, dass für die
in der Vergangenheit liegende Unterhaltsberechnung vom tatsächlich erzielten
Einkommen des Beklagten auszugehen sei. Seit Januar 2020 verfüge der Beklag-
te über kein Einkommen mehr; sein monatlicher Bedarf belaufe sich in dieser
Phase auf Fr. 2'017.–. Das Einkommen, das er in einem 50%-Pensum erlangen
könnte, sei ihm erst nach einer angemessenen Übergangsphase ab Juli 2020 an-
zurechnen (Urk. 2 E. VI.3.3. S. 34, E. VI.4.3 S. 38 f., E. VI.5.4 S. 45).
3.2 Die Klägerin verlangt für diese Zeitperiode monatliche Kinderunter-
haltsbeiträge von je Fr. 500.– für C._ und D._ sowie Ehegattenunter-
haltsbeiträge von Fr. 2'288.– pro Monat (Urk. 5 S. 2). Sie ist der Ansicht, dem Be-
klagten sei in der zweiten Phase eine durchschnittliche Arbeitslosenentschädi-
gung von Fr. 4'805.– pro Monat anzurechnen. Bereits vor Vorinstanz habe sie da-
- 26 -
rauf hingewiesen, dass der Beklagte die Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung aller Wahrscheinlichkeit nach erfülle. Indem die Vor-
instanz die Anspruchsprüfung unterlassen habe, habe sie den Untersuchungs-
grundsatz verletzt (Urk. 5 S. 10 f.).
3.3 Der Beklagte räumt im Berufungsverfahren unter Einreichung entspre-
chender Unterlagen ein, dass er ab März 2020 Arbeitslosenentschädigungen er-
halte; er beziffert die Entschädigung auf durchschnittlich Fr. 3'400.– pro Monat
(inkl. Familienzulagen; Urk. 9 S. 4; Urk. 12/3-4; Urk. 24 S. 15; Urk. 26/3-4).
3.4 Aus den vom Beklagten eingereichten Unterlagen geht hervor, dass er
seit Ende Februar 2020 zum Bezug von Arbeitslosenentschädigungen berechtigt
ist, und dass ihm im März 2020 – unter Berücksichtigung von Warte- und Einstell-
tagen – Taggelder von insgesamt rund Fr. 1'566.– netto ausbezahlt wurden (vgl.
Urk. 12/3-4). Selbst unter Berücksichtigung des von der Klägerin geltend gemach-
ten (um die Mobilitätskosten von Fr. 50.– reduzierten) beklagtischen Bedarfs
(Fr. 1'967.–, vgl. Urk. 5 S. 12; gemäss Vorinstanz: Fr. 2'017.–, vgl. Urk. 2 E. VI.4.3
S. 38 f.) war der Beklagte auch im März 2020 nicht in der Lage, Unterhaltsbeiträ-
ge an die Klägerin zu leisten. Die in der zweiten Phase bezogenen Arbeitslo-
senentschädigungen sind ihm zur Deckung seines Existenzminimums zu belas-
sen (vgl. zu den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz Urk. 2 E. VI.1.3 f.
S. 28 f.). Damit ist der Vorinstanz im Ergebnis darin zuzustimmen, dass in der
zweiten Phase mangels Leistungsfähigkeit des Beklagten keine (Kinder- und
Ehegatten-) Unterhaltsbeiträge festgesetzt werden können.
4. Phase 3 (ab April 2020 für die weitere Dauer des Verfahrens)
4.1 Die Vorinstanz erwog, dass angesichts des Obhutswechsels ab April
2020 grundsätzlich die Klägerin zur Leistung von Kinderunterhaltsbeiträgen zu
verpflichten wäre. Auch der Klägerin sei jedoch erst ab Juli 2020 eine Erwerbstä-
tigkeit zumutbar. Gemäss übereinstimmenden Ausführungen der Parteien könne
die Klägerin in F._ in einem 100%-Pensum Fr. 840.– während jeweils sechs
Monaten pro Jahr erzielen, was ihr auch zumutbar sei. Mit diesem Einkommen sei
es ihr aber nicht möglich, Kinderunterhaltsbeiträge für C._ und D._ zu
- 27 -
bezahlen, zumal sich ihr eigener Bedarf in F._ (samt Kosten von E._)
auf Fr. 1'095.– belaufe. Während der Aufenthaltsdauer der Klägerin in der
Schweiz sei ihr lediglich ein Pensum von 50% zumutbar, da E._ hier – im
Gegensatz zu den Verhältnissen in F._ – nicht in einer Tagesschule betreut
werde und wohl auch die Mutter der Klägerin nicht jeden Tag für die Kinderbe-
treuung abkömmlich sei. Ausgehend von ihren bisherigen Verdiensten in der
Schweiz sei bei einem 50%-Pensum mit einem tatsächlich erzielbaren (Brutto-
)Einkommen von Fr. 2'350.– pro Monat zu rechnen. Sozialversicherungsbeiträge
seien keine zu berücksichtigen, vielmehr sei davon auszugehen, dass die Kläge-
rin auch in Zukunft entsprechende Verzichtserklärungen abgeben werde. Da sich
der monatliche Bedarf der Klägerin in der Schweiz (samt Kosten von E._) auf
Fr. 2'350.– (bis Juni 2020) bzw. auf Fr. 2'495.– (ab Juli 2020) belaufe, könne die
Klägerin auch während ihrer Aufenthaltsdauer in der Schweiz mangels Leistungs-
fähigkeit nicht zur Bezahlung von Kinderunterhaltsbeiträgen verpflichtet werden.
Insgesamt seien demnach weder für die Monate April bis Juni 2020 noch für die
Zeit ab Juli 2020 Kinderunterhaltsbeiträge festzusetzen (vgl. zum Ganzen Urk. 2
E. VI.2.3-2.5 S. 31 f., E. VI.4.1-4.2 S. 35-38, E. VI.5.5 f. S. 45 f.).
4.2 Die Klägerin verlangt für die Zeit ab April 2020 vom Beklagten zu leis-
tende Kinder- und Ehegattenunterhaltsbeiträge. Auch ihre diesbezüglichen Beru-
fungsanträge sind an eine Gutheissung der Berufung betreffend Obhut gekoppelt
(vgl. Urk. 5 S. 2 f. und S. 10 ff.) und bei der gegebenen Ausgangslage entspre-
chend abzuweisen. Daran vermögen auch die teilweise zutreffenden, teilweise
von der Gegenseite anerkannten Vorbringen der Klägerin zu den veränderten Be-
darfs- und Einkommensverhältnissen der Parteien (vgl. dazu unten E. III.D.6)
nichts zu ändern. Die mangelnde Leistungsfähigkeit der Klägerin wird auch vom
Beklagten nicht in Abrede gestellt (vgl. Urk. 24 S. 16). Soweit er ohne Bezugnah-
me auf die vorinstanzlichen Erwägungen geltend macht, der Klägerin sei eine
100%-Erwerbstätigkeit anzurechnen (vgl. Urk. 24 S. 15), genügt er den Begrün-
dungsanforderungen im Berufungsverfahren nicht (vgl. oben E. II.1.2), weshalb
sich weitere Ausführungen dazu erübrigen. Die vorinstanzlichen Feststellungen,
dass ab April 2020 mangels Leistungsfähigkeit keine Kinderunterhaltsbeiträge zu
leisten sind (Dispositiv-Ziffer 6 Absatz 3), und sich die Parteien ab April 2020 kei-
- 28 -
ne persönlichen Unterhaltsbeiträge schulden (Dispositiv-Ziffer 7 Absatz 3), sind
demnach zu bestätigen.
5. Familienzulage für E._
Bereits vor Vorinstanz verlangte die Klägerin, dass der Beklagte zu verpflich-
ten sei, die Familienzulage für E._ an die Klägerin weiterzuleiten (vgl.
Urk. 13/1 S. 3; zu ihrem Berufungsantrag vgl. Urk. 5 S. 3). Für Pflegekinder be-
steht ein Anspruch auf Familienzulagen, wenn sie unentgeltlich zu dauernder
Pflege und Erziehung aufgenommen wurden (Art. 5 der Verordnung über die Fa-
milienzulagen, FamZV). Da E._ nicht beim Beklagten, sondern unter der Ob-
hut der Klägerin lebt, kann er – entgegen der Ansicht der Klägerin (vgl. Urk. 5
S. 12) – für E._ keine Familienzulage beziehen. Demnach bleibt es bei der
Abweisung des klägerischen Antrags; auch die Dispositiv-Ziffer 12 der angefoch-
tenen Verfügung ist daher zu bestätigen.
6. Aktualisierte Grundlagen der Berechnung / Manko
6.1 Aufgrund der Änderungen der Bedarfs- und Einkommenssituation, wel-
che sich aus den Akten und Vorbringen der Parteien im Berufungsverfahren er-
geben, sind die in Dispositiv-Ziffer 8 festgehaltenen Grundlagen der Berechnung
entsprechend anzupassen (Art. 301a lit. a-b ZPO). Dasselbe gilt für die daraus
resultierenden (veränderten) Mankobeträge (Dispositiv-Ziffer 6; Art. 301a lit. c
ZPO).
6.2 Für die Phase 1 (Dezember 2019) ergaben sich im Berufungsverfahren keine Änderungen bei den Berechnungsgrundlagen (vgl. oben E. III.D.2). Ebenso
wenig sind die Mankobeträge neu zu berechnen. Es bleibt damit bei den von der
Vorinstanz ermittelten Zahlen (vgl. Urk. 2 E. VI.5.3 S. 44 f.).
6.3 Da der Beklagte – wie gesehen (vgl. oben E. III.D.3) – im März 2020
Arbeitslosengelder bezogen hat, ist sein Einkommen in der Phase 2  anzupassen. Nach Abzug der Familienzulagen belief sich seine Arbeitslo-
senentschädigung im März 2020 auf rund Fr. 1'110.– netto (Fr. 1'566.– minus
Fr. 456.–, vgl. Urk. 12/4). Abgesehen davon ergaben sich in der Phase 2 keine
- 29 -
weiteren Änderungen betreffend Berechnungsgrundlagen / Manko. Die vor-
instanzlich errechneten Zahlen für die Monate Januar bis März 2020 (vgl. Urk. 2
E. VI.5.4 S. 45) sind demnach im Übrigen unverändert zu übernehmen.
6.4 Einkommen des Beklagten: Aufgrund der vom Beklagten bezogenen
Arbeitslosengelder ist sein Einkommen auch in der Phase 3 anzupassen. In den Monaten April bis Juni 2020 belief sich dieses auf rund Fr. 3'000.– netto pro Mo-
nat (Arbeitslosenentschädigung nach Abzug der Familienzulagen, vgl. Urk. 26/3-
4; siehe auch Urk. 12/3). Unter Berücksichtigung der für die Arbeitslosenentschä-
digung geltenden Rahmenfrist (vgl. Urk. 12/3) rechtfertigt es sich, dieses Er-
werbsersatzeinkommen auch für die weitere Geltungsdauer der vorsorglichen
Massnahmen anzurechnen.
Einkommen der Klägerin: Auf Seiten der Klägerin berücksichtigte die Vor-
instanz – wie bereits erwähnt – ab Juli 2020 ein hypothetisches Einkommen von
Fr. 2'350.–, wobei sie keine Sozialversicherungsabzüge zuliess (vgl. oben
E. III.D.4.1). Die Klägerin macht berufungsweise geltend, es seien Sozialversiche-
rungsbeiträge von etwa 12% abzuziehen, zumal die Klägerin nunmehr ihren
Wohnsitz in der Schweiz habe. Entsprechend sei mit einem hypothetischen Ein-
kommen von Fr. 2'068.– pro Monat zu rechnen (Urk. 5 S. 13). Dies wird vom Be-
klagten anerkannt (Urk. 24 S. 16) und erweist sich auch als angemessen. Der
Klägerin ist demnach von April bis Juni 2020 weiterhin kein Einkommen, sowie ab
Juli 2020 ein solches von Fr. 2'068.– pro Monat (hypothetisch) anzurechnen.
Bedarf des Beklagten: Die Vorinstanz ging auf Seiten des Beklagten für die
Monate April bis Juni 2020 von einem monatlichen Gesamtbedarf von Fr. 1'917.–
und ab Juli 2020 von einem solchen von Fr. 2'719.– aus (vgl. im Einzelnen Urk. 2
E. VI.4.3 S. 38-41). Dabei rechnete sie ab Juli 2020 mit höheren Wohnkosten,
nämlich mit monatlich Fr. 1'500.– (inkl. Wohnkostenanteil der Kinder) bzw.
Fr. 750.– (Wohnkostenanteil des Beklagten). Da der Beklagte aktenkundig bis
Ende Februar 2021 in seiner günstigen Wohnung bleiben kann (vgl. Urk. 12/2),
und er sogar damit rechnet, dass sein Mietverhältnis über diesen Zeitpunkt hinaus
nochmals verlängert wird (vgl. Urk. 24 S. 3), sind ab Juli 2020 weiterhin Wohnkos-
ten von insgesamt Fr. 500.– pro Monat bzw. ein Wohnkostenanteil des Beklagten
- 30 -
von monatlich Fr. 250.– anzurechnen. Beizubehalten ist im Weiteren (in allen
Phasen) der von der Vorinstanz berücksichtigte Betrag von Fr. 87.– pro Monat für
die Krankenkasse, zumal der Beklagte im Berufungsverfahren nicht darlegt, wes-
halb er – entgegen der Annahme der Vorinstanz (vgl. Urk. 2 E. VI.4.3 S. 40) –
keinen Anspruch auf individuelle Prämienverbilligungen haben soll (vgl. Urk. 24
S. 14 f.). Gerechtfertigt scheint demgegenüber, dem Beklagten ab Juli 2020 nicht
nur für den Arbeitsweg Mobilitätskosten zu berücksichtigen (gemäss Vorinstanz
Fr. 242.– pro Monat, vgl. Urk. 2 E. VI.4.3 S. 40), sondern auch für die Fahrten im
Zusammenhang mit dem Besuchsrecht der Klägerin. Der vom Beklagten geltend
gemachte Betrag von insgesamt Fr. 500.– pro Monat (inkl. Arbeitsweg, vgl.
Urk. 24 S. 14) erscheint angemessen, zumal der Beklagte bei drei Besuchswo-
chenenden pro Monat bereits über 700 Autokilometer zurückzulegen hat (nämlich
3 x 60 Kilometer für die Strecke G._ ZH  Zürich HB  G._ ZH und 3 x
200 Kilometer für die Strecke G._ ZH  J._  G._ ZH; vgl. zu den
Besuchsübergaben Urk. 26/2). Wie der Beklagte zu Recht vorbringt (Urk. 24
S. 14), profitieren nicht nur die Kinder, sondern auch die Klägerin von diesen Au-
tofahrten. Ihre diesbezüglichen Einwände (vgl. Urk. 29 S. 5) sind daher unbe-
gründet. Die übrigen monatlichen Bedarfspositionen des Beklagten (Grundbetrag:
Fr. 1'350.–, Kommunikationskosten: Fr. 150.–, Versicherungen: Fr. 30.–, auswär-
tige Verpflegung: Fr. 110.– ab Juli 2020) wurden im Berufungsverfahren von kei-
ner Partei beanstandet und erweisen sich überdies als angemessen. Insgesamt
beläuft sich der monatliche Gesamtbedarf des Beklagten damit für April bis Juni
2020 weiterhin auf Fr. 1'917.– und ab Juli 2020 auf Fr. 2'477.–.
Bedarf der Klägerin in der Schweiz: Den monatlichen Bedarf der Klägerin in
der Schweiz bezifferte die Vorinstanz für April bis Juni 2020 auf Fr. 2'350.– und
ab Juli 2020 auf Fr. 2'495.– (Urk. 2 E. VI.4.2 S. 37). Aktenkundig haben sich die
monatlichen Wohnkosten der Klägerin ab Mai 2020 auf rund Fr. 1'150.– erhöht
(im Mai 2020: Fr. 1'200.–, Urk. 7/3; ab Juni 2020: Fr. 1'150.–, Urk. 19/5). Da auch
der Klägerin im Zusammenhang mit der Besuchsrechtsausübung weitere Mobili-
tätskosten anfallen (ein Billett für die Strecke J._  Zürich HB  J._
kostet ohne Halbtax rund Fr. 70.–, Juniorkarten für die Kinder kosten jährlich
Fr. 30.– pro Kind, vgl. www.sbb.ch/de/abos-billette.html), rechtfertigt es sich, den
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vorinstanzlich berücksichtigten Betrag (bis Juni 2020: Fr. 50.–, ab Juli 2020:
Fr. 85.–) ab Juli 2020 um Fr. 250.– zu erhöhen. Dass die Vorinstanz im Bedarf
der Klägerin den Grundbetrag von E._ berücksichtigte (vgl. Urk. 2 E. VI.4.2
S. 37 f.), ist – entgegen dem unsubstantiierten Vorbringen des Beklagten (Urk. 24
S. 16) – nicht zu beanstanden. Die übrigen monatlichen Bedarfszahlen der Kläge-
rin (Grundbetrag: Fr. 1'250.–, Kommunikationskosten Fr. 50.–, auswärtige Ver-
pflegung: Fr. 110.– ab Juli 2020) blieben im Berufungsverfahren unbeanstandet
und erweisen sich überdies als angemessen. Insgesamt beläuft sich der monatli-
che Bedarf der Klägerin in der Schweiz damit für April 2020 weiterhin auf
Fr. 2'350.–, für Mai bis Juni 2020 auf Fr. 3'100.– und ab Juli 2020 auf Fr. 3'495.–.
Bedarf der Kinder: Die Vorinstanz rechnete für C._ von April bis Juni
2020 mit einem monatlichen Barbedarf von Fr. 725.– und ab Juli 2020 mit einem
solchen von Fr. 1'095.– (Grundbetrag: Fr. 600.–; Wohnkosten: Fr. 125.– bis Juni
2020, Fr. 375.– ab Juli 2020; Krankenkasse Fr. 0.–; Fremdbetreuung: Fr. 120.–
ab Juli 2020). Für D._ wurde von April bis Juni 2020 ein monatlicher Barbe-
darf von Fr. 525.– und ab Juli 2020 ein solcher von Fr. 1'015.– berücksichtigt
(Grundbetrag: Fr. 400.–; Wohnkosten: Fr. 125.– bis Juni 2020, Fr. 375.– ab Juli
2020; Krankenkasse: Fr. 0.–, Fremdbetreuung: Fr. 240.– ab Juli 2020; vgl. zum
Ganzen Urk. 2 E. VI.4.4 S. 41 f.). Wie gesehen, beträgt der Wohnkostenanteil der
Kinder auch ab Juli 2020 weiterhin nur monatlich Fr. 125.– pro Kind. Soweit die
Parteien im Berufungsverfahren pauschal andere Bedarfszahlen der Kinder be-
haupten (vgl. Urk. 5 S. 13; Urk. 24 S. 14), genügen sie den Begründungsanforde-
rungen im Berufungsverfahren nicht (vgl. dazu oben E. II.1.2), weshalb sich weite-
re Ausführungen dazu erübrigen. Entsprechend bleibt es – abgesehen von den
erwähnten Wohnkosten – bei den vorinstanzlich berücksichtigten Beträgen. Ins-
gesamt ist damit für C._ von April bis Juni 2020 weiterhin mit Fr. 725.– pro
Monat und ab Juli 2020 mit Fr. 845.– pro Monat zu rechnen; für D._ von April
bis Juni 2020 mit Fr. 525.– pro Monat und ab Juli 2020 mit Fr. 765.– pro Monat.
Manko Kinder: Von April bis Juni 2020 verfügt der Beklagte über eine mo-
natliche Leistungsfähigkeit von Fr. 1'083.– (Einkommen Fr. 3'000.– minus Bedarf
Fr. 1'917.–), womit ein Betreuungsunterhalt nicht geschuldet wäre. Als Barunter-
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halt fallen für C._ Fr. 525.– pro Monat (Barbedarf Fr. 725.– minus Familien-
zulagen Fr. 200.–) und für D._ Fr. 325.– pro Monat (Barbedarf Fr. 525.– mi-
nus Familienzulagen Fr. 200.–) an. Da der Beklagte mit seinem Einkommen so-
wohl den eigenen Bedarf wie auch den Barunterhalt der Kinder vollumfänglich zu
decken vermag, resultieren für diese Zeitperiode keine Mankos. Ab Juli 2020 be-
trägt die monatliche Leistungsfähigkeit des Beklagten Fr. 523.– (Einkommen
Fr. 3'000.– minus Bedarf Fr. 2'477.–), womit wiederum kein Betreuungsunterhalt
geschuldet wäre. Als Barunterhalt fallen für C._ Fr. 645.– pro Monat
(Fr. 845.– Barbedarf minus Familienzulagen Fr. 200.–) und für D._ Fr. 565.–
pro Monat (Fr. 765.– Barbedarf minus Familienzulagen Fr. 200.–) an. Da der Be-
klagte mit seinem Einkommen neben dem eigenen Bedarf auch im Umfang von je
Fr. 261.50 pro Monat (Leistungsfähigkeit Fr. 523.– geteilt durch 2) den Barbedarf
der Kinder zu decken vermag, resultiert ab Juli 2020 für C._ ein Manko von
Fr. 383.50 pro Monat (Fr. 645.– Barunterhalt minus Fr. 261.50) und für D._
ein solches von Fr. 303.50 pro Monat (Fr. 565.– Barunterhalt minus Fr. 261.50).
7. Fazit
7.1 Wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, sind die Anordnungen der Vorinstanz in Bezug auf den Ehegattenunterhalt nicht zu beanstanden. Die Dis-
positiv-Ziffer 7 ist daher zu bestätigen.
7.2 Im Ergebnis sind auch die vorinstanzlichen Anordnungen in Bezug auf
die Kinderunterhaltsbeiträge in allen drei Phasen (Dispositiv-Ziffer 6 Absatz 1-3)
nicht zu beanstanden. Wegen veränderter Verhältnisse sind jedoch in den Pha-
sen 2 und 3 die Mankobeträge (Dispositiv-Ziffer 6 Absatz 4) sowie die Grundlagen
der Berechnung (Dispositiv-Ziffer 8) anzupassen.
7.3 Auch die Abweisung des klägerischen Antrags betreffend Familienzu-
lage für E._ (Dispositiv-Ziffer 12 der angefochtenen Verfügung) ist zu bestä-
tigen.
- 33 -
E. ERSTINSTANZLICHE KOSTEN- UND ENTSCHÄDIGUNGSFOLGEN
Die Vorinstanz hat die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen
dem Endentscheid vorbehalten (Urk. 2 Dispositiv-Ziffer 13). Entsprechend sind
diesbezüglich keine Anordnungen zu treffen.
IV.
1. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1 Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren ist gestützt auf § 12
Abs. 1 und Abs. 2 i.V.m. § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 und § 8 Abs. 1 der Gebührenver-
ordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG) auf Fr. 4'000.–
festzusetzen.
1.2 Im Berufungsverfahren umstritten waren die nichtvermögensrechtlichen
Kinderbelange der Obhut und des Besuchsrechts sowie die vermögensrechtlichen
Belange des Kinder- und Ehegattenunterhalts. Aufwandmässig erweist es sich
angemessen, die nichtvermögensrechtlichen Kinderbelange mit 70% und den Un-
terhaltsstreit mit 30% zu gewichten.
1.3 Hinsichtlich der nichtvermögensrechtlichen Kinderbelange rechtfertigt
sich unabhängig vom Verfahrensausgang praxisgemäss eine hälftige Kostenauf-
lage (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO; ZR 84 Nr. 41). Anderes gilt demgegenüber in Be-
zug auf den Unterhaltsstreit. Diesbezüglich ist zu berücksichtigen, dass sämtliche
Berufungsanträge der Klägerin abgewiesen und die Anordnungen der Vorinstanz
im Ergebnis bestätigt werden, zumal die vorgenommenen Änderungen einzig die
Berechnungsgrundlagen und Mankobeträge betreffen. Damit unterliegt die Kläge-
rin im Unterhaltsstreit vollumfänglich. Gesamthaft betrachtet, unterliegt die Kläge-
rin im vorliegenden Berufungsverfahren somit zu rund 2/3. Die Kosten des Beru-
fungsverfahrens sind ihr daher zu 2/3 und dem Beklagten zu 1/3 aufzuerlegen.
1.4 Die volle Parteientschädigung für das Berufungsverfahren ist in An-
wendung von § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 und § 9, § 11 und § 13 der Verordnung über
die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (AnwGebV) auf Fr. 4'000.– anzu-
- 34 -
setzen. Ausgangsgemäss ist die Klägerin zu verpflichten, dem Beklagten eine auf
1/3 reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1'333.– zuzüglich 7.7% MwSt. (vgl.
Urk. 24 S. 2), mithin Fr. 1'436.– zu bezahlen. Angesichts ihrer Mittellosigkeit (vgl.
dazu die nachfolgende Ziffer) ist jedoch davon auszugehen, dass die Parteient-
schädigung nicht einbringlich sein wird. Der unentgeltliche Rechtsvertreter des
Beklagten ist daher im Umfang von Fr. 1'436.– direkt aus der Gerichtskasse zu
entschädigen. Damit geht der Anspruch auf die unerhältliche Parteientschädigung
auf den Kanton über (Art. 122 Abs. 2 ZPO).
2. Unentgeltliche Rechtspflege
2.1 Sowohl die Klägerin wie auch der Beklagte ersuchen für das Beru-
fungsverfahren um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestel-
lung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands (Urk. 5 S. 3; Urk. 24 S. 2).
2.2 Nach Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche
Rechtspflege, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (lit. a) und ihr
Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (lit. b). Wer diese Bedingungen er-
füllt, hat ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand, soweit dies zur
Wahrung seiner Rechte notwendig ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO).
2.3 An den engen finanziellen Verhältnissen beider Parteien, welchen be-
reits im vorinstanzlichen Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde
(vgl. Urk. 2 Dispositiv-Ziffern 9-11), hat sich seit der Fällung des vorinstanzlichen
Entscheids nichts geändert. Sie sind somit beide mittellos im Sinne von Art. 117
lit. a ZPO. Ihre Rechtsmittelanträge sind nicht als aussichtslos zu bezeichnen, und
eine anwaltliche Verbeiständung der rechtsunkundigen Parteien erscheint auch
vor Berufungsinstanz zur Wahrung ihrer Rechte notwendig. Beiden Parteien ist
deshalb die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Der Klägerin ist in der
Person von Rechtsanwalt Dr. X._ und dem Beklagten in der Person von
MLaw Y._ je ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
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