Decision ID: 8f5d0386-d027-403b-9a31-45827eae3342
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1952 geborene
X._
arbeitete seit dem 1.
De
zember 1996 bei der
Y._
als Lageristin
und war in dieser Eigen
schaft bei der Berner Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft
(Berner All
gemeine) obligatorisch
nach dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufs
krankheiten versichert.
Sie liess am
4.
September
und
7.
Oktober
1997
einen
am 3
0.
August 1997
an einer Kreuzung
erlittenen Auffahrunfall melden
, bei der sie sich als Beifahrerin des vorderen Fahrzeuges
ein Schleudertrauma
zugezogen habe
(
Urk.
12/041
).
Die Berner Allgemeine
kam für
Heilbe
h
andlungs
kosten
und Taggeld auf.
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
gewährte
X._
ab dem
1.
Oktober 1998 eine
Viertelsrente
und
mit Wirkung ab 1.
Oktober 1999
eine halbe Rente
der Invalidenversicherung
(
Urk.
12/119
).
Die Klinik
Z._
erstattete
der Berner Allgemeinen
am 1
5.
Juni 200
1 ein Gutachten
(
Urk.
12/M39)
, worauf
deren
Rechtsnachfolgerin
, die Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft (Allianz)
X._
mit Verfü
gung vom 1
2.
April 2002
eine Invalidenrente
ab
1.
Januar 2002
entsprechend einem
Erwerbsunfähigkeitsgrad
von 50
%
nebst einer Integritätsentschädigung im Betrag von
Fr.
24‘300.--
entsprechend einer Integritätseinbusse von 25
%
zu
sprach
(Urk. 12/
132
).
Am
1
0.
November 2010 informierte die Versicherte d
ie
Allianz über ihren Umzug nach
A._
(
Urk.
12/153).
Im Rahmen
der im Jahr 2012
eingeleiteten Rentenrevision machte
sie
eine Verschlimmerung des Gesundheitszustandes seit Rentenbeginn geltend
(Urk.
12/
156
). Die Allianz ver
anlasste eine interdisziplinäre medizinische Begutachtung bei der
Medas
B._
. Das Gutachten wurde
am 1
8.
Juni 201
3 erstattet (Urk.
12/M40).
In der Folge stellte die Allianz
wie bereits mit Schreiben vom 4.
Juli 2013 angekündigt (
Urk.
12/
166
) die Versicherungsleistungen
mit Verfügung vom 3.
September 2013
per 3
0.
September 2013
ein
(
Urk.
12/
172
)
, woran sie auf Einsprache der Versicherten hin (
Urk.
12/173) mit Entscheid vom 1
2.
August 2014 festhielt (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
0.
September 2014 Beschwerde (
Urk.
1) mit dem Rechtsbegehren, die Verfügung vom
3.
September 2013 sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weiter
hin Versicherungsleistungen zu erbringen. Zudem
ersuchte
sie
um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung
im Beschwerdeverfahren (S. 2). Die Allianz beantragte mit Eingabe vom 24. Okto
ber 2014, die Beschwerde sei abzuweisen (Beschwerdeantwort,
Urk.
11). Mit Verfügung vom 1
4.
November 2014 wurde der Beschwerdeführerin das Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt
und
das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung abgewiesen (
Urk.
13)
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Revision einer Invalidenrente der Unfallversicherung richtet sich
–
vom vor
liegend nicht erfüllten Spezialfall von Art. 22
des
UVG
abgesehen
–
nach Art. 17
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungsrechts
(ATSG). Gemäss dieser Norm wird die Rente dann von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich ändert (Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2011 vom 20. August 2012 E. 4.1).
Eine revisionsrechtliche Rentenherabsetzung im Sinne von Art. 17 ATSG setzt eine anspruchserhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse voraus, wel
che entweder in einer objektiven Verbesserung des Gesundheitszustandes mit entsprechend gesteigerter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten erwerblichen Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen
Gesundheitsbeein
trächtigung
liegen kann. Demgegenüber stellt eine bloss abweichende Beurtei
lung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes keine
revisions
rechtlich
relevante Änderung dar (BGE 112 V 371 E. 2b S. 372 unten; SVR 2004 IV Nr. 5 S. 13 E. 2, I 574/02; Urteile des Bundesgerichts 9C_603/2008 vom 4. Februar 2009 E. 2.2 und 8C_718/2012 vom 3. Mai 2013 E. 3.2, je mit weite
ren Hinweisen).
Die Frage der wesentlichen Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen beur
teilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprüngli
chen Rentenverfügung bestanden hat (beziehungsweise der letzten rechtskräfti
gen Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht), mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 130 V 71 E. 3.2.3 und 133 V 108).
Im Bereich der obligatorischen Unfallversicherung ist die erforderliche Erheb
lich
keit der Sachverhaltsänderung gegeben, wenn sich der Invaliditätsgrad um 5 % verändert (BGE 1
40
V
85
E.
4.3
).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungseinstel
lung per 3
0.
September 2013 damit, dass sich anlässlich der Begutachtung in der MEDAS
B._
gegenüb
er der Expertise der
Z._
aus dem Jahr 2001 ein wesentlich verbesserter Gesundheitszustand gez
eigt habe (
Urk.
2
Ziff.
19 ff.). Sie verneinte das Vorliegen eines natürlichen
beziehungsweise
adäquaten Kausalzusammen
hangs zwischen den
über
den
Zeitpunkt der Renteneinstellung
hinaus
geltend gemachten
Beschwerden und
dem Unfall vom 3
0.
August 1997
(
Ziff.
35 ff.).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 2
4.
November 2014
(
Urk.
11)
führte sie ergän
zend aus,
da
weder im
Z._
-Gutachten
aus dem Jahr
2001 noch im MEDAS-Gutachten
aus dem Jahr
2013 objektivierbare Unfallfolgen hätten eruiert werden können,
habe
auch kein
e
Änderung
des Gesundheitszustandes objektiviert werden können (Ad. 22). Eine Rentenrevision sei aber auch bei Vorliegen von nicht-objektivierbaren Beschwerden zulässig.
Diesfalls
sei an die glaubhaft gemachten subjektiven Beschwerden anzuknüpfen (Ad. 24). 16 Jahre nach dem Unfall hätten keine unfallbedingten Befunde und Beeinträchtigungen, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu erklären vermöchten
,
mehr erhoben werden können (Ad. 34 ff.).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt dem
im Wesentlichen
entgegen, sie leide
an
einer
Schipperfraktur
,
welche
die Gutachter der Klinik
Z._
im Jahr 2001
als
überwiegend wahrscheinliche Unfallfolge
angesehen
hätten
(
Urk.
1
Ziff.
15). Es habe sich demnach um ein erhebliches Trauma gehandelt (
Ziff.
17). Eine Gegenüberstellung der Befunde und Beschwerden
gemäss
dem
Gutachten der Klin
i
k
Z._
und dem Gutachten der MEDAS
B._
zeige, dass sich diese verschlimmert hätten oder gleichg
e
blieben seien
(
S 6).
Die MEDAS-Gut
achter hätten selber festgestellt, dass keine objektive Besserung eingetreten sei (
Ziff.
22 f.). Auch der regionale ärztliche Dienst der IV-Stelle (RAD) sei in seiner Stellungnahme vom 1
2.
November 2013 zum Schluss gekommen, dass sich seit dem Unfall im Jahr 1997 weder somatisch noch psychisch etwas verändert habe (
Ziff.
30). Es liege keine objektive Verbesserung des Gesundheitszustandes vor,
sondern lediglich eine abweichende Beurteilung des im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes (
Ziff.
37). Die natürliche wie auch adäquate Kausali
tät sei
en
nach wie vor gegeben (
Ziff.
38).
3.
3.1
3.1.1
Die
Rentenzusprache
erfolgte im Wesentlichen gestützt auf das Gutachten der Klinik
Z._
vom 1
5.
Juni 2001 (
Urk.
12/M39).
Die Gutachter Prof. Dr. med.
C._
, Chefarzt Neurologie
,
und
Prof.
Dr.
med.
D._
, leitender Arzt Schmerzzentrum,
Facharzt
für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
führten damals aus, die Beschwerdeführerin habe am 30.
August 1997 einen Unfall erlitten, bei dem die Kräfteeinwirkung auf die Strukturen des Achsenorgans, insbesondere
auf die
Halswirbelsäule
,
die sogenannte Harmlosigkeitsgrenze überschritten
habe
. Dementsprechend müssten nach einem solchen Ereignis gewisse somatische Residuen erwartet werden. Auf ein relevantes Trauma deu
te auch die Tatsache hin, dass
sich
die
Beschwerden initial relativ rasch (gemäss aktueller Exploration unmittelbar nach dem Trauma) manifest
iert
hätten
.
Nach Lage der
Akten
seien
keine relevanten unfallfremden Fak
toren dokumentiert
, die den Heil
ungsverlauf negativ beeinfluss
t
en
. Heute hätten sie eine
sich
in der Intensität inte
rmittierend
verstärkende, therapeutisch weitgehend unbeeinfluss
bare Schmerzhaftigkeit, die das gesamte Achsenorgan betreffe, gefunden mit
radikulären
Ausstrahlungen
in die linke untere Extremität bei einem Status nach Beschleunigungstrauma. Darüber hinaus lasse sich eine diagnostisch schwer zuordenbare psychologische
Dysbalancierung
nachweisen, die nicht die Kriterien einer eigentlichen Affektstörung (weder einer Depression noch einer Angststörung) erfülle (S.
15
f.).
Die Gutachter
diagnostizierten einen Status nach Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule am
4.
September 1997 (richtig: 3
0.
August 1997) mit per
sistierenden
cervikalen
und
cervikobrachialen
Beschwerden,
eine
Osteo
chon
drose
C6/
C
7,
ein
en
Abriss der Dornfortsätze C6 und C7
(allenfalls post
trauma
tisch, möglicherweise auch vorbestehend),
ein
traumatisch induziertes
Lumbo
ver
tebralsyndrom
ohne
Hinweise auf eine
radikuläre
Symptomatik bei
Spondylarthrose
im unteren Lendenwirbelsäulenbereich, inkonstante, inter
mittierend auftretende kognitive Beeinträchtigungen (im Bereic
h der
Aufmerk
samkeitszuwendung
) und
wahrscheinlich schmerzbedingt
eine
leichte psy
chologische
Dysbalancierung
im Sinne einer nicht spezifizierbaren
Affektstö
rung
(am ehesten ein
dysphorisches
Syndrom), ebenfalls intermittierend und
über Monate bis Jahre auftretend (mitunter auch als Ausdruck eines
Anpas
sungsvorgangs
an die somati
schen Beschwerden zu verstehen,
S. 1
7
).
Die Gutachter führten aus,
die Beschwerdeführerin habe in der Untersuchung ein
weitgehend
adäquates Verhalten gezeigt, obwohl sie
in der Schilderung der Symptome, die teilweise „unsystematisch“ erfolgt sei,
anfänglich etwas gehetzt gewesen sei
. Dies dürfe
durchaus als Hinweis auf eine
Bedrängtheit
durch die Beschwerden gewertet
werden
. Bei der systematischen Exploration der Beschwerden habe die Beschwerdeführerin sachliche und gut nachvollziehbare Angaben gemacht. Es sei keine Psychopathologie nachweisbar, wobei die Beschwerdeführerin stets bei klarem Bewusstsein und voll orientiert gewesen sei. Die Stimmung sei unterschwellig stets etwas gereizt gewesen, obwohl die Beschwerdeführerin sich darüber nicht beklagt habe. Die affektiven Äusse
rungen seien insbesondere bei der Beschwerdeschilderung durchaus adäquat gewesen, und es sei eher
der
Eindruck
einer
Di
s
simulation als
einer
Aggravation entstanden
(S. 11)
.
Die
Gutachter gaben an,
da
die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin in ihrem Beruf als Lageristin/Verkäuferin
in einem direkten Zusammenhang mit den gegenwärtigen Beschwerden stehe und diese therapeutisch kaum mehr beeinflussbar s
eien
(
abgesehen von einer
gewisse
n Stabilisierung
), sei die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu etwa 50
%
beeinträchtigt (entspre
chend zirka vier bis viereinhalb Stunden pro Tag), wobei ein Viertel der Arbeitsunfähigkeit den unfallfremden Faktoren anzulasten sei (S. 19).
3.1.2
Zuvor
war
der Beschwerdeführerin
von den behandelnden Rheumatologen und Neurol
o
gen
bereits über eine längere Zeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
attestiert
worden
(vgl. etwa
Urk.
12/M35 und
Urk.
12/M31). Laut
dem
Bericht
der
Klinik E._
vom 1
0.
Juni 1998 war
die Arbeitsfähigkeit vor allem schmerzbedingt eingeschränkt (12/M12 S. 2)
. Dr.
med.
F._
, Fachärztin FMH für Neurologie,
berichtete
der Berner Allge
meinen
am
6.
März 2000 (Urk. 12/M32), zum damaligen Zeitpunkt sei die Beschwerdeführerin in ihrem Beruf als Verkäuferin zu höchstens 50
%
arbeits
fähig. Sie
ging
aus damaliger Sicht
nicht davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit in einem anderen Beruf gesteigert werden könn
t
e. Die Arbeit als
Parfumerie
-Ver
käuferin sei, da die Beschwerdeführerin häufig in Bewegung sei und keine schweren Lasten tragen müsse, nicht so schlecht (S.
7
f.).
3.2
Die Beschwerdegegner
i
n stützt
e
sich bei ihrer Renteneinstellung mit
Verfügung
vom
3.
September 2013 (
Urk.
12/172)
u
nd
Einspracheentscheid
vom
1
2.
August 2014 (
Urk.
2)
auf das Gutachten der MEDAS
B._
vom 18.
Juni 2013 (Urk. 12/M40)
.
Darin stellten
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Orthopädische
Chirurg
ie (Hauptgutachterin), med.
prac
t
.
H._
,
eidg
. Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
I._
,
Fachärztin für
Neurologie
FMH
,
Dr.
phil.
J._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP
,
sowie
der Chefarzt
P
D
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Neurologie FMH sowie Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH,
nach ihren Untersuchungen vom 2
1.
und 2
2.
Mai 2013
keine
die zumutbare Arbeitsfähigkeit einschränkende
n
Diagnosen
(S.
20)
.
Sie nannten
die folgenden Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(S. 21)
:
z
ervikales Schmerzsyndrom bei radiologisch nachweisbaren degenerativen Veränderungen der
Halswirbelsäule
und eventuell alten Dornfortsatzfrakturen
an den
HWK 7 und BWK
1 (möglicherweise durch Überlastung oder bei HWS-Distorsion am 30.08.1997 ohne
Krank
heitswert
)
g
elegentliche Gefühlsstörungen im Bereich der Fingerbeeren
Dig
.
I
-
III
links ohne
neuropa-tho
logisches
Korrelat bei unauffälligem elektrophysiologischem Befund
l
umbovertebrales
Schmerzsyndrom,
pseudoradikuläre
Ausstrahlung rechts bei radiologisch nachweisbaren degenerativen Veränderungen
Status nach HWS-Distorsion am 30.08.1997
Status nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD
-10
F43.21)
Verdacht auf schmerzbedingte kognitive Einschränkungen
c
hron
ische Spannungstypkopfschmerzen
Status nach Weichteiloperation beider Oberarme zirka 2003
Die Frage nach einer Veränderung
des Gesundheitszustandes seit der letzten Begutachtung
beantworteten die Gutachter wie folgt
:
Im Vergleich
zum
Befundbeschrieb (klinisch und radiologisch) in früheren Berichten, speziell im Gutachten vom 1
5.
Juni 2001 (Prof.
Dr.
C._
und
Prof.
Dr.
D._
)
sei
gegenüber heute keine Änderung des Gesundheitszustandes objektivierbar (S.
29
Ziff.
3.1.1). In früheren Beurteilungen sei die Arbeitsfähigkeit mit 50
%
angenommen worden. Retrospektiv sei davon auszugehen, dass dies damals aufgrund der subjektiven Besch
werden der Versicherten erfolgt sei
, was nicht im Sinne
der
Frage
stellung
als eine objektive Besserung
, sondern
allenfalls als eine geänderte Einschätzung zu interpretieren sei (
Ziff.
4.1.1).
4.
4.1
Mit dem
grundsätzlich beweiskräftigen (vgl. E. 1.
2)
Gutachten
der MEDAS
B._
2013
ist keine
wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes
ausgewiesen
. Diese
Einschätzung
bringen die MEDAS-Gutachter
in ihrer Beur
teilung
selber klar zum Ausdruck
. Sie stellten
im W
esentlichen dieselben
soma
tischen
Diagnosen
wie im Jahre 2001 die Gutachter der Klinik
Z._
,
beantwortete
n
aber die Frage nach deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
grundverschieden
.
4.2
Zu dieser Einschätzung gelangte auch
Dr.
med.
L._
,
A
llgemeine Medizin FMH, vom RAD
M._
, der
in seiner Stellungnahme vom 1
2.
November 2013
fest
hielt
, es habe sich seit dem Unfall im Jahr 1997 weder somatisch noch psy
chisch etwas verändert.
Die Gesamtsituation sei unverändert.
Es werde im Gut
achten vom Mai 2013 im Vergleich zu allen bisherigen medizinischen Expertisen von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen, was nach heutiger versicherungsmedizinischer Beurteilung grundsätzlich korrekt sei. Eine objek
tive und anatomisch oder physiologisch fassbare Verbesserung des Gesund
heitszustandes sei aber nicht nachgewiesen. Die medizinischen Befunde seien dieselben (
Urk.
3/7).
4.3
Dass die Gutachter eine objektivierbare Änderung des Gesu
ndheitszustandes verneinten, an
erk
a
nnt
e
auch die Beschwerdegegnerin (
Urk.
2
Ziff.
29).
Trotzdem schloss sie aus
der Expertise der MEDAS
B._
auf eine
gesundheitliche Verbesserung
.
Sie begründete dies zum einen mit einer Verbesserung der
psy
chische
n
Gesundheit.
Den diesbezüglichen
Ausführungen
kann indes nicht gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin litt im Zeitpunkt der Begutac
htung in der K
linik
Z._
im Jahr 2001
nicht unter einer Depression, wie die Beschwerdegegnerin es in ihrem Entscheid nahe legt (
Urk.
2
Ziff.
29). Die Gut
achter diagnostizierten
lediglich
eine schmerzbedingte
leichte
psychologische
Dysbalancierung
, welche die Kriterien einer eigentlichen Affektstörung nicht erfüll
t
e (
Urk.
12/M39 S. 16)
.
Die Beschwerdeführerin war nie in psychi
atri
scher Behandlung.
Angesichts dieser
gerin
g
fügigen
Diagnose
kann
selbst bei deren
D
ahinfallen (vgl. die anderslautenden Angaben der Beschwerdeführerin in
Urk.
12/M40 S. 10)
nicht
von einer
wesentlichen Besserung der psychischen Gesundheit
gesprochen werden
.
Eine solche Veränderung wäre im Übrigen auch nicht von Bedeutung, erfolgte doch die
Rentenzusprache
nicht wegen eines psy
chischen Gesundheitsschadens.
S
owohl die früheren Experten als auch die MEDAS-Gutachter
erachteten
die Schmerzen
zumindest als mitursächlich
für gewisse Einschränkungen in der Aufmerksamkeit und
in den
Exekutivfunktionen (Urk.
12/M40 S. 18
, vgl. auch
neuropsychologisches Teilgutachten vom 3
1.
Mai 2013 S. 6
,
Urk.
12/M12 S. 2
).
Auch in
neuropsychologischer
Hinsicht ist eine wesentliche
Verbesserung
somit
nicht
ausgewiesen.
4.4
Zum anderen schloss die Beschwerdegegnerin aus den
im MEDAS Gutachten
beschriebenen Tagesaktivitäten, dass die Beschwerdeführerin gelernt habe, mit den subjektiv noch geklagten Beschwerden umzugehen
(
Urk.
2
Ziff.
29)
. In diese
m Zusammenhang gilt es vorab anzumerken
, dass die
Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin lediglich eine Rente für einen Invaliditätsgrad von 50
%
ausrichtete
. Auch nach dem Unfall war sie nebst dem
Taggeld- und
Rentenbe
zug
lange Zeit in einem 50
%
-Pensum
als Verkäuferin
tätig
(Urk.
12/M40 S. 16)
. Es ist somit nicht ersichtlich, weshalb der Umzug nach
A.
_
sowie der Umstand,
dass sie den Haushalt führt,
daneben zirka dreimal wöchentlich während drei bis vier Stu
nden ältere
Dame
n betreut,
ein
–
auch von den
dama
ligen
Gutachtern
zur Erhaltung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit
empfohlenes
(
Urk.
12/M39 S. 19)
– Krafttraining absolviert, Spaziergänge unternimmt und soziale Kontakte unterhält
(vgl.
Urk.
12/M40 S. 14 und 17)
, auf eine
revisions
erhebliche
Verbesserung der gesundheitlichen Leistungsfähigkeit schliessen
lassen
.
Aus der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin mit hohen
Absatzschu
hen
zur Untersuchung kam, lässt sich ebenfalls nicht
rechtsgenüglich
eine von den Gutachtern selbst verneinte Verbesserung des Gesundheitszustandes
ablei
ten
.
4.
5
Was die entscheidende Frage nach einer erheblichen Verbesserung des Gesund
heitszustandes betrifft
,
spielen
die
auf den Röntgenbildern nach wie vor ersicht
lichen
Schipperfraktur
en
(
Frakturen der
Do
rnfortsätze, vgl.
Urk.
12/M40 S. 13
) keine Rolle (vgl. die Ausführungen der Parteien hierzu
in
Urk.
1
Ziff.
17 ff.,
Urk.
2 Ad 47 und
Urk.
11 ad 15 und 17
)
.
Anzumerken bleibt, dass die
Gut
achter
übereinstimmend offen liessen
, ob die
se
Frakturen beim Unfall entstan
den sind oder vorbestehen
d
waren (vgl.
Urk.
12/M39 S. 20 f. und
Urk.
12/M40 S. 25
).
Eine Veränderung gab es auch in dieser Hinsicht nicht.
5.
Mangels einer relevanten Veränderung des Gesundheitszustandes
besteht kein Raum für eine Rentenrevision
.
Ohne anspruchserhebliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen ist auch eine neue
Prüfung
der natürlichen sowie adäquaten Kaus
alität
nach der
Schleudertraumapraxis
(BGE 117 V 3
69 und BGE 134 V 109) nicht angezeigt
.
Ebenso wenig rechtfertigt die bundesgerichtliche Schmerzrechtsprechung im Zusammenhang mit Verletzungen der
Halswirbel
säule
(BGE
136 V 279
) eine Anpassung der laufenden Rente, wie das Bundesge
richt bereits in BGE 135 V 201 in Bezug auf die
somatoforme
Schmerzstörung
im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren festgehalten hat. Eine
wieder
erwägungsweise
Aufhebung der Rente nach Art.
53
Abs.
2 ATSG
fällt - trotz der geänderten Gerichtspraxis - ausser Betracht.
Die Beschwerde ist
gutzuheissen
mit der Feststellung, dass weiterhin Anspruch auf die mit Verfügung vom 1
2.
April 2002 zugesprochene Rente besteht
.
6.
Der obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin steht eine
Pro
zessentschädigung
zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 200.-- für
die alle noch im Jahr
2014 erbrachte
n
Leistungen (zuzüglich Mehrwert
steuer) auf Fr. 2‘500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.