Decision ID: 26673560-9aaa-4c6d-a7cb-4970914c4ddc
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
hat sich ergeben:
I. A (nachfolgend der Pflichtige) veräusserte mit Kaufvertrag vom 27. August 2015 seine Liegenschaft an der C-Strasse 01 in D für Fr. ... und erwarb am 1. September 2015 eine bereits von ihm bewohnte Wohnliegenschaft in E. Mit Veranlagungsentscheid vom 10. November 2017 verweigerte ihm der Grundsteuerausschuss der Stadt D den beantragten Steueraufschub für eine Ersatzbeschaffung von selbstgenutztem Wohneigentum und setzte den steuerbaren Grundstückgewinn auf Fr. ... und den daraus resultierenden Steuerbetrag auf Fr. ... fest.
Die hiergegen erhobene Einsprache wies der Grundsteuerausschuss der Stadt D am 24. Mai 2019 ab. Der Einspracheentscheid wurde dem Rechtsvertreter des Pflichtigen am 28. Mai 2019 zunächst ohne und – auf dessen Verlangen – am 24. Juni 2019 mit Unterschrift der Sekretärin des Grundsteuerausschusses zugestellt.
II.
Auf den hiergegen am 24. Juli 2019 erhobenen Rekurs trat das Steuerrekursgericht am 10. September 2019 zufolge Verspätung nicht ein.
III.
Mit Beschwerde vom 18. Oktober 2019 liess der Pflichtige dem Verwaltungsgericht beantragen, es seien der steuerrekursgerichtliche Beschluss vom 10. September 2019 aufzuheben, die fristgerechte Rekurseinreichung festzustellen und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an das Steuerrekursgericht zurückzuweisen. Weiter wurde um die Zusprechung einer Parteientschädigung ersucht.
Während das Steuerrekursgericht auf Vernehmlassung verzichtete, beantragte das Steueramt der Stadt D die Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Pflichtigen.

Die Kammer erwägt:
Die Kammer erwägt:
1. Mit der Steuerbeschwerde an das Verwaltungsgericht in Grundsteuersachen können laut § 153 Abs. 3 in Verbindung mit § 213 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) alle Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, und die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden. Wird ein Nichteintretensentscheid angefochten, prüft das Verwaltungsgericht lediglich, ob die vorinstanzliche Beurteilung der Eintretensfrage an beschwerdefähigen Rechtsmängeln leidet (vgl. BGr, 26. Mai 2004, 2A.495/2003, E. 1.3).
1. Mit der Steuerbeschwerde an das Verwaltungsgericht in Grundsteuersachen können laut § 153 Abs. 3 in Verbindung mit § 213 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) alle Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, und die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden. Wird ein Nichteintretensentscheid angefochten, prüft das Verwaltungsgericht lediglich, ob die vorinstanzliche Beurteilung der Eintretensfrage an beschwerdefähigen Rechtsmängeln leidet (vgl. BGr, 26. Mai 2004, 2A.495/2003, E. 1.3).
2. 2.1 Das Steuerrekursgericht ist auf das Rechtsmittel des Pflichtigen zufolge verspäteter Rekurserhebung nicht eingetreten. Strittig ist dabei, ob die Zustellung des Einspracheentscheids vom 24. Mai 2019 am 28. Mai 2019 erfolgte oder erst der Empfang der unterzeichneten Version fristauslösend war und – falls die erste Zustellung als fristauslösend zu betrachten ist und der Rekurs daher verspätet war – ob der Pflichtige aufgrund einer entsprechenden Auskunft der Steuerbehörde darauf vertrauen durfte, dass die zweite Zustellung fristauslösend sein würde.
2.2
2.2.1 Gemäss § 212 in Verbindung mit § 147 Abs. 1 StG kann in Grundsteuersachen gegen den Einspracheentscheid innert 30 Tagen nach Zustellung schriftlich Rekurs erhoben werden, wobei die Rekursfrist laut § 12 Abs. 1 der Verordnung zum Steuergesetz vom 1. April 1998 (VO StG) am Tag nach der Zustellung zu laufen beginnt und eine Verwirkungsfrist darstellt. Gemäss § 8 Abs. 1 Satz 2 VO StG können Einspracheentscheide ohne Unterschrift eröffnet werden.
2.2.2 Gestützt auf diese gesetzliche Grundlage ist der Einspracheentscheid dem Pflichtigen (bzw. dessen Rechtsvertretung) bereits mit der Zustellung des nicht unterzeichneten Exemplars rechtsgültig eröffnet worden. Da vorliegend sowohl die Veranlagung als auch der Einspracheentscheid durch den Grundsteuerausschuss der Stadt D erfolgten, kann offenbleiben, ob sich die Regelung von § 8 Abs. 1 Satz 2 VO StG im Sinn der Ausführungen in der Beschwerdeschrift nur auf Einspracheentscheide bezieht, in welcher die Einsprachebehörde identisch mit der Einschätzungsbehörde ist, zumal sich für eine derartige Auslegung ohnehin keinerlei Hinweise im Verordnungswortlaut ergeben. Damit ist festzustellen, dass der Einspracheentscheid dem Pflichtigen bereits am 28. Mai 2019 gültig eröffnet wurde und die Rekursfrist deshalb am Donnerstag, 27. Juni 2019 ablief.
Im Übrigen hätte selbst das Fehlen einer gesetzlich vorgesehenen Unterschrift die Gültigkeit der Zustellung nicht infrage gestellt, da nur schwerwiegende Form- oder Eröffnungsfehler die Nichtigkeit einer Verfügung(seröffnung) nach sich ziehen und vorliegend selbst der Rechtsvertreter des Pflichtigen bloss von einer "versehentlich" vergessenen Unterzeichnung ausging (vgl. BGr, 8. März 2013, 2C_848/2012, E. 4.1 und 4.3).
Der am 24. Juli 2019 der Post übergebene Rekurs war somit verspätet. Zu prüfen ist, ob der Pflichtige nicht aufgrund der behördlichen Falschauskunft auf einen späteren Fristenlauf vertrauen durfte oder Fristwiederherstellungsgründe vorliegen.
2.3
2.3.1 Der in Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 der Bundesverfassung (BV) verankerte Grundsatz von Treu und Glauben verleiht einer Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in unrichtige Zusicherungen, Auskünfte, Mitteilungen oder Empfehlungen einer Behörde, wenn a) die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat, b) die Behörde für die Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder zumindest aus zureichenden Gründen als zuständig betrachtet werden durfte, c) der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres erkennen konnte, er d) im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und e) die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat (vgl. BGr, 19. Februar 2013, 2C_988/2012, E. 3.2; BGE 131 II 627 E. 6.1; Beatrice Weber-Dürler, Falsche Auskünfte von Behörden, ZBl 92/1991 S. 3 mit Hinweisen; Felix Richner et al., Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., Zürich 2013, VB zu §§ 119-131 StG N. 57 ff.). Allerdings steht auch bei Erfüllung sämtlicher Voraussetzungen nicht fest, ob der Private sich mit Erfolg auf Treu und Glauben berufen kann. Das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts und der Vertrauensschutz müssen gegeneinander abgewogen werden (vgl. BGE 137 I 69 E. 2.6).
2.3.2 Der Rechtsvertreter des Pflichtigen ersuchte mit Schreiben vom 17. Juni 2019 beim zuständigen Grundsteuerausschuss um nochmalige Zustellung des Einspracheentscheids, da dieser versehentlich nicht unterzeichnet worden sei. Zugleich bat er um die Bestätigung, dass für eine allfällige Rechtsmittelfrist die Zustellung des unterzeichneten Einspracheentscheids relevant sei. Mit Schreiben vom 20. Juni 2019 sandte ihm das Steueramt der Stadt D nach Prüfung der Sachlage eine unterzeichnete Version des Einspracheentscheids zu und bestätigte zugleich, dass die Rekursfrist erst mit dem Erhalt des unterzeichneten Exemplars beginge. Sowohl das Schreiben vom 20. Juni 2019 als auch der diesem beigelege Einspracheentscheid waren jeweils von der Sekretärin des Grundsteuerausschusses unterzeichnet.
2.3.3 Da Einspracheentscheide auch ohne Unterschrift gültig eröffnet werden können (vgl. E. 2.2 vorstehend), war die mit Schreiben vom 20. Juni 2019 gegebene Auskunft falsch und es bleibt allein zu prüfen, ob Vertrauensschutzgründe gleichwohl gebieten, auf den verspätet erhobenen Rekurs einzutreten.
2.3.4 Die massgebliche Rechtslage hat sich seit der Auskunftserteilung nicht verändert und es ist davon auszugehen, dass der Pflichtige gerade auch im Vertrauen auf die ihm bzw. seinem Rechtsvertreter erteilten Auskunft auf eine fristgerechte Rekurserhebung verzichtet und in diesem Sinn nachteilig disponiert hatte. Es bleibt zu klären, ob der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer auf die fehlerhafte steueramtliche Auskunft vertrauen durfte.
2.3.5 Das Antwortschreiben des Steueramts der Stadt D vom 20. Juni 2019 erfolgte vorbehaltslos und im Hinblick auf eine entsprechende Anfrage des Pflichtigen, weshalb es hinsichtlich seiner inhaltlichen Bestimmtheit zur Begründung von berechtigtem Vertrauen in Betracht kommt.
2.3.6 Gemäss § 211 StG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über die Staats- und Gemeindesteuern vom 24. April 1998 kann im Einspracheverfahren der Grundsteuerausschuss durch das Steueramt, Hauptabteilung Grundsteuern, vertreten werden, womit der Pflichtige zumindest von der Zuständigkeit des auskunftgebenden Steueramts,  Einspracheentscheide zu fällen, ausgehen durfte, zumal die namens des Steueramts auskunftgebende Person zugleich auch als Sekretärin des Grundsteuerausschusses amtete und in dieser Funktion auch den Einspracheentscheid unterzeichnete.
Hieraus ergibt sich jedoch nicht zwingend, dass das Steueramt auch für Auskünfte betreffend die Gültigkeit der bereits am 28. Mai 2019 erfolgten Zustellung zuständig war. Vielmehr ist zu differenzieren: Da die tatsächliche Zustellung eines fristauslösenden Entscheids durch die verfügende Instanz nachzuweisen ist, wäre diese auch für entsprechende Auskünfte zuständig. Grundsätzlich hat aber die Rechtsmittelinstanz und nicht die verfügende Instanz die Einhaltung der Rechtsmittelfrist zu prüfen und darüber zu entscheiden, stellt die Einhaltung der Frist doch eine Prozessvoraussetzung dar. Deshalb wären solche Fragen an die Rechtsmittelinstanz und nicht an die verfügende Instanz zu richten. Dies gilt auch, wenn nicht die tatsächliche Zustellung, sondern die rechtliche Gültigkeit einer als solchen unbestrittenen Zustellung infrage steht, obliegt es doch allein der Rechtsmittelinstanz, die Gültigkeit einer bereits erfolgten Zustellung im Nachhinein zu beurteilen. Mit der (auch ohne Unterschrift) gültigen Zustellung des Einspracheentscheids wurde das Einspracheverfahren abgeschlossen und ging die Entscheidungszuständigkeit zufolge der devolutiven Natur des Rekurses an die Rekursbehörde über (vgl. z. B. BGr, 28. August 2012, 2C_653/2012, E. 4.2.3).