Decision ID: 6a5bfb75-5d06-4024-a5be-d493bf19f5f0
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter), beantragte erstmals am 23. Dezember 2004 bei
der Invalidenversicherung (IV) Leistungen (IV-act. 4). Dr. med. B._, FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtete den Versicherten im Auftrag der damals
zuständigen IV-Stelle des Kantons Zürich psychiatrisch und diagnostizierte dabei eine
rezidivierende depressive Störung, schwere depressive Episode mit psychotischen
Symptomen (ICD-10: F33.3), eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
impulsiven Typ (ICD-10: F60.30), eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:
F43.1) sowie eine rezidivierende Suizidalität (Gutachten vom 7. Mai 2006, IV-act. 23).
Gestützt darauf sprach die IV-Stelle des Kantons Zürich dem Versicherten mit
Verfügung vom 9. November 2006 und Wirkung ab 1. November 2005 eine ganze
Rente zu (IV-act. 39).
A.a.
Auf Hinweis der Stadtpolizei St. Gallen, wonach der Versicherte in einem C._
arbeite (IV-act. 44), eröffnete die nunmehr zuständige IV-Stelle des Kantons St. Gallen
am 16. August 2007 ein Revisionsverfahren (IV-act. 47). Sie ordnete zunächst am
21. September 2007 die Einstellung der Rente wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht
(IV-act. 55) und am 15. November 2007 deren Weiterausrichtung während des
Revisionsverfahrens an (IV-act. 73).
A.b.
RAD-Arzt Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
untersuchte den Versicherten am 13. März und 30. Mai 2008 und kam zum Schluss, in
adaptierten Tätigkeiten sei eine Präsenz von zweimal drei Stunden täglich mit einer
Leistungsminderung von 30 % zumutbar (Bericht vom 4. Juli 2008, IV-act. 81,
A.c.
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entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von rund 50 %). Mit Verfügung vom 18. November
2008 reduzierte die IV-Stelle die bisher ganze auf eine halbe Rente (IV-act. 89 f.). Ein
weiteres, am 10. September 2009 eröffnetes amtliches Revisionsverfahren (IV-act. 95)
schloss die IV-Stelle am 21. Januar 2010 mit der Mitteilung ab, dem Versicherten die
bisherige Invalidenrente unverändert weiterhin auszurichten (IV-act. 104).
Vom 23. Dezember 2010 bis 3. Februar 2011, vom 13. Februar bis 19. April 2013
und vom 10. Dezember 2013 bis 6. Februar 2014 wurde der Versicherte in der
Psychiatrischen Klinik E._ stationär sowie ab 6. Mai 2013 und ab 10. Februar 2014
tagesklinisch behandelt (IV-act. 121 f.; Austrittsbericht vom 28. April 2013, IV-act. 117;
Austrittsbericht vom 10. August 2015, IV-act. 149-27 ff.). Unter deren Mitwirkung
ersuchte er am 28. Februar 2014 um Revision seiner Rente (IV-act. 121 f.).
A.d.
Med. pract. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im
Arztbericht vom 5. August 2014 (Posteingang) fest, im Befund liessen sich eine
verlangsamte Psychomotorik, gehemmtes Denken, mangelndes Interesse, Anhedonie,
Antriebsarmut, anhaltende Müdigkeit und reduzierte Belastbarkeit sowie
Insuffizienzgefühle erheben. Der Versicherte habe selbst mit (dem Erhalt) der
Tagesstruktur Probleme. Er sei seit Behandlungsbeginn am 6. Dezember 2012 zu
100 % arbeitsunfähig (IV-act. 125). RAD-Arzt Dr. med. G._, Facharzt für Innere
Medizin mit Fähigkeitsausweis psychosomatische und psychosoziale Medizin, nahm
am 18. September 2014 Stellung, aufgrund der vorliegenden Arztberichte sei von einer
aufgehobenen Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten seit etwa Herbst/Ende 2012
und davon auszugehen, dass eine gutachterliche Abklärung zu keinem anderen
Resultat führe (IV-act. 126). Die zuständige IV-Sachbearbeiterin legte den Fall erneut
dem RAD vor, nachdem sie im Internet auf Kontaktanzeigen und Fotos, die auf ein
höheres als das geltend gemachte Aktivitätsniveau schliessen liessen, gestossen war
(RAD-Anfragen vom 10. Januar 2015, IV-act. 133, und vom 17. Juli 2015, IV-act. 134).
RAD-Ärztin Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am
21. Juli 2015 Stellung, es sei eine Verlaufsbegutachtung angezeigt (IV-act. 134).
A.e.
Vom 1. September bis 1. Oktober 2015 war der Versicherte erneut in stationärer
Behandlung in der Psychiatrischen Klinik E._ (Austrittsbericht vom 28. Oktober 2015,
IV-act. 147).
A.f.
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Im Gutachten vom 29. Dezember 2015 (Untersuchung 28. September 2015, IV-
act. 149) kam Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie,
zum Ergebnis, bei der Untersuchung hätten sich so viele Inkonsistenzen ergeben, dass
trotz der zahlreichen bisher vorhandenen Expertisen mit psychiatrischen Diagnosen
keine Befunde oder Merkmalkriterien nachweisbar gewesen seien, die eine spezifische
psychiatrische Krankheit nach der gängigen Klassifikation ergeben würden (IV-
act. 149-17). Er sei überzeugt, dass ein psychiatrisches Leiden bestehe und dass die
Lebensqualität des Beschwerdeführers mindestens zeitweise schlecht sei.
Wahrscheinlich seien auch gesundheitlich bedingte Funktionsstörungen vorhanden.
Wegen der Inkonsistenzen habe er aber nicht eruieren können, welcher Art und
welchen Ausmasses diese vorhanden seien (IV-act. 149-18, 21). RAD-Arzt Dr. med.
J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, äusserte am 27. April 2016,
zumindest ab September 2015 (Untersuchungszeitpunkt Gutachten) sei nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden
auszugehen (IV-act. 150).
A.g.
Am 23. Mai 2016 musste sich der Versicherte einer Dekompression LWK 4/5
unterziehen (Austrittsbericht Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen
[KSSG] vom 2. Juni 2016, IV-act. 163-71).
A.h.
Der Rechtsdienst der IV-Stelle nahm am 28. Juni 2016 Stellung, der Versicherte sei
unter Hinweis auf die Mitwirkungspflicht und deren Sanktionierung erneut zu
begutachten (IV-act. 151-4). Dr. med. K._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, und Dr. phil. L._, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP,
wiesen in ihrem Gutachten vom 12. Januar 2017 (Untersuchungen vom 27. Oktober,
18. November sowie 8. Dezember 2016, IV-act. 163) ebenfalls auf verschiedene
Inkonsistenzen hin (IV-act. 163-58 f., 83). Dr. K._ führte aus, der Versicherte leide an
einer rezidivierenden depressiven Störung, diese sei nun aber seit einiger Zeit
remittiert. Aktuell könne keine depressive Episode diagnostiziert werden, so dass sich
aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen lasse
(IV-act. 163-60). Es könne rückwirkend nicht gesagt werden, von wann bis wann und
allenfalls in welcher Ausprägung in den letzten Jahren eine depressive Episode
bestanden habe, weil der Beschwerdeführer in der aktuellen Abklärung wie auch bei
A.i.
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der letzten Begutachtung stark aggraviert habe, sodass man davon ausgehen müsse,
dass er dies auch in der Vergangenheit gelegentlich gemacht habe (IV-act. 163-65).
RAD-Arzt Dr. J._ nahm am 23. Januar 2017 Stellung, es sei zu einer Remission
der rezidivierenden depressiven Störung gekommen. Der genaue Zeitpunkt der
Besserung sei retrospektiv nicht festzulegen und sei somit ab letztem
Untersuchungsdatum (18. Dezember 2016; richtig wohl: 8. Dezember 2016)
anzunehmen (IV-act. 164).
A.j.
Die IV-Stelle informierte den Versicherten mit Schreiben vom 27. März 2017, der
Anspruch auf die bisherige Rente sei nicht mehr gegeben, da er zu 100 % arbeitsfähig
sei. Vor der Aufhebung der Rente seien berufliche Eingliederungsmassnahmen
durchzuführen (IV-act. 167). Am 16. Januar 2018 reichte der Versicherte ein neues
Leistungsgesuch ein (IV-act. 199), welches er mit einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes begründete (vgl. IV-act. 210-2 und IV-act. 211).
A.k.
Am 8. Januar 2018 musste der Versicherte bei L5-Nervenwurzelkompression
rechtsrecessal (MRI LWS vom 19. Oktober 2017, IV-act. 197-3) eine Dekompression
L4/5 rechts vornehmen lassen (Austrittsbericht Klinik für Neurochirurgie KSSG vom
15. Januar 2018, IV-act. 200; Operationsbericht IV-act. 201-6).
A.l.
Nachdem gemäss Arztbericht der Klinik für Neurochirurgie des KSSG vom
11. März 2018 aus neurochirurgischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestand (IV-
act. 201-2 ff.), sprach die IV-Stelle dem Versicherten Arbeitsvermittlung zu (Mitteilung
vom 15. März 2018, IV-act. 203). Die Eingliederungsverantwortliche schloss am 7. Juni
2018 ihren Fall ab, da sich der Versicherte maximal zu 50 % in geschütztem Rahmen
arbeitsfähig fühle (IV-act. 210). Die IV-Stelle wies mit Mitteilung vom 8. Juni 2018 das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 212) und gewährte ihm mit
Vorbescheid vom 20. Juli 2018 das rechtliche Gehör zur vorgesehenen Einstellung der
Invalidenrente (IV-act. 218). Hierzu nahmen am 23. Juli 2018 med. pract. M._,
Praktischer Arzt (IV-act. 219), und darauf am 21. August 2018 RAD-Ärztin Dr. med.
N._, Fachärztin für Allgemeine Medizin, Stellung. Sie verwies dabei auf ihre frühere
Stellungnahme vom 18. Juli 2018, wonach ab Mai 2018 bis 17. Juli 2018 von einer
50%igen und danach in leichten wechselbelastenden Tätigkeiten ohne Einnahme von
A.m.
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Zwangshaltungen der Wirbelsäule von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei
(IV-act. 216, IV-act. 225).
Der Versicherte erhob am 11. September 2018 gegen den Vorbescheid vom
20. Juli 2018 Einwand und machte im Wesentlichen geltend, seit der Begutachtung
durch Dr. K._ vor 21 Monaten habe sich seine psychische Erkrankung wieder
verschlechtert (IV-act. 226-1).
A.n.
Am 15. Oktober 2018 nahm med. pract. F._ zum Gutachten Stellung (IV-
act. 230). Dr. med. O._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, informierte die IV-Stelle am 19. Oktober 2018 über eine für den
3. Januar 2019 geplante kniearthroskopische Behandlung unter anderem einer
Meniskusverletzung, von welcher der Versicherte schliesslich Abstand nahm. Er
attestierte dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 19. Oktober 2018
für zwei Wochen, danach sei er 0 % arbeitsunfähig (vgl. dazu MR Knie rechts vom
26. September 2018, IV-act. 238-6; ärztliche Bestätigung vom 19. Oktober 2018, IV-
act. 234-1; Arztbericht vom 12. November 2018, IV-act. 238; Verlaufsbericht vom
4. März 2019, IV-act. 240).
A.o.
RAD-Ärztin Dr. N._ hielt am 5. November 2018 fest, med. pract. F._ nehme
zum Gutachten und nicht zum aktuellen medizinischen Sachverhalt Stellung. Neue
Tatsachen würden nicht dargelegt (IV-act. 236). Am 27. März 2019 äusserte sie sich zur
Knieproblematik, nachdem der Versicherte auf den Eingriff verzichtet habe und keine
weiteren Konsultationen stattgefunden hätten, liege ab 1. November 2018 gemäss
Bericht von Dr. O._ (Arztbericht vom 12. November 2018, IV-act. 238) eine volle
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit vor (IV-act. 241).
A.p.
Mit Verfügung vom 28. März 2019 stellte die IV-Stelle die Rente auf Ende des
folgenden Monats ein. Zum Bericht von med. pract. M._ vom 23. Juli 2018 hielt sie
fest, es handle sich um den bereits bekannten medizinischen Sachverhalt. Der Bericht
von med. pract. F._ vom 15. Oktober 2018 ändere nichts an der bisherigen
Beurteilung, da es sich lediglich um eine Stellungnahme zum Gutachten handle.
Medizinische neue Tatsachen würden nicht dargelegt. Somit könne an der bisherigen
Beurteilung aus psychiatrischer Sicht festgehalten werden. Die aufgrund der
A.q.
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B.
Meniskusläsion attestierte Arbeitsunfähigkeit sei nur von kurzer Dauer. Zwischenzeitlich
liege wieder eine volle Arbeitsfähigkeit für eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit
ohne Einnahme von Zwangshaltungen der Wirbelsäule oder hockenden und knienden
Positionen sowie ohne häufige Benutzung von Leitern und Treppen und ohne Begehen
von unebenem Gelände vor (IV-act. 242).
Gegen die Verfügung vom 28. März 2019 lässt A._, vertreten durch Fürsprecher
lic. iur. D. Küng, am 13. Mai 2019 Beschwerde erheben. Er beantragt, die angefochtene
Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge vollumfänglich aufzuheben. Es
sei ihm eine ganze Invalidenrente spätestens ab März 2014 zuzusprechen und zu
entrichten, zumindest aber die bisherige halbe Invalidenrente zu belassen.
Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Prozedur zu
weiterer Abklärung und anschliessender Neuverfügung zurückzuweisen. Weiter sei ihm
die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Entgegen der Annahme der
Beschwerdegegnerin habe sich sein Gesundheitszustand nicht verbessert, sondern
verschlechtert. Der behandelnde Facharzt med. pract. F._ lege schlüssig und
nachvollziehbar dar, weshalb auf die Einschätzungen von Dr. I._, Dr. K._ und des
neuropsychologischen Gutachters nicht abgestellt werden könne. Aufgrund der
langjährigen Behandlung seien die Einschätzungen von med. pract. F._ verlässlich.
Gemäss diesem würden die von ihm geschilderten Beschwerden von den Gutachtern
in auf Voreingenommenheit deutende Weise systematisch diskreditiert, relativiert,
verharmlost und im Lichte der Aggravation dargestellt. Weiter attestierten auch die
Ärzte der Psychiatrischen Klinik E._ und der Hausarzt Einschränkungen. Entgegen
der Ansicht von Dr. K._ sei die Depression nicht remittiert gewesen. Zwischen der
Begutachtung (Oktober/November 2016) und dem Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 28. März 2019 seien beträchtlich mehr als zwei Jahre vergangen. Auch aufgrund
der somatischen Beschwerden sei es ihm nicht möglich, ein Einkommen zu erzielen.
Die Auswirkungen der Rückenbeschwerden würden von der Beschwerdegegnerin zu
Unrecht nicht berücksichtigt (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 2. Juli 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Beim Beschwerdeführer liege eindeutig aggravatorisches
B.b.
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Verhalten vor, das nicht auf eine krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen
sei. Es sei somit von vornherein nicht von einer invalidisierenden psychischen
Erkrankung auszugehen. Es gebe keinen Hinweis auf Voreingenommenheit der
Gutachter. Med. pract. F._ stütze seine Arbeitsfähigkeitsschätzung schwergewichtig
auf die Schilderungen des Beschwerdeführers statt auf objektive Faktoren ab. Zudem
sei der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund
ihrer auftragsrechtlichen Stellung überwiegend zugunsten ihrer Patienten aussagen
würden. Die Berichte der behandelnden Ärzte enthielten keine objektiv feststellbaren
Gesichtspunkte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet
seien, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen. Es sei auf die Gutachten der Dres.
I._ und K._ abzustellen, weitere medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt.
Entsprechend den RAD-Stellungnahmen ergäben sich keine Anhaltspunkte, dass sich
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung durch
Dr. K._ verschlechtert habe. Gemäss Untersuchungsbericht des RAD vom 4. Juli
2008 habe damals eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vorgelegen. Demgegenüber würden
von den Gutachtern Dres. I._ und K._ keine psychiatrischen Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit attestiert. Somit habe sie die IV-Rente zu Recht
eingestellt (act. G 5).
Am 5. Juli 2019 bewilligt die Präsidentin das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, unentgeltliche
Rechtsverbeiständung).
B.c.
Mit Replik vom 10. September 2019 reicht der Beschwerdeführer einen Bericht
von med. pract. F._ vom 3. September 2019 zu den Akten (act. G 13.1). Danach
seien die Darstellung des Beschwerdeführers im Licht der Aggravation und die
Bagatellisierung aller früheren fachärztlichen Stellungnahmen nicht vertretbar. Die
rezidivierende depressive Störung verlaufe phasenweise. Zwischendurch träten
Teilremissionen auf. Trotzdem habe die Erkrankung eine dauerhafte Beeinträchtigung
der beruflichen Tätigkeit zur Folge. Die Gutachter übersähen, dass diese Problematik
trotz allenfalls möglicher Aggravation im Rahmen von Begutachtungen bestehe (act. G
13).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 15).B.e.
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Erwägungen
1.
Im weiteren Verlauf des Verfahrens reicht der Beschwerdeführer Sprechstunden
berichte von Dr. med. P._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates FMH, vom 4. Februar 2020 (act. G 16.1), vom 15. Juni 2020
(act. G 16.2), vom 2. September 2020 (G 19.1) und vom 14. Oktober 2020 (act. G 19.2),
eine Bestätigung von med. pract. F._ vom 19. Juni 2020, wonach unverändert eine
rezidivierende depressive Störung bestehe (act. G 16.3), einen Bericht von Dr. med.
Q._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 31. Oktober 2020
(act. G 18.1) sowie einen Bericht von med. pract. M._ vom 16. November 2020
(act. G 21.1) ein und macht geltend, die (teilweise nebenbei) beschriebenen Störungen
hätten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits zum Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung vorgelegen (act. G 16, 17, 18, 19, 21).
B.f.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten
Beschwerden objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw.
Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch unklare
Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte Diagnosen) sowie
psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der Beweis nach dem
strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 141 V 281 und
BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche
1.2.
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gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet betrachtet werden,
wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden
Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen
(Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden
Instanzen haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -
ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227
E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb; Urteile des Bundesgerichts vom 15. Juli 2020,
8C_335/2020, E. 4.1, und vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
1.4.
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2.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen. Dagegen
stellt die unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit allein keinen
Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 144 I 105 E. 2.1). Zeitlicher
Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des
Invaliditätsgrads ist die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen
Prüfung des Rentenanspruchs beruht (BGE 133 V 108; BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil
des Bundesgerichts vom 26. März 2010, 9C_438/2009, E. 1).
3.
Streitpunkt bildet vorliegend die Frage, ob ein Revisionsgrund ausgewiesen ist.
Während die Beschwerdegegnerin einen solchen bejaht, macht der Beschwerdeführer
gar eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend. Massgebender
Referenzzeitpunkt bildet die letzte rechtkräftige Verfügung basierend auf einer
materiellen Prüfung und damit vorliegend die Verfügung vom 18. November 2008. Als
die Rente per 2009 von einer ganzen auf eine halbe Rente herabgesetzt wurde, stützte
sich die Beschwerdegegnerin auf den ärztlichen Bericht der psychiatrischen RAD-
Untersuchung von Dr. D._ vom 13. März 2008. Der RAD-Arzt diagnostizierte eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig chronifizierte mittelgradige Episode,
und attestierte dem Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit eine 51%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 81). In der vorliegend angefochtenen Verfügung stützt sich die
Beschwerdegegnerin in medizinscher Hinsicht auf das psychiatrisch-
neuropsychologische Gutachten der Dres. K._ und L._ vom 12. Januar 2017 (IV-
act. 163). Dr. K._ geht von einer rezidivierenden Störung, gegenwärtig remittiert, aus
und konnte damit nicht mehr eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellen. Nachfolgend zu prüfen ist, ob auf dieses Gutachten abgestellt werden kann
und sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers gegenüber der letzten
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.5.
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rechtskräftigen Verfügung tatsächlich verändert hat. Vorab ist jedoch zu erwägen, ob in
somatischer Hinsicht eine rentenrelevante Verschlechterung aufgrund der
dokumentierten Befunde eingetreten ist, wie ebenfalls geltend gemacht wird.
4.
Gemäss Austrittsbericht der Klinik für Neurochirurgie des KSSG vom 2. Juni 2016
wurde beim Beschwerdeführer am 23. Mai 2016 eine Dekompression LWK 4/5
vorgenommen, nachdem er seit einigen Monaten unter einer typischen Claudicatio
spinalis Symptomatik mit starken Ischialgien nach Gehstrecken von 50 Metern bei
hochgradiger Spinalkanalstenose LWK 4/5 gelitten hatte (IV-act. 163-71). Anlässlich
der Exploration durch Dr. K._ äusserte er, seither könne er besser gehen, habe aber
starke Schmerzen am Rücken (IV-act. 163-39). Am 8. Januar 2018 erfolgte erneut eine
Dekompression L4/5 rechts (Austrittsbericht Klinik für Neurochirurgie KSSG vom
15. Januar 2018, IV-act. 200; Operationsbericht IV-act. 201-6). Indikation bildete eine
mit MRI vom 19. Oktober 2017 nachgewiesene L5-Nervenwurzelkompression
rechtsrecessal bei erheblicher, vermutlich instabilisierender Spondylarthrose rechts
betont im Segment LWK 4/5. Weiter fanden sich moderate bis mittelgradige
degenerative Veränderungen der Bandscheiben LWK 1 bis 4 ohne weitere
neurokompressive Wirkung (IV-act. 197-3). Gemäss Arztbericht der Klinik für
Neurochirurgie des KSSG vom 11. März 2018 bestand damals aus neurochirurgischer
Sicht keine Arbeitsunfähigkeit mehr (IV-act. 201). Dem Bericht von med. pract. M._
vom 11. Juni 2018 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 9. April 2018 über
Rückenbeschwerden mit Ausstrahlung in das rechte Bein klagte mit einer
Schmerzintensität von 7/10 auf der analogen visuellen Schmerzskala. Es bestünden
Druckschmerz, Hartspann und Myogelosen am Übergang BWK/LWK bzw. der
proximalen LWS. Gegenüber dem Vorbericht sei der Gesundheitszustand stationär.
Eine mögliche Facettengelenksinfiltration L4/5 habe der Beschwerdeführer vorerst
abgelehnt (IV-act. 213). Am 12. Juli 2018 berichtete med. pract.M._ nach wie vor
über ausstrahlende lumbale Schmerzen (IV-act. 215). RAD-Ärztin Dr. N._ wies in ihrer
Stellungnahme vom 18. Juli 2018 auf den Bericht der behandelnden Neurochirurgen
vom (11.) März 2018 (IV-act. 201) hin, wonach sich die Schmerzproblematik nach der
Operation rasch zurückgebildet habe und man von einer vollen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen sei. Med. pract. M._ habe keine die geklagten Schmerzen
objektivierenden Befunde beschrieben. Der Beschwerdeführer habe eine Infiltration
abgelehnt (IV-act. 216). Seitens der Klinik für Neurochirurgie wurde dem
Beschwerdeführer keine längerdauernde Arbeitsfähigkeit attestiert, insbesondere auch
nicht über den Zeitpunkt der Einstellung der halben Rente per 30. April 2019 (vgl.
4.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/22
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Verfügung vom 28. März 2019, IV-act. 242) hinaus. Ebenso wenig bestätigte
med. pract. M._ aufgrund der Rückenbeschwerden eine höhere Arbeitsunfähigkeit
als die durch die psychischen Beschwerden verursachte. Somit ist zwar davon
auszugehen, dass die Rückenbeschwerden zwischen etwa Januar 2016 und Januar
2018 möglicherweise die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten, jedoch nicht zu einer
höheren Arbeitsunfähigkeit führten, als sie ohnehin aus psychischen Gründen bestand.
Hinsichtlich des rechten Knies zeigte eine MR-Untersuchung vom 26. September
2018 eine oberflächenerreichende Ruptur des Innenmeniskushinterhornes an der
zentral abgestumpften Pars intermedia auslaufend (Meniskopathie Grad III) bei
Aussenmeniskus mit deutlichem lokoregionärem Reizzustand der meniskoligamentären
Anheftung, eine initiale medial betonte Gonarthrose mit Chondropathie Grad II bis
punktuell Grad III und Reizsynovialitis, Erguss und Hoffitis sowie Reizzustand des
Kapselbandapparates (IV-act. 238-6). In der einzigen Konsultation bei Dr. O._ am
19. Oktober 2018 berichtete der Beschwerdeführer, die Schmerzen bestünden seit
einem Monat. Von einer für den 3. Januar 2019 geplanten arthroskopischen
Teilmeniskektomie nahm er Abstand (Berichte Dr. O._ vom 12. November 2018, IV-
act. 238, und vom 4. März 2019, IV-act. 240). Dr. P._ hielt in seinen Berichten fest,
schon bei der Erstkonsultation (Mitte 2019) habe eine konservativ behandelte medial
betonte Gonarthrose mit femorotibialer Chondropathie bestanden, die zur
Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Im Mai 2020 habe sich der Versicherte klinisch bereits
mit einem hinkenden Schongangbild und deutlichem Erguss präsentiert. Im am 15. Juni
2020 besprochenen MRI-Befund habe sich die femoro-tibiale mediale Chondropathie
erheblich progredient gezeigt im Sinne einer IV° Läsion (act. G 16.2). Am 22. Juli 2020
habe der Beschwerdeführer eine unikondyläre Knieprothese rechts erhalten (vgl.
Berichte vom 4. Februar 2020, act. G 16.1, vom 15. Juni 2020, act. G 16.2, und vom
2. September 2020, G 19.1). Im Bericht vom 14. Oktober 2020 attestierte Dr. P._
dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von etwa 30 % (act. G 19.2). Der Hausarzt
berichtete am 16. November 2020 über persistierende Knieschmerzen rechts
(act. G 21.1.). Für die Zeit vor Erlass der angefochtenen Renteneinstellung besteht
einzig für zwei Wochen ab dem 19. Oktober 2018 eine attestierte Arbeitsunfähigkeit
aufgrund der Kniebeschwerden. Dr. P._ äusserte sich zur Arbeitsfähigkeit erst ab
Behandlungsbeginn Mitte 2019, also drei Monate nach Erlass der angefochtenen
Verfügung. Zudem ist zumindest fraglich, ob sich die Aussagen von Dr. O._ und
Dr. P._ auf die bisherige oder eine angepasste Tätigkeit beziehen. Aus der
postoperativen Einschätzung vom 14. Oktober 2020 kann sodann nicht auf eine
Einschränkung vor der Operation geschlossen werden. Von Dr. P._ wird denn auch
vor allem eine massgebliche Verschlechterung ab Mai 2020 beschrieben. Die RAD-
4.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/22
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5.
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass bis zum Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung keine längerfristigen rentenrelevanten somatischen
Beschwerden bestanden. Im Folgenden ist daher der psychische Gesundheitszustand
zu diskutieren.
6.
Zunächst ist zu prüfen, ob in der angefochtenen Verfügung zu Recht auf das Gutachten
von Dr. K._ abgestellt wurde.
Stellungnahme vom 27. März 2019 (IV-act. 241) ist insofern überholt, als der
Beschwerdeführer rund drei Monate nach Erlass der angefochtenen Verfügung erneut
medizinische Hilfe in Anspruch nahm und sich schliesslich im Folgejahr der
Implantation einer Teilprothese unterzog. Zusammenfassend ist nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, dass sich die Kniebeschwerden bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung bereits soweit verschlimmert hatten, dass sie
zu einer rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit führten.
6.1.
Den Gutachtern Dr. I._ und Dr. K._ schilderte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen und übereinstimmend, seit dem Jahr 20_ habe er psychische Probleme.
Seine erste Ehe sei im Jahr 20_ gescheitert. Er sei in eine psychische Krise geraten
und habe schliesslich 20_ sein Geschäft verkaufen müssen. Seine (dritte) Ehefrau
habe (ab) 20_ zuerst zusammen mit einer Bekannten einen Take-away bzw. ein
Lebensmittelgeschäft betrieben. Dort sei er von 20_ bis 20_ in einem 20 %-Pensum
angestellt gewesen, habe aber nicht ein entsprechendes Arbeitspensum geleistet,
sondern manchmal Schreibarbeiten verrichtet, Beschriftungen kontrolliert und seine
Ehefrau beraten. Das Geschäft sei 20_ Konkurs gegangen und er hätte aufgrund einer
schweren Depression ohnehin nicht weiterarbeiten können. Damals habe er sich
umbringen wollen und sei in die Klinik eingewiesen worden. Die Ehefrau sei 20_ bzw.
20_ mit den Töchtern (geboren 20_ und 20_, IV-act. 199) in R._ zurückgekehrt,
was ihn schwer belastet habe (vgl. IV-act. 163-42 f.; IV-act. 149-10 ff.).
6.1.1.
Anlässlich der Untersuchung durch Dr. K._ führte der Beschwerdeführer aus,
sein Körper sei für ihn wie eine Last. Er sei sehr müde und ausgelaugt und möge keine
anderen Menschen sehen. Dieser Zustand bestehe seit zwei bis drei Monaten. Zuvor
6.1.2.
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habe er sich ein wenig besser gefühlt. Seit Tagen fühle er sich müde, möge nicht
kommunizieren, keinen Menschen sehen und sei ganz alleine. Zurzeit habe er auch
starke Rückenschmerzen, könne nicht lange sitzen oder stehen. Diese habe er seit
einer Operation im Jahre 2016 (IV-act. 163-38 f.). Er begebe sich langsam in den zwei
Kilometer entfernten Schrebergarten und kaufe sich etwas, was er dort dann esse. Er
treffe dort andere Leute, darunter viele Türken und Kurden. Im Winter gehe er erst um
14.00 Uhr zum Garten, da es nichts zu tun gebe. Zu Hause koche er sich etwas und
sehe fern, bis er zu Bett gehe. Mitte Dezember bekomme er einen Hund. Ansonsten
habe er keine Hobbys. Im Jahr 20_ sei er einen Monat in den Ferien gewesen (IV-
act. 163-45 f.). Seit zwei Jahren sei die Stimmung immer schlecht, er habe keine
Freude, fühle sich leer und interessiere sich für nichts (IV-act. 163-51).
Dr. K._ führte aus, die Grundstimmung sei höchstens diskret zum depressiven
Pol hin verschoben und die affektive Modulationsfähigkeit etwas eingeschränkt
gewesen. Der Beschwerdeführer habe sich zu Schuldgefühlen nicht geäussert, da er
nicht nachdenken könne, weil sein Kopf leer sei, habe Insuffizienzgefühle bejaht sowie
gelegentliche innere Unruhe, Gereiztheit angegeben, einen sozialen Rückzug
beschrieben, spontan über depressive Gefühle, regelmässige Ein- und
Durchschlafstörungen und einen Interessenverlust berichtet. Während des Interviews
sei eine leichte Verlangsamung aufgefallen (IV-act. 163-50 ff.). In der Hamilton
Depressionsskala habe er 12 Punkte erreicht (IV-act. 163-55). Er habe sehr vage,
unklare und auch widersprüchliche Angaben gemacht, so dass sich keine Hinweise für
eine relevante depressive Verstimmung fänden, weil er eben nicht konsequent über
eine mindestens zwei Wochen anhaltende gravierende depressive Verstimmung
berichtet habe, die nicht auf die jeweiligen Lebensumstände reagiere (IV-act. 163-55).
Er habe wenig konkrete Einschränkungen beschrieben, häufig habe er sich selber
widersprochen, manchmal direkt hintereinander, wie zum Beispiel bei den Angaben
zum Krankheitsverlauf. So berichte er einerseits, seit 2001 gehe es manchmal gut und
dann plötzlich schlecht. Andererseits sei sein Zustand seit 2000 trotz Behandlungen in
verschiedenen Kliniken gleich geblieben. Dann seien die Angaben zu den sozialen
Aktivitäten (Freude am Garten, am Hund) widersprüchlich zu den Angaben, er habe
keine Interessen, keine Freude und gehe den Leuten aus dem Weg (IV-act. 163-58).
Würde der Beschwerdeführer tatsächlich an einer relevanten depressiven Episode
leiden, würde sich diese sowohl bei der psychiatrischen Exploration als auch bei der
neuropsychologischen Abklärung deutlich abbilden und er müsste nicht derart vage,
unklare und widersprüchliche Angaben machen und derart gravierende und
inkonsistente Einschränkungen bei der neuropsychologischen Abklärung
demonstrieren (IV-act. 163-56).
6.2.
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In der neuropsychologischen Begutachtung hätten sich zahlreiche Auffälligkeiten
ergeben, die auf ein suboptimales Leistungsverhalten hinweisen würden. Diese würden
sich aus den hoch auffälligen Resultaten des Beschwerdevalidierungsverfahrens und
den Diskrepanzen zwischen Testleistungen und bekannten Mustern von Hirnleistungen
und Hirnleistungsstörungen sowie dem beobachteten Verhalten ergeben. Die
Ergebnisse in einem der eingesetzten Beschwerdevalidierungstests lägen statistisch
signifikant unter dem Zufallsniveau, sodass klar von einer gezielten Manipulation
auszugehen sei. Sodann wäre bei einer massivsten Gedächtnisstörung nicht zu
erwarten, dass der Versicherte zeitlich und örtlich orientiert sei. Zudem habe sich der
Beschwerdeführer die Aufgabeninstruktionen problemlos merken können, jedoch
extrem unterdurchschnittliche Gedächtnisleistungen erbracht. Weiter sei diskrepant zu
den Befunden, dass er selbständig mit dem Auto zur Untersuchung gekommen sei.
Unter Berücksichtigung der Befunde seien die Kriterien für eine definitive negative
Antwortverzerrung respektive Aggravation erfüllt (IV-act. 163-59, 81 f., 83, 85).
Dr. K._ folgerte, insgesamt sei die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung wohl plausibel. Diese sei aber seit einiger Zeit remittiert, eine depressive
Episode könne aktuell nicht bestätigt werden. Über die Symptomatik einer
posttraumatischen Belastungsstörung habe der Beschwerdeführer nicht geklagt. Aus
psychiatrischer Sicht lasse sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen
(IV-act. 163-56 f., 60).
6.3.
Der behandelnde med. pract. F._ nahm am 15. Oktober 2018 Stellung, er
behandle den Versicherten seit 6. Dezember 2012. Diagnostisch handle es sich um
eine rezidivierende depressive Störung ohne volle Remission trotz Ausschöpfung fast
aller therapeutischen Massnahmen. Daneben leide der Beschwerdeführer unter einer
hochgradigen Spinalkanalstenose L4/5 mit chronischen Schmerzen trotz stattgehabter
Operation, unter Diabetes mellitus Typ II, Adipositas, essentieller Hypertonie und
erektyler Dysfunktion. Dr. K._ diskreditiere und verharmlose die angegebenen
Beschwerden systematisch und stelle sie (einseitig) als aggraviert oder nicht relevant
dar. Nach seiner Ansicht handle es sich um eine komplexe und schwerwiegende, seit
Jahren bestehende chronische Problematik. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass
der Beschwerdeführer während 15 oder 18 Jahren etwas "vorgespielt" haben solle.
Das Gutachten sei in sich widersprüchlich, z. B. in der Verhaltensbeobachtung und
zum äusseren Erscheinungsbild. Die bisherigen stationären und medikamentösen
Behandlungen, Suizidversuche und Fürsorgerische Unterbringung seien nicht ohne
Anlass bzw. Notwendigkeit erfolgt. Die Depression bzw. die neurokognitiven Befunde
würden mit dem Diabetes mellitus zusammenhängen, der auch zur für den
Beschwerdeführer belastenden erektylen Dysfunktion geführt habe. Zeitweise habe der
6.4.
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Beschwerdeführer Körperpflege und Nahrungsaufnahme vernachlässigt und sei so
verlangsamt gewesen, dass eine stationäre Behandlung unabdingbar gewesen sei. Im
Gutachten werde sodann die Korrelation zwischen Schmerzen und der Depression
ausgeblendet. Unter den nicht intakten familiären Verhältnissen habe der
Beschwerdeführer über lange Zeit gelitten. Er sei gesellschaftlich nur wenig integriert
und sowohl sprachlich, kulturell, ökonomisch wie auch gesundheitlich ausgegrenzt.
Durch die Anschaffung eines Hundes, die Arbeit im Schrebergarten und viel
therapeutische Motivation sei er seine Antriebslosigkeit und mangelnde Tagesstruktur
angegangen. Die Aktivitäten in der Tagesklinik und die Tätigkeit bei der Obvita hätten
Sinn und Tagesstruktur gestiftet. Der Beschwerdeführer habe primär genug
Selbstvertrauen, Kraft, Motivation und Energie gezeigt, um nach lediglich fünf
Schuljahren und einer Anlehre als Eisenleger in ein fremdes Land einzuwandern. Er
zeige Bereitschaft, eine berufliche Tätigkeit aufzunehmen und nehme regelmässig an
Reintegrationsprogrammen teil. Er arbeite gerne, Arbeit gebe ihm Selbstwertgefühl.
Nichts desto trotz werde er aufgrund seines Alters sowie erst recht durch seine
gesundheitlichen Probleme keine Arbeit im ersten Arbeitsmarkt finden. Er habe in
seinem Leben überwiegend körperlich gearbeitet, so dass die Arbeitsfähigkeit am
ehesten im Rahmen eines Arbeitsversuchs geschätzt werden sollte. Die Ergebnisse des
Reintegrationsprogramms bei der Obvita seien im Gutachten nicht berücksichtigt
worden (IV-act. 230).
Dr. K._ erhob Anamnese und Befund regelrecht und umfassend.
Med. pract. F._ nennt keine aktuellen objektivierten Gesichtspunkte, welche
Dr. K._ nicht berücksichtigte und die möglicherweise zu einer anderen Beurteilung
geführt hätten. Die Diskrepanzen zwischen den beklagten Folgen der Depression
(Interessen- und Freudlosigkeit, Rückzug) zu gewissen Angaben (regelmässiges
Aufsuchen des Schrebergartens und dort Treffen von Landsleuten, Vorfreude auf den
Hund) werden nachvollziehbar aufgezeigt. Dies gilt auch für die aus den Ergebnissen
der neuropsychologischen Testungen gezogenen Schlüsse. Weiter heiratete der
Beschwerdeführer offenbar am 11. Januar 2017 (IV-act. 199-2), während er bei den
Untersuchungen am 27. Oktober bzw. 18. November 2016 noch erklärte, keine
Partnerschaft zu haben (vgl. IV-act. 163-45). Die letzte stationäre Therapie erhielt der
Beschwerdeführer vom 1. September bis 1. Oktober 2015 (Austrittsbericht
Psychiatrische Klinik E._ vom 28. Oktober 2015, IV-act. 184-3 ff.), und im Zeitpunkt
der Begutachtung war er nach eigener Angabe seit längerer Zeit einmal monatlich in
ambulanter Behandlung bei med. pract. F._ (IV-act. 163-40), was ebenfalls gegen die
geltend gemachte Schwere der Beschwerden respektive für eine Verbesserung des
6.5.
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7.
Dr. Q._ führte in seinem Bericht vom 31. Oktober 2020 aus, er behandle den
Beschwerdeführer seit dem 28. August 2020. Im Jahr 2019 habe die Arbeitsunfähigkeit
psychiatrischerseits bei 50 % gelegen. Nach der Knieoperation vom 22. Juli 2020 habe
sich der psychische Zustand wieder verschlechtert. Aktuell beklage sich der
Beschwerdeführer über eine herabgesetzte Stimmungslage, Schlaflosigkeit, chronische
Müdigkeit und immer wieder auftretende Knieschmerzen. Er habe sich sozial isoliert
und die Ehefrau müsse ihm bei den Aufgaben des täglichen Lebens helfen. Dadurch,
dass er früher selbständig gewesen sei, keine positive Zukunftsperspektive sehe und
materiell nicht mehr so gut dastehe wie früher, sei zu erwarten, dass die
rezidivierenden depressiven Phasen immer wieder vorkommen würden (act. G 18.1).
Diese Ausführungen beziehen sich im Wesentlichen auf den Zeitraum nach Erlass der
angefochtenen Verfügung. Soweit der Bericht für den Verfügungszeitpunkt (März 2019)
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt, kann dies nicht auf von Dr. Q._ selbst
erhobenen Befunden beruhen, da der Beschwerdeführer damals noch nicht in seiner
Behandlung stand. Der Bericht von Dr. Q._ mag somit insbesondere nicht darzutun,
dass sich der psychische Gesundheitszustand im Zeitraum zwischen der
Begutachtung Ende 2016 und dem Erlass der angefochtenen Verfügung am 28. März
2019 massgeblich verschlechtert hätte. Solches ergibt sich auch nicht aus der
Stellungnahme von med. pract. F._ vom 15. Oktober 2018 (IV-act. 230). Diese
bezieht sich auf das Gutachten und den bis zur Begutachtung vorgelegenen
Krankheitsverlauf und zeigt keine seither eingetretenen Änderungen in den objektiven
Befunden auf, welche die Geltung der gutachterliche Einschätzung auch noch im
Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung in Frage zu stellen vermöchten.
8.
Zusammengefasst entspricht das Gutachten den Anforderungen der Rechtsprechung,
insbesondere auch hinsichtlich des strukturierten Beweisverfahrens. Gemäss dem
Gutachten verbesserte sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
gegenüber dem RAD-Untersuch vom 13. März 2008. Damals wurde noch eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig chronifizierte mittelgradige Episode
diagnostiziert, welche gemäss dem aktuellen Gutachten von Dr. K._ nun remittiert ist
und deshalb nicht mehr als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt
werden konnte. Dr. K._ führte in seinem Gutachten aus, dass er zwar rückblickend
Gesundheitszustandes spricht. Mithin ist insoweit auf das Gutachten von Dr. K._
abzustellen, als Ende 2016 keine massgebliche Arbeitsunfähigkeit mehr bestand.
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nicht klar sagen könne, von wann bis wann eine depressive Episode bestanden habe.
Zum Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung lasse sich eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit jedoch nicht mehr begründen (IV-act. 163-66 f.). Folglich ist ein
Revisionsgrund im Sinne einer Verbesserung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers spätestens ab dem Untersuchungszeitpunkt im Dezember 2016
ausgewiesen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers konnte er mit den
Berichten der Behandler, welche teilweise erst im Beschwerdeverfahren eingereicht
wurden, keine Verschlechterung des Gesundheitszustands nach Eingang des
Gutachtens bis zum Erlass der Verfügung nachweisen (siehe E. 4 und 5).
9.
Retrospektiv interessiert die Zeitspanne zwischen dem Revisionsgesuch vom
28. Februar 2014 und der Begutachtung durch Dr. I._ (Untersuchung 28. September
2015, IV-act. 149). Letzterer und der ihm nachfolgende Gutachter Dr. K._ kamen zum
Schluss, wegen der erhobenen Inkonsistenzen könne auch retrospektiv nicht auf eine
objektivierte Einschränkung geschlossen werden (IV-act. 149-17, IV-act. 163-64). Mit
Bezug auf den Bericht der Psychiatrischen Klink E._ vom 28. Februar 2014 sei
fraglich, weshalb nicht ein Therapiewechsel in Betracht gezogen worden sei (Gutachten
Dr. I._, IV-act. 149-20).
9.1.
Dem Revisionsgesuch vorangegangen war eine weitere stationäre Behandlung in
der Psychiatrischen Klinik E._ vom 10. Dezember 2013 bis 6. Februar 2014. Im
Austrittsbericht der Tagesklinik der Psychiatrischen Klinik E._ vom 10. August 2015
hielt Dr. med. S._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zusammenfassend
fest, der Beschwerdeführer stehe seit Ende 2012 fast durchgängig in psychiatrischer
Behandlung bei wechselndem Setting zwischen ambulant, teilstationär und stationär.
Dabei seien zwischenzeitliche Verbesserungen des Zustandsbildes jeweils nur von
kurzer Dauer gewesen. Es sei immer wieder zu rasch einsetzenden schweren
depressiven Zustandsbildern mit völligem Antriebsverlust, massiv gesteigertem
Schlafbedürfnis ohne Erholung, einer schweren Störung der Vitalgefühle, zur Gänze
aufgehobener Schwingungsfähigkeit, Ängstlichkeit, Hoffnungslosigkeit mit ständigem
Grübeln, ausgeprägten Störungen von Aufmerksamkeit und Konzentration sowie
völligem sozialem Rückzug und Suizidalität gekommen. Der Beschwerdeführer sei über
lange Zeit knapp in der Lage gewesen, dem vereinbarten tagesklinischen Setting
nachzukommen. Beim Austritt (30. April 2015) habe ein gut stabilisiertes mittelgradig
depressives Zustandsbild bestanden (IV-act. 149-27 ff.). RAD-Arzt Dr. J._ führte am
27. April 2016 aus, im Vergleich zur Voruntersuchung durch Dr. D._ (vgl. Bericht vom
4. Juli 2008, IV-act. 81) sei durch die aktuelle Untersuchung im September 2015
9.2.
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10.
(Gutachten Dr. I._, IV-act. 149) keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
und des Funktionsniveaus festzustellen. Der Beurteilung ist weiter zu entnehmen, dass
in Anbetracht der vorhandenen Inkonsistenzen und von Ungereimtheiten in der
Behandlung inklusive sprachlicher Barrieren nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einer zwischenzeitlich zu einer höheren als eine halben Rente
berechtigenden Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (IV-act. 150).
Dem ist aus rechtlicher Sicht zu folgen. Die Recherchen der Sachbearbeiterin im
Internet ergaben Aktivitäten des Beschwerdeführers im Sommer/Herbst 2014 (vgl. IV-
act. 133). Auch erscheint nicht nachvollziehbar, dass die behandelnden Ärzte in der
Psychiatrischen Klinik E._ bei jeweilig verbessertem Zustand bei Austritt weiterhin
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierten (vgl. IV-act. 149-19). In dieser
Konstellation ist davon auszugehen, dass jeweils lediglich vorübergehend und auch
nicht länger als jeweils drei Monate eine höhere als eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
vorlag.
9.3.
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden
soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das
55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Massnahmen
zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch
(wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen
und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der diesfalls grundsätzlich
("vermutungsweise") anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen
namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf
invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders
agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder wenn sie über
besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer
konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich
trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit
entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das
Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der
Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder)
ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu
verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1 S. 211 f. mit Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts
vom 16. September 2020, 9C_162/2020, E. 6.1).
10.1.
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11.
Gesamtbetrachtend ergibt sich, dass seit dem Revisionsgesuch vom 28. Februar 2014
nie über einen längeren Zeitraum hinweg und damit nicht rentenrelevant eine höhere
als 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat, dass spätestens Ende 2016 überhaupt
keine massgebliche Arbeitsunfähigkeit mehr bestand und sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers auch bis zum Verfügungszeitpunkt am 28. März 2019 nicht
wieder längerdauernd in einem massgeblichen Umfang verschlechtert hat. Der
Anspruch auf die seit dem 1. November 2008 ausgerichtete halbe IV-Rente blieb auch
nach dem im Februar 2014 gestellten Revisionsgesuch und während des hängigen
Revisionsverfahrens unverändert und wurde mit angefochtener Verfügung vom 28.
März 2019 aufgrund der seit Ende 2016 bestehenden und durch keine
Verschlechterung längerfristig unterbrochenen Verbesserung zu Recht auf Ende April
2019 eingestellt.
12.
Im vorliegenden Fall wurde dem Beschwerdeführer nach der Rentenzusprache im
November 2006 seine ganze Rente per Januar 2009 auf eine halbe Rente herabgesetzt.
Gemäss eigenen Angaben war er im Lebensmittelgeschäft seiner Ex-Frau zu 20 %
arbeitstätig. Im Jahr 20_ ging das Unternehmen Konkurs und er konnte dort nicht
mehr weiterarbeiten (IV-act. 163-43). Seine Resterwerbsfähigkeit nutzte der
Beschwerdeführer seit Herabsetzung der Rente im Jahr 2009 nie im medizinisch
zumutbaren Pensum von 50 % aus – allerdings aus invaliditätsfremden Gründen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2020, 9C_162/2020, E. 6.2). Die
Beschwerdegegnerin bot dem Beschwerdeführer Eingliederungsmassnahmen
(Arbeitsvermittlung) an und schloss diese mit Mitteilung vom 8. Juni 2018 ab (IV-act.
188, 193, 195 f., 203, 210, 212). Sie unterstützte den Beschwerdeführer somit bei der
Stellensuche, was auch vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird, und hob die
Rente erst nach Durchführung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen auf. Das
Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist damit nicht zu beanstanden.
10.2.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.12.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
12.2.
bis
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