Decision ID: 90c62473-3372-457f-8751-5fa462169750
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1978 geborene X._ reiste 2002 aus der Türkei in die Schweiz ein, wo er als Flüchtling Asyl erhielt (zwischenzeitlich besitzt er die
Niederlassungsbewilligung C
,
Urk. 10/8)
. Seither ging er - ohne über eine Berufsausbildung zu verfügen - auch keiner Erwerbstätigkeit nach und bezieht Sozialhilfe. Am 11. Januar 2011 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 10/3). In der Folge tätigte die IV-Stelle medizinische und erwerbliche Abklärungen und teilte X._ mit Schreiben vom 25. Januar 2011 mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 10/7). Mit rechtskräftiger Verfügung vom 29. August 2011 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mangels Erfüllung der versiche
rungs
mässigen Voraussetzungen ab, da der invalidisierende Gesundheitsschaden bereit
s bei der Einreise in die Schweiz vorhanden gewesen sei (Urk. 10/28).
1.2
Am 19. Dezember 2016 (Eingangsdatum) meldete sich X._ erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 10/33). Der Versicherte reichte - auf entsprechende Aufforderung zur Einreichung von Beweismitteln hin (Urk. 10/35 und Urk. 10/40-41) - am 2. Februar 2017 einen Bericht von Dr. A._, FMH Allgemeine Innere Medizin, Psychosomatische und Psy
chosozialmedizin SAPPM, vom 31. Januar 2017 (Urk. 10/42 S. 1) und eine Be
stätigung von Dr. B._ vom 2. Februar 2017 (Urk. 10/42 S. 2) ein. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 10/46) trat die IV-Stelle mit
Verfügung vom 23. März 2017 auf das erneute Leistungsbegehren nicht ein (U
rk. 2).
2.
Hiergegen erhob X._ am 8. Mai 2017 Beschwerde und beantragte, auf sein Leistungsgesuch sei - unter Aufhebung der Verfügung vom 23. März 2017 - einzutreten und es sei eine psychiatrische Begutachtung vorzu
nehmen; eventuell sei ihm eine Invalidenrente auszurichten. In prozessualer Hin
sicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Bestellung von Rechtsanwältin lic. iur. Dina Raewel als unentgeltliche Rechts
beiständin (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 10/1-57), was dem Beschwerdeführer am 13. Juli 2017 mitgeteilt wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versichert nach Massgabe des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sind Personen, die gemäss den Art. 1a und 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) obligatorisch oder freiwillig ver
sichert sind (Art. 1
b
IVG). Obligatorisch versichert nach dem AHVG sind unter anderem die natürlichen Personen, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben oder in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben (Art. 1
a
Abs. 1 lit. a und b AHVG).
1.2
Gemäss Art. 6 Abs. 2 IVG sind ausländische Staatsangehörige, vorbehältlich Artikel 9 Abs. 3, nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und ge
wöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben.
1.3
Den innerstaatlichen Bestimmungen gehen diejenigen der zwischenstaatlichen
Ver
einbarungen vor, welche die Schweiz mit ausländischen Staaten abge
schlossen
hat, um die Rechtsstellung der beidseitigen Angehörigen in der Sozialver
siche
rung zu regeln. Vorliegend ist das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eid
genossenschaft und der Republik Türkei über Soziale Sicherheit vom 1. Mai 1969 und dessen Schlussprotokoll [SR 0.831.109.763.1]) anwendbar. Dessen Art. 10 Abs. 1 bestimmt, dass türkische Staatsangehörige unter den gleichen
Vorausset
zungen
wie Schweizerbürger Anspruch auf die ordentlichen Renten und Hilflosenentschädigungen der schweizerischen Invalidenversicherung haben, wobei die Absätze 2 und 3 vorbehalten bleiben.
1.4
Nach
Art.
4
Abs.
2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Dieser Zeitpunkt ist objektiv aufgrund des Gesundheitszustandes festzustellen; zufällige externe Faktoren sind unerheblich (AHI 2003 S.
209 E.
2a). Er beurteilt sich auch nicht nach dem Zeitpunkt, in dem eine Anmeldung eingereicht oder von dem an eine Leistung gefordert wird und stimmt nicht notwendigerweise mit dem Zeitpunkt überein, in welchem die versicherte Person erstmals Kenntnis davon bekommt, dass der Gesundheitsschaden An
spruch auf Versicherungsleistungen geben kann (BGE 126 V 5 E. 2b mit Hin
weisen; AHI 2002 S. 147 E. 3a). Aus
Art.
4
Abs.
2 IVG ergibt sich, dass der Eintritt der Invalidität für die einzelnen Leistungen der Invalidenversicherung autonom zu bestimmen ist (sog. leistungsspezifische Invalidität). Dabei sind die rechtlichen Vorgaben zu berücksichtigen, die sich aus
Art.
4
Abs.
1 IVG (in Verbindung mit
Art.
8 ATSG) ergeben. Folglich begründet der Gesundheitsschaden für jede Leis
tungs
art innerhalb der Eingliederungsmassnahmen je einen eigenen Versiche
rungsfall (BGE 112 V 275; vgl. auch BGE 126 V 241 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 1
6.
März 2006 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
1.5
Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die bei Eintritt der Inva
lidität (Versicherungsfall) während mindestens eines vollen Jahres (Art. 36 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung) beziehungsweise während mindestens drei Jahren (Art. 36 Abs. 1 IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung) Beiträge geleistet haben.
1.6
Zur Frage des Bedeutungsgehalts des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV hat das Bundesge
richt in BGE 130 V 64 E. 5.2.5 festgehalten, dass die versicherte Person mit dem Revisionsgesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsachenänderung glaubhaft machen muss, ihr mithin ausnahmsweise eine Beweisführungslast zukommt. Tritt die Verwaltung auf das erneute Leistungsbegehren ein, hat sie demgegenüber gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04];
vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte im angefochtenen Entscheid aus, das Leistungs
-
begehren des Beschwerdefüh
rers sei bereits mit Verfügung
vom
29. August
2011
abgewiesen worden, weil die versicherungsmässigen
Voraussetzungen
nicht erfüllt
gewesen seien.
Ein invalidisierender Gesundheitsschaden habe bereits zum Zeit
punkt der Einreise in die Schweiz (am 16. August 2002) bestanden.
Mit dem neuen Gesuch habe der Beschwerdeführer nicht
glaubhaft gemacht
, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dieser letzten Verfügu
ng wesentlich verändert hätten.
Damit seien die versicherungsmässigen
Voraussetzungen
weiterhin nicht erfüllt, womit unverändert kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenver
sicherung bestehe (Urk. 2).
2.2
Dagegen
brachte
der Beschwerdeführer
vor
, sein
psychischer
Gesundheitszustand
habe sich seit der erstmaligen Rentenprüfung im Jahr 2011 zwar nicht massgeb
lich verschlechtert. Bei der aktuellen psychischen Beeinträchtigung handle es sich jedoch um eine neue eigenständige psychische Erkrankung, zumal nicht erwiesen sei, dass er bereits vor seiner Einreise in die Schweiz an einer paranoiden Schizophrenie gelitten habe, wie dies hernach diagnostiziert worden sei (Urk. 1).
3.
3.1
Die Rechtskraft von Verfügungen und (Einsprache- oder Beschwerde-) Entschei
den über Dauerleistungen im Bereich der Sozialversicherung, unter anderem Renten der Alters- und Invalidenversicherung, ist grundsätzlich zeitlich unbe
schränkt. Sie erfasst die Anspruch
s
voraussetzungen
ebenso wie die Faktoren der Leistungsbemessung, soweit sie im Entscheidzeitpunkt abgeschlossene Sachver
hal
te betreffen. Es liegt insofern eine abgeurteilte Sache (res iudicata) im Rechts
sinne vor. Die betreffenden Anspruchs
voraussetzungen
und Leistungsbemes
sungs
fak
toren können daher vorbehältlich einer prozessualen Revision oder Wiederer
wägung des rechtskräftigen Entscheids (Art. 53 Abs. 1 und Art. 61 lit. i bzw. Art. 53 Abs. 2 ATSG) nicht bei jeder neuen Bezugsperiode in Frage gestellt und geprüft werden, es sei denn, das Gesetz sehe ausdrücklich eine andere Regelung vor wie etwa im Bereich der Ergänzungsleistungen. Die vorstehenden Grundsätze gelten auch im Rahmen der Revision einer Dauerleistung im Sinne der Anpassung pro futuro an (nachträgliche) erhebliche Änderungen der tatsächlichen (und allen
falls rechtlichen) Grundlagen der ursprünglichen Leistungszusprechung (vgl. in Bezug auf die hier interessierenden Renten der Invalidenversicherung Art. 17 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 2 ATSG und Art. 1 Abs. 1 IVG). Damals bejahte Anspruchs
voraussetzungen
und festgesetzte Leistungsbemessungs
fak
toren, welche im Zeitpunkt der Verfügung oder des Einspracheentscheids abge
schlossene Sachverhalte betreffen, können zufolge Rechtskraft nicht erneut über
prüft werden. Vorbehalten bleibt das Zurückkommen auf den ursprünglich leis
tungszusprechenden Entscheid unter dem Titel Wiedererwägung oder prozessuale Revision. Anders verhält es sich mangels sachlicher Identität bei e
inem neuen Versicherungsfall, das heisst
bei Ablösung der bisherigen Rente durch eine neue Hauptrente, oder wenn zur ursprünglichen gesundheitlichen Beeinträchtigung eine davon völlig verschiedene Gesundheitsstörung hinzugetreten ist und zu einer Erhöhung des Invaliditätsgrades geführt hat (vgl.
BGE 136 V 369 E. 3.1.1 mit zahlreichen Hinweisen).
3.2
Für die Umschreibung der Rechtskraft und der damit verbundenen Rechts
be
ständigkeit eines den Anspruch auf eine Dauerleistung verneinenden negativen Entscheids muss auf die Begründungselemente zurückgegriffen werden. Betreffen diese, wie etwa die versicherungsmässigen
Voraussetzungen
, einen zeitlich abge
schlossenen, späteren Änderungen der Tatsachenlage nicht zugänglichen Sach
ver
halt, ist eine Überprüfung zufolge Rechtskraft ausgeschlossen, die Anspruchs
be
rechtigung als solche mithin endgültig dahingefallen. Vorbehalten bleibt eine Änderung der den leistungsablehnenden Entscheid tragenden rechtlichen Grund
lagen, oder wenn ein neuer Versicherungsfall im Sinne der Erhöhung des Inva
lidi
tätsgrades aufgrund einer von der ursprünglichen gesundheitlichen Beein
träch
tigung völlig verschiedenen Gesundheitsstörung vorliegt (vgl. BGE 136 V 369 E.
3.1.2 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_294/2013 vom 20. August 2013 E. 4).
3.3
Streitgegenstand bildet vorliegend der Anspruch des Versicherten auf eine Inva
lidenrente unter dem Gesichtspunkt der versicherungsmässigen Voraussetzungen. Wie die
Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Entscheid zu Recht ausführte,
bildete diese Frage bereits Gegenstand der Verfügung vom 29. August 2011
. Schon damals verneinte die
Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspruch unter Hinweis darauf, dass die versicherungsmässigen
Voraussetzungen
nicht erfüllt seien, da der Gesundheitsschaden bereits vor Einreise in die Schweiz bestanden habe (Urk.
10/28
). Diese Verfügung blieb unangefochten. Da die Frage des Erfüllens der versicherungsmässigen
Voraussetzungen
bei Eintritt der Invalidität einen im Zeitpunkt der Verfügung vom
29.
August
2011 abgeschlossenen Sachverhalt betrifft, erwuchs dieser - unangefochten gebliebene - Entscheid auch in Bezug auf das Begründungselement der versicherungsmässigen Voraussetzungen in Rechts
kraft. Er hat damit für das vorliegende Verfahren bindende Wirkung, was im Übrigen selbst dann gelten würde, wenn das damalige Erkenntnis rechts
fehlerhaft gewesen wär
e (BGE 136 V 369 E. 3.2).
Dass der Beschwerdeführer nun bestreitet, im Jahr 2002 mit einer invalidisierenden Gesundheitsschädigung in die Schweiz eingereist zu sein (Urk. 1 S. 3), geht damit aufgrund der Rechtsbe
ständigkeit des in der Verfügung vom 29. August 2011 Festgestellten fehl.
3.4
Zu prüfen bleibt somit einzig, ob - wie der Beschwerdeführer unter Hinweis auf neue
eigenständige psychische
Erkrankungen sinngemäss gelte
nd macht
- von einem neuen Versicherungsfall auszugehen ist, in welchem Falle ihm die Rechts
kraft der Verfügung vom
29. August
2011 nicht entgegen
gehalten werden könnte (vgl. E.
3.2 hiervor).
4.
4.1
Die rentenablehnende Verfügung vom 29. August 2011 (Urk. 10/28) basierte auf der folgenden medizinischen Aktenlage:
4.2
4.2.1
Im psychiatrischen Rapport der untersuchenden Gesundheitskommission C._ vom 24. März 2000 (Urk. 10/24 S. 4, eingereicht durch das Migrations
amt) wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer seine Wehrpflicht seit 12 Monaten als einfacher Soldat erfülle. Mit Verfügung vom 17. September 1999 sei der Beschwerdeführer wegen psychischer Störung C/15 für 3 Monate zur Erholung geschickt worden. Mit Verfügung vom 15. Dezember 1999 sei er wegen einer psychotischen Störung C/15 nochmals für 3 Monate zur Erholung geschickt worden. Es seien keine Klagen oder Anzeigen gegen ihn eingereicht worden. Die psychische Untersuchung ergebe, dass der Beschwerdeführer auf den Beinen sei, seinem Alter entspreche, das Interesse an seiner Umgebung als auch an der Körperpflege abgenommen hätten. Sein Gesicht sei ruhig, das Kontaktverhalten sei ohne Interesse, die Sprache sei langsam und eher blockiert, die Stimmlage sei tief, Mimik und Gestik seien unscheinbar. Die Bewegungen seien ruhig, Harn
leerungs- und Stuhlgang-Gewohnheiten seien natürlich, der Schlaf sei normal, das Essverhalten sei normal, er fühle sich nicht gesund, die Wahrnehmung sei natürlich, das Bewusstsein sei offen, der Gedankenfluss wirke beim Sprechen ver
langsamt, die Denkart sei verarmt, die psychomotorische Verlangsamung habe abgenommen. Gemäss seinem Lebenslauf habe er einen Streit erlebt, wobei er geschlagen worden sei, und danach seien seine Störungen aufgetreten. Das Spital habe trotz Untersuchungen nichts Entsprechendes nachweisen können. In der ersten Zeit habe er das Gefühl gehabt, verfolgt zu werden und er habe sich bedroht gefühlt, unter Verfolgungswahn gelitten. Ausserhalb der Familie habe er kaum Freunde. Er könne als introvertierte Persönlichkeit bezeichnet werden.
4.2.2
Gestützt auf diesen vorgenannten Rapport (vgl. E. 4.2.1) wurde der Beschwer
de
führer mit Urteil vom 29. Mai 2000 wegen der diagnostizierten psychotischen Störungen für dienstuntauglich erklärt (Urk. 10/24/5).
4.3
Dr.
A._
, welche den Beschwerdeführer seit 2004 (mit Unterbruch) be
han
delt
, nannte in ihrem Bericht vom 12. März 2011 (Urk. 10/9) zuhanden der
Be
schwerdegegnerin eine episodisch remittierende paranoide Schizophrenie
(ICD-10
: F 20.03, bestehend seit circa 2005) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer sei in die Schweiz gekommen, nachdem sein Vater in der Türkei ermordet worden sei. Er habe sich hier nicht integrieren können. Sein Flüchtlingsstatus sei erst 2010 anerkannt worden. Eine erste para
noide Phase habe sich 2005 mit Verfolgungswahn und Angriff auf seine Familie gezeigt. Er sei drei Mal gegen seinen Willen bei bestehender Fremdgefährdung hospitalisiert worden. Der Beschwerdeführer habe aufgrund der Anpassungsun
fähigkeit und der Instabilität (Fremdgefährdung) keinen Beruf. Er sei seit Januar 2010 zu 100 % arbeitsunfähig. In einer geschützten Werkstatt könnte eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehen.
4.4
Im Bericht der Privatklinik D._ (undatiert, einge
gangen am 11. April 2011, Urk. 10/10 und unter Verweis auf den nachgereichten
Kurzaustrittsbericht vom 18. September 2009, Urk. 10/13) zuhanden der Beschwer
degegnerin wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt:
-
Paranoide Schizophrenie, episodisch remittierend (ICD-10: F 20.03)
-
Schwierigkeiten bei kultureller Eingewöhnung (ICD-10: Z 60.3)
-
Absetzen ärztlich verordneter Therapie (ICD-10: Z 91.1)
Der Beschwerdeführer sei bereits vom 1. bis 22. Juni 2005, vom 27. Juni bis 3. August 2005 und letztmals vom 10. bis 18. September 2009 in der Privatklinik D._ stationär hospitalisiert gewesen.
Die psychiatrische Anamnese ergebe eine bekannte Angstpsychose, weswegen der Beschwerdeführer bereits in der Türkei in Behandlung gewesen sei. Bisher
habe er alle Therapien abgebrochen und es bestehe ein Status nach mehreren Exazerbationen, oft mit Gewalttätigkeiten gegen Familienmitglieder und Aussenstehende. Unter Psychopharmaka sei er längere Zeit kompensiert gewesen. Der Beschwerdeführer habe keinen Beruf. Während der stationären Behandlung sei er zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Die Prognose sei gut und es beständen keine körperlichen, geistigen oder psychischen Einschränkungen. Die aktuelle Arbeitsfähigkeit könne nicht beurteilt
werden, weshalb eine Begutachtung empfohlen werde. Konzentration, Auffas
sung,
Anpassung und Belastbarkeit seien uneingeschränkt. Während der Hospitalisation habe der Beschwerdeführer in wiederholten Gesprächen in Anwesenheit einer türkisch-sprechenden Pflegefachfrau angegeben, sich nicht bedroht zu fühlen, keine Stimmen zu hören und keine optischen Halluzinationen zu haben. Er habe Wahngedanken, Ängste, Gedankenausbreitung sowie Eingebungen verneint. Er habe sich von Selbst- und Fremdgefährdung distanzieren können. Er habe keine Symptome im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung wie Albträume, Wiedererleben traumatischer Situationen, Flashbacks etc. geschildert. Er habe auch nie zuvor unter psychotischen Symptomen gelitten. Der Fall sei nochmals genau zu prüfen. Eine geregelte Tagesstruktur (vor allem eine Arbeit) wäre aus protektiven Faktoren bezüglich der Krankheitsprognose empfehlens
wert.
4.5
Gestützt auf diese medizinische Aktenlage kam die Beschwerdegegnerin zum Schluss, der Gesundheitsschaden
habe bereits vor der Einreise in die Schweiz
in einem Umfang bestanden, der behandlungsbedürftig gewesen sei und die Leis
tungsfähigkeit bereits vor der Einreise in die Schweiz erheblich einschränkte. Eine mindestens 40%ige Erwerbsunfähigkeit sei damit bereits bei Einreise mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit vorhanden gewesen, womit die Voraussetzungen für Leistungen der Invalidenversicherung nicht erfüllt seien. Die entsprechende
leis
tungsabweisende Verfügung vom
29. August 2011
(Urk.
10/28
) erwuchs unange
fochten in Rechtskraft
(vgl. auch E. 3)
.
5.
5.1
Die Verfügung vom 23. März 2017 (Urk. 2), mit welcher auf das erneute Ren
ten
begehren nicht eingetreten wurde, basierte auf folgenden medizinischen Beurtei
lungen:
5.2
Dr. A._ hielt in ihrem Bericht vom 31. Januar 2017 (Urk. 10/42 S. 1) zuhanden der Beschwerdegegnerin fest, dass der Beschwerdeführer unter paranoider Schizophrenie leide. Er werde monatlich mit Medikamenten (Risperdal) per Spritze behandelt. Seine Arbeitsversuche seien gescheitert, da er wegen unkon
trolliertem aggressivem Verhalten jedes Mal seine Arbeitsstellen habe verlassen müssen. Auch eine durch das Sozialamt organisierte Beschäftigungstätigkeit sei deswegen gescheitert. Der Beschwerdeführer sei seit mindestens Januar 2016 in allen Bereichen zu 100 % arbeitsunfähig.
5.3
Dr. B._ führte in seinem Bericht vom 2. Februar 2017 (Urk. 10/42 S. 2) zuhanden der Beschwerdegegnerin aus, dass sich der Beschwerdeführer seit dem 21. Mai 2016 bei ihm in Behandlung befinde. Er bestätige, dass der Beschwerd
e
führer an einer paranoiden Schizophrenie leide. Der Verlauf der Krankheit sei stark fluktuierend, deshalb seien in der Therapie dauernd Dosisanpassungen und Umstellungen nötig. Zurzeit sei jeder Arbeitsversuch noch nicht gegeben. Der Antrag auf eine Invalidenrente sei berechtigt.
6.
6.1
Aufgrund der Akten ist ausgewiesen - und auch in keinerlei Hinsicht bestritten -,
dass der Beschwerdeführer an einer Gesundheitsbeeinträchtigung leidet, die ihn in seiner Erwerbsfähigkeit einschränkt. Demgegenüber ist unter den Parteien strittig (E. 2), ob seit der Verfügung vom
29.
August
2011, welche zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung bildet (BGE 133 V 108 E. 5.1), das Vorhandensein einer erheblichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse dergestalt glaubhaft gemacht worden ist, dass zumindest Anhaltspunkte für den Eintritt eines neuen Versicherungsfalls vorlägen (E.
1.6; E. 3). Dies ist offensichtlich nicht der Fall.
So hatten bereits Dr. A._ (E. 4.3
) und
die Privatklinik D._ (E. 4.4
) im Jahr 2011 dargelegt, dass
der Beschwerdeführer an einer paranoiden Schizophrenie leidet. Bezüglich des Eintritts der Invalidität konnte der psychiatrische Rapport der untersuchenden Gesundheitskommission C._ vom 24. März 2000 (vgl. E. 4.2.1) herbeigezogen worden, wonach der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2000 wegen psychotischen Störungen behandelt und letztlich dienstuntauglich erklärt worden sei (vgl. E. 4.2.2). Entsprechend gab der Beschwerdeführer anamnestisch auch an, wegen einer Angstpsychose bereits in der Türkei behandelt worden zu sein (vgl. E. 4.4).
Dass sich an der gesundheitlichen Ursache seiner - unverändert vollständigen - Arbeitsunfähigkeit etwas Relevantes verändert hätte, vermag der Beschwerdeführer mit den im Neuanmeldungsverfahren
eingereichten Berichten (E. 5.2-3
) nicht glaubhaft darzutun. Gegenteils ist gestützt auf die Einschätzung
en
von Dr.
A._ und D. B._
vielmehr da
von auszugehen, dass die von ihnen
beschriebene Gesundheitsstörung identisch zu der bereits im Jahr 201
1 beschrie
benen Pathologie ist, zumal weiterhin eine paranoide Schizophrenie diagnos
ti
ziert wird.
6.2
Auch die Vorbringen des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 3 ff.) vermögen nichts daran zu ändern.
Im psychiatrischen Rapport Nr. 364 der Türkei (vgl. E. 4.2.1) erfolgte keine Diag
nose nach der ICD-Klassifikation, doch es wurden psychotische Störungen diag
nostiziert. Auch aus der dargelegten psychischen Befundlage ergibt sich, dass es sich bei diesen psychotischen Störungen um solche aus dem paranoiden Formen
kreis handelte, wurden doch unter anderem ein Verfolgungswahn beschrieben.
6.3
Mithin hat der Beschwerdeführer
k
eine Ver
änd
erung
des Gesundheitszustands und dabei namentlich kein
Vorliegen eines neuen Versicherungsfalls glaubhaft gemacht, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht auf sein neues Leistungs
ge
such nicht eingetreten ist.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7
.
7
.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
7.2
Der Beschwerdefüh
rer bezieht Sozialhilfe (Urk. 8
/1-2). Mit Blick darauf ist er im vorliegenden Verfahren bezogen auf den massgebenden Zeitpunkt als prozessual bedürftig zu qualifizieren. Da auch die weiteren Anspruchsvoraussetzungen (fehlende Aussichtslosigkeit und sachliche Notwendigkeit der Rechtsverbeiständung) erfüllt sind, ist dem Beschwerdeführer in Bewilligung seines Gesuchs vom
8. Mai 2017 (Urk. 1
) die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren
und es ist ihm
Rechtsanw
ältin lic
. iur.
Dina Raewel, Zürich, als unentgeltliche
Rechtsvertreter
in
für das vorliegende Verfahren zu bestellen
.
7.3
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), sind auf Fr. 600.-- anzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7.4
Mit Eingabe vom
18.
Juli 2017
(Urk. 12) machte Rechtsanwältin
Dina Raewel
einen Aufwand von
10.95
Stunden und Barauslagen von Fr.
72.25
geltend. Dieser verursachte und geltend gemachte Aufwand erweist
sich
angesichts des stark eingeschränkten Prozessthemas – es war lediglich die Frage zu prüfen, ob mit den bis zum Erlass der angefochtenen Nichteintretensverfügung eingereichten
beiden
Arztberichten eine rechtserhebliche Veränderung des Sachverhalts seit der gerichtlich geschützten Rentenaufhebung glaubhaft gemacht wurde – als stark übersetzt.
Zudem übernahm Rechtsanwältin Dina Raewel das Mandat erst am 13. April 2017, das heisst bereits nach Erlass der nun angefochtenen Verfügung vom 23. März 2017. Unnötig war
insbesondere
ein Aktenstudium von einer Dauer von mehr als
sieben Stunden. Die
unentgeltliche Rechtsvertreter
in ist daher ermessensweise mit Fr. 1'4
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
7.5
Der Beschwerdeführer ist darauf hinzuweisen, dass er zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Kosten für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist (§ 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).