Decision ID: 7700bc98-ba83-46d1-b5ae-50394b684912
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache gemeinsam begangene Vergewaltigung etc. und 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 21. Juni 2010 (DG100160)
- 3 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 23. März
2010 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. HD 44).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte A._ ist schuldig
− der mehrfach gemeinsam begangenen Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB
− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
− des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB
− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 StGB
− des Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1
Satz 2 SVG
− der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1
StGB.
2. Der Angeklagte B._ ist schuldig
− der mehrfach gemeinsam begangenen Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB
− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
− des Diebstahls und des Versuchs hiezu im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB
- 4 -
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB.
3. Der Angeklagte C._ ist schuldig
− der mehrfach gemeinsam begangenen Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB
− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
− des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 BetmG
− der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von
Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG
− des Fahrens ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95 Ziff. 1 Abs. 1
SVG
− der mehrfachen Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
4. Der Angeklagte A._ wird bestraft mit 6 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 62 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.
5. Es wird beim Angeklagten A._ eine stationäre therapeutische  im Sinne von Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen)
angeordnet. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck
aufgeschoben.
6. Der Angeklagte B._ wird bestraft mit 5 1⁄4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 112 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.
7. Der Angeklagte C._ wird bestraft mit 4 Jahren Freiheitsstrafe sowie  Busse von Fr. 500.– (für die Übertretungen), wovon 60 Tage durch Un-
tersuchungshaft bereits erstanden sind.
- 5 -
8. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Angeklagte die Busse schuldhaft
nicht, tritt an die Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
9. Die Probezeit der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 18.
Oktober 2006 beim Angeklagten C._ ausgefällten, bedingten Strafe von 14 Tagen Gefängnis wird - beginnend ab heute - um 1 Jahr verlängert.
10. Die Geschädigte E._ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Es wird vorgemerkt, dass der Angeklagte A._ gegenüber dem  F._ die von ihm geltend gemachte Genugtuung von Fr. 1'000.–
anerkannt hat.
12. Es wird festgestellt, dass der Angeklagte A._ aus dem eingeklagten  dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Fest-
stellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Geschädigte
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
13. Die Angeklagten 1-3 werden solidarisch verpflichtet, der Geschädigten
D._ Fr. 20'000.– zuzüglich 5 % Zins ab tt. Mai 2007 als Genugtuung zu
bezahlen.
14. Es wird festgestellt, dass die Angeklagten A._, B._ und C._
gegenüber der Geschädigten D._ aus dem eingeklagten Ereignis dem
Grundsatze nach solidarisch schadenersatzpflichtig sind. Für die Beurteilung
ihrer Schadenersatzforderung bezüglich der weiteren Haftungsvorausset-
zungen (Schaden, adäquater Kausalzusammenhang, Haftungsquote, Scha-
denshöhe) wird die Geschädigte auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
15. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
- 6 -
Fr. 10'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 12'089.80 Auslagen Untersuchung
Fr. 17'596.90 amtliche Verteidigung Angeklagter 1 (A._)
Fr. 15'480.80 amtliche Verteidigung Angeklagter 2 (B._)
Fr. 23'886.10 amtliche Verteidigung Angeklagter 3 (C._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
16. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens,
einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung, wer-
den den Angeklagten zu 6/15 (A._) resp. 5/15 (B._) resp. 4/15
(C._) auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen werden auf
die Gerichtskasse genommen.
Beschluss der Vorinstanz:
1. Die unter Aktennummer ... sichergestellten Drogen (20.3 Gramm Kokain)
werden eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
2. Der beim Angeklagten B._ am 27. Januar 2009 sichergestellte Bar-
geldbetrag wird, soweit noch vorhanden, zur Kostendeckung herangezogen.
Berufungsanträge:
a) des Verteidigers des Angeklagten A._:
(Urk. HD 120 S. 2)
1. Der Angeklagte A._ sei von den Vorwürfen der mehrfach gemein-
sam begangenen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 200 StGB und vom Vorwurf der Freiheitsberaubung
im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freizusprechen.
- 7 -
2. Er sei - unter Anrechnung der erstandenen Haft - mit einer Freiheits-
strafe von 12 Monaten zu bestrafen.
3. Auf das Genugtuungs- und Schadenersatzbegehren der Geschädigten
D._ sei nicht einzutreten.
4. Die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen Verfahrens und
des Berufungsverfahren, inklusive jene der amtlichen Verteidigung,
seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen, eventualiter so-
fort und definitiv abzuschreiben.
b) des Verteidigers des Angeklagten B._:
(Urk. HD 121 S. 1 ff.)
1. Der Angeklagte B._ sei bezüglich dem Vorwurf der Vergewalti-
gung und der Freiheitsberaubung von Schuld und Strafe freizuspre-
chen. Im Übrigen sei er wegen Diebstahls, des mehrfachen Hausfrie-
densbruchs und der mehrfachen Sachbeschädigung zu verurteilen.
2. Der Angeklagte B._ sei mit einer Geldstrafe zu höchstens 90 Ta-
gessätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen.
3. Dem Angeklagten B._ sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren.
4. Die Kosten der beiden Verfahren seien zu einem erheblichen Teil auf
die Gerichtskasse zu nehmen.
5. Dem Angeklagten sei für die erlittene U-Haft vom 26.9. bis 26.11.2007
eine Genugtuung von mindestens Fr. 13'400.– zuzusprechen.
Prozessuale Anträge:
1. Einholung eines Expertengutachtens, welches sich über die Glaubwür-
digkeit der Aussagen der Geschädigten auf dem Hintergrund der be-
sonderen persönlichen Umstände der Geschädigten ausspricht.
- 8 -
2. Beizug sämtlicher Strafakten der Geschädigten.
c) des Verteidigers des Angeklagten C._:
(Urk. HD 122 S. 1 ff.)
Hauptanträge:
1. Der Angeklagte C._ sei vom Vorwurf der mehrfachen gemeinsam
begangenen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 200 StGB sowie der Freiheitsberaubung im Sinne
von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freizusprechen.
2. Der Angeklagte sei ebenfalls vom Vorwurf des mehrfachen Vergehens
gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von dessen Art. 19 Ziff. 1
Abs. 4 BetmG sowie vom Vorwurf der mehrfachen Übertretung gegen
das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG frei-
zusprechen.
3. Der Angeklagte sei damit lediglich wegen Entwendung eines Motor-
fahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG so-
wie des Fahrens ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95 Ziff. 1
Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.
4. Er sei für diese SVG-Delikte angemessen mit einer bedingten Geldstra-
fe von 30 Tagessätzen zu bestrafen.
5. Für die erlittene Untersuchungshaft im Kontext der Vergewaltigungs-
vorwürfe von 60 Tagen sei ihm eine Genugtuung von Fr. 6'000.– zuzu-
sprechen.
6. Dem Angeklagten sei eine Umtriebsentschädigung im Betrag von
Fr. 500.– sowie eine symbolische Genugtuung für das erlittene Verfah-
ren wegen mehrfacher Vergewaltigung und Freiheitsberaubung von
Fr. 1'000.– zuzusprechen.
- 9 -
7. Die Kosten der Untersuchung, des bezirksgerichtlichen Verfahrens so-
wie des obergerichtlichen Verfahrens seien in einem Fr. 1'500.– über-
steigenden Betrag auf die Gerichtskasse zu nehmen, ebenso sämtliche
Kosten der amtlichen Verteidigung.
8. Die Kosten der erbetenen Verteidigung seien im vorliegenden Verfah-
ren ebenfalls auf die Gerichtkasse zu nehmen und dem Verteidiger die
entsprechende Prozessentschädigung auszubezahlen.
9. Auf das Schadenersatzbegehren der Klägerin sei nicht einzutreten.
Eventualantrag:
Das Urteil sei aufzuheben und das Verfahren im Sinne der nachstehenden
Erwägungen an die Vorinstanz resp. an die Staatsanwaltschaft zur Ergän-
zung der Untersuchung zurückzuweisen, mit der Anweisung, die Klägerin
noch einmal einzuvernehmen und den Angeklagten resp. ihren Verteidigern
die Möglichkeit und das Recht, Ergänzungsfragen zu stellen, einzuräumen.
Prozessuale Anträge:
1. Es sei ein Glaubwürdigkeitsgutachten hinsichtlich der Person der Klä-
gerin D._ und ihrer Aussagen einzuholen, bestehend u.a. in einer
anamnestischen und testpsychologischen Abklärung.
2. Es seien folgende die Klägerin betreffenden Strafakten, medizinischen
Akten sowie allenfalls bestehenden vormundschaftlichen Akten beizu-
ziehen, wobei den Verteidigern Einsicht in diese Beizugsakten zu ge-
ben sei.
3. Die Klägerin D._ sei als Zeugin vorzuladen und durch das Gericht
persönlich zu befragen, ausserdem sei den Verteidigern die Möglich-
keit einzuräumen, der Klägerin Zusatzfragen stellen zu können.
- 10 -
4. Es sei der Wirt und Besitzer des Lokals "...", Z1._, als Zeuge zu
befragen, zur Verfassung resp. den Verhaltensweisen der Klägerin bei
Alkohol und Drogenexzessen.
5. Es sei hinsichtlich des Angeklagten A._ ein medizinisches psychi-
atrisches Gutachten bezüglich der hier aufgetretenen Potenzproblema-
tik einzuholen.
d) des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(keine Anträge)
e) der Vertreterin der Geschädigten D._:
(Urk. HD 119)
Bestätigung der Dispositivziffern 13. und 14. des erstinstanzlichen Entschei-
des.
- 11 -

Das Gericht erwägt:
I. Prozessgeschichte
1.1. Das Bezirksgericht Zürich, 3. Abteilung, sprach den Angeklagten A._ mit
Urteil vom 21. Juni 2010 der mehrfach gemeinsam begangenen Vergewaltigung
im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB, der Frei-
heitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des Angriffs im Sinne
von Art. 134 StGB, der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art.
123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von
Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG sowie der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von
Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig und bestrafte ihn mit 6 Jahren Freiheitsstrafe
unter Anrechnung von 62 Tagen Untersuchungshaft. Zugleich ordnete die Vo-
rinstanz eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB
(Behandlung von psychischen Störungen) an und schob den Vollzug der Frei-
heitsstrafe zu diesem Zweck auf (Urk. HD 103 S. 104 f.).
1.2. Den Angeklagten B._ sprach das Bezirksgericht Zürich, 3. Abteilung, mit
gleichem Urteil der mehrfach gemeinsam begangenen Vergewaltigung im Sinne
von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB, der Freiheitsberau-
bung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des Diebstahls und des Versuchs
hiezu im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs.
1 StGB, des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie
der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig
und bestrafte ihn mit 5 1⁄4 Jahren Freiheitsstrafe unter Anrechnung von 112 Tagen
Untersuchungshaft (Urk. HD 103 S. 104 f.).
1.3. Der Angeklagte C._ wurde vom Bezirksgericht Zürich, 3. Abteilung,
ebenfalls mit gleichem Urteil, der mehrfach gemeinsam begangenen Vergewalti-
gung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB, der
Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des mehrfachen
- 12 -
Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4
BetmG, der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von
Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG, des Fahrens ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95
Ziff. 1 Abs. 1 SVG sowie der mehrfachen Übertretung gegen das Betäubungsmit-
telgesetz im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig gesprochen und mit 4 Jah-
ren Freiheitsstrafe sowie mit einer Busse von Fr. 500.– (für die Übertretungen)
bestraft unter Anrechnung von 60 Tagen Untersuchungshaft (Urk. HD 103
S. 105).
2.1. Das Urteil wurden den drei Angeklagten am 21. Juni 2010 mündlich eröffnet
und schriftlich im Dispositiv mitgeteilt (Urk. HD 103 S. 107). Mit Eingaben vom
22. Juni 2010 liessen die Angeklagten A._ und C._ Berufung erklären
(Urk. HD 78 und 79). Mit Eingabe vom 25. Juni 2010 meldete auch der Rechtsver-
treter des Angeklagten B._ Berufung an (Urk. HD 80). Das begründete Urteil
wurde vom Rechtsvertreter des Angeklagten C._ am 10. November 2010
(Urk. HD 82/3), vom Rechtsvertreter des Angeklagten B._ ebenfalls am 10.
November 2010 (Urk. HD 82/2) und vom Rechtsvertreter des Angeklagten
A._ am 11. November 2010 (Urk. HD 82/1) entgegen genommen. Innert Frist
liessen der Angeklagte C._ mit Eingabe vom 18. November 2010 (Urk. HD
83), der Angeklagte A._ mit Eingabe vom 27. November 2010 (Urk. HD 84)
und der Angeklagte B._ mit Eingabe vom 29. November 2010 (Urk. HD 85)
ihre Beanstandungen nennen. Von Seiten der Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich sowie von Seiten der Geschädigten wurde kein Rechtsmittel ergriffen.
2.2. Die Angeklagten A._ (Urk. HD 78 und 84) und B._ (Urk. HD 85) be-
schränkten die Berufung auf die Verurteilung wegen mehrfach gemeinsam be-
gangener Vergewaltigung und Freiheitsberaubung, das Strafmass, die Verpflich-
tung zur Leistung von Schadenersatz und Genugtuung sowie die Kostenauflage,
der Angeklagte C._ (Urk. HD 83) auf die Verurteilung wegen mehrfach ge-
meinsam begangener Vergewaltigung und Freiheitsberaubung, mehrfachen Ver-
gehens gegen das Betäubungsmittelgesetz und mehrfacher Übertretung des Be-
täubungsmittelgesetzes, das Strafmass, die Verlängerung der mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 18. Oktober 2010 angesetzten Probezeit, die
- 13 -
Verpflichtung zur Leistung von Schadenersatz und Genugtuung sowie die Kosten-
und Entschädigungsregelung.
3. Die Berufungsverhandlung fand am 1. November 2011 statt (Prot. II S. 4 ff.).
Gleichentags wurden mit Beschluss die Strafakten der Geschädigten beigezogen
(Urk. HD 123). Mit Präsidialverfügung vom 11. November 2011 wurde den Partei-
en Frist zur Stellungnahme zu den Strafakten der Geschädigten angesetzt (Urk.
HD 126). In der Folge gingen von Seiten des Verteidigers des Angeklagten
A._ mit Eingabe vom 1. Dezember 2011 (Urk. HD 128), von Seiten des Ver-
teidigers des Angeklagten C._ mit Eingabe vom 5. Dezember 2011 (Urk. HD
129) sowie von Seiten des Verteidigers des Angeklagten B._ mit Eingabe
vom 19. Dezember 2011 (Urk. HD 132) Stellungnahmen ein. Die Anklagebehörde
sowie die Geschädigtenvertreterin liessen sich nicht vernehmen.
II. Prozessuales
1. Da der angefochtene Entscheid vor dem Inkrafttreten der eidgenössischen
Strafprozessordnung am 1. Januar 2011 gefällt wurde, ist diese Berufung gemäss
den übergangsrechtlichen Bestimmungen nach bisherigem Prozessrecht zu beur-
teilen (Art. 453 Abs. 1 StPO).
2.1. Gemäss § 413 Abs. 3 StPO/ZH wird die Rechtskraft des angefochtenen Ur-
teils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Die Berufung kann von Anfang an
(§ 413 Abs. 1 StPO/ZH) oder erst im Laufe des Verfahrens bis zum Abschluss der
Berufungsverhandlung eingeschränkt werden (§ 413 Abs. 2 StPO/ZH), namentlich
auch bei der Nennung der konkreten Beanstandungen im Sinne von § 414 Abs. 4
StPO/ZH. Die Beschränkung kann sich auf einzelne Schuldsprüche, die Strafzu-
messung, die Anordnung von Massnahmen, den Entscheid über Zivilforderungen
sowie die besonderen Anordnungen beziehen. Soweit ein Urteil nicht angefochten
ist, erwächst es in Rechtskraft (§ 413 Abs. 3 StPO/ZH e contrario).
- 14 -
2.2. Es ist somit vorab mit Beschluss festzustellen, dass das Urteil des Bezirksge-
richtes Zürich, 3. Abteilung, vom 21. Juni 2010 hinsichtlich Dispositivziffer 1 teil-
weise (Schuldspruch wegen Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB, mehrfacher ein-
facher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, Fahrens in an-
getrunkenem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG sowie Irreführung
der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB betreffend den Ange-
klagten A._), Dispositivziffer 2 teilweise (Schuldspruch wegen Diebstahls und
des Versuchs hiezu im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB, mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186
StGB sowie mehrfacher Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
betreffend den Angeklagten B._), Dispositivziffer 3 teilweise (Schuldspruch
wegen Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von Art. 94
Ziff. 1 Abs. 1 SVG und Fahrens ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95 Ziff. 1
Abs. 1 SVG betreffend den Angeklagten C._), Dispositivziffer 5 teilweise
(Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 59
StGB betreffend den Angeklagten A._), Dispositivziffern 10, 11 und 12 (Zi-
vilansprüche), Dispositivziffer 15 (Höhe der Gerichtsgebühr) sowie der gleichen-
tags ergangene Beschluss betreffend Einziehung von Drogen sowie Heranzie-
hung des beim Angeklagten B._ sichergestellten Bargeldbetrages zur Kos-
tendeckung in Rechtskraft erwachsen sind. Nicht in Rechtskraft erwachsen ist der
von der Vorinstanz angeordnete Aufschub der gegen den Angeklagten A._
verhängten Freiheitsstrafe (Dispositivziffer 5), da ein Aufschub gemäss Art. 57
StGB nur bei einer Freiheitsstrafe, nicht aber etwa bei einer Geldstrafe angeord-
net werden kann und aufgrund der Berufung des Angeklagten A._ die Straf-
zumessung neu vorzunehmen ist. Zu ergänzen ist, dass Dispositivziffer 12 des
vorinstanzlichen Urteils sich auf Schadenersatzansprüche des Geschädigten
F._ beziehen dürfte (vgl. Urk. ND 4/9/7).
3.1. Der Verteidiger des Angeklagten A._ stellte mit Eingabe vom 28. März
2011 fristgerecht den Beweisantrag auf Beizug sämtlicher polizeilicher, staatsan-
waltschaftlicher und strafgerichtlicher Vorakten der Geschädigten D._ (Urk.
HD 110) und verwies auch anlässlich der Berufungsverhandlung darauf (Prot. II
S. 58). Der Verteidiger des Angeklagten B._ verlangte mit Eingabe vom
- 15 -
28. März 2011 im Sinne von Beweisanträgen fristgerecht den Beizug sämtlicher
Strafakten der Geschädigten sowie die Erstellung eines Glaubwürdigkeitsgutach-
tens über diese (Urk. HD 111); diese Beweisanträge wiederholte er anlässlich der
Berufungsverhandlung (Urk. HD 121 S. 2). Der Verteidiger des Angeklagten
C._ schliesslich beantragte mit Eingabe vom 28. März 2011 fristgerecht die
Einvernahme der Geschädigten durch das Gericht, den Beizug sämtlicher Straf-
akten der Geschädigten, die Befragung des Geschäftsführers der "..."-Bar,
Z1._, sowie die Erstellung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens über die Ge-
schädigte (Urk. HD 112). Auch er wiederholte diese Anträge anlässlich der Beru-
fungsverhandlung und beantragte zudem, es seien die medizinischen sowie allen-
falls bestehende vormundschaftliche Akten über die Geschädigte beizuziehen und
es sei hinsichtlich des Angeklagten A._ ein medizinisch-psychologisches
Gutachten bezüglich Potenzproblematik zu erstellen (Urk. HD 122 S. 6 f.; Prot. II
S. 64). Mit Eingabe vom 1. Dezember 2011 beantragte der Verteidiger des Ange-
klagten A._ neu den Beizug der Akten des Prozesses Nr. DG020184 (Urk.
HD 128 S. 2). Der Verteidiger des Angeklagten C._ beantragte mit Eingabe
vom 5. Dezember 2011 – teilweise neu oder frühere Beweisanträge modifizierend
– den Beizug der Strafvollzugsakten sowie der Vormundschaftsakten der Ge-
schädigten, den Beizug der Sozial- resp. Fürsorgeakten, die Befragung der ent-
sprechenden Fallverantwortlichen sowie die Einholung eines Gutachtens über die
Potenzproblematik des Angeklagten A._, welches zudem über den Zustand
sowie die Funktionsfähigkeit seines Penis Auskunft gebe (Urk. HD 129 S. 1 f.).
3.2. Grundsätzlich ist es Aufgabe des Gerichts, Zeugenaussagen zu würdigen
und dabei die Prüfung der Glaubwürdigkeit eines Zeugen sowie der Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen vorzunehmen. Der Beizug einer medizinisch oder psycho-
logisch gebildeten Fachperson kann jedoch gestützt auf § 147 StPO/ZH aus-
nahmsweise zulässig sein, und zwar insbesondere dann, wenn sich das Gericht
zufolge aussergewöhnlicher Verhältnisse nicht in der Lage befindet, die Glaub-
würdigkeit einer Person oder die Glaubhaftigkeit einer Aussage zu beurteilen
(Donatsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich,
§ 147 N 1). Da indes bei der Beweiswürdigung nicht die Glaubwürdigkeit des
- 16 -
Zeugen, sondern die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen im Vordergrund steht, ist
bei der Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens Zurückhaltung angezeigt.
3.3. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, weshalb es dem Gericht nicht mög-
lich sein sollte, die Prüfung der Glaubwürdigkeit der als Zeugin einvernommenen
Geschädigten sowie der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen selber vorzunehmen. Aus
den Akten ist bekannt, dass die Geschädigte im Zeitpunkt, in dem sie gemäss
Anklage Opfer eines Sexualverbrechens geworden sei, unter erheblichem Alko-
hol- und Kokaineinfluss stand und zudem Antidepressiva konsumiert hatte (Urk.
14/1 S. 5 N 15, Urk. HD 14/3 S. 17, Urk. HD 19/2, Urk. HD 19/9). Sodann ergibt
sich aus den Akten, dass die Geschädigte seit vielen Jahren mit Alkohol-, Drogen-
und psychischen Problemen zu kämpfen hatte und dass sie etliche Male straf-
rechtlich in Erscheinung getreten ist. Ihre Aussagen werden daher, wie dies auch
schon von der Vorinstanz festgehalten wurde (Urk. HD 103 S. 62), mit spezieller
Vorsicht und unter Einbezug der angeführten Umstände zu würdigen sein. Somit
ist kein Glaubwürdigkeitsgutachten einzuholen.
3.4. Hingegen wurde dem Antrag der Verteidiger der Angeklagten auf Beizug der
Strafakten der Geschädigten mit Beschluss vom 1. November 2011 stattgegeben
(Urk. HD 123).
3.5. Die Abnahme der übrigen von den Verteidigern der Angeklagten beantragten
Beweismittel kann unterbleiben, da die Angeklagten, wie nachfolgend aufzuzei-
gen sein wird, von den Vorwürfen der mehrfach gemeinsam begangenen Verge-
waltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB und
Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freizusprechen sind
und die Abnahme am Ausgang des Verfahrens nichts zu ändern vermöchte.
4.1. Der Verteidiger des Angeklagten C._ rügt eine Verletzung des Anklage-
prinzips und des Anspruchs auf rechtliches Gehör mit Bezug auf Nebendossier 7.
In der Anklageschrift werde im Sachverhalt zwar ein Betäubungsmittelkonsum
umschrieben. Der dadurch erfüllte Straftatbestand (mehrfache Übertretung des
BetmG im Sinne von Art. 19a BetmG) werde jedoch entgegen § 162 Ziff. 3
StPO/ZH in der Anklageschrift nicht genannt. Anlässlich der Hauptverhandlung
- 17 -
habe die Vorinstanz dem Angeklagten C._ auch nicht mitgeteilt, dass sie be-
absichtige, ihn der mehrfachen Übertretung des BetmG im Sinne von Art. 19a
BetmG schuldig zu sprechen, und sie habe ihm ferner nicht die Möglichkeit zur
Stellungnahme dazu gegeben. Dies wäre zur Wahrung des rechtlichen Gehörs
notwendig gewesen. Der Angeklagte sei daher in diesem Punkt freizusprechen
(Urk. HD 83 S. 6; Urk. HD 122 S. 76 f.).
4.2. Gemäss § 162 Abs. 1 Ziff. 3 StPO/ZH hat die Anklageschrift die Gesetzesbe-
stimmungen, durch welche der eingeklagte Tatbestand mit Strafe bedroht ist, zu
nennen. § 185 Abs. 1 StPO/ZH bestimmt, dass das Gericht an die rechtliche Be-
urteilung des Tatbestandes, welche der Anklage zugrunde liegt, nicht gebunden
ist. Nach § 185 Abs. 2 StPO/ZH sind dem Angeklagten und seinem Verteidiger
aber ausreichend Zeit und Gelegenheit zur Vorbereitung der Verteidigung sowie
zur Äusserung einzuräumen, wenn der Angeklagte auf Grund von anderen als in
der Anklage angerufenen Strafbestimmungen beurteilt werden soll.
Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und
Ziff. 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten Anklagegrundsatz bestimmt die Anklage-
schrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die An-
klage hat die dem Angeklagten zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so
präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe genügend konkretisiert sind. Das An-
klageprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte des Ange-
klagten und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion).
Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden,
nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde. Unter dem
Gesichtspunkt der Informationsfunktion des Anklageprinzips ist massgebend,
dass die angeklagte Person genau weiss, was ihr angelastet wird, damit sie ihre
Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann (Urteil des Bundesgerichts vom
24. September 2010, 6B_431/2010 E. 3.2. f., unter Hinweis auf BGE 133 IV 235
E. 6.3 S. 245).
4.3. Der dem Angeklagten C._ zur Last gelegte Kokainkonsum wurde in der
Anklageschrift in dem Anklageprinzip genügender Art umschrieben. Der Verteidi-
ger des Angeklagten C._ moniert jedoch zu Recht, dass in der Anklageschrift
- 18 -
die Gesetzesbestimmung, durch welche der umschriebene Tatbestand mit Strafe
bedroht ist, nicht genannt ist. Ferner wurde dem Angeklagten C._ resp. sei-
ner Verteidigung Art. 19a Ziff. 1 aBetmG anlässlich der Hauptverhandlung vom
21. Juni 2010 nicht vorgehalten (Prot. I S. 7 ff.) und hat der Verteidiger des Ange-
klagten C._ dazu vor der Vorinstanz auch nicht von sich aus Stellung ge-
nommen (Urk. HD 66 S. 1 ff.).
4.4. § 162 Abs. 1 Ziff. 3 StPO/ZH hat nicht Gültigkeitscharakter (Do-
natsch/Schmid, a.a.O., § 162 N 13). Dies ergibt sich daraus, dass das Gericht an
die von der Anklagebehörde vorgenommene Qualifikation – vorliegend mehrfache
Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5 aBetmG, nicht aber gegen
Art. 19a Ziff. 1 aBetmG – nicht gebunden ist. Dem Angeklagten C._ resp.
seiner Verteidigung hätte aber vor der Vorinstanz gestützt auf § 185 Abs. 2
StPO/ZH ausreichend Zeit und Gelegenheit zur Vorbereitung der Verteidigung
sowie zur Äusserung mit Bezug auf Art. 19a Ziff. 1 aBetmG eingeräumt werden
müssen. Indem die Vorinstanz dies nicht tat, verletzte sie den Anspruch des An-
geklagten C._ auf rechtliches Gehör. Dieser Mangel wurde indes vor der hie-
sigen Instanz geheilt, indem der Angeklagte C._ und sein Verteidiger, die
durch das vorinstanzliche Urteil Kenntnis davon erhalten hatten, dass die Vo-
rinstanz durch das in der Anklageschrift umschriebene Verhalten (auch) den Tat-
bestand von Art. 19a Ziff. 1 aBetmG erfüllt sah, zu dieser Bestimmung Stellung
nehmen konnten. Aus dem Versäumnis der Vorinstanz lässt sich demnach nichts
zu Gunsten des Angeklagten C._ ableiten.
III. Sachverhalt
1. Allgemeines
1.1. Bestreitet ein Angeklagter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachverhalt
aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente
nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus Art. 8
- 19 -
und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in
dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten,
dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist (Urteile des
Bundesgerichts 1P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und 1P_437/2004
vom 1. Dezember 2004, E. 4.2.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f. Nr. 180; BGE
127 I 40, 120 Ia 31. E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass
sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen
Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel
bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile des Bundesgerich-
tes 6B_795/2008 vom 27. November 2008, E. 2.4., und 6B_438/2007 vom 26.
Februar 2008, E. 2.1.). Die Überzeugung des Richters muss auf einem verstan-
desgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Be-
obachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches
Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Wenn erhebliche oder nicht
zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so abgespielt hat,
wie er eingeklagt ist, ist der Angeklagte nach dem Grundsatz "in dubio pro reo"
freizusprechen (Bernard Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 1993, N 419 f.). So-
weit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu
führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen
ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 256, Ziff. 1.4.; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f.,
Ziff. 3.4.).
1.2. Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in ob-
jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem
bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen
Richtigkeit zu überwinden vermag (§ 284 StPO/ZH; ZR 72 Nr. 80; Max Guldener,
Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 256 Ziff. 1.4.; BGE
124 IV 88, 120 1A 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit menschli-
chen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung erreicht
werden kann; daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis über jeden ver-
nünftigen Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichtsentscheid vom 26. Juni
2003, Nr. 2002/387S, E. 2.2.1. mit Hinweisen). Bloss abstrakte oder theoretische
Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind
- 20 -
(Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 12, Urteile des Bundesgerichtes
6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4., und 1 P_587/2003 vom 29. Januar
2004, E. 7.2.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausge-
schlossen werden können. Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahr-
scheinlichkeit beruhen.
1.3. Wie bereits angesprochen können auch indirekte, mittelbare Beweise, soge-
nannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen
Schluss erlauben. Indizien sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere,
unmittelbar erhebliche Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird somit vermu-
tet, dass eine nicht bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfol-
gerung aus bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung auf-
drängt. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hauser/Schweri/
Hartmann, a.a.O., § 59 N 14). Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahr-
scheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrach-
tet, die Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel (Hans
Walder, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309; Derselbe,
Die Beweisführung in Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich
1974/75, S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen
Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrschein-
lichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern
Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter
zu schliessen (Entscheide des Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom 12. November
2009, E. 1.4., 6B_332/2009 vom 4. August 2009, E. 2.3. mit Hinweisen, und
6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4.; Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O.,
§ 59 N 15).
1.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese
frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und
den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeu-
gend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt,
verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgten. Bei der Würdigung
von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaub-
- 21 -
würdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die
Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer
kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von soge-
nannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (vgl. Rolf Bender, Die
häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] S.
53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdig-
keits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Auflage, München 2007, N 310 ff.
und N 350 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere Geschlos-
senheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufs", "kon-
krete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die "Schilderung des
Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten
ist, der den Vorfall selber miterlebt hat", "Kenntlichmachung der psychischen Si-
tuation von Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", "Selbstbelastung oder unvor-
teilhafte Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkungen zugunsten des
Beschuldigten" und "Konstanz der Aussage bei verschiedenen Befragungen, wo-
bei sich aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben über Nebenumstände
verändern können" (Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit
Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). Andererseits sind
auch allfällige Phantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien für falsche Aus-
sagen gelten "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussa-
gen", "Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen An-
schuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von
mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder ausweichende Antwor-
ten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen". Als gene-
relle Phantasiesignale nennen Bender/Nack/Treuer die "Schwarz-Weiss-Malerei",
die "Verarmung der Aussage", das "Flucht- und Begründungssignal" und die "be-
hauptete Akzeptanz gegenüber bezweifelbaren Rechtsverkürzungen", wobei wei-
ter festgehalten wird, den "Phantasiebegabten" falle es ganz allgemein leichter,
von eigenen Aussagen und Aktivitäten zu berichten, als die Antworten und Reak-
tionen der Gegenseite zu erfinden. Wenn das eine oder andere Phantasiesignal
auftritt, braucht die Aussage nicht verworfen zu werden. Es ist dann aber eine
ausreichende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern. Bei häufigem
- 22 -
Auftreten von Phantasiesignalen sollten an die Zahl und Qualität der Realitätskri-
terien strenge Anforderungen gestellt werden, damit eine Aussage als zuverlässig
eingestuft werden kann (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 429 ff.).
1.5. Damit kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden nach neue-
ren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahr-
heitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkre-
ten Aussagen.
1.6. Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der
verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-
standselemente nachzuweisen (vgl. dazu Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4.
Auflage, Zürich 2004, N 599) und nicht der Angeklagte seine Unschuld (BGE 127
I 40 und Urteile des Bundesgerichtes 1P_437/2004 vom 1. Dezember 2004, E.
4.3., sowie 6S_154/2004 vom 30. November 2005, E. 4.).
1.7. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-
dung, wenn der Angeklagte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne dass
er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt nämlich insoweit
eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutzbehaup-
tung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis widerlegt wer-
den muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse Anhalts-
punkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Richtigkeit
der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft erscheinen las-
sen, oder wenn der Angeklagte sie sonstwie glaubhaft macht (vgl. Kassationsge-
richtsentscheid vom 2. November 2004, Nr. AC040082, E. 3.5, Stefan Trechsel,
SJZ 1981 S. 320).
2. Sachverhaltserstellung Hauptdossier (Vergewaltigung und Freiheitsberaubung)
2.1. Die Anklagebehörde wirft den drei Angeklagten zusammengefasst vor, die
Geschädigte in der Nacht des tt. Mai 2007 in der Wohnung Nr. .. an der ...-
Strasse .. in H._ in Mittäterschaft mehrfach vergewaltigt zu haben. Zudem
- 23 -
hätten die Angeklagten die Geschädigte in Mittäterschaft der Freiheit beraubt, da
sie die Tür zur genannten Wohnung, in der sie sich mit der Geschädigten befun-
den hätten, abgeschlossen und den Schlüssel entfernt hätten und die Geschädig-
te die Wohnung entgegen ihrem Willen nicht habe verlassen können.
Dass sich die drei Angeklagten in der Nacht des tt. Mai 2007 mit der Geschädig-
ten in der Wohnung Nr. .. an der ...-Strasse .., in H._ aufhielten und es dabei
zumindest zwischen einem von ihnen und der Geschädigten zu Geschlechtsver-
kehr und bei den beiden anderen Angeklagten zu sonstigen sexuellen Handlun-
gen mit der Geschädigten kam, wird von den Angeklagten nicht bestritten. Nicht
richtig ist somit, dass alle drei Angeklagten eingeständen hätten, mit der Geschä-
digten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, wie dies die Vorinstanz einleitend
festhielt (Urk. HD 103 S. 9). Alle drei Angeklagten machen indes geltend, die von
ihnen eingestandenen sexuellen Handlungen seien im Einvernehmen mit der Ge-
schädigten erfolgt. Ferner bestreiten sie, dass die Tür der Wohnung verschlossen
und der Schlüssel entfernt gewesen sei und dass die Geschädigte die Wohnung
nicht habe verlassen können.
Es ist demnach anhand der vorhandenen Beweismittel zu prüfen, ob sich der ein-
geklagte Sachverhalt dahingehend erstellen lässt, dass die Geschädigte von den
drei Angeklagten aufgrund gemeinsamer Planung und durch gleich massgebli-
ches, arbeitsteiliges Zusammenwirken mehrfach zum Geschlechtsverkehr genö-
tigt wurde und dass die Tür zur Wohnung Nr. .. an der ...-Strasse .., in H._
verschlossen war und die Geschädigte gegen ihren Willen in der Wohnung fest-
gehalten wurde.
2.2. Die Vorinstanz hat grundsätzlich zutreffende Ausführungen zu den vorhande-
nen Beweismitteln gemacht (Urk. HD 103 S. 8 und 10 f.), weshalb in Anwendung
von § 161 GVG darauf verwiesen werden kann. Zudem können als Beweismittel
insbesondere das Aktengutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität
Zürich (Urk. HD 19/9), der bei den Akten liegenden Einsatzplan des Altersheims
I._ (Urk. HD 15/7, Anhang) sowie die Verlaufsblätter zur Psychotherapie der
Geschädigten (Urk. HD 16/2-7) herangezogen werden. Was die Verwertbarkeit
der Beweismittel angeht, ist darauf hinzuweisen, dass die Geschädigte ihre letzte
- 24 -
Zeugeneinvernahme vom 2. März 2009 von sich aus abbrach (Urk. HD 14/4 S.
10), weshalb die Angeklagten sowie deren Verteidiger keine Ergänzungsfragen
stellen konnten. Die Vorinstanz ist zu Recht davon ausgegangen, dass diese Ein-
vernahme daher nur zu Gunsten der Angeklagten verwertbar ist (Urk. HD 103 S.
8). Das Gleiche gilt für das Ergebnis der telefonischen Befragung von Z2._
(Urk. HD 9 S. 13 f.), denn dieser wurde nicht als Zeuge einvernommen und die
Angeklagten sowie deren Verteidiger konnten ihm keine Ergänzungsfragen stel-
len. Die Zeugen Z3._, Z4._, Z5._ und Z6._ berichteten in ihren
Einvernahmen teilweise über indirekte Wahrnehmungen, indem sie wiedergaben,
was die Geschädigte ihnen gesagt haben soll. Dies steht aber der Verwertbarkeit
ihrer diesbezüglichen Aussagen nicht entgegen, zumal diese zusätzlich zu denje-
nigen der Geschädigten vorliegen (Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, Zürich
2004, N 631).
2.3. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Geschädigten (Urk. HD 103 S. 12 ff.),
der Angeklagten (Urk. HD 103 S. 25 ff.), von J._ (Urk. HD 103 S. 46 ff.), der
Zeugen Z3._ (Urk. HD 103 S. 54 f.), Z4._ (Urk. HD 103 S. 55 ff.),
Z5._ (Urk. HD 103 S. 57 f.) und Z6._ (Urk. HD 103 S. 58 f.) sowie die
übrigen von ihr berücksichtigten Untersuchungsergebnisse (Urk. HD 103 S. 60 f.)
in den wesentlichen Punkten korrekt wiedergegeben, weshalb sie nicht zu wie-
derholen sind (§ 161 GVG). Soweit Korrekturen oder Ergänzungen notwendig
sind, sind diese im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung vorzunehmen.
Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 1. November 2011 blieben die Ange-
klagten im Wesentlichen bei ihren Aussagen vor der Vorinstanz (Prot. II S. 26 ff.).
2.4. Was die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Geschädigten angeht, kann
zwar grundsätzlich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk.
HD 103 S. 62). Es sind jedoch einige wesentliche Ergänzungen anzubringen.
Die Geschädigte erwirkte im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Verurteilun-
gen (Urk. HD 125; Beizugsakten). Hatten die von ihr begangenen Delikte, soweit
sie nicht Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz betrafen, offensichtlich in
erster Linie einen beschaffungskriminellen Hintergrund, stechen mehrere aus den
- 25 -
beigezogenen Akten ersichtliche Begebenheiten auch im Zusammenhang mit
dem vorliegenden Verfahren ins Auge.
Bei den beigezogenen Akten des Prozesses Nr. DG040303 liegt der Zirkularbe-
schluss des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom 1. November 2007 samt
angehängter Verfügung des Justizvollzugs des Kantons Zürich vom 12. Juli 2007
(Urk. 27). Gemäss den Erwägungen des Gerichtes verfügte der Justizvollzug des
Kantons Zürich, Bewährungsdienst Zürcher Unterland, am 4. April 2007 rückwir-
kend per 5. Oktober 2006 die Einweisung der Geschädigten in die Wohngruppe
der stationären Therapie K._. Nachdem die Geschädigte wegen mehrmali-
gen Alkohol- und Kokainkonsums am 11. April 2007 vorübergehend in die Ent-
zugsstation K._ verlegt worden sei – was mit den Angaben der Geschädigten
anlässlich einer Einvernahme vom 4. September 2007 (Beizugsakten 2007/1738
Urk. 5 S. 2; dazu auch nachfolgend) betreffend Rückfall im April 2007 überein-
stimmt – sei sie am 18. April 2007 wieder in die Wohngruppe K._ zurückge-
kehrt. Schliesslich sei sie am tt. Mai 2007 unter anderem wegen wiederholten  und der Missachtung aller wichtigen Hausregeln definitiv aus der
Wohngruppe K._ ausgeschlossen worden. In der Folge sei die stationäre
Behandlung der Geschädigten vom Justizvollzug des Kantons Zürich mit Verfü-
gung vom 12. Juli 2007 wegen Aussichtslosigkeit aufgehoben worden und habe
diese dem Gericht die Anordnung einer ambulanten Massnahme unter weiterem
Aufschub der diversen Freiheitsstrafen beantragt, wie auch aus dem erwähnten
angehängten Antrag des Justizvollzugs des Kantons Zürich ersichtlich ist. Diesem
ist darüber hinaus zu entnehmen, dass am 6. Juni 2007 ein Gespräch zwischen
der Geschädigten und dem Fallverantwortlichen der Bewährungs- und Vollzugs-
dienste stattgefunden hatte. Es habe festgestellt werden können, dass die Ge-
schädigte bereits leicht alkoholisiert gewesen sei, was diese auch bestätigt habe.
Zu diesem Zeitpunkt habe die Geschädigte an schnell wechselnden Wohnorten
gewohnt und sich um einen Termin bei ihrem Hausarzt bemüht, um die weitere
Medikation mit einem Antidepressivum zu gewährleisten. Sie werde weiterhin die
ambulante Nachsorgestelle der Suchtbehandlung K._ in Anspruch nehmen
und sich umgehend bei den Sozialen Diensten der Stadt Zürich melden. Sie sei
darüber informiert worden, dass die Bewährungs- und Vollzugsdienste die statio-
- 26 -
näre Massnahme als gescheitert erachteten und diese aufheben würden. Die Ge-
schädigte habe ihr Einverständnis damit bekundet und der Hoffnung Ausdruck
gegeben, dass eine ambulante Massnahme angeordnet werde (S. 2 f.).
Aus dem genannten Zirkularbeschluss ergibt sich somit, dass die Geschädigte am
Tag vor der fraglichen Nacht des tt. Mai 2007 definitiv aus der Wohngruppe
K._ ausgeschlossen wurde, was sich im Übrigen in etwa mit den Angaben
der Zeugin Z4._, der Psychotherapeutin der Geschädigten deckt, die in ihrer
Einvernahme vom 11. Januar 2008 angab, die Geschädigte sei am tt. Mai 2007
ausgetreten und seither in ambulanter Behandlung gewesen, wobei es sich beim
tt. Mai 2007 um das administrative Austrittsdatum handle (Urk. HD 15/3 S. 2).
Ferner fällt auf, dass im Bericht des Justizvollzuges über das Gespräch vom 6.
Juni 2007 keine Rede von den von der Geschädigten geschilderten sexuellen
Übergriffen und von der von ihr geltend gemachten Freiheitsberaubung ist, ob-
wohl diese, hätte sich der Sachverhalt wie eingeklagt zugetragen, im Zeitpunkt
dieses Gesprächs nur rund ... Wochen zurückgelegen hätten und obwohl die Ge-
schädigte sich gemäss den Aussagen der Zeugin Z6._ nur zwei Tage später
an eine Opferhilfeberatungsstelle wandte (Urk. HD 15/12 S. 2).
Sodann gab die Geschädigte im Zusammenhang mit einem von ihr nur zögerlich
eingestandenen Diebstahl eines Portemonnaies, den sie am 24. Januar 2007 im
Warenhaus L._ in Zürich begangen hatte, anlässlich einer polizeilichen Ein-
vernahme vom 1. März 2007 zu Protokoll, sie sei seit 2 1⁄2 Jahren in einer statio-
nären Therapie resp. in einer Massnahme in der Therapiestation K._ und
habe einige Rückfälle gehabt. Sie habe Angst gehabt, weil sie an diesem Tag
Drogen und Alkohol konsumiert habe. Wenn das in dieser Massnahme passiere,
sei das ganz schlecht. Auf die Frage, was sie genau konsumiert gehabt habe,
antwortete sie, in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 2007 Base und Marihua-
na geraucht sowie Alkohol getrunken zu haben. Sie sei zu dieser Zeit "auf der
Kurve" gewesen. Am 24. Januar 2007 habe sie zurück in die Therapie gewollt und
sich in der Therapiestation K._ melden wollen. Bevor sie in das Warenhaus
L._ gegangen sei, habe sie noch begonnen, Bier zu trinken, und sie habe
nicht den Mut gehabt, sich in der Therapie zu melden. Sie habe noch nicht genug
- 27 -
Kokain gehabt und deswegen Geld gebraucht. Nach dem Diebstahl habe sie das
Bargeld aus dem Portemonnaie genommen, das Portemonnaie mit dem restli-
chen Inhalt in einen Container geworfen und sei dann an die ...-Strasse gegan-
gen, wo sie eine Portion Kokain gekauft und diese sogleich geschnupft habe. Am
Morgen des 25. Januar 2007 sei sie in die Therapie zurückgekehrt und habe seit-
her keine Drogen mehr konsumiert. Die Massnahme sei bis Oktober 2006 gelau-
fen; der Antrag auf Massnahmeverlängerung sei noch hängig. Was für einen Ein-
fluss der Diebstahl auf diesen Entscheid habe, wisse sie nicht (Beizugsakten
2007/1738 Urk. 4 S. 1 ff.). Anlässlich der bereits angesprochenen staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme vom 4. September 2007 bestätigte die Geschädigte
diese Aussagen und führte ferner aus, sie habe zudem im April, Ende Mai und an-
fangs Juni 2007 Rückfälle gehabt und Kokain konsumiert (Beizugsakten
2007/1738 Urk. 5 S. 2). Anlässlich der Befragung zur Person gab sie an, sie habe
bis Ende Mai 2007 als Praktikantin in einem Altersheim gearbeitet. Sie sei dann
aber vergewaltigt worden. Es seien drei Männer gewesen; diese habe sie ange-
zeigt. Es sei ihr da sehr schlecht gegangen. Die Massnahme sei gescheitert und
abgebrochen worden. Am Tag nach der Vergewaltigung habe sie nicht mehr ar-
beiten können (Beizugsakten 2007/1738 Urk. 5 S. 3). Aus diesen Aussagen erge-
ben sich mögliche Motive für allfällige Falschaussagen im vorliegenden Verfah-
ren. Zum einen ist denkbar, dass die Geschädigte versucht gewesen sein könnte,
den (weiteren) "Absturz" in der Nacht des tt. Mai 2007 mit einer ungerechtfertigten
Belastung der drei Angeklagten, diese hätten sie vergewaltigt und der Freiheit be-
raubt, zu rechtfertigen und so den definitiven Abbruch der Massnahme abzuwen-
den. Zum andern muss auch an die Möglichkeit gedacht werden, dass die Ge-
schädigte versucht haben könnte, im Zusammenhang mit dem damals gegen sie
laufenden Strafverfahren Vorteile zu erwirken.
Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Fall von besonderer Bedeutung ist,
dass die Geschädigte gemäss einem Schreiben der Fallverantwortlichen des Jus-
tizvollzugs des Kantons Zürich vom 15. Dezember 2009 im Zusammenhang mit
von ihr zu leistender gemeinnütziger Arbeit der Fallverantwortlichen am 27. Mai
2008 telefonisch mitgeteilt habe, sie sei von einem Mitarbeiter des Einsatzortes
sexuell belästigt worden. Der Einsatz sei umgehend abgebrochen worden. Der
- 28 -
Arbeitgeber habe diesen Vorwurf von sich gewiesen. Anlässlich eines Gesprächs
vom 23. Juni 2008 habe die Geschädigte mitgeteilt, dass sie am Einsatzort über-
fordert gewesen sei. Damit der Vollzug nicht eingestellt werde, habe sie auf Anra-
ten des Vaters ihres Kindes angegeben, sexuell belästigt worden zu sein, was
nicht der Wahrheit entsprochen habe (Beizugsakten 2008/6401, Akten Nachver-
fahren Urk. 2 S. 1 f.). Daraus ergibt sich allerdings nicht zwangsläufig, dass es
sich im vorliegenden Fall gleich verhielt. Denkbar wäre auch, dass der eingeklag-
te Sachverhalt sich tatsächlich ereignet hat und die Geschädigte sowie allenfalls
den Vater ihres Kindes ein Jahr später, als die Geschädigte beruflich unter Druck
stand, auf die Idee der dargelegten Falschaussage brachte.
Unter den gegebenen Umständen sind die Aussagen der Geschädigten mit aller-
grösster Vorsicht zu würdigen.
Was die Glaubwürdigkeit des Zeugen Z5._, des ehemaligen Lebenspartners
der Geschädigten und Vaters ihres zweiten Kindes angeht, hielt die Vorinstanz
gestützt auf dessen Aussagen fest, dieser habe nur noch sporadischen Kontakt
mit der Geschädigten; es sei bei ihm kein seine Glaubwürdigkeit beeinträchtigen-
des Interesse am Verfahrensausgang ersichtlich (Urk. HD 103 S. 63). Sollte indes
der Inhalt einer bei den beigezogenen Strafakten der Geschädigten liegenden Ak-
tennotiz vom 13. Februar 2008 zutreffen, wonach diese gemäss Informationen der
Personenfahndung der Stadtpolizei Zürich seit längerer Zeit, obwohl noch dort
angemeldet, nicht mehr an der ...-Gasse .. in H._, sondern c/o Z5._,
...-Strasse .. in H._ wohne (Beizugsakten 2007/6858 Urk. 11), müsste davon
ausgegangen werden, dass die Geschädigte und der Zeuge Z5._ im Zeit-
punkt der Zeugeneinvernahme von Z5._, die am 31. Januar 2008 stattfand
(Urk. HD 15/4 S. 1), wieder zusammenlebten. In diesem Fall wäre einerseits auf-
grund der engen Beziehung zwischen dem Zeugen Z5._ und der Geschädig-
ten ein die Glaubwürdigkeit des Zeugen Z5._ tangierendes Interesse am
Verfahrensausgang gegeben und würde sich andererseits auch die Frage eines
indirekten finanziellen Interesses des Zeugen Z5._ stellen, nachdem die Ge-
schädigte im vorliegenden Verfahren Zivilansprüche geltend macht. Dann wäre
überdies klar, dass jedenfalls die Aussage von Z5._ anlässlich seiner Zeu-
- 29 -
geneinvernahme vom 31. Januar 2008, er und die Geschädigte hätten heute kol-
legialen Kontakt, sie würden ab und zu telefonieren, getroffen habe er sie nachher
(gemeint: nach der inkriminierten Tat) nicht sehr oft (Urk. HD 15/4 S. 2 und S. 5),
nicht der Wahrheit entsprochen hätte. Unabhängig davon muss davon ausgegan-
gen werden, dass die Geschädigte wohl den Zeugen Z5._ meinte, als sie er-
klärte, sie habe im Mai 2008 auf Anraten des Vaters ihres Kindes angegeben, se-
xuell belästigt worden zu sein (dazu oben). Dieser Belastung des Zeugen
Z5._ durch die Geschädigte wurde nicht näher nachgegangen. Sollte sie den
Tatsachen entsprechen, wäre damit zudem, wie bereits im Rahmen der Erwä-
gungen zur Glaubwürdigkeit der Geschädigten aufgezeigt, nicht zwangsläufig
auch erstellt, dass es sich im vorliegenden Fall gleich verhielt. Insgesamt gesehen
erscheint es aber angezeigt, auch die Aussagen von Z5._ mit allergrösster
Vorsicht zu würdigen.
Was die Glaubwürdigkeit des Angeklagten A._ angeht, ist ergänzend zu den
Ausführungen der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass er, wie dargelegt, von
dieser rechtskräftig der Irreführung der Rechtspflege schuldig gesprochen wurde,
weshalb seine Aussagen mit um so höherer Sorgfalt zu prüfen sind.
Im Übrigen kann den Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit der An-
geklagten, von J._ und der verschiedenen Zeugen gefolgt werden, weshalb
darauf verwiesen werden kann (§ 161 GVG).
2.5. Analyse der Aussagen der Geschädigten
2.5.1. Die Aussagen der Geschädigten zum Ablauf der Nacht des tt. Mai 2007
sind vor dem Hintergrund zu würdigen, dass es sich bei einer Vergewaltigung um
ein dynamisches Geschehen handelt und ein Opfer unter Umständen nicht ohne
weiteres in der Lage ist, den Ablauf bis ins kleinste Detail logisch nachvollziehbar
zu schildern, zumal dann, wenn die Aussagen nicht sofort nach der Tat erfolgen.
2.5.2. Die Geschädigte machte in den drei vollumfänglich verwertbaren Einver-
nahmen zu einem wesentlichen Teil übereinstimmende Angaben, die, wie die An-
- 30 -
klagebehörde und die Vorinstanz zu Recht dargelegt haben (Urk. HD 62 S. 5 f.;
Urk. HD 103 S. 65 f.), einen recht hohen Detaillierungsgrad aufweisen. Es darf
aber nicht übersehen werden, dass feststeht, dass es in der Wohnung an der ...-
Strasse .. in H._ zwischen den Angeklagten und der Geschädigten zu sexu-
ellen Handlungen kam und sich somit vieles so ereignet haben kann, wie es von
der Geschädigten geschildert wurde, ohne dass dabei von den Angeklagten Nöti-
gungshandlungen eingesetzt worden wären und ohne dass die Geschädigte ge-
gen ihren Willen in der fraglichen Wohnung festgehalten worden wäre. So könnte
beispielsweise der von der Geschädigten anlässlich der polizeilichen Befragung
vom 5. Juli 2007 geschilderte Umstand, dass einer derjenigen Männer, mit denen
sie Geschlechtsverkehr gehabt habe, ein Kondom benützt und dieses aus dem
Nachttisch hervorgenommen habe (Urk. HD 14/1 S. 9), oder ihre Schilderung,
dass einer sie während des Geschlechtsaktes versucht habe umzudrehen, um
auch den Analverkehr zu vollziehen (Urk. HD 14/1 S. 7 f.; Urk. HD 14/3 S. 15),
sich auch im Rahmen einvernehmlicher Sexualkontakte ereignet haben.
2.5.3. Für die Richtigkeit der Aussagen der Geschädigten spricht, dass diese
durchgehend aussagte, sie habe nach der ersten Vergewaltigung ihre Kleider
wieder anziehen wollen resp. dies getan in der Meinung, sie könne nun die Woh-
nung verlassen, worauf ihr dann eine weitere Linie Kokain gegeben und erklärt
worden sei, sie könne danach gehen (Urk. HD 14/1 S. 7 ff.; Urk. HD 14/3 S. 3 und
S. 11). Die Schilderung derartiger Gegebenheiten wäre bei einer Falschbelastung
nicht zu erwarten gewesen. Gegen die These, die Geschädigte habe nicht die
Wahrheit gesagt, spricht ferner, dass sie den vierten in der Wohnung Anwesen-
den, J._, nicht der Vergewaltigung beschuldigte. Vielmehr gab sie an, dieser
habe zwar nach den drei eingeklagten Vergewaltigungen sein erigiertes Glied
entblösst, damit geprahlt und sie gefragt, ob sie mit ihm auch noch ins Bett wolle,
sie aber nicht vergewaltigt und den Angeklagten auch nicht geholfen, als diese sie
vergewaltigt hätten (Urk. HD 14/2 S. 3; Urk. HD 14/3 S. 13). Hätte sie die Ange-
klagten zu Unrecht belasten wollen, hätte sie diese Begebenheiten weit dramati-
scher schildern können. Das Gleiche gilt beispielsweise auch bezüglich ihrer ur-
sprünglichen Angabe, dass bei den ersten zwei Vergewaltigungen der Täter, der
sie festgehalten habe, während der andere in sie eingedrungen sei, sich an-
- 31 -
schliessend entfernt habe (Urk. HD 14/1 S. 8 f.; vgl. auch Urk. HD 14/3 S. 11).
Sodann enthalten die Aussagen der Geschädigten Gefühlsbeschreibungen, die
mit dem gemäss ihren Aussagen Erlebten in Korrelation stehen, und gab die Ge-
schädigte Erinnerungslücken an (z.B. Urk. HD 14/2 S. 2 und HD 14/3 S. 3, S. 6
und S. 15 f.).
2.5.4. Darüber hinaus wirkt die von der Geschädigten geschilderte Begegnung
zwischen ihr und zwei der Angeklagten ca. zwei Wochen später in der "..."-Bar
realitätsnah. Dass sie dabei drangsaliert worden sei, passt ins Bild ihrer Schilde-
rung der Geschehnisse in der Nacht vom tt. Mai 2007 und wirkt ebenso wenig er-
funden wie ihre Beschreibung, wie es auf der Strasse zu einer weiteren Begeg-
nung mit diesen beiden Angeklagten gekommen sei und einer ihr gegenüber eine
Bewegung gemacht habe, wie wenn er auf sie habe losgehen wollen (Urk. HD
14/1 S. 4 und S. 12 f.). Es stellt sich die Frage, wie die Geschädigte auf die Idee
kommen sollte, derartige Begebenheiten zu schildern, wenn sie sich nicht tatsäch-
lich so ereignet hätten, zumal die Angeklagten B._ (Urk. HD 13/1 S. 14 f.)
und C._ (Urk. HD 12/1 S. 9; Urk. HD 12/2 S. 3; Urk. HD 12/4 S. 7) spätere
Begegnungen als solche bestätigten, der Angeklagte C._ sogar – überein-
stimmend mit der Geschädigten – eine in der "..."-Bar (Urk. HD 12/1 S. 9; Urk. HD
12/4 S. 7), und seine Aussagen anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom
26. November 2007 durchaus so aufgefasst werden können, dass die Geschädig-
te bei einer späteren Begegnung tatsächlich herumgeschubst wurde (Urk. HD
10/4 S. 20). Es kann allerdings nicht gesagt werden, dass es keinen Grund gege-
ben hätte, die Geschädigte einzuschüchtern oder zu drangsalieren, wenn es kei-
ne sexuellen Übergriffe gegeben hätte. Sollten sich die Ereignisse so abgespielt
haben, wie sie von den Angeklagten geschildert wurden, ist durchaus denkbar,
dass diese der Geschädigten bei zufälligen späteren Treffen mit einer gewissen
Überheblichkeit oder gar Verachtung begegneten, zumal sie anlässlich dieser
späteren Begegnungen noch nicht wussten, dass die Geschädigte Strafanzeige
gegen sie erstattet hatte.
2.5.5. Die Geschädigte beschönigte ferner insbesondere ihren vorherigen Alko-
holkonsum nicht, indem sie unverblümt angab, insgesamt sicher sieben Biere und
- 32 -
zwei Wodka Cola konsumiert zu haben und ferner erklärte, nach ihrem Aufenthalt
in der Bar schon gemerkt zu haben, dass sie zuviel getrunken gehabt habe (Urk.
HD 14/1 S. 5). Ebenso wenig verschwieg sie, dass sie ein Antidepressivum na-
mens Tritico eingenommen hatte, das nicht gleichzeitig mit Alkohol genommen
werden dürfe, gab aber an, dass sie keine Nebenwirkungen bemerkt habe (Urk.
HD 14/3 S. 17). Sodann erklärte sie, in der Wohnung mehrere Linien Kokain kon-
sumiert zu haben (Urk. HD 14/1 S. 6 und S. 10; Urk. HD 14/3 S. 4 und S. 12),
womit sie sich, nebenbei bemerkt, selber belastete.
2.5.6. Der Umstand, dass die Geschädigte erst Wochen nach den fraglichen Ge-
schehnissen Anzeige erstattete, erscheint unter dem Gesichtspunkt, dass sie da-
von ausgehen musste, dass vier (!) andere Personen das Gegenteil behaupten
würden (vgl. dazu die Aussage der Geschädigten in Urk. HD 14/3 S. 8), nachvoll-
ziehbar. Wenn die Geschädigte, wie von der Zeugin Z6._ anlässlich ihrer
Einvernahme vom 11. Mai 2009 geschildert, davon ausging, dass man ihr als
Drogenkonsumentin sowieso nicht glauben werde (Urk. HD 15/12 S. 2), erscheint
es – unter der Voraussetzung, dass sich der Sachverhalt wie eingeklagt zugetra-
gen hat – plausibel, dass bei ihr zunächst eine gewisse Resignation eintrat und
sie sich erst zu einer Anzeige durchringen konnte, nachdem ihr bewusst gewor-
den war, dass die Sache sie sehr viel stärker belastete als erwartet (vgl. Urk. HD
14/3 S. 20).
2.5.7. Ferner besteht kein Anlass zur Annahme, die Geschädigte habe aufgrund
ihres Alkohol-, Medikamenten- und Kokainkonsums in der fraglichen Nacht gar
keine verlässlichen Aussagen zu Protokoll geben können. Zum einen stimmen
diese ja teilweise – wenn auch naturgemäss nicht in den umstrittenen Punkten –
mit denjenigen der Angeklagten überein. Ferner lässt sich daran, dass die Ge-
schädigte das Wohnungsinnere rund sechs Wochen nach den fraglichen Ereig-
nissen noch recht detailliert beschreiben konnte (Urk. HD 14/1 S. 2 ff.), obwohl sie
offensichtlich nur in jener Nacht dort gewesen war, erkennen, dass ihre Wahr-
nehmung nicht derart getrübt war, dass sie nichts mehr mitbekommen hätte. Die-
se Einschätzung wird durch die Ausführungen im Aktengutachten des Instituts für
Rechtsmedizin vom 3. Juli 2008 zur Frage der Auswirkungen des Alkohol-, Be-
- 33 -
täubungsmittel- und Medikamentenkonsums der Geschädigten (Urk. HD 19/9)
nicht widerlegt. Zudem wird sie durch die Aussagen des Angeklagten A._ an-
lässlich der Konfrontationseinvernahme vom 26. November 2007 bestätigt, der
auf die Frage, ob die Geschädigte betrunken war, aussagte: "Sie hat schon Alko-
hol getrunken. Ob sie betrunken war, weiss ich nicht. Sie wusste, was sie tat"
(Urk. 10/4 S. 6 f.).
2.5.8. Dass die Geschädigte gemäss ihren eigenen Aussagen einige Tage später
bei der besagten Wohnung vorbeiging, lässt entgegen der Ansicht der Verteidiger
(Urk. HD 64 S. 11; Urk. HD 65 S. 13; Urk. HD 120 S. 14 f.; ) nicht ohne weiteres
darauf schliessen, dass sie somit keine Angst vor den Angeklagten gehabt habe
und ihre Anschuldigungen mithin nicht stimmen könnten. Vielmehr liesse sich
dies, wie von der Anklagebehörde geltend gemacht (Urk. HD 62 S. 15), durchaus
auch mit der von der Geschädigten angegebenen (Urk. HD 14/1 S. 4) Wut auf die
Angeklagten erklären. Hätte die Geschädigte am folgenden Morgen Geld von den
Angeklagten verlangt, wie dies von den Angeklagten B._ (Urk. HD 13/1 S.
12: Fr. 200.–; Urk. HD 10/4 S. 20: Fr. 200.– oder Fr. 300.–) und C._ (Urk. HD
12/1 S. 2 f. und S. 8: Fr. 300.–; Urk. HD 12/4 S. 6: Fr. 300.–; Urk. HD 10/4 S. 20:
Fr. 300.–; Urk. HD 10/5 S. 6: Fr. 200.– oder Fr. 300.–) behauptet, von der Ge-
schädigten (Urk. HD 14/2 S. 7) aber in Abrede gestellt wurde, spricht auch dies
nicht gegen ihre Schilderungen. Wurden die eingeklagten Delikte begangen, ist
denkbar, dass die Geschädigte damit eine gewisse Kompensation erreichen woll-
te. Dabei wäre es naheliegend gewesen, diese in Form von Geld zu verlangen,
zumal es der Geschädigten, wie sich aus den Zeugenaussagen der Zeuginnen
Z7._ (Urk. HD 15/7 S. 4) und Z8._ (Urk. HD 15/10 S. 2) ergibt, daran im
fraglichen Zeitraum offensichtlich mangelte. Da die Geschädigte mit dem Ge-
schäft der Prostitution vertraut war, würde es aber, wie von der Anklagebehörde
aufgezeigt (Urk. HD 62 S. 15), erstaunen, wenn sie einen im Voraus vereinbarten
Liebeslohn nicht vorweg einkassiert hätte. Sollten die Sexualkontakte entgegen
der Anklage freiwillig erfolgt sein, ohne dass vorher über eine Entschädigung ge-
sprochen worden wäre, wäre allerdings auch denkbar, dass die Geschädigte da-
für nachträglich Geld verlangte.
- 34 -
2.5.9. Die Aussagen der Geschädigten sind aber keineswegs frei von Widersprü-
chen und Unstimmigkeiten.
2.5.10. Wenig aussagekräftig ist in diesem Zusammenhang, dass die Geschädig-
te bezüglich der Reihenfolge der Täter widersprüchliche Angaben machte. Die
Erklärung dafür könnte darin liegen, dass sie während der sexuellen Handlungen
aufgrund ihres vorherigen Alkohol-, Drogen- und Medikamentenkonsums in ihren
kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt war und sich deshalb nachher nicht mehr
richtig an die Reihenfolge erinnern konnte – auch die übrigen Beteiligten, die
ebenfalls Alkohol und Kokain konsumiert hatten, machten dazu, wie nachfolgend
aufzuzeigen sein wird, teilweise widersprüchliche Angaben. In diesem Zusam-
menhang ist entscheidend, dass die Angeklagten gar nicht bestreiten, sexuelle
Kontakte bis hin zum Geschlechtsverkehr mit der Geschädigten gehabt zu haben,
und zwar in der eingeklagten Reihenfolge; die Anklageschrift baut, was die Rei-
henfolge angeht, gerade auch auf die letzten Aussagen der Angeklagten auf.
2.5.11. Ähnlich verhält es mit den widersprüchlichen Angaben der Geschädigten
zur Frage, ob und wenn ja welcher der Täter ein Kondom benützte: Anlässlich der
polizeilichen Befragung vom 5. Juli 2007 sagte die Geschädigte aus, der zweite
Vergewaltiger habe ein Kondom benützt, während sie anlässlich ihrer Zeugen-
aussage vor der Staatsanwaltschaft vom 26. November 2007 angab, der zweite
und dritte Verkehr seien ungeschützt passiert (Urk. HD 14/1 S. 9 und HD 14/3
S. 9), demnach der erste nicht. Aufgrund der Aussagen des Angeklagten
B._, der angab, als erster mit der Geschädigten Sexualkontakt gehabt und
dabei ein Kondom benützt zu haben, und aufgrund der Angaben der beiden ande-
ren Angeklagten, wonach sie kein Kondom benützt hätten (der Angeklagte
B._: Urk. HD 10/4 S. 15; Urk. HD 10/6 S. 4 f.) oder dies nicht mehr wüssten
(der Angeklagte A._: Urk. HD 10/1 S. 6; Urk. HD 10/3 S. 5 f.), ist davon aus-
zugehen, dass die entsprechende Aussage der Geschädigten anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. November 2007 korrekt war. Dies
erscheint auch deshalb naheliegend, weil es sich bei der Wohnung, in der sich die
Beteiligten befanden, um diejenige des Angeklagten B._ handelte und er
somit am besten gewusst haben dürfte, ob resp. wo Kondome vorrätig waren. Da-
- 35 -
raus, dass die Geschädigte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 5. Juli
2007 zur Frage, welcher der Angeklagten ein Kondom benützte, eine falsche An-
gabe machte, kann unter diesen Umständen nichts zu Gunsten der Angeklagten
abgeleitet werden. Es muss davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um
einen simplen Irrtum der Geschädigten handelte, zumal kein Grund ersichtlich ist,
weshalb sie zu diesem Thema bewusst eine falsche Aussage hätte machen sol-
len.
2.5.12. Ferner erklärte die Geschädigte anlässlich der polizeilichen Befragung
vom 5. Juli 2007, der erste Vergewaltiger sei nach dem Geschlechtsverkehr du-
schen gegangen (Urk. HD 14/1 S. 9). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 26. November 2007 gab sie demgegenüber an, der erste Verge-
waltiger habe sich nach dem Samenerguss sogleich wieder angezogen und sie
wisse nicht, ob einer der Vergewaltiger geduscht habe (Urk. HD 14/3 S. 7 und
10). Dieser Widerspruch stellt in Tat und Wahrheit sogar ein Indiz dafür dar, dass
die Geschädigte jedenfalls bezüglich des Duschens die Wahrheit sagte und Erin-
nerungslücken deklarierte. Aufgrund der Aussagen der Angeklagten B._ und
A._ ist nämlich erstellt, dass der Angeklagte B._, der als erster mit der
Geschädigten Sexualkontakt hatte, danach duschte (Urk. HD 10/3 S. 5; Urk. HD
10/4 S. 9; Urk. HD 13/1 S. 13). Offensichtlich verhält es sich so, dass die Ge-
schädigte sich daran rund sechs Wochen nach der fraglichen Nacht noch erinnern
konnte, rund ein halbes Jahr später aber nicht mehr, denn Gründe, die die Ge-
schädigte diesbezüglich zu einer Falschaussage hätten verleiten können, sind
nicht erkennbar.
2.5.13. Dass die Geschädigte sodann erklärte, der Angeklagte B._ habe sich
relativ bald nach dem Geschlechtsverkehr aus der Wohnung entfernt (Urk. HD
14/1 S. 5; Urk. HD 14/2 S. 4), obwohl dieser angab, nach dem Geschlechtsver-
kehr im Nebenzimmer geschlafen zu haben und erst erwacht zu sein, als die Ge-
schädigte die Wohnung schon verlassen hatte (Urk. HD 13/3 S. 3), kann ohne
weiteres damit begründet sein, dass die Geschädigte den Angeklagten B._ in
der Wohnung nicht mehr wahrnahm, obwohl dieser sich in Tat und Wahrheit noch
darin aufhielt, sich indes im anderen Zimmer auf dem Bett hinter dem Vorhang –
- 36 -
für die Geschädigte nicht erkennbar – schlafen gelegt hatte. Sie bestätigte anläss-
lich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. November 2007 denn
auch selber, dass dies der Fall gewesen sein könne (Urk. HD 14/3 S. 13).
2.5.14. Hellhörig macht aber, dass die Geschädigte anlässlich der Einvernahme
vom 26. November 2007 aussagte, bei der dritten Vergewaltigung sei sie von ei-
nem der anderen Anwesenden aufs Bett gedrückt worden (Urk. HD 14/3 S. 11),
während sie anlässlich der polizeilichen Befragung vom 5. Juli 2007 zu Protokoll
gegeben hatte, dass zwar bei den ersten beiden Vergewaltigungen jeweils ein
zweiter Täter sie anfänglich festgehalten habe, dass aber der dritte Täter ohne
Hilfe anderer den Geschlechtsverkehr vollzogen habe (Urk. HD 14/1 S. 9). Die
Geschädigte stellte somit die dritte von ihr behauptete Vergewaltigung in einer
späteren Einvernahme deutlich gravierender dar als anlässlich ihrer ersten Aus-
sage. Zwar lässt dies nicht ohne weiteres den Schluss zu, dass die Geschädigte
die Angeklagten zu Unrecht belastete. Vielmehr könnte dies auch damit erklärt
werden, dass anlässlich der Einvernahme vom 26. November 2007 rund ein hal-
bes Jahr verstrichen war und die Erinnerungen der Geschädigten inzwischen ver-
blasst waren resp. dass anlässlich der Einvernahme vom 26. November 2007
diesbezüglich eine Verwechslung stattgefunden haben könnte. Zusätzlich irritiert
indes, dass die Geschädigte schliesslich anlässlich der abgebrochenen Einver-
nahme vom 2. März 2009 neu schilderte, während der ersten Vergewaltigung hät-
ten sie zwei Männer auf das Bett geworfen und der Dritte habe sie dann verge-
waltigt (Urk. HD 14/4 S. 3 und S. 5), womit insofern eine völlig neue Variante zu
Protokoll gegeben wurde, als nunmehr der erste Täter nicht nur einen sondern
zwei Helfer gehabt haben soll. Später in dieser Einvernahme erklärte sie sogar,
dass bei allen drei Vergewaltigungen jeweils zwei Helfer mitgewirkt hätten
(Urk. HD 14/4 S. 8 f.). Sie schilderte somit in der letzten Einvernahme nochmals
gravierendere Vorgänge als in den vorangegangenen Befragungen. Es ist zwar
zu beachten, dass im Zeitpunkt dieser Einvernahme seit den fraglichen Ereignis-
sen 1 3⁄4 Jahre verstrichen waren. Dass sich nach einem derartigen zeitlichen Ab-
stand die Erinnerungen weiter verblasst hatten, ist nicht aussergewöhnlich, zumal
nachvollziehbar ist, dass die Geschädigte, wenn sie von den Angeklagten tat-
sächlich in eingeklagter Weise sexuell missbraucht und der Freiheit beraubt wur-
- 37 -
de, in der Folge die Ereignisse der Nacht vom tt. Mai 2007 so gut wie möglich zu
vergessen resp. verdrängen versuchte. Dennoch ist nicht recht nachvollziehbar,
dass die Geschädigte für einen derart zentralen Punkt des Geschehens plötzlich
eine völlig neue Version mit jeweils zwei Helfern zu Protokoll gab und könnte dies
auch daran liegen, dass sie frühere Falschaussagen nicht mehr in Erinnerung hat-
te. An diese Möglichkeit muss umso mehr gedacht werden, als die Geschädigte
kurz darauf diese Einvernahme kurzerhand abbrach und dies nicht nur damit er-
klärt werden kann, dass sie die erneute Konfrontation mit einem traumatischen
sexuellen Missbrauch nicht mehr ertrug, sondern auch damit, dass ihre Aussagen
in wesentlichen Teilen nicht der Wahrheit entsprochen hatten, sie als Folge ihrer
Widersprüche in die Enge getrieben wurde und sich nicht mehr anders zu helfen
wusste als sich durch Flucht weiteren Widersprüche aufdeckenden Fragen zu
entziehen. Jedenfalls erfolgte der Abbruch der Einvernahme genau nach der Kon-
frontation mit den widersprüchlichen Angaben dazu, wie viele der Männer bei
welcher der drei Vergewaltigungen beteiligt waren (Urk. HD 14/4 S. 10).
2.5.15. Die Geschädigte verneinte sodann anlässlich der Einvernahme vom
26. September 2007 auf entsprechenden Vorhalt, dass ihr Handy im Laufe des
Morgens wie ein Wecker geläutet habe und erklärte auf entsprechende Nachfra-
ge, nicht zu wissen, ob dieses Handy einen speziellen Weckruf gehabt habe
(Urk. HD 14/3 S. 14). Auf die Ergänzungsfrage des Verteidigers des Angeklagten
A._, ob sie auf ihrem Mobile einen Wecker gehabt habe, der mit einem
Weckspruch gekoppelt gewesen sei, erklärte sie, dass dies nicht der Fall gewe-
sen sei. Es sei ein Klingelton gewesen, aber sie wisse nicht mehr, welcher (Urk.
HD 14/3 S. 17 f.). Merkwürdig ist, dass der Angeklagte C._ und J._ un-
abhängig voneinander aussagten, am nächsten Morgen sei der Wecker der Ge-
schädigten ertönt; eine Stimme habe "bitte aufstehen" oder ähnlich gesagt (Urk.
HD 11/3 S. 5; Urk. HD 12/1 S. 8; Urk. HD 12/4 S. 6; Urk. HD 12/5 S. 6 ff.; Urk. HD
12/6 S. 5). Die ersten diesbezüglichen Aussagen des Angeklagten C._ sowie
von J._ wurden in einem Verfahrensstadium deponiert, in dem beide inhaf-
tiert waren und keine Gelegenheit bestand, die Angaben aufeinander abzustim-
men. Davon, dass sie sich zu diesem Thema vor der Verhaftung abgesprochen
hätten, kann nicht ausgegangen werden. Ein für den nächsten Morgen gestellter
- 38 -
Wecker würde nicht in das Bild der von der Geschädigten geschilderten Massen-
vergewaltigung mit Freiheitsberaubung passen. Zwar ist einzuräumen, dass die
Weckfunktion eines Handys in der Regel auch für eine Reihe von Tagen pro-
grammiert werden kann, so dass die Funktion nicht zwangsläufig am Vorabend
resp. in der Nacht aktiviert worden sein müsste. Da die Geschädigte angab, den
Wecker immer erst zu stellen, bevor sie ins Bett gehe (Urk. HD 14/3 S. 14),
scheidet diese Möglichkeit allerdings vorliegend aus. Genauer geklärt werden
konnte die Angelegenheit mit dem Weckton allerdings nicht, da die Geschädigte
angab, das Handy, das sie damals gehabt habe, sei ihr inzwischen gestohlen
worden (Urk. HD 14/3 S. 14).
2.5.16. Ferner stellte die Geschädigte in Abrede, in der Wohnung geduscht zu
haben (Urk. HD 14/2 S. 4; Urk. HD 14/3 S. 10 und S. 13). Von J._ war an-
lässlich der Einvernahme vom 1. November 2007 geschildert worden, dass die
Geschädigte in der Wohnung geduscht und sich mit einem Leintuch, nicht mit ei-
nem Frottiertuch, abgetrocknet habe (Urk. HD 11/3 S. 5), wobei allerdings auffällt,
dass dieser anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 26. November 2007
aussagte, die Geschädigte sei zwar ins Badezimmer gekommen, aber ob sie ge-
duscht habe, wisse er nicht (Urk. HD 10/4 S. 10). Auch der Angeklagte B._
gab an, die Geschädigte habe in seiner Wohnung geduscht (Urk. HD 13/1 S. 11
und S. 13; Urk. HD 13/3 S. 5; Urk. 10/4 S. 9; Urk. HD 13/4 S. 8), wobei er aber
angab, dass die Geschädigte ein Badetuch benützt habe, und zwar das gleiche
wie er (Urk. HD 13/4 S. 8). Dass die Geschädigte in der Wohnung geduscht habe,
wurde auch vom Angeklagten A._ ausgesagt, von diesem allerdings erst-
mals, nachdem er anlässlich der Konfrontationseinvernahme die entsprechende
Aussage des Mitangeklagten B._ gehört hatte, weshalb nicht ausgeschlos-
sen werden kann, dass er diese Aussage ohne realen Hintergrund übernahm (vgl.
Urk. HD 10/4 S. 10). Die ersten diesbezüglichen Aussagen des Angeklagten
B._ sowie von C._ erfolgten in einem Verfahrensstadium, in dem beide
inhaftiert waren, weshalb sie keine Gelegenheit hatten, die Angaben aufeinander
abzustimmen. Dafür, dass sie sich zu diesem Thema vor der Verhaftung abge-
sprochen hätten, kann nicht ausgegangen werden. Die Benützung der Dusche
durch die Geschädigte wäre mit den Anklagevorwürfen schlecht vereinbar.
- 39 -
2.5.17. Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass die Geschädigte angab, in
der Wohnung ihre Jacke ausgezogen zu haben (Urk. HD 14/1 S. 6), womit der
Eindruck einer eher bedeutungslosen Handlung entstand, wird doch normaler-
weise unter einer Jacke weitere (körperbedeckende) Oberbekleidung getragen.
Aufgrund der Aussagen der übrigen Anwesenden muss aber davon ausgegangen
werden, dass die Geschädigte sich im Vorfeld der sexuellen Handlungen am
Oberkörper teilweise selber entkleidete. Dem von der Geschädigten erweckten
Eindruck steht zwar die Schilderung von J._, sie habe angefangen, sich aus-
zuziehen (Urk. HD 11/1 S. 5), nicht zwingend entgegen, denn auch diese Aussa-
ge kann sich "lediglich" auf eine Jacke beziehen. Die Schilderung von J._
steht aber auch den Angaben des Angeklagten C._ nicht entgegen, der an-
lässlich der Einvernahme vom 28. September 2007 erklärte, die Geschädigte ha-
be sich die Bluse ausgezogen (Urk. HD 12/1 S. 8). Die Aussage des Angeklagten
A._, der angab, die Geschädigte habe sich im Vorfeld der sexuellen Hand-
lungen am Oberkörper bis auf den BH selber ausgezogen (Urk. HD 10/3 S. 5),
steht wiederum mit derjenigen des Angeklagten C._ in Einklang. Der Ange-
klagte B._ hingegen machte diesbezüglich widersprüchliche Angaben. Auch
zu diesem Fragenkomplex ist anzumerken, dass die ersten diesbezüglichen Aus-
sagen der Angeklagten in einem Zeitpunkt erfolgten, in dem diese inhaftiert waren
und sich somit nicht absprechen konnten. Ferner liegen auch bezüglich dieses
Themas keine Anhaltspunkte dafür vor, dass vor den Inhaftierungen entspre-
chende Absprachen getroffen worden sein könnten. Unter den gegebenen Um-
ständen muss davon ausgegangen werden, dass sich die Geschädigte im Vorfeld
der sexuellen Handlungen in einem Ausmass entkleidete, wie es bei einem Tref-
fen unter höchstens flüchtig Bekannten aussergewöhnlich erscheint. Dies steht
zwar den Angaben der Geschädigten, sie sei vergewaltigt worden, nicht entge-
gen. Dass davon ausgegangen werden muss, dass die Geschädigte bezüglich
des Umfangs, in dem sie sich selber entkleidete, unvollständige Angaben machte,
kann aber andererseits auch ein Zeichen dafür darstellen, dass ihre Schilderun-
gen nicht der Wahrheit entsprechen.
2.5.18. Ein weitere unter Umständen bedeutungsvolle Unstimmigkeit lässt sich bei
einem Vergleich der Aussagen der Geschädigten mit denjenigen der Zeugen
- 40 -
Z3._ und Z5._ zu den Hämatomen feststellen. Beide Zeugen schilderten
weit auffälligere Hämatome, als dies die Geschädigte tat, die anlässlich der Ein-
vernahme vom 5. Juli 2007 angab, sie habe an den Oberarmen und bei den Rip-
pen blaue Flecken vom Festhalten gehabt (Urk. HD 14/1 S. 10). Sie fügte im Pro-
tokoll dieser Einvernahme handschriftlich an, ein Kollege habe diese Hämatome
gesehen und könnte dies bestätigen (Urk. HD 14/1 S. 10). Der von ihr gemeinte
Zeuge Z3._ sprach anlässlich seiner polizeilichen Befragung am 19. Oktober
2007 aber davon, dass der ganze Körper der Geschädigten mit Ausnahme des
Kopfes ein Bluterguss gewesen sei und sie wirklich fürchterlich ausgesehen habe
(Urk. HD 15/1 S. 3; siehe auch Urk. HD 15/2 S. 3), und auch der Zeuge Z5._
gab an, blaue Flecken bemerkt zu haben, wobei er mit beiden Händen auf den
Hals zeigte und erläuterte, diese hätten sich an der Hals- und Kopfpartie befun-
den, auf Nachfrage aber erklärte, er wisse nicht mehr im Detail, wo sich diese
Flecken befunden hätten. Ferner gab er an, die Geschädigte habe ziemlich mit-
genommen ausgesehen (Urk. HD 15/4 S. 4 f.). Da die Aussagen der Zeugen
Z3._ und Z5._, bei denen nicht davon ausgegangen werden kann, dass
sie abgesprochen wurden, aufgrund ihrer weitgehenden Übereinstimmung als
glaubhaft erscheinen, muss davon ausgegangen werden, dass die Geschädigte
irgendwann im Zeitraum Ende Mai / Anfangs Juni 2007 massivste Hämatome
aufwies. Diese können aufgrund der Aussagen der Geschädigten selber nicht von
den fraglichen Ereignissen stammen. Es muss daher an die Möglichkeit gedacht
werden, dass die Geschädigte sich diese Hämatome erst im Zeitraum nach der
Nacht des tt. Mai 2007 zuzog, beispielsweise, weil sie in jenem Zeitraum keine
Bleibe hatte (dazu auch nachfolgend unter 2.5.19. und 2.5.20.) resp. im Zusam-
menhang mit weiteren "Abstürzen", sie dies aber gegenüber den Untersuchungs-
behörden anders darstellte, um ihren Aussagen zur mehrfachen Vergewaltigung
mehr Gewicht zu verleihen.
2.5.19. Sollten sich die Ereignisse in der Nacht vom tt. Mai 2007 so abgespielt
haben, wie von der Geschädigten geschildert, und sollte sie aus diesem Grund
traumatisiert gewesen sein, wie sie selber angab und auch die Zeuginnen
Z4._ und Z6._ aussagten (dazu nachfolgend unter Ziffer III.2.9.2.), mu-
tet es sodann seltsam an, dass sie gemäss den Aussagen des Zeugen Z3._
- 41 -
nur ein bis zwei Wochen nach der Tatnacht und etwa zwei Stunden, nachdem sie
diesen kennengelernt hatte, Geschlechtsverkehr mit ihm gehabt haben soll (Urk.
HD 15/1 S. 2 f.). Dies wird von der Geschädigten zwar in Abrede gestellt. Sie
macht geltend, den Zeugen Z3._ anfangs Juni 2007 kennengelernt und ca.
eine Woche, nachdem sie sich kennengelernt hätten und sie bei ihm eingezogen
sei, erstmals Geschlechtsverkehr mit ihm gehabt zu haben (Urk. HD 14/3 S. 5).
Die Aussagen der Geschädigten erscheinen aber wenig glaubhaft, zumal sie an-
gesichts der obigen Argumentation ein Motiv gehabt hätte, diesbezüglich die Un-
wahrheit zu sagen, während beim Zeugen Z3._ kein Motiv erkennbar ist, be-
züglich des Zeitpunkts des ersten Geschlechtsverkehrs mit der Geschädigten zu
lügen. Auffällig ist zudem, dass die Geschädigte andeutete, mit dem Zeugen
Z3._ Geschlechtsverkehr zu haben, weil er ihr geholfen (Urk. HD 14/3 S. 6),
sprich, weil er ihr eine Bleibe geboten hatte. Dass die Geschädigte im Zeitpunkt,
in dem sie Z3._ kennenlernte, kein Obdach hatte, ergibt sich aus dessen
Ausführungen (Urk. HD 15/1 S. 2), die damit, dass davon ausgegangen werden
muss, dass die Geschädigte am tt. Mai 2007 aus der Wohngruppe K._ aus-
geschlossen worden war (Beizugsakten DG040303, Urk. 27; dazu vorne unter Zif-
fer III.2.4.), in Einklang stehen. Auf die sexuelle Beziehung zwischen der Geschä-
digten und Z3._ angesprochen gab die Psychotherapeutin der Geschädigten,
die Zeugin Z4._, anlässlich ihrer Einvernahme vom 11. Januar 2008 zu Pro-
tokoll: "So wie ich mir das vorstelle, könnte es sein, dass sie für eine Wohngele-
genheit wieder zu einem Mann gezogen ist. Sie hatte ja damals keine Wohnung.
Möglicherweise wurde ihr damals Unterschlupf gegen sexuelle Handlungen an-
geboten. Wenn sie konsumiert, ist sie ja nicht mehr so belastet, das ist wie eine
Selbstmedikation. Und dann hat sie es vielleicht als das kleinere Übel betrachtet,
Sex zu haben, als über keinen Unterschlupf zu verfügen. Vielleicht kam es dann
wie einfach nicht mehr darauf an" (Urk. HD 15/3 S. 8 f.).
2.5.20. Der Ausschluss aus der Wohngruppe K._ könnte ferner einerseits er-
klären, weshalb die Geschädigte am Nachmittag und Abend des tt. Mai 2007 er-
hebliche Mengen Alkohol konsumierte, mitten in der Nacht – das Zusammentref-
fen mit den Angeklagten sowie J._ fand nach 4.00 Uhr morgens statt – noch
"im Ausgang" war, und zudem sofort auf das Angebot, gemeinsam Kokain zu
- 42 -
konsumieren, einstieg, obwohl sie seit zweieinhalb Jahren eine abstinenzorientier-
te Massnahme absolviert hatte und am nächsten Tag arbeiten musste (Urk. HD
15/7, Anhang). Es spricht aber unter den gegebenen Umständen andererseits
auch Einiges dafür, dass die Geschädigte für die Nacht vom tt. auf den tt. Mai
2007 schlechterdings keine Unterkunft hatte. Wenn dem so gewesen wäre, ver-
suchte die Geschädigte aber offensichtlich, dies in ihren Einvernahmen zu ver-
schleiern. Anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme vom 5. Juli 2007 schil-
derte sie nämlich, dass sie sich nach dem Besuch der "..."-Bar auf den Heimweg
habe machen wollen, als sie die Angeklagten draussen gesehen habe (Urk. HD
14/1 S. 2). Geht man davon aus, dass die Geschädigte am tt. Mai 2007 definitiv
aus der Wohngruppe K._ ausgeschlossen worden war und für die fragliche
Nacht keine Bleibe hatte, konnte sie sich aber gar nicht auf den Heimweg bege-
ben. Wäre dies den ermittelnden Behörden bekannt gewesen, wäre wahrschein-
lich die Frage aufgekommen, ob die Geschädigte freiwillig in der Wohnung
B._ übernachtet haben könnte resp. wären ihre Schilderungen hinterfragt
worden. Dann müsste ferner sogar die Frage aufgeworfen werden, ob die Ge-
schädigte die von ihr geschilderten Vergewaltigungen anlässlich der Einvernahme
vom 5. Juli 2007 gar nicht versehentlich, sondern absichtlich zunächst auf die
Nacht vom 15. auf den 16. Mai 2007 datierte (Urk. HD 14/1 S. 1). Am 15. resp.
16. Mai 2007 wohnte die Geschädigte nämlich noch in der Wohngruppe, weshalb
die dargelegten Schilderungen anlässlich der Einvernahme vom 5. Juli 2007 zu
keinen weiteren Fragen Anlass gaben. Dass die Geschädigte anlässlich dieser
Befragung andeutete, sie sei wegen der fraglichen Ereignisse aus der Wohngrup-
pe ausgeschlossen worden (Urk. HD 14/1 S. 3 f.), obwohl jedenfalls gemäss den
Beizugsakten (DG040303 Urk. 27 S. 2 f.) der Ausschluss am Vortag der inkrimi-
nierten Ereignisse, am tt. Mai 2007, stattgefunden hatte, konnte so ebenfalls nicht
hinterfragt werden. Nach der ersten Befragung der Geschädigten stellte sich dann
heraus, dass das von ihr angegebene Datum nicht stimmen konnte, da der ge-
mäss ihren Angaben in der fraglichen Nacht ebenfalls in der Wohnung anwesen-
de J._ am von der Geschädigten zunächst als Tattag angegebenen 16. Mai
2007 morgens um 9.00 Uhr aus dem Strafvollzug entlassen wurde und demnach
während der vorangegangenen Nacht nicht in dieser Wohnung hatte sein können
- 43 -
(Urk. HD 4; Urk. HD 9 S. 5 f.). Dass die Geschädigte am tt. resp. tt. Mai 2007
beim Zeugen Z3._ in M._ wohnte, wie sie in der Folge anlässlich der
Einvernahme vom 8. Oktober 2007 neu aussagte (Urk. HD 14/2 S. 6), kann ohne-
hin nicht stimmen. Diese Angabe widerspricht einerseits den glaubhaften Aussa-
gen des Zeugen Z3._, aus denen sich ableiten lässt, dass er die Geschädig-
te erst nach dem tt. Mai 2007 kennenlernte (Urk. HD 15/1 S. 2; Urk. HD 15/2 S.
2), weshalb diese seinen Aussagen zufolge zur Tatzeit nicht bei ihm gewohnt ha-
ben kann. Weshalb der Zeuge Z3._ diesbezüglich nicht die Wahrheit sagen
sollte, ist nicht ersichtlich. Andererseits erklärte die Geschädigte selber anlässlich
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. November 2007, sie habe den
Zeugen Z3._ anfangs Juni 2007 kennengelernt; er habe ihr die Möglichkeit
gegeben, in seiner alten Wohnung zu wohnen (Urk. HD 14/3 S. 5). Damit setzte
sie sich auch selber in einen unauflösbaren Widerspruch zu ihren Aussagen an-
lässlich der polizeilichen Einvernahme vom 8. Oktober 2007 (Urk. HD 14/2 S. 6).
Unter den gegebenen Umständen, insbesondere auch in Anbetracht der bereits
wiedergegebenen Aussage der Psychotherapeutin der Geschädigten zur sexuel-
len Beziehung zwischen der Geschädigten und dem Zeugen Z3._, kommt
man nicht umhin, an die Möglichkeit zu denken, dass die Geschädigte sich unter
Inkaufnahme von sexuellen Kontakten entschieden haben könnte, die Nacht mit
den Angeklagten sowie J._ in der fraglichen Wohnung zu verbringen, sei es,
um für die Nacht eine Unterkunft zu haben, sei es, weil ihr Kokain in Aussicht ge-
stellt worden war. Wenn die Geschädigte ursprünglich keine sexuellen Kontakte
mit den Angeklagten in Kauf nahm, muss darüber hinaus auch in Erwägung ge-
zogen werden, dass sie die sexuellen Handlungen, um nicht mitten in der Nacht
ohne Übernachtungsmöglichkeit dazustehen, ohne Widerstand irgendwelcher Art
geduldet haben könnte.
2.5.21. Zwar lassen die Umstände der Anzeige eine planmässige Falschbelas-
tung der Angeklagten durch die Geschädigte auf den ersten Blick wenig wahr-
scheinlich erscheinen: Es war nicht etwa so, dass die Geschädigte nach der frag-
lichen Nacht zur Polizei gegangen wäre, um Anzeige zu erstatten. Vielmehr
wandte sie sich einige Zeit später an eine Opferhilfeberatungsstelle, um dort Hilfe
zu suchen. Erst nachdem die Geschädigte mit ihrer dortigen Betreuerin Z6._
- 44 -
mehrere Gespräche gehabt und sich dabei bezüglich einer Anzeige noch unent-
schlossen gezeigt hatte, meldete diese schliesslich die Sache im Einvernehmen
mit der Geschädigten der Kantonspolizei Zürich (Urk. HD 1 S. 4 f.; Urk. HD 14/1
S. 1; Urk. HD 15/12 S. 1 ff.). In diesem Zusammenhang darf aber nicht ausser
Acht gelassen werden, dass die Geschädigte rund ein Jahr nach der inkriminier-
ten Tat einen Mitarbeiter eines Einsatzortes für gemeinnützige Arbeit – gemäss
späterer Zugabe – zu Unrecht beschuldigte, er habe sie sexuell belästigt (Beizu-
gsakten 2008/6401, Akten Nachverfahren Urk. 2 S. 1 f.), um damit zu bewirken,
dass die gemeinnützige Arbeit nicht eingestellt wurde. Unter diesen Umständen
kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Geschädigte diese Strategie – allen-
falls mit der Unterstützung des Zeugen Z5._ – schon ein Jahr früher ange-
wendet hatte. Dass die Geschädigte sich vor der Einstellung ihrer Massnahme
fürchtete, lässt sich ihren bereits wiedergegebenen Aussagen im Zusammenhang
mit dem Ladendiebstahl im Warenhaus L._ am 24. Januar 2007 entnehmen.
Es liegt auf der Hand, dass der Geschädigten nach ihrem Ausschluss aus der
Wohngruppe K._ die Aufhebung der Massnahme sowie der Vollzug der auf-
geschobenen Freiheitsstrafen drohte. Unter den aufgezeigten Umständen ist
denkbar, dass die Geschädigte eine Falschaussage in Kauf genommen haben
könnte, um selber Hilfe zu erhalten, weil sie aufgrund der verlorenen gegangenen
Wohn- und Arbeitsgelegenheit und des Rückfalls in die Alkohol- resp. Drogenab-
hängigkeit nicht mehr ein und aus wusste, dass sie mithin ab Juni 2007 zu Un-
recht in eine Opferrolle geschlüpft sein könnte, um so beispielsweise die Gunst ih-
rer Psychotherapeutin sowie der Bewährungs- und Vollzugsdienste zu gewinnen
und die Einstellung der Massnahme abzuwenden und/oder den Vollzug der diver-
sen Freiheitsstrafen zu verhindern. Es ist ferner denkbar, dass sie dabei unter ei-
nen Druck geriet, ihren Anschuldigungen mehr Glaubhaftigkeit zu verleihen, und
dass dies schliesslich zur Anzeige führte.
2.6. Analyse der Aussagen des Angeklagten A._
- 45 -
2.6.1. Der in den wesentlichen Punkten ungeständige Angeklagte A._ ver-
strickte sich bei seinen Aussagen in unzählige Widersprüche. So stellte er die Er-
eignisse der fraglichen Nacht anlässlich der polizeilichen Einvernahme sowie der
Hafteinvernahme vom 26. September 2007 im Sinne eines "One-Night-Stands"
zwischen ihm und der Geschädigten in der Wohnung eines Kollegen dar, in des-
sen Vorfeld die Geschädigte ihn, nachdem sie sich in der "..."-Bar näher gekom-
men seien, gefragt habe, ob er eine Wohnung habe oder sie in ein Hotel gehen
sollten (Urk. HD 10/1 S. 5 ff.; Urk. HD 10/2 S. 2), während er anlässlich der Ein-
vernahme vom 2. November 2007 einen gemeinsamen Kokainkonsum der drei
Angeklagten, J._s sowie der Geschädigten an den Anfang der Geschehnisse
in der Wohnung rückte (Urk. HD 10/3 S. 5). War anlässlich der beiden Einver-
nahmen vom 26. September 2007 Sex der Grund, weshalb er überhaupt mit der
Geschädigten in die Wohnung des Mitangeklagten B._ gegangen sei (Urk.
HD 10/1 S. 5 ff.; Urk. HD 10/2 S. 2), war dies gemäss seinen Aussagen anlässlich
der Einvernahme vom 8. Dezember 2008 kein Thema gewesen (Urk. HD 10/5 S.
3 f. und S. 13).
2.6.2. Auch hinsichtlich der Anwesenheit und Handlungen anderer Personen wa-
ren die Aussagen des Angeklagten A._ widersprüchlich. Anlässlich der poli-
zeilichen Befragung vom 26. September 2007 gab er an, dass an jenem Abend
der Mitangeklagte B._ sowie J._ in der gleichen Wohnung gewesen sei-
en, während er die Anwesenheit des Mitangeklagten C._ nicht erwähnte
(Urk. HD 10/1 S. 6). Ferner gab er an, nicht zu wissen, ob die anderen Anwesen-
den auch Sex mit der Geschädigten gehabt hätten (Urk. HD 10/1 S. 6). Anlässlich
der gleichentags erfolgten Hafteinvernahme erklärte er auf Vorhalt, gemäss Aus-
sagen der Geschädigten seien insgesamt vier Männer in der Wohnung gewesen,
er könne nicht sagen, ob wirklich vier Männer in der Wohnung gewesen seien und
beim besten Willen keinen Namen nennen. Es sei möglich, dass noch eine weite-
re Person in die Wohnung gekommen sei, als er geschlafen habe (Urk. HD 10/2
S. 3). Erst auf die Frage, ob er noch etwas beizufügen habe, gab er an, dass es
möglich sei, dass es sich beim vierten Mann um C._ gehandelt habe (Urk.
HD 10/2 S. 5). Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 2. November 2007 er-
klärte er dann, dass in der fraglichen Nacht die Mitangeklagten B._ und
- 46 -
C._ sowie dessen Cousin J._ zugegen gewesen seien (Urk. HD 10/3 S.
2), wobei vor ihm der Mitangeklagte B._ mit der Geschädigten allein im Zim-
mer gewesen sei und er annehme, dass dieser mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt
habe (Urk. HD 10/3 S. 5). Anlässlich der Einvernahme vom 8. Dezember 2008
wiederum führte er aus, dass es, nachdem er zusammen mit J._ in den
Raum nebenan gegangen sei, zwischen der Geschädigten und dem Angeklagten
C._ oder dem Angeklagten B._ zum Sex gekommen sei (Urk. HD 10/5
S. 5 und S. 10).
2.6.3. Sodann widersprechen seine Aussagen teilweise auch denjenigen der Mit-
angeklagten. Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 2. November 2007 sagte
er aus, die Geschädigte habe im Vorfeld der sexuellen Handlungen vor den vier
anwesenden Männern ihre Oberbekleidung bis auf den BH ausgezogen, worauf
er ihr diesen dann langsam abgezogen habe. Danach hätten sie beide aufgehört
und (gemeint: gemeinsam mit den anderen Anwesenden) Karten gespielt, ge-
raucht und gekokst (Urk. HD 10/3 S. 5). Die Darstellung, dass er der Geschädig-
ten vor den anderen Anwesenden den BH ausgezogen habe, wurde von keinem
seiner Kollegen bestätigt. Ferner spricht beispielsweise gegen die Behauptung
des Angeklagten A._, die Geschädigte und er hätten sich schon im "..." resp.
auf der Strasse auf den Mund geküsst (Urk. HD 10/2 S. 2; Urk. HD 10/3 S. 3; Urk.
HD 10/5 S. 3 und S. 12), wobei er anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom
26. November 2007 präzisierte, es habe sich um Zungenküsse gehandelt (Urk.
HD 10/4 S. 6), die Aussage von J._, der Angeklagte A._ und die Ge-
schädigte hätten sich bei ihrem Treffen auf der Strasse auf die Wangen geküsst
(Urk. HD 11/3 S. 2). Diese Aussage bestätigte J._ anlässlich der genannten
Konfrontationseinvernahme e contrario, indem er auf entsprechenden Vorhalt an-
gab, Zungenküsse hätten die Geschädigte und der Angeklagte A._ erst in
der Wohnung ausgetauscht (Urk. HD 10/4 S. 7).
2.6.4. Insbesondere aufhorchen lassen aber die Widersprüche im Zusammen-
hang mit der Frage, ob der Angeklagte A._ mit der Geschädigten Ge-
schlechtsverkehr hatte oder nicht. Er gab sowohl anlässlich der beiden Einver-
nahmen vom 26. September 2007 als auch anlässlich derjenigen vom 2. Novem-
- 47 -
ber 2007 an, mit der Geschädigten den Geschlechtsverkehr vollzogen zu haben
(Urk. HD 10/1 S. 6; Urk. HD 10/2 S. 2; Urk. HD 10/3 S. 5), wobei er anlässlich der
polizeilichen Einvernahme vom 26. September 2007 präzisierte, der Akt habe et-
wa fünf Minuten gedauert, er habe einen Orgasmus bekommen, er wisse jedoch
nicht mehr, "ob in der Frau oder nicht" (die Vorinstanz hat diese Aussage unge-
nau wiedergegeben: Urk. HD 103 S. 26), er glaube, er habe seinen Penis nur in
ihre Vagina eingeführt gehabt und diesen vor dem Erguss herausgezogen; anal
oder oral sei nichts gelaufen (Urk. HD 10/1 S. 6). Anlässlich der Einvernahme
vom 2. November 2007 auf etwaige Erektionsstörungen angesprochen erklärte er
ausdrücklich, dass es unter Kokaineinfluss dazu kommen könne, dass er keine
Erektion bekomme, dies aber an jenem Abend, so glaube er, nicht der Fall gewe-
sen sei (Urk. HD 10/3 S. 6). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 26.
November 2007 sowie anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
8. Dezember 2008 bestritt er dann aber in Widerspruch zu seinen früheren Aus-
sagen, mit der Geschädigten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben; er habe sie
nur geküsst, was die Geschädigte ebenfalls gewollt habe, und ihre Brüste geleckt
(Urk. HD 10/4 S. 8 und S. 12 f.; Urk. HD 10/5 S. 2). Daran, dass er keinen Ge-
schlechtsverkehr mit der Geschädigten gehabt habe, hielt er auch im Verlauf des
weiteren Verfahrens fest (Urk. HD 10/7 S. 4 f.; Urk. HD 61 S. 20; Prot. II S. 28 f.).
Die von ihm anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vorgebrachte Be-
gründung, weshalb er zunächst fälschlicherweise angegeben habe, dass er mit
der Geschädigten Geschlechtsverkehr gehabt habe, nämlich dass er sich dafür
geschämt habe, unter Kokaineinfluss keine Erektion zu bekommen (Urk. HD 61 S.
20), überzeugt nicht. Er war im Zeitpunkt sämtlicher Einvernahmen, in denen er
erklärte, dass er Geschlechtsverkehr mit der Geschädigten gehabt habe, inhaf-
tiert, wurde er doch erst im Anschluss an die Konfrontationseinvernahme vom 26.
November 2007 aus der Untersuchungshaft entlassen (Urk. HD 26/11). Dass er,
während er sich in Untersuchungshaft befand und nachdem ihm bekannt war,
dass gegen ihn wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung ermittelt wurde, aus
mangelndem Selbstwertgefühl nicht sofort erklärt habe, keine Erektion und aus
diesem Grund keinen Geschlechtsverkehr mit der Geschädigten gehabt zu ha-
ben, wenn es sich in Tat und Wahrheit so verhalten hätte (so die Verteidigung:
- 48 -
Urk. HD 84 S. 5), ist auch unter Berücksichtigung der von seinem Verteidiger an-
geführten, im psychiatrischen Gutachten konstatierten schweren Persönlichkeits-
störung vom unreifen Typus bei gleichzeitigen dissozialen Verhaltensweisen (Urk.
HD 25/4 S. 66) wenig plausibel. Wenn dies der Grund für eine Falschaussage
gewesen wäre, hätte er denn auch wohl kaum vor einer ganzen Reihe von Anwe-
senden anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 26. November 2007 plötz-
lich Erektionsstörungen unter Kokaineinfluss eingestanden, sondern dafür einen
diskreteren Moment abgewartet. Ebenso wenig überzeugt seine Erklärung, er ha-
be nur gesagt, dass er mit der Geschädigten Geschlechtsverkehr gehabt habe,
damit ihm geglaubt werde (Urk. HD 10/5 S. 8). Die Erklärung seines Verteidigers,
das Aussageverhalten seines Klienten sei auf sprachliche oder intellektuelle
Schwierigkeiten zurückzuführen (Prot. II S. 59 f.), ist angesichts dessen, dass der
Angeklagte in den ersten Einvernahmen von sich aus detaillierte Angaben zum
Geschlechtsverkehr machte, nicht nachvollziehbar. Vielmehr ist naheliegend,
dass der Angeklagte A._, nachdem er anlässlich der Konfrontationseinver-
nahme vom 26. November 2007 gehört hatte, dass der Angeklagte B._ aus-
gesagt hatte, er (der Angeklagte A._) bekomme unter Kokaineinfluss keine
Erektion (Urk. HD 10/4 S. 8), weshalb er sich nicht vorstellen könne, dass dieser
vor ihm mit der Geschädigten Geschlechtsverkehr gehabt habe, die Chance sah,
sich vom Vorwurf der Vergewaltigung zu entlasten. Nur kurz zuvor in der gleichen
Einvernahme hatte er jedenfalls auf die Frage, wer als Erster mit der Geschädig-
ten geschlafen habe, noch ausgesagt, es könne gut möglich sein, dass er der ers-
te gewesen sei (Urk. HD 10/4 S. 7). Erektionsprobleme des Angeklagten A._
hatten die übrigen Angeklagten (B._: Urk. HD 12/4 S. 6; Urk. HD 13/2 S. 5;
C._: Urk. HD 12/4 S. 6) sowie J._ (Urk. HD 11/1 S. 5; Urk. HD 11/3 S. 6)
auch schon während vorangegangenen Einvernahmen erwähnt. J._ erklärte
in diesem Zusammenhang ferner, einer der Angeklagten habe gesagt, dass er
habe "ficken" können, und es sei auch gesagt worden, dass der Angeklagte
A._ keine Erektion bekommen habe (Urk. HD 11/2 S. 2). Letztlich war aber
sowohl nach den Angaben aller Beteiligten als auch nach der Sachverhaltsdar-
stellung gemäss Anklageschrift weder einer der Mitangeklagten noch J._
während der ganzen Dauer des Sexualkontaktes zwischen dem Angeklagten
- 49 -
A._ und der Geschädigten im Zimmer und konnte somit keiner aus eigener
Beobachtung berichten, ob dieser mit der Geschädigten Geschlechtsverkehr hatte
oder nicht. Anlässlich der Einvernahme vom 8. Dezember 2008 erklärte der An-
geklagte A._ dann sogar, dass er nur "die Brüste der Frau etwas geleckt ha-
be". Auf die Frage, ob er sie auch "unten" geleckt habe, gab er an, sich daran
nicht zu erinnern (Urk. HD 10/5 S. 5 ff.; diesbezüglich ungenau die Vorinstanz:
Urk. HD 103 S. 30). Zudem gab er nun plötzlich an, die Brüste der Geschädigten
geleckt zu haben, bevor einer seiner Kollegen mit ihr Sex gehabt habe und, nach-
dem die "sexuelle Runde" angefangen habe, nicht mehr in diesem Zimmer gewe-
sen zu sein (Urk. HD 10/5 S. 9), was sogar den Aussagen seiner eigenen Kolle-
gen, die er anlässlich der Konfrontationseinvernahme gehört hatte (Urk. HD 10/4
S. 11 ff.), widerspricht. Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 15. Juni 2008
gab er dann wieder an, die Geschädigte auch an der Vagina geleckt zu haben
(Urk. HD 10/7 S. 4 f.).
2.6.5. Zur Frage, was nach Betreten der Wohnung mit der Eingangstür gesche-
hen sei, erklärte der Angeklagte A._ anlässlich der polizeilichen Einvernah-
me vom 2. November 2007, das nicht zu wissen; normalerweise schliesse man
ab, aber er wisse nicht, ob jemand das gemacht habe. Danach befragt, ob er ge-
wisse Gewohnheiten des Mitangeklagten B._ mit Bezug auf das Verriegeln
der Wohnungstür kenne, erklärte er, er wolle nichts behaupten, aber er denke,
dieser schliesse jeweils ab (Urk. HD 10/3 S. 4). Bemerkenswert ist aber seine
Antwort auf die anschliessende Frage, ob er einmal – nicht am fraglichen Morgen
– die Wohnungstür beim Mitangeklagten B._ habe abschliessen wollen, je-
mand dann aber interveniert und ihn dazu angehalten habe, dies zu unterlassen:
"Ja genau. Ich war einige Male bei B._ und übernachtete dort. Wenn ich
dann jeweils ging, weckte ich ihn und sagte ihm, dass ich gehe, er solle die Woh-
nung abschliessen, wenn ich gegangen sei. Dann schiss er mich jeweils zusam-
men und er sagte, er schliesse nie ab, warum auch. Ich wollte einfach, dass keine
Junkies rein können. Die Wohnung befindet sich ja im Kreis 4" (Urk. HD 10/3 S. 4
f.). Dazu ist festzuhalten, dass es eher erstaunlich wäre, wenn sich der Angeklag-
te A._ in der fraglichen Nacht nicht darum gekümmert hätte, ob die Woh-
nungstür, während er sich in der Wohnung aufhielt, abgeschlossen war, sondern
- 50 -
ihm dies nur dann wichtig gewesen wäre, wenn er jeweils den darin schlafenden
B._ darin zurückliess. Es kommt der Verdacht auf, dass der Angeklagte
A._ aus der suggestiv formulierten Frage des Einvernehmenden ableitete,
was der Mitangeklagte B._ zu diesem Thema ausgesagt hatte, und dies als
gute Verteidigungsstrategie betrachtete, weshalb er sich ihr sofort anschloss. Zu-
dem setzte sich der Angeklagte A._ mit seiner Bestätigung anlässlich der
Konfrontationseinvernahme vom 26. November 2007, der Schlüssel habe sich an
der Tür befunden (Urk. HD 10/4 S. 21), zu seinen vorherigen Aussagen in Wider-
spruch.
2.7. Analyse der Aussagen des Angeklagten B._
2.7.1. Bei den Aussagen des in den wesentlichen Punkten ebenfalls ungeständi-
gen Angeklagten B._ fällt auf, dass dieser anlässlich seiner ersten Einver-
nahme unmittelbar nach seiner Verhaftung von Beginn weg betonte, die Woh-
nungstür sei offen gewesen, obwohl er jedenfalls gemäss dem Protokoll über-
haupt noch nicht danach gefragt worden war (Urk. HD 13/1 S. 2 ff. und S. 11).
Ferner erklärte er, dass er nie einer Frau Drogen oder Alkohol gegeben habe,
damit er nachher Sex mit ihr haben könne (Urk. HD 13/1 S. 9) und mehrfach (!),
dass er der Geschädigten keine Drogen und keinen Alkohol gegeben resp. dass
sie in seiner Wohnung keine Drogen und keinen Alkohol genommen habe (Urk.
HD 13/1 S. 10), bevor dies gemäss dem Protokoll überhaupt zum Thema wurde
(Urk. HD 13/1 S. 12). Dass der Angeklagte B._ betreffend den Alkohol- und
Drogenkonsum zunächst die Unwahrheit sagte, ergibt sich insbesondere aus der
Konfrontationseinvernahme vom 26. November 2007 (Urk. HD 10/4 S. 8) sowie
aus seiner Einvernahme vom 8. Dezember 2008 (Urk. HD 13/4 S. 2). In diesen
gab er entgegen seinen ersten, bereits erwähnten Bestreitungen zu, dass die An-
geklagten, J._ und die Geschädigte in der Wohnung getrunken und Kokain
genommen hätten, wie dies nicht nur von der Geschädigten (Urk. HD 14/1 S. 2),
sondern auch von den Mitangeklagten A._ (Urk. HD 10/1 S. 7; Urk. HD 10/3
S. 3) und C._ (Urk. HD 12/1 S. 6 f.) sowie von J._ (Urk. HD 11/1 S. 5
und S. 7; Urk. HD 11/2 S. 2; Urk. HD 11/3 S. 4; Urk. HD 10/4 S. 4 und 6) angege-
- 51 -
ben worden war. Dass der Mitangeklagte A._ sowie J._ dies ausgesagt
hatten, wusste der Angeklagte B._ bereits aufgrund der vorherigen Aussa-
gen dieser beiden Beteiligten anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 26.
November 2007 (vgl. Urk. HD 10/4 S. 4 ff.), weshalb ihm wenig anderes übrig
blieb, als seine diesbezüglichen Aussagen dem Ermittlungsstand anzupassen. Es
ist aber denkbar, dass das ursprüngliche Aussageverhalten des Angeklagten
B._ darauf zurückzuführen ist, dass ihm anlässlich seiner Verhaftung der
Grund für die Festnahme mitgeteilt worden war und er somit bereits wusste, wel-
che Vorwürfe im Raum standen. Was die Frage des Drogenkonsums angeht dürf-
te dem Angeklagten B._ zudem klar gewesen sei, dass dieses Verhalten
strafrechtlich relevant war, weshalb er aus diesem Grund zunächst versucht ge-
wesen sein könnte, die entsprechenden Vorkommnisse in Abrede zu stellen.
2.7.2. Hellhörig macht ferner in einem ersten Moment, dass der Angeklagte
B._ die Geschädigte als Nymphomanin bezeichnete und darstellte: Sie habe
nur Sex gewollt und zum Schluss noch Geld verlangt, das er ihr aber nicht gege-
ben habe; nicht sie sei vergewaltigt worden, sondern er, sie habe nie genug be-
kommen (Urk. HD 13/1 S. 10 ff.). Daran hielt er auch anlässlich der Konfrontati-
onseinvernahme vom 26. November 2007 fest (Urk. HD 10/4 S. 11). Derartige
Aussagen werden von Beschuldigten in Zusammenhang mit Sexualdelikten im-
mer wieder gemacht und entpuppen sich im Verlaufe der Untersuchungen regel-
mässig als Konstrukt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es sich vorliegend
tatsächlich so verhalten haben könnte, da auch der Angeklagte C._ anläss-
lich seiner ersten Einvernahme, als er noch nicht wissen konnte, wie der Ange-
klagte B._ den Verlauf der fraglichen Nacht geschildert hatte, aussagte, dass
die Geschädigte immer noch mehr Sex von den Anwesenden gewollt habe (Urk.
HD 12/1 S. 9), und diese Darstellung anlässlich der anschliessenden Hafteinver-
nahme (Urk. HD 12/2 S. 2) sowie anlässlich der Einvernahme vom 31. Oktober
2007 (Urk. HD 12/4 S. 7) bestätigte. Damit würde im Übrigen die vom Angeklag-
ten C._(Urk. HD 12/2 S. 2; Urk. HD 12/4 S. 5 f.; Urk. HD 10/4 S. 17) aufge-
stellte Behauptung in Einklang stehen, dass die Geschädigte schliesslich auch
noch mit J._ Geschlechtsverkehr haben wollte. Zwar machte J._ anläss-
- 52 -
lich seiner Einvernahmen keine entsprechenden Aussagen. Er wurde aber auch
nicht danach gefragt.
2.7.3. Auffällig sind die Angaben des Angeklagten B._ anlässlich der polizei-
lichen Einvernahme vom 26. September 2007, die Geschädigte habe ihm sogar
vor den anderen Anwesenden den Hosengurt ausgezogen und sich für den Sex
mit ihm selber entkleidet, wobei er für den Sex die anderen aus dem Zimmer ge-
schickt habe, weil er es nicht gerne habe, wenn jemand ihm zuschaue (Urk. HD
13/1 S. 13). Diese Aussagen stehen nicht im Einklang mit jenen, die er kurz zuvor
gemacht hatte, nämlich dass er glaube, zuerst habe der Mitangeklagte A._
mit der Geschädigten Sex gehabt, wobei die anderen das Zimmer verlassen hät-
ten, und nachher er als zweiter (Urk. HD 13/1 S. 11), und mit denen vom 23. Ok-
tober 2007, als er angab, zunächst habe der Mitangeklagte A._ die Geschä-
digte geleckt; dieser sei danach aus dem Zimmer gekommen und habe zu ihm
gesagt, dass die Geschädigte nun Sex wolle und er zu ihr gehen solle (Urk. HD
13/3 S. 5), wobei er auch anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 26. No-
vember 2007 zunächst bestätigte, dass zuerst der Mitangeklagte A._ Sexu-
alkontakte mit der Geschädigte gehabt habe (Urk. HD 10/4 S. 8). Wenn der An-
geklagte A._ zuerst mit der Geschädigten zusammen war, würde es indes-
sen naheliegend erscheinen, und zwar unabhängig davon, ob dieser mit ihr Ge-
schlechtsverkehr gehabt oder sie einzig an Brüsten und Vagina geleckt hatte,
dass die Geschädigte im Zeitpunkt, in dem der Angeklagte B._ sich in das
Zimmer begab, unbekleidet oder zumindest weitgehend unbekleidet war. Es kann
daher in diesem Fall kaum sein, dass die Geschädigte sich unmittelbar, bevor der
Angeklagte B._ mit ihr Geschlechtsverkehr hatte, entkleidete. Wenn der An-
geklagte A._ zunächst alleine mit der Geschädigten im Zimmer war und der
Angeklagte B._ danach hineinging, kann die Geschädigte diesem zudem
weder den Gurt vor den anderen Anwesenden abgezogen noch er die anderen
Anwesenden hinausgeschickt haben, um mit der Geschädigten Sex zu haben.
Dass die Aussage betreffend Ausziehen des Gurtes vor den anderen Anwesen-
den nicht mit dem Rest der Schilderungen übereinstimmte, dürfte der Angeklagte
B._ spätestens anlässlich der Einvernahme vom 23. Oktober 2007 gemerkt
haben. Damals deutete er nämlich neu an, dies sei nicht vor den anderen passiert
- 53 -
(Urk. HD 13/3 S. 6: "Nachdem A._ aufgehört hatte mit dem Sex, ging ja ich
hinein."). Die weiteren Widersprüche dürften dem Angeklagten B._ spätes-
tens anlässlich der Konfrontationseinvernahme aufgefallen sein. Jedenfalls änder-
te er auf nochmalige Nachfrage des Staatsanwalts nunmehr seine Aussage un-
vermittelt dahingehend ab, dass er derjenige gewesen sei, der als Erster mit der
Geschädigten Sexualkontakt gehabt habe (Urk. HD 10/4 S. 9), und zwar, nach-
dem zunächst der Mitangeklagte A._ mit ihr "geknutscht" habe (Urk. HD 10/4
S. 11). Nach ihm sei der Mitangeklagte A._ zur Geschädigten gegangen und
habe sie geleckt (Urk. HD 10/4 S. 12 f.). Der Mitangeklagte C._ sei der Dritte
gewesen; er sei ins Zimmer, in dem sich die Geschädigte befand, hineingegan-
gen, nachdem der Mitangeklagte A._ hinausgekommen sei, denn dieser ha-
be die Geschädigte so lange geleckt, dass sie nun richtigen Sex gewollt habe
(Urk. HD 10/4 S. 13). Dass er anlässlich der Einvernahme vom 8. Dezember 2008
mehr oder weniger zu seinen ersten Angaben zurückkehrte und geltend machte,
die Geschädigte habe angefangen, die Angeklagten anzumachen, worauf die Ge-
schädigte und er sich gegenseitig angefangen hätten zu berühren und er, als er
gemerkt habe, dass es zum Sex kommen würde, die Kollegen hinausgeschickt
habe (Urk. HD 13/4 S. 3), anschliessend hätten auch die Mitangeklagten A._
und C._ mit der Geschädigten Sex gehabt, aber er wisse nicht, auf welche
Art (Urk. HD 13/4 S. 5), lässt die Aussagen des Angeklagten B._ auch nicht
in einem besseren Licht erscheinen. Erst anlässlich der Konfrontationseinver-
nahme vom 11. Mai 2009 gab er schliesslich unter der erdrückenden Beweislage
mehr oder weniger zu, dass er und der Angeklagte A._ am Anfang für eine
gewisse Zeit zu zweit mit der Geschädigten im Zimmer gewesen seien (Urk. HD
10/6 S. 3 f.), wie dies von der Geschädigten konstant ausgesagt worden war. Dies
war von J._ bereits von Anfang an zu Protokoll gegeben worden (Urk. HD
11/2 S. 2; Urk. HD 11/3 S. 4; Urk. HD 10/4 S. 16) und wurde von diesem anläss-
lich seiner Schlusseinvernahme vom 19. Januar 2009 nochmals bestätigt (Urk.
HD 11/4 S. 3). Ferner hatte auch der Mitangeklagte C._ dies mehrfach aus-
gesagt (Urk. HD 12/1 S. 2; Urk. HD 12/5 S. 3 f.; Urk. HD 10/6 S. 2 f.).
2.7.4. Anlässlich der Einvernahme vom 8. Dezember 2008 machte der Angeklag-
te B._ neu geltend, dass die Geschädigte angefangen habe, die Anwesen-
- 54 -
den zu provozieren und ihren BH aufgemacht habe (Urk. HD 13/4 S. 2). Es er-
staunt, dass der Angeklagte B._ sich rund 1 3⁄4 Jahre nach der fraglichen
Nacht plötzlich an diese Begebenheit erinnert haben will, nachdem er in den vor-
herigen Einvernahmen nie etwas derartiges erwähnt hatte und dies auch nichts
ins Bild seiner damaligen Schilderungen passt. Der Verdacht liegt nahe, dass er –
die Angeklagten waren im Zeitpunkt jener Einvernahme längst wieder auf freiem
Fuss – in der Zwischenzeit mit dem Mitangeklagten A._ über dessen Aussa-
gen gesprochen hatte und diese Behauptung deshalb nachschob. Auffällig ist
aber, dass der Angeklagte A._ nie zu Protokoll gab, die Geschädigte habe
ihren BH aufgemacht, sondern, die Geschädigte habe sich oben bis auf den BH
ausgezogen und er habe ihr den BH dann langsam abgezogen (Urk. HD 10/3 S.
5).
2.7.5. Was die Frage, ob die Wohnungstür abgeschlossen und der Schlüssel aus
dem Schloss entfernt war, angeht, wurde schon auf die auffälligen Aussagen des
Angeklagten B._ während seiner ersten Einvernahme hingewiesen (dazu
oben unter Ziffer III.2.7.1.). Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 23. Ok-
tober 2007 gab er an, die Haustür aus Prinzip nie zu verriegeln, wenn er in der
Wohnung sei, wobei der Schlüssel immer an der Wohnungstür gehangen habe
(Urk. HD 13/3 S. 3 f.). Dies bestätigte er anlässlich der Einvernahme vom 8. De-
zember 2008 grundsätzlich, machte aber geltend, auch wenn die Tür abgeschlos-
sen gewesen wäre, hätte der Schlüssel entweder gesteckt oder er wäre auf dem
Tisch gewesen (Urk. HD 13/4 S. 7 f.). Seine Hauptaussage steht in Widerspruch
zu denjenigen von J._, der anlässlich der polizeilichen Befragung vom
28. September 2007 sowie der gleichentags erfolgten Hafteinvernahme angab,
der Angeklagte B._ habe die Tür verschlossen, der Schlüssel sei aber ste-
cken geblieben (Urk. HD 11/1 S. 6; Urk. HD 11/2 S. 4), wobei dieser diese Aussa-
ge anlässlich seiner Einvernahme vom 1. November 2007 insofern relativierte als
er angab, er vermute, dass es B._ gewesen sei, der die Tür abgeschlossen
habe und er denke, dass der Schlüssel stecken geblieben sei. Ferner gab er auf
entsprechende Nachfrage an, keine Gewohnheiten des Angeklagten B._
hinsichtlich des Verriegelns seiner Tür zu kennen (Urk. HD 11/3 S. 4).
- 55 -
2.7.6. Sodann fällt auf, dass der Angeklagte B._ seine Aussage, am Morgen
des tt. Mai 2007 ab ca. 06.00 Uhr allein mit der Geschädigten in der Wohnung
gewesen zu sein (Urk. HD 13/3 S. 5; Urk. HD 13/4 S. 7), anlässlich der Konfronta-
tionseinvernahme vom 26. November 2007 korrigieren musste (Urk. HD 10/4 S.
14). Die beiden Mitangeklagten sowie J._ hatten nämlich ausgesagt, sowohl
sie als auch der Angeklagte B._ seien noch in der Wohnung gewesen, als
die Geschädigte gegangen sei (Urk. HD 10/4 S. 14). Anlässlich der Einvernahme
vom 8. Dezember 2008 berief er sich dann aber wieder auf seine ursprüngliche
Version (Urk. HD 13/4 S. 8). Diese widerspricht indes nicht nur den Aussagen der
Geschädigten, die angab, der Mitangeklagte A._ habe ihr schliesslich ca. um
10.00 Uhr oder 10.15 Uhr die Tür geöffnet (Urk. HD 14/1 S. 10; Urk. HD 14/3
S. 4), sondern auch denjenigen seiner Kollegen.
2.7.7. Nicht gegen den Angeklagten B._ spricht, dass er, nachdem ihm eine
Schwarz-Weiss-Kopie einer Farbfoto der Geschädigten gezeigt worden war, zu-
nächst erklärte, diese nicht zu kennen (Urk. HD 13/1 S. 7 ff.). Als ihm die farbige
Originalfoto vorgelegt wurde, gab er sofort zu, die Geschädigte zu kennen und mit
ihr Geschlechtsverkehr gehabt zu haben (Urk. HD 13/1 S. 10). Anlässlich der
gleichentags erfolgten Hafteinvernahme erklärte er, als er die Schwarz-Weiss-
Fotokopie gesehen habe, habe er gemeint, es handle sich um eine farbige Frau
(Urk. HD 13/2 S. 2). Diese Erklärung ist plausibel. Die Fotokopie, die dem Ange-
klagten vorgelegt wurde, ist sehr dunkel geraten, und man könnte die darauf ab-
gebildete Person, betrachtet man die Aufnahme nicht sehr sorgfältig, in der Tat für
eine Frau anderer Hautfarbe halten (vgl. Anhang zu Urk. 13/1).
2.8. Analyse der Aussagen des Angeklagten C._
2.8.1. Auch der in den wesentlichen Punkten nicht geständige Angeklagte
C._ machte in seinen Einvernahmen verschiedentlich Angaben, deren
Wahrheitsgehalt fraglich erscheint. So machte er während des gesamten Verfah-
rens geltend, er habe sich von der Geschädigten einzig oral befriedigen lassen,
denn diese habe ungeschützten Verkehr mit ihm haben wollen, was er abgelehnt
- 56 -
habe, und ein Kondom habe er nicht gefunden (Urk. HD 12/1 S. 2; Urk. HD 12/4
S. 5). Wenn seine Aussage, wonach die Geschädigte mit ihm Geschlechtsverkehr
haben wollte (Urk. HD 12/1 S. 2), stimmen würde, wäre indes zu erwarten gewe-
sen, dass diese sich nicht mit der oralen Befriedigung des Angeklagten C._
zufrieden gegeben hätte. Anlässlich der Hafteinvernahme vom 28. September
2007 könnte der Angeklagte C._ sich sodann versehentlich versprochen und
die Wahrheit gesagt haben, sagte er doch auf die Frage, wer alles im Zimmer
war, als er mit der Frau Sex gehabt habe: "Ich war alleine mit der Frau. Als ich ge-
rade dabei war, mit der Frau zu schlafen, kam einer der Kollegen ins Zimmer, er
lachte aber nur und verliess das Zimmer dann wieder" (Urk. HD 12/2 S. 2 f.). Dass
einer der Kollegen plötzlich die Tür geöffnet und gelacht habe, bestätigte er an-
lässlich der Einvernahme vom 31. Dezember 2007 (Urk. HD 12/4 S. 5), wobei er
anfügte, es sei vermutlich J._ gewesen, aber er wisse es nicht. Wenn indes-
sen einer der Kollegen gesehen hätte, dass der Angeklagte C._ einzig Oral-
verkehr mit der Geschädigten hatte, wäre zu erwarten gewesen, dass dieser Kol-
lege dies anlässlich seiner Einvernahmen so ausgesagt und den Angeklagten
C._ damit wenigstens teilweise entlastet hätte. Zudem gab der Angeklagte
C._ zur Begründung, weshalb es einzig zu Oralverkehr gekommen sei, an, in
der Schublade des Nachttisches vergeblich nach einem Kondom für den an sich
von der Geschädigten gewünschten Geschlechtsverkehr gesucht zu haben (Urk.
HD 12/4 S. 5), während der Angeklagte B._ aussagte, es habe in der Schub-
lade im Nachttisch welche gehabt (Urk. HD 10/4 S. 11), was im Übrigen durch die
Aussage der Geschädigten, dass derjenige Täter, der ein Kondom benützt habe,
dieses der Schublade des Nachttisches entnommen habe (HD 14/1 S. 9), unter-
mauert wird.
2.8.2. Ferner erklärte der Angeklagte J._ anlässlich der Einvernahme vom 28.
September 2007, die Geschädigte habe selber Kokain in ihrer Handtasche gehabt
(Urk. HD 12/1 S. 6), obwohl diese Behauptung von der Geschädigten bestritten
(Urk. HD 14/2 S. 7) und von keinem der anderen Beteiligten je aufgestellt wurde
und nur schon angesichts der damaligen finanziellen Verhältnisse der Geschädig-
ten – sie hatte gemäss der Zeugenaussage der Zeugin Z7._ vom 2. März
2009 am Vortag Fr. 20.– aus einer Kasse an ihrem Arbeitsplatz "geliehen", was
- 57 -
darauf hindeutet, dass sie kein Geld mehr hatte (Urk. HD 15/7 S. 4 sowie Anhang)
– nicht glaubhaft erscheint.
2.8.3. Widersprüchlich sagte der Angeklagte C._ ferner mit Bezug auf die
Reihenfolge der Sexualkontakte aus. Anlässlich der ersten Einvernahme vom
28. September 2007 gab er zunächst an, er sei der letzte gewesen, der mit der
Geschädigten sexuelle Handlungen vorgenommen habe (Urk. HD 12/1 S. 7). Im
Verlauf der Einvernahme erklärte er dann aber, es könne sein, dass er der zweite
gewesen sei (Urk. HD 12/1 S. 10), was er auch an der gleichentags erfolgten
Hafteinvernahme aussagte (Urk. HD 12/2 S. 2). Anlässlich der Einvernahme vom
31. Oktober 2007 gab er an, dass er nach dem Oralverkehr duschen gegangen
sei, und als er zurückgekommen sei vom Duschen, sei der Mitangeklagte
A._ bei ihr im Zimmer gewesen (Urk. HD 12/4 S. 6), während er anlässlich
der Einvernahme vom 19. September 2009 erklärte, er denke, dass er der letzte
gewesen sei (Urk. HD 12/5 S. 7).
2.8.4. Sodann erklärte er anlässlich der Einvernahme vom 19. Januar 2009, die
Geschädigte am gleichen Abend schon in der "..."-Bar gesehen zu haben (Urk.
HD 12/5 S. 9), obwohl er anlässlich der Hafteinvernahme vehement abgestritten
hatte, an jenem Abend resp. in dieser Nacht in dieser Bar gewesen zu sein (Urk.
HD 12/2 S. 3 f.) und auch angegeben hatte, die Geschädigte vor diesem Morgen
nicht gekannt zu haben (Urk. HD 12/2 S. 2). Ferner hatte er anlässlich der Kon-
frontationseinvernahme vom 26. November 2007 erklärt, an jenem Abend resp. in
jener Nacht lediglich im ".." [Café] gewesen zu sein (Urk. HD 10/4 S. 6).
2.8.5. Hingegen erscheinen die Aussagen des Angeklagten C._ in seiner
ersten Einvernahme vom 28. September 2007 zur Rolle der beiden Mitangeklag-
ten A._ und B._ am Anfang der Geschehnisse teilweise glaubhaft. Er
schilderte, dass die beiden Mitangeklagten A._ und B._ angefangen
hätten, die Geschädigte zu küssen und dass diese mit ihr einen Dreier hätten ma-
chen wollen resp. er sich dies so gedacht habe, weil die beiden Mitangeklagten
zuerst zusammen mit der Geschädigten im Zimmer gewesen seien. Ferner erklär-
te er, er nehme an, dass dies nicht geklappt habe, weil einer der beiden plötzlich
aus dem Zimmer hinausgekommen sei (Urk. HD 12/1 S. 2). Diese Angaben wi-
- 58 -
derrief er zwar anlässlich seiner Einvernahme vom 31. Oktober 2007 (Urk. HD
12/4 S. 5) und anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 26. November
2007 (Urk. HD 10/4 S. 16 f.), bestätigte sie aber anlässlich seiner Einvernahme
vom 19. Januar 2009 (Urk. HD 12/5 S. 3 f.) wie auch anlässlich der Konfrontati-
onseinvernahme vom 11. Mai 2009 (Urk. HD 10/6 S. 2 f.). Dass die Angeklagten
A._ und B._ während einer gewissen Zeit zu zweit bei der Geschädigten
im Zimmer waren, wurde auch von J._ ausgesagt (Urk. HD 11/2 S. 2; Urk.
HD 11/3 S. 4; Urk. HD 11/4 S. 3) und deckt sich, wenn man die Frage, ob Nöti-
gungshandlungen eingesetzt wurden, ausklammert, insoweit mit den Angaben an-
lässlich der ersten Einvernahmen der Geschädigten, als diese angab, sie sei von
zwei der drei Angeklagten auf das Bett gezwungen worden (Urk. HD 14/1 S. 3
und 7; Urk. HD 14/3 S. 3). Ferner decken sich die Angaben insofern, als auch die
Geschädigte angab, der eine der beiden im Zimmer habe dieses bald danach ver-
lassen (Urk. HD 14/1 S. 8).
2.8.6. Dass J._ entgegen den eigenen Aussagen des Angeklagten C._
zunächst behauptete, dieser sei erst ein oder zwei Stunden später in die Woh-
nung gekommen (Urk. HD 11/2 S. 3; vgl. auch Urk. HD 11/1 S. 5 f. und Urk. HD
10/4 S. 7), könnte darin begründet sein, dass er seinen Cousin schützen wollte.
Umgekehrt verhielt es sich offensichtlich genau gleich: Der Angeklagte C._
gab entgegen den Aussagen von J._ zunächst an, letzterer sei erst 10 oder
15 Minuten später in die Wohnung gekommen (Urk. HD 12/1 S. 6; Urk. HD 12/4
S. 5). Es kann aufgrund der eigenen Aussagen dieser beiden Beteiligten sowie
aufgrund der Aussagen der übrigen in der Wohnung Anwesenden kein Zweifel
daran bestehen, dass der Angeklagte C._ sowie J._ von Anfang an in
der fraglichen Wohnung waren.
2.8.7. Auffällig ist, dass der Angeklagte C._ sich anlässlich der ersten polizei-
lichen Einvernahme vom 28. September 2007 sofort erinnern konnte, dass die
Wohnungstür abgeschlossen war und der Schlüssel gesteckt habe (Urk. HD 12/1
S. 7 f.), was er anlässlich der gleichentags erfolgten Hafteinvernahme bestätigte
(Urk. HD 12/2 S. 3). Immerhin lag die fragliche Nacht im Zeitpunkt dieser Einver-
nahme mehr als vier Monate zurück. Anlässlich der Einvernahme vom 31. Okto-
- 59 -
ber 2007 erklärte er dann, dass er, als er duschen gegangen sei, nachgeschaut
habe, ob die Tür verschlossen war (Urk. HD 12/4 S. 4), was eine plausible Erklä-
rung dafür wäre, weshalb er noch wusste, dass die Tür verschlossen war und der
Schlüssel steckte, wenngleich es sich dabei auch um eine nachgeschobene
Schutzbehauptung handeln kann.
2.9. Weitere relevante Beweismittel
2.9.1. Ein Anhaltspunkt dafür, dass der Geschädigten im Zeitraum vor dem 4. Juni
2007 etwas Gravierendes zugestossen sein muss, ist darin zu sehen, dass die
Zeugin Z8._, welche die Geschädigte seit mehreren Monaten beruflich kann-
te, gemäss ihren glaubhaften Aussagen anlässlich des ersten Treffens nach den
fraglichen Ereignissen am 4. Juni 2007 eine sehr veränderte, heruntergekomme-
ne und verwirrte Geschädigte mit löchrigem Pullover und strähnigen Haaren an-
traf, die sich gemäss deren eigenen Angaben verfolgt fühlte. Ihr gegenüber er-
wähnte die Geschädigte nicht, dass sie kurz zuvor das Opfer massiver sexueller
Übergriffe geworden sei. Vielmehr erklärte sie, als die Zeugin Z8._ danach
fragte, weshalb sie unentschuldigt der Arbeit ferngeblieben sei, dass sie "abge-
stürzt" sei (Urk. HD 15/10 S. 2 ff.). Die Schilderungen der Zeugin Z8._
schliessen die von der Geschädigten geschilderten Übergriffe keineswegs aus.
Anderseits ist aber genau so gut denkbar, dass der Zustand der Geschädigten,
den die Zeugin Z8._ beschrieb, einzig die Folge davon war, dass die Ge-
schädigte in jenem Zeitraum kein Obdach hatte und "abgestürzt" war.
2.9.2. Die Psychotherapeutin der Geschädigten, Z4._, schilderte anlässlich
ihrer Zeugeneinvernahme vom 8. Januar 2008, nachdem sie in ihren Unterlagen
nachgeschaut hatte (vgl. Urk. HD 16/2), dass ihr die Geschädigte erstmals am 5.
Juni 2007 von sexuellen Übergriffen erzählt habe; ob diese vorgängig allenfalls
schon einmal telefonisch eine entsprechende Andeutung gemacht habe, wisse sie
nicht mehr (Urk. HD 15/3 S. 3). Es fällt auf, dass diese Zeugin, die am Anfang der
Befragung darauf aufmerksam gemacht worden war, dass der inkriminierte Vorfall
sich Ende Mai 2007 zugetragen haben solle (Urk. HD 15/3 S. 3), betonte, die Ge-
- 60 -
schädigte habe ihr beim ersten Gespräch darüber – demnach am 5. Juni 2007 –
erklärt, der Vorfall sei drei Wochen vorher passiert, womit die Zeugin davon aus-
gehen musste, dass dieser sich während der Zeit ereignet hatte, in der die Ge-
schädigte noch in der Wohngruppe K._ lebte, und nicht im Zeitraum danach.
Ferner sticht ins Auge, dass die Zeugin im Verlaufsblatt zur Konsultation vom 5.
Juni 2007 u.a. festhielt, die Geschädigte sei während einem exzessiven Konsum
sexuell genötigt worden und überlege sich, mit der Opferhilfe eine Anzeige zu
machen (Urk. HD 16/2), was deutlich weniger gravierend erscheint als der nun-
mehr zur Diskussion stehende Anklagesachverhalt mit mehrfacher Vergewalti-
gung durch drei verschiedene Täter. Die Zeugin erklärte, sie habe der Geschädig-
ten geglaubt und glaube ihr. Wenn diese lüge, spreche sie ganz normal, wenn sie
aber über das Ereignis spreche, verändere sich ihr Aussageverhalten offensicht-
lich (Urk. HD 15/3 S. 5). Ferner erklärte sie, sie habe schon beim ersten Ge-
spräch, d.h. bei demjenigen vom 5. Juni 2007, festgestellt, dass diese unter einer
posttraumatischen Belastungsstörung leide (Urk. HD 15/3 S. 4). Die Zeugin
Z4._, eine ausgebildete Psychologin und Psychotherapeutin, wusste im Zeit-
punkt ihrer Zeugenaussage, dass die Geschädigte eine schwierige Lebensge-
schichte mit Betäubungsmittel- und Alkoholabhängigkeit hat. Ferner war ihr be-
kannt, dass die Geschädigte zumindest teilweise unzuverlässig war. Dennoch sah
sie offensichtlich keine Veranlassung, an der Darstellung der Geschädigten zu
zweifeln. Ihre Aussagen sprechen dafür, dass der eingeklagte Sachverhalt sich
tatsächlich ereignet hat. Nichtsdestotrotz muss angesichts der vielen Unstimmig-
keiten in den Angaben der Geschädigten auch in Betracht gezogen werden, dass
diese die Zeugin getäuscht haben könnte, um sich im bereits aufgezeigten Sinne
Vorteile zu verschaffen.
Das Gleiche gilt für die Aussagen der Zeugin Z6._, der Mitarbeiterin der Be-
ratungsstelle ..., ebenfalls von Beruf Psychologin (Urk. HD 15/12 S. 1). Diese er-
klärte, die Geschädigte sei am 8. Juni 2007 unangemeldet bei der Beratungsstelle
erschienen und habe dann bei ihr einen Beratungstermin für den 10. Juni 2007
erhalten. Bei dieser ersten Konsultation habe ihr die Geschädigte erzählt, dass sie
ungefähr einen Monat zuvor von mehreren Männern vergewaltigt worden sei (Urk.
HD 15/12 S. 2). Auch die Zeugin Z6._ schilderte eine starke Traumatisierung
- 61 -
der Geschädigten (Urk. HD 15/12 S. 2 ff.), und auch sie erklärte, der Geschädig-
ten zu glauben (Urk. HD 15/12 S. 6).
2.10. Fazit
2.10.1. Was die Aussagen der Geschädigten angeht, erscheinen die von ihr ge-
schilderten sexuellen Kontakte als solche als glaubhaft; sie stehen zum Teil auch
mit den Angaben der Angeklagten im Einklang. Entscheidend ist jedoch nicht, ob
solche sexuellen Kontakte stattfanden, sondern, ob diese gegen ihren Willen
stattfanden resp. ob die Geschädigte zu diesen genötigt wurde sowie, ob die Ge-
schädigte tatsächlich gegen ihren Willen in der Wohnung festgehalten wurde. Da-
ran verbleiben indessen aufgrund der dargelegten Unstimmigkeiten in den Aus-
sagen der Geschädigten Zweifel.
2.10.2. Mit Bezug auf die Aussagen der drei Angeklagten ist festzuhalten, dass
diese sich nicht nur selber in grobe Widersprüche verwickelten, sondern dass ihre
Aussagen auch untereinander so stark voneinander abweichen, dass sie nur
bruchstückhaft miteinander in Einklang gebracht werden können. Da alle drei An-
geklagten in der Nacht vom tt. Mai 2007 sowohl Alkohol als auch Kokain konsu-
miert hatten und die fragliche Nacht bei den ersten Einvernahmen bereits mehre-
re Monate zurücklag, kann indes nicht ausgeschlossen werden, dass dies am feh-
lenden Erinnerungsvermögen lag. Sodann ist denkbar, dass sich die Angeklagten
unter dem Eindruck der Verhaftung und der massiven gegen sie gerichteten Vor-
würfe irgendwelche Erklärungen zurechtlegten, obwohl sie sich in Tat und Wahr-
heit gar nicht mehr recht erinnern konnten. Dies würde auch erklären, weshalb sie
– der eine mehr, der andere weniger – ihre Aussagen von Situation zu Situation
unkoordiniert und überfleissig dem ihnen in jenem Zeitpunkt jeweils bekannten
Erkenntnisstand anpassten, bis schliesslich unzählige Varianten und ebenso viele
Widersprüche bestanden. Ihr Aussageverhalten liesse aber auch den Schluss zu,
dass alle drei Angeklagten wie auch J._ zu verheimlichen versuchten, dass
sich in der Nacht des tt. Mai 2007 in der fraglichen Wohnung der in der Anklage-
schrift geschilderte Sachverhalt zugetragen hatte und sie stattdessen angaben, es
sei zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen gekommen, was in dieser Situati-
- 62 -
on naheliegend gewesen wäre, mussten sie doch damit rechnen, DNA-Spuren
hinterlassen zu haben. Auch mittels der Aussagen der drei Angeklagten lassen
sich die oben angesprochenen Zweifel, ob die sexuellen Handlungen gegen den
Willen der Geschädigten stattfanden resp. ob die Geschädigte zu diesen genötigt
wurde sowie, ob die Geschädigte tatsächlich gegen ihren Willen in der Wohnung
festgehalten wurde, nicht ausräumen.
2.10.3. Zudem hinterfragten die Verteidiger der Angeklagten zu Recht die Rolle
des Zeugen Z5._ (Urk. HD 128 S. 4; Urk. HD 129 S. 2; Urk. HD 132 S. 1),
des ehemaligen Lebenspartners der Geschädigten und Vaters ihres jüngeren
Kindes. Gemäss den Aussagen der Geschädigten empfahl dieser ihr, als diese
ihn kurz nach den fraglichen Ereignissen telefonisch kontaktiert habe, Anzeige zu
erstatten und eine Opferberatungsstelle zu kontaktieren (Urk. HD 14/1 S. 10; Urk.
HD 14/3 S. 4), was im Wesentlichen vom Zeugen Z5._ bestätigt wurde (Urk.
HD 15/4 S. 3 f.). Eine gewisse Übereinstimmung dieses Ablaufs mit demjenigen
gemäss den Schilderungen der Geschädigten betreffend die rund ein Jahr später
erfolgte Falschanschuldigung lässt sich nicht von der Hand weisen. Den Verteidi-
gern ist darin zu folgen, dass die Geschädigte die falsche Anschuldigung aus dem
Jahr 2008 später ohne nachteilige Folgen zurücknehmen konnte, weil in diesem
Zusammenhang noch kein Strafverfahren gegen den zu Unrecht Beschuldigten
eröffnet worden war. Sollten die Vorwürfe, die die Geschädigte im vorliegenden
Verfahren gegen die drei Angeklagten erhob, nicht stimmen, hätte sie dagegen,
hätte sie sie später widerrufen, mit der Eröffnung eines Strafverfahrens gegen sie
rechnen müssen, zumal sie einerseits zu Beginn ihrer polizeilichen Einvernahmen
auf die Art. 303 bis 305 StGB aufmerksam gemacht worden war (Urk. HD 14/1 S.
1; Urk. HD 14/2 S. 1) und andererseits ihre Aussagen anlässlich der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahmen vom 26. November 2007 und 2. März 2009 unter
der Strafandrohung von Art. 307 StGB erfolgten (Urk. 14/3 S. 2; Urk. 14/4 S. 2).
2.10.4. Darüber hinaus kann nach dem Dargelegten nicht ausgeschlossen wer-
den, dass die Geschädigte die beiden Zeuginnen Z4._ und Z6._ über
die Geschehnisse in der Nacht vom tt. Mai 2007 täuschte.
- 63 -
2.10.5. Zwar ist denkbar, dass der in der Anklageschrift umschriebene Ablauf der
Nacht vom tt. Mai 2007 der Realität entspricht und die Geschädigte sowie allen-
falls Z5._, wie bereits dargelegt "bloss" ein Jahr später, naheliegenderweise
sogar unter dem Eindruck der Geschehnisse der Nacht vom tt. Mai 2007, auf die
Idee kamen, eine sexuelle Belästigung vorzuschieben, um eine Einstellung der
gemeinnützigen Arbeit abzuwenden. Es verbleiben aber unter den gegebenen
Umständen nicht ausräumbare Zweifel, dass sich die in der Anklageschrift um-
schriebenen Geschehnisse in der Nacht vom tt. Mai 2007 tatsächlich wie einge-
klagt abgespielt haben. Insbesondere verbleiben Zweifel daran, ob die Angeklag-
ten die sexuellen Handlungen tatsächlich gegen den erkennbaren Willen der Ge-
schädigten vollzogen resp. die Geschädigte dazu nötigten und ob die Geschädig-
te tatsächlich gegen ihren Willen in der fraglichen Wohnung festgehalten wurde.
Es ist nicht ersichtlich, wie die offenen Fragen durch weitere Abklärungen resp.
Untersuchungshandlungen geklärt werden könnten. Dies hat zur Folge, dass die
drei Angeklagten mit Bezug auf die Vorwürfe der mehrfach gemeinsam begange-
nen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200
StGB sowie der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen sind.
3. Nebendossier 7 (Angeklagter C._ - mehrfaches Vergehen gegen das
BetmG)
3.1. Die Anklagebehörde wirft dem Angeklagten C._ vor, im Zeitraum vom
14. April bis 14. Juli 2009 von einer nicht näher bekannten Frau namens N._
wöchentlich je 7 Gramm Kokain durchschnittlicher Qualität für Fr. 420.–, insge-
samt somit 84 Gramm Kokain für Fr. 5'040.- erworben, davon wöchentlich ca. 2
Gramm selber konsumiert und den Rest, ca. 60 Gramm Kokain, jeweils in der
Stadt und Region H._ an Dritte veräussert zu haben, um mit dem erzielten
Gewinn seinen Kokainkonsum zu finanzieren. Ferner wird ihm zur Last gelegt, am
14. Juli 2009 an der...-Strasse in H._ von dieser N._ 20,3 Gramm Koka-
in für Fr. 1'100.– gekauft zu haben, um dieses zu ca. einem Drittel für den Eigen-
- 64 -
konsum zu verwenden und den grösseren Anteil zu handelsüblichen Konditionen
an unbekannte Dritte zu verkaufen und abzugeben (Urk. HD 44 S. 9 f.).
3.2. Als Beweismittel liegen einerseits die Aussagen des Angeklagten C._
vor. Andererseits wurde, als er am 14. Juli 2009 angehalten wurde, in dessen Un-
terhose eine Bruttomenge von 20,3 Gramm Kokain aufgefunden (Urk. ND 7/3/1 S.
2) und ergab die Analyse der am 14. Juli 2009 sichergestellten Blutprobe durch
das Institut für Rechtsmedizin, festgehalten im Chemisch-toxikologischen Unter-
suchungsbericht vom 28. Juli 2009, hinsichtlich des Wirkstoffs Cocain inkl. Meta-
boliten einen stark positiven Messwert (Urk. ND 7/8 S. 2).
3.3. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass dem Angeklagten C._ bezüglich
dieser Anklageziffer über den Betäubungsmittelkonsum hinaus keine strafbaren
Handlungen nachzuweisen seien (Urk. HD 103 S. 85 f.). Dennoch sprach sie den
Angeklagten C._ des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittel-
gesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 aBetmG schuldig (Urk. HD 103 S. 105).
Es ist indessen offensichtlich, dass der Vorinstanz beim Verfassen der Begrün-
dung ein Fehler unterlaufen ist. Der Angeklagte C._ hatte nämlich anlässlich
seiner Einvernahme vom 15. Juli 2009 zugegeben, bei der nicht näher bekannten
Frau namens N._ in den letzten 12 Wochen durchschnittlich pro Woche ca. 7
Gramm Kokain gekauft zu haben, und zwar einerseits für den Eigenkonsum und
andererseits, um Kollegen davon abzugeben. Ferner hatte er eingestanden, von
N._ am 14. Juli 2009 eine Bruttomenge von 20,3 Gramm Kokain bezogen zu
haben, weil er dieses für sich und seine Freunde im Hinblick auf seine Ferien im
... habe vorrätig haben wollen (Urk. HD 7/3/2 S. 1 f.). Anlässlich der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme vom 23. März 2010 bestätigte er diese Angaben teil-
weise, verweigerte aber im Übrigen die Aussage (Urk. ND 7/3/3 S. 2 f.). Anläss-
lich der Hauptverhandlung vom 21. Juni 2010 bestritt er, dass er Kokain verkauft
habe, räumte aber ein, dass er davon gratis abgegeben und im Gegenzug auch
gratis Kokain bekommen habe, indem jeweils einmal er Linien gemacht habe und
einmal sein Kollege. Eine Linie sei ungefähr 1/8 Gramm schwer. Es habe sich
nicht unbedingt um gute, sondern um gassenübliche Qualität gehandelt (Urk. HD
61 S. 22). Es besteht keine Veranlassung, nicht auf die ersten Angaben des An-
- 65 -
geklagten C._ abzustellen, zumal diese sich mit dem übrigen Untersu-
chungsergebnis (nachgewiesener Kokainkonsum; Auffinden einer Bruttomenge
von 20,3 Gramm Kokain am 14. Juli 2009) decken. Nicht erstellen lässt sich somit
lediglich, dass der Angeklagte C._ das zuvor gekaufte Kokain an Dritte ver-
kaufte resp. dies zu tun beabsichtigte, da der Angeklagte C._ dies stets be-
stritt und keine Beweismittel vorliegen, mit denen er diesbezüglich überführt wer-
den könnte. Zwar hat die Anklagebehörde vor der Vorinstanz ein durchaus nach-
vollziehbares Argument vorgebracht, welches für ihre Version spricht, indem sie
erklärte, dass der Angeklagte C._, der nicht erwerbstätig gewesen sei, sei-
nen Eigenkonsum nur so habe finanzieren können (Urk. HD 62 S. 22). Wenn-
gleich die vom Angeklagten anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 23. März 2010 vorgebrachte Erklärung zur Herkunft des für die Kokainkäufe
benötigten Geldes, er habe dieses auf dem Boden gefunden (Urk. ND 7/3/3 S. 3),
wohl kaum als ernsthaft betrachtet werden kann und jedenfalls nicht überzeugt,
bleiben entgegen der Anklagebehörde auch andere Finanzierungsquellen denk-
bar, weshalb dieser Teil des Sachverhaltes nicht erstellt werden kann.
3.4. Somit ist der Sachverhalt betreffend Nebendossier 7 mit Ausnahme des Ver-
kaufs von Kokain erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Allgemeines
Da nach dem unter III. Ausgeführten der Sachverhalt gemäss Hauptdossier (Ver-
gewaltigung etc.) in den massgeblichen Punkten nicht erstellt werden kann, ist auf
die rechtliche Würdigung betreffend diesen Sachverhalt nicht näher einzugehen.
- 66 -
2. Nebendossier 7 (Angeklagter C._ - mehrfaches Vergehen gegen das
BetmG)
2.1. Per 1. Juli 2011 ist der revidierte Art. 19 BetmG in Kraft getreten. Da das
BetmG diesbezüglich keine Übergangsbestimmungen enthält, gelangt für die Fra-
ge, ob das alte oder das neue Recht anwendbar ist, gemäss Art. 26 BetmG, wo-
nach die allgemeinen Bestimmungen des Strafgesetzbuches insoweit Anwendung
finden, als das BetmG nicht selbst Bestimmungen aufstellt, Art. 2 StGB zur An-
wendung. Nach dieser Bestimmung ist grundsätzlich das alte Recht anwendbar.
Das neue Recht gelangt nur dann zur Anwendung, wenn es das mildere ist (Art. 2
Abs. 2 StGB).
2.2. Der erstellte Sachverhalt wird sowohl vom alten als auch vom neuen Recht
vollständig erfasst. Vorliegend erweist sich das neue Recht nicht als das mildere,
weshalb das alte Recht anwendbar ist.
2.3. Der Einwand der Verteidigung, die Verurteilung des Angeklagten C._
wegen mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 aBetmG gemäss Dispositivziffer 3 alinea 3 (Urk. HD 103
S. 105) stimme nicht mit der Begründung durch die Vorinstanz überein (Urk. HD
83 S. 5), ist, wie bereits aufgezeigt wurde, korrekt. Entscheidend ist aber unter
diesen Umständen das Urteilsdispositiv, nicht die Begründung, wobei, wie bei der
Sachverhaltserstellung (vorne unter Ziffer III.3.3.) dargelegt wurde, der Vorinstanz
offensichtlich ohnehin beim Verfassen der Begründung ein Fehler unterlaufen ist.
Nach dem alten Recht ist der mehrfache Kauf als Verstoss gegen Art. 19 Ziff. 1
Abs. 5 aBetmG, die mehrfache Abgabe als Verstoss gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4
aBetmG zu qualifizieren. Die Vorinstanz hat den Angeklagten C._ indessen
zwar des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne
von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 aBetmG, nicht aber im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 5
aBetmG schuldig gesprochen (Urk. HD 103 S. 105). Einer zusätzlichen Verurtei-
lung gestützt auf den letztgenannten Absatz steht nach dem vorliegend anwend-
baren alten Prozessrecht das Verschlechterungsverbot nicht entgegen (Niklaus
Schmid, a.a.O., N 984 a.E. und N 987). Der Angeklagte C._ ist daher ferner
- 67 -
der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5 aBetmG schul-
dig zu sprechen.
2.4. Mit Bezug auf den eingestandenen Eigenkonsum ist der Angeklagte C._
ferner der mehrfachen Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne
von Art. 19a Ziff. 1 aBetmG schuldig zu sprechen.
V. Sanktion
1. Strafrahmen
1.1. Bei der Bemessung der Strafe ist vom gesetzlichen Strafrahmen auszuge-
hen. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zur Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das
gesetzliche Höchstmass der Strafe gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).
1.2. Beim Angeklagten A._ ist die schwerste begangene Straftat der Angriff
im Sinne von Art. 134 StGB zum Nachteil des Geschädigten F._ (ND 4), der
mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird, beim An-
geklagten B._ der Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB zum Nachteil
der E._ AG (ND 5), der ebenfalls mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
mit Geldstrafe bestraft wird, und beim Angeklagten C._ das Vergehen gegen
das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5 aBetmG
(ND 7), das mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird.
Strafschärfend sind gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB bei allen drei Angeklagten die
Deliktsmehrheit sowie die teilweise mehrfache Tatbegehung zu berücksichtigen.
Beim Angeklagten A._ liegt ferner der Strafmilderungsgrund gemäss Art. 19
Abs. 2 StGB vor. Somit ergibt sich beim Angeklagten A._ ein nach unten of-
fener theoretischer Strafrahmen, der bis zu 7 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe reicht, beim
Angeklagten B._ ein theoretischer Strafrahmen von zwei Tagessätzen Geld-
- 68 -
strafe bis zu 7 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe und beim Angeklagten B._ ein sol-
cher von zwei Tagessätzen Geldstrafe bis zu 4 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe. Die dar-
gelegten erweiterten Strafrahmen sind aber nur in Ausnahmefällen anwendbar; in
der Regel sind Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens, dies dann aber zwingend, straferhöhend resp. strafmin-
dernd zu berücksichtigen (Schwarzenegger/Hug/Jositsch, Strafrecht II, Strafen
und Massnahmen, 8. Auflage, Zürich 2007, S. 74; BGE 136 IV 55 E. 5.8).
2. Strafzumessung
2.1. Strafzumessungsregeln
Die Strafe ist nach dem Verschulden des Täters zu bemessen, wobei das Vorle-
ben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Le-
ben des Täters zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden
wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-
guts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des
Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art.
47 Abs. 2 StGB).
Der Begriff des Verschuldens muss sich auf den gesamten Unrechts- und
Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen der
Tat- und der Täterkomponente. Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des
verschuldeten Erfolgs, die Art und Weise der Herbeiführung des Erfolgs, die Wil-
lensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und dessen Beweggründe zu be-
achten. Sodann sind für das Verschulden auch das "Mass an Entscheidungsfrei-
heit" beim Täter sowie die sogenannte Intensität des deliktischen Willens bedeut-
sam. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse
sowie das Verhalten nach der Tat oder im Strafverfahren, allenfalls Reue und
Einsicht sowie die Strafempfindlichkeit (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder,
Schweizerisches Strafgesetzbuch, 17. Auflage, Zürich 2006, S. 117 mit weiteren
Hinweisen; vgl. auch Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 90; BSK StGB I-
- 69 -
Wiprächtiger, Art. 47 N 65). Je leichter es für den Täter gewesen wäre, die Norm
zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie (Urteile des
Bundesgerichts 6S.174/2001 vom 3. April 2001 E. 2a, 6S.43/2001 vom 19. Juni
2001 E. 2. und 6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004 E. 1.1.; BGE 122 IV 241;
Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht AT II, 2. Auflage, Bern 2006, § 6 N 13).
Das Gericht hat in seinem Urteil die Überlegungen, die es bei der Bemessung der
Strafe angestellt hat, in den Grundzügen darzustellen. Dabei muss es in der Re-
gel die wesentlichen schuldrelevanten Tat- und Täterkomponenten so erörtern,
dass festgestellt werden kann, ob alle rechtlich massgeblichen Gesichtspunkte
Berücksichtigung fanden und wie sie gewichtet wurden. Insgesamt müssen seine
Erwägungen die ausgefällte Strafe rechtfertigen, d.h. das Strafmass muss als
plausibel erscheinen (BGE 127 IV 101 E. 2.; Urteil des Bundesgerichts
6S.83/2006 vom 5. Februar 2007 E. 3.1.; Art. 50 StGB).
2.2. Angeklagter A._
2.2.1. Tatkomponente
2.2.1.1. Objektive Tatschwere
Beim aus nichtigem Anlass erfolgten Angriff durch den Angeklagten A._ und
seinen Kollegen erlitt der Geschädigte F._ mehrere Beulen und Kontusionen
am Kopf, insbesondere eine Kieferkontusion, und war dieser während zwei Tagen
arbeitsunfähig, während der Geschädigte O._ sich eine blutende Oberlip-
penverletzung zuzog. Dass die Vorinstanz das objektive Verschulden des Ange-
klagten A._ unter diesen Umständen als erheblich bezeichnete (Urk. HD 103
S. 92), ist nicht zu beanstanden.
2.2.1.2. Subjektive Tatschwere
Auch subjektiv ist von einem erheblichen Verschulden auszugehen. Der Ange-
klagte A._ handelte mit direktem Vorsatz. Es ist der Vorinstanz darin beizu-
pflichten, dass er sich aufgrund geringfügiger verbaler Provokationen seitens der
- 70 -
Geschädigten zu einer völlig unverhältnismässigen Reaktion hinreissen liess, mit
der er eine rücksichtslose Aggressivität an den Tag legte (Urk. HD 103 S. 92).
2.2.1.3. Strafmilderungsgrund
Der Gutachter med. prakt. P._ kam in seinem psychiatrischen Gutachten
vom 26. Januar 2010 zum Schluss, dass beim Angeklagten A._ hinsichtlich
dieser Tat eine Verminderung der Schuldfähigkeit knapp mittleren Grades be-
standen habe (Urk. HD 25/4 S. 67). Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb von
dieser Einschätzung abzuweichen wäre. Insbesondere wurden der von der Ver-
teidigung zur Begründung einer im mittleren Grad verminderten Schuldfähigkeit
angeführte Alkohol- und Kokainkonsum sowie die Persönlichkeitsstörung vom
Gutachter bereits gebührend berücksichtigt (vgl. Urk. HD 25/4 S. 52 ff.).
2.2.2. Täterkomponente
2.2.2.1. Persönliche Verhältnisse und Vorleben
Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Angeklag-
ten A._ korrekt wiedergegeben. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden,
kann auf diese Erwägungen verwiesen werden (Urk. HD 103 S. 93; § 161 GVG).
Zu ergänzen ist, dass der Angeklagte A._ am 2. Dezember 2010 eine statio-
näre Massnahme angetreten und das Massnahmezentrum ..., in dem er sich
seither aufhält, am 18. Oktober 2011 einen positiven Bericht über den bisherigen
Verlauf der Massnahme ausgestellt hat (Urk. HD 117).
Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben lassen sich, wie die Vo-
rinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. HD 103 S. 93), weder Straferhöhungs-
noch Strafminderungsgründe ableiten.
2.2.2.2. Vorstrafen
Der Angeklagte A._ weist, wie von der Vorinstanz ausgeführt (Urk. HD 103
S. 93), zwei nicht einschlägige Vorstrafen auf. Mit Urteil des Obergerichts des
- 71 -
Kantons Zürich vom 15. März 2002 war er wegen bandenmässigen Raubs, Dieb-
stahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, Entwendung zum Gebrauch und
missbräuchlicher Verwendung von Ausweisen und Kontrollschildern zu einer
Zuchthausstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten und mit Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft II des Kantons Zürich vom 20. Juni 2005 wegen Betäubungsmitteldelik-
ten zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt worden (Urk. HD 105). Die-
se beiden Vorstrafen sind deutlich straferhöhend zu berücksichtigen, ebenso die
Delinquenz während laufendem Strafverfahren.
2.2.2.3. Nachtatverhalten
Strafmindernd ist das Geständnis des Angeklagten zu gewichten.
2.2.3. Hypothetische Einsatzstrafe
In Würdigung der obgenannten Kriterien erweist sich eine hypothetische Einsatz-
strafe von 300 Tagessätzen Geldstrafe resp. 10 Monaten Freiheitsstrafe als an-
gemessen.
2.2.4. Gesamtstrafe
2.2.4.1. Die für die schwerste Tat eingesetzte Strafe ist gemäss Art. 49 Abs. 1
StGB in Anwendung des Asperationsprinzips unter Einbezug der weiteren Delikte
angemessen zu erhöhen.
2.2.4.2. Zu relativieren sind die Ausführungen der Vorinstanz zum objektiven Ver-
schulden betreffend Fahren in angetrunkenem Zustand gemäss ND 1 (Urk. HD
103 S. 91). Zwar ist es richtig, dass der Angeklagte A._ mit einer Blutalko-
holkonzentration von 0.86 Gewichtspromillen den Grenzwert der qualifizierten
Blutalkoholkonzentration von 0.8 Gewichtspromillen nur knapp überschritt. Dies
ändert indessen nichts daran, dass der seit 1. Januar 2005 geltende Grenzwert
von 0.5 Gewichtspromillen deutlich überschritten wurde. Dass der Angeklagte
A._ mitten in der Nacht als Lenker eines Personenwagens unterwegs war,
- 72 -
relativiert sein objektives Verschulden nicht. Zwar ist der Vorinstanz darin beizu-
pflichten, dass wegen des weniger hohen Verkehrsaufkommens während der
Nacht grundsätzlich ein weniger hohes Potential für die Gefährdung anderer Ver-
kehrsteilnehmer besteht. Der Angeklagte A._ war aber auf der auch nachts
erheblich frequentierten ...-Strasse in H._ unterwegs. Zudem stehen einem
weniger hohen Verkehrsaufkommen während der Nacht die deutlich schlechteren
Sichtverhältnisse bei Dunkelheit gegenüber. Der Angeklagte handelte zumindest
eventualvorsätzlich und war gemäss dem Gutachten, dem zu folgen ist, hinsicht-
lich dieses Delikts voll schuldfähig (Urk. HD 25/4 S. 54).
2.2.4.3. Das objektive Verschulden betreffend die einfache Körperverletzung ge-
mäss ND 2 zum Nachteil des Geschädigten Q._ wiegt entgegen der Ein-
schätzung der Vorinstanz, die von einem keinesfalls mehr leichten Verschulden
ausging (Urk. HD 103 S. 92), erheblich, fügte der Angeklagte A._ diesem
doch mit einem wuchtigen Faustschlag gegen den Kopf eine Unterkiefer-Fraktur
zu, die zu einer einwöchigen Arbeitsunfähigkeit des Geschädigten führte (Urk. ND
2/4 S. 1 f.). Dass ein solcher Faustschlag leicht zu noch schwereren Verletzungen
hätte führen können, bedarf keiner näheren Erläuterung. Der Angeklagte handel-
te, wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. HD 103 S. 92), vorsätzlich,
hinsichtlich der Verletzungsfolgen jedenfalls eventualvorsätzlich, und zeigte bei
der Tatausübung ein erhebliches Gewaltpotential, weshalb auch das subjektive
Verschulden erheblich wiegt. Zu Recht hat die Vorinstanz hinsichtlich dieses De-
likts berücksichtigt, dass der Angeklagte A._ im Tatzeitpunkt beträchtliche
Mengen Alkohol und Kokain konsumiert hatte (Urk. ND 2/7 S. 1 und S. 3), und
gestützt auf das Gutachten, dem auch hier zu folgen ist, eine Verminderung der
Schuldfähigkeit knapp mittleren Grades berücksichtigt (Urk. HD 25/4 S. 54; Urk.
HD 103 S. 92).
- 73 -
2.2.4.4. Bei der Irreführung der Rechtspflege gemäss ND 3 ging die Vorinstanz zu
Recht von einem nicht mehr leichten Verschulden aus, wobei für die Begründung
zur Vermeidung von Wiederholungen auf ihre Erwägungen verwiesen werden
kann (Urk. HD 103 S. 92; § 161 GVG).
2.2.4.5. Hinsichtlich der mehrfachen einfachen Körperverletzung gemäss ND 4
stellt sich die Frage, ob die Verurteilung durch die Vorinstanz zusätzlich zur Verur-
teilung wegen Angriffs gerechtfertigt war, da sich aus der Anklageschrift nicht
ergibt, dass weitere Personen als die Verletzten F._ und O._ angegrif-
fen worden wären (vgl. BSK StGB II-Aebersold, Art. 134 N 13; BGE 118 IV 227).
Auf den diesbezüglichen Schuldspruch kann indessen nicht zurückgekommen
werden, da dieser nicht angefochten wurde und demnach in Rechtskraft erwach-
sen ist, weshalb die Frage offen bleiben kann. Der Unrechtsgehalt ist aber jeden-
falls mit der Bestrafung wegen Angriffs abgegolten, weshalb die mehrfache einfa-
che Körperverletzung zum Nachteil der Geschädigten F._ und O._ im
Rahmen der Strafzumessung nicht mehr zu berücksichtigen ist.
2.2.4.6. Deutlich straferhöhend fällt bezüglich dieser Delikte neben den bereits
erwähnten Vorstrafen ins Gewicht, dass der Angeklagte A._ sie mit Ausnah-
me des Fahrens in angetrunkenem Zustand während laufendem Strafverfahren
beging. Strafmindernd ist sein vollumfängliches Geständnis zu werten.
2.2.5. Fazit
Unter Berücksichtigung aller massgeblichen Zumessungsgründe erweist sich eine
Freiheitsstrafe von 18 Monaten als angemessen. Anzurechnen sind 62 Tage, die
durch Untersuchungshaft erstanden sind.
2.3. Angeklagter B._
2.3.1. Tatkomponente
2.3.1.1. Objektive Tatschwere
- 74 -
Hinsichtlich des vom Angeklagten B._ verübten Diebstahls zum Nachteil der
E._ AG (ND 5) ist der Vorinstanz darin zu folgen, dass der Deliktsbetrag,
gemessen an der Bandbreite möglicher Deliktsbeträge, eher gering war (vgl. Urk.
HD 103 S. 94). Dennoch kann von einer Bagatelle nicht die Rede sein, zumal die
Höhe des Deliktsbetrages dem Zufall unterlag – hätten der Angeklagte B._
und seine Mittäter einen höheren Bargeldbetrag aufgefunden, hätten sie selbst-
verständlich diesen gestohlen. Das objektive Verschulden wiegt nicht mehr leicht.
2.3.1.2. Subjektive Tatschwere
Der Angeklagte B._ setzte sich beim Diebstahl zum Nachteil der E._ AG
bedenkenlos über die Eigentumsrechte anderer hinweg, wobei das Motiv rein fi-
nanzieller und somit egoistischer Natur war. Zudem handelte er mit direktem Vor-
satz und gingen er und seine Mittäter planmässig vor, indem sie Einbruchswerk-
zeuge einsetzten, Funkgeräte benützten und einer von ihnen "Schmiere stand".
Von einer "spontanen Sache" oder einer "Dummheit" kann unter den gegebenen
Umständen entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. HD 121 S. 16) keine Re-
de sein. Dass der Angeklagte B._ im Zeitpunkt der Tat arbeitslos war (Urk.
HD 121 S. 16), wirkt sich nicht verschuldensreduzierend aus. Er wohnte bei sei-
nen Eltern, die ihn auch finanziell unterstützten (Urk. HD 121 S. 16), und befand
sich nicht in einem finanziellen Engpass im Sinne einer eigentlichen Notsituation.
Das subjektive Verschulden wiegt ebenfalls nicht mehr leicht.
2.3.2. Täterkomponente
2.3.2.1. Persönliche Verhältnisse und Vorleben
Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Angeklag-
ten B._ mit der Präzisierung, dass dieser seine Tätigkeit im Café "..." bereits
im Jahre 2007 aufgegeben hatte (Urk. HD 13/1 S. 4), korrekt wiedergegeben. Um
unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann auf diese Erwägungen verwiesen
werden (Urk. HD 103 S. 95; § 161 GVG). Zu ergänzen ist, dass er als Maler arbei-
tet und inzwischen Vater eines zweiten Kindes geworden ist (Prot. II S. 19).
- 75 -
Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben lassen sich, wie die Vo-
rinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. HD 103 S. 95), weder Straferhöhungs-
noch Strafminderungsgründe ableiten.
2.3.2.2. Vorstrafen
Die Vorinstanz berücksichtigte beim Angeklagten B._ insgesamt vier Vorstra-
fen, von denen die ersten beiden aus dem Jahr 1998 datieren (Urteil des Bezirks-
gerichts Zürich vom 5. Februar 1998 [drei Monate Gefängnis] und Strafbefehl der
Bezirksanwaltschaft Zürich vom 6. Juli 1998 [90 Tage Gefängnis und Fr. 250.–
Busse]; vgl. Urk. HD 37/4), straferhöhend. Die beiden Vorstrafen aus dem Jahre
1998 hätten indessen gemäss Art. 369 Abs. 7 StGB nicht mehr berücksichtigt
werden dürfen. Es verbleiben somit zwei teilweise einschlägige Vorstrafen wegen
Betäubungsmitteldelikten, mehrfachen Diebstahls sowie des Versuchs dazu,
Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruchs und Verstössen gegen das SVG (Ur-
teil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 5. April 2001 [Arbeitserziehungsan-
stalt] und Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom 5. September 2001 [Arbeitserzie-
hungsanstalt]; Urk. HD 106), die deutlich straferhöhend zu berücksichtigen sind.
2.3.2.3. Nachtatverhalten
Der Angeklagte B._ zeigte sich sofort geständig, wobei er auf frischer Tat er-
tappt wurde und das Deliktsgut auf sich trug (Urk. ND 5/2 S. 6; Urk. ND 5/16/3),
weshalb er ohnehin praktisch überführt war und sein Geständnis nur leicht straf-
mindernd berücksichtigt werden kann. Er verhielt sich indes grundsätzlich koope-
rativ (Urk. ND 5/2 S. 6), was ebenfalls strafmindernd zu veranschlagen ist.
2.3.3. Hypothetische Einsatzstrafe
In Würdigung der obgenannten Kriterien erweist sich eine hypothetische Einsatz-
strafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen.
- 76 -
2.3.4. Gesamtstrafe
2.3.4.1. Die für die schwerste Tat eingesetzte Strafe ist gemäss Art. 49 Abs. 1
StGB in Anwendung des Asperationsprinzips unter Einbezug der weiteren Delikte
angemessen zu erhöhen.
2.3.4.2. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. HD 121 S. 16) ist auch der
Diebstahlversuch zum Nachteil der R._ AG zu berücksichtigen. Der diesbe-
zügliche Schuldspruch wurde in der Eingabe vom 29. November 2010 (Urk. HD
85) nicht beanstandet und ist daher in Rechtskraft erwachsen. Er war aber ohne-
hin auch gerechtfertigt, gab der Angeklagte B._ doch anlässlich seiner poli-
zeilichen Befragung vom 27. Januar 2009 an, ihm sei nicht aufgefallen, dass in
der fraglichen Liegenschaft noch eine zweite Firma untergebracht sei, dies sei
aber egal gewesen, da nach Verwertbarem gesucht worden sei. Zudem gestand
der Angeklagte B._ ein, wenngleich nichts auf ein anderes Geschäft hinge-
deutet habe, seien im Innern der Liegenschaft weitere Türen aufgebrochen wor-
den. Demnach nahm der Angeklagte B._ subjektiv in Kauf, zum Nachteil
nicht nur der E._ AG, sondern auch zum Nachteil anderer Geschädigter zu
delinquieren. Dass es beim Diebstahl zum Nachteil der Geschädigten R._
AG beim Versuch blieb, kann gestützt auf Art. 22 Abs. 1 StGB leicht strafmildernd
veranschlagt werden. Nicht ausser Acht gelassen werden darf ferner, dass durch
die mehrfache Sachbeschädigung ein erheblicher Sachschaden entstand. Insge-
samt betrachtet ist das objektive und subjektive Verschulden hinsichtlich des
Diebstahlversuchs, des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie der mehrfachen
Sachbeschädigung als nicht mehr leicht zu qualifizieren.
2.3.4.3. Deutlich straferhöhend fallen die bereits erwähnten teilweise einschlägi-
gen Vorstrafen ins Gewicht. Ferner ist die teilweise mehrfache Tatbegehung
straferhöhend zu berücksichtigen. Auch bezüglich dieser Delikte ist das Geständ-
nis des Angeklagten B._ nur leicht strafmindernd zu gewichten, da er auf fri-
scher Tat ertappt wurde und ihm somit wenig anderes übrig blieb, als ein Ge-
ständnis abzulegen. Dass er sich gegen den Vorwurf der Sachbeschädigung
wehrte, indem er angab, nicht er habe diese Schäden verursacht (Urk. ND 5/13/1
S. 7), kann nicht als fehlendes Geständnis betrachtet werden, da diese Argumen-
- 77 -
tation auf fehlende Rechtskenntnisse bezüglich einer Tatbeteiligung in Form der
Mittäterschaft zurückzuführen sein dürfte. Eine diesbezügliche Schadenersatz-
pflicht anerkannte der Angeklagte B._ im Untersuchungsverfahren denn
auch grundsätzlich (Urk. 5/13/1 S. 7). Weiter ist auch hier das grundsätzlich ko-
operative Verhalten des Angeklagten B._ strafmindernd zu berücksichtigen.
2.3.5. Fazit
Unter Berücksichtigung aller massgeblichen Zumessungsgründe erweist sich die
Bestrafung des Angeklagten B._ mit 150 Tagessätzen Geldstrafe als ange-
messen. Anzurechnen sind 112 Tagessätze, die durch Untersuchungshaft er-
standen sind.
2.3.6. Höhe des Tagessatzes
2.3.6.1. Ausgangspunkt für die Bemessung der Höhe des Tagessatzes ist das
Einkommen, welches dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Dabei
bleibt belanglos, aus welcher Quelle dieses Einkommen stammt. Abzuziehen ist,
was gesetzlich geschuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, so etwa
die laufenden Steuern und die obligatorischen Versicherungsbeiträge. Ausserdem
ist das Nettoeinkommen um die Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge zu redu-
zieren, soweit der Verurteilte ihnen tatsächlich nachkommt. Nicht zu berücksichti-
gen sind Schulden und nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der Re-
gel auch die Wohnkosten (BGE 134 IV 60, E. 6.1 ff.).
2.3.6.2. Der Angeklagte B._ erzielt als Maler ein Einkommen von Fr. 4'500.–
netto im Monat zuzüglich Anteil 13. Monatslohn (Prot. II S. 19). Da seine Ehefrau
nicht erwerbstätig ist (Prot. II S. 19 f.), werden von diesem Einkommen die Le-
benskosten der gesamten Familie mit zwei Kleinkindern bestritten. Vermögen o-
der Schulden hat der Angeklagte B._ gemäss eigenen Angaben nicht (Prot.
II S. 20). Unter den gegebenen Umständen rechtfertigt es sich, die Tagessatzhö-
he auf den Minimalbetrag von Fr. 30.– anzusetzen.
- 78 -
2.4. Angeklagter C._
2.4.1. Tatkomponente
2.4.1.1. Objektive Tatschwere
Hinsichtlich des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz wiegt
das objektive Verschulden des Angeklagten C._ nicht mehr leicht. Er delin-
quierte über einen Zeitraum von mehreren Monaten und die von ihm gekaufte und
teilweise abgegebene Betäubungsmittelmenge, insgesamt ca. 104,3 Gramm Ko-
kaingemisch, ist beträchtlich.
2.4.1.2. Subjektive Tatschwere
Subjektiv ist zu Gunsten des Angeklagten C._ zu werten, dass davon ausge-
gangen werden muss, dass er das Kokaingemisch nicht verkaufte und somit nicht
aus eigennützigen Motiven einen finanziellen Profit aus der Sucht anderer schlug.
Dennoch sind seine Handlungen auch in subjektiver Hinsicht nicht zu bagatellisie-
ren.
2.4.2. Täterkomponente
2.4.2.1. Persönliche Verhältnisse und Vorleben
Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Angeklag-
ten C._ korrekt wiedergegeben. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden,
kann auf diese Erwägungen verwiesen werden (Urk. HD 103 S. 97; § 161 GVG).
Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben lassen sich, wie die Vo-
rinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. HD 103 S. 97), weder Straferhöhungs-
noch Strafminderungsgründe ableiten.
2.4.2.2. Vorstrafen
Der Angeklagte C._ weist eine nicht einschlägige Vorstrafe auf. Er wurde mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 18. Oktober 2006 wegen ein-
- 79 -
facher Körperverletzung zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt (Urk. HD 107). Diese
Vorstrafe ist leicht straferhöhend zu berücksichtigen.
2.4.2.3. Nachtatverhalten
Das Geständnis des Angeklagten C._ ist strafmindernd zu berücksichtigen.
2.4.3. Hypothetische Einsatzsstrafe
In Würdigung der obgenannten Kriterien erweist sich eine hypothetische Einsatz-
strafe von 180 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen.
2.4.4. Gesamtstrafe
2.4.4.1. Die für die schwerste Tat eingesetzte Strafe ist gemäss Art. 49 Abs. 1
StGB in Anwendung des Asperationsprinzips unter Einbezug der weiteren Delikte
angemessen zu erhöhen.
2.4.4.2. Hinsichtlich der Entwendung des Motorfahrzeuges zum Gebrauch ist der
Vorinstanz darin zu folgen, dass das Verschulden noch nicht gravierend wiegt.
Für das Fahren ohne Führerausweis ist gemäss Art. 95 Ziff. 1 Abs. 7 SVG als
Sanktion Busse vorgesehen, weshalb es ebenso wie der mehrfache Betäu-
bungsmittelkonsum in die vorliegende Strafzumessung nicht einzubeziehen, son-
dern separat mit Busse zu bestrafen ist (dazu nachfolgend unter Ziffer V.2.4.7.).
Leicht straferhöhend fällt die bereits erwähnte Vorstrafe ins Gewicht.
2.4.5. Fazit
Unter Berücksichtigung aller massgeblichen Zumessungsgründe erweist sich eine
Geldstrafe von 210 Tagessätzen als angemessen. Anzurechnen sind 60 Tagess-
ätze, die durch Untersuchungshaft erstanden sind.
- 80 -
2.4.6. Höhe des Tagessatzes
2.4.6.1. Die Grundsätze zur Berechnung der Höhe des Tagessatzes wurden be-
reits vorstehend unter Ziff. 2.3.6.1. dargelegt, weshalb darauf verwiesen werden
kann.
2.4.6.2. Der Angeklagte C._ arbeitet im Unternehmen eines Kollegen, das
Räumungen durchführt, und ist im Stundenlohn angestellt, wobei sein Arbeitspen-
sum zwischen 70 und 100 % liegt. Er erhält einen Lohn von Fr. 25.– pro Stunde
und kommt gemäss eigenen Angaben auf ein Einkommen von ca. Fr. 4'000.– pro
Monat. Er lebt weiterhin bei seinen Eltern. Vermögen hat er gemäss seinen An-
gaben nicht. Seine Schulden, die sich gemäss seinen Aussagen auf ca. Fr.
15'000.– belaufen (Prot. II S. 24), können nach dem bereits Dargelegten bei der
Berechnung des Tagessatzes nicht berücksichtigt werden. Unter den gegebenen
Umständen erweist sich ein Tagessatz von Fr. 65.– als angemessen.
2.4.7. Übertretungsbusse
2.4.7.1. Gemäss Art. 19a Ziff. 1 aBetmG wird mit Busse bestraft, wer unbefugt
Betäubungsmittel vorsätzlich konsumiert. Ferner wird das Fahren ohne Führe-
rausweis im Sinne von Art. 95 Ziff. 1 Abs. 1 SVG gemäss dessen Abs. 7 ebenfalls
mit Busse bestraft. Die Bemessung der Busse richtet sich, wie die Vorinstanz rich-
tig festgehalten hat, gemäss Art. 106 Abs. 3 StGB nach den Verhältnissen und
dem Verschulden des Täters, wobei der Maximalbetrag gemäss Art. 106 Abs. 1
StGB Fr. 10'000.– beträgt.
2.4.7.2. Es ist der Vorinstanz darin beizupflichten, dass das Verschulden des An-
geklagten C._ hinsichtlich des mehrfachen Betäubungsmittelkonsums ange-
sichts der Deliktsdauer und der Häufigkeit des Konsums noch leicht wiegt, zumal
er mit dieser Delinquenz nicht die Gesundheit anderer gefährdete. Nicht gravie-
rend wiegt ferner das Verschulden des Angeklagten C._ hinsichtlich des
Fahrens ohne Führerausweis. Die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse in
der Höhe von Fr. 500.– ist unter Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse
des Angeklagten zwar milde, kann aber aufgrund des Verschlechterungsverbots
- 81 -
ohnehin nicht nach oben korrigiert werden, weshalb sie zu bestätigen ist. Für die
Busse ist nach Art. 106 Abs. 2 StGB eine Ersatzfreiheitsstrafe auszusprechen,
wobei vorliegend der Umrechnungsschlüssel von einem Tag pro 100 Franken an-
zuwenden ist. Für die schuldhafte Nichtbezahlung der Busse ist somit eine Er-
satzfreiheitsstrafe von fünf Tagen festzusetzen.
VI. Massnahme
1. Sowohl die Anklagebehörde als auch die Verteidigung beantragten für den An-
geklagten A._ die Anordnung einer stationären therapeutische Massnahme
im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB unter Aufschub des Vollzuges der Freiheitsstra-
fe (Urk. HD 62 S. 2 und 64 S. 2). Die Vorinstanz folgte diesem Antrag und ordnete
für ihn eine stationäre Massnahme an (Urk. HD 103 S. 105, Dispositivziffer 5).
2. Die Anordnung der stationären Massnahme wurde vom Angeklagten nicht an-
gefochten und ist demnach in Rechtskraft erwachsen, weshalb das Berufungsge-
richt darüber nicht mehr zu befinden hat.
VII. Vollzug
1. Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass beim Angeklagten A._ der Straf-
vollzug gestützt auf Art. 57 Abs. 2 StGB zu Gunsten der angeordneten stationären
Massnahme aufzuschieben ist, zumal der Nichtgewährung des Aufschubs ohne-
hin das Verschlechterungsverbot entgegenstehen würde.
2.1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit
oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten (Art. 42 Abs. 1
- 82 -
StGB). Danach ist das Fehlen einer ungünstigen Prognose materielle Vorausset-
zung für die Gewährung des bedingten Vollzugs (Botschaft zur Änderung des
Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. September 1998, BBl 1999, 2049).
Weil eine günstige Prognose vermutet wird, ist der bedingte Strafvollzug bei Vor-
liegen der Voraussetzungen in der Regel zu gewähren, es sei denn, es dränge
sich eine Ausnahme von der Regel auf. Die gegenteilige Annahme, dass vom
Fehlen einer günstigen Prognose auszugehen ist, besteht nur dann, wenn der Tä-
ter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbeding-
ten Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten oder zu einer Geldstrafe von
mindestens 180 Tagessätzen verurteilt wurde mit der Konsequenz, dass dann der
Aufschub nur zulässig ist, wenn besonders günstige Umstände vorliegen (Art. 42
Abs. 2 StGB). Für die Einschätzung des Rückfallrisikos ist von einem Gesamtbild
der Täterpersönlichkeit auszugehen (Hug, in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder,
a.a.O., Art. 42 N 7). Bei der Prognosestellung sind die Tatumstände, das Vorle-
ben, der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den
Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen, zu berück-
sichtigen (Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 130).
2.2. Schiebt das Gericht den Vollzug der Strafe auf, ist gemäss Art. 44 StGB eine
Probezeit festzusetzen. Die Bemessung der Probezeit innerhalb des gesetzlichen
Rahmens richtet sich insbesondere nach der Persönlichkeit und dem Charakter
des Angeklagten sowie der Gefahr seiner Rückfälligkeit. Je grösser diese Gefahr
erscheint, desto länger muss die Bewährungsprobe mit ihrem Zwang zum Wohl-
verhalten sein (BGE 95 IV 121, E. 1). Massgebend ist, bei welcher Dauer der
Probezeit die Wahrscheinlichkeit weiterer Straftaten am geringsten ist (Schnei-
der/Garré, in Niggli/Wiprächtiger, a.a.O., Art. 44 N 4).
3.1. Da der Angeklagte B._ mit 150 Tagessätzen Geldstrafe zu bestrafen ist,
sind die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Vollzugs
bei ihm erfüllt. Die Vorstrafen des Angeklagten B._ erfüllen die Vorausset-
zungen gemäss Art. 42 Abs. 2 StGB nicht, weshalb in subjektiver Hinsicht eine
günstige Prognose zu vermuten ist.
- 83 -
3.2. Der Angeklagte B._ wurde per 21. Mai 2001 in die Arbeitserziehungsan-
stalt (heute: Massnahmenzentrum) in S._ eingewiesen. Per 1. November
2003 erfolgte seine bedingte Entlassung (vgl. Beschluss des Obergerichtes des
Kantons Zürich vom 19. Februar 2005, in Beizugsakten DG010054, S. 2). Rund
vier Jahre nach dem Beschluss des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 19.
Februar 2005, womit auf den Vollzug der mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich
vom 18. Dezember 1996 ausgefällten Strafe von 6 Monaten Gefängnis und der
mit Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 5. September 2001 angeordneten
Einweisung in eine Arbeitserziehungsanstalt verzichtet wurde, da der Angeklagte
B._ die Arbeitserziehungsmassnahme inzwischen erfolgreich absolviert hatte
(vgl. Beschluss des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 19. Februar 2005, in
Beizugsakten DG010054, S. 3 ff.), trat dieser wieder strafrechtlich in Erscheinung.
3.3. Der Angeklagte B._ hat im Zusammenhang mit dem vorliegenden Straf-
verfahren insgesamt 112 Tage in Untersuchungshaft verbracht. Es darf davon
ausgegangen werden, dass das vorliegende Strafverfahren und die heute auszu-
fällende Strafe, aber auch der Umstand, bei erneuter Delinquenz mit einer unbe-
dingten Bestrafung rechnen zu müssen, den Angeklagten B._ davon abhal-
ten werden, in Zukunft wieder zu delinquieren. Dem Angeklagten B._ ist da-
her hinsichtlich der gegen ihn auszufällenden Geldstrafe in Anwendung von Art.
42 Abs. 1 StGB der bedingte Strafvollzug zu gewähren. Den angesichts der Vor-
strafen verbleibenden Restbedenken ist mit einer verlängerten Probezeit von 4
Jahren Rechnung zu tragen.
4.1. Der Angeklagte C._ ist mit 210 Tagessätzen Geldstrafe zu bestrafen,
weshalb die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Voll-
zugs auch bei ihm erfüllt sind. Die Vorstrafe des Angeklagten C._ erfüllt die
Voraussetzungen gemäss Art. 42 Abs. 2 StGB nicht, weshalb in subjektiver Hin-
sicht eine günstige Prognose zu vermuten ist.
4.2. Es darf davon ausgegangen werden, dass das vorliegende Strafverfahren
und die heute auszufällende Strafe den Angeklagten C._ davon abhalten
werden, in Zukunft erneut zu delinquieren. Es ist ihm daher hinsichtlich der gegen
ihn auszufällenden Geldstrafe in Anwendung von Art. 42 Abs. 1 StGB der beding-
- 84 -
te Strafvollzug zu gewähren. Aufgrund der Vorstrafe und der aus diesem Grund
verbleibenden Restbedenken ist die Probezeit auf 3 Jahre anzusetzen.
VIII. Verlängerung der Probezeit
Der Angeklagte C._ wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 18. Oktober 2006 wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Ge-
fängnisstrafe von 14 Tagen verurteilt; die Probezeit wurde auf 2 Jahre angesetzt.
Dieser Strafbefehl wurde dem Angeklagten C._ am 26. Oktober 2006 eröff-
net (Urk. HD 39/4 S. 2). Die Betäubungsmitteldelikte wurden im Zeitraum vom 14.
April 2009 bis 14. Juli 2009 begangen, mithin, wie auch die Entwendung des
Fahrzeugs zum Gebrauch sowie das Fahren ohne Führerausweis, welche am 14.
Juli 2009 erfolgten, nach Ablauf der Probezeit (Urk. HD 107; Beizugsakten
2006/5476, Urk. 10). Unter diesen Umständen besteht, wie von der Verteidigung
zu Recht angeführt (Urk. HD 83 S. 6), für eine Verlängerung der Probezeit kein
Raum.
IX. Zivilansprüche
Da die Angeklagten von den ihnen zum Nachteil der Geschädigten D._ vor-
geworfenen Delikten freizusprechen sind, ist auf das Schadenersatz- und Genug-
tuungsbegehren der Geschädigten nicht einzutreten.
X. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Im Falle einer erstinstanzlichen Verurteilung hat der Angeklagte nach § 188
Abs. 1 StPO/ZH nicht nur die Verfahrenskosten, sondern auch die Kosten für die
- 85 -
Verbeiständung des Geschädigten zu tragen und diesen für die aus dem Verfah-
ren erwachsenden Kosten und Umtriebe zu entschädigen.
1.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Auflage der Kosten und die Zusprechung
einer Entschädigung gemäss § 396a StPO/ZH in der Regel im Verhältnis nach
Obsiegen und Unterliegen der Verfahrensbeteiligten.
2.1. Beim vorliegenden Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, die Kosten der
Untersuchung und des erst- und des zweitinstanzlichen Verfahrens zu 1/5 dem
Angeklagten A._, zu 1/10 dem Angeklagten B._ und zu 1/10 dem Ange-
klagten C._ aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigungen für das gesamte Verfahren sowie die
Kosten der Vertretung der Geschädigten D._ sind vollumfänglich auf die Ge-
richtskasse zu nehmen. Ferner ist der Angeklagte C._ für die Kosten seines
erbetenen Verteidigers im zweitinstanzlichen Verfahren angemessen zu entschä-
digen.
2.2. Angesichts dessen, dass der Angeklagte A._ sich auf absehbare Zeit in
einer stationären Massnahme befinden und somit kein Einkommen haben wird,
sind die auf ihn entfallenden Verfahrenskosten definitiv abzuschreiben.
3.1. Der Verteidiger des Angeklagten B._ beantragte für den Fall eines Frei-
spruchs von den Vorwürfen der Vergewaltigung und der Freiheitsberaubung für
die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft vom 26. September bis 26. November
2006 eine Genugtuung von mindestens Fr. 13'400.– (Urk. HD 85 S. 10; Urk. 121
S. 1), der Verteidiger des Angeklagten C._ mit gleicher Begründung eine
Genugtuung von Fr. 6'000.– (Urk. HD 122 S. 3).
3.2. Zwar ist den Verteidigern der Angeklagten B._ und C._ darin zu fol-
gen, dass die Untersuchungshaft im Zusammenhang mit den Vorwürfen gemäss
Hauptdossier zu Unrecht erlitten wurde. Die dabei erstandenen Tage sind jedoch
in Form von Tagessätzen vollumfänglich an die Strafen dieser beiden Angeklag-
ten anzurechnen. Für die Ausrichtung einer Genugtuung im Zusammenhang mit
- 86 -
der zu Unrecht erlittenen Untersuchungshaft besteht unter diesen Umständen
kein Raum.
3.3. Hingegen ist allen drei Angeklagten vor dem Hintergrund dessen, dass ihnen
im Zusammenhang mit dem Verfahren betreffend Vergewaltigung und Freiheits-
beraubung Umtriebe entstanden sind und sie sich zu Unrecht einer schweren An-
schuldigung gegenüber sahen, wie vom Verteidiger des Angeklagten C._ für
diesen beantragt (Urk. HD 122 S. 3 f.), je eine Umtriebsentschädigung von
Fr. 500.– sowie je eine Genugtuung von Fr. 1'000.– zuzusprechen.