Decision ID: 148c6dee-865e-5b62-98a9-2d06d56cfb9f
Year: 2021
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1958 geborene A._ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) meldete sich im Juni 2011 bei der Invalidenversicherung zum Bezug von Hilfsmitteln an (Antwortbeilagen der Invalidenversicherung [AB] 1). Die IV-Stelle Bern (IVB resp. Beschwerdegegnerin) gewährte ihm am 28. August 2012 eine binaurale Hörgeräteversorgung (AB 18). Im August 2019 meldete sich der Versicherte erstmals wegen einer rezidivierenden depressiven Episode zum Leistungsbezug an (AB 23). Nach Durchführung der beruflichen Abklärungs- und Eingliederungsmassnahmen (Beratung und Unterstützung beim Erhalt des derzeitigen Arbeitsplatzes [AB 46], Belastbarkeitstraining [AB 50, 59], arbeitsmarktlich-medizinische Abklärung [AMA; AB 64, 67]) stellte die IVB mit Vorbescheid vom 28. Juli 2020 (AB 71) die Ablehnung des Leistungsgesuchs in Aussicht mit der Begründung, es bestehe kein Gesundheitsschaden mit invalidisierender Wirkung. Daran hielt sie nach erhobenem Einwand vom 8. August 2020 (ergänzt am 11. September 2020; AB 75, 81) fest und verneinte mit Verfügung vom 21. September 2020 (AB 82) einen Leistungsanspruch.
B.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin B._, am 22. Oktober 2020 Beschwerde. Er beantragt, unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei ihm eine Invalidenrente, seit wann rechtens, zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 3

Erwägungen:
1.
1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 21. September 2020 (AB 82). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente.
1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).
1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 4
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E. 5.1 S. 221).
2.2.1 Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429).
2.2.2 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285 und E. 2.2 S. 287; SVR 2016 UV Nr. 25 S. 83 E. 6).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 5
2.2.3 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardindikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien "funktioneller Schweregrad" (E. 4.3 S. 298) und "Konsistenz" einteilen lassen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6 S. 308).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).
3.
3.1 Bezüglich des Gesundheitszustandes und der Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers finden sich in den Akten insbesondere folgende Angaben:
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 6
3.1.1 Dr. med. C._, Facharzt für Oto-Rhino-Laryngologie (ORL), Chefarzt der ORL-Abteilung des Spitals D._ führte in der Expertise vom 14. Juli 2011 (AB 5 S. 2 f.) aus, der Beschwerdeführer leide an einer praktischen Taubheit links und einer höhergradigen Perzeptionsschwerhörigkeit rechts mit zunehmend störendem Tinnitus links. Der Tinnitus persistiere seit einem im Jahr 1978 erlittenen Knalltrauma (AB 5 S. 2). Am 28. August 2012 wurde der Beschwerdeführer von der Invalidenversicherung mit Hörgeräten versorgt (AB 18).
In einem weiteren Bericht vom 27. August 2018 (AB 37 S. 10 f.) hielt Dr. med. C._ eine plötzliche subjektive Zunahme des nunmehr störenden Tinnitus links, ohne Objektivierung einer klaren Veränderung im Vergleich zur Audiometrie vor sieben Jahren, fest. Ein neues Geschehen könne demnach ausgeschlossen werden; es müsse sich bei diesem ausgeprägteren und sogar störenden Geräusch um eine erhöhte Wahrnehmung handeln. Die Gründe dafür dürften in der psychischen Belastung am Arbeitsplatz (Burnout, interne Versetzung, Lohnkürzung, Nichterreichen der Zielvorgaben) liegen. Der Facharzt empfahl jegliche vom Tinnitus ablenkenden Massnahmen wie insbesondere das Tragen des Hörgerätes rechts (tagsüber).
3.1.2 Dem Bericht des Spitals D._, Ambulatorium F._, vom 30. Juli 2019 (AB 32.3 S. 3 bis 5) ist die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), bei Status nach einer Überforderungssituation am Arbeitsplatz und einem ausgeprägten Tinnitus zu entnehmen (AB 32.3 S. 4 Ziff. 4). Ein Wiedereinstieg beim derzeitigen Arbeitgeber gestalte sich aufgrund des belastenden Arbeitsverhältnisses schwierig (AB 32.3 S. 4 Ziff. 7). Es finde eine integrierte psychiatrische Behandlung im Umfang von zwei Sitzungen pro Monat à 60 Minuten statt; im weiteren Verlauf seien Sitzungen alle zwei bis drei Wochen vorgesehen Die Behandlung mit Temesta habe ausgeschlichen werden können und es sei eine antidepressive Therapie mit Mirtazapin begonnen worden. Ausserdem erhalte der Beschwerdeführer Unterstützung durch den internen Sozialdienst (AB 32.3 S. 4 Ziff. 8 f.). Es habe eine Teilremission der depressiven Symptomatik erzielt werden können (AB 32.3 S. 4 Ziff. 10).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 7
Therapieziele seien die Vollremission der depressiven Symptomatik und der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt (AB 32.3 S. 5 Ziff. 12).
3.1.3 Die Hausärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte im Bericht vom 12. September 2019 (AB 37 S. 1 bis 3) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Verstimmung mit Schlafstörungen bei psychosozialer Belastungssituation sowie einen Status nach einer Diskushernienoperation im Jahr 2008 (bei lumboradikulärem Schmerzsyndrom L4 links). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien unter anderem ein metabolisches Syndrom, ein Nikotinabusus bei COPD Gold-Stadium II, eine chronische Bigeminie (seit 1998), eine hochgradige Perzeptionsschwerhörigkeit sowie ein Tinnitus links bei Status nach einem Knalltrauma und eventuellem Hörsturz (AB 37 S. 1). Beim Beschwerdeführer bestehe seit zehn Jahren ein anhaltender Konflikt am Arbeitsplatz (zwischenmenschliche Probleme mit Vorgesetzten und Mitarbeitern, Kritik an der Arbeitsleistung, Ermahnungen, Verwarnungen, Rückstufung in der Funktion, Lohnkürzung). Immer wieder sei es zu depressiven Verstimmungen, mehrheitlich als Reaktion auf den Arbeitsplatzkonflikt, gekommen (AB 37 S. 2). Diese äusserten sich in Form von Schlafstörungen, Grübeln, Antriebs- und Motivationslosigkeit sowie suizidalen Gedanken (AB 37 S. 2 f.). In Krisenzeiten habe auch der Tinnitus an Intensität zugenommen und sich zusätzlich negativ auf die Stimmung ausgewirkt. Seit Jahren nehme der Beschwerdeführer eine antidepressive Medikation ein und sei auch wiederholt sowie längerfristig in psychologischer/psychiatrischer Behandlung gewesen; seit den letzten Monaten werde er im Ambulatorium F._ behandelt. Zur Arbeitsfähigkeit führte die Hausärztin aus, dass keine der gestellten Diagnosen den Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfähigkeit relevant einschränken würde. Körperlich und geistig könne ihm die Arbeit als ... weiterhin zugemutet werden. Die Probleme am Arbeitsplatz seien der Grund für die Krankschreibung, weshalb ein Stellenwechsel ideal wäre. Dieser sei aber angesichts des Alters des Beschwerdeführers und der aktuellen Arbeitsmarktsituation (invaliditätsfremde Faktoren) illusorisch (AB 37 S. 3).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 8
3.1.4 Im Rahmen der AMA wurde der Beschwerdeführer durch M.Sc. G._, Neuropsychologin, sowie Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht.
M.Sc. G._ nannte im Bericht vom 25. Mai 2020 (AB 67 S. 22 bis 29) als Diagnose leichte kognitive Minderleistungen in der Aufmerksamkeit sowie den Gedächtnis- und Exekutivfunktionen bei psychischer Problematik (AB 67 S. 29 lit. D). Im Rahmen der verschiedenen Tests stellte sie in der Performanzvalidierung keine Hinweise auf eine bewusste, grobe Verfälschung der Befunde fest. Diese entsprächen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Der klinische Eindruck und die objektivierten Befunde seien in sich stimmig. Es gebe zwischen den Tests und auch innerhalb dieser keine relevanten lnkonsistenzen. Die Befunde seien mit den Vorberichten und den bisherigen Diagnosen vereinbar. Zur Beschwerdenvalidierung führte die Neuropsychologin aus, dass auch die Glaubwürdigkeit der angegebenen Beschwerden nicht eingeschränkt sei. Bei den Angaben im Screening bezüglich der depressiven und ängstlichen Symptome hätten sich Anhaltspunkte für eine ängstliche oder depressive Symptomatik ergeben, welche aber mit dem bisherigen Verlauf grundsätzlich vereinbar seien. Mithin lägen keine Hinweise auf Verdeutlichung, Aggravation oder gar Simulation vor. Zwischen den objektiven Befunden, den klinischen Beobachtungen und den subjektiven Angaben bestünden keine relevanten Widersprüche. Die objektivierten Defizite, zusammen mit den klinischen Auffälligkeiten, entsprächen einer leichtgradigen neuropsychologischen Störung (AB 67 S. 27 lit. D). Diese seien im Rahmen der psychischen Problematik erklärbar. Die Medikamente Citalopram und Mirtazapin könnten im Prinzip die Aufmerksamkeitsfunktionen negativ beeinflussen, es sei jedoch - angesichts derer geringen Dosen und der aus medizinsicher Sicht gegebenen Fahreignung - höchstens von einem geringen Einfluss auszugehen. Bei Zunahme der psychischen Beschwerden sei von deutlicheren kognitiven Einschränkungen auszugehen, die Leistungen könnten im Rahmen der rezidivierenden Depression schwanken. Aufgrund der objektivierten Defizite sei der Beschwerdeführer in der Tätigkeit zu 10
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 9
bis 30 % eingeschränkt. Rein neuropsychologische Interventionen seien nicht indiziert (AB 67 S. 28 lit. D).
Im Abklärungsbericht AMA vom 25. Juni 2020 (AB 67 S. 8 bis 10 Ziff. 6) diagnostizierte Dr. med. H._ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradige Ausprägung trotz adäquater Medikation (ICD-10 F33.0), sowie einen chronischen Tinnitus bei Perzeptionsschwerhörigkeit, links mehr als rechts. Die kognitive Situation im Gespräch sei unauffällig. Es lägen keine formalen oder gedanklichen Denkstörungen und keine  vor. Affektiv bestünden eine gewisse Verbitterungstendenz mit Perspektivängsten und Selbstwertdefiziten sowie eine Antriebsstörung (AB 67 S. 9 Ziff. 6). Bei der aktuellen Untersuchung sei der Beschwerdeführer motiviert, aber sehr verlangsamt und bedrückt (durch die aus seiner Sicht ungerechtfertigte Behandlung seitens des Arbeitgebers) gewesen. Während der sechswöchigen Abklärungsphase, welche mit einem Arbeitspensum von 50 % begonnen habe, anschliessend auf 75 % und schliesslich auf 100 % erhöht worden sei, habe sich der Beschwerdeführer interessiert, pünktlich, mit guten handwerklichen Fähigkeiten und qualitativ guter Arbeit gezeigt. Allerdings sei auch eine deutlich schwankende Konzentration und Merkfähigkeit aufgefallen, vor allem zunehmend im Tagesverlauf. Als Grund für die Einschränkung habe eine allgemeine Verlangsamung, Ablenkbarkeit und Fehleranfälligkeit eruiert werden können. Die neuropsychologische Abklärung habe kognitive Defizite im Bereich einer leichtgradigen neuropsychologischen Störung gezeigt, die in den Kontext der rezidivierenden depressiven Störung gestellt worden sei. Der Tinnitus verstärke diese Einschränkungen. Es hätten keine Hinweise auf eine neuropsychiatrische Pathologie gefunden werden können. Insgesamt habe der Beschwerdeführer bei einem Pensum von 80 % eine Leistung von 60 % resp. bei einem Pensum von 100 % eine Leistung von 50 % erbringen können. Angesichts der chronifizierten Situation sei eine Verbesserung kaum zu erwarten, vielmehr könnten Druck und weitere externe Faktoren zu einer Verschlechterung der Symptomatik mit Entwicklung einer erneuten depressiven Eskalation führen. Eine angepasste Tätigkeit erfordere ein sehr zugewandtes Umfeld, eine ruhige Umgebung, ausreichend Pausenmöglichkeiten und Arbeiten, welche vor
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 10
allem in der ersten Tageshälfte verrichtet werden könnten. In einer solchen Tätigkeit bestehe eine Leistungsfähigkeit von 50 % bei einem vollen Pensum (AB 67 S. 10 Ziff. 6). Der Beschwerdeführer sei auf einen geschützten Arbeitsplatz angewiesen (AB 67 S. 10 Ziff. 7).
3.1.5 Im Bericht des Ambulatoriums F._ vom 31. August 2020 (AB 81 S. 2 bis 5) wurden als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), eine hochgradige Perzeptionsschwerhörigkeit und ein Tinnitus links bei Status nach einem Knalltrauma und eventuellem Hörsturz genannt (AB 81 S. 3 Ziff. 4). Der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 25. Juni 2019 in der integrierten psychiatrischen Behandlung, welche nach den Richtlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) erfolge (AB 81 S. 2 Ziff. 1). Bezüglich der intakten Fahreignung und Fahrfähigkeit des Beschwerdeführers wurde ausgeführt, dass diese keine Beurteilungskriterien für die psychische Beeinträchtigung darstellten (AB 81 S. 2 Ziff. 2). Sodann bilde vorliegend das Pflegen von Hobbies einen integralen Teil der Depressionsbehandlung. Der Aufbau von wohltuenden Aktivitäten sei somit Teil des Genesungsprozesses (AB 81 S. 3 Ziff. 3). Weiter sei es sehr wahrscheinlich, dass aufgrund der depressiven Symptomatik auch der durch den Tinnitus verursachte Leidensdruck zugenommen habe und damit eine wesentliche Komorbidität vorliege (AB 81 S. 3 Ziff. 4). Als Funktionseinschränkungen seien eine Verlangsamung, Ablenkbarkeit, Fehleranfälligkeit und Schwierigkeiten in der Gruppenfähigkeit/Konversation und Kontaktfähigkeit zu Dritten infolge des Tinnitus zu nennen (AB 81 S. 4 Ziff. 4). Im ersten Arbeitsmarkt bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 30 % (AB 81 S. 5 Ziff. 4).
3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 11
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).
Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352).
3.3
3.3.1 Die neuropsychologische/psychiatrische Beurteilung durch M.Sc. G._ und Dr. med. H._ vom 25. Mai bzw. 25. Juni 2020 (AB 67 S. 22 bis 29, AB 67 S. 8 bis 10 Ziff. 6) erfüllt die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidgrundlage (vgl. E. 3.2 hiervor), wovon auch der Beschwerdeführer auszugehen scheint (vgl. Beschwerde S. 10 Ziff. 5.1). Insbesondere beruhen die fachärztlichen Schlussfolgerungen des Dr. med. H._ auf einem klinischen Explorationsgespräch (vgl. AB 67 S. 2 Ziff. 2, S. 7 Ziff. 5) und sind in Kenntnis der Vorakten (vgl. AB 67 S. 8 f. Ziff. 6) sowie unter Berücksichtigung der neuropsychologischen Abklärungsergebnisse (AB 67 S. 9 Ziff. 6) getroffen worden. Dr. med. H._ hat einleuchtend und nachvollziehbar dargelegt, dass der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an einer rezidivierenden depressiven Störung leichtgradiger Ausprägung (ICD-10 F33.0) leidet und infolge dessen eine Leistungsfähigkeit von 50 % bei einem vollen Pensum für eine angepasste Tätigkeit besteht (AB 67 S. 10 Ziff. 6). Diese Beurteilung korreliert in diagnostischer Hinsicht grundsätzlich mit der Einschätzung des Ambulatoriums F._ in den Berichten vom 30. Juli 2019 (AB 32.3 S. 4 Ziff. 4) und 31. August 2020 (AB 81 S. 3 Ziff. 4) bzw. mit jener der
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 12
Hausärztin Dr. med. E._ im Bericht vom 12. September 2019 (AB 37 S. 1) und steht bezüglich der Ausprägung der Diagnose mit den vom Beschwerdeführer anlässlich der AMA angegebenen ausserhäuslichen, sozialen und körperlichen Aktivitäten wie ..., ..., ..., ..., regelmässige Treffen mit Freunden und Kontaktpflege zu den Nachbarn (AB 67 S. 4 Ziff. 4) im Einklang. Mit Blick darauf kann die von den Behandlern des Ambulatoriums F._ attestierte Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 30 % (AB 81 S. 5 Ziff. 4) deshalb nicht nachvollzogen werden.
Folglich ist von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0), auszugehen, woraus Dr. med. H._ - aus rein medizinischer Sicht nachvollziehbar - eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit ableitete (AB 67 S. 10 Ziff. 6; vgl. aber E. 3.3.3 hiernach). Mithin ist der rechtserhebliche Sachverhalt hinreichend erstellt; weiterer Abklärungen bedarf es nicht (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4).
3.3.2 Ebenso ist der somatische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers hinreichend abgeklärt. Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass nach der Diskushernienoperation im Jahr 2008 bzw. mit dem im Juni 2013 bildgebend erhoben Befund auf Stufe L5/S1 bezüglich des Rückens eine relevante funktionelle Einschränkung besteht (vgl. Bericht von Dr. med. E._ vom 12. September 2019; AB 37 S. 1). Auch die otologische Situation ist in den Akten ausreichend dokumentiert (AB 5 S. 2 f., AB 37 S. 10 f.) und es wird diesbezüglich weder ein medizinischer Behandlungsbedarf noch eine quantitative Arbeitsunfähigkeit geltend gemacht. Gleiches gilt auch in Bezug auf die subjektiv geklagten Knieschmerzen (AB 67 S. 6 Ziff. 5). Vor diesem Hintergrund erübrigen sich - auch hier - in antizipierter Beweiswürdigung weitere Sachverhaltserhebungen.
3.3.3 Zu prüfen bleibt anhand des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281, ob der psychiatrisch attestierten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % (AB 67 S. 10 Ziff. 6) aus rechtlicher Sicht gefolgt
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 13
werden kann, wobei hierfür der Beschwerdeführer die materielle Beweislast zu tragen hat (vgl. E. 2.2.2 f. hiervor).
4.
4.1 Die klassifikatorischen Vorgaben hinsichtlich der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), sind erfüllt (vgl. DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl., 2015, S. 176 bis 178). Dr. med. H._ zeigt keine Diskrepanzen im Sinne eines Ausschlussgrundes auf (AB 67 S. 9 Ziff. 6), insbesondere bestehen auch aus neuropsychologischer Sicht keine Hinweise auf Selbstlimitierung, Verdeutlichung oder gar Aggravation (AB 67 S. 27 lit. D).
Die Prüfung der ersten Ebene schliesst damit einen invalidisierenden Gesundheitsschaden nicht aus (vgl. E. 2.2.2 hiervor), womit auf der zweiten Ebene anhand der Standardindikatoren die ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens zu erfolgen hat (vgl. E. 2.2.3 hiervor).
4.2 Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie "funktioneller Schweregrad" (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.).
4.2.1 Mit Bezug auf den Komplex "Gesundheitsschädigung" (BGE 141 V 281 E. 4.3.1 S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes:
4.2.1.1 Beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome gilt es unter anderem, die Schwere des Krankheitsgeschehens anhand aller verfügbaren Elemente aus der diagnoserelevanten Ätiologie und Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 298 f.). Im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung stellte Dr. med. H._ - nebst weitgehend unauffälligen Befunden - affektiv bloss eine gewisse Verbitterungstendenz mit Perspektivängsten und Selbstwertdefiziten sowie eine Antriebsstörung fest (AB 67 S. 9 Ziff. 6). Die diagnoserelevanten Befunde waren vor diesem
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 14
Hintergrund nicht stark ausgeprägt, weshalb Dr. med. H._ die depressive Störung denn auch lediglich als leichtgradig qualifizierte (AB 67 S. 9 Ziff. 6). Dies überzeugt insbesondere auch im Lichte des vom Beschwerdeführer geschilderten Tagesablaufs bzw. der sozialen und körperlichen Aktivitäten (AB 67 S. 4 Ziff. 4; vgl. E. 3.3.1 hiervor). Im Übrigen gingen auch die Behandler des Ambulatoriums F._ zu keiner Zeit von einer schwergradigen Ausprägung, sondern höchstens von einem mittelgradigen Schweregrad aus (AB 32.3 S. 4 Ziff. 4).
4.2.1.2 Sodann ist auf die Behandlungs- und Eingliederungserfolge oder -resistenz als wichtige Indikatoren für den funktionellen Schweregrad einzugehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.). Aus den Akten geht hervor, dass sich der Beschwerdeführer seit dem 25. Juni 2019 einer antidepressiven Pharmakotherapie (Citalopram/Mirtazapin) unterzieht, jedoch lediglich eine niedrigfrequente psychotherapeutische Therapie (alle zwei bis drei Wochen) in Anspruch nimmt (AB 32.3 S. 4 Ziff. 8 f., AB 37 S. 2, AB 67 S. 9 Ziff. 6, AB 67 S. 23 lit. B, AB 81 S. 2 Ziff. 1). Dass die Therapiesitzungen mehrheitlich wöchentlich stattfinden würden, wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht wird (vgl. Beschwerde S. 6 Ziff. 1.8 und S. 11 Ziff. 5.2), findet demgegenüber in den Akten keine Stütze. Sodann fanden bislang keine stationären Massnahmen statt. Mithin kann unter diesen Umständen nicht von einer Ausschöpfung der Behandlungsmöglichkeiten bzw. einer ausgewiesenen Behandlungsresistenz die Rede sein.
In Bezug auf die Eingliederung ist festzuhalten, dass gemäss AMA-Bericht vom 25. Juni 2020 (AB 67) weitere Eingliederungsmassnahmen infolge des Alters des Beschwerdeführers (Jg. 1958; AB 23 S. 1 Ziff.1.1) - und damit aufgrund eines invaliditätsfremden Faktors - nicht zielführend seien (AB 67 S. 11 Ziff. 8). In diesem Sinne äusserte sich auch die Hausärztin Dr. med. E._ in ihrem Bericht vom 12. September 2019 (AB 37 S. 1 bis 3), wonach einzig die Probleme am Arbeitsplatz der Grund für die Krankschreibung seien und deshalb ein Stellenwechsel ideal wäre. Dieser sei aber angesichts des Alters des Beschwerdeführers und der aktuellen Arbeitsmarktsituation (invaliditätsfremde Faktoren) illusorisch (AB 37 S. 3).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 15
Vor diesem Hintergrund kann nicht von einer Eingliederungsresistenz gesprochen werden.
4.2.1.3 Was den Indikator Komorbiditäten (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300 ff.) angeht, so liegt keine psychiatrische Komorbidität, jedoch mit dem chronischen Tinnitus bei Perzeptionsschwerhörigkeit (AB 5 S. 2, AB 32.3 S. 4 Ziff. 4, AB 37 S. 1, AB 67 S. 9 Ziff. 6) eine somatische Begleiterkrankung vor (vgl. AB 81 S. 3 Ziff. 4). Zwar besteht eine Hörgeräteversorgung (AB 18), jedoch verstärkt der Tinnitus die Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten und wirkt sich somit ressourcenhemmend aus (AB 67 S. 10 Ziff. 6; vgl. auch AB 81 S. 3 Ziff. 4). Anhaltspunkte für weitere Wechselwirkungen sind den Akten nicht zu entnehmen.
4.2.2 Betreffend den Komplex "Persönlichkeit" (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 302) stellte Dr. med. H._ keine Denk- oder Ich-Störungen oder anderweitige Persönlichkeitsauffälligkeiten - geschweige denn eine eigentliche Persönlichkeitsstörung - fest (AB 67 S. 9 Ziff. 6). Auch seitens der Behandler des Ambulatoriums F._ erfolgten keine entsprechenden Angaben (vgl. AB 32.3 S. 3 Ziff. 1 f.).
4.2.3 Was den Komplex "Sozialer Kontext" (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 S. 303) betrifft, so gab der Beschwerdeführer bereits im Erstgespräch vom 6. September 2019 (AB 33) an, dass zu seinem sozialen Umfeld - nebst seiner Ehefrau - ein guter Kollege und Nachbarn zählen würden. Weiter beschäftige er sich mit der ... (mit einer Kollegin) und in diesem Zusammenhang mit der Holzverarbeitung (diverse kleine und grössere Projekte) sowie der Organisation der ... für den ... (AB 33 S. 2). Anlässlich der AMA erklärte der Beschwerdeführer sodann, er verfüge über viele Freunde und Bekannte, welche er von seinem Hobby (...) kenne. Sechs Freunde treffe er regelmässig und sie würden sich gegenseitig unterstützen. Auch pflege er und seine Ehefrau gute Beziehungen zu den Nachbarn. Ferner gehe er mit seiner Ehefrau oder seinen Freunden wandern (AB 67 S. 4 Ziff. 4). Im Rahmen der neuropsychologischen Abklärung erwähnte er zudem Stammtisch-Besuche (AB 67 S. 23 lit. B). Von einer erheblichen Einschränkung der sozialen Aktivitäten, wie es der Beschwerdeführer nunmehr geltend macht (vgl. Beschwerde, S. 13
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 16
Ziff. 5.3a/bb), kann - zumindest bis zum Verfügungserlass (zeitlich massgebende Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis; BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140) - in Anbetracht der dargelegten Aktenlage keine Rede sein. Im Übrigen vermag daran auch die von der Ehefrau des Beschwerdeführers - nach Verfügungserlass - verfasste E-Mail vom 15. Oktober 2020 (Beschwerdebeilagen [BB] 15) nichts zu ändern, worin - nebst aufgeführten Einschränkungen des Beschwerdeführers in diversen Aktivitäten (Kochen an Vereinsanlässen, Backen von Weihnachtsgebäck, Skifahren etc. [BB 15 S. 1 f.]) - zahlreiche invaliditätsfremde und damit unbeachtliche Belastungsfaktoren wie grosse Unwetterschäden am Haus, Wasserschaden, Notsanierung sowie zwischenmenschliche Probleme am Arbeitsplatz erwähnt wurden. Abgesehen davon, dass den sogenannten spontanen Aussagen der ersten Stunde in der Regel mehr Gewicht beizumessen ist als der späteren, bewusst oder unbewusst von Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflussten Darstellung (BGE 143 V 168 E. 5.2.2 S. 174, 121 V 45 E. 2a S. 47), käme den Angaben in der E-Mail wegen des engen Verhältnisses zwischen der Ehefrau und dem Beschwerdeführer ohnehin keine Beweiskraft zu (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] vom 16. Januar 2006, U 227/05, E. 4.2).
4.3 Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie “Konsistenz“. Darunter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 303 f.).
4.3.1 Bezüglich des Indikators "gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen" (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 S. 303 f.) ist den Akten zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer mit der ... (mit einer Kollegin) und in diesem Zusammenhang mit der ... (diverse kleine und grössere Projekte) sowie der Organisation der ... für den ... beschäftigt (AB 33 S. 2, AB 42 S. 3); viele Utensilien, wie die ..., habe der Beschwerdeführer selbst in seiner Werkstatt gebaut (AB 67 S. 4 Ziff. 4). Weiter geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer anfallende Arbeiten im ... erledigt, liest (berndeutsche Texte), gemeinsam mit seiner Ehefrau oder Freunden ...
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 17
unternimmt, sechs Freunde regelmässig trifft und gute Beziehungen zu den Nachbarn pflegt (AB 67 S. 4 Ziff. 4 und S. 23 lit. B). Die angegebenen Freizeit- bzw. Alltagsaktivitäten und erhaltenen Fähigkeiten des Beschwerdeführers entsprechen somit einem weitgehend normalen Alltagsverhalten resp. kontrastieren mit der medizinisch attestierten Arbeitsunfähigkeit (vgl. E. 3.3.3 hiervor) sowie dem faktisch präsentierten Leistungsverhalten anlässlich des Belastungstrainings bzw. der AMA (AB 59 S. 3 f., AB 67 S. 10 Ziff. 6 und 8). Hieran vermögen die erst während des Beschwerdeverfahrens getätigten Ausführungen der Ehefrau vom 15. Oktober 2020 (BB 15) nichts zu ändern. Diesbezüglich kann auf das in E. 4.2.3 Gesagte verwiesen werden.
4.3.2 In Bezug auf den behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck und in diesem Zusammenhang die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen (BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304) ist zwar von einem zumindest gewissen Leidensdruck auszugehen (vgl. zu den Behandlungen E. 4.2.1.2 hiervor), gleichzeitig bestehen jedoch insofern Zweifel an dessen Erheblichkeit, als der Beschwerdeführer lediglich eine niedrigfrequente psychotherapeutische Therapie (alle zwei bis drei Wochen) in Anspruch nimmt (AB 32.3 S. 4 Ziff. 8 f.) und sich bislang nie stationär behandeln liess.
4.4 Wenngleich der Indikator Komorbiditäten allenfalls für eine gewisse funktionelle Einschränkung bzw. eine gewisse Ressourcenhemmung spricht, stehen die übrigen Komplexe, insbesondere der Aspekt "Konsistenz" klar der psychiatrischerseits attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50 % (vgl. E. 3.3.3 hiervor) entgegen. Mithin sind in der Gesamtbetrachtung die geltend gemachten funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten psychischen Beeinträchtigung anhand der Standardindikatoren nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt, weshalb das Vorliegen eines invalidisierenden psychischen Gesundheitsschadens zu verneinen ist. Vor diesem Hintergrund ist auf die psychiatrisch attestierte Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Optik nicht abzustellen.
5.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Jan. 2021, IV/20/791, Seite 18
Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 21. September 2020 (AB 82) nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG (in der bis 31. Dezember 2020 gültigen Fassung) ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdeführer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.-- , zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen.
6.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).