Decision ID: a86d4fcf-8a48-40df-b348-044bc545aa9a
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1987 geborene
X._
war seit dem 1. Juni 2020 bei der
Y._
als Praktikant angestellt und durch seine Arbeitgeberin
bei der
Unfallversicherung Stadt
Z
ürich
obligatorisch
gegen Unfälle versichert
, als ihn seine Trainingspartnerin beim
Selbstverteidigungstraining vom 19. November 2020 mit einem von unten ausgeführten Kniestoss an der linken Hand traf
(vgl. Urk. 8/G/2 und Urk. 8/G/4)
.
Gemäss Unfallmeldung vom 23. Dezember 2020 soll es zu einem Sehnenanriss beziehungsweise einer Zerrung im Daumen und danach zu einer Entzündung gekommen sein (Urk. 8/G/2).
Dr. med.
A._
, Fach
ärztin
FMH für Allgemeinmedizin
, tätig in der
B._
, stellte in ih
rem Arztzeugnis UVG vom 23. Dezember 2020 betreffend die Erstbehandlung vom 21. Dezember 2020 die Diagnose einer Daumenkontusion links und erhob
einen unauffälligen Befund (keine Schwellung, kein Hämatom, alle
aktiven
Be
wegungen gut möglich, keine Fraktur gemäss Röntgenbild). Die Behandlung wurde gleichentags beendet und dem Versicherten keine Arbeitsunfähigkeit at
testiert (Urk. 8/M1). Die
Unfallversicherung Stadt
Z
ürich
erbrachte Versiche
rungsleistungen (vgl. Urk. 8/G11)
und schloss den Fall am 20. Januar 2021 form
los ab (vgl. Urk. 8/G5 unten).
Am 2. Februar 2021 erfolgte eine
weitere M
eldung durch die Arbeitgeberin (
vgl.
Urk. 8/G5 f.
und Urk. 8/T2 f.
). Im gleichentags verfassten Konsiliarbericht
über die Behandlung vom 1. Februar 2021 stellte
Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Handchirurgie und Orthopädische Chirurgie, die Diagnose einer post
traumatischen Tendovaginitis
stenosans
Daumen links bei einer leichten Affek
tion des Daumensattelgelenks links nach Schlagverletzung mit einem Knie vom 19. November 2020
;
er führte ei
ne lokale Steroidinfiltration in
das A1-Ringband durch (Urk. 8/M3 und Urk. 8/M6).
Die
Unfallversicherung Stadt
Z
ürich
nahm die Meldung vom 2. Februar 2021 als Rückfallmeldung entgegen
(Urk. 8/G5)
.
Im Arztzeugnis
vom 25. Februar 2021 hielt Dr.
C._
fest, es lägen ausschliess
lich Unfallfolgen vor (Urk. 8/M4). Der beratende Arzt der
Unfallversicherung Stadt
Z
ürich
, Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
führte in seiner Stellungnahme vom 2. März 2021
hingegen
aus, die
natürliche Kausalität s
ei bloss möglicherweise gegeben;
die Beschwerden seien krankheits
bedingt (Urk. 8/M5). Mit Verfügung vom 3. Mai 2021 verneinte die
Unfallversicherung Stadt
Z
ürich
gestützt auf die Beurteilung des beratenden Arztes eine Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem geltend gemachten Rückfall (Urk. 8/G12)
. Da
gegen
erhob
der Versicherte am
11. M
ai 2021
E
insprache
(Urk. 8/D/1)
.
Am 25. Mai 2021 wurde bei ihm eine offene A1-Ringbandspaltung am Daumen der linken Hand durchgeführt (Urk. 3/3
)
. Mit Entscheid vom 3. Sep
tember 2021
wies die
Unfallversicherung Stadt
Z
ürich
die Einsprache vom 11. Mai 2021
ab (Urk. 2 [= Urk. 8/D2]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 4. Oktober 2021 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, und es seien ihm die
gesetzlichen Leistungen auch über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung be
zie
hungsweise der Leistungsverweigerung der Beschwerdegegnerin zuzuerken
nen, insbesondere Behandlungskosten und Taggeld. Eventualiter sei eine gerichtliche Expertise zum Kausalzusammenhang einzuholen,
subeventualiter
sei die Sache zur erneuten medizinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegeg
nerin (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 3. November 2021 (Urk. 7
[mit auf
gedruckten Unterschriften] beziehungsweise Urk. 10 [mit Originalunterschriften]
) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde
, was dem Be
schwerdeführer mit Verfügung vom 25. November 2021 angezeigt wurde (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm
obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Der Fallabschluss hat in Form einer Verfügung zu erfolgen, wenn und solange die (weitere) Erbringung erheblicher Leistungen zur Diskussion steht (
BGE 132 V 412
E. 4, Art. 124 UVV). Erlässt der Versicherer stattdessen nur ein einfaches Schreiben, erlangt dieses in der Regel jedenfalls dann rechtliche Verbindlichkeit, wenn die versicherte Person nicht innerhalb eines Jahres Einwände erhebt (
BGE 134 V 145
). Standen zu einem bestimmten Zeitpunkt indes keine Leistungen mehr zur Diskussion, kann ein Rückfall auch vorliegen, ohne dass der versicher
ten Person mitgeteilt wurde, der Versicherer schliesse den Fall ab und stelle seine Leistungen ein. In dieser Konstellation ist entscheidend, ob zum damaligen Zeit
punkt davon ausgegangen werden konnte, es werde keine Behandlungsbedürf
tigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit mehr auftreten. Dies ist im Rahmen einer ex-ante-Betrachtung unter Berücksichtigung der konkreten Umstände zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_400/2013 vom 31. Juli 2013 E. 4 mit weiterem Hin
weis).
Andererseits ist der Leistungsanspruch unter dem Aspekt des Grundfalles und nicht unter demjenigen eines Rückfalles zu prüfen, wenn die versicherte Person während der leistungsfreien Zeit weiterhin an den nach dem Unfall aufgetretenen Beschwerden gelitten hat bzw. wenn Brückensymptome gegeben sind, die das Geschehen über das betreffende Intervall hinweg als Einheit kennzeichnen. Brü
ckensymptome können naturgemäss auch relativ harmloser Natur sein und dür
fen in der Regel nicht nur dann anerkannt werden, wenn sie auch durchgängig ärztlich behandelt wurden (Urteil des Bundesgerichts 8C_185/2008 E. 4.3 und 5.2 mit weiteren Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Auch dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern der Untersuchungsbefund lückenlos vorliegt, namentlich ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergibt, und zudem nicht umstritten
ist. Weiter sind unfallversicherungsintern eingeholte ärztliche Berichte dann nicht zu berücksichtigen, wenn an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen auch nur geringe Zweifel bestehen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_724/2013 vom 31.
März 2014 E.
4.2.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen,
gemäss Beurteilung des beratenden Arztes sei eine Kontusion nach einigen Tagen abgeheilt.
Dass an derselben Stelle Schmerzen verspürt worden seien wie beim ersten Arztbesuch bedeute nicht, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfaller
eignis bestehe.
Der von
Dr.
C._
verwendete
Begriff «posttraumatisch»
im
pliziere keinen rechtsgenüglichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfaller
eignis vom 19. November 2020 und den Daumenbeschwerden. Der Begriff sei verwendet worden, weil der Beschwerdeführer im Februar 2021 von Schmerzen berichtet habe, welche nach (also
post
) dem Unfallereignis aufgetreten seien. Es werde nur ein möglicher Kausalzusammenhang aufgezeigt; die blosse Möglich
keit genüge jedoch nicht, um einen Leistungsanspruch zu begründen. Eine ge
sundheitliche Störung könne überdies nicht allein deswegen als durch den Unf
all verursacht gelten,
weil sie nach einem Unfallereignis aufgetreten sei; die
Argu
mentation nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc»
sei nicht zulässig (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber
verwies der Beschwerdeführer auf die Beurteilung von Dr.
C._
im Bericht vom 28. September 2021, wonach die Beschwerden am linken Daumen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 19. Novem
ber 2020 zurückzuführen seien. Er machte sodann geltend, die Beschwerden seien auch nach der Notfallbehandlung vom 21. Dezember 2020 nie komplett ver
schwunden. Es habe auch nie ein Behandlungsabschlus
s stattgefunden. Vielmehr habe
er nach der Erstbehandlung bei Dr.
A._
seinen Hausarzt kontaktiert, wel
cher ihn sofort an einen Handspezialisten überwiesen habe. Bei diesem habe er aber erst für den 1. Februar 2021 einen Termin erhalten. Es stehe somit kein Rückfall zur Debatte. Letztlich könne aber offengelassen werden, ob aus dem «Grundfall» ein Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhangs durch die Be
schwerdegegnerin oder ob durch den Beschwerdeführer der Kausalzusammen
hang im «Rückfall» neu zu beweisen sei, da in Anbetracht der Beurteilung von Dr.
C._
vom 28. September 2021 ein Kausalzusammenhang mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sei
(Urk. 1)
.
2.3
In der Beschwerdeantwort vom 3. November 2021 führte die Beschwerdegegnerin aus,
Dr.
C._
gehe lediglich a
ufgrund des jungen Alters des Beschwerdefüh
rers mit entsprechendem Trauma und
einer
Schwellung davon aus, die Tendova
ginitis
sei eine Unfallfolge
.
Dabei erwähne er selber, dass
es sich bei Tendovagi
nitiden grundsätzlich
nicht um Unfallfolgen handle.
Bezüglich de
s Traumas und der Schwellung sei
zu entgegnen, dass der Beschwerdeführer
gemäss seinen An
gaben am 19. November
2020 einen Kniestoss von unten auf seine linke Hand erlitt
en habe
. Echtz
eitliche ärztliche Berichte seien
nicht vorhanden, da sich der Beschwerdeführer erst vier Wochen später
habe medizinisch untersuchen lassen
. Anlässlich der ärzt
lichen Erstbehandlung vom 21. Dezember
2020
seien
keine Schwellung und kein Hämatom
festgestellt
worden
. Eine Fraktur
habe
ausge
schlossen werden
können,
und alle aktiven Bewegungen
sein
gut möglich
gewe
sen. Dr.
C._
habe
den Bes
chwerdeführer erstmals am 1. Februar
2021
untersucht, mithin rund zehn
Wochen nach dem fraglichen Ereignis. Anlässlich seiner Untersuchung
habe
Dr.
C._
unauffällige Befunde
erhoben
. Eine Schwellung
sei nicht
konstatiert
worden. Somit vermöcht
en
die
Aus
führungen
von Dr. C._
zur Kausalität nicht zu überzeugen und erst recht
nicht die Beurtei
lungen von Dr.
D._
in Zweifel zu ziehen. Zudem gelte
es
,
die Erfahrungstat
sache zu beachten, dass Hausärzte und behandelnde Fachärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifelsfall mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussag
t
en (
Urk. 10
).
3.
3.1
Dr.
A._
stellte in ihrem Arztzeugnis UVG vom 23. Dezember 2020 betreffend die Erstbehandlung vom 21. Dezember 2020 die Diagnose einer Daumenkon
tusion links und erhob einen unauffälligen Befund (keine Schwellung, kein Hä
matom, alle aktiven Bewegungen gut möglich, keine Fraktur gemäss Röntgen
bild). Die Behandlung wurde gleichentags beendet und dem Versicherten keine Arbeitsunfähigkeit attestiert
. Als Therapie wurde das Tragen einer Schiene und die Einnahme eine
s
Analgetikums verordnet
(Urk. 8/M1). Dem Sprechstundenein
trag vom 21. Dezember 2020 ist zusätzlich zu entnehmen, dass der Beschwerde
führer berichtet hatte, er habe sich am 19. Dezember 2020 (recte: 19. November 2020) beim Selbstverteidigungstraining den linken Daumen verletzt. Seither sei der Daumen morgens steif, der Beschwerde
führer könne ihn nicht bewegen. Eine Bewegung sei erst möglich, wenn
es «
knacke
».
Das Heben schwerer Lasten
sei schmerzhaft
(Urk.
3/2)
.
3.2
Am 11. Januar 2021 führte der Beschwerdeführer im
«
Frageblatt Ereignisher
gang
»
aus, er habe einen Kniestoss von unten auf seine linke Hand erhalten. Dies sei beim Selbstverteidigungstraining passiert (Urk. 8/G4).
3.3
Im Bericht vom 2. Februar 2021 über die Behandlung vom 1. Februar 2021 stellte Dr.
C._
die Diagnose einer posttraumatischen Tendovaginitis
stenosans
Daumen links, leichte Affektion Daumensattelgelenk links nach Schlagverletzung mit einem Knie vom 19. November 2020.
In der Anamnese wurde festgehalten, der Beschwerdeführer arbeite bei der Polizei. Im Rahmen des Trainings habe er von einer Kollegin einen Schlag mit dem Kniegelenk an den linken Daumen be
kommen. Initial seien deutliche Beschwerden vorhanden gewesen, die dann ge
bessert hätten. Der Beschwerdeführer sei dann aber im Dezember zur Abklärung auf dem Notfall in Zürich gewesen, wo eine Fraktur ausgeschlossen worden sei. Insbesondere in den letzten Wochen habe er während der Nacht immer wieder Beschwerden gehabt, teilweise komme es zu einem Hängenbleiben des Daumens. Dr.
C._
erhob den folgenden Befund: Es finde sich ein unauffälliges Inte
gument. Die Langfingerfunktion sei frei. Am linken Daumen finde sich eine
Druckdolenz
am A1-Ringband, wobei sich nur eine ganz minime Knotenbildung palpieren lasse. Am Daumensattelgelenk selbst finde sich ein leichtes Reiben
, wel
ches etwas druck
schmerzhaft sei. Ansonsten liege ein unauffälliger Befund vor. Die Durchsicht der Röntgenaufnahmen zeigten einen unauffälligen ossären Be
fund, wobei das Daumensattelgelenk, insbesondere die
palmarseitige
Basis, nicht richtig einsehbar sei. Dr.
C._
gelangte zum Schluss, es handle sich am ehes
ten um eine posttraumatische Tendovaginitis
stenosans
des
adominanten
linken Daumens. Die Situation sei besprochen worden und man habe sich p
rimär zur Steroidinfiltration in
das A1-Ringband
entschieden, worunter die Beschwerden in den kommenden Wochen sicher deutlich besser würden. Sollten sich die Be
schwerden langfristig nicht bessern, würde
er
am ehesten ein MRI
planen
(Urk. 8/M3).
3.4
Gemäss Bericht der
Klinik E._
vom 8. Februar 2021 begab sich der Be
schwerdeführer am 2. Februar 2021 notfallmässig wegen Schmerzen und Schwel
lungszuständen nach der Steroidinfiltration in Behandlung. Anamnestisch habe der Beschwerdeführer am 19. November 2020 im Training einen Kniestoss gegen den Daumen links bekommen. Damals seien der ganze
Thenarbereich
und das MP-Gelenk geschwollen gewesen. Nach circa drei Wochen sei plötzlich die Fle
xion und Extension am Daumen erschwert gewesen und der Finger habe mit der Zeit nur noch in einer Streckstellung gehalten werden können. Bei forcierter Fle
xion sei es zu einem Hängenbleiben des Fingers gekommen. Nach der Steroidin
filtration bei Dr.
C._
habe der Beschwerdeführer bis am Abend keine we
sentlichen Schmerzen verspürt. In der Nacht seien aber zunehmend pochende Schmerzen und Schmerzen
von ziehendem Charakter bis in den Unterarm aufge
treten. Der Daumen sei deutlich
an
geschwollen. Aus diesem Grund habe sich der Beschwerdeführer zum Ausschluss eines Infekts in Behandlung begeben. Es wurde der folgende Befund erhoben: Der Daumen links sei geschwollen, jedoch bestehe keinerlei Rötung oder Überwärmung. Die Flexion im IP-Gelenk sei aktiv erschwert. Bei passiver Flexion im IP-Gelenk komme es zu einem Hängenbleiben des Fingers in Beugeposition, sodass er mit der Gegenhand wieder gestreckt wer
den müsse. Es bestehe eine
Druckdolenz
einerseits über dem A1-Ringband und andererseits über dem Beugesehnenkanal bis über das IP-Gelenk. Es bestehe auch eine
Druckdolenz
im Bereich der
Thenarmuskulatur
.
Eine
Druckdolenz
im Hand
gelenksbereich wurde verneint bei freier Handgelenksbeweglichkeit. Die behan
delnden Ärzte attestierten dem Beschwerdeführer für die Tätigkeit bei der Polizei eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 14. Februar 2021 (Urk. 8/M2).
3.5
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztzeugnis
vom 25. Februar 2021 hielt Dr.
C._
fest, es lägen ausschliesslich Unfallfolgen vor (Urk. 8/M4).
3.6
Dr.
D._
führte zur natürlichen Kausalität aus, eine solche sei möglich. Am 19. November 2020 habe der Beschwerdeführer einen Schlag gegen den Daumen erhalten. Dies entspreche einer Kontusion. Eine solche sei in der Regel nach we
nigen Tagen abgeheilt. Eine Fraktur sei ausgeschlossen worden. Die heutigen Be
schwerden entsprächen einem schnellenden Finger und der sei krankheitsbedingt. Mit der Konsultation im Dezember
2020
sei der Status quo ante erreicht gewesen (Urk. 8/M5).
3.7
Gemäss Bericht der
Klinik E._
vom 25. Mai 2021
fand
am 17. Mai 2021
eine Sprechstunde statt. Der Beschwerdeführer habe berichtet, bei initial
regre
dienten
Beschwerden nach der therapeutischen Infiltration des Beugesehnen
scheidenkanals am linken Daumen trete nun wieder gehäuft ein (nächtlich) be
tontes Schnapp-Phänomen am linken Daumen auf, wobei die Flexionsstellung teils lediglich unter Zuhilfenahme der rechten Hand wieder gelöst werden könne. Aufgrund dessen habe sich der Beschwerdeführer zwischenzeitlich für
ein opera
tives Vorgehen entsch
i
e
den (Urk. 8/M6).
3.8
Gemäss Operationsbericht der
Klinik E._
vom 26. Mai 2021 wurde am 25. Mai 2021 eine offene A1-Ringbandspaltung am linken Daumen durchgeführt (Urk. 3/3). Der Verlauf gestaltete sich zufriedenstellend
(Bericht vom 13. Juli 2021 [Urk. 8/M7
, in welchem als Operationsdatum fälschlicherweise der 25. Januar 2021 angegeben wurde]
).
3.9
Dr.
C._
äusserte sich auf Anfrage des Beschwerdeführers im Schreiben vom 28. September 2021 zur Unfallkausalität wie folgt: Vom handchirurgischen
Standpunkt aus könne klar festgehalten werden, dass es sich bei der Tendovagi
nitis
stenosans
am Daumen links überwiegend wahrscheinlich um eine Unfall
folge handle. Prinzipiell seien Tendovaginitiden in der Regel nicht unfallbedingt, dies jedoch in deutlich fortgeschrittenem Alter eher degenerativ entzündlich. Bei diesem jungen Patienten mit entsprechendem Trauma und
entsprechender
Schwellung sei die Tendovaginitis
stenosans
jedoch überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall vom 19. November 2020 zurückzuführen (Urk. 3/4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
zweifelte nicht an den Schilderungen des Beschwerde
führers zum Unfallhergang
vom 19. November 2020
und
anerkannte
die am
23. Dezember 2020
gemeldeten Beschwerden, welche
bei der Erstbehandlung vom
21. Dezember 2020
und somit rund einen Monat nach dem Ereignis vom 19. November 2020
geklagt
wurden
, als Unfallfolgen.
Dies impliziert, dass
sie nicht von einem Regelfall aus
ging
, bei welchem
–
gemäss Feststellung von Dr.
D._
in der Stellungnahme vom 2. März 2021
–
eine Kontusion in der Reg
el nach e
inigen Tagen abgeheilt sei
.
Betreffend die sechs Wochen
nach der Erstbehandlung
festgestellte Tendovagini
tis
stenosans
verneinte die Beschwerdegegnerin
hingegen
unter Hinweis auf die
rudimentäre
Stellungnahme von Dr.
D._
(Urk. 8/M5)
das Vorliegen einer U
n
fallkausalität.
Beizupflichten ist Dr.
D._
zwar insofern, als
eine Fraktur
a
us
geschlossen
wurde
.
D
araus lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres etwas
in B
ezug auf die Unfallkausalität ableiten, denn bei der
beim Beschwerdeführer
festgestell
ten
Tendovaginitis
stenosans
, bei welcher es
sich
um eine Sehnenscheidenent
zündung einer Finger-Beugesehne mit Verdickung und «Hängen
blei
ben» am Ringband (meist A1) mit dem oftmals typischen Schnappphäno
men
handelt
(siehe
www.pschyrembel.de
; besucht am 15. Mai 2022
)
, ist eine Verletzung der knöchernen Struktur nicht vorausgesetzt.
Des Weiteren mangelt es der Feststel
lung «die heutigen Beschwerden entsprechen einem schnellenden Finger und der ist krankheitsbedingt» an einer eigentlichen Begründung
, womit
nicht unerhebli
che Zweifel an der Beurteilung von Dr.
D._
bestehen
.
Demgegenüber erweist sich die
Beurteilung von Dr.
C._
als schlüssig.
Er
verwies
in zutreffender Wei
se
auf den Umstand
,
dass
Tendovaginitiden in der Regel nicht unfallbedingt
seien
, dies jedoch in deutlich fortgeschrittenem Alte
r eher degenerativ entzündlich. Beim jungen Beschwerdeführer mit entsprechen
dem Trauma und einer Schwellung sei die Tendovaginitis
stenosans
jedoch über
wiegend wahrscheinlich als Folge des Unfalls vom 19. November 2020 einzu
schätzen
(Urk. 3/4)
. Daraufhin entgegnete die Beschwerdegegnerin, e
chtz
eitliche ärztliche Berichte seien
nicht vorhanden, da sich der Beschwerdeführer erst vier Wochen später
habe medizinisch untersuchen lassen
. Anlässlich der ärzt
lichen Erstbehandlung vom 21. Dezember
2020
seien
keine Schwellung und kein Hä
matom
festgestellt worden
(Urk. 10)
.
Dies trifft zwar zu, doch wurde bereits in der Unfallmeldung vom 23. Dezember 2020 von einer Entzündung, mithin einer Schwellung, berichtet
(Urk. 8/G2)
.
Konsistent dazu wurde i
n der ausführlichen Anamnese
der
Klinik E._
vom 2. Februar 2021 festgehalten
, es seien
nach dem Kniestoss
der ganze
Thenarbereich
und das MP-Gelenk geschwollen gewesen (Urk. 8/M2).
An diesen Angaben zu zweifeln, besteht kein Grund, umso weniger, als die Beschwerdegegnerin die Unfallkausalität der gemäss Unfallmeldung vom 23. Dezember 2020 zunächst geklagten Beschwerden
bejaht
und die damit im Zusammenhang
gemachten Schilderungen nicht in Frage gestellt hatte.
Di
e Beurteilung von Dr.
C._
, der die Unfallkausalität bereits am 25. Februar 2021 im von der Beschwerdegegnerin einverlangten «Arztzeugnis UVG Rückfall» bejaht hatte (Urk. 8/M4),
beruht überdies nicht auf der Argumentation
nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie n
ach diesem aufgetreten ist. Eine solche Argumentation wäre
– wie die Beschwerdegegnerin zutreffend anführt –
beweisrechtlich nicht zulässig und
vermöchte
zum Nachweis der Unfallkausalität nicht zu genügen (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bun
desgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
Der Vollständigkeit halber ist schliesslich a
nzufügen, dass keinerlei Anhalts
punkte dafür bestehen, dass beim jungen Beschwerdeführer aufgrund einer Über- oder Fehlbelastung
an der
adominanten
linken Hand
ein degenerativer (Vor-)Z
u
stand vorgelegen hätte
(zur Ätiologie einer Tendovaginitis
stenosans
wird auf
www.pschyrembel.de
festgehalten, durch Über- oder Fehl
belastu
ng oder auch mo
notone Bewegungsabläufe komme
es zu einer Reizung und entzündlichen
Ver
änderung der Sehnenstruktur, wobei der Zusatz erlaubt ist, dass e
ine traumatische Genese
gemäss Dr.
C._
nicht ausgeschlossen
ist)
.
4.2
Nach dem Gesagten ist auf die überzeugende Beurteilung von
Dr.
C._
ab
zustellen, gemäss welcher
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen der beim Beschwerdeführer aufgetretenen Tendovaginitis
stenosans
und dem Unfallereignis vom 19. November 2020 be
steht.
Dies gilt unabhängig davon, ob die am 2. Februar 2021 gemeldeten Beschwerden als Brückensymptome
(vgl. E. 1.3)
zu werten sind
oder nicht
. Auf
grund der zeitlichen Nähe zwischen den als Unfallfolgen anerkannten Beschwer
den vom 21. Dezember
2020 und der Behandlung vom 1. Februar 2021 (weniger als zwei Monate) und in Berücksichtigung des Umstands, dass der Beschwerde
führer
gegenüber
Dr.
C._
am 1. Februar 2021 angegeben hatte, er habe auf persönlichen Wunsch bei der
Klinik E._
keinen schnellen Termin erhalten (Urk. 8/M3
; vgl. auch Urk. 1
Rz
19
)
, liegt es
jedoch
nahe, v
on Brückensymptomen auszugehen.
Zumal der Beschwerdeführer nach der Behandlung im Dezember 2020 nicht beschwerdefrei war, sondern über nächtliche Beschwerden klagte, teil
weise komme es zu einem Hängenbleiben des Daumens (Urk. 8/M3).
5.
In Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 3. September 2021 aufzuheben
,
und
es ist
festzustellen,
dass zwischen dem Unfall vom 19.
November 2020 und den am 2. Februar
2021 gemeldeten Beschwerden ein Kausalzusammenhang besteht
und
dass
der
Beschwerd
eführer
über den 20. Januar 2021 hinaus
Anspruch auf die gesetzlichen Leistungen
hat.
Da der
Einspracheentscheid
an die Stelle der vorgängig erlassenen Verfügung tritt (BGE 119 V 347 E. 1b), bildet Anfechtungsgegenstand des nachfolgenden Be
schwerdeverfahrens allein der
Einspracheentscheid
. Soweit der Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung vom 3. Mai 2021 beantragt (Urk. 1 S. 2), ist darauf nicht einzutreten.
6.
Dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht ausgangsgemäss eine Pro
zessentschädigung zu, welche in Anwendung der einschlägigen Kriterien (§
34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
; Art. 61
lit
. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversic
herungs
rechts, ATSG) auf Fr.
1'5
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzuset
zen ist.