Decision ID: 74dbaf24-f93e-42f0-aabc-c0080fea7ed6
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Paul Rechsteiner, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
Der 1958 geborene T._ war bei der A._ als Aufstecker und Anodiseur tätig und
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen
von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 5. September 2007 liess er der
Suva einen Unfall vom 31. Juli 2007 melden, wonach er bei einer Hochzeitsfeier in
seiner Heimat plötzlich nichts mehr gehört hatte (Suva-act. 1, 38). Nach einer
Erstbehandlung in seinem Heimatland hatte der Versicherte am 22. August 2007 Dr.
med. B._, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen-, Halskrankheiten, konsultiert. Dieser
diagnostizierte im Arztzeugnis vom 19. September 2007 nach einer gleichentags
durchgeführten Gehörprüfung eine hochgradige Innenohrschwerhörigkeit links mit
einem Hörverlust von 60 dB sowie eine pancochleäre Hörstörung rechts mit einem
Hörverlust von 80 dB und einem invalidisierenden Tinnitus. Die Gesundheitsstörung
rechts bezeichnete er als Status nach Knalltrauma. Am linken Ohr litt der Versicherte
gemäss Tonaudiogramm einer von Dr. B._ am 17. April 2007 durchgeführten
Gehörprüfung bereits vor dem gemeldeten Ereignis vom 31. Juli 2007 unter einer
Innenohrschwerhörigkeit (Suva-act. 5, 11, 12). Am 14. Januar 2008 fand eine
Besprechung zwischen dem Suva-Aussendienstmitarbeiter und dem Versicherten statt,
wobei letzterer das Ereignis vom 31. Juli 2007 beschrieb (Suva-act. 15). Am 1. Februar
2008 gab Dr. med. C._, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Hals-
und Gesichtschirurgie und Arbeitsmedizin, Abteilung Arbeitsmedizin der Suva, eine
ärztliche Beurteilung betreffend Ursache der beim Versicherten auf dem rechten Ohr
erhobenen Gehörsabnahme ab. Er hielt fest, dass weder Unfallfolgen im Sinne eines
akuten akustischen Traumas noch Folgen einer chronischen Lärmbelastung
entsprechend einer berufsbedingten Hörschädigung vorlägen. Vielmehr sei von einer
endogenen Innenohrerkrankung auszugehen (Suva-act. 18). Gestützt auf diese
Beurteilung wies die Suva mit Verfügung vom 8. Februar 2008 einen Anspruch des
Versicherten aus der obligatorischen Unfallversicherung ab (Suva-act. 23).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 8. Februar 2008 liess T._ durch Rechtsanwalt lic. iur.
P. Rechtsteiner, St. Gallen, am 10. März 2008 Einsprache mit dem Antrag erheben, es
seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen und insbesondere eine vertiefte
medizinische Abklärung im Hinblick auf die Hörschädigungen links und rechts
durchzuführen. In der Begründung verwies der Rechtsvertreter des Versicherten
insbesondere auf eine beigelegte Stellungnahme von Dr. B._ vom 5. März 2008
(Suva-act. 30, 31).
B.b Am 15. Juli 2008 liess die Suva durch ihre Abteilung Arbeitssicherheit, Bereich
Physik, die Lärmbelastung des Beschwerdeführers im Beruf im Zeitraum von 1985 bis
2008 sowie anlässlich des geltend gemachten Ereignisses vom 31. Juli 2007 beurteilen
(Suva-act. 39). Gestützt auf die dort errechneten Lärmbelastungswerte gab Dr. C._
am 20. August 2008 erneut eine Kausalitätsbeurteilung betreffend die Hörschädigung
rechts ab (Suva-act. 40).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 12. September 2008 wies die Suva die Einsprache
des Versicherten ab (Suva-act. 41).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 13. Oktober 2008 Beschwerde erheben mit den
Anträgen, der Einspracheentscheid vom 12. September 2008 sei aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen
Versicherungsleistungen nach UVG zu erbringen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung führte der Rechtsvertreter im Wesentlichen aus,
die Beschwerdegegnerin habe nach Erhebung der Einsprache erhebliche weitere
Abklärungen vorgenommen, welche dem Beschwerdeführer vor Erlass des
angefochtenen Einspracheentscheids nicht zur Kenntnis gebracht und zur
Stellungnahme unterbreitet worden seien. Die Beschwerdegegnerin habe damit seinen
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, womit der Einspracheentscheid ohne weiteres
aufzuheben und zur Gewährung des rechtlichen Gehörs und zum neuen Entscheid an
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Materiell sei festzuhalten, dass die
Beschwerdegegnerin in der Frage eines Knalltraumas bzw. einer unfallbedingten
Verursachung des Hörverlusts rechts teilweise von einem falschen Sachverhalt
ausgehe. Der Beschwerdeführer sei zum fraglichen Zeitpunkt durchaus einer sehr
lauten Musik aus dem Lautsprecher ausgesetzt gewesen, als er zu nahe an die
Lautsprecherbox geraten sei. Zutreffend sei, dass keine Explosion des Lautsprechers
erfolgt sei. Der massgebende Sachverhalt sei somit in erster Linie aufgrund der
medizinischen Befunde zu ermitteln. Müsse aufgrund des mit der Beschwerde
eingereichten Berichts von Dr. med. D._, Facharzt FMH für Otorhinolaryngologie,
Hals- und Gesichtschirurgie, vom 7. Oktober 2008 davon ausgegangen werden, dass
es sich um eine unfallbedingte Hörschädigung handle, so habe die
Beschwerdegegnerin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Folge man nicht ohne
weiteres der Beurteilung von Dr. D._, sei wenigstens eine umfassende und neutrale
medizinische Abklärung durch einen unabhängigen Gutachter vorzunehmen.
Anzufügen bleibe, dass der Beschwerdeführer sowohl bei der F._, (1990 - 1997), wie
auch später in seiner Tätigkeit als Bauschreiner und an seiner letzten Arbeitsstelle an
sehr lärmigen Orten gearbeitet habe. Die ohne seine Mitwirkung ermittelte
mutmassliche Lärmbelastung gemäss Bericht der Suva-Abteilung Arbeitssicherheit
vom 15. Juli 2008 gehe offenbar von zu tiefen Werten aus.
C.b In der Folge legte die Beschwerdegegnerin den Bericht von Dr. D._ Dr. C._
zur Stellungnahme vor. Am 6. November 2008 gab dieser seine ärztliche Beurteilung ab
(Suva-act. 43).
C.c In ihrer Beschwerdeantwort 12. November 2008 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde.
C.d Am 6. Januar 2009 replizierte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers. Die
Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet.
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen
in den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.
1.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers rügt vorab in formeller Hinsicht eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs, weil die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer die technische Beurteilung der Suva-Abteilung Arbeitssicherheit
vom 15. Juli 2008 (Suva-act. 39) sowie die ärztliche Beurteilung von Dr. C._ vom 20.
August 2008
(Suva-act. 40) vor Erlass des Einspracheentscheids vom 12. September 2008 nicht zur
Kenntnis gebracht bzw. ihm vorab nicht die Gelegenheit geboten habe, sich dazu zu
äussern.
1.2 Das Recht angehört zu werden, ist in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV;
SR 101) und Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) statuiert. Es umfasst unter anderem das
Akteneinsichtsrecht, in dessen Erfüllung den Beteiligten sämtliche beweiserheblichen
Akten gezeigt werden müssen, und das Recht, sich zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 370 E. 3.1). Der
Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, weshalb dessen Verletzung
ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung
der angefochtenen Verfügung bzw. des angefochtenen Einspracheentscheids führt
(BGE 132 V 390 E. 5.1, 120 V 362 E. 2a; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 26. September 2006 i/S A. [K 61/06] E. 2.3). Vorbehalten bleiben
praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des Akteneinsichtsrechts nicht besonders
schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör
verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl die Tat- als auch die
Rechtsfragen uneingeschränkt überprüft (BGE 115 V 305 E. 2h; RKUV 1992 Nr. U 152
S. 199 E. 2e). Die Heilung eines - allfälligen - Mangels soll aber auch hier die Ausnahme
bleiben (BGE 126 V 132 E. 2b, 124 V 392 E. 5a, je mit Hinweisen). Der Partei steht es
grundsätzlich frei, auf der vollumfänglichen Wahrnehmung des Gehörsanspruchs zu
beharren, wenn ihr daran mehr liegt als an der beförderlichen Erledigung des
Verfahrens (U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. Bern 2009, N 9 zu Art. 42 mit Verweis
auf BGE 124 V 392). Insofern hat nicht der Versicherungsträger die Entscheidbefugnis
darüber, ob das Gebot des raschen Verfahrens oder dasjenige der zutreffenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gehörsgewährung vorgeht (U. Kieser, a.a.O., N 9 zu Art. 42). Gemäss
höchstrichterlicher Rechtsprechung kann von einer Rückweisung der Sache zur
Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung jedoch abgesehen werden,
wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu
unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten)
Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu
vereinbaren wären (BGE 132 V 390 E. 5.1 mit Hinweis).
1.3 Unbestrittenermassen konnte sich der Beschwerdeführer vor Erlass des
angefochtenen Einspracheentscheids nicht zur entscheidwesentlichen technischen
Beurteilung der Lärmbelastung im Beruf sowie anlässlich des geltend gemachten
Ereignisses vom 31. Juli 2007 und zur daraufhin abgegebenen ärztlichen Beurteilung
von Dr. C._ äussern. Dies stellt nach Auffassung des Gerichts eine schwerwiegende
Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
macht zudem sowohl in der Beschwerdebegründung als auch in der Replik deutlich,
dass er grundsätzlich auf der vollumfänglichen Wahrnehmung des Gehörsanspruchs
beharrt bzw. die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids sowie die
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz beantragt. Dennoch rechtfertigt es sich
insgesamt betrachtet, von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des
rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz abzusehen. Die obgenannten Akten wurden im
Einspracheentscheid vom 12. September 2008 genauestens wiedergegeben, womit
sich der Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingehend dazu
äussern konnte. Im Übrigen bestand im Rahmen der Beschwerdeerhebung ein
Anspruch auf Einsicht in die vorhandenen Akten. Dem Versicherungsgericht steht
ausserdem die uneingeschränkte Kognition in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht zu.
Zu beachten ist im Weiteren, dass hinsichtlich der Lärmbelastung anlässlich des
Ereignisses vom 31. Juli 2007 von Seiten der Beschwerdegegnerin bzw. ihrer Abteilung
Arbeitssicherheit bereits vor Erlass der ablehnenden Verfügung vom 8. Februar 2008
ein Maximalwert (L ,max ≈ 125 dB) angegeben wurde (Suva-act. 6). Zumindest von
diesem - gegenüber demjenigen in der technischen Beurteilung vom 15. Juli 2007
sogar höheren Wert - hatte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vor Erlass des
angefochtenen Einspracheentscheids Kenntnis, nahm dazu jedoch nie konkret
Stellung. Eine allfällige berufliche Lärmbelastung wurde sowohl von den Ärzten als
auch vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vor allem als hinzuzuziehende
Fast
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ursache der Hörstörung rechts angeführt (Suva-act. 18, 30, 31). Als vorrangige
Ursache wurde regelmässig eine unfallbedingte Verursachung genannt. Aufgrund des
Schreibens der Beschwerdegegnerin vom 23. Mai 2008 wusste der Beschwerdeführer
ausserdem zumindest, dass hinsichtlich der beruflichen Lärmexposition Abklärungen
getätigt werden sollten (Suva-act. 38). Die berufliche Lärmexposition wurde sodann
mittels allgemeiner Lärmdaten und nicht mit Schallimmissionsmessungen vor Ort, bei
denen die Anwesenheit des Beschwerdeführers zu diskutieren gewesen wäre, ermittelt.
Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin auch bei nachträglicher
Gewährung des rechtlichen Gehörs auf diese Daten abstellen würde. Die Frage,
inwiefern diese materiellrechtlich genügen, ist im Rahmen der nachfolgenden
materiellrechtlichen Erwägungen zu prüfen. Insgesamt ist mithin festzuhalten, dass eine
Rückweisung an die Beschwerdegegnerin allein wegen der Gehörsverletzung
betreffend der technischen Beurteilung der verschiedenen Lärmbelastungen auch für
den Beschwerdeführer sinn- und zwecklos wäre bzw. mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu einem formalistischen Leerlauf führen würde. Dr. C._ gibt
schliesslich in seiner ärztlichen Beurteilung einzig den Inhalt sowie die
Schlussfolgerungen der technischen Beurteilung wieder. Ansonsten enthält der Bericht
gegenüber seinen früheren ärztlichen Beurteilungen keine neuen, massgebenden
medizinischen Äusserungen. Angesichts der obigen Darlegungen kann damit
zusammenfassend festgehalten werden, dass die geltend gemachte Gehörsverletzung
trotz ihrer Schwere als im Rechtsmittelverfahren geheilt betrachtet werden kann.
1.4 Am 6. November 2008 führte die Beschwerdegegnerin auch noch im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens eine Beweiserhebung durch bzw. holte bei Dr. C._ eine
weitere ärztliche Beurteilung ein (Suva-act. 43). Ein Anspruch des Beschwerdeführers
auf rechtliches Gehör bestand hier gegenüber der Beschwerdegegnerin nicht mehr.
Der Beschwerdeführer konnte zum genannten Beweismittel im Rahmen der Replik
Stellung nehmen.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden die Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bestimmt. Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körperschädigungen, die
den Folgen eines Unfall ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser
Kompetenz hat er in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV;
SR 832.202) Gebrauch gemacht.
2.2 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer beidseitig unter
einer Innenohrschwerhörigkeit, rechts mit Tinnitus, leidet. Gemäss Tonaudiogramm
vom 17. April 2007 ist die Innenohrschwerhörigkeit links vorbestehend, diejenige rechts
- abgesehen von der ebenfalls vorbestehenden Hochtonsenke - indessen neu (Suva-
act. 5, 12). Hauptstreitpunkt des vorliegenden Verfahrens bildet nun die Frage, was als
Ursache der Gesundheitsstörung am rechten Ohr anzunehmen ist. Dabei gilt es zu
prüfen, ob diese als unfallbedingt bzw. als unfallähnliche Körperschädigung zu
qualifizieren oder ob deren Entstehung als Berufskrankheit zu betrachten ist.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, er habe am 31. Juli 2007 einen
Unfall erlitten, bei dem er sich am rechten Ohr eine Hörschädigung zugezogen habe.
Als Unfall gemäss Art. 4 ATSG gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die
eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur
Folge hat. Damit ein Ereignis als Unfall angesehen werden kann, müssen
notwendigerweise alle Merkmale der Definition dieses Unfallbegriffs vorliegen. Zu
prüfen sind vorliegend insbesondere die in enger Beziehung stehenden
Begriffsmerkmale des ungewöhnlichen äusseren Faktors und der Plötzlichkeit.
Entscheidend für die Annahme eines ungewöhnlichen äusseren Faktors ist nicht die
Wirkung des Faktors, sondern die Ungewöhnlichkeit des Faktors an sich. Ohne Belang
für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls
schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Ein äusserer Faktor ist
ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder
Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich
nur objektive Umstände in Betracht fallen (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit
Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2 Laut Unfallmeldung vom 5. September 2007 hörte der Beschwerdeführer bei
einer Hochzeitsfeier vom 31. Juli 2007 in G._ plötzlich nichts mehr (Suva-act. 1).
Dr. B._ hielt im Arztzeugnis vom 19. September 2007 fest, am 31. Juli 2007 sei neben
dem rechten Ohr des Beschwerdeführers ein Lautsprecher detoniert. Seither leide er
an einem hochgradigen Hörverlust (80 dB) mit Tinnitus. Er diagnostizierte einen Status
nach Knalltrauma rechts mit pancochleärer Innenohrschwerhörigkeit sowie
invalidisierendem Tinnitus (Suva-act. 5). Anlässlich der Befragung durch die
Beschwerdegegnerin vom 14. Januar 2008 gab der Beschwerdeführer an, bei der
Hochzeitsfeier habe eine regionale Volksmusikband (zwischen drei und fünf Personen)
live gespielt und ihre Musik über eine Lautsprecheranlage im ganzen Saal hörbar
gemacht. Die Musik sei nicht überdurchschnittlich, zumindest nicht auffällig laut
gewesen. Er habe seine Frau zum Tanz aufgefordert und sie seien dabei in ca. zwei bis
drei Meter Entfernung an einer der Lautsprecherboxen - diese habe ca. 50 x 50 cm
gemessen und sei in Kopfhöhe montiert gewesen - vorbeigetanzt, als er plötzlich im
rechten Ohr einen Schmerz verspürt habe, anschliessend nicht mehr habe hören
können und sein ganzer Körper gezittert habe. In den Beinen habe er keine Kraft mehr
gehabt und es sei ihm schwindlig geworden. An der Lautsprecherbox selber sei jedoch
- abgesehen davon, dass die Musik aus der Entfernung von ca. zwei bis drei Metern
natürlich lauter wahrzunehmen gewesen sei - nichts Aussergewöhnliches passiert. Es
habe sich nicht - wie von Dr. B._ geschildert - eine Explosion der Musikbox ereignet.
Auch sei kein plötzliches Rauschen und kein plötzlicher Lärmaustritt erfolgt. Die Musik
habe vielmehr völlig normal gespielt, wie sie dies auch in all den Minuten zuvor getan
habe. Folglich habe lediglich das Vorbeitanzen an der Lautsprecherbox zu den akuten
Hörproblemen am rechten Ohr geführt. Der Band oder der Anlage könne somit
überhaupt kein Vorwurf gemacht werden (Suva-act. 15).
3.3 Explosionen, Knalle oder Schläge mit Schalldruckspitzen über 140 dB(C)
gefährden das Gehör, wenn der über eine Stunde aufsummierte Schallexpositionspegel
SEL 125 dB(A) übersteigt. Der schädigende Schall wirkt hier nur sehr kurz auf das Ohr
ein (1 bis 3 ms) (vgl. dazu auch Suva-act. 40; Akustische Grenz- und Richtwerte der
Abteilung Arbeitssicherheit der Suva, Stand Februar 2009). Erfolgen solche
gehörgefährdenden Schalle zudem unerwartet bzw. ist man nicht darauf gefasst, gelten
die Unfallbegriffsmerkmale der Ungewöhnlichkeit und Plötzlichkeit als erfüllt. Beispiele
hierzu sind Pistolen- oder Gewehrschüsse, Schreckschusswaffen, Knallkörper, Airbag,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sprengungen, Schlag auf das Ohr, zufallende Türen, platzende Reifen (RKUV 2006 Nr.
U 578 S. 172; vgl. dazu auch Wikipedia - Knalltrauma, Abfrage vom 25. Juni 2009). -
Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung lässt in keiner Weise
erkennen, dass sich in Bezug auf die Hochzeitsmusik etwas Ungewöhnliches,
insbesondere eine Explosion der Lautsprecherbox oder ein Knall daraus, ereignet
hätte. Eine Explosion oder ein Knall mit obgenanntem gehörgefährdendem Wert wären
wohl jedoch vom Beschwerdeführer als solche wahrgenommen bzw. beschrieben
worden, zumal es sich dabei - wie erwähnt - um äusserst kurz auftretende und damit
augenfällige, isoliert wahrzunehmende Lärmbelastungen handelt. Bei
Musikdarbietungen bei einem Rockkonzert, in einer Diskothek oder eben an einer
Hochzeit (Tanzmusik) kommt es im Regelfall nicht zu Schallbelastungen im
obgenannten, explosionsartigen Ausmass. Der zu- und abnehmende Schall wirkt hier
deutlich länger auf das Gehör ein als beim Explosions- oder Knalltrauma (Minuten bis
Stunden): Im Überlastungsfall spricht man hier von einem akuten Lärmtrauma (vgl.
dazu Wikipedia - Schalltrauma, Abfrage vom 30. Juni 2009). Der Besuch eines
Rockkonzerts, einer Diskothek oder eben einer Hochzeit mit Tanzmusik geschehen
zudem im Allgemeinen bewusst bzw. gewollt. Bei vorgenannten Tatbeständen sind die
Elemente der Ungewöhnlichkeit und Plötzlichkeit daher generell nicht erfüllt. So kann
auch hinsichtlich der vom Beschwerdeführer am 31. Juli 2007 auf der Tanzfläche
angetroffenen Schallbelastung nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit von einer ungewöhnlichen und plötzlichen Situation ausgegangen
werden. Es ist als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten, dass die Musik auch in
zwei bis drei Metern Distanz von der Lautsprecherbox keinen gehörgefährdenden Wert
erreicht haben kann. Dies schon deshalb, weil der Beschwerdeführer selber die Musik
nicht als überdurchschnittlich bzw. auffällig - eben ungewöhnlich - laut empfand. In der
technischen Beurteilung vom 15. Juli 2008 wird zudem schlüssig dargelegt, dass die
Lautstärke durch die Grösse der Lautsprecher - diese waren mit 50 x 50 cm eher klein
- begrenzt war und damit auch in deren Nähe nicht von einer gehörgefährdenden
Lautstärke ausgegangen werden muss. Die Abteilung Arbeitssicherheit der
Beschwerdegegnerin setzte die kurzzeitige Lärmbelastung während einiger Sekunden
im Bereich der Lautsprecher mit L ≈ 110 dB(A) an und wies darauf hin, dass sich
die Musik aus dem Balkan durch einen relativ engen Frequenzbereich bei mittleren
Frequenzen auszeichne (Suva-act. 39). Bei diesem Wert handelt es sich nicht um einen
FAST
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
konkret erhobenen bzw. gemessenen Wert, sondern um einen Erfahrungswert,
festgelegt anhand der subjektiven Sachverhaltsschilderung des Beschwerdeführers.
Insofern stellt sich überhaupt die Frage, ob darauf abgestellt werden kann. Die
Schilderung allein, die Musik sei laut gewesen, lässt grundsätzlich noch nicht den
überwiegend wahrscheinlichen Schluss zu, dass diese effektiv auch im Bereich der
Gehörgefährdung gelegen hat. Selbst wenn man auf den geschätzten Wert von L ≈
110 dB(A) abstellt, kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer dieser Lärmbelastung
offenbar nur kurze Zeit ausgesetzt war. Die Expositionsdauer bildet ein wesentliches
Element der Gefahr einer Hörschädigung und spricht im Falle des Beschwerdeführers
massgeblich gegen eine unfallbedingte Hörschädigung. Dr. C._ legt zudem in seiner
ärztlichen Beurteilung vom 20. August 2008 dar, dass die Grenzwerte für die
Gehörgefährdung im konkreten Fall um rund 10 dB unterschritten worden seien.
Konkret heisse dies, dass es pro 3 dB Unterschreitung zu einer Halbierung der
Lärmdosis komme und damit auch zu einer Halbierung der
Schädigungswahrscheinlichkeit. Die Grenzwerte für die Gehörgefährdung würden
sodann bereits die Tatsache berücksichtigen, dass verschiedene Menschen
verschieden empfindlich auf Gehörschädigung sein könnten und berücksichtigten die
empfindlichsten Individuen. Somit könne also aus otologisch-arbeitsmedizinischer
Sicht klar festgehalten werden, dass eine relevante Gehörschädigung durch das hier
zur Diskussion stehende Ereignis als unwahrscheinlich zu bezeichnen sei (Suva-act.
40).
3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nach dem Gesagten nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen gelten kann, dass
der Beschwerdeführer anlässlich der Hochzeit vom 31. Juli 2007 in G._ einen Unfall
im Sinn von Art. 4 ATSG erlitten hat. Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
unter diesem Titel ist daher zu verneinen.
4.
4.1 Der mangelnde Nachweis eines die Merkmale des Unfalls erfüllenden Ereignisses
lässt sich nur selten durch medizinische Feststellungen ersetzen. Diesen kommt im
Rahmen der Beweiswürdigung für oder gegen das Vorliegen eines unfallmässigen
Geschehens in der Regel nur die Bedeutung von Indizien zu (RKUV 1990 Nr. U 86 S. 51
FAST
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E. 2). Dabei ist zu beachten, dass sich der medizinische Begriff des Traumas nicht mit
dem Unfallbegriff deckt. Ein traumatisches Ereignis schliesst zwar eine pathologische
Ursache aus, umfasst jedoch neben dem eigentlichen Unfall im Rechtssinne auch
Ereignisse, denen der Charakter der Ungewöhnlichkeit und/oder der Plötzlichkeit
abgeht (Urteile des EVG vom 3. Januar 2000 i/S S. [U 236/98] E. 2d, und vom 18.
Dezember 2002 i/S K. [U 6/02] E. 2.3; Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 175 f.).
4.2 Der Beschwerdeführer leidet am rechten Ohr unbestrittenermassen an einer
pancochleären Innenohrschwerhörigkeit mit Tinnitus (Suva-act. 5, 11). Aufgrund der
medizinischen Akten ist davon auszugehen, dass eine solche Gesundheitsstörung
sowohl auf einer Krankheit beruhen (beispielsweise Haarzellschaden,
Innenohrentzündung, Infektionskrankheiten, Intoxikation bei Mittelohrentzündung,
Tumore, Durchblutungsstörungen) als auch traumatisch bedingt (Knall- oder
Explosionstrauma, akutes Lärmtrauma) sein kann (vgl. dazu Roche, Lexikon Medizin, 5.
Aufl., S. 928; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 261. Aufl., S. 915; Wikipedia -
Schwerhörigkeit, Abfrage 30. Juni 2009). Während Dr. C._ die Auffassung vertritt, bei
der Innenohrschwerhörigkeit des Beschwerdeführers handle es sich nicht um eine
Unfallfolge im Sinne eines akustischen Traumas, gehen Dr. B._ und Dr. D._ von
einem unfallkausalen Innenohrhörverlust aus.
4.3 In seiner ärztlichen Beurteilung vom 1. Februar 2008 bezeichnet Dr. C._ eine
akzidentelle akustische Hörschädigung als sehr unwahrscheinlich, weil er eine akute
übermässige Schallbelastung aufgrund der Beschreibung des Ereignisses vom 31. Juli
2007 und aufgrund der technischen Gegebenheiten mit praktischer Sicherheit als
ausgeschlossen erachtet. Vielmehr handle es sich bei der rechtsseitigen, rasch
progredienten Gehörsabnahme des Beschwerdeführers wahrscheinlich um eine
endogene Innenohrerkrankung, die ihren Ursprung vermutlich in der gleichen Ursache
habe, wie die Gehörsabnahme auf der linken Seite. Die inzwischen eingetretene
praktische Taubheit in pancochleärer Ausprägung auf der rechten Seite sei im Übrigen
für ein akustisches Trauma als absolut atypisch zu bezeichnen (Suva-act. 18). Die
endogene Gehörsschädigung bedürfe sodann durchaus noch einer weiteren
ausgedehnten Abklärung (Suva-act. 40). - Das zentrale Kriterium der
Kausalitätsbeurteilung von Dr. C._ bildet mithin der Umstand, dass ein Unfallereignis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im konkreten Fall nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als belegt gelten kann.
Die Innenohrschwerhörigkeit ist in der Medizin zudem eine bekannte Krankheit,
weshalb die Schlussfolgerung von Dr. C._ nur logisch und damit überzeugend
erscheint. Das Vorliegen von Vorzuständen - bei zweiseitigen Körperteilen auch am
gegenüberliegenden Körperteil - bildet im Rahmen der Kausalitätsbeurteilung
gleichfalls eine entscheidende Grundlage. Ein Vorzustand am linken Ohr des
Beschwerdeführers - desgleichen in Form einer Innenohrschwerhörigkeit (Suva-act. 5,
11) - lässt zwar eine Unfallkausalität gegenüber einer krankheitsbedingten Kausalität
immer noch möglich, jedoch nicht - wie im Sozialversicherungsrecht gefordert -
überwiegend wahrscheinlich erscheinen (vgl. dazu Th. Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, S. 451 f.). Gegenteilige ärztliche
Beurteilungen müssen mit Blick auf den Umstand des nicht nachgewiesenen Unfalls
und die an sich einleuchtende Beurteilung von Dr. C._ mit überzeugenden
medizinischen Überlegungen die überwiegend wahrscheinliche Unrichtigkeit der
Feststellungen von Dr. C._ deutlich machen. Eine bloss unterschiedliche Beurteilung
der gesundheitlichen Situation genügt nicht, um den mangelnden Nachweis eines
Unfalls durch medizinische Feststellungen zu ersetzen. Wie die nachfolgenden
Erwägungen zeigen, muss der Bericht von Dr. D._ als solch unterschiedliche
Beurteilung betrachtet werden. Hinzu kommt, dass diese auch für sich betrachtet nicht
ohne weiteres schlüssig erscheint.
4.4 Der Bericht von Dr. D._ vom 7. Oktober 2008 (act. G 1.2) enthält die Diagnosen
einer vorbestehenden Hochtonsenke im Rahmen der Lärmschwerhörigkeit bzw.
Sozioakusis und einer posttraumatischen Labyrinthopathie rechts im Rahmen des
akustischen Traumas vom 31. Juli 2007 mit hochgradiger pantonaler sensori-neuraler
Schwerhörigkeit rechts, Tinnitus aurium rechts cochleo-motorischen Ursprungs und
peripher-vestibulärer Funktionsstörung rechts mit sekundärer zentral-vestibulärer
Komponente und visuo-oculomotorischer Funktionsstörung. Dr. D._ hält Dr. C._
entgegen, dass der Beschwerdeführer bereits im Jahr 1995 bei ihm gewesen und
audiometrisch untersucht worden sei. Damals habe er eine beidseitige
Hochtonschwerhörigkeit (C-5-Senke) festgestellt, die nach anamnestisch-
audiometrischen Kriterien schon zu jenem Zeitpunkt für eine Lärmschädigung
gesprochen habe, welche durch lärm-prophylaktische Massnahmen keinen weiteren
Schaden genommen habe. Dr. C._ habe also - wie bei einem Aktengutachten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gefordert - kein vollständiges Bild über die Anamnese sowie den Verlauf und keinen
lückenlosen Untersuchungsbefund für die Beurteilung des Falls gehabt. Trotzdem
behaupte er, dass die auditative Symptomatik mit hochgradiger Schwerhörigkeit rechts
und die erhobenen Befunde gegen eine Berufskrankheit (Lärmschädigung) und gegen
eine Unfallkausalität sprechen würden. Er werfe in die differentialdiagnostische Schale
wahllos eine endogene Gehörschädigung, ohne die Kriterien für eine solche Diagnose
zu kennen und ohne Untersuchungen zu veranlassen, die eine solche Diagnose hätten
ausschliessen können. Dr. C._ solle nun erklären, wie es plötzlich am 31. Juli 2007,
dreieinhalb Monate nach dem Verlaufs-audiogramm vom 17. April 2007, aus heiterem
Himmel zu einer endogenen Gehörschädigung nur auf einer Seite gekommen sei. Die
Beschwerdegegnerin habe willkürlich die Lärmbelastung im Bereich der Lautsprecher
auf 110 dB(A) festgesetzt, einen Wert, den sie niemals beweisen könne und der ohne
weiteres um einiges höher hätte liegen können. Anhand des Audiogramm-Vergleichs
vom 22. August 2007 und 29. September 2008 sei der Verlauf der Hörschwelle rechts
praktisch unverändert, was objektiv gegen eine massive Progredienz der
Schwerhörigkeit im Verlauf von 13 Monaten und auch gegen eine endogene
Gehörschädigung spreche. Es bestehe nach wissenschaftlichen Erkenntnissen,
evidenzbasierenden Kriterien und den zugrunde liegenden pathophysiologischen
Mechanismen kein Zweifel daran, dass die akute akustische Belastung des rechten
Ohrs (akustisches Trauma und Barotrauma) genügende Relevanz gehabt habe, eine
labyrinthäre, vor allem eine cochleäre Schädigung zu verursachen. Die erhobenen
Läsionen im Bereich der Cochlea, des Vorhofs und des Bogengangsystems seien
einerseits im Rahmen des Unfalls durch eine Schalldruckwelle und andererseits durch
akustische Belastung ausgelöst worden. Bei einem solchen Mechanismus sei eine
posttraumatische perilymphatische Fistel nicht selten zu erwarten. Sowohl die
Relevanz des Unfallereignisses mit sofort ausgelöster labyrinthärer Symptomatik, vor
allem mit akutem hochgradigen Hörverlust, als auch jetzt erhobene audio-neuro-
otometrische und aequilibriometrische Befunde würden mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit dafür sprechen, dass der hochgradige Hörverlust rechts mit
dekompensiertem Tinnitus und episodischen Schwindelbeschwerden im direkten,
natürlich kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 31. Juli 2008 stünden.
Das Befundmonitoring mit Verlaufsaudiogrammen vom Februar 1995 bis September
2008, die Art des Entstehens und der Pathomechanismus, der Frequenzgang und die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Asymmetrie der Hörschwelle rechts-links spreche nach heutigem Wissensstand gegen
eine familiäre und/oder endogene progrediente Innenohrschwerhörigkeit, da es sich
nicht nur um eine Cochleopathie, sondern um eine objektivierbare Labyrinthopathie
handle.
4.5 In seiner ärztlichen Beurteilung vom 6. November 2008 nimmt Dr. C._ zum
Bericht von Dr. D._ Stellung (Suva-act. 43). Er hält im Wesentlichen fest, dass im
Jahr 1995 wahrscheinlich ein annähernd seitengleiches Gehör mit einer Hochtonsenke
bestanden habe. Zu diesem Zeitpunkt sei der Beschwerdeführer beruflich noch in
keiner Art und Weise gehörgefährdend lärmexponiert gewesen. Es habe damit keine
lärmbedingte Hörschädigung, sondern eine Gehörsabnahme ohne näher bekannten
Grund vorgelegen. Aus den Tonaudiogrammen vom 17. April und 22. August 2007 sei
ersichtlich, dass am 17. April 2007 für die linke Seite in etwa die gleiche Hörstörung wie
am 22. August 2007, auf der rechten Seite jedoch noch ein deutlich besseres Gehör
vorgelegen habe. Aber auch das rechtsseitige Gehör sei bereits mehr geschädigt
gewesen als im Tonaudiogramm von 1995 bei Dr. D._. Es sei also auch hier zu einer
gewissen Progression gekommen. Gerade auch die Tatsache, dass es beim
Beschwerdeführer nicht nur zu einer cochleären Schädigung, also zu einer Schädigung
des Hörorgans durch die akustische Belastung, sondern auch zu einer eigentlichen
labyrinthären Schädigung, also auch zur Schädigung des Gleichgewichtsorgans,
gekommen sein solle, spreche eindeutig gegen das Vorliegen eines akustischen
Traumas. Eine akute vestibuläre Mitbeteiligung komme nur bei extrem hohen
akustischen Traumatisierungen im Rahmen eines Explosionstraumas im Sinne eines
Tullio-Phänomens vor. Die Behauptung, dass durch die Schalldruckwelle im Sinne
eines Barotraumas eine Schädigung erfolgt sei, sei aufgrund der technischen Situation
absolut unmöglich. Durch einen einzelnen Lautsprecher könnten niemals Schallwellen
erzeugt werden, die zu einem eigentlichen Barotrauma führen würden.
4.6 Gestützt auf die eben dargelegten Ausführungen von Dr. C._ bilden die von
Dr. D._ festgehaltenen medizinischen Ausführungen keinen überzeugenden Beweis
für eine auf eine ungewöhnliche äussere Einwirkung zurückzuführende Hörschädigung,
also für ein Unfallereignis. Dr. D._ weist einerseits auf eine vorbestandene beidseitige
Hochtonschwerhörigkeit hin, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon für eine
damals - im Februar 1995 - bestandene Lärmschädigung spreche und damit auf ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vulnerables Innenohr hindeute. Andererseits bestand vor dem geltend gemachten
Ereignis am linken Ohr im Vergleich zum rechten Ohr eine massgebende
Schwerhörigkeit. Angesichts dessen, dass von einer beruflichen Lärmbelastung im
Regelfall wohl beide Ohren in etwa gleich betroffen werden (vgl. auch Suva-act. 18),
bleibt bei der Argumentation von Dr. D._ die Frage offen, welches die Ursache für die
vorbestandene Innenohrschädigung links bildete. Übrig bleibt eigentlich nur die
endogene Ursache. Wie von Dr. C._ vertreten, ist dieselbe Ätiologie damit auch in
Bezug auf das rechte Ohr nachvollziehbar bzw. die Argumentation von Dr. D._
erscheint zumindest nicht wahrscheinlicher. Dessen Begründung basiert im Übrigen
wesentlich auf der Annahme, der Beschwerdeführer habe vor dem geltend gemachten
Ereignis vom 30. Juli 2007 unter einer berufsbedingten Hörschädigung gelitten. Wie die
nachfolgenden Erwägungen zeigen (Erwägung 6), ist indessen auch ein solcher
Zustand nicht überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen. Unklar bleibt auch die
Aussage von Dr. D._, weshalb der praktisch unveränderte Verlauf der Hörschwelle
rechts im Verlauf von 13 Monaten (August 2007 bis September 2008) objektiv gegen
eine endogene Hörschädigung spricht. Die von ihm angeführte wissenschaftliche
Erkenntnis betreffend akustisches Trauma und Barotrauma vermag sodann zwar
zuzutreffen, gesundheitliche Schäden lassen sich jedoch daraus eben nur dann
ableiten, wenn die Belastung genügend gross war. Dr. D._ geht ohne Weiteres von
einer starken akustischen Belastung mit Schreckreaktion aus, was eine reine
Mutmassung ist. Dass die Schallbelastung übermässig und damit schädigend gewesen
wäre, ist - wie in Erwägung 3.3 dargelegt - nicht überwiegend wahrscheinlich
nachgewiesen. Die Beweislast dafür, dass die Lärmbelastung am 31. Juli 2007 deutlich
über 110 dB lag, liegt nicht bei der Beschwerdegegnerin, sondern beim
Beschwerdeführer. Bei der von Dr. D._ erhobenen Diagnose einer Labyrinthopathie
handelt es sich schliesslich um eine sehr umfassende und damit auch hinsichtlich
Ursächlichkeit wenig aussagekräftige Diagnose. Beschrieben wird damit lediglich
allgemein eine Erkrankung des Labyrinths bzw. des Innenohrs (vgl. dazu Roche,
Lexikon Medizin, 5. Aufl., S. S. 1063, S. 1419). Nachdem eine Labyrinthopathie im
Regelfall krankheitsbedingt ist, überzeugt damit auch die Feststellung, eine endogene
Innenohrschwerhörigkeit sei vorliegend ausgeschlossen, da es sich nicht nur um eine
Cochleopathie, sondern um eine objektivierbare Labyrinthopathie handle, nicht
(Pschyrembel, a.a.O., S. 1053; vgl. dazu MSD Manual, 6. Aufl., München/Jena 2000, S.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
824 ff.). Die alleinige Taxierung als posttraumatisch vermag sodann ebenfalls nichts
über eine allfällige Unfallkausalität auszusagen (Maurer, a.a.O., S. 460 N 1205;
BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb in fine), sondern drückt nur aus, dass eine gewisse
Gesundheitsstörung erst nach einem Unfall aufgetreten ist. Nachdem vorliegend eine
unfallbedingte Hörschädigung auszuschliessen ist, war es schliesslich nicht die
Aufgabe von Dr. C._, der tatsächlichen Ursache der fraglichen
Innenohrschwerhörigkeit auf den Grund zu gehen.
4.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die medizinischen Feststellungen von
Dr. D._ den mangelnden Nachweis eines Unfallereignisses nicht zu ersetzen
vermögen bzw. nicht als überzeugende Indizien für das Vorliegen eines Unfalls dienen.
An dieser Beurteilung vermögen auch die Berichte von Dr. B._ (Suva-act. 5, 10, 22,
30) nichts zu ändern, da er von einem falschen Sachverhalt (Detonation eines
Lautsprechers, Knalltrauma) ausgeht.
5.
Im vorliegenden Fall entfällt sodann auch eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 UVV. Laut
Bericht von Dr. D._ bildete sich beim Beschwerdeführer aufgrund des Ereignisses
vom 31. Juli 2007 mit grosser Wahrscheinlichkeit eine perilymphatische Fistel, welche
auch den pantonalen Hörverlust und die begleitende Schwindelsymptomatik erkläre.
Eine solche stelle eine noch schwerwiegendere Verletzung dar als eine
Trommelfellverletzung gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. h UVV. - Die Aufzählung der
Körperschädigungen in der Liste von Art. 9 Abs. 2 UVV ist abschliessend. Deshalb sind
weder die Versicherer noch die Gerichte befugt, sie durch Analogieschlüsse zu
erweitern. Die Gerichte sind lediglich befugt, durch Auslegung zu ermitteln, was unter
den in der Liste aufgeführten Körperschädigungen zu verstehen ist, sofern diese nicht
eindeutig umschrieben sind (BGE 116 V 140 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer,
a.a.O., S. 202). Bei der von Dr. D._ angeführten Gesundheitsschädigung handelt es
sich um ein Loch in der Membran, die das runde Fenster als Bestandteil des Innenohrs
umschliesst und dieses vom Mittelohr trennt. Durch das Loch entrinnt
Innenohrflüssigkeit. Das Trommelfell ist demgegenüber ein eindeutig abgrenzbarer Teil
des Mittelohrs und trennt die Aussenwelt vom Körperinnern ab (vgl. Suva-act. 43; vgl.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auch Roche, a.a.O., S. 251, S. 1063 f.; Wikipedia - Ohr, Abfrage vom 21. Juli 2009).
Eine perilymphatische Fistel lässt sich damit nicht unter den abschliessenden
Verletzungskatalog von Art. 9 Abs. 2 UVV bzw. unter dessen lit. h subsumieren. Der
Umstand, dass eine perilymphatische Fistel laut Dr. D._ eine schwerwiegendere
Verletzung darstelle als eine Trommelfellverletzung, ist kein massgebendes Kriterium.
Massgebendes Kriterium der in die Liste von Art. 9 Abs. 2 UVV aufgenommenen
Körperschädigungen bildet vielmehr der Umstand, dass diese den Folgen eines Unfalls
ähnlich sind (vgl. Art. 6 Abs. 2 UVG).
6.
6.1 Als Anspruchsgrundlage zu prüfen ist weiter das Vorliegen einer Berufskrankheit
gemäss Art. 9 UVG. Als Berufskrankheit gelten nach Art. 9 Abs. 1 Satz 1 UVG
Krankheiten, die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch
schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Laut dem vom
Bundesrat gestützt auf die ihm in Art. 9 Abs. 1 Satz 2 UVG und Art. 14 UVV
eingeräumte Befugnis erlassenen Anhang 1 zur UVV gelten als berufsbedingte
Erkrankungen im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG u.a. erhebliche Schädigungen des
Gehörs, die durch Arbeiten im Lärm verursacht wurden (Ziff. 2 lit. a Anhang 1 zur UVV).
6.2 Eine Belastung von Leq (energieäquivalenter Dauerschallpegel) 88 dB (A) und
mehr gilt als gehörgefährdend, während 85 - 87 dB im Grenzbereich der
Gehörgefährdung liegen (vgl. RKUV 2006 Nr. U 578 S. 174 E. 3.3; Akustische Grenz-
und Richtwerte des Bereichs Physik der Abteilung Arbeitssicherheit der Suva, Stand
Februar 2009). Laut technischer Beurteilung vom 15. Juli 2008 betreffend berufliche
Lärmbelastung im Zeitraum von 1985 bis 2008 sei der Beschwerdeführer während zwei
Jahren einer beruflichen Lärmbelastung von Leq 86 dB (A) im Grenzbereich der
Gehörgefährdung ausgesetzt gewesen (Suva-act. 39). Gemäss Dr. C._ kann eine
Exposition im Grenzbereich der Gehörgefährdung bei besonders empfindlichen
Personen nach langjähriger Belastung zu einer relevanten Hörschädigung führen. Eine
lediglich zweijährige Exposition im Grenzbereich der Gehörgefährdung - wie im
vorliegenden Fall - sei indes niemals geeignet, eine relevante Hörschädigung zu
verursachen (Suva-act. 40). Im konkreten Fall basiert die technische Beurteilung der
Lärmbelastung zunächst auf einer persönlich angegebenen Berufsanamnese des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführers sowie auf den Werten der Lärmquellendatenbank der
Beschwerdegegnerin, den allgemeinen Lärmtabellen für die Oberflächenveredlung und
Wärmebehandlung von Metallen und die Holzindustrie sowie der individuellen
Lärmtabelle der E._ wo der Beschwerdeführer in den Jahren 1990 bis 1997
gearbeitet hat (Suva-act. 38). Gestützt auf diese allgemeinen Lärmdaten aus einer
Vielzahl von Messungen in den entsprechenden Bereichen - im Falle der Tätigkeit bei
der E._ sogar gestützt auf konkrete Lärmdaten - lassen sich die verschiedenen
Lärmbelastungen ohne weiteres zuverlässig ermitteln. Konkrete Gründe für das
Erfordernis zusätzlicher Lärmmessungen vor Ort, d.h. an den jeweiligen Arbeitsplätzen
des Beschwerdeführers, liegen keine vor. So wird vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers einzig allgemein eingebracht, der Beschwerdeführer habe sowohl
bei der E._ wie auch bei den nachfolgenden Arbeitgebern an sehr lärmigen Orten
gearbeitet. Der Arbeitshygieniker der Beschwerdegegnerin sei offenbar von zu tiefen
Werten ausgegangen. Konkrete Indizien, welche die Richtigkeit des obgenannten
fachlichen Berichts anzweifeln liessen, liegen damit jedoch keine vor. Der
Beschwerdeführer war - obwohl offenbar auch hier anders empfunden - während
seiner mehrjährigen Tätigkeit bei der E._ keiner gehörgefährdenden Lärmbelastung
ausgesetzt. Es ist jedoch keineswegs abwegig, dass beispielsweise auch ein
Lärmexpositionspegel von Leq 83 dB (A) subjektiv als laut wahrgenommen bzw.
beschrieben wird. Wesentlich ist im Weiteren, dass der Beschwerdeführer in den
Jahren 2001 bis 2008 eine Tätigkeit mit einem Lärmexpositionspegel weit unter dem
Grenzbereich der Gehörgefährdung ausübte, ausgerechnet im Jahr 2007 jedoch der
schwere Hörverlust am rechten Ohr auftrat. Nicht gegeben ist im vorliegenden Fall
auch die durch eine berufliche Belastung im Regelfall auf beiden Ohren gleichzeitig
auftretende Hörschädigung. Zusammenfassend kann nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Hörstörung am rechten Ohr
des Beschwerdeführers ausschliesslich oder vorwiegend durch die berufliche Arbeit
verursacht wurde. An dieser Stelle ist im Übrigen anzuführen, dass offensichtlich auch
der Beschwerdeführer nicht eigentlich von einer berufsbedingten, sondern von einer
unfallbedingten Gehörschädigung ausgeht. Somit ergibt sich auch unter dem Titel der
Berufskrankheit im Sinne von Art. 9 UVG keine Leistungspflicht der Unfallversicherung.
7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 12. September 2008 abzuweisen.
7.2 Das Bundesgericht hat entschieden, bei einer Verletzung des rechtlichen Gehörs
durch die Verwaltung mit anschliessender Heilung im gerichtlichen Verfahren
rechtfertige es sich, der Gehörsverletzung durch Zusprache einer reduzierten
Parteientschädigung und teilweiser Auferlegung der Gerichtskosten Rechnung zu
tragen (Urteil vom 4. August 2008 i/S H. [9C_234/2008] E. 5.1 mit Hinweisen).
Gerichtskosten sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben, womit eine
diesbezügliche Auferlegung ausser Betracht fällt. Infolge der Gehörsverletzung
rechtfertigt es sich jedoch, trotz Unterliegens des Beschwerdeführers in der Sache
selbst, die Beschwerdegegnerin zur Zahlung einer Parteientschädigung zu verpflichten.
Formellrechtlich wäre nämlich grundsätzlich auch eine Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin in Betracht zu ziehen. Der Rechtsvertreter musste sich zudem in
der Beschwerde zur Gehörsverletzung äussern und hat dies auch ausführlich getan,
wodurch ein zusätzlicher Aufwand entstanden ist. Ausgehend von einer Entschädigung
bei vollem Obsiegen von Fr. 3'500.-- erscheint die Zusprache einer
Parteientschädigung von pauschal Fr. 2'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) konkret angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG