Decision ID: a0d5594d-1416-5509-96a3-fba78861fe70
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Mit Verfügung vom 14. Februar 2018 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such vom 17. Mai 2016 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug an.
A.b Mit Urteil E-1747/2018 vom 20. April 2020 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom
21. März 2018 ab.
B.
Mit Eingabe vom 25. Mai 2020 gelangte der Gesuchsteller durch seinen
Rechtsvertreter an das Bundesverwaltungsgericht. Er ersucht um revisi-
onsweise Aufhebung des Urteils E-1747/2018 vom 20. April 2020. Nach
Aufhebung des Urteils sei die Verfügung vom 14. Februar 2018 aufzuhe-
ben, und es sei ihm unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft Asyl
zu gewähren. Eventualiter sei er nach Feststellung der Unzulässigkeit
und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzuneh-
men. In prozessualer Hinsicht beantragt er den Erlass einer vorsorglichen
Massnahme und die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung so-
wie die Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand.
Die revisionsweise eingereichten zwei Schreiben vom 28. April 2020 seien
als neue Beweismittel zu den Akten zu nehmen, und die Schweizer Vertre-
tung in Colombo sei zu beauftragen, B._ zu befragen. Als Beilagen
liess er die im Verzeichnis auf Seite 11 aufgeführten Beweismittel einrei-
chen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die
es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE
2007/21 E. 2.1).
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1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VwVG Anwendung.
1.3 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich
gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-
such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur-
teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen (vgl.
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2. Aufl. 2013, S. 303 Rz. 5.36).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi-
sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel-
tend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG).
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Besetzung mit drei
Richtern oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG), sofern das Revisionsge-
such nicht in die Zuständigkeit des Einzelrichters beziehungsweise der Ein-
zelrichterin fällt (vgl. Art. 23 VGG).
2.
2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund
anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von
Art. 124 BGG darzutun.
2.2 Der Gesuchsteller macht die Revisionsgründe von Art. 123 Abs. 2
Bst. a BGG (neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel) und Art. 121
Bst. c BGG (unbeurteilt gebliebene Anträge) geltend und zeigt ausserdem
die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens auf. Auf das frist- und formge-
recht eingereichte Revisionsgesuch ist – vorbehältlich der nachstehenden
Erwägung 3.2 – einzutreten.
3.
3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn die ersu-
chende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entschei-
dende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht beibrin-
gen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst
nach dem Entscheid entstanden sind. Auf Revisionsgesuche, die auf erst
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nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens entstandenen Tatsachen oder
Beweismitteln gründen, ist – unabhängig von der Frage der Erheblichkeit
der neuen Tatsachen oder Beweismittel – nicht einzutreten (vgl. BVGE
2013/22 E. 13).
3.2 Im Revisionsgesuch wird geltend gemacht, mit den zwei Schreiben
vom 28. April 2020 (Schreiben von C._ im Original und Schreiben
von Kommilitonen in Kopie aus Sri Lanka) lägen neue erhebliche Beweis-
mittel vor, die dem Gesuchsteller erst nach Abschluss des Beschwerdever-
fahrens zugegangen seien. Er habe C._, den er seit 2010 von der
Universität her kenne und zufälligerweise in der Schweiz wieder angetrof-
fen habe, von der Abweisung der Beschwerde berichtet. Dieser habe da-
raufhin den Kontakt zu den Mitstudenten in Sri Lanka hergestellt.
C._ und die Mitstudenten hätten nun die zwei Schreiben verfasst
und die dem Gesuchsteller in Sri Lanka zugefügten Gewalttaten beschrie-
ben. Das Original des Schreibens der Kommilitonen werde nach Erhalt so-
bald als möglich nachgereicht.
Dazu ist festzustellen, dass die zwei Schreiben erst am 28. April 2020 und
somit nach dem Urteil vom 20. April 2020 entstanden sind. Sie sind daher
gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a in fine BGG revisionsrechtlich unbeachtlich
und auf das Revisionsgesuch ist diesbezüglich nicht einzutreten. Die Er-
heblichkeit der besagten Dokumente ist vorliegend nicht zu prüfen, da –
wie ausgeführt – nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens entstandene
Beweismittel, selbst wenn sie erheblich sind, nicht im Rahmen eines Revi-
sionsgesuchs entgegenzunehmen und zu prüfen sind (vgl. BVGE 2013/22
E. 13). Der Verweis des Gesuchstellers auf den Inhalt der besagten Schrei-
ben, der sich auf Erlebnisse beziehe, die sich in seiner Heimat und somit
vor dem Beschwerdeurteil vom 20. April 2020 zugetragen hätten, vermag
daran nichts zu ändern. Eine offensichtliche Verletzung von Völkerrecht
ergibt sich daraus nicht und weiter ist der Inhalt der Dokumente respektive
deren Erheblichkeit nicht zu prüfen.
4.
4.1 Gemäss Art. 121 Bst. c BGG kann die Revision eines Urteils verlangt
werden, wenn einzelne Anträge seitens des Gerichts unbeurteilt geblieben
sind.
4.2 Im Revisionsgesuch wird weiter geltend gemacht, in der Beschwerde
vom 21. März 2018 im Verfahren E-1747/2018 sei dargelegt worden, dass
der Gesuchsteller nach der am (...) erlittenen Folter zu seiner Unikollegin
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B._ nach D._ geflüchtet sei und sich dort versteckt habe.
Anhand der Aussage dieser Zeugin hätte die Glaubhaftigkeit seiner Aussa-
gen untermauert werden können. Im Urteil vom 20. April 2020 (E.6.2) sei
der Antrag auf Durchführung der Zeugenbefragung von B._ abge-
wiesen worden mit der Begründung, sie sei beim Vorfall vom (...) nicht vor
Ort gewesen und könne deshalb keine Ausführungen dazu machen. Das
Gericht verkenne, dass die Zeugin zwar nicht vor Ort gewesen sei, aber
den Gesuchsteller unmittelbar danach getroffen habe. Dem Rechtsvertre-
ter gehe es darum, den unmittelbaren Zustand des Gesuchstellers nach
den Übergriffen durch die Sicherheitsbehörden mithilfe dieser Zeugenaus-
sage festzulegen. Der Antrag sei vom Gericht falsch interpretiert worden,
weshalb er als unbeurteilt gelte. Des Weiteren sei als Ergänzung kurz auf
das Arztzeugnis vom (...) 2014 einzugehen. Das Gericht habe dieses Be-
weismittel als nicht überzeugend erachtet, weil die geltend gemachten Ver-
letzungen nicht mit denjenigen übereingestimmt hätten, die im Arztzeugnis
festgehalten worden seien. Es sei jedoch allgemein bekannt, dass der ad-
ministrative Betrieb in den Spitälern oder in Ärztepraxen in Sri Lanka nicht
wie in der Schweiz funktioniere.
4.3 Dazu ist festzuhalten, dass der Antrag auf Durchführung einer Zeugen-
befragung von B._ im Urteil vom 20. April 2020 beurteilt und mit der
Begründung abgewiesen worden ist, sie sei beim Vorfall vom (...) nicht vor
Ort gewesen und könne dazu auch keine Ausführungen machen (vgl. E.
6.2). In E. 8.1 wurde ausgeführt, die geltend gemachten Verletzungen an
(...) und (...) beziehungsweise an (...) und (...) sowie (...) würden im ärzt-
lichen Bericht vom (...) 2014 nicht erwähnt und auch das Datum der Hos-
pitalisierung stimme nicht mit den Aussagen des Gesuchstellers überein.
Im Arztbericht sei vermerkt worden, er leide an (...), weshalb er vom (...)
2014 an drei Tage hospitalisiert worden sei. Die Begründung des Gesuch-
stellers, der Arzt habe unsorgfältig gearbeitet, überzeuge nicht. Daraus er-
hellt, dass sowohl der Antrag auf Zeugenbefragung beurteilt als auch der
Arztbericht bei der materiellen Prüfung des Asylgesuchs gewürdigt worden
sind. Das Revisionsgesuch ist deshalb in diesem Punkt abzuweisen. So-
weit der Gesuchsteller mit seinen Ausführungen auf eine andere Beurtei-
lung des Antrags und eine andere Würdigung des Arztberichts abzielt, stellt
dies eine appellatorische Kritik dar, die von vornherein nicht zur Revision
des Urteils führen kann.
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5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine revisionsrechtlich relevan-
ten Gründe dargetan sind. Das Gesuch um Revision des Urteils des Bun-
desverwaltungsgerichts E-1747/2018 vom 20. April 2020 ist demzufolge
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
6.
Mit dem vorliegenden Urteil wird der Antrag auf Erlass einer vorsorglichen
Massnahme (Vollzugsstopp) gegenstandslos.
7.
7.1 Das Revisionsgesuch erweist sich als aussichtslos, weshalb die An-
träge auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65
Abs. 1 VwVG und Beiordnung des Rechtsvertreters als unentgeltlicher
Rechtsbeistand gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen sind.
7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1500.–
dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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