Decision ID: 2bcaf2ee-4bda-41b3-93bd-1b56baa5bd78
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Am 16. Februar 2016 meldete sich A._ (nachfolgend: Versicherte) bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 7; vgl. ferner IV-act. 1). Die Versicherte war bis zu diesem
Zeitpunkt in der Schweiz noch nie erwerbstätig gewesen (IV-act. 7, 12 und 14). Dr.
med. B._, Facharzt FMH für Innere und Allgemeine Medizin, hatte der Versicherten
seit dem 21. Februar 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert (IV-act. 9).
Bezüglich ihrer Beschwerden verwies die Versicherte in ihrer IV-Anmeldung auf einen
Bericht von Dr. med. C._, Neurochirurgie FMH, Klinik D._, vom 17. Dezember 2015
(IV-act. 7 S. 5). Dr. C._ hatte darin die Diagnose lumbovertebrales Schmerzsyndrom
und radikuläre Reizung L4 links bei Zweisegement-Diskopathie L4/L5 und L5/S1,
extraforaminalem Bandscheibenvorfall L4/L5 links und begleitender segmentaler
Instabilität mit Spondylarthrose L4/L5 und L5/S1 genannt. Weiter hatte Dr. C._
ausgeführt, dass die Versicherte von jahrelang bestehenden lumbovertebralen
Schmerzen berichtet habe, die sich in den letzten drei Monaten intensiviert hätten (IV-
act. 8).
A.a.
In einem Bericht an die IV-Stelle vom 30. März 2016 führte Dr. C._ aus, dass die
Versicherte nicht in der Lage sei, zehn Minuten an Ort zu stehen oder 20 Minuten in
sitzender Position zu verweilen, weil dies zu einem Schmerz im Rücken und in den
Beinen führe, was auch gegen eine sofortige Wiedereingliederung spreche. Die
Schmerzen seien zurzeit mit Schmerzmitteln nur ungenügend therapierbar. Bei
fehlender Reintegration in den Arbeitsprozess werde eine operative Massnahme zur
Stabilisation notwendig. In der aktuellen Situation sei die Versicherte nicht in der Lage,
einer regelmässigen Arbeitstätigkeit mit Leistung nachzugehen (IV-act. 20 S. 4 f.). In
A.b.
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einem Sprechstundenbericht vom 26. April 2016 hielt Dr. C._ fest, dass die
Versicherte sich erstmalig am 15. Dezember 2015 bei ihm vorgestellt habe. Die
klinische Untersuchung habe zu diesem Zeitpunkt keine fokal-neurologischen Defizite
gezeigt, eine MRT-Untersuchung von Mitte November 2015 eine Zweisegment-
Diskopathie. Aufgrund fehlender fokaler Ausfälle habe er zunächst eine konservative
Therapie vorgeschlagen. Die Versicherte habe sich nun im Beisein ihres Ehemannes
mit der Frage nach einer IV-Anmeldung und Begutachtung vorgestellt. Er habe der
Versicherten die Situation im Detail erläutert und sie darauf hingewiesen, dass die
Diskographie (gemeint wohl: Diskopathie) als Ursache der geklagten Beschwerden
durchaus therapiert werden könne. Er habe ihr die einzelnen Schritte einer diskalen
Infiltration, einer allfälligen Diskektomie und einer Spondylodese dargelegt. Weiter habe
er die Versicherte darüber in Kenntnis gesetzt, dass eine Berentung aufgrund der
lumbovertebralen Schmerzen ausserordentlich unwahrscheinlich sei, solange
zumutbare therapeutische Optionen bestünden. Die Versicherte werde die Situation
überdenken und sich gegebenenfalls für eine Infiltration vorstellen (IV-act. 27 S. 6). Am
20. Juli 2016 führte Dr. C._ gegenüber der IV-Stelle aus, dass die Versicherte die
therapeutischen Möglichkeiten noch in keiner Weise ausgeschöpft habe. Sie beklage
einen Anlaufschmerz in den frühen Morgenstunden sowie eine zunehmende
lumbosakrale Schmerzkomponente gegen Abend und unter Belastung. Längeres
Stehen, längeres Tragen von Lasten sowie vornübergebeugtes Arbeiten seien für die
Versicherte mit Schmerzen assoziiert. Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten noch
zumutbar. Sie arbeite seines Wissens als Hausfrau und sei durchaus in der Lage, im
Rahmen dieser Tätigkeit einzelne Pausen einzufügen. Eine Einschränkung bestehe nur
bedingt (IV-act. 27 S. 1 ff.). Gleichentags berichtete Dr. E_, Chirurgie und Allgemeine
Medizin, gegenüber der IV-Stelle, dass die Versicherte an einem lumbovertebralen
Schmerzsyndrom und einer radikulären Reizung L4 links bei Zweisegment-Diskopathie
L4/L5 und L5/S1 und extraforaminalem Bandscheibenvorfall L4/L5 links mit
beginnender segmenteren Instabilität mit Spondylarthrose L4/L5 und L5/S1 leide. Die
Versicherte habe immer Rückenschmerzen. Tätigkeiten könne sie zurzeit keine
ausüben. Gründe, die gegen einen sofortigen Beginn der Wiedereingliederung
sprechen würden, lägen jedoch nicht vor (IV-act. 26). In einem bei der IV-Stelle am 28.
Juli 2016 eingegangen Bericht führte Dr. B._ aus, dass ab sofort mit einer
Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im Umfang von 10-20 % gerechnet werden
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könne. Durch eine Gewichtsreduktion und Heimübungen könne das Belastungsprofil
vermutlich gesteigert werden. Invasive Behandlungen lehne die Versicherte ab (IV-
act. 28 S. 1 ff.).
Anlässlich eines Assessmentgesprächs vom 6. September 2016 gab die
Versicherte gegenüber einer Eingliederungsverantwortlichen der IV an, dass sie sich
aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation aktuell keine berufliche Tätigkeit vorstellen
könne. Wäre sie gesund, würde sie gerne in einem Pensum von 100 % arbeiten (IV-
act. 35).
A.c.
In einem Verlaufsbericht vom 21. September 2016 berichtete Dr. C._ gegenüber
der IV-Stelle, dass der Gesundheitszustand der Versicherten stationär sei. Die
Versicherte habe die konservativen therapeutischen Massnahmen nach der
Erstkonsultation intensiviert, sei jedoch unter diesen Massnahmen nicht
beschwerdefrei geworden. Eine neue Konsultation im April 2016 habe unveränderte
Befunde gezeigt. Prognostisch könne die Versicherte nach einer Operation
Integrationspotential erlangen. Gründe für eine dauerhafte Berentung bestünden nicht.
Aktuell seien sowohl die bisherige Tätigkeit als auch andere Tätigkeiten nicht zumutbar
(IV-act. 37).
A.d.
Vom 18. bis 20. November 2016 war die Versicherte im Spital F._ hospitalisiert.
Sie war aufgrund eines Stolpersturzes mit Bewusstseinsverlust notfallmässig
zugewiesen und zur GCS-Überwachung sowie zur Schmerzeinstellung stationär
aufgenommen worden. Laut dem Austrittsbericht vom 1. Dezember 2016 waren die
Überwachung unauffällig, die Beschwerden im Verlauf regredient und die Mobilisation
erfolgreich gewesen. Als Diagnosen waren im Austrittsbericht eine commotio cerebri
nach Stolpersturz und eine chronische Lumbalgie genannt worden (IV-act. 52 S. 44 ff.
und 52 ff.).
A.e.
In einem Arztzeugnis vom 13. März 2017 nannte Dr. B._ als Dauerdiagnose ein
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom, ein CT Abdomen 6/15 mit
Fehlstellung der LWS (Lendenwirbelsäule) sowie eine radikuläre Reizung L4 links bei
Zweisegment-Diskopathie L4/L5 und L5/S1 und extraforaminalem Bandscheibenvorfall
A.f.
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L4/L5. Aufgrund dieser Diagnose attestierte Dr. B._ der Versicherten seit dem 21.
Februar 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 50 S. 1).
Im Zeitraum vom 7. Februar bis 27. März 2017 wurde die Versicherte im Auftrag
der IV-Stelle vom BEGAZ Begutachtungszentrum (nachfolgend: BEGAZ) polydisziplinär
(internistisch, psychiatrisch und orthopädisch) untersucht (IV-act. 52 S. 1 und 5). Im
polydisziplinären Konsens ihres Gutachtens vom 12. April 2017 (vgl. IV-act. 52 S. 1)
nannten die Sachverständigen als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
lumbospondylogenes Syndrom bei degenerativen LWS-Veränderungen, Adipositas per
magna und muskulärer Dekonditionierung. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit erwähnten die Gutachter einen Status nach schwieriger Ehe mit
angeblichem Gewalterleben in G._ und Scheidung 20_ mit Trennung der Kinder,
weil diese dem Gatten zugesprochen worden waren, sowie Angaben von
Beinschmerzen und Beinblockaden mit angedeuteter phobischer Angst vor Sturz (IV-
act. 52 S. 38). Aus psychiatrischer Sicht konnten die Sachverständigen keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit feststellen (IV-act. 52 S. 39). Aus orthopädischer
Sicht kamen die Gutachter zum Schluss, dass ständig mittelschwere und schwere, das
Achsenskelett strapazierende Tätigkeiten, Überkopftätigkeiten, Arbeiten mit Bücken
sowie Arbeiten mit Heben und Tragen von Lasten über 15 kg für die Versicherte
aufgrund des lumbospondylogenen Syndroms, begleitet von der Adipositas per magna
und der muskulären Dekonditionierung, derzeit nicht sinnvoll seien (IV-act. 52 S. 39 f.).
Für leichte und intermittierend mittelschwere, wechselbelastende und
rückenschonende Tätigkeiten ergebe sich aus gesamtmedizinischer Sicht unter
Berücksichtigung der genannten orthopädischen Einschränkungen keine
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 52 S. 40).
A.g.
Am 21. April 2017 bezeichnete der regionale ärztliche Dienst (RAD) das eingeholte
Gutachten als umfassend. Es sei in Kenntnis der wichtigsten Vorakten erstellt worden
und beantworte die IV-relevanten Fragen. Die Darstellung der Arbeitsfähigkeit sei
aufgrund der nachvollziehbar erarbeiteten interdisziplinären Konsensmeinung
überzeugend. Die von der Versicherten geschilderten Beschwerden seien hinreichend
berücksichtigt und gewürdigt worden (IV-act. 53). Mit einer gleichentags erlassenen
Mitteilung informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass das
A.h.
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B.
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde, da sie in einer
adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei (IV-act. 56).
Mit Vorbescheid vom 15. Mai 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht, da sie in einer ideal angepassten
Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Aufgrund der Akten könne mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass auch in den Haushaltstätigkeiten
keine rentenbegründende Einschränkung bestehe (IV-act. 63).
A.i.
Gegen diesen Vorbescheid wandte die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
lic. iur. L. Häusermann, St. Gallen, am 20. Juni 2017 ein, der medizinische Sachverhalt
sei unzureichend abgeklärt worden. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei ohne
Berücksichtigung der Schwindel- und Sturzproblematik erfolgt (IV-act. 69).
A.j.
Am 26. Juli 2017 hielt der RAD fest, dass die Versicherte anlässlich der
polydisziplinären Begutachtung sorgfältig untersucht worden sei. Weder anamnestisch
noch in der Untersuchung seien Hinweise für einen organischen Schwindel erhoben
worden, sodass diese vegetative Begleitsymptomatik aus somatischer Sicht keine
Relevanz für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit habe. Zudem sei davon auszugehen,
dass auch Dr. B._ keine Hinweise für einen organisch bedingten Schwindel erkannt
habe, zumal er diesbezüglich keine weiteren Untersuchungen veranlasst habe. In
seinem ärztlichen Zeugnis vom 13. März 2017 habe Dr. B._ den Schwindel nicht
erwähnt und die Rückenschmerzen als für die Arbeitsunfähigkeit relevante Problematik
angegeben. Die Versicherte sei medizinisch umfassend abgeklärt worden, weshalb
weiterhin auf die gutachterlichen Feststellungen abgestellt werden könne (IV-act. 70).
Mit gleichentags erlassener Verfügung wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten unter Verweis auf die Stellungnahme des RAD ab (IV-act. 71).
A.k.
Gegen diese Verfügung erhob die noch immer durch den gleichen Anwalt
vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 13. September 2017
Beschwerde. Darin beantragte sie, die Verfügung vom 26. Juli 2017 sei aufzuheben
und ihr seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Vorinstanz. Weiter beantragte sie eine Frist von 60
B.a.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin zu Unrecht verneint hat.
Tagen zur Präzisierung der Anträge und zur ergänzenden Beschwerdebegründung
(act. G 1).
Innert der vom Versicherungsgericht gewährten Nachfrist zur
Beschwerdeergänzung (vgl. act. G 2 ff.) reichte die Beschwerdeführerin mit Schreiben
vom 8. Januar 2018 eine Medikamentenliste sowie einen Bericht über eine MRT-
Untersuchung der LWS vom 18. September 2017 ein (act. G 5 und 5.1 f.). In diesem
war festgehalten worden, dass im Vergleich zur Voruntersuchung vom 17. November
2015 keine wesentliche Änderung des LWS-Befundes vorliege (act. G 5.1).
B.b.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 8. März 2018 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 11).B.d.
Mit Schreiben vom 6. Dezember 2018 machte die Beschwerdeführerin geltend,
dass das psychiatrische Teilgutachten wesentliche psychische Symptome mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt habe. Das Gutachten sei mangelhaft und
die Schlussfolgerung nicht einleuchtend (act. G 12). Weiter reichte die
Beschwerdeführerin einen Bericht der Psychiatrie H._ vom 18. Oktober 2018 ein. In
diesem hatten die behandelnden Ärzte festgehalten, dass die Beschwerdeführerin am
16. November 2017 ein Erstgespräch wahrgenommen habe. Im Rahmen der
Erstbeurteilung sei die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode gestellt und
eine antidepressive analgetische Behandlung mit Cipralex etabliert worden. An den
zwei nachfolgenden Terminen sei es um versicherungsrechtliche Anliegen gegangen,
weshalb zum weiteren Verlauf der depressiven Episode wenig gesagt werden könne
(act. G 12.1.1).
B.e.
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2.
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Bei im Gesundheitsfall nicht erwerbstätigen Versicherten, die in
einem Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht
zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in
welchem Masse sie unfähig sind, sich in ihrem Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a
Abs. 2 IVG; BGE 141 V 20 E. 3.2). Wenn eine versicherte Person ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung teilerwerbstätig gewesen wäre, ist der Invaliditätsgrad
gemäss der langjährigen Praxis des Bundesgerichts anhand der gemischten Methode
festzulegen. Hierbei ist der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu
bemessen (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG; BGE 141 V 20 f. E. 3.2). Ob eine versicherte Person
als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist,
ergibt sich gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aus der Prüfung, was die
Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche
Beeinträchtigung bestünde (Urteil des Bundesgerichts vom 17. April 2019,
8C_820/2018, E. 3.2).
2.1.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad im Erwerbsbereich bestimmen zu können, ist die
Verwaltung - und im Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
2.2.
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3.
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
Zunächst ist zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden medizinischen Aktenlage der
Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
feststeht (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E. 6 und Urteil des Bundesgerichts
vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2).
3.1.
Die Beschwerdegegnerin hat sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs in erster
Linie auf das von ihr eingeholte BEGAZ-Gutachten gestützt, wonach die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist (vgl. act. G
1.1 und 8). Demgegenüber erachtet die Beschwerdeführerin das psychiatrische
Teilgutachten der polydisziplinären BEGAZ-Begutachtung als mangelhaft und in der
Schlussfolgerung nicht einleuchtend. Der psychiatrische Gutachter habe wesentliche
Symptome, die geeignet seien, die Arbeitsfähigkeit einzuschränken, nicht
berücksichtigt (act. G 12). Der Gutachter sei nicht detailliert auf die von ihr
geschilderten Einschränkungen in den Alltagsaktivitäten eingegangen und habe ihre
innere Anspannung sowie die geltend gemachten Ängste nicht ausreichend
berücksichtigt. Zwischen der Befunderhebung und den subjektiven
Beschwerden bestünden erhebliche Diskrepanzen. Der vom psychiatrischen Gutachter
festgehaltene unauffällige Psychostatus sei nicht nachvollziehbar. So leuchte es
beispielsweise nicht ein, dass sich der psychiatrische Gutachter weder mit einer
chronischen Schmerzstörung in Verbindung mit somatischen und psychischen
Faktoren noch mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
auseinandergesetzt habe. Sie beklage seit mehr als sechs Monaten anhaltende
Rückenbeschwerden. Dass der psychiatrische Gutachter in seiner Beurteilung eine
Somatisierungsneigung bzw. eine Somatisierungsstörung sowie eine
Schmerzfehlverarbeitung antöne, sei nicht nachvollziehbar, da sich diese Störung
durch häufig wechselnde körperliche Symptome kennzeichne. Solche Beschwerden
beklage sie jedoch nicht (act. G 1 S. 3 f.). Gemäss einem Arztzeugnis von Dr B._ vom
13. März 2017 sei sie weiterhin vollständig arbeitsunfähig (act. G 1 S. 4 i.V.m. G 1.4).
Überdies hätten die behandelnden Ärzte des psychiatrischen Dienstes H._ in ihrem
Bericht vom 18. Oktober 2018 eine mittelgradige depressive Episode festgestellt
(act. G 12 i.V.m. 12.1.1). Schliesslich beanstandet die Beschwerdeführerin, dass die
3.2.
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Ursachen des von ihr geklagten Schwindels bzw. der von ihr erwähnten Stürze nicht
ausreichend abgeklärt worden seien (act. G 1 S. 3).
Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat sich der psychiatrische
Gutachter hinreichend mit den von ihr beklagten Beschwerden und Einschränkungen
auseinandergesetzt. Er hat die Beschwerdeführerin eingehend zu ihrer
gesundheitlichen, familiären und beruflichen Situation befragt (IV-act. 52 S. 15 ff.). Aus
dem Umstand, dass eine Diskrepanz zwischen den subjektiv geklagten Beschwerden
und den objektiven Befunden besteht, kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren
Gunsten ableiten, zumal den BEGAZ-Sachverständigen mehrere Widersprüche in den
Aussagen bzw. im Verhalten der Beschwerdeführerin aufgefallen sind. So ist im
internistischen Gutachten beispielsweise nachzulesen, dass die Beschwerdeführerin
angegeben habe, lediglich eine halbe Stunde am Stück sitzen zu können (vgl. IV-
act. 52 S. 12), während sie anlässlich der orthopädischen Anamneseerhebung
problemlos 30 Minuten lang ruhig gesessen habe (vgl. IV-act. 52 S. 35) und auch der
psychiatrische Gutachter in Bezug auf die Dauer seiner Untersuchung von einer Stunde
und zehn Minuten weder die Notwendigkeit einer Pause noch konkrete Unruhe oder
Schmerzangaben beim Sitzen erwähnt (vgl. IV-act. 52 S. 15 ff.). Auch ist es der
Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Aussagen trotz starker Rückenschmerzen
möglich gewesen, eine Ferienreise mit einer Autofahrt von etwa 22 Stunden (Pausen
eingerechnet) zu machen (vgl. IV-act. 52 S. 10). Weiter hat die Beschwerdeführerin laut
dem orthopädischen Gutachter wechselhafte Schmerzangaben gemacht. Zunächst
habe sie über Schmerzen im linken Bein, später plötzlich über solche im rechten Bein
geklagt, wobei sie angegeben habe, sie habe im Gedächtnis gehabt, dass es das linke
Bein gewesen sei, jedoch sei es das rechte Bein, das Probleme bereite (vgl. IV-act. 52
S. 31 f. und 35). Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat sie somit
durchaus wechselhafte Schmerzangaben gemacht, was die von ihr angeführte Kritik an
der Diagnosestellung des psychiatrischen BEGAZ-Gutachters als unbegründet
erscheinen lässt (vgl. act. G 1 S. 3 f.). Dazu kommt, dass von den Sachverständigen
grundsätzlich nicht verlangt werden kann, sich in ihrem Gutachten stets mit sämtlichen
Diagnosen auseinanderzusetzen. Die in der Beschwerde enthaltenen - aus
medizinischer Sicht laienhaften - Ausführungen der Beschwerdeführerin bzw. ihres
Rechtsvertreters vermögen jedenfalls keine Zweifel an der Diagnosestellung des
psychiatrischen BEGAZ-Sachverständigen zu begründen. Weiter geht aus dem
BEGAZ-Gutachten hervor, dass die Beschwerdeführerin teilweise sehr ausweichend
geantwortet habe. Beispielsweise habe sie auf die Frage des internistischen Gutachters
nach dem Grund der Arbeitsunfähigkeit zur Antwort gegeben, dass sie wie jede andere
Frau gerne arbeiten würde. Auf Nachfrage habe die Beschwerdeführerin zurückgefragt,
3.3.
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wo es denn einen Chef geben würde, der Geduld habe, bis jemand aufgewärmt sei von
Seiten des Bewegungsapparates. Erst bei der dritten Nachfrage habe sie
Rückenschmerzen als Grund der Arbeitsunfähigkeit genannt (IV-act. 52 S. 11).
Angesichts der zahlreichen Widersprüche sind die Aussagen der Beschwerdeführerin
mit Vorsicht zu würdigen. Jedenfalls kann aus den von ihr geklagten Beschwerden
nicht ohne Weiteres auf eine Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden. Das von der
Beschwerdeführerin ins Recht gelegte Arztzeugnis vom 13. März 2017, in welchem Dr.
B._ ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hat, vermag an der
gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen
ebenfalls keine Zweifel zu begründen. Denn weder geht aus dem Zeugnis hervor, ob
sich die attestierte Arbeitsunfähigkeit auf sämtliche leidensadaptierten Tätigkeiten
bezieht, noch enthält es eine nachvollziehbare Begründung für die attestierte
Arbeitsunfähigkeit. Überdies hat Dr. B._ die Arbeitsunfähigkeit aufgrund der
Rückenprobleme attestiert und nicht wegen psychischer Probleme (vgl. act. G 1.4). Die
Einschätzung des orthopädischen BEGAZ-Gutachters, wonach die Beschwerdeführerin
in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei (vgl. IV-act. 52 S. 36), hat
diese nicht konkret bemängelt (vgl. act. G 1 und 12). Der ebenfalls von der
Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereichte Bericht der Psychiatrie
H._ vom 18. Oktober 2018, wonach anlässlich der Erstbehandlung vom 16.
November 2017 die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode gestellt
worden ist (vgl. act. G 12.1.1), ist ebenfalls nicht geeignet, die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung in Zweifel zu ziehen. Zum einen enthält der Bericht keinerlei
Begründung für die Diagnose, zum anderen spricht er sich über den Zeitraum nach
dem Erlass der in diesem Beschwerdeverfahren angefochtenen Verfügung aus, sodass
er für dieses Verfahren nicht relevant ist (vgl. act. G 1.1 i.V.m. 12.1.1). Sollte die
Beschwerdeführerin nach dem Verfügungserlass an vermehrten psychischen
Problemen leiden, steht es ihr frei, sich aufgrund einer Gesundheitsverschlechterung
erneut bei der Beschwerdegegnerin anzumelden. Gleiches gilt für die von ihr geltend
gemachte Schwindelproblematik. Aufgrund der bis zum Verfügungserlass vorliegenden
Aktenlage ist es gestützt auf die schlüssige Stellungnahme des RAD vom 26. Juli 2017
und angesichts der umfassenden gutachterlichen BEGAZ-Untersuchung nicht zu
beanstanden, dass keine weitergehenden Abklärungen bezüglich dieser Problematik
erfolgt sind (vgl. IV-act. 70 S. 2).
Zusammenfassend erweisen sich die von der Beschwerdeführerin gegen das
psychiatrische BEGAZ-Teilgutachten erhobenen Einwände als nicht stichhaltig.
Vielmehr leuchtet die psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung ebenso wie diejenige
des internistischen und orthopädischen Gutachters in der Darlegung der medizinischen
3.4.
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4.
Bei voller Arbeitsfähigkeit und ohne nachgewiesene erhebliche Einschränkung im
Haushalt erreicht der Invaliditätsgrad offenkundig die rentenbegründende Schwelle von
40 % nicht, sodass auf die genaue Bemessung verzichtet werden kann.
5.