Decision ID: daf16122-7d64-4ef3-833b-408d34955a84
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Bauhandwerkerpfandrecht
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Rechtsbegehren: (act. 2 S. 2)
" 1. Das Grundbuchamt D._ sei richterlich anzuweisen, auf  Grundstück ein provisorisches  vorzumerken: Grundbuch Blatt 1, Liegenschaft, Kataster Nr. 2, E._-Strasse 3, 4, 5 und 6 zu Gunsten der: A._ AG ...strasse ... ... [PLZ] ... im Betrag von CHF 336'381.95 nebst Zins von je 5 % auf den  von CHF 162'000.– seit 29. Dezember 2013, auf den Betrag von CHF 108'000.– seit 18. Januar 2014 und auf den Betrag von CHF 66'381.95 seit 18. September 2014.
2. In einer superprovisorischen Verfügung sei das Grundbuchamt D._ sofort anzuweisen, das hiervor beantragte  sofort vorläufig im Grundbuch vorzumerken.
3. Der Gesuchstellerin sei eine Frist von vier Monaten, gerechnet ab Rechtskraft des Befehlsentscheides betreffend vorläufige  anzusetzen, um Klage auf definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechtes zu Lasten des Grundstücks der  einzureichen."

Das Einzelgericht zieht in Erwägung:
1. Das vorliegende Verfahren wurde mit am 19. August 2014 überbrachter Ein-
gabe anhängig gemacht (act. 1-4). Mit Verfügung vom 20. August 2014 wurde
dem klägerischen Gesuch um Eintragung eines Pfandrechts zulasten des im
Rechtsbegehren genannten Grundstücks der Beklagten – einstweilen ohne diese
anzuhören – stattgegeben und das Grundbuchamt angewiesen, das Pfandrecht
vorläufig im Grundbuch einzutragen. Gleichzeitig erging die Aufforderung an die
Beklagte, zum klägerischen Begehren Stellung zu nehmen (Prot. S. 3 f.; act. 5).
Auf entsprechende Gesuche hin (act. 9/1; act. 10-12) wurde mit Verfügung vom
12. September 2014 von der Intervention der streitberufenen C._ AG als Ne-
benintervenientin zur Unterstützung der Beklagten Vormerk genommen und die
Frist zur Beantwortung des klägerischen Begehrens erstreckt (Prot. S. 5 f.;
act. 15). Gleichentags überwies die Nebenintervenientin – wie mit Schreiben vom
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11. September 2014 angekündigt (act. 13) – CHF 431'000.– an die Obergerichts-
kasse als Sicherheit im Sinne von Art. 839 Abs. 3 ZGB (act. 17). Daraufhin wurde
der Beklagten und der Nebenintervenientin die Frist zur Beantwortung des kläge-
rischen Begehrens abgenommen, und der Klägerin wurde sodann Frist angesetzt,
um sich zur geleisteten Sicherheit zu äussern (Prot. S. 7 f.; act. 18). Mit Schreiben
vom 22. September 2014 anerkannte die Klägerin die von der Nebenintervenien-
tin geleistete Barkaution als hinreichende Sicherheit (act. 20).
2. Gemäss Art. 839 Abs. 3 ZGB kann die Eintragung eines Bauhandwerker-
pfandrechts nicht verlangt werden, wenn der Eigentümer oder ein Dritter für die
angemeldete Forderung hinreichende Sicherheit leistet. Ein bereits eingetragenes
Pfandrecht ist in diesem Fall zu löschen. Sofern der Unternehmer die Sicherheit
nicht ausdrücklich als genügend anerkennt, stellt das Gericht fest, ob die Sicher-
heit für die angemeldete Forderung hinreichend im Sinne von Art. 839 Abs. 3 ZGB
ist (SCHUMACHER, Das Bauhandwerkerpfandrecht, Zürich/Basel/Genf, 3. Aufl.
2008, N 1312 ff.).
Erwähntermassen hat die Klägerin die von der Nebenintervenientin an die Ober-
gerichtskasse geleistete Barkaution als hinreichende Sicherheit anerkannt
(act. 20), wovon Vormerk zu nehmen ist. Nach dem Gesagten (vgl. auch
Prot. S. 7 f.; act. 18) erfolgt deshalb keine gerichtliche Überprüfung der Sicherheit.
Das Grundbuchamt D._ ist anzuweisen, das vorläufig eingetragene Bau-
handwerkerpfandrecht nach Vorliegen der Vollstreckbarkeit und Eintritt der
Rechtskraft zu löschen.
3. Mit Leistung einer genügenden Sicherheit wird der Streit nur dann beendet,
wenn die Sicherheit definitiv bestellt wird. Im vorliegenden Fall leistete die Neben-
intervenientin die Sicherheit nur zur Ablösung des vorläufig eingetragenen Bau-
handwerkerpfandrechts. Die Nebenintervenientin bestreitet einen definitiven An-
spruch auf Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts bzw. nunmehr auf Inan-
spruchnahme der Sicherheit ausdrücklich (act. 13 S. 2), weshalb darüber ein Pro-
zess zu führen ist. Die Prosequierungslast trifft dabei nach wie vor die Klägerin.
An die Stelle des Grundstückes als Sicherheit tritt jedoch die gemäss Art. 839
Abs. 3 ZGB zu leistende Sicherheit, weshalb die diese Sicherheit leistende Per-
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son an die Stelle der Beklagten tritt. Deren Interesse als vom Pfandrecht Betroffe-
ne, sich auf einen Prozess mit der Klägerin einzulassen, fällt weg. Es wird ersetzt
durch das Interesse der Person, die je nach Prozessausgang definitiv Sicherheit
zu leisten hat. Nachdem die Sachlegitimation der Parteien durch ihre Beziehung
zum Streitgegenstand bestimmt wird und die definitive Leistung der Sicherheit
den Streitgegenstand darstellt, ist die Sicherheit leistende Person und nicht die
Grundeigentümerin vor dem ordentlichen Richter ins Recht zu fassen; sie ist so-
mit in jenem Prozess passivlegitimiert. Der Wechsel in der Sicherheit führt demzu-
folge für das ordentliche Verfahren nach Ansicht des Handelsgerichts zu einem
Parteiwechsel auf der Beklagten-Seite (a.A. SCHUMACHER, a.a.O., N. 1306, wel-
cher nach wie vor die Grundeigentümerin als passivlegitimierte Person betrach-
tet). Der Klägerin ist daher Frist anzusetzen, um beim zuständigen Gericht gegen
die Sicherheit leistende Nebenintervenientin auf definitive Bestellung und Inan-
spruchnahme der Sicherheit zu klagen. Es ist der Klägerin aber freigestellt, auch
oder nur die Grundeigentümerin ins Recht zu fassen, falls sie diese Rechtsauffas-
sung nicht teilt. Die Parteirollenzuteilung liegt damit in der Verantwortung der Klä-
gerin und wird deshalb nicht fixiert.
4. Da die Aus- bzw. Rückzahlung der Barkaution an die Klägerin bzw. an die
Nebenintervenientin von der Durchführung bzw. vom Ausgang des ordentlichen
Prozesses abhängt, ist die Obergerichtskasse anzuweisen, die geleistete Barkau-
tion in der Höhe von CHF 431'000.– bis zum definitiven Abschluss des Verfahrens
um definitive Bestellung und Inanspruchnahme der Sicherheit bzw. bis zur allfälli-
gen Mitteilung, dass kein solches stattgefunden hat, zu verwahren und nur auf ge-
richtliche Anordnung hin freizugeben.
5. Das Verfahren zwischen der Klägerin und der Beklagten ist durch die Si-
cherheitsleistung gegenstandslos geworden. Da sich ein ordentliches Verfahren
zwischen diesen Parteien – wie erwähnt – voraussichtlich nicht mehr anschliesst,
sondern die Klägerin die Nebenintervenientin ins Recht zu fassen hat, sind die
Kosten des vorliegenden Verfahrens definitiv zu regeln.
Bei Gegenstandslosigkeit werden die Prozesskosten nach gerichtlichem Ermes-
sen des Gerichts verteilt, soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht (Art. 107
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Abs. 1 lit. e ZPO). Dabei berücksichtigt das Gericht, welche Partei Anlass zur Kla-
ge gegeben hat und wie der mutmassliche Prozessausgang gewesen wäre. Die
Prozessaussichten sind ohne Verursachung weiterer Umtriebe aufgrund der Ak-
tenlage zu prüfen. Lässt sich der mutmassliche Ausgang des Verfahrens nicht
ohne Weiteres feststellen, wird in erster Linie jene Partei entschädigungspflichtig,
die das gegenstandslose Verfahren veranlasst hat oder bei welcher die Gründe
eingetreten sind, die zur Gegenstandslosigkeit des Verfahrens geführt haben
(URWYLER, in: DIKE-Komm-ZPO, Art. 107 N. 8).
Die Gegenstandslosigkeit ist im vorliegenden Fall von keiner Partei veranlasst
worden, da die Sicherheit zur Ablösung des Bauhandwerkerpfandrechtes von der
Nebenintervenientin geleistet worden ist. Welche Partei mutmasslich obsiegen
wird, lässt sich heute nicht abschätzen; ob der klägerische Sicherstellungsan-
spruch definitiv besteht, wird sich erst im entsprechenden ordentlichen Prozess
zeigen. Da die Klägerin das Verfahren um Eintragung eines Bauhandwerker-
pfandrechtes im Grundbuch angehoben hat, sind ihr die Kosten des Verfahrens
aufzuerlegen. Es ist ihr aber unbenommen, diese Auslage im Prozess gegen die
Nebenintervenientin als Schadensposten geltend zu machen.
Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des
Obergerichts (Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG) und richtet sich in erster Li-
nie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsächlichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1
lit. a GebV OG). Vorliegend beträgt der Streitwert CHF 336'381.95. In Anwendung
von § 4 Abs. 1 und 2, § 8 Abs. 1 und § 10 Abs. 1 GebV OG ist die Gerichtsgebühr
auf CHF 5'000.– festzusetzen.
Mangels Antrags und Umtrieben ist der Beklagten keine Parteientschädigung zu-
zusprechen.
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