Decision ID: 013cf040-1ed6-4d8e-bff8-30acab45e746
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ litt an verschiedenen Geburtsgebrechen. Sie bezog diverse Leistungen der
Invalidenversicherung. Mit einer Verfügung vom 11. März 2013 sprach die IV-Stelle der
Versicherten für die Zeit vom 1. Januar 2013 bis zum 31. August 2013 die Vergütung
der Kosten für die medizinische Pflege im Umfang von maximal fünf Stunden pro
Monat zu (IV-act. 106).
A.b Am 19. Januar 2016 ersuchte der schweizerische Kinderspitex Verein um eine
Verlängerung der Kostengutsprache für die medizinische Pflege (IV-act. 358 f.). Mit
einem Vorbescheid vom 25. Januar 2016 teilte die IV-Stelle den Eltern der Versicherten
mit, dass sie vorsehe, das Gesuch abzuweisen (IV-act. 361). Zur Begründung führte sie
aus, die bislang berücksichtigte Sauerstofftherapie sei nur noch in der Nacht
notwendig. Die Spitexeinsätze fänden aber jeweils vormittags von 8 Uhr bis 11 Uhr
statt und dienten nur der Entlastung der Eltern. Gegen diesen Vorbescheid wurden
keine Einwände erhoben, weshalb die IV-Stelle am 15. März 2016 wie vorgesehen
verfügte (IV-act. 371). Die Verfügung war direkt an die Eltern der Versicherten
adressiert. Gemäss dem Verteiler wurden der schweizerische Kinderspitex Verein, der
Kinderarzt und die zuständige obligatorische Krankenpflegeversicherung mit einer
Kopie der Verfügung bedient.
B.
B.a Am 13. April 2016 ging dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ein
Schreiben des schweizerischen Kinderspitex Vereins vom 12. April 2016 zu (act. G 1).
Er führte aus, er werde betreffend die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) „gegen die Verfügung vom 15. März 2016 der SVA Beschwerde
einreichen“, ersuche aber „infolge Ferienabwesenheit [...] um eine Fristerstreckung bis
28. April 2016“. Der Eingabe lag keine Verfügung bei. Am 18. April 2016 forderte die
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verfahrensleitende Richterin bei der IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
eine Kopie der Verfügung vom 15. März 2016 an (act. G 2). Am 19. April 2016 wies sie
den schweizerischen Kinderspitex Verein darauf hin (act. G 3), dass die
Beschwerdefrist wohl erst am 2. Mai 2016 ablaufen werde, weshalb es möglich sein
sollte, innert der nicht erstreckbaren Beschwerdefrist eine rechtsgenügliche
Beschwerde zu erheben.
B.b Am Morgen des 4. Mai 2016 lag im Briefkasten des Versicherungsgerichtes eine
auf den 2. Mai 2016 datierte Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. März 2016,
den der schweizerische Kinderspitex Verein im Namen und im Auftrag der
Beschwerdeführerin verfasst hatte (act. G 4). Er hatte die Vergütung des effektiven
Pflegeaufwandes im Zeitraum vom 1. Oktober 2013 bis zum 31. März 2016 und den
Erlass einer kostendeckenden Verfügung für die Zeit ab dem 1. April 2016, die
Feststellung, dass zur Bestimmung der medizinischen Qualifikation „die Verordnung
325.11“ massgebend sei, und die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin, die
Pflegeleistungen zu einem kostendeckenden Tarif zu entschädigen, beantragt. Zur
Begründung hatte er ausgeführt, die Bedarfsabklärung vor Ort habe einen
Pflegeaufwand von drei Stunden pro Halbtag sowie die Notwendigkeit einer dauernden
Überwachung mit Sauerstoffgabe ergeben. Beantragt und ärztlich verordnet worden
seien 56 Stunden Pflege pro Woche und 3,5 Stunden Abklärung und Beratung pro
Monat. Die Beschwerdegegnerin habe diesen ausgewiesenen Bedarf einfach gekürzt.
Eine Sachverhaltsveränderung liege nicht vor. Bezüglich der Beschwerdefrist hatte der
schweizerische Kinderspitex Verein festgehalten: „Die Beschwerdeergänzung wurde
fristgerecht eingereicht“. Der Beschwerde lagen unter anderem eine Vollmacht der
Eltern der Beschwerdeführerin, die am 24. April 2016 unterzeichnet worden war (act. G
4.1), und eine mit einem Wasserzeichen – „Kopie“ – versehene Kopie der Verfügung
vom 15. März 2016 bei (act. G 4.2). Eine Mitarbeiterin des Versicherungsgerichtes
notierte am 4. Mai 2016, am Vortag sei die Beschwerde noch nicht im Briefkasten
gelegen (act. G 5).
B.c Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 27. Juni 2016
das Nichteintreten auf die Beschwerde und eventualiter deren Abweisung (act. G 8).
Zur Begründung ihres Hauptantrages führte sie aus, die Verfügung sei zwar mittels B-
Post versandt worden, weshalb ein Zustellnachweis nicht möglich sei. Vorliegend
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könne aber davon ausgegangen werden, dass die Verfügung spätestens während des
Fristenstillstandes über Ostern zugestellt worden sei, weshalb die Beschwerdefrist
spätestens am 4. April 2016 zu laufen begonnen und folglich am 3. Mai 2016 geendet
habe. Die Beschwerde sei also verspätet erhoben worden. Zur Begründung ihres
Eventualantrages hielt sie fest, die Spitex erbringe nur Leistungen, die keine
medizinische Qualifikation erforderten. Diese Leistungen seien durch die
Hilflosenentschädigung respektive durch den Intensivpflegezuschlag abgedeckt und
könnten nicht als medizinische Massnahmen vergütet werten.
B.d In der Replik vom 29. August 2016 liess die Beschwerdeführerin bezüglich des
Antrages der Beschwerdegegnerin auf Nichteintreten der Beschwerde ausführen (act.
G 10), der schweizerische Kinderspitex Verein habe sich Mitte April 2016 bei den Eltern
der Beschwerdeführerin erkundigt, ob diese mit der Verfügung einverstanden seien.
Die Eltern hätten angegeben, sie seien nicht einverstanden, hätten jedoch erst eine
„Mitteilung“ erhalten und seien deshalb noch nicht aktiv geworden. In der Folge habe
der schweizerische Kinderspitex Verein seine Verfügungskopie den Eltern der
Beschwerdeführerin zugestellt. Wenig später, am 24. April 2016, habe er das Mandat
für die Beschwerde erhalten. Es entziehe sich seiner Kenntnis, ob die Verfügung nicht
zugestellt oder zusammen mit der Zeitung oder Werbebriefen unbeachtet im
Papierkorb gelandet sei. Jedenfalls hätten die Eltern der Beschwerdeführerin erst Mitte
April 2016 Kenntnis von der Verfügung erhalten, weshalb die Beschwerdefrist nicht vor
Mitte Mai 2016 abgelaufen sei.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen
1.
In Abweichung von den Art. 52 und 58 ATSG sind Verfügungen der kantonalen IV-
Stellen gemäss dem Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG direkt beim Versicherungsgericht am Ort
der IV-Stelle anzufechten. Die Beschwerdefrist beträgt laut dem Art. 60 Abs. 1 ATSG
30 Tage. Gemäss dem Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. dem Art. 38 Abs. 1 ATSG beginnt die
Beschwerdefrist am Tag nach der Zustellung der Verfügung zu laufen. Die
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Beschwerdefrist steht vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach
Ostern still (Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG), wobei mit „Ostern“
rechtsprechungsgemäss nur der Ostersonntag gemeint ist (BGE 139 V 490 E. 2.2 S.
491 mit zahlreichen Hinweisen). Zur Wahrung der Beschwerdefrist muss die
Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist dem Versicherungsgericht oder zu
dessen Handen der Schweizer Post übergeben werden (Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art.
39 Abs. 1 ATSG). Fällt der letzte Tag der Frist auf einen Samstag, einen Sonntag oder
einen vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannten Feiertag, endet sie
am nächstfolgenden Werktag (Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 38 Abs. 3 ATSG). Die
Verfügung vom 15. März 2016 ist unbestrittenermassen mit B-Post spediert worden.
Dies schliesst es aus, über den Zusteller, das heisst über die Schweizer Post, den Tag,
an dem die entsprechende Postsendung den Eltern der Beschwerdeführerin
ausgehändigt worden ist, zu ermitteln. Von weiteren Abklärungsmassnahmen
(insbesondere einer Befragung der Eltern der Beschwerdeführerin) ist nicht zu
erwarten, dass sie Aufschluss über die postalische Zustellung an die Eltern geben
würden. Damit liegt nicht nur für den Tag der postalischen Zustellung an die Eltern,
sondern für diese Zustellung selbst eine objektive Beweislosigkeit vor. Diese
Beweislosigkeit kann nicht dadurch überwunden werden, dass statistisch gesehen nur
sehr wenige B-Post-Sendungen gar nie zugestellt werden, denn damit ist nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen, dass die
postalische Zustellung an die Eltern der Beschwerdeführerin (irgendwann) erfolgt wäre.
Auch wenn der Wortlaut („überwiegende Wahrscheinlichkeit“) an sich eine solche
„statistische“ Beweisführung abdeckt, ändert das doch nichts daran, dass jeder
Hinweis auf eine erfolgreiche postalische Zustellung an die Eltern der
Beschwerdeführerin fehlt. Der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
kommt nur dann zur Anwendung, wenn der „Beweiswert“ eines Hinweises auf eine
bestimmte Sachverhaltsvariante beurteilt werden muss. Er ist natürlich nicht dazu da,
das Fehlen jedes Hinweises auf eine von mehreren denkbaren Sachverhaltsvarianten
zu kompensieren, indem auf die – statistisch nachgewiesene – am häufigsten
auftretende Sachverhaltsvariante abgestellt wird. Da also nicht nachgewiesen ist, dass
die Eltern der Beschwerdeführerin die postalische B-Post-Sendung mit der Verfügung
vom 15. März 2016 je erhalten hätten, muss zur Bestimmung des Tages der Zustellung
dieser Verfügung auf den Zeitpunkt abgestellt werden, in dem die Eltern erstmals von
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dritter Seite Kenntnis von der Existenz dieser Verfügung erhalten haben. Das ist
gemäss den plausiblen Angaben des – nun als Rechtsvertreter auftretenden –
schweizerischen Kinderspitex Vereins Mitte April 2016 geschehen. Die Beschwerdefrist
hat also Mitte April 2016 zu laufen begonnen. Sie ist mit der am 4. Mai 2016 beim
Versicherungsgericht eingegangenen Beschwerde gewahrt worden. Demnach ist auf
diese Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 Eine versicherte Person hat gemäss dem Art. 13 Abs. 1 IVG bis zum vollendeten
20. Altersjahr einen Anspruch auf die zur Behandlung jener Geburtsgebrechen
notwendigen medizinischen Massnahmen, für die die Invalidenversicherung gestützt
auf den Art. 13 Abs. 2 IVG, den Art. 3 IVV und die GgV eine Leistungspflicht trifft. Die
medizinischen Massnahmen umfassen laut dem Art. 14 Abs. 1 lit. a IVG unter anderem
die Behandlung, die auf eine ärztliche Anordnung hin durch medizinische Hilfspersonen
bei der Hauspflege vorgenommen wird. Pflegeleistungen gelten nur dann als
medizinische Massnahmen im Sinne des Art. 14 Abs. 1 lit. a IVG, wenn es sich um
Leistungen medizinischer Art handelt, die eine medizinische Berufsqualifikation
voraussetzen (vgl. BGE 136 V 209).
2.2 Laut der dem Verlängerungsgesuch vom 19. Januar 2016 beigelegten Spitex-
Verordnung, die vom behandelnden Kinderarzt Dr. med. B._ unterzeichnet worden
ist, hat die Beschwerdeführerin die folgenden Pflegeleistungen benötigt: Fünf Stunden
pro Jahr für die Evaluation des Pflegebedarfs und für die Pflegedokumentation, 45
Stunden in den ersten drei Monaten und anschliessend 35 Stunden pro Jahr für die
Beratung und die Instruktion der Eltern, 14 × 10 Minuten pro Woche für die Beurteilung
des Allgemeinzustandes, 14 × 30 Minuten pro Woche für die delegierte
physiotherapeutische Atemtherapie und für die Dauersauerstofftherapie während des
Schlafens, 7 × 120 Minuten pro Woche für die Darreichung von Essen und Trinken
unter Beobachtung des Schluck- und Saugmusters, 7 × 5 Minuten pro Woche für die
Verabreichung von Medikamenten, 14 × 5 Minuten pro Woche für die Überwachung
und die Kontrolle auf Hautschädigungen bei den exponierten Stellen der Orthesen und
des Korsetts, 3–4 × 10 Minuten pro Woche für die medikamentöse Unterstützung beim
Abführen und 7 × 480 Minuten pro Woche für Massnahmen zur Überwachung von
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Infusionen, Transfusionen und Geräten, die der Behandlung oder der Kontrolle und
Erhaltung von vitalen Funktionen dienen. Da die Mutter der Beschwerdeführerin bei
zwei Abklärungen in ihrer Wohnung betreffend die Hilflosenentschädigung am 20.
November 2014 (IV-act. 251) und am 25. November 2015 (IV-act. 353) angegeben
hatte, die Beschwerdeführerin benötige das Gerät zur Sauerstoffmessung jeweils nur
nachts, während die Spitexeinsätze jeweils vormittags stattfänden, und da die
Beschwerdegegnerin in der ersten Verfügung betreffend medizinische Massnahmen in
der Form von Hauspflege vom 11. März 2013 nur den Aufwand für die Beurteilung des
Allgemeinzustandes (fünf Minuten pro Einsatz), für das Verabreichen von
Medikamenten (fünf Minuten pro Einsatz) und für die Sauerstofftherapie (20 Minuten
pro Einsatz) berücksichtigt hatte (IV-act. 106), ist die Beschwerdegegnerin davon
ausgegangen, dass der schweizerische Kinderspitex Verein effektiv gar keine
medizinischen Pflegeleistungen mehr erbringe, weshalb sie das Verlängerungsgesuch
ohne jede weitere Abklärung mit der angefochtenen Verfügung abgewiesen hat. Dabei
hat sie aber augenscheinlich verkannt, dass für die Festlegung des „Kostendachs“ (vgl.
dazu den Entscheid IV 2012/12, 2015/89 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom
14. März 2016) – prospektiv – der medizinisch-objektiv notwendige Pflegebedarf und
nicht – retrospektiv – der Umfang der effektiv erbrachten Pflegeleistungen massgebend
ist und dass es deshalb gar keine Rolle spielen kann, ob die Eltern trotz der fehlenden
beruflichen Qualifikation in der Vergangenheit medizinische Pflegeleistungen selbst
durchgeführt haben, statt diese durch eine Pflegefachperson durchführen zu lassen.
Die angefochtene Verfügung beruht also auf einem nicht massgebenden Sachverhalt.
Den an sich massgebenden Sachverhalt, nämlich den medizinisch-objektiv
notwendigen Pflegebedarf, hat die Beschwerdegegnerin dagegen in Verletzung ihrer
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) gar nicht abgeklärt. Diesbezüglich
enthalten die Akten nämlich nur die Spitex-Verordnung, auf die die
Beschwerdegegnerin aber nicht abgestellt hat. Infolge der Verletzung der
Untersuchungspflicht erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtswidrig,
weshalb sie aufzuheben ist.
2.3 Unverständlicherweise hat die Beschwerdegegnerin ihr ursprüngliches
„Kostendach“ in der Verfügung vom 11. März 2013 nur auf wenige Monate befristet
erteilt, obwohl keine Gründe ersichtlich sind, die überhaupt eine Befristung erfordert
hätten. Die Verfügung vom 11. März 2013 und damit auch die Befristung der
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Leistungszusprache sind aber formell rechtskräftig und damit verbindlich geworden.
Die Beschwerdegegnerin hat das neue Begehren vom 19. Januar 2016 deshalb ohne
eine Bindung an ihr früheres „Kostendach“ prüfen können. Ob ein Revisionsgrund im
Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG vorgelegen hat, ist also entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin irrelevant gewesen. Das auf eine nahtlose Verlängerung des
„Kostendachs“ für die Zeit ab dem 1. Oktober 2013 abzielende Begehren vom 19.
Januar 2016 hat sich je teilweise auf einen vergangenen und einen zukünftigen
Zeitraum bezogen. Für die Vergangenheit hat kein schutzwürdiges Interesse an der
Feststellung bezüglich des „Kostendachs“ mehr bestehen können, denn diesbezüglich
hat der effektiv geleistete Pflegeaufwand bereits festgestanden, weshalb diesbezüglich
ohne weiteres rechtsgestaltend hätte verfügt werden können. Die Beschwerdegegnerin
hat allerdings auch hinsichtlich des effektiven Pflegeaufwandes in der Vergangenheit
keinerlei Abklärungen getätigt. Auch insofern beruht die angefochtene Verfügung
folglich auf einem ungenügend abgeklärten Sachverhalt.
2.4 Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung infolge der Verletzung der
Untersuchungspflicht als rechtswidrig aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin wird
bezüglich des Zeitraums ab dem 1. Oktober 2013 den effektiv geleisteten
Pflegeaufwand ermitteln. Anschliessend wird sie die entsprechenden Kosten unter
Berücksichtigung des Art. 48 IVG vergüten. Sodann wird sie bezüglich der Zukunft den
medizinisch-objektiv notwendigen Pflegeaufwand ermitteln und ein entsprechendes
„Kostendach“ festlegen. Sollte sie das „Kostendach“ befristen wollen, wird sie sowohl
die Notwendigkeit der Befristung als auch deren Dauer überzeugend begründen. Die
Dauer der allfälligen Befristung wird sie so festsetzen, dass sie in der Lage sein wird,
rechtzeitig eine „Anschlussverfügung“ zu erlassen. Hierfür ist die Sache an sie
zurückzuweisen.
3.
Auf das aufsichtsrechtliche Begehren hinsichtlich der Beurteilung der medizinischen
Qualifikation und auf das Begehren hinsichtlich des anwendbaren Tarifs kann mangels
sachlicher Zuständigkeit nicht eingetreten werden. Dennoch ist hinsichtlich der Kosten-
und Entschädigungsfolgen von einem vollständigen Obsiegen der Beschwerdeführerin
auszugehen, weil die Rückweisung zur weiteren Abklärung rechtsprechungsgemäss als
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ein vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei gilt. Folglich sind die
angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der
Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
selbstverständlich zurückerstattet. Die nicht durch eine im kantonalen Anwaltsregister
eingetragene Rechtsvertreterin vertretene Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung.