Decision ID: ed691ace-8b28-49c4-a293-bd9faa556ebf
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der
1963 geborene
X._
übte verschiedene Hilfsarbeitertätigkeiten (Hilfsspengler und Hilfsmaler) aus und war zuletzt als
selbständiger Maler tätig (
Y._
GmbH). Am 8. Februar 2003 stürzte er bei der Arbeit von einem Rollge
rüst und zog sich dabei Frakturen am linken Fuss und an der linken Hand zu. Am 15. Februar 2003 erfolgte die operative Versorgung der Fussfraktur im Stadtspital
Z._
. In Folge des Unfalles erbrachte die
Suva als zuständige Unfallversichererin
verschiedene Leistungen, richtete namentlich aufgrund einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit Taggelder aus (Urk. 5/3/5-7,
Urk.
5/49/58 und
Urk.
5/56 S. 11 f.). Seither war der
Versicherte nicht mehr erwerbstätig.
1.2
Mit
Gesuch vom 14. Januar 2004 meldete er sich unter Hinweis auf anhaltende
Schmerzen am linken Fuss (Ferse und Knöchel) bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug
an (Urk. 5/9). Die
IV-Stelle veranlasste Abklärungen in erwerblicher und
medizinischer Hinsicht
und zog die Akten der Suva bei.
Mit Verfügung vom
23. Januar 2006 sprach die
Suva
dem Versicherten für die verbliebene Beeinträchtigung aus dem Unfall vom 8. Februar 2003 eine Invalidenrente nach Massgabe einer Erwerbsunfähig
keit von 27 % sowie eine
Integritätsentschädigung zu (Urk. 5/37). Daraufhin erliess die IV-Stelle am
3. April 2006 ihrerseits eine Verfügung, mit welcher
s
ie den Anspruch auf eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 27 %
verneinte (Urk. 5/40). Dagegen liess der Versicherte unter Hinweis darauf, dass
er bereits bei der
Suva
Einsprache erhoben habe, am 15. Mai 2006 bei der IV-
Stelle Einsprache einreichen (Urk. 5/41). Nachdem die
Suva ihm
gestützt auf eine im Rahmen des dortigen Einspracheverfahrens getroffene Ver
gleichslösung am 5. Dezember 2007 nun eine Invalidenrente nach Massgabe ei
nes Invalidi
tätsgrades von 40 % zugesprochen hatte (Urk. 5/52 S. 2-4), ver
anlasste die
IV-Stelle eine polydisziplinäre Abklärung
durch die A._ GmbH
(
Gutachten vom 14. August 2008;
Urk. 5/56/1-48
).
1.3
D
ie IV-Stelle
hiess
die Einsprache
daraufhin
teilweise gut und
sprach dem Ver
sicherten mit Verfügung
en
vom 8. Juli 2010 rückwirkend eine
vom 1. Februar 2004 bis 30. September 2008 befristete ganze Invalidenrente zu
(
Urk. 5/88
). Dagegen erhob
dieser
am
9. September 2010 (
Urk.
5/95/3-8) Beschwerde. Mit Urteil vom 3
1.
Juli 2012 (
Prozess Nr. IV.2010.00816; Urk.
5/104) hob das hiesi
ge Gericht die Verfügung der IV-Stelle auf und wies die
Sache an
diese
zurück, damit
sie
, nach ergänzenden Abklärungen, über den Anspruch des Versicherten neu verfüge.
1.4
Die IV-Stelle tätigte weitere medizinische Abklärungen und liess den Versicher
ten erneut polydisziplinär begutachten (Expertise vom 1
5.
Dezember 2014;
Urk.
5/155
). Mit Vorbescheid vom 2
0.
März 2015 (
Urk.
5/159) teilte
sie ihm
mit, dass er vom
1.
Februar bis 3
0.
September 2004 Anspruch auf eine befristete ganze und seit dem
1.
Dezember 2008 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe.
In Abänderung des Vorbescheids ging
sie
in einem erneuten Vorbescheid
vom 11. November 2015
(
Urk.
5/187) davon aus, dass der Versicherte einzig Anspruch auf eine vom
1.
Februar bis 3
0.
September 2004 befristete ganze
Ren
te, seit Oktober 2004 hingegen keinen Rentenanspruch mehr
habe. Die bereits ausbezahlten Rentenleistungen von Oktober 2004 bis September 2008 seien zurückzuerstatten. Mit Verfügung vom 1
0.
März 2016 (
Urk.
2) bestätigte
sie
den Anspruch auf eine ganze Rente vom
1.
Februar bis 3
0.
September 2004, ver
neinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente ab Oktober 2004 und verzichtete auf die Rückforderung der vom
1.
Oktober 2004 bis 30. September 2008
bereits ausgerichteten
Leistungen.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 18. April 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, ihm sei ab Oktober 2008 eine unbefristete (Teil-)Rente zuzuspre
chen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Am 17. Mai 2016 (Urk. 4) beantragte die
IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht liess den Beschwerdeführer durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch begutachten (Expertise vom 18. Oktober 2017; Urk. 20). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom
9.
November 2017 auf eine Stellungnahme (
Urk.
23). Der Beschwerdeführer liess sich am 1
6.
Januar 2018 (Urk. 26) vernehmen und reichte weitere Berichte ein (
Urk.
27/1-2). Die entsprechenden Stellungnahmen wurden der jeweils ande
ren Partei am 1
9.
Januar 2018 (Urk. 28) zur Kenntnis gebracht.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsren
te und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des ana
log anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstu
fung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Ren
te (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versi
cherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blei
ben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat viel
mehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeit
raum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 10. März 2016 (Urk. 2) damit, dass seit Juni 2004 eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bestehe. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ab 2008 aus somatischen Gründen habe nicht belegt werden können. Aus psy
chischer Sicht habe nie ein invalidisierender Gesundheitsschaden bestanden. Es bestehe ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30 %.
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(Urk. 1), die Beschwerdegegnerin habe im Vorbescheid anerkannt, dass sich sein Gesundheitszustand ab September 2008 verschlechtert habe, weshalb ihm ab Dezember 2008 eine halbe IV-Rente zustehe. Nun plötzlich sei sie hingegen der Ansicht, er habe seit Oktober 2004 keinen Anspruch mehr auf eine Rente (S. 3 f.). Dies
obwohl die Gutachter ausführten, der Zeitraum vor September 2008 könne
retrospektiv nicht beurteilt werden und er
seither
nur noch zu 60
%
arbeitsfähig
sei
. Die Abweichung von dieser medizinischen Beurteilung werde von der Beschwerdegegnerin nicht ausreichend begründet. Sein psychischer Gesundheitszustand habe sich zudem erheblich verschlechtert.
Ausserdem
sei
beim Invalideneinkommen
ein leidensbedingter Abzug von 20
%
zu berücksich
tigen und ihm sei eine Rente aufgrund eines IV-Grades von mindestens 50
%
zuzusprechen
(S. 6 f.)
.
3.
In medizinischer Hinsicht ist unbestritten und ausgewiesen, dass der Beschwer
deführer aufgrund des Gesundheitsschadens am
linken Fuss seit dem Unfall vom 8. Februar 2003 in seiner angestammten
Tätigkeit als (angelern
ter/selbständiger) Maler nicht mehr arbeitsfähig ist. Nachdem die Beschwerde
gegnerin auf die Rückforderung der von Oktober 2004 bis September 2008 aus
bezahlten ganzen Rente verzichtet hat, kann zudem offenbleiben, ob die Aus
richtung dieser Rente zu Recht erfolgte. Uneins sind sich die Parteien darin, ob seit Oktober 2008 auch in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit in rentenbegründendem Ausmass besteht. Dies gilt es nachfolgend zu prüfen.
4.
4.1
Dem Austrittsbericht der
C._
vom 1. Juli 2008 (
Urk.
5/56/49-53), in welcher sich der Beschwerdeführer vom 8. Mai bis 11. Juni 2008 zur psychosomatischen Rehabilitation aufgehalten hatte, sind folgende Diagnosen zu entnehmen:
-
Chronisches Schmerzsyndrom bei Verdacht auf somatoforme Schmerz
stö
rung
-
Status nach Calcaneusfraktur links am 15. Februar 200
3, subtalare Arthrose links
-
Im Verlauf Status nach CRPS Fuss links
-
Status
nach os scaphoideum Hand links
-
Lu
mbospondylogenes Schmerzsyndrom
-
Rezidivierende depressive
Störung, derzeitig mittelgradig
-
D
iabetes mellitus Typ II
-
Arterielle Hypertonie
Die für den Bericht verantwortlich zeichnenden Ärzte führten im Wesentlichen aus, der
Beschwerdeführer
sei bei obengenannten Diagnosen zur psychosomati
schen Rehabilitation zugewiesen worden. Im Verlauf des Aufenthalts habe er im Rahmen des interdisziplinären Therapieprogramms gesamthaft psychophysisch gut rekonditionieren sowie Schmerzcopingstrateg
ien erarbeiten und anwenden kön
nen. Zusätzlich habe er Strategien bei Aggression und Anspannung erlernen und anwenden und ruhiger werden können. Auch seine Selbstsorge und das Selbstvertrauen habe er zu steigern vermocht. Die Therapieziele hätten in allen Bereichen erreicht werden können. Eine weitere Psychotherapie sei unbedingt empfohlen, um den
Beschwerdeführer
beim Umsetzen der Strategien zuhause weiter zu unterstützen. Zur Erhaltung der Tagesstruktu
r sei die Integration in die Ta
gesklinik empfohlen. Bis zum 25. Juni 2008 sei eine Arbeitsunfähigkeits
bescheinigung im Umfang von 100 % ausgestellt worden. Da die Weiterführung des ambulanten Program
ms dringend indiziert sei, soll
e eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit weiterhin attestiert werden. Je nach weiterem Verlauf sei gegebenenfalls die Aufnahme einer stundenweisen Tätigkeit in geschütztem Rahmen oder im Rahmen von Umschulungsmassnahmen empfohlen, um eine gewisse Tagesstruktur und Anerkennung zu gewährleisten.
4.2
Im
polydisziplinären Gutachten der
A._
vom 14. August 2008 (
Urk.
5/56/1-48) hatten die für das Gutachten verantwortlich zeichnenden Fachärzte (Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Dr. med.
F._
, Fach
arzt FMH für Rheumatologie) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
-
Status nach Calcaneus-Fraktur links am 8. Februar 2003 mit Status nach offener Reposition und Osteosynthese am 15. Februar 2003
-
Status nach CRPS im Verlauf (2005)
-
sekundäre USG-Arthrose links
-
Chronisches Lumbovertebral-Syndrom mit pseudoradikulärer Ausstrahlung ins linke Bein bei degenerativer Diskopathie LWK3 bis S1 (MRI der LWS vom
9. Januar
2007)
-
Begleitende Ansatztendinose am medialen Beckenkamm links mit pseudo
radikulärer Ausstrahlung ins linke Bein
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie:
-
L
eichtgradige depressive Episode
-
Diabetes mellitus Typ II
-
Arterielle Hypertonie
In rheumatologischer Hinsicht führten die Ärzte im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe beim Unfall eine Calcaneus-Fraktur links erlitten, die operativ behandelt worden sei. Im weiteren Verlauf habe sich gemäss Akten ein Complex Regional Pain Syndrome (CRPS) eingestellt, das sich jedoch wieder zurückgebildet habe. Zudem sei eine USG-Arthrose dokumentiert, dies im Sinne einer posttraumatischen sekundären degenerativen Veränderung. Eine gleichzei
tig erlittene Scaphoidfraktur an der linken Handwurzel sei konservativ behan
delt worden. Diesbezüglich bestehe aktuell kein relevantes Gesundheitsproblem mehr. Mittels MRI vom 9. Januar 2007 seien Diskopathien der LWK3 bis S1 dargestellt worden mit Diskusprotrusionen ohne Hernie oder Kompression von neuralen Strukturen; diese degenerativen Veränderungen könnten für die vor
handene Kreuzschmerzproblematik mit pseudoradikulärer Ausstrahlung ins lin
ke Bein verantwortlich gemacht werden. Eine radikuläre Reizsymptomatik kön
ne nicht bestätigt werden. Da eine verminderte
Belastbarkeit des Fusses gegeben sei, bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Maler aus rheumatologischer Sicht seit dem Unfall und andauernd eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine vorwiegend sitzende Tätigkeit mit der Möglichkeit, sich gelegentlich zu erheben und etwas umherzugehen und bei in der Regel leichten bis intermittierend mit
telschweren Gewichtsbelastungen sei
hingegen
zumutbar. Aufgrund der chroni
schen Schmerzsymptomatik erscheine die Leistungsfähigkeit durch einen etwas erhöhten Pausenbedarf jedoch um ca. 10 % eingeschränkt. Es seien hiefür sowohl die Schmerzen am linken Fuss wie auch die Kreuzschmerzen und die ansatztendinotischen Beckenkammschmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein verantwortlich (S. 20 f. und S. 37).
In psychiatrischer Hinsicht hielten sie im Wesentlichen fest, anlässlich der Untersuchung hätten Schmerzen im Bereich des linken Fusses sowie in der Wir
belsäulenregion nachgewiesen werden können. Diese Schmerzen liessen sich mit Blick auf die somatischen Akten hinreichend durch körperliche Störungen erklären, weshalb die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstö
rung ausgeschlossen werden könne (S. 17). Anamnestisch liessen sich beim Beschwerdeführer des weiteren Symptome eruieren, welche die zur Diagnose
stellung einer depressiven Episode notwendigen Kriterien erfüllten. In ursächli
cher Hinsicht seien für die depressive Episode die andauernden Schmerzen aber auch die Tatsache des Geschäftsverlustes zu nennen. Unter Berücksichtigung der heutigen Untersuchungssituation, in welcher sich die Stimmung im Verlaufe des Gespräches ein wenig aufgehellt und der Beschwerdeführer einen zusehends lebendigeren Eindruck hinterlassen habe, sei der Schweregrad der depressiven Episode als leicht zu beurteilen. Im Vergleich zu den Befunden des psychosoma
tischen Konsiliums der Rehaklinik
G._
vom 31. März 2004 sei es bis heute zu einer Verbesserung der depressiven Symptomatik gekommen. Aufgrund der längeren Dauer derselben könne nicht mehr von einer Anpassungsstörung aus
gegangen werden, weshalb nach ICD-10 eine depressive Episode zu diagnosti
zieren sei. Ebenfalls sei im Vergleich zu den Befunden laut nachträglich einge
gangenem Bericht der
C._
Davos vom 1. Juli 2008 (E. 4.1
hie
vor
) eine Verbesserung der depressiven Symptomatik zu erkennen; im Bericht werde denn auch beschrieben, dass es bereits während des Aufenthaltes zu einer
solchen
gekommen sei. Aus der diagnostizierten leichtgradigen depressiven Epi
sode lasse sich aus psychiatrischer Sicht weder in der bisher ausgeübten noch in einer alternativen Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ableiten. Es sei dem Beschwerdeführer zuzumuten, die notwendige Willensanstrengung auf
zubringen, einer 100%igen Tätigkeit uneingeschränkt nachzugehen (S. 17 f. und S. 47 f.).
Gesamtmedizinisch sei dem Beschwerdeführer seit dem Unfall die angestammte Tätigkeit als Maler andauernd nicht mehr zuzumuten. Seit der Beurteilung durch den Kreisarzt im September 2003 bestehe bis zum Begutachtungszeit
punkt - mit Ausnahme der Zeit der Hospitalisation sowie mit Ausnahme der Phase der Erkrankung am CPRS im Jahre 2005 - in einer adaptierten Tätigkeit eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit mit Einschränkung der Leistungsfähigkeit bedingt durch den etwas erhöhten Pausenbedarf von zehn Prozent (S. 26 f.).
4.3
In ihrem Gutachten vom 15. Dezember 2014 (Urk. 5/155) führten Dr. med. H._, Spezialarzt Orthopädie FMH, Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. J._, Spezialarzt für Innere Medizin FMH, von der K._ folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 61):
-
Lumboischialgie links bei leichter Spondylarthrose L1-S1, Diskusprotrusion L4/5 mit leichter Kompression der Nervenwurzeln L5 beidseits sowie Dis
kushernie L5/S1 mit Kompression der Nervenwurzel S1 links
-
Deutliche Arthrose des unteren Sprunggelenks bei Senk-Spreizfuss links und Zustand nach Osteosynthese einer Calcaneusfraktur (joint depression Type) 2/2003 und Metallentfernung 2/2004, beginnende Arthrose calcaneocuboidal
-
Rezidivierende depressive Störung mit mittelgradigen depressiven Episoden, bestehend seit mindestens 9/2008
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung (paranoid, emotional instabil)
-
Somatisierungsstörung
Zusätzlich stellten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (S. 62):
-
Leichte Genua vara
-
Senk-Spreizfuss rechts
-
Präadipositas
-
Diabetes mellitus
-
Arterielle Hypertonie
-
Nikotinabusus (55 pack years)
Ergänzend hielten sie fest, dass therapieresistente lumbale Schmerzen bestän
den, die in beide Leisten sowie ab und zu in die Zehen I bis IV links ausstrahlen und die körperliche Leistungsfähigkeit subjektiv deutlich einschränken würden. Die lumbalen Schmerzen und die abnormen Untersuchungsbefunde der Len
denwirbelsäule könnten im Wesentlichen auf die im MRI sichtbare leichte Spondylarthrose L1-S1 mit Diskusprotrusion L4/5 und leichter Kompression der Nervenwurzeln L5 beidseits sowie die Diskushernie L5/1 mit Kompression der Nervenwurzel S1 links zurückgeführt werden. Die Nervenwurzeln L5 und S1 würden die Dermatome im Bereich der Zehen versorgen. Seit dem Unfall am 8. Februar 2003 hätten die therapieresistenten Schmerzen im linken Rückfuss zugenommen und würden die körperliche Leistungsfähigkeit subjektiv deutlich reduzieren. Die Schmerzen im linken Rückfuss und die pathologischen objekti
ven Befunde des linken Fusses seien mit der im MRI dokumentierten deutlichen Arthrose des unteren Sprunggelenks mit beginnender Arthrose calcaneocuboi
dal links vereinbar (S. 58 f.). 2008 sei im Gutachten der A._ keine zervikale Problematik angesprochen worden. Das von Dr. L._ postulierte Zervikoradi
kulärsyndrom mit sensiblem Ausfallsyndrom C6 links sei nicht mittels MRI res
pektive neurologischer Beurteilung dokumentiert. Anlässlich der jetzigen Begut
achtung seien keine zervikalen Beschwerden angeführt worden. Seit dem MRI 2007 sei es zu einer Verschlechterung des lumbalen Befundes gekommen (S. 64).
Die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit habe eine erhebliche Selbst
limitierung, eine fehlende Bereitschaft, sich anzustrengen unter Angabe von fehlender Motivation sowie eine erhebliche Symptomausweitung ergeben. Infol
ge der erheblichen Symptomausweitung und Selbstlimitierung seien die Resul
tate der physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belast
barkeit kaum verwertbar. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich deshalb primär auf medizinisch-theoretische Überlegungen unter Berücksichtigung der Beobachtungen bei den Leistungstests (S. 59).
Aus psychiatrischer Sicht
könne
seit mindestens 9/2008 eine rezidivierende depressive Störung mit inzwischen anhaltender mittelgradiger depressiver Epi
sode diagnostiziert werden. Zudem lägen Hinweise für eine kombinierte Persön
lichkeitsstörung mit emotional instabilen Zügen und paranoiden Anteilen vor. Hinweise für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
fänden sich nicht,
die Schmerzen
seien
überwiegend organisch erklärbar. Jedoch könne bei Symp
tomausweitung und zunehmenden Kopfschmerzen eine Somatisierungsstörung angenommen werden. Trotz konsequenter Behandlungsbemühungen bei vor
handener Motivation und Eigenverantwortung lägen unbefriedigende Behand
lungsergebnisse vor.
Er
erhalte seit 2006 eine regelmässige psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung in monatlichen Kontrollen, kombiniert mit medikamentöser Therapie und trotzdem habe im Verlauf keine Besserung des psychischen Zustandsbildes erreicht werden können, wobei aufgrund der Per
sönlichkeitsstörung ein therapeutischer Zugang erschwert sei. Die beklagten Beschwerden seien in sich nur teilweise konsistent. Der Beschwerdeführer habe während der Untersuchung ausgeprägte Verdeutlichungstendenzen mit demonstrative
n
Hinweisen auf seine körperlichen Beschwerden gezeigt (S. 60 f.). Aus psychiatrischer Sicht sei es seit mindestens 9/2008 zu einer Verschlech
terung gekommen (S. 64). Der Zeitraum davor könne retrospektiv nicht beurteilt werden (
Urk.
5/155/110).
In der angestammten Tätigkeit als Maler bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechs
lungsweise sitzend und stehend ausgeübt würden, ohne dass dabei häufig inkli
nierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen eingenommen werden müssten, die nicht mit häufigem Laufen, insbesondere auf Treppen, Leitern und unebe
nem Boden verbunden seien, könnten seit Abschluss der postoperativen Rehabi
litation ab 6/2004 bei voller Stundenpräsenz zu 100 % zugemutet werden. Seit 9/2008 betrage die Arbeitsfähigkeit aufgrund der psychischen Beschwerden gesamthaft bei voller Stundenpräsenz 60 %, wobei es sich zusätzlich um Arbei
ten in entspannter Atmosphäre, ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kun
denkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung handeln solle (S. 62).
4.4
Dr. B._
hielt in seinem Gutachten vom 1
8.
Oktober 2017 (
Urk.
20) keine Diagnosen mit und folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit fest (S.
35
):
-
Dysthymia
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionisch-unreifen und emotional-instabilen Anteilen
Dazu führte er aus, beim Beschwerdeführer habe sich nach dem Unfall im Jahre 2003 infolge der sozialen Konsequenzen, insbesondere de
m
Verlust der berufli
chen Tätigkeit, eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion entwickelt. Wenn sich eine leichte depressive Symptomatik bis zu 24 Monate nach dem auslösenden Ereignis noch nicht wesentlich gebessert habe, müsse nach der ICD-10 eine Umcodierung der Diagnose - in der Regel zu einer Dysthymia - erfolgen.
Vorliegend
handle sich um eine länger anhaltende, leichte depressive Symptomatik, die letztendlich nun schon seit circa 12-13 Jahren bestehe und inzwischen eine beginnende Chronifizierung in allerdings sehr leichter Ausprä
gung zeige.
Es
sei deshalb davon auszuge
h
en, dass seit spätestens 2008, eher schon seit 2006, eine Dysthymia vorliege. Eine rezidivierende depressive Stö
rung mit tatsächlich ausgeprägten mittelgradigen depressiven Episoden hätte eine mehrfache Indikation für stationäre psychiatrische Behandlungen erfordert. Zudem wäre eine adäquate, deutlich höher dosierte Medikation notwendig und indiziert gewesen. Dies sei seit 2003 nie der Fall gewesen. Eine rezidivierende depressive Störung liege nicht vor
(S.
23 und S. 25).
Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten chronifizierten Schmerzen wür
den sich physiologisch oder somatisch, wie von den Orthopäden in den beiden Vorgutachten von 2008 und 2014 beschrieben und begründet, weitgehend erklären lassen. Hinweise auf das Vorliegen einer über die somatisch nachvoll
ziehbaren Schmerzen hinausgehenden Schmerzsymptomatik, welche physiolo
gisch nicht erklärbar, also im Sinne einer somatoformen Schmerzstörung einzu
stufen wäre, hätten nicht festgestellt werden können. Die sehr spezifische Diag
nose Somatisierungsstörung könne nicht bestätigt werden, insbesondere fehle das wiederholte Drängen und Verlangen von multiplen somatischen Untersu
chungen und Abklärungen über Jahre (S.
27 f.).
Das Vorliegen einer manifesten, kombinierten Persönlichkeitsstörung könne nicht bestätigt werden, da
lediglich
einige und nicht der überwiegende Teil der bei Versicherten mit einer Persönlichkeitsstörung vorhandenen dysfunktionalen Denk- und Verhaltensmuster
und auch diese nur
teilweise, zeitweilig und zudem in leichter Ausprägung vorlägen. Betroffene mit einer paranoiden Persönlich
keitsstörung, die definitionsgemäss spätestens in der Adoleszenz beginne, wür
den häufig und wiederholt mit Kollegen, Vorgesetzten, Kunden oder anderen Menschen in Konflikte geraten und seien in aller Regel Menschen, die es mit anderen Menschen schwer hätten und anderen aber insbesondere den Umgang
mit ihnen
auch schwermachen würden. Diese Besonderheiten könnten dem Lebenslauf des Beschwerdeführers keinesfalls entnommen werden. Auch könne nicht bestätigt werden, dass er bereits in der Jugendzeit unter spezifischen und ausreichend schwerwiegenden Beeinträchtigungen gelitten habe, die die Diag
nose einer Persönlichkeitsstörung rechtfertigen oder plausibilisieren könnten. Hingegen lägen leicht akzentuierte histrionisch-infantile und emotional-instabile Persönlichkeitszüge vor (S. 26 f.).
Eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach dem Unfallereignis, wie vom behandelnden Psychiater postuliert, könne nicht nachvollzogen werden. Diese spezifische Diagnose sollte Menschen vorbehalten bleiben, die tatsächlich schwerwiegenden und traumatisierenden emotionalen Belastungen wie Folter, Krieg, Konzentrationslager oder ähnlich schwerwiegenden und eingreifenden Lebensereignissen ausgesetzt gewesen seien. Zudem sei es möglich, dass sich diese Störung aus einer (unbehandelten) posttraumatischen Belastungsstörung
entwickle. Eine solche Diagnose habe beim Beschwerdeführer aber nie vorgele
gen
(S. 28).
Beim Beschwerdeführer hätten sich in den letzten Jahren die psychosozialen Belastungsfaktoren immer mehr verstärkt. Diese ständen ganz im Vordergrund der Beschwerdeschilderung. So l
ieg
e eine schwierige finanzielle Situation vor, ebenfalls ein subjektives, eigenwilliges Krankheitskonzept, Migrationshinter
grund, eine sehr geringe Schulbildung, keine Berufsausbildung, eine Aufgabe der selbständigen Tätigkeit als Maler nach dem Unfall aus somatischen Grün
den, erschwerte Bedingungen bei der Arbeitssuche in der freien Wirtschaft bei einem Alter von über 40 Jahren und geringen Qualifikationen, inzwischen ein geringer beruflicher Ehrgeiz und eine Dekonditionierung von regulären berufli
chen Tätigkeiten durch die lange Abstinenz vom freien Arbeitsmarkt, seit Jah
ren familiäre Probleme sowie ein Renten- und Entschädigungswunsch. Die psy
chosozialen Belastungsfaktoren seien vom behandelnden Psychiater in die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit mit einbezogen worden. Der Beschwerdefüh
rer habe sich ein umfassendes Hilfesystem in der Familie aufgebaut und verhar
re in seiner subjektiven Sicht, an einer schweren Krankheit zu leiden. Es sei ein ausgeprägtes dysfunktionales Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten entstanden. Ein sekundärer Krankheitsgewinn und auch über Verdeutlichungs
tendenzen weit hinausgehende Tendenzen zu Aggravation hätten beobachtet werden können (S. 29, S. 31, S. 3
7
und S. 39).
Ab etwa 2006 stehe der Beschwerdeführer in niederfrequenter ambulanter psy
chiatrischer Behandlung mit einem Gespräch pro Monat. Die Antidepressiva sei
en seit Jahren niedrig und auch adäquat zur leichten depressiven Symptomatik dosiert (S. 21).
Zusammenfassend könne keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Aus rein psychiatrischer Sicht habe seit dem Unfall im Februar 2003 nie eine andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden. Dem Beschwerdeführer seien sämtliche Hilfstätigkeiten in der freien Wirtschaft mög
lich, die unter Beachtung der somatischen Einschränkungen zugemutet werden könnten. Eine Tätigkeit im geschützten Rahmen sei nicht erforderlich. Hierdurch würde eine weitere Verstärkung der ausgeprägten Regressionstendenzen und des dysfunktionalen Vermeidungsverhaltens zu befürchten sein (S. 36).
4.5
Die behandelnden Fachpersonen der
M._
, wo der Beschwerde
führer vom 1
8.
September bis
5.
Dezember 2017 hospitalisiert war, stellten in ihrem Austrittsbericht vom 1
5.
Dezember 2017 (
Urk.
27/2) folgende psychiatri
schen Diagnosen (S. 1):
-
Rezidivierende depressive Störung – gegenwärtig schwer ohne psychotische Symptome
-
Nichtorganische Insomnie
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
Schädlicher
Gebrauch
von Alkohol
-
Analphabetentum
-
Nach Vorbefunden: kombinierte Persönlichkeitsstörung (negativistische und impulsive Anteile)
Dazu führten sie aus, der Beschwerdeführer sei in einem sehr markant reduzier
ten und desolaten psycho-physiologischen Gesamtzustand eingetreten. Auffällig seien die deutlichen psychomotorischen Verlangsamungen, die schwere depres
sive Belastung sowie auch ein sehr markant gesteigertes Schmerzsyndrom gewesen. Seit langem beständen Belastungen wie fehlende Deutschkenntnisse, Analphabetismus, subjektiv erlebtes Unrecht in Form von Streichung der
IV-Rente, belastendes IV-Verfahren, Umzug in eine andere Wohnung, Geld-sorgen und eine starke innerfamiliäre Anspannung. Dennoch habe während der Hospi
talisation eine deutliche Besserung der depressiven Symptomatik erreicht wer
den können (S. 2 f.). Es bestehe jedoch weiterhin eine relativ hohe Rückfall
wahrscheinlichkeit in Hinblick auf eine depressive Dekompensation. Der Be-schwerdeführer sei während der Dauer des Klinikaufenthalts und weiterer knapp vier Wochen zu 100 % arbeitsunfähig (S. 4). Er verstehe nicht, weshalb er auf Anweisung von Dr. B._ nach Braunwald habe kommen müssen, statt eine ganze IV-Rente zu bekommen (S. 7).
5.
5.1
Die orthopädischen und allgemeininternistischen Teilgutachten von
Dr. H._
und
Dr. J._
vom
K._
vom 1
5.
Dezember 2014 (E. 4.
3
hievor) beruhen auf den erforderlichen Untersuchungen, sind für die streitigen Belange umfassend und wurden in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt.
Die Gutachter
legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizinische Situation über
zeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Be
schwerdeführers auseinander. Insbesondere zeigten sie nachvollziehbar auf, dass die lumbalen Schmerzen und die abnormen Untersuchungsbefunde der Lendenwirbelsäule auf die im MRI sichtbare leichte Spondylarthrose L1-S1 mit Diskusprotrusion L4/5 und leichter Kompression der Nervenwurzeln L5 beidseits sowie die Diskushernie L5/1 mit Kompression der Nervenwurzel S1 links zurückgeführt werden
können
und dass die Schmerzen im linken Rückfuss und die pathologischen objektiven Befunde des linken Fusses mit der im MRI doku
mentierten deutlichen Arthrose des unteren Sprunggelenks mit beginnender Arthrose calcaneocuboidal links vereinbar sind. Zudem wiesen sie darauf hin, dass die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit eine erhebliche Selbst
limitierung, eine fehlende Bereitschaft, sich anzustrengen unter Angabe von fehlender Motivation, sowie eine erhebliche Symptomausweitung ergeben habe. Die Gutachter gelangten sodann zum ausführlich begründeten und nachvoll
ziehbaren Schluss, dass der Beschwerdeführer aus orthopädisch-allgemeininternistischer Sicht in seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr, hingegen in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit seit Abschluss der postoperativen Rehabilitation im Juni 2006 zu 100 % arbeitsfähig ist. Das Gut
achten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E.
1.5
hievor). Dies wird von den Parteien denn auch nicht bestritten. Auf die Teilgutachten ist damit abzustellen.
5.2
Im psychiatrischen Teilgutachten von Dr. I._
vom 15. Dezember 2014 (E. 4.3 hievor) ging dieser davon aus, dass trotz einer mittelgradigen depressi
ven Störung, einer kombinierten Persönlichkeitsstörung sowie einer Somatisie
rungsstörung, welche zu einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % führen würden, die seit Jahren unveränderte,
niederfrequente ambulante psychiatrische Behandlung mit einem Gespräch pro Monat
und niedrigem
Antidepr
essiva ausreiche und eine stationäre Therapie nicht angezeigt sei. Dies überzeugt nicht. Zudem ist bei fehlender diesbezüglicher Begründung nicht nachvollziehbar, weshalb die von ihm diagnostizierte Persönlichkeitsstörung mit gut 50 Jahren ausgebrochen sein soll, obwohl in der Adoleszenz und den Jahren danach keine Anzeichen dafür bestanden. Die Diagnose einer Somatisierungsstörung wurde zudem nicht schlüssig begründet.
Die Beurteilung der medizinischen Situation kann
so nicht nachvollzogen werden, ebenso wenig überzeugt die
Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit. Auf das
Teilg
utachten von
Dr. I._
kann nicht abgestellt werden, weshalb das Gericht ein
psychiatrisches
Obergutachten eingeholt hat.
5.3
5.3.1
Dr. B._
setzte sich in seinem psychiatrischen Obergutachten vom 1
8.
Oktober 2017 (E. 4.4 hievor) mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander, nahm die erforderlichen Untersuchungen vor und legte die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar. Das Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der fallrelevan
ten Vorakten erstellt.
Dr. B._
setzte sich mit diesen ausführlich auseinander und begründete abweichende Einschätzungen nachvollziehbar (
Urk. 20 S.
23-29 und S. 38 f.). Er wies auf die
seit Jahren
niederfrequente ambulante psychiatri
sche Behandlung sowie die seit Jahren - adäquat zur leichten depressiven Symptomatik - niedrig dosierten Antidepressiva hin. Zudem begründete er die Diagnose einer Dysthymia ausführlich und verneinte die von
Dr. I._
sowie dem behandelnden Psychiater gestellten Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung mit mittelgradigen depressiven Episoden, einer Persönlich
keitsstörung, einer andauernden Persönlichkeitsänderung sowie einer Somati
sierungsstörung detailliert
,
bejahte hingegen das Vorliegen von akzentuierten Persönlichkeitszügen (S. 23-28). D
r. B._
wies auf ausgeprägte psychosoziale Belastungsfaktoren hin (so etwa S. 31)
und
gelangte sodann zum ausführlich begründeten und nachvollziehbaren Schluss, dass der Beschwerdeführer durch seine psychischen Beschwerden nicht in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist (S. 36). Das Gutachten ist schlüssig, leuchtet in der Beurteilung der medizini
schen Situation ein und entspricht den rechtsprechungsgemässen Anforderun
gen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.
5
hievor).
5.3.2
Der Beschwerdeführer und
PD
Dr. N._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP,
kritisierten das Gutachten ausführlich (Urk. 26 und
Stellungnahme zum Gutachten vom 1
3.
Dezember 2017
[Urk.
27/1
]).
So
bemängelten sie unter ande
rem
, es sei mehrfach und
auch während der stationären Hospitalisation in der M._ festgestellt worden, dass er an einer depressiven Störung leide. Wie diese genau benannt werde, sei unerheblich. Zudem könne zusammen mit anderen Befunden auch eine Dysthymia eine Arbeitsunfähigkeit bewirken (Urk. 26 S. 2 und Urk. 27/1 S. 1-3). Da nachfolgend (vgl. E. 6 hernach) die Aus
wirkungen der geltend gemachten mittelgradigen depressiven Störung bezie
hungsweise der Dysthymia auf die Arbeitsfähigkeit detailliert geprüft werden, ist darauf jedoch nicht weiter einzugehen.
Zum Vorwurf, es sei wissenschaftlich fragwürdig, die Krankheit und deren Ver
lauf rückwirkend seit 2004 zu beurteilen (Urk. 26 S. 2 und Urk. 27/1 S. 3), ist festzuhalten, dass sich dazu in den vergangenen Jahren bereits mehrere behan
delnde Ärzte und Gutachter geäussert haben. Dr. B._ konnte sich also auf umfangreiche Akten stützen und sich mit diesen auseinandersetzen. Es ist nicht ersichtlich, weshalb die retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen nicht genügen sollte. Auch das umfassende Bild des Beschwerdeführers machte sich Dr. B._ nicht einzig aufgrund seiner immerhin 3.5-stündigen Begutachtung, sondern zusätzlich durch die umfangreichen Vorakten.
Weiter
brachte der Beschwerdeführer vor, er habe seine Mutter nie per
Flugzeug
in sein Herkunftsland begleitet und die Reise organisiert (
Urk.
26 S. 4). Fraglich ist, weshalb es - trotz Beizug eines Dolmetschers
(Urk. 20 S. 14)
- zu einem sol
chen Missverständnis gekommen sein soll. Dies kann jedoch offenbleiben, nachdem
Dr. B._
seine
gutachterlichen Schlussfolgerungen nicht alleine dar
aus gezogen hat. E
benso wenig hat er
damit
eine Aggravation begründet, son
dern lediglich auf eine Aggravationstendenz hingewiesen. Eine solche konnte bereits anlässlich der Begutachtung durch das
K._
(erhebliche Selbstlimitie
rung; E. 4.3 hievor) festgestellt werden und hat sich bei der Begutachtung durch
Dr. B._
unter anderem auch dadurch gezeigt, dass der Beschwerdeführer sich an den Beginn der Behandlung bei seinem Psychiater nicht mehr zu erinnern vermochte, obwohl die Behandlung ein an und für sich für einen leidenden Menschen wichtiges Faktum darstellt (vgl. E. 4.4 hievor).
Die diesbezüglichen Ausführungen Dr. B._s lassen somit auch nicht auf eine Voreingenommen
heit schliessen.
Selbst wenn der Beschwerdeführer im Übrigen nicht alleine seine Mutter in das Herkunftsland begleitet haben sollte, so war es ihm doch möglich, im Sommer 2014 mit dem Flugzeug dorthin zu reisen (
Urk.
5/155/102), was in Anbetracht der von ihm geltend gemachten schweren psychischen Beschwerden nicht nachvollziehbar ist.
Inwiefern die von Dr. B._ gewählten Formulierungen wie
„
Tendenz zu
"
,
„
scheint
"
und
„
können nicht ausgeschlossen werden
"
unwissen
schaftlich sein und die Voreingenommenheit des Gutachters belegen sollten (vgl. Urk. 26 S. 4), ist nicht nachvollziehbar. Dass familiäre Probleme bestehen, wurde zudem auch von den behandelnden Fachpersonen der M._ berichtet (E. 4.5 hievor), weshalb dem Vorwurf, die diesbezüglichen Aus
führungen des Gutachters seien tendenziös (Urk. 26 S. 5), nicht gefolgt werden kann. Das Vorliegen innerfamiliärer Spannungen steht zudem nicht im Wider
spruch zur Tatsache, dass der
Beschwerdeführer
durch seine Familie die not
wendige Unterstützung erhält. Dass er kaum etwas unternehme, kann zudem mit Blick auf die von ihm geschilderten bis zu vierstündigen Spaziergänge pro Tag (Urk. 20 S. 17) nicht nachvollzogen werden. Inwiefern das Gutachten dies
bezüglich widersprüchlich sein sollte (vgl. Urk. 26 S. 5), ist nicht ersichtlich.
5.3.3
Der
Beschwerdeführer
machte weiter geltend, aufgrund der Akten könne nicht verneint werden, dass er schon in der Jugend erhebliche Probleme gehabt habe und damit auch die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht ausgeschlossen
werde
n
(
Urk.
1 S. 5).
Persönlichkeitsstörungen im Sinne von ICD-10 F60-62 umfassen tief verwurzel
te, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschied
liche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Dabei findet man bei Perso
nen mit Persönlichkeitsstörungen gegenüber der Mehrheit der betreffenden Bevölkerung deutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in Beziehungen zu anderen. Solche Verhaltensmuster sind meistens stabil und beziehen sich auf vielfältige Bereiche von Verhalten und psychischen Funktio
nen. Häufig gehen sie mit persönlichem Leiden und gestörter sozialer Funkti
ons- und Leistungsfähigkeit einher. Persönlichkeitsstörungen unterscheiden sich von Persönlichkeitsänderungen durch den Zeitpunkt und die Art und Weise ihres Auftretens. Sie beginnen in der Kindheit oder Adoleszenz und dauern bis ins Erwachsenenalter an. Persönlichkeitsänderungen dagegen werden im Erwachsenenalter erworben (Weltgesundheitsorganisation: Internationale Klas
sifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F],
10. Aufl. 2015, S. 274 f. F60-62; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 36/04 vom 14. Juni 2004 E. 4.3).
Den Akten kann
nicht
entnommen werden, dass der Beschwerdeführer in seiner Jugend erhebliche Probleme gehabt haben sollte.
Er
war
zudem während viele
r
Jahre erwerbstätig, davon mehrere Jahre selbständig, ohne dass Konflikte am Arbeitsplatz ersichtlich wären. Eine Persönlichkeitsstörung kann damit – wie dies auch
Dr. B._
ausführlich begründet
e - nicht nachvollzogen werden.
5.3.4
Der Beschwerdeführer war vom
1
8.
September bis
5.
Dezember 2017
in der M._
hospitalisiert
. Sofern aus diesem Aufenthalt überhaupt Schlüsse auf die Zeit vor Erlass der angefochtenen Verfügung gezogen werden können, ist festzuhalten, dass die behandelnden Ärzte – wie zuvor bereits Dr. B._ – auf zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren hinwiesen (E. 4.5 hievor), diese aber im Unterschied zu ihm bei ihren Ausführungen unberück
sichtigt gelassen haben. Die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung stellten sie lediglich aufgrund der Vorbefunde, auch begründeten sie nicht, wes
halb eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vorliegen sollte, obwohl sich die organischen Beschwerden weitgehend erklären lassen.
Ob den behan
delnden Fachpersonen die Vorakten bekannt waren, wird aus ihrem Bericht nicht ersichtlich
;
jedenfalls setzten sie sich mit diesen, insbesondere mit dem Gutachten
von Dr. B._
und den darin aufgeführten Diagnosen und
Arbeits
fähigkeitse
inschätzungen nicht auseinander.
Auf ihre Einschätzung kann dem
nach nicht abgestellt werden.
5.3.5
Die Kritik am Gutachten sowie die eingereichten Arztberichte vermögen damit nichts an der Beweiskraft der Expertise zu ändern;
das Einholen eines
weiteren
psychiatrischen Gutachtens
erübrigt sich damit.
Sollte sich der Gesundheitszu
stand des Beschwerdeführers seit Erlass des angefochtenen Entscheids relevant verschlechtert haben, so wäre dies
im Rahmen einer Neuanmeldung
bei der Beschwerdegegnerin
geltend zu machen.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen einer Dysthymia und machte überdies geltend, dass auch eine solche die Arbeitsfähigkeit erheblich ein
schränken könne. Selbst wenn dem jedoch so wäre oder andernfalls von der ebenfalls geltend gemachten rezidivierenden depressiven Störung mit mittelgra
digen depressiven Episoden sowie einer Somatisierungsstörung ausgegangen würde, würde dies aus nachfolgenden Gründen nichts an der gemäss Dr. B._ aus psychischer Sicht bestehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit ändern.
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenem Urteil 8C_130/2017 vom 30. November 2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidensdruck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
6.2
6.2.1
Was den K
omplex „Gesundheitsschädigung" respektive den Indikator
der „Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde“ angeht
, kann mit Blick auf die von Dr. B._ aufgeführten aber auch gemäss Austrittsbericht der M._ bestehenden zahlreichen psychosozialen Belastungsfaktoren (vgl. E. 4.4 f. hievor) nur von einer geringen Ausprägung ausgegangen werden.
Bezüglich des Indikators
„Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resi
stenz“
ist festzuhalten, dass in Anbetracht der seit Jahren unveränderten und
niederfrequente
n
ambulante
n
psychiatrische
n
Behandlung mit einem Gespräch pro Monat
und niedriger
Antidepr
essiva von einer Behandlungsresistenz nicht ausgegangen werden kann. Eingliederungsmassnahmen haben bislang keine stattgefunden.
Als „Komorbiditäten“ zu berücksichtigende krankheitswertige Störungen sind
mit den somatischen Gesundheitsschäden (E. 4.3 hievor)
ausge
wiesen
.
Bei den Komplexen „Persönlichkeit“ und
„sozialer Kontext“ ergibt sich, dass der Beschwerdeführer seit circa 26 Jahren verheiratet ist, vier erwachsene Kinder hat und mit seiner Ehefrau, den beiden Söhnen und seiner Mutter in einer Wohnung lebt. Seine beiden Schwestern wohnen im Herkunftsland. Der Kontakt mit seinem in Zürich lebenden Bruder bezeichnete er als eher distan
ziert, aber wenn er etwas benötige, helfe ihm dieser schon; mit Kollegen treffe er sich nicht. Am Morgen rufe ihn seine Frau, damit er seine Tabletten einneh
me, am Mittag esse er mit ihr. Am Abend koche sie für die Familie, aber er habe oft keinen Appetit. Nach dem Abendessen gehe er eine Stunde spazieren, dabei begleite ihn seine Frau manchmal (Urk. 20 S. 15-17). D
urch
seine
Einbettung in die Familie
erhält der Beschwerdeführer
eine Tagesstruktur. Trotz eines
gewis
sen
sozialen Rückzugs enthält
sein
Lebenskontext
damit
bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
6.2.2
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezü
gen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ eingehend Michael E. Meier,
Zwei Jahre
neue Schmerzrechtsprechung, in:
Riemer-Kafka/Hürzeler, Das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren, Zürich 2017, S. 138
) zielt
der Indikator „gleichmässige Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen“ auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufga
benbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestal
tung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicher
ten Person stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1). Der Beschwerdeführer steh
e
jeweils etwas nach 6 Uhr auf, trinke Kaffee, schaue TV, gehe je nach Wetter 20 Minuten bis eine Stunde spazieren, schaue wieder TV, esse mit seiner Frau zu Mittag, gehe am Nachmittag wieder ein bis zwei Stunden spazieren,
dann setze er sich irgendwo hin und laufe später weiter
.
Am Abend koche die Ehefrau für
die Familie
, aber er esse oft nicht mit. Anschliessend schaue er wieder TV und gehe noch einmal eine Stunde spazieren. Gegen 22.00 oder 23.00 Uhr gehe er ins Bett. Er schlafe schlecht ein wegen seinen Schmerzen und Grübeln und erwache oft schon nach ein bis zwei Stunden wieder. Später könne er aber wieder weiterschlafen (
Urk.
20 S. 17).
Der
Beschwerdeführer
sieht sich nicht mehr in der Lage, einer Arbeit nachzugehen. Das geschilderte Tagesaktivitätsniveau ist zwar in einem gewissen Umfang eingeschränkt,
jedoch (längst) nicht entsprechend der von ih
m
geltend gemachten 100%igen Arbeitsunfähigkeit
.
Im Rahmen des Indikators „ausgewiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, a.a.O., S.
129
) weist d
ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optio
nen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädi
gung") auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berück
sichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2;
vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Der
Beschwerdeführer
steht seit Jahren
in niederfrequenter ambulanter psychiatrischer Behandlung mit einem Gespräch pro Monat
, di
e Antidepressiva
sind
seit Jahren niedrig
. Abgesehen von einer zusätzlichen knapp einmonatigen stationären Hospitalisa
tion im Mai/Juni 2008 (E. 4.1 hievor) fanden bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung keine weiteren Behandlungen statt. Wie Dr. B._ ausführte, hätten jedoch psychische Beschwerden vom geltend gemachten Schweregrad
eine mehrfache Indikation für stationäre psychiatrische Behandlungen erfordert.
Eine solche fand jedoch erst im September 2017 auf Empfehlung von Dr. B._ erneut statt. Gemäss dem Gutachter
wäre
bei den geltend gemachten psychi
schen Beschwerden
zudem
eine adäquate, deutlich höher dosierte Medikation notwendig und indiziert gewesen
, was seit 2003 nie der Fall war.
Von einem ausgewiesenen Leidensdruck kann in Anbetracht dieser geringen Behandlungs
intensität offensichtlich nicht gesprochen werden.
Trotz der mehrfach gut
achterlich festgestellten Arbeitsfähigkeit in zumindest einer Teilzeittätigkeit bemühte sich der Beschwerdeführer nie um Eingliederungsmassnahmen, wes
halb auch
eingliederungsanamnestisch
kein Leidensdruck ausgewiesen ist.
6.2.3
Bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren
wäre damit – insbesondere mit Blick auf das inkonsistente Verhalten bezüglich der
Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus
und der geringen Behandlungsintensität trotz geltend gemachten schweren psychischen Beeinträchtigungen
– selbst bei Beja
hung der mittelgradigen depressiven Störung sowie der Somatisierungsstörung
eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerken
nung ei
n
er
Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht
führen könnte, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
6.3
Zusammenfassend ist ausgewiesen, dass sich der physische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ab Juni 2006 verbessert hat (vgl. E. 5.1 hievor). Ein für die Befristung der Rente erforderlicher Revisionsgrund ist damit gegeben. Es ist seit dem Unfall vom 8. Februar 2003 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und seit Juni 2004 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit auszugehen.
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
7.
7.1
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massge
bende Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2).
Der Beschwerdeführer erzielte gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 23. September 2004 bei der Y._ GmbH ein Jahreseinkommen von Fr. 75'400.-- (Urk. 5/25 S. 2). Gemäss dem Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 5/69/3) wurde ihm jedoch von der Y._ GmbH im Jahr vor dem Unfall lediglich ein Gehalt von Fr. 53'000.-- ausgerichtet. Der Beschwerdeführer war Geschäftsführer der Unternehmung (Urk. 5/25 S. 3) und hat den Arbeitgeberfra
gebogen selbst ausgefüllt und unterzeichnet (vgl. Unterschriften Urk. 5/25 S. 3 und Urk. 5/24). In Anbetracht dieser Umstände kann auf seine Angaben nicht unbesehen abgestellt werden. Zu seinen Gunsten ist vom gemäss IK-Auszug im Jahr 2002 bei der Y._ GmbH erzielten Einkommen von Fr. 53'000.-- auszu
gehen, statt dem gemäss IK-Auszug in den drei Jahren vor dem Unfall erzielten durchschnittlichen Jahreslohn von lediglich Fr. 28'283.--.
Aufgerechnet auf das Jahr 2008 (von Index 1933 auf Index 2092, Entwicklung der Nominallöhne, Bundesamt für Statistik, T39, Männer) ergibt sich somit ein Valideneinkommen von Fr. 57'359.55.
Die Suva ging mit Entscheid vom 5. Dezember 2007 (Urk. 5/52/2 f.) von einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 76'290.-- (inkl. Kinderzulagen; Urk. 5/34/20) aus, doch beruhte dieser auf einem Vergleich zwischen ihr und dem Beschwerdeführer (vgl. Urk. 5/95/5) und ist im invalidenversicherungs
rechtlichen Verfahren bereits aus diesem Grund nicht massgebend. Eine Bin
dungswirkung besteht rechtsprechungsgemäss nicht (BGE 133 V 549). Ebenso wenig massgebend ist damit die Tastsache, dass sie ihm seit Jahren gestützt auf eine rein unfallbedingte Invalidität von 40 % Leistungen erbringt (Urk. 1 S. 7).
7.2
Zur
Ermittlung
des Invalideneinkommens ist auf die Tabellenlöhne
gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2008, TA1, abzustellen, nachdem vorliegend die Ausrichtung einer Rente ab Oktober 2008 strittig ist. Der monatliche Bruttolohn (Zentralwert) für Männer
in einfachen und repetitiven Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) beläuft sich auf Fr. 4‘806.--. Dies ergibt unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen durch
schnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.6 Stunden (Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T. 03.02.03.01.04.01)
ein Jahres
einkommen
von Fr.
59'978.90 per 2008
.
7.3
Der Beschwerdeführer machte geltend, es sei ein leidensbedingter Abzug von 20 % zu berücksichtigen (Urk. 1 S. 7). Nachdem jedoch beim Vergleich des Validen- mit dem Invalideneinkommen selbst beim maximal zulässigen Lei
densabzug von 25 % ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 22 % resultiert, kann davon abgesehen werden, über die Höhe desselben zu entschei
den.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8
.
8.1
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr.
1’0
00.-- festzule
gen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
8.2
Die Kosten der Begutachtung durch
Dr. B._
in der Höhe von
Fr. 6'322.10
(Urk.
19
) sind von der Beschwerdegegnerin zu tragen und somit dem Gericht
zurückzuerstatten, war doch die Veranlassung eines Gerichtsgutachtens uner
lässlich, nachdem bei Erl
ass der angefochtenen Verfügung
ein offensichtlich nicht beweiskräftiges
Teilg
utachten (
vgl.
E.
5.2 hievor
)
vorgelegen, auf welches sich die Beschwerdegegnerin indes nicht abgestützt
hatte
ohne dass sie eine neue Begutachtung angeordnet hätte
(vgl. BGE 139 V 496 E. 4.4 und Urteil des Bundesgerichts 8C_113/2017 vom 2
9.
Juni 2017 E. 7.2-3). Der Aufwand für das Gutachten von pauschal
Fr. 6'000.-- erscheint mit Blick auf die komplexe und umfangreiche Aktenlage als angemessen. Auch die Dolmetscherkosten von Fr. 322.10 sind ausgewiesen.