Decision ID: d2e673c4-a930-46c6-a7ea-d4fd8fd16db8
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, war vom 1. November 2002 bis 30. September 2010
bei der Y._ AG in leitender Position tätig (Urk. 7/13/9 und 7/13/14). Am 6. Dezember 2010 (Urk. 7/2) meldete er sich we
gen einer Er
schöpfungsdepression (Burnout) bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte
erwerbliche und medizinische Abklärungen und sprach dem Ver
sicherten mit Ver
fügung vom 9. Januar 2012 bei einem Invaliditätsgrad von 85 % eine ganze Rente ab 1. Juli 2011 zu (Urk. 7/34; Urk. 7/31).
Ab 1.
Apri
2011
war der Versicherte zunächst zu 50 % bei der
Z._
AG als Consultant und Projekt Manager tätig (Urk. 7/35/3-5). Ab 2012 betrug sein Pensum 70 % (vgl. Urk. 7/35/2). Mit Mitteilung vom 26. März 2012 (Urk. 7/42) bestätigte
die IV-Stelle die unveränderte Invalidenrente, eben
so
mit Mitteilung vom 13. März 2013 (Urk. 7/50).
Im September 2014 wurde eine weitere Revision vorgenommen (Urk. 7/55). Die IV-Stelle tätigte erneut Abklärungen (Urk. 7/57-59) und stellte mit Vorbescheid
vom 9. März 2015 die Einstellung der Rente in Aussicht (Urk. 7/63). Dagegen er
hob der Versicherte am 26. März 2015 (Urk. 7/64) und 29. April 2015 (Urk. 7/67
)
Einwände. Mit Verfügung vom 20. Mai 2015 (Urk. 7/70) hob die IV-Stelle die bis
herige ganze Rente auf das Ende des der Zustellung folgenden Mo
nats auf (Urk. 7/70). Die dagegen am 28. Mai 2015 erhobene Beschwerde hiess das hiesi
ge Gericht mit Urteil vom 12. Oktober 2015 in dem Sinne gut, als es die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückwies (Prozess Nr. IV.2015.00595; Urk. 7/75).
1.2
In Umsetzung dieses Urteils holte die IV-Stelle weitere Arztberichte (Urk. 7/85
86) ein und veranlasste eine psychiatrische Begutachtung durch Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, dessen Gutachten am 31. Mai 2016 erstattet wurde (Urk. 7/93). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk. 7/94; Urk. 7/99; Urk. 7/103; Urk. 7/117; Urk. 7/123) bestätigte die IV-Stelle mit Verfügung vom 12. Oktober 2017 die rückwirkend per 30. Juni 2015 vorgenommene Renteneinstellung (Urk. 7/126 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 12. Oktober 2017 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 3. November 2017 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung der angefoch
tenen Verfügung und
Zusprache
der bisherigen ganzen Rente, eventuell die
Zusprache
einer
Dreiviertelsrente
ab Oktober 2017 (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwer
de
antwort
vom 30. November 2017 (Urk. 6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 7. Dezember 2017 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Mit Verfügung vom 4. Januar 2018 (Urk. 9) wurde den Parteien Gelegenheit gegeben, sich zur geänderten Praxis zur Beurteilung des Rentenanspruchs bei psy
chi
schen Beschwerden (
BGE 143 V 418
) zu äussern. Dem kam der Beschwer
de
führer am 11. Januar 2018 (Urk. 11) und die Beschwerdegegnerin am 19. Janu
ar 2018 (Urk. 12) nach, wovon die Parteien am 29. Januar 2018 in Kenntnis ge
setzt wurden (Urk. 13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und
in
seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines
im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März
2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2) wie folgt: Der Beschwerdeführer habe ein Studium in Elektrotechnik absolviert und
sich später fü
r ein Nachdiplomstudium entschie
den, während dessen er Vollzeit als Tennis
lehrer tätig gewesen sei. Er habe gemäss Gutachten vom 20. Juni 2011 so viele Jobs nebeneinander
gehabt, dass er der Steuererklärung mehrere Steuer
aus
weise habe beilegen müssen. Später habe er bei der B._ schnell Karriere gemacht. Es habe eine auf mehreren Auslösern gründende jah
relange Überforderung vorgelegen. Die Karriere habe nicht dem Wesen des Be
schwerde
führers entsprochen. Zusätzlich habe es Probleme zu Hause gegeben; es sei zu einer Doppelbelastung gekommen, da er auch noch für den Haushalt und die Kinder habe schauen müssen. Dass er sich in dieser Situation für eine selb
stän
dige Tätigkeit entschieden habe, sei nachvollziehbar. Die Kündigung bei der B._ sei somit nicht aus gesundheitlichen Gründen erfolgt. Der Beschwer
de
führer habe damit bewusst in Kauf genommen, kein so hohes Ein
kommen mehr zu erzielen. Deshalb sei für die Berechnung des
Valideneinkom
mens
auf die statistischen
Lohndaten für Personen mit einem universitären Ab
schluss abzustellen, womit von einem Einkommen von Fr. 173'688.85 auszuge
hen sei (S. 1-2).
Es sei aus medizinischer Sicht seit Januar 2012 von einer 80%igen Arbeitsfä
higkeit für die angestammte Tätigkeit, ohne Führungsfunktion, auszugehen. Aus den beruflichen Unterlagen gehe aber hervor, dass der Beschwerdeführer entge
gen seinen Angaben, wonach er mit dem Pensum von 80 % am Limit sei, im Februar und April 2016 bereits über 80 % erwerbstätig gewesen sei. Er könne damit in einer Tätigkeit ohne Führungsaufgaben zu 100 % arbeiten. Dies sei be
reits ab 2012 anzunehmen (S. 2 unten). Mit dem effektiven Jahreseinkommen 2016 bei der C._ AG von Fr. 134'561.-- und dem zukünftig bei der
O._
Versicherung zu erzielenden Jahreseinkommen von Fr. 140'000.-- sei in einem Pensum von 100 % ein rentenausschliessendes Einkommen möglich. Die Erwerbseinbusse liege unter 40 % (S. 3).
2.2
Der Beschwerdeführer machte geltend (Urk. 1), es sei hinsichtlich des
Validen
einkommens
wie in der rentenzusprechenden Verfügung weiterhin von Fr. 305'440.65 auszugehen. Er sei gemäss Begutachtung in der damaligen Tätig
keit zu 80 % arbeitsfähig, ohne Führungsfunktion; dies habe der Regionale Ärztliche Dienst bestätigt. Es bestehe kein Anlass, statistische Lohndaten heran
zuziehen. Die Beschwerdegegnerin ziehe faktisch das früher verwendete
Vali
deneinkommen
in Wiedererwägung. Dass nun von einer Kündigung aus krank
heitsfremden Gründen auszugehen sei, treffe ebenfalls nicht zu. Weiter sei er, was seine Karriere bis 2010 angehe, in seiner Führungsfunktion nicht überfor
dert gewesen. Gemäss gutachterlicher Beurteilung sei er in der angestammten wie in der jetzigen Tätigkeit zu 80 % und nicht zu 100 % arbeitsfähig. Zwar treffe es zu, dass er leider phasenweise Überzeit habe leisten müssen, dies sei aber nicht dauerhaft gewesen. Überdies verdiene er bei der
O._
maximal Fr. 114'400.-- (S. 2 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob seit dem Erlass der Rentenverfügung vom 9. Januar 2012, dem Datum der letzten umfassenden Sachverhaltsprüfung (vgl. vorstehend E. 1.2), bis zum Zeitpunkt der Renteneinstellung per 30. Juni 2015 eine anspruchsrelevante Änderung eingetreten ist.
3.
3.1
Die rentenzusprechende Verfügung vom 9. Januar 2012 (Urk. 7/34) erging ge
stützt
auf das Gutachten von Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. Juni 2011 (Urk. 7/22; vgl. Urk. 7/31). Dr. D._ stellte folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 17):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom und multipler
Psychosomatisierung
(ICD-10: F33.11, F45.37), ausgelöst durch psychosoziale Belastungsfak
toren mit und bei
-
Burnout durch jahrelange Ausschöpfung der Ressourcen im Rahmen einer schweren Belastungssituation im Arbeitsbereich (ICD-10: Z73.0), aktuell in neuer Anstellung mit ungenügender Honorierung konfron
tiert, anhaltende Verunsicherung und Frustration (ICD-10: Z56)
-
Probleme in der Beziehung zur Ehefrau, mit ehelicher Zerrüttung, Ab
weisung durch Ehefrau und Verlust der Definition als Familienvater und Ehemann, aktuell Ablösungsprozess, Neudefinierung, Konflikte bezüglich Trennungsvereinbarung (ICD-10: Z63.5, Z63.0)
Der Beschwerdeführer scheine sich aus psychiatrischer Sicht zwar soweit erholt zu haben, dass er (bei flexibler Arbeitseinteilung) die Motivation, Konzentration
und den Durchhaltewillen mobilisieren könne, er sei aber weiterhin verunsi
chert
, ängstlich-unsicher, vermindert belastbar und leide unvermindert an Ap
pe
tit
stö
rungen sowie den bekannten psychosomatischen Leiden. Es sei auf die schwer ins Gewicht fallende erneut zunehmende Frustration und Verunsiche
rung des Beschwerdeführers hinzuweisen, der sich für seine Arbeit auf hohem Niveau mit einem Hilfsarbeiterlohn als auf längere Sicht ungenügend entschä
digt wisse, und auch Zeichen des Goodwills seines Arbeitgebers vermisse (S. 16 unten). Aktu
ell rücke diese Konfliktsituation bei noch ungenügender Belas
tungs
fähig
keit des Beschwerdeführers, der sich gegenwärtig offenbar auch dem Erwar
tungs
druck seines Arbeitgebers, baldmöglichst auf 80 bis 100 % aufzusto
cken, ausge
liefert sehe, in den Vordergrund, dies nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Er
schöpfung der finanziellen Ressourcen. Es persistiere damit unverän
dert eine psychosoziale Belastungssituation, die das depressive Geschehen un
ter
halte, und die Stagnation des Zustandsbildes, gegenwärtig weiterhin im mit
telgradig-de
pres
siven Bereich trotz konsequenter psychiatrischer und psycho
pharma
kolo
gischer
Behandlung, erklären dürfte (S. 17).
In seinem aktuellen Aufgabenbereich als EDV-Projektleiter sei er aufgrund der aktuellen mittelgradigen stagnierenden depressiven Episode zu 50 % arbeitsun
fähig. Sein Zustand sei allerdings nicht mit einer Kaderfunktion mit Verant
wortung für ein grosses Team und grosse Budgets vereinbar.
Prognostisch sei von einem Wiedererlangen einer vollen Arbeitsfähigkeit per Ende 2011 auszu
gehen,
vorausgesetzt, die anhaltende psychosoziale Belastungssituation (unge
nü
gende Honorierung des aktuellen Arbeitswiedereinstiegs, anhaltende Kon
flik
te be
züglich Trennung von der Ehefrau) könne ausgelotet und geklärt wer
den (S.
18).
Wenn nicht, drohten die Depressivität und die begleitenden psy
choso
ma
tischen Reaktionen zu chronifizieren (S. 19).
Gestützt auf dieses Gutachten sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwer
de
führer mit Verfügung vom 9. Januar 2012 bei einem Invaliditätsgrad von 85 % eine ganze Rente ab 1. Juli 2011 zu, was in der Folge mit Mitteilung vom 26. März 2012 und 13. März 2013 bestätigt wurde.
3.2
Das hiesige Gericht hielt in seinem Urteil vom 12. Oktober 2015 (Urk. 7/75) zu den seit der Verfügung vom 9. Januar 2012 ergangenen medizinischen Akten Folgendes fest (E. 4.3-4.4):
Dr. D._ legte in ihrem Gutachten vom 20. Juni 2011 nachvollziehbar dar,
dass die rezidivierende depressive Störung durch psychosoziale Belastungsfak
to
ren ausgelöst und unterhalten wurde. Es lag damit ei
ner jener eher seltenen Fälle vor, bei denen eine fachärztlich schlüssig begrün
dete,
von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verse
lbständigte psychische Störung
mit Aus
wirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
bestand. Die angestammte Tätigkeit in leitender Position mit hoher Verantwortung war damals nicht mehr zu
mut
bar und eine angepasste Tätigkeit war
zu 50 % zumutbar.
Dr. D._ wies zudem darauf hin, dass die
psychiatrische und medikamentöse Behandlung konsequent er
folge, und dass ohne
Klärung der anhaltenden psychosozialen Belastungssitua
tion eine Chroni
fizierung drohe. In der Folge vermochte der Beschwer
de
führer
sein Pensum jedoch auf 70 und 80 % zu steigern.
Anga
ben zur Frage, ob dem Beschwerdeführer die ange
stammte Tätigkeit noch oder wieder zumut
bar ist, wurden jedoch nicht eingeholt, sondern es wurde soweit ersichtlich vom RAD stillschweigend davon ausgegangen, dass diese nicht mehr zumutbar sei. Dr. E._ wies zudem darauf hin, dass eine De
kompen
sa
tion weiterhin möglich sei. Ob dies jedoch im Zeitpunkt der aktuell zu prü
fenden Revision immer noch der Fall ist, ist nicht genügend belegt und fraglich. Denn Dr. E._ hielt im Bericht vom 16. Dezember 2014 - welcher soweit ersichtlich dem RAD nicht vorgelegt wurde - fest, dass der Be
schwerdeführer seit 7. Mai 2014 nicht mehr in Behandlung stehe, nachdem bereits zuvor eine längere Therapiepause bestan
den habe und zuletzt lediglich monatliche Sitzungen stattgefunden hätten. Dies wirft die Frage auf, ob dies auf fehlenden Leidensdruck - möglicherweise im Zusammen
hang mit weggefallenen psychosozialen Faktoren - oder den Umstand, dass keine Ver
besserung mehr möglich ist, zurückzuführen ist. Mit anderen Worten ist unklar, ob das Leiden auf
grund des Scheiterns einer konsequenten Behandlung als therapieresistent und damit invalidisierend betrachtet werden muss, was angesichts des nach Lage der Akten aktuellen Arbeitspensums von 80 % fraglich ist. Auch erachtete Dr. E._ die psychischen Fähigkeiten nicht als wesentlich einge
schränkt, wes
halb fraglich ist, ob die angestammte Tätigkeit
weiterhin unzumutbar ist. Gleich
zeitig beschrieb Dr. E._ eine zwar ausreichende Stabilität, die jedoch recht fragil sei und sich schnell ändern könne.
Insgesamt ist der Bericht von Dr. E._ zu unklar und darüber hinaus angesichts der im Zeitpunkt der Erstattung ein halbes Jahr zurückliegenden letzten Kon
sultation nicht genügend aussagekräftig, als dass darauf abgestellt werden könnte.
Dies gilt auch für den Bericht von Dr. sc. F._, der im Wesent
lichen die vergangene, von der bisherigen ganzen Rente abgedeckte Krankheits
zeit beschrieb und keine Stellung zur aktuellen Arbeitsfähigkeit nahm.
Insgesamt fehlen somit verlässliche, aktuelle fachärztliche Angaben zur Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers in der angestammten und einer angepassten Tätig
keit.
Auf die in E. 3.2-6 des genannten Urteils zitierten Arztberichte ist somit man
gels Aussagekraft vorliegend nicht nochmals einzugehen.
3.3
Dr. sc. F._, Fachpsychologie für Psychotherapie FSP, stellte mit Bericht vom 12. Februar 2016 (Urk. 7/85) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
-
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z.73)
-
Probleme im Bezug zum Ehepartner (ICD-10 Z63)
-
Probleme
im
Bezug auf die wirtschaftliche Lage (ICD-10 Z59)
Als Projektmitarbeiter sei der Beschwerdeführer
seit 2011 zu 80
% arbeitsfähig (Ziff. 2.1). Die Behandlung erfolge ein- bis zweimal pro Monat (Ziff. 3.1). Es be
stehe eine relativ gute Prognose, sofern sich die Lebensbedingungen stabilisie
ren und Lösungen für die vielfältigen Belastungsfaktoren gefunden werden könnten. Längerfristig sei jedoch kaum mit einer vollen Arbeitsfähigkeit mehr zu rechnen. Ziel sei die Stabilisierung und die Aufrechterhaltung der aktuellen Belastbarkeit des Patienten. Auch sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Tätig
keit mit mehr Verantwortung und Führung nicht realistisch (Ziff. 3.3). Der Pati
ent arbeite gegenwärtig zu 80 %. Eine Erhöhung der Arbeitszeit sei kontraindi
ziert und würde die Stabilität gefährden (Ziff. 4.2).
3.4
Dr. A._ erstattete sein Gutachten vom 31. Mai 2016 (Urk. 7/93) unter Be
rücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer eige
nen Untersuchung. Er stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11).
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig grenzwertige leichte depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F33.01)
-
vorbestehende generalisierte Angststörung im Rahmen einer jahrelangen Störung der Stressmodulationsfähigkeit, gegenwärtig weitgehend remit
tiert (ICD-10 F41.1)
Anlässlich der Untersuchung habe der Explorand in psychopathologischer Hin
sicht eine leichte Gedankeneinengung auf seine Existenzängste, eine leichte
Deprimiertheit
bei allerdings erhaltener affektiver Schwingungsfähigkeit, einen unauffälligen Antrieb sowie eine unauffällige Psychomotorik aufgewiesen. Er
gän
zend mit den anamnestischen Angaben über intermittierende Ein- und Durch
schlafstörungen, rasche körperliche Ermüdung, leichte Appetitstörungen sowie sexuelle Störungen und leichte Beeinträchtigung der Freizeitgestaltung könne von einer grenzwertigen leichten depressiven Episode mit somatischen Symptomen ausgegangen werden (S. 11).
Der Beschwerdeführer sei im Erwachsenenalter den sozialen Anforderungen jahrelang gewachsen gewesen und habe eine sehr konstante und überdurch
schnittliche Arbeitsleistung erbracht. Die jahrelangen aussergewöhnlichen psychophysischen Belastungen (sehr anspruchsvolle berufliche Tätigkeit in lei
tender Position und Sorgen um die psychisch angeschlagene Ehefrau und die Kinder) hätten initial im Rahmen einer Störung der Stressmodulationsfähigkeit zum Ausbruch einer generalisierten Angststörung mit den dafür typischen an
haltenden inneren Anspannungen, Sorgen, motorischen Anspannungen und da
für auch typischer vegetativer
Übererregbarkeit bestanden, die zu einer zuneh
menden Ausschöpfung seiner psychophysischen Ressourcen und im Juli 2010 zum Ausbruch einer Erschöpfungsdepression geführt hätten. Es könne seit Juli 2010 von einer anhaltenden depressiven Symptomatik, seit Juli 2011 allerdings in leichtem Ausmass, ausgegangen
werden. Trotz fehlender Remissionsphasen könne in diagnostischer Hinsicht nach bereits sechsjähriger anhaltender depres
siver Symptomatik doch von einer rezidivierenden depressiven Störung und in der Längsbeurteilung seit Juli 2011 bei vorwiegend leichter depressiver Symp
tomatik von einer anhaltenden 20%igen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche sei
nem Bildungsniveau entsprechende Tätigkeiten ausgegangen werden. Aufgrund der anhaltend reduzierten allgemeinen psychischen Belastbarkeit, der einge
schränkten körperlichen Ausdauer und Beeinträchtigung der Selbstwertgefühle könne dem Exploranden seit Juli 2010 keine Arbeitsfähigkeit für Führungsauf
gaben attestiert werden. Auch gegenwärtig könne seit Juli 2011 von einer un
veränderten 20%igen Arbeitsunfähigkeit sowohl für die angestammte als auch jetzige Tätigkeit ausgegangen werden. Die gegenwärtige Tätigkeit des Exploran
den könne
allerdings als ideal adaptiert betrachtet werden, sowohl in Bezug auf die Arbeitsaufgaben (Projektarbeiten) als auch bezüglich Arbeitspräsenz. Stö
rungsbedingt könne von einem vermehrten Erholungsbedarf ausgegangen wer
den, was bei der gegenwärtigen Tätigkeit gewährleistet sei. Es bestehe eine
Teilchronifizierung
, weshalb trotz etablierter therapeutischer Massnahmen nicht mehr mit einer weiteren Verbesserung seiner Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne (S. 12).
Der Beschwerdeführer könne einen Teil seiner angestammten Tätigkeit seit dem Ausbruch der depressiven Störung 2010 nicht mehr ausüben, weshalb ihm für die angestammte Tätigkeit eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne. Tätigkeiten mit Führungsposition könne er seit Juli 2010 nicht mehr ausüben (S. 12 f.). Ab Juli 2011 bestehe in einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeits
fähigkeit von 80 %; die 70%ige Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2012 könne in der Längsschnittbeurteilung nicht bestätigt werden. Seit Januar 2012 sei von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit für die jetzige Tätigkeit auszugehen. Die bisheri
ge Therapie sei lege
artis
durchgeführt worden. Unter konsequenter Wei
ter
füh
rung sei mit der Erhaltung der 80%igen Arbeitsfähigkeit zu rechnen, eine weite
re Verbesserung sei jedoch nicht zu erwarten (S. 13). Die erhobenen Unter
su
chungsbefunde stimmten mit den anamnestischen Angaben bezüglich Aktivi
tätsniveau überein. Das Ausmass der geschilderten psychischen Beschwer
den stimme mit der Inanspruchnahme der therapeutischen Massnahmen überein. Es seien keine Widersprüchlichkeiten festzustellen. Das Verhalten des Beschwerde
führers sei konsistent. Aufgrund der eingeschränkten allgemeinen psychischen Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit, der leichten Beeinträchti
gung der Selbst
behauptungsfähigkeit sowie leicht eingeschränkten geistigen Flexibilität seien Tätigkeiten mit Führungsaufgaben nicht mehr geeignet (S. 15).
Der Beschwerdeführer habe einen 1996 geborenen Sohn, welcher während der Sekundarschule und des 10. Schuljahres unter einer Depression gelitten habe. Er befinde sich jetzt in einer Privatschule in der Ausbildung. Die 1997 geborene Tochter sei gesund. Die Ehefrau des Beschwerdeführers sei manisch-depressiv; man sei seit fünf Jahren getrennt. Er habe sich während der Ehe infolge der psychischen Probleme der Ehefrau sehr viel um die Kinder gekümmert. Nach der Trennung habe sein Sohn bei ihm gelebt und bis Herbst 2015 bei ihm gewohnt. Seither bestehe nur noch wenig bis gar kein Kontakt. Mit der Tochter pflege der Beschwerdeführer normalen Kontakt. Er habe nun seit drei Jahren eine neue Partnerin, man wohne aber getrennt. Meistens sei er am Wochenende mit seiner Freundin zusammen, ab und zu auch unter der Woche. Die Beziehung sei wun
derbar, bei ihr könne er sich selbst sein (S. 7 Mitte).
Er arbeite nun projektmässig zu 80 %, habe aber keine Führungsposition mehr. Vom Rhythmus her gestalte sich die Arbeit angenehm, er könne sich am Mitt
woch und am Wochenende erholen. Seit der Rentenaufhebung im Jahr 2015 leide er an Existenzängsten. Seine Ehefrau beziehe eine IV-Rente und seine Kinder seien immer noch in der Ausbildung. Wenn er wegen der Arbeit nach Bern fahren müsse, werde sein Tag lang, er sei meistens von 06:30 Uhr bis 18:00 Uhr unterwegs. Er fahre ein- bis zweimal pro Woche dorthin. Normaler
weise arbeite er von 08:00 bis 17:00 Uhr. Er spiele in letzter Zeit wieder Tennis und kenne dort zwei bis drei gute Kollegen. Sich zu Hause zu entspannen, sei immer noch ein schwieriges Thema. Wenn er sich nervös fühle, ziehe er das Joggen vor. Er fühle sich nicht mehr als 80 % arbeitsfähig. Früher habe er un
endlich Energie verspürt, jetzt merke er, dass er schnell an die Grenze seiner Kräf
te komme. Er wolle keinen Tag mehr erleben, an dem er 30 Leute entlassen müsse, und wäre auch nicht mehr fähig, sich geschäftspolitisch zu betätigen (S. 8 f.).
4.
4.1
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenan
spruch zu beeinflussen (vgl. vorstehend E. 1.2). Mit der Aufnahme eines Erwerbs
pensums von 80 % im Jahr 2014 (vgl. Urk. 7/55) war eine anspruchsbe
gründende Veränderung eingetreten und ein Revisionsgrund ausgewiesen; galt der Beschwerdeführer doch bei Erlass der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung vom 9. Januar 2012 lediglich als zu 50 % arbeitsfähig.
4.2
Ist ein Revisionsgrund gegeben, so ist der Invaliditätsgrad auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 10).
Steht das Vorliegen eines Revisionsgrundes für ein Sachverhaltselement fest, so können im Revisionsverfahren auch die anderen Elemente der Anspruchsbe
rechtigung frei überprüft werden. So
kann
im Revisionsverfahren eines Versi
cherten, dessen Gesundheitsz
ustand sich verschlechtert hat
, auch die Höhe des
Vali
deneinkommens
ohne Bindung an die ursprüngliche Verfügung neu festge
setzt werden (AHI 2002 S.
164 E.
2a, I 652/00; bestätigt im Urteil des Bundes
gerichts 8C_646/2011 vom 17. November 2011 E. 4.3). Dies bedeutet, dass die Be
schwer
degegnerin grundsätzlich auch befugt war, das
Valideneinkommen
zu überprüfen. Wie es sich vorliegend damit verhält, kann jedoch offen bleiben, da, wie nachfolgend zu zeigen ist, ohnehin keine Invalidität vorliegt.
4.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
ren
tenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hin
weis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätz
lich sämtliche psychischen
Erkrankungen
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzu
gehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem Verfahrens
standard ein
geholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten
und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
).
In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beige
zogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gen
gut
achten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüs
sige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
lauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punk
tuelle Ergänzung genügen
(BGE 141 V 281 E. 8).
4.4
Eine solche Ergänzung ist hinsichtlich des von Dr. A._ erstatteten Gutach
tens nicht notwendig; dieses erlaubt eine Prüfung der Auswirkungen der psy
chischen
Beeinträchtigung des Beschwerdeführers. Das Gutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien, welche zur Bejahung des Beweiswertes einer medizi
nischen Expertise zu beachten sind (vgl. vorstehend E. 1.3). Dies ist im Übrigen unbestritten. Nicht abgestellt werden kann hingegen mangels fachärztlicher Qualifikation auf den Bericht von Dr. F._ (vgl. vorstehend E. 3.3) so
wie auf den Bericht von Dr. G._ vom 17. Februar 2016 (Urk. 7/86/5-6).
Dr. A._ diagnostizierte eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig grenzwertige leichte depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F33.01)
, sowie eine gegenwärtig weitgehend remittierte
vorbestehende generali
sierte Angststörung im Rahmen einer jahrelangen Störung
der Stressmodulati
onsfähigkeit
(ICD-10 F41.1)
. Er ging von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in der angestammten und einer angepassten Tätigkeit aus, wobei Führungsaufgaben nicht mehr zumutbar seien. Die depressive Symptomatik sei ab 2011 in leichtem Ausmass vorhanden (vgl. vorstehend E. 3.3). Damit ist im Revisionszeitpunkt im Vergleich zu 2012 sowohl hinsichtlich der Diagnose als auch der Arbeitsfähig
keit eine Verbesserung eingetreten.
4.5
Die funktionellen Auswirkungen dieser Einschränkung sind anhand der Stan
dardindikatoren zu prüfen. Wie das Bundesgericht in seinem zur Publikation vorgesehenen
Urteil 8C_409/2017 vom 2
1.
März
2018
in E. 4.3 festhielt,
kann diese Frage im Rahmen des Sozialversicherungsrechts
abschliessend
nur aus juristischer Sicht beantwortet werden. Nach
BGE 141 V 281
kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeits
unfä
higkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung
der
mass
ge
blichen
Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stim
mi
ges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsis
tenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (ma
te
rielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person
auswirkt (
BGE 143 V 418
E. 6 S. 427).
4.6
Hinsichtlich des funktionellen Schweregrades ist zur Gesundheitsschädigung fest
zuhalten, dass Dr. A._ ab Juli 2011 und damit auch im massgeblichen Revisionszeitpunkt 2015 von einer vorwiegend leichten depressiven Symptoma
tik ausging und aktuell die Symptomatik lediglich grenzwertig als erfüllt be
trach
tete. Die generalisierte Angststörung erachtete er als weitegehend remit
tiert. Die diagnoserelevanten Befunde sind nicht ausgeprägt. Dr. A._ hielt zwar fest, dass die Therapie lege
artis
erfolgt sei und weiter erfolge. Den Akten lässt sich jedoch entnehmen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2014 die The
rapie längere Zeit unterbrochen und ab Mai 2014 ganz sistiert hatte, nachdem bereits zuvor lediglich
monatliche Sitzungen stattfanden (vgl. Urk. 7/59 Ziff. 3). Auch wenn bei Dr. F._ wieder ein- bis zweimal pro Monat eine Be
handlung erfolgt (vorstehend E. 3.3), kann ab diesem Zeitpunkt ein erheblicher Leidensdruck nicht mehr bejaht werden. Komorbiditäten sind sodann nicht vor
handen.
Im Komplex Persönlichkeit sind keine einschränkenden Faktoren ersichtlich; der Beschwerdeführer leidet nicht an einer Persönlichkeitsstörung oder -akzentu
ierung. Er hat jahrelang den vielfältigen sozialen und beruflichen An
forde
rungen genügen können. Als Ressourcen sind die konstante Arbeitstätig
keit in einem hohen Pensum und die damit einhergehende soziale und berufli
che Integration, die Hobbies (Tennis, Joggen), der Freundeskreis, die Beziehung zur Tochter und insbesondere die als erfüllend erlebte Beziehung zu seiner neu
en Lebenspartnerin zu nennen, ebenso die berufliche Ausbildung und Erfah
rung. Nachdem die Trennung von der Ehefrau bereits mehrere Jahre zurückliegt und die beiden Kinder erwachsen und soweit ersichtlich selbständig sind, fällt diese früher verstärkt gegebene Belastungssituation - soweit sie nicht ohnehin als psychosoziale und damit auszuklammernde (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 mit Hinweis) Belastung zu betrachten ist - nicht mehr entscheidend ins Gewicht.
Hinsichtlich der Konsistenz ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ein sehr hohes und konstantes Aktivitätsniveau zu halten vermag, welches nicht wesent
lich durch die psychiatrische Diagnose eingeschränkt ist. Dies wird insbesondere bestätigt durch den Umstand, dass der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2017 eine Kaderstelle mit Arbeitsort Bern und einem Pensum von 80 % angetreten hat (vgl. Urk. 7/108; Urk. 7/111). Angesichts seines Wohnortes im Kanton Zürich ist die Fahrzeit zum Arbeitsort ebenfalls als Arbeitszeit zu veranschlagen, womit sich das Pensum von 80 % faktisch näher bei 100 % befindet. Ein behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck ist nicht ersicht
lich; der Beschwerdeführer hat ohne in wesentlichem Umfang in Anspruch ge
nommene Behandlungsmassnahmen bereits wenige Monate nach Verlust der bei der B._ innegehabten Stelle ab April 2011 eine neue Arbeitstätigkeit aufnehmen und das Pensum kontinuierlich steigern können. Er war seither im
mer erwerbstätig und fähig, bei verschiedenen Arbeitgebern (vgl. Urk. 7/98; Urk. 7/108) eine Anstellung aufzunehmen und zu halten.
4.7
In Gesamtwürdigung der Indikatoren ist eine ressourcenhemmende Wirkung der psychiatrischen Diagnosen nicht ausgewiesen. Inwieweit mit Blick auf die – teil
weise auf anamnestischen
Angaben beruhende - attestierte Einschränkung der allgemeinen psychischen Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit, der leichten Beeinträchtigung der Selbstbehauptungsfähigkeit und der leicht eingeschränk
ten
Flexibilität dennoch auf eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geschlos
sen werden müsste, begründete Dr. A._ nicht. D
er Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit
kann somit nicht geleistet werden; es liegt mit anderen Worten keine Invalidität vor. Sind jedoch die psychischen Beeinträchtigungen aus rechtlicher Sicht nicht invalidi
sierend, so ist auch die angestammte Tätigkeit mit Führungstätigkeit vollum
fänglich zumutbar, zumal das IVG den Begriff der Berufsinvalidität im Sinne der Unfähigkeit, den bisherigen Beruf weiterhin auszuüben, nicht kennt.
4.8
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass sich der angefochtene Entscheid und damit die Aufhebung der bisherigen ganzen Rente als rechtens erweist.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.-- a
nzusetzen. Entsprechend dem Aus
gan
g des Verfahrens sind sie dem
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerle
gen.