Decision ID: ec8ec31a-8a3e-46d6-a4b8-bf82832f580e
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1949,
bezieht von der Stadt
Y._
Sozialversicherungsamt, Zusatzleistungen zur AHV/IV (Durchführungsstelle), Ergänzungsleistungen zu se
iner Rente (vgl.
Urk.
9/1/6;
Urk.
9/2;
Urk.
9/3/1;
Urk.
9/5/1
;
Urk.
9/7
).
1.2
Mit Verfügu
ng vom 1
5.
November 2021 (
Urk.
9/8/1
) berechnete die Durchfüh
rungsstelle den Anspruch des Versicherten auf Zusatzleistungen
aufgrund
veränderter Grundlagen rückwirkend ab März 2018 neu und
ermittelte einen
Rückerstattung
sbetrag in der Höhe
von
Fr.
7'307.--. Mit gleichentags ergangener
Rückerstattungsverfügung (
Urk.
9/9
) verpflichtete die Durchführungsstelle den Versicherten sodann zur Rückerstattung von Ergänzungsleistungen in der Höhe von
Fr.
7'307.--
für die Zeit vom
1.
März 2018 bis 3
0.
November 202
1.
Gegen diese beiden Verfügungen erhob der Versicherte am 1
6.
Dezember 2021 Einsprache
und stellte unter anderem
auch
ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsve
r
beiständung für das
Einsprache
verfahren
beziehungsweise
um Aus
richtung einer Parteientschädigung
(
Urk.
9/11/1
).
Mit Verfügung
en vom 1
5.
Dezember 2021 (
Urk.
9/10
)
sowie
2
0.
Dezember 2021 (
Urk.
9/12
) berechnete die Durchführungsstelle
s
chliesslich
den Anspruch des Versicherten auf Ergänzungsleistungen für die Zeit ab
Januar 2021 respektive
Januar 202
2.
Auch gegen diese beiden Verfügungen erhob de
r Versicherte Einsprache
und stellte wiederum ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsve
rbeistän
dung für das
Einsprache
verfahren
beziehungsweise
um Ausrichtung einer Partei
entschädigung
(
Urk.
9/13
).
Die Durchführungsstelle wies beide Einsprachen des Versicherten mit Einsprache
entsc
heid vom
1.
Februar 2022 (
Urk.
9/14
=
Urk.
2)
vollumfänglich
ab und entzog einer allfälligen Beschw
erde die aufschiebende Wirkung.
2.
Der Versicherte erhob am 1
0.
März 2022 Beschwerde gegen den Einsprache
entscheid vom
1.
Februar 2022 (
Urk.
2) und stellte folgende Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2 f.):
«1.
Die Beschwerde sei gutzuheissen und es sei der Einsprache-Entscheid der Stadt
Y._
vom
1.
Februar 2022 aufzuheben.
2.
In Abänderung des Einsprache
-E
ntscheides vom
1.
Februar 2022 sei die Verfügung der Stadt
Y._
betreffend Zusatzleistungen zur AHV/IV vom 1
5.
November 2021 bezüglich der Ansprüche ab
1.
Januar 2019 aufzuheben und die Ansprüche auf Zusatzleistungen zzgl. Prämienverbilligung (KK) seien wie folgt neu festzusetzen:
-
01/2019 – 06/2019
:
CHF 1'016.-- (zzgl. CHF 466.-- KK)
-
07/2019 – 09/2019
:
CHF 1'016.-- (zzgl. CHF 466.-- KK)
-
10/2019 – 12/2019
:
CHF 1'016.-- (zzgl. CHF 466.-- KK)
-
01/2020 – 01/2020
:
CHF 1'244.-- (zzgl. CHF 469.-- KK)
-
02/2020 – 06/2020
:
CHF 1'244.-- (zzgl. CHF 469.-- KK)
-
07/2020 – 08/2020
:
CHF 1'244.-- (zzgl. CHF 469.-- KK)
-
09/2020 – 12/2020
:
CHF 959.-- (zzgl. CHF 469.-- KK)
-
01/2021 – 06/2021
:
CHF 963.-- (zzgl. CHF 470.-- KK)
-
ab 07/2021
:
CHF 827.-- (zzgl. CHF 470.-- KK)
Gestützt hierauf sei unter Abrechnung der bisherigen Ansprüche und unter Einbe
zug der Monate Dezember 2021 und Januar bis Februar 2022 ein Saldo resp. eine Rückerstattung in Höhe von CHF 247.-- festzustellen.
3.
In Abänderung des Einsprache-Entscheides vom
1.
Februar 2022 sei die Rück
erstattungsverfügung der Stadt
Y._
vom 1
5.
November 2021 aufzuheben und es sei festzustellen, dass an den Beschwerdeführer in der Zeit vom 01.03.2018 bis 30.11.2021 unter Einbezug der Monate Dezember 2021 und Januar bis Februar 2022 ein Betrag von CHF 247.-- zu viel ausbezahlt wurde und eine Rückerstattung von CHF 247.-- festzulegen.
4.
In Abänderung des Einsprache-Entscheides vom
1.
Februar 2022 sei die Verfügung der Stadt
Y._
betreffend Zusatzleistungen zur AHV/IV vom 2
0.
Dezember 2021 sowie diejenige vom 1
5.
Dezember 2021 aufzuheben und die Ansprüche ab
1.
Januar 2022 au
f Zusatzleistungen auf CHF 827.-- und CHF 469.--
Prämienver
billigung Krankenkasse sowie diejenigen von Januar 2021 bis Dezember 2021 gemäss den Anträgen in
Ziff.
2 vorstehend neu festzusetzen.
5.
In Abänderung von Dispositiv-Ziffer II des Einsprache-Entscheides vom
1.
Februar 2022 sei der vorliegenden Beschwerde in Bezug auf die Rückerstattungsverfügung der Stadt
Y._
vom 1
5.
November 2021 die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
6.
In Abänderung des Einsprache-Entscheides vom
1.
Februar 2022 sei dem Beschwerdeführer für das
Einspracheverfahren
die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche
Rechtsbeiständin
zu bestellen. Dem Beschwerdeführer sei bei Obsiegen eine Par
teientschädigung von CHF 2'500.--
zzgl. 7.7
%
MWST zuzusprechen.
7.
Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche
Rechtsbeiständin
zu bestellen.
8.
Alles unter Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zulasten der Stadt
Y._
resp. der Beschwerdegegnerin.
»
Die Durchführungsstelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
April 2022 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
7.
Juni 2022 (
Urk.
14) zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wurden sowohl das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung
für das
Beschwerdeverfahren
als auch das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung gutgeheissen und Dispositiv-Ziffer II des
Einspracheentscheids
wurde insoweit aufgehoben, als er die Rückerstattungsverfügung vom 1
5.
N
ovember 2021
betraf.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2021 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) sowie der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenversicherung (ELV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Übergangsrechtlich ist in
Abs.
1 der Übergangs
be
stimmungen zur Änderung vom 2
2.
März 2019 (EL-Reform)
sodann
vorge
sehen, dass für Bezügerinnen und Bezüger von Ergänzungsleistungen, für die die EL-Reform insgesamt einen tieferen Betrag der jährlichen Ergänzungsleistungen oder einen Verlust des Anspruchs auf eine jährliche Ergänzungsleistung zur Folge hat, während dreier Jahren ab Inkrafttreten der Änderung das bisherige Recht gilt.
1.2
Gemäss
Art.
2
Abs.
1
ELG haben Personen Anspruch auf Ergänzungsleistungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs, wenn sie di
e Voraussetzungen nach den
Art.
4-6 ELG erfüllen. Dabei entspricht die jährliche Ergänzungsleistung dem Betrag, um den die aner
kannten Ausgaben die anrechenba
ren Einnahmen über
steigen (
Art.
9
Abs.
1 ELG)
.
1.3
Die anrechenb
aren Einnahmen werden nach
Art.
11 ELG ermittelt. Darunter sind
auch Renten, Pensionen und andere wiederkehrende Leistungen,
einschliesslich
der Renten der AHV und der IV
,
zu zählen (
Art.
11
Abs.
1 lit. d ELG).
Zeitlich massgebend sind in der Regel die während des vorausgegangenen Kalenderjahres erzielten anrechenbaren Einnahmen sowie das am
1.
Januar des Bezugsjahres vorhandene Vermögen (
Art.
23
Abs.
1 ELV). Das zeitlich massge
bende Einkommen gemäss
Art.
23
Abs.
1 ELV betrifft vor allem das Erwerbsein
kommen. Bei Renten, Pensionen und anderen wiederkehrenden Leistungen nach
Art.
11
Abs.
1 lit. d ELG sind die laufenden Betreffnisse zu berücksichtigen (
Art.
23
Abs.
3 ELV).
1.4
Art.
31
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts (ATSG)
schreibt vor, dass jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezügerinnen und Bezügern sowie von den Angehörigen oder von Dritten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungsträger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu melden ist. Ausserdem ist die Meldepflicht im Sinne einer Spezialnorm auch in
Art.
24
ELV
geregelt. Danach hat die anspruchsberechtigte Person, sein gesetz
licher Vertreter oder gegebenenfalls die Drittperson oder die Behörde, welcher eine Ergänzungsleistung ausbezahlt wird, der kantonalen Durchführungsstelle unverzüglich Mitteilung zu machen von jeder Änderung der persönlichen und von jeder ins Gewicht fallenden Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Diese Meldepflicht erstreckt sich auch auf Veränderungen, welche bei an der Ergänzungsleistung beteiligten Familienmitgliedern des Bezugsberechtigten eintreten.
1.5
Gemäss
Art.
25
Abs.
1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurück
zuerstatten. Die Unrechtmässigkeit des Bezugs von Ergänzungsleistungen ergibt sich dadurch, dass die Berechnungsgrundlagen rückwirkend so angepasst werden, dass aus der Neuberechnung ein tieferer Anspruch resultiert
,
als ur
sprünglich ausgerichtet (
Carigiet
/Koch, Er
gänzungsleistungen zur AHV/IV,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2021, S. 134
). Rechtsprechungsgemäss ist für die Rückforde
rung von formell rechtskräftig ausgerichteten Leistungen erforderlich, dass entweder die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung oder die Voraussetzun
gen für eine prozessuale Revision (
Art.
53
Abs.
1 und 2 ATSG) erfüllt sind (BGE 129 V 110 E. 1.1). Nach
Art.
53
Abs.
1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (sogenannte prozessuale Revision). Ferner bestimmt
Art.
53
Abs.
2 ATSG, dass der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügun
gen und
Einspracheentscheide
zurückkommen kann, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (sogenannte Wiedererwägung).
1.6
Der Rückforderungsanspruch erlischt
drei Jahre
, nachdem die Versicherungs
einrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber
fünf Jahre
seit der Auszahlung
der einzelnen Leistung (
Art.
25
Abs.
2 Satz 1 ATSG
, in Kraft seit
1.
Januar 2021
). Es handelt sich bei diesen Fristen um Verwirkungsfristen (BGE
139 V 6 E. 2). Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese
Frist massgebend (
Art.
25
Abs.
2 Satz 2 ATSG).
1.7
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzes
anwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Einspracheentscheid (
Urk.
2) im Wesentlichen fest,
dass
der Beschwerdeführer bei der
im März 2018 e
ingereichten
Anmeldung für Zusatzleistungen lediglich eine deutsche Altersrente sowie eine holländische Altersrente deklariert
habe
. Erst mittels den am 1
5.
November 2021 eingereichten Unterlagen sei eine zweite holländische Altersrente deklariert worden, welche aufgrund der Meldepflichtverletzung rückwirkend ab Mä
rz 2018
anzurechnen
sei (S. 1 f.).
Gemäss
Rz
3452.01 der Wegleitung über die Ergän
zungsleistungen zur AHV/IV (WEL) sei
en
ausländische Renten
,
die in einer Währung von Mit
g
liedstaaten
des Freizügigkeitsabkommens CH-
EG ausgerichtet würden, nach den Tageskursen umzurechnen, welche durch die Europäische Zentralbank publiziert würden.
Würden
die effektiv auf dem Konto des Beschwer
deführers gutgeschriebenen Re
ntenbeträge in Schweizerfranken
gemäss dem
Umrechnungskurs der
Postfinance
angerechnet, wäre
dies eine Ungleichbehand
lung gegenüber
den
Bezüger
n
von Zusatzleistungen
, welche ihrer Meldepflicht nachgekommen seien. Die deutsche Altersrente sowie die beiden holländischen Altersrenten seien daher rückwirkend ab dem
1.
Januar 2019 gemäss
Rz
3452.01 WEL und den Währungskursen der Europäischen Zentralbank
anzurechnen
(S. 2 f.).
Die deutsche Altersrente werde dem Beschwerdeführer
sodann
bereits
seit Beginn des ZL-Anspruchs als Einnahme angerechnet. Seit dem
1.
Februar 2020
verrechne
die Deutsche Rentenversicherung monatlich EUR 250 mit offenen Beitragsforde
rungen vom
1.
Januar 1992 bis 2
6.
Dezember 199
4.
In
Art.
10 ELG seien
sämtliche bei den Zusatzleistungen anerkannte Ausgaben
abschliessend aufgeführt,
wobei Beiträge für ausländische Sozialversicherungen nicht
genannt würden
.
Zudem bestünden die Forderungen für eine Beitragszeit, in welcher kein ZL-Anspruch bestanden habe. D
ie deutsche Altersrente
sei daher weiterhin
ungekürzt anzurechnen (
S. 2, S. 4).
Schliesslich sei dem Beschwerdeführer mit Rentenentscheid vom 1
4.
Juni 2021 rückwirkend ab dem
1.
September 2020 eine deutsche Witwenrente zugesprochen worden. Diese sei
in vollem Umfang inklusive
der
Nachzahlung – ohne Abzug der
geltend gemachten
Bestattungskosten für die Ehefrau und
der
Kosten für eine Rentenberaterin - ab Anspruchsbeginn
am
1.
September 2020 als Einnahme anzurechnen (
S. 2, S. 4).
Zuletzt sei
en
der Antrag
des Beschwerdeführers
auf unentgeltliche Rechtsver
tre
tung für das
Einsprache
verfahren
sowie der Antrag auf eine Parteientschädigung
– aus näher genannten Gründen -
ab
zu
weisen
(S. 5).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt (
Urk.
1),
die Beschwerdegegnerin übersehe
, dass eine Wegleitung keinen rechtsverbindlichen Charakter habe. Bei einer rückwirkenden Anpassung und Ermittlung
eines
Rückerstattungsbetrages sei von den Verhältnissen auszugehen, die tatsächlich bestanden hätten und es sei auf die im betreffenden Jahr effektiv ausgerichteten Einkünfte abzustellen. Darin
bestehe
keine Ungleichbehandlung.
Eine
Meldepflichtverletzung
liege nicht
vor. Die Beschwerdegegnerin habe
für die
Anspruchsperioden Januar 2019 bis Dezember 2020
daher
zu Unrecht nicht die tatsächlich auf dem
Postfinance
-Konto gutgeschriebenen und in den Steuer
erklärungen ausgewiesenen
ausländischen
Rentenbeiträge im Rahmen der Ermittlung des Rückerstattungsbetrages berücksichtigt. Die Währungsum
rechnungen
für die
Anspruchsperioden ab Januar 2021 seien dagegen nicht beanstandet worden (S. 5 f.).
Sodann
sei die
Anrechnung der deutschen Altersrente ab dem
1.
Februar 2020
falsch erfolgt
.
Obwohl seit Februar 2020 monatlich EUR 250 einbehalten würden, berücksichtige die Beschwerdegegnerin zu Unrecht den vollen (ungekürzten) Rentenbetrag als Einnahme
.
E
s
gehe
nicht um anerkannte Ausgaben
nach
Art.
10 ELG
, sondern um die anrechenbaren Einnahmen gemäss
Art.
11 ELG.
Nur die effektiv
zur Deckung der Lebenshaltungskosten zur Verfügung stehende
n
Mittel
dürf
t
en angerechnet werden.
Ab
dem
1.
Februar 2020
seien
daher nur die effektiv ausgerichteten Rentenbeträge
in der Höhe
von EUR 467.06 respektive
ab Juli 2020 in der Höhe von
EUR 491.79 als Einnahmen
anzurechnen
(S. 6 f.).
Sämtliche
angefochtenen Verfügungen seien aufgrund der falschen Berechnungsgrund
lagen abzuändern und die Zusatzleistungen ab
dem Jahr
2019 seien anhand der effektiv ausgerichteten
ausländischen
Renten neu zu berechnen, wobei sich
letzt
lich
eine Rückerstattungsforderung v
on
Fr.
247.-- ergebe (S. 8 f.).
Schliesslich
sei der Entzug der aufschiebenden Wirkung im Zusammenhang mit einer strittigen Rückerstattungsverfügung ausgeschlossen, weshalb der vorliegen
den Beschwerde in Bezug auf die Rückerstattungsverfügung vom 1
5.
November 2021 die aufschiebende Wirkung zu erteilen sei (S. 9 f.).
Zuletzt sei ihm – aus näher genannten Gründen – sowohl die unentgeltlich
e Rechtsverbeiständung für das
Einsprache
verfahren
wie
auch für das vorliegende Beschwerdeverfahren zu bewilligen (S. 10 ff.).
2.3
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
8) führte die Beschwerdegegn
erin ergänzend aus, dass die Wegleitung
für die Durchführungsstellen ver
bindlich sei. Diese garantiere eine
Gleichbehandlung aller
ZL-
Bezüger.
D
ie alleinige Beratung durch die Pro
Senectute
entbinde
den Beschwerdeführer
sodann
nicht von seiner Meldepflicht.
Zudem sei
der Sozialberatung der Pro
Senectute
durchaus zuzu
trauen, dass genügend Fachkompetenz vorhanden
sei
, weshalb
k
ein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung
bestehe
(S. 1).
2.4
Strittig und zu prüfen
sind
die rückwirkende Neuberechnung des ZL-Leistungs
anspruchs
sowie
die damit verbundene Rückforderung von zu viel bezogenen Ergänzungsleistungen. Dabei umstritten ist,
welcher
Wechselkurs
zur Umrechnung der
ausländischen Renten des Beschwerdeführers rückwirkend ab dem
1.
Januar 2019
z
u
berücksichtigen ist
.
Ausserdem ist umstritten,
in welcher Höhe die deutsche Altersrente
ab dem
1.
Februar 2020
sowie ab dem
1.
Juli 2020
aufgrund des erfolgten Verrechnungsabzuges als Einnahme anzurechnen ist. Zuletzt ist auch der Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Einsprache
verfahren
beziehungsweise
der Anspruch auf eine Prozessentschädi
gung umstritten.
D
as ursprünglich weitere
Vorbringen
des Beschwerdeführers
betreffend die
anzu
rechnende
Höhe der
deutschen Witwenrente wurde beschwerdeweise nicht mehr geltend gemacht (vgl. BGE 125 V 413 E. 2).
3.
3.1
Aktenkundig
und unbestritten
ist, dass
der Beschwerdeführer bei der
im April 2018 eingereichten Anmeldung für
Zusatzleistungen zur AHV/IV lediglich eine deutsche Altersrente
der Deutschen Rentenversicherung
sowie
eine
holländische
Alte
rsrente
der
Z._
in der Höhe von insgesamt zirka
Fr.
9'600.-- pro Jahr deklariert hat
(vgl.
Urk.
9/1/1 S. 7 f.
Ziff.
8.
2 und
Ziff.
8.9;
Urk.
9/1/2-
4
).
Auch im Rahmen der periodischen Überprüfung im November 2019 erwähnte er lediglich diese beiden ausländischen Renten und reichte die entsprechenden Belege ein (vgl.
Urk.
9/3/2-5).
Anhand der Akten ergibt sich
sodann
ebenfalls unbestrittenermassen, dass
die Beschwerdegegnerin e
rst
mit
Schreiben
der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
vom 1
1.
November
2021 (
Urk.
9/8/3
, eingegangen am 1
5.
November 2021
)
aufgrund
der
damit
eingereichten Unterlagen
(
Urk.
9/8/4-9)
Kenntnis darüber erhielt
, dass
der Beschwerdeführer
seit
ZL-Anspruchsbeginn im März 2018 auch
eine zweite h
olländische Altersren
te der
A._
bezieht
.
Dadurch hat eine rückwirkende Neuberechnung des Anspruchs des Beschwerdeführers ab März 2018 zu erfolgen und dieser ist grund
sätzlich zur Rückerstattung von unrechtmässig bezogenen Leistungen verpflich
tet (vorstehend E. 1.5). Die Verjährungsfristen (vorstehend E. 1.6) sind vorliegend augenscheinlich gewahrt.
Indem es der Beschwerdeführer von Beginn an unterlassen hat, der Beschwerde
gegnerin den Bezug der holländischen Altersrente der
A._
mitzuteilen, hat er seine Meldepflicht (vorstehend E. 1.4) verletzt.
Der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Umstand, wonach selbst die Mitarbeiter der Pro
Senectute
nicht bemerkt hätten, dass eine niederländische Rente fehle (vgl.
Urk.
1 S. 6), ändert nichts daran. So entbindet
eine
Beratung durch die Mitarbeiter der Pro
Senectute
den Beschwerdeführer nicht von seiner Meldepflicht
, zumal diese auch auf eine vollständige Auskunftserteilung durch den Beschwerdeführer angewiesen sind
. Der Beschwerdeführer hat sowohl bei der
im April 2018 eingereichten
Anmeldung für Zusatzleistungen als auch bei der
im November
2019 erfolgten
periodischen Überprüfung eigenhändig mit seiner Unterschrift bestätigt, dass die Angaben
vollständig und wahrheitsgemäss sind, wobei er auch auf die Meldepflicht hingewiesen wurde (vgl.
Urk.
9/1/1 S. 10;
Urk.
9/1/5 S. 2;
Urk.
9/3/2 S. 4).
3.2
In Bezug auf
die strittige Höhe der Anrechnung der ausländischen Renten für die Anspruchsperioden Januar 2019 bis Dezember 2020 ist festzuhalten, dass
die Frage, welcher Umrechnungskurs für eine ausländische Rente massgeblich ist, weder im ELG noch
in der ELV
geregelt ist. G
emäss
Rz
3452.01 WEL
sind
ausländische
Renten
und Pensionen,
die in einer Währung von Mitgliedstaaten
des Freizügigkeitsabkommens CH-
EG
oder des EFTA-Übereinkommens
ausge
richtet werden, nach
den Tageskursen umzurechnen
, welche durch die Euro
päische Zentralbank publiziert werden. Massgebend ist der erste verfügbare Tageskurs des Monats, der dem Monat des Anspruchsbeginns unmittelbar vorausgeht.
Wesentliche Änderungen des Umrechnungskurses während des Jahres sind unter gewissen Voraussetzungen zu berücksichtigen (WEL
R
z
3452.04 in Verbindung mit
Rz
37
41.01 ff.).
Zwar sind die Bestimmungen der WEL für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich, doch weicht es – zur Gewährleistung einer rechtsgleichen Gesetzes
anwendung - ohne triftigen Grund nicht davon ab (vorstehend E. 1.7). E
in solch triftiger Grund
ist vorliegend nicht gegeben. Soweit der Beschwerdeführer
vorbringt
, dass bei einer rückwirkenden Anpassung und Ermittlung eines Rück
erstattungsbetrages von den Verhältnissen auszugehen sei, die tatsächlich bestanden hätten und deshalb auf die
effektiv auf dem
Postfinance
-Konto gutge
schriebenen ausländischen Rentenbeiträge abzustellen sei (vgl.
Urk.
1 S
. 6
), ist ihm entgegenzuhalten, dass der Versicherte im Rückforderungsprozess so zu behandeln ist,
wie wenn er die ausländische Rente ordnungsgemäss gemeldet hätte. Anders zu entscheiden liefe auf eine durch nichts zu rechtfertigende Ungleichbehandlung hinaus (AHI
2001 S. 214 f.)
.
Die Beschwerdegegnerin hat die Umrechnungen
der deutschen und holländischen Altersrenten
daher zu Recht
entsprechend den
Vorgaben der WEL umgesetzt.
Gemäss Akten
sind die Beträge der auslä
ndischen Renten – unter Berücksichtigung jeweiliger Rentenanpassun
gen –
korrekt erfasst
worden
(vgl.
Urk.
2 S. 3 f.
;
Urk.
9/1/4;
Urk.
9/3/3-4;
Urk.
9/5/2-5;
Urk.
9/8/4-5;
Urk.
9/8/8-17
), weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen und d
ie Beschwerde
in diesem Punkt abzuweisen ist.
3.3
Bereits seit Beginn des ZL-Anspruchs
im
März 2018 wird dem Beschwerdeführer d
ie deutsche Altersrente der Deutschen Rentenversicherung als Einnahme angerechnet (vgl.
Urk.
9/1/5-6
).
Anhand der Akten ergibt sich, dass die Deutsche Rentenversicherung a
b
dem
1.
Februar 2020 monatlich EUR 250 des dem Beschwerdeführer zustehenden Rente
nbe
trags von EUR 717.06 ein
behielt
, womit ihm
seither
nur noch EUR 467.06 pro Monat
ausbezahlt wu
rden (vgl.
Renten
bescheid vom 1
6.
Januar 2020 in
Urk.
9/5/2).
Ab dem
1.
Juli 2020 betrug der Rentenanspruch EUR 741.79, wobei dem Beschwerdeführer aufgrund der Verrechnung in Höhe von EUR 250
nur
noch EUR 491.79 ausbezahlt wurden (vgl. Rentenbescheid vom 1
4.
Mai 2020 in
Urk.
9/5/4)
.
Grund hierfür ist eine Verrech
nung mit
offenen
Beitragsforderung
en
der Deutschen Rentenversicherung aus der Zeit vom
1.
Januar 1992 bis 2
6.
Dezember 1994 (
vgl.
Urk.
9/11/2 Beilage 5-6).
Der hiergegen vom Beschwerdeführer eingereichte Widerspruch (
Urk.
9/5/6)
wurde nach Lage d
er Akten abgewiesen (vgl.
Urk.
9/11/1 S. 6;
Urk.
9/11/2 Beilage 5
).
Hinsichtlich der zwischen den Parteien strittigen Frage, ob
für die
ZL-
Anspruchsberechnungen ab Februar
und Juli
2020
weiterhin
der volle (ungekürzte) Rentenbetrag
zu berücksichtigen ist, oder ob einzig der effektiv dem Beschwerdeführer ausbezahlte Rentenbetrag als Einnahme angerechnet werden darf (vgl.
Urk.
1 S. 7,
Urk.
2 S. 4), ist Folgendes festzuhalten:
I
n der Schweiz
wird die AHV-Rente
bei
vorhandenen
Beitragslücken
gekürzt und es resultiert
schluss
endlich
ein
insgesamt
tieferer
monatlicher
Rentenanspruch
(vgl.
Art.
29
Abs.
2 in Verbindung mit
Art.
29
ter
und
Art.
38 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung, AHVG).
Aus allfällig vorhandenen Beitragslücken resultieren somit tiefere anrechenbare Einnahmen in der Berechnung der Zusatz
leistungen
. Es erfolgt keine Kontrolle darüber, wie sich jemand bezüglich Vorsorge bis zum Bezug von
Zusatzleistungen
gebettet hat. Es
ersch
iene
stossend
,
wenn
der Beschwerdeführer
beim Erhalt einer Altersr
ente aus
einem anderen Rentensystem
– vorliegend Deutschland, das eine Verrechnung mit fast 30 Jahre alten offenen Beitragsforderungen zulässt -
diesbezüglich
schlechter gestellt w
ürde
.
Die Verrechnung mit den offenen Beitragsforderungen in Deutschland erfolgt im Übrigen offenbar, ohne
die Grenze des betreibungsrechtlichen E
xistenzminimu
m
s
zu prüfen und
zu berücksichtigen.
Die Beitragsforderungen sind damit nicht mit einer gewöhnlichen Schuld gleichzusetzen, der
en
Berück
sichtigung als anerkannte Ausgabe
im ELG
nicht vorgesehen ist.
Es rechtfertig
t
sich folglich
unter den gegebenen Umständen – zumal der Beschwerdeführer auch effektiv nur den tieferen Rentenbetrag für den alltäglichen Lebensunterhalt verwenden kann
(vgl.
Carigiet
/Koch, a. a. O.,
N.
660
)
-
,
in der Anspruchsberech
nung ab dem
1.
Februar 2020 lediglich EUR 467.06 pro Monat und ab dem
1.
Juli 2020 EUR 491.79 pro Monat als Einnahme anzurechnen. In diesem Punkt erweist sich die Beschwerde somit als begründet und ist entsprechend gutzuheissen.
Vorbehalten bleibt eine prozessuale Revision bei allfälliger Nachzahlung der einbehaltenen Beträge durch die deutschen Behörden.
3.4
Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass
die Beschwerdegegnerin
die Umrechnungen der deutschen und holländischen Altersrenten
bei der rückwir
kenden Neuberechnung des ZL-Leistungsanspruchs ab März 2018 zu Recht entsprechend den Vorgaben der WEL umgesetzt und die Beträge der auslän
dischen Renten korrekt erfasst hat.
Die deutsche Altersrente ist bei den Anspruchsberechnungen ab dem
1.
Februar 2020 allerdings lediglich in der Höhe von EUR 467.06 pro Monat und ab dem
1.
Juli 2020
in der Höhe
von EUR 491.79 pro Monat als Einnahme anzurechnen.
Die übrigen Berechnungselemente wurden
nicht beanstandet. Von gerichtlicher Seite besteht kein Anlass, korrigierend einzugreifen, zumal sich aus den Akten ebenfalls keine Anhaltspunkte für eine fehlerhafte Kalkulation ergeben (vgl. BGE 125 V 413 E. 2c).
Die Beschwerde ist somit bezüglich
der angefochtenen Berechnungsparameter
der rückwirkenden Neuberechnung des Leistungsanspruchs ab März 2018 und der damit verbundenen Rückforderung teilweise gutzuheissen
.
4.
4.1
Zu prüfen
bleibt
der Antrag des Beschwerdeführers auf unentgeltliche Rechtsver
tretung für das
Einspra
cheverfahren
beziehungsweise auf
Ausrichtung einer Parteientschädigung (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
6). Diesbezüglich stellt der angefochtene Einspracheentscheid (
Urk.
2) eine prozessleitende Verfügung dar, gegen welche die Beschwerde ans Gericht ohne vorhergehendes
Einspracheverfahren
zulässig ist (
Art.
56
Abs.
1 in Verbindung mit
Art.
52
Abs.
1 ATSG).
4.2
Gemäss
Art.
52
Abs.
3 Satz 2 ATSG w
erden
im
Einspracheverfahren
in der Regel keine Parteientschädigung
en
ausgerichtet. Mit der Wendung „
in der Regel“ wird ermöglich
t
, dass einer Partei, welcher eine unentgeltliche Vertretung bestellt wurde, bei einer
Gutheissung
der Einsprache dennoch eine Parteientschädigung zugesprochen werden kann; denn in diesem Fall entfällt grundsätzlich der Anspruch auf Entschädigung des u
nentgeltlichen Vertreters (
BGE
130 V
570
E. 2.2
, 117 V 404
). Darüber hinaus lässt der Wortlaut der Bestimmung die Zuspre
chung einer Parteientschädigung auch bei Vorliegen sonstiger besonderer Umstände
-
etwa besondere Aufwendungen und Schwierigkeiten
–
zu
. Indessen hat die neuere bundesgerichtliche Rechtsprechung festgelegt, dass – ausserhalb der unentgeltlichen Vertretung – im
Einspracheverfahren
kein Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht
(Kieser, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage, Zürich
/Basel/
Genf
2020
,
Rz
82 ff.
zu
Art.
52).
4.3
Nach Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der gesuchstellenden Person im sozialversiche
rungsrechtlichen Verwaltungsverfahren eine unentgeltliche Rechtsvertretung bewilligt, wo es die Verhältnisse erfordern. Anspruch auf unentgeltliche Rechts
vertretung besteht, wenn die Partei
nicht über die erforderlichen Mittel verfügt
, ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint und die Vertretung
zur Wahrung ihrer Rechte notwendig
ist (Art. 29 Abs. 3 BV). Insbesondere die Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung ist nur in Ausnahmefällen zu bejahen, weil im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren der Untersuchungsgrund
satz gilt (Art. 43 ATSG), die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen also den rechtserheblichen Sachverhalt unter
Mitwirkung der Parteien nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und Gesetzesgebundenheit zu ermitteln haben. Die Geltung des Untersuchungsgrundsatzes rechtfertigt somit einen strengen Massstab, schliesst aber die sachliche Gebotenheit der unentgeltlichen Vertretung nicht grundsätz
lich aus. Es müssen sich schwierige Fragen rechtlicher oder tatsächlicher Natur stellen. Zu berücksichtigen sind die konkreten Umstände des Einzelfalls, Eigen
heiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie weitere Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts fallen auch bei der versicherten Person liegende Gründe in Betracht, etwa ihre Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzu
finden. Des Weiteren muss eine gehörige Interessenwahrung durch Verbands
vertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen ausser Betracht fallen (BGE 132 V 200 E. 4.1; Urteil des Bundes
gerichts 8C_240/2018 vom 3. Mai 2018 E. 3.2, je mit Hinweisen).
4.4
Der Beschwerdeführer macht
geltend, es liege ein besonders gelagerter Fall vor und es sei ihm ohne anwaltlichen Beistand unmöglich
, seine Rechte
wirksam zu wahren. Die Währungsumrechnungen der verschiedenen ausländischen Renten
in elf
Anspruchsperioden, die Nichtberücksichtigung des Verrechnungsabzuges bei der
deutschen
Altersrente und die Mehrzahl an erlassenen Verfügungen könnten nicht als Durchschnittsfall bezeichnet werden. Zudem sei es ihm mit der Unterstützung durch die Pro
Senectute
nicht gelungen, seine finanziellen Angelegenheiten zu regeln und erst die Rechtsvertreterin habe die Mitteilung an die Beschwerdegegnerin vorgenommen. An einer genügenden Unterstützung durch die zuständigen sozialen Institutionen fehle es daher offensichtlich. Unberücksichtigt bleibe auch, dass es um eine Rückforderung von
Fr.
7‘307.-- gehe, obwohl er gar nicht über die betreffenden Einkünfte verfüge (vgl.
Urk.
1
S. 10).
Demgegenüber vertritt die Beschwerdegegnerin die Ansicht
, es liege kein Ausnahmefall mit schwierigen rechtlichen oder tatsächlichen Fragen vor. Der Beschwerdeführer sei bereits von der Sozialberatung der Pro
Senectute
unter
stützt und beraten worden. Es sei der Sozialberatung der Pro
Senectute
durchaus zuzutrauen, dass für die Betreuung dieser Angelegenheit genügend Fachwissen vorhanden gewesen wäre, sofern diese die entsprechenden Informationen erhalten hätte (vgl.
Urk.
2 S. 5;
Urk.
8 S. 1).
4.5
Im
Einspracheverfahren
stand
die rückwirkende Neuberechnung des Leistungs
anspruchs ab
Leistungsbeginn im
März 2018 und
eine
daraus resultierende Rückforderung
in der Höhe
von
Fr.
7'307.-- im Streit. Das Verfahren griff damit stark in die Rechtsposition des Beschwerdeführers ein, zumal er in
sehr
bescheidenen finanziellen Verhältnissen lebt.
Zudem hat die Beschwerdegegnerin darüber mit vier verschiedenen Verfügungen (
Urk.
9/8/1;
Urk.
9/9-10;
Urk.
9/12
) entschieden, was für einen Laien wie den Beschwerdeführer nicht ohne Weiteres verständlich ist. Schliesslich stellten sich nebst der Währungsumrechnung von vier verschiedenen ausländischen Renten bei der Beurteilung anspruchsvolle Fragen rechtlicher Natur hinsichtlich des Verrechnungsabzuges bei der deutschen Altersrente. Unter diesen Umständen war das Verwaltungsverfahren nicht mehr relativ einfach gelagert, weshalb sich der Beschwerdeführer auch nicht lediglich mit dem Beizug von Fach- und Vertrauensleuten sozialer Institutionen behelfen musste. Damit ist selbst unter Anwendung des geltenden strengen Massstabes die Voraussetzung der Gebotenheit der Rechtsvertretung im
E
inspracheverfahren
erfüllt.
Die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ist angesichts seiner finanziellen Verhältnisse mit einem monatlichen Renteneinkommen von insgesamt rund
Fr.
1‘776.-- (
Fr.
21‘307.-- : 12), ohne weiteres Einkommen und einem Reinver
mögen von lediglich
Fr.
1‘296.-- (vgl.
Urk.
9/12 S. 3) ohne Weiteres zu bejahen. Des Weiteren waren die mit den Einsprachen gestellten Rechtsbegehren nicht aussichtslos, wie das zuvor Ausgeführt
e
(vorstehend E. 3) ergab.
4.6
Nach dem Gesagten ergibt sich,
dass dem Beschwerdeführer eine anwaltliche Rechtsvertretung für das
Einspracheverfahren
hätte zugestanden werden müssen. Könnte der Einsprecher im Falle des Unterliegens die unentgeltliche
Verbeistän
dung
beantragen, hat er rechtsprechungsgemäss bei Obsiegen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vorstehend E. 4.2). Angesichts des Ausgangs des Verfahrens in materieller Hinsicht mit teilweisem Obsiegen steht dem Beschwerdeführer respektive seiner unentgeltlichen Rechtsvertreterin eine
E
ntschädigung für
ihren
Aufwand im
Einspracheverfahren
zu, deren Höhe die Verwaltung festzusetzen hat
, blieb die beantragte Entschädigung von
Fr.
2'500.-- zzgl.
MWSt
(vgl.
Urk.
1 S. 3
Ziff.
6) ohne jegliche Begründung beziehungsweise ohne Einreichung einer entsprechenden Honorarnote.
5.
Zusam
menfassend
ist die Beschwerde
somit
teilweise gutzuheissen. Der angefochtene Einspracheentscheid ist aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Anspruch des Beschwerde
führers auf Ergänzungsleistungen ab März 2018 unter Berücksichtigung der in den Erwägungen gemachten Ausführungen und die damit verbundene Rückfor
derung neu berechne und hernach neu verfüge. Ausserdem hat sie die Entschädigung für das
Einspracheverfahren
festzusetzen.
6
.
6
.1
Das Verfahren ist kostenlos.
6
.2
Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer
respektive seiner unentgeltlichen Rechtsvertreterin
ist eine reduzierte Pr
ozessents
c
hädigung in der Höhe von
Fr.
1’150
.--
(inkl.
Barauslagen und
MWSt
) zuzusprechen.
Im
weitergehenden
Umfang
wird
die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
, Rechtsanwältin
Dr.
Yasmin Iqbal, Zürich,
nachdem sie keine Honorarnote eingereicht hat,
ermessensweise
mit
Fr.
1'
15
0.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
)
aus der G
erichtska
sse entschädigt
. Der Beschwerdeführer wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (GSVGer)
hingewiesen.