Decision ID: 0705055a-36b7-569e-b357-a25493dd5949
Year: 2007
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden sind Eigentümer der an den Thunersee grenzenden
Parzelle Beatenberg-Gbbl. Nr. F._, die in der Uferschutzzone B liegt. Sie verfügen
über eine Konzession der Liegenschaftsverwaltung des Kantons Bern vom 9. Oktober
1997 für ein „Bootshaus mit Sporren“ vor dem Grundstück Nr. F._.01/Seegrund.
Neben ihrem Grundstück liegt ein Badeplatz, der Eigentum des Beschwerdegegners ist
(Grundstück Gbbl.-Nr. G._).
2. Im September 2002 reichten die Beschwerdeführenden bei der Gemeinde
Beatenberg ein Baugesuch ein für die Vergrösserung eines Mauersporns, der auf der
verlängerten Grenzlinie zwischen den Grundstücken der beiden Parteien in den Thunersee
hinausragt. Sie beabsichtigten, den Mauersporn um circa 50 cm zu erhöhen und um
150 cm zu verlängern. Diese Veränderung des Mauersporns sollte als Schutzmassnahme
vor Verkiesung der Fahrrinne zu ihrem Bootshaus dienen.
3. Der Regierungsstatthalter holte die erforderlichen Amts- und Fachberichte ein,
darunter diejenigen des Fischereiaufsehers und der Liegenschaftsverwaltung des Kantons
Bern. Beide stimmten dem Bauvorhaben grundsätzlich zu, der Fischereiaufseher nur unter
verschiedenen Bedingungen und Auflagen.
4. Der Beschwerdegegner erhob Einsprache gegen das Baugesuch der
Beschwerdeführenden. In der Einsprache stellte der Beschwerdegegner insbesondere die
Zulässigkeit des bestehenden Maschendrahtzauns auf dem Mauersporn, der teilweise
zusätzlich mit Stacheldraht gegen ein Überklettern gesichert ist, in Frage. Er machte
geltend, für den Zaun liege keine Baubewilligung vor. Der Regierungsstatthalter holte
daraufhin bei den verschiedenen Amtsstellen eine Stellungnahme zu diesem Zaun ein. Am
6. März 2003 erteilte die Liegenschaftsverwaltung des Kantons Bern dem
Regierungsstatthalter die schriftliche Auskunft, dass die Konzession nur ein Bootshaus und
zwei Mauersporne umfasse, dass aber von einem Maschendrahtzaun nirgends die Rede
sei. Es sei für die Liegenschaftsverwaltung nicht ersichtlich, wieso auf den Mauern ein
Zaun errichtet worden sei. Dieser müsse, soweit er nicht auf dem Grundstück Nr.
3
F._ selber liege, entfernt werden. Am 27. Juni 2003 teilte der Fischereiaufseher
schriftlich mit, er halte an den im Amtsbericht vom 11. Oktober 2002 formulierten Auflagen
fest. Der Maschendrahtzaun dürfe nicht auf öffentlichem Seegrund installiert werden. Es
dürfe kein Fischerei- oder Betretungsverbot erlassen werden, das Fischen vom Ufer aus
müsse zu jeder Zeit erlaubt bleiben.
5. Der Regierungsstatthalter führte im September 2003 eine Einigungsverhandlung
durch, an der neben den beiden Streitparteien u.a. auch der Fischereiinspektor teilnahm.
Dieser erklärte wiederum, wegen des freien Uferbegehungsrechtes gemäss
Fischereigesetz müsse die Mauer begehbar sein. Für den Zaun sei nie eine
fischereipolizeiliche Bewilligung erteilt worden. Der Erweiterung des Mauersporns könne er
zustimmen, aber der bestehende Zaun auf der Mauer müsse reduziert werden, weil dieser
das freie Uferbegehungsrecht beeinträchtige. In der Folge vereinbarten die an der
Verhandlung Anwesenden u.a., dass der Maschendrahtzaun von den
Beschwerdeführenden „um zwei Felder reduziert bzw. vollständig entfernt werde“. Das
Ergebnis wurde im Protokoll schriftlich festgehalten, das Protokoll wurde aber von den
Beteiligten nicht unterzeichnet. Aufgrund dieser Einigung zog der Beschwerdegegner seine
Einsprache am 27. Oktober 2003 zurück. Am 17. November 2003 erteilte der
Regierungsstatthalter von Interlaken die Gesamtbewilligung (Baubewilligung,
fischereipolizeiliche Bewilligung und Wasserbaupolizeibewilligung) und eröffnete
gleichzeitig die Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG1 des Amts für Gemeinden und
Raumordnung. Der Regierungsstatthalter erklärte die Amtsberichte der verschiedenen
Amtsstellen zum „integrierenden Bestandteil“ der Bewilligung. Die Abmachung betreffend
der (teilweisen) Entfernung des Zauns erwähnte der Regierungsstatthalter in der
Baubewilligung nicht.
6. Die Beschwerdeführenden ersuchten im Januar 2004 beim Kreisgericht XI Interlaken-
Oberhasli um Erlass eines richterlichen Verbots mit dem Ziel, die Liegenschaft Beatenberg
Gbbl. Nr. F._ sowie die gemäss Konzession vom 9. Oktober 1997 zur
Sondernutzung ausgeschiedene Wasserfläche gegen jegliche Besitzesstörung zu
schützen. Am 29. Januar 2004 erliess der Gerichtspräsident 1 von Interlaken das
entsprechende Verbot. Laut dem Verbot ist insbesondere das unbefugte Betreten, das
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (SR 700)
4
Vertäuen von Schiffen sowie das Fischen und Baden ab Steg und Mauersporn untersagt.
Der Beschwerdegegner erhob Rechtsvorschlag gegen das richterliche Verbot. Im August
2004 zog der Beschwerdegegner den Rechtsvorschlag („in erster Linie“ wegen des
Kostenrisikos) zurück. Das richterliche Verbot wurde somit rechtskräftig.
7. Der Beschwerdegegner wies im Dezember 2004 mit Brief an die Gemeinde
Beatenberg darauf hin, dass der Zaun nicht abmachungsgemäss entfernt worden sei. Die
Gemeinde stellte im April 2005 bei der Bauabnahme fest, dass der umstrittene
Maschendrahtzaun immer noch im ursprünglichen Zustand vorhanden war. Der
Gemeinderat sah aber keinen Anlass, gegen die Bauausführung baupolizeiliche
Massnahmen zu ergreifen. Er begründete dies damit, dass der betreffende Zaun nicht
bewilligungspflichtig sei, weil er nicht die erforderlichen 1,20 Meter, gemessen ab mittlerem
Wasserstand, aufweise. Zudem sei für den Zaun keine Wasserbaupolizeibewilligung
erforderlich und die (teilweise) Entfernung des Zauns sei nicht als Auflage in die
Gesamtbewilligung vom 17. November 2003 aufgenommen worden.
8. Im November 2005 gelangte der Beschwerdegegner mit Ladungsgesuch an die
Zivilabteilung des Kreisgerichtes XI Interlaken-Oberhasli. Er verlangte hauptsächlich, die
Beschwerdeführenden seien zu verurteilen, den Maschendrahtzaun entsprechend der
Zusicherung an der Einigungsverhandlung um zwei Felder zu verkürzen beziehungsweise
die beiden Felder zu entfernen. Es wurde eine Verhandlung durchgeführt, welche aber zu
keinem Ergebnis führte. Nachdem das Obergericht einen Meinungsaustausch mit dem
Verwaltungsgericht zur Frage der Zuständigkeit eingeleitet hatte, entschied das
Verwaltungsgericht mit Urteil vom 27. April 2006, dass eine öffentlich-rechtliche Streitsache
vorliege. Die Eingabe wurde damit der Einwohnergemeinde Beatenberg zur weiteren
Behandlung weitergeleitet.
9. Mit Schreiben vom 6. Juni 2006 an die Beschwerdeführenden führte die
Einwohnergemeinde Beatenberg aus, gestützt auf die Vereinbarung anlässlich der
Einigungsverhandlung vom 26. September 2003 müsse der Zaun um zwei Felder reduziert
werden. Sie stellte die Anordnung der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes in
Aussicht und gewährte dazu den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör. In ihrer
5
Stellungnahme vom 20. Juni 2006 führten diese hauptsächlich aus, eine verbindliche
Vereinbarung zur Entfernung des Zauns sei wegen verschiedener formeller Mängel nicht
Zustande gekommen.
10. Am 10. Juli 2006 erliess die Einwohnergemeinde Beatenberg gegen die
Beschwerdeführenden eine Wiederherstellungsverfügung. Sie forderte darin die
Beschwerdeführenden auf, den Zaun innert zwei Monaten um zwei Felder zu reduzieren,
respektive diese zwei Felder vollständig zu entfernen. Zudem enthält die Verfügung eine
Strafandrohung für den Widerhandlungsfall und die Androhung der Ersatzvornahme.
11. Mit Beschwerde vom 10. August 2006 haben die Beschwerdeführenden die
Verfügung bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE)
angefochten. Sie beantragen, die Wiederherstellungsverfügung vom 10. Juli 2006 sei
aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Eventualliter sei die Wiederherstellungsverfügung vom 10. Juli 2006 aufzuheben. Zur
Begründung führen sie zusammengefasst folgendes aus: An der Einigungsverhandlung
vom 26. September 2003 sei keine verbindliche Vereinbarung geschlossen worden,
wonach der Zaun entfernt werden müsste. Des Weiteren sei ihnen ihr rechtliches Gehör
verweigert worden, indem die Gemeinde auf ihre Argumente nicht eingetreten sei. Es sei
nicht Sache der Beschwerdeinstanz, die von der Vorinstanz im baupolizeilichen Verfahren
zu treffenden Abklärungen selber durchzuführen. Im Übrigen bestehe der Zaun schon seit
langer Zeit. Es sei keine Baubewilligung für ihn notwendig. Es seien auch keine
baupolizeilichen Vorschriften erkennbar, welche gegen den Zaun sprächen. Schliesslich
deute die vorhandene Konzession und das richterliche Verbot auf die Rechtmässigkeit des
Zaunes.
12. Die Einwohnergemeinde Beatenberg beantragt in ihrer Stellungnahme vom 28. Au-
gust 2006, die Beschwerde sei, soweit darauf eingetreten werden könne, abzuweisen. Sie
weist darauf hin, die an der Einigungsverhandlung vom 26. September 2003 erzielte
Vereinbarung gelte als Bestandteil der Baubewilligung und könne grundsätzlich nicht
zurückgezogen werden. Durch das Fehlen der Unterzeichnung auf dem Protokoll könne
nicht darauf geschlossen werden, es sei keine verbindliche Vereinbarung zustande
6
gekommen. Zudem habe die nachträgliche Erstellung des Protokolls ermöglicht, allfällige
Ergänzungen oder Änderungen anzubringen. Die Beschwerdeführenden hätten aber von
diesem Recht keinen Gebrauch gemacht.
13. Das Rechtsamt, das für die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE) die Beschwerdeverfahren leitet, führte den Schriftenwechsel durch und holte die
Akten zum Baubewilligungsverfahren für die Erweiterung der Mauer ein. Sodann stellte es
der Gemeinde eine Frage nach der Länge der beiden von der
Wiederherstellungsverfügung betroffenen Zaunfelder und gab den Beteiligten,
insbesondere den Beschwerdeführenden Gelegenheit, zu einer allfälligen reformatio in
peius Stellung zu nehmen. Danach haben die Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zu
Schlussbemerkungen erhalten.
Auf die Rechtschriften und den Inhalt der Auskunft der Gemeinde wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Angefochten ist eine Wiederherstellungsverfügung, die sich auf Art. 46 BauiG2 stützt.
Solche Verfügungen können laut Art. 49 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung bei der BVE
angefochten werden. Die Beschwerdeführenden haben als Eigentümer des Zauns und als
Adressaten der Wiederherstellungsverfügung im Sinne von Art. 65 VRPG3 ein
schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Verfügung.
Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Verletzung des rechtlichen Gehörs
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG, BSG 721). 3 Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 (VRPG, BSG 155.21).
7
a) Die Beschwerdeführenden werfen der Vorinstanz vor, sie sei nicht auf ihre
Argumente eingegangen. Insbesondere habe sie sich nicht mit der Frage
auseinandergesetzt, ob überhaupt eine gültige Vereinbarung zustande gekommen sei. Sie
habe damit ihr rechtliches Gehör verletzt.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt unter anderem, dass die Behörde die
Vorbringen der in ihrer Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig prüft und beim Entscheid
berücksichtigt. Die entscheidende Behörde hat die Äusserungen der Parteien nicht nur
entgegenzunehmen, sondern auch zu würdigen4 und sie hat ihre Verfügung zu begründen.
Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung oder den
Entscheid nötigenfalls sachgerecht anfechten können. Das ist nur möglich, wenn sich
sowohl die Betroffenen als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des
Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die
sich ihr Entscheid stützt. Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG schreibt deshalb vor, dass eine
Verfügung die Tatsachen, Rechtsätze und Gründe enthalten muss, auf die sie sich stützt.
An die Begründung von Verfügungen sind im Allgemeinen keine hohen Anforderungen zu
stellen, namentlich dann nicht, wenn den Betroffenen die wesentlichen Umstände bereits
bekannt sind. Der Anspruch auf rechtliches Gehör bedeutet nicht, dass sich die Behörde
ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung, mit jedem rechtlichen Einwand und
mit jedem Beweismittel auseinander setzen muss. Sie kann sich auf die wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken5.
c) Es ist richtig, dass die Begründung der Wiederherstellungsverfügung zu den
Argumenten der Beschwerdeführenden keine ausführliche Stellungnahme enthält. Die
Gemeinde hat sich darauf beschränkt festzuhalten, dass die Vereinbarung Gültigkeit habe,
obwohl sie nicht zum Gegenstand der Baubewilligung erklärt worden sei. Zur Wahrung von
Treu und Glauben müsse der Zaun nun im entsprechenden Umfang abgebrochen werden.
Der Gemeinderat sei aber nach wie vor der Meinung, dass der Zaun nicht
bewilligungspflichtig sei und auch keine Wasserbaupolizeibewilligung benötige. Die
Gemeinde hat somit ihre Ausführungen in der Wiederherstellungsverfügung auf die aus
ihrer Sicht relevanten Punkte beschränkt. Dass dabei nicht jeder von den
4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Art. 21 N. 15. 5 vgl. zum Ganzen: Merkli/Aeschlimann/Herzog, a. a. O. Art. 52 N. 5 ff.
8
Beschwerdeführenden erhobene Einwand einzeln geprüft wurde, stellt nach dem oben
Gesagten keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.
3. Allgemeine Voraussetzungen einer Wiederherstellungsverfügung
a) Laut Art. 46 BauG wird dann die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
angeordnet und durchgeführt, wenn eine - bewilligungspflichtige - Baute oder Anlage ohne
oder in Überschreitung einer Baubewilligung erstellt worden ist und das Gebaute auch
nachträglich nicht bewilligt werden kann. Der Erlass einer Wiederherstellungsverfügung
setzt also i.d.R. voraus, dass die bereits ausgeführten Arbeiten formell und materiell
rechtswidrig sind. Ausnahmsweise genügt auch die materielle Rechtswidrigkeit, nämlich
dann wenn baubewilligungsfreie Bauten oder Anlagen die öffentliche Ordnung stören
(Art. 5 Abs. 2 BewD6).
b) Die Gemeinde Beatenberg ist der Meinung, dass der Maschendrahtzaun keine
Bewilligung benötige. Sie hat die Wiederherstellung allein gestützt auf die entsprechende
Abmachung an der Einigungsverhandlung vom 26. September 2003 verfügt. Die
Beschwerdeführenden bestreiten, dass diese Abmachung formrichtig zustande gekommen
ist und dass sie Grundlage für die Anordnung der Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands sein kann. Diese Streitfrage kann dann offen bleiben, wenn der Zaun entgegen
der Ansicht der Gemeinde und der Beschwerdeführenden ohnehin, d.h. aufgrund der
gesetzlichen Regelung, formell und materiell rechtswidrig ist. Für den Zaun liegt
unbestritten keine Baubewilligung vor. Deshalb ist die formelle Rechtswidrigkeit gegeben,
wenn dafür eine Bewilligung erforderlich ist. Vorab ist somit zu prüfen, ob es für die
Errichtung des Zauns eine oder mehrere Bewilligungen braucht. Falls die
Bewilligungspflicht zu bejahen ist, ist danach zu prüfen, ob der Zaun bewilligungsfähig
wäre oder ob er auch materiell rechtswidrig ist.
4. Baubewilligungspflicht des Maschendrahtzauns
a) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Bauten und Anlagen, die nach
Art. 22 Abs. 1 RPG baubewilligungspflichtig sind, „jene künstlich geschaffenen und auf
Dauer angelegten Einrichtungen, die in fester Beziehung zum Erdboden stehen und
geeignet sind, die Vorstellung über die Nutzungsordnung zu beeinflussen, sei es dass sie
6 Dekret über das Baubewilligungsverfahren vom 22. März 1994 (BSG 725.1)
9
den Raum äusserlich erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt
beeinträchtigen. (...) Die Baubewilligungspflicht soll der Behörde ermöglichen, das
Bauprojekt - in Bezug auf seine räumlichen Folgen - vor seiner Ausführung auf die
Übereinstimmung mit der raumplanerischen Nutzungsordnung und der übrigen
einschlägigen Gesetzgebung zu überprüfen.“7
b) Das kantonale Baugesetz und das Bewilligungsdekret enthalten das
Ausführungsrecht zu Art. 22 RPG. Diese Regelung ist abschliessend, d.h. die Gemeinden
können im Bereich der Baubewilligungspflicht keine eigenen Vorschriften erlassen. Nach
Art. 1 Abs. 3 BauG i.V. mit Art. 4 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BewD unterstehen feste Einfriedungen,
Stütz- und Futtermauern grundsätzlich der Baubewilligungspflicht. Ausgenommen sind
nach Art. 5 Abs. 1 Bst. e BewD nur Einfriedungen, Stütz- und Futtermauern sowie
Schrägrampen, die eine Höhe von 1,20 m nicht überschreiten.
c) Laut Stellungnahme8 der Gemeinde Beatenberg vom 6. Juni 2006 betrug die Höhe
des Zauns bei der Bauabnahme von der damaligen Seeoberfläche aus gemessen 1,35 m.
Die Gemeinde geht aber davon aus, dass die für die Baubewilligungspflicht massgebliche
Höhe des Zauns ab dem mittleren Wasserstand zu messen sei. Ab dem mittleren
Wasserstand betrage die Höhe des Zauns nur 1,17 m, also weniger als 1,20 m. Deshalb
sei der Zaun gestützt auf Art. 5 Abs. 1 Bst. e BewD nicht baubewilligungspflichtig.
d) Wie die Zaunhöhe zu messen ist, wird im BewD in Zusammenhang mit der
Baubewilligungspflicht nirgends ausdrücklich definiert. Nach der konstanten Praxis der
BVE wird im Zusammenhang mit der Bewilligungspflicht von Zäunen die Höhe analog der
üblichen Regelung für Gebäude, also ab dem gewachsenen Boden, bei Abgrabungen ab
dem fertigen Terrain gemessen. Für Zäune zwischen beidseitig aufgeschütteten
Grundstücken kommt die Spezialregelung von Art. 97 Abs. 2 Bst. b BauV9 zum Tragen.
Das Messen ab dem mittleren Wasserstand, wie es die Gemeinde Beatenberg für richtig
hält, überzeugt nicht, weil es sich beim „mittleren Wasserstand“ um eine statistische
Grösse handelt, die wegen des schwankenden Wasserstandpegels jeweils nur für kurze
Zeit im Gelände sichtbar ist. Zudem hängen die Auswirkungen des Zauns auf Raum,
Nutzungsordnung und Umwelt nicht von der Höhe des Wasserstands ab. Auch die Teile
7 BGE 123 II 256 E. 3 8 Vorakten der Baupolizeibehörde der Gemeinde Beatenberg, p. 16 f. 9 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BSG 721.1)
10
des Zauns, die zeitweise unter der Wasseroberfläche liegen, tragen dazu bei. Da es hier
um die Auslegung von kantonalem Recht geht, geniesst die Gemeinde Beatenberg bei der
Frage, ob der Zaun baubewilligungspflichtig ist, keine Gemeindeautonomie, auf die
Rücksicht zu nehmen wäre. Bei richtiger Bemessung der Zaunhöhe ab gewachsenem
Boden, also ab Seegrund bis oberkant Einfriedung, wird somit die Höhe von 1,20 m
deutlich überschritten. Daraus folgt, dass der Zaun zum vornherein nicht unter Art. 5 Abs. 1
Bst. e BewD fällt und somit nicht baubewilligungsfrei ist.
e) Weil der Zaun ausserhalb des Baugebietes steht, ist zudem, neben der
Baubewilligung, auch eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG erforderlich.
f) Schliesslich gelten nach Art. 20 Abs. 2 GBR10 für Einfriedungen die Bestimmungen
des Einführungsgesetzes zum ZGB auch als öffentlichrechtliche Vorschriften. Der Zaun
dürfte somit, soweit er auf der Grenze zum Nachbargrundstück steht, eine Höhe von
1,20 m nicht überschreiten (Art. 79k EGzZGB). Es ist fraglich, ob diese Höhe entlang dem
Nachbargrundstück eingehalten ist und ob auch dafür eine Ausnahmebewilligung nach
Art. 26 BauG erforderlich wäre. Die Frage kann indessen offen bleiben, weil nur derjenige
Zaunteil, der ins Seegrundstück hinausragt, Gegenstand des Verfahrens bildet.
5. Erfordernis weiterer Bewilligungen
a) Neben der Baubewilligung und der Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG sind
bei Anlagen im oder am Gewässer aber noch weitere Bewilligungen erforderlich: Art. 48
Abs. 1 WBG11 bestimmt, dass Bauten und Anlagen im, am, über oder unter dem
Gewässer, die weniger als 10 Meter vom Gewässer entfernt erstellt werden sollen, sowie
andere Vorkehren im Gewässerbereich, die auf die Wasserführung, den Abfluss, die
Sicherheit und Gestaltung des Gewässerbettes und Ufers oder den Zugang zum Gewässer
Einfluss haben, einer Wasserbaupolizeibewilligung bedürfen. Der von den
Beschwerdeführenden erstellte Zaun ist unbestritten als Baute oder Anlage zu
qualifizieren. Da er auf den Zugang zum Gewässer einen Einfluss hat, bedarf der
Maschendrahtzaun auch einer Wasserbaupolizeibewilligung.
10 Gemeindebaureglement vom 16.12.1994 11 Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; BSG 751.11)
11
b) Weiter ist auch eine Fischereipolizeibewilligung erforderlich: Nach Art. 20 Abs. 1
FiG12 ist es zur Ausübung der Fischerei gestattet, das Ufer und das Flussbett zu begehen
und zu betreten. Der Mauersporn gehört zum Ufer und muss daher von den
Fischereiberechtigten benutzt werden können. In Art. 21 Abs. 1 FiG steht, dass die
Erstellung von Bauten, Anlagen und Einfriedungen, welche die Begehung der Ufer von
Regalgewässern erschweren oder verunmöglichen, einer Bewilligung der zuständigen
Stelle der Volkswirtschaftsdirektion bedürfen. An der Einigungsverhandlung vom
26. September 200313 wurde vom Vertreter des kantonalen Fischereiaufsehers
festgehalten, dass die Fischereipolizeibewilligung nur für die Erhöhung und Erweiterung
des Mauersporns, aber nicht für den Maschendrahtzaun erteilt worden sei. Für den
Maschendrahtzaun fehlt somit auch die dafür erforderliche Fischereipolizeibewilligung nach
Fischereigesetz.
c) Bei Bauten an den grösseren bernischen Gewässern stellt sich immer auch die
Frage, ob eine Bewilligung nach dem SFG14 erforderlich sei. Dies ist hier nicht der Fall,
soweit der Zaun auf dem Seegrundstück selbst steht. Das SFG erfasst nur die an den See
angrenzenden Ufergrundstücke. Der Zaun braucht somit nur soweit eine Bewilligung nach
dem SFG als er nicht auf dem Seegrundstück steht. Dieser Teil des Zauns ist aber gerade
nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
d) Schliesslich ist aus dem Situationsplan ersichtlich, dass im Bereich, wo der
bestehende Mauersporn ansetzt, der Wald praktisch bis ans Ufer des Thunersees reicht.
Nach Art. 34 Abs. 1 KWaV15 gilt der gesetzliche Waldabstand für alle
baubewilligungspflichtigen Vorhaben. Nach Bst. e derselben Bestimmung gilt eine
Ausnahme u.a. für Bauten, die nicht für den Aufenthalt von Menschen bestimmt sind.
Voraussetzung ist aber, dass wenigstens ein minimaler Waldabstand von 15 Metern
eingehalten wird (was für den Zaun, soweit aus dem Situationsplan ersichtlich ist, nicht
zutrifft) und dass die Zustimmung der betroffenen Waldeigentümer vorliegt. Das Waldstück,
das am nächsten zum Mauersporn liegt, steht im Eigentum des Beschwerdegegners.
Dessen Einwilligung zur Errichtung des Zauns fehlt offensichtlich.
12 Fischereigesetz des Kantons Bern vom 21. Juni 1995 BSG 923.11) 13 Vorakten der Baupolizeibehörde der Gemeinde Beatenberg, pag. 170 ff. 14 Gesetz vom 6. Juni 1982 über See- und Flussufer (BSG 704.1) 15 Kantonale Waldverordnung vom 29. Oktober 1997 (BSG 921.111)
12
e) Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der bestehende Zaun in mehrfacher
Hinsicht formell rechtswidrig ist.
6. Fehlende Zustimmung des Kantons als Grundeigentümer
a) Der Zaun steht auf einem Mauersporn, der in den Thunersee hinausragt. Der
Mauersporn steht nicht mehr auf dem Grundstück der Beschwerdeführenden, sondern auf
dem Seegrund, der im Eigentum und unter der Hoheit des Kantons Bern steht. Die
Beschwerdeführenden sind im Besitz einer Konzession der kantonalen
Liegenschaftsverwaltung vom 9. Oktober 199716 für eine „über den Gemeingebrauch
hinausgehende Inanspruchnahme von öffentlichen Gewässern“. Die Konzession erlaubt
ausdrücklich die Erstellung eines „Bootshauses mit Sporren vor dem Grundstück Nr.
F._“ und gilt für eine Wasserfläche von 110 m2. Von einem Zaun auf dem
„Sporren“ ist in der Konzession nicht die Rede. Die Liegenschaftsverwaltung des Kantons
Bern hat in ihrer Stellungnahme an den Regierungsstatthalter vom 6. März 2003
ausdrücklich bestätigt, dass die Konzession aus ihrer Sicht keine Maschendrahtzäune
einschliesse. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht der
Beschwerdeführenden ist es nicht so, dass in der Konzession die Errichtung eines Zaunes
hätte verboten werden müssen. Es ist auch nicht so, (wie die Beschwerdeführenden in
ihrer Stellungnahme vom 21. Februar 2007 geltend machen), dass der Maschendrahtzaun
für die mit der Konzession angestrebte Nutzung erforderlich ist und deshalb automatisch in
der Konzession mit enthalten ist. Die Konzession beinhaltet die Sondernutzung von 110 m2
Wasserfläche als Bootsanbindeplatz. Zur Ausübung dieser Nutzung sind (höchstens) die
Mauern („Sporren“) als Schutz vor Verlandung und das Bootshaus erforderlich. Diese
baulichen Anlagen werden denn in der Konzession auch ausdrücklich erwähnt, nicht
hingegen ein Zaun auf der Mauer. Die Nutzung der Wasserfläche zur Stationierung des
Bootes ist auch ohne den umstrittenen Zaun möglich. Es ist somit davon auszugehen, dass
der Zaun von der Konzession nicht gedeckt ist. Auch die von den Beschwerdeführenden
mit ihrer Stellungnahme vom 21. Februar 2007 eingereichte Kopie einer E-Mail eines
Mitarbeiters der kantonalen Liegenschaftsverwaltung an den Beschwerdeführer 1 vom 25.
März 2003 kann nicht als Zustimmung des Kantons als Grundeigentümer gewertet werden.
Diese formlose Auskunft eines Mitarbeiters der Liegenschaftsverwaltung wurde
ausdrücklich nur unter dem Vorbehalt abgegeben, dass auch die Gemeinde Beatenberg
16 vgl. Beilage 8 der Beschwerdeführenden
13
nichts gegen den Zaun einzuwenden habe. Diese Voraussetzung ist, soweit die Gemeinde
die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verlangt, offensichtlich nicht erfüllt. Die
Liegenschaftsverwaltung des Kantons hat zudem später, in einem weiteren Bericht an den
Regierungsstatthalter von Interlaken vom 7. August 2003 ausdrücklich erklärt, dass sie
wegen der negativen Stellungnahme des Fischereiinspektorats keine rückwirkende
Vereinbarung für den Zaun abschliessen könne.
b) Auch die Tatsache, dass der Zivilrichter am 29. Januar 2004 ein Betretungsverbot
erlassen hat, bedeutet nicht, dass der Kanton der Erstellung eines Zaunes zur Sicherung
dieses Verbots zugestimmt hätte. Laut dem Verbot ist das unbefugte Betreten, das
Vertäuen von Schiffen sowie das Fischen und Baden ab Steg und Mauersporn untersagt.
Es ist fraglich, ob dieses Verbot den Anforderungen von Art. 21 Abs. 3 FiG entspricht:
Danach darf ein Zutrittsverbot, welches das Uferbegehungsrecht einschränkt, nur mit
Zustimmung der zuständigen Stelle der Volkswirtschaftsdirektion erlassen werden. Soweit
ersichtlich, wurde im zivilrechtlichen Verfahren keine solche Zustimmung eingeholt. Selbst
wenn das Verbot gültig zustande gekommen ist, bedeutet dies aber nicht, dass der Kanton
damit als Grundeigentümer automatisch baulichen Anlagen zur Durchsetzung des Verbots
zustimmt.
c) Die ehemalige kantonale Liegenschaftsverwaltung ist seit dem 1. Januar 2005 dem
Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) angegliedert und somit Teil der BVE. Die BVE
kann deshalb über die Frage, ob die Zustimmung des Grundeigentümers zur Erstellung
des Zauns gewährt wird, entscheiden, ohne einen förmlichen Amtsbericht zu dieser Frage
beim AGG einzuholen. Aufgrund der nachfolgenden Ausführungen zur materiellen
Rechtswidrigkeit des Zauns wird die Zustimmung nicht erteilt.
7. Materielle Rechtswidrigkeit des Zauns
a) Laut Art. 11 BauG sind in Gewässern und im geschützten Uferbereich von Seen und
bestimmten Flüssen grundsätzlich nur Bauvorhaben zulässig, die standortgebunden sind
und im öffentlichen Interesse liegen. Sofern keine überwiegenden Interessen
entgegenstehen, können aber auf den dafür freigegebenen Gewässerflächen bestimmte
private Bauvorhaben (Hafen- und Landeanlagen, Bootsanbindestellen, Trockenplätze für
Boote, Schiffsbojen, Anlagen für den Bade- und Wassersport und die Fischerei) bewilligt
14
werden. Gemäss dem Richtplan „Bootsstationierung“ vom 17. April 1996, der im Rahmen
der Seeverkehrsplanung Thuner- und Brienzersee erstellt worden ist, ist der Weiterbestand
der Bootsanbindestelle vor der Parzelle der Beschwerdeführenden zulässig. Dies bedeutet
nun aber nicht, dass automatisch auch weitere private Anlagen der Beschwerdeführenden,
die für den Bootsanbindeplatz nicht zwingend erforderlich sind, erlaubt sind. Der
umstrittene Zaun ist, wie bereits ausgeführt wurde, für den Bootsanbindeplatz nicht
erforderlich. Er dient vielmehr dazu, das von den Beschwerdeführenden auf dem Zivilweg
erstrittene Betretungsverbot für ihren Uferabschnitt und die davor liegende Gewässerfläche
durchzusetzen. Dieses Betretungsverbot ist für die Benützung des Bootsanbindeplatzes
keine zwingende Voraussetzung. Der Zaun steht somit in Widerspruch zu Art. 11 Abs. 1
und 2 BauG.
b) Der erstellte Zaun verletzt weiter Art. 20 Abs. 1 FiG, wonach es zur Ausübung der
Fischerei gestattet ist, das Ufer (und das Flussbett) zu begehen und zu betreten. Der
Vertreter der Fischereiaufsicht hat an der Einigungsverhandlung vom 26. September 2003
darauf hingewiesen, dass er der Erweiterung des Mauersporns nur zustimmen könne,
wenn die Mauer von den Fischern betreten werden könne. Der erstellte Zaun
verunmögliche dies. In seinem Schreiben vom 27. Juni 2003 an den Regierungsstatthalter
von Interlaken17 hat der Fischereiaufseher noch einmal festgehalten, dass im Bereich des
öffentlichen Seegrunds kein Maschendrahtzaun installiert werden dürfe. Daraus ist zu
schliessen, dass die fischereipolizeiliche Bewilligung auch nachträglich nicht erteilt werden
könnte. Ausnahmegründe für ein Abweichen von den Vorschriften des Fischereigesetzes
sind nicht ersichtlich.
c) Damit stehen dem Zaun öffentliche Interessen entgegen, die es auch ausschliessen,
eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG zu erteilen. Die materielle Rechtswidrigkeit
ist auch diesbezüglich gegeben. Es kann deshalb offen gelassen werden, ob der Zaun als
standortgebunden im Sinne von Art. 24 RPG oder als teilweise Änderung einer
bestehenden Anlage anerkannt werden könnte.
d) Ebensowenig kann davon ausgegangen werden, dass die kantonale
Liegenschaftsverwaltung nachträglich eine Konzession für die Errichtung des Zauns
erteilen würde. Die kantonale Liegenschaftsverwaltung hat bereits in ihrem Schreiben vom
17 p. 66 der Akten des Regierungsstatthalters
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6. März 2003 an den Regierungsstatthalter von Interlaken18verlangt, dass der
Maschendrahtzaun, soweit er nicht auf der Parzelle F._ der Beschwerdeführenden
liege, entfernt werden müsse.
e) Schliesslich ist aufgrund der Einsprache durch den Beschwerdegegner auch nicht
anzunehmen, dass dieser bereit wäre, die nach Art. 34 Abs. 1 Bst. e KWaV erforderliche
Zustimmung zu erteilen.
f) Der Zaun ist somit in mehrfacher Hinsicht auch materiell rechtswidrig. Es käme
prozessualem Leerlauf gleich, wenn der Form halber noch ein nachträgliches
Bewilligungsverfahren durchgeführt würde. Die Mehrheit der Stellen des Kantons, die für
die erforderlichen besonderen Bewilligungen zuständig sind, haben bereits signalisiert,
dass sie dem Zaun nicht zustimmen können. Die BVE hat deshalb darauf verzichtet, den
Beschwerdeführenden Gelegenheit zur Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs zu
geben.
8. Rechtsgleichheit
a) Das Rechtsgleichheitsgebot besagt, dass gleiche Sachverhalte gleich beurteilt
werden müssen. Daraus folgt, dass ungleiche Sachverhalte den unterschiedliche
Verhältnissen entsprechend ungleich behandelt werden müssen. Es ist aber einer Behörde
nicht verwehrt, ihre bisherige Praxis aus triftigen Gründen zu ändern, z.B. weil sie die
Unrichtigkeit erkannt hat oder weil sie deren Verschärfung für zweckmässig hält19. Weiter
ist zu beachten, dass der Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Verwaltung in der Regel
dem Anspruch auf rechtsgleiche Behandlung vorgeht. Der Umstand, dass das Gesetz in
andern Fällen nicht oder nicht richtig angewendet wurde, gibt dem Bürger keinen Anspruch
darauf, ebenfalls abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Ein Anspruch auf
Gleichbehandlung im Unrecht wird aber ausnahmsweise anerkannt, wenn eine ständige
gesetzwidrige Praxis einer rechtsanwendenden Behörde vorliegt und die Behörde zu
erkennen gibt, dass sie auch in Zukunft nicht von dieser Praxis abzuweichen gedenkt20.
18 p. 182 der Vorakten der Gemeinde Beatenberg 19 BGE 101 Ia 206 E. 3a 20 statt vieler: BGE 127 I 2 E. 3 a
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b) Die Beschwerdeführenden haben mit ihrer Stellungnahme vom 21. Februar 2007
eine Fotodokumentation eingereicht, die belegen soll, dass auch andernorts vergleichbare
Zäune am Seeufer erstellt worden sind. Keiner der Vergleichsfälle, wo Zäune erstellt
worden sind, betrifft die Gemeinde Beatenberg. Ebenfalls nicht ersichtlich ist, ob die Zäune
in andern Gemeinden von allen zuständigen Behörden bewilligt worden sind oder nicht.
Rein aus dem Bestand der Zäune darf nicht gefolgert werden, dass sie rechtmässig sind.
Angesichts des nur pauschalen Hinweises auf die andern Fälle und die fehlende exakte
Standortbezeichnung der fotografierten Zäune ist es nicht möglich, diese Fragen zu klären.
Es ist nicht an der BVE, jedem einzelnen Fall nachzuspüren und abzuklären, ob die
zuständigen Behörden zugestimmt haben oder nicht. Die Rüge der Verletzung der
Rechtsgleichheit ist somit ungenügend begründet.
9. Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
a) Damit sind die in Erw. 3 genannten Voraussetzungen für die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands erfüllt. Der rechtmässige Zustand ist dann hergestellt, wenn der
Zaun, soweit er auf dem Seegrundstück steht, entfernt wird. Die beiden äussersten
Zaunfelder, deren Entfernung die Gemeinde verlangt hat, weisen zusammen eine Länge
von 4,14 m auf. Das Zaunstück, das auf das Seegrundstück hinausragt, misst aber 8,45 m.
Nach dem unter Erw. 5 Ausgeführten, ist der Zaun, soweit er auf das Seegrundstück
hinausragt, auf der ganzen Länge rechtswidrig. Somit muss der Zaun auf dieser ganzen
Länge entfernt werden.
b) Die Entfernung des Zauns in diesem Umfang steht im Einklang mit dem Grundsatz
der Verhältnismässigkeit, der im Wiederherstellungsverfahren ebenfalls zu wahren ist
(Art. 47 Abs. 2 BewD): Das Entfernen des Zauns ist zur Erreichung des angestrebten Ziels
- freier Zugang der Fischer zum Gewässer - geeignet und erforderlich. Der Abbruch des
Zauns ist nicht mit hohen Kosten verbunden und deshalb für die Beschwerdeführenden
auch zumutbar.
c) Die Beschwerdeführenden können sich nicht darauf berufen, sie hätten den Zaun in
gutem Glauben ohne Bewilligung errichtet. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
hat derjenige, der baut, sich um die Zulässigkeit seines Tuns zu kümmern und darf nicht
einfach annehmen, dass es wohl schon bewilligungsfrei sei. Dies gilt insbesondere bei
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Bauten und Anlagen in und am Gewässer, wo es allgemein - besonders aber den
Seeanstössern - bekannt sein dürfte, dass in diesem heiklen Bereich viele
öffentlichrechtliche Vorschriften greifen. Und es gilt schliesslich ganz speziell für
denjenigen, der wie die Beschwerdeführenden auf fremdem Boden baut. Die Gemeinde
Beatenberg hat ihre Auffassung, der Zaun sei nicht bewilligungspflichtig, gegenüber den
Beschwerdeführenden erst kundgetan, nachdem er bereits gebaut war. Diese Auskunft hat
somit im Zeitpunkt der Erstellung des Zauns noch keine Auswirkungen auf das Tun der
Beschwerdeführenden haben können. Sie können sich nicht auf den Grundsatz von Treu
und Glauben berufen.
d) Nach Ablauf von fünf Jahren, seitdem die Rechtwidrigkeit erkennbar war, kann die
Wiederherstellung des rechtsmässigen Zustandes nur noch verlangt werden, wenn
zwingende öffentliche Interessen es erfordern (Art. 46 Abs. 3 BauG). Diese Frist soll
verhindern, dass Behörden und Nachbarschaft einen erkennbaren gesetzwidrigen Zustand
während Jahren ausdrücklich oder stillschweigend billigen, um dann plötzlich einzugreifen,
wenn die betroffene Person nicht mehr damit rechnen musste (Verbot des
widersprüchlichen Verhaltens). Sie dient demnach der Rechtssicherheit und dem
Vertrauensschutz. Die Frist greift nur, sofern keine zwingenden öffentlichen Interessen die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes erfordern21.
e) Die Beschwerdeführenden haben den Maschendrahtzaun auf dem Mauersporn laut
Schreiben vom 26. März 2003 an den Regierungsstatthalter von Interlaken22 ungefähr fünf
Jahre vorher, also etwa 1998 erstellt. Diese Darstellung ist unwidersprochen geblieben. Die
Erkennbarkeit der Rechtswidrigkeit war somit seit der Erstellung im Jahre 1998 gegeben
und die Fünfjahresfrist zur Feststellung der Rechtswidrigkeit war 2003, als die Entfernung
des Zauns an der Einigungsverhandlung abgemacht wurde, möglicherweise gerade noch
eingehalten. Als dann aber das Wiederherstellungsverfahren eingeleitet wurde, war sie
sicherlich abgelaufen. Dies spielt aber keine Rolle, weil zwingende öffentliche Interessen
zur Entfernung des Zauns gegeben sind: Die Freihaltung der Nichtbaugebiete und
insbesondere der Seeufer von zonenfremden und nicht standortgebundenen Bauten und
Anlagen wird seit jeher als zwingendes öffentliches Interesse gewertet. Dazu kommt, dass
die Beschwerdeführenden auf Boden des Kantons gebaut haben, ohne dafür im Besitz der
erforderlichen Zustimmung (Konzession) des Kantons zu sein. Der Kanton ist als
21 BVR 2001 S. 125 E. 4a; vgl. auch Aldo Zaugg, Kommentar zum bernischen BauG, 2. Aufl. 1985, Art. 46 N. 9 22 Akten des Regierungsstatthalters von Interlaken, pag. 54.
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Grundeigentümer nicht an die Frist von Art. 46 Abs. 3 BauG gebunden.
f) Schliesslich spricht - soweit es um die zwei vordersten Zaunfelder geht - auch der
Grundsatz von Treu und Glauben für die Wiederherstellung. Dieser Grundsatz bedeutet,
dass der Rechtsverkehr zwischen den Bürgern und Bürgerinnen selbst, aber auch
zwischen den Bürgerinnen und Bürgern auf der einen und der Verwaltung auf der andern
Seite von gegenseitigem Vertrauen getragen sein muss. Das Gebot des Handelns nach
Treu und Glauben gilt allgemein im Verhältnis zwischen Behörden und Bürgern, also nicht
nur für die Behörden, sondern auch für den Bürger23. Laut dem Schreiben des kantonalen
Fischereiaufsehers vom 27. Juni 200324 und dem Protokoll der Einigungsverhandlung vom
26. September 200325 wurde von Seiten des Fischereiinspektorats der Erweiterung des
Mauersporns nur dank dem Zugeständnis der Beschwerdeführenden zugestimmt, dass sie
die zwei vordersten Zaunfelder entfernen würden. Auch der Beschwerdegegner zog
damals seine Einsprache nur wegen dieser Zusicherung zurück. Ohne die Bereitschaft, die
vorderen zwei Zaunfelder zu entfernen, wäre die Fischereipolizeibewilligung für die
Erweiterung des Mauersporns nicht erteilt worden und der Beschwerdegegner hätte seine
Einsprache aufrechterhalten. Die Beschwerdeführenden haben sich aber nicht an die
Abmachung gehalten und den Maschendrahtzaun im ursprünglichen Zustand belassen.
Die Beschwerdeführenden erwecken mit ihrem Verhalten den Eindruck, dass sie das
Einverständnis zur Verkürzung des Drahtzauns nur gegeben haben, damit sie in den Besitz
der Fischereipolizeibewilligung für die Erweiterung des Mauersporns gelangen bzw. damit
der Beschwerdegegner seine Einsprache zurückzieht. Nun, nach Erhalt der
Fischereipolizeibewilligung für die Erweiterung des Mauersporns, versuchen sie die
Vereinbarung zur Entfernung der zwei Zaunfelder als nicht verbindlich darzustellen, weil
das nachträglich angefertigte und zugestellte Protokoll von den Teilnehmenden der
Einigungsverhandlung nicht unterzeichnet wurde. Für die Gültigkeit einer Vereinbarung ist
die Schriftlichkeit und damit die Unterzeichnung der Abmachung nur dann Voraussetzung,
wenn dies vom Gesetz ausdrücklich vorgesehen wird. Dies ist für eine Vereinbarung, die
das Versprechen, bestehende Bauten zu entfernen, zum Inhalt hat, nicht der Fall. Das
Protokoll der Einigungsverhandlung beweist, dass die damaligen Streitparteien eine solche
Vereinbarung getroffen haben. Die Beschwerdeführenden haben nach der
Einigungsverhandlung Gelegenheit gehabt, zum Protokoll Stellung zu nehmen und haben
23 BGE 121 I 183 E. 2a, 124 II 269 f. 24 Vorakten der Baubpolizeibehörde der Gemeinde Beatenberg, pag. 125. 25 Vorakten der Gemeinde Beatenberg, pag. 172.
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dessen Inhalt durch Stillschweigen akzeptiert. Das Nichteinhalten der Vereinbarung durch
die Beschwerdeführenden stellt deshalb eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und
Glauben dar.
10. Zusammenfassung und Kosten
a) Die Beschwerde ist somit abzuweisen. Die Beschwerdeführenden unterliegen mit
ihren Anträgen vollständig. Die Wiederherstellungsverfügung muss sogar verschärft
werden, indem die Beschwerdeführenden zu verpflichten sind, den Zaun auf einer Länge
von 8,45 m zu entfernen, nämlich soweit er auf dem Seegrundstück steht. Als
unterliegende Partei haben sie die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Diese werden auf eine Pauschalgebühr von Fr. 800.-- bestimmt.
b) Laut Art. 108 Abs. 3 VRPG sind auch die Parteikosten der Gegenpartei grundsätzlich
- von hier nicht relevanten Ausnahmen - von der unterliegenden Partei zu tragen. Der
Anwalt der Beschwerdegegnerin beziffert die Parteikosten auf Fr. 1'283.45 (Fr. 1'150.--
Honorar, Fr. 42.80 Auslagen und Fr. 90.65 MWSt). Die Kostennote gibt keinen Anlass zu
Bemerkungen.