Decision ID: ddd3092f-b751-579d-913d-6ec50bc2e4ee
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ erlitt am 25. September 2004 einen Verkehrsunfall (siehe hierzu den
Polizeirapport vom 30. September 2004, fremd-act. 1-5 ff.). Wegen einer „HWS-
Kontusion/Distorsion“ und einem chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndrom
meldete sich der Versicherte am 15. September 2005 zum Bezug von IV-Leistungen bei
der IV-Stelle an (IV-act. 1). Im Auftrag der Suva wurde der Versicherte am 10. und 11.
Januar 2006 in der MEDAS der Universitätskliniken Basel-Stadt polydisziplinär
(internistisch, rheumatologisch, neurologisch und psychiatrisch) begutachtet. Die
Experten diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
zervikocephales bis zervikospondylogenes Syndrom (ICD-10: M53.0 bzw. M53.1); ein
chronisches lumbospondylogenes Syndrom links (ICD-10: M54.4), einen Status nach
HWS-Distorsionstrauma am 25. September 2004 und ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10: M54.4). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit leide der Versicherte an einer Anpassungsstörung mit Angst und
depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22). Die Experten bescheinigten für eine
leichte Arbeit eine 80%ige und für eine mittelschwere Arbeit eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit. Für schwere Tätigkeiten sei der Versicherte nicht geeignet (Gutachten
der MEDAS Basel-Stadt vom 30. Januar 2006, fremd-act. 3-4 ff.; zu den Ergebnissen
des bei B._, Klinik C._, durchgeführten „Verzahnungsprogramms“ siehe den
Abklärungsbericht vom 19. Oktober 2005, IV-act. 39).
A.b Die IV-Stelle verfügte am 3. Januar 2007 den Abschluss der Arbeitsvermittlung (IV-
act. 60) und am 4. Januar 2007 die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 61). Diese
Verfügungen widerrief sie am 8. Januar 2007 (IV-act. 64). Im Auftrag der IV-Stelle
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wurde der Versicherte am 3. und 11. September 2007 in der MEDAS Ostschweiz
polydisziplinär (internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch) begutachtet. Die
Experten der MEDAS Ostschweiz diagnostizierten mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F54.4), eine
dysthyme Störung (ICD-10: F34.1), eine Schmerzverarbeitungsstörung mit depressiver
und ängstlicher Symptomatik sowie narzisstischer Wut (ICD-10: F54 und M53/54), ein
cervicocranial- und cervicospondylogenes Syndrom (ICD-10: M54.2), ein ausgedehntes
myofasziales Schmerzsyndrom im Schultergürtel beidseits mit reaktiver Brachialgie
beidseits (ICD-10: M75.0) und anamnestisch ein lumbospondylogenes Syndrom mit
pseudoradikulären Ausstrahlungen links (ICD-10: M54.5). Sowohl für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einer Plastikspritzerei als auch für
leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigten sie dem Versicherten eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit (Gutachten vom 30. Oktober 2007, IV-act. 87; zum psychiatrischen
Consiliargutachten vom 16. Oktober 2007 siehe IV-act. 88).
A.c Auf der Grundlage einer 70%igen Arbeitsfähigkeit ermittelte die IV-Stelle einen
30%igen Invaliditätsgrad und wies das Rentengesuch des Versicherten mit Verfügung
vom 11. Dezember 2007 ab (IV-act. 99). Die vom Versicherten dagegen erhobene
Beschwerde vom 28. Januar 2008 (IV-act. 104-2 ff.) wies das Versicherungsgericht mit
Entscheid vom 18. September 2009, IV 2008/60, ab (IV-act. 122).
A.d Am 16. März 2016 meldete sich der Versicherte erneut zum IV-Leistungsbezug an
(IV-act. 125). Im Anmeldeformular vom 6. April 2016 führte er aus, dass er für die
zuletzt seit 1. November 2013 ausgeübte Tätigkeit als Möbelpacker/Chauffeur (siehe
hierzu den Fragebogen Arbeitgebende vom 30. Mai 2016, IV-act. 140 f.) zu 100%
arbeitsunfähig sei, da sich das Cervicocephalsyndrom verschlimmert habe („Rückfall“,
IV-act. 129).
A.e Der behandelnde Dr. med. D._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete am 5. Juni
2016, die Beschwerden des Versicherten hätten im Verlauf des Jahres 2015
zugenommen. Er leide aufgrund von Schmerzen und psychischer Labilität an einer
Leistungsintoleranz und Dekonditionierung. Versuchsweise sei eine leidensangepasste
Tätigkeit während 4 Stunden pro Tag möglich (IV-act. 144). In der Fallübersicht vom 14.
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Juni 2016 gab RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin FMH, an, die
Einschätzung von Dr. D._ könne er plausibel nachvollziehen (IV-act. 147).
A.f Der Versicherte wurde am 28. Juni 2016 im Auftrag des leistungspflichtigen
Krankentaggeldversicherers rheumatologisch von Dr. med. F._, Facharzt für Innere
Medizin und Rheumaerkrankungen FMH, begutachtet. Der rheumatologische
Gutachter diagnostizierte chronifizierte unspezifische panvertebrale Rückenschmerzen
und einen Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung. Für eine körperlich leichte bis
mittelschwere leidensangepasste Tätigkeit bescheinigte er dem Versicherten eine
100%ige Arbeitsfähigkeit (Gutachten vom 7. Juli 2016, fremd-act. 9-2 ff.; zur
Würdigung durch RAD-Arzt Dr. E._, der die Schlussfolgerungen des
rheumatologischen Gutachters für plausibel hielt, siehe die Stellungnahme vom 9.
September 2016, IV-act. 174).
A.g Die IV-Stelle übernahm die Kosten einer Frühinterventionsmassnahme in Form
eines Staplerfahrerkurses (Mitteilung vom 29. August 2016, IV-act. 169; zum
Assessment- und Verlaufsprotokoll der Eingliederungsverantwortlichen vom 29. August
2016 sowie zum Eingliederungsplan Frühinterventionsmassnahme vom 22./24. August
2016 siehe IV-act. 165 f.). Mit Vorbescheid vom 9. September 2016 stellte die IV-Stelle
dem Versicherten in Aussicht, das Gesuch um weitere berufliche Massnahmen,
insbesondere um eine Umschulung, abzuweisen (IV-act. 177). Dagegen erhob der
Versicherte am 11. Oktober 2016 Einwand (IV-act. 181). Am 17. Oktober 2016 verfügte
die IV-Stelle die Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen (IV-act. 182).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 17. Oktober 2016 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 16. November 2016. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Gewährung von
Eingliederungsmassnahmen, insbesondere einer Umschulungsmassnahme.
Eventualiter sei die Sache der Beschwerdegegnerin zur Abklärung in einer BEFAS
zurückzuweisen. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, zur Abklärung des
Sachverhalts bedürfe es einer BEFAS-Abklärung und eines Arbeitsversuches. Die
Voraussetzungen für einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung und eine Umschulung
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seien erfüllt. Die verfügte Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen verletze
den Grundsatz der Rechtsgleichheit im Sinn von Art. 8 BV und Art. 8 i.V.m. Art. 14
EMRK (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. März 2017
die Abweisung der Beschwerde. Sie macht geltend, der Beschwerdeführer erreiche
nicht die für eine Umschulung erforderliche Erwerbseinbusse. Des Weiteren leide er an
keiner spezifischen gesundheitlichen Einschränkung in der Stellensuche, weshalb er
keinen Anspruch auf Arbeitsvermittlung habe (act. G 6).
B.c In der Replik vom 7. April 2017 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen sind Ansprüche des
Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen.
2.
Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) bedrohte
Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und
geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a), und die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen u.a. in Massnahmen beruflicher Art:
Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
sowie Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
3.
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Zunächst ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Umschulung auf
eine neue Erwerbstätigkeit hat.
3.1 Die versicherte Person hat Anspruch auf Umschulung auf eine neue
Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch
die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs.
1 IVG). Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen
der Art und Schwere des Gesundheitsschadens in den bisher ausgeübten und in den
für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von
etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 139 V 403
E. 5.3; BGE 130 V 489 f., E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2015,
9C_511/2015, E. 3). Abweichungen rechtfertigen sich namentlich, wenn mit der
Umschulung günstigere erwerbliche Aussichten bestehen als ohne bzw. in einer
Hilfsarbeitertätigkeit; die voraussichtlich künftige Entwicklung der
Erwerbsmöglichkeiten ist somit von Bedeutung (vgl. dazu SILVIA BUCHER,
Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, N 726 f.). Besteht im
Grundsatz ein Anspruch auf Umschulung, richtet sich die Bestimmung der konkreten
Umschulungsmassnahmen nach dem Erfordernis der annähernden Gleichwertigkeit
(BUCHER, a.a.O., N 728). Die konkrete Umschulungsmassnahme muss notwendig und
geeignet sein, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen
versicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu
vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "annähernden Gleichwertigkeit" nicht in
erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter
Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein
Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen
Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen
Vorkehren. Dies deshalb, weil die Eingliederung nach dem Willen des Gesetzgebers
lediglich so weit sicherzustellen ist, als dies im Einzelfall notwendig, aber auch
genügend ist (BGE 130 V 489 f. E. 4.2). Die Umschulung hat die versicherte Person in
die Lage zu versetzen, eine ihrer früheren Tätigkeit möglichst gleichwertige
Erwerbstätigkeit auszuüben (BUCHER, a.a.O., N 729). Dabei kann mit Blick auf Art. 6
Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201), der
ausdrücklich auch Versicherte umfasst, die ohne vorgängige Ausbildung eine
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Erwerbstätigkeit aufgenommen haben, ein Anspruch auf Umschulung nicht einzig mit
der Begründung verneint werden, die betroffene Person verfüge über keine
(abgeschlossene) Berufsausbildung (vgl. BUCHER, a.a.O., N 732). Als Ausdruck des
Verhältnismässigkeitsprinzips soll das Erfordernis der annähernden Gleichwertigkeit
indes eine wirtschaftliche Besserstellung der versicherten Person verglichen mit ihrer
ökonomischen Lage vor dem Invaliditätseintritt verhindern. Die Übernahme einer
gegenüber der früheren Berufstätigkeit höherwertigen Ausbildung bleibt vorbehalten,
wenn Art und Schwere der Invalidität und ihre beruflichen Auswirkungen derart ins
Gewicht fallen, dass nur eine verglichen mit der vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
ausgeübten Erwerbstätigkeit anspruchsvollere Ausbildung zu einer optimalen
Verwertung der Arbeitsleistung bzw. Arbeitsfähigkeit auf einer höheren Berufsstufe
führt; dabei setzt ein Anspruch auf eine höherwertige Ausbildung voraus, dass sich die
erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens nur auf diese Weise hinreichend
beheben lassen (BUCHER, a.a.O., N 729 und 739).
3.2 Der Beschwerdeführer ist am 28. Februar 1992 in die Schweiz eingereist (IV-act.
1-3). Zuvor hatte er in seiner Heimat während 8 Jahren die Volksschule besucht. Eine
berufliche Ausbildung hat er danach nicht absolviert (IV-act. 1-4). In den Jahren 1992
bis 2002 war er nach eigenen Angaben als Gipser (gemäss Angaben des Arbeitgebers
„Handlanger“, IV-act. 16-1) und von Juni bis Dezember 2004 als Mechaniker (gemäss
Angaben der Arbeitgeberin „Allrounder“, IV-act. 6-1) tätig. In der dazwischen liegenden
Zeit von Januar 2003 bis Juni 2004 bezog er Arbeitslosenentschädigung (IV-act. 1-5).
Von Oktober 2012 bis Oktober 2013 hat der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben
als Lagerist gearbeitet (fremd-act. 9-29). Vom 1. November 2013 bis 12. Dezember
2015 war er als Möbellieferant und -monteur tätig. Dem Auszug aus dem individuellen
Konto kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer im Vergleich zu den
durchschnittlichen Hilfsarbeiterlöhnen - abgesehen vom Verdienst des Jahres 2001,
der dem durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn desselben Jahres entsprochen hat (siehe
hierzu Anhang 2 Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/
IV, Ausgabe 2008) - tiefere Jahreseinkommen erzielt hat (IV-act. 5). Der in den Jahren
2013 bis 2015 als Möbellieferant und -monteur erzielte Lohn entsprach dem
durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn bzw. lag leicht darüber (siehe hierzu Anhang 2
Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe
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2015). Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer damit zu Recht als
Hilfsarbeiter eingestuft (IV-act. 36-2 oben).
3.3 Unabhängig von der Frage nach den Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit des
Beschwerdeführers oder dessen Qualifikation als Hilfsarbeiter ist ein Anspruch auf eine
Umschulungsmassnahme zu verneinen, falls diese nicht verhältnismässig ist.
3.3.1 Die Verhältnismässigkeit einer Umschulungsmassnahme und damit ein
Umschulungsanspruch ist etwa dann zu verneinen, wenn eine solche Massnahme in
Anbetracht der beschränkten Lernfähigkeit der versicherten Person mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt ist oder wenn ein Misserfolg wegen der
Meinung der betroffenen Person, sie sei vollständig invalid, absehbar ist (BUCHER,
a.a.O., S. 369 mit Hinweis auf Urteil des EVG vom 25. Januar 2006, I 380/05, E. 2.4,
und des Bundesgerichts vom 30. Juni 2009, 9C_648/2008, E. 3). Ein schulisches Defizit
steht der Annahme der subjektiven Eingliederungsfähigkeit jedenfalls dann nicht
entgegen, wenn die versicherte Person die für eine bestimmte Ausbildung
grundsätzlich erforderliche Lernfähigkeit mitbringt, können doch Lücken im
Bildungsstand im Rahmen der Umschulung oder durch Vorbereitungskurse
angegangen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 15. März 2010, 9C_942/2009, E.
5.4.1). Kein Anspruch auf Umschulung besteht jedoch, wenn in Anbetracht der
knappen schulischen und beruflichen Ressourcen mit verhältnismässigen Mitteln durch
eine Umschulung keine wesentliche Verbesserung der Erwerbsmöglichkeiten erreicht
werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 2008, 8C_96/2008, E. 5.3;
BUCHER, a.a.O., S. 369).
3.3.2 Aus dem Bericht der behandelnden Dr. med. G._, Allgemeine Medizin FMH,
vom 16. Mai 2006 geht hervor, dass leichte körperliche Tätigkeiten im Rahmen der
Arbeitsversuche bei B._, Klinik C._(IV-act. 39), zu einer massiven Zunahme und
diffusen Ausbreitung der Schmerzen sowie zu einer krisenhaften Verschärfung der
psychischen Verfassung und der psychosozialen Situation geführt hätten (IV-act. 40-2).
Der Beschwerdeführer stellt sich im Rentenverfahren ausserdem auf den Standpunkt,
vollständig invalid zu sein (IV-act. 186-2). Ferner ergaben sich während der Abklärung
in der Klinik C._ Hinweise, die Zweifel an der Motivation und der Leidenspräsentation
des Beschwerdeführers entstehen lassen (siehe hierzu die im Schlussbericht der
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Eingliederungsberaterin vom 30. August 2006 wiedergegebenen Angaben des Leiters
des IIZ Pfäfers vom 17. August 2006, IV-act. 42-1; siehe auch die Angaben von Dr.
F._ im Gutachten vom 7. Juli 2016, fremd-act. 9-36). Des Weiteren bestehen offenbar
auch erhebliche intellektuelle Defizite („Gedächtnisprobleme“, IV-act. 72-3 oben; siehe
auch die Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der psychiatrischen
Begutachtung in der MEDAS Ostschweiz vom 11. September 2007 in IV-act. 88-3
unten; siehe auch IV-act. 144-4), die den Erfolg einer qualifizierten beruf¬lichen
Ausbildung zusätzlich in Frage stellen. Dr. G._ gab im Bericht vom 22. Januar 2007
an, vermutlich werde der Beschwerdeführer bezüglich intellektueller Fähigkeiten
überschätzt (u.a. bezüglich Sprachkenntnissen, IV-act. 72-4; zur von Dr. G._
aufgeworfenen Frage der intellektuellen Überforderung des Beschwerdeführers siehe
IV-act. 72-3 unten; zu ihrer kritischen Einschätzung der intellektuellen Ressourcen
siehe auch IV-act. 107-4). Ausserdem wies der Rechtsvertreter darauf hin, dass der
Beschwerdeführer „nur schlecht Deutsch“ spreche (IV-act. 171; siehe auch die damit
zu vereinbarenden Ausführungen von Dr. G._ in IV-act. 144-22 f.). Im Licht dieser
Umstände kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer die
leistungsmässigen Voraussetzungen erfüllt, um die Ansprüche an eine qualifizierte
berufliche Ausbildung zu erfüllen.
3.4 Vor diesem Hintergrund kann offen bleiben, ob der Beschwerdeführer eine
qualifizierte Erwerbseinbusse erleidet, wie sie von der Rechtsprechung für einen
Anspruch auf eine Umschulung gefordert wird, oder eine Umschulung als gleichwertig
betrachtet werden könnte (siehe hierzu vorstehende E. 3.1). Der Vollständigkeit halber
ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer offenbar die von Oktober 2012 bis
Oktober 2013 ausgeübte Stelle als Lagerist nicht aus gesundheitlichen, sondern
„finanziellen Gründen“ gekündigt hat (fremd-act. 9-29). Da ein Anspruch auf eine
Umschulung unabhängig der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
auf dem Arbeitsmarkt zu ver¬neinen ist, besteht hierfür zwangsläufig kein
entsprechender Abklärungsbedarf bzw. kein Anlass für die vom Beschwerdeführer
beantragte BEFAS-Abklärung (siehe hierzu sowie zur gerügten Verletzung der
Abklärungspflicht act. G 1, Rz 14 f.). Die Abweisung des Umschulungsanspruchs
knüpft damit nicht an der Qualifikation des Beschwerdeführers als Hilfsarbeiter an,
weshalb sich eine Auseinandersetzung mit dessen Ausführungen zur Diskriminierung
erübrigt (act. G 1, Rz 29 ff.).
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4.
Zu prüfen bleibt der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitsvermittlung.
4.1 Arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben
Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (Art.
18 Abs. 1 lit. a IVG). Durch die mit der 5. IV-Revision erfolgte Änderung des die
Arbeitsvermittlung betreffenden Art. 18 IVG wurde der anspruchsberechtigte
Personenkreis von "eingliederungsfähigen invaliden Versicherten" auf "arbeitsunfähige
(Art. 6 IVG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind" ausgeweitet. Die Botschaft
zur 5. IV-Revision führt dazu aus, die Anspruchsvoraussetzungen würden gegenüber
dem bisherigen Art. 18 Abs. 1 IVG offener gefasst, sodass neu jede arbeitsunfähige
eingliederungsfähige Person von der Arbeitsvermittlung profitieren könne. Neu hätten
somit alle in ihrer bisherigen Tätigkeit ganz oder teilweise arbeitsunfähigen
Versicherten, die eingliederungsfähig seien, Anspruch auf Arbeitsvermittlung durch die
IV, somit auch Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter, die in einer angepassten
Hilfstätigkeit noch voll arbeitsfähig seien (BBl 2005 4524). Der Bundesrat bezeichnete
in der Botschaft das frühere System in Bezug auf Arbeitsvermittlung als unzureichend.
Ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung sei nur gegeben gewesen, wenn die versicherte
Person bei der Suche einer geeigneten Arbeitsstelle wegen ihres Gesundheitszustands
Schwierigkeiten gehabt oder invaliditätsbedingt spezielle Anforderungen an den
Arbeitsplatz oder den Arbeitgeber gestellt habe. Die IV sei bisher nicht für andere
Gründe der erschwerten Stellensuche, wie Stellenmangel auf dem Arbeitsmarkt,
eingetreten. Angesichts des angespannten Arbeitsmarktes fänden jedoch
gesundheitlich eingeschränkte Hilfskräfte nur schwer eine neue, der Behinderung
angepasste Stelle, was oft zur Aussteuerung bei der Arbeitslosenversicherung und
durch die lange Arbeitslosigkeit zu einer Verstärkung der ursprünglichen
gesundheitlichen Probleme bzw. zu zusätzlichen psychischen Schwierigkeiten führe
(vgl. BBl 2005 4522). Durch die Ausweitung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung der
IV, welche auf die Vermittlung von gesundheitlich eingeschränkten Personen
spezialisiert ist, sollten daher die Eingliederungsinstrumente für unqualifizierte
Versicherte verbessert werden. Dazu war eine enge Zusammenarbeit mit dem RAV
vorgesehen (BBl 2005 4524 und 4565). Art. 18 Abs. 1 IVG wurde vom Parlament
unverändert angenommen (vgl. auch Protokoll der Nationalratssitzung vom 21. März
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2006 S. 28 sowie Protokoll der Ständeratssitzung vom 25. September 2006 S. 3,
Amtliches Bulletin 05.052). Gemäss der mit der 5. IV-Revision in Kraft getretenen Norm
ist die erforderliche leistungsspezifische Invalidität damit schon bei Vorliegen einer
bleibenden oder längere Zeit dauernden Arbeitslosigkeit gegeben (BUCHER, a.a.O., N
837). Demgegenüber hält die bundesgerichtliche Rechtsprechung offenbar nach wie
vor daran fest, dass die Invalidität im Sinne von Art. 18 IVG nur vorliege, wenn wegen
der Behinderung Probleme bei der Stellensuche selbst bestehen oder spezielle
Anforderungen an den Arbeitsplatz gestellt werden müssen und demzufolge die
betroffene Person aus invaliditätsbedingten Gründen für das Finden einer Stelle auf das
Fachwissen und entsprechende Hilfe der Vermittlungsbehörden angewiesen ist (vgl.
BUCHER, a.a.O., N 829, N 843). Nachdem der Gesetzgeber die Ausweitung des
Anspruchs auf Arbeitsvermittlung bewusst anstrebte, ist diesem Umstand durch die
Rechtsprechung Rechnung zu tragen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 20.
Oktober 2010, 9C_839/2010, E. 2.2.3, wonach die leistungsspezifische Invalidität nach
Art. 18 IVG schon aufgrund einer relativ geringfügig erschwerten Suche nach einer
Arbeitsstelle gegeben sei, solange diese Erschwernis auf gesundheitliche Gründe
zurückzuführen sei).
4.2 Von Bedeutung ist vorliegend, dass sich die beruflichen Erfahrungen des
Beschwerdeführers auf körperlich schwere Tätigkeiten beschränken (siehe zu den
bisher ausgeübten Tätigkeiten vorstehende E. 3.2), die dem Beschwerdeführer nicht
mehr zugemutet werden können (siehe etwa bezüglich der Tätigkeit als Gipser die
Einschätzung der Experten der MEDAS Ostschweiz, IV-act. 87-27; vgl. auch fremd-act.
9-44 unten sowie IV-act. 174). Seine letzte Stelle als Möbellieferant und -monteur hat er
krankheitsbedingt verloren (IV-act. 166-2 und IV-act. 140-1; vgl. auch IV-act. 144-3 und
158-1, worin von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit für diese Tätigkeit ausgegangen
wurde). Aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen bestehen erhebliche
qualitative Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit. Dem Beschwerdeführer
sind nur noch leichte bis mittelschwere Tätigkeiten (Heben und Tragen bis 15 kg), die
wechselbelastend und ohne Zwangshaltungen ausgeübt werden können, zumutbar (IV-
act. 158-1 und 174; fremd-act. 9-45). Der Beschwerdeführer ist demnach
krankheitsbedingt in seiner Stellensuche beeinträchtigt. Mithin handelt es sich um
einen Fall, für den der Gesetzgeber die Ausweitung des Anspruchs gemäss Art. 18 IVG
vorgesehen hat. Die Beschwerdegegnerin hat denn zunächst einen Anspruch des
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Beschwerdeführers auf Arbeitsvermittlung zu Recht bejaht (IV-act. 158-2 und 167-1).
Der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitsvermittlung setzt voraus, dass die u.a.
in der Beschwerde bekräftigte Eingliederungsbereitschaft weiterhin vorhanden bleibt
und er aktiv bei der Arbeitsvermittlung mitwirkt.
4.3 Die Invalidenversicherung kann einer versicherten Person versuchsweise einen
Arbeitsplatz für längstens 180 Tage zuweisen (Arbeitsversuch), um die tatsächliche
Leistungsfähigkeit der versicherten Person im Arbeitsmarkt abzuklären (Art. 18a IVG).
Diese Norm räumt keinen selbständigen Anspruch auf Durchführung eines
Arbeitsversuchs ein. Gegebenenfalls ist ein Arbeitsversuch jedoch im Rahmen der
beruflichen Abklärung bzw. im Vorfeld der Arbeitsvermittlung anzuordnen
(Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] vom 1. Januar 2014
über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE], Stand 1. Mai 2017, N 5001
und 5003). Darüber wird die Beschwerdegegnerin im Rahmen der zu leistenden
Arbeitsvermittlung zu befinden haben.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 16. November 2016 teilweise
gutzuheissen und die angefochtene Verfügung insoweit aufzuheben, als dem
Beschwerdeführer Arbeitsvermittlung zuzusprechen ist. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
Beschwerdeführer verlangt die Gewährung beruflicher Massnahmen, insbesondere
eine Umschulung (act. G 1). Da das Gesuch um Umschulung abzuweisen und dem
Beschwerdeführer hingegen Arbeitsvermittlung zuzusprechen ist, ist von einem
hälftigen Obsiegen auszugehen. Dem teilweisen Obsiegen entsprechend bezahlen die
Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführer die Gerichtsgebühr je im Betrag von
Fr. 300.--. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer im
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Umfang von Fr. 300.-- daran anzurechnen und im Umfang von Fr. 300.--
zurückzuerstatten.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die
Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer mit einer Pauschale von Fr. 1’750.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen, was der Hälfte der
praxisgemäss jeweils zugesprochenen Pauschale entspricht.