Decision ID: 8b204526-2b46-5453-8923-9b80cc30d0dd
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Entscheid vom 23. Juli 2014 erteilte die Gemeinde Hindelbank dem
Beschwerdeführer die Baubewilligung für den Abbruch eines Wagenschopfs und den
Neubau einer Lagerhalle auf Parzelle Hindelbank Grundbuchblatt Nr. C._
(Liegenschaft D._ 7a). Die Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone (LWZ) in der
Baugruppe H «E._» / ISOS-Objekt1 mit Erhaltungsziel A neben als schützenswert
eingestuften Umgebungsbauten ( D._ 5, 5b und 7) mit Sichtbezug zum ISOS-
Objekt «Schloss Hindelbank». Im Rahmen der Schlussabnahme stellte die Gemeinde
1 Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS)
RA Nr. 110/2017/135 2
Hindelbank fest, dass der Beschwerdeführer auf die gemäss Baubewilligung geforderte
giebelseitige Holzverschalung der Lagerhalle verzichtet hatte.2 Mit Gesuch vom
10. November 2016 ersuchte der Beschwerdeführer um Neubeurteilung der Auflage.3 Die
Gemeinde forderte ihn am 22. November 2016 auf, für den Verzicht auf die
Holzverschalung ein Gesuch um Projektänderung einzureichen, was am 13. Januar 2017
erfolgte. Mit Stellungnahme vom 19. Juni 2017 stellte das Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) fest, dass dem Bauvorhaben überwiegende Interessen
entgegenstünden (Ortsbildschutz) und es deshalb nicht zonenkonform im Sinne von
Art. 16a Abs. 1 RPG4 sei. Für die Projektänderung könne auch keine Ausnahmebewilligung
gemäss Art. 24 ff. RPG erteilt werden. Diese Beurteilung stützt sich auf eine Beurteilung
der Kantonalen Denkmalpflege (KDP) und der Kommission zur Pflege der Orts- und
Landschaftsbilder (OLK).5 Mit Entscheid vom 18. September 2017 erteilte die Gemeinde
Hindelbank der Projektänderung den Bauabschlag. Sie forderte den Beschwerdeführer auf,
die Lagerhalle bis spätestens März 2018 gemäss der Baubewilligung vom 23. Juli 2014
fertigzustellen. Gleichzeitig drohte sie die Ersatzvornahme und eine Busse bei
Nichtbefolgung an.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 20. Oktober 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er stellt folgende
Rechtsbegehren:
"1. Der Bauentscheid vom 18. September 2017 zum Gesuch um Projektänderung vom 13. Januar
2017 zur Baubewilligung Nr. 409/14/08 vom 23. Juli 2014 sowie die Fertigstellungsverfügung
nach Art. 46 Baugesetz seien aufzuheben und die Projektänderung sei zu bewilligen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
Der Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, dass vorliegend das AGR zu Unrecht
und in Widerspruch zu seiner eigenen Praxis sowohl die Denkmalpflege als auch die OLK
zur Stellungnahme beigezogen habe. Eine Beurteilung durch beide Fachstellen sei nicht
vorgesehen. Den Fachbericht der OLK erachtet er daher als "nicht massgebend". Die
fraglichen Giebelwände Nordwest und Südost seien "nur schlecht" bzw. vom öffentlichen
2 Vorakten, Reiter 15: Selbstdeklaration vom 17.10.2016 und Reiter 16: Bauabnahmeprotokoll vom 23.09.2016 3 Vorakten, Reiter 14: Schreiben des Beschwerdeführers vom 9. November 2016 4 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700 5 Vorakten, Reiter 4
RA Nr. 110/2017/135 3
Raum "gar nicht einsehbar". Aus der Beurteilung der KDP leitet der Beschwerdeführer ab,
dass eine Verschalung nicht zwingend nötig und aus Kostengründen unverhältnismässig
sei. Zudem sei aus Gründen der Rechtsgleichheit auf die Verschalung zu verzichten.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdevefahren für die BVE leitet6, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde hält mit Stellungnahme
vom 10. November 2017 fest, dass mit der Baubewilligung vom 23. Juli 2014 die detaillierte
Projektausführung und die Bedingungen und Auflagen vom Beschwerdeführer akzeptiert
worden seien. Bezüglich der Fassadengestaltung hätten verschiedene Besprechungen mit
der KDP stattgefunden. Grundsätzlich vertrete die Baukommission Hindelbank die Ansicht,
dass Bauvorhaben gemäss dem bewilligten Projekt auszuführen seien. Aufgrund der
stirnseitigen Hecke könne die Gemeinde die Begründung des Beschwerdeführers (aber)
nachvollziehen, damit die Holzschalung nicht erstellt werden müsse. Die Gemeinde
verzichtete auf Antragstellung. Die KDP nimmt ergänzend zu ihrem Fachbericht mit
Eingabe vom 23. November 2017 Stellung und erläutert die Regelung der Zuständigkeiten
zwischen der Denkmalpflege und der Kommission zur Pflege der Orts- und
Landschaftsbilder (OLK). Zudem nimmt sie zur Rüge der Verletzung des
Rechtsgleichheitsgrundsatzes Stellung. Das AGR beantragt mit Stellungnahme vom
24. November 2017 die Abweisung der Beschwerde und verweist auf seinen Entscheid
vom 7. Juli 2014 und seine Stellungnahme vom 19. Juni 2017. Es stellt klar, dass die
Eröffnung des Bauentscheids ohne entsprechenden Entscheid bzw. Verfügung des AGR
erfolgt sei. Das AGR weist zudem darauf hin, dass mit dem Bauentscheid vom 23. Juli
2014 die Fachberichte der OLK und der Denkmalpflege als Bedingung und Auflage
aufgenommen und verfügt worden seien. Weshalb sich der Beschwerdeführer nicht bereits
zu diesem Zeitpunkt gegen die (umstrittene) Nebenbestimmung gewehrt habe, sei nicht
nachvollziehbar. Es stelle sich dabei die Frage, ob nicht eine «res iudicata» vorliege. Im
Übrigen müsse dem Beschwerdeführer bewusst gewesen sein, dass für die Forderung
nach einer vertikalen Holzverschalung der neuen Lagerhalle ein hohes öffentliches
Interesse bestanden habe. Die OLK habe sich zur Frage der Wirkung auf das äussere
Orts- und Landschaftsbild geäussert, während sich die KDP auf die Wirkung auf das innere
Ortsbild und den Umgebungsschutz beschränkt habe. In Bezug auf die "Geschichte des
vorliegenden Verfahrens und das stark zu gewichtende öffentliche Interesse an der
6 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2017/135 4
ursprünglich verfügten Massnahme" könne das Ansuchen des Beschwerdeführers nicht
bewilligt werden.
Die Parteien erhielten Gelegenheit, Schlussbemerkungen einzureichen. Einzig der
Beschwerdeführer nahm diese Möglichkeit wahr und hält mit Eingabe vom 8. Januar 2018
an den Ausführungen seiner Baubeschwerde fest. Er habe die Auflage betreffend die
Holzschalung nach Abbruch der Verhandlungen mit der KDP akzeptiert. Im Laufe der
Bauarbeiten habe er festgestellt, dass die Holzschalung angesichts der "ebenfalls
geforderten Hecke abgedeckt" werden könne und daher nicht notwendig sei.
4. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide und baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG7 können innert
30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden (Art. 40
Abs. 1 BauG bzw. Art. 49 Abs. 1 BauG). Die BVE ist somit für die Beurteilung der
Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die
Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Gesuch um
Projektänderung abgewiesen und der zur Fertigstellung nach Art. 46 BauG verpflichtet
wurde, ist durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
7 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
RA Nr. 110/2017/135 5
2. Zulässigkeit des Projektänderungsgesuchs / Rechtsbeständigkeit der Auflage
a) Der Bauentscheid vom 23. Juli 2014 einschliesslich der Auflage, die "Fassaden in
Holz (vertikale Brett-Schalung)" auszuführen, wurde damals nicht angefochten.8 Er ist
daher in formelle Rechtskraft erwachsen.
b) Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die Erkenntnis, dass die Holzschalung
nicht erforderlich sei, "erst während der Erstellung und mit der Fertigstellung der Lagerhalle
gereift" sei. Projektänderungen dienten dazu, "Projekte der neuen Situation anzupassen".
Eine solche Situation sei für den Beschwerdeführer entstanden, indem er während den
Bauarbeiten erkannt habe, dass die Giebelwände problemlos durch Hecken abgedeckt
werden könnten, was eine Holzschalung überflüssig mache. Die Eingabe einer
Projektänderung sei damit gerechtfertigt gewesen.
c) Die formelle Rechtskraft von Verfügungen bewirkt Rechtsbeständigkeit. Das
bedeutet, dass diese Verfügungen nicht frei überprüft werden müssen und können. Die
Änderung rechtskräftiger Verfügungen kommt nur in Frage, wenn bestimmte
Voraussetzungen gegeben sind. Zum einen müssen ausreichende Gründe für ein
Rückkommen auf die ursprüngliche Verfügung vorliegen, zum anderen braucht es
hinreichende Gründe für eine Änderung der rechtskräftigen Verfügung. Als
Rückkommensgründe kommen insbesondere die ursprüngliche Fehlerhaftigkeit der
Verfügung, die Veränderung der Umstände oder das Vorliegen eigentlicher
Revisionsgründe in Frage. Liegen solche Gründe vor, ist zu prüfen, ob hinreichende
Änderungsgründe vorliegen. Sind diese nicht gesetzlich geregelt, ist zwischen dem
Interesse an der Durchsetzung des objektiven Rechts (Gesetzmässigkeit) und dem
Interesse der Betroffenen am Fortbestand der Verfügung (Vertrauensschutz) abzuwägen.9
Im Zusammenhang mit der Änderung oder Anpassung von rechtskräftigen Bauentscheiden
gilt im Speziellen, dass Baugesuche "grundsätzlich jederzeit neu gestellt werden können
mit dem Ziel, eine zunächst abgelehnte Bewilligung doch noch zu erwirken oder eine
belastende Bedingung oder Auflage zu beseitigen. Voraussetzung ist aber, dass den
Einwänden gegen das frühere Gesuch durch entsprechende Projektänderung Rechnung
8 Vorakten, Reiter 17: Bauentscheid, insbes. Ziff. 1.32 und 3.1; Reiter 18: Verfügung AGR vom 7. Juli 2017 sowie Reiter 21: Bericht OLK vom 25. April 2014 9 Vgl. zum Ganzen BGE 137 I 69 E. 2.2; BGer 1C_277/2012 vom 16. November 2012 E. 5.4 und 5.5; Häfelin/ Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1091 ff., 1213 ff.; Tschannen/Zimmerli /Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 31
RA Nr. 110/2017/135 6
getragen wird oder dass gegenüber dem erstmaligen Verfahren sonst wie massgeblich
veränderte Verhältnisse vorliegen. Ausser den Wiederaufnahmegründen nach Art. 56
VRPG fallen auch alle tatsächlichen oder rechtlichen Veränderungen (einschliesslich
Praxisänderungen), die seit dem erstmaligen Bauentscheid eingetreten sind, in Betracht.
Im Verlaufe eines Baubewilligungsverfahrens zurückgezogene und damit unbeurteilt
gebliebene Teile eines Gesuches können später auch bei gleich gebliebenen Verhältnissen
wieder zum Gesuchsgegenstand gemacht werden. Auf bereits einmal rechtskräftig
beurteilte Punkte kann dagegen unter gleichen Verhältnissen nicht mehr eingetreten
werden."10
d) Wie ausgeführt, kann im Rahmen eines neuen Baugesuchs versucht werden, eine
belastende Bedingung oder Auflage (vgl. Art. 29 Abs. 2 und Art. 38 Abs. 3 BauG) zu
beseitigen. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass veränderte Verhältnisse
vorliegen. Wiederaufnahmegründe im Sinne von Art. 56 VRPG sind vorliegend keine
gegeben. Weder besteht ein Zusammenhang zu einem Strafverfahren, noch hat der
Beschwerdeführer erst nach Eintritt der Rechtskraft von neuen erheblichen Tatsachen oder
Beweismitteln erfahren, die er gegen den Bauentscheid der Gemeinde vom 23. Juli 2014
nicht hätte beibringen können. Auch zwingende öffentliche Interessen an der
Wiederaufnahme des Verfahrens sind nicht ersichtlich. Solche Gründe werden vom
Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht. Im Folgenden ist daher zu prüfen, ob
tatsächliche oder rechtliche Veränderungen (einschliesslich Praxisänderungen) seit dem
erstmaligen Bauentscheid ergangen sind. Rechtsänderungen sind in der Zwischenzeit
keine eingetreten. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er während der Bauarbeiten
festgestellt habe, dass die Giebelfassaden problemlos durch Hecken abgedeckt werden
könnten. Damit macht er sinngemäss veränderte tatsächliche Verhältnisse geltend. Die
Pflanzung der Hecke entlang der südöstlichen Giebelfassade bis an die Südostecke des
südlichen Vorplatzes, wie auch die Verlängerung der Wildhecke entlang der nordöstlichen
Zufahrt bilden aber wie die giebelseitige Holzverschalung selbst integrierende Bestandteile
der Baubewilligung" und können deshalb nicht als veränderte tatsächliche Verhältnisse
gelten, die ohne Zutun des Beschwerdeführers entstanden sind. Es kann auch nicht gesagt
werden, dass die Lagerhalle ohne Holzverschalung auf der Südost- bzw. der
Nordwestfassade nicht bereits Bestandteil des Baugesuchs und damit unbeurteilt
geblieben wäre: Gemäss den Vorakten wurde von der OLK und der KDP die Gestaltung
10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 8, mit weiteren Hinweisen
RA Nr. 110/2017/135 7
und Materialisierung der Giebelseite mehrfach thematisiert und diesbezüglich "grösste
Aufmerksamkeit gefordert", insbesondere da gemäss Voranfrage als Fassadenmaterial der
Lagerhalle hellbraunes Blech vorgesehen war.11 In der Folge wurden die Pläne
entsprechend überarbeitet; Grundlage der Baubewilligung bilden die überarbeiteten Pläne
vom 4. Juni 201412. Laut Plan «Grundriss/Umgebung/Schnitt A-A/Fassaden» Mst. 1:200
sind sowohl für die Südostfassade und die Nordwestfassade eine «Holzschalung natur»
bewilligt. Gerade da die Lagerhalle ohne Holzverschalung als nicht bewilligungsfähig
erachtet worden war, wurde die umstrittene Auflage zusätzlich in den Bauentscheid
aufgenommen.13 Es sind daher im vorliegenden Fall keine Gründe gegeben, die ein
Zurückkommen auf die umstrittene Auflage erlauben würden.
e) Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass über die Holzverschalung der
giebelseitigen Fassaden rechtskräftig entschieden worden ist (sog. res iudicata). Die
Gemeinde hätte somit nicht auf das Gesuch um Projektänderung eintreten dürfen. Soweit
der Beschwerdeführer Rügen gegen die Fertigstellungsmassnahme geltend macht
(Kosten, Verhältnismässigkeit und Rechtsgleichheit) sind diese anschliessend zu prüfen
(E. 3).
3. Fertigstellung
a) Die Gemeinde hat in Ziffer 4.2 des angefochtenen Entscheids angeordnet, dass der
Beschwerdeführer bis spätestens Ende März 2018 die Lagerhalle gemäss der
Baubewilligung vom 23. Juli 2014 fertigzustellen habe. Das heisst, die giebelseitigen
Fassaden seien in Holz (vertikale Brettschalung) auszuführen. Der Beschwerdeführer
macht gegen die Fertigstellung der Lagerhalle im Sinne der Baubewilligung geltend, dass
die angepflanzte Hecke bereits heute eine Höhe von mehr als 2 m aufweise und bald eine
Höhe von 6 m erreichen werde. Damit bedecke sie bereits heute einen Teil der
Südostfassade. Zudem ist er der Ansicht, dass sich die Lagerhalle auch ohne
Holzschalung ins Ortsbild einfüge. Schliesslich macht er geltend, dass aus Kostengründen
auf die Holzschalung zu verzichten sei. In der Interessenabwägung sei sein Interesse im
11 Vorakten, Reiter 17: Bauentscheid vom 23. Juli 2014, Ziff. 1.8 und 1.9; Reiter 21: Bericht OLK vom 25. April 2014 betreffend Bauvoranfrage 12 Vorakten, Reiter 25 13 Vorakten, Reiter 17: Bauentscheid, a.a.O., Ziff. 1.7 f. Ziff. 1.28 ff. sowie Ziff. 3.1; Reiter 19: Bericht KDP vom 7. Juli 2014 sowie Reiter 21: Bericht OLK vom 25. April 2014 betreffend Bauvoranfrage
RA Nr. 110/2017/135 8
Vergleich mit dem "geringen öffentlichen Interesse an einer Holschalung" höher zu
gewichten. Er verweist zudem auf vergleichbare Objekte, bei denen auf eine
Holzverschalung verzichtet worden sei und rügt in diesem Zusammenhang eine Verletzung
des Rechtsgleichheitsgrundsatzes.
b) Der Verzicht auf die Holzverschalung auf der Südost- und Nordwestseite der
Lagerhalle entspricht nicht der Baubewilligung. Im Baubewilligungsverfahren wurde zudem
rechtskräftig entschieden, dass die Lagerhalle nur mit Holzverschalung bewilligungsfähig
sei (vgl. E. 2). Der umstrittene Verzicht auf die Ausführung der Auflage erweist sich somit
formell als auch materiell rechtswidrig.
c) Das Bauvorhaben wurde nicht der Baubewilligung entsprechend ausgeführt. Die
zuständige Baupolizeibehörde hat darüber zu verfügen, ob und inwieweit der rechtmässige
Zustand (wieder)herzustellen ist und setzt dafür gegebenenfalls eine Frist (Art. 45 Abs. 2
BauG sowie Art. 46 Abs. 2 BauG). Die Verpflichtung zur Wiederherstellung bzw.
Fertigstellung kann auch in der Aufforderung bestehen, den rechtmässigen Zustand
erstmals herzustellen, z.B. einen bewilligten, aber unvollendeten Bau oder die Gestaltung
von dessen Umgebung zu vollenden.14 Auch in diesem Zusammenhang sind die
allgemeinen verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Grundsätze von Art. 5 Abs. 2 BV15
zu berücksichtigen.16 Die Wiederherstellungsverfügung bzw. Fertigstellungsverfügung
muss im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sein und darf den
Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine Fertigstellungsmassnahme ist verhältnismässig,
wenn sie geeignet ist, das angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur
Herstellung des rechtmässigen Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige
Person in einem vernünftigen Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.17
d) Gutgläubig kann eine Bauherrschaft sein, wenn sie bei zumutbarer Aufmerksamkeit
und Sorgfalt annehmen durfte, sie sei zur Bauausführung berechtigt (z.B. aufgrund einer
mangelhaften Bewilligung oder Auskunft). Im Übrigen wird aber vorausgesetzt, dass die
Bewilligungspflicht für Bauvorhaben bekannt ist. Wer bauen und nutzen will, muss sich um
14 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46. N. 8, mit weiteren Hinweisen 15 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 16 BGer 1C_157/2011 vom 21. Juli.2011, E. 5.1 17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 6 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1
RA Nr. 110/2017/135 9
die Zulässigkeit seines Tuns kümmern.18 Die Bauherrschaft, welche die nach den
Umständen zumutbare Aufmerksamkeit und Sorgfalt vermissen lässt, verdient gemäss
Rechtsprechung keinen Schutz und kann sich gegenüber einer
Wiederherstellungsverfügung nicht auf ihren guten Glauben berufen.19
e) Der Beschwerdeführer beruft sich in diesem Zusammenhang nicht ausdrücklich auf
den Gutglaubensschutz. Er macht aber geltend, dass er im Rahmen der Fertigstellung der
Lagerhalle und Pflanzung der Hecke gemerkt habe, dass auf die Holzverschalung der
beiden Giebelseiten verzichtet werden könne. Ein gewisser Gutglaubensschutz könnte sich
allenfalls aus der Aufforderung der Gemeinde ergeben haben, dass er ein Gesuch um
Projektänderung einreichen müsse. Gleichzeitig war dem Beschwerdeführer auf Grund der
Verhandlungen mit der Denkmalpflege aber bekannt, welche Bedeutung der
Holzverschalung der Lagerhalle in der Baugruppe H «E._» und deren Nähe zu
schützenswerten Gebäuden zukommt. Der Beschwerdeführer konnte bei dieser
Ausgangslage somit nicht gutgläubig davon ausgehen, dass er auf die Holzverschalung
verzichten konnte. Der Beschwerdeführer hat im baurechtlichen Sinne somit bösgläubig
gehandelt und kann sich nicht auf den Vertrauensschutz berufen.
f) Auch eine Bauherrschaft, die nicht gutgläubig gehandelt hat, kann sich auf den
Verhältnismässigkeitsgrundsatz berufen. Sie muss aber in Kauf nehmen, dass die
Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen, namentlich zum Schutz der Rechtsgleichheit
und der baulichen Ordnung, dem Interesse an der (Wieder-)Herstellung des
gesetzmässigen Zustandes erhöhtes Gewicht beimessen und die der Bauherrschaft
allenfalls erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Mass berücksichtigen.20
Wie bereits dargelegt, besteht ein grosses öffentliches Interesse an der Verwirklichung der
Holzverschalung. Die OLK verdeutlicht dies in ihrer Stellungnahme zur Projektänderung
vom 27. März 2017 wie folgt:
"Die neue Lagerhalle prägt durch ihre Grösse und ihre Stellung den Hof F._ und dessen
Umgebung wesentlich mit. Von Osten und Südosten her gesehen dominiert die Halle als grösster
Baukörper die Baugruppe, von Nordosten gesehen tritt die Halle in direktem Bezug zum Schloss
Hindelbank in Erscheinung. Mit der Ausführung der Fassaden mit Sandwichelementen und der
18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9b, mit Hinweisen. Vgl. auch VGE 100.2016.219 vom 21. März 2017, E. 5.1 19 VGE 100.2008.23496 vom 28. April 2009, E. 4.2.2 20 BVR 2006 S. 444 E. 6.1
RA Nr. 110/2017/135 10
vollflächigen Photovoltaikanlage auf den beiden Dachflächen entstand ein Baukörper mit rein
industriellem Gepräge, der aufgrund seiner ortsfremden Materialisierung keinen Bezug zu den
historischen und landwirtschaftlichen Bauten der Hofgruppe zu schaffen vermag. Auch in der
landwirtschaftlich geprägten Umgebung wirkt der Bau als Fremdkörper (...). Diese Problematik wird
durch den gewählten Farbton der Blechfassaden und durch die (geplante) Hecke entlang der
Südostfassade nur teilweise entschärft. Damit erfüllt die Halle die minimalen Anforderungen
hinsichtlich Einordnung ins Orts- und Landschaftsbild nicht. Mit Fassaden in Holz würde die
beschriebene Problematik massiv entschärft".21
Auch die Denkmalpflege weist in ihrer Stellungnahme vom 23. November 2017 auf die
Bedeutung der Holzverschalung der beiden Giebelseiten der Lagerhalle hin: "Eine gute farbliche Integration der Blechpanele mit Bemusterung war von Anfang an Teil der
Beurteilung (..) und ohne dieselbe hätten wir nicht Hand geboten, die Holzschalung unter dem tiefen
Vordach wegzulassen." (...) Die Giebelseite W ist dem schützenswerten Bauernhaus D._ 7
zugewandt und wird auch vom Nachbarsgebäude D._ 5 aus eingesehen (....). Der
Schutzwert des Bauernhauses D._ 7 ist durch diese Fassade unmittelbar und massiv
tangiert. (...) Im Vergleich dazu sind die beiden unter tiefen Vordächern liegenden Trauffassaden
weniger einsichtig und weniger hoch. (....) Ein weiterer Grund für das Entgegenkommen war der
Umstand, dass die Trauffassaden durch zahlreiche Sektionaltore durchbrochen werden, deren
Ausführung in Holz nicht üblich ist. (...) Alle diese Ausführungen treffen für die höheren
Giebelfassaden, die ausserdem nur über einen minimalen Dachvorkrag verfügen, gegen W gar nicht
und gegen SO nur bedingt zu."
Die KDP verweist zudem auf die historische Selbstverständlichkeit und Stimmigkeit von
Ortsbildern, die sowohl aus Stein- und Holzbauten bestehen. Diese Einschätzung
überzeugt. Bezüglich der Verletzung des Rechtsgleichheitsgrundsatzes weist die
Denkmalpflege zudem darauf hin, dass das (vom Beschwerdeführer erwähnte)
Vergleichsobjekt in Oberburg nicht den gleichen Schutzwert aufweise. Die konkret
betroffene Hofgruppe unterhalb des Schlosses Hindelbank sei von ISOS als national
bedeutend eingestuft, während die Obere Oschwand in Oberburg "nicht einmal für eine
lokale Einstufung" berücksichtigt worden sei. Zudem müsse – so die KDP – "noch einmal
explizit auf die Dimensionen der neuen Halle hingewiesen werden, die mit ihren 63 m x
25 m Grundrissfläche und 10.38 m Firsthöhe die Massstäblichkeit der bestehenden
traditionellen Bebauung massiv sprenge und diesbezüglich mit keinem anderen der
genannten Beispiele verglichen werden könne".
21 Vorakten, Reiter 6, Stellungnahme OLK vom 27. März 2017, S. 2
RA Nr. 110/2017/135 11
g) Ein öffentliches Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
bzw. hier der Fertigstellung im Sinne der Baubewilligung ist im Allgemeinen gegeben, da
das Interesse an der Einhaltung der baurechtlichen Bestimmungen und der konsequenten
Verhinderung von Bauten und Anlagen, die der baurechtlichen Ordnung widersprechen,
generell gross ist. Besonderes Gewicht kommt dem öffentlichen Interesse am
konsequenten Vollzug des Bau-, Planungs- und Umweltrechts ausserhalb des Baugebiets
zu.22 Die umstrittene Lagerhalle liegt ausserhalb des Baugebiets. Aus dem
Baubewilligungsverfahren von 2014 und aus den Stellungnahmen der Denkmalpflege und
der OLK zur Projektänderung ergibt sich, dass die geforderte Fertigstellungsmassnahme
sowohl im Interesse des Ortsbild- und Landschaftsschutzes als auch im Interesse des
Denkmalschutzes liegt. Diese öffentlichen Interessen werden durch die vom
Beschwerdeführer geltend gemachten Argumente nicht entkräftet. Wie erwähnt wurde dem
Beschwerdeführer bereits zugestanden, die langen traufseitigen Fassaden der Lagerhalle
nicht mit Holz zu verschalen. Aufgrund der Lage in der Baugruppe H bzw. ISOS-Objekt mit
höchstem Erhaltungsziel und der Nähe zu schützenswerten Bauten, kann auf die
Holzverschalung der giebelseitigen Fassaden aber nicht verzichtet werden. Das öffentliche
Interesse an der Fertigstellung des Vorhabens gemäss der Baubewilligung ist vorliegend
erheblich.
h) Zu prüfen bleibt, ob die geforderte Massnahme verhältnismässig, also geeignet und
erforderlich ist, um den mit der Wiederherstellung bzw. Fertigstellung verfolgten Zweck zu
erreichen.23 Geeignet ist eine Massnahme dann, wenn damit das angestrebte, im
öffentlichen Interesse liegende Ziel herbeigeführt werden kann. Erforderlich sein bedeutet,
dass die gewählte Massnahme nicht weiter geht als nötig. Ausserdem muss die mit der
Wiederherstellung bzw. Fertigstellung verbundene Belastung des Pflichtigen für diesen
zumutbar sein, d.h. die Belastung für den Pflichtigen muss in einem vernünftigen Verhältnis
zum verfolgten Ziel stehen.24
i) Gemäss Bauentscheid sind die giebelseitigen Fassaden in Holz (vertikale
Brettschalung) auszuführen. Diese Massnahme ist ohne weiteres geeignet, um den
22 BGE 136 II 359 E. 6; BGer 1C_616/2014 vom 12. Oktober 2015, E. 4.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9a 23 Tschannen/ Zimmerli/ Müller, a.a.O., § 21, N. 2 ff. 24 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9c
RA Nr. 110/2017/135 12
rechtmässigen Zustand wiederherzustellen. Die Fertigstellung der Baubewilligung ist auch
erforderlich; es sind vorliegend keine weniger einschneidenden Massnahmen denkbar, mit
denen das angestrebte Ziel ebenso erreicht werden könnte. Zwar ist die geforderte
Fertigstellungsmassnahme mit gewissen Investitionskosten verbunden. Diese Kosten sind
vorliegend jedoch auch zumutbar, da sie bereits Bestandteil des ursprünglichen
Baugesuchs gewesen sind und damit einkalkuliert waren. Zusätzliche Kosten sind dem
Beschwerdeführer – mit Ausnahme der Verfahrenskosten für das Gesuch um
Projektänderung – nicht entstanden. Trotz der vom Beschwerdeführer als hoch
bezeichneten Kosten für die Holzverschalung dienen diese der Durchsetzung des
Bauentscheids. Die umstrittene Auflage dient zudem in hohem Masse dem Ortsbild- und
Landschaftsschutz und der Denkmalpflege. Die erwähnten öffentlichen Interessen
(Ortsbild- und Landschaftsschutz, Denkmalpflege) überwiegen die allfälligen finanziellen
Nachteile des Beschwerdeführers bei Weitem. Die von der Gemeinde verfügte
Fertigstellung erweist sich daher als verhältnismässig und ist zu bestätigen.
j) Die Fertigstellungsfrist muss angemessen sein (Art. 46 Abs. 2 BauG). Die Gemeinde
hat in ihrer Verfügung eine Frist bis Ende März 2018, d.h. eine Frist von sechs Monaten ab
Eröffnung der Verfügung angeordnet. Diese Frist erscheint angemessen. Die Frist für die
Fertigstellung der Lagerhalle im Sinne der Baubewilligung (Holzverschalung) wird daher bis
zum 31. Juli 2018 angeordnet.
4. Doppelbeurteilung durch OLK und KDP
a) Nach Ansicht des Beschwerdeführers wurde sowohl im ursprünglichen
Baubewilligungsverfahren wie auch betreffend Beurteilung des Gesuchs um
Projektänderung zu Unrecht eine Beurteilung durch die OLK und die KDP vorgenommen.
Diese doppelte Beurteilung sei nicht vorgesehen und nicht üblich.
b) Das AGR weist in seiner Stellungnahme vom 24. November 2017 darauf hin, dass
zum Zeitpunkt des Einbezugs der OLK die damals geltende Fassung von Art. 2 Abs. 2der
OLKV25 massgeblich gewesen sei. Diese Bestimmung habe vorgesehen, dass die OLK zur
gleichen Frage nicht nochmals Stellung nehme wenn "das Baugesuch bereits von der
25 Verordnung vom 27. Oktober 2010 über die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLKV, BSG 426.221)
RA Nr. 110/2017/135 13
Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK), der kantonalen
Denkmalpflege (KDP) oder einer leistungsfähigen örtlichen Fachstelle begutachtet worden
ist". Vorliegend habe die OLK zur Frage der Wirkung auf das äussere Orts- und
Landschaftsbild Stellung genommen, während sich die Denkmalpflege auf die Wirkung auf
das innere Ortsbild und Umgebungsschutz der umliegenden Schutzobjekte beschränkt
habe. Im vom Beschwerdeführer erwähnten Newsletter Nr. 5 vom Juni 2011 werde nur
darauf hingewiesen, dass in der Regel die Denkmalpflege und nicht die OLK beizuziehen
sei. Dies schliesse aber gerade nicht aus, dass von dieser Regel abgewichen werden
könne. Auf jeden Fall sei der Wortlaut von aArt. 2 Abs. 2 OLKV massgebend. Auch die
KDP äussert sich in ihrer Stellungnahme vom 23. November 2017 in diesem Sinne.
c) Soweit der Beschwerdeführer auch die doppelte Beurteilung des Vorhabens im
ursprünglichen Baubewilligungsverfahren geltend macht, ist darauf nicht näher
einzugehen, da der Bauentscheid vom 23. Juli 2014 unangefochten in Rechtskraft
erwachsen ist. Betreffend das Gesuch um Projektänderung gilt folgendes: Ob und
gegebenenfalls wann die OLK beizuziehen ist, ergibt sich wie erwähnt aus der OLKV. Am
8. Februar 2017 erfuhr diese einige Änderungen, die während des hängigen
Wiederherstellungsverfahrens am 1. April 2017 in Kraft getreten sind. Werden
Verfahrensvorschriften neu gefasst, werden hängige Verfahren, welche die Bewilligung von
Bauvorhaben oder baupolizeiliche Massnahmen zum Gegenstand haben jedoch nach
bisherigem Recht zu Ende geführt (Art. 148 Abs. 2 BauG), weshalb vorliegend aArt. 2
Abs. 2 OLKV in der Fassung vom 27. Oktober 2010 anwendbar ist.26 Es ist zwar richtig,
dass die OLK nach aArt. 2 Abs. 2 der OLKV zur gleichen Frage nicht nochmals Stellung
nimmt, wenn ein Baugesuch bereits von der ENHK, der KDP oder einer leistungsfähigen
örtlichen Fachstelle beurteilt worden ist. Damit soll eine "Doppelbegutachtung" im
Baubewilligungsverfahren vermieden werden. Vorliegend haben die KDP und die OLK
jedoch zu unterschiedlichen Fragen Stellung genommen, weshalb der Einbezug der beiden
Fachstellen fachlich nicht zu beanstanden ist. Die entsprechende Rüge des
Beschwerdeführers erweist sich somit als unbegründet. Da wie ausgeführt, auf das Gesuch
um Projektänderung nicht einzutreten gewesen wäre, erweist sich der diesbezügliche
Einbezug der KDP aber als unnötig.
5. Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens
26 VGE 2016/242 vom 8. Juni 2017, E. 5.1 mit Hinweisen
RA Nr. 110/2017/135 14
a) Der Beschwerdeführer rügt, die Kosten für die Erstellung des Fachberichts der OLK
würden gemäss Bauentscheid vom 18. September 2017 Fr. 500.– betragen, während der
Fachbericht der KDP lediglich Fr. 100.– gekostet habe. Die Kosten für den Bericht der OLK
seien zu hoch und folglich zu senken.
b) Die Gesuchstellenden tragen die amtlichen Kosten des Baubewilligungsverfahrens
(Art. 52 Abs. 1 BewD27). Die amtlichen Kosten bestehen aus den Gebühren und Auslagen,
welche die Gemeinde für ihre Tätigkeit im Baubewilligungsverfahren erhebt. Als Auslagen
gelten auch Kosten für technische Untersuchungen und Expertenhonorare (Art. 51 Abs. 1
und 2 BewD).
c) Im Gebührenreglement der Gemeinde Hindelbank28 bestimmt Art. 4, dass mit
Gebühren nach Aufwand der Personal- und Infrastrukturaufwand abgegolten wird. Die
Gebühren nach Aufwand werden nach Art der Dienstleistung unterteilt: für die normale
Verwaltungstätigkeit gilt die Aufwandgebühr I; für Verwaltungstätigkeiten, die eine
besondere Qualifikation erfordern, gilt die Aufwandgebühr II. Die Tarife für die
Aufwandgebühr II legte der Gemeinderat auf Fr. 120.– pro Stunde fest.29 In Art. 31 ff.
Gebührenreglement sind die Vorschriften betreffend der Gebühr für Baugesuche und
Voranfragen festgehalten, für die Baukontrolle gelten die Art. 39 ff. Gebührenreglement.
Soweit die Tätigkeiten im Bauwesen nicht mit Pauschalgebühren abgegolten werden, gilt
die Aufwandgebühr II. Die Gemeinde hat im vorinstanzlichen Verfahren die allgemeinen
Kosten für die Prüfung, das Verfahren, den Bauentscheid und die Fertigstellungsverfügung
mit Fr. 1'050.– veranschlagt, was unter Berücksichtigung der Aufwandgebühr II einem
zeitlichen Aufwand von 8,75 Stunden entspricht. Wie gemäss Erwägung 2 ausgeführt, ist
die Gemeinde vorliegend zu Unrecht auf das Gesuch um Projektänderung eingetreten. Es
rechtfertigt sich daher, den zeitlichen Aufwand für das Verfahren um 3,0 Stunden zu
reduzieren, was eine Gebühr von Fr. 690.– ergibt. Für den Erlass der Wiederherstellungs-
bzw. Fertigstellungsverfügung allein wäre keine Stellungnahme des AGR einzuholen
gewesen, weshalb sich die entsprechenden Kosten in der Höhe von Fr. 400.– wie auch für
den Fachbericht der KDP von Fr. 100.–erübrigen. Falls die Gemeinde im Rahmen des
27 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren, Baubewilligungsdekret (BewD, BSG 725.1) 28 Gebührenreglement der Gemeinde Hindelbank vom 14. Juni 2006 (Stand nach 4. Teilrevision vom 1. April 2015; [Gebührenreglement]) 29 vgl. Gebührentarif für die Gemeinde Hindelbank vom 3. Juni 2013
RA Nr. 110/2017/135 15
Verfahrens nach Art. 46 BauG keinen Bericht der OLK eingeholt hätte, wäre dies im
Rechtsmittelverfahren gemäss Art. 4 Abs. 1 OLKV nachzuholen gewesen. Diese
Bestimmung erlaubt es den Verwaltungsjustiz- und den übrigen Justizbehörden, der OLK
alle Bau- oder Planungsgeschäfte zu unterbreiten. Vorliegend wäre dies begründet
gewesen, da es sich zum einen bei der umstrittenen Auflage betreffend Holzverschalung
um einen Antrag der OLK handelt und zum andern wegen der örtlichen Situation der
Lagerhalle in der Baugruppe «E._», die eine Beurteilung hinsichtlich des Orts- und
Landschaftsbildes verlangt hätte. Die Höhe des Expertenhonorars der OLK entspricht den
Standardwerten. Daher werden die entsprechenden Kosten für den Bericht der OLK von
Fr. 500.-- unverändert übernommen. Im Ergebnis sind die Kosten für das vorinstanzliche
Verfahren damit neu mit insgesamt Fr. 1'230.– zu veranschlagen. Die Ziffer 4 der
angefochtenen Verfügung ist entsprechend zu korrigieren.
6. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird vorliegend festgesetzt auf Fr. 1‘500.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV30). Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden
die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das prozessuale
Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen Umstände
rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben. Den Vorinstanzen können grundsätzlich
keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. a und b
VRPG).
b) Im vorliegenden Verfahren ist der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen, dass der
angefochtene Entscheid aufzuheben und die Projektänderung zu bewilligen sei, nicht
durchgedrungen. Hinsichtlich der vorinstanzlichen Verfahrenskosten hat er jedoch teilweise
obsiegt. Es rechtfertigt sich somit, dem Beschwerdeführer vier Fünftel der
Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 1'200.–, aufzuerlegen. Die übrigen Verfahrenskosten in
der Höhe von Fr. 300.– trägt der Kanton.
30 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2017/135 16
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat
die Gemeinde die Parteikosten des Beschwerdeführers zu einem Fünftel zu tragen.
Die Kostennote der Anwältin des Beschwerdeführers gibt zu keinen Bemerkungen Anlass.
Von den Parteikosten von total Fr. 1'559.35 (Honorar Fr. 1'200.–, Auslagen Fr. 45.–,
Mehrwertsteuer 2017: Fr. 82.40 sowie 2018: Fr. 31.95) hat die Gemeinde dem
Beschwerdeführer einen Fünftel zu bezahlen. Die Gemeinde hat dem Beschwerdeführer
somit Parteikosten in der Höhe von Fr. 311.85 zu ersetzen.