Decision ID: 6d8e86bb-04b2-5940-a454-6c1af1584f5c
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei, Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten,
gegen
Schweizerische National-Versicherungs-Gesellschaft, Steinengraben 41, 4003 Basel,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Schweizerische National-Versicherungs-Gesellschaft, p.A.
Rechtsdienst, Wuhrmattstrasse 21, 4103 Bottmingen,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ ist bei der Firma B._ als Filialleiter angestellt und dadurch bei der
Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft AG, Basel (nachfolgend
National) obligatorisch gegen Unfälle versichert. Am 10. Juni 2011 wurde der National
gemeldet, der Versicherte habe am 23. April 2011 beim Spielen mit einem Kind eine
plötzliche Arm- und Schulterbewegung gemacht und sich dabei einen Sehnenriss
zugezogen (UV-act. M1; Ausdruck vom 14. Juni 2011). Auf dem Fragebogen der
Unfallversicherung schilderte der Versicherte am 22. Juni 2011 den Hergang wiederum
mit: "plötzliche Arm- und Schulterbewegung beim Spielen mit Kind" (UV-act. M2).
Anlässlich der Erstbehandlung im SWICA Gesundheitszentrum vom 26. April 2011
wurde eine Ruptur der Supraspinatussehne links diagnostiziert (UV-act. M4; Aus den
Adressaten von UV-act. M3 und M6 lässt sich schliessen, dass der erstbehandelnde
Arzt Dr. med. C._ war.). Dr. med. D._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie sowie Sportmediziner, dem der Versicherte zur Weiterbehandlung
überwiesen worden war, weitete die Diagnose auf ausgedehnte
Supraspinatussehnenruptur Schulter links aus (UV-act. M3, Bericht vom 9. Juni 2011).
Im Operationsbericht vom 12. Juli 2011 präzisierte er sie auf komplexe
Rotatorenmanschettenruptur mit Abriss der Supra- und Infraspinatussehne und
partieller Ruptur des cranialen Rands der Subscapularissehne links (UV-act. M6). Am
Tag nach der Operation wurde der Versicherte telefonisch zum Hergang befragt. Die
Sachbearbeiterin der National notierte, er habe beim Spielen mit einem Kind dieses
hoch heben und leicht in die Luft werfen wollen. Beim Hochheben habe er einen
stechenden Schmerz in der Schulter verspürt. Er habe weder angeschlagen, noch sei
er ausgerutscht oder sonst wie im Bewegungsablauf gestört gewesen (UV-act. M5).
A.b Mit Schreiben vom 20. Juli 2011 teilte die National dem Versicherten mit, dass die
Voraussetzungen einer Leistungspflicht aus der obligatorischen Unfallversicherung für
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die Behandlung der linken Schulter nicht gegeben seien (UV-act. K4). Mit E-Mail vom
4. August 2011 führte er darauf zum Hergang aus, um dem Kind einen Salto zu ermög
lichen, habe er es angehoben und habe mit dem linken Arm die erwähnte plötzliche
Armbewegung mit enormem Kraftaufwand ausführen müssen, um dem Kind die
notwendige Rotation zu ermöglichen, damit es nicht auf den Kopf falle. Weiter monierte
er die langsame Schadenbehandlung und die Tatsache, dass er am frühen Morgen
nach der Schulteroperation - in entsprechend schlechtem Zustand - von der
Versicherung befragt worden sei (UV-act. K5). Mit Verfügung vom 23. August 2011
lehnte die National ihre Leistungspflicht auch formell ab (UV-act. K6).
A.c Die SWICA Krankenversicherung AG erhob mit Schreiben vom 29. August 2011
vorsorglich Einsprache gegen die Verfügung vom 23. August 2011 (UV-act. K9). Am
9. September 2011 wandte sich auch Dr. D._ schriftlich an die Unfallversicherung
und schilderte, sein Patient habe am 23. April 2011 einem Kind helfen wollen, einen
Salto zu machen und dabei ein akutes Schmerzereignis in der linken Schulter erlitten
(UV-act. M7). Die Einsprache des Versicherten, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
Hans Frei, Altstätten, datiert vom 21. September 2011 und wurde am 20. Oktober 2011
ergänzt (UV-act. K13, K16). Der Krankenversicherung wurde am 16. Februar 2012 eine
Nachfrist zur Einsprachebegründung bis zum 8. März 2012 gesetzt und ein
Nichteintretens-Entscheid angedroht, falls jene nicht fristgerecht eintreffe (UV-act.
K17).
A.d Mit Einspracheentscheid vom 4. April 2012 wies die National die Einsprache des
Versicherten ab und trat auf diejenige des Krankenversicherers nicht ein (UV-act. K19).
B.
B.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 14. Mai 2012 mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 4. April 2012 sei vollumfänglich aufzuheben; es sei
festzustellen, dass der Vorfall vom 23. April 2011 als Unfall zu qualifizieren und deshalb
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, für die damit verbundenen Kosten (Spital,
Therapie, Taggeld usw.) vollumfänglich aufzukommen; zur genauen Feststellung der
Unfallkosten sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung wird angeführt, der geschilderte
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Sachverhalt werde nun zu seinen Lasten so gedreht, dass keine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin bestehe. Beim Ereignis vom 23. April 2011 habe er einen
Sehnenriss erlitten. Nach Art. 9 Abs. 2 lit. f der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) sei diese Verletzung auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung
einem Unfall gleichgestellt. Dieser habe sich nicht bei einer blossen Lebensverrichtung
ereignet sondern in einer für ihn physiologisch und psychologisch höchst
aussergewöhnlichen Situation. Seine Schulter sei auch nicht vorgeschädigt gewesen,
wie die Beschwerdegegnerin fälschlicherweise behaupte. Deshalb sei sie
leistungspflichtig.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 6. Juni 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zu Lasten des Beschwerdeführers. Zur Begründung führte sie an, es lägen mehrere
Schilderungen des Vorfalls vor, was vorliegend von Bedeutung sei. Es sei auf die
"Aussagen der ersten Stunden" abzustellen, die kein Hinzutreten besonderer
Vorkommnisse wiedergeben würden. Es fehle daher am Unfallereignis und der
Sehnenriss könne angesichts der einschlägigen Rechtsprechung auch nicht als
unfallähnliche Körperschädigung gewertet werden, weshalb sie aus der obligatorischen
Unfallversicherung nicht leistungspflichtig sei. Dem Beschwerdeführer sei darin
zuzustimmen, dass im angefochtenen Einspracheentscheid fälschlicherweise von einer
Vorschädigung der Schulter ausgegangen worden sei. Auf die Beurteilung, ob ein
Unfall oder eine unfallähnliche Körperschädigung vorliege, habe diese Feststellung
allerdings keinen Einfluss.
B.c In der Replik vom 26. Juni 2012 und der Duplik vom 6. Juli 2012 halten beide
Parteien an ihren Standpunkten fest und betonen insbesondere den Stellenwert der
Hergangsschilderung. Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie
den Inhalt der übrigen Akten wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nach
folgenden Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen:
1.
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1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Vorfall vom 23. April
2011, bei dem sich der Beschwerdeführer eine komplexe Rotatorenmanschettenruptur
mit Abriss der Supra- und Infraspinatussehne und partieller Ruptur der
Subscapularissehne links zugezogen hatte, zu Recht weder als Unfall noch als
unfallähnliche Körperschädigung qualifizierte und ihre Leistungspflicht aus der
obligatorischen Unfallversicherung verneinte.
1.2 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid den
Unfallbegriff gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sowie die gesetzliche Regelung von Art. 9
Abs. 2 UVV zu den unfallähnlichen Körperschädigungen zutreffend dargelegt (S. 6
Ziff. 4, S. 7 Ziff. 6). Ebenfalls zutreffend sind ihre Ausführungen, wonach bei unklaren
Sachverhalten oder sich widersprechenden Angaben auf die spontanen "Aussagen der
ersten Stunde" abzustellen ist (S. 6 Ziff. 4) sowie die Darstellung des im
Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrads der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (S. 5 f. Ziff.3). Darauf kann verwiesen werden.
2.
2.1 Strittig ist zunächst, ob der Beschwerdeführer den Hergang am 23. April 2011
einheitlich gleich geschildert hat oder ob verschiedene Schilderungen vorliegen und
falls ja, aufgrund welcher davon die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zu
beurteilen ist.
2.1.1 In den Akten der Beschwerdegegnerin findet sich ein am 14. Juni 2011
gefertigter Ausdruck einer Meldung vom 10. Juni 2011 mit der Hergangsangabe:
"Plötzliche Arm- und Schulterbewegung beim Spielen mit Kind" (UV-act. M1). Ob
dieses Formular aufgrund von Beilage 4 des Beschwerdeführers zur Beschwerde
ausgefüllt worden war (act. G 1.4; dieses Aktenstück findet sich nicht in den Unterlagen
der Beschwerdegegnerin), ist bezüglich Hergangsschilderung unwesentlich, da die
Angaben übereinstimmen. Aufgrund der Gliederung des fünfseitigen Formulars UVG-
Schadenmeldung mit Ziffer 6 zum Stichwort Sachverhalt (Unfallbeschreibung, Verdacht
auf Berufskrankheit) auf Seite 2 ist jedenfalls nicht anzunehmen, dass die vom
Beschwerdeführer als fehlend monierte Seite 5 desselben weitere Angaben zum
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Hergang erfragt hätte. Die gleiche Angabe ("plötzliche Arm-/Schulterbewegung beim
Spielen mit Kind") machte der Beschwerdeführer im persönlich ausgefüllten und
unterzeichneten Fragebogen der National vom 22. Juni 2011. Die Nachfrage auf dem
Fragebogen, ob es sich um eine gewohnte Tätigkeit gehandelt habe und ob sich etwas
Besonderes ereignet habe (Sturz, Ausrutscher etc.) und wenn ja, was? beantwortete er
mit dem Verweis auf Ziffer 1 und damit auf die Angabe "plötzliche Arm-/
Schulterbewegung beim Spielen mit Kind" (UV-act. M2).
2.1.2 Der erstbehandelnde Arzt (offenbar Dr. C._, vgl. Sachverhalt A.a) gab im
Zeugnis vom 28. Juni 2011 die Angaben des Patienten mit "Schulterdist. li beim
Spielen mit Kind, dieses in ungünstiger Pos. gelupft" wieder (UV-act. M4). Dr. D._
erhob am 6. Juni 2011 zum Hergang: "Ca. an Ostern wollte Herr A._ ein Kleinkind
aufheben. Dabei kam es zu einem akuten Zwickereignis im Bereich der linken
Schulter." (UV-
act. M3, Bericht vom 9. Juni 2011). Im Operationsbericht vom 12. Juli 2011 führte er
unter Indikation aus: "An Ostern wollte Herr A._ ein Kind aufheben. Dabei erlitt er ein
Distorsionstrauma des linken Schultergelenkes." (UV-act. M6). Auch wenn der
Beschwerdeführer geltend macht, diese Angaben würden nicht von ihm selber
stammen und er hätte sie insbesondere nicht selbst unterzeichnet, fassten beide Ärzte
den Hergang zusammen, wie ihn der Beschwerdeführer ihnen gegenüber geschildert
hatte und wie er auch zum Verletzungsbild passte. Obwohl er diese Schilderungen
nicht gegen sich gelten lassen will, ist festzustellen, dass sie jedenfalls nicht im
Widerspruch zu seinen eigenen Angaben im Fragebogen und in der Unfallmeldung
stehen (UV-act. M1 f.).
2.1.3 Aufgrund der telefonischen Befragung vom 13. Juli 2011 notierte die
Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer habe beim Spielen
mit einem Kind dieses hoch heben und leicht in die Luft werfen wollen. Beim
Hochheben habe er einen stechenden Schmerz in der Schulter verspürt. Er habe weder
angeschlagen, noch sei er ausgerutscht oder sonst wie im Bewegungsablauf gestört
gewesen (UV-act. M5). Es trifft zu, dass es nicht glücklich war, als Befragungstermin
den Morgen nach der am Vorabend durchgeführten Schulteroperation zu wählen.
Dennoch bestehen keine Anhaltspunkte, dass die Sachbearbeiterin den Inhalt des
Telefongesprächs unzutreffend wiedergegeben hatte, stimmen diese Angaben doch
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mit denjenigen der Ärzte überein und besteht kein Widerspruch zur bisherigen
Schilderung durch den Beschwerdeführer.
2.1.4 Nach der Leistungsablehnung der Beschwerdegegnerin vom 20. Juli 2011
teilte der Beschwerdeführer im E-Mail vom 4. August 2011 "zur Präzisierung des
Unfallhergangs" mit: "Um dem Kind einen Salto zu ermöglichen, habe ich es
angehoben und musste mit dem linken Arm die erwähnte plötzliche Armbewegung mit
enormem Kraftaufwand ausführen, um dem Kind die notwendige Rotation zu
ermöglichen, damit es nicht auf den Kopf fällt." (UV-act. 5). Selbst wenn diese
Schilderung als Präzisierung der Angaben im Fragebogen verstanden wird, den der
Beschwerdeführer am 22. Juni 2011 ausgefüllt hatte, enthält sie mit "Salto
ermöglichen" und "notwendige Rotation ermöglichen, damit es nicht auf den Kopf fällt"
zwei neue Elemente, die früher - trotz mehrfacher Nachfrage - nicht genannt worden
waren. Auch Dr. D._ schilderte in seinem Schreiben vom 9. September 2011 neu
(UV-act. M7), am 23. April 2011 habe der Beschwerdeführer einem Kind helfen wollen,
einen Salto zu machen, nachdem er vorher das Aufheben eines Kindes berichtet hatte.
Wenn nicht bereits diese Schilderungen als Wechsel der Aussage zu qualifizieren sind,
sind es sicher die Angaben des Rechtsvertreters in der Einsprache vom 21. September
2011, der Beschwerdeführer habe mit seinem Göttibub gespielt. Dieser habe einen
Salto machen wollen und gedroht, auf den Kopf zu fallen. Er habe dann reflexartig
eingegriffen und seinen Göttibub mit dem linken Arm aufgefangen. Ohne das Eingreifen
seines Mandanten wäre der Göttibub wie erwähnt auf den Kopf gestürzt (UV-act. K13,
Begründung Ziff. 1). Diese Schilderung weist im Gegensatz zu derjenigen im E-Mail
vom 4. August 2011 darauf hin, dass das Kind den Salto unerwartet machte und damit
der Bewegungsablauf unplanmässig verlief. Es ist unwahrscheinlich, dass eine
reflexartige Schutzbewegung im Zusammenhang mit einem plötzlichen, unerwarteten
Saltosprung eines Kindes nicht als solche beschrieben wird, wenn ausdrücklich
danach gefragt wird, wie das im Fragebogen der Beschwerdegegnerin der Fall war. Will
ein Kind demgegenüber geplant einen Salto machen und benötigt dabei Hilfestellung,
besteht die Hauptaufgabe des Helfenden darin, seinen Kopf zu führen. Muss dabei
nachgegriffen werden, ist das, auch wenn es plötzlich erforderlich wird, in diesem
Ablauf nichts Ungewöhnliches.
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2.1.5 Entgegen den Ausführungen, die der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers vor allem in der Replik macht, liegen damit sehr wohl verschiedene
Hergangsschilderungen vor. Nach der Beweisregel, wonach bei unklaren
Sachverhalten oder sich widersprechenden Angaben auf die "Aussagen der ersten
Stunde" abzustellen ist, ist insbesondere diejenige Schilderung massgebend, die der
Beschwerdeführer am 22. Juni 2011 im Fragebogen der Beschwerdegegnerin gemacht
hat und die durch die anfänglichen Angaben der behandelnden Ärzte und seine
eigenen Ausführungen präzisiert wurden, die aufgrund der telefonischen Befragung
durch die Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin vom 13. Juli 2011 notiert wurden
(UV-act. M2 ff.). Es ist davon auszugehen, dass das Kind während des Spiels
hochgehoben werden sollte und dabei die Schmerzen an der Schulter auftraten, ohne
dass der Bewegungsablauf gestört worden war. Mit der Unterstützung des Kindes
beim Salto besteht zwar eine andere Hergangsschilderung. Wie bereits ausgeführt
(E. 2.1.4), stellt jedoch auch das plötzliche Nachgreifen beim Führen des Kopfes für
einen Salto des Kindes nichts Ungewöhnliches dar.
2.2 Bei der vorliegend zu prüfenden Hergangsversion (Hochheben des Kindes) fehlt
das Element des ungewöhnlichen äusseren Faktors. Damit kann das Ereignis vom
23. April 2011 nicht als Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG qualifiziert werden und erfolgte
diesbezüglich die Ablehnung der Leistungspflicht durch die Beschwerdegegnerin zu
Recht.
2.3 Beim Ereignis vom 23. April 2011 traten Abrisse der Supra- und
Infraspinatussehne auf und wurde die Subscapularissehne teilweise gerissen. Damit
liegen unbestrittenermassen Körperschädigungen vor, die in lit. f von Art. 9 Abs. 2 UVV
aufgelistet sind. Es bleibt zu prüfen, ob diese unter unfallähnlichen Bedingungen durch
die Einwirkung eines schädigenden äusseren Faktors entstanden sind und ob daher die
Beschwerdegegnerin unter diesem Titel leistungspflichtig wurde.
2.3.1 Nach der Rechtsprechung, die im angefochtenen Einspracheentscheid
weitgehend dargestellt wurde, ist das Auftreten von Schmerzen als solches kein
äusserer (schädigender) Faktor. Von einem erforderlichen äusseren schädigenden
Faktor kann somit dort nicht gesprochen werden, wo die versicherte Person nur das
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(erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag (vgl.
BGE 129 V 469 E. 4.2.1).
2.3.2 Eine unfallähnliche Körperschädigung liegt weiter nur dann vor, wenn dem
Geschehen, das auf den Körper der geschädigten Person eingewirkt hat, ein
gesteigertes Gefahrenpotenzial innewohnte und es nicht einer alltäglichen
Lebensverrichtung gleichkommt. Ein solches wird bejaht, wenn die zum
einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten
Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen
zutreffen kann. Der äussere Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial ist sodann
auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende Lebensverrichtung einer mehr als
physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers,
insbesondere seiner Gliedmassen, gleichkommt (vgl. BGE 129 V 470 E. 4.2.2 sowie
Urteil des Bundesgerichts vom 10. Januar 2011, 8C_665/2010, E. 3.2).
2.3.3 Der massgebende Hergang lässt kein gesteigertes Gefährdungs- oder
Schädigungspotenzial erkennen, auch wenn das Heben des Kindes mit einer
plötzlichen Arm- und Schulterbewegung verbunden war. Das Bundesgericht hat auch
in zahlreichen vergleichbaren Fällen ein unfallähnliches Geschehen verneint, wie die
Kasuistik in E. 3.3 seines Urteils vom 10. Januar 2011, 8C_665/2010, zeigt: Beim
Heben eines ca. 20 kg schweren, bepackten Koffers durch eine Frau (Urteil vom
13. Februar 2009, 8C_656/2008, E. 3.3), beim Ausziehen eines 25 bis 30 kg schweren
Rucksacks (Urteil vom 12. November 2009, 8C_696/2009, E. 6.2) und beim
schwungvollen Anheben einer ca. 15 kg schweren Bücherkiste durch eine Frau bei
Umzugsarbeiten (Urteil vom 17. März 2009, 8C_867/2009, E. 3.3) wurde ein
gesteigertes Gefährdungs- oder Schädigungspotenzial verneint. Auch dem Werfen
eines 15 bis 20 kg schweren 60-Liter-Kehrrichtssacks auf einen langsam
weiterrollenden Kehrrichtwagen durch einen Belader hatte das Bundesgericht am
10. Januar 2011 das gesteigerte Gefährdungspotenzial abgesprochen (Urteil
8C_665/2010 E. 3.4).
2.3.4 Beim Hochheben des Kindes hat sich am 23. April 2011 nichts
Unfallähnliches ereignet bzw. wurde vom Beschwerdeführer glaubhaft als überwiegend
wahrscheinlich dargetan. Die Beschwerdegegnerin hat damit dem zu beurteilenden
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Vorgang die Unfallähnlichkeit zu Recht abgesprochen und ihre Leistungspflicht für
diese Listenverletzungen aufgrund von Art. 9 Abs. 2 UVV verneint.
2.4 Aus den weiteren Argumenten des Beschwerdeführers ergibt sich keine andere
Beurteilung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin:
2.4.1 Wie im Sachverhalt unter B.b dargelegt, nahm die Beschwerdegegnerin die
Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid, seine Schulter sei
vorgeschädigt gewesen, als fälschlicherweise erfolgt, zurück.
2.4.2 Der Beschwerdeführer und Dr. D._ rügten die lange Zeit von über einem
Monat, die die Beschwerdegegnerin zur Beurteilung ihrer Leistungspflicht benötigte.
Zwar blieb diese ohne jeglichen Einfluss auf das Ergebnis der Beurteilung. Dennoch
darf dem Beschwerdeführer entgegengehalten werden, dass er seiner Pflicht, das
Ereignis vom 23. April 2011, aufgrund dessen er am 26. April 2011 einen Arzt
aufsuchte, gemäss Art. 45 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG; SR 832.20) unverzüglich seinem Arbeitgeber oder dem Versicherer zu melden,
offenbar nicht nachkam und mit der Meldung bis nach der Konsultation bei Dr. D._
(am 6. Juni 2011, vgl. UV-act. M3) zuwartete. Auch ist aus den Akten der
Beschwerdegegnerin keine wesentliche Verzögerung zu erkennen, ging der Bericht von
Dr. D._ an Dr. C._ vom 9. Juni 2011 (UV-act. M3) doch erst am 1. Juli 2011 und
das Arztzeugnis des SWICA Gesundheitszentrums vom 28. Juni 2011 (UV-act. M4) am
5. Juli 2011 bei ihr ein. Nach dem Telefongespräch mit dem Beschwerdeführer am
13. Juli 2011 (UV-act. M5) erfolgte die schriftliche Ablehnung am 20. Juli 2011.
2.5 Bei diesem Ausgang erübrigt sich die beantragte Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin zur Ermittlung und Vergütung der genauen Kosten im
Zusammenhang mit dem Ereignis vom 23. April 2011.
3.
3.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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3.2 Die Beschwerdegegnerin beantragt die Abweisung der Beschwerde unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschwerdeführers. Ihr ist Art. 61 lit. g ATSG
entgegenzuhalten, wonach nur die obsiegende, Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat. Eine Entschädigung an den
Versicherungsträger würde auch dem Prinzip der Unentgeltlichkeit des Verfahrens
gemäss Art. 61 lit. a ATSG widersprechen. Ein Grund für eine Ausnahme von diesem
Prinzip, wie mutwilliges oder leichtsinniges Verhalten, liegt nicht vor und wird auch
nicht geltend gemacht (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. Zürich 2009, N 114
zu Art. 61 sowie BGE 126 V 149 ff. E. 4). Der entsprechende Antrag der
Beschwerdegegnerin ist daher abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP