Decision ID: 6c32b0ad-3cf2-48cd-b636-b99dd31e5629
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis für Personenwagen am 26. Juni 1989. Am 23.
September 2002 wurde er wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung verwarnt. Es
folgten Führerausweisentzüge für die Dauern von einem Monat am 17. April 2004
(Geschwindigkeitsüberschreitung) und sechs Monaten (Führen eines Fahrzeugs in
angetrunkenem Zustand) am 14. Januar 2005. Nachdem X im Jahr 2006 mehrere
Verkehrsregelverletzungen begangen hatte (Geschwindigkeitsüberschreitungen, Führen
eines Fahrzeugs in angetrunkenem Zustand), entzog ihm das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) den
Führerausweis nach Einholung eines verkehrspsychologischen Gutachtens wegen
charakterlicher Nichteignung mit Verfügung vom 28. März 2007 auf unbestimmte Zeit.
Mit Verfügung vom 16. Juli 2007 wurde der Sicherungsentzug aufgehoben und X der
Führerausweis wiedererteilt.
B.- Am 1. Februar 2009 überschritt X mit dem Personenwagen "Mercedes-Benz E55
AMG", amtliches Kennzeichen YY, in Zürich innerorts die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 32 km/h. Tags darauf, am 2. Februar 2009,
kam es auf der Autobahn A1 bei Wallisellen zu einer weiteren Überschreitung der
signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um 27 km/h. Am 2. April 2009
lenkte X den Personenwagen "Mercedes-Benz S350", amtliches Kennzeichen SG YY in
St. Gallen mit einer Atem-Alkoholkonzentration von 0,86 Gew.-‰ (Durchschnittswert).
Gegenüber der Polizei gab er an, in der Slowakei zu leben. Mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 10. Juli 2009 wurde X wegen Fahrens in
fahrunfähigem Zustand, Vereitelung einer Blutprobe sowie Überschreitung der
Geschwindigkeit zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 40.-- und einer
Busse von Fr. 800.-- verurteilt.
C.- Aufgrund dieser Vorfälle eröffnete das Strassenverkehrsamt ein Verfahren zur
Abklärung der Fahreignung und entzog X den Führerausweis mit Verfügung vom 29.
April 2009 vorsorglich. Mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2009 wurde eine
verkehrsmedizinische und -psychologische Untersuchung angeordnet. X wurde
aufgefordert, innert zehn Tagen mit dem Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital
St. Gallen (nachfolgend: IRM) einen Termin zu vereinbaren.
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Am 28. Juni 2011 kontrollierte die Kantonspolizei Aargau in Neuenhof den
Personenwagen "Mercedes-Benz S350", amtliches Kennzeichen SG YY. An dessen
Steuer sass eine alkoholisierte Lenkerin mit Lernfahrausweis, X war als Beifahrer
ebenfalls angetrunken (Atem-Alkoholkonzentration von 0,98 Gew.-‰,
Durchschnittswert). X gab an, in Monaco zu leben. Der internationale Führerausweis,
ausgestellt in Monaco, wurde ihm abgenommen.
D.- Nachdem X beim IRM innert Frist keinen Termin für die Fahreignungsabklärung
vereinbart hatte, drohte ihm das Strassenverkehrsamt mit Schreiben vom 27. Juli 2011
den Entzug des Führerausweises auf unbestimmte Zeit an. Mit Verfügung vom 7.
September 2011 entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis auf
unbestimmte Zeit bei einer Sperrfrist von zwölf Monaten. Für die Aufhebung des
Entzugs wurde ein positiv lautendes verkehrsmedizinisches und -psychologisches
Gutachten verlangt. Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung
entzogen.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
22. September 2011 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Auf
Antrag des Rekurrenten wurde das Rekursverfahren mit verfahrensleitender Verfügung
vom 19. Dezember 2011 sistiert. Der Rekurrent beabsichtigte, in Monaco ein
verkehrsmedizinisches und -psychologisches Gutachten einzuholen. Nachdem trotz
zahlreicher Fristerstreckungen kein solches Gutachten eingereicht worden war, wurde
die Sistierung am 23. August 2012 aufgehoben. Mit Eingabe vom 5. Oktober 2012
reichte der Vertreter des Rekurrenten die Rekursergänzung ein. Auf die Ausführungen

zur Begründung seiner Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete am 31. Oktober 2012 auf eine
Vernehmlassung.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 22. September 2011 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 5. Oktober 2012 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent bestreitet die Zuständigkeit der Vorinstanz zum Erlass der
angefochtenen Verfügung. Er lebe in Monaco und verfüge dort über eine gültige
Fahrerlaubnis. Für den ausgesprochenen Entzug bzw. die Aberkennung bestehe keine
ausreichende gesetzliche Grundlage.
a) Wer ein Motorfahrzeug führt, bedarf des Führerausweises (Art. 10 Abs. 2 des
Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, abgekürzt: SVG). Dieser wird von den
kantonalen Verwaltungsbehörden am Wohnsitz des Fahrzeugführers erteilt und
entzogen (Art. 22 Abs. 1 SVG), wobei sich der Wohnsitz nach den Bestimmungen des
schweizerischen Zivilgesetzbuches richtet (Art. 2 Abs. 2 der Verordnung über die
Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt:
VZV). Für Fahrzeuge ohne festen Standort und Führer ohne Wohnsitz in der Schweiz ist
der Ort massgebend, an dem sie sich vorwiegend befinden. Im Zweifelsfall ist der
Kanton zuständig, der das Verfahren zuerst einleitet (Art. 22 Abs. 3 SVG). Nach Art. 42
Abs. 1 VZV dürfen Motorfahrzeugführer aus dem Ausland in der Schweiz nur
Motorfahrzeuge führen, wenn sie über einen gültigen nationalen Führerausweis
verfügen (lit. a) oder einen gültigen internationalen Führerausweis nach dem
Abkommen vom 24. April 1926 über Kraftfahrzeugverkehr (SR 0.741.11), nach dem
Abkommen vom 19. September 1949 über den Strassenverkehr (SR 0.741.621) oder
nach dem Übereinkommen vom 8. November 1968 über den Strassenverkehr (SR
0.741.10) besitzen und einen solchen zusammen mit dem entsprechenden nationalen
Führerausweis vorweisen können (lit. b). Mit dem Entzug des schweizerischen
Führerausweises ist immer auch die Aberkennung allfälliger ausländischer
Führerausweise zu verfügen (Art. 45 Abs. 2 VZV). Aberkannte ausländische
Führerausweise werden bei der Behörde hinterlegt. Sie sind dem Berechtigten nach
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Ablauf der Aberkennungsfrist oder Aufhebung der Aberkennung oder auf Verlangen
beim Verlassen der Schweiz auszuhändigen, wenn er hier keinen Wohnsitz hat (Art. 45
Abs. 4 lit. a und b VZV).
b) Der Rekurrent erwarb den Schweizer Führerausweis am 26. Juni 1989. Obschon er
angeblich seit mehreren Jahren nicht mehr in der Schweiz lebt – am 26. September
2007 meldete er sich beim Einwohneramt Thal in die Slowakei ab, aktuell lebt er in
Monaco –, verfügt er nach wie vor über einen schweizerischen Führerausweis. Zum
Entzug des schweizerischen Führerausweises sind die Schweizer Behörden als
Aussteller desselben zuständig, unabhängig davon, wo der Rekurrent wohnt. Da der
Rekurrent sich in der Schweiz hauptsächlich am Sitz der Firma X AG, deren
Verwaltungsratsmitglied er ist, in Y im Kanton St. Gallen aufhält und deren Anschrift als
Zustelladresse angibt (vgl. act. 6/3), war die Vorinstanz zuständig, gegenüber dem
Rekurrenten den angefochtenen Sicherungsentzug zu verfügen. Gestützt auf Art. 45
Abs. 2 VZV war sie zudem befugt, die Aberkennung weiterer ausländischer Ausweise
sowie des internationalen Führerausweises vom 14. Dezember 2009 (act. 36/6,
ausgestellt in Monaco) zu verfügen. Der internationale Führerausweis stützt sich
offenbar auf einen nationalen monegassischen Führerausweis (Nr. 70770). Auch dieser
gilt mit dem Entzug des schweizerischen Führerausweises für das Gebiet der Schweiz
auf unbestimmte Zeit als aberkannt.
3.- Ferner rügt der Rekurrent eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
a) Der Rekurrent bringt vor, er habe keine Gelegenheit zur Stellungnahme zum
verfügten Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit erhalten. In der
Zwischenverfügung vom 15. Juni 2009 habe die Vorinstanz lediglich darauf
hingewiesen, dass der Führerausweis vorsorglich entzogen bleibe, wenn er der
Aufforderung zur Durchführung einer verkehrsmedizinischen und -psychologischen
Untersuchung keine Folge leiste. Zudem fehle es an einer Begründung für die in Ziff. 6
der angefochtenen Verfügung angeordnete Bedingung für die Wiederzulassung zum
Verkehr. Der Hinweis auf die Zwischenverfügung, mit welcher die Massnahme
angeordnet, aber keine Rechtsfolge für die Nichtbefolgung angedroht worden sei, stelle
keine ausreichende Begründung im Sinn von Art. 35 VwVG dar. Die angefochtene
Verfügung sei daher aufzuheben.
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b) Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101) verankerte Anspruch auf
rechtliches Gehör stellt eine wichtige Verfahrensgarantie dar. Der Anspruch wird in
verschiedenen Bestimmungen des Bundesrechts und des kantonalen Rechts
konkretisiert. Für das Strassenverkehrsrecht hält Art. 23 Abs. 1 Satz 2 SVG fest, dass
der Betroffene vor dem Entzug eines Führerausweises oder der Auflage eines
Fahrverbots in der Regel anzuhören sei. Das rechtliche Gehör dient einerseits der
Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen
eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines
solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht
in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der
Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen
(vgl. BGE 127 I 56).
Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
verlangt zudem, dass die Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört,
sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Die Behörde
ist grundsätzlich verpflichtet, ihren Entscheid zu begründen. Der Bürger soll wissen,
warum entgegen seinem Antrag entschieden wurde. Gemäss Art. 23 Abs. 1 Satz 1 SVG
ist der Entzug eines Führerausweises schriftlich zu eröffnen und zu begründen. Nach
Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP soll die Verfügung unter anderem die Gründe, auf die sie sich
stützt, enthalten. Zu nennen sind die wesentlichen Überlegungen, von denen sich die
entscheidende Instanz leiten liess. Es genügt, wenn aus dem Gesamtzusammenhang
der Begründung hervorgeht, weshalb ein Begehren abgewiesen wird, und wenn es
dem Betroffenen möglich ist, den Entscheid sachgerecht anzufechten (vgl. Cavelti/Vö
geli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 1053 f.).
c) Nachdem der Rekurrent trotz rechtskräftiger Anordnung einer verkehrsmedizinischen
und -psychologischen Untersuchung vom 15. Juni 2009 keinen Termin beim IRM
vereinbart und sich auch in Monaco keiner spezialärztlichen Untersuchung unterzogen
hatte, worum er zuvor ausdrücklich ersucht hatte, teilte ihm die Vorinstanz mit
Schreiben vom 27. Juli 2011 mit, dass bei dieser Sachlage ein Führerausweisentzug
auf unbestimmte Zeit in Betracht gezogen werde. Der Rekurrent erhielt nochmals
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Gelegenheit, innert 20 Tagen beim IRM einen Termin für einen Untersuch zu
vereinbaren. Ferner wurde ihm die Möglichkeit eingeräumt, innert 10 Tagen zum
Verfahren Stellung zu nehmen und die Akten einzusehen. Von einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs kann unter diesen Umständen keine Rede sein.
Aus der Begründung und den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung ergibt sich,
dass der Rekurrent mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2009 zwecks Abklärung der
Fahreignung einer Eignungsuntersuchung zugewiesen wurde. Es wird ferner
ausgeführt, dass sich der Rekurrent der entsprechenden Untersuchung bis heute nicht
unterzogen habe. Daher sei es nicht möglich, die Zweifel an der Fahreignung
auszuräumen. Zur in Ziff. 6 verfügten Bedingung für die Wiederzulassung hält die
Vorinstanz fest, dass ein Gesuch um Wiedererteilung des Führerausweises nur
Aussicht auf Erfolg habe, wenn sich der Rekurrent der angeordneten
Eignungsuntersuchung unterzogen habe und ein positiv lautendes Gutachten über die
Fahreignung vorliege. Beim Sicherungsentzug ist das Vorliegen eines positiv lautenden
Gutachtens (entweder eines verkehrsmedizinischen, eines verkehrspsychologischen
oder eines kombinierten Gutachtens, je nach Eignungsmangel), praxisgemäss
Voraussetzung für die Wiedererteilung bzw. Aufhebung der Aberkennung eines
Fahrausweises. Dies ergibt sich aus Art. 17 Abs. 3 SVG, wonach der auf unbestimmte
Zeit entzogene Fahrausweis bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden kann,
wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist und die
betroffene Person die Behebung des Mangels nachweist, der die Fahreignung
ausgeschlossen hat. Eine nähere Begründung dazu ist daher nicht nötig. Hinzu kommt,
dass beim Rekurrenten gerade das Fehlen eines Gutachtens über seine Fahreignung
zum Sicherungsentzug geführt hat. Umso mehr ist ein solches für die Wiedererteilung
notwendig.
4.- Der Rekurrent beantragt die ersatzlose Aufhebung des Führerausweisentzugs auf
unbestimmte Zeit, macht in materieller Hinsicht jedoch keine näheren Ausführungen.
a) Bestehen Zweifel an der körperlichen oder psychischen Fahreignung eines
Fahrzeugführers, sind medizinische, psychologische oder psychiatrische Abklärungen
vorzunehmen (Art. 11b Abs. 1 lit. a und b VZV). Wird dabei festgestellt, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen, muss
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der Führerausweis entzogen werden (Art. 16 Abs. 1 SVG). In diesen Fällen dient der
Entzug des Ausweises der Sicherung des Verkehrs vor ungeeigneten Fahrzeugführern
(Sicherungsentzug). Der Entzug wird grundsätzlich auf unbestimmte Dauer
ausgesprochen (Art. 16d Abs. 1 Ingress SVG).
Der Untersuchungsgrundsatz verlangt von der Verwaltung und vom Gericht die richtige
und vollständige Abklärung des massgeblichen Sachverhalts, d.h. die Ermittlung der
materiellen Wahrheit (vgl. F. Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983,
S. 207). Je tiefer in den Persönlichkeitsbereich eingegriffen wird, desto sorgfältiger ist
diesem Grundsatz nachzuleben (vgl. R. Schaffhauser, Zur Entwicklung von Recht und
Praxis des Sicherungsentzugs von Führerausweisen, in: AJP 1/1992 S. 17 ff.,
insbesondere S. 33, N 58). Da ein Sicherungsentzug stark in den
Persönlichkeitsbereich eingreift, ist eine genaue Abklärung der persönlichen
Verhältnisse des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes wegen vorzunehmen. Das
Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob
ein Gutachten eingeholt werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls
und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (vgl. BGE 129 II 82 E. 2.2).
Die Beweismittel unterliegen der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in
Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). Verweigert die betroffene Person ihre Mitwirkung
bei derartigen Untersuchungsmassnahmen, können daraus negative Schlüsse auf ihre
Fahreignung gezogen werden (vgl. BGE 124 II 559 E. 5a).
Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis entzogen, wenn sie
an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG),
wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit. Die
Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene Person regelmässig so
viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird und sie diese Neigung
zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu überwinden oder
zu kontrollieren vermag. Die Trunksucht muss derart sein, dass der Betroffene mehr als
jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich ans Steuer eines Fahrzeuges zu
setzen in einem – dauernden oder zeitweiligen – Zustand, der das sichere Führen nicht
mehr gewährleistet. Dieses Verständnis der Trunksucht erlaubt es, auch bloss
suchtgefährdete Personen, bei denen aber jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt,
vom Strassenverkehr fernzuhalten (vgl. BGE 129 II 86 ff. m.w.H.), vorausgesetzt, dass
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sie das Führen von Motorfahrzeugen und einen die Fahrfähigkeit beeinträchtigenden
Alkoholkonsum nicht hinreichend sicher trennen können (R. Seeger, Fahreignung und
Alkohol, in: Probleme der Verkehrsmedizin, hrsg. vom Institut für Rechtsmedizin der
Universität Zürich).
Der Ausweis wird ferner auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn eine Person aufgrund
ihres bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig beim Führen eines
Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen
wird (vgl. Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG; Nichteignung aus charakterlichen Gründen).
Anzeichen hierfür bestehen, wenn Charaktermerkmale des Betroffenen, die für die
Eignung im Verkehr erheblich sind, darauf hindeuten, dass er als Lenker eine Gefahr für
den Verkehr darstellt (BGE 104 Ib 95 E. 1). Für den Sicherungsentzug aus
charakterlichen Gründen ist die schlechte Prognose über das Verhalten als
Motorfahrzeugführer massgebend (P. Stauffer, Der Entzug des Führerausweises, Bern
1966, S. 40). Die Behörden müssen gestützt hierauf den Ausweis verweigern oder
entziehen, wenn hinreichend begründete Anhaltspunkte vorliegen, dass der Führer
rücksichtslos fahren wird (vgl. Botschaft vom 24. Juni 1955 zum Entwurf eines
Bundesgesetzes über den Strassenverkehr, BBl 1955 II S. 21 f.). Die Frage ist anhand
der Vorkommnisse (unter anderem Art und Zahl der begangenen Verkehrsdelikte) und
der persönlichen Umstände zu beurteilen (BGE 125 II 492 E. 2a). Bezugspunkt der
Beurteilung ist die Verkehrssicherheit. Diejenigen Personen sollen nicht zugelassen
werden, von denen anzunehmen ist, dass sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur
eine besondere Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer darstellen. Eine solche
Gefahr liegt etwa nahe bei sehr starker emotionaler Unausgeglichenheit, bei
unbeherrschter Impulsivität oder dauernder affektiver Gespanntheit. Positiv wird eine
einigermassen angepasste charakterliche Reife vorausgesetzt. Nicht jede Person mit
ungünstigen Charakteranlagen ist zum Führen von Motorfahrzeugen nicht geeignet
(vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I:
Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2. Aufl. 2002, S. 154 f.).
b) Mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2009 wurde der Rekurrent von der Vorinstanz
aufgefordert, sich einer verkehrsmedizinischen und -psychologischen Untersuchung zu
unterziehen, da nach drei Trunkenheitsfahrten sowie drei massnahmerelevanten
Verkehrsregelverletzungen innert kurzer Zeit Zweifel an seiner Fahreignung bestünden.
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