Decision ID: 62e8626e-22eb-44ea-b786-c82b1176b0fd
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959, war
von
Mai 2000
bis August 2016
als Aussen
dienstmitarbeiter vollzeitbeschäftigt
(
Urk.
9/12
Ziff.
2.1-3) und meldete
sich am 1
7.
Juli 2016 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte unter ande
rem ein polydisziplinäres
Gutachten ein, das
von den Ärzten der
Medas
Y._
am 2
6.
März 2018 erstattet wurde (
Urk.
9/48).
Die IV-Stelle verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/55,
Urk.
9/57,
Urk.
9/61) mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2019 einen Leistungsanspruch (
Urk.
9/68 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
7.
Juni 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
2.
Mai 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm ab Februar 2017 eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
1).
Am
8.
Juli 2019 (
Urk.
5) reichte er einen weiteren Arztbericht (
Urk.
6) ein, welcher der
IV-Stelle zugestellt wurde (
Urk.
7).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3.
September 2019 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde.
Am
7.
Oktober 2019 (
Urk.
12) reichte der Beschwerdeführer weitere Arztberichte (
Urk.
13/1-6) ein, was den weiteren Verfahrensbeteiligten am 1
4.
Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
15).
Die als Vorsorgeeinrichtung zum Prozess beigeladene AXA Leben AG verzichtete am
4.
November 2019 auf Stellungnahme (
Urk.
16), was den weiteren Verfahrensbeteiligten am
5.
November
2019
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die
es
–
un
ter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
-
ben
, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141
V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines
rentenbe
-
gründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
-
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
-
spruchsfrei
mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
In allen Fällen ist durch die Verwaltung beziehungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nach
vollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtens
teil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befunden, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erho
benen medizinisch-psychiatrischen Ergebnisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also substantiiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrische Sachverstän
dige hat darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenanspre
chenden Person (BGE 145 V 361 E. 4.3
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
fest
, aus
gehend vom Gutachten der
Medas
Y._
bestehe aufgrund der rein körperli
chen Belastbarkeit eine volle Arbeitsfähigkeit für alle leichten bis mittelschweren Tätigkeiten (S. 1 unten). Die Haupteinschränkungen lägen im psychiatrischen Fachbereich. Gemäss gutachterlicher Einschätzung liege eine psychische Erkran
kung von derzeit leichter bis höchstens mittelgradiger Ausprägung vor
. Als aus
lösender Faktor werde die Auflösung des Arbeitsverhältnisses genannt, seither bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. Die bisherige Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber sei weiterhin zumutbar (S. 2 oben). Später eingereichte Arztberichte führten zu keinen anderen Schlussfolgerungen (S. 2 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), das psychiatrische Teilgutachten der
Medas
Y._
sei aus näher dargelegten Gründen beweistauglich (S. 5 ff.
Ziff.
16 ff.) und es sei, nachdem auch die Orien
tierung an den Standardindikatoren (vgl. E. 1.3) nicht zu beanstanden sei (S. 12 ff.
Ziff.
28 ff.), auf die dortige Beurteilung abzustellen, wonach aus psychiatri
scher Sicht die verbleibende Arbeitsfähigkeit 20
%
betrage (S. 15 Ziff. 34).
2.3
Strittig ist der Umfang der dem Beschwerdeführer verbleibenden Arbeitsfähigkeit.
3.
Aus der Zeit vor der im Januar 2018 erfolgten Begutachtung liegen zahlreiche Berichte von behandelnder Seite vor, auf deren vertiefte Wiedergabe angesichts dessen, dass
die strittige Frage anhand des Gutachtens und allfälliger späterer Beurteilungen zu beantworten ist, verzichtet wird. Die
s
betrifft insbesondere fol
gende Berichte:
-
Psychiatrie:
1
2.
Januar 2016 (
Urk.
9/19/9-11), 2
8.
Januar 2016 (
Urk.
9/13/8-19), 1
5.
April 2016 (
Urk.
9/13/5-7 =
Urk.
9/19/12-14), 1
7.
Oktober 2016 (
Urk.
9/19/16-17), Eingang
9.
Januar 2017 (
Urk.
9/19/17)
,
2
2.
Februar 2017 (
Urk.
9/28/26-27 =
Urk.
9/28/28-29),
Dr.
Z._
(gleiche Praxis)
7.
Juli 2017 (
Urk.
9/25 =
Urk.
9/27)
-
Kardiologie:
1.
Juni 2016 (
Urk.
9/24/8-11)
-
Otorhinolaryngologie:
2
6.
Juli 2016 (
Urk.
9/19/27-28
=
Urk.
9/28/13-15
)
,
8.
März 2017 (
Urk.
9/24/44-45)
-
Pneumologie
: 2
2.
August 2016 (
Urk.
9/19/18-20
=
Urk.
9/24/31-33 =
Urk.
9/28/5-7
)
,
3
0.
März 2017 (
Urk.
9/24/20-21)
-
Neurologie:
8.
März 2017 (
Urk.
9/24/12-14)
-
Allgemeine Innere Medizin:
9.
März 2017 (
Urk.
9/24/17-19),
8.
April 2017 (
Urk.
9/24/1-7)
,
1
7.
August 2017 (
Urk.
9/30 und
Urk.
9/31)
-
Rheumatologie: 1
0.
Oktober 2017 (
Urk.
9/35 =
Urk.
9/36/7-10), 2
6.
Okto
ber 2017 (
Urk.
9/36/1-6),
1
7.
Januar 2018 (
Urk.
9/60/5-6)
4.
4.1
Die Ärzte der
Medas
Y._
erstatteten am
2
6.
März 2016
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
9/48/1-42)
. Sie stützen sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 5 ff.), die Angaben des Versicherten (S. 18 ff.) und die hauptsächlich im Januar 2018 erfolgten Untersuchungen in den Disziplinen All
gemeine Innere Medizin, Kardiologie, Rheumatologie, Orthopädie und Pneumo
logie (S. 1) sowie Psychiatrie (vgl.
Urk.
9/48/49-80).
4.2
Die Gutachter nannten folgende, hier
leicht verkürzt angeführte
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 35 f.
Ziff.
III.1):
-
k
oronare Herzerkrankung
-
depressive Episode, gegenwärtig leicht bis mittelgradig ausgeprägt (ICD-10 F32.10)
-
nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.9)
-
somatoforme Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F45.9)
-
m
yofas
z
iales Schmerzsyndrom des Schultergürtels und des linken Beckengürtels
-
chronifiziertes
zervikospondyl
ogenes
Schmerzsyndrom bei Mehretagen-Degeneration
C4-C7 und
magnettomografisch nachgewiesenen
Dis
kusherniatio
nen
, insbesondere C4/5 und C5/6
, ohne Hinweise für radiku
läre Kompression oder
Myelonkompression
-
a
ktenanamnestisch Verdacht
auf Psoriasis-Arthritis
-
pa
rtielle Re-Ruptur Supraspinatus bei Status nach mehrmaliger Supraspi
natus-Rekonstruktion
links, letztmals 2011
-
Partialruptur Supraspinatus rechts
-
chronic
obstructive
pulmonal
disease
(
COPD
)
GOLD Stadium
II
-
l
eichte obstruktive Schlaf-Apnoe-/Hypopnoe-Problematik
4.3
In ihrer
Beurteilung
führten die Gutachter unter anderem aus, d
er Versicherte
sei
jahrelang auf seinem Beruf
als
Karrosserie
-Spengler
tätig gewesen
.
I
m Jahr 2000
habe
er eine Anstellung als Aussendienstmitarbeiter für den Verkauf von Ver
brauchsmaterial für Reparaturen an
Karrosserien
usw.
gefunden.
Ende 2015
sei
ihm die Stelle von einem neu angestellten Vorgesetzten
(per Ende August 2016)
gekündigt
worden, was für ihn
völlig überraschend
gekommen sei. Von seiner
Hausärztin
sei er ab
6.
(richtig: 9.; vgl.
Urk.
9/13/11)
November
2015,
d
em letzten Arbeitstag, krankgeschrieben
worden und sei seither
keiner bezahlten Arbeit mehr nachgegangen. Die
ab
9.
November
2015
attestierte Arbeitsunfähigkeit sei
von der Haus
ä
rztin
mit folgenden Diagnosen begründet
worden
:
e
ntgleister arte
rieller
Hypertonus, Belastungsatemnot, depressive Episode mit Schlafstörung bei psychosozia
l
er Belastungssituation. Am 1
2.
Januar 2016 habe e
ine erste Konsul
tation beim Psychiater statt
gefunden
,
d
er eine Anpassungsstörung, Angst und Depression gemischt, beziehungsweise rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode diagnostiziert und die 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestätigt habe
(S. 31).
In den Akten fä
nden sich seit anfangs 2016 fachärztliche Berichte aus den Dis
ziplinen Angiologie, Dermatologie, Kardiologie, Gastroenterologie, HNO, Pneumologie, Orthopädie, Neurologie, Urologie, Innere Medizin, Zahnmedizin, Sportmedizin und Rheumatologie (S. 31 unten).
4.
4
Aus interdisziplinärer funktioneller Sicht best
ünd
en aufgrund der somatischen Erkrankungen Einschränkungen für eine körperlich schwere Tätigkeit. Körperlich mittelschwere Tätigkeiten sch
ie
nen im interdisziplinären somatischen Konsens jedoch zumutbar mit Einschränkungen
(S. 33 oben)
,
wozu an anderer Stelle Fol
gendes ausgeführt wurde: Aus prognostischer Sicht wäre nach einem längerfris
tigen Behandlungsprozess eine niederschwellige Integration in den Arbeitspro
zess mit einer maximalen Teilarbeitsfähigkeit von zirka 30
%
wieder möglich. Für eine solche Tätigkeit, welche frühestens in 1-2 Jahren wieder aufgenommen wer
den könnte, wären folgende Kriterien nötig: Wegen der kardialen und pulmona
len Krankheiten
sei
eine körperlich schwere Arbeit nicht möglich. Wegen den Sehnen-Teilläsionen im Bereich der Schultergelenke
sei
eine Überkopfarbeit zu vermeiden. Das repetitive Heben und Tragen von Lasten über 10 kg wäre ebenfalls zu vermeiden, wie auch das Arbeiten in
vornübergeneigten
, knienden oder kau
ernden Stellungen (S. 39 f.).
Die funktionellen Einschränkungen des Versicherten w
ü
rden aber durch seine psychiatrischen Gesundheitsstörungen begründet. Bis anhin
sei,
obschon vom behandelnden Psychiater wiederholt angesprochen,
ein interdisziplinärer Kon
sens der behandelnden Ärzte und die Aufsummierung der einzelnen Beeinträch
tigungen zu einem Ganzen ausgeblieben. Dies wäre jedoch notwendig, um dem Versicherten umfassend gerecht zu werden. Die massiv eingeschränkte Funktio
nalität des Versicherten besteh
e
auf der Grundlage folgen
der psychiatrischer Diagnosen: d
epressive Episode mit gegenwärtig leicht- bis mittelgradiger Aus
prägung (F32.10),
Differentialdiagnose re
zidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnete somatoforme Störung (F45.9)
, Differentialdiagnose c
hroni
sche Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren) und nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung (F60.9
; S. 33 oben
).
4.
5
Zur
Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde
wurde a
us kardiologischer Sicht
auf eine im Februar 2016 erhobene RIVA-Stenose und a
us pneumo
l
ogischer
Sicht
auf
ein vermindertes Erstsekundenvolumen
hingewiesen
. An beiden Schul
tern besteh
e
eine partielle Ruptur der Supraspinatussehne.
Es fänden sich
dege
nerative Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule mit früher nachgewiese
nen
Herniationen
im MRI, jedoch ohne Nerven- oder
Myelonkompression
. Die rheumatologische und die orthopädische klinische Untersuchung
seien
beide ohne grob-pathologische Befunde (S. 33
Ziff.
1).
Aus somatischer Sicht besteh
e
eine lungenfunktionelle Einschränkung bei COPD
sowie
eine verminderte Belastbarkeit beider Schultern, der peripheren Gelenke und des Achsenskelettes. Aus psychiatrischer Sicht
seien
gemäss Mini-ICF-APP mittelschwer bis schwer eingeschränkt: Anpassung an Regeln und Routinen, Fle
xibilität und Umstellungsfähigkeit, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie die Durchhaltefähigkeit. Folgende Funktionen
seien
mittelschwer bis schwer beein
trächtigt: Funktion von Temperament und Persönlichkeit, psychische Stabilität, Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen, Selbstvertrauen, Funktion der psychi
schen Energie und des Antriebs und emotionale Funktionen (S. 33
Ziff.
2).
4.
6
Bezüglich der Beschwerden am Bewegungsapparat
bestünden
deutliche Diskre
panzen zwischen den geschilderten Symptomen mit den intensiven Schmerzen und den objektiven Befunden bei der Untersuchung. Der Versicherte
gebe
bei den verschiedenen Te
i
lgutachten zudem verschiedene Beschwerden an
, b
eispielsweise bezüglich seiner Gründe, dass er nicht mehr Autofahren
könne:
Beim Psychiater
seien
es psychische Gründe, beim Orthopäden
seien
es die Schmerzen in den Schultern und beim intern-medizinischen Gutachter
gebe
er an, dass er beim Autofahren mehrmals eingenickt sei. Auch bezüglich Lokalisation der Schmerzen best
ünd
en Differenzen bei den verschiedenen Teilgutachten. Auffällig
sei
, dass er
bei
fachrheumatologisch
diagnostizierter und gemäss rheumatologischem Behandler unbefriedigend behandel
t
er
Spondylarthropathie
nie lumbosakrale Schmerzlokalisationen ang
ebe
. Widersprüchlich
seien
auch die Angaben des Ver
sicherten bezüglich seines Vaters: Beim Hauptgutachter
gebe
er an, diesen nie gekannt und nie gesehen zu haben, beim psychiatrischen Teilgutachter berichte er darüber, dass die Mutter vom Vater geschlagen worden sei und er froh gewesen sei, als der Vater auszog (S. 38
Ziff.
1).
Bezüglich der Beobachtungen der verschiedenen Teilgutachter beurteil
e
der psy
chiatrische Teilgutachter den Versicherten als authentisch. Bei den somatischen Teilgutachtern
könne
diese Authentizität nicht unbedingt beobachtet werden. Auffällig
seien
beim Hauptgutachter vor allem die Schmerzschilderungen mit Intensitäten von VAS 8-10/10, welche teilweise lachend präsentiert w
ü
rden (S. 38 f.)
Bezüglich
Ausschlussgründen wie Aggravation und ähnliche
n
Erscheinungen sowie deren Ausmass
führten die Gutachter aus, i
m interdisziplinären Konsens
könnten sie
keine Ausschlussgründe feststellen (S. 34
Ziff.
4).
4.
7
Zum
aktuellen Persönlichkeitsbild
und
der biographischen
Persönlichkeitsent
wicklung führten sie aus, i
n Zusammenschau der Anamnese und des Verlaufs sch
ie
nen die früh erworbene Leistungsfähigkeit und Genauigkeit wichtige Bestandteile der Persönlichkeitsstruktur des Versicherten mit Integration in das Selbstbild geworden zu sein, lange Jahre zugunsten der Leistungsfähigkeit
bezie
hungsweise
ohne
diese zu b
eeinfluss
en
.
Mit zunehmenden Komorbiditäten (unter anderem aufgrund der Depressivität und somatische
r
Störungen)
hätten
sich die
se Eigenschaften j
edoch zu Ungunsten der Leistungsfähigkeit aus
gewirkt, dies
im Sinne von einschränkenden, unflexiblen Pers
ön
lichkeitsfaktoren, die eine Anpas
sung deutlich erschwerten. Insgesamt ersch
ie
nen für keine der spezifischen Per
sönlichkeitsstörungen alle Kriterien vollumf
ä
nglich erfüllt. Dennoch ersch
i
enen die Eingangskriterien hinreichend erfüllt, so dass am ehesten die Einordnung als nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung (F60.9) gerechtfertigt erschein
e
. Inwiefern den genannten Komponenten allfällig noch anderweitige Anteile (impulsiv, narzisstisch) zuzurechnen s
eien
,
sei
nicht abschliessend zu beurteilen (S. 34
Ziff.
7).
4.8
Bezüglich der
bisherigen
Behandlung
wiesen die Gutachter
auf die Medikamen
tenliste mit 17 peroral einzunehmenden Medikamenten
,
entsprechend 29 Tablet
ten täglich
, hin
. Dabei
seien
die
vier
Schmerzmedikamente
, die der Versicherte allesamt nur in Reserve einnehme,
noch nicht eingerechnet. Die Medikamenten
liste
werde
ergänzt durch lokal appliziertes Testosteron, Inhalationen wegen der Lungenkrankheit und diversen Salben gegen Schmerzen und wegen der Psoriasis. Ausgehend von dieser Medikamentenliste
könne
sicherlich nicht von einer
lege artis erfolgenden
Behandlung
gesprochen werden
(S. 37
Ziff.
1).
Im interdisziplinären Konsens f
ä
nden
sich
keine Hinweise, dass der Versicherte bei ärztlich verordneten Therapien nicht kooperiert hätte. Es schein
e
eher ein gewisses „Ärzte-Shopping" stattzufinden, wobei er anscheinend seine Ärzte nicht informier
e
, dass er schon andere Ärzte konsultiert ha
be
(S. 37
Ziff.
2).
Zu allfälligen
Therapieoptionen
wurde ausgeführt, aus
psychiatrischer Sicht dürfte das Mitte
l
des Vertrauens und der Beziehung zum Behandler ein wichtiger stabilisierender Faktor in der Behandlung sein. Eine Fortsetzung der psychiatri
schen Behandlung
sei
demnach zu empfehlen. Wie vom ambulanten Behandler angedacht, erscheine ein Wechsel des medikamentösen Regimes respekti
ve eine Kombinationsbehandlung
sinnvoll, hierbei
seien
die somatischen Limitationen zu
berücksichtigen. Inwiefern die Problematik jedoch medikamentös
angehbar
sei
,
sei
nicht abschliessend zu beurteilen. Aufgrund der genannten Komplexität und der Verquickung der verschiedenartigen Symptombereiche
sei
die Erwartung an eine tiefgreifende Änderung/Stabilisierung durch eine intensivierte Psychophar
makotherapie jedoch eher gering. Der Ansatz einer psychosomatischen stationä
ren Behandlung oder Rehabilitation mit Inkludierung aller Problembereiche in die Behandlung entspräche dem vernetzten Ansatz in der Behandlung und wäre beim Versicherten zu befürworten. Primär sollte es hierbei um die Erarbeitung eines ganzheitlichen Krankheitsverständnisses gehen. Es erschein
e
jedoch nicht zielf
ü
hrend, dies im Sinne einer medizinischen Massnahme aufzuerlegen. Durch die stationär rehabilitative Behandlung wäre nicht primär eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten, sondern vielmehr die Grundsteinlegung eines ver
änderten Therapieregimes mit der Hoffnung einer nachhaltigen Lebensqualitäts
verbesserung im Langzeitverlauf (S. 37 f.
Ziff.
3).
4.
9
Zur A
rbeitsfähigkeit
führten die Gutachter aus, im
interdisziplin
ä
ren Konsens attestier
t
en
sie
dem Versicherten vor allem aufgrund der psychiatrischen Funkti
onseinschränkungen eine volle Arbeitsunfähigkeit. Diese Einschränkungen
hät
t
en auch für eine angepasste Tätigkeit Gültigkeit. Gemäss den plausiblen Anga
ben durch die Behandler besteh
e
diese Arbeitsunfähigkeit seit
A
nfang November 2015 (S. 39
Ziff.
1).
4.
10
Im p
sychiatrische
n
Teilgutachten (
Urk.
9/48/49-80)
wurde unter anderem ausge
führt, schon die Hausärztin habe
in ihrem ersten Zeugnis vom 3
0.
Dezember 2015 auf eine zusätzliche depressive Episode mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hin
gewiesen.
Seit Januar 2016
sei
die Arbeitsunfähigkeit psychiatrisch festgehalten
,
der ambulante Behandler
habe
in seinen Berichten auf eine jeweils vollumfäng
liche Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und auch in Verweistätigkeiten
verwiesen
. Eine weitere differenzierte Beurteilung der Arbeits-/Leistungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht finde
sich in der Aktenlage nicht (S.
30
Ziff.
6.5).
Auch wenn dem Versicherten über Jahrzehnte ein hohes Mass an Funktionalität oder Leistungsfähigkeit möglich
gewesen sei, lägen
aus psychiatrischer Sicht aktuell ausgeprägte funktionelle Beeinträchtigungen vor.
D
iese
seien au
f mehr oder weniger aktuelle psychopathologische Phänomene
(Depressivität
, Verunsi
cherung, Überforderung, formalgedankliche Einschränkungen) zurückzuführen, insbe
sondere aber auch als Ausdruck beziehungsweise
Ergebnis einer umfängli
chen Dekompensation bisheriger Strategien der eigenen Leistungsfähigkeit durch andere somatische/psychische Faktoren zu verstehen. Insbesondere hinsichtlich der Flexibilität erschein
e
der Versicherte schwer, hinsichtlich der Funktionen von
Temperament und Persönlichkeit, der psychischen Stabilität, des Selbstvertrauens und der Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen sowie hinsichtlich der Anpas
sungsfähigkeit und der Belastbarkeit zumindest mittelgradig beeinträchtigt. Dies führ
e
dazu, dass der Versicherte
«
um sich kreis
e»
und sich nicht in einen Arbeits
prozess einfügen
könne
. Er erleb
e
sich selber als vollumfänglich krank und ver
glichen mit seinem Mass an Leistungsfähigkeit als vollumfänglich leistungs- und damit arbeitsunfähig. Er verzett
l
e sich auf seinen diversen körperlichen und psy
chischen Baustellen, das fehlende ganzheitliche Krankheits-Selbst-Verständnis
nehme
ihn in Beschlag. Erschwerend hinzu komm
e
eine nahezu Unfähigkeit, über das eigene psychische Erleben zu sprechen
,
der Vergleich
zu einer Alexithymie (der sog. «
Gefühlsblindheit
»
) lieg
e
nahe und
stelle
einen deutlich limitierenden Faktor in der Behandlung dar (S. 31).
Gesamthaft erschein
e
der Versicherte in seiner Funktionalität schwer beeinträch
tigt
. A
us psychiatrischer Sicht
sei
zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar, inwiefern tatsächliche somatische Beeinträchtigungen hierzu beitr
ü
gen
.
Im Falle des Feh
lens eindeutiger somatischer Korrelate
sei
der psychosomatischen Beteiligung an der Einschränkung der Funktionalität mehr Gewicht zu geben. Aus psychiatri
scher Sicht
sei
gegenwärtig von einer maximal 20%igen zeitlichen Arbeitsfähig
keit mit darin nochmals deutlich geminderter Leistungsfähigkeit von mindestens 25
%
, insgesamt demnach einer nicht verwertbaren Restarbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit auszuge
h
en. Aktuell
hätten
diese Einschränkungen auch für eine angepasste Tätigkeit Gültigkeit. Nach entsprechender Stabilisierung
, wofür
beim Versicherten von einem langfristigen (jahrelangen) Prozess auszuge
h
en
wäre,
wäre aus psychiatrischer Sicht allfällig eine niederschwellige Integra
tion in einen Arbeitsprozess, der den fachlichen Fähigkeiten des Versicherten Rechnung
trage
, zu erwägen. Denkbar erschein
e
hier beispielsweise eine stunden
weise Tätigkeit in einem Büro (Garage?
Carrosseriespenglerei
?). In Zusammen
schau der Anamnese und der Untersuchungsergebnisse erschein
e
die Erwartung einer hochprozentigen Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht jedoch unrealis
tisch, anzustreben wäre maximal eine Teilarbeitsfähigkeit von zirka 30
%
(S
.
31 Mitte).
Eine abschliessende Prognose erschein
e
aus psychiatrischer Sicht erschwert. Inwiefern es gelingen
möge
, den Versicherten niederschwellig mit seinem grossen Erfahrungswissen beruflich qualifiziert in einer angepassten Tätigkeit nachhaltig zu integrieren,
sei
nicht absehbar. Aus psychiatrischer Sicht bed
ürfe
es vorherge
hend einer gewissen Stabilisierung und psychischen Vorbereitung, um eine wei
tere Dekompensation der Gesamtsituation bestmöglich zu verhindern (S.
31
Ziff.
6.6).
5.
5.1
Dr.
med.
Dr.
rer
. pol.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
), führte in seiner Beurteilung vom 10.
August 2018 (
Urk.
9/54 S. 10 f.)
zur Konsistenz aus, im Bereich des Bewe
gungsapparates habe es Diskrepanzen zwischen Beschwerdeschilderung und objektivierbaren Befunden gegeben. Der Beschwerdeführer sei in allen vergleich
baren Lebensbereichen ungefähr in gleichem Mass eingeschränkt (S. 9 unten). Diagnosen und vollständige Arbeitsunfähigkeit stünden im Widerspruch. Multi
disziplinär würden die somatischen Einschränkungen körperlich mittelschwere Tätigkeiten mit entsprechendem Belastungsprofil zulassen (S. 10 oben).
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 1
0.
August 2018 (
Urk.
9/54 S. 10 f.) unter anderem aus, nach Unstimmigkeiten mit einem neuen Vorgesetzten habe der Ver
sicherte telefonisch die Kündigung erhalten,
selbentags
sei die Arbeitsunfähigkeit eingetreten
. Seine Ehe sei im März 2015 getrennt und im
Januar 2018 geschieden worden
(S. 10). Im psychiatrischen Teilgutachten würden eine frühere - (zirka 2014), aber nicht näher
erinnerliche
- psychiatrische Behandlung und eine poli
zeiliche Festnahme 2012 behauptet. Nach Ansicht des RAD liessen sich die Behauptungen mit entsprechenden Massnahmen (Krankenkasse, Polizei) überprü
fen. Die psychiatrische Behandlung werde umschrieben mit «alle 14 Tage, diverse Themen (...) Andere bestimmte Themen werden gemieden (...) Körper wiederholt Thema in der Behandlung». Bei den verordneten Medikamenten könne der Versi
cherte zum verordnenden Arzt und der Wirksamkeit lediglich Vermutungen anstellen. Zwei
p
sychometrische Testungen ergäben ein leichtes depressives Syn
drom, eine ein mittelgradiges depressives Syndrom. Im Gutachten werde ein in allen vorliegenden psychiatrischen Berichten fehlender differenzierter psychopa
thologischer Befund bemängelt. Diagnostiziert werde eine depressive Episode mit gegenwärtig leicht- bis mittelgradiger Ausprägung (S. 10 unten). Sodann werde im Gutachten eine gesamthafte Selbstlimitierung erwähnt.
Als versicherungsme
dizinische Beurteilung führte er aus, d
ie Arbeitsunfähigkeit
sei
durch psychoso
ziale Faktoren
ausgelöst worden.
Der begutachtende Psychiater attestier
e
eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode.
Die diagnostizierte Persönlichkeits
störung
sei
in Anbetracht der Biographie nicht nachvollziehbar.
Aus versiche
rungsmedizinischer Sicht lieg
e
kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränken
der
Gesundheitsschaden vor
(S. 11 oben)
.
5.2
Im Bericht vom 2
9.
August 2018 über die seit zirka einem Jahr in der Universi
tätsklinik
C._
stattfindende Behandlung
(
Urk.
9/60/1-4)
wurden 24 Diagno
sen aufgelistet, beginnend mit einer im September 2017 erstdiagnostizierten
Pso
riasisarthritis
, einem chronischen rezidivierenden
cervikospondylogenen
Schmerzsyndrom und einem chronisch rezidivierenden
lumbovertebrale
n
Schmerzsyndrom (S. 1 f.). Der Patient sei seit August 2016 zu 100
%
arbeitsun
fähig geschrieben. Eine Reintegration in den Arbeitsprozess sei aufgrund der in der Diagnoseliste aufgeführten internistischen und orthopädischen Leiden als unrealistisch einzustufen (S. 4 Mitte).
5.3
Dr.
med.
D._
,
Leitender Arzt Kardiologie,
Spital
E._
, bestätigte mit Schreiben vom
9.
November 2018 (
Urk.
9/63 =
Urk.
9/64)
, dass der Patient seit August 2016 in kardiologischer Behandlung stehe
. Er sei seit dieser Zeit zu 100
%
arbeitsunfähig. Die koronare Herzkrankheit für sich alleine rechtfertige keine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, jedoch aus internistischer Sicht die Summe der Diagnosen (S. 1 Mitte).
5.4
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, der den Beschwerdeführer seit Februar 2016 behandelt (vgl.
Urk.
9/13/5-7 S. 1
Ziff.
1), nahm am
2
6.
Juli 2019
(zustimmend) zum Gutachten und (kritisch) zum Ent
scheid der Beschwerdegegnerin Stellung
(
Urk.
13/1)
.
5.5
Im Bericht vom 1
6.
August 2019 über eine gleichentags erfolgte Nachkontrolle im Kopfwehzentrum der Klinik
G._
(
Urk.
13/6)
wurden multikausale Dau
erkopfschmerzen diagnostiziert (S. 1 Mitte).
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin hat ein Gutachten eingeholt, in welchem der Gesund
heitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus dem Blickwinkel von sechs medizinischen Disziplinen beurteilt wurden (vorstehend E. 4.1) mit dem Ergebnis, dass die Gutachter im interdisziplinären Konsens vor allem aufgrund der psychiatrischen Einschränkungen eine volle Arbeitsunfähigkeit, auch für angepasste Tätigkeiten, ab November 2015 attestierten (vorstehend E. 4.9).
Die Beschwerdegegnerin hat sodann gestü
tzt auf
je
eine RAD-Stellungnahme
aus internistischer und psychiatrischer Sicht (vorstehend E. 5.1) entschieden,
es bestehe aus somatischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte und mittel
schwere Tätigkeiten. Die psychische Erkrankung sei leicht bis höchstens mittel
gradig ausgeprägt und durch die Auflösung des Arbeitsverhältnisses verursacht worden; an
einem anderen Arbeitsplatz wäre die bisherige Tätigkeit weiterhin zumutbar, weshalb keine anspruchsbegründende Invalidität bestehe (vorstehend E. 2.1).
6.2
Das
Medas
-Gutachten
ist
für die
streitigen Belange umfassend, beruht auf allsei
tigen Untersuchungen
und wurde unter Berücksichtigung der
geklagten Beschwerden
und
in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben. Ferner
erfolgte die Beur
teilung unter Bezugnahme auf
die bei psychischen Beeinträchtigungen massge
benden Standardindikatoren (vorstehend E. 1.2)
und ist entsprechend nachvoll
ziehbar begründet.
Insbesondere nahmen die Gutachter bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar und ausführlich Bezug auf die von ihnen erho
benen Ergebnisse fachgerechter Prüfung und Exploration und legten dar, auf
grund welcher Gründe die erhobenen Befunde das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers erheblich einschränken (vgl. vorstehend E. 1.4). So liegen aus
geprägte funktionelle Einschränkungen vor. Der Beschwerdeführer ist in der Fle
xibilität schwer eingeschränkt. In den Funktionen von Temperament und Persön
lichkeit, der psychischen Stabilität, des Selbstvertrauens und der Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen sowie hinsichtlich der Anpassungsfähigkeit und der Belastbarkeit
ist er
zumindest mittelgradig beeinträchtigt. Dies führe dazu, dass der Versicherte «um sich kreise» und sich nicht in einen Arbeitsprozess ein
fügen könne. Erschwerend komme eine «Gefühlsblindheit» hinzu, welche einen deutlich limitierenden Faktor in der Behandlung darstelle. Aus psychiatrischer Sicht bedürfe es vorhergehend einer gewissen Stabilisierung und psychischen Vorbereitung, um eine weitere Dekompensation der Gesamtsituation bestmöglich zu verhindern (vgl. vorstehend E. 4.10).
Das Gutachten erfüllt somit alle her
kömmlichen (vorstehend E. 1.5) und auch die im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens (vorstehend E. 1.5) zu beachtenden Anforderungen vollum
fänglich, so dass darauf abzustellen ist.
6.3
Die Ausführungen seitens des RAD vermögen demgegenüber nicht zu überzeu
gen. Aus internistischer Sicht fehlt jede Auseinandersetzung damit, dass im Gut
achten eine Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht nur in sehr reduziertem Umfang als realisierbar erachtet wurde (vorstehend E. 4.4).
In der Beurteilung aus psychiatrischer Sicht
sodann
wurde darauf fokussiert, dass die Krankheitsentwicklung durch die im November 2015 erhaltene Kündigung ausgelöst wurde
,
und daraus sinngemäss geschlossen, es lägen keine krankheits
wertigen Einschränkungen vor, sondern
lediglich
solche aufgrund psychosozialer Belastungen. Dies verkennt, dass
es entscheidend auf
eine fachärztlich fundierte psychiatrische Diagnose
ankommt. Liegt eine solche vor, ist nicht massgebend, ob die psychische Beeinträchtigung anfänglich durch beispielsweise berufliche oder
familiäre Drucksituationen ausgelöst wurde (was sogar oft zutreffen dürfte), oder nicht.
Nicht nachvollziehbar ist schliesslich, dass aus psychiatrischer Sicht mit keinem Wort auf die Standardindikatoren Bezug genommen wurde. Wenn schon (dia
metral) vom eingeholten Gutachten abgewichen werden soll, wäre es unerlässlich, dass dies in Beachtung der rechtsprechungsgemässen Anforderungen an medizi
nische Beurteilungen begründet würde.
6.4
Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass gemäss dem von der Beschwerdegeg
nerin eingeholten Gutachten ab November 2015 eine volle Arbeitsunfähigkeit auch für angepasste Tätigkeiten besteht.
Angesichts der am 1
7.
Juli 2016 erfolgten Anmeldung besteht somit in Nachach
tung von
Art.
29
Abs.
1 und 3
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
ab
1.
Dezember 2016 Anspruch auf eine ganze Rente.
Mit dieser Feststellung ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die dagegen erhobene Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
7.2
Dem obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine Pro
zessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
2'800.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen ist.