Decision ID: 3b2d65c6-eafc-4bc3-b363-1e640950b4db
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
Die B._ AG ist Eigentümerin von Grundstück Nr. 001, Grundbuch
Z._. Nach dem geltenden Zonenplan der Politischen Gemeinde
Z._ ist das Grundstück keiner Nutzungszone zugewiesen, sondern
als hellgraue Fläche mit dem Hinweis "Verkehrsfläche aB (VF aB)"
ausgeschieden. Es umfasst etwa 730 m Bahngleise entlang des Zü-
richsees. Der überwiegende Teil der umliegenden Grundstücke befin-
det sich in der Landwirtschaftszone. Das Grundstück Nr. 001 ist ge-
mäss Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von na-
tionaler Bedeutung (BLN) Teil des BLN-Gebiets Nr. 1406 (Obersee).
B.
a) Mit Schreiben vom 2. Juli 2019 teilte die A._ AG der Politi-
schen Gemeinde Z._ mit, dass sie beabsichtige auf Grundstück
Nr. 001 eine Mobilfunkanlage zu erstellen. Gleichzeitig wurde die Mög-
lichkeit eingeräumt, innerhalb von vierzig Arbeitstagen Alternativstand-
orte innerhalb eines Radius von 200 m um die geplante Anlage anzu-
geben. Auf Nachfrage hin präzisierte die A._ AG mit E-Mail vom
9. Juli 2019 den geplanten Standort.
b) Mit Schreiben vom 12. Juli 2019 teilte die Bau- und Umweltkom-
mission der Politischen Gemeinde Z._ (im Folgenden: BUK) der
A._ AG mit, dass der Standort abgelehnt werde, da er sich im BLN-
Gebiet Nr. 1406 befinde. Ein Alternativstandort innerhalb von 200 m
könne nicht bezeichnet werden, da sich in der unmittelbaren Umge-
bung alle Liegenschaften ausserhalb der Bauzone befinden würden.
c) Mit Schreiben vom 31. Juli 2019 hielt die A._ AG am ursprüng-
lichen Standort fest. Mit Schreiben vom 14. August 2019 wiederholte
die BUK, dass am fraglichen Standort keine Bewilligung in Aussicht
gestellt werden könne.
d) Mit Baugesuch vom 28. Oktober 2019 beantragte die A._ AG
bei der BUK die Baubewilligung für den Neubau der 10 m hohen Mo-
bilfunkantenne am ursprünglich geplanten Standort neben den Bahn-
gleisen.
e) Mit Schreiben vom 20. November 2019 teilte die B._ AG der
BUK mit, dass sie dem Bauvorhaben gemäss Art. 18m Abs. 1 des eid-
genössischen Eisenbahngesetzes (SR 742.101; abgekürzt EBG) un-
ter Auflagen und Bedingungen zustimme.
f) Mit Schreiben vom 11. Dezember 2019 teilte das Amt für Umwelt
(AFU) der BUK mit, dass die im Standortdatenblatt vom 30. Oktober
2019 ausgewiesenen Berechnungen korrekt und vollständig seien. Für
die Orte mit empfindlicher Nutzung (abgekürzt OMEN) Nrn. 3 und 4
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 46/2020) Seite 3/10
werde der Anlagegrenzwert nach der Berechnung zu 80% ausge-
schöpft, so dass eine Abnahmemessung verlangt werden könne. Der
Radius für den Umkreis der Einspracheberechtigten betrage 707 m.
g) Mit Beschluss vom 24. Februar 2020 verweigerte die BUK die
Durchführung des Anzeige- und Auflageverfahrens und forderte die
A._ AG auf, einen anderen Standort zu evaluieren. Die BUK begrün-
dete den Beschluss damit, dass sich die geplante Mobilfunkanlage im
Perimeter des BLN-Gebiets Nr. 1406 (Obersee) befinde. Eines der
Schutzziele sei die Erhaltung der See- und Uferlandschaft. Die ge-
plante Mobilfunkanlage beeinträchtige dieses Schutzziel massiv. So-
dann befänden sich in der Nähe zwei Kulturobjekte von kantonaler Be-
deutung (Bahnhofsgebäude Vers.-Nr. 002 und Stellwerkgebäude
Vers.-Nr. 003 des ehemaligen Bahnhofs C._). Darüber hinaus sei
nicht nachgewiesen, dass eine Deckungs- und Kapazitätslücke be-
stehe, die nicht in genügender Weise innerhalb der Bauzone beseitigt
werden könne.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob die A._ AG, vertreten durch lic.iur.
Lorenzo Marazzotta, Rechtsanwalt, Zürich, mit Schreiben vom
13. März 2020 Rekurs beim Baudepartement. Es werden folgende An-
träge gestellt:
1. Der Beschluss der Bau- und Umweltkommission vom
24. Februar 2020 betreffend Neubau Mobilfunkanlage auf dem Grundstück Nr. 001 sei aufzuheben;
2. Die Rekursgegnerin sei anzuweisen, das Baugesuch betreffend Neubau Mobilfunkanlage auf dem  Nr. 001 zu behandeln bzw. zu bewilligen;
3. Es sei ein Augenschein durchzuführen;
4. Die Vernehmlassung sei der Rekurrentin zur  bzw. Kenntnisnahme zuzustellen;
unter Kosten und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Rekursgegnerin.
Zur Begründung wird geltend gemacht, dass die geplante Mobilfunk-
anlage die Schutzziele des BLN-Gebiets Nr. 1406 nicht beeinträchtige.
Entlang des Obersees verlaufe das Bahntrasse der B._ AG. Ent-
sprechend sei das BLN-Gebiet bereits durch die Infrastrukturbauten
der B._ AG beeinträchtigt. Die geplante Mobilfunkanlage käme im
Nahbereich der bereits bestehenden Infrastrukturbauten zu liegen. Die
Mobilfunkanlage sei mit 10 m gleich hoch wie die bestehenden Fahr-
leitungsmasten. Nur der Blitzfangstab rage über 10 m hinaus. Die Mo-
bilfunkanlage sei erforderlich, um die Bahnstrecke zwischen den
Bauzonen abzudecken. Die kommunalen Baubehörden dürften einen
Bedürfnisnachweis nicht verlangen, da sich das Bauvorhaben aus-
serhalb der Bauzone befinde, weshalb ohnehin die kantonale Behörde
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 46/2020) Seite 4/10
zuständig sei. Zwischen der geplanten Mobilfunkanlage und den ge-
nannten Kulturschutzobjekten beim Bahnhof C._ bestehe eine Dis-
tanz von 200 m. Ein optischer Bezug sei bereits von vornherein aus-
geschlossen.
D.
Mit Vernehmlassung vom 22. April 2020 hält die Vorinstanz an ihrem
Entscheid fest.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
In formeller Hinsicht beantragt die Rekurrentin die Durchführung eines
Augenscheins.
2.1 Nach Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr
beauftragte Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Be-
weise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten, Auskunfts-
personen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten
und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeig-
nete Weise. Der Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrneh-
mung von Tatsachen durch die entscheidende Instanz. Ob ein Augen-
schein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der urtei-
lenden Instanz. Ergibt sich eine Tatsache zweifelsfrei aus den Akten,
so braucht sie nicht durch einen Augenschein überprüft zu werden
(CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gallen –
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl.,
St.Gallen 2003, Rz. 966; B. MÄRKLI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Praxis-
kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRP), Zü-
rich/St.Gallen 2020, Art. 12 N 50 ff.).
2.2 Die entscheidenden tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich
vorliegend vollständig aus den Baugesuchsakten und -plänen, den üb-
rigen Verfahrensakten sowie dem öffentlich zugänglichen Geoportal
(www.geoportal.ch). Die im Rekurs aufgeworfenen Fragen betreffen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 46/2020) Seite 5/10
vorab das Verfahrensrecht. Der Antrag auf Durchführung eines Au-
genscheins ist deshalb abzulehnen.
3.
Der Rekurrentin beantragt, die Vorinstanz sei anzuweisen, das Bau-
gesuch zu behandeln bzw. zu bewilligen. Folglich ist vorab zu prüfen,
ob die Vorinstanz überhaupt über das Baugesuch befinden durfte,
ohne vorgängig das Baubewilligungsverfahren samt Bekanntmachung
und Auflageverfahren nach Art. 139 des Planungs- und Baugesetzes
(sGS 731.1; abgekürzt PBG) durchgeführt zu haben.
3.1 Das Baugesuch ist der an die zuständige Behörde gerichtete
Antrag, das in den Baugesuchsunterlagen umschriebene Bauprojekt
aufgrund der öffentlichen Bauvorschriften sowie weiterer zu beachten-
der öffentlich-rechtlicher Normen zu prüfen und nach Massgabe des
Ergebnisses dieser Prüfung die Bewilligung zur Bauausführung zu er-
teilen. Nach ständiger Rechtsprechung ist es allein der Baugesuch-
steller, der mit seiner Eingabe den Umfang eines Baugesuchs be-
stimmt (Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2012/IV/6;
GVP 1998 Nr. 9 mit Hinweisen). Damit ist es auch allein der Bauge-
suchsteller, der mit der Einreichung des Baugesuchs (mittels ausge-
fülltem Baugesuchsformular) die Durchführung des Baubewilligungs-
verfahrens beantragt und dieses damit auslöst.
3.2 Es liegt nicht in der Kompetenz der Baubewilligungsbehörde,
darüber zu befinden, ob sie ein Baubewilligungsverfahren einleitet
oder nicht. Vielmehr ist es ihre Pflicht, ein solches durchzuführen,
wenn es von einem Bauwilligen ausdrücklich beantragt wird, indem er
ein Baugesuch einreicht. Die Durchführung des förmlichen Verfahrens
kann einzig dann unterlassen werden, wenn die Baugesuchsunterla-
gen unvollständig sind und der Baugesuchsteller trotz Aufforderung
nicht bereit ist, das Gesuch zu vervollständigen; diesfalls tritt die Be-
willigungsbehörde auf das Baugesuch nicht ein (Art. 21 Abs. 3 der
Verordnung zum Planungs- und Baugesetz [sGS 731.11; abgekürzt
PBV]). Im ordentlichen Baubewilligungsverfahren (Art. 138 f. PBG) ist
somit von Gesetzes wegen vor dem Entscheid der Bewilligungsbe-
hörde stets – und zwar ausnahmslos – das Auflage- und Einsprache-
verfahren durchzuführen (Baudepartement SG, Juristische Mitteilun-
gen 2018/IV/6).
3.3 Durch den Verzicht auf die Bekanntmachung und das Auflage-
verfahren hatten die vom Vorhaben betroffenen Anstösser keine Ge-
legenheit, zum Baugesuch Stellung zu nehmen und allenfalls Einspra-
che zu erheben. Darüber hinaus war es der Bewilligungsbehörde so
auch nicht möglich, die ihr aufgrund von Art. 157 Abs. 1 PBG oblie-
gende Verpflichtung zu erfüllen, über allfällige öffentlich-rechtliche Ein-
sprachen gleichzeitig mit der Erteilung oder Ablehnung der Baubewil-
ligung zu entscheiden. Auch aus Gründen der Verfahrensökonomie ist
die Durchführung des ordentlichen Baubewilligungsverfahrens im Üb-
rigen zwingend. Sollte sich nämlich im Rekursverfahren herausstellen,
dass die durch die Vorinstanz angeführten Gründe für die Ablehnung
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 46/2020) Seite 6/10
eines Baugesuchs nicht ausreichen, müsste die Streitsache zur nach-
träglichen Durchführung des Anzeige- und Auflageverfahrens an die
Bewilligungsbehörde zurückgewiesen werden, damit die betroffenen
Anstösser ihre Interessen wahren können. Dies hätte zur Folge, dass
in der gleichen Angelegenheit mehrere Rechtsmittelverfahren mit un-
terschiedlich grossem Beteiligtenkreis durchgeführt werden müssten.
3.4 Daran ändert auch die Bestimmung der Verfahrenskoordination
nichts, wonach die politische Gemeinde das Gesuch im Rahmen ihrer
Zuständigkeit abweist, wenn die Baute oder die Anlage offensichtlich
nicht bewilligt werden kann (Art. 133 Abs. 1 Bst. b PBG). Bei den
Art. 132 und 133 PBG handelt es sich ausschliesslich um Verfahrens-
vorschriften für die Koordination von Baubewilligungsverfahren, in de-
nen eine oder mehrere kantonale Stellen und eine politische Ge-
meinde ihre Bewilligungen in einer Angelegenheit aufeinander abzu-
stimmen haben. Diese Bestimmungen haben mit dem in den Art. 138
f. PBG geregelten ordentlichen Baubewilligungsverfahren von vorher-
ein nichts zu tun. Will eine Bewilligungsbehörde eine offensichtlich
nicht bewilligungsfähige Baute oder Anlage im Rahmen ihrer eigenen
Zuständigkeit abweisen, bedeutet das lediglich, dass sie es nicht an
die federführende kantonale Stelle weiter zu leiten braucht. Sie müsste
das Gesuch vor ihrem Entscheid aber trotzdem dem Auflage- und Ein-
spracheverfahren unterstellen (Baudepartement SG, Juristische Mit-
teilungen 2018/IV/6).
3.5 Indem die Vorinstanz von der Durchführung des Baubewilli-
gungsverfahrens nach Art. 139 PBG absah, beging sie bei der Bauge-
suchsbehandlung einen schwerwiegenden Verfahrensfehler. Dieser
kann im Rekursverfahren nicht geheilt werden (Baudepartement SG,
Juristische Mitteilungen 2018/IV/6). Bereits aus diesem Grund ist der
angefochtene Beschluss vom 24. Februar 2020 aufzuheben und die
Angelegenheit zur Durchführung des ordentlichen Baubewilligungs-
verfahrens und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen.
4.
Der Standort der geplanten Mobilfunkanlage befindet sich ausserhalb
der Bauzone. Bei Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone entscheidet
die zuständige kantonale Stelle über die Zonenkonformität bzw. über
die Erteilung einer Ausnahmebewilligung (Art. 25 Abs. 2 des eidgenös-
sischen Raumplanungsgesetzes [SR 700; abgekürzt RPG]). Das Amt
für Raumentwicklung und Geoinformation (AREG) ist im Kanton
St.Gallen die zuständige Stelle im Sinn von Art. 25 Abs. 2 RPG
(Art. 112 PBG i.V.m. Art. 9 PBV). Die Vorinstanz hat die Durchführung
des Auflage- und Einspracheverfahrens – und damit auch die Weiter-
leitung des Gesuchs ans AREG – unterlassen, da das Bauvorhaben
mit den Schutzzielen des BLN-Gebiets Nr. 1406 (Obersee) nicht ver-
einbar sei, Kulturobjekte kantonaler Bedeutung beeinträchtigt würden
und der Bedarf für eine Mobilfunkanlage nicht nachgewiesen sei. Es
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 46/2020) Seite 7/10
bleibt – insbesondere im Hinblick auf das noch durchzuführende Bau-
gesuchsverfahren – zu prüfen, ob die unterlassene Weiterleitung ans
AREG zulässig war.
4.1 Wie oben dargelegt, kann die politische Gemeinde nach Art. 133
Abs. 1 Bst. b PBG das Gesuch für eine offensichtlich nicht bewilli-
gungsfähige Baute oder Anlage im Rahmen ihrer eigenen Zuständig-
keit abweisen. In diesem Fall kann die Weiterleitung an die federfüh-
rende kantonale Stelle unterbleiben. Die Abweisung setzt jedoch vo-
raus, dass die Baute oder Anlage einerseits offensichtlich nicht bewil-
ligt werden kann und anderseits, dass der politischen Gemeinde bei
der Beurteilung dieser Frage eigene Verfügungskompetenz zukommt.
4.1.1 Unabdingbare Voraussetzung für die Verweigerung einer Bau-
bewilligung ohne eine weitergehende, umfassende materielle Beurtei-
lung ist das Vorhandensein eines offensichtlichen "Killers". Ein solcher
ist beispielsweise gegeben, wenn eine Baute ein baureglementarisch
festgelegtes Mass nicht einhält und die Erteilung einer Ausnahmebe-
willigung offensichtlich nicht in Frage kommt. Kein "Killer" liegt dage-
gen vor, wenn der Baubewilligungsbehörde bei der zu prüfenden öf-
fentlichrechtlichen Bestimmung ein weiter Beurteilungsspielraum zu-
steht, beispielsweise bei der Frage, ob ein Vorhaben verunstaltend ist
(vgl. BDE Nr. 40/2007 vom 3. Dezember 2007 Erw. 5.2) oder ob ein
Bauvorhaben sich gut in ein Landschaftsschutzgebiet einpasst (BDE
Nr. 65/2014 vom 28. August 2014 Erw. 2.7.1). Die Vereinbarkeit eines
Bauvorhabens mit den Schutzzielen eines BLN-Gebiets sowie die Be-
einträchtigung von Schutzobjekten kann von vornherein kein "Killer"
im Sinn von Art. 133 Abs. 1 Bst. b PBG sein. Von einem offensichtlich
nicht bewilligungsfähigen Bauvorhaben kann deshalb keine Rede
sein.
4.1.2 Hinzu kommt, dass der Vorinstanz für die Beurteilung dieser
Fragen ohnehin keine eigene Verfügungskompetenz zusteht. Bei Bau-
vorhaben ausserhalb der Bauzone entscheidet die zuständige kanto-
nale Stelle über die Zonenkonformität bzw. über die Erteilung einer
Ausnahmebewilligung. Mobilfunkanlagen gehören zur Infrastruktur für
die Bauzonen und sind daher grundsätzlich im Baugebiet selbst unter-
zubringen. Ausnahmsweise können sie ausserhalb der Bauzone als
standortgebunden im Sinn von Art. 24 RPG erstellt werden. Dies setzt
voraus, dass der Zweck der Bauten und Anlagen einen Standort aus-
serhalb der Bauzonen erfordert (Bst. a) und dass keine überwiegen-
den Interessen entgegenstehen (Bst. b). Die Aufzählung von Art. 24
Bst. a und b RPG meint, dass beide genannten Voraussetzungen ku-
mulativ zu erfüllen sind: Selbst wenn eine Baute oder Anlage an einem
konkreten Standort offensichtlich als standortgebunden gelten darf,
muss die Ausnahmebewilligung verweigert werden, wenn dem Bau-
vorhaben überwiegende Interessen entgegenstehen. In der Praxis er-
fordert bereits der Entscheid, ob eine Anlage standortgebunden ist,
eine Interessenabwägung, denn erforderlich sind besonders wichtige
und objektive Gründe, die einen Standort ausserhalb der Bauzone als
viel vorteilhafter erscheinen lassen. Sinnvollerweise werden daher die
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 46/2020) Seite 8/10
Anforderungen der Standortgebundenheit sowie fehlende entgegen-
stehender Interessen in einer einzigen, umfassenden Standortevalua-
tion und Interessenabwägung geprüft. Einzubeziehen und zu gewich-
ten sind sämtliche für den Entscheid relevanten öffentlichen und pri-
vaten Interessen. Die öffentlichen Interessen werden unter anderem
durch die Planungsziele und -grundsätze der Art. 1 und 3 RPG, die
Normen des Umweltrechts und des Natur- und Heimatschutzes kon-
kretisiert (MUGGLI, in: Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der
Bauzone, Zürich/Basel/Genf 2017, Art. 24 N 20 f). Die Vorinstanz be-
streitet im angefochtenen Entscheid, dass ein Bedarf für eine neue
Mobilfunkanlage bestehe. Die Erforderlichkeit einer neuen Anlage hat
jedoch nicht die politische Gemeinde, sondern das AREG als zustän-
dige kantonale Stelle im Rahmen der Interessenabwägung nach
Art. 24 RPG zu beurteilen. Bei der Gesamtbeurteilung hat das AREG
auch die öffentlichen Interessen in Zusammenhang mit der Erhaltung
des BLN-Gebiets Nr. 1406 (Obersee) und der Kulturobjekte beim
Bahnhof Bollingen zu berücksichtigen. Die von der Vorinstanz im an-
gefochtenen Entscheid vorgebrachten Gründe für die Weigerung zur
Durchführung des Auflage- und Einspracheverfahrens liegen somit
auch ausserhalb ihrer Verfügungskompetenz.
4.2 Vor diesem Hintergrund ergibt sich, dass die Vorinstanz das
Baugesuch nicht im Rahmen ihrer Zuständigkeit hätte abweisen dür-
fen. Entsprechend hätte die Vorinstanz das Gesuch dem AREG als
federführende Stelle zur Behandlung weiterleiten müssen.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschluss der Vorinstanz
vom 24. Februar 2020 infolge von Verfahrensfehlern aufzuheben ist.
Die Streitsache ist zur unverzüglichen Durchführung des ordentlichen
Baubewilligungsverfahrens und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Der Rekurs erweist sich damit als begründet und ist
im Sinn der Erwägungen gutzuheissen.
6.
6.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die
amtlichen Kosten der Politischen Gemeinde Z._ aufzuerlegen. Auf
deren Erhebung wird – in Abkehr von der in Art. 95 Abs. 3 VRP
formulierten Regel – nicht verzichtet, weil die Vorinstanz mit ihrem
Vorgehen gegen elementare Verfahrensvorschriften des
Baubewilligungsverfahrens verstossen hat.
6.2 Der vom Rechtsvertreter der Rekurrentin am 19. März 2020 ge-
leistete Kostenvorschuss von Fr. 1'800.– ist zurück zu erstatten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 46/2020) Seite 9/10
7.
Die Rekurrentin stellt ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen
Kosten.
7.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
7.2 Die Rekurrentin obsiegt mit ihren Anträgen. Da das Verfahren
zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot,
die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-
sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis
VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche Entschä-
digung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der Hono-
rarordnung (sGS 963.75) ermessensweise auf Fr. 2'750.– festzulegen.
Weil die zu entschädigende Rekurrentin selber mehrwertsteuerpflich-
tig ist, kann sie die der Honorarrechnung ihres Anwalts belastete Mehr-
wertsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld abziehen, ohne dass ihr
dadurch eine Mehrbelastung entsteht. Daher muss die Mehrwert-
steuer bei der Bemessung der ausseramtlichen Entschädigung nicht
zusätzlich berücksichtigt werden (R. HIRT, Die Regelung der Kosten
nach st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.Gallen
2004, S. 194). Die Entschädigung ist von der Politischen Gemeinde
Z._ zu bezahlen.