Decision ID: 41280335-0393-4675-a094-6b1050689209
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. absolvierte im Schuljahr 2013/2014 an der Pädagogischen Hochschule
St. Gallen das erste und das zweite Semester des Bachelor-/Master-Studienganges
Sekundarstufe I. Ihr Lehrgang umfasste in diesen beiden Semestern unter anderem das
Modul "Curriculares Wissen Bewegung und Sport I" (CW I; act. 11/7a-2/3). Im
Frühjahrssemester 2014 wurden für dieses Modul zwölf Lehrveranstaltungen
durchgeführt (CW Ib; act. 11/7a-1/5 Beilage 3). X.Y. fehlte in den Doppellektionen vom
28. Februar und vom 7. März 2014 ohne vorgängige Abmeldung und ohne Angabe von
Gründen (act. 11/7a-5/7), für die – letzte – Doppellektion vom 23. Mai 2014
entschuldigte sie sich mit einem eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit bestätigenden
Arztzeugnis (act. 11/7a-5/6). Die Dozentin teilte ihr am 23. Mai 2014 mit, sie habe die
"Präsenz" nicht erfüllt und müsse – um das Präsenztestat für das Modul zu erlangen –
bis zum 1. Juli 2014 eine Kompensationsarbeit bestehen. Auf dem Merkblatt zum
Kompensationsauftrag wurden die Betroffenen aufgefordert, das Dossier bis zum 1.
Juli 2014 der Dozentin abzugeben (act. 11/7a-2/4).
Am 3. Juli 2014 teilte die Dozentin X.Y. per E-Mail mit, die Kompensationsarbeit sei
weder in schriftlicher noch in elektronischer Form eingegangen und sie müsse deshalb
das Präsenztestat auf "nicht besucht" stellen. X.Y. antwortete gleichentags ebenfalls
per E-Mail. Sie führte aus, sie habe ihre Kompensationsarbeit per Post geschickt. Da
sie nichts gehört habe, sei sie davon ausgegangen, das gehe in Ordnung. Gleichzeitig
übermittelte sie die Arbeit in elektronischer Form (act. 11/7a-2/13). Ebenfalls am 3. Juli
2014 teilte der Leiter Studienorganisation Sekundarstufe I X.Y. per E-Mail mit, sie
könne zu den Zwischenprüfungen am Ende des ersten Ausbildungsjahres nicht
zugelassen werden, weil sie das Präsenztestat in Bewegung und Sport nicht erhalten
werde; daher müsse sie ein Zwischenjahr einschalten (act. 11/7a-2/7). X.Y. liess ihm
gleichentags durch ihren Vertreter mitteilen, sie habe die geforderte sportmotorische
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Hausaufgabe vom 3.-17. Juni 2014 erfüllt, es aber versäumt, das am 30. Juni 2014 zur
Post gebrachte Dokument mit eingeschriebener Post zu versenden (act. 11/7a-2/15).
Am 10. Juli 2014 verfügte der Prorektor Sekundarstufe I und II die Nichtzulassung von
X.Y. zur Zwischenprüfung 2014 (act. 11/7a-2/2).
X.Y. wandte sich gegen diese Verfügung an die Rekurskommission der Pädagogischen
Hochschule St. Gallen. Deren Präsident liess sie vorsorglich zu den
Zwischenprüfungen zu; die Ergebnisse wurden ihr bisher nicht eröffnet. Das
Rechtsmittel wurde am 24. September 2014 abgewiesen. Der Rat der Pädagogischen
Hochschule St. Gallen wies den von X.Y. gegen diesen Entscheid erhobenen Rekurs
am 12. Dezember 2014 ab. Wegen zeitlicher Dringlichkeit entschied der Präsident für
die Kollegialbehörde, die erst am 15. März 2015 wieder zu einer Sitzung zusammentrat.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, im Modul CW I habe
entsprechend einem Pilotprojekt eine Präsenzpflicht von mindestens 80 Prozent der
Lektionen ohne Unterscheidung zwischen entschuldigten und unentschuldigten
Absenzen gegolten. Nachdem X.Y. das Kontingent mit den Abwesenheiten vom 28.
Februar und 7. März 2014 ausgeschöpft habe, habe sie die Präsenzpflicht am 23. Mai
2014 nicht mehr mit der Entschuldigung mittels Arztzeugnisses erfüllen können.
Deshalb habe von ihr eine Kompensationsarbeit verlangt werden dürfen. Dass sie diese
Arbeit fristgerecht spätestens am 1. Juli 2014 eingereicht habe, könne sie nicht
belegen. Es sei nicht überspitzt formalistisch, die elektronische Einreichung am 3. Juli
2014 als verspätet nicht mehr zu berücksichtigen. Die Dozentin habe auch das Gebot
der rechtsgleichen Behandlung nicht verletzt, wenn ein Kommilitone, der seine Arbeit
rechtzeitig eingereicht hatte, Gelegenheit erhielt, innerhalb der noch offenen Frist
Testresultate nachzureichen.
B. X.Y. (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid des Rates der
Pädagogischen Hochschule St. Gallen (Vorinstanz) vom 12. Dezember 2014 mit
Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 24. Dezember 2014 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Beschwerdeführerin nachträglich
zu den Zwischenprüfungen vom August 2014 zuzulassen; es sei ihr zu erlauben, im
Sommer 2015 die im August 2014 allenfalls nicht bestandenen Prüfungen zu
wiederholen. Die Vorinstanz beantragte am 9. Februar 2015 die Abweisung der
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Beschwerde unter Kostenfolge. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur

Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(sGS 951.1, VRP) beurteilt das Verwaltungsgericht unter anderem Beschwerden gegen
Entscheide des Rates der Pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen. In
Fällen, die keinen Aufschub gestatten und in denen die Gesamtbehörde nicht
rechtzeitig einberufen werden kann, verfügt gemäss Art. 23 Abs. 1 VRP der Vorsitzende
an deren Stelle (Abs. 1); er hat in der nächsten Sitzung der Gesamtbehörde darüber zu
berichten (Abs. 2). Das Verwaltungsgericht ist deshalb sachlich auch zur Überprüfung
des Entscheides des Präsidenten der Vorinstanz vom 12. Dezember 2014 unmittelbar
zuständig. Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Entscheides,
mit welchem ihre Nichtzulassung zu den Zwischenprüfungen im Herbst 2014 bestätigt
wurde, zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 24. Dezember 2014 rechtzeitig erhoben
und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin beantragt eine öffentliche mündliche Verhandlung.
Gemäss Art. 55 Abs. 1 VRP wird eine mündliche Verhandlung angeordnet, wenn sie zur
Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Gemäss Art. 6
Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) hat jede Person ein Recht darauf, dass Streitigkeiten
in Bezug auf zivilrechtliche Ansprüche öffentlich verhandelt werden. Verfahren über
Schul- und Hochschulprüfungen und juristische Staatsexamen fallen nach der
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nicht in den
Anwendungsbereich von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (vgl. J. Meyer-Ladewig, EMRK
Handkommentar, 3. Aufl. 2011, N 18 zu Art. 6 EMRK mit Hinweis auf EGMR 20027/02
vom 11. Januar 2007, Herbst/Deutschland). Auch nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung betreffen Prüfungsentscheide grundsätzlich keine zivilrechtlichen
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Streitigkeiten im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK, jedenfalls soweit sie nicht der Erlaubnis
oder Verweigerung zur Ausübung eines bestimmten Berufs gleichkommen (vgl. BGE
131 I 467 E. 2.7 mit weiteren Hinweisen). Ebenso wenig lässt sich aus Art. 30 Abs. 3
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) ein
solcher Anspruch ableiten, und zwar selbst dann nicht, wenn es um die Zulassung zu
oder den Ausschluss aus einer öffentlichen Bildungseinrichtung geht (vgl. BGE 128 I
288 E. 2.7). Was für Prüfungsentscheide und die Zulassung zu oder den Ausschluss
aus einer öffentlichen Bildungseinrichtung gilt, muss umso mehr auch für die Frage der
Testaterteilung im besonderen Rechtsverhältnis, in welchem Studierende zu einer
öffentlichen Bildungseinrichtung stehen, gelten. Nachdem die Beschwerdeführerin sich
in zwei Rekursverfahren und im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht
ausführlich schriftlich äussern konnte, die Darstellung des relevanten Sachverhalts als
unumstritten erscheint, jedoch dessen rechtliche Würdigung umstritten ist, und die
Dozentin, welche der Beschwerdeführerin das Testat nicht erteilte, nicht als Vertreterin
der Vorinstanz teilnehmen würde, ist auch nicht ersichtlich, inwieweit eine mündliche
Verhandlung im Hinblick auf die Entscheidung als zweckmässig erscheinen würde.
3. In der Sache sind sich die Verfahrensbeteiligten vorab nicht einig, ob die
Beschwerdeführerin die Präsenzpflicht im Modul CW I erfüllt hat und ihr deshalb das
Testat ohne Leistung einer Kompensationsarbeit zu erteilen ist.
3.1. In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass das Modul CW Ib im
Frühjahrssemester 2014 gemäss Semesterplan zwölf Lehrveranstaltungen in der Form
von Doppellektionen umfasste (act. 11/7a-5 Beilage 3) und die Beschwerdeführerin an
dreien – nämlich am 28. Februar, am 7. März und am 23. Mai 2014 – fehlte (act.
11/7a-5 Beilage 7). Unbestritten ist sodann, dass die Beschwerdeführerin sich für die
Veranstaltungen vom 28. Februar und vom 7. März 2014 weder vorgängig abmeldete
noch nachträglich die Abwesenheiten gegenüber der Dozentin begründete (vgl. E-Mail
vom 14. März 2014 an die Dozentin; act. 11/7a-2/5) und für die Absenz vom 23. Mai
2014 kurz nach Schluss der Lektion mit einem ärztlichen Zeugnis, das ihr für jenen Tag
eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit bescheinigte (act. 11/7a-5 Beilage 6), persönlich
entschuldigte (act. 11/7a-5 Beilage 1). Die Verfahrensbeteiligten sind sich
dementsprechend einig, dass die Beschwerdeführerin im Frühjahrssemester 2014
weniger als 80 Prozent der Lehrveranstaltungen des Moduls CW Ib besuchte.
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3.2. Die Verfahrensbeteiligten sind sich über die rechtlichen Auswirkungen dieser
Tatsache nicht einig. Zu klären ist deshalb, wie die Anwesenheitspflicht für das Modul
CW Ib im Frühjahrssemester 2014 geregelt war (dazu nachfolgend Erwägungen 3.2.1
und 3.2.2) und unter welchen Umständen die Erteilung des Testats von einer
Kompensationsarbeit abhängig gemacht werden durfte (dazu nachfolgend Erwägungen
3.2.3 und 3.2.4).
3.2.1. Der Kanton St. Gallen führt die Pädagogische Hochschule als öffentlich-
rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit und dem Recht der
Selbstverwaltung (vgl. Art. 1 des Gesetzes über die Pädagogische Hochschule St.
Gallen; sGS 216.0, GPHSG). Der Rat der Hochschule erlässt zur Regelung der Rechte
und Pflichten der Angehörigen der Hochschule ein Statut (vgl. Art. 4 Abs. 1 Ingress und
lit. c, Art. 14 Abs. 2 Ingress und lit. a GPHSG). Der Studienbetrieb wird durch die
ebenfalls vom Rat erlassene Studienordnung und Studienpläne, welche die
Lehrveranstaltungen, die in den Studiengängen zu besuchen sind, festlegen, geregelt
(Art. 5 GPHSG, Art. 29 Abs. 1 des Statuts der Pädagogischen Hochschule St. Gallen,
sGS 216.15, Statut PHSG; Art. 12 Abs. 1 der Studienordnung der Pädagogischen
Hochschule St. Gallen, sGS 216.14, Studienordnung PHSG).
Zur Zwischenprüfung wird zugelassen, wer die verbindlichen Ausbildungsmodule der
ersten zwei Semester besucht hat (Art. 3 Ingress und lit. b des Reglements über die
Zwischenprüfung an der Pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen; sGS
216.24, Zwischenprüfungsreglement PHSG). Gemäss Art. 11 Studienordnung PHSG
wird die Zielerreichung in Modulen mit einem "Modulabschluss" überprüft (Abs. 1),
wobei dessen Erteilung vom Nachweis einer Präsenz abhängig gemacht werden kann
(Abs. 2). Das Rektorat erlässt weitere den Studien- und Prüfungsbetrieb betreffende
allgemeinverbindliche Vorschriften (Art. 40 Abs. 1 Ingress und lit. g Statut PHSG).
Gemäss Weisung "Absenzen und Urlaub" vom 19. Oktober 2010 (act. 11/1a-9) besteht
für die Studierenden grundsätzlich Anwesenheitspflicht. Dementsprechend wird
vollständige Anwesenheit erwartet. Urlaub, Krankheit, Unfall, aussergewöhnliche
persönliche und familiäre Situationen oder unverschiebbare ärztliche Termine gelten als
begründete Absenzen. Für die Handhabung der Absenzen und die Präsenzkontrolle
sind die Dozierenden verantwortlich. Sie informieren zu Beginn des Semesters über die
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in ihrer Veranstaltung geltenden Rahmenbedingungen und Richtlinien. Bei
Nichteinhalten prüfen sie im Gespräch die Abwesenheiten. Sie können das Modul als
"nicht bestanden" beurteilen oder Kompensationsarbeiten ermöglichen.
Der Leiter Studienorganisation Sekundarstufe I teilte den Studierenden per E-Mail am
13. Februar 2014 mit, die grundsätzliche Anwesenheitspflicht werde als Pilotprojekt im
Frühjahrssemester 2014 in bestimmten Modulen gelockert. Auch ohne Präsenzpflicht
seien Termine im Zusammenhang mit allen Formen von Leistungsnachweisen (Prüfung,
Vortrag usw.) einzuhalten. Die Weisungen zur Testaterteilung gälten weiterhin. Das
Fernbleiben erfolge auf eigenes Risiko. Die Dozierenden seien nicht verpflichtet, ihre
Veranstaltungen so zu gestalten, dass sie im Selbststudium gelernt werden könnten.
Dem E-Mail waren eine Modulübersicht und die Weisung "Absenzen und Urlaub" vom
19. Oktober 2010 angefügt. Für das Modul CW I galt eine Präsenzpflicht von 80
Prozent (act. 11/1a-3 mit Anhang Seite 13).
3.2.2. Entsprechend der klaren Formulierung im E-Mail vom 13. Februar 2014 sieht
das Pilotprojekt für das Modul CW Ib im Frühjahrssemester 2014 eine Lockerung der
Pflicht zur vollständigen Präsenz auf eine Anwesenheit während mindestens 80 Prozent
der Lehrveranstaltungen vor. Im Rahmen dieser reduzierten Präsenzpflicht sollten die
Regeln zur Testaterteilung gemäss der – dem Mail beigefügten – Weisung "Absenzen
und Urlaub" vom 19. Oktober 2010 weiterhin gelten. Daraus war zu schliessen, dass
die Unterscheidung zwischen begründeten (Urlaub, Krankheit, Unfall,
aussergewöhnliche persönliche und familiäre Situation [z.B. Krankheit der Kinder] oder
unverschiebbare ärztliche Termine) und unbegründeten Absenzen auch bei der
Nichterfüllung der reduzierten Präsenzpflicht für die Testaterteilung weiterhin von
Bedeutung sein konnte. Wäre mit dem Pilotprojekt ein Wechsel von der umfassenden
Anwesenheitspflicht mit der Möglichkeit, Absenzen zu entschuldigen, zu einer
unabhängig von den Gründen der Absenzen geltenden absoluten minimalen
Präsenzpflicht von 80 Prozent beabsichtigt gewesen, hätte dies unmissverständlich
klar gestellt werden müssen. Es hätte wohl auch nicht von einer Lockerung der
Präsenzpflicht gesprochen werden können, wenn gleichzeitig die Zulässigkeit
begründeter Absenzen ausgeschlossen worden wäre; die Präsenzpflicht hätten dann
nämlich – wenn auch in einem reduzierten Umfang – strikt erfüllt werden müssen. Der
Hinweis, das Fernbleiben erfolge auf eigenes Risiko, weist in die gleiche Richtung,
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denn er wurde mit der fehlenden Verpflichtung der Dozierenden, ihre Veranstaltungen
so zu gestalten, dass sie im Selbststudium gelernt werden könnten, begründet und
nicht etwa damit, dass nach dem Ausschöpfen des Abwesenheitskontingents auch
entschuldigte Absenzen die Erteilung des Testats ausschlössen. Sollten die Regeln der
Weisung, welche Absenzen als begründet gelten, im Pilotprojekt nicht mehr von Belang
sein, wäre zu erwarten gewesen, dass im Mail nicht ausdrücklich ausgeführt wird, die –
angefügte – Weisung zur Testaterteilung gelte weiterhin.
Insgesamt war das Pilotprojekt für das Modul CW I deshalb in diesem Sinn zu
verstehen, dass das Testat bei einer Präsenz während wenigstens 80 Prozent der
Lehrveranstaltungen – unabhängig der Gründe der Abwesenheiten – erteilt werden
musste. Die nicht erfüllte reduzierte Präsenzpflicht durfte angesichts der weiteren
Geltung der Weisung "Absenzen und Urlaub" vom 19. Oktober 2010 weder ohne
Weiteres zur Verweigerung des Testats führen noch verlangte sie zwingend die
Anordnung einer Kompensationsarbeit.
3.2.3. Daraus, dass die auf 80 Prozent herabgesetzte Präsenzpflicht und die Weisung
"Absenzen und Urlaub" vom 19. Oktober 2010 gleichzeitig gelten, leitet die
Beschwerdeführerin ab, es sei unzulässig gewesen, die Erteilung des Testats von einer
Kompensationsarbeit abhängig zu machen. Aus Ziffer II/1 Satz 2 der Weisung ergebe
sich, dass die Präsenzpflicht als erfüllt gelte, soweit Absenzen mit Urlaub, Krankheit,
Unfall, aussergewöhnlichen persönlichen und familiären Situationen (z.B. Krankheit der
Kinder) oder unverschiebbaren ärztlichen Terminen begründet seien. Erst bei gehäuften
kumulierten Abwesenheiten (Urlaub, Absenzen) könne das Testat verweigert werden.
Deshalb sei es unzulässig, die Erteilung des Testats bei begründeten Abwesenheiten
von einer Kompensationsarbeit abhängig zu machen.
Auch die Weisung setzt allerdings Anwesenheit und begründete Abwesenheit nicht
gleich. Vielmehr sind bei der Nichteinhaltung der Präsenzpflicht für die Testaterteilung
die Abwesenheiten zu prüfen. Deshalb kann die Beschwerdeführerin daraus, dass sie
die dritte Abwesenheit mit einem Arztzeugnis, welches ihr für den fraglichen Tag eine
100-prozentige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, nicht ableiten, das Testat müsse ihr –
weil sie die Präsenzpflicht erfüllt habe – ohne die Leistung einer Kompensationsarbeit
erteilt werden.
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3.2.4. Gemäss der auch im Rahmen des Pilotprojekts gültigen Weisung "Absenzen
und Urlaub" vom 19. Oktober 2010 sind die Dozierenden verantwortlich für die
Handhabung der Absenzen und die Präsenzkontrolle. Sie informieren zu Beginn über
die in ihrer Veranstaltung geltenden Rahmenbedingungen und Richtlinien. Im
Semesterplan zum Modul CW Ib des Frühjahrssemesters 2014 wurde unter dem
Stichwort "Präsenztestat" ausgeführt: "Präsenzpflicht min. 10 Doppellektionen und
aktive Teilnahme" (act. 11/7a-5 Beilage 3). Umso mehr als auf die Möglichkeit der
Kompensationsarbeit nicht hingewiesen wurde, mussten die Studierenden einerseits
nicht schliessen, das Präsenztestat werde bei einer unter 80 Prozent liegenden
Anwesenheit in jedem Fall verweigert; anderseits ergab sich daraus aber auch nicht,
dass das Testat ohne Kompensationsarbeit erteilt würde, wenn die über 20 Prozent
hinausgehenden Abwesenheiten begründet im Sinn von Ziffer II/1 der Weisung
"Absenzen und Urlaub" waren.
Welche Folgen Absenzen bei Nichteinhaltung der Präsenzpflicht von 80 Prozent haben
sollten, lag damit auch im Pilotprojekt im Ermessen der Dozierenden. Den Rahmen für
die Ausübung des Ermessens gibt die Weisung vom 19. Oktober 2010 vor. Danach
können kumulierte Abwesenheiten (Urlaub, Absenzen) zur Testatverweigerung führen.
Bei Nichteinhalten der Präsenzpflicht prüft die Dozentin die Abwesenheiten mit dem
Studenten. Sie kann das Testat ohne Weiteres oder nach Leistung einer
Kompensationsarbeit erteilen oder das Modul als "nicht bestanden" beurteilen – das
heisst, das Testat verweigern. Für die Handhabung dieses Ermessens sind die
konkreten Umstände, also beispielsweise die Gründe der Absenzen, von Bedeutung.
Die Dozentin durfte deshalb – umso mehr als für die Vorbereitung von Sportunterricht
die Zahl der zu erwartenden Teilnehmenden anders als bei einer eigentlichen Vorlesung
von Belang ist – beispielsweise berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin ihre
unbegründeten beiden Abwesenheiten nicht vorgängig meldete, obwohl in den
Hinweisen zum Leistungsnachweis im Modul unter dem Titel "Präsenztestat"
ausdrücklich verlangt wurde, die Dozierenden der Fachrichtung Bewegung und Sport
seien bei Absenzen vorgängig per Mail zu informieren (act. 11/7a-5 Beilage 5). Ebenso
durfte sie bei ihrem Ermessensentscheid berücksichtigen, dass die
Beschwerdeführerin die dritte Absenz am 23. Mai 2014 mit einem Arztzeugnis belegte,
welches sie trotz für diesen Tag bescheinigter vollständiger Arbeitsunfähigkeit kurz
nach Ende der Lektion persönlich überbrachte. Ausgehend von den Ausführungen der
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Beschwerdeführerin zum "Missgeschick", welches ihr am Morgen des 23. Mai 2014
zustiess, wäre die zutreffende Begründung der Abwesenheit wohl nicht die
Bescheinigung einer 100-prozentigen Arbeitsunfähigkeit für diesen Tag gewesen,
sondern der gerechtfertigte nicht verschiebbare Arztbesuch während der
Doppellektion. Ob die Dozentin ihr Ermessen dann unterschritte, wenn sie generell und
unabhängig der konkreten Gründe der Abwesenheiten bei einer Präsenz von weniger
als 80 Prozent die Erteilung des Testats von einer Kompensationsarbeit abhängig
machte, kann angesichts der konkreten Umstände offen bleiben.
Der Anwesenheitskontrolle für das Modul CW Ib des Frühjahrssemesters 2014 lassen
sich im Übrigen keine Hinweise für eine rechtsungleiche Behandlung der Studierenden
durch die Dozentin hinsichtlich der Handhabung des Erfordernisses einer
Kompensationsarbeit für die Erteilung des Testats entnehmen (act. 11/7a-2/5 Beilage
7, Studierende A-H). Eine rechtsungleiche Ermessenshandhabung liegt auch nicht
gegenüber jener Studentin vor, von welcher im Modul Allgemeine Didaktik trotz
dreimaliger Abwesenheit keine Kompensationsarbeit verlangt wurde. Abgesehen
davon, dass es sich dabei um ein anderes Fach und einen anderen Dozenten handelte,
dem wie der Dozentin des Moduls CW Ib ein grosser Ermessenspielraum bei der
Handhabung von Absenzen zukommt, fehlte jene Studentin – wie die
Beschwerdeführerin vortragen lässt – dreimal entschuldigt krankheitsbedingt (vgl.
Beschwerde Seite 24), während sich die Beschwerdeführerin für die beiden ersten
Absenzen nicht entschuldigte.
3.3. Dementsprechend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die
Anwesenheitspflicht von 80 Prozent im Modul CW Ib im Frühjahrssemester nicht erfüllt
hat und es im Ermessen der Dozentin lag, unter Berücksichtigung der fehlenden
vorgängigen Information über die unbegründeten Abwesenheiten am 28. Februar und
am 7. März 2014 und die konkreten Umstände der begründeten Abwesenheit am 23.
Mai 2014 die Erteilung des Testats von einer Kompensationsarbeit abhängig zu
machen.
4. Die Verfahrensbeteiligten sind sich sodann nicht einig, ob die
Kompensationsaufgabe, welche die Beschwerdeführerin leistete, zu berücksichtigen
und ihr das Testat für das Modul CW Ib deshalb zu erteilen ist.
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4.1. Auf dem Merkblatt zum Kompensationsauftrag im Sportunterricht (act.
11/7a-5 Beilage 5) wird unmissverständlich verlangt, dass das gesamte Dossier
(Deckblatt, Beschreibung der Hausaufgabe, Resultate des Pretests, Resultate des
Schlusstests und Reflexion) bis zum 1. Juli 2014 der Dozentin abzugeben ist. Bei der
Dozentin ist die Kompensationsarbeit der Beschwerdeführerin weder bis zum 1. Juli
2014 noch später auf dem Postweg eingegangen. Die Beschwerdeführerin anerkennt,
dass sie eine rechtzeitige Einreichung der Kompensationsaufgabe nicht belegen kann.
Jedoch geht sie davon aus, es sei unverhältnismässig und verletze das Gebot der
rechtsgleichen Behandlung, wenn die am 3. Juli 2014 nach Rückmeldung der Dozentin
umgehend elektronisch zugestellte Arbeit nicht mehr berücksichtigt und ihr das Testat
für das Modul CW Ib nicht erteilt werde.
4.2. Im Bereich der Rechtsanwendung verpflichtet der Grundsatz der
Rechtsgleichheit gemäss Art. 8 Abs. 1 BV die Behörden, gleiche Sachverhalte mit
gleichen relevanten Tatsachen gleich zu behandeln, es sei denn, ein sachlicher Grund
rechtfertige eine unterschiedliche Behandlung (vgl. BGE 131 I 105 E. 3.1 mit Hinweis
auf BGE 125 I 161 E. 3a). Diesen Grundsatz hat auch die Dozentin, welche gemäss
Weisung "Absenzen und Urlaub" vom 19. Oktober 2010 für die Handhabung der
Absenzen verantwortlich ist, zu beachten.
Gegenstand der Kompensationsarbeit, welche von drei Studierenden (act. 11/1a-4) zur
Erlangung des Testats im Modul CW Ib des Frühjahrssemesters 2014 zu erbringen war,
war die Erteilung einer sportmotorischen Hausaufgabe mit Erfolgskontrolle anhand von
Messungen der individuellen Leistungsfähigkeit der Schüler einer Oberstufenklasse vor
Erteilung der täglichen Hausaufgabe (sogenannter Pretest) und nach mindestens zwei
Wochen (sogenannter Schlusstest; vgl. act. 11/7a-5 Beilage 5). Aus den Akten ergibt
sich, dass die Dozentin einen Kommilitonen der Beschwerdeführerin am 30. Juni 2014
aufforderte, die von ihm rechtzeitig eingereichte Arbeit mit den Ergebnissen der
Pretests und der Schlusstests zu ergänzen und der betroffene Student die Ergebnisse
am gleichen Tag, also innerhalb der Einreichefrist, elektronisch übermittelte (act.
11/1a-13). Der Sachverhalt unterscheidet sich damit in einem wesentlichen Punkt von
jenem bei der Beschwerdeführerin, welche innert der vorgegebenen Frist keine
Kompensationsarbeit eingereicht hatte. Aus dem Umstand, dass die Dozentin den
Kommilitonen auf die Unvollständigkeit der übermittelten Arbeit hinwies und er die
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Vervollständigung fristgereicht einreichte, kann ihr deshalb keine rechtsungleiche
Behandlung der Beschwerdeführerin, die innert Frist keine Arbeit eingereicht hatte,
angelastet werden.
Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, an der Pädagogischen Hochschule
würden Fristversäumnisse nicht in allen Fällen gleich konsequent wie bei der
Beschwerdeführerin gehandhabt. Sie führt drei Fälle an, in denen die verspätete
Abgabe eines Leistungsnachweises während des Semesters keine Verweigerung des
Testats zur Folge gehabt habe (vgl. Beschwerdeeingabe vom 24. Dezember 2014,
Seiten 29-31: Fälle Modul CW I [J.L.], Modul Pädagogik Lernen [L.S.], Modul Deutsch
[L.S.]). Allein der Umstand, dass bei der Beschwerdeführerin eine Kompensationsarbeit
Gegenstand ist, die nach Abschluss der Lehrveranstaltungen eines Semesters und
Moduls in Auftrag gegeben wird, und die Fälle, die sie vergleichsweise heranzieht,
während der Lehrveranstaltungen im Semester selbst zu erbringende
Leistungsnachweise betreffen, kann eine unterschiedlich strenge Handhabung von
Fristversäumnissen rechtfertigen. Leistungsnachweise können grundsätzlich innerhalb
einer bestimmten Zeitspanne, nämlich während des Semesters, erbracht werden. Der
Ansetzung eines bestimmten Zeitpunkts innerhalb dieser Zeitspanne kommt damit eine
andere Bedeutung zu, als der Ansetzung eines Termins nach Semesterschluss im
Hinblick auf die Erteilung des Anwesenheitstestats.
4.3. Staatliches Handeln muss gemäss Art. 5 Abs. 2 BV verhältnismässig sein. Die
Nichtzulassung der Beschwerdeführerin zur Zwischenprüfung im August 2014 zieht
zwar eine Verlängerung der Ausbildungszeit um ein Jahr nach sich, verunmöglicht ihr
aber nicht, die Ausbildung erfolgreich abzuschliessen. Die Beschwerdeführerin
bestreitet nicht, dass die Zulassung zur Zwischenprüfung von der Ausstellung eines
Testats und dieses bei Nichterfüllung der Präsenzpflicht von der rechtzeitigen
Einreichung einer Kompensationsarbeit abhängig gemacht werden darf. Solche für
Hochschulen und Universitäten übliche Regelungen sind mit Blick auf die
administrativen Abläufe der Schule im Allgemeinen und auf die Bedeutung der
Zuverlässigkeit künftiger Sekundarlehrerinnen und -lehrer geeignet, erforderlich und in
den Rechtsfolgen auch zumutbar. Den Studierenden waren die Rechtsgrundlagen, aus
denen sich die Voraussetzungen für die Zulassung zur Zwischenprüfung ergaben,
bekannt. Die Handhabung der ersatzweisen Erfüllung der Anwesenheitsverpflichtung
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durch die Einreichung einer Kompensationsarbeit im Modul CW Ib war im
einschlägigen Merkblatt klar beschrieben (act. 11/7a-5 Beilage 5). Der
Beschwerdeführerin musste damit klar sein, dass eine nicht rechtzeitige Einreichung
der Kompensationsarbeit bis 1. Juli 2014 die Verweigerung des Testats und damit die
Nichtzulassung zu den Zwischenprüfungen und ein Zwischenjahr zur Folge haben
würde. Die Dozentin war zudem nicht verpflichtet, der Beschwerdeführerin Gelegenheit
zur nachträglichen Einreichung zu geben. Die Verweigerung des Anwesenheitstestats
erscheint damit nicht als unverhältnismässig.
4.4. Die Beschwerdeführerin machte in den vorinstanzlichen Verfahren geltend, sie
habe die Aufgabe rechtzeitig der Schweizer Post übergeben. Im Beschwerdeverfahren
anerkennt sie, dass ihr dieser Nachweis nicht gelingen könne. Nachdem die Arbeit
weder bis zum 1. Juli 2014 noch später per Post bei der Dozentin eingegangen war,
liegen keine objektiven Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschwerdeführerin die Frist
eingehalten hat. Davon auszugehen, dass sie die Arbeit nicht rechtzeitig einreichte,
erscheint unter diesen Umständen schliesslich auch nicht als überspitzt formalistisch
(vgl. Art. 29 Abs. 1 BV).
5. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Die
amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens sind dementsprechend der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Sie ist mit dem von der Beschwerdeführerin in gleicher Höhe geleisteten
Kostenvorschuss zu verrechnen. Die Vorinstanz beantragt die Abweisung der
Beschwerde unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin. Da sie sich im
Beschwerdeverfahren nicht vertreten liess, kommt ihr praxisgemäss kein Anspruch auf
Ersatz ausseramtlicher Kosten zu. Ob ihr Antrag auch ein Begehren um Ersatz
ausseramtlicher Kosten umfasst, kann deshalb offen bleiben. Offen bleiben kann auch,
ob eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit, für welche die
Vorinstanz das Verfahren führte, überhaupt Anspruch auf die Entschädigung von
Vertretungskosten hätte (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis VRP; R. Hirt, Die Regelung der
Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 176 f.).