Decision ID: 416c4b6b-9d6d-48c6-b233-7a4e8cadc795
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1978 geborene
X._
,
s
eit
2010 als Produktionsmitarbeiterin
- zuletzt
in einem 70%-Pensum
-
tätig (Urk. 13/1/3)
, erlitt a
m
23. Januar 2012
bei einem Auffahrunfall ein HSW-Distorsionstrauma
(Urk. 13/14/103
,
vgl. auch
Urk. 13/14/28
ff. und Urk. 13/14/113 ff.
)
.
Die Schweizerische
Unfallversiche
rungsanstalt
(SUVA) übernahm die Heilbehandlung und entrichtete ein Taggeld
(Urk. 13/14/27, Urk. 13/14/123)
.
Mit
unangefochten gebliebener
Verfügung vom
20. Dezember 2012
(Urk. 13/7)
stellte
sie
die Leistungen
per 31. Januar 2013
ein
und verneinte die
Unfalladäquanz
der darüber hinaus geklagten Beschwerden
.
1.2
Am 16. April 2013 erteilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Kostengutsprache für eine beidseitige Hörgeräteversorgung (Urk. 13/10; Anmeldung vom
29
. August 2012 [Urk. 13/1], medizinischer Bericht vom 9. April 2013 [Urk. 13/9])
.
1.3
Am 23. April 2013 meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf den Unfall vom
23.
Januar 2012
bei
der
IV-Stelle
zum Leistungsbezug (Berufliche Mass
nahmen/Rente) an (Urk. 13/11).
Zur Klärung der erwerblichen und medizini
schen Verhältnisse zog die IV-Stelle die Akten der SUVA bei (Urk. 13/14), nahm Berichte der behandelnden medizinischen Fachpersonen zu den Akten (Bericht der
Z._
vom 13. Mai 2013 [Urk. 13/20], Bericht von Dr. med.
A._
,
Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin
, vom 11. Juni 2013 [Urk. 13/22], Bericht der Physiotherapeutin vom 7. Juni 2013 [Urk. 13/23], Bericht von Dr. med.
B._
,
Oberarzt
C._
,
vom
3. Juli 2013 [Urk. 13/25]),
führte mit der
Versicherten ein Standortgespräch durch
(Urk. 13/18), holte einen Bericht bei der ehemaligen Arbeitgeberin ein (Urk. 13/21) und liess einen Auszug aus dem individuellen Konto erstellen (IK-Auszug, Urk. 13/19).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk. 13/27-33) wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch mit Verfügung vom 24. September 2013 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 24. Oktober 2013 Beschwerde (Urk. 1) u
nd beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr
spä
testens ab Juli 2009
eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zu weiteren Abklärungen und zum Neuentscheid zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bestellung von
Y._
zum unentgeltlichen Rechtsbeistand (Urk. 1 S. 1-2).
Mit Beschwerdeantwort vom 7. Januar 2014 (Urk. 12 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 13/1-38) schloss die
Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerde
führerin mit Schreiben vom 4. März 2014 (Urk. 15) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1
.
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid dafür,
es liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor, weshalb das Leistungsbegehren abzuweisen sei (Urk. 2). Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin vor, sie
leide seit dem Unfall unter diversen Beschwerden und
sei
nicht mehr arbeitsfä
hig
. So könne sie sich kaum länger als eine halbe Stunde konzentrieren und leide unter andauernden Nacken- und Rückenschmerzen (Urk. 1).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder tei
lweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Rechtsprechungsgemäss
kommen
grundsätzlich sämtlichen
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare orga
nische Grundlage
(bislang: a
nhaltende
somatoforme
Schmerzstörung: BGE 130 V 352, BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49;
Fibromyalgie
: BGE 132 V 65
E. 4
; dissoziative
S
ensibilitäts- und Empfindungsstörung: Urteil
des Bundesgerichts
I 9/07 vom
9.
Februar 2007 E. 4 in
fine
, in: SVR 2007 IV Nr. 45 S. 149; dis
sozia
tive Bewegungsstörung: Urteil
des Bundesgerichts
9C
_903/2007 vom 30. April 2008 E.
3.4;
Chronic
Fatigue
Syndrome [CFS; chronisches
Müdigkeits
syndrom
] und Neurasthenie: Urteile
des Bundesgerichts I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5 und
9C_98/2010 vom 2
8.
April 2010 E. 2.2.2, in: SVR 2011 IV Nr. 17 S. 44, und 9C_662/2009 vom 1
7.
August 2010 E.
2.3, in: SVR 2011 IV Nr. 26 S.
73; spezi
fische und unfalladäquate HWS-Verletzungen [Schleudertrauma] ohne orga
nisch nachweisbare Funktionsausfälle: BGE 136 V 279;
nicht
orga
nische
Hypersomnie
: BGE 137 V 64
E. 4
; leichte
Persönlichkeitsver
ände
rung
bei chro
nischem Schmerzsynd
rom: Urteil 8C_167/2012 vom 15. Juni 2012 E. 5.2 und 6.1; vgl. Aufzählung in:
BGE 140 V 8
E. 2.2.1.3)
nur ausnahmsweise invalidi
sierender,
das
heisst
einen Rentenanspruch begründender Charakter zu (
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
sowie
Art.
3
Abs.
1 und
Art.
6 ATSG; grundlegend
BGE 130 V 352
). Entscheidend ist, ob und inwiefern die versicherte Person über psychi
sche Res
sourcen verfügt, die es ihr erlauben, trotz ihren subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen (
BGE 130 V 352
E. 2.2.
4
;
127 V 294
E.
4b/cc in
fine
und E. 5a unten). Umstände, die bei Vorliegen eines solchen Krankheitsbildes die Verwertung der verbliebenen Arbeitskraft auf dem Arbeits
markt als unzu
mutbar erscheinen lassen können, sind die erhebliche Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer des psychischen Leidens (
Komorbidität
), chronische körperliche
Begleiterkran
kungen
mit mehrjährigem
Krankheits
verlauf
bei unveränderter oder progre
dienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, sozialer Rückzug, ein ver
festigter, therapeutisch nicht mehr
angeh
barer
inner
seelischer
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Kon
fliktbewältigung
(primärer Krankheitsgewinn), unbefriedigende Ergebnisse von konsequent durchgeführten Behandlungen (auch mit unter
schiedlichem thera
peutischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilitations
mass
nahmen
bei vorhande
ner Motivation und Eigenanstrengung der ver
sicherten Person (
BGE 132 V 65
E.
4.2.2;
130 V 352
E. 2.2.3
; Urteil 9C_1061/2009 vom 1
1.
März 2010 E.
5.4.3.1.1). Umgekehrt spre
chen
unter anderem
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Ver
halten oder der Anamnese, die Angabe intensiver in der Umschreibung vager Schmerzen oder behauptete schwere Einschränkungen im Alltag bei weitgehend intaktem psy
chosozialen Umfeld gegen das Vorliegen eines invalidisierenden
Ge
sund
heits
schadens
(
BGE 131 V 49
E.
2.
1
; zum Ganzen: Urteil des Bundes
gerichts
9C_736/2011
vom
7.
Februar 2012
E. 1.1
).
2
.
3
Die fachärztlichen Stellungnahmen zum psychischen Gesundheitszustand und zu dem aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotenzial bil
den unabdingbare Grundlage für die Beurteilung der Rechtsfrage, ob und gege
benenfalls inwieweit einer versicherten Person unter Aufbringung allen guten Willens die Überwindung ihrer Schmerzen und die Verwertung ihrer verblei
benden Arbeitskraft zumutbar ist oder
nicht (BGE 130 V 352 E. 2
.2.5). Bei ihrer Einschätzung der psychischen Ressourcen des Exploranden oder der Exploran
din, mit den Schmerzen umzugehen, haben die begutachtenden Ärzte notwen
digerweise auch die in E.
2.2
hievor
genannten Kriterien zu beachten (
BGE 135 V 201
E. 7.1.3
,
130 V 352
E. 2.2.4)
und
sich daran zu orientieren. Insbesondere haben sie sich dazu zu
äussern
, ob eine psychische
Komorbidität
oder weitere Umstände gegeben sind, welche die Schmerzbewältigung behindern (SVR 2008 IV Nr. 23 S. 71, I 683/ 06 E. 2.2). Nicht erforderlich ist, dass sich eine psychiat
rische Expertise in jedem Fall über jedes einzelne der genannten Kriterien aus
spricht;
massgeblich
ist eine Gesamtwürdigung der Situation (SVR 2005 IV
Nr. 6 S. 21, I 457/02 E. 7.4 mit Hinweis, nicht
publ
. in:
BGE 130 V 396
). Gestützt darauf haben die rechtsanwendenden Behörden zu prüfen, ob eine festgestellte psychische
Komorbidität
hinreichend erheblich ist und ob einzelne oder mehrere der festgestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz vor
liegen, um gesamthaft den Schluss auf eine im Hinblick auf eine erwerbliche Tätigkeit nicht mit zumutbarer Willensanstrengung überwindbare
Schmerzstö
rung
zu erlauben (Urteil
des Bundes
gerichts
9C_482/2010 vom 2
1.
September 2010 E. 4.3). Die Prüfung
schliesst
die Beurteilung der Frage ein, inwiefern die ärztliche Einschätzung der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
invaliditäts
fremde
Gesichtspunkte (insbesondere psychosoziale und soziokultu
relle
Belas
tungsfaktoren
) mitber
ücksichtigt (zum Ganzen: Urteil des Bundesge
richts
9C_736/2011
vom
7.
Februar 2012
E. 1.2 mit weiteren Hinweisen
, Urteil des Bundesgerichts 9C_260/2013 vom 26. März 2014, E. 3.2
).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
3.
3.1
Bei diversen geklagten Beschwerden (Schwindel, Schmerzen im
Brustwirbelsäulen
bereich
, Nackenschmerzen, depressive Stimmung, vgl.
Urk. 13/14/103) befand sich die Beschwerdeführerin
v
om 11. Juli bis am 15. August 2012 in der
D._
zur stationären Rehabilitation (Urk. 13/14/83).
Die behandelnden Ärzte führten im Austrittsbericht vom 17. August 2012 (
Urk. 13/14/83-90) a
ls Diagnosen
eine HSW-Distorsion
, eine
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0), eine
Anpassungs
störung
mit leichten
psychotraumatologischen
Symptomen (ICD-10 F43.23) sowie einen Verdacht auf
somatoforme
und dissoziative Anteile im
Beschwer
debild
(ICD-10 F44
.88/F45
.4) auf (Ur
k. 13/14/83).
Sie
wiesen
darauf hin, dass die bildgebenden Untersuchungen der Brust- und Halswirbelsäule sowie des Schädels Normalbefunde gezeigt hätten und sich in den neurologischen und der
otoneurologischen
Untersuchungen weder Hinweise auf traumatische
Hirnver
letzungen
noch auf
eine
radikuläre
Symptomatik
oder
eine
vestibuläre
Fehl
funktion
ergeben hätten
,
bei diesen Untersuchungen
jedoch eine – mit
grosser
Wahrscheinleicht unfallfremde - leichte bis mittelgradige
Schallleitungsschwer
hörigkeit
rechts und diskrete Schallleistungsschwerhörigkeit links festgestellt worden sei
(Urk. 13/14/83; siehe auch Urk. 13/14/75-77
[Bericht über das n
eu
rologische
Konsilium
]
und Urk. 13/
14/94-98 [Bericht über die
otoneurologi
-
sche
Untersuchung]
).
Die Ärzte
kamen zum Schluss, dass sich das
Ausmass
der demonstrierten Einschränkungen mit den geringfügigen objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und den fehlen
-
den pathologischen Befunden der bildgebenden Abklärungen
aus
somati
-
scher Sicht
nicht erklären
lasse
(Urk. 13/14/85). Aus somatischer Sicht
sei die
Arbeitsfähig
keit in der angestammten Tätigkeit aufgrund des Unfalls nicht
mehr einge
schränkt (Urk. 13/14/84).
U
nter Hinweis
auf das
anlässlich der stationär
en Rehabilitation durchgeführte
p
sychosomatische
Konsilium
(
vgl.
Urk. 13/14/78-79)
hielten sie jedoch dafür,
die körperlichen Beschwerden seien durch die diag
nostizierte psychische Störung mit Krankheitswert
überlagert
. Diese begründe aktuell eine
zumindest
mittelschwere arbeitsrelevante Leistungs
-
minderung
, wobei sie
eine erneute Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in zwei Monaten emp
fahlen
(Urk. 13/14/84-86)
.
3.2
Vom 15. Januar bis am 11. Februar 2013 befand sich die Beschwerdeführerin
zur erneuten stationären Rehabilitation
in der
Z._
(Bericht vom 13. Mai 2013, Urk. 13/20)
.
Die Ärzte
berichteten, dass es vier bis fünf Wochen nach dem stationären Aufenthalt in der
D._
– welcher der
Beschwerdeführerin sehr gut getan habe – erneut zu einer Ver
schlechterung der Beschwerden gekommen sei (Urk. 13/20/1). Sie
führten als Diagnosen
eine Anpassungsstörung
(ICD-10 F43.23) bei Status nach Auffahr
unfall (mit seither bestehenden HWS- und Schulternackenbeschwerden, Kopf
schmerzen, Schwindel, Hörproblemen und Müdigkeit), eine leichte bis mittel
gradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), einen Verdacht auf
somatoforme
Anteile im Beschwerdebild (ICD-10 F45.4) sowie einen
leichtgradigen
Erguss mit
Bakerzyste
auf (Urk. 13/20/1)
. Unter Hinweis darauf, dass die Beschwerde
führerin in psychophysisch
rekonditioniertem
Zustand nach Hause entlassen
worden sei
,
attestierten
sie
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis am 24. Februar 2013
mit der Empfehlung einer
anschliessenden
Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit
(Urk. 13/20/3).
3.3
Dr.
A._
berichtete am 11. Juni 2013 (Urk. 13/22), die Beschwerdefüh
rerin leide unter einem eingeschränkten Hörvermögen, starken
Konzent
-
rationsstörungen
, chronischen
zerviko-spondylogenen
Schmerzen sowie aktuell noch einer leichten Depression (Urk. 13/22/3). Die Ärztin attestierte
bis auf weiteres eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Hinsichtlich angepasster Tätigkeiten hielt
sie
dafür
, eine wechselbelastende und nicht zu
anspruchsvolle Tätigkeit
sei
maximal vier Stunden pro Tag zumutbar (Urk. 13/22/3).
3.4
Dr.
B._
notierte
in seinem Bericht vom
3. Juli
2013
zuhanden der
Beschwerde
gegnerin
(Urk. 13/25), die Beschwerdeführerin sei von August 2012 bis zirka Februar 2013 vollständig arbeitsunfähig gewesen, was auch die unter
nommenen Arbeitsversuche gezeigt hätten. Da er die Beschwerdeführ
er
in letzt
mals am 12. April 2013 gesehen habe und sie nicht mehr bei ihm in Behand
lung sei, könne er die aktuelle Arbeitsfähigkeit nicht beurteilen. Beim letzten Termin im April habe die Beschwerdeführerin berichtet, dass sich ihr Zustand verbessert habe,
sie jedoch immer noch
an
körperliche
n
Beschwerden
leide
(Schmerzen, Verspannungen, Hörprobleme) und weiterhin in Behandlung sei
. Sie habe ihm mitgeteilt, dass sie
ein Vorstellungsgespräch
habe und
hoffe, eine Stelle zu finden (Urk. 13/25/1).
D
ie leichte bis mittelgradige depressive Episode sei beim letzten Termin weitgehend remittiert gewesen (Urk. 13/25/1).
Im Wei
teren führte
Dr.
B._
als Diagnosen eine Anpassungsstörung (bei Status nach Auffahrunfall mit Schulter- und Nackenbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwin
del, Hörproblemen und Müdigkeit) sowie einen Verdacht auf
somatoforme
Anteile im Beschwerdebild (ICD-10 F45.4) auf (Urk. 13/25/1-2).
4.
Trotz
umfangreichen medizinischen Abklärungen konnte bei der Beschwerdefüh
rerin
–
abgesehen von den Befunden in Bezug auf die
Schalllei
tungsschwerhörigkeit
– kein organisch
es Substrat für die g
eklagten Beschwer
den gefunden werden
(E. 3.1)
.
Die behandelnden Ärzte attestierten jedoch
wie
derholt eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit
unter Hinweis darauf, dass die Beschwerden psychisch überlagert seien, ein Verdacht auf
somatoforme
Anteile im Beschwerdebild, eine Anpassungsstörung bei Status nach Auffahrunfall sowie depressive Episoden vorlägen
(E. 3.1-3.4)
.
Auf diese Einschätzungen kann aus versicherungsrechtlicher Sicht nicht ohne weiteres abgestellt werden.
So kommt e
iner
HWS-Verletzung
ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle
nur ausnahmsweise invalidisierende
r
Charakter zu (E. 2.2).
Aus
den fachärztli
chen Stellungnahmen
ist aber
nicht
hinreichend
ersichtlich,
ob
Umstände vor
liegen, welche den Umgang mit den Beschwerden ausnahmsweise
behindern
.
Mithin
stellen diese Berichte keine zuverlässige Beurteilungsgrundlage dar,
weshalb
sich aus Sicht der rechtsanwenden
den
Behörde nicht beurteilen
lässt
, ob
beziehungsweise inwieweit
der
Beschwerdeführerin
die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft zumutbar ist oder
nicht
(vgl. E. 2.3)
. Die
Beschwer
degegnerin
unterliess
es in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, diesbe
züglich
e
Abklärungen vorzunehmen.
M
it Blick auf die
verschiedenen
gestellten Diagnosen bleibt
sodann
auch
unklar,
ob neben der HWS-Problematik
allenfalls
ein eigenständiges psychisches Beschwerdebild vorliegt
.
Die angefochtene Ver
fügung ist folglich aufzuheben und die Sache ist in Gutheissung der Beschwerde an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden medizinischen Abklärung zurück
zuweisen
.
5
.
5
.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend ist eine Entschädi
gung von Fr. 800.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.
Mithin erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unent
geltlich
en Rechtspflege (Urk. 1 S.
2) als gegenstandslos.