Decision ID: 02bcd5e8-8c9e-41ba-a98e-b1ca9a6b9af6
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Kroatien hat über das Generalsekretariat Interpol am 12. Oktober 2006, gestützt auf einen Haftbefehl des Gemeindegerichts in Sibenik (Kroatien) vom 19. Juli 2006 wegen schweren Diebstahls, um Verhaftung des  Staatsangehörigen A. im Hinblick auf seine Auslieferung an Kroatien ersucht. A. wird verdächtigt, im Zeitraum vom 29. Juni bis 4. Juli 2006 in Z. und Y. (Kroatien) in Fahrzeuge eingebrochen und Handtaschen etc.  zu haben (act. 3.1). A. wurde am 1. Januar 2008 im Kanton  angehalten und am 2. Januar 2008 in provisorische  versetzt (act. 3.2). Nachdem sich A. anlässlich seiner Einvernahme durch das Untersuchungsrichteramt des Kantons Schaffhausen vom 2.  2008 mit einer vereinfachten Auslieferung an Kroatien nicht  erklärt hatte (act. 3.3), hat das Bundesamt für Justiz (nachfolgend “Bundesamt“) am 4. Januar 2008 einen Auslieferungshaftbefehl gegen A. erlassen (act. 3.4). Kroatien hat am 10. Januar 2008 formell um  von A. ersucht (act. 3.5).
B. A. gelangt gegen den Auslieferungshaftbefehl vom 4. Januar 2008 mit  vom 21. Januar 2008 ans Bundesstrafgericht mit dem Antrag, es sei der Auslieferungshaftbefehl aufzuheben, unter Kosten- und  zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. 1).
Das Bundesamt stellt in der Beschwerdeantwort vom 28. Januar 2008  auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 3). A. hält in der  vom 31. Januar 2008 an seinen Anträgen fest (act. 4). Das Bundesamt hat am 6. Februar 2008 auf eine Beschwerdeduplik verzichtet (act. 6).
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Für den Auslieferungsverkehr und die vorläufige Auslieferungshaft  der Schweiz und Kroatien sind primär das Europäische  vom 13. Dezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1) sowie das zu diesem Übereinkommen am 15. Oktober 1975 ergangene erste  (1. ZP; SR 0.353.11) und am 17. März 1978 ergangene zwei-
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te Zusatzprotokoll (2. ZP; SR 0.353.12) massgebend. Wo Übereinkommen und Zusatzprotokolle nichts anderes bestimmen, findet auf das Verfahren der Auslieferung und der vorläufigen Auslieferungshaft ausschliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV; SR 351.11). Das  Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung stellt (BGE 129 II 462 E. 1.1 S. 464; 122 II 140 E. 2 S. 142).
2. Gegen einen Auslieferungshaftbefehl kann innert zehn Tagen ab der
schriftlichen Eröffnung Beschwerde bei der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts geführt werden (Art. 48 Abs. 2 IRSG i.V.m. Art. 47 IRSG; Art. 9 Abs. 3 des Reglements für das Bundesstrafgericht, SR 173.710). Der Auslieferungshaftbefehl vom 4. Januar 2008 wurde dem Beschwerdeführer am 10. Januar 2008 eröffnet (act. 3.6). Die Beschwerde vom 21. Januar 2008 wurde demnach fristgerecht eingereicht (vgl. Art. 30 lit. b SGG i.V.m. Art. 20 Abs. 3 VwVG), weshalb darauf einzutreten ist.
3. 3.1 Die Verhaftung des Beschuldigten während des ganzen Auslieferungsver-
fahrens bildet die Regel (BGE 117 IV 359 E. 2a S. 362; bestätigt in BGE 130 II 306 E. 2 S. 309 ff.). Eine Aufhebung des  und eine Haftentlassung rechtfertigen sich ausnahmsweise, wenn der Beschuldigte sich voraussichtlich der Auslieferung nicht entzieht und die Strafuntersuchung nicht gefährdet (Art. 47 Abs. 1 lit. a IRSG), wenn er den sogenannten Alibibeweis erbringt, indem er ohne Verzug nachweist, dass er zur Zeit der Tat nicht am Tatort war (Art. 47 Abs. 1 lit. b IRSG), wenn er nicht hafterstehungsfähig ist oder andere Gründe vorliegen, die eine  einschneidende Massnahme rechtfertigen (Art. 47 Abs. 2 IRSG), wenn das Ersuchen und dessen Unterlagen nicht rechtzeitig eintreffen (Art. 50 Abs. 1 IRSG; Art. 16 Ziff. 4 EAUe) oder wenn sich die Auslieferung als  unzulässig erweist (Art. 51 Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 2 - 5 IRSG). Diese Aufzählung ist nicht abschliessend (BGE 130 II 306 E. 2.1 S. 309; 117 IV 359 E. 2a S. 361 f.). Offensichtlich unzulässig kann ein  sein, wenn ohne jeden Zweifel und ohne weitere  ein Ausschlussgrund vorliegt (vgl. BGE 111 IV 108 E. 3a S. 110). Im Übrigen sind Vorbringen gegen die Auslieferung als solche oder gegen die Begründetheit des Auslieferungsbegehrens im eigentlichen Auslieferungs-
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verfahren zu prüfen. Die ausnahmsweise zu gewährende Haftentlassung ist deshalb an strengere Voraussetzungen gebunden als der Verzicht auf die gewöhnliche Untersuchungshaft in einem Strafverfahren oder die  aus einer solchen (vgl. BGE 130 II 306 E. 2.2 und 2.3 S. 309 f.; 111 IV 108 E. 2 S. 110).
3.2 Der Beschwerdeführer hat mit seiner Beschwerde eine eidesstattliche Er-
klärung einer Person namens B. vom 21. Januar 2008 und einen , je in bulgarisch mit deutscher Übersetzung, sowie ein  Bulletin in bulgarischer Sprache eingereicht (act. 1.4 – 1.8). Er  sich auf die Bestimmung des Alibibeweises von Art. 47 Abs. 1 lit. b IRSG und macht gestützt auf die eingereichten Unterlagen geltend, er hätte vom 29. Juni bis 4. Juli 2006 die Person namens B. in Sofia betreut und sich daher zum Deliktszeitpunkt nicht in Kroatien aufgehalten.
3.2.1 Den Alibibeweis kann der Verfolgte nur mit dem Nachweis führen, dass er
zur fraglichen Zeit überhaupt nicht am Tatort war oder dass es sich um einen Irrtum in der Person handelt. Dieser Nachweis ist unverzüglich und ohne Weiterungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 1A.199/2006 vom 2. November 2006, E. 2.3 m.w.H., publiziert in : Die Praxis 3/2007 Nr. 37 S. 229 f.; ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire  en matière pénale, 2. Aufl., Bern 2004, S. 474 f. N. 439). Soweit der Beschwerdeführer den im Rechtshilfeersuchen dargelegten  lediglich bestreitet, begründet er demgegenüber keinen . Der Rechtshilferichter ist vielmehr an die  im Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet wird (BGE 132 II 81 E. 2.1 S. 85; 125 II 250 E. 5b S. 257 je m.w.H.). Zwar verpflichtet Art. 53 Abs. 1 IRSG das Bundesamt im Hinblick auf den Auslieferungsentscheid die nötigen Abklärungen zum geltend gemachten Alibi vorzunehmen. Eine entsprechende Abklärungspflicht ist jedoch im Rahmen einer Beschwerde gegen die Auslieferungshaft nicht vorgesehen (TPF RR.2007.53 vom 4. Mai 2007 E. 4.1.1).
3.2.2 In der eingereichten eidesstattlichen Erklärung vom 21. Januar 2008 kann
kein Alibibeweis im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. b IRSG gesehen werden. Zwar bestätigt B., dass der Beschwerdeführer vom 29. Juni bis 5. Juli 2006 mit ihm täglich Gesundheitsinstitutionen in Sofia besucht hätte.  eidesstattlichen Erklärung (Affidavit) kommt im schweizerischen Recht jedoch nur unter besonderen Umständen volle Beweiskraft zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6S.258/2006 vom 3. November 2006, E. 4.2 und 4.3). Auch bei einem angerufenen Zeugen des angeblichen Alibis gilt der Alibi-
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beweis nicht ohne Verzug als erbracht, wenn Zweifel über die  nicht zum vornherein ausgeschlossen sind (BGE 123 II 279 E. 2b m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 1A.108/2005 vom 23. Juni 2005, E. 4.3). Solche Zweifel sind vorliegend nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, zumal mangels weiterer Angaben zur Person von B., dessen Glaubwürdigkeit nicht beurteilt werden kann und nicht auszuschliessen ist, dass er eine blosse Gefälligkeitserklärung abgegeben hat. Daran  auch die vom Beschwerdeführer in der Beschwerdereplik  angeblichen Unstimmigkeiten in den kroatischen  in Bezug auf seine Adresse in Sofia und die nicht näher begründete Behauptung, er hätte nie einen Volvo mit bulgarischem Kennzeichen X. gefahren, nichts. Diese Ungereimtheiten stellen, selbst wenn sie zutreffen würden, kein offensichtliches Auslieferungshindernis dar und vermögen auch nicht, wie vom Beschwerdeführer behauptet, der eingereichten  Erklärung die Bedeutung eines Alibibeweises zuzumessen. Die Beschwerdegegnerin hat in der Beschwerdeantwort jedoch  darauf hingewiesen, dass die vom Beschwerdeführer eingereichten Dokumente in Anwendung von Art. 53 Abs. 2 IRSG dem ersuchenden Staat zu unterbreiten sind und dieser anzufragen ist, ob er das Ersuchen aufrechterhalten will (act. 3 Ziff. 4).
3.3 Andere Gründe, welche eine Entlassung aus der Auslieferungshaft recht-
fertigen könnten, werden weder geltend gemacht noch sind solche . Der Beschwerdeführer wurde am 1. Januar 2008 am Grenzübergang in Thayngen (SH) festgenommen als er im Begriff war, die Schweiz zu . Er macht zudem keinerlei beruflichen oder familiären Bindungen zur Schweiz geltend. Im Falle einer Haftentlassung ist daher mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass dieser die Schweiz verlassen wird, um sich einer Auslieferung an Kroatien zu entziehen.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten als unbegründet abzuweisen.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kosten-
pflichtig (Art. 30 lit. b SGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG), wobei für die  der Gerichtsgebühr das Reglement vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht (SR 173.711.32) zur Anwendung gelangt (TPF RR.2007.6 vom 22. Februar 2007 E. 5). Die  ist auf Fr. 2’000.-- festzusetzen (Art. 3 des Reglements über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht).
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