Decision ID: 0c5a550d-3ba6-4e87-b17a-c1ff598192fd
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1979 geborene
X._
stellte sich am 1
9.
Oktober 2016 beim zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) der Arbeitsvermitt
lung zur Verfügung (
Urk.
8/521) und beantragte ab diesem Datum die Ausrich
tung von Arbeitslosenentschädigung (
Urk.
8/488). Die Arbeitslosenkasse des Kan
tons Zürich eröffnete in der Folge eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 1
9.
Oktober 2016 bis zum 1
8.
Oktober 2018 (
Urk.
8/10). Während der laufenden Rahmenfrist übte die Versicherte mehrere Zwischenverdiensttätigkeiten
aus
und war dazwischen unfall- und krankheitsbedingt über längere Zeiträume vollstän
dig oder teilweise arbeitsunfähig geschrieben.
Für
die Zeit ab dem 1
9.
Oktober 2018 stellte die Versicherte am 2
7.
August 2018 erneut einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung (
Urk.
7/67). Mit Verfügung vom
9.
Oktober 2018 verneinte die Arbeitslosenkasse einen Anspruch auf Ar
beitslosenentschädigung (
Urk.
7/63) und hielt daran mit
Einspracheentscheid
vom 1
1.
Dezember 2018
fest
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
5.
Januar 2019 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Neuprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheids
unter dem Gesichtspunkt der Erfüllung respektive der Befreiung von der Erfüllung der Bei
tragszeit (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Februar 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 1
1.
Februar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Mit Übermittlungszettel vom 2
5.
Februar 2019 reichte die Beschwerdegegnerin
die zuletzt angefallenen Verwaltungsakten
ein (
Urk.
11 f.).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
9
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosenversi
cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
gelten - soweit das Gesetz nichts
anderes
vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zweijährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (
Art.
9
Abs.
2
AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (
Art.
9
Abs.
3 AVIG).
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenent
schädigung besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während min
destens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche Anspruchsvorausset
zungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
1.2
Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind gemäss
Art.
14
Abs.
1 AVIG Per
sonen, die innerhalb der Rahmenfrist (
Art.
9
Abs.
3) während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit nicht erfüllen konnten wegen:
a.
einer Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung, sofern sie während mindestens zehn Jahren in der Schweiz Wohnsitz hatten;
b.
Krankheit (
Art.
3
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts; ATSG
), Unfall (
Art.
4 ATSG) oder Mutterschaft (
Art.
5 ATSG), sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten;
c.
eines Aufenthaltes in einer schweizerischen Haft- oder Arbeitserziehungsan
stalt oder in einer ähnlichen schweizerischen Einrichtung.
Nach dem klaren Wortlaut von
Art.
14
Abs.
1 AVIG muss die versicherte Person durch einen der in dieser Bestimmung genannten Gründe an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung gehindert worden sein. Zwischen dem Befrei
ungsgrund und der Nichterfüllung der Beitragszeit muss ein Kausalzusammen
hang bestehen. Dabei muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten be
standen haben. Da eine Teilzeitbeschäftigung mit Bezug auf die Erfüllung der Beitragszeit einer Vollzeitbeschäftigung gleichgestellt ist (
Art.
11
Abs.
4 Satz 1
der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und d
ie Insol
venzentschädigung; AVIV
), liegt die erforderliche Kausalität zudem nur vor, wenn es der versicherten Person aus einem der in
Art.
14
Abs.
1
lit
. a bis c AVIG genannten Gründe auch nicht möglich und zumutbar war, ein Teilzeitarbeitsver
hältnis einzugehen (BGE
139 V 37 E. 5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Ei
nspracheentscheid
da
mit, dass entsprechend der unbestritten gebliebenen Feststellung in der angefoch
tenen Verfügung davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin über eine massgebende Beitragszeit von 11.399 Monate verfügt
(
Urk.
2 S. 3)
.
Daneben sei aufgrund der eingereichten Arztzeugnisse während der Rahmenfrist
für die Bei
tragszeit
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit von knapp drei Monaten auszugehen, sodass auch kein Grund für die Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit vorliege (S. 4).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass es mit ihren Einschränkungen unmöglich gewesen sei, eine Anstellung zu finden, wobei sie eine
solche
in der Pflege leider nicht mehr habe annehmen können. Sie bitte um Beachtung der neu eingereichten
Zwischenverdienste von 2018; seit dem 1
1.
Januar 2019 bestehe unfallbedingt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
1).
3.
3.1
Entsprechend den Ausführungen der Beschwerdegegnerin ist von einer massge
benden Rahmenfrist für die Beitragszeit vom
1
9.
Oktober 2016 bis 1
8.
Oktober 2018 auszugehen (
Art.
9 AVIG). Unbestritten geblieben ist, dass die Beschwerde
führer
in
in dieser Zeit drei mehrmonatige Tätigkeiten ausgeübt hat (vgl. Verfü
gung vom
9.
Oktober 2018,
Urk.
7/63), was sich auch aufgrund der Akten ergibt. So übte die Beschwerdeführerin vom 2
0.
Oktober 2016 bis zum 2
4.
Januar 2017 diverse temporäre Einsätze aus (
Urk.
7/
163,
Urk.
7/91), war vom
1.
April bis 3
0.
September 2017 für die
Y._
AG tätig (
Urk.
7/83,
Urk.
7/79) und vom
1.
April bis
7.
Juni 2018 beim
Spital Z._
angestellt (
Urk.
7/78,
Urk.
7/71). Die von der Beschwerdegegnerin für diese Arbeitsverhältnisse ermittelte Beitragszeit von 11.399 Monaten (
Urk.
7/63), ist unter Berücksichtigung der zitierten Akten nicht zu beanstanden
und blieb im Übrigen unbestritten
.
3.2
Zu prüfen ist demgegenüber die Qualifikation der Tätigkeit für die
A._
AG in der Zeit ab August 2018
(
Urk.
7/16-35)
.
Anzumerken ist dabei, dass eine selb
ständige Erwerbstätigkeit zwar als Zwischenverdienst anzurechnen ist, Beitrags
zeiten aber nur mit einer unselbständigen Zwischenverdiensttätigkeit erworben werden können (Urteil des Bundesgerichts C 85/06 vom 1
6.
Oktober 2006 E. 1.2).
Die Arbeitgeberin führte
diesbezüglich
mehrfach aus, dass
nur selbständig Er
werbstätige für die
A._
AG arbeiten würden (
Urk.
7/21
,
Urk.
12/2). Dies ergab auch eine entsprechende telefonische Nachfrage der Beschwerdegegnerin bei der Arbeitgeberin (
Urk.
12/4).
Nach ständiger Rechtsprechung ist für die Frage der Arbeitnehmereigenschaft in der Arbeitslosenversicherung das formell rechtskräftig geregelte
AHV
-Beitrags
-
statu
t
massgebend, sofern sich dieses nicht als offensichtlich unrichtig erweist (BGE 119 V 156 E. 3a). Nur wenn sich trotz zumutbarer Abklärung bei Ausgleichskasse und Arbeitgeber kein formell rechtskräftiges AHV-Beitragsstatu
t
eruieren lässt, kommt eine freie Prüfung der Arbeitsnehmereigenschaft in Be
tracht (Urteil des Bundesgerichts 8C_48/2011 vom 1
6.
Mai 2011 E. 4.4).
Daraus ergibt sich, dass für die Qualifikation der ausgeübten Tätigkeit für die
A._
AG nicht allein auf die Angaben der Arbeitgeberin abgestellt werden darf, sondern der Sachverhalt
rechtsgenügend
abzuklären und
– soweit dort überhaupt eine beitragspflichtige und nicht eine freiwillige Tätigkeit ausgeübt wurde -
allenfalls eine eigene, begründete Einschätzung vorzunehmen ist. Zur Prüfung der Erfüllung der Beitragszeit
betreffend die Tätigkeit bei der
A._
AG
ist die Sache demnach an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.3
Demgegenüber sind bezüglich der Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit keine weiteren Abklärungen nötig. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin während der massgebenden Rahmenfrist für die Beitragszeit während 11.399 Mo
naten beitragszeitenbildend erwerbstätig
war. Aus den ärztlichen Zeugnissen geht zudem hervor, dass die Beschwerdeführerin vom 1
6.
Januar bis 3
1.
März 2018
(vor ihrem Stellenantritt beim
Spital Z._
) zu 60
%
arbeitsfähig war (Urk. 8/117,
Urk.
8/135). Weiter ist ab dem 2
9.
Juni 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
do
kumentiert (
Urk.
7/56), wobei die Beschwerdeführer
in
ab August 2018 für die
A._
AG auch effektiv erwerbstätig war. Unter Berücksichtigung der Dauer der unbestritten unselbständigen Tätigkeiten sowie der – schon allein in den genann
ten Zeiträumen – nur teilweisen Arbeitsunfähigkeiten
, die einer Erfüllung der Beitragszeit nicht
entgegen stehen
(BGE 139 V 37 E. 5.1)
, ist ein Erreichen der gemäss
Art.
14
Abs.
1 AVIG
für eine Befreiung von der Beitragszeit
nötigen 12
Monate nicht möglich.
3.4
Zusammenfassend ist die Sache zur weiteren Anspruchsprüfung im Zusammen
hang mit der Erfüllung der Beitragszeit an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen; die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen, was zur Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids
führt.