Decision ID: 7dc8eef5-82c8-5714-98e7-ee583c20d33e
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 12.11.2012 Art. 9 ff. ELG. Detaillierte Berechnung einer jährlichen Ergänzungsleistung für die Jahre 2002–2012 (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. November 2012, EL 2012/12).Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_12/2013.Versicherungsrichter Joachim Huber (Vorsitz), Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Miriam Lendfers; Gerichtsschreiber Tobias BoltEntscheid vom 12. November 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob, St. Jakob Strasse 37, 9000 St. GallengegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendErgänzungsleistung zur IVSachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 6. Juni 2005 (EL-act. 239) zum Bezug von
Ergänzungsleistungen zur am 20. Mai/22. Juli 2005 rückwirkend ab Mai 2002
zugesprochenen Invalidenrente an (EL-act. 229). Die EL-Durchführungsstelle verfügte
erstmals am 22. Dezember 2005 über den Anspruch auf eine jährliche
Ergänzungsleistung ab dem 1. Mai 2005 (EL-act. 2). Der Versicherte erhob am
25. Januar 2006 Einsprache dagegen (EL-act. 209 und 211) und beanstandete
insbesondere die Höhe des anerkannten Mietzinses sowie die Anrechnung einer
Arbeitslosenentschädigung bzw. deren Höhe. Die Einsprache wurde am 8. August
2006 teilweise gutgeheissen (EL-act. 198), der Einspracheentscheid allerdings am
6. September 2006 widerrufen (EL-act. 192), nachdem die Einrichtung der beruflichen
Vorsorge der EL-Durchführungsstelle mitgeteilt hatte (EL-act. 196), dass sie dem
Versicherten rückwirkend ab September 2003 eine Invalidenrente ausrichte. Am
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
21. September 2006 verfügte die EL-Durchführungsstelle erneut (EL-act. 185–190). Am
20. Oktober 2006 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügungen vom
21. September 2006 (EL-act. 107); er beanstandete die Anrechnung eines
Verzichtseinkommens, die Höhe der angerechneten Arbeitslosenentschädigung und
die Höhe der angerechneten Rente aus beruflicher Vorsorge. Die EL-
Durchführungsstelle wies die Einsprache am 12. März 2007 ab (EL-act. 163). Am
17. April 2007 erhob der Versicherte Beschwerde an das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen (EL-act. 158). Am 2. Mai 2007 sprach die Suva dem Versicherten
rückwirkend ab September 2003 eine höhere Rente zu (EL-act. 155). Am 15. November
2007 verfügte die EL-Durchführungsstelle eine Herabsetzung der jährlichen Er
gänzungsleistung ab dem 1. Dezember 2007 zufolge Anrechnung eines Verzichts
einkommens der Ehefrau des Versicherten (EL-act. 132 und 134). Dagegen erhob der
Versicherte am 8. Dezember 2007 Einsprache (EL-act. 129), welche mit Entscheid vom
19. Februar 2008 abgewiesen wurde (EL-act. 118). Die am 3. April 2008 dagegen er
hobene Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (EL-act. 110–
2 ff.) wurde zusammen mit der am 17. April 2007 erhobenen Beschwerde (EL-act. 158)
behandelt. Mit Entscheid EL 2007/23, EL 2008/8 vom 5. November 2008 beurteilte das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen den Anspruch auf eine jährliche Er
gänzungsleistung ab Mai 2002. Es bestätigte die Anrechnung der Unfallversicherungs
rente und die Anrechnung der Rente aus beruflicher Vorsorge, verpflichtete aber die
EL-Durchführungsstelle, weitere Abklärungen in Bezug auf eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung im Jahr 2003, eine im Juli 2005 verfügte teilweise
Rückforderung der Arbeitslosenentschädigung, den jeweiligen Monatsbetrag der
ausgerichteten Arbeitslosenentschädigung, ein allfälliges weiteres Einkommen des
Versicherten in der Periode Oktober 2004 bis Januar 2005, die vom Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gestellten Anforderungen an die Arbeitsbemühungen
und gegebenenfalls die Qualität und Zahl der Bewerbungen in der Zeit ab September
2005 sowie allfällige Arbeitsbemühungen der Ehefrau zu tätigen (vgl. zum Ganzen EL-
act. 95).
B.
B.a Mit Verfügung vom 23. Dezember 2008 setzte die EL-Durchführungsstelle den
Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung mit Wirkung ab dem 1. Januar 2009 auf
Fr. 811.-- pro Monat fest (EL-act. 94).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.b Am 6. Januar 2008 erhob der Versicherte Einsprache dagegen (EV-act. 93). Das
Einspracheverfahren wurde antragsgemäss sistiert (EL-act. 91).
B.c Am 16. September 2008 liess der Versicherte der EL-Durchführungsstelle Nach
weise über Stellenbemühungen der Ehefrau zugehen (EL-act. 85). Am 26. Mai 2009
reichte der Versicherte ein Schreiben der Unia Arbeitslosenkasse vom 25. Mai 2009
samt Übersichtsblatt sowie eine weitere Absage auf eine Bewerbung der Ehefrau nach
(EL-act. 84). Am 2. Juni 2009 liess der Versicherte der EL-Durchführungsstelle sodann
eine Aufstellung der Suva über die seit September 2003 ausgerichteten Renten
leistungen zugehen (EL-act. 83). Mit Schreiben vom 12. Juni 2009 liess der Versicherte
sodann Bestätigungen der Einrichtung der beruflichen Vorsorge über die
ausgerichteten Rentenleistungen zugehen (EL-act. 82).
B.d Am 18. Mai 2009 hatte die EL-Durchführungsstelle das RAV Heerbrugg angefragt,
welches die Anforderungen an die Bewerbungen waren, wie viele Bewerbungen in den
Jahren 2004 und 2005 für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung notwendig
gewesen waren, und ob an den Versicherten bestimmte zusätzliche Anforderungen ge
stellt worden waren. Der Leiter des RAV Heerbrugg antwortete am 18. Juni 2009, der
Versicherte sei ihnen unbekannt, und es sei kein Zugriff auf die Daten aus den Jahren
2004 und 2005 mehr möglich. Die allgemeinen Vorgaben betreffend Anzahl der Be
werbungen seien in den Jahren 2004 und 2005 gleich wie im Jahr 2009 gewesen; die
Versicherten hätten zwei bis drei Bewerbungen pro Woche tätigen müssen, die Berater
hätten aber ein gewisses Ermessen gehabt und Vereinbarungen getroffen. Die Wirt
schaftslage im Rheintal sei in den Jahren 2004 und 2005 recht schwierig gewesen; der
Rückgang der Arbeitslosigkeit habe erst im Jahr 2006 begonnen (IV-act. 80).
B.e Am 20. Juli 2009 liess der Versicherte der EL-Durchführungsstelle diverse Ab
rechnungen der Arbeitslosenkasse, Zahlstelle Heerbrugg, zugehen (EL-act. 76). Am
21. Juli 2009 reichte er weitere Unterlagen nach, und zwar einerseits eine Aufstellung
der vom 23. September 2002 bis zum 30. April 2003 ausgerichteten Krankentag
geldleistungen und andererseits sämtliche Arbeitslosentaggeldabrechnungen von
September 2003 bis August 2005 samt Rückforderungsverfügung und einem Ausdruck
aus dem Auszahlungssystem der Arbeitslosenversicherung betreffend Einstelltage.
Gemäss Begleitschreiben der Arbeitslosenkasse hatte diese selbst keine Einstelltage
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verfügt; das RAV bzw. die kantonale Amtsstelle hätten 20 Einstelltage verfügt (EL-
act. 77).
B.f Mit Verfügung vom 3. September 2009 setzte die EL-Durchführungsstelle die
jährliche Ergänzungsleistung mit Wirkung ab dem 1. September 2009 auf neu Fr. 598.--
fest, allerdings unter Vorbehalt des „Ausgangs der Revision 2008, sowie noch sämt
lichen offenen Abklärungen“ (EL-act. 74).
B.g Am 15. Oktober 2009 liess der Versicherte der EL-Durchführungsstelle eine Kopie
des Lehrvertrages seines Sohnes zugehen; als Lehrzeit war der Zeitraum vom
1. August 2008 bis zum 31. Juli 2012 vorgesehen (EL-act. 73).
B.h Mit Verfügung vom 28. Dezember 2009 erhöhte die EL-Durchführungsstelle den
Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung mit Wirkung ab dem 1. Januar 2010 auf
Fr. 833.-- pro Monat (EL-act. 72). Auf entsprechende Anfrage des Versicherten hin (EL-
act. 71), bestätigte die EL-Durchführungsstelle am 11. Januar 2010, dass die
Verfügung „unter Vorbehalt des Ausgangs des pendenten Verfahrens“ ergangen sei;
gemäss einer Notiz der EL-Durchführungsstelle wurde das Antwortschreiben allerdings
nicht verschickt (EL-act. 70).
B.i Am 28. Januar 2010 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom
28. Dezember 2009 (EL-act. 67). Am 16. Februar 2010 teilte die EL-Durchführungsstelle
dem Versicherten mit, dass das Einspracheverfahren mit jenem betreffend die Ver
fügung vom 23. Dezember 2008 vereinigt werde und weiterhin sistiert bleibe (EL-
act. 65).
B.j Am 21. Juni 2010 teilte der Versicherte mit, dass er über keine weiteren
Unterlagen betreffend Stellenbemühungen seiner Ehefrau verfüge (EL-act. 62).
B.k Am 21. Juli 2010 fragte die EL-Durchführungsstelle das RAV Heerbrugg an, wie
die Wirtschaftslage ab 2002 gewesen war, und ob es im Jahr 2002 für eine 39jährige
Ausländerin ohne Ausbildung, aber mit grossem Arbeitswillen möglich gewesen wäre,
eine Arbeitsstelle zu finden. Der Leiter des RAV Heerbrugg antwortete am 27. Juli 2010,
die vorletzte Krise habe im Jahr 2001 begonnen, weshalb die Arbeitslosenquote im
Jahr 2002 laufend angestiegen sei; insbesondere im Rheintal hätten es vor allem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Frauen schwer gehabt, eine Anstellung zu finden. Der Höchststand sei im Jahr 2004 er
reicht worden; die Krise habe bis 2006 gedauert (EL-act. 59 f.).
B.l Am 1. Oktober 2010 reichte der Versicherte weitere Unterlagen betreffend
Krankentaggeldleistungen nach (EL-act. 56).
B.m Am 7. Oktober 2010 liess der Versicherte der EL-Durchführungsstelle eine unter
zeichnete Gesprächsnotiz bezüglich Arbeit auf Abruf zugehen, wonach die Ehefrau des
Versicherten ab dem 23. September 2010 eine Stelle als Hilfsarbeiterin auf Abruf zu
einem Stundenlohn von Fr. 14.50 zuzüglich Ferienentschädigung angetreten hatte (EL-
act. 55). Am 3. November 2010 reichte der Versicherte eine Lohnabrechnung vom
21. Oktober 2010 betreffend den Zeitraum vom 23. September bis zum 20. Oktober
2010 nach, gemäss welcher die Ehefrau 187,12 Stunden gearbeitet und einen
Nettolohn von Fr. 2’746.15 abzüglich Fr. 54.00 („Schuhe“) erhalten hatte (EL-act. 54).
B.n Mit Verfügung vom 29. Dezember 2010 erhöhte die EL-Durchführungsstelle den
Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung mit Wirkung ab dem 1. Januar 2011 auf
Fr. 903.-- pro Monat (EL-act. 46 ff.).
B.o Am 19. Januar 2011 liess der Versicherte der EL-Durchführungsstelle die von der
ehemaligen Arbeitgeberin des Versicherten handschriftlich ergänzten
Krankentaggeldabrechnungen zugehen (EL-act. 44).
B.p Am 6. Juli 2011 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit, für ihn
werde ab dem 1. September 2005 ein hypothetisches Einkommen angerechnet, da die
Arbeitsbemühungen ungenügend seien. Für die Ehefrau werde ab Anspruchsbeginn ein
hypothetisches Einkommen angerechnet, da es im Jahr 2001, als der Versicherte krank
geworden sei, schweizweit am wenigsten Arbeitslose gehabt habe (EL-act. 37).
B.q Dazu nahm der Versicherte am 19. Juli 2011 Stellung. Er beanstandete, dass die
gemäss Entscheid EL 2007/23, EL 2008/8 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 5. November 2008 verlangten Abklärungen nicht bzw. ungenügend ge
tätigt worden seien, und machte insbesondere geltend, die Mietkosten seien fehlerhaft
berücksichtigt worden, die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
den Versicherten und dessen Ehefrau sei nicht rechtens und auch die übrigen Ein
nahmepositionen seien nicht korrekt berücksichtigt worden (EL-act. 35).
B.r Mit Verfügung vom 29. September 2011 setzte die EL-Durchführungsstelle den
Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung für den Zeitraum vom 1. Mai 2002 bis
zum 31. September 2011 neu fest; auf eine Rückforderung wurde aufgrund der
wirtschaftlichen Verhältnisse verzichtet (EL-act. 30 und 3–29). Gleichentags verfügte
die EL-Durchführungsstelle die Einstellung der jährlichen Ergänzungsleistung (EL-
act. 1 f.).
C.
Eine am 26. Oktober 2011 dagegen erhobene, sich aber nicht in den Akten befindende
Einsprache wurde mit Entscheid vom 26. März 2012 abgewiesen (nicht nummeriertes
Aktenstück vor EL-act. 1).
D.
D.a Dagegen richtet sich die am 29. März 2012 erhobene Beschwerde, mit der die
Zusprache einer jährlichen Ergänzungsleistung von je Fr. 1’238.25 für die Monate Mai
2002 bis Dezember 2002, je Fr. 960.40 für die Monate September und Oktober 2003,
Fr. 805.-- für den Monat November 2003, je Fr. 633.85 für die Monate Januar bis Juni
2004, je Fr. 752.85 für die Monate Juli bis Dezember 2004, je Fr. 825.85 für die Monate
Juli und August 2005, je Fr. 3’166.15 für die Monate September bis Dezember 2005, je
Fr. 3’040.50 für die Monate Januar bis August 2006, je Fr. 2’945.-- für die Monate
September bis Dezember 2006, je Fr. 3’171.15 für die Monate Januar bis August 2007,
je Fr. 3’183.25 für die Monate September bis Dezember 2007, Fr. 3’529.10 für den
Monat Januar 2008, je Fr. 2’425.25 für die Monate Februar bis Juli 2008, Fr. 2’468.80
für den Monat August 2008, je Fr. 1’705.80 für die Monate September bis Dezember
2008, je Fr. 1’794.30 für die Monate Januar bis August 2009, je Fr. 1’717.80 für die
Monate September bis November 2009, Fr. 1’255.75 für den Monat Dezember 2009, je
Fr. 1’309.75 für die Monate Januar bis Dezember 2010, je Fr. 1’385.-- für die Monate
Januar bis September 2011 und monatlich Fr. 1’385.-- ab Oktober 2011 zuzüglich Ver
zugszinsen auf den allfälligen Nachzahlungen beantragt werden (act. G 1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
D.b Die Beschwerdegegnerin schliesst unter Verweis auf die Erwägungen des ange
fochtenen Einspracheentscheides auf Abweisung der Beschwerde
(Beschwerdeantwort vom 23. April 2012; act. G 3).
D.c Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik (act. G 5).
D.d Am 9. Oktober 2012 beschloss das Versicherungsgericht, ergänzende
Beweismittel einzuholen, nämlich Bescheinigungen über die von der
Invalidenversicherung und der zuständigen Einrichtung der beruflichen Vorsorge
ausgerichteten Rentenleistungen in den Jahren 2009 bis 2012 sowie – falls notwendig –
die Tarife des Tarifverbundes Ostwind in den Jahren 2006 bis 2011. Auf entsprechende
Anfrage hin teilte die Beschwerdegegnerin telefonisch mit, die aktuellen
Rentenleistungen würden jeweils systembedingt automatisch in die Berechnung des
EL-Anspruchs einfliessen; neue Verfügungen würden jeweils nicht eröffnet. Für die
Berechnung des EL-Anspruchs wird daher auf die von der Beschwerdegegnerin
angerechneten Beträge (vgl. act. G 3.2) abgestellt.

Erwägungen:
1.
Gegenstand der vereinigten Verfahren EL 2007/23 und EL 2008/8 bildete der Anspruch
auf eine jährliche Ergänzungsleistung ab Mai 2002; der entsprechende Rückweisungs
entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. November 2008 ist
unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen. Die Beschwerdegegnerin hat in der
Folge weitere Abklärungen getätigt und schliesslich am 29. September 2011 über den
Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung für den Zeitraum von Mai 2002 bis
September 2011 und ab Oktober 2011 verfügt. Diese Verfügung bildete Gegenstand
des Einspracheverfahrens, das mit dem angefochtenen Entscheid vom 26. März 2012
abgeschlossen wurde. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet
mithin der Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung für den Zeitraum von Mai
2002 bis März 2012. Zu prüfen sind sämtliche Voraussetzungen und
Bemessungsgrundlagen, da Art. 61 lit. c und d des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) das kantonale
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Versicherungsgericht verpflichten, die für den Entscheid erheblichen Tatsachen unter
Mitwirkung der Parteien festzustellen, die notwendigen Beweise zu erheben, die
Beweise frei zu würdigen und den Entscheid ohne Bindung an die Begehren der
Parteien zu fällen.
2.
Fest steht, dass der Beschwerdeführer ab Mai 2002 grundsätzlich die Voraussetzungen
für die Zusprache einer jährlichen Ergänzungsleistung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. a
des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) erfüllt. Streitig ist, ob und inwieweit die an
erkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen im massgebenden Zeitraum
überstiegen bzw. ob und in welchem Betrag dem Beschwerdeführer eine jährliche Er
gänzungsleistung im massgebenden Zeitraum zuzusprechen ist (vgl. Art. 9 Abs. 1 ELG).
Die per 1. Januar 2008 in Kraft getretene Rechtsänderung hat betreffend die vorliegend
interessierenden Fragestellungen nicht zu materiellen Neuerungen geführt.
3.
3.1 Bezüglich der anrechenbaren Ausgaben (Art. 10 ELG) ist festzuhalten, dass die
Beschwerdegegnerin zu Recht lediglich den jährlichen Pauschalbetrag für die obli
gatorische Krankenpflegeversicherung (Art. 10 Abs. 3 lit. d ELG), die Mietkosten
(Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG) und die Pauschale für den allgemeinen Lebensbedarf (Art. 10
Abs. 1 lit. a ELG) angerechnet hat. Dagegen wendet sich der Beschwerdeführer denn
auch nicht.
3.2
3.2.1 Alle drei erwähnten Positionen hängen betragsmässig von der Anzahl der in
die Berechnung einzuschliessenden Personen ab: Die Pauschale für den allgemeinen
Lebensbedarf wie auch die Pauschale für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung werden für jede in die Berechnung eingeschlossene Person
festgesetzt und anschliessend je gesamthaft berücksichtigt; hinsichtlich der Mietkosten
ist mit Blick auf Art. 16c der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) entscheidend, ob die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wohnung ausschliesslich von in die Berechnung des EL-Anspruchs
einzuschliessenden Personen oder aber auch von Personen, die nicht in die
Berechnung einzuschliessen sind, bewohnt wurde. Es ist daher vorab zu prüfen,
welche Kinder des Beschwerdeführers in welchen Zeiträumen in die Berechnung des
EL-Anspruchs einzuschliessen sind und welche Kinder in welchen Zeiträumen in der
Wohnung des Beschwerdeführers lebten. Dass sowohl der Beschwerdeführer als auch
seine Ehefrau während des gesamten relevanten Zeitraums in der Wohnung lebten und
in die Berechnung des EL-Anspruchs einzuschliessen sind, ist ausgewiesen.
3.2.2 Im Zeitpunkt der rückwirkenden Rentenzusprache der
Invalidenversicherung begründeten B._, geboren 1988, C._, geboren 1990, und
D._, geboren 1991, einen Anspruch auf eine Kinderrente zur Invalidenrente des
Beschwerdeführers (vgl. EL-act. 238–1). Im Zeitpunkt der Anmeldung zum Bezug von
Ergänzungsleistungen lebten zudem zwei weitere Kinder, E._, geboren 1984, und
F._, geboren 1985, zeitweise in der Wohnung des Beschwerdeführers. F._ zog am
2. Juli 2004 aus der gemeinsamen Wohnung aus, E._ war von September 2005 bis
Dezember 2005 ausser Landes (vgl. die Notizen in EL-act. 239–2). Für F._ wurde
dem Beschwerdeführer bis und mit Oktober 2003 eine Kinderrente zur Invalidenrente
ausgerichtet (vgl. EL-act. 229). Anfang September 2006 zog E._ aus der
gemeinsamen Wohnung aus (vgl. EL-act. 181). B._ beendete ihre im August 2006
begonnene Erstausbildung im August 2009 (EL-act. 100–5 f.), C._ ihre im August
2008 begonnene Ausbildung im August 2011 (EL-act. 100–10 f.), D._ seine ebenfalls
im August 2008 begonnene Ausbildung per Ende Juli 2012 (EL-act. 100–7 f.).
3.2.3 Für den Zeitraum von Mai 2002 bis und mit Oktober 2003 lebten mithin
sieben Personen in der Wohnung des Beschwerdeführers, von denen sechs in die
Berechnung des EL-Anspruchs einzuschliessen waren; E._ hatte in diesem Zeitraum
keinen Anspruch auf eine Kinderrente (vgl. EL-act. 199). Von November 2003 bis und
mit Juni 2004 lebten sieben Personen in der Wohnung des Beschwerdeführers, von
denen fünf in die Berechnung des EL-Anspruchs einzuschliessen waren; F._ hatte ab
November 2003 keinen Anspruch mehr auf eine Kinderrente. Von August 2004 bis und
mit September 2005 lebten sechs Personen in der Wohnung, wovon fünf in die
Berechnung einzuschliessen waren, von Oktober 2005 bis und mit Januar 2006 lebten
fünf Personen in der Wohnung, wovon alle in die Berechnung einzuschliessen waren,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ab Februar 2006 wiederum sechs, wovon fünf in die Berechnung einzuschliessen
waren. Von Oktober 2006 bis zum Erlass des hier zu beurteilenden
Einspracheentscheides vom 26. März 2012 änderte sich die Wohnsituation offenbar
nicht mehr; entsprechende Angaben fehlen jedenfalls in den Akten.
3.2.4 Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang sodann Art. 9 Abs. 4
ELG, wonach Kinder, deren anrechenbare Einnahmen die anerkannten Ausgaben über
steigen, für die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung ausser Betracht fallen.
Für die Zeiträume von August 2006 bis August 2011 bzw. März 2012 sind daher Ver
gleichsrechnungen anzufertigen; es ist in den fraglichen Zeiträumen zu prüfen, ob die
anrechenbaren Einnahmen von B._, C._ bzw. D._ deren anerkannte Ausgaben
überstiegen. Darauf ist unten zurückzukommen.
3.3
3.3.1 Die Prämienpauschale für die obligatorische Krankenpflegeversicherung
betrug für die hier massgebende Prämienregion (Prämienregion 3, Kanton St. Gallen)
im Jahr 2002 Fr. 2’328.-- für Erwachsene, Fr. 1’644.-- für Jugendliche und Fr. 600.-- für
Kinder (AS 2001 2735), im Jahr 2003 Fr. 2’532.-- für Erwachsene, Fr. 1’872.-- für
Jugendliche und Fr. 648.-- für Kinder (AS 2002 3668), im Jahr 2004 Fr. 2’592.-- für
Erwachsene, Fr. 1’968.-- für Jugendliche und Fr. 660.-- für Kinder (AS 2003 4304), im
Jahr 2005 Fr. 2’724.-- für Erwachsene, Fr. 2’088.-- für Jugendliche und Fr. 672.-- für
Kinder (AS 2004 4570), im Jahr 2006 Fr. 2’916.-- für Erwachsene, Fr. 2’256.-- für
Jugendliche und Fr. 708.-- für Kinder (AS 2005 5198), im Jahr 2007 Fr. 2’976.-- für
Erwachsene, Fr. 2’292.-- für Jugendliche und Fr. 720.-- für Kinder (AS 2006 4820), im
Jahr 2008 Fr. 3’036.-- für Erwachsene, Fr. 2’352.-- für Jugendliche und Fr. 744.-- für
Kinder (AS 2007 5174), im Jahr 2009 Fr. 3’204.-- für Erwachsene, Fr. 2’556.-- für
Jugendliche und Fr. 768.-- für Kinder (AS 2008 5186), im Jahr 2010 Fr. 3’528.-- für
Erwachsene, Fr. 2’940.-- für Jugendliche und Fr. 852.-- für Kinder (AS 2009 6080), im
Jahr 2011 Fr. 3’768.-- für Erwachsene, Fr. 3’300.-- für Jugendliche und Fr. 924.-- für
Kinder (AS 2010 5834) und im Jahr 2012 Fr. 3’912.-- für Erwachsene, Fr. 3’540.-- für
Jugendliche und Fr. 948.-- für Kinder (Art. 2 lit. c der Verordnung über die
Durchschnittsprämien 2012 der Krankenpflegeversicherung für die Berechnung der
Ergänzungsleistungen; SR 831.309.1), wobei unter Jugendlichen junge Erwachsene im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sinne von Art. 61 Abs. 3 Satz 2 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung
(KVG; SR 832.10), also Personen im Alter von 18–25 Jahren, zu verstehen sind.
3.3.2 Für den Zeitraum von Mai bis und mit Dezember 2002 waren demnach
Krankenkassenprämien für zwei Erwachsene und vier Kinder, mithin gesamthaft
Fr. 7’056.--, anzurechnen, für den Zeitraum von Januar bis und mit Oktober 2003
(Volljährigkeit F._) solche für zwei Erwachsene und vier Kinder, mithin gesamthaft
Fr. 7’656.--, für die Monate November und Dezember 2003 solche für zwei Erwachsene
und drei Kinder, mithin gesamthaft Fr. 7’008.--, für die Jahre 2004–2006 solche für
zwei Erwachsene und drei Kinder, mithin gesamthaft Fr. 7’164.--, Fr. 7’464.-- bzw.
Fr. 7’956.--, für die Jahre 2007 und die Monate Januar und August bis Dezember 2008
solche für zwei Erwachsene, eine Jugendliche und zwei Kinder, mithin gesamthaft
Fr. 9’684.-- bzw. Fr. 9’912.--, für die Monate Februar bis und mit Juli 2008 solche für
zwei Erwachsene und zwei Kinder (C._ wurde im Februar 2008 volljährig, begann ihre
Ausbildung aber erst im August 2008), mithin gesamthaft Fr. 7’560.--, für den Zeitraum
von Januar bis und mit August 2009 (Ausbildungsabschluss B._) solche für zwei
Erwachsene, zwei Jugendliche und ein Kind, mithin gesamthaft Fr. 12’288.--, für den
Zeitraum von September bis und mit Dezember 2009 solche für zwei Erwachsene, eine
Jugendliche und ein Kind, mithin gesamthaft Fr. 9'732.--, für das Jahr 2010 solche für
zwei Erwachsene und zwei Jugendliche, mithin gesamthaft Fr. 12'936.--, für den
Zeitraum von Januar bis und mit August 2011 (Ausbildungsschluss C._) solche für
zwei Erwachsene und zwei Jugendliche, mithin gesamthaft Fr. 14'136.--, für den Zeit
raum von September bis und mit Dezember 2011 solche für zwei Erwachsene und
einen Jugendlichen, mithin gesamthaft Fr. 10’836.--, ab Januar 2012 solche für zwei
Erwachsene und einen Jugendlichen, mithin gesamthaft Fr. 11’364.--, alles unter Vor
behalt allfälliger günstigerer Vergleichsrechnungen (vgl. E. 3.2.4 und E. 4.7).
3.4
3.4.1 Die Pauschale für den allgemeinen Lebensbedarf betrug im Jahr 2002 für
Ehepaare Fr. 25’320.-- und für Kinder Fr. 8’850.-- (AS 2000 2636), wobei für die beiden
ersten Kinder der volle Betrag angerechnet wurde und für die beiden nächsten zwei
Drittel davon (Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 ELG). In den Jahren 2003 und 2004 beliefen
sich die Beträge auf Fr. 25’950.-- und Fr. 9’060.-- (AS 2002 3348), in den Jahren 2005
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und 2006 auf Fr. 26’460.-- und Fr. 9’225.-- (AS 2004 4371), in den Jahren 2007 und
2008 auf Fr. 27’210.-- und Fr. 9’480.-- (AS 2006 4153), in den Jahren 2009 und 2010
auf Fr. 28’080.-- und Fr. 9’780.-- (AS 2008 4723) und in den Jahren 2011 und 2012 auf
Fr. 28’575.-- und Fr. 9’945.-- (AS 2010 4585).
3.4.2 Für den Zeitraum von Mai bis und mit Dezember 2002 ist demnach ein
Lebensbedarf von insgesamt Fr. 54’820.-- anzurechnen, für den Zeitraum von Januar
bis und mit Oktober 2003 (Volljährigkeit F._) ein solcher von Fr. 56’150.--, für den
Zeitraum von November 2003 bis und mit Dezember 2004 ein solcher von
Fr. 50’110.--, für die Jahre 2005 und 2006 ein solcher von Fr. 51’060.--, für das Jahr
2007 und die Monate Januar und August bis Dezember 2008 ein solcher von
Fr. 52’490.--, für die Monate Februar bis und mit Juli 2008 ein solcher von Fr.
46'170.--, für den Zeitraum von Januar bis und mit August 2009 (Ausbildungsabschluss
B._) ein solcher von Fr. 54’160.--, für den Zeitraum von September 2009 bis und mit
Dezember 2010 ein solcher von Fr. 47’640.--, für den Zeitraum von Januar bis und mit
August 2011 (Ausbildungsabschluss C._) ein solcher von Fr. 48’465.-- und ab
September 2011 ein solcher von Fr. 38’520.--, auch dies unter Vorbehalt allfälliger
günstigerer Vergleichsrechnungen (vgl. E. 3.2.4 und E. 4.7).
3.5
3.5.1 Die Mietkosten der von der Familie des Beschwerdeführers bewohnten
Wohnung beliefen sich ab Anspruchsbeginn auf Fr. 12’000.-- pro Jahr (EL-act. 240–2).
Der Mietzins wurde im Mai 2008 auf Fr. 13’200.-- erhöht (EL-act. 100–3).
3.5.2 Für den Zeitraum von Mai 2002 bis und mit Oktober 2003 (Volljährigkeit
F._) ist ein Anteil von sechs Siebteln der Mietkosten anzurechnen, mithin ein Betrag
von Fr. 10’286.--, für den Zeitraum von November 2003 bis und mit Juli 2004 (Wegzug
F._) ein solcher von fünf Siebteln bzw. Fr. 8’571.--, für den Zeitraum von August 2004
bis und mit September 2005 (Wegzug E._) ein solcher von fünf Sechsteln bzw.
Fr. 10’000.--, für den Zeitraum von Oktober 2005 bis und mit Januar 2006 (Rückkehr
E._) der volle Betrag von Fr. 12’000.--, für den Zeitraum von Februar bis und
mit September 2006 (Wegzug E._) wiederum ein Anteil von fünf Sechsteln bzw.
Fr. 10’000.--, für den Zeitraum von Oktober 2006 bis und mit September 2009 (Aus
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bildungsabschluss B._) wiederum der volle Betrag von Fr. 12’000.-- bzw. ab Mai
2008 Fr. 13’200.--, allerdings mit Ausnahme der Monate Februar bis und mit Juli 2008,
für welche lediglich ein Anteil von vier Fünfteln anzurechnen ist, für den Zeitraum von
Oktober 2009 bis und mit September 2011 (Ausbildungsabschluss C._) ein Anteil von
vier Fünfteln bzw. Fr. 10’560.--, ab Oktober 2011 ein solcher von drei Fünfteln bzw.
Fr. 7’920.--, auch dies unter Vorbehalt allfälliger günstigerer Vergleichsrechnungen (vgl.
E. 3.2.4 und E. 4.7).
4.
4.1 Bezüglich der anrechenbaren Einnahmen (Art. 11 ELG) ist vorweg festzuhalten,
dass sich für den gesamten Zeitraum nur die Frage der Anrechnung von tatsächlichen
und/oder hypothetischen Erwerbseinkommen, von Rentenleistungen der Invalidenver
sicherung, der Unfallversicherung und aus beruflicher Vorsorge sowie von Taggeldern
der Arbeitslosenversicherung, der Krankentaggeldversicherung und der Unfallver
sicherung stellt. Weitere Einnahmen sind in den Akten nicht ausgewiesen;
insbesondere hat das Vermögen des Beschwerdeführers augenscheinlich im
relevanten Zeitraum nie einen Wert erreicht, bei welchem sich die Frage nach der
Anrechnung eines Vermögensverzehrs gestellt hätte.
4.2
4.2.1 Die Invalidenversicherung hat dem Beschwerdeführer von Mai bis und mit
Dezember 2002 Rentenleistungen von Fr. 1’631.-- pro Monat bzw. Fr. 19’572.-- pro
Jahr, von Januar 2003 bis und mit Juni 2003 solche von Fr. 1’669.-- pro Monat bzw.
Fr. 20’028.-- pro Jahr, von Juli bis und mit Oktober 2003 solche von Fr. 3’336.-- pro
Monat bzw. Fr. 40’032.-- pro Jahr, für den Monat November 2003 eine solche von
Fr. 2’876.-- (entspricht einer Jahresrente von Fr. 34’512.--), für den Monat Dezember
2003 eine solche von Fr. 1’439.-- (entspricht einer Jahresrente von Fr. 17’268.--), von
Januar 2004 bis und mit Dezember 2004 solche von Fr. 720.-- pro Monat bzw.
Fr. 8’640.-- pro Jahr und ab Januar 2005 solche von Fr. 736.-- pro Monat bzw.
Fr. 8’832.-- pro Jahr ausgerichtet (EL-act. 229). Im Jahr 2007 erhielt der Beschwerde
führer Rentenleistungen der Invalidenversicherung von Fr. 9’072.-- (EL-act. 100–14 f.);
die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Berechnung allerdings lediglich einen Betrag von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fr. 8’088.-- berücksichtigt (act. G 3.2) – weshalb, ist nicht nachvollziehbar. Für die
Jahre 2008 bis 2012 fehlen entsprechende zuverlässige Angaben in den Akten.
Allerdings erfolgte im Jahr 2008 keine Anpassung der Renten der ersten Säule an die
Teuerung, was bedeutet, dass im Jahr 2008 gleich hohe Rentenleistungen ausgerichtet
wurden wie im Jahr 2007, allerdings ohne Ehegatten-Zusatzrente, da diese per
1. Januar 2008 wegfiel, und für die Monate Februar bis und mit Juli 2008 um eine
Kinderrente reduziert. Dem Beschwerdeführer sind mithin für die Monate Januar und
August bis Dezember 2008 Rentenleistungen von jährlich Fr. 7’980.-- und für die
Monate Februar bis und mit Juli 2008 solche von Fr. 6'528.-- anzurechnen (vgl. EL-
act. 100–14 f.). Für den Zeitraum von Januar bis und mit August 2009 sind leicht
höhere Rentenleistungen anzurechnen (Fr. 8’230.--), für den Zeitraum von September
2009 bis und mit Dezember 2010 solche von Fr. 6’732.--, für den Zeitraum von Januar
bis und mit August 2011 solche von Fr. 6’862.-- (Rentenleistungen für das Jahr 2007
abzüglich einer Kinderrente, zuzüglich der Teuerungsanpassung; vgl. act. G 3.2), für die
Zeit ab September 2011 solche von Fr. 5’232.-- (Rentenleistungen für das Jahr 2007
abzüglich zweier Kinderrenten, zuzüglich der Teuerungsanpassung; vgl. act. G 3.2).
4.2.2 Die Unfallversicherung richtet dem Beschwerdeführer rückwirkend seit dem
1. September 2003 eine Invalidenrente aus, deren Betrag sich auf Fr. 1’073.-- pro
Monat beläuft; zusammen mit den Teuerungszulagen beliefen sich die
Rentenleistungen für den Zeitraum von September 2003 bis und mit Dezember 2004
auf monatlich Fr. 1’115.-- bzw. jährlich Fr. 13’380.--, für die Jahre 2005 und 2006 auf
monatlich Fr. 1’130.-- bzw. jährlich Fr. 13’560.-- und für die Jahre 2007 und 2008 auf
monatlich Fr. 1’155.60 bzw. jährlich Fr. 13’867.-- (EL-act. 155–3 ff.). Für die Jahre 2009
und 2010 richtete die Unfallversicherung eine monatliche Rente von Fr. 1’197.45 aus,
was einer Jahresrente von Fr. 14’369.-- entspricht (EL-act. 83–2). Für die Jahre 2011
und 2012 liegen keine Belege bei den Akten, doch ist angesichts der Tatsache, dass
die Teuerungszulagen im Jahr 2011 nicht erhöht wurden (vgl. die entsprechende
Mitteilung der Suva auf deren Website, <http://www.suva.ch/startseite-suva/unfall-
suva/versicherungsleistungen-suva/renten-teuerungszulagen-suva.htm>, abgerufen am
7. November 2012), ohne Weiteres vom selben Betrag auszugehen.
4.2.3 Die zuständige Einrichtung der beruflichen Vorsorge richtet dem
Beschwerdeführer ebenfalls rückwirkend seit dem 1. September 2003 eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Invalidenrente aus. Der Rentenbetrag beläuft sich auf Fr. 5’087.-- pro Jahr, der Betrag
einer einzelnen Kinderrente auf Fr. 1’017.--. Für den Zeitraum von September 2003 bis
und mit März 2004 wurden nebst der Invalidenrente fünf Kinderrenten, für den Zeitraum
von April 2004 bis und mit Dezember 2005 deren vier und ab Januar 2006 deren drei
ausgerichtet (EL-act. 195). Die Gesamtbeträge beliefen sich in den erwähnten
Zeiträumen mithin auf Fr. 10’172.--, Fr. 9’155.-- bzw. Fr. 8’138.--. Zufolge
Teuerungsanpassung erhielt der Beschwerdeführer im Jahr 2007 leicht höhere
Rentenleistungen von Fr. 8’207.60, im Jahr 2008 beliefen sich die Rentenleistungen auf
Fr. 7’694.40 (EL-act. 82), d.h. für die Monate Januar und August bis Dezember 2008
auf Fr. 8'207.60 und für die Monate Februar bis und mit Juli 2008 auf Fr. 7'181.60. Für
den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. August 2009 ist eine Jahresrente von
Fr. 7’446.-- anzurechnen, für den Zeitraum vom 1. September 2009 bis zum
30. November 2009 eine solche von Fr. 6’382.--, für den Dezember 2009 eine solche
von Fr. 5’318.-- (vgl. act. G 3.2). Für die Jahre 2010 bis 2012 ist ebenfalls eine
Jahresrente von Fr. 5’318.-- anzurechnen (vgl. act. G 3.2).
4.2.4 Gesamthaft beliefen sich die jährlichen Rentenleistungen mithin auf
Fr. 19’572.-- für den Zeitraum von Mai bis und mit Dezember 2002, Fr. 20’028.-- für
den Zeitraum von Januar bis und mit Juni 2003, Fr. 40’032.-- für die Monate Juli und
August 2003, Fr. 63’584.-- für die Monate September und Oktober 2003, Fr. 58’064.--
für den Monat November 2003, Fr. 40’820.-- für den Monat Dezember 2003,
Fr. 32’192.-- für die Monate Januar bis und mit März 2004, Fr. 31’175.-- für die Monate
April bis und mit Dezember 2004, Fr. 31’547.-- für das Jahr 2005, Fr. 30’530.-- für das
Jahr 2006, Fr. 31’147.-- für das Jahr 2007, Fr. 30’054.-- für die Monate Januar und
August bis Dezember 2008, Fr. 27’576.-- für die Monate Februar bis und mit Juli 2008,
Fr. 30'045.-- den Zeitraum von Januar bis und mit August 2009, Fr. 27’483.-- für den
Zeitraum von September bis und mit November 2009, Fr. 26’419.-- für den Zeitraum
von Dezember 2009 bis und mit Dezember 2010, Fr. 26’549.-- für den Zeitraum von
Januar bis und mit August 2011 bzw. Fr. 24’919.-- ab September 2011.
4.3
4.3.1 Die Unfallversicherung hat dem Beschwerdeführer für den Zeitraum vom
15. Mai 2001 bis zum 5. Mai 2002 ein Taggeld von Fr. 158.50 (100%ige Arbeitsunfähig
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
keit), für den Zeitraum vom 6. Mai 2002 bis zum 6. April 2003 ein solches von Fr. 79.25
(50%ige Arbeitsunfähigkeit) und vom 7. April bis zum 31. August 2003 wiederum ein
solches von Fr. 158.50 ausgerichtet (EL-act. 205).
4.3.2 Von der Arbeitslosenversicherung hat der Beschwerdeführer innerhalb der
Rahmenfrist vom 1. September 2003 bis zum 31. August 2005 (vgl. EL-act. 77–5)
Taggeldleistungen von Fr. 64’656.20 (EL-act. 77–13 und 77–48 ff.) erhalten. Davon hat
die Arbeitslosenkasse einen Anteil von Fr. 18’517.30 zurückgefordert und mit den rück
wirkend zugesprochenen Leistungen der Invalidenversicherung und aus beruflicher
Vorsorge verrechnet (EL-act. 77–13). Wie im Entscheid EL 2007/23, EL 2008/8 vom
5. November 2008 ausgeführt und im vorliegenden Entscheid in obiger E. 4.2 voraus
gesetzt, ist der Beschwerdeführer für die Berechnung des Anspruchs auf eine jährliche
Ergänzungsleistung so zu stellen, als hätte er von Beginn weg die letztlich definitiv aus
gerichteten Leistungen erhalten. Das bedeutet, dass für den Zeitraum von September
2003 bis und mit August 2005 Arbeitslosentaggelder im Betrag der Differenz der
ausgerichteten Taggelder und der zurückgeforderten und verrechneten Taggelder
anzurechnen sind. Dementsprechend sind für die Monate September bis und mit
November 2003 keine Arbeitslosentaggelder anzurechnen (EL-act. 77–13). Für den
Monat Dezember 2003 sind an sich Taggeldleistungen von Fr. 859.60 anzurechnen
(EL-act. 77–13), doch stellt sich die Frage einer zusätzlichen Anrechnung von hypo
thetischen Taggeldleistungen zufolge Verzichts auf dieselben, wurde der
Beschwerdeführer in diesem Monat doch während 20 Tagen in seiner
Anspruchsberechtigung eingestellt. In seinem Entscheid EL 2007/23, EL 2008/8 vom
5. November 2008 hat das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ausgeführt, es
sei abzuklären, worin das arbeitsversicherungsrechtliche Fehlverhalten des
Beschwerdeführers, das zur Einstellung in der Anspruchsberechtigung geführt habe,
bestanden habe; nur wenn der Grund der Sanktion bekannt sei, könne allenfalls die
Anrechnung eines Verzichtseinkommens erfolgen (vgl. EL-act. 95–17 f.). Aus den
nachträglich eingeholten Unterlagen geht nun hervor, dass der Beschwerdeführer
wegen fehlender Arbeitsbemühungen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde
(EL-act. 77–6). Da keine Gründe dafür ersichtlich sind, weshalb dem Beschwerdeführer
im fraglichen Zeitraum nicht hätte zugemutet werden können, sich ausreichend um
eine neue Arbeitsstelle zu bemühen, und da die zuständige Behörde immerhin gemäss
Art. 45 Abs. 3 lit. b der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und die Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02) auf mittelschweres Verschulden
erkannt hat, ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zumutbarerweise die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung hätte verhindern und mithin 23 statt bloss
drei Taggelder für den Monat Dezember 2003 erhalten können. Es ist daher für den
Monat Dezember 2003 eine jährliche Arbeitslosentaggeldsumme von Fr. 30’614.--
anzurechnen (vgl. EL-act. 95–18). Für das Jahr 2004 ist eine jährliche
Arbeitslosentaggeldsumme von Fr. 28’933.-- anzurechnen (EL-act. 77–29 ff., 77–63
und 77–69), für die Monate Januar bis und mit August 2005 aufgerechnet eine solche
von Fr. 28’860.-- (= Fr. 19’239.90 ÷ 8 × 12; EL-act. 77–46 ff.).
4.3.3 Von der Krankentaggeldversicherung erhielt der Beschwerdeführer für den
Zeitraum vom 23. September 2002 bis zum 7. April 2003 ein Taggeld von je Fr. 82.50
(EL-act. 44), entsprechend einem Jahresbetrag von Fr. 30’113.--. Davon sind acht Tag
gelder auf den September 2002 und sieben auf den April 2003 entfallen. Für diese
beiden Monate ist ein jährlicher Betrag von Fr. 7’920.-- (= 8 × 12 × Fr. 82.50) bzw.
Fr. 6’930.-- (= 7 × 12 × Fr. 82.50) anzurechnen.
4.4
4.4.1 Bezüglich der Grundsätze der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens für die Ehefrau des Beschwerdeführers wird auf den Entscheid
EL 2007/23, EL 2008/8 vom 5. November 2008 (E. 8) verwiesen. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat darin ausgeführt, die
Beschwerdegegnerin hätte nicht auf eine telefonische Auskunft des RAV abstellen,
zunächst kein hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnen und später
revisionsweise darauf zurückkommen dürfen. In der Folge hat die Beschwerdegegnerin
weitere Abklärungen bezüglich der Zumutbarkeit der Erzielung eines
Erwerbseinkommens getätigt: Sie forderte den Beschwerdeführer am 16. Mai 2009 auf,
sämtliche noch nicht zugestellten Stellenbemühungsnachweise seiner Ehefrau
einzureichen (EL-act. 86), woraufhin dieser diverse Bewerbungsschreiben und Absagen
aus dem Sommer 2008 – Unterlagen aus der Zeit von Ende 2007/Anfang 2008 lagen
bereits im Recht (vgl. EL-act. 110 f.) – einreichte (EL-act. 85); mit Schreiben vom
15. Februar 2010 forderte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer nochmals
auf, sämtliche Unterlagen ab Mai 2002 einzureichen (EL-act. 66), woraufhin dieser mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
teilte, keine weiteren Unterlagen zu besitzen (EL-act. 62); schliesslich fragte die Be
schwerdegegnerin am 21. Juli 2010 das RAV Heerbrugg an, wie die Wirtschaftslage im
Jahr 2002 gewesen sei, und ob es einer Ausländerin im Alter von 39 Jahren ohne
Ausbildung aber grossem Arbeitswillen möglich gewesen sei, eine Stelle zu finden;
das RAV teilte mit, die Wirtschaftslage sei schlecht gewesen und es sei insbesondere
für Frauen schwierig gewesen, eine Stelle zu finden (EL-act. 59 f.).
4.4.2 Es ist vor diesem Hintergrund davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer nicht über mehr Nachweise zu Stellenbemühungen seiner Ehefrau
besitzt. Er kann mit anderen Worten nicht beweisen, dass sich seine Ehefrau
abgesehen von zwei Bewerbungen im Dezember 2007, sechs Bewerbungen im Januar
2008, drei Bewerbungen im Februar 2008 (vgl. EL-act. 112), zwei Bewerbungen im
April 2008, zwei Bewerbungen im Mai 2008, sechs Bewerbungen im Juni 2008 und vier
Bewerbungen im August 2008 (vgl. EL-act. 85) um eine Arbeitsstelle bemüht hat. Diese
Bemühungen sind als ungenügend zu qualifizieren bzw. reichen nicht aus, um die
natürliche Vermutung, die Ehefrau des Beschwerdeführers hätte eine Arbeitsstelle
finden und ein entsprechendes Einkommen erzielen können, wenn sie sich intensiv
darum bemüht hätte, umzustossen. Da sie im hier relevanten Zeitraum auch keine
Arbeitslosenentschädigung bezogen hat und daher nie der strengen Kontrollpflicht der
Arbeitslosenversicherung unterstand, ist auch insofern nicht nachgewiesen, dass sie
sich genügend um eine Arbeitsstelle bemühte. Die allgemeinen, unspezifischen
Ausführungen des Leiters des RAV Heerbrugg zur schwierigen Wirtschaftslage (vgl. EL-
act. 59 f.) ändern daran nichts; sie genügen nicht, um im vorliegenden Fall mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen zu können, die Ehefrau des
Beschwerdeführers hätte auch bei nachgewiesenen ausreichenden
Stellenbemühungen keine Arbeitsstelle gefunden. Den Nachteil der Beweislosigkeit hat
der Beschwerdeführer zu tragen. Die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens für die Ehefrau des Beschwerdeführers erweist sich daher
grundsätzlich als rechtens.
4.4.3 Was die Höhe des anzurechnenden Einkommens betrifft, so ist der von der
Beschwerdegegnerin angerechnete Betrag (Fr. 27’461.--) als eher tief zu qualifizieren.
Stellt man nämlich auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik (BFS) regel
mässig durchgeführten Lohnstrukturerhebung (LSE) ab, ergeben sich höhere Beträge:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gemäss LSE 2002 (TA1) erhielten Hilfsarbeiterinnen in der Grossregion Ostschweiz im
Jahr 2002 einen standardisierten (d.h. auf 40 Stunden pro Woche umgerechneten)
Monatslohn von Fr. 3’629.--. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Wochen
arbeitszeit von 41,8 Stunden und eines Abzuges von 20 % aufgrund wirtschaftlicher
Erschwernisse entspräche dies einem Jahreslohn von Fr. 36’406.--. Im Jahr 2004
betrug der standardisierte Monatslohn gemäss LSE 2004 (TA1) Fr. 3’732.-- pro Monat,
woraus gemäss obigen Überlegungen ein massgebender Jahreslohn von Fr. 37’350.--
resultieren würde. Für das Jahr 2006 ergäbe sich bei einem standardisierten
Monatslohn von Fr. 3’860.-- ein massgebender Jahreslohn von Fr. 38’631.--, für das
Jahr 2008 ein solcher von Fr. 38’798.--. Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung ergäbe sich für das Jahr 2003 ein massgebendes Einkommen
von Fr. 37’025.--, für das Jahr 2005 ein solches von Fr. 37’761.--, für das Jahr 2007 ein
solches von Fr. 39’210.--, für das Jahr 2009 ein solches von Fr. 39’613.--, für das Jahr
2010 ein solches von Fr. 40’049.--, für das Jahr 2011 ein solches von Fr. 40’449.-- und
für das Jahr 2012 ein solches von Fr. 40’934.--. Der von der Beschwerdegegnerin
angerechnete Betrag erweist sich allerdings nicht als so tief, dass diesbezüglich auf
rechtsfehlerhafte Ermessensausübung zu schliessen wäre; er ist zwar (wie erwähnt)
vergleichsweise tief, aber unter Berücksichtigung des grossen Ermessensspielraumes
der Beschwerdegegnerin in diesem Punkt nicht als rechtsfehlerhaft zu beanstanden. Es
ist für die Berechnung des EL-Anspruchs daher auf den von der Beschwerdegegnerin
angerechneten Wert abzustellen. Der Beschwerdegegnerin bleibt es allerdings unbe
nommen, den Wert für die Zukunft anzupassen, zumal sie bis zum Zeitpunkt des Ein
spracheentscheides denselben Betrag angerechnet hat wie bereits für das Jahr 2002.
4.4.4 Das von der Ehefrau des Beschwerdeführers im Herbst 2010 erzielte
Erwerbseinkommen (vgl. EL-act. 54) belief sich auf etwas mehr als das von der
Beschwerdegegnerin angerechnete hypothetische Einkommen. Die Differenz ist
allerdings einerseits nicht allzu gross und andererseits ist unklar, für welchen Zeitraum
genau die Beschwerdegegnerin effektiv Lohn erhalten hat. Die Vorgehensweise der
Beschwerdegegnerin, durchgehend das hypothetische Erwerbseinkommen
anzurechnen, ist vor diesem Hintergrund nicht zu beanstanden.
4.5
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.5.1 Bezüglich der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für
den Beschwerdeführer selbst enthält der Entscheid EL 2007/23, EL 2008/8 vom
5. November 2008 ebenfalls die wesentlichen Grundsätze (vgl. dortige E. 7).
Abzuklären war lediglich noch, welches die konkreten Anforderungen an die
Stellenbemühungen des Beschwerdeführers während des Bezuges von
Arbeitslosenentschädigung waren. Die Beschwerdegegnerin fragte deshalb am 18. Mai
2009 das RAV Heerbrugg entsprechend an (EL-act. 80–2), worauf sie die Antwort
erhielt, es bestünde kein Zugriff mehr auf die Daten der Jahre 2004 und 2005 (EL-
act. 80–1). Damit dürfte der angefragte Leiter des RAV Heerbrugg wohl gemeint haben,
die Daten seien (definitiv) vernichtet, andernfalls er wohl darauf hingewiesen hätte, die
Daten seien woanders noch erhältlich zu machen. Tatsächlich sieht Art. 35 Abs. 5 lit. c
des Bundesgesetzes über die Arbeitsvermittlung und den Personalverleih (SR 823.11)
i.V.m. Art. 7 Abs. 2 der Verordnung über das Informationssystem für die
Arbeitsvermittlung und die Arbeitsmarktstatistik vor, dass Akten und Daten nach drei
Jahren zu vernichten seien. Jene Daten, welche die Arbeitsbemühungen des
Beschwerdeführers betrafen, insbesondere eine allfällige Vereinbarung über Anzahl und
Qualität der Bewerbungen, waren demnach bereits im Zeitpunkt des Entscheids des
Versicherungsgerichts am 5. November 2008 vernichtet und nicht mehr erhältlich zu
machen.
4.5.2 Das bedeutet, dass über die Frage, wie oft und in welcher Qualität sich der
Beschwerdeführer während der Rahmenfrist für den Leistungsbezug von
Arbeitslosenentschädigung bewerben musste, kein Beweis mehr geführt werden kann;
es liegt insofern Beweislosigkeit vor. Den Nachteil dieser Beweislosigkeit hat der
Beschwerdeführer zu tragen, will er doch aus der zu beweisenden Frage – ob er sich
nach dem Ende der Rahmenfrist im bisherigen Rahmen weiter beworben hat und daher
darauf vertrauen durfte, die Bemühungen seien auch in ergänzungsleistungsrechtlicher
Sicht genügend – einen Vorteil für sich ableiten. Gelingt ihm der Beweis nicht, ist mithin
davon auszugehen, dass er sich ab September 2005 auf deutlich weniger Stellen
beworben hat als noch bis und mit August 2005. Die Annahme, er hätte seine
Bemühungen im gleichen Umfang weiter geführt, ist ohne entsprechende Indizien nicht
wahrscheinlicher als jene, er hätte sich nach Ablauf der Rahmenfrist weniger intensiv
um eine Stelle bemüht. Im Gegenteil: Angesichts der Tatsachen, dass in aller Regel
deutlich mehr Bewerbungen verlangt wurden (vgl. EL-act. 80–2), und dass der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer dennoch fast durchgehend Arbeitslosenentschädigung erhielt, ist
eher davon auszugehen, dass er sich bis und mit August 2005, also während der
laufenden Rahmenfrist, auf mehr Stellen beworben hat als danach, andernfalls er wohl
(wiederum) in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden wäre. Jedenfalls genügen
solche Mutmassungen nicht, um die eine oder andere Sachverhaltsvariante als
wahrscheinlicher als die andere erscheinen zu lassen. Angesichts der dargestellten
Beweislosigkeit ist diesbezüglich zu Ungunsten des Beschwerdeführers zu entscheiden
und davon auszugehen, dass er sich während des Bezuges von Arbeitslosentaggeldern
auf wesentlich mehr Stellen beworben hat als danach.
4.5.3 Das hat zur Folge, dass dem Beschwerdeführer für den gesamten Zeitraum
von September 2005 bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheides eben
falls ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen ist, denn die Vermutung, er
hätte bei ausreichenden Bemühungen eine Arbeitsstelle gefunden und ein ent
sprechendes Einkommen erzielt, konnte er für den gesamten Zeitraum mittels der un
genügenden ausgewiesenen Stellenbemühungen nicht widerlegen. Für die Ermittlung
des Betrages ist auf Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV abzustellen und der um einen Drittel
erhöhte Lebensbedarf von Alleinstehenden nach Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG anzu
rechnen. Auch für den Zeitraum vom 1. Mai bis zum 23. September 2002 ist ein hypo
thetisches Erwerbseinkommen anzurechnen, da der Beschwerdeführer in diesem Zeit
raum keiner Erwerbstätigkeit nachging und auch kein eine vollständige Arbeitsunfähig
keit entschädigendes Taggeld der Unfallversicherung erhielt. Zu beachten ist
allerdings, dass von Mai 2002 bis und mit Juni 2003 der Invaliditätsgrad 50 % betrug.
Vor diesem Hintergrund ist nur der einfache Lebensbedarf von Alleinstehenden nach
Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG anzurechnen (Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV).
Zusammenfassend sind folgende Beträge anzurechnen: Von Mai bis und mit August
2002 Fr. 16’880.-- pro Jahr (AS 2000 2636), für den Monat September 2002
Fr. 12’379.-- (= Fr. 16’880.-- ÷ 30 × 22), für den Zeitraum von September 2005 bis und
mit Dezember 2006 Fr. 23’520.-- (= Fr. 17’640 ÷ 3 × 4; AS 2004 4371), für die Jahre
2007 und 2008 Fr. 24’187.-- (AS 2006 4153), für die Jahre 2009 und 2010 Fr. 24’960.--
(AS 2008 4723) und für die Jahre 2011 und 2012 Fr. 25’400.-- (AS 2010 4585).
4.6
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.6.1 B._ absolvierte von August 2006 bis August 2009 eine Berufslehre und
erhielt im ersten Jahr einen Lohn von Fr. 670.-- pro Monat bzw. Fr. 8’710.-- pro Jahr,
im zweiten einen solchen von Fr. 870.-- bzw. Fr. 11’310.-- und im dritten einen solchen
von Fr. 1’250.-- bzw. Fr. 16’250.-- (EL-act. 100–5 f.). Die Sozialversicherungsabzüge
betrugen 6,65 % (= Fr. 643.-- ÷ Fr. 9’685.--; EL-act. 100–13). Für den Zeitraum von
September 2006 bis und mit August 2007 ist mithin ein Anteil von zwei Dritteln des
Nettoerwerbseinkommens von Fr. 8’131.-- (= Fr. 8’710.-- × 93,35 %) pro Jahr anzu
rechnen, also Fr. 5’421.--, für den Zeitraum von September 2007 bis und mit August
2008 ein solcher von Fr. 7’039.-- und für den Zeitraum von September 2008 bis und
mit August 2009 ein solcher von Fr. 10’112.--.
4.6.2 C._ absolvierte von August 2008 bis August 2011 eine Berufslehre und
erhielt im ersten Jahr einen Lohn von Fr. 640.-- pro Monat bzw. Fr. 8’320.-- pro Jahr,
im zweiten einen solchen von Fr. 830.-- bzw. Fr. 10’790.-- und im dritten einen solchen
von Fr. 1’120.-- bzw. Fr. 14’560.-- (EL-act. 100–10 f.). Unter Annahme von Sozialver
sicherungsabzügen von 6,05 % ist für den Zeitraum von September 2008 bis und
mit August 2009 ein Anteil von zwei Dritteln eines Nettoerwerbseinkommens von
Fr. 7’817.-- pro Jahr, also Fr. 5’211.--, für den Zeitraum von September 2009 bis und
mit August 2010 ein solcher von Fr. 6’758.-- und für den Zeitraum von September 2010
bis und mit August 2011 ein solcher von Fr. 9’119.-- anzurechnen.
4.6.3 D._ absolvierte von August 2008 bis August 2012 eine Berufslehre und
erhielt im ersten Jahr einen Lohn von Fr. 500.-- pro Monat bzw. Fr. 6’500.-- pro Jahr,
im zweiten einen solchen von Fr. 630.-- bzw. Fr. 8’190.--, im dritten einen solchen von
Fr. 800.-- bzw. Fr. 10’400.-- und im vierten einen solchen von Fr. 1’010.-- bzw.
Fr. 13’130.-- (EL-act. 100–7 f.). Unter Annahme von Sozialversicherungsabzügen von
6,05 % ist für den Zeitraum von September 2008 bis und mit August 2009 ein Anteil
von zwei Dritteln eines Nettoerwerbseinkommens von Fr. 6’107.--, also Fr. 4’071.--, für
den Zeitraum von September 2009 bis und mit August 2010 ein solcher von
Fr. 5’130.--, für den Zeitraum von September 2010 bis und mit August 2011 ein solcher
von Fr. 6’514.-- und für den Zeitraum von September 2011 bis und mit Erlass des
angefochtenen Einspracheentscheides ein solcher von Fr. 8’224.-- anzurechnen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.6.4 Zu berücksichtigen sind sodann die Berufsauslagen, namentlich die Kosten
für die Benutzung des öffentlichen Verkehrs. B._ und D._ benötigten gemäss
Zonenplan des Ostwind Tarifverbundes je ein Jahresabonnement für vier Zonen
(Rebstein – St. Gallen und Rebstein – Sennwald), womit unter Zugrundelegung der
heutigen Preise Kosten von je Fr. 909.-- pro Jahr anfielen. C._ benötigte lediglich ein
Abonnement für zwei Zonen (Rebstein – Diepoldsau; es werden mit Ausnahme be
stimmter Lokalzonen stets mindestens zwei Zonen berechnet), was mit Kosten von
Fr. 495.-- pro Jahr verbunden war, wenn ebenfalls die aktuellen Preise zugrunde gelegt
werden. Wie aus nachfolgenden Ausführungen hervorgeht, wirken sich die ent
sprechenden Beträge in keiner Periode so auf die Berechnung aus, dass die Kenntnis
des jeweils genauen Betrages notwendig wäre. Die Einholung einer Auskunft zu den
früheren (tieferen) Tarifen kann daher unterbleiben.
4.7
4.7.1 Gemäss Art. 9 Abs. 4 ELG fallen Kinder, deren anrechenbare Einnahmen
die anerkannten Ausgaben übersteigen, für die Berechnung der jährlichen Ergänzungs
leistung ausser Betracht. Es ist daher im Folgenden zu prüfen, ob die Berechnung des
EL-Anspruchs für den Beschwerdeführer in den einzelnen Zeiträumen allenfalls
günstiger ausfällt, wenn die ein Erwerbseinkommen erzielenden Kinder nicht mit
berücksichtigt werden. Die Nichtberücksichtigung eines Kindes hat vorliegend zur
Folge, dass einerseits das Einkommen des Kindes nicht angerechnet wird, andererseits
aber auch die Pauschale für den Lebensbedarf entsprechend vermindert wird, die
Prämienpauschale für die Krankenversicherung des Kindes entfällt und von den
Mietkosten lediglich ein tieferer Anteil angerechnet werden kann.
4.7.2 Für den Zeitraum von September bis und mit Dezember 2006 wären für
B._ eine Pauschalprämie für die Krankenversicherung von Fr. 708.--, eine Pauschale
für den Lebensbedarf von Fr. 6’150.-- (= Fr. 9’225.-- × 2 ÷ 3) und ein Anteil an den
Mietkosten von Fr. 2’400.-- (= Fr. 12’000.-- ÷ 5) als Ausgaben anzuerkennen, mithin
gesamthaft ein Betrag von Fr. 9’258.--. Angesichts eines anrechenbaren Einkommens
von Fr. 5’421.-- im selben Zeitraum rechtfertigt sich ein Ausschluss aus der
Berechnung nicht. Für den Zeitraum von Januar bis und mit Juli 2007 wären eine
Pauschalprämie von Fr. 2’292.--, eine Pauschale für den Lebensbedarf von Fr. 6’320.--
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und ein Anteil an den Mietkosten von Fr. 2’400.-- anzuerkennen, was angesichts eines
anrechenbaren Einkommens von Fr. 5’421.-- ebenfalls keinen Ausschluss rechtfertigt.
Bei gleich bleibenden anerkannten Ausgaben (gesamthaft Fr. 11’012.--) für den
Zeitraum von September bis und mit Dezember 2007 und einem Einkommen von
Fr. 7’039.-- rechtfertigt sich auch für diesen Zeitraum kein Ausschluss. Für den
Zeitraum von Januar bis und mit August 2008 ist von denselben Werten auszugehen,
abgesehen von der Prämienpauschale für die Krankenkasse, welche sich auf
Fr. 2’352.-- belief (Ausgaben total Fr. 11’072.--), und der Erhöhung des Mietzinses per
Mai 2008 (Ausgaben total Fr. 11’312.--), weshalb B._ auch für diesen Zeitraum in die
Berechnung einzuschliessen ist. Für den Zeitraum von September 2008 bis und mit
Dezember 2008 betrug das anrechenbare Einkommen Fr. 10’112.--, lag mithin
ebenfalls unterhalb der anerkannten Ausgaben. Da sich die anerkannten Ausgaben per
Januar 2009 weiter erhöhten, das anrechenbare Einkommen aber gleich blieb, ist B._
für den gesamten Zeitraum in die Berechnung einzuschliessen.
4.7.3 Dasselbe gilt sinngemäss in Bezug auf C._ und D._, die beide in den
vergleichbaren Zeiträumen ein leicht tieferes Einkommen erzielten als B._. Von einer
detaillierten Berechnung wird an dieser Stelle abgesehen.
5.
5.1 Anhand der in E. 4 ermittelten Werte kann für jede Periode berechnet werden, ob
und allenfalls in welcher Höhe ein Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung be
stand.
5.2
5.2.1 Von Mai bis und mit August 2002 beliefen sich die anerkannten Aus
gaben auf jährlich Fr. 72’162.-- (= Fr. 7’056.-- Krankenkassenpauschale + Fr. 54’820.--
Lebensbedarf + Fr. 10’286.-- Mietkosten). Diesen standen anrechenbare Einnahmen
von Fr. 77’059.-- (= Fr. 19’572.-- Rentenleistungen + Fr. 28’926.-- UV-Taggeld +
Fr. 28’561.-- (privilegiertes) Einkommen) gegenüber. Für diesen Zeitraum resultiert
mithin kein Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2.2 Für den Monat September 2002 ist lediglich ein Teil des hypothetischen
Erwerbseinkommens anzurechnen, da der Beschwerdeführer ab dem 23. September
2002 Krankentaggeldleistungen erhielt (vgl. E. 4.3.2 und 4.5.2). Anstelle eines
hypothetischen Einkommens von Fr. 16’880.-- ist mithin ein reduziertes Einkommen
von 12’379.-- anzurechnen; zusätzlich sind Krankentaggelder von Fr. 7’920.--
hinzuzurechnen. Es liegt auf der Hand, dass angesichts dessen auch für den Monat
September 2002 kein EL-Anspruch resultiert.
5.2.3 Für die Monate Oktober bis und mit Dezember 2002 ist für den
Beschwerdeführer selbst kein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Die in
diesem Zeitraum ausgerichteten und anzurechnenden Krankentaggeldleistungen
beliefen sich auf Fr. 30’113.-- pro Jahr, weshalb auch für diesen Zeitraum kein EL-
Anspruch resultiert.
5.3
5.3.1 Von Januar bis und mit März 2003 sind leicht höhere
Krankenkassenprämien anzurechnen, nämlich jährlich Fr. 7’656.-- statt Fr. 7’056.--.
Ebenfalls ist ein leicht höherer Lebensbedarf anzurechnen, nämlich Fr. 56’150.-- statt
Fr. 54’820.--. Die anerkannten Ausgaben beliefen sich mithin in diesem Zeitraum auf
Fr. 74’092.--. Die Invalidenversicherung richtete eine leicht höhere Rente aus, nämlich
Fr. 20’028.-- pro Jahr. Den anerkannten Ausgaben stehen mithin anrechenbare
Einnahmen von Fr. 96’374.-- gegenüber, womit auch für diesen Zeitraum kein
Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung besteht.
5.3.2 Für den Monat April 2003 ist eine Mischrechnung durchzuführen, da der
Beschwerdeführer bis zum 7. April 2003 ein halbes Taggeld der Unfallversicherung und
ein Taggeld der Krankenversicherung erhielt und danach die Krankentaggelder
wegfielen, er aber ein ganzes Taggeld der Unfallversicherung erhielt. Die anteils
mässigen Krankentaggelder belaufen sich auf Fr. 6’930.--, das Taggeld der Unfall
versicherung auf Fr. 52’068.-- (= Fr. 28’926.-- ÷ 30 × 6 + Fr. 57’853.-- ÷ 30 × 24). Das
bedeutet, dass die anrechenbaren Einnahmen für diesen Monat rund Fr. 7’000.-- tiefer
waren als in den Monaten davor, jedoch nach wie vor deutlich höher als die aner
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kannten Ausgaben. Auch für den Monat April 2003 ist daher ein EL-Anspruch zu
verneinen.
5.3.3 Für die Monate Mai und Juni 2003 ist bei ansonsten unveränderten Werten
ein Unfalltaggeld von Fr. 57’853.-- pro Jahr anzurechnen, womit auch für diese Monate
kein EL-Anspruch resultiert.
5.3.4 Da der Beschwerdeführer in den Monaten Juli und August 2003 bei
ansonsten unveränderten Werten eine deutlich höhere Rente der Invalidenversicherung
erhielt (Invaliditätsgrad 100 %), resultiert auch für diese Monate kein Anspruch auf eine
jährliche Ergänzungsleistung.
5.3.5 Per 1. September 2003 stellte die Unfallversicherung ihre
Taggeldleistungen ein und richtete dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente aus.
Auch die zuständige Einrichtung der beruflichen Vorsorge richtete dem
Beschwerdeführer ab dem 1. September 2003 eine Invalidenrente aus; die
Invalidenversicherung reduzierte ihre Rentenleistungen ebenfalls per 1. September
2003. Die gesamten Rentenleistungen betrugen für die Monate September und
Oktober 2003 Fr. 63’584.-- pro Jahr. Das bedeutet, dass für die Monate September
und Oktober 2003 Einnahmen von Fr. 81’891.-- (= Fr. 63’584.-- Rentenleistungen +
Fr. 18’307.-- Einkommen) anzurechnen sind. Bei unveränderten anerkannten Ausgaben
von Fr. 74’092.-- resultiert auch für diese Monate kein EL-Anspruch.
5.3.6 Für die Monate November und Dezember 2003 sind tiefere Ausgaben
anzuerkennen, nämlich gesamthaft Fr. 65’689.-- (= Fr. 7’008.-- Krankenkassenprämien
+ Fr. 50’110.-- Lebensbedarf + Fr. 8’571.-- Mietkosten). Die Rentenleistungen
reduzierten sich entsprechend auf jährlich Fr. 58’064.-- für den Monat November 2003
bzw. Fr. 40’820.-- für den Monat Dezember 2003, die anrechenbaren Einnahmen mithin
auf Fr. 76’371.-- bzw. Fr. 59’127.--. Allerdings sind für den Monat Dezember 2003
zusätzlich Arbeitslosentaggelder von jährlich Fr. 30’614.-- anzurechnen. Auch für diese
beiden Monate ist mithin ein EL-Anspruch zu verneinen.
5.4
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.4.1 Für den Zeitraum von Januar bis und mit März 2004 sind Ausgaben von
Fr. 65’845.-- (= Fr. 7’164.-- Krankenkassenprämien + Fr. 50’110.-- Lebensbedarf +
Fr. 8’571.-- Mietkosten) anzuerkennen und Einnahmen von Fr. 79’432.-- (= Fr. 32’192.--
Rentenleistungen + Fr. 28’933.-- Arbeitslosenentschädigung + Fr. 18’307.--
Einkommen) anzurechnen. Für den Zeitraum von April bis und mit Juni 2004 ist von
unveränderten Werten auszugehen, abgesehen von den leicht tieferen
Rentenleistungen von Fr. 31’175.--. Ein Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung
bestand daher klarerweise auch im Zeitraum von Januar bis und mit Juni 2004 nicht.
5.4.2 Für den Zeitraum von Juli bis und mit Dezember 2004 sind höhere
Mietkosten (Fr. 10’000.--) anzuerkennen, doch überstiegen die anrechenbaren
Einnahmen die anerkannten Ausgaben dennoch auch in diesem Zeitraum, weshalb
auch diesbezüglich ein EL-Anspruch zu verneinen ist.
5.5
5.5.1 Per 1. Januar 2005 erhöhten sich die anerkannte Krankenkassenprämie um
Fr. 300.-- und der Lebensbedarf um Fr. 950.--. Die Mietkosten blieben bis und mit
August 2005 unverändert. Die gesamten anerkannten Ausgaben beliefen sich in diesem
Zeitraum mithin auf Fr. 68’524.--. Die Rentenleistungen betrugen Fr. 31’547.--, die
Arbeitslosenentschädigung Fr. 28’860.--, das Einkommen der Ehefrau Fr. 18’307.--, die
gesamten anrechenbaren Einnahmen mithin Fr. 78’714.--. Ein Anspruch auf eine
jährliche Ergänzungsleistung bestand mithin auch in diesem Zeitraum nicht.
5.5.2 Für den Zeitraum von September bis und mit Dezember 2005 sind die
vollen Mietkosten (Fr. 12’000.--) anzurechnen. In diesem Zeitraum erhielt der
Beschwerdeführer keine Arbeitslosenentschädigung mehr, doch ist ihm ein
hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 23’520.-- anzurechnen. Das gesamte
Einkommen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau belief sich unter
Berücksichtigung der Privilegierung auf Fr. 32’987.--. Den anerkannten Ausgaben von
Fr. 70’524.-- standen mithin in diesem Zeitraum anrechenbare Einnahmen von
Fr. 64’534.-- gegenüber. Angesichts dieses Ausgabenüberschusses bestand damit
Anspruch auf die Minimalgarantie in der Höhe der Prämienpauschale für die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 28/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Krankenversicherung, d.h. auf Fr. 7’464.-- pro Jahr bzw. Fr. 622.-- pro Monat (Art. 9
Abs. 5 lit. g ELG i.V.m. Art. 26 ELV).
5.6
5.6.1 Im Zeitraum von Januar bis und mit August 2006 beliefen sich die
anerkannten Ausgaben auf Fr. 69’016.-- (= Fr. 7’956.-- Prämienpauschale +
Fr. 51’060.-- Lebensbedarf + Fr. 10’000.-- Mietkosten). Die anrechenbaren Einnahmen
beliefen sich auf Fr. 63’517.-- (= Fr. 30’530.-- Rentenleistungen + Fr. 32’987.--
Einkommen). Für diesen Zeitraum besteht daher ebenfalls Anspruch auf eine jährliche
Ergänzungsleistung in der Höhe der Prämienpauschale für die Krankenversicherung,
d.h. auf Fr. 7’956.-- pro Jahr bzw. Fr. 663.-- pro Monat.
5.6.2 Für den Zeitraum von September bis und mit Dezember 2006 sind die
vollen Mietkosten (Fr. 12’000.--) sowie die Berufsauslagen von B._ (Fr. 909.--) anzu
rechnen, womit sich der Betrag für die anerkannten Ausgaben auf Fr. 71’925.-- erhöht.
Auf der Einnahmeseite ist für diesen Zeitraum das Erwerbseinkommen von B._ an
zurechnen, wodurch sich das gesamte Erwerbseinkommen auf Fr. 38’408.-- erhöht, die
gesamten Einnahmen mithin auf Fr. 68’938.--. Auch für diesen Zeitraum besteht mithin
ein EL-Anspruch in der Höhe der Prämienpauschale für die Krankenversicherung,
d.h. auf Fr. 7’956.-- pro Jahr bzw. Fr. 663.-- pro Monat.
5.7
5.7.1 Für den Zeitraum von Januar bis und mit August 2007 sind Ausgaben
von Fr. 75’083.-- (= Fr. 9’684.-- Prämienpauschale + Fr. 52’490.-- Lebensbedarf +
Fr. 12’000.-- Mietkosten + Fr. 909.-- Berufsauslagen) anzuerkennen. Die
anrechenbaren Einnahmen sind auf Fr. 68’193.-- (= Fr. 31’147.-- Rentenleistungen +
Fr. 37’046.-- Einkommen) festzusetzen. Auch für diesen Zeitraum resultiert somit ein
EL-Anspruch in der Höhe der Prämienpauschale für die Krankenversicherung, d.h. auf
Fr. 9’684.-- pro Jahr bzw. Fr. 807.-- pro Monat.
5.7.2 Für den Zeitraum von September bis und mit Dezember 2007 erhöhten sich
die anrechenbaren Einnahmen um zwei Drittel der Lohnerhöhung von B._ bei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 29/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Übertritt ins zweite Lehrjahr. Auch für diesen Zeitraum besteht mithin ein EL-Anspruch
von Fr. 9’684.-- pro Jahr bzw. Fr. 807.-- pro Monat.
5.8
5.8.1 Für den Monat Januar 2008 sind Ausgaben von Fr. 75’311.-- (= Fr. 9’912.--
Prämienpauschale + Fr. 52’490.-- Lebensbedarf + Fr. 12’000.-- Mietkosten + Fr. 909.--
Berufsauslagen) anzuerkennen, als Einnahmen sind Erwerbseinkommen von
Fr. 38’125.-- und Rentenleistungen von Fr. 30'045.-- anzurechnen. Auch für diesen
Monat resultiert damit ein EL-Anspruch in der Höhe der Minimalgarantie bzw. von
Fr. 9’912.-- pro Jahr bzw. Fr. 826.-- pro Monat.
5.8.2 Für den Zeitraum von Februar bis und mit April 2008 sind Ausgaben
von Fr. 64'239.-- (= Fr. 7'560.-- Prämienpauschale + Fr. 46'170.-- Lebensbedarf +
Fr. 9'600.-- Mietkosten + Fr. 909.-- Berufsauslagen) anzuerkennen, für den Zeitraum
von Mai bis und mit Juli 2008 solche von Fr. 65'199.-- (Mietzinserhöhung). Als Er
werbseinkommen ist eine Summe von Fr. 38'125.-- anzurechnen. Als weitere Ein
nahmen anzurechnen sind die Rentenleistungen von total Fr. 27'576.--. Die anrechen
baren Einnahmen sind mithin auf Fr. 65'701.-- festzusetzen. Für diesen Zeitraum
resultiert damit kein EL-Anspruch.
5.8.3 Für den Zeitraum von August bis und mit Dezember 2008 sind zwei Drittel
der Lohnerhöhung von B._ bei Übertritt ins dritte Lehrjahr sowie je zwei Drittel des
Lehrlingslohnes für C._ und D._ zusätzlich als Einnahmen anzurechnen. Ansonsten
entspricht die Berechnung jener für den Monat Januar 2008, abgesehen vom leicht
höheren Mietzins und den zusätzlichen Berufsauslagen. Die anrechenbaren Einnahmen
erhöhen sich dadurch auf Fr. 80'021.--, womit bei anerkannten Ausgaben von Fr.
77'915.-- kein EL-Anspruch für diesen Zeitpunkt resultiert.
5.9
5.9.1 Für den Zeitraum von Januar bis und mit August 2009 sind Ausgaben
von Fr. 81’961.-- (= Fr. 12’288.-- Prämienpauschale + Fr. 54’160.-- Lebensbedarf +
Fr. 13’200.-- Mietkosten + Fr. 2’313.-- Berufsauslagen) anzuerkennen. Als Erwerbsein
kommen ist die Summe von Fr. 53’341.-- anzurechnen. Als weitere Einnahmen anzu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 30/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
rechnen sind die Rentenleistungen von total Fr. 30’045.--. Damit besteht auch für
diesen Zeitraum kein EL-Anspruch.
5.9.2 Für den Zeitraum von September bis und mit Dezember 2009 sind
Ausgaben von Fr. 69’336.-- (= Fr. 9’732.-- Prämienpauschale + Fr. 47’640.--
Lebensbedarf + Fr. 10’560.-- Mietkosten + Fr. 1’404.-- Berufsauslagen) anzuerkennen.
Als Erwerbseinkommen ist die Summe von Fr. 45’835.-- anzurechnen. Als weitere
Einnahmen anzurechnen sind die Rentenleistungen von total Fr. 27’483.-- bzw.
Fr. 26’419.-- (für den Monat Dezember 2009), womit anrechenbare Einnahmen von
total Fr. 73’318.-- bzw. Fr. 72’254.-- resultieren und ein EL-Anspruch für diesen
Zeitraum zu verneinen ist.
5.10
5.10.1 Für den Zeitraum von Januar bis und mit August 2010 sind Ausgaben
von Fr. 72’540.-- (= Fr. 12’936.-- Prämienpauschale + Fr. 47’640.-- Lebensbedarf +
Fr. 10’560.-- Mietkosten + Fr. 1’404.-- Berufsauslagen) anzuerkennen. Als Erwerbsein
kommen ist die Summe von Fr. 45’835.-- anzurechnen. Als weitere Einnahmen anzu
rechnen sind die Rentenleistungen von total Fr. 26’419.--. Es resultieren mithin an
rechenbare Einnahmen von Fr. 72’254.--, womit die anerkannten Ausgaben die an
rechenbaren Einnahmen um Fr. 286.-- übersteigen. Für diesen Zeitraum ist daher ein
EL-Anspruch in der Höhe der Minimalgarantie bzw. von Fr. 12’936.-- pro Jahr bzw.
Fr. 1’078.-- pro Monat zu bejahen.
5.10.2 Für den Zeitraum von September bis und mit Dezember 2010 sind die
Lohnerhöhungen für C._ und D._ anteilsmässig zu den anrechenbaren Einnahmen
zu addieren, womit sich diese um Fr. 3’745.-- (= Fr. 9’119.-- – Fr. 6’758.-- + Fr. 6’514.--
– Fr. 5’130.--) erhöhten. Bei ansonsten unveränderten massgebenden Verhältnissen ist
ein EL-Anspruch für diesen Zeitraum zu verneinen.
5.11
5.11.1 Für den Zeitraum von Januar bis und mit August 2011 sind Ausgaben
von Fr. 74’565.-- (= Fr. 14’136.-- Prämienpauschale + Fr. 48’465.-- Lebensbedarf +
Fr. 10’560.-- Mietkosten + Fr. 1’404.-- Berufsauslagen) anzuerkennen. Als Erwerbsein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 31/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kommen ist die Summe von Fr. 49’874.-- anzurechnen. Die Rentenleistungen beliefen
sich auf Fr. 26’549.--. Es resultieren mithin anrechenbare Einnahmen von Fr. 76’423.--,
womit ein EL-Anspruch auch für diesen Zeitraum zu verneinen ist.
5.11.2 Für den Zeitraum von September bis und mit Dezember 2011 sind Ausgaben
von Fr. 58’185.-- (= Fr. 10’836.-- Prämienpauschale + Fr. 38’520.-- Lebensbedarf +
Fr. 7’920.-- Mietkosten + Fr. 909.-- Berufsauslagen) anzuerkennen. Als Erwerbsein
kommen ist die Summe von Fr. 42’465.-- anzurechnen. Unter Berücksichtigung der
Rentenleistungen von total Fr. 24’919.-- resultiert ein Einnahmenüberschuss, sodass
auch für diesen Zeitraum ein EL-Anspruch zu verneinen ist.
5.12 Für den Zeitraum von Januar 2012 bis zum Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheides sind Ausgaben von Fr. 58’713.-- (= Fr. 11’364.--
Prämienpauschale + Fr. 38’520.-- Lebensbedarf + Fr. 7’920.-- Mietkosten + Fr. 909.--
Berufsauslagen) anzuerkennen. Als Erwerbseinkommen ist die Summe von
Fr. 42’465.-- anzurechnen. Unter Berücksichtigung der Rentenleistungen von total
Fr. 24’919.-- resultiert ein Einnahmenüberschuss, sodass auch für diesen Zeitraum ein
EL-Anspruch zu verneinen ist.
6.
Gesamthaft ist der angefochtene Einspracheentscheid in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde insofern aufzuheben, als dem Beschwerdeführer für den Zeitraum von
Januar bis und mit August 2010 eine jährliche Ergänzungsleistung von Fr. 12’936.--
zuzusprechen ist bzw. die Beschwerdegegnerin zu verpflichten ist, dem Beschwerde
führer eine Nachzahlung von total Fr. 8’624.-- (= Fr. 12'936.-- ÷ 12 × 8) auszurichten.
Der Beschwerdeführer liess sinngemäss eine Nachzahlung von insgesamt rund
Fr. 173’000.-- beantragen, womit er zu gut 95 % unterliegt. Die Beschwerdegegnerin
hat den Beschwerdeführer daher mit einem Zehntel der praxisgemässen Pauschale
von Fr. 3’500.--, das heisst mit Fr. 175.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwert
steuer), zu entschädigen (Art. 61 lit. g ATSG). Gerichtskosten sind keine zu erheben
(Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 32/32
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP