Decision ID: 077ffe5b-3971-57b2-a083-f80a24dcad15
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin 1,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Nadeshna Ley Guidon, Blumenbergplatz 1,
9000 St. Gallen,
sowie
Helsana Versicherungen, Postfach, 8081 Zürich,
Beschwerdeführerin 2,
gegen
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Basler Versicherung AG, Aeschengraben 21, Postfach, 4002 Basel,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adelrich Friedli, Stationsstrasse 66a, 8907
Wettswil,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) zog sich bei einem Motorrad-Unfall vom 16. Juli
1983 unter anderem eine Commotio cerebri zu. Die Zürich-Versicherungs-Gesellschaft
erbrachte für dieses Ereignis als Unfallversicherer Leistungen (vgl. UV-act. 3/3.1). Als
Schülerin/Praktikantin erlitt die Versicherte am 9. August 1986 in einem Lager einen
weiteren Unfall, indem sie von einer anderen Person, welche ihrerseits von einer
Betreuerin über die Schulter geworfen worden war, mit den Schuhen einen Schlag ins
Genick erhielt. Die Basler Versicherungen (nachfolgend: Basler) anerkannten
nachträglich eine Unfalldeckung und ihre Leistungspflicht für dieses Ereignis (UV-act.
2/2.1, 2/2.9, 2/2.11, 2/2.13, 2/2.15, 3/3.3; act. G 1.1/4, 1.1/5). Dr. med. B._, Praxis für
Allgemeine Medizin, diagnostizierte im Bericht vom 26. Juli 1987 einen Status nach
Contusio cerebri 1983 (Motorrad-Unfall) sowie ein Schleudertrauma der HWS am 9.
August 1986 (UV-act. 3/3.4). Die Invalidenversicherung sprach der Versicherten mit
Verfügung vom 2. März 1989 bei einem Invaliditätsgrad von 70% rückwirkend ab
Oktober 1987 eine ganze Invalidenrente zu. Dieser Rentenanspruch wurde in den
Folgejahren immer wieder bestätigt (IV-act. 11, 19, 33, 41, 87-4, 96, 97 [Dossier 1]). Mit
Verfügung vom 4. Dezember 2002 anerkannte die Basler eine volle Arbeitsunfähigkeit
seit dem Unfall 1986 mit Ausnahme einer Zeitperiode von 14 Monaten (April 1989 bis
Juni 1990), in der die Versicherte einer Teilzeitbeschäftigung habe nachgehen können.
Als Unfallversicherung erbrachte sie rückwirkend für den Zeitraum 1986 bis Ende 2002
Taggelder sowie eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grads ab 1. März
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1993. Ab 2003 sprach sie der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 100% eine
monatliche Komplementärrente von Fr. 6'712.-- zu. Neben einer
Integritätsentschädigung von Fr. 55'680.-- (basierend auf einer Einbusse von 80%)
bezahlte sie auch weiterhin die unfallbedingten Behandlungs- und
Medikamentenkosten (UV-act. 5/5.2).
A.b Am 22. Dezember 2002 erlitt die Versicherte mit dem Auto einen Selbstunfall und
zog sich multiple Kontusionen (Ellbogen, Gesäss, Fuss) sowie erneute
Beeinträchtigungen im HWS-Bereich (HWS-Distorsion) zu (vgl. UV-act. 3/3.27, 3/3.52,
3/3.57, 3/3.59; act. G 1.1/40-42). Im Auftrag der Basler erstattete die Ärztliche
Begutachtungsinstitut GmbH Basel (ABI) am 12. März 2009 nach Untersuchungen der
Versicherten vom 26. und 27. Januar 2009 ein polydisziplinäres Gutachten. Mit
Verfügung vom 23. März 2009 eröffnete die Basler der Rechtsvertreterin der
Versicherten, Rechtsanwältin lic. iur. N. Ley Guidon, St. Gallen, die mit Verfügung vom
4. Dezember 2002 zugesprochene UVG-Rente und die Hilflosenentschädigung würden
per sofort eingestellt (act. G 1.1/44). Gegen diese Verfügung erhob die
Rechtsvertreterin der Versicherten Einsprache (act. G 1.1/45). Die Basler hatte die
Versicherte zudem überwachen lassen (Ermittlungsbericht vom 6. April 2009; UV-act.
1). Nach Einsichtnahme in den Ermittlungsbericht äusserten sich die ABI-Gutachter in
einer ergänzenden Stellungnahme vom 20. Oktober 2009 (G 1.1/48). Am 30. Oktober
2009 verfügte die Basler auf den 1. April 2004 die rückwirkende Leistungseinstellung
und forderte von der Versicherten Renten und Hilflosenentschädigungen über
insgesamt Fr. 449'034.60 zurück. Ebenfalls zurückgefordert wurden - betragsmässig
nicht näher bestimmte - Leistungen für Heilbehandlungen ab 31. März 2004 (UV-act.
5/5.16). Die gegen diese Verfügung von der Rechtsvertreterin der Versicherten
erhobene Einsprache (UV-act. 5/5.18a) wies die Basler mit Einspracheentscheid vom 4.
März 2010 ab (UV-act. 5/5.22). Die mit Eingabe vom 24. März 2010 erhoben und am
26. Mai 2010 begründete Einsprache (act. G 3.2/4 und 6) der Helsana Versicherungen
AG (Krankenversicherer der Versicherten; nachfolgend: Helsana) wies die Basler mit
Einspracheentscheid vom 14. Juni 2010 ab.
A.c Die IV-Stelle hatte am 18. Januar 2010 verfügt, die bisher ausgerichtete ganze
Rente werde nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats
aufgehoben und die ursprüngliche Rentenverfügung vom 15. September 1988 werde
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per Beginn aufgehoben. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde hiess das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 1. Juni 2011 gut (IV
2010/77). Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 4. März 2010 hatte Rechtsanwältin Ley
Guidon für die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin 1) mit Eingabe vom
19. April 2010 Beschwerde erhoben (UV 2010/32) mit den Anträgen, der Entscheid
sowie die Verfügungen vom 23. März und 30. Oktober 2009 seien aufzuheben. Der
Beschwerdeführerin 1 seien weiterhin die mit Verfügung vom 4. Dezember 2002
zugesprochenen Leistungen (Invalidenrente, Hilflosenentschädigung sowie Kosten der
unfallbedingten Behandlung, Medikamente und Hauspflege) auszurichten. Zur
Begründung legte die Rechtsvertreterin unter anderem dar, die Argumentation der
Beschwerdegegnerin, wonach die Verfügung vom 4. Dezember 2002 zweifellos
unrichtig sei, weil man zu keinem Zeitpunkt die Adäquanz geprüft habe, sei
abenteuerlich und zurückzuweisen. Die Verfügung sei nach längeren Abklärungen
erlassen worden, und die Beschwerdegegnerin sei nach intensiven Verhandlungen auf
ein korrektes, nicht anfechtbares Ergebnis bedacht gewesen (vgl. act. G 1.1/51). Dass
über die Adäquanzprüfung nichts geschrieben worden sei, bedeute noch nicht, dass
sie nicht gemacht worden sei. Aus der Verfügung vom 4. Dezember 2002 könne nur
gefolgert werden, dass die Beschwerdegegnerin das Vorliegen sämtlicher
Leistungsvoraussetzungen anerkannt habe. Die Beschwerdegegnerin lege denn auch
nicht dar, inwiefern eine Adäquanzprüfung am Ergebnis etwas geändert hätte. Eine
Verfügung könne nur dann wiedererwägungsweise aufgehoben werden, wenn nicht
bloss der Weg dahin, sondern das Ergebnis zweifellos unrichtig sei. Dass die
ursprüngliche Anerkennung der Adäquanz nicht vertretbar gewesen sei, werde von der
Beschwerdegegnerin zu Recht nicht behauptet oder belegt. Damit entfalle eine
Wiedererwägung. Die Voraussetzungen für eine materielle Revision seien nicht erfüllt,
weil sich der massgebliche Sachverhalt seit Erlass der Verfügung vom 4. Dezember
2002 nicht wesentlich verändert habe, die Arbeitsfähigkeit (soweit eine solche
überhaupt vorhanden wäre) erwerbsmässig nicht verwertbar und daher unbeachtlich
sei und eine Leistungseinstellung im Rahmen einer materiellen Revision nicht
rückwirkend erfolgen und folglich auch keine Rückforderung auslösen könne. Sodann
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lägen keine neuen Tatsachen im Sinn der prozessualen Revision vor. Beim ABI-
Gutachten handle es sich lediglich um eine neue Würdigung des bereits bekannten
Sachverhalts. Das Observationsmaterial belege nur bereits in früheren Berichten
enthaltene Hinweise auf mögliche Diskrepanzen in der äusserlichen Erkennbarkeit von
Beschwerden. Das ABI-Gutachten stelle sodann kein Beweismittel dar, das nicht schon
vor Erlass der Verfügung vom 4. Dezember 2002 hätte beigebracht werden können.
Das Gutachten hätte - höchstens - zur Klärung der Frage, inwiefern sich der für die
Verfügung vom 4. Dezember 2002 massgebliche Sachverhalt seither verändert habe, in
Auftrag gegeben werden dürfen. Die Ergebnisse der Observation seien zum Vornherein
unbeachtlich, weil der dazu notwendige Anfangsverdacht nicht vorgelegen habe. Nur
durch die Unterlassungen der ABI-Gutachter (aufgelistet in act. G 1 S. 16-18) und den
einseitigen Fokus auf die Beschwerdeführerin 1 benachteiligende medizinische
Vordokumente könne man überhaupt zum vorgelegten Ergebnis gelangen und
behaupten, es seien "auch in der Vergangenheit nie eindeutig objektivierbare Befunde
erhoben" worden, "die eine länger dauernde wesentliche Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit aufgrund medizinischer Diagnosen zwingend begründet
hätten" (Gutachtenzusatz S. 1). Das für HWS-Verletzungen typische Beschwerdebild
sei jedoch nachgerade durch mangelnde Objektivierbarkeit gekennzeichnet. Auf dieses
Argument könne folglich nicht abgestellt werden. Das ABI-Gutachten erfülle die
Kriterien der Beweistauglichkeit nicht. Dass die Diagnose der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung für sich allein genommen heute nur noch in
Ausnahmefällen einen Rentenanspruch zu begründen vermöge, sei irrelevant. Der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin 1 bestehe (bei unveränderter gesundheitlicher
Situation) weiter, auch wenn er auf dieser Diagnose beruhe. Der Observationsbericht
enthalte nichts, was den festgestellten Behinderungen, den bisherigen Befunden und
Diagnosen sowie der daraus gefolgerten Erwerbsunfähigkeit widersprechen würde.
Wenn auf die Verfügung vom 4. Dezember 2002 weder wiedererwägungsweise noch
durch prozessuale Revision zurückgekommen werden könne, entfalle auch die
Rückforderung der erbrachten Leistungen.
Gegen den Einspracheentscheid vom 14. Juni 2010 erhob die Helsana (nachfolgend:
Beschwerdeführerin 2) mit Eingabe vom 15. Juli 2010 Beschwerde mit den Anträgen,
der Einspracheentscheid und die Verfügung vom 30. Oktober 2009 seien aufzuheben
und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die gesetzlichen UVG-Leistungen zu
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erbringen. Zur Begründung legte die Beschwerdeführerin 2 unter anderem dar, sie
habe am 15. März 2010 Kenntnis von der Verfügung vom 30. Oktober 2009 erhalten
und dagegen fristgerecht Einsprache erhoben. Ein Revisionsgrund liege nicht vor. Eine
Rückforderung könnte vorliegend nur aufgrund eines Wiedererwägungsgrunds
vorgenommen werden. Ein solcher bestehe jedoch allenfalls nur bei nicht vorhandener
Versicherungsdeckung bei der Beschwerdegegnerin im Unfallzeitpunkt. Habe die
Beschwerdegegnerin tatsächlich zu Unrecht Leistungen erbracht, habe eine
Rückforderung nicht gegenüber dem Krankenversicherer stattzufinden, sondern
gegenüber dem zuständigen Unfallversicherer. Die nicht vorgenommene Prüfung der
Adäquanz zum Zeitpunkt der Verfügung im Jahr 2002 könne nicht als
Wiedererwägungsgrund genügen. Es sei nicht ersichtlich, dass der damalige Entscheid
zweifellos unrichtig gewesen sei (UV 2010/56).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 26. Mai 2010 hatte Rechtsanwalt lic. iur. A. Friedli,
Wettswil, die Abweisung der Beschwerde UV 2010/32 mit der Begründung beantragt,
zumindest ab dem 1. April 2004 sei die Beschwerdeführerin 1 nicht mehr unfallbedingt
arbeitsunfähig gewesen. Sie sei (im Zeitpunkt des Unfalls vom 9. August 1986) bei der
Bibelschule nicht UVG-versichert gewesen. Es sei korrekt gewesen, den Unfall nur über
die Kollektiv-Unfallversicherung abzuwickeln. Der damalige Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin 1 habe die Beschwerdegegnerin mit dem Hinweis, der Unfall sei
anlässlich eines (UVG-versicherten) Praktikums passiert, mit Erfolg in die Irre geführt.
Im Rahmen der Ausrichtung des Invaliditätskapitals sei insbesondere auch der
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Gesundheitsstörungen nicht thematisiert
worden. Dies hätte eine gutachterliche Prüfung der natürlichen Kausalität und eine
Beurteilung der Adäquanz vorausgesetzt. Die Verfügung vom 4. Dezember 2002 habe
sich mit keinem Wort mit der Frage der natürlichen Unfallkausalität der Beschwerden
auseinandergesetzt. Die Beschwerdegegnerin habe irrtümlich angenommen, mit der
Auszahlung des Invaliditätskapitals im Jahre 1993 sei die Unfallkausalität der
Gesundheitsstörungen auch noch 10 Jahre später im Rahmen der UVG-Versicherung
rechtsverbindlich anerkannt. Auch die Frage der Adäquanz eines allenfalls gegebenen
natürlichen Kausalzusammenhangs sei unbeantwortet geblieben, obwohl diese bei
nicht objektivierbaren HWS-Distorsionsfolgen das ausschlaggebende Kriterium für den
Entscheid über die Leistungspflicht darstelle. Die Beschwerdegegnerin habe sich nicht
mit der Frage befasst, ob die Beschwerdeangaben der vermeintlich versicherten
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Beschwerdeführerin 1 tatsächlich krankheitswertig und von erwerbsbeeinträchtigender
Relevanz seien. Da die Beschwerdeführerin 1 fälschlich als invalid erachtet worden sei,
könne die Frage der materiellen Revision (Anpassung der Leistungen für die Zukunft)
offen bleiben. Der Beschwerdeführerin 1 sei (mangels Vorliegens von neuen Tatsachen)
zuzustimmen, dass eine Aufhebung der Verfügung vom 4. Dezember 2002 unter dem
Titel der prozessualen Revision entfalle. Das ABI-Gutachten stelle eine Erstbeurteilung
des medizinischen Sachverhalts aus gutachterlicher Sicht dar. Es sei abwegig, zu
behaupten, die Gutachter seien über den Gesundheitszustand der Explorandin nicht
erschöpfend dokumentiert gewesen. Das ABI-Gutachten erfülle die Kriterien der
Beweistauglichkeit. Die Verfügung sei nicht wegen einer fehlerhaften diagnostischen
Einordnung der Gesundheitsstörungen, sondern wegen der bereits damals
unzutreffenden Annahme einer vollen Erwerbsunfähigkeit in Wiedererwägung zu
ziehen. Laut den ABI-Gutachtern ergebe sich aus den Ermittlungsberichten keine
wesentliche Änderung der Beurteilung (UV-act. 4/4.57 Ziff. 3). Somit erübrige sich eine
weitergehende Würdigung der Observationsunterlagen. Da die Leistungen
unrechtmässig bezogen worden seien, sei auch die Rückerstattungsforderung
rechtens.
In der Beschwerdeantwort vom 6. August 2010 beantragte Rechtsanwalt Friedli für die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde UV 2010/56. Zur Begründung
verwies er im Wesentlichen auf die Darlegungen in der Beschwerdeantwort vom 26.
Mai 2010 (UV 2010/32). Ergänzend hielt er fest, dass die Beschwerdegegnerin
hinsichtlich des rückerstattungspflichtigen Betrags noch werde verfügen müssen.
B.c Mit Repliken vom 28. September 2010 (act. G 14 [UV 2010/32]) und vom
20. Oktober 2010 (act. G 7 [UV 2010/56]) sowie Duplik vom 1. November 2010 (act. G
16 [UV 2010/32]) bestätigten die Parteien ihre Anträge und Ausführungen. Sie
verzichteten auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung (act. G 18f [UV
2010/32]).
B.d Das Gericht zog die Akten der Invalidenversicherung aus dem IV-Verfahren
2010/77 betreffend die Beschwerdeführerin bei. Die Parteien verzichteten auf
Stellungnahmen (act. G 21, 22 [UV 2010/32], act. G 10 [UV 2010/56]).

Erwägungen:
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1.
1.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin
für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Anlass zur Rentenrevision gibt nach der Rechtsprechung jede wesentliche
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und
damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer
wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar,
wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustands erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. Erw. 3.5). Bei der
Rentenrevision (auf Gesuch hin oder von Amtes wegen) ist zeitlicher Ausgangspunkt für
die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrads die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 Erw. 5). Zum Vergleich heranzuziehen
ist der Sachverhalt zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 Erw. 2
mit Hinweisen) bzw. des Einspracheentscheids
1.2 Nach Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen in Revision
gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach
deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren
Beibringung zuvor nicht möglich war (sog. prozessuale Revision). Die neue Tatsache
muss bei Fällung des ursprünglichen Entscheids, der mittels prozessualer Revision
ersetzt werden soll, bereits bestanden haben. Dass sie damals nicht erkannt wurde
oder nicht bewiesen werden konnte, darf zudem nicht auf mangelnde Sorgfalt der
Parteien zurückzuführen sein. Die prozessuale Revision soll grundsätzlich nicht dazu
dienen, eine vermeidbare Nachlässigkeit nachzuholen (m.w.H. Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Rz. 12, 18 zu Art. 53). Nicht neu ist eine Tatsache
überdies, wenn das im Revisionsverfahren vorgebrachte Element lediglich eine neue
Würdigung einer bereits bekannten Tatsache in sich schliesst. Es genügt folglich nicht,
dass beispielsweise ein neues Gutachten den Sachverhalt anders bewertet; vielmehr
bedarf es neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidgrundlagen als
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objektiv mangelhaft erscheinen lassen (vgl. BGE 127 V 358; Urteil 8C_717/2010 vom
15. Februar 2011, Erw. 7.1.2). Neben dem Entdecken einer qualifiziert neuen Tatsache
nennt Art. 53 Abs. 1 ATSG das Auffinden eines Beweismittels. Dieses muss dazu
dienen, eine erhebliche neue oder eine "alte", d.h. eine früher bereits erkannte oder
erkennbare, aber unverschuldeterweise unbewiesen gebliebene Tatsache zu beweisen.
Liegt ein solches Beweismittel vor und konnte dieses im Vorfeld des Erlasses der
ursprünglichen Verfügung noch nicht beigebracht werden, so spielt es ausnahmsweise
keine Rolle, ob die letztlich relevante Tatsache qualifiziert neu ist oder gegebenenfalls
bereits früher behauptet wurde oder hätte erkannt (aber noch nicht bewiesen) werden
können.
1.3 Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG kann die Verwaltung eine formell rechtskräftige
Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat,
in Wiedererwägung ziehen, wenn sie zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von
erheblicher Bedeutung ist (BGE 127 V 469 Erw. 2c mit Hinweisen). Zweifellos ist die
Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung
unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der
Verfügung - möglich (BGE 125 V 383 Erw. 6a S. 393; Urteil des Bundesgerichts [bis 31.
Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG] vom 10. Mai 2006 [U
378/05] Erw. 5.2 und 5.3, und Urteil des EVG [C 29/04] vom 24. Januar 2005 Erw.
3.1.1, ferner etwa Urteil des EVG [I 912/05] vom 5. Dezember 2006 Erw. 3.2, je mit
Hinweisen). Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn
die gesetzeswidrige Leistungszusprechung auf Grund falscher oder unzutreffender
Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder
unrichtig angewandt wurden (BGE 103 V 126 Erw. 2a S. 128; ARV 1996/97 Nr. 28 S.
158). Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller
Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung in Bezug auf gewisse Schritte und
Elemente (z.B. Invaliditätsbemessung, Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit,
Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendigerweise Ermessenszüge
aufweist. Erscheint die Beurteilung solcher Anspruchsvoraussetzungen (einschliesslich
ihrer Teilaspekte wie etwa die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit) vor dem Hintergrund
der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen
Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser
Unrichtigkeit aus (Urteil des Bundesgerichts [I 907/06] vom 7. Mai 2007 Erw. 3.2.1 mit
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Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts [9C_215/2007] vom 2. Juli 2007, Erw. 3.2 mit
Hinweisen).
1.4 Eine Rückforderung von unrechtmässig bezogenen Geldleistungen (Art. 25 ATSG)
ist in der Sozialversicherung unter den für die Wiedererwägung oder die prozessuale
Revision formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Voraussetzungen zulässig
(BGE 130 V 380 Erw. 2.3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1 Die Rheuma-Poliklinik des Universitätsspitals Zürich berichtete am 17. Juli 1985
bei der Patientin von einem Status nach Polytrauma am 16. Juli 1983 (nicht bei der
Beschwerdegegnerin versicherter Motorrad-Unfall) mit persistierenden
Kniebeschwerden rechts infolge Flake fracture, persistierenden Schmerzen im rechten
Handgelenk und einem rezidivierenden zerviko-vertebralen bzw. zerviko-
spondylogenen Syndrom rechts seit 1982 bei Fehlhaltung der Wirbelsäule (IV-act. 9
Dossier 2). Dr. med. C._, Fachärztin FMH für Neurologie, erwähnte im Bericht vom
12. September 1986 ein stumpfes Kopftrauma mit fraglicher Commotio cerebri nach
dem Unfall vom 9. August 1986 und den Verkehrsunfall im Juli 1983 mit Commotio
cerebri (in IV-act. 16 Dossier 2). Eine Computertomographie des zervikalen
Spinalkanals ergab gemäss Bericht des Röntgeninstituts Dr. med. D._ vom
23. Februar 1987 intakte ossäre Strukturen im Bereich C4 bis C7 und auch ansonsten
keinerlei Auffälligkeiten (in IV-act. 16 Dossier 2). Vom 19. August bis 16. September
1987 hielt sich die Beschwerdeführerin 1 wegen rezidivierenden Erbrechens und
chronischer Obstipation zur stationären physikalischen Therapie in der
Rehabilitationsklinik Freihof Baden auf. Dem Bericht der behandelnden Ärzte vom
16. September 1987 ist zu entnehmen, dass nach einigen Abklärungen in Bezug auf die
Verdauungsprobleme entgegen dem dringenden Wunsch der Patientin auf weitere
diesbezügliche Abklärungen verzichtet worden sei; dies in Anbetracht der langen
Anamnese von funktionellen Beschwerden sowie der sehr auffälligen
Persönlichkeitsstruktur der Patientin. Der wegen geklagter starker Kopfschmerzen
beigezogene Rheumatologe habe nach seiner Untersuchung die Beschwerden in erster
Linie als psychogen, allenfalls auch als von der Torsionsskoliose der Patientin
ausgehend interpretiert. Psychisch sei im Lauf der Hospitalisation aufgefallen, wie sich
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die Patientin an jeden auch nur angedeutet pathologischen Befund geklammert und
sich geweigert habe, eine nicht anatomische Ursache auch nur zu erwägen (IV-act. 16
Dossier 2). Während des Klinikaufenthalts hatte auch Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Neurologie, eine Untersuchung vorgenommen. Er schrieb am 7. September 1987 von
recht guter Motilität der HWS ohne wesentliche Druckdolenzen und ohne muskuläre
Verspannungen. Der affektive Rapport sei recht gut, die Patientin wirke eigentlich
munter und dadurch entstehe eine erhebliche Diskrepanz zu den geklagten
Beschwerden. In der Beurteilung hielt Dr. E._ fest, es bestehe ein chronisches
Schmerzbild im Kopf-, Nacken- und Gesichtsbereich ohne Nachweis einer Läsion
organischer Strukturen (IV-act. 13 Dossier 2). Am 13. Oktober 1987 erstattete lic. phil.
F._ ein neuropsychologisches Gutachten. Er gelangte darin gestützt auf
Testergebnisse zur Beurteilung, dass das Gesamtleistungsniveau der
Beschwerdeführerin 1 insgesamt leicht überdurchschnittlich sei. Auffällige
neuropsychologische Defizite fand er nicht. Eine Hirnfunktionsstörung schloss er aus
(IV-act. 17 Dossier 2).
2.2 Der damalige Hausarzt der Beschwerdeführerin 1, Dr. med. B._, berichtete am
26. Juli 1987 über einen ausserordentlich schleppenden und mühsamen Verlauf nach
HWS-Schleudertrauma. (UV-act. 3/3.4). Dr. B._ fasste sodann in einem Bericht vom
7. Januar 1987 (richtig: 1988) zuhanden der Invalidenversicherung unter Verweis auf die
Abklärungen der Fachärzte zusammen, bei der Beschwerdeführerin 1 habe nie ein
organisches Leiden festgestellt werden können. Bei mündlichen Rückfragen an alle
Stellen sei immer der gleiche Eindruck wiedergegeben worden, nämlich die starke
psychische Auffälligkeit, vor allem nach längerer Zeit des Kontakts. Dr. B._ äusserte
die Ansicht, dass eine psychiatrische Behandlung Not täte. Die Beschwerdeführerin 1
habe bereits vor ihrer schweren Krankheit 1980/81 (gemeint offenbar Parotitis-
Meningitis und Pankreatitis) gewichtige psychische Probleme gehabt (bei IV-act. 20
Dossier 2). Im IV-Arztbericht vom 16. Februar 1988 attestierte Dr. B._ der
Beschwerdeführerin 1 eine volle Arbeitsunfähigkeit und wiederholte, eine
psychiatrische Behandlung sei dringend nötig und Voraussetzung zur Verbesserung
der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 20). Daraufhin gab die Invalidenversicherung eine
psychiatrische Begutachtung in Auftrag (IV-act. 22 Dossier 2). Diese fand am 28. April
und 19. Mai 1988 in der kantonalen psychiatrischen Klinik Herisau statt. Im Gutachten
vom 15. August 1988 wurde der Beschwerdeführerin 1 ein charakteristisches
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psychosomatisches Krankheitsbild bescheinigt. Sie sei in einem spannungsgeladenen,
konfliktreichen Elternhaus aufgewachsen, wo sie Opfer körperlicher und seelischer
Verletzungen gewesen sei. Aufgrund der daheim übernommenen Reaktionsmuster
habe die intelligente, temperamentvolle und sensible Explorandin wohl schlecht
gelernt, eigene Gefühle und Stimmungen, Wunschphantasien, Wut, Ängste und
Kummer innerlich wahrzunehmen und vor allem adäquat auszudrücken. In einer
ernsten Lebenskrise habe sie Halt und Orientierung im christlichen Glauben gesucht. In
immer neuen Arbeitseinsätzen habe sie versucht, sich und anderen zu genügen, jedoch
mit immer neuen, tragischen Misserfolgen und ohne die erhoffte Bestätigung. Umso
fester habe sie sich an die Religion geklammert, durch die sie ihrem Leiden einen Sinn
zu geben vermocht habe. Damit drohe aber auch die Gefahr einer unheilvollen
Fixierung im Kranksein. Im Unterschied zu einer Unfall- oder Rentenneurose stehe
jedoch bei der Beschwerdeführerin 1 nicht die Gewinn- oder Begehrenshaltung im
Vordergrund, sondern eine seelische bzw. existentielle Notlage. Eine gewisse
Vulnerabilitätsbereitschaft scheine von jeher vorhanden gewesen zu sein und
widerspiegle sich auch später in den wiederholten Unfallverletzungen. Die
Beschwerdeführerin 1 trage ihre Konflikte vor allem auf Körperebene aus. Davon
zeugten die Traumata, aber auch eine Vergrösserung von Harnblase und Enddarm im
Kleinkindesalter sowie ein Zwölffingerdarmgeschwür, aber ebenso die funktionellen
Beschwerden wie Entleerungsstörungen von Blase und Darm, Schwierigkeiten der
Verdauung, Probleme der Menstruation und die chronisch wechselnden
Schmerzzustände. Seit dem Schleudertrauma im August 1986 sei ihre Arbeitsfähigkeit
dauernd mindestens um 70% eingeschränkt gewesen. Unter Verweis auf
neurologische Erkenntnisse zum Schleudertrauma und unter Berücksichtigung der
Tendenz, die neurotischen Konflikte auf körperlicher Ebene auszutragen, müsse aus
psychiatrischer Sicht auch künftig von einer krankheitsbedingt stark eingeschränkten
Erwerbsfähigkeit ausgegangen werden. Der Grad der Arbeitsunfähigkeit wurde bis auf
Weiteres auf mindestens 70% geschätzt (IV-act. 25 Dossier 2). Am 20. Oktober 1988
erwarb die Beschwerdeführerin 1 das Diplom als Haushaltleiterin (act. G 1.1/22). Ab
1. April 1989 arbeitete sie in diesem Beruf an zwei Tagen pro Woche mit einem
effektiven Pensum von ca. 30% (act. G 1.1/23, 1.1/25, 1.1/26 S. 5). Dr. med. G._ hielt
im Bericht vom 31. August 1990 fest, nachdem sich (bei langjähriger
Leidensgeschichte) der Zustand der Patientin erheblich gebessert habe und sie eine
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Arbeit habe aufnehmen können, sei eine plötzliche Exazerbation aufgetreten, die zu
einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auf unbestimmte Zeit geführt habe (UV-act. 3/3.10).
2.3 Der Neurologe Dr. med. H._ bescheinigte am 10. Februar 1993 bei
chronifiziertem cervikocephalem bzw. cervikobrachialem Syndrom mit neurovegetativer
und neuropsychologischer Symptomatik eine Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin 1 von 70% seit Oktober 1987 (UV-act. 3/3.11). I._, Doktor der
Chiropraktik, legte zuhanden der Beschwerdegegnerin am 1. Juni 1993 unter anderem
dar, es sei anzunehmen, dass die aktuellen Beschwerden Folge des Unfalls vom
August 1986 darstellen würden. Ob unfallfremde Faktoren mitwirken würden, könne er
nicht beantworten. Er schätze den Invaliditätsgrad aufgrund medizinisch-theoretischer
Kriterien längerfristig auf 80% (UV-act. 3/3.14). Die Rheuma- und Rehabilitationsklinik
Schinznach berichtete am 14. Mai 1996 über einen stationären Aufenthalt der
Beschwerdeführerin 1 (UV-act. 3/3.16). Dr. med. J._, FMH für physikalische Medizin
und Rheumaerkrankungen, bescheinigte am 15. Oktober 1996, dass im Vordergrund
immer noch die zeitweise akuten cervikocephalen Beschwerden als Folge des HWS-
Traumas von 1986 stünden (UV-act. 3/3.19). Die Internistin Dr. med. K._ kam im
Bericht vom 13. Mai 1997 zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit beschränke sich auf eine
30%ige Betätigung; wegen der Konzentrationsstörungen und multiplen
Körperbeschwerden seien stundenweise Ruhepausen nötig (UV-act. 3/3.20). Dr. H._
bescheinigte in den Berichten vom 29. Dezember 1997 und vom 13. Mai 2000 eine
unveränderte gesundheitliche Situation seit seiner letzten Beurteilung (UV-act. 3/3.22,
4/4.37b Beilage). Eine Röntgenabklärung der HWS vom 9. Juni 2000 ergab normale
Verhältnisse. Auffallend sei einzig ein deutlich verminderter Bewegungsumfang bei
Reklination sowie eine leicht eingeschränkte Inklination mit einer diskreten Störung des
Alignements auf der Ebene C3/4 (UV-act. 3/3.25). Im Gutachten des Kantonsspitals
Basel vom 14. November 2000 wurde als Diagnose ein Pan-Schmerzsyndrom mit
punctum maximum im Hals/Nacken-Bereich, Drehschwindel, Konzentrationsschwäche,
Licht-, Lärm- und Erschütterungsempfindlichkeit bei Status nach HWS-
Kontusionstrauma und anamnestisch Commotio cerebri am 9. August 1986
festgehalten. Aus orthopädischer Sicht allein sei die Beurteilung der natürlichen
Kausalität und der Arbeitsfähigkeit nicht möglich (UV-act. 5/3.24). Im
Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem
Beschleunigungstrauma (Unfall vom 22. Dezember 2002) wurden von Seiten des
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Kantonsspitals St. Gallen am 9. September 2003 die Angaben der Beschwerdeführerin
1 wiedergegeben. Es habe sich um einen Überschlag ohne Kollision gehandelt. Nach
dem Unfall seien Nackenschmerzen sowie Schmerzen am ganzen Körper aufgetreten
(UV-act. 3/3.59). Eine neuropsychologische Untersuchung der Beschwerdeführerin 1
am Universitätsspital Zürich ergab gemäss Bericht vom 2. Februar 2004 das Vorliegen
von neuropsychologischen Einschränkungen sowie eine entsprechende
Behandlungsbedürftigkeit (UV-act. 3/3.66). Dr. med. L._, Allgemeine Medizin FMH,
bestätigte am 20. und 25. Februar 2004, dass die Beschwerdeführerin 1 aufgrund des
Unfallereignisses vom 22. Dezember 2002 und des HWS-Traumas (von 1986) auf
Spitexhilfe angewiesen sei. Seit dem Unfall vom Dezember 2002 bestünden kognitive
Defizite (UV-act. 3/3.27f; vgl. auch UV-act. 3/3.63, 3/3.68). Im Nachgang zu einem
stationären Aufenthalt bescheinigten die Ärzte der Humaine Klinik Zihlschlacht AG am
20. August 2004 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 3/3.36). Dr. L._
bestätigte im Bericht vom 3. Dezember 2008 das Bestehen von generalisierten Muskel-
und Nervenschmerzen mit Bewegungseinschränkung, Schmerzen in der HWS sowie
unter anderem Schwindel, Konzentrationsstörungen, Licht-, Lärm- und
Erschütterungsempfindlichkeit und chronisch rezividierende Müdigkeit. Alle
Beschwerden mit Ausnahme derjenigen in Knie und Ellbogen seien auf den Unfall von
1986 zurückzuführen (UV-act. 3/3.82; vgl. auch Bericht dieses Arztes vom 29.
September 2009 [Beilage zu UV-act. 5/5.18b]).
2.4 Im Auftrag der Beschwerdegegnerin erstattete das ABI am 12. März 2009 nach
Untersuchungen am 26. und 27. Januar 2009 ein polydisziplinäres Gutachten. Darin
finden sich keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigheit bestehe eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei
funktionellem Beschwerdebild mit im Vordergrund stehenden panvertebralen
Schmerzen, kognitiven Störungen und Schwindelbeschwerden sowie anamnestisch
einem multilokulären Schmerzsyndrom, auf orthopädischer Ebene ohne sicher
fassbares Korrelat. Zudem bestehe eine dissoziative Störung der Bewegungen und
differentialdiagnostisch eine artifizielle Störung. Die Explorandin habe nach dem
Schulabgang eine Ausbildung zur Pflegefachfrau begonnen, aber (nach dem 1983
erlittenen Unfall) nicht abgeschlossen. Später habe sie sich der Seelsorge und der
Psychotherapie zugewandt und verschiedene Ausbildungen in diesen Bereichen
absolviert. Dabei handle es sich im Wesentlichen um eine körperlich leichte, eher
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intellektuell belastende Arbeit, wofür aus neurologisch-orthopädischer Sicht eine
zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe, da sich keine
Hinweise auf eine wesentlich organisch bedingte Grundlage des vorliegenden
Beschwerdebilds ergäben. Aus polydisziplinärer Sicht bestehe für körperlich leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten, bei denen eine Hebe- und Traglimite von 10 kg nur
ausnahmsweise überschritten werde, eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Arbeiten mit darüber hinausgehender Belastung
sollten der Beschwerdeführerin 1 in Anbetracht ihrer allgemeinen körperlichen
Konstitution und einer mittlerweile wohl eingetretenen gewissen physischen
Dekonditionierung eher nicht zugemutet werden. Aus psychiatrischer und
internistischer Sicht bestünden keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Aus
somatischer Sicht könnten aktuell keine Befunde erhoben werden, die überwiegend
wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Unfallereignissen vom 16. Juli 1983, vom 9.
August 1986 und vom 22. Dezember 2002 stehen würden. Eine Kausalität zu diesen
Unfällen sei selbst bei Vorliegen eines leichten Zervikalsyndroms nur als möglich zu
bezeichnen und hätte in der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin 1
ohnehin keinen relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Das heutige psychische
Zustandsbild könnte allenfalls zu einem kleinen Teil (10%) in Zusammenhang mit dem
Unfallereignis vom 9. August 1986 gesehen werden; die unfallfremde psychische
Überlagerung sei aber bei mindestens 90% festzulegen. Diese Einschätzung sei
indessen theoretischer Natur, da die auf psychiatrischer Ebene gestellten Diagnosen
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Auf dem Hintergrund der bestehenden
psychosozialen Belastungssituation könne die psychische Überlagerung der geklagten
Beschwerden gesehen werden. Es wirke etwas befremdend, dass in den Dossiers der
Unfallversicherung und der Invalidenversicherung verschiedene Akten fehlen würden.
Die Beschwerdeführerin 1 habe sich wiederholt dagegen gewehrt, dass medizinische
Informationen ausgetauscht würden. Sie sei auch anlässlich der Untersuchung im ABI
nicht zur Unterzeichnung einer Erklärung betreffend Entbindung von der
Schweigepflicht für früher behandelnde Personen bereit gewesen. Eine telefonische
Rücksprache mit ihrer Rechtsvertreterin habe schliesslich zur Einwilligung für das
Einholen von Berichten bei den zuletzt behandelnden Personen geführt, welche für die
Beurteilung des über 20 Jahre zurückliegenden Unfallereignisses vom 9. August 1986
aber kaum neue Aufschlüsse bringen dürften. Insgesamt werde jedoch davon
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ausgegangen, dass eine Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auch ohne das
Vorliegen der erwähnten Dokumente in korrekter Weise möglich sei (UV-act. 4/4.46). In
einem Ermittlungsbericht einer von der Beschwerdegegnerin beauftragten
Unternehmung vom 6. April 2009 wurden die Ergebnisse einer im Jahr 2009 erfolgten
Observierung der Beschwerdeführerin 1 festgehalten (UV-act. 1). Die IV-Stelle des
Kantons St. Gallen zog das ABI-Gutachten bei und unterbreitete es ihrem Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD). Dr. med. M._ hielt in seiner Stellungnahme vom 10. August
2009 fest, die Beschwerdeführerin 1 habe sich bei den drei Unfällen 1983, 1986 und
2002 Kontusionen/Distorsionen der HWS zugezogen. Im Rahmen der fünf zwischen
1992 und 2004 durchgeführten Rentenrevisionsverfahren seien jeweils vergleichbare
Befunde beschrieben worden. Dr. M._ hielt zum ABI-Gutachten fest, grundsätzlich
lägen keine neuen medizinischen Erkenntnisse vor. Die geschilderte
Beschwerdesymptomatik sei die gleiche. Die Diagnosen und vor allem die Beurteilung
unterschieden sich von den früheren, wobei die panvertebralen Schmerzen und die
kognitiven Defizite im ABI-Gutachten ebenfalls erwähnt würden; Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit würde ihnen diesmal jedoch nicht zuerkannt. Dr. M._ betonte, aus
seiner Sicht müsse davon ausgegangen werden, dass sich der Gesundheitszustand in
den letzten Jahren nicht verändert, namentlich nicht verbessert habe. Bei der ABI-
Beurteilung handle es sich somit um eine unterschiedliche Beurteilung eines im
Wesentlichen gleich gebliebenen medizinischen Sachverhalts. Ein medizinischer
Revisionsgrund könne nicht ausgemacht werden (IV-act. 139 Dossier 1; act. G 1.1/53
[UV 2010/32]). Die Gutachter des ABI beantworteten am 20. Oktober 2009
Ergänzungsfragen der Beschwerdegegnerin, der IV-Stelle und der Beschwerdeführerin
1 (UV-act. 4/4.57).
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Entscheid dar, dass - nachdem
der Fall wegen diverser Ungereimtheiten, insbesondere hinsichtlich
Versicherungsdeckung, während mehrerer Jahren nicht vorangekommen sei - aus der
UVG-Ergänzungsversicherung ein Kapital auf der Basis eines medizinisch-abstrakten
Invaliditätsgrads von 80% ausgerichtet worden sei (vgl. dazu act. G 1.1/28-30 [UV
2010/32]). Im Anschluss daran sei vom damaligen Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin 1 eine weitere medizinische Abklärung (Medas-Begutachtung) als
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überflüssig und kontraindiziert abgelehnt worden, worauf sie (die Beschwerdegegnerin)
am 4. Dezember 2002 eine UVG-Rente bei einem IV-Grad von 100% ab 1. Januar
2003, eine Hilflosenentschädigung sowie eine rückwirkende Ausrichtung von
Taggeldleistungen verfügt habe (Einspracheentscheid vom 4. März 2010, Sachverhalt
Ziff. I). Im vorliegenden Verfahren lässt die Beschwerdegegnerin durch ihren
Rechtsvertreter die UVG-Versicherungsdeckung erstmals in Abrede stellen und leitet
daraus einen Wiedererwägungsgrund ab (act. G 1 S. 4 [UV 2010/32]).
3.2 Die Ersatzkasse UVG teilte dem damaligen Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin 1 am 24. Juli 1997 mit, gemäss ihren Erhebungen verfüge das
SGUM (Seminar für Gemeindebau und Mission), bei welchem die Beschwerdeführerin
1 im Zeitpunkt des Unfalls vom 9. August 1986 ein Praktikum absolviert habe, sehr
wohl über einen UVG-Vertrag. Warum das Unfallereignis seinerzeit über die Kollektiv-
Unfallversicherung, nicht aber über die bei der gleichen Gesellschaft bestehende UVG-
Versicherung angemeldet worden sei, entziehe sich ihrer Kenntnis (act. G 1.1/33 [UV
2010/32]). Im Schreiben vom 16. September 1998 anerkannte hierauf die
Beschwerdegegnerin die UVG-Unterstellung der Beschwerdeführerin 1 (BGE 115 V 55)
für das Unfallereignis vom 9. August 1986. Nach Abschluss ihrer Abklärungen sei sie
zur Ansicht gelangt, dass die diversen Praktika, welche Bestandteil der Ausbildung
beim SGUM gebildet hätten, einer UVG-versicherten Tätigkeit gleichzustellen seien und
dass das entsprechende Risiko durch den UVG-Vertrag mit dem SGUM gedeckt sei.
Aufgrund dieser Feststellungen würden die bereits erbrachten Leistungen aus der
Kollektiv-Unfallversicherung dem UVG-Vertrag belastet (UV-act. 2/2.15). Wenn der
Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin nunmehr erstmals geltend macht, die
Beschwerdeführerin 1 habe beim SGUM kein Praktikum (mit Arbeitnehmer-Stellung)
absolviert, so ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin eben diese Umstände in
den Jahren 1997 und 1998 eingehend untersucht (vgl. UV-act. 2/2.8, 2.10, 2.11 bis
2.15) und in der Folge - wenn auch bei möglicherweise nicht restlos geklärten
Gegebenheiten - die Praktika-Absolvierung einer UVG-versicherten Tätigkeit
gleichgestellt hatte. Dies stellte einen vertretbaren Ermessensentscheid dar, der im
heutigen Zeitpunkt nicht lediglich aufgrund einer neuen Ermessenshandhabung einer
Wiedererwägung zugänglich gemacht werden kann. Eine zweifellose Unrichtigkeit des
ursprünglichen Entscheids kann somit betreffend Versicherungsdeckung nicht als
belegt gelten.
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4.
4.1 Wie erwähnt wurden im ABI-Gutachten vom 12. März 2009 eine dissoziative
Störung der Bewegungen (ICD-10 F44.4) diagnostiziert und die Differentialdiagnose
einer artifiziellen Störung (ICD-10 F68.1) angeführt. Im IV-Entscheid vom 1. Juni 2011
(IV 2010/77), in welchem die rückwirkende Aufhebung der der Beschwerdeführerin 1
seit Oktober 1987 ausgerichteten ganzen IV-Rente streitig war, kam das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen zum Schluss, gemäss der Aktenauflistung
im ABI-Gutachten habe den Gutachtern der Grossteil der vor Verfügungserlass 1989
erstellten Akten und insbesondere das für die ursprüngliche Rentenzusprache als
massgebend erachtete Gutachten der psychiatrischen Klinik Herisau vom 15. August
1988 nicht vorgelegen. Weder der psychiatrische noch die übrigen ABI-Gutachter
hätten die von den Psychiatern der Klinik Herisau 1988 für die psychische Problematik
als zentral erachteten Erfahrungen der Beschwerdeführerin 1 als Kind und Jugendliche
und die insbesondere daraus resultierenden psychischen Probleme in die Beurteilung
mit einbezogen. Der ABI-Psychiater habe zur Anamnese lediglich festgehalten, die
Beschwerdeführerin 1 habe zu ihrem Vater ein sehr enges Verhältnis und auch zur
Mutter guten Kontakt gehabt (S. 21 von IV-act. 123, Dossier 1). Explizit habe er darauf
hingewiesen, es bestünden keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin 1 vor
dem Unfall von 1986 unter wesentlichen psychischen Störungen gelitten hätte
(Gutachten S. 23). Diese hätten jedoch gerade den zentralen Grund für die
ursprüngliche IV-Rentenzusprache 1989 gebildet. Bereits zu jener Zeit hätten die
involvierten Mediziner die Ansicht vertreten, dass das somatische Korrelat eindeutig
nicht ausreiche, um die geschilderte Schmerzproblematik zu erklären. Die attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 70% habe sich einzig aus der psychischen Problematik
ergeben. Dass die ABI-Gutachter 2009 noch immer keine ausreichenden somatischen
Erklärungen für die gezeigte Beschwerdesituation gefunden und von psychischer
Überlagerung gesprochen hätten, stehe nicht in Widerspruch zur Einschätzung der
kantonalen psychiatrischen Klinik Herisau von 1988. Im Zusammenhang mit der
Prüfung der Voraussetzungen der prozessualen Revision hielt das Gericht fest, es
bestünden keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die damalige Arbeitsfähigkeitsschätzung
der Klinik Herisau unzutreffend gewesen wäre, weil irgendeine relevante Tatsache
unerkannt geblieben sei (IV-Entscheid 2010/77, a.a.O, Erw. 3.3.1).
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Zum Beginn der festgestellten vollen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten wurde
im ABI-Gutachten festgehalten, retrospektive Beurteilungen über einen derart langen
Zeitraum seien naturgemäss immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet und
müssten wesentlich auf die vorhandenen Akten abgestützt werden. In Anbetracht der
vorhandenen Berichte müsse aus heutiger Sicht postuliert werden, dass der
Beschwerdeführerin 1 bereits seit langem eine körperlich adaptierte Tätigkeit ohne
wesentliche Einschränkungen zumutbar gewesen wäre. Trotz des präsentierten
Beschwerdebilds hätten auf somatischer Ebene nie sichere Hinweise auf das Vorliegen
einer organischen Schädigung gefunden werden können, die eine lang dauernde
Behandlung und eine daraus resultierende lang dauernde Arbeitsunfähigkeit begründet
hätte (IV-act. 123-39). In der Stellungnahme vom 20. Oktober 2009 wiederholten die
ABI-Gutachter ihre diesbezüglichen Angaben und hielten fest, es müsse davon
ausgegangen werden, dass die attestierten Arbeitsunfähigkeiten vorwiegend aufgrund
der von der Beschwerdeführerin 1 geschilderten Beschwerden attestiert worden seien,
ohne dass deren Ätiologie durch auf medizinischer Ebene eindeutig feststellbare harte
Fakten abgestützt worden wäre. Auch in der Vergangenheit hätten nie eindeutige
Hinweise darauf bestanden, dass aufgrund der Unfälle oder eines krankheitsbedingten
Leidens eine lang dauernde medizinische Behandlung eindeutig indiziert gewesen
wäre. Keine relevante Veränderung in der Beurteilung ergebe sich auch aus dem
Observierungs-Bericht (mit DVD), indem die Beschwerdeführerin 1 auf den
Filmsequenzen ein ähnliches Gangbild wie anlässlich der Begutachtung präsentiert
habe. Sie (die Gutachter) könnten den Einsatz des Gehwagens und das intermittierend
sehr unphysiologische Gangbild nicht auf ein organisches Leiden zurückführen und
müssten dies im Zusammenhang mit der psychischen Störung interpretieren. Das in
den Filmsequenzen sichtbare Verhalten widerspiegle recht gut den Eindruck, den sie
anlässlich der Begutachtung erhalten hätten. Es werde davon ausgegangen, dass es
sich bei dem präsentierten Gangbild um ein dysfunktionales Bewegungsmuster handle,
das sich die Explorandin ohne eindeutige organische Ursache oder psychische
Erkrankung über die Jahre angewöhnt habe (UV-act. 4/4.57). Das Versicherungsgericht
hielt im IV-Entscheid 2010/77 fest, die Feststellung, wonach die attestierten
Arbeitsunfähigkeiten vorwiegend aufgrund der von der Beschwerdeführerin 1
geschilderten Beschwerden attestiert worden seien, ohne dass deren Ätiologie durch
auf medizinischer Ebene eindeutig feststellbare harte Fakten abgestützt worden wäre,
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habe sich nach Beizug der der ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde liegenden
medizinischen Aktenlage als aktenwidrig herausgestellt, sei die damals attestierte
Arbeitsunfähigkeit doch ausschliesslich psychiatrisch begründet gewesen. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI beruhe auf unzureichender Aktenkenntnis, so dass
ihr bereits aus diesem Grund die Beweiskraft fehle. Weder das Gutachten noch die
Stellungnahme vom 20. Oktober 2009 noch weitere UV-Akten seien geeignet als Mittel
zum Beweis einer vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 1 bereits im Jahr
1989. Folglich habe weder dargelegt werden können, dass es sich bei der behaupteten
ursprünglichen Arbeitsfähigkeit um eine qualifiziert neue Tatsache handle, noch sei der
Beweis gelungen, dass ausnahmsweise keine qualifizierte Neuheit der Tatsache nötig
wäre, weil ein neues Beweismittel eine "alte", früher unbeweisbare Tatsache neu
beweisen würde. Somit könne offen bleiben, ob die von der IV-Stelle als Beweismittel
bezeichneten UV-Akten überhaupt neue, auch bei hinreichender Sorgfalt nicht früher
beibringbare Beweismittel im Sinn von Art. 53 Abs. 1 ATSG darstellen könnten. Die
prozessuale Revision der Verfügung vom 2. März 1989 habe zu unterbleiben. Die IV-
Stelle habe nicht darlegen können, dass die ursprüngliche medizinische Einschätzung
wegen unerkannt gebliebener Tatsachen oder damals nicht beibringbarer Beweismittel
unzutreffend gewesen wäre und sich dies auf den Rentenentscheid ausgewirkt hätte.
Da die damalige Rentenzusprache aufgrund von psychischen Einschränkungen erfolgt
sei und keine Hinweise dafür vorlägen, dass heute neue Untersuchungsmethoden oder
sonstige neue medizinische Erkenntnisse vorliegen würden, die retrospektiv zu einer
anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit führen könnten, könne in antizipierter
Beweiswürdigung (siehe dazu etwa den Bundesgerichtsentscheid 8C_77/2008 vom
5. Juni 2008, Erw. 3.2.1) auf weitere Abklärungen, insbesondere auf eine weitere
Begutachtung, verzichtet werden. Es sei nicht zu erwarten, dass solche Abklärungen
geeignet wären, neue Tatsachen oder Beweismittel im Sinn von Art. 53 Abs. 1 ATSG zu
Tage zu fördern (Entscheid, a.a.O., Erw. 3.3.2, 3.4 und 3.5).
4.2 Es ist kein konkreter Anlass ersichtlich, welcher mit Bezug auf die Frage, ob das
ABI-Gutachten und/oder der Observierungsbericht (einschliesslich DVD; act. G 1.1/46,
1.1/47) einen Revisionsgrund (Art. 53 Abs. 1 ATSG) enthalten, zu einer anderen
Schlussfolgerung als im vorerwähnten Gerichtsentscheid zu führen vermöchte. Auf die
dortigen Ausführungen ist daher, was die medizinische Würdigung des ABI-Gutachtens
betrifft, zu verweisen. Zur Feststellung im angefochtenen Entscheid (S. 3), wonach die
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Beschwerdeführerin 1 selbst bemüht gewesen sei, eine vollständige Einsicht in die
Vorakten zu verhindern, ist festzuhalten, dass die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin 1 den ABI-Gutachtern am 28. Januar 2009 eine entsprechende
Entbindungserklärung übermittelte und dabei ausdrücklich auch auf (einzuholende)
aktuelle medizinische Berichte bzw. behandelnde Ärzte hinwies (act. G 1.1/56 [UV
2010/32]). Sodann bestätigte der Ermittlungsbericht im Wesentlichen Umstände,
welche auch anlässlich der ABI-Begutachtung erkennbar geworden waren. So hatte die
Beschwerdeführerin 1 gegenüber den ABI-Gutachtern insbesondere eine im Zeitverlauf
wechselnde Befindlichkeit und gesundheitliche Situation sowie einen unterschiedlichen
Einsatz des Rollators (UV-act. 4/4.57 S. 21 und 26) geschildert, wie sie später auch im
Ermittlungsbericht dargelegt wurden. Neue Tatsachen im Sinn von Art. 53 Abs. 1
ATSG, welche eine Leistungseinstellung ex tunc rechtfertigen könnten, ergeben sich
daraus nicht. Die Frage, ob der für eine Observation notwendige Anfangsverdacht
vorgelegen habe, kann bei diesem Sachverhalt offen bleiben. Im Weiteren sind auch
die Voraussetzungen für eine materielle Revision (Art. 17 ATSG) nicht erfüllt, weil wie
dargelegt bei im Wesentlichen gleich gebliebenem medizinischem Sachverhalt eine
blosse Neubewertung desselben bzw. der daraus resultierenden Arbeitsfähigkeit nicht
zu einer Leistungsaufhebung führen kann. Unter der Annahme des Zutreffens der von
den ABI-Gutachtern gestellten Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung wäre (bei unverändertem medizinischem Sachverhalt seit der
erstmaligen Leistungszusprechung) davon auszugehen, dass eine somatoforme
Schmerzstörung auch medizinische Ausgangslage der Verfügung vom 4. Dezember
2002 bildete. Die von der Rechtsprechung zwischenzeitlich eingeführten Kriterien für
die Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung (BGE 130 V 352 sowie mit
Bezug auf Schleudertraumata der HWS BGE 136 V 279) haben dabei nicht zur Folge,
dass (bei unveränderter gesundheitlicher Situation) eine früher invalidisierende
somatoforme Schmerzstörung ihren invalidisierenden Charakter verliert, nachdem die
erwähnten Kriterien zur Anwendung gebracht wurden (vgl. BGE 135 V 201 und 135 V
215). Sodann ist festzuhalten, dass die Frage, ob, und wenn ja in welchem Zeitpunkt,
keine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit (Ereignis vom 9. August 1986) mehr vorlag bzw.
ob eine solche weiterhin zu bejahen ist, gestützt auf die in diesem Verfahren zur
Verfügung stehenden medizinischen Akten (vgl. vorstehende Erw. 2) sich nicht
zuverlässig beantworten lässt.
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4.3 Die Beschwerdegegnerin stellt sich im angefochtenen Entscheid auf den
Standpunkt, dass mit der leistungszusprechenden Verfügung vom 4. Dezember 2002
lediglich die natürliche Unfallkausalität der gesundheitlichen Beschwerden geprüft
worden sei, nicht jedoch die Adäquanz. Damit sei die Verfügung zweifellos unrichtig (im
Sinn von Art. 53 Abs. 2 ATSG) gewesen. Selbst wenn davon ausgegangen werde, dass
die Frage der Adäquanz auch Gegenstand der Korrespondenzen im Vorfeld des
Verfügungserlasses gewesen sei (was nicht der Fall gewesen sei), wäre die Verfügung
für die damals bereits anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin 1 als zweifellos
unrichtig erkennbar gewesen. Hinsichtlich der Beurteilung der Adäquanz (als
Rechtsfrage) sei die ursprüngliche Verfügung unter zweifellos falschen Prämissen
ergangen (Erw. 4.1 des Einspracheentscheids). In diesem Verfahren lässt die
Beschwerdegegnerin sodann geltend machen, die Verfügung vom 4. Dezember 2002
sei wegen der bereits damals unzutreffenden Annahme einer vollen Arbeits- und
Erwerbsunfähigkeit in Wiedererwägung zu ziehen.
Dr. B._ bescheinigte am 10. November 1986, dass seit dem HWS-Schleudertrauma
vom 9. August 1986 zunehmende HWS- und Kopfbeschwerden sowie eine äusserst
starke paravertebrale Verspannung bestünden. Am 29. Juli 1987 bestätigte der Arzt
einen aussergewöhnlich schleppenden Verlauf, wobei er darauf hinwies, dass ein
Unfall-Vorzustand vorgelegen und dieser sich durch den Unfall vom August 1986
verschlimmert habe. Im Weiteren erwähnte er Konzentrationsstörungen und eine
ausgeprägte Psycho-Asthenie (UV-act. 3/3.4). In späteren Berichten bestätigte der Arzt
eine psychische Auffälligkeit und diesbezügliche Behandlungsbedürftigkeit der
Beschwerdeführerin 1 (s. IV-act. 20 Dossier 2). Dies zeigte sich auch anlässlich der
psychiatrischen Begutachtung vom 28. April und 19. Mai 1988 in der kantonalen
psychiatrischen Klinik Herisau (IV-act. 25 Dossier 2). Im Bericht vom 10. Februar 1993
vermerkte der Neurologe Dr. H._ ein chronifiziertes cervikozephales und
cervikobrachiales Syndrom mit neurovegetativer und neuropsychologischer
Symptomatik (UV-act. 3/3.11). Dr. I._, Dr. J._ sowie Dr. L._ gingen in ihren
Berichten vom 1. Juni 1993, vom 15. Oktober 1996 und vom 3. Dezember 2008 von
(teilweise) unfallkausalen cervikozephalen und weiteren Beschwerden aus (UV-act.
3/3.14, 3/3.19, 3/3.82). In einem neuropsychologischen Bericht der Klinik Zihlschlacht
vom 10. Juni 2004 waren schwere Beeinträchtigungen im Gedächtnis und in den
exekutiven Leistungen bescheinigt worden. Eine Beteiligung des Unfalls vom
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Dezember 2002 könne weder ausgeschlossen noch nachgewiesen werden (act. G
1.1/54 [UV 2010/32]). Dr. phil. N._ bescheinigte in einem Konsiliarbericht zuhanden
der Klinik Zihlschlacht am 18. Mai 2004 unter anderem das Vorliegen einer
generalisierten chronischen Schmerzkrankheit nach multiplen Unfalltraumata (act. G
1.1/54 [UV 2010/32]).
Ist ein Schleudertrauma diagnostiziert und liegt - wie dies nach Lage der geschilderten
Akten auch konkret der Fall ist - kein fassbarer organisch-struktureller (unfallbedingter)
Befund an der HWS vor, muss für die Bejahung der natürlichen Kausalität ein typisches
Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen,
Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit
und Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw.
vorliegen (BGE 117 V 359 Erw. 4b; vgl. auch BGE 117 V 369 Erw. 3e; Bestätigung in
BGE 134 V 109 Erw. 9). Mit Blick auf die geschilderten konkreten Gegebenheiten lässt
sich ein typisches Beschwerdebild nach Schleudertrauma-Verletzung nicht in Abrede
stellen. Hieran vermag nichts zu ändern, dass der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin nunmehr - 25 Jahre nach dem Ereignis - den Ablauf des
Unfallereignisses vom 9. August 1986, wie er in den echtzeitlichen Akten geschildert
wurde, und die daraus resultierenden Beschwerdesymptome teilweise in Frage stellt
(act. G 5 S. 2f [UV 2010/32]) und er es überdies als unwahrscheinlich erachtet, dass der
Unfall vom 22. Dezember 2002 die Beschwerdeführerin 1 weniger beeinträchtigt habe
als der Unfall von 1986 (act. G 5 S. 5 [UV 2010/32]). Die Beschwerdegegnerin
anerkannte denn auch ihre Leistungspflicht während Jahren (vgl. auch act. G 1.1/29f,
1.1/35 [UV 2010/32]) und möchte die erbrachten Leistungen nun rückwirkend auf den
1. April 2004 zurückfordern.
4.4 Bei einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule können auch ohne nachweisbare
pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle
Ausfälle verschiedenster Art auftreten. Dabei ist es nicht entscheidend, ob die im
Anschluss an ein Schleudertrauma der HWS auftretenden Beschwerden medizinisch
eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden, zumal diese
Differenzierung angesichts des komplexen Beschwerdebilds gelegentlich grosse
Schwierigkeiten bereitet. Der Umstand, dass die für ein Schleudertrauma der
Halswirbelsäule typischen Beschwerden nicht mit entsprechenden
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Untersuchungsmethoden (Röntgen, Computertomogramm, EGG) objektivierbar sind,
rechtfertigt für sich allein nicht, die diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen
(BGE 117 V 359 Erw. 5d aa).
Das ABI-Gutachten vermag mit Blick auf die dargelegten medizinischen Gegebenheiten
- als Neubeurteilung eines seit der Leistungszusprechung im Jahr 2002 unveränderten
medizinischen Sachverhalts (vgl. unter anderem act. G 1.1/53 [UV 2010/32]) - nicht
zureichend zu belegen, dass im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom
4. Dezember 2002 keine unfallkausalen Beschwerden mehr vorlagen; dies umso
weniger, als die ABI-Gutachter wie dargelegt nicht alle medizinischen Unterlagen
berücksichtigten (vorstehende Erw. 4.1). Eine medizinisch begründete zweifellose
Unrichtigkeit der ursprünglichen Leistungsausrichtung kann dementsprechend nicht
(mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit) als belegt
gelten.
4.5 Beim geschilderten Sachverhalt wäre - wie die Beschwerdegegnerin zu Recht
vorbringt - die Adäquanz grundsätzlich bereits im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung
vom 4. Dezember 2002 aufgrund der einschlägigen Rechtsprechung (damals BGE 117
V 359; aktuell: BGE 134 V 109) zu prüfen gewesen. Hierbei hätte auch der Nachweis
offen gestanden, dass es sich bei den nach dem Unfall aufgetretenen psychischen
Störungen nicht um eine unfallkausale psychische Beeinträchtigung handelt (RKUV
2001, 79) oder dass eine ausgeprägte psychische Problematik ganz im Vordergrund
steht (RKUV 1999, 407 Erw. 3b). Im Weiteren ist - wie in den vorerwähnten Fällen -
dort, wo keine mit der HWS-Distorsion in engem Zusammenhang stehende psychische
Problematik, sondern eine selbständige sekundäre Gesundheitsschädigung vorliegt,
die Adäquanzbeurteilung auch dann nach BGE 115 V 133 vorzunehmen, wenn das
psychische Beschwerdebild die körperlichen Beschwerden nicht eindeutig in den
Hintergrund gedrängt hat (Urteil des EVG vom 23. Mai 2006 i/S O. [U 5/06] Erw. 3.2.2
mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008 i/S B.
[8C_124/2008], Erw. 7.2), mit welchem der st. gallische Entscheid vom 20. Dezember
2007 [UV 2007/24] bestätigt wurde). Indem die Beschwerdegegnerin die Adäquanz-
Prüfung im Zusammenhang mit der leistungszusprechenden Verfügung vom
4. Dezember 2002 nicht vornahm (vgl. dazu auch act. G 1.1/51 [UV 2010/32]) und auch
keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Adäquanzprüfung und -bejahung
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stillschweigend "mitgedacht" war (vgl. den Standpunkt der Beschwerdeführerin 1 in
act. G 1 S. 10f [UV 2010/32]), wandte sie einschlägige, für die Leistungsgewährung im
Zentrum stehende Rechtsregeln nicht an. In Abweichung zu dem von der
Beschwerdeführerin 1 zitierten Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2009
(8C_512/2008, Erw. 6.2.2) konnte die Beschwerdegegnerin mit der Verfügung vom 4.
Dezember 2002 insofern nicht auch implizit die Adäquanz der geklagten Beschwerden
anerkannt haben, als sie ihren - ausführlich begründeten - Entscheid explizit und
ausschliesslich auf die medizinische Arbeitsfähigkeit und den Einkommensvergleich
stützte. Andere Überlegungen (insbesondere bezüglich Kausalität) stellte sie damals -
auch in internen Aktennotizen - offensichtlich nicht an. Damit steht bei damals
unterlassener Prüfung dieser Rechtsfrage die zweifellose Unrichtigkeit der Verfügung
(als Wiedererwägungs-Voraussetzung) zur Diskussion (vgl. Erw. 1.2). Gemäss
Sachverhalt im Urteil 8C_512/2008 war zudem bei der ursprünglichen
Leistungszusprechung eine Adäquanzbeurteilung - im Gegensatz zum vorliegenden
Sachverhalt - offenbar tatsächlich erfolgt (vgl. Urteil, a.a.O., Erw. 6.2.2).
Vorliegend abzuklären ist dementsprechend, ob die Anwendung der Schleudertrauma-
Rechtsprechung oder gegebenenfalls der sog. Psycho-Rechtsprechung im damaligen
Zeitpunkt zu einem anderen Ergebnis geführt hätte. Die Beschwerdegegnerin stellte im
angefochtenen Einspracheentscheid (Ziff. 4.1) zwar fest, dass die Rechtsfrage der
adäquaten Unfallkausalität nie überprüft worden sei, holte dies aber - auch in den
Eingaben des vorliegenden Verfahrens - nicht nach. Es ist nicht Sache des
Versicherungsgerichts, die Adäquanzprüfung in diesem Verfahren erstinstanzlich, und
ohne dass sich die Parteien dazu im Einzelnen geäussert hätten, vorzunehmen. Die
Beschwerdegegnerin wird daher die Adäquanz hinsichtlich der Folgen des Ereignisses
vom 9. August 1986 in Anwendung der 2002 (bei Erlass der wiedererwägungsweise zu
überprüfenden Verfügung) gültig gewesenen Rechtsprechung (BGE 117 V 359 bzw.
115 V 133) noch zu prüfen haben. Anlässlich des späteren, nach Erlass der Verfügung
vom 4. Dezember 2002 eingetretenen Unfalls vom 22. Dezember 2002 ergaben sich
nach Lage der Akten (vgl. unter anderem act. G 1.1/40-42) im HWS-Bereich erneute
Beeinträchtigungen. Im Fall der Bejahung der Adäquanz hinsichtlich des bis zum Erlass
der Verfügung vom 4. Dezember 2002 eingetretenen Sachverhalts wären die Folgen
des Unfalls vom 22. Dezember 2002 in einem separaten Revisionsverfahren (Art. 17
ATSG) abzuklären. Würde die Adäquanz bezüglich des Sachverhalts bis zum Erlass der
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Verfügung vom 4. Dezember 2002 verneint, wäre zusätzlich die Leistungspflicht aus
dem Ereignis vom 22. Dezember 2002 zu prüfen und zu verfügen. Die Sache ist zur
entsprechenden Neuprüfung und Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen sind die Beschwerden unter Aufhebung der
Einspracheentscheide vom 4. März und 14. Juni 2010 dahingehend gutzuheissen, dass
die Sache zur Prüfung der adäquaten Unfallkausalität der gesundheitlichen
Beschwerden bzw. zur Klärung der Wiedererwägungsvoraussetzungen mit Bezug auf
die Verfügung vom 4. Dezember 2002 und zur Prüfung der Leistungspflicht aus dem
Ereignis vom 22. Dezember 2002 sowie zu anschliessender Neuverfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61
lit. ATSG). Bei diesem Verfahrensausgang besteht im Fall der Beschwerdeführerin 1
Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, diese auf
pauschal Fr. 5'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Die Beschwerdeführerin 2 hat praxisgemäss keinen Anspruch auf Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP