Decision ID: cf4ffa12-ba98-5cd8-a471-92112f9b242b
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
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A.
Der 1946 geborene S._ erlitt am 12. Mai 1983 einen Autounfall. Die Suva sprach dem
Versicherten für die Folgen dieses Unfalls mit Wirkung ab 1. November 1983 eine
Rente auf der Basis eines IV-Grads von 20% zu (UV-act. 110). Gestützt auf ein
ärztliches Gutachten von Prof. Dr. med. A._ vom 1. Oktober 1991 (UV-act. 122)
verfügte die Suva am 14. Oktober 1991 die Erhöhung der Rente auf der Basis eines IV-
Grades von 35% mit Wirkung ab 1. April 1991 (UV-act. 125). Mit Verfügung vom 27.
April 2006 gewährte die IV-Stelle für Versicherte im Ausland dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. Dezember 2003 eine ganze Rente auf der Basis eines IV-Grads von 70%
(UV-act. 140). Am 1. Juni 2006 liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter bei
der Suva den Antrag stellen, die Erwerbsunfähigkeit, auf welcher seine Rente basiere,
sei mit Blick auf die IV-Verfügung vom 27. April 2006 zu erhöhen (UV-act. 142). Mit
Verfügung vom 6. November 2006 lehnte die Suva die Rentenerhöhung ab. Es lägen
keine Unterlagen vor, welche eine Verschlimmerung des unfallbedingten medizinischen
Befunds belegen würden. Zudem könne die Rente nach den anwendbaren
(altrechtlichen) Regeln nicht mehr revidiert werden (UV-act. 145). Die gegen diese
Verfügung erhobene Einsprache (UV-act. 146) wies die Suva nach Einsicht in die Akten
der Invalidenversicherung mit Einsprache-Entscheid vom 15. März 2007 ab.
B.
B.a Am 10. April 2007 erhob Rechtsanwalt Franklin Sedaj, Prishtina (Kosovo), für den
Versicherten gegen diesen Entscheid beim Verwaltungsgericht des Kantons Luzern
Beschwerde. Dieses Gericht trat auf die Beschwerde nicht ein und überwies die
Angelegenheit mit Urteil vom 4. Mai 2007 zuständigkeitshalber dem
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Der Rechtsvertreter beantragt in der
Beschwerde, dem Beschwerdeführer sei eine Rente, basierend auf einem höheren IV-
Grad als 35%, auszurichten. Der unfallbedingte IV-Grad betrage aktuell ca. 70%. Die
entsprechende Nachzahlung sei mit 4% zu verzinsen. Es handle sich um einen
Rückfall. Eine Begutachtung könne jederzeit durchgeführt werden. Es lägen alle
Voraussetzungen für eine Erhöhung des IV-Grades von 35 auf 70% vor.
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B.b Im Nachgang zum Schreiben des Gerichtspräsidenten vom 28. Juni 2007
betreffend die mangelnde Prozessführungsbefugnis des Rechtsvertreters (act. G 2)
erfolgte die Korrespondenz direkt mit dem Beschwerdeführer.
B.c In der Beschwerdeantwort vom 17. September 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die
Darlegungen im angefochtenen Entscheid. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers sei die von der Invalidenversicherung berechnete Invalidität nicht
unfallbedingt. Die Invalidenversicherung habe auch für nicht unfallkausale
gesundheitliche Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit aufzukommen. Zudem könne
aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen ein Rückfall im Sinn eines
Wiederaufflackerns einer vermeintlich geheilten Krankheit ausgeschlossen werden.
B.d Der Beschwerdeführer hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Der Rentenanspruch des Beschwerdeführers entstand am 1. November 1983,
somit unter der Geltung des alten Rechts (KUVG) und vor dem Inkrafttreten des
Unfallversicherungsgesetzes (UVG) am 1. Januar 1984. Nach der Rechtsprechung sind
unter dem alten Recht entstandene Rentenansprüche - seien dies abgestufte,
befristete oder Dauerrenten - in revisionsrechtlicher Hinsicht weiterhin nach Massgabe
des bis 31. Dezember 1983 in Kraft gewesenen KUVG (Art. 80 Abs. 2) zu beurteilen. Bei
der durch einen nach dem 1. Januar 1984 eingetretenen Rückfall (Spätfolge) bewirkten
Erhöhung des Invaliditätsgrads handelt es sich nicht um einen neuen Rentenanspruch.
Die nach Abschluss des Rückfalls weiter zu gewährende altrechtliche Invalidenrente
beurteilt sich in revisionsrechtlicher Hinsicht weiterhin nach Massgabe des KUVG
(Bestätigung der Rechtsprechung in BGE 118 V 293 Erw. 2a und 2b). Gemäss Art. 80
Abs. 1 KUVG ist eine Rente für die Folgezeit entsprechend zu erhöhen, zu vermindern
oder aufzuheben, wenn die Erwerbsunfähigkeit nach Festsetzung der Rente erheblich
grösser oder geringer geworden ist. Nach Art. 80 Abs. 2 KUVG kann eine Rente
während der ersten drei Jahre nach ihrer Festsetzung jederzeit, in der Folge aber nur
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noch bei Ablauf des 6. und 9. Jahres revidiert werden. Rechtsprechungsgemäss ist die
Erhöhung einer (altrechtlichen) Rente über den Wortlaut des Art. 80 Abs. 2 KUVG
hinaus trotz Ablaufs von neun Jahren seit der Rentenfestsetzung möglich, wenn die
SUVA auf einen Rückfall oder Spätfolgen einzutreten hat, die entsprechenden
Beschwerden in natürlichem und adäquatem Kausalzusammenhang zum
ursprünglichen Unfall stehen und eine erhebliche Verschlimmerung der Unfallfolgen
bewirken (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 30. Mai 2001 i/S F. [U 390/99],
Erw. 1a).
1.2 Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich
geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu
(weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt. Von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar
geheiltes Leiden im Verlauf längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen
bewirkt, die zu einem völlig anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V
293 Erw. 2c mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 Erw. 2). Beweisbelastet
hinsichtlich des Vorliegens eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem
neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ist die versicherte Person als Leistungsansprecherin (RKUV 1994
Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b). Die Frage, ob eine erhebliche Verschlimmerung der
Unfallfolgen vorliegt, beurteilt sich durch den Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt
der ursprünglichen Verfügung mit demjenigen im Zeitpunkt des die Revision
betreffenden Einsprache-Entscheids (RKUV 1989 Nr. U 65 S. 70). Unterlag eine
Rentenverfügung bereits früher einem Revisionsverfahren, gilt der Sachverhalt im
Zeitpunkt der früheren Revisionsverfügung (und nicht der ursprünglichen
Rentenverfügung) als Vergleichsbasis, wenn in der Revision nicht bloss die
ursprüngliche Rentenverfügung bestätigt wurde. Andernfalls gilt der Sachverhalt der
ursprünglichen Rentenverfügung als Vergleichsbasis (BGE 109 V 265).
2.
2.1 Prof. Dr. med. B._, Neurologe FMH, war im Gutachten vom 14. Dezember 1984
(UV-act. 74 S. 5) unter anderem zum Schluss gekommen, der Beschwerdeführer habe
beim Unfall vom 12. Mai 1983 ein substantielles, d.h. contusionelles Schädelhirntrauma
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mit Dauerfolgen erlitten. Insbesondere nahm er leichte bis mässige psychische
Veränderungen (in Form einer Antriebsstörung) als Unfallfolge an. Prof. A._ legte im
Gutachten vom 1. Oktober 1991 dar, der Beschwerdeführer habe beim Unfall vom 12.
Mai 1983 ein schweres Schädelhirntrauma mit Contusio cerebri erlitten. Es bestehe der
Verdacht auf ein posttraumatisches psychoorganisches Syndrom. Erfahrungsgemäss
seien es meist die psychoorganischen Veränderungen, welche nach derartigen Unfällen
das Ausmass einer Verminderung der Arbeitsfähigkeit bestimmen würden. Die
neurologischen und elektroencephalographischen Befunde seien normal. Grundsätzlich
ergäben sich gegenüber der Begutachtung durch Prof. B._ (UV-act. 74) keine
Abweichungen. Wegen der Unsicherheit bei der Einschätzung der
neuropsychologischen Ausfälle und angesichts der Schwere des erlittenen Unfalls
schätze er den Invaliditätsgrad auf 35%. Es sei heute ein Endzustand erreicht (UV-act.
125). In seinen Berichten vom 7. September und 6. Oktober 2005 kam der RAD-Arzt
Dr. C._, Neurologie FMH, zum Schluss, in einer dem Gesundheitsschaden
angepassten Tätigkeit bestehe seit dem 15. März 2000 eine Arbeitsunfähigkeit von
70%. Der Arzt diagnostizierte ein psychoorganisches Syndrom, eine beginnende
fronto-temporale Demenz und ein Parkinson-Syndrom. Die Neuropsychiater Dr. D._
und Prof. Dr. E._ hatten in den Berichten vom 25. November 2004 und 8. Juni 2005
im Wesentlichen dieselben Diagnosen gestellt. Auf dieser medizinischen Grundlage
sprach die IV-Stelle, bei welcher sich der Beschwerdeführer am 8. Dezember 2004
angemeldet hatte, ab 1. Dezember 2003 (verspätete Anmeldung im Sinn von Art. 48
Abs. 2 IVG) eine ganze Rente zu (vgl. IV-Akten in UV-act. 149).
2.2 Vorliegend ist der medizinische Sachverhalt im Zeitpunkt der Revisionsverfügung
vom 14. Oktober 1991 mit dem Sachverhalt zu vergleichen, wie er im Zeitpunkt der
Verfügung vom 6. November 2006 bzw. des Einsprache-Entscheids vom 15. März
2007 bestand. Dabei ist vorderhand zu prüfen, ob Spätfolgen des Unfalls von 1983
vorliegen, die eine erhebliche Verschlimmerung der Unfallfolgen bewirken. - Nachdem
bereits Prof. B._ im Jahr 1984 leichte bis mässige psychische Veränderungen als
Unfallfolge bestätigt und Prof. A._ am 1. Oktober 1991 den Verdacht auf ein
posttraumatisches psychoorganisches Syndrom diagnostiziert hatte, hielt der RAD-Arzt
Dr. C._ im Bericht vom 6. Oktober (Rapport finale SMR Rhône) fest, am 13. März
2000 sei der Beschwerdeführer wegen eines neuen gesundheitlichen Aspektes in Form
einer psychiatrischen Dekompensation (Psychosis acuta) hospitalisiert gewesen (vgl.
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dazu UV-act. 131). Bei dieser Gelegenheit habe man das psychoorganische Syndrom,
die Demenz und das Parkinson Syndrom entdeckt. Es handle sich offensichtlich um
eine Verschlimmerung, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. In Bezug auf das
Parkinson Syndrom hatte Dr. C._ zuvor im Bericht vom 7. September 2005 (S. 2)
festgehalten, ein posttraumatisches Parkinson Syndrom sei selten und resultiere aus
wiederholten Traumen (zum Beispiel bei Boxern). Dies sei hier nicht der Fall. Was das
Zittern betreffe, so könnte dieses im initialen Trauma begründet sein, nachdem es
weniger als zwei Jahre nach diesem Trauma aufgetreten sei. Es sei sodann nicht
ausgeschlossen, dass sich beim Patienten eine Parkinson Krankheit per se entwickle
(vgl. Berichte in den IV-Akten in UV-act. 149). Eine Verschlimmerung der
unfallbedingten somatischen Gesundheitsschäden - unter Ausklammerung des mit
Blick auf die Feststellungen von Dr. C._ überwiegend wahrscheinlich nicht
unfallbedingten Parkinson Syndroms - im Nachgang zur Verfügung vom 14. Oktober
1991 ist aus den erwähnten Akten nicht ersichtlich. Die Berichte von Dr. C._ geben
vielmehr Anhaltspunkte dafür, dass das unfallfremde Parkinson Syndrom die
Verschlimmerung der gesundheitlichen Situation bewirkte. Sodann bildeten die von Dr.
C._ bestätigten Befunde in psychischer bzw. neuropsychiatrischer Hinsicht bereits
Thema des Gutachtens von Prof. B._. Das von Dr. C._ als unfallkausal in Betracht
gezogene Zittern trat gemäss diesem Arzt zwei Jahre nach dem Unfall und damit lange
vor der Revisionsverfügung vom 14. Oktober 1991 auf. Eine Verschlimmerung der
psychischen Befunde, deren Unfallkausalität von Prof. B._ bestätigt und in der Folge
nie umstritten war, lässt sich für die Zeit nach dem 14. Oktober 1991 den Akten nicht
entnehmen. Unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten unerheblich ist die
unterschiedliche Beurteilung eines - bezogen auf die Unfallfolgen - im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Sachverhalts (BGE 112 V 390 Erw. 1b). Der angefochtene
Entscheid lässt sich unter diesen Umständen nicht beanstanden.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einsprache-Entscheids vom 15. März 2007 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG