Decision ID: 96b78428-18f2-5489-9c46-ab9421d777d8
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer A._ und die Beschwerdeführerin
B._ suchten am 9. Oktober beziehungsweise 3. Dezember 2012 für
sich und ihre damals (...) Kinder in der Schweiz um Asyl nach.
Zur Begründung machten sie im Wesentlichen geltend, der Beschwerde-
führer sei Ajnabi gewesen und dann syrischer Staatsangehöriger gewor-
den. Die Beschwerdeführerin sei syrische Staatsangehörige kurdischer
Ethnie. Ihr letzter Wohnsitz habe sich in H._ (Gouvernement
I._) befunden. Der Beschwerdeführer sei bereits im Zusammen-
hang mit den Unruhen in H._ im Jahr 2004 einmal verhaftet und
dabei geschlagen und verletzt worden. Im Jahr 2010 habe man ihm ein (...)
weggenommen. Er sei Sympathisant beziehungsweise Mitglied der (...)
([...]) gewesen und habe an Demonstrationen teilgenommen. Sein Bruder
J._ sowie sein Neffe K._ seien Vorsitzende in dieser Partei
gewesen. K._ sei an in der Haft erlittenen Folterungen gestorben.
Zuvor habe sich K._ bei ihnen versteckt gehabt. Der Beschwerde-
führer sei mehrmals verhaftet worden. Die Behörden hätten aber nichts ge-
gen ihn in der Hand gehabt, weshalb er jeweils wieder freigelassen worden
sei. Sein Bruder habe zudem eine Bestechungssumme bezahlt. Die Polizei
habe im Jahr 2011 und 2012 mehrmals bei ihnen zuhause nach dem Be-
schwerdeführer gesucht. Sie hätten H._ aus diesem Grund verlas-
sen und seien nach L._, ins (...), gezogen. Aber auch dort habe die
Polizei nach dem Beschwerdeführer gesucht. Aus Furcht vor einer Verhaf-
tung des Beschwerdeführers seien die Beschwerdeführenden schliesslich
Anfang (...) 2012 mit Hilfe eines Schleppers ausgereist. Die Beschwerde-
führerin sei nicht direkt verfolgt worden. Sie und die Kinder hätten aber
auch an Demonstrationen teilgenommen. Sie und die Kinder seien anläss-
lich der Suche der Polizei nach ihrem Ehemann von den Beamten be-
schimpft und geschlagen worden. Die Beschwerdeführenden brachten im
Weiteren vor, sie hätten in Syrien allgemein keine Rechte gehabt und seien
unterdrückt worden. Der Beschwerdeführer sei zudem in der Schweiz exil-
politisch tätig. Er engagiere sich in der Schweiz für die (...) und nehme an
Sitzungen teil. Das Foto einer Parteisitzung, auf welchem er erkennbar sei,
sei in der Parteizeitung veröffentlicht worden. Diese Zeitung werde auch in
Syrien verteilt. Zudem sei er auf Facebook aktiv und schreibe dort über die
Unterdrückung seines Volkes. Er sei auch Mitglied des (...)-Vereins; dieser
vermittle die kurdischen Werte und biete (...) an.
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A.b Mit Verfügung vom 20. Oktober 2014 stellte die Vorinstanz fest, die
Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
nete aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläu-
fige Aufnahme an.
A.c Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 26. November
2014 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6909/2014 vom
8. März 2016 ab.
B.
B.a Am 3. September 2018 reichten die Beschwerdeführenden bei der
Vorinstanz eine als "zweites Asylgesuch" bezeichnete Eingabe ein. Darin
beantragten sie, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen
Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers gestützt auf subjektive Nachfluchtgründe festzustellen.
Es sei jedenfalls die Unzulässigkeit des Vollzugs der bereits unzumutbaren
Wegweisung festzustellen. Sie seien im Sinne von Art. 111d Abs. 2 AsylG
(SR 142.31) von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu befreien und es
sei auf die Erhebung eines Gebührenvorschusses zu verzichten.
B.a.a Zur Begründung wurde vorgebracht, der Beschwerdeführer habe
seine exilpolitischen Aktivitäten weitergeführt und sei inzwischen keines-
wegs mehr bloss ein einfaches Parteimitglied. Jüngstes Beispiel sei die
Teilnahme an einer am (...) 2018 unter seinem Vorsitz (...) abgehaltenen
Parteisitzung. Seine Verdienste und seine aktuelle Funktion würden in ei-
nem aktuellen Schreiben der Parteiführung ausführlich geschildert. Darin
werde bestätigt, dass er heute Parteiverantwortlicher für den Kanton
M._ sei. In den bisherigen Entscheiden seien seine Aktivitäten als
nicht von einer Art und Weise beurteilt worden, die die Aufmerksamkeit der
syrischen Geheimdienste auf sich gelenkt haben müsste. Heute verhalte
sich dies jedoch eindeutig anders. Bei seinem herausragenden Profil stelle
sich die Frage, wie die bisher geltend gemachten Vorfluchtgründe zu wür-
digen seien. Diese seien vom (damaligen) Bundesamt für Migration (BFM)
und vom Bundesverwaltungsgericht zwar bisher nicht geglaubt worden. Al-
lerdings seien bereits Beweise vorgelegen – wie ein in seiner Abwesenheit
ergangenes Gerichtsurteil. Einzig weil dieses Dokument leicht fälschbar
sei, und weil er damals nichts über dieses Verfahren gewusst habe, habe
man ihm nicht geglaubt. Da nun eine neue Anhörung zwingend erfolgen
müsse, sei er hierzu noch einmal zu befragen. Falls sich im Lichte der ge-
samten Umstände des Falles genügend Gründe ergeben sollten, um aus
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heutiger Sicht ein Interesse des syrischen Staates an ihm zu begründen,
würden diese mit den – teilweise durchaus geglaubten, aber nicht als ge-
nügend schwerwiegend betrachteten – Vorfluchtgründen in Verbindung zu
setzen sein. So seien die bei einer Festnahme während den H._-
Unruhen erlittenen Verletzungen zwar geglaubt, aber als nicht asylrelevant
betrachtet worden. Im Zusammenhang mit den Nachfluchtgründen seien
solche früheren Ereignisse, unter anderem die (...), durchaus flüchtlings-
rechtlich bedeutsam. Jedenfalls müssten Reflexverfolgungsgründe, die
nahe Verwandtschaft zu Personen, denen in der Schweiz Asyl gewährt
worden sei, berücksichtigt werden. So nebst den bereits im vorausgegan-
genen Verfahren genannten Personen auch jüngst bezüglich des Neffen
N._ des Beschwerdeführers und Familie (N [...]). Deren Entscheide
fussten wiederum auf der nahen Verwandtschaft mit dem Neffen
O._ (N [...]), dem Bruder von N._ Die beiden Brüder (Söhne
des Bruders des Beschwerdeführers) hätten in Syrien an (...) über den im
Jahre 2005 vermutlich durch syrische Sicherheitskräfte getöteten
P._ (ein berühmter kurdischer [...]) gearbeitet. O._ habe
über (...) Jahre als (...) der (...) gearbeitet. Inzwischen sei eine weitere
Verwandte ([...] von O._) mit demselben Familiennamen im Aus-
land als Flüchtling anerkannt worden. Zudem sei in Syrien am (...) 2017
ein Mann getötet worden, welcher der Familie des Beschwerdeführers sei-
nerzeit zur Flucht verholfen habe. Dabei handle es um den Schwager
Q._ des Beschwerdeführers, den man beim Auffinden in
H._ getötet habe. Mutmasslich sei er getötet worden, weil man nach
dem Beschwerdeführer gesucht und von seinen Aktivitäten im Ausland
Kenntnis habe. Der Mann habe seinerzeit mit dem verschollenen Bruder
R._ des Beschwerdeführers zusammengearbeitet, zu dem er ver-
schiedene Unterlagen zu den Akten gereicht habe. Zu all diesen Gründen
und genauen Beziehungen zwischen den genannten anerkannten Flücht-
lingen müsse der Beschwerdeführer anlässlich einer Anhörung detailliert
befragt werden. Es sei nicht möglich gewesen, mit Behelfsdolmetschern
die Details genauer zu erfragen. Diese Gründe seien vor dem Hintergrund
der aktuellen Entwicklung in Syrien zu würdigen. Heute würden Mitglieder,
erst recht Kader der (...), bei einer Rückkehr mit grösster Wahrscheinlich-
keit schwerer Folter und unfairen Verfahren ausgesetzt. Die dargestellten
und bewiesenen Aktivitäten seien vor dem Hintergrund der Asylpraxis der-
gestalt, dass sie mit grösster Wahrscheinlichkeit zu politisch motivierter
Verfolgung im Heimatstaat führen würden. Damit sei eine begründete
Furcht vor künftiger schwerer Verfolgung dargetan. Der Beschwerdeführer
und seine Familie erfüllten die Flüchtlingseigenschaft. Im vorliegenden
Sachzusammenhang hätten sich seit dem letzten Urteil die Verhältnisse in
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Syrien auch objektiv verändert. Die Gefahr der Verfolgung von Kadern der
Exil-(...) sei heute gross, weshalb objektive Nachfluchtgründe vorlägen.
Daher sei in erster Linie Asyl zu gewähren. Es werde um eine baldige Be-
fragung ersucht.
B.a.b Die Beschwerdeführerin brachte vor, sie leide aktuell stark unter den
Folgen des Verlusts ihres Bruders und sei daher in (...) Behandlung.
B.b Dem zweiten Asylgesuch vom 3. September 2018 lagen verschiedene
Beweismittel bei. Mit Eingaben vom 21. November 2018, 9. April 2020 und
21. April 2020 reichten sie weitere Beweismittel nach. So brachte der Be-
schwerdeführer in der Eingabe vom 9. April 2020 unter Beilage einer Vor-
ladung beziehungsweise eines Suchbefehls vor, er werde in Syrien ge-
sucht, und reichte auf Aufforderung des SEM hin am 4. September 2020
ein Schreiben eines Parteiverantwortlichen in der Schweiz vom (...) 2020
mit Angaben über die (...) zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 29. September 2020 stellte das SEM fest, die Be-
schwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die
Mehrfachgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Fer-
ner hielt es fest, die am 20. Oktober 2014 angeordnete vorläufige Auf-
nahme bestehe weiterhin bis zu deren Aufhebung oder Erlöschen, erhob
eine Gebühr von Fr. 600.– und lehnte den Antrag auf Durchführung einer
Anhörung ab.
D.
Die Beschwerdeführenden erhoben gegen diesen Entscheid mit Eingabe
vom 30. Oktober 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie
beantragten, es seien die Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs der angefochtenen
Verfügung aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und
die Vorinstanz sei anzuweisen, ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei
diese anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzu-
nehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses und um Beigabe ihres Rechtsvertreters als unentgeltlicher
Rechtsbeistand.
Der Beschwerde waren als Beweismittel eine Bestätigung der Präsidenten
der (...) in der Schweiz vom 4. August 2020, eine Sammelbeilage mit Fotos
von einem Anlass vom (...) 2020 zum Todestag des (...), S._ (mit
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Angabe der diversen daran teilnehmenden internationalen Parteiführungs-
mitglieder) und eine Facebook-Dokumentation mit einer Liste exemplari-
scher Freunde beigelegt.
E.
Am 2. November 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 25. November 2020 wurde das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage der
Beschwerdeführenden gutgeheissen und dasjenige um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung abgewiesen. Zudem wurden die Beschwerdefüh-
renden unter Fristansetzung aufgefordert, ein fehlendes Beweismittel
(Schreiben Rechtsanwalt und Auskunft syrische Behörde) nachzureichen.
G.
Mit Schreiben vom 3. Dezember 2020 reichte der Rechtsvertreter das feh-
lende Beweismittel nach.
H.
Am 7. Dezember 2020 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz zur Ver-
nehmlassung ein.
I.
In seiner Vernehmlassung vom 22. Dezember 2020 hielt das SEM vollum-
fänglich an seiner Verfügung fest.
J.
Am 24. Dezember 2020 gab die Instruktionsrichterin den Beschwerdefüh-
renden Gelegenheit, bis zum 8. Januar 2021 eine Replik und entspre-
chende Beweismittel einzureichen.
K.
Mit Replik vom 6. Januar 2021 nahmen die Beschwerdeführenden Stellung
zur Vernehmlassung des SEM vom 22. Dezember 2020.
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L.
Mit Eingabe vom 14. April 2021 reichte der Rechtsvertreter bezüglich des
Beschwerdeführers weitere Beweismittel zu den Akten (Bestätigung der
[...] betreffend Mitgliedschaft in der Führung der [...] in der Schweiz sowie
früherer Aktivitäten vom [...] 2021, Memory-Stick mit Aufzeichnungen von
vom Beschwerdeführer geleiteten Sitzungen, Beleg betreffend online-Ab-
rufbarkeit solcher Sitzungen auf [...] und Kopie des aktuellen [...]-Mitglied-
schaftsausweises).
M.
Am 24. November 2021 gingen beim Bundesverwaltungsgericht nebst ei-
ner aktualisierten Honorarnote weitere Beweismittel ein (Kopie des Regis-
tereintrags als Ajnabi in Syrien, Parteiausweis 2021, Fotos anlässlich von
Versammlungen live und online mit Parteikadern und Wikipedia-Eintrag zu
S._).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Die Beschwerdeführenden wurden bereits mit Verfügung des SEM vom
16. Oktober 2014 infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der
Schweiz vorläufig aufgenommen. Diese vorläufige Aufnahme bestätigte die
Vorinstanz in Dispositiv-Ziffer 4 der angefochtenen Verfügung. Hätten die
Beschwerdeführenden mit den Ausführungen unter Ziff. 4.4 der Be-
schwerde sinngemäss die eventuelle (selbstständige) Feststellung der Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs beantragen wollen, wäre dieser An-
trag unzulässig, da es angesichts der Alternativität der Bedingungen für
einen (vorläufigen) Verzicht auf den Wegweisungsvollzug (vgl. dazu BVGE
2011/7 E. 8, m.w.H.) an einem schutzwürdigen Interesse (Art. 48 Abs. 1
Bst. c VwVG) fehlte. Dementsprechend ist auf die entsprechenden Ausfüh-
rungen in der Beschwerde nicht mehr näher einzugehen.
4.
Das SEM hat die Eingabe vom 3. September 2018 als Mehrfachgesuch im
Sinne von Art. 111c AsylG entgegengenommen, soweit darin geltend ge-
macht wurde, die Beschwerdeführenden wären im Falle einer Rückkehr
von Reflexverfolgung bedroht und das exilpolitische Engagement des Be-
schwerdeführers habe dermassen zugenommen, dass nun subjektive
Nachfluchtgründe vorlägen. Soweit vorgebracht wurde, die Beschwerde-
führenden seien trotz gegenteiliger Einschätzung des SEM und des Bun-
desverwaltungsgerichts bereits zum Zeitpunkt ihrer Ausreise in flüchtlings-
relevanter Weise verfolgt worden, ist die Eingabe als qualifiziertes Wieder-
erwägungsgesuch entgegengenommen worden. Die Beschwerdeführen-
den zweifeln diese rechtliche Qualifikation nicht an und auch das Bundes-
verwaltungsgericht sieht sich nicht veranlasst, davon abzuweichen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
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unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach
Art. 3 AsylG ist nicht allein die Situation zum Zeitpunkt der Ausreise. So ist
gegebenenfalls auch eine asylsuchende Person als Flüchtling anzuerken-
nen, die erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise – aufgrund ob-
jektiver oder subjektiver Nachfluchtgründe – im Falle einer Rückkehr in ih-
ren Heimat- oder Herkunftsstaat in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise
verfolgt würde.
Objektive Nachfluchtgründe sind gegeben, wenn äussere Umstände, auf
welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur dro-
henden Verfolgung führen; der von Verfolgung bedrohten Person ist in die-
sen Fällen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewäh-
ren. Subjektive Nachfluchtgründe sind anzunehmen, wenn eine asylsu-
chende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat
oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Wesentlich ist, ob die heimatlichen Be-
hörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und
dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung befürchten muss.
Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, wer-
den jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28
E. 7.1, m.w.H.).
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine
Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-
tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-
ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Die Vorinstanz verwies zur Frage der Reflexverfolgung zunächst auf
das Urteil D-6909/2014 vom 8. März 2016, worin festgehalten worden sei,
der Beschwerdeführer habe im Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens
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nie geltend gemacht, im Zusammenhang mit den Söhnen seiner Schwes-
ter eine Reflexverfolgung erlitten zu haben oder eine solche in Zukunft zu
befürchten. Nun stütze er seine angebliche Reflexverfolgung auf zwei an-
dere Neffen. Ausserdem zeige eine Konsultation von Referenzdossiers,
dass mehrere Verwandte der beiden Neffen N._ und O._
gegen die Ablehnung ihrer Asylgesuche keine Beschwerde erhoben hät-
ten. Zudem hätten zwei ebenfalls nahe Verwandte erfolglos Beschwerde
erhoben. Auch die Asylgesuche der Eltern sowie einer Schwester von
N._ und O._ seien erstinstanzlich abgelehnt worden. Ange-
sichts der Aktenlage liessen sich aus der verwandtschaftlichen Beziehung
zu den zwei nun erwähnten Neffen N._ und O._ des Be-
schwerdeführers mit Flüchtlingsstatus keine konkreten Anzeichen für eine
den Beschwerdeführenden deswegen drohende Gefährdung im Sinne ei-
ner Reflexverfolgung ableiten. Die entsprechenden Vorbringen seien somit
aus flüchtlingsrechtlicher Sicht nicht bedeutsam.
Bezüglich der dargelegten exilpolitischen Aktivitäten ergebe eine Konsul-
tation des Urteils D-6909/2014, dass das Gericht festgestellt habe, beim
Beschwerdeführer handle es sich offensichtlich nicht um eine für die exil-
politische Szene bedeutsame Persönlichkeit, die mit Blick auf Art und Um-
fang ihrer Tätigkeiten als ausserordentlich engagierter und exponierter Re-
gimegegner aufgefallen sein könnte. Damit übersteige sein exilpolitisches
Engagement die Schwelle der massentypischen Erscheinungsformen exil-
politischer Proteste durch syrische Staatsangehörige klarerweise nicht. So-
mit sei es unwahrscheinlich, dass er seitens der syrischen Behörden als
reelle potenzielle Gefahr und damit als verfolgungswürdig betrachtet
würde. Den Akten lasse sich nun nicht entnehmen, dass sich sein politi-
sches Engagement in der Zwischenzeit derartig verstärkt oder verändert
habe, dass es ein flüchtlingsrechtlich relevantes Ausmass angenommen
habe. Zwar bringe er vor, er sei nun Parteiverantwortlicher für den Kanton
M._ und rapportiere als solcher sämtliche Sitzungsergebnisse und
Informationen an die nächsthöhere Stelle, mithin direkt der Parteiführung
in der Schweiz. Zudem habe er mit zahlreichen anerkannten Flüchtlingen
und bekannten Persönlichkeiten der syrischen Opposition im Ausland Kon-
takt und trete auch öffentlich neben ihnen auf. Er habe sich sinngemäss
als Parteikader bezeichnet. Halte man sich indes vor Augen, dass seine
Kantonalsektion der Partei mit ihm zusammen gerade mal aus (...) Mitglie-
dern bestehe, so gelange man zur Einschätzung, dass er keine bedeu-
tende und herausragende Kaderfunktion innehabe. Zu den Kontakten mit
Parteipersönlichkeiten gelte es zu bemerken, dass er am 21. April 2020
diverse Fotos dazu nachgereicht habe. Allerdings befinde sich darunter nur
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ein Foto von einer Sitzung mit Kaderangehörigen (Parteispitze der [...] in
der Schweiz). Dieses Foto sei bereits auf einem Auszug vom (...) 2013
enthalten und könne somit nicht als neu bezeichnet werden. Die anderen
Fotos, in denen er mit mutmasslich bekannten Oppositionellen abgebildet
sei, vermöchten bestenfalls ein Zusammentreffen mit diesen Personen zu
belegen. Allein daraus könne noch kein exponiertes exilpolitisches Enga-
gement seinerseits abgeleitet werden. An dieser Einschätzung vermöge
auch die gegenwärtige Situation in Syrien nichts zu ändern. Sodann gebe
der Beschwerdeführer an, er habe in der Schweiz unermüdlich und sehr
exponiert seine Partei unterstützt und sein Engagement sei mit Sicherheit
von einer Art und Weise, die den Spitzeln des Regimes bekannt geworden
sei. Dies zeige auch der Umstand, dass er inzwischen persönlich gesucht
werde, was durch eine zu den Akten gereichte Vorladung beziehungsweise
einen Suchbefehl dokumentiert werde. Dieses Dokument – so das SEM –
enthalte einerseits einen Antrag des Rechtsanwalts des Beschwerdefüh-
rers in Syrien vom (...) 2019, gemäss welchem diesem und den beiden
Söhnen C._ und D._, die im Ausland lebten, (...) auszustel-
len seien, anderseits die abschlägige Antwort der Behörden, wobei als Be-
gründung angeführt werde, sie müssten sich bei der Abteilung für politische
Sicherheit melden, weil sie vom Generalnachrichtendienst gesucht wür-
den. Dieses Dokument sei am (...) 2019 in der Schweiz übersetzt worden.
Es sei allgemein bekannt, dass in Syrien praktisch jegliche Art von Doku-
menten käuflich erworben werden könnten. Als entsprechend gering sei die
Beweiskraft solcher Dokumente (inklusive Reisepässe u.a.) gemäss
Rechtsprechung einzustufen. So seien nicht nur Fälschungen unterschied-
lichster Qualität, sondern gegen Bezahlung auch formell echte amtliche
Dokumente erhältlich. Deshalb könne selbst einem formell echten amtli-
chen Dokument nur dann eine relevante Beweiskraft beigemessen wer-
den, wenn es im Kontext mit einem hinreichend schlüssigen Sachverhalts-
vortrag eingereicht werde. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Ausserdem
stelle sich die Frage, weshalb das bereits am (...) 2019 übersetzte Beweis-
mittel den Asylbehörden erst am (...) 2020 nachgereicht worden sei. Zu-
sammenfassend sei zu schliessen, dass die geltend gemachten exilpoliti-
schen Aktivitäten nicht zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft führ-
ten. Gemäss Rechtsprechung sei auch die Mitgliedschaft in der (...) als
solche nicht geeignet, auf eine Verfolgungssituation zu schliessen.
Betreffend das Vorbringen, der Bruder T._ der Beschwerdeführerin
sei am (...) 2017 in Syrien mutmasslich im Zusammenhang mit den exilpo-
litischen Aktivitäten getötet worden, hielt das SEM fest, bei den Bestäti-
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gungsschreiben der nahen Verwandten handle es sich angesichts der Ak-
tenlage um Gefälligkeitsschreiben, denen kein genügender Beweiswert zu-
komme. Zudem erstaune, dass diese Dokumente bereits am 2. Mai 2018
in der Schweiz übersetzt, aber erst am (...) 2018 eingereicht worden seien.
Auch bei den drei Bestätigungsschreiben der (...) in der Schweiz vom (...)
2018, (...) 2018 und (...) 2020 handle es sich um Gefälligkeitsschreiben.
Es falle auch auf, dass der Beschwerdeführer gemäss dem ersten Schrei-
ben erst Ende (...) 2015, rund (...) Jahre nach seiner Ankunft in der
Schweiz, Parteimitglied geworden sein solle. Mit den eingereichten Be-
weismitteln vermöchten die Beschwerdeführenden die damalige Einschät-
zung des SEM und des Bundesverwaltungsgerichts, dass die im ersten
Asylverfahren vorgebrachten Asylgründe unglaubhaft seien, nicht zu wider-
legen.
Zur Begründung der Ablehnung des Antrags auf Anhörung wurde im We-
sentlichen ausgeführt, dass das Gesetz im Rahmen von Nachfolgeverfah-
ren keine weitere Anhörung vorsehe. Art. 29 AsylG (Anhörung zu den Asyl-
gründen) komme bei Mehrfachgesuchen grundsätzlich nicht zur Anwen-
dung (BVGE 2014/39 E. 4.3). Die Beschwerdeführenden würden durch ei-
nen im Asylrecht spezialisierten Rechtsanwalt vertreten. Damit seien ihnen
beziehungsweise ihrem Rechtsvertreter die massgeblichen verfahrens-
rechtlichen Bestimmungen bestens bekannt. Es sei ihre Pflicht gewesen,
alles ihnen zumutbare zu unternehmen, um die Asylvorbringen bereits bei
der Gesuchseingabe umfassend und substanziiert darzulegen.
Zusammenfassend genügten die Vorbringen den Anforderungen an Art. 3
in Verbindung mit Art. 54 AsylG nicht. Die Beschwerdeführenden erfüllten
die Flüchtlingseigenschaft nicht.
6.2 In der Beschwerde wurde zunächst bemängelt, die Vorinstanz meine
zu Unrecht den Schluss ziehen zu können, auch die Anerkennung von zwei
neuen Angehörigen der gleichen Grossfamilie ziehe keine Reflexverfol-
gungsgefahr nach sich, weil schon das Bundesverwaltungsgericht festge-
stellt habe, dass die fehlende Vorfluchtverfolgung wegen Angehörigen be-
deute, dass diese Reflexverfolgungsgefahr unbeachtlich sei. So sei der
Beizug der Akten der beiden zusätzlich anerkannten Flüchtlinge verlangt
worden. Ohne das rechtliche Gehör zu diesem Aktenbeizug zu gewähren,
habe die Vorinstanz allein aus der Tatsache, dass andere Verwandte sich
nicht gegen die Ablehnung ihrer Asylgesuche gewehrt hätten, gefolgert,
dass nicht auf eine Reflexverfolgung geschlossen werden könne. Dabei
habe sie nicht zwischen der Nähe der Verwandtschaft zu Personen, die
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sehr delikate Aktivtäten in Syrien ausgeübt hätten ([...] über Ermordung
eines Kurdenführers), und Fällen von weiter entfernter Verwandtschaft zu
diesen differenziert. Sie habe auch nicht offengelegt, aus welchen Akten-
stellen der beigezogenen Akten sich ergeben soll, dass keine Reflexverfol-
gung vorliege. So könne der Beschwerdeführer nicht dazu Stellung neh-
men und sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt. Ohnehin verwei-
gere die Vorinstanz vor allem die Gesamtbetrachtung, die unbedingt vor-
zunehmen sei, wenn ein unbestimmter Begriff wie ein Risikoprofil richtig
ausgelegt und angewendet werden soll. Im Lichte aller hinzu gekommenen
Tatsachen – der Tötung eines Fluchthelfers, der früher bereits belegten
Verurteilung im Exil, der Karriere innerhalb der Partei im Exil, der Exposi-
tion an der Seite höchster Kader der Partei, die als Widersacherin der mit
der Regierung bisweilen paktierenden PKK/PYG anzusehen sei – ergebe
sich beim Beschwerdeführer ohne Zweifel ein solches Profil, das das Inte-
resse des Regimes auf sich ziehe beziehungsweise längst gezogen habe.
Hinsichtlich der Frage der Glaubhaftigkeit sei sodann festzuhalten, dass
die Vorinstanz der Darstellung des Beschwerdeführers an sich gar nicht
widerspreche. Damit seien alle geltend gemachten Tatsachen als erstellt
zu betrachten. Jedenfalls sei die Glaubhaftigkeit aller Vorbringen zu beja-
hen. Der Beschwerdeführer habe nachweisen beziehungsweise glaubhaft
machen können, dass er in seinem Heimatland bereits vor der Ausreise
wegen seiner politischen Anschauung an Leib und Leben und in seiner
Freiheit gefährdet gewesen sei, er erfülle die Flüchtlingseigenschaft und
ihm sei Asyl zu gewähren.
Jedenfalls erfülle er die Flüchtlingseigenschaft aufgrund subjektiver Nach-
fluchtgründe, weshalb die vorläufige Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 8
AIG zu verfügen wäre. Für die Familienangehörigen bedeute dies, dass
deren Einschluss in die Flüchtlingseigenschaft erfolgen müsse und ihnen
Asyl zu gewähren sei. Ihre Verfolgung ergebe sich aus dem Engagement
des Beschwerdeführers und sie würden dadurch zwar sur place zu Flücht-
lingen, aber sie würden dies aus objektiven Gründen der Reflexverfolgung
und nicht aus subjektiven.
6.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM aus, die neu eingereichten
Fotos, auf denen der Beschwerdeführer mit den angegebenen Persönlich-
keiten zusammen abgebildet sei, vermöchten ein Zusammentreffen mit
diesen Personen zu belegen. Allein daraus könne indes noch kein expo-
niertes exilpolitisches Engagement abgeleitet werden. Hinsichtlich der als
Beweisdokument eingereichten Anfrage eines Rechtsanwalts in Syrien
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([...]) mitsamt der Auskunft der syrischen Behörden weise die Aktenlage
darauf hin, dass diese Dokumente bereits während des erstinstanzlichen
Verfahrens eingereicht worden seien und denn auch schon im Entscheid
auf die fehlende Beweiskraft solcher Dokumente hingewiesen worden sei.
Bezüglich des Vorbringens, der Beschwerdeführer sei eng befreundet mit
nahezu der gesamten Parteiführung und zahlreichen Aktivisten, Publizisten
und anderen Parteiexponenten, wovon seine Facebook-Profilseite, die
über mehr als (...) Freundschaftseinträge verfüge, darunter die gesamte
Parteielite, eindrückliches Zeugnis ablege, merkte die
Vorinstanz an, dass Facebook-Freundschaftseinträge nicht zwingend "re-
alen" Freundschaften entsprächen. Facebook mache bekanntlich keinen
Unterschied zwischen engen und entfernten Bekannten. Folglich seien
diese Freundschaftseinträge kein ausreichender Beweis dafür, dass der
Beschwerdeführer mit nahezu der gesamten Parteiführung eng befreundet
sei.
6.4 In ihrer Replik führten die Beschwerdeführenden aus, es treffe zu, dass
das strittige Beweismittel (Anfrage des Rechtsanwalts in Syrien und Ant-
wort der Behörden) bereits im Verfahren vor der Vorinstanz eingereicht
worden sei. Den Feststellungen zum angeblich fehlenden Beweiswert sei
in der Beschwerde bereits entgegnet worden. Es sei allerdings nicht zuläs-
sig, bloss generelle Aussagen zur allgemeinen Beweistauglichkeit anzu-
führen, wenn ein derart spezifisches Dokument und Abklärungen eines ein-
getragenen Rechtsanwalts aus Syrien zu einem Einzelfall vorlägen. Ohne
zumindest Abklärungen vor Ort – etwa über Vertrauensanwälte der Bot-
schaft – vorzunehmen, sei davon auszugehen, dass es sich um einen taug-
lichen Beweis, zumindest um einen starken Hinweis auf Verfolgung handle,
der für die Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 7 AsylG genüge. Und dass damit auch die Gründe, die zur Ausreise
geführt hätten, glaubhaft gemacht seien, weshalb den Beschwerdeführen-
den Asyl zu gewähren sei. Die Würdigung der eingereichten Beweismittel
zu Freundschaften und Kontakten zur obersten Führungsriege der verfolg-
ten Opposition werde von der Vorinstanz ebenfalls mit einem pauschalen
Gemeinplatz beantwortet. Dabei sei es zwar selbstverständlich, dass Fa-
cebook-Freundschaften nicht vergleichbar mit persönlichen Beziehungen
seien. Aber hier lägen nicht nur isoliert beziehungsweise ausschliesslich
solche Facebook-Freundschaften vor. Nur dann wäre dem Argument der
Vorinstanz ein Gewicht beizumessen. Vorliegend seien diese Facebook-
Kontakte und Freundschaften, die vom syrischen Regime gemäss zahlrei-
chen Urteilen des Gerichts beobachtet und interpretiert würden, in untrenn-
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barem Zusammenhang mit den bestens dokumentierten eigenen Aktivitä-
ten und den öffentlichen Auftritten an der Seite von Führungspersönlichkei-
ten zu würdigen. Beim Beschwerdeführer handle es sich um eine Person
von herausragendem Profil, die insgesamt, nebst der Verwandtschaft zu
anerkannten Flüchtlingen und den eigenen Aktivitäten, eben auch wegen
ihres öffentlich einsehbaren Facebook-Profils künftig eindeutig Verfolgung
aus politischen Motiven fürchten müsse. Er und seine Familie erfüllten die
Flüchtlingseigenschaft. Die Vorinstanz verweigere weiterhin die erforderli-
che Gesamtbetrachtung und verkenne daher dieses politische Profil wei-
terhin.
6.5 Auf die weiteren Beweismitteleingaben vom 14. April und 24. Novem-
ber 2021 wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwä-
gungen eingegangen.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Mehrfachgesuche der Beschwerdefüh-
renden zu Recht abgelehnt hat. Die Entgegnungen in den Eingaben auf
Beschwerdeebene und die darin angerufenen Beweismittel vermögen zu
keiner anderen Betrachtungsweise zu führen. Zur Vermeidung von Wieder-
holungen kann vorab auf die entsprechenden Erwägungen im angefochte-
nen Asylentscheid verwiesen werden. Folgendes bleibt festzuhalten:
7.2 Soweit die Beschwerdeführenden eine Verletzung des Anspruches auf
rechtliches Gehör vortragen (vgl. Beschwerde S. 7), kann dem nicht gefolgt
werden. Entgegen den Ausführungen auf Beschwerdeebene wurde im
Asylgesuch vom 3. September 2018 der Beizug der Asylakten von
N._ und O._ nicht beantragt. Es wurde lediglich ausgeführt,
die beiden seien Brüder und es handle sich bei ihnen um Neffen des Be-
schwerdeführers. Sie hätten in Syrien an (...) über (...) P._, welcher
im Jahr 2005 vermutlich durch syrische Sicherheitskräfte ermordet worden
sei, gearbeitet. O._ habe über (...) Jahre als (...) der (...) gearbeitet
(vgl. Eingabe vom 3. September 2018 an das SEM, S. 5 f.). Aus der ange-
fochtenen Verfügung ergibt sich indessen ohnehin eine umfangreiche vo-
rinstanzliche Aktenkonsultation. Das SEM hat nämlich aufgeführt, welche
Dossiers von Verwandten der Beschwerdeführenden es vor Verfügungser-
lass konsultiert hatte. Zu welchen Aktenstellen das SEM sodann das recht-
liche Gehör hätte gewähren müssen, ist nicht ersichtlich. Ob die Vorinstanz
das Vorliegen einer Reflexverfolgung zu Recht verneint hat, ist schliesslich
eine Frage des materiellen Rechts, welche nachfolgend zu prüfen sein
D-5353/2020
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wird. Dasselbe gilt in Bezug auf die Kritik, es sei keine Gesamtbetrachtung
vorgenommen worden.
7.3
7.3.1 In materieller Hinsicht ist zunächst zu prüfen, ob die Vorinstanz zu
Recht zum Ergebnis gelangte, den Beschwerdeführenden sei es mittels
der neu eingereichten Beweismittel nicht gelungen, eine bereits im Zeit-
punkt der Ausreise erlittene Verfolgung oder bestehende Verfolgungsfurcht
zumindest glaubhaft zu machen. Den diesbezüglichen Erwägungen des
SEM in der angefochtenen Verfügung (vgl. Ziff. IV.2 S. 10 f.) wird auf Be-
schwerdeebene nichts Stichhaltiges entgegengesetzt. Die Vorinstanz hat
zutreffend festgehalten, dass der behördlichen Antwort auf eine Passan-
frage angesichts der leichten Erhältlichkeit jeglicher Dokumente keine re-
levante Beweiskraft zugesprochen werden könne. Sodann fehlt dem frag-
lichen Dokument jeglicher Hinweis darauf, weshalb sich der Beschwerde-
führer und seine beiden älteren Kinder bei den syrischen Behörden melden
sollten. Weitere Abklärungen hierzu, wie im Rahmen der Replik gefordert,
waren und sind nicht erforderlich. Soweit im Schreiben (...) vom (...) 2021
behauptet wird, der Beschwerdeführer sei bereits im Heimatland politisch
aktiv gewesen, wird weder dargelegt, worauf diese Kenntnisse beruhen,
noch weshalb eine solche Bestätigung erst zu diesem Zeitpunkt einge-
reicht werden konnte. Zudem ist auch diesbezüglich die Möglichkeit eines
Gefälligkeitsschreibens in Betracht zu ziehen. Im Zusammenhang mit dem
bedauerlichen Tod des Bruders der Beschwerdeführerin kann vollumfäng-
lich auf die diesbezüglichen Ausführungen in der angefochtenen Verfügung
verwiesen werden. Die Beschwerdeführenden vermochten nicht glaubhaft
zu machen, dass ein Zusammenhang zwischen der Tötung im Jahr 2017
und ihren Vorfluchtgründen besteht. Das SEM ist somit zu Recht zum
Schluss gelangt, es sei den Beschwerdeführenden nicht gelungen, die im
ordentlichen Verfahren festgestellte Unglaubhaftigkeit der Asylgründe zu
widerlegen.
7.3.2 Der Beschwerdeführer machte im Mehrfachgesuch geltend, aufgrund
seiner in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannten Neffen N._ und
O._ (Söhne des Bruders des Beschwerdeführers) beziehungs-
weise deren Tätigkeiten im Heimatland einer Reflexverfolgung ausgesetzt
zu sein. Den Beschwerdeführenden ist insoweit beizupflichten, dass sich
aus dem Umstand, dass einzelne Familienangehörige gegen den sie be-
treffenden, auf eine vorläufige Aufnahme lautenden erstinstanzlichen Asyl-
entscheid nicht angefochten haben, nichts Entscheidendes in Bezug auf
eine dem Beschwerdeführer drohende Reflexverfolgung abgeleitet lässt.
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Dies ändert indessen nichts daran, dass das Bestehen einer Reflexverfol-
gung im Ergebnis zu Recht verneint wurde. Im Rahmen des ersten Asyl-
verfahrens sind die nun erwähnten beiden Neffen vom Beschwerdeführer
mit keinem Wort erwähnt worden. O._ stellte sein Asylgesuch in der
Schweiz im Februar 2012, dieses wurde im November 2014 gutgeheissen.
N._ stellte das Asylgesuch im März 2015. Weshalb der Beschwer-
deführer die ihm angeblich drohende Verfolgung wegen dieser beiden Nef-
fen nicht im ordentlichen Verfahren oder im anschliessenden Beschwerde-
verfahren hätte vorbringen können, wird nicht dargelegt und ist auch nicht
ersichtlich. Nachdem der Beschwerdeführer keine erlebte Verfolgung, also
auch keine erlebte Reflexverfolgung, im Heimatland geltend machte bezie-
hungsweise glaubhaft machen konnte, ist von einer solchen auch aus heu-
tiger Sicht nicht auszugehen. Schliesslich ist auch das Verwandtschafts-
verhältnis nicht als derart nah zu erachten, dass sich daraus eine Verfol-
gungsgefahr ergeben würde. Dies umso weniger, als das Bundesverwal-
tungsgericht in seinem Urteil D-3422/2017 auch für den Bruder von
O._ und N._ eine Reflexverfolgungsgefahr verneinte. Selbst
wenn für den Bruder des Beschwerdeführers und Vater von O._
und N._ im noch hängigen Beschwerdeverfahren eine Reflexverfol-
gungsgefahr bejaht würde, wäre in Bezug auf den Beschwerdeführer be-
ziehungsweise die Beschwerdeführenden nicht anders zu entscheiden.
7.3.3 Hinsichtlich des exilpolitischen Engagements des Beschwerdefüh-
rers trifft die Darstellung in der Beschwerde, die Aktivitäten würden vom
SEM nicht bestritten, zu. Auch das Bundesverwaltungsgericht sieht keine
Veranlassung, am Engagement des Beschwerdeführers zu zweifeln. In-
dessen ist die Einschätzung des SEM, dass kein für die Annahme subjek-
tiver Nachfluchtgründe genügendes exponiertes Verhalten vorliege, nicht
zu beanstanden. Die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereich-
ten Beweismittel vermögen an der Schlussfolgerung des SEM nichts zu
ändern. So wurde die Bestätigung des Verantwortlichen der (...) in der
Schweiz vom (...) 2020 bereits im vorinstanzlichen Verfahren eingereicht
und gewürdigt. Die Unterlagen betreffend den Anlass (...) S._ vom
(...) 2020 und (...) 2021 in U._ sowie die Fotos und Videos von real
oder online abgehaltenen Versammlungen mit mutmasslich bekannten Op-
positionellen vermögen bestenfalls ein Zusammentreffen mit diesen Per-
sonen zu belegen, ohne dass daraus ein exponiertes exilpolitisches Enga-
gement des Beschwerdeführers abgeleitet werden kann. Allein aus der Be-
stätigung der (...) vom (...) 2021, wonach der Beschwerdeführer Mitglied
in der Führung der (...) in der Schweiz und als solches hierzulande zustän-
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Seite 18
dig für die Organisation der (...) sei, vermag er keine bedeutende und her-
ausragende Kaderfunktion für sich zu beanspruchen. Der Parteiausweis
2021 betrifft nicht den Beschwerdeführer, sondern V._, geboren
(...). Der kommentarlos eingereichten Kopie eines Registerauszugs als
Ajnabi ist nicht zu entnehmen, inwiefern dieses Dokument für das vorlie-
gende Verfahren von Relevanz sein soll, zumal von den Asylbehörden
nicht in Zweifel gezogen wurde, dass es sich beim Beschwerdeführer um
einen ehemaligen Ajnabi handelt. Bezüglich der an dieser Stelle nicht er-
wähnten Beweismittel ist auf die zutreffenden Ausführungen in der Verfü-
gung und der Vernehmlassung des SEM zu verweisen (vgl. E. 6.1 und 6.3).
7.3.4 Der Vorwurf, die Vorinstanz habe bezüglich des Risikoprofils keine
Gesamtbetrachtung vorgenommen, ist im Ergebnis unberechtigt. Das SEM
behandelte in der angefochtenen Verfügung zunächst die Frage der gel-
tend gemachten Reflexverfolgung und im Anschluss die Frage der exilpo-
litischen Aktivitäten. Dies lässt den Schluss zu, dass sie auch vor dem Hin-
tergrund der familiären Verhältnisse zum Schluss gelangte, es lägen keine
subjektiven Nachfluchtgründe vor. Auch wenn es zu begrüssen gewesen
wäre, dass diese Überlegungen explizit festgehalten worden wären, liegen
weder Gründe für eine Rückweisung der Sache vor, noch gelangt das Bun-
desverwaltungsgericht zu einer abweichenden Schlussfolgerung.
7.4 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge-
bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder
zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat die Mehrfachgesuche
zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführer C._ und D._ verfügen seit dem
25. Juli 2019 über eine Aufenthaltsbewilligung (Gutheissung Härtefallrege-
lung). Ihnen gegenüber hat das SEM (wohl irrtümlich) zu Unrecht formell
eine Wegweisung verfügt, diese ist aufzuheben. Die übrigen Beschwerde-
führenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewil-
ligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Deren Weg-
weisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die – unter vorstehender E. 8.2 erwähnte
und von den Beschwerdeführenden nicht beantragte – Korrektur der ange-
fochtenen Verfügung ändert daran nichts. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwi-
schenverfügung vom 25. November 2020 das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen. Deshalb ist auf die Erhe-
bung von Verfahrenskosten zu verzichten.
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