Decision ID: d831fd76-e8df-51ac-b719-a5a96ffc157f
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 12. Dezember 2006 bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug (berufliche Massnahmen) an, da er
aufgrund eines Unfalls am 1. September 2005 mit erlittenem Quetschtrauma und
nachfolgender Operation am 1. März 2006 den rechten Daumen nicht mehr richtig
einsetzen könne (IV-act. 1; Bericht Spital B._, IV-act. 16-28; Unfallmeldung UVG vom
23. September 2005, Fremdakten, act. 5-1; Austrittsbericht Klinik für Hand-,
Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] vom
10. März 2006, IV-act. 16-20 f.; Operationsbericht vom 1. März 2006, IV-act. 16-18 f.).
A.a.
Nachdem in den Arztberichten der Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG vom 11. Januar 2007 (IV-act. 7-2 f.) und von
Dr. med. C._, Facharzt für Allgemein- und Tropenmedizin, vom 9. Februar 2007 (IV-
act. 16-1 ff.) persistierende Schmerzen und eine depressive Entwicklung geschildert
wurden, veranlasste die IV-Stelle ein psychiatrisches / rheumatologisches Gutachten
(Gutachten vom 17. Januar 2008; Dr. med. D._, Facharzt Psychiatrie und
Psychotherapie und Dr. med. et sc. nat. E._, Fachärztin für Rheumatologie;
Untersuchungen vom 3. Januar 2008; IV-act. 51). Der psychiatrische Gutachter
diagnostizierte eine leichte Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt
(ICD-10: F 43.22). Diese habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit; in körperlich
adaptierten Tätigkeiten sei der Versicherte seit dem Unfall am 2. September 2005 voll
arbeitsfähig (IV-act. 51-6 f.). Die rheumatologische Gutachterin formulierte als Diagnose
A.b.
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persistierende diffuse Schmerzen und Hypästhesien des Daumenengliedes rechts (IV-
act. 51-22). Arbeiten mit schwer- oder grobmanuellem Hantieren mit Werkzeugen in
der rechten Hand, mit vibrierenden Maschinen, mit erhöhter Anforderung an die
Feinmotorik der rechten Hand und mit mehr als seltener beidhändiger
Lastenhandhabung von mehr als 10kg (IV-act. 51-9) sowie die bisherige Tätigkeit als
Maschinenbediener der F._ AG (Angaben Arbeitgeberin vom 24. Januar 2007, IV-
act. 8) bzw. als Betriebsmitarbeiter der G._ AG (Angaben H._ AG vom 14. Juni
2007, IV-act. 36) seien nicht mehr zumutbar (IV-act. 51-8 f.). In einer adaptierten
Tätigkeit bestehe ab 11. Januar 2007 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 51-8).
Die IV-Stelle schloss die eingeleitete Eingliederung bzw. gewährte
Arbeitsvermittlung am 21. November 2008 ab, da der Versicherte nicht mitgewirkt habe
bzw. sich subjektiv nicht arbeitsfähig fühle (Protokoll Eingliederung, IV-act. 59 f.;
Mitteilung vom 5. Dezember 2008, IV-act. 64). Entsprechend dem Vorbescheid vom
5. Dezember 2008 (IV-act. 66) wies sie das Leistungsgesuch betreffend Rente bei
einem ermittelten IV-Grad von 10 % mit Verfügung vom 27. Januar 2009 ab (IV-
act. 69).
A.c.
Der Versicherte musste sich am 15. März 2012 einer Kniegelenks-Arthroskopie bei
gemäss MRT medialer Meniskusläsion (Operationsbericht, IV-act. 134) und am 8. März
2016 einer Operation eines Rezidivs eines Ganglions an der linken Hand
(Operationsbericht, IV-act. 133) unterziehen. Vom 19. Oktober bis 22. November 2016
war er zur stationären Rehabilitation in der Klinik I._, wo ihm eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10: F33.1), eine
generalisierte Angststörung mit Somatisierung (ICD-10: F41.1) sowie ein
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei leichtgradiger Degeneration der
Intervertebralgelenke der kaudalen LWS L3 bis S1 und leicht- bis mittelgradiger
Osteochondrose L4/L5 sowie Rest-Rezidivhernie L4/L5 mit Kompression der
Nervenwurzel L5 links diagnostiziert wurden (Austrittsbericht vom 9. Januar 2017, IV-
act. 108). Am 11. Juli 2017 wurde dem Versicherten erneut ein Ganglionrezidiv am
linken Handgelenk entfernt (Operationsbericht, IV-act. 110) und am 3. November 2017
erfolgte bei diagnostiziertem chronisch lumbospondylogenem Schmerzsyndrom und
Claudicatio radicularis L5 bei Diskopathie Pfirrmann Grad II bis III L4/5 und
A.d.
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Rezessusstenose L4/5 linksseitig mit Kompression der Nervenwurzel L5 (vgl.
Konsultationsberichte Klinik J._ vom 12. Juni 2017, IV-act. 109, vom 13. Juli 2017,
IV-act. 111 und vom 20. September 2017, IV-act. 115) eine Versteifung L4/5 und
Dekompression L4/5 links (Operationsbericht, IV-act. 118; Austrittsbericht Klinik J._
vom 7. November 2017, IV-act. 119). Der Versicherte wurde vom 19. Februar bis
30. März 2018 wiederum in der Klinik I._ wegen einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1), einer Agoraphobie (F40.0) sowie
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(F45.41) behandelt (Austrittsbericht vom 20. April 2018, IV-act. 123).
Am 17. Mai 2018 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-
act. 78). Die IV-Stelle aktualisierte den medizinischen Sachverhalt (Arztbericht med.
pract. K._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 6. Juli 2018, IV-
act. 86, Arztbericht Dr. L._ vom 23. Juli 2018, IV-act. 88; Bericht Klinik J._ vom
17. Dezember 2018, IV-act. 129) und ordnete daraufhin eine polydisziplinäre
Begutachtung an (IV-act. 136).
A.e.
Diese erfolgte durch die Medizinisches Gutachtenzentrum Region St. Gallen
(MGSG) GmbH (Gutachten vom 9. November 2019; Dr. med. M._, Facharzt für Innere
Medizin; Dr. med. N._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; Dr. med. O._,
Facharzt für Orthopädie; Dr. med. P._, Fachärztin für Neurologie; Untersuchungen
vom 14., 21. August und 6. September 2019; Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit vom 3./4. September 2019; IV-act. 154). Die Experten
diagnostizierten als die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Gesundheitsschäden eine
Schmerzpersistenz nach Quetschtrauma des Daumenendglieds rechts 2005 sowie eine
Läsion des medialen Restmeniskus bei Chondropathie des medialen Femurcondylus
(IV-act. 154-32), eine neurologisch diskrete Sensibilitätseinschränkung und
persistierende Schmerzsymptomatik des rechten Daumenendgliedes (IV-act. 154-104),
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1) bei Zustand nach Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion
(ICD-10: F43.21), eine Agoraphobie (ICD-10: F40.0; IV-act. 154-130) sowie ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach viermaliger Exzision eines dorsalen
Handgelenksganglions 2007 bis 2017 und Abriss des Processus styloideus ulnae links,
ein Lumbovertebralsyndrom bei Status nach TLIF L4/5 mit Dekompression links im
A.f.
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November 2017, eine Gonalgie des Kniegelenks mit fraglicher Chondropathie und
reduziertem femorotibialem Alignement links, einen Fersensporn rechts und links sowie
eine Adipositas (IV-act. 154-32), einen Status nach Spondylodese LWK 4-5 mit
diskreter residueller Wurzelreizung L5 links und persistierenden Beschwerden eines
lumbospondylogenen Schmerzsyndroms (IV-act. 154-104) und eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4; IV-act. 154-130). Die Gutachter kamen
zum Schluss, aus orthopädischer, neurologischer und internistischer Sicht bestehe in
angepassten Tätigkeiten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. In der bisherigen
Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer und neurologischer Sicht
50 % (IV-act. 154- 36 f.; IV-act. 154-106; IV-act. 154-61 f.). Der psychiatrische Experte
attestierte - interdisziplinär führend - bei zumutbarer 100%iger Präsenz eine
Leistungseinbusse von 40 % in der bisherigen und von 30 % in einer adaptierten
Tätigkeit (IV-act. 154-139 f.).
Der RAD-Arzt Dr. Q._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie,
befand am 23. Oktober 2019, das Gutachten entspreche im Wesentlichen den
geltenden versicherungsmedizinischen Kriterien (IV-act. 155).
A.g.
Mit Vorbescheid vom 28. Oktober 2019 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
das rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Gesuchs aufgrund eines
Invaliditätsgrades von 30 % (IV-act. 158). Hiergegen erhob der Versicherte am
28. November 2019 Einwand, er sei nicht in der Lage, 70 % zu arbeiten. Es stehe eine
erneute Operation am Handgelenk bevor (IV-act. 162).
A.h.
Am 20. Januar 2020 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid. Zur Begründung
führte sie aus, es seien keine medizinischen Akten eingereicht worden. Infolgedessen
sei weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer leidensangepassten Tätigkeit
auszugehen. Bei einer Operation sei mit einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit zu
rechnen, die derzeit nicht berücksichtigt werden könne. Sollte eine längerfristige
Arbeitsunfähigkeit resultieren, habe der Versicherte die Möglichkeit, sich erneut bei der
Invalidenversicherung anzumelden (IV-act. 169-2 ff.).
A.i.
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B.
Gegen die Verfügung vom 20. Januar 2020 lässt A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. G. Calan, am 21. Februar
2020 Beschwerde erheben (act. G 1) und diese mit Beschwerdeergänzung vom 28. Mai
2020 (act. G 9) begründen. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen auszuheben. Es sei ihm eine IV-Rente gestützt auf einen
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % zuzusprechen; eventualiter sei die Angelegenheit
zur Ergänzung des Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(act. G 9). Weiter seien ihm die unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Er bringt vor, die IV-Stelle verletze in der
angefochtenen Verfügung das rechtliche Gehör bzw. die Begründungspflicht. Die
angefochtene Verfügung sei alleine deshalb aufzuheben (act. G 1). Aufgrund des
vielfältig eingeschränkten Zumutbarkeitsprofils sei die Verwertbarkeit seiner
Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt unrealistisch. Er habe seit seinem Aufenthalt in
der Schweiz nur körperlich schwere Arbeiten ausgeführt. Es sei nicht nachvollziehbar,
welcher Arbeitgeber ihn nach einem Beschäftigungsunterbruch von 15 Jahren und mit
einer klar ausgewiesenen rheumatologischen und psychiatrischen Diagnose überhaupt
beschäftigen solle. Die umschriebene leidensangepasste Tätigkeit sei dem
schweizerischen Arbeitsmarkt fremd. Höchstens eine Bürotätigkeit käme in Frage. Eine
solche Stelle zu finden sei für ihn als unqualifizierte Arbeitskraft von vornherein
ausgeschlossen. Das von einem Arbeitgeber aufzubringende Entgegenkommen wäre
unrealistisch, zumal er seit 15 Jahren nicht mehr erwerbstätig gewesen sei und sehr
gebrochen Deutsch spreche. Sodann sei ihm weder ein Leidens- noch ein
Teilzeitabzug gewährt worden, ohne dass dies begründet worden wäre. Die attestierte
Arbeitsfähigkeit von 70 % könne er, wenn überhaupt, nur schwankend und damit
schwer planbar erbringen. Dies sei lohnmindernd zu berücksichtigen. Zudem sei das
Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Absenzen einzukalkulieren. Aufgrund seiner
gesundheitlichen Einschränkungen, seiner seit 15 Jahren Abwesenheit vom
Berufsleben, seiner sehr schlechten Deutschkenntnisse, seiner fehlenden Qualifikation
und seiner ausländischen Staatsangehörigkeit, sei ein Tabellenlohnabzug von 20 %
angemessen. Somit habe er bei einem Invaliditätsgrad von 44 % Anspruch auf eine
Viertelsrente (act. G 9).
B.a.
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Mit Beschwerdeantwort vom 8. Juli 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie führt aus, die Begründung der angefochtenen
Verfügung sei rechtsgenüglich. Zudem würde eine Verletzung der Begründungspflicht,
wenn sie vorliegen würde, nicht derart schwer wiegen, dass eine Heilung im
Beschwerdeverfahren angesichts der vollen Kognition der Beschwerdeinstanz nicht
angenommen werden könne. Dem MGSG-Gutachten komme voller Beweiswert zu und
es seien keine weiteren Abklärungen angezeigt. Für den Beschwerdeführer geeignet
seien etwa leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier- und Prüfarbeiten. Selbst
bei faktischer Einhändigkeit liege ein hinreichend grosser Arbeitsmarkt mit realistischen
Betätigungsmöglichkeiten vor. Der Beschwerdeführer sei einerseits bereits vor Eintritt
des Gesundheitsschadens als Maschinenbediener tätig gewesen, andererseits sei im
Alter von lediglich 43 Jahren davon auszugehen, dass er sich die Fähigkeiten zum
Bedienen von Computern und automatisierten Maschinen aneignen könne. Die
Sprachprobleme und die seit dem Jahr 2005 vorliegende Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt seien bei solchen Tätigkeiten kein Hindernis. Dass dem
Beschwerdeführer nur noch leichte Tätigkeiten mit weiteren einschränkenden Faktoren
zumutbar seien, die geltend gemachte starke Einschränkung an der rechten Hand, die
bereits bei der Schätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit berücksichtigten
psychischen Aspekte und die dadurch bedingte verstärkte Rücksichtnahme seitens der
Vorgesetzten und Arbeitskollegen rechtfertigten keinen Tabellenlohnabzug. Gemäss
der einschlägigen Lohntabelle liege das Durchschnittseinkommen von Männern mit der
Niederlassungsbewilligung C zwar unter demjenigen schweizerischer
Staatsangehöriger, jedoch über dem für die Invaliditätsbemessung herangezogenen
Durchschnittseinkommen. Zudem wäre von einem generellen Minderverdienst
konsequenterweise auch beim Valideneinkommen auszugehen. Aufgrund der
vollzeitlichen Arbeitsfähigkeit mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit sei unter dem Titel
Beschäftigungsgrad kein Tabellenlohnabzug zu gewähren. Ein Abzug infolge
sprachlicher Schwierigkeiten lasse sich im Kompetenzniveau 1 ebenfalls nicht
rechtfertigen. Die geltend gemachte Gefahr überdurchschnittlicher
Krankheitsabsenzen, die schwankende Leistungsfähigkeit, der Bedarf nach besonderer
Rücksichtnahme, ein erhöhter Betreuungsaufwand und die lange Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt berechtigten ebenfalls nicht zu einem (vorliegend rentenbegründenden)
Tabellenlohnabzug (act. G 11).
B.b.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
Die Präsidentin des Versicherungsgerichts bewilligt dem Beschwerdeführer am
14. Juli 2020 die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
unentgeltliche Rechtsverbeiständung; act. G 12).
B.c.
Mit Replik vom 19. Oktober 2020 lässt der Beschwerdeführer geltend machen,
seine in den Jahren 2000 bis 2005 erworbenen Kenntnisse als Maschinenbediener
seien aufgrund der seitherigen Veränderungen der Technik und Maschinen nicht mehr
nützlich. Die Sprachprobleme seien sehr wohl hinderlich, da Anweisungen und
Bedienung in deutscher Sprache erfolgten. Entgegen der Annahme der
Beschwerdegegnerin bzw. der von ihr angeführten Rechtsprechung stehe ihm kein
genügend breites Spektrum an Verweistätigkeiten zur Verfügung (act. G 18).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 18. November 2020 auf eine Duplik
(act. G 20).
B.e.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Für somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis einer lang andauernden und
1.2.
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erheblichen gesundheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit nach dem strukturierten
Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429
E. 7.2; BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S. 298, E. 4.2). Er kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
1.4.
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2.
3.
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Das Gericht hat seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b;
BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
1.5.
Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin ein erstes Gesuch des Beschwerdeführers
vom 12. Dezember 2006 (IV-act. 1) mit Verfügung vom 27. Januar 2009 (IV-act. 69)
abgewiesen und ist dabei gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. D._ und
E._ vom 17. Januar 2008 (IV-act. 51) von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der
bisherigen und von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
ausgegangen (IV-act. 71).
2.1.
Die Beschwerdegegnerin hat eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrads
gemäss Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) als glaubhaft gemacht erachtet, indem sie auf die Wiederanmeldung vom
17. Mai 2018 (IV-act. 78) eingetreten ist und schliesslich eine Begutachtung angeordnet
hat. Da ein Rentenanspruch mit rechtskräftig gewordener Verfügung vom 27. Januar
2009 abgewiesen worden war (IV-act. 69), besteht ein allfälliger Rentenanspruch
aufgrund der Wiederanmeldung vom 17. Mai 2018 frühestens ab 1. November 2018
(Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG) bzw. nach Ablauf des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit.
b IVG (BGE 142 V 550 f. E. 3.1 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Februar 2016,
9C_942/2015, E. 3.3.3). Die Beschwerdegegnerin hat gestützt auf das MGSG-
Gutachten vom 9. September 2019 eine erhebliche Veränderung des
Gesundheitszustandes angenommen, zufolge derer in adaptierten Tätigkeiten im
interdisziplinären Konsens aus psychiatrischer Sicht noch eine Arbeitsfähigkeit von
70 % vorliege. Diese Einschätzung wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten.
2.2.
In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung der aus dem
Anspruch auf die Gewährung des rechtlichen Gehörs fliessenden Begründungspflicht.
Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV; SR 101), in Art. 42 ATSG sowie in Art. 49 Abs. 3 ATSG verankerte Anspruch
beinhaltet, dass sich der Versicherungsträger mit den Vorbringen der Partei inhaltlich
3.1.
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4.
auseinandersetzt und angibt, weshalb er diese nicht für erheblich hält, ihnen nicht folgt
oder sie nicht berücksichtigt. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihr
Entscheid stützt. Der Anspruch ist gewahrt, wenn die Begründung eine sachgerechte
Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Verwaltung vorgängig mit
jedem einzelnen Parteivorbringen einlässlich befasst (vgl. BGE 136 I 188 E. 2.2.1; Urteil
des Bundesgerichts vom 10. Februar 2017, 8C_785/2016, E. 5.2; U. Kieser,
Kommentar ATSG, 4. Aufl., Zürich 2020, Art. 42 Rz. 7, Art. 49 Rz 66). Die
sozialversicherungsrechtliche Rechtsprechung lässt eine Heilung einer nicht besonders
schwerwiegenden Gehörsverletzung zu, wenn die betroffene Person die Möglichkeit
hat, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie
auch die Rechtslage frei überprüfen kann (Kieser, a.a.O., Art. 42 Rz 15).
In der angefochtenen Verfügung wurden die Adaptionskriterien genannt und es
wurde festgehalten, dass aus medizinischer Sicht in angepassten Tätigkeiten eine
Arbeitsfähigkeit von 70 % bestehe und der Beschwerdeführer daher keinen Anspruch
auf eine Rente habe. Weiter wurde ausgeführt, mit dem Einwand seien keine
medizinischen Akten eingebracht worden, welche die bisherige (gutachterliche)
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in Frage zu stellen vermöchten, und dass aufgrund
der vorgesehenen Operation lediglich mit einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit zu
rechnen sei (IV-act. 169). Da der Beschwerdeführer im Einwandverfahren noch nicht
geltend gemacht hatte, er könne aufgrund der Einschränkungen seine Arbeitsfähigkeit
nicht verwerten bzw. es sei ihm ein Tabellenlohnabzug zu gewähren, verletzt es die
Begründungspflicht nicht, dass die Beschwerdegegnerin auf diese Punkte nicht näher
einging. Es liegt demnach keine Gehörsverletzung vor.
3.2.
Gemäss dem MGSG-Gutachten vom 9. September 2019 ist der Beschwerdeführer
in einer adaptierten Tätigkeit aus somatischer (orthopädischer und neurologischer)
Sicht voll arbeitsfähig (IV-act. 154-36 f.; IV-act. 154-106). Eine im Rahmen der
Begutachtung durchgeführte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit ergab eine
mässige Symptomausweitung und eine erhebliche Selbstlimitierung (IV-act. 154-20 ff.,
35). Der orthopädische Gutachter führte aus, die Schmerzen und die konsekutive
Bewegungseinschränkung im rechten Daumen könnten im Rahmen der Folgezustände
eines Weichteilquetschtraumas interpretiert werden. Die Ursache der Schmerzen und
der leicht abnormen Untersuchungsbefunde im linken Handgelenk bleibe bei fast
normalem radiologischem Befund unklar (IV-act. 154-31). Auch die Schmerzen in der
Lendenwirbelsäule sowie die präsentierten pathologischen objektiven (gemeint wohl:
4.1.
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subjektiven) Befunde könnten (aus orthopädischer Sicht) bei normalem postoperativem
radiologischem Befund nicht objektiviert werden. Die Schmerzen im rechten
Kniegelenk und die leicht pathologischen Untersuchungsbefunde desselben seien
Folge des im MRI nachgewiesenen Risses im medialen Restmeniskus. Die Ursache der
Beschwerden im linken Kniegelenk bleibe bei normalem klinischen und radiologischen
Befund desselben unklar. Auf Grund der Untersuchungsbefunde könnten die
Schmerzen plantar an der Ferse rechts und links als Fersensporn beurteilt werden. Eine
Arbeitsunfähigkeit resultiere hieraus allerdings nicht, da das Krankheitsbild in der Regel
erfolgreich therapiert werden könne (IV-act. 154-32). Ergänzend diagnostizierte die
neurologische Gutachterin hinsichtlich der lumbalen Beschwerden eine residuelle
Wurzelreizung L5 links und persistierende Beschwerden eines lumbospondylogenen
Syndroms. Sie mass diesen aber keine (quantitative) Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit zu und erklärte in diesem Zusammenhang, bei fehlenden fokal
neurologischen Ausfällen von Seiten der LWS resultiere keine relevante
Funktionseinschränkung (IV-act. 154-104). In den Berichten der Schulthess Klinik vom
11. Dezember 2017 (IV-act. 121) und vom 17. Dezember 2018 (IV-act. 129) sowie im
Austrittsbericht der Klinik I._ vom 20. April 2018 (IV-act. 123) war von einer
Claudicatio radicularis L5 mit starken Muskelverspannungen im lumbalen Bereich und
davon die Rede, dass die angegebenen Beschwerden zu einer Claudicatio spinalis mit
vor allem in den Fusssohlenbereich ausstrahlenden Schmerzen passten. Die
neurologische Gutachterin hat die der LWS zuzuordnenden Beschwerden gewürdigt
und in den Berichten der Klinik J._ sowie der Klinik I._ wurden keine objektiven
Befunde beschrieben, welche entgegen der Gutachterin eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit begründen würden. Orthopädischerseits wurde anlässlich der
Begutachtung zusätzlich zu den bereits im Jahr 2008 vorhandenen
Gesundheitsbeeinträchtigungen eine Läsion des medialen Restmeniskus mit
Chondropathie des medialen Femurcondylus rechts festgestellt und als die
Arbeitsfähigkeit (qualitativ) beeinträchtigend beurteilt (IV-act. 154-37 f., 48). Im Übrigen
erhoben bzw. berücksichtigten der orthopädische Gutachter und die neurologische
Gutachterin die üblichen bildgebenden und klinischen Befunde vollständig (IV-
act. 154-13 ff.; IV-act. 154-102 f.), und es kann auf die gutachterliche Beurteilung
abgestellt werden.
Der psychiatrische Gutachter hielt fest, seit einer LWS-Operation im November
2017 lasse sich eine Verschlechterung des psychischen Zustandsbildes mit
anhaltender mittelgradiger depressiver Episode erheben. Auch zum gegenwärtigen
Untersuchungszeitpunkt fänden sich die entsprechenden Symptome mit
niedergeschlagener Stimmung, verminderter Lust und Freude, mangelnder
4.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/21
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Unternehmungslust und Affektstörungen mit einem verminderten affektiven
Mitschwingen, ohne Stimmungsaufhellung bei Ablenkung. Zusätzlich habe der
Beschwerdeführer seit etwa 2006 / 2007 eine Agoraphobie mit Panikattacken bei
Menschenansammlungen oder bei Aufenthalt an unbekannten Orten entwickelt. Er
äussere anhaltende schwere und quälende Schmerzen, somit könne eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert werden (IV-act. 154-31, 33). Die
Schmerzen könnten durch eine organische Störung nicht vollständig erklärt werden
und stünden in Verbindung mit den emotionalen Konflikten und psychosozialen
Problemen. Es liessen sich im Zusammenhang mit der rezidivierenden depressiven
Störung und der Agoraphobie emotionale Konflikte und ausgeprägte psychosoziale
Belastungen, insbesondere mit finanziellen Problemen erheben und zusätzlich könne
eine psychogene Überlagerung der körperlichen Beschwerden im Zusammenhang mit
der rezidivierenden depressiven Störung angenommen werden (IV-act. 154-134). Der
Gutachter legt sodann dar, dass die depressive Erkrankung und die Angststörung mit
der Schmerzstörung in Zusammenhang stünden (IV-act. 154-134), weshalb plausibel
erscheint, dass er letzterer keinen eigenständigen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
zuschreibt (IV-act. 154-130). Weiter führt er aus, beim Beschwerdeführer liessen sich
keine Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung, keine tief verwurzelten oder
anhaltenden Verhaltensmuster erheben, die mit gestörter sozialer Funktions- und
Leistungsfähigkeit einhergingen. Damit würden die Selbst- und Fremdwahrnehmung,
Realitätsprüfung und Urteilsbildung, Affektsteuerung, Impulskontrolle, Intentionalität
und der Antrieb lediglich durch die rezidivierende depressive Störung und Agoraphobie
beeinträchtigt erscheinen (IV-act. 154-134). Hiermit nennt der Gutachter
nachvollziehbar gleichzeitig die massgeblichen Befunde und die sich daraus
ergebenden Einschränkungen.
Die Gutachter berücksichtigten die geklagten Beschwerden nur, soweit sie
objektivierbar waren. So unterschied namentlich der orthopädische Gutachter klar,
welche Beschwerden objektivierbar seien und berücksichtigte die im Rahmen der
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit beobachtete Symptomausweitung bzw.
Selbstlimitierung (vgl. IV-act. 154-35), und die neurologische Gutachterin hielt fest, die
Befunde der LWS verursachten keine erheblichen funktionellen Einschränkungen (IV-
act. 154-104). Der psychiatrische Gutachter wies auf Ressourcen beim
Beschwerdeführer hin: Dieser fühle sich nicht arbeitsfähig und zeige nur wenige
Aktivitäten im Tagesablauf. Trotzdem versorge er sich und den Haushalt weitgehend
selbst, halte allfällige Termine ein und habe regelmässig soziale Kontakte mit einem
Kollegen. Er hätte zum Untersuchungszeitpunkt gut kommunikationsfähig und gut
kontaktfähig gewirkt sowie eine gewisse Motivation und Interessen gezeigt. Er würde
4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/21
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5.
Der Beschwerdeführer bringt vor, seine Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen ersten
Arbeitsmarkt aufgrund der im Gutachten umfangreich genannten Adaptionskriterien
und weiteren Einschränkungen (15 Jahre Abwesenheit vom Arbeitsmarkt,
unqualifizierte Arbeitskraft, schlechte Deutschkenntnisse) nicht verwerten zu können.
Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dem Beschwerdeführer seien aufgrund des
Belastungsprofils leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier- und Prüfarbeiten
zumutbar.
Zeitung lesen und seinem Hobby Malen nachgehen (IV-act. 154-137). Ähnlich
beschrieb die neurologische Gutachterin die Ressourcen (IV-act. 154-106). Zur
Konsistenz führte der psychiatrische Experte aus, es sei eine relativ gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zu
erheben. Die vom Beschwerdeführer berichteten und geklagten Beschwerden seien
trotz ungenauer anamnestischer Angaben in sich weitgehend konsistent und plausibel.
Es liessen sich keine wesentlichen Diskrepanzen oder Widersprüche erheben. Auch
seien die Untersuchungsergebnisse weitgehend valide und nachvollziehbar (IV-
act. 154-137). Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erfolgte ausdrücklich unter
Ausschluss der IV-fremden psychosozialen Faktoren (IV-act. 154-39). Auch die
neurologische Gutachterin fand in den Angaben des Beschwerdeführers und in der
Aktenlage keine Inkonsistenzen (IV-act. 154-106). Die interdisziplinär führende
Einschätzung des psychiatrischen Gutachters, wonach in angepassten Tätigkeiten bei
zeitlich voller Arbeitsfähigkeit eine Leistungseinbusse von 30 % bestehe (IV-
act. 154-140), erscheint schlüssig und nachvollziehbar. Die nach dem strukturierten
Beweisverfahren massgeblichen Indikatoren wurden berücksichtigt. Insgesamt ist
daher gestützt auf das beweiskräftige Gutachten von einer - im Übrigen nicht mehr
bestrittenen - 70%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten auszugehen.
Die Möglichkeit einer versicherten Person, das verbliebene Leistungsvermögen auf
dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt von den konkreten
Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend sind rechtsprechungsgemäss die Art und
Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare
Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die
Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder die Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich. Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich um eine
theoretische Grösse, so dass nicht leichthin angenommen werden kann, die
5.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/21
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verbliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar. Er umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers rechnen können. Unverwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit ist insbesondere dann anzunehmen, wenn die zumutbare
Tätigkeit in nur so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil
des Bundesgerichts vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020, E. 4 mit Verweisen).
Dem Beschwerdeführer sind an seine somatischen Beeinträchtigungen
angepasste körperlich leichte Tätigkeiten, abwechselnd sitzend und stehend, ohne
häufiges Gehen, insbesondere auf Treppen, Leitern und schrägen Ebenen, ohne
kniende Positionen, ohne Kraftanwendung der rechten Hand und ohne feinkoordinative
Arbeiten derselben zumutbar (IV-act. 154-36 f.). Der orthopädische Gutachter erhob
eine Druckdolenz des gesamten Daumens rechts. Die Mobilität im Daumengrundgelenk
sowie im Interphalangealgelenken rechts sei im Gegensatz zu links um 50 % reduziert,
ansonsten seien komplette Extension der Finger und kompletter Faustschluss möglich
(IV-act. 154-14). Der Gang sei langsam und die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule
eingeschränkt (IV-act. 154-13). Zur Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
wurde im Wesentlichen festgehalten, wechselbelastende Tätigkeiten seien ideal. Bei
längerem Sitzen seien Pausen zu empfehlen. Nach längerem Stehen oder Gehen gebe
der Beschwerdeführer Schmerzen lumbal und in den Knien an. Aufgrund der
Testbeobachtungen sei das Heben und Tragen von Lasten zwischen 5 kg und 10 kg
möglich. Die Griffweite rechts sei eingeschränkt. Ein Glas könne gehoben werden,
feinkoordinative Tätigkeiten rechts seien mässig eingeschränkt (IV-act. 154-21).
Psychiatrisch adaptiert sind Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne
erhöhten Zeitdruck (Stressbelastung), ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne
vermehrte Kundenkontakte, ohne Menschenansammlungen und ohne
überdurchschnittliche Dauerbelastung (IV-act. 154-140).
5.2.
Die im Rahmen der Begutachtung durchgeführte Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit hat gerade auch zum Gegenstand, die Umsetzbarkeit des
medizintheoretischen Leistungspotentials abzuklären. Hinweise auf eine fehlende
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit lassen sich ihr nicht entnehmen. Die
bundesgerichtliche Rechtsprechung nimmt an, dass selbst für funktionell Einarmige,
die nur noch leichte Arbeit verrichten können, auf dem massgebenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten bestehen (Urteile des
5.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/21
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Bundesgerichts vom 1. April 2019, 8C_730/2018, E. 5.2.2 und vom 11. Dezember
2019, 8C_495/2019, E. 4.2.2). Für den Beschwerdeführer, der nach dem
orthopädischen Befund nicht als funktionell einarmig zu betrachten ist, kommen somit
nicht ausschliesslich Bürotätigkeiten oder ähnliche geistige Arbeiten, die fundierte
sprachliche Kenntnisse erfordern, in Frage. Im Übrigen kann er beispielsweise
immerhin seine rechte Hand für sein Hobby Malen einsetzen (IV-act. 154-26, IV-
act. 154-100, 106). Einschränkend ist allerdings zu bedenken, dass der
Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht während einer reduzierten Arbeitszeit
keine volle Leistung, sondern ganztägig eine reduzierte Leistung erbringen kann, und
dies nur ohne Zeitdruck. Es dürfte deshalb in der Realität zwar ein Problem darstellen,
dass z. B. automatisierte Anlagen oft nicht an das reduzierte Rendement des
Beschwerdeführers angepasst werden können. Dennoch kann nicht davon
ausgegangen werden, dass es auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt
keine geeigneten Stellen im Bereich Produktion oder Lagerbewirtschaftung existieren.
Zu denken ist an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die
Bedienung von (halb-)automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten, die keinen
Einsatz des nicht mehr funktionstüchtigen Armes oder der nicht mehr einsetzbaren
Hand voraussetzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2019, 8C_730/2018,
E. 5.2.2). In den Akten der SUVA befinden sich Auszüge von DAP-Arbeitsplätzen aus
dem Jahr 2007. Mindestens zwei davon sind nicht nur an die Folgen der
Handverletzung des Beschwerdeführers angepasst, sondern auch bei frei wählbarer
Körperposition und ohne Begehen von Treppen, Gerüsten oder unebenen Flächen
sowie Hantierung schwererer Lasten (über 5 kg) durchführbar. Es handelt sich dabei
um die Maschinen- und Anlageführung in der R._ (Fremdakten, act. 50-16 f.) sowie
um Sortierarbeiten in einem S._ (Fremdakten, act. 50-18 f.). Wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht bemerkt, ist der Beschwerdeführer im Unterscheid zur
Beschwerdeführerin im von ihm angerufenen Urteil des Bundesgerichts vom
5. November 2018, 9C_304/2018, noch nicht in einem Alter (Jahrgang 1976), in
welchem die ordentliche Pensionierung kurz bevorsteht. In den Akten deutet nichts
darauf hin, dass er nicht in der Lage wäre, die Bedienung der zur Ausübung der
körperlich möglichen Tätigkeiten notwendigen Anlagen zu erlernen. Seine frühere
Erfahrung dürfte ihm, auch wenn sich die Technik inzwischen weiterentwickelt hat,
dennoch behilflich sein. Von einer Unverwertbarkeit der 70%igen Restarbeitsfähigkeit
kann daher nicht ausgegangen werden.
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6.
Der Beschwerdeführer hat seine mehrjährige Arbeitsstelle bei der F._ AG wegen
Belastung des ehelichen Verhältnisses und der daraus resultierenden
Anpassungsstörung verloren; die Ehefrau arbeitete im selben Unternehmen (vgl. IV-
act. 51-3). Invalidenversicherungsrelevante Gründe waren für den Stellenverlust nicht
vordergründig. Der erlittene Unfall an der Hand ereignete sich erst ein paar Monate
nach dem letzten Arbeitstag bei der F._ AG. Die anschliessende Einsatztätigkeit bei
der G._ AG übte er während weniger als einem Monat aus. Sodann schöpfte der
Beschwerdeführer bei dieser Tätigkeit seine Arbeitsfähigkeit nicht aus. Die
Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht das Validen- und Invalideneinkommen
gestützt auf die Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS)
herangezogen und den Invaliditätsgrad nach einem Prozentvergleich bestimmt (vgl.
Urteile des Bundesgerichts vom 24. Januar 2019, 9C_492/2018, E. 4.3.2, vom 12. Juli
2017, 9C_648/2016, E. 6.2.1; vom 24. August 2016, 9C_237/2016, E. 2.2 und vom
14. Juli 2016, 9C_225/2016, E. 6.2.2).
6.1.
Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei ihm ein Tabellenlohnabzug von 20 %
zu gewähren. Nebst einem Leidens- und Teilzeitabzug seien weitere Faktoren wie die
15-jährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, seine schlechten Deutschkenntnisse, seine
fehlende Qualifikation sowie sein Ausländerstatus zu berücksichtigen. Nach der
Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 % gekürzt werden, um
dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 146 V 16 E. 4.1). Nach der Rechtsprechung hängt
die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtsprechung gewährt
insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte
Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 146 V 16 E. 4.1). Sind hingegen leichte bis
6.2.
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mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein deswegen auch bei eingeschränkter
Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der Tabellenlohn
Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2017, 8C_805/2016, E. 3.4.2).
Bestehen über das ärztlich beschriebene Beschäftigungspensum hinaus zusätzliche
Einschränkungen, wie beispielsweise ein vermindertes Rendement pro Zeiteinheit
wegen verlangsamter Arbeitsweise oder ein Bedarf nach ausserordentlichen Pausen
oder ist die funktionelle Einschränkung ihrer besonderen Natur nach nicht ohne
weiteres mit den Anforderungen vereinbar, wie sie sich aus den gewöhnlichen
betrieblichen Abläufen ergeben, kann dies bei der Bemessung des leidensbedingten
Abzugs vom statistischen Tabellenlohn berücksichtigt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Januar 2018, 8C_552/2017, E. 5.3.1).
Vorliegend kommt wegen der vollzeitlichen Verwertbarkeit der leistungsmässig
reduzierten Arbeitsfähigkeit ein so genannter Teilzeitabzug nicht in Betracht (Urteil des
Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_833/2017, E. 5.3). Fraglich ist, ob nebst der
verminderten Leistungsfähigkeit und der Tatsache, dass dem Beschwerdeführer nur
noch körperlich leichte Tätigkeiten zumutbar sind, weitere Faktoren vorliegen, die zu
einem lohnrelevanten Nachteil führen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Oktober
2019, 9C_447/2019, E. 4.3.2, wo diese verneint wurde). Gemäss genanntem Urteil
rechtfertigten die Ausübung der Arbeitstätigkeit mit überwiegendem Sitzen, in
Wechselbelastung, ohne Heben, Tragen und Bewegen von Lasten, ohne Besteigen von
Leitern und Gerüsten, ohne kniende oder kniebeugende Körperhaltungen, wie sie auch
beim Beschwerdeführer vorliegen, keinen Tabellenlohnabzug. Der Beeinträchtigung
des Gebrauchs des rechten Daumens bzw. der rechten Hand wurde mit dem
qualitativen Zumutbarkeitsprofil Rechnung getragen. Auch sie stellt keinen Grund dar,
der an einer grundsätzlich den Adaptationskriterien entsprechenden Arbeitsstelle eine
anzunehmende Lohneinbusse begründet. Die psychischen Einschränkungen
begründen bereits die reduzierte Leistungsfähigkeit und können damit nicht nochmals
für einen Tabellenlohnabzug berücksichtigt werden. Im für den Einkommensvergleich
massgeblichen Jahr 2018 (BGE 129 V 222) lag der Median des Einkommens von allen
Männern ohne Kaderfunktion bei Fr. 5'941.--, jener von Männern mit
Niederlassungsbewilligung C bei Fr. 5'764.-- (LSE TA 12, monatlicher Bruttolohn
[Zentralwert und Quartilbereich], Schweizer/innen und Ausländer/innen, nach
beruflicher Stellung und Geschlecht), was einem Minderverdienst von 3 % entspricht.
Ein solcher würde sich allerdings auch auf das Valideneinkommen auswirken (vgl. Urteil
vom 10. Dezember 2015, 9C_318/2015, E. 4.3 a.E.). Mangelnde Sprachkenntnisse
rechtfertigen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung keinen Tabellenlohnabzug,
6.3.
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7.
Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer grundsätzlich
Anspruch auf Arbeitsvermittlung im Sinne von Art. 18 IVG hat: Die leistungsspezifische
Invalidität ist gegeben, wenn die versicherte Person bei der Suche nach einer
geeigneten Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen Schwierigkeiten hat und die
Behinderung bleibend oder während voraussichtlich längerer Zeit Probleme bei der - in
einem umfassenden Sinn verstandenen - Stellensuche selber verursacht; genannt
werden daneben sich aus invaliditätsbedingten Gründen ergebende spezielle
Anforderungen an den Arbeitsplatz (etwa Sehhilfen) oder den Arbeitgeber (etwa
Toleranz gegenüber invaliditätsbedingt notwendigen Ruhepausen), die für das Finden
einer Stelle das Fachwissen und entsprechende Hilfe der Vermittlungsbehörden
erfordern (H.-J. Mosimann, AHVG/IVG Kommentar, Zürich 2018, N 3 Art. 18 IVG, mit
Verweis auf Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit 1. Januar
2007: sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 24. März 2006, I 427/05,
E. 4.1.1). Der Anspruch auf Arbeitsvermittlung besteht insbesondere, wenn besondere
Möglichkeiten und Grenzen der versicherten Person erläutert werden müssen (Urteil
des Bundesgerichts vom 12. Januar 2016, 8C_641/2015, E. 2). Der Beschwerdeführer
hat ein relativ stark eingeschränktes Zumutbarkeitsprofil und es dürfte für ihn schwierig
sein, in Betracht kommende Tätigkeiten zu finden und deren Auswirkungen auf seinen
Gesundheitszustand abzuschätzen. Er war seit rund 15 Jahren nicht mehr arbeitstätig
und ist aus psychischen Gründen auf ein entgegenkommendes Arbeitsumfeld
da für Hilfsarbeiten keine (guten) Kenntnisse der deutschen Sprache erforderlich sind
(Urteile des Bundesgerichts vom 19. Februar 2020, 9C_550/2019, E. 4.8 und vom
25. Oktober 2018, 9C_898/2017, E. 3.4). Aus den Akten ergibt sich zudem, dass der
Beschwerdeführer sich durchaus in der deutschen Sprache verständigen kann bzw. die
Verständigung lediglich leicht erschwert war, was bei einem 27-jährigen Aufenthalt in
der Schweiz auch erwartet werden darf (Einreise 1994, z.B. IV-act. 1-3). Ebenso
begründet die fehlende Ausbildung im Bereich des Kompetenzniveaus 1 keinen
Tabellenlohnabzug (Urteil des Bundesgerichts vom 30. Juli 2020, 8C_139/2020,
E. 6.3.4). Die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ist IV-fremd und gebietet daher
keinen Tabellenlohnabzug (Urteile des Bundesgerichts vom 25. November 2020,
8C_390/2020, E. 4.5.1 und vom 30. April 2021, 8C_111/2021, E. 4.3.3). Weitere Gründe
für einen Tabellenlohnabzug sind nicht ersichtlich. Die Beschwerdegegnerin hat ihr
Ermessen somit korrekt ausgeübt, wenn sie keinen Tabellenlohnabzug vorgenommen
hat. Folglich bleibt es beim Invaliditätsgrad von 30 %, aus dem sich kein
Rentenanspruch ergibt.
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angewiesen. Der Beschwerdeführer kann sich daher jederzeit bei der
Beschwerdegegnerin melden, um Arbeitsvermittlung in Anspruch zu nehmen.
8.