Decision ID: 60de2a97-fdeb-490c-a065-d16dc212627d
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Bezirkes Zürich (nach-
folgend „Zwangsmassnahmengericht“) vom 28. Dezember 2017 wurde B. in
Untersuchungshaft versetzt. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (nachfol-
gend „Staatsanwaltschaft“) ordnete sodann am 3. Januar 2018 an, dass jede
Weitergabe der Akten und Mitteilung des Akteninhalts an Dritte nur mit Zu-
stimmung des Staatsanwalts zulässig sei. Gegen die Verfügung des
Zwangsmassnahmengerichts und die Anordnung der Staatsanwaltschaft er-
hob der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt A., namens von B. Beschwerde
beim Obergericht des Kantons Zürich, III. Strafkammer (nachfolgend „OGZ“).
B. Mit Beschluss vom 19. Januar 2018 hiess das OGZ die Beschwerde teil-
weise gut. Es hob die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts auf und
wies die Akten an die Vorinstanz zurück. Es stellte fest, dass der Haftent-
scheid des Zwangsmassnahmengerichts nicht innert 96 Stunden nach der
Festnahme von B. eröffnet und damit das prozessuale Beschleunigungsge-
bot verletzt wurde. Bezüglich der Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde
das Beschwerdeverfahren zufolge Gegenstandslosigkeit als erledigt abge-
schrieben. Abschliessend wurde entschieden, dass die Kosten der amtlichen
Verteidigung im Beschwerdeverfahren definitiv auf die Gerichtskasse ge-
nommen werden und die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidi-
gers für das Beschwerdeverfahren nach Eingang der entsprechenden Kos-
tennote gesetzt wird (act. 1.2).
C. Mit Schreiben vom 23. Januar 2018 stellte RA A. für seine Tätigkeit und Aus-
lagen insgesamt Fr. 7‘313.50 in Rechnung (Verfahrensakten OGZ, Urk. 20
und 21).
D. Mit Nachtragsbeschluss vom 9. Februar 2018 wurde der amtliche Verteidiger
mit Fr. 3‘235.60 und Fr. 249.15 (7,7 % Mehrwertsteuer), total Fr. 3‘484.75,
entschädigt (act. 1.1).
E. Dagegen erhebt RA A. mit Eingabe vom 5. März 2018 Beschwerde bei der
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Er beantragt dabei, das der
angefochtene Beschluss aufzuheben und er angemessen zu entschädigen
sei, eventualiter seien ihm Fr. 6‘330.40 als Entschädigung zuzusprechen,
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unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse (act. 1
S. 2).
F. Das OGZ verzichtete mit Eingabe vom 9. März 2018 (und Eingang hierorts
am 20. März 2018) auf eine Stellungahme zur Beschwerde (act. 3), worüber
der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 20. März 2018 orientiert wurde
(act. 4).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gegen den Entscheid, mit welchem die Beschwerdeinstanz eines Kantons
die Entschädigung der amtlichen Verteidigung für deren Bemühungen im
kantonalen Verfahren festsetzt, kann diese bei der Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts Beschwerde führen (Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO i.V.m.
Art. 37 Abs. 1 StBOG; siehe auch RUCKSTUHL, Basler Kommentar, Schwei-
zerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 135 StPO N. 19; GAL-
LIANI/MARCELLINI, Codice svizzero di procedura penale [CPP] – Commenta-
rio, 2010, Art. 135 N. 9). Voraussetzung zur Beschwerdeerhebung ist dabei
auf Seiten der amtlichen Verteidigung ein rechtlich geschütztes Interesse an
der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Verfügung (vgl. Art. 382
Abs. 1 StPO; vgl. zum hier weit gefassten Begriff der Partei die Botschaft
vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts
[nachfolgend „Botschaft“], BBl 2006 S. 1308; siehe auch GUIDON, Die Be-
schwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, N. 308
m.w.H.). Die Beschwerde ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet ein-
zureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt werden können gemäss
Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung
und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzöge-
rung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts
(lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als amtlicher Verteidiger von B. durch den ange-
fochtenen Nachtragsbeschluss in dem Sinne beschwert, als dadurch die von
ihm für seine im Verfahren vor der Beschwerdeinstanz des Kantons Zürich
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geleisteten Bemühungen geltend gemachte Entschädigung teilweise verwei-
gert worden ist. Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Be-
merkungen Anlass, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
2. Ist die Beschwerdeinstanz ein Kollegialgericht, so beurteilt deren Verfah-
rensleitung die Beschwerde allein, wenn diese die wirtschaftlichen Neben-
folgen eines Entscheides bei einem strittigen Betrag von nicht mehr als
Fr. 5'000.-- zum Gegenstand hat (Art. 395 lit. b StPO). Zu den wirtschaftli-
chen Nebenfolgen im Sinne dieser Bestimmung zählt auch die Entschädi-
gung der amtlichen Verteidigung (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schwei-
zerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 1521). Nachdem der Streit-
wert vorliegend die gesetzliche Grenze von Fr. 5'000.-- nicht erreicht, ist die
Beschwerde durch den Einzelrichter zu behandeln.
3.
3.1 Die amtliche Verteidigung wird nach dem Anwaltstarif des Kantons entschä-
digt, in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Dem
Obergericht des Kantons Zürich steht es zu, durch Verordnung u. a. die
Grundsätze der Entschädigung für amtliche Verteidigungen (Anwaltsgebüh-
ren) zu regeln (§ 48 Abs. 1 lit. c des Anwaltsgesetzes des Kantons Zürich
vom 17. November 2003, LS 215.1). Die vorliegend einschlägigen Bestim-
mungen finden sich in der Verordnung über die Anwaltsgebühren des Kan-
tons Zürich vom 8. September 2010 (AnwGebV/ZH, LS 215.3).
3.2 Gemäss § 2 Abs. 1 der AnwGebV/ZH bilden Grundlage für die Festsetzung
der (Anwalts-)Gebühr im Zivilprozess der Streitwert bzw. der Interessewert
(lit. a), im Strafprozess die Bedeutung des Falls (lit. b) sowie generell die
Verantwortung der Anwältin oder des Anwalts (lit. c), der notwendige Zeit-
aufwand der Anwältin oder des Anwalts (lit. d) und die Schwierigkeit des Falls
(lit. e). Bei einem offensichtlichen Missverhältnis zwischen dem Streitwert
und dem notwendigen Zeitaufwand der Vertretung wird die gemäss Verord-
nung berechnete Gebühr entsprechend erhöht oder herabgesetzt (§ 2 Abs. 2
AnwGebV/ZH), wobei diese Regel in Strafverfahren sinngemäss gilt (§ 2
Abs. 3 AnwGebV/ZH). Richtet sich die Gebühr nach dem Zeitaufwand, be-
trägt sie für unentgeltliche oder amtliche Rechtsvertretungen in der Regel
Fr. 220.-- pro Stunde (§ 3 AnwGebV/ZH).
Die Gebühr für die amtliche Verteidigung berechnet sich ebenfalls nach die-
ser Verordnung und wird festgesetzt, nachdem die Anwältin oder der Anwalt
dem Gericht oder der Strafverfolgungsbehörde eine Aufstellung über den
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Zeitaufwand und die Auslagen (nachfolgend „Honorarnote“) vorgelegt hat.
Mit dieser Aufstellung kann ein Antrag zur Höhe der beanspruchten Vergü-
tung verbunden werden (§ 23 Abs. 1 und 2 AnwGebV/ZH).
In § 19 Abs. 1 AnwGebV/ZH wird für Bemühungen im Rahmen von Be-
schwerdeverfahren ein Gebührenrahmen von Fr. 300.-- bis Fr. 12'000.-- vor-
gesehen.
Im Gegensatz zur Entschädigung der Verteidigung im Vorverfahren, die sich
nach Zeitaufwand richtet (§ 16 Abs. 1 AnwGebV/ZH), wird die Entschädi-
gung der Verteidigung für das Beschwerdeverfahren also pauschal bemes-
sen (Urteil des Bundesgerichts 6B_566/2015 vom 18. November 2015
E. 2.4.5; Verfügung des Bundesstrafgerichts BB.2016.385 vom 17. Au-
gust 2017 E. 4.4).
3.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es zulässig, für das An-
waltshonorar Pauschalen vorzusehen. Die Festsetzung des Honorars im
Rahmen einer Pauschale verletzt als solche das Recht auf effektive Vertei-
digung gemäss Art. 32 Abs. 2 BV nicht (BGE 141 I 124 E. 4.2). Pauschalen
nach Rahmentarifen erweisen sich aber dann als verfassungswidrig, wenn
sie auf die konkreten Verhältnisse in keiner Weise Rücksicht nehmen und im
Einzelfall ausserhalb jedes vernünftigen Verhältnisses zu den vom Rechts-
anwalt geleisteten Diensten stehen (BGE 141 I 124 E. 4.3 mit Hinweis auf
Urteil des Bundesgerichts 6B_856/2009 vom 9. November 2000 E. 4.4 mit
Hinweis). BGE 141 I 124 bezog sich auf eine amtliche Verteidigung. Der
Massstab wird vom Bundesgericht gleich definiert, wenn es sich um eine pri-
vate Verteidigung handelt (siehe z.B. Urteil des Bundesgerichts
6B_566/2015 vom 18. November 2015, E. 2.5, im Zusammenhang mit § 19
Abs. 2 AnwGebV/ZH).
4. Das OGZ kürzte mit detaillierter Begründung den von RA A. in Rechnung
gestellten Zeitaufwand von 26.84 Stunden auf 14.5 Stunden. Es kam zum
Schluss, dass weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht der
Schwierigkeitsgrad des Falles als hoch einzustufen sei und dass demen-
sprechend auch keine umfangreichen Abklärungen erforderlich gewesen
seien. Das OGZ verwarf sodann den von RA A. verwendeten Stundentarif
von Fr. 250.-- unter Berufung auf den Regelsatz von Fr. 220.-- pro Stunde.
Was die Kosten für Fotokopien anbelangt, ging das OGZ von einem Ansatz
von Fr. 0.50 pro Fotokopie aus und nicht von Fr. 1.-- wie von RA A. geltend
gemacht (act. 1.1). Es legte die Entschädigung auf insgesamt Fr. 3‘484.75
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fest (Honorar von Fr. 3‘190.-- plus Fr. 35.-- für Kopien plus Fr. 10.60 für Porto
plus Fr. 249.15 Mehrwertsteuer) (act. 1.1).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt zur Hauptsache, dass das OGZ bei der Festle-
gung des Zeitaufwands für die Abfassung der Beschwerdeschrift und das
Studieren von Entscheiden die „Hintergrundarbeiten“ nicht mitberücksichtigt
habe. Er legt im Einzelnen dar, welche Abklärungen er habe vornehmen und
welchen Rechtsfragen er habe nachgehen müssen (act. 1 S. 7 ff.).
5.2 Vorab ist, wie vorstehend bereits erläutert, daran zu erinnern, dass im Ge-
gensatz zur Entschädigung der Verteidigung im Vorverfahren, die sich nach
Zeitaufwand richtet (§ 16 Abs. 1 AnwGebV/ZH), die Entschädigung der Ver-
teidigung für das Beschwerdeverfahren pauschal bemessen wird (s.o.).
Auch wenn die Entschädigung im kantonalen Beschwerdeverfahren im Ein-
zelfall nach Zeitaufwand bemessen wird, folgt demnach deren Überprüfung
den Grundsätzen, welche für die Festsetzung des Honorars im Rahmen ei-
ner Pauschale gelten.
5.3 Dass die dem Beschwerdeführer zugesprochene Entschädigung von
Fr. 3‘484.75.00 (inkl. Mehrwertsteuer) auf die konkreten Verhältnisse keine
Rücksicht genommen habe und ausserhalb jedes vernünftigen Verhältnisses
zu den vom Rechtsanwalt geleisteten Bemühungen stehe, die verhältnis-
mässig zu sein haben (BGE 141 I 124 E. 3.1), ist nicht ersichtlich. Aus dem
Gesagten ergibt sich, dass die vom OGZ zugesprochene Entschädigung un-
ter diesem Blickwinkel betrachtet mit der Verfassung vereinbar ist. Offen-
sichtlich bewegt sie sich auch im Rahmen des Tarifes.
5.4 Selbst wenn der Entschädigungsentscheid auf Unangemessenheit hin über-
prüft wird, ergibt sich nichts Anderes. Nach der Rechtsprechung beschränkt
sich die Überprüfungsbefugnis der Rechtsmittelinstanz in Bezug auf eine
nach Ermessen festgelegte Höhe der Entschädigung auf eine Missbrauchs-
kontrolle (s. Verfügung des Bundesstrafgerichts BB.2017.97 vom 21. Au-
gust 2017 E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen). In Fällen, in denen das Beru-
fungsgericht den vom Anwalt in Rechnung gestellten Arbeitsaufwand als
übersetzt bezeichnet und entsprechend kürzt, schreitet die Beschwerdekam-
mer nur ein, wenn es Bemühungen nicht honoriert hat, die zu den Obliegen-
heiten eines amtlichen Verteidigers gehören, und die Entschädigung nicht in
einem vernünftigen Verhältnis zu den vom Anwalt geleisteten Diensten steht
(s.o.). Vorliegend kann den vom OGZ im Einzelnen dargelegten Gründen für
die Kürzung des geltend gemachten Zeitaufwands für die Ausarbeitung der
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Beschwerdeschrift und das Studium der massgeblichen Akten ohne Weite-
res gefolgt werden (act. 1.1), weshalb darauf verwiesen wird, um unnötige
Wiederholungen zu vermeiden. Demgegenüber ist dem Beschwerdeführer
entgegenzuhalten, dass der Zeitaufwand für Rechtsabklärungen mit Aus-
nahme der Klärung aussergewöhnlicher Rechtsfragen keinen entschädi-
gungspflichtigen Aufwand darstellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_694/2013 vom 9. September 2013 E. 2). Wie seiner Argumentation in
der Beschwerde zu entnehmen ist (act. 1 S. 7 ff.), betrafen die nun von ihm
beschwerdeweise geltend gemachten Abklärungen keine aussergewöhnli-
chen Rechtsfragen. Darüber hinaus legt der Beschwerdeführer nicht dar, in-
wiefern das OGZ sein Ermessen missbräuchlich ausgeübt haben soll und
mit der ausgesprochenen Entschädigung nicht alle notwendigen und verhält-
nismässigen Bemühungen abgegolten worden sein sollen. Damit erweist
sich die Rüge auch unter diesem Aspekt als unbegründet.
6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde vollständig abzuweisen
ist.
7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Gerichts-
kosten zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr ist auf
Fr. 1'000.-- festzusetzen (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und Art. 8 Abs. 1 des
Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten,
Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR;
SR 173.713.162]).
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