Decision ID: b9e1e774-ae5b-5dc3-8773-de5a596c81f0
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein algerischer Staatsangehöriger mit letztem
Wohnsitz in B._ – stellte am 25. April 2018 in der Schweiz ein erstes
Asylgesuch. Dieses wurde vom SEM am 11. Juli 2018 gestützt auf Art. 8
Abs. 3bis AsylG (SR 142.31) als gegenstandslos geworden abgeschrieben,
nachdem der Beschwerdeführer die Schweiz am 26. April 2018 unkontrol-
liert wieder verlassen hatte.
A.b Der Beschwerdeführer suchte am 31. Januar 2020 erneut um Asyl
nach. Am 10. Februar 2020 erhob das SEM seine Personalien und be-
fragte ihn summarisch zu seinem Reiseweg (Protokoll der Personalienauf-
nahme; PA). Am 12. März 2020 hörte ihn das SEM gestützt auf Art. 29
AsylG einlässlich zu seinen Asylgründen an. Der Beschwerdeführer er-
klärte zunächst zu seiner Person, er sei in C._ geboren und in
B._ aufgewachsen, wo er seine Matura absolviert habe. Im Jahr
2001 sei er nach D._ ausgereist, um dort (...) zu studieren. Er habe
dort geheiratet und sei im Jahr 2006 Vater eines Sohnes geworden. Aller-
dings habe er die Hitze in D._ nicht ertragen, weshalb er im Jahr
2007 nach Algerien zurückgekehrt sei und sich von seiner Frau habe schei-
den lassen. In Algerien habe er zwischen 2008 und 2015 an einer (...) un-
terrichtet. Von 2015 bis zu seiner Ausreise im Jahr 2017 sei er selbständig
im Handel tätig gewesen beziehungsweise habe er ein (...) betrieben.
Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er im Wesentlichen aus, er
habe in B._ in einem gehobenen Quartier gelebt. Ungefähr im Jahr
2012 habe eine Gruppe von Kriminellen, welche Drogen und Alkohol ver-
kauft sowie Prostituierte vermittelt habe, ein Haus in diesem Quartier be-
setzt. Er und weitere Anwohner hätten sich gegen die Anwesenheit besag-
ter Krimineller gewehrt, da diese den Ruf des Quartiers geschädigt hätten.
Immer wieder sei es zu verbalen Auseinandersetzungen mit den Kriminel-
len gekommen. Nach wiederholten Anzeigen – auch von seiner Seite –
habe die Polizei zwei der Kriminellen festgenommen; zwei Personen sei
die Flucht vor der anrückenden Polizei gelungen. Die beiden festgenom-
menen Kriminellen seien zu einer Freiheitsstrafe von je drei Jahren verur-
teilt worden. Während deren Haftzeit sei er persönlich wiederholt von den
beiden anderen Mitgliedern der Bande auf der Strasse verbal bedroht wor-
den. Einmal habe er gar einen Drohbrief von ihnen erhalten. Er habe sich
auch wegen dieser Drohungen hilfesuchend an die Polizei gewandt, wel-
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che die Anzeigen entgegengenommen und entsprechende Rapporte er-
stellt habe. Die Polizei habe ihm allerdings mitgeteilt, sie könne nichts un-
ternehmen, solange keine konkreten Tatbestände vorliegen würden. Nach
der Entlassung der beiden Kriminellen aus der Haft habe sich die Gruppe
bei ihm wegen der Anzeige, welche zur Verurteilung der beiden Banden-
mitglieder geführt habe, rächen wollen. Einmal sei die Gruppe um Mitter-
nacht bei ihm eingebrochen, wobei er habe fliehen können. Später hätten
diese Leute seinem Bruder mitgeteilt, ihn (den Beschwerdeführer) umbrin-
gen zu wollen. Auf entsprechende Anzeige hin sei die Polizei bei ihm zu-
hause vorbeigekommen, habe Fotos vom Einbruch gemacht und erneut
einen Rapport erstellt. Die Polizei habe ihn gebeten, sich bei einem weite-
ren Vorfall abermals an sie zu wenden. Er habe sich unmittelbar nach die-
sem Einbruch zu seiner in C._ wohnhaften Schwester begeben, wo
er ungefähr ein Jahr lang geblieben sei. Dort sei konkret nie etwas vorge-
fallen. Die Kriminellen hätten indessen einmal seinen Bruder in B._
bedroht und ihn ein anderes Mal geschlagen. Ausserdem habe sein Bruder
ihm mitgeteilt, die Kriminellen wüssten um seinen Aufenthalt in C._
und würden ihn auch dort suchen. Aus den dargetanen Gründen habe er
sich im Jahr 2017 zur Ausreise aus seiner Heimat entschlossen.
Hinsichtlich seiner gesundheitlichen Situation machte der Beschwerdefüh-
rer geltend, er habe Probleme mit seiner (...), Schmerzen im rechten (...)
und leide unter Depressionen (siehe auch medizinisches Datenblatt vom
18. Februar 2020; act. 1061360-13/1).
Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens
keinerlei Identitätsdokumente zu den Akten.
B.
Am 19. März 2020 stellte das SEM der Rechtsvertretung des Beschwerde-
führers den Entwurf seines Asyl- und Wegweisungsentscheids zur Stel-
lungnahme zu, wovon diese mit Schreiben vom 20. März 2020 Gebrauch
machte.
C.
Mit Verfügung vom 26. März 2020 – eröffnet am 27. März 2020 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
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Seite 4
D.
Die Rechtsvertretung legte ihr Mandat mit Schreiben vom 27. März 2020
nieder.
E.
Mit Eingabe vom 30. März 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen diese
Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei beantragte
er, es sei festzustellen, dass die kurze Frist von sieben Arbeitstagen aktuell
das rechtliche Gehör beziehungsweise die Rechtsweggarantie verletze.
Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben. Es sei die Flüchtlings-
eigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Es sei festzustellen,
dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich
sei und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Schliesslich beantragte er,
es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm ein amtlicher
Rechtsbeistand zu bestellen.
F.
Mit Schreiben vom 1. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der vorliegenden Beschwerde.
G.
Mit Instruktionsverfügung vom 8. April 2020 teilte der zuständige Instrukti-
onsrichter dem Beschwerdeführer mit, gemäss Art. 10 der Verordnung des
Schweizerischen Bundesrates vom 1. April 2020 über Massnahmen im
Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19-Verord-
nung Asyl, AS 2020 1125) sei im beschleunigten Verfahren die Beschwerde
gegen einen Entscheid nach Art. 31a Abs. 4 AsylG (neu) innerhalb von
30 Tagen einzureichen. Nachdem ihm die angefochtene Verfügung am
27. März 2020 eröffnet worden sei, laufe die 30-tägige Beschwerdefrist
demnach noch bis zum 27. April 2020. Da sich seine Beschwerde laut
Rechtsbegehren auch auf den Asylpunkt beziehe, diese indessen diesbe-
züglich keine Begründung enthalte, werde er zudem aufgefordert, inner-
halb der laufenden Beschwerdefrist eine entsprechende Begründung ein-
zureichen, ansonsten angenommen werde, seine Beschwerde beziehe
sich nur auf den Vollzug der Wegweisung (Ziffern 4-6 des Dispositivs der
angefochtenen Verfügung). Über seine weiteren Anträge werde zu einem
späteren Zeitpunkt befunden.
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Seite 5
H.
Mit Eingabe vom 27. April 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Be-
schwerdeergänzung ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-
gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-
den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit
Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-
rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-
gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG
i.V.m. Art. 10 COVID-19-Verordnung Asyl; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37
VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-
dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet
sich die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Auf einen Schriftenwechsel wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG ver-
zichtet.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde vom 30. März
2020 vorab eine Verletzung des rechtlichen Gehörs beziehungsweise der
Rechtsweggarantie gemäss Art. 29a BV geltend, weil die Beschwerdefrist
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von sieben Arbeitstagen angesichts der ausserordentlichen Lage aufgrund
der Coronavirus-Pandemie nicht genüge, um einen Rechtsvertreter zu fin-
den und eine rechtswirksame Beschwerde einzureichen.
4.2 In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass der Schweizerische
Bundesrat in Art. 10 COVID-19-Verordnung Asyl seiner Verordnung vom
1. April 2020 über Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit
dem Coronavirus im beschleunigten Verfahren die Beschwerdefrist gegen
einen Entscheid nach Art. 31a Abs. 4 AsylG von sieben Arbeitstagen auf
30 Tage verlängert hat, was dem Beschwerdeführer mit Instruktionsverfü-
gung vom 8. April 2020 – eröffnet am 9. April 2020 – mitgeteilt worden ist.
Der Bundesrat hat mit dieser Massnahme den Schwierigkeiten, die sich
infolge des mit der Coronavirus-Pandemie verbundenen Shutdowns bei
der Beschwerdeerhebung ergeben können, Rechnung getragen. Der Be-
schwerdeführer war denn auch in der Lage, innert der bis zum 27. April
2020 laufenden Beschwerdefrist eine orthographisch einwandfrei verfasste
Beschwerdeergänzung einzureichen und insbesondere auch im Asylpunkt
eine substanzielle Begründung nachzutragen, was klar aufgezeigt, dass es
ihm innert der verlängerten Beschwerdefrist möglich war, sachkundige
Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mithin ist nicht ersichtlich, inwiefern ihm im
Zusammenhang mit dem Shutdown ein Rechtsnachteil erwachsen sein
soll. Eine Verletzung der Rechtsweggarantie liegt im konkreten Fall nicht
vor und der in der Beschwerdeergänzung erhobene Vorwurf einer (angeb-
lich) nach wie vor bestehenden Verletzung des rechtlichen Gehörs (vgl.
a.a.O. S. 1/2) erweist sich als haltlos. Der Antrag, es sei festzustellen, dass
die kurze Frist von sieben Arbeitstagen aktuell das rechtliche Gehör bezie-
hungsweise die Rechtsweggarantie verletzt, ist als unbegründet abzuwei-
sen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem
Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-
ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-
gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu
werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von
Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
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Seite 7
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das SEM begründete seinen ablehnenden Entscheidentwurf vom
19. März 2020 im Asylpunkt im Wesentlichen damit, die angedrohte Rache
der Kriminellen, die ihn aufgrund seiner Anzeige bei der Polizei für ihre
Freiheitsstrafe von drei Jahren verantwortlich gemacht hätten, stelle keine
Verfolgungshandlung im asylrechtlichen Sinn dar, da es ihr an einem der
in Art. 3 Abs. 1 AsylG abschliessend aufgezählten Verfolgungsmotive er-
mangle. Folglich erfülle er auch die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein
Asylgesuch sei abzulehnen.
Im Weiteren prüfte das SEM unter dem Aspekt der Zulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs, ob der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaf-
fung in seinen Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder
Behandlung ausgesetzt wäre. Diesbezüglich müssten stichhaltige Gründe
für die Annahme vorliegen, dass die betroffene Person im Falle einer Aus-
lieferung einem realen Risiko ausgesetzt sei, im betreffenden Staat Folter,
unmenschlicher Behandlung oder Strafe unterworfen zu sein (vgl. Urteil
des EGMR Soering gegen Vereinigtes Königreich vom 7. Juli 1989,
14038/88; vgl. Urteil des BVGer E-7121/2013 E. 7.4.1). Der Beschwerde-
führer habe geltend gemacht, er werde von vier Kriminellen, gegen die er
Anzeige erstattet habe, verfolgt, wobei ihm die Polizei nicht helfen könne
und seine diversen Anzeigen nichts bewirkt hätten. Die Polizei würde ab-
warten, bis tatsächlich ein schlimmer Vorfall geschehen würde. Weiter
habe er angegeben, sich in Frankreich auf der algerischen Botschaft ge-
meldet zu haben, um einen neuen Pass zu erhalten. Man habe ihn dort
stattdessen als Landesverräter beschimpft, weshalb er befürchte, bei einer
Rückkehr nach Algerien verhaftet und gefoltert zu werden. Die von ihm gel-
tend gemachten Bedrohungen seitens Krimineller stellten auch in Algerien
strafbare Handlungen dar, welche von den zuständigen Strafverfolgungs-
behörden im Rahmen ihrer Möglichkeiten verfolgt und geahndet würden.
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Entsprechend hätten die algerischen Polizei- und Justizbehörden im Rah-
men ihrer Möglichkeiten auf die erfolgten Straftaten hin gehandelt und zwei
der Kriminellen verhaftet. Er selbst sei mehrfach mit den Behörden in Kon-
takt gestanden, wobei seine Aussagen aufgenommen, Rapporte erstellt
und seine Anzeigen entgegengenommen worden seien. Seine Ausführun-
gen würden zeigen, dass das Justizsystem in seiner Heimat durchaus funk-
tionsfähig sei und kriminelle Handlungen geahndet würden. Entsprechend
sei auch davon auszugehen, dass die Behörden in seinem Heimatstaat
sowohl schutzfähig als auch schutzwillig seien, weshalb keine konkrete
und ernsthafte Gefahr bestehe, dass er bei einer Rückführung nach Alge-
rien eine schwere Menschenrechtsverletzung erleiden würde. Abschlies-
send sei festzustellen, dass er nach dem Umzug zu seiner Schwester in
C._ nie Schwierigkeiten begegnet sei. Seiner Angst, die Kriminellen
würden ihn dort aufspüren, lägen keine konkreten und objektiven Anhalts-
punkte zugrunde. Nach dem Gesagten erweise sich der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen als zulässig.
6.2 Der Beschwerdeführer liess mittels seiner damaligen Rechtsvertretung
in der Stellungnahme vom 20. März 2020 mitteilen, er sei mit dem Ent-
scheidentwurf nicht einverstanden. So würde er bei einer Rückkehr nach
Algerien wiederum von den Kriminellen attackiert werden. Die algerische
Polizei sei weder schutzfähig noch -willig. Er sei auch in C._ bei
seiner Schwester nicht sicher, wüssten die Kriminellen doch um seinen
dortigen Aufenthalt. Ausserdem sei er auf dem algerischen Konsulat in
Frankreich beschimpft und als Verräter tituliert worden, weshalb er von Sei-
ten des algerischen Staates keine Hilfe erwarten könne. Ausserdem sei er
wegen der Geschichte mit den Kriminellen und seiner Ausreise psychisch
angeschlagen.
6.3 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung vom 26. März 2020 an
seiner Begründung im Entscheidentwurf fest und führte zur Stellungnahme
des Beschwerdeführers einzig aus, hinsichtlich des Vorfalls auf dem alge-
rischen Konsulat sei anzumerken, dass das Fehlverhalten eines einzelnen
Beamten nicht auf den fehlenden Schutzwillen des algerischen Staates
schliessen lasse.
6.4 Der Beschwerdeführer hält in seiner Beschwerdeergänzung vom
27. April 2020 fest, die Vorinstanz habe die Glaubhaftigkeit seiner Asylvor-
bringen nicht angezweifelt. Darüber hinaus verweist er hinsichtlich seiner
Ausreisegründe auf die Ausführungen seiner damaligen Rechtsvertretung
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Seite 9
in der Stellungnahme vom 20. März 2020 und macht zusammenfassend
geltend, der Schutzwille seines Heimatstaates sei "nachweislich in keinster
Weise gegeben", weshalb er dort "schutzlos den vorgebrachten Verfol-
gungsmassnahmen ausgesetzt" wäre.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die gesuchsbegründenden Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft noch denjeni-
gen für eine Asylgewährung zu genügen vermögen und das SEM sein Asyl-
gesuch infolgedessen zu Recht abgelehnt hat.
7.2 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen
damit, die Kriminellen hätten sich an ihm rächen wollen, weil eine Anzeige
seinerseits zur Festnahme von zwei ihrer Kollegen geführt habe, die in der
Folge je zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden seien. In der Folge
hätten die Täter ihn mehrere Male verbal bedroht und einmal bei ihm ein-
gebrochen, wobei ihm die Flucht geglückt sei.
Wie das SEM in seiner Verfügung vom 26. März 2020 zutreffend ausge-
führt hat, gilt gemäss Art. 3 AsylG eine Handlung nur dann als Verfolgungs-
handlung im asylrechtlichen Sinn, wenn ihr ein bestimmtes Motiv zugrunde
liegt. Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgeführten Verfolgungsmotive – Rasse,
Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
und politische Anschauung – sind abschliessender Natur. Bei den geltend
gemachten Übergriffen der Kriminellen gegenüber dem Beschwerdeführer
handelt es sich klarerweise um kriminelle Machenschaften beziehungs-
weise gemeinrechtliche Straftaten, welchen kein asylbeachtliches Verfol-
gungsmotiv zugrunde liegt. Bereits aus diesem Grunde ist die Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers zu verneinen und sein Asylgesuch ab-
zulehnen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1
9.1.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.1.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30],
Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Aus-
länderin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Dritt-
staat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist  unter Vorbe-
halt von Art. 83 Abs. 7 AIG  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der
Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt-
staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.1.3 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.1.4 Die Vorinstanz weist in ihrer Verfügung zutreffend darauf hin, dass
das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nach-
zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimat-
staat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann
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Seite 11
ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus
den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in
den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-
rechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124127
m.w.H.).
9.1.5 Der Beschwerdeführer hat in diesem Zusammenhang geltend ge-
macht, er sei von mehreren Kriminellen wiederholt bedroht worden, nach-
dem zwei derselben auf seine Anzeige hin behördlich festgenommen und
in der Folge strafrechtlich verurteilt worden seien. Später hätten die Krimi-
nellen bei ihm zuhause einmal eingebrochen, wobei er habe fliehen kön-
nen. Er habe auch bei seiner in C._ wohnhaften Schwester keinen
dauerhaften Schutz gefunden, da diese Leute auch um seinen dortigen
Aufenthalt gewusst hätten.
9.1.6 Nach den Erkenntnissen des Gerichts kann davon ausgegangen
werden, dass die algerischen Sicherheitsbehörden in der Lage sind, hin-
reichenden Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung zu gewährleisten (vgl.
UK Home Office, Country Policy and Information Note, Algeria: Background
information, including actors of protection and internal relocation August
2017 S. 5 f. und S. 19 f., https://www.refworld.org/docid/59ae95be4.html,
abgerufen am 12. Februar 2020 sowie Urteile BVGer E-2533/2019 vom
29. Mai 2019 E. 6.1, E-1826/2019 vom 27. Mai 2019 E. 6.2, E-6354/2019
vom 20. Dezember 2019 E. 8.4.2). Mit der Vorinstanz ist deshalb festzu-
stellen, dass die algerischen Behörden als grundsätzlich schutzfähig und
-willig bezeichnet werden können. Hierfür spricht vorliegend bereits die Tat-
sache der Festnahme und Verurteilung der beiden Kriminellen. Im Weite-
ren ist den Akten zu entnehmen, dass die Polizei auch Anzeigen des Be-
schwerdeführers nach einer schriftlichen sowie mehreren verbalen Dro-
hungen seitens der Kriminellen entgegengenommen beziehungsweise ei-
nen Rapport erstellt hat (vgl. act. 1061360-16/17 [Anhörung vom
12.3.2020] S. 10 f. F82 bis 90). Ausserdem ist die Polizei auch nach dem
Einbruch in das Haus des Beschwerdeführers auf dessen Anzeige hin am
Tatort erschienen, hat Fotos gemacht, einen Rapport erstellt und ihn auf-
gefordert, sich bei einem weiteren Vorfall wieder an sie zu wenden (vgl.
https://www.refworld.org/docid/59ae95be4.html
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a.a.O. S. 11 F91 f.). Auch diese Fakten zeigen auf, dass die algerischen
Behörden bestrebt sind, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Daran vermag
der Umstand nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer sich umfassen-
dere Schutzmassnahmen gewünscht hätte. Auch die Tatsache, dass es
während des ungefähr einjährigen Aufenthalts des Beschwerdeführers bei
seiner Schwester in C._ zu keinen weiteren Zwischenfällen gekom-
men ist, wiewohl die Kriminellen um seinen dortigen Aufenthalt gewusst
haben sollen (vgl. a.a.O. S. 8 F63 bis 69 i.V.m. S. 13 F114 bis 116), lässt
die Furcht des Beschwerdeführers, die Kriminellen könnten ihn dort aufsu-
chen, als nicht hinlänglich begründet erscheinen.
9.1.7 Zusammenfassend ist folglich davon auszugehen, dass der algeri-
sche Staat schutzfähig und schutzwillig ist. Nach dem Gesagten ist der
Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völker-
rechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.2
9.2.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung betreffend die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zum Schluss, dass vorliegend
keine individuellen Gründe gegen eine Wegweisung des Beschwerdefüh-
rers nach Algerien sprechen würden. Im Falle des Beschwerdeführers liege
keine medizinische Notlage vor, welche dem Vollzug entgegenstehe. Ge-
mäss seinen Aussagen und dem medizinischen Datenblatt vom 18. Feb-
ruar 2020 (vgl. act. 1061360-13/1) leide er an Depressionen und nehme
deswegen Sertralin 50mg und Trittico 50mg ein. Ausserdem besuche er
aufgrund von Schmerzen im rechten (...) und Problemen mit der (...) eine
ambulante Physiotherapie (vgl. a.a.O. S. 12 f. F105 bis 111). In Algerien
existierten in jeder grösseren Stadt Krankenhäuser. Bezüglich seiner psy-
chischen Beschwerden könne er sich an das öffentliche (...) in seiner Hei-
matstadt B._ wenden. Dort gebe es ambulante Behandlung durch
Psychiater und Psychologen. Ausserdem sei darauf hinzuweisen, dass Al-
gerien grundsätzlich über ein grosszügiges Sozialversicherungssystem
verfüge, wobei die medizinische Betreuung auch Nichtversicherten bei-
nahe kostenfrei zur Verfügung stehe. Ausserdem bestehe die Möglichkeit
der medizinischen Rückkehrhilfe. Es würden im Übrigen auch keine ande-
ren individuellen Gründe vorliegen, die einem Wegweisungsvollzug entge-
genstünden. Beim Beschwerdeführer handle es sich um einen jungen
Mann mit überdurchschnittlich guter Ausbildung und reichlich Berufserfah-
rung. Entsprechend habe er angegeben, die Matura absolviert, (...) in
D._ studiert, viele Jahre in B._ als (...) und später selbstän-
dig im Handel gearbeitet zu haben. Weiter habe er betont, sein Land nicht
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Seite 13
aufgrund wirtschaftlicher Probleme verlassen, sondern dort über eine Villa,
ein Auto und Arbeit verfügt zu haben. Ausserdem stünde er nach wie vor in
Kontakt mit seinem Bruder, mit dem er in B._ zusammengewohnt
habe und der immer noch unter der dortigen Adresse lebe. Ferner habe er
ungefähr ein Jahr lang bei seiner in C._ wohnhaften verheirateten
Schwester gelebt. Damit verfüge in seiner Heimat über ein soziales und
tragfähiges Umfeld, welches ihm bei allfälligen anfänglichen Engpässen
und Schwierigkeiten behilflich sein könne, weshalb sein Lebensunterhalt
und seine Wohnsituation im Heimatland als gesichert gelten könnten.
9.2.2 Der Beschwerdeführer führt diesbezüglich aus, er könne nicht nach
B._ zu seiner Arbeit zurückkehren, da ihn die Kriminellen dort töten
könnten (vgl. a.a.O. S. 8 F79). Ausserdem könne er auch nicht selbständig
in C._ arbeiten, da er sein ganzes Kapital in B._ investiert
habe (vgl. a.a.O. S. 13 F113).
9.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich den vorinstanzlichen
Erwägungen vollumfänglich an. Unter Berücksichtigung der allgemeinen
heutigen Sicherheitslage in Algerien sind keine Hinweise dafür ersichtlich,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimatland in kon-
kreter Weise gefährdet wäre. Eine Situation allgemeiner Gewalt oder krie-
gerischer oder bürgerkriegsähnlicher Verhältnisse liegt in Algerien nicht
vor. Ferner sind  wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten  auch
keine individuellen Gründe ersichtlich, welche die Rückkehr des Beschwer-
deführers nach Algerien als unzumutbar erscheinen liessen. Es deutet
nichts darauf hin, dass der Beschwerdeführer aus Gründen wirtschaftli-
cher, sozialer oder gesundheitlicher Natur bei einer Rückkehr in eine exis-
tenzbedrohende Situation geraten würde. Der Beschwerdeführer verfügt
mit seinem Bruder sowie seiner Schwester über ein gutes und tragfähiges
Beziehungsnetz, welches ihm bei einer Rückkehr und Reintegration zur
Seite stehen kann. Betreffend die medizinischen Vorbringen kann auf die
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Soweit der Beschwerde-
führer pauschal vorbringt, angesichts der aktuellen Coronaviruspandemie
sei in seinem Heimatland von einer medizinischen Notlage auszugehen,
da er dort keinen Zugang zu einer medizinischen Versorgung erhalten
würde, erweisen sich seine diesbezüglichen Ausführungen mangels hin-
länglicher Substanziierung als unbehelflich. Im Übrigen kann bezüglich der
medizinischen Situation in Algerien auch auf die in E. 9.2.1 hiervor zusam-
menfassend wiedergegebenen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden.
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9.2.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht
als unzumutbar.
9.3 Schliesslich ist festzuhalten, dass die aktuelle Lage im Zusammenhang
mit der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) grundsätzlich nicht geeignet
ist, die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Die
Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshin-
dernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine
gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt.
Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hindernis im Rahmen der
Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidungen und Mittei-
lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14
E. 8d und e). Bei der Coronavirus-Pandemie handelt es sich, soweit derzeit
feststellbar, allenfalls um ein temporäres Vollzugshindernis. Es obliegt so-
mit den kantonalen Behörden, der Entwicklung der Situation bei der Wahl
des Zeitpunkts des Vollzugs in angemessener Weise Rechnung zu tragen.
Darüber hinaus obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung als möglich zu be-
zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 14 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und  soweit diesbezüglich
überprüfbar  angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. Gleichzeitig wird der Be-
schwerdeführer aufgrund des Ausgang des Verfahrens grundsätzlich kos-
tenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer beantragte je-
doch, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und ihm
ein amtlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
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11.2 Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird einer Partei, die nicht über die er-
forderlichen Mittel verfügt, nach Einreichen der Beschwerde auf Antrag von
der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, wenn ihr Begehren nicht aus-
sichtslos erscheint. Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Mithin ist von der
prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Die Be-
schwerde erscheint zudem retrospektiv bezogen auf den Zeitpunkt ihrer
Einreichung nicht als aussichtslos. Demnach ist das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gutzuheissen und auf die Erhe-
bung von Verfahrenskosten zu verzichten.
11.3 Wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gemäss Art. 102m
Abs. 1 AsylG bewilligt, ist sie ex nunc vom Zeitpunkt der Gesuchstellung
an wirksam. Vorliegend hat der Beschwerdeführer jedoch selbständig eine
Beschwerde sowie eine Beschwerdeergänzung eingereicht (vgl. Sachver-
halt Bst. E und H sowie E. 4.2) und weitere prozessuale Tätigkeiten, die
allenfalls eine amtliche Verbeiständung gerechtfertigt hätten, waren nicht
erforderlich. Das Gesuch um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes
erweist sich bei dieser Sachlage als gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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