Decision ID: d6c8bd5e-f4ff-5e81-a4a3-28b56657a941
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 10. Mai 2017 bei der Gemeinde Wohlen bei
Bern ein Baugesuch ein für den Neubau einer Wärmezentrale auf Parzelle Wohlen bei
Bern Grundbuchblatt Nr. D._. Die Parzelle weist eine Fläche von 3'505 m2 auf. Sie
liegt in der Zone für öffentliche Nutzung C (ZöN C). Deren Zweckbestimmung umfasst
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Folgendes: "Viehschauplatz, öffentlicher Parkplatz, Feuerwehr, öffentliche
Entsorgungsstelle, Heizzentrale für Wärmeverbund mit Holzschnitzelanlage". Auf der
Parzelle befinden sich bereits ein Feuerwehrmagazin, eine Entsorgungsanlage sowie ein
öffentlicher Parkplatz. Neben dem Neubau der Heizzentrale sieht das Bauvorhaben vor,
die öffentlichen Parkplätze neu anzuordnen. Vorgesehen sind 53 Abstellplätze für
Motorfahrzeuge. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderem die Beschwerdeführerin
und der Beschwerdeführer (nachfolgend Beschwerdeführenden) Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 25. Oktober 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland dem Bauvorhaben die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 13. November 2017 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 25. Oktober 2017 und die Erteilung des
Bauabschlags. Sie machen insbesondere geltend, durch das Bauvorhaben werde die
Anzahl der bestehenden Parkplätze stark reduziert. Die geplanten 53 Parkplätze seien zu
wenig.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 führte den
Schriftenwechsel durch und forderte die Einwohnergemeinde Wohlen auf, die Vorakten
sowie die Baubewilligungsakten für das Feuerwehrmagazin, das E._ sowie die
Entsorgungsanlage einzureichen. Zudem bat es die Gemeinde mitzuteilen, wie viele
(bewilligte) Parkplätze sich zurzeit auf der Parzelle Wohlen bei Bern Grundbuchblatt
Nr. D._ befinden und diese auf einem Plan einzuzeichnen.
4. Auf die Rechtsschriften und die einzelnen Bewilligungen wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussatzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen,
die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden,
deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Auf der Parzelle Wohlen bei Bern Grundbuchblatt Nr. D._ befindet sich ein
öffentlicher Parkplatz mit 52 bewilligten Abstellplätzen für Fahrzeuge. Diese sind gemäss
dem Plan vom 26. Juni 1990 in vier Reihen à 13 Parkierungsmöglichkeiten angeordnet.
Zusätzlich bestehen sechs Parkplätze auf der südwestlichen Seite der Parzelle, die
grundbuchrechtlich für die Stockwerkeinheiten Wohlen bei Bern Grundbuchblatt Nrn.
H._ und I._ vorgesehen sind. Die sechs privat genutzten Parkplätze sind
vom Bauvorhaben nicht betroffen. Gemäss dem Situationsplan / Umgebung vom 8. Mai
2017 sollen zukünftig auf der Parzelle 53 (öffentliche) Parkplätze angeordnet in fünf Reihen
à 12, 8, resp. 13 Parkfelder vorhanden sein.
Zudem befinden sich auf dieser Parzelle eine Entsorgungsstelle und ein
Feuerwehrmagazin. Für diese beiden Bauten sehen die jeweiligen Baubewilligungen keine
Abstellplätze für Fahrzeuge vor. In der Nähe dieser Parzelle liegt schliesslich das
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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Kulturzentrum E._. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens für die
Umgestaltung dieses Gebäudes berechnete die Gemeinde damals einen Parkplatzbedarf
von 50 Parkplätzen. Dieser soll durch die Nutzung der (öffentlichen) Parkplätze auf der
Parzelle des Bauvorhabens abgedeckt sein.
b) Gemäss der Ansicht der Beschwerdeführenden ist abzuklären, ob die 50 für das
E._ vorgesehenen Parkplätze zum heutigen Zeitpunkt noch ausreichen. Zudem
machen sie geltend, für das Feuerwehrmagazin seien mindestens zehn und für die
Entsorgungsanlage zwei Parkplätze erforderlich. Schliesslich propagiere die Gemeinde
den Viehschauplatz als Park & Ride. Dafür müssten auch mindestens fünf Parkplätze
vorgesehen werden.
c) Das Baugesuch legt den Gegenstand des Baubewilligungsverfahrens fest. Dieses
umfasst im vorliegenden Fall den Neubau einer Heizzentrale sowie die Neuanordnung der
bisherigen Parkplätze. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens sind die
Bewilligungsbehörden nicht verpflichtet und auch nicht befugt, die Korrektheit von anderen
Baubewilligungen zu überprüfen. Wie bereits das Regierungsstatthalteramt ausgeführt hat,
bestand im Baubewilligungsverfahren für die Heizzentrale keine Grundlage, den
Parkplatzbedarf für das Feuerwehrmagazin, die Entsorgungsanlage oder das E._
zu überprüfen. Ob und falls ja, in welchem Umfang für diese Bauten ein (zusätzlicher)
Parkplatzbedarf besteht, ist daher auch nicht Gegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens. Es ist schliesslich auch nicht zu prüfen, wie viele Parkplätze für die
Nutzung als Park & Ride erforderlich wären. Auf diese Rügen ist nicht einzutreten.
Ob allenfalls die Voraussetzungen erfüllt sind, um die Eigentümer dieser Bauten gemäss
Art. 16 Abs. 2 BauG nachträglich zur Schaffung von zusätzlichen Parkplätzen zu
verpflichten, wäre im Rahmen eines Baupolizeiverfahrens zu prüfen.4
d) Das Bauvorhaben tangiert jedoch die auf der Parzelle bereits bestehenden
Parkplätze. Es ist daher im vorliegenden Verfahren zu überprüfen, ob das Bauvorhaben mit
den für diese Parkplätze bewilligten Nutzungen vereinbar ist.
4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 16 – 18 N. 12.
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3. Parkplatzbedarf der Heizzentrale
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, für die neue Heizzentrale seien keine
neuen Parkplätze geplant. Für Service- und Wartungsarbeiten müsste aber mindestens ein
Parkplatz vorgesehen sein und zum Abladen für die Holzschnitzel sei auch genügend Platz
einzuplanen.
b) Wird durch die Erstellung von Bauten und Anlagen ein Parkplatzbedarf verursacht, so
ist dafür eine ausreichende Anzahl Abstellplätze für Motorfahrzeuge zu errichten (Art. 16
Abs. 1 BauG). Die Anzahl der Abstellplätze für Fahrzeuge wird durch eine Bandbreite
begrenzt; innerhalb dieser Bandbreite legt die gesuchstellende Partei die Anzahl fest (Art.
50 Abs. 1 BauV5). Für die Ermittlung der Bandbreite sind insbesondere die
Geschossflächen massgebend. Lagerräume, die weder publikumsoffen noch mit
Arbeitsplätzen belegt sind, werden nicht angerechnet (Art. 49 Abs. 2 BauV).
c) Ein Grossteil der Heizzentrale besteht aus einem Schnitzelsilo. Zusätzlich befinden
sich im Gebäudeinnern ein Tankraum und die eigentliche Heizzentrale. Zudem verfügt das
Gebäude über eine Toilette sowie ein Lavabo. Das Bauvorhaben generiert
unbestrittenermassen keine permanenten Arbeitsplätze. Für Service- und
Unterhaltsarbeiten werden aber zumindest gelegentlich Personen in der Heizzentrale
anwesend sein. Das zeigt sich auch an der vorhandenen Toilettenanlage.
Dementsprechend besteht ein minimaler Parkplatzbedarf.
Im Situationsplan / Werkleitungen vom 8. Mai 2017 sind zwei Parkplätze eingezeichnet.
Auch auf den Plänen "Ansicht Süd" und "Ansicht Ost" sind Abstellplätze für Fahrzeuge
ersichtlich. Demgegenüber sind im Baugesuch selber keine Abstellplätze erwähnt und
auch die Baubewilligung hält fest, der Neubau löse keine Erstellpflicht für Parkplätze aus.
Zwischen den Plänen und (dem Text) des Baugesuchs sowie der Baubewilligung besteht
somit ein Widerspruch. Bei Unklarheiten zwischen dem Text der Baubewilligung und den
(bewilligten) Plänen kommt Letzteren der Vorrang zu.6 Dementsprechend sollen im
Zusammenhang mit dem Bau der Heizzentrale zwei neue Abstellplätze für Fahrzeuge
bewilligt werden. Der minimale Parkplatzbedarf der Heizzentrale ist damit abgedeckt. Die
Rüge der Beschwerdeführenden ist unbegründet.
5 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BSG 721.1; BauV). 6 BDE 110/2017/24 vom 13. Juni 2017, E. 4c.
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Auf den erwähnten Plänen ist überdies ersichtlich, wo ein grosses Lastfahrzeug die
Holzschnitzel abladen soll. Dieser Platz ist auch zugänglich, wenn sämtliche (öffentlichen)
Parkplätze belegt sind. Ein dort zwischenzeitlich abgestelltes Lastfahrzeug versperrt
zudem den Zugang zu diesen Parkierungsmöglichkeiten nicht. Auch diese Rüge erweist
sich damit als unbegründet.
4. Parkplatzsituation Viehschauplatz
a) Die Beschwerdeführenden rügen, das Bauvorhaben reduziere die Anzahl
Parkierungsmöglichkeiten. Diese Reduktion führe zu einer unzulässigen Situation, da
mindestens 70 Parkplätze erforderlich wären. Zudem sei die Zufahrt zu den Wohnhäusern
am F._weg zu gewährleisten.
Die Gemeinde hat in ihrer Stellungnahme vom 30. August 2017 ausgeführt, es seien
weiterhin 53 Parkplätze vorgesehen. Damit reduziere sich die Anzahl öffentlicher
Parkplätze des Viehschauplatzes nicht. Der Parkplatz stehe auch weiterhin Pendlern zur
Verfügung. Schliesslich seien die für das E._ erforderlichen 50 Parkplätze
ebenfalls weiterhin vorhanden.
b) Parkplätze sind grundsätzlich einer konkreten Baute oder Anlage als Nebenanlage
zugeordnet und erfordern den Nachweis, dass ein entsprechender Bedarf besteht. Ohne
bestimmte Zuordnung dürfen keine Parkplätze erstellt werden. Vorbehalten bleiben
besondere planerische Festlegungen zum Beispiel für öffentliche Parkplätze. Eine zeitlich
auseinanderliegende Parkplatzbenutzung ist zulässig.7 Früher erlassene Entscheide haben
die Behörden bei der Beurteilung eines neuen Sachverhalts zu berücksichtigen, da
staatliche Organe sich bei ihren Entscheidungen kohärent und widerspruchslos zu
verhalten haben.8 Entscheide dürfen sich nicht gegenseitig widersprechen.
c) Auf dem Viehschauplatz resp. der Parzelle des Bauvorhabens befindet sich heute
unter anderem ein öffentlicher Parkplatz. Gemäss den vorhandenen Baubewilligungsakten
umfasst dieser Parkplatz bisher 52 bewilligte Abstellplätze für Motorfahrzeuge. Nach der
7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 16 – 18 N. 11a / 16. 8 Vgl. Art. 9 Bundesverfassung vom 18. April 1999; Regina Kiener / Walter Kälin, Grundrechte, Bern, 2013, § 33, S. 408.
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Realisierung der Heizzentrale sollen sich auf diesem Gebiet 53 Abstellplätze befinden.
Damit reduziert sich die Anzahl der bewilligten Parkplätze auf dem Viehschauplatz nicht.
d) Zum Zeitpunkt des Umbaus des E._ erstellte die Bauherrschaft keine neuen
Abstellplätze für Fahrzeuge, sondern sie verwies auf die mögliche Nutzung des öffentlichen
Parkplatzes auf dem Viehschauplatz. Der Parkplatzbedarf des E._ im Umfang von
50 Abstellplätzen für Fahrzeuge wird durch die öffentlichen Abstellplätze gedeckt. Die
Abstellplätze auf dem Viehschauplatz stehen somit nicht nur der Allgemeinheit zur
Verfügung sondern Nutzerinnen und Nutzern des E._ stellen ihre Fahrzeuge
ebenfalls auf diesen Parkplätzen ab. Die Zulässigkeit dieser "Doppelwidmung" beurteilte
die Bewilligungsbehörde im Baubewilligungsverfahren für das E._. Sie ist im
Zusammenhang mit der Heizzentrale und der damit verbundenen Neuanordnung der
Abstellplätze nicht zu prüfen. Es sollen auf der Parzelle weiterhin mehr als 50 Parkplätze
bestehen. Das Bauvorhaben steht damit nicht im Widerspruch zur Baubewilligung für das
E._.
Im Übrigen sind keine weiteren Abstellplätze auf dem Viehschauplatz einer konkreten
Baute oder Anlage zugeordnet. Insbesondere sind weder in der Baubewilligung für das
Feuerwehrmagazin noch in derjenigen für die Entsorgungsanlage Abstellplätze
ausgewiesen. Da auch nach der Realisierung des Bauvorhabens mehr als 50 (öffentliche)
Parkplätze auf dem Areal bestehen, werden die bereits bewilligten Parkplätze weiterhin zur
Verfügung stehen. Das Bauvorhaben widerspricht damit insgesamt keiner bereits erteilten
Baubewilligung. Diese Rüge erweist sich ebenfalls als unbegründet.
e) Schliesslich besteht zwar auf der Parzelle des Bauvorhabens zugunsten des
Grundstücks Wohlen bei Bern Grundbuchblatt Nr. G._ ein Wegrecht. Diese
Parzelle befindet sich hinter dem Feuerwehrmagazin und neben der Entsorgungsanlage.
Die nächsten Parkplätze liegen jedoch mehr als zehn Meter von dieser Parzelle entfernt
und der Platz vor dem Feuerwehrmagazin bleibt frei. Damit ist der Zugang vom
F._weg zu dieser Parzelle auch nach der Realisierung der Heizzentrale
gewährleistet. Auch diese Rüge erweist sich als unbegründet.
Das Bauvorhaben entspricht damit nicht nur den öffentlich-rechtlichen Bestimmungen,
sondern es ist auch mit den bereits vorhandenen (bewilligten) Nutzungen auf der Parzelle
des Bauvorhabens vereinbar. Die Vorinstanz hat das Vorhaben zu Recht bewilligt.
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5. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben daher die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG9). Diese werden
bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'400.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19
Abs. 1 GebV10). Den Beschwerdeführenden werden dementsprechend Verfahrenskosten
im Umfang von Fr. 1'400.– auferlegt.
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).