Decision ID: ec1b7775-5a57-4f91-810d-fc08463a35da
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 19. Juni 2009 wegen Folgen
eines Bandscheibenvorfalls bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an
(IV-act. 1), nachdem sie am 10. Dezember 2008 operiert worden (Berichte
Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] vom 11. Dezember 2008, IV-
act. 39-30, und vom 5. Januar 2009, IV-act. 39-28 f.) und seither zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben war (IV-act. 4-4).
A.a.
Mit Verfügung vom 25. Mai 2010 schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung ab
(IV-act. 38). Ein polydisziplinäres Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom
25. November 2010 (IV-act. 53-1 bis 38; Dr. med. B._ und Dr. med. C._,
Neurologie; Dr. med. D._, Rheumatologie; Dr. med. E._, Psychiatrie;
Untersuchungen 20., 21. und 22. September 2010) kam zum Schluss, es seien ein
persistierendes lumbospondylogenes Syndrom mit myofaszialem Schmerzsyndrom
linkes Bein mit/bei reaktiven Tendomyosen lumbogluteal links mit referred-pain-
Symptomatik links ohne klinischen Hinweis für eine radikuläre Mitbeteiligung sowie
persistierendem Anulusriss L4/L5 mit medianer geringer Bandscheibenprotrusion, ein
leichtes myofasziales Schultersyndrom beidseits bei leichter Fehlhaltung sowie eine
psychogene Überlagerung eines persistierenden lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms (ICD-10: F54) zu diagnostizieren. In einer angepassten,
wechselbelastenden Tätigkeit, bei welcher die Versicherte nach persönlichen
Bedürfnissen gelegentliche Pausen einlegen könne, betrage die
A.b.
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Leistungseinschränkung 20 % vor allem, um der Notwendigkeit für
Arbeitsunterbrechungen gerecht zu werden.
Dr. med. F._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, nahm am 1. Februar 2012 eine
Re-Dekompressions- und Versteifungsoperation im Bereich L3 bis L5 vor
(Operationsbericht Klinik G._, zitiert im Gutachten vom 1. September 2014, IV-act.
115-12).
A.c.
Gestützt auf eine Stellungnahme der MEDAS Ostschweiz (vom 12. Dezember
2013), wonach nicht (mehr) auf die klinischen Befunde des Jahres 2010 abgestellt
werden könne und Fähigkeitsstörungen mit Bezug auf die berufliche Leistungsfähigkeit
aus dem bildgebenden Material nicht ablesbar seien (IV-act. 100), hiess das
Versicherungsgericht die Beschwerde gegen die ablehnende Verfügung vom
26. Oktober 2011 (IV-act. 83) mit Entscheid vom 31. Januar 2014 (Verfahren
IV 2011/378, IV-act. 102) teilweise gut und wies es die Angelegenheit zur weiteren

Abklärung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurück. Es erwog, die
medizinische Aktenlage vermöge keine taugliche Grundlage für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bis zum Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung vom 26. Oktober 2011 zu bilden. Vielmehr dränge sich eine weitere klinisch-
neurologische Untersuchung auf (E. 2.5).
A.d.
In Nachachtung dessen wurde die Versicherte am Universitätsspital Basel, asim,
Versicherungsmedizin, begutachtet (IV-act. 115-1 bis 78; Gutachten vom 1. September
2014; Dr. med. H._, Innere Medizin; Dr. med. I._, Rheumatologie; Dr. med. J._,
Psychiatrie; Dr. med. K._, Neurologie; Untersuchungen 26./27./30. Juni 2014). Die
Gutachter diagnostizierten als die Arbeitsfähigkeit beeinflussend ein neuropathisches
Schmerzsyndrom des linken Beines bei Status nach lumboradikulärem Reizsyndrom L5
links mit radikulärer Ausstrahlung Dermatom L5, ohne sensomotorisches Defizit,
chronische Schulter-Nackenschmerzen bei myofaszialem Schmerzsyndrom der
rechten Schulter, aktuell ohne Anhaltspunkte für ein radikuläres Reiz- oder
sensomotorisches Ausfallsyndrom, sowie eine leichte depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F32.00), Status nach Anpassungsstörung 1991 nach
Migration in die Schweiz, bestehend seit 2010 (IV-act. 115-29). In einer optimalen
Verweistätigkeit sei die Versicherte aktuell zu 50 % arbeitsfähig. Durch ein
A.e.
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Arbeitstraining könne die Arbeitsfähigkeit mittelfristig (binnen 6 bis 9 Monaten) auf
70 % gesteigert werden. Die 30%ige Arbeitsunfähigkeit sei einem erhöhten
Pausenbedarf geschuldet (IV-act. 115-33).
Am 17. September 2014 erfolgte die Schraubenentfernung L3 bis L5 (Operations
bericht Klinik G._, zitiert im Gutachten vom 6. November 2017, IV-act. 192-25). Vom
18. Mai bis 7. Juni 2015 absolvierte die Versicherte eine stationäre Rehabilitation in der
Klinik Valens. Nach Abschluss der stationären Rehabilitation sollte medizin-theoretisch
eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ganztags mit vermehrten Pausen möglich
sein. Der Pausenbedarf werde mit drei bis vier Stunden geschätzt, so dass eine
50%ige Arbeitsfähigkeit, ganztags zu verwerten, resultiere. Aufgrund der chronischen
Schmerzsymptomatik und des Zustandes nach dreimaliger Wirbelsäulenoperation
bestehe eine verminderte Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule. Aufgrund der
langjährigen Schmerzsymptomatik hätten sich zudem ausgeprägte muskuläre
Dysbalancen und Insuffizienzen eingestellt. Im Rahmen der psychosomatischen
Abklärung habe keine Psychopathologie festgestellt werden können. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe damit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(Austrittsbericht Klinik Valens vom 7. Juni 2015, IV-act. 126-2 ff.; Arztbericht Klinik
Valens vom 17. Juli 2015, IV-act. 126-14 ff.).
A.f.
Eine vorgesehene berufliche Abklärung bei der L._ vom 13. Oktober bis
12. Dezember 2015 musste bereits am dritten Tag schmerzbedingt abgebrochen
werden, worauf die Eingliederungsverantwortliche ihren Fall am 20. Oktober 2015
abschloss (vgl. Eingliederungsplan, IV-act. 130; Protokoll Eingliederung, IV-
act. 132-1 ff.) und die IV-Stelle durch Mitteilung vom 26. Januar 2016 das Gesuch
hinsichtlich beruflicher Massnahmen abwies, da sich die Versicherte nicht in der Lage
fühle, an Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken (IV-act. 147).
A.g.
Der Rechtsdienst der IV-Stelle äusserte am 28. April 2016, es sei aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht nachvollziehbar, dass die Versicherte rein
somatisch in ihrer Arbeitsfähigkeit 20 % bis 30 % oder gar 50 % eingeschränkt sein
solle. Es fehle bei der Versicherten weiterhin an organisch objektiv ausgewiesenen
Beschwerden, welche aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht eine Einschränkung
der zumutbaren Leistungsfähigkeit begründen könnten. In Anbetracht dieser Umstände
A.h.
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solle ein weiteres polydisziplinäres Gutachten in Auftrag gegeben werden (IV-act. 152).
Die Versicherte forderte den Einbezug einer wirbelsäulenchirurgischen Abklärung (IV-
act. 165; IV-act. 184), was unter Berufung auf Stellungnahmen des RAD vom
14. Oktober 2016 (IV-act. 166) und vom 25. November 2016 (IV-act. 184) mittels
Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2016 (IV-act. 167) und am 25. November 2016
(vgl. IV-act. 184) abgelehnt wurde. Eine hiergegen erhobene Beschwerde vom
18. Oktober 2016 zog die Versicherte am 15. Dezember 2016 zurück (IV-act. 186-3 f.)
und das Versicherungsgericht schrieb das entsprechende Verfahren IV 2016/402 am
20. Dezember 2016 ab (IV-act. 186-1 f.).
Im Verlaufsgutachten der asim Basel vom 6. November 2017 (IV-act. 192-1 bis 69;
Dr. med. H._, Innere Medizin; Prof. Dr. med. M._, Rheumatologie; med. pract.
N._, Psychiatrie; Dr. med. et phil. O._, Neurologie; Untersuchungen 22./23. und
31. März 2017) diagnostizierten die Experten eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), ein chronisches
lumbovertebrales, lumbospondylogenes, pseudoradikuläres Schmerzsyndrom und
chronische Schulter- und Nackenschmerzen mit Ausstrahlung nach okzipital, aktuell
ohne Anhaltspunkte für ein radikuläres Reiz- oder sensomotorisches Ausfallsyndrom,
die Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bestehe unter anderem eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
(ICD-10: F33.4). In einer körperlich leichten, wirbelsäulenadaptierten Tätigkeit mit der
Möglichkeit des Wechsels zwischen Sitzen, Stehen und Gehen und ohne Heben von
Lasten über 5 kg sei die Versicherte gesamtmedizinisch zu 80 % arbeitsfähig. Die
Einschränkung ergebe sich gesamtmedizinisch bei einem erhöhten Pausenbedarf (IV-
act. 192-16). RAD-Arzt Dr. P._ nahm am 4. Dezember 2017 Stellung: Das Gutachten
sei umfassend, fachlich ausgewiesen und widerspruchsfrei. Die
versicherungsmedizinischen Konklusionen seien im Rahmen einer klar ersichtlichen
interdisziplinären Konsensfindung erfolgt und plausibel nachvollziehbar. Die
Standardindikatoren würden berücksichtigt. Auf das Gutachten könne abgestellt
werden (IV-act. 193).
A.i.
Mit Verfügung vom 7. Februar 2018 wies die IV-Stelle das Rentengesuch nach
Durchführung des Einwandverfahrens ab (IV-act. 201). Nachdem die Versicherte am
16. Februar 2018 geltend machte, die Verfügung äussere sich nicht zum Verlauf der
A.j.
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B.
Arbeitsunfähigkeit ab IV-Anmeldung sowie zur Arbeitsfähigkeit gemäss dem früheren
Gutachten (IV-act. 202), widerrief die IV-Stelle am 19. Februar 2018 die Verfügung vom
7. Februar 2018 (IV-act. 203). In einer ergänzenden Stellungnahme vom 24. Mai 2018
äusserte sich der ärztliche Leiter der Gutachterstelle unter anderem zum Verlauf der
Arbeitsfähigkeit, welcher mit vor gut 10 Jahren beginnender Einschränkung schwer zu
beurteilen sei (IV-act. 209). Hierzu nahm RAD-Arzt Dr. P._ am 20. Juni 2018 Stellung
(IV-act. 210).
Mit Vorbescheid vom 25. Juni 2018 gewährte die IV-Stelle der Versicherten erneut
das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 212)
und wies dieses mit Verfügung vom 28. September 2018 nach Stellungnahme durch
den Rechtsdienst (IV-act. 215) ab. Anhand der Arbeitsunfähigkeitszeiten sei von keiner
längerdauernden und anhaltenden Arbeitsunfähigkeit auszugehen (IV-act. 222).
A.k.
Mit Beschwerde vom 2. November 2018 (Postaufgabe) beantragt A._
(nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. H. Frei, die
Verfügung vom 28. September 2018 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
aufzuheben und es sei ihr von Januar bis November 2010 eine ganze Rente, vom Juli
2011 bis August 2012 eine ganze Rente, von September 2012 bis August 2014 eine
halbe Rente und von September 2014 bis März 2017 eine Viertelsrente auszurichten.
Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die Beschwerdeführerin gehe ohne Begründung davon aus, die
diagnostizierte Schmerzstörung könne keine invalidisierende Einschränkung
begründen. Damit verletze sie die Begründungspflicht. Die Beschwerdegegnerin
berücksichtige die unterschiedlichen Arbeitsunfähigkeiten bis März 2017 nicht. Somit
stünden ihr die beantragten Rentenansprüche zu. Die Wartefrist sei im Januar 2010
abgelaufen und nicht wesentlich unterbrochen worden (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen. Ein Rentenanspruch entstehe erst, wenn die
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder
hergestellt, erhalten oder verbessert werden könne. In einer körperlich leichten,
wirbelsäulenadaptierten Tätigkeit mit möglichem Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und
B.b.
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Gehen und ohne Heben von Lasten über 5 kg sei die Beschwerdeführerin
gesamtmedizinisch zu 80 % arbeitsfähig. Berücksichtigt werden müssten die
bestehende Chronifizierung, die Passivität, die Tendenz zur Schonung und die fixierte
innere Überzeugung, nie wieder arbeiten zu können. Diese Faktoren seien laut asim-
Gutachten klar als IV-fremd zu beurteilen. Somit erfülle die Beschwerdeführerin die
gesetzlichen Voraussetzungen für die Ausrichtung der beantragten Rente nicht (act. G
4).
In ihrer Replik vom 28. Februar 2019 trägt die Versicherte vor, sowohl die
medizinische als auch die berufliche Eingliederung sei nach der ersten Operation Ende
2008 wohl realistisch gesehen schon abgeschlossen gewesen. Die weitere Operation
von 2012 habe keine Verbesserung gebracht. Sie habe sich allen zumutbaren
medizinischen Behandlungen und Eingliederungsmassnahmen unterzogen. Die
diskutierte Verdeutlichungstendenz dürfe nicht einer Aggravation oder Simulation
gleichgesetzt werden. Die grundsätzliche Therapierbarkeit stehe dem Eintritt einer
rentenbegründenden Invalidität nicht entgegen. Es werde daher bestritten, dass nur
eine Arbeitsunfähigkeit, nicht aber eine Erwerbsunfähigkeit bestanden habe.
Andernfalls wäre eine medizinische Eingliederung praktisch nie abgeschlossen, da
immer wieder Möglichkeiten zur Verbesserung bestünden. Das Vorliegen eines
sekundären Krankheitsgewinns werde nicht rechtsgenüglich begründet und dürfte wohl
einzig und allein in ihrer Herkunft liegen. Es sei nicht berücksichtigt worden, dass sie
während vielen Jahren zur vollen Zufriedenheit ihrer Arbeitgeberin vollzeitlich gearbeitet
habe. Sie sei durch die somatischen Beschwerden in ihren alltäglichen Verrichtungen
und in ihrer Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt. Die Chronifizierung sei eindeutig ein
IV-relevanter Grund und habe dazu geführt, dass sie dauernd eine Schonhaltung
einnehme, um ihre Schmerzen weitmöglichst zu reduzieren und erträglich zu machen
(act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 10).B.d.
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Erwägungen
1.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
141 V 281 und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
1.3.
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Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.4.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.5.
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2.
Die Beschwerdeführerin rügt, die Beschwerdegegnerin habe die Begründungspflicht im
Sinne von Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) bzw. Art. 49 Abs. 3 ATSG verletzt, indem sie ohne
Begründung behaupte, die Schmerzstörung führe nicht zu einer invalidisierenden
Einschränkung (act. G 1-5). Die Verfügung hält kurz die Ergebnisse des
Abklärungsverfahrens fest, nimmt Bezug auf den Einwand vom 25. Januar 2018 und
jenen vom 19. Juli 2018 und kommt insbesondere zum Schluss, dass eine
Arbeitsunfähigkeit auch für adaptierte Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum nicht
geeignet sei, einen Rentenanspruch zu begründen. Es liegt damit unzweifelhaft eine
Begründung vor und es war der Beschwerdeführerin ohne Weiteres möglich,
Beschwerde zu erheben. Die Begründungspflicht ist somit nicht verletzt. Ob die
Begründung und die damit einhergehende Ablehnung jeglichen Rentenanspruchs zu
Recht erfolgte, wird nachfolgend geprüft.
3.
Vorab ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt beweistauglich erstellt ist bzw.
insbesondere, ob dem letzten Gutachten samt Stellungnahme der asim zum Verlauf
Beweiskraft zukommt. Zunächst ist festzuhalten, dass es die verlangten formellen
Kriterien erfüllt, wie dies auch der RAD bereits festgestellt hat (IV-act. 193).
Die Gutachter kamen gesamthaft zum Schluss, dass die geklagten Beschwerden
durch die Befunde nicht erklärbar seien. Der rheumatologische Gutachter stellte bei der
Untersuchung 2017 Diskrepanzen hinsichtlich der Kraftprüfung und zwischen den
Bewegungen bei der formalen Untersuchung einerseits und beim Betreten des
Untersuchungszimmers und beim Aus- und Anziehen andererseits fest (IV-
act. 192-50 f.). Es liessen sich auch keine auf einen Mindergebrauch des linken Beines
hindeutenden Atrophien erheben (IV-act. 192-13). Im neurologischen Teilgutachten
wurde sodann ausgeführt, dass in der Verhaltensbeobachtung die geschilderte
Symptomatik nicht unmittelbar objektivierbar gewesen sei und die Beschwerdeführerin
fortlaufend die innere Überzeugung kommuniziert habe, nie wieder arbeitsfähig zu sein.
Deshalb sei der Schweregrad der tatsächlich vorhandenen Symptomatik nur unscharf
einzugrenzen und der effektive Schweregrad der Schmerzstörung als leichtgradig
einzuschätzen (IV-act. 192-13, 60 f.). Die psychiatrische Gutachterin hielt weiter fest,
aufgrund des Beschwerdebildes ergäben sich leicht- bis mittelgradige
Beeinträchtigungen bei der Anpassung an Regeln und Routinen, bei der Flexibilität und
3.1.
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Umstellungsfähigkeit, bei der Durchhaltefähigkeit und bei Spontanaktivitäten. Die
Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Anwendung fachlicher Kompetenzen,
die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit, die
Kontaktfähigkeit zu Dritten, die Gruppenfähigkeit, familiäre bzw. intime Beziehungen
und die Verkehrsfähigkeit seien nicht beeinträchtigt (IV-act. 192-39 f.). Insgesamt
erscheint somit nachvollziehbar, dass sowohl aus somatischer als auch aus
psychischer Sicht ein eher leichter funktioneller Schweregrad der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen vorliegt. Eine Komorbidität zu den somatisch und durch die
Schmerzstörung bedingten Schmerzen konnte nicht ausgemacht werden. Zu
berücksichtigen ist in diesem Kontext die Depression, die gemäss Gutachten von 2014
leichtgradig ausgeprägt und im Zeitpunkt der Verlaufsbegutachtung 2017 remittiert
war. Von Seiten der Persönlichkeit sind keine Befunde oder Diagnosen aktenkundig,
die der Beschwerdeführerin den Umgang mit ihrer Erkrankung erschweren. Als
Ressource empfängt sie Unterstützung von ihrer Familie. Ressourcenhemmend ist die
von den neurologischen Gutachtern beschriebene defizitorientierte passive Haltung mit
Tendenz zur Hilflosigkeit bei bestehendem sekundärem Krankheitsgewinn (IV-
act. 192-14). Mit Letzterem dürfte vorliegend vorab die Unterstützung durch die Familie
gemeint sein, womit ihm gegenüber den übrigen genannten Ressourcen keine
zusätzliche eigenständige Bedeutung zukommt. Inwieweit die Beschwerdeführerin ihre
Kontakte und Hobbys krankheitsbedingt einschränken muss(te), ist nicht ganz klar,
zumal sie auch angab, bereits vor ihrer Erkrankung keine Hobbys gehabt zu haben (IV-
act. 115-46) und der psychiatrische Gutachter im Gutachten 2014 festhielt, die
Beschwerdeführerin verneine subjektiv Einsamkeitsgefühle, es werde kein sozialer
Rückzug beschrieben und die ausserfamiliären Kontakte seien unverändert (IV-
act. 115-51). Die Beschwerdeführerin gibt an, täglich mindestens 3 x 1 g Dafalgan, 2
bis 4 x 500 mg Novalgin, 100 mg Voltaren retard und 4 bis 5 x 75 mg Lyrica
einzunehmen, wobei der Serumspiegel von Pregabalin (Lyrica) deutlich unterhalb des
Referenzbereichs lag (IV-act. 192-37, 9; vgl. Vorgutachten: im unteren Wirkbereich, IV-
act. 115-20). Die Beschwerdeführerin wurde auch mit Opioid-Analgetika behandelt
(Oxycontin, IV-act. 53-4; Palexia, IV-act. 115-20), hat drei Operationen der
Lendenwirbelsäule und eine stationäre Rehabilitation in der Klinik Valens hinter sich,
was insgesamt auf ein therapieresistentes Leiden und einen hohen Leidensdruck
schliessen lässt. Andererseits fielen anlässlich der rheumatologischen Untersuchung
Inkonsistenzen auf.
Insgesamt ist das Gutachten 2017 hinsichtlich der Befunde und Diagnosen somit
schlüssig und nachvollziehbar. Die geklagten Beschwerden und medizinischen Akten
wurden berücksichtigt. Dass eine (zusätzliche) neurochirurgische Abklärung nicht
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/17
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4.
erforderlich war, hat RAD-Arzt Dr. P._ in seiner Stellungnahme vom 25. November
2016 (IV-act. 183) plausibel dargelegt. Beizufügen bleibt, dass der IV-Stelle zwar nicht
alle medizinischen Berichte vorlagen, welche den Gutachtern zur Verfügung standen.
Es handelt sich dabei insbesondere um die Operationsberichte von Dr. F._ vom
1. Februar 2012 und vom 17. September 2014 sowie um die Berichte zu den
nachfolgenden Kontrolluntersuchungen (vgl. Aktenauszug IV-act. 115-12 f. und IV-
act. 192-22 ff.). Auf deren Inhalt wurde in den Gutachten jedoch ausdrücklich Bezug
genommen und es ist insbesondere auch davon auszugehen, dass diese Berichte
keine Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit enthalten. Schliesslich erscheint auch
nachvollziehbar, dass die neurologischerseits und psychiatrischerseits attestierten
Arbeitsunfähigkeiten von je 20 % nicht zu addieren sind (Stellungnahme
Gutachterstelle vom 24. Mai 2018; IV-act. 209), da die Einschränkungen ausschliesslich
durch die lediglich in geringem Ausmass organisch erklärbaren Schmerzempfindungen
begründet werden. Auf das Gutachten ist daher abzustellen.
Nicht strittig ist, dass die Beschwerdeführerin seit April 2017 zu 80 % arbeitsfähig
ist in adaptierten Tätigkeiten. Diese Arbeitsfähigkeit wurde im asim-Gutachten von
2017 festgelegt, in der ergänzenden Stellungnahme des asim vom 24. Mai 2018 (IV-
act. 209) nochmals bestätigt und ebenso vom RAD in der Stellungnahme vom 20. Juni
2018 (IV-act. 210) bekräftigt. Zu Recht beantragt die Beschwerdeführerin auch keinen
laufenden Rentenanspruch. Ebenso nicht strittig sind die rückwirkend festgelegten
Arbeitsunfähigkeiten. In der ergänzenden Stellungnahme sowie der RAD-
Stellungnahme sind diese nachvollziehbar dargetan. Es sind auch sonst keine
Anhaltspunkte in den Akten ersichtlich, welche Zweifel daran aufkommen lassen
würden. Es ist von den folgenden attestierten Arbeitsunfähigkeiten auszugehen: Ende
2008 bis 25. November 2010 100 %, vom 26. November 2010 bis 30. Juni 2011 20 %,
vom 1. Juli 2011 bis 13. August 2012 100 % (Rückenoperation am 1. Februar 2012),
vom 14. August 2012 bis 25. August 2014 50 %, vom 26. August 2014 bis März 2017
30 % bis 50 % und seit April 2017 20 % (IV-act. 210).
3.3.
Die Beschwerdegegnerin verneint einen rückwirkenden Rentenanspruch mit der
Begründung, dass ein Rentenanspruch erst mit Abschluss der medizinischen
Behandlung entstehen könne. Die Beschwerdeführerin habe sich während den zur
Diskussion stehenden Zeiträumen in medizinischer Behandlung befunden und sich
einem operativen Eingriff unterzogen. Die Arbeitsunfähigkeit sei im Verlauf dieser
Behandlung auf 20 % zurückgegangen. Von der Behandlung habe nach Lage der
Akten ab dem Zeitpunkt der Begutachtung im März 2017 keine Verbesserung der
4.1.
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Arbeitsfähigkeit mehr erwartet werden können (Stellungnahme vom 27. September
2018, IV-act. 215; Beschwerdeantwort, act. G 4).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung entsteht der Rentenanspruch wenn
die versicherte Person nach Ablauf der einjährigen Wartezeit nicht oder noch nicht
eingliederungsfähig war, selbst wenn in Zukunft Eingliederungsmassnahmen
beabsichtigt sind. Die vorübergehende Eingliederungsfähigkeit bzw. die
Therapierbarkeit des Leidens steht dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität
nicht entgegen (Urteil vom 5. Februar 2015, 8C_787/2014, E. 3.2; vom 14. Juli 2017,
8C_209/2017, E. 5.2.2, vom 7. November 2019, 9C_309/2019, E. 4.3.1; Bericht der
eidgenössischen Expertenkommission für die Einführung der IV, 30. November 1956,
S. 124 ff.; Botschaft zum Entwurf eines Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
vom 24. Oktober 1958, BBl 110. Jahrgang, Band II, S. 1199; N. Ley, Der stabile
Gesundheitszustand, Voraussetzung für die Zusprache einer Rente der
Invalidenversicherung? in: U. Kieser/M. Lendfers [Hrsg.], JaSo 2019, Zürich/St. Gallen
2019, S. 154). Soweit die Beschwerdegegnerin sich für ihren Standpunkt auf die
"Praxis des Versicherungsgerichts" beruft, ist festzuhalten, dass gestützt auf einen
gesamtgerichtlichen Entscheid nach Art. 54 des Gerichtsgesetzes (GerG; sGS 941.1)
vom 7. Mai 2019 die diesbezügliche Praxis am Versicherungsgericht vereinheitlicht
wurde, d.h. die bisherige Praxis der Abteilung II nicht mehr gilt.
4.2.
Bei Anmeldung zum Leistungsbezug am 19. Juni 2009 (IV-act. 1) besteht ein
allfälliger Rentenanspruch ab 1. Januar 2010 (IV-act. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1
und 3 IVG). Die Beschwerdeführerin war ab dem 9. Dezember 2008 zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben (Arztbericht Dr. Q._ vom 2. Juli 2010, IV-act. 39-37 f.). Im
Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 25. November 2010 attestierten die Gutachter
der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 80 % (IV-act. 53-24). In ihrer
Stellungnahme vom 24. Mai 2018 legten die asim-Gutachter dar, ab 2011 sei es
überwiegend wahrscheinlich zu einer Rezidivhernie und zu einer erneuten
Verschlechterung des Gesundheitszustands gekommen mit nachfolgender Operation
vom 1. Februar 2012 und vollständiger Arbeitsunfähigkeit bis zum Ende der
Genesungsphase am 13. August 2012, danach sei sie zu 50 % arbeitsfähig gewesen.
RAD-Arzt Dr. P._ datierte den Beginn der erneuten vollständigen Arbeitsunfähigkeit
auf den 1. Juli 2011 (IV-act. 74), was nachvollziehbar erscheint. Im Gutachten vom
1. September 2014 schätzten die Sachverständigen die Arbeitsfähigkeit unter
zusätzlicher Berücksichtigung einer leichten depressiven Episode mit somatischem
Syndrom (ICD-10: F32.00; IV-act. 15-29) auf aktuell 50 %, binnen 6 bis 9 Monaten
steigerbar auf 70 % (IV-act. 115-33). Indes erfolgte am 17. September 2014 die
4.3.
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5.
Entfernung der Schrauben L3 bis L5 (Operationsbericht Klinik G._, zitiert im
Gutachten vom 6. November 2017, IV-act. 192-25). Die im Gutachten von 2014
prognostizierte Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 50 % auf 70 % erfolgte daher erst
ab März 2016. Von März 2016 bis April 2017 ist daher von einer im Durchschnitt
60%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juni 2013,
9C_730/2012, E. 4.2).
Als Mitarbeiterin Gerätebau bei der R._ AG leistete die Beschwerdeführerin bis
zum Eintritt des Gesundheitsschadens im Dezember 2008 gemäss den Angaben der
Arbeitgeberin ein Pensum von rund 91 % (7.5 bei betriebsüblich 8,25 Stunden pro Tag
bzw. 37,5 bei betriebsüblich 41,25 Stunden pro Woche; IV-act. 17-3, 17-8). Nachdem
die Beschwerdeführerin selbst (vgl. IV-act. 1-5, IV-act. 132-2) und ebenso die
Beschwerdegegnerin von einem vollen Erwerbspensum ausgehen und die Kinder der
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des möglichen Rentenbeginns (1. Januar 2010; E.
4.3) bereits 16 und 19 Jahre alt waren, war damals kein Grund mehr für eine
Teilzeittätigkeit gegeben und die Beschwerdeführerin ist als Vollerwerbstätige zu
qualifizieren.
5.1.
Der Grundlohn für das effektiv geleistete Pensum von 7.5 Stunden täglich betrug
für das Jahr 2009 13 x Fr. 3'425.-- = Fr. 44'525.-- (Lohnjournal der Arbeitgeberin, IV-
act. 17-9). Zudem hatte die Beschwerdeführerin ab 2006 Spezialzahlungen und
Prämien ohne Rechtsanspruch erhalten, welche sich in den Jahren 2007 und 2008 auf
Fr. 600.-- beliefen. Ausgehend davon, dass diese auch weiterhin ausgerichtet worden
wären, resultiert für das Jahr 2009 ein Einkommen von Fr. 45'125.-- (Lohnjournal der
Arbeitgeberin, IV-act. 17-9). Unter der Annahme, dass die Beschwerdeführerin ohne
Eintritt des Gesundheitsschadens weiterhin an dieser Arbeitsstelle tätig geblieben wäre
und auf ein Vollpensum aufgestockt hätte, entspricht dies aufgerechnet auf ein 100%-
Pensum einem Valideneinkommen von Fr. 49'588.-- (Urteil des Bundesgerichts vom
21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1, mit weiteren Verweisen). Für die Bemessung
des Invalideneinkommens ist vom Durchschnitt des Tabellenlohnes gemäss
Lohnstrukturerhebung (LSE)/Lohnentwicklung des Bundesamtes für Statistik (BFS)
2009, Kompetenzniveau 4, Frauen, auszugehen. Er beträgt Fr. 52'457.--
(Informationsstelle AHV/IV, IV, Ausgabe 2015, Bern 2015, Anhang 2). Die
Beschwerdeführerin verdiente folglich einen leicht unterdurchschnittlichen Lohn.
Nachdem davon auszugehen ist, dass sie dies nicht freiwillig tat, rechtfertigt es sich,
auch für das Valideneinkommen vom Tabellenlohn auszugehen, womit auch eine
Aufrechnung auf das massgebliche Jahr des Renteneintritts unterbleiben kann. Da die
5.2.
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beiden Vergleichseinkommen somit auf derselben Grundlage zu berechnen sind, kann
ein Prozentvergleich vorgenommen werden. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter allfälliger Berücksichtigung eines Abzugs vom
Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 9. März 2007, I 697/05, E. 5.4 mit
Hinweis).
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 % gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin
gewährt der Beschwerdeführerin einen Tabellenlohnabzug von 10 % (IV-act. 222).
Dieser erscheint in Anbetracht der Rechtsprechung und der Tatsache, dass der sowohl
durch den somatischen als auch den psychischen Anteil des Leidens bedingte
zusätzliche Pausenbedarf in der Leistungsfähigkeitsschätzung berücksichtigt ist, aber
sowohl von somatischer als auch von psychischer Seite Einschränkungen bestehen,
als begründet.
5.3.
Aufgrund der vollständigen Arbeitsunfähigkeiten vom 9. Dezember 2008 bis 25.
November 2010 und vom 1. Juli 2011 bis 13. August 2012 hat die Beschwerdeführerin
unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 und 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) vom 1. Januar 2010 bis 28. Februar 2011 und
vom 1. November 2011 bis 30. November 2012 Anspruch auf eine ganze Rente.
Aufgrund der 80%igen Arbeitsfähigkeit vom 26. November 2010 bis 30. Juni 2011
besteht vom 1. März 2011 bis 31. Oktober 2011 kein Rentenanspruch.
5.4.
Vom 14. August 2012 bis 25. August 2014 bestand eine 50%ige Arbeitsfähigkeit.
Bei Vornahme des Prozentvergleichs resultiert unter Berücksichtigung eines
Tabellenlohnabzuges vom 10% in Anwendung von Art. 88a IVV vom 1. Dezember 2012
bis 30. November 2014 ein IV-Grad von 55% (100% - [50% x 0.9]) und somit Anspruch
5.5.
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6.
auf eine halbe Rente. Vom 25. August 2014 bis 30. März 2017 war die
Beschwerdeführerin im Durchschnitt zu 60 % arbeitsfähig, weshalb sie ab 1. Dezember
2014 bei einem IV-Grad von 46% (100% - [60% x 0.9]) Anspruch auf eine Viertelsrente
hat. Ist auf Grund eines Gutachtens überwiegend wahrscheinlich, dass sich der
Gesundheitszustand verbessert hat, nicht aber ersichtlich, in welchem Zeitpunkt diese
Besserung stattgefunden hat, so kann es sich rechtfertigen, die Rente auf den
Zeitpunkt der Begutachtung hin herabzusetzen oder aufzuheben (Urteile des
Bundesgerichts vom 16. Mai 2019, 9C_687/2018, E. 2, und vom 10. Februar 2012,
8C_670/2011, E. 5.1 mit Hinweisen). In Anwendung dieser Rechtsprechung besteht der
Anspruch auf eine Viertelsrente bis zum 31. März 2017. Danach ergibt sich bei 80%iger
Arbeitsfähigkeit kein Rentenanspruch mehr.
Auch ein Einkommensvergleich gestützt auf das unterdurchschnittliche
Valideneinkommen von Fr. 49'588.-- würde zu keinem anderen Ergebnis führen:
Gegenüber dem Tabellenlohn 2009 (Fr. 52'457.--) liegt das Einkommen um 5,47 %
unter dem Durchschnitt. Das Invalideneinkommen ist daher bis zur
Erheblichkeitsgrenze von 5 %, also um 0,47 %, herabzusetzen (BGE 135 V 297 E. 5.1
und E. 6.1.2 f.). Somit ergibt sich für das Invalideneinkommen eine Basis von
Fr. 52'210.--. Zu berücksichtigen ist sodann der Tabellenlohnabzug von 10 %. Damit
berechnet sich für die Phase der 50%igen Arbeitsfähigkeit ein Invaliditätsgrad von
53 % ([Fr. 49'588.-- - 0,5 x 0,9 x Fr. 52'210.--] : Fr. 49'588.--) und während der
60%igen Arbeitsfähigkeit ein solcher von 43 % ([Fr. 49'588.-- - 0,6 x 0,9 x
Fr. 52'210.--] : Fr. 49'588.--).
5.6.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 28. September 2018 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit
Wirkung vom 1. Januar 2010 bis 28. Februar 2011 und vom 1. November 2011 bis zum
30. November 2012 eine ganze Rente, mit Wirkung vom 1. Dezember 2012 bis
30. November 2014 eine halbe Rente und mit Wirkung vom 1. Dezember 2014 bis
31. März 2017 eine Viertelsrente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung und
Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Hinsichtlich der Beschwerde gegen die Rentenverfügung gilt es zu beachten, dass
6.2.
bis
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