Decision ID: 5f85606b-07ef-4561-a4b2-1090c84e40f5
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1968
und zuletzt seit 1. November 1996 als Aussendienstmitarbeiterin für die
Y._
tätig (Urk. 6/13), zog sich
bei
eine
m
Verkehrsunfall am 3. November 1996 ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (HWS)
zu (Urk. 6/14/106).
Die Sozialversicherungsanstal
t des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom
7. Juni 1999
(Urk. 6/27) mit Wirkung ab 1. November 1997 bei einem Invaliditätsgrad von 90 % eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu.
1.2
Anlässlich einer Überprüfung des Invaliditätsgrades holte die IV-Stelle am 19. August 2002 einen Arbeitgeberbericht (Urk. 6/43) ein und zog die Akten der
Unfall
versicherung der Versicherten bei, darunter auch ein am 27. Dezember 2000 erstelltes Gutachten der
Z._
(Urk. 6/45/1-11). Mit Mitteilung vom 10. Januar 2003 (Urk. 6/48) teilte
die IV-Stelle
der Versicherten mit, dass sie weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente habe.
1.3
Anlässlich eines im Januar 2006 eingeleiteten Revisionsverfahrens (Urk. 6/56) holte die IV-Stelle
einen medizinischen Verlaufsbericht (Urk. 6/60) sowie
einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 6/58) ein und bestätigte mit Mitteilung vom 10. März 2006 (Urk. 6/62)
den Anspruch der Versicherten auf die bisherige ganze Invalidenrente
.
1.4
Im Mai 2010 unterbreitete die IV-Stelle der Versicherten ein Angebot für den beruflichen Wiedereinstieg (Urk. 6/65) und leitete im
April
2011 eine erneute Rentenrevision ein (Urk. 6/67).
Dabei holte sie medizinische Berichte beim be
handelnden Arzt (Urk. 6/69, Urk. 6/98
)
sowie
einen IK-Auszug (Urk. 6/68)
ein
und
führte Abklärungen zur beruflichen Situation
durch
(Urk. 6/74-75, Urk. 6/78-81)
. Nach
Stellungnahmen durch den Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
vom 8. Mai 2012 (Urk. 6/73/2), 12. Dezember 2012 (Urk. 6/99/4-5) und 5. April 2013 (Urk. 6/99/6) und nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/101
-105)
hob
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 30. Mai 201
3
(Urk. 6/107 = Urk. 2)
die Rente
der Versicherten
ges
tützt auf die
Schlussbestim
mung
a der Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung (IVG) vom 18. März 2011
auf.
2.
Gegen die Verfügung vom 30. Mai 2013 (Urk. 2) erhob die Versicherte
a
m 2. Juli 2013 Beschwerde und beantragte, die
se
sei aufzuheben und es sei
en
ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen auszurichten (Urk. 1 S. 2). In prozessualer Hinsicht stellte sie den Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wir
kung der Beschwerde und beantragte die Durchführung einer öffentlichen Ver
handlung (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 10. September 2013 (Urk. 5) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführe
rin am 11. Oktober 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7). Mit Mitteilung vom
29. Oktober 2013 (Urk. 9) verzichtete die Beschwerdeführerin sodann auf die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Die am
1.
Januar 2012 in Kraft getretene IVG-Revision hat zum Ziel, die Invali
denversicherung (IV) zu sanieren. Dabei steht der Eingliederungsgedanke im Zentrum. Insbesondere durch sogenannte „eingliederungsorientierte
Rentenre
visionen
“ sollen laufende Renten erheblich reduziert oder gar aufgehoben wer
den können, indem systematisch überprüft wird, ob bei den
Rentenbezüge
rin
nen
und -bezügern Potential zur Wiedereingliederung vorhanden ist (Thomas
Gächter
/Eva
Siki
, Sparen um jeden Preis?, in:
Jusletter
2
9.
November 2010, S.
2).
1.3
Gemäss Schlussbestimmung
a der Änderung des IVG vom 1
8.
März 2011
(
SchlB
IVG)
werden Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wur
den, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach
Art.
7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind.
Mithin finden auf diese IV-Rentnerinnen und -rentner nicht die geplanten Be
stimmungen über die eingliederungsorientierte Rentenrevision Anwendung, die mit flankierenden und begleitenden Massnahmen abgerundet werden. Vielmehr
sind die Rentenansprüche, die etwa gestützt auf die Diagnose eines organisch nicht erklärbaren Schmerzzustandes gesprochen wurden, zu überprüfen und unter dem Gesichtspunkt der seit BGE 130 V 352 verschärften Praxis neu zu beurteilen (
Gächter
/
Siki
, a.a.O., S. 2).
1.4
Das Bundesgericht erachtete es aus Gründen der Rechtsgleichheit als geboten, sämtliche
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage den gleichen Anforderungen zu un
terstellen, und hat in der Folge die im Bereich der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelte „Schmerz-Rechtsprechung“ bei verschiedenen verwandten Diagnosen, so bei der Würdigung des invalidisierenden Charakters von
Fibromyalgie
,
Chronic
Fatigue
Syndrome oder Neurasthenie, dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, der dissoziativen Bewegungsstörung sowie einer spezifischen HWS-Verletzung ohne organisch nachweisbare
Funkti
onsausfälle
(HWS- oder Schleudertrauma) zur Anwendung gebracht (
Gäch
ter
/
Siki
, a.a.O., S. 4, mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts).
Das gemeinsame Merkmal dieser Beschwerdebilder, welche die einheitliche Anwendung der „Schmerz-Rechtsprechung“ des Bundesgerichts rechtfertigt, besteht darin, dass die Betroffenen unter körperlichen Symptomen - wie Rückenschmerzen, Müdigkeit oder Magen-Darmproblemen - leiden, die sich nicht durch organische Befunde erklären lassen. Weder fallen unter die Anwen
dung der „Schmerz-Rechtsprechung“ somit sämtliche psychiatrischen Diag
nosen noch ist ausschlaggebend, ob ein bestimmtes Leiden organischen oder psychischen Charakter hat. So hat die Rechtsprechung die zu vorwiegend psy
chisch begründeten Schmerzstörungen (ICD-10: F45.4) entwickelten Regeln unter anderem bereits auf die als organisches Leiden qualifizierte
Fibromyalgie
(ICD-10: M79.0) übertragen (
Gächter
/
Siki
, a.a.O., S. 4, mit zahlreichen Hinwei
sen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts).
1.5
Ausgangspunkt für die Bemessung der Invalidität bildet die Frage, ob und in welchem Ausmass es einer versicherten Person zumutbar ist, trotz ihres
Gesund
heitsschadens
ein Erwerbseinkommen zu erzielen. In
Art.
7
Abs.
2 ATSG, der mit der
5.
IVG-Revision am
1.
Januar 2008 in Kraft getreten ist, wird fest
gelegt, dass eine Erwerbsunfähigkeit nur vorliegt, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Damit wurde gesetzlich verankert, dass die Zumutbarkeit nicht nach dem subjektiven Empfinden der versicherten Person, sondern nach objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen ist.
Art.
7
Abs.
2 ATSG schreibt somit auf Gesetzesstufe das Erfordernis der Objektivierbarkeit fest, was nach der bun
desgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 135 V 215 E. 7.3) seit jeher gilt (
Gäch
ter
/
Siki
, a.a.O., S. 3).
Bei der Beantwortung der Frage, welche Tätigkeiten einer versicherten Person trotz ihres Gesundheitsschadens zumutbar sind, ist der Rechtsanwender massge
blich auf die Informationen angewiesen, die ihm ärztliche und andere
Fachper
sonen
liefern. Diese haben sich darauf zu beziehen, ob und inwieweit eine ver
sicherte Person trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung noch über Fähigkeiten verfügt, welche für die bisherigen Arbeitsmöglichkeiten wesentlich sind, und in welchen anderen Arbeitsbereichen das verbliebene Leistungsvermögen unter Be
rücksichtigung ihrer Kenntnisse verwertet werden könnte. Im Rahmen des das Sozialversicherungsverfahren beherrschenden Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) ist es die Pflicht der rechtsanwendenden Behörden, alle diesbezüglich erforderlichen Auskünfte einzuholen und die notwendigen Ab
klärungen vorzunehmen.
Insbesondere wenn es bei den genannten Diagnosen (
vgl. vorstehend
E. 1.4) darum geht zu beurteilen, welche (Willens-)Anstrengung von der versicherten Person nach objektiven Gesichtspunkten erwartet werden darf, mit ihren Be
schwerden umzugehen und eine erwerbliche Tätigkeit zu verrichten, muss sich der Rechtsanwender auf nachvollziehbare medizinische - in der Regel fachärzt
lich-psychiatrische - Stellungnahmen stützen können. Die ärztliche Fachperson hat die Beurteilung der zumutbaren Willensanstrengung und der dem Betroffe
nen zur Verfügung stehenden Ressourcen mit Blick auf die mit BGE 130 V 352 erstmals eingeführten („Foerster“-)Kriterien vorzunehmen, wobei sich die psy
chiatrische Expertise nicht in jedem Fall über jedes einzelne dieser Foerster-Kriterien aussprechen muss, sich aber immer dann zur Gesamtheit der Kriterien äussern sollte, wenn die zu beurteilende Einschränkung vorwiegend auf psy
chischen Gründen beruht (vgl. Urs Müller, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung,
Rz
. 1693).
Entscheidmassgeblich
ist in jedem Fall eine Gesamtwürdigung der Situation, die Aufschluss gibt über die noch vorhandenen Ressourcen.
1.6
Gemäss
lit
. a Abs. 4
SchlB
IVG fin
det Absatz 1 (Überprüfung der Renten, welche bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden) keine Anwendung auf Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Änderung das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt haben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) auf den Standpunkt,
dass die bei der Beschwerdeführerin gestellten Diagnosen zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage gehörten.
Den medizinischen Unterlagen seien
keine objektivierbaren
Befunde
zu entnehmen
.
Die vom Hausarzt angege
benen Diagnosen
Schwankschwindel
und Nackenschmerzen seien keine wirkli
chen Diagnosen im medizinischen Sinne, sondern Widergabe der von der Beschwerdeführerin geklagten eher unspezifischen Beschwerden.
Das diagnosti
zierte Beschleunigungstrauma der HWS und die Commotio cerebri
würden
aus versicherungsmedizinischer Sicht
k
eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit
begrün
den
.
Es lägen keine Anhaltspunkte für eine psychische
Komorbidität
vor, da keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung von erheblicher Dauer, Schwere und Intensität aktenkundig seien. Demnach sei rechtsprechungsgemäss davon auszugehen, dass die Beschwerden beziehungsweise die diesbezüglichen Folgen überwindbar seien.
Somit bestehe kein Anspruch
mehr auf eine Invalidenrente (S. 2 f.)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (Urk. 1) demgegenüber gel
tend,
bei ihr liege kein Störungsbild vor, welches zu den gemäss
Schlussbe
stimmungen
zu überprüfenden
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndr
oma
len
Beschwerdebildern gehöre, da eine klar festgestellte und objektivierte posttraumatische neuropsychologische Funktionsstörung bestehe (S. 4 unten).
Ausserdem rügte sie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (S. 6) und machte geltend, dass sie seit mehr als 15 Jahren eine Rente beziehe, weshalb gemäss
lit
. a
Abs. 4
SchlB
IVG
eine Überprüfung des Rentenanspruchs gemäss
lit
. a Abs. 1
SchlB
IVG
ausgeschlossen sei (S. 7 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisher ausgerichtete ganze Rente der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3
0.
Mai 2013 (
Urk.
2) zu Recht gestützt auf
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG aufgehoben hat.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin
vertr
it
t
den Standpunkt, für die Bestimmung des Zeit
punktes der Einleitung der Überprüfung der Renten gemäss
lit
. a
Abs. 4
SchlB
IVG
sei der Zeitpunkt,
in dem die Rente gestützt auf die Schlussbestimmung geprüft w
o
rde
n sei
(gemäss Feststellungsblatt am 2
2.
November 2012,
Urk.
6/99 S. 1)
massgebend
und nicht der Zeitpunkt der Einleitung des ordentlichen Renten
revisions
verfahrens
. S
omit
finde, da
sie seit
November 1997
eine Rente beziehe Abs. 1 der Schlussbestimmung keine Anwendung (Urk. 1 S. 7 ff.).
3.2
Dieser Ansicht ist nicht beizupflichten.
O
b die Überprüfung
bereits
mit der Zustellung des Revisionsfragebogens
(vgl. Urk. 6/67)
eingeleitet wurde, kann offen bleiben, denn spätestens mit der Einladung
zum
Informationsgespräch betreffend die Überprüfung
der Rentenleistung
gemäss der Schlussbestimmung 6a (Urk. 6/70-71) beziehungsweise dem Gespräch vom 28. Juni 2012 (Urk. 6/72) kann die Überprüfung als eingeleitet erachtet werden.
Zu diesem Zeitpunkt müssen auch – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
(vgl. Urk. 1 S. 9)
- die Akten noch nicht vollständig sein. Diese werden erst mit der Einlei
tung der Überprüfung zusammengestellt
.
Da die Rente ab November 1997 zu
gesprochen worden war, bezog die Beschwerdeführerin zum
spätest
anzu
n
eh
menden
Zeitpunkt der Einleitung der Überprüfung am 28. Juni 2012 noch nicht seit mehr als 15 Jahren
eine Invalidenrente
, weshalb
lit
. a
Abs. 4
SchlB
IVG
nicht zur Anwendung gelangt.
4.
4.1
Strittig
und zu prüfen
ist weiter, ob eine Diagnose vorliegt, welche die Anwen
dung
von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
rechtfertigt, insbesondere, ob die diagnosti
zierte
n
posttraumatische
n
neuropsychologische
n
Funktionsstörungen nach einem Schleudertrauma zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndroma
len
Beschwerdebildern ohne nachweisbare orga
nische Grundlage zu zählen sind
.
4.2
Der
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente durch die Beschwerdegegnerin (Ver
fügung vom 7. Juni 1999, Urk. 6/27) lagen die
folgenden Arztberichte zu
grunde:
Dr. med.
A._
, Spezialarzt für Neurologie FMH,
diagnostizierte
am 28. Apr
il
1997 (Urk. 6/5
/1-2
) ein HWS-Schleudertrauma
mit Kopfanprall und Commotio cerebri sowie einen Verdacht auf posttraumatisch bedingte neu
ropsychologische Funktionsstörungen (S. 1 oben), konnte aber
ansonsten
keine neurologischen
Ausfälle feststellen
, insbesondere keine
radikulären
Ausfälle an den oberen Extremitäten.
D
ie
zusätzlich abgeleitete
Elektroen
ze
pha
lografie (
EEG
)
sei normal, ebenso die Dopplersonographie der
hirnversor
genden
Gefässe. Die Com
p
uter-Tomographie (CT)-Untersuchung spreche für eine mus
ku
läre
Dys
balance
ohne Hinweise für eine Instabilität
(S. 2).
4
.3
Auch im Austrittsbericht der
B._
vom 1. Dezember 1997 (Urk. 6/5/3-4
, Urk. 6/7
) fanden sich keine Hinweise auf neurologische Ausfälle. Es wurde eine neuropsychologische Untersuchung durchgeführt, wobei eine ausgeprägte Schmerz- und Schwindelproblematik im Vordergrund
stand
(Urk. 6/
7
/
1
)
und
sich
klinisch keine Hinweise
ergaben
für be
deutende kognitive Defizite
(Urk. 6/5/4
).
4
.4
Im Gutachten der
Z._
vom 18. September 1998 (Urk. 6/20)
nann
ten die
begutachtenden Ärzte
als Diagnosen einen Autounfall am 3. November 1996 mit einer Commotio cerebri, eine
r
HWS-Kontusion, ein
em
zervik
o
cephale
n
und
zerviko
brachiale
n
Syndrom sowie leichte
n
posttraumatische
n
neuropsy
chologische
n
Funktionsstörungen (S. 7 Ziff. 7). Die Gutachter konnten neurolo
gisch keine Ausfälle objektivieren
,
berichteten von einer s
chmerzhaften HWS-Beweglichkeit und führten aus, im Vordergrund der neuropsychologischen Befunde stünden leicht verminderte und stark schwankende Konzentrations- und Gedächtnisleistungen sowie eine reduzierte Belastbarkeit. Abgesehen von
den
konzentrationsbedingten Leistungsschwankungen läge im Übrigen ein dem Alter und dem Bildungsniveau entsprechend durchschnittliches Leistungsniveau vor (S. 6 Ziff. 6).
Der Beschwerdeführerin wurde eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit in ihrer angestammten Tätigkeit im Aussendienst attestiert (S. 8 Ziff. 8.7).
5
.
5
.1
Aus den im Rahmen der Rentenrevision
en
eingeholten medizinische
n
Bericht
en
ergibt sich im Wesentlichen Folgendes:
5
.2
Am 27. Dezember 2000 erstatteten die Ärzte der
Z._
ihr erneutes Gutachten zuhanden der Unfallversicherung (Urk. 6/45). Bei bekannter Diagnose ergänzt um leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funkti
onsstörungen und
orthostatische
Schwindelzustände (S. 9 Ziff. 7)
, hielten sie fest, dass nach zwei Jahren seit ihrer ersten Begutachtung weiterhin objektivierbare körperliche und kognitive Beschwerden vorlägen. Die körperliche Untersuchung habe einen im Wesentlichen unverändert gebliebenen Zustand ergeben und es lägen keine neurologischen Ausfälle vor.
Betreffend die neuropsychologischen Befunde stünden Beeinträchtigungen im Bereich der Konzentrationsfähigkeit/
Auf
merk
samkeitsfunktionen
(selektive und geteilte Aufmerksamkeit,
Daueraufmerksam
keit
) sowie eine deutliche Belastungsminderung im Vordergrund. Leichte bis
mittelschwere Beeinträchtigungen mit Leistungsschwankungen träten im ver
ba
len
und figuralen Gedächtnis (bei ausreichenden Lernleistungen) und in der spon
tanen figuralen Ideenproduktion auf. Abgesehen von
konzentrations
be
dingten
Leistungsschwankungen
liege im Übrigen ein dem Alter und Bildungs
niveau entsprechendes kognitives Leistungsvermögen vor. Die neuropsy
cholo
gischen Befunde entsprächen einer leichten bis mittelschweren neuropsycho
logischen Funktionsstörung (S. 9 oben).
Die Gutachter attestierten der Beschwerdeführerin aufgrund dieser Beeinträchtigungen eine Arbeitsfähigkeit in angestammter wie
auch in angepasster Tätigkeit (Konzentrationsleistungen nicht über eine Stunde und keine körperlichen Arbeiten mit repetitivem Heben von Lasten über 5 kg) von 40 % (S. 10 Ziff. 7).
5
.3
Dr. med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH,
berich
tete
am
21. September 2010 (Urk. 6/69)
von
eine
r
frei bewegliche
n
HWS und
attestierte
eine 75%ige Arbeitsunfähigkeit
i
n der
zuletzt ausgeübten
Tätigkeit
als kaufmännische Angestellte
(Ziff. 1.4, Ziff. 1.6-7).
5
.4
Dr. med.
D._
, FMH Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin, RAD, hielt in ihrer Stellungnahme vom 8. Mai 2012 (Urk. 6/73 S. 2) fest,
versiche
rungsmedizinisch
gehör
t
en die vorgenannten Diagnosen zu den
ätiologisch-patho
genetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage. Aus den vorliegenden Akten seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen könnten und es lägen keine Anhaltspunkte für eine psychiatrische
Komorbidität
oder sonstige schwere Funktionseinschränkungen vor.
5
.5
RAD-Arzt Dr. med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, bestätigte in seiner Stellungnahme vom 12. Dezember 2012
(Urk. 6/99 S. 4-5) die Beurteilung seiner Kollegin, dass die bestehende Diagnose zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage gehöre (S. 4).
5
.
6
Am 11. März 2013 (Urk. 6/98) berichtete Dr.
C._
von
Schwindelbe
schwerden
(
Schwankschwindel
seit dem Unfall 1996) und Nackenschmerzen
der Beschwerdeführerin.
5
.7
Dr.
E._
vom RAD hielt in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 5. April 2013 (Urk. 6/99 S. 6) an der Beurteilung seiner Kollegin Dr.
D._
fest und führte aus, die im Bericht von Dr.
C._
genannten Diagnosen seien keine Diagnosen im medizinischen Sinn
,
sondern gäben
die
von der Beschwer
deführerin geklagten
-
eher unspezifischen
-
Beschwerden wieder. Eine psychi
sche oder
somatische
Komorbidität
sei nicht ausgewiesen, eine regelmässige konsequente medikamentöse, physiotherapeutische oder psychiatrische/psycho
therapeutische Therapie finde nicht statt.
6
.
6
.1
Die erstmalige
Rentenzusprache
durch die Beschwerdegegnerin erfolgte
gestützt auf den Arztbericht von Dr.
A._
(vgl. vorstehend E.
4
.2), wonach bei der Beschwerdeführerin ein Status nach Autounfall vom 3. November 1996 mit HWS-Beschleunigungstrauma mit Kopfan
p
rall
u
nd Commotio cerebri
sowie ein
Verdacht auf posttraumatisch bedingte neuropsychologische
Funktionsein
schränk
ungen
jedoch ohne neurologische
Befunde bestanden
.
Ferner
erfolgte die
Rentenzusprache
gestützt auf den Austrittsbericht der
B._
vom 1. Dez
ember 1997 (vgl. vorstehend E. 4
.3), deren Ärzte keine Hinweise auf neurologische Ausfälle und kognitive Defizite fanden, jedoch eine ausgeprägte Schmerz- und Schwindelproblematik anführten,
sowie aufgrund
das
vom Unfallversicherer veranlasste
n
Gutachten durch die
Z._
(vgl. vor
stehend E. 4
.4), wonach neben der HWS-Distorsion und d
er Commotio cerebri ein
zervik
o
c
ephales
und
zerviko
brachiales
Syndrom sowie leichte posttrauma
tische neuropsychologische Funkti
onsstörungen ohne neurologische
Ausfälle und leicht verminderte und stark schwankende Konzentrations- und
Gedächt
nisleistungen
und eine Restarbeitsfähigkeit von 30 % in angestammter Tätigkeit bestanden.
Im Rahmen der im August 2002 und Januar 2006 durchgeführten
Rentenrevisi
onsverfahren
ergab die erneute Begutachtung durch die
Z._
vom 27. Dez
ember 2000 (vgl. vorstehend E. 5
.2)
nunmehr leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörungen und
orthostatische
Schwindelzustände ohne
neurologische
Ausfälle
,
und abgesehen von der muskulär schmerzhaft eingeschränkten und im Wesentlichen seit der letzten Begutachtung im Jahre 1998 unveränderten Halswirbelsäulenbeweglichkeit mit Verspannungen der Schulter-/Nackenmuskulatur keine
organisch nachweisbare Grundlage der ge
klagten Beschwerden, wobei die neuropsychologischen Funktionsstörungen für die Einschätzung der 60%igen Arbeitsunfähigkeit im Vordergrund standen.
6
.2
Angesichts dessen, dass die diagnostizierten neuropsychologischen Funktions
störungen
– auch wenn von einer mittels neuropsychologischer Testung objek
tivierten leichten
bis mittelschweren
neurologischen Funktionsstörung auszuge
hen wäre -
mangels
Bestätigung durch apparative/bildgebende Abklärungen organisch nich
t fassbare Diagnosen darstellen
(vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_33/2008 vom 20. August 2008 E.
5.1 sowie U 75/07 vom 23. Oktober 2007 E. 4.2.1; vgl. auch BGE 119 V 335 E. 2b.bb)
, erfolgte die damalige
Rentenzu
sprache
gestützt auf Diagnosen, welche in den Anwendungsbereich der Schlussbestimmung a. der Änderung des IVG vom 18. März 2011 fallen.
Das gleiche hat auch für den
von den Ärzten der
Z._
diagnostizierten
Schwindel
(
orthostatische
Schwind
elzustände, vgl. vorstehend E. 5
.2)
zu gelten, welcher ebenfalls zum diffusen Beschwerdebild nach HWS-Schleudertrauma gehört, da hierfür kein organisches Korrelat gefunden werden konnte und keine weiteren Abklärungen getätigt oder Therapien verschrieben wurden
und den
aufgrund des Schwindels keine Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde.
Mit Blick auf diese Aktenlage hat die Beschwerdegegnerin daher zu Recht die laufende Rente der
Beschwerdeführerin unter dem Titel der Schlussbestimmung a. der Änderung
des
IVG einer Neubeurteilung unterzogen.
6
.3
Hingegen ist die Beschwerdegegnerin – wie sogleich gezeigt wird – bei der
Neu
beurteilung
des Rentenanspruchs unter dem Blickwinkel von Art. 7 Abs. 1 und 2 ATSG ihren sich aus dem Untersuchungsgrundsatz nach Art. 43 Abs. 1 ATSG ergebenden Pflichten (vgl. vorstehend E. 1.5) ungenügend nachgekommen.
Bei der im
April
2011 von Amtes wegen eingeleitete
n
Revision (Urk. 6/67) holte die Beschwerdegegnerin einzig von Dr.
C._
den Bericht vom 21. Sept
ember 2011 (vgl. vorstehend E. 5
.3) ein und legte diesen RAD-Ärztin Dr.
D._
vor. Ohne die Beschwerdeführerin untersucht zu haben, ga
b diese am 8. Mai 2012
lediglich
an, versicherungsmedizinisch gehöre die vorliegende (im Zusammenhang mit der
Rentenzusprache
gestellte) Diagnose zu den ätiolo
gisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweis
bare organische Grundlage, und den Akten seien kein
e
objektivierbaren anato
mischen Befunde zu entnehmen, die aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen könnten. Zudem ergäben sich keine Anhaltspunkte für eine psychiatrische
Komorbidität
oder sonstige schwere Funktionseinschränkungen (vg
l. vorstehend E. 5
.4).
Ein später von der
Be
schwerdegegnerin
eingeholter Verlaufsbericht von Dr.
C._
(vgl. vorste
hend E. 5
.6) änderte an der RAD-Feststellung von Dr.
E._
nichts (vgl. vorste
hend E. 5
.7). Dieses Vorgehen der Beschwerdegegnerin vermag nicht zu genügen. Denn zur Frage, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdefüh
rerin seit den Begutachtungen durch die
Z._
im September 1998 (vgl. vorstehend
E. 4
.4
) und Dezember 2000 (vgl. vorstehend E.
5
.2
) verändert hat, liegen keine verlässlichen Aussagen vor.
Zwar notierte Dr.
C._
in seinem Bericht vom 21. September 2010 (
vgl. vorstehend E. 5
.3
), es bestünden unveränderte Beschwerden, namentlich ein Schleudertrauma HWS bei frei be
weglicher Halswirbelsäu
l
e, jedoch mit Konzentrationsstörungen
, welche eine 75%ige Arbe
itsunfähigkeit begründen würden
und
nannte
in seinem Bericht vom 11.
März 2013 (vgl. vorstehend E. 5
.6) Schwindelbeschwerden.
Die
Akten
lage
erlaubt jedoch
keine schlüssige Beurteilung des Rentenanspruchs nach den rechtsprechungsgemässen Kriterien, da einzig
die beiden wenig aussa
ge
kräftigen Berichte von Dr.
C._
sowie
die Stellungnahmen der
Allge
meinpraktikerin
Dr.
D._
und des Orthopäden Dr.
E._
vorliegen und keinerlei fachärztlich-psychiatrischen Untersuchungen und Beurteilungen im Hinblick auf die versicherungsmedizinisch relevante Frage der
Überwindbarkeit und
Erwerbsfähigkeit im Sinne von
Art.
7
Abs.
1 und 2 ATSG (
vgl. vorstehend
E.
1.5) vorgenommen wurden, was auf das Versäumen der Beschwerdegegnerin zurückzuführen ist.
Zusammenfassend
erlaubt die vorliegende Aktenlage keine schlüssige Beurtei
lung des derzeitigen Rentenanspruchs nach den rechtsprechungsgemässen Kri
terien, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
Bei diesem Ausgang kann die Beant
wortung der Frage, ob die Schmerzpraxis
– wie von der
Beschwerdeführerin
(
mit Verweis auf
ein
Gutachten
F._
/
G._
)
geltend gemacht
einen Verstoss gegen die Bundesverfassung und Art. 6
der Konven
tion vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei
hei
ten (
EMRK
)
darstelle (Urk. 1 S. 12 f.)
sowie die Beurteilung
der
beschwerde
weise
geltend gemachten
allfälligen
Verletzung des rechtlichen Gehörs
(Urk. 1 S. 6)
offen gelassen werden.
6
.4
Die angefochtene Verfügung vom
30. Mai 2013 (Urk. 2)
ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie unter Weiterausrichtung de
r bisherigen ganzen Rente
die für die Beurteilung des Rentenanspruchs erforderlichen Abklärungen
bezüglich der Frage
der
Über
windbarkeit
der geklagten Beschwerde
n
treffe und neu
über
den Rentenan
spruch
befinde.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Mit dem sofortigen
Rückweisungsse
ntscheid
erübrigt sich auch der prozessuale Antrag der Beschwerdeführerin auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wir
kung der Beschwerde
(vgl. Urk. 1 S. 2)
.
7
.
7
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Ausgangsgemäss sind die Geri
chtskosten in der Höhe von Fr. 7
00.-- der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
7
.2
Bei diesem Verfahrensausgang hat die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (
§
34
Abs.
3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
) und beim mass
geblichen
Stun
denansatz
von Fr.
200.-- (zuzügli
ch Mehrwertsteuer) auf Fr.
2‘100
.-- (inkl.
Bar
auslagen
und
MWSt
) festzulegen.