Decision ID: b95c3e33-85d4-495e-a8a1-1f8d30bc5d63
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973, von Beruf Fotograf, war zuletzt
einerseits
als selbständiger Fotograf und
andererseits
in einem Pensum von 27
%
als Betreuungsassistent für das Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich
tätig (
Urk.
9/15/2). Am 2
1.
November 2018 meldete er sich unter Hinweis auf
Doppel
bilder auf dem rechten Auge
, einen Schiefhals, ein
en Knorpelschaden am
linken Knie
,
Schmerzen am Ober- und
Unterkörper sowie
Depressionen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/2).
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge erwerb
liche
Abklärungen durch
(
Urk.
9/7,
Urk.
9/20
,
Urk.
9
/23
) und
holte
Unterlagen
des Krankentaggeldversicherers
Sanitas
(
Urk.
9/17,
Urk.
9/25) sowie Berichte der behandelnden Ärzte ein
(
Urk.
9/18,
Urk.
9/21
,
Urk.
9/26,
Urk.
9/30
f.
). Mit Vor
bescheid vom
6.
Mai 2020
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, die Ab
klärungen hätten ergeben, dass kein Anspruch auf eine Rente bestehe, weswegen sie gedenke, das Leistungsbegehren abzuweisen
(
Urk.
9/38).
Nachdem der Ver
sicherte gegen
den in Aussicht gestellten Entscheid mit Eingabe vom
3.
Juni 2020 E
inwand erhoben
(
Urk.
8/43)
und diesen unter Beilage von ärztlichen Berichten am
7.
September 2020 begründet
und mit Eingabe vom 1
1.
September 2020 eine zusätzliche ärztliche Bestätigung nachgereicht
hatte (
Urk.
9/57/ff.),
holte
die IV-Stelle weitere medizinische
Unterlagen ein
(
Urk.
9/61 f.) und setzte dem Ver
sicherten Frist zur Stellungnahme dazu an (
Urk.
9/63), worauf dieser an seinem Einwand festhielt und die Einholung eines Gutachtens in den Fachdisziplinen Neurologie und Psychiatrie beantragte (
Urk.
8/64).
Am
4.
Dezember 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, zur Klärung des Leistungsanspruchs erachte sie eine umfassende medizinische Untersuchung in den Fachgebieten Allgemeine Innere Medizin, Neurologie,
Ophthalmologie
und Psychiatrie
für
notwendig (
Urk.
9/66). Mit Schreiben vom 1
7.
Dezember
2020 erklärte der Versicherte
, er sei bei weiteren Ärzten in
Behandlung und es sei daher zusätzlich
eine Begutachtung
in den Fachdisziplinen Urologie und Orthopädie
angezeigt
(
Urk.
9/69). Die IV-Stelle holte in der Folge Berichte der
betreffenden
Ärzte ein (
Urk.
9/73 f.). Am 2
0.
Januar 2021 beauftragte sie die über
Suisse
MED@P
zugeteilte
Y._
AG mit der Begutachtung
(
Urk.
9/76).
Mit Schrei
ben vom
9.
Februar 2021 orientierte sie den Versicherten über die zugeteilte Begutachtungsstelle sowie die verantwortlichen Gutachter (
Urk.
9/82)
,
worauf der Versicherte
am
2
3.
Februar 2021 beantragte,
zusätzlich
in den
Fachdisziplinen
Orthopädie, Neuroopht
h
almologie und Neurootologie
eine
B
egutachtung
vorzu
nehmen
. Ferner lehnte er den
psychiatrischen
sowie den allgemeinmedizinischen Gutachter ab und stellte Zusatzfragen (
Urk.
9/90). Nachdem die IV-Stelle den
Versicherten mit Schreiben vom 2
5.
Februar 2021 darauf hingewiesen hatte, dass die Frist für Zusatzfragen bereits abgelaufen sei
,
und dessen weitere Einwände zunächst abgewiesen hatte (
Urk.
9/91), ersetzte sie mit Mitteilung vom
4.
März 2021 den allgemeinmedizinischen, den neurologischen sowie den psychiatrischen Gutachter (
Urk.
9/103). Der Versicherte hielt mit Schreiben vom 1
5.
März 2021
dar
an
fest, es sei auch in
den zusätzlich
en
Fachrichtungen
eine Begutachtung durchzuführen. Ferner
beantragte er
neu
auch
eine onkologische Begutachtung (
Urk.
9/
104).
Am
1
8.
März 2021
verfügte
die IV-Stelle
, die Begutachtung erfolge in
den Fachdisziplinen
A
llgemeine Innere Medizin, Neurologie,
Ophthalmologie
und Psychiatrie
. Des Weiteren hielt sie in der Verfügung
an den Fragen an die Gutachter fest
und merkte vor, der Versicherte habe
innert Frist keine
Zusatz
fragen gestellt
(
Urk.
9/108 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Beatrice
Gurzeler
,
am
3.
Mai 2021 Beschwerde mit den Anträgen, die angefochtene Ver
fügung sei aufzuheben und die
IV-Stelle
sei anzuweisen, der Gutachterstelle zu
sätzlich die Fachdisziplinen Neuropsychologie, Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Neurootologie sowie Onkologie vorzuschreiben (
Urk.
1/2).
Mit Beschwerdeantwort vom
9.
Juli 2021 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Am 1
2.
Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer weitere medizinisch
e
Unterlagen
in gedruckter und in digitalisierter Form
ein (
Urk.
10,
Urk.
11/14 a-d,
Urk.
12/15-16
)
.
D
ie Beschwerdegegnerin verzichtete am 1
7.
August 2021 auf eine Stellungnahme dazu (
Urk.
14). Hiervon wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
9.
August 2021 Kenntnis
gegeben
(
Urk.
15). Am 1
3.
September 2021
vervoll
ständigte
die IV-Stelle auf Ersuchen des
Gericht
s
(vgl.
Urk.
12) ihr Aktendossier
(
Urk.
1
9
-20)
, wovon
dem Beschwerdeführer zusammen mit einem Doppel der Beschwerdeantwort am 2
1.
September 2021
Kenntnis gegeben wurde
(
Urk.
21)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
43
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Wenn es der Sachverhalt verlangt, holt er ein Gutachten von un
abhängigen Sachverständigen ein (
Art.
44 ATSG).
Die Bereitstellung der medizinischen Entscheidungsgrundlage ist nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG in erster Linie Sache des Sozialversicherungsträgers. Er befindet darüber, mit welchen Mitteln er den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Beim Entscheid, ob aufgrund der vorhandenen Akten bereits eine
rechtsgenügliche
Beurteilung vorgenommen werden kann oder eine zusätzliche Abklärung an
gezeigt ist, ebenso wie bei der Wahl der Art der Abklärung, steht der Verwaltung ein Ermessensspielraum zu (vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_28/2010
vom 1
2.
März 2010 E. 4.1,
8C_733/2010 vom 1
0.
Dezember 2010 E. 5.2; vgl. auch Ulrich Meyer-Blaser, Das medizinische Gutachten aus sozialrechtlicher Sicht, in: Adrian M. Siegel/Daniel Fischer [Hrsg.], Die neurologische Begutachtung, Schweizerisches
medico
-legales Handbuch, Bd.
1.
2004, S. 105). In diesen greifen die Gerichte ohne triftigen Grund nicht ein (
Urteil des Bundesgerichts 8C_828/2013 vom 1
9.
März 2014
E. 2.1
mit Hinweisen
).
1.2
Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat in seinem Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI) festgehalten, wie bei der Auf
tragsvergabe für eine Begutachtung vorzugehen ist.
Bei einer Zwischenverfügung betreffend die Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung hat das Gericht vorab zu prüfen, ob das im KSVI beschriebene Verfahren für die Auftragsvergabe von polydisziplinären Gutachten korrekt durchgeführt worden ist, was sich ohne Weiteres aus den Akten ergeben muss. Stellt das Gericht fest, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, weil noch nicht alle vorgesehenen Verfahrensschritte vollzogen sind, so liegt keine anfecht
bare Verfügung vor mit der Folge, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
Wurde das Verfahren vollständig durchgeführt, prüft das Gericht, ob mit der an
gefochtenen Verfügung sämtliche noch offenen Punkte geregelt beziehungsweise sämtliche Einwendungen, denen nicht vollumfänglich stattgegeben wurde, behandelt werden, was sich aus der Verfügung selbst ergeben muss. Trifft dies zu, prüft das Gericht die Verfügung materiell auf Vollständigkeit und Korrektheit
und bestätigt sie oder hebt sie auf, was zur Abweisung oder Gutheissung der Beschwerde führt (vgl. zum Ganzen d
ie
Urteil
e
des Sozialversicherungsgerichts IV
.2014.00665 vom 2
3.
März 2015
u. IV.2017.00434 vom
2
9.
Juni 2017
).
1.
3
Dem Beschwerdeführer
wurde durch die
Beschwerdegegnerin
mit Schreiben vom
4.
Dezember 2020
mitgeteilt, dass eine polydisziplinäre Begutachtung angeordne
t werde, gleichzeitig wurden ihm
die beteiligten Fachdisziplinen bekannt gegeben, der Fragenkatalog zugestellt und die Möglichkeit eingeräumt, Zusatzfragen zu stellen ode
r Einwände zu erheben (
Urk.
9/66; KSVI, Stand
1.
Januar 2018,
Rz
2077.1
). Der Auftrag wurde danach korrekt bei
SuisseMED@P
deponiert
und der Gutachterstelle
Y._
AG zugeteilt (
Urk.
9/77; vgl. KSVI, Stand
1.
Januar 2018,
Rz
2077.4). N
achdem dieser das Versichertendossier übermittelt worden war (
Urk.
9/76, KSVI, Stand
1.
Januar 2018,
Rz
. 2077.6),
wurden dem Beschwerdeführer
die Gutachterstelle und die Namen der mit dem Gutachten be
trauten Personen
mitgeteilt. Überdies wurde er
darauf hingewiesen, dass die Gut
achterstelle den Ort und den Termin mit
teilen werde, und es wurde ihm
Frist angesetzt für allfällige Einwendunge
n gegen die Gutachter (
Urk.
9/
82
;
KSVI, Stand
1.
Januar 2018,
Rz
2077.8
f.
).
Nachdem der Beschwerdeführer Einwendungen erhoben (
Urk.
9/90) und die Beschwerdegegnerin den Austausch der strittigen Gutachter veranlasst hatte, worüber sie den Beschwerdeführer mit Mitteilung vom
4.
März 2021 informierte, erliess sie am 1
8.
März 2021 die ange
fochtene Zwischenverfügung, in der sie sämtliche noch strittigen Punkte regelte (
Urk.
2).
Die IV-Stelle führte das Verfahren somit vollständig durch.
1.
4
Zwischenverfügung
en
im Sinne von
Art.
55
Abs.
1 ATSG in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
)
sind in
Anwendung von
Art.
46
lit
. a
VwVG
selbständig anfechtbar, wenn sie einen nicht
wieder gutzu
machenden
Nachteil bewirken können
(vgl. BGE 132 V 93 E. 6.1).
Das Bundesgericht hat in seinen neueren Entscheiden in Änderung der früheren Rechtsprechung (BGE 132 V 93 E. 6.5) festgehalten, unter dem Titel des nicht wieder gutzumachenden Nachteils könnten - im erstinstanzlichen Verfahren - nicht nur gesetzliche
Ausstandsgründe
gegen einzelne Personen genannt werden, sondern die Einwendungen könnten beispielsweise auch die Notwendigkeit einer Begutachtung, die Auswahl der medizinischen Disziplinen oder die Fach
kompetenz der beauftragten Sachverständigen betreffen (BGE 138 V 271 E. 1.1 und E. 3, 137 V 210 E. 3.4.2.7).
Mit der vorliegenden Beschwerde, wird die Auswahl der medizinischen Fach
richtungen beanstandet (
Urk.
1).
Es liegt somit eine zulässige Einwendung vor.
1.
5
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin das Verfahren für die Auftrags
vergabe von polydisziplinären Gutachten
vollständig
durchgeführt, überdies liegt ein Anfechtungsgrund vor, der gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung einen nicht
wieder gutzumachenden
Nachteil bewirken kann. Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten und die angefochtene Verfügung ist materiell zu prüfen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Zwischenverfügung damit, dass die Prüfung der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Einwände gegen die Fachdisziplinen ergeben habe, dass keine Gründe ersichtlich seien, die gegen eine polydisziplinäre Begutachtung in den Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Opht
h
almologie und Psychiatrie sprächen. Der Entscheid über die Notwe
ndigkeit, im Rahmen einer polyd
i
s
ziplinären Begutachtung weitere Fachdisziplinen beizuziehen, unterliege alleine der jeweiligen Gutachterstelle. Aus versicherungsmedizinischer Sicht be
stünden jedenfalls keine Gründe
für eine zusätzliche Begutachtung in den Fachrichtungen Orthopädie, Neuroopht
h
al
mologie, Neurootologie, Neuropsychologie und Onkologie (
Urk.
2 S. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor,
er habe in der Vergangenheit mehrere schwere Unfälle erlitten, welche ihn - in Kombination mit einem nicht erkannten Augenleiden - immer wieder an die Grenzen der Belastbarke
i
t gebracht hätten. Er be
finde sich wegen neuropathischer
Schmerzen in neurologischer Schmerz
therapie,
parallel
dazu werde er von einem Facharzt der Rehabilitation physio
therapeutisch betreut. Ebenso befinde er sich in regelmässiger Physiotherapie und Psychotherapie und habe mehrere Augenoperationen und sonstige Operationen hinter sich. Anlässlich eines schweren Snowboardunfalls im Jahr 1995 habe er sich an der Hüfte und an der Halswirbelsäule verletzt, gemäss aktuellem MR
T-Befund liege ein HWK-Deckplat
tenbruch vor. An der Halswirbelsäule seien diverse degenerative Leiden bildgebend ausgewiesen. Ebenso liege ein
schweres
Schulterleiden vor und er habe
sich
wiederholt
im Bereich von
Schädel/Hirn, Hals, Thorax
und an
der linken
Schulter
, dem linken Knie sowie
a
m rechten Fussgelenk verletzt (
Urk.
1
/2
S. 2). Sowohl sein behandelnder Psychiater als auch die behandelnde Neurologin würden die Ausdehnung der F
achdisziplinen als unbe
dingt
erforderlich erachten
;
der behandelnde Psychiater habe
bereits
eine neuropsychologische Untersuchung veranlasst. Die Neurologin mache darauf aufmerksam
,
dass neben den orthopädischen Unfallfolgen auch der Schwindel
abgeklärt werden müsste. Zudem habe ein MRT des
Neurokraniums
einen
niedriggradigen
hirneigenen Tumor ergeben sowie wahrscheinlich ein Mikro
kavernom. Bei Schleudertraumen und Schädelhirntraumen sei eine ortho
pädische, neuropsychologische und spezialneurologische Untersuchung zwingend (
Urk.
1
/2
S. 3).
2.3
Der Beschwerdeführer hat im Abklärungsverfahren Einwände betreffend die Aus
wahl der Gutachter vorgebracht sowie Zusatzfragen gestellt,
wobei
die Beschwerdegegnerin
diesen
nicht
stattgegeben hat
. Nachdem die Beschwerde
gegnerin veranlasst hat, die beanstandeten Gutachter auszuwechseln
(
Urk.
9/103)
, wird diesbezüglich im Beschwerdeverfahren nichts mehr geltend gemacht.
Bezüglich Zusatzfragen merkte der Beschwerdeführer nichts mehr an.
Strittig und zu prüfen ist jedoch, ob die Beschwerdegegnerin die Notwendigkeit der Begutachtung in zusätzlichen Fachdisziplinen zu Recht verneint hat.
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht ist den Akten im Wesentlichen Folgendes zu ent
nehmen:
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Neurologie
, hielt in ihrem Bericht vom 2
9.
März 2019 als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine
n
Torticollis
und chronische Schmerzen fest und attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(
Urk.
9/18/3
;
vgl. auch
Urk.
9/26/1,
Urk.
9/62/1
).
3.2
Der Beschwerdeführer hatte sich
ab dem 1
8.
August 2017 in Behandlung bei
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
be
funden
,
die am 2
9.
April 2019 eine anhaltende Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.4) beziehungsweise eine Somatisierungs
störung bei kränkbarer und leistungsorientierter Persönlichkeit mit Mangel an Emotionalität und Einfühlungsvermögen diagnostizierte (
Urk.
9/21/4). Sie hielt fest, sowohl für die Tätigkeit als selbständiger Fotograf als auch als Mitarbeiter
in der
Kinderbetreuung sei eine
Arbeitsfähigkeit
von 80
%
gegeben (
Urk.
8/21/5
;
vgl. auch
Urk.
8/30
).
3.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
in seinem Bericht vom 2
4.
September 2020 die Diagnose
einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und
diagnostizierte
zusätzlich dazu eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0) so
wie eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.1). Er schätzte die Arbeitsfähigkeit als freier Fotograf auf maximal 30
%
bis 40
%
ein (
Urk.
8/61/4).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie
und Arzt des
Regionalen Ärzt
lichen Dienst
es
(
RAD
)
, hielt in seiner Stellungnahme vom 1
0.
November 2020 fest, die seit langem
bestehenden Leiden
hätten 2018 zu einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit als Fotograf und Kinderbetreuer
geführt
. Zusätzlich sei eine psychiatrisch
e
Beurteilung
erfolgt
,
in der
initial von einer geringeren Beein
trächtigung der Arbeitsfähigkeit und von einer
erwartbaren
Remission ausgegangen
worden
sei; nach einem Therapeutenwechsel zu Beginn des Jahres
2020
habe bei gleicher Diagnose dann eine 30-40%ige Arbeitsfähigkeit bestan
den. Bei unklarer Sachlage werde daher aus versicherungsmedizinischer Sicht ein polydisziplinäres Gutachten der Fachrichtungen Neurologie, Ophthalmologie und Psychiatrie empfohlen (
Urk.
20 S.
3
).
3.
5
D
en Sprechstundeneinträgen von
Dr.
med. D._
, Facharzt für
physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 2
9.
Dezember 2020 lässt sich ent
nehmen, dass er
den
Beschwerdeführer aufgrund von Schmerzen an den Beinen sowie in der Schulter- und Nackenregion behandelte (
Urk.
9/73).
3.
6
Dr.
Z._
schilderte in ihrem Schreiben vom 1
6.
März 2021, de
r
Beschwerde
führer habe wegen einem Strabismus sowie einer falschen Körperhaltung über die Jahre eine
n
schwere
n
Torticollis
entwickelt, der sicher auch wegen der Hals
wirbelsäulentraumata entstanden sei. Zusätzlich bestünden chronische Nacken- und Brustwirbelsäulenschmerzen, die am ehesten auf die neun Beschleunigungs
traumata und Halswirbelsäulendistorsionen zurückzuführen seien. Dazu sei es in den letzten drei Jahren zu mehreren anderen Problemen gekommen,
namentlich
in der rechten Schulter mit Sehnenrissen sowie am Knie und in der linken Hüfte. Der Beschwerdeführer habe auch an einer
Ulnaris
-Kompressionsneuropathie so
wie psychischen Problemen gelitten.
Ein MRI des Gehirnes habe sie in der Ver
gangenheit nicht für notwendig erachtet, ein solches sollte jedoch, wie auch eine neuropsychologische Evaluierung, noch stattfinden (
Urk.
9/106/1). Trotz der ver
schiedenen Therapien fluktuiere der Zustand des Beschwerdeführers und er se
i
nicht belastbar. Er leide an einem
chronifizierten
Schmerzsyndrom mit verschiedenen Aspekten. Die oft vorkommende Schwindelsymptomatik könnte zervikal bedingt sein.
Sie befürworte eine Ausdehnung der Fachdisziplinen für die Begutachtung (
Urk.
9/106/2).
3.
7
Am 1
7.
März 2021 hielt
Dr.
C._
fest, es liege im Ermessensbereich der MEDAS-Gutachtensstelle, eine Erweiterung des Gutachtensspektrums zu veran
lassen, falls dies erforderlich sein sollte. Die Forderung nach einer zusätzlichen onkologischen Begutachtung sei medizinisch nicht nachvollziehbar. Es werde empfohlen, die Unterlagen zum neuesten Snowboard-Unfall einzufordern. Am Gutachtensauftrag könne aus versicherungsmedizinischer Sicht festgehalten wer
den (
Urk.
20 S. 4).
4.
4.1
Unbestritten und angesichts des noch nicht vollumfänglich geklärten Gesund
heitszustandes des Beschwerdeführers auch nicht zu beanstanden ist, dass vor
liegend eine polydisziplinäre Be
gutachtung
angeordnet wurde.
Ebenso
wenig wird be
mängelt
, dass Abklärungen in den vom RAD für erforderlich erachteten Fachdisziplinen Neurologie,
Ophtalmologie
, Psychiatrie und Allgemeine Innere Medizin zu erfolgen haben. Der Beschwerdeführer macht indessen geltend, es seien Gutachter weiterer Fachrichtungen - Neuropsychologie, Orthopädie, Neurootologie sowie Onkologie - beizuziehen (
Urk.
1
/2
S.
1
).
4.2
4.2.1
Dazu ist zunächst auszuführen, dass rechtsprechungsgemäss d
ie beauftragten Sachverständigen letztverantwortlich
sind
einerseits für die fachliche Güte und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten Entscheidungsgrundlage, ander
seits aber auch für eine wirtschaftliche Abklärung. Mit dieser Gutachterpflicht nicht vereinbar wäre es, wenn den Sachverständigen eine
Disziplinenwa
hl
auf
gezwungen würde, die sie
auch nach pflichtgemässer Würdigung der für den Auf
trag
ausschlaggebenden Überlegungen
für (
versicherungs
)medizinisch nicht ver
tretbar hielten. Aus diesen Gründen stellte das Bundesgericht in BGE 139 V 349 E. 3.3 fest, dass es den Gutachtern sowohl bei polydisziplinären als auch bei
bidisziplinären
Expertisen
frei steht
, die von der IV-Stelle
,
vom
RAD oder
,
im Beschwerdefall
,
vom
Gericht bezeichneten Disziplinen gegenüber der den Auftrag gebenden Behörde zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die Vorgaben nicht ein
sichtig sind.
4.2.2
Vorliegend
hat RAD-Arzt
Dr.
C._
(welchem
es seitens der IV-Stelle grund
sätzlich obliegt, eine umfassende Einordnung vorzunehmen, welche Fach
disziplinen an einer erforderlichen Begutachtung zu beteiligen sind; vgl.
U
rteile
des Bundesgerichts
9C_656/2013 vom 1
1.
Dezember 2013 E. 3.2 und 9C_344/2012 vom 2
4.
Oktober 2012 E. 4.2 mit Hinweis) ein polydisziplinäres Gutachten auf
neurologischem, opht
h
almologischem und
psychiatrischem
Fach
gebiet empfohlen
(
Urk.
20
S. 3).
Die Allgemeine Innere Medizin ist bei poly
disziplinären Begutachtungen sodann stets vertreten
(vgl. KSVI, Stand
1.
Januar 2018,
Rz
. 2077 1
/18
).
Es oblag
in der Folge
der Gutachterstelle, nach Sichtun
g des ihr von der Beschwerdegegnerin
zugestellten Aktendossiers (vgl.
Beilagen
verzeichnis
zum Gutachtensauftrag,
Urk.
9/76/4
) und auf Grund der konkreten Fragestellung sowie der erforderlichen Untersuchungen Art und Umfang der Fachdisziplinen festzulegen
(vgl. KSVI, Stand
1.
Januar 2018,
Rz
. 2077.7
1/18
)
, was sie mit der am
9.
Februar 2021
via
SuisseMED@P
erfolgten
Auftrags
bestätigung (
Urk.
9/81
) mit Bekanntgabe der Namen der Gutachterinnen und Gut
achter auch getan hat.
Anlass für
zusätzlich
e
Begutachtungen sah
sie dabei nicht
, was aus den nachgenannten Gründen nicht zu bemängeln ist
.
4.3
4.3.1
Es
ist zu berücksichtigen, dass
es sich bei der
Neurootologie
nicht um
eine
offizielle
fachärztliche Spezialisierung
gemäss dem eidgenössischen
Medizinal
beruferegister
handelt, sondern um
eine
- im Register nicht aufgeführte und damit auch nicht hinreichend allgemein a
nerkannte - Subspezialisierung.
Die vor
gesehen
e
Begutachtung schliesst die
eidgenössisch anerkannte
Fachrichtung
Neurologie ein und d
er
mit
der Begutachtung betraute
Facharzt wird
darüber zu befinden haben, ob noch Fachärzte mit einer weitergehenden Spezialis
ierung bei
gezogen werden müssen.
4.3.2
Was die beantragte neuropsychologische Abklärung betrifft, ist es
grundsätzlich Aufgabe des psychiatrischen Facharztes, die Arbeitsfähigkeit unter Berück
sichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen. Eine neuropsychologische Abklärung stellt lediglich eine Zusatzuntersuchung dar, welche bei begründeter Indikation in Erwägung zu ziehen ist (
Urteil des Bundes
gerichts 9C_752/2018 vom 1
2.
April 2019
E. 5.3;
vgl.
auch
Urteile 9C_566/2017 vom 2
0.
November 2017 E. 2.1 und 9C_338/2016 vom 2
1.
Februar 2017 E. 5.4
,
je mit Hinweis auf
Ziff.
4.3.2.2 der Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gut
achten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung der Schweizerischen Gesell
schaft für Psychiatrie und Psychotherapie [SGPP] 2016).
Es wird demnach
Auf
gabe
des psychiatrischen Gutachters
sein
- unter Einbezug der vom Beschwerde
führer eingereichten Ergebnisse der bereits durchgeführten Untersuchung (
Urk.
12/15) -
,
bei erachteter Notwendigkeit eine neuropsycholo
gische Unter
suchung vorzunehmen
b
eziehungsweise zu veranlassen.
4.3.3
Hervorzuheben ist sodann
, dass
nicht jegliche
(subjektive
n
)
Beschwerden relevant im Sinne der
I
nvalidenversicherung
sind. So führt selbst das Vorliegen einer ärzt
lich gestellten Diagnose nicht zwingend zu einer Auswirkung auf die Erwerbs
fähigkeit. Aus diesem Grund müssen auch nicht zwingend alle vorhandenen Beschwerden gutachterlich abgeklärt werden, sondern nur jene, welche einen relevanten dauernden Einfluss auf die Arbeits- b
e
z
iehungs
w
eise
Erwerbsfähigkeit haben
oder
haben könnten.
Eine
onkologische
Begutachtung
ist gestützt auf die vorliegenden Akten jedenfalls nicht
zwingend
, befindet sich diesbezüglich doch
allein das Ergebnis
ein
er
kranialen
MRI
-Untersuchung
vom
5.
März 2021 (
Urk.
9/105) bei den Akten
, bei welcher unter anderem ein mit einem
nied
rig
gradigen
hirneigenen Tumor vergleichbarer Befund erhoben wurde
, welche
r
indessen
ohne eine ärztliche Beurteilung
für sich allein
nicht aussagekräftig ist.
Es ist offen und wird konkret auch nicht geltend gemacht, dass im Zusammen
hang dem fraglichen Befund konkret
e
Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit aufgetreten sind.
4.3.4
Dies gilt auch für den Fachbereich der Orthopädie,
stammen doch die eingereichten Berichte zu orthopädischen
oder auch rheumatologischen Behandlungen
aus der Zeit vor der Anmeldung zum Leistungsbezug (
Urk.
3/10,
Urk.
3/11
,
Urk.
12/16
) und
befindet sich der
Beschwerdeführer
aktuell nicht
in
orthopädischer
Behandlung.
4.3.5
Dem Vorbringen des Beschwerdeführers, bei Schleuder- und Schädelhirntraumata sei eine orthopädische, neuropsychologische und spezialneurologische Unter
suchung zwingend, ist schliesslich entgegenzuhalten, dass
diese Fachgebiete zwar gemäss der von ihm zitierten Rechtsprechung (BGE 134 V 109 E. 9.5) im Vorder
grund stehen, ein zwingender Einbezug einzelner Fachgebiete lässt sich jedoch daraus nicht ableiten.
Es ist allerdings
,
wie bereits erwähnt
,
Pflicht der begut
achtenden Ärzte
der
̈Y._
AG
,
nach pflichtgemässer Würdigung der für den Auftrag ausschlaggebenden Überlegungen allenfalls
weitere Teilgutachten
eines
Orthopäden beziehungsweise eines Onkologen oder auch eines Arztes einer weiteren Fachrichtung
einzuholen
.
4.
4
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin eine polydisziplinäre Begutachtung in den Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Ophthalmologie und Psychiatrie in Auftrag gegeben hat. Die angefochtene Zwischenverfügung vom 1
8.
März 2021 (
Urk.
2) ist somit
nicht zu beanstanden
.
Die
s
hat die Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde zur Folge.
5.
Da nicht die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war (BGE 122 V 221 E. 2), ist das Verfahren kostenlos (vgl.
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG e
contrario
).