Decision ID: d40def47-ecb0-5726-ace2-5eae741c52f5
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 28. August 1980 in der Schweiz.
Am 26. August 1999 tauschte er diesen in einen deutschen Führerausweis um. Am
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Sonntag, 15. Februar 2009, um 14.39 Uhr, war X mit dem Fahrzeug "BMW ", auf der
Kantonsstrasse von Pfäfers talwärts nach Bad Ragaz unterwegs. In einer Rechtskurve
auf der Höhe St. Niklausen kam das Fahrzeug ins Rutschen, stellte sich quer und
kollidierte mit einem entgegenkommenden Fahrzeug.
Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Uznach, Zweigstelle Flums, vom
7. April 2009 wurde X wegen Verkehrsregelverletzung zu einer Busse von Fr. 700.--
verurteilt.
B.- Mit Schreiben vom 1. Mai 2009 eröffnete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) ein
Administrativmassnahmeverfahren gegen X. Mit Verfügung vom 23. Juni 2009
aberkannte es den deutschen Führerausweis wegen Nichtanpassens der
Geschwindigkeit für die Dauer eines Monats.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
6. Juli 2009 und Ergänzung vom 25. August 2009 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und auf eine Aberkennung sowie Einziehung des Führerausweises sei zu
verzichten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Verwaltungsrekurskommission
ging von einer mittelschweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
aus und wies den Rekurs mit Urteil vom 25. März 2010 ab, soweit sie darauf eintrat.
Die von X dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Verwaltungsgericht teilweise
gutgeheissen. Im Urteil B 2010/94 vom 16. Dezember 2010 wurde festgehalten, dass
die von X verursachte Kollision zufolge höchstens leichten Verschuldens und
höchstens leichter Gefährdung nicht als mittelschwere Widerhandlung zu qualifizieren
sei. Die Streitsache wurde an das Strassenverkehrsamt zurückgewiesen zum
Entscheid, ob eine Verwarnung auszusprechen oder auf jegliche Massnahme zu
verzichten sei.
D.- Das Strassenverkehrsamt stellte X mit Schreiben vom 6. Januar 2011 die
Aussprechung einer Verwarnung in Aussicht und forderte ihn am 24. Februar 2011 zur
Stellungnahme auf. Mit Eingabe vom 21. März 2011 beantragte der Rechtsvertreter die
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Einstellung des Verfahrens, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit Verfügung
vom 4. April 2011 wurde X vom Strassenverkehrsamt verwarnt.
E.- Mit Eingabe vom 28. April 2011 erhob X gegen die Verfügung des
Strassenverkehrsamtes Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag
auf ersatzlose Aufhebung der angefochtenen Verfügung nach Durchführung einer
mündlichen Verhandlung, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz
verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Im Rekursverfahren wurde ein Amtsbericht der Vorinstanz zur Handhabung von
Verwarnungen gegenüber Inhabern ausländischer Führerausweise eingeholt. Der
Rekurrent nahm dazu mit Eingabe vom 21. Juli 2011 Stellung.
Der Rechtsvertreter teilte am 11. August 2011 mit, dass auf eine mündliche
Verhandlung verzichtet werde.
Auf die Ausführungen des Rechtsvertreters zur Begründung des Antrags wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 28. April 2011 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In formeller Hinsicht rügt der Rekurrent eine Verletzung des Dualismusverbotes. In
der Sache sei er bereits durch die Staatsanwaltschaft Uznach abgeurteilt worden.
Daher müsse die Zuständigkeit der Vorinstanz zum Strafverfahren in Form einer
separaten Sanktion gegen den Führerausweis bestritten werden. Eine solche Sanktion
müsste von der Staatsanwaltschaft und auf dem Wege der StPO ergehen. Jene
Verurteilung sei jedoch rechtskräftig. Die Voraussetzungen für eine Revision seien nicht
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gegeben. Konsequenterweise sei somit auch die Verwaltungsrekurskommission nicht
zuständig.
Die Rüge der Verletzung des Grundsatzes ne bis in idem wurde bereits im ersten
Verfahren (VRKE IV-2009/85) erhoben und sowohl von der
Verwaltungsrekurskommission (Urteil vom 25. März 2010, E. 4) als auch vom
Verwaltungsgericht (Urteil B 2010/94 vom 16. Dezember 2010, E. 5.3) jeweils mit
ausführlichen Begründungen abgewiesen; es kann auf die entsprechenden
Erwägungen verwiesen werden.
Folglich sind die Vorinstanz zur Verfügung von Administrativmassnahmen und die
Verwaltungsrekurskommission als Rechtsmittelinstanz zuständig, weshalb sich der
Rekurs, insoweit damit eine Verletzung des Doppelbestrafungsverbots gerügt wird, als
unbegründet erweist.
3.- Der Rekurrent beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und das
Absehen von jeglicher Massnahme.
a) Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, das Verwaltungsgericht habe
rechtskräftig festgestellt, dass in seinem Fall kein Führerausweisentzug ausgesprochen
werden dürfe. Gegenstand des aktuellen Verfahrens könne daher nur noch sein, ob
eine Verwarnung gegenüber ihm als ausländischem Ausweisinhaber zu verfügen sei.
Die Polizei habe im Unfallrapport ausdrücklich auf die ausserordentlichen winterlichen
Verhältnisse hingewiesen. Der Rekurrent habe solch winterliche Verhältnisse weder
erwartet noch erwarten müssen, da es sich um eine stark befahrene Strasse gehandelt
habe. Das Ereignis habe sich nachmittags um 15.00 Uhr zugetragen. Die
Verkehrsgefährdung sei gering gewesen, es sei niemand verletzt worden. Die
unfallbeteiligte Lenkerin habe ausdrücklich auf einen Strafantrag verzichtet, respektive
mangels Verletzung verzichten müssen. Von seiner Haftpflichtversicherung seien keine
Leistungen für Personenschäden ausgerichtet worden.
Das Verwaltungsgericht habe es offen gelassen, ob überhaupt eine
Verkehrsgefährdung und ein relevantes Verschulden vorhanden seien, das gegenüber
einem Schweizer Führerausweisinhaber mit einer Verwarnung zu sanktionieren wäre.
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Administrativrechtlich liege kein relevantes Verschulden vor. Da der Rekurrent einige
Zeit als hinterster Wagen einer Kolonne mit gleicher Geschwindigkeit und konstant
grossem Abstand gefahren sei und die vor ihm fahrenden Wagen die fragliche Stelle
problemlos passiert hätten, könne seine Geschwindigkeit nicht als unangepasst
betrachtet werden. Vielmehr müsse von einem Versagen des ABS (Antiblockiersystem)
ausgegangen werden. Der Unfall habe sich wegen der Bremsung und nicht wegen
unangepasster Geschwindigkeit ereignet. Dem Rekurrenten könne somit kein
Schuldvorwurf gemacht werden. Die unkontrollierte Lage sei nicht vorhersehbar und
daher auch nicht abwendbar gewesen. Wenn er zu schnell unterwegs gewesen wäre,
müsste auch allen anderen Lenkern derselbe Vorwurf gemacht werden, um eine
rechtsgleiche Behandlung des Rekurrenten sicherzustellen.
b) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Nach
Art. 45 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum
Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) können ausländische Führerausweise
nach den gleichen Bestimmungen aberkannt werden, die für den Entzug der
schweizerischen Führerausweise gelten. Nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht eine
leichte Widerhandlung, wer durch die Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft. Nach einer leichten Widerhandlung wird der Lernfahr- oder Führerausweis für
mindestens einen Monat entzogen, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der
Ausweis entzogen war oder eine andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Art.
16a Abs. 2 SVG). Die fehlbare Person wird verwarnt, wenn in den vorangegangenen
zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und keine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (Art. 16a Abs. 3 SVG). In besonders leichten
Fällen wird auf jegliche Massnahme verzichtet (Art. 16a Abs. 4 SVG).
Das Verwaltungsgericht hielt im Urteil vom 16. Dezember 2010 fest, die vom
Rekurrenten beim Unfall vom 15. Februar 2009 verursachte konkrete Gefährdung sei
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höchstens als leicht einzustufen. Entgegen der Darstellung des Rekurrenten ist das
Verwaltungsgericht von einer schuldhaft begangenen Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschiften ausgegangen (vgl. E. 5.5.3), und zwar hat es das
Verschulden des Rekurrenten als höchstens leicht eingestuft. Der Strafrichter ist
ebenfalls von einem schuldhaften Verhalten ausgegangen. Die Voraussetzungen einer
leichten Widerhandlung nach Art. 16a SVG sind somit erfüllt. Bei einem
unbescholtenen Fahrzeugführer hat dies eine Verwarnung zur Folge. Ein Absehen von
jeglicher Massnahme wäre nur bei Vorliegen eines besonders leichten Falles möglich
(Art. 16a Abs. 4 SVG). Davon ist nur dann auszugehen, wenn die Verletzung von
Verkehrsregeln eine besonders geringe Gefahr für die Sicherheit anderer geschaffen
hat und den fehlbaren Fahrzeugführer dafür nur ein besonders leichtes Verschulden
trifft (Urteil des Bundesgerichts 6A.52/2005 vom 2. Dezember 2005, E. 2.2.3). Beide
Voraussetzungen, welche kumulativ erfüllt sein müssen, sind im vorliegenden Fall nicht
gegeben. Gegenüber dem Rekurrenten sprach das Untersuchungsamt Uznach eine
Busse von Fr. 700.-- aus, was deutlich über der gesetzlichen Obergrenze für
Ordnungsbussen von Fr. 300.-- liegt (vgl. Art. 1 Abs. 2 des Ordnungsbussengesetzes,
SR 741.03, abgekürzt: OBG). Das Verwaltungsgericht führte in seinem Urteil vom 16.
Dezember 2010 aus, es sei offensichtlich, dass für die Lenkerin des am Unfall
beteiligten Fahrzeugs eine konkrete Gefahr bestanden habe (vgl. E. 5.5.2). Auch wenn
die Lenkerin beim Unfall nicht verletzt wurde, kann nicht mehr von einer besonders
leichten Gefährdung gesprochen werden. Eine solche dürfte in erster Linie bei
Verkehrsregelverletzungen, die lediglich eine erhöht abstrakte Gefährdung nach sich
ziehen, gegeben sein. Das Verwaltungsgericht erwog, dass der Rekurrent mit zu hoher
Geschwindigkeit gefahren sei und es sich um einen Fahrfehler handle, welcher bei sehr
ungünstigen winterlichen Strassenverhältnissen auch einem vorsichtigen und
besonnenen Fahrer passieren könne (E. 5.5.3). Dies bedeutet nun aber nicht, dass den
Rekurrenten ein besonders leichtes Verschulden im Sinn von Art. 16a Abs. 4 SVG trifft.
4.- Zu prüfen bleibt, ob gegen den Rekurrenten als Inhaber eines ausländischen
Führerausweises eine Verwarnung ausgesprochen werden kann.
a) Der Rekurrent macht geltend, gegenüber ausländischen Ausweisinhabern werde
praxisgemäss auf eine Verwarnung verzichtet und für solche Fälle, in Ermangelung
einer gesetzlichen Grundlage, keine Sanktion ergriffen. Dies gründe auf der Erkenntnis,
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dass die Verkehrsgefährdung durch Inhaber ausländischer Ausweise in der Regel
schon allein wegen deren ausländischen Wohnsitzes geringer sei. Die Vorinstanz sehe
sich trotz fehlender Grundlage nur "a maiore ad minus" in Auslegung von Art. 45 Abs. 1
VZV berechtigt zur Verwarnung gegenüber dem Rekurrenten. Dabei übersehe sie, dass
die Verordnung das Opportunitätsprinzip berücksichtige und daher Sanktionen
gegenüber ausländischen Ausweisinhabern erst vorsehe, wenn mindestens ein
mittelschwerer Fall vorliege. Hinzu komme, dass eine reine Verordnungsbestimmung
ohnehin keine genügende formell gesetzliche Grundlage bilden könne. Im Fall einer
Verwarnung durch die Schweiz werde diese im ADMAS eingetragen. Damit ergebe sich
faktisch ein Sanktionenexport ins Fürstentum Liechtenstein. Dafür bestehe weder eine
genügende staatsvertragliche noch gesetzliche Grundlage. Zu berücksichtigen sei
schliesslich, dass der Vorfall lange zurückliege; Notwendigkeit und
Verhältnismässigkeit verböten eine heutige Sanktion.
b) Im öffentlichen Recht gilt das Territorialitätsprinzip, wonach öffentliches Recht in
jenem Staat Rechtswirkungen entfaltet, der es erlassen hat. Schweizerisches
öffentliches Recht wird daher auf Sachverhalte angewendet, die sich in der Schweiz
zutragen (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, N 357).
Gestützt darauf sind die schweizerischen Behörden befugt, Verwarnungen gegenüber
Personen auszusprechen, die in ihrem räumlichen Herrschaftsbereich
Verkehrsregelverletzungen begangen haben, unabhängig davon, wo diese ihren
Wohnsitz haben und über welchen nationalen Führerausweis sie verfügen. Das
Übereinkommen über den Strassenverkehr (SR 0.741.10), dem sowohl die Schweiz als
auch Deutschland beigetreten sind, enthält keine anderslautenden Bestimmungen. Die
Verkehrsregeln des SVG gelten für die Führer von Motorfahrzeugen und die Radfahrer
auf allen dem öffentlichen Verkehr dienenden Strassen (Art. 1 Abs. 2 SVG). Nach Art.
22 Abs. 1 SVG werden Ausweise von den Verwaltungsbehörden erteilt und entzogen.
Zuständig ist für Fahrzeuge der Standortkanton, für Führer der Wohnsitzkanton. Die
gleichen Regeln gelten für Fahrzeug- und Führerprüfungen und die übrigen in diesem
Titel vorgesehenen Massnahmen (Art. 22 Abs. 2 SVG). Für Fahrzeuge ohne festen
Standort und Führer ohne Wohnsitz in der Schweiz ist der Ort massgebend, an dem sie
sich vorwiegend befinden. Im Zweifelsfall ist der Kanton zuständig, der das Verfahren
zuerst einleitet (Art. 22 Abs. 3 SVG).
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c) Ausländische Führerausweise können in der Schweiz nicht entzogen werden. Dem
Inhaber eines ausländischen Führerausweises kann jedoch das Recht aberkannt
werden, von seinem Ausweis in der Schweiz Gebrauch zu machen. Für die
Aberkennung ausländischer Führerausweise gelten die gleichen Bestimmungen wie für
den Entzug des schweizerischen Führerausweises (vgl. Art. 45 Abs. 1 VZV; Philippe
Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, vor Art.
16 ff. N 6). Demgegenüber stellt die Verwarnung gemäss Art. 16a Abs. 3 SVG keine
Führerausweisentzugsmassnahme dar. Ein zufolge einer leichten Widerhandlung
verwarnter Fahrzeuglenker ist weiterhin fahrberechtigt und muss den Führerausweis
nicht abgeben. Dies erklärt auch, weshalb die Verwarnung in Art. 45 Abs. 1 VZV im
Unterschied zur Aberkennung des ausländischen Führerausweises nicht erwähnt ist.
Entgegen der Ansicht des Rekurrenten kann daraus jedenfalls nicht abgeleitet werden,
mit der fraglichen Bestimmung sei die Möglichkeit einer Verwarnung gegenüber
Inhabern ausländischer Führerausweise bewusst ausgeschlossen worden. Da auch der
ausländische Führerausweis im Fall einer Verwarnung nicht abgegeben werden muss,
bedarf es in der Verordnung keiner speziellen Regelung für die Verwarnung.
Anknüpfungspunkt der Verwarnung ist nicht der Führerausweis, sondern der fehlbare
Fahrzeuglenker als Person. Der Rekurrent hat auf einer dem öffentlichen Verkehr
dienenden Strasse in der Schweiz eine Verkehrsregelverletzung begangen, weshalb die
Bestimmungen des SVG auf ihn anwendbar sind. Innerhalb der Schweiz sind die
Verwaltungsbehörden jenes Ortes zuständig, an dem sich der Fahrzeugführer
vorwiegend aufhält. Anlässlich der Verkehrsregelverletzung vom 15. Februar 2009 hielt
sich der Rekurrent in Bad Ragaz auf. Auch sonst war und ist er als CEO der A AG
geschäftlich im Kanton St. Gallen unterwegs. In B verfügt er über ein Büro und in C
über eine kleine Wohnung (vgl. Rekursergänzung, act. 8, aus Proz.Nr. IV-2009/85). Die
Vorinstanz war daher befugt, ihm gegenüber aufgrund der leichten Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften gestützt auf Art. 16a Abs. 3 SVG eine
Verwarnung auszusprechen.
d) Das Gebot rechtsgleicher Behandlung nach Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR
101, abgekürzt: BV) ist ein selbständiges verfassungsmässiges Recht. Demnach ist
Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln. Jede Ungleichbehandlung ist
durch sachliche Gründe zu rechtfertigen. Dies ist der Fall, soweit die massgeblichen
tatsächlichen Verhältnisse, die einer Regelung oder Entscheidung zugrunde liegen,
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auch aus verfassungsrechtlicher Sicht verschieden sind. Die hierfür notwendige
Wertung richtet sich nach der herrschenden Rechtsauffassung und Wertanschauung
(vgl. BGE 134 I 260 f.). Der Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Verwaltung geht dem
Rechtsgleichheitsprinzip im Konfliktfall in der Regel vor. Wenn eine Behörde in einem
Fall eine vom Gesetz abweichende Entscheidung getroffen hat, gibt das den Privaten,
die sich in der gleichen Lage befinden, grundsätzlich keinen Anspruch darauf, ebenfalls
abweichend von der Norm behandelt zu werden (BGE 135 IV 194 f.). Besteht hingegen
eine eigentliche gesetzeswidrige Praxis und lehnt es die Behörde ab, diese
aufzugeben, so können Private verlangen, dass die widerrechtliche Begünstigung, die
Dritten zu Teil wurde, auch ihnen gewährt wird (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz
518).
e) Die Vorinstanz führt im Amtsbericht vom 11. Juli 2011 aus, Verwarnungen würden
aus Gründen der Praktikabilität und Verhältnismässigkeit gegenüber Lenkern mit
ausländischen Führerausweisen ausgesprochen, wenn sie einen Bezug zur Schweiz
hätten, beispielsweise durch häufige bzw. berufliche Fahrten in der Schweiz. Bei
Durchreisenden oder Touristen werde auf das Verfügen einer Verwarnung hingegen
verzichtet. Es gibt keine Anhaltspunkte, dass diese Angaben nicht den Tatsachen
entsprechen und wider besseres Wissen erfolgt sind. Daran ändert auch nichts, dass
dem Vertreter des Rekurrenten keine Verwarnungen gegenüber Inhabern ausländischer
Führerausweise bekannt sind.
Der Rekurrent wurde von der Vorinstanz den gesetzlichen Bestimmungen
entsprechend zu Recht verwarnt. Gestützt auf Art. 16a Abs. 3 SVG wären grundsätzlich
sämtliche Lenker, die eine leichte Widerhandlung begangen haben, zu verwarnen. Laut
Amtsbericht verwarnt die Vorinstanz jedoch nicht sämtliche Fahrzeuglenker mit
ausländischen Führerausweisen, die im Kanton St. Gallen eine Verkehrsregelverletzung
begangen haben. Trotzdem lässt sich daraus kein Anspruch des Rekurrenten auf
Gleichbehandlung im Unrecht ableiten. Für ihr Vorgehen hat die Vorinstanz
einleuchtende, sachliche Gründe angeführt. In vielen Fällen dürfte sich eine
rechtsgültige Zustellung der Verwarnungsverfügung als äusserst aufwändig, wenn nicht
gar unmöglich erweisen, sodass der Zweck der Massnahme den Aufwand nicht zu
rechtfertigen vermöchte. Zudem macht es in der Tat einen Unterschied, ob damit zu
rechnen ist, dass der fehlbare Lenker in absehbarer Zeit wieder in der Schweiz ein
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Fahrzeug lenken wird. Die Ausführungen der Vorinstanz zeigen, dass gegenüber
Personen, die sich wie der Rekurrent öfters in der Schweiz aufhalten, weil sie hier
arbeiten oder sich hier aufhalten, eine Verwarnung ausgesprochen wird. Entgegen den
Ausführungen des Rekurrenten ist davon auszugehen, dass die Vorinstanz sehr wohl
Abklärungen trifft, ob es sich bei der betreffenden Person um jemanden handelt, der in
der Schweiz arbeitet oder hier Aufenthalt hat. Dies geht aus den Akten des ersten
Verfahrens (z.B. act. 9/12 und 13) ebenfalls hervor. Diese Angaben dürften meist
bereits aus dem Polizeirapport hervorgehen. Eine ungleiche Rechtsanwendung liegt
daher nicht vor. Nach einer leichten Widerhandlung wird der Lernfahr- oder
Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den vor-angegangenen
zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere Administrativmassnahme
verfügt wurde (Art. 16a Abs. 2 SVG). Könnte gegenüber dem Rekurrenten keine
Verwarnung ausgesprochen werden, bedeutete dies nichts anderes, als dass er leichte
Widerhandlungen gegen Strassenverkehrsvorschriften begehen könnte, ohne
deswegen je einen Führerausweisentzug riskieren zu müssen. Darin läge jedoch eine
nicht zu rechtfertigende Besserstellung gegenüber Inhabern schweizerischer
Führerausweise. Schliesslich kann auch von einer überlangen Verfahrensdauer, die ein
Absehen von jeglicher Sanktion rechtfertigen würde, nicht die Rede sein; seit der
Tatbegehung sind rund zweieinhalb Jahre vergangen (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts 1C_22/2009 vom 17. September 2009, E. 2.7 mit Hinweisen).
5.- a) Der Rekurrent macht im Weiteren geltend, dass die Eintragung der Verwarnung
im ADMAS faktisch mit einem Sanktionenexport in das Fürstentum Liechtenstein
verbunden sei. Dafür bestehe weder eine genügende staatsvertragliche noch
gesetzliche Grundlage
b) Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) führt in Zusammenarbeit mit den Kantonen ein
automatisiertes Administrativmassnahmenregister (ADMAS, Art. 104b Abs. 1 SVG; vgl.
auch Verordnung über das automatisierte Administrativmassnahmen-Register, SR
741.55, abgekürzt: ADMAS-Register-Verordnung). Das Register enthält alle von
schweizerischen Behörden verfügten oder von ausländischen Behörden gegen
Personen mit Wohnsitz in der Schweiz angeordneten Administrativmassnahmen,
darunter auch die Verwarnung (Art. 104b Abs. 3 lit. e SVG). Da das Fürstentum
Liechtenstein das materielle schweizerische Strassenverkehrsrecht weitgehend
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übernommen hat, beauftragte der schweizerische Gesetzgeber den Bundesrat nicht
nur in Art. 106 Abs. 1 SVG in allgemeiner Weise mit dem Erlass der zum Vollzug des
Strassenverkehrsgesetzes notwendigen Vorschriften, sondern ermächtigte ihn auch im
Bereich der Führung des vom Bundesamt für Strassen in Zusammenarbeit mit den
Kantonen geführten automatisierten Administrativmassnahmenregisters (ADMAS) und
des Fahrberechtigungsregisters (FABER), den zuständigen Behörden des Fürstentums
Liechtenstein die Beteiligung an Führung und Nutzung dieser Register zu bewilligen
(vgl. Art. 104b Abs. 7 und Art. 104c Abs. 7 SVG). Ziff. 311 des Notenaustausches vom
15. Dezember 1977 zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein über die
gegenseitige Anerkennung der Führer- und Fahrzeugausweise und die
Verwaltungsmassnahmen (SR 0.741.531.951.4) sieht vor, dass die von einem Staat
angeordneten Verfügungen über die Verweigerung oder den Entzug des Lernfahr- oder
Führerausweises, das Fahrverbot und die Aberkennung ausländischer Ausweise
gegenüber Fahrzeuglenkern aus Drittstaaten auch auf dem Gebiet des anderen Staates
gelten.
c) Gestützt auf Art. 104b Abs. 3 SVG und Art. 7 Abs. 1 lit. g ADMAS-Register-
Verordnung hat die Vorinstanz die Verwarnung gegenüber dem Rekurrenten in das
ADMAS-Register einzutragen. Da sich die Verwarnung weder auf die Fahrberechtigung
auswirkt noch Ziff. 311 des Notenaustausches, in dem die Verwarnung nicht aufgezählt
wird, zur Anwendung gelangt, ist nicht ersichtlich, inwiefern damit ein Sanktionenexport
in das Fürstentum Liechtenstein verbunden sein soll. Diese Frage würde sich allenfalls
stellen, wenn der Rekurrent innerhalb der Rückfallfrist von zwei Jahren im Fürstentum
Liechtenstein erneut eine leichte Widerhandlung begehen würde. Sollte sich der
Rekurrent in den folgenden zwei Jahren nochmals eine leichte Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften in der Schweiz zu Schulden kommen lassen, müsste
er mit der Aberkennung des ausländischen Führerausweises für mindestens einen
Monat rechnen (Art. 16a Abs. 2 SVG). Eine Aberkennung des ausländischen
Führerausweises ist im ADMAS-Register einzutragen (vgl. Art. 7 lit. f ADMAS-Register-
Verordnung). Damit überprüft werden kann, ob die zweijährige Probezeit bestanden
wurde, muss die Verwarnung eingetragen werden; andernfalls hätten die Behörden
keine Kenntnis von der entsprechenden Administrativmassnahme.
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6.- Der Rekurs ist somit vollumfänglich abzuweisen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu
verrechnen.