Decision ID: 944f4457-5d03-41ae-889e-3b5d1b1d9a6a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, meldete sich am
2.
Oktober 2005 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/5).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte unter ande
rem ein Gutachten ein, das am 13. November 2014 erstattet wurde (
Urk.
6/169). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/179,
Urk.
6/194) verneinte sie mit Verfügung vom 23. April 2015 einen Leistungsanspruch des Versicher
ten (
Urk.
6/199 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 26. Mai 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. April 2015 (
Urk.
2) mit dem Hauptantrag, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine halbe Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2015 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am 23. Juni 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7)
.
Am 13. August 2015 (
Urk.
13) und am
27. November 2015 (
Urk.
15) reichte der Beschwerdeführer weitere Stellung
-
nahmen
und ein Urteil des Kantonsgerichts
D._
(
Urk.
16)
ein,
wozu
die
Beschwer
degegnerin
am 9. Dezember 2015 Stellung nahm (
Urk.
18), was dem Beschwer
deführer am 14. Dezember 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
19).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer erlitt
1997
einen Auffahrunfall
(
Urk.
6/9/195 =
Urk.
6/80)
. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) holte unter anderem
ein
bidisziplinäres
Gutachten
ein,
das
am 31. Dezember 2005 (
Urk.
6/73) und am 3. Januar 2006 (
Urk.
6/72/1-20) erstattet wurde. Mit
Ein
spracheentscheid
vom 26. September 2007 stellte die SUVA
ihre
Leistung
en
per Ende November 2006
ein
,
was
letztinstanzl
ich
am 25. Februar 2009 vom Bun
desgericht
bestätigt
wurde
(
Urk.
6/38)
.
2.2
Am
16. Oktober 2007
erlitt der Beschwerdeführer einen weiteren Auffahrunfall
(vgl.
Urk.
6/47/6,
Urk.
6/71/1)
. Die AXA Winterthur als
Taggeld
versicherer ver
anlasste unter anderem eine Untersuchung durch
ihren beratenden Arzt
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, die am 28. Ja
nuar 2008 erfolgte (
Urk.
6/47/13-16).
Ferner veranlasste sie Observationen, über die am 13. Februar 2008
(
Urk.
6/76/2-30) und
5. März 2008
(6/76/32-51)
be
richtet wurde.
Am 5. Juli 2013 erstattete
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, beratender Arzt der AXA Winterthur, eine
Akten
beurteilung
(
Urk.
6/139). Am 14. Oktober 2013 erstattete
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für
Physikalische Medizin und Rehabilitation
, im Auftrag des Beschwerdeführers eine Beurteilung der Akten und des Observationsmaterials (6/116).
Das
Versicherungsgericht
des Kantons
B._
hiess mit Urteil vom
13.
Mai
2014
eine
Klage auf Rückforderung
von
Kranken
taggeld
, teilweise
- Oktober 2007 bis Januar 2008
betreffend
- gut (
Urk.
6/187), was vom
Bundesgericht
mit Urteil vom
3.
März 20
15 bestätigt
wurde
(
Urk.
6/186)
.
Am 30. April 2015 erstatteten die Ärzte der
C._
ein
Aktengutachten
i
m Auftrag
des
Kantonsgericht
s
D._
(
Urk.
3/4).
Das Kantonsgericht
D._
sprach den Versicherten m
it
Urteil vom
9. Novem
ber 2015
vom Vorwurf des Betrugs frei
(
Urk.
16)
.
2.
3
Die Beschwerdegegnerin
teilte dem Beschwerdeführer am 15. März 2011 mit, es sei eine Abklärung im
E._
vorgesehen (
Urk.
6/85). M
it Zwischenverfügung
vom 23. September 2011
hielt sie
an der angeordneten Abklärung
f
est (
Urk.
6/95), was mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 14. Dezember 2012 im Verfahren Nr. IV.
2011.01167
bestätigt wurde
(
Urk.
6/109)
.
Am 24. April 2014 teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Namen der in Aussicht genommenen Gutachter mit (
Urk.
6/122), wozu der Be
schwerdeführer am 9. Mai 2014 Stellung nahm (
Urk.
6/125).
Nach
einem aus ge
schäftlichen Gründen
(
Urk.
6/133
) und einem wegen Kopfschmerzen und Un
wohlseins (
Urk.
6/146
)
nicht wahrgenommenen Termin
und einem verspäteten Erscheinen des Beschwerdeführers
(
Urk.
6/151)
verlangte die
Beschwerdegegne
rin
vo
n diese
m eine
Bereitschaftserklärung
, welche er am 28. August 20
14 un
terzeichnet
e
(
Urk.
6/155)
. Am
13. November 2014
wurde das
E._
-Gutachten erstattet
(
Urk.
6/169/1-159)
.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
gemäss der Beurteilung im
E._
-Gutachten von 2014 könne in der bisheri
gen Tätigkeit keine höhere Arbeitsunfähigkeit als 20
%
begründet werden, wes
halb mangels einer durchschnittlichen ununterbrochenen Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40
%
während eines Jahres kein Rentenanspruch entstanden sein
könne
. In einer angepassten, intellektuell weniger fordernden Tätigkeit ohne erhöhten Zeitdruck liege die Arbeitsfähigkeit bei 100
%
(S. 2 unten). Bei einer Arbeitsunfähigkeit (richtig: Arbeitsfähigkeit) von mindestens 80
%
in der bisherigen Tätigkeit könne ein Prozentvergleich erfolgen, womit der
Invalidi
tätsgrad
20
%
betrage (S. 3 Mitte).
3.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
es
sei auf das
E._
-Gutachten nicht abzustellen
oder dieses sei mit bestimmten Zusatzfragen zu ergänzen (S. 2
Ziff.
3, dort
lit
. b-d)
, dies aus folgenden Grün
den (S. 8 ff.
Ziff.
2):
Die
angeordnete
Begutachtung durch das
E._
w
e
rd
e
als nicht
korrekt an
gesehen; es werde an der Kritik und Einwänden im vorangegangenen Verfahren (
IV.2011.01167) festgehalten
; im Urteil vom
14. Dezember 2012
sei nicht festgehalten worden, dass diese
explizit durch das
E._
z
u erfolgen habe oder
korrekt wäre
; i
m Übrigen hätte die IV-Stelle zwei Jahre nach Inkrafttreten von Art.
72
bis
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
im Ja
hr 2014 auch von sich aus eine
neue Gutachterw
a
hl
treffen können und müssen
(
lit
. a)
.
Wesentliche Einwände und Akten des Beschwerdeführers hätten im Gut
achten weder Erwähnung noch eine andere Berücksichtigung erfahren, was sich exemplarisch am Gutachten von
Dr.
A._
zeige (
lit
. b).
Ausführungen aus Observationsberichten der AXA sowie Strafakten aus dem noch nicht abgeschlossenen Strafverfahren in
D._
hätten im Gutachten nichts zu suchen (
lit
. c).
Trotz der - vom Beschwerdeführer geltend gemachten
–
Voreinge
-
nommen
heit
der Gutachter sei im Gutachten festgehalten wor
den, dass er sich als freundlich und kooperativ erwiesen habe und bei der körperlichen Untersuchung keine Tendenzen zur Verdeutlichung von Schmerzen oder einer Aggravation ersichtlich gewesen seien (
lit
. d).
Nicht fundiert seien und im Gutachten nichts zu suchen hätten auch ne
benbei gemachte sogenannte ‚Beobachtungen‘. Diese behaupteten Wahr
nehmungen seien subjektiv und Spekulation sowie ohne medizinischen Hintergrund und es erstaune, dass die Gutachter ihn nicht direkt mit sol
chen Fragen konfrontiert hätten (
lit
. e).
Auch in den Teilgutachten irritierten namentlich gewisse
Nebenbe
-
merkun
gen
wie ein
‚
Hinweis auf Diskrepanz
‘
, dies umso mehr, als die Gutachter tatsächlich körperlich feststellbare Defizite
fest
gestellt hätten (
lit
. f/
aa
).
Gänzlich unberücksichtigt bleibe, dass er mittlerweile drei Auffahrun
fälle mit Schleudertrauma erlebt habe; dass er offenbar nach wie vor bloss anhand eines MRI beurteilt werde, sei
fachlich falsch.
Aufgrund der von ihm während Jahren glaubhaft geschilderten Einschränkungen, welche
nachvollziehbar
seien, liege zweifellos eine höhere Arbeitsunfä
higkeit beziehungsweise
Einschränkung als 20
%
vor (
lit
. f/
bb
).
Im MRI vom 29. August 2014 seien
neu ein zweiter Deckplatteneinbruch und eine Nervenschädigung im rechten Bein
festgestellt worden
; die Gutachter hätten diese doch wesentlichen neuen Fakten gänzlich igno
riert (
lit
. f/cc)
.
Das
s
die neuropsychologischen Testergebnisse ‚nicht valide‘ sein sollten, werde bestritten; es seien die gemachten Tonbandaufnahmen und Symptomvalidierungstests herauszugeben (
lit
. f/
dd
).
Auch das psychiatrische Teilgutachten leide an - näher bezeichneten - Mängeln (
lit
. f/
ee
).
Bezüglich der Diagnose und der versicherungsmedizinischen Beurteilung werde erneut kritisiert, dass einseitig auf (befangene) methodisch nicht fundiert erhobene Ansichten von Versicherungsärzten abgestützt werde (
lit
. g).
Dass die Beschwerdegegnerin das Gutachten des
E._
ungefiltert der AXA-Versicherung als Privatstrafklägerin ausgehändigt habe, beurteile er als unfair (
lit
. h).
Im Kapitel ‚Beantwortung der Zusatzfragen‘ setze sich das Gutachten mit keinem Wort mit dem Gutachten von
Dr.
A._
auseinander, wes
halb von den Gutachtern eine explizite Stellungnahme zu den Gutachten von
Dr.
A._
und der
C._
einzuholen sei (
lit
. i).
Dadurch, dass auf seine begründeten Einwände und Zusatzfragen nicht eingegangen worden sei, sei sein Anspruch auf Gewährung des rechtli
chen Gehörs verletzt worden (
lit
. j).
3.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit und einem all
-
fälli
gen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verhält, und ob diesbezüglich auf das
E._
-Gutachten abgestellt werden kann.
4.
4.1
Die formalen Einwände betreffend die angeordnete Begutachtung (vorstehend
E. 3.2
lit
. a) sind nicht stichhaltig. Es ist nicht zutreffend, dass im Urteil des hiesi
gen Gerichts
vom 14. Dezember 2012
eine
Begutachtung nur im Grundsatz als richtig erachtet worden wäre. Zu beurteilen war die Verfügung, mit welcher eine Begutachtung im
E._
angeordnet worden war; die dagegen erhobene Be
schwerde wurde abgewiesen, mithin die angefochtene Verfügung
und damit die Anordnung einer Begutachtung im
E._
bestätigt.
Die Auftragsvergabe erfolgte im Jahr 2011 und damit vor der Neuordnung mit der zufallsbasierten Auftragsvergabe
(Art. 72
bis
Abs.
2 IVV)
; diese war denn auch im genannten Urteil kein Thema.
Wenn der Beschwerdeführer seine im damaligen Verfahren erhobenen Ein
wände erneuern will, verkennt er, dass darüber rechtskräftig entschieden wor
den ist. Überdies hat er sich - abgesehen von anderweitig begründeten Verzö
gerungen - auf das Verfahren eingelassen (vorstehend E.
3.2)
; im Nachhinein behauptete Mängel zu rügen, verstösst gegen
den
Grundsatz von Treu und Glauben (
vgl.
BGE 105
Ia
307 E. 4).
4.2
Die Rechtsprechung verneint das Vorliegen einer versicherten Gesundheits
-
schädi
gung
unter anderem, wenn eine Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht und nennt dafür als An
haltspunkte
unter anderem
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschil
derten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese
, die Angabe
intensive
r Schmerzen
, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt
,
oder
de
monstrativ vorgetragene Klagen
, die
auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken
(BGE 141 V 281 E. 2.2.1).
Die Rechtsanwendung ist mithin, soll sie den bundesgerichtlichen Vorgaben genügen, nachgerade darauf angewiesen, dass Gutachterinnen und Gutachter auch solche Aspekte des Verhaltens registrieren
und zutreffendenfalls entspre
chende Beobachtungen festhalten. Weder handelt es sich dabei um blosse
‚
Spe
kulation
‘
(vorstehend E.
3.2
lit
. e) noch sind entsprechende Ausführungen ‚irri
tierend‘ (vorstehend E.
3.2
lit
. f/
aa
).
4.3
Im Rahmen neuropsychologischer Abklärungen kommt der sogenannten
Be
schwerdevalidierung
erhebliche Bedeutung zu (vgl. Adrian Frei et. al., Kriterien zur Bestimmung des Schweregrades einer neuropsychologischen Störung sowie Zuordnungen zur Funktions- und Arbeitsfähigkeit, HAVE 2016, S. 164 ff.,
S. 170 f.). Wenn - vereinfacht gesagt - die Prüfung der gleichen Hirnfunktion in unterschiedlichen Tests deutlich voneinander abweichende Ergebnisse ergibt, muss angenommen werden, dass jedenfalls bei einem der Tests das Ergebnis nicht der tatsächlichen Funktionsfähigkeit entspricht.
Wenn die fachkompetente Neuropsychologin gestützt auf entsprechende Be
funde zum Schluss kommt, die erzielten Ergebnisse seien nicht genügend aus
sagekräftig, so
liegt dies an der entsprechenden Performance des Beschwerde
führers bei der neuropsychologischen Abklärung,
ist zur Kenntnis zu nehmen
und stellt keinen Grund dar, einzelne Testverfahren oder gar Tonbandaufnah
men zu edieren. Das entsprechende Ansinnen des Beschwerdeführers (vorste
hend E.
3.2
lit
. f/
dd
) erweist sich als verfehlt.
4.4
Ferner rügte der Beschwerdeführer, dass auf
seine begründeten Einwände und Zusatzfragen nicht eingegangen worden
sei, verletze seinen Gehörsanspruch (vorstehend E. 3.2
lit
. j). Nicht klar ist dabei, ob sich der Vorwurf an die
Be
schwerdegegnerin
oder die
E._
-Gutachter richtet. Sollte das Vorgehen der
Be
schwerdegegnerin
gemeint sein, so ist mangels Substantiierung nicht ersicht
lich, was sie falsch gemacht haben sollte. Sollten die Gutachter gemeint sein, so dürfte klarzustellen sein, dass es in deren fachlichem Ermessen liegt, wie sie die ihnen unterbreiteten Fragen beantworten, und dass - analog zur gefestigten Praxis betreffend
Entscheidbegründung
(vgl.
BGE 124 V 180
E. 1a, BGE 112
Ia
107 E. 2b) - nicht verlangt wird, dass sie sich zu allen erdenklichen Aspekten und Vorbringen einzeln äussern.
Der betreffende Kritikpunkt erweist sich somit als unbegründet.
5.
5.1
Die Ärzte des
E._
erstatteten am 13. November 2014 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6/169/1-159)
. Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen
und zusätzlich eingeholte
Akten
(S. 6 ff.), die Angaben des Be
schwerdeführers (S. 74 ff.) und die von ihnen am 12., 20. und 27. August sowie 10. September 2014 (S. 1 unten) erhobenen allgemeinmedizinischen (S.
81 ff.), rheumatologischen (S. 86 ff.), neurologischen (S. 95 ff.), neuropsychologischen (S. 116 ff.) und psychiatrischen (S. 124 ff.) Befunde.
5.2
Die Gutachter nannten folgende
Diagnose
n
mit Einfluss auf Arbeitsfähigkeit
(S. 145
Ziff.
6.1)
:
Status nach dreimaliger
Halswirbelsäulen- (
HWS
-)
Distorsion mit/bei
anhaltender Belastbarkeitseinschränkung mit
chronifizierten
vor allem ok
zipital lokalisierten
Cephalgien
, Missempfindung parazervikal und im Bereiche der vorderen
Thoraxapertur
als Folge eines
myofaszialen
, wechselnd ausgeprägten
Triggerpunktsyndroms
mit
fort
geleiteten
Missempfindungen
ohne Hinweise für eine facettengelenksfortgeleitete oder
radikuläre
Restsymptomatik
fehlenden Hinweisen für Hypermobilität oder Instabilität
mehrsegmental beginnende degenerative Veränderungen, wahrscheinlich stattgefundene Bodenplattenfraktur C6 und Deckplattenfraktur C7
Als
Diagnosen ohne Einfluss auf Arbeitsfähigkeit
nannten die Gutachter
(S. 145 f.
Ziff.
6.2):
episodischer Spannungskopfschmerz
rezidivierendes
lumboradikuläres
, sensorisches Reiz- und
Ausfallssyn
drom
S1 links seit Dezember 2011 bei Diskushernie L5/S1 links und Be
einträchtigung der Nervenwurzel S1 links
chronische Schmerzstörung bei psychosozialen Belastungsfaktoren (ICD-10 F45.41), Differentialdiagnose (DD) undifferenzierte Somatisierungs
störung (ICD-10 F45.1)
Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
aktenkundig Status nach Anpassungsstörung bei psychosozialer Belas
tung (ICD-10 F43.21)
Hypercholesterinämie
5.3
Berufsanamnestisch hielten die Gutachter unter anderem fest, der Beschwerde
-
füh
rer
sei seit 1987 in seiner ei
genen Firma als Innendekorateur/-
architekt
selbständigerwerbend
tätig (S. 146
Ziff.
7.1).
In ihrer Beurteilung führten sie unter anderem aus, aus
chirurgisch-allge
-
meinme
dizinisch
er
Sicht lasse sich
keine Einschränkung
der Arbeitsfähig
keit begründen, weder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit noch in einer dem Alter und dem Habitus angepassten Verweistätigkeit
(S. 151 Mitte)
.
Bei der rheumatologischen Untersuchung
sei
eine anhaltende
Belastbarkeitsein
schränkung
als Folge eines
myofaszialen
, wechselnd ausgeprägten
Trigger
punktsyndroms
gefunden
worden
. Nach einer HWS-Distorsion könn
t
en solche
Restbeschwerden persistieren, die ätiologisch schwierig zuzuordnen s
eien
. Die
Schmerzmedikation
sei
gering, die therapeutisch notwendigen Behandlungen
mit einer Weichteilbehandlung
alle 2
Wochen begrenzt, so dass man von einer gut
kompensierten Situation ausgehen k
ö
nn
e
. Die Tätigkeit des Exploranden
sei
intellektuell
anspruchsvoll und mit Zeitdruck verbunden, dies k
ö
nn
e
diese Be
schwerden verstärken,
weshalb das Einhalten von repetitiv kürzeren Pausen notwendig
sei
. Deshalb
sei
in der
angestammten Tätigkeit eine 80%
ige Arbeits
fähigkeit zumutbar. Diese Beurteilung
sei
eher grosszügig, da in den eingesehe
nen Videoaufnahmen und den vorliegenden
Protokollen keine Pausen gemacht w
ü
rden, auch w
ü
rden in den Protokollen mehrmals
Arbeitstage von 8-10 Stun
den ohne Pause dokumentiert. In einer Verweistätigkeit, die
intellektuell weni
ger fordernd und vor allem mit weniger Zeitdruck verbunden wäre,
bestehe
be
zogen
auf ein volles Pensum eine 100%
ige Arbeitsfähigkeit
(
S. 152 f.)
.
Bei der neurologischen Untersuchung ergäben sich bis auf einen abgeschwäch
ten Achillessehnenreflex (ASR) links und Angaben von Hypästhesie im Bereich bestimmter Finger rechts keine weiteren Hinweise auf fokal neurologische Defi
zite. Im Hinblick auf die beklagten Nackenschmerzen finde sich kein Anhalt für eine
nervale
oder
radikuläre
Schmerzursache. Die geklagten Kopfschmerzen entsprächen phänotypisch am ehesten einem episodischen Spannungskopf
schmerz, aus ihnen könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestier
t werden (S. 152). Aus neurologis
cher Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsfähig
keit für alle leichten bis vorübergehend mittelschweren Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt, inklusiv der bisherigen Tätigkeit, ohne Heben, ohne Tragen und Transportieren von Lasten über 10 kg und ohne Verharren in
Zwangshal
tungen
(S.
152 f.). Aufgrund der geklagten Konzentrationsstörungen werde eine verkehrsmedizinische Abklärung zur Einschätzung der Fahrtauglichkeit empfohlen (S. 153 oben).
Bei der neuropsychologischen Exploration lasse die Zusammenstellung der Be
funde auf ein Aggravationsverhalten des Versicherten schliessen. Daher könn
ten die Ergebnisse der Leistungstests inhaltlich nicht ausgewertet werden, da
sie wahrscheinlich nicht das effektiv vorhandene kognitive Leistungsniveau abbil
deten. Unter diesen Umständen bestehe andererseits auch das Risiko, dass tat
sächliche und spezifische kognitive Defizite differenzialdiagnostisch nicht fest
gestellt werden könnten. Aus neuropsychologischer Sicht könne daher keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen werden (S. 153
)
.
Bei der psychiatrischen Exploration bestünden keine psychopathologischen Auf
fälligkeiten. Zusammenfassend bestünden bei dem Versicherten erhebliche Inkonsistenzen und ein ausgesprochen selbstlimitierendes Verhalten. Es stehe
ein subjektives Schmerzsyndrom im Vordergrund. Es sei aus psychiatrischer Sicht von einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) auszugehen. Aufgrund der zusätzlich angegebenen diversen Missempfindungen sei rein formal die Diagnose einer undifferenzierten Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1) zu erwägen
(S. 153 Mitte)
.
Zudem sei aufgrund der durch den Versicherten angegebenen bereits seit Jahren persistierenden chronischen Müdigkeit ohne weitere psychopathologische Auf
fälligkeiten und ohne organisches Korrelat diagnostisch am ehesten von einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0) auszuge
h
en. Weder die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) noch die undiffe
renzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1) und die Neurasthenie (ICD-10 F48) führten aus rein medizinischer Sicht zu einer Minderung der Arbeitsfähig
keit. Eine Willensanstrengung zur Überwindung der Defizite
sei
dem Versicher
ten aus psychiatrischer Sicht zumutbar und tatsächlich möglich. Deshalb be
steh
e
für jede Art von Tätigkeit (angestammte sowie körperlich angepasste Tä
tigkeiten und Haushaltarbeiten) aus psychiatrischer Sicht eine 100%ige Ar
beitsfähigkeit (S. 153 unten).
5.4
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Be
funde sei der Versicherte aus rheumatologischer Sicht für die angestammte Tä
tigkeit aufgrund der vermehrt notwendigen Pausen zu 80
%
arbeitsfähig. In ei
ner Verweistätigkeit, die intellektuell weniger fordernd und vor allem mit weni
ger Zeitdruck verbunden wäre, bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Aus neurologischer Sicht bestehe aufgrund der intermittierend auftretenden
radiku
lären
Symptomatik eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für alle leichten bis vorüber
gehend mittelschweren Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt, inklusiv der bisherigen Tätigkeit, ohne Heben, ohne Tragen und Transportieren von Lasten über 10 kg und ohne Verharren in Zwangshaltungen. Aus
chirurgisch-allge
meinmedizinischer
und psychiatrischer Sicht bestehe eine uneingeschränkte 100%ige Arbeitsfähigkeit für sämtliche infrage kommenden Tätigkeiten. Aus neuropsychologischer Sicht könne die Arbeitsfähigkeit aufgrund des
Aggravati
onsverhaltens
nicht beurteilt werden.
5.5
Das aktuell ermi
ttelte Belastbarkeitsprofil gelte
seit dem 9.
Juni
2004. Durch die in der
Akte bekannten Unfälle
sei
es jeweils zu einer vorübergehenden teilwei
sen bis
vollständigen Arbeitsunfähigkeit
gekommen, die
sich während maximal 6 bis 12 Monate
n
nach dem Unfall begründen
lasse
. Der Versicherte ha
be nach dem Unfall vom
3.
September
1997
nach einer vorübergehenden, nachvollzieh
baren Arbeitsunfähigkeit einige Jahre
zu 100
%
gearbeitet. Erst ab 2004
seien
die degenerativen Veränderungen der HWS
symptomatisch
geworden
und
habe
die Arbeitsfähigkeit reduziert werden
müssen (S. 154
Ziff.
7.5)
Bereits bei der
Begutachtung
2006
durch den Neurologen PD
Dr.
med.
F._
(
vgl. vor
stehend E. 2.1) sei
festgehalten
worden
, dass aufgrund der Befunde die Arbeits
fähigkeit um
maximal 20
%
reduziert sei, wobei hier auch die psychiatrischen Diagnosen einer
Anpassungsstörung und Somatisierungsstörung mitberück
sichtigt w
o
rden
seien, die n
ach aktueller Rechtsprechung noch keine
Arbeits
unfähigkeit
begründeten
. Die im Gutachten von
PD
Dr.
F._
genannten Be
funde entspr
ä
chen
weitestgehend den aktuell erhobenen (S. 154 f.). Die vom be
handelnden Rheumatologen erwähnte Instabilität C2/3 habe weder von den Gutachtern noch von PD
Dr.
F._
, dem
Kreisarzt der SUVA oder den Neurolo
gen der Klinik
G._
bestätigt werden k
önnen. Die gefundenen degenerati
ven Veränderungen der HWS erklärten weder das Ausmass noch den zeitlichen Verlauf noch die fehlende Belastungsabhängigkeit der geklagten Beschwerden (S. 155 oben).
6.
6.1
Der Beschwerdeführer hat mehrfach gerügt, die Gutachter hätten dem Gutach
ten von
Dr.
A._
zu wenig Beachtung
zuteilwerden
lassen (vorstehend
E. 3.2
lit
. b,
lit
. i). Dazu ist vorab zu bemerken, dass das genannte Gutachten im Aktenauszug (S. 50 ff.) sehr ausführlich, nämlich auf annähernd vier Textseiten, wiedergegeben wurde.
Dr.
A._
hat im Auftrag des Beschwerdeführers zur Frage Stellung genom
men, was sich bezüglich der Arbeitsfähigkeit aus den
Observationsergeb
nissen
schliessen lasse und was nicht. Dies wäre im vorliegenden Zusammen
hang dann von Interesse, wenn die
E._
-Gutachter ihre Einschätzung (auch) mit Schlussfolgerungen, die sie aus den Observationsergebnissen gezogen hät
ten, begründet hätten.
Dies ist jedoch gerade nicht der Fall.
Die
E._
-Gutachter
attestierten eine Arbeits
fähigkeit von 80
%
in der angestammten Tätigkeit und bezeichneten dies als eher grosszügig mit Blick auf die Observationsergebnisse (vorstehend E. 5.3). Sie hätten also, wenn sie
das
mitberücksichtigt hätten, was sich ihres Erachtens aus den Observationsergebnissen
hätte schliessen lassen können
, eine höhere Arbeitsfähigkeit attestiert
, haben also bei der angegebenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit allfällige Schlussfolgerungen aus den Observationsergebnissen gerade ausgeklammert.
Dementsprechend geht die Kritik des Beschwerdeführers ins Leere. Ebenso kann offen bleiben, inwiefern Observationsergebnisse in verschiedenen
Rechtsgebie
ten
- vgl. für das Sozialversicherungsrecht das Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
4.
Dezember 2012 (
Urk.
6/109 E. 2.1), für das Privatvertragsrecht der
Kran
kentaggeldversicherung
das Urteil des Bundesgericht
s
vom
3.
März 2015 (
Urk.
6/186), für das Strafrecht das Urteil des Kantonsgerichts
D._
vom
9.
November 2015 (
Urk.
16) - allenfalls einen unterschiedlichen Stellenwert ha
ben.
6.2
Aus dem gleichen Grund ist nicht nachvollziehbar, dass den
E._
-
Gutachtern daraus ein Vorwurf gemacht werden können sollte, dass sie im Abschnitt „
Ak
tenauszug
“ die ihnen effektiv überlassenen Akten - und nicht, wie vom Be
schwerdeführer
offenbar
bevorzugt, lediglich eine bestimmte Selektion daraus - ber
ücksichtig
ten (vorstehend E. 3.2
lit
. c).
6.3
Welche Erkenntnisse für die zu beantwortenden Fragen die Gutachter anhand des - notabene von ihnen veranlassten - MRI zu gewinnen vermochten, ist eine Frage der medizinischen Kompetenz, weshalb es auf die diesbezügliche Beur
teilung des Beschwerdeführers, was wesentliche neue Fakten seien, nicht an
kommen kann (vorstehend E. 3.2
lit
. f/cc). Davon, dass die Gutachter das MRI bei ihrer Beurteilung berücksichtigt haben, geht auch der Beschwerdeführer aus, wirft er ihnen doch an anderer Stelle gerade vor, ihn ‚bloss anhand eines MRI‘ beurteilt zu haben (vorstehend E. 3.2
lit
. f/
bb
).
6.4
Sodann
machte der Beschwerdeführer geltend, es sei gänzlich un
berücksichtigt geblieben, dass
er drei Auffahrunfälle erlitten habe (vorstehend E. 3.2
lit
. f/
bb
).
Dieser Vorwurf ist un
zutreffend
, nannten die Gutachter doch als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit explizit einen
Status nach dreimaliger HWS-Distorsion
(vorstehend E. 5.2).
6.5
Welche Arbeitsunfähigkeit sich aus den erhobenen Befunden - auch in Berück
sichtigung der vom Beschwerdeführer während Jahren geschilderten Einschrän
kungen
- ergibt, ist die zentrale Frage, zu deren Beantwortung gegebenenfalls ein Gutachten eingeholt wird,
weil es die
genuine Aufgabe
der m
edizinische
n
Sachverständige
n
- für welche
Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kom
petent sind
-
ist
, mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und ge
stützt
darauf die Diagnose zu stellen
(
vgl.
BGE 140 V 193 E. 3.2)
.
Wenn der Beschwerdeführer der gutachterlich attestierten Einschränkung von 20
%
entgegenhält, es liege ‚zweifellos‘ eine höhere Einschränkung vor (vorste
hend E. 3.2
lit
. f/
bb
), so
ist
dies als subjektive Selbsteinschätzung zur Kenntnis zu nehmen, welche allerdings gemäss
Art.
7
Abs.
2 Satz 2 ATSG gerade nicht massgebend sein kann.
6.6
Zusammenfassend erweisen sich die vom Beschwerdeführer gegenüber dem
E._
-Gutachten erhobenen Einwände (vorstehend E. 3.2) alle als unbegründet. Das Gutachten erfüllt denn auch die praxisgemässen Kriterien (vorstehend
E. 1.2) vollumfänglich, so dass darauf abzustellen ist.
Ebendies hat die Beschwerdegegnerin - zu Recht - getan, womit sich der von ihr ermittelte Invaliditätsgrad von 20
%
als zutreffend erweist. Auch der Beschwer
deführer hat diesbezüglich nichts beanstandet.
Die angefochtene Verfügung ist somit als rechtens zu bestätigen, was zur Ab
-
wei
sung
der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die
In
-
vali
denversicherung
(IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.