Decision ID: d92a78f4-ffc8-4e3a-9609-af1424a65f27
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 30. August 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (Rente; act. G 4.1/3). Das behandelnde Psychiatrie-Zentrum
Rheintal gab in seinem Bericht vom 13. Dezember 2007 an, es bestehe seit Juli 2006
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2), ein Verdacht
auf somatoforme autonome Funktionsstörungen des oberen Verdauungssystems
(F45.31), ein Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich
vermeidenden und abhängigen Anteilen (F31.0) sowie komplexe Schlafstörungen mit
Restless legs-Syndrom, PLMS und Störungen des zirkadianen Rhythmus. Dem
Versicherten seien weder die angestammte Tätigkeit (als Produktionsmitarbeiter bei der
B._) noch eine andere Tätigkeit zumutbar (act. G 4.1/23.5 ff.).
Auf Veranlassung des Regionalen Ärztlichen Dienstes Ostschweiz (RAD) holte die IV-
Stelle St. Gallen bei der Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel (ABI), ein
psychiatrisch/neurologisches Gutachten ein. Dieses wurde am 27. Oktober 2008,
gestützt auf entsprechende Explorationen vom 24. September 2008, erstattet. Die ABI
GmbH diagnostizierte - mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - eine leichte bis
mittelgradige depressive Episode (F32.0/F32.1) sowie eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung (F45.1). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit hielt die ABI unter anderem eine Ein- und Durchschlafinsomnie mit
Störung des zirkadianen Rhythmus sowie chronische lumbale Rückenschmerzen
(M54.4) fest. Die ABI GmbH hielt weiter fest, dass der Beschwerdeführer aus
polydisziplinärer Sicht für jegliche körperlich leichte bis mittelschwer belastende
Tätigkeit zu 70 % arbeits- und leistungsfähig sei. Diese Arbeitsfähigkeit könne
vollschichtig umgesetzt werden (act. G 4.1/29).
A.b Am 20. Januar 2009 fand beim Versicherten zu Hause eine Befragung durch die
Eingliederungsberaterin statt (act. G 4.1/41 f.). Nachdem nach deren Ansicht auf Grund
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der Beschwerden und des "komplett umgedrehten Schlaf-/Wachrhythmus" des
Versicherten keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien, teilte die IV-Stelle dem
Versicherten am 11. Februar 2009 mit, dass die Arbeitsvermittlung abgeschlossen
werde (act. G 4.1/42 ff.).
A.c Nachdem der RAD am 9. März 2009 erneut Stellung genommen hatte zur
Arbeitsfähigkeit (70 % Arbeitsfähigkeit bei Vollpensum mit vermehrten Pausen ab Juli
2006), führte die IV-Stelle den Einkommensvergleich durch (act. G 4.1/46 ff). Mit
Vorbescheid vom 22. April 2009 gab die IV-Stelle dem Versicherten bekannt, sie gehe
von einem Invaliditätsgrad von 20 % aus, weshalb kein Anspruch auf eine Rente
bestehe (act. G 4.1/50). Mit Einwand vom 25. Mai 2009 beantragte der nunmehr
vertretene Versicherte die Ausrichtung einer ganzen Rente. Dabei legte er einen
ärztlichen Bericht der Psychiatrischen Dienste Süd, Klinik St. Pirminsberg vom 7. April
2009 bei, der belegen solle, dass ihm nicht zuzumuten sei, in einer körperlich leichten
bis mittelschweren Tätigkeit eine 70 %-ige Arbeitsleistung zu erbringen (act. G 4.1/51 -
52).
Betreffend den (erneuten) Aufenthalt des Versicherten in der Klinik St. Pirminsberg vom
19. Februar 2009 bis zum 1. April 2009 holte die IV-Stelle sodann weitere Arztberichte
sowie einen Verlaufsbericht des Psychiatrie-Zentrums Rheintal ein (act. G 4.1/53). Die
Klinik diagnostizierte mit Bericht vom 21. April 2009 unter anderem eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) sowie eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung (F45.1). Für den Zeitraum des Klinikaufenthaltes attestierte sie
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und überliess die weitere Beurteilung dem
Psychiatrie-Zentrum Rheintal (act. G 4.1/55). Dieses diagnostizierte im Verlaufsbericht
vom 10. Juni 2009 im Wesentlichen ebenfalls eine schwere depressive Episode,
daneben unter anderem eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-
vermeidenden und abhängigen Anteilen. Die Prognose sei langfristig ungünstig (act. G
4.1/56). Nach einer weiteren Stellungnahme des RAD vom 29. Juli 2009, wonach der
erneute Klinikaufenthalt an der Beweistauglichkeit des ABI-Gutachtens nichts ändere
und eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der Begutachtung in den
neuen Arztberichten (Klinik St. Pirminsberg, Psychiatrie-Zentrum Rheintal) nicht
beschrieben werde, teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter am 30. Juni 2009 (richtig
wohl: 30. Juli 2009) mit, dass am Vorbescheid festgehalten werde (act. G 4.1/64 - 65).
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Mit Ergänzung des Einwands vom 28. August 2009 führte der Rechtsvertreter im
Wesentlichen aus, dass bei rezidivierenden depressiven Störungen Veränderungen
zum Störungsbild gehörten, eine einmalige gutachterliche Exploration mithin nicht
genüge, um Veränderungen beurteilen zu können. Die behandelnde Ärztin der Klinik St.
Pirminsberg sei nach den diversen stationären Aufenthalten dagegen sehr wohl in der
Lage, die Veränderungen im Störungsbild zu beurteilen (act. G 4.1/66).
A.d Mit Verfügung vom 14. September 2009 wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch
wie angekündigt ab (act. G 4.1/67).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 9. Oktober
2009 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Dem
Beschwerdeführer sei sodann eine ganze Invalidenrente ab Juni 2007 zuzusprechen.
Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung stützt sich der
Beschwerdeführer im Wesentlichen auf die Angaben der Klinik St. Pirminsberg. Deren
behandelnde Ärztin Dr. C._ kenne den Beschwerdeführer seit dessen erstem
Klinikaufenthalt von November 2006 bis Februar 2007. An der von der Klinik gestellten
Diagnose einer schweren depressiven Episode könne nicht gezweifelt werden,
wenngleich sie durch behandelnde Fachärztinnen und -ärzte gestellt worden sei. Im
Übrigen zweifelten auch das ABI und der RAD die Diagnose nicht an. Sodann sei der
Beschwerdeführer im Dezember 2007 ein zweites Mal wegen einer schweren
depressiven Symptomatik stationär in der Klinik St. Pirminsberg behandelt worden.
Zum Zeitpunkt der Entlassung sei es ihm nicht besser gegangen. Entgegen der Ansicht
des RAD sei sodann die Arbeitsfähigkeit auch für die Zeiträume zwischen den
Klinikaufenthalten von den behandelnden Ärzten beurteilt worden. So habe das
Psychiatrie-Zentrum Heerbrugg in seinem Bericht vom 7. Dezember 2007 aufgeführt,
dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch die anhaltende depressive
Symptomatik seit Juli 2006 zu 100 % aufgehoben sei.
Der Beschwerdeführer sei nach der Erstellung des ABI-Gutachtens von Februar bis
April 2009 erneut wegen einer schweren Depression mit ausgeprägter Schlafstörung in
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der Klinik St. Pirminsberg hospitalisiert gewesen. Die Schlafstörungen hätten zwar
während des Aufenthaltes gebessert werden können, jedoch nicht durch regelmässige
Beschäftigung am Tag, sondern indem die Medikation umgestellt worden sei und
durch schlaffördernde Massnahmen. Indem die ABI GmbH die fehlende regelmässige
Arbeit als Ursache für die Schlafstörung sehe, verkenne sie, dass dem
Beschwerdeführer eine regelmässige Arbeit gar nicht möglich sei. Im Übrigen sei die
Argumentation der Gutachter nicht schlüssig, wonach keine schwere Depression
vorliegen könne, wenn der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Begutachtung nicht in
stationärer Behandlung gewesen sei. Auch bei schweren Depressionen würden
stationäre Behandlungen nur bei Eigen- oder Fremdgefährdung durchgeführt oder um
eine Behandlung zu forcieren. Ebenso wenig bedeute der Umstand, dass der
Beschwerdeführer nicht ständig in stationärer Behandlung gewesen sei, dass er in der
Zwischenzeit 70 % arbeitsfähig gewesen sei und noch weniger, dass er einer 70 %-
igen Erwerbstätigkeit nachgehen könne. Das ABI-Gutachten leuchte in der Darlegung
der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
nicht ein und es ziehe Schlussfolgerungen, die nicht begründet seien. Unzutreffend
seien sodann die Ausführungen in der Verfügung vom 14. September 2009, wonach die
unterschiedliche Beurteilung auf die therapeutische Nähe und auf die
auftragsrechtliche Stellung der behandelnden Ärzte zurückzuführen sei, würden doch
die ABI-Gutachter die Feststellungen der Klinik St. Pirminsberg gar nicht bestreiten.
Zutreffenderweise sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer unter Annahme
einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage kein Einkommen erzielen könne (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2009 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Die behandelnden Ärzte schätzten die Arbeitsfähigkeit
(richtig: Arbeitsunfähigkeit) des Beschwerdeführers höher als die ABI-Experten ein, weil
sie berücksichtigten, dass der Beschwerdeführer am Tag anstatt in der Nacht schlafe.
Die ABI-Experten hätten unter anderem deshalb keine schwere depressive Episode
diagnostiziert, weil der Beschwerdeführer Kontakt zu seinen Familienangehörigen
habe. So sei er z.B. von einer Verwandten mit dem Auto zur Untersuchung von D._
nach Basel gefahren worden. Aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer die Klinik
St. Pirminsberg im Dezember 2007 vorzeitig verlassen habe, weil ein Familienmitglied
erkrankt sei, ergebe sich, dass sich der Beschwerdeführer zutraue, seiner Familie
helfen zu können und sich selbst nur dann schwer krank einschätze, wenn IV-
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Leistungen zur Diskussion ständen. Nachdem der Beschwerdeführer gemäss
Gutachten in der bisherigen oder in jeder anderen leichten bis mittelschweren Tätigkeit
zu 70 % arbeitsfähig sei, betrage der Invaliditätsgrad 30 % (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 29. April 2010 hält der beschwerdeführerische Rechtsvertreter an
seinen Anträgen fest und verlangt zusätzlich die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung. Die Beschwerdegegnerin lasse unerwähnt, dass behandelnde Ärzte
wegen ihrer speziellen, dank langjähriger Erfahrung gewonnenen Erkenntnisse den
Gesundheitszustand des Patienten besonders gut kennen würden. Das
Versicherungsgericht habe entschieden, dass Berichte von behandelnden Ärzten nicht
ohne Weiteres als unbeachtlich beiseite geschoben werden könnten. Dies treffe
vorliegend auf die Berichte von C._ und des Psychiatrie-Zentrums Heerbrugg zu, die
den Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig erklärt hätten. Es sei deshalb auf deren
Berichte abzustellen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin werde die
Arbeitsfähigkeit sodann nicht durch die Tatsache beeinflusst, dass der
Beschwerdeführer tagsüber schlafe anstatt nachts, sondern weil er nachts nicht
schlafen könne (act. G 12). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G
14).
B.d Mit Schreiben vom 6. Juli 2011 verzichtet der beschwerdeführerische
Rechtsvertreter auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung (act. G 17).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Die
angefochtene Verfügung ist am 14. September 2009 ergangen, wobei ein Sachverhalt
zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-
Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt der
allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen
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zu Grunde zu legen sind, die im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445;
BGE 127 V 466 E. 1; BGE 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Daher ist der vorliegend
zu beurteilende Rentenanspruch für die Zeit bis zum 31. Dezember 2007 auf Grund der
bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen. Diese
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung
der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig
gewesenen Rechtslage, da die 5. IV-Revision diesbezüglich keine Änderungen mit sich
gebracht hat. Neu geordnet wurde jedoch der Zeitpunkt des Rentenbeginns, der,
sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen (Art. 28 Abs. 1 IVG) erfüllt sind,
gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens sechs Monate nach Geltendmachung des
Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG entsteht (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 28. August 2008, 8C_373/2008, E. 2.1 und vom 9. März 2009,
8C_491/2008, E. 2.1). Ist der Versicherungsfall indessen - wie vorliegend im Juli 2006 -
vor der Rentenrevision vom 1. Januar 2008 eingetreten, gilt auch für den Rentenbeginn
noch das alte Recht (Rundschreiben Nr. 253 des Bundesamtes für
Sozialversicherungen vom 12. Dezember 2007 "5. IV-Revision und
Intertemporalrecht").
1.2 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) in der bis am 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung (heute: Art. 28
Abs. 2 IVG) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch
auf eine Viertelsrente. Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist die
Invalidität grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und
nach der Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre.
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1.3 Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die Arbeits-
fähigkeitsschätzung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweis; RKUV 2000, 214).
2.
2.1 Vorliegend stützt sich die Beschwerdegegnerin auf das ABI-Gutachten vom 27.
Oktober 2008. Die Gutachter diagnostizierten eine leichte bis mittelgradige depressive
Episode (F32.0/F32.1) sowie eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (F45.1). Als
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie unter anderem
eine Ein- und Durchschlafinsomnie mit Störung des zirkadianen Rhythmus sowie
chronische lumbale Rückenschmerzen (M54.4). In der Gesamtbeurteilung kamen der
neurologische und der psychiatrische Gutachter zum Schluss, dass der
Beschwerdeführer für die angestammte Tätigkeit wie auch für jede andere ähnlich
gelagerte körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit zu 70 % arbeits- und
leistungsfähig, verwertbar in einem ganztägigen Pensum (act. G 4.1/29.15 f.).
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, das ABI-Gutachten sei nicht
beweistauglich, weil es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und der
daraus gezogenen Schlüsse nicht einleuchte. Zur Begründung seiner Ansicht stützt
sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen auf die Ausführungen
der behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums Rheintal sowie der Klinik St.
Pirminsberg in Pfäfers, insbesondere auf diejenigen im Vorbescheidverfahren bzw.
anlässlich der erneuten Hospitalisation in der Klinik St. Pirminsberg im Frühjahr 2009.
Im Verlaufsbericht vom 10. Juni 2009 gab das behandelnde Psychiatrie-Zentrum
Rheintal wie bereits in seinem Arztbericht vom 13. Dezember 2007 an, beim
Beschwerdeführer liege eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome vor (F32.2), bestehend seit etwa Juli 2006. Im Weiteren diagnostizierte es -
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nun nicht mehr als Verdachtsdiagnosen - eine somatoforme autonome
Funktionsstörung des oberen Verdauungssystems (F45.31) sowie eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Anteilen (F61.0).
Nach der letzten stationären Behandlung vom 19. Februar bis 1. April 2009 habe sich
das klinische Zustandsbild leicht verbessert. Das aktuelle psychische Zustandsbild sei
jedoch wieder weitgehend unverändert seit dem Bericht vom 13. Dezember 2007 mit
depressiver Verstimmung eingeengtem negativen formalen Denken, mittel bis schwer
ausgeprägter psychomotorischer Unruhe und Nervosität. Die Grundstimmung zeige ein
eindeutig schweres depressives Zustandsbild bei fehlender Suizidalität und
Fremdaggressivität. Der Beschwerdeführer leide unter schwer ausgeprägten Ein- und
Durchschlafstörungen und undifferenzierten Magen- und Darmbeschwerden (act. G
4.1/56.2). Die Arbeitsunfähigkeit schätzte das Psychiatrie-Zentrum Heerbrugg im
Dezember 2007 auf Grund der anhaltenden depressiven Symptomatik und der
schweren Schlafstörung mit verschobenem Schlaf-/Wach-rhythmus auf 100 % seit Juli
2006 ein (act. G 4.1/23.8).
Die Klinik St. Pirminsberg diagnostizierte in ihrem Austrittsbericht betreffend die
stationäre Behandlung vom 19. Februar bis 1. April 2009 ebenfalls eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2), zudem eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung (F45.1), Ein- und Durchschlafstörungen (G47.0), ein Restless
legs-Syndrom sowie periodische Beinbewegungen. Der Beschwerdeführer habe nach
Eintritt ein ausgeprägtes depressives Zustandsbild gezeigt, sei wenig aktiv und
motiviert, leicht reizbar, angespannt und nervös gewesen. Seine Belastungsschwelle
sei sehr niedrig mit schwerer Schlafstörung und eingeschränkten Leistungsfähigkeiten.
Für die Zeit des Aufenthaltes bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (act. G
4.1/55.1).
2.2 Aus den Berichten der behandelnden Institutionen geht hervor, dass sich der
Beschwerdeführer bereits seit 18. November 2005 in psychiatrischer Behandlung
befindet (act. G 4.1/23.6). In der Folge begab er sich sodann drei Mal wegen schwerer
depressiver Episoden und ausgeprägten Schlafproblemen zur stationären Behandlung
in die Klinik St. Pirminsberg, nämlich vom 23. November 2006 bis zum 21. Februar
2007, vom 6. bis 28. Dezember 2007 sowie vom 19. Februar bis 1. April 2009, wobei er
während dieser Phasen unzweifelhaft zu 100 % arbeitsunfähig war (act. G 4.1/52 und
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55). Ebenso befand er sich nach Angaben im ABI-Gutachten in stationärer Therapie im
Schlafzentrum in E._, nachdem er bereits im September 2007 im Medizinischen
Zentrum F._ bezüglich seiner Schlafprobleme abgeklärt und wo unter anderem ein
Restless legs-Syndrom (PLMS) diagnostiziert worden war (act. G 4.1/23.11 f.).
Angesichts dieser Feststellungen der behandelnden Ärzte erscheint die
Arbeitsfähigkeitsschätzung im ABI-Gutachten zumindest fraglich. So erscheint die
Diskrepanz zwischen den Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Gutachter und der
behandelnden Institutionen erheblich und kann nicht mehr mit dem
Ermessensspielraum der Psychiater erklärt werden. Insbesondere vermag die
Begründung des psychiatrischen Gutachters, wonach keine schwere depressive
Episode vorliegen könne, weil es dann wiederholt zu Suizidalität oder unkontrolliertem
aggressivem Verhalten käme und stationäre Behandlung notwendig wäre, nicht zu
überzeugen. Dagegen hat Ärztin C._ zu Recht eingewendet, dass sich
Hospitalisationen nicht einfach nach dem Schweregrad einer Depression richten (act. G
4.1/52.2). Wie bereits ausgeführt war der Beschwerdeführer mittlerweile drei Mal in
stationärer Behandlung, wobei aggressives Verhalten durchaus eine Rolle spielte (act.
G 4.1/55.2). Offenbar führte Aggressivität ursprünglich auch zur Aufnahme der Therapie
(act. G 4.2 [Bericht des Psychiatrie-Zentrums an die Krankenversicherung vom
18. Dezember 2006]).
Nachdem vorliegend ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der im Herbst 2005
therapeutisch angegangen wurde und bei dem bereits seit dem Jahr 2000
anamnestisch von zunehmender allgemeinen Reizbarkeit, gedrückter Stimmung,
Ermüdbarkeit, vermehrtem Schlafbedürfnis sowie verschiedenen körperlichen
Beschwerden die Rede ist (vgl. act. G 4.1/23.6 und G 4.2), hätten sodann auch die
Austrittsberichte der ersten beiden Klinikaufenthalte eingeholt werden müssen, geht es
doch um Verhaltensweisen, die bei einer Begutachtung als Momentaufnahme
naturgemäss weniger zum Vorschein kommen. Indem diese Berichte fehlen, konnten
die medizinischen Vorakten zwangsläufig nur unzureichend berücksichtigt werden (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juli 2008, 9C_51/2008, E. 2.2).
2.3 Schliesslich erscheint auch die Frage der Schlafproblematik zu wenig abgeklärt.
Zwar äusserte sich der neurologische Gutachter dahingehend, dass anlässlich der
Befragung aber auch der Anamneseerhebung während der stationären Behandlung in
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der Klinik für Schlafmedizin in E._ (deren Bericht vom 23. April 2008 nicht bei den
Akten liegt, dem ABI-Gutachter jedoch offenbar vorgelegen hat [vgl. act. G 4.1/29.13]),
keine Symptome hätten erhoben werden können, welche die internationalen
Diagnosekriterien für ein Restless legs-Syndrom erfüllen würden. Nach Ansicht des
neurologischen Gutachters könnten die ausgeprägten Schlafstörungen durch die
periodischen Beinbewegungen alleine nicht erklärt werden. Es sei jedoch möglich,
dass die motorischen Störungen im Schlaf einen zusätzlichen ungünstigen Faktor
darstellten. Versuche, die Schlafphase vorzuverschieben mit Hilfe von
verhaltenstherapeutischen Methoden, Melatonin und Lichttherapie während dem
stationären Aufenthalt in der Klinik für Schlafmedizin seien längerfristig gescheitert. Es
handle sich seines Erachtens nicht um ein Delayed Sleep Phase Syndrome, da die
Störung erst relativ spät im Lebenslauf aufgetreten sei. Insgesamt gehe er davon aus,
dass die Insomnie wie auch die zirkadiane Rhythmusstörung sekundär im Rahmen
einer psychischen Störung zu sehen seien, weshalb aus somatisch-neurologischer
Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festgestellt werden könne (act. G
4.1/29.13 f.). Der psychiatrische Gutachter hat zur Frage der Schlafstörung jedoch
nicht Stellung genommen und auch keine entsprechende Diagnose gestellt (act. G
4.1/29.9). In der polydisziplinären Beurteilung wurde sodann die Diagnose der Ein- und
Durchschlafinsomnie mit Störung des zirkadianen Rhythmus als Diagnose ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit angesehen (act. G 4.1/29.15).
2.4 Nach dem Gesagten vermag das Gutachten in psychiatrischer Hinsicht nicht
vollends zu überzeugen. Möglich erscheint vielmehr auch das Vorliegen eines
schweren depressiven Geschehens. Ebenso bleibt unklar, inwiefern die
Schlafrhythmusstörung effektiv einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ausübt und ob
sie gegebenenfalls mit geeigneten Massnahmen (verbesserte Schlafhygiene,
verbesserte Tagesstruktur) gebessert werden kann. Da somit auch Zweifel hinsichtlich
der psychiatrischen Arbeitsfähigkeitsschätzung, die in die Gesamtbeurteilung
eingeflossen ist, bestehen, erscheint eine psychiatrische Oberbegutachtung, die auch
die Auswirkungen der Schlafproblematik auf die Arbeitsfähigkeit umfasst, als
angezeigt. Die Streitsache ist entsprechend dem Eventualantrag an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei werden auch der Bericht der Klinik für
Schlafmedizin in E._, vom 23. April 2008 noch beizuziehen sein, nebst den Berichten
der Psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg.
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3.
3.1 Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 14. September 2009 aufzuheben
und die Streitsache zwecks Einholung eines psychiatrischen Obergutachtens im Sinn
der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.--
erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dementsprechend ist
dem Beschwerdeführer der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
3.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht