Decision ID: 62ae09ce-7568-4451-b91a-fae8ac748537
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971,
bezieht seit
1.
Oktober 2011 aufgrund eines
cerebellären
Syndroms eine ganze Invalidenrente (
Urk.
9/26
) und
verschie
dene
Hi
lfsmittel. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach
ihm mit Verfügung vom 2
0.
Februar 2013 (
Urk.
9/46;
Urk.
9/50) ab
1.
März
2012 eine Entschädigung für Hilflosigkeit schweren Grades bei Auf
enthalt im Heim zu, welche mit Verfügung vom 1
1.
März 2014 auf eine Ent
schädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades herabgesetzt wurde (
Urk.
9/74). Sodann verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
5.
März 2014 (
Urk.
9/70) einen Anspruch des Versicherten auf
Zus
prache
ei
nes Assistenzbeitrages. Mit Mitteilung vom 1
1.
Mai
2015 (
Urk.
9/98) und Verfügung vom
4.
Juni
2015 (
Urk.
9/103) bestätigte die IV-Stelle den bishe
rigen Anspruch auf Entschädi
gung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades un
ter Berücksichtigung des
Ent
schädigungsansatzes
für Aufenthalt zu Hause.
1.2
Im Rahmen des im Jahr 2015 eingeleitete
n
amtliche
n
Revisionsverfahrens (
Urk.
9/85) führte die IV-Stelle
eine erneute Abklärung betreffend
Assistenz
beitrag
(FAKT-Bericht vom 1
3.
August
2015;
Urk.
9/110 =
Urk.
9/118
) und
eine Abklärung betreffend Hilflosigkeit (Bericht vom
6.
Oktober
2015;
Urk.
9/113
) durch. Mit Vorbescheiden vom
6.
Oktober 2015 stellte sie
die Reduktion der
Hilflosenentschädigung
(
Urk.
9/115) und
die
Zusprache
eines Assistenzbeitrages
in der Höhe von durchschnittlich Fr. 2
‘
255.75 pro Monat
(
Urk.
9/114)
in Aussicht. Gegen l
etzteres
erhob
der Versi
cherte Einwände (
Urk.
9/117
). Mit Verfügung vom
5.
November 2015 (
Urk.
9/120) sprach
ihm
die IV-Stelle ab
1.
Oktober 2015 einen
Assistenzbei
trag
in Höhe von maxi
mal
Fr.
2‘255.75 monatlich beziehungsweise maximal
Fr.
18‘046.20 jährlich zu. Sodann reduzierte sie mit Verfügung vom
9.
Dezember 2015 (
Urk.
9/125) die Entschädigung für Hilflosigkeit auf eine solche leichten Grades. Am
6.
Januar
2016 teilte sie dem Versicherten mit, sein Rentenanspruch sei unver
ändert (
Urk.
9/130).
1.3
Am 3
0.
Juni 2016 (
Urk.
9/144) beantragte der Versicherte eine Erhöhung des Assistenzbeitrages. Die IV-Stelle teilte ihm nach Vornahme der erforderlichen Abklärungen (FAKT-Bericht vom 2
7.
Juli 2016;
Urk.
9/149;
Abklärungsbe
richt
vom 2
8.
Juli 2016;
Urk.
9/150) am
4.
August 2016 (
Urk.
9/153) mit, sein Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
sei unverändert. Mi
t Vorbescheid vom
4.
August 2016
(
Urk.
9/155) stellte sie sodann die
Zusprache
eines Assi
stenzbeitrages in Höhe von maximal
Fr.
2‘273.55 beziehungsweise
Fr.
18‘188.40
pro Jahr in Aussicht.
Dagegen erhob der Versicherte am
1
2.
September
2016
und 1
2.
Oktober
2016
Einwände (
Urk.
9/157
;
Urk.
9/168
). Nach entsprechendem Gesuch des Beschwerdeführers (
Urk.
9/158) erliess die IV-Stelle am 2
0.
September 2016
einen Vorbescheid betreffend den Anspruch
auf
Hilflosenentschädigung
(
Urk.
9/162), wogegen der Versicherte am 1
2.
Okto
ber
2016 Einwände erhob (
Urk.
9/167). Die IV-Stelle hielt mit Ver
fügung vom 2
0.
Oktober 2016 (
Urk.
9/172 =
Urk.
2) an der
Zusprache
einer Ent
schädigung für Hilflosigkeit leichten Grades fest. Am 2
1.
November 2016 ersuchte der Versicherte die IV-Stelle um Sistierung des Verfahrens betref
fend Höhe des Assistenzbeitrages bis zur rechtskräftigen Entscheidung über die Höhe der
Hilflosenentschädigung
(
Urk.
9/174). Dem gab die IV-Stelle am 2
4.
November 2016 statt
(
Urk.
9/175).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
0.
Oktober 2016 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 1
7.
November 2016 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des an
gefochtenen Entscheides und
Zusprache
einer Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades ab
1.
Juni 2016 (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin be
an
tragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Februar 2017 (
Urk.
8) die Abwei
sung der Beschwerde. Mit Beschluss vom 2
4.
Februar 2017 (
Urk.
10) stellte das hiesige Gericht die Rückweisung der Sache in Aussicht und gewährte dem Beschwerdeführer rechtsprechungsgemäss das rechtliche Gehör und die Gele
genheit zum Rückzug seiner Beschwerde. Mit Stellungnahme vom 1
3.
März 2017 (
Urk.
12) hielt er an seiner Beschwerde fest und stellte zusätz
lich den Antrag, es sei im Falle einer Rückweisung ein Anspruch auf
Zuspra
che
einer Entschädigung für lebenspraktische Begleitung zu prüfen. Dies wurde der Beschwerdegegnerin am 1
5.
März 2017 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG) haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
, ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilf
losenentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine
Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebe
ns
verrichtungen
dauernd der Hilfe Dritter oder der persönli
chen Über
wachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversiche
rung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung ange
wie
sen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38 IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E.
3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen
Lebens
ver
rich
tungen
massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
sieht drei
Hilf
lo
sigkeitsgrade
vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosig
keit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmit
teln:
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erh
eb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendi
gen Pflege bedarf;
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperli
chen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV ange
wiesen ist.
1.3
Gemäss Art. 37 IVV Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittel
schwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
ch
er Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhe
b
li
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dau
ernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhe
b
li
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf
lebens
prak
tische
Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37
Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltägli
chen Lebensverrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.4
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regel
mäs
sig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situatio
nen erforderlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und
Verwal
tungstätigkeiten
im Rahmen von Massnahmen des
Erwachsenenschut
zes
nach
den Artikeln 390-398 des Zivilgesetzbuches
(
Art.
38
Abs.
3 IVV).
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Beglei
tung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Gesundheit beschränkt. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Behinderte einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung geltend machen kön
nen. Zu denken ist insbesondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E.
2.2.3).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450 E. 2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die
lebensprakti
sche
Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im
Durchschnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 45
0 E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege
noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständi
g
es Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
nicht davon ab
hängig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
1.5
Gemäss
Art. 69 Abs.
2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines
Leistungsan
spruchs
unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen. Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem
Aspekt der Hilflosigkeit (Art.
9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchti
gungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche
Lebens
verrichtungen
sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig
(vgl. BGE 133 V 450 E. 11.1.1)
. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergie
rende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der
Be
richts
text
schliesslich
muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der ein
zel
nen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie den
tatbestandsmässigen
Erfor
dernissen der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein.
Schliesslich
hat er in Übereinstim
mung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben um
schriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente
Abklä
rungsperson
näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 140 V 543
E.
3.2.1
mit Hinweisen; SVR 2012 IV Nr. 54 S.
195,
Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E.
3.2). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem
Gesichtspunkt
der lebenspraktischen Begleitung (BGE
133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom
14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des
Intensivpflegezu
schlags
(vgl.
Urteil
des Bundesgerichts 8C_308/2016 vom 6.
September 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf
8C_756/2011
vom 12. Juli 2012
E.
3.2).
1.6
Wird ein Gesuch um
Revision
eingereicht, so ist darin glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Hilflosigkeit des Versicherten in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 IVV). Ändert sich der
Grad der Hilflosigkeit
erheblich, so wird die
Entschädigung
von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Revision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Grad der Hilflosigkeit und damit den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
zu bee
influssen. Ins
besondere ist die Entschädigung
nicht nur bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheits
zu
standes erheb
lich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Verände
rung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Di
agnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswir
kungen verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009
vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Da
ge
g
en
stellt die
bloss
unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes für sich allein genommen keinen
Revision
s
grund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche
Ver
gleichsbasis
für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Grades der Hilflosigkeit bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer ma
teriellen Prüfung des Anspruchs ei
ner
Hilflosenentschädigun
g
mit
rechts
konformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditätsbe
messung
beruht (zur Invalidenrente: BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V
71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März
2010 E. 2
.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wi
e folgt (S.
1 f.)
:
Bereits mit Verfügung vom
9.
Dezember 2015 sei die bis
he
rige Entschädigung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades auf eine Entschä
digung wegen Hilflosigkeit leichten Grades herabgesetzt worden. In medizi
nischer Hinsicht habe sich seither keine Änderung ergeben. Hinsichtlich der Frage der lebenspraktischen Begleitung sei festzuhalten, dass der Beschwer
deführer nicht isoliert sei; er habe regelmässig Kontakt mit seiner Ehefrau, seinen Kindern und seiner Mutter. Die Führung des Haushalts werde bereits im
Bereich der Fortbewegung berücksichtigt, da dies aufgrund der körperli
chen Einschränkung zu Dritthilfe führe. Aus näher dargelegten Gründen sei der Beschwerdeführer in vielen Bereichen selbständig. Vorgebrachte kogni
tive Einschränkungen stünden im Gegensatz zu den vor Ort gemachten An
gaben. Die angesprochene Verschlechterung der psychischen Situation solle
,
wie be
reits im Abklärungsbericht erwähnt
,
unbedingt fachärztlich behandelt werde
n;
dies folge auch aus der Schadenminderungspflicht. Der anrechen
bare Zeit
au
f
wand liege somit nach wie vor unter zwei Stunden pro Woche. Der
Hilfs
be
darf
für selbständiges Wohnen betreffend
die
körperlichen Ein
schrän
kung
en
und
werde zudem im standardisierten Abklärungsinstrument (FAKT) berück
sichtigt und könne nicht doppelt angerechnet werden. Somit bestehe weiter
hin Anspruch auf Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit, ausgewiesen durch die Bereiche An- und Auskleiden, Essen und Fortbewe
gung. In den ande
ren Bereichen sei der Beschwerdeführer selbständig.
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, er sei nicht bloss in den genann
ten drei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig auf die Hilfe Dritter
angewiesen, sondern bedürfe auch der lebenspraktischen Begleitung: Er kö
nne ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen, und auf
grund seines sich verschlechternden psychischen Zustandes bestehe ohne
die
not
wen
dige Betreuung die Gefahr, dass er sich dauernd von der Aussenwelt iso
liere (S. 6 f.).
Weiter habe sich seine gesundheitliche Situation seit Dezem
ber
2015 verschlechtert; er habe zunehmend psychische Beeinträchtigungen, se
it
dem er alleine wohne. Aufgrund einer akuten psychischen Krise habe er sich im Juni und Juli 2016 zweimal in die Klinik einweisen lassen, was an
hand
der medizinischen Unterlagen ersichtlich sei (S.
7). Zudem habe die
Beschwer
degegnerin
anlässlich der letztmaligen Abklärung vor Ort im ent
sprechenden Bericht vom 3
0.
September 2015 unter dem Titel der
lebens
praktischen
Begleitung festgehalten, dass die Situation in sechs bis acht Mo
naten noch
mals beurteilt werden solle. Es lägen somit zwei Revisionsgründe vor: Eine
gesundheitliche Verschlechterung und die Berücksichtigung der neuen
Wohn
si
tuation
. Weiter könne er aus näher dargelegten Gründen nicht nur wegen seiner körperlichen, sondern auch wegen seiner kognitiven und psychischen Beeinträchtigung nicht alleine wohnen (S.
8 f.).
Auch bei der Planung der Assistenz benötige er Unterstützung (S.
10), ebenso bei Fragen der Ernährung und in administrativen Angelegenheiten (S.
12). Er sei nicht in der Lage zu kochen und brauche Hilfe bei der Haushaltführung (S. 13). Seine Hausärztin bestätige seine zunehmende Isolation (S.
14). Aus den ge
nannten Gründen
habe er Anspruch auf eine Entschädigung wegen Hilflosig
keit mittleren Grades (vgl. auch
Urk.
12).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf
Hilflo
sen
entschädigung
, insbesondere ob es sich um leichte oder mittlere Hilflosig
keit handelt.
Damit steht die Frage nach lebenspraktischer Begleitung in Zu
sam
menhang.
Zu vergleichen sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der Verfü
gung vom
9.
Dezember 2015 (
Urk.
9/125) mit denjenigen im Zeitpunkt der vorlie
gend angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2, vgl. vorstehend E. 1.6
).
3.
3.1
Der Verfügung vom
9.
Dezember
2015 (
Urk.
9/125), mit welcher dem Be
schwerdeführer neu eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit leichten Grades zugesprochen wurde, lagen folgende Berichte zugrunde.
3.2
Dr.
med.
Y._
, Leitender Arzt Neurologie am
Z._
, stellte mit Verlaufsbericht vom 1
0.
August 2015 (
Urk.
9/111) folgende Diag
nosen (
Ziff.
1.2):
paraneoplastisches Syndrom mit und bei
schwerer Kleinhirn- und mittelschwerer neurokognitiver Funktion
s
störung
im Rahmen eines diffus-
grosszelligen
B-Zell-Lymphoms mit R-CHOP
-Chemotherapie
Der Beschwerdeführer sei weiterhin nicht alleine steh- und
gehfähig
, habe aber aufgrund der gebesserten Koordination der Arme einen höheren Anteil an den Verrichtungen des alltäglich
en Lebens übernehmen können
(
Ziff.
1.2). Er bedürfe in allen Bereichen der alltäglichen Lebensverrichtungen, inklusive der Kommunikationsfähigkeit, seit 2010 Dritt
hilfe (
Ziff.
1.4). Die psych
ischen Fähigkeiten seien wie folgt eingeschränkt
(
Ziff.
2.3): Anpassung an Regeln und Routinen leicht, Planung und Strukturierung von Aufgaben schwer, Flexi
bilität und Umstellung schwer, Anwendung fachlicher Kompetenz sowie
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit leicht, Durchhaltefähigkeit schwer,
Selbst
behauptungs
-, Gruppen- und Kontaktfähigkeit zu Dritten mittel,
Spontan
ak
tivitäten
schwer, Selbstpflege mittel, Benutzung öffentlicher Ver
kehrsmittel mittel bis schwer, Fahrtauglichkeit schwer, Auffassung, Kon
zentration, Merk
fähigkeit und Belastbarkeit im Alltag mittel und die Belast
barkeit im Beruf
sei
schwer
eingeschränkt
.
3.3
Im Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
vom
6.
Oktober
2015 (
Urk.
9/113
) über die Erhebung vom 1
8.
Juni 2015 nannte die
Abklärungs
person
als Diagnosen ein
cerebelläres
Syndrom, wahrscheinlich
paraneoplas
tisch
, sowie ein diffus
grosszelliges
B-Zell-Lymphom (S. 1) und hielt fest, der Beschwerdeführer werde am
1.
Oktober 2015 aus der gemeinsamen
Famili
en
wohnung
in eine eigene 2 1/2 - Wohnung ziehen. Er teile mit, dass er al
leine
wohnen
und am Anfang von seiner Mutter betreut werde. Zudem werde er die Hilfe von
E._
in Anspruch nehmen. Wie alles funktionieren werde, könne man noch nicht abschätzen (S. 1 unten f.).
Der Bereich Ankleiden/Auskleiden sei wieder ausgewiesen
. Im Bereich Auf
stehen/Absitzen/Abliegen sei der Beschwerdeführer selbständig, weshalb dieser
Bereich nicht ausgewiesen sei. Im Bereich Essen meinten der Be
schwer
de
führer und seine Ehefrau, dass er in diesem Bereich den grössten Hilfebedarf habe; er sei nicht in der Lage mit Besteck zu essen, könne kein Getränk in ein Glas füllen. Sobald verschiedene koordinative Tätigkeiten zusammen
spielten, sei er überfordert. Hinzu kämen der Tremor und die feh
lende
Fein
motorik
. Dieser Bereich sei somit weiterhin ausgewiesen (S. 2).
Im Bereich Körperpflege sei der Beschwerdeführer selbständig, ebenso im Bereich Verrichtung der Notdurft. Weiterhin bestehe im Bereich Fortbewe
gung Hilfsbedarf (S. 3). Weiter könne derzeit kein Anspruch auf
lebensprak
tische
Begleitung bejaht werden. Ob der Beschwerdeführer aufgrund der kogni
tiven Einschränkung tatsächlich in der Lage sein werde, den eigenen Ta
ges
ablauf und den Haushalt selbständig zu planen und zu organisieren, werde sich zeigen, wenn er allein lebe. Deshalb werde die Situation in sechs bis acht Monaten
, per
1.
April 2016,
nochmals geprüft
. Bei Hilfsbedarf in drei Bereichen bestehe nur noch Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
leichten Grades (S. 4-5).
4.
4.1
Am 1
8.
Juli 2016 fand ein Konsilium Psychiatrie/Psychothera
pie am
A._
statt. Mit gleichentags verfasstem Bericht (
Urk.
3/5) wurde unter anderem aktuell eine psychische Dekompensation bei anhalten
der körperlicher Einschränkung diagnostiziert und festgehalten, es bestehe
neben der eigentlichen Tumorerkrankung eine psychosoziale Belastungs
si
tua
tion. Anamnestisch hätten Nervenläsionen im Kleinhirn zu einer psychi
schen Veränderung geführt. Eine Trennung von der Ehefrau habe 2015 statt
ge
funden. Der Beschwerdeführer habe Suizidgedanken und passive
Ster
bens
wünsche
,
wolle
aber unbedingt für seine Kinder am Leben bleiben (S. 1). Es liege eine leichte kognitive Störung (ICD-10 F06.7) und am ehesten ein
Mischbild aus organisch affektiver und reaktiver depressiver Störung (ICD-10
F06.32) vor. Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung werde em
p
fohlen; der Beschwerdeführer wolle aber ab
1.
August 2016 in die ge
plante Rehabilitation gehen (S. 2).
4.2
Dr.
med.
B._
, Assistenzarzt, und
Dr.
med.
C._
, Oberärztin,
D._
, berichteten am 1
9.
Juli 2016 (
Urk.
3/4) über die stationäre Behandlung des Beschwerdefüh
rers vom 1
7.
bis 2
0.
Juni 2016 und stellten folgende Diagnosen (S. 1):
organisch affektive Störungen (ICD-10 F06.3)
leichte kognitive Störung (ICD-10 F06.7)
paraneoplastisches Syndrom mit neurologischen und
neuropsychiatri
schen
Manifestationen im Rahmen eines diffus
grosszelligen
B-Zell-Lymphoms (Status nach 6 Zyklen R-CHOP 2010)
Der Eintritt sei freiwillig per Selbstzuweisung im Rahmen einer psychosozia
len Krisensituation vor dem Hintergrund der organischen Diagnose erfolgt. Psychologisch im Vordergrund sei eine depressive Symptomatik gewesen mit passiven Todeswünschen und Verzweiflung sowie Ratlosigkeit, wie es mit ihm weitergehen solle, da er so stark auf Hilfe angewiesen sei. Als mögliche Auslöser der Krise seien neben der Grunderkrankung die Trennung von der Ehefrau und die fortdauernde Hilfsbedürftigkeit bei alltäglichen Handlungen in Betracht zu ziehen. Der Beschwerdeführer berichte, sich eine Arbeit zu wünschen. Zu Hause würde ihn seine Mutter unterstützen. Er habe zudem ein breites Unterstützernetzwerk bei
E._
. Bei fehlenden akuten
Gefähr
dungsaspekten
sei der Austritt auf eigenen Wunsch hin erfolgt (S. 3).
4.3
Am 2
7.
Juli 2016 fand eine erneute Abklärung betreffend Hilflosigkeit statt (Bericht vom 2
8.
Juli 2016;
Urk.
7/150). Der Beschwerdeführer
wohnte zu diesem Zeitpunkt seit dem
1.
Oktober
2015 alleine (vgl.
Urk.
9/119). Als Diagnosen wurden genannt (S. 1):
paraneoplastisches Syndrom mit und bei
schwerer Kleinhirn- und mittelschwerer neurokognitiver Funk
tions
störung
im Rahmen eines diffus-
grosszelligen
B-Zell-Lymphoms mit R-CHOP-Chemotherapie
Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass es ihm nicht gut gehe. Er brau
che sehr viel Hilfe und sei auf seine Mutter angewiesen, welche seit ein paar Monaten fast nur noch bei ihm sei (S. 1). Seine Kinder kämen in Begleitung der Assistentin einmal pro Woche an einem Nachmittag zu ihm. Diese Betreuung werde über die Stunden des Assistenzbeitrages abgerechnet. Die
As
sistenz sei notwendig, weil die Kinder noch nicht alleine etwas mit ihm un
ternehmen könnten. Zudem könne er nicht für sie kochen (S.
2 oben). Er habe oft keine Motivation
,
die Wohnung alleine zu verlassen, weil er überall Hilfe in Anspruch nehmen müsse. Er fahre bis zum Kreuzplatz, könne dort in den Laden gehen oder einen Kaffee trinken. Wenn er aber in ein anderes Lokal gehe, wo er die Türen nicht öffnen könne, oder man ihm den Zucker in den Kaffee geben müsse, sei er auf Assistenz oder sonstige Dritthilfe ange
wiesen. Eine psychiatrische Behandlung finde nicht statt, obwohl dies ver
mutlich notwendig wäre
. Die Abklärungsperson hielt fest, dass der Be
schwer
deführer derzeit vor allem unter einer psychischen Problematik leide. Er könne sich nicht motivieren, etwas zu tun, und es bestehe so die Gefahr, dass er das Erlernte wieder verliere (S. 2). Er gehe alleine in die Therapien und koordiniere diese selbst (S. 3 Mitte).
Der Bereich
Ankleiden/Auskleiden sei noch knapp ausgewiesen (S.
3). Im Be
reich Aufstehen/Absitzen/Abliegen sei der Beschwerdeführer weiterhin selb
ständig. Im Bereich Essen sei er weiterhin hilfsbedürftig. In den Bereichen Körperpflege und Verrichtung der Notdurft sei er weiterhin selbständig. Im Bereich Fortbewegung und Pflege gesellschaftlicher Kontakte sei die Situa
tion unverändert zum Vorbericht: Er könne sich in der Wohnung selbständig bewegen und nehme Termine entweder mit dem Behindertentaxi oder dem Track war. Er könne die Wohnung selbständig verlassen, habe aber manch
mal Mühe, die untere Tür selbständig zu öffnen. Partiell könne er die öffent
lichen Verkehrsmittel nutzen. Oft habe er einfach keine Kraft mehr, jeman
den zu fragen, darum benutze er alleine kaum mehr die öffentlichen Ver
kehrsmittel (S. 4 unten). Seine Sprache sei weiterhin schwer verständlich. Er habe ein iPad, welches er selbst bedienen könne. Seinen neuen Computer müsse er noch installieren lassen (S. 5 oben).
Die A
bklärung ergab keinen Bedarf an
lebenspraktische
r
Begleitung, da keine Begleitung stattfinde. Somit werde zur Anerkennung der Mindestaufwand von zwei Stunden wöchentlich nicht erreicht. Der Beschwerdeführer sei in der Lage, den Tagesablauf selbst zu planen und zu organisieren (S.
5 Mitte).
Unter der Rubrik „Hilfeleistungen, die das selbständige Wohnen ermögli
chen
“, wurde festgehalten, dass die Planung der Assistenzeinsätze anhand eines Wochenplanes geregelt werde. Die Einsätze würden gemeinsam mit dem Beschwerdeführer koordiniert. Er könne die Einsätze selbst koordinieren.
Er mache alle Termine selbst ab und
bestelle
auch das Taxi selbständig. Er übernehme die
Menuplanung
und könne sagen, was fehlt. Manchmal brau
che es Inputs, damit es Variationen gebe, ansonsten er oft das Gleiche essen
wolle. Er sei in der Lage, einfache Reinigungsarbeiten auf Körperhöhe zu er
ledigen. Er sage aber
,
dass es nicht wirklich sauber werde. Er helfe auch beim Tischen und Abwaschen. Es sei ihm möglich, die Abwaschmaschine zu füllen
und auszuräumen. Die gründliche Wohnungsreinigung werde durch eine Pu
tz
frau erledigt, alle zwei Wochen für zwei Stunden. Beim Kochen könne er lediglich ein wenig beim Rüsten mithelfen, dies aber nur, wenn jemand das Gemüse halte oder seine Hand führe. Mit heissen Lebensmitteln könne er nicht hantieren, dies sei zu gefährlich (S. 5).
Die Wäsche könne er teilweise selbst erledigen. Er könne den Tumbler nicht selbst bedienen. Das Waschmittel könne er nicht selbst dosieren, ohne zu verschütten, wobei man ihn auf die Verwendung von Tabs aufmerksam ge
macht habe. Das Administrative erledige grösstenteils die Ehefrau. Er habe noch keinen PC und mache daher keine Zahlungen mehr. Früher sei er auf die Post gegangen, könne dies aber aufgrund der Treppen nicht mehr. Er denke
,
dass er die Zahlungen nach Inbetriebnahme seines Computers selb
ständig erledigen könne. Er könne am
Bancomaten
selbständig Geld abheben (S. 6).
Unter der Rubrik „Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen und Kon
takten“ hielt die Abklärungsperson fest, es sei dem Beschwerdeführer mög
lich,
kleine Einkäufe selbst zu tätigen. Er gehe aber nur noch selten alleine, weil es immer wieder vorkomme, dass er um Hilfe bitten müsse, weil er bei
spielsweise das Geld nicht aus dem Portemonnaie nehmen könne oder etwas nicht erreiche. Darum gehe er lieber mit der Assistentin einkaufen. Die Ein
schränkungen betreffend öffentlicher Verkehr und Verlassen der Wohnung würden im Bereich Fortbewegung angerechnet (S. 6). Hierzu merkte die
Ab
klärungsperson
an, es sei zumutbar, dass der Beschwerdeführer das Haus selbständig verlasse und kleine Einkäufe tätige, ebenso die online-Bestellung grösserer Einkäufe. Die Einschränkungen beträfen nicht den Einkauf, sondern eher die derzeitige psychische Situation, welche dringend
behandelt werden müsse, damit
er den Mut nicht ganz verliere. Dies müsse jedoch durch eine Fachperson und nicht durch die Assistenzpersonen erfolgen. Die Dritthilfe finde vor allem aufgrund architektonischer Schwierigkeiten statt. Der Be
schwerdeführer sei in der Lage, um Hilfe zu bitten und zu erklären, was er benötige. Er sei zudem nicht isoliert (S. 7).
Zusammenfassend sei der Beschwerdeführer weiterhin in den Bereichen An
kleiden/Auskleiden, Essen und Fortbewegung auf regelmässige und erhebli
che Dritthilfe angewiesen. Der Anspruch auf Entschädigung wegen Hilflosig
keit leichten Grades sei unverändert (S. 7).
4.4
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither ver
ändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen
Verwaltungs
verfügung
bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E.
1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sach
zusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind für den Bericht von
Dr.
med.
F._
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, vom 1
1.
November 2016 (
Urk.
3/3)
erfüllt, weshalb er vorliegend zu berücksichtigen ist.
Dr.
F._
stellte
folgende Diagnosen (S. 1):
paraneoplastisches Syndrom mit neurologischer und
neuropsychiatri
scher
Manifestation im Rahmen eines diffus
grosszelligen
B-Zell-Lymphoms (nach Chemotherapie 2010)
organisch affektive Störung
kognitive Störung
Depression
Der Beschwerdeführer lebe von seiner Familie getrennt, was für ihn sehr be
lastend sei. Er versuche allein zu wohnen, was jedoch nicht funktioniere. Seit Oktober 2015 lebe er mit seiner Mutter, welche mit der Situation stark über
fordert sei. Er habe sich im Rahmen von psychosozialen Krisen wiederholt auf psychiatrischen Notfallstationen gemeldet. Bei der letzten Konsultation Ende Juli habe er keine Termine für sich selbst vereinbaren können. Obwohl er Adressen von Therapeuten und Rollstuhlsportmöglichkeiten bekommen habe, habe er sich nicht mehr gemeldet. Es sei davon auszugehen, dass er aufgrund seiner kognitiven und psychischen Situation nicht in der Lage sei, diese administrativen Dinge selbst zu erledigen. Trotz dringender Empfeh
lung habe er es bis heute nicht geschafft, einen Termin für eine ambulante
Therapie zu vereinbaren. Zudem sei davon auszugehen, dass er sich sozial
isoliere. Nach Einschätzung von
Dr.
F._
könne er nicht alleine woh
ne
n.
5.
5.1
Entgegen
de
n
Vorbringen der Beschwerdegegnerin hat sich seit Erlass der Verfügung vom
9.
Dezember 2015 eine medizinische Veränderung ergeben. Bereits
Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.2) wies in seinem Bericht vom 1
0.
August 2015 auf verschiedene psychiatrische Einschränkungen hin, stellte jedoch - was auch mit seiner fachärztlichen
Qualifikation
in Zusammenhang stehen dürfte - (noch) keine psychiatrische Diagnose. Dies änd
erte sich in der Folge, denn im Juli 2016 stellten die Ärzte am
A._
ein Mischbild aus organisch- affektiver und reaktiver depressiver Störung fest und empfahlen eine psychi
atrisch-psychotherapeutische Behandlung (vorstehend E.
4.2). Die Ärzte der
D._
diagnostizierten ebenfalls im Juli 2016 eine organisch affektive Störung und stellten eine depressive Problematik mit passiven Todeswünschen und
Verzweiflung fest. Auch
Dr.
F._
(vorstehend E. 4.4) nannte diese Diag
nosen und beschrieb, dass der Beschwerdeführer aus kognitiven und psy
chi
schen Gründen eingeschränkt sei. Damit
besteht
ein medizinischer
Revisi
ons
grund
. Die konkreten Auswirkungen dieser neu festgestellten Beeinträch
ti
gungen sind jedoch unklar, denn es erfolgte weder eine psychiatrische Be
ur
teilung
des Zustandes und
der Fähigkeiten des Beschwerdeführers noch eine Vorlage des Abklärungsberichts an einen psychiatrischen Facharzt
.
Un
klar ist auch, wie sich die kognitive Beeinträchtigung des Beschwerdeführers aus
wirkt.
Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder de
ren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen
jedoch
nicht nur zulässig, sondern not
wen
dig
(
vgl. vorstehend E. 1.5
).
5.2
Aufgrund der neu festgestellten medizinischen Beeinträchtigung ist eine Ver
än
derung im Grad der Hilflosigkeit somit nicht auszuschliessen. Deren Aus
wirkung lässt sich
aber auch
anhand des Abklärungsberichts vom
2
8.
Juli 2016
(vgl. vorstehend E.
4.3)
nicht beurteilen:
Insbesondere
wurde
darin
die Diagnose der organisch affektiven Störung
gar
nicht aufgeführt
.
Die
Abklä
rungsperson
hatte somit keine Kenntnis der vollständigen Diagnosen und der sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen, weshalb der Abklärungsbericht
vom Juli 2016 bereits aus diesem Grund nicht beweiswe
rtig ist (vgl. vorsteh
end
E. 1.5
). Es reicht nicht aus, zwar eine psychische
Beeinträchtigung fest
zuhalten und
den Beschwerdeführer diesbezüglich auf seine
Schadenminde
rungspflicht
im Rahmen einer Therapie
zu verweisen; die Abklärungsperson wäre gehalten gewesen, diese Problematik durch einen Facharzt beurteilen zu lassen.
Hinweise, d
ass aus psychischen
und/oder kognitiven
Gründen eine Ver
schlech
terung hinsichtlich der Hilflosigkeit eingetreten sein könnte, er
gab
en
sich
anlässlich der Abklärung vor
Ort
.
Die Abklärungsperson stellte selbst fest,
dass der Beschwerdeführer derzeit vor allem unter psychischen Prob
lemen leide. Diese müssten dringend behandelt werden. Weiter
habe der Be
schwerdeführer oft keine Motivation
,
die Wohnung alleine zu verlassen, weil er überall Hilfe in Anspruch nehmen müsse. Er sei auf seine Mutter ange
wiesen -
dies,
obwohl er Assistenzpersonen hat.
Er könne sich nicht moti
vie
ren, etwas zu tun, und es bestehe so die Gefahr, dass er das Erlernte wie
der verliere (vgl. vorstehend E. 4.3).
Weiter wurde
hinsichtlich der Frage der lebenspraktischen Begleitung
mit keinem Wort begründet, warum der Beschwerdeführer nicht isoliert sei (vgl. S. 7 des Berichts). Dabei bestehen Anzeichen für eine bereits bestehende oder
drohende Isolation, insbesondere da er aufgrund des Auszugs aus der
Fami
lien
wohnung
und der Trennung von der Ehefrau wohl - im Gegensatz zur Situation im Oktober 2015 - nur noch wenig Kontakt zu seiner
engsten
Familie hat.
Kontakte zu Personen ausserhalb seines Ärzte- und Helfernetzes
beste
hen nicht. Es besteht nur
Kontakt zur bei ihm wohnenden Mutter
, was
zur Verneinung
einer
Isolation
nicht ausreicht
.
Darüber hinaus bewirkt mög
lich
erweise
die aktuelle psychische Situation, dass de
r
Beschwerdeführer
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer
Drittperson angewiesen
und
aus psychischen Gründen ernsthaft ge
fährdet sei
n könnte
, sich dauernd von der Aussen
welt zu isolieren. Nicht nachvoll
ziehbar ist sodann die Begründung im Abklärungsbericht, es habe sich kein Bedarf auf lebenspraktische Begleitung ergeben, da keine Begleitung statt
finde (S. 5 des Berichts).
Damit wird impliziert, der Beschwerdeführer habe keinen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung, was aber anhand der beste
henden Akten
lage
gerade
nicht beurteilt werden kann.
5.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass anhand der Aktenlage nicht beurteilt werden kann, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Entschädigung wegen leichter oder
neu wegen
mittlerer Hilflosigkeit hat
und wie es sich mit der lebenspraktischen Begleitung verhält
. Damit fehlt es an der
Grundlage für einen Entscheid.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vo
rin
stanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt
wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versi
cherungs
träger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne mate
rielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen
sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend ab
geklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Admi
ni
strativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
re
for
ma
torisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine
Rückwei
sung
an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungs
träger bleibt
hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kanto
nalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbe
nommen, eine
Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Prä
zisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
5.4
Es ist angezeigt,
die Sache an die Beschwerdegegneri
n zu
rückzuweisen, da
mit sie den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
des Beschwerdeführers
im Sinne der Erwägungen
medizinisch
und vor Ort
ab
kläre und hernach erneut verfüge. Dabei
wird insbesondere die Frage der
le
benspraktischen
Begleitung zu prüfen sein.
In diesem Sinne
ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen ge
ht, ist das Verfahren kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Die Geri
chts
kosten in der Höhe von Fr. 8
00.-- sind der unterliegenden
Beschwerdegeg
nerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
waltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat,
welche
beim
praxisgemässen
Stundenansatz von
Fr.
185.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
2‘100.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen ist.