Decision ID: a2e7bf19-cdd6-556a-b6aa-ab1b00298d68
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Walter Wagner, Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, Postfach, 8085 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ ist seit 1. Dezember 1993 bei der Jugendanwaltschaft B._ als
Jugendanwältin tätig und dadurch als Angestellte des Kantons C._ bei der Zürich
Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Zürich) obligatorisch gegen die Folgen
von Unfällen versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 4. Oktober 2010 wurde die
Versicherte am 26. September 2010 beim Überqueren einer Strasse von einem Auto
angefahren (act. G 3.1/1). Im Protokoll der Stadtpolizei vom 4. Oktober 2010 wurde
bezüglich des Unfallhergangs ausgeführt, dass der Lenker des Personenwagens die
Strasse D._ in südlicher Richtung gegen die Einmündung Strasse E._ befahren
habe. Vor dieser Einmündung, nach den Parkfeldern im Mittelstreifen, sei er dann nach
links abgebogen. Gleichzeitig habe die Versicherte zu Fuss die Strasse D._ von Ost
nach West überquert und sei direkt vor den abbiegenden Personenwagen gelaufen. Bei
der darauf folgenden Kollision sei die Versicherte heftig mit dem Kopf gegen die
Frontscheibe des Fahrzeugs aufgeschlagen und habe sich Verletzungen am Kopf
sowie am rechten Bein zugezogen. Die Versicherte habe die Strasse ca. acht Meter
nördlich des Fussgängerstreifens überquert (act. G 3.3/4). Im Austrittsbericht des
Kantonsspitals St. Gallen (Hospitalisation vom 26. September 2010 bis 8. Oktober
2010) vom 11. Oktober 2010 wurden im Wesentlichen die Diagnosen
Valgisationstrauma Knie rechts, OSG Distorsion rechts, Commotio cerebri und
Thoraxkontusion rechts gestellt. Der Versicherten wurde vorläufig bis 31. Oktober 2010
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 3.1/4).
A.b Mit Verfügung vom 5. November 2010 kürzte die Zürich die Taggeldleistungen um
10%, da die Versicherte die Strasse neben dem Fussgängerstreifen überquert und
dadurch den Unfall grobfahrlässig herbeigeführt habe (act. G 3.1/12). Die gegen diese
Verfügung erhobene Einsprache vom 9. November 2010 (ergänzende
Einsprachebegründung vom 17. Dezember 2010) wies die Zürich mit
Einspracheentscheid vom 19. April 2011 ab (act. G 3.1/18, 30 und 60).
B.
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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Walter
Wagner, St. Gallen, im Namen der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 23. Mai
2011 mit den Anträgen, der Einspracheentscheid vom 19. April 2011 und die Verfügung
vom 15. November 2010 seien aufzuheben und es seien die vollen ungekürzten
Taggeldleistungen auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin gehe bezüglich des Unfallhergangs
von einem falschen, weil völlig einseitig aufgenommenen Sachverhalt aus. Die
Beschwerdeführerin habe die Strasse gar nicht acht Meter nördlich des
Fussgängerstreifens überqueren können, da sie von der Strasse F._ hergekommen
sei. Es sei zutreffend, dass sie sich im Zeitpunkt der Kollision nicht mehr auf dem
Fussgängerstreifen befunden habe, da sie diesen, um zum Parkplatz zu gelangen,
zwingend habe verlassen müssen. Aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung dürfte
die Beschwerdegegnerin auf möglichst direktem Weg zum Fahrzeug zurückgekehrt
sein, weshalb die Kollisionsstelle im mittleren Bereich der Haifischzähne - und somit
weiter südwestlich als in der Unfallskizze eingetragen - gelegen habe. Hinzu komme,
dass die Geschwindigkeit des Unfallfahrzeugs weit höher als das im Protokoll
festgehaltene Schritttempo gewesen sein müsse, da die Windschutzscheibe durch den
Aufprall des Kopfs geborsten sei. Durch die Nichtanhörung der angebotenen Zeugen
und den Verzicht auf einen Augenschein habe die Beschwerdegegnerin das rechtliche
Gehör verletzt. Der Zugang zu den Parkplätzen in der Mitte der Strasse D._ sei völlig
ungenügend und überhaupt nicht ausgeschildert. Die Beschwerdeführerin habe - wie
alle auf diesen Parkfeldern Parkierenden - gar keine andere Wahl gehabt, als die
Fahrbahn zu überqueren, weshalb ihr keine Grobfahrlässigkeit vorgeworfen werden
könne (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Die Polizei habe den Sachverhalt aufgrund der
vorgefundenen Situation, der Spuren und der Aussagen beider Beteiligten - und somit
nicht einseitig - aufgenommen. Die Beschwerdeführerin hätte den Fussgängerstreifen
nicht zwingend verlassen müssen, sondern sie hätte den Fussgängerstreifen G._
begehen können, um zu ihrem geparkten Fahrzeug zu gelangen. Mit dem Überqueren
der Strasse neben dem nahen Fussgängerstreifen bei unübersichtlichen
Strassenverhältnissen und der Vortrittsverweigerung habe die Beschwerdeführerin klar
grobfahrlässig gehandelt (act. G 3).
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B.c Mit Replik vom 11. Juli 2011 hält die Beschwerdeführerin an den gestellten
Anträgen fest und macht neu geltend, dass die Beschwerdegegnerin in ihren
Entscheiden und Stellungnahmen mit keinem Wort auf ihre Argumente reagiert und
somit das rechtliche Gehör verletzt habe (act. G 5).
B.d Mit Duplik vom 3. August 2011 hält die Beschwerdegegnerin am gestellten Antrag
fest (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch
die angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Vorliegend hat die
Beschwerdegegnerin eine Kürzung der Taggeldleistungen gegenüber dem Arbeitgeber
der Beschwerdeführerin vorgenommen (act. G 3.1/37). Gemäss Art. 15 Abs. 1 der
Besoldungsverordnung (sGS 143.2) kann die Besoldung für das Staatspersonal gekürzt
oder verweigert werden, wenn die Krankheit oder der Unfall auf grobes
Selbstverschulden zurückzuführen ist. Vorliegend droht der Beschwerdeführerin somit,
dass der Arbeitgeber Rückgriff auf sie nimmt. Sie ist deshalb vom angefochtenen
Entscheid beschwert und hat ein Interesse an dessen Aufhebung. Da das Rechtsmittel
im Übrigen frist- und formgerecht erhoben wurde und die sachliche und örtliche
Zuständigkeit gegeben ist, sind die Eintretensvoraussetzungen für eine Beschwerde an
das kantonale Versicherungsgericht erfüllt.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin macht vorab eine mehrfache Verletzung des rechtlichen
Gehörs geltend, da die Beschwerdegegnerin auf eine Zeugenbefragung und einen
Augenschein verzichtet und sich nicht mit ihren Vorbringen (der Beschwerdeführerin)
auseinandergesetzt habe.
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2.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst u.a. das Recht, Beweisanträge zu
stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Bei der
Zulassung von Beweismitteln gilt es daher zu beachten, dass die Wahrung des
rechtlichen Gehörs grundsätzlich verlangt, die angebotenen Beweise abzunehmen.
Davon darf aber im Sinn einer vorweggenommenen (antizipierten) Beweiswürdigung
abgesehen werden, wenn aufgrund bereits abgenommener Beweise der rechtlich
erhebliche Sachverhalt für genügend geklärt erachtet wird und ohne Willkür vorweg die
Annahme getroffen werden kann, die rechtliche Überzeugung würde durch weitere
Beweiserhebungen nicht geändert (BGE 122 V 162 E. 1d mit Hinweisen; Kölz/Häner,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage 1998, Rz
111). Die Begründung einer Verfügung bzw. eines Einspracheentscheids entspricht den
Anforderungen an das rechtliche Gehör, wenn die betroffene Person dadurch in die
Lage versetzt wird, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in Kenntnis
der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist aber nicht
verpflichtet, sich zu allen Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Es genügt, wenn
ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess (vgl. Ulrich Häfelin/Georg
Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. Zürich 2010, Rz 1706).
2.3 Wie sich nachfolgend zeigen wird, hat die Beschwerdegegnerin mit dem Verzicht
auf die angebotenen Zeugenbefragungen und den beantragten Augenschein das
rechtliche Gehör nicht verletzt. Sodann legte die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Einspracheentscheid ihren Standpunkt ausführlich dar und setzte sich
rechtsgenüglich mit den wesentlichen Argumenten der Beschwerdeführerin
auseinander. Insbesondere ist klar ersichtlich, aufgrund welcher Überlegungen die
Beschwerdegegnerin eine Kürzung der Taggeldleistungen vorgenommen hat, weshalb
auch bezüglich der Begründungspflicht nicht von einer Gehörsverletzung ausgegangen
werden kann.
3.
3.1 In Abweichung von Art. 21 Abs. 1 ATSG werden gemäss Art. 37 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) in der Versicherung der
Nichtberufsunfälle die Taggelder, die während der ersten zwei Jahre nach dem Unfall
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ausgerichtet werden, gekürzt, wenn die versicherte Person den Unfall grobfahrlässig
herbeigeführt hat.
3.2 Nach ständiger Rechtsprechung handelt grobfahrlässig, wer jene elementaren
Vorsichtsgebote ausser Acht lässt, die jeder verständige Mensch in der gleichen Lage
und unter den gleichen Umständen befolgt hätte, um eine nach dem natürlichen Lauf
der Dinge voraussehbare Schädigung zu vermeiden (BGE 118 V 306 f. E. 2a mit
Hinweisen).
3.3 Im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen ist der Begriff der groben Fahrlässigkeit
nach Art. 37 Abs. 2 UVG rechtsprechungsgemäss weiter zu fassen als derjenige der
groben Verletzung von Verkehrsregeln nach Art. 90 Ziff. 2 des
Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01), welcher ein rücksichtsloses oder sonst
schwerwiegend regelwidriges Verhalten voraussetzt. Bei Fehlverhalten im
Strassenverkehr ist grobe Fahrlässigkeit in der Regel dann anzunehmen, wenn in
ursächlichem Zusammenhang mit dem Unfall eine elementare Verkehrsvorschrift oder
mehrere wichtige Verkehrsregeln schwerwiegend verletzt wurden. Nicht jede
pflichtwidrige und unfallkausale Missachtung einer Verkehrsvorschrift bedeutet
demgemäss eine grobe Fahrlässigkeit, ansonsten die Abgrenzung gegenüber der
leichten Fahrlässigkeit entfiele. Auch die Verletzung einer elementaren
Verkehrsvorschrift führt nicht notwendigerweise zur Annahme einer groben
Fahrlässigkeit, da nicht allein auf den Tatbestand der verletzten Vorschrift abzustellen
ist. Vielmehr sind die gesamten Umstände des konkreten Falls zu würdigen, und es ist
zu prüfen, ob subjektiv und objektiv bedeutsame Entlastungsgründe vorliegen, die das
Verschulden in einem milderen Licht, somit die Verkehrsregelverletzung nicht als
schwerwiegend erscheinen lassen (BGE 118 V 307 E. 2b mit Hinweisen). Was als
elementares Vorsichtsgebot zu qualifizieren ist, hängt nicht von der Akzeptanz einer
Verkehrsvorschrift ab, sondern von deren objektiver Begründetheit (BGE 118 V 307 f.
E. 3a).
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich im angefochtenen Entscheid bezüglich des
Unfallhergangs hauptsächlich auf das Protokoll der Stadtpolizei vom 4. Oktober 2010
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ab, während die Beschwerdeführerin der Ansicht ist, dass dieser Ermittlungsbericht
falsch und nicht nachvollziehbar sowie einseitig erhoben worden sei.
4.2 Gemäss dem Protokoll vom 4. Oktober 2010 basiert die Ermittlung des
Unfallhergangs auf den Aussagen der am Unfall beteiligten Personen sowie den
Feststellungen der Polizei. Die Unfallstelle sei fotografiert und vermessen worden.
Beide Beteiligten hätten gleichentags unterschriftlich zum Unfallhergang befragt
werden können. In Vertretung der Beschwerdeführerin habe deren Ehemann
unterschrieben, welcher bei der Einvernahme dabei gewesen sei. Beim Eintreffen der
Polizei sei die Beschwerdeführerin bereits medizinisch betreut worden. Der
Fahrzeuglenker sei ebenfalls vor Ort gewesen und sein Fahrzeug habe sich in
unveränderter Endlage befunden. Im Einvernahmeprotokoll führte die
Beschwerdeführerin u.a. aus, dass sie nicht mehr genau sagen könne, wo sie über die
Strasse gegangen sei. Das nächste, an das sie sich erinnern könne, sei, dass sie im
Rettungswagen gelegen habe. Die Örtlichkeit sei ihr bestens bekannt (act. G 3.3/2). Der
Fahrzeuglenker führte bei der Einvernahme aus, dass er die Strasse D._ befahren
habe und dann nach links eingespurt sei. Als er bei den dortigen Parkplätzen leicht
links eingelenkt habe, habe er seine Fahrt auf ca. Schritttempo verlangsamt. Plötzlich
sei die Beschwerdeführerin vor seiner linken Fahrzeugfront gestanden. Er habe sofort
versucht zu reagieren und die Bremse betätigt. Obwohl das Fahrzeug auch sofort
stillgestanden sei, habe er die Kollision nicht mehr verhindern können. Die
Beschwerdeführerin sei mit dem Kopf gegen die Frontscheibe geprallt und danach
seitlich nach links zu Boden gefallen. Er habe die nachfolgende Fahrzeuglenkerin
angehalten, welche sich dann um die Beschwerdeführerin gekümmert habe. Er selber
habe dann die Polizei angerufen (act. G 3.3/1).
4.3 Die vorliegend durchgeführten Sachverhaltsabklärungen, insbesondere die
Einvernahmen der Beschwerdeführerin und des Fahrzeuglenkers sowie die durch die
Polizei erstellte Fotodokumentation (act. G 3.3/12), lassen den tatsächlichen
Unfallhergang nicht rechtsgenüglich zu eruieren. Insbesondere kann aufgrund der
vorliegenden Akten nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit die von der Beschwerdeführerin zur Überquerung der Strasse
tatsächlich gewählte Stelle ermittelt werden. Obwohl aufgrund der Ergebnisse der
getätigten Abklärungen eine Überquerung von Ost nach West durchaus plausibel
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erscheint, können wesentliche Zweifel an dieser Variante nicht zureichend beseitigt
respektive andere mögliche Überquerungsstellen wie etwa die von der
Beschwerdeführerin behauptete (vgl. act. G 3.1/28 "Fotodokumentation"; letzte Seite),
nicht überzeugend ausgeschlossen werden. Insbesondere ist der Beschwerdeführerin
beizupflichten, dass die Unfallrekapitulation praktisch ausschliesslich auf den
Aussagen des involvierten Fahrzeuglenkers basiert. Im Bereich der angeblichen
Kollisionsstelle konnten keine Spuren gesichert werden, welche Rückschlüsse auf den
Hergang des Unfallgeschehens zulassen würden (act. G 3.3/4). Somit wurde sowohl
bezüglich der Fahrgeschwindigkeit als auch bei der Ermittlung der Kollisionsstelle
einzig auf die Angaben des Fahrzeuglenkers abgestellt oder es wurden von der Polizei
entsprechende Annahmen getroffen. Auch die Feststellung, dass sich das Fahrzeug
immer noch in unveränderter Stellung befunden habe (und somit die Kollisionsstelle
bezeichne), basiert einzig auf den Aussagen des Fahrzeuglenkers. Zusammenfassend
gilt es festzuhalten, dass nicht rechtsgenüglich erstellt ist, an welcher Stelle und vor
allem auch wie die Beschwerdeführerin die Strasse überquert hat und wie es genau
zum Unfall gekommen ist. Von einer Befragung des Ehemanns der Beschwerdeführerin
und der angehaltenen Fahrzeuglenkerin sind bezüglich des Unfallhergangs allerdings
keine neuen entscheidwesentlichen Aussagen zu erwarten, weshalb der Verzicht der
Beschwerdegegnerin auf eine Zeugenbefragung nicht zu beanstanden ist. Die von der
Polizei nicht gestellte Frage, weshalb der im Schritttempo daherkommende und
angeblich immer in Fahrtrichtung blickende (act. G3.3/1) Fahrzeuglenker die seine
Fahrspur querende Beschwerdeführerin nicht bemerkt hat und zu keiner den Unfall
verhindernden Reaktionen fähig war, wird sich durch weitere Befragungen nicht mehr
beantworten lassen. Da sich die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben nicht
mehr an das Unfallereignis erinnern kann, sind ausserdem auch von dieser Seite keine
neuen Erkenntnisse zu erwarten. Aufgrund der vorhandenen ausführlichen
Fotodokumentation und des Skizzenblatts der Unfallstelle (act. G 3.3/3) sind auch von
einem Augenschein keine neuen relevanten Erkenntnisse zu erwarten, weshalb auch
von der Durchführung eines solchen abgesehen werden kann (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157, E. 1d). Die vorliegende Streitsache gilt es
demnach aufgrund der vorhandenen Akten zu entscheiden. Zu Recht blieb
grundsätzlich unbestritten, dass sich die Beschwerdeführerin im Kollisionszeitpunkt
nicht auf einem Fussgängerstreifen befunden hat und somit gegenüber dem
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Fahrzeuglenker vortrittsbelastet war. Durch die Nichtgewährung des Vortritts
ausserhalb des Fussgängerstreifens hat sich die Beschwerdeführerin der Verletzung
der Verkehrsregeln schuldig gemacht. Dementsprechend wurde sie mit Strafbefehl
vom 24. Januar 2011 in Anwendung von Art. 90 Ziff. 1 SVG (Übertretung) i.V.m. Art. 49
Abs. 2 SVG und Art. 47 Abs. 5 der Verkehrsregelnverordnung (VRV; SR 741.11) auch
der Verletzung der Verkehrsregeln schuldig erklärt, wobei aufgrund der eigenen
körperlichen Betroffenheit von einer Bestrafung abgesehen wurde (act. G 3.3/24). Zu
prüfen bleibt, ob das Verhalten der Beschwerdeführerin als grobfahrlässig zu
qualifizieren ist.
5.
5.1 Dem Ermittlungsbericht der Polizei vom 21. Februar 2011 ist zu entnehmen, dass
der Fussgängerstreifen auf der Südseite der Unfallstelle lediglich der
Fahrbahnüberquerung und nicht als Zugang zu den Parkplätzen diene, da der direkte
Zugang vom südlichen Fussgängerübergang zu den Parkplätzen durch die
Abbiegespur unterbrochen sei. Der offizielle Zugang zu allen Parkplätzen der Insel
befinde sich auf der Nordseite, über den Fussgängerstreifen G._. Anschliessend sei
der restliche Weg am linken Rand der Fahrspur zurückzulegen (act. G 3.3/36). Diese
Ausführungen sind grundsätzlich zutreffend. Anzufügen ist jedoch, dass einerseits von
einem offiziellen Zugang mangels Ausschilderung nicht gesprochen werden kann,
sondern es sich dabei einfach um den wohl ungefährlichsten Zugang handelt und
andererseits, dass der Fussgängerstreifen G._ deutlich mehr als 50 Meter von
möglichen Zugängen von der Süd- oder Südostseite der Parkplätze her entfernt ist,
weshalb die Beschwerdeführerin grundsätzlich nicht verpflichtet war, den nördlichen
Zugang zu den Parkplätzen zu benutzen und somit nicht gegen Art. 47 Abs. 1 VRV
verstossen hat. Hingegen hat die Beschwerdeführerin - wie bereits erwähnt - durch das
Nichtgewähren des Vortritts ausserhalb des Fussgängerstreifens die Verkehrsregeln
verletzt. Diesbezüglich gilt es festzuhalten, dass der Zugang zu den Parklätzen
grundsätzlich als unübersichtlich einzustufen und für Fussgänger sicher als nicht
optimal erschlossen zu betrachten ist. Es ist denn auch gerichtsnotorisch, dass gerade
ortskundige Personen häufig einen direkten Weg - und eben nicht die Variante über
den Fussgängerstreifen G._ - wählen, um zu den Parkplätzen zu gelangen. Sodann
gilt es entlastend zu berücksichtigen, dass die Strasse D._ am Sonntagmorgen
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erfahrungsgemäss nicht stark befahren wird, was die Strassenüberquerung als
nachvollziehbarer erscheinen lässt. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass das
am fraglichen Sonntagmorgen anders gewesen wäre. Nach dem Gesagten und in
Anbetracht der Tatsache, dass der genaue Unfallhergang nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erstellt ist und sich auch nicht mehr erstellen lässt (vgl. E. 3.3), kann
zusammenfassend nicht von einem grobfahrlässigen Verhalten der Beschwerdeführerin
gesprochen werden, da sie weder eine elementare Verkehrsvorschrift noch mehrere
wichtige Verkehrsregeln schwerwiegend verletzt hat. Dementsprechend wurde sie
gemäss Strafbefehl vom 24. Januar 2011 "lediglich" für eine Übertretung schuldig
gesprochen (act. G 3.3/24). Da insbesondere der Zugang zu den Parkplätzen von
Süden und Südosten her nicht mit einem Fussgängerstreifen erschlossen ist und
deshalb, so der zeitraubende Umweg über den Fussgängerstreifen G._ nicht in Kauf
genommen werden will, nur durch Überqueren von mindestens einer Fahrspur an
unmarkierter Stelle möglich ist, kann das Verhalten der Beschwerdeführerin, auch wenn
es sicher fahrlässig war, gerade noch als "einigermassen verständlich" (vgl. Alfred
Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1989, S. 486f.) betrachtet
werden. Nach Lehre und Rechtsprechung, lässt sich deshalb der Vorwurf der
Grobfahrlässigkeit nicht begründen (vgl. zur Kasuistik; Alexandra Rumo-Jungo,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum UVG, 2003, S. 203, welche im Übrigen
dafürhält, dass der Massstab bei der Bewertung der Grobfahrlässigkeit tendenziell
milder geworden sei).
6.
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 19. April 2011 gutzuheissen und der Beschwerdeführerin
sind die ungekürzten Taggeldleistungen auszurichten.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, welche gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen ist. Vorliegend
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erscheint ein Betrag von pauschal Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen.