Decision ID: 7e3464d2-416b-5c5d-b430-8a7ffecd5ea1
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Liegenschaft Sigriswil Grundbuchblatt
Nr. G._. Diese grenzt nicht direkt an eine öffentliche Strasse, sondern ist lediglich
über einen öffentlichen Fussweg erreichbar, und zwar entweder vom oberhalb liegenden
L._ Weg (Gemeindestrasse; Wegstrecke heute circa 17 m) oder von der unterhalb
liegenden M._ Strasse (Kantonsstrasse; Wegstrecke circa 46 m) her. Dieser
öffentliche Fussweg verläuft im oberen Teil zuerst circa 5 m über die Gemeinde-Parzelle
Sigriswil Grundbuchblatt Nr. I._ und anschliessend über die Parzelle der
Beschwerdegegner (Sigriswil Grundbuchblatt Nr. J._). Ursprünglich verlief er circa
7 m bis 10 m von der Grundstücksgrenze zur Nachbarparzelle (Sigriswil Grundbuchblatt
Nr. N._) entfernt am Sitzplatz der Beschwerdegegner vorbei. Erst kurz vor der
Grenze zum unterliegenden Grundstück (Sigriswil Grundbuchblatt Nr. K._) wies er
eine scharfe Kurve in Richtung der östlichen Grundstücksgrenze auf und führte in Richtung
Gartentor des Grundstücks des Beschwerdeführers (Sigriswil Grundbuchblatt
Nr. G._). Anschliessend verläuft der Weg entlang der bzw. auf den gemeinsamen
Grundstücksgrenzen bis zur Sigriswilstrasse.
Auf Wunsch der Beschwerdegegner verlegte die Gemeinde den oberen Teil des
öffentlichen Fusswegs im Juli 2013 an die Grundstücksgrenze zur Liegenschaft Sigriswil
Grundbuchblatt Nr. N._. Zudem bauten die Beschwerdegegner im Juli 2013 den
alten Fussweg zurück und erstellten eine Stützmauer, die bis an den neuen Fussweg
heranreichte. Die Gemeinde war der Auffassung, dass sowohl die Verlegung des Weges
als auch die Erstellung einer Stützmauer von weniger als 1.20 m Höhe nicht
baubewilligungspflichtig seien. Aufgrund der Intervention des Beschwerdeführers fand am
3. Oktober 2013 ein Augenschein unter der Leitung des Regierungsstatthalters statt.
Dieser hielt fest, dass die Gartenanlage mit Stützmauer bewilligungspflichtig sei. Die
Beschwerdegegner akzeptierten diese Beurteilung und reichten am 30. Oktober 2013 ein
nachträgliches Baugesuch ein. Dagegen erhob der Beschwerdeführer Einsprache. Er
machte insbesondere geltend, der Zugang zu seinem Haus werde durch das bereits
realisierte Vorhaben ganz massiv eingeschränkt und die Stützmauer sei zu hoch. Am 16.
April 2014 erteilte der Regierungsstatthalter von Thun die nachträgliche Baubewilligung.
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2. Dagegen hat der Beschwerdeführer am 15. Mai 2014 Baubeschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) erhoben. Er beantragt, dem
nachträglichen Baugesuch sei der Bauabschlag zu erteilen und den Beschwerdegegnern
sei eine kurze Frist zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands anzusetzen. Zur
Begründung macht er insbesondere geltend, da eine Umwidmung vorliege, sei ein
Beschluss des zuständigen kommunalen Organs notwendig. Nach der Verlegung des
Fusswegs sei sein Grundstück nicht mehr genügend erschlossen. Die neue Weganlage
verletze die massgeblichen Normen und sei nicht behindertengerecht. Die Stützmauer sei
zu hoch und führe zu einer Gefährdung der Umgebung. Das Vorhaben benötige eine
Gewässerschutzbewilligung.
3. In seiner Beschwerdevernehmlassung vom 10. Juni 2014 beantragt der
Regierungsstatthalter die Abweisung der Beschwerde. Er macht insbesondere geltend, es
liege keine Umwidmung vor und die zuständige Baupolizeibehörde habe dem Vorhaben
zugestimmt. Ob und wie das Grundstück des Beschwerdeführers behindertengängig
erschlossen werden müsste, wäre erst bei baulichen Veränderungen seines Grundstücks
zu prüfen. Die Gitterkonstruktion mit gebrochenen Steinen sei weit verbreitet und habe sich
bewährt. Es fehlten jegliche Hinweise auf die behauptete fehlende Stabilität. Der Neubau
einer Stützmauer und die Verlegung eines Weges erforderten keine
Gewässerschutzbewilligung.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 19. Juni 2014 weisen die Beschwerdegegner darauf hin,
dass die Gemeinde im Januar 2013 die Verlegung des öffentlichen Weges an die
Grundstücksgrenze schriftlich bewilligt habe. Durch die Verlegung habe der
Beschwerdeführer einen direkten Zugang zu seiner Liegenschaft erhalten. Die
Privatsphäre beider Parteien sei gewährleistet. Die Stützmauer sei von einem Sigriswiler
Baugeschäft geplant und fachgerecht ausgeführt worden. Da keine Parkmöglichkeiten am
L._ Weg bestünden, habe der Beschwerdeführer einen Einstellhallenplatz im
Altersheim E._ gemietet. Der Zugang zu seiner Liegenschaft erfolge ab
M._ Strasse über den Fussweg von unten her und nicht vom L._ Weg
her.
In ihrer Stellungnahme vom 20. Juni 2014 beantragt die Gemeinde die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden kann. Sie habe der Verlegung des
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Fusswegs zugestimmt. Es liege keine Umwidmung vor. Die Anlage entspreche dem bereits
bestehenden unteren Teil und damit den örtlichen Verhältnissen und der Praxis der
Gemeinde. An exponierten Hanglagen sei eine behindertengerechte Bauweise kaum
realisierbar und nicht verhältnismässig. Die Beschwerdegegner seien dahingehend
instruiert worden, die Stützmauer (inklusive der notwendigen Absturzsicherung) nicht höher
als 1.20 m ab gewachsenem Terrain auszuführen, ansonsten bestehe die
Baubewilligungspflicht. Die Gitterrostkonstruktion mit gebrochenen Steinen habe sich
bewährt und sei eine Ergänzung der bereits früher bewilligten Stützmauer. Der Gemeinde
sei nicht bekannt, dass sich Steine gelöst hätten.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte im
Beisein der Parteien, der Gemeinde, des Kreisfeuerwehrinspektors und eines Vertreters
des Oberingenieurkreises I des Tiefbauamtes einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch. Die Beteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll
des Augenscheins zu äussern und der Oberingenieurkreis I verfasste einen Fachbericht.
Anschliessend konnten die Beteiligten Schlussbemerkungen einreichen.
5. Auf die Rechtsschriften, den Fachbericht sowie auf das Ergebnis des Augenscheins
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Bauentscheid, der im Rahmen eines nachträglichen
Baubewilligungsverfahrens im Sinn von Art. 46 Abs. 2 Bst. c BauG2 ergangen ist. Dieser
kann mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden (Art. 40 Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1
BauG). Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig. Der
Beschwerdeführer hat sich zulässigerweise als Einsprecher am Baubewilligungsverfahren
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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beteiligt (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Er ist zur Beschwerde im Rahmen seiner
Einsprachegründe befugt (Art. 40 Abs. 2 BauG).
b) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 und
49 Abs. 1 BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG3).
Die BVE tritt daher auf die Beschwerde ein.
2. Gemeindebeschluss für die Umwidmung
a) Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, es liege eine Umwidmung des öffentlichen
Fussweges vor, da er heute von einer bestimmten Kategorie von Benützern nicht mehr
begangen werden könne. Vor der unbewilligten Umgestaltung habe der Fussweg im
oberen Bereich weder Treppenstufen noch andere Hindernisse enthalten und lediglich ein
mässiges Gefälle aufgewiesen. Er sei somit auch für behinderte oder in ihrer Gehfähigkeit
eingeschränkte Personen begehbar gewesen. Diese Kategorie von Benützern werde durch
die Umgestaltung ausgeschlossen, da der Weg neu von keiner Seite her mit einem
Rollstuhl oder einem Rollator benutzt werden könne. Früher habe der Fussweg auch mit
einem Handkarren zum Gepäcktransport oder zum Transport von Mobiliar begangen
werden können. Auch dies sei nicht mehr möglich. Eine Umwidmung benötige nicht nur ein
Baubewilligungsverfahren, sondern auch einen Beschluss des zuständigen kommunalen
Organs. Dieser fehle. Die Umwidmung des Fussweges im Baubewilligungsverfahren sei
deshalb unzulässig. Hinzu komme, dass die Einwohnergemeinde Sigriswil gar nicht
berechtigt wäre, die aktuelle Wegführung zu genehmigen.
b) Laut Art. 4 Abs. 1 SG4 gelten als öffentliche Strassen die dem Gemeingebrauch offen
stehenden Strassen, Wege und Plätze. Sie werden nach ihrer Bestimmung und Bedeutung
eingeteilt in Nationalstrassen, Kantonsstrassen, Gemeindestrassen und Privatstrassen im
Gemeingebrauch (Art. 4 Abs. 2 SG). Im Privateigentum stehende Strassen gelten als
öffentliche Strassen, wenn sie dem Gemeingebrauch gewidmet sind (Art. 9 SG).
Privatstrassen werden dem Gemeingebrauch gewidmet durch Verfügung der Gemeinde,
wenn die Grundeigentümerin oder der Grundeigentümer zugestimmt hat (Art. 13 Abs. 3
Bst. a SG), durch Errichtung einer Wegdienstbarkeit zu Gunsten der Öffentlichkeit (Art. 13
3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
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Abs. 3 Bst. b SG) oder durch Übertragung der Unterhaltspflicht an einer dem allgemeinen
Verkehr offenen Strasse an die Gemeinde (Art. 13 Art. 3 Bst. c SG). Auf den Parzellen
Sigriswil Grundbuchblatt Nrn. J._, K._, O._ und P._
lastet eine Dienstbarkeit vom 1. Juni 1912 für einen allgemeinen Fussweg zugunsten der
Einwohnergemeinde Sigriswil. Gemäss Transkription des Grundbuchbelegs Nr. 51015
verläuft der Weg "zwischen Weg Flur A Blatt 12 Parz. Q._ unter dem Hause des
Gärtners Hrn. R._ hindurch, bis in die Staatsstrasse Gunten-Sigriswil". Breite und
genauer Verlauf sind jedoch nicht in einem Plan verbindlich festgelegt. Nach der damaligen
Rechtslage wurde eine solche Servitut grundsätzlich als blosse zivilrechtliche Belastung
des Privatgrundstücks zu Gunsten der Allgemeinheit verstanden.6 Nach geltendem Recht
sind Strassen und Wege, die (bis heute) mit einer Wegdienstbarkeit zugunsten der
Öffentlichkeit belegt sind, dem Gemeingebrauch gewidmete öffentliche Strassen im Sinne
von Art. 9 SG.7 Der fragliche Fussweg ist deshalb unbestritten eine öffentliche Strasse im
Sinne von Art. 4 Abs. 1 SG.
c) Laut Art. 65 Abs. 1 SG dürfen die öffentlichen Strassen im Rahmen ihrer
Zweckbestimmung, ihrer Gestaltung, der örtlichen Verhältnisse und der geltenden
Vorschriften von allen unentgeltlich und ohne besondere Erlaubnis benutzt werden. Der
Gemeingebrauch kann im überwiegenden öffentlichen Interesse beschränkt oder
aufgehoben werden (Art. 65 Abs. 2 SG). Es gibt keinen bundesverfassungsrechtlichen
Anspruch darauf, dass bestimmte Verkehrsanlagen gebaut oder bestimmte Flächen dem
Verkehr zur Verfügung gestellt werden. Das Gemeinwesen ist verfassungsrechtlich auch
nicht verpflichtet, die bestehenden Strassenflächen im bisherigen Umfang dem Verkehr zu
erhalten. Sofern es sich nicht um Durchgangsstrassen handelt (Art. 2 Abs. 1 Bst. a und Art.
3 Abs. 3 SVG8), kann das zuständige Gemeinwesen eine Fläche, die bisher dem Verkehr
gewidmet war, einer anderen Zweckbestimmung zuführen.9 Im Allgemeinen wird für die
Entwidmung oder Umwidmung ein entsprechendes (überwiegendes) öffentliches Interesse
vorausgesetzt bzw. verlangt, dass das öffentliche Interesse, das Voraussetzung für die
seinerzeitige Widmung war, untergegangen ist (bspw. weggefallene oder verminderte
Verkehrsbedeutung) oder jedenfalls gegenüber jenem an der Ent- oder Umwidmung als
minderwertig erscheint. In der neueren Rechtsprechung wird vermehrt auch den privaten
Interessen der durch die Einschränkung oder die Aufhebung des Gemeingebrauchs
5 Vgl. Einsprache-Beilage 3, Vorakten Regierungsstatthalteramt Thun, pag. 0059 6 Vgl. BVR 2011 S. 341 E. 4.2.1 mit Hinweisen 7 Vgl. BVR 2013 S. 282 E. 2.5 ff. 8 Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01) 9 BGE 122 I 279 E. 2 c, mit weiteren Hinweisen
7
betroffenen Anstösserinnen und Anstösser Rechnung getragen. Bei der Änderung der
Widmung ist das Gemeinwesen daher, anders als bei der erstmaligen Widmung, nicht
frei.10 Anstösserinnen und Anstösser dürfen insbesondere nicht vom Zugang zu einer
Strasse abgeschnitten werden, ohne dass ihnen zum Ersatz ein anderer Zugang eröffnet
wird. Hingegen besteht kein Anspruch auf unverändertes Beibehalten einer wirtschaftlich
vorteilhaften Verkehrssituation.11
d) Von einer Umwidmung wird gesprochen, wenn der öffentliche Gebrauch der Sache
nicht generell aufgehoben wird, sondern lediglich bestimmte Benutzerkategorien oder
Benutzungsarten künftig davon ausgeschlossen werden. Das ist beispielsweise der Fall,
wenn ein Strassenabschnitt für Motorfahrzeuge geschlossen wird und künftig nur noch
dem Fussgänger- und Veloverkehr offensteht.12 Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt,
stellt die Verlegung des öffentlichen Fussweges entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers weder eine Entwidmung noch eine Umwidmung dar. Aufgrund der
Messungen anlässlich des Augenscheins wies der alte Fussweg im oberen Teil eine
Steigung von 20 % und im unteren Teil eine Steigung von circa 15 % auf. Er war somit
nicht rollstuhlgängig (vgl. Art. 88 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 86 Abs. 1 BauV13). Es trifft
daher nicht zu, dass eine Kategorie von Personen neu von der Nutzung ausgeschlossen
ist. Der Weg ist auch nach seiner Verlegung ein öffentlicher Fussweg. Mangels
Veränderung der Widmung war daher kein spezieller Gemeindebeschluss nötig. Dieser
läge im Übrigen vor: Zum einen hat die Planungs-, Volkswirtschafts-, Tiefbau- und
Umweltkommission (PVTUK) der Verlegung des Weges zugestimmt14. Zum anderen hat
der Gemeinderat von Sigriswil das nachträgliche Baugesuch mitunterzeichnet. Laut Art. 44
Abs. 2 SG planen, bauen und unterhalten die Gemeinden die Fuss- und Wanderwege.
Anders als der Beschwerdeführer meint, war die Gemeinde deshalb auch berechtigt, eine
geänderte Wegführung zu genehmigen.
3. Genügende Erschliessung des Grundstücks des Beschwerdeführers
10 André Werner Moser, Der öffentliche Grund und seine Benützung, Diss. Bern 2011, S. 114 f. 11 Fritz Gygi, Verwaltungsrecht, 1986, S. 238 f. 12 André Werner Moser, Der öffentliche Grund und seine Benützung, Diss. Bern 2011, S. 41 f. und 114 ff., mit weiteren Hinweisen 13 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 14 Vgl. Schreiben der PVTUK vom 14. Januar 2013 an die Beschwerdegegner, Baugesuchsakten Nr. 938/ der Gemeinde Sigriswil, Register 6
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a) Der Beschwerdeführer macht geltend, aus der Erschliessungspflicht der Gemeinde
ergebe sich ein Verbot, die rechtsgenügende Erschliessung eines Grundstücks in der
Bauzone wieder aufzuheben. Die Erschliessung sei bisher durch das öffentliche Wegrecht
genügend gewährleistet worden. Die Vorinstanz liege falsch mit der Erwägung, die
Erschliessung über einen dienstbarkeitsrechtlich sichergestellten öffentlichen Fussweg
dürfe aufgehoben oder beeinträchtigt werden, weil der Beschwerdeführer nicht zugleich
über ein privates Wegrecht verfüge. Es sei Zweck der öffentlich-rechtlichen
Erschliessungspflicht, derartige Situationen zu vermeiden und die Erschliessung
sicherzustellen, und zwar unabhängig vom Bestand zusätzlicher privater Rechte. Das
Grundstück des Beschwerdeführers liege in der Bauzone und sei bis anhin durch den
Fussweg ab der L._-Strasse erschlossen worden. Die Gemeinde sei aufgrund
ihrer Erschliessungspflicht daher nicht berechtigt, diesen öffentlichen Fussweg derart
umzugestalten, dass das Grundstück Nr. G._ nicht mehr rechtsgenüglich
erschlossen sei. Der Zugang zum Grundstück des Beschwerdeführers sei durch die
Verengung des Wegstücks und durch die Treppenstufen erheblich erschwert worden. Die
Möbel seiner Partnerin hätten aus diesem Grund bis heute nicht gezügelt werden können.
Ein weiteres Problem werde die anstehende Erneuerung der Heizungsanlage sein. Es
werde praktisch nur noch über den Luftweg möglich sein, den alten Tank zu entfernen und
durch einen neuen zu ersetzten. Die Erschliessungssituation habe sich durch das
Bauvorhaben gewaltig verändert. Eine gute Erreichbarkeit sei nicht mehr gegeben.
b) Den Gemeinden obliegt die Aufgabe, die Bauzone zu erschliessen (Art. 19 Abs. 2
RPG15 in Verbindung mit Art. 64 Abs. 2 Bst. a und Art. 108 Abs. 1 BauG). Verfügen
Parzellen in der Bauzone über keinen genügenden Zugang zur öffentlichen Strasse, ist
dieser Mangel nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in erster Linie mit öffentlich-
rechtlichen Mitteln zu beheben.16 Land ist erschlossen, wenn unter anderem eine für die
betreffende Nutzung hinreichende Zufahrt besteht (Art. 19 Abs. 1 RPG). Dies ist der Fall,
wenn die Zugänglichkeit sowohl für die Benutzerinnen und Benutzer der Bauten als auch
für Fahrzeuge der öffentlichen Dienste gewährleistet ist. Die Zufahrt soll verkehrssicher
sein und hat sich nach den zonengerechten Baumöglichkeiten jener Flächen zu richten, die
sie erschliessen soll. Die Festlegung des Ausmasses der Erschliessungsanlagen und die
Umschreibung der genügenden Zugänglichkeit ist Sache des kantonalen Rechts. Aus
bundesrechtlicher Sicht genügt es, wenn eine Zufahrtsstrasse hinreichend nahe an Bauten
15 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 16 BGE 136 III 130 E. 3.3.1
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und Anlagen heranführt. Sie muss nicht bis zum Baugrundstück oder gar zu jedem
einzelnen Gebäude reichen; vielmehr genügt es, wenn Benützer und Besucher mit dem
Motorfahrzeug oder einem öffentlichen Verkehrsmittel in hinreichende Nähe gelangen und
von dort über einen Weg zum Gebäude oder zur Anlage gehen können.17
Das bernische Recht regelt die Anforderungen an die hinreichende Erschliessung in den
Art. 7 und 8 BauG sowie in den Art. 3 ff. BauV näher. Laut Art. 6 Abs. 1 BauV wird unter
Zufahrt die Strassenverbindung zwischen dem Baugrundstück und dem allgemeinen
Strassennetz verstanden. Sie umfasst die Hauszufahrt, den anschliessenden
Strassenabschnitt und dessen Anschluss an eine Strasse mit vorwiegendem
Allgemeinverkehr. Die Zufahrt kann aus einem Strassenteil und einem Wegstück oder
einer Treppe bestehen, wenn Bauten und Anlagen für die Feuerwehr und Sanität gut
erreichbar bleiben. Das Wegstück soll in der Regel nicht länger als 100 m sein (Art. 6 Abs.
2 BauV). Hauszufahrten und Hausanschlüsse, die ein Gebäude oder eine
zusammengehörende Gebäudegruppe mit dem Erschliessungsnetz verbinden (Art. 106
Abs. 3 BauG), sind somit ebenfalls Teil der Erschliessung. Ihre Planung und ihr Bau ist
jedoch Sache der jeweiligen Grundeigentümer.18 Art. 7 BauV regelt zwar die
Fahrbahnbreite von Zufahrtsstrassen. Für Wegstücke oder Treppen sind demgegenüber
keine Masse für die erforderlichen Weg- bzw. Treppenbreiten vorgeschrieben. Auch hier
gilt jedoch, dass Zu- und Weggang für die Benutzerinnen und Benutzer sicher sein
müssen.19 Für die Frage, ob der Zugang zum Grundstück genügt, sind deshalb die Normen
und Empfehlungen der Fachverbände zu beachten (vgl. Art. 21 Abs. 1 BauG und Art. 57
Abs. 2 BauV). Bauten und Anlagen sind nach Möglichkeit so zu gestalten, dass ihre
Benützung auch Behinderten offensteht (Art. 22 Abs. 1 BauG). Es ist jedoch nicht
vorgeschrieben, dass der Zugang von der öffentlichen Strasse zu einem Einfamilienhaus
rollstuhlgängig gestaltet werden muss (vgl. Art. 22 Abs. 2 BauG). Planung, Bau und
Finanzierung einer solchen Zugangsmöglichkeit wäre im Übrigen Sache des
Grundeigentümers, da unter dem erschliessungsrechtlichen Gesichtspunkt eine private
Hauszufahrt betroffen ist.
Wird einem Grundstück durch Verbot oder durch Veränderung der öffentlichen Strasse der
Zutritt oder die Zufahrt entzogen, so hat das zuständige Gemeinwesen für eine andere
17 BGE 136 III 130 E. 3.3.2 18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 7/8 N. 3, 13a 19 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 7/8 N. 7
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Verbindung mit dem öffentlichen Strassennetz zu sorgen oder eine angemessene
Entschädigung zu leisten (Art. 85 Abs. 4 SG). Anstösserinnen und Anstösser dürfen nicht
vom Zugang zu einer Strasse abgeschnitten werden, ohne dass ihnen zum Ersatz ein
anderer Zugang eröffnet wird.20 Ein Bauvorhaben, das auf die Erschliessung benachbarter
Parzellen keine Rücksicht nimmt, oder sogar dazu führt, dass andere Liegenschaften nicht
mehr hinreichend erschlossen sind, kann nicht bewilligt werden.21 Der Beschwerdeführer
verfügt weder über eine private Hauszufahrt noch über ein privates Fusswegrecht. Der
öffentliche Fussweg stellt die einzige Verbindung mit dem öffentlichen Strassennetz dar.
Dem Beschwerdeführer ist deshalb darin zuzustimmen, dass der Zugang zu seinem
Grundstück nicht ersatzlos aufgehoben werden oder derart verändert werden darf, dass er
den Anforderungen an eine hinreichende Erschliessung nicht mehr entspricht. Hingegen ist
es grundsätzlich zulässig, einen (öffentlichen) Fussweg umzugestalten oder zu verlegen.
Ebenso ist erlaubt, dass das Verbindungsstück zwischen dem allgemeinen Strassennetz
und dem Baugrundstück aus einer Fussverbindung besteht, die Treppenstufen enthält. Der
öffentliche Fussweg darf aber nicht derart verändert werden, dass das Grundstück des
Beschwerdeführers nicht mehr hinreichend erschlossen ist.
c) Das Grundstück des Beschwerdeführers befindet sich in einer starken Hanglage. Es
verfügt über keinen direkten Anschluss an eine öffentliche Kantons- oder Gemeindestrasse
und es kann mit Fahrzeugen nicht erreicht werden. Die Verbindung ab den beiden
öffentlichen Strassen erfolgt lediglich über einen öffentlichen Fussweg. Zugunsten des
Grundstücks des Beschwerdeführers bestehen keine privaten Wegrechte auf den
Nachbarparzellen. Sowohl die Kantonsstrasse als auch die Gemeindestrasse führen aber
genügend nahe an das Grundstück heran. Unbestritten ist deshalb, dass es über eine
hinreichende Zufahrt verfügt. Es ist daher grundsätzlich hinreichend erschlossen. Da der
Beschwerdeführer nicht direkt zu seinem Wohnhaus fahren kann, hat er einen Parkplatz in
der Einstellhalle des Altersheims E._ gemietet. Um Einkäufe nachhause zu
bringen, stellt er seinen Wagen jeweils kurz auf dem L._ Weg ab und transportiert
die Waren zu Fuss zu seinem Wohnhaus. Ursprünglich verlief der alte Fussweg im oberen
Bereich in einem Bogen über die Parzelle der Beschwerdegegner. Er wies im obersten Teil
eine Steigung von 20 % und im unteren Teil eine Steigung von circa 15 % auf. Er war circa
0.90 cm breit und wies keine seitlichen Begrenzungen auf. Der bestehende, nicht
veränderte Teil des Fussweges weist von der unten liegenden Kantonsstrasse bis zum
20 Fritz Gygi, Verwaltungsrecht, 1986, S. 238 f. 21 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 7/8 N. 13 Bst. d, mit weiteren Hinweisen; BVR 2008 S. 332 E. 6.7
11
Gartentor der Liegenschaft des Beschwerdeführers eine Länge von circa 46 m auf. Am
unteren Ende des Fussweges hat es (unverändert) vier Treppenstufen und der (alte)
Fussweg ist 1.18 m breit. Anschliessend wird er schmaler und weist eine Breite von 95 cm
auf. Zudem wird er von Gartenzäunen begrenzt. Auf der Höhe der Parzellengrenze
zwischen dem Grundstück Sigriswil Grundbuchblatt Nr. O._ und dem Grundstück
des Beschwerdeführers beträgt die lichte Breite des Fussweges 1 m.
Heute weist der neue Fussweg ab der Gemeindestrasse bis zur Liegenschaft des
Beschwerdeführers eine Länge von circa 17 m und eine Steigung von 30 % auf. Der neue
Fussweg hat eine lichte Breite von 90 cm bis 95 cm und verfügt über zehn Treppenstufen.
Er wird auf der einen Seite von einem Maschendrahtzaun begrenzt, der entlang der
Grundstücksgrenze der Parzelle Sigriswil Grundbuchblatt Nr. N._ verläuft. Auf der
anderen Seite bilden ein Mäuerchen, eine Bepflanzung sowie die Stützmauer der
Beschwerdegegner die Begrenzung. Vor der Wegverlegung konnte der Beschwerdeführer
sowohl seine Wocheneinkäufe als auch schwerere Gegenstände relativ bequem von der
Gemeindestrasse aus über den alten Weg tragen oder mit einem Einkaufs- oder
Handwagen zu seinem Wohnhaus transportieren. Es war gemäss seinen Angaben auch
möglich, seine gehbehinderte Partnerin in einem Rollstuhl zum Haus zu fahren.
Rollstuhlgängig im Sinne von Art. 86 Abs. 2 BauV war der alte Weg jedoch nicht. Aufgrund
der Steigung von 20 % bzw. 15 % war es auch früher nicht möglich, dass eine
Rollstuhlfahrerin oder ein Rollstuhlfahrer den Weg ohne fremde Hilfe nutzen konnte. An der
Zugangsmöglichkeit von der Kantonsstrasse her hat sich zwar nichts geändert. Der
Beschwerdeführer ist daher an sich nicht darauf angewiesen, die neue, schmale und steile
Treppe zu benutzen. Allerdings ist der Weg von der Kantonsstrasse bis zu seiner
Liegenschaft fast dreimal so lang wie derjenige vom L._ Weg her, ebenfalls sehr
steil und schmal (zwischen 1.18 m und 0.95 m breit). Zudem weist er über weite Strecken
beidseits seitliche Begrenzungen auf. Im Vergleich zum alten Weg bedeutet auch diese
(bestehende) Zugangsmöglichkeit eine Verschlechterung der Erschliessungsqualität.
d) Entscheidend ist, ob der neue Fussweg noch eine genügende Erschliessung
darstellt. Wesentlich ist einerseits die Frage, ob das Wohnhaus des Beschwerdeführers
nach der Verlegung des Fussweges und der Erstellung der Stützmauer für die Feuerwehr
und die Sanität gut erreichbar ist. Andererseits muss der neue Fussweg auch künftig seine
bisherige Funktion als genügender Hausanschluss erfüllen.
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Anlässlich des Augenscheins beurteilte der Kreisfeuerwehrinspektor die
Erschliessungssituation zwar als nicht optimal aber ortsüblich. Verglichen mit der
ursprünglichen Wegführung habe die neue Wegführung für die Feuerwehr keine
Verschlechterung der Erreichbarkeit zur Folge. Der Vorteil der neuen Wegführung liege
darin, dass der Wasserbezugsort nun direkt oben am Fussweg liege. Der Rettungsdienst
Gesigen beurteilt eine Weg- bzw. Treppenbreite von 90 cm zwar als eher an der unteren
Grenze liegend, aber machbar, wenn Weg und Treppe einen mehr oder weniger geraden
Verlauf aufweisen. Diese Voraussetzung ist im vorliegenden Fall zwar erfüllt. Hingegen
dürfte die neue Wegführung mit ihrer seitlichen Begrenzung durch Stützmauer und Zaun
für die Sanität eher eine Verschlechterung der Erreichbarkeit zur Folge haben. Es ist daher
fraglich, ob die Erschliessung des Grundstücks von der Gemeindestrasse her unter diesem
Aspekt noch als genügend beurteilt werden kann. Selbst wenn eine Weg- oder
Treppenbreite von 90 cm ortsüblich ist, hat die neue Wegführung und -gestaltung zudem
zur Folge, dass die Erschliessungsqualität der Parzelle des Beschwerdeführers
unbestritten verschlechtert wurde. Ob sie den massgeblichen Normen entspricht, wird in
Erwägung 5 geprüft.
4. Verlegung des öffentlichen Fussweges
a) Die Gemeinde Sigriswil hat ihr Fusswegnetz bisher noch nicht in ihrer Richt- oder
Nutzungsplanung festgelegt (vgl. Art. 44 Abs. 2 SG und Art 27 Abs. 1 SV22). Gestützt auf
die Übergangsbestimmung von Art. 61 SV, die die vorläufige Bezeichnung des Fuss- und
Wanderwegnetzes bis zum Inkrafttreten der entsprechenden Pläne regelt, ist der fragliche
öffentliche Fussweg Bestandteil des Fuss- und Wanderwegnetzes (Art. 61 Abs. 1 Bst. c
SV).
b) Das FWG bezweckt die Planung, die Anlage und die Erhaltung zusammenhängender
Fuss- und Wanderwegnetze (Art. 1 FWG23). Fusswegnetze sind Verkehrsverbindungen für
Fussgänger und liegen in der Regel im Siedlungsgebiet (Art. 2 Abs. 1 FWG). Sie umfassen
untereinander zweckmässig verbundene Fusswege, Fussgängerzonen, Wohnstrassen und
ähnliche Anlagen. Trottoirs und Fussgängerstreifen können als Verbindungsstücke dienen
(Art. 2 Abs. 2 FWG). Fusswegnetze erschliessen und verbinden insbesondere
22 Strassenverordnung vom 29. Oktober 2008 (SV; BSG 732.111.1) 23 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1985 über Fuss- und Wanderwege (FWG; SR 704)
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Wohngebiete, Arbeitsplätze, Kindergärten, Schulen, Haltestellen des öffentlichen Verkehrs,
öffentliche Einrichtungen, Erholungsanlagen sowie Einkaufsläden (Art. 2 Abs. 3 FWG).
Diese Wege können die ihnen zugedachte Funktion nur dann erfüllen, wenn eine möglichst
gefahrlose Nutzung gewährleistet ist.24 Deshalb haben die Kantone unter anderem dafür zu
sorgen, dass Fuss- und Wanderwege frei und möglichst gefahrlos begangen werden
können (Art. 6 Abs. 1 Bst. b FWG). Im Kanton Bern sorgen die Gemeinden für die Erfüllung
dieser bundesrechtlichen Vorgabe (Art. 44 Abs. 2 SG in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 SV).
c) Fuss- und Wanderwege sollen in ihrem Bestand und in ihrer Qualität nicht vermindert
werden.25 Müssen die in den Plänen erhaltenen Fuss- und Wanderwegnetze oder Teile
davon aufgehoben werden, so ist unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse für
angemessenen Ersatz durch vorhandene oder neu zu schaffende Wege zu sorgen (Art. 7
Abs. 1 FWG). "Angemessener Ersatz" bedeutet, dass der Ersatzweg die Funktionen des
ursprünglichen Wegs möglichst gleichwertig erfüllt. Er muss demnach nicht alle
Eigenschaften des ursprünglichen Wegs aufweisen, sondern in erster Linie diejenigen, die
für die Erhaltung der ihrer Funktion erforderlich sind. Insbesondere muss der Weg
möglichst gefahrlos begehbar und ähnlich attraktiv sein wie der ursprüngliche.26 Ob die
neue Wegführung den massgeblichen Normen entspricht, wird in Erwägung 5 geprüft.
5. Anforderungen an den neuen Weg
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, aufgrund der Gemeindevorschriften seien die
Richtlinien des Schweizerischen Verbandes der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS)
wegleitend. Es handle sich um eine Neuanlage und nicht um eine Umgestaltung des
Zugangsweges. Bis anhin sei sein Grundstück mit einem Fussweg erschlossen worden,
der sich dem gewachsenen Gelände anpasste und ohne Treppenstufen auskam. Die
Neuanlage führe nun über eine schmale und steile Treppe. Die neue Wegführung
entspreche den einschlägigen Normen nicht. Im ursprünglichen Zustand habe der Weg den
Anforderungen gemäss Art. 22 BauG betreffend Vorkehren für Behinderte entsprochen.
Die neue Bauweise sei nicht behindertengerecht. Davon werde die gehbehinderte
Lebenspartnerin des Beschwerdeführers direkt betroffen.
24 Heinrich Jud, Kleine Einführung ins FWG, S. 15 25 Heinrich Jud, Kleine Einführung ins FWG, S. 17 26 Vgl. Bundesamt für Strassen (ASTRA)/Schweizer Wanderwege (Hrsg.), Ersatzpflicht für Wanderwege, Vollzugshilfe zu Artikel 7 des Bundesgesetzes über Fuss- und Wanderwege (FWG), S. 32 f.
14
b) Wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, ist die Verlegung des öffentlichen
Fussweges (zumindest) baubewilligungspflichtig (vgl. Art. 43 Abs. 2 SG in Verbindung mit
23 Bst. b SV). Soweit sie einen erheblichen Eingriff ins Fuss- und Wanderwegnetz darstellt,
ergibt sich die Baubewilligungspflicht zudem aus Art. 33 Abs. 1 SV. Bauvorhaben sind
gemäss Art. 2 Abs. 1 BauG zu bewilligen, wenn sie den bau- und planungsrechtlichen
Vorschriften und den nach anderen Gesetzen im Baubewilligungsverfahren zu prüfenden
Vorschriften entsprechen, die öffentliche Ordnung nicht gefährden und wenn ihnen keine
Hindernisse der Planung entgegenstehen. Die Bauverordnung regelt die
Strassengestaltung von Zufahrten näher und bestimmt, dass auf Verkehrssicherheit,
Ortsbild und Landschaft Rücksicht zu nehmen und besonderen örtlichen Verhältnissen und
Bedürfnissen Rechnung zu tragen ist (Art. 6 Abs. 3 BauV). Zu den nach anderen Gesetzen
im Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften gehören insbesondere diejenigen
der Strassengesetzgebung.27 Bei Strassenbauvorhaben sind insbesondere die
Wirkungsziele von Art. 3 SG zu berücksichtigen. Danach werden Strassen so geplant,
gebaut, betrieben und unterhalten, dass die Summe aller Wirkungen dauerhaft zu einer
Verbesserung des Lebensraums führt (Art. 3 Abs. 1 Bst. a SG), dass sie die wirtschaftliche
und touristische Entwicklung unterstützen (Art. 3 Abs. 1 Bst. b SG) und dass sie
wirtschaftlich tragbar sind (Art. 3 Abs. 1 Bst. c SG). Die Mobilitäts- und
Sicherheitsbedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer werden aufeinander abgestimmt (Art. 3
Abs. 1 Bst. d SG). Die negativen Auswirkungen der Mobilität werden möglichst gering
gehalten (Art. 3 Abs. 1 Bst. e SG). Da vorliegend ein Fussweg betroffen ist, muss auch die
Fuss- und Wanderweggesetzgebung berücksichtigt werden. Zudem ist die
Behindertengleichstellungsgesetzgebung und damit zusammenhängende kantonale
Gesetzgebung zu beachten. Bauten und Anlagen sind nach Möglichkeit so zu gestalten,
dass ihre Benützung auch Behinderten offensteht (Art. 22 Abs. 1 BauG). Die
Bauverordnung führt dazu aus, dass Bauten und Anlagen möglichst so zu gestalten sind,
dass sie für ältere und für behinderte Personen gut erreichbar und benutzbar sind und
keine vermeidbaren Verletzungsgefahren schaffen (Art. 85 Abs. 1 BauV). Bei der
Gestaltung von Strassenanlagen ist auf die Bedürfnisse der Behinderten Rücksicht zu
nehmen (Art. 85 Abs. 2 Bst. c BauV). Fuss- und Gehwege sind nach Möglichkeit
rollstuhlgängig zu gestalten (Art. 88 Abs. 1 BauV). Das bedeutet, dass sie wenn möglich
eine ohne wesentlichen Widerstand befahrbare Oberfläche besitzen, nicht mehr als 6 %
Steigung aufweisen und keine Stufen oder Schwellen haben (vgl. Art. 86 Abs. 1 BauV).
27 BVR 2011 S. 341 E. 2, mit weiteren Hinweisen
15
Anders als für Erschliessungsstrassen (vgl. Art. 7 ff. BauV) enthält die Bau- und die
Strassengesetzgebung keine detaillierten Vorgaben über die Dimensionierung von
Fusswegen. Insbesondere sind Fahrbahnbreite und maximale Steigung für Fusswege nicht
ausdrücklich geregelt. Laut Art. 21 Abs. 1 BauG sind Bauten und Anlagen so zu erstellen,
zu betreiben und zu unterhalten, dass weder Personen noch Sachen gefährdet werden.
Unter diesem Aspekt sind die Regeln der Baukunde einzuhalten sowie Normen und
Empfehlungen der Fachverbände auch beim Ausbau eines Fussweges zu beachten (vgl.
Art. 57 BauV). Es kann daher offen gelassen werden, ob Art. 7a Abs. 1 GBR, der die
technischen Anforderungen an die Erschliessung bezüglich Gehwegen und Fahrwegen
regelt, auch für (öffentliche) Fusswege einschlägig ist. Es gilt viel mehr der Grundsatz,
dass die einschlägigen technischen Normen wie die Schweizer Normen (SN) der
Vereinigung Schweizerischer Strassenfachleute (VSS) bei Strassenbauvorhaben zu
beachten sind.28 Ob der Fussweg den allgemein formulierten Anforderungen der
massgeblichen Gesetzgebung entspricht, ist somit unter Beizug der einschlägigen VSS-
Normen zu beurteilen. Diese dienen als Entscheidungshilfe und legen die Anforderungen
fest, denen Anlagen des Fussgängerverkehrs zu genügen haben. Es handelt sich dabei
jedoch nicht um Rechtsnormen, sondern lediglich um Richtlinien, deren Anwendung im
Einzelfall vor den allgemeinen Rechtsgrundsätzen, insbesondere vor dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit, standhalten müssen. Sie dürfen daher nicht unbesehen der
konkreten Verhältnisse der Entscheidung zugrunde gelegt werden.29 Die in den Normen
aufgeführten Masse sind Richtwerte, die nicht unterschritten werden dürfen. Häufig sind
auch aus räumlichen und gestalterischen Gründen breitere Fussgängerflächen als die
minimalen Normmasse nötig.30
c) Das Tiefbauamt hat in seinem Fachbericht vom 29. September 2014 die spezifischen
Normen zusammengestellt31 und ausgeführt, dass es keine absoluten Vorgaben gebe. Je
nach erwartetem Fussgängeraufkommen, nach gewünschtem Komfort, nach den
ortsüblichen Verhältnissen und der speziellen Situation bestehe ein gewisser
Ermessensspielraum. Die Berechnung der Wegbreite sei abhängig von diversen
28 VGE 2009/314 vom 22.11.2010, E. 7.2 29 BGer 1C_375/2011 vom 28. Dezember 2011, E. 3.3.3 30 Bundesamt für Strassen (ASTRA)/Fussverkehr Schweiz (Hrsg.). Handbuch Fusswegnetzplanung (Version für die Anhörung), S. 12 31 SN 640 070 Fussgängerverkehr, Grundnorm; SN 640 201 Geometrisches Normalprofil, Grundabmessungen und Lichtraumprofil der Verkehrsteilnehmer; SN 640 238 Fussgänger- und leichter Zweiradverkehr, Rampen, Treppen und Treppenwege; SN 640 568 Geländer
16
Annahmen. Die minimale Breite für Einzelpersonen mit leichtem Gepäck oder mit einem
Kinderwagen setze sich zusammen aus einer Grundabmessung von 0.80 m plus
Sicherheitszuschlag von 0.20 m. Dies ergebe ein minimales Standard-Lichtraumprofil von
1.00 m Breite. Für Personen im Rollstuhl oder mit schwerem Gepäck würden nochmals
mindestens 0.20 m Zuschlag hinzukommen. Wenn das Kreuzen oder
Nebeneinandergehen zweier Personen möglich sein solle, habe ein Fussweg ohne
seitliche Begrenzung mindestens 1.50 m bis 2.00 m, mit seitlicher Begrenzung mindestens
2.50 m breit zu sein. Was die Steigung betreffe, würden Rampen mit einer Neigung bis 6
%, in Ausnahmefällen bis 12 %, eine gute Begehbarkeit für alle Benutzergruppen bieten.32
Höheunterschiede bei Fusswegen könnten mit Treppen überwunden werden, wenn für
Rampen kein Platz oder kein Land vorhanden sei, wenn die Topografie ungünstig sei oder
wenn eine Rampe zu grossen Umwegen führen würde. Treppen würden die Möglichkeit
eröffnen, eine direktere Linienführung zu wählen, weniger Land zu beanspruchen und
gegebenenfalls auch günstiger zu sein als ein Fussweg mit Steigung oder Rampe. Treppen
seien für Fusswege nicht à priori schlechter als Rampen oder geneigte Fusswege. Gemäss
Norm seien sie für geh- und sehbehinderte Personen am sichersten zu begehen.33 Dies sei
nachvollziehbar, da mit Handläufen gesicherte und richtig dimensionierte Treppen
einfacher zu begehen seien als steile Wege; dies gelte besonders im Winter. Erhebliche
oder sogar unüberwindliche Hindernisse seien Treppen hingegen für Personen mit
Kinderwagen oder Personen im Rollstuhl. Für die Bemessung der Treppenbreite gelte
grundsätzlich das Gleiche wie für Fusswege. Zur Erhöhung der Sicherheit werde
empfohlen, mindestens einseitig ein Geländer, ein Handlauf und Treppenmarkierungen
anzubringen.
Aus Sicht der einschlägigen VSS-Normen erfülle der neue Weg unabhängig davon, von
welchen Annahmen man ausgehe, und wie man die örtliche Situation berücksichtige, die
Mindestanforderungen an einen Fussweg nicht. Der neue Wegabschnitt sei lediglich
zwischen 0.90 m und 0.95 m breit. Gemäss den Normen sollte ein Weg ohne
Begegnungsfall im Minimum 1.00 m, im Bereich von seitlichen Begrenzungen wie Zäunen
und Mauern sogar mindestens 1.20 m bis 1.50 m breit sein. Im Begegnungsfall würden die
Minimalbreiten 2.00 m im offenen Gelände und 2.50 m im Gelände mit seitlichen
Einschränkungen betragen. Auch die Steigung des neuen Abschnitts sei mit rund 30 %
selbst für ortsübliche Verhältnisse in Sigriswil überdurchschnittlich hoch und weit entfernt
32 Vgl. SN 640 238 Ziff. 4.3 33 Vgl. SN 640 238 Ziff. 4.3
17
von jenem Mass, dass die Normen als maximales Gefälle empfehlen würden. Da ein
Handlauf fehle, bestehe ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch Sturzunfälle, besonders bei
Nässe und bei winterlichen Verhältnissen. Bei einer (verhältnismässig steilen) Treppe mit
zehn Tritten würden die Normen einen Handlauf empfehlen. Dieser würde dazu beitragen,
das Unfallrisiko deutlich zu verringern. Generell gesehen könnte man von den
beschriebenen Mängeln in einer Berggemeinde wie Sigriswil absehen, hätte der fragliche
Fussweg nicht zusätzlich auch noch Erschliessungsfunktion für die Parzelle des
Beschwerdeführers. Es bestehe zwar eine zweite Fusswegerschliessung von unten. Diese
weise aber ebenfalls Treppenstufen auf. Da der Zugang von oben die Haupterschliessung
sei, müsse der Weg auch als Zufahrt im Sinn von Art. 6 Abs. 2 BauV genügen. Das heisse,
die Parzelle müsse über diesen Weg für Sanität und Feuerwehr gut erreichbar sein. Eine
Rettung sei über den neuen Weg sicher möglich, aber durch die steile und relativ schmale
Treppe sowie durch die Steilheit des Weges besonders zur Winterszeit ziemlich erschwert.
Die Anforderung der guten Erreichbarkeit sei sicher nicht erfüllt.
d) Es ist grundsätzlich zulässig, öffentliche Fusswege zu verlegen. Die neue
Wegstrecke muss verkehrssicher sein und grundsätzlich auch von älteren oder
behinderten Personen benutzt werden können. Da im vorliegenden Fall die Fuss- und
Wanderweggesetzgebung anwendbar ist, muss der Ersatzweg die Funktionen des alten
Weges möglichst gleichwertig erfüllen. Zudem hat er auch künftig die
Erschliessungsfunktion für das Grundstück des Beschwerdeführers zu gewährleisten.
Aufgrund der Vorakten ist davon auszugehen, dass die Gemeinde zu diesen Fragen keine
weitern Abklärungen getroffen hat. Bei der Lage und der Dimensionierung des neuen
Fusswegstückes hat sie sich offenbar lediglich an den Bedürfnissen der
Beschwerdegegner sowie an der bisherigen Wegbreite orientiert, die sie als ortsüblich
beurteilt. Sie hat insbesondere nicht berücksichtigt, dass der alte Fussweg keine seitliche
Begrenzung aufwies und sie hat nicht geklärt, welche Mindestbreite für die konkreten
Funktionen des fraglichen Fussweges erforderlich ist.
Aufgrund der einschlägigen VSS-Normen ergibt sich dazu Folgendes: Die Breite des
Fusswegs muss an der engsten Stelle mindestens dem erforderlichen Lichtraumprofile der
massgebenden Verkehrsteilnehmenden entsprechen.34 Der Umstand, dass der alte Weg
überwiegend eine Breite von bloss 90 cm bis 95 cm aufweist, deutet darauf hin, dass
Begegnungsfälle in der Regel nicht vorkommen. Sofern diese Annahme zutrifft, genügt es
34 SN 640 070 Ziff. 17.2
18
daher, wenn der Fussweg genügend breit für eine einzelne Person ist. Da ein öffentlicher
Fussweg grundsätzlich auch älteren oder gehbehinderten Personen offenstehen muss, ist
fraglich, ob das Standard-Lichtraumprofil von 1.00 m Breite im vorliegenden Fall genügt.
Massgeblich dürfte wohl eher das erweiterte Lichtraumprofil sein, das nicht nur Personen
mit Alltagsgepäck berücksichtigt, sondern auch Personen, die entweder grosses
Reisegepäck bzw. sperrige Ausrüstungen mitführen oder die auf spezielle Gehilfen
angewiesen sind.35 Aus dem Fachbericht des Tiefbauamts ergibt sich, dass der Weg
deshalb mindestens 1.20 m breit sein muss. Dies ergibt sich aus Ziff. 6 der SN 640 201
von 1992. Die neuere und spezifisch auf den Fussgängerverkehr ausgerichtete SN 640
070 von 2009 nennt eine Mindestbreite von 1.25 m. Damit die Fussgängerinnen und
Fussgänger die Gehfläche vollständig benutzen können, sieht die SN 640 070 gegenüber
Stützmauern, Zäunen, Hecken, Geländern und anderen festen Abgrenzungen zudem
einen Umfeldzuschlag von mindestens 0.20 m vor.36 Art. 83 Abs. 3 SG enthält eine
vergleichbare Bestimmung und schreibt unter der Marginalie "Lichtraumprofil" vor, dass auf
einer Breite von 0.50 m beidseits eines öffentlichen Wegs in jedem Fall das Lichtraumprofil
freizuhalten ist.37 Für die minimale Treppenbreite gelten weitgehend die gleichen
Grundsätze wie bei den Fusswegen.38 Bei sehr geringem Verkehrsaufkommen,
vorwiegendem Einrichtungsverkehr oder bei engen Raumverhältnissen wird eine minimale
lichte Breite von 2.00 m (ohne seitliche Begrenzung) bzw. von 2.50 m (mit seitlicher
Begrenzung) empfohlen. Zudem ist mindestens auf einer Seite ein Handlauf anzubringen.39
e) Zusammenfassend steht fest, dass der neue Fussweg den Minimalanforderungen
der einschlägigen VSS-Normen nicht entspricht. Er ist zu steil und zu schmal. Er kann
daher die Funktion als öffentlicher Fussweg nur ungenügend erfüllen. Zudem erfüllt er die
Anforderungen an eine gute Erreichbarkeit für die Sanität nicht und stellt auch sonst keine
genügende Erschliessung für das Wohnhaus des Beschwerdeführers dar. Aufgrund der
Topografie ist eine rollstuhlgängige Wegführung nicht möglich und auch nicht
vorgeschrieben, zumal der alte Weg auch nicht rollstuhlgängig war. Der neue Weg müsste
aber so gestaltet werden, dass er auch von älteren und behinderten Menschen benutzt
werden kann. Das neue Wegstück entspricht diesen Anforderungen nicht. Die Verlegung
des öffentlichen Weges kann daher nicht bewilligt werden.
35 Vgl. dazu SN 640 070 Ziff. 17.1 36 Vgl. dazu SN 640 070 Ziff. 17.2 Tab. 4 S. 12 37 VGE 2012/208 vom 31. Januar 2013 E. 4.2; vgl. auch Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 12 N. 16 ff. 38 Vgl. SN 640 238 Ziff. 7.2.1 39 Vgl. SN 640 238 Ziff. 10.2
19
6. Stützmauer
a) Der Beschwerdeführer rügt, die bewilligten Pläne würden nicht mit den tatsächlichen
Gegebenheiten übereinstimmen. Die Mauer sei erheblich höher als 1,20 m. Im Bereich des
Grundstücks des Beschwerdeführers sei eine von der Mauer gestützte Aufschüttung in der
Höhe von circa 2.60 m vorgenommen worden. Auch im entfernteren Bereich betrage diese
circa 2 m. Aus den Plänen ergebe sich, dass die Mauer in der südöstlichen Ecke
unmittelbar an die Liegenschaft Sigriswil Grundbuchblatt Nr. K._ grenze und
schon aus diesem Grund die Maximalhöhe einhalten müsse. Zudem sei das gewachsene
Terrain in den Bauplänen falsch eingezeichnet. Die Beschwerdegegner hätten daher eine
erheblich höhere Stützmauer errichtet. Um die Höhe zu reduzieren, hätten sie nach dem
Bau unterhalb der Stützmauer zusätzliche Aufschüttungen vorgenommen und die Mauer
so teilweise eingegraben. Das Bauprojekt könne nicht nachträglich dadurch legalisiert
werden, dass auf den Bauplänen das neu aufgeschüttete Terrain als gewachsenes Terrain
bezeichnet werde. Es sei davon auszugehen, dass die überdimensionierte und nicht durch
eine zusätzliche Futtermauer gesicherte Stützmauer zu einer erheblichen Gefährdung der
Umgebung führe. Es sei nicht nachgewiesen, dass die Anlage die notwendige Stabilität
aufweise.
b) Bauabstände, Bauweise und Baugestaltung werden durch die Gemeindevorschriften
geregelt (Art. 12 Abs. 2 und Art. 13 Abs. 1 BauG). Das Gemeindebaureglement enthält
bezüglich Stützmauern und Aufschüttungen keine spezifischen Vorschriften zur
Messweise, der zulässigen Höhe oder den Abständen. Unter der Marginale "Vorbehalt
eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Rechts, Verhältnis zum Privatrecht" hält es
lediglich fest, im Verhältnis unter Nachbarn seien die Eigentumsbeschränkungen,
insbesondere die Bau- und Pflanzabstände des ZGB40 und des EG ZGB41, zu beachten
(Art. 2 Abs. 2 GBR). Ob dieser Verweis auf das Nachbarrecht des EG ZGB bedeutet, dass
diese Bestimmungen damit zu öffentlich-rechtlichen Bauvorschriften werden, kann
offengelassen werden.42 Soweit die Gemeindevorschriften einen baurechtlich wesentlichen
40 Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB; SR 210) 41 Gesetz vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG ZGB; BSG 211.1) 42 VGE 21990 vom 15. März 2005, E. 9.1.1
20
Sachverhalt nicht oder nur lückenhaft ordnen, gilt das NBRD43, wenn es eine den
Verhältnissen der Gemeinde angemessene Regelung enthält (Art. 70 Abs. 3 BauG und
Art. 1 Abs. 2 NBRD). Insbesondere gelten die nachbarrechtlichen Bestimmungen des EG
ZGB über Stützmauern und Einfriedigungen als öffentlich-rechtliche Vorschriften der
Gemeinde (vgl. Art. 3 NBRD).44 Wie dem Anhang I zum GBR betreffend Abgrabungen und
Aufschüttungen entnommen werden kann, entspricht dies auch der Praxis der Gemeinde.
Art. 79h EG ZGB bestimmt, dass bei Abgrabungen oder Auffüllungen entlang der
Parzellengrenze das Nachbargrundstück mittels einer Stützmauer oder Böschung
gesichert werden muss. Böschungen dürfen eine Neigung von höchstens 45° aufweisen.
Stützmauern dürfen an die Grenze gestellt werden. Dienen sie der Auffüllung, so dürfen sie
den gewachsenen Boden höchstens um 1.20 m überragen. Für Stützmauern bei
Abgrabungen ist die Höhe nicht limitiert.45 Aus dem Wortlaut von Art. 79h EG ZGB ergibt
sich nicht klar, welcher Abstand zur Grenze eine Stützmauer einzuhalten hat, die höher als
1.20 m ist. Die BSIG Nr. 7/721.0/10.1 empfiehlt für diesen Fall die analoge Anwendung der
Regelung über die Böschungsneigung (Art. 79h Abs. 2 EG ZGB) in Verbindung mit dem
zivilrechtlichen Grenzabstand von 3 m nach Art. 79 Abs. 1 EG ZGB. Nach Ziffer 4.3.3 der
erwähnten BSIG dürfen die „nach den Ziff. 4.3.1 und 4.3.3 maximal zulässigen
Böschungsbegrenzungslinien (...) im Bereich des zivilrechtlichen minimalen
Grenzabstandes von 3 m (Art. 79 Abs. 1 EG/ZGB) von keiner Stützmauer oder Auffüllung
überschritten werden.“ Diese Böschungsbegrenzungslinie wird in Anhang II der BSIG
grafisch dargestellt. Diese Auslegung von Art. 79h EG ZGB überzeugt; sie ist auf die hier
umstrittene Stützmauer anzuwenden. Die zulässige Höhe ist nach Anhang II der BSIG
Nr. 7/721.0/10.1 von der Grundstücksgrenze aus zu messen. Art. 97 Abs. 1 BauV bestimmt
die Messweise der Bauhöhe, soweit diese ab gewachsenem Boden zu messen ist. Unter
Vorbehalt von künstlichen Auffüllungen oder Abgrabungen gilt danach als gewachsener
Boden das Terrain, wie es vor Baubeginn besteht. Für die Bestimmung des gewachsenen
Bodens gilt Art. 97 BauV.46 Dieser Artikel ist mit der BMBV47 auf den 1. August 2011
43 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Normalbaureglement (NBRD; BSG 723.13) 44 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 70 N. 1 und 4 Bernische Systematische Information Gemeinden (BSIG) Nr 7/721.0/10.1, Baubewilligungsverfahren, Empfehlungen zur Behandlung einiger Sonderfälle von baubewilligungspflichtigen Vorhaben, Ziff. 4.2.1 (nachfolgend: BSIG Nr 7/721.0/10.1, abrufbar unter <www.bsig.jgk.be.ch>); vgl. zum Ganzen Peter Ludwig, Die nachbarrechtlichen Bestimmungen gemäss Art. 79 ff. EG/ZGB in KPG Bulletin 2/1982 S. 23 ff. 45 BSIG Nr. 7/721.0/10.1, S. 11 (Anhang II) 46 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 13 N. 6; vgl. auch BSIG Nr. 7/721.0/10.1 Ziff. 4.4 47 Verordnung über die Begriffe und Messweisen im Bauwesen vom 11. Mai 2011 (BMBV; BSG 721.3)
21
aufgehoben worden. Da die Gemeinde die BMBV noch nicht umgesetzt hat, gilt für sie Art.
97 BauV weiterhin (Art. 34 Abs. 2 BMBV).
c) Es ist unbestritten, dass die Stützmauer mitsamt der als Absturzsicherung dienenden Einfriedung höher als 1.20 m und deshalb baubewilligungspflichtig ist. Gemäss den
Eintragungen in den Projektplänen hält die Stützmauer die zulässige Höhe ein. Der
Beschwerdeführer begründet nicht näher, warum seiner Auffassung nach die Pläne
unrichtig sind und das gewachsene Terrain falsch eingezeichnet sein soll. Die neue
Stützmauer ergänzt die am 28. April 2004 bewilligte Steinkorbmauer. Sie weist die gleiche
Konstruktion auf und tritt optisch weniger hoch in Erscheinung als diese. Aufgrund der
Baubewilligungsakten zu den beiden Stützmauern und des Eindrucks, den sich die BVE
anlässlich des Augenscheins vom umgebenden Geländeverlauf machen konnte, bestehen
keine Anhaltspunkte, dass das gewachsene Terrain falsch eingezeichnet ist. Da es sich um
ein nachträgliches Baugesuch handelt, d.h. die Terrainveränderungen bereits
vorgenommen und die Stützmauer erstellt sind, wäre eine hinreichend genaue
Rekonstruktion des gewachsenen Terrains im Übrigen kaum mehr möglich.
d) Bauten und Anlagen sind so zu erstellen, zu betreiben und zu unterhalten, dass
weder Personen noch Sachen gefährdet werden (Art. 21 Abs. 1 BauG). Die
Sicherheitsanforderungen werden durchgesetzt mit der Prüfung der Projekte im
Baubewilligungsverfahren und mit der baupolizeilichen Aufsicht während der
Bauausführung und nach vollendetem Bau. Die Sicherheitsvorschriften gelten auch für
bewilligungsfreie Bauten und Anlagen. Die Verletzung von verwaltungsrechtlichen
Vorschriften über Bau und Unterhalt von Anlagen bedeutet in der Regel einen Werkmangel
und kann zivilrechtliche Haftbarkeit nach sich ziehen.48 Im Übrigen schreibt die
Bauverordnung die Befolgung der anerkannten Regeln der Baukunde vor (Art. 57 Abs. 1
BauV). Es sind darunter die Massnahmen zu verstehen, die nach wissenschaftlicher
Erkenntnis und nach den Erfahrungen der Praxis geeignet sind, einen gefahrlosen
Bauvorgang zu gewährleisten und dem Bauwerk jene Festigkeit und Sicherheit zu
verleihen, deren es nach seiner Zweckbestimmung bedarf. Die Befolgung dieser Regeln
kann im Allgemeinen nicht schon im Voraus im Baubewilligungsverfahren geprüft werden.49
Die neue Stützmauer ergänzt die bereits bestehende Steinkorbmauer. Gemäss Angaben
48 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 21 N. 6 49 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 21 N. 7
22
der Gemeinde hat sich die verwendete Gitterkonstruktion mit gebrochenen Steinen
bewährt. Anhaltspunkte für eine Gefährdung der Umgebung sind keine vorhanden.
e) Sofern das zuständige Gemeinwesen nichts anderes festlegt, haben Bauten und
Anlagen gegenüber selbstständigen Fusswegen einen Abstand von 3.60 m einzuhalten
(Art. 80 Abs. 1 Bst. b SG). Dieser wird vom Wegrand aus gemessen.50 Zudem ist das
Lichtraumprofil einzuhalten (Art. 83 Abs. 3 SG). Das heisst, dass der Raum links und
rechts des Fussweges 0.50 m von Bauten, Anlagen, Bepflanzungen und Ähnlichem
freizuhalten sind. Lichtraumprofil und Bauverbotsstreifen werden nicht addiert.51 Während
vom Strassenabstand Ausnahmen möglich sind, wenn besondere Verhältnisse es
rechtfertigen (Art. 81 SG), ist das Lichtraumprofil ausnahmslos einzuhalten. Die
Stützmauer hält gegenüber dem Fussweg weder den vorgeschriebenen Strassenabstand
noch das Lichtraumprofil ein. Es braucht daher eine Ausnahme nach Art. 81 SG. Die
Beschwerdegegner haben von der Möglichkeit, nachträglich ein begründetes
Ausnahmegesuch einzureichen, keinen Gebrauch gemacht. Besondere Verhältnisse, die
einen völligen Verzicht auf die Einhaltung des Strassenabstandes rechtfertigen würden,
sind aufgrund einer summarischen Prüfung keine ersichtlich. Der Neubau der
Gartengestaltung mit Stützmauer kann daher nicht bewilligt werden.
7. Fehlende Gewässerschutzbewilligung
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, bei Regen werde aus dem losen Mauerwerk
Material auf den Weg weggespült. Es sei naheliegend, dass dies bei einer
unsachgemässen Entwässerung auch zu einer Gewässerverschmutzung führen könne.
Das Bauvorhaben benötige deshalb auch eine Gewässerschutzbewilligung. Da diese nicht
vorliege, sei die nachträgliche Baubewilligung zu verweigern.
b) Wer Bauten oder Anlagen erstellen oder andere Vorkehren treffen will, die zu einer
Gewässerverunreinigung führen können, braucht eine Gewässerschutzbewilligung (Art. 11
Abs. 1 KGSchG52; Art. 25 Abs. 1 KGV53). Art. 26 KGV enthält eine ausführliche, aber nicht
50 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 12 N. 16 51 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 12 N. 16, mit Hinweis auf VGE 2012/208 vom 31. Januar 2013 E. 4.2 52 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0) 53 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1)
23
abschliessende Aufzählung von Bewilligungstatbeständen. Bewilligungspflichtig sind
insbesondere das Erstellen und Erweitern von Gebäuden und Gebäudeteilen, bei denen
verschmutztes Abwasser anfällt (Art. 26 Abs. 1 Bst. a KGV), privaten Abwasserreinigungs-
und Versickerungsanlagen (Art. 26 Abs. 1 Bst. c KGV), Lagerplätzen für gewerbliche und
industrielle Erzeugnisse, Bau- und andere Materialien (Art. 26 Abs. 1 Bst. g KGV).
Bewilligungspflichtig sind auch das Ändern und Erweitern von Bauten und Anlagen, wenn
dadurch wesentlich mehr verschmutztes Abwasser anfällt oder eine andere Art der
Nutzung bezweckt wird (Art. 26 Abs. 2 Bst. a KGV) oder das Ablagern von
unverschmutztem Unterboden, Aushub-, Abraum- und Ausbruchmaterial (Art. 26 Abs. 2
Bst. e KGV). Eine Gewässerschutzbewilligung brauchen in Grundwasserschutzzonen oder
-arealen zudem Grabungen, Erdbewegungen und ähnliche Arbeiten (Art. 26 Abs. 3 Bst. a
KGV), Arbeiten mit Wasser gefährdenden Stoffen und Flüssigkeiten (Art. 26 Abs. 3 Bst. b
KGV) sowie Hoch- und Tiefbauten sowie Anlagen aller Art (Art. 26 Abs. 3 Bst. c KGV).
c) Gemäss der Gewässerschutzkarte befindet sich die Liegenschaft der
Beschwerdegegner im Gewässerschutzbereich B. Vorliegend ist keiner der in Art. 26 Abs.
1 und 2 KGV erwähnten Fälle gegeben und auch die weiteren in Art. 26 Abs. 3 KGV
erwähnten Tatbestände sind nicht erfüllt. Eine Gewässerschutzbewilligung ist daher nicht
erforderlich. Anhaltspunkte, dass gewässerverunreinigende Stoffe verbaut worden wären,
gibt es keine. Da es sich um eine bereits bestehende Anlage handelt, wäre es zudem
Sache der Gewässerschutzpolizei, für die Behebung allfälliger Mängel zu sorgen (vgl. Art.
4 KGschG).
8. Wiederherstellung
a) Zusammenfassend steht fest, dass die neue Gartengestaltung mit Stützmauer und
die damit verbundene Verlegung des öffentlichen Weges nicht nachträglich bewilligt
werden kann. Die Baubewilligung ist deshalb aufzuheben und es ist der Bauabschlag zu
erteilen. Insoweit ist die Beschwerde gutzuheissen. Mit dem Bauabschlag ist das Verfahren
noch nicht beendet. Da der nicht bewilligungsfähige Zustand bereits besteht, muss als
nächstes über die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes entschieden werden
(vgl. Art. 46 Abs. 2 Bst. e BauG).54 Anders als der Beschwerdeführer beantragt, kann nicht
54 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 17
24
bloss der ursprüngliche Zustand angeordnet werden. Er hat keinen Anspruch auf den
vollständigen Rückbau der Gartengestaltung samt Stützmauer und die Wiederherstellung
der alten Wegführung. Wie die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat, verfügt der
Beschwerdeführer nicht über ein privates Wegrecht. Sein Grundstück wird einzig über
einen öffentlichen Fussweg erschlossen. Er kann deshalb nicht verlangen, dass der alte
Weg wiederhergestellt wird. Bei der Planung und dem Bau von öffentlichen Fusswegen
kommt der Gemeinde ein grosser Spielraum zu (vgl. Art. 41 Abs. 1 SG). Im Rahmen der
gesetzlichen Bestimmungen steht es ihr daher unter anderem frei, den Weg zu verlegen.
Es ist vorab Sache der Gemeinde, unter Berücksichtigung der in den vorstehenden
Erwägungen dargelegten massgeblichen Bestimmungen und einschlägigen VSS-Normen
zu prüfen und zu beurteilen, welche lichte Breite und welche Sicherheitselemente der neue
Teil des öffentlichen Fussweges aufzuweisen hat. Auch bei der Frage, inwieweit die im
Strassenabstand und im Lichtraumprofil nach Art. 83 Abs. 3 SG stehende Stützmauer
zurückgebaut werden muss, kommt der Gemeinde als zuständiges Gemeinwesen ein
grosser Beurteilungsspielraum zu.
b) Mit dem Einreichen eines nachträglichen Baugesuchs ist die Entscheidbefugnis im
Verfahren zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes von der Baupolizeibehörde
an die Baubewilligungsbehörde übergegangen. Diese hat deshalb auch darüber zu
entscheiden, ob und inwieweit der rechtmässige Zustand wiederherzustellen ist. Im
Beschwerdeverfahren kommt diese Aufgabe der Beschwerdeinstanz zu. Diese entscheidet
gemäss Art. 72 Abs. 1 VRPG grundsätzlich in der Sache oder weist die Akten
ausnahmsweise mit verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz zurück. Es müssen
besondere Gründe dafür sprechen, dass die Vorinstanz noch einmal zum Entscheid über
das streitige Rechtsverhältnis aufgerufen wird55.
Da die Vorinstanz den Beschwerdegegnern die Baubewilligung erteilte, hatte sie keinen
Anlass, die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes zu prüfen. Sie hat sich somit
noch gar nicht mit diesem Aspekt befasst. Es ist nicht Sache der BVE als
Beschwerdeinstanz, ein Verfahren zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
durchzuführen und diese Frage als erste Instanz zu beurteilen. Zudem kommt der
erstinstanzlichen Behörde bei der Frage ob, in welchem Umfang und innert welchem
Zeitraum der rechtmässige Zustand wiederherzustellen ist, ein beträchtlicher
Entscheidungsspielraum zu. In Gutheissung der Beschwerde gehen daher die
55 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 3
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Baugesuchsakten an die Vorinstanz zur Durchführung des Wiederherstellungsverfahrens
im Sinne der Erwägungen. Was die Ausgestaltung des öffentlichen Fussweges anbelangt,
hat vorab die Gemeinde zu prüfen und zu beurteilen, welcher Standard unter
Berücksichtigung der in Erwägung 4 aufgezeigten Minimalanforderungen im konkreten Fall
erforderlich ist. Sie ist einzuladen, die entsprechenden Abklärungen vorzunehmen und der
Vorinstanz einen begründeten Antrag zu stellen. Die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands muss im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sein und darf den
Vertrauensgrundsatz nicht verletzen (Art. 47 Abs. 6 BewD).56
9. Kosten
a) Die Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'000.00
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 sowie Art. 12 Abs. 1 und 3
GebV57). Für den Augenschein vom 26. August 2014 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1
GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 400.00 erhoben. Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 1'400.00. Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die
Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das prozessuale
Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen Umstände
rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
obsiegt der Beschwerdeführer mit seinem Antrag auf Erteilung des Bauabschlags
vollständig, mit seinem Antrag auf Wiederherstellung dem Grundsatz nach. Demgegenüber
unterliegen die Beschwerdegegner vollumfänglich. Es ist allerdings zu berücksichtigen,
dass sie lediglich die Gartengestaltung samt Stützmauern erstellt haben. Der öffentliche
Fussweg wurde zwar in ihrem Interesse verlegt. Ausgeführt hat diese Arbeiten allerdings
die Gemeinde. Diese ist deshalb auch für die Verlegung und die Dimensionierung des
öffentlichen Fussweges verantwortlich. Aus diesem Grund haben die Beschwerdegegner
lediglich die Hälfte der Verfahrenskosten zu tragen, ausmachend Fr. 700.00. Da die
Gemeinde nicht in ihren Vermögensinteressen betroffen ist, können ihr keine
Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG). Die andere Hälfte wird
deshalb nicht erhoben.
56 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9 57 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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b) Laut Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die
Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen
Umstände eine andere Teilung oder die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der
Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint. Die Kostennote des
Anwaltes des Beschwerdeführers gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Parteikosten
werden analog zu den Verfahrenskosten verteilt. Die Beschwerdegegner und die
Gemeinde haben somit dem Beschwerdeführer die Parteikosten von insgesamt
Fr. 3'741.10 je zur Hälfte zu ersetzen.