Decision ID: 6e528f21-fecc-4e6f-be20-fb07ea1698b6
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren im Dezember 2010, leidet an einer angeborenen Störung des Kohlehydrat-Stoffwechsels
im Sinne von Ziffer 451 des Anhangs der Verord
nung über Geburtsgebrechen (
GgV
), die durch die Diagnose einer
Glykogenose
Typ
Ia
(eine
schwere
Form
einer
G
lykogenspeicherkrankheit
)
spezifiziert ist
und gekenn
zeichnet ist durch das Erfordernis,
die
Glukose ausschliesslich über die Nahrung
zuzuführen
.
X._
ist
aufgrund dieser Krankheit auf eine strikt
galaktose
- und
fruktosefr
eie
Ernährung mit
Glukosezufuhr
via Sonde (PEG-Sonde
)
und regelmäs
sige
n
B
lutzuckerkontrollen angewiesen
und bedarf der besonderen Wachsamkeit im Hinblick auf metabolische Entgleisungen mit Hy
p
oglykämien
(Bericht des
A._
, Prof.
Dr.
med.
B._
,
vom März 2011,
Urk.
7/18/6-7).
Aufgrund der Anmeldung vom Januar 2011 (
Urk.
7/4)
wurden
X._
ver
schie
dene
Leistungen der Invalidenversicherung
gewährt, darunter insbesondere Behandlungskosten einschliesslich Diätmittel und Ernährungsberatung sowie Unterstützung durch die Spitex (vgl. die Verfügungen vom 1
4.
März 2011,
Urk.
7/15 und
Urk.
7/16
, und die nachfolgende Dokumentation in
Urk.
7/20-45).
1.2
Im Dezember 2012 stellten die Elter
n
von
X._
,
Y._
und
Z._
, Antrag auf eine Hilflosenentsch
ädigung für Minderjährige (Urk.
7/46).
Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, liess im
Juli 2013 einen Hausbesuch durchführen (Abklärungsbericht vom
8.
August 2013
,
Urk.
7/49) und wies das Gesuch nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfah
ren
(
Urk.
7/51 und
Eingabe der Eltern in
Urk.
7/58) mit Verfügung vom
7.
Januar 2014 ab (
Urk.
7/64). Die Ver
fügung blieb unangefochten.
Im März 2014 folgte
eine weitere Abklärung
vor Ort im Hinblick auf die
Kinder
s
pitex-Leistungen
(Abkl
ärungsbericht vom 1
1.
April 2014,
Urk.
7/69; vgl. auch den Erhebungs
bogen in
Urk.
7/67)
, die in eine teilweise Kostenübernahme mün
dete (Verfügung vom 1
3.
Juni 2014,
Urk.
7/72)
. Des Weiteren sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2014
nunmehr
ab dem
1.
Juni 2014
eine Hilflosenentschädigung für Minderjährige aufgrund einer Hilf
losigkeit leichten Grades zu (
Urk.
7/79), nachdem
sie mit dem Vater am
2.
September 2014 ein Telefongespräch geführt hatte (Abklärungsbericht vom
4.
September 2014,
Urk.
7/77).
1.3
Nach einer erneuten telefonischen Besprechung mit dem Vater von Ende Januar
2015 (Abklärungsbericht vom 1
2.
Februar 2015,
Urk.
7/81) bestätigte die IV-Stelle
am
1
2.
Februar 201
5
den unveränderten Anspruch auf eine Hilflosenent
schädi
gung (
Urk.
7/82).
Am 1
5.
Oktober 2015
tel
efonierte die
Abklärerin
der
IV-Stelle
ein weiteres Mal mit
dem Vater der Versicherten
(Abklärungsber
icht vom 2
1.
Oktober 2015, Urk
.
7/86)
, und die IV-Stelle teilte
den Eltern
daraufhin
am 2
1.
Oktober 2015 erneut mit,
dass der Anspruch auf eine Hilflosenentschä
digung unverändert bleibe (Urk. 7/87
).
Der nächste Hausbesuch
im Hinblick auf den
Hilflosenentschädigungsanspruch
erfolgte am
9.
Januar 2017 (Abklärungsbericht vom
9.
Januar 2017,
Urk.
7/107), als der Eintritt von
X._
in die Primarschule bevorstand und der Vater die IV-Stelle mit E-Mail vom 2
9.
November
2016
darüber informiert hatte (Urk.
7/102+103). Zusätzlich hatte die IV-Stelle den Bericht des
A._
vom 2
0.
Dezember 2016 eingeholt (
Urk.
7/108/1-4), dem ein Bericht über eine einwö
chige H
ospitalisation von Ende O
ktober 2016 beigefügt war (Urk.
7/108/5-7). Mit Mitteilung vom 1
2.
Januar 2017 bestätigte die IV-Stelle wiederum den unverän
derten Anspruch auf ei
ne Hilflosenentschädigung (Urk.
7/109). Ferner
entsprach die IV-Stelle
am
9.
Mai 2017 (
Urk.
7/118) dem Antrag des
A._
,
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, auf Übernahme der Kosten einer Psy
chotherapie wegen Einschränkungen in der psychosozialen Entwicklung (
Urk.
7/113)
.
1.4
Des Weiteren klärte die IV-Stelle i
m Mai 2017 den Anspruch von
X._
auf einen Assistenzbeitrag ab (Bericht vom
9.
Mai 2017,
Urk.
7/119) und sprach ihr mit Verfügung vom 2
9.
Juni 2017
ab dem 1
0.
April 2017
einen Assistenz
bei
trag von monatlich durchschnittlich
Fr.
2'514.40 beziehungsweise jährlich maxi
m
a
l
Fr.
27'658
.40 zu (
Urk.
7/129). Ausserdem gewährte sie
mit Verfügung vom
4.
September 2017
nach einem längeren Unterbruch erneut
Leistungen der
Kin
der
s
pitex
(
Urk.
7/132)
, nachdem sie de
n einschlägigen Erhebungs
bogen zu den Akten genommen (
Urk.
7/121) und mit der Einsatzleiterin der Spitex am
1
9.
Mai 2017 ein
Telefongespräch geführt hatte (Abklärungsb
ericht in
Urk.
7
/125). Weitere Kostengutsprachen für Spitex-Leistungen erfolgen am 2
4.
Oktober 2017 und am 1
8.
Mai 2018 (
Urk.
7/138
mit der Zusammenstellung der
Entscheid
grund
lagen
in
Urk.
7/137;
Urk.
7/149
mit
einem B
ericht
über eine Kurzabklärung
in
Urk.
7/148).
Sodann stellte das
A._
am 1
3.
Dezember 2018 einen neuerlichen Antrag auf die Übernahme der Kosten von psychotherapeutischen Massnahmen (
Urk.
7/150), dem die IV-Stelle aufgrund eines Berichts des
A._
vom 2
8.
Februar 2019 (
Urk.
7/160) mit Mitte
i
lung vom 2
2.
März 2019 entsprach (
Urk.
7/159)
.
Erneute
Kostengutsprachen für Leistungen der
Kinders
pitex
erfolgten am
7.
Mai 2019 (
Urk.
7/164 mit der Bedarfserhebung in
Urk.
7/162 und der Zusammen
stel
lung der
Entscheidgrundlagen
in
Urk.
7/163), am
6.
November 2019 (
Urk.
7/167 mit der
Bedarfserhebung in
Urk.
7/165 und der Zusammenstellung der
Entscheid
grundlagen
in
Urk.
7/166)
und am 2
5.
August 2020 (
Urk.
7/171 mit
dem Antrag in
Urk.
7/169,
der Bedarfserhebung
in
Urk.
7/168 und dem Abklärungsbericht vom 2
4.
August 2020 in
Urk.
7/170).
1.5
A
n
lässlich der letzten Abklärung
zum Anspruch auf Spitex-Leistungen wurde
zwecks Koordination
eine erneute
Abklärung zum Anspruch auf die
Hilflosen
ent
schädigung angeregt
(vgl.
Urk.
7/170/2)
. Die Erhebungen fanden am
5.
Novem
ber 2020 statt (Abklärungsbericht vom 1
8.
November 2020,
Urk.
7/175). Auf
grund der Abklärungsergebnisse eröffnete die IV-Stelle den Eltern von
X._
mit Vor
bescheid vom 1
9.
November 2020, dass die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung nicht mehr erfüllt seien und
sie
die Hilflosenent
schädigung daher
aufzuheben gedenke (
Urk.
7/178; vgl. die Zusam
menstellung der
Entscheidgrundlagen
in
Urk.
7/176). Mit einem weiteren Vorbe
scheid vom 1
9.
November 2020 informierte die IV-S
telle sodann
über ihre Absicht, den Assistenzbeitrag aufzuheben, da dieser Anspruch an den Anspruch auf eine Hilf
losenentschädigung geknüpft sei (
Urk.
7/177).
Die Eltern von
X._
, vertreten durch
D._
, Procap Zürich, liessen
namens ihrer Tochter
mit Eingabe vom
1.
Februar 2021 Einwendungen gegen beide Vorbe
scheide erheben und beantra
gen,
die
Hilflosenentschädigung und der bisherige Assi
stenzbeitrag
seien weiter
hin
auszurichten (Urk.
7/189).
Dazu
liessen sie einen Bericht des
A._
an den Rechtsvertreter vom
8.
Januar 2021 einreichen (
Urk.
7/188/1-3)
, dem ein Ernäh
rungsplan, der
vom Spital
im Septem
ber 2019 ausgestellte
Notfallausweis und
die Anleitung zur Reaktion
in Notfällen beigefügt waren
(
Urk.
7/188/3, Urk.
7/188/4 und
Urk.
7/188/5-6).
Die IV-Stelle hatte aufgrund eines weiteren Berichts des
A._
vom 2
2.
Januar 2021 (
Urk.
7/187)
am
2.
Februar 2021 Kostengutsprache für die
Wei
ter
führung der ambulanten Psychotherapie (Gesuch vom 2
5.
November
2020,
Urk.
7/181) geleistet (
Urk.
7/190). Hingegen entschied sie hinsichtlich der Hilflosenentschä
digung und des Assistenzbeitrags
gestützt auf eine Stellung
nahme ihres Abklä
rungsdienstes (
Urk.
7/192)
mit den beiden Verfügungen vom 2
2.
März 2021 im Sinne ihrer Vorbescheide und hob die Leistungen für die Zukunft auf (
Urk.
2 =
Urk.
7/194 und
Urk.
8/2 =
Urk.
7/193).
2.
Gegen die beiden Verfügungen vom 2
2.
März 2021 liessen die Eltern der Ver
si
cherten,
nunmehr
vertreten durch Advokat Cédric Robin, Procap Schweiz, namens ihrer Tochter
mit den Eingaben je vom
6.
Mai 2021 Beschwerde erheben
und beantragen, die Hilflosenentschädigung und der Assistenzbeitrag seien weiter
hin auszurichten (
Urk.
1 betreffend die Hilflosenentschädigung
[vorliegender Prozess
Nr. IV.2021.00303]
,
Urk.
8/
1 betreffend den Assistenzbeitrag
[Prozess Nr.
IV.2021.00304
]
). Im Prozess betreffend die Hilflosenentschädigung liessen die Eltern zudem den Eventualantrag auf Rückweisun
g der Angelegenheit zu weite
ren Abklärungen stellen (
Urk.
1 S. 2), im Prozess betreffend den Assistenzbeitrag liessen sie geltend machen, das Verfahren sei mit
demjenigen betreffend die Hilf
losenentschädigung zusammenzulegen, eventualiter sei das Verfahren bis zum Entscheid in jenem Verfahren zu sistieren (
Urk.
8/
1 S. 2
und S.
3). Die IV-Stelle schloss in den
Beschwerdeantworten je vom 1
6.
Juni 2021 auf Abweisung der Beschwerden (
Urk.
6
und
Urk.
8/5
) und stimmte dem Antrag auf Vereinigung der Verfahren zu (
Urk.
8/
5 S. 2).
Mit Verfügung vom 2
2.
Juni 2021 nahm das Gericht im Sinne der übereinstim
menden Parteianträge die Verfahrensvereinigung vor und ordnete einen zweiten Schriftenwechsel an (
Urk.
9)
. Die Eltern der Versicherten liessen in der Replik vom 3
0.
August 2021 an ihren Anträgen festhalten (
Urk.
10); die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 2
4.
September 2021 auf die Erstattung einer Duplik (
Urk.
12)
, wovon den Eltern der Versicherten am 30. September 2021 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
13)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am
1.
Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachve
rhalt abstellt (BGE 144 V
210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 3
1.
Dezember 2021
gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
fol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
2.1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos
im Sinne von
Art.
9 ATSG
sind, Anspruch
auf eine Hilflosenentschädigung
.
Als
hilflos gilt
nach
Art.
9 ATSG
eine Person, die we
gen d
er Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen
Überwachung bedarf.
Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hin
wei
sen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
2.1.2
Art.
42
Abs.
2 IVG sieht die Abstufung der Hilflosigkeit in drei Grade vor, näm
lich die schwere, die mittelschwere und die leichte Hilflosigkeit. Diese Unterschei
dung ist in
Art.
37 IVV konkretisiert.
Gemäss
Art.
37
Abs.
1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebens
verrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf.
Gemäss
Art.
37
Abs.
2 IVV gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die ver
si
cherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dau
ern
den persön
lichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebens
praktische Begleitung im Sinne von Artikel 38 IVV angewiesen ist.
Dabei ist die Wendung
in den meisten
alltäglichen Lebensverrichtungen nach der Rechtsprechung so zu verstehen, dass eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebensverrichtungen vorausgesetzt wird (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V
145 E. 2).
Gemäss
Art.
37
Abs.
3 IVV
schliesslich
gilt
d
ie Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und beson
ders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktisc
he Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
38 IVV angewiesen ist
.
2.1.3
Die Pflege im Sinne des Kriteriums in
Art.
37
Abs.
1 und
Abs.
3
lit
. c IVV bezieht sich nicht auf die alltäglichen Lebens
verrichtungen, sondern be
inhaltet medizi
nische oder pfle
gerische Hilfeleistungen, die infolge des physischen oder psychi
schen Zustandes der versicherten Person notwendig sin
d und ärztlich verordnet wurden (
Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2016 vom 1
7.
Januar 2017 E. 2.2.2 mit Hinweisen;
Rz
2058 des Kreisschreiben über Hilflosigkeit [KSH], in das per
1.
Januar 2022 der frühere Teil 3 des
Kreisschreiben
s
über Invalidität und Hilf
lo
sigkeit in
der Invalidenversicherung [KSIH]
überführt worden ist).
Dauernd
(
Art.
37
Abs.
1 IVV)
beziehungsweise s
tändig
(
Art.
37
Abs.
3
lit
. c IVV)
ist die Pflege dann, wenn sie während längerer Zeit und nicht nur vorübergehend erbracht wird (KSH
Rz
2061).
Besonders
aufwendig
im Sinne des statuierten Zu
satzerfordernis
ses ist die ständige Pflege
, wenn nach den Richtlinien der Recht
sprechung und der Verwaltungspraxis bestimmte quantitative, zeitliche Momente und bestimmte qualitative Momente in Form von erschwerenden Umständen
vor
liegen
, unter denen die
Pflege erbracht wird
. Dabei bedarf es ab einem täglichen Pflegeaufwand von vier Stunden keiner zusätzlichen qualitativen Elemente, hin
gegen muss bei einem täglichen Pflegeaufwand von mehr als drei Stunden zu
sätzlich mindestens ein erschwerendes qualitatives Element gegeben sein, und bei einem täglichen Pflegeaufwand von mehr als zwei Stunden sind in der Regel mehrere zusätzliche qualitative Elemente erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2016 vom 1
7.
Januar 2017 E. 2.2.3
mit Hinweisen; KSH
Rz
2063 ff.).
F
ür die Festlegung des Pfle
geaufwandes
sind jeweils
allfällige
Spi
texleistungen
in Abzug zu bringen (KSH
Rz
2068 und KSIH
Rz
8058).
2.1.4
Auch beim
Kriterium
der dauernden persönlichen Überwachung (
Art.
37
Abs.
1,
Abs.
2
lit
. b und
Abs.
3
lit
.
b
IVV
) handelt es sich um
ein eigenständiges Be
mes
sungskriterium, das sich nicht auf die alltäglic
hen Lebensverrichtungen bezieht, sondern
Hilfeleistungen
umfasst
, die nicht bereits als Hilfe in einer
der sechs all
täglichen
Lebensverrichtung
en berücksichtigt werden.
Um als anspruchsrele
vant zu gelten, muss die persönliche Überwachung ein gewisses Mass an Inten
sität aufweisen
; «dauernd»
heisst
aber nach der Rechtsprechung und der Ver
wal
tungs
praxis
nicht rund um die Uhr
, sondern ist als Gegensatz zu «
vorübergehend
»
zu verstehen.
Dies kann nach der Rechtsprechung erfüllt sein, wenn bei einer versi
cherten P
erson zum Beispiel
Anfälle zuweilen nur alle zwei bis drei Tage auftre
ten, diese aber unvermittelt und oft auch täglich oder täglich mehrmals erfolgen, sodass tägliche Überwachung vonnöten ist.
Eine dauernde persönliche Überwa
chungsbedürftigkeit wird
weiter
angenommen, wenn
die versicherte Person ohne Überwachung sich oder andere Personen infolge ihres physischen und/oder psy
chischen Gesundheitszustands gefährden würde
, beispielsweise wegen geistiger Absenzen oder epileptischer Anfälle (
Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_393/2021 vom 1
3.
Oktober 2021 E.
3.2.2.1
und E. 3.2.2.2
, 8C_573/2018 vom
8.
Januar 2019 E.
3.1.3 und 8C_741/2017 vom 1
7.
Juli 2018 E. 3.3.2, je mit Hinweisen; KSH
Rz
2075 ff.
).
2.2
Für Minderjährige sind in
Art.
42
bis
und Art. 42
ter
IVG sowie in Art. 35 ff. IVV verschiedene Sondervorschriften zur Hilflosenentschädigung statuiert.
So ist nach
Art.
37
Abs.
4 IVV bei Minderjährigen nur der Mehrbedarf an Hilfe
leistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Min
derjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen.
Diese Sonderregelung trägt dem U
mstand Rechnung, dass bei K
indern eine gewisse Hilfs- und Überwachungs
be
dürftigkeit auch bei voller Gesundheit besteht.
Zur Ermittlung des Hilfs- und Überwachungsbedarfs gesunder
Kinder auf der einen Seite
und gesundheitlich beeinträchtig
t
er Kinder
auf der anderen Seite hat die Verwaltung i
m Sinne von Richtlini
en Listen mit Referenzwerten er
stellt (KSH Anhänge II und III).
Ferner haben Minderjährige nach
Art.
42
bis
Abs.
5 IVG dann keinen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung, wenn sie lediglich auf lebenspraktische Begleitung angewiesen sind. Hingegen
wird die Hilflosenentschädigung für Minderjährige, die zusätzlich eine intensiv
e Betreuung brauchen
und sich nicht in einem Heim aufhalten
, nach
Art.
42
ter
Abs.
3 IVG
und
Art.
36 IVV
um einen Inten
sivpflege
zuschlag erhöht. U
nter intensiver Betreuung
ist nach
Art.
39 Abs.
1 IVV
eine (im Vergleich zu einem nicht behinderten
Kind gleichen Alters; vgl. Art.
39
Abs.
2 IVV) zusätzliche Betreuung v
on mindestens vier
Stunden im Tagesdurchschnitt zu verstehen.
3.
Neben dem Anspruch auf eine Hilflosenentsch
ädigung
besteht unter den Voraus
setzungen von
Art.
42
quater
bis
Art.
42
octies
IVG Anspruch auf einen Assistenzbei
trag.
Eine der Voraussetzungen ist, dass ein Anspruch auf ein
e Hilflosenent
schä
digung gegeben ist
(
Art.
42
quater
Abs.
1
lit
. a IVG); diese Voraussetzung gilt nach
Art.
39a IVV auch für den Anspruch
von Minderjährigen auf einen A
ssistenz
bei
trag.
4
.
4
.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbe
zü
gers erheblich, so wird die Rente nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder auf
gehoben. Des Weiteren wird nach
Art.
17
Abs.
2 ATSG auch jede andere formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Ge
such hin erhöht, herabgesetzt oder au
fgehoben, wenn sich der ihr zug
runde liegende Sach
verhalt nachträglich erheblich verändert hat.
Zu den Dauerleis
tungen im Sinne von
Art.
17
Abs.
2 ATSG gehören
also
auch die Hilflosenent
schädigung und der Assistenzbeitrag.
Anlass zur
Revision im Sinne von
Art.
17 ATSG gibt
im Bereich der Hilf
losen
ent
schädigung
rechtsprechungsgemäss
jede wesentliche Änderung in den tat
säch
li
chen Verhältnissen, die geeignet ist, den Grad der Hilflosigkeit
beziehungsweise den Hilfebedarf
und damit den Umfang des Anspruchs zu beeinflussen
(vgl.
BGE
137 V 424 E.
3.1 mit Hinweis
).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, so besteht nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung keine Bindung mehr an das
Mass
der übrigen, unverändert gebliebenen Parameter, die dem vorange
gangenen rechtskräftigen Entscheid zugrunde gelegt worden sind. Vielmehr ist
diesfalls
der
Anspruch
für die Zukunft
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsic
ht frei und um
fassend zu prüfen. Dieser Grundsatz, den das Bundesgericht in seiner Rechtspre
chung zur Rentenrevision aufgestellt hat, gilt auch in anderen Revisi
onsfällen
(vgl. betreffend Hilflosenentschädigung das
Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_72/2017
vom 2
3.
Mai 2017 E.
1
mit Hinweis auf
BGE 141 V 9 E. 2.3
). Uner
heblich unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten ist dagegen nach der Recht
sprechung die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Sachverhaltes (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Als zeitliche
Vergleich
sbasis
für die Beurteilung der Frage
einer anspruchser
heb
lich
en Änderung
gilt die
letzte rechtskräftige Verfügung
,
die auf einer mate
riellen Anspruchsprüfung mit rechtsk
onformer Sachverhaltsabklärung und
Be
weis
wür
digung beruht (vgl. BGE 133 V 108 E. 5 mit Hinweisen).
Eine Mitteilung nach
Art.
74
ter
lit
. f und
Art.
74
quater
Abs.
1 IVV
(vgl.
Art.
51 ATSG), mit der auf das Fortbestehen des bisherigen Anspruchs hingewiesen wird, ist einer
rechts
kräftigen Verfügung
gleichgestellt
, soweit ihr ebenfalls eine anforderungsge
rechte
materielle
Anspruchsprüfung zugrunde liegt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_185/2017 vom
6.
Juli 2017 E. 5.2 mit Hinweisen).
4
.2
In
Art.
86
ter
bis
Art.
88
bis
IVV
sind die Ausführungsbestimmungen zur Revision der Renten, der Hilflosenentschädigung und des Assistenzbeitrags enthalten; hin
sichtlich der Hilflosenentschädigung wird in
Art.
35
Abs.
2
Satz 1
IVV explizit auf die
Geltung
dieser Ausführungsbestimmungen
verwiesen. Bei einer Vermin
derung der Hilflosigkeit oder des invaliditätsbedingten
Betreuungsaufwandes oder Hilfebedarfs
ist
gestützt auf
Art.
88a
Abs.
1 IVV die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraus
sicht
lich längere Zeit dauern wird, und sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nach
dem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussic
htlich weiterhin andauern wird. Die Herabsetzung oder Aufhebung erfolgt nach
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an.
5
.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Versicherte entgegen den
a
ngefochtenen Auf
he
bungsverfügungen vom 2
2.
März 2021 (
Urk.
2 und
Urk.
8/2) weiterhin An
spruch auf eine Hilflosenentschädigung und einen Assistenzbeitrag hat.
Zur D
iskussion stehen
Leistungsaufhebungen nach rechtskräftiger Leistungszu
sprechung, die
im Falle der Hilflosenentschädigung auf die Verfügung vom 1
4.
Oktober 2014 (
Urk.
7/79), im Falle des Assistenzbeitrags auf die Verfügung vom 2
9.
Juni 2017 (
Urk.
7/129) zurückgeht.
Zu prüfen
ist
damit
in
Anwendung von
Art.
17
ATSG
die Frage
nach
einer Sachverhaltsänderung in der Zeit bis
zum Erlass der Aufhebungsverfügungen vom 2
2.
März 202
1.
Zu diesem Zweck stattete die
Beschwerdegegnerin
der Versicherten und ihrer Familie
am
5.
November 2020
einen Besuch in der Wohnung ab und schloss aus den Ergebnissen der dortigen Abklärungen (Beri
cht vom 1
8.
November 2020, Urk.
7/175) in Bezug auf die Hilf
losenentschädigung auf eine
Sachverhaltsänderung infolge
Verringerung de
r Hilfs
bedürftigkeit (vgl. Urk.
7/176), was sie zur angefochtenen Aufhebung der Hilf
lo
senentschädigung veranlasste. Da
gemäss
Art.
42
quater
Abs.
1
lit
. a IVG und
Art.
39a IVV
der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
Voraussetzung für den Anspruch auf einen Assistenzbeitrag ist,
stellte in Bezug auf den Assistenz
beitrag bereits das Wegfallen der Hilflosenentschädigung die massgebliche Sach
verhaltsänderung dar, weshalb die Beschwerd
e
gegnerin den Assistenzbeitrag auf
hob, ohne Abklärungen
zum anerkannten Hilfebedarf (vgl.
Art.
39c und
Art.
39e IVV) und einer entsprechende
n
Veränderung zu treffen.
Im Folgenden
ist daher als erstes zu prüfen, ob die
Aufhe
bung der Hilflo
sene
nt
schädigung rechtmässig ist.
6
.
6
.1
Vor der
Durchführung der Abklärungen vom November 2020 hatte die Be
schwer
degegnerin den Anspruch der Versicherten auf die Hilflosen
en
t
schädi
gung, den sie mit der Verfügung vom 1
4.
Oktober 2014
(Urk. 7/79)
zum ersten Mal festge
setzt hatte,
mehrmals überprüft und jeweils mit einer Mitteilung im Sinne von
Art.
74
ter
lit
. f und
Art.
74
quater
Abs.
1 IVV
bestätigt. Die letzte Be
stä
tigung datiert vom 1
2.
Januar 2017 (
Urk.
7/109)
und
basiert
auf den Abklä
rungen in den Wohn
räumlichkeiten vom
9.
Januar 2017 (
Urk.
7/107)
; des Weite
ren hatte die Beschwerdegegnerin im Vorfeld dieser Abklärungen Kenntnis von den Aus
füh
rungen des Vaters der Versicherten vom 2
9.
November 2016
erhalten
(
Urk.
7/102+103)
und hatte beim
A._
den Bericht vom 2
0.
Deze
m
ber 2016 ein
geholt (
Urk.
7/108/1-4)
.
Mit der Beschaffung dieser Informationen hatte die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt grun
dlegend abgeklärt. Die Mit
teilung vom 1
2.
Januar 2017, wonach die Versicherte weiterhin Anspruch auf
eine Hilflo
senentschädigung wegen Hilflosigkeit leichten Grades habe (
Urk.
7/
109)
,
gründet somit auf einer rechtskonformen materiellen Anspruchsprüfung im Sinne der Rechtsprechung zur Vergleichsbasis bei Revisionen.
Damit stellt sie
die mass
ge
bende Vergleichsbasis im Sinne dieser Rechtsprechung dar, und d
ie Zulässig
keit der zur Diskussion stehenden Aufhebung der Hilflosenentschädigung hängt
zunächst
davon ab, dass seit dem 1
2.
Januar 2017 eine anspruchsrelevante Sach
verhaltsänderung eingetreten ist.
6
.2
Die Verneinung des Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung mit der Verfü
gung vom
7.
Januar 2014 hatte darauf basiert, dass die Beschwerdegegnerin an
lässlich der Abklärungen vor Ort vom Juli 2013 die einjährige Wartezeit
seit dem Eintritt der leichten Hilfsbedürftigkeit (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.2) noch nicht als
abgelaufen beurteilt hatte
(
Urk.
7/49/7,
Urk.
7/51/2 und
Urk.
7/64/2-3).
In der Folge überzeugte sich die Beschwerdegegnerin anhand eines Telefongesprächs mit dem Vater
der Versicherten
vom September 2014 davon,
dass nunmehr neben der Hilfsbedürftigkeit im Bereich des Essens
mit Nahrungszufuhr hauptsächlich via Sonde
auch im Bereich der Verrichtung der Notdurft seit mehr als einem Jahr eine erhöhte Hilfsbedürftigkeit im Altersvergleich bestehe,
was
gestützt auf Art.
37
Abs.
3
lit
. a IVV
zur
erstmaligen
Zusprechung der Hilflosenentschädigung
ab dem
1.
Juni
2014
mit der Verfügung vom 1
4.
Oktober
2014
führte
(Urk.
7/77/2-5,
Urk.
7/79/3)
.
Ein halbes Jahr später berichtete der Vater der Versicherten in einem weiteren Telefongespräch von Ende Januar 2015 von gewissen Fortschritten in der oralen Nahrungsaufnahme
, aber
mit
fortbestehendem
Erfordernis, fünfmal tägli
ch Son
dennahrung zu reichen, sowie
von deutlichen Fortschritten im Bereich der Not
durft, indem die Versicherte nur noch in der Nacht auf das Tragen von Win
deln angewiesen sei
(
Urk.
7/81/2).
Ungeachtet dieser Fortschritte und namentlich des Umstandes, dass
im Abklärungsbericht vom
2.
Februar 2015 ein invalidi
tätsbe
dingter Mehraufwand für die
No
tdurftverrichtung
verneint worden war (
Urk.
7/81
/2), nahm die
Abklärerin
in den beiden Bereichen Essen und Notdurft weiterhin eine
massgebend
erhöhte Hilfsbedürftigkeit an
,
und
die Beschwer
de
ge
gnerin
informierte die Eltern der Versicherten mit der Mitteilung vom 1
2.
Febru
ar
2015 über
d
en unveränderten Anspruch auf die Hilflosenentschä
digung (
Urk.
7
/82).
Anlässlich
der
telefonischen Abklärung
vom Oktober 2015 sodann
hatte sich insoweit eine Sachverhaltsänderung ergeben, als die Versicherte im August 2015 in den Kindergarten eingetreten war (
Urk.
7/86/1) und des Weiteren auch in der Nacht
keine
Windeln
mehr benötigte
(
Urk.
7/86/3). Dementsprechend verneinte die
Abklärerin
nunmehr die Hilfsbedürftigkeit im Bereich Notdurft
, aner
kannte hingegen neu eine
massgebende
Hilfsbedürftigkeit im Bereich An
kleiden/Auskleiden, da die Versicherte
hier
wegen des krankheitsbedingt umfang
reicheren Bauches auf vermehrte Unterstützung angewiesen sei (
Urk.
7/86/2+4).
Im Bereich Essen
berichtete der Vater von der fortbestehenden Notwendigkeit, die Tochter fünfmal tägli
ch mit Sondennahrung zu versorgen
, und machte seit dem
Kindergarteneintritt zusätzliche Aufwendungen geltend, da die M
utter die Tocht
er am Vormittag in de
n Kindergarten begleite und
die Sondierung an Ort und Stelle vornehme (
Urk.
7/86/2-3). Die
Abklärerin
bejahte daher neben dem Bereich Ankleiden/Auskleiden wie bis anhin auch die Hilfsbedürftigkeit im Bereich Essen (
Urk.
7/86/4).
Darauf
basierte die Weitergewährung der unveränderten Hilflosen
ent
schädigung mit der Mitteilung
vom 2
1.
Oktober 2015 (
Urk.
7/87).
Schliesslich erfolgte im Hinblick auf den bevorstehenden Übertritt in die Primar
schule die Abklärung
in den Wohnräumen
vom Januar 201
7.
E
ine Hilfsbe
dürf
tigkeit im Bereich Ankleiden/Auskleiden
wurde
anlässlich dieser Abklärung
nicht mehr festgestellt
(vgl.
Urk.
7/107/2), hingegen legte die Mutter der Ver
sicherten dar, dass die
Tochter
nach wie vor nur sehr kleine Mengen an Nahrung über den Mund aufnehmen könne und daher immer noch fünfmal am Tag
auf Sondennah
rung angewiesen
und zusätzlich in der Nacht
mit einer Sonde ver
sehen sei
. Dabei
daure eine
Sondenmahlzeit
etwa eine Stunde, da w
e
gen der Gefahr des Erbre
chens immer
wieder Paus
en eingeschaltet werden müssten. Nach wie vor begleite sie die Tochter
zudem in den Kindergarten (Urk.
7/107/2). Ge
stützt auf diese Aus
führungen, welche die Eltern
durch
eine schriftliche Auf
stellung veranschaulicht hatten (
Urk.
7/103)
, ging die
Abklärerin
weiterhin von
einer erheblichen
Hilfsbe
dürftigkeit im Be
reich
des
Essen
s
aus
, verneinte demge
genüber die Hilfsbedürf
tigkeit in den übrigen fünf massgebenden Lebensverrich
tungen (
Urk.
7/107/
3+
4). Hingegen stufte sie
neben den Blutzuckerkontrollen und den Medikamentenab
gaben auch die
Vorkehren im Zusammenhang mit der Son
denernährung als
Ver
richtungen der Pflege im Sinne von
Art.
37
Abs.
3
lit
. c IVV ein und hielt dazu fest, im Bereich der Ernährung sei ein medizinisch-pfle
ge
ri
scher Aufwand von mehr als zwei Stunden ausgewiesen und die qualitative Siche
rung der Ernährung und damit das Vermeiden einer (Blutzucker-)Ent
glei
sung
stellten hohe Anforde
rungen an die Betreuungsperson, weshalb aufgrund dieser Tatsache die Hilflosig
keit leichten Grades weiterhin als gegeben erachtet werden könne (
Urk.
7/107/4).
Gestützt auf diese Überlegungen erfolgte die Mit
te
i
lung vom 1
2.
Januar 2017
betreffend Weitergewährung der Hilflosenentschä
digung
, die n
eu nicht mehr
auf
Art.
37
Abs.
3
lit
.
a
IVV
, sondern auf
Art.
37
Abs.
3
lit
. c IVV
(ständige und besonders aufwendige Pflege)
gründete
(
Urk.
7/109
; vgl. auch die Zusammenfas
sung im Bericht vom
9.
Mai 2017 zur Abklärung des Anspruchs auf einen Assis
tenzbeitrag,
Urk.
7/119/5-6
)
. Diese Mit
teilung bildet nach
dem Dargelegten die Vergleichsbasis für den Nachweis einer Sachverhaltsänderung im Rahmen der stritti
gen Revision
.
6
.3
Die
Abklärerin
, die
den Hausbesuch vom Januar 2017 durchgeführt hatte
, traf danach
im Mai 2017
auch die
telefonischen
Abklärungen i
m
Hinblick auf erneute
Spitexleistungen
, worauf die
Sondengabe
im Kindergarten neu von einer Mitar
beiterin der Spitex übernommen wurde
(vgl.
Urk.
7/125/2 und
Urk.
7/132).
Im
Anschluss an die erstmalige Verfügung vom
4.
September 2017 (
Urk.
7/132) wurde
die Zus
prechung von
Spitexleistungen
im
bisherigen
Umfang mehrmals erneuert (vgl.
Urk.
7/137-138,
Urk.
7/148-149,
Urk.
7/162-164,
Urk.
7/165-167 und
Urk.
7/168-171), bis anlässlich der Erhebungen hierzu vom August 2020 (
Urk.
7/170) Bedarf für eine erneute Abklärung zum Anspruch auf die Hilflosen
entschädigung ausgemacht wurde und im November 2020
zu diesem Zweck
ein weiterer Hausbesuch stattfand.
Im Rahmen dieses H
ausbesuchs protokollierte die
Abklärerin
die Darstellung des Vaters der Versicherten, die Tochter habe auf dem Weg zum selbständigen Essen mit H
ilfe d
er Psychologin
(vgl. den Bericht d
es
A._
vom 28.
Februar 2019,
Urk.
7/160)
Teilerfolge erzielt (
Urk.
7/175/1), und es gelinge ihr
nun
beispiels
weise, eine halbe Pizza zu essen, wofür sie indessen etwa eine S
tunde brauche
. Des
Weiteren könne die Sondierung
heute
im normalen Tempo erfolgen
, ohne dass die Versicherte noch erbreche (
Urk.
7/175/2).
6
.4
Vor allem die Vorbringen zum Zeitaufwand bei der Sondenernährung weisen auf eine
massgebliche
Abnahme der Hilfsbedürftigkeit im Bereich des E
ssens hin; in dieser Hinsicht ist der Sichtweise der Beschwerdegegnerin in der Beschwerde
antwort (
Urk.
6)
zuzustimmen, und es kann entgegen dem Dafürhalten in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 3 f.
und S. 5
) nicht von unveränderten Verhältnissen ausgegangen werden
.
Soweit hingeg
en im Abklärungsbericht vom
November 2020 auch eine deutliche Verringerung des medizinisch-pflegerischen Aufwandes konstatiert wurde
(Urk.
7/175/4+5)
, so fiel gemäss diesem Bericht im
mer noch die Pflege des Buttons
(des
Sondenzugangs
)
und der Haut an
der betroffenen Stelle an (Urk.
7/175/4), und auch die Blutzuckerkontrollen, die
im
vorangega
ngenen Abklärungsbericht vom
Januar 2017 der Pflege i
m Sinne von
Art.
37
Abs.
3
lit
.
c IVV
zugeordnet worden waren
(
Urk.
7/107/3
-4
), waren nach wie vor erforderlich und wurden den Eltern zufolge
von der Versicherten
nur gelegentlich selbständig vorgenommen (
Urk.
7/
1
75/1). Es ist daher gut denkbar, dass die
dokumentierte
Verringerung des medizinisch-pflegerischen Aufwandes
nicht auf eine wesentliche tatsächliche Veränderung, sondern vielmehr auf eine abweichende Einschätzung der mehr oder weniger gleich gebliebenen Verhältnisse zurückzuführen ist.
Dies gilt umso mehr, als
die Abklärung vom November 2020 nicht
von derselben
Person
durch
geführt wurde, welche für
die Abklärung vom Januar 2017
zuständig gewesen war
(vgl.
Urk.
7/107/1 und
Urk.
7/175/1).
Dass die
Abklärerin
im Januar 2017 zu einem medizinisch-pflegerischen Aufwand von über zwei Stunden
gelangt war
, hatte denn auch nicht nur mit den Aufwendungen in der Buttonpflege, der Blut
zuckerkontrolle und der Medikamentengabe zusammengehängt, die mit 43 Minu
ten im Tag beziffert worden waren, sondern damit, dass die
Abklärerin
zusätzlich die Aufwendungen im Bereich Essen
von 90 Minuten
hinzugezählt hatte
(vgl.
Urk.
7/107/
2-3 und
Urk.
7/107/4
).
Angesichts dessen, dass die ausgewiesenen Änderungen im Bereich des Essens einen Revisionsgrund bilden
- unabhängig davon, ob sie bei näherer materieller Prüfung zum Dahinfallen der Hilfsbedürftigkeit in diesem Bereich führen -
, muss die Frage nach anderweitigen Änderungen indessen nicht abschliessend beant
wortet werden, da infolge dieses Revisionsgrundes
sämtliche weiteren Kriterien des Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung ebenfalls voraussetzungslos und umfassend zu prüfen sind. Diese Prüfung ist im Folgenden vorzunehmen.
7
.
7
.1
7
.1.1
Trotz der
Fortschritte in der Fähigkeit, die Nahrung selbständig und durch den Mund aufzunehmen, war die Versicherte auch zur Zeit der Abklärung vom November 2020 noch in erheblichem Mass auf Sondennahrung angewiesen. So
weit die
Abklärerin
festhielt, die Versicherte werde nur noch morgens und wäh
rend der Nacht direkt sondiert und esse beim Mittagessen, Zvieri und Abend
esse
n so viel, wie sie möge (
Urk.
7/
175/2), so kann dies nicht so verstanden werden,
dass bei diesen Mahlzeiten
die Sondenernährung entfalle. Vielmehr muss dies entspre
chend den einleuchtenden Vorbringen in der Beschwerdeschrift
und in der Replik (
Urk.
1 S. 4 f. und
Urk.
10 S. 2)
bedeute
n, dass die Sondennahrung hier subsidiär zur regulären Nahrungsaufnahme -
im Abklärungsbericht
als Essver
suche bezeichnet
(
Urk.
7/175/2)
- hinzutritt. Denn als
Sondenzeiten
sind im Bericht immer noch fünf Fixpunkte während des Tages angegeben
,
und es ist weiter fest
gehalten, dass die Mutter insgesamt sechs Sonden-Mahlzeiten vorzu
bereiten habe. Auch die
Sondengabe
in der Schule war weiterhin erforderlich,
wie der Darstellung des Vaters
zu entnehmen ist
, seine Frau müsse diese Aufgabe wegen
kurzfristiger
Ausfälle bei der Spitex häufig selbst übernehmen (
Urk.
7/175/1)
.
Bei dieser Sachlage haben die
Abklärerin
und damit auch die Beschwerdegegnerin den Fortbestand einer
massgebende
n
Hilfsbedürftigkeit
im Bereich des Essens zu Recht anerkannt (
Urk.
7/175/5 und
Urk.
7/194/2). Zwar wies die Beschwerde
geg
nerin
in der angefocht
enen Verfügung auf den
Bericht d
es
A._
vom 22.
Januar 2021 hin, in dem von einem Desinteresse und einer geringen Motivation der Ver
sicherten
in Bezug auf die orale Nahrungsaufnahme und die selbständige Hand
habung der Sonde die Rede war
(vgl.
Urk.
7/187/1), und hielt
diesbezüglich eine erweiterte Handlungskompetenz für zumutbar (
Urk.
7/194/3). Richtigerw
eise stellte
sie jedoch deswegen die Hilfsbedürftigkeit nicht grundsätz
lich in Frage, da der Arzt und die Psychologin des
A._
die Un
selbständigkeit der Versicherten als therapiebedürftiges Symptom erachteten
und sie damit dem Entwicklungs
rückstand zuschrieben, der gemäss den Vorberichten des Kinderspitals vom Mai 2017 und vom Februar 2019 (
Urk.
7/113 und
Urk.
7/160) bereits seit dem Jahr 2017 Gegenstand psychotherapeutischer Be
handlung war.
7
.
1.
2
Was die übrigen fünf alltäglichen Lebensverrichtungen betrifft, so ist unum
strit
ten, dass die Versicherte
im Bereich
Ankleiden/
Auskleiden, im Bereich
Auf
ste
hen/
Abs
itzen/
Abliegen, im Bereich Körperpflege und im Bereich Verrichtung der Notdurft
zur Zeit der Abklärung vom November 2020 nicht hilfsbedürftig war
. Die Selbständigkeit in diesen vier Bereichen ist durch die Sachverhaltsdar
stellung der
Eltern erwiesen (
Urk.
7/175/1-3), und diese machten nicht geltend, ihre Dar
stellung sei im Abklärungsbericht nicht richtig wiedergegeben worden. Und soweit die
Abklärerin
die Hilfsbedürftigkeit beim
gelegentlichen nächtlichen A
uf
stehen
wegen einer Durchflussstörung der Pumpe der Nachtsondierung oder wegen Blutzuckerkontrollen
dem Bereich Aufstehen/Absitzen/Abliegen zuord
nete (
Urk.
7/175/1), so
ist dies nicht rechtskonform, da
in diesen Bereich nur die Hilfsbedürftigkeit in den Positionswechseln
fällt (vgl. KSH
Rz
2030).
Demgegenüber liessen die
beschwerdeführenden
Eltern
vorbringen, im Bereich der Fortbewegung bestehe dadurch eine Hilfsbedürftigkeit, dass die Tochter zur Schule begleitet werden
müsse
, damit die
Sondengabe
zum richtigen Zeitpunkt vor Ort erfolgen könne (
Urk.
1 S.
6,
Urk.
7/189 S. 2). Auch hier betrifft indessen die Hilfsbedürftigkeit nicht die Funktion der Fortbewegung als solche
auf dem Schulweg
oder die Mobilität zwecks Pflege gesellschaftlicher Kontakte
, sondern es geht darum, dass in der Schule eine Person gegenwärtig ist, welche die erfor
derlichen Hilfestellungen bei der Sondierung, wie sie im Bericht der Spitex zur Bedarfserhebung vom September 2019 eingehend beschriebe
n
sind
(Urk.
7/165/16-18), vornehmen kann.
Auch d
ie zeitlichen Gründe,
wie sie
im Bericht vom Januar 2017 für das Chauffieren in die S
chule aufgeführt sind
(Urk.
7/107/3
), betreffen nicht die Funktion der Fortbewegung, und das Gleiche gilt für die Erschwernisse beim Besuch bei anderen Kindern, da diese
Erschwer
nisse
nicht mit der Mobilität, sondern mit der Ernährungss
ituation begründet wurden (Urk.
7/107/3).
7
.1.3
War damit ab dem Zeitpunkt der Abklärung vom November 2020 nur die
erheb
li
che
Hilfsbed
ürftigkeit in einer
der sechs massgebenden alltäglichen Lebens
ver
richtungen ausgewiesen, so lässt sich die Weitergewährung der Hilflosenentschä
digung aufgrund einer leichten Hilflosigkeit nicht auf den Tatbestand in
Art.
37
Abs.
3
lit
. a IVV stützen, der Hilfsbedürftigkeit in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen verlangt.
7
.2
7.2.1
In Betracht kommt sodann eine Weitergewährung der Hilflosenentschädigung gestützt auf den Tatbestand
in
Art.
37
Abs.
3
lit
. c
IVV
, auf den die Beschwer
de
gegnerin bei der Bestätigung vom 1
2.
Januar
2017
neu
abgestellt
hatte (
Urk.
7/109).
Dieser Tatbestand der
gebrechensbedingten
ständigen und besonders aufwen
di
gen Pflege setzt nach der dargelegten Rechtsprechung und Verwaltungspraxis einen Zeitaufwand von mindestens zwei Stunden im Tag voraus und zusätzlich qualitative Erschwernisse, die umso ausgeprägter sein müssen, je näher der Zeit
aufwand beim Mindestmass von zwei Stunden liegt.
7.2.2
Anlässlich der Abklärung vom November 2020
bezifferte die
Abklärerin
den medizinisch-pflegerischen Mehraufwand (unter dem Titel Behandlungspflege) nur noch mit 14 Minuten im
Tag, hauptsächlich bestehend aus
der Sonden- und
Wundpflege (
Urk.
7/175/4). In der angefochtenen Verfügung rechnet
e die Be
schwer
degegnerin
in Anlehnung an
die Stellungnahme ihres Abklärungsdienstes (
Urk.
7/192)
noch gewisse weitere Verrichtungen wie die Medikamentengabe und die B
lutzuckermessungen hinzu und gelangte
auf diese Weise
zu einem zeitlichen Aufwand für die Behandlungspflege von 20 Minuten (
beziehungsweise
von
27,5
Minuten bei korrekter Addition der einzelnen Positionen;
Urk.
7/194/3).
Der Aufwand von eineinhalb Stunden, den sie unter der Bezeichnung «Pflegerischer Aufwand gesamt» anführte
(
Urk.
7/194/3), muss sodann wiederum
-
entsprechend dem Vorgehen anlässlich der Abklärung vom Januar 2017 (
Urk.
7/107/
3+
4) -
aus der Hinzurechnung des Zeitaufwandes resultieren, den die
Abklärerin
für den
Bereich
des Essens ermittelt und mit 60
Minuten bemessen hatte (
vgl.
Urk.
7/175
/2)
.
D
ie
Zusammenrechnung
sämtlicher pflegerischer Aufwendungen ist dort erfor
der
lich, wo der Zeitaufwand für den Intensivpflegezuschlag nach
Art.
42
ter
Abs.
3 IVG und
Art.
36 IVV zu ermitteln ist; die
(im Vergleich zu einem nicht be
hinder
ten Kind)
zusätzliche Betreuung im Sinne von
Art.
39
Abs.
1 IVV umfasst nicht nur die medizinische Behandlungspflege, sondern auch die Grundpflege, also sämtliche Vorkehren, die im Rahmen der sechs für die Hilflosigkeit mass
ge
benden alltäglichen Lebensverrichtung
en erbracht werden (vgl. KSH
Rz
5008 ff.
und
Rz
5019-5021
).
Demgegenüber gelten als Pflege im Sinne von
Art.
37
Abs.
3
lit
. c IVV
, wie schon dargelegt,
ärztlich verordnete medizinisch-pflegerische
Leis
tun
gen ausserhalb der alltäglichen L
ebensverrichtungen; die Hilfeleistungen in einer alltäglichen Lebensverrichtung können hier nicht berücksichtigt werden (
KSH
Rz
2058
und
Rz
2069
).
Hinsichtlich der Sondenernährung hat das Bundes
ge
richt diesen Grundsatz in einem neueren Urteil ausdrücklich bestätigt und es für kor
rekt befunden, dass die Vorinstanz nur die Arbeitsschritte im Zusammen
hang mit
dem Anbringen und der Pflege der Sonde, nicht aber die Aufwendungen im Zusammenhang mit der Nahrungszufuhr als Pflege im Sinne von
Art.
37
Abs.
3
lit
. c IVV eingestuft hatte (Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2016 vom 1
7.
Januar 2017 E. 3.2.3).
Damit waren anlässlich der Abklärung vom November 2020 schon in
quanti
tati
ver,
zeitlicher Hinsicht die Voraussetzungen für eine ständige und besonders auf
wendige Pflege im Sinne von
Art.
37
Abs.
3
lit
. c IVV bei Weitem nicht er
reicht.
Zudem fehlt es auch an den erforderlichen qualitativen Erschwernissen ange
sichts dessen, dass
das Bundesgericht
die
Sondenernährung
für sich allein nicht als solches Erschwernis
einstuft
(Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2016 vom 1
7.
Januar 2017 E. 3.2.3.5).
7.2.3
Die Weitergewährung der Hilflosenentschädigung lässt sich somit auch nicht
mit dem
Tatbestand der ständigen und besonders auf
wendigen Pflege in
Art.
37 Abs.
3
lit
. c IVV rechtfertigen
.
Der Umstand, dass
die Hilfeleistungen im Bereich des Essens
unrichtigerweise bereits bei der Anspruchsüberprüfung vom Januar 2017
beim Pflegeaufwand nach
Art.
37
Abs.
3
lit
. c IVV
berücksichtigt worden waren
,
legt zudem nahe, dass die Voraussetzungen einer ständigen und besonders aufwendigen Pflege schon damals nicht
erfüllt gewesen waren und sich
schon die
Anspruchsbestätigung vom 1
2.
Januar 2017 (
Urk.
7/109)
nicht
mit diesem Tatbestand hätte rechtfertigten lassen.
Im Rahmen des vorliegenden Verfahren
s
braucht darauf indessen nicht näher eingegangen zu werden.
7.3
7.3.1
Im Abklärungsbericht vom November 2020
gab
die
Abklärerin
des Weiteren
die
Darstellung
der Eltern der Versicherten wieder
,
ihre Tochter habe bis heute nicht verstanden, wie gefährlich ihre Grunderkrankun
g sei. Sie messe zwar ab und zu
selbst den Blutzucker, vor allem auf entsprechende Aufforderung hin, sie sei jedoch im Umgang mit den Mahlzeiten nicht zuverlässig, sondern es komme immer wieder vor, dass sie den
Timer
ihrer Uhr nicht wahrnehme und in eine ge
fährliche Unterzuckerung gerate, da sie
keine Symptome einer beginnenden Unterzuckerung
spüre (
Urk.
7/175/1).
Es stellt sich daher die Frage, ob sich die Weitergewährung der Hilflo
sen
ent
schädigung auf die Notwendigkeit einer
dauernden persönlichen Überwachung im Sinne von
Art.
37
Abs.
3
lit
. b IVV
stützen lässt.
7.3.2
Die
Abklärerin
verneinte einen Überwachungsbedarf im Bericht vom November 2020 mit der alleinigen Bemerkung, ein solcher bestehe ausserhalb der Ernäh
rungsproblematik nicht (
Urk.
7/175/5)
. Mit einem
identische
n
Vermerk war ein Überwachungsbedarf bereits anlässlich der Abklärung vom Jan
uar 2017
verneint worden
, auch dort ohne weitergehende
Ausführungen
(
Urk.
7/107/4)
, und
eine gleich lautende Einschätzung war anlässlich der vorangegangenen Abklärungen zur Hilflosigkeit vom Oktober 2015 und vom August 2013 abgegeben worden, im Jahr 2013
noch
mit dem Hinweis darauf, dass auch ein gleichaltriges gesundes Kind der Überwachun
g bedürfe (
Urk.
7/86/4 und Urk.
7/49/6).
I
n den Eingaben im vorliegend zur Diskussion stehenden
Revisionsverfahren
be
riefen sich die Eltern der Versicherten
zwar
nicht explizit auf den Überwachungs
tatbestand in
Art.
37
Abs.
3
lit
. b IVV
. Ihr Rechtsvertreter
wies
jedoch
in den Einwendungen vom
1.
Februar 2021 zu den Vorbescheiden
und erneut in der Be
schwerdeschrift
auf die stete Gefahr einer Unterzuckerung hin, wie sie im Ab
klärungsbericht vom Novembe
r 2020 erwähnt worden war (Urk.
7/189/3
,
Urk.
1 S.
3
und S.
6
), und reichte hierzu den Bericht des
A._
vom
8.
Januar 2021 ein, in dem die medizinischen Fachpersonen
auf die potentiell schwerwiegenden Folgen einer Hypoglykämie hinwiesen und
festhielten, für Not
fälle müsse rund um die Uhr eine kompetente
Betreuungsperson verfügbar sein (
Urk.
7/188/1). Ausserdem ist dem Notfallausweis, der
im September 2019 erstellt worden war und
diesem Bericht beigefügt ist, zu entnehmen, dass die Gefahr von Hypoglykä
mien bei längeren Fastenperioden von über zwei bis zweieinhalb Stun
den, bei ungewohnten körperlichen Anstrengungen, bei Fehlfunktionen des Nacht
tropf
e
s sowie im Falle von Infektionen bestehe und dass bei Verdacht auf eine Hypogly
kämie unverzüglich der Blutzucker gemessen und entsprechende Nahrung zuge
fü
hrt werden müsse (
Urk.
7/188/4; vgl. auch
Urk.
7/188/6
).
7.3.3
Die Vorkehren zur V
orbeugung,
Abwendung
und Behebung
einer Unter
zucke
rung
betreffen zwar die Ernährung
und stehen somit
in einem engen Zu
sam
men
hang mit dem Bereich des Essens. Sie beziehen sich jedoch nicht auf die Funktion
der Nahrungsaufnahme
, sondern
es geht hier darum, in Abhängigkeit der Blut
zuckerwerte
den Zeitpunkt festzulegen, zu dem eine
Nahrungsaufnahme erfor
der
lich ist, und die Nahrung aufgrund des jeweiligen Blutzuckerspiegels situa
tions
gerecht zu dosieren.
Bei den Massnahmen der Wachsamkeit, die erforderlich sind, um Veränderungen mit Handlungsbedarf rechtzeitig zu erkennen, handelt es sich deshalb
um Hilfeleistungen, die nicht
schon
von der
Lebensverrichtung E
ssen erfasst
sind, sondern im Sinne der Rechtsprechung und Verwaltungspraxis zu
Art.
37
Abs.
3
lit
. b IVV von eigenständiger B
edeutung sind.
Es fragt sich daher, ob diese Massnahmen die erforderliche Intensität für das Erfordernis der dauer
n
den persönlichen Überwachung im Sinne dieser Bestimmung erreichen.
Zwar war zur Zeit der Abklärungen vom November 2020 nicht mehr andauernd damit zu rechnen, dass die Versicherte während der Mahlzeiten erbrach und der entsprechende Verlust an Glukose nach striktem Plan (vgl.
Urk.
7/188/5) ausge
glichen werden musste (vgl.
Urk.
7/175/2). Es ist dahe
r davon auszugehen, dass die Zwischenfälle
i
n dieser Hinsicht abgenommen haben
gegenüber den Verhält
nissen, wie sie
namentlich
im Mai 2017 im Hinblick auf den
Spitexbedarf
fest
ge
stellt worden waren (
Urk.
7/125/2).
Im B
ericht über die Spitex-Bedarfserhebung vom
September 2019
ist
jedoch
vermerkt
, dass die Versicherte im Falle eines Blutzuckerabfalles keine typischen Symptome zeige (U
rk.
7/
165/13)
,
es ist d
arin
ferner
eingehend beschrieben
, wie im Falle von Hyper- und Hypoglykämien die
Glukosegaben
zu dosieren
beziehungsweise die Zeit der Nahrungsaufnahme
vom Regelfall abweichend
vorzunehmen
sind (Urk.
7/165/13+14), und es wird auch die offenbar nicht seltene Situation zur Sprache gebracht, dass sich die Versi
cherte
beispielweise nach dem Schwimmunterricht verspätet und diesem Umstand bei der
Nährstoffgabe Rechnung zu tragen ist (
Urk.
7/165/16). Des Weiteren wird auf einen Notfallkoffer mit Glukose-Ampullen hingewiesen, der im
Klassen
zim
mer bereitsteht (Urk.
7/165/13+
16).
Diese Verhältnisse müssen bis
zur Abklä
rung
vom November 2020
mehr oder weniger unverändert geblieben sein.
Denn
gemäss dem
entsprechenden
Abklärungsbericht war es der Versicherten immer noch nicht möglich, eine Unterzuckerung anhand von Symptomen rechtzeitig zu erkennen, und sie hatte - im Alter von
immerhin
erst zehn Jahren -
ungeachtet des Trainings hierzu (vgl.
Urk.
7/148/1 und
Urk.
7/165/15)
auch noch nicht die Fähigkeit und Zuverlässigkeit erlangt, von sich aus regelmässige Blutzucker
kon
trollen vorzunehmen und die Nahrung selbständig der Situatio
n anzupassen
, son
dern musste vielmehr teilweise auf dem Schulareal gesucht werden, wenn es Zeit für den Einsatz der Spitex war (vgl.
Urk.
7/175/1+3).
Ferner bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die
Situation
in dieser Hinsicht bis zum Erlass der angefochtenen
Revisionsverfügung vom 2
2.
März
2021 massgeblich verändert hätte
, da das
A._
im Bericht vom
8.
Januar 2021 immer noch die gleiche Problematik schilderte (
Urk.
7/188/1
-2) und auch im Bericht vom 22.
Januar 2021 betreffend Psychotherapie die Förderung des Selbstmanage
ments der Nah
rung
saufnahme
als
weiterbestehendes
Behandlungsziel nannte (
Urk.
7/187).
Damit ist zwar von einer reduzierten Häufigkeit tatsächlicher
Blutzuckere
nt
glei
sungen auszugehen, es bedarf jedoch fü
r deren Vermeidung nach wie vor
mehr
mals
täglich
erheblicher, engmaschiger Vorkehren der Kontrolle, Hand
lungs
bereit
schaft und H
andlungskompetenz,
die nicht auf Ausnahmesituationen be
schränkt sind, sondern sich über den gesamten Alltag der Versicherten er
strecken. Diese Vorkehren treten
zum einen zu den Hilfeleistungen bei der
Nah
rungsauf
nahme hinzu
und
sind
zum andern auch mit dem Zeitbedarf für den rein medi
zinisch-pflegerischen Vorgang der Blutzuckermessu
ng nicht hinreichend erfasst
.
Die bei der Versicherten krankheitsbedingt erforderliche Überwachungs
bedürftig
keit entfällt
bei nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters
gänzlich
(
Art.
37
Abs.
4 IVV)
, weshalb der gesamte Überwachungsbedarf zu berücksich
ti
gen ist.
Unter diesen Umständen genügt die Intensität des Überwachungsbedarfs den Anforderungen in
Art.
37
Abs.
3
lit
. b IVV.
7.3.4
Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
März 2021 war
demnach
die Notwendigkeit einer dauernden persönlichen Überwachung im Sinne
von
Art.
37
Abs.
3
lit
. b IVV
(immer noch) gegeben
und es bestand daher
nach wie vor eine Hilflosigkeit leichten Grades. Die Versicherte hat somit ab
diesem Zeitpunkt weiterhin Anspruch auf eine Hilflos
en
entschädigung auf dieser Basis, womit die strittige Aufhebung ungerechtfertigt ist.
Die Verfügung vom 22.
März 2021
betreffend Aufhebung der Hilflosenentschädigung ist
demgemäss
in
Gut
heissung der Beschwerde dagegen aufzuheben.
8.
Mit dem Weiterbestehen des Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung
ist auch die
entsprechende
Voraussetzung in
Art.
42
quater
Abs.
1
lit
. a IVG und
Art.
39a IVV
für den Anspruch auf einen Assistenzbeitrag
weiterhin gegeben.
Damit ist jedoch das Ausmass des anerkannten Hilfebedarfs (
Art.
39c und
Art.
39e IVV) noch nicht festgelegt. Die Verfügung vom 2
2.
März 2021 betreffend Aufhebung des Assistenzbeitrags ist somit ebenfalls aufzuheben, und die Sache ist dies
be
züglich an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie die erforderlichen Abklärungen zum Ausmass des Hilfebedarfs
treffe und hernach über die Höhe des Anspruchs auf den Assistenzbeitrag neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Be
schwerde gegen diese Verfügung ebenfalls gutzuheissen.
9.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die
unterliegende Be
schwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) ermessensweise auf Fr. 700.--
festzusetzen.
10.
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (
§
34
des Gesetzes über das Sozi
alversicherungsgericht [
GSVGer
]
sowie
§
7 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien rechtfertigt es sich, der Versicherten eine
Prozessentschädigung von
Fr.
2'300.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) zuzusprechen.