Decision ID: a82f47f5-d4cc-430e-9b9a-db05454badfc
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte), meldete sich am 22. Februar 2013 erstmals bei
der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Sie machte geltend, sie sei
wegen rheumatischer Leiden nicht mehr in der Lage, den alltäglichen Haushalt zu
bewältigen (IV-act. 1 f.).
A.a.
Die IV-Stelle holte Berichte von Dr. med. B._, Fachärztin für Innere Medizin und
Rheumatologie (Bericht vom 3. April 2013, IV-act. 13-9 f.; Arztbericht vom 1. Mai 2013,
IV-act. 12; Verlaufsbericht vom 12. September 2013, IV-act. 16) sowie von Dr. med.
C._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin (Arztbericht vom 19. April 2013, IV-
act. 13-4 ff.; Verlaufsbericht vom 21. Juli 2013, IV-act. 15) ein und erhob Angaben zur
Haushaltsführung (Angaben der Versicherten vom 18. April 2013, IV-act. 11). Mit
Mitteilung vom 25. November 2013 wies sie das Gesuch hinsichtlich beruflicher
Massnahmen ab, da sich die Versicherte nicht in der Lage fühle, einer Erwerbstätigkeit
im ersten Arbeitsmarkt nachzugehen (IV-act. 23). Weiter führte die IV-Stelle eine
Haushaltsabklärung durch, wobei sie durch Betätigungsvergleich eine Einschränkung
im Haushalt von 14,7 % ermittelte (Bericht vom 13. Januar 2014, IV-act. 28), und wies
nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 31; IV-act. 32; IV-act. 36) mit
Verfügung vom 15. Mai 2014 das Gesuch auch hinsichtlich Rente ab (IV-act. 37).
A.b.
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Am 5. November 2017 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug
an. Dabei führte sie aus, seit 2016 leide sie zusätzlich unter Herzproblemen,
Depressionen und unter starken Rückenschmerzen (Bandscheibe). Ihr
Gesundheitszustand habe sich seit 2013 massiv verschlechtert. Sie sei grösstenteils
nicht mehr in der Lage, den alltäglichen Haushalt und eine 100%ige Arbeit zu
bewältigen (IV-act. 39). Die IV-Stelle aktualisierte den medizinischen Sachverhalt (unter
anderem: Bericht Dr. med. D._, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie,
vom 26. März 2015, IV-act. 71; Berichte des Kantonsspitals E._, Departement
Radioonkologie, betreffend eine Strahlentherapie der befallenen Fingergelenke vom
16. Juni 2017, IV-act. 58, vom 18. September 2017, IV-act. 57, und vom 31. Oktober
2017, IV-act. 55-2 f.; Berichte Dr. med. F._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
vom 16. Januar 2018, IV-act. 46, und vom 2. März 2018, IV-act. 61).
A.c.
Der Auftrag der IV-Stelle für eine polydisziplinäre Begutachtung wurde der asim
Begutachtung, Spital G._, zugeteilt (Dr. med. H._, Fachärztin für Prävention und
Gesundheitswesen [Fallführung], Dr. med. I._, Fachärztin für Neurologie; Dr. med.
J._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie; Dr. med. K._, Facharzt für
Rheumatologie, physikalische Medizin und Rehabilitation; Untersuchungen vom 25. bis
28. Juni 2018; Gutachten vom 3. Oktober 2018, IV-act. 95). Als Erkrankung mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden Fingerpolyarthrosen im Bereich beider
Hände, betont Heberden- und Bouchard-Arthrosen, diagnostiziert, als
Gesundheitsbeeinträchtigungen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit unter
anderem eine muskuläre Dysbalance am Beckengürtel mit lokalen Schmerzen gluteal
und Mittelfussschmerzen rechts (DD degenerative Fusswurzelveränderungen), eine
muskuläre Dysbalance am Schultergürtel sowie eine nicht stenosierende
Koronarsklerose (IV-act. 95-4, 42). Interdisziplinär führend kam der rheumatologische
Gutachter zum Schluss, Tätigkeiten mit überwiegend oder regelmässigen manuellen
Anteilen seien der Versicherten nicht mehr möglich. Für Tätigkeiten, die möglichst
wenig manuelle Anteile beinhalteten, bestehe aus rheumatologischer Sicht eine
Einschränkung von 40 %. Allenfalls könnten Kontrollaufgaben oder Tätigkeiten im
Telefonbereich mit einem Headset teilzeitlich ausgeführt werden. Aufgrund von
Ruheschmerzen im Bereich der Hände mit Zunahme bei manuellen Tätigkeiten, die in
gewissem Mass auch in einer adaptierten Tätigkeit verrichtet werden müssten
A.d.
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(beispielsweise Schreiben), bestünden auch hier ein vermehrter Zeitaufwand und
gegebenenfalls eine vermehrte Pausenbedürftigkeit. Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestehe seit mindestens März 2015 (IV-act. 95-5, 45). Entsprechend
den klinischen Befunden sei die Arbeitsfähigkeit als Hausfrau aufgrund der
Fingerpolyarthrosen ab März 2015 geschätzt um zumindest 50 % eingeschränkt, wobei
hier auch ein erhöhter Pausenbedarf und ein langsameres Arbeitstempo berücksichtigt
seien (IV-act. 95-44).
RAD-Arzt Dr. med. L._, Facharzt für Chirurgie, befand das Gutachten als
beweistauglich (Stellungnahme vom 15. Oktober 2018, IV-act. 96). Mit Mitteilung vom
24. Oktober 2018 schloss die IV-Stelle berufliche Massnahmen als nicht angezeigt ab,
da die Versicherte die Prüfung von Rentenleistungen wünsche und seit 1980 als
Hausfrau tätig sei (IV-act. 99).
A.e.
Die Rentensachbearbeitung gab am 10. Januar 2019 eine neue Abklärung vor Ort
in Auftrag, da sie die von der Abteilung berufliche Massnahmen angenommene
Qualifikation als Vollerwerbstätige für nicht nachvollziehbar hielt (IV-act. 100).
A.f.
Im Abklärungsbericht vom 15. Juli 2019 qualifizierte die Abklärungsperson die
Versicherte als Hausfrau und anerkannte unter Berücksichtigung der Mithilfe von
Familienmitgliedern eine Einschränkung von 20,7 % (IV-act. 110-15 ff.).
A.g.
Auf Vorschlag des RAD-Arztes Dr. L._ (Stellungnahme vom 24. Juli 2019, IV-
act. 112) erstattete Dr. med. M._, N._ GmbH, Fachärztin für Allgemeine Innere
Medizin und Rheumatologie, am 2. November 2019 ein rheumatologisches Gutachten
(Untersuchung vom 15. Oktober 2019; IV-act. 123). Sie diagnostizierte eine
idiopathische Polyarthrose (Heberden-, Bouchard-, Rhizarthrose, Spondylarthrose der
Lendenwirbelsäule, beginnende Coxarthrose, Zehengelenksarthrose). Sie kam zum
Schluss, bezogen auf ein 100 %-Pensum betrage die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit 50 %, dies unverändert seit März 2015 (IV-act. 123-29). Die
Bruttoeinschränkung im Haushalt von 60,3 % sei nicht plausibel nachvollziehbar (IV-
act. 123-31). In angepassten, manuell nicht anspruchsvollen Tätigkeiten ohne
erforderliche Feinmotorik und Krafteinsatz (IV-act. 123-29) bestehe in Würdigung der
häufigen Schübe mit dann vorliegenden Ruheschmerzen gesamthaft eine
A.h.
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Leistungseinbusse von 40 % (IV-act. 123-29); die Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein
100 %-Pensum in einer solchen Tätigkeit betrage seit 2015 unverändert 60 % (IV-
act. 123-30). Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass sich der
Gesundheitszustand seit den gutachterlichen Untersuchungen im Juni 2018 anhaltend
und relevant und mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verändert habe (IV-act. 123-30).
Der IV-Rentenspezialist nahm am 14. Januar 2020 gegenüber der Sachbearbeiterin
Stellung, unter Berücksichtigung, dass in einem überschaubaren Zwei-Personen-
Haushalt nicht wiederholt mittelschwere bis schwere Lasten gehoben werden müssten,
sollten die Einschränkungen im Haushalt nicht höher sein als in einer Erwerbstätigkeit,
welche den Adaptionskriterien entspreche (IV-act. 132).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 23. Januar 2020 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Leistungsbegehrens. Zur
Begründung führte sie an, die Versicherte sei als vollumfänglich im Aufgabenbereich
Haushalt tätig zu qualifizieren. Unter Berücksichtigung der Mithilfe des mit ihr im selben
Haushalt lebenden Ehemannes betrage der Invaliditätsgrad gerundet 21 % (IV-
act. 134).
A.j.
Mit Stellungnahme vom 24. Februar 2020 liess die Versicherte im Wesentlichen
vorbringen, es sei nicht erstellt, dass sie ohne gesundheitliche Einschränkung mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Das
Gutachten begründe nicht stichhaltig, weshalb die geltend gemachte Einschränkung
von 60 % nicht nachvollziehbar sei. Gemäss Gutachten des asim sei die
Arbeitsfähigkeit als Hausfrau aufgrund der klinischen Befunde um zumindest 50 %
eingeschränkt. Es sei ihr mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen (IV-act. 138).
A.k.
Der Rechtsdienst der IV-Stelle legte am 5. Mai 2020 Gründe dar, die gegen eine
Qualifikation der Versicherten als 100 % Erwerbstätige sprächen. Bei einer Qualifikation
als Hausfrau stelle sich die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit oder
nach einem Tabellenlohnabzug nicht (IV-act. 139-3 ff.).
A.l.
Mit Verfügung vom 27. Mai 2020 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab. Sie
führte aus, im Haushalt sei unter Berücksichtigung der anrechenbaren Mithilfe des im
gleichen Haushalt lebenden Ehemannes gemäss Gerichtspraxis eine Einschränkung
A.m.
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B.
von 20,7 % ermittelt worden. Seitens der Gutachterin werde die Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit auf 50 % eingeschätzt. Unter Berücksichtigung, dass in
einem überschaubaren Zwei-Personen-Haushalt nicht wiederholt mittelschwere bis
schwere Lasten gehoben werden müssten, sollten die Einschränkungen im Haushalt
nicht höher sein als in einer Erwerbstätigkeit, welche den Adaptionskriterien
entspreche. Die Fragen bezüglich der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sowie
eines allfälligen Leidensabzuges erübrigten sich aufgrund der Qualifikation als
Hausfrau. Am bisherigen Entscheid werde festgehalten (IV-act. 143).
Mit Beschwerde vom 23. Juni 2020 beantragt die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. R. Braun, die Verfügung der
IV-Stelle (im Folgenden: Beschwerdegegnerin) vom 27. Mai 2020 sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen aufzuheben und es sei ihr mindestens eine Viertelsrente
zuzusprechen. Zur Begründung wird geltend gemacht, von 2000 bis 2006 habe die
Beschwerdeführerin in einem familieneigenen Nebenbetrieb (TMGourmet GmbH)
mitgearbeitet. Einen Lohn dafür habe sie nicht bezogen. Von 2004 bis 2012 habe sie
während anfangs 2,5 Stunden und später 5 Stunden täglich eine betagte Nachbarin
gepflegt. Sie habe darauf hingewiesen, weitere Abklärungen dazu seien aber nicht
erfolgt. Obwohl berufliche Massnahmen mangels Vermittlungsfähigkeit abgelehnt
worden seien, sei sie als Hausfrau qualifiziert worden. Seit der ersten Anmeldung habe
sie immer die gleichen, plausiblen Angaben gemacht. Sie sei deshalb als Erwerbstätige
zu qualifizieren. Die Verwertbarkeit der Teilarbeitsfähigkeit sei fraglich. Jedenfalls sei
aufgrund der massiven Einschränkungen ein Leidensabzug im oberen Bereich der
vorgegebenen Bandbreite vorzunehmen. Selbst wenn sie vollumfänglich oder teilweise
als Hausfrau qualifiziert würde, sei die ermittelte Einschränkung von 21 % nicht richtig.
Die geltend gemachte Einschränkung von 60 % in der Haushalttätigkeit sei ohne
Weiteres plausibel und nachvollziehbar (act. G 1). Mit der Beschwerde lässt die
Beschwerdeführerin eine Bestätigung von Dr. med. O._, Facharzt für Allgemeine
Medizin, vom 5. Dezember 2013 betreffend die Betreuung ihrer betagten Nachbarin
einreichen (act. G 1.1.2).
B.a.
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Mit Beschwerdeantwort vom 7. September 2020 beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Dafür führt sie an, die
Beschwerdeführerin habe weder in der Haushaltsabklärung vom 5. März 2014 noch in
derjenigen vom 1. März 2019 ihre Tätigkeiten von 2000 bis 2006 im familieneigenen
Betrieb und die Betreuung ihrer Nachbarin von 2004 bis 2012 angegeben. Die
Bestätigung durch Dr. O._ sei knapp ein Jahr nach dem Tod der betagten Nachbarin
offensichtlich auf Wunsch der Beschwerdeführerin ausgestellt worden. In Anbetracht
dessen, dass sie selbst Unterstützung im Haushalt in Anspruch nehme, scheine nicht
überwiegend wahrscheinlich, dass sie die Nachbarin während 2,5 bzw. 5 Stunden
täglich betreut habe. Für die Begründung der Qualifikation als Hausfrau sei auf die
Stellungnahme vom 5. Mai 2020 und die angefochtene Verfügung zu verweisen. Den
ärztlichen Einschätzungen komme kein genereller Vorrang gegenüber der Abklärung
vor Ort zu. Die geltend gemachte Einschränkung von insgesamt 60,04 % sei wegen der
Mithilfe des Ehemannes gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf 20,7 %
reduziert worden. Würde im Haushalt von einer gleichen Einschränkung wie in einer
adaptierten Tätigkeit ausgegangen, würde - nach Abzug der Mithilfe des Ehemannes -
ein kleinerer Invaliditätsgrad resultieren als in der angefochtenen Verfügung.
Schliesslich sei vorliegend eine Wiederanmeldung zu beurteilen. Im rheumatologischen
Gutachten vom 10. November 2019 sei die Frage nach einer massgeblichen
Veränderung seit der Verfügung vom 15. Mai 2014 verneint worden, weshalb das
Leistungsbegehren (auch) mangels Vorliegens eines Revisionsgrundes abzuweisen sei
(act. G 4).
B.b.
Mit Replik vom 12. Oktober 2020 lässt die Beschwerdeführerin vorbringen, die
Bedeutung der Tätigkeit im familieneigenen Betrieb und der Pflege der Nachbarin für
die Qualifikation sei ihr nicht bewusst gewesen. Immerhin habe sie am 24. Oktober
2013 darauf hingewiesen. Die Beschwerdegegnerin habe selbst eine ärztliche
Überprüfung der Haushaltsabklärung veranlasst, die eine Einschränkung von
mindestens 50 % ergeben habe. Sie habe selber eine höhere Einschränkung als
60,04 % geltend gemacht und bei der Berücksichtigung der Mithilfe des Ehemannes
sei ausser Acht gelassen worden, dass dieser selbst IV-Rentner sei. Nicht
berücksichtigt worden seien auch die häufigen Krankheitsschübe mit Ruheschmerzen.
Die von der Abklärungsperson unterstellte Rentenbegehrlichkeit werde bestritten und
B.c.
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Erwägungen
1.
es sei plausibel, dass die Einschränkung im Haushalt höher sei als in einer adaptierten
Tätigkeit. Im Übrigen sei ihr Führerausweis mittlerweile mit Auflagen versehen worden.
Aus den medizinischen Akten ergebe sich, dass sich ihr Gesundheitszustand seit der
IV-Verfügung vom 15. Mai 2014 verschlechtert habe und somit ein Revisionsgrund
gegeben sei (act. G 6; Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts vom
19. August 2020, act. G 6.1).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 5. November 2020 auf eine Duplik
(act. G 8).
B.d.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer
Anträge sowie die Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
B.e.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) in der bis 31. Dezember 2021 gültigen und vorliegend anwendbaren Fassung
besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
1.2.
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Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im
Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht
zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von
Artikel 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im
Aufgabenbereich zu betätige (Art. 8 Abs. 3 ATSG; Art. 28a Abs. 2 IVG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
1.3.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107).
1.4.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.5.
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2.
In der Verfügung vom 15. Mai 2014 wurde festgehalten, gemäss den Abklärungen
sei die Beschwerdeführerin seit September 2012 im Aufgabenbereich zu 14,7 %
eingeschränkt. Diese Einschränkung entspreche dem Invaliditätsgrad. Die ergänzenden
medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass in einer adaptierten Tätigkeit eine
volle Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-act. 37). Der Einschätzung der Einschränkung im
Haushalt lagen Zeitangaben einer anderen Versicherten für die einzelnen
Haushaltsarbeiten ohne Behinderung zugrunde (IV-act. 28-12 f.), welche von den zuvor
angegebenen Zeiten der Beschwerdeführerin (IV-act. 11-3, 6) massgeblich abweichen.
Aus der Begründung der Verfügung vom 15. Mai 2014 geht jedoch hervor, dass selbst
bei einer Qualifikation als Vollerwerbstätige kein Rentenanspruch bestehen würde, da
in angepassten Tätigkeiten von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Diese
Einschätzung basiert auf der Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. med. P._, Facharzt für
Innere Medizin, vom 2. Oktober 2012 (richtig 2013; IV-act. 17) vor dem Hintergrund,
dass die behandelnde Dr. med. B._, Fachärztin für Innere Medizin und
Rheumatologie, im Verlaufsbericht vom 3. April 2013 von einer deutlichen
Verbesserung seit der Einnahme von Leflunomid im Februar 2013 berichtet hatte (IV-
act. 13-9 f.), wobei Dr. med. C._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, gemäss
Verlaufsbericht vom 21. Juli 2013 dennoch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für
adaptierte Tätigkeiten attestiert hatte (IV-act. 15). Die Beschwerdeführerin ersuchte am
11. März 2019 um Wiedererwägung der Verfügung vom 15. Mai 2014 (IV-act. 105),
worauf die Beschwerdegegnerin stillschweigend nicht eintrat und die Verfügung vom
15. Mai 2014 trotz der erwähnten Unzulänglichkeiten nicht aufgehoben hat.
2.1.
Seit Oktober 2014 wird die Beschwerdeführerin durch Dr. med. F._, Fachärztin
für Allgemeine Innere Medizin, betreut (Bericht an die IV-Stelle vom 16. Januar 2018,
IV-act. 46). Diese überwies die Beschwerdeführerin an Dr. med. D._, Fachärztin für
Innere Medizin und Rheumatologie, da Behandlungen mit Methotrexat, Plaquenil und
Leflunomid wegen schlechter Toleranz hätten abgesetzt werden müssen. Die
Rheumatologin erhob klinisch Verformungen und aufgrund des MRI-Befundes
entzündlich aktivierte Arthrosen in den Fingergelenken (IV-act. 71). Im Bericht vom
16. Januar 2018 hielt Dr. F._ überdies fest, im Verlauf der vorangegangenen vier
Jahre sei es zu einer einschneidenden Verschlechterung der gesundheitlichen Situation
gekommen. Die Beschwerdeführerin habe viele entzündliche Schübe durchgemacht.
Dadurch sei es zu einer zunehmenden und einschneidenden Deformierung der
Fingergelenke mit Bewegungseinschränkungen gekommen (IV-act. 46). Sowohl
gemäss dem polydisziplinären asim-Gutachten vom 3. Oktober 2018 (IV-act. 95) als
2.2.
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3.
Umstritten und zu prüfen ist zunächst, ob die Beschwerdeführerin als im
Gesundheitsfall Erwerbstätige oder als Hausfrau zu qualifizieren ist.
auch gemäss dem rheumatologischen Gutachten vom 2. November 2019 (IV-act. 123),
auf deren gegebene Beweistauglichkeit nachfolgend noch einzugehen sein wird (E. 4),
ist die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten um 40 %
eingeschränkt. Auch im Haushalt wurde eine erhöhte Einschränkung attestiert (vgl.
Abklärungsberichte vom 13. Januar 2014, IV-act. 28, und vom 15. Juli 2019, IV-
act. 110-15 ff.). Ein Revisionsgrund ist daher gegeben und der Anspruch demnach
allseitig zu prüfen.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nicht
erwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der
versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem
Pensum sie hypothetisch bei im Übrigen unveränderten Umständen (unter
Berücksichtigung der gesamten persönlichen, familiären, beruflichen und sozialen
Situation) erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind
die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie
allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die
beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und
Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis
zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische
Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erforderlich ist. Dies erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch
hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat.
Derlei ist einer direkten Beweisführung wesensgemäss nicht zugänglich und muss in
aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden. Massgebend ist dabei unter
anderem die so genannte "Aussage der ersten Stunde" (Urteile des Bundesgerichts
vom 17. April 2019, 8C_865/2018, E. 4.2, und vom 28. Juni 2019, 9C_161/2019, E. 5.2
und 5.4.3).
3.1.
Die Beschwerdeführerin gab bei der Anmeldung am 20. Februar 2013 an, sie
verfüge über keine Berufsausbildung und sei seit 1982 nichterwerbstätige Hausfrau (IV-
act. 1-4). Nach Eingang des Auszugs aus dem individuellen Konto (IK) qualifizierte die
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/23
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das Gesuch um berufliche Massnahmen bearbeitende Sachbearbeiterin die
Beschwerdeführerin als Hausfrau, wies das Gesuch ab und übergab den Fall zur
Rentenprüfung (IV-act. 7-2 f.; Mitteilung vom 15. April 2013, IV-act. 10). Die
Rentenabteilung liess der Beschwerdeführerin den Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt zukommen, worin diese am 18. April 2013
angab, sie wäre aktuell ohne Behinderung zu 100 % als Fabrikarbeiterin erwerbstätig.
Dies sei ihr jedoch aufgrund ihrer Beschwerden (Behinderung und Schmerzen der
Fingergelenke, Müdigkeit, fehlende Konzentration) nicht möglich (IV-act. 11-2). Im
Eingliederungsgespräch vom 23. Oktober 2013 führte sie aus, die Anmeldung sei auf
Anraten der Tochter erfolgt, die bei der IV-Stelle des R._ arbeite. Da sich ihr
Gesundheitszustand stetig verschlechtert habe, habe die Tochter das Beschwerdebild
bei der IV aktenkundig machen wollen. Sie habe früher eine demente Nachbarin bis
zum Tod begleitet (IV-act. 21-2 f.). Anlässlich der Haushaltsabklärung äusserte sich die
Beschwerdeführerin am 16. Dezember 2013 dahingehend, dass sie ohne Behinderung
spätestens seit die Kinder aus dem Haus seien zu 100 % einem Erwerb nachgegangen
wäre. Seit der Ehemann im Jahr 201_ erkrankt sei, habe sich die finanzielle Situation
geändert. Er beziehe seit 2011 eine halbe Rente und arbeite die restlichen 50 % bei
seinem bisherigen Arbeitgeber. Optimalerweise würde sie die dadurch entstandene
Lohneinbusse kompensieren (IV-act. 28-3). Am 1. Februar 2018 beantwortete sie die
entsprechende Frage wiederum dahingehend, dass sie bei vollständiger
Arbeitsfähigkeit zu 100 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde (IV-act. 54). Der
Auftrag an die asim-Begutachtung lautete denn auch, die Arbeitsfähigkeit in einer
Hilfstätigkeit, Pensum 100 %, zu beurteilen, da die Beschwerdeführerin zumindest teil
erwerbstätig sein müsste und keine Kinder im Betreuungsalter oder sonstige
Verpflichtungen habe, die eine Hausfrauentätigkeit notwendig machten (IV-act. 80-2;
IV-act. 95-3,5). Auch anlässlich der internistischen und neurologischen Begutachtung
erklärte die Beschwerdeführerin, sie hätte, nachdem die Kinder ausgezogen seien,
wieder arbeiten wollen, gerne im Service oder in der Küche. Dies sei aber schon
damals, vor etwa 12 Jahren, wegen des Rheumas nicht möglich gewesen (IV-
act. 95-24, 26, 53). Der die Wiederanmeldung bezüglich berufliche Massnahmen
bearbeitende Sachbearbeiter qualifizierte die Beschwerdeführerin weiterhin als zu
100 % erwerbstätige Hilfsarbeiterin (IV-act. 97-2), wies das Gesuch ab (Mitteilung vom
24. Oktober 2018, IV-act. 99) und überwies den Fall zur Rentenprüfung (IV-act. 97-4;
IV-act. 98). Die dafür zuständige Sachbearbeiterin hielt am 10. Januar 2019 fest, die für
die beruflichen Massnahmen zuständige Abteilung qualifiziere die Beschwerdeführerin
als zu 100 % Erwerbstätige. Dies widerspreche der im Februar 2014 durchgeführten
Abklärung an Ort und Stelle. Schon damals habe nicht nachvollzogen werden können,
dass die Beschwerdeführerin einem 100%igen Erwerb nachgehen würde. Sie sei seit
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1982 nicht mehr arbeitstätig gewesen und habe nicht nachweisen können, dass sie
sich aktiv um eine Stelle bemüht hätte, nachdem die Kinder selbständig gewesen
seien. Das Rentengesuch sei mit der Qualifikation 100 % Hausfrau rechtskräftig
abgewiesen worden. Zur Klärung der Qualifikation sei eine erneute Abklärung an Ort
und Stelle angezeigt (IV-act. 100). Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit / Haushalt führte die Beschwerdeführerin aus, sie würde aktuell ohne
gesundheitliche Einschränkung eine Erwerbstätigkeit im Ausmass von 100 % als Q._,
in S._ oder T._ ausführen. Sie habe sich seit 2010 sporadisch / mündlich in
schmerzfreien Phasen bei diversen Gastrobetrieben und ehemaligen Kunden ihres
Ehegatten beworben (IV-act. 104-1 f.). Sie wies wiederum auf die seit 2010 veränderte
finanzielle Situation hin und führte dazu aus, der Ehemann sei seit Oktober 2017
arbeitslos und erhalte zu 50 % eine IV-Rente. Einkommens- und Rentenausgleich seien
auch zukunftsgerichtet. Sie wünsche sich eine Arbeitstätigkeit ausserhalb des
haushälterischen Bereichs und ein eigenes Einkommen. Es wäre optimal, wenn die seit
2011 entstandene finanzielle Einbusse vermindert werden könnte (IV-act.110-4). Eine
Erwerbstätigkeit würde ihrer Freude am Umgang mit anderen Menschen und ihrem
Teamdenken entsprechen, die Selbstsicherheit fördern und ihr ermöglichen, auch mit
einem eigenen Einkommen zum Familienwohl beizutragen, sich ab und zu ein paar
Erholungs-/Urlaubstage zu gönnen oder kleinere Geschenke zu kaufen und die öV-
Kosten für Arztbesuche zu bestreiten helfen (IV-act. 110-9 f.). Mit Beschwerde macht
sie zusätzlich geltend, es treffe nicht zu, dass sie seit 1982 keiner Erwerbstätigkeit
nachgegangen sei. Von 2000 bis 2006 habe sie im familieneigenen Nebenbetrieb Z._
mitgearbeitet. Sie sei an der Firma auch beteiligt gewesen. Einen Lohn dafür habe sie
nicht bezogen. Von 2004 bis 2012 habe sie anfänglich zusammen mit ihrem Ehemann
eine betagte Nachbarin gepflegt. Die Betreuung habe mindestens 2,5 Stunden täglich
an sieben Tagen in der Woche und ab Oktober 2011 rund 5 Stunden täglich umfasst.
Sie habe auf diese Tätigkeiten hingewiesen, weitere Abklärungen seien aber nicht
erfolgt (vgl. hierzu auch das Vorbringen in der Replik, wonach sie zu diesen Tätigkeiten
nicht befragt worden und sich deren Bedeutung für die Qualifikation nicht bewusst
gewesen sei, act. G 6). Diesbezüglich bestätigte Dr. med. O._, Facharzt für
Allgemeine Medizin, am 5. Dezember 2013, die durch ein Augenleiden massiv
eingeschränkte Frau V._ habe nur noch dank der täglichen Mithilfe und Betreuung
der Beschwerdeführerin ab Mai 2004 in ihrem Wohnhaus wohnhaft bleiben können.
Bedingt durch die eingeschränkte Sehfähigkeit sei es auch zu wiederholten Stürzen
und Verletzungen gekommen. Frau V._ sei intensivst zu Hause betreut worden bis
zum 17. Dezember 2012. Die angegebene tägliche Betreuungszeit von zweieinhalb
Stunden sei aus medizinischer Sicht adäquat und in den letzten Jahren deutlich höher
gewesen (act. G 1.1.2).
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Die Beschwerdegegnerin bzw. ihr Rechtsdienst hält dem entgegen, die
Beschwerdeführerin sei seit Dezember 1980 keiner relevanten Erwerbstätigkeit mehr
nachgegangen, habe im Jahr 1982 geheiratet und 1982 einen Sohn und 1985 eine
Tochter geboren. Als diese selbständig geworden seien, habe sie keine
Erwerbstätigkeit aufgenommen, und, wovon auszugehen sei, keine Stellenbemühungen
unternommen. Hätte sie bereits 2011 einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollen, hätte
sie sich nicht erst am 20. Februar 2013 zum Leistungsbezug angemeldet oder
zumindest entsprechende Stellenbemühungen nachweisen können. Die Verfügung vom
15. Mai 2014, worin sie als im Haushalt tätig qualifiziert wurde, sei unangefochten in
Rechtskraft erwachsen. Auch danach sei sie keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen.
Weiter habe sie während des aktuellen Verfahrens keine beruflichen Massnahmen
gewünscht und sich gegen den Abschluss des Verfahrens um berufliche Massnahmen
nicht zur Wehr gesetzt. Es sei naheliegend, dass sie bei den entsprechenden Angaben
anlässlich der Haushaltsabklärungen von ihrer als Sachbearbeiterin bei einer IV-Stelle
arbeitenden Tochter instruiert worden sei. Es widerspreche der allgemeinen
Lebenserfahrung, dass eine Person, welche in ihrem bisherigen Arbeitsleben noch nie
ein 100%iges Erwerbspensum erfüllt habe, im Alter von über fünfzig Jahren noch eine
100%ige Erwerbstätigkeit aufnehme (IV-act. 139-4 f.; act. G 4).
3.3.
Die Kinder der Beschwerdeführerin wurden 198_ und 198_ geboren. Von daher
scheint plausibel, dass sie ab dem Jahr 2000 in einem gewissen Ausmass für das
Familienunternehmen tätig war und anschliessend mit steigendem Aufwand in den
Jahren 2006 bis zum 17. Dezember 2012 die betagte Nachbarin betreute (act. G 1.3).
Dass sich die Beschwerdeführerin bereits im September 2012 in fachärztliche
Behandlung begab (Arztbericht Dr. B._ vom 1. Mai 2013, IV-act. 12), vermag am
Inhalt des Zeugnisses von Dr. O._ keine grundlegenden Zweifel zu begründen. Die
Angaben der Beschwerdeführerin hinsichtlich ihrer Erwerbstätigkeit im hypothetischen
Gesundheitsfall sind konstant und kohärent. Mit Blick auf die fehlende Ausbildung und
geringe Arbeitserfahrung dürfte die Beschwerdeführerin zudem lediglich ein
bescheidenes Einkommen wahrscheinlich unterhalb des durchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnen-Niveaus erzielen. Zu den Einkommensverhältnissen erklärte sie 2014,
der Ehemann arbeite zu 50 % bei seinem bisherigen Arbeitsgeber. Sein
Nettoeinkommen einschliesslich Rente betrage Fr. 5'800.--. Ausgaben seien
Hypothekarzinsen von Fr. 970.-- und Krankenkassenprämien von Fr. 850.-- (IV-
act. 28-3). Anlässlich der Haushaltsabklärung 2019 führte sie aus, der Ehemann sei
arbeitslos. Sein Einkommen belaufe sich auf Fr. 5'562.-- (Fr. 1'277.-- BVG-Rente,
Fr. 1'165.-- IV-Rente, Fr. 3'100.-- Arbeitslosentaggelder; IV-act. 104-2). Als arbeitsloser
Teilinvalidenrentenbezüger (mit ohnehin nicht über dem Hilfsarbeiterniveau liegenden
3.4.
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Einkommensmöglichkeiten) erscheint seine Vermittelbarkeit alters- und
gesundheitsbedingt deutlich erschwert und er müsste damit rechnen, keine neue Stelle
mehr zu finden und in absehbarer Zeit bei der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert
zu werden. Dies würde die finanzielle Situation der Ehegatten nochmals zusätzlich
erschweren. Am 5. April 2019 ergänzte die Beschwerdeführerin ihre Angaben anlässlich
der Haushaltsabklärung dahingehend, dass eine Erwerbstätigkeit ihrer Freude am
Umgang mit anderen Menschen und ihrem Teamdenken entsprechen, die
Selbstsicherheit fördern und ihr ermöglichen würde, auch mit einem eigenen
Einkommen zum Familienwohl beizutragen, sich ab und zu ein paar Erholungs- /
Urlaubstage zu gönnen oder kleinere Geschenke zu kaufen. Sie habe
Krankenkassenkosten von etwa Fr. 1'400.-- jährlich und auch die Mobilität (kein öV-
Angebot in der Nähe) verursache für die vermehrten Arztbesuche Kosten (IV-
act. 110-9 f.). Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit durch die Beschwerdeführerin ist
insgesamt auch aus finanzieller Sicht wenn auch nicht zwingend, so doch zumindest
plausibel. Der Eingliederungsverantwortliche hielt am 24. Oktober 2013 fest, eine
Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt werde neben dem Gesundheitszustand
auch durch die fehlenden Ausbildungsressourcen beeinträchtigt. Scheinbar seien
bisher auch noch keine Bewerbungen geschrieben worden, da die Aussicht auf eine
Anstellung als eher unwahrscheinlich eingestuft worden sei. Dies könne er nicht
widerlegen, da die Beschwerdeführerin über eine sehr grosse Arbeitsmarktferne
verfüge, sich kaum mehr in einen Leistungsbetrieb eingliedern liesse und ohne Hand-
und Fingereinsatz keine Vermittlungsfähigkeit vorliege (IV-act. 21-3). Diese Aussage
zeigt, dass er faktisch nicht von einer Qualifikation als Hausfrau, sondern als potentiell
Erwerbstätige, wenn auch ohne gute Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt, ausging.
Sie nimmt massgeblich Bezug auf die Situation nach Eintritt des
Gesundheitsschadens, welcher Aspekt jedoch der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit zuzuordnen ist. Am 24. Oktober 2018 wurden berufliche
Massnahmen mit der Begründung abgeschlossen, bei der Wiederanmeldung handle es
sich um ein reines Rentengesuch (IV-act. 98), und nicht, weil die Beschwerdeführerin
als Hausfrau zu qualifizieren sei. Was die von der Beschwerdegegnerin angeführte
Beratung der Beschwerdeführerin durch ihre Tochter anbelangt, ist in Betracht zu
ziehen, dass dies nicht rechtswidrig ist und auch versicherte Personen, die über keine
fachkundigen Angehörige oder Freunde verfügen, die Möglichkeit haben, sich dieses
Wissen beispielsweise in Beratungsstellen abzuholen. Dass im vorliegenden Fall die
Möglichkeit besteht, dass die Tochter der Beschwerdeführerin zu den getätigten
Aussagen geraten haben könnte, darf nicht zu einer strengeren Betrachtung führen als
in Fällen, in denen die versicherte Person ebenfalls Ratschläge erhalten haben könnte,
darauf aber keinerlei Hinweise bestehen. Ins Gewicht fällt insbesondere, dass die
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4.
Zu prüfen bleibt die Beweistauglichkeit des asim-Gutachtens vom 3. Oktober 2018 und
des rheumatologischen Gutachtens vom 2. November 2019.
Beschwerdeführerin - wie vorstehend in E. 3.2 ausführlich geschildert - von Anfang an
und durchwegs konstant dieselben Angaben gemacht hat und ebenso, dass die
Einschränkungen schon seit geraumer Zeit bestanden hatten. Gesamtbetrachtend ist
die Beschwerdeführerin damit als Erwerbstätige zu qualifizieren.
Der rheumatologische asim-Gutachter erhob anlässlich seiner Untersuchung im
Juni 2018 ausgeprägte Heberden- und Bouchard-Arthrosen. Die MCP-Gelenke seien
etwas verdickt. Aktuell finde sich kein palpabler Erguss. Die Greifkraft sei deutlich
vermindert. Das Gaenslen-Zeichen sei an Händen und Füssen positiv (IV-act. 95-42).
Entsprechend den klinischen Befunden, den anamnestischen Angaben (z.B.
Morgensteifigkeit von lediglich 10 Minuten Dauer, was ebenfalls gegen ein
entzündliches Geschehen spreche), den Laborbefunden und auch den radiologischen
Berichten werde die Diagnose einer schweren und progredient verlaufenden
Fingerpolyarthrose bestätigt. Es bestünden erhebliche Funktionseinbussen aufgrund
der Schmerzsituation mit entsprechendem Kraftverlust und eine verminderte
Beweglichkeit der Gelenke mit fehlendem Faustschluss beidseits. Im Haushalt sei die
Beschwerdeführerin entsprechend dem klinischen Befund in nachvollziehbarer Weise
erheblich beeinträchtigt. Insbesondere könne sie keine feinmotorischen Arbeiten
ausführen und benötige Hilfsmittel (z.B. dickere Griffe als üblich; IV-act. 95-43).
Aufgrund der Fingerpolyarthrosen sei die Beschwerdeführerin als Hausfrau seit März
2015 andauernd um mindestens 50 % eingeschränkt (IV-act. 95-44). In einer
adaptierten Tätigkeit betrage die Einschränkung geschätzt 40 %, da auch in einer
solchen gewisse Tätigkeiten mithilfe der Hände verrichtet werden müssten (IV-
act. 95-5, 45). Der RAD-Arzt Dr. L._ befand am 15. Oktober 2018, auf das Gutachten
könne abgestellt werden. Für Tätigkeiten, die möglichst wenig manuelle Anteile
beinhalteten, bestehe aus rheumatologischer Sicht eine Einschränkung von 40 % (IV-
act. 96).
4.1.
In Anbetracht der von Dr. F._ im Verlaufsbericht vom 29. Mai 2019 geltend
gemachten (weiteren) gesundheitlichen Verschlechterung, der angegebenen praktisch
aufgehobenen Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten und der schlechten Prognose
(IV-act. 109-6 f.) erachtete der RAD-Arzt Dr. L._ am 24. Juli 2019 eine weitere
rheumatologische Begutachtung als erforderlich (IV-act. 112). Die Zweitgutachterin
Dr. M._ erhob im Oktober 2019 inspektorisch unauffällige Fingergelenke ohne
4.2.
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palpatorische Druckdolenz mit beidseitig negativem Gaenslen-Zeichen. Der
Faustschluss sei beidseitig vollständig und die Faustschlusskraft symmetrisch (IV-
act. 123-22). Radiologisch zeigten sich typische Deformitäten im Sinne von Heberden
und Bouchard Knoten, Gelenksspaltverschmälerungen bis Aufhebung in Vergröberung
der Gelenke durch Knochenanbauten. Bei der Beschwerdeführerin liege eine
(generalisierte) idiopathische Polyarthrose vor (Heberden-, Bouchard-, Spondylarthrose
der LWS, beginnende Coxarthrose und Zehengelenksarthrose; IV-act. 123-23 f.). Zur
Einschränkung im Haushalt führte die Gutachterin aus, grundsätzlich könne die
Beschwerdeführerin ihren Haushalt und Alltag bewältigen. Ihre funktionellen
Einschränkungen an den Händen kompensiere sie mit Hilfsmitteln; sie habe sich
Spezialbesteck, spezielle Flaschenöffner und Putzhilfen zugelegt. Insgesamt benötige
sie mehr Zeit und viele Pausen und die Qualität ihrer Tätigkeit sei nicht so gut, wie die
Beschwerdeführerin es sich wünsche. Zur Entlastung könne die Beschwerdeführerin
auf die Hilfe ihrer Tochter zählen (IV-act. 123-27). In der bisherigen Tätigkeit - gemeint
offensichtlich im Aufgabenbereich des Haushalts - bestehe unverändert seit März 2015
eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (IV-act. 123-29). Die (geltend gemachte)
Bruttoeinschränkung im Haushalt von 60,3 % sei nicht plausibel nachvollziehbar. Die
Beschwerdeführerin könne noch einige Haushaltstätigkeiten verrichten, aber nicht so
gut, und erhalte deswegen Unterstützung. Während der schmerzhaften Schübe seien
diese Tätigkeiten für ca. fünf bis sieben Tage nicht möglich (IV-act. 123-31). In einer
angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 40 % arbeitsunfähig (IV-
act. 123-29). Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass sich der
Gesundheitszustand seit den gutachterlichen Untersuchungen im Juni 2018 anhaltend
und relevant und mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verändert habe (IV-act. 123-30).
Die rheumatologischen gutachterlichen Einschätzungen stimmen insoweit überein,
als dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit März 2015 unverändert
ist. In adaptierten Tätigkeiten besteht sodann nach beiden Expertisen eine
Arbeitsfähigkeit von 60 %. Aufgrund des schwankenden bzw. schubweisen
Krankheitsverlaufs ist auch nachvollziehbar, dass die rheumatologischen Experten trotz
unterschiedlicher Befunde zur selben Einschätzung gelangten. Die Beurteilung scheint
auch mit Blick auf die Häufigkeit der Schübe, welche gemäss der Versicherten ca. alle
Monate für vier bis fünf Tage aufträten (IV-act. 95-51), plausibel. Dr. F._ führte aus,
die Beschwerdeführerin sei "hart im Nehmen" und habe sie nicht bei jedem Schub
konsultiert. Sie hatte im Jahr 2016 vier und im Jahr 2017 drei Schübe aufgeführt, die zu
einem Arztbesuch geführt hatten (Bericht vom 2. März 2018, IV-act. 61). Diese finden
aber offenbar nur statt, wenn die von der Beschwerdeführerin zunächst selbständig
vorgenommene Anpassung der Medikation (Voltaren, Kortison) die Beschwerden nicht
4.3.
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5.
Zu prüfen bleibt die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit.
mehr hinreichend einzudämmen vermag (vgl. IV-act. 95-51). Plausibel erscheint
schliesslich, dass im freien Arbeitsmarkt Hilfsarbeiten nachgefragt werden, auf die sich
die Beschwerden weniger stark auswirken als im Haushalt.
Die internistische Gutachterin fasste sich zwar knapp, berücksichtigte aber in der
Anamnese die im April 2017 behandelte nicht stenosierende Koronarsklerose bzw. die
entsprechenden Befunde und diagnostizierte diese als die Arbeitsfähigkeit nicht
beeinträchtigenden Gesundheitsschaden, was angesichts der von der
Beschwerdeführerin diesbezüglich angegebenen Beschwerdefreiheit einleuchtet
(vgl. IV-act. 95-4, 25 ff.; Austrittsbericht der Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals
St. Gallen [KSSG] vom 5. April 2017, IV-act. 95-63 ff.). Die psychiatrische Gutachterin
erhob einen weitgehend unauffälligen psychopathologischen Befund mit berichteter
leichter Energielosigkeit. Sie führte aus, in somatischer, nicht aber in psychologischer
oder psychiatrischer Hinsicht bestehe eine deutliche Fokussierung bzw. ein hoher
Leidensdruck (IV-act. 95-34). Die Beschwerdeführerin sei im Jahr 2017 während einiger
Monate in psychiatrischer Behandlung gewesen und habe anamnestisch eventuell eine
depressive Stimmung aufgewiesen, die am ehesten im Rahmen einer
Anpassungsstörung zu interpretieren sei (IV-act. 95-34). Dass aus psychiatrischer Sicht
somit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht (IV-act. 95-35), erscheint
nachvollziehbar. Die neurologische Gutachterin führte aus, bei der Explorandin
bestünden derzeit keine Hinweise auf neurologische Ausfallssymptome oder eine
allfällige neurologische Mitbeteiligung bei rheumatologischer Grunderkrankung. Es
fanden sich weder anamnestisch noch aktenanamnestisch Hinweise für eine allfällige
assoziierte Polyneuropathie, noch Hinweise für eine vaskulitische periphere oder
zentrale Beteiligung des Nervensystems (IV-act. 95-56). Klinisch sei die
rheumatologische Symptomatik führend (IV-act. 95-57). Folgerichtig attestierte die
neurologische Gutachterin keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 95-57).
Die gutachterlichen Einschätzungen erweisen sich damit als beweistauglich. Es ist
insbesondere davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten
Tätigkeit zu 40 % arbeitsunfähig ist.
4.4.
Die Möglichkeit einer versicherten Person, das verbliebene Leistungsvermögen auf
dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt von den konkreten
Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend sind rechtsprechungsgemäss die Art und
Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare
5.1.
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Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die
Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder die Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich. Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich um eine
theoretische Grösse, so dass nicht leichthin angenommen werden kann, die
verbliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar. Er umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers rechnen können. Unverwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit ist insbesondere dann anzunehmen, wenn die zumutbare
Tätigkeit in nur so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Ent
gegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil
des Bundesgerichts vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020, E. 4 mit Verweisen). An die
Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten betreffend Verweistätigkeiten sind
rechtsprechungsgemäss keine übermässigen Anforderungen zu stellen (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Dezember 2016, 9C_469/2016, E. 3.2). Massgebend für die
Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist der Zeitpunkt des
Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit. Dies ist
gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine zuverlässige
Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 V 461 f. E. 3.3 f.).
Für die Beurteilung der Verwertbarkeit massgebend ist vorliegend der Zeitpunkt
der Begutachtung von Dr. M._ am 15. Oktober 2019. Die Beschwerdeführerin war
damals rund 61 1/2 Jahre alt. Der rheumatologische Gutachter des asim formulierte
folgendes Belastungsprofil: Eine angepasste Tätigkeit müsste möglichst wenige
manuelle Arbeiten beinhalten. Allenfalls könnten Kontrollaufgaben oder Tätigkeiten im
Telefonbereich mit einem Headset teilzeitlich ausgeführt werden. Es sei aber auch hier
zu beachten, dass ein vermehrter Zeitaufwand und gegebenenfalls auch eine
vermehrte Pausenbedürftigkeit bestehe aufgrund der Ruheschmerzen im Bereiche der
Hände mit Zunahme bei manuellen Tätigkeiten, d.h. auch beim Schreiben (IV-
act. 95-45). Die Zweitgutachterin hielt fest, angepasst seien manuell nicht
anspruchsvolle Tätigkeiten ohne erforderliche Feinmotorik und Krafteinsatz (IV-
act. 123-29).
5.2.
Aus den Arbeitsfähigkeitseinschätzungen geht hervor, dass die angepasste
Tätigkeit geringere Anforderungen an die Funktionalität der Hände zu stellen hat als die
frei einteilbare Haushaltstätigkeit. Die vom rheumatologischen Gutachter erwähnten
5.3.
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6.
Tätigkeiten zeigen, dass trotz der Einschränkungen mögliche Arbeitsbereiche
existieren. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführerin die Fähigkeit, ein Motorfahrzeug zu lenken, nicht abgesprochen
wurde. Dies legt nahe, dass von einer praktisch nicht mehr gegebenen Funktionalität
der Hände nicht auszugehen ist. Dass die Beschwerdeführerin seit Langem keiner
Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen ist, darf nicht zugunsten einer Unverwertbarkeit
berücksichtigt werden, soweit die Absenz vom Arbeitsmarkt nicht gesundheitlich
bedingt war (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Dezember 2019, 8C_563/2019,
E. 5.3; kritisch Ph. Egli / M. Filippo / Th. Gächter / M. E. Meier, Grundprobleme der
Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, 2021, Rz. 172). Auch in diesem
Kontext ist auf ein jüngeres Urteil zu verweisen, in dem das Bundesgericht bei einer 60-
jährigen, ebenfalls an einer Polyarthrose an Fingern und Handgelenken leidenden, seit
Aufgabe einer Heimarbeit im Jahr 1995 nicht mehr erwerbstätig gewesenen
Versicherten die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit von 85 % bejaht hatte (Urteil
vom 9. Juni 2021, 8C_55/2021, E. 5.2). In Anbetracht der vom Bundesgericht selbst als
streng bezeichneten Rechtsprechung (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts
6. Januar 2020, 9C_797/2019, E. 5 mit Hinweisen) ist gesamtbetrachtet gerade noch
von einer gegebenen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
auszugehen.
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt
und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Der Invaliditätsgrad ist durch Prozentvergleich (BGE
114 V 310 E. 3a S. 312 f.; Urteil 9C_804/2016 vom 10. April 2017 E. 2.2; Meyer/
Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, S. 323 f.) zu
ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder
nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall
zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten
hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese
Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so
liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den
Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40
Prozent (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des
Bundesgerichts vom 24. Januar 2019, 9C_492/2018, E. 4.3.2, mit Verweisen). Die
6.1.
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Beschwerdeführerin erzielte lediglich in den Jahren 1976 bis 1982 geringe
Jahreseinkommen von bis zu Fr. 17'000.-- (IK-Auszug, IV-act. 43). Auch aktuell übt sie
keine Erwerbstätigkeit aus, weshalb der Invaliditätsgrad durch einen Prozentvergleich
zu bestimmen ist.
6.2.
Der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin erwog in der Stellungnahme vom
5. Mai 2020, falls die Beschwerdeführerin entgegen seiner Auffassung als
Erwerbstätige zu qualifizieren wäre, wäre unter Berücksichtigung des Alters der
Versicherten, des noch möglichen Leistungsprofils, der fehlenden Ausbildung, der
fehlenden Berufserfahrung und der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ein
Tabellenlohnabzug von 20 % zuzulassen (IV-act. 139-6 f.).
6.2.1.
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 %
gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau
nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit einem unterdurchschnittlichen erwerblichen
Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 146 V 16 E. 4.1). Nach der Rechtsprechung hängt
die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtsprechung gewährt
insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte
Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 146 V 16 E. 4.1). Sind hingegen leichte bis
mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein deswegen auch bei eingeschränkter
Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der Tabellenlohn
Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2017, 8C_805/2016, E. 3.4.2). Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung dürfen lohnwirksame Nachteile des
fortgeschrittenen Alters bei einer gesundheitsbedingten beruflichen Umorientierung
nicht abstrakt, einzig unter Hinweis auf das fortgeschrittene Alter, beurteilt werden,
6.2.2.
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sondern es ist immer unter Berücksichtigung aller konkreten Umstände des Einzelfalles
zu prüfen, ob das Kriterium «Alter» einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt. Dies gilt
insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (BGE 146 V 26, E. 7.2.1).
Die Beschwerdeführerin befindet sich in einem Alter, in welchem in Kombination
mit ihrer gesundheitlichen Einschränkung bereits die Verwertbarkeit der Restarbeits
fähigkeit fraglich erscheint. Von einer solchen wurde jedoch - wie vorstehend in E. 5.3
dargetan - gerade noch ausgegangen. Die Einschränkung durch die fehlende
Beweglichkeit und die Schmerzen der Hände wurde zwar in der gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt und kann sich daher nicht nochmals auf den
Tabellenlohnabzug auswirken. Jedoch ist der Kreis möglicher Tätigkeiten durch die
beidhändigen Einschränkungen gegenüber demjenigen des Kompetenzniveau 1
zusätzlich eingeschränkt. Sodann anerkennt die Rechtsprechung auch aufgrund eines
schubartigen Krankheitsverlaufs, wie er vorliegend ausgewiesen ist, einen
Tabellenlohnabzug. Weiter ist in Kombination mit dem Alter der Beschwerdeführerin
auch zu beachten, dass sie bislang nie in grösserem Ausmass und längerdauernd
berufstätig war und in Anbetracht dieser Umstellung ein potentieller Arbeitgeber kaum
bereit sein dürfte, ihr einen durchschnittlichen Lohn auszurichten. In Anbetracht der
gerade noch gegebenen Verwertbarkeit sowie der genannten Kriterien rechtfertigt sich
ein vergleichsweise hoher Tabellenlohnabzug von 20 % (wie ihn auch der Rechtsdienst
zugelassen hätte, vgl. IV-act. 139-7).
6.2.3.
Bei einer Arbeitsfähigkeit von 60 % und einem Tabellenlohnabzug von 20 %
resultiert ein Invaliditätsgrad von 52 % (1- [0,8 x 60 %]). Die Beschwerdeführerin hat
daher Anspruch auf eine halbe Rente.
6.3.
Nachdem im Rahmen der ersten IV-Anmeldung 2013 kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ermittelt worden und damals kein
Rentenanspruch entstanden war, besteht ein allfälliger Rentenanspruch aufgrund der
Wiederanmeldung vom 5. November 2017 frühestens nach Ablauf der Halbjahresfrist
von Art. 29 Abs. 1 IVG ab 1. Mai 2018. Die Gutachter terminierten den Eintritt der
gesundheitlichen Verschlechterung und damit der 40%igen Arbeitsunfähigkeit
übereinstimmend und nachvollziehbar auf den März 2015, so dass in den zwölf
Monaten vor dem 1. Mai 2018 eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 40 %
jedenfalls rechtsgenüglich ausgewiesen und das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG (BGE 142 V 550 f. E. 3.1 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Februar 2016,
9C_942/2015, E. 3.3.3) damit erfüllt ist. Somit besteht der Anspruch auf eine halbe
Rente ab 1. Mai 2018.
6.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/23
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St.Galler Gerichte
7.