Decision ID: 79b44b2f-fdab-5ac5-b17e-c34a688e28d2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 29. Juni 2016 in der Schweiz um Asyl
nach und wurde am 22. Juli 2016 im Rahmen der Befragung zur Person
(BzP, Akten SEM A13/12) zu seinen persönlichen Verhältnissen, summa-
risch zu seinen Asylgründen sowie zum Reiseweg befragt. Mit Verfügung
des SEM vom 25. Oktober 2016 wurde das Dublin-Verfahren bezüglich Ita-
lien (aus humanitären Gründen) beendet und angeordnet, das nationale
Asyl- und Wegweisungsverfahren in der Schweiz durchzuführen. Das SEM
hörte den Beschwerdeführer am 30. August 2017 vertieft zu seinen Asyl-
gründen an (A28/27).
Zu seinem persönlichen Hintergrund führte er aus, er sei B._ gebo-
ren worden, sei eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Ethnie und or-
thodoxen Glaubens. Im Jahr 2001 sei seine Familie mit ihm B._
nach Eritrea zurückgekehrt, wo er fortan zusammen mit seinem Vater, sei-
ner Stiefmutter und seinen Geschwistern gelebt habe. Er habe dort ein
Grundstück besessen und dieses als Landwirt bewirtschaftet.
Zur Begründung seines Asylgesuches brachte er im Wesentlichen vor, er
sei in der (...) Runde im (...) in den Militärdienst eingezogen worden und
für vier Monate zur Militärausbildung nach C._ gekommen. Darauf
sei er eingeteilt und in D._ stationiert worden. Im Rahmen des Mili-
tärdienstes habe er zudem als (...) gearbeitet. Im Jahre 2007 habe er sich
unerlaubt von der Einheit entfernt und sich in seinen Wohnort begeben, um
auf den Feldern zu arbeiten. Am 1. Juli 2007 sei er vom Militär zuhause
abgeholt, ins Gefängnis nach E._ gebracht und in der Folge zu vier
Jahren Haft verurteilt worden. Im Gefängnis von E._ habe er die
Schule bis zur 6. Klasse nachbesucht. Während der Haft sei er auch mal-
trätiert worden. Am 1. Januar 2011 sei er aus dem Gefängnis entlassen
und zu seiner Einheit zurückgeführt worden. Am 15. Januar 2011 habe er
sich erneut unerlaubt vom Dienst entfernt und sei in sein Heimatdorf zu-
rückgekehrt, wo er wiederum in der Landwirtschaft gearbeitet habe. Am 1.
April 2011 sei er von seiner Einheit zu Hause aufgegriffen worden. Unmit-
telbar bei der anschliessenden Abführung habe er die Flucht ergreifen wol-
len, woran er aber durch einen Schuss in sein Bein gehindert worden sei.
Sein Vorgesetzter habe ihm sogleich nach dem Vorfall und vor Ort eine
Infusion gegeben und ihn versteckt. Später habe er in Barentu Blut erhalten
und er sei ins Spital gebracht worden. Er habe vier Monate im Spital ver-
bracht, worauf er sich zum Wohnort seiner Cousine A. begeben habe. Dort
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habe er bis zu seiner Ausreise aus Eritrea gelebt. Aufgrund seiner Gehbe-
hinderung habe er nicht arbeiten können. In dieser Zeit habe er seine Part-
nerin kennengelernt. Am 7. Mai 2012 sei er mit dieser aus Eritrea ausge-
reist und ins Lager von F._ im Sudan gelangt, wo er gleichentags
als Flüchtling registriert und auch medizinisch behandelt worden sei. Nach
einem Jahr und acht Monaten habe er sich aufgrund der Sicherheitslage
im Lager entschieden, mit seiner Partnerin nach Khartum zu ziehen. Nach-
dem sie nach Libyen weitergereist seien, hätten sie am 24. April 2016 mit
ihren beiden in der Zwischenzeit geborenen Kindern ein Boot in Richtung
Italien bestiegen. Auf der Überfahrt sei das Boot gesunken, wobei seine
Frau und seine Kinder ihr Leben verloren hätten. Er selbst habe sich retten
können und sei mit Hilfe der Küstenwache am 28. April 2016 nach Italien
gelangt.
B.
Einem Schreiben an das SEM vom 11. April 2019 legte der Beschwerde-
führer nebst einer Vollmacht seiner Rechtsvertretung eine Kindsanerken-
nung vom 26. Februar 2018 für seine in der Schweiz geborene Tochter bei.
Zudem reichte er eine Bestätigung ein, die ihm das Vorliegen von Proble-
men in psychologischer Hinsicht attestierte. Im Weiteren gab er vier Fotos
bezüglich seiner Teilnahme an Demonstrationen ([...]) und ein Foto, das
ihn in Militärkleidung zeigt, zu den Akten.
C.
Mit Schreiben vom 2. Oktober 2019 forderte das SEM den Beschwerde-
führer auf, einen aktuellen Arztbericht einzureichen. Dieser Aufforderung
kam er mit Schreiben vom 11. November 2019 nach.
D.
Mit Schreiben vom 26. November 2019 bat das SEM den Beschwerdefüh-
rer, innert Frist einige Fragen die Beziehung seiner Tochter betreffend zu
beantworten. Zudem gewährte es ihm das rechtliche Gehör zur Ungereimt-
heit zwischen seinen Angaben in der Bundesanhörung und dem medizini-
schen Bericht, in dem angeführt worden sei, er habe die Schussverletzung
am Bein im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen im Sudan erlit-
ten. Der Aufforderung zur Stellungnahme kam er unter Beilage zahlreicher
Fotos fristgerecht nach.
E.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2019 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7
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AsylG (SR 142.31) sowie Art. 51 AsylG nicht, lehnte das Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Da der Vollzug seiner
Wegweisung in Nachachtung des Grundsatzes der Einheit der Familie zur-
zeit nicht zulässig sei, werde er vorläufig aufgenommen.
Zur Begründung führte das SEM mit Verweisen auf die entsprechenden
Aktenstellen im Wesentlichen aus, aufgrund widersprüchlicher, unsubstan-
ziierter und ausweichender Angaben stehe bereits die Identität und Biogra-
fie des Beschwerdeführers unter Zweifel. Auch seine Ausführungen zum
Militärdienst seien im Allgemeinen kaum erlebnisgeprägt, unsubstanziiert,
pauschal und ausweichend ausgefallen. Trotz mehrfacher Nachfrage habe
er weder genaue noch konkrete Angaben zu seiner dreijährigen Tätigkeit
oder zu seinem Alltag zu machen vermocht (A28/27, S. 13 f.). Auch was
seine Inhaftierung betreffe, seien grosse Zweifel angebracht. Zudem sei
die zweite Mitnahme im April 2011 als unglaubhaft zu qualifizieren. Im Wei-
teren seien seine Angaben zum letzten Jahr vor seiner Ausreise aus Eritrea
widersprüchlich und realitätsfremd ausgefallen. Es könne – hinsichtlich des
teilweise Vorliegens weniger Realkennzeichen in Bezug auf den militäri-
schen Kontext und die Schussverletzung – nicht gänzlich ausgeschlossen
werden, dass er im Verlauf seines Lebens eine militärische Ausbildung
durchlaufen oder Militärdienst geleistet habe sowie im Verlaufe seines Le-
bens von einer Schussverletzung betroffen gewesen sei. Dass sich dies
jedoch im von ihm geschilderten inhaltlichen, insbesondere örtlichen und
zeitlichen Kontext ereignet habe, könne ihm aufgrund der vorgenommenen
Erwägungen nicht geglaubt werden. In Berücksichtigung des gesamten
Aussageverhaltens könne der Verlust seiner Familie nicht als Begründung
für seine widersprüchlichen und unsubstanziierten Ausführungen gelten.
Im Weiteren würden sich aus den Akten in Bezug auf seine Schussverlet-
zung Hinweise für einen anderen Entstehungsrahmen ergehen. So sei
etwa dem medizinischen Bericht vom 21. Februar 2019 zu entnehmen,
dass der Beschwerdeführer während des Krieges im Sudan von der
Schussverletzung betroffen gewesen sei.
Der Beschwerdeführer habe weder durch seine Angaben noch durch seine
eingereichten Beweismittel ein exilpolitisches Profil glaubhaft begründen
oder nachweisen können, wodurch das Vorliegen subjektiver Nachflucht-
gründe zu bejahen wäre.
Gemäss dem Koordinationsurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-
7898/2015 vom 30. Januar 2017 sei nicht mit überwiegender Wahrschein-
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lichkeit davon auszugehen, dass sich eritreische Staatsangehörige auf-
grund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates konfron-
tiert sehen würden, die bezüglich ihrer Intensität und der politischen Moti-
vation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG dar-
stellen würden.
Andere Anknüpfungspunkte, welche den Beschwerdeführer in den Augen
des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könn-
ten, seien nicht ersichtlich.
Vollständigkeitshalber sei zu betonen, dass er auch gemäss seinen eige-
nen Angaben mindestens über ein Jahr vor seiner Ausreise aus Eritrea kei-
nen Kontakt mehr mit den eritreischen Behörden gehabt habe. Er habe
Eritrea verlassen, um – hinsichtlich seiner Gehbehinderung – eine bessere
medizinische Versorgung zu erhalten (A28/27, S. 12, 19).
Das SEM stellte weiter fest, dass im Rahmen einer Gesamtwürdigung zum
aktuellen Zeitpunkt nicht von einer seit langem eheähnlich gelebten part-
nerschaftlichen Beziehung mit der Kindsmutter der Tochter des Beschwer-
deführers gesprochen werden könne; ein gefestigtes Konkubinat liege
demzufolge (noch) nicht vor, so dass ein Einbezug (in die der Kindsmutter
in der Schweiz erteilte Flüchtlingseigenschaft) gemäss Art. 51 AsylG nicht
möglich sei. Mit Entscheid vom 24. September 2018 sei der gemeinsamen
Tochter derivativ der Flüchtlingsstatus zuerkannt und Asyl gewährt worden.
Da eine Person, welcher derivativ die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt
worden sei (Einbezug), ihrerseits die Flüchtlingseigenschaft nicht weiter-
übertragen könne (Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 23), könne der Beschwerdeführer
sodann auch keinen Anspruch auf Familienasyl durch seine Tochter ablei-
ten.
Die Partnerin und die Tochter würden hinsichtlich ihres Asylstatus wohl
über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen, seien aber nicht offen-
sichtlich sozialhilfeunabhängig, so dass auch die Voraussetzung gemäss
Art. 44 Abs. 1 c AIG (SR 142. 20) nicht erfüllt sei.
Vorliegend erachte das SEM den Vollzug der Wegweisung in den Her-
kunfts- beziehungsweise den Heimatstaat oder in einen Drittstaat in Wür-
digung sämtlicher Umstände und unter Berücksichtigung der Aktenlage im
gegenwärtigen Zeitpunkt hinsichtlich des Grundsatzes der Einheit der Fa-
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milie gemäss Art. 44 AsylG als nicht zulässig. Deshalb sei der Beschwer-
deführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Auf eine Prüfung weiterer
Vollzugshindernisse könne vor diesem Hintergrund verzichtet werden
(vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 21. Januar 2020 gelangte der Beschwerde-
führer durch seine Rechtsvertreterin an das Bundesverwaltungsgericht und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei bezüglich der Verweigerung
der originären Anerkennung als Flüchtling sowie der Asylgewährung auf-
zuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen
und ihm Asyl zu gewähren. Es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung
zu gewähren und die unterzeichnende Juristin als amtliche Rechtsbeistän-
din beizuordnen sowie von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzu-
sehen.
Zur Begründung der Beschwerde wird im Wesentlichen vorgebracht, ent-
gegen den Feststellungen der Vorinstanz seien die Ausführungen des Be-
schwerdeführers glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG und würden den An-
forderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhal-
ten.
Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit sei insbesondere der labile gesund-
heitliche Zustand des Beschwerdeführers miteinzubeziehen. Er habe kurz
vor der BzP seine Frau und seine beiden Kinder verloren und habe selbst
nur knapp das Unglück auf dem Mittelmeer überlebt. So habe er sich be-
reits in der BzP dahin geäussert, dass er traumatisiert sei.
Die Vorinstanz habe in der angefochtenen Verfügung keine Gesamtbeur-
teilung aller Glaubhaftigkeitselemente vorgenommen, sondern einzig jene
Indizien berücksichtigt, welche angeblich gegen die Glaubhaftigkeit der
Aussagen des Beschwerdeführers sprechen sollten. Ferner habe die
Vorinstanz die herabgesetzten Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht
hinreichend berücksichtigt. Die Aussagen aus der BzP seien im Vergleich
zu den Aussagen in der Anhörung unverhältnismässig hoch gewichtet und
gleichzeitig dem Gesundheitszustand zu wenig Gewicht beigemessen wor-
den.
In der Beschwerde wird zudem gerügt, durch das SEM sei keine korrekte
Sachverhaltsfeststellung erfolgt. Unter diesem Titel werden verschiedene
Aspekte vorgebracht:
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- Der Beschwerdeführer habe angegeben, der Vorinstanz Kopien der
Identitätskarten seines Vaters sowie seiner Stiefmutter abgegeben zu
haben. Aus dem Aktenverzeichnis werde denn auch ersichtlich, dass
Beweismittel (A 15/1) am 22. Juli 2016 erfasst worden seien. In der BzP
werde lediglich auf den Flüchtlingsausweis aus dem Sudan Bezug ge-
nommen. Leider sei der Unterzeichnenden mit der Akteneinsicht kein
vollständiges Beweismittelverzeichnis mitgeschickt worden, um dies
nachvollziehen zu können.
- Die Vorinstanz habe ebenfalls keine Akteneinsicht in den Bericht ID-
Abklärung (A8/1) gegeben, was im Hinblick auf die vorgebrachten
Zweifel betreffend Herkunft des Beschwerdeführers für die Entscheid-
findung möglicherweise relevant gewesen sei.
- Dem Beschwerdeführer seien keine Fragen bezüglich der Desertion
gestellt worden respektive sei er unterbrochen worden, als er über die
Perspektivlosigkeit im Militärdienst habe berichten wollen (A28/27
F131).
- Zu bemängeln sei auch der Umstand, dass die Akten der beiden in der
Schweiz lebenden Halbbrüder des Beschwerdeführers Z. und M. nicht
beigezogen worden seien.
- Der Vorwurf der Vorinstanz, dass das Verhalten des Beschwerdefüh-
rers respektive der eritreischen Behörden unplausibel sei, schlage ins
Leere. Nicht nachvollziehbares Verhalten der eritreischen Behörden
dürfe auf jeden Fall nicht zum Nachteil des Beschwerdeführers ausge-
legt werden (vgl. auch Urteil D-581/2015 des Bundesverwaltungsge-
richts vom 18. Mai 2015 und EMARK 2004/1).
- Insgesamt lasse die Würdigung der Vorbringen des Beschwerdeführers
auf eine voreingenommene Haltung der Vorinstanz schliessen. Es
scheine, als bürde die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine erhöhte
Beweislast auf, wobei sie selbst den Untersuchungsgrundsatz ungenü-
gend beachte, indem sie den komplexen Sachverhalt nicht korrekt fest-
stelle und würdige.
Abschliessend wird in der Beschwerde in materieller Hinsicht das Fazit ge-
zogen, im Rahmen einer Gesamtwürdigung würden im vorliegenden Fall
die Elemente überwiegen, die für die Korrektheit der Sachverhaltsdarstel-
lung des Beschwerdeführers sprechen würden. Er habe somit glaubhaft
gemacht, dass er inhaftiert und nach vier Jahren freigelassen worden sei,
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sich unerlaubt von seiner Einheit entfernt habe, angeschossen worden,
aus dem Militärspital desertiert und danach definitiv aus Eritrea ausgereist
sei.
G.
Mit Schreiben des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Januar 2020 wurde
dem Beschwerdeführer der Eingang der Beschwerde bestätigt, mit Kopie
an die zuständige kantonale Behörde.
H.
Mit Eingabe vom 5. Februar 2020 wurde ein Arztbericht vom 30. Januar
2020 nachgereicht. Dazu führte der Beschwerdeführer mit Bezugnahme
auf den Bericht im Wesentlichen aus, ihm werde nach ICD-10 eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome und eine Posttraumati-
sche Belastungsstörung diagnostiziert. Die Abklärung in der Sprechstunde
für transkulturelle Psychiatrie sei abgeschlossen und es werde eine ambu-
lante psychiatrisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung empfohlen.
Im Weiteren wurde in der Eingabe ausgeführt, das Bundesverwaltungsge-
richt habe festgehalten, dass sich Posttraumatische Belastungsstörungen
auf das Aussageverhalten der traumatisierten Person auswirken könnten
und im Rahmen der Beurteilung zu berücksichtigen seien (vgl. Urteil
E-3415/2013 vom 8. April 2014). Dieser Hintergrund müsse bei der Prüfung
der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers mitberücksich-
tigt werden.
In der Beilage befinde sich eine Kopie der "Tassera" seines Vaters A., wel-
che bereits bei der Vorinstanz eingereicht worden sei. Der Beschwerdefüh-
rer habe von der Schweiz aus eine Bestätigung der Einwohnergemeinde
in G., Eritrea, beantragt, dass er nicht verheiratet sei. Diese habe er für die
Anerkennung seiner Tochter hier in der Schweiz benötigt (siehe Be-
schwerde S. 7). Dieses Dokument habe nun vom Zivilstandesamt in
G._ eingeholt werden können und liege in der Beilage vor. Es werde
darin von der Kirche M. in G. bestätigt, dass der Beschwerdeführer, der am
(...) in H._ geboren sei, nicht verheiratet gewesen sei.
Wie bereits in der Beschwerde ausgeführt, habe der Beschwerdeführer
seine Herkunft glaubhaft darlegen können. Die beiden Kopien aus Eritrea
seien dabei lediglich als Hinweise bezüglich seiner vorgebrachten Biogra-
fie zu beurteilen.
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I.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Februar 2020 wurde festgehalten, auf die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung der unter-
zeichnenden Juristin als amtliche Rechtsbeiständin werde zu einem spä-
teren Zeitpunkt eingegangen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wurde verzichtet.
Das SEM wurde eingeladen, sich innert Frist zur Beschwerdesache ver-
nehmen zu lassen.
J.
Mit Vernehmlassung vom 27. Februar 2020 stellte das SEM fest, die Be-
schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-
mittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten.
Es führte dazu im Wesentlichen aus, entgegen der Behauptung der Be-
schwerdeführung sei einerseits das traumatische Ereignis (Verlust von
Ehefrau und Kindern) bei der Beurteilung des Gesuchs berücksichtigt und
im Entscheid unter Punkt II auf Seite fünf abgehandelt worden, anderer-
seits seien die Dossiers der Brüder nachweislich konsultiert worden. Die
schlecht leserlichen Kopien der entwerteten ID-Karten der vermeintlichen
Eltern seien zusammen mit den Kopien von Geburtszertifikaten fälschli-
cherweise nicht ins Beweismitteldossier abgelegt und somit im Entscheid
nicht aufgeführt worden. Diese Eingaben würden die Erwägungen des
SEM jedoch nicht umzustossen vermögen, auch wenn diese im Original
vorliegen würden. Es handle sich dabei weder um rechtsgenügliche Doku-
mente, welche die Identität des Beschwerdeführers zu belegen vermöch-
ten, noch um Beweismittel, welche in Zusammenhang mit den geltend ge-
machten Vorbringen gebracht werden könnten. Im Übrigen verweise das
SEM auf seine Erwägungen (in der angefochtenen Verfügung), an denen
vollumfänglich festgehalten werde.
K.
Mit Verfügung vom 4. März 2020 wurde dem Beschwerdeführer Gelegen-
heit gegeben, innert Frist eine Replik einzureichen.
L.
Mit Eingabe vom 18. März 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehm-
lassung des SEM Stellung. Dabei brachte er vor, die Vernehmlassung der
Vorinstanz lasse die Frage aufkommen, inwiefern die Dossiers der Brüder
des Beschwerdeführers nachweislich konsultiert worden seien und zu wel-
cher Schlussfolgerung diese Konsultation die Vorinstanz habe kommen
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lassen. Hätte dieser Abgleich die Vorbringen des Beschwerdeführers wi-
dersprüchlich erscheinen lassen, so hätte ihm die Möglichkeit zur Stellung-
nahme eingeräumt werden müssen. Andernfalls müsse davon ausgegan-
gen werden, dass auch die Vorbringen der Brüder die Glaubhaftigkeit des
Beschwerdeführers stützen würden. Die Aktenführungspflicht werde aus
dem rechtlichen Gehör abgeleitet gemäss Art. 29 Abs. 2 BV. Sämtliche im
Rahmen des Verfahrens vorgenommenen Erhebungen und entscheidrele-
vanten Tatsachen seien vollständig festzuhalten (BGer, Urteil
8C_322/2010 vom 9.8.2010 E. 3; BGE 130 11 473 E. 4.1 f.; vgl. auch BGE
131 II 670 E.4). Die Vorinstanz habe ihre Pflicht, den Sachverhalt vollstän-
dig und richtig festzustellen sowie angemessen zu würdigen, gemäss
Art. 12 VwVG in casu verletzt.
Die Rechtsvertreterin reichte eine aktualisierte Kostennote zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden
Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG
ins AIG übernommen worden.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.2 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fra-
gen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Weg-
weisungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig
aufgenommen hat.
2.3 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
in Asylsachen auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106
Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Mit der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben.
Ein formelles Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei wegen
Verletzung formaler Rechtsansprüche aufzuheben und an die Vorinstanz
zur erneuten Behandlung, Neubeurteilung und zu neuem Entscheid zu-
rückzuweisen, wird nicht gestellt. Diese Rügen sind dennoch vorab zu prü-
fen, da sie, sollten sie sich als begründet erweisen, allenfalls zu einer Kas-
sation der angefochtenen Verfügung führen könnten. Diesbezüglich ist
festzustellen, dass sowohl in der Beschwerde- wie auch in der Replikschrift
mit der Begründung der entsprechenden Rügen verschiedentlich die As-
pekte der behördlichen Untersuchungspflicht zur Feststellung des richtigen
und vollständigen rechtserheblichen Sachverhalts, des Anspruchs auf hin-
längliche Akteneinsicht als Teilgehalt des in notwendigem Ausmass zu ge-
währenden rechtlichen Gehörs und der behördlichen Pflicht an eine genü-
gende Begründung eines Entscheides mit den Anforderungen an eine ma-
teriell rechtskonforme Würdigung der erhobenen Sachumstände vermengt
werden. Damit werden offenbar die in systematischer Hinsicht wesentlich
unterschiedlichen Aspekte an eine rechtlich nicht zu beanstandende be-
hördliche Verfügung verkannt oder zumindest nicht hinreichend abge-
grenzt.
3.2
3.2.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel
(Bstn. a-e). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mit-
wirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu ge-
hört unter anderem, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken
und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel voll-
ständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen (vgl. BVGE 2011/28
E. 3.4).
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3.2.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht
bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-
widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt
worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-
wesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ / HÄNER /
BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun-
des, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den rechtserheblichen Sach-
verhalt, wie ihn die Vorinstanz festgestellt hat, uneingeschränkt überprüfen
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es ist dazu in dem Masse verpflichtet, als die Be-
schwerdepartei die Sachverhaltsfeststellungen oder die ihr zugrunde lie-
gende Beweiswürdigung als fehlerhaft rügt und sich mit der angefochtenen
Verfügung sachbezogen auseinandersetzt (vgl. CHRISTOPH AUER, Streitge-
genstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltungsrechtlichen
Prozessmaximen, Diss. Bern 1997, S. 79 f.; Urteil des BVGer E-36/2008
vom 30. November 2011, E. 5.1).
3.2.4 Aufgrund der korrekt verlaufenen Anhörungen des Beschwerdefüh-
rers und der Aktenlage ist nicht ersichtlich, inwiefern das SEM nicht pflicht-
gemäss dafür gesorgt hätte, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig abzuklären. Es ist auch nicht erkennbar, dass der rechtserheb-
liche Sachverhalt durch falsche Würdigung von Beweismitteln unrichtig er-
fasst worden wäre. Die entsprechende Rüge ist unbegründet.
3.2.4.1 In der Beschwerde wird eine nicht korrekte Sachverhaltsfeststel-
lung durch das SEM mit der Begründung gerügt, der Beschwerdeführer
habe angegeben, der Vorinstanz Kopien der Identitätskarten seines Vaters
sowie seiner Stiefmutter abgegeben zu haben und aus dem Aktenverzeich-
nis werde denn auch ersichtlich, dass Beweismittel (A15/1) am 22. Juli
2016 erfasst worden seien. Leider sei der Unterzeichnenden mit der Akten-
einsicht kein vollständiges Beweismittelverzeichnis mitgeschickt worden,
um dies nachvollziehen zu können. Damit wird jedoch keine Verletzung der
Untersuchungspflicht des SEM ersichtlich. Es ist zwar zutreffend und wird
vom SEM in seiner Vernehmlassung anerkannt, dass die eingereichten Ko-
pien der ID-Karten der Eltern des Beschwerdeführers im angefochtenen
Entscheid nicht aufgeführt wurden. Es ist jedoch den Ausführungen des
SEM zu folgen, dass es sich bei diesen Eingaben, selbst wenn sie im Ori-
ginal vorliegen würden, weder um rechtsgenügliche Dokumente handelt,
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welche die Identität des Beschwerdeführers belegen, noch um Beweismit-
tel, welche in Zusammenhang mit den geltend gemachten Vorbringen ge-
bracht werden könnten. Die Erstellung des rechtserheblichen Sachverhal-
tes wird dadurch nicht tangiert. In der Replikschrift wird hierzu denn – in
diesem Sinne zu Recht – auch nichts entgegnet.
3.2.4.2 Im Weiteren wird gerügt, dem Beschwerdeführer seien keine Fra-
gen bezüglich der Desertion gestellt worden respektive er sei unterbrochen
worden, als er über die Perspektivlosigkeit im Militärdienst habe berichten
wollen (A28/27 F131). Die erhobene Rüge mag in Anbetracht des Umstan-
des erstaunen, als dem Beschwerdeführer sehr wohl Gelegenheit geboten
wurde, nach dem Befragungsunterbruch (Mittagspause) unmittelbar an die
Frage vor dem Unterbruch anzuknüpfen und sich frei dazu zu äussern
(A28/27 F132). Zudem konnte er in der Folge auf entsprechende Fragen
ungehindert über die unerlaubte Entfernung von seiner Einheit nach dem
geltend gemachten mehrjährigen Gefängnisaufenthalt berichten (A28/27
F153-F155). Auch bezüglich der versuchten Desertion anlässlich des Bein-
schusses hatte er die Gelegenheit, sich dazu ausführlich zu äussern
(A28/27 F157 ff.). Zudem hatte er, wenn auch kurz, erklärt, wie sich die
Entlassung aus dem darauffolgenden Spitalaufenthalt dargestellt habe
(A28/27 F33). Im Weiteren wurde ihm Gelegenheit geboten, seine Lebens-
umstände im Zeitraum des letzten Jahres seines Aufenthaltes in Eritrea vor
seiner Ausreise in den Sudan zu schildern (A28/27 F95 und F96) und
schliesslich wurde er zu den eigentlichen Ausreiseumständen umfassend
befragt (A28/27 F170 ff.)
3.2.4.3 In der Beschwerde wird sodann bemängelt, dass die Akten der bei-
den in der Schweiz lebenden Halbbrüder des Beschwerdeführers Z. und
M. nicht beigezogen worden seien. Das SEM merkte in der Vernehmlas-
sung an, die Dossiers der Brüder seien nachweislich konsultiert worden. In
der Replik wird dazu vorgebracht, die Vernehmlassung der Vorinstanz
lasse die Frage aufkommen, inwiefern die Dossiers der Brüder des Be-
schwerdeführers nachweislich konsultiert worden seien und zu welcher
Schlussfolgerung diese Konsultation die Vorinstanz habe kommen lassen.
Aufgrund der Aktenlage ergibt sich zwar nachweislich, dass das SEM die
Dossiers der Brüder im Zusammenhang mit dem Dublin-Verfahren, der
Prüfung des Selbsteintrittes und der Beendigung des Dublin-Verfahrens
bezüglich des Beschwerdeführers beizog und konsultierte. Dem Be-
schwerdeführer ist aber insoweit zuzustimmen, als jedenfalls aus der an-
gefochtenen Verfügung eine Konsultation dieser Dossiers durch das SEM
für das vorliegende Verfahren nicht hervorgeht. Daraus ergibt sich jedoch
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nicht, das SEM hätte in Verletzung der Untersuchungspflicht gemäss
Art. 12 VwVG den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig und
richtig erstellt. In der Beschwerde wird angeführt, die Brüder Z. und M. hät-
ten in ihren Befragungen über den Beschwerdeführer berichtet, wie sie zu-
sammen aufgewachsen seien und dass er über vier Jahre „verschollen"
gewesen sei und sie nicht gewusst hätten, ob er aus Eritrea ausgereist
oder inhaftiert gewesen sei. Z. habe ebenfalls über die Probleme mit den
eritreischen Behörden berichtet, die die Familie aufgrund des Verhaltens
des Beschwerdeführers bekommen habe. Ohne auf die Kongruenz dieser
Angaben mit dem Inhalt der Akten der Brüder vertiefter einzugehen, wird
damit jedenfalls nicht hinreichend konkret dargetan, dass diese für das vor-
liegende Verfahren von rechtserheblicher Bedeutung sein sollten. Die Kon-
sultation der Akten der Brüder Z. (N [...]) und M. (N [...]) durch das Gericht
hat ergeben, dass der Bruder M. anlässlich seiner Anhörung den Be-
schwerdeführer an einer Stelle namentlich nannte und lediglich angab, die-
ser sei in der Armee gewesen, und er sei an seinem Bein handicapiert (An-
hörung vom 19. September 2016, A22/21 Q57). Der Bruder Z. führte in
seiner BzP aus, die Familie sei (im Juli) 2001 B._ nach Eritrea über-
siedelt (A4/16 Ziff. 1.17.04). Anlässlich seiner Anhörung führte Z. in Bezug
auf den Beschwerdeführer aus, dieser sei seit dem Jahre 2010 im Sudan
(Anhörung vom 11. August 2015, A16/22 Q66), er habe bei einem Versuch
des Grenzübertrittes eine Beinverletzung erlitten, wobei "les Shabias" ihm
ins Bein geschossen hätten (A16/22 Q68), und gab im Übrigen zu Proto-
koll, ausser dem Bruder S. seien keine Mitglieder der Familie im Gefängnis
gewesen (A16/22 Q86). Nach Durchsicht der Akten von M. und Z. sind
(ohne materielle Prüfung der entsprechenden Angaben) demnach keine
wesentlichen Anhaltspunkte oder Elemente ersichtlich, wonach der für das
vorliegende Verfahren rechtserhebliche Sachverhalt nicht zutreffend er-
stellt worden wäre und damit eine Grundlage geschaffen worden wäre, die
eine im Wesentlichen anderen Umständen angepasste neue Prüfung er-
forderlich machen würde. Das SEM hat somit in der angefochtenen Verfü-
gung keine entscheidrelevanten Tatsachen unberücksichtigt gelassen. Im
Übrigen gilt festzuhalten, dass für das vorliegende Verfahren in erster Linie
die persönlichen Angaben und Aussagen des Beschwerdeführers massge-
blich sind.
3.2.4.4 In der Beschwerde wird unter dem Titel der nicht korrekten Sach-
verhaltsfeststellung durch das SEM vorgebracht, der Vorwurf des SEM,
dass das Verhalten des Beschwerdeführers respektive der eritreischen Be-
hörden unplausibel sei, schlage ins Leere und nicht nachvollziehbares Ver-
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halten der eritreischen Behörden dürfe nicht zum Nachteil des Beschwer-
deführers ausgelegt werden. Dies betrifft nicht die behördliche Untersu-
chungspflicht des SEM, sondern die Würdigung eines Sachumstandes.
Gleiches gilt selbstredend für die erhobene Rüge, insgesamt lasse die
Würdigung der Vorbringen des Beschwerdeführers auf eine voreingenom-
mene Haltung der Vorinstanz schliessen und es scheine, als bürde die Vor-
instanz dem Beschwerdeführer eine erhöhte Beweislast auf. Auf diese As-
pekte ist in den nachfolgenden Erwägungen, soweit entscheidrelevant, ein-
zugehen. Im Übrigen ist in allgemeiner Hinsicht zu betonen, dass im vor-
liegenden Verfahren der durch die Aktenlage erhobene, und nicht der im
Beratungsgespräch mit der Rechtsvertreterin ergänzte Sachverhalt mass-
geblich ist.
3.3 Ebenso unter dem Titel, durch das SEM sei keine korrekte Sachver-
haltsfeststellung erfolgt, wird in der Beschwerde vorgebracht, das SEM
habe keine Akteneinsicht in den "Bericht ID-Abklärung" (A8/1) gegeben,
was im Hinblick auf die vorgebrachten Zweifel betreffend Herkunft des Be-
schwerdeführers für die Entscheidfindung möglicherweise relevant gewe-
sen sei. Diese Rüge betrifft nicht die behördliche Untersuchungspflicht,
sondern den Anspruch auf Akteneinsicht als Teilgehalt der zu gewährenden
Möglichkeit der Ausübung des rechtlichen Gehörs. Hierzu ist festzustellen,
dass das als "Bericht ID-Abklärung" bezeichnete Aktenstück ein Standard-
Formular mit tabellarisch aufgeführten Resultaten von verschiedenen nati-
onalen und internationalen Identifizierungs-Datenbanken und allfälligen
Dokumenten-Prüfungen darstellt und generell als "nur für internen Ge-
brauch" bestimmt ist. Diese Formulare werden vom SEM zu Recht als "in-
terne Akten" behandelt. Wie das SEM der Rechtsvertreterin bereits im
Schreiben vom 12. Dezember 2019 betreffend Akteneinsicht mit dem Hin-
weis auf Art. 27 VwVG und BGE 115 V 297 E. 2g sowie BVGE 2011/37
E. 5.4 zutreffend mitteilte, unterstehen diese internen Akten nicht dem Ak-
teneinsichtsrecht. Das vorliegende Aktenstück A8/1 hat im Übrigen nichts
zum Inhalt, was dem Beschwerdeführer ohnehin bekannt ist oder ihm an-
lässlich der BzP zum rechtlichen Gehör nicht offengelegt worden wäre.
3.4 Es besteht demnach keine Veranlassung, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Gericht
hat in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2015/3
E. 6.5.1).
5.
Das Bundesverwaltungsgericht ist nicht an die Begründung der Vorinstanz
gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde auch aus an-
dern Überlegungen als jenen der Vorinstanz beurteilen (sog. Motivsubsti-
tution; vgl. MADELEINE CAMPRUBI in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG,
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2008,
N 15 zu Art. 62 VwVG; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, S. 398, Rz. 1136).
Wie sich aus nachfolgenden Erwägungen ergibt, hat das SEM das Asylge-
such des Beschwerdeführers – ungeachtet der Frage, ob ihrer Begründung
in allen Teilen zu folgen ist – zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 In Übereinstimmung mit der angefochtenen Verfügung kommt das Ge-
richt zum Schluss, dass den Akten keine hinreichend glaubhaften Anhalts-
punkte dafür zu entnehmen sind, der Beschwerdeführer sei aus Gründen,
die sich vor seiner Ausreise aus dem Heimatland verwirklicht hätten, im
Sinne des Gesetzes ernsthaften Nachteilen ausgesetzt worden oder
müsste bei einer Rückkehr begründeterweise befürchten, solchen in sei-
nem Heimatland mit erheblicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-
kunft ausgesetzt zu werden.
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6.2 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, aufgrund wider-
sprüchlicher, unsubstanziierter und ausweichender Angaben des Be-
schwerdeführers würden bereits seine Identität und Biografie unter Zweifel
stehen. Da vorliegend diesen Aspekten in entscheidwesentlicher Hinsicht
eine untergeordnete Bedeutung zukommt, kann darauf verzichtet werden,
auf diese Erwägungen und auf die entsprechenden Entgegnungen in der
Beschwerde im Einzelnen einzugehen. Jedenfalls hat das SEM nicht in
Abrede gestellt, dass der Beschwerdeführer eritreischer Staatsangehöriger
ist und einen nicht unbedeutenden Teil seines Lebens in Eritrea verbracht
hat. Das SEM schliesst auch – hinsichtlich des nach seiner Ansicht teilwei-
sen Vorliegens weniger Realkennzeichen in Bezug auf den militärischen
Kontext – nicht gänzlich aus, dass er im Verlauf seines Lebens eine militä-
rische Ausbildung durchlaufen oder Militärdienst geleistet haben könnte.
Hierzu ist – wie nachstehend festzustellen ist – zu ergänzen, dass das Ge-
richt Realkennzeichen in Bezug auf den militärischen Kontext kaum zu er-
kennen vermag und diese seitens des Beschwerdeführers derart inhaltslos
ausgefallen sind, dass diese auch von anderen Quellen stammen könnten,
als von selbst Erlebtem.
6.3 In flüchtlingsrechtlich entscheidrelevanter Hinsicht ist mit dem SEM ei-
nig zu gehen, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers zum Militär-
dienst im Allgemeinen kaum erlebnisgeprägt, unsubstanziiert, pauschal
und ausweichend ausgefallen sind. Entgegen den Einwänden in der Be-
schwerde ist das diesbezügliche Aussagevermögen nach Einschätzung
des Gerichts derart inhalts- und realitätsarm, dass nicht von tatsächlich er-
lebten Erfahrungen ausgegangen werden kann. Die entsprechenden An-
gaben des Beschwerdeführers gehen kaum darüber hinaus, was auch
etwa auf einem blossen Hörensagen basieren könnte. Dieses Unvermögen
ist insbesondere auch nicht mit der psychischen Verfassung aufgrund des
Verlustes seiner Familie erklärbar. Das SEM stellte zu Recht fest, dass der
Beschwerdeführer trotz mehrfacher Nachfrage keine konkreten Angaben
zu seiner angeblichen diesbezüglichen dreijährigen Tätigkeit oder zu sei-
nem Alltag machen konnte. Selbst wenn die militärische Diensttätigkeit be-
deutend kürzer als – wie vom Beschwerdeführer angegeben – drei Jahre
betragen hätte, wären hierzu ohne Weiteres die Vermittlung präziser per-
sönlicher Eindrücke und Erlebnisberichte zu erwarten. Auch ist nicht zu be-
anstanden, wenn das SEM bezüglich der geltend gemachten mehrjährigen
Inhaftierung grosse Zweifel als angebracht betrachtete. Die entsprechen-
den Schilderungen dazu sind letztlich ebenso arm an Erlebnisprägung,
was unverständlich ist, falls er die Inhaftierung tatsächlich durchlaufen
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hätte. Zudem blieb der vom SEM erkannte Widerspruch, wonach der Be-
schwerdeführer gemäss Angaben anlässlich der BzP von Dezember 2007
bis zum 1. Januar 2011 inhaftiert gewesen sei (A 13/12 Ziff. 1.17.04) und
gemäss der Beteuerung im Rahmen der Anhörung, er sei am 1. Juli 2007
mitgenommen und inhaftiert worden (A28/27 F27), unaufgelöst. In einer
Gesamtwürdigung der Angaben des Beschwerdeführers ist auch die gel-
tend gemachte zweite Mitnahme vom April 2011 – wie das SEM zu Recht
feststellte – als unglaubhaft zu erachten, wenn er vorbringt, nach einer über
dreijährigen Inhaftierung aufgrund des unerlaubten Verlassens der Einheit
diese nach nur zwei Wochen erneut verlassen zu haben und nach Hause
gegangen zu sein, obwohl er gewusst habe, dass es im Dorf sehr viele
Spitzel gebe (A28/27 F157). Der blosse Beweggrund zu einem solchen
Verhalten, er habe seine Familie schon lange nicht mehr gesehen (A28/27
F131), vermag in Berücksichtigung des Wissens um drohende ähnliche
Folgen in der Tat nicht zu überzeugen, immer vorausgesetzt, der Be-
schwerdeführer hätte den mehrjährigen Gefängnisaufenthalt verbunden
mit Misshandlungen tatsächlich über sich ergehen lassen müssen.
6.4 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung an, "vollständigkeits-
halber" sei zudem zu erwähnen, dass aus den Akten in Bezug auf die
Schussverletzung Hinweise für einen anderen Entstehungsrahmen hervor-
gehen würden. So sei dem medizinischen Bericht vom 21. Februar 2019
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer während des Krieges im Sudan
von der Schussverletzung betroffen gewesen sei (A35/10, S. 5). Im Rah-
men des dazu gewährten rechtlichen Gehörs habe er dazu ausgeführt,
dass es sich um eine Interpretation des Erstversorgerarztes handeln
müsse, da die Gespräche mit dem Arzt ohne Übersetzung stattgefunden
hätten und er lediglich mitzuteilen versucht habe, dass ihm in einem Spital
im Sudan die Metallsplitter entfernt worden seien. Seine eigenen Ausfüh-
rungen in der Bundesanhörung, sein Vorgesetzter habe ihn versteckt und
ihm vor Ort eine Infusion verabreicht (A28/27, S. 18), würden jedoch viel-
mehr mit der bestrittenen Angabe des Arztberichts korrespondieren, die
Schussverletzung sei ihm bei Kriegshandlungen im Sudan zugefügt wor-
den.
So ist zwar dem medizinischen Bericht vom 21. Februar 2019 zu entneh-
men, dass der Beschwerdeführer während des Krieges im Sudan von der
Schussverletzung betroffen gewesen sei (A35/10, Beilage 2). Es ist aber
im Sinne der hierzu gewährten Stellungnahme des Beschwerdeführers
vom 5. Dezember 2019 (A37/5, S. 2) einerseits einzuräumen, dass die
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diesbezügliche Anamnese im Arztbericht auf einem Verständigungsprob-
lem beruhen könnte. Im Arztbericht wurde darauf hingewiesen, dass sich
die Kommunikation mit dem Beschwerdeführer schwierig gestaltet habe.
Andererseits erscheint die Folgerung des SEM zumindest insoweit nach-
vollziehbar, als die Ausführungen des Beschwerdeführers, sein Vorgesetz-
ter habe ihm nach der Schussverletzung vor Ort eine Infusion verabreicht
(A28/27 F159), eher mit der bestrittenen Angabe des Arztberichts korres-
pondieren würden, die Schussverletzung sei ihm bei Kriegshandlungen im
Sudan zugefügt worden. Es ist in der Tat kaum davon auszugehen, dass
anlässlich einer blossen Suche und einer beabsichtigten Mitnahme des Be-
schwerdeführers aus seinem Wohnort durch Angehörige seiner militäri-
schen Einheit medizinische Utensilien mitgeführt werden sollten, die eine
Infusion vor Ort ermöglicht hätte.
6.5 Abgesehen davon ist die Feststellung des SEM zu bestätigen und ent-
scheidwesentlich, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben
mindestens über ein Jahr vor seiner Ausreise aus Eritrea keinen Kontakt
mehr mit den eritreischen Behörden gehabt habe. Damit wäre nach gelten-
der Rechtsprechung ein kausaler Zusammenhang einer behördlichen Ver-
folgungsgefahr in flüchtlingsrechtlich massgeblicher Hinsicht ohnehin un-
terbrochen worden. Gemäss schweizerischer Asylpraxis setzt der Begriff
der Flüchtlingseigenschaft einen in zeitlicher und sachlicher Hinsicht genü-
gend engen Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht vo-
raus (BVGE 2010/57 E. 4.1, 2009/51 E. 4.2.5). Auch wenn sich keine starre
Grenze festsetzen lässt, wann der Kausalzusammenhang als unterbro-
chen zu gelten hat, ist dies nach asylrechtlicher Literatur und Praxis in der
Regel nach einer Zeitspanne von sechs bis zwölf Monaten anzunehmen.
Dabei ist jeweils auch allfälligen plausiblen objektiven und subjektiven
Gründen Rechnung zu tragen, welche eine sofortige Ausreise verunmög-
lichten (BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m. w. H.). Es ist nicht ersichtlich, dass der
Beschwerdeführer im Zeitraum von einem Jahr vor seiner Ausreise aus
Eritrea in objektiver oder subjektiver Hinsicht hinreichend plausible Gründe
gehabt hätte, zwingend an einer Ausreise gehindert worden zu sein. In der
Beschwerde wird vorgebracht, auch an diesem Aufenthaltsort sei der Si-
cherheitsdienst anwesend gewesen und der Beschwerdeführer habe ge-
wusst, dass dieser ihn auf dem Radar gehabt und beobachtet habe. Auf-
grund der Verletzung seien die Leute des Sicherheitsdienstes jedoch nicht
davon ausgegangen, dass er sich von dort entfernen könnte. Zudem sei
ihm aufgrund seiner Kriegsverletzung auch ein gewisser Respekt entge-
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gengebracht worden. Diese Vorbringen sprechen gerade gegen eine Ab-
sicht der eritreischen Behörden, den Beschwerdeführer ernsthaften Nach-
teilen im flüchtlingsrechtlichen Sinne aussetzen zu wollen. Insbesondere
ist in diesem Zusammenhang zudem mit überwiegender Wahrscheinlich-
keit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner er-
heblichen Beinverletzung von den eritreischen Behörden als einer militäri-
schen Dienstpflicht untauglich erklärt würde. Abgesehen davon, dass nach
den obigen Ausführungen entgegen der in der Beschwerde vertretenen An-
sicht der Austritt aus dem Militärspital nicht als Desertion zu werten ist,
wäre in diesem Zusammenhang ein kausaler Zusammenhang mit der Aus-
reise aus Eritrea in flüchtlingsrechtlich massgeblicher Hinsicht ohnehin
nicht als gegeben zu erachten.
6.6 In einer Gesamtbetrachtung der geltend gemachten Vorbringen des
Beschwerdeführers zu seinem Asylgesuch ist davon auszugehen, dass er
bis zu seiner Ausreise aus dem Heimatland keinen ernsthaften Nachteilen
wie der Gefährdung seines Leibes, seines Lebens oder seiner Freiheit oder
in der Form von Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck
bewirken könnten, ausgesetzt war.
6.7
6.7.1 Im Sinne der vorinstanzlichen Erwägungen und entgegen der in der
Rechtsmitteleingabe vertretenen Sichtweise erscheint aufgrund der Akten-
lage auch eine Furcht, der Beschwerdeführer würde künftig in seinem Hei-
matland mit erheblicher Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtlich relevanten
Nachteilen ausgesetzt, aus objektiver Sicht nicht begründet.
6.7.2 Nach obigen Erwägungen kann das Gericht die in der Beschwerde
vertretene Sichtweise, selbst falls der Beschwerdeführer heute als militär-
untauglich eingestuft würde, müsste er bei einer Rückkehr nach Eritrea
trotzdem mit der Bestrafung als Deserteur rechnen, nicht teilen.
6.7.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, in der Schweiz politisch enga-
giert zu sein und bereits an mehreren Demonstrationen, wie etwa in Genf
im (...) und in Bern im (...) teilgenommen zu haben. Exilpolitische Aktivitä-
ten können nur dann im Sinne von subjektiven Nachfluchtgründen zur
Flüchtlingseigenschaft führen, wenn davon ausgegangen werden muss,
dass diese Aktivitäten im Falle einer Rückkehr nach Eritrea mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Massnahmen für den Betroffenen zur
Folge haben. Das SEM stellte zu Recht fest, dass kein Anlass zur Annahme
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besteht, der Beschwerdeführer wäre vor dem Verlassen seines Heimat-
staates als regimefeindliche Person ins Blickfeld der eritreischen Behörden
geraten oder dort in irgendeiner Form als Regimegegner oder politischer
Aktivist registriert worden. Demzufolge ist in der Tat auch nicht davon aus-
zugehen, dass er nach seiner Ankunft in der Schweiz unter spezieller Be-
obachtung seitens der eritreischen Behörden gestanden hätte. Gemäss
den eingereichten Fotos von zwei Demonstrationen (...) und (...) in
I._ beziehungsweise G._ sowie der Angabe, an «mehreren
Demonstrationen» teilgenommen zu haben und damit aufgrund der Akten-
lage ergeben sich keine ausreichenden Hinweise dafür, dass der Be-
schwerdeführer der Kategorie von Personen zuzurechnen wäre, die wegen
ihres qualifizierten Engagements oder ihrer Funktion im Exil als ernsthafte
und potenziell gefährliche Regimegegner die Aufmerksamkeit der eritrei-
schen Sicherheitsbehörden auf sich gezogen haben könnten oder gestützt
darauf gar irgendwelche Massnahmen zu ihrem Nachteil eingeleitet hätten.
Es ist mit dem SEM einig zu gehen, dass gemäss den Akten deutlich wird,
dass der Beschwerdeführer bei den Demonstrationen Teil einer grösseren
Ansammlung und somit ein Mitläufer war, der sich weder exponiert noch
identifizierbar gemacht hat und kein exilpolitisches Profil glaubhaft begrün-
den oder nachweisen konnte, wodurch das Vorliegen subjektiver Nach-
fluchtgründe zu bejahen wäre. In der Beschwerde werden denn auch keine
diesbezüglichen Einwände gegen die vorinstanzliche Verfügung erhoben.
6.7.4 Der Beschwerdeführer kann auch aus seiner geltend gemachten ille-
galen Ausreise aus Eritrea keine subjektiven Nachfluchtgründe und somit
keine Flüchtlingseigenschaft ableiten. Gemäss dem Koordinationsurteil
BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 ist nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich eritreische Staatsange-
hörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaa-
tes konfrontiert sehen, die bezüglich ihrer Intensität und der politischen Mo-
tivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG dar-
stellen würden.
6.8 Der Beschwerdeführer konnte keine asylrelevante Verfolgung vor sei-
ner Ausreise aus seinem Heimatland glaubhaft machen. Es bestehen auch
keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass ihm bei einer Rückkehr
nach Eritrea persönlich ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG dro-
hen würden. Entsprechendes ergibt sich auch nicht aus den Ausführungen
in der Beschwerde. Es erübrigt sich, auf diese weiter einzugehen, da sie
nicht geeignet sind, zu einer anderen Einschätzung zu führen. Das SEM
hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt.
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Seite 22
7.
7.1 Das SEM stellte weiter fest, dass im Rahmen einer Gesamtwürdigung
zum aktuellen Zeitpunkt nicht von einer seit langem eheähnlich gelebten
partnerschaftlichen Beziehung mit der Kindsmutter der Tochter des Be-
schwerdeführers gesprochen werden könne; ein gefestigtes Konkubinat
liege demzufolge (noch) nicht vor, so dass ein Einbezug (in die der Kinds-
mutter in der Schweiz erteilten Flüchtlingseigenschaft) gemäss Art. 51
AsylG nicht möglich sei. Diese Einschätzung des SEM ist nicht zu bean-
standen. In der Beschwerde wird diesen Ausführungen des SEM in recht-
licher Hinsicht nichts entgegengehalten. Die blosse Anmerkung in der Be-
schwerde unter dem Titel "Sachverhalt", der Beschwerdeführer verbringe
so viel Zeit wie möglich mit seiner neuen Familie, vermag zu keinem ande-
ren Schluss zu führen. Auch aufgrund der aktuellen Aktenlage ist nicht er-
sichtlich, dass ein gefestigtes Konkubinat vorliegen würde und es sind
keine Bemühungen dargetan, die darauf schliessen liessen, dass der Be-
schwerdeführer mit der Kindsmutter zusammenzuleben oder eine Ehe ein-
zugehen gedenkt.
7.2 Der gemeinsamen Tochter wurde derivativ der Flüchtlingsstatus zuer-
kannt und Asyl gewährt. Das SEM stellte zutreffend fest, da eine Person,
welcher derivativ die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden sei, ihrer-
seits die Flüchtlingseigenschaft nicht weiterübertragen könne (EMARK
2000 Nr. 23), könne der Beschwerdeführer auch keinen Anspruch auf Fa-
milienasyl durch seine Tochter ableiten.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege ist gutzuheissen, da von der
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Prozessbedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist und die
Rechtsbegehren sich nicht als aussichtlos darstellten. Es sind keine Ver-
fahrenskosten zu erheben (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
10.2 Dem Beschwerdeführer ist seine Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin zu bestellen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Die amtliche
Rechtsvertretung ist unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschä-
digen. Entschädigt wird der sachlich notwendige Aufwand (vgl. Art. 12
i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
Die Festsetzung des Honorars erfolgt gemäss Art. 12 VGKE in sinngemäs-
ser Anwendung von Art. 8-11 sowie Art. 14 VGKE. Bei amtlicher Vertretung
geht das Gericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis
Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für
nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10
Abs. 2 VGKE).
Die Rechtsvertreterin reichte eine Kostennote vom 18. März 2020 zu den
Akten und macht einen Aufwand von 15 Stunden mit einem Stundenansatz
von Fr. 180.–, ausmachend Fr. 2'700.– sowie einen Mehrwertsteuerzu-
schlag von Fr. 207. 90 geltend. Der vorliegend notwendige Aufwand ist auf
12 Stunden festzulegen (Beschwerdeschrift 13 Seiten, wovon drei Seiten
bekannter Sachverhalt und Prozessgeschichte). Unter Berücksichtigung
des massgebenden Stundenansatzes von Fr. 150.– ist der Rechtsbeistän-
din vom Bundesverwaltungsgericht ein Honorar in der Höhe von insgesamt
Fr. 1938.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)