Decision ID: 56a9dbfd-b892-435a-94a2-e0ef4ff9f36e
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966,
war im kaufmännischen Bereich
tätig
,
bis 2004 als Geschäftsführer. Am 2
3.
Juni 2007 meldete
er
sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung wegen Konzentrationsproblemen
, Prob
lemen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses, Gehunsicherheit, Schwindel sowie Kopf- und Rückenschmerzen
im Zusammenhang mit einem am
7.
April 2004 erlittenen Unfall
zum Rentenbezug an
(
Urk.
7/6
, Versand am 2
3.
Juli 2007 =
Urk.
7/5
). In der Folge nahm die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
Abklärungen vor und zog insbesondere die Akten der Zürich
Versi
cherungs
-Gesellschaft, der obligatorischen Unfallversicherung des Versicherten, bei (
Urk.
6/38), welche
bei
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie und Facharzt für Pharmazeutische Medizin,
ein psychiatrisches Gutachten
vom 1
4.
September 2007 (
Urk.
7/18/8-20) mit neuropsychologischem Teilgutachten vom 2
9.
Juni 2007 (
Urk.
7/18/23-34)
in Auftrag gegeben hatte
. Mit Mitteilung vom 2
8.
Juli 2009 schloss die IV-Stelle berufliche Massnahmen
ab (
Urk.
7/65).
Sie
zog die von der Zürich Versicherungs-Gesellschaft in Auftrag gegebenen neurologischen, versicherungspsychiatrischen
und
interdisziplinären
Gutachten der
Medas
vom 2
0.
Dezember 2011, vom
7.
November 2012 und vom
3
0.
November 2012 bei (
Urk.
6/82). Mit Mitteilung vom 1
4.
Mai 2013 übernahm die I
V-Stelle
die Kosten für eine Potentialabklärung bei der Durchführungsstelle
Z._
in Zürich (
Urk.
7/94).
Nach Vorliegen des Schluss
berichts der
Z._
vom 2
3.
Juli 2013 (
Urk.
7/101) wurden die beruflichen Massnahmen mit
Mitteilung vom 1
2.
August 201
3
abgeschlossen (
Urk.
7/110).
Am 3
1.
Oktober 2013 nahm die
Medas
z
um Schlussbericht der
Z._
Stellung (
Urk.
7/122/132-135).
Mit Vorbescheid vom 2
5.
September 2013 wurde dem Versicherten
die Zusprechung
ein
er
halbe
n
Invalidenrente für die Zeit vom
1.
Juli 2006 bis am
3
0.
September 200
7
einer ganzen Invaliden
rente für die Zeit vom
1.
Oktober 2007 bis am 3
0.
April 2010 und einer halben Invalidenrente ab dem
1.
Mai 2010 in Aussicht gestellt (
Urk.
7/116). Am 3
0.
September 2013 liess der Versicherte Einwand erheben und diesen am
4.
November 2013 ergänzend begründen (
Urk.
7/119,
Urk.
7/121).
Am
4.
Dezember 2013 sprach die Zürich Versicherungs-Gesellschaft dem Versicher
ten basierend auf einem Invaliditätsgrad von 42
%
eine Invalidenrente der Unfallversicherung sowie eine Entschädigung für eine Integritätseinbusse
in der Höhe
von 45
%
zu (
Urk.
7/122/127-131). Mit Verfügung vom 2
6.
August 2014 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2
/1
).
2.
Hiergegen liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Regula
Aeschli
mann
Wirz, am 2
9.
September 2014 Beschwerde erheben. Er beantragte, ihm seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten, insbesondere sei ihm
schon
ab
1.
August 2007 eine ganze Invalidenrente auszurichten (
Urk.
1). Mit Beschwer
deantwort vom 3
0.
Oktober 2014 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am
1.
Januar 2008 und am
1.
Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 und 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
che
rung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Kraft getreten.
In materiell-rechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefocht
ene Verfügung ist am 2
6.
August 2014
– und somit nach Inkrafttreten der
5.
IV-Revision
und
der Revision 6a – ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechts
kräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtli
chen
Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revi
sion abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
.; Urteil des Bundesge
richts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
Da die
5.
IV-Revision hinsichtlich Invaliditätsbemessung keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis 3
1.
Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat, so dass die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009 E. 2), werden die massgeblichen Gesetzesbestimmungen – soweit nichts
anderes vermerkt ist – im Folgenden in der seit dem
1.
Januar 2008 geltenden und mit der Revision 6a unverändert gebliebenen Fassung zitiert.
2
.
2
.
1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach der seit BGE 133 V 549 aktuellen Rechtsprechung besteht für die Invali
denversicherung keine Bindungswirkung an die Invaliditätsschätzung der Un
fall
versicherung im Sinne von BGE 126 V 28
8.
Das Bundesgericht schliesst in BGE 133 V 549 E. 6.4 jedoch nicht aus, dass die IV-Stellen oder im
Be
schwer
defall
die kantonalen Gerichte die
Unfallversi
cherungsakten
beiziehen und unter anderem gestützt darauf den
Invaliditäts
grad
für den Bereich der Invalidenver
sicherung bestimmen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_206/2007 vom 2
7.
März 2008 E. 3.3).
2
.
2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine
ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mens
vergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
the
tischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mens
vergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2
.
3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a IVV fest
zusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Ren
tenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der
Rentenzuspre
chung
oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung bezie
hungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5).
2
.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist
ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforde
rli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sich
tigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person ausei
nander setzt - was vo
r allem bei psychischen Fehlentwicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der un
d gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen
Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolg
erungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Expert
e oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten
und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschwe
ren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U.
Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3
.
3
.1
Die IV-Stelle stützte
sich in ihrer
Verfügung
vom 2
6.
August 2014
zur Festle
gung der Arbeitsfähigkeiten
insbesondere auf die Gutachten der
Medas
ab (
Urk.
2
/1
). Der Versicherte liess demgegenüber vor allem vorbringen, dass die Abklärungen bei der
Z._
eindeutig ergeben hätten, dass auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit bestehe (
Urk.
1).
Es ist somit zu
nächst die
versicherungsrechtlich relevante
Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu bestimmen.
3
.2
Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft gab bei der
Medas
ein
poly
dis
ziplinäres
(psychiatrisches, neuropsychologisches, neurologisches) Gutachten in Auftrag
(
Urk.
7/73)
.
Die Gutachter fassten
im interdisziplinären Gutachten vom 3
0.
November 2012
zunächst die Aktenlage zusammen (
Urk.
7/82/6
3-81), gaben anschliessend die Äusserungen
des Versicherten anlässlich der durchge
führten Untersuchungen wieder (
Urk.
7/82/87)
und
erhoben die Anamnese (
Urk.
7/82/87-93)
sowie
die objektiven Befunde (
Urk.
7/82/93-101).
In der
psy
chia
trischen Untersuchung gab der Versicherte an, ihm sei es seit
ungefähr
Juni 2010 psychisch besser
ergangen
, wobei
sich sein Zustand
im Dezember 2010/Januar 2011 für kurze Zeit wieder
verschlechtert
habe
. Er könne nun den Haushalt selber
erledigen
, wieder besser essen und schlafen sowie den Tag besser strukturieren. Seine Hauptbeschwerden seien Konzentrations- und
Ge
dächt
nisprobleme
. Er ermüde schnell und
leide
zeitweise
unter
Wortfindungs
störun
gen
. Die Kopfschmerzen seien verschwunden. Er habe jedoch keinen Geruchs- und Geschmackssinn mehr. Aufgrund der
früher gemachten
Erfahrun
gen denke er, dass er im Berufsleben
nicht mehr
Fuss fassen könne (
Urk.
7/82/81-83).
In der neuropsychologischen Untersuchung gab der Versi
cher
te im ersten Gespräch unter anderem an, er wisse nicht mehr
,
ob er die kaufmännische Lehre abgeschlossen habe. Im zweiten Gespräch verneinte er zunächst einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, bevor er auf entspre
chende Frage hin bejahte
,
sich nach einem Suizidversuch in einer
solchen Klinik
aufgehalten zu haben.
Schliesslich
führte der Versicherte
im dritten Gespräch a
us, er habe nachgeschaut und die kaufmännische Lehre abgeschlossen. Von seinen Kindheitserinnerungen sei seit dem Unfall der grösste Teil
verschwunden
und er habe nach dem Unfall auch ihm bestens vertraute Personen nicht mehr erkannt (
Urk.
7/82/83-86). Nach der neurologischen Untersuchung wurde fest
gehalten,
dass die Umstände des wahrscheinlich am
7.
April 2004 stattgefunde
nen Unfallereignisses gemäss den Angaben des Versic
herten völlig unklar seien. Er gebe
eine mehrere Wochen
lang
dauernde Erinnerungslücke
an
und könne nicht sagen, was
ihm widerfahren
sei (
Urk.
7/82/87).
Auch gegenüber dem psy
chiatrischen Gutachter gab der Versicherte an, sich weder an den Unfall noch an die Zeit danach zu erinnern. Er wisse nicht, was zwischen dem Unfall und der ärztlichen Kontrolle vom 2
6.
oder 2
7.
April
2004
geschehen sei
. Er befinde sich seit zwei Jahren in psychiatrischer Behandlung und nehme seit ungefähr drei Jahren Antidepressiva ein, die ihm geholfen hätten
(
Urk.
7/82/89-91).
Der Versicherte
klagte
, seit dem Unfall unter Durchschlafstörungen zu leiden. Er könne höchstens zwei bis drei Stunden schlafen
und benötige das
Medikament
Stilnox
retard
um
sechs bis acht Stunden durch
zu
schlafen (
Urk.
7/82/92).
Zum Tagesabl
au
f gab der Versicherte an, am Vormittag
sei er oft im
Haushalt
tätig
. Zweimal pro Woche unternehme er etwas Kulturelles und er gehe gerne spazie
ren. Wenn er solche aktiven Phasen habe, müsse er sich
anschliessend
erholen. Am Nachmittag sei er meist zu Hause und erledige Kleinigkeiten. Er treffe sich selten mit Kollegen und habe wenige
soziale
Kontakte, doch diese wenige
n
Kontakte
seien qualitativ sehr gut. Für ihn sei das Alleinsein nie langweilig gewesen,
im Übrigen
habe
er
kürzlich angefangen
zu nähen (
Urk.
7/82/93)
.
Im psychiatrischen Befundstatus war vermerkt worden,
dass der Vers
icherte sich mit langsamen Schritten zur Untersuchung begeben habe
, zudem habe er
beim Treppensteigen auffällige Kopfbewegungen und einen auffälligen Gang gezeigt. Als er
ausserhalb der Praxisräumlichkeiten zur Busstation ge
gangen
sei,
habe er
keine Bewegungsauffälligkeiten gezeigt (
Urk.
7/82/
93-
94).
Im neuropsycholo
gischen Befund wurde zudem festgehalten, dass das Gangbild zwischenzeitlich kaum und dann wieder sehr stark auffällig gewesen sei.
Gewisse Leistungen in den Testuntersuchungen seien derart schlecht gewesen, dass sie auf eine ver
minderte Anstrengungsbereitschaft hingewiesen hätten, wobei der Versicherte sich auf den Standpunkt gestellt habe, er habe sich maximal angestrengt. In einem Symptomvalidierungsverfahren, dem Kurzzeitgedächtnistest-A, habe der Versicherte ein auffälliges Ergebnis mit einem als auffällig einzuschätzenden Fehlverhalten und langsamen Reaktionszeiten gezeigt
. Auch im
Kurzzeitge
dächt
nistest-B
sei ein auffälliges Ergebnis erzielt worden
(
Urk.
7/82/
95-101). Im neurologischen Befund wurde festgehalten, dass der völlig problemlose
Ein
bein
stand
beim Ein- und Auskleiden zu den Stand- und Gangprüfungen während der klinischen Untersuchung kontrastiert habe (
Urk.
7/82/102).
3
.3
Die Gutachter
des
Medas
nannten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie eine Anosmie
(Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns)
, eine anam
nestisch beschriebene rezidivierende depressive Störung
,
aktuell vollumfänglich remittiert unter antidepressiver Medikation
,
und eine funktionelle Gangstörung fest (
Urk.
7/82/106).
Der psychiatrische Gutachter
stellte
weder
affektive
Symp
tome einer depressiven Störung noch eine Antriebsminderung oder anderwei
tige psychische Einschränkung
fest
. Das vom Versicherten beschriebene
Tages
aktivitätsniveau
sei mit einer depressiven Störung auch nicht zu vereinbaren (
Urk.
7/82/108). Die vom Jahr 2007 bis 2009/2010 festzustellenden Verschlech
terungen der Arbeitsleistung
seien
mit der Entwicklung einer
vom
Unfallereig
nis
unabhängigen depressiven Symptomatologie in Zusamme
nhang zu bringen
(
Urk.
7/82/110). Der neuropsychologische Gutachter hielt fest, dass ein Teil der
erhobenen Befunde
nicht
mit dem vorliegenden Schädelhirntrauma mit ausge
dehnten Kontusionsblutungen
,
linksbetont
bifronto
-orbital und links temporal, zu
vereinbaren
sei. Es seien jedoch auch Werte zu sehen, welche zwar nach einem Schädelhirntrauma auftreten könnten, sich jedoch klinisch und im Alltag deutlicher zeigen würden. Die Ergebnisse in der Prüfung der
Alertness
(Auf
merksamkeit)
seien derart schlecht, dass auch psychische und/oder motivationa
le Faktoren eine Rolle sp
ielen müssten. Passend dazu
sei das auffällige Abschneiden im Symptomvalidierungsverfahren, welche
s
auf zumindest teil
weise nicht authentische kognitive Störungen hinw
eise
, wobei nicht gesagt werden könne, ob diese bewusst oder unbewusst produziert würden. Weiter sei durch ein solches Schädelhirntrauma nicht erklärbar, warum alle Kindheitserin
nerungen verschwunden sein sollten und der Versicherte nicht mehr spontan angeben könne, ob er eine Ausbildung abg
e
schlossen habe.
Wichtig erscheine auch der Vergleich mit den Ergebnissen der ersten neuropsychologischen Un
tersuchung vom
6.
September 2004 in der Rehaklinik
E._
. Insgesamt seien die Leistungen schlechter als damals, wobei bei einem regelhaften Verlauf eher noch eine gewisse Verbesserung oder zumindest
eine
Stagnation zu erwarten gewesen wäre. Zusammenfassend handle es sich um eine Mischbild von orga
nisch bedingen kognitiven Störungen, überlagert von nicht authentischen kog
nitiven Minderleistungen. Dabei werde eine mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung sicher nicht überschritten und sei diese eher als leicht bis mittelgra
dig einzustufen (
Urk.
7/82/110-116).
3
.4
Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter
der
Medas
fest, dem Ver
sicherten sei eine 50%ige Arbeitstätigkeit in einer angepassten Tätigkeit im kaufmännischen Bereich während viereinhalb Stunden täglich zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit beinhalte aus neuropsychologischer Sicht strukturierte Ein
zelaufgaben mit klaren Vorgaben in einem ruhigen Umfeld ohne unmittelbaren Produktionsdruck
. Für eine solche Tätigkeit bestehe
eine volle Leistungsfähig
keit (
Urk.
7/82/118).
N
ach dem Unfallgeschehen
vom April 2004
habe während maximal zwei Jahren eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen
(
Urk.
7/82/123)
. Im Februar 2006 sei der Versicherte zu 50
%
beruflich einge
glie
dert worden.
Anschliessend sei es im
Jahr 2007 zur Entwicklung einer de
pressiven Symptomatologie gekommen, welche im Jahr
2008 zu einer zusätz
li
chen Verschlechterung der Leistungsfähigkeit geführt habe. Der
Remissions
zeit
punkt
könne nach Angaben des Versicherten selbst auf das Jahr 2010 festgelegt werden (
Urk.
7/82/120).
3
.
5
Die IV-Stelle ordnete nach Vor
liegen des Gutachtens der
Medas
eine Potentialerhebung bei der
Z._
an (
Urk.
7/94). Die
berufliche
Massnahme dauerte vom 1
0.
Juni bis
5.
Juli 201
3.
Im Schlussbericht
der
Z._
vom 2
3.
Juli
2013 wurde festgehalten, dass der Versicherte an sieben von zwanzig Tagen entschuldigt gefehlt habe. Dem Versicherten sei es nur schwer gelungen, die geforderte Präsenzzeit von täglich drei Stunden zu leisten.
Sein
psychisch
er Zustand sei
eher kritisch erschienen und
er habe
in Bezugspersonengesprächen oft weinen müssen. Insgesamt
habe er
ausgesprochen dünnhäutig und wenig belastbar
gewirkt
. Er habe über grosse Erschöpfung und Müdigkeit sowie punktuell über Rückenschmerzen geklagt. Es sei unklar geblieben, inwieweit die kognitiven Auffälligkeiten
,
wie Konzentrationsschwierigkeiten und Verlang
samung der Arbeitsausführung
aufgrund der
Erschöpfungsthematik,
mit der
Wirkung und Nebenwirkung der Medikation als auch den allfälligen
Überfor
derungsthematiken
i
n Zusammenhang ständen.
Es habe sich gezeigt, dass
sich
diese
Symptomatiken
unter Stress- und Drucksituationen deutlich verstärkten respektive sich im Sinne eines Zugewinns von Vertrauen während der
Potenti
alerhebung
wieder entspannten. Die vereinbarte Präsenzzeit habe nur unregel
mässig eingehalten werden können. Die Arbeits- und Leistungsfähigkeit müsse aufgrund der erzielten Resu
lt
ate und der gemachten Beobachtungen als stark beeinträchtigt respektive
zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben bezeichnet werden. Von einer nachhaltigen Integration in den ersten Arbeitsmarkt sei
zurzeit
nicht auszugehen. Es werde vorgeschlagen, die bisher erreichten Fortschritte im pri
vaten und sozialen Umfeld im Rahmen der psychotherapeutischen Begleitung zu sichern und auszubauen. In einem weiteren Schritt empfehle sich im Sinne eines Zugewinns von sozialen Beziehungen und Interaktionen die Aufnahme einer
den
Fähigkeiten entsprechenden praktischen Tätigkeit mit klaren, struktu
rierten Vorgaben und enger, wohlwollender Begleitung im geschützten Bereich. Wie weit danach weitere arbeitsrehabilitative Schritte eingeleitet werden könn
ten und sollten, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden (
Urk.
7/101/1-5).
3.6
Das
Zentrum A._
hielt am 1
9.
Juli 2013 die Diag
no
sen pseudoneurasthenisches Erschöpfungssyndrom (ICD-10 F06.8), Status nach
Schä
delhirntrauma
, Insomnie unklarer Ursache, Gangataxie bei frontalen
Hirn
läsionen
, neuropsychologische Defizite im Bereich der Aufmerksamkeits- und
Gedächt
nis
funktionen
,
mässiggradige
Schlafapnoe obst
r
uktiv/zentral mit AHI 17, unter CPAP-Therapie kompensiert, fest. Die
Z._
-Massnahme habe den Versicherten an oder schon über die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit ge
führt. Aufgrund des psychischen Zustandsbildes
werde
der Versicherte für den 2
6.
Juni 2013 rückwirkend und vom
1.
bis
5.
Juli 2013, das heisse bis zum Ende der
Z._
-Massnahme
,
zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
7/122/136-137).
3.7
D
ie
Medas
hielt am 3
1.
Oktober 2013
in
seiner
Stellungnahme zur beruflichen Abklärung und zum Bericht des
Zentrums
A._
fest, dass die im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung durchgeführten Abklärungen und festgestellten Befunde eindeutig für eine erhaltene Restarbeitsfähigkeit sprächen. Eine objek
tivierbare Zustandsverschlechterung könne den Berichten des
Z._ und des
Zentrums A._
nicht entnommen werden. Die bei der
Z._
festgestellten Testbefunde korrelierten mit den Untersuchungsbefunden anlässlich der Begutachtung und liessen eine höhere Restarbeitsfähigkeit erwarten, als der Versicherte sie anläss
lich der
Z._
-Massnahme gezeigt habe. Allein das subjektive Empfinden des Versicherten
,
mit solchen Massnahme
n
überfordert zu sein, begründeten aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht keine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die gut
ach
ter
li
chen Schlussfolgerungen vom 3
0.
November 2012 könnten vollum
fäng
lich bestätigt werden (
Urk.
7/122/132-135).
4.
4
.
1
Das Gutachten de
r
Medas
erfüllt die Anforderungen an ein Gutach
ten (vgl. E. 2.4).
D
ie Gutachter
gelangten
insbesondere gestützt auf die Angaben des Versicherten selbst zum Schluss, dass
seit 2010
keine psychischen Störun
gen, insbesondere keine depressive Symptomatik, vorliegt. Im Bericht der
Z._
vom 2
3.
Juli 2013 (
Urk.
7/101/1-5)
wird zwar auf psychische Beschwer
den hingewiesen, doch dieser Bericht wurde von keinen medizinisch ausgebil
deten Personen verfasst. Der Bericht des
Zentrums
A._
vom 1
9.
Juli 2013 (
Urk.
7/122/136-137)
wurde von einem psychiatrischen Facharzt verfasst, doch auch dieser diagnostizierte keine depressive Störung
.
D
ie Gutachter der
Medas
legten
in ihrer Stellungnahme vom 3
1.
Oktober 2014 (
Urk.
7/122/132-135)
nachvollziehbar dar, dass es sich bei dem im Bericht des
Zentrums A._
festgehaltenen pseudoneurasthenischen
Erschöpfungssyndrom nur um eine de
skriptive Beschreibung handelt
.
Tatsächlich entspricht der ICD-10 Code F06.8
s
onstige
n
näher bezeichnete
n
organische
n
psychische
n
Störungen aufgrund einer Schädi
gung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krankheit
, was keine eigenständige Diagnose ist
.
Es ist daher festzuhalten, dass sich derzeit nur das
organische Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2) auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. 2007 bis 2010
hatte noch
eine depressive Störung mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit vor
gelegen
, welche sich jedoch
bei
Behandlung mit Psychotherapie und Antidepressiva
zurückgebildet hat.
4.2
Es ergibt
sich aus dem Gutachten der
Medas
, dass der Versicherte trotz seinen Beschwerden über Ressourcen verfügt, welche ihm beispielsweise das
Wahrnehmen kultureller Aktivitäten
(Kino- und Ausstellungsbesuche)
oder Hobbies wie
spazieren, lesen und n
ähen erlauben
(
Urk.
7/82/93)
. Weiter fanden sich beim Versicherten in den neuropsychologischen Tests sowie im Hinblick auf seinen Gang und teilweise in seinen Aussagen Anzeichen für Aggravation
(
Urk.
7/82/94,
Urk.
7/82/95-101,
Urk.
7/82/102,
Urk.
7/82/110-116)
, wobei unklar blieb, ob diese Aggravation bewusstseinsnah oder bewusstseinsfern st
att
findet
(
Urk.
7/82/115)
.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass solche Aggravationstendenzen auch bereits
im neuropsychologischen
Teilgut
achten
vom 2
9.
Juni 2007
festgestellt worden waren
(
Urk.
7/18/30-32)
.
Der psy
chiatrische Gutachter
Dr.
Y._
hielt im Gutachten vom 1
4.
September 2007 fest, die neuropsychologisch vermutete Aggravationstendenz könne man äus
serstenfalls noch mit der hypochondrischen Grundhaltung
vereinbaren, welche viele
n
Patienten mit hirnorganischem Psychosyndrom im Zuge der Erkrankung zu
eigen sei (
Urk.
7/18/18-19).
Angesichts dieser
Aggravationsp
roblematik ist auch der Schlussbericht der
Z._
vom 2
3.
Juli 2013 (
Urk.
7/101/1-5)
kritisch zu würdigen.
Zwar vermag es rechtsprechungsgemäss ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen, wenn
eine medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer Leis
tung
steht
, wie sie während einer ausführlichen
beruflichen Abklärung
bei ein
wandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz des Versicherten effektiv realisiert
wurde
und
wie sie
gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist
.
In solchen Fällen
ist das Einholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar
(Urteil 9C_833/2007 vom
4.
Juli 2008 E. 3.3.2).
Insbe
sondere angesichts der geschilderten Aggr
avationsproblematik
ist jedoch äusserst fraglich
, ob der Versicherte bei der
Z._
die ihm maximal mögliche Leistung erbrachte. Die
Berufsfachleute
bei der
Z._
konnten
schwerlich unterscheiden, ob die Einschränkungen
des Versicherten anlässlich des
Poten
tial
erhebungsverfahrens
allesamt
gesundheitlich begründ
et
waren oder nicht.
Zudem
wurde der
Schlussbericht de
r
Z._
der
Medas
zu
gestellt
, welche
am 3
1.
Oktober 2013
mit überzeugenden Argumenten an ihrer Beurtei
lung im
interdisziplinären
Gutachten
vom 3
0.
November 2012 (
Urk.
7/82/61-126)
festhielt
(
Urk.
7/122/132-135)
.
Entgegen den entsprechenden Einwendun
gen des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 12-13) stellte die IV-Stelle somit aus nach
vollziehbaren Gründen nicht auf das Resultat der beruflichen Abklärung ab.
4.3
Somit erscheint es
schlüssig
, dass der Versicherte
wegen des
organische
n
Psycho
syndrom
s
nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2) zwar in seiner Ar
beits
fä
higkeit eingeschränkt ist, jedoch ab
Januar 2010
eine verwertbare
Restar
beits
fähigkeit
von 50
%
in einer behi
nderungsangepassten Tätigkeit i
m kauf
männischen Bereich
im Umfang von
viereinhalb Stunden täglich
besteht.
Was
den im Jahr 2009 gescheiterten Arbeitsversuch bei
der Firma B._
be
trifft, auf welchen der
Versicherte
in seiner Beschwerde einging (
Urk.
1 S. 11-12), so litt der Versicherte zu diesem Zeitpunkt unter depressiven Störungen und ging die IV-Stelle für diesen Zeitraum von einer vollständigen Arbeitsun
fähigkeit aus
(vgl.
Urk.
2/1)
. Aus dem Scheitern dieses Arbeitstrainings
im Jahr 2009
kann somit nichts für die aktuelle Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden.
Weiter rügte der Versicherte, die Frage nach den Auswirkungen der
Schlafmedi
kamente
werde im ganzen Gutachten des
Medas
nicht behandelt, was eine gravie
rende Lücke
darstelle (
Urk.
1 S. 10). Das Gutachten hat die vom Versicherten geklagten Schlafbeschwerden sowie die von ihm deshalb einge
nommene Medi
kation
Stilnox
retard
jedoch thematisiert
(
Urk.
7/82/92-93).
Als Hauptgrund für die reduzierte Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer angepassten Tätigkeit
wurde denn
neben der verminderten Belastbarkeit bei Stress sowie Einschränkungen
durch
kognitive Störungen
ausdrücklich
die rasche Ermüdbar
keit festgehalten (
Urk.
7/82/117). Es kann durchaus davon ausgegangen werden, dass der Versi
cherte trotz Schlafproblemen und entsprechender Medikamenten
einnahme halbtägig einer angepassten Arbeitstätigkeit nachgehen kann.
Diese angepasste Tätigkeit wurde
im Gutachten der
Medas
nachvollzieh
bar
als
Tätig
keit im kaufmännischen Bereich mit strukturierten Einzelaufgaben mit klaren Vorgaben in einem ruhigen Umfeld ohne unmittelbaren
Produkti
onsdruck
um
schrieben
(
Urk.
7/82/118)
, worauf abzustellen ist.
Solche Tätigkei
t
en
existieren
im ausgeglichenen Arbeitsmarkt
, welcher
ein theoretischer und abstrakter Begriff
ist. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt
umschliesst
nämlich
einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraus
setzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen
Einsatzes
(BGE 110 V 273 E.
4b; ZAK 1991 S. 321 E. 3b und 1985 S. 462 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.2).
4.4
Unstrittig ist, dass ab
März 2
006 zunächst eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestand (
Urk.
1,
Urk.
2). Gemäss den Gutachtern
der
Medas
ist
nach dem Unfallereignis vom April 2004
spätestens
im Februar 2006
ein Endzustand ein
getreten (
Urk.
7/82/118). Weiter wird von einer im Jahr 2007 aus psychischen Gründen eingetretenen vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Doch während der Versicherte von einer Verschlechterung ab dem
2
1.
oder
2
7.
Mai 2007
ausgeht (
Urk.
1 S. 4 und S. 10), setzte die IV-Stelle den Zeitpunkt der Verschlechterung auf den
1.
Juli 2007 fest (
Urk.
2/1).
Der behandelnde Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, bes
cheinigte dem Versicherten zwar
ab dem 2
1.
Mai 2007 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Dies begründete er allerdings nicht mit
einer depressiven Störung, sondern mit Schwindel, Kopf
schmerzen und Gehunsicherheit (
Urk.
7/18/5-7). Noch in der Untersuchung vom 1
9.
April 2007 durch
den psychiatrischen Gutachter
Dr.
Y._
waren keine Anzeichen für eine depressive Störung vorhanden (
Urk.
7/18/14).
Zudem gab der damalige Arbeitgeber des Versicherten an, dass der letzte effektive Arbeits
tag am 3
1.
Juli 2007 stattgefunden habe und bezogen auf das gearbeitete 50%ige Pensum von Juni 2006 bis Juli 2007 keine Absenzen zu verzeichnen gewesen seien (
Urk.
7/19).
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt am 2
0.
Dezember 2007 ein depressives Belastungssyndrom und eine ab
dem
1
8.
September 2007 bezie
hungsweise bereits
zuvor
bestehende Arbeitsunfähigkeit von 100
%
fest (
Urk.
7/67/15). Dem Schreiben von
Dr.
D._
vom 2
0.
Dezember 2008 lässt sich entnehmen, dass der Versicherte ihn am 1
8.
September 2007 erstmals konsultierte (
Urk.
7/67/6). Angesichts der echtzeitlichen ärztlichen Einschätzun
gen lässt sich keine bereits am 2
1.
Mai 2007 bestehende
versicherungsrechtlich relevante
depressive Störung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beweisen
. Es ist daher mit der IV-Stelle von einer ab Juli 2007 aufgetretenen und die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden depressiven Störung auszugehen. Was die
später erfolgte
Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands
sowie die Erhöhung der Arbeitsfähigkeit
betrifft, so wurde diese von der IV-Stelle auf den
1.
Februar 2010 festgelegt (
Urk.
2/1).
Der Versicherte selbst gab gegenüber den Gutachtern der
Medas
an, es gehe ihm psychisch besser. Dies sei seit
ungefähr Juni 2010 d
er Fall (
Urk.
7/82/88).
Er befinde sich seit zwei Jahren in der aktuellen psychiatrischen Behandlung und nehme seit ungefähr drei Jahren Psychopharmaka ein (
Urk.
7/82/151).
Angesichts dessen, dass anlässlich der Untersuchung vom September 2010
auch
keine
leichte
depressive Sympto
matik mehr festzustellen war (
Urk.
7/82/155) und der Versicherte sich seit min
destens September 2009 in der erwähnten psychiatrischen Behandlung befand, ist ein
Wegfall eines
psychischen Gesundheits
schadens
von
versicherungsrecht
lich
relevantem Ausmass
sowie eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit
auf 50
%
in einer angepassten Tätigkeit auf
den
Februar 2010
festzulegen
.
4.
5
Es ist
daher
von den in der Verfügung vom 2
6.
August 2014 (
Urk.
2/1) festge
haltenen Arbeitsfähigkeiten auszugehen
. B
asierend auf diesen
Arbeitsfähigkei
ten
sind
die Einkommensvergleiche vorzunehmen, um die massgeblichen
Inva
liditätsgrade
und Rentenansprüche
des Versicherten
zu bestimmen.
5
.
5
.1
Die IV-Stelle berechnete das
Valideneinkommen
ausgehend vom Auszug aus dem individuellen Konto
(
Urk.
7/90)
, indem sie das
Durchschnitts
bruttojahres
einkommen
der Jahre 2001 bis 2003 bestimmte
, welches
Fr.
82‘856.-- betrug
. Anschliessend
bestimmte
sie das
Valideneinkommen
gemäss der
Nominallohn
entwicklung
(
Bundesamt fü
r Statistik [BFS],
Schweize
rischer Lohnindex nach Branche [1993 = 100; im Internet abrufbar]
,
Nominallohnindex Männer [T1.
9
3
])
für die
Jahr
e
2006, 2007 und 2010 (
Urk.
7/113,
Urk.
2
/1
).
Von diesem unbe
strittenen
Valideneinkommen
ist auszugehen.
5.2
Was das Invalideneinkommen für die Zeit
vom
1.
März 2006 bis
am
3
0.
Juni 2007 betrifft, so ging die IV-Stelle davon aus, dass der Versicherte in dieser Zeit zu 50
%
seiner bisherigen Tätigkeit hätte nachgehen können, so dass sich mit
tels Prozentvergleich
s
ein Invaliditätsgrad von 50
%
erg
ebe
(
Urk.
7/113,
Urk.
2
/1
). Der Versicherte zog demgegenüber die von ihm in diesem Zeitraum konkret erzielten Einkommen bei und berechnete damit einen Invaliditätsgrad von 57 und 58
%
(
Urk.
1 S.10). Somit resultiert gemäss der Berechnungen bei
der Parteien für die Zeitspanne vom
1.
Juli 2006, ein Jahr rückwirkend ab Anmeldung vom 2
3.
Juli 2007 (
Urk.
7/5) gemäss
Art.
48
Abs.
2
aIVG
,
bis am
3
0.
September 2007, drei Monate nach der am
1.
Juli 2007 eingetretenen Ver
schlechterung (
Art.
88a
Abs.
2 IVV
, vgl. E. 4.
4
)
,
ein Anspruch
auf eine halbe Invalidenrente.
Dies erweist sich als zutreffend.
5.3
V
om
1.
Juli 2007 bis
am
3
1.
Januar 2010 best
and
eine vollständige Arbeitsun
fä
higkeit
(vgl. E. 4.
4
)
. In Bezug auf die Rentenfestsetzung ist d
er vollständige Wegfall der Arbeitsfähigkeit
ab dem
1.
Oktober 2007
zu berücksichtigen
(
Art.
88a
Abs.
1 IVV)
und
die
später wieder vorhandene Restarbeitsfähigkeit
ab dem
1.
Mai
2010 (
Art.
88a
Abs.
2 IVV
). Für
die Zeitspanne vom
1.
Oktober 2007 bis am 3
0.
April 2010
besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
5.4
Für die Berechnung des Invaliditätsgrads ab dem
1.
Mai 2010 ist wie erwähnt
(vgl. E. 5.1)
von einem
Valideneinkommen
in der Höhe von
Fr.
91‘045.2
4
(
Fr.
82‘856.-- x 1.
,
009 x 1
,
009 x 1
,
011 x 1
,
016 x 1
,
022 x 1
,
021 x 1
,
007
)
auszu
gehen
. Was das Invalideneinkommen anbelangt, so ist dieses unter
Beizug
der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2010
aufgrund von Tabellenwerten zu bestimmen.
Der
von der IV-Stelle berücksichtigte
standardisierte Monatslohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) für andere kaufmännische Tätigkeiten (Anforderungsniveau 3) für Männer betrug
gemäss der LSE 2010 TA7 Ziffer 23
im Jahr 2010
Fr.
6‘750.--. Dieser Betrag ist auf die im Jahr 20
10
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,6 Stunden (BFS,
Betriebsübliche Arbeitszeit
nach Wirtschaftsabteilungen
, Periode 19
90-2014)
hochzurechnen und
auf das
dem Versicherten zumutbare 50%ige
Pensum um
zurechnen
.
Dies ergibt
ein jährliches Bruttoeinkommen in der Höhe von
Fr.
42‘120.-- (
Fr.
6‘750.-- : 40 x 41
,
6 x 12 : 2).
Zudem wurde
von der IV-Stelle
aufgrund dessen, dass der Versi
cherte nicht sämtliche kaufmännische Tätigkeiten wahrnehmen und nur Teilzeit arbeiten könne, ein Leidensabzug von 10
%
vom Tabellenwert vorgenommen
(
Urk.
2)
, was
ein zu berücksichtigendes jährliches Bruttoeinkommen von
Fr.
37‘908.-- (
Fr.
42‘120 x 0.9) ergibt
.
5.5
Der Versicherte liess demgegenüber geltend machen, er habe keinen
Lehrab
schluss
im kaufmännisch
en Bereich und das Gutachten der
Medas
habe in diesem Bereich eine volle Arbeitsunfähigkeit festgehalten. Aufgrund der Beschreibung der leidensangepassten Tätigkeit könne nur noch von
Hilfsarbei
ten
, also dem Anforderungsniveau 4,
ausgegangen werden (
Urk.
1 S. 14).
Ob der Versicherte seine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hat oder nicht, ergibt sich aus den Akten nicht. Er selbst gab gegenüber den Gutachtern
der
Medas
zunächst an, sich daran nicht zu erinnern. Anschliessend führte er jedoch aus, er habe zu Hause nachgesehen und könne einen kaufmän
nischen Abschluss bestätigen (
Urk.
7/82/113). Unabhängig von der Frage, ob der Versicherte die kaufmännische Lehre abschloss oder nicht, verfügt er jedenfalls über jahrelange Erfahrung im kaufmännischen Bereich (vgl.
Urk.
7/89), so dass er durchaus
nicht bloss reine Hilfstätigkeiten, sondern solche
im
Anforderungsniveau
3
, welches Berufs- und Fachkenntnisse voraussetzt
, wahrnehmen kann
. Unter Ziffer 8.1 des
interdisziplinären
Gutachtens
vom 3
0.
November 2012
führten die
Gutachter der
Medas
zwar tatsäch
lich
aus, eine kaufmännische Tätigkeit in einem nicht angepassten Umfeld sei dem Versicherten nicht zumutbar (
Urk.
7/82/124). Damit verneinten die Gut
achter jedoch nicht eine Arbeitsfähigkeit im kaufmännisch-administrativen Bereich. Sie führten unter Ziffer 8.1
lit
. a
des interdisziplinären Gutachtens
viel
mehr
ausdrücklich aus, dass eine angepasste Tätigkeit strukturierte
Einzelauf
gaben
mit klaren Vorgaben in einem ruhigen Umfeld ohne unmittelb
aren
Pro
duktionsdruck
im kaufmännischen Bereich
beinhaltet
en (
Urk.
7/82/124). Der Versicherte kann somit nicht in der angestammten Tätigkeit als Geschäftsführer tätig sein, jedoch durchaus kaufmännisch-administrative Tätigkeiten wahrneh
men.
Dabei erscheint der von IV-Stelle vorgenommene
10%ige Leidensabzug vom Tabellenlohn angemessen, um diese
n
Einschränkung
en
in der kaufmänni
schen Tätigkeit
sowie d
er
Teilzeittätigkeit
Rechnung zu tragen
.
5.6
Verglichen mit dem
Valideneinkommen
ergibt sich ein invaliditätsbedingter Minderverdienst von Fr.
53‘137.24
(
Fr.
91‘045.24 -
Fr.
37‘908.--)
und somit ein
Inva
liditätsgrad von gerundet 58
%.
Es besteht somit ab dem
1.
Mai 2010 ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
5.
7
Die IV-Stelle hat somit in der Verfügung vom 2
6.
August 2014 zu
recht fest
ge
hal
ten
, dass der Versicherte vom
1.
Juli 2006 bis zum 3
0.
September 2007 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente, vom
1.
Oktober 2007 bis am 3
0.
April 2010 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente und ab dem
1.
Mai 2010 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat. D
ie Beschwerde
ist daher
abzu
weisen
.
6
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Kosten dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Dem Versicherten ist ausgangsgemäss keine Parteientschädigung zuzusprechen, wobei darauf hin
zuweisen ist, dass sich die IV-Stelle in der Verfügung vom 2
6.
August 2014
(
Urk.
2)
entgegen dessen Ansicht (
Urk.
1 S. 14)
hinreichend mit den
E
inwänden gegen den Vorbescheid
auseinander
ge
setz
t hat
.