Decision ID: 9a323649-20fb-5340-8c87-becb3f6c41ca
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Kehl, Poststrasse 22, Postfach 118,
9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ arbeitete seit April 2005 als Hilfsarbeiterin Verpackungsbereich bei der
B._ AG. Am 30. Januar 2007 war sie mit der Entsorgung von Abfall beschäftigt. Als
sie eine Holzpalette bestieg, um einen Abfallsack in einen Container zu werfen, brach
eine Holzlatte ein. Der linke Fuss verfing sich in der Palette und die Versicherte stürzte
rückwärts zu Boden. Im Kantonsspital St. Gallen wurde eine zweitgradig offene Pilon
tibiale-Fraktur links diagnostiziert, die operativ behandelt wurde. Der Versicherten
wurde eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Vom 2. Oktober bis 7. November 2007
befand sich die Versicherte in einem stationären Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon.
Im Austrittsbericht vom 20. November 2007 werden als Diagnosen festgehalten: Unfall
vom 30.01.2007 Sturz rückwärts von Stapel Holzpaletten mit Fusseinklemmung links;
Verdacht auf Pseudarthrose der Tibiametaphyse; Beinlängendifferenz rechts verkürzt 1
cm; leichte depressive Episode. Insgesamt habe im Rahmen des
Rehabilitationsaufenthaltes noch keine nachhaltige Besserung des Beschwerdebildes
erreicht werden können. Es werde der Versicherten weiterhin eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die B._ AG kündigte das Arbeitsverhältnis am 17.
Januar 2008 per Ende April 2008. Die Versicherte nahm in der Folge an einem
Einsatzprogramm teil (act. G 6.4 [Fremdakten]).
A.b Anlässlich der ärztlichen Abschlussuntersuchung vom 13. März 2009 stellte der
Kreisarzt-Stellvertreter Prof. Dr. med. C._, Orthopädische Chirurgie FMH, die
Diagnosen Status nach distaler Unterschenkelfraktur erstgradig offen links mit
Tibiagelenkbeteiligung 30.1.2007; Status nach Fixateur-Applikation, sekundärer
Plattenosteosynthese und Metallentfernung September 2008; somatoforme
Schmerzstörung. Von rein traumatologischer organischer Seite sei ein guter
Heilungsverlauf eingetreten. Das an sich als günstig einzuschätzende Resultat stehe in
krassem Gegensatz zur Beschwerdesymptomatik. Die Symptomausweitung und
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inadäquate Reaktion des gesamten Körpers auf das seinerzeit erlittene, allerdings nicht
als unbeträchtlich einzuschätzende Trauma, sei auffallend und könne nicht mit der
eigentlichen Verletzung bzw. ihren Folgen erklärt werden. Die als somatoforme
Schmerzstörung zu qualifizierende Auffälligkeit habe eine erhebliche Eigendynamik
gewonnen. Es sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 0 % auszugehen, wie dies seitens
des Kantonsspitals St. Gallen am 15. November 2008 festgelegt worden sei. In einer
ergänzenden Stellungnahme vom 23. März 2009 hielt Dr. C._ sodann fest, aus
objektiver Sicht seien keine Einschränkungen der Zumutbarkeit für diverse körperliche
Arbeiten auszusprechen. Einschränkungen dürften allerdings angenommen werden bei
stark laufintensiven Tätigkeiten oder Arbeiten, die auf unebenem Boden oder auf
absturzgefährdeten Objekten (Leitern, Stegen) ausgeführt werden müssten. Der
Arbeitseinsatz könne prinzipiell ganztags erfolgen. Mit Verfügung vom 11. Juni 2009
stellte die Suva ihre Versicherungsleistungen per 30. Juni 2009 ein (act. G 6.4
[Fremdakten]). Die hiegegen gerichtete Einsprache der Versicherten wurde von der
Suva mit Entscheid vom 12. Januar 2010 rechtskräftig abgewiesen (act. G 6.2).
A.c Die Versicherte hatte sich am 5. März 2009 zum Bezug von Leistungen der Inva
lidenversicherung angemeldet (IV-act. 1). In einem Gespräch vom 3. April 2009
berichtete der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. D._, dem Regionalen Ärztlichen
Dienst (in der Folge: RAD), bei der Versicherten bestehe gesamthaft eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 %, im ungünstigsten Fall gar von 100 % (IV-act.
14). In einem weiteren Gespräch vom 3. April 2009 berichtete Dr. med. E._ dem RAD,
seit Oktober 2008 hätten mit der Versicherten neun Sitzungen stattgefunden. Die
Versicherte sei depressiv, allenfalls mittelgradig. Sie sei in letzter Zeit hauptsächlich
durch die schwierige finanzielle Situation belastet. Denkbar seien aktuell drei bis vier
Stunden einfache Arbeiten pro Tag (IV-act. 15). Mit Schreiben vom 18. August 2009
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, zurzeit seien keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich. Es sei eine medizinische Begutachtung angezeigt
(IV-act. 25). Die IV-Stelle veranlasste gleichentags eine interdisziplinäre Abklärung
durch die MEDAS Zentralschweiz. Die Begutachtung fand am 26. bzw. 29. Oktober
2009 statt. Nebst einer internistisch-allgemeinen Untersuchung wurden ein
rheumatologisches sowie ein psychiatrisches Konsilium durchgeführt. Das Gutachten
vom 20. Januar 2010 gelangt zum Ergebnis, die Versicherte sei in ihrer bisherigen
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Tätigkeit als Reinigerin und Verpackerin nicht mehr arbeitsfähig. In einer adaptierten
Tätigkeit bestehe hingegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 34).
A.d Am 26. August 2010 führte die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle mit der
Versicherten ein Gespräch betreffend Eingliederungsmassnahmen. Dabei erklärte die
Versicherte, sie wünsche keine Unterstützung in der Arbeitsvermittlung durch die IV
(vgl. Verlaufsprotokoll vom 10. November 2010; IV-act. 39). Am 16. November 2010
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, die Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen
(IV-act. 41).
A.e Mit Vorbescheid vom 1. Dezember 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Sie erklärte, die Abklärungen hätten
einen Invaliditätsgrad von 0 % ergeben, womit kein Rentenanspruch bestehe (IV-act.
45). Die Versicherte erhob dagegen keinen Einwand.
A.f Am 28. Januar 2011 verfügte die IV-Stelle im Sinn des Vorbescheids (IV-act. 49).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde der
Versicherten, vertreten durch Rechtsanwalt Simon Kehl, vom 2. März 2011. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen wird beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, mit der Beschwerdeführerin
berufliche Massnahmen durchzuführen, insbesondere Integrationsmassnahmen und
danach Arbeitsvermittlung; ebenso sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen,
neuerliche medizinische Abklärungen vorzunehmen und danach eine erneute
Rentenprüfung vorzunehmen. Zur Begründung führt der Rechtsvertreter aus, die
Beschwerdegegnerin sei ihrer Aufgabe, die gesundheitlich angeschlagene Versicherte
wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren, nicht nachgekommen. Es wäre angebracht
gewesen, die Beschwerdeführerin im Rahmen des Gesprächs vom 26. August 2010
auch mündlich auf die Konsequenzen ihrer ablehnenden Haltung aufmerksam zu
machen und sie dazu zu motivieren, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen, und
ihr mögliche Auswege aus der schwierigen Situation aufzuzeigen. Es sei a priori
absehbar gewesen, dass das Angebot "Arbeitsvermittlung auf eine 100%-Stelle" nicht
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unmittelbar zum Erfolg führen würde. Angezeigt und erfolgversprechend gewesen wäre
der Versuch einer stufenweisen Eingliederung. Des weiteren sei das MEDAS-Gutachten
unvollständig, widersprüchlich und nicht nachvollziehbar, weshalb neuerliche
medizinische Abklärungen angezeigt seien. In dieser Hinsicht sei ebenfalls zu
beachten, dass aufgrund der Äusserungen der Beschwerdeführerin im Rahmen des
Gesprächs vom 26. August 2010 von einer Verschlechterung der psychischen
Problematik ausgegangen werden müsse (act. G 1). Mit Schreiben vom 3. März 2011
reichte die Beschwerdeführerin ergänzende Unterlagen zur Beschwerde ein, so u.a. ein
psychiatrisches Konsilium der Psychiatrischen Klinik Wil vom 17. Juli 2009 (act. G
2.1.6).
B.b Am 16. März 2011 liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter ein Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege für das Verfahren vor Versicherungsgericht einreichen
(act. G 3).
B.c Am 12. April 2011 reichte die Beschwerdegegnerin ihre Beschwerdeantwort ein.
Darin beantragt sie, die Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung führt sie aus, es
sei unzutreffend, dass vor der Rentenprüfung nicht ausreichend geprüft worden sei, ob
Eingliederungsmassnahmen in Betracht fallen würden. Wenn feststehe, dass kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad gegeben sei, könne gemäss der Rechtsprechung
zudem ohne genauere Prüfung, ob Eingliederungsmassnahmen in Betracht fallen, über
den Rentenanspruch verfügt werden. Die Kritik am MEDAS-Gutachten sei nicht
stichhaltig. In Bezug auf die beantragte Durchführung von Integrationsmassnahmen sei
anzumerken, dass aufgrund der feststehenden 100%-igen Arbeitsfähigkeit in einer
Verweistätigkeit die gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt seien. Was
den Antrag auf Durchführung von Arbeitsvermittlung betreffe, sei darauf hinzuweisen,
dass die Arbeitsvermittlung nicht Teil des Grundsatzes "Eingliederung vor Rente" bilde.
Falls die Beschwerdeführerin im Übrigen in der Zwischenzeit ihre Meinung geändert
habe, könne sie sich jederzeit für Arbeitsvermittlungsmassnahmen melden (act. G 6).
B.d Mit Präsidialverfügung vom 15. April 2011 wurde dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwalt Kehl) für das Verfahren vor Versicherungsgericht entsprochen (act. G 8).
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B.e Mit Replik vom 13. Mai 2011 macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
geltend, es werde daran festgehalten, dass das Gutachten die Voraussetzungen für
eine beweiskräftige medizinische Grundlage nicht erfülle. Zu beachten sei sodann,
dass zeitlich nach der Begutachtung durch die MEDAS am 1. Dezember 2009 durch
das Kantonsspital St. Gallen eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit
längerer depressiver Reaktion festgestellt worden sei. Dieselbe Diagnose sei am 7.
Januar 2010 durch dasselbe Spital festgehalten worden. Gemäss dem Bericht der
Psychiatrischen Klinik Wil vom 4. März 2011 liege gegenwärtig eine mittelgradige
depressive Störung und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor. In Bezug
auf Eingliederungsmassnahmen sei auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts
hinzuweisen, wonach ein Anspruch auf Integrationsmassnahmen ohne weiteres zu
bejahen sei, wenn in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 50 % gegeben sei und die versicherte Person in einer adaptierten Tätigkeit
nicht offensichtlich voll arbeitsfähig sei. Diese Voraussetzungen seien bei der
Beschwerdeführerin erfüllt (act. G 9). Der Rechtsvertreter reichte zusammen mit der
Replik weitere Arztberichte ein (act. G 9.1).
B.f Mit Schreiben vom 23. Mai 2011 erklärte die Beschwerdegegnerin, sie verzichte
auf eine Duplik. Sie halte an ihren Ausführungen in der Beschwerdeantwort und an
ihrem Antrag vollumfänglich fest (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Zwischen den Parteien ist unter anderem der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin streitig.
1.2 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
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der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366 E.
1b), sind für den bis 31. Dezember 2007 verwirklichten Sachverhalt die altrechtlichen,
danach die bis 31. Dezember 2011 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
Die am 1. Januar 2012 in Kraft getretene IV-Revision 6a ist für dieses Verfahren nicht
von Bedeutung.
1.3 Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG (heute Art. 28 Abs. 2 IVG) besteht der Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Nach aArt. 29 Abs. 1 entsteht der Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in dem
die versicherte Person mindestens zu 40 % bleibend erwerbsunfähig geworden ist (lit.
a) oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen war (lit. b). Nach der ab 1. Januar 2008
geltenden Regelung entsteht ein Anspruch nur noch nach der zweiten Variante (Art. 28
Abs. 1 IVG). Zusätzlich muss eine Karenzzeit von sechs Monaten seit Anmeldung
bestanden werden (Art. 29 Abs. 1 IVG).
2.
2.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
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begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Bei der Würdigung von Berichten der
behandelnden Ärzte ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass es ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung wegen mitunter vorkommt, dass sie in Zweifelsfällen eher zu
Gunsten ihrer Patienten aussagen (so etwa der Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S C. vom 6. Dezember 2006, I 329/06; BGE 125 V 353 E. 3b/
cc; vgl. Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 229 f.). Der
Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf
aber nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen (vgl.
Bundesgerichtsentscheid i/S B. vom 27. Mai 2008, 9C_24/08).
2.2 Die Beschwerdegegnerin stützt ihre Rentenverfügung auf das Gutachten der
MEDAS Zentralschweiz vom 20. Januar 2010. Darin werden folgende Diagnosen mit
wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit gestellt:
Residualbeschwerden am distalen Unterschenkel links [bei/mit Status nach Pilon
tibiale-Fraktur II 30.01.2007 mit verzögerter Frakturheilung; Status nach offener
Reposition, Fixateur externe und sekundärer Plattenosteosynthese; Metallentfernung
25.09.2008; Präarthrose tibiotalar, CT 13.8.2008]. Als Diagnosen ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert werden genannt:
Linksseitiges Halbseitenschmerzsyndrom mit Lumbosakralgie links; chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren; Adipositas (BMI 30);
arterielle Hypertonie (bekannt, nicht behandelt). Betreffend die Arbeitsfähigkeit in
bisheriger Tätigkeit wird ausgeführt, in den zuletzt ausgeübten, praktisch
ausschliesslich stehenden Tätigkeiten als Putzfrau und Verpackerin werde die
Beschwerdeführerin nicht mehr für arbeitsfähig erachtet. Was die Frage der
Arbeitsfähigkeit bei anderer Tätigkeit betrifft, seien Arbeiten in praktisch ausschliesslich
stehender Position nicht mehr zumutbar; zumutbar seien dagegen praktisch
ausschliesslich sitzende Tätigkeiten. Aufgrund der Akten und Anamnese sei
anzunehmen, dass die reduzierte Arbeitsfähigkeit im gleichen Ausmass schon
bestanden habe zum Zeitpunkt der IV-Anmeldung im März 2009. Bezüglich Prognose
sei mit einem stationären Verlauf zu rechnen (IV-act. 34-11f.).
2.3
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2.3.1 Es stellt sich die Frage, was für ein Beweiswert dem Gutachten zukommt. Die
Beschwerdeführerin hält dieses nicht für beweistauglich. Hinsichtlich des
psychiatrischen Teilgutachtens bringt sie vor, es sei unstimmig, dass der Gutachter
keine depressive Erkrankung habe feststellen können und eine somatoforme
Schmerzstörung verneint habe. Gemäss Bericht des Kreisarztes liege eine
somatoforme Schmerzstörung vor, welche eine erhebliche Eigendynamik entwickelt
habe. Laut dem psychiatrischen Konsilium der Klinik Wil liege eine Anpassungsstörung
mit längerer depressiver Reaktion vor. Zudem sei der Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung geäussert worden. Im Austrittsbericht der Reha-Klinik
Bellikon sei bereits am 20. November 2007 eine leichte depressive Episode konstatiert
worden. Gemäss Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 14. August 2008 sei
damals eine depressive Episode gegeben gewesen. Der Bericht von Dr. E._ vom 2.
Februar 2009 attestiere eine leichte depressive Episode. Gemäss Bericht des
Hausarztes vom 24. April 2009 habe eine Depression vorgelegen. Die Widersprüche
würden im Gutachten nicht diskutiert bzw. explizit und aktenwidrig negiert.
2.3.2 Was die fehlende Auseinandersetzung mit den Einschätzungen der
behandelnden Ärzte betrifft, führte der psychiatrische Gutachter aus, die Angaben in
den Akten seien stichprobenweise überprüft worden. In den relevanten Bereichen
hätten sich keinerlei Widersprüche ergeben (IV-act. 34-22). Es erscheint auf den ersten
Blick nicht klar, in welchem Umfang eine Auseinandersetzung mit den Vorakten erfolgt
ist. Dr. F._ erwähnte jedoch eingangs ebenfalls, es hätten ihm die vollständigen
Akten und der Aktenauszug zur Verfügung gestanden. Nachdem der Hinweis unter
dem Titel "Anamnese" erfolgte, darf davon ausgegangen werden, dass sich die
"stichprobeweise Überprüfung" auf Widersprüche bezüglich der Angaben der
Beschwerdeführerin bezieht. Eine mangelhafte Begutachtung ist darin nicht zu
erblicken. Die betreffende Feststellung des Psychiaters ist aufgrund der Akten auch
nicht zu beanstanden. Hinsichtlich der Einschätzungen der behandelnden Ärzte zur
Frage nach dem Vorliegen einer Depression ist festzuhalten, dass diesen im Vergleich
zum psychiatrischen Gutachten kein massgebendes Gewicht zukommt. Seitens der
Reha-Klinik Bellikon wird zwar im Austrittsbericht vom 20. November 2007 wie erwähnt
die Diagnose "leichte Depression" gestellt, indes ist auch ausdrücklich erwähnt, es
liege keine psychiatrische Störung von Krankheitswert vor (act. G 6.4 [Fremdakten]).
Der Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 14. August 2008 nimmt gar keine
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Stellung, inwieweit die depressive Verstimmung Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
hat (act. G 6.4 [Fremdakten]). Demgegenüber gab Dr. E._ an, die Arbeitsfähigkeit
betrage 50 %, allerdings wird hier die Diagnose leichte depressive Episode ohne
nähere Begründung gestellt (act. G 6.4 [Fremdakten]). Dasselbe gilt auch für die
Beurteilung des Hausarztes Dr. D._; auf dem betreffenden Gesprächsprotokoll ist die
Diagnose "Depression" nur stichwortartig aufgeführt (IV-act. 14). Was schliesslich den
Bericht der Psychiatrischen Klinik Wil vom 17. Juli 2009 betreffend das Konsilium im
Rahmen des stationären Aufenthalts im Spital Flawil (IV-act. 59) betrifft, geht daraus
explizit hervor, dass bei der Beschwerdeführerin psychosoziale Faktoren im
Vordergrund stehen, welchen keine invalidisierende Wirkung zukommt. Im Übrigen
findet im Gutachten zwar keine explizite Auseinandersetzung mit den von den
behandelnden Ärzten festgestellten depressiven Zuständen statt, da diese jedoch nach
dem Gesagten nicht plausibel als gravierend und mit Einfluss auf die auf die Arbeits
fähigkeit beschrieben wurden, ist diesbezüglich kein Mangel des Gutachtens anzu
nehmen.
2.3.3 In Bezug auf die Diagnose "somatoforme Schmerzstörung" legt der Gutachter
nachvollziehbar dar, weshalb vorliegend eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren und keine somatoforme Schmerzstörung
gegeben ist bzw. weshalb eher von einer Symptomausweitung als von einer
somatoformen Schmerzstörung auszugehen sei (IV-act. 34-26ff.). Im kreisärztlichen
Abschlussbericht hält zwar der Orthopäde eine somatoforme Schmerzstörung für
gegeben, ohne sich aber dazu ausführlich zu äussern. Letzteres zu Recht, geht es
dabei doch um eine psychiatrische, nicht um eine orthopädische Fragestellung. Im
Übrigen weist auch Dr. C._ auf eine Symptomausweitung hin. Unabhängig von der
exakten Diagnosestellung stellt sich in erster Linie die Frage, inwieweit sich diese bzw.
die chronische Schmerzstörung invalidisierend auswirkt. Der Gutachter hat unter
Bezugnahme auf die sog. Foersterschen Kriterien eine Arbeitsunfähigkeit verneint. Im
Einzelnen sei eine mitwirkende psychische Komorbidität von erheblicher Schwere nicht
gegeben. Eine chronische körperliche Begleiterkrankung mit mehrjährigem
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne
längerfristige Remission fehle ebenfalls. Wohl sei die Beschwerdeführerin verunfallt,
aber der körperliche, anatomische Verlauf sei nicht allzu ungünstig und die
Symptomatik sei nicht in einem Ausmass progredient, wie sie nach der
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Bundesgerichtspraxis zur Begründung einer Rente vorhanden sein müsste. Sie leide
wohl unter Schmerzen und der Unfall würde in gewissen Funktionsbereichen
Einschränkungen zur Folge haben, ohne dass jedoch die nach der
Bundesgerichtspraxis erforderliche Chronizität und Schwere erreicht werde. Auch der
soziale Rückzug in allen Belangen des Lebens habe nicht stattgefunden. Eine
missglückte aber psychisch entlastende Konfliktbewältigung stehe wohl zur
Diskussion, sei aber schwierig zu beweisen. Die Behandlungsergebnisse seien wohl
unbefriedigend, indes sei hier darauf hinzuweisen, dass ambulante und stationäre
Behandlungsbemühungen im psychiatrischen Bereich auch aus soziokulturellen
Gründen nicht hätten konsequent durchgeführt werden können. Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Auffassung, die Foersterschen Kriterien
seien gegeben. Eine chronische körperliche Begleiterkrankung mit mehrjährigem
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne
längerfristige Remission bejaht er mit dem Hinweis, die Beschwerdeführerin habe eine
komplizierte Unterschenkelfraktur mit protrahiertem und komplexem Heilungsverlauf
und Arthrosebildung erlitten. Die Beschwerdeführerin könne beispielsweise nur noch
sitzende Tätigkeiten verrichten und sei zum Gehen auf Stöcke angewiesen. Ein sozialer
Rückzug in allen Belangen des Lebens sei ebenfalls ausgewiesen; die
Beschwerdeführerin halte sich nur noch zuhause auf und pflege keine externen
sozialen Kontakte mehr. Dass unbefriedigende Behandlungsergebnisse vorliegen
würden, werde auch vom Gutachter eingeräumt. Ob eine missglückte aber psychisch
entlastende Konfliktbewältigung vorliege, hätte vom Gutachter abgeklärt bzw. beurteilt
werden müssen; dieser stelle eine solche nicht in Abrede, könne sie jedoch "nicht
beweisen".
2.3.4 Bezüglich der Voraussetzungen, welche ausnahmsweise auf die Unzumutbarkeit
der Schmerzüberwindung schliessen lassen, hat der Gutachter plausibel begründet,
weshalb eine chronische körperliche Begleiterkrankung mit mehrjährigem
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne
längerfristige Remission nicht gegeben ist. Es mag wohl zutreffen, dass die
Bezugnahme auf die Bundesgerichtspraxis durch einen Mediziner fragwürdig erscheint,
indessen wird auch so genügend deutlich, dass die Progredienz der Symptomatik nicht
allzu schwerwiegend ist. Sodann existieren hinreichende Anhaltspunkte, welche gegen
einen sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens sprechen. Der Gutachter zeigt
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auf, dass eine Kontaktfähigkeit zu Dritten und eine Gruppenfähigkeit immer noch
vorhanden ist. Auch hatte die Beschwerdeführerin unter anderem erklärt, dass immer
noch Besuche ins Haus kämen oder sie zusammen mit ihrem Mann Einkäufe erledige.
Was das Vorliegen unbefriedigender Behandlungsergebnisse betrifft, so wird von der
Rechtsprechung für die Unzumutbarkeit der Willensanstrengung konkret verlangt, dass
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer
Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) sowie
infolge gescheiterter Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenanstrengung der versicherten Person kein ausreichender Behandlungserfolg
eintritt. Dazu ist festzuhalten, dass die Behandlungen aufgrund der vom Gutachter
angesprochenen soziokulturellen Umstände offenbar gerade nicht mit der notwendigen
Konsequenz hatten durchgeführt werden können. Somit ist auch dieses Kriterium nicht
erfüllt. Was schliesslich die Voraussetzung eines verfestigten, therapeutisch nicht mehr
angehbaren innerseelischen Verlaufs einer an sich missglückten, psychisch aber
entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn ["Flucht in die
Krankheit"]) betrifft, ist den betreffenden Angaben des Gutachters wie erwähnt zu
entnehmen, dass eine solche missglückte oder psychisch entlastende
Konfliktbewältigung schwierig zu beweisen sei. Daraus kann nicht abgeleitet werden,
die vom Gutachter getätigten Abklärungen seien ungenügend, sondern daraus ist zu
folgern, dass dieser keine genügenden Anzeichen für einen primären Krankheitsgewinn
bei der Beschwerdeführerin ausmachen konnte. Im Ergebnis ist damit festzustellen,
dass keines der Kriterien für die Annahme der Unzumutbarkeit der willentlichen
Schmerzüberwindung vorliegt.
2.3.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das psychiatrische Teilgutachten
insgesamt zu schlüssigen, nachvollziehbaren Erkenntnissen gelangt. Es wird plausibel
aufgezeigt, dass von der Beschwerdeführerin eine Anpassung an ihre durch den Unfall
verursachten körperlichen Einschränkungen (praktisch ausschliesslich nur noch
sitzende Tätigkeiten zumutbar) verlangt werden kann.
2.4 Was das rheumatolologische Teilgutachten betrifft, beruht dieses auf
eigenständigen Abklärungen und ist für die streitigen Belange umfassend. Die
medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Die Beurteilung stimmt sodann
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mit jener des Suva-Kreisarztes überein; dieser bezifferte die Arbeitsfähigkeit aus
rheumatologischer Sicht ebenfalls auf 100 %. Anderslautende ärztliche Beurteilungen
liegen nicht vor.
2.5 Gesamthaft kann auf das Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vollumfänglich
abgestellt werden. Es ist mithin davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in
praktisch ausschliesslich stehender Position voll arbeitsunfähig ist, dass hingegen
praktisch ausschliesslich sitzend auszuübende Tätigkeiten zu 100 % zumutbar sind.
2.6 Die Beschwerdeführerin reichte mit der Replik zwei Arztberichte des
Kantonsspitals St.Gallen, datiert vom 1. Dezember 2009 bzw. vom 7. Januar 2010 ein
(act. G 9.1.1 und 9.1.2), mit welchen sie eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands seit der Begutachtung geltend macht. Im Bericht vom 1.
Dezember 2009 werden als Diagnosen aufgeführt: Rezidivierende synkopale Zustände
(DD: vaso-vagale Synkopen, DD: funktionell); anhaltende somatoforme
Schmerzstörung mit/bei: komplizierter Unterschenkelfraktur links 01/07; V. a. komplex
regionales Schmerzsyndrom mit Symptomausweitung; Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion bei psychosozialer Belastung. Im Bericht vom 7. Januar
2010 werden grundsätzlich dieselben Befunde angegeben, zusätzlich wird jedoch noch
der Verdacht auf eine generalisierte Angsterkrankung, DD: posttraumatische
Belastungsstörung, geäussert. In Bezug auf den Beweiswert dieser Berichte ist ein
zeitlicher Vergleich mit dem Gutachten aufschlussreich. Die Begutachtung in der
MEDAS Zentralschweiz fand am 26. bzw. 29. Oktober 2009 statt. Zwischen der
Begutachtung und den neuen Untersuchungen im Kantonsspital St. Gallen liegt nur ein
verhältnismässig kurzer Zeitraum. Mit Blick auf diese Tatsache erscheint eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin als
unwahrscheinlich, die neuen Berichte sind im Vergleich zum Gutachten vielmehr als
abweichende Beurteilung desselben Sachverhalts zu qualifizieren.
Rechtsprechungsgemäss kommt dem MEDAS-Gutachten folglich auch gegenüber
diesen neuen Berichten Priorität zu.
2.7 Der Rechtsvertreter weist sodann darauf hin, die Äusserungen der
Beschwerdeführerin anlässlich des Gesprächs vom 26. August 2010 mit der
Eingliederungsverantwortlichen würden auf eine Verschlimmerung der psychischen
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Problematik seit der Begutachtung schliessen lassen. Indessen ist festzuhalten, dass
durch das betreffende Gesprächsprotokoll eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin medizinisch nicht ausgewiesen ist, so
dass sich auch dieser Einwand letztlich nicht als stichhaltig erweist.
2.8 Mit der Replik reichte die Beschwerdeführerin ebenfalls einen Verlaufsbericht der
Psychiatrischen Klinik Wil ein. Daraus geht hervor, dass die Beschwerdeführerin seit
dem 15. Juli 2010 im Ambulatorium behandelt wird: Es werden als Diagnosen genannt:
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom; V.a. anhaltende somatoforme Schmerzstörung; DD:
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom. Die Beschwerdeführerin
habe berichtet, dass sie von der vorgängigen Behandlung bei Dr. E._ profitiert habe
und die letzte Einstellung der Medikamente auf Cymbalta immerhin eine leichte
Verbesserung gebracht habe. Es seien ausgeprägte soziale Probleme zur Sprache
gekommen, welche die Beschwerdeführerin sehr belasteten. Im Bericht wird der
wechselhafte Verlauf beschrieben, aktuell wird die Arbeitsunfähigkeit auf 100 %
eingeschätzt (act. G 3.2.1). Der Bericht datiert vom 4. März 2011, wurde also zeitlich
nach der Rentenverfügung (Erlassdatum: 28. Januar 2011) erstellt. Das
Sozialversicherungsgericht hat rechtsprechungsgemäss auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen (BGE 132 V
220 E. 3.1.1 mit Hinweisen). Später eingetretene Tatsachen, die zu einer Änderung des
Sachverhalts geführt haben, sind grundsätzlich nicht im Rahmen des hängigen,
sondern im Rahmen eines weiteren Verfahrens zu berücksichtigen (BGE 121 V 366).
Der Bericht vom 4. März 2011 weist gegenüber dem Gutachten auf eine aktuelle
Verschlechterung des Gesundheitszustands hin. Ob eine anhaltende Verschlechterung
tatsächlich eingetreten ist, wäre allenfalls im Rahmen einer Neuanmeldung zu prüfen.
3.
3.1 Gemäss Art. 16 ATSG setzt der Einkommensvergleich zur Ermittlung der für den
Rentenanspruch massgebenden Invalidität den Abschluss allfälliger
Eingliederungsmassnahmen bzw. die Feststellung voraus, dass keine Eingliederung
möglich ist. Diese Bedingung der Rentenzusprache wird als Grundsatz der
"Eingliederung vor Rente" bezeichnet (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage,
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Zürich 2009, Rz 22 zu Art. 16 sowie Rz 15 zu Art. 7). Es handelt sich hierbei um eine
Komponente der allgemeinen Schadenminderungspflicht (Kieser, a.a.O., Rz 47 zu
Vorbemerkungen). Diese Pflicht steht allerdings dann nicht zur Diskussion, wenn wie
vorliegend auch ohne allfällige Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch von
vornherein auszuschliessen ist.
3.2 Der Rechtsvertreter macht geltend, die Beschwerdegegnerin sei ihrer Aufgabe,
die Beschwerdeführerin effektiv wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern,
unzureichend nachgekommen. Es seien mit der Beschwerdeführerin zunächst
Integrationsmassnahmen nach Art. 14a IVG, insbesondere ein Belastbarkeitstraining
hinsichtlich eines späteren Arbeitstrainings und daran anschliessend Arbeitsvermittlung
durchzuführen.
3.2.1 Gemäss den im Recht liegenden Akten wurde der Anspruch auf
Integrationsmassnahmen im Sinne von Art. 14a IVG bislang nicht geprüft. Die
Mitteilung vom 16. November 2011 betraf nur den Anspruch auf Arbeitsvermittlung.
Integrationsmassnahmen mögen durchaus sinnvoll sein. Nachdem diese Frage jedoch
nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildete, ist darüber im vorliegenden
Beschwerdeverfahren nicht zu befinden.
3.2.2 Nach Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG haben arbeitsunfähige Versicherte, welche
eingliederungsfähig sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines
geeigneten Arbeitsplatzes. Was den Anspruch auf Arbeitsvermittlung betrifft, wurde
von der Beschwerdegegnerin zutreffend darauf hingewiesen, dass dieser nicht
Bestandteil des Grundsatzes "Eingliederung vor Rente" bildet. Die Beschwerdeführerin
kann sich jederzeit bei der Beschwerdegegnerin zur Unterstützung bei der
Arbeitssuche melden.
4.
Zu prüfen bleibt die Bestimmung des Invaliditätsgrads. Gemäss Art. 16 ATSG ist zur
Bemessung des Invaliditätsgrads das Einkommen, das die versicherte Person nach
dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
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ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die Beschwerdeführerin weist zu Recht darauf
hin, dass die Beschwerdegegnerin beim Einkommensvergleich von einem zu tiefen
Valideneinkommen ausgegangen ist, da sie das seit mehreren Jahren erzielte
Nebenerwerbseinkommen nicht berücksichtigte. Ob das Valideneinkommen nun
gestützt auf die Angaben der SUVA zum Jahreseinkommen vor dem Unfall mit Fr.
50'656.-- zu berücksichtigen ist, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, kann offen
bleiben. Auch dieses Einkommen übersteigt jedenfalls den Durchschnittslohn für
Frauen im privaten Sektor in einfachen und repetitiven Tätigkeiten (LSE-Tabelle TA1,
Privater Sektor, Total Anforderungsniveau 4) von jährlich Fr. 51'368.-- (vgl. Anhang 2
zur Textausgabe IV 2008) nicht. Damit kann die konkrete Vornahme eines
Einkommensvergleichs offen gelassen werden, da auch bei Vornahme eines
Prozentvergleichs und bei Gewährung des höchstzulässigen Tabellenlohnabzugs von
25% offensichtlich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren würde.
5.
5.1 Auf Grund der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
5.2 Der Beschwerdeführerin ist am 15. April 2011 die unentgeltliche Prozessführung
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbei
ständung) bewilligt worden. Wenn es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gestatten, kann
sie jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Auslagen für die Vertretung
verpflichtet werden (Art. 123 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR
272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS
951.1]).
5.3 Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung
zu befreien.
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5.4 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b Honorarordnung (HonO;
sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat einen Zeitaufwand von 19.55 Stunden geltend gemacht (act. G
9.2). Die Parteientschädigung ist vorliegend jedoch pauschal festzusetzen. Mehr als
eine (übliche) Entschädigung von Fr. 3'500.-- erscheint nicht angemessen. Dieser
Betrag ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes [AnwG; sGS
963.70]). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal mit
Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP