Decision ID: 51c54f24-a82b-55ca-ba96-5ca57fca6efc
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde auf Veranlassung des Sozialamtes B._ am 14. Juni 2012 zum
Bezug von Leistungen bei der Invalidenversicherung angemeldet. Ihr Hausarzt,
Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, notierte im
Gesuchsformular, die Versicherte leide an einer verminderten kognitiven und
cerebralen Leistung (IV-act. 1). Die Chefärztin der Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen, Prof. Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Neurologie, und
lic. phil. E._, Psychologe FSP, berichteten am 9. Juli 2012, Testungen hätten
ergeben, dass bei der Versicherten aus neuropsychologischer Sicht ein sehr niedriges
allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen bestehe. Der Gesamt-IQ liege bei 63,
was im Bereich einer leichten geistigen Behinderung liege (ICD-10: F70.0, leichte
Intelligenzminderung). Zwischen dem Verbal-IQ von 60 und dem Handlungs-IQ von 82
(wobei auch dieser Wert als unterdurchschnittlich zu qualifizieren sei) habe sich eine
signifikante Teilleistungsdifferenz gezeigt. In sämtlichen geprüften Bereichen
bestünden Minderleistungen. Von der Persönlichkeit her wirke die Versicherte kindlich
und naiv. Im emotionalen und im Persönlichkeitsbereich hätten sich Hinweise für
depressive Symptome ergeben. Da die kognitiven Beeinträchtigungen aktuell durch
eine psychische Problematik überlagert würden, sei eine psychotherapeutische
Begleitung zu empfehlen. Die Versicherte habe berichtet, dass sie in der Schule
ungenügende Noten gehabt habe und dass sie von den Lehrpersonen geplagt worden
sei. Sie habe daher bereits mit fünfzehn Jahren zu arbeiten begonnen. Abschliessend
beurteilten die Untersuchenden die Aussichten der Versicherten auf eine Beschäftigung
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im freien Arbeitsmarkt vor dem Hintergrund der beschriebenen Einschränkungen als
begrenzt. Sie empfahlen eine Stellenvermittlung durch die IV, gegebenenfalls in einem
geschützten Rahmen (IV-act. 9-1 f.).
A.b Die Versicherte absolvierte vom 22. Oktober 2012 bis zum 22. Januar 2013 einen
Arbeitsversuch im Alters- und Betreuungsheim F._ (IV-act. 31). In der
anschliessenden Leistungsbeurteilung wurde festgehalten, dass die Versicherte
engagiert und mit Freude gearbeitet habe. Allerdings habe sich gezeigt, dass sie nicht
in der Lage sei, alleine und selbständig in einem Arbeitsbereich zu arbeiten. Sie sei
immer als zusätzliche Mitarbeiterin in einem normalen Teambestand eingestellt
gewesen (IV-act. 36-2). Bei Zeitdruck sei sie überfordert gewesen. Ein Einsatz in der
Waschküche/Lingerie habe abgebrochen werden müssen, da sie durch die Vorgaben
bezüglich bügeln und zusammenlegen überfordert gewesen sei. Die Versicherte sei nur
zu 50% arbeitsfähig, da sie mit einem höheren Pensum körperlich und psychisch
überfordert wäre (IV-act. 37-6). Insbesondere gestützt auf das Ergebnis dieses
Arbeitsversuchs gelangte der Eingliederungsverantwortliche der IV zur Ansicht, dass
die Chancen der Versicherten, im ersten Arbeitsmarkt wieder Fuss zu fassen, aufgrund
der geistigen Minderbegabung sehr gering seien. Er beantragte daher die
Rentenprüfung (IV-act. 38). Am 5. Februar 2013 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass
weitere Eingliederungsmassnahmen nicht erfolgsversprechend wären und die
beruflichen Massnahmen daher abgeschlossen würden (IV-act. 41).
A.c Bereits am 23. November 2012 hatte Dr. med. G._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, berichtet, die Versicherte leide an leichten
Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen. Er diagnostizierte eine
Anpassungsstörung bei einem klinischen Verdacht auf eine leichtgradige
Intelligenzminderung und eine Panikstörung. Die Versicherte habe über
wiederkehrende Ängste und Panikattacken einhergehend mit Herzklopfen berichtet (IV-
act. 42-7 f.). Der Hausarzt der Versicherten gab am 26. Februar 2013 an, es lägen keine
körperlichen Einschränkungen vor. Die Versicherte sei jedoch aufgrund ihrer
Intelligenzminderung auf dem freien Arbeitsmarkt wohl zu 100% arbeitsunfähig (IV-
act. 42-6). In seiner Stellungnahme vom 5. März 2013 vertrat der Regionale Ärztliche
Dienst (RAD) die Auffassung, dass bei der Versicherten kein primärer
Gesundheitsschaden, sondern eine sogenannte "geistige Behinderung" vorliege.
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Medizinisch-theoretisch sei die Versicherte an einem ihren geistigen Fähigkeiten
entsprechenden Arbeitsplatz in der Lage, in einem Vollpensum zu arbeiten. Die
Arbeitsfähigkeit bestimme sich nach den äusseren Rahmenbedingungen (IV-act. 43-2).
A.d Mit einem Vorbescheid vom 12. März 2013 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten an, dass sie das Leistungsbegehren bei einem IV-Grad von 0% abweisen
werde (IV-act. 47). Sie hatte das von der Versicherten früher erzielte Einkommen als
Valideneinkommen einem gleich hohen Invalideneinkommen gegenübergestellt (IV-
act. 44). Zur Begründung führte sie insbesondere an, für die Bemessung des IV-Grades
sei es unerheblich, ob eine zumutbare Tätigkeit tatsächlich ausgeübt werde. Am
22. März 2013 wandte das Sozialamt ein, es sei der Versicherten kaum möglich, eine
gleichwertige Arbeit zu finden und auszuüben (IV-act. 48). Am 23. April 2013 nahm der
Rechtsvertreter der Versicherten Stellung. Er stellte den Antrag, es sei festzustellen,
dass der IV-Grad der Versicherten mindestens 70% betrage, so dass ein Anspruch auf
eine ganze Rente bestehe. Ausserdem ersuchte er um die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege für das Verwaltungsverfahren (IV-act. 54). Am 6. Juni
2013 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens. Sie begründete
diesen Entscheid damit, dass es der Versicherten bis zur Kündigung durch den letzten
Arbeitgeber stets möglich gewesen sei, einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die
Kündigung sei aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt, denn mit der Arbeitsleistung sei
der Arbeitgeber sehr zufrieden gewesen. Die Tätigkeit, welche sie bis zur Kündigung
ausgeführt habe, sei ihr auch weiterhin zumutbar. Arbeitsstellen, die ihrem
Tätigkeitsprofil entsprächen, seien im ersten Arbeitsmarkt weiterhin zu finden (IV-
act. 61).
A.e Am 10. Juni 2013 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Gesuchs um eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren. Sie führte aus, der
Anspruch auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren setze
die Bedürftigkeit der versicherten Person, die fehlende Aussichtslosigkeit der
Rechtsbegehren sowie die sachliche Gebotenheit des Beizugs eines Anwalts voraus.
Im Vorbescheidsverfahren bestehe nur in Ausnahmefällen ein Anspruch auf eine
anwaltliche Vertretung, nämlich wenn schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen
dies als notwendig erscheinen liessen und eine Verbeiständung durch
Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- oder Vertrauensleute sozialer
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Institutionen nicht in Betracht käme. Bei der Frage, ob die Versicherte ihre
Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt verwerten könne, handle es sich nicht um
eine besonders schwierige Rechtsfrage. Somit fehle es an der sachlichen Gebotenheit
des Beizugs eines Anwaltes. Die Versicherte hätte sich von Fachleuten sozialer
Institutionen beraten und helfen lassen können. Zudem sei davon auszugehen, dass
das Rechtsbegehren aussichtlos gewesen sei (IV-act. 63).
B.
B.a Am 4. Juli 2013 liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde
gegen die am 6. Juni 2013 verfügte Abweisung ihres Rentengesuches erheben
(Verfahren IV 2013/347, act. G 1). Der Rechtsvertreter beantragte, die Verfügung sei
aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Invaliditätsgrad der Versicherten über
70% liege, weshalb sie Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Zur Begründung
führte er an, die Ärzte hätten die Aussichten auf eine Beschäftigung der Versicherten
auf dem freien Arbeitsmarkt vor dem Hintergrund der leichten Intelligenzminderung als
beschränkt beurteilt. Nach Rz 1011 des Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) sei eine Intelligenzminderung in jedem
Fall mittels geeigneter Testbatterien zu quantifizieren. Bei einem Intelligenzquotienten
von unter 70 sei in der Regel von einer verminderten Arbeitsfähigkeit auszugehen. In
jedem Einzelfall müsse jedoch eine objektive Beschreibung der Auswirkungen auf das
Verhalten, auf die berufliche Tätigkeit, auf die Tätigkeit des täglichen Lebens und auf
das soziale Umfeld vorliegen. Eine solche Abklärung sei durch den
Eingliederungsverantwortlichen durchgeführt worden. In seinem Bericht sei er zum
Schluss gekommen, dass die Versicherte im ersten Arbeitsmarkt nicht wieder Fuss
fassen könne. Im ersten Arbeitsmarkt gebe es also keine Arbeitsplätze mit Tätigkeiten,
welche die Versicherte mit ihrer geistigen Minderbegabung ausführen könne. Der
Beurteilung des Eingliederungsberaters seien Arbeitsversuche und Gespräche mit
Ärzten voraus gegangen. Insbesondere die Arbeit im Alters- und Betreuungsheim habe
aufgezeigt, dass die Versicherte nicht mehr in der Lage sei, im ersten Arbeitsmarkt tätig
zu sein. Sie sei zwar als angenehme und motivierte Mitarbeiterin beschrieben worden,
habe aber nicht alleine und selbständig in einem Arbeitsbereich tätig sein können. Sie
sei ständig auf konkrete Anweisungen angewiesen. Selbst kleine und leichte Arbeiten
wie Wäsche bügeln und zusammenlegen überfordern die Versicherte. Weiter sei zu
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beachten, dass die Versicherte auch in ihrem Alltag schnell überfordert sei, was
Angstzustände auslöse. So könne sie beispielsweise nicht alleine die öffentlichen
Verkehrsmittel benützen. Auch im Alltagsleben brauche sie Unterstützung, die ihr durch
ihren Bruder und dessen Frau gewährt werde. Auch der RAD sei zur Einschätzung
gelangt, dass die Versicherte nur an einem geschützten Arbeitsplatz tätig sein könne.
Medizinisch-theoretisch sei die Versicherte in der Lage, an einem ihren geistigen
Fähigkeiten entsprechenden Arbeitsplatz in einem Vollpensum zu arbeiten. Ob die
Arbeitsfähigkeit wirtschaftlich verwertbar sei, habe der RAD nicht beurteilen können.
Solche Nischenarbeitsplätze existierten aber heute auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nicht mehr, da diese Arbeitsplätze ins Ausland ausgelagert oder durch
Maschinen ersetzt worden seien. Das Alters- und Betreuungsheim F._ habe der
Versicherten eine Praktikumsstelle angeboten, bei der sie Fr. 400.-- im Monat
verdienen würde. Dabei sei betont worden, dass die Arbeit der Versicherten nicht mehr
wert sei, da sie ständig betreut und beaufsichtigt werden müsse. Damit sei
ausgewiesen, dass im ersten Arbeitsmarkt ein IV-Grad von mehr als 70% bestehe.
B.b Am 10. Juli 2013 erhob der Rechtsvertreter Beschwerde gegen die Verfügung
vom 10. Juni 2013, mit der das Gesuch um die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege abgewiesen worden war (Verfahren IV 2013/362, act. g 1). Er beantragte
die Aufhebung der Verfügung. Weiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihn
für das Vorbescheidsverfahren im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
mit Fr. 954.70 zu entschädigen. Zur Begründung führte er an, gemäss Art. 37 Abs. 4
ATSG werde einer gesuchstellenden Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand
bewilligt, wo die Verhältnisse es erforderten. Als Voraussetzungen gälten die finanzielle
Bedürftigkeit, die fehlende Aussichtslosigkeit sowie die Erforderlichkeit der Vertretung.
Da die Beschwerdeführerin einen IQ von 63 habe (wobei man von einer leichten
geistigen Behinderung spreche) und man bei einem IQ von unter 70 in der Regel von
einer verminderten Arbeitsfähigkeit ausgehe, könne vorliegend nicht gesagt werden,
das Verfahren sei aussichtslos gewesen. Die Beschwerdeführerin sei durch das
Sozialamt B._ betreut worden. Da der zuständige Sachbearbeiter mit den IV-Akten
nicht zurecht gekommen sei, habe dieser der Beschwerdeführerin empfohlen, einen
Anwalt beizuziehen. Dies zeige auf, dass es sich nicht um ein einfaches Verfahren
handle. Insbesondere die Frage, wie weit sich die Minderintelligenz auf die
Erwerbsfähigkeit auswirke, stelle keine einfache Frage dar. Es seien rechtliche
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Abklärungen notwendig gewesen. Weder von der Beschwerdeführerin noch von einem
Sozialarbeiter oder einer Fachperson einer sozialen Institution könne verlangt werden,
dass sie sich diesbezüglich genügend auskennten, um der Beschwerdegegnerin
fachlich genügend kompetent gegenüber treten zu können. Für das Aktenstudium, die
Begründung der Stellungnahme und das Studium der Verfügung habe er vier Stunden
und fünfzehn Minuten gebraucht. Bei einem reduzierten Stundensatz von Fr. 200.--
ergebe sich ein Honoraranspruch von Fr. 850.--, woraus sich zusammen mit den
Barauslagen und der Mehrwertsteuer ein Betrag von Fr. 954.70 ergebe.
B.c Am 6. September 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung
beider Beschwerden (IV 2013/347, act. G 5). Zur Begründung führte sie an, die
Beschwerdeführerin sei trotz Minderintelligenz und beschränkter Auffassungsgabe
über Jahre hinweg erwerbstätig gewesen. Wegen der Kündigung der langjährigen
Arbeitsstelle und der gleichzeitig aufgetretenen Eheprobleme sei es zu einer
psychischen Beeinträchtigung gekommen. Dr. G._ habe eine Anpassungsstörung bei
einem klinischen Verdacht auf eine leichtgradige Minderintelligenz diagnostiziert. Diese
Anpassungsstörung werde durch die erwähnten (invaliditätsfremden) psychosozialen
Faktoren (Arbeitslosigkeit und Eheprobleme/Scheidung) bestimmt und unterhalten.
Unter diesen Umständen sei der Belastungsstörung, die adäquater ärztlicher
Behandlung zugänglich sei, keine invalidisierende Wirkung beizumessen. Vielmehr sei
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer positiven Veränderung der
psychosozialen Problematik trotz ihrer Minderintelligenz in der Lage wäre, eine ihren
Fähigkeiten angepasste leichte Hilfsarbeit in einem Vollpensum auszuüben. Für die
Invaliditätsbemessung sei insbesondere nicht darauf abzustellen, ob eine invalide
Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden könne,
sondern einzig darauf, ob sie ihre Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn
die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden. Da
der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze umfasse, also
Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen
Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen könnten, erscheine für die
Beschwerdeführerin das Finden einer ihrer Minderintelligenz angepassten Stelle nicht
zum vornherein ausgeschlossen, zumal der Eingliederungsberater bestätigt habe, dass
ähnliche Stellen, wie diejenige, welche die Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübt habe,
auf dem ersten Arbeitsmarkt vorhanden seien.
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B.d Zum Anspruch auf eine unentgeltliche Verbeiständung im Verwaltungsverfahren
führte die Beschwerdegegnerin am 6. September 2013 aus (IV 2013/362, act. G 4), die
Frage, wie weit sich die Minderintelligenz auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auswirke, stelle keine besonders schwierige Rechtsfrage dar. Dass
der Mitarbeiter der Sozialen Dienste B._ den Beizug eines Anwaltes empfohlen habe,
besage noch nicht, dass eine mit der Materie des IV-Rechts vertrautere Fachperson
einer anderen sozialen Institution oder einer unentgeltlichen Rechtsberatungsstelle
nicht dazu bereit oder in der Lage gewesen wäre, der Beschwerdeführerin die im
Verwaltungsverfahren erforderliche Hilfe zukommen zu lassen. Somit fehle es an der
sachlichen Gebotenheit des Beizugs eines Anwaltes.
B.e Am 10. September 2013 entsprach das Gericht dem Gesuch um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege für die beiden Verfahren vor dem
Versicherungsgericht (act. G 6 bzw. act. G 5).
B.f In seiner Replik vom 8. Oktober 2013 (act. G 9 bzw. G 8) führte der
Rechtsvertreter an, es stehe fest, dass die Beschwerdeführerin eine leichte geistige
Behinderung habe. Zwar sei es ihr in der Vergangenheit gelungen, trotz ihrer
Minderintelligenz beschäftigt zu werden. Diese Beschäftigung sei aber an einem
Nischenarbeitsplatz erfolgt, der aus wirtschaftlichen Gründen aufgehoben worden sei.
Der Eingliederungsberater habe zwar angegeben, dass in der freien Wirtschaft solche
Arbeitsplätze vorhanden seien, er sei aber nicht in der Lage gewesen anzugeben, bei
welchen Firmen solche Arbeitsplätze bestünden und welche Arbeiten dort ausgeführt
würden. Er habe der Beschwerdeführerin weder eine solche Stelle zuweisen, noch
habe er ihr bei der Suche behilflich sein können. Tatsache sei hingegen, dass die
Beschwerdeführerin versucht habe, im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Der
Arbeitsversuch im Alters- und Betreuungsheim habe aber die Limiten der
Beschwerdeführerin klar aufgezeigt. Sie sei nicht in der Lage, allein und selbständig in
einem Arbeitsbereich zu arbeiten, brauche stetige konkrete Anweisungen und müsse
ständig beobachtet werden. Die Tatsache, dass es der Beschwerdeführerin bis anhin
gelungen sei, trotz ihrer Minderintelligenz Arbeit zu finden, dürfe nicht gegen sie
verwendet werden. Die Beschwerdeführerin hätte schon kurz nach dem Ende ihrer
Schulzeit einen Antrag auf IV-Rente stellen können und hätte diese auch erhalten. Sie
dürfe nun nicht "bestraft" werden, wenn es ihr heute nicht mehr gelinge, eine
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Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt zu finden. In Bezug auf die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren führte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin sinngemäss aus, die Frage, ob letztere ihre Arbeitsfähigkeit auf
dem ersten Arbeitsmarkt verwerten könne, sei wohl tatsächlich keine besonders
schwierige. Allerdings zeige das vorliegende Verfahren auf, dass sogar die
Beschwerdegegnerin mit dieser einfachen Frage überfordert sei, denn sie habe aus
dem Sachverhalt völlig falsche Schlüsse gezogen.
B.g Die Beschwerdegegnerin hielt am 14. Oktober 2013 an ihren Ausführungen und
Anträgen fest (act. G 11 bzw. act. G 10).

Erwägungen:
1.
Der von der Beschwerdegegnerin verneinte und nun vorliegend strittige mögliche
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung
bezieht sich auf das Verwaltungsverfahren, das von der Beschwerdegegnerin mit der
ebenfalls angefochtenen Abweisung des Rentenbegehrens der Beschwerdeführerin
abgeschlossen worden ist. Die beiden Beschwerdeverfahren weisen also dieselben
Parteien auf. Da ein enger sachverhaltlicher und rechtlicher Zusammenhang zwischen
den beiden Beschwerdeverfahren besteht, hat eine gemeinsame Beurteilung erhebliche
verfahrensökonomische Vorteile. Aus diesem Grund werden die beiden
Beschwerdeverfahren vereinigt.
2.
2.1 Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28
IVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder länger dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 ATSG). Unter Erwerbsunfähigkeit versteht man den
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachten und nach einer zumutbaren Behandlung und Eingliederung verbliebenden
ganzen oder teilweisen Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die Grundbedingung
für das Vorliegen einer Erwerbsunfähigkeit - und damit für das Bestehen einer
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Invalidität - ist also eine Gesundheitsbeeinträchtigung. Die Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen hat einen Gesamt-IQ der Beschwerdeführerin von 63
ermittelt. Sie hat dies als leichte geistige Behinderung (ICD-10: F70.0) qualifiziert. Der
Psychiater Dr. G._ hat eine Anpassungsstörung (bei einem Verdacht auf eine
leichtgradige Intelligenzminderung) und eine Panikstörung diagnostiziert. Der Hausarzt
Dr. C._ hat diese Diagnose übernommen, indem er - neben einem sehr niedrigen
intellektuellen Leistungsvermögen - eine Anpassungsstörung mit Panikattacken
angegeben hat. Dr. H._ vom RAD hat dazu ausgeführt, die Intelligenzminderung sei
als "geistige Behinderung" zu qualifizieren. Verhaltensauffälligkeiten, die bei normal
begabten Personen einer psychiatrischen Abklärung bedürften, seien hier i.d.R. dem
Phänomen der Minderintelligenz zuzuschreiben. Damit hat Dr. H._ das Vorliegen
einer Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit der Beschwerdeführerin bejaht. Das
gilt an sich auch für das Bestehen einer Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit.
Allerdings hat Dr. H._ diesbezüglich die Auffassung vertreten, die
Anpassungsstörung sei im Falle der Beschwerdeführerin kein eigenständiges Leiden,
sondern nur der Ausdruck der Intelligenzminderung. Medizinisch dürfte das keinen Sinn
machen, denn die Anpassungsstörung ist, wie sich den Angaben von Dr. G._
entnehmen lässt, eine eigenständige Diagnose. Die Aussage von Dr. H._ dürfte also
auf der "rechtlichen" Überlegung beruhen, dass die Anpassungsstörung im Rahmen
der Invaliditätsbemessung irrelevant sein müsse, weil sie ihre Hauptursache in der
Intelligenzminderung bzw. in der dadurch bewirkten Überforderung der
Beschwerdeführerin habe. Für eine derartige rechtliche "Ausschaltung" der
Anpassungsstörung (inklusive der Panikstörung) bzw. der dadurch allenfalls bewirkten
Arbeitsunfähigkeit fehlt aber eine gesetzliche Grundlage. Die Beschwerdegegnerin ist
allerdings in der Folge sogar noch weiter gegangen, indem sie auch der
Intelligenzminderung selbst zum Vornherein jede Fähigkeit abgesprochen hat, sich im
Sinne von Art. 7 Abs. 1 ATSG nachteilig auf die Erwerbsmöglichkeiten der
Beschwerdeführerin auszuwirken. Sie hat das erreicht, indem sie beim
Einkommensvergleich gemäss Art. 16 ATSG als Valideneinkommen das von der
Beschwerdeführerin an deren langjährigen Arbeitsplatz erzielte bzw. erzielbare, weit
unterdurchschnittliche Einkommen herangezogen hat. Im Ergebnis hat sie damit
behauptet, dass die "Validität", also die erwerbliche Leistungsfähigkeit bei - fiktiv -
vollumfänglich erhaltener Gesundheit, in der Situation mit der Beeinträchtigung der
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geistigen Gesundheit in der Form einer Intelligenzminderung bestehe. Entgegen dem
klaren Wortlaut des Art. 7 Abs. 1 ATSG ist also eine Beeinträchtigung der geistigen
Gesundheit in der Form einer Intelligenzminderung als Ursache einer möglichen
Invalidität bewusst ignoriert worden. Die richtige Anwendung des Art. 7 Abs. 1 und des
Art. 16 ATSG kann nur darin bestehen, dass die valide Situation der
Beschwerdeführerin, also der - fiktive - Zustand ohne jede Beeinträchtigung der
Gesundheit, der effektiven Situation mit einer Beeinträchtigung der geistigen und
allenfalls auch der psychischen Gesundheit gegenübergestellt wird.
2.2 Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert. Dem Auszug aus
dem individuellen Konto ist zu entnehmen, dass sie ab 198_ – also seit ihrem
1_. Lebensjahr – bis 2005 stets beim gleichen Arbeitgeber tätig gewesen ist (vgl. IV-
act. 5-3). Nach dem Verlust dieses Arbeitsplatzes hat sie nur noch Temporäreinsätze
leisten können. Die Beschwerdeführerin hat bei der Abklärung durch die Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen angegeben, dass sie bereits mit
fünfzehn Jahren angefangen habe zu arbeiten, weil sie Geld habe verdienen wollen.
Tatsächlich hat die Firma I._ bestätigt, dass die Beschwerdeführerin von Juli bis
Oktober 1979 als Mitarbeiterin in der Produktion tätig gewesen sei (vgl. IV-act. 39-9).
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit hat die Beschwerdeführerin aber nicht nur
deshalb bereits mit fünfzehn Jahren begonnen, als Hilfsarbeiterin tätig zu sein, weil sie
ein eigenes Einkommen hat erzielen wollen, sondern auch weil ihr klar gewesen ist,
dass sie als Folge ihrer Intelligenzminderung keine Möglichkeit hatte, erfolgreich eine
Berufsausbildung zu absolvieren. Aufgrund der überzeugenden Aussagen der Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen weist die Beschwerdeführerin einen IQ von 63
auf, was medizinisch als leichte geistige Behinderung qualifiziert wird. Der von der
Beschwerdegegnerin initiierte Arbeitsversuch mit geringen Anforderungen an die
intellektuelle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat gezeigt, dass diese auch
bei einfachen Abläufen nicht fähig ist, selbständig zu arbeiten. Sie hat ständig konkrete
Anweisungen benötigt und sie hat kontrolliert werden müssen. Unter Zeitdruck ist sie
überfordert gewesen. Der Einsatz in der Waschküche/Lingerie hat abgebrochen
werden müssen, weil die Beschwerdeführerin durch die Vorgaben bezüglich des
Bügelns und des Zusammenlegens der Wäsche überfordert gewesen ist (vgl. IV-
act. 37-6). Ein Gespräch des Eingliederungsberaters mit einem ehemaligen
Vorgesetzten bei einem Temporäreinsatz hat ergeben, dass die Arbeitsleistung der
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Beschwerdeführerin ungenügend gewesen sei; es habe ein grosser Erklärungsbedarf
bestanden. Eine Personalverantwortliche eines anderen Betriebes, bei dem die
Beschwerdeführerin kurzzeitig tätig gewesen war, hat erklärt, dass die
Beschwerdeführerin bei einer einfachen Tätigkeit mit einer halbautomatischen
Maschine eine gute Arbeitsleistung bei durchschnittlicher Geschwindigkeit erbracht
habe. Bei der Tätigkeit am zweiten Arbeitsplatz, bei der die Beschwerdeführerin ein
Display habe bedienen müssen, sei sie bereits überfordert gewesen. Diese
Personalverantwortliche war der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin kognitiv schnell
überfordert sei. Der Eingliederungsberater der Beschwerdegegnerin hat daraus den
Schluss gezogen, dass es schwierig sein dürfte, einen Arbeitsplatz zu finden, bei dem
die Beschwerdeführerin die geforderte Leistung erbringen könne. Die Arbeit dürfe nur
geringe intellektuelle Anforderungen stellen und die Abläufe sollten sich wiederholen
(vgl. IV-act. 16-4). Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich also um eine frühinvalide
Person, der es aufgrund der Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit nicht möglich
gewesen ist, einen Beruf zu erlernen. Ihre Validenkarriere kann nicht in einer Hilfsarbeit
bestehen, denn es ist aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung davon auszugehen,
dass sie einen Beruf erlernt hätte, wenn sie dazu fähig gewesen wäre. Allerdings lässt
sich nicht mehr ermitteln, welchen Beruf sie gewählt hätte, so dass sich auch kein
konkretes Valideneinkommen ermitteln lässt. In dieser Situation der Beweislosigkeit
ordnet Art. 26 IVV das Abstellen auf Durchschnittslöhne an. Der massgebende
Durchschnittslohn hat sich im Jahr 2012 auf Fr. 77'000.-- belaufen. Somit wird dieser
Betrag als Valideneinkommen in den von der Beschwerdegegnerin nachzuholenden
Einkommensvergleich einzusetzen sein.
2.3
2.3.1 Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin lange Zeit im ersten Arbeitsmarkt hat
tätig sein können, belegt ausreichend, dass sie ihre Arbeitsfähigkeit trotz der durch die
Minderintelligenz stark herabgesetzten Qualifikation nicht nur in einem geschützten
Umfeld verwerten kann. Die Invalidenkarriere besteht also in einer Erwerbstätigkeit im
ersten Arbeitsmarkt. Die Beschwerdegegnerin hat ein zumutbares Invalideneinkommen
von Fr. 45'277.-- berücksichtigt, wobei sie auf den Lohn abgestellt hat, den die
Beschwerdeführerin erzielen könnte, wenn sie ihren langjährigen Arbeitsplatz noch
hätte. Sie hat zu Recht nicht auf den Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne in der
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Tabelle TA1 der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung
(LSE) abgestellt, denn die Beschwerdeführerin ist nicht fähig, eine Arbeitsleistung in der
Qualität zu erbringen, die erforderlich wäre, um einen durchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohn zu rechtfertigen. Sie kann nur Hilfsarbeiten ausführen, die sehr
tiefe Anforderungen an die intellektuellen Fähigkeiten stellen und deshalb nur einen
weit unter dem Zentralwert aller Hilfsarbeiterinneneinkommen liegenden Lohn
rechtfertigen. Diesem Nachteil der Beschwerdeführerin kann nicht durch einen Abzug
vom Zentralwert Rechnung getragen werden, denn mit diesem Abzug wird nicht einer
weit unterdurchschnittlichen Qualifikation Rechnung getragen. Hinter dem
Tabellenlohnabzug steht der Gedanke, dass es einer Hilfsarbeiterin grundsätzlich
möglich wäre, mit einer durchschnittlichen Qualifikation einen dem Zentralwert gemäss
der Tabelle TA1 der LSE entsprechenden Lohn zu erzielen, dass aber andere Nachteile
wie etwa der Dienstaltersnachteil, die Gefahr überdurchschnittlicher
Krankheitsabsenzen oder die Beschränkung auf einen ganz bestimmten Arbeitsplatz
oder auf einen maximalen (Teilzeit-) Beschäftigungsgrad (reduzierte Einsatzflexibilität)
zu einem unter dem Zentralwert liegenden Lohn führten. Der durch eine
Intelligenzminderung bewirkten Beschränkung auf einfachste, unqualifizierteste
Hilfsarbeiten lässt sich also, wie die Beschwerdegegnerin richtig erkannt hat, nicht mit
der üblichen Kombination von Zentralwert und Tabellenlohnabzug Rechnung tragen.
Vielmehr ist in jedem Einzelfall anhand der konkreten Einschränkungen nach dem
angemessenen Lohnniveau zu suchen. Im vorliegenden Fall hat sich dazu der Lohn an
jener konkreten Arbeitsstelle angeboten, an der die Beschwerdeführerin, nach der
Dauer der Beschäftigung zu urteilen, ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt
worden ist.
2.3.2 Die Beschwerdegegnerin hat fälschlicherweise unterstellt, dass die
Beschwerdeführerin an einem solchen Arbeitsplatz zu 100% arbeitsfähig sei. Dieser
Fehler dürfte auf die "rechtliche" Überlegung von Dr. H._ vom RAD zurückzuführen
sein, dass die Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit (Anpassungsstörung,
Panikstörung) keine Arbeitsunfähigkeit bewirken könne, weil sie ihre Ursache
ausschliesslich in der Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit, also in der
Intelligenzminderung habe. Abgesehen davon, dass diese Behauptung medizinisch
nicht belegt ist, ist diese "rechtliche" Überlegung unhaltbar, denn massgebend für die
Arbeitsfähigkeit kann nur sein, ob die Symptome der Beeinträchtigung der psychischen
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Gesundheit zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Hilfsarbeit
führen. Da die Beschwerdegegnerin dieser Frage nicht nachgegangen ist, d.h. eine
unabhängige medizinische Abklärung unterlassen hat, steht der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer der Intelligenzminderung adaptierten Hilfsarbeit nicht mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Es ist
durchaus möglich, dass die psychische Beeinträchtigung die Arbeitsfähigkeit
herabsetzt. Da die Beschwerdegegnerin diesbezüglich ihre Abklärungspflicht verletzt
hat, ist die Sache zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen Entscheidung
über das Rentenbegehren an sie zurückzuweisen. Dabei wird die Beschwerdegegnerin
zu beachten haben, dass eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit durchaus
indirekt dazu führen kann, dass neben dem Grad der Arbeitsunfähigkeit noch ein
zusätzlicher Abzug vom Lohn erfolgen muss, beispielsweise wenn ein potentieller
Arbeitgeber mit einer von Tag zu Tag stark schwankenden Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zu rechnen hätte und deshalb grosse Schwierigkeiten bei der
Planung des Arbeitseinsatzes hätte.
2.4 Da die Beschwerdeführerin als frühinvalid gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV zu qualifi
zieren ist, ist das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG praxisgemäss als mit der
Anmeldung zum Leistungsbezug erfüllt zu betrachten. Die Beschwerdeführerin hat sich
am 14. Juni 2012 zum Bezug von Leistungen angemeldet. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG
wäre ein allfälliger Anspruch auf eine Invalidenrente am 1. Dezember 2012 entstanden.
3.
Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der gesuchstellenden Person im
Sozialversicherungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die
Verhältnisse es erfordern. Die Voraussetzungen für die Bewilligung sind (in Analogie
zum gerichtlichen Verfahren) die finanzielle Bedürftigkeit, die fehlende
Aussichtslosigkeit und die Erforderlichkeit der Vertretung (vgl. BBl 1999 4595). Den
höheren Anforderungen im Verwaltungsverfahren soll insofern Rechnung getragen
werden, als die Erforderlichkeit der Vertretung eingehend zu prüfen ist. Dabei wird auf
die Schwierigkeit des Falles und auf die Verfahrensphase abgestellt (BBl 1999 4595;
vgl. auch BGE 132 V 201; Entscheid 9C_816/2008 vom 12. März 2009, E. 4.1). Der
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Beschwerdeführerin ist es angesichts ihrer Intelligenzminderung offensichtlich nicht
möglich gewesen, ihre Interessen im Verwaltungsverfahren selbst zu vertreten. Sie ist
vom Sozialamt dazu angehalten worden, sich bei der Beschwerdegegnerin zum
Leistungsbezug anzumelden. In der Folge sind ihre Interessen durch das Sozialamt
vertreten worden. Als das Sozialamt aber selbst nicht mehr weiter gewusst hat, hat es
der Beschwerdeführerin den Beizug eines Rechtsanwaltes empfohlen. Diese hat
lediglich diese Empfehlung des Sozialamtes befolgt. Aufgrund der Intelligenzminderung
hat von der Beschwerdeführerin nicht verlangt werden können, dass sie entgegen der
Empfehlung des Sozialamtes zunächst keinen Rechtsanwalt aufsuche, sondern sich
weiter erkundige, ob gegebenenfalls eine andere soziale Institution ihre Interessen
wahrnehmen könnte. Im Übrigen wäre, wie die nachfolgende Erwägung zeigt, eine
soziale Institution ohne vertiefte IV-rechtliche Kenntnisse mit der Vertretung der
Beschwerdeführerin überfordert gewesen. Besteht die Gesundheitsbeeinträchtigung in
einer bereits im Kindesalter aufgetretenen Intelligenzminderung, stellen sich im
Zusammenhang mit der Invaliditätsbemessung Fragen, die in einem "normalen"
Rentenfall nicht auftauchen. Das betrifft die Validenkarriere, die sich aufgrund des
krankheitsbedingten Unterbleibens einer qualifizierten Berufsausbildung
unüblicherweise nicht anhand der bisherigen beruflichen Betätigung der versicherten
Person bestimmen lässt ("geburtsinvalid"). Es betrifft aber auch die Bemessung des
zumutbaren Invalideneinkommens, die sich nicht auf die LSE stützen kann und die sich
deshalb nicht auf eine Reduktion des Zentralwertes der Hilfsarbeiterinnenlöhne um den
Arbeitsunfähigkeitsgrad und den Tabellenlohnabzug beschränken kann. Die
Schwierigkeiten, die selbst die Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit der
Bemessung der Invalidität der Beschwerdeführerin an den Tag gelegt hat, zeigen
deutlich die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Verwaltungsverfahren auf.
Dass das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin nicht aussichtslos war, war
offenkundig. Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist angesichts der bereits
während des Verwaltungsverfahrens ausgerichteten finanziellen Unterstützung durch
die Sozialhilfe ausgewiesen. Die Beschwerdeführerin hat deshalb einen Anspruch auf
eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren. Das geltend
gemachte Honorar von Fr. 954.70 ist angemessen.
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die beiden angefochtenen Verfügungen vom
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6. (Invalidenrente) und vom 10. Juni (unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren) 2013 als rechtswidrig aufzuheben sind. In Bezug auf die von der
Beschwerdeführerin beanspruchte Invalidenrente ist die Sache zur weiteren Abklärung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In Bezug auf die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren ist eine Entschädigung von Fr. 954.70
zuzusprechen.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- für
das Verfahren IV 2013/347 (Invalidenrente) und von Fr. 300.-- für das Verfahren IV
2013/362 (unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren) erscheinen
als angemessen. Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin hat demnach
Gerichtsgebühren im Gesamtbetrag von Fr. 900.-- zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
5.2 Die praxisgemäss auch im Rückweisungsentscheid vollumfänglich obsiegende
Beschwerdeführerin hat in beiden Beschwerdeverfahren einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese Entschädigungen sind vom Gericht ermessensweise
festzusetzen, wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand
Rechnung zu tragen ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Im
Verfahren IV 2013/347 betreffend die Invalidenrente erscheint praxisgemäss eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen. Für das Verfahren IV 2013/362 erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 800.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin demnach mit
insgesamt Fr. 4'300.-- zu entschädigen.