Decision ID: cdbb49f0-34ed-4bc5-9cab-64b30d0a963e
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985,
leidet
seit Geburt
an einer
cerebralen
Bewegungsstö
rung
(vgl.
Urk.
11/134/5
), an einer
residuellen
spastischen
Tetraparese
, beidsei
ti
gem
Hallux
valgus
und einer Makrozephalie (
Urk.
11/196/2 oben)
und
bezieh
t seit
1.
Oktober 2005 eine ganze Rente der Invalidenversicherung (
Urk.
11/128).
Am
9.
Januar 2013 wurde die Versicherte Mutter (
Urk.
11/185). Die
Sozialversi
che
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, veranlasste daraufhin eine Revi
sion der Rente (
Urk.
11/191), in deren Rahmen auch eine Haushaltabklärung durch
geführt wurde (Bericht vom 1
3.
Juni 2013;
Urk.
11/194). Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/197-203) setzte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom
6.
November 2013 die bisherige ganze Rente auf eine
Dreiviertels
rente
herab (
Urk.
11/205;
Urk.
11/207 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
6.
November 2013 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am
2.
Dezember 2013 Beschwerde und beantragte deren Aufhebung und die
Wei
ter
ausrichtung
der bisherigen ganzen Rente. Mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Janu
ar
2014 (
Urk.
10) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Be
schwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
8.
Februar 2014 zur Kenntnis ge
bracht wur
de.
Gleichzeitig wurde ihr antragsgemäss (
Urk.
1 S. 1) die unent
gelt
liche Rechts
pflege
und Rech
tsvertretung
bewilligt (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch
zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn
sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heits
zustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
1.2
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Ge
sichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung
(IVG)
in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der an
wendbaren Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nicht
erwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Me
tho
d
e
der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, ge
misch
te Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Üb
rigen un
veränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchti
gung be
stünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der
versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in
wel
chem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne Gesundheitsschaden, aber bei
sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
IVV). Die ge
mischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemes
sung des Invaliditätsgrades (BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der
allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme ei
ner
im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbs
tätigkeit ist der im
Sozialversi
che
rungsrecht
übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfor
der
lich (
BGE 137 V 334
E.
3.2,
130 V 393
E.
3.3,
125 V 146
E.
2c, je mit Hin
weisen)
.
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl.
Art.
27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie all
fällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
gen und Begabungen zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 mit Hinweisen auf BGE 133 V 504 E. 3.3).
Bei der Bestimmung der im konkreten Fall anwendbaren
Invaliditäts
be
mess
ungs
methode
und damit der Beantwortung der entscheiden
den Statusfrage handelt es
sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische
Willens
ent
schei
dungen
der versicherten Person berücksichtigen muss. Dies gilt auch für die Frage, in welchem
Ausmass
die versicherte Person ohne gesundheitliche Beein
trächtigung erwerbstätig wäre. Diese inneren Tatsa
chen sind indessen einer direk
ten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel aus
äusseren
Indizien erschlossen werden. Die Beurteilung hypo
thetischer Geschehensabläufe
ist eine Tatfrage, soweit sie auf Beweiswürdigung beruht, selbst wenn darin auch
Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Le
benserfahrung mitberücksichtigt wer
den. Rechtsfragen sind hingegen Folgerun
gen, die
ausschliesslich
- losgelöst
vom konkreten Sachverhalt - auf die allge
meine Lebenserfahrung gestützt wer
den oder die Frage, ob aus festgestellten In
dizien mit Recht auf bestimmte
Rechts
folgen geschlossen worden ist (vgl.
Ur
teile des Bundesgerichts 9C_287/2013
vom
8.
November 2013 E.
3.5
und
8C_511/2013 vom 3
0.
Dezem
ber 2013, je
mit Hinweisen).
1.3
Bei verheirateten Versicherten ist überdies die eherechtliche Aufgaben- und Rollenverteilung im Rahmen der ehelichen Gemeinschaft zu beachten. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass das Eherecht die Gleichberechtigung der Eheleute verwirklicht und auf jede gesetzlich bestimmte Aufgabenteilung ver
zichtet hat. Es ist ausdrücklich dem Ehepaar überlassen, sich über die Rollen
verteilung sowie über Art und Umfang ihrer Beiträge an den Unterhalt der Fa
milie zu einigen (
Art.
163
Abs.
2 ZGB) und sich über die für die Bestreitung ihrer eigenen und der Bedürfnisse ihrer Kinder zweckmässige und notwendige Aufgabenteilung zu verständigen (BGE 117 V 194, 114 II 13 E. 3). Mit dieser Freiheit der Eheleute in der Ausgestaltung ihrer Partnerschaft ist es nicht zu
vereinbaren, einer traditionellen Rollenverteilung, die der Frau die Besorgung des
Haushaltes zuweist, im Rahmen der Invaliditätsbemessung den Vorrang ein
zu
räumen und die beruflich-erwerblichen Interessen der Ehefrau geringer ein
zu
stufen als diejenigen des Ehemannes (BGE 117 V 194). Ob eine versicherte
Person ohne Gesundheitsschaden ganz oder teilweise erwerbstätig wäre oder den
Haushalt besorgen würde, ist somit auch unter eherechtlichen Gesichts
punkten aufgrund einer Gesamtwürdigung der persönlichen, beruflichen, sozia
len und ökonomischen Umstände des konkreten Falles zu beurteilen, wobei kei
nem
dieser Kriterien zum vornherein vorrangige Bedeutung zukommt (BGE 117 V 194
in
fine
; SVR 1994 IV Nr.
17 E.
4a, AHI 1997 S.
289 und 1996 S.
197
f. E. 1c).
Diese Grundsätze gelten auch bei der Rentenrevision und im
Neuanmel
dungs
verfahren
. Die in einem bestimmten Zeitpunkt massgebende Methode der
In
va
li
di
tätsschätzung
präjudiziert die künftige Rechtsstellung der versicherten Person nicht.
1.4
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach
Mass
gabe
des
Art.
69
Abs.
2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesund
heit
lichen Einschränkung im Haushalt dar (Urteil 9C_201/2011 vom 5. Septem
ber 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86).
Für den Beweiswert eines Berichte
s über die Abklärung im Haushalt einer ver
sicherten Person sind - analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E.
3a mit Hinweis) - verschiedene Faktoren
zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält
nissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein
träch
tigungen und Behinderun
gen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Per
son zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Be
richt aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detail
liert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und
in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Triff
t
all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.
2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 E. 4 betref
fend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosig
keit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im
Abklä
rungsbe
richt
enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haus
halt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines
Abklärungs
be
richts
, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von
teiler
werbs
tätigen
Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hin
weisen
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid damit, dass die Beschwer
deführerin ab der Geburt ihres Kindes im Januar 2013 bei guter Gesundheit im Rahmen von 45
%
einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Die restlichen 55
%
ent
fielen in den Haushaltbereich. Die Einschränkung im Haushalt betrage 39.2
%
.
Dies ergebe einen Invaliditätsgrad von 62
%
und damit Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
.
Die familiäre Situation sei sehr genau erfragt worden. Es sei heute üblich, dass oftmals beide Elternteile ihr Arbeitspensum reduzierten und sich die Kinderbetreuung teilten. Im Falle der Beschwerdeführerin sei davon auszugehen, dass ihr Ehemann weiterhin voll und sie selbst in einem
Teilzeit
pensum
er
werbs
tätig wäre (
Urk.
2 Verfügungsteil 2;
Urk.
10).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend,
es sei aus näher dargel
egten Gründen
(vgl.
Urk.
1 S.
3 ff.)
diskriminierend, dass bei Frauen,
die
eine Rente beziehen,
im
Gegensatz zu männlichen Rentenbezügern
die Geburt eines Kindes automa
tisch zu einem Statuswechsel und praktisch immer zu einer Reduktion der Rente
führe. Dies stelle eine unzulässige Verallgemeinerung von Lebenserfahrungen dar.
Sie selbst habe anlässlich der Abklärung nicht gewusst, wie sich ihre Ant
wort auf die Frage der hypothetischen Tätig
keit im Gesundheitsfall auswirke
, und sie
sei auch nicht entsprechend aufgeklärt worden. Zudem sei die Wahl der
Be
messungsmethode
von Anfang an hypothetisch gewesen, da sie nie
im
ersten Arbeitsmarkt
tätig
gewesen
sei. Eine nochmalige hypothetische Statusänderung
sei nicht nachvollziehbar. Es liege eine Verletzung von
Bestimmungen der
Euro
päischen Menschenrechtskonvention (EMRK) vor, nämlich
Art.
14 EMRK
(
Ge
schlechterdiskriminierung
) und
Art.
8 EMRK (Achtung des Familienlebens) vor.
2.3
Streitig und zu prüfen ist damit einzig die Frage, ob der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin aufgrund der Änderung der familiären Verhältnisse
nicht mehr nach der allgemeinen, sondern
neu nach der gemi
schten Methode zu be
urteilen ist
,
mithin ob von einem Statuswechsel auszugehen
und die
Rentenher
absetzung
rechtens
ist. Unbestritten und damit nicht zu prüfen ist das
Ausmass ihrer Arbe
itsunfähigkeit.
3.
3.1
Anlässlich der Haushaltabklärung vom 1
0.
Juni 2013 (
Urk.
11/194) hielt die
Ab
klärungsperson
fest, die Beschwerdeführerin sei in der Lage, auf die Fragen adä
quat zu antworten
(S.
1). Die Beschwerdeführerin sei bisher zu 100
%
ar
beits
tätig
gewesen. Die Frage betreffend die Erwerbstätigkeit bei guter Gesund
heit sei ausführlich vor Ort mit ihr besprochen worden. Die Beschwerdeführerin sei auf die Wichtigkeit dieser hypothetischen Frage hingewiesen worden. Es sei klar
geworden, dass sie mit dieser hypothetischen Frage („wie wäre Ihre Situa
tion bei
guter Gesundheit?“) überfordert sei. Sie
weise darauf hin, dass sie
be
reits krank zur Welt gekommen
sei
.
Weiter habe sie festgehalten, w
enn sie nicht krank wäre, sie sicherlich einen richtigen Beruf erlernt
hätte
und keine Rente der Invalidenversicherung beziehen
würde
. Wie heute ihr Leben als Mutter bei guter Gesundheit tatsächlich aussehen würde, könne sie nicht beurteilen. Ihr Wunsch wäre es jedoch, wieder zu arbeiten. Aber bei ihrer Arbeit im geschütz
ten Rah
men lohne sich die Organisation eines Krippenplatzes in finanzieller Hinsicht nicht. Ihre Eltern und ihr Ehemann arbeiteten ebenfalls und könnten sich nicht fix um das Kind kümmern. Eventuell könne sie sich vorstellen, im Rahmen von 40-50
%
wieder einer Teilzeittätigkeit nachzugehen (
Ziff.
2.5).
Dazu hielt die Abklärungsperson fest, die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage gewesen, diese hypothetische Frage und deren Tragweite zu beantworten. Selbst ihre Eltern hätten erklärt, dass sie sich bisher nicht mit dieser Thematik auseinandergesetzt hätten. Bislang habe die Beschwerdeführerin bei ihrer Arbeit in der geschützten Stätte monatlich
Fr.
623.-- verdient, so dass ein Krippenplatz finanziell tatsächlich keinen Sinn mache. Dennoch sei festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer finanziellen Situation gezwungen wäre, ei
ner
Teilzeittätigkeit nachzugehen, um aktiv zum Familienbudget beizutragen, da das
Einkommen des Ehemannes nicht ausreiche
. Deshalb sei von einer Er
werbs
tätig
keit von durchschnittlich 45
%
und einer Haushalttätigkeit von 55
%
auszu
gehen (
Ziff.
2.5).
Das Einkommen des Ehemannes betrage
rund
Fr.
3‘56
3
.
--
monatlich (variabel, da
im Stundenlohn). Die Mietkosten beliefen sich auf
Fr.
1‘400.-- monatlich. Bei Be
darf unterstütze der Vater der Beschwerdeführerin die Familie; so habe er im Winter zwei Monatsmieten bezahlt, da das Einkommen ihres Ehemannes nicht ausgereicht habe (
Ziff.
2.6).
3.2
Im Rahmen des
Einspracheverfahrens
hielt die Abklärungsperson fest, bei
Kind
heitsinvaliden
sei die hypothetische Frage einer Erwerbstätigkeit bei guter Ge
sundheit oftmals schwierig zu beantworten, weshalb sie der Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung besonders genau erklärt worden sei. Falls Eltern aus finanziellen Gründen auf wirtschaftliche Unterstützung des Sozialamtes ange
wiesen seien, wende das Sozialamt die sogenannten SKOS-Richtlinien an. Diese besagten, dass bis zum vollendeten
3.
Altersjahr des Kindes kein Druck des So
zialamtes hinsichtlich einer Erwerbstätigkeit der Mutter ausgeübt werde, wes
hal
b frühestens ab dem
4.
Altersjahr eine 50%ige Erwerbstätigkeit zugemutet werde. Der Ehemann der Beschwerdeführerin arbeite zu 100
%
und erwirt
schafte ein monatliches Einkommen von durchschnittlich
Fr.
3‘56
3
.
--
.
Zusätzlich arbeite er nun s
amstags und erwirtschafte rund
Fr.
800.--. Die Kinderbetreuung falle dem
entsprechend in den Aufgabenbereich der Beschwerdeführerin. Diese identi
fi
ziere
sich stark mit ihrer Schwägerin, wel
che ebenfalls als Mutter in einem
Teilzeit
pensum
ausserhäuslich erwerbstätig sei.
Die familiäre Situation sei sehr genau erfragt worden. Es sei heute je nach Erwerbsbiographie und beruflicher Tätig
keit durchaus üblich, dass beide El
ternteile nach der Geburt ihr Pensum reduzierten. Im vorliegenden Fall sei aber mit überwiegender Wahrschein
lich
keit davon aus
zugehen, dass der Ehemann weiterhin zu 100
%
und die Beschwer
deführerin im Gesundheitsfall teilzeiter
werbstätig wäre (
Urk.
11/204/2).
4.
4.1
Da die Beschwerdeführerin im Januar 2013 Mutter wurde, war die
Beschwerde
gegnerin
gehalten, ihren Status zu überprüfen, kann dies doch eine erhebliche Veränderung der
erwerblichen Auswirkungen
mit sich bringen, auch wenn der
Ge
sundheitszustand der versicherten Person wie vorliegend gleich gebliebenen
ist
(vgl. vorstehend E. 1.1).
4.2
Es lassen sich keine Anhaltspunkte dafür erkennen, dass der
Abklärungsbericht
nicht den praxisgemässen Anforderungen
(vgl.
vorstehend E.
1.4)
genügen wür
de.
Dies macht
im Wesentlichen
auch die Beschwerdeführerin nicht geltend.
Die finanziellen Verhältnisse der Familie
und die Betreuungsmöglichkeiten für das Kind
wurden durch die Abklärungsperson genau erfragt. Da die Beschwer
de
füh
rerin nie im ersten Arbeitsmarkt
erwerbstätig gewesen ist
, ist verständlich, dass sie mit der Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit wenig anfan
gen konnte
. Dies wurde auch von der Abklärungsperson erkannt.
Aus diesem Um
stand allein
kann aber nicht geschlossen werden, dass die Beschwerdeführe
rin bei guter Gesundheit auch nach der Geburt ihres Kindes voll erwerbstätig ge
blieben wäre, zumal sie aufgrund ihrer bisherigen Erwerbstätigkeit - wenn auch in geschütztem Rahmen - eine Vorstellung von Voll- und Teilzeittätigkeit hat.
Dies folgt
nicht zuletzt
aus ihrer Aussage, dass
ihre
Eltern und ihr Ehemann ebenfalls arbeiteten und sich nicht
regelmässig
um das Kind kümmern könnten
, weshalb sie sich e
ventuell vorstellen
könne
, im Rahmen von 40-50
%
wieder einer Teilzeittätigkeit nachzugehen
(vgl. vorstehend E. 3.1).
Dass sie im
Gesund
heitsfall
auch nach der Geburt ihres Kindes
voll erwerbstätig sein würde, hat sie h
ingegen mit keinem Wort erwähnt, sondern lediglich festgehalten, dass es ihr Wunsch wäre, wieder zu arbeiten.
Die Qualifikation
der Beschwerdeführerin als
zu
45
%
erwerbs- und
55
%
haushalttätig stützte sich
in nachvollziehbarer Weise
auf die
erhältlichen
Angaben der
Beschwerdeführerin und ihrer
Familie
und be
rücksichtigt die Gegebe
nheiten des vorliegenden Einzel
falles. Sie be
schränkt sich
nicht auf die allgemeine Lebenserfahrung oder statis
tische Erhe
bungen und Er
fahrungswerte, was allein unzulässig wäre (vgl. E.
1.3
).
4.3
Die zur Festlegung der Qualifikation vorausgesetzte
Einzelfallbeurteilung bedeu
tet
bei entsprechenden Anhaltspunkten, dass
auch
Männer
nach der Geburt ih
res
Kindes
neu qualifiziert werden können
(vgl. dazu die Erhebungen des Bun
des
am
tes für Statistik 2014, wonach 12.3
%
der Väter mit Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren Teilzeit arbeiten; www.bfs.admin.ch
/Erwerbssituation von Müt
tern und Vätern nach Alter des jüngsten Kindes im Haushalt
). Dass dies
e
Neu
quali
fikation
seltener geschieht, ist nicht auf eine
invalidenversicherungsrechtli
che
Diskriminierung der Frauen zurückzuführen, sondern bildet bei
einzelfall
weiser
Be
trachtung die
immer noch bestehende
Realität ab
, wonach mehr Frauen als Männer nach der Geburt Teilzeit arbeiten
können
, wollen
oder dür
fen
. In diesem Sinne äusserte sich auch das Bundesgericht (vgl. das Urteil 9C_49/
2008 vom 2
8.
Juli 2008; E.
3.4), indem es festhielt:
„
Es trifft zwar zu, dass die gemischte Methode, wie sie durch das Bundesgericht in ständiger Pra
xis gehandhabt wird,
zum Verlust oder zur Reduktion eines bisherigen Renten
anspruches führen kann,
falls die versicherte Person mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit - in der Regel im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes - nunmehr auch im
Gesund
heits
fall
keine oder keine volle Erwerbstätigkeit mehr ausüben würde. Der da
raus resultierende Einkommensverlust ist aber nicht
in
validitätsbedingt
; viel mehr
erleiden auch gesunde Personen eine
Einkommens
einbusse
, wenn sie infolge der Geburt eines Kindes ihre bisherige Erwerbstätig
keit reduzieren oder aufgeben. Die Kritik an der bundesgerichtlichen
Rechtspre
chung zur gemischten Methode ist eine Kritik an der Tatsache, dass Personen (in der Mehrzahl der Fälle Frauen) einen Erwerbsausfall erleiden, wenn sie nach der Geburt eines Kindes ihre Er
werbstätigkeit reduzieren. Diese gesellschaftliche Gegebenheit ist indes nicht Folge gesundheitsbedingter Faktoren und daher auch nicht durch die Invaliden
ver
sicherung auszugleichen. Es kann darin keine Diskriminierung und auch sonst
keine Verfassungs- oder EM
RK
-Verletzung er
blickt werden (...).
“
Auch vorliegend ist deshalb keine Diskriminierung festzustellen. Die Qualifika
tion der Beschwerdeführerin als nunmehr Teilerwerbstätige ist somit korrekt vor
genommen worden.
4.4
Was die Ver
ein
barkeit der gemischten Methode im Allgemeinen mit der EMRK, namentlich Art. 8 EMRK, betrifft, ist auf die entsprechenden Ausführungen des Bundesgerichts zu verweisen (BGE 137 V 334 E. 6).
4.5
Nachdem die Berechnung des Invaliditätsgrades der Beschwerdeführerin unbe
stritten und nicht zu beanstanden ist, erweist sich der
angefochtene Entschei
d als rechtens
.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
5.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 700.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der
unentgeltlichen
Prozessführung
jedoch
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5
.2
Nach Einsicht in die Honorarnote vom
6.
Mai 2015 (
Urk.
15/2) ist Rechtsanwalt Jürg Maron, Zürich,
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
mit
Fr.
2‘348.45
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
5
.
3
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.