Decision ID: 1b4b8596-6ffe-4bc3-a63b-0ece00a4eb2e
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960,
war seit März 1995 als Hilfsarbeiterin im Alters- und Pflegeheim
Y._
(im Jahr 2009 u
m
benannt in
Z._
) tätig
(
Urk.
9/20)
.
Am 1
6.
Juli 2009
rutschte die Versicherte im Rahmen ihrer Arbeit
auf dem nassen Boden aus. Als Folge des Sturzes zog sie
sich
Prellungen am Brustkorb rechts, am Becken rechts, sowie am rechten Bein zu.
Der
Unfallversi
cherer
HDI-Gerling Industrie Versicherung AG gewährte bis am 16.
Oktober 2009 die gesetzlichen Leistungen, für die darauf folgende Zeit lehnte er eine Leistungspflicht
ab
, mit der Begründung, dass die Beschwerden
,
über welche die Versicherte immer noch kla
g
e, nicht mehr unfallkausal seien (Verfügung vom
2
5.
Februar
2010,
Urk.
9/14/
40;
Ergebnis des
Einsprache
verfahrens
aktenmässig nicht dokumentiert).
1.2
Im März 2011 meldete sich die Versicherte zum Bezug von Leistungen der Invali
denversicherung an (
Urk.
9/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
zog die Akten des Unfallversicherers
(
Urk.
9/14),
des
Kran
ken
taggeld
versicherers
(
Urk.
9/9)
sowie
einen vertrauensärztlichen Bericht
zu Händen
der Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich
(BVK)
bei
(Urk.
9/7)
.
Sodann
tätigte
sie
weitere medizinische Abklärungen
(Arztberichte der
Klinik A._
,
Urk.
9/10/3-10,
Urk.
9/13/7-1
3
; Bericht von Dr.
med.
B._
vom 2
9.
März 2011,
Urk.
9/13/1-5
, samt beigelegtem
Bericht des
C._
vom
9.
Oktober 2009, Urk.
9/13/6). Zudem führte sie
am 2
5.
März 2011
ein Ressourcengespräch durch (
Urk.
9/11).
Mit Schreiben vom 2
8.
April 2011 teilte die IV-Stelle der Versi
cherten mit, es sei eine medizinische Abklärung (psychiatrisch/rheumatologisch) notwendig
, welche von
Dr.
D._
,
Innere Medizin FMH spez.
Rheumaer
krankungen
, durchgeführt werde
(Urk.
9/
16). Am
6.
Juni 2011 fand
die
rheu
matologische Untersuchung durch
Dr.
D._
und
am 2
2.
Juni 2011
die
psychiatrische Untersuchung in der Klinik
E._
durch
Dr.
med.
F._
,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
statt
.
D
as rheumatologische Gutachten
wurde am 1
4.
Juli 2011
erstattet
(
Urk.
9/21)
, das psychiatrische Gutachten mit interdisziplinärer Zusammenfassung (psychiatrisch und rheumatologisch)
am 1
9.
Juli 2011 (
Urk.
9/2
5
)
. Mit Vorbescheid vom
6.
Oktober 2011 teilte die IV
Stelle der Versicherten mit, es bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invali
denversicherung (
Urk.
9/27).
Die Versicherte liess am
4.
November 2011 durch
Dr.
B._
Einwand erheben (
Urk.
9/32). In der Folge
zog
die IV-Stelle
das
poly
disziplinäre
Gutachten vom
15.
Augu
st/
29.
November 2011 (
Urk.
9/44
-
45
) bei, welches von der BVK
bei
Dr.
G._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
(Psychiatrisches Teilgutachten)
und
Dr.
med.
H._
, Spezialarzt für Innere Medizin
,
(orthopädisch-rheumatologisches
Teilg
utachten)
in Auftrag gegeben
worden war
.
Die
Versicherte liess am 2
4.
Januar 2012 einen weiteren Einwand durch den von ihr zwischenzeitlich beigezogenen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Karl
Kümin
, erheben (
Urk.
9/54). Der Eingabe legte sie Stellungnahmen von behandelnden Ärzten bei, so
einen undatierten Bericht
(
Urk.
9/53/5-9)
von
I._
, Klinische Psychologin
lic
.
p
hil
.
I,
einen Bericht von
I._
und
Dr.
med.
J._
, Spezialärztin
für
Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH
,
vom 2
3.
Januar 2012 (
Urk.
9/53/1-4) sowie ein ärztliches Zeugnis von
Dr.
med.
lic
. phil.
K._
vom
3.
März 1999 (
Urk.
9/53/10). Mit einer weiteren Eingabe vom 3
0.
April 2012 äusserte die Versicherte Vorbe
halte gegenüber der Begutachtung durch
Dr.
G._
und
Dr.
H._
(
Urk.
9/57).
Am 2
2.
Mai 2012 verfügte die IV-Stelle im Sinne des Vorbescheids und wies das Leistungsbegehren der Versicherten ab (
Urk.
9/62).
2.
Hiergegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 2
4.
Juni 2012 (
Urk.
1) Beschwerde erheben mit dem Rechtsbegehren, es sei die angefo
chtene Verfü
gung aufzuheben
; es sei ein psychiatrisches Gutachten über die medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin anzuordnen
; es sei ihr die Möglichkeit einzuräumen, im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels zum beantragten gerichtlichen Gutachten und zur Vernehmlassung der
Beschwerde
gegnerin
Stel
lung zu nehmen
; es sei ihr eine ganze
Invalidenrente zuzuspre
chen
; eventualiter sei das Verfahren an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen, damit diese nach weiteren Abklärungen über den
Rentenanspruch neu verfüge
; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zul
asten der
Beschwerdegeg
nerin
.
Die Beschwerdegegnerin stellte in ihrer Vernehmlassung vom 2
8.
August 2012 Antrag auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), was der Beschwerdeführe
rin mit Schreiben vom
6.
September 2012 angezeigt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdeführerin erhebt zunächst formelle Rügen gegen die medizini
schen
Beweismittel
, auf welche sich die angefochtene Verfügung stützt.
1.1
Die
Beschwerdeführerin
lässt
ausführen,
dass seitens Beschwerdegegnerin bei der Auftragserteilung für das Gutachten massgebende Verfahrensgrundsätze verletzt worden seien.
Sie beruft sich insbesondere auf das Urteil des Bundesge
richts 9C_243/2010 vom 2
8.
Juni 201
1.
In dem Urteil werde festgehalten, dass zwischen den Parteien, wo möglich, eine Einigung über die Gutachterstelle anzustreben sei. Zudem müsse der versicherten
Person
die Möglichkeit einge
räumt werden, sich zu den Gutachterfragen vorgängig zu äussern. Im vorlie
genden Fall sei keine solche Einigung angestrebt worden. Die
Beschwerdegeg
nerin
habe lediglich darauf hingewiesen, dass gegen die Gutachter gesetzliche Ausstands- und Ablehnungsgründe geltend gemacht we
rden könnten. Ausser
dem habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen,
ihr
Gelegenheit zu geben, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern und Ergänzungsfragen zu stellen.
Diese Mängel bestünden sowohl in Bezug auf das von der
Beschwerde
gegnerin
selbst veranlasste Gutachten durch die
Dres
.
D._
/
F._
wie auch in B
ezug auf das Gutachten der BVK.
1.2
Art.
44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(
ATSG
)
regelt den
Beizug
externer Gutachten im Verwaltungsverfahren
unter der Margina
lie "Gutachten" wie folgt: Muss
der Versicherungsträger zur Abklärung des Sa
chverhaltes ein Gutachten einer
oder eines unabhängigen Sachverständigen einhol
en, so gibt er der Partei deren
oder dessen Namen bekannt. Diese kann den
Gutachter aus triftigen Gründen
ablehnen und kann Gegenvorsc
hläge machen. Im ATSG (oder den
versicherungszweigspezifischen Gesetzen) ni
cht abschliessend geregelte
Verfahrensbereiche bestimmen sich nach dem
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
;
Art.
55
Abs.
1 ATSG).
Art.
19
VwVG
verweist für das Beweisverfahren, soweit hi
er inte
ressierend, auf die
Art.
57 ff.
des Bundesgesetzes über den Zivilprozess (
BZP
)
weiter. Nach
Art.
57
Abs.
2 BZP gibt der Richter den Parte
ien
Gelegenheit, sich zu den Fragen an zur Aufkläru
ng des Sachverhalts beigezogene
Sachverstän
dige (vgl.
Art.
57
Abs.
1)
zu äussern und Abänderungs- und
Ergänzungsanträge zu stellen. Für die Experten
gelten die
Ausstandsgründe
nach
Art.
34 BGG sinn
gemäss; die Parteien erhalten
Gelegenheit, vor der Ernennung
von Sachverstän
digen Einwendungen gegen die in A
ussicht Genommenen vorzubringen
(
Art.
58
Abs.
1 und 2 BZP). Der Sachverstän
dige hat nach bestem Wissen und
Gewissen zu amten und sich der strengsten Unpart
eilichkeit zu befleissigen; auf
diese Pflicht ist er bei der Ernennung aufme
rksam zu machen (
Art.
59
Abs.
1
BZP). Nach Erstattung des Gutachtens erh
alten die Parteien Gelegenheit,
Erläuterung und Ergänzung oder eine neue Begutachtung zu beantragen (
Art.
60
Abs.
1 in
fine
BZP).
1.3
Im von der Beschwerdeführerin zitierten Grundsatzurteil 9C_243/2010 vom 28. Juni 2011, publi
ziert in BGE 137 V 210,
formulierte das Bundesgericht Anforderungen an polydisziplinäre medizinische Entscheidungsgrundlagen.
Demnach
kommt den Rahmenbedingungen der Auftragsvergabe eine grosse Bedeutung zu. So erfolgt die Vergabe der MEDAS-Begutachtungsaufträge fortan nach dem Zufallsprinzip (BGE 137 V 210 E. 3.1 S. 242). Auf der Grundlage des auf den
1.
März 2012 in Kraft getretenen, neu gefassten
Art.
72
bis
IVV (SR 831.201) hat das BSV das Zuweisungssystem "
SuisseMED@P
" etabliert, dem alle Gutachteninstitute angeschlossen sind, die über eine entsprechende Vereinbarung mit dem Bundesamt verfügen. Ist eine Gutachterstelle nach diesem System benannt, so kann die versicherte Person materielle Einwendun
gen gegen eine Begutachtung an sich (etwa mit dem Einwand, es handle sich um eine unnötige
second
opinion
), gegen Art oder Umfang der Begutachtung (beispielsweise betreffend die Auswahl der medizinischen Disziplinen) oder gegen bezeichnete Sachverständige (etwa betreffend deren Fachkompetenz) erheben. Weiter können formelle
Ausstandsgründe
gegen Gutachterpersonen geltend gemacht werden (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 S. 257). Es liegt indessen im Interesse von IV-Stelle und versicherter Person, Verfahrensweiterungen zu ver
meiden, indem sie sich um eine einvernehmliche Gutachtenseinholung bemü
hen, nachdem materielle Einwendungen erhoben oder formelle
Ablehnungs
gründe
vorgebracht wurden. Da dies nicht einem formalisierten Verfahren ent
spricht, kann die Zulässigkeit von Einwendungen keiner Frist unterworfen wer
den. Nach Treu und Glauben hat die versicherte Person Einwendungen freilich möglichst bald nach Kenntnisnahme der massgebenden Kenndaten der Begut
achtung zu erheben; deren Rechtzeitigkeit richtet sich indessen nach den Umständen des Einzelfalls. Bleibt der Konsens aus, so kleidet die IV-Stelle die betreffende Anordnung in die Form einer Verfügung (
Art.
49 ATSG; BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6 S. 256). Mit der verfügungsmässigen Anordnung der Begutach
tung (oder auch schon anlässlich der erstmaligen Mitteilung über die benannte Gutachterstelle) unterbreiten die IV-Stellen der versicherten Person im Übrigen den vorgesehenen Katalog der Expertenfragen zur Stellungnahme (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258; BGE 138 271 E. 1.
1.
S. 274).
Im Urteil
9C_207/2012
vom
3.
Juli 2013
hat das Bundesgericht entschieden,
die Anforderungen an die medizinische Begutachtung, wie sie in BGE 137 V 210 für polydisziplinäre MEDAS-Begutachtungen umschrieben worden sind,
seien
grundsätzlich sinn
gemäss auf mono- und
bidisziplinäre
Expertisierungen
anwendbar
, mit Aus
nahme des Zufallsprinzips (vgl.
Art.
72
bis
IVV)
.
1.4
Vorliegend ist grundsätzlich zutreffend, dass dem Schreiben der
Beschw
er
degeg
nerin
vom 2
8.
April 2011
, wonach eine medizinische Abklärung erfor
derlich sei, nur der Hinweis zugrunde lag, dass
nach Bekanntgabe der beteilig
ten Fachärzte
Einwendungen
gegen die begutachtenden Personen
gel
tend gemacht werden könnten. Soweit von der Beschwerdeführerin eine Ver
letzung der mit BGE 137 V 210 eingeführten strengeren Praxis geltend gemacht wird, kann dem
jedoch
nicht gefolgt werden.
Die
Beschwerdegegnerin
hat
zutreffend darauf hingewiesen, dass der Beschluss für eine medizinische Abklärung vor dem fraglichen Bundesgerichtsentscheid erfolgte
,
und ebenso wurde auch das Gutachten selbst vor diesem Datum, nämlich am 1
9.
Juni
2011
erstattet
.
Das BVK-Gutachten wurde demgegenüber zwar nach dem 2
8.
Juli 2011 erstattet, nämlich am 1
5.
August/2
9.
November
2011
,
und die
Beschwer
degegnerin
hatte sich auch nicht darauf beschränkt, diese
s
Gutachten beizu
ziehen, sondern sie hatte
Dr.
G._
mit Schreiben vom
7.
Dezember 2011 aus
drücklich um eine
Stellungnahme zum Gutachten von Dr.
D._
/Dr.
F._
erbeten
(
Urk.
9/42). Nachdem
der Auftrag für diese Begutachtung
aber
nicht von der
Beschwer
degegnerin
, sondern von der BVK selber stammte,
und
die
Beschwer
degegnerin
in Bezug auf ihr eigenes
Gutachten von
Dr.
D._
/
Dr.
F._
nur Ergän
zungsfragen stellte, kann ihr keine Ver
letzung der in BGE 137 V 210 pub
li
zierten Praxis vorgeworfen werden
.
1.5
Das
Bundesgericht selbst
hat in BGE 137 V 210 erkannt
, die
Praxisände
rung
bedeute nicht,
dass nach altem Verfahrensstandard eingeholte Gu
tachten ihren Beweiswert per se
verlören. Vielmehr
sei
im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit
seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobe
nen Rügen entscheidend, ob
das
abschliessende Abstellen auf die vorhandenen Be
weisgrundlagen im angefochtenen
Ent
scheid vor Bundesrecht standhalte
.
Gestützt auf diese Grundsätze ist zunächst festzuhalten, dass ein
Rechtsan
spruch auf eine einvernehmliche Einigung
über die Gutachterstelle
verneint werden muss
; solches wäre nicht realisierbar
,
denn so hätte es die versicherte Person in der Hand, eine Institution zu bestimmen, indem sie stets jedes von Seiten der IV-Stelle vor
geschlagene Institut ablehnt
e
.
Was den Vorwurf der fehlenden Möglichkeit zur vorgängigen Stellung von Ergänzungsfragen betrifft, ist diesbezüglich nicht von einem schwerwiegenden Mangel auszugehen.
Sei
tens der Beschwerdeführerin wurde auch nicht dargetan, inwieweit ihr dies zum Nachteil gereichte. Letztlich ist
allein
massgebend, dass das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin ausreichend gewahrt erscheint. Diese hatte die Gelegenheit
,
sich vor Verfügungserlass sowohl zum IV-Gutachten wie auch zum BVK-Gut
achten
eingehend
zu äussern (Einwände vom 2
4.
Januar 2012
und
vom 3
0.
April 2012;
Urk.
9/54,
Urk.
9/57
)
.
Darin erhob sie einzig Einwände gegen die Schlussfolgerungen des Gutachtens, nicht jedoch gegen die beteiligten Sachverständigen oder die Auswahl der medizinischen Disziplinen
.
Ergänzungsfragen wurden ebenfalls keine formuliert
.
Im Ergebnis erweisen sich
die
von der Beschwer
deführer
in vorgebrachten Rügen
hinsichtlich des
Verfahren
s
zur Anordnung
einer
Begutachtung als unbegründet.
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin macht weiter eine Verletzung der Begründungspflicht geltend. Die Beschwerdegegnerin sei auf die Frage der nicht vorgenommenen psychiatrischen Tests sowie auf die mangelhafte Berücksichtigung der
prämor
biden
psychischen Veranlagung und früheren Erkrankungen nicht eingegangen.
2.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, d.h. eine Darstellung des vom Versicherungs
träger als relevant erachteten Sachverhal
tes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gegebenen
falls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwal
tung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinandersetzen muss; viel
mehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E.
5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
2.3
Der angefochtene Entscheid mag diesen Anforderungen zu genügen. Es trifft wohl zu, dass die Begründung eher knapp ausgefallen ist. Dies ist jedoch nicht entscheidend,
massgebend
erscheint vielmehr, ob die Behörde sich mit den für den Entscheid relevanten Kernpunkten auseinandergesetzt hat. Kernpunkte sind hier die Frage der Arbeitsfähigkeit und basierend darauf die Ermittlung des Invaliditätsgrads. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin klar ausgeführt, dass sie gestützt auf die medizinische Aktenlage eine 100%ige Arbeitsfähigkeit als ausgewiesen ansieht, weshalb ein Rentenanspruch
ausser
Betracht falle. Eine
Verletzung der Begründungspflicht ist darin nicht zu erblicken. Entscheidend ist dabei insbesondere, dass mit der betreffenden Begründung eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung durchaus möglich
war
. Gesamthaft ist eine Ver
letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör nach
Art.
29
Abs.
2
der Bundes
verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV)
zu verneinen.
3.
3.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbs
unfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fas
sung).
3
.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG (bis 31. Dezember 2007:
Art.
28
Abs.
2 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
de
rungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
ge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 349 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
3
.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG; bis 31. Dezember 2007: Art. 28
Abs.
1 IVG).
3
.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge
mutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
3
.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Haus
ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
4.
Die medizinische Aktenlage nach dem Sturz vom 2
7.
Juli 2009 wurde im Gutach
ten von
Dr.
D._
ausführlich zitiert (
Urk.
9/21/3-17), weshalb auf eine Wiedergabe verzichtet und darauf verwiesen wird. Zu Händen der Beschwerdegegnerin berichteten die behandelnden Ärzte wie folgt:
4
.
1
Dr.
L._
berichtete am 1
8.
März 2011, bei der Beschwerdeführerin stünden generalisierte Weichteilprobleme, eine Depression, beidseitige
Coxarthrosen
, links grösser als rechts, degenerative Veränderungen sowie Probleme an der rechten Hand im Vordergrund
. Aufgrund der komplexen Situation, wie sie bei der Beschwerdeführerin bestehe, sei kaum davon auszugehen, dass sie noch eine Arbeitsstelle finden werde (
Urk.
9/10/2).
4
.
2
Dr.
B._
hielt in seinem Arztbericht vom 2
9.
März 2011 fest, die Beschwerde
führerin leide an Ganzkörperschmerzen mit starken Schwellungen an Beinen und Armen
sowie an der rechten Hand
. Die Hüftschmerzen seien rechtsbetont und sehr gehbehindernd
. Sodann würden bei ihr Schlafstörungen auftreten. Sie fühle sich morgens nicht ausgeruht und unruhig. Sie habe Probleme zu akzep
tieren, dass sie ihre langjährige Arbeit nicht mehr ausüben könne. Die Beschwerdeführerin leide ausserdem seit Jahren an Depressionen mit
Suizidge
danken
. Sie glaube, man wolle sie und ihre Familie in den Krieg abschieben. Sie gehe kaum noch aus der Wohnung, wol
le immer alleine sein (
Urk.
9/13/1-5).
4
.
3
4
.
3.
1
In dem rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten von
Dr.
D._
/
Dr.
F._
vom 14./1
9.
Juli 2011
werden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit aufgeführt.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien
eine Anpassungsstörung mit
Sorgen, Anspannungen, Stimmungs
einbrüchen und Ängsten (ICD-10: F43.23),
ein
Nikotinabusus
, aus
gedehnte chronische Schmerzen,
eine
Adipositas Grad I (BMI 34.4 kg/m
2
), eine leichte OSG-Arthrose rechts mit alter Ruptur des Ligamentums
talofibulare
anterius
(MRI 08.10.2010), eine Tendovaginitis
stenosans
Dig
III der Hand rechts (MRI 18.10.2010), eine
Coxa
profunda
rechts mehr als links ohne
Coxarthrosen
(seit langem konstant, Röntgen 15.07.2009 gegenüber 18.10.2010), ein Status nach Sturz auf die rechte Seite am 16.07.2010
(richtig: 2009)
(ohne bildgebend nachweisbare Läsionen
)
sowie eine
Hypercholesterinämie
(6.0 mmol/l).
Die Beschwer
de
führerin sei sowohl aus rheumatologischer als auch aus psychiatri
scher Sicht in der Lage, ihre angestammte Tätigkeit als Hilfskraft in einem Alters- und Pflege
heim auszuüben. Hinsichtlich einer angepassten Tätigkeit bestünden eben
falls keinerlei Einschränkungen. Bei der Beschwerdeführerin habe aus rheuma
tologisch-psychiatrischer Sicht gar nie eine längerfristige Arbeits
un
fähigkeit bestanden. Die Prognose bezüglich Erhaltung der vollen Arbeits
fähigkeit sei günstig (
Urk.
9/25/7-8).
4
.
3.
2
Die Rheumatologin
Dr.
D._
h
ie
lt in ihrer Beurteilung
fest
,
die Beschwerde
führerin sei in der Lage, sämtliche Tätigkeiten auszuüben, die Frauen in ihrem Alter üblicherweise ausüben würden. D
ie Befunde, die sich bei der Beschwer
deführerin gezeigt hätten, würden weder das Ausmass noch die Dauer ihrer Beschwerden erklären. Die Beschwerdeführerin gebe ausgedehnte Schmerzen an. In der
Dolorimetrie
seien 17 der 18 Tender Points pathologisch wie auch alle (8 der 8) Kontrollpunkte. Sanfte Berührungen würden von ihr bereits als schmerz
haft angegeben. Eine
Fibromyalgie
bestehe definitionsgemäss nicht, wenn die Mehrheit der Kontrollpunkte pathologisch sei. Die aktuellen Beschwerden seien im Wesentlichen im Rahmen der ausgedehnten chronischen Schmerzen zu interpretieren.
Bei der Beschwerdeführerin würden sodann an beiden Händen Gebrauchsspuren an den Fingerkuppen auffallen; gemäss ihren Angaben würden diese von Haushaltstätigkeiten herrühren. Dies sei plausibel und zeige, dass sie jetzt beide Hände lang andauernd kraftvoll einsetze. Im Übrigen sei von den drei geprüften Medikamenten das Antidepressivum
Cipralex
im therapeutischen Bereich in ihrem Blut vorhanden gewesen. Vom Schmerzmittel
Dafalgan
und vom Schlafmittel
Stilnox
hätten
sich entgegen der Angaben der Beschwerdeführerin
hingegen
keine Spuren in ihrem Blut
gefun
den
.
Es sei davon auszugehen, dass
,
wenn
die Beschwerdeführerin
sich wirklich derart krank einschätze, sie medizinische Massnahmen korrekt durchführen würde
(
Urk.
9/21/30)
.
4
.
3.
3
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
F._
führte in seiner Beurteilung aus
, b
ei der Beschwerdeführerin seien gemäss den anamnestischen Angaben weder eine genetische Vulnerabilität noch Persönlichkeitsfaktoren für die Entwicklung der psychiatrischen Erkrankungen festzustellen. Ihre Kindheit bzw. Persönlichkeits
entwicklung sei ohne gravierende traumatische Ereignisse verlaufen, sie habe
acht Jahre die obligatorische Schule absolviert und einen Computerkurs abge
schlossen. Somit könnten sowohl Intelligenzminderung als auch Verhaltens
störungen oder sonstige psychische Probleme mit Krankheitswert ausgeschlos
sen werden. Die Beschwerdeführerin
sei
im Erwachsenenalter über Jahre den sozialen Anforderungen ohne Probleme gewachsen gewesen. Sie habe jahrelang eine konstante Arbeitsleistung e
r
bracht und konstante zwischenmenschliche
Beziehungen gepflegt. Die anhaltenden Störungen der Impuls- oder
Affektkon
trolle
seien weder anamnestisch erhoben noch aktenmässig dokumentiert wor
den
,
und damit würden sich bei ihr keine Hinweise auf psychische Probleme auch im Erwachsenenalter ergeben. Nach
Aussprechung
der Kündigung durch den Arbeitgeber
im August 2010 sei es bei der Beschwerdeführerin im Rahmen der narzisstisch-
histrionischen
Kränkung zur Entwicklung der genannten Anpassungsstörung mit Sorgen, Anspannungen, Wut, Stimmungseinbrüchen und Ängsten gekommen. Gemäss Akten
habe
im November/Dezember 2010 die depressive Sympt
omatik im Vordergrund gestanden
, weshalb sie zur ambulan
ten psychiatrischen Behandlung überwiesen worden sei. Nach den anamneti
schen Angaben stehe die Beschwerdeführerin seit Januar 2011 in rege
l
mässiger Gesprächspsychotherapie, sie nehme regelmässig Psychopharmaka ein. Unter den etablierten therapeutischen Massnahmen habe sich ihr psychischer Zustand offenbar wieder beruhigen können. Anlässlich der psychiatrischen Begutach
tung vom 2
2.
Juni 2011 habe bei ihr keine depressive Symptomatik mehr im Vordergrund gestanden. Vordergründig habe sie über Sorgen, Anspannungen, Ärger, Ängste, aber auch Stimmungseinbrüche berichtet. Bei Fehlen von g
ene
tischer Vulnerabilität,
von Persönlichkeitsfaktoren
für die Entwicklung der psy
chiatrischen Erkrankungen sowie auch von prämorbiden psychischen Proble
men mit Krankheitswert könne bei der Beschwerdeführerin von der Entwicklung einer Anpassungsstörung ausgegangen werden, welche bei objektiv vollständig
er
haltenen psychokognitiven Funktionen ihre Arb
eitsfähigkeit nicht ein
schränke
(Urk.
9/25/6).
4
.
4
Der Vertrauensarzt der BVK,
Dr.
G._
, hielt in seinem psychiatrischen Gutach
ten
vom 2
9.
November 2011
fest,
aufgrund der Plausibilitäts- und
Konsistenz
prüfung
aus psychiatrischer Sicht bestünden begründete Zweifel an der Glaub
würdigkeit der Beschwerdeklagen der Beschwerdeführerin. Bei der diagnosti
schen Beurteilung habe deshalb nicht auf ihre subjektive
n
Beschwerdeangaben abgestellt werden können, sondern ausschliesslich auf die objektiven Befunde und die Akten. An objektiven Befunden hätten sich nur folgende Symptome feststellen lassen: Leicht umständliches formales Denken, leicht bis mittelgradi
ges Vorbeireden, leichte Affektarmut und mittelgradige
Klagsamkeit
. Aus den Akten sei
en
die Kündigung durch den Arbeitgeber sowie das Bagatelltrauma vom 1
6.
Juli 2009 ohne fassbare organisch-traumatische Läsionen
bekannt
. Anhand dieser Faktoren lasse sich
eine
Störung nach ICD-10
nicht
diagnosti
zieren. Für eine depressive Störung fehlten die drei Kernsymptome nach ICD-10, nämlich anhaltend depressive Stimmung in einem deutlich ungewöhnlichen Ausmass, Interesse- und Freudeverlust sowie erhebliche Antriebsminderung. Für eine Anpassungsstörung sei zwar eine psychosoziale Belastung nachweisbar,
nämlich die Kündigung. Die Symptome und Verhaltensstörungen
,
wie sie bei affektiven Störungen, neurotischen oder
somatoformen
Störungen vorkämen, seien in der Untersuchung indes nicht erkennbar gewesen. Das schliesse nicht aus, dass zuvor eine Anpassungsstörung vorgelegen habe. Zum jetzigen Zeit
punkt sei eine solche jedoch nicht mehr nachweisbar
. Für eine Angststörung fehlten über mehrere Monate vorhandene Anspannung, Besorgnis und Befürchtungen in Bezug auf alltägliche Ereignisse, dann aber auch vegetative Beschwerden, plötzliche intensive und kurzzeitige Angstzustände oder phobi
sche Ängste. Für eine Persönlichkeitsstörung habe sich die Explorandin beruf
lich wie privat zu gut bewährt in ihrem Leben. Für eine
somatoforme
Störung fehlten die unbewussten emotionalen Konflikte oder psychosoziale Belastungen zum Unfallzeitpunkt sowie bedeutsame entwicklungsbedingte
persönlichkeits
strukturelle
Defizite
. Eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit bestehe dem Gesagten nach nicht
(
Urk.
9/44/19-20).
4
.
5
Der BVK-Vertrauensarzt
Dr.
H._
führte in seinem orthopädisch-rheuma
tologi
schen Gutachten
vom 1
5.
August 2011
dieselben Diagnosen auf wie die
behandelnden Ärzte der
Klinik A._
in ihre
m Bericht
vom
8.
November 2010 (vgl.
Urk. 9/10/5-10
). In seiner Beurteilung
teilte
Dr.
H._
ebenfalls
deren
Einschätzung
,
wonach
sich derzeit aus somatischer
Sicht
kein Hin
weis für das Vorliegen einer Berufsunfähigkeit finden lasse
(Urk.
9/45/16
17).
4
.
6
Dr.
I._
/
Dr.
J._
führten in ihrem Arztbericht vom 23.
Januar 2012 aus, die Beschwerdeführerin leide an einer zunehmenden Depression. Diese äussere sich in Gefühlen von Niedergeschlagenheit und Kraftlosigkeit, Antriebslosigkeit, innerer Unruhe und
Getrieben
sein
, massiven Schlafstörungen, latenter Suizidalität, Aufmerksamkeits- und Konzentrations
störungen sowie massiver Gewichtszunahme. Die jetzige depressive Episode sei die dritte medizinisch nachgewiesene, nach einer ersten im Jahr 1994 und einer zweiten im Jahr 199
9.
Gemäss de
n Kriterien nach
ICD
10 leide die Beschwer
deführerin an einer gegenwärtigen mittelgradigen Episode einer rezidivierenden depressiven Störung mit somatischen Symptomen. Man müsse heute sogar von einer andauernden Persönlichkeitsveränderung nach psychischer Erkrankung sprechen (F62.1), und zwar
als Folge einer posttraumatischen Belastungsstörung (F43.1).
Letztere sei auf die Erlebnisse zurückzuführen, welche sie als Angehö
rige des albanischen Teils der Bevölkerung im damaligen Serbien erlitten habe sowie auf die damaligen Kriegs- und Fluchterlebnisse. Sie habe sowohl um ihr eigenes als auch das Leben ihrer Kinder und ihres Mannes fürchten müssen, welcher von den damaligen serbischen Behörden verhaftet worden sei. Gefolgt sei eine Phase von acht Jahren, in welcher sie um ihren Asylentscheid habe bangen und zugleich schreckliche Nachrichten aus ihrer Heimat betreffend
Verwandte und
nahe Bekannte
habe verarbeiten müssen.
Ferner bestehe bei der Beschwerdeführerin eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung, die vor
liegend gar als unüberwindbar zu qualifizieren sei. Es sei nicht nachvollziehbar, wie
Dr.
F._
habe zum Ergebnis gelangen können, eine anhaltende
somato
forme
Schmerzstörung sei nicht gegeben
(
Urk.
9/53/1-4)
.
5
.
Im Folgenden ist die medizinische Aktenlage rechtlich zu würdigen:
5
.1
Was die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht betrifft, stellt sich die Aktenlage grundsätzlich kohärent dar. Bereits die behandelnden Ärzte der
Klinik A._
hatten ausgeführt, dass sich die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Prinzip bis auf ein 100%-Pensum steigern lasse
(
Urk.
9/10/
5/10)
.
In der Folge wurde auch von Seiten der von der IV-Stelle beauftragten Rheumatologin
Dr.
D._
wie auch vom BVK-Vertrauensarzt
Dr.
H._
das Vorliegen einer rheumatologischen Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verneint bzw. eine 100%ige Arbeitsfähigkeit angenom
men. Im Übrigen liess
selbst
die Beschwerdeführerin
in
ihrer Beschwerdeschrift vortragen, aus rein rheumatologischer Sicht würden die Erhebungen der Beschwerdegegnerin nicht bestritten (
Urk.
1 S. 3). Im Ergebnis ist bei der Prü
fung des Rentenanspruchs aus somatischer Sicht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
im bisherigen Berufsfeld
auszugehen.
5
.2
5.2.1
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht ist
auf das in allen Teilen beweiskräftige (vgl. E. 3.5)
psychiatrischen (Teil-)Gutachten von Dr.
F._
abzustellen
. Der Gutachter konnte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einzig eine Anpassungsstörung mit Sorgen, Anspan
nungen, Stimmungsbeinbrüchen und Ängsten. Dementsprechend gelangte
Dr.
F._
zum Ergebnis, die Beschwerdeführerin sei zu 100
%
arbeitsfähig. Die Beschwerdeführerin hält dies für nicht nachvollziehbar. Sie verweist insbeson
dere auf
den Arztbericht
I._
/
J._
, wonach bei ihr eine schwer
wiegende psychische Störung vorliege. Die Diagnose laute mittelgradige E
pisode einer rezidivierenden depressiven Störung mit somatischen Symptomen sowie andauernde Persönlichkeitsveränderung nach psychischer Erkrankung als Folge einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die Verneinung einer schwerwie
genden Psychose durch
Dr.
F._
sei nicht nachvollziehbar
.
Dr.
F._
habe wesentliche Tests, insbesondere den SKID-Test und das OPD-Interview nicht vorgenommen. Diese Tests stellten ein Standardinstrument einer seriösen psy
chi
atri
schen Abklärung dar. Die unterdurchschnittliche Konzentrationsfähigkeit,
welche der Test d2 ergeb
en habe, stelle gerade ein typis
ches Merkmal einer Depression dar. Zu bemängeln sei auch, dass es der Gutachter unterlassen habe, die behandelnde Psychiaterin zu konsultieren
(
Urk.
1 S. 7)
.
5.2.2
Was das Nichtdurchführen von bestimmten Testübungen betrifft, ist auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach bei der psychiatri
schen Exploration dem schematischen,
testmässigen
Erfassen der Psychopatho
logie nach bestimmten Skalen, die auf den Angaben und Einschätzungen der versicherten Person selbst beruhen, höchstens ergänzende Funktion zukommt; entscheidend ist die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung,
Symp
tom
erfassung
und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts
8C_308/2012 vom 2
9.
Mai 2012 mit Hinweisen
). Diese Praxis stützt sich auf die Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, in: Schweiz. Ärztezeitung 2004 S. 1049 f.
Der
Vorwurf der nicht korrekten Begutachtung
ist hier somit nicht
angebracht. Ebenfalls
im Einklang mit den
genannten Richtlinien
steht im Übrigen die Tat
sache, dass es der Gutachter
unterliess
, Auskünfte bei der behandelnden Psychi
aterin ein
zuholen (vgl. S.
1050 f.).
Macht die Beschwerdeführerin sodann gel
tend, es hätten möglicherweise Übersetzungsschwierigkeiten bestanden, da das Gespräch auf
A
lbanisch durchgeführt worden
sei
, so ist diesbezüglich festzu
stellen, dass sich aufgrund der Akten keine konkreten Hinweise für solche
Ver
stän
di
gungs
probleme
finden lassen, womit diese Argumentation ebenfalls
unbe
helflich
erscheint.
Was nun die Haupterkenntnis des Gutachtens von
Dr.
F._
betrifft, nämlich dass bei der Beschwerdeführerin kein
e
Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe, so scheint diese Schlussfol
gerung
aufgrund seiner Befunde und Beurteilung
nachvollziehbar. Für die Zuver
lässigkeit
der Einschätzungen
spricht insbesondere, dass auch der von der BVK beauftragte
psychiatrische
Gutachter
Dr.
G._
keine Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit stellte. Die beiden Gutachter stimmen in Bezug auf die Diagnosestellung grundsätzlich überein. Der einzige Unterschied besteht darin, dass
Dr.
G._
auch keine Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit ausmachen konnte, während
Dr.
F._
diesbezüglich eine
Anpas
sungsstörung
feststellte. Ein Widerspruch zwischen den beiden Gutachten ist indes nicht zu erkennen, denn
Dr.
G._
, welcher zeitlich nach
Dr.
F._
begutachtete, schloss nicht aus, dass vormals tatsächlich eine solche
Anpas
sungsstörung
bestanden haben könnte (
Urk.
9/44/20). Sodann
ist festzustellen,
dass
Dr.
F._
und
Dr.
G._
das Vorhandensein einer
somatoformen
Schmerz
störung
übereinstimmend
und begründet
verneinten (
Urk.
9/44/21).
Wenn die Beschwerdeführerin
schliesslich
beanstandet, es sei von den Gutach
tern zu wenig berücksichtigt worden, dass sie bereits in der Vergangenheit an
depressiven Episoden gelitten habe, so in den Jahren 1994 und 1999, ist dazu zu bemerken,
dass für die Episode im Jahre 1994 ärztliche Befunderhebungen fehlen und die Ausführungen der Beschwerdeführerin, im Jahre 1994 infolge drohender Ausweisung psychische Probleme gehabt zu haben, in der Anamnese Eingang fanden (vgl.
Urk.
9/21/18; vgl. auch im Gutachten
G._
:
Urk.
9/48/12). Soweit sich aus den nachträglich eingereichten ärztlichen Zeugnissen aus dem Jahre 1999 (
Urk.
9/53/5-10) in Zusammenhang mit dem negativen
Asylent
scheid
bzw. der drohenden Rückschaffung eine akute Verschlechterung des psy
chischen Zustandes ergibt, so vermag dies die Schlussfolgerungen von
Dr.
F._
12 Jahre später in keiner Weise in Zweifel zu ziehen.
Ohnehin wies
Dr.
G._
darauf hin, es hätte bereits im Jahr 1994
die Differentialdiagnose einer Anpassungsstörung gestellt werden müssen.
6.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin in Übereinstimmung mit
Dr.
F._
und
Dr.
D._
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowohl in der ange
stammten wie auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ausgegangen ist.
Weitere medizinische Abklärungen, insbesondere das von der Beschwerde
führerin beantragte Gerichtsgutachten, erübrigen sich
(BGE 136 V 377 E. 4.1.2)
.
Zufolge Fehlens einer
I
nvalidität besteht kein Rentenanspruch, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
7.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kan
tonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind
nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert
unter Berücksichti
gung des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 600.-- fest
zusetzen und der unterliegenden Beschwerde
führerin aufzuerlegen.