Decision ID: 0df7b264-1f70-4583-9744-54c369e69536
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967,
hat 1985 eine
Anlehre
zum Verkäufer abge
brochen und war hiernach im Informatikbereich bei verschiedenen Unternehmen - zuletzt vom 1. Oktober 2010 bis 31. Juli 2011 bei der
Y._
- angestellt (Urk. 10/5/3; Urk. 10
/7/1 ff.). Er wurde am 15. Juli 2011 von seiner Arbeitgeberin zwecks Früherfassung bei der Invalide
nversicherung
ange
meldet (Urk. 10
/2 f.). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, schloss diese am 25. Juli 2011 mangels not
wendiger Intervention ab (Urk. 10
/6). Unter Hinweis auf eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) und ein
Erschöpfungssyndrom respektive Burnout (ICD-10 Z73.0) meldete sich der Versicherte in der Folge am 23. Mai 2012 zum Leistungsbezug an (Urk. 10/9). Nachdem berufliche Massnahmen infolge des verschlechterten Gesundheitszustandes des Versicherten abgebrochen worden waren (
Urk.
10/91), holte die IV-Stelle bei Prof.
Dr.
med. habil.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, ein psy
chiatrisches Gutachten ein (Expertise vom
8.
Mai 2015,
Urk.
10/123). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(vgl.
Urk.
10/125 f., 10/131, 10/136 und 10/139) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 3
0.
November 2015 ab (Urk. 10/142). Die vom Versicherten dagegen am 1
5.
Januar 2016 erhobene Beschwerde (
Urk.
10/149/3 ff.) hiess das Sozialver
sicherungsgericht
mit Urteil IV.2016.00061 vom 1
4.
August 2017 in dem Sinne gut, dass es die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese hinsichtlich
des psychischen Gesundheitszustandes des Versicherten weitere Abklärungen
vor
nehme und hernach über den allfälligen Rentenanspruch neu entscheide (
Urk.
10/154). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Im Zuge der Umsetzung dieses Urteils holte die IV-Stelle nebst einem aktuellen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
10/175) insbesondere einen Bericht des behandelnden Psychiaters ein (
Urk.
10/162). Darüber hinaus gab sie bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag (Expertise vom 2
4.
Mai 2018, Urk. 10/173). Mit Vorbescheid vom 2
2.
August 2018 stellte die IV-Stelle dem Ver
sicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
10/177). Hier
mit erklärte sich dieser mit Schreiben vom 2
7.
Augst 2018 nicht einverstanden, verzichtete aber auf die Erhebung
eines Einwands, um das Verfahren nicht weiter zu verzögern (
Urk.
10/178). Am
1.
Oktober 2018 verfügte die IV-Stelle im ange
kündigten Sinne (
Urk.
10/181 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
1.
November 2018 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und
ihm sei
in der Person von Rechtsanwältin Lotti Sigg, Winterthur, eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen (
Urk.
1 S. 2). Zur Darlegung seiner finanziellen Verhältnisse reichte der Versicherte mit Schrei
ben vom 2
0.
November 2018 (
Urk.
8) weitere Unterlagen ein (
Urk.
6 und 7/1-2). Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Dezember 2018 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
9), worüber der Versicherte mit Verfügung vom 10. Dezember 2018 orientiert wurde. Gleichzeitig wurde dessen Gesuch um unentgeltliche Prozessführung bewilligt und ihm wurde Rechtsanwältin Lotti Sigg als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt (
Urk.
11).
Mit Verfügung vom 1
2.
April 2019 (
Urk.
13) wurde die Pensionskasse
Y._
zum Prozess beige
laden, liess sich in der Folge jedoch nicht vernehmen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin zog in der angefochtenen Verfügung vom
1.
Oktober 2018 (
Urk.
2) zusammengefasst in Erwägung, dass der Versicherte im Rahmen der medizinischen Abklärungen von
Dr.
A._
psychiatrisch begutachtet worden sei. Gemäss dessen Beurteilung liege eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vor, was allerdings nicht nachvollziehbar sei. Weder sei ein sozialer Rückzug ausgewiesen, noch nehme der Beschwerdeführer regelmässig an Therapien teil, obwohl die gesundheitliche Situation dadurch erheblich verbessert werden könnte. Nicht nachvollziehbar sei überdies die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung, da der Versicherte während Jahren ohne Probleme einer Erwerbstätigkeit habe nach
gehen können. Gesamthaft bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung.
2.2
In seiner Beschwerdeschrift vom
1.
November 2018 machte der Versicherte im Wesentlichen geltend, gestützt auf das Gutachten von
Dr.
A._
sei erstellt, dass in Bezug auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Supportverantwortlicher anam
nestisch seit März 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Eine leidens
angepasste Tätigkeit sei seit dem Zeitpunkt der letzten Begutachtung zu 50
%
zumutbar. Entsprechend seien die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Invalidenrente erfüllt. Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Ressour
cenprüfung vermöge daran nichts zu ändern. Zum einen soll
e
gemäss Bundes
gericht keine juristische Parallelprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden. Zum anderen sei die Ressourcenprüfung durch die Sachbearbeiterin nicht nachvollziehbar sowie sehr allgemein und belanglos gehalten (
Urk.
1 S. 5 ff.).
3.
3.1
3.1.1
Dr. med.
B._
, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie -psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom 29. August 2012 die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/18/1):
-
anfänglich: mittelgradige bis schwere depressive Erkrankung (ICD-10 F32.1 / F32.2), heute: leichte depressive Erkrankung (ICD-10 F32.0)
-
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0).
Nachdem der Versicherte seine Arbeit
sstelle bei der
Y._
per
Ende Juli 2011 gekündigt hatte, habe er sich dauernd niedergeschlagen gefühlt. Zudem habe er unter Interessenverlust an normalerweise angenehmen Aktivi
täten, wenig Antrieb und sehr schnell einsetzender Müdigkeit gelitten. Es sei des Weiteren zu Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten, Schlafstörun
gen und grösse
rem Appetit gekommen. Das Selbstwertgefühl habe zu bröckeln begonnen und der Beschwerdeführer habe an die Möglichkeit gedacht, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Er habe realisiert, dass er auf keinen Fall mehr in der Informatik arbeiten könne. An seinem ersten Arbeitstag als Taxifahrer im März 2012 habe er sich jedoch total überfordert gefühlt und die verschiedenen Arbeitsabläufe nicht mehr nachvollziehen können, was zu einem depressiven Zusammenbruch mit Suizidgedanken geführt habe. Unter der hiernach begon
nenen ambulanten psychiatrischen Behandlung sei es zu einer raschen Besse
rung der Depression gekommen; aktuell bestehe noch eine leichte depressive Erkrankung (Urk. 10/18/5). Der Beschwerdeführer werde nicht mehr in der Computerbranche arbeiten kön
nen. Das Arbeiten unter ständigem Druck und das stetige Erarbeiten neuen Knowhows seien für ihn aufgrund der reduzierten psychischen Leistungs
fähig
keit unmöglich. In einer angepassten Tätigkeit bestehe für August 2012 eine 75%ige Arbeitsunfähigkeit. Ende 2012 werde diese voraussichtlich noch 20 % betragen (Urk. 10/18/6).
3.1.2
Med.
pract
.
C._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Trau
matologie, des
regionalen ärztlichen Dienstes (
RAD
)
hielt in ihrer Stellungnahme vom 11. Dezember 2012 fest, dass dem Versicherten aus medizinischer Sicht Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen an die psychische Belastbarkeit, Kon
zentration und Verantwor
tung, mit häufigem Publikumsverkehr, mit Schicht- und Wochenenddienst sowie unter Zeitdruck nicht mehr abverlangt werden sollten. Die Ausübung einer in diesem Sinne angepassten Tätigkeit - auch der angestammten - sei aus versicherungsmedizinischer Sicht möglich (Urk. 10/26/1).
3.1.3
Mit Schreiben vom 5. Juni 2013 teilten Dr.
B._
und die behandelnde Psy
chotherapeutin
des Versicherten
lic
. phil.
D._
mit, die Depression sei gegenwärtig remittiert. Der Beschwerdeführer sei jedoch in einem sehr angespannten Zustand und es sei sehr fraglich, ob die Depression wieder ausbrechen werde. Jedenfalls sei er viel weniger belastbar als vor dem Krank
heitsausbruch im Jahr 2010 (Urk. 10/55/1).
3.1.4
Am 13. August 2014 trat der Versicherte auf Empfehlung der behandelnden Psychotherapeutin infolge von sich zunehmend sporadisch manifestierenden Suizidgedanken und häufigerer Auseinandersetzung mit der Auswahl einer Sui
zidmethode in das
E._
der
F._
ein. Als Diagnose wurde im Kurzaustrittsbericht vom 19. August 2014 eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) genannt (Urk. 10/101/7).
Vom 25. August bis 27. Oktober 2014 befand sich der Beschwerdeführer sodann in stationärer psychiatrischer Behandlung in der
G._
der
F._
. Dem Austrittsbericht vom 29. Oktober 2014 lassen sich folgende Diag
nosen entnehmen (Urk. 10/110/1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, vermeidend selbst
unsicheren und zwanghaften Anteilen (ICD-10 F61)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf Kindheitserlebnisse (Verlust naher Ange-höri
ger in der Kindheit; ICD-10 Z61).
Der Versicherte sei bei Eintritt wach und allseits orientiert gewesen. Es hätten Konzentrationsstörungen beim Versuch zu lesen bestanden. Das formale Denken sei normal erschienen und es hätten sich keine Hinweise auf Befürchtungen, Zwänge, Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen eruieren lassen. Nebst einer Störung der Vitalgefühle hätten Insuffizienzgefühle, ein leicht verminder
ter Antrieb sowie ein sozialer Rückzug festgestellt werden können. Es habe eine latente Suizidalität bei aktuell glaubhafter Distanzierung eines akuten Hand
lungsimpulses vorgelegen. Die depressive Symptomatik habe sich im Behand
lungsverlauf gebessert und sei bei Austritt nur noch leichtgradig gewesen. Die kombinierte Persönlichkeitsstörung dürfte sich aus klinischer Sicht massgebend auf dem biografischen Hintergrund emotionaler Vernachlässigung in der Her
kunftsfamilie, fehlender Unterstützung in der Entwicklung eigener Bedürfnisse und Wünsche sowie differenzierter Wahrnehmung von sich und anderen heraus
gebildet haben. Eine weiterführende intensive ambulante psychiatrisch-psy
cho
therapeutische Behandlung sei deshalb auch nach Austritt aus der
F._
indi
ziert (Urk. 10/110/2). Vom 25. August bis 10. November 2014 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (Urk. 10/110/3).
3.1.5
Prof. Dr.
Z._
stellte in seinem Gutachten vom 8. Mai 2015 folgende Diag
no
sen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/123/46):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, selbstunsicheren, ver
meidenden und zwanghaften Anteilen (ICD-10 F61).
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber Kontaktanlässe
mit Bezug auf Kindheitserlebnisse (Verlust naher Angehöriger in der Kindheit; ICD-10 Z61).
Der Explorand habe angegeben, seine Konzentration sei schlecht. Damit meine er, dass er sich schnell unter Druck gesetzt fühle. In solchen Situationen falle es ihm schwer, mit Fokussierung auf das Notwendige eine Leistung zu erbringen. Er werde dann unsicher und sei nicht leistungsbereit. Zudem sei er schnell erschöpft und es falle ihm sehr schwer, Dinge im Kopf zu behalten. Er habe nicht gelernt, sich eine adäquate Work-Life-Balance zu erarbeiten. Ab 2008 habe er versucht, sich mit Alkohol zu betäuben. Seit circa zwei Jahren habe der Versicherte dieses Verhalten eingestellt. Stattdessen zeichne er nun viel, gehe ins Fitness und habe eine Partnerin, was ihm guttue (Urk. 10/123/33).
Zum Untersuchungszeitpunkt habe beim Beschwerdeführer keine quantitative oder qualitative Bewusstseinsstörung vorgelegen. Er sei allseits (zeitlich, örtlich, persönlich und situativ) orientiert gewesen. Die vom Versicherten angegebenen Gedächtnisstörungen hätten nicht objektiviert werden können. Selbiges gelte für die von ihm geklagten starken Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstö
rungen. Bis zum Ende der zweieinhalbstündigen Exploration sei kein Abfallen der kogni
tiven Leistungsfähigkeit bemerkbar gewesen. Ausserdem seien die Schwingungs
fähigkeit ungestört und weder die Vitalgefühle noch die Freud
fähigkeit oder die Interessen gemindert gewesen. Der formale Gedankengang sei hinsichtlich Kohä
renz und Stringenz regelrecht gewesen, was auch für die Geschwindigkeit des Denkens gelte. Ferner hätten weder Zwänge noch Hinweise auf eine Persönlich
keitsstörung mit ängstlich-unsicheren Anteilen bestanden. Es hätten sich aller
dings Hinweise auf
eine
Selbstlimitierung ergeben. Der Versicherte sei denn auch nicht zu einer beruflichen Wiedereingliederung zu motivieren gewesen (Urk. 10/123/36 f.).
Im Psychostatus hätten sich zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Symptome einer Depression beschreiben lassen. Die Hauptkriterien einer Depression gemäss ICD-10 mit gedrückter Stimmung, Freud- und Interessenlosigkeit sowie Antriebs
störung würden nicht oder nicht in adäquater Ausprägung bestehen. Ab dem Begutachtungsdatum sei daher von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), auszugehen. Die neuropsycho
logische Zusatzuntersuchung durch
H._
, Fachpsychologin für Neu
ropsycholo
gie, vom 6. Mai
2015 habe ein nicht plausibles Defizitprofil ergeben, welches vermutlich auf einer bewusstseinsnahen Selbstlimitierung beruhe. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass keine kognitiven Einbussen vorl
ä
gen (Urk. 10/123/44; vgl. auch Urk. 10/123/49 ff.). Die Diagnose einer kom
binierten Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, vermeidenden, selbstunsiche
ren und zwanghaften Anteilen (ICD-10 F61.0) wie auch diejenige hinsichtlich Kontaktan
lässen mit Bezug auf Kindheitserlebnisse (Verlust naher Angehöriger in der Kind
heit) könne bestätigt werden. Der Versicherte habe eine schwierige Kindheit mit fehlender emotionaler Unterstützung erlebt. Traumatisierend sei der Verlust beider Schwestern an den Folgen einer Anorexia
nervosa
gewesen. Die Persön
lichkeitsmerkmale seien beim Versicherten in allen Lebensbereichen manifest geworden. Im Privaten hätten soziale Rückzugstendenzen aufgrund von Verlust
ängsten vorgelegen. In beruflicher Hinsicht hätten nebst einem hohen Selbstan
spruch auch Verlustängste und Kontaktschwierigkeiten bestan
den, welche ab dem Jahr 2008 zu einem zunehmenden Erschöpfungssyndrom mit Versagens- und Zukunftsängsten sowie Selbstzweifeln geführt hätten. Im therapeutischen Setting sei es dem Exploranden jedoch gelungen, sich affektiv gut zu stabilisieren, sodass die Depression vollständig remittiert sei. Er habe auch gelernt, verstärkt auf
seine eigenen Bedürfnisse zu achten, wobei das Pen
del aktuell aus gutachterlicher Sicht von früherer Überlastung in Selbstlimitie
rung umgeschlagen sei (Urk. 10/123/44 f.).
Für den Zeitraum März 2012 bis August 2014 sei von einer mittelgradigen depres
siven Episode mit kontinuierlicher Besserung auszugehen, wobei vom 29. März 2013 bis 21. März 2014 bezogen auf ein volles Pensum eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit anzunehmen sei. Hiernach könne in Übereinstimmung mit der Ein
schätzung des behandelnden Psychiaters Dr.
B._
vom 1.
April
bis 30. Juni 2014 eine 30%ige und vom 1. Juli bis 11. August 2014 eine 20%ige Arbeitsun
fähigkeit attestiert werden. Vom 12. August 2014 bis zum 3. Februar 2015 sei eine stationäre
und tagesklinische
Hospitalisation
in der
F._
erfolgt. Definitions
gemäss habe in dieser Periode eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Hernach habe eine leichte depressive Episode mit einer Arbeitsunfähigkeit von 20 bis 30 % bestanden. Seit dem Begutachtungszeitpunkt sei der Versicherte aufgrund der remittierten Depression zu 100 % arbeitsfähig. Diese Angaben würden sich sowohl auf die zuletzt ausgeübte als auch auf adaptierte Tätigkeiten beziehen (Urk. 10/123/47).
3.1.6
Im Bericht der
I._
,
J._
, vom 23. November 2015 wurde im Unterschied zum Gutachten von Prof. Dr.
Z._
eine rezidivie
rende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.1) diag
nostiziert. Unter anderem sei
en
das Denken des Versicherten eingeengt und die Auffassungsfähigkeit beeinträchtigt. Die Konzentration und die Merkfä
higkeit seien stark eingeschränkt. Hinweise auf Wahn, Zwänge, Sinnes
täuschungen oder Ich-Störungen würden nicht vorliegen. Allerdings bestünden ein sozialer Rück
zug, eine Störung der Vitalgefühle, eine innere Unruhe und Insuffizienzgefühle. Der Antrieb sei mittelgradig reduziert und die Belastbarkeit sehr gering (Urk. 10/138/1). Die Persönlichkeitsstörung sei behandlungsresistent. Deren zentrale Auswirkung sei eine sehr hohe Anpassung durch den Versicherten. Er versuche daher, alle Anforderungen und Erwartungen, die von aussen an ihn gestellt werden, zu erfüllen. Die Selbstreflexion, das Selbstbild und die Affekt
differenzierung seien deutlich eingeschränkt. Dies gelte namentlich auch in Bezug auf die Fähigkeit, seine eigenen Bedürfnisse, Impulse und Gefühle regulieren zu können. Infolge
dessen sei der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätig
keit bis auf Wei
teres nicht mehr arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit könne er in stark reduziertem Umfang - maximal in einem 10%-Pensum - arbei
ten (Urk. 10/138/2).
3.2
3.2.1
Im Rahmen der Umsetzung des Urteils
IV.2016.00061
des
hiesige
n
Sozialver
sicherungsgericht
s vom 1
4.
August 2017 (
Urk.
10/154) zog die Beschwerdegeg
nerin einen aktuellen Bericht der
I._
vom 14. November 2017 bei. Es wurden - bei im Wesentlichen unverändertem ärztlichen Befund - die gleichen Diagnosen wie im Bericht vom 2
3.
November 2015 gestellt (vgl. E. 3.1.6 voran
gehend). Zur Leistungsfähigkeit äusserten sich die behandelnden Fachpersonen dahingehend, dass diese massiv eingeschränkt sei. Der Versicherte arbeite derzeit zwei Stunden pro Woche an einem geschützten Arbeitsplatz beim
K._
(über
L._
vermittelt) und erledige einfache, repetitive Büroarbeiten ohne Kundenkontakt. Eine aktuelle Erhöhung der Tätigkeit um zwei Stunden bringe ihn bereits an seine Grenzen (
Urk.
10/162).
3.2.2
Dr.
A._
stellte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 2
4.
Mai 2018 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/173/43):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0),
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und zwanghaf
ten Anteilen (ICD-10 F61.0),
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
Im Rahmen eines offenen Interviews habe der Versicherte folgende Symptome geschildert: Hüft- und Rückenschmerzen, Müdigkeit, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, Gedankenkreisen, verminderte Belastbarkeit, Reduk
tion des Antriebs, vermehrte Unruhe und Anspannung, verbale Aggressionen, Lärm- und Menschenansammlungsunverträglichkeit, Albträume, Schreckhaf
tigkeit, Reizbarkeit sowie Suizidgedanken. Vom Charakter her sei er schon immer sehr perfektionistisch gewesen, da er unter einer Selbstunsicherheit und Ängsten vor Fehlern leide. Er habe daher immer sehr viel Zeit für seine berufliche Tätigkeit aufgewendet und das Privatleben deutlich hintenangestellt. Zum Preis des vernachlässigten Privatlebens habe er einigen beruflichen Erfolg erzielt. An den Wochenenden habe er sich regelmässig betrunken. Mit zunehmenden Arbeitsan
forderungen sei dieses System
dekompensiert
und ab 2011 habe sich eine depres
sive Symptomatik etabliert. Er leide nach wie vor an depressiven Symptomen und habe neu seit zwei bis drei Jahren zusätzlich Schmerzen im Bereich des Rückens und der linken Hüfte, welche vor allem bei psychischen Belastungen aufträten. Die Belastbarkeit sei so gering, dass er nicht mehr als zwei Stunden pro Woche an einem geschützten Arbeitsplatz (
L._
) arbeiten könne (
Urk.
10/173/34).
Anlässlich der Exploration hätten sich
gemäss
Dr.
A._
weder für Bewusst
seins- oder Orientierungsstörungen noch für Zwänge, Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen Anhaltspunkte ergeben. Die vom Versicherten geschilderten Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen hätten nur ansatzweise klinisch beobachtet werden können. Das formale Denken
sei durch
Grübeln
beeinträchtigt
. Affektiv sei der Beschwerdeführer deprimiert und reduziert schwingungsfähig, aber nicht affektlabil gewesen. Schuld- und Insuffizienzgefühle seien ebenso vor
handen gewesen wie Versagensängste. Bei normal ausgebildetem Antrieb seien die Interessen etwas reduziert erschienen. Im Weiteren sei eine erhöhte Müdigkeit feststellbar gewesen. Aktuell sei der Explorand nicht suizidal; Suizidgedanken seien jedoch vorhanden, ohne dass es zu Selbstmordversuchen gekommen sei. Fremdaggressives Verhalten sei weder vom Versicherten berichtet worden, noch habe solches beobachtet werden können. Er sei allerdings vermehrt gereizt, verbal aggressiv gegen Dritte und teilweise physisch aggressiv gegen sich (in die Wand schlagen). Ein sozialer Rückzug sei teilweise vorhanden. Der Appetit sei gestei
gert; Schlafstörungen bestünden - abgesehen von regelmässigen Albträumen - nicht. Die Libido und das Sexualleben seien deutlich reduziert (Urk. 10/173/41).
Bei leichten Konzentrationsproblemen, Grübeln, einer
Anhedonie
und reduzierte
r affektiver
Schwingungsfähigkeit, Schuld- und Insuffizienzgefühlen, Versagens
ängsten, einer leichten Reduktion der Interessen, einer erhöhten Ermüdbarkeit, Suizidgedanken und einer Reduktion der Libido könne eine leichte depressive Symptomatik objektiviert werden, was auch die Testung mittels der Hamilton Depression
Scale
bestätige. Da in der Vergangenheit bereits mehrfach depressive Episoden aufgetreten seien, sei diagnostisch vom Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0) auszu
gehen. Des Weiteren liege bereits seit dem frühen Erwachsenenalter eine kombi
nierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und zwanghaften Persönlich
keitsanteilen vor (ICD-10 F61.0). Der Versicherte zeige insbesondere Zurückhal
tung in intimen Beziehungen, nehme aussergewöhnlich ungern persönliche Risiken auf sich und sei stark davon eingenommen, in sozialen Situationen kritisiert zu werden. Darüber hinaus neige er zu Perfektionismus, zeige Rigidität und verschreibe sich übermässig der Arbeit unter Ausschluss von Freizeitaktivi
täten und Freundschaften. In den letzten zwei bis drei Jahren habe sich zusätzlich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) entwickelt, sofern die geschilderten Schmerzen nicht hinreichend durch somatische Befunde erklärt werden könnten. Die Schmerzen hätten sich zeitgleich zu psychosozialen Belas
tungsfaktoren entwickelt und die Exazerbation sei nach wie vor von psychischen Belastungsfaktoren abhängig. Eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) könne demgegenüber nicht diagnostiziert werden, da namentlich der Tod der beiden Schwestern nicht ein derart intensives Trauma darstelle wie etwa das selbständige Erleben von ernsthaften Verletzungen oder sexueller Gewalt. Es müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass diese Todesfälle zur Entwicklung der Persönlichkeitsstörung be
igetragen hätten (Urk. 10/173/43
ff.).
Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer aktenanamnestisch seit März 2012 in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Supportverantwortlicher (Leiter eines Hotline-Teams) arbeitsunfähig. Seither seien unterschiedlich stark ausgeprägte depressive Symptome aufgetreten und die Symptome der kombinierten Persön
lichkeitsstörung seien «
dekompensiert
». Die zwanghaften und selbstunsicheren Persönlichkeitsanteile hätten immer mehr zeitlichen Aufwand benötigt, weshalb sich der Versicherte immer mehr zurückgezogen, Freizeitaktivitäten aufgegeben und einen dysfunktionalen Alkoholkonsum betrieben habe. Dies alles habe zu einer deutlich reduzierten Belastbarkeit geführt. In einer angepassten Tätigkeit ohne schwere körperliche
Aufgaben, ohne intensive zwischenmenschliche Bezie
hungen und mit klar strukturierten Arbeitsschritten sei dagegen eine 50%ige Arbeitsfähigkeit seit der letzten Begutachtung im April 2015 anzunehmen (
Urk.
10/173/48 f.).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch des Versicherten in der angefochtenen Verfügung vom
1.
Okto
ber 2018 zu Recht verneint hat
. Da in erster Linie das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
vom 2
4.
Mai 2018 (
Urk.
10/173) als medizinische Grundlage für den angefochtenen Entscheid diente, ist zunächst auf dessen Beweiswert einzugehen.
Die Expertise basiert auf einer umfassenden psychiatrischen Untersuchung und wurde in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt (
Urk.
10/173/5 ff.). Der Ver
sicherte konnte gegenüber dem Sachverständigen seine aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesem zu verschiedenen Themenbereichen wie dem beruflichen Werdegang, dem Krankheitsverlauf und dem gewöhnlichen Tagesab
lauf eingehend befragt (
Urk.
10/173/34 ff.). Die geklagten Leiden fanden sodann im Rahmen der
S
tellung der Diagnosen Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit dargelegt und erläutert wurden (
Urk.
10/173/43 ff.). Soweit möglich erfolgte ausserdem eine Auseinandersetzung mit vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen, insbesondere mit derjenigen von Prof.
Dr.
Z._
vom
8.
Mai 2015 (Urk. 10/173/46 f., 10/173/50). Insgesamt erfüllt das psychiatrische Gutach
ten somit die vom Bundesgericht festgelegten formellen Kriterien für eine beweis
werte medizinische Expertise (vgl. E. 1.4), was die Parteien dem Grundsatz nach - soweit ersichtlich - auch nicht in Frage stellen.
4.2
4.2.1
Uneinigkeit besteht demgegenüber
über die
Frage, ob auf die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
A._
abgestellt werden kann, oder ob aus recht
licher Sicht von einem nicht invalidisierenden Gesundheitsschaden auszugehen ist.
In diesem Zusammenhang ist vorab festzuhalten, dass das Bundesgericht
in
BGE 143 V 418
erkannt hat, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind.
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betref
fend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen.
Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem Verfahrens
standard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen
Ge
gebenhei
ten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beige
zogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gen
gutachten
– gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüs
sige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
lauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (BGE 141 V 281 E. 8).
4.2.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systemati
siert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
4.2.3
Diese Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom
1. Dezember 2017 E. 4.2.3). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; 141 V 547 E. 2
).
4.3
4.3.1
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung» ist festzuhalten, dass Dr.
A._
nebst einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenw
ärtig leichtgradige Episode (ICD
-10 F33.0)
,
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und zwanghaften Anteilen (ICD-10 F61.0) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) diagnostizierte (
Urk.
10/173/43).
Die Einstufung der depressiven Symptomatik als leichtgradig überzeugt angesichts der im Rahmen der Exploration erhobenen Befunde. So konnte
Dr.
A._
nebst leichten Konzentrationsproblemen unter anderem eine reduzierte affektive Schwingungs
fähigkeit, Versagensängste, Schuld- und Insuffizienzgefühle sowie
eine leichte Reduktion der Interessen und eine erhöhte Ermüdbarkeit
eruieren
(
Urk.
10/173/41, 10/173/45).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
2)
besteht
keine Veranlassung, an der diagnostizierten Persönlich
keitsstö
rung zu zweifeln, zumal diese
Diagnose
nicht nur Dr.
A._
, sondern auch der Vorgutachter Prof.
Dr.
Z._
und behandelnde Fachärzte übereinstimmend stellten (vgl. E. 3.1.4 ff.).
Auch der Umstand, dass der Versicherte über Jahre einer
Erwerbstätigkeit nachgehen konnte, steht dieser Beurteilung nicht per se entge
gen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_146/2017 vom
7.
Juli 2017 E. 4.2.3)
zumal der Einstieg ins Erwerbsleben mit dem Lehrabbruch nicht problemlos verlief und die Erwerbsbiographie – ausser in den letzten Jahren – auch von häufigen Stellenwechseln geprägt war (
Urk.
10/14)
.
Dr.
A._
legte
zudem
nachvollzieh
bar dar,
weshalb sich die Kompen
sationsmöglichkeiten des Beschwer
deführers mit zunehmendem Alter und steigendem Druck am Arbeitsplatz
reduziert
en
.
Ins
besondere wurde dem Versicherten seitens der Hausärzte aufgrund einer
Hämochromatose
dringend abgeraten, weiterhin an den Wochenenden übermäs
sig Alkohol zu konsumieren, was jener bis anhin zwecks Stressreduktion jeweils getan hatte
(Urk.
10/173/37, 10/173/47
f.
).
In Bezug auf die Schmerzstörung
ist allerdings anzumerken, dass die Herleitung der Diagnose mit Blick auf die ent
sprechenden ICD-Kriterien n
ur bedingt
überzeugt. Zwar
berichtete
der
Versicherte von
regelmässigen
Schmerzen
im Bereich des Rückens und der linken Hüfte, welche sich bei psychischen Belastungen verstärken würden (
Urk.
10/173/41). Es erscheint allerdings fraglich, ob ein andauernder, schwerer und quäl
ender Schmerz vorliegt (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnos
tische
Leitlinien, 1
0.
Auflage, S. 233
)
.
Dr.
A._
hielt zudem explizit fest, dass die Symptome der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht objektiviert werden konnten. Anlässlich der Exploration war von aussen kein Schmerzerleben zu erkennen (
Urk.
10/173/40, 10/173/48).
Im Ergebnis kann jedoch
offen gelassen
werden, ob eine Schmerzstörung vorliegt, da einerseits die
depressive
Sympto
matik
und die
Persönlichkeitsstörung
das Krankheitsbild dominieren
(vgl.
Urk.
10/173/49).
Andererseits ist nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens entscheidend
, sondern rechtsprechungsgemäss
ist
vielmehr zu prüfen
, ob auf einen funktionellen Schweregrad der psychischen Störung zu schliessen ist,
der sich nach dessen konkreten Auswirkungen und insbesondere danach beurteilt, wie stark die versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen dadurch beeinträchtigt ist (
Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013 vom 2
6.
Juni 2013 E. 4.1.4 mit Hinweis,
BGE 143 V 418
E. 5.2.
2 f.
).
4.3.2
Zum Indikator der Therapieresistenz ist zunächst anzumerken, dass allein die fehlende Ausschöpfung aller Behandlungsmöglichkeiten nicht mehr ausreicht, um einen invalidisierenden Gesundheitsschaden zu verneinen. Allerdings gilt es auch in Nachachtung der aktuellen bundesgerichtlichen Praxis zu berücksichti
gen, dass
in Bezug auf die depressive Störung keine Therapieresistenz vorliegt.
Dr.
A._
ging in diesem Kontext davon aus, dass durch die weitere ambulante psychiatrische und psychopharmakologische Behandlung
eine vollständige Remission erwartet werden könne. Sowohl die Symptome der Persönlichkeits- als auch der Schmerzstörung
würden sich dadurch allerdings nur bedingt günstig beeinflussen lassen (
Urk.
6/173/48).
Zu
m Eingliederungserfolg respektive zur Eingliederungsresistenz ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nach der Auflösung des Arbeitsverhältnisses bei der
Y._
von Januar 2013 bis August 2014
an den von der Beschwer
degegnerin zugesprochenen Eingliederungsmassnahmen teilnahm. Dabei hielt er sich an die Rahmenbedingungen und arbeitete motiviert mit (vgl.
Urk.
10/57/1, 10/79/2).
Nach einer vorübergehenden Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes mit
der
Notwendigkeit
zur
stationären Behandlung, was den Abbruch der Eingliederungsmassnahmen zur Folge hatte (
Urk.
10/91), nahm er ab April 2015
eine Tätigkeit an einem geschützten Arbeitsplatz mit einem Pen
sum von zwei respektive vier Stunden pro Woche - ab Sommer 2017 - auf (
Urk.
10/165, 10/173/34
). Der Versicherte hat somit Anstrengungen unternom
men, um sich wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Der Umstand, dass dies nur
in beschränktem Umfang
gelungen ist, ist als Indiz für eine invalidisierende Beeinträchtigung zu werten (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2).
4.3.3
In Bezug auf den Indikator «Komorbiditäten» ist zu bemerken, dass
sich die Symp
tome der kombinierten
Persönlichkeitsstörung und der immer wieder auftreten
den
depressiven Episoden
gemäss gutachterlicher Einschätzung
gegenseitig ver
stärken beziehungsweise die Leistungsfähigkeit des Versicherten deutlich mindern (
Urk.
10/173/48).
4.3.4
Was den Komplex «Persönlichkeit» anbela
ngt, gilt es zu beachten, dass
eine
kombinierte
Persönlichkeitsstörung
mit selbstunsicheren und zwanghaften Anteilen
vorliegt.
Abgesehen von einer deutlich reduzierten Belastbarkeit zieht diese in Verbindung mit der depressiven Störung mittelgradige Beeinträchtigun
gen bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben sowie in Bezug auf die Flexibilität, die Umstellungs-,
Durchhalte- und die Selbstbehauptungsfähigkeit nach sich (
Urk.
10/173/49).
Der Persönlichkeitsstruktur ist
insgesamt
eine
ressourcenhemmende Wirkung beizumessen.
4.3.5
Zum soziale
n Lebenskontext äusserte sich d
e
r
Versicherte dahingehend, dass
er
alleine wohne und die Wochenenden regelmässig bei seiner Partnerin verbringe
. Ungefähr einmal alle zwei Monate treffe er einen Freund oder besuche seinen älteren Bruder, der aufgrund eines Schlaganfalles nicht mehr sprechen könne. Zum Vater und dem jüngeren Bruder sei der Kontakt abgebrochen. In Vereinen sei er nicht aktiv (
Urk.
10/173/38).
Vor diesem Hintergrund ist der Beschwerde
gegnerin dahingehend zu widersprechen, dass sich der Versicherte oft und regel
mässig mit seinem Bruder und einem Freund tr
effe
(vgl.
Urk.
2). Vielmehr ist
dem psychiatrischen Gutachter beizupflichten, dass ausser der
seit 2014 bestehen
den
Partnerschaft
- welche
als sich günstig auf die Ressourcen auswirkender Faktor einzu
stufen
ist -
keine tragenden sozialen Kontakte bestehen (vgl. Urk. 10/173/48).
Nicht abschliessend beurteilen lässt sich indes, ob der gesell
schaftliche Rückzug in erster Linie krankheitsbedingt erfolgte oder ob
seit jeher
nur wenige soziale Kontakte
ausserhalb des Erwerbslebens
bestanden.
4.3.6
In Bezug auf die beweisrechtlich entscheidende Kategorie «Konsistenz» ist festzu
halten, dass
keine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen vorliegt. Der Beschwerdeführer ist in der Lage, seinen Haushalt und eine partnerschaftliche Beziehung zu führen. Eine Tages
struktur ist ebenfalls vorhanden. Unter anderem geht der Versicherte regelmässig mit seinem Hund spazieren, beschäftigt sich mit dem Internet, schaut fern, liest oder löst Kreuzworträtsel (
Urk.
10/178/38 f.).
In Anbetracht der konkreten Aus
wirkungen der psychischen Störungen (vgl. E. 4.3.4) liegt allerdings nahe, dass diese bei der Ausübung einer Erwerbstätigkeit deutlicher
ressourcenraubend
ins Gewicht fallen als im
sonstigen
alltäglichen Leben.
Ein Leidensdruck ist dagegen behandlungsanamnestisch ausgewiesen. Der Beschwerdeführer
nahm ab
März 2012 regelmässig eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung in Anspruch (vgl.
Urk.
10/18/1, 10/55 und 10/101/2).
Von August 2014 bis Februar 2015 befand er sich ausserdem
in stati
onärer respektive tagesklinischer Behandlung (
Urk.
10/110, 10/112 und 10/123/43 f.).
Aktuell nimmt er wöchentlich ambulante Sitzungen wahr und greift ferner nach wie vor auf Antidepressiva zurück (
Urk.
10/162, 10/173/39 f.).
4.4
Zusammenfassend
ist
in Anbetracht der
geprüften
Standardindikatoren und deren Gesamtwürdigung
festzuhalten, dass
die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr.
A._
mit Blick auf das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers
relativ
wohlwollend erscheint. Allerdings ist nicht nur eine weitgehende Behandlungs- und Eingliederungsresistenz, sondern auch ein Leidensdruck ausgewiesen. Dar
über hinaus liegen mehrere psychische Störungen mit ressourcenhemmenden Wechselwirkungen vor. Unter weiterer Berücksichtigung
dessen, dass die psychi
atrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und dem begutachtenden Psychiater praktisch immer einen gewissen Spiel
raum eröffnet, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Inter
pretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern lege
artis
vorge
gangen wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_146/2017 vom 7. Juli 2017
E. 4.2.2 mit Hinweis), besteht kein begründeter Anlass, von der gutachterlichen Beurteilung abzuweichen.
Folglich ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seit März 2012 in der angestamm
ten Tätigkeit als Supportverantwortlicher arbeitsunfähig ist. Hinsichtlich einer leidensadaptierten Tätigkeit liegt seit April 2015 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vor (
Urk.
10/173/48 f.).
5.
5.1
Ausgehend von den obigen Ausführungen ist de
r Invaliditätsgrad des Beschwer
deführers festzulegen.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist
dieser
gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensver
gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfällige
n
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Gemäss der überzeugenden Einschätzung von
Dr.
A._
ist der Versicherte seit März 2012 in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Supportverantwortlicher
arbeitsunfähig
(
Urk.
10/173/48 f.)
. Den Zeitpunkt des frühestmöglichen Renten
beginns bildet somit März 2013 (vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG)
. D
ie sechsmonatige Karenzzeit seit der Geltendmachung des Leistungsanspruchs (
Art.
29
Abs.
1 IVG) war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls
abgelaufen
, da sich der Versicherte bereits im Mai 2012 zum Leistungsbezug angemeldet hatte (
Urk.
10/9).
Der Beschwerdeführer war vor Eintritt der Invalidität bei der
Y._
angestellt und erzielte zuletzt von Januar bis Juli 2011 ein Bruttoeinkommen von
Fr.
49'521.--
(
Urk.
10
/175/2). Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass
der Versicherte im Gesundheitsfall weiterhin
dieser Tätigkeit nachgegangen wäre, zumal er das Arbeitsverhältnis auf ärztliche
n Rat hin
aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst hatte (
Urk.
10/1/2, 10/3).
Das
Validenein
kommen
ist für das Jahr 2013 somit unter Berücksichtigung der Nominallohn
entwicklung
für m
ännliche Arbeitskräfte von 2’17
1 Punkte
n im Jahr
2011 auf 2’204 Punkte im Jahr 2013
(vgl.
www.bfs.admin.ch
)
auf Fr. 86‘183.55 festzulegen (
Fr.
49‘521.--
/ 7 * 12
/ 2‘171 * 2‘204).
5.3
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Mangels Vorliegens eines stabilen Arbeitsverhältnisses nach Eintritt der Invalidi
tät ist das Invalideneinkommen des Beschwerdeführers
nach den LSE
2010
zu bestimmen.
Aufgrund der fehlenden beruflichen Ausbildung des Versicherten sowie angesichts des
gutachterlich statuierten
Belastungsprofils (vgl. Urk.
10/173/49)
ist auf den monatlichen Bruttolohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art männlicher Angestellter von Fr
.
4‘901.-- abzustellen (LSE 2010
, TA1, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirt
schafts
abteilungen
,
Anforderungs
niveau
des Arbeitsplatzes
und Geschlecht,
Total,
Anforderungsniveau 4
). Aufgerechnet auf die durchschnittliche betriebs
übliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, A-S) und angepasst an die Entwicklung der Nominallöhne für m
ännliche Arbeitskräfte von 2’151
Punk
te
n im Jahr 2010
auf 2’204 Punkte im Jahr 2013
ergibt dies bei einem
zumutbaren Arbeitspensum von 50
% ein Bruttoeinkommen von Fr.
3
1‘411.10
jährlich (Fr.
4‘901.-- / 40 * 41.7 * 12 / 2'151
* 2
‘
204 * 0.5
).
5.4
Ausgehend von den genannten Vergleichseinkommen ist der Invaliditätsgrad
und der Rentenanspruch des Beschwerdeführers
wie folgt festzulegen:
Wie zuvor dargelegt (vgl. E. 5.
2), war der Beschwerdeführer frühestens ab März 2013 rentenberechtigt. Von Januar 2013 bis und mit August 2014 nahm er aller
dings an
Eingliederungsmassnahmen teil und
bezog Taggeldleistungen der Inva
lidenversicherung (
Urk.
10/175/2). In Anwendung von
Art.
29
Abs.
2 IVG best
eht
somit für diesen Zeitraum kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Im weiteren Verlauf befand sich der Versicherte bis zum
3.
Februar 2015 in stationärer respektive tagesklinischer Behandlung
bei gänzlicher Arbeitsunfähig
keit
ab dem 1
2.
August 2014
(vgl.
Urk.
10/123/43 f
.
). Ab April 2015
ist ent
sprechend der Beurteilung von
Dr.
A._
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit auszugehen (Urk. 10/173/49).
Unter Berück
sichtigung von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV), wonach eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen ist, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat, ist dem
Beschwerdeführer
zunächst
von September 2014 bis Juni 2015
eine ganze Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 63.55 respektive 64
%
ab Juli 2015
eine
Drei
viertelsrente
zuzusprechen ([
Fr.
86‘
183.55
.
/.
Fr.
31'411.10] * 100 /
Fr.
86'183.55; zum Runden: BGE 130 V 121).
6.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch des Ver
sicherten zu Unrecht verneint. In Gutheissung der Beschwerde ist die angefoch
tene Verfügung vom
1.
Oktober 2018 (
Urk.
2) aufzuheben u
nd es ist festzustellen, dass
der Beschwerdeführer
von September 2014 bis und mit Juni
2015 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. Seit Juli 2015 besteht Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
.
7.
7.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der
Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Rechtsanwältin Lotti Sigg machte als unentgeltliche Rechtsvertreterin von der Möglichkeit, eine Honorarnote einzureichen (vgl.
Urk.
11)
,
keinen Gebrauch, wes
halb die Prozessentschädigung ermessensweise festzusetzen ist. Unter Berück
sichtigung der massgebenden Kriterien hat die Beschwerdegegnerin sie mit
Fr.
2'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.