Decision ID: 34413079-2db8-5f9b-852e-48b5fe38e161
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B.
Am 25. März 2020 (Postaufgabe) meldete die A._ GmbH (nachfolgend:
Arbeitgeberin) für ihre zwei Arbeitnehmer und Geschäftsführer Kurzarbeit ab 1. März
2020 an (act. G3.1/A1).
A.a.
Mit Verfügung vom 7. April 2020 entschied das Amt für Wirtschaft und Arbeit
(nachfolgend: AWA), sofern die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien, könne
die Arbeitslosenkasse ab 25. März 2020 Kurzarbeitsentschädigung ausrichten
(act. G3.1/A2). Dagegen erhob die Arbeitgeberin am 25. Mai 2020 Einsprache
(act. G3.1/A3). Am 27. Mai 2020 teilte sie telefonisch mit, sie habe die Einsprache
zuerst bei der Arbeitslosenkasse eingereicht. Diese habe die Einsprache übersehen
(act. G3.1/A4). Mit Schreiben vom 27. Mai 2020 reichte die Arbeitgeberin Unterlagen
ein, aus denen hervorging, dass sie am 13. Mai 2020 eine Einsprache an die
Arbeitslosenkasse gesendet hatte (act. G3.1/A5).
A.b.
Mit Entscheid vom 10. Juli 2020 wies das AWA die Einsprache ab. Zur
Begründung führte es aus, die Arbeitgeberin habe den Betrieb nicht in Nachachtung
der Massnahmen des Bundesrates im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie
schliessen müssen. Auch wenn sie offensichtlich wegen der fehlenden Nachfrage
infolge der COVID-19-Pandemie wirtschaftlich vergleichbar betroffen gewesen sei, wie
ein Unternehmen, das unverzüglich habe schliessen müssen, sei eine Rückdatierung
gesetzlich nicht vorgesehen und mangels Anwendbarkeit der Weisung 2020/06 des
Staatssekretariats für Wirtschaft (nachfolgend: Seco) vom 9. April 2020 nicht möglich
(act. G3.1/A6).
A.c.
Gegen diesen Entscheid erhebt die A._ GmbH am 16. Juli 2020 Beschwerde
und beantragt, ihr sei für ihre Mitarbeitenden ab dem 1. März 2020 teilweise und ab
B.a.
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Erwägungen
1.
dem 17. März 2020 weitergehend Kurzarbeitsentschädigung zu gewähren. Zur
Begründung führt sie aus, am 8. April 2020 sei mittels Verordnungsänderung eingeführt
worden, dass die vorliegend anwendbare Verordnung rückwirkend ab 1. März 2020
gelte. Am 9. April 2020 habe das Seco festgehalten, dass bei verspäteten Anträgen, die
noch vor dem 31. März 2020 eingereicht worden seien und sich auf
Betriebsschliessungen beziehen würden, das Datum der behördlichen Massnahmen
als Eingangsdatum gesetzt werden könne. Die Hauptkunden der Beschwerdeführerin
seien Wiederverkäufer und Detaillisten. Alle diese Kunden hätten am 17. März 2020
aufgrund des Bundesratsbeschlusses schliessen müssen. Daraufhin habe auch die
Beschwerdeführerin schliessen müssen. Auch sie sei somit direkt vom
Bundesratsbeschluss betroffen. Sie erziele rund 30 bis 40 % ihres Jahresumsatzes bei
Messen und Märkten, welche im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie
ebenfalls abgesagt worden seien. Ihre Erwerbsausfälle hätten deshalb bereits mit dem
Entscheid des Bundesrates vom 28. Februar 2020 begonnen, als beispielsweise die
B._ nach eineinhalb Tagen habe abgebrochen werden müssen. Auch aus der Absage
des C._, an welchem sie üblicherweise Fr. 30'000.-- bis Fr. 40'000.-- Umsatz
generiere, habe ein Totalausfall resultiert. Darum verweise sie auf die Weisung des
Seco vom 9. April 2020. Wie sie in Erfahrung habe bringen können, hätten Firmen, die
im Messebereich tätig seien, sogar rückwirkend ab 1. März 2020 Anspruch auf
Kurzarbeitsentschädigung erhoben (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 26. August 2020 beantragt der Beschwerdegegner
unter Verweis auf den Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G3).
B.b.
Arbeitnehmende, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz ein
gestellt ist, haben Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, wenn sie für die
Versicherung beitragspflichtig sind oder das Mindestalter für die Beitragspflicht in der
AHV noch nicht erreicht haben, der Arbeitsausfall anrechenbar ist, das
Arbeitsverhältnis nicht gekündigt ist und der Arbeitsausfall voraussichtlich
vorübergehend ist und erwartet werden darf, dass durch Kurzarbeit ihre Arbeitsplätze
erhalten werden können (Art. 31 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
1.1.
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Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Der
Zweck der Kurzarbeitsentschädigung besteht darin, einerseits der versicherten Person
einen angemessenen Ersatz für Erwerbsausfälle wegen Kurzarbeit zu garantieren und
Ganzarbeitslosigkeit, d.h. Kündigung und Entlassung zu verhindern. Anderseits dient
die Kurzarbeitsentschädigung der Erhaltung von Arbeitsplätzen im Interesse sowohl
der Arbeitnehmenden als auch der Arbeitgeber, indem die Möglichkeit der Erhaltung
eines "intakten Produktionsapparates" über die Zeit der Kurzarbeit hinweg geboten
wird (BGE 121 V 371 E. 3a mit Hinweis).
Ein Arbeitsausfall ist unter anderem anrechenbar, wenn er auf wirtschaftliche
Gründe zurückzuführen und unvermeidbar ist (Art. 32 Abs. 1 lit. a AVIG). Die
Rechtsprechung legt den Begriff der wirtschaftlichen Gründe unter Berücksichtigung
des präventiven Charakters der Kurzarbeitsentschädigung weit aus und versteht
darunter sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Gründe insgesamt und nicht nur
den Rückgang der Nachfrage nach den normalerweise von einem Betrieb angebotenen
Gütern und Dienstleistungen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. Dezember 2017,
8C_549/2017, E. 3.2 mit Hinweisen). Der Bundesrat regelt für Härtefälle die
Anrechenbarkeit von Arbeitsausfällen, die unter anderem auf behördliche Massnahmen
zurückzuführen sind (Art. 32 Abs. 3 Satz 1 AVIG).
1.2.
Gemäss Art. 36 Abs. 1 AVIG muss ein Arbeitgeber, der beabsichtigt für seine
Arbeitnehmenden Kurzarbeitsentschädigung geltend zu machen, dies der kantonalen
Amtsstelle mindestens zehn Tage vor Beginn der Kurzarbeit schriftlich voranmelden.
Der Bundesrat kann für Ausnahmefälle kürzere Voranmeldefristen vorsehen. Die Frist
zur Voranmeldung von Kurzarbeit ist eine Verwirkungsfrist. Bei verspäteter Meldung ist
der Arbeitsausfall erst dann anrechenbar, wenn die für die Meldung notwendige
Anmeldefrist abgelaufen ist (Art. 58 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Es
handelt sich nicht um eine blosse Ordnungsvorschrift, sondern um eine formelle
Anspruchsvoraussetzung, was bedeutet, dass der ohne entschuldbaren Grund
verspätet gemeldete Arbeitsausfall im Ausmass der Verspätung der Voranmeldung
nicht anrechenbar bzw. erst vom Tag der Meldung an anrechenbar ist (Barbara Kupfer
Bucher, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2019, S. 289 mit Hinweis auf BGE 117 V 244 E. 3b).
1.3.
Einem allgemeinen Rechtsgrundsatz entsprechend kann eine Verwirkungsfrist
wiederhergestellt werden, wenn sie unverschuldet versäumt wurde. Unverschuldet ist
ein Versäumnis, wenn dafür objektive Gründe vorliegen und der Partei keine
Nachlässigkeit vorgeworfen werden kann. Eine objektive Unmöglichkeit, die nicht in
1.4.
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2.
einer Nachlässigkeit begründet liegt, ist beispielsweise bei derart schwerer Krankheit
gegeben, dass die betroffene Person von der Rechtshandlung abgehalten wird und
auch nicht in der Lage ist, eine Vertretung zu bestellen. Blosse Ferienabwesenheit oder
Arbeitsüberlastung genügen hingegen nicht. Es müssen somit Gründe vorliegen,
welche der Partei auch bei Aufwendung der üblichen Sorgfalt die Wahrung ihrer
Interessen verunmöglicht oder unzumutbar erschwert hätten. Die Rechtsprechung ist in
Bezug auf die Fristwiederherstellung restriktiv (vgl. Alfred Kölz/Isabelle Häner/Martin
Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl.,
Zürich 2013, Rz 587 ff. und Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010,
8C_470/2009, E. 6).
Mit Verordnung vom 20. März 2020 über Massnahmen im Bereich der Arbeits
losenversicherung im Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19; COVID-19-
Verordnung Arbeitslosenversicherung; SR 837.033, AS 2020 877) wurden in Bezug auf
die Kurzarbeit gegenüber dem AVIG diverse Erleichterungen eingeführt. So wurden
namentlich der anspruchsberechtigte Personenkreis erweitert, indem neu auch
arbeitgeberähnliche Personen und ihre Ehegatten sowie Personen in befristeten
Arbeitsverhältnissen, Lehrarbeitsverhältnissen oder die im Dienste einer Organisation
für Temporärarbeit stehen, Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben (Art. 1, 2
und 4 COVID-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung). Zudem wurde etwa das
Erfüllen einer Karenzzeit ausgesetzt (Art. 3 COVID-19-Verordnung
Arbeitslosenversicherung). Die Verordnung wurde rückwirkend auf den 17. März 2020
in Kraft gesetzt (Art. 9 COVID-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung). In der
Fassung vom 26. März 2020 (AS 2020 1075) bestimmte der Bundesrat, dass die
Arbeitgeber in Abweichung von Art. 36 Abs. 1 AVIG und Art. 58 Abs. 1 bis 4 AVIV für
die Anmeldung von Kurzarbeit keine Voranmeldefrist abwarten müssen, wenn sie
beabsichtigen, für ihre Arbeitnehmenden Kurzarbeitsentschädigung geltend zu
machen. Zudem war eine telefonische Voranmeldung mit anschliessender schriftlicher
Bestätigung möglich (Art. 8b Abs. 1 und 2 COVID-19-Verordnung
Arbeitslosenversicherung). In der Fassung vom 9. April 2020 (AS 2020 1201) bestimmte
der Bundesrat schliesslich, dass diese einschliesslich der bisher ergangenen
Änderungen rückwirkend per 1. März 2020 in Kraft gesetzt werde (Art. 9 COVID-19-
Verordnung Arbeitslosenversicherung). Mit Änderung vom 20. Mai 2020 wurde Art. 8b
der COVID-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung per 1. Juni 2020 wieder
aufgehoben (AS 2020 1777).
2.1.
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3.
Mit der Weisung 2020/06 vom 9. April 2020 bestimmte das Staatssekretariat für
Wirtschaft Seco, dass bei verspätet eingereichten Anträgen das Eingangsdatum
17. März 2020 gesetzt werde, wenn der Betrieb auf Grund der behördlichen
Massnahmen habe schliessen müssen und seinen Antrag vor dem 31. März 2020
(Eingangsdatum/Poststempel) eingereicht habe (S. 7 Seco-Weisung 2020/06).
2.2.
In der Weisung 2020/10 vom 22. Juli 2020 führte das Seco aus, in Abweichung von
Art. 36 Abs. 1 AVIG sowie Art. 58 Abs. 1 bis 4 AVIV sei in der Zeit vom 1. März 2020 bis
31. Mai 2020 keine Voranmeldefrist zu berücksichtigen gewesen. Diese Regelung gelte
auch für Betriebe, die für den Monat März bereits Bewilligungen mit einer
Voranmeldefrist von drei Tagen erhalten hätten. Bei verspätet eingereichten Anträgen,
die bis zum 31. März 2020 (Eingangsdatum/Poststempel) eingereicht worden seien und
die sich auf Betriebsschliessungen (behördliche Massnahmen) beziehen würden, könne
das Datum der behördlichen Massnahme (in der Regel sei das der 17. März 2020, aber
z.B. bei einem Skigebiet der 13. März 2020) als Eingangsdatum gesetzt werden. Die
Gewährung von Kurzarbeitsentschädigung im Zusammenhang mit dem Coronavirus
erfolge in einem summarischen Verfahren rasch und unbürokratisch. Diese
Erleichterung betreffe insbesondere die auf dem Formular "COVID-19 Voranmeldung
Kurzarbeit" zu beantwortenden Fragen (S. 14 f. Seco-Weisung 2020/10).
2.3.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin für ihre Arbeitnehmer und
Geschäftsführer mit der Voranmeldung vom 25. März 2020 einen per 17. oder sogar
per 1. März 2020 rückwirkenden Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung geltend
machen kann.
3.1.
Zur Beantwortung dieser Frage ist in erster Linie die COVID-19-Verordnung
Arbeitslosenversicherung auszulegen (zum Vorgehen bei einer Auslegung siehe
beispielhaft BGE 145 V 2 E. 4.1 mit Hinweisen). Nach dem Wortlaut von Art. 8b der
COVID-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung muss der Arbeitgeber keine
Voranmeldefrist abwarten, wenn er für seine Arbeitnehmenden
Kurzarbeitsentschädigung geltend zu machen beabsichtigt. Allen drei Amtssprachen ist
übereinstimmend die Verwendung des Begriffs "Voranmeldung", "préavis" bzw.
"preannunciato" zu entnehmen. Dieser Wortlaut impliziert, dass eine vorherige
Anmeldung erforderlich ist und der Anspruch folglich grundsätzlich nur für die Zukunft
entstehen kann. In der Bestimmung wird denn auch lediglich von der Voranmeldefrist
abgesehen, nicht jedoch von der Voranmeldung an sich.
3.2.
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Die COVID-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung wurde vom Bundesrat
gestützt auf die in Art. 185 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) und Art. 7 EpG
eingeräumten Kompetenz erlassen. Weil die Verordnung unter hohem politischen
Druck in zeitlicher Dringlichkeit erlassen wurde, ist deren Entstehungsgeschichte wenig
dokumentiert. Den Medienmitteilungen des Bundesrats vom 20. und 25. März 2020 ist
zu entnehmen, dass die Massnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der
Ausbreitung des Coronavirus beschlossen worden sind und mit dem Instrument der
Kurzarbeitsentschädigung vorübergehende Beschäftigungseinbrüche ausgeglichen
und der Verlust von Arbeitsplätzen verhindert werden sollten. In diesem Sinne wurden
die Ansprüche auf gewisse Personengruppen ausgeweitet und die Beantragung
vereinfacht (Medienmitteilungen des Bundesrates vom 20. und 25. März 2020, https://
www.admin.ch/gov/de/ start/dokumentation/medienmitteilungen/bundesrat.msg-
id-78515.html und https://www. admin.ch/gov/de/start/dokumentation/
medienmitteilungen/bundesrat.msg-id-78573.html). Im Vordergrund standen somit
sofort wirkende Massnahmen, welche den Erhalt von Erwerbsmöglichkeiten sicherten
(vgl. Ueli Kieser, in: COVID-19, Ein Panorama der Rechtsfragen zur Corona-Krise, § 23
Rz 78).
3.3.
Aus systematischer Sicht ist bemerkenswert, dass die Voranmeldung gemäss
Art. 8c der COVID-19 Verordnung Arbeitslosenversicherung zu erneuern ist, wenn die
Kurzarbeit länger als sechs Monate dauert. Dies zeigt, dass der Bundesrat am
Instrument der Voranmeldung festhalten wollte und lediglich auf die Voranmeldefrist
vorübergehend verzichten wollte.
3.4.
Sinn und Zweck des Art. 8b der COVID-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung
war, die bisherige Regelung in Art. 36 Abs. 1 AVIG und Art. 58 Abs. 1 bis 4 AVIV
bezüglich einer Voranmeldefrist von mindestens drei Tagen abzuändern, weil die
Kurzarbeit aufgrund der durch den Bundesrat beschlossenen Schliessung gewisser
Betriebe per 17. März 2020 eingeführt werden musste und demzufolge eine
rechtzeitige Voranmeldung nicht mehr möglich war. Eine nachträgliche
Meldemöglichkeit für eine bereits in der Vergangenheit liegende Einführung der
Kurzarbeit hat der Bundesrat nicht explizit geschaffen. Allerdings hat der Bundesrat die
COVID-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung ursprünglich rückwirkend auf den
17. März 2020 und in der Novelle vom 9. April 2020 sogar rückwirkend auf den 1. März
2020 eingeführt, was in Bezug auf die vom Gesetz ansonsten ausgeschlossenen
arbeitgeberähnlichen Personen nur dann Sinn machen kann, wenn für diese dann auch
rückwirkend Kurzarbeitsentschädigung beantragt werden kann.
3.5.
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4.
Weiter ist zu prüfen, ob die Weisungen des Seco, namentlich die Weisung 2020/10
vom 22. Juli 2020, anwendbar sind und den Arbeitnehmenden der Beschwerdeführerin
einen rückwirkenden Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung einräumen.
4.1.
Verwaltungsanweisungen sind für das Gericht grundsätzlich nicht verbindlich.
Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem
Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen
Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von
Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der
rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch
interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten,
Rechnung getragen (BGE 141 V 139 E. 6.3.1 mit Hinweisen). Auf dem Wege von
Verwaltungsanweisungen dürfen jedoch keine über Gesetz und Verordnung
hinausgehenden Einschränkungen eines materiellen Rechtsanspruchs eingeführt
werden (BGE 140 V 543 E. 3.2.2.1).
4.2.
Mit den erwähnten Bestimmungen der Weisungen 2020/06 und 2020/10 wurde der
materielle Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung nicht eingeschränkt, sondern
vielmehr ausgedehnt, was den versicherten Personen zugutekommt. Aufgrund der
jeweils sehr kurzfristigen Ankündigungen war es den Arbeitgebern oft nicht möglich,
Massnahmen gegen den unmittelbar bevorstehenden Arbeitsausfall zu ergreifen oder
Kurzarbeit rechtzeitig, d.h. spätestens bei Inkrafttreten der behördlichen Massnahmen,
(vor)anzumelden. Namentlich für arbeitgeberähnliche Personen, also Personen mit
massgebendem Einfluss auf die Entscheidfindung der Arbeitgeberin, schuf der
Bundesrat erst am 20. März 2020 mit der COVID-19-Verordnung
Arbeitslosenversicherung eine gesetzliche Grundlage für den Bezug von
Kurzarbeitsentschädigung. Gleichzeitig setzte er diese Verordnung rückwirkend auf
den 17. März 2020, später sogar rückwirkend auf den 1. März 2020 in Kraft (vgl. E. 2.1
vorstehend). Dies macht in Bezug auf die vom Gesetz ansonsten ausgeschlossenen
arbeitgeberähnlichen Personen, wie erwähnt, nur dann Sinn, wenn für diese dann auch
rückwirkend Kurzarbeitsentschädigung beantragt werden kann.
4.3.
Aufgrund der ausserordentlichen Umstände erscheint es angemessen, den
Anspruchsgruppen eine gewisse Frist zuzugestehen, um sich über die neue Rechtslage
und die Auswirkungen auf ihre Arbeitnehmer kundig zu machen, die nötigen Formulare
aufzufinden, die erforderlichen Angaben zusammenzustellen und die Voranmeldung
einzureichen. Die Regelungen in der Seco-Weisung 2020/10 vom 22. Juli 2020,
4.4.
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5.
wonach eine beschränkte Rückwirkung bei einer Anmeldung bis spätestens 31. März
2020 zuzulassen ist und eine Anmeldung für den Vormonat rückwirkend erfolgen kann,
wenn bisher einzig deshalb keine Kurzarbeitsentschädigung geltend gemacht wurde,
weil eine Anspruchsgruppe neu zu den Berechtigten gezählt wird (vgl. E. 2.3
vorstehend), ist daher und in Anbetracht der sich überstürzenden Ereignisse und den
damit einhergehenden Unsicherheiten bei den Arbeitgebern wie auch vieler
Branchenverbände und Beratungsorganisationen sachgerecht. Eine schweizweit
rechtsgleiche Behandlung aller Voranmeldungen, die bis zum 31. März 2020 erfolgt
sind bzw. die wegen des Dazukommens neuer Anspruchsgruppen erfolgten, ist mit
Blick auf die gleichmässige Rechtsanwendung zweckmässig (zumal unter bestimmten
Voraussetzungen auch ein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht besteht, vgl.
hierzu BGE 126 V 390 und BGE 146 I 105, je mit Hinweisen) und im Sinne einer
praktikablen und verhältnismässigen Lösung vertretbar.
Es spricht daher nichts dagegen, die Seco-Weisungen 2020/06 und 2020/10 auch
auf den vorliegenden Sachverhalt anzuwenden. Eine über die Regelung gemäss der
Seco-Weisung 2020/10 hinausgehende Rückwirkung könnte hingegen (vorbehaltlich
eines Fristwiederherstellungsgrundes bei unverschuldetem Versäumnis, vgl. E. 1.4
vorstehend) nicht gewährt werden.
4.5.
Vorliegend musste die Beschwerdeführerin zwar am 17. März 2020 ihren Betrieb
nicht aufgrund behördlicher Massnahmen schliessen. Sie war aber, wie der
Beschwerdegegner ausdrücklich anerkannt hat, wegen der fehlenden Nachfrage nach
ihren Produkten wirtschaftlich vergleichbar betroffen, wie ein Unternehmen, das
unverzüglich hat schliessen müssen (vgl. hierzu sowohl die Ausführungen der
Beschwerdeführerin in der Einsprache und Beschwerde [act. G3.1/A3 und act. G1] wie
auch jene des Beschwerdegegners im Einspracheentscheid [act. G3.1/A6]). Bei einer
solchen faktischen Schliessung rechtfertigt sich eine Gleichbehandlung mit den
Unternehmungen, welche aufgrund der behördlichen Anordnung hatten schliessen
müssen (vgl. dazu auch den Entscheid des Verwaltungsgerichts Bern vom 7. Oktober
2020, VGE 200.2020.428, publiziert in BVR 2021 Nr. 1, S. 25 ff., und den Entscheid des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 28. April 2021, AVI 2020/24, E. 3.6).
5.1.
Zwar war der Beschwerdeführerin ab dem 20. März 2020 eine (Vor)Anmeldung für
ihre arbeitgeberähnlichen Arbeitnehmenden theoretisch möglich. Damit sie tatsächlich
ab dem 17. März 2020 Kurzarbeitsentschädigung beziehen kann, wäre aber auch bei
einer Anmeldung am 20. März 2020 eine Rückwirkung erforderlich gewesen. Ihr ist
5.2.
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