Decision ID: bccca5bd-bb34-5af5-bf93-438f5363d494
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (Jahrgang 1974) stammt aus dem Kosovo. Im Jahr 1992 blieb ein
Familiennachzugsgesuch seiner Eltern, die damals in der Schweiz lebten, erfolglos;
nach einem Aufenthalt von rund einem halben Jahr in der Schweiz, reiste er am 5. Mai
1992 nach Tirana aus (act. 14, Akten des Migrationsamts S. 22). Am 7. April 1998
wurde seinem Gesuch, zwecks Besuchs seines Schwagers in die Schweiz einzureisen,
nicht entsprochen; in jenem Zeitpunkt lebte X.Y. in A., im Südwesten des Kosovo (act.
14, Akten des Migrationsamts S. 14, 18, 48 und 55). In der Folge reiste X.Y. am 28. Juli
1998 illegal in die Schweiz ein und ersuchte vergeblich um Asyl (act. 14, Akten des
Migrationsamts S. 43-48). Am 8. Juni 2000 kehrte er in den Kosovo zurück (act. 14,
Akten des Migrationsamts S. 41).
Im April 2002 heiratete X.Y. in A. eine in der Schweiz niedergelassene Landsfrau (act.
14, Akten des Migrationsamts S. 63), worauf ihm im Juli 2002 die
Aufenthaltsbewilligung und im August 2007 die Niederlassungsbewilligung erteilt
wurde. Am 14. Dezember 2007 wurde die Ehe vom Kreisgericht Pristina geschieden.
Am 19. August 2008 heiratete X.Y. wiederum in A. eine andere Landsfrau, anerkannte
deren im Jahr 2005 ebenfalls in A. geborenen Sohn Z. als sein Kind (act. 14, Akten des
Migrationsamts S. 134 f.) und ersuchte für beide um Bewilligung des
Familiennachzugs. Das Ausländeramt (heute Migrationsamt) qualifizierte die erste Ehe
von X.Y. als Scheinehe, widerrief am 26. Mai 2009 seine Niederlassungsbewilligung
und forderte ihn – da gegen den Vollzug sprechende Umstände nicht ersichtlich waren
– auf, die Schweiz bis 10. August 2009 zu verlassen (act. 14, Akten des Migrationsamts
S. 253-260). Die kantonalen Rechtsmittel wurden abgewiesen (Sicherheits- und
Justizdepartement RDRS.2009.69 vom 25. August 2009, Verwaltungsgericht B
2009/161 vom 28. Januar 2010). Das Bundesgericht wies die gegen den
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letztinstanzlichen kantonalen Entscheid erhobene Beschwerde ab, soweit es auf sie
eintrat (BGer 2C_205/2010 vom 16. Juli 2010). Das Ausländeramt setzte X.Y. eine neue
Frist zur Ausreise bis 30. September 2010 an (act. 14, Akten des Migrationsamts S.
346). X.Y. verliess die Schweiz nicht. Seine Wiedererwägungsgesuche blieben
erfolglos. Eine für 24. August 2011 vorbereitete medizinisch begleitete Rückführung
scheiterte, weil er in den Tagen vor dem Sonderflug nicht auffindbar war.
B. Am 9. August 2012 ersuchte X.Y. beim Migrationsamt um Erteilung einer
Härtefallbewilligung beziehungsweise Unterbreitung des Begehrens beim Bundesamt
(heute Staatssekretariat) für Migration. Das Gesuch wurde am 12. September 2012
abgewiesen. Den dagegen erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und
Justizdepartement am 1. Oktober 2013 ab (act. 14, Akten des Migrationsamts S.
669-678).
C. X.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den Rekursentscheid des Sicherheits-
und Justizdepartements (Vorinstanz) vom 1. Oktober 2013 durch Klausfranz Rüst-Hehli
mit Eingabe vom 16. Oktober 2013 Beschwerde beim Verwaltungsgericht, mit dem
Ersuchen, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und festzustellen, dass der
Beschwerdeführer die Voraussetzungen für eine Härtefallbewilligung erfülle,
eventualiter die Angelegenheit zur Ergänzung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter die Unzulässigkeit und/oder
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
Die im Beschwerdeverfahren gestellten Gesuche um Gewährung des prozeduralen
Aufenthalts und der unentgeltlichen Rechtspflege wurden mit Präsidialverfügung vom
30. Oktober 2013 abgewiesen. Das Bundesgericht wies die dagegen erhobene
Beschwerde am 23. Januar 2015 ab, soweit es darauf eintrat (BGer 2C_1130/2013).
Am 2. März 2015 leistete der Beschwerdeführer einen Kostenvorschuss von CHF
2‘000.
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Die Vorinstanz beantragte am 12. März 2015 die Abweisung der Beschwerde. Am 26.
März 2015 und erneut am 13. April 2015 ersuchte der Beschwerdeführer um Sistierung
des Beschwerdeverfahrens mit den Begründungen, er habe beim Migrationsamt am 5.
März 2015 ein Gesuch um Prüfung geltend gemachter Wegweisungshindernisse
deponiert und es fehle an einem vollziehbaren rechtskräftigen Wegweisungsentscheid.
Am 21. April 2015 beantragte die Vorinstanz, das Gesuch um Sistierung des
Beschwerdeverfahrens sei abzulehnen. Mit Rekursentscheid vom 16. Juli 2015 stellte
sie zudem fest, es bestünden keine Vollzugshindernisse. Mit der Beschwerdeerhebung
in dieser Angelegenheit beim Verwaltungsgericht am 25. Juli 2015 (B 2015/139) fiel das
Sistierungsgesuch dahin.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Das vom
Beschwerdeführer in den Beschwerdeverfahren B 2015/139 und 142 gegenüber dem
Präsidenten des Verwaltungsgerichts geltend gemachte und auch für das vorliegende
Beschwerdeverfahren relevante Ausstandsbegehren fällt dahin, da der Präsident nicht
mitwirkt. Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerde gegen den Rekursentscheid, mit
welchem sein Rechtsmittel gegen die Abweisung des Gesuches um Unterbreitung als
schwerwiegender persönlicher Härtefall erfolglos blieb, befugt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Der Subeventualantrag, es sei die Unzulässigkeit
beziehungsweise Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen, ist
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens B 2015/139. Im vorliegenden Verfahren ist
darauf deshalb nicht einzutreten. Im Übrigen sind die Eintretensvoraussetzungen erfüllt:
Die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 1. Oktober 2013 wurde mit Eingabe
vom 16. Oktober 2013 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb unter dem erwähnten Vorbehalt
einzutreten.
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2. Die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers ist rechtskräftig
widerrufen worden. Der Beschwerdeführer strebt die Erteilung einer neuen
Aufenthaltsbewilligung wegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls an.
2.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Abweisung seines Gesuchs beruhe
auf einem „unsachgemässen Ermessensgebrauch“ durch die Vorinstanz. Staatliche
Eingriffe in das Recht auf Leben seien gemäss Art. 2 der Europäischen
Menschenrechtskonvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK) zu unterlassen. Art. 2 f. EMRK stünde zumindest bei grosser Angst
respektive akuter Suizidgefahr einem Vollzug der Wegweisung entgegen. Er habe
subjektiv grosse Angst vor einer Rückkehr in den Kosovo, wo die psychiatrische
Versorgung angesichts der vielen Tausenden von Vergewaltigungsopfern und
sonstigen Kriegstraumatisierten dem Bedarf nur höchst notdürftig zu genügen
vermöge. Insbesondere entfalle aber die Betreuung, wie er sie in der Schweiz von
seinen Verwandten unbestrittenermassen erhalte. Selbst die bisherige, vielfältige und
intensive Betreuung in der Schweiz habe die Suizidalität nicht von einem Höchststand
zu reduzieren vermocht, weshalb die suizidalitätsfördernden Stressfaktoren, die ein
Wegweisungsvollzug mit sich brächte, nicht beherrschbar seien. Die Vorinstanz gehe
von einem realitätsfernen Glauben an die Wirksamkeit der Psychiatrie aus, wenn sie
unsubstantiiert davon spreche, eine hinreichende Vorbereitung auf den
Wegweisungsvollzug sei machbar. Der Wegweisungsvollzug würde eine Verletzung des
Rechts auf Leben wie auch eine unmenschliche oder zumindest erniedrigende
Behandlung bedeuten.
2.2. Nach Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz; SR 142.20, AuG) kann von den
Zulassungsvoraussetzungen der Art. 18-29 abgewichen werden, um insbesondere
schwerwiegenden persönlichen Härtefällen Rechnung zu tragen. Diese Bestimmung
räumt keinen Bewilligungsanspruch ein (BGer 2C_154/2013 vom 14. Februar 2013 E. 2
mit Hinweisen; sogenannte Ermessensbewilligung, BGE 137 II 345 E. 3.2.1). Mit
Beschwerde beim Verwaltungsgericht können gemäss Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP
lediglich Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Das Verwaltungsgericht kann
deshalb die Ausübung des Ermessens durch das Migrationsamt und die Vorinstanz nur
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überprüfen, soweit eine rechtsfehlerhafte Ermessenshandhabung – und nicht lediglich
die Unangemessenheit – in Frage steht.
Nach Art. 96 Abs. 1 AuG berücksichtigen die zuständigen Behörden bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer. Bei der Beurteilung,
ob ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt, sind gemäss Art. 31 Abs. 1 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE)
insbesondere die Integration (lit. a), die Respektierung der Rechtsordnung (lit. b), die
Familienverhältnisse (lit. c), die finanziellen Verhältnisse (lit. d), die Dauer der
Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), der Gesundheitszustand (lit. f) und die
Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat (lit. g) zu
berücksichtigen. Die genannten Gesichtspunkte können bei der Beurteilung eine
wesentliche Rolle spielen, auch wenn sie einzeln betrachtet grundsätzlich noch keinen
Härtefall zu begründen vermögen (vgl. BGE 137 II 1 E. 4.1 im Zusammenhang mit der
Beurteilung, unter welchen Umständen ein nachehelicher Härtefall und damit ein
Anspruch zu bejahen ist). An einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall werden
hohe Anforderungen gestellt (BGE 119 Ib 33 ff., 117 Ib 317 f.). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt ein Härtefall vor, wenn sich die betroffene
Person in einer persönlichen Notlage befindet. Ihre Lebens- und Daseinsbedingungen
müssen, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von anderen ausländischen
Personen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein (BGE 130 II 39 E. 3; 128 II 200 E.
4). Der Begriff des schwerwiegenden persönlichen Härtefalls ist restriktiv auszulegen
und an die Härtefallkriterien nach Art. 31 VZAE ist ein strenger Massstab zu legen
(VerwGE B 2010/294 vom 31. Mai 2011 E. 3, www.gerichte.sg.ch). Eine gesetzliche
Pflicht, Ermessen in irgendeiner Weise grosszügig zu handhaben, besteht nicht
(VerwGE B 2010/185 vom 16. Dezember 2010 E. 2.4, www.gerichte.sg.ch).
Der Beschwerdeführer, der sich seit 2002 ununterbrochen in der Schweiz aufhält,
beruft sich zur Begründung eines Anspruchs auf eine Härtefallbewilligung zu Recht
nicht auf die lange Dauer seiner Anwesenheit. Zwar vermag nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein Aufenthalt in der Schweiz von zehn Jahren
einen Härtefall zu begründen, wobei illegale Aufenthalte an die Dauer nicht angerechnet
werden. Die Bestimmung kann nicht dazu dienen, den Aufenthalt von Ausländern zu
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legalisieren, die sich zunächst lange Zeit unter Verstoss gegen ausländerrechtliche
Bestimmungen in der Schweiz aufgehalten und gearbeitet haben (vgl. BGer 2A.
512/2006 vom 18. Oktober 2006 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 124 II 110 E. 3 und 130 II
39 E. 3 und 5.2 zur Härtefallregelung von Art. 13 lit. f der Verordnung über die
Begrenzung der Zahl der Ausländer, SR 823.21, aufgehoben per 1. Januar 2008; zur
Weiterführung der Rechtsprechung unter Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b VZAE vgl.
BGer 2C_129/2014 vom 4. November 2014 E. 3).
Die Vorinstanz hat ihren Entscheid nachvollziehbar begründet und die wesentlichen
Kriterien für die Beurteilung eines persönlichen Härtefalls berücksichtigt. Sie hat
zugunsten des Beschwerdeführers festgehalten, dass er während des ordentlichen
Aufenthalts von 2002 bis 2010 regelmässig einer Erwerbstätigkeit nachgegangen und
strafrechtlich nicht negativ aufgefallen sei sowie seine finanziellen Verpflichtungen
erfüllt habe. Da das Anwesenheitsrecht seit 2002 mit einer Scheinehe erwirkt worden
sei, beruhten die relativ lange ständige Anwesenheit und die Integration allerdings auf
einer Täuschung. Es bestehe ein gewichtiges öffentliches Interesse, Ausländern, die
eine Aufenthaltsbewilligung aufgrund einer Scheinehe erhalten hätten, die weitere
Anwesenheitsberechtigung zu verweigern. Seine Kernfamilie – die zweite Ehefrau und
sein Sohn – lebe ebenso wie die Mutter und mehrere Onkel und Tanten sowie zeitweise
seine Schwester im Kosovo. Dort habe er sich – abgesehen von zwei Aufenthalten in
der Schweiz von zusammen rund dreissig Monaten – bis zum Alter von 28 Jahren
dauerhaft aufgehalten. Dort habe er seine Kindheit und Jugendzeit verbracht und auch
als Erwachsener gelebt. Den Kontakt habe er während des Aufenthalts in der Schweiz
aufrechterhalten. Eine schlechtere wirtschaftliche Lage in der Heimat begründe keinen
Härtefall. Für benötigte Weiterbehandlung stünden entsprechende Institutionen im
Kosovo zur Verfügung und sei die medizinische Grundversorgung auch in
psychotherapeutischer und medikamentöser Hinsicht sichergestellt. Die in der Schweiz
lebenden Verwandten könnten soweit erforderlich finanzielle Unterstützung leisten.
Der Beschwerdeführer begründet den Anspruch auf eine Härtefallbewilligung einzig mit
seinem Gesundheitszustand und der Suizidgefahr bei einem Vollzug der Wegweisung
in seine Heimat. Die beim Beschwerdeführer gemäss ärztlichem Bericht vom 3. März
2015 (B 2015/139, act. 14, Akten des Migrationsamts S. 763) diagnostizierte
rezidivierende, gegenwärtig schwere depressive Störung ohne psychotische
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Symptome ist in erster Linie durch die Verpflichtung, die Schweiz verlassen und in die
Heimat zurückkehren zu müssen und den ungewissen Ausgang der zahlreichen
Verfahren indiziert, welche der Beschwerdeführer nach der rechtskräftigen
Wegweisung anstrengte, um trotzdem in der Schweiz bleiben zu können. Die Situation
des Beschwerdeführers ist deshalb objektiv vergleichbar mit allen anderen
Ausländerinnen und Ausländern, deren Anwesenheitsrecht in der Schweiz nach einem
längeren Aufenthalt ebenfalls beendet wird und die zur Ausreise verpflichtet sind. Die
nach dem rechtskräftigen Entscheid vom 16. Juli 2010 eingetretene subjektive
Unsicherheit über ein mögliches – neues – Bleiberecht hat der Beschwerdeführer mit
den von ihm beziehungsweise seinem früheren Vertreter angestrengten zahlreichen
Verfahren zu vertreten. Die Entwicklung des Gesundheitszustandes des 1974
geborenen Beschwerdeführers nach einer Rückkehr in seine Heimat ist schwer
abschätzbar. Zu berücksichtigen ist immerhin, dass er dort den wesentlichen Teil
seines Lebens – Aufenthalte in der Schweiz sind in den Jahren 1991/92 (rund ein
halbes Jahr, Gesuch um Familiennachzug), 1998-2000 (knapp zwei Jahre,
Asylverfahren) sowie seit 2002 aufgrund einer Scheinehe und ohne Anwesenheitsrecht
aktenkundig – verbracht und dort zweimal geheiratet hat sowie sich einmal scheiden
liess. Zudem leben seine Mutter sowie seine zweite Ehefrau, sein Sohn und weitere
Familienangehörige im Kosovo. Dass der Beschwerdeführer mittlerweile auch von
seiner zweiten Ehefrau geschieden wäre, ist nicht ersichtlich. Es ist deshalb nicht
davon auszugehen, dass ihm bei einer Rückkehr in seiner Heimat jedes soziale Netz
fehlen würde.
Der Beschwerdeführer macht darüber hinaus eine schwere Suizidalität geltend. Im
Arztzeugnis vom 26. September 2013 wird die Gefahr eines Suizidversuchs
insbesondere auf dem Hintergrund der langen Verfahrensdauer und der damit
verbundenen Unsicherheit über das Anwesenheitsrecht befürchtet. Dass sich die
befürchtete Gefahr realisiert hätte, wird weder behauptet noch aus den Akten
ersichtlich (vgl. insbesondere die Akten im Verfahren B 2015/139). Hinsichtlich des
Anwesenheitsrechts des Beschwerdeführers besteht seit dem mit dem
bundesgerichtlichen Urteil vom 16. Juli 2010 rechtskräftig gewordenen Widerruf der
Niederlassungsbewilligung und der Verpflichtung, aus der Schweiz auszureisen, keine
Unsicherheit. Im Übrigen sind die Vorbringen des Beschwerdeführers vorab im Hinblick
auf die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme wegen Unmöglichkeit, Unzulässigkeit
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oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung im Sinn von Art. 83 AuG zu prüfen
(vgl. B 2015/139).
2.3. Nach der Auffassung des Beschwerdeführers verletzt die Verweigerung einer
Härtefallbewilligung völkerrechtliche Ansprüche.
2.3.1. Gemäss Art. 2 Ziff. 1 Satz 1 EMRK wird das Recht jedes Menschen auf Leben
gesetzlich geschützt. Nach Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher
oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die EMRK ist auf
einen fairen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen einer Gemeinschaft im Sinne des
Gemeinwohls und dem Schutz von fundamentalen Individualrechten bedacht.
Abgesehen von den aussergewöhnlichen Konstellationen, in welchen Art. 3 EMRK
einer Abschiebung entgegensteht, haben Personen ohne Aufenthaltsberechtigung
grundsätzlich keinen konventionsrechtlichen Anspruch auf Verbleib im Aufnahmestaat,
um weiterhin medizinische, soziale oder andere Unterstützungsdienstleistungen
beziehen zu können. Die Weg- oder Ausweisung einer physisch oder psychisch
erkrankten Person kann nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte jedoch den Schutzbereich von Art. 3 EMRK (und nicht von Art. 2
EMRK) tangieren, wenn die Erkrankung eine gewisse Schwere erreicht und hinreichend
substantiiert wurde, dass die erkrankte Person im Falle einer Ausschaffung in den
Heimatstaat ernsthaft und konkret Gefahr läuft, einer durch Art. 3 EMRK verbotenen
Behandlung ausgesetzt zu sein. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn eine Person
sich in einem lebenskritischen Gesundheitszustand befindet, und der Staat, in welchen
sie ausgeschafft werden soll, keine medizinische Versorgung aufweist und dort keine
Familienangehörigen für ihre grundlegendsten Lebensbedürfnisse aufkommen würden
(vgl. BGer 2C_1130/2013 vom 23. Januar 2015 E. 3.1).
Das Bundesgericht ist im Zusammenhang mit der Beurteilung des prozeduralen
Aufenthalts zum Schluss gekommen, eine summarische Prüfung ergebe, dass der
Beschwerdeführer nicht hinreichend substantiiert habe, im Falle eines Vollzugs der
rechtskräftigen Wegweisung ernsthaft und konkret Gefahr zu laufen, einer gemäss Art.
3 EMRK verbotenen Behandlung ausgesetzt zu sein (BGer 2C_1130/2013 vom 23.
Januar 2015). An dieser Schlussfolgerung ändert auch eine eingehendere Prüfung
nichts. Ein Vergleich des Arztzeugnisses vom 26. September 2013 (act. 3) und des
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ärztlichen Berichts vom 3. März 2015 (B 2015/139, act. 25, Akten des Migrationsamts
S. 763) zeigt hinsichtlich der geltend gemachten Erkrankung des Beschwerdeführers
keine Veränderungen, welche eine abweichende Beurteilung verlangen würden. Bereits
das Arztzeugnis vom 26. September 2013 beschreibt im Wesentlichen die Symptome
einer im Bericht vom 3. März 2015 diagnostizierten schweren depressiven Störung
ohne psychotische Symptome und die entsprechende medikamentöse Behandlung. Es
wird weder dargetan noch ist davon auszugehen, dass sich seit dem Entscheid des
Bundesgerichts die Behandlungsmöglichkeiten in der Heimat des Beschwerdeführers
verschlechtert haben. Der Beschwerdeführer macht in allgemeiner Weise ungenügende
psychologische und psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten im Kosovo geltend.
Abgesehen davon, dass diese Möglichkeiten in der Rechtsprechung durchaus als
ausreichend beurteilt werden (vgl. BGer 2C_925/2011 vom 22. Juni 2011 E. 5.3;
2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.2; BVerwGer d-102/2012 vom 15. August
2013 E. 7.2.2.2), hängt die konkrete Versorgungslage schliesslich davon ab, wo sich
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in seiner Heimat aufhalten wird. Dazu werden
in der Beschwerde keine Angaben gemacht. Der Beschwerdeführer hat vor seiner
Einreise in die Schweiz im Jahr 1998 in A. gelebt, wo er auch zweimal – 2002 und 2008
– geheiratet hat. Bei A. handelt es sich um die fünftgrösste Stadt im Kosovo mit knapp
95‘000 Einwohnern, die ein Krankenhaus, eine psychosomatische Klinik und zehn
kleinere Gesundheitszentren besitzt (de.wikipedia.org). Dies entspricht im Wesentlichen
den aktuellen Angaben der OSZE. Danach verfügt A. über ein regionales Spital, ein
„mental health care center”, ein „main family health care center“ und zehn kleinere
Gesundheitszentren (vgl. OSCE Mission in Kosovo, Profile of A. vom 22. September
2015, www.osce.org/kosovo). Zudem befindet sich in C., einer rund dreissig Kilometer
südöstlich von A. gelegenen Stadt mit rund 180‘000 Einwohnern (de.wikipedia.org) ein
Zentrum zur Behandlung psychischer Krankheiten (vgl. BVerwGer D-8996/2014 vom 4.
September 2015 E. 5.3.6). Damit ist davon auszugehen, dass am früheren Wohnort des
Beschwerdeführers die zur Behandlung von depressiven Störungen erforderlichen
Institutionen bestehen.
Dementsprechend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer unter Berufung
auf seinen Gesundheitszustand aus Art. 3 EMRK keinen Anspruch auf die Erteilung
einer Härtefallbewilligung ableiten kann.
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2.3.2. Der Beschwerdeführer stützt den geltend gemachten Anspruch auf Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung schliesslich auch nicht auf die durch Art. 8 EMRK
garantierte Achtung des Familien- und Privatlebens. Aus Art. 8 EMRK ergibt sich –
eben so wenig wie aus Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) – ein Recht auf Einreise oder Aufenthalt in einem
bestimmten Staat noch auf Wahl des für das Familienleben am geeignetsten
erscheinenden Orts (BGE 130 II 281 E. 3.1, 126 II 335 E. 3a).
Im Rahmen der Achtung des Familienlebens kann die Beziehung erwachsener
Rechtssuchender zu Eltern, Geschwistern, Grosseltern oder sonstigen Verwandten nur
unter besonderen Umständen unter den Schutz von Art. 8 Ziff. 1 EMRK fallen (vgl.
BGer 2C_893/2013 vom 24. März 2014 E. 4.2.3). Der Beschwerdeführer macht geltend,
er erhalte in der Schweiz von seinen Verwandten Betreuung. Gemäss Arztzeugnis vom
26. September 2013 hat der Beschwerdeführer – jedenfalls damals – offenbar bei
seiner Schwester und deren Familie gelebt (act. 3). Da die vom Beschwerdeführer
geltend gemachte psychische Erkrankung im Wesentlichen von der Verpflichtung, die
Schweiz verlassen zu müssen, bestimmt ist, würde seine Abhängigkeit von den
Familienmitgliedern mit der Erteilung eines Aufenthaltsrechts in der Schweiz wohl
entfallen. Die Entwicklung der psychischen Erkrankung nach einer Rückkehr in den
Kosovo und damit das Ausmass der dort erforderlichen Betreuung sind nicht absehbar.
Ein aus dem Schutz des Privatlebens im Sinn von Art. 8 Ziff. 1 EMRK abgeleiteter
Anspruch auf Erteilung einer Anwesenheitsbewilligung setzt besonders intensive, über
eine normale Integration hinausgehende private Bindungen gesellschaftlicher oder
beruflicher Natur beziehungsweise entsprechende vertiefte soziale Beziehungen zum
ausserfamiliären beziehungsweise ausserhäuslichen Bereich voraus (BGE 130 II 281 E.
3.2.1 mit Hinweisen auf BGE 126 II 425 E. 4c/aa, 126 II 377 E. 2c/aa 120 Ib 16 E. 3b
und weitere Rechtsprechung). Solche gesellschaftlichen oder beruflichen Beziehungen
sind weder ersichtlich noch vom Beschwerdeführer behauptet.
2.4. Zusammenfassend ergibt sich dementsprechend, dass die Vorinstanz ihr
Ermessen nicht in einer rechtswidrigen Art und Weise ausübte. Die Beschwerde erweist
sich deshalb als unbegründet. Sie ist abzuweisen.
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3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1‘500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer
geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2‘000 zu verrechnen. CHF 500 werden ins
Verfahren B 2015/139 übertragen. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen
(Art. 98 Abs. 1 und 98bis VRP). Angesichts der Aussichtslosigkeit des Verfahrens ist
das Begehren um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung
abzuweisen (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 Ingress und lit. b der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272).