Decision ID: aff7d59f-c235-4591-90c2-28233a72bad3
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war bei der B._ AG tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen
obligatorisch versichert, als er am 22. Mai 2016 an einer Autobahntankstelle überfallen
und zusammengeschlagen wurde. Er erlitt dabei eine Wintersteinfraktur Hand rechts,
eine intraartikuläre Metacarpale 5-Basisfraktur rechts, eine Contusio capitis und ein
periokuläres Hämatom links. Die Handverletzung wurde am 30. Mai 2016 im Spital
C._ mittels Osteosyntheseverfahrens operativ versorgt. Der operierende Arzt
attestierte dem Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und verordnete ihm
Physio- sowie Ergotherapie. Am 8. August 2016 erfolgte die Entfernung der
Kirschnerdrähte Metacarpale 3-5 Hand rechts. Die Suva übernahm die Kosten der
Heilbehandlung und richtete ein Taggeld aus (vgl. act. G1.3, Sachverhalt A.a f.).
A.a.
Am 26. September 2016 befand Suva-Kreisarzt Dr. med. D._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, aufgrund der
beschriebenen Funktionseinschränkungen der rechten Hand sei die attestierte
Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar. Er hielt die Unfallkausalität für gegeben und riet
dazu, den weiteren Verlauf abzuwarten. Dieser gestaltete sich in der Folge nach einer
anfänglichen Verbesserung als schwierig und protrahiert (vgl. act. G1.3, Sachverhalt
A.c).
A.b.
Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 8. März 2017 erhob Dr. med.
E._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
A.c.
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Bewegungsapparates, folgende unfallabhängige Diagnosen: Metacarpale 1-
Basisfraktur Typ Winterstein rechts und Metacarpale 5-Basisfraktur Typ Reversed
Bennet rechts bei Zustand nach Raubüberfall am 22. Mai 2016 mit aktuell leicht
regredienter klinischer Symptomatik eines leichtgradigen komplexen regionalen
Schmerzsyndroms (CRPS) sowie eine Prellung der linken Gesichtshälfte mit Contusio
bulbi und Monokelhämatom. Derzeit bestehe weiterhin eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Gartenbauer. Es sei aber davon
auszugehen, dass nach vollständiger Regredienz der CRPS-Symptomatik wieder eine
volle Belastbarkeit der rechten Hand für diese Tätigkeit erreicht werden könne (act.
G1.3, Sachverhalt A.d).
Am 22. Mai 2017 wurde das Osteosynthesematerial am Daumen rechts entfernt.
Die B._ AG kündigte dem Versicherten per 30. Juni 2017 (act. G1.3, Sachverhalt A.e).
A.d.
Im Bericht über die kreisärztliche Untersuchung vom 30. Januar 2018 führte Dr.
E._ aus, dass sich das in der Voruntersuchung vom 8. März 2017 noch nachweisbare
CRPS der rechten Hand vollständig zurückgebildet habe. Weiterhin bestehe eine
schmerzhafte end- bis mittelgradig ausgeprägte Funktionsbeeinträchtigung der rechten
Hand. Eine namhafte Verbesserung der unfallbedingten Gesundheitsschädigung sei
nicht mehr zu erreichen. Für leidensadaptierte Tätigkeiten sei der Versicherte
vollschichtig einsetzbar. Den Integritätsschaden schätzte Dr. E._ auf 10 %. Am 12.
Februar 2018 teilte die Suva dem Versicherten mit, sie stelle die Heilkostenleistungen
per 28. Februar 2018 ein. Während der nächsten drei Jahre übernehme sie jedoch die
Kosten der Handtherapie (in beschränktem Umfang), der unfallbedingt notwendigen
Schmerzmedikamente und der orthopädischen Hilfsmittel. Am 18. April 2018 korrigierte
Dr. E._ das Zumutbarkeitsprofil dahingehend, dass er die zumutbare Hebe- und
Tragbelastung von zehn auf fünf Kilo reduzierte und anstelle von leichten bis
gelegentlich mittelschweren nur noch sehr leichte leidensadaptierte körperliche
Arbeiten als zumutbar bezeichnete. Eine Nebenerwerbstätigkeit könne unter
Berücksichtigung der Leidensadaption bis zu fünf Stunden wöchentlich zugemutet
werden (act. G1.3, Sachverhalt A.g).
A.e.
Zur Prüfung der effektiven Belastbarkeit wurde ab September 2018 eine berufliche
Abklärung beim Verein F._ durchgeführt, während deren Dauer die
A.f.
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B.
Invalidenversicherung (IV) ein Taggeld ausrichtete. Am 26. September 2018 meldete
sich der Versicherte notfallmässig bei Dr. med. G._, Facharzt für Innere Medizin, und
beklagte ausgeprägte Schulterschmerzen links. Dr. G._ hielt am 21. Dezember 2018
fest, es liege eine klassische Impingementsymptomatik links vor. Die Beschwerden
hätten sich dann ins rechte Schultergelenk verlagert, wo bereits am 7. November 2016
subacromial infiltriert worden sei. Der Versicherte habe schon seit dem Unfall immer
wieder Schulter- und Oberarmschmerzen rechtsbetont angegeben. Nun beklage er
wieder eindeutig mehr Schmerzen im Bereich der Synostose der Hand rechts. Zudem
bekomme er intermittierend Angst und somatisiere leicht. Dr. E._ stufte die
Schulterschmerzen beidseits als in keinem kausalen Zusammenhang mit dem
Unfallereignis stehend ein (act. G1.3, Sachverhalt A.h).
Die seitens der IV-Stelle vom 3. September bis 2. Dezember 2018 beim Verein
F._ durchgeführte Ressourcen- und Eignungsabklärung hatte ergeben, dass
Eingliederungsmassnahmen weder zielführend noch erfolgsversprechend seien. Die
verantwortlichen Personen des Vereins F._ befanden, die Arbeitsfähigkeit liege bei
ca. 10 % (IV-act. 63). Mit Schreiben vom 15. Februar 2019 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten deshalb mit, dass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe (IV-
act. 67). Die Suva hatte dem Versicherten am 1. Februar 2019 mitgeteilt, sie stelle die
Taggeldleistungen per 28. Februar 2019 ein (act. G1.3, Sachverhalt A.i).
A.g.
Mit Verfügung vom 20. Februar 2019 sprach die Suva dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. März 2019 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
19 % und eine Integritätsentschädigung bei einem Integritätsschaden von 10 % zu
(act. G1.3, Sachverhalt A.j). Die vom Versicherten dagegen erhobene Einsprache wies
sie mit Entscheid vom 4. September 2019 ab (act. G1.3, Sachverhalt B.a f.). Mit Urteil
vom 24. Februar 2021 bestätigte das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
diesen Entscheid (UV 2019/68, act. G1.3). Dagegen erhob der Versicherte am 16. April
2021 Beschwerde beim Bundesgericht (vgl. act. G5.1).
A.h.
Am 31. Mai 2021 reichte der Versicherte (nachfolgend: Gesuchsteller) ein
Revisionsgesuch ein und beantragte, der Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 24. Februar 2021 (UV 2019/68) sei aufzuheben. Weiter sei ihm
B.a.
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Erwägungen
1.
Vorliegend vorerst zu prüfen ist, ob auf das Revisionsgesuch einzutreten ist. Der
Grundsatz, dass gegen kantonale Beschwerdeentscheide die Revision wegen
Entdeckung neuer Tatsachen oder Beweismittel gewährleistet sein muss, wird in Art.
rückwirkend ab dem 1. März 2019 eine Invalidenrente auf der Basis eines
Invaliditätsgrads von 41 % (Fr. 2'370.-- pro Monat) zuzusprechen. Eventualiter sei ihm
rückwirkend ab dem 1. März 2019 eine Invalidenrente auf der Basis eines
Invaliditätsgrads von 34 % (Fr. 1'965.-- pro Monat) zuzusprechen. Subeventualiter sei
die Sache zur Durchführung weiterer Abklärungen sowie zur Neuberechnung des
Invaliditätsgrads und der Invalidenrente an die Suva (nachfolgend: Gesuchsgegnerin)
zurückzuweisen. Es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung zu
bewilligen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). Er reichte unter
anderem die ihn betreffenden Akten der IV-Stelle, insbesondere das von dieser in
Auftrag gegebene polydisziplinäre (internistische, psychiatrische, rheumatologische,
neurologische und handchirurgische) Gutachten des ABI (Ärztliches
Begutachtungsinstitut GmbH), Basel, vom 4. Januar 2021 sowie eine Beurteilung von
RAD-Ärztin Dr. med. H._ vom 14. Januar 2021 ein (act. G1.2, G1.4 f.).
Auf entsprechendes Gesuch des Gesuchstellers sistierte das Bundesgericht mit
Verfügung vom 19. Juli 2021 das bei ihm hängige Beschwerdeverfahren bis zum
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen über das eingereichte
Revisionsgesuch (act. G5.1).
B.b.
Am 12. August 2021 entsprach die Verfahrensleitung dem Gesuch des
Gesuchstellers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (act. G3).
B.c.
Die Gesuchsgegnerin beantragte am 20. August 2021 die vollumfängliche
Abweisung des Revisionsgesuchs (act. G6).
B.d.
Mit Stellungnahme vom 2. November 2021 hielt der Gesuchsteller an seinen
Anträgen fest (act. G12). Der Gesuchsgegnerin wurde diese zur Kenntnisnahme
zugestellt (act. G13).
B.e.
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61 lit. i des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) festgehalten. Im Übrigen bestimmt sich das Verfahren vor dem
kantonalen Versicherungsgericht nach kantonalem Recht (Art. 61 ATSG). Nach Art. 81
Abs. 1 lit. a-c des st. gallischen Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRP; sGS 951.1)
kann gegen Gerichtsentscheide die Wiederaufnahme (Revision) des Verfahrens mit der
Begründung verlangt werden, der Entscheid sei durch Arglist oder strafbare Handlung
beeinflusst gewesen, die Behörde habe sich in einem offenkundigen Irrtum über
entscheidende Tatsachen befunden oder sie habe wesentliche Tatsachen oder
Beweismittel, die zur Zeit des Erlasses des Entscheides bestanden hätten, nicht
gekannt. Diese Revisionsgründe sind mit leicht abweichendem Wortlaut auch in Art.
123 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) zu finden. Beim
letzten der genannten Wiederaufnahme- oder Revisionsgründe genügt
rechtsprechungsgemäss eine bloss abweichende Würdigung eines nämlichen
Sachverhalts nicht. Vielmehr ist es erforderlich, dass das Gericht eine unrichtige
Sachverhaltswürdigung vorgenommen hat, weil für das Urteil wesentliche Tatsachen
nicht bekannt waren oder unbewiesen blieben, und bei richtigem Urteilsfundament
anders zu entscheiden gewesen wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Januar 2018,
8F_9/2017, E. 1.3 mit weiteren Hinweisen). Auf Wiederaufnahmebegehren wird nur
eingetreten, wenn die Gründe mit einem ordentlichen Rechtsmittel nicht geltend
gemacht werden können und das auch bei zumutbarer Sorgfalt unmöglich war (Art. 81
Abs. 2 VRP).
2.
Gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24.
Februar 2021 ist eine Beschwerde beim Bundesgericht hängig. Mit Verfügung vom 19.
Juli 2021 sistierte das Bundesgericht das Beschwerdeverfahren bis zum Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen über das bei diesem eingegangene
Revisionsgesuch (act. G5.1). Das Bundesgericht stützte sich in dieser Verfügung im
Wesentlichen auf das in BGE 138 II 386 beschriebene Vorgehen. Wie sich nachfolgend
ergibt, ist diesem jedoch nicht zu folgen.
Im genannten BGE 138 II 386 befand das Bundesgericht, eine Vorinstanz des
Bundesgerichts dürfe auf ein Revisionsgesuch nicht einzig mit der Begründung nicht
eintreten, gegen den zu revidierenden Entscheid sei Beschwerde beim Bundesgericht
erhoben worden. Eine Verfahrenspartei, die vor Abschluss des bundesgerichtlichen
Verfahrens einen Grund entdecke, der ihres Erachtens die Revision des kantonalen
Entscheids begründe, habe ein Revisionsgesuch bei der kantonalen Instanz zu stellen.
2.1.
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Um zu vermeiden, dass das Bundesgericht während des vorinstanzlichen
Revisionsverfahrens materiell über die Beschwerde urteile, habe die Partei um
Sistierung des bundesgerichtlichen Verfahrens während der Dauer des vorinstanzlichen
Revisionsverfahrens zu ersuchen (BGE 138 II 386, E. 6 f.).
2.2.
Nach einem allgemeinen prozessualen Grundsatz kommt der Beschwerde als
ordentlichem Rechtsmittel Devolutiveffekt zu. Das bedeutet, dass mit Einlegung des
Rechtsmittels die Streitsache an die funktionell übergeordnete Rechtsmittelinstanz
geht. Die obere Instanz wird damit zuständig, sich mit der Angelegenheit zu befassen;
auf der anderen Seite verliert die Vorinstanz mit der Überwälzung der Zuständigkeit die
Befugnis, sich der Sache als Rechtspflegeinstanz anzunehmen, beispielsweise ihren
Entscheid in Ansehung der Rechtsmittelvorbringen zu ändern. Ein nach der Einreichung
einer Beschwerde ergehender neuer Entscheid der Vorinstanz ist nichtig, es kommt
ihm lediglich die Bedeutung eines Antrags an die obere Instanz zu. In diesem
Zusammenhang ist an das lateinische Rechtssprichwort "lata sententia iudex desinit
iudex esse" zu erinnern, wonach der Richter ab dem Zeitpunkt der Verkündung seines
Urteils auf dieses nicht mehr zurückkommen kann (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 9. Mai 2000, M 9/99, E. 1.a., mit weiteren
Hinweisen).
2.2.1.
Vorliegend hat der Gesuchsteller gegen den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. Februar 2021 beim
Bundesgericht Beschwerde erhoben (act. G5.1). Damit ist der Devolutiveffekt
eingetreten, das Versicherungsgericht hat keine Kompetenz mehr, das dortige
Dispositiv abzuändern. Folglich ist das Bundesgericht für die Behandlung von
Einwendungen gegen diesen Entscheid im Rahmen der Prüfung der hängigen
Beschwerde zuständig. Das ausserordentliche Rechtsmittel der Revision ist zudem nur
bei rechtskräftigen Entscheiden möglich, das Urteil des Versicherungsgerichts vom 24.
Februar 2021 ist jedoch aufgrund der vom Gesuchsteller dagegen erhobenen
Beschwerde noch nicht in Rechtskraft erwachsen (Ursina Beerli-Bonorand, Die
ausserordentlichen Rechtsmittel in der Verwaltungsrechtspflege des Bundes und der
Kantone, S. 45, vgl. auch Art. 81 Abs. 2 VRP; Bernhard F. Schärer, N 28 zu Art. 81, in:
Salim S. Rizvi/Benjamin Schindler/Urs Peter Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar).
2.2.2.
Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass bei Beschwerden gegen einen
Entscheid über die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der
2.3.
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Unfallversicherung vor Bundesgericht jede unrichtige oder unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden kann (Art. 97 Abs. 2 BGG).
Vorliegend hat das Bundesgericht demnach volle Kognition, kann den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 24. Februar 2021 also umfassend überprüfen und
sämtliche sachverhaltlichen Vorbringen des Gesuchstellers berücksichtigen. Auch
unter diesem Gesichtspunkt besteht keine Veranlassung, von der sich unter anderem
aus BGE 147 III 238 ergebenden Zuständigkeit des Bundesgerichts abzuweichen. In
diesem ausführlich begründeten Entscheid hielt das Bundesgericht überdies sogar
ausdrücklich fest, es habe sich bei einem Gesuch um Urteilsrevision selbst dann mit
neu entdeckten Tatsachen und Beweismitteln zu befassen, wenn es den Sachverhalt
im vorangegangenen Beschwerdeverfahren nur mit beschränkter Kognition habe
überprüfen können (BGE 147 III 238, E. 3.3; siehe dort insbesondere auch den letzten,
überzeugend begründeten Absatz). Bejaht das Bundesgericht die Erheblichkeit der neu
entdeckten Tatsachen und Beweismittel sowie die weiteren Voraussetzungen des
Revisionsgrundes, hebt es das Urteil auf, das Gegenstand des Revisionsgesuchs war,
und urteilt in der Folge über die ursprüngliche Beschwerde. Bei Gutheissung der
Revision und der damit verbundenen Änderung der tatsächlichen Grundlagen weist es
die Sache in aller Regel an die kantonale Instanz zur Neubeurteilung zurück, weil das
Bundesgericht grundsätzlich nicht selbst eine neue Würdigung der tatsächlichen
Situation vornimmt (BGE 147 III 238, E. 3.4). Das Fundament für diese Ausführungen
bildet die Tatsache, dass ein Bundesgerichtsentscheid mit einem materiellen Dispositiv
(sowohl die Gutheissung als auch die Abweisung) den vorangegangenen kantonalen
Entscheid stets ersetzt, dieser also rechtlich nicht mehr existiert. Liegt bereits ein
rechtskräftiges Urteil vor, so könnte das kantonale Gericht nur dann zur Beurteilung
eines Revisionsgesuchs zuständig sein, wenn das frühere Bundesgerichtsurteil
entweder auf Nichteintreten lautete oder sich das Revisionsgesuch auf einen Aspekt
bezieht, der vor Bundesgericht nicht mehr Streitgegenstand gebildet hatte (vgl. BGE
147 III 238 E. 3.2.1 f.). Ist - wie vorliegend - ein Bundesgerichtsverfahren erst hängig,
wurde aber noch kein Urteil erlassen, kann dies vor dem Hintergrund des erläuterten
Devolutiveffekts nicht grundlegend anders sein. Aus Art. 125 BGG ist solches -
entgegen BGE 138 II 386 - jedenfalls nicht zu schliessen. Diese Bestimmung hält
insbesondere fest, dass ein Grund, der schon vor Ausfällung des bundesgerichtlichen
Entscheids entdeckt wurde, der also nicht (qualifiziert) neu ist, nicht zur späteren
Urteilsrevision führen kann. In der Botschaft zu Art. 138 OG, auf den Art. 125 BGG
zurückgeht, wurde als ratio legis festgehalten, wer über einen Revisionsgrund verfüge
solle es nicht dazu kommen lassen, dass das Bundesgericht zunächst aufgrund der
fehlerhaften oder unvollständigen Urteilsgrundlage entscheide, sondern er solle "sofort
nach der sich aufdrängenden Remedur trachten" (BBl 1943 149). Art. 125 BGG stellt
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3.
Selbst wenn auf das Gesuch einzutreten wäre, wäre dieses jedoch - wie sich
nachfolgend ergibt - abzuweisen.
jedenfalls keine ausreichende Grundlage dar für eine Abkehr vom Grundsatz, dass
ausserordentliche Rechtsmittel wie die Urteilsrevision erst zulässig sind, wenn der
ordentliche Rechtsweg beendet ist.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist mangels Zuständigkeit auf das
Revisionsgesuch nicht einzutreten.
2.4.
Neue Beweismittel müssen der Tatbestandsermittlung und nicht bloss der
Tatbestandswürdigung dienen. Gutachten sind daher nur beschränkt als neue
Tatsache tauglich und blosse Gegengutachten begründen keinen
Wiederaufnahmegrund. Neue Gutachten sind namentlich dann zulässig, wenn eine
neue wissenschaftliche Methode gefunden wurde, um schon vorhandene
Beweisobjekte in einem neuen Verfahren zu untersuchen. Ein neues Gutachten muss
"schlüssig oder doch sehr glaubwürdig die tatsächlichen Grundannahmen eines
ursprünglichen Gutachtens als fehlerhaft nachweisen" (Schärer, a.a.O., N 20 zu Art.
81). Das Bundesgericht hatte zudem in seinem Urteil vom 7. Mai 2010, 8F_15/2009, E.
1.2, festgehalten, eine wesentliche Voraussetzung für eine Urteilsrevision sei, dass das
neue Beweismittel der Sachverhaltsermittlung und nicht nur der
Sachverhaltswürdigung diene. Auch sei ein Revisionsgrund nicht schon gegeben, wenn
das Gericht bereits im Hauptverfahren bekannte Tatsachen möglicherweise unrichtig
gewürdigt habe.
3.1.
Der Gesuchsteller macht insbesondere geltend, das Versicherungsgericht habe bei
seinem Entscheid vom 24. Februar 2021 keine Kenntnis gehabt vom Gutachten des
ABI vom 4. Januar 2021 sowie von der Stellungnahme des RAD vom 14. Januar 2021.
Beide Dokumente seien dem Gesuchsteller vor dem Gerichtsentscheid weder eröffnet
worden, noch sei ihm mitgeteilt worden, dass das Gutachten vorliege. Vielmehr habe
die IV-Stelle nochmals weitere Abklärungen getätigt, insbesondere habe sie einen
aktuellen Bericht von Dr. G._ eingeholt. Erst am 6. April 2021 habe er Kenntnis über
das ABI-Gutachten und die Beurteilung des RAD erlangt (act. G1, G12). Der
beschriebene zeitliche Ablauf lässt sich aufgrund der Akten nachvollziehen (vgl. IV-act.
120 f.), so dass neue Beweismittel vorliegen, welche zum Zeitpunkt des Entscheids
vom 24. Februar 2021 zwar bereits bestanden, aber weder dem urteilenden
Versicherungsgericht noch den Parteien bekannt waren. Wie sich nachfolgend zeigt,
3.2.
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wäre jedoch aufgrund der neuen Beweismittel eine Revision des Entscheides nicht
gerechtfertigt.
Mit Urteil vom 24. Februar 2021 bestätigte das Versicherungsgericht den
angefochtenen Einspracheentscheid der Gesuchsgegnerin. Diese hatte dem
Gesuchsteller mit Wirkung ab 1. März 2019 eine Invalidenrente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 19 % und eine Integritätsentschädigung bei einem
Integritätsschaden von 10 % zugesprochen (vgl. act. G1.3). In medizinischer Hinsicht
stützte sich das Versicherungsgericht dabei - wie bereits die Gesuchsgegnerin - im
Wesentlichen auf die Einschätzungen von Kreisarzt Dr. E._. Dieser hatte nach seiner
Untersuchung vom 30. Januar 2018 beurteilt, es bestehe eine leicht- bis mittelgradig
schmerzhafte Funktionsbeeinträchtigung der rechten Hand mit
Bewegungseinschränkung insbesondere in der Greifffunktion und eine erhebliche
Kraftminderung der rechten Hand. Die CRPS-Symptomatik sei klinisch vollständig
regredient (act. G1.3, E. 3.1). Dem Gesuchsteller sei eine leichte bis gelegentlich
mittelschwere, adaptierte Tätigkeit vollschichtig zumutbar. Nicht zumutbar seien
Arbeiten mit wiederholtem Krafteinsatz der rechten Hand, wiederholte Bewegungen
des Handgelenks, des Daumens und des Kleinfingers sowie Arbeiten mit
feinmotorischen Anforderungen. Der Gesuchsteller könne Werkzeuge mit einem
Gewicht über 3 kg und Werkzeuge, bei denen Vibrationen oder Schläge in Bezug auf
die rechte Hand entstünden, nicht mehr benutzen. Ebenfalls seien keine Hitze- oder
Kälteexpositionen der Hand, keine Tätigkeiten an Maschinen mit Gefahrenpotential und
keine Tätigkeiten auf Leitern, Gerüsten oder sonstigen absturzgefährdeten Stellen mehr
zumutbar. Der Gesuchsteller könne für Tätigkeiten mit Heben von Gegenständen oder
Lasten über 10 kg nicht mehr eingesetzt werden. Nachdem die Gesuchsgegnerin
erfahren hatte, dass der Gesuchsteller nebenbei als Hauswart tätig war bzw. gewesen
war, ersuchte sie Dr. E._ um eine Präzisierung der Zumutbarkeitsbeurteilung. Dieser
korrigierte das Zumutbarkeitsprofil am 18. April 2018 dahingehend, dass dem
Gesuchsteller nur noch sehr leichte körperlich adaptierte Arbeiten mit Heben von
Gegenständen bis zu 5 kg zumutbar seien. Solche Tätigkeiten könnten vollschichtig mit
den betriebsüblichen Pausen durchgeführt werden. Auch eine Nebenerwerbstätigkeit
könne unter Berücksichtigung der Adaptionskriterien bis zu fünf Stunden wöchentlich
zugemutet werden. Nach Eingang des Befunds einer unauffälligen neurologischen
Untersuchung erachtete Dr. E._ am 20. Juni 2018 eine Änderung seiner
versicherungsmedizinischen Beurteilung für nicht notwendig. Am 11. Januar 2019 hielt
er fest, die zwischenzeitlich gemeldeten Schulterbeschwerden stünden in keinem
kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis. Es ergebe sich keine Änderung der
letzten Zumutbarkeitsbeurteilung (act. G1.3, E. 5.1).
3.3.
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3.4.
Die abklärenden Ärzte des ABI listeten in ihrem Gutachten vom 4. Januar 2021
als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Schmerzsyndrom
der rechten Hand (ICD-10: M19.14), ein chronisches zerviko- und
thorakolumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10: M53.1, M54.5) und ein
Belastungsdefizit der rechten Schulter (ICD-10: M75.8) auf (act. G1.4, S. 8 f.). Wie das
Versicherungsgericht bereits im Entscheid vom 24. Februar 2021 erwogen hat, sind
jedoch nur die Beschwerden an der Hand rechts als unfallkausal zu erachten (act.
G1.3, E. 3). Die vom Gesuchsteller neu eingereichten medizinischen Akten geben
keinen Anlass, von dieser Beurteilung abzuweichen. Zudem ist darauf hinzuweisen,
dass die ABI-Gutachter die Arbeitsfähigkeit des Gesuchstellers in einer adaptierten
Tätigkeit ohnehin nur aus handchirurgischer Sicht als zu 20 % eingeschränkt
betrachteten. Die anderen Teilgutachter gingen von einer vollen Arbeitsfähigkeit für
eine adaptierte Tätigkeit aus (vgl. act. G1.4, S. 9 f.).
3.4.1.
Der handchirurgische Teilgutachter, Dr. med. I._, FMH Handchirurgie,
beurteilte, in der angestammten, schwer belastenden Tätigkeit als Gartenbauer sei der
Gesuchsteller aufgrund der Einschränkungen an der dominanten rechten Hand zu 100
% arbeitsunfähig. Zumutbar sei hingegen eine Tätigkeit mit leichter Belastung der
rechten Hand bis 5 kg, ohne repetitive Arbeitsabläufe und ohne Kälteexposition. In
einer solchen Tätigkeit wäre eine maximale Präsenz von 8.1 Stunden pro Tag möglich.
Er schätze die Arbeitsfähigkeit auf 80 %. Die Leistung sei aufgrund der subjektiven
Schmerzen sowie der objektiv nachvollziehbaren Schmerzen durch die beginnende
Arthrose eingeschränkt (act. G1.4, S. 55). Wie die Gesuchsgegnerin zu Recht vorbringt
(act. G6), waren die von Dr. I._ als Grund für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
genannten Schmerzen und die beginnende Arthrose Dr. E._ bereits bei seinen
Zumutbarkeitsbeurteilungen vom 31. Januar bzw. 18. April 2018 bekannt. Der
Sachverhalt hat sich diesbezüglich nicht geändert und Dr. I._ würdigte diesen
lediglich anders. Dass - wie der Gesuchsteller vorbringt (act. G12) - vorliegend mit dem
ABI-Gutachten seine Arbeitsfähigkeit erstmals versicherungsextern beurteilt wurde,
ändert nichts daran.
3.4.2.
Der Gesuchsteller macht weiter geltend, im Gegensatz zu Dr. E._ sei den ABI-
Gutachtern der Schlussbericht des Vereins F._ vorgelegen (act. G12). Dies ist zwar
korrekt, jedoch nicht ausschlaggebend. Im genannten Bericht befanden die
zuständigen Personen, die Quantität und Qualität der Arbeiten des Gesuchstellers
seien auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht verwertbar. Seine Leistungsfähigkeit schätzten
3.4.3.
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4.
sie auf ca. 10 % (IV-act. 63). Wie das Versicherungsgericht bereits mit Entscheid vom
24. Februar 2021 erwogen hat, wurde dieser Bericht jedoch nicht von einer
medizinischen Fachperson erstellt und ist damit bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht
aussagekräftig. Zudem bezog sich die Einschätzung auf sämtliche, auch unfallfremde,
Beschwerden, insbesondere auch am Arm links. Die Beurteilung der verantwortlichen
Person des Vereins F._ hat sich zudem insofern als nicht korrekt erwiesen, als der
Gesuchsteller seit September 2020 in einem Pensum von 30 % bzw. ab Dezember
2020 von 50 % in einer adaptierten Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt tätig war (act.
G1.3, E. 5.4). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass den ABI-Gutachtern der
Schlussbericht des Vereins F._ zwar bekannt war (act. G1.4, S. 14), sie sich jedoch
weder vertieft damit auseinandersetzten, noch darauf abstellten. Auch die Tatsache,
dass Dr. E._ weitere, erst nach seiner Beurteilung vom 14. April 2018 entstandene
medizinische Berichte im Gegensatz zu den ABI-Gutachtern nicht bekannt waren (vgl.
act. G12), beeinträchtigt die Beweiskraft seiner Beurteilungen nicht. Die vom
Gesuchsteller erwähnten Berichte von Dr. med. J._, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, und Dr. med. K._, Fachärztin FMH für Neurologie, sind insofern nicht von
Relevanz, als die psychischen Beschwerden nicht unfallkausal sind (vgl. act. G1.3, E. 4)
und aus neurologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit besteht (vgl. act. G1.4, IV-act.
50. 79). Bezüglich den erst nach den Beurteilungen von Dr. E._ entstandenen
Berichten von Dr. med. G._, Innere Medizin FMH, ist - wie bereits im Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 24. Februar 2021 erwogen (act. G1.3, E. 5.2) - festzuhalten,
dass seine Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 50 % nicht überzeugt (IV-act. 45,
76, 82, 89-8 ff., 113, 117). Diese Ansicht teilten offenbar auch die ABI-Gutachter,
wichen sie doch von der ihnen bekannten Einschätzung von Dr. G._ ab (act. G1.4).
Zusammengefasst ergäben sich bei einer materiellen Prüfung aus den neu
eingereichten medizinischen Akten keine neuen objektiven Erkenntnisse im Sinne der
Revisionsvoraussetzungen.
3.5.
Auf das Revisionsgesuch ist nicht einzutreten.4.1.
Im vorliegenden Verfahren sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 61 lit. f
ATSG).
4.2. bis
Die Verfahrensleitung hatte dem Gesuch des Gesuchstellers um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung am 12. August 2021 entsprochen (act. G3). Der
Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
4.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte