Decision ID: 2e6545d4-29f5-5853-9650-a975c73c6362
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1990,
wurde mit Beschluss des Bezirksrat
s
D._
vom
9.
April 2008 entmündigt und unter die elterliche Sorge seiner Eltern
E._
und
F._
gestellt (
Urk.
8/4).
Seit dem
1.
Mai 2008 ist er Bezüger einer Invalidenrente und von Zusatzleistungen
in Form von Ergänzungsleistungen
zur Inv
alidenrente (
Urk.
8/63 und 8/63.
2).
Er
lebt in einer Wohngruppe der
G._
in
H._
und verbringt jedes zweite Wochenende und die Feri
en mit seinen Eltern (vgl.
Urk.
1 S. 3).
Mit Schreiben vom 1
7.
Dezember 2013 forderte die Durchführungsstelle für Zu
satzleistungen zur AHV/IV der Gemeinden
Z._
,
A._
und
B._
die Eltern
auf, das für die Überprüfung und Neuberechnung der Zusatzleistun
gen per
1.
Januar 2014 notwendige Formular ausgefüllt und unterzeichnet sowie mit den notwendigen Beilagen versehen
bis
Ende Febru
ar 2014 ein
zu
reichen (
Urk.
8/37).
Per
1.
Januar 201
4
meldeten
die
Eltern
den Umzug
in die ebenfalls im Kanton Zürich liegende Gemeinde
C._
. Aufgrund einer entspre
chenden telefonischen
Mitteilung
des Vaters
(vgl.
Urk.
8/50 S. 2)
und nach Rücksprache mit der Einwohnerkontrolle stellte die
Durchführungs
s
telle
die Zusatzleistungen mit
(an die bisherige Adresse gerichteten)
Verfügung
en
vom
3
0.
Januar 2014 per 1.
Januar
2014 ein und forderte die für Januar 2014 aus
gerichteten Beträge zurück
(
Urk.
8/75, 8/75.1, 8/75.2
; vgl. auch
Urk.
8/44/2
).
Diese Verfügungen erwuchsen unangefochten in Rechtskraft
und die
Beträge wurden
zurück
bezahlt (vgl.
Urk.
8/38
und 8/50 S. 2
).
Am
8.
Januar
2014
war
der Vater des
Versicherten
bei der
Gemeinde
C._
vorstellig
geworden
und
hatte
ein Anmeldeformular für Zusatzleistungen
er
hal
ten
(
Urk.
8/45.3).
Ein
am 1
7.
Juli
2014
erneut abgegebenes Formular ging am 2
1.
Juli 2014
bei der Gemeinde
C._
ein
(
Urk.
8/45.1, 8/45.3
;
Urk.
8/12 im Verfahren ZL.2015.00104
). Die Gemeinde
C._
nahm in der Folge Kontakt mit der Gemeinde
A._
auf, um die Zuständigkeit zu klären (vgl.
Urk.
8/39). Mit Verfügung vom 25.
September 2014 lehnte die Gemeinde
C._
,
Durch
führungsstelle
für Zusatzleistungen zur AHV/IV,
die Gewährung von Zusatz
leistungen mit der Begründung ab, gemäss der massgeblichen Wegleitung
hätten Volljährige unter umfassender Beistandschaft ihren Wohnsitz am Sitz der
Erwachsenenschutzbehörde
. Bis anhin sei die vormundschaftliche Massnahme noch
nicht an die für
C._
zuständige
Kindes
-
und
Erwachsenenschutzbe
hörde
(KESB)
übertragen worden
und die Gemeinde
C._
sei deshalb nicht
zuständig für die Berechnung und Auszahlung der Zusatzleistungen
(
Urk.
8/42.1
=
Urk.
8/
8
im Verfahren ZL.2015.00104
).
Dagegen erhob Für
sprecher Daniel
Schilliger
namens des Versicherten am 24. Oktober 2014 Einsprache (Urk. 8/9 im Verfahren ZL.2015.00104).
Aufgrund einer Meldung des Vaters vom 1
7.
Juli 2014
wurde die für den
Bezü
ger
geführte u
mfassende Beistandschaft
m
it Beschluss Nr.
I._
vom 13.
Novem
ber 2014 der KESB Bezirk
D._
per 1.
Dezember
2014 an die
KESB
J._
zur Weiterführung übertragen (
Urk.
8/47
und 8/48.1 S. 1
; vgl.
betreffend Übernahme:
Urk.
8/62.1
S. 6
).
1.2
Mit Verfügung vom 1
9.
Dezember 2014 (
Urk.
8/51)
bejahte
die
Durchführungs
stelle
für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Gemeinden
Z._
,
A._
und
B._
ihre
Zuständigkeit für die Entrichtung von Zusatzleistungen bis zum Zeitpunkt der Übertragung der Beistandschaft
an die KESB
J._
per
1.
Dezember 201
4.
Für die Zeit ab Einreichung des neuen Gesuchs und somit für die Monate Juli bis November 2014 bestehe
ein Anspruch auf Zusatzleistungen. Ein Anspruch für
die Zeit vom
1.
Januar bis 30.
Juni 2014 werde im Sinne der Erwägungen
verneint
. Eine Wiedererwägung der
Einstel
lungsverfü
gung
vom 3
0.
Januar 2014 sei nicht möglich
(
Urk.
8/51). Die gegen
die Verfügung vom 19. Dezember 2014
gerichtete Einsprache wies die
Durch
führungsstelle
mit
Einspracheentscheid
vom 1
0.
Juli 2015 ab (
Urk.
2
; vgl. auch den vorgängigen
Einspracheentscheid
vom 1
1.
März 2015 und dessen
wiederer
wägungsweise
Aufhebung,
Urk.
8/55 und 8/61
).
1.3
Gegen diesen Entscheid richtet sich die Beschwerde
des mittlerweile durch den Beistand
Y._
vertretenen
X._
vom 14. September 2015 mit dem Rechtsbegehren, der
Einspracheentscheid
vom 10. Juli 2015 sei aufzuheben und es seien Zusatzleistungen für de
n Zeitraum ab
1.
Januar bis 30.
November 2014 auszurichten. In prozessualer Hinsicht
wurde
unter anderem die Vereinigung mit dem gegen den
Einspracheentscheid
der Gemeinde
C._
vom
6.
August 2015 gerichteten Beschwerdev
erfahren beantragt
(
Urk.
1 S. 2).
In der Beschwerdeantwort vom
6.
Oktober 2015 (
Urk.
7) schloss die
Durchfüh
rungs
s
telle
auf
Abweisung (
Urk.
7).
Mit Verfügung vom
2.
November 2015 bestellte das Gericht Fürsprecher Daniel
Schilliger
von der
Procap
Schweiz zum unentgeltlichen
Rechts
verteter
(
Urk.
12). Mit Replik vom
8.
Dezember 2015 (
Urk.
14) und Duplik vom 1
8.
Dezember 2015 (
Urk.
17) hielten die Parteien an ihren Rechtsbegehren fest (
Urk.
18).
Mit Verfügung vom 2
1.
Dezember 2015 schloss das Gericht den Schriftenwechsel (
Urk.
18).
2.
2.1
Die Durchführungsstelle
für Zusatzleistungen zur AHV/IV
der Gemeinde
C._
hatte
mit Verfügung vom 7. Mai
2015
ihre Zuständigkeit für die
Ausrich
tung der Zusatzleistungen ab 1.
Dezember 2014 bejaht und die erste Verfügung vom 2
5.
September 2014 aufgehoben (
Urk.
8/15
im Verfahren ZL.2015.00104
). Die dagegen gerichtete Einsprache wies sie mit Entscheid vom
6.
August 2015 ab (
Urk.
2
im Verfahren ZL.
2015.00104
).
2.2
Mit Eingabe vom 1
4.
September 2015
liess der
Beistand
gegen den
Einsprache
entscheid
vom
6.
August 2015 Beschwerde erheben und beantragen, der
Ein
spra
cheentscheid
sei aufzuheben und es seien die Zusatzleistungen bereits ab
1.
Januar 2014 auszurichten. In prozessualer Hinsicht liess er unter anderem die Vereinigung mit dem gegen den
Einspracheentscheid
der
Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Gemeinden
Z._
,
A._
und
B._
vom 1
0.
Juli
2015 gerichteten Beschwerdeverfahren beantragen (
Urk.
1
S. 2 im Verfahren ZL.2015.0
0104
). Gemäss
dem
Antrag in der Be
schwerde wurde Fürsprecher Daniel
Schilliger
von der
Procap
Schweiz zum un
entgelt
lichen Rechts
vertreter
bestellt (Verfügung vom
2.
November 2015,
Urk.
12). Mit Eingabe vom
8.
Dezember 2015 liess der
Beschwerdeführer
erklä
ren, auf Replik zu verzichten (
Urk.
14).
Daraufhin schloss das Gericht den Schriftenwechsel (
Urk.
15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Zwischen den beiden Verfahren ZL.2015.00106
und ZL.201
5
.
00104 besteht ein enger sachlicher und rechtlicher Zusammenhang.
Strittig sind
in beiden Ver
fahren
die Zusatzleistungen ab
1.
Januar bis
3
0.
Juni respektive
30.
November 201
4.
Zu prüfen ist,
welche Gemeinde für die Ausrichtung der Zusatzleistungen nach § 21 des Zusatzleistungsgesetzes (ZLG) örtlich zuständig ist beziehungs
weise ob
und bejahendenfalls welche
der beiden Gemeinden für die Zeit vom 1. Januar bis 3
0.
November 2014 Zusatzleistungen zu erbringen
hat. Es recht
fertigt sich da
her, den Prozess Nr.
ZL.2015.00104
mit dem vorliegenden
Prozess Nr.
ZL.2015.00106
zu vereini
gen und unter dieser
Prozess
nummer
weiter
zu
führen (§ 28
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht in Ver
bin
dung mit Art. 125 der Zivilpro
zessordnung).
Das Verfahren Nr. ZL.
2015.00104
ist als dadurch erledigt abzuschreiben; dessen Akten werden im vorliegenden Prozess als Urk.
20/1-15
geführt.
2.
2.1
Formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
müssen in Revi
sion gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auf
findet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (
Art.
53
Abs.
1 des Bun
des
ge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
2.2
Gemäss einem allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts kann die Verwaltung formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
, die nicht Gegenstand materieller richterli
cher Beurteilung waren, in
Wiedererwä
gung
ziehen, wenn sie zweifellos unrichtig si
nd und ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Dieses Zurückkommen liegt - beim Fehlen eigentlicher Revisionsgründe (vgl.
Art.
53
Abs.
1 ATSG) - im Ermessen des Versicherungsträgers. Es be
steht demnach kein ge
richtlich durch
setzbarer An
spruch auf Wiedererwägung. Verfü
gungen, mit denen das Ein
tre
ten auf ein Wiedererwägungsgesuch abge
lehnt wird, sind grund
sätz
lich weder beschwerde- noch
einspracheweise
anfechtbar (BGE 133 V 50). Im
Bestrei
tungs
fall
ist durch Auslegung zu ermitteln, ob die Verwaltung auf ein
Wiederer
wä
gungs
gesuch
eingetreten ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_908/2011 vom
2.
März 2012, E. 2.1)
.
Wenn die Verwaltung hingegen auf ein Wiedererwägungsgesuch eintritt, die Wiedererwägungsvoraussetzungen prüft und anschliessend einen erneut ableh
nenden Sachentscheid trifft, ist dieser allenfalls mit Einsprache und hernach beschwerdeweise anfechtbar. Die entsprechende Überprüfung hat sich in einem solchen Falle indessen auf die Frage zu beschränken, ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der bestätigten Verfügung gegeben sind. Thema des Einsprache- und des Beschwerdeverfahrens bildet also einzig die Prüfung, ob der Versicherungsträger zu Recht die ursprüngliche, formell rechtskräftige Ver
fügung nicht als zweifellos unrichtig und/oder deren Korrektur als von uner
heb
li
cher Bedeutung qualifiziert hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_908/2011 vom
2.
März 2012, E. 2.2 mit Hinweisen)
.
Ein Wiedererwägungsgesuch kann die Verwaltung somit auf drei verschiedene Arten erledigen:
1.
Sie tritt auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein.
2.
Sie prüft die Wiedererwägungsvoraussetzungen, verneint sie und antwortet mit einem erneut ablehnenden Sachentscheid.
3.
Sie prüft die Wiedererwägungs
voraussetzungen, bejaht sie und trifft einen neuen, von der ursprünglichen Ver
fü
gung abweichenden Sachentscheid (Urteil des Bundesgerichts 9C_908/2011 vom
2.
März 2012
, E. 2.3
mit Hinweisen).
3.
3.1
Nach
Art.
21
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) ist der Kanton für die Festsetzung und die Auszahlung der Ergänzungsleistung zuständig, in dem die Bezügerin oder der Bezüger Wohnsitz hat. Der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer andern Anstalt und die behördliche oder vormundschaftliche Versorgung einer mündigen oder entmündigten Person in Familienpflege be
grün
den keine neue Zuständigkeit. Entsprechend sieht
§
21
Abs.
1 ZLG
für die innerkantonale Zuständigkeit vor, dass
die Zusatzleistung
en von der Gemein
de zu gewähren sind,
in welcher der Gesuchsteller seinen zivilrechtlichen Wohnsitz hat. Der Aufenthalt in einen Heim, einem Spital oder einer anderen Anstalt und die behördliche Platzierung einer volljährigen Person in Familienpflege begrün
den keine neue Zuständigkeit (
§
21
Abs.
2 ZLG).
Für den Fall eines Aufenthalts in einem Heim, einem Spital oder einer andern Anstalt können der zivilrechtliche Wohnsitz und die Zuständigkeit für die Fest
setzung und die Auszahlung der (Ergänzungs-)Leistung auseinanderfallen (BGE 138 V 29 E. 3.4.3).
3.2
Nach
Art.
12
Abs.
1 ELG besteht Anspruch auf eine jährliche
Ergänzungs
leistung
ab Beginn des Monats, in dem die Anmeldung eingereicht worden ist, sofern sämtliche gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind (vgl. auch
Art.
22
Abs.
1 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenversicherung, ELV).
3.3
Die Versicherten trifft bei der Abklärung der Ansprüche eine Auskunfts- und Mitwirkungspflicht (vgl.
Art.
28
Abs.
2 und 3 ATSG und
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru
chen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Perso
nen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen
(
Art.
43
Abs.
3 ATSG)
.
Die
Randziffern [
Rz
] 1110.02 und 1110.03 der Wegleitung über die
Ergänzungs
leistungen
zur AHV und IV [WEL] vom
1.
April 2011
sehen entsprechend vor,
dass, wenn der Anspruch auf EL durch ein
formloses Sc
hreiben geltend gemacht,
die EL-Stelle der anmeldenden Person ein amtliches Anmeldeformular zum Ausfüllen zuzustellen
hat
. Die Wirkungen d
er Anmeldung werden auf den Ein
gang des formlosen Schreibens zurückbezogen, sofern das Anmeldeformular und
die erforderlichen Informationen und Belege innert drei Monaten einge
reicht werden. Wird diese Frist nicht eingehalten, wird die EL erst ab dem Mo
nat aus
gerichtet, in dem die EL-Stelle im Besitz der erforderlichen Informatio
nen und Belege ist. Die EL-Stelle hat die versicherte Person darauf aufmerksam zu machen, dass im Falle des Ausbleibens der erforderlichen Informationen und Belege innert der vorgegebenen Frist die rückwirkende Auszahlung der EL ab dem Monat der Anmeldung bzw. des Rentenbeginns nicht möglich ist
(vgl. auch
Müller, Rechtsprec
hung des Bundesgerichts zum ELG,
3.
Auflage, Zürich 2015,
Art.
12
Rz
723
, S. 251
)
.
3.4
Sodann besteht nach der Zusprechung einer
(
Dauer
)-L
eistung eine Meldepflicht bei veränderten Verhältnissen. Nach
Art.
31
Abs.
1 ATSG ist jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezü
ger
innen und Bezügern, ihren Angehörigen oder Dritten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungsträger oder dem jeweils zuständigen
Durchfüh
rungs
organ
zu melden
.
Art.
24
Abs.
1 ELV sieht in Konkretisierung vor, dass von je
der Änderung der persönlichen und von jeder ins Gewicht fallenden Ände
rung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Anspruchsberechtigten unver
züg
lich Mit
teilung zu machen ist
(vgl.
Müller, a.a.O.,
Art.
12
Rz
762, S. 262 f.
).
Grundsätzlich führt jede schuldhafte Verletzung der Meldepflicht zu einer rück
wirkenden Änderung der Leistung; gegebenenfalls sind die zu Unrecht
bezoge
n
en Leistungen zurückzuerstatten (
Kieser
,
ATSG-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich 2015,
Art.
31
Rz
21
, S.
477
; Müller, a.a.O.,
Art.
12
Rz
805, S. 272
,
und
Art.
25 ATSG
Rz
20, S. 358
).
3.5
3.5
.1
Nach
Art.
14
Abs.
2 Satz 1 und 2 der Schlussbestimmungen zum Schweize
rischen Zivilgesetzbuch (ZGB) stehen Personen, die nach bisherigem Recht entmündigt worden sind, mit dem Inkrafttreten des neuen
Erwachsenenschutz
rechts
(am
1.
Januar 2013) unter umfassender Beistandschaft. Die
Erwachse
nen
schutzbehörde
nimmt sobald als möglich die erforderlichen Anpassungen an das neue Recht vor.
Der zivilrechtliche Wohnsitz bestimmt sich nach den
Art.
23 ff. ZGB. Nach Art. 26 ZGB in der seit dem 1. Januar 2013 in Kraft stehenden Fassung haben Volljährige unter umfassender Beistandschaft ihren Wohnsitz am Sitz der
Erwachsenenschutzbehörde. Nach
§
79 des kantonalen Einführungsgesetzes zum
Kindes- und Erwachsenenschutzrecht (EG KESR) richtet sich bei Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes bevormundet sind, der Sitz der KESB gemäss
Art.
25
Abs.
2 und 26 ZGB nach ihrem Lebensmittelpunkt (vgl. auch
Art.
442
Abs.
1 Satz 2 ZGB
)
.
Wechselt eine Person, für die eine
erwachsenenschutzrechtliche
Massnahme be
steht, ihren Wohnsitz, so übernimmt die Behörde am neuen Ort die Mass
nahme ohne Verzug, sofern keine wichtigen Gründe dagegen sprechen (
Art.
442
Abs.
5 ZGB). Bei Personen unter umfassender Beistandschaft ist ein
Wohnsitz
wechsel
nur durch eine Übertragung der Massnahme möglich, was die Zustim
mung der beiden betroffenen Behörden erfordert (vgl.
Huguenin
/
Reitze
, Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch I,
5.
Auflage, Basel 2014,
Art.
26
Rz
5, S. 263; vgl. auch
Vogel, Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch I,
5.
Auflage, Basel 2014,
Art.
442
Rz
23 f., S. 2521 f.).
3.5.2
Nach
Art.
54a
Abs.
4 ELV ist b
ei einem Wohnsitzwechsel der
Ergänzungs
leistun
gen
beziehenden Person die Ergänzungsleistung einschliesslich des Pau
schal
betrages für die obligatorische Krankenpflegeversicherung durch fol
gende Kantone auszurichten:
a.
durch den früheren Wohnsitzkanton bis
zum Erlöschen des Anspruchs auf
die monatlich auszurichtende Ergänzungsleistung im Wegzugskanton;
b.
durch den neuen Wohnsitzkanton ab Anspruchsbeginn auf die monatlich auszurichtende Ergänzungsleistung (
Art.
54a
Abs.
4 ELV).
D
ie
WEL vom
1.
April 2011
sieht sodann folgendes
Vorgehen
vor
, wenn eine versicherte Person, die in einem Kanton bereits eine EL bezog, ihren Woh
nsitz in einen anderen Kanton
verlegt. Nach
Rz
2130.01 gilt die Meldung der EL-
Stelle des Wegzugskantons an die EL-Stelle des Zuzugs
kantons nach
Rz
6410.01
als schriftliche Anmeldung. Der EL-Anspruch im Wegzugskanton erlischt auf
Ende des Monats des Wegzugs. Im Zuzugskanton entsteht der An
spruch mit Be
ginn des folgenden Monats
unabhängig davon, ob die EL-Stelle des
Wegzugs
kantons
e
ine Mitteilung vorgenommen hat oder nicht. Der lücken
lose Anspruch setzt voraus, dass
die versicherte Person die Informationen und Belege, die zur Berechnung der EL im neuen Kanton erforderlich sind, spätes
tens drei Monate nach Aufforderung durch die EL-Stelle
des Zuzugskantons
einreicht
(vgl.
Rz
2130.02 f.
und
Rz
6420.01 WEL
).
3.5
.3
Nach Ziffer 1.2.2 der Vollzugsweisung 2013 vom 2
7.
März 2013 des Kantonalen Sozialamtes der Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich ist bei innerkantonalen Umzügen der neuen Durchführungsstelle eine Kopie der Einstellungsverfügung sowie der letzten Leistungsverfügung zuzustellen und die versicherte Person schriftlich zu informieren, dass sie bei der neu zuständigen Durchführungss
telle erneut EL beantragen kann. Zur Vermeidung von Doppelbezügen hat die für die Behandlung des EL-Gesuchs zuständige Durchführungsstelle abzuklären, ob und bis zu welchem Zeitpunkt bereits EL ausgerichtet worden sind.
4.
4.1
Mit Verfügung vom 3
0.
Januar 2014
stellte
die
Beschwerdegegnerin 1
die Auszahlung der Zusatzleistungen mit Wirkun
g per
1.
Januar 2014 ein
, da sie infolge Wegzugs
des
Versicherten
für die Gewährung nicht mehr zuständig
sei
(Urk. 8/75.1). Diese Verfügung
erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
In
der Verfügung vom 1
9.
Dezember 2014
ging die
Beschwerdegegnerin 1
davon aus, ihre Zuständigkeit für die Auszahlung der Zusatzleistungen sei bis zum Zeitpunkt der Übertragung der Beistandschaft an die KESB
J._
per
1.
Dezember 2014 zu bejahen.
Die Voraussetzungen für die Revision der Verfü
gung vom 3
0.
Januar 2014 seien nicht gegeben. Die Verfügung vom 30. Januar 2014 sei auch nicht offensichtlich unrichtig, weshalb auch keine
Wiedererwä
gung
erfolgen könne. Da jederzeit ein neues Gesuch auf Ausrich
tung von Zu
satzleistungen gestellt werden könne, s
ei der Anspruch
mit der bei der Ge
meinde
C._
erfolgten Einreichung des
erneuten
Gesuchs
vom 2
1.
Juli 2014
und somit ab
1.
Juli bis 3
0.
November 2014
zu bejahen (
Urk.
8/51).
Im
Ein
spracheentscheid
vom 1
0.
Juli 2015 hielt die Beschwerdegegnerin 1 ergän
zend fest, der Anspruch auf Leistungen für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
0.
Jun
i
2014 werde wegen Verletzung der Mitwirkungs- und Meldepflicht
verneint
(
Urk.
2
; vgl. auch
Urk.
7 S. 2
).
Namentlich habe der Vater des Bezügers die zuständige KESB zu spät über seinen Umzug informiert; wäre er dieser Pflicht rechtzeitig nachgekommen, hätte die Übertragung auf den Zeitpunkt des tat
sächlichen Wohnsitzwechsels
erfolg
en können (
Urk.
2 S. 4
f.
).
B
ei umgehender Einreichung
des im Januar 2014 bei der Gemeinde
C._
bezogenen Antrags
formulars wäre bereits damals festgestellt worden, dass die Übertragung der Mass
nahme noch nicht in die Wege geleitet worden war
,
und die entsprechen
den Schritte hätten an die Hand genommen werden können (
Urk.
2 S.
5 f.)
.
In der
Beschwerde
antwort
hielt sie fest, es sei für sie nicht nachvollziehbar, dass sie für den Schaden aufzukommen habe, welcher dem Beschwerdeführer infolge Nichthandelns seines damaligen gesetzlichen Vertreters entstanden sei (
Urk.
7 S.
5).
4.2
Die Beschwerdegegnerin 2 ging in der Verfügung vom
7.
Mai 2015 und im
Einspracheentscheid
vom
6.
August 2015 (
Urk.
20/8/15,
Urk.
20/2) davon aus,
ihre Zuständigkeit sei
erst mit der Übertragung der Beistandschaft an die KESB
J._
per 1. Dezember 2014 zu bejahen.
4.3
Beschwerdeweise lässt der
Ansprecher
geltend machen,
unbestritten sei, dass
die Beschwerdegegnerin
1
bis 3
0.
November 2014 für die Gewährung der Zusatz
leistungen zuständig
gewesen
sei (
Urk.
1 S. 5). Die Beschwerdegegnerin 1 sei auf die rechtskräftige
Verfügung vom
3
0.
Januar 2014 zurückgekommen. Da diese of
fensichtlich falsch
gewesen
sei,
sei
ein Rückkommen im Sinne einer Wiedererwägung
ohne Weiteres möglich. Der Anspruch ab 1. Januar 2014 sei zu beurteilen
(
Urk.
1 S. 5).
Die Beschwerdegegnerin 1 habe keine Meldung an die neue
Durchführungsstelle vorgenommen und die neue Stelle habe auch – anders als in der WEL vorgesehen - kein
Mahn- oder
Bedenkzeitverfahren
durch
geführt (
Urk.
1 S. 6).
Auch die
Beschwerdegegnerin 1
habe nie ein Mahn- oder
Bedenk
zeitverfahren
durchgeführt; sie habe nicht erkannt, dass
für die Zuständigkeit
nicht der Wohnsitzwechsel, sondern die Übertragung massgeblich sei
(
Urk.
1 S. 6 f.; vgl. auch
Urk.
20/1).
4.4
Strittig und zu prüfen ist somit
insbesondere
, ob die Beschwerdegegnerin
1
auf ihre Verfügung 3
0.
Januar 2014 zurückzukommen und auch Leistungen für den Zeitraum vom
1.
Januar bis 3
0.
Juni 2014
zu erbringen hat
.
5.
5.1
Der
Versicherte
wurde mit Beschluss des Bezirksrats
D._
vom
9.
April 2008 entmündigt und unter die elterliche Sorge von
E._
und
F._
gestellt (
Urk.
8/4). Damit befand sich sein Wohnsitz nach dem bis zum 3
1.
Dezember 2012 in Kraft gestandenen
a
Art
.
385
Abs.
3
Z
G
in Verbin
dung mit
Art.
25
Abs.
1 ZGB am Wohnsitz der Eltern. Diese wohnten zum damaligen Zeitpunkt in der Gemeinde
B._
.
Mit dem Inkrafttreten des neuen Erwachsenenschutzrechts am
1.
Januar 2013 stand
der Versicherte
unter umfassender Beistandschaft. Sein Wohnsitz befand sich ab diesem Zeitpunkt am Sitz der zuständigen KESB
beziehungsweise nach
§
79 EG KESR am Sitz der zuständigen KESB am Lebensmittelpunkt. Dies war unbestrittenermassen die
KESB
Bezirk
D._
in
K._
beziehungs
weise nach
§
41
Abs.
1 EG KESR
weiterhin
B._
.
Hinweise dafür, dass der Versicherte, der jedes zweite Wochenende und die Ferien
bei seinen Eltern verbringt und in der übrigen Zeit im Behindertenheim
G._
in
H._
lebt,
seinen Lebensmittelpunkt
in
H._
hatte
, bestehen keine (vgl.
Müller, a.a.O.,
Art.
21
Rz
897
, S. 311
).
Erst mit der formellen Übertragung der
Beistandschaft
per
1.
Dezember 2014 ist von der Verlegung des Wohnsitzes an den Sitz der KESB
J._
in
L._
beziehungsweise gemäss
§
41
Abs.
1 EG KESR
nach
C._
auszugehen.
5.2
Mittlerweile gehen
denn
sowohl
der
Beschwerdeführer
als auch die beteiligten
Durchführungsstellen
übereinstimmend davon aus, dass der zivilrechtliche Wohn
sitz für den strittigen Zeitraum ab 1. Januar
bis
30. November
2014 weiter
hin in der Gemeinde
B._
lag und diese für die Gewährung der
Zusatz
leistungen zuständig war
.
Damit ist die Beschwerde gegen den E
ntscheid der Beschwerdegegnerin
2 vom
6.
August 2015 abzuweisen.
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin
1 ging in ihrer ursprünglichen Verfügung vom 30. Januar 2014 davon aus, dass sich mit dem Wegzug der Eltern des Versi
cherten auch automatisch dessen Wohnsitz veränderte
(vgl.
Urk.
8/75.1, 8/
8/50 S.
2
)
. Damit trug sie den per
1.
Janu
ar 2013 geänderten Bestimmungen
des Erwachsenenschutzrechts
im ZGB
nicht Rechnung.
Es
ist von der ursprüng
lichen Unrichtigkeit der Rechtsanwendung auszugehen und eine Korrektur der Verfü
gung hat
grundsätzlich
nicht über die Revision, sondern
über die
Wie
der
erwä
gung
des Entscheids zu erfolgen (
vgl.
Kieser
, a.a.O.,
Art.
5
3
Rz
6, S. 701). Bereits zum damaligen Zeitpunkt hätte
bei Vornahme entsprechender Abklä
rungen
der Beweis dafür erbracht werden können, dass per 3
1.
Dezember 2013 noch keine Übertragung an eine andere zuständige KESB erfolgt war.
Es kann mithin nicht davon ausgegangen werden,
wie dies der
Beistand
des Beschwer
deführers
gel
tend machen lässt (
Urk.
1 S. 9),
die Beibringung eines entspre
chen
den Beweis
mittels
sei zuvor
nicht möglich gewesen (vgl.
Kieser
, a.a.O.,
Art.
53
Rz
32
, S. 706
).
6.2
Ob die Verwaltung auf ein Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten oder ob sie es materiell an die Hand genommen
und erneut einen ablehnenden Ent
scheid getroffen
hat, ist durch Auslegung der Ver
fügung zu ermitteln. Keine materielle Neubeurteilung liegt vor, wenn die Ver
waltung bloss die für die frühere, formell rechtskräftig gewordene Verfügung ausschlaggebend gewese
nen Gründe wiederholt und unter Hinweis darauf dar
legt, weshalb auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten werden könne (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_505/200
7 vom
7.
Mai 2008, E.
1.3.3).
Die Beschwerdegegnerin 1
prüfte in der Verfügung vom 1
9.
Dezember 2014, ob von der zweifellosen Unrichtigkeit der Verfügung vom 3
0.
Januar 2014 auszugehen
sei
,
und ver
neinte dies (
Urk.
8/51 S. 3). Sie hielt darin und im
Einspracheent
scheid
vom 1
0.
Juli
2015 fest, die Zuständigkeit sei zwar entgegen dem ur
sprünglichen Entscheid zu bejahen, der Anspruch auf Zusatzleistungen sei hin
gegen wegen
Verletzung der Mitwirkungs- und Meldepflicht dennoch zu ver
neinen (
Urk.
8/51, 2).
Angesichts dessen, dass die Zuständigkeit nun neu bejaht und die Recht
mässigkeit der Leistungseinstell
ung
per 3
1.
Dezember 2013
neu begründet w
u
rd
e
, ist von einem
Eintreten auf das Wiedererwägungsgesuch
und einem erneut
ableh
nenden Sachentscheid für den Zeitraum bis 3
0.
November
2014 auszu
gehen
.
Die Beschwerdegegnerin
1
erkannte sodann der Einstellungsverfügung vom 30. Janu
ar 2014 nur für solange Rechtswirkung zu, bis bei der Gemeinde
C._
das neue Gesuch beziehungsweise Anmeldeformular eingereicht
worden war
,
und sah die Zusprechung von Leistungen
für die Zeit vom
1.
Juli bis 3
0.
November 2014
vor.
6.3
N
ach der Rechtsprechung ist eine aufgrund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erfolgte Leistungszusprechung im Sinne von
Art.
53
Abs.
2 ATSG zwei
fellos unrichtig ebenso wie wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder un
richtig angewandt wurden (vgl. Urteil des Bundesger
ichts U 378/05 vom 10.
Mai
2006
, E.
6.1).
Dies ist vorliegend insowe
it der Fall, als bereits per 1.
Januar 2014 vom Wechsel
des Wohnsitzes nach
C._
ausgegangen wurde. Die Leistungseinstellung mit der Begründung des Wohnsitzwechsels erweist sich daher als zweifellos unrichtig.
Zu prüfen bleibt, ob die Leistungseinstellung
–
wie dies die
Beschwerdegegne
rin
1 annimmt
-
,
aus einem anderen Grund
dennoch
rechtens
beziehungsweise zumindest nicht offen
sichtlich unrichtig
war
.
6.4
Die Verweigerung
von Versicherungsleistungen
(beziehungsweise der Entscheid aufgrund der Akten oder das Nichteintreten auf ein Leistungsgesuch)
wegen Verletzung von Auskunfts-
und Mitwirkungspflichten setzt nach
Art.
43
Abs.
3 ATSG die Durchführung eines
vorgängigen
Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
voraus. Daran fehlt es vorliegend
.
Dem Beschwerdeführer beziehungsweise seinen damaligen gesetzlichen Vertretern war
durch die Beschwerdegegnerin 1
namentlich
nie Frist angesetzt worden, den Nachweis für die Übertragung der Beistandschaft
an die neue KESB
beizubringen.
Die Verletzung
der
Meldepflicht
nach
Art.
31
Abs.
1 ATSG und
Art.
24
Abs.
1 ELV
führt
sodann
höchstens dazu, dass der
rechtmässige
Zustand,
nämlich d
er
,
wie er
bei rechtzeitiger Bekanntgabe
der meldepflichtigen Umstände bestanden hätte,
für die Vergangenheit
mit Rückforderung von zu Unrecht erbrachten Leistungen
wieder hergestellt
wird.
Die Eltern des Versicherten hatten den Umzug nach
C._
leicht verspätet gemeldet; insoweit liegt eine
Meldepflicht
ver
letzung
gegenüber der Beschwerdegegnerin 1 vor. Es ist jedoch unbestritten, dass
die Beschwerdegegnerin
1
trotz des Umzugs
weiterhin für die Gewährung der Leistungen zuständig war
,
und der rechtmässige Zustand besteht in der Weiterausrichtung der Leistungen
durch die Beschwerdegegnerin
1
über den 1. Januar 2014 hinaus
.
6.5
Festzuhalten bleibt
, dass es
primär
Sache der zuständigen Behörde
n
und nicht der leistungsansprechenden Personen
oder deren gesetzlicher
Vertretung - zu
mal wenn diese Laien sind - ist,
das Recht korrekt anzuwenden
(vgl. Müller, a.a.O.,
Art.
12
Rz
763, S. 263)
.
Die Beschwerdegegnerin 1 macht sinngemäss geltend, es sei durch den Be
schwerdeführer beziehungsweise dessen gesetzliche Vertretung zu verantworten, dass die Übertragung der Beistandschaft zu spät vorgenommen beziehungsweise das Fehlen der Übertragung zu spät erkannt worden sei (vgl.
Urk.
7).
Dies trifft allenfalls insoweit zu, als die Vertreter des Beschwerdeführers die „
Wohnsitz
verlegung
“ beziehungsweise den „Umzug“ der KESB Bezirk
D._
nicht um
gehend
mitgeteilt
hatte
.
Die Beschwerdegegnerin 1 wäre
jedoch
verpflichtet gewesen, den
ihr
von den damaligen Vertretern des Beschwerdeführers gemel
deten Sachumstand der „Wohnsitzverlegung“ beziehungsweise des
„
Umzugs
“
im Hinblick auf den Leistungsanspruch korrekt zu würdigen. Hätte sie dies getan, so hätte sie
bemerkt, dass für eine Wohnsitzverlegung die Übertragung der umfassenden Beistandschaft erforderlich ist
,
und sie hätte
bereits zum dama
ligen Zeitpunkt auf eine möglichst baldige Übertragung hinwirken können.
Gemäss de
n
für
die
Beschwerdegegnerin 1
verbindlichen
Verwaltungsweisungen
(BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E.
3a mit Hinweisen)
si
nd Leistungseinstellungen nach einem Wohnsitzwechsel dem neu zuständigen Kanton beziehungsweise der neu zuständigen Gemeinde zu melden.
Hätte die Beschwerdegegnerin
1
die Einstellungsverfügung
vom 3
0.
Januar 2014
der
Be
schwerdegegnerin
2
zugestellt
, so hätte sich der bei ihr eingetretene „Schaden“, welcher sich aus der fortdauernden Zuständigkeit ergab, eventuell
zumindest zum Teil
vermeiden lassen.
Denn die Beschwerdegegnerin 2 hätte unter diesen Umständen gegebenenfalls bereits früher Abklärungen veranlasst.
In
der Ver
fügung vom 3
0.
Januar 2014 fehlt sodann auch der erforderliche
schriftliche Hi
nweis
an den Beschwerdeführer beziehungsweise die gesetzliche Vertretung
, sich bei der neuen Gemeinde für den Bezug von EL zu melden (vgl.
Urk.
8/75.1)
.
Zumindest fraglich ist sodann, ob
die Beschwerdegegnerin
2
ihren
Obliegenhei
ten
vollumfänglich
nachgekommen
ist
.
Nach
der
Meldung
durch den damaligen Vertreter des Beschwerdeführers
vom
8.
Januar 2014 und angesichts der Infor
mationen
über den bisherigen Leistungsbezug (vgl.
Urk.
20/
8/2
und Eintrag im Aktenverzeichnis
)
, die ihr
offenbar
vorlagen,
hätte sie sich
nicht mit der Abgabe
eines
vorgedruckten
(Neu)-A
nmeldeformulars begnügen dürfen
(vgl.
Urk.
20/
8/3)
.
Vielmehr hätte sie die erforderlichen Abklärungen bei der früheren
Wohnge
meinde
einleiten und dem Beschwerdeführer
gegebenenfalls
Frist zur Einrei
chung der
noch
fehlenden
Unterlagen ansetzen müssen.
6.6
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es an einer Rechtsgrundlage für die Einstellung der Leistungen per 31. Dezember 2013 fehlt. Die Verfügung vom 30. Januar 2014 war offensichtlich unrichtig, und die Berichtigung ist von erheb
licher Bedeutung. Damit sind die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung erfüllt.
Der
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin 1 vom 10. Juli 2015 ist in Gut
heissung der Beschwerde aufzuheben, soweit damit ein Anspruch des Beschwerdeführers auf Zusatzleistungen von Januar bis Juni 2014 verneint wurde, und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers ab 1. Januar 2014 im Sinne der Erwägungen neu befinde.
7
.
Ausgangsgemäss steht dem
Beschwerdeführer
gegenüber
der
Beschwerde
gegnerin
1 eine Prozessentschädigung zu. Für die Aufwendungen im Verfahren ge
genüber der Beschwerdegegnerin 2 ist der Beschwerdeführer sodann aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
Der
vom Vertreter geltend gemachte Aufwand von gesamthaft 15,4 Stunden ist der Sache angemessen. Vom Gesamtaufwand entfallen 8,45 Stunden auf das
Verfahren gegen die Beschwerdegegnerin 1 und 6,95 Stunden auf das Verfahren gegen die Beschwerdegegnerin 2 (
Urk.
21; je 3,45 Stunden gemeinschaftlicher Aufwand zuzüglich Aufwand für das Verfassen der Beschwerdeschrift von 5 respektive 3,5 Stunden).
Die Prozessentschädigung
zulasten der Beschwerdegegnerin 1
ist
unter Anwen
dung des massgeblichen
Stun
denansatzes
von
Fr.
185.-- dementsprechend auf Fr. 1‘688.30
(8,45 x Fr.
185.-- zuzüglich Mehrwertsteuer von 8
%
) festzusetzen. Die Entschädigung
aus der Gerichtskasse
beläuft sich auf Fr.
1‘388.60 (
6,95 x
Fr.
185.
--
zuzüg
lich
Mehrwersteuer
von 8
%
).