Decision ID: c0b61555-203a-4a94-9c29-85434993014f
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, stürzte am 27. August 2009 von einer Leiter und erlitt dabei eine
Gehirnerschütterung (Schadenmeldung UVG vom 8. September 2009, Fremdakten).
Am 22. Dezember 2009 meldete sich der Versicherte wegen Unfallfolgen und eines
psychischen Leidens zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Anlässlich des FI-
Gesprächs vom 15. Januar 2010 gab med. pract. B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, gegenüber RAD-Arzt B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, an, der Versicherte leide an einer schwergradig ausgeprägten
depressiven Episode mit somatischem Syndrom sowie einem Status nach Leitersturz
mit chronifizierter Schmerzverarbeitungsstörung. Er befinde sich seit 7. Dezember 2009
in stationärer Behandlung in der Psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg (Protokoll vom
21. Januar 2010, IV-act. 12; vgl. auch das FI-Gespräch vom 19. März 2010, IV-act. 21,
sowie die RAD-Aktennotiz vom 19. März 2010, IV-act. 17). Am 23. März 2010 teilte die
IV-Stelle dem Versicherten mit, wegen seines Gesundheitszustands seien zurzeit keine
beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 20). Der behandelnde
Psychiater berichtete RAD-Arzt B._ am 1. September 2010, der Versicherte befinde
sich noch in tagesklinischer Behandlung und arbeite im Rahmen einer medizinischen
Belastungserprobung mit einem 40%igen Arbeitspensum am bisherigen Arbeitsplatz.
Er sei aufgrund einer depressiven Episode (aktuell mittelgradig ausgeprägt und in
Remission begriffen, bei akzentuierten Persönlichkeitszügen) und eines anamnestisch
seit Jahren bestehenden spondylogenen Syndroms (bis anhin ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit, wahrscheinlich im Rahmen der aktuellen Depression mit verstärkter
Schmerzwahrnehmung) in der Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt (FI-Gesprächsprotokoll
vom 3. September 2010, IV-act. 30; vgl. auch RAD-Aktennotiz vom 1. September 2010,
IV-act. 28).
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A.b Die IV-Stelle gewährte am 25. Januar 2011 Kostengutsprache für eine berufliche
Abklärung im Werkbahnhof in Bad Ragaz für die Dauer vom 10. Januar bis 8. April
2011 (IV-act. 39; zur entsprechenden Taggeldverfügung vom 15. Februar 2011 siehe
IV-act. 45). Im Schlussbericht vom 20. April 2011 führten die Abklärungspersonen des
Werkbahnhofs aus, die Hauptziele, die Wiederintegration an den bestehenden
Arbeitsplatz als Mitarbeiter Produktion (siehe hierzu IV-act. 11) sowie die Erhöhung der
Belastbarkeit, hätten nicht erreicht werden können (IV-act. 47). Daraufhin schloss die
IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab (Mitteilung vom 31. Mai 2011, IV-act. 52).
A.c Im Bericht vom 1. Juli 2011 hielt der behandelnde Psychiater u.a. folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome mit
rezidivierender Suizidalität und somatischem Syndrom (ICD-10: F33.21); ein
chronisches zervikozephales Syndrom mit Spannungskopfschmerz, Schwindel,
Erbrechen und rezidivierenden kollaptischen Ereignissen. Der Versicherte sei zu 100%
arbeitsunfähig für jede Form von Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt. Lediglich eine
Beschäftigung in einem geschützten Rahmen und in geringem Umfang sei denkbar (IV-
act. 55). RAD-Arzt B._ schloss sich dieser Beurteilung an. Es seien alle
Behandlungsoptionen ausgeschöpft. Er empfahl eine nochmalige Überprüfung des
Gesundheitszustands in spätestens zwei Jahren, da sich depressive Störungen auch
wieder verbessern könnten (Stellungnahme vom 10. August 2011, IV-act. 58).
A.d Im Nachgang zu Abklärungen des Sachbearbeiters Entwicklung/Controlling (IV-
act. 62 und 64; siehe auch das Protokoll des Sachbearbeiters vom 19. April 2012,
worin dieser Zweifel am psychischen Krankheitsbild äusserte und das Einholen eines
medizinischen Gutachtens empfahl, IV-act. 65) ordnete die IV-Stelle eine
polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten an (IV-act. 66 f.). Am 14., 18., 24. und
27. September 2012 wurde dieser in der ZIMB Zentrum für Interdisziplinäre
Medizinische Begutachtungen AG allgemein-internistisch, rheumatologisch,
neurologisch und psychiatrisch begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode an der Grenze
zur schwergradigen depressiven Episode (ICD-10: F32.1/2) mit/bei sekundären
Panikattacken (ICD-10: F41.0). Der Versicherte sei aktuell bei labilem
Gesundheitszustand aus psychiatrischer Sicht seit September 2009 zu 100%
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arbeitsunfähig. Im geschützten Rahmen bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Die
Gutachter empfahlen eine Wiederbegutachtung in einem Jahr (Gutachten vom
1. November 2012, IV-act. 73). RAD-Ärztin Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie, hielt das Gutachten für sehr ausführlich. Es berücksichtige die
Beschwerden der versicherten Person vollumfänglich. Aus versicherungsmedizinischer
Sicht könne höchstens von einer mittelgradigen Depression ausgegangen werden. Des
Weiteren sei von einer Behandlung der Depression mit Medikamenten und einer
(Benzodiazepin-)Entzugsbehandlung eine weitere Besserung/Stabilisierung des
Zustandsbilds zu erwarten (Stellungnahme vom 7. Dezember 2012, IV-act. 74). Der
Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin gelangte zur Auffassung, das Vorliegen eines
invalidisierenden psychischen Gesundheitsschadens sei zu verneinen. Denn solange
durch eine tatsächlich realisierbare Veränderung der für die gesundheitliche Situation
bedeutsamen Rahmenbedingungen eine wesentliche Verbesserung der psychischen
Befindlichkeit und damit der durch diese eingeschränkten Arbeitsfähigkeit bewirkt
werden könne, liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor (Stellungnahme
vom 14. Dezember 2012, IV-act. 75).
A.e Gestützt auf die Beurteilung ihres Rechtsdiensts stellte die IV-Stelle dem
Versicherten mit Vorbescheid vom 16. Januar 2013 die Abweisung des Rentengesuchs
in Aussicht (IV-act. 80). Dagegen erhob der Versicherte am 25. Januar 2013 Einwand
(IV-act. 82). Nachdem der Rechtsdienst sich zum Einwand geäussert hatte und an der
bisherigen Beurteilung festhielt (Stellungnahme vom 3. April 2013, IV-act. 83), verfügte
die IV-Stelle am 4. April 2013 die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 84).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 4. April 2013 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 6. Mai 2013. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer ganzen Rente.
Eventualiter sei die Verfügung vom 4. April 2013 aufzuheben und es sei die
Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, das depressive Leiden führe zu einer
invalidenversicherungsrechtlich relevanten vollständigen Arbeitsunfähigkeit. Die
Feststellung der psychiatrischen Gutachterin bezüglich einer insuffizienten Medikation
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beruhe auf einem Missverständnis. Er (der Beschwerdeführer) und der Dolmetscher
hätten sich sprachlich kaum verstanden. Wie dem auch sei, fehle bei der
Medikamentenanamnese auf Seite 17 des Gutachtens das Medikament Remeron, das
er in der höchsten Dosis von 60mg regelmässig zu sich nehme. Nur aufgrund des
Umstands, dass dies die psychiatrische Gutachterin nicht gewusst habe, sei deren
Feststellung erklärbar, wonach dringend wieder mit einer Medikation begonnen werden
müsse (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. August
2013 die Abweisung der Beschwerde. Sie verneint das Vorliegen eines
invalidenversicherungsrechtlich massgeblichen Gesundheitsschadens (act. G 4).
B.c In der Replik vom 3. September 2013 hält der Beschwerdeführer an seinen An
trägen fest (act. G 6). Er reicht zur Untermauerung seines Standpunkts u.a. ein
Schreiben des behandelnden Psychiaters vom 3. Mai 2013 bezüglich der in Anspruch
genommenen Medikation (act. G 6.1) sowie dessen Bericht vom 2. September 2013
(act. G 6.2) ein.
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
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bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2. In einem ersten Schritt ist die Frage zu beantworten, ob der medizinische
Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt worden ist.
2.1 Bei der Würdigung des ZIMB-Gutachtens vom 1. November 2012 fällt ins
Gewicht, dass es auf eigenständigen, polydisziplinären Abklärungen beruht und für die
streitigen Belange umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und
die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt (so
auch die RAD-Stellungnahme vom 7. Dezember 2012, IV-act. 74). Es bestehen keine
Anhaltspunkte dafür und solche ergeben sich namentlich auch nicht aus der
Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr. C._ vom 7. Dezember 2012 (IV-act. 74), dass
objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Vor diesem
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Hintergrund ist ein weiterer medizinischer Abklärungsbedarf zu verneinen, zumal auch
die Beschwerdegegnerin keine Mängel an der Gutachtenserstellung benennt und die
gutachterlich bescheinigte vollständige Arbeitsunfähigkeit im Einklang mit der
diesbezüglich einhelligen fachpsychiatrischen Voraktenlage steht (siehe hierzu etwa
den Bericht des behandelnden Psychiaters vom 1. Juli 2011, IV-act. 55, sowie die
Stellungnahme von RAD-Arzt B._ vom 10. August 2011, IV-act. 58). Hinweise für eine
in der Zeit seit der Begutachtung bis zum Verfügungserlass vom 4. April 2013
eingetretene gesundheitliche Veränderung ergeben sich weder aus den Akten noch aus
den Ausführungen der Parteien.
2.2 Gestützt auf das ZIMB-Gutachten ist deshalb aus medizinischer Sicht davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund des depressiven Leidens für
sämtliche Tätigkeiten aus psychiatrischer Sicht vollständig arbeitsunfähig ist.
3.
Zu prüfen ist sodann die invalidenversicherungsrechtliche Erheblichkeit des
depressiven Leidens.
3.1 Grundsätzlich bedarf es nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für die
Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis
auf die Vorgaben eines Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der
freien Beweiswürdigung dürfe sich dabei die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht
- weder über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen
Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Die
rechtsanwendenden Behörden hätten mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die
ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren)
mitberücksichtige, die vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus
unbeachtlich seien. Wo psychosoziale Einflüsse das Bild prägen würden, sei bei der
Annahme einer rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung geboten (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.1 mit Hinweisen).
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3.2 Weder aus den Akten noch aus den Ausführungen der Beschwerdegegnerin
gehen psychosoziale oder soziokulturelle Belastungsfaktoren hervor, welche das
gutachterlich festgestellte, langjährige depressive Leidensbild (im Zeitpunkt des
Gutachtens: mittelgradige depressive Episode an der Grenze zur schwergradigen
depressiven Episode [ICD-10: F32.1/2], IV-act. 73-37; zum seit September 2009
bestehenden, die Arbeitsfähigkeit einschränkenden depressiven Leiden siehe IV-
act. 73-43) prägen würden. Von Bedeutung ist sodann, dass es sich um ein
selbstständiges depressives Leiden handelt und kein somatoformes Geschehen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (zumindest für leidensadaptierte Tätigkeiten) vorliegt
(IV-act. 73-43 f.), weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht die Rechtsprechung des
Bundesgerichts zu den pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage (BGE 130 V 352) nicht
zur Anwendung gebracht hat (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2015,
9C_140/2014, E. 2 mit Hinweis). Mit anderen Worten ist allein ein selbstständiger
depressiver Gesundheitszustand zu beurteilen. Dieses Störungsbild kann auf Grund
klinischer psychiatrischer Untersuchungen klar diagnostiziert werden und ist damit
überprüf- bzw. objektivierbar im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die medizinischen
Fachpersonen haben eine zumutbare Restarbeitsfähigkeit aus objektiver Sicht und
unter Ausschluss invaliditätsfremder Gesichtspunkte im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG
verneint. Vor diesem Hintergrund besteht aus rechtlicher Sicht bei der Beurteilung der
Erwerbsunfähigkeit keine Rechtfertigung für ein Abweichen von der gutachterlich
bestätigten vollständigen Arbeitsunfähigkeit (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundes
gerichts vom 29. September 2014, 8C_371/2014, E. 5.2.1 mit Hinweis auf BGE 139 V
565 f. E. 9.1.2).
3.3 Was die Beschwerdegegnerin aus rein rechtlicher Sicht gegen die
invalidenversicherungsrechtliche Relevanz des vorliegend zu beurteilenden
depressiven Leidensbilds unter Hinweis auf dessen Behandelbarkeit vorbringt, ist nicht
stichhaltig.
3.3.1 Zunächst verkennt die Beschwerdegegnerin, dass psychisch selbstständige
Leiden wie das Vorliegende bezüglich ihrer Überprüf- und Objektivierbarkeit mit den
somatischen Erkrankungen vergleichbar sind (vgl. BGE 139 V 562 E. 7.1.4 sowie die
darin genannte Rz 1003 des Kreisschreibens über die Schlussbestimmungen der
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Änderung vom 18. März 2011 des IVG [KSSB] in der ab 1. Januar 2015 gültigen
Fassung). Es geht daher nicht an, dass sie im Rahmen der Rechtskontrolle hinsichtlich
der Zumutbarkeit von Art. 7 Abs. 2 ATSG ihre eigene Einschätzung über die
beweiskräftige medizinische Fachmeinung setzt und hinsichtlich der
Zumutbarkeitsprüfung weitere Kriterien (wie etwa dasjenige der Behandelbarkeit)
hinzuzieht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2013, 8C_651/2012, E. 5.3).
3.3.2 Soweit die Beschwerdegegnerin zur Rechtfertigung der Abweisung des
Leistungsgesuchs auf die im Rahmen weiterer Therapie bestehende Möglichkeit einer
gesundheitlichen Verbesserung bzw. auf den labilen Gesundheitszustand hinweist (act.
G 4, Rz 5 f.), übersieht sie, dass anders als etwa in der Unfallversicherung in der
Invalidenversicherung die Therapierbarkeit eines somatischen oder psychischen
Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht im Weg steht. Einer
allfälligen Verbesserung des Gesundheitszustands ist durch eine Rentenrevision zu
begegnen (Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2014, 9C_395/2014, E. 4.5).
Die Behandelbarkeit einer psychischen Störung sagt denn auch, für sich allein
betrachtet, nichts über deren invalidisierenden Charakter aus (Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Juni 2013, 9C_947/2012, E. 3.2.1 mit Hinweis auf BGE 127 V
298 E. 4c). Das Bundesgericht hat sodann in der jüngeren Rechtsprechung klargestellt,
dass die Behandelbarkeit eines psychischen Leidens sogar bei grundsätzlich guter
Prognose einen - allenfalls befristeten - Rentenanspruch nicht zum Vorneherein
ausschliesst (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2014, 8C_148/2014 E. 3.1 mit
Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2014, 8C_56/2014, E. 4.1).
Würde im Übrigen der Behandelbarkeit wesentlicher Einfluss auf den invalidisierenden
Charakter eines depressiven Leidens zugestanden, so würde dies einen rückwirkend
befristeten Rentenanspruch für ein depressives Leiden, wie er etwa im Urteil des
Bundesgerichts vom 3. September 2014, 9C_292/2014, E. 3.2 anerkannt wurde,
ausschliessen.
3.3.3 Der Vollständigkeit halber bleibt zu ergänzen, dass sich aus den Akten keine
Hinweise für eine fehlende Therapiemotivation ergeben. Der Beschwerdeführer wurde
während Jahren intensiv psychiatrisch, psychopharmakologisch und über längere
Zeiträume psychiatrisch voll- und teilstationär behandelt, so dass RAD-Arzt B._
einleuchtend zum Schluss gelangte, "alle Behandlungsoptionen" seien
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"ausgeschöpft" (Stellungnahme vom 10. August 2011, IV-act. 58-2; siehe zu den vom
Beschwerdeführer wahrgenommenen medizinischen Massnahmen auch den Bericht
des behandelnden Psychiaters vom 1. Juli 2011, IV-act. 55-3 ff., sowie dessen
Ausführungen in act. G 6.1 und G 6.2). Allein anlässlich der vom 10. Januar bis 8. April
2011 dauernden beruflichen Abklärung sei dreimal versucht worden, die Medikamente
anzupassen, um eine Verbesserung herbei zu führen, jedoch ohne Erfolg (BEFAS-
Bericht vom 20. April 2011, IV-act. 47-2). Der behandelnde Psychiater wies ferner
hinsichtlich des Umgangs des Beschwerdeführers mit seinen Funktionsausfällen darauf
hin, der Beschwerdeführer müsse eher gebremst werden, damit er sich nicht
überfordere (IV-act. 30-1). Abgesehen davon finden sich keine Anhaltspunkte für
Phasen länger dauernder vollständiger Besserung der Arbeitsfähigkeit. Die von der
psychiatrischen Gutachterin vorgeschlagenen Therapien zielen nicht auf eine relevante
Besserung der Arbeitsfähigkeit ab, sondern wurden zur Verhinderung einer
Verschlechterung empfohlen (IV-act. 73-44). Soweit die psychiatrische Gutachterin eine
deutliche Verbesserungsmöglichkeit sah, worauf die Beschwerdegegnerin hinweist
(act. G 4, Rz 6), so bezog sich diese einzig auf die Konzentrationsfähigkeit und die
Schlafqualität (IV-act. 73-36), nicht jedoch auf das gesamte Leidensbild bzw. sämtliche
Funktionsdefizite. Ohnehin erscheint die Annahme der psychiatrischen Gutachterin, die
Compliance des Beschwerdeführers sei mangelhaft (IV-act. 73-36), fragwürdig. Denn
sie begründete diese Einschätzung - ohne Auseinandersetzung mit der damit nicht zu
vereinbarenden Voraktenlage (IV-act. 55-3 ff. und 58-2) - allein mit Veränderungen der
medikamentösen Therapie (IV-act. 73-36). Das Variieren und die teilweise Reduktion
von Medikamenten beruht indessen nicht auf einer fehlenden Compliance des
Beschwerdeführers, sondern erfolgte in Begleitung durch den behandelnden
Psychiater (siehe diesbezüglich sowie zu den Ergebnissen des Lithium-Serumspiegels
dessen Ausführungen im Schreiben vom 3. Mai 2013, act. G 6.1, und im Bericht vom
2. September 2013, act. G 6.2).
4.
Bei einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt liegt ein vollständiger Verlust der Erwerbsfähigkeit vor, womit ein
100%iger Invaliditätsgrad und ein Anspruch auf eine ganze Rente ausgewiesen ist.
Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer seit dem Unfall vom 27. August 2009
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zu 100% arbeitsunfähig ist (IV-act. 11-11 und 58-2) und sich am 22. Dezember 2009
zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet hat (IV-act. 1), ist der Rentenbeginn nach
Ablauf des Wartejahres auf den 1. August 2010 festzusetzen (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
und Art. 29 Abs. 1 IVG). Bei der Rentenausrichtung wird die Beschwerdegegnerin mit
Blick auf die bereits ausbezahlten Taggeldleistungen die Koordinationsnorm von
Art. 43 Abs. 2 IVG zu beachten haben (zu den Taggeldleistungen für die Dauer vom
10. Januar bis 8. April 2011 siehe die Verfügung vom 15. Februar 2011, IV-act. 45).
5.
5.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 4. April 2013 aufzuheben
und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. August 2010 eine ganze Rente
zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). In der vorliegenden
Streitsache erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP