Decision ID: c1ab401f-54d4-53ec-87ca-ed5bc6dba156
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die X._ AG mit Sitz in Q._ bezweckt gemäss Handelsregister des Kantons
St. Gallen (www.handelsregister.sg.ch) (....). Einziges Verwaltungsratsmitglied mit
Einzelunterschrift ist A._, in M._/CZ.
In der Bilanz per 30. September 2014 wies die X._ AG einen Jahresgewinn von
CHF 13'658.10 aus. In der Steuererklärung vom 17. November 2015 verrechnete sie
diesen mit den Verlusten aus vorhergehenden Geschäftsjahren von insgesamt
CHF 161'344 und deklarierte einen steuerbaren Reingewinn von CHF 0.00 und ein
steuerbares Eigenkapital von CHF 0.00. Am 19. Juni 2017 veranlagte das kantonale
Steueramt die X._ AG auf der Basis des Rechnungsabschlusses per 30. September
2014 und rechnete dem ausgewiesenen Gewinn geldwerte Leistungen an A._ sowie
nicht nachgewiesene Fremdleistungen, insgesamt CHF 54'104 hinzu. Den für das
Geschäftsjahr erhöhten Reingewinn von CHF 67'762 verrechnete sie mit den
Vorjahrsverlusten, wodurch für die Kantonssteuer und die direkte Bundessteuer
wiederum ein steuerbarer Gewinn von CHF 0.00 resultierte. Das steuerbare
Eigenkapital für die Kantonssteuer setzte sie mit CHF 0.00 fest.
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B. In der Einsprache gegen die Veranlagung der Kantonssteuer 2014 und der direkten
Bundessteuer 2014 vom 7. November 2017 beantragte die X._ AG zur Hauptsache,
die Aufrechnungen nicht verbuchter Einnahmen im Zusammenhang mit der Y._ AG,
K._, seien fallen zu lassen; ausserdem sei das rechtliche Gehör mit allenfalls weiteren
Anträgen zu gewähren. Mit gemeinsamem Entscheid vom 13. November 2017 trat das
Kantonale Steueramt mangels Rechtsschutzinteresses auf die Einsprachen nicht ein.
Am 11. Dezember 2017 erhob die X._ AG bei der Verwaltungsrekurskommission
Rekurs gegen den Einspracheentscheid vom 13. November 2017 betreffend die
Kantonssteuern und beantragte dessen Aufhebung. Die Verwaltungsrekurskommission
schrieb die Eingabe sowohl als Rekurs betreffend die Kantonssteuern als auch als
Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer aufgrund des Rechnungsabschlusses
per 30. September 2014 in ihr Geschäftsverzeichnis ein. Am 28. Dezember 2017 zog
die X._ AG die Beschwerde bezüglich der direkten Bundessteuer zurück. Mit
Entscheid vom 29. Mai 2018 schrieb die Verwaltungsrekurskommission die
Beschwerde betreffend direkte Bundesssteuer – ohne Erhebung amtlicher Kosten – ab;
den Rekurs betreffend Kantonssteuern wies sie ab mit der Begründung, das Kantonale
Steueramt sei auf die Einsprache zu Recht wegen fehlenden Rechtsschutzinteresses
nicht eingetreten (vgl. act. 2, E. 3d).
C. Die X._ AG (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 6. Juni 2018 versandten
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) bezüglich der Kantonssteuer
2014 mit Eingabe vom 28. Juni 2018 (Postaufgabe: 29.06.18) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie beantragt die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 6. August 2018 die Abweisung der
Beschwerde, unter Verweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides. Das
Kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete mit Schreiben vom 16. August
2018 auf eine Vernehmlassung und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Die Kognition des Verwaltungsgerichts ist auf Rechtsverletzungen beschränkt; die
beschwerdeführende Person kann sich sodann auch darauf berufen, die angefochtene
Verfügung oder der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder
unvollständig festgestellten Sachverhalt (Art. 61 VRP). Das Verwaltungsgericht
entscheidet, ohne an die Begehren der Beteiligten gebunden zu sein (Art. 196 Abs. 2
StG).
3. Zu prüfen ist einzig, ob die Vorinstanz den Rekurs gegen den
Nichteintretensentscheid des Beschwerdegegners zu Recht abgewiesen hat. Diese
begründete die Abweisung damit, dass es der Beschwerdeführerin an einem
Rechtsschutzinteresse zur Erhebung der Einsprache gefehlt habe.
3.1. Gemäss Art. 180 Abs. 1 StG kann der Steuerpflichtige gegen die
Steuerveranlagung innert 30 Tagen bei der Veranlagungsbehörde schriftlich Einsprache
erheben. Nach Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur Erhebung des Rekurses berechtigt, wer an
der Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des Entscheids ein eigenes
schutzwürdiges Interesse dartut. Die hier genannte Voraussetzung des
Rechtsschutzinteresses gilt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für jedes
Rechtsmittel, so auch für die Einsprache mit «Rechtsmittelcharakter» (vgl. BGE 140 I
114 E. 2.4; BGer 2C_253/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 3.2 mit Hinweisen). Die
Befugnis zur Einspracheerhebung in Steuersachen setzt somit ein schutzwürdiges
Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides voraus.
Fehlt dieses, ist darauf nicht einzutreten (vgl. Hunziker/Mayer/Knobel in: Zweifel/
Beusch [Hrsg.], Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. Aufl. 2016, N 22 zu
Art. 140 DBG; Zweifel/Beusch/Casanova/Hunziker, Schweizerisches
Steuerverfahrensrecht, direkte Steuern, 2. Aufl. 2018, § 20 Rz. 7).
3.2. Mit Bezug auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 140 I 114
E. 2.4) führt die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid in ihrer Erwägung 3b richtig
aus, bei einer sogenannten Null-Veranlagung, die sich aufgrund einer
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Verlustverrechnung ergebe, fehle es der steuerpflichtigen Person an einem
Feststellungs- oder einem andersartigen Rechtsschutzinteresse, welches sie zur
Anfechtung einer Veranlagung berechtige. In dem von der Vorinstanz zitierten
Entscheid des Bundesgerichts führt dieses in E. 2.4 aus, dass im Steuerrecht nur die
Steuerfaktoren an der Rechtskraft teilhaben würden. Die Erwägungen, die zum
Dispositiv führten, hätten lediglich die Bedeutung von Motiven. Die tatsächlichen und
rechtlichen Verhältnisse, auf denen eine rechtskräftige Veranlagung beruhe, könnten an
sich in einer späteren Periode abweichend beurteilt werden. Die definitive
Veranlagungsverfügung entfalte ihre Wirkung in zeitlicher Hinsicht zudem nur bezüglich
der Steuerperiode, für die sie ergangen sei. Werde eine juristische Person mit einem
Reingewinn von CHF 0.00 veranlagt, sei damit nur entschieden, dass sie keinen
steuerbaren Gewinn erzielt und dementsprechend für das betreffende Steuerjahr keine
Steuer zu bezahlen habe. Die Höhe des einer solchen Veranlagungsverfügung
zugrundeliegenden Verlustes sei hingegen nicht rechtskräftig festgesetzt worden. Die
Steuerbehörden seinen daher nach ständiger Praxis befugt, die Höhe der in den
Vorjahren geltend gemachten Verluste trotz der Rechtskraft der entsprechenden
Veranlagungsverfügung zu überprüfen, wenn sie im Rahmen von Art. 67 DBG
(beziehungsweise Art. 86 Abs. 1 StG) über den Abzug von solchen Verlusten zu
befinden hätten (vgl. auch BGE 143 II 674 E. 3.1).
3.3. Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass der Beschwerdegegner zu Recht für
das im Streit liegende Steuerjahr einen steuerbaren Reingewinn von CHF 0.00 sowie
ein steuerbares Eigenkapital von CHF 0.00 veranlagt hatte. Somit liegt, wie oben
beschrieben, eine Null-Veranlagung vor, der für eine Anfechtung – als
Prozessvoraussetzung – das schutzwürdige Interesse fehlt. Die Vorinstanz hat deshalb
den Rekurs gegen den Nichteintretensentscheid des Beschwerdegegners zu Recht
abgewiesen.
Die mit der Beschwerdeschrift vorgebrachten (materiellen) Begründungen bezüglich
der geldwerten Leistung sowie des Verlustvortrages sind unbeachtlich, da diese
Vorbringen nicht erkennbar auf die Abänderung der in der Veranlagungsverfügung
festgesetzten Steuerfaktoren (steuerbarer Gewinn, steuerbares Kapital), den Steuersatz
oder die Steuerbeträge abzielen (vgl. BGer 2C_253/2014 vom 11. Dezember 2014
E. 3.2). Zu den geldwerten Leistungen ist festzuhalten, dass die Veranlagung dieser auf
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der Stufe der juristischen Person beim Beteiligungsinhaber zu keinem
Aufrechnungsautomatismus führt (vgl. VerwGE B 2018/54-58 und 70 vom 27. Juni
2019, www.gerichte.sg.ch). Dem Beteiligungsinhaber kann zudem die Rechtskraft der
Veranlagung der Kapitalgesellschaft – ohne steuerbaren Gewinn und ohne steuerbares
Kapital – nicht entgegengehalten werden (O. Margraf, Das Rechtsschutzinteresse in der
Steuerverfahrenspraxis, in: StR 72/2017, S. 4-11, Ziff. 2.3b), weshalb die Vorbringen
der Beschwerdeführerin betreffend die Beweislast auch kein Rechtsschutzinteresse
begründen können. Zudem liegt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die
Aufrechnung geldwerter Leistungen beim Beteiligungsinhaber nicht im
(schutzwürdigen) Interesse der Kapitalgesellschaft (vgl. BGer 2C_293/2009 vom
26. März 2010 E. 1.3). Bezüglich der von der Beschwerdeführerin vorgebrachten
Bedenken betreffend die Höhe des Verlustvortrages wird auf E. 3.2 hiervor verwiesen.
4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht den Rekurs gegen den
Nichteintretensentscheid der Beschwerdegegnerin abgewiesen hat. Die Beschwerde
ist deshalb abzuweisen.
5. (...).