Decision ID: 76584579-d154-44a3-b107-f4144548cae0
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1961 geborene
X._
,
zuletzt als
Direktor Private Banking bei der
Y._
in Zürich
tätig (
Urk. 11/
15/1-3 S. 1
)
, meldete sich am 20. Februar 2013 unter Hinweis auf ein Burn-Out, Depressionen sowie eine Alkohol- und Tablettenabhängigkeit
bei der Invalidenversicherung
zu
m
Leistungs
bezug an (Urk. 11/4).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und
gewährte
am 17. Juli 2013
eine Frühinterventionsmassnahme in Form einer Pot
entialabklärung bei Z._
vom 22. Juli bis 16. August 2013
(
Urk. 11/25). Mit Mitteilung
en
vom 1
3. August 2013 (Urk. 11/30)
, 14. November 2013 (Urk. 11/41)
und 30. April 2014 (Urk. 11/48)
informierte die IV-Stelle den Versicherten über die Kostengutsprache
n
für ein Belastbarkeitstraining bei
Z._
vom 19. August bis 18. November 2013
sowie für ein Aufbautraining bei
Z._
vom 19. November 2013 bis 18.
August 201
4.
Am 1
2.
und 13. August 2014
setzte die IV-Stelle den Versicherten betreffend den Arbeitsversuch bei der
A._
vom 19. August
2014
bis 18. Februar 2015 sowie
ein gleichzeitig
durchzuführendes Job Coaching in Kenntnis (Urk. 11/62, Urk. 11/65). Mit Mitteilung
der
IV-Stelle
vom 28. Juli 2015 (Urk. 11/76) wurde die Arbeits
vermittlung mit dem Hinweis
abgeschlossen
, dass gemäss den Angaben des Ver
sicherten eine Integration in den 1. Arbeitsmarkt
nicht möglich sei
.
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Begutachtung durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (Expertise vom 24. April 2017, Urk. 11/103/1-
100).
Am 1
4.
respektive 16.
Juni 2017 beantwor
tete der Gutachter die ihm von der IV-Stelle am 5. Mai 2017 gestellte Rückfrage (Urk. 11/106, Urk. 11/109
, Urk. 11/113
)
.
Mit Vorbescheid vom 11. Oktober 2017 (Urk. 11/122) stellte die IV-Stelle dem Versicherten unter Hin
weis
auf eine während der Begutachtung vorliegende
Aggravation
sowie eine fehlende lang
andauernde Gesundheitsbeeinträchtigung
die Abweisung des
Leistungs
begehrens in Aussicht, wogegen der Versicherte Einwand (Urk. 11/124/1-3) erhob und weitere
medizinische Berichte
(Urk. 11/123) ein
reichte. Nachdem
diese
dem R
egionalen Ärztlichen Dienst (R
AD
)
vorgelegt wo
rden
waren
(Urk. 11/126 S. 2
3)
,
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 21. November 2017 (Urk. 2) einen Leistungsanspruch des Versicherten.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
8. Januar 2018 Beschwer
de
(Urk. 1) und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei
en
ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine ganze Invalidenrente
,
auszurichten, eventuell sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht stellte er das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und
Rechts
vertretung (S.
2). Mit Beschwerdeantwort vom 9.
Februar 2018 (Urk. 10) schloss die Beschwerde
gegne
rin auf Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am 12. Februar 2018 (Urk. 12) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide
zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung vom 21. November 2017 (Urk. 2) damit, dass während der Begutachtung Hinweise
einer klaren
Aggrav
ation
festgestellt worden seien;
ein Testergebnis
habe
äusserst auffällige Werte geliefert, die weit überwiegend wahrscheinlich auf einen inte
ressen
geleiteten Antwortstil des Beschwerdeführers schliessen l
iessen
. Im Weite
ren könne nicht auf die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
des Gutachters
abge
s
tellt
werden, da dieser
ungeachtet der Aggravation
eine Arbeitsunfäh
igkeit von 30 % attestiert habe
. Bei der diagnostizierten vorläufigen und leichten kognitiven Störung handle es
s
ich
sodann
um keine
langandauernde respektive in
validi
sierende Beeinträchtigung
.
Die im
Einwandverfahren
aufgelegten Berichte würden Diagnosen aufführen, die bereits vor der Begutachtung gestellt worden seien. Trotz der diagnostizierten mittelgradigen Depression und der neuropsychologischen Defiziten mittel
gradi
gen Ausmasses seien keine erheblichen beziehungsweise schweren Störungen vermerkt. Weder der mittlere Schweregrad der Depression noch die mittel
gradi
gen neuropsychologischen Defizite seien plausibel
(S. 2)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber (Urk. 1)
auf den Standpunkt
,
das psychiatrische Gutachten sei unverwertbar
.
I
ndem
d
er
Experte
von der Beschwer
degegnerin verlangt habe, seine ergänzende Stellungnahme aus den Akten zu nehmen,
habe er eine strafbare Handlung begangen und sei deshalb befangen
(S. 5 Ziff. 9). Im Weiteren bestünden ernsthafte Zweifel dar
an
, ob Beschwerde
validierungstests
oder Testkombinationen
die Beurteilung von Aggravation mit ausreichender Zuverlässigkeit und Sicherheit erlaubten (S. 7 Ziff. 14).
Bei
ih
m
, dem
Beschwerdeführer
,
lägen zudem
aufgrund des MRT respektive der neuro
psychologischen Abklärungen durch die
C._
nicht voll reversible hirnmorphologische
V
eränderungen
sowie eine mittelschwere kogni
tive Störung vor (S. 7 Ziff. 15, S. 8 Ziff. 17). Würde auf die vom Gutachter postulierte Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer angepassten Tätigkeit ab
gestellt werden
, so w
ürde ein Invaliditätsgrad von 80
% resultieren. Naheliegender sei es indessen,
Dr.
med.
(richtig: Fachpsychologe, Urk. 11/58 S.4)
D._
und der
Z._
-Integrationsmanagerin
folgend von einem 50 %
Pensum auszugehen, was einen Invaliditätsgrad von 86 % ergebe (S. 10 Ziff. 21, S.
11 Ziff. 22).
3.
3.1
3.1.1
Dr.
B._
stellte in seinem von der Beschwerdegegnerin veranlassten psychiatri
schen Gutachten vom 24. April 2017 (Urk. 11/103/1-100) folgende Diagnosen (S. 85 ff.):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
vorläufige Diagnose -
leichte kognitive Störung
,
ICD-10 F06.7
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig abstinent respektive in Voll
remission (anamnestisch seit 3 Jahren), ICD-10 F10.202 (richtig: 10.20)
Der Gutachter
hielt im Zusammenhang mit dem
von ihm durchgeführten
Word Memory Test (WMT) fest, die Leistung des Beschwerdeführers sei in weit über der Hälfte der Testbedingungen stark auffällig gewesen und liege weit überwiegend in einem Bereich, der ernsthafte Zw
eifel daran begründet habe, ob
er voll moti
viert im Test mitgewirkt habe. Das Testergebnis zeige weit überwiegend wahr
scheinlich einen interessegeleiteten Antwortstil an. Die Werte zwischen den sogenannten leichten U
ntertest-Messungen
und den sogenannten schweren Untertest-Messungen seien in der Differenz sehr hoch, was diagnostisch aus
schliesslich auf eine Demenz hinweisen würde. Insofern zeige der
Test
ein
e
wei
tere Inkonsis
tenz innerhalb des Tests und g
ebe grundsätzlich einen deutlichen Hinweis auf suboptimales Leistungsverhalten (S. 68 f.).
Darüber, ob ehemals bei den Befundungen des Beschwerdeführers auch Aggravationstendenzen vorgele
gen hätten, könne gutachterlich keine sichere Aussage gemacht werden (S. 74). Der Gutachter wies
weiter
darauf hin, dass trotz der Angabe schwerer subjektiver Beeinträchtigung das psychosoziale Funktionsniveau des Beschwer
de
führers
weitgehend intakt
sei
. Angaben zum Krankheitsverl
auf seien nicht immer
präzi
sier
bar
, wobei dies für die eingenommenen Medikamente, die stationären Auf
enthalte in der Vergangenheit sowie die Diskrepanzen bei der Aktenlage be
tref
fend
weitere
familiäre psychische
Erkrankungen
gelte
(
S. 75).
Im Weiteren
führte
Dr.
B._
aus
, dass das nach Aktenlage definierte Alkohol
ab
hängigkeitssyndrom überwiegend wahrscheinlich schwerpunktmässig im Sinne von beruflichen Ritualen und kulturell stark gef
ördert
worden sei
. Eine andere Gesundheitsstörung mit gravierendem Kr
ankheitswert
habe nicht zu einem Abhängigkeitssyndrom geführt
.
Das nach Aktenlage angeführte ADHS
Syndrom hätte bei schwerer Ausprägung den beruflichen Werdegang des Beschwerde
führers mit universitärem Abschluss aus gutachterlicher Sicht verunmöglicht.
Im
MRT
seien
leichte Auffälligkeiten des Gehirns organischer Art in den
Arztberich
ten dokumentiert
worden,
wobei offenbleibe, ob das Abhängigkeitssyndrom zu diesen Auffällig
keiten im MRT geführt
habe
(S. 75
,
S. 88
).
Aus gutachterlicher Sicht sei bezüglich des aktuell remittierten Alkoholkonsums eine Gewöhnung eingetreten, die zur Abhängigkeit geführt habe (S. 89).
Dr.
B._
hielt sodann fest, dass das testpsychologisch nachgewiesene ADHS
Syn
drom nicht als wesentliches Kriterium für Probleme bei der Wieder
ein
gliede
rung herangezogen werde
könne
, da das Syndrom nicht in starker Ausprägung bereits in der Kindheit vorgelegen habe, sich im Rahmen der Begut
achtung kein klinischer Eindruck über das Vorliegen eines ADHS-Syndroms eingestellt habe, Entzugssymptome in der Vergangenheit die Symptome eines ADHS vorgetäuscht oder überlagert haben könnten und der Beschwerdeführer von den für das ADHS zugelassenen Medikamenten nicht wesentlich profitiert habe
(S. 88 f.
, S. 91
)
.
Die nach Aktenlage beschriebene mittelgradige Depression könne zum Begut
ach
tungszeitpunkt nicht (mehr) verifiziert werden. Mit der Testung habe keine Depression nachgewiesen werden können, was für eine Remission dieser Diagno
selinie im Untersuchungszeitpunkt spreche (S. 89).
Der Experte führte weiter aus, dass die Diagnose einer leichten kognitiven Stö
rung aufgrund einer
Gehirnschädigung
, welche moderat mittels MRT nach
weis
bar sei, vorläufig vergeben sei. Der Grund dafür sei, dass die
im Rahmen der Integrationsmassnahme festgestellten
kognitiven Einbussen
, welche damals zu einer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von zirka 50 % geführt h
ätten
,
aus gut
achterlicher Sicht mit keiner wirklichen psychiatrischen Diagnose begründbar seien. Allerdings sei es gutachterlich theoretisch möglich, dass auch im Zeitpunkt der Integrationsmassnahme
eine
Aggravation
vorgeleg
en habe. Dieser Beweis könne jedoch retrospektiv nicht geführt werden, jedoch sei eine Aggravation in der aktuellen Begutachtung deutlich nachweisbar, was die vom Beschwerdeführer in der Begutachtungssituation angegebenen Symptomst
ä
rken deutlich abschwä
che und in Frage stelle (S. 89). Zudem sei in der seinerzeitigen neuropsychologi
schen Untersuchung konstatiert worden, dass die Befunde aufgrund
sprachlicher
Schwierigkeiten nur bedingt valide seien, und es sei
damals
auch keine Testung auf Aggravation durchgeführt worden.
Die festgestellte Aggravation könne indessen den moderat auffälligen MRT-Befund nicht entkräften. Eine ausgeprägte Demenz liege nach Aktenlage und gutachterlicher Untersuchung keinesfalls vor, wobei eine Demenz die einzige Möglichkeit wäre, die auffälligen Testwerte im WMT sinnvoll zu erklären (S. 89 f.).
Im Weiteren wies
Dr.
B._
darauf hin, dass der genaue Eintritt der Gesundheits
schädigung nicht präzise verifizierbar sei. Gemäss der Aktenlage und den Anga
ben des Beschwerdeführers habe dieser als Direktor bei der
Y._
seine Arbeit nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit abliefern können, weshalb seit April 2012 von einem reduzierten
Aktivitätenniveau
ausgegangen werden könne (S. 97).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
führte der Experte aus,
dass in der Tätigkeit als Bankangestellter in der Finanzberatung ohne Kader
funktion bis April 2012 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit mit Unter
brechun
gen durch die Entzugs- und Entwöhnungsbehandlungen auszu
gehen sei. S
eit April 2012
bestehe in einer solchen Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 %.
In einer entsprechenden Tätigkeit mit Kaderfunktion
habe bis April 2012 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
mit Unterbrechungen durch die Entzugs- und Ent
wöhnungsbehandlungen
vorgelegen und seit
April 2012
sei
von einer Arbeits
un
fähigkeit von 100 % auszugehen
(S. 99)
.
Betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit hielt Dr.
B._
fest, dass vor April 2012 keine Notwendigkeit für eine solche Tätigkeit bestanden habe.
Seit April 2012 sei eine angepasste Tätigkeit als Bankangestellter in der Finanz
beratung medizintheoretisch zu 70 % (Arbeitsfähigkeit
von 70 %
) zumut
bar, wobei als Anpassungen ein initiales Job Coaching, verstärkte flexibel handhab
bare Pausen, kein intensiver Umgang mit Kunden und kein Um
g
ang mit Kunden ausserhalb des Bankbereichs oder des eigentlichen Arbeitsplatzes (
keine Restau
rantbesuche mit Kunden, die allenfalls Alkoholkonsum nach sich ziehen) und keine Nacht- oder Schichtarbeit zu empfehlen seien. Im Weiteren s
ei
der Schwer
punkt der Arbeit auf Routinetätigkeiten
zu legen
(S. 99).
Abgesehen von einer Tätigkeit als Bankangestellter seien medizintheoretisch auch andere Tätigkeitsbe
reich
e
mit oder ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund und ohne Leitungs
funktion mit den genannten Anpassungen bei einer Arbeitsfähigkeit von 70 % zumutbar (S. 100).
3.1.2
Am 14. Juni 2017 beantwortete
Gutachter Dr.
B._
die von der Beschwerde
geg
nerin am 5. Mai
2017
gestellte Rückfrage betreffend Arbeitsfähigkeit (Urk. 11/106
/1
)
. Dabei hielt
er fest
,
dass der Beschwerdeführer bisher definierbar eine Kaderfunktion al
s Finanzberater innegehabt habe
oder definierbar im Allge
meinen die Tätigkeit als Finanzberater. Bei letzterer sei auch eine angestellte Tätigkeit ohne Kaderfunktion miteingeschlossen (Urk. 11/109 S. 1).
E
ine Kaderfunktion als Finanzberater
sei
seit April 2012 mit einer 100
%igen Ar
beitsunfähigkeit auszuweisen
. In einer beruflichen Situation als Bankan
ge
stellter in
der Finanzberatung ohne Kader-/Leitungsfunktion und ohne beruf
liche Anpassungen sei versic
herungsmedizinisch von einer 50
%igen Arbeits
fähigkeit auszugehen.
Demgegenüber bestehe seit April 2012 als Bankangestellter in der Finanzberatung
in einem Angestelltenverhältnis
ohne Kader-/Leitungs
funktion und mit dem im Gutachte
n erwähnten Anpassungen eine 70
%ige Arbeits
fähig
keit
. Sofern eine solche Differenzierung (mit oder ohne Kader
funktion) nicht zweckmässig sein sollte, so sei aus gutachterlicher Sicht das höchste Potenzial als Bankangestellter in der Finanzberatung ohne Kaderfunktion und ohne Anpassungen
mit 50 % Arbeitsfähigkeit zu definieren
(
S. 2).
3.1.3
Nach telefonischer Besprechung mit der Beschwerdegegnerin (
Urk.
11/110)
prä
zisierte
Dr.
B._
mit Schreiben vom 16. Juni 2017 (Urk. 11/113)
seine Aus
führungen zur Rückfrage der Beschwerdegegnerin vom 5. M
ai 2017 (Urk. 11/106/1
, Urk. 11/109
, vgl. auch E. 3.1.2
hievor
)
dahingehend, dass als bisherig
e
Tätigkeit die Arbeit als Bankangestellter in der Finanzberatung definiert sei, wobei diesbezüglich bis April 2012 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit mit Unterbrechungen durch die Entzugs- und Entwöhnungsbehandlungen auszu
ge
hen sei. Da der Beschwerdeführer in diesem Berufsbereich bisher weit über
wiegend eine Kaderfunktion ausgeübt habe, sei seit April 2012 bis auf weiteres von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit als Bankangestellter in der Finanz
bera
tung auszugehen
(Urk. 11/113 S. 1 f.)
.
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit wies der Gutachter darauf hin, dass vor April 2012 keine Notwendigkeit für eine solche Tätigkeit bestanden habe. Seit April 2012 sei eine angepasste Tätigkeit allgemeiner Art medizintheoretis
ch zu 70 % (Arbeitsfähigkeit
70 %) zumutbar. Als Anpassungen seien ein initiales Job Coaching, verstärkte flexible handhabbare Pausen sowie kein respektive kein intensiver Umgang mit Kunden zu nennen. Im Weiteren sei Nacht- oder Schichtarbeit zu vermeiden (
S. 2
).
3.2
Am 30. Juni 2017 berichteten med.
pract
.
E._
, Oberärztin und Fachärztin Neuro
logie, und
Dr.
med.
F._
, Stationsärztin,
C._
, über den stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 2
9.
März bis 2
3.
Juni 2017 (Urk. 11/123
/1-6
), wobei sie f
olgende Diagnose
stellten (S. 1):
-
p
sychiatrische Diagnosen:
-
r
ezidivieren
de
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episoden (ICD-10 F33.1)
-
Anpassungsstörungen (ICD-10 F
43.2)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Restzustand und ver
zögert auftretende p
sychotische Störung (ICD-10 F
10
.7)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa: Restzustand und ver
zögert auftretende psychotische Störung (ICD-10 F13.7)
-
Verdacht auf einfache Aktivitäts- und A
ufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F
90.0)
-
n
europsychologische Diagnosen:
-
mittelschwere kognitive Störung mit im Vordergrund stehenden
atten
tiona
len
und mnestischen, jedoch auch exekutiven und visuell-räumlichen Min
der
leistungen, multifaktorieller Ätiologie, sehr wahr
scheinlich im Zusammen
hang mit der depressiven Störung (ICD-10 F33
.2
) sowie dem umfangreichen (vergangen
en
und gegenwärtigen) Noxen- und Medika
menten
gebrauch (ICD-10 F13.1, Verdacht auf
ICD-10
F10.74 und
ICD-10 F13.74, Status nach ICD-10 F1
5.1,
ICD-10
Y57.9)
-
Verdacht auf Status nach einfacher Aktivitäts- und Aufmerksamkeits
stö
rung des Kindesalters (ADHS, ICD-10 F90.0) in Bezug auf ein mögliches Fortbestehen im Erwachsenenalter aufgrund der Überlagerung durch obge
nannte Faktoren nicht schlüssig beurteilbar
-
s
omatische Diagnosen nach ICD-10
:
-
Schwindel und Taumel, multifaktoriell, ED 04/2017 (ICD-10 R42)
-
orthostatische
Hypot
o
nie
,
ED 04/2017
(ICD-10 I95.1)
-
Vitamin B12-Mangel
,
ED 04/2017 (ICD-10 E53.8)
-
Verdacht auf Polyneuropathie (PNP), am ehesten alkoholbedingt
,
ED 04/2017
Die Ärzte hielten
unter Hinweis auf die
testpsychologischen Untersuchungen am 25./26. April 2017
(vgl. Urk. 11/123/7-12)
fest
, dass aufgrund der bestehenden, mitunter schweren Einschränkungen in den Bereichen der Aufmerksamkeit, der Reaktionsfähigkeit, der visuellen Verarbeitung, der Umstellfähigkeit, der Interfe
renzunterdrückung sowie insbesondere auch der fahreignungsspezifisch geprüf
ten raschen visuellen Überblicksgewinnung die Fahreignung derzeit eindeutig nicht gegeben sei. Da im Zuge eines Rückgangs der derzeit noch deutlich ausge
prägten depressiven Symptomatik sowie einer Reduktion des Konsums von Psychophar
maka
eine Erholung der kognitiven Fertigkeiten möglich sei, empfahlen die Ärzte
eine Neuevaluierung der
Fahreignung zu
einem späteren
Zeitpunkt (zirka nach drei Monaten). Im Weiteren sei die Funktionsfähigkeit im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen deutl
ich eingeschränkt, wobei
zumeist nur noch einfachere Arbeiten ausgeführt werden
könnten
. In Berufen oder bei Aufgaben mit hohen Anforderungen sei die Funktionsfähigkeit sogar stark
limitiert
und eine Tätigkeit als
Banks
achbearbeiter
oder ähnlich anspruchsvolle Arbeiten seien derzeit eindeutig nicht realistisch. Eine deutliche Besserung der kognitiven Fertigkeiten sei dafür notwendig, wobei derzeit sogar im privaten Alltag mit relevanten Einschränkungen gerechnet werden müsse
(S.
3
).
Im Weiteren
wurde ausgeführt
, dass aufgrund der klinischen Befunde und der Anamnese von einer mittelgradigen depressiven Episode auszugehen sei, die sich im Verlauf zu einer schweren entwickelt habe. Zusätzlich bestehe der Verdacht auf eine Anpassungsstörung
bei
bestehende
r
Problematik mit der Arbeit. Die Depression könne im Zusammenhang mit dieser Problematik und jener im Ehe
leben gesehen werden. Es sei ein leichter Rückgang der Depression respektive der Niedergeschlagenheit un
d des Morgentiefs verzeichnet wo
rden und die Schlaf
schwierigkeiten seien deutlich besser geworden (S. 3).
Der Beschwerdeführer habe am kognitiven Training teilgenommen, wobei sich die Kognition leicht
ver
bessert habe, er aber im Alltag weiterhin viel Unter
stützung und Anleitung durch Dritte benötige. I
m Sinne eines Krankheitskonzept
s habe der Beschwerdeführer die bestehende Arbeitslosigkeit und somit die finan
zielle Unsicherheit in Verbindung mit der Depression gebracht. Ausserdem sei der Paarkonflikt ein Faktor, der die Depression auf
rechterhalte, wobei die Ehefrau während der
Hospitalisation
ein Trennungs
gesuch
eingereicht habe und es daraufhin zu einem einmaligen Alkoholkonsum ausserhalb der Station gekommen sei. Die weiteren im Verlauf vorgenommenen Atemalkoholtest
kon
trollen seien negativ gewesen (S. 4).
D
es Weiteren wiesen d
ie Ärzte
darauf hin, dass der Beschwerdeführer vor Klinik
eintritt h
äufiger gestür
zt sei, wobei als Ursache am ehesten der Schwindel anzu
sehen sei.
Der Beschwerdeführer habe gezielt Physiotherapie erhalten und habe Verhaltensübungen erlernt und es sei zu keinem weiteren Sturz gekommen und der Schwindel sei
regredient
(S. 4).
Die Ärzte attestierten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und empfahlen
eine erneute ADHS-Abklärung, ein HR-CT des Wirbelbogens 2 und
betreffend die
Frage nach noch ausführbaren Tätigkeiten die Durchführung einer neuro
psycho
logischen Verlaufsuntersuchung
zum gegebenen Zeitpunkt
(S.
5
f.
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete ihre leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2)
im Wesentlichen
damit, dass der von ihr beauftragte psychiatrische Gutachter
Dr.
B._
beim Beschwerdeführer eine klare Aggravation festgestellt habe und die gutachterlich
vorläufig
diagnostizierte leichte kognitive Störung keine lang
an
dauernde respektive invalidisierende Beeinträchtigung darstelle (S. 2)
. Dr.
B._
wies in seiner Expertise
wiederholt auf einen in Arztberichten
erwähnten
MRT-Befund hin, wonach leichte Auffällig
keiten
des Gehirns organischer Art vorlägen (Urk. 11/103/1-100
S. 29, S. 30,
S. 75, S. 85, S. 90
), und hielt fest, dass die Diag
nose der leichten kognitiven Störung aufgrund einer Gehirnschädigung, welche moderat mittels MRT nachweisbar sei, vorläufig
zu stellen
sei (S. 89).
4.2
Dr.
B._
ist Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und verfügt nicht über die zur Beurteilung von Hirnveränderungen notwendige fachärztliche
Qua
lifikation
.
Der i
n der
Expertise
erwähnte MRT-Befund (vgl. E. 4.1
hievor
) war
sodann
im Zeitpunkt der Begutachtung
nicht aktenkundig
und
entsprechende
Befund-
Hinweise ergaben sich lediglich aus den Berichten des Psychologen
lic
.
phil.
G._
vom 24. Dezember 2012
,
H._
,
und von Dr.
med.
I._
,
Psychiatrie und Psychotherapie
, und Dipl. Psych.
J._
, Stationspsychologin,
H._
, vom 5. Februar 2013, welche
auf
eine beginnende frontale kortikale Hirnatrophie
(Gehirnschwund)
verwiesen
und ebenfalls nicht über die
erforderlichen
Fachqualifikationen
verfügten
(Urk. 11/14/7-9 S. 2, Urk. 11/14/1-4 S.
1
). Der
eigentliche
MRT-Befund wurde weder
von
der Beschwerdegegnerin
respektive vom RAD
noch vom Gutachter
eingeholt.
Vor diesem Hintergrund
erweist sich das Gutachten von Dr.
B._
als
unvoll
stän
dig, weshalb mangels Beweiswert
es
(
vgl.
E. 1.3
hievor
) nicht darauf abgestellt werden kann.
Dies gilt umso mehr, als auch die am 1
3.
April 2017 angefertigten MRT-Bilder (
Urk.
11/123/13-20 und
Urk.
11/123/27) eine auffallende Vertiefung des kortikalen Furchenreliefs zeigten, was eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem entsprechenden Befund erheischt. Selbst wenn ein gehirnorganischer Scha
den auf einen Alkoholabusus zurückzuführen wäre, worauf die Neuro
psychologin der
C._
im Bericht vom 27. April 2017 differential
diagnostisch hinwies (
Urk.
11/123/7
12 S. 8), könnte er nicht ohne Weiteres ausser Acht gelassen wer
den, da eine
Sucht invalidenver
sicherungs
rechtlich bedeutsam
wird
, wenn sie eine Krankheit bewirkt, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger die Erwerbs
fähigkeit beeinträchtigender Gesundheits
schaden eingetreten ist
(vgl.
BGE 124 V 265
E. 3c; AHI 2002 S. 30, I 454/99 E. 2a)
, was der Gutachter zu ver
kennen scheint (Urk. 11/103 S. 75 und S. 88).
4.
3
Gestützt auf die Bericht
e der behandelnden Ärzte allein
kann ebenfalls nicht in rechtsgenügender Weise auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit de
s
Beschwerde
führer
s
geschlossen werden
.
Die Berichte der
K._
, d
er
L._
und des
H._
stammen aus
den Jahren
2010
bis 2012, wobei die Ärzte keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit machten
(Urk. 11/8-10, Urk. 11/11/1-4, Urk. 11/14/7-9)
respektive ohne Begründung
von einer 100%igen Arbeitsunfä
higkeit ausgingen (Urk. 11/11/
1-4 S. 3, Urk. 11/11/5-6 S. 1).
Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
M._
, Psychiatrie und Psycho
the
rapie,
hielt in ihrem Bericht vom 3. Januar 2016 (Urk. 11/84/5-9) fest, dass eine Reintegration in den 1. Arbeitsmarkt nur bei einem reduzierten Pensum von zirka 50 % und bei weniger anspruchsvoller Arbeit möglich sei (S. 2 Ziff. 1.6)
, wobei eine nähere Begründung für die reduzierte Arbeitsfähigkeit fehlt.
In ihrem
Aus
trittsbericht vom 30. Juni 2017 (vgl. E. 3.2
hievor
)
wiesen die
C._
-Ärzte auf eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit respektive auf deutliche Einschränkungen in den beruflichen Tätigkeiten hin,
äusserten
sich aber nicht über den konkreten Umfang dieser Limitierungen.
Im
radiologischen Bericht des
N._
vom 13. April 2017 (Urk. 11/123/
2
7) und im
neuropsychologischen
C._
-Bericht
vom 27. April 2017 (Urk. 11/123/7-12)
betreffend die deutliche Erweite
rung des kortikalen Furchenreliefs finden sich
schliesslich
keine Angaben betreffend die Arbeitsfähigkeit.
Im Weiteren ist
die Erfahrungstatsache zu berück
sichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auf
trags
rechtli
che Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (B
GE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc)
.
Allerdings erfordert eine abschliessende Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers wenigstens eine gutachterliche Auseinandersetzung mit de
n
im
Einwandverfahren
aufgelegten
C._
-Berichten über die knapp dreimonatige
Hospitalisation
im Frühjahr 201
7.
Die Berichte weichen sowohl in diagnostischer Hinsicht als auch
in
Bezug auf die Einschätzung der Ar
beitsfähigkeit erheblich von den
Schlussfolgerungen des Gutachters ab, weshalb diesem die Erkenntnisse der behandelnden Fachleute zur abschliessenden Beurteilung hätten vorgelegt wer
den müssen. Eine gutachterliche Einschätzung kann nicht einfach durch eine Würdigung durch den RAD-Arzt ersetzt werden, zumal dessen Ausführungen aufgrund der entsprechenden Anfrage der Sachbearbeitenden fälschlicherweise unter de
m
Blickwinkel der gesundheitlichen Verschlechterung erfolgten (Urk. 11/126/2-3) und somit für die sich hier stellende Frage der gesundheitlichen Verhältnisse für die Zeit von der Anmeldung
bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung nicht einschlägig sind. Unter Berücksichtigung dieser Aktenergänzung kann daher nicht von einer umfassenden gutachterlichen Beurteilung die Rede sein.
Es ist zudem nicht von der Hand zu weisen, dass die Einschätzungen der Arbeits
fähigkeit durch
Dr.
B._
, insbesondere in Bezug auf eine Verweistätigkeit nicht
gänzlich zu überzeugen vermögen, wie die entsprechenden Rückfrage der Beschwerdegegnerin zeigte (
Urk.
11/106). Der Gutachter war sich offenbar über seine Aufgabe im Zusammenhang mit der Einschätzung der Leistungsfähigkeit nicht im Klaren (
Urk.
11/110).
Der Gutachter sprach ferner von einer
Aggravation
(
Urk.
11/103/74-75), ohne dass er für den Rechtsanwender nachvollziehbar dargelegt hätte, inwiefern er
die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens
als
klar überschritten
erachtete
.
Dies wäre umso notwendiger gewesen, als den übrigen Akten, namentlich der in der
C._
durchgeführten neuropsychologischen Untersuchung (
Urk.
11/123/7 S. 11), keine Anhaltspunkte für Inkonsistenzen zu entnehmen sind und insbe
son
dere die Eingliederungsfachleute von eine
r
Steigerung der Leistungs
fähigkeit beziehungsweise dem Erreichen der jeweils gesteckten Ziele sprachen (
Urk.
11/64,
Urk.
11/69,
Urk.
11/72), was nicht auf eine bewusstseinsnahe Steuerung hin
deutet. In Anbetracht der mit Blick auf die gesamte Aktenlage unge
nügenden Begründung der Aggravation findet die seitens der Beschwerde
gegnerin ange
nommene uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit im Gutachten keine hinreichende Stütze.
Betreffend die Berichte des Fachpsychologen
D._
vom 8. August 2014 (Ein
gangsdatum, Urk. 11/58) und der
Z._
vom 9. März 2015 (Urk. 11/72), in wel
chen ein Arbeitspensum von 50 % postuliert wurde, ist
zu beachten
, dass diese nicht von einem
(
Fach
)
arzt
verfasst worden sind.
Im Übrigen verfügt
auch der RAD-Arzt Dr. med.
O._
, Facharzt für Psychiatrie/Psychotherapie (Urk. 11/121 S. 3 ff., Urk. 11/126 S. 2 f.)
,
über keine
zur Beurteilung von Hirnveränderungen
erforderliche Fachqualifikation.
4.
4
Nach dem Gesagten i
st der medizinische Sachverhalt
in wesentlichen Teilen
(Hir
natrophie)
ungeklärt, weshalb es weiterer Abklärungen
bedarf
, vorzugsweise durch eine umfassend neue Begutachtung in psychiatrischer und neurolo
gi
scher/neuropsychologischer Hinsicht
.
Diesbezüglich
ist es angezeigt
,
de
n
in den
H._
-
Berichten vom 24. Dezember 2012 und 5. Februar 2013 erwähnten MRT-Befund (vgl. E. 4.2
hievor
)
einzuholen
. Im Übrigen ist
die
im
C._
-Bericht vom 30. Juni 2017 (Urk. 11/123/1-6
S. 6
)
empfohlene
ADHS-Abklärung
und Durchführung einer
HR-CT des Wirbelbogens 2
zu
berücksichtigen
.
Entsprechend ist die Verfügung vom 21. November 2017 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache zu diesem Zweck an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Hernach wird sie über den
Leistungsanspruch des Beschwer
deführers neu verfügen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwer
degegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als gegen
standslos.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb d
er
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
D
er
Rechtsvertreter de
s
Beschwerdeführer
s
machte mit Honorarnote vom
11. Mai
201
8
(Urk. 1
3-14
) einen Aufwand von
15.9
Stund
en und Barauslagen von Fr. 108.90
geltend (
Urk. 14/1-2
).
Nach
§
34 Abs. 3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streit
sa
che, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf
den Streitwert. Gemäss § 7 Abs.
1 der Verordnung über d
ie Gebühren, Kosten und Entschädi
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
5.3
Der von Rechtsanw
alt
Christos
Antoniadis
geltend gemachte Aufwand ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen,
insbesondere
der Aufwand von acht Stunden für die Ausarbeitung der zehn
seitigen Beschwer
de (Urk. 1)
sowie
-
neben einem Aktenstudium von 1.5 Stunden (Urk. 14/2) -
von
vier Stunden für die Durchsicht des Gut
achtens
-
bei welchem 5
6
Seiten auf die Wiedergabe von Berichten
,
der
AMDP-Befundungs
tabelle
und des Lebenslaufs des Beschwerdeführers
entf
allen
(Urk. 11/103/1-100 S. 6-57
, S. 64-66, S.
78-80
)
-
überhöht ist.
Angesichts der zu studierenden gut
127
Akten
stücke der Beschwerdegegnerin, der
zehn
seitigen Rechtsschrift
, der Auf
wendungen im Zusammenhang mit der unentgeltlichen Rechtspflege und dem Urteilsstudium
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von
Rechtsanwalt Christos
Antoniadis
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2’
6
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Unter diesen Umständen erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unent
geltliche Rechtsvertretung vom
8. Januar
2018 (Urk. 1
S. 2
) als gegen
standslos.