Decision ID: 4db0ffbe-cbea-5568-8f7e-dcc217f261bb
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin ist Eigentümerin der Parzelle H._ Gbbl. Nr.
F._. Die Parzelle liegt in der Dorfzone. In dieser Zone sind Wohnen, mässig
störende Betriebe und landwirtschaftliche Nutzungen zulässig. Bevor die
Beschwerdeführerin diese Parzelle erwarb, erkundigte sie sich bei der Gemeinde
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H._, ob ein einfacher Stall mit Auslauf für Ponys erstellt werden dürfte. Die
Gemeinde H._ teilte der Beschwerdegegnerin mit, dass in der Dorfzone zwei bis
vier Ponys zulässig seien. Unter Einhaltung der baupolizeilichen Masse könne ein
einfacher Stall und Auslauf für Ponys erstellt werden. Nach dem Erwerb des Grundstückes
brach die Beschwerdegegnerin den bestehenden Unterstand ab und erstellte einen neuen
Unterstand für fünf Islandpferde. Gleichzeitig gestaltete sie das umliegende Terrain neu.
Am 19. April 2013 erkundigten sich die Beschwerdeführenden bei der Gemeinde
H._, ob für das Bauvorhaben eine Bewilligung vorliege. Auf Grund dieser Anfrage
forderte die Gemeinde die Beschwerdegegnerin mit E-Mail vom 16. Juni 2014 auf, für das
Bauvorhaben ein nachträgliches Baugesuch einzureichen. Am 8. August 2014 reichte die
Beschwerdegegnerin für den Abbruch des bestehenden Unterstandes, den Neubau eines
Unterstandes für fünf Islandponys sowie die Umgestaltung des Terrains auf der Parzelle
H._ Gbbl. Nr. F._ ein nachträgliches Baugesuch ein. Gegen das
Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Verfügung vom 3. Juli
2015 erteilte die Gemeinde H._ die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 10. August 2015 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragten,
der Bauentscheid vom 3. Juli 2015 sei aufzuheben und das Baugesuch sei abzuweisen.
Die Gemeinde H._ habe die zonenwidrige Nutzung zu verbieten und der
rechtmässige Zustand sei wiederherzustellen. Eventualiter sei der Entscheid vom 3. Juli
2015 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Sie machten insbesondere geltend, die hobbymässige Pferdehaltung sei in der Dorfzone
nicht zonenkonform und verursache übermässige Immissionen.
3. Die Beschwerdegegnerin beantragte die Abweisung der Beschwerde und die
Bestätigung der Baubewilligung. Sie vertrat die Ansicht, die Haltung von fünf Islandponys
sei zonenkonform. Die Gemeinde stellte ebenfalls den Antrag, die Baubewilligung vom 3.
Juli 2015 sei zu bestätigen und die Baubeschwerde abzuweisen.
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4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte im
Beisein der Parteien, einer Vertretung des Veterinärdienstes sowie des beco Berner
Wirtschaft einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Anlässlich dieser
Begehung konnte zwischen den Parteien eine Einigung erzielt werden. Beide Parteien
erhielten Gelegenheit, zum Protokoll des Augenscheines Stellung zu nehmen. Die
Beschwerdegegnerin reichte eine Projektänderung ein, zu welcher sich die Parteien
abschliessend äussern konnten.
5. Auf die Rechtsschriften sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde,
sind durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Projektänderung
a) Mit der Projektänderung vom 7. Dezember 2015 (Eingangsstempel Rechtsamt BVE
vom 8. Dezember 2015) hat die Beschwerdegegnerin den Auslauf der Islandpferde
reduziert und im Situationsplan zusätzlich eine Sichtschutzwand mit einer Höhe vom 1.4 m
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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eingetragen. Die Projektänderung sieht zudem folgende, am Augenschein vereinbarte,
emissionsreduzierende Massnahmen vor:
- Auf dem Grundstück werden nur vier Islandpferde gehalten.
- Der untere Teil des Stalles soll während der Nacht mit einer teilweise verglasten Türe
vollständig geschlossen werden.
- Der Boden des ganzen Stalles soll mit einer lärmreduzierenden Kunststoffmatte
ausgelegt werden.
- An den Wänden sollen bis auf eine Höhe von ca. 60 cm ebenfalls lärmreduzierende
Kunststoffmatten angebracht werden.
- Der Auslauf für die Islandpferde im oberen Bereich des Stalles wird während der
Nacht soweit reduziert, dass sich die Islandpferde nicht mehr zum Futtertrog
begeben können.
- Die übrige Weide ausserhalb des Auslaufes auf dem Grundstück der Beschwerde-
gegnerin darf von den Islandpferden nur in der Zeit von Montag bis Freitag von 8.00-
11.30 Uhr und 13.30-17.00 Uhr beweidet werden.
Das Bauprojekt ist auch nach den Projektänderungen in den Grundzügen gleich geblieben
und es werden keine wesentlichen Änderungen vorgenommen. Der Standort, die äusseren
Masse der Stallung sowie die Zweckbestimmung sind unverändert. Es liegt daher eine
Projektänderung im Sinn von Art. 43 Abs. 1 BewD3 vor. Von dieser Änderung sind keine
Dritten betroffen und die Gegenpartei sowie die Gemeinde konnten sich gemäss Art. 43
Abs. 3 BewD dazu äussern. Die Beschwerdegegnerin hat mit dem Einreichen der
Projektänderung vor der BVE auf ihr ursprüngliches Bauvorhaben verzichtet.
Verfahrensinhalt bildet allein das geänderte Projekt.4
b) Die Projektänderung entspricht dem anlässlich des Augenscheines vom 9. November
2015 Vereinbarten. In dem Umfang, in welchem die Projektänderung die Einwände der
Beschwerdeführenden aufnimmt, ist die Beschwerde gegenstandslos geworden. Im
Übrigen haben sich die Beschwerdeführenden mit der Projektänderung einverstanden
erklärt. Sie haben damit kein aktuelles Rechtsschutzinteresse mehr an der Beurteilung
ihrer Beschwerde. Diese kann gemäss Art. 39 VRPG5 als erledigt abgeschrieben werden.
3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 4 Vgl. BVR 2012 S. 463. 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Es ist nur noch zu prüfen, ob das geänderte Projekt bewilligt werden kann. Ob das
ursprüngliche Gesuch zu Recht oder zu Unrecht bewilligt wurde, braucht nicht mehr geprüft
zu werden.
c) G._ ist einer von vier Weilern. In der Dorfzone sind auch landwirtschaftliche
Nutzungen zulässig (Art. 211 GBR6). Unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kann das Halten von vier Islandpferden im vorliegend ländlichen Gebiet
als zonenkonform erachtet werden.7 Die zwischen den Parteien vereinbarten und in der
Projektänderung aufgenommenen Auflagen reduzieren die Immissionen auf die
Nachbarschaft. Damit werden die technisch und betrieblich möglichen sowie wirtschaftlich
tragbaren Massnahmen zur Reduktion der Emissionen gemäss Art. 11 Abs. 2 USG8
ergriffen. Das geänderte Projekt entspricht zudem sowohl bezüglich der Auslauffläche als
auch der Grösse der Stallungen für die Islandpferde den massgebenden Vorschriften der
Tierschutzverordnung. Das Bauvorhaben hält somit die baurechtlich relevanten
Bestimmungen ein und kann bewilligt werden.
d) In der Stellungnahme zum Protokoll des Augenscheines ergänzen die
Beschwerdeführenden, dass sie es begrüssten, wenn die Projektänderung zusätzlich die
Auflage enthielte, dass die Beschwerdegegnerin die Pferde wann immer möglich auf einer
externen Weide weiden liesse. Bedingungen und Auflagen eines Entscheides müssen zur
Erreichung des angestrebten Ziels insbesondere notwendig sowie geeignet und für die
Behörden mit einem vernünftigen Aufwand kontrollier- und durchsetzbar sein.9 Wie bereits
erläutert, hält der Auslauf der Islandpferde die tierschutzrechtlichen Bestimmungen ein. Die
angeordneten Auflagen stellen sicher, dass die noch verbleibenden Immissionen für die
Nachbarn zumutbar sind. Weitere Auflagen sind nicht erforderlich. Zudem wäre die
gewünschte Auflage sehr unbestimmt und daher schwer kontrollier- und durchsetzbar.
Schliesslich hat die Beschwerdegegnerin erklärt, dass der Weidegang auf den
Nachbargrundstücken weiter geführt werden solle und dass sie sich, falls wider Erwarten
dieser Weidegang nicht mehr sichergestellt wäre, um Ersatz bemühte. Eine weitergehende
Verpflichtung der Beschwerdegegnerin ist weder notwendig noch möglich.
6 Baureglement der Gemeinde H._ vom 30. Juni 2010, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 30. Juni 2010. 7 Vgl. BGer 1A.32/2004 vom 30.9.2004, E. 4.2.1, BGE 111 Ib 213 E. 3b. 8 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01). 9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 15a; BGE 133 II 370 E. 6.3.
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3. Kosten
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200 bis Fr. 4'000 je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 4 Abs. 2 GebV10). Die Pauschalgebühr wird auf Fr. 800.00
festgelegt. Für den Augenschein mit Instruktionsverhandlung wird eine zusätzliche Gebühr
von Fr. 400.00 erhoben (Art. 20 Abs. 1 GebV).
Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Wer ein Gesuch, eine Klage oder ein Rechtsmittel zurückzieht, den Abstand
erklärt oder auf andere Weise dafür sorgt, dass das Verfahren gegenstandslos wird, gilt
nach Art. 110 Abs. 1 VRPG als unterliegende Partei. Als unterliegend gilt auch, wer den
Einwänden der Beschwerdeführer durch eine Projektänderung Rechnung trägt.11 Die
Projektänderung greift einen Teil der ursprünglich umstrittenen Punkte auf. Gleichzeitig
verzichten die Beschwerdeführenden auf die Aufrechterhaltung einiger Rügen. Unter
Berücksichtigung ihrer ursprünglichen Anträge, gelten die Parteien beide in einem
ähnlichen Umfang als teilunterliegend respektive teilobsiegend. Die Parteien tragen daher
die Verfahrenskosten je zur Hälfte, ausmachend je Fr. 600.00.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Beide Parteien machen einen ähnlichen
Aufwand geltend. Beide Parteien sind von ihren ursprünglichen Forderungen abgewichen
und haben in ähnlichem Umfang obsiegt respektive sind zum Teil unterlegen.
10 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung; GebV, BSG 154.21). 11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 2; Art. 110 N. 5
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Dementsprechend gebietet sich bei diesem Verfahrensausgang ein wettschlagen der
Parteikosten. Jede Partei trägt ihre eigenen Parteikosten.