Decision ID: ad204f72-e5d0-4dfe-a7e4-c757a81f4f16
Year: 2021
Language: de
Court: AG_VB
Chamber: AG_VB_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
Mit Verfügung vom 23. September 2014 wurden A. und B. von der
Steuerkommission Q. für die Kantons- und Gemeindesteuern 2011 zu
einem steuerbaren Einkommen von CHF 1'693'600.00 (davon qualifizierter
Beteiligungsertrag von CHF 1'595'900.00) und zu einem steuerbaren
Vermögen von CHF 2'100'000.00 (satzbestimmendes Vermögen CHF
2'101'000.00) veranlagt. In Abweichung von der Selbstdeklaration wurde
insbesondere ein Anteil "Dividende E. AG" von CHF 1'595'909.00 als
Wertschriftenertrag zum steuerbaren Einkommen hinzugerechnet.
2.
Gegen die Verfügung vom 23. September 2014 liessen A. und B. mit
Eingabe vom 23. Oktober 2014 Einsprache erheben mit den Anträgen:
"1. Die definitive Steuerveranlagung 2011 sei aufzuheben.
2. Der aufgerechnete Betrag von CHF 1'595'909 sei ersatzlos zu streichen
und die Steuerveranlagung 2011 entsprechend zu korrigieren."
3.
Der Rechtsdienst des Kantonalen Steueramtes (KStA) hat den Amtsbericht
vom 12. September 2016 erstattet. A. und B. haben dazu mit Schreiben
vom 31. Oktober 2016 Stellung nehmen lassen.
4.
Mit Entscheid vom 3. Juli 2018 wies die Steuerkommission Q. die
Einsprache ab. Sie erhöhte das steuerbare Einkommen auf
CHF 2'512'621.00 und setzte das steuerbare Vermögen auf
CHF 2'414'064.00 (satzbestimmendes Vermögen CHF 2'415'248.00) fest.
5.
Den Einspracheentscheid vom 3. Juli 2018 (Zustellung nicht bekannt, Ver-
sand am 20. Juli 2018; Zustellung nach den Angaben im Rekurs am 20. Juli
2018) haben A. und B. mit Rekurs vom 12. September 2018 (Postaufgabe
gleichentags) an das Spezialverwaltungsgericht weitergezogen. Sie stellen
folgende
"I Anträge
1 Der Einspracheentscheid vom 03. Juli 2018 sei aufzuheben.
2 Es sei auf die Aufrechnung aus unselbständiger Tätigkeit im Umfang
von CHF 20'000 zu verzichten und die Berufsauslagen entsprechend anzupassen.
- 3 -
3 Es sei auf die Aufrechnung aus selbständiger Nebenerwerbstätigkeit im Umfang von CHF 2'414'922 zu verzichten.
4 Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates."
Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen einge-
gangen.
6.
6.1.
Das Gemeindesteueramt Q. beantragt die Abweisung des Rekurses,
soweit darauf einzutreten ist.
6.2.
Das Kantonale Steueramt (nachfolgend: KStA) beantragt in Reformatio in
peius ("höhere Totalsteuerlast"), das steuerbare Einkommen sei auf
CHF 2'502'600.00 und das steuerbare und satzbestimmende Vermögen
auf CHF 5'162'000.00 festzusetzen.
7.
A. und B. haben eine Replik erstatten lassen. Sie beantragen die Abweisung der vom KStA beantragten Reformatio in peius.
- 4 -

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2011.
Massgebend für die Beurteilung sind das Steuergesetz vom 15. Dezember
1998 (StG) und die Verordnung zum Steuergesetz vom 11. September
2000 (StGV).
2.
2.1.
Am 2. Juni 2009 wurde die E. AG mit einem Aktienkapital von CHF
500'000.00 (5'000'000 Inhaberaktien zu CHF 0.10) in das Handelsregister
des Kantons S. eingetragen. Zweck der E. AG ist "Erwerb, Finanzierung,
Halten und Verwalten von Beteiligungen im Bereich Rohstoffe sowie
Erstellen und Vermarkten von Konzepten; vollständige
Zweckumschreibung gemäss Statuten."
Am 3. Juli 2009 wurde das Aktienkapital auf CHF 1'000'000.00 und am
15. März 2010 auf CHF 2'450'000.00 erhöht. Die Erhöhung um
CHF 1'450'000.00 erfolgte durch "Verrechnung einer Forderung von
CHF 1'450'000.00, wofür 14'500'000 Inhaberaktien zu CHF 0.10 ausgege-
ben werden."
2.2.
Als Verwaltungsräte der E. AG zeichneten vom 2. Juni 2009 bis 21.
Dezember 2009 F. und vom 16. Juni 2009 bis zum 19. Februar 2014 der
Rekurrent, derselbe ab 13. Oktober 2011 als Präsident. Vom 21. Dezember
2009 bis zum 13. Oktober 2011 war der Rekurrent einziges Mitglied des
Verwaltungsrates.
Ab den 16. Juni 2009 zeichneten G. und der Rekurrent je als
Geschäftsführer mit Kollektivunterschrift zu zweien, der Rekurrent bis 21.
Dezember 2009, G. bis 19. Februar 2014.
2.3.
Mit dem Wertschriftenverzeichnis deklarierten die Rekurrenten per 31. De-
zember 2008 Aktien der H. sowie der I.. Zudem wurden ein Guthaben
gegenüber der H. für Arbeiten & Zinsen von CHF 225'000.00 sowie
Vorschüsse an diese über USD 1'463'572.00 (= CHF 1'557'805.00) aufge-
führt.
2.4.
Mit der Steuererklärung 2009 (Wertschriftenverzeichnis per 31. Dezember
2009) deklarierten die Rekurrenten unter anderem 1 Aktie der J. AG,
1'500'000 Aktien der E. AG, 50 Aktien der K. AG, 1 Aktie der I. sowie 1
- 5 -
Aktie der H.. Weiter wurden ein Darlehen an die H. über CHF 359'121.00,
ein Guthaben für Arbeiten & Zinsen gegenüber der H. von CHF 960'000.00
sowie ein Aktionärsdarlehen mit Rangrücktritt an die E. AG ("1⁄2 Anteil") im
Betrag von CHF 302'349.00 angegeben. Darüber hinaus wurden nahezu
keine Barmittel aufgeführt.
2.5.
Mit der verspätet eingereichten Steuererklärung 2010 (Ermessenveranla-
gung im Kanton T.) wurden im Wertschriftenverzeichnis per 31. Dezember
2010 1 Aktie der H., 1 Aktie der J. AG in Liquidation, 1'052'000 Aktien der
E. AG und 50 Aktien der K. AG erwähnt. Ausserdem wurden ein Guthaben
gegenüber der H. im Betrag von CHF 600'000.00, ein Darlehen ("1⁄2 Anteil")
der E. AG von CHF 8'116.00 und ein Aktionärsdarlehen gegenüber der E.
AG ("1⁄2 Anteil"; Rangrücktritt) von CHF 200'000.00 sowie ein
Aktionärsdarlehen an die AP. AG von CHF 4'800.00 ausgewiesen.
2.6.
Die Rekurrenten deklarierten mit dem Wertschriften- und Guthabenver-
zeichnis per 31. Dezember 2011 unter anderem 1 Aktie der J. AG in
Liquidation, 5'249'480 Aktien der E. AG, 50 Aktien der AP. AG, 400 Aktien
der L. AG und 43'368'163 Aktien der M.. sowie eine Aktie der H..
2.7.
Am 13. Januar 2010 wurde zwischen dem Rekurrenten und G. einerseits
und der N. AG anderseits ein Treuhandvertrag betreffend Aktien der E. AG
geschlossen. Dabei wurden alle "gegenwärtigen und künftigen Aktien
treuhänderisch an die N. AG abgetreten, welche so mit nur einer Stimme
mit den Käufern verhandeln kann."
2.8.
Am 11. Februar 2010 wurde zwischen der N. AG und der O.. das
"Agreement for the sale and purchase of the entire issued share capital of
E. AG" geschlossen. Der Vertrag wurde auf Verkäuferseite von G. und dem
Rekurrenten unterzeichnet. Nach mehreren Vertragsanpassungen
(Amendments No 1 - 9) wurden von der N. AG treuhänderisch für den
Rekurrenten 21.5123 % der Aktien der E. AG auf die O.. übertragen. Als
Gegenleistung hat der Rekurrent € 3'864'489.80 (Gutschrift am 25. Februar
2011) und 43'368'163 Aktien der P.. ("Gutschrift" am 2. März 2011)
erhalten.
Die restlichen 5'249'480 Aktien der E. AG (21.4264 %) wurden wiederum
treuhänderisch für den Rekurrenten von der N. AG mit Kaufvertrag vom
22. Februar 2013 der AA. Ltd. verkauft.
- 6 -
2.9.
Umstritten ist vorliegend, ob bzw. in welchem Umfang ein Gewinn aus dem
Verkauf der Aktien der E. AG, U., im Jahr 2011 als Einkommen zu
besteuern ist.
3.
Mit Schreiben vom 30. August 2011 ersuchte die Vertreterin der Rekurren-
ten die Steuerbehörden von Q. um eine vertrauensbegründende Auskunft
betreffend die steuerliche Behandlung des geplanten Verkaufs von 49.9 %
der Aktien der E. AG und von 101 Mio. Aktien der M..
In diesem Zusammenhang wurde ausgeführt, die Rekurrenten seien per
1. März 2011 in Q. (V.) zugezogen. Der Rekurrent halte 21.4264 % an der
E. AG in U. sowie 45'274'795 Aktien der M.., einer börsenkotierten
Gesellschaft mit Sitz in W. BB.. Die E. AG sei 2009 von G. und dem
Rekurrenten gegründet worden. Die Gesellschaft halte unter anderem 100
% der Anteile an der E. SARL in X.. Die E. Gruppe habe 2009 eine
staatliche Lizenz zum Abbau von Phosphat erhalten. Im Jahr 2010 habe
sich die M.. für eine schrittweise Übernahme der E. AG interessiert. Um die
Verkaufsverhandlungen zu erleichtern, seien sämtliche Aktien der E. AG
treuhänderisch auf die N. AG, Y., übertragen worden. Der Rekurrent habe
zu diesem Zeitpunkt 10'532'500 Aktien bzw. 42.9898 % der E. AG gehalten.
Im Juni 2011 habe die M.. insgesamt 50.1 % der Aktien der E. AG für
insgesamt EUR 19 Mio. erworben. Der Kaufpreis sei mit 101'000'000 Aktien
der M.. im Gegenwert von rund EUR 10 Mio. und einer Zahlung von EUR
9 Mio. geleistet worden. Im Juni 2011 seien von G. und dem Rekurrenten
je 12'500 Aktien an eine an der E. AG mitbeteiligte Person ("entschädi-
gungslos" an AD., Z., übertragen; E- Mail von F. an das
Gemeindesteueramt Q. vom 27. Januar 2014) verkauft worden.
Faktisch handle es sich beim Aktienverkauf durch den Rekurrenten um ei-
nen einmaligen Vorgang im Rahmen der Sicherung des Fortbestandes der
Unternehmung bzw. der Überführung der Beteiligungen an institutionelle
und teilweise börsenkotierte Investoren. Die Dimension des zu tätigenden
Phosphat-Abbaus in X. erreiche einen derart grossen Umfang, dass dieser
nur von einem Global Player umgesetzt werden könne.
Die Rulinganfrage vom 30. August 2011 wurde in der Folge nicht wie be-
antragt bestätigt.
4.
4.1.
Mit der Steuererklärung 2011 (Ausdruck vom 6. November 2012) wurde ein
Einkommen des Rekurrenten aus unselbständiger Erwerbstätigkeit für die
AP. AG, Y., von CHF 86'847.00, ein Wertschriftenertrag von CHF 887.00
und Einkünfte aus Liegenschaften von netto CHF 11'250.00 deklariert. Mit
- 7 -
dem Wertschriftenverzeichnis wurden per 31. Dezember 2011 unter
anderem 50 Aktien der AP. AG, Y., à nominal CHF 1'000.00, 400 Aktien
der L. AG, Y., à nominal CHF 1'000.00, 5'249'480 Aktien der E. AG, U., à
nominal CHF 0.10 und 1 Aktie der J. AG in Liquidation, S., à nominal CHF
0.10, sowie 43'368'163 Anteile an der M.., W. (BB.) à nominal CDN$ 0.02
angegeben.
4.2.
Die Steuerkommission erfasste den Gewinn aus dem Verkauf des Anteils
an der E. AG im Jahr 2011 als Dividendeneinkommen gestützt auf folgende
Berechnung (Abweichungsbegründung):
zuz. X. "Bezeichnung Bilanz 2010 (SR) Bilanz erg. Aktienkapital
Total Aktiven 159'371.82 25'000'000.00 25'159'371.82 ./. Fremdkapital -542'321.34 - -542'321.34 Eigenkapital -382'949.52 25'000'000.00 24'617'050.48 2'450'000
Anteil von A. vor Verkauf 42.93875% 10'570'253.76 1'051'999 Anteil von A. nach Verkauf 21.42640% 5'274'547.70 524'947
Verm.ertr. Gesamte Differenz 7'500 5'295'706.06 527'053 4'768'653.48 Verkaufstranche 2011 2'510 1'772'296.29 -176'387 1'595'909.37 Verkaufstranche 2012 2'490 1'758'174.41 -174'981 1'583'192.96 Verkaufstranche 2015 2'500 1'765'235.35 -175'684 1'589'551.16"
4.3.
Mit der Einsprache wurde geltend gemacht, dass der Gewinn aus dem Ver-
kauf der Aktien der E. AG zu Unrecht mit der Einkommenssteuer erfasst
worden sei. Der Rekurrent habe einen steuerfreien Kapitalgewinn aus dem
Verkauf von Privatvermögen erzielt. Es liege insbesondere keine indirekte
Teilliquidation vor.
Die Rekurrenten seien per 1. März 2011 in Q. (V.) zugezogen. Im Zeitpunkt
des Zuzuges habe der Rekurrent 5'249'480 Aktien bzw. 21.4264 % an der
E. AG, U., sowie 45'274'795 Aktien an der M.., einem börsenkotierten
Rohstoffkonzern mit Sitz in W., gehalten.
Die E. AG sei 2009 gegründet worden. Die E. AG halte eine 100 %-ige
Beteiligung an der E. SARL in X.. Die E. AG habe 2009 eine Lizenz zum
Phosphat-Abbau erhalten. 2010 seien die Aktien der E. AG treuhänderisch
an die N. AG übertragen worden. In diesem Zeitpunkt habe der Rekurrent
10'532'500 Aktien bzw. 42'9898 % an der E. AG besessen. Gemäss
Kaufvertrag vom 11. Februar 2010 sollten per 31. März 2010 5 Mio. Aktien
der E. AG für € 5 Mio. von der N. AG an die O.. verkauft werden. Zum
- 8 -
Kaufvertrag habe es neun Nachträge gegeben. Es seien Anpassungen und
Ergänzungen vereinbart worden, welche teilweise die Parteien, die
Kaufpreishöhe und/oder einzelne Vollzugshandlungen betroffen hätten. Im
Nachtrag Nr. 8 vom 18. Januar 2011 sei der Kaufpreis für 50.1 % der Aktien
der E. AG auf € 19 Mio. festgelegt worden. Neben einer Barzahlung von €
9 Mio. seien Aktien der BD. Ltd. (vgl. Amendment No 8 vom 17./18. Januar
2011) zu einem Stückpreis von CDN$ 0.13 im Gesamtbetrag von € 10 Mio.
an den Kaufpreis angerechnet worden. Das Vollzugsdatum sei auf den
28. Februar 2011 festgesetzt worden. In der Folge seien € 9 Mio. überwie-
sen worden. Am 25. Februar 2011 sei von der AI., AF., der Eingang von
101 Mio. Aktien der P.. zu Gunsten der N. bestätigt worden. Mit dem
Kaufvertrag vom 11. Februar 2010 sei der Käuferin weiter die Option zum
Erwerb der bei den Verkäufern verbliebenen 49.9 % der Aktien der E. AG
per Ende 2012 und 2015 eingeräumt worden. Die Option sei nicht ausgeübt
worden. Mit Vertrag vom 22. Februar 2013 habe die zum börsenkotierten
russischen Konzern AG. gehörende AA. Ltd. die restlichen 49.9 % der
Aktien der E. AG erworben.
Der Rekurrent habe im Rahmen des Kaufvertrages vom 11. Februar 2010
(mit Nachträgen) 5'270'520 Aktien der E. AG für € 3'864'489.80 (Baranteil)
und 43'368'163 Aktien der M.. veräussert. Der Kurs der Aktien der M.. habe
sich bis zum Jahresende 2011 substantiell vermindert, so dass der
Rekurrent einen privaten Kapitalverlust erlitten habe.
Abschliessend wurde geltend gemacht, dass der Kaufvertrag am 11. Feb-
ruar 2010 abgeschlossen worden sei, und eine allfällige Einkommenszu-
rechnung im Jahr 2011 ohnehin periodenfremd sei. Zudem sei der Verkauf
von Aktien der E. AG bei anderen Verkäufern als steuerfreier privater
Kapitalgewinn behandelt worden.
4.4.
4.4.1.
Aufforderungsgemäss erstattete das KStA der Steuerkommission Q. den
Amtsbericht vom 12. September 2016. Im Wesentlichen wurde darin die
Auffassung vertreten, es liege kein steuerfreier Kapitalgewinn aus privater
Vermögensverwaltung, sondern ein Einkommen aus Beteiligungshandel im
Nebenerwerb vor. Dafür sprächen aufgrund der Beweislastverteilung bei
Verletzung der Mitwirkungspflicht eine – zu vermutende –
Fremdfinanzierung, die beruflichen Fachkenntnisse, das Zusammenwirken
und der Zusammenschluss mehrerer Beteiligter zu einer Per-
sonengesellschaft sowie die Reinvestition eines Teils des Erlöses in wei-
tere Beteiligungen. Es sei von einem im Jahr 2011 erzielten Bruttoerlös von
CHF 7'694'628.57 aus Beteiligungshandel auszugehen. Davon seien die
Anlagekosten und Verluste in Abzug zu bringen.
- 9 -
4.4.2.
In der Stellungnahme vom 31. Oktober 2016 liessen die Rekurrenten aus-
führen, die Mitwirkungspflicht sei nicht verletzt worden, weshalb eine Um-
kehr der Beweislast nicht zulässig sei. Die Beteiligung an der E. AG sei
nicht fremdfinanziert worden. Das Investment sei aus dem Privatvermögen
des Rekurrenten finanziert worden. Dieser verfüge zwar über Fachwissen
im Finanzbereich, einen hohen Bekanntheitsgrad und ein grosses
Beziehungsnetz, nicht jedoch über spezifisches Fachwissen eines im
Rohstoffbereich tätigen Ingenieurs. Es sei darum gegangen, neue Investo-
ren zu suchen, die das langfristige Überleben des Unternehmens sicher-
stellen konnten. Nur Partner wie die russische AG. hätten überhaupt
Möglichkeiten, die Förderung des Phosphats umzusetzen. Ein in Bezug auf
einen Beteiligungshandel relevanter Zusammenschluss zu einer Personen-
gesellschaft habe nicht stattgefunden. Eine Wiederanlage des Erlöses in
weitere Beteiligungen sei ebenso wenig erfolgt. Angaben zu den Anlage-
kosten und zu Verlusten wurden entgegen der Aufforderung der Steuer-
kommission Q. (Schreiben vom 15. September 2016) nicht gemacht.
4.4.3.
Mit Schreiben vom 27. Februar 2017 wurde den Rekurrenten vom Gemein-
desteueramt Q. die Gelegenheit gegeben, sich zu zwei den
Steuerbehörden gemeldeten, im Jahr 2009 von Dr. AH. dem Rekurrenten
und G. gewährten Darlehen im Gesamtbetrag von CHF 1.4 Mio. zu
äussern. G. führte dazu mit Schreiben vom 2. März 2017 aus, dass die
Darlehen nicht den Rekurrenten betroffen hätten. Es sei um einen im Jahr
2009 in seinem Besitz stehenden Bugatti gegangen. In der Stellungnahme
vom 18. April 2017 wurde ausgeführt, der Rekurrent sei nie Besitzer oder
Eigentümer des Fahrzeuges gewesen. Mit Eingabe vom 29. Juni 2017
wurde der Entscheid des Gerichtspräsidiums QQ. vom 6. Juni 2017
eingereicht. Mit diesem Entscheid wurde das Rechtsöffnungsbegehren
gegen den Rekurrenten betreffend der Darlehensforderung über CHF 1
Mio. zuzüglich Zinsen abgewiesen.
4.4.4.
Mit Schreiben vom 15. Dezember 2017 liessen die Rekurrenten zum Ver-
mögensvergleich des Gemeindesteueramtes Q. vom 5. September 2017
Stellung nehmen. Dabei wurde ein Anspruch des Rekurrenten aus dem
Verkauf von 50.1 % der Aktien der E. AG von € 3'433'831.00 geltend
gemacht. Davon seien dem Rekurrenten im Jahr 2011 € 3.050 Mio. in bar
und € 383'831.00 durch Verrechnung zugeflossen.
4.4.5.
Zum Gesuch um Aktenergänzung vom 20. Februar 2018 liessen die Re-
kurrenten am 6. Juni 2018 Stellung nehmen. In Ergänzung der bisherigen
Eingaben wurde ausgeführt, dass die N. AG nach dem Verkauf von 50.1 %
der Aktien der E. AG an die O.. mit den "beneficial owners" abgerechnet
- 10 -
habe. Vom Erlös seien die Verkaufskosten der D. Zürich von € 622'960.00
und die Verkaufskommission der N. AG von 2 % bzw. € 380'000.00 in
Abzug gebracht worden. Auf der Basis eines Nettoverkaufserlöses von €
7'997'040.00 seien die Ansprüche der Beteiligten abgerechnet worden. Mit
der Abrechnung der N. AG vom 19. Mai 2011 werde der Anspruch des
Rekurrenten mit 42.9388 %von € 7'997'040.00 entsprechend €
3'433'831.00 ausgewiesen.
Weitere von der N. AG im Zeitraum vom März 2011 bis Mai 2011 zugunsten
und zulasten des Rekurrenten geleistete Zahlungen seien bei der
Abrechnung berücksichtigt worden. Dazu gehöre auch die Zahlung vom 16.
März 2011 an den Beneficial Partner (≠ "beneficial owner") AK. gemäss
Verkaufsabrechnung über das Konto Nr. 2282 von € 520'000.00 bzw. CHF
681'772.00.
Der Rekurrent habe per 31. Dezember 2010 10'520'000 Aktien der E. AG
zum Nominalwert von CHF 1'052'000.00 deklariert. Nach dem Verkauf von
50.1 % verblieben dem Rekurrenten noch 5'249'480 Aktien, welche per 31.
Dezember 2011 mit einem Nominalwert von CHF 524'948.00 angegeben
worden seien. Mit dem Verkauf im Februar 2011 hätten nicht € 19 Mio.,
sondern nur € 9 Mio. in bar und 101'000'000 Aktien der P.. erzielt werden
können. Diese Escrow shares seien erst nach und nach bis zum 3. März
2014 durch die AI. ausgeliefert worden und hätten entsprechend nicht
verkauft werden können. Dass diese Aktien nicht einen Gegenwert von €
10 Mio. gehabt hätten sei schon bei Vertragsabschluss allen Beteiligten klar
gewesen. "Auf der Verkäuferseite war es indes ebenso eilig wie wichtig,
dass die Mehrheit der Aktien und damit die Verantwortung für das
Phosphatabbau-Projekt an Branchenkenner übergeben werden konnte. So
gab man sich mit dem Barbetrag von CHF 9 Mio. [recte: € 9 Mio.]
zufrieden." Nach der im Jahr 2013 folgenden "Aktienzusammenlegung" im
Verhältnis 1 : 20 habe sich der Bestand auf 5'050'000 reduziert. Die Aktien
seien im Jahr 2014 zu USD 0.075/Aktie für total USD 378'750.00 verkauft
worden. Der Rekurrent habe für seinen Anteil rund CHF 156'700.00
erhalten.
Die restlichen 49.9 % der Aktien der E. AG hätten im April 2013 für netto
CHF 2'549'866.00 an die AA. Ltd. verkauft werden können. Der Anteil des
Rekurrenten habe CHF 1'094'881.00 betragen.
4.5.
Die Steuerkommission Q. stützte sich in ihrem Einspracheentscheid zur
Begründung in wesentlichen Punkten auf den Amtsbericht KStA vom 12.
September 2016. Die Argumente seien überzeugender als die
Erörterungen der Rekurrenten. Sie führte weiter aus, der Verkauf der Aktien
der E. AG sei weit komplexer als der Kauf oder Verkauf von Blue Chip
Titeln. Der bezahlte Preis wiederspiegle die in den Aktiven der E. AG
- 11 -
enthaltenen Schürfrechte für die Phosphat-Gewinnung in X.. Zu beachten
sei insbesondere auch das Zusammenwirken mit beneficial partners
(insbesondere AL. AG und AK.), welches für einen Beteiligungshandel
spreche. Eine rein private Vermögensumschichtung böte kaum Anlass,
Mitwirkende zu entschädigen. Mit der nachträglichen Deklaration der
Beteiligung an der AM. AG habe der Rekurrent auch dokumentiert, dass er
sich in der Branche weitere Beteiligungen gesichert habe. Die
Anlagekosten der Beteiligung seien nicht nachgewiesen worden. Ebenso
fehle es an Angaben zu im Jahr 2011 erzielten Verlusten. Berücksichtigt
werde hingegen ein Minderwert zwischen dem Wert der zugeteilten Aktien
per 18. Januar 2011 und der Bewertung per Ende 2011 (CHF
2'190'455.00). Von Amtes wegen wurden sodann die auf dem Einkommen
aus selbständigem Beteiligungshandel geschuldeten AHV-Beiträge
angerechnet.
Daraus, dass bei AN. kein Gewinn aus dem Verkauf von Aktien der E. AG
als Einkommen erfasst worden sei, könne der Rekurrent nichts zu seinen
Gunsten ableiten, handle es sich dabei doch nur um den Verkauf einer sehr
geringen Beteiligung.
Bezüglich der Liegenschaften in QR. verzichtete die Steuerkommission Q.
auf eine ermessensweise Aufrechnung von Vermögen, obwohl die
entsprechenden Investitionen erheblich gewesen seien. Hingegen sei der
im Veranlagungsverfahren per 31. Dezember 2011 mit CHF 0.00 erfasste
Vermögenssteuerwert der Aktien der E. AG auf den deklarierten
Nominalwert zu erhöhen.
Im Ergebnis wurden das steuerbare Einkommen auf CHF 2'512'621.00 und
das steuerbare Vermögen auf CHF 2'414'064.00 (satzbestimmendes Ver-
mögen CHF 2'415'248.00) erhöht.
4.6.
Im Rekurs wurde an den Ausführungen in der Einsprache und den bisheri-
gen Stellungnahmen festgehalten. Es wurde ergänzt, der Rekurrent habe
immer sämtliche Aktenergänzungen mit detaillierten Antworten und umfas-
senden Dokumentationen erfüllt. Der Rekurrent habe Aktien des Privatver-
mögens verkauft und einen steuerfreien Kapitalgewinn erzielt. Das ergebe
sich auch aus dem Urteil des Bundesgerichtes vom 25. September 2012
(StE 2012 B 23.1 Nr. 75). Die abweichende Beurteilung des KStA, wonach
der Rekurrent als Beteiligungshändler im Nebenerwerb zu qualifizieren sei,
beruhe lediglich auf Vermutungen. Die Beteiligung an der E. AG sei
insbesondere nicht fremdfinanziert worden. Die Kapitalerhöhung im Jahr
2009 sei nachweislich aus privaten Mitteln erbracht worden. Zudem fehle
es an der erforderlichen Berufsnähe und den Fachkenntnissen im
Rohstoffbereich. Es sei nicht Aufgabe des Rekurrenten gewesen, sich um
Ingenieursarbeiten wie die Beurteilung von Rohstoffen bzw. deren Abbau
- 12 -
zu kümmern. Der Rekurrent sei Mitglied des Verwaltungsrates, nicht jedoch
Angestellter der E. AG gewesen. Die Marktansprache für die Suche nach
potentiellen Kunden sei durch M&A-Spezialisten der D. vorgenommen
worden. Es liege auch kein Zusammenschluss zu einer Perso-
nengesellschaft vor, der zu einer Gewerbsmässigkeit führen könnte. Es sei
gängige Praxis, dass Investoren nur mit einer Partei verhandeln wollten.
Eine Reinvestition des Gewinnes in gleichartige Vermögensgegenstände
habe nicht stattgefunden. Die teilweise Bezahlung des Kaufpreises durch
Aktien der Käuferin stelle keine Reinvestition dar. Der Rekurrent habe keine
andere Möglichkeit gehabt, als die Aktien als Kaufpreissurrogat zu akzep-
tieren. Zu Recht sei die Steuerkommission im Einspracheentscheid auch
davon ausgegangen, dass keine steuerbare indirekte Teilliquidation vor-
liege.
Zur Beweislast wurde hinsichtlich Beteiligungshandel angeführt, dass die
Rekurrenten den Mitwirkungspflichten immer nachgekommen seien. Einzig
im Jahr 2010 sei die Steuererklärung im Kanton T. zu spät eingereicht
worden, weshalb eine Ermessensveranlagung vorgenommen worden sei.
Die Steuererklärungen der Jahre bis 2010 lägen aber vor. Ein Gegenbe-
weis könne den Rekurrenten nicht auferlegt werden. Es sei nicht opportun,
eine Beweislastumkehr aufgrund der Rechtsprechung zum Liegenschaf-
tenhändler zu konstruieren. Den Rekurrenten könne insbesondere in Be-
zug auf die nur vermutete Fremdfinanzierung kein Negativbeweis zuge-
schoben werden.
Da der Rekurrent einen steuerfreien privaten Kapitalgewinn erzielt habe,
stelle sich auch grundsätzlich die Frage von Anlagekosten nicht. Ebenso
seien keine Ausführungen zu der in der Stellungnahme des KStA gemach-
ten falschen Behauptung, die erhaltenen Aktien gehörten zum Geschäfts-
vermögen und darauf erzielte Verluste seien abziehbar, zu machen.
Gleichermassen führe die Komplexität der Transaktion entgegen der Vor-
instanz nicht zu einem Beteiligungshandel im Nebenerwerb. Vielmehr
handle es sich um eine einfache Transaktion, nämlich den Verkauf von Ak-
tien einer Schweizer Gesellschaft aus dem Privatvermögen. Dass die tech-
nische Abwicklung des Verkaufes aufwändiger gewesen sei, sei einzig in
der ausländischen Käuferschaft begründet gewesen. Auch begründe die
verkaufsbedingte Wertsteigerung und Stärkung der E. AG kein Argument
für einen Beteiligungshandel. Es lägen weder eine Fremdfinanzierung,
noch eine besondere Berufsnähe, noch der Einsatz von Spezial-
kenntnissen oder ein besonderes, systematisches und planmässiges Vor-
gehen vor. Auch dass weitere Personen wie die AL. AG oder die D. AG für
ihre beratende Tätigkeit im Falle eines erfolgreichen Verkaufs der Aktien
der E. AG entschädigt worden seien, vermöge keine Gewerbsmässigkeit
zu begründen.
- 13 -
Weiter wurde ausdrücklich die Gleichbehandlung im Recht verlangt. Bei
AN., QS., sei keine Erfassung eines Gewinnes mit der Einkommenssteuer
erfolgt. Vielmehr habe dieser aus dem Verkauf der Aktien einen
steuerfreien Kapitalgewinn realisiert.
Neu wurde die Aufrechnung von CHF 20'000.00 zum Einkommen aus un-
selbständiger Erwerbstätigkeit ("Anstellung für die ersten beiden Monate")
mit Rekurs angefochten. Die Steuerkommission Q. habe diese
Aufrechnung nicht begründet. Aus dem Anstellungsvertrag der AP. AG
ergebe sich als Datum des Stellenantritts der 1. März 2011.
Dementsprechend sei ein Lohnausweis mit einem Nettolohn II von
CHF 86'847.00 eingereicht worden. Die Aufrechnung sei als willkürlich zu
streichen. Gleichzeitig seien die Berufsauslagen anzupassen.
Abschliessend wurde festgehalten, dass sich der Rekurs nicht gegen die
mit der Stellungnahme vom 15. Dezember 2017 mitgeteilte "ungenaue" De-
klaration von Vermögenswerten in der Steuererklärung 2011 und die dar-
aus folgende Aufrechnung von Vermögen durch die Steuerkommission Q.
richte.
4.7.
4.7.1.
Das Gemeindesteueramt Q. führte in seiner Vernehmlassung
insbesondere aus, der Antrag, das Einkommen aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit in Berücksichtigung verminderter Berufsauslagen zu kür-
zen, werde im Rekurs erstmals erhoben. Zu berücksichtigen sei auf jeden
Fall, dass der Rekurrent mit der Steuerdeklaration ganzjährige Berufsaus-
lagen beantragt habe.
4.7.2.
Das KStA führte in der Vernehmlassung ergänzend aus, die Rekurrenten
hätten bis heute nicht offengelegt, weshalb sie mit der Investition in die E.
AG einen so hohen Gewinn erzielen konnten. Zur Beweislast wurde auf
BGE 122 II 446 verwiesen. Hingegen wurde das mehrfach zitierte, in StE
2012 B 23.1 Nr. 75 publizierte Bundesgerichtsurteil vom 25. September
2012 als nicht einschlägig betrachtet. Es sei daran festzuhalten, dass eine
Fremdfinanzierung vorliege. Das Investment in die E. AG habe zwischen
dem 31. Dezember 2009 und dem Verkauf um CHF 738'836.00
zugenommen. Der Nachweis für die entsprechende Finanzierung sei nicht
erbracht worden. Es fehle auch der Nachweis für die Eigenfinanzierung der
Kapitalerhöhung im Jahr 2009. Das D.-Konto, von welchem der Rekurrent
die Einzahlung auf das Kapitalerhöhungskonto geleistet haben will, sei in
den Steuererklärungen 2008 und 2009 nicht aufgeführt. Der Rekurrent
könne die Berufsnähe bzw. Fachkenntnisse bei Minenprojekten nicht
bestreiten, lägen doch entsprechende Nachweise vor. Trotz Aufforderung
vom 18. Februar 2018 seinen weder Verträge noch Zahlungsnachweise für
- 14 -
die Entschädigungen an Beneficial Partners eingereicht worden. Mit
Eingabe vom 6. Juni 2018 seien dann nur Zahlungen an einen einzigen
Beneficial Partner über € 520'000.00 ausgewiesen worden. Einen
schriftlichen Vertrag habe es dazu nach den Angaben des Rekurrenten
nicht gegeben. Die Beteiligung von Beneficial Partners sei absolut unüblich
für eine private Vermögensverwaltung und sei in Bezug auf die Gewerbs-
mässigkeit einer Fremdfinanzierung gleichzusetzen.
Weiter wurde der Verzicht auf die Aufrechnung von CHF 20'000.00 zum
Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit unter Anpassung der Be-
rufsauslagen (Reduktion Pauschalabzug um CHF 600.00 und Abzug für
auswärtige Verpflegung um CHF 440.00) und damit eine Reduktion des
steuerbaren Einkommens um CHF 18'960.00 beantragt.
In Bezug auf die "Netto-Aufrechnung steuerbares Vermögen" wurde erklärt,
das satzbestimmende Vermögen sei von CHF 2'415'248.00 um
CHF 2'747'554.04 "(richtiger Aktienwert [Fr. 3'272'502.04] ./. Aktienwert ge-
mäss Einsprache [Fr. 524'948.00])" auf gerundet CHF 5'162'000.00 zu er-
höhen. Der gleiche Wert gelte für das steuerbare Vermögen.
4.8.
In der Replik wurde von den Rekurrenten an den bisherigen Standpunkten
festgehalten. Zur Vermögesaufrechnung wurde auf die Stellungnahme der
Rekurrenten vom 6. Juni 2018 verwiesen. Danach sei die Kaufpreiskompo-
nente in Form der insgesamt 101'000'000 Aktien der P.. aufgrund einer
Sperrfrist wertmässig "undefinierbar" gewesen. Weshalb das KStA in
Abweichung vom Einspracheentscheid und vom Amtsbericht eine
Reformatio beantrage, sei nicht nachvollziehbar, zumal der
Einspracheentscheid nicht an einem qualifizierten, offenkundigen Mangel
leide.
5.
5.1.
Gemäss § 195 Abs. 2 StG kann die Steuerkommission im Einsprachever-
fahren alle Faktoren neu festsetzen. Ändert sie die Veranlagung zu Un-
gunsten der steuerpflichtigen Person (sog. reformatio in peius), hat sie ihr
zuvor Gelegenheit zu geben, sich schriftlich oder mündlich zu äussern. Mit
dieser Bestimmung wird das bundesverfassungsrechtliche Verbot formeller
Rechtsverweigerung (Art. 29 Abs. 2 BV) für den Bereich des Steuerrechts
in der Ausgestaltung als Recht auf Äusserung konkretisiert.
Sinn und Zweck des rechtlichen Gehörs ist es, dass der Steuerpflichtige
Stellung nehmen kann, bevor über seine Einsprache entschieden wird. Da-
bei soll die Sachlage, unter Teilnahme des Betroffenen, möglichst optimal
- 15 -
aufgeklärt werden. Gegenstand der Äusserung ist der gesamte Verfahrens-
stoff. Der Betroffene kann sich zu allen entscheidrelevanten Sachfragen
äussern.
Bezüglich der Bestimmung von § 195 Abs. 2 StG bedeutet dies, dass die
Einsprachebehörde dem Steuerpflichtigen vor dem Entscheid nicht nur all-
gemein, sondern ganz konkret aufzuzeigen hat, in welcher Hinsicht und in
welchem Umfang die Veranlagung zu seinem Nachteil abgeändert werden
soll (SGE vom 22. Dezember 2016 [3-RV.2016.104]; Kommentar zum Aar-
gauer Steuergesetz, 4. Auflage, Muri-Bern 2015, § 195 StG N 8). An die
Form der schriftlichen Mitteilung einer möglichen Höhereinschätzung sind
die gleichen Anforderungen zu stellen wie an einen Einspracheentscheid,
d.h. es ist eine kurze Begründung hinsichtlich der beabsichtigten Ver-
schlechterung anzugeben (Richner/Frei/Kaufmann/Rohner, Kommentar
zum Zürcher Steuergesetz, 4. Auflage, Zürich 2021, § 149 StG ZH N 27).
Die vorgängige Anhörung soll dem Steuerpflichtigen ermöglichen, die ma-
terielle Berechtigung der Reformatio in peius zu bestreiten und zu versu-
chen, sie auf diese Weise abzuwenden (VGE vom 21. Dezember 2005
[WBE.2003.330]).
5.2.
Die Steuerkommission Q. hat das steuerbare Einkommen der Rekurrenten
mit dem Einspracheentscheid erhöht, ebenso das steuerbare Vermögen.
Zur Erhöhung des steuerbaren Vermögens ("ungenaue Deklaration") liegt
das Einverständnis der Rekurrenten vor, was nochmals im Rekurs aus-
drücklich bestätigt wurde. Davon umfasst wird auch die in den Details zur
Steuerveranlagung 2011 unzutreffend unter dem Titel "Errichtung einer
Erbschaft" betreffend Liegenschaft "AG/Q., AC 23 / StWEG-Nr. ccc,
Parz.Nr. ddd, GB-Nr. eee" erfasste Differenz zum satzbestimmenden
Vermögen (Erhöhung des steuerbaren Vermögens um CHF 1'184.00).
Hingegen ergibt sich aus den Akten keine ausdrückliche Androhung einer
Reformatio in peius in Bezug auf das Einkommen aus Beteiligungshandel
durch die Steuerkommission Q.. Zwar war eine solche aufgrund des
Amtsberichtes des KStA vom 12. September 2016 zu erwarten. Von der
dafür zuständigen Steuerkommission wurde den Rekurrenten eine solche
– trotz wiederholter Gelegenheit zur Stellungnahme – jedoch nie wie
erforderlich ausdrücklich und konkret angedroht.
5.3.
Mit ihrem Vorgehen hat die Vorinstanz den Anspruch der Rekurrenten auf
rechtliches Gehör verletzt. Die vorliegende Verletzung ist aber nicht ver-
gleichbar mit Fällen, in welchen die Steuerpflichtigen vor der Vornahme ei-
ner Reformatio in peius überhaupt nicht angehört werden, was im Rekurs-
- 16 -
verfahren nicht geheilt werden könnte und daher zwingend zu einer Rück-
weisung an die Vorinstanz führen müsste (vgl. BStPra 2/2012 S. 89 ff.).
Von einer Rückweisung der Sache kann nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts abgesehen werden, wenn und soweit die Rückweisung zu
einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen füh-
ren würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförder-
lichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wäre (vgl. BGE 132 V
387, Erw. 5.1; VGE vom 16. Juni 2010 [WBE.2009.245]). Es ist daher auf
eine Rückweisung zu verzichten, die Verletzung des rechtlichen Gehörs
aber bei der Kostenverteilung zu berücksichtigen.
5.4.
Nach § 197 Abs. 2 StG ist das Spezialverwaltungsgericht nicht an die An-
träge der Parteien gebunden. Insofern ist im Rekursverfahren ohne Weite-
res – wie vom KStA beantragt – eine Reformatio in peius möglich. Was die
Rekurrenten dagegen in der Replik vorbringen lassen ist damit nicht von
Relevanz. Hingegen kann im Rekursverfahren in Gegensatz zum Ein-
spracheverfahren keine Reformatio in peius gegen den Willen der Rekur-
renten vorgenommen werden. Vielmehr hat das Spezialverwaltungsgericht
einem Rekursrückzug Folge zu geben (§ 197 Abs. 3 StG). Vor einer Refor-
matio in peius ist damit den Rekurrenten jeweils die Möglichkeit eines
Rückzuges zu eröffnen. Darauf wird bei der Behandlung des Antrages des
KStA betreffend Erhöhung des steuerbaren Vermögens zurückzukommen
sein.
6.
6.1.
6.1.1.
Mit der Veranlagung wurde in Abweichung von der Selbstdeklaration ein
Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit von CHF 120'000.00 an-
statt der deklarierten CHF 86'847.00 erfasst. Berücksichtigt wurden anstatt
der in der Steuererklärung 2011 vom 6. November 2012 (Druckdatum) de-
klarierten Aufwendungen (CHF 5'806.00) Berufsauslagen von
CHF 6'406.00 (Pauschalabzug von CHF 3'206.00 und Mehrkosten der aus-
wärtigen Verpflegung von CHF 3'200.00 [voller Abzug]). Daran wurde – un-
angefochten – mit dem Einspracheentscheid festgehalten.
6.1.2.
Im Rekurs wurde erstmals die Aufrechnung von CHF 20'000.00 zum Ein-
kommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit ("Anstellung für die ersten
beiden Monate") angefochten. Aus dem Anstellungsvertrag der AP. AG
ergebe sich als Datum des Stellenantritts der 1. März 2011. Dem-
entsprechend sei ein Lohnausweis mit einem Nettolohn II von
CHF 86'847.00 eingereicht worden. Die Aufrechnung sei als willkürlich zu
streichen. Gleichzeitig seien die Berufsauslagen anzupassen.
- 17 -
6.1.3.
Das KStA hat mit der Vernehmlassung den Verzicht auf die Aufrechnung
von CHF 20'000.00 zum Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit
unter Anpassung der Berufsauslagen (Reduktion Pauschalabzug um
CHF 600.00 und Abzug für auswärtige Verpflegung um CHF 440.00) und
damit eine Reduktion des steuerbaren Einkommens um CHF 18'960.00 be-
fürwortet.
6.2.
Verwaltungsgericht und Spezialverwaltungsgericht betrachten es in lang-
jähriger, konstanter Praxis auch vor dem Hintergrund der Offizialmaxime
als zulässig, übereinstimmenden Anträgen der Beteiligten zur Erledigung
des Verfahrens stattzugeben, sofern sich diese – nach einer summarischen
Prüfung – als gesetzmässig erweisen und allfällige Zugeständnisse der Be-
teiligten innerhalb des Spielraumes bleiben, den das Gesetz ohnehin ge-
währt (VGE vom 20. Februar 2004 [BE.2003.00301]; SGE vom 28. Januar
2016 [3-RV.2015.145]). Das ist hier der Fall. Das Einkommen reduziert sich
dementsprechend um CHF 18'960.00. Der Rekurs ist in diesem Punkt gut-
zuheissen. Hingegen ist bei der Kostenverteilung zu berücksichtigen, dass
die Rekurrenten in diesem Punkt das Verfahren mit dem entsprechenden
erstmals im Rekurs gestellten Antrag verursacht haben.
7.
7.1.
Für die Abgrenzung zwischen steuerfreien Kapitalgewinnen und steuerba-
ren Einkünften ist bei Wertschriftengeschäften zunächst relevant, ob der
Zufluss im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung oder einer selbst-
ständigen Erwerbstätigkeit erzielt wurde. Vermögenswerte, welche zur
Ausübung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit eingesetzt werden, sind
dem Geschäftsvermögen zuzurechnen. Kapitalgewinne aus der Veräusse-
rung von Geschäftsvermögen stellen dabei stets steuerbares Einkommen
dar (§ 27 Abs. 1 und 2 StG; vgl. gleichlautender Art. 18 Abs. 1 und 2 DBG).
Nur wenn die relevanten Zuflüsse nicht einer selbstständigen Erwerbstätig-
keit zuzurechnen sind, sondern vielmehr im Rahmen privater Vermögens-
verwaltung erzielt wurden, ist schliesslich zwischen steuerbarem Vermö-
gensertrag (§ 29 StG; vgl. Art. 20 DBG) und steuerfreiem Kapitalgewinn
(§ 33 lit. i StG, vgl. Art. 16 Abs. 3 DBG) zu unterscheiden (vgl. Bundesge-
richtsurteil vom 10. August 2015 [2C_929/2014], mit zahlreichen Hinwei-
sen; ferner Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 95 StG N 1,
vgl. auch § 14 StG N 74).
7.2.
Vorerst ist unbestritten, dass dem Rekurrenten aus dem (Teil-)Verkauf sei-
ner Aktien Mittel zugeflossen sind. Nachfolgend ist damit zu prüfen, ob der
- 18 -
vom Rekurrenten erzielte Kapitalgewinn mit der Einkommenssteuer zu er-
fassen ist oder aber als im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung er-
zielt steuerfrei bleibt.
7.3.
Das Verwaltungsgericht hat sich im Entscheid vom 4. November 2009
(WBE.2009.18; mit zahlreichen Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung)
zu den bei der Besteuerung von Vermögenszugängen geltenden Beweis-
lastregeln wie folgt geäussert (siehe auch SGE vom 20. November 2014
[3-BB.2013.5]):
"3. 3.1. In der Rechtsanwendung führt das Zusammenspiel von § 25 Abs. 1 und § 33 lit. a - k StG bei nicht unter §§ 26 - 32 DBG [recte: StG]  Einkünften dazu, dass zunächst weiter zu prüfen ist, ob sie  unter eine der gemäss § 33 lit. a - k StG steuerfreien Einkünfte fallen. Muss das verneint werden, kommt die Einkommensgeneralklausel zum Zug und die infrage stehende Einkunft ist der Besteuerung zu .
3.2. Nach der im Steuerrecht allgemein gültigen Regel trägt die Steuerbehörde die Beweislast für steuerbegründende Tatsachen, während der Beweis für steueraufhebende oder steuermindernde Tatsachen grundsätzlich dem Steuerpflichtigen obliegt und er steuermindernde Tatsachen nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen hat [...]. In praktischer Hinsicht  die dargelegten Zusammenhänge zur Folge, dass bei Einkünften, die nicht unter § 26 - 36 StG eingeordnet werden können, der (potentielle) Steuerpflichtige die Beweislast für die – steuermindernden – tatsächlichen Umstände trägt, die eine Einordnung der betreffenden Einkunft unter eine der in § 33 lit. a - k StG genannten Einkunftsarten erlaubt. Ergibt sich  solcher Umstände eine Unklarheit und kann die betreffende  deshalb nicht einer dieser Einkunftsarten zugeordnet werden, so greift wiederum die Generalklausel und es ist von der Steuerbarkeit der Einkunft auszugehen.
4. 4.1. Werden im Besteuerungsverfahren Tatsachen streitig, so ist für das  grundsätzlich vom Vollbeweis auszugehen [...]. Das bedeutet, dass die infrage stehende Tatsache erst dann als nachgewiesen gilt, wenn ein so hoher Grad an Wahrscheinlichkeit für deren Vorhandensein spricht, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben. Die Wahrheitsüberzeugung der Behörde und/oder des Gerichts muss auf konkreten Gründen, der  Lebenserfahrung und der praktischen Vernunft beruhen [...]. Das Beweismass kann aufgrund ausdrücklicher gesetzlicher Anordnung  sein (so etwa bei der Ermessensveranlagung; [...]).  greifen nach Lehre und Rechtsprechung aber auch dann, wenn ein strikter Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich oder nicht  ist. Blosse Beweisschwierigkeiten im konkreten Einzelfall, weil der beweisbelasteten Partei die Beweismittel fehlen, führen indessen nicht zu Beweiserleichterungen [...].
- 19 -
4.2. Für die Bewertung der Beweise gilt der Grundsatz der freien . Die Steuerbehörde und in der Folge die Steuerjustizbehörden sind an keine Regeln über den Wert bestimmter Beweismittel gebunden, und es gibt keine hierarchische Abstufung der zugelassenen Beweismittel nach ihrem Beweiswert. Steuer- und Steuerjustizbehörden messen den  nach ihrer eigenen, freien Überzeugung ein bestimmtes Gewicht bei [...]. Die Steuer- bzw. die Steuerjustizbehörde muss sachlich begründen können, weshalb sie einen Beweis als erbracht bzw. als nicht stichhaltig betrachtet [...]."
Auf diese verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung ist auch vorliegend ab-
zustellen.
8.
Die Parteien sind sich darin einig, dass kein gewerbsmässiger Wertschrif-
tenhandel im Nebenerwerb vorliegt. Das gilt einerseits für die Rekurrenten,
welche von einem steuerfreien Kapitalgewinn aus dem Verkauf von Aktien
des Privatvermögens ausgehen und anderseits für das KStA, welches die
Voraussetzungen eines steuerbaren Beteiligungshandels erfüllt sieht. Für
das Spezialverwaltungsgericht besteht deshalb keine Veranlassung, dies-
bezüglich eine vertiefte Prüfung vorzunehmen, da insbesondere die Häu-
figkeit der Transaktionen gegen einen Wertschriftenhandel im Nebener-
werb spricht.
9.
9.1.
Weiter zu prüfen ist somit, ob ein Beteiligungshandel im selbständigen Ne-
benerwerb vorliegt.
9.2.
Das Bundesgericht hat sich im Urteil vom 25. September 2012 (2C_115/
2012 = StE 2012 B 23.1 Nr. 75 und StR 68 S. 56) zu den Voraussetzungen
des Beteiligungshandels bei der direkten Bundessteuer wie folgt geäussert:
"2. 2.1 2.1.1 Der Einkommenssteuer unterliegen alle wiederkehrenden und  Einkünfte mit Ausnahme der Kapitalgewinne aus der  von Privatvermögen (Art. 16 Abs. 1 und Abs. 3 DBG). Steuerbar sind gemäss Art. 18 Abs. 1 DBG alle Einkünfte aus einem Handels-, Indu- strie-, Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien  sowie aus jeder anderen selbständigen Erwerbstätigkeit. Unter diesen Begriff fällt allgemein jede Tätigkeit, bei der ein Unternehmer auf eigenes Risiko, unter Einsatz von Arbeit und Kapital, in einer frei gewählten  und mit der Absicht der Gewinnerzielung am Wirtschaftsverkehr teilnimmt. Eine solche Tätigkeit kann haupt- oder nebenberuflich, dauernd oder temporär ausgeübt werden. Ob eine selbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, ist stets nach den gesamten Umständen des Einzelfalls zu ; die einzelnen Begriffsmerkmale dürfen nicht isoliert betrachtet  und können auch in unterschiedlicher Intensität auftreten (BGE 125 II
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%272C_115%2F2012%27&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-113%3Ade&number_of_ranks=0#page113
- 20 -
113 E. 5b S. 120 f.; 122 II 446 E. 5a S. 452 f.; Urteil 2C_907/2010 vom 16. Mai 2011 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.1.2 Zu den Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit zählen auch alle Kapitalgewinne aus Veräusserung, Verwertung oder buchmässiger Aufwertung von Geschäftsvermögen (Art. 18 Abs. 2 Satz 1 DBG). Keine selbständige Erwerbstätigkeit liegt aber vor, wenn bloss das eigene  verwaltet wird. Ob einfache Vermögensverwaltung oder auf Erwerb gerichtete Tätigkeit vorliegt, ist ebenfalls unter Berücksichtigung der  Umstände des Einzelfalls zu beurteilen. Bezüglich der zu  Indizien erwog das Bundesgericht in seinem Urteil 2C_868/ 2008 vom 23. Oktober 2009 E. 2.7 (StE 2010 B 23.1 Nr. 68) für die Frage, ob Wertschriftenhandel vorliege, seien insbesondere die Kriterien der 'Höhe des Transaktionsvolumens' (betragsmässige Summe aller Käufe und Verkäufe) sowie der 'Einsatz erheblicher fremder Mittel zur  der Geschäfte' zu berücksichtigen. Demgegenüber seien die Indizien des systematischen und planmässigen Vorgehens sowie des Einsatzes spezieller Fachkenntnis nicht mehr zeitgemäss und hätten nur noch  Bedeutung im Sinne von 'Ausschlusskriterien' (vgl. auch Urteil 2C_403/2009, 2C_404/2009 vom 1. März 2010 E. 2.4 in fine).
2.1.3 Diese von der Literatur unterschiedlich gewürdigte Verdeutlichung der Praxis ist allerdings auf den Fall des sog. Quasi-Wertschriftenhändlers zugeschnitten, wo es um Portfolio-Anlagen geht. Vorliegend hat aber die hälftige Beteiligung an der S. V. SA die Hand geändert, weshalb sich hier die Frage stellt, ob man es mit einem "Beteiligungshändler" zu tun hat (vgl. Urteil 2C_385/2011, 2C_386/2011 vom 12. September 2011 E. 2.1, in: StR 66/2011 S. 950 ff., 952). Wie die Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt, hat die Vorinstanz den Fall allzu sehr unter dem - hier offensichtlich nicht gegebenen - Aspekt eines Quasi-Wertschriftenhändlers beurteilt. Im  ist daher zu prüfen, ob sich mit Blick auf die Rechtsprechung zum nebenberuflichen 'Beteiligungshandel' ein anderes Resultat ergibt.
2.2 2.2.1 Bei steuerpflichtigen Personen, die hauptberuflich unselbständig  sind, hat das Bundesgericht bisher einen nebenberuflichen '' nur vereinzelt und bei besonders gelagerten  angenommen. Wurde eine solche selbständige Nebenerwerbstätigkeit bejaht, obschon im Extremfall nur gerade eine Beteiligung zum Verkauf gelangt war, spielten durchwegs die Indizien der 'Berufsnähe' bzw. der  'Spezialkenntnisse' eine gewisse Rolle. Den Ausschlag gaben aber stets entweder die massive Fremdfinanzierung und das dadurch  grosse (Unternehmer-)Risiko oder aber das besonders  und planmässige Vorgehen (Urteil 2C_385/2011, 2C_386/2011 vom 12. September 2011 E. 2.1, in: StR 66/2011 S. 950 ff., 952, mit ).
Vorbehalten bleiben die nachfolgend unter E. 2.4 behandelten Fälle, wo bereits eine selbständige Erwerbstätigkeit besteht und sich nur die Frage stellt, ob die verkaufte Beteiligung zum Geschäfts- oder zum  gehört hat (vgl. hierzu Urteil 2C_361/2011, 2C_364/2011 vom 8.  2011 E. 2.3 und 2.4, in: ZStP 21/2012 S. 32 ff., 34 f., mit ).
Zu den Kantons- und Gemeindesteuern wurde ausgeführt:
"3.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%272C_115%2F2012%27&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-113%3Ade&number_of_ranks=0#page113 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%272C_115%2F2012%27&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-II-446%3Ade&number_of_ranks=0#page446
- 21 -
Art. 12 Abs. 1 und 3 sowie Art. 14 Abs. 1 des Steuergesetzes des Kantons Wallis vom 10. März 1976 (SGS 642.1) entsprechen Art. 16 Abs. 1 bzw. 3 und Art. 18 Abs. 1 DBG und harmonieren mit Art. 7 und 8 StHG. Der Begriff der selbständigen Erwerbstätigkeit ist daher unter dem Geltungsbereich des StHG und im kantonalen Recht nicht anders auszulegen als auf dem Gebiet der direkten Bundessteuer. Eine andere Auslegung würde dem  der vertikalen Steuerharmonisierung zuwiderlaufen und die mit dem Erlass des StHG angestrebte Vereinfachung der Rechtsanwendung  (Urteil 2C_868/2008 vom 23. Oktober 2009 E. 2.1 mit Hinweisen, in: StE 2010 B 23.1 Nr. 68)."
9.3.
In einem weiteren Urteil vom 9. Mai 2016 (2C_1131/2015 und 1132/2015)
hat sich das Bundesgericht unter Verweis auf das vorgenannte Urteil vom
25. September 2012 (2C_115/2012) mit dem Verkauf einer Beteiligung an
Internetplattformen befasst. Dazu wurde ausgeführt:
"1.1. A. war in verschiedenen Ländern an der Gründung von Internet- beteiligt. Er gründete u.a. die X. Limited, deren Grundkapital zu 10,4% in seinem Eigentum stand. Rund ein halbes Jahr später verkaufte er diesen Anteil wieder mit Gewinn.
1.2. Mit Einspracheentscheid vom 2. April 2015 rechnete das Kantonale Steueramt Zürich den mit der Veräusserung des Kapitalanteils an X.  Gewinn für die Staats- und die direkte Bundessteuer der Periode 2011 im Betrag von Fr. 81'081.-- beim steuerbaren Einkommen von A. auf; das Steueramt ging davon aus, dass die Veräusserung im Rahmen einer selbständigen Erwerbstätigkeit des Pflichtigen erfolgt war und somit keinen steuerfreien Kapitalgewinn darstellte, wie das der Fall gewesen wäre, wenn es sich um eine unselbständige Tätigkeit gehandelt hätte.
(...)
3.1. Art. 16 DBG bringt im Bereich der Besteuerung des Einkommens  Personen das Konzept der modifizierten  zum Ausdruck. Danach unterliegen aufgrund der  von Art. 16 Abs. 1 DBG und des nicht abschliessenden  (Art. 17-23 DBG) alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte der direkten Bundessteuer. Vorbehalten bleiben die Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Privatvermögen (Art. 16 Abs. 3 DBG) und die im Negativkatalog von Art. 24 DBG abschliessend aufgezählten Fälle.
3.1.1. Von Gewinnen im Privatvermögen ist praxisgemäss auszugehen, wenn sie in Ausnützung einer zufällig sich bietenden Gelegenheit erzielt worden sind, sodass die Tätigkeit nicht insgesamt auf Erwerb gerichtet ist und damit keine selbständige Erwerbstätigkeit darstellt. Dagegen  die Kapitalgewinne aus der Veräusserung, Verwertung oder  Aufwertung von Bestandteilen des Geschäftsvermögens der ; sie zählen zu den Einkünften aus selbständiger  (Art. 18 Abs. 2 Satz 1 DBG). Für den Begriff der selbständigen Erwerbstätigkeit kennzeichnend ist die Tätigkeit einer natürlichen Person, mit der diese auf eigenes Risiko, unter Einsatz der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital, in einer von ihr frei gewählten Arbeitsorganisation,  oder vorübergehend, haupt- oder nebenberuflich, in jedem Fall aber mit der Absicht der Gewinnerzielung am Wirtschaftsverkehr teilnimmt. Die
- 22 -
Prüfung ist von Fall zu Fall aufgrund einer umfassenden Würdigung der tatsächlichen Umstände vorzunehmen. Die einzelnen Gesichtspunkte  dabei nicht isoliert betrachtet werden und können auch in  Intensität auftreten (vgl. namentlich auch Art. 7 Abs. 1 u. Abs. 4 lit. b sowie Art. 8 Abs. 1 StHG; siehe weiter § 16 Abs. 1 u. 3 sowie § 18 Abs. 1 u. 2 des Steuergesetzes des Kantons Zürich vom 8. Juni 1997).
3.1.2. Zum gewerbsmässigen Liegenschaftenhandel als Sonderform der selbständigen Erwerbstätigkeit hat die bundesgerichtliche Praxis  Merkmale umschrieben. Solche bestehen im systematischen bzw. planmässigen Vorgehen, in der Häufigkeit der Transaktionen, der Nähe des Liegenschaftenhandels zur hauptberuflichen Tätigkeit der  Person, im Einsatz spezieller Fachkenntnisse, der , dem Einsatz erheblichen Fremdkapitals zur Finanzierung der Transaktionen oder der Vornahme der Transaktionen im Rahmen einer Personengesellschaft. Ähnliche, wenn auch bereichsspezifisch  Merkmale hat das Bundesgericht für den gewerbsmässigen  entwickelt (vgl. zum Ganzen das Urteil 2C_1273/2012 vom 13. Juni 2013 E. 2.1 u. 2.2 in: ASA 82 S, 72; mit zahlreichen Hinweisen). Beim hiervon zu unterscheidenden 'Beteiligungshandel' spielen die  der Berufsnähe und der eingesetzten Spezialkenntnisse eine gewisse Rolle, vor allem aber die allfällige Fremdfinanzierung, das eingegangene (Unternehmer-) Risiko oder das besonders systematische und  Vorgehen (Urteil 2C_115/2012 und 2C_116/2012 vom 25. September 2012 E. 2.2.1).
3.2. In Anwendung der massgeblichen Gesetzesbestimmungen und in Übereinstimmung mit der gültigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat das Verwaltungsgericht erwogen, dass die hier zu beurteilende  des Beschwerdeführers eine selbständige war. Das hat es auf eine eingehende und sorgfältige Sachverhaltsermittlung gestützt, mit wesentlichen Tatsachenfeststellungen, aufgrund derer mehrere Indizien für eine selbständige Tätigkeit als erfüllt zu gelten haben. So gründete der Beschwerdeführer systematisch und zusammen mit weiteren Investoren in diversen Schwellenländern Internet-Plattformen (vgl. E. 4.3 u. 4.6 des  Urteils), wobei er nicht nur Kapital investierte (vgl. ebenda E. 4.4), sondern auch Gründungs- und Unterstützungsarbeit leistete, und zwar in einem Ausmass, das über eine private Vermögensverwaltung weit hinausging (vgl. E. 4.3). Als Unternehmensgründer nahm er auch  und planmässig unternehmerische Risiken auf sich, welche unter den gegebenen Umständen so geartet waren, dass sie das übliche  übertrafen (vgl. ebenda E. 4.5; siehe zum Ganzen auch E. 4.9)."
10.
10.1.
Vorerst ist festzuhalten, dass das vom Rekurrenten und G. gewählte und
vom Rekurrenten auf jeden Fall mitgetragene Vorgehen kaum als
"Ausnützung einer zufällig sich bietenden Gelegenheit" bezeichnet kann.
Dafür sind die vom Rekurrenten, G. und nach den Angaben der
Rekurrenten weiteren Drittpersonen (wie die Beneficial
Owners/D./Anwälte) fortwährend vorgenommenen Handlungen schlicht zu
komplex. Das allein spricht gegen einen steuerfreien privaten Kapitalge-
winn.
- 23 -
10.2.
10.2.1.
Der Rekurrent war bereits im Jahr 2011 Mitglied des Verwaltungsrates der
AM. AG mit Sitz in S.. Diese Gesellschaft bezweckt gemäss
Handelsregistereintrag den Erwerb, die Finanzierung sowie das Halten und
Verwalten von Beteiligungen im Bereich Rohstoffe. Geschäftsführer war
vom 18. Oktober 2011 bis zum 20. Mai 2015 G..
G. war bis zum 12. September 2006 Direktor der C. AG (in Liquidation).
Zweck der Gesellschaft war bis zum 15. Dezember 2009 die weltweite
Beteiligung an und Finanzierung von Unternehmen, vornehmlich
Unternehmen der Rohstoff- und Reststoffbranche (HR-Internetauszug vom
15. Oktober 2021). In dieser Funktion musste G., Geschäftspartner des
Rekurrenten, zweifellos über Fachkenntnisse im Rohstoffhandel verfügen.
AN., ein weiterer Verkäufer von Aktien der E. AG, war bis zum 14. Januar
2011 Mitglied des Verwaltungsrates der J. AG in Liquidation (der Rekurrent
war gemäss Wertschriftenverzeichnissen 2009 und 2010 Aktionär dieser
Gesellschaft). Die Gesellschaft bezweckte den Erwerb, die Finanzierung,
das Halten und Verwalten von Beteiligungen in den Bereichen von
Rohstoffen (HR-Internetauszug vom 15. Oktober 2021). Es muss davon
ausgegangen werden, dass auch der Beteiligte AN. über Fachkenntnisse
im Rohstoffbereich verfügte.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass sich der Rekurrent bei der Gründung
der E. AG und dem folgenden Verkauf der Aktien der Gesellschaft mit
Personen zusammengeschlossen hat, welche über Kenntnisse im
Rohstoffbereich verfügt haben müssen. Nicht erforderlich ist, dass die
beteiligten Personen detailliertes Ingenieurwissen im Rohstoffbereich hat-
ten. Aus den Akten ergibt sich, dass das spezifische Fachwissen in Bezug
auf das BA. Projekt in X. (vgl. E. Ltd "Developping the world's highest grade,
BC."; Einsprachebeilage 3) eingekauft wurde, was durchaus üblich ist.
10.2.2.
Die E. AG bezweckt den "Erwerb, Finanzierung, Halten und Verwalten von
Beteiligungen im Bereich Rohstoffe sowie erstellen und vermarkten von
Konzepten" (HR-Internetauszug vom 15. Oktober 2021). Die Beteiligung
des Rekurrenten an der Gesellschaft als Aktionär war damit nicht nur
mittelbar auf das Halten von Beteiligungen, sondern in seiner Ak-
tionärsstellung unmittelbar von Anfang an auch auf den Handel von Betei-
ligungen ausgerichtet.
Der Rekurrent war weiter an Gesellschaften beteiligt oder für solche Ge-
sellschaften in leitender Funktion (Geschäftsführer/Verwaltungsrat) tätig,
die das Halten und den Verkauf von Beteiligungen bezweckten. Er erwarb
2011 (vgl. Ziff. 9 der Stellungnahme der Vertreterin vom 12. Mai 2016) die
- 24 -
L. AG mit einem Grundkapital von CHF 400'000.00 zu 100 %. Sodann war
der Rekurrent Mitglied oder Präsident des Verwaltungsrates der AB. AG
(vormals BE. AG mit Sitz in S.), einer im Jahr 2016 gegründeten
Gesellschaft, welche vorerst den Handel mit und die Produktion von
Stahlprodukten aller Art bezweckte, per 25. September 2020 jedoch den
Zweck insbesondere in "Erwerb, den Verkauf und den Besitz von
Beteiligungen und Liegenschaften" änderte (HR-Internetauszug vom 15.
Oktober 2021). Die Möglichkeit, Beteiligungen an Unternehmungen im In-
und Ausland zu halten, entspricht dem statutarischen Zweck der BF. AG,
welche am 15. März 2011 in das Handelsregister des Kantons S.
eingetragen wurde. Ab dem 5. Juli 2021 gehörte der Rekurrent als
Präsident dem Verwaltungsrat an (HR-Internetauszug vom 15. Oktober
2021).
10.2.3.
Wenn die Rekurrenten ausführen lassen, es bestünden keinerlei Verbin-
dungen zum Rohstoffhandel, trifft das wohl schon deshalb nicht zu. Viel-
mehr ist vom für den Beteiligungshandel erforderlichen Spezial-/Fachwis-
sen auszugehen. Insofern bestand eine Personengemeinschaft mit gleich-
gelagerten, wirtschaftlichen Interessen.
10.3.
Das Vorgehen des Rekurrenten, insbesondere im Zusammenwirken mit G.,
ist auch in jeder Hinsicht systematisch und planmässig. So wurde
zweifellos von Anfang an auf den Verkauf der Aktien der E. AG
hingearbeitet.
Im Jahr 2009 (genauer Zeitpunkt unbekannt; vgl. auch D., "Project BG.",
Ziff. 3.2 und 5.5) hat die "E. Gruppe" eine Lizenz für den Phosphat-Abbau
erhalten (Schreiben der Vertreterin vom 30. August 2011). Unmittelbar
darauf wurde die E. AG vom Rekurrenten und G. gegründet und nach den
Angaben der Rekurrenten die D. mit der Suche nach einem potenten
Käufer beauftragt. Bereits im Juni 2009 – damit wiederum nahezu zeitgleich
zur Gründung der E. AG – konnte von der D. das "Project BG." mit dem
ausführlichen "Information Memorandum" aufgelegt werden. Als
Verkaufsgrund wurde angegeben: "After a comprehensive mining
agreement including the mining lease, mining licence and production
licence as well as an incentive agreement was signed in 2009, the
sharholders of BK. are now seeking a strategic partner with experience,
technical equipment and financial capabilities to exploit the reserves."
Bereits am 11. Februar 2010 konnte der Aktienkaufvertrag mit der O.
abgeschlossen werden.
Zum Zweck des Verkaufs wurde sodann nach den Angaben der Rekurren-
ten der Treuhandvertrag mit der N. AG abgeschlossen, mit dem Ziel, die
Verkaufsverhandlungen zu erleichtern. Auch mit dem engen zeitlichem
- 25 -
Zusammenhang der Gründung der E. AG und dem Verkauf der Aktien wird
gezeigt, dass die Bemühungen des Rekurrenten und G. einzig darauf
ausgerichtet waren, einen Gewinn aus Beteiligungshandel zu erzielen. Das
gilt auch trotz der nicht schlüssigen Angaben, dass es mit dem
Treuhandvertrag darum gegangen sei, "die Aktien der E. AG als Ganzes"
zu verkaufen (vgl. insbesondere Stellungnahme der Vertreterin vom 12.
Mai 2016, Ziff. 13). Festzuhalten ist, dass neben dem Rekurrenten und G.
mindestens noch AN. (3 %), BH. (dieser mit 5 %; vgl. E-Mail von F. vom
27. Januar 2014 und Stellungnahme der Vertreterin vom 12. Mai 2016, Ziff.
3) und BI. (6.1224 %; Einsprachebeilage 11) als Aktionäre an der E. AG
beteiligt waren, diese jedoch den Treuhandvertrag nicht unterzeichnet ha-
ben.
Insgesamt ist zweifelsfrei ersichtlich, dass von Anfang an der Verkauf der
Aktien der E. AG inklusive Lizenzen ("Schürfrechte") vom Rekurrenten und
G. beabsichtigt wurde. Vom Ausnützen einer sich zufällig bietenden
Gelegenheit kann keine Rede sein.
10.4.
10.4.1.
In Bezug auf die Finanzierung des Erwerbs der Phosphat-Abbau-Rechte
und des Erwerbs der Beteiligung an der E. AG sind die Angaben in den
Akten lückenhaft oder widersprüchlich (vgl. zur Beweislast und Mit-
wirkungspflicht Bundesgerichtsurteil vom 5. August 2021 (2C_41/2021 =
StE 2021 B.11.1. Nr. 33).
10.4.2.
Aus der E-Mail von F. vom 27. Januar 2014, damals Vertreter der
Rekurrenten, wurde ausgeführt: "In diesem Zusammenhang wird darauf
hingewiesen, dass die von der Regierung von X. erteilten Lizenzen nicht
aktiviert wurden, obschon für deren Erlangung während knapp zehn Jahren
Vorleistungen und Investitionen von über 20 Mio. Euro getätigt worden
waren." Die Rekurrenten haben diese Aussage als unzutreffend bestreiten
lassen.
Dass vom Rekurrenten keine "Vorleistungen" getätigt wurden lässt sich
kaum behaupten, zumal er im Wertschriftenverzeichnis 2008 ein Guthaben
gegenüber der H. von CHF 225'000.00 für "Arbeiten & Zinsen" geltend
gemacht hat. Weiter wurden Vorschüsse über USD 1'463'572.00 als
Guthaben gegenüber der H. ausgewiesen. Im Jahr 2009 erhöhten sich die
Guthaben für Arbeiten & Zinsen auf CHF 960'000.00, während sich das
Guthaben gegenüber der H. auf CHF 359'121.00 reduzierte. Es muss
daher von notwendigen Vorbereitungshandlungen, insbesondere im
Hinblick auf die Zusprechung der Phosphat-Abbaurechte, ausgegangen
werden, was sich auch aus dem engen zeitlichen Konnex zwischen
Gründung der Gesellschaft und Verkauf derselben ergibt.
- 26 -
Es ist vor diesem Hintergrund in Anwendung des Grundsatzes der Aussage
der ersten Stunde (vgl. dazu BGE 121 V 45; VGE vom 17. März 2003
[BE.2002.00366]) von erheblichen notwendigen Vorleistungen auszuge-
hen, welche der Rekurrent aufgrund seines Vermögensausweises von ge-
bundenen Vermögenswerten in den Wertschriftenverzeichnissen der Jahre
2008 bis 2011 wohl nicht aus eigenen freien Mitteln aufzubringen ver-
mochte. Dem KStA ist insofern durchaus zuzustimmen, dass sich begrün-
dete Zweifel an der behaupteten Eigenfinanzierung der Transaktionen er-
geben.
Gross war auf jeden Fall das vom Rekurrenten eingegangene unternehme-
rische Risiko, wurde doch ein grosser Teil des Vermögens der Rekurrenten
an die Beteiligung an der E. AG gebunden, was im Falle eines Scheiterns
des Verkaufes der Aktien zweifellos zu einem einschneidenden
Vermögensverlust geführt hätte.
10.4.3.
Zweifelhaft ist weiter, ob der Rekurrent die Liberierung des Aktienkapitals
der E. AG und der Kapitalerhöhung im Jahr 2009 tatsächlich aus eigenen
Mitteln geleistet hat. Zwar ergibt sich aus dem eingereichten Auszug des
Kapitaleinzahlungskontos bei der D. (IBAN aaa), dass der Rekurrent mit
Valuta 25. Juni 2009 CHF 500'000.00 einbezahlte. Belastet wurde der
Betrag dem D. Privatkonto Nr. fff (Valuta 25. Juni 2009). Insofern scheint
auf den ersten Blick alles klar – ausser dass der Rekurrent dieses Konto
weder im Wertschriftenverzeichnis 2008 noch in demjenigen des Jahres
2009 aufführte. Aus welchen Mitteln das Privatkonto zuvor geäufnet wurde,
lässt sich mangels eingereichter Unterlagen nicht prüfen. Unklar ist jedoch
auf den zweiten Blick, weshalb der Rekurrent die Kapitalerhöhung von
CHF 500'000.00 per 21. Juli 2009 zu 100 % finanziert haben will, war er
doch neben G. (und weitern Aktionären) "nur" zu 42.9388 % an der E. AG
beteiligt (Einsprachebeilage 11). Unklar bleibt ausserdem, wie denn das
Aktienkapital von CHF 500'000.00 bei Gründung vom Rekurrenten liberiert
wurde. Dazu wurden keine Unterlagen eingereicht.
10.4.4.
Unklar bleibt sodann, weshalb der Rekurrent zusammen mit G.
Darlehensverträge als Schuldner ("jointly and severally below refferred to
as 'Borrowers') unterzeichnete (Loan agreements vom 22. Juni und 11.
August 2009), obwohl er dort gemäss Bestätigung von G. vom 2. März 2017
nur irrtümlich als "Borrower" erwähnt worden sei.
Immerhin ist festzustellen, dass der Rekurrent an der Universität QT. ein
Wirtschaftsstudium absolvierte und in der Folge leitende Positionen in
verschiedenen Unternehmen hatte. Aufgrund dieses beruflichen Back-
groundes kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Rekurrent den
- 27 -
Unterschied zwischen "Borrower" und "person of good standing" nicht ken-
nen sollte. Daran ändert auch der abweisende Rechtsöffnungsentscheid
des Gerichtspräsidiums QQ. vom 6. Juni 2017 nichts.
Folgt man der rekurrentischen Auffassung, muss aber so oder anders ge-
schlossen werden, dass dementsprechend der mit dem Rekurrenten zu-
sammenwirkende G. erstmals im Juni 2009 Fremdkapital aufgenommen
hat. Offen bliebe dabei, ob dieser seinen Anteil an der E. AG oder weitere
Aktivitäten der Gesellschaft fremdfinanzierte, was dem Rekurrenten
aufgrund des Zusammenwirkens ebenfalls anzurechnen wäre.
10.4.5.
Es ist vorerst nicht nachvollziehbar, weshalb vom Rekurrenten als "benefi-
cial partners" bezeichneten Personen (vgl. Stellungnahme der Vertreterin
vom 6. Juni 2018, Ziff. 4, mit Beilagen) ohne jegliche schriftliche vertragli-
che Grundlage erhebliche Abfindungen für "Eventualansprüche" ausbe-
zahlt worden sein sollen.
Nach den Angaben der Rekurrenten wurde etwa AK. eine Ge-
samtentschädigung von € 520'000.00 ausgerichtet (Valuta 16. März 2011;
Kontoauszug der D. AG für das auf die N. AG lautende Konto IBAN bbb).
Das weiter eingereichte Zahlungsjournal enthält als Zahlungsgrund den
Vermerk "Rückzahlung der Leistungen AK./AL. inkl. Gewinn und CHF
20'000 G. Saldozahlungen". Aus dem Vermerk "Rückzahlung" ist ohne
weiteres zu schliessen, dass AK. als Nicht-Aktionär im Rahmen des
Verkaufs der Aktien (Fremd-)Kapital zur Verfügung stellte, welches ihm
nach der Bezahlung der € 9 Mio. per 2. März 2011 zusammen mit einem
Gewinnanteil vergütet wurde. Das spricht für ein partiarisches Darlehen
und damit für eine Fremdfinanzierung.
10.4.6.
Zusammenfassend ist eine Fremdfinanzierung der Beteiligung durch die
beweisbelasteten Steuerbehörden zwar nicht nachgewiesen (Vollbeweis).
Gleichzeitig bestehen an den Darlegungen der Rekurrenten zur Finanzie-
rung erhebliche Zweifel, die im Wesentlichen in den widersprüchlichen –
und auch unvollständigen – Angaben der Rekurrenten liegen. Es ist den
Rekurrenten nicht gelungen, die begründeten Zweifel an der behaupteten
Eigenfinanzierung der Beteiligung auszuräumen. Vor diesem Hintergrund
kann dem Kriterium der Fremdfinanzierung nicht das entscheidende Ge-
wicht bei der Beurteilung, ob Beteiligungshandel vorliegt, beigemessen
werden.
10.5.
Zusammenfassend ist von einem Beteiligungshandel im Nebenerwerb aus-
zugehen. Dafür sprechen das planmässige und systematische Vorgehen,
das Zusammenwirken der Beteiligten in einer Personengemeinschaft und
- 28 -
deren vorhandenen Spezialkenntnisse. Daran ändert die verbleibende Un-
sicherheit in Bezug auf die Finanzierung nichts.
11.
11.1.
Der Rekurrent lässt geltend machen, der Verkauf der Aktien der E. AG
durch den in QS. wohnhaften AN. sei nicht als Beteiligungshandel und nicht
mit der Einkommenssteuer erfasst worden. Vielmehr sei die
Steuerkommission QS. von einem steuerfreien Kapitalgewinn
ausgegangen. Es wird eine Gleichbehandlung im Recht beansprucht.
Die Steuerkommission Q. hat im angefochtenen Einspracheentscheid
ausgeführt, die vom Rekurrenten verkaufte Beteiligung sei mit derjenigen
von AN. nicht vergleichbar, da diese nur sehr gering gewesen sei.
11.2.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung geht der Grundsatz der Ge-
setzmässigkeit der Verwaltung in der Regel der Rücksicht auf die gleich-
mässige Rechtsanwendung vor. Der Umstand, dass das Gesetz in anderen
Fällen nicht oder nicht richtig angewendet worden ist, gibt den Bürgern
grundsätzlich keinen Anspruch darauf, ebenfalls abweichend vom Gesetz
behandelt zu werden. Ausnahmsweise und unter strengen Bedingungen
wird jedoch im Rahmen des verfassungsmässig verbürgten Gleichheitssat-
zes ein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht anerkannt (Art. 8
Abs. 1 BV). Die Gleichbehandlung im Unrecht setzt voraus, dass die zu
beurteilenden Fälle in den tatbestandserheblichen Sachverhaltselementen
übereinstimmen und dieselbe Behörde in ständiger Praxis vom Gesetz ab-
weicht. Eine falsche Rechtsanwendung in einem einzigen Fall oder in eini-
gen wenigen Fällen begründet keinen Anspruch, seinerseits ebenfalls ab-
weichend von der Norm behandelt zu werden. Zudem muss die zuständige
Behörde ausdrücklich zu erkennen geben, auch inskünftig nicht gesetzes-
konform entscheiden zu wollen. Nur wenn eine Behörde nicht gewillt ist,
eine bewusst geübte rechtswidrige Praxis aufzugeben, kann das Interesse
an der Gleichbehandlung der Betroffenen dasjenige an der Gesetzmässig-
keit überwiegen. Äussert sich die Behörde nicht über ihre Absicht, so ist
anzunehmen, sie werde aufgrund der Erwägungen des bundesgerichtli-
chen Urteils zu einer gesetzmässigen Praxis übergehen. Schliesslich dür-
fen einer Gleichbehandlung im Unrecht keine überwiegenden Gesetzmäs-
sigkeitsinteressen oder Interessen Dritter entgegenstehen (vgl. BGE vom
146 I 105, Erw. 5.3.1, mit weiteren Hinweisen).
11.3.
Wie vorstehend gezeigt wurde, ist von einem der Einkommenssteuer un-
terliegenden Gewinn aus Beteiligungshandel auszugehen. Insofern kann
eine Gleichbehandlung im Recht nicht zum Tragen kommen, allenfalls eine
Gleichbehandlung im Unrecht. Eine solche scheitert bereits daran, dass
- 29 -
nicht die gleiche Steuerbehörde bei gleichem Sachverhalt zwei unter-
schiedliche Entscheide gefällt hat. Im Gegensatz zur Steuerkommission
QS. hat die Steuerkommission Q. (korrekt) eine Besteuerung vorgesehen.
Ausserdem wird ersichtlich, dass die Steuerbehörden, insbesondere das
KStA, nicht an einer Steuerfreiheit des durch den Verkauf von Aktien der
E. AG erzielten Kapitalgewinnes festhalten wollen. Der Rekurrent kann
daher nichts aus dem Umstand, dass bei AN. keine
Einkommensbesteuerung des aus dem Verkauf der Aktien der E. AG
erzielten Kapitalgewinnes resultierte, zu seinen Gunsten ableiten.
11.4.
Der Gewinn aus dem Verkauf der Aktien der E. AG ist daher infolge
Beteiligungshandel im Nebenerwerb – die Aktien der E. AG sind dem
Geschäftsvermögen zuzurechnen – der Einkommenssteuer zu
unterwerfen. Nachfolgend ist auf die Gewinnberechnung einzugehen.
12.
12.1.
Das Einkommen aus Beteiligungshandel wurde von der Steuerkommission
Q. mit dem Einspracheentscheid wie folgt berechnet:
"in Euro Verkaufserlös 19'000'000 Anteil 2010 26.316 % 5'000'000 Anteil 2011 73'684 % 14'000'000
Anteil des Einsprechers 1'051'999 42.9387 % Total Aktien E. 2'450'000
Aktienwert in Euro 6'011'423 ./. Verkaufskosten D. -267'491 ./. Verkaufskosten N. -163'167 Erlösanteil nach Kosten 5'580'765 zum Wechselkurs 1.284 per 18.1.2011; Amend Nr. 8
in CHF 7'165'702 Erlösanteil nach Kosten in CHF ./. Nennwert verk. Aktien -166'066 ./. Anteile Beneficial Partn. -900'000 ./. Übrige Kosten n. Erm. -100'000 ./. Wert erhaltene Aktien -5'513'239 per 18.1.2011; Amend Nr. 8 zuzügl. Wert erh. Aktien 2'190'455 per 31.12.2011 steuerbares Einkommen 2'676'852 vor Sozialversicherungs- beiträgen ./. AHV-Beitrag für SE -261'930 Beitragssatz 9.785 % Nettoeinkommen 2'414'922 aus Beteiligungshandel im Nebenerwerb"
Dabei stützte sich die Steuerkommission Q. insbesondere auf den
Amtsbericht des KStA vom 12. September 2016.
- 30 -
12.2.
Die Rekurrenten lassen im Rekurs im Wesentlichen geltend machen, der
Erlös habe nicht den vereinbarten € 19 Mio. entsprochen, sondern sei viel
tiefer ausgefallen. Der Rekurrent hat dazu Abrechnungen der N. AG
einreichen lassen. Weiter wird "bezüglich einer finanziellen Betrach-
tungsweise der von Herrn A. getätigten Investitionen als Aktionär der
Gesellschaft" auf die bisherigen Ausführungen zu den Anlagekosten ver-
wiesen.
In der Stellungnahme vom 6. Juni 2018 wurde von den Rekurrenten für den
Verkauf von 50.1 % der Aktien für € 9 Mio. plus Aktien ein Anteil des Re-
kurrenten von € 3'433'831.00 (vgl. auch "Bestätigung für Ihre Steuerdekla-
ration" der N. AG vom 19. Mai 2011) geltend gemacht. In der
Einsprachebeilage 11 war der auf den Rekurrenten entfallende Anteil am
Verkaufspreis der Aktien noch mit € 8'158'367.35 (Baranteil:
€ 3'864'489.80; Anteil Aktien: € 4'293'877.55) angegeben worden.
12.3.
Entgegen der Auffassung der Rekurrenten ist durchaus von einem Kauf-
preis von € 19 Mio. auszugehen.
Das ergibt sich zum einen aus dem Kaufvertrag (insbesondere Amendment
No. 8). Auf den Inhalt des Kaufvertrages und die Änderungen desselben ist
umso mehr abzustellen, als die Verträge – wie von der Vertreterin der Re-
kurrenten selbst ausgeführt – unter Beizug von spezialisierten Anwalts-
kanzleien aufgesetzt wurden, und damit wohl nicht geltend gemacht wer-
den kann, die Verkäufer der Aktien seien Laien und hätten den Vertragsin-
halt nicht verstanden. Die Behauptung in der Stellungnahme vom 6. Juni
2018, Ziff. 6 ("Bewertung der Beteiligung"), dass "diese an Zahlungsstatt
zugesprochenen Aktien keinesfalls einen Wert von EUR 10 Mio. hatten,
war schon bei Vertragsabschluss allen Beteiligten klar", entbehrt wohl jeder
sachlichen Grundlage.
Zum anderen ergibt sich ein Kaufpreis von € 19 Mio. auch unzweifelhaft
aus den eingereichten Provisions- und Kommissionsabrechnungen. So
stellte die D. AG dem Rekurrenten mit Schreiben vom 2. März 2011 eine
Abschlusskommission von 50 % von € 285'000.00 in Rechnung. Der glei-
che Betrag wurde an G. fakturiert. Dabei wurde die Umsatzabgabe von
1.5%o je auf der Basis von € 9.5 Mio. berechnet (total € 19 Mio.). Mit
Rechnung vom 1. März 2011 stellte die N. den "Beneficial Owners E. AG"
eine Verkaufskommission von 2 % auf € 19 Mio. mit € 380'000.00 in
Rechnung (vgl. Ziff. 3 des Treuhandvertrages vom 13. Januar 2010).
12.4.
Die Barüberweisung des Kaufpreises von € 9 Mio. erfolgte zwar nach Ab-
zug der Zahlung an das Anwaltsbüro BM. AG erst per Valuta 1. März 2011
- 31 -
(vgl. auch das in Ziff. 1.2 des Amendments No 8 vereinbarten Completion
Date vom 18. Februar 2011). Dessen ungeachtet kann – wie das KStA zu
Recht ausführt – davon auf vertraglicher Grundlage ein Anteil von € 5 Mio.
als im Jahr 2010 erzielt betrachtet werden. Es kann zur Begründung auf die
Ausführungen in Ziff. 2.3 der Vernehmlassung des KStA verwiesen werden.
Zu Recht hat die Steuerkommission Q. daher einen Erlösanteil von € 5 Mio.
an den T. als Wohnsitzkanton im Jahr 2010 zugewiesen.
12.5.
Die Vertreterin der Rekurrenten hat sich zu den weiteren Aufwendungen
unter wiederholter Berufung auf die Steuerfreiheit von privaten Kapitalge-
winnen auch nicht eventualiter geäussert.
Nach Auffassung des Spezialverwaltungsgerichtes hat die Vorinstanz ge-
radezu grosszügig Aufwendungen berücksichtigt, insbesondere
CHF 900'000.00 für Zahlungen an "Beneficial Partners" (Zahlungen ohne
nachgewiesene Vereinbarungen, so dass die geschäftsmässige Begrün-
detheit dieser Gelder und damit deren Abziehbarkeit nicht geprüft werden
kann) und weitere CHF 100'000.00 "nach Ermessen".
12.6.
Die Steuerkommission Q. hat das im Jahr 2011 steuerbare Einkommen aus
Beteiligungshandel im Nebenerwerb mit CHF 2'414'922.00 korrekt
berechnet.
13.
13.1.
13.1.1.
Die Steuerkommission Q. hat die im Eigentum verbliebenen 5'249'480
Aktien der E. AG per 31. Dezember 2011 zum Nominalwert mit
CHF 524'948.00 in die Besteuerung des Vermögens aufgenommen.
13.1.2.
Mit der Vernehmlassung beantragt das KStA unter Verweis auf die Weglei-
tung zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögens-
steuer (Kreisschreiben Nr. 28 der Schweizer Steuerkonferenz) in Reforma-
tio in peius eine Erhöhung des steuerbaren und satzbestimmenden Vermö-
gens auf CHF 5'162'000.00. Dabei wird für die sich per 31. Dezember 2011
noch im Vermögen des Rekurrenten befindlichen 5'249'480 Aktien der E.
AG von einem Verkehrswert von CHF 9'750'958.32 (€ 1.55 bzw. CHF 1.85
pro Aktie) ausgegangen. Weiter wurde gestützt auf den Verkaufspreis für
die Minderheitsbeteiligung im April 2013 von einer linearen Wertabnahme
ausgegangen und ein massgeblicher Vermögenssteuerwert von CHF
3'272'502.04 berechnet.
- 32 -
13.1.3.
In der Replik wurde von den Rekurrenten unter Verweis auf die Stellung-
nahme vom 6. Juni 2018 ausgeführt, die Kaufpreiskomponente in Form der
insgesamt 101'000'000 Aktien der BL. sei wertmässig nicht definierbar
gewesen, da diese mit einer Sperrfrist belegt worden seien. Die Aktien
seien als Escrow Shares erst nach und nach bis zum 3. März 2014
ausgeliefert worden und hätten entsprechend auch nicht verkauft werden
können. Eine Reformatio in peius wurde auch aus formellen Gründen als
unzulässig betrachtet.
13.2.
Nach § 48 Abs. 1 StG werden immaterielle Güter und bewegliches Vermö-
gen, die zum Geschäftsvermögen der steuerpflichtigen Person gehören zu
dem für die Einkommenssteuer massgeblichen Wert besteuert. Nach § 50
Abs. 1 StG sind Wertpapiere nach dem Verkehrswert zu bewerten. Dieser
entspricht bei Wertpapieren ohne Kurswert dem inneren Wert. Für Wertpa-
piere ohne regelmässige Kursnotierung oder nachgewiesene regelmässige
Verkäufe wird in der Regel auf die Wegleitung zur Bewertung von Wertpa-
pieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer (Schweizerische Steuer-
konferenz, Kreisschreiben Nr. 28 vom 28. August 2008, Wegleitung zur Be-
wertung von Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer; nach-
folgend: Wegleitung 2008) abgestellt (§ 33 Abs. 1 StGV). Nach § 54 Abs. 3
StG wird der Steuerwert von Aktien inländischer Kapitalgesellschaften, die
weder an der Börse kotiert sind, noch einem organisierten ausserbörslichen
Handel unterliegen, um 50 % herabgesetzt. Obwohl dieser Abzug in der
Rechtsprechung als verfassungswidrig beurteilt wurde, wird der Abzug im
Kanton Aargau weiterhin gewährt (vgl. auch Berechnung des Vermögens-
steuerwertes der Aktien in der Replik). Es erfolgt in diesem Punkt eine
Gleichbehandlung im Unrecht (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,
a.a.O, § 54 StG N 13, mit Verweisen)
13.3.
Gemäss der Wegleitung 2008, Rz 2 Abs. 4, entspricht der Verkehrswert bei
nichtkotierten Wertpapieren, für die keine Kursnotierungen bekannt sind,
dem inneren Wert. Er wird nach den Bewertungsregeln der Wegleitung
2008 in der Regel als Fortführungswert berechnet. Privatrechtliche Ver-
träge wie beispielsweise Aktionärsbindungsverträge, welche die Übertrag-
barkeit der Wertpapiere beeinträchtigen, sind für die Bewertung unbeacht-
lich. Hat jedoch für Titel gemäss Rz 2 Abs. 4 eine massgebliche Handän-
derung unter unabhängigen Dritten stattgefunden, dann gilt als Verkehrs-
wert der entsprechende Kaufpreis. Dieser Wert wird solange berücksichtigt,
als sich die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft nicht wesentlich verändert
hat. Gleiches gilt für Preise, welche von Investoren anlässlich von Finan-
zierungsrunden bzw. Kapitalerhöhungen bezahlt wurden (Wegleitung 2008
Rz 2 Abs. 5). Die Berechnung des Verkehrswertes von nichtkotierten Wert-
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papieren erfolgt in der Regel durch den Sitzkanton der zu bewertenden Ge-
sellschaft. Die Wegleitung 2008 sieht sodann in den Rz 61 ff. einen Pau-
schalabzug für vermögensrechtliche Beschränkungen vor.
13.4.
Mit dem KStA ist davon auszugehen, dass mit dem bezahlten Preis von
€ 19 Mio. für 50.1 % der Aktien ein Preis vorliegt, der unter Dritten verein-
bart wurde. Es ist sodann korrekt, pro Aktie von einem bezahlten Preis von
€ 1.55 auszugehen. Die Berechnungen des KStA lassen jedoch unberück-
sichtigt, dass per 31. Dezember 2011 nur noch eine Minderheitsbeteiligung
des Rekurrenten und der Mitaktionäre von (insgesamt) 49.9 % bestand.
Unter diesen Umständen ergibt sich zusätzlich aus der Wegleitung 2008
Rz 61 ein Reduktionsfaktor, der vom KStA unberücksichtigt blieb. Wird von
einem Pauschalabzug von 30 % ausgegangen, vermindert sich der Vermö-
genssteuerwert. Zu beachten ist ferner, dass der Sitzkanton S. bei der
Bewertung der Aktien der E. AG per 31. Dezember 2011 von einem Wert
von CHF 0.00 ausgegangen ist (E-Mail KStA vom 4. November 2021), dies
wohl in Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse betreffend Kaufvertrag
vom 11. Februar 2010. Unter diesen Umständen scheint der von der
Steuerkommission Q. für die Vermögenssteuer per Stichtag 31. Dezember
2011 eingesetzte Wert (Nominalwert) vertretbar. Er entspricht rund 50 % (§
54 Abs. 3 StG) des im April 2013 erzielten Preises für die restlichen 49.9 %
der Aktien.
Der von der Steuerkommission Q. bestimmte Vermögenssteuerwert wurde
sowohl für das steuerbare, als auch für das satzbestimmende Vermögen
eingesetzt.
13.5.
Der Antrag des KStA auf Reformatio in peius des steuerbaren und satzbe-
stimmenden Vermögens ist abzuweisen.
14.
Der Rekurs ist damit teilweise gutzuheissen. Das satzbestimmende Ein-
kommen reduziert sich von CHF 2'512'621.00 um CHF 18'960.00 auf
CHF 2'493'661.00, gerundet CHF 2'493'600.00. Das steuerbare und satz-
bestimmende Vermögen ist auf gerundet CHF2'425'000.00 festzulegen.
15.
15.1.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens obsiegen die Rekurrenten gemessen
an ihren Anträgen zu weniger als 1 %, weshalb ihnen die ganzen Kosten
aufzuerlegen wären (§ 189 Abs. 1 StG). Aufgrund der Verletzung des recht-
lichen Gehörs (Erw. 5.3.), sind sie hingegen als zu 20 % obsiegend zu be-
trachten. Die Rekurrenten habe daher die Kosten des Rekursverfahrens zu
80 % tragen (§ 189 Abs. 1 StG).
- 34 -
15.2.
15.2.1.
Ausserdem ist den Rekurrenten für die Vertretung im Verfahren vor dem
Spezialverwaltungsgericht eine Parteientschädigung auszurichten (§ 189
Abs. 2 StG). Auch bei der Vertretung durch Treuhänder und Steuerberater
stellt der Anwaltstarif gemäss dem Dekret über die Entschädigung der An-
wälte vom 10. November 1987 (Anwaltstarif, AnwT) die obere Grenze des
Parteikostenersatzes dar (AGVE 1981 S. 281 ff.; SGE vom 21. Juli 2016
[3-RV.2015.160]). Die Vertreterin der Rekurrenten macht eine Parteient-
schädigung von CHF 21'927.70 (inkl. MWSt und Auslagen) geltend. Diese
ist zu kürzen.
15.2.2.
Der Streitwert liegt zwischen CHF 100'000.00 und CHF 500'000.00 (vgl.
§ 8a Abs. 1 lit. a Ziff. 4 AnwT). Die Entschädigung liegt damit zwischen
CHF 5'000.00 und CHF 15'000.00. Vorliegend hat der Fall einen erhöhten
Schwierigkeitsgrad und eine mittlere Bedeutung. Zudem ist von einem mitt-
leren erforderlichen Aufwand im Rekursverfahren auszugehen. Es rechtfer-
tigt sich daher, die Parteientschädigung in analoger Anwendung von § 8a
Abs. 1 lit. a Ziff. 4 und Abs. 2 AnwT sowie § 8c Abs. 1 AnwT auf
CHF 10'000.00 (inkl. MWSt und Auslagen) festzusetzen. Davon sind 20 %
mit CHF 2'000.00 als Parteientschädigung auszurichten.
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