Decision ID: a734f4e9-fe60-4372-8f73-203566655ef1
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend vorsätzliche Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom 29. Juni 2017 (DG160012)
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Anklage
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 27. März
2017 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 250).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 360 S. 232 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB (Dossier 1);
− (nicht öffentlich)
− (nicht öffentlich)
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG
in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 und 2 VRV (Dossier
4);
− der versuchten Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrun-
fähigkeit im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 4); und
− der mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG sowie Art. 27
Abs. 1 SVG und Art. 27 Abs. 1 SSV (Dossier 4).
2. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom Vorwurf der ver-
suchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB (Dossier 3);
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und
6 Monaten, wovon 913 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden
sind, sowie mit einer Busse von CHF 2'000.–.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so
tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen.
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6. Es wird eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB
(Suchtbehandlung) angeordnet.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 21. August 2015 beschlagnahmten
CHF 14'964.35 werden zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 14. April 2016 (Beschlagnahme
Nr. 1.1; Dossier 1, act. 14/1) beschlagnahmten Gegenstände werden dem Be-
schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides auf erstes Verlangen
herausgegeben.
Bei Nichtabholung innert drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft werden diese
Gegenstände vernichtet.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 14. April 2016 (Beschlagnahme
Nr. 1.2; Dossier 1, act. 14/4) beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen
und der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung überlassen.
10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 14. April 2016 (Beschlagnahme
Nr. 2; Dossier 1, act. 14/10) beschlagnahmten Gegenstände 1.a) bis und mit 1.f)
sowie 1.h) werden der Familie des Opfers †B._ nach Eintritt der Rechtskraft
dieses Entscheides auf erstes Verlangen herausgegeben.
Bei Nichtabholung innert drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft werden diese
Gegenstände vernichtet.
Im Übrigen werden die beschlagnahmten Gegenstände bei den Akten belassen.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 14. April 2016 (Beschlagnahme
Nr. 3; Dossier 1, act. 14/12) beschlagnahmten Gegenstände werden C._ und
D._ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides auf erstes Verlangen her-
ausgegeben.
Bei Nichtabholung innert drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft werden diese
Gegenstände vernichtet.
12. (nicht öffentlich)
13. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Privatklägerin 2
(E._) CHF 28'239.40 zuzüglich 5% Zins ab 27. März 2017 als Schadenersatz
zu bezahlen.
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14. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Privatkläger 3
(F._) CHF 27'532.– zuzüglich 5% Zins ab 27. März 2017 als Schadenersatz zu
bezahlen.
15. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 (G._) CHF 5'000.– zu-
züglich 5% Zins ab 30. Dezember 2014 als Genugtuung zu bezahlen.
16. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 (E._) CHF 20'000.– zu-
züglich 5% Zins ab 30. Dezember 2014 als Genugtuung zu bezahlen.
17. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 3 (F._) CHF 25'000.– zu-
züglich 5% Zins seit dem 27. März 2017 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrum-
fang wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
18. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 4 (H._) CHF 7'500.– zu-
züglich 5% Zins ab 30. Dezember 2014 als Genugtuung zu bezahlen.
19. (nicht öffentlich)
20. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf
CHF 40'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 20'000.– Gebühr für das Vorverfahren
CHF 165'716.10 Gutachten / Expertisen
CHF 23'086.– Kosten Kantonspolizei Zürich
CHF 938.10 Zeugenentschädigungen
CHF 10'304.20 Auslagen Untersuchung
CHF 12'500.– Übersetzungskosten
CHF 156'000.– Entschädigung amtliche Verteidigung
CHF 234.– Getränkekosten
CHF 1'000.– Kosten für das Beschwerdeverfahren
CHF 429'778.40 Total
21. Rechtsanwalt lic. iur. X3._ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidi-
ger des Beschuldigten mit CHF 156'000.– (inklusive 8% Mehrwertsteuer) entschä-
digt. Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, den Betrag von
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CHF 122'000.– (CHF 156'000.– abzüglich Akontozahlung von CHF 34'000.–) an
Rechtsanwalt lic. iur. X3._ auszubezahlen.
22. Die Kosten und Auslagen der Untersuchung, des Beschwerdeverfahrens und des
gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und
der Getränkekosten, werden dem Beschuldigten auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse
genommen, vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Die Getränkekosten von CHF 234.– werden definitiv auf die Gerichtskasse ge-
nommen.
23. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 1 (G._), 2 (E._) und
4 (H._) für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von insgesamt
CHF 131'000.– (inklusive 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
24. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 3 (F._) für das gesamte
Verfahren eine Prozessentschädigung von CHF 64'000.– zu bezahlen.
25. (Mitteilungen)
26. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 486 S. 2 ff.; Prot. II S. 23 f.):
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil der Abteilung des Bezirksgerichts
Meilen vom 29. Juni 2017 in den folgenden Punkten nicht angefochten wur-
de und deshalb in Rechtskraft erwachsen ist:
− Dispositiv-Ziff. 1, 4.–6. Lemma (Verurteilung wegen des Fahrens in
fahrunfähigem Zustand, der versuchten Vereitelung von Massnahmen
zur Feststellung der Fahrunfähigkeit und der mehrfachen Verletzung
der Verkehrsregeln gemäss Dossier 4),
− Dispositiv-Ziff. 2 (Freispruch vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen
Tötung gemäss Dossier 3),
− Dispositiv-Ziff. 3 (soweit die Busse betreffend),
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− Dispositiv-Ziff. 5 (Vollzug der Busse und Ersatzfreiheitsstrafe),
− Dispositiv-Ziff. 7 (Beschlagnahme zur Deckung der Verfahrenskosten),
− Dispositiv-Ziff. 8 (Herausgabe an A._),
− Dispositiv-Ziff. 9 (Einziehungen),
− Dispositiv-Ziff. 10 (Herausgabe an die Familie von †B._),
− Dispositiv-Ziff. 11 (Herausgabe an die Eltern von A._),
− Dispositiv-Ziffer 12 (...),
− Dispositiv-Ziff. 13 (Schadenersatz an die Privatklägerin 2),
− Dispositiv-Ziff. 14 (Schadenersatz an die Privatklägerin 3),
− Dispositiv-Ziff. 15 (Genugtuung an den Privatkläger 1),
− Dispositiv-Ziff. 16 (Genugtuung an die Privatklägerin 2),
− Dispositiv-Ziff. 17 (Genugtuung an den Privatkläger 3),
− Dispositiv-Ziff. 18 (Genugtuung an die Privatklägerin 4),
− Dispositiv-Ziff. 20 (Gerichtsgebühr),
− Dispositiv-Ziff. 21 (Kosten amtliche Verteidigung),
− Dispositiv-Ziff. 22 (Kostenverteilung),
− Dispositiv-Ziff. 23 (Prozessentschädigung an die Privatkläger 1, 2 und
4),
− Dispositiv-Ziff. 24 (Prozessentschädigung an den Privatkläger 3),
2. A._ sei
− der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB (Dossier 1),
− (...) sowie
− (...)
für nicht schuldig zu befinden und von diesen Vorwürfen freizusprechen.
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3. A._ sei mit einer bedingten Geldstrafe zu bestrafen, dies unter Anrech-
nung der bis heute erstandenen Haft sowie unter Ansetzung einer Probezeit
von 2 Jahren.
4. Die Kosten des vorliegenden Verfahrens seien auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
5. A._ sei für die von ihm bis heute zu Unrecht ersessene Haft eine an-
gemessene Genugtuung zuzusprechen.
A._ ist damit einverstanden, dass die Genugtuung zur Begleichung der
Verfahrenskosten und der Prozessentschädigungen der Privatkläger 1 - 4
sowie im allenfalls verbleibenden Betrag als Spende an eine gemeinnützige
Organisation verwendet werden soll.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 489 S. 1):
1. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren zu bestrafen,
unter Anrechnung der bisher erstandenen Untersuchungs- und Sicherheits-
haft sowie des bisher verbüssten vorzeitigen Strafvollzuges.
2. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerle-
gen.

Erwägungen:
I. Einleitung
1. Ausgangslage
1.1. Am 30. Dezember 2014, kurz vor 7 Uhr morgens, rief der Beschuldigte
A._ die Kantonspolizei Zürich zum Einfamilienhaus seiner Eltern an der
I._-strasse ... in J._ (Urk. 1/1 S. 2; Urk. 1/7; Urk. 1/11). Bei ihrem Ein-
treffen an besagter Örtlichkeit fanden die Polizeibeamten zunächst den Beschul-
digten sowie um 7.17 Uhr im Wohnzimmer des Hauses die Leiche des offenkun-
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dig gewaltsam getöteten B._, einem – wie sich in der Folge herausstellte –
guten Freund des Beschuldigten (Urk. 1/1 S. 1). Um 11 Uhr stellte die beigezoge-
ne Ärztin des IRM fest, dass der Tod von †B._ 4 bis 13 Stunden zuvor einge-
treten war (Urk. 1/1 S. 1 f.). Später wurde klar, dass †B._ nicht vor 05.00 Uhr
morgens getötet worden sein konnte.
1.2. Der Beschuldigte wurde verhaftet und in der Folge in Untersuchungshaft
versetzt. Es folgte ein aufwendiges Untersuchungsverfahren durch die Anklage-
behörde sowie die Kantonspolizei Zürich, während welchem zahlreiche Beweise
erhoben und Einvernahmen durchgeführt wurden. Unbestritten war stets, dass es
der Beschuldigte war, der den Tod von †B._ gewaltsam verursacht hatte.
Ferner ergaben sich im Verlauf des Vorverfahrens Hinweise darauf, dass der Be-
schuldigte weitere Straftaten, namentlich (...) sowie Strassenverkehrsdelikte be-
gangen haben könnte. Die Untersuchung wurde entsprechend erweitert.
1.3. Mit Erhebung der Anklage vom 15. August 2016 am Bezirksgericht Meilen
schloss die Anklagebehörde das Vorverfahren ab (Urk. 31).
2. Ablauf des gerichtlichen Verfahrens
2.1. Was den Ablauf des Verfahrens von der Anklageerhebung bis zur Haupt-
verhandlung vom 27. bis 31. März 2017 bzw. bis zur Fällung des am 9. August
2017 eröffneten erstinstanzlichen Urteils vom 29. Juni 2017 anbelangt, kann auf
die entsprechende Darstellung im angefochtenen Entscheid verwiesen werden
(Urk. 360 S. 6 ff.).
2.2. Sowohl der Beschuldigte als auch die Anklagebehörde meldeten mit Ein-
gaben vom 11. August 2017 fristgerecht ihre Berufungen an (Urk. 334B+C). Mit
Verfügung vom 29. August 2017 wurde dem Beschuldigten seinem Antrag ent-
sprechend der vorzeitige Straf- und Massnahmeantritt gewährt (Urk. 335;
Urk. 342). Am 19. September 2017 wurde er in die Justizvollzugsanstalt
Pöschwies versetzt (Urk. 375).
2.3. Die Vorinstanz versandte die begründete Fassung ihres Urteils am
8. Dezember 2017 (Urk. 359). Der Rechtsvertreter des Privatklägers 3, F._,
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des Vaters von †B._, nahm diese am 10. Dezember 2017 in Empfang, die
beiden Verteidiger des Beschuldigten sowie die Rechtsvertreterin der Privatkläger
2, 1 und 4, E._, G._ und H._, der Mutter und Geschwister von
†B._ sowie der Rechtsvertreter der Privatklägerin 5, (...), erhielten sie am 11.
Dezember 2017 und die Anklagebehörde schliesslich am 12. Dezember 2017
(Urk. 359/1-6).
2.4. Die Anklagebehörde und die Verteidigung des Beschuldigten erstatteten ih-
re Berufungserklärungen fristgerecht am 13. und am 28. Dezember 2017
(Urk. 361; Urk. 367). Die Verteidigung erneuerte dabei den bereits im erstinstanz-
lichen Verfahren gestellten Beweisantrag auf Einvernahme (...) (Urk. 367 S. 4).
2.5. Nach Beizug der Verfahrensakten verfügte das Amt für Justizvollzug am
17. Januar 2018, die ambulante Massnahme sofort in Vollzug zu setzen
(Urk. 372).
2.6. Auf entsprechende Fristansetzung (Urk. 369) erklärte die Anklagebehörde
ihren Verzicht auf Anschlussberufung und nahm zum Beweisantrag der Vertei-
digung Stellung (Urk. 377). Der Beschuldigte liess am 6. Februar 2018 mitteilen,
auf Anschlussberufung und einen Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung der
Anklagebehörde zu verzichten (Urk. 379). Die Privatkläger erklärten mit Eingaben
vom 7. Februar 2018, von der Erhebung einer Anschlussberufung abzusehen,
und (...) (Urk. 381; Urk. 383; Urk. ...).
2.7. Mit Eingabe vom 12. März 2018 äusserte sich der Beschuldigte auf
Fristansetzung hin zur Stellungnahme der Anklagebehörde betreffend seinen Be-
weisantrag (Urk. 391). Nachdem zu dieser Eingabe keine weiteren Stellungnah-
men mehr eingingen (vgl. Urk. 393 ff.), wurde der Beweisantrag der Verteidigung
auf Einvernahme von (...) mit Präsidialverfügung vom 16. April 2018 abgewiesen
(Urk. 396).
2.8. Nachdem der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, lic. iur. X3._,
am 3. Mai 2018 einen bevorstehenden Verteidigerwechsel angekündigt hatte
(Urk. 401A) und am 14. Mai 2018 Rechtsanwalt lic. iur. X2._ unter Beilage
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einer Vollmacht mitteilte, vom Beschuldigten mit der Wahrung seiner Interessen
beauftragt worden zu sein (Urk. 402; Urk. 404), wurde mit Präsidialverfügung vom
16. Mai 2018 vom neuen Vertretungsverhältnis Vormerk gekommen und der amt-
liche Verteidiger entlassen (Urk. 406). Zur Abschätzung des Zeitbedarfs der Beru-
fungsverhandlung wurde der neue Verteidiger am 11. Juli 2018 angefragt, ob der
Beschuldigte gedenke, zur Sache auszusagen oder sich wie bereits vor Vo-
rinstanz auf sein Aussageverweigerungsrecht zu berufen (Urk. 411; vgl. bereits
Urk. 401A). Nachdem Rechtsanwalt lic. iur. X2._ in Aussicht gestellt hatte,
sich dazu nach einer Besprechung mit dem Beschuldigten zu äussern, beantragte
er mit Eingabe vom 4. September 2018, das Urteil der Vorinstanz sei aufzuheben
und die Sache zur neuen Beurteilung und Entscheidung an diese zurückzuweisen
(Urk. 413). Zur Begründung liess er ausführen, es liege ein absoluter Nichtigkeits-
grund vor, weil auf gewisse Erwägungen des erstinstanzlichen Gerichts wegen
Unverwertbarkeit der gegenüber dem Gutachter gemachten Aussagen des Be-
schuldigten nicht abgestellt werden dürfe. Die Anklagebehörde äusserte sich auf
Fristansetzung hin in zwei Schreiben vom 6. und vom 25. September 2018 zu
diesem Rückweisungsantrag des Beschuldigten und verlangte dessen Abweisung
(Urk. 416; Urk. 418). Die Privatkläger 1 bis 4 verzichteten auf Stellungnahme (Urk.
420). Zu den Stellungnahmen der Anklagebehörde äusserte sich der Beschuldigte
innert der ihm zweimal erstreckten Frist mit Eingabe vom 9. November 2018, mit
welcher er an seinem Rückweisungsantrag festhielt (Urk. 428). Die Anklagebe-
hörde wiederum liess sich am 14. November 2018 dazu vernehmen (Urk. 432).
Mit Beschluss vom 28. Januar 2019 wurde der Antrag der Verteidigung, es sei
das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur neuen Beurteilung und
Entscheidung an die erste Instanz zurückzuweisen, abgewiesen (Urk. 439).
2.9. Auf erneute Anfrage teilte der Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt
lic. ihr. X2._, am 11. Februar 2019 mit, dass der Beschuldigte voraussichtlich
Aussagen (zur Person und zur Sache) machen werde und der Fall zum Vorladen
gegeben werden könne (Urk. 441). Ein am 9. Mai 2019 gestelltes Haftentlas-
sungsgesuch des Beschuldigten (Urk. 446) wurde nach Durchführung eines
Schriftenwechsels mit Präsidialverfügung vom 22. Mai 2019 abgewiesen
(Urk. 453).
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2.10. Mit Präsidialverfügung vom 7. August 2019 wurde die Publikumsöffentlich-
keit von der Befragung des Beschuldigten sowie den Parteivorträgen zu den Tat-
vorwürfen gemäss Ziff. 1.2. der Anklageschrift (Dossier 3) an der Berufungsver-
handlung ausgeschlossen, die akkreditierten Gerichtsberichterstatter/-innen wur-
den dagegen unter Vorbehalt von Auflagen zugelassen (Urk. 455). Am 8. August
2019 wurde auf den 18. und 27. November 2019 zur Berufungsverhandlung vor-
geladen (Urk. 457).
2.11. Mit Schreiben vom 19. September 2019 erklärte D._, sie wäre bereit,
betreffend die im Tatzeitraum gespielte schwedische Volks- bzw. Weihnachtsmu-
sik als Zeugin auszusagen (Urk. 460). Der Verteidiger des Beschuldigten,
Rechtsanwalt Dr. iur. X1._, teilte mit Eingabe vom 1. Oktober 2019 mit, der
Beschuldigte habe keine zuverlässigen Erinnerungen an die Ereignisse im rele-
vanten Zeitraum mehr, weshalb er – entgegen der gemachten Ankündigung –
keine weiteren Aussagen zur Sache machen könne, jedoch Fragen zu den aktuel-
len persönlichen Verhältnissen beantworten werde (Urk. 462).
2.12. (...)
2.13. Die Berufungsverhandlung fand am 18. November 2019 statt. Der
Beschuldigte erschien in Begleitung seiner zwei Verteidiger, RA lic. iur. X2._
und RA Dr. iur. X1._. Im Verlaufe der Verhandlung stiess RA Dr. iur.
X4._ zum Verteidigerteam. Als Vertreter der Anklagebehörde nahm StA lic.
iur. A. Knauss an der Verhandlung teil. Weiter erschien RA lic. iur. Y1._ für
die Privatklägerin 5 und RAin Dr. iur. Y2._ für die Privatkläger 1 bis 4, welche
der Verhandlung via Videoübertragung im Gerichtssaal 2 folgten. Die Parteiver-
handlung wurde gleichentags geschlossen und die mündliche Urteilseröffnung auf
den 27. November 2019 terminiert.
2.14. Am 27. November 2019 hat das Gericht das Urteil beraten. Das Urteil wur-
de im Anschluss eröffnet, mündlich begründet und den Parteien im Dispositiv
übergeben.
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II. Formelles
1. Umfang der Berufungen
1.1. Mit den oben wiedergegebenen Berufungserklärungen des Beschuldigten
und der Anklagebehörde wurden die Dispositiv-Ziffern 1 (1., 2. und 3. Spiegel-
strich; d.h. Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung von †B._, (...), 3 (Ausfäl-
lung einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 6 Monaten mit Ausnahme der Bus-
se), 4 (Vollzug der Freiheitsstrafe), 6 (Anordnung einer vollzugsbegleitenden am-
bulanten Massnahme), 19 (...), 20 (Festsetzung der Gerichtskosten),
22 (Kostenauflage), 23 (Zusprechung einer Prozessentschädigung von insgesamt
Fr. 131'000.– an die Privatkläger 1, 2 und 4) und 24 (Zusprechung einer Prozess-
entschädigung von Fr. 64'000.– an den Privatkläger 3) des erstinstanzlichen Ur-
teils angefochten. Anlässlich der Berufungsverhandlung präzisierte die Vertei-
digung, dass die Dispositivziffern 20 bis 24 nicht mehr angefochten würden
(Urk. 486 S. 1 f.; Prot. II S. 18 ff.).
1.2. Entsprechend sind die Dispositivziffern 1 (4., 5. und 6. Spiegelstrich, d.h.
Schuldsprüche wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, wegen versuchter Ver-
eitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit sowie wegen
mehrfacher Verletzung der Verkehrsregeln), 2 (Freispruch vom Vorwurf der ver-
suchten vorsätzlichen Tötung von [...]), 3 (soweit die Busse betreffend), 5 (Voll-
zug der Busse und Ersatzfreiheitsstrafe), 7 bis 18 (Anordnungen betreffend Be-
schlagnahmungen sowie Schadenersatz an Familie des Opfers) und 20 bis 24
(Kosten- und Entschädigungsregelung sowie Zivilforderungen der Privatkläger
1 bis 4) nicht angefochten und somit in Rechtskraft erwachsen. Das ist vorab mit-
tels Beschluss festzuhalten.
2. Vorfragen
2.1. RA lic. iur. X2._ stellte anlässlich der Berufungsverhandlung vor-
frageweise die folgenden Anträge:
1. (...)
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2. Die gutachterliche Stellungnahme von Prof. Dr. med. K._ vom 12.
Mai 2017 zu seinem Gutachten vom 11. April 2016 sei für unverwertbar
zu erklären.
(...)
Zu Vorfrage Nr. 2 brachte RA lic. iur. X2._ vor, dass dem Beschluss der Vo-
rinstanz vom 4. April 2017, mit welchem Prof. Dr. med. K._ zu einer ergän-
zenden Stellungnahme zur Schuld(un)fähigkeit des Beschuldigten aufgefordert
worden sei, ein Hinweis auf Art. 307 StGB fehle. Es handle sich bei diesem Hin-
weis, welcher jedes Mal neu erfolgen müsse, um ein Gültigkeitserfordernis. Der
Hinweis werde als objektive Strafbarkeitsbedingung qualifiziert und eine Bestra-
fung könne nur erfolgen, wenn dieser tatsächlich erfolgt sei (Urk. 483 S. 10 f.).
2.2. StA lic. iur. Knauss beantragte die Abweisung der Anträge.
(...)
Zu Vorfrage Nr. 2 sei er der Meinung, dass ein erneuter Hinweis auf Art. 307
Abs. 1 StGB habe unterbleiben können, weil es sich lediglich um eine Ergänzung
des bereits erteilten Gutachtensauftrages gehandelt habe, wobei im Übrigen zu
berücksichtigen sei, dass der Gutachter vom Gerichtsschreiber – wohl im Auftrag
der Verfahrensleitung – der guten Ordnung halber noch darauf hingewiesen wor-
den sei, weshalb hier kein Verfahrensmangel vorliege.
2.3. Vorfrage 1: (...)
(...)
2.4. Vorfrage 2: Hinweis auf Art. 307 StGB
2.4.1. Nach Art. 184 Abs. 1 und 2 StPO ernennt die Verfahrensleitung die sach-
verständige Person und erteilt ihr einen schriftlichen Auftrag, welcher unter ande-
rem den Hinweis auf die Straffolgen eines falschen Gutachtens nach Art. 307
StGB zu enthalten hat. Dieser Hinweis ist Gültigkeitserfordernis im Sinne von
Art. 141 Abs. 2 StPO und ebenso Voraussetzung für die Strafbarkeit nach
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Art. 307 StGB (Schmid/Jositsch, StPO Praxiskommentar, 3. Aufl., Art. 184 N 12).
Unterbleibt die Inpflichtnahme, stellt das Ergebnis der Sachverständigentätigkeit
kein verwertbares Gutachten dar (Donatsch, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber,
StPO Komm, Art. 184 N 34). Das erwähnte Schriftformerfordernis stellt hingegen
eine reine Ordnungsvorschrift dar. Mit der schriftlichen Auftragserteilung kann
insbesondere der Beweis für die Regelung der Gesichtspunkte gemäss lit. a - f
erbracht werden. Sind diese Aspekte nicht oder nur teilweise schriftlich festge-
halten, so kann die Strafbehörde den entsprechenden Nachweis auf andere Art
erbringen (a.a.O., Art. 184 N 8 ff.). Entscheide ergehen gemäss Art. 80 StPO
grundsätzlich schriftlich und in begründeter Form. Ausserdem sind sie von der
Verfahrensleitung sowie der protokollführenden Person zu unterzeichnen und den
Parteien zuzustellen. Einfache verfahrensleitende Beschlüsse und Verfügungen
brauchen hingegen weder besonders ausgefertigt noch begründet zu werden; sie
werden im Protokoll vermerkt und den Parteien in geeigneter Weise eröffnet
(Art. 80 Abs. 1 bis 2 StPO).
2.4.2. Mit Beschluss vom 4. April 2017 entschied das Bezirksgericht Meilen, dem
Gutachter Prof. Dr. med. K._ zwei Ergänzungsfragen zum Gutachten vom
11. April 2016 zu stellen (Urk. 268). Nach Wahrung des rechtlichen Gehörs wurde
der Beschluss dem Gutachter mit Schreiben vom 18. April 2017 mitgeteilt
(Urk. 279). Dem vom Gerichtschreiber MLaw L._ unterzeichneten Schreiben
lässt sich folgender Passus entnehmen:
"Der guten Ordnung halber weisen wir Sie darauf hin, dass die Hin-
weise der Staatsanwaltschaft zur Durchführung der Begutachtung
gemäss Schreiben vom 15. Januar 2015 (Dossier 1, act. 17/3) wei-
terhin Gültigkeit haben."
Dass der Hinweis erfolgte, stellt auch die Verteidigung somit zu Recht nicht in Ab-
rede (Urk. 483 S. 11). Ihrer Ansicht nach sei dieser Hinweis indes wirkungslos, da
er vom Gerichtsschreiber und nicht der Verfahrensleitung angebracht worden sei.
Dem ist zu widersprechen. Die Erteilung des Auftrags stellt einen verfahrens-
leitenden Entscheid dar, welcher zwar in Anwendung von Art. 184 Abs. 2 in
Schriftform zu erfolgen hat, jedoch ansonsten weder besonders ausgefertigt noch
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begründet zu werden braucht (Art. 80 Abs. 3). Die blosse Tatsache, dass das
Schreiben "lediglich" vom Gerichtsschreiber unterzeichnet ist, sagt weder etwas
darüber aus, wer die verbrieften Weisungen anordnete noch hat sie direkte Aus-
wirkungen auf die Gültigkeit derselben. Im erwähnten Schreiben wird unzwei-
deutig Bezug genommen auf den Beschluss vom 4. April 2017, welcher dem
Schreiben beigelegt war. Der Auftrag und auch die Inpflichtnahme wurden sodann
in der "wir" Form formuliert, womit zweifelsohne zum Ausdruck gebracht wurde,
dass diese auf das Gericht zurückgehen. Die Inpflichtnahme des Gutachters er-
folgte damit im Namen des Gerichts rechtsgültig, weshalb die Ergänzung des
Gutachters Prof. Dr. med. K._ verwertbar ist.
3. Beweisanträge
(...)
4. Verwertbarkeit von Beweismitteln
Die Verteidigung rügte auch anlässlich der Berufungsverhandlung die Verwert-
barkeit der vom Beschuldigten gegenüber den Gutachtern Prof. Dr. med. K._
und Prof. Dr. rer. nat. M._ gemachten Aussagen (Urk. 486 S. 7 ff.). Auf diese
Rüge wird unter Ziffer III.1.2 ff. eingegangen. Weitere Fragen zur Verwertbarkeit
von Beweismitteln wurden nicht aufgeworfen bzw. stellten sich nicht.
III. Anklagevorwurf 1.1: Tötung von †B._
1. Einleitung
1.1. Anklagevorwurf
1.1.1. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten in ihrer ergänzten Version der
Anklage und des Antrags auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähi-
ge Person vom 27. März 2017 im Hauptstandpunkt stark zusammengefasst vor,
†B._ in der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember 2014 nach einer eher be-
langlosen Auseinandersetzung durch Anwendung massiver Gewalt, insbesondere
durch Schläge mit der Faust gegen den Kopf bzw. Einschlagen des Schädels mit
diversen Gegenständen, durch Würgen und Einführen bzw. (mutmasslich) Hinein-
- 16 -
rammen einer Kerze in den Mund/Hals vorsätzlich getötet zu haben (Urk. 250 S. 2
ff.).
1.1.2. Alternativ wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten vor, er habe in be-
sagter Nacht und schon in den Tagen davor im Wissen, dass er durch den Kon-
sum von Ketamin und Kokain in einen psychotischen Zustand mit paranoiden
Wahnvorstellungen geraten könnte, in welchem er sich ernsthaft von Personen in
seiner unmittelbaren Umgebung mit dem Tode bedroht sehe bzw. fühle und daher
im Bewusstsein, dass er in solchen Zuständen auch Gewalt- bis hin zu Tötungs-
handlungen vornehmen könnte, mehrmals und trotz einsetzenden Realitätsver-
lusts vorsätzlich Kokain und Ketamin konsumiert. Als Folge dieses Ketamin- und
allenfalls Kokainkonsums sei der Beschuldigte – für ihn voraussehbar bzw. von
ihm in Kauf genommen – in einen psychotischen Zustand mit paranoiden Wahn-
vorstellungen geraten, während welchem er †B._ getötet habe (vorsätzliche
oder fahrlässige actio libera in causa; Urk. 250 S. 6 ff.).
1.1.3. Die von der Anklagebehörde zunächst vorgelegte Anklage vom 15. August
2016 enthielt lediglich die Alternativanklage, d.h. den Vorwurf der vorsätzlichen
oder fahrlässigen actio libera in causa (Urk. 31). Die ergänzte Version der Ankla-
ge wurde erst auf ausdrückliche Aufforderung der Vorinstanz präsentiert (Prot. I
S. 160 ff; Urk. 250).
1.2. Verwertbarkeit der Aussagen des Beschuldigten gegenüber den Gutach-
tern Dr. med K._ und Dr. rer. nat. M._
1.2.1. Die Verteidigung machte anlässlich der Berufungsverhandlung unter Be-
zugnahme auf das Urteil des Bundesgerichts 1B_522/2017 vom 4. Juli 2018 gel-
tend, die Aussagen des Beschuldigten gegenüber dem Gutachter dürften nur im
Kontext der forensischen Begutachtung verwendet werden. In einem anderen
Kontext seien diese im Sinne von Art. 147 Abs. 4 StPO unverwertbar, da ihnen
die gesetzlichen Erfordernisse an ein justizförmiges Verhör abgehen würden. Bei
Art. 147 Abs. 4 StPO handle es sich um ein absolutes Beweisverwertungsverbot.
An der Unverwertbarkeit der Aussagen des Beschuldigten gegenüber dem Gut-
achter ändere nichts, dass sowohl der Beschuldigte als auch der Gutachter die
- 17 -
Richtigkeit der im Gutachten aufgeführten Aussagen bestätigt hätten. Auch für die
Würdigung der Aussagen des Beschuldigten sei nichts gewonnen, da diese ja nur
soweit in das psychiatrische Gutachten aufgenommen worden seien, als sie
für die Begutachtung wichtig gewesen seien. Hinzu komme, dass nicht beurteilt
werden könne, in welchem Kontext die Aussagen erfolgt seien, da darüber kein
Protokoll geführt worden und damit auch die Fragestellungen nicht ersichtlich sei.
All dies sei jedoch notwendige Voraussetzung, um eine Beurteilung der Aussagen
des Beschuldigten lege artis vornehmen zu können. Das Urteil der ersten Instanz
stütze sich somit auf unverwertbare Beweismittel, weshalb ein absoluter Nichtig-
keitsgrund vorliege. Eine Heilung dieses Mangels sei in der zweiten Instanz nicht
möglich und die Sache zur Wahrung des Instanzenzuges an die erste Instanz zur
neuen Beurteilung zurückzuweisen (Urk. 413 S. 3 ff.; Urk. 486 S. 7 ff.; Prot. II
S. 28).
1.2.2. StA lic. iur. Knauss führte hierzu aus, dass die Vorinstanz zu Recht ein Er-
gänzungsgutachten in Auftrag gegeben habe. Der Beschuldigte verlange, dass
man das Urteil auf das Erstgutachten von Prof. Dr. med. K._ stütze, und da-
mit auf seine im Strafprozess unverwertbaren Aussagen. Der Beschuldigte wolle
damit erreichen, dass der von ihm mit ausserhalb des Strafverfahrens gemachten,
beweismässig nicht verwertbaren Aussagen gefütterte Gutachter als unfehlbar
gelten solle, wenn er diesen unverwertbaren Aussagen folge. Mit anderen Worten
soll das Gericht die Grundlagen des Gutachtens nicht mehr überprüfen dürfen
bzw. das Gutachten solle von der Justiz als sakrosankt angesehen werden, und
das entspreche nicht der geltenden Rechtsauffassung. Das gelte umso mehr, als
der Beschuldigte sich in der Hauptverhandlung beharrlich geweigert habe, be-
rechtigte Fragen des Gerichts zu seinen nur im Gutachten wiedergegebenen
Aussagen zu beantworten und nachvollziehbar zu erläutern. Das sei zwar sein
gutes Recht, indes verhindere er damit die kritische Überprüfung der sehr späten,
erst gegenüber dem Gutachter gemachten Aussagen, die eine erhebliche Anrei-
cherung seiner bisherigen Schilderungen darstellen würden. Damit habe der Be-
schuldigte dem ersten gutachterlichen Befund den Boden unter den Füssen weg-
gezogen, weshalb die Vorinstanz zu Recht nicht auf den ersten gutachterlichen
Befund abgestellt habe (Prot. II S. 25 f.).
- 18 -
1.2.3. Im von der Verteidigung zitierten Urteil des Bundesgerichts 1B_522/2017
vom 4. Juli 2018 ging es um einen verfahrensleitend zu beurteilenden Antrag ei-
nes Beschuldigten um Zulassung seines Verteidigers zu den bevorstehenden
psychiatrischen Explorationsgesprächen des Gutachters, welchem nur wenige
Tage später durch die Staatsanwaltschaft der Auftrag zur Erstellung eines psychi-
atrischen Gutachtens erteilt wurde (1B_522/2017 Urteil des Bundesgerichts vom
4. Juli 2018 E. A). Das Bundesgericht unterschied in seinem Entscheid strikt zwi-
schen dem Verhör des Beschuldigten und dem mit dem Beschuldigten zu führen-
den Explorationsgespräch des forensisch-psychiatrischen Experten. Während das
Verhör des Beschuldigten diesem die Gelegenheit biete, sich umfassend zu den
vorgeworfenen Straftaten zu äussern und den gesetzlichen Erfordernissen an ein
justizkonformes Verhör zu genügen habe, erfülle das Explorationsgespräch einen
anderen gesetzlichen Zweck, indem es Bestandteil der gutachterlichen Sachver-
haltsermittlung bilde. Diese bestehe darin, sich ein unbeeinflusstes Bild über die
medizinisch-psychiatrischen Fachfragen zu verschaffen. Die Befragung durch den
Sachverständigen sei eng gutachtensorientiert. Die Strafbehörden dürften dem
Beschuldigten seine im Rahmen eines psychiatrischen Explorationsgesprächs
gemachten Äusserungen nicht wie die in förmlichen Einvernahmen erstatteten
Beweisaussagen (im Verhör) zum inkriminierten Sachverhalt vorhalten. Als Grund
für diese Unterscheidung zwischen den im Explorationsgespräch und im Verhör
erfolgten Aussagen des Beschuldigten führt das Bundesgericht an, dass bei der
gutachterlichen Exploration die gesetzlichen Erfordernisse an ein justizkonformes
Verhör regelmässig nicht erfüllt seien, zumal die Befragung nicht durch eine
Justizperson erfolge, die Teilnahmerechte der Verteidigung eben nicht gewahrt
seien, kein Hinweis auf das Recht zur Verbeiständung erfolge und die gesetz-
lichen Protokollierungsvorschriften nicht eingehalten würden (1B_522/2017 Urteil
des Bundesgerichts vom 4. Juli 2018 E. 3.7).
1.2.4. Die Bemerkung des Bundesgerichts, die Äusserungen des Beschuldigten
dürften diesem nicht im Verhör vorgehalten werden, könnten durchaus so ver-
standen werden, dass die im Explorationsgespräch mit dem Gutachter in Abwe-
senheit seines Verteidigers erfolgten und nicht förmlich protokollierten Aussagen
des Beschuldigten prozessual unverwertbar sind.
- 19 -
1.2.5. Das Explorationsgespräch zwischen dem Gutachter und dem Beschuldig-
ten stellt eine der unentbehrlichen Hauptaufgaben der Begutachtung dar und führt
zu einem nicht unbeachtlichen Teil zum eigentlichen Befund des Experten. Es ist
damit vor allem der Verzicht auf die Exploration, der ein Gutachten unverwertbar
machen würde (BSK StPO I-Heer, a.a.O., N 29 zu Art. 185) und nicht die Tatsa-
che, dass sie durchgeführt wird und notgedrungen Äusserungen des betreffenden
Beschuldigten enthält, die in Abwesenheit seines Verteidigers fallen und nicht
förmlich protokolliert werden. In der Botschaft zur StPO wurde die Exploration
des Beschuldigten durch den mit dem psychiatrischen Gutachten beauftragen
Psychiater als der typische Anwendungsfall des Rechts einer sachverständigen
Person zu zulässigen eigenen und selbständigen Erhebungen gesehen (Botschaft
2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21.12.2005, BBl 2006,
S. 1212). Angesichts dieser grundlegenden Bedeutung der Exploration für die
Gutachtenserstellung sind die in diesem Rahmen gefallenen Äusserungen eines
Beschuldigten in Beachtung der nachfolgenden Präzisierungen im Strafprozess
grundsätzlich verwertbar, erst Recht, soweit es um die zulässige gerichtliche
Würdigung des Gutachtens geht. Daran ändert die Feststellung des Bundes-
gerichts, die gesetzlichen Erfordernisse an ein justizkonformes Verhör mit den
Beschuldigten seien in diesem Kontext nicht erfüllt – oder könnten vielmehr ver-
nünftigerweise nicht erfüllt werden – nichts. Dem Ansinnen der Verteidigung, die
in einer Exploration abgegebenen Schilderungen aus diesem Grund umfassend
als unverwertbar und daher einer Würdigung nicht zugänglich zu erklären
(Urk. 413 S. ; Urk. 483 S. 10 f.), ist eine entschiedene Absage zu erteilen.
1.2.6. Erfährt der Gutachter in Zusammenhang mit der Ausführung seines Auftra-
ges bisher (so) nicht bekannte prozessrelevante Tatsachen, zu deren Feststellung
keine besondere Sachkunde erforderlich ist, also sogenannte Zusatztatsachen
(ZK StPO-Donatsch, N 13 zu Art. 182), stellt sich tatsächlich die Frage, wie mit
solchen Informationen prozessual umzugehen ist. Zu solchen Zusatztatsachen
können – neben beigezogenen Urkunden und Informationen Dritter etc. oder für
die Begutachtung selbst nicht relevante Schilderungen des Beschuldigten – ein
ohne Zutun des Gutachters abgegebenes Geständnis gehören (ZK StPO-
Donatsch, N 13 zu Art. 182).
- 20 -
1.2.7. Der Beurteilung dieser Frage ist vorauszuschicken, dass der Beschuldigte
von Prof. K._ vor dessen Untersuchung darauf hingewiesen wurde, nicht
verpflichtet zu sein, an der Untersuchung mitzuwirken. Weiter wurde er darüber
informiert, dass alle seine Angaben im Gutachten Verwendung finden würden und
der Gutachter gegenüber dem Auftraggeber offenbarungspflichtig sei. Er wurde
ferner in Kenntnis gesetzt, dass seine Angaben Anlass geben könnten, dass neue
Untersuchungshandlungen gegen ihn angehoben werden könnten (Urk. D1/17/22
S. 122). Mit diesen Hinweisen ist eine der Voraussetzungen (auch) für die Ver-
wertbarkeit der gutachterlichen Feststellungen, soweit sie sich auf Zusatztatsa-
chen stützen, erfüllt (vgl. dazu BSK StPO I-Heer, N 32 zu Art. 185).
1.2.8. Sodann wurden die Aussagen des Beschuldigten zusammengefasst, aber
doch ausführlich im Gutachten wiedergegeben (Urk. D1/17/22 S. 135 - S. 142).
Ob dies angesichts der Forderungen nach einer umfassenden Dokumentation al-
ler Beurteilungsgrundlagen des Gutachters genügt, ist zwar umstritten (vgl. dazu
BSK StPO I-Heer, N 35 zu Art. 185), aber klar zu bejahen.
1.2.9. Die gutachterliche Konklusion, mit welcher sich die Verteidigung für ihre Ar-
gumentation im Wesentlichen befasst (Urk. 413 S. 6; Urk. D1/17/22 S. 201), be-
ruht auf Angaben des Beschuldigten im Rahmen des Explorationsgesprächs zur
Art und Weise wie dieser seine Umgebung, das spätere Opfer des Tötungsdelikts
†B._ und den Vorfall an und für sich erlebt hatte. Die entsprechende Darstel-
lung des Beschuldigten deckte sich zum Teil nicht mit den Angaben, die er bisher
im Vorverfahren gemacht hatte bzw. enthielt neue Angaben. Diese vom Gehabten
abweichende Schilderung des Beschuldigten bezog die Vorinstanz in ihre Aussa-
genanalyse ein. Indem der Gutachter die Tat und die Stunden davor mit dem Be-
schuldigten noch einmal durchging und ihn zu dessen Erleben in diesem Zeitraum
befragte sowie dessen Aussagen entgegennahm, traf er die üblichen Vorkehren
zur sorgfältigen Erfüllung seines Aufgabe, wobei er sich eng an den ihm erteilten
Auftrag hielt und damit überhaupt die Grundlage für ein verwertbares Gutachten
schuf (BSK StPO I-Heer, a.a.O., N 28 zu Art. 185). Dass der Gutachter in dieser
Art vorging, kann ebenso wenig zur Unverwertbarkeit der vom Beschuldigten ge-
machten Äusserungen führen, wie der Umstand, dass dieser mit einer Sachver-
- 21 -
haltsvariante aufwartete, die sich in Teilen von dem unterschied oder über das
hinausging, was er bisher gegenüber den Strafbehörden ausgeführt hatte.
1.2.10. Sollte dennoch ein Beweisverwertungsverbot zur Diskussion stehen, ist
mit der herrschenden Lehre ganz grundsätzlich und erst Recht im Falle von Aus-
sagen eines Beschuldigten im Rahmen des gutachterlichen Explorationsge-
sprächs die Auffassung zu vertreten, dass ein solches nur für belastende, nicht
aber für entlastende Umstände zu gelten hätte. Die Verteidigung zitiert die vom
Gutachter vertretene Hauptthese einer aufgehobenen Schuldfähigkeit (Urk. 413
S. 6; Urk. 486 S. 18), welche gerade auf den vom Beschuldigten erst in der Explo-
ration erstmals explizit geschilderten psychotischen Wahrnehmungen beruhte.
Für sich alleine betrachtet, sprächen diese Zusatztatsachen daher für die Schuld-
unfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt und damit zu dessen Gunsten,
weshalb sie grundsätzlich als entlastend zu gelten haben. Dass die Vorinstanz die
neue Version des Beschuldigten schliesslich verwarf, war das Ergebnis ihrer Aus-
sagenanalyse, in welche sie die gegenüber dem Gutachter abgegebene Dar-
stellung wie auch alle anderen Aussagen des Beschuldigten mitberücksichtigen
durfte.
1.2.11. Soweit die Verteidigung geltend macht, an der Unverwertbarkeit der vom
Beschuldigten gegenüber dem Gutachter gemachten Aussagen ändere (auch)
nichts, dass dieser sowie auch die beiden Gutachter die Richtigkeit der im Gut-
achten wiedergegebenen Aussagen bestätigt hätten, irrt er. Die Begründung der
Verteidigung, damit sei für die Würdigung der Aussagen des Beschuldigten nichts
gewonnen, zumal diese nur insoweit ins Gutachten aufgenommen worden seien,
als sie für die Begutachtung wichtig gewesen seien, wobei mangels Protokoll und
Ersichtlichkeit der Fragestellung nicht beurteilbar sei, in welchem Kontext die
Aussagen erfolgt seien (Urk. 413 S. 5; Urk. 486 S. 11 f. ), überzeugt nicht. Zu-
nächst ist zu bemerken, dass mit der Einvernahme der beiden Gutachter als Zeu-
gen durch die erste Instanz dem Recht des Beschuldigten auf Konfrontation und
Ergänzungsfragen umfassend Rechnung getragen wurde (BSK StPO I-Heer,
N 36 zu Art. 185; Donatsch, Das Sachverständigengutachten im Strafprozess,
forumpoenale 2/2019, S. 140). Dies ist ein weiterer Grund, die Aussagen des Be-
- 22 -
schuldigten als verwertbar zu taxieren. Ungeachtet dessen wäre es dem Beschul-
digten auch unbenommen gewesen, seine neue Version gegenüber der Anklage-
behörde, der ersten Instanz oder nun der Berufungsinstanz noch einmal ausführ-
lich vorzutragen, um sie ins rechte bzw. das von ihm oder seiner Verteidigung
gewünschte Licht zu rücken. Dass er davon absah und es daher dabei blieb, dass
seine neue Version einzig durch die Gutachter in den Strafprozess eingebracht
werden konnte, führt nicht zur Unverwertbarkeit der fraglichen Aussagen.
1.2.12. Die Vorinstanz hat die entsprechenden Aussagen daher grundsätzlich zu
Recht in ihrer Würdigung einbezogen.
2. Äusserer Ablauf der Tötung
2.1. Die Vorinstanz kam im Rahmen einer aufwendigen und sorgfältigen Wür-
digung der vorhandenen Beweismittel, namentlich der Aussagen des Beschuldig-
ten, der Tatortfotos, der ab Kleidungsstücken und Gegenständen sichergestellten
DNA-Proben, der Blutspritz-, Blutwisch- und Blutübertragungsspuren (alles zu-
sammengestellt im Situationsplan Urk. D1/8/11 sowie im Gutachten Mikrospuren-
und Blutspurenuntersuchung Urk. D1/8/22 samt Beilagen zu diesem Gutachten
Urk. D1/8/23) und dem Gutachten zum Todesfall (Urk. D1/7/6) zum Ergebnis,
der objektive Sachverhalt gemäss Anklageschrift lasse sich wie folgt erstellen:
Zwischen 5.00 und 7.00 Uhr am Morgen des 30. Dezember 2014 sei es in der
Liegenschaft I._-strasse ... in J._ wegen des Herumtanzens bzw. -
hüpfens des Beschuldigten zu lauter schwedischer Musik bzw. wegen einer An-
wandlung des Beschuldigten, er und auch †B._ sollten mit dem Konsum von
Ketamin bzw. Drogen aufhören, zu einer Auseinandersetzung zwischen den bei-
den gekommen, bei welcher †B._ den Beschuldigten in den Glastisch im
Wohnzimmer gestossen habe, welcher zerbrochen sei (Urk. 360 S. 39 ff.). Im wei-
teren Verlauf dieser Auseinandersetzung, die sich in Wohnzimmer und Küche ab-
gespielt habe (Urk. 360 S. 48 f.) und während welcher es – wie Textilfaserüber-
tragungen zeigten – zu einem intensiven Kontakt der Körper der beiden Kontra-
henten gekommen sei (Urk. 360 42, S. 59 f.), die sich auch gegenseitig Haare
ausgerissen hätten (Urk. 360 S. 41), was auf einen Kampf schliessen lasse, habe
der körperlich erheblich überlegene Beschuldigte in chronologisch nicht mehr be-
- 23 -
stimmbarer Reihenfolge mit massiver Gewalt in der in der Anklageschrift genann-
ten Weise auf †B._ eingewirkt. Konkret betrachtete es die Vorinstanz als er-
stellt, dass der Beschuldigte mehrmals mit der Faust gegen den Kopf von
†B._ geschlagen habe (Urk. 360 S. 79), ihm mehrere wuchtige Schläge mit
einem schwarzen, 1.2 m hohen und 6 kg schweren Kerzenständer gegen den
Oberkörper und mindestens zweimal gegen den Kopf versetzt habe, wobei er ihn
mindestens einmal am Kopf getroffen und so dessen Schädel gebrochen habe
(Urk. 360 S. 42 ff., S. 77. S. 89), sodann wenigstens einen Schlag mit einer gol-
denen, ca. 24 cm hohen und 1.88 kg schweren unförmigen massiven Skulptur
(Urk. 360 S. 77 f., S. 79 f.) sowie mindestens einen Schlag mit einer keramikähn-
lichen, antiken, ca. 0.54 kg schweren Dekorationsfigur gegen den Kopf von
†B._ (Urk. 360 S. 78 f.) ausgeführt habe, diesem ferner eine Kerze in den
Rachen eingeführt habe, so dass dessen Luftzufuhr verlegt worden sei (Urk. 360
S. 79) und †B._ schliesslich massiv gewürgt habe (Urk. 360 S. 59 f.). Eine
von der grösseren Blutlache weg verlaufende grosse Blutwischspur zeige ferner,
dass der Beschuldigte den Körper von †B._ noch von einem Ort im Wohn-
zimmer an einen anderen verlegt habe (Urk. 360 S. 60). Als nicht erstellt betrach-
tete die Vorinstanz dagegen Schläge mit Glasscherben sowie zusätzliche Schläge
(d.h. mehr als den einen erstellten Schlag) mit der erwähnten goldenen Skulptur
gegen den Kopf von †B._. Durch die erstellten Handlungen des Beschuldig-
ten bzw. die dadurch erlittenen Verletzungen sei schliesslich der Tod von
†B._ eingetreten. Genauer gesagt sei er durch Ersticken infolge Würgens
sowie Verlegens der Atemwege mit der Kerze verstorben, wobei der Blutverlust
als Folge der offenen Wunden sowie das offene Schädel-Hirn-Trauma, aber auch
das Einatmen von hoch gekommenem Mageninhalt in die Lunge den Todeseintritt
begünstigt haben könnten (Urk. 360 S. 90).
2.2. Dieser soweit bekannte äussere Ablauf der vom Beschuldigten begange-
nen Tötung von †B._ wird von diesem nicht bestritten.
- 24 -
3. Grad der Schuld(un)fähigkeit des Beschuldigten
3.1. Vorbemerkungen
3.1.1. Umstritten ist jedoch, ob der Beschuldigte im Zeitpunkt des von ihm began-
genen Tötungsdelikts schuldfähig war.
3.1.2. Diese Frage ist insofern von grosser Relevanz, als das hiesige Strafrecht
vom Schuldprinzip beherrscht ist (BGE 134 IV 132 E. 6.1), stellt doch "die Schuld"
des Täters eine der unabdingbaren Voraussetzungen für seine Strafbarkeit dar.
Unter dem Begriff "Schuld" ist die Vorwerfbarkeit des tatbestandsmässigen und
rechtswidrigen Verhaltens zu verstehen. Diese Vorwerfbarkeit setzt voraus, dass
der betreffende Täter psychisch fähig war und aufgrund der äusseren Umstände
über die Möglichkeit verfügte, sich rechtmässig zu verhalten, was als Regelfall
gilt. Bei komplettem Fehlen einer dieser Voraussetzungen liegt ein Schuldaus-
schlussgrund vor (Donatsch/Tag, Strafrecht I, 9. Auflage, S. 269 ff.).
3.1.3. Mit einer möglichen Schuldunfähigkeit setzt sich Art. 19 StGB auseinander.
Gemäss dieser Bestimmung ist nicht strafbar, wer zur Zeit der Tat nicht fähig war,
das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln. Auf
diese Bestimmung kann sich demnach ein Täter berufen, der zur Zeit seiner Tat
entweder nicht fähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen, dem mithin die Ein-
sichtsfähigkeit fehlte oder aber ein Täter, der unfähig war, entsprechend seiner
zwar noch vorhandenen Einsicht zu handeln, dem es mit anderen Worten an der
Bestimmungs-, Steuerungs- bzw. Hemmungsfähigkeit fehlte (Donatsch/Tag,
a.a.O., S. 275). Die fehlende Einsichtsfähigkeit äussert sich folglich darin, dass
der Täter bei seinem tatbestandsmässigen Handeln überhaupt nicht (mehr) wuss-
te, was er tat. War er dagegen – bei noch intakter Einsichtsfähigkeit – ausser-
stande, die ihn zum Handeln drängenden Antriebe zu beherrschen, war seine
Steuerungs- bzw. Bestimmungsfähigkeit aufgehoben (Donatsch/Tag, a.a.O.,
S. 277).
3.1.4. Schuldunfähigkeit kann namentlich durch eine schwere Störung der Psyche
bedingt sein. Grund dafür können sowohl anhaltende geistige Behinderungen
oder Beeinträchtigungen als auch vorübergehende Ausnahmezustände sein. Er-
- 25 -
forderlich ist jedenfalls ein vollständiger oder weitgehender Ausfall der Selbst-
oder Umweltbewusstheit. Dazu kann es namentlich bei schwersten Rauschzu-
ständen kommen (Donatsch/Tag, a.a.O. S. 277).
3.1.5. Die Schuldfähigkeit des Täters ist bei entsprechenden Zweifeln bzw. Hin-
weisen durch eine sachverständige Begutachtung abzuklären (Art. 20 StGB). Im
Falle einer regelmässig nicht mehr rekonstruierbaren vorübergehenden Bewusst-
seinsstörung stösst eine Begutachtung aber mitunter an Grenzen – der Erkennt-
nisgewinn durch ein Gutachten kann in solchen Konstellation gänzlich entfallen
oder nur gering sein (vgl. Donatsch/Tag, a.a.O. S. 278). Wie die Vorinstanz zutref-
fend erwogen hat, unterliegt ein Gutachten über die Frage der Schuldfähigkeit wie
jedes andere Beweismittel der freien Würdigung des Gerichts. Um in psychiatri-
schen Fachfragen von der Auffassung des Experten abweichen zu können, müs-
sen allerdings triftige Gründe bestehen und offen gelegt werden (Donatsch/Tag,
a.a.O. S. 279). Gilt die Schuldunfähigkeit in Bezug auf eine konkrete Tat als er-
wiesen, darf der Täter dafür nicht bestraft werden (Donatsch/Tag, a.a.O. S. 279),
auch wenn die Tatkomponenten noch so schwer wiegen (BGE 134 IV 132 E. 6.1).
3.1.6. In welchem Zustand sich der Täter zur Tatzeit befand, ist Tatfrage. Wie der
Begriff der Schuldunfähigkeit auszulegen und anzuwenden ist, stellt hingegen
eine Rechtsfrage dar (6B_202/2017 Urteil vom 23 August 2017 E. 2.2.1; BGE 107
IV 3 E. 1a S. 4). Höchstrichterlich bislang nicht geklärt ist, ob sich der Grundsatz
in dubio pro reo gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO auch auf die tatsächlichen
Voraussetzungen der Schuldfähigkeit bezieht. Art. 10 Abs. 3 StPO sieht vor, dass
das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage
auszugehen hat, wenn unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen
Voraussetzungen der angeklagten Tat bestehen. Lassen sich bei der Beurteilung
der Frage der Schuldfähigkeit Zweifel, ob noch Reste von Schuldfähigkeit
vorhanden waren, nicht beseitigen, so wäre bei Anwendung der in-dubio-Regel
kein Schuldspruch zulässig. Diejenigen Autoren, die sich aktuell überhaupt zu
dieser Frage äussern, befürworten mehrheitlich die Anwendbarkeit des
Grundsatzes "in dubio pro reo" in dieser Frage (BSK StGB I-Bommer/Dittmann, 4.
Auflage, 2018, N 51 zu Art. 19 mit weiteren Hinweisen; Wohlers in
- 26 -
Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO-Kommentar, N 7 zu Art. 10; Trechsel/Jean-
Richard, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Auflage, 2017,
N 11 zu Art. 19). Nachdem die Strafbehörden die Beweislast für das Fehlen von
Schuldausschlussgründen tragen und die tatsächlichen Voraussetzungen der
Schuldunfähigkeit als Tatfrage zu beurteilen sind, ist diese Frage ohne weiteres
als vom Anwendungsbereich des Grundsatzes in dubio pro reo erfasst zu
betrachten.
3.2. Drogenkonsum des Beschuldigten und dessen Auswirkungen in der
Vergangenheit
3.2.1. Die Vorinstanz hielt psychotische Rauschphänomene beim Beschuldigten
im Tatzeitpunkt für nicht erwiesen und erkannte letztlich auf Schuldfähigkeit des
Beschuldigten, attestierte ihm jedoch eine schwere Beeinträchtigung derselben.
Als Grund für diese Einschränkung sah sie den im relevanten Zeitraum erfolgten
Kokain- und (offensichtlich) Ketaminkonsum des Beschuldigten (Urk. 360 S. 86 -
S. 88). Unter den gegebenen Umständen rechtfertigt es sich, zunächst näher auf
die generell beim Beschuldigten bestehende Drogenproblematik und deren
Auswirkungen einzugehen.
3.2.2. Aus den verschiedensten Quellen ist bekannt, dass der Beschuldigte schon
als Zwölfjähriger mit dem Kiffen begann und mindestens seit 2011 einen
schwankend ausgeprägten, mitunter aber massiven Betäubungsmittel- und
Medikamentenkonsum betrieb. Namentlich existieren Aufzeichnungen in Form
von Verlaufs- und Austrittsberichten sowie Krankheitsgeschichten der
Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, welche von der Anklagebehörde mit
Schreiben vom 18. und 25. März 2015 beigezogen und unakturiert in einem
separaten Couvert zu den Akten gelegt wurden. Im Gutachten von Prof. K._
wurde auf diese Unterlagen Bezug genommen (Urk. D1/17/22 S. 147 ff.). Diese
Schriftstücke sind deswegen von Interesse, weil darin über den
Betäubungsmittelkonsum des Beschuldigten und dessen Folgen in einem
Zeitraum berichtet wurde, der – zum Teil wesentlich – vor den dem Beschuldigten
vorgeworfenen Taten lag. Der grösste Teil der damaligen Äusserungen des
- 27 -
Beschuldigten und des Klinikpersonals konnten demnach nicht auf die heute zur
Beurteilung stehenden Ereignisse ausgerichtet gewesen sein.
3.2.3. Gemäss diesen Unterlagen wurde am 22. Februar 2011 die Polizei vom
Vater des Beschuldigten gerufen. Laut entsprechendem Polizeirapport schien der
Beschuldigte aufgrund seines in Anwesenheit der Polizisten gezeigten Verhaltens
offensichtlich sehr merkwürdige Fantasien gehabt zu haben (Anhang zum
Austrittsbericht vom 21. April 2011, Eintrag vom 23. Februar 2011, S. 2). Als der
Beschuldigte deswegen gleichentags per FFE stationär in der Klinik untergebracht
wurde, war von eskalierendem Konsum unklarer Mengen an Drogen während des
unmittelbar vorangegangenen Studienaufenthalts des Beschuldigten in London
die Rede, in dessen Folge er eine schwere Paranoia entwickelt, unter
Wahnvorstellungen und Halluzinationen sowie "Nahtoderlebnissen" gelitten, sich
zeitweise für Jesus gehalten und schliesslich den Vater bedroht habe. Der
Beschuldige habe fast alles probiert, was es gäbe: MDMA, LSD, Kokain, Ketamin,
Benzodiazepine, wobei in der damaligen Krankengeschichte vor allem ein
massiver Ketaminkonsum in der letzten Zeit vermerkt wurde (Anhang zum
Austrittsbericht vom 21. April 2011 Eintrag vom 23. Februar 2011). Das damals
plötzliche Erwachen sehr starker Religiosität sah die Klinik als Anhaltspunkt für
psychotisches Erleben des Beschuldigten (Austrittsbericht vom 21. April 2011 S. 1
f.). Man stellte in der Klinik einige Tage lang jeweils abends beim Beschuldigten
auftretende deutliche Psychosen mit Ichstörungen und Wahngedanken fest
(gleicher Bericht S. 3 sowie Krankengeschichte Einträge vom 23.02.2011,
25.02.2011). Nach einigen psychosefreien Tagen wurde er auf seinen
drängenden Austrittswunsch am 4. März 2011 wieder entlassen (gleicher Bericht,
S. 3). Vorschläge seines Vaters betreffend einen anschliessenden Aufenthalt in
einer Privatklinik lehnte er grundsätzlich ab (Eintrag vom 2. März 2011 im
Verlaufsbericht betreffend den Aufenthalt vom 22.02.2011 bis 04.03.2011). Im
Vorverfahren bestätigte der Vater des Beschuldigten im Übrigen gegenüber der
Polizei die damalige Psychose und das massive Drogenproblem seines Sohnes.
Dieser habe tagelang erzählt, dass er mit Toten in der Hölle gewesen sei und
Kontakt mit seinem Grossvater im Himmel gehabt habe (Urk. D1/4/18 S. 5 ff.).
Von der Mutter des Beschuldigten wurde eine aus diesem Zeitraum stammende,
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am 8. März 2011 verfasste Email des Beschuldigten zu den Akten gereicht, aus
welcher ersichtlich ist, dass der Beschuldigte sie und seine Schwester während
seiner Halluzinationen als Hexen und seinen Vater als Zauberer wahrnahm (Urk.
D1/3/9 D. 2 und Beilage). Gegenüber dem Gutachter erklärte der Beschuldigte,
der damalige Aufenthalt in der PUK sei einfach nur "beschissen" gewesen; er
habe sich dort nicht wohl gefühlt. Man habe ihm gesagt, dass er eine Psychose
habe, er denke jedoch, dass das der massive Drogenkonsum gewesen sei.
Jedenfalls habe er so etwas wie 2011 – er bezeichnete das als "Gehirngulasch" –
nie mehr erlebt (Urk. D1/17/22 S. 125). Im Verlaufsbericht der einige Monate
später einsetzenden ambulanten Behandlung des Beschuldigten in der PUK
finden sich entgegen dieser Aussagen des Beschuldigten erneut verschiedene
Vermerke betreffend psychotische Erlebnisse des Beschuldigten und Rückfälle in
den Konsum von MDMA, Kokain, Ketamin, Marihuana (Verlaufsbericht vom
28.06.2011 bis 25.01.2012, Einträge vom 30.09.2011, 19.10.2011, 20.12.2011).
Der Beschuldigte gebe an, trotz oberflächlich guter Laune schwarze Gedanken zu
haben und er beklage imperative beleidigende Stimmen (Verlaufsbericht vom
28.06.2011 bis 25.01.2012, Eintrag vom 20.12.2011, vom 30.12.2011). Zum
damaligen Therapieende im Januar 2012 wurde festgehalten, dass beim
Beschuldigten eine schwerwiegende Substanzmissbrauchsproblematik
festzustellen sei. Vor allem Ketamin, das ihn wiederholt in psychotische
Erlebnisse treibe, übe eine grosse Anziehung auf ihn aus. Die psychotischen
Erlebnisse würden auch seine Lebenseinstellung verändern, spreche er doch von
guten und bösen Kräften, welche die Welt beherrschen würden, klar ohne in einer
Wahnwelt zu leben (Verlaufsbericht vom 28.06.2011 bis 25.01.2012, Eintrag vom
25.01.2012). Was den letzten Verlaufsbericht vom 16. Oktober 2013 bis 6. Januar
2015 anbelangt, fällt auf, dass der Beschuldigte sich zwar wegen eines Rückfalls
in den Drogenkonsum im Ambulatorium der PUK meldete, jedoch die Gelegenheit
für Gespräche nur in recht grossen Abständen wahrnahm und dabei offensichtlich
falsche, verharmlosende Angaben über seinen Betäubungsmittelkonsum machte.
So erklärte er am 23. September 2014, Drogen seien länger kein Thema mehr,
obwohl er am 6. September 2014 oder während seines Ibizaaufenthaltes im Juli
2014 nachweislich und auch gemäss eigenen Angaben Drogen konsumiert hatte,
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dies z.T. massiv (Urk. D3/2/1 S. 3 f.; Urk. D1/4/9 S. 6; Urk. D3/5/22 S. 443 ff.; Urk.
D1/5/116 S. 2). Auch am 18. Dezember 2014 führte der Beschuldigte gemäss
diesem Verlaufsbericht gegenüber seinem Therapeuten aus, es gehe ihm recht
gut, er arbeite, treibe Sport und habe Valium und Xanax abgebaut, ohne seinen
Drogenkonsum zu erwähnen, der an Weihnachten 2014 anlässlich seines
Besuchs bei seiner Familie deutlich aufgefallen war (Urk. D1/4/21 S. 8; Urk.
D1/4/18 S. 10; vgl. auch Urk. D1/4/9 S. 7; Urk. D1/4/16 S. 10).
3.2.4. Ferner äusserten sich verschiedene als Zeugen bzw. polizeiliche
Auskunftspersonen befragte Familienmitglieder, Freunde und Bekannte des
Beschuldigten in ihren Befragungen zu dessen Konsumverhalten bezüglich
Drogen und Medikamenten sowie den Auswirkungen auf ihn.
Die Schwester des Beschuldigten, N._, äusserte sich im Februar 2015
gegenüber der Polizei zur Drogenproblematik des Beschuldigten: Sie meine, dass
er seit London, d.h. seit ca. 4 Jahren Ketamin konsumiere und sie ihn jeweils am
Abend im Ausgang unter Ketamineinfluss gesehen habe. Das habe sie an seinem
Blick und daran gemerkt, dass er so anhänglich gewesen sei. Etwas "Wildes"
habe er aber nicht gemacht (Urk. D1/4/60 S. 4). Gegenüber der Anklagebehörde
erwähnte sie ebenfalls, dass die Drogensucht ihres Bruders das allgegenwärtige
Hauptproblem gewesen sei (Urk. D1/4/61 S. 6). Mit eigenen SMS an ihren Bruder
wegen zum Teil gewalttätiger Fehltritte des Beschuldigten konfrontiert, musste
N._ einräumen, dass sie diese verfasst hatte (Urk. D/1/62 S. 21). Auf Fragen,
ob der Beschuldigte unter Halluzinationen bzw. Wahnvorstellungen gelitten habe,
erklärte sie, sie wisse doch, dass er in der Psychiatrie gewesen sei, weil er unter
einer Psychose gelitten habe (Urk. D1/4/62 S. 23). Von der Privatklägerin 5 wurde
überdies eine Email von N._ an den Beschuldigten vom 24. April 2014
vorgelegt, in welchem sie schreibt, sie ertrage es nicht mehr zu sehen, wie sich
ihr Bruder selbst vernichte. Wenn er nicht freiwillig einen Entzug mache, werde
sie ihm die Polizei vorbeischicken und dem Papa Bescheid geben (Urk. D3/3/7 S.
3).
Gemäss den Aussagen der Mutter des Beschuldigten, O._, wusste
auch sie von der Drogenabhängigkeit ihres Sohnes, was ihre Beziehung
- 30 -
verändert habe. Der Aufenthalt ihres Sohnes in der Psychiatrie vor vier Jahren,
als er aus London gekommen sei, habe ebenfalls damit zusammengehangen. Um
welche Substanzen es gegangen sei, wisse sie nur vom Hörensagen und den
Analysen der PUK (Urk. D1/5/20 S. 4, S. 6, S. 7). Zu Gewalttätigkeiten oder
Jähzorn habe er überhaupt nicht geneigt (Urk. D1/5/20 S. 6).
P._, der Freund von N._, führte am 4. Februar 2015 gegenüber
der Polizei aus, die Drogensucht von A._ sei ein grosses und
allgegenwärtiges Problem und Thema gewesen. Es habe viele Ereignisse
gegeben, wo er aufgrund der Drogen massiv abgestürzt sei. Richtig schlimm sei
es geworden, als er in London angefangen habe, Ketamin und Tabletten
einzunehmen. Dort sei es eskaliert, und er sei mit einer Psychose in die Schweiz
zurückgekommen und sei ab dann mehrmals in stationärer Behandlung gewesen.
Er sei nie aggressiv gewesen und Auseinandersetzungen aus dem Weg
gegangen (Urk. D1/5/19 S. 4 f.).
Q._ sagte im Januar 2015 bei der Polizei aus, der Beschuldigte habe
sicher Kokain, LSD, Ketamin, Ecstasy und Marihuana konsumiert. Ketamin sei
erst in den letzten fünf bis sechs Jahren aufgekommen; der Beschuldigte habe
diese Droge in London kennengelernt. Ab 2010 habe der Beschuldigte ihm
gegenüber immer wieder von diesem Ketamin gesprochen. Weiter wisse er vom
Beschuldigten, dass er seit 1 1⁄2 Jahren grosse Mengen Medikamente wie Valium,
Antidepressiva etc. erhalten habe. Er glaube, der Drogenkonsum habe den
Charakter des Beschuldigten verändert. Aggressiv habe er ihn nie erlebt (Urk.
D1/4/46 S. 2 f.). Gegenüber der Anklagebehörde erklärte Q._, es sei ihm, als
er 2014 aus Amerika zurückgekommen sei, aufgefallen, dass der Beschuldigte
eine Vorliebe für Ketamin entwickelt habe, was sich aber auf das Wochenende
beschränkt habe. Durch die Woche hätten ihn die Drogen gebracht, die ihm vom
Arzt gegeben worden seien. Er selbst habe den Beschuldigten Ketamin
konsumieren sehen. Was den Zustand anbelangt, in welchen der Beschuldigte
dadurch jeweils geriet, erklärte Q._, am Anfang sei er jeweils aufgestellt
gewesen, ab einem gewissen Punkt habe er Schwierigkeiten gehabt, sich deutlich
auszudrücken und wenn er zu viel gehabt habe, was er ca. zweimal erlebt habe,
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sei er in einen Zustand gefallen, in dem er Ruhe gebraucht und plötzlich selbst
seine besten Freund weggeschickt habe. Es habe manchmal den Anschein
gemacht, als ob er dann die Situation nicht mehr ganz verstehen würde. Der
Beschuldigte habe sich verkrampft, einen stieren, leeren Blick gehabt und die Luft
durch den Mund ausgestossen. Man habe gespürt, dass er in diesem Zustand
eine sehr kurze Sicherung habe (Urk. D1/4/47 S. 3, S. 4 ff., S. 8).
R._ hatte den Beschuldigten ebenfalls schon unter Alkohol-/Drogen-
/Ketamineinfluss erlebt. Früher sei es vorgekommen, dass der Beschuldigte
paranoid gewesen sei bzw. gewirkt habe. Es sei ein paar Mal passiert, dass er
plötzlich aufgestanden sei und gesagt habe, alle müssten nun gehen oder dass er
Hemmungen oder Angst gehabt habe, die Wohnung zu verlassen oder den Ort zu
wechseln. Der Beschuldigte habe ihm sodann einmal erzählt, Ketamin bringe ihn
dazu, gewisse Ideen oder Visionen von anderen Dimensionen zu haben. Gegen
Ende 2014 habe der Beschuldigte ihm geschildert, er sei nach Ketaminkonsum in
London plötzlich mit einem unbekannten Mann mit bösem Aussehen, Gefühl und
Auftreten im Zimmer gewesen, der ihm gesagt habe, er sei aus der Zukunft und er
sei gekommen, um die Energie des Beschuldigten zu nehmen. Der Beschuldigte
habe – gemäss dessen Schilderung – gefühlt, wie ihn seine Energie verlasse,
habe den Mann aber mit seiner inneren Kraft und Konzentration erfolgreich
zurückgedrängt (Urk. D1/4/45 S. 6, S. 11, S. 13, S. 16).
S._, der gemäss seinen Angaben früher sehr gut mit dem
Beschuldigten befreundet gewesen sein soll, schilderte der Polizei, dass
Drogenkonsum immer ein Thema des Beschuldigten gewesen sei. Er habe das
ziemlich zelebriert. Während alle anderen es jeweils am nächsten Tag bereut
hätten, sei er eine Art "Physiker" gewesen, der sich für die Herkunft und Wirkung
etc. interessiert und vieles ausprobiert habe. Sie hätten vor Jahren zusammen
Kokain konsumiert. Er habe dann aber gehört, das der Beschuldigte noch
Stärkeres konsumiert, in London ganz verrückte Sachen bekommen habe. Der
Beschuldigte habe das Wort Ketamin verwendet und beschrieben, wie das sei,
man stehe damit ausserhalb seines Körpers und schaue sich von aussen an, so
halbtot. Als er das erste Mal von der Tat gehört habe, sei sein erster Gedanke
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gewesen, dass der Beschuldigte irgend einen Cocktail eingenommen habe (Urk.
D1/5/91 S. 3 f.).
T._, der sich früher im selben Bekanntenkreis wie der Beschuldigte
bewegte, gab bei der Polizei an, es sei ein offenes Geheimnis gewesen, dass der
Beschuldigte Drogen konsumiere. Man habe gemerkt, dass er sich komisch
verhalten habe, im Gespräch sei er plötzlich wie geistig abwesend gewesen und
habe manchmal auch gesagt, er stehe unter Drogeneinfluss. Er nehme an, der
Beschuldigte habe Kokain konsumiert, und gerüchteweise habe er auch Ketamin
und LSD genommen. Im Verlauf der Zeit habe er den Drogenkonsum gesteigert
und sich verändert, habe ständig dasselbe gesagt, sei abwesend gewesen, habe
nur noch Drogenstories erzählt, z.B. was er schon alles konsumiert habe und wie
dieses und jenes wirke. Er sei immer mühsamer geworden. Er würde sagen, die
Drogen hätten seine Persönlichkeit verändert. Aggressiv habe er ihn nie erlebt. Er
könne sich die ganze Geschichte nur so erklären, dass der Beschuldigte unter
dem Einfluss von Drogen die Realität verloren habe (Urk. D1/5/94 S. 3 f.).
U._ erklärte gegenüber der Polizei, es sei beim Beschuldigten vom
Konsumieren her eher an der oberen Grenze gewesen. Er habe gesehen, dass er
Diverses eingenommen habe, aber was genau könne er nicht sagen. Er habe das
zwei-, dreimal im Ausgang und einmal bei ihm zu Hause gesehen. Nach dem
Konsum habe es jeweils gekippt; der Beschuldigte sei in seinem Rausch eine
andere Person gewesen; er sei wie auf einen Höhenflug gekommen (Urk. D1/4/6
S. 2). Als Zeuge befragt, gab er an, er habe gesehen, wie der Beschuldigten
Drogen konsumiert habe, ohne zu wissen, was es genau für eine Substanz
gewesen sei. Wie ihn das verändert habe, könne er schlecht erklären. Der
Beschuldigte sei deswegen nicht schlecht drauf gewesen, eher besser. Das
Umgekehrte habe er eigentlich nicht erlebt. Allerdings habe er ihn auch schon
aggressiv gesehen. Unter Drogen sei er anders gewesen, nicht spezifisch
aggressiv, einfach leicht ausser sich, aufgebracht, dies jedoch nicht permanent
(Urk. D1/4/7 S. 4, S. 8).
V._, ein DJ, der den Beschuldigten ca. 2 Jahre vor der Befragung
kennen gelernt hatte, erzählte der Polizei, der Beschuldigte habe ihn im Frühling
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2014 mal gefragt, ob er ihm für Ibiza eine Nummer für Ketamin auftreiben könne.
Der Beschuldigte habe ihm erzählt, er sei in London in das hineingerutscht, habe
es wegen gesundheitlicher Probleme jedoch aufgehört zu konsumieren. Den
letzten Kontakt habe er im Dezember 2014 zu ihm gehabt. Währendem er ihn
ansonsten als happy oder aufgestellt gekannt habe, habe er bei diesem Treffen
bedrückt gewirkt, Mühe mit sprechen gehabt und zwischendurch abgehackte
Sätze gebildet. Er habe gesagt, er habe Xanax verschrieben bekommen und es
würde ihm in letzter Zeit nicht so gut gehen (Urk. D1/5/54 S. 2 und S. 3).
W._ erzählte der Polizei, dass sie den Beschuldigten und †B._,
den sie eigentlich besser kenne, im November 2014 und kurz vor Weihnachten
2014 zuletzt getroffen habe. Sie habe gesehen, wie der Beschuldigte Kokain und
Ketamin konsumiert habe. Dass jemand einmal eine Linie nehme, habe sie schon
gesehen, aber der Beschuldigte habe einen grossen Sack Betäubungsmittel
einfach auf dem Tisch ausgeleert. Sie sei schockiert über die Menge gewesen,
aber der Beschuldigte habe ihr gesagt, dass er das schon seit acht Jahren so
mache. Gemäss ihren Angaben habe der Beschuldigte sehr extrem und auch im
Alltag konsumiert (Urk. D1/4/8 S. 1). Gegenüber der Anklagebehörde schilderte
W._, der Beschuldigte habe anlässlich eines Besuchs von ihr und Freunden
bei ihm in der Wohnung kurz vor Weihnachten 2014 damit geprahlt und
vorgeführt, dass er in seinem Badezimmer einen Riesen Haufen Kokain gehabt
habe. Sie habe gesehen, wie er geschnupft habe (Urk. D1/4/9 S. 7, S. 8 f.). In
beiden Befragungen schilderte sie wie beim Beschuldigten, als ein Glas
hinunterfiel, in einem kurzen Moment eine völlige Veränderung festzustellen
gewesen, eine fast schizophrene Seite zum Vorschein gekommen sei bzw. eine
paranoide Stimmung von ihm ausgegangen sei (Urk. D1/4/8 S. 3; Urk. D1/4/9 S.
8).
AA._, der sich als einigermassen guten Bekannten seit 4 oder 5 Jahren
bezeichnete, erklärte in einer rechtshilfeweisen Einvernahme der
Kantonspolizei Schwyz auf die Bitte, das Konsumverhalten des Beschuldigten
bezüglich Alkohol, Drogen und Medikamente zu beschreiben, er würde sagen, es
sei exzessiv; exzessiveres habe er noch nie gesehen, auch nach Aussagen von
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Freunden. Er sei jemand gewesen, der sich damit gebrüstet habe, wieviel er
vertrage, weil er gedacht habe es sei cool. Dies habe er zwar nicht unbedingt ihm
(AA._) gegenüber gemacht, weil er auch sein Kunde (in der Galerie)
gewesen sei. Es sei um Drogen gegangen, von denen er noch nie gehört habe,
wie Ketamin, aber natürlich auch Kokain. Man habe bei ihm in den letzten zwei
Jahren auch eine Veränderung seiner Persönlichkeit festgestellt. Der
Beschuldigte habe sich auch alles Mögliche an Medikamenten eingeworfen, wie
Antidepressiva, Valium und solche Sachen (Urk. D1/5/28). Er habe ihn
zwiegespalten erlebt, auf der einen Seite enorm gross- und warmherzig sowie
angenehm, auf der anderen Seite aggressiv und frustriert. Auch habe er ab und
zu völlig wirre, erlogene Geschichten erzählt, die gezeigt hätten, dass er gar nicht
mehr richtig habe denken können. Das meine er mit Veränderung der
Persönlichkeit. In letzter Zeit hätten die Drogen sein Leben bestimmt. In der
Galerie sei er aber ganz normal gewesen (Urk. D1/5/28 S. 5 ff.).
AB._ sagte im Februar 2015 aus, der Beschuldigte sei bis vor zwei
Jahren einer seiner besten Freunde gewesen. Er habe sich unter anderem wegen
dessen Drogenkonsum von ihm distanziert. Er wisse, dass er früher Ketamin
genommen, gekifft und getrunken habe. Er denke, dass der Beschuldigte seit er
in London gewesen sei, Ketamin genommen habe. Als er vor einem bis einem
halben Jahr einmal bei ihm zu Hause gewesen sei, habe er etwas in Form
von weissem Pulver auf dem Tisch liegen sehen. Er würde sagen, er habe ein
Drogenproblem gehabt (Urk. D1/5/18 S. 2 f.).
AC._ erzählte auf Fragen der Polizei betreffend das Konsumverhalten
des Beschuldigten hinsichtlich Alkohol, Drogen und Medikamenten, man habe,
wenn man ihn im Ausgang gesehen habe, erkannt, dass er etwas konsumiert
haben müsse, vermutlich Kokain. Vor Jahren habe er selber gesehen, wie er
Kokain konsumiert habe. Er habe gehört, dass er auch Ketamin konsumiere, und
sicher habe er Gras geraucht. Von verschreibungspflichtigen Medikamenten habe
er auch gesprochen (Urk. D1/5/25 S. 4). Man habe eher Angst um ihn gehabt;
man habe von Abstürzen gehört, obwohl er gesagt habe, er nehme keine Drogen.
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AD._, der erklärte, den Beschuldigten seit ca. 7 Jahren zu kennen und
seit ca. 3 Jahren gut mit ihm befreundet zu sein, führte aus, der ganze
Freundeskreis des Beschuldigten habe gewusst, dass er Drogen konsumiert
habe, und zwar Kokain und Ketamin. Ob er Medikamente genommen habe, wisse
er nicht. Er habe den Beschuldigten schon erlebt, als dieser auf Drogen gewesen
sei, auch schon als er richtig weggetreten gewesen sei. Es sei ihm jeweils
anzusehen gewesen. Unter Drogeneinfluss habe er eher mehr geredet und sei
sentimentaler gewesen (Urk. D1/5/29 S. 2 f.).
Auch AE._ der den Beschuldigten 2004 kennenlernte und ihn als guten
Freund bezeichnete, sagte bei der Polizei aus, er habe ihn zwar nie selber
konsumieren sehen, aber der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass er ein Problem
mit Drogen und Medikamenten habe, ohne genau anzugeben, was es genau
gewesen sei. Auffälliges Verhalten habe er nie festgestellt. Der Kontakt sei vier
bis fünf Monate vor dem Delikt abgebrochen, als er dem Beschuldigten, nach
seiner Meinung zur Verlobung mit (...) gefragt, gesagt habe, dass sie nicht die
Richtigen füreinander seien (Urk. D1/5/30 S. 2 f.).
AF._, der den Beschuldigten vor etwa 4 1⁄2 Jahren kennen lernte,
erklärte gegenüber der Polizei, das Konsumverhalten des Beschuldigten in Bezug
auf Alkohol, Drogen sowie Medikamenten sei immer an der obersten Grenze
gewesen. Der Beschuldigte habe öfters Alkohol und Drogen, d.h. Kokain, Ketamin
und Cannabis konsumiert sowie auch Xanax und Ritalin (Urk. D1/5/32 S. 3).
AG._ äusserte gegenüber der Polizei, sie habe viele Informationen über
das Ausmass des Drogenkonsums des Beschuldigten von (...). Man habe aber
auch so gewusst, dass er Drogen konsumiere. Er selbst habe nie ein Geheimnis
darum gemacht, es nie bestritten, sondern Witze darüber gemacht. Selber habe
sie ihn aber nie beim Drogenkonsum gesehen. In der Vergangenheit habe sie ihn
eigentlich als fröhlichen Menschen erlebt. Im letzten Jahr habe sie den Eindruck
gehabt, dass es ihm nicht gut gehe, er sei bleich gewesen und habe ein
aufgedunsenes Gesicht gehabt (Urk. D1/5/39 S. 2 f.).
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AH._, ein Sicherheitsmitarbeiter, führte bei der Polizei aus, er habe den
Beschuldigten als Stammgast im Club AI._ gekannt und sei ihm auch an der
AJ._ begegnet. Der Beschuldigte sei ihm im Club schon mehrmals negativ
aufgefallen. Er sei immer besoffen gewesen, wenn er ihn gesehen habe bzw. im
Schwebezustand zwischen besoffen und einschläfernd. Wenn man ihm etwas
gesagt habe, dann habe er es gar nicht begriffen bzw. es nicht bewusst
mitbekommen. Er sei sehr oft in vorgeglühtem Zustand anbekommen; jedes Mal
als er ihn gesehen habe, sei er jeweils stockbesoffen aus dem Club gegangen. Er
sei so ein Typ gewesen, dem alles scheissegal gewesen sei. Er sei jedoch dem
Sicherheitspersonal gegenüber nie aggressiv gewesen (Urk. D1/5/50 S. 4 und
S. 5).
Gemäss AK._, der Ex-Freundin von †B._, sei das Drogenkonsum-
Verhalten des Beschuldigten wahnsinnig, unmenschlich sowie irre und Ketamin
dessen Lieblingsdroge gewesen (Urk. D1/4/26 S. 2, S. 15 f.).
AL._ sagte aus, dass der Beschuldigte drogensüchtig gewesen sei – er
habe etwas von Ketamin mitbekommen – und Anzeichen von Psychosen gehabt
habe. Sie hätten ihn aus Witz Jesus genannt, wie man halt Drogenabhängige, die
"auf dem Ewigen" seien, nenne, was schon relativ viel sage. Im Ausgang habe
der Beschuldigte abwehrende Handbewegungen gemacht und die Leute
beschuldigt, seine Energien zu klauen (Urk. D1/4/42 S. 9, S. 10). Bei der
Anklagebehörde ergänzte AL._, der Beschuldigte habe immer so viele
Drogen genommen und sei "freaky unterwegs" gewesen. Darum und wegen
seines Aussehens habe man ihn Jesus genannt (Urk. D1/4/43 S. 10).
AM._ sagte gegenüber der Polizei aus, der Beschuldigte konsumiere
Marihuana, Kokain, Ketamin, MDMA, er sei völlig drogenabhängig gewesen.
Gewalttätig oder aggressiv habe er ihn aber nie erlebt (Urk. D1/5/8 S. 4).
AN._, eine weitere Ex-Freundin von †B._, erklärte, man habe aus
dem Freundeskreis gehört, dass der Beschuldigte mit gewissen Drogen ein
Problem gehabt habe; es sei – soviel sie wisse – Ketamin gewesen (Urk. D1/5/14
S. 3).
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Auch zahlreiche weitere Personen, wie AO._, AP._, AQ._,
AR._, AS._, AT._, AU._, AV._, AW._, AX._,
AY._, AZ._, BA._, BB._, BC._, BD._, BE._,
BF._, BG._, BH._, BI._, BJ._, BK._, BL._,
BM._, BN._, BO._, BP._, BQ._, BR._, BS._,
BT._ und BU._ erklärten gegenüber der Polizei, das Drogenproblem
des Beschuldigten sei bekannt gewesen; sie hätten aus eigener Wahrnehmung,
aus Gesprächen mit dem Beschuldigten oder aber vom Hörensagen gewusst,
dass er Drogen wie v.a. Kokain und Ketamin, aber auch Medikamente
konsumiere (Urk. D/1/5/43 S. 3; Urk. D1/5/47 S. 2; Urk. D1/5/48 S. 2; Urk. D1/5/60
S. 4; Urk. D1/5/66 S. 2; Urk. D1/5/68 S. 1 f. und S. 3; Urk. D1/5/69 S. 2; Urk.
D1/5/71 S. 2 f.; Urk. D1/5/72 S. 2 f.; Urk. D1/5/79 S. 2; Urk. D1/5/80 S. 3; Urk.
D1/5/87 S. 4; Urk. D1/5/89 S. 3; Urk. D1/5/93 S. 6; Urk. D1/5/95 S. 4; Urk.
D1/5/97 S. 5 f.; Urk. D1/5/98 S. 2 ff.; Urk. D1/5/103 S. 4; Urk. D1/5/104 S. 3; Urk.
D1/5/105 S. 3 f.; Urk. D1/5/114 S. 5 und S. 7; Urk. D1/5/119 S. 2 f.; Urk. D1/5/123
S. 2; Urk. D1/57126 S. 4; Urk. D1/5/128 S. 3; Urk. D1/57129 S. 2; Urk. D1/5/130
S. 2; Urk. D1/5/135 S. 3 f.; Urk. D1/5/139 S. 3 f.; Urk. D1/5/142 S. 3 f.; Urk.
D1/5/149 S. 6 und S. 8; Urk. D1/5/150 S. 11 ff. ; Urk. D1/5/156 S. 4 f.).
3.2.5. (...), die Privatklägerin 5, schliesslich führte aus, der Beschuldigte habe ihr
erzählt, er nehme unter Ketamin bzw. Kokain alles anders wahr, er könne Lichter,
Farben Musik greifen und fühlen (Prot. I S. 181). Er habe ihr erzählt, dass er sich
wegen einer Paranoia – genauer weil seine nervige Schwester ihm mit der Polizei
gedroht habe – die ganze Nacht in der Toilette eingesperrt habe oder irgend
einen Typen draussen im Gang als bedrohlich wahrgenommen habe (Prot. I S.
186; Urk. D3/3/1 S. 7). In Ibiza habe er, als sie ihn gefragt habe, ob er mit ihr auf
dem Balkon eine Zigarette rauchen wolle, gemeint, sie wolle ihn nur deswegen
auf den Balkon locken, um ihn über die Brüstung hinunter zu stossen (Urk. D3/3/1
S. 12 f.). An einer Party auf Ibiza habe er Halluzinationen gehabt, d.h. er habe
gemeint, dass alle Gäste Geister in der Zwischenwelt seien und sie (die
Privatklägerin 5) darüber entscheide, ob er dem Fegefeuer geopfert werde, damit
alle anderen Geister in den Himmel kommen könnten (Urk. D3/3/1 S. 12). Kurze
Zeit später habe er, als sie in der Nacht vor dem Haus auf ein Taxi gewartet
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hätten, gemeint, sie wolle ihn dort in die Dunkelheit locken und töten (Urk. D3/3/1
S. 12). Auf der folgenden Taxifahrt habe er sich mit ihr aus dem fahrenden Taxi
stürzen wollen, weil er habe testen wollen, ob sie ihn umbringen wolle (Urk.
D3/3/1 S. 10). Im Club ... in Ibiza habe er herumgeschrien, weil er gemeint habe,
man wolle ihn verdursten lassen, als sie zwei von drei gekauften Wasserflaschen
in ihre Tasche gepackt habe (Urk. D3/3/1 S. 13 f.). Anschliessend habe er ihr im
Hotelzimmer gesagt, er sei in Wirklichkeit nicht A._, sondern Gott (Urk.
D3/3/1 S. 14 f.).
3.2.6. Der Beschuldigte erklärte noch in der Schlusseinvernahme vom 24. Mai
2016 mit dem Vorwurf der actio libera in causa konfrontiert, in früheren
Psychosen niemanden angegriffen zu haben, niemals aggressiv aufgefallen zu
sein und wenn, habe er sich bloss selber bedroht gefühlt (Urk. 3/10 S. 12). Dies
war das einzige Mal, dass der Beschuldigte überhaupt mehrere Psychosen
erwähnte. In einer Einvernahme vom 14. Dezember 2015 erklärte er, im Juli 2014
in Ibiza nach Konsum von Ketamin, Kokain, Ecstasy und Alkohol alles so
durchsichtig gesehen zu haben, als ob er durch die Menschen hindurch schauen
könne. Das sei so die Standardwirkung, ohne dass er genau wisse, wie man das
beschreiben könnte (Urk. D3/2/1 S. 3). Im Juli 2015 hatte er noch erklärt, nur
einmal, im Jahr 2011 in eine Ausnahmesituation mit Psychosen bzw.
Halluzinationen geraten zu sein (Urk. 3/9 S. 2). Noch weiter vorher, nämlich am
17. März 2015 führte er aus, er habe extrem viel Ketamin genommen. Ketamin sei
eine halluzinogene Droge, welche die Wahrnehmung verzerre und bei ihm auch
halluzinogen gewirkt habe. Auf damalige Fragen nach Psychosen infolge
Ketaminkonsums wich der Beschuldigte jedoch aus, erklärte, dass man
Psychosen auch von THC bekommen könne, sich nicht an Wahnvorstellungen
nach dem Konsum von Ketamin erinnere und antwortete auf Nachfrage, er sei
2011 (nur darum) in die PUK eingewiesen worden, weil er bekifft Auto gefahren
sei. Einen anderen Grund wüsste er nicht mehr (Urk. 3/6 S. 7 f.). Erst auf weiteres
intensives Nachfragen des Staatsanwaltes sprach er damals von einer
wahrscheinlichen drogeninduzierten Psychose, wobei er ergänzte, gerade gehört
zu haben, dass der Staatsanwalt meine, es handle sich um eine drogeninduzierte
Psychose. Ziemlich sicher habe er aber nie eine gehabt (Urk. 3/6 S. 11).
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Einlässliche Schilderungen des Beschuldigten selbst gegenüber den
Strafbehörden über frühere Psychosen und konkrete Beschreibungen solcher
Episoden fehlen damit weitgehend.
3.2.7. Bemerkenswert ist immerhin, dass der Beschuldigte von sich aus im
Strafverfahren keine Ausführungen machen wollte, die auf psychotisches Erleben
vor und während der Tötungshandlungen hätten schliessen lassen können.
Handkehrum erteilte er in der betreffenden Befragung, obwohl seine
beschönigende Version der Gründe für die Klinikeinweisung 2011 (bekifftes
Autofahren) klar nicht den Tatsachen entsprach, was er zweifellos gewusst haben
musste, spontan und vorbehaltlos die Entbindung der PUK vom ärztlichen
Berufsgeheimnis. Das Aussageverhalten und Verhalten des Beschuldigten ist
insofern zwar eigenartig, doch bietet es zumindest keinen Anlass für die
Unterstellung, er hätte die Strafverfolgungsbehörden durch wahrheitswidriges
Vorspiegeln einer Psychose absichtlich auf eine entsprechende falsche Fährte
führen wollen. Vielmehr verschwieg bzw. verleugnete er gegenüber den
Strafbehörden – vor allem ketaminbedingte – Halluzinationen, Wahnvorstellungen
und Psychosen weitgehend.
3.2.8. Die gravierenden Suchtprobleme des Beschuldigten und deren Folgen sind
wie dargelegt seit Jahren ärztlich dokumentiert und ergeben sich im Übrigen aus
den zum Teil eindrücklichen Schilderungen dutzender Personen aus dem
näheren und weiteren Umfeld des Beschuldigten. Die im angefochtenen
Entscheid nicht thematisierte Analyse der Haarproben des Beschuldigten, welche
einen Zeitraum von Anfang Januar 2014 bis Ende Januar 2015 abdeckten, ergab
zwar lediglich für den Ereigniszeitraum (im 2. Segment der Haarprobe) ein
eindeutiges Ergebnis, nämlich eine Konzentration an Ketamin und Kokain, welche
auf eine mittelstarke bis starke Einnahme beider Betäubungsmittel hinweist. Was
die ebenfalls positiven Befunde vor diesem Zeitraum anbelange, seien diese
jedoch mehrheitlich auf externe Kontamination, etwa infolge Hantierens mit den
Substanzen oder infolge eines Transportes durch Schweiss, zurückzuführen. Ein
sporadischer zusätzlicher Kokain- oder Ketaminkonsum in den vorangegangenen
Monaten könne weder bewiesen noch sicher ausgeschlossen werden (Urk. 6/12
- 40 -
S. 5 und S. 6). Betreffend Auffälligkeiten im Segment 3 der Haarprobe des
Beschuldigten (vor dem Ereigniszeitpunkt, aber bereits Dezember 2014) wird im
Gutachten zur Haaranalyse im Übrigen erörtert, dass solche jeweils dann
beobachtet werden, wenn nach einem Unterbruch des Kokainkonsums erneut –
und allenfalls stark – konsumiert werde (Urk. 6/12 S. 5). Schliesslich konnte eine
dem Beschuldigten im Rahmen eines Administrativverfahrens abgenommene
Haarprobe nachuntersucht werden, welche zum Resultat führte, dass ein
nennenswerter Konsum für den Zeitraum Ende November 2013 bis Ende April
2014 ausgeschlossen werden könne (Urk. D1/6/26), was den Gutachter Prof.
M._ zwar überraschte (Prot. I S. 83), sich aber allenfalls mit einer weitgehend
abstinenten Phase nach einem Aufenthalt in einer Entzugsklinik 2013 in
Übereinstimmung bringen liesse. Zu bedenken zu geben ist, dass sich in den
Akten Anhaltspunkte dafür finden, dass der Beschuldigte diese Haaruntersuchung
durch Verwendung von Chemikalien manipuliert haben könnte (Prot. I S. 256;
Prot. I 183, Urk. D3/3/7 S. 3), wobei genaue Rückschlüsse nicht möglich sind.
Eigenartig ist ferner, dass der bereits erwähnte, von Dritten berichtete, vom
Beschuldigten bestätigte und insofern erstellte Betäubungsmittelkonsum des
Beschuldigten im Juli 2014 in Ibiza und im September 2014 im Zusammenhang
mit den Strassenverkehrsdelikten am ...-platz keinen Niederschlag in der im
vorliegenden Strafverfahren entnommenen Haarprobe bzw. in der -analyse fand.
Auch wenn sich ein solcher – wenigstens für das Jahr 2014 – nicht aus der
Haaranalyse ergibt, ist doch festzuhalten, dass der langjährige und zeitweise
exzessive Ketamin- und Kokainkonsum des Beschuldigten in weiten Kreisen
bekannt war und demzufolge aktenkundig ist. Aufgrund der Haaranalyse kann
jedoch – jedenfalls betreffend das Jahr 2014 – nicht einfach davon ausgegangen
werden, der Betäubungsmittelkonsum des Beschuldigten sei immer gleich bzw.
immer gleichbleibend hoch gewesen. Vielmehr scheint es starke Schwankungen
gegeben zu haben, wobei die Ergebnisse der Haaranalyse so interpretiert werden
können, dass es in den Tagen vor der Tat einen Rückfall in einen schweren
Kokain- und wohl auch Ketaminkonsum gegeben haben dürfte. Anlässlich der
Begutachtung und in der Hauptverhandlung nahm der Gutachter Prof. Dr. rer. nat.
M._ zum Ergebnis dieser zweiten Haaranalyse Stellung, wobei er unter
- 41 -
anderem darauf hinwies, dass der Beschuldigte Angaben darüber gemacht habe,
wie es zu externer Kontamination habe kommen können, dass es jedoch auch
kaum Daten gebe, wie sich die Metaboliten-Verhältnisse bei kombiniertem
Kokain- und Ketaminkonsum verschieben könnten. Er gehe auch aufgrund dieser
zweiten Haaranalyse davon aus, dass es sicher Ketamin- und Kokainkonsum
beim Beschuldigten gegeben habe und zwar auch in erheblicher Menge (Urk.
D1/17/21 S. 5; Prot. I S. 81 f.). Prof. Dr. med. K._ führte aus, dass selbst
dann, wenn die Haarprobe durch eine externe Kontamination beeinflusst worden
sei, nicht davon auszugehen sei, dass keine Ketaminabhängigkeit bestehe, weil
im Zeitraum 2014 wiederholt in problematischer Weise Ketamin konsumiert
worden sei. Ferner könne auch eine Person, die eine sehr problematische
Abhängigkeit habe, immer wieder Phasen zeigen, in denen sie nicht konsumiere.
Dies ändere nichts an der Diagnose. Zwischen 2011 und 2014 habe es zudem
wiederholte Entgiftungsbehandlungen des Beschuldigten gegeben.
Entscheidender als die Haaranalysen sei, dass bei der Abhängigkeit des
Beschuldigten immer wieder eine klinische Relevanz vorhanden gewesen sei
(Prot. I S. 124; vgl. auch Prot. I S. 149). Insgesamt ist eine schwere Abhängigkeit
des Beschuldigten vor allem von Ketamin und Kokain erwiesen.
3.2.9. Überdies ist den Akten der PUK und den von den befragten Personen
gemachten Angaben klar zu entnehmen, dass unter dem Einfluss von Ketamin
2011 psychotisches Erleben des Beschuldigten festgestellt werden konnte, war
doch im Austrittsbericht der PUK vom 21. April 2011 (Austrittsbericht vom 21.
April 2011 S. 1 im separaten Couvert) von einer schweren Paranoia,
Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Nahtoderlebnissen und der Vorstellung des
Beschuldigten, Jesus zu sein, die Rede. Wenig später wurden schwarze
Gedanken trotz oberflächlich guter Laune und quälende akustische
Halluzinationen beschrieben und eine sich verändernde Lebenseinstellung des
Beschuldigten mit einer Einteilung in die Welt beherrschende gute und böse
Kräfte festgestellt. Die PUK schrieb die weiterhin auftretenden psychotischen
Erlebnisse des Beschuldigten damals ebenfalls dem Ketaminkonsum zu
(Verlaufsbericht der PUK vom 28.06.2011 bis 25.01.2012 im separaten Couvert).
Diese Aufzeichnungen der PUK über weitere Halluzinationen und paranoide
- 42 -
Ideen, die auf Schilderungen des Beschuldigten beruht haben mussten, zeigen
bereits, dass die Aussage des Beschuldigten, nie bzw. nur einmal eine Psychose
erlitten zu haben (Urk. D1/3/6 S. 9 und S. 10 f.; Urk. D1/3/9 S. 2; Urk. D1/17/22 S.
124 f.), nicht den Tatsachen entsprach. Anstatt jedoch die früher erlittenen
Psychosen ins Feld zu führen, um damit eine Erklärung für seinen Gewaltexzess
zu konstruieren, zog er es vor, solche zu verschweigen.
3.2.10. Wenn auch der Beschuldigte mit gewissen Aussagen der Befragten nicht
einverstanden war (Urk. 3/9 S. 13 ff.), ist festzuhalten, dass verschiedene seiner
Freunde, Kollegen und Bekannten von Momenten berichteten, in welchen der
Beschuldigte plötzlich alle Anwesenden weggeschickt, nichts mehr verstanden
und einen leeren Blick gehabt habe (Urk. D1/4/47 S. 4 f., S. 6; Urk. D1/4/45 S. S.
13; vgl. auch Urk. D1/4/8 S. 3; Urk. D1/4/9 S. 8; Urk. D1/5/50 S. 4 und S. 5; vgl.
auch Urk. D1/5/155 S. 2). Auch berichteten sie von Schilderungen des
Beschuldigten, das Ketamin verschaffe ihm Visionen von anderen Dimensionen,
er sei Menschen aus der Zukunft begegnet, er habe gegen Menschen aus der
Zukunft gekämpft, die ihm seine Energie nehmen wollten (Urk. D1/4/45 S. 11, S.
16; Urk. D1/4/42 S. 9 f.) und er stehe unter Ketamin ausserhalb seines Körpers
und schaue von aussen zu (Urk. D1/5/91 S. 3 f.). Verschiedentlich war auch von
einer Änderung der Persönlichkeit und von einem Realitätsverlust des
Beschuldigten die Rede (Urk. D1/5/94 S. 3 f.; Urk. D1/5/28 S. 5 ff.). Die
Privatklägerin 5 schilderte konkrete Halluzinationen, von welchen ihr der
Beschuldigte erzählt habe, vor allem von Vorstellungen, dass ihr die Aufgabe
zufalle, über ihn zu richten oder ihn irgendwohin zu locken und ihn umzubringen,
und auch von der Vorstellung, er sei Gott (vgl. vorne Ziffer II.3.2.5). Diese
Feststellungen und Äusserungen deuten durchaus auf weitere psychotische
Episoden und paranoide Vorstellungen des Beschuldigten hin, die – zum Teil
deutlich – nach seiner ersten Einweisung in die PUK anzusiedeln waren.
3.2.11. Dass diese Problematik des Beschuldigten von seinem engeren Umfeld,
etwa seiner Familie, nicht noch deutlicher wahrgenommen wurde, könnte darauf
zurückzuführen sein, dass er der Psychiatrie bzw. der Etablierung einer
tragfähigen Therapie allem Anschein nach nicht das Geringste abgewinnen
- 43 -
konnte. So drängte er bereits kurz nach seiner Einweisung in die PUK auf einen
schnellstmöglichen Austritt und ging auf Vorschläge seines Vaters betreffend
einen Aufenthalt in einer Privatklinik nicht wirklich ein. Später liess sich der
Beschuldigte zwar wiederholt in Entzugskliniken (zuletzt 2013) behandeln, stellte
im Vorverfahren jedoch klar, sich jeweils aus dem einzigen Grund darauf
eingelassen zu haben, um seine Familie ruhig zu stellen. Länger als sechs
Wochen habe er sich nie behandeln lassen. Ein wirkliches Interesse, mit den
Drogen aufzuhören, habe er ohnehin nicht verspürt und darum dort nur die Zeit
absitzen und nicht mitarbeiten wollen (Urk. D1/3/10 S. 7; Urk. D1/3/6 S. 11; Urk.
D1/17/22 S. 125). Auffallend ist sodann, dass der Beschuldigte während seiner
Arbeitszeiten in der Kunstgalerie weitgehend normal zu funktionieren schien, so
dass für die Mitarbeiter und die Kundschaft das Suchtverhalten des Beschuldigten
kaum oder gar nicht merkbar war (Urk. D1/5/36 S. 2; Urk. D1/5/34 S. 2 f.; Urk.
D1/5/58 S. 2; Urk. D1/5/62 S. 1 ff.; Urk. D1/4/49 S. 4; Urk. D1/4/59 S. 4). Aufgrund
dieser Umstände liegt die Vermutung nahe, dass der Beschuldigte Strategien
entwickelt hatte, die ihn weitgehend dazu befähigten, sich im beruflichen und teils
auch im familiären Kontext den Erwartungen entsprechend zu verhalten. So
beschrieb der Beschuldigte gegenüber den Gutachtern, dass er Ketamin vor
allem abends oder nachts und am Wochenende, tagsüber und unter der Woche,
wenn er in der Galerie gearbeitet habe, jedoch weniger konsumiert habe, und wie
er sich vom Ambulatorium der PUK Valium bzw. Benzodiazepine habe
verschreiben lassen, jedoch nicht gemäss der ärztlichen Anordnung
eingenommen, sondern diese gesammelt dazu eingesetzt habe, um nach dem
Kokainkonsum an den Wochenenden wieder herunterzukommen (Urk. D1/7/21 S.
5; Urk. D1/17/22 S. 125). Dieses offensichtliche Bestreben des Beschuldigten,
ungestört seinem phasenweise anscheinend exzessiver werdenden
Drogenkonsum nachgehen zu können, ohne eine weitere Klinikeinweisung
riskieren zu müssen, könnte dazu geführt haben, dass er psychotisches Erleben
tunlichst nicht oder nur verhalten offenlegte bzw. schilderte. Dies wiederum
könnte verhindert haben, dass die entsprechenden Auswirkungen des
Drogenkonsums des Beschuldigten im Umfeld und von seinen Therapeuten in
vollem Ausmass wahrgenommen werden konnten. Dafür sprechen nicht zuletzt
- 44 -
die spärlichen Einträge im letzten Verlaufsbericht der PUK vom 16. Oktober 2013
bis 6. Januar 2015, welche die Tendenz des Beschuldigten zur Zurückhaltung
und zu falschen Angaben über seinen Zustand, namentlich seinen
Drogenkonsum, offenbaren. Augenscheinlich ging es ihm zu einem wesentlichen
Teil darum, sich ärztlich mit Xanax und Valium versorgen zu lassen, die ihn – wie
es Q._ ausdrückte – durch die Woche brachten (Urk. D1/4/47 S. 4)
3.2.12. Die Tat des Beschuldigten trug sich somit vor dem Hintergrund eines
langjährigen, ausgeprägten, aber auch stark schwankenden Kokain- und
Ketaminmissbrauchs, teilweise gepaart mit Alkoholkonsum zu, wobei viel dafür
spricht, dass es nicht nur einmal, sondern mehrfach zu psychotischen Episoden
gekommen war.
3.3. Zustand des Beschuldigten im Tatzeitraum
3.3.1. BV._ führte aus, in der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember 2014
einige Stunden mit dem Beschuldigten, †B._ und BW._ verbracht zu
haben. In dieser Zeit sei vom Beschuldigten und von †B._ massenweise
Ketamin konsumiert worden, ohne dass sich deren Verhalten geändert hätte (Urk.
D1/4/14 S. 4). Das Ketamin sei einfach offen auf einem Teller auf dem Tisch
gelegen (Urk. D1/4/15 S. 5).
3.3.2. BW._ erzählte der Polizei, der Beschuldigte und †B._ seien
alkoholisiert und unter Drogeneinfluss gewesen, als sie seine Wohnung
verlassen hätten; sie seien getorkelt. Sie hätten Kokain und Ketamin konsumiert;
diese Substanzen seien jedenfalls erwähnt worden. Darauf, wie oft die beiden
konsumiert hätten, habe er nicht geachtet. Die Stimmung bei ihm sei euphorisch
gewesen; es sei kein schlechtes Karma im Raum gewesen (Urk. D1/4/16 S. 4 f.).
In der nächsten Befragung durch die Anklagebehörde führte er als Zeuge aus, der
Beschuldigte habe bei ihm ein paar Linien Ketamin konsumiert. Er sei ziemlich
high und müde gewesen, als er die Wohnung verlassen habe. Der Beschuldigte
habe vielleicht 5 bis 10 Linien innerhalb von sechs Stunden, zuerst in seiner
eigenen Wohnung und dann bei ihm (BW._) konsumiert (Urk. D1/4/17 S. 5,
S. 11).
- 45 -
3.3.3. R._ erzählte, er habe am Abend des 29. Dezember 2019 Symptome
beim Beschuldigten wahrgenommen, die auf den Konsum von Alkohol und
Ketamin hingewiesen hätten. Zudem habe er selber gesehen, wie er Ketamin
konsumiert habe, aber es sei unmöglich für ihn zu beurteilen, welche Menge es
gewesen sei. Er sei dadurch einerseits entspannter, andererseits aber geistig
weniger klar gewesen (Urk. D1/4/45 S. 4 ff.).
3.3.4. Gemäss den Aussagen des Beschuldigten hätten er und †B._ nach
ihrer Ankunft in J._ noch mehr Ketamin konsumiert, mit †B._ zusammen
habe er maximal 2 Gramm konsumiert (Urk. D1/3/1 S. 11), er alleine bestimmt
1 Gramm (Urk. D1/3/3 S. 7, S. 9, S. 19, S. 22; vgl. auch Urk. D1/3/2 S. 1, wo er
von ein wenig Kokain und ein wenig Ketamin schrieb). Nachdem die beiden am
Vortag und die ganze Nacht mehrfach Ketamin und wohl auch Kokain konsumiert
hatten und nach wie vor über Ketamin verfügten, besteht kein Anlass, an diesen
Angaben des Beschuldigten zu zweifeln. Unklar bleibt allerdings die effektiv
konsumierte Menge des von †B._ und vom Beschuldigten in dessen
Elternhaus konsumierten Ketamins. In Anbetracht der ab dem 29. Dezember
2014 weitgehend gemeinsam verbrachten Stunden, in denen der Beschuldigte
und †B._ offensichtlich ein ähnliches Konsumverhalten hinsichtlich Kokain
und Ketamin zeigten, muss jedenfalls davon ausgegangen werden, dass sie im
Tatzeitpunkt in vergleichbarem Ausmass unter Kokain- bzw. Ketamineinfluss
standen.
3.3.5. Sowohl betreffend †B._ als auch den Beschuldigten wurden
pharmakologisch-toxikologische Gutachten erstellt. Bei †B._ konnte der
Konsum von Kokain, Cannabis und Ketamin nachgewiesen werden, wobei
insbesondere die im Blut von †B._ ermittelte Konzentration an Ketamin für
den Zeitpunkt des Todes als wirksam beurteilt wurde (Urk. D1/7/11 S. 3 f.) Sein
Blutalkoholgehalt im Zeitpunkt des Todes belief sich lediglich auf zwischen 0.16
und 0.26 Gewichtspromille (Urk. D1/7/11 S. 3). Das pharmakologisch-toxikologi-
sche Gutachten kam zusammenfassend zum Schluss, dass †B._ im
Zeitpunkt seines Todes unter der kombinierten Wirkung von Kokain, Ketamin und
THC stand (Urk. D1/7/11 S. 1).
- 46 -
3.3.6. Was den Beschuldigten anbelangt, bestätigt das pharmakologisch-toxiko-
logische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin, dass er zur Zeit der Tat
jedenfalls unter Kokain- und Alkoholeinfluss stand, wobei er in der Zeit nach der
Ankunft in seinem Elternhaus zu keinem Zeitpunkt einen Blutalkoholgehalt von
über 1.0 Gewichtspromille aufgewiesen haben dürfte (Urk. 360 S. 84; Urk. D1/6/5
S. 1 ff.). Weiter stellte das Gutachten auch bei ihm die Einnahme von Ketamin
fest, wobei aufgrund der (erst) um 11.10 Uhr, d.h. über vier Stunden nach der Tat,
abgenommenen Blutprobe und der (sehr) kurzen Plasmahalbwertszeit von
Ketamin aber weder sicher nachgewiesen noch ausgeschlossen werden konnte,
dass Ketamin im Ereigniszeitpunkt eine (zusätzliche) Wirkung entfaltet habe
(Urk. D1/6/5 S. 1 und S. 4). Prof. Dr. rer. nat. M._ wies überdies auf die
individuell verschiedene Verarbeitung von Kokain und auch Ketamin, vor allem
auf die jeweilige Ausstattung mit bestimmten Leberenzymen hin und erklärte, es
sei sicher Ketamin vom Beschuldigten konsumiert worden (Prot. I S. 92 f.).
Schliesslich wurde aufgrund der Blutanalyse die Einnahme von Benzodiazepinen
festgestellt, wobei die Konzentrationen für den Ereigniszeitpunkt eher
subtherapeutisch einzustufen seien und eine zusätzliche Wirkung dieser
Substanzen im Ereigniszeitpunkt eher nicht vorgelegen habe (Urk. D1/6/5 S. 1
und S. 4). Dieser tiefe Wert dürfte die Darstellung des Beschuldigten, die
Benzodiazepine nicht gemäss Verschreibung eingenommen zu haben, sondern
um nach seinen "Drogenexzessen" wieder herunterzukommen (Urk. D1/17/22 S.
125), bestätigen.
3.3.7. Gemäss der in zeitlicher Hinsicht zwar viel unschärferen Analyse der
Haarprobe des Beschuldigten sind die Werte mit einer mittelstarken bis starken
Kokain- und Ketamineinnahme im Ereigniszeitraum vereinbar (Urk. 6/12 S. 5 und
S. 6; vgl. dazu auch vorne Ziffer II.3.2.8).
3.3.8. Aus den dargelegten Gründen, d.h. insbesondere angesichts des in den
Stunden vor der Tat erfolgten Ketamin- und Kokainkonsums sowie im Vergleich
mit den bei †B._ festgestellten Blutwerten, den Ergebnissen der Haaranalyse
des Beschuldigten und aufgrund der nicht widerlegbaren Angaben des
Beschuldigten betreffend den Konsum von Ketamin in seinem Elternhaus ist zu
- 47 -
schliessen, dass auch bei ihm die Konzentration an Ketamin als im Tatzeitraum
wirksam betrachtet werden muss. Die Vorinstanz kam offensichtlich auch zu
diesem Ergebnis (Urk. 360 S. 36 ff.). Dieses Fazit spricht für eine beim
Beschuldigten im Tatzeitraum vorhandene Beeinträchtigung, erlaubt aber die
Festlegung des Grades derselben ebenso wenig wie eine Aussage zum
Vorhandensein einer Psychose des Beschuldigten im Tatzeitraum.
3.4. Überlegungen der Vorinstanz
3.4.1. Die Vorinstanz schloss aus, dass sich der Beschuldigte aufgrund
psychotischen Erlebens in Todesangst wähnte, als er †B._ tötete (Urk. 360
S. 82). Sie verwarf dabei die im ursprünglichen psychiatrischen Gutachten vom
11. April 2016 von Prof. Dr. med. K._ aufgrund der Angaben des
Beschuldigten gebildete (Haupt-)Hypothese eines psychotischen Rauschverlaufs,
welcher zu einer Aufhebung seiner Steuerungsfähigkeit sowie auch seiner
Einsichtsfähigkeit bezüglich der Tötungshandlungen und zu einer Aufhebung der
Schuldfähigkeit geführt habe (Urk. D1/17/22 S. 198, S. 201).
3.4.2. Im angefochtenen Entscheid wurden vorweg die vom Beschuldigten in den
verschiedenen Einvernahmen und gegenüber den Gutachtern gemachten Aus-
sagen detailliert wiedergegebenen (Urk. 360 S. 17 - S. 23 sowie S. 24 - 35) und
einer eingehenden, auf wissenschaftlichen Vorgaben beruhenden Analyse
unterzogen, namentlich indem diese untereinander und mit weiteren
Beweismitteln, insbesondere der Blutanalyse, dem Spurenbild am Tatort sowie
den Aussagen anderer Personen verglichen und in Zusammenhang zu bekannten
bzw. bewiesenen Umständen gestellt wurden (Urk. 360 S. 36 - S. 73). Die
Vorinstanz hielt zunächst fest, dass die Erstaussage des Beschuldigten anlässlich
der Hafteinvernahme vom 30. Dezember 2014 zwar weit davon entfernt gewesen
sei, vollständig zu sein, aber verschiedene wahre Elemente enthalten habe. Der
Beschuldigte habe die von ihm beschriebenen Erlebnisse – soweit er sie
überhaupt geschildert habe – offenbar so wiedergegeben, wie er sich an sie
tatsächlich erinnert habe. Da jedoch fast sämtliche dieser vom Beschuldigten
beschriebenen Erinnerungen von für ihn entlastender Natur gewesen seien, sei
bereits eine gewisse Steuerung der Aussagen in eine bestimmte Richtung bzw.
- 48 -
ein Ausweichen des Beschuldigten vor ihn belastenden Elementen festzustellen
(Urk. 360 S. 52 f.). Diese Tendenz des Beschuldigten, sich in der Opferrolle zu
sehen, habe sich in der folgenden Haftanhörung durch das
Zwangsmassnahmengericht akzentuiert. So habe er seine eigenen Verletzungen
klar übertrieben dargestellt und sei immer stärker dazu übergegangen, einerseits
seine Anständigkeit und Religiosität sowie seine Notwehrsituation zu betonen und
andererseits †B._ alle Schuld an den Ereignissen zuzuweisen und ihn als
aggressiv und psychopathisch etc. darzustellen (Urk. 360 S. 54). Diese Tendenz
des Beschuldigten, sein eigenes Verhalten zu relativieren bzw. den Sachverhalt
zu seinen Gunsten zu modifizieren, habe sich in seiner nächsten Darstellung in
Form eines Schreibens vom 2. Januar 2015 an das Bezirksgericht Zürich
verdeutlicht, schildere er doch, dass er die grosse Kerze nach einem Tritt des vor
ihm liegenden †B._ gegen sein Schienbein "versehentlich" auf diesen "fallen
gelassen" habe und das Glas des Kerzenständers "leider Gottes" auf dem Kopf
von †B._ gelandet sei (Urk. 360 S. 54 f.). Allerdings fand die Vorinstanz in
diesem Schreiben auch glaubhafte Aussagen des Beschuldigten über den Grund
der Auseinandersetzung zwischen ihm und †B._. So schildere der
Beschuldigte plausibel, dass er – was gemäss Zeugenaussagen schon früher der
Fall gewesen sei – unter Drogeneinfluss auf die Idee gekommen sei, mit den
Drogen aufzuhören (Urk. 360 S. 55 ff.). Dass †B._ sich – wie der
Beschuldigte schrieb – daraufhin den Plastiksack mit dem Ketamin mit den
Worten, "before you have it, I'm gonna take it all" in den Mund gesteckt haben
soll, hielt die Vorinstanz allerdings durch die Tatsache, dass kein Speichel auf den
sichergestellten, mit Ketamin gefüllten Minigrip-Säckchen hätten gefunden
werden können, für widerlegt (Urk. 360 S. 58). In der nächsten Einvernahme vom
7. Januar 2015 sei der Beschuldigte – so die Vorinstanz – damit fortgefahren, sein
eigenes Verhalten zu relativieren. Vorweg habe er seine früheren Angaben
insgesamt in Frage gestellt, indem er einleitend darauf hingewiesen habe, dass er
bei der Erstaussage unter Alkohol-, Drogen- und Medikamenteneinfluss
gestanden habe. Weiter habe der Beschuldigte mit der Schilderung, er habe die
Kerze mitsamt Glasschutz und Eisenstange auf den Kopf von †B._ "fallen
lassen" erneut mit einer Darstellung aufgewartet, die weder mit dem Verletzungs-
- 49 -
noch mit dem Spurenbild am Tatort in Übereinstimmung gebracht werden könne.
Dafür, dass er von †B._, wie er sodann behauptet habe, gewürgt worden sei,
habe die körperliche Untersuchung des Beschuldigten keinerlei Anhaltspunkt
geliefert. Hingegen habe sich seine von früheren Angaben abweichende
Behauptung, †B._ nicht gewürgt zu haben, aufgrund des Gutachtens zu
dessen Todesfall als nachweislich falsch herausgestellt (Urk. 360 S. 59 f.). Weiter
sei aufgrund des Spurenbildes – in Widerspruch zu seinen gegenteiligen
Ausführungen – erstellt, dass er den leblosen Körper von †B._ verschoben
habe (Urk. 360 S. 60). Ins Auge falle ferner, wie abfällig sich der Beschuldigte
mitunter über †B._ geäussert habe (Urk. 360 S. 60). Andererseits konnte die
Vorinstanz verschiedene Details aus den in dieser Einvernahme getätigten
Aussagen des Beschuldigten zusammentragen, die sich objektiv hätten
verifizieren lassen und zeigen würden, dass der Beschuldigte acht Tage nach
dem Vorfall nach wie vor in der Lage gewesen sei, sich an neue und zutreffende
Tatsachen zu erinnern; darunter würden das Abspielen der schwedischen
Weihnachtsmusik, die kurze Stippvisite von R._ am Vorabend in seiner
Wohnung, der mögliche Verbleib seines Mobiltelefons vor dem Haus, das
Wechseln der nassen Socken nach der Ankunft im Haus und das Ziehen des
Beschuldigten an der Unterhose des offenbar bereits reglosen †B._ fallen
(Urk. 360 S. 62 ff.). Als reine Schutzbehauptung stuft die Vorinstanz indessen die
vom Beschuldigten später, am 17. März 2015, geltend gemachte, durch einen
Medikamentenentzug verursachte vollständige Amnesie ein (Urk. 360 S. 64 f.).
3.4.3. Anschliessend setzt sich der angefochtene Entscheid im Einzelnen mit den
gegenüber den Gutachtern gemachten (neuen) Aussagen des Beschuldigten
auseinander, wonach er – kurz zusammengefasst – †B._ plötzlich verändert,
nämlich als Alien-Monster wahrgenommen habe, mit anderen Worten psychotisch
gewesen sei. Wie die Vorinstanz einleitend betont, habe der Beschuldigte erst
zehn bis zwölf Monate nach der Tat solche Angaben gemacht. Zwar vermöge die
vom Beschuldigten geäusserte Angst, in der Psychiatrie weggesperrt zu werden,
einen möglichen Erklärungsansatz für dessen späten Entschluss, nun diese
"Wahrheit" zu sagen, zu bilden. Letztlich halte diese Version einer
Glaubhaftigkeitsanalyse aber nicht stand. Gegen deren Wahrheitsgehalt spreche
- 50 -
zunächst, dass der in seiner Ersteinvernahme merklich beeinträchtigte
Beschuldigte kaum in der Lage gewesen wäre, alle Elemente, die auf eine
Psychose hätten schliessen lassen, aus seiner Schilderung zu entfernen (Urk.
360 S. 65 f.). Solche Elemente würden sich in den Erstaussagen allerdings nicht
finden. Zwar gebe es darin Angaben zu roten Augen von †B._, welche
jedoch schlicht dessen Drogenkonsum zuzuschreiben gewesen seien; ferner
fänden sich Erörterungen des Beschuldigten über die allgemein halluzinogene
Wirkung von Ketamin, jedoch keinerlei Hinweise auf eigenes psychotisches
Erleben zum Tatzeitpunkt (Urk. 360 S. 66 f.). Der Inhalt der gegenüber den
Gutachtern erfolgten Aussagen des Beschuldigten über sein psychotisches
Erleben sei überdies sehr allgemein, wenn nicht banal gehalten, und die wenigen
Details seien fragwürdig. Die Gründe für vom Beschuldigten geschilderten
Empfindungen und Ängste würden im Dunkeln bleiben (Urk. 360 S. 68 f.). Seine
rudimentären Angaben liessen keine Schlüsse zur Ursache eines psychotischen
Schubes zu, und die Darstellung des Beschuldigten lasse sich nicht mit den
Aufnahmen aus der Videoüberwachung des Eingangsbereichs seines
Elternhauses in Übereinstimmung bringen (Urk. 360 S. 69 f.). Im Weiteren kam
die Vorinstanz zum Ergebnis, dass die gegenüber den beiden Gutachtern
gemachten Aussagen des Beschuldigten bezüglich Derealisationsphänomene
auch in sich, und zwar vor allem in zeitlicher Hinsicht, widersprüchlich seien.
Zentral sei zudem, dass die Version der Alien-Erscheinung vom Beschuldigten
nicht spontan vorgebracht worden sei. Er habe erst so ausgesagt, nachdem ihm
Prof. Dr. med. K._ zu verstehen gegeben habe, dass die geltend gemachte
Gedächtnislücke als nicht nachvollziehbar zu erachten sei und nachdem er direkt,
unter Nennung von Beispielen, nach paranoiden Erlebnissen gefragt worden sei
(Urk. 360 S. 70 f.). Diese Fragen hätten einen so hohen Suggestivgehalt gehabt,
dass den Antworten kein Erkenntniswert mehr zukommen könne, umso weniger
als detaillierte, individuelle und verflechtende Ergänzungen in den Antworten des
Beschuldigten (sog. Überhangsantworten) unterblieben seien. Die Geschichte der
Entstehung der Aussagen des Beschuldigten – von der Notwehrsituation über den
Gedächtnisverlust bis zur vollkommen farblos, pauschal und detailarm
vorgetragenen Alien-Geschichte – zeige deutlich auf, dass sie nicht als glaubhaft
- 51 -
qualifiziert werden könnten. Auf die Alien-Version des Beschuldigten sei daher
nicht abzustellen, weshalb nicht davon ausgegangen werden könne, dass der
Beschuldigte †B._ als alienartiges Wesen wahrgenommen bzw. eine psycho-
tische Wahrnehmungsveränderung vorgelegen habe (Urk. 360 S. 72 ff.). Diese
Erkenntnis erschüttere die im Gutachten gezogene Schlussfolgerung bzw. die
Hypothese eines psychotischen Rauschverlaufs, der zu einer Aufhebung der
Einsichtsfähigkeit im Tatzeitraum geführt habe (Urk. 360 S. 74).
3.4.4. Die Vorinstanz stützt sich sodann auf eine von ihr in Auftrag gegebene
(Urk. 268; Urk 279) ergänzende Stellungnahme des Gutachters Prof. Dr. med.
K._ (Urk. 287). Demnach sei für die Variante der Nichtberücksichtigung der
in der Exploration gemachten – gemäss der Vorinstanz nicht glaubhaften –
Angaben des Beschuldigten davon auszugehen, dass bei ihm im Tatzeitraum
keine psychotischen Rauschphänomene vorgelegen hätten, d.h. die Verfassung
des Beschuldigten nicht bzw. nicht gravierend durch halluzinatorische
Phänomene und Fehldeutungen der Realität gekennzeichnet gewesen sei und die
Diagnose einer gemischten Substanzintoxikation mit Wahrnehmungsstörungen
hinfällig würde. Damit ergäbe sich – so der Gutachter – keine forensisch relevante
Einbusse und keine Aufhebung der Einsichtsfähigkeit (Urk. 360 S. 74).
3.4.5. Weiter erwog die Vorinstanz, dass gemäss dem Gutachten von Prof.
Dr. med. K._ über die Angaben des Beschuldigten hinaus zwar weitere
Anhaltpunkte für eine psychotische Motivation des Beschuldigten sprechen
würden, so die fehlende Vorgeschichte eines Konflikts zwischen ihm und
†B._, die massive Gewaltanwendung gegen das Opfer, die Verwüstung des
Wohnzimmers sowie das Verhalten des Beschuldigten gegenüber der
herbeigerufenen Polizei (Urk. 360 S. 75; Urk. D1/17/22 S. 198 f.). Sie kommt
jedoch zum Schluss, dass es (1.) aufgrund der Aussagen des Beschuldigten
wegen der lauten schwedischen Weihnachtsmusik und seiner Idee, mit dem
Drogenkonsum aufzuhören, durchaus eine Vorgeschichte, d.h. einen Konflikt
zwischen ihm und †B._ gegeben habe (Urk. 360 S. 76 f.), dass (2.) das Mass
an Gewaltanwendung vor dem Hintergrund der konkreten Umstände wohl
Rückschlüsse auf eine Schuld(un)fähigkeit zulassen könnte, aber nicht zwingend
- 52 -
müsste (Urk. 360 S. 77), dass (3.) die Art der Gewalteinwirkung gemäss
Anklageschrift zwar mehrheitlich erstellt sei (Urk. 360 S. 77 ff.) und gemäss
Gutachten für eine starke affektive Beteiligung und überschiessende Aggressivität
des Beschuldigten spreche, jedoch ohne psychotische Rauschphänomene keine
Aufhebung der Schuldfähigkeit in Frage komme, weshalb die massive
Gewaltanwendung und die Verwüstung des Wohnzimmers nicht als Argument für
eine Aufhebung der Schuldfähigkeit des Beschuldigten herangezogen werden
könnten (Urk. 360 S. 80) und dass (4.) der Beschuldigte im Zeitpunkt der
Alarmierung der Polizei nachweislich bereits gewusst habe, dass †B._ tot
sei, was trotz seines schwankenden Verhaltens gegenüber den herbeigerufenen
Polizisten für ein intaktes Steuerungsverhalten und gegen ein psychotisches
Erleben spreche (Urk. 360 S. 81).
3.4.6. Zusammenfassend hält die Vorinstanz die ursprünglich vom Gutachter Prof.
Dr. med. K._ favorisierte Hypothese eines die Einsichtsfähigkeit des
Beschuldigten aufhebenden psychotischen Rauschverlaufs für nicht haltbar, da
sie im Wesentlichen auf den nicht glaubhaften Angaben des Beschuldigten
beruhe. Weil die Diagnose einer gemischten Substanzintoxikation mit
Wahrnehmungsstörungen dahinfalle, sei ausgeschlossen, dass sich der
Beschuldigte aufgrund psychotischen Erlebens in Todesangst gewähnt habe (Urk.
360 S. 82).
3.5. Beurteilung der Schuldfähigkeit
3.5.1. Eingangs ist auf die Verwüstung am Tatort, insbesondere das Chaos um
den Leichnam von †B._ zu sprechen zu kommen, welche aus der
Tatortdokumentation eindrücklich ersichtlich ist (Urk. D1/8/21). Der Fussboden,
die Wände und die Einrichtung des Wohnzimmers waren teilweise stark mit Blut
beschmutzt und bespritzt, weit verstreut lagen Glasscherben des bereits
erwähnten geborstenen Salontischs und weiterer Glasobjekte. Mannshohe
Stehlampen und Kerzenständer waren umgestossen und eine Vielzahl
verschiedenster Gegenstände, wie z.T. zerbrochene Figuren und Skulpuren, ein
gläsernes Windlicht, die Glasbehälter der hohen Kerzenständer, weitere
Kerzenständer, eine Holzflöte, eine flache Platte, Deckel und Boden einer
- 53 -
chinesischen Lackdose, verschiedene antike (mutmasslich Kalligraphie-)Pinsel,
Tischbeine eines Beistelltisches, Kleider, Weihnachtsdekoration, wie
Christbaumkugeln und Nikolausfiguren, die Reisetasche von †B._, eine
Flasche etc. lagen in wilder Unordnung herum, und zwar vor allem um, aber auch
auf dem Leichnam von †B._. Ferner lag die Wasseraufbereitungsanlage
herausgerissen neben dem Eingang zur begehbaren Bar (Urk. D1/8/21 S. 4 - 9,
S. 61 f.). Ein grosser Teil dieser Gegenstände befand sich ursprünglich
anscheinend gar nicht in unmittelbarer Nähe des eigentlichen Szenarios, sondern
neben dem Eingang zum Wohnzimmer, in der gegenüberliegenden Ecke des
Raumes oder im Esszimmer (Urk. D1/4/19 S. 3 ff.).
3.5.2. Nebst dieser Tatortsituation stechen die ebenfalls ausführlich
dokumentierten und auch gut sichtbaren schweren Verletzungen vor allem des
Kopfes von †B._ ins Auge. Sein Schädel und sein Gesicht waren von zum
Teil grossflächigen Schlagverletzungen, insbesondere Quetsch-Riss-Wunden mit
darunter liegenden Frakturen übersät (Urk. D/1/8/21 S. 7 - 9; Urk. D1/7/6 S. 3 ff.;
Urk. D1/7/12 S. 9 ff.; vgl. auch Urk. 360 S. 55). Als man ihn vorfand, war sein Kopf
blutüberströmt und stand an der linken Seite des Schädels offen, wovon auch der
Beschuldigte in einer seiner Aussage berichtete (Urk. D1/3/3 S. 13). Wie die Vor-
instanz zutreffend festhält, wurde †B._ vom Beschuldigten regelrecht der
Schädel eingeschlagen. Zudem steckte eine grosse, weisse, ca. 30 cm lange und
ca. 2 cm breite, zweimal gebrochene Kerze ca. 10 cm tief im Mund von †B._
(Urk. D1/8/21 S. 7 f.; S. 66 f., S. 67 ff.). Weitere Verletzungen waren vor allem in
Form von Hautunterblutungen in der Schulterregion, am Nacken, am Rücken, an
den Flanken, den Armen (Abwehrverletzungen) und Schienbeinen sowie in Form
von Stauungsblutungen an den Lidern und Augenbindehäuten, sowie Hautein-
und -unterblutungen im Halsbereich (zufolge Würgens) festzustellen (Urk. D1/7/6
S. 4 f.).
3.5.3. In eigenartigem Kontrast zu diesem verheerenden Verletzungsbild bei
†B._ steht der nach der Tat ebenfalls dokumentierte körperliche Zustand des
Beschuldigten. Sein Kopf und sein Hals waren komplett unverletzt. Einzig im
Nacken war eine Hautverfärbung festzustellen. Am Rumpf fanden sich bloss vier
- 54 -
kleinere Hautverfärbungen und drei kleinere Kratzer. An der rechten Hand erlitt er
sechs kleinere, maximal 1 cm lange Schnitte. Ansonsten waren am rechten Arm
lediglich zwei Hautverfärbungen festzustellen. An der linken Hand befanden sich
vier oberflächliche, maximal 0,8 cm lange Schnitte sowie ein etwas tieferer Schnitt
am kleinen Finger und am linken Arm im Übrigen zwei kleinere Hautverfärbungen.
An beiden Beinen waren nur Schürfungen festzustellen und am linken Fuss
zwischen den Zehen hatte der Beschuldigte eine weitere 0.8 cm. lange
bogenförmige Schnittverletzung (Urk. 6/2 S. 3 ff.; Urk. 6/3). Die Verletzungen des
Beschuldigten fielen damit vergleichsweise sehr leicht bzw. geringgradig aus und
dürften zu einem guten Teil durch die herumliegenden Scherben verursacht
worden sein. Sie heilten innert weniger Tage folgenlos ab (vgl. Urk. 360 S. 54).
3.5.4. Der Vergleich des Verletzungsbilds von †B._ und dem Beschuldigten,
die vorgefundene Tatortsituation und – soweit es überhaupt rekonstruiert werden
konnte – das Vorgehen des Beschuldigten hinterlassen den Eindruck einer recht
einseitigen und unkontrollierten Gewaltorgie des Beschuldigten. Er setzte
mehrere schwere Gegenstände, wie Kerzenständer und Skulpturen, als
Schlagwerkzeuge gegen seinen Freund ein. Die Vorinstanz konnte anhand der
asservierten Spuren und des morphometrisch/rekonstruktiven Gutachtens vom
16. September 2015 gewisse Verletzungen den vorgefundenen Gegenständen
zuordnen (Urk. 360 S. 44 und S. 77 ff.). Wenn auch nicht jeder Gegenstand in
einen eindeutigen Zusammenhang zu einer Verletzung gestellt werden konnte,
zeigen die Fotografien des Leichnams von †B._ zur Genüge, dass der
Beschuldigte viele Male mit Gegenständen auf dessen Kopf eingeschlagen hatte,
offenbar ohne selbst nur einen einzigen annähernd vergleichbaren Treffer
einstecken zu müssen. Die Reaktion von †B._ auf die Schläge schien sich
somit – worauf seine Verletzungen an den Armen und den Schienbeinen sowie
die Blutspuren an den Sesseln schliessen lassen – im Wesentlichen auf
Abwehrbewegungen und auf den Versuch, sich mit den Händen abzustützen oder
hochzuziehen, beschränkt zu haben, wovon auch im angefochtenen Entscheid
ausgegangen wird (Urk. 360 S. 47). Mit Ausnahme eines Sturzes auf den
Glastisch (vgl. Urk. 360 Ziffer II.4.4.2), blieb die Auseinandersetzung für den
Beschuldigten praktisch folgenlos.
- 55 -
3.5.5. Alles andere als naheliegend war es, †B._ die beschriebene grosse
Kerze in den Mund zu stossen. Diese Handlung des Beschuldigten muss per se
als äusserst merkwürdig bezeichnet werden. Zumal – selbst bei ketaminbedingt
unterdrücktem Schmerzempfinden – zu erwarten gewesen wäre, dass †B._
sich so massiv gegen das Hineinschieben der Kerze gewehrt hätte, dass dies
zufolge zusammengebissener Zähne gar nicht gelungen wäre oder sich die
Folgen der Abwehr in Form von Verletzungen am Körper des Beschuldigten
gezeigt hätten, ist wahrscheinlich, dass es zu dieser Tat erst kam, als †B._
bereits weitgehend wehrlos war. Wie aber ein Mensch, der noch bei Sinnen ist,
auf die Idee kommen kann, seinem inzwischen wehrlosen Kontrahenten, dem er
während der Auseinandersetzung noch die Worte "we are not ennemies, we are
friends" (Urk. D1/3/2 S. 3; Urk. D1/3/3 S. 12) zugerufen haben will, einen
Gegenstand in den Mund zu stossen und dazu noch eine solche Kerze, ist
unerklärlich.
3.5.6. Bizarr ist auch die Tatsache, dass der Beschuldigte diverse Gegenstände
auf den Leichnam von †B._ gelegt oder allenfalls geworfen hat. Die
Vorinstanz ging ebenfalls kurz auf diesen Umstand ein und erwähnte
insbesondere ein über den Kopf des Leichnams verlaufendes schwarzes Kabel
(Urk. 360 S. 62), welches anscheinend zu einer der beiden umgestürzten
Stehlampen gehörte. Auf dem Kopf von †B._ lag aber auch eine
undefinierbare zerknüllte Folie und teilweise auf seinem Leichnam eine Reise-
tasche, ein Deko-Nikolaus, die chinesische Lackdose sowie ein Kleidungsstück.
Zudem lagen einige der vorher erwähnten weiteren Gegenstände derart verstreut
um den Leichnam herum, das sie wie in dessen Richtung geworfen erscheinen
(Urk. D1/8/21 S. 6 ff, S. 82 und S. 84). Richtig hält die Vorinstanz fest, dass einer
der noch intakten Glasbehälter der Kerzenständer über einem blutigen Fuss-
abdruck des Beschuldigten in unmittelbarer Nähe des Leichnams lag (Urk. 360
S. 62). Dieser Glasbehälter konnte kaum dort hingeworfen worden sein,
ansonsten er in die Brüche gegangen wäre. Zutreffend erstellt werden konnte
auch, dass †B._ vom Beschuldigten von der grösseren Blutlache in diese
Endposition geschleift wurde, und zwar als dieser sich mutmasslich nicht mehr
bewegte (Urk. 360 S. 60). Umso sonderbarer mutet es an, dass auf bzw. zum
- 56 -
vorher weggeschleiften, bereits bewegungslosen, wenn nicht toten †B._
noch wahllos Gegenstände platziert oder geworfen wurden. Diese Objekte
konnten demnach keinen unmittelbaren Zusammenhang mit der
Auseinandersetzung zwischen †B._ und dem Beschuldigten gehabt haben.
3.5.7. Kommt hinzu, dass der Vater des Beschuldigten in seiner ersten Befragung
sich glaubhaft schockiert über den Zustand des Tatortes zeigte und ausführte,
dass der Beschuldigte seine Vorliebe für Antiquitäten geteilt habe und niemals ein
Stück aus der Sammlung genommen und als Wurfgeschoss benutzt hätte.
Es seien Stücke darunter gewesen, die ihm (dem Vater) sehr am Herzen liegen
würde. Er konnte es nicht fassen, dass verschiedene seiner kleinen Präziosen,
welche anscheinend sichergestellt worden seien, fehlten, und andere, so ein
römischer Kopf, kleine asiatische Büsten und die grosse chinesische Lackdose
zum Teil blutverschmiert bzw. zertrümmert herumgelegen hätten. Weil er seinem
Sohn nie zugetraut hätte, sich an solchen Gegenständen zu vergreifen, ging der
Vater des Beschuldigten damals zwangsläufig davon aus, dass †B._ die
Sachen nach A._ geschmissen haben musste (Urk. D1/4/18 S. 10), was sich
in der Folge als Irrtum herausstellte, der dem Vater augenscheinlich höchst
unangenehm war (Urk. D1/4/19 S. 5). Auch die Tante des Beschuldigten erklärte,
dieser hätte sich eine solche Verwüstung aus Respekt vor seinem Vater nie
erlaubt (Urk. D1/5/37 S. 2). Dass der Beschuldigte aus Liebe zur Kunst und aus
Respekt für seinen Vater in einem normalen Zustand dessen Kunstgegenstände
niemals als Schlagwerkzeuge und Wurfgeschosse verwendet hätte, geht nicht nur
aus diesen überzeugend vorgetragenen Aussagen hervor. Vielmehr ist den Akten
zu entnehmen, dass der Beschuldigte seine Arbeit in der Galerie seines Vaters
schätzte und gut machte und er darauf bedacht war, dass sich dort sein
Ketaminkonsum nicht bemerkbar machte. Dass er dennoch Kunstgegenstände,
die überdies für seinen Vater von persönlichem Wert waren, in einer solchen
Form missbrauchte und dabei zerstörte, legt einen Kontrollverlust nahe.
3.5.8. Prof. Dr. med. K._ sah gemäss seinem Gutachten vom 11. April 2016
in den massiven Gewalthandlungen des Beschuldigten gegen †B._ sowie
der Verwüstung des Wohnzimmers Anhaltspunkte, die für eine psychotische
- 57 -
Motivation bzw. eine ungesteuerte Gewaltanwendung sprächen (Urk. D1/17/22
S. 199). Die Vorinstanz gab zu bedenken, dass zwischen Gewaltanwendung und
Schuld(un)fähigkeit kein direkter Zusammenhang bestehe und exzessive Gewalt
auch von einem voll schuldfähigen Täter ausgehen könne, was sicher richtig ist.
Zutreffend ist aber auch ihre weitere Feststellung, dass das Mass an
Gewaltanwendung vor dem Hintergrund der konkreten Umstände Rückschlüsse
auf die Schuld(un)fähigkeit des Täters zulassen könne (Urk. 360 S. 77).
3.5.9. Nur schon das Verletzungsbild und die Tatortsituation, welche wie vorher
besprochen eine extreme Brutalität und zudem auffällige Einseitigkeit der
Gewalthandlungen, aber auch bizarre Verhaltensweisen des Beschuldigten
manifestieren, stellen Umstände dar, die bei einer Tat eines (vollständig)
Schuldfähigen nicht zu erwarten sind.
3.5.10. Mit Bezug auf die Vorgeschichte des Delikts ist zu bemerken, dass sowohl
der von aussen wahrnehmbare Zustand des Beschuldigten als auch die
allgemeine Stimmung unter den Kollegen, solange die Gruppe noch zusammen
war, unauffällig waren. Einzige Ausnahme bildete ein offenbar kurzes Intermezzo
zwischen BV._ und dem Beschuldigten, der die erstere bei sich zu Hause
anzumachen versuchte und dabei ein ansatzweise übergriffiges Verhalten zeigte
(Urk. 4/14 S. 3 und S. 5 f., S. 7). Nach diesem Vorfall erschien aber auch
BV._ die Stimmung wieder als gut und ganz angenehm (Urk. 4/14 S. 3
und S. 4). Der Beschuldigte sei sehr friedlich gewesen (Urk. 4/14 S. 4); er habe
sich –in der Wohnung von BW._ – anständig und unauffällig verhalten und
sei nett, ruhig, lustig, unbeschwert und entspannt gewesen (Urk. 4/15 S. 5, S. 6
und S. 12). Auch BW._ schilderte, es sei immer lustig gewesen, sie hätten
sehr viel gemacht und die Stimmung sei ausgelassen, euphorisch gewesen; ein
schlechtes Karma sei nie im Raum gewesen (Urk. 4/16 S. 5 und S. 6). Gemäss
BV._ sei auch †B._ gut gelaunt gewesen, habe sich auf Neujahr gefreut
und Pläne für den 31. Dezember geschmiedet (Urk. 4/14 S. 4). Gegen Ende sei er
auf dem Sofa gelegen und habe sich so mit ihr unterhalten; er sei ihr dann sehr
müde vorgekommen (Urk. 4/15 S. 7). Gemäss BW._ habe †B._ ab ca.
02.00 Uhr auf dem Sofa gedöst (Urk. 4/17 S. 9). Der Beschuldigte und †B._
- 58 -
seien – so BV._ – normal und freundschaftlich miteinander umgegangen
sowie entspannt gewesen; nichts habe auf einen Streit hingedeutet (Urk. 4/14 S.
5). Gemäss BW._ hätten sich die beiden offensichtlich gefreut, sich wieder
zu sehen, der Umgang sei liebevoll gewesen, es habe keinerlei Missstimmung
gegeben (Urk. 4/16 S. 6). Wie die Vorinstanz zutreffend schloss, gab es somit,
jedenfalls bis der Beschuldigte und †B._ die Wohnung verliessen, keine
Anhaltspunkte für einen Konflikt (Urk. 360 S. 75). Zu Recht verwarf sie dabei
Hypothesen der Privatkläger 1,2 und 4, es könnte wegen der dem Beschuldigten
durch BV._ erteilten Abfuhr sowie dem letztlich leeren Pool, an dem noch
eine Poolparty hätte stattfinden sollen, zu einem Konflikt gekommen sein (Urk.
360 S. 76). Ein Grund, welcher die folgenden Ereignisse erklären könnte, war
somit im Zeitpunkt, als der Beschuldigte und †B._ die Wohnung von
BW._ verliessen und ein Taxi nahmen, um – nach einem ersten
Zwischenstopp in der Wohnung des Beschuldigten, wo dieser die Schlüssel für
sein Elternhaus behändigte und nach einem zweiten Zwischenstopp bei einem
Geldautomaten zum Bezug von Bargeld für die Taxifahrt – ins Elternhaus des
Beschuldigten zu gelangen, nicht ersichtlich. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt
beruft sich die Verteidigung mit einer gewissen Berechtigung auf eine fehlende
Vorgeschichte eines Konflikts zwischen dem Beschuldigten und †B._ (Urk.
266 S. 22 und 43).
3.5.11. Überzeugend ist die Sachverhaltserstellung der Vorinstanz jedoch
insofern, als sie aufgrund der ersten Aussagen des Beschuldigten, z.T. in
Übereinstimmung mit weiteren Beweismitteln, zum Ergebnis kommt, dass der
Beschuldigte in seinem Elternhaus laute schwedische Volks- bzw.
Weihnachtsmusik abgespielt und dazu getanzt habe, was einerseits †B._
genervt habe und andererseits Auslöser für die Idee des Beschuldigten gewesen
sei, mit den Drogen aufzuhören und †B._ ebenfalls dafür zu gewinnen.
Dieses Ansinnen habe jedoch – so der Beschuldigte – darin geendet, dass es
zum Streit gekommen und †B._ ausgerastet sei, worauf dieser ihn (den
Beschuldigten) in den gläsernen Wohnzimmertisch bzw. Salontisch gestossen
habe (Urk. 360 S. 62, S. 76; Urk. D1/3/1 S. 11; Urk. D1/24/4 S. 4; Urk. D1/3/2 S.
2; Urk. D1/3/3 S. 8 f.).
- 59 -
3.5.12. Folgt man diesem so erstellten Sachverhalt, ergibt sich, dass die aus
objektiver Sicht nichtige Zwistigkeit unmittelbar einen unerwartet grossen
Schaden in Form einer geborstenen Glasplatte des Salontisches zur Folge hatte,
dies noch dazu in der Wohnung der Eltern des Beschuldigten, ganz zu schweigen
vom Sturz und den kleineren Schnittverletzungen des Beschuldigten. Aus banalen
Differenzen entstand eine Situation, die angesichts des Sturzes, der Zerstörung
der Glasplatte, des damit verbundenen Lärms und Schreckens sowie blutender
Schnittwunden tatsächlich Potential für eine Eskalation bot. Wenn die Vorinstanz
folgert, der im Gutachten vom 11. April 2016 geäusserten Auffassung, es fehle
eine Vorgeschichte in Form eines Konflikts zwischen dem Beschuldigten und
†B._, könne nicht zugestimmt werden, weil davon auszugehen sei, dass es
den gerade beschriebenen Konflikt gegeben habe (Urk. 360 S. 77), ist dem vor
dem geschilderten Hintergrund beizupflichten. Dass eine Auseinandersetzung
sich lange vorankündigt und einen nachvollziehbaren Anlass hat, ist keinesfalls
zwingend. Im Ergebnis kam es zwischen dem Beschuldigten und †B._ zu
einer Meinungsverschiedenheit, die zu einer Rempelei führte, welche wiederum
den "Unfall" zur Folge hatte, was offensichtlich zu einer Eskalation führte. Damit
entfällt zwar das entsprechende vom Gutachter und auch von der Verteidigung
genannte Indiz für eine psychotische Motivation der Tat, nämlich dasjenige des
fehlenden vorbestehenden Konflikts (D1/17/22 S. 198 f.; Urk. 266 S. 22 und 43).
Nichtsdestotrotz muss das Ausmass des an schliessenden Gewaltexzesses des
Beschuldigten angesichts der vorher ausgesprochen guten Stimmung sowie der
offenbar verhaltenen Abwehr von †B._ nach wie vor als völlig
unverhältnismässig qualifiziert werden. Und unerklärbar bleiben selbst unter
Berücksichtigung des Ursprungs der Auseinandersetzung die teils bizarren
Tathandlungen des Beschuldigten.
3.5.13. Der Beschuldigte machte erstmals am 2. November 2015 und sodann am
15. Januar 2016 gegenüber den Gutachtern Angaben darüber, dass bei ihm in
der Tatnacht Derealisationsphänomene bestanden hätten und er †B._
verändert, d.h. als bedrohliches Wesen (grün, mit langen Ohren, roten Augen,
"alienmässig") wahrgenommen habe, das sein Leben bedrohe. Er habe dies für
dessen wahres Ich gehalten und in dieser Vorstellung um sein Leben gekämpft
- 60 -
(Urk. 360 S. 21; Urk. D1/17/22 S. 141 f.; Prot. I S. 112 f.). Dass diese Version
schon früher im Verhältnis zur Verteidigung thematisiert worden war, zeigt ein
(allerdings nur auszugsweise eingereichtes) Schreiben des Beschuldigten vom
18. September 2015 (Urk. 265B)
3.5.14. Wie bereits ausgeführt und vorne zusammengefasst wiedergegeben,
sprach die Vorinstanz dem Beschuldigten das Vorhandensein psychotischer
Rauschphänomene aufgrund ihrer ausführlichen Beweiswürdigung und
insbesondere aufwendigen Analyse seiner Aussagen ab. Sie betont das im
Rahmen der Aussagenwürdigung besondere Gewicht der Erstaussage(n) und hält
es für unwahrscheinlich, dass der Beschuldigte trotz seiner damaligen
Beeinträchtigungen in der Lage gewesen sei, alle Elemente, die für psychotisches
Erleben gesprochen hätten, zu entfernen (Urk. 360 S. 36S. 52, S. 66). In den
anfänglichen Einvernahmen habe der Beschuldigte eine, jedenfalls aus Laiensicht
relativ naheliegende, Notwehrsituation behauptet, und – nachdem ihm dies nicht
weitergeholfen habe und er in Untersuchungshaft geblieben sei – einen
vollständigen Gedächtnisverlust geltend gemacht. Als er habe feststellen müssen,
dass ihm die Gutachter einen solchen Ausfall nicht abgenommen hätten und auf
deren konkrete Fragen mit zum Teil hohem Suggestivgehalt, habe er schliesslich
die "Alien-Geschichte" präsentiert, allerdings vollkommen farblos, pauschal und
praktisch frei von Details (Urk. 360 S. 73).
3.5.15. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist zu bemerken, dass die vom
Beschuldigten geschilderte Angst, für geisteskrank gehalten und in der
Psychiatrie weggesperrt zu werden, eine grundsätzlich denkbare Erklärung dafür
sein kann, dass er erst Monate nach der Tat von Wahrnehmungsveränderungen
berichtete (vgl. Urk. 360 S. 65).
3.5.16. Den Ausführungen der Vorinstanz über die Bedeutung der Erstaussage
(Urk. 360 S. 36) sowie ihren Hinweisen, dass der Beschuldigte, wie in solchen
Situationen typisch, eine Art Notwehrsituation behauptet habe und auffällig sei,
dass diejenigen Teile des Sachverhalts bezüglich welcher er keine Erinnerungs-
lücken geltend mache, fast durchwegs entlastender Natur seien, was für eine
bewusste Steuerung der Aussagen spreche (Urk. 360 S. 52 f.), ist
- 61 -
einschränkungslos zuzustimmen. Ebenfalls erscheinen ihre Bedenken hinsichtlich
der Fähigkeit des Beschuldigten, in diesem frühen Zeitpunkt und trotz
Beeinträchtigungen alle Elemente, die auf psychotische
Wahrnehmungsveränderungen hätten schliessen lassen können, gezielt und
strategisch wegzulassen (Urk. 360 S. 66), grundsätzlich berechtigt. Ihrer
Auffassung gemäss spricht der Umstand, dass in den ersten Einvernahmen des
Beschuldigten keine expliziten Hinweise auf eine alienmässige Erscheinung von
†B._ auszumachen seien, gegen den Wahrheitsgehalt solcher bei den
Gutachtern gemachten Aussagen (a.a.O.).
3.5.17. Es stellt sich jedoch die Frage, welches Aussageverhalten vom
Beschuldigten effektiv zu erwarten gewesen wäre, wenn seine Darstellung, die
Psychose aus Furcht, in der Psychiatrie weggesperrt zu werden, zunächst
verschwiegen zu haben, der Wahrheit entspräche. Zwar diskutiert der Gutachter
Prof. Dr. rer. nat. M._, dass Ketamin eine akute und eine chronische Wirkung
haben könne. Bei intensiven Konsumepisoden könnte eine Psychose ausgelöst
werden und dann bestehen bleiben, obwohl die akute Substanzwirkung aufhöre
(Prot. I S. 87). Dennoch dürfte sich eine zufolge akuten Ketaminkonsums
(allenfalls in Verbindung mit Kokain) auftretende Psychose des Betroffenen im
Gegensatz zu einer grundlegenden, psychotische Schübe verursachenden
psychischen Erkrankung, z.B. aus dem schizophrenen Formenkreis, ungleich
schärfer vom Normalzustand abgrenzen. Zudem dürfte eine durch
Ketaminkonsum initiierte Psychose rückblickend, d.h. sobald der Betroffene
zufolge nachlassender Substanzwirkung in den Normalzustand zurückfindet, viel
deutlicher als solche erkannt werden, als das bei den erwähnten psychischen
Erkrankungen der Fall sein dürfte. Dafür spricht auch, dass gemäss dem
Gutachter Prof. Dr. rer. nat. M._ Ketamin-Belastungsproben in der
experimentellen psychopharmakologischen Forschung als Psychose-Modell
genutzt werden, um psychotisches Erleben und kognitive Defizite, wie sie in der
Schizophrenie beobachtet werden als Symptomkomplexe auch an Gesunden
untersuchen zu können (Urk. D1/17/21 S. 8) und er überdies ausführte, dass die
Gedächtniseffekte und Wahrnehmungsbeeinträchtigungen bei abklingender
Ketaminwirkung aufhören sollten (Prot. I S. 91). Kommt hinzu, dass der
- 62 -
Beschuldigte wie erwähnt über eine umfassende Erfahrung betreffend
Ketaminkonsum und auch mit Psychosen verfügt und daraus schöpfen konnte.
Mit anderen Worten wird er über eine gewisse Übung darin verfügen,
psychotische Erlebnisse einfach zu verschweigen oder mit einer anderen
Darstellung zu verschleiern.
3.5.18. Unverkennbar sind – so bereits die Vorinstanz – die starken
Strukturunterschiede in den Aussagen des Beschuldigten, fiel doch dessen
Bericht über den eigentlich relevanten Tatbestand, d.h. das Kerngeschehen,
ausnehmend karg aus, währendem er hinsichtlich Nebensächlichkeiten, welche
vor allem den Zeitraum vor und nach der Tat betrafen, merklich detailliertere und
authentische Angaben machte. Die Vorinstanz sah auch darin ein Hinweis auf
eine zumindest unbewusste Steuerung der Aussagen durch den Beschuldigten in
eine bestimmte Richtung (Urk. 360 S. 53). Dies ist in der Tat ein möglicher
Denkansatz; ebenso gut könnte dieses Aussageverhalten des Beschuldigten aber
darin begründet sein, dass er es gerade vorzog, die Phase der (angeblichen)
Psychose weitgehend auszusparen und aus Vorsicht möglichst wenig und
zurückhaltend dazu auszusagen. Seine Angaben zum Tatgeschehen bestanden
im Wesentlichen in der Darstellung, †B._ habe ihn angegriffen und er habe
sich zur Wehr gesetzt, was mit seiner angeblich psychotischen Vorstellung im
Übrigen ohne weiteres übereingestimmt hätte. Was seine Gewalthandlungen
gegen †B._ betrifft, gab der Beschuldigte zunächst (nur) einmal einige
Schläge mit der Hand auf den Kopf von †B._ zu (Urk. D1/3/1 S. 5). Als von
ihm eingesetzte "Tat- bzw. Schlagwerkzeuge" erwähnte der Beschuldigte lediglich
den grossen schwarzen Kerzenständer (Urk. D1/3/1 S. 5 f.; Urk. D1/24/4 S. 4 f.;
Urk. D1/3/3 S. 14), die grosse Kerze (Urk. D1/24/5; Urk. D1/3/3 S. 11 f.), bzw.
deren Glasschutz (Urk. D1/3/2 S. 3; Urk. D1/3/3 S. 11 f.), wobei er offenbar
ebenfalls auf den grossen schwarzen Kerzenständer Bezug nahm (Urk. D1/3/3
S. 14 - 16 und Anhang 4); im Sinne einer Zwischenbemerkung ist dazu zu sagen,
dass zwar keiner der Glasbehälter der grossen schwarzen Kerzenständer zer-
brochen vorgefunden wurde, sehr wohl aber eines der vier grossen Windlichter
(D1 Urk. 8/21; anders Urk. 360 S. 59), wobei sich dessen Kerze zum Schluss
neben dem Leichnam befand. Zu seinem konkreten Vorgehen gab der
- 63 -
Beschuldigte indes nur halbherzig, wenn nicht zum Teil klar wahrheitswidrig
Auskunft, räumte er doch z.T. ein, (nur) mit dem schwarzen Kerzenhalter auf
†B._ eingeschlagen zu haben (Urk. D1/3/1 S. 3; Urk. D1/24/4 S. 4), um an
anderer Stelle zu erklären, die Gegenstände, d.h. den Kerzenhalter, den
Glasschutz und die Kerze nach Tritten von †B._ gegen sein Schienbein
versehentlich auf diesen fallen gelassen zu haben. Ferner räumte er mitunter ein,
†B._ gewürgt zu haben (Urk. D1/3/1 S. 12; Urk. D1/24/5 S. 5), stellte dies
später aber wieder in Abrede (Urk. D1/3/3 S. 11). Das einzige Mal, dass er etwas
Konkretes zu einer Verletzung von †B._ sagte, war in der Einvernahme vom
7. Januar 2015, als er erklärte, dessen Kopf sei voller Blut und die Schädeldecke
offen gewesen (Urk. D1/3/3 S. 11 f.). Davon, dass sich im Mund von †B._
schliesslich eine Kerze befand, wollte der Beschuldigte dagegen nichts gewusst
haben (Urk. D1/3/3 S. 17).
3.5.19. An den Aussagen des Beschuldigten zum Kerngeschehen fällt damit vor
allem deren Lückenhaftigkeit auf. Keine Ausführungen machte der Beschuldigte
etwa dazu, was sich in der Küche abgespielt hatte, wie es überhaupt dazu kam,
dass †B._ schliesslich am Boden lag, währendem er selbst aufrecht über ihm
stand, wie die anderen Gegenstände, mit denen er nebst dem schwarzen
Kerzenständer erwiesenermassen auch noch auf den Kopf seines Opfers
einschlug, ins Spiel kamen, wie es kam, dass schliesslich eine Vielzahl
verschiedener Objekte auf dem Boden verstreut und auf dem Leichnam lagen
oder auf welchem Weg sein Mobiltelefon und einer der Deko-Nikoläuse ihren Weg
ins Freie fanden. Ebenso wenig äusserte sich der Beschuldigte zur enormen
Anzahl der zum Teil wuchtigen Schläge gegen den Kopf von †B._ und blieb
auch eine Erklärung, wie die Kerze in den Mund von †B._ gelangte und
wieso er dessen bereits reglosen Körper noch wegzog, schuldig – von einer
ansatzweise nachvollziehbaren Reihenfolge der Ereignisse ganz zu schweigen.
Nur wenige Angaben machte der Beschuldigte auch zur Reaktion von †B._
auf die Schläge und deren Verletzungsfolgen.
3.5.20. Zu Recht betont die Vorinstanz die im Laufe der Befragungen
zunehmende Tendenz des Beschuldigten, sich in der Opferrolle zu sehen, seine
- 64 -
eigenen angeblich massiven, aber tatsächlich kaum nennenswerten Verletzungen
zu betonen, die tatsächlich massiven Verletzungen des Opfers aber
hinunterzuspielen (Urk. 360 S. 53 f., S. 59) und sich durchwegs negativ über sein
Opfer zu äussern, (Urk. 360 S. 60), von dem er handkehrum immer wieder als
Freund sprach. Dass der vom Beschuldigten am 17. März und 18. Juni 2015
geltend gemachte vollständige Gedächtnisverlust im angefochtenen Entscheid
aufgrund des Zeitpunkts in Übereinstimmung mit der Einschätzung von Prof. Dr.
med. K._ als Schutzbehauptung abgetan wurde (Urk. 360 S- 64 f. ), ist
ebenfalls nicht zu beanstanden.
3.5.21. Unter "normalen" Prämissen muss eine Würdigung eines solchen
Aussageverhaltens tatsächlich zum Ergebnis führen, der Beschuldigten sage in
weiten Teilen und vor allem soweit er nachträglich eine Psychose geltend
gemacht habe, nicht wahrheitsgemäss aus. Zu beachten ist jedoch, dass die
Täterschaft des Beschuldigten von Anfang an feststand und er auch nie bestritt,
†B._ umgebracht zu haben. Zudem lag das Ergebnis seiner
Gewalthandlungen für alle sichtbar in der Person des toten B._ auf dem
Fussboden des Wohnzimmers seiner Eltern und widerspiegelte sich auch im
Zustand des Tatortes. Insofern bestand für den Beschuldigten kein Grund, derart
konsequent und derart viele Informationen über die Tat zurückzuhalten. Selbst
wenn er einfach zu Unrecht eine Notwehrsituation hätte geltend machen wollen
und später hätte feststellen müssen, dass die Untersuchungsergebnisse dagegen
sprachen, hätte es keinen nachvollziehbaren Anlass für ihn gegeben, derart
knapp über das Kerngeschehen – z.B. in Form seiner Notwehrhandlung –
auszusagen.
3.5.22. Umgekehrt wäre es für den zur Tatzeit erwiesenermassen unter
Substanzeinfluss gestandenen und einschlägig erfahrenen Beschuldigten
naheliegend gewesen, von Anfang an eine tatsächliche oder auch nur
vorgeschobene Psychose geltend zu machen und diese Strategie konsequent zu
verfolgen, was er bekanntlich nicht tat. Vielmehr verschwieg bzw. verneinte er
gegenüber den Strafuntersuchungsbehörden selbst frühere Psychosen.
- 65 -
3.5.23. Wie im angefochtenen Entscheid zutreffend dargelegt, gab der
Beschuldigte bei der telefonischen Alarmierung der Polizei und beim Eintreffen
der ersten Polizeipatrouille an, †B._ sei tot (Urk. D1/1/7 S. 3; Urk. D1/24/1
S. 2); er hatte zudem gemäss eigenen Aussagen bereits vorher durch Reissen an
dessen Unterhose geprüft, ob †B._ noch ein Lebenszeichen gab
(Urk. D1/3/3 S. 15). Schliesslich räumte der Beschuldigte auch gegenüber dem
Gutachter Prof. Dr. med. K._ ein, bereits im Zeitpunkt der Alarmierung
gewusst zu haben, dass †B._ tot gewesen sei (Urk. D1/17/22 S. 139). Damit
ist davon auszugehen, dass aus rationaler Sicht für den Beschuldigten bereits am
Tatort und bei der Alarmierung der Polizei klar war, dass †B._ nicht mehr
lebte. Dennoch bat er beim Eintreffen der zweiten Patrouille, die sein Verhalten
ausführlich rapportierte, immer wieder darum, dass man sich nicht um seine
Verletzungen, sondern um diejenigen seines Kollegen im Wohnzimmer kümmern
solle. Weiter fragte er die Polizisten, wie es seinem Kollegen gehe. Auf
Gegenfrage, was er – der Beschuldigte – denn denke, wie es †B._ gehe,
fragte er zurück, ob sie – die Polizisten – nicht im Wohnzimmer gewesen seien;
wenn sie das Wohnzimmer gesehen hätten, wüssten sie es. Gemäss dem
rapportierenden Polizeibeamten machte der Beschuldigte einen angetriebenen
Eindruck und zeigte ein stark schwankendes Verhalten von sehr anständig, ruhig,
gefasst und mitteilungsbedürftig bis zu plötzlich aufgebracht und genervt (Urk.
D1/1/2). Gemäss einer Aktennotiz des Staatsanwaltes sei der Beschuldigten, als
er ihm um ca. 09.00 Uhr eröffnet habe, dass sein Kollege †B._ tot sei,
überrascht gewesen und kurz in sich zusammengesackt (Urk. D1/1/3). Trotz des
Zustandes, in welchem der Beschuldigte †B._ zurückgelassen hatte und der
rationalen Erkenntnis, dass dieser tot war, rechnete offenbar ein Teil in ihm –
wenn auch völlig realitätsfremd – damit, dass er doch noch leben könnte. Gemäss
dem Gutachten von Prof. Dr. med. K._ vom 11. April 2016 spreche unter
anderem das Zusammenspiel der Verletzungen des Opfers und die Tatsache,
dass der Beschuldigte die herbeigerufene Polizei gebeten habe, †B._ zu
helfen und dabei inadäquat, ratlos und überfordert gewirkt habe, für eine
ungesteuerte Gewaltanwendung (D1/17/22 S. 198 f.). Im Rahmen der
Hauptverhandlung erklärte der Gutachter, die im Bericht der Polizei geschilderten
- 66 -
wechselhaften Reaktionen des Beschuldigten sehr nahe zum Deliktszeitpunkt
sprächen aus seiner Sicht für Intoxikationsphänomene oder Rauschphänomene.
Die Widersprüchlichkeit des Beschuldigten gegenüber der Polizei sei insofern ein
Puzzlestück in einem stimmigen Gesamtbild (Prot. I S. 133 f.). Nicht nur das
sprunghafte Verhalten des Beschuldigten in Anwesenheit der Polizeibeamten und
die Tatsache, dass er rational vom Tod von †B._ Kenntnis hatte, sich im
nächsten Moment aber nicht mehr darüber im Klaren schien, sprechen für die
Annahme einer vorher aufgehobenen Steuerungsfähigkeit bzw. für
Rauschphänomene. Eine solche Annahme wird vielmehr auch dadurch gestützt,
dass es eigentlich gar keinen Sinn machte und inkonsequent erscheint, sich
gegenüber der Polizei und dem Staatsanwalt in dieser – allenfalls
vorgeschobenen – Weise zu benehmen, sich in den folgenden Aussagen jedoch
nie explizit auf eine aufgehobene Realitätswahrnehmung, sondern schlicht auf
Notwehr zu berufen. Überhaupt kam der Beschuldigte in der ersten Einvernahme
erst relativ spät auf seinen Drogenkonsum vor der Tat zu sprechen (Urk. D1/3/1
S. 8), und in der zweiten Einvernahme spielte er dessen Bedeutung herunter,
indem er auf seine hohe Toleranz hinwies, welche dazu führe, dass er fast nichts
von Drogen merke und indem er erklärte, in der fraglichen Nacht nicht soviel
Kokain genommen zu haben und auch zu wissen, wieviel Ketamin er vertrage
(Urk. D1/24/4 S. 5). Während er in seiner folgenden schriftlichen Aussage noch
immer recht pauschale Ausführungen zu Drogen machte (Urk. D1/3/2 S. 2),
erklärte er erstmals in der dritten mündlichen Befragung am 3. Januar 2015, sie
beide – also er und †B._ – seien "so drauf" gewesen, sie seien betrunken,
bekifft, unter Medikamenten-, Kokain- und Ketamineinfluss gewesen, es habe in
jener Nacht halt ausgeartet. In der gleichen Einvernahme wies er jedoch
einerseits auf die bei ihm (lediglich) entspannende und sedierende Wirkung des
Ketamins hin (Urk. D1/3/3 S. 17, S. 20 f.), erklärte aber andererseits, nicht mehr
zu wissen, wie das Ketamin in der fraglichen Nacht gewirkt habe, weil er nicht nur
das konsumiert habe und meinte dann wieder, es habe nicht gleich gewirkt wie
sonst (Urk. D1/3/3 S. 20 und S. 21). Auf die Frage, ob er schon einmal
Halluzinationen gehabt habe, antwortete er, "vielleicht am Anfang, aber es geht
jetzt gerade wieder weg. Es wirkt ja nur eine halbe Stunde", um gleich wieder auf
- 67 -
die – wegen des gleichzeitigen Konsums von Benzodiazepinen – sedierende
Wirkung auf ihn hinzuweisen (Urk. D1/3/3 S. 17, S. 20 f.). Da seine Aussagen
gegenüber den Strafbehörden nicht auf ein Geltendmachung einer
Schuldunfähigkeit abzielten, wirkt sein vorher geschildertes Verhalten gegenüber
der Polizei und dem Staatsanwalt kurz nach der Tat in einer Weise sonderbar,
dass es in Übereinstimmung mit dem Gutachter viel eher mit einem psycho-
tischen Rauschphänomen als mit einer anderen Erklärung in Einklang zu bringen
ist.
3.5.24. Die Vorinstanz widerlegte mit überzeugender Begründung gestützt auf
negative Speichel-Vortests die bereits im Schreiben des Beschuldigten vom
2. Januar 2015 an das Zwangsmassnahmengericht erhobene Behauptung,
†B._ habe sich ein mit Ketamin gefülltes Plastiksäckchen in den Mund
gesteckt, welches er (der Beschuldigte) †B._ habe aus dem Mund
herausholen wollen (Urk. 360 S. 58; Urk. D1/3/2 S. 3; Urk. D1/3/3 S. 11, S. 13, S.
17). Im Übrigen brachte auch die Obduktion kein Ketaminsäckchen im Körper von
†B._ zu Tage. Es stellt sich nun die Frage, wie der Beschuldigte dazu
kommen konnte, eine derart eigentümliche Aussage zu machen, die sich im
Nachhinein als klar falsch herausstellte, was er eigentlich hätte wissen müssen.
Erwiesen ist immerhin, dass der Beschuldigte sich tatsächlich, wenn auch in
anderer Weise, am Mund von †B._ zu schaffen gemacht hatte, und zwar
eben, indem er diesem die bereits mehrfach erwähnte Kerze hineinsteckte. Damit
liegt wiederum nahe, dass der Beschuldigte aufgrund einer Realitätsverzerrung
tatsächlich meinte, versucht zu haben, das vermeintlich von †B._ im Mund
versteckte Ketaminsäckchen herauszuholen, ihm dabei aber in Tat und Wahrheit
die Kerze in den Mund stiess.
3.5.25. Weiter fällt auf, dass der Beschuldigte vor allem in den ersten beiden
Befragungen betonte, eine friedliche, anständige Person zu sein, religiös. Als
†B._ ausgerastet sei, habe er ihm gesagt, er solle sich auch mal dem
christlichen Glauben zuwenden. Da habe †B._ gemeint, er selbst bzw. der
Beschuldigte seien der Teufel (Urk. D1/3/1 S. 3; Urk. D1/24/4 S. 4; Urk. D1/3/3 S.
27). Dabei strich der Beschuldigte die (schon immer bestehenden)
- 68 -
psychopatischen und aggressiven Züge von †B._ heraus. Dieses Beharren
des Beschuldigten auf seiner eigenen religiös-christlichen Gesinnung, seiner
Friedfertigkeit und Anständigkeit und die Schilderung seiner ansatzweise
missionarischen Bemühungen gegenüber einem "bösen" †B._ in den
tatnächsten Befragungen wirken vor dem Hintergrund seiner brutalen Tat
äusserst sonderbar. 2011 wurde das plötzliche Erwachen sehr starker Religiosität
des Beschuldigten von der PUK als Anhaltspunkt für psychotisches Erleben
gesehen (Austrittsbericht vom 21. April 2011, S. 1 f., im separaten Couvert). Der
Vater des Beschuldigten und die Privatklägerin 5 äusserten, dass der
Beschuldigte sich mitunter für Jesus bzw. Gott hielt (Urk. D1/4/18 S. 6; Prot. I S.
283). Ferner stellte die PUK die vom Beschuldigten beschriebene Beherrschung
der Welt durch gute und böse Kräfte in einen Zusammenhang mit dem
psychotischen Erleben (Verlaufsbericht vom 28.06.2011 bis 25.01.2012, Eintrag
vom 25.01.2012, im separaten Couvert). Es greift daher zu kurz, solche
Äusserungen des Beschuldigten als blosse Übertreibung und Anhaltspunkte für
den ihnen fehlenden Wahrheitsgehalt abzutun (Urk. 360 S. 53 f.). Vielmehr lassen
sich die erwähnten Schilderungen in den ersten Einvernahmen nach der Tat
ebenfalls gut mit vorangegangenem psychotischen Erleben vereinbaren.
3.5.26. Prof. Dr. rer. nat. M._ weist in seinem Gutachten einerseits auf die
die Gedächtnisbildung sehr stark beeinträchtigende Wirkung von Ketamin hin,
welche zu unwillentlich falschen Erinnerungen des Beschuldigten hätte beige-
tragen haben können. Anderseits führte er in seinem Gutachten aus, es sei
durchaus wahrscheinlich, dass der Beschuldigte die Geschehnisse unter Ketamin
subjektiv anders erlebt habe, als sie tatsächlich stattgefunden hätten, da sich die
Grenze zwischen der eigenen Person und dem Anderen auflösen würde, wodurch
die Agentenschaft des eigenen mit der des fremden Handelns verwechselt
werden könnte. Mit anderen Worten sei es möglich, dass der Beschuldigte
†B._ Handlungen zuschreibe, deren Urheber er selbst gewesen sei und
umgekehrt. Beispielsweise könnte der Beschuldigte †B._ zuerst angegriffen
haben und †B._ sich vielleicht nur gewehrt haben, währendem dies vom
Beschuldigten unter Ketamin genau andersherum erlebt worden sein könnte. Es
sei manchmal nicht ganz einfach, unter Ketamin eigene Handlungen und
- 69 -
Fremdhandlungen auseinander zu halten (Urk. D1/17/21 S. 11 f., S. 13; Prot. I S.
91). Da die Substanzwirkung in einer Kurve verlaufe und nicht von einer auf die
nächste Sekunde da und wieder weg sei, sei davon auszugehen, dass auch das
psychotische Erleben einer solchen Kurve folge, aber nur dann, wenn
ausschliesslich von einem akuten Effekt auszugehen sei. Allenfalls sei ein
zusätzlicher chronischer Effekt und ein dadurch bedingtes erhöhtes
grundpsychotisches Erleben sowie ein psychischer Stress wegen der
Kampfsituation zu berücksichtigen. Es sei extrem schwierig und er würde es sich
nicht zutrauen, dies alles sauber auseinanderzuhalten (Prot. I S. 97). Sodann
erklärte der Gutachter, dass das psychotische Erleben weit vor dem durch
Ketaminkonsum bedingten und von den Konsumenten mitunter angestrebten
sogenannten "K-hole" beginne. Die psychotische Wahnstimmung sei vom K-hole,
einem trance- oder traumähnlichen Zustand mit verändertem Raum-, Zeit- und
Ich-Empfinden, in welchem eine Handlungsfähigkeit eigentlich nicht mehr
gegeben sei, zu unterscheiden (Prot. I S. 98 f.). Ferner sei auch das K-hole kein
binärer Zustand, der entweder vollständig oder gar nicht bestehe (Prot. I S. 99).
Das Wesen solcher Substanzwirkungen bestehe darin, dass sie sich sehr schnell
verändern könnten und auch stark von den Umgebungsbedingungen, dem Setting
abhängen würden. Es sei möglich, dass eine unter Substanzwirkung entstandene
Wahnstimmung bei nach wie vor bestehender Substanzwirkung wieder
verschwinde, wenn dieses Setting geändert werde (Prot. I S. 103). Diese
gutachterlich beschriebene Wirkung des Ketamins bildet einen starken
Erklärungsansatz dafür, weshalb der Beschuldigte zum Kerngeschehen derart
karg aussagte und weshalb er †B._ in völligem Widerspruch zum
Verletzungsbild beider Kontrahenten und in offensichtlicher Verkennung der
Realität nicht nur als den Konflikt auslösend, sondern auch als aggressiven,
provozierenden, psychopatischen, unermüdlich auf ihn einschlagenden und -
tretenden, erstaunlich kräftigen und ausdauernden Angreifer, sich selbst dagegen
als extrem verletztes, stark und überall blutendes bzw. nahezu verblutendes
sowie um sein Leben kämpfendes und erschöpftes Opfer darstellte (Urk. D1/3/1
S. 2 ff.; Urk. D1/3/2 S. 2 ff.; Urk. D1/3/3 S. 12). Dass der Beschuldigte am Anfang
der Untersuchung absichtlich solche, die tatsächlichen Gegebenheiten ganz und
- 70 -
gar verdrehenden Aussagen machte, um (wahrheitswidrig) einen psychotischen
Rauschverlauf zu untermauern, ohne sich in diesem Stadium auf einen solchen
zu berufen, ergäbe keinen Sinn. Aus diesem Grund spricht viel dafür, dass der
Beschuldigte das Geschehen, soweit er sich noch erinnerte, tatsächlich derart
realitätsfremd und unvollständig, aber doch – wie die Vorinstanz ausführlich
herausgearbeitet hat – mit verschiedenen wahren Elementen versetzt wahrnahm,
was gemäss gutachterlicher Einschätzung dem Ketaminkonsum zuzuschreiben
sein dürfte. Derart gravierende Realitätsverzerrungen und Erinnerungseinbussen
bilden weitere Anhaltspunkte für einen Zustand aufgehobener Schuldfähigkeit.
3.5.27. Die Bedenken, welche im angefochtenen Entscheid hinsichtlich der
erstmals und ausschliesslich den Gutachtern gegenüber vorgetragenen
Schilderung des Beschuldigten vorgebracht wurden, bereits den Weg von der
Wohnung von BW._ bis zu seinem Elternhaus als surreal wahrgenommen zu
haben sowie dort angekommen †B._ plötzlich als bedrohliches grünes
Wesen mit langen Ohren und roten Augen wahrgenommen zu haben, wurden
sorgfältig begründet (Urk. 360 S. 65 ff.). Auf einige dieser Punkte wurde bereits
eingegangen. Die noch verbleibenden Bedenken drehen sich im Wesentlichen um
den langen Zeitablauf zwischen der Tat und der erstmaligen Geldendmachung
dieses angeblich psychotischen Erlebens (Urk. 360 S. 35), um die Beliebigkeit
bzw. Banalität der surrealen Qualität der Situation und der Alien-Beschreibung
(Urk. 360 S. 68), deren Widersprüchlichkeit (Urk. 360 S. 70) sowie um die
suggestive Befragung des Beschuldigten durch die Gutachter (Urk. 360 S. 71 ff.).
3.5.28. Die Frage, ob die vom Beschuldigten nur gegenüber den Gutachtern
getätigten und nicht formell protokollierten Äusserungen verwertet werden dürfen,
wurde bereits bejaht (vgl. vorne Ziffer III.1.2. ff.; vgl. Urk. 360 S. 70 f.). Im Rahmen
der Analyse solcher verwertbarer Aussagen müssen allerdings die vergleichs-
weise speziellen Umstände ihrer Entstehungsgeschichte und ihrer Dokumentation
beachtet werden.
3.5.29. Vorweg ist zu bemerken, dass – offenbar entgegen der Vorinstanz
(Urk. 360 S. 70) – aus den Aufnahmen der Videoüberwachung (Urk. D1/9/1)
weder etwas zu Gunsten noch zu Lasten des Beschuldigten abgeleitet werden
- 71 -
kann. Dass der Beschuldigte †B._ auf dem Weg vom Taxi zum Haus den
Rücken zudreht spricht jedenfalls nicht wirklich gegen eine bereits verzerrte
Wahrnehmung. Immerhin weisen die Aufnahmen bzw. die einzelnen
Standaufnahmen, auf welchen zu sehen ist, dass der Beschuldigte den Weg –
anscheinend ohne sich umzusehen – konstant einige Meter vor dem seine
Reisetasche schleppenden †B._ zurücklegt, auch nicht auf eine besonders
freundschaftliche Stimmung hin.
3.5.30. Gemäss Angaben von Prof. Dr. rer. nat. M._ gab der Beschuldigte
wenig direkte Auskünfte über standardhalluzinogene Effekte des Ketamins im
freien Rapport, wenn er sich korrekt erinnere. Auch sei er es gewesen, der den
Beschuldigten direkt nach paranoiden Erlebnissen gefragt habe; der Beschuldigte
habe das nicht direkt von sich aus erzählt (Prot. I S. 73). Was durch Ketamin
verursachtes "Verschmelzungserleben" anbelange, sei der Beschuldigte sehr
unkonkret gewesen; er (der Gutachter) habe den Beschuldigten danach gefragt,
ob er so etwas schon erlebt habe. Mit den Rauschbeschreibungen und mit der
Beschreibung der eigenen Wahrnehmung sei der Beschuldigte sehr sparsam
gewesen und er habe ihn relativ aktiv gefragt (Prot. I S. 74). Explizite
Ausführungen zu psychotischen Schüben nach intensiven Ketaminkonsumphasen
habe der Beschuldigte zum damaligen Zeitpunkt nicht gemacht, sondern nur
gesagt, dass er nach intensivem Konsum in London einen psychotischen Schub
gehabt habe, der in einer psychiatrischen Behandlung geendet habe und
ausserdem eine psychotische Episode in Ibiza erwähnt. Aus Zeitgründen und weil
er sich noch auf den Tatabend habe konzentrieren müssen, habe er das nicht
näher und weiter exploriert. An konkrete Ausführungen des Beschuldigten zu
(früheren) psychotischen Schüben könne er sich nicht erinnern, ansonsten er das
wahrscheinlich im Gutachten aufgeführt hätte (Prot. I S. 74 f.). Mit Bezug auf den
(Vor-)Abend der Tat könne er aus seiner Erinnerung zwar nicht mehr
unterscheiden, ob er nur nach Wahrnehmungsveränderung oder explizit nach
psychotischen Erlebnissen gefragt habe. Jedenfalls habe er ihn aktiv nach
Wahrnehmungsveränderungen psychotischer Art gefragt. Er habe dieses Thema
gesetzt. Wie er danach gefragt habe, wisse er nicht mehr. Auf weitere Nachfrage,
wie man sich diese Befragung des Beschuldigten vorstellen müsse, meinte Prof.
- 72 -
Dr. rer. nat. M._, er habe diesen nach der Wirkung des Ketamins gefragt,
ohne den genauen Wortlaut, den er damals verwendet habe, wiedergeben zu
können. Auf folgende Frage äusserte sich der Gutachter zu den Antworten des
Beschuldigten und erklärte auf weiteres Nachfragen, welche Kommentare des
Taxifahrers und von †B._ der Beschuldigte als seltsam bzw. bedrohlich
empfunden habe, der Beschuldigte habe das damals näher ausgeführt bzw. kurz
beschrieben, wobei er mit Bezug auf †B._ expliziter geworden sei. Er habe
sich den Wortlaut aber nicht notiert und könne sich heute nicht mehr daran
erinnern (Prot. I S. 77 f.). Mit Bezug auf die Art, wie der Beschuldigte die verzerrte
Wahrnehmung von †B._ beschrieben habe, führte Prof. Dr. rer. nat. M._
aus, er habe unter anderem das Beispiel der langgezogenen Ohren genannt und
irgendetwas von grünlicher oder gelblicher Hautfarbe erzählt. Hier sei er sich aber
nicht ganz sicher, sondern es sei eine Anmutung, die ihm beim Versuch, sich zu
erinnern, in den Sinn komme. Auf Frage, ob der Beschuldigte psychotisches
Erleben unmittelbar vor der Tat erwähnt habe, erklärte der Gutachter "Nein, nicht,
dass ich mich erinnere." Er nehme an, dass er ihn danach gefragt habe, sei sich
aber nicht mehr ganz sicher. Inwiefern der Beschuldigte zum Schluss des
Gesprächs vom 2. November 2015 angedeutet habe, seine bisherigen Angaben
über die Auswirkungen des Substanzkonsums ergänzen zu wollen, wisse er nicht
mehr (Prot. I S. 78; vgl. auch Prot. I S. 109). Er könne nach eineinhalb Jahren
auch nicht originalgetreu wiedergeben, wie der Beschuldigte das unter Ketamin
verspürte Gefühl, "Superkräfte" zu besitzen, beschrieben habe; mit den Worten
des Beschuldigten könne er das nicht mehr wiedergeben (Prot. I S. 100). Die
Schilderungen des Beschuldigten hätten für ihn ins Bild gepasst und seien
plausibel gewesen (Prot. I S. 96).
3.5.31. Gutachter Prof. Dr. med. K._ führte auf die Frage, inwiefern
der Beschuldigte am gemeinsamen Untersuchungstermin mit Prof. Dr. rer. nat.
M._ angedeutet habe, seine bisherigen Angaben über die Auswirkungen des
Substanzkonsums in der Tatnacht ergänzen zu wollen und was er konkret dazu
gesagt habe, dies sei aus der Erinnerung heraus schwierig zu beantworten. Er
holte dann aus, er habe dem Beschuldigten in den vorherigen Gesprächen
auseinandergesetzt, dass der von ihm behauptete Verlust von zuvor noch
- 73 -
vorhandenen Erinnerungen nicht sehr überzeugend sei. Nach seiner Erinnerung
habe der Beschuldigte im Gespräch mit Prof. Dr. rer. nat. M._ schliesslich
aus eigener Motivation heraus erwähnt habe, er habe mehr zur Tatnacht zu
sagen (Prot. I S. 112 f.). Nach seiner Meinung habe der Beschuldigte dabei schon
angekündigt oder thematisiert, dass es auf dem Weg zum Taxi sogenannte
Derealisationsphänomene gegeben habe, die Welt so verändert gewesen sei.
Diese Abläufe habe er dann mit dem Beschuldigten im Januar detailliert erörtert.
Näher könne er sich an den Termin mit Prof. Dr. rer. nat. M._ und die
damaligen konkreten Aussagen nicht erinnern. Notizen habe er keine gemacht.
Das Thema im Gespräch gesetzt habe Prof. Dr. rer. nat. M._, wobei dies
nach seiner Erinnerung im Untersuchungsverlauf geschehen sei. Das Abklären
psychotischer oder psychosenaher Phänomene gehöre einfach zu einer
Substanzanamnese. Er meine, dass der Beschuldigte gegen Ende der
Untersuchung noch einmal aktiv auf die Tatumstände zu sprechen gekommen
sei. Auf Frage nach dem konkreten Bericht des Beschuldigten über
psychosenahe Erlebnisse vor und während der Taxifahrt führte Prof. Dr. med.
K._ aus, der Beschuldigte habe erzählt, dass sich die Umgebung auf dem
Weg – wohl zum AI._ – verändert habe. Es könne durchaus Thema gewesen
sein, dass eine Atmosphäre geherrscht habe, die den Weltuntergang nahe gelegt
habe. Das sei ein psychosenahes Erlebnis, ein sogenanntes
Derealisationsphänomen. Auf Vorhalt der Feststellungen im Gutachten und
Frage, ob die Wiedergabe der vom Beschuldigten im gemeinsamen Gespräch
gemachten Aussagen richtig sei, antwortete Prof. Dr. med. K._, er könne das
aus der Erinnerung heraus schlecht sagen. Das Ganze sei vor allem in seinem
Gespräch mit dem Beschuldigten im Januar 2016 Thema gewesen und es sei
schwierig auseinanderzuhalten, wie sie was, wann besprochen hätten (Prot. I S.
113 f.). Im Januar habe der Beschuldigte sich zum Kommentar des Taxifahrers,
ob er eine Million Franken abgehoben habe, geäussert. Es sei irgendwie um die
Summe Geld gegangen, die der Beschuldigte habe abheben wollen. Auf die
Frage, wie der Beschuldigte die verzerrte Wahrnehmung von †B._ als Alien
beschrieben habe, erklärte Prof. Dr. med. K._, es sei fast so gewesen, wie
man sich einen Science Fiction-Film-Alien vorstelle, so grün. Er müsste im
- 74 -
Gutachten geschrieben haben, wenn noch weitere Angaben gemacht worden
wären. Auf Nachfrage, ob es grün und lange Ohren gewesen sei, bejahte er und
führte aus, er glaube, es sei so etwas gewesen, auch noch so "spockartig" (Prot. I
S. 114). Später führte Prof. Dr. med. K._ aus, der Beschuldigte habe ihm
gesagt, dass diese neue Gestalt die reale Identität von †B._ gewesen sei; er
habe ihn in seinem wahren Kern erfasst, was besonders traumatisch und
beängstigend gewesen sei (Prot. I S. 127). Dass in Ketaminrauschzuständen
Menschen als extraterrestrisch verkannt würden, sei nicht ganz untypisch (Prot. I
S. 154). Auf weitere Frage, an welchem der Gespräche der Beschuldigte diese
(Alien-)Beschreibung abgegeben habe, erklärte der Gutachter, beim Termin im
Januar sei das sicher der Fall gewesen, ob bereits im November könne er aus der
Erinnerung heraus schlecht sagen. Auf Frage nach weiteren Angaben des
Beschuldigten zur Tatnacht im gemeinsamen Gespräch mit Prof. Dr. rer. nat.
M._ im November 2015 führte Prof. Dr. med. K._ aus, er meine, dass zu
der Interaktion im Haus in J._ nur mit ihm (Prof. Dr. med. K._)
gesprochen worden sei, sei sich aber nicht zu hundert Prozent sicher. Auf die
Frage, ob der Beschuldigte bereits im November oder erst im Januar über das
psychotische Erleben unmittelbar vor der Tat berichtet habe, erklärte der
Gutachter, der Beschuldigte könne sowieso nicht über "psychotisches Erleben"
berichtet haben, dies sei vielmehr eine Schlussfolgerung des Gutachters aufgrund
von Erzählungen des Exploranden, und er gab wieder, was der Beschuldigte im
Januar gesagt habe (surreale zunehmend bedrohlich gefärbte Atmosphäre auf
dem Weg vom AI._ nach J._ mit entsprechenden Bemerkungen von
†B._ und dem Taxifahrer, Prot. I S. 115). Auf die Frage, ob auf den
entsprechenden Seiten im Gutachten richtig und vollständig wiedergegeben sei,
was der Beschuldigte ihm dann beim nächsten Termin zu seinem Erleben in der
Tatnacht berichtet habe, antwortete Prof. Dr. med. K._, er gehe davon aus,
zumal er im Anschluss an die Untersuchung meistens direkt diktiere und gerade
bei solchen Aspekten bemüht sei, nichts auszulassen und möglichst vollständig
wiederzugeben. Auf die Frage, ob der Beschuldigte genau beschrieben habe, was
er mit Parallelwelt gemeint habe oder der Situation mit dieser Bezeichnung
einfach ein Etikett verpasst habe, erklärte der Gutachter, das sei eine schwierige
- 75 -
Frage. Es sei das Problem, dass man beim Konsum von halluzinogenwirksamen
Substanzen Erlebnisse habe, welche nicht mit unserem rationalen Weltbild
vereinbar seien und zur Beschreibung dennoch die Begrifflichkeiten nutzen
müsse, die unser Weltbild vorgebe. Insofern liege immer eine Form von
Etikettierung vor, welche die gesamte Erlebnisqualität wahrscheinlich nur
eingeschränkt wiedergebe. Was ihm (Prof. Dr. med. K._) in Erinnerung
geblieben sei, sei dieses gut vorstellbare Bild vom verschneiten, verlassenen
AI._, das der Beschuldigte in Verbindung mit dem bevorstehenden Weltende
gebracht habe und das er ihm recht eindrücklich habe schildern können (Prot. I S.
116 f.). Es habe sich um sehr typische Phänomene eines Ketaminrauschs
gehandelt, was alles sehr stimmig sei, weshalb er es nicht als poetische
Schilderung einer Winternacht, sondern als Derealisationserleben bezeichne
(Prot. I S. 126). Auf den Vorhalt von Widersprüchen der Schilderungen des
Beschuldigten anlässlich der beiden Untersuchungstermine im November 2015
und Januar 2016 und die Frage nach einer Erklärung für diese Differenzen geriet
der Gutachter ins Stocken und wies darauf hin, dass Ketamin die
Erinnerungsfähigkeit oder Gedächtnisleistung beeinträchtige und zu
unterschiedlichen Störungen führen könne. Falls ihm ein Widerspruch deutlich
geworden wäre, hätte er den Beschuldigten darauf angesprochen und versucht,
diesen abzuklären. Bezüglich der Phänomene, dieser Wahrnehmung von
†B._, werde es eine stimmige Darstellung gewesen sein. Aus seiner
Erinnerung und seinem Gutachten hätte er jetzt gesagt, dass sich das (die
Alienwahrnehmung) auf die Geschehnisse in J._ bezogen habe. Aber wenn
Prof. Dr. rer. nat. M._ das anders erinnere oder anhand seiner Notizen
darlegen könne, werde es sicher so sein (Prot. I S. 117; Prot. I S. 129). Auf die
Frage, inwiefern er beim Beschuldigten – wie dieser ausgesagt habe –
nachgebohrt habe, bis es dazu gekommen sei, dass der Beschuldigte das
ausgesagt habe, was er als Wahrheit bezeichne (sprich, dass er psychotische
Wahrnehmungen hatte), führte der Gutachter aus, er sei kein Ermittlungsorgan,
versuche aber schon, möglichst exakt zu rekonstruieren, was vorgefallen sei oder
sich von der Befindlichkeit in der Tatnacht ein Bild zu verschaffen. Das sei
anfänglich sehr, sehr schwierig gewesen. Er habe dem Beschuldigten mitgeteilt,
- 76 -
dass er einige Aspekte nicht für plausibel halte und den Eindruck gehabt, dass
dessen Verhalten ihm gegenüber lange Zeit sehr stark von der Sorge, in einer
psychiatrischen Klinik untergebracht zu werden, beeinflusst gewesen sei und er
deshalb wenig Angaben zu Rauschphänomenen oder über übliche
Rauschphänomene hinausgehende Phänomene habe machen wollen. Wenn
jemand sein Aussageverhalten grundsätzlich ändere, pflege er zu fragen, ob das
mit den Anwälten abgesprochen sei, weil es sonst problematisch wäre. Dies habe
der Beschuldigte bestätigt und erklärt, er werde jetzt darüber reden, und er (Prof.
Dr. med. K._) habe es entgegengenommen. Er habe nicht übermässig
anders gebohrt als in anderen Fällen. Wenn jemand nicht über bestimmte
Phänomene sprechen wolle, dränge er weder dazu noch versuche er die Person
auszutricksen. In diesem Sinne habe er aus seiner Sicht nicht gebohrt (Prot. I
S. 118 f.; Prot. I S. 147).
3.5.32. Die Vorinstanz ist der Auffassung, die Art, wie der Beschuldigte die
Situation auf dem Weg nach J._ und seine (angeblich psychotische) Wahr-
nehmung von †B._ beschrieben habe, stelle keine überzeugende
Schilderung psychotischer Erlebnisse dar. Eine Alien-Beschreibung, wie der
Beschuldigte sie abgegeben habe – grüne Männchen mit roten Augen und langen
Ohren –, hätte jeder abgeben können, nicht zuletzt der Beschuldigte als Besitzer
eines "Star Wars USB-Stick, limited edition." Auch die von ihm als surreal
dargestellte Situation auf dem Heimweg entspreche einer völlig normalen
nächtlichen Stimmung in Zürich bei Schneefall im Dezember (Urk. 360 S. 38 f.).
3.5.33. Der Beschuldigte schilderte die hier zu beurteilende Version der Tatnacht
wie erwähnt einzig gegenüber den Gutachtern Prof. Dr. med. K._ und Prof.
Dr. rer. nat. M._. Sie gelangte daher lediglich "gefiltert" in die Prozessakten
und konnte nicht in Form eines Protokolls oder einer Ton- oder Bildaufzeichnung
festgehalten werden, sondern wurde in Form eines Fliesstextes im Gutachten
wiedergegeben, was bei der Würdigung der entsprechenden Aussagen
keinesfalls ausser Acht gelassen werden darf. Die vorstehende
Zusammenfassung der Aussagen der Gutachter zeigt, dass diese sich, nach
Details bzw. dem Wortlaut ihrer Fragen und der Aussagen des Beschuldigten
- 77 -
gefragt, nicht mehr konkret erinnern konnten, wie die Fragen gestellt wurden und
wie der dabei von ihnen verwendete Wortlaut war. Prof. Dr. rer. nat. M._
erklärte, der Beschuldigte habe gewisse Empfindungen und Wahrnehmungen
näher ausgeführt und beschrieben, sei betreffend †B._ explizit geworden,
aber er könne sich an den Wortlaut nicht mehr erinnern. Was die vom
Beschuldigten beschriebene Gestalt des veränderten †B._ betrifft, war er
sich nicht mehr ganz sicher, konnte aber eine Beschreibung abgeben. Ob er den
Beschuldigten nach psychotischem Erleben unmittelbar vor der Tat gefragt habe
oder dieser solches von sich aus erwähnt habe, konnte er ebenfalls nicht
zuverlässig erinnern. Auch Prof. Dr. med. K._ erklärte auf verschiedene
konkrete Fragen nach konkreten Aussagen des Beschuldigten, es sei für ihn
schwierig, aus der Erinnerung heraus zu antworten und es sei schwierig
auseinanderzuhalten, was an welchem Termin besprochen worden sei. Er
bestätigte die in seinem Gutachten erfolgte Wiedergabe der Aussagen des
Beschuldigten als vollständig, zumal er die Gewohnheit habe, in der Regel nach
der Untersuchung direkt zu diktieren. Dennoch hielt er es angesichts des
Widerspruchs zum Gutachten von Prof. Dr. rer. nat. M._ betreffend den
Zeitpunkt der Alien-Wahrnehmung für möglich, dass dessen Darstellung stimme,
d.h. er zeigte hier eine Unsicherheit in einer nicht unerheblichen Frage (Prot. I S.
117 und S. 129).
3.5.34. Nachdem die fraglichen Aussagen des Beschuldigten betreffend De-
realisationsphänomenen und psychotischem Erleben lediglich auf einem Umweg
über die Gutachten und Gutachter in den Prozess gelangten und gewisse Un-
klarheiten hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte und über den genauen Inhalt
bestehen, die nicht ausgeräumt werden konnten, fehlt es an ausreichenden und
zuverlässigen Grundlagen für eine Aussagenanalyse in der Art wie sie im
angefochtenen Urteil vorgenommen wurde. Insbesondere kann vor dem
Hintergrund der zum Teil unsicheren bzw. relativierenden Aussagen der
Gutachter mit Bezug auf den Zeitpunkt der Alien-Erscheinung entgegen der auf
entsprechenden Wiedergaben der Erzählungen des Beschuldigten in den
Gutachten basierenden Auffassung der Vorinstanz (Urk. 360 S. 70) ein
Widerspruch in den Aussagen des Beschuldigten nicht mit der erforderlichen
- 78 -
Deutlichkeit festgestellt werden. Ein separates Gespräch des Beschuldigten mit
Prof. Dr. rer. nat. M._, in welchem er diesem etwas anderes hätte erklärt
haben können als Prof. Dr. med. K._, gab es im übrigen nicht. Vielmehr
wohnte Prof. Dr. med. K._ dem am 2. November 2015 durch Prof. Dr. rer.
nat. M._ geführten Interview bei (Urk. D1/17/21 S. 1; Prot. I S. 109). Den
Schilderungen des Beschuldigten wegen hohen Suggestivgehalts der Fragen der
Gutachter einen Erkenntniswert abzusprechen, bloss weil – so die Vorinstanz –
Prof. Dr. med. K._ ihm zu erkennen gegeben habe, dass der von ihm
zwischenzeitlich behauptete komplette Gedächtnisverlust nicht glaubhaft sei und
weil der Beschuldigte aktiv nach Wahrnehmungsveränderung gefragt wurde (Urk.
360 S. 71), geht ebenfalls zu weit. Eine solche Schlussfolgerung verbietet sich
nur schon deswegen, weil die Fragestellungen der Gutachter nicht konkret
rekonstruiert werden konnten. Aus einem – ansonsten im Übrigen nicht überaus
aufschlussreichen – Auszug aus Anwaltskorrespondenz zwischen dem
Beschuldigten und seinem damaligen amtlichen Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur.
X3._ geht ferner hervor, dass der Beschuldigte bereits am 18. September
2015 schrieb, er sollte seiner Meinung nach die Wahrheit erzählen, auch wenn
das mit der "Alien-Optik" vielleicht skurril wirken möge (Urk. 265B). Diesem
Schreiben ist folglich zu entnehmen, dass der Beschuldigte die Alien-Version
gegenüber seinem Verteidiger bereits in einem Zeitpunkt thematisiert hatte, als er
zwar von Prof. Dr. med. K._ damit konfrontiert worden war, dass ein
nachträglich eingetretener kompletter Gedächtnisverlust nicht glaubhaft sei,
jedoch noch nicht explizit nach Wahrnehmungsveränderungen gefragt worden
war; jedenfalls bestehen keine entsprechenden Anhaltspunkte. Dass es aufgrund
von Suggestionen durch die Gutachter dazu kam, dass der Beschuldigte
beschrieb, †B._ habe in seiner Vorstellung eine andere Gestalt
angenommen, die er als alienähnlich beschrieb, ist daher unwahrscheinlich. Die
entsprechende Argumentation der Vorinstanz findet in den Akten daher keine
genügende Stütze.
3.5.35. Soweit die Vorinstanz dieser Darstellung des Beschuldigten aufgrund
fehlender Detailliertheit, Originalität und wegen mangelnder Überhangsantworten
den Wahrheitsgehalt abspricht, ist zu bedenken zu geben, dass den Antworten
- 79 -
der Gutachter anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zu entnehmen
ist, dass der Beschuldigte ihnen gegenüber so präzise und überzeugende Aus-
führungen gemacht hatte, dass sie seine Schilderung für möglich hielten. Beide
Gutachter verfügen in ihrem Fachbereich über eine ausgewiesene Expertise und
Prof. Dr. med. K._ ist überdies äusserst erfahren in Gesprächen mit und in
der Begutachtung von Straftätern. Beide Gutachter qualifizierten die ihnen
gegenüber abgegebene Darstellung des Beschuldigten als plausibel, eindrücklich,
ins Bild passend, stimmig und für einen Ketaminrausch typisch. Den für die Vor-
instanz augenfälligen Widerspruch der in den Gutachten widergegebenen Dar-
stellung des Beschuldigten bezüglich des Beginns der wahnhaften Wahrnehmung
von †B._ hatte Prof. Dr. med. K._ nicht so wahrgenommen, was daran
zweifeln lässt, ob es einen solchen Widerspruch tatsächlich gab. Wie präzise und
detailliert die Aussagen des Beschuldigten gegenüber den Gutachern effektiv
waren, lässt sich weder aufgrund der Wiedergaben in den Gutachten noch
aufgrund der Ausführungen der Gutachter in der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung klar feststellen, zumal beide Gutachter Schwierigkeiten
bekunden, sich an Einzelheiten zu erinnern. Prof. Dr. med. K._ behalf sich
mit dem Hinweis auf seine Gewohnheit, sofort nach so wichtigen Gesprächen mit
Exploranden Notizen zu machen, ohne explizit zu sagen oder sagen zu können,
wie er anlässlich der hier fraglichen Gespräche effektiv vorgegangen war.
Andererseits erklärte er ausdrücklich, sich vom Gespräch vom 2. November 2015,
das in seiner Anwesenheit von Prof. Dr. rer. nat. M._ geführt worden war,
keine eigenen Notizen gemacht zu haben. Prof. Dr. rer. nat. M._ wiederum
konnte sich erinnern, dass der Beschuldigte zwar durchaus näher ausgeführt bzw.
kurz beschrieben habe, welche Kommentare des Taxifahrers und von †B._
er seltsam bzw. bedrohlich empfunden habe, ohne sich jedoch an den Wortlaut
erinnern zu können und räumte auch ein, nicht in der Lage zu sein, originalgetreu
wiederzugeben, wie der Beschuldigte das Gefühl, "Superkräfte" zu haben,
umschrieben habe (Prot. I S. 77 ff.). Eine genügende Basis, um die von den
Gutachtern als überzeugend taxierte "Alien-Version" des Beschuldigten im
Rahmen der gerichtlichen Aussagewürdigung als zu wenig detailliert, farbig und
- 80 -
originell und daher unglaubhaft zu verwerfen, bestehen vor diesem Hintergrund
nicht.
3.5.36. Kommt hinzu, dass der Beschuldigte auch über frühere halluzinogene
Effekte und Psychosen als Folge von Ketaminkonsum, die nachweislich statt-
gefunden haben, insbesondere über den Inhalt seiner Vorstellungen in solchen
Zuständen regemässig eher spärlich und unter Benutzung plakativer
Beschreibungen aussagte. Ob dies auf Hemmungen, über Halluzinationen zu
berichten, die im klaren Zustand absurd, absonderlich und gefährlich erscheinen
oder auf die von Prof. Dr. med. K._ geschilderte Schwierigkeit, überhaupt
Begrifflichkeiten für Erlebnisse zu finden, welche in einem normalen Weltbild gar
nicht existieren (Prot. I S. 116 f.) oder aber auf irgendwelche andere Gründen
zurückzuführen ist, muss letztlich offen gelassen werden. Jedenfalls entsprach die
Art und Weise, wie der Beschuldigte seinen Zustand in der Tatnacht schilderte
ungefähr derjenigen, wie er über frühere einschlägige Episoden berichtete.
Insofern fehlt es abermals an einem schlagkräftigen Argument, um die Version
des Beschuldigten als unglaubhaft einzustufen.
3.5.37. Im Gegensatz zur Vorinstanz erscheint die vom Beschuldigten gegenüber
den Gutachtern getätigte Schilderung, dass er bereits den Weg von der Wohnung
BW._ nach J._ aufgrund von Äusserungen von †B._ und des
Taxifahrers sowie der speziellen winterlichen Stimmung komisch und surreal
empfunden habe (Urk. D1/17/22 S. 142) insofern als besonders glaubhaft, als
gerade ein plötzliches paranoides Umdeuten oder Missinterpretieren an und für
sich unverdächtiger Umstände oft Vorboten oder Anzeichen einer Psychose
darstellen. Hätte der Beschuldigte komplett wahrheitswidrig eine Psychose
behauptet, hätte er deren erste Anzeichen kaum an eine derart banale und so
weit vor der Tathandlung liegende Situation angeknüpft. Gegen das von
Gutachter Prof. Dr. rer. nat. M._ gezogene Fazit, dass von einer auf dem
Weg ins Elternhaus einsetzenden wahnhaften Wahrnehmung auszugehen sei
(Urk. D1/17/21 S. 11), spricht damit auch in dieser Hinsicht nichts.
3.5.38. Dem Einwand der Vorinstanz, der Beschuldigte habe nicht schlüssig
zu erklären vermocht, was die bei ihm auf dem Weg von BW._ nach J._
- 81 -
aufgekommene Angst erzeugt habe (Urk. 360 S. 68 f.), ist ebenfalls nichts
abzugewinnen, besteht doch wahnhaftes Erleben häufig darin, dass Fehl-
interpretationen irrationale Ängste auslösen, die eine Person in klarem Zustand
nicht nachzuvollziehen vermag.
3.5.39. Weiter vorne wurden die gravierenden Verletzungen von †B._ mit
den leichten Verletzungen des Beschuldigten verglichen. Die extreme
Unausgewogenheit der Verletzungsbilder lässt auf eine sehr beschränkte
Gegenwehr von †B._ schliessen. Fatale Ursache dafür und für das
offenbare Ausbleiben einer gezielten Fluchtreaktion könnte das konsumierte
Ketamin gewesen sein, welches gemäss Prof. Dr. med. K._ die Wahr-
nehmung von Schmerzen bei beiden Kontrahenten verhindert haben dürfte. Diese
Wirkung des Ketamins könnte es dem Beschuldigten zudem verunmöglicht
haben, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie stark er tatsächlich auf den
Beschuldigten einwirkt (Urk. D1/17/22 S. 201). Dass ein solches Szenario
geeignet gewesen sein könnte, eine psychotische Wahrnehmung des
Beschuldigten zu bestärken, liegt auf der Hand, trägt doch die Vorstellung, derart
stark auf einen Gegner einschlagen zu können, ohne dies selbst so zu empfinden
und ohne dass dieser – obwohl Blut spritzt – eine Schmerz- oder Fluchtreaktion in
der zu erwartenden Weise und Intensität zeigt, einen überaus surrealen Aspekt in
sich.
3.5.40. Prof. Dr. med. K._ erklärte anlässlich der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung auch nach den zum Teil kritischen Fragen des Gerichts, er
gehe beim vorgeworfenen Tötungsdelikt weiterhin davon aus, dass keine
Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten bestanden habe (Prot. I S. 144). Er habe ein
Problem damit, einzelne Puzzlestücke aus seiner Gesamtbetrachtung, die auf
vielen Puzzlestücken basiere, separat beurteilen zu müssen (Prot. I S. 153; vgl.
auch Prot. I S. 160). Für ihn relevant sei, dass der Beschuldigte in allen Varianten
konstant daran festgehalten habe, dass er mit einer Attacke konfrontiert gewesen
sei und um sein Leben habe kämpfen müssen (Prot. I S. 154).
3.5.41. Gesamthaft betrachtet verbleiben unüberwindliche Zweifel, ob beim
Beschuldigten im Tatzeitpunkt noch Reste von Schuldfähigkeit erhalten waren. In
- 82 -
Anwendung des Zweifelsgrundsatzes ist zu Gunsten des Beschuldigten davon
auszugehen, dass dies nicht der Fall war und der Beschuldigte sich in (zwar)
selbst verschuldet vollständig schuldunfähigem Zustand befand.
4. Actio libera in causa
4.1. Alternativstandpunkt der Anklagebehörde
4.1.1. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten bei Annahme einer
kompletten Schuldunfähigkeit alternativ vor, in der Nacht vom 29. auf den 30.
Dezember 2014 und bereits in den Tagen davor grössere Mengen Ketamin und
Kokain konsumiert zu haben, obwohl er aufgrund früherer Vorfälle gewusst habe,
dass er dadurch in einen (psychotischen) Zustand mit paranoiden
Wahnvorstellungen geraten könne, in welchem er sich ernsthaft von Personen in
seiner unmittelbaren Umgebung mit dem Tode bedroht gesehen und gefühlt
habe, weshalb ihm bewusst gewesen sei, dass er in solchen Zuständen
Fehlhandlungen vornehmen könne, indem er andere Personen ernstlich an Leib
und Leben gefährde, verletze oder gar töte. Was die erwähnten früheren Vorfälle
anbelangt, aufgrund derer der Beschuldigte mit einer Straftat gegen Leib und
Leben hätte rechnen müssen, beschreibt die Anklagebehörde sechs
Begebenheiten aus der Vergangenheit, auf welche – soweit notwendig – weiter
unten näher einzugehen ist (Urk. 250 S. 6 ff.).
4.1.2. Eventualiter wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten vor, pflichtwidrig
darauf vertraut zu haben, er werde solche Fehlhandlungen in einem durch
Ketamin- und Kokain hervorgerufenen (psychotischen) Zustand mit paranoiden
Wahnvorstellungen nicht vornehmen (= bewusst fahrlässige actio libera in causa)
oder er habe solche Fehlhandlungen pflichtwidrig nicht bedacht (= unbewusst
fahrlässige actio libera in causa).
4.2. Rechtliche Vorbemerkungen
4.2.1. Das Gesetz sieht vor, dass ein schuldunfähiger Täter für das von ihm
begangene Delikt gleichwohl schuldig zu sprechen ist, wenn er die
Schuldunfähigkeit vermeiden und dabei die in diesem Zustand begangene Tat
- 83 -
voraussehen konnte (Art. 19 Abs. 4 StGB). Es greift damit die Rechtsfigur der
actio libera in causa auf. Auf eine Schuldunfähigkeit kann sich namentlich der
Täter, der bei noch bestehender Schuldfähigkeit den Vorsatz fasst, ein
bestimmtes Delikt zu begehen und alsdann seine schwere Bewusstseinsstörung
vorsätzlich herbeiführt, um in diesem Zustand die geplante Tat zu begehen, nicht
berufen. Eine solche (direkt-)vorsätzliche actio libera in causa ist selten gegeben;
allerdings ist auch die Schuldunfähigkeit des Täters, der es beim Konsum
bewusstseinsstörender Substanzen (lediglich eventualvorsätzlich) für ernsthaft
möglich hält und in Kauf nimmt, im Zustand des Vollrausches ein bestimmtes
Delikt zu verüben, nicht zu beachten. Hat der Täter die bei gestörtem
Bewusstsein begangene Tat zuvor zwar weder beschlossen noch in Kauf
genommen, sondern auf deren Ausbleiben vertraut oder wäre ihre Verübung für
ihn vorhersehbar gewesen, ist er ebenfalls zu verurteilen (= fahrlässige actio
libera in causa). Die Pflichtwidrigkeit besteht dabei darin, dass der Täter sich zu
berauschen beginnt, obwohl er nach den Umständen damit hätte rechnen
müssen, im Vollrausch bestimmte Delikte zu begehen (Donatsch/Tag, a.a.O., S.
280 f.; BSK StGB I-Bommer Art. 19 N 98 f.).
4.3. Grundlagen und Würdigung
4.3.1. Vorauszuschicken ist, dass selbst an die für die Annahme einer
fahrlässigen actio libera in causa erforderliche Voraussehbarkeit eines
bestimmten Delikts im Zeitpunkt der Berauschung bereits sehr hohe
Anforderungen gestellt werden (vgl. BGE 120 IV 169 E. 2c; BGE 118 IV 1 E. 1;
Urteil des Bundesgerichts 6S.17/ 2002 vom 7. Mai 2002 E. 1c/aa; Urteil des
Bundesgerichts 6S.22/2006 vom 7. April 2006). Umso konkreter müsste dem
Beschuldigten die für möglich gehaltene und in Kauf genommene Tat vor
Herbeiführung der Schuldunfähigkeit vor Augen gestanden haben, um auf eine
von der Anklagebehörde in Erwägung gezogene (eventual-)vorsätzlichen actio
libera in causa erkennen zu können. So oder anders müssen konkrete
Anhaltspunkte für die Begehung eines bestimmten Delikts bestanden haben,
wobei insbesondere die Art der Tat bestimmbar sein muss. Demgegenüber
genügt es nicht, dass der Täter die Begehung irgendeines nicht näher
- 84 -
konkretisierten Delikts für möglich gehalten oder vorhergesehen hat oder
vorhersehen musste (BSK StGB I-Bommer, a.a.O., Art. 19 N 104). Ferner muss –
wiederum in Anlehnung an die fahrlässige actio libera in causa – eine grobe
Vorstellung von dem ihm als möglich erscheinenden, zum Taterfolg führenden
Geschehensablauf vorhanden bzw. die wesentlichen Züge dieses
Geschehensablaufs vorhersehbar gewesen sein.
4.3.2. Auf den vorliegenden Fall übertragen bedeutet dies, dass der Beschuldigte
in noch schuldfähigem Zustand zumindest hätte bedenken oder vorhersehen
müssen, dass er unter Ketamin- und Kokaineinfluss Wahnvorstellungen haben
würde und in diesem Zustand massive Gewalt gegen einen Freund anwenden
und diesen schwer verletzen, möglicherweise töten würde bzw. dies sogar für
möglich gehalten und in Kauf genommen haben müsste.
4.3.3. Die Anklagebehörde listet in der Anklageschrift beispielhaft Begebenheiten
auf, als der Beschuldigte substanzinduzierte Psychosen bzw. Halluzinationen mit
paranoiden Wahnvorstellungen gehabt habe und aufgrund welcher er in diesem
Sinne hätte wissen oder vorhersehen müssen, dass er eine Tat in der Art der
begangenen verüben könnte.
4.3.4. Wie vorne bereits dargelegt, muss tatsächlich davon ausgegangen werden,
dass der Beschuldigte nach Ketaminkonsum schon verschiedentlich unter
Psychosen, Wahnvorstellungen bzw. Halluzinationen gelitten hatte. Insbesondere
führte eine solche Psychose, als der Beschuldigte seine Mutter und Schwester
anscheinend als Hexen und seinen Vater als Zauberer wahrnahm, am
22. Februar 2011 – wie von der Anklagebehörde dargelegt – zu seiner Ein-
weisung per FFE (vgl. vorne Ziffer III.3.2.3). Eine damals erfolgte Attacke des
Beschuldigten auf seinen Vater mit dessen Gehstock lässt sich aufgrund der
Akten allerdings nicht erstellen. Im einem Verlaufseintrag der PUK vom 22.
Februar 2011 wurde zwar (lediglich) festgehalten, der Beschuldigte habe seinem
Vater mit dem Gehstock gedroht (Verlaufsbericht der PUK im separaten Couvert,
Eintrag vom 22. Februar 2011). Soweit der Vater bzw. die Stiefmutter und der
Nachbar im vorliegenden Strafverfahren Angaben zu diesem Vorfall machten,
erwähnten sie allerdings keine solche Drohung, geschweige denn eine Attacke
- 85 -
mit einem Gehstock bzw. mit einem in diesem Zusammenhang bisweilen
ebenfalls erwähnten Golfschläger (Urk. D1/4/18 S. 6 f.; Urk. D1/4/21 S. 4 f.; vgl.
auch Urk. D1/4/55 S. 6). Richtig ist ferner, dass der Beschuldigte – so die
Anklagebehörde – von der PUK gemäss einem Verlaufseintrag vom 30.
Dezember 2011 "vor Drogenkonsum eindrücklich gewarnt!" worden sei, wobei im
gleichen Eintrag vermehrtes Stimmenhören des Beschuldigten nach MDMA- und
Kokainkonsum vermerkt wurde (Verlaufsbericht der PUK vom 28. Juni 2011 bis
25. Januar 2012, im separaten Couvert).
4.3.5. Die Anklage beschreibt sodann von der Privatklägerin 5 geschilderte
Vorkommnisse, welche sich Ende Juli 2014 während der gemeinsamen Ferien mit
dem Beschuldigten zugetragen haben sollen. So soll der unter Ketamineinfluss
stehende Beschuldigte einmal gemeint haben, die Privatklägerin wolle ihn mit der
Frage, ob er mit ihr auf dem Balkon eine Zigarette rauche, dorthin locken, um ihn
über die Brüstung zu stossen. Wenige Tage später habe er anlässlich einer Party
gemeint, alle dort Anwesenden seien Geister und die Privatklägerin 5 entscheide,
ob er dem Fegefeuer geopfert werde, damit alle anderen in den Himmel kämen
oder umgekehrt, wobei er sich sicher gewesen sei, dass die Privatklägern 5 ihn
opfern würde, weshalb er sie eigentlich umbringen müsste. Als sie kurz darauf vor
der Lokalität auf ein Taxi gewartet hätten, habe er zudem gemeint, die
Privatklägerin 5 wolle ihn in die Dunkelheit locken, um ihn dort zu töten. Auf der
folgenden Taxifahrt habe er, unter Ketamin- und Drogen- bzw. Kokaineinfluss
stehend, in Tötungsabsicht versucht, die Privatklägerin 5 aus dem mit ca. 80 km/h
fahrenden Taxi zu zerren (= Dossier 3, Vorwurf gemäss Ziff. 1.4. der
Anklageschrift). Zudem habe der wiederum unter Ketamin- und Drogeneinfluss
stehende Beschuldigte ein oder zwei Tage später einen Wut- oder Panikanfall
bekommen und nach Wasser geschrien, weil er gemeint habe, die Privatklägerin,
welche gerade zwei von drei bestellten Wasserflaschen in ihre Tasche gesteckt
habe, sowie die anderen Anwesenden, wollten ihn verdursten lassen. Bei diesen
Vorfällen und bis November 2014 habe die Privatklägern 5 gegenüber dem
Beschuldigten immer wieder thematisiert, dass seine unter Drogeneinfluss
entstehenden Psychosen für andere Personen gefährlich seien und er in einem
solchen Zustand eine andere Person ernsthaft schädigen, wenn nicht töten
- 86 -
werde. Dem Anklageprinzip folgend ist
(alleine) gestützt auf diese Vorkommnisse zu prüfen, ob auf eine actio libera in
causa zu schliessen ist.
4.3.6. Den von der Anklagebehörde genannten Beispielen ist – soweit sie sich
denn überhaupt in dieser Form zugetragen haben – zunächst zu entnehmen,
dass der Beschuldigte unter Ketamineinfluss tatsächlich bereits Psychosen,
Halluzinationen und Wahnvorstellungen erlitten hat, während welcher er sich zum
Teil an seinem Leben bedroht fühlte. Vor dem Hintergrund solcher Vorfälle
musste er es daher durchaus für möglich halten bzw. vorhersehen, dass ihn
erneuter Ketaminkonsum jederzeit wieder in einen solchen Zustand bringen
könnte.
4.3.7. Was besagte Taxifahrt in Ibiza anbelangt, betrachtete die Vorinstanz den
Vorfall im angefochtenen Entscheid als erstellt, allerdings mit Ausnahme des
subjektiven Tatbestandes. Dabei stützte sie sich auf die Aussagen der
Privatklägerin 5, wonach der Beschuldigte ihr nach der Situation gesagt habe, er
habe (nur) testen wollen, ob sie – die Privatklägerin 5 – ihn tatsächlich umbringen
wolle (Urk. D1/4/3 S. 10; Urk. D3/3/5 S. 5; Prot. I S. 249). Dies passe dazu, dass
der Beschuldigte am gleichen Abend vorher schon gemeint habe, die
Privatklägerin 5 entscheide, ob er geopfert werde und auch dazu, dass sowohl
der Beschuldigte wie auch die Privatklägerin 5 im Taxi angeschnallt gewesen
seien (Urk. 360 S. 174 f.). Sollte sich dieser Vorfall in objektiver Hinsicht
tatsächlich so, wie von der Privatklägerin 5 ausgesagt, ereignet haben, hätte er
dem Beschuldigten daher gerade keinen Hinweis gegeben haben können, dass er
bei einem künftigen Drogenrausch den Vorsatz fassen und in die Tat umsetzen
könnte, jemanden zu verletzen, geschweige denn zu töten.
4.3.8. Was alle übrigen von der Anklagebehörde zur Begründung einer actio
libera in causa angeführten Vorkommnisse anbelangt, ist – so wie sie in der
Anklageschrift beschrieben wurden – keines als Grundlage für die Unterstellung,
der Beschuldigte hätte aufgrund früherer Erfahrung ernsthaft in Betracht ziehen
oder vorhersehen müssen, dass er im Drogenrausch Hand an eine Person
anlegen oder gar jemanden verletzen würde, geeignet. Vielmehr klangen
- 87 -
anscheinend die in der Anklage beschriebenen, in der Vergangenheit erlebten
Rauschzustände sowie zum Teil damit verbundene
Psychosen/Wahnvorstellungen/Halluzinationen für Dritte folgenlos ab, und zwar
obwohl der Beschuldigte während solcher Zustände zeitweise glaubte, es seien
Hexen, Zauberer und Geister am Werk und man trachte ihm nach seinem Leben.
Dass der Beschuldigte von der PUK nicht nur vor weiterem Drogenkonsum,
sondern insbesondere davor, dass eine medizinisch belegte erhöhte
Wahrscheinlichkeit dafür bestehe, er werde in einer deswegen einsetzenden
Psychose wahrscheinlich gegenüber Menschen gewalttätig werden, gewarnt
wurde, geht ferner ebenfalls nicht aus den Akten hervor. Allfällige Warnungen
seiner Ex-Verlobten, der Privatklägerin 5, würden – sollten solche stattgefunden
haben – ebenfalls nicht ausreichen, um im Sinne der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung die Begehung eines so schwerwiegenden Delikts für den
Beschuldigten als künftigen Täter in den Bereich des im Sinne der
bundesgerichtlichen Praxis ernsthaft Möglichen oder Vorhersehbaren zu rücken.
4.3.9. Nachdem keine genügenden Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der
Beschuldigte es für möglich erachtete bzw. vorhersah bzw. hätte vorhersehen
müssen, dass er während eines ketaminbedingten Rauschzustandes nicht nur
Halluzinationen bzw. Wahnvorstellungen erleiden, sondern einen Menschen mit
massiver Gewalt verletzten, wenn nicht gar töten würde, scheidet eine actio libera
in causa und damit eine Anwendung von Art. 19 Abs. 4 StGB aus.
4.3.10. Daran vermag nichts zu ändern, dass der Beschuldigte bereits auf dem
Weg zu seinem Elternhaus Derealisationsphänomene wahrzunehmen begann
und zu Hause angekommen dennoch weiter Ketamin und wohl auch Kokain
konsumierte.
4.4. Tatbegehung in selbstverschuldeter Schuldunfähigkeit
4.4.1. Der von der Anklagebehörde nicht erwähnte Art. 263 StGB setzt voraus,
dass eine zunächst noch schuldfähige Person vorsätzlich oder fahrlässig ihre
Betäubung herbeiführt und in diesem "unzurechnungsfähigen" Zustand eine als
Verbrechen oder Vergehen bedrohte Tat begeht. Bei dieser Bestimmung handelt
- 88 -
es sich um einen Auffangtatbestand, der gerade dann zur Anwendung kommt,
wenn sich Taten selbstverschuldet schuldunfähiger Täter (auch) nicht nach den
Regeln der actio libera in causa erfassen lassen (BSK StGB II-Bommer, Art. 263
N 2 und N 12). Die Vorschrift leidet insofern an einer gewissen inneren
Widersprüchlichkeit, weil eine Berauschung ohne Rauschtat gar nicht strafbar ist,
der Gesetzgeber indessen nicht die im Rausch verübte Tat zum massgeblichen
Unrecht erklärt, sondern die an und für sich eben nicht strafbare Berauschung
(BSK StGB II-Bommer, Art. 263 N 3). Letztlich enthält dieser Tatbestand einen
Rest reinen Erfolgsstrafrechts und verstösst insofern gegen das unser Strafrecht
beherrschende Schuldprinzip (BSK StGB II-Bommer, Art. 263 N 4).
4.4.2. Angesichts des bisher Gesagten, steht ausser Frage, dass der
Beschuldigte seine Betäubung sowie die Halluzinationen zumindest
eventualvorsätzlich herbeiführte. Gemäss Gutachter Prof. Dr. med. K._ hat
eine substanzabhängige Person im Vergleich mit der Durchschnittsbevölkerung
zwar grössere Mühe, den Substanzkonsum zu unterbrechen, doch war die
Fähigkeit des Beschuldigten, den Konsum zu unterlassen, nicht generell
aufgehoben (Prot. I S. 155 f.; Urk. D1/17/22 S. 202). Zudem verfügte der
Beschuldigte über eine reichhaltige Erfahrung mit all den von ihm in der Tatnacht
konsumierten Substanzen und hatte sich vorgenommen, während der Feiertage
und vor seinem bevorstehenden erneuten Entzugsversuch noch einmal richtig
stark Ketamin zu konsumieren (Urk. 17/22 S. 138). Zu diesem Zweck hatte er sich
mit einem ausreichenden Vorrat an Betäubungsmitteln eingedeckt und – wie
hinlänglich erstellt wurde – davon so viel konsumiert, dass er in einen starken
Ketaminrausch geriet, welcher geeignet war, die ihm bereits bekannten
Psychosen auszulösen, wozu es denn auch kam. Davon, in derart grossen
Mengen Betäubungsmittel zu konsumieren, hätte der Beschuldigte ohne weiteres
Abstand nehmen können. Angesichts seiner nicht aufgehobenen Fähigkeit, den
Drogenkonsum ganz oder wenigstens in diesem grossen Ausmass zu
unterlassen, war der Zustand der Schuldunfähigkeit entgegen der Auffassung der
Verteidigung (Urk. 486 S. 18 ff.) vermeidbar bzw. seine Herbeiführung schuldhaft.
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4.4.3. In diesem "unzurechnungsfähigen" Zustand brachte er †B._
wissentlich und willentlich um, beging also eine vorsätzliche Tötung und damit
eine als Verbrechen bedrohte Tat, welche als einzige mögliche Strafe eine
Freiheitsstrafe vorsieht. Damit sind alle Voraussetzungen für die Anwendung von
Art. 263 Abs. 2 StGB erfüllt.
5. Fazit
5.1. Der Beschuldigte ist der Begehung einer Tat in selbstverschuldeter
Unzurechnungsfähigkeit im Sinne von Art. 263 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art.
111 StGB schuldig zu sprechen.
5.2. Obwohl der Beschuldigte zufolge Schuldunfähigkeit einer vorsätzlichen
Tötung im Sinne von Art. 111 StGB nicht schuldig und nicht strafbar ist (Art. 19
Abs. 1 StGB), hat kein Freispruch von diesem Vorwurf zu erfolgen; vielmehr ist
stattdessen die schuldlose Begehung dieser Tat im Dispositiv festzustellen, wie
dies auch im selbständigen Massnahmeverfahren nach Art. 374 f. StPO der Fall
wäre (OGer ZH, II. SK, SB140445-O, Urteil vom 17. September 2015, E. I./2.;
vgl. BSK StPO II-Bommer, a.a.O., Art. 375 N 10; Schwarzenegger, in: Donatsch/
Hansjakob/Lieber, Kommentar zur schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl.,
Zürich 2014, Art. 375 N 5), welches die Anklagebehörde mit Bezug auf den
Vorwurf in Dossier 3 Ziff. 1.4. der Anklageschrift im Übrigen einschlagen wollte.
Ein solches Vorgehen entspricht der Praxis der Kammer und ist auch hier
folgerichtig, weil eine Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB für den
Beschuldigten anzuordnen ist und dem Urteilsdispositiv die ganze Tragweite des
Anlasses für die Anordnung einer Massnahme entnommen werden können muss.
Nur weil die Anklagebehörde betreffend die im schuldunfähigen Zustand
begangene Tötung von †B._ zu Unrecht eine Verurteilung wegen einer actio
libera forderte, ist ein Freispruch nicht zwingend, da ein solcher auch im Falle
einer Verfahrenseinstellungen (z.B. wegen Verjährung) nicht erfolgen würde (Art.
329 Abs. 5 StPO). Der Grundsatz Wer vor Gericht gestellt wird, muss
freigesprochen oder verurteilt werden gilt insofern nicht absolut (BSK StPO II-
Heimgartner/Niggli, a.a.O., Art. 351 N 1). Überdies wäre ein Freispruch bei
nachgewiesener Täterschaft des Schuldunfähigen aus Sicht der Geschädigten
- 90 -
kaum nachvollziehbar, zumal es keine Freisprüche zweiter Klasse gibt (zu
letzterem s. Urteil des Bundesgericht 6B_155/2014 vom 27. Dezember 2013 E.
1.1). Ein Freispruch vom Vorwurf der Tötung von †B._ hätte jedoch nicht
dieselbe Qualität wie der Freispruch vom Vorwurf des Tötungsversuchs gegen die
Privatklägerin 5, welcher zufolge Fehlens des subjektiven Tatbestands erfolgte.
Der in der Lehre vertretenen Ansicht, nach Anklageerhebung habe bei
festgestellter Schuldunfähigkeit ein Sachurteil in Gestalt eines Freispruchs zu
ergehen (BSK StGB I-Bommer/ Dittmann, a.a.O., Art. 19 N 44; Schmid/Jositsch,
Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen
2017, N 1425) bzw. der Beschuldigte sei "wegen Schuldunfähigkeit"
freizusprechen (StGB-Trechsel/Jean-Richard, Art. 19 N 11; vgl. auch BSK StPO
II-Heimgartner/Niggli, a.a.O., Art. 351 N 11), ist dem Gesagten nach jedenfalls in
der vorliegend gegebenen Konstellation nicht zu folgen.
IV. (...)
(...)
V. Sanktion
1. Einleitung
1.1. (...)
1.2. Hingegen erfolgt ein Schuldspruch wegen Verübens einer Tat im Zustand
selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit im Sinne von Art. 263 Abs. 2 StGB.
Weiter wurde der Beschuldigte rechtskräftig wegen Fahrens in fahrunfähigem
Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG und wegen versuchter Vereitelung
von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit im Sinne von Art. 91a
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB verurteilt.
1.3. Bereits rechtskräftig ist sodann der Schuldspruch für die vom
Beschuldigten begangenen Verkehrsregelverletzungen, d.h. Übertretungen und
die dafür ausgesprochene Sanktion, nämlich eine Busse von Fr. 2'000.– (Dossier
4).
- 91 -
1.4. Die einleitenden Ausführungen der Vorinstanz betreffend Festsetzung der
Strafe innerhalb des Strafrahmens, Asperationsprinzip und Wahl der Sanktionsart
(Urk. 360 S. 187 ff.) beanspruchen auch in der vorliegenden Konstellation
Geltung, weshalb darauf ebenso verwiesen werden kann, wie auf die im
angefochtenen Entscheid zutreffend dargelegten Strafzumessungsregeln (Urk.
360 S. 191 ff.).
1.5. Noch einmal ausdrücklich zu erwähnen ist, dass der Täter, der durch
mehrere Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen
erfüllt, zu der Strafe der schwersten Straftat zu verurteilen ist, welche für die
anderen Straftaten angemessen zu erhöhen ist. Dabei darf das Höchstmass der
angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte und das Höchstmass der Strafart
gar nicht überschritten werden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Massgebend für die
Bestimmung der schwersten Straftat ist in erster Linie die Deliktsart, in zweiter
Linie das Höchststrafmass und in dritter Linie das höchste Mindeststrafmass (BSK
StGB I - Ackermann, N 116 zu Art. 49 StGB).
1.6. Der gesetzlich vorgesehene Strafrahmen erstreckt sich für den Tatbestand
des Verübens eines Verbrechens und Vergehens im Sinne Art. 263 Abs. 2 StGB
von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Für die beiden
Strassenverkehrsdelikte sieht das SVG jeweils den gleichen Strafrahmen vor.
2. Tatkomponenten betreffend Begehung eines Verbrechens bei selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit im Sinne von Art. 263 StGB
2.1. In objektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass sowohl die Umstände der selbst
zugefügten Betäubung als auch der in diesem Zustand erfolgten Tatbegehung als
äusserst schwerwiegend zu werten sind. Zu seiner Berauschung verwendete der
Beschuldigte nicht nur vergleichsweise hohe Dosierungen des ihm bestens
bekannten Ketamins, welches alleine konsumiert bereits sehr merkwürdige
Rauschphänomene hervorrufen kann, sondern betrieb zudem einen
Mischkonsum mit Kokain, wodurch die Wirkung der Drogen noch
unberechenbarer wurde. Kommt hinzu, dass der Beschuldigte sich über viele
Stunden hinweg und wiederholt Betäubungsmittel verabreichte sowie seinem
- 92 -
Körper keine Erholung gönnte. Die in diesem Zustand schliesslich begangene Tat
fiel nicht nur äusserst brutal aus, sondern richtete sich zudem gegen seinen guten
Freund.
2.2. In subjektiver Hinsicht wirkt sich zu Ungunsten des Beschuldigten aus,
dass dieser sich in der beschriebenen Art unter Ketamin- und Kokaineinfluss
setzte, obwohl er um seine früher in solchen Zuständen erlittenen Psychosen,
insbesondere seine nur wenige Monate vorher in Ibiza erlittenen
Ausnahmezustände wusste. Es ist ihm vorzuwerfen, dass er solche Warnzeichen
ignorierte und die bevorstehenden Feiertage und das Zusammensein mit
Kollegen mit Blick auf den ihm bevorstehenden Entzug vielmehr nutzen wollte, um
noch einmal richtig über die Stränge zu schlagen. Dieser Antrieb, sich angesichts
der bisherigen Erfahrungen in einer solchen Form vergnügen zu wollen, lässt auf
eine sehr ichbezogene, unbelehrbare Grundeinstellung schliessen. Dass der
Beschuldigte stark von den von ihm konsumierten Betäubungsmittel abhängig
war, relativiert sein subjektives Verschulden nicht wesentlich, gelang es ihm doch
einerseits, seinen Konsum so zu gestalten, dass er in seiner Arbeitswelt
weitgehend funktionierte, was zeigt, dass er sich trotz seiner Abhängigkeit unter
einer gewissen Kontrolle hatte. Anderseits standen ihm aufgrund seiner Herkunft
und seines sozialen Standes stets alle nur denkbaren Alternativen offen.
Insbesondere hätte er jede erdenkliche Behandlungsmöglichkeit in Anspruch
nehmen können. Hin und wieder hielt er sich in Entzugskliniken auf, jedoch nicht
aus eigener Motivation, sondern um seine Familie zu beruhigen. Von seinem
Drogenkonsum Abstand nehmen wollte der Beschuldigte jedoch nicht, gefiel ihm
doch sein Leben wie es war, d.h. mit den Drogen, zu gut. Seine Sucht vermag
den Umstand, dass sein spezifisch am 29. und 30. Dezember 2014 erfolgter
Konsums als absolut sinnlos und völlig ausgeartet gewertet werden muss,
jedenfalls nicht wesentlich zu relativieren. Der einzige Aspekt, der etwas Anlass
zur Milde gibt, besteht darin, dass gerade in diesen Tagen eine gewisse
Gruppendynamik eine Rolle gespielt haben dürfte, durch die der Beschuldigte
sich in seinem überbordenden Drogenkonsum bestätigt und animiert gefühlt
haben dürfte. Andererseits suchte er sich diese Gesellschaft auch aktiv aus, fuhr
er doch eigens um diese Kollegen zu treffen, in unglaublichem Schneetreiben von
- 93 -
Klosters zurück nach Zürich (Urk. D1/4/49 S. 5), statt weiterhin die Feiertage mit
seiner Familie in den Bergen zu verbringen.
2.3. Angesichts dieser Überlegungen muss die aufgrund der Tatkomponenten
festzulegende Einsatzstrafe bereits am obersten Ende des Strafrahmens, d.h. bei
ca. 3 Jahren liegen.
3. Tatkomponenten der Strassenverkehrsdelikte
3.1. Gemäss der Vorinstanz sei die objektive Tatschwere des Fahrens in
fahrunfähigem Zustand als gering einzuschätzen, weil der Beschuldigte trotz der
Fahrunfähigkeit noch in der Lage gewesen sei, sein Fahrzeug kontrolliert zu
fahren und auch für die Mitfahrerin W._ keine Beeinträchtigung der
Fahrfähigkeit erkennbar gewesen sei (Urk. 360 S. 202). Dem ist auf der einen
Seite zwar beizupflichten; auf der anderen Seite fällt ins Gewicht, dass es gerade
die drogenbedingte Einschränkung der Fahrfähigkeit des Beschuldigten war,
welche dazu führte, dass er sich dazu hinreissen liess, an einer stets stark
frequentierten Örtlichkeit auf Stadtgebiet mit einem PS-starken Fahrzeug riskante
und für andere Verkehrsteilnehmer überraschende Fahrmanöver auszuführen.
Sein Verhalten ist daher aus objektiver Sicht als höchst fragwürdig zu bezeichnen.
3.2. In subjektiver Hinsicht ging die Vorinstanz zutreffend von einer deutlich
egoistischen Motivation und einer nicht unerheblichen Geringschätzung der
hiesigen Rechtsordnung aus. Der Beschuldigte habe um seinen Drogen- und
Medikamentenkonsum gewusst und das Fahren in fahrunfähigem Zustand ohne
Weiteres unterlassen und den öffentlichen Verkehr benutzen können. Im
Vordergrund hätten für ihn offenkundig seine eigenen Interessen gestanden (Urk.
360 S. 203).
3.3. Anhaltspunkte dafür, dass mit Bezug auf die Strassenverkehrsdelikte eine
nennenswerte Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit wegen des Drogenkonsums
des Beschuldigten eine Rolle gespielt haben könnten, bestehen angesichts seiner
einigermassen sicheren Fahrweise nicht. So wie er seinen Drogenkonsum
- 94 -
kontrollieren konnte, wenn es um seine Galeristentätigkeit ging, hätte er dies auch
mit Blick auf die Erhaltung seiner Fahrtüchtigkeit tun können.
3.4. Die Bewertung der Tatkomponenten führten die Vorinstanz zu einem noch
als leicht zu bezeichnenden Verschulden und zu einer Einsatzstrafe von
6 Monaten für die Strassenverkehrsdelikte (Urk. 360 S. 203). Dem ist – auch
unter Berücksichtigung, dass die Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung
der Fahrfähigkeit nur untauglich versucht wurde (Urk. 360 S. 186) – zu folgen.
4. Täterkomponente
4.1. Auf die im angefochtenen Entscheid gemachten Ausführungen zum
Vorleben des Beschuldigten kann ebenso verwiesen werden, wie auf das Fazit,
dass sich daraus keine Umstände ergeben, welche für die Strafzumessung
relevant wären und dass dem Beschuldigten alle Türen für ein sorgen- und
deliktsfreies Leben offen gestanden hätten (Urk. 360 S. 203 f.). Da sich der
Beschuldigte in der Zwischenzeit in Haft bzw. im vorzeitigen Straf- und
Massnahmevollzug befand, hat sich an diesen Umständen auch nichts
Wesentliches geändert. So bestätigte der Beschuldigte anlässlich der
Berufungsverhandlung, dass er sich nach wie vor in der Justizvollzugsanstalt
Pöschwies befinde, wo er arbeiten könne und ein Fernstudium im Bereich
Immobilienmanagement begonnen habe. Die Tatsache, dass er sich bereits seit
längerem im Gefängnis befinde, sei für alle Angehörigen sehr schwer und über
das familiäre Umfeld hinaus habe er nur noch zu einigen wenigen Kollegen
Kontakt, die er bereits sehr lange kenne. Die seit März 2018 laufende ambulante
Therapie helfe ihm sehr und er habe bereits grosse Fortschritte gemacht, so habe
er alle Medikamente abgesetzt und nehme seit fünf Jahren keine Drogen mehr.
Die Therapie finde einmal in der Woche statt und würde sich weitgehend um
suchtspezifische Problematiken, den Gefängnisalltag und die Deliktsaufarbeitung
drehen. Drogen seien der grösste Fehler seines Lebens gewesen und er werde
alles machen, um nie wieder Drogen zu nehmen, wobei ihm bewusst sei, dass
man ein Leben lang abhängig sei und man dementsprechend auch vorsichtig sein
müsse. Er sei entsprechend auch motiviert, eine stationäre Massnahme
anzugehen, wenn diese vom Gericht angeordnet werden würde. Nach Abschluss
- 95 -
des Verfahrens bzw. Beendigung des Straf- oder Massnahmevollzugs würde er,
je nachdem, ob er die Schweiz verlassen müsse oder nicht, bei einem Kollegen in
der Möbelspedition oder aber – dann lediglich vorübergehend – bei seiner Mutter
im Immobilienmanagement arbeiten. Er habe gegenwärtig den C-Status und ob er
die Schweiz verlassen müsse hänge auch davon ab, wie das vorliegende
Verfahren ausgehe (Urk. 485 S. 2 ff.)
4.2. Ebenso ist der Vorinstanz darin beizupflichten, dass die einschlägige
Vorstrafe des Beschuldigten vom 2. November 2011 eine Straferhöhung vor allem
mit Bezug auf die Strassenverkehrsdelikte rechtfertigt. Was deren Ausmass an-
belangt, wird im angefochtenen Entscheid angesichts der zwischen der ersten
Verurteilung und der seit den zu beurteilenden Strassenverkehrsdelikten
verstrichenen Zeit für eine marginale Berücksichtigung votiert (Urk. 360 S. 204).
Diese Überlegung ist nicht grundsätzlich zu beanstanden. Jedoch ist darauf
hinzuweisen, dass der Beschuldigte lange Zeit kämpfen musste, bis ihm im Juni
2014 die wegen besagter Delikte entzogene Fahrerlaubnis ohne Auflagen wieder
erteilt wurde (Urk. D1/6/15) und er die fraglichen Strassenverkehrsdelikte genau
drei Monate, nachdem er sich wieder an ein Steuer setzen durfte, beging.
4.3. Dass Aussagen des Beschuldigten entscheidend zur Aufklärung der
beiden, hier zu bewertenden Strassenverkehrsdelikte beigetragen haben, was
gleichzeitig eine gewisse Einsicht und Reue manifestiert, ist mit der Vorinstanz
deutlich strafmindernd zu berücksichtigen, allerdings nur mit Bezug auf die für die
Strassenverkehrsdelikte zu bemessende Strafe. Wie die Vorinstanz zu Recht
festhält, kann nur ein ausgesprochen positives Nachtatverhalten, bestehend in
einem von allem Anfang an abgelegten umfassenden Geständnis, kooperativem
Verhalten in der Untersuchung sowie Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue zu
einer maximalen Strafreduktion führen (Urk. 360 S. 206 unter Verweis auf
BGE 121 IV 202 E. 2.d/cc). Der Beschuldigte hat zwar nicht bestritten, †B._
getötet zu haben, dies hätte angesichts der erdrückenden Beweislage aber – so
auch die Vorinstanz – auch keinen Zweck gehabt (Urk. 360 S. 207). Davon, dass
er zeitnahe und lückenlos über seine Drogenproblematik und seine Tat oder
wenigsten seine Erinnerungen daran Auskunft gegeben und dadurch die
- 96 -
Untersuchung wesentlich erleichtert hätte, kann keine Rede sein. Die meisten
Erkenntnisse zu Einzelheiten der Tat und ihrer Vorgeschichte mussten aufgrund
anderer Beweismittel gewonnen werden. Die Vorinstanz stellt weiter fest, dass
beim Beschuldigten nicht ansatzweise "von echter Reue und gereifter Einsicht"
gesprochen werden könne. Sie erachtete die Entschuldigungen des
Beschuldigten angesichts des schliesslich unkooperativen Verhaltens als blosse
Lippenbekenntnisse (Urk. 360 S. 207). Anlässlich der Berufungsverhandlung
entschuldigte sich der Beschuldigte im Rahmen des Schlusswortes nochmals
mehrfach für seine Tat, indes nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er das
Tötungsdelikt nie im Leben absichtlich begangen hätte, da er †B._ wie einen
Bruder geliebt habe (Prot. II S. 29 und 36). Die in der Berufungsverhandlung
nochmals mehrfach ausgesprochenen Entschuldigungen können nicht einfach als
blosse Lippenbekenntnisse abgetan werden. Indes vermögen sie angesichts des
weiteren Aussageverhaltens des Beschuldigten, welches sich auch in dem im
Schlusswort nochmals angebrachten Hinweis manifestierte, sich für den Tod von
†B._ nicht (wirklich) verantwortlich zu zeichnen, keine nennenswerte
Minderung der wegen Begehung eines Verbrechens in selbstverschuldeter Zu-
rechnungsfähigkeit ausgesprochenen Strafe zu rechtfertigen.
Die Vorstrafe und das positive Nachtatverhalten betreffen somit im Wesentlichen
lediglich die Strassenverkehrsdelikte. Insgesamt rechtfertigen diese beiden
gegeneinander aufzurechnenden Faktoren im Ergebnis eine leichte Minderung
der entsprechenden Einsatzstrafe, was zu einer angemessenen Strafe für die
Strassenverkehrsdelikte alleine von 5 Monaten führt. Die Ausfällung einer
Geldstrafe kommt angesichts der in diesem Punkt einschlägigen Vorstrafe des
Beschuldigten nicht in Frage, weshalb gleichartige Strafen vorliegen und somit
eine Gesamtstrafe zu bilden ist (vgl. zur Wahl der Sanktionsart BGE 134 IV 97 E.
4.2 mit Hinweisen, sowie zur Gesamtstrafe bei kurzen Freiheitsstrafen das Urteil
des Bundesgerichts 6B_849/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 1.3.2).
4.4. Bei Würdigung aller tat- und täterbezogenen Komponenten und in
Anwendung des Asperationsprinzips würde ohne Beachtung des oberen
Strafrahmens eine Strafe von ca. 40 Monaten resultieren.
- 97 -
5. Tat- und täterunabhängige Strafzumessungsfaktoren
5.1. Schliesslich können auch tat- und täterunabhängige Faktoren, wie etwa die
Dauer des Strafverfahrens die Strafzumessung beeinflussen. So stellt die
Tatsache, dass ein Beschuldigter bei überlanger Verfahrensdauer länger als
notwendig den Belastungen eines Strafverfahrens ausgesetzt ist, einen Grund für
eine Strafminderung dar (BGE 131 IV 54, E. 3; 124 I 139 E. 2c; 117 IV 124 E. 4).
Die vorliegende Strafuntersuchung begann am 30. Dezember 2014, d.h. vor
knapp fünf Jahren. Wie im angefochtenen Entscheid zutreffend festgehalten,
führte die Anklagebehörde das Verfahren (...) bemerkenswert speditiv. An der
ersten Instanz war der Prozess während ca. einem Jahr und vier Monaten hängig,
was angesichts des Umfangs und der Komplexität des Falles nicht übermässig
lang ist. Vor Berufungsinstanz ist das Verfahren nun seit knapp zwei Jahren
pendent, wobei durchwegs ein Schriftenwechsel mit den Parteivertretern im Gang
war, von Verteidigerseite versprochene Mitteilungen abzuwarten oder
prozessuale Anträge (auf Rückweisung oder Haftentlassung) zu entscheiden
waren. Nach Terminabsprachen mit den Parteivertretern konnte schliesslich im
August 2019 auf den 18. November 2019 zur Hauptverhandlung vorgeladen
werden. Eigentliche Bearbeitungslücken waren somit auch vor Berufungsinstanz
nicht zu verzeichnen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die
Verfahrensdauer auch strafmindernd berücksichtigt werden kann, wenn das
Beschleunigungsgebot nicht verletzt ist (Urteil 6B_988/2017 vom 26. Februar
2018 E. 2.4). Insofern rechtfertigt die inzwischen fünfjährige Verfahrensdauer,
die sich unbestreitbar belastend auf den Beschuldigten ausgewirkt haben dürfte,
eine geringfügige Strafminderung.
5.2. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine Vorverurteilung von
Tatverdächtigen in der Medienberichterstattung je nach Schwere der Rechtsver-
letzung als Strafzumessungsgrund zu gewichten. Der Beschuldigte hat indes
darzutun, dass die Berichterstattung ihn vorverurteilt hat bzw. dass oder inwieweit
dadurch in seine Rechte eingegriffen wurde (Urteil 6B_1110/2014 vom 19. August
2015 E. 4.3 nicht publ. in BGE 141 IV 329 und BGE 128 IV 97 E. 3b). Die Vertei-
digung kritisierte vor erster Instanz das von den Medien vermittelte vorverurteilen-
- 98 -
de Bild, an welchem scheinheilige Hinweise auf die Unschuldsvermutung am
Ende eines Artikels überhaupt nichts ändern würden (Urk. 264 S. 4). Im
Berufungsverfahren wurden keine Ausführungen dazu gemacht. Es wurde weder
je auf konkrete Berichterstattungen Bezug genommen, noch sind solche – soweit
ersichtlich – aktenkundig. Unter diesen Umständen wurde nicht genügend
dargetan, inwiefern eine – vor allem ungerechtfertigte – Vorverurteilung und ein
Eingriff in die Rechte des Beschuldigten stattgefunden hat und er dadurch
übermässig belastet wurde. Nachvollziehbarer Grund für das anfänglich grosse
Medieninteresse war vor allen Dingen das erwiesenermassen vom Beschuldigten
– im Drogenrausch, d.h. in schuldunfähigem Zustand – begangene brutale
Tötungsdelikt. Ein Strafminderungsgrund ist in diesen Umständen nicht zu
erblicken.
6. Ergebnis der Strafzumessung
Unter Berücksichtigung aller Faktoren erscheint eine Bestrafung des
Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren angemessen. Anlass für
eine tiefere Strafe besteht nicht, zumal der Beschuldigte bereits vom tief
liegenden oberen Strafrahmen profitiert.
7. Vollzug
7.1. Da der Beschuldigte sich bereits wesentlich länger als drei Jahre in Haft
befindet und somit die Freiheitsstrafe bereits vollzogen hat, erscheinen Aus-
führungen über die Frage eines bei diesem Strafmass grundsätzlich denkbaren
teilbedingten Vollzuges überflüssig. Ein solcher käme angesichts der auf der
Betäubungsmittelsucht des Beschuldigten gründenden Rückfallgefahr ohnehin
nicht in Betracht. Die somit zu vollziehende Freiheitsstrafe ist angesichts der
Dauer der Haft des Beschuldigten jedenfalls bereits vollständig erstanden.
- 99 -
VI. Massnahme
1. Einleitung
1.1. Angesichts der Schuldunfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt sind
Massnahmen nach den Artikeln 59-61, 63 oder 64, StGB zu prüfen. Eine solche
Massnahme ist bei gegebenen Voraussetzungen namentlich anzuordnen, wenn
eine Strafe alleine nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu
begegnen oder wenn die öffentliche Sicherheit dies erfordert. Der angefochtene
Entscheid äussert sich zutreffend zu den weiteren Voraussetzungen für die
Anordnung einer Massnahme (Urk. 360 S. 12 f.).
1.2. Während die Verteidigung vor erster Instanz noch eine stationäre
Massnahme beantragte (Urk. 264 S. 2), verzichtete sie im Berufungsverfahren
darauf, eine Massnahme zu beantragen (Urk. 486 S. 2 ff.).
2. Voraussetzungen
2.1. Der Vorinstanz ist ohne Weiteres darin zu folgen, dass gestützt auf die
beiden Experten Prof. Dr. med. K._ und Prof. Dr. rer. nat. M._ vom
Vorliegen einer Abhängigkeit des Beschuldigten von Suchtstoffen im Sinne von
Art. 60 und Art. 63 StGB auszugehen ist (Urk. 360 S. 214; Urk. D1/17/21 S. 7;
Prot. I S. 83 f.; Urk. D1/17/22 S. 184, S. 186, S. 211; Prot. I S. 144) und diese
Abhängigkeit in einem offensichtlichen Konnex mit der vom Beschuldigten
begangenen Tötung von †B._ steht. Gemäss Prof. Dr. rer. nat. M._
seien Abhängigkeitskrankheiten grundsätzlich chronische Erkrankungen; man
leide eigentlich das ganze Leben daran (Prot. I S. 83). Auch der Beschuldigte
räumte in der Berufungsverhandlung ein, dass er seine Sucht nicht auf die leichte
Schulter nehmen dürfe und es sich um eine lebenslange Problematik handle, die
er zu bekämpfen habe. So gab er auf die Frage, ob er sich auch heute noch als
drogensüchtig betrachte zur Antwort, dass er denke, man sei ein Leben lang
abhängig und müsse dementsprechend auch vorsichtig sein (Urk. 485 S. 6). Trotz
mehrjähriger Abstinenz von Ketamin und Kokain liegt auch heute eine
Abhängigkeit des Beschuldigten von diesen Suchtstoffen im Sinne von Art. 60
und Art. 63 StGB vor.
- 100 -
2.2. Prof. Dr. med. K._ führte in seinem Gutachten aus, dass eine
Massnahme zur Behandlung der Abhängigkeitsproblematik angezeigt sei, die
insbesondere langfristig erfolgen müsse, dies nicht zuletzt angesichts der
erfolglosen bisherigen Suchtbehandlungen des Beschuldigten. Es bedürfe einer
langfristig angelegten Intervention unter strukturierten und strukturgebenden
Bedingungen (Urk. D1/17/22 S. 208 f.). Verdeutlichend hielt er fest, dass die
Therapie des Beschuldigten wegen seiner narzisstisch-unreifen Eigenschaften
und seiner Tendenz, Schwierigkeiten auszuweichen sowie Unauffälligkeit und
Leistungsfähigkeit zu demonstrieren, anspruchsvoll sein werde (Urk. D1/17/22 S.
209 f.). Ferner ist zu beachten, dass der Benzodiazepinkonsum des
Beschuldigten in Haft (anfängliche Tagesdosis von Valium von 25 mg) nur in
kleinen Schritten abgebaut werden konnte und er noch im Januar 2019 eine
beachtliche Tagesdosis von 10mg Valium benötigte (Urk. 481A S. 8). Der
Beschuldigte äusserte Ängste, den Alltag ohne Valium nicht zu überstehen,
bekundete bei jeder Dosisreduktion physische und psychische Entzugssymptome
und war in seiner Emotionstoleranz und -regulation destabilisiert (Urk. 481A S.
12). Obwohl er seit wenigen Monaten kein Valium mehr einzunehmen scheint
(Urk. 485 S. 11), liegt auf der Hand, dass es sich bei dieser Totalabstinenz um
einen noch sehr fragilen Zustand handelt. Der Beschuldigte bestätigte denn auch
anlässlich der Berufungsverhandlung, dass der Abbau des Valiumkonsums sehr
mühsam gewesen sei (Urk. 485 S. 11). Angesichts der eindringlichen Worte des
Gutachters und der Schwere der beim Beschuldigten bestehenden Abhängigkeit
von verschiedenen Substanzen, vor allem von Ketamin, aber auch von Kokain, ist
der Beschuldigte – offenbar im Gegensatz zur Auffassung seiner Verteidigung –
nach wie vor als massnahmebedürftig zu betrachten. Die in Haft hinsichtlich
Ketamin und Kokain eingehaltene Abstinenz und die inzwischen ein Jahr und
zehn Monate andauernde ambulante Massnahme reichen mit Sicherheit nicht
aus, um den Beschuldigten als ausreichend therapiert zu betrachten.
2.3. Insofern ist der Vorinstanz nach wie vor darin beizupflichten, dass gestützt
auf das Gutachten die Massnahmebedürftigkeit des Beschuldigten und die Gefahr
eines Rückfalls bei fehlender Behandlung eindeutig zu bejahen sind und die
Strafe allein nicht genügt(e), um dieses Risiko abzuwenden (Urk. 360 S. 217).
- 101 -
2.4. Angesichts der nun auszufällenden, bereits abgegoltenen Freiheitsstrafe
kommt eine Weiterführung der vollzugsbegleitenden ambulanten Massnahme des
Beschuldigten, welche von der Vorinstanz favorisiert wurde und die er gemäss
der Verfügung der Vorinstanz vom 29. August 2017 vorzeitig antreten konnte
(Urk. 342), aber erst mit Verfügung des Amts für Justizvollzug am 17. Januar
2018 in Vollzug gesetzt wurde (Urk. 372), nicht mehr in Betracht. Damit entfällt
auch die Notwendigkeit eines Abwägens, ob eine solche vollzugsbegleitende
ambulante oder aber eine stationären Massnahme den angestrebten Zielen sowie
Interessen von Beschuldigtem, Öffentlichkeit und Staat besser Rechnung tragen
würde.
2.5. Als einzige denkbare Massnahme kommt für den nach wie vor
drogenabhängigen Beschuldigten nun nur noch eine stationäre Massnahme nach
Art. 60 StGB in Frage. Prof. Dr. med. K._ äusserte keine klare Präferenz
bezüglich der Behandlungsmöglichkeiten. Eine stationäre Massnahme nach Art.
60 StGB hielt er, wenn auch unter Hinweis darauf, dass das Finden einer
geeigneten geschlossenen Behandlungseinrichtung schwierig sein könnte und bei
einer Therapie in einer nicht geschlossenen Anstalt das Risiko des Missbrauchs
und der Lockerung bzw. des erneuten Konsums bestehe, für durchaus
empfehlenswert. Den Vorteil einer stationären Massnahme in einer
Suchteinrichtung sah er in der stärker suchttherapeutisch/psychotherapeutischen
Ausrichtung des Settings. Gesicherte Fachkliniken wiederum hätten keinen
suchtmedizinischen Schwerpunkt und seien ebenso, wie die oftmals in diesem
Kontext genutzten Massnahmeeinrichtungen, ungeeignet, da der Beschuldigte
gerade einer intensiven suchttherapeutischen Intervention bedürfe (Urk. D1/17/22
S. 209, S. 210; Prot. I S. 144).
2.6. Mit Blick auf die Geeignetheit einer stationären Einrichtung ist noch einmal
festzuhalten, dass – obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass der
Beschuldigte während seines knapp fünf Jahre dauernden Gefängnisaufenthaltes
illegale Betäubungsmittel und Ketamin hätte erhältlich machen können –, davon
auszugehen ist, dass der Beschuldigte diese Zeit mit Ausnahme von
Benzodiazepinen abstinent verbrachte. Die Situation ist insofern eine deutlich
- 102 -
andere als noch im Zeitpunkt der Erstattung des Gutachtens von Prof. Dr. med.
K._. Wenn auch die Sucht des Beschuldigten keinesfalls als überwunden
betrachtet werden darf, besteht Grund zur Annahme, dass sich sein akuter Drang,
Drogen zu konsumieren aufgrund der langen Abstinenz und auch wegen des
erlittenen Freiheitsentzugs merklich reduziert hat. Der Beschuldigte gab denn
auch anlässlich der Berufungsverhandlung zu Protokoll, dass er alles machen
werde, um nie wieder Drogen zu nehmen. Drogen seien der grösste Fehler seines
Lebens gewesen, hätten ihn das Delikt begehen lassen und ihn ins Gefängnis
gebracht. Er habe viel Zeit gehabt, darüber nachzudenken und Drogen seien vom
Tisch (Urk. 485 S. 9). Kommt hinzu, dass der Beschuldigte sich aufgrund der
gutachterlichen Einschätzung bewusst sein muss, dass er, sollte er seinen
Konsum fortsetzen, irgendwann mit hoher Wahrscheinlichkeit eine
eigengesetzlich verlaufende schizophrene Erkrankung entwickeln wird (Prot. I S.
159). Die nachvollziehbaren Bedenken des Gutachters, der Beschuldigte könnte
insbesondere in einem frühen Behandlungsstadium versucht sein, Grenzen
auszutesten und erneut Substanzen zu konsumieren, was in den für stationäre
Suchtbehandlungen vorgesehenen Institutionen nicht genügend aufgefangen
werden könnte, dürften daher in einem gewissen Mass überholt sein. Eine
stationäre Behandlung in einer Suchteinrichtung ist daher als die für die
Behandlung der Sucht des Beschuldigten geeignete Massnahme zu betrachten.
3. Fazit
Unter den gegebenen Umständen ist eine stationäre Massnahme im Sinne von
Art. 60 StGB anzuordnen.
4. Anrechnung der erstandenen Haft und der bereits vollzogenen ambulanten Massnahme
4.1. Der Beschuldigte befindet sich seit dem 30. Dezember 2014, d.h. seit
insgesamt 1794 Tagen in Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft bzw. im
vorzeitigen Strafvollzug. Seit dem 17. Januar 2018, d.h. seit 680 Tagen läuft
überdies die vollzugsbegleitende ambulante Massnahme (Urk. 372).
- 103 -
4.2. Ein Teil der erstandenen Haftzeit ist, wie erwähnt, an die ausgefällte
Freiheitsstrafe von drei Jahren, welche 1095 Tagen entsprechen, anzurechnen.
Damit ist die Freiheitsstrafe vollständig verbüsst, und es verbleiben 699
erstandene Hafttage.
4.3. Zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang diese verbleibenden 699 Haft-
tage an die nun anzuordnende stationäre Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB
anzurechnen ist.
4.4. In BGE 141 IV 236 erkannte das Bundesgericht, dass erstandene Unter-
suchungs- und Sicherheitshaft an freiheitsentziehende Massnahmen und damit
insbesondere an stationäre therapeutische Massnahmen im Sinne von Art. 59
StGB anzurechnen sei. Es begründete dies im Wesentlichen damit, dass eine
solche Massnahme nebst der Behandlung des Beschuldigten auch dessen
Sicherung diene und insoweit Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft und die Mass-
nahme denselben Zweck verfolgen würden. An dieser Rechtsprechung hielt es in
der Folge trotz Kritik aus der Lehre fest (BGE 142 IV 105 E. 5.8.1), wobei es
präzisierte, dass stationäre therapeutische Massnahmen im Unterschied zu
Freiheitsstrafen zeitlich relativ unbestimmt seien, d.h. nicht durch simplen
Zeitablauf enden würden. Die Anrechnung von Untersuchungs- bzw.
Sicherheitshaft an freiheitsentziehende Massnahmen sei daher nicht rechnerisch
im Sinne einer Verkürzung der Massnahme um die Dauer des anzurechnenden
Freiheitsentzugs zu verstehen, wäre dies doch mit dem präventiven Charakter der
Massnahme unvereinbar. Die Anrechnung der Haft beziehe sich daher nur auf die
Frage, ob ein Täter für die erstandene (Über-)Haft zu entschädigen sei, wenn
wegen Schuldunfähigkeit keine Strafe ausgesprochen werden kann, auf welche
erstandene Haft angerechnet werden könnte, ihm gegenüber aber eine
freiheitsentziehende Massnahme angeordnet wird. Damit könne eine Anrechnung
von Hafttagen an freiheitsentziehende Massnahmen erfolgen, ohne dass der
Massnahmezweck gefährdet werde (BGE 145 IV 65 E. 2.3.4; Urteil des
Bundesgerichts 6B_375/2018 vom 12. August 2019 E. 2.6).
4.5. Vorliegend kann ein solcher Realausgleich der durch Haft entzogenen
Freiheit, nämlich in Form einer Anrechnung an die nun anzuordnende
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freiheitsentziehende Massnahme gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung problemlos erfolgen, ohne dass es zu einer Verkürzung der
Massnahme und damit einer Gefährdung des Massnahmezwecks kommt.
Inwieweit die bereits während der Haft vollzogene ambulante Suchtbehandlung zu
einer Verkürzung der stationären Massnahme führen wird, wird die
Vollzugsbehörde zu entscheiden haben
4.6. Eine Genugtuung für Überhaft steht dem Beschuldigten wie gezeigt nicht
zu.
VII. (...)
(...)
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Gerichtsgebühr für das äusserst aufwendige und nun seit rund
2 Jahren dauernde zweitinstanzliche Verfahren ist auf Fr. 15'000.– festzusetzen.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Was den Schuldpunkt
und die Sanktion anbelangt, obsiegt der Beschuldigte mit seiner Berufung
in vollem Umfang, (...), nicht hingegen im Punkt der Massnahme. Die
Anklagebehörde hingegen unterliegt mit ihrem Antrag auf Erhöhung der Strafe.
Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, die Kosten für das zweitinstanzliche
Verfahren dem Beschuldigten zu zwei Fünfteln aufzuerlegen und zu drei Fünfteln
auf die Gerichtskasse zu nehmen. Zu den Verfahrenskosten gehören auch die
Aufwendungen von RA lic. iur. X3._ für die zeitweise amtliche Verteidigung
des Beschuldigten im Berufungsverfahren, welche nach Entlassung desselben im
Mai 2019 mit Fr. 7'812.90 bereits entschädigt wurden (Urk. 401A). Diese Kosten
sind im Dispositiv nachzutragen und im gleichen Verhältnis zu verlegen.
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3. Der Beschuldigte hat anlässlich der Berufungsverhandlung ausdrücklich
auf die Geltendmachung einer Prozessentschädigung verzichtet (Prot. II S. 35).
Dies ist im Dispositiv entsprechend vorzumerken.