Decision ID: dedec709-38b9-5177-8e01-44cfd1bdbbf0
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968
,
ist Mutter von drei erwachsenen Kindern
(1
9
88, 1989, 1996)
und war zuletzt
bis Juli 2007 als Reinigungsfachfrau sowie in einer Konditorei tätig (
Urk.
11/2/5,
Urk.
11/
72
)
.
Die Versicherte meldete sich am 2
4.
April 2008 unter Hinweis auf einen Autoun
fall
vom
1
3.
Juli 2007 erstmals bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/2
).
Diese tätigte erwerbliche (
Urk.
11/6
) und medizinische (
Urk.
11/8,
Urk.
11/14 ff
.
) Abklärungen und holte u
nter anderem einen Haushaltsabklärungsbericht (
Urk.
11/25) sowie
ein Gutach
ten bei
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
ein, das am 2
3.
September 2009 erstattet wurde (
Urk.
11/36). Die IV-Stelle verneinte in der Folge mit
unangefochten in Rechtskraft erwachsener
Verfügung vom
2.
Februar 2010 einen Rentenanspruch (
Urk.
11/45).
Am 2
1.
Juni 2016 meldete sich die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin
Dr.
iur
. Barbara Wyler
,
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
und machte insbesondere unter Hinweis auf chronische
lumbosakrale
Schmerzen mit gelegentlicher Ausstrahlung ins linke Bein und auf ein Lymphödem
i
m linken Arm eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend
(
Urk.
11/70).
Nach dem Eingang eines
IK-Auszug
s
(
Urk.
11/72) sowie ärztli
cher Berichte (
Urk.
11/73,
Urk.
11
/83) gab die IV-Stelle bei der MEDAS
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten (allgemeininternistisch, psychiatrisch-psychotherapeutisch, rheuma
to
logisch) in Auftrag (
Urk.
11/1
02), das am 1
9.
Mai 2017 erstattet wurde (
Urk.
11/104). Mit Vorbescheid vom
1
4.
Juli 2017 stellte die IV-Stelle der Versi
cherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
11/107).
Nach
Eingang
d
es Einwandes der Versicherten (
Urk.
11/112) stellte die IV-Stelle Rück
fragen an die Gutachter der MEDAS
Z._
, die am
1
6.
November 2017 beantwortet wurden
(
Urk.
11/117). Nachdem der Versicherten dazu das rechtliche Gehör gewährt worden war (
Urk.
11/121,
Urk.
11/1
34), verneinte die IV-Stelle deren
Leistungsanspruch mit Verfügung vom
3.
August 2018
(
Urk.
11/136 =
Urk.
2)
.
2.
Hiergegen erhob die
Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwältin
Dr.
Wyler
, mit Eingabe vom 1
4.
September 2018 Beschwerde mit dem Antrag, die Verfügung vom
3.
August 2018 sei vollumfänglich aufzuheben und es sei
ihr
eine ganze Invalidenrente auszurichten; eventualiter sei die Ang
e
legenheit an die Vorinstanz
zur Vornahme zusätzlicher tatsächlicher und medizin
i
scher Abklärungen zurück
zuweisen und es sei die Beschwerdeführerin vor Erlass eines neuen Entscheids vorgängig medizinisch, insbesondere psychiatrisch und psychotherapeutisch so
wie rheumatologisch, zu begutachten. In formeller Hinsicht stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung
(
Urk.
1
S. 2
). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Dezember 2018 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10). Mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2019 wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt sowie ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
12).
In der Replik vom 2
7.
März 2019
(
Urk.
14)
hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest, die Beschwerdegegnerin verzichtete am
6.
Juni 2019 auf eine Duplik (
Urk.
16). Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
1.
Juni 2019 mitgeteilt (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über
die Invalidenversicherung; IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht er
ledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge
ben, warum
sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Entscheid auf den Stand
punkt, die Beschwerdeführerin
wäre im Gesundheitsfall
zu 45
%
im Erwerbsbe
reich und zu 55
%
im Haushaltsbereich tätig
(
Urk.
2 S. 1)
. Gemäss medizinischer Begutachtung vom 1
9.
Mai 2017 sei ihr ihre bisherige Tätigkeit als Reinigungs
fachfrau zu 50
%
und angepasste, körperlich leichte Täti
gkeiten
seien ihr
zu 75
%
zumutbar, wobei
sie darauf achten soll
t
e, wechselbelastende Tätigkeiten ohne starke Belastung des linken Armes durchzuführen. Im Haushalts- und im Er
werbsbereich bestehe
je
eine 24.19%ige Einschränkung, dies sei anhand statisti
scher Löhne berechnet worden. Da der
berechnete
Invaliditätsgrad
mit 24
%
unter 40
%
liege
,
bestehe kein An
spruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor, die Beschwerdegegnerin habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt
. Bereits deswegen sei der angefochtene Entscheid aufzuheben
(
Urk.
1 S. 3 f.)
.
Weiter führte sie aus, dass das Beschwerdebild
gemäss den
vorgelegten Arztbe
richte
n
offensichtlich invalidisierenden Charakter habe, daran ändere auch das Gutachten der MEDAS nichts. Dass die Beschwerdegegnerin davon ausgehe,
sie
sei in ihrer angestammten Tätigkeit zu 50
%
und in einer angepassten Tätigkeit zu 75
%
arbeitsfähig, sei absurd. Die Ausführungen des rheumatologischen Teil
gutachters seien spekulativ und nicht nachvollziehbar
(
Urk.
1 S. 6 ff.).
Ferner sei die Anwendung der gemischten Methode der Inva
l
iditätsbemessung in keiner Weise gerechtfertigt
,
sie
wäre ohne die gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100
%
erwerbstätig (
Urk.
1 S. 11). Auch den Anspruch auf einen
Leidensabzug von
mindestens 20
%
habe die Beschw
erdegegnerin nicht geprüft.
S
ie
habe zu
sammengefasst jedenfalls Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (
Urk.
1 S. 14).
2.3
In der Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin, die gerügte Qualifi
kation der Beschwerdeführerin sei nicht massgeblich, selbst bei der Annahme ei
ner Erwerbstätigkeit von 100
%
im Gesundheitsfall
resultiere
kein Rentenan
spruch. Auf das Gutachten könne abgestellt werden, da es die beweisrechtlichen Anforderungen erfülle (
Urk.
10 S. 1).
Von der Beschwerdeführerin werde vorge
bracht, dass nicht nachvollziehbar sei, wie sie in der angestammten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig sein solle, dies sei nicht massgebend, da auf die Arbeitsfähig
keit von 75
%
in einer angepassten Tätigkeit abgestellt werde. Dass der Teilgut
achter von einer Schätzung spreche, vermöge den Beweiswert des Gutachtens nicht zu schmälern, da die ärztliche Beurteilung naturgemäss Ermessenszüge trage. Inwiefern die Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwertbar sein solle, sei nicht ersichtlich und werde auch nicht näher ausgeführt (
Urk.
1
0
S. 2).
Das
Valideneinkommen
sei aufgrund der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
Tabelle
T17 berechnet worden. Diese sei
jedoch
nicht anwendbar, die Be
rechnung hätte gestützt auf die Tabelle TA1 durchgeführt werden müssen. Dies ergebe bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
48'018.50 und einem Invalidenein
kommen von
Fr.
40'850.85 im zumutbaren 75%-Pensum einen rentenausschlies
senden Invaliditätsgrad von knapp 15
%
(
Urk.
10 S. 2 f.).
Ein leidensbedingter Abzug sei nicht gerechtfertigt,
ohnehin resultiere auch bei Gewährung eines Ma
ximalabzuges von 25
%
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (
Urk.
10 S. 3).
2.4
In ihrer Replik betonte die Beschwerdeführerin erneut, der Entscheid sei aufgrund der Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben
,
und stellte den Antrag, diese Frage sei - bei abweichender Auffassung des Gerichts - in Form einer selbststän
dig anfechtbaren Zwischenverfügung zu entscheiden (
Urk.
14 S. 2).
Eventualiter hielt sie fest, dass das rheumatologische Gutachten überaus spekulativ und wenig fundiert sei. Ferner sei nicht nachvollziehbar, dass auf dem ausgeglichenen Ar
beitsmarkt ein breites Spektrum an Tätigkeiten existiere, die
ihr
em Belastungs
profil
entsprächen. Sie bestreite
daher, dass überhaupt eine verwertbare Restar
beitsfähigkeit bestehe, weshalb die Voraussetzung
en
für die Ausrichtung einer ganzen Inva
lidenrente erfüllt seien (
Urk.
14 S. 3 f
)
.
2.5
Strittig ist vorab, ob der Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt ist und sodann, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat.
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 2
1.
Juni 2016 (
Urk.
11/70) eingetreten. Es gilt somit zu prüfen, ob sich der Ge
sundheitszustand im massgeblichen Zeitraum zwischen der Verfügung vom
2.
Februar 2010 (
Urk.
11/45), mit welcher der Anspruch auf eine Invalidenrente verneint worden war, und der angefochtenen Verfügung vom
3.
August 2018 (
Urk.
2) insoweit verschlechtert hat, dass nunmehr ein Anspruch auf eine Invali
denrente besteht.
3.
3.1
Zunächst ist - da formeller Natur (vgl. BGE
132 V 387 E. 5.1, 127 V 431 E. 3d/
aa
) - auf die
Rüge einzugehen
,
dass
die Beschwerdegegnerin
den Anspruch
der Be
schwerdeführerin
auf rechtliches Gehör verletzt habe
, indem sie
trotz umfangrei
cher Anträge und Ausführungen der Beschwerdeführerin im
Einwandverfahren
(
Urk.
11/112)
beziehungsweise in ihrer Stellungnahme
zum Schreiben von
Dr.
med.
A._
vom
1
6.
November 2017 (
Urk.
11/134)
keine wei
teren A
bklärungen mehr vorgenommen
,
sondern ein halbes Jahr zugewartet und
dann die Verfügung erlassen habe
(
Urk.
1 S.
3)
.
Ebenfalls
monierte die Beschwer
deführerin eine Verletzung der Begründungspflicht, da aus der Verfügung vom
3.
August 2018 in keiner Weise ersichtlich sei, auf welchen Grundlagen bezie
hungsweise auf welchem konkreten Einkommensvergleich die seitens der
Be
schwerdegegnerin
vorgenommene Berechnung des Invaliditätsgrades beruhe und ob die
se
hinsichtlich der gemischten Methode die neue Praxis betreffend Teiler
werbstätigkeit angewendet habe (
Urk.
1 S. 11).
3.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen
schaft (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlich
keitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äus
sern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit er
heblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äus
sern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368
E. 3.1 mit Hinweisen).
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstel
lung des
vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Ent
scheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechts
mittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem r
echtlichen Ein
wand auseinander
setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge
sichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt wer
den, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheidenden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen kön
nen und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1).
3.3
Nachdem die
Beschwerdeführerin
Einwände gegen den Vorbescheid erhoben hatte
(
Urk.
11/112)
, stellte die Beschwerdegegnerin dem rheumatologischen Teil
gutachter der MEDAS
Z._
Ergänzungsfragen
(Urk.11/114
), zu wel
chen sich dieser am 1
6.
November 2017 äusserte
(
Urk.
11/117)
. I
n der Folge
er
hielt die Beschwerdeführerin Gelegenheit, zu den Antworten des Gutachters Stel
lung zu nehmen
(
Urk.
11/
121
)
, wovon sie am 1
2.
Januar 2018 Gebrauch machte
(
Urk.
11/134)
.
Darauf
legte die Beschwerdegegnerin
die Akten
dem Regionalärzt
lichen Dienst vor
(
Urk.
11/135/4)
.
Dieser stellte
am
7.
Februar 2018
fest, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Einwand und in der Stellungnahme zur Ergänzung des Gutachtens keine neuen medizinischen Tatsachen vorgebracht
habe
, die wei
tere Abklärungen notwendig machen würden (
Urk.
11/135/4).
Am
3.
August 2018 verfügte die Beschwerdegegnerin im Sinne des Vorbescheids (
Urk.
11/136 =
Urk.
2). Inwieweit die Beschwerdegegnerin durch diese Vorgehensweise den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Gewährung des rechtlichen Gehörs verletzt haben sollte, ist nicht ersichtlich und wird von dieser auch nicht näher begründet. Soweit sie - unter Hinweis auf die Untätigkeit der Beschwerdegegnerin während beinahe eines halben Jahres (
Urk.
1 S. 3) - sinngemäss eine Rechtsverzögerung geltend macht, kann sie auch daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten, zumal es ihr freigestanden hätte, eine Rechtsverzögerungsbeschwerde zu erheben.
Weiter rügte die Beschwerdeführerin, die Verfügung vom
3.
August 2018 sei nicht in
rechtsgenüglicher
Weise anfechtbar, da daraus in keiner Weise ersichtlich sei, auf welchen Grundlagen die Berechnung des Invaliditätsgrades beruhe. Da sich die Beschwerdegegnerin zudem auch nicht im Ansatz mit ihren Einwänden betreffend Qualifikation und Leidensabzug auseinandergesetzt habe, sei ihr An
spruch auf rechtliches Gehör in krasser Weise verletzt worden
(
Urk.
1 S. 11)
.
Wie es sich damit verhält, muss nicht abschliessend beurteilt werden, da jeden
falls k
e
ine schwere, die Heilung des Verfahrensmangels ausschliessende Gehörs
verletzung, welche von Amtes wegen zur Aufhebung der mit dem Verfahrensfeh
ler behafteten Verfügung führen würde (vgl. BGE 124 V 180 E. 4a mit Hinweisen),
vor
liegt. Zum einen
erläuterte
die Beschwerdegegnerin den angefochtenen Ent
scheid im Rahmen de
s Rechtsmittelverfahrens
und setzte sich mit den Einwänden der Beschwerdeführerin auseinander
(
Urk.
10
), wozu die
se
in der Folge in Kennt
nis sämtlicher Aktenstück
e Stellung nehmen konnte (
Urk.
14
). Es war
der Be
schwerdeführerin
somit möglich, ihr
Anliegen sachgerecht vor dem Sozialversi
cherungsgericht, welches sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüft (vgl.
§
18a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
), darzulegen. Zum anderen sprechen verfahrensökonomische Gründe gegen die Aufhebung der angefochtenen Verfügung verbunden mit einer Rückweisung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs. In Anbetracht der konkreten Gegebenheiten würde ein solches Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und unnötigen Verzögerungen führen, was mit dem Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren wäre (vgl. BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen).
Angesichts der Tatsache, dass vorliegend direkt ein Endentscheid ergehen kann, erübrigt sich
- entgegen dem Antrag der Beschwerdeführerin in der Replik (
Urk.
14 S. 2) -
die Beurteilung
der Frage der Verletzung
des rechtlichen Gehörs
im Rahmen eines Zwischenentscheids
.
4.
4.1
Im Zeitpunkt der erstmaligen Verneinung eines Rentenanspruchs der Beschwer
deführerin durch die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
2.
Februar 2010 (
Urk.
11/45) präsentierte sich die medizinische Aktenlage im Wesentlichen wie folgt:
4.2
Im Bericht des Stadtspitals
B._
, Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation, vom 1
0.
Dezember 2007 (
Urk.
11/8/84-86) wurden folgende Diagnosen erhoben:
-
Chronisches
zervikozephales
und -
spondylogenes
Schmerzsyndrom bei
-
Verkehrsunfall Juli 2007 mit dokumentierter lateraler Schädelkontusion und Kontusion des rechten Kiefergelenks
-
Myalgien des Nacken- und Schultergürtels
-
vegetativer Begleitsymptomatik und Schmerzausdehnung
-
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts mit
Impingement
-
konventionell-radiologisch ohne Fraktur
4.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte am 1
5.
Juli 2008 eine depressive Entwicklung, vermutlich infolge eines Schleuder
traumas. Er stellte eine Schmerzausweitung im Rahmen einer Angstentwicklung nach traumatisierendem Erleben und eine vegetative Dysfunktion sowie Reduk
tion der Vitalität und eine soziale Beeinträchtigung fest. Eine posttraumatische Belastungsstörung müsse erwogen werden. Die Arbeitsunfähigkeit im ange
stammten Beruf liege bei 90 bis 100
%
und für behinderungsangepasste Tätig
keiten nur unwesentlich darunter, bei ca. 80
%
(
Urk.
11/15/8 ff.)
4.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
berichtete am 1
3.
August 2008 (
Urk.
11/17/7), dass trotz multimodaler Therapie bisher keine Besserung der
cervikocephalen
Beschwerden habe erreicht werden können. Es sei im Verlauf zu einer Symptomausweitung gekommen, zu einer vegetativen Dys
regulation und einer posttraumatischen Belastungsstörung.
4.5
Im Rahmen der klinischen Untersuchung durch den
Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, am
1.
September 2008 fiel ein deutlich schmerzdemonstratives Verhalten auf. Die angegebenen Dysästhesien am rechten Arm und auch an beiden Beinen konnten anatomisch nicht zugeord
net werden. Die in der Untersuchungssituation eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule fand kein Korrelat während der übrigen Zeit der Konsultation. Eine eigentliche strukturelle Pathologie konnte nicht festgestellt werden. Der Zu
stand sei stabil; es müsse ein Endzustand angenommen werden
(
Urk.
11/28/28-32)
.
4.6
Dr.
Y._
stellte im Gutachten vom 2
3.
September 2009 (
Urk.
11/36) die Diag
nosen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren (IDC-10 F45.41) nach Autounfall im Juli 2007 und der Angst und depres
siven Störung, gemischt (ICD-10 F41.2), bei Status nach Anpassungsstörung mit verlängerter depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) nach Autounfall im Juli 2007 (
Urk.
11/36/11). Im Übrigen kam er zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin aktuell und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ab Juli 2007 keine Minderung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht begründet werden
könne. Diese Einschätzung gelte für jede Art von Tätigkeit (Haushaltsar
beiten, erwerbsmässige Reinigungsarbeiten, Mitarbeit in einem Café etc.;
Urk.
11/36/18).
4.7
Im Bericht zur Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vom 2
7.
November 2008 (
Urk.
11/25) wurde ausgehend von einer mut
masslichen Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im Umfang eines 45
%
-Pen
sums im Gesundheitsfall für den Anteil des Haushaltsbereichs im Umfang von 55
%
eine 12,6%ige Einschränkung beziehungsweise ein Teilinvaliditätsgrad von 6,93
%
berechnet.
4.8
In erster Linie gestützt auf das Gutachten von
Dr.
Y._
hielt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Innere Medizin, vom Regionalärztlichen Dienst am 1
4.
Oktober 2009 fest, auch für eine adaptierte Tätigkeit sei seit dem Unfallereignis im Juli 2007 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von keiner andauernden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen (Feststellungsblatt;
Urk.
11/40/6).
5
.
5.1
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin im Juni 2016 wurden
unter anderem folgende
ärztliche Berichte und Stellungnahmen zu den Akten genommen:
5
.
2
Dr.
D._
stellte mit Bericht vom
7.
Juni 2016 die folgenden Diagnosen (
Urk.
11/69/1):
-
Chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei Status nach mikrochirur
gischer Dekompression L4/5 beidseits 2011
-
Invasives Mammakarzinom links (Erstdiagnose Oktober 2014)
-
9.
Oktober 2014 PET-CT: stark metabolisch aktives Mammakarzinom links mit Lymphknotenmetastasen, Knochenbiopsie ohne Hinweis für Malignom im Brustwirbelkörper 2
-
3
1.
Okto
ber 2014:
Ablatio
und
Axilladissektion
links, November 2014: MRI BWS und LWS ohne Hinweise für Metastasen
-
November 2014 bis April 2015 adjuvante Chemotherapie
-
Mai 2015 bis Juni 2015 Radiotherapie der
Thoraxwand
links inkl. Lymph
abfluss mit insgesamt 50 Gy
-
Aktuell: klinisch komplette Revision, persistierendes Lymphödem links postoperativ, endokrine Therapie mittels Tamoxifen seit 2
1.
April
2015 (bis 2020 geplant; vgl. auch
Urk.
11/69/3-5, Berichte Frauenklinik des Spitals
G._
)
-
Chronisch rezidivierende Urtikaria seit circa 2006 unklarer
Aetiologie
-
Rhinoconjunctivitis
saisonalis
seit 2006
-
Depressive Entwicklung seit 2007 bei posttraumatischem
cervico-cephalem
Schmerzsyndrom nach Autounfall mit mehrfacher Kollision am 1
3.
Juli 2007 (HWS Distorsion, Commotio cerebri und Sternum-Kontusion)
Die Beschwerdeführerin habe sei
t mehreren Jahren chronische
lumbosakrale
Sc
h
merzen, die trotz der Operation im Jahr 2011 (
Diskushernienoperation
) nie ganz verschwunden seien. Hinsichtlich des Brustkrebses bestehe zur Zeit eine komplette Remission. Als Residuum der Lymphknotenentfernung zeige sich ein Lymphödem im
Arm links, so dass die Beschwerdeführerin diesen nicht stark be
lasten dürfe. Sie sei seit 2007 zu 100
%
arbeitsunfähig, dies auch in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit (
Urk.
11/69/2).
5
.
3
In
ihrem Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 2
8.
Juni 2016 diagnos
tizierte
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Gynäkologie und Geburts
hilfe, ein Mammakarzinom links seit Oktober 2014 (
Urk.
11/73/1). Zur Arbeitsfä
higkeit
äusserte sie sich mangels Berufstätigkeit
der Beschwerdeführerin nicht (
Urk.
11/73/2).
5
.
4
In seinem Bericht vom 2
8.
November 2016 diagnostizierte der behandelnde Psy
chiater
Dr.
med.
C._
eine chronifizierte depressive Episode von mittelschwerer Ausprägung mit deutlich vegetativem Einschlag (ICD-10 F32.11), zeitweisem
Schwanksch
w
indel
und Schmerzbelastung durch eine erhöhte
Schmerzbereit
schaft
mit phobischer Überlagerung beziehungsweise mit ängstlicher Erwartungs
haltung und teilweiser
Kinesiophobie
(ICD-10 F40.2). Hinzu komme eine Persön
lichkeitsänderung bei Schmerzen (ICD-10 F62.1). Als Differentialdiagnose führte er eine depressiv dekompensierte Neurasthenie (im Sinne einer double Depres
sion) mit Störung der Schmerz- und Erlebensverarbeitung auf (
Urk.
11/83/1 f.).
Dr.
C._
legte dar
, die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Perspektive in ihrer Arbeitsfähigkeit merklich eingeschränkt. Der Grad der Arbeitsunfähigkeit liege zum Berichtszeitpunkt bei
90-95
%
und sei für
angep
asste
Tätigkeiten ebenso hoch. Ein Profil für solche Tätigkeiten lasse sich im Augenblick nicht skizzieren, da die Beeinträchtigungen fast jedes Tun und genauso viele Alltags
handlungen beträfen (
Urk.
11/83/12).
5
.
5
5
.
5
.1
Im polydisziplinären
(allgemein-internistisch, rheumatologisch und psychiatri
sch
en
)
Gutachten vom
1
9.
Mai 2017 stellten die begutachtenden Ärzte die fol
genden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
11/104/25 f.):
-
c
hronifiziertes Quantenschmerzsyndrom links mit/bei
-
Fehlstatik mit Haltungsinsuffizienz, muskulärer Dysbalance und
Dekondi
tionieru
ng
-
d
iskreten Segmentdegenerationen C4 bis C6
-
Status nach Verkehrsunfall 2007 mit Kontusionen am Schädel und Kiefer
gelenk rechts sowie HWS-Distorsion
-
invasives
Mammakarzinom links mit
-
Status nach radikaler Mastektomie und
Axilladissektion
links am 3
1.
Okto
ber 2014
-
Status nach kurativer adjuvanter Radio-Therapie
der
Thoraxwand
links in
klusive
Lymphabschluss
-
Status nach Chemotherapie 11/2014 bis 04/2015
-
aktuell endokrine Therapie mit Tamoxifen seit 04/2015
-
chronisches
thorako-lumbospondylogenes
Syndrom links mit/bei
-
Fehlstatik mit Haltungsinsuffizienz, muskulärer Dysbalance und
Dekondi
tionierung
-
Status nach mikrochirurgischer Dekompression L4/L5 beidseits mit media
ler gelenkerhaltender
Arthro
t
omie
links und innerer Dekompression rechts 2011
-
leichte
Segmentdegeneration L4/5 mit diskreter, nicht-
neurokompressiver
Diskusprot
r
usion
und
periduraler
Narbenbildung
-
Status nach Biopsie am BWK 12/2014
Der Diagnose chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren (ICD-10 F45.41) massen die Gutachter sodann keinen Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit zu (
Urk.
11/104/26).
5
.
5
.2
Der rheumatologische Gutachter
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie, führte in seinem Teilgutachten aus, in der Zusammenschau der angegebenen Beschwerden, der Aktenlage sowie der aktuellen klinische
n und bildgebenden Befunde stehe
ein chronifiziertes, organisch nur teilweise begründ
bares, therapierefraktäres Schmerzsyndrom im Vordergrund
. Dieses präsentiere sich einerseits
als chronifiziertes Quantenschmerzsyndrom links und andererseits als chronifiziertes
thorakolumbospondylogenes
Syndrom links mit
myofaszialem
Reizzustand im Bereich der
Nacken-/Schulterpartie und
lumbopelvitrochantär
beidseits deutlich linksbetont sowie mit einem leichten Lymphödem des linken Armes inklusive der link
en Hand
. Die angegebene diffuse Oberflächenhypästhesie der ganzen linken Körperseite finde kein entsprechendes organisches Korrelat und könne vom rheumatologischen Fachbereich her nicht erklärt werden. Objektivier
bar seien bildgebend leichte degenerative Veränderungen im unteren Halswirbel
säulenbereich. Posttraumatische Läsionen nach dem 2007 erlittenen HWS-Distorsionstrauma würden sich nicht nachweisen lassen. Die degenerativen Ver
änderungen auf thorakalem und lumbalem Niveau seien bildgebend ebenfall
s als leichtgradig einzustufen. B
ei Status nach mikrochirurgischer Dekompression L4/L5 beidseits im Juni 2011 würden die kernspintomographischen Verlaufskon
trollen einzig leichte Segmentdegenerationen L3/L4, etwas a
u
sgeprägter L4/L5 und sehr diskret L5/S1 sowie zusätzlich kernspintomo
g
raphisch eine sich nicht
neurokompressiv
auswirkende, diskrete
Diskusprotrusion
L4/L5 und Narbenbil
dungen auf Höhe L4/L5
zeigen
.
Dr.
A._
beschrieb weiter,
im Rahmen der
Krankheitsgeschichte
dürfte es
zu einer relevanten Schmerzverarbeitungsstö
rung gekommen sein
,
mit zusätzlicher Traumatisierung durch die für die Be
schwerdeführerin erfolglose Lendenwirbeloperation im Juni 2011 und zusätzlich durch die Diagnose und Therapie des Mammakarzinoms links 2014/2015
(
Urk.
11/104/47)
.
5
.
5
.3
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, legte dar, d
ie Diagnose chronische Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren sei dieselbe wie
sie
bereits durch
Dr.
Y._
i
m September 2009
gestellt worden sei
. B
ereits damals sei keine längerdauernde Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert
worden
. Eine posttraumatische Belas
tungsstörung habe damals wie heute nicht festgestellt werden können.
Dr.
I._
konnte
keine Verschlechterung feststellen, die einen Rentenanspruch begründen könnte. Der behandelnde Psychiater gehe von einer Arbeitsunfähigkeit aus, ohne dass er explizit die soziokulturellen Aspekte und die Frage der Konsistenz einbe
ziehe, beziehungsweise sie bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit ausscheide. Hierin sehe er den Grund für die unterschiedliche Einschätzung der Arbeitsunfä
higkeit (
Urk.
11/104/57).
5
.
5
.4
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte aus, aus allgemein-internistischer Sicht könne die durch
Dr.
A._
beschriebene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit basierend auf der Diagnose eines Mammakar
zinoms mit postoperativem Lymphödem des linken Armes bestätigt werden (
Urk.
11/104/25).
5
.
5
.5
Insgesamt kamen die Gutachter
zum Schluss, der Beschwerdeführe
rin
könnten
aufgrund der Minderbelastbarkeit
des linken Armes bei Lymphödem nach Mastektomie und
Axilladissektion
sowie des Achsenorganes auf lumbalem Ni
veau bei Status n
ach Lendenwirbelsäulenoperation
keine körperlich schweren und ständig mittelschweren Tätigkeiten zugemutet
werden.
Ferner seien
keine
Tätigkeiten in rücken-
und
nackenbelastenden Arbeitspositionen, in anhaltend sitzender oder stehender Zwangshaltung und mit dem linken Arm an oder über der Schulterhorizontalen möglich. Eine weitere Einschränkung
betreffe
feinmo
torische und repetitive
Verrichtungen mit der linken Hand, respektive dem linken Arm. Die angestammte Tätigkeit habe aus Un
t
erhaltsreinigungen bestanden, wes
halb davon auszugehen sei, dass es sich um eine rein stehende und gehende Tä
tigkeit in häufig rückenbelastenden Positionen gehandelt habe. Aus rheumatolo
gischer und allgemein-internistischer Sicht könne daher die diesbezügliche Ar
beitsfähigkeit auf 50
%
geschätzt werden. Aus rheumatologischer und allgemein-internistischer Sicht könnten der Beschwerdeführerin jegliche körperlich leichten, gelegentlic
h mittelschwere
n
Tätigkeiten in
wechselnden Positionen ganztags zu
gemutet werden,
mit einer geschätzten Leistungseinbusse von 25
%
aufgrund schmerzbedingt vermehrter Pausen und langsamerem
Arbeitstempo sowie
der nur als
Zudienhand
einsetzbaren oberen linken
Extremität. Entsprechend werde die leidensadaptierte Arbeitsfähigkeit auf 75
%
geschätzt (
Urk.
11/104/26).
5
.
6
In seiner Stellungnahme
vom 1
6.
November 2017 (
Urk.
11/117)
zu den Rückfra
gen der Beschwerdegegnerin
führte
Dr.
A._
aus, die attestierte Arbeits
fähigkeit von 50
%
in der angestammten Tätigkeit sei eine Schätzung. Es bestehe ausschliesslich e
in Armleiden links (
adominante
Seite) mit
auf der Befundebene nur leichtem
Lymphödem. Das Ausmass der gezeigten Bewegungseinschränkung und Minderbelastbarkeit des linken Armes und insbesondere der ganzen linken Körperseite lasse sich jedoch auf der Befundebene bei weitem nicht erkl
ären. Der linke,
adominante
Arm beziehungsweise die
Hand könn
t
e
n
für leichte bis gele
gentlich mittelschwere
Tätigkeiten eingesetzt werden, insbesondere als
Zudien
hand
und nur mit der Einschränkung von häufigen Tätigkeiten an beziehungs
weise über der Schulterhorizontalen. Leichte raumpflegerische Tätigkeiten wie zum Beispiel in einem Büro oder in einem Pflegeheim/Spital seien durchaus im genannten Schätzbereich von 50
%
zumutbar. Auch die nach der Beendigung der Radio- und Chemotherapie seit Juli 201
5
attestierte leidensangepasste Arbeitsfä
higkeit von
50
%
sei eine Schätzung
(
Urk.
11/117/1 f.)
. Es sei durchaus anzuneh
men, dass von Seiten des Bewegungsapparates im Juli 2015 ein auf der Befund
ebene stabilisierter Zustand bestanden habe, so wie er ihn zum Zeitpunkt der Untersu
c
hung am 2
2.
Februar 2017 angetroffen habe
(
Urk.
11/117/2)
. Gegenüber dem Zustand unmittelbar vor der Rückenoperation im Juni 2011 sei auf der Be
fundebene von einer klaren Verbesserung auszugehen, da nachfolgende Abklä
rungen keine Claudicatio-Symptomatik mehr ergeben hätten und zum Zeitpun
kt der rheumatologischen Untersu
chung keine Hinweise für eine
lumbor
adikuläre
Symptomatik oder eine
Segmentinstabilität hätten festgestellt werden können
(
Urk.
11/117/2 f.)
. Sodann seien sämtliche Befunde am Bewegungsapparat in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einbezogen worden (
Urk.
11/117/
3).
6
.
6
.1
Es ist unbestritten und steht gestützt auf die Akten fest, dass seit der letzten ma
teriellen Beurteilung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin im Februar 2010 in somatischer Hinsicht mit der Diagnose eines invasiven Mammakarzinoms links und eines chronischen
thorako-lumbospondylogenen
Syndroms links bei
Status nach mikrochirurgischer Dekompression L4/L5 beidseits mit medialer ge
lenkerhaltender
Arthrotomie
links und innerer Dekompression rechts 2011 neue Leiden hi
nzugekommen sind, aufgrund derer
auch das quantitative Element
der erheblichen gesundheitlichen Verschlechterung ausgewiesen ist
(vgl.
Urk.
11/104/25)
.
Damit liegt ein Revisionsgrund vor und
der Rentenanspruch
ist
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zu beur
teilen ist
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des frü
hestmöglichen Rentenbeginns im
Dezember 2016 (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG und Art. 29 Abs. 1 IVG)
.
6
.2
Die
angefochtene
Verfügung der Beschwerdegegnerin
vom
3.
August 2018
ba
siert
in medizinischer Hinsicht
in erster Linie auf dem polydisziplinären Gutach
ten der MEDAS
Z._
(
Urk.
11/104). Daher ist vorab auf dessen Beweis
wert einzugehen.
Die Expertise basiert auf umfassenden allgemeininternistischen, rheumatologi
schen und psychiatrischen Abklärungen und wurde in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt (
Urk.
11/104/3 ff.). Die Beschwerdeführerin konnte gegenüber den einzelnen Sachverständigen ihre aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils - soweit fachspezifisch erforderlich - eingehend befragt. Sie konnte sich insbesondere auch zu verschiedenen Themenkomplexen wie der fa
miliären Situation,
dem beruflichen Werdegang und dem gewöhnlichen Tagesab
lauf äussern (
Urk.
11/104/18 f.,
Urk.
11/104/53). Die geklagten Leiden fanden so
dann im Zuge der Feststellung der Diagnosen
Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und erläutert wurden (
Urk.
11/104/26,
Urk.
11/104/46 ff.,
Urk.
11/104/56 f.). Ausserdem erfolgte eine Auseinandersetzung mit vorange
gangenen ärztlichen Beurteilungen (
Urk.
11/104/57
). Gesamthaft erfüllt das po
lydisziplinäre Gutachten somit die formellen Kriterien für eine beweiswerte me
dizinische Expertise
(vgl. E.1.
5
).
6
.3
Die Beschwerdeführerin bringt allerdings vor, dass auf die von den Gutachtern attestierte Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der angestammten beziehungsweise
von
75
%
in einer angepassten Tätigkeit nicht abgestellt werden könne
. A
ufgrund der Befunde der behandelnden Ärzte seien
ihre
Beschwerden klar invalidisierend
.
Wie aus dem Gutach
ten selbst hervorgehe, sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und insbesondere der Einsetzbarkeit des linken Arms rein spekulativ erfolgt
, so spreche der begutachtende Rheumatologe denn auch ausdrücklich von einer Schätzung
(
Urk.
1 S. 7 und S. 8).
S
ie könne die motorisch anspruchsvolle, belas
tende angestammte Tätigkeit einer Reinigungsfachfrau sowohl von der Wirbel
säule als
auch von d
en Armen her nicht mehr ausüben. A
ngesichts des mannig
faltigen, multimorb
i
den Beschwerdebilds, welches neben dem Armleiden noch zahlreiche weitere Diagnosen umfasse
,
erscheine
sodann
ein
e
Arbeitsfähigkeit von 75
%
in einer angepassten Tätigkeit als nicht vorstellbar (
Urk.
1 S. 8).
Die Argumentation der Beschwerdeführerin erweist sich als nicht stichhaltig.
Zu
nächst
ist darauf hinzuweisen
dass
die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähig
keit, abhängig von der Gutachterperson und von den Umständen der Begutach
tung, eine grosse Varianz aufweisen
kann
und die ärztliche Beurteilung von der Natur der Sache her unausweichlich Ermessenszüge
trägt
, die es zu respektieren gilt
(Urteil
des Bundesgerichts
9C_397/2015 vom
6.
August 2015 E. 5.3
)
.
Dass
Dr.
A._
bezüglich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von ei
ner Schätzung spricht
,
schmälert den Beweiswert seines Teilgutachtens nicht.
Die
Vorbringen
bezüglich der Einsetzbarkeit des linken Armes
werden sodann
nicht durch entsprechende
medizinische Unterlagen
untermauert
. So
attestierte
Hausarzt
Dr.
D._
zwar eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten
,
be
züglich des
linke
n
Arm
es führte er jedoch lediglich aus, dieser
dürfe aufgrund des Lymphödems nicht zu stark belastet werden (
Urk.
11/69/2)
, davon, dass
gar
keine Belastung möglich sein soll
,
ist nicht die Rede
.
Dies stimmt auch mit der Ein
schätzung von
Dr.
A._
überein, der die Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin nur für Tätigkeiten
bescheinigt, im Rahmen welcher die
obere linke Extremität
nur als
Zudienhand
eingesetzt wird
(
Urk.
11/104/26).
Ferner
begründete
Dr.
D._
- auf dessen Bericht sich die Beschwerdeführerin hin
sichtlich der Arbeitsfähigkeit beruft -
nicht
, weswegen die Beschwerdeführerin voll arbeitsunfähig sein soll
te
, insbesondere ist nicht ersichtlich, welche Tätigkei
ten
oder Verrichtungen
sie noch ausüben könnte
und in welchen sie
aufgrund welcher Befunde
eingeschränkt ist sowie
ob die
Arbeitsfähigkeit
aufgrund der psychischen oder der somatischen Beschwerden
verneint wurde
(
Urk.
11/69/2). Es ist sodann auf d
ie Erfahrungstatsache hinzuweisen,
dass Hausärzte und Haus
ärztinnen wie überhaupt behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pa
tientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc
).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Be
gutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Arztpersonen
beziehungsweise
Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Ok
tober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06
]
)
.
Der Bericht von
Dr.
D._
vom
7.
Juni 2016
ist somit nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeitseinschätzung des
schlüssigen
MEDAS-Gutachtens in Zweifel zu ziehen.
In somatischer Hinsicht liegen sodann keine weiteren ärztlichen Beurtei
lungen der Arbeitsfähigkeit vor.
In psychischer Hinsicht w
ird von den MEDAS-Gutachtern lediglich
die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F
45.41)
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Dies stimmt mit der Beurt
eilung des begutachtenden
Dr.
Y._
im Jahr 2010 überein
(
Urk.
11/36/11 und 17). D
er
behandelnde Psychiater
Dr.
C._
, der in seinem Bericht vom 2
8.
November 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 90-95
%
attestierte
(Urk.11/83/12)
, ver
mag
diese Einschätzung
nicht zu erschüttern
, da er keine
ge
sundheitlichen
Veränderungen
beschrieb
, die
mit
B
lick auf das der
Neuanmel
dung
zu Grunde liegende Beweisthema (vorstehend E. 1.3-4)
eine von
Dr.
Y._
abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit rechtfertig
en
(Urteil des Bundesge
richts
8C_322/2018 vom 1
2.
Dezember 2018 E. 2.3)
. Eine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit aus psychischen Gründen wird sodann auc
h von der Beschwerde
führerin nicht geltend gemacht
(vgl.
Urk.
1)
.
Insgesamt
ist somit davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin
in einer an
gepassten Tätigkeit zu 75
%
arbeitsfähig ist.
Zumutbar sind jegliche körperlich leichten, gelegentlich mittelschweren Tätigkeiten in wechselnden Positionen ganztags, mit einer geschätzten Leistungseinbusse von 25
%
aufgrund schmerz
bedingt vermehrter Pausen und langsamerem Arbeitstempo sowie der nur als
Zu
dienhand
einsetzbaren oberen linken Extremität (
Urk.
11/104/26).
W
elche Anfor
derungen die angestam
mte Tätigkeit als Reinigungs
frau
stellt
und inwiefern diese Arbeit der Beschwerdeführerin zumutbar wäre
, kann offen bleiben, wie die nach
folgenden Ausführungen zeigen
.
7
.
7
.1
Zu prüfen bleiben die Auswirkungen der eingeschränkten Leistungsfähigkeit auf die
Erwerbsfähigkeit
der Beschwerdeführerin. Sie bestreitet diesbezüglich, dass sie die von den Gutachtern attestierte Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt ver
werten könne, dies aufgrund ihres mannigfaltigen, multi
morbiden Beschwerdebilds. Dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein brei
tes Spektrum
an Tätigkeiten existierten, die
mit
ihrem Belastungsprofil zumutbar seien, sei nicht nachvollziehbar (
Urk.
14 S. 3).
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 ATSG ist ein the
oretischer und abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht
berücksichtigt
(BGE 134 V 64 E. 4.2.1, BGE 110 V 273 E. 4b; vgl. auch BGE 141 V 351 E. 5.2, 141 V 343 E. 5.2). Er umschliesst einerseits ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und in
tellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 E. 5.1 und 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.1, je mit Hinweisen). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die versicherte Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbs
fähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu er
zielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273 E. 4b; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
131 zu Art. 28a).
Die faktische
Einhändigkeit
oder die Beschränkung der dominanten Hand als
Zu
dienhand
stellen zwar praxisgemäss Tatbestände einer erheblich erschwerten Ver
wertbarkeit der Arbeitsfähigkeit dar. Doch hat die Rechtsprechung wiederholt be
stätigt, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend realistische Betäti
gungsmöglichkeiten für Personen bestehen, die funktionell als Einarmige zu be
trachten sind und überdies nur noch leichte Arbeit verrichten können. Zu denken ist etwa an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die Bedienung und Überwachung von (halb-) automatischen Maschinen oder Pro
duktionseinheiten, die keinen Einsatz von rechtem Arm und rechter Hand vo
raussetzen (Urteil des Bundesgericht
s
8C_37/2016 vom 8. Juli 2016 E. 5.1.2 mit Hinweisen; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_628/2017 vom 12. Januar 2018 E. 6.4 und 8C_622/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 5.2.2 mit weiteren Hinwei
sen).
Was im Hinblick auf die eingeschränkte Einsetzbarkeit des dominanten Armes ausgeführt wurde, muss umso mehr gelten, wenn wie vorliegend der
adominante
Arm von der Einschränkung betroffen ist. Es ist daher von der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auszugehen.
7
.2
Die Beschwerdegegnerin ist
zunächst von einer
Qualifikation der Beschwerdefüh
rerin als zu 45
%
erwerbstätig und zu 55
%
im Aufgabenbereic
h tätig ausgegan
gen (
Urk.
2 S. 1
), relativierte dies jedoch in ihrer Beschwerdeantwort indem sie
ausführte, auch wenn eine Vollerwerbs
t
ätigkeit ang
e
nommen werde, entstehe kein Rentenanspruch (
Urk.
10 S. 1
)
. Da das im Zeitpunkt de
r
im November 2008 durchgeführten
Haushaltsabklärung noch zu betreuende Kind
(Jahrgang 1996)
bereits seit mehreren Jahren
volljährig ist
(vgl.
Urk.
11/25)
erscheint es
nachvoll
ziehbar,
dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall voll erwerbstätig wäre.
Es
ist daher von einer 100%igen Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin auszu
gehen und auf dieser Grundlage ein
en
Einkommensvergleich durchzuführen.
7
.3
7
.3.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
In gewissen Fällen, insbesondere dort, wo Validen- und Invalideneinkommen an
hand derselben Tätigkeit zu ermitteln sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_295/2017 vom 2
7.
September 2017 E. 6.5), kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Er
werbseinkommen ist alsdann mit 100
%
zu bewerten, während das Invalidenein
kommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter Prozent
vergleich; BGE 114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).
7
.3.2
Die Beschwerdeführerin hat keine Beru
fsausbildung absolviert (
Urk.
11/104/18
). Tätig war sie in erster Linie im Reinigungsbereich
(
Urk.
11/72)
,
sie
hat jedoch
bei ihrer letzten Tätigkeit in einer Konditorei gemäss eigenen Aussagen auch Arbei
ten im Rahmen der Produ
ktion übernommen (
Urk.
11/104/53
). Einer Tätigkeit im Reinigungsbereich oder einer vergleichbaren Tätigkeit wäre sie ohne den Gesund
heitsschaden auch weiterhin nachgegangen. Es rechtfertigt sich daher, das hypo
thetische
Valideneinkommen
anhand der statistis
c
hen Durchschnittswerte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu bestimmen.
Aufgrund des Gesundheitsschadens beschränkt sich der Einsatzbereich der Be
schwerdeführerin auf körperlich leichte, gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten in wechselnden Positionen mit nur al
s
Zudienhand
einsetzbarer oberer linker
Ext
remität (
Urk.
11/104/26).
Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt
hält
auch für unge
lernte Arbeitskräfte solche Tätigkeiten in genügender Anzahl bereit. Bislang hat die Beschwerdeführerin keine angepasste Tätigkeit aufgenommen. Somit ist auch das Invalideneinkommen anhand der Tabellenlöhne zu bestimmen.
Bei dieser Ausgangslage kann auf eine ziffernmässige Bestimmung der beiden hypothetischen Einkommen verzichtet werden. Für die Bestimmung des Validen- und des Invalideneinkommens ist von den nämlichen Lohnansätzen, das heisst vom Zentralwert der
Frauenlöhne auszugehen (LSE 2014
, TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1). Der Invaliditätsgrad entspricht damit dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, gegebenenfalls unter Berücksichtigung des Abzuges vom Ta
bellenlohn (Urteile des Bundesgerichts 8C_365/2012 vom 3
0.
Juli 2012 E. 7, 8C_628/2015 vom
6.
April 2016 E. 5.3.5 je mit Hinweisen).
7
.3.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) al
lenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass per
sönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Le
bensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren dürfen (Urteile des
Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1 und 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1).
Der Beschwerdeführerin ist eine ganztägige Arbeitstä
tigkeit zumutbar (
Urk.
11/104/26). Dem
um 25
%
reduzierten Rendement aufgrund des
schmerz
bedingt erhöhten Pausenbedarf
s
und
des
langsameren Arbeitstempo
s
sowie der nur als
Zudienhand
einsetzbaren linken oberen Extremität
wurde mit der attes
tierten Arbeitsfähigkeit von 75 % bereits hinreichend Rechnung getragen. Ein (weiterer) Abzug wegen der leide
nsbedingten Einschränkung recht
fertigt sich da
her nicht. Es ist nicht erkennbar, dass anderweitige einkommensbeeinflussende Faktoren, die im Übrigen auch von der Beschwerdeführerin nicht vorgebracht werden, derart gravierend wären, dass diese deswegen negative Auswirkungen auf die Lohnhöhe zu gewärtigen hätte. Gesamthaft ist somit nicht zu beanstan
den, dass die Beschwerdegegnerin keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährt hat.
7
.3.4
Somit ist
insgesamt
von einem nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 25
%
auszugehen.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin von
3.
August 2018 ist demzufolge nicht zu beanstanden. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8
.
8
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
, infolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.
8
.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) be
misst sich die Höhe der ger
ichtlich festzusetzenden Entsch
ädigung nach der Be
deutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Ob
siegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird - auch im Rahmen der un
entgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt
.
8
.3
Der von Rechtsanwältin
Dr.
Barbara Wyler mit Honorarnote
vom 2
7.
Juni 2019 geltend gemachte Aufwand von 20.5 Stunden und Barauslagen von
Fr.
119.15
(
Urk.
18) sind der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass sie die Beschwerde
führerin bereits während des gesamten Verfahrens
vor
der Bes
chwerdegegnerin vertrat (
Urk.
11/70
). Damit waren die Akten bekannt und der Instruktionsauf
wand gering.
Sodann ist festzuhalten, dass der Anwalt
bzw. die Anwältin
mit dem Mandat, für eine unbemittelte Partei als Rechtsvertreter tätig zu werden, keinen privaten Auf
trag übernimmt. Das Mandat kann verbindlich nur durch den Kanton selbst erteilt werden und stellt die Übernahme einer staatlichen Aufgabe dar. D
ie
Anw
ä
lt
in
tritt zum Staat in ein Verhältnis ein, das vom kantonalen öffentlichen Recht be
stimmt wird. Die Bestellung eine
r
Anw
ä
lt
in
zu
r
unentgeltlichen
Rechtsbeist
ä
nd
in
stellt eine Verfügung dar, welche das besondere öffentlich-rechtliche Rechtsver
hältnis zwischen Anw
ä
lt
in
und Staat begründet (BGE 141 I 70 E. 6.1) und der beauftrage Rechtsvertreter ist grundsätzlich zu
r
persönlichen Erfüllung des Auf
trages verpflichtet. Ein Wechsel des unentgeltlichen Rechtsbeistandes bedarf der richterlichen Bewilligung (BGE 141 I 70 E. 6.2).
Antragsgemäss wurde mit Gerichtsverfügung vom 1
2.
Februar 2019 Rechtsan
wältin
Dr.
Barbara Wyler als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt (
Urk.
12). Diese hatte auch die Beschwerdeschrift vom 1
4.
September 2
0
18 (
Urk.
1) verfasst.
Die Replik vom 2
7.
März 2019
(
Urk.
14)
wurde hingegen von Rechtsanwalt Va
lentin Brunner erstellt. Ob dieser angesichts der fehlenden
Aufführung
auf der Vollmacht überhaupt berechtigt war, für die Beschwerdeführerin Rechtshandlun
gen vorzunehmen
,
ist fraglich, kann vorliegend jedoch dahingestellt bleiben. Eine Bewilligung des Wechsels des unentgeltlichen Rechtsbeistandes lag (und liegt) jedenfalls nicht vor, weswegen die Bemühungen von Rechtsanwalt Brunner
im Zusammenhang mit der Erstellung der Replik von 10.75 Stunden
nicht durch das Gericht zu entschädigen sind.
Angesichts der zu studierenden, bereits bekannten 138 Aktenstücke und der grö
sstenteils
der
Einwandbegründung
(
Urk.
11/
112) beziehungsweise der Stel
lungnahme
zum Schreiben von
Dr.
A._
vom 1
6.
November 2017 (
Urk.
11/134)
entsprechenden etwa 14-seitigen
Beschwerdeschrift sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge ist die Entschädigung von Rechtsan
wältin
Dr.
Barbara Wyler bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'100.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
8
.4
Die Beschwerdeführerin ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die
unentgeltliche Prozessführung und
Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.