Decision ID: 59201da7-0c7e-5292-82cf-e3d2594c0bf1
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Rekurrentin,
gegen
Soziale Dienste St. Gallen, Brühlgasse 1, 9004 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
Bevorschussung von Unterhaltsbeiträgen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Am 22. September 2010 reichte A._ bei der Beratungsstelle für Familien ein
Gesuch um Bevorschussung und Inkasso von Unterhaltsbeiträgen für ihre Söhne B._
und C._ ein. Mit Urteil betreffend Ehescheidung hatte das Kreisgericht St. Gallen am
7. Mai 2009 den Vater der Kinder, D._, verpflichtet, an den Unterhalt der Kinder
monatlich und vorauszahlbar Fr. 600.-- bis zum vollendeten 12. Altersjahr bzw.
Fr. 700.-- ab dem vollendeten 12. Altersjahr zu bezahlen (act. G 6.1). Weil D._ seinen
Unterhaltspflichten letztmals am 30. März 2010 nachgekommen war, hiess das
Sozialamt St. Gallen am 1. Oktober 2010 die Bevorschussung der Unterhaltsbeiträge
von monatlich Fr. 1'200.-- ab 1. Juni 2010 an B._ und C._ verfügungsweise gut
(act. G 6.2). Anlässlich einer Revision anfangs des Jahres 2013 stellten die Sozialen
Dienste St. Gallen fest, die bisherige Bevorschussung von Fr. 1'300.-- (Fr. 700.-- für
B._ und Fr. 600.-- für C._) könne ab Januar 2013 unverändert ausbezahlt werden
(act. G 6.3).
A.b Am 24. Juli 2013 heiratete A._ erneut. Aufgrund der damit notwendig
gewordenen Neuberechnung der Alimentenbevorschussung, unter Einbezug der
Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Ehemannes, erliessen die Sozialen
Dienste St. Gallen am 28. August 2013 eine Revisions-Verfügung und hiessen ab
1. August 2013 noch die teilweise Bevorschussung der Unterhaltsbeiträge in der Höhe
von Fr. 152.80 monatlich gut (ABV 2013/2, act. G 1.1). Dagegen erhob A._ am
12. September 2013 Rekurs beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen und
beantragte sinngemäss die Aufhebung der Revisions-Verfügung vom 28. August 2013.
Zur Begründung machte sie geltend, ab 1. August 2013 sei ihr Monatslohn um
Fr. 800.-- gekürzt worden. Zudem habe ihr Ehemann noch eine _-jährige Tochter (ABV
2013/2, act. G 1). Aufgrund der beigebrachten Unterlagen widerriefen die Sozialen
Dienste St. Gallen die Revisions-Verfügung vom 28. August 2013 und verfügten am
4. März 2014 neu, die gerichtlich festgesetzten Unterhaltsbeiträge würden ab 1. August
2013 mit Fr. 1'081.40 pro Monat bevorschusst (act. G 6.5). Nachdem A._ dem
Gericht mitgeteilt hatte, mit der neu verfügten Bevorschussung sei sie einverstanden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(act. G 1.3), wurde das Rekursverfahren beim Versicherungsgericht mit Verfügung vom
17. März 2014 als gegenstandslos abgeschrieben (ABV 2013/2).
A.c Mit Einstellungs-Verfügung vom 5. März 2014 teilten die Sozialen Dienste
St. Gallen A._ mit, ab 1. Januar 2014 bestehe kein Anspruch mehr auf Vorschüsse.
Die Berechnung anlässlich der Revision für das Jahr 2014 habe ergeben, dass das
anrechenbare Einkommen von Fr. 100'213.-- die Bevorschussungsgrenze von
Fr. 98'835.-- übersteige. Die Bevorschussung und das Inkasso der Unterhaltsbeiträge
für B._ und C._ würden daher per 31. Dezember 2013 eingestellt (act. G 4.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob A._ am 12. März 2014 Rekurs beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung
der Verfügung und die Neuberechnung des anrechenbaren Einkommens. Zur
Begründung macht sie geltend, seit Januar 2014 betrage ihr Monatslohn Fr. 4'267.--,
womit ein Jahreseinkommen von Fr. 55'471.-- resultiere - und nicht wie berechnet
Fr. 65'674.-- (act. G 1). Mit Eingabe vom 17. März 2014 teilte die Rekurrentin dem
Gericht ergänzend mit, sie habe am 12. März 2014 mit der zuständigen Person des
Sozialamtes St. Gallen telefoniert, um offene Fragen zu klären. Diese habe ihr
mitgeteilt, das anrechenbare Einkommen sei aufgrund der Jahreseinkommen 2013
ermittelt worden. Dagegen wendet die Rekurrentin ein, es werde vergessen, dass sie
ihren Mann erst am 24. Juli 2013 geheiratet habe (act. G 3).
B.b In der Vernehmlassung vom 7. Mai 2014 beantragt die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses. Bei der jährlichen Revision der laufenden Bevorschussungsfälle stütze
sie sich auf die tatsächlichen Einkünfte sowie auf die abzugsfähigen Kosten aus dem
Vorjahr. Diese Berechnungsmethode mache Sinn, weil die abzugsfähigen Kosten erst
nach Ablauf des Jahres exakt beziffert werden könnten. Bei der Rekurrentin komme
folglich der Jahreslohnausweis 2013 mit einem eigenen Nettolohn von Fr. 58'652.--
sowie die ausgewiesenen und abzugsfähigen Kosten des Jahres 2013 in die
Berechnung. Bei den Beträgen, welche die Rekurrentin in der Rekurseingabe vom
12. März 2014 nenne (Fr. 4'267.-- Monatslohn und Fr. 55'471.-- Jahreseinkommen),
seien die Kinderzulagen nicht enthalten. Diese würden jedoch als Einkommen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angerechnet. Aufgrund der Aussage in der Eingabe vom 17. März 2014 gehe sie davon
aus, dass die Rekurrentin die Berechnungsmethode nicht mehr bestreite. Des Weiteren
sei für die jährliche Revision bei laufenden Bevorschussungsfällen der Zivilstand einer
Klientin am 31. Dezember für das gesamte Vorjahr massgebend. Der Ehegatte der
Rekurrentin werde somit für das ganze Jahr und nicht erst ab dem Zeitpunkt der Heirat
in der Berechnung berücksichtigt. Die Berechnung des Vorschussbetrages werde
somit für den gesamten Zeitraum mit den Berechnungsgrundlagen "Ehepaar mit 2
Kindern" vorgenommen (act. G 6).
B.c Die Rekurrentin verzichtete auf eine Replik.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 des Gesetzes über Inkassohilfe und Vorschüsse für
Unterhaltsbeiträge (GIVU; sGS 911.51) hat das Kind für die Dauer der Unterhaltspflicht
der Eltern, längstens bis zum vollendeten 25. Altersjahr, Anspruch auf Vorschüsse für
elterliche Unterhaltsbeiträge, wenn diese in einem vollstreckbaren Urteil festgesetzt
sind (lit. a) und trotz angemessener Inkassoversuche nicht rechtzeitig eingehen (lit. b).
Der Unterhaltsbeitrag wird bis zum Betrag der höchsten Waisenrente der
eidgenössischen Alters- und Hinterlassenenversicherung bevorschusst, wenn das
anrechenbare Einkommen das Mindesteinkommen nicht übersteigt (Art. 4 Abs. 1 lit. a
GIVU). Die Unterhaltsbeiträge werden teilweise bevorschusst, wenn das anrechenbare
Einkommen die Bevorschussungsgrenze nicht übersteigt (Art. 4 Abs. 1 lit. b GIVU). Das
Mindesteinkommen entspricht beim verheirateten, in einer eingetragenen Partnerschaft
oder im Konkubinat lebenden obhutsberechtigten Elternteil dem doppelten Betrag des
für Ehepaare und für eingetragene Partner massgebenden allgemeinen Lebensbedarfs
für ordentliche Ergänzungsleistungen, erhöht um einen Zwanzigstel (Art. 4 Abs. 1
lit. b). Leben Kinder, für die eine Unterhaltspflicht besteht, mit dem obhutsberechtigten
Elternteil im gleichen Haushalt, so wird das Mindesteinkommen erhöht, für das erste
Kind um einen Viertel, für das zweite Kind um einen Fünftel und für jedes weitere Kind
um einen Sechstel des doppelten Betrags des für Alleinstehende massgebenden
allgemeinen Lebensbedarfs für ordentliche Ergänzungsleistungen, erhöht um einen
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zwanzigstel (Art. 4 Abs. 2 GIVU). Die Bevorschussungsgrenze entspricht dem
Mindesteinkommen zuzüglich des um einen Zwanzigstel erhöhten Betrags des für
Alleinstehende massgebenden allgemeinen Lebensbedarfs für ordentliche
Ergänzungsleistungen (Art. 4 GIVU). Bei teilweiser Bevorschussung werden
Bevorschussungsgrenze und anrechenbares Einkommen je um das
Mindesteinkommen vermindert. Der Unterhaltsbeitrag wird im Verhältnis des
verminderten anrechenbaren Einkommens zur verminderten Bevorschussungsgrenze
gekürzt (Art. 4 GIVU).
1.2 Anrechenbar ist nach Art. 4 Abs. 1 GIVU das Einkommen des
obhutberechtigten Elternteils, des Konkubinatspartners, des Stiefelternteils und des
eingetragenen Partners. Als Einkommen werden dabei gemäss Abs. 2 der Bestimmung
das Nettoerwerbseinkommen (lit. a), Kinder- und Familienzulagen (lit. b),
Unterhaltsbeiträge (lit. c), Kapitalerträge (lit. d), Sozialversicherungsrenten (lit. e),
Erwerbsersatzleistungen (lit. f) sowie ein Fünfzehntel des Fr. 30'000.-- übersteigenden
Reinvermögens (lit. g) angerechnet. Der Betrag wird gemäss Abs. 3 unter anderem
herabgesetzt um die Kosten aus einer notwendigen Betreuung des
anspruchsberechtigten Kindes durch Dritte (Ziff. 1), die ungedeckten Kosten aus
Krankheit und für medizinische Hilfsmittel (Ziff. 2), die Schuldzinsen, ausgenommen
Hypothekarzinsen (Ziff. 3) sowie um die Unterhaltsbeiträge, die obhutsberechtigter
Elternteil, Konkubinatspartner, Stiefelternteil und eingetragener Partner leisten müssen
(Ziff. 5).
1.3 Gemäss Art. 8 der Vollzugsverordnung zum Gesetz über Inkassohilfe und
Vorschüsse für Unterhaltsbeiträge (VV zum GIVU; sGS 911.511) prüft die zuständige
Stelle mindestens einmal jährlich, ob die Anspruchsvoraussetzungen noch erfüllt sind.
2.
2.1 Die Vorinstanz hat das Mindesteinkommen der Rekurrentin auf Fr. 78'664.50
(Fr. 60'511.50 + 1/4 von Fr. 20'170.50 x 2 + 1/5 von Fr. 20'170.50 x 2, Art. 4 Abs. 1
lit. b und Abs. 2 GIVU) und die Bevorschussungsgrenze auf Fr. 98'835.--
(Fr. 78'664.50 + Fr. 20'170.50, Art. 4 GIVU) festgesetzt. Das ist zu Recht
unbestritten geblieben. Umstritten ist einzig die Höhe des anrechenbaren Einkommens
ter
quater
quinquies
bis
ter
quater
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ab 1. Januar 2014. Nach Auffassung der Vorinstanz beträgt das
Bruttoerwerbseinkommen der Rekurrentin Fr. 65'674.--, das ihres Ehemannes
Fr. 57'980.--. Dabei stützt sich die Vorinstanz - zumindest was das Erwerbseinkommen
der Rekurrentin anbelangt - auf den Jahreslohnausweis 2013 (act. G 6 S. 4 und
G 10.1). Wie sie erklärt, mache es Sinn, dass sie sich bei der jährlichen Revision der
laufenden Bevorschussungsfälle auf die tatsächlichen Einkünfte sowie auf die
abzugsfähigen Kosten aus dem Vorjahr stütze, weil die abzugsfähigen Kosten erst
nach Ablauf des Jahres exakt beziffert werden könnten (act. G 6 S. 4). In ihrer
Rekursschrift macht die Rekurrentin demgegenüber geltend, ihr Monatslohn betrage ab
1. Januar 2014 Fr. 4'267.--, weshalb ein effektives Jahreseinkommen von lediglich
Fr. 55'471.-- resultiere. Ihre Aussage belegt sie mit der Lohnabrechnung für den Monat
Januar 2014 (act. G 1.2) sowie mit dem Vorsorgeausweis der CPV/CAP Pensionskasse
Coop, gültig ab 1. Januar 2014 (act. G 1.1). Dem hält die Vorinstanz in der
Vernehmlassung einzig entgegen, bei dem genannten Jahreseinkommen seien die
anzurechnenden Kinder- und Familienzulagen von jährlich Fr. 4'800.-- nicht enthalten
(act. G 6 S. 4).
2.2 Die gesetzlichen Bestimmungen enthalten keinen Hinweis darauf, welches
Einkommen anzurechnen ist (das aktuelle, dasjenige des Vorjahres oder das der letzten
[definitiven] Steuerveranlagung). Indem das Gesetz der Prüfung der
Anspruchsvoraussetzungen eine schematisierte Rechnung zu Grunde legt, bei der
beispielsweise der Lebensbedarf nicht konkret ermittelt, sondern diesbezüglich auf
Pauschalen abgestellt wird (vgl. etwa Art. 4 und Art. 4 GIVU), will es eine
einfache und damit schnelle Anspruchsprüfung gewährleisten. Es scheint daher
grundsätzlich sinnvoll, für die Ermittlung des wirtschaftlichen Leistungsvermögens auf
die (ausgewiesenen) Lohnangaben und getätigten Auslagen aus dem Vorjahr
abzustellen. Analog zu den Anspruchsvoraussetzungen bei anderen staatlichen
Leistungen ist jedoch beim anrechenbaren Einkommen vom Einkommen des Vorjahres
abzuweichen, wenn im Zeitpunkt der Prüfung eines allfälligen Anspruchs das ermittelte
Einkommen offensichtlich nicht (mehr) der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
entspricht (vgl. Art. 11 Abs. 3 des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über
die Krankenversicherung [EG-KVG; sGS 331.11] betreffend Prämienverbilligung) oder
wenn wesentlich kleinere anrechenbaren Einnahmen erzielt werden als während der
Berechnungsperiode (vgl. Art. 23 Abs. 4 der Verordnung über die
ter quater
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [ELV;
SR 831.301]).
2.3 Aufgrund der veränderten Situation durch die Heirat der Rekurrentin im Juli 2013
hatte die Vorinstanz mit Revisions-Verfügung vom 4. März 2014 neu über die
Bevorschussung der Unterhaltsbeiträge ab 1. August 2013 entschieden. Für die
Neuberechnung des Anspruchs war unter anderem wesentlich, dass die Rekurrentin
infolge Heirat ihren Anspruch auf finanzielle Unterstützung für die externe
Kinderbetreuung durch den Arbeitgeber verlor, womit sich ihr monatliches Einkommen
ab 1. August 2013 um den entsprechenden Betrag reduzierte (act. G 6.5; ABV 2013/2,
act. G 8 und G 8.2). Die Vorinstanz anerkannte die Änderung und stellte in der Folge ab
1. August 2013 auf das nun reduzierte Einkommen der Rekurrentin ab. Anstelle des
bisherigen Jahreseinkommens von Fr. 69'206.-- war für die Neuberechnung der
Monatslohn von Fr. 4'225.-- bzw. ein Jahreseinkommen von Fr. 54'925.-- (13 x
Fr. 4'225.--) zuzüglich Kinderzulagen in der Höhe von jährlich Fr. 4'800.-- massgeblich
(vgl. act. G 6.6). Erzielte die Rekurrentin folglich seit August 2013 ein wesentlich tieferes
Einkommen, steht fest, dass das gestützt auf den Jahreslohnausweis 2013 ermittelte
Einkommen offensichtlich nicht der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Zeitpunkt der
Anspruchsprüfung anfangs 2014 entsprach. Stellte die Vorinstanz im Zuge der Revision
für das Jahr 2014 auf den Jahreslohnausweis 2013 - und damit auf das gesamte
Erwerbseinkommen im Jahr 2013, inklusive Beiträge für die externe Kinderbetreuung
während sieben Monaten - ab, bediente sie sich der Annahme, die Rekurrentin erhalte
nach wie vor zusätzliche Beiträge des Arbeitgebers. Demgegenüber hatte sie den
Wegfall der Beiträge in der Revisions-Verfügung vom 4. März 2013 als ausgewiesen
erachtet. Mithin ging sie von einem Leistungsvermögen der Rekurrentin aus, welches
nachweislich nicht gegeben war. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz beim Ehemann -
anders als bei der Rekurrentin - nicht das Vorjahr als massgebend erachtete, sondern
das (höhere) Einkommen ab Januar 2014 berücksichtigte (Fr. 57'980.-- = 13 x
Fr. 4'460.--, vgl. act. G 4.1 und G 10.2), mithin auf das mutmassliche Einkommen
abstellte und somit unterschiedliche Berechnungsgrundlagen heranzog. Aus diesen
Gründen erweist sich das einseitige Abstellen auf den Jahreslohnausweis 2013 zwecks
Einschätzung der finanziellen Verhältnisse im Jahr 2014 als verfehlt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.4 Damit ist gesagt, dass die Ermittlung des anrechenbaren Einkommens aufgrund
der Einkommensverhältnisse zu erfolgen hat, wie sie sich nach Wegfall der Beiträge für
die externe Kinderbetreuung präsentierten. Eine retrospektive Einschätzung, allein
unter Berücksichtigung des Einkommens ab 1. August 2013 (monatlich Fr. 4'225.--;
vgl. ABV 2013/2, act. G 8.2), vermöchte indessen nicht vollständig zu befriedigen,
zumal der Lohn der Rekurrentin ab 1. Januar 2014 nachweislich auf monatlich
Fr. 4'267.-- anstieg (act. G 1.2). Aus diesem Grund erweist sich einzig das Abstellen auf
das mutmassliche künftige Einkommen als angemessen. Demzufolge ergibt sich
vorliegend bei einem Monatslohn von Fr. 4'267.-- und monatlichen Kinderzulagen von
Fr. 400.-- ein Jahreseinkommen der Rekurrentin von Fr. 60'271.-- (13 x Fr. 4'267.-- +
12 x Fr. 400.--). Davon ist bei der Ermittlung des anrechenbaren Einkommens
auszugehen. Es versteht sich von selbst, dass auch beim Ehemann der Rekurrentin auf
das mutmassliche Einkommen im Jahr 2014 abzustellen ist, was die Vorinstanz in ihrer
Verfügung vom 5. März 2014 allerdings bereits getan hat.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist der Rekurs teilweise gutzuheissen und die angefochtene
Verfügung aufzuheben. Die Sache ist sodann zur Neuberechnung des anrechenbaren
Einkommens im Sinne der Erwägungen und zu anschliessender neuer Verfügung an die
Sozialen Dienste St. Gallen zurückzuweisen.
3.2 Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 95 Abs. 3 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP