Decision ID: c767ff0e-2ddb-5f17-8dd9-7519874a5738
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._GmbH,
Beschwerdeführerin,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
R._,
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Beigeladener,
betreffend
Nachbelastung von paritätischen Beiträgen
Sachverhalt:
A.
A.a Am 21. November 2007 führte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen (SVA) als kantonale Ausgleichskasse bei der S._ GmbH, St. Gallen, eine
Arbeitgeberkontrolle durch. Dabei stellte sie fest, dass die Entschädigung von
Fr. 6'500.--, die dem Absolventen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Soziale
Arbeit St. Gallen (FHS), R._, im Rahmen des Praktischen Studiensemesters pro 2004
ausbezahlt wurde, nicht als AHV-pflichtiger Lohn deklariert wurde (act. G 1.1). Mit
Verfügung vom 4. Dezember 2007 verpflichtete die SVA die S._ GmbH u.a., auf
diesem Betrag (AHV-pflichtige Bruttolohnsumme: Fr. 6'918.--) die paritätischen
Beiträge von Fr. 982.50 inkl. Verwaltungskosten nachzuzahlen (vgl. act. G 6.1.4).
A.b Gegen diese Nachzahlungsverfügung erhob M._ als Geschäftsführer mit
Einzelunterschrift im Namen der S._ GmbH am 17. Januar 2008 Einsprache. Er stellte
den Antrag, für die an R._ bezahlte Aufwandentschädigung seien keine AHV-Prämien
zu erheben. Dabei handle es sich nicht um Lohn, weshalb keine Pflicht zur Bezahlung
von Sozialleistungen bestehe. Dies gehe aus der Praktikumsvereinbarung klar hervor
(act. G 6.1.5).
A.c Mit Entscheid vom 7. April 2008 wies die SVA die Einsprache ab. Zur Begründung
führte sie aus, der Betrag von insgesamt Fr. 6'500.--, der R._ für die Monate
September bis Dezember 2004 ausbezahlt worden sei, gelte als Barlohn resp. als
massgebender Bruttolohn von Fr. 6'918.--, auf dem die Beiträge geschuldet seien. Die
Nachzahlungsverfügung der Ausgleichskasse sei zu Recht ergangen (act. G 1.1).
B.
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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 3. Mai 2008
(act. G 1). Mit summarischer Beschwerdebegründung vom 8. Mai 2008 (act. G 2) und
Ergänzung vom 31. Mai 2008 wird beantragt, der Einspracheentscheid sei unter
Kostenfolge zulasten der SVA aufzuheben. Die Beschwerdeführerin macht zudem
geltend, die geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge seien je nach
Verfahrensausgang der FHS aufzuerlegen, während ihr eine Umtriebsentschädigung
von Fr. 2'000.-- zuzusprechen sei. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, für
die Nichtbezahlung der möglicherweise geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge
treffe sie keine Schuld. Laut Ziff. 6 der Vereinbarung begründe das Praktikum kein
arbeits- oder ausbildungsrechtliches Verhältnis mit einer entsprechenden Vergütung.
Der Praktikumseinsatz sei Bestandteil des Studiums, die Studierenden blieben
während des praktischen Studiensemesters an der FHS eingeschrieben und hätten
während dieser Zeit auch die Studiengebühr zu entrichten. Dem Studenten sei
während des Praktikums eine Aufwandentschädigung von Fr. 1'500.-- pro Monat
gewährt worden. Die zuständige Stelle der FHS habe auf Anfrage der
Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass darauf keine Sozialversicherungsbeiträge zu
entrichten seien. Überdies enthalte die Vereinbarung einen abschliessenden Katalog
sämtlicher Pflichten der Praxisstelle, in dem die Zahlung von
Sozialversicherungsbeiträgen nicht enthalten sei. Sie habe davon ausgehen dürfen,
dass die Angaben im Vereinbarungsformular der staatlichen Institution FHS und deren
mündlichen Erläuterungen zutreffend seien (act. G 4).
B.b Die Beschwerdegegnerin reicht keine Duplik ein, hält aber am Antrag auf
Abweisung der Bewerde fest. Zur Begründung verweist sie auf die Erwägungen des
Einspracheentscheids (act. G 6).
C.
Am 11. September 2008 wird R._ über das hängige Verfahren orientiert und zum
Prozess beigeladen (act. G 8). Eine Stellungnahme zur Streitsache hat er nicht
eingereicht.

Erwägungen:
1.
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Da in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die
bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE
132 V 220 E. 3.1.1), sind im vorliegenden Verfahrendie bis zum 31. Dezember 2004
geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Jede in der Schweiz ausgeübte Erwerbstätigkeit ist in der Alters- und
Hinterlassenenversicherung obligatorisch versichert und grundsätzlich beitragspflichtig
(Art. 1 Abs. 1 lit. b und Art. 4 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Der Begriff "Erwerbstätigkeit" wird
weder im Gesetz noch in der Verordnung inhaltlich näher umschrieben und wird in der
Praxis und in der Rechtsprechung sehr weit gefasst. Im Vordergrund steht der
Zusammenhang zwischen einer Tätigkeit und dem Zufluss geldwerter Leistungen (vgl.
Hanspeter Käser, Unterstellung und Beitragswesen in der obligatorischen AHV, 2. Aufl.,
Bern 1996, S. 19 f. und 66 ff.).
2.2 Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht der Erwerbstätigen richtet sich
unter anderem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte
Erwerbseinkommen als solches aus selbständiger oder aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit zu qualifizieren ist (Art. 5 und Art. 8 f. AHVG sowie Art. 6 ff. der
Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Als
Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit gilt nach Art. 5 Abs. 2 AHVG jedes Entgelt
für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit.
Als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes
Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt.
Die Frage, ob eine selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, beurteilt
sich gemäss ständiger Rechtsprechung nicht aufgrund der Rechtsnatur des
Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Für die Organe der AHV ist grundsätzlich
nicht entscheidend, ob die Erwerbstätigkeit gestützt auf einen Arbeitsvertrag, einen
Auftrag oder eine andere Vereinbarung erfolgt. Unerheblich ist auch die
Eigenqualifikation eines Vertragsverhältnisses durch die Parteien, entscheidend sind
vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse
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vermögen dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation
zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein (BGE 122 V 283 E. 2a).
3.
3.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die an den Praktikanten R._ im Jahr 2004
ausbezahlte Aufwandentschädigung als beitragspflichtiger Lohn zu qualifizieren ist, auf
dem die Beschwerdeführerin als Arbeitgeberin die paritätischen Beiträge zu entrichten
hat.
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat ihren Entscheid damit begründet, dass R._ als
eine einem Auszubildenden gleichgestellte Person einen Barlohn erhalten habe, der als
massgebender Lohn zu qualifizieren sei. Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber
vor, laut Vereinbarung begründe der Praktikumseinsatz kein arbeits- oder
ausbildungsrechtliches Verhältnis mit einer entsprechenden Vergütung.
4.
4.1 Im Gegensatz zum Lehrvertrag (Art. 344 – 346a des Schweizerischen
Obligationenrechts [OR; SR 220]) beinhaltet ein Praktikum zwar keine umfassende und
systematische Berufsausbildung, sondern bezweckt während einer befristeten Zeit die
praktische Ergänzung des schulischen Ausbildungsteils und dient damit der beruflichen
Ausbildung der lernenden Person. Als Auszubildende gelten neben Personen, die im
Sinn des Berufsbildungsgesetzes (SR 412.10) und Art. 344 ff. OR einen Lehrvertrag
abgeschlossen haben, jedoch u.a. auch Praktikantinnen bzw. Praktikanten mit zeitlich
begrenztem Lehrgang. Als massgebender Lohn der Auszubildenden und der ihnen
gleichgestellten Personen gilt sowohl der Bar- als auch der Naturallohn vom 1. Januar
an, welcher der Vollendung des 17. Altersjahrs folgt (Wegleitung des Bundesamts für
Sozialversicherungen [BSV] über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO
[WML], N 4147 f., Version mit Gültigkeit ab 1. Januar 2004). Bei der Absolvierung des
Praktikums hatte R._ (geboren 1978, act. G 4.2) das 17. Altersjahr bereits vollendet.
4.1.1 Vorliegend war die Dauer des Praktischen Studiensemesters auf 20 Wochen
befristet. Der Lehrgang bzw. der Inhalt des Praktikums richtete sich nach dem
Ausbildungsplan für das Praktische Studiensemester des FHS-Studiengangs
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"Ingenieur-Architektur" (act. G 4.2; Ziff. 2.1) und diente damit nicht dem
wirtschaftlichen Zweck des Unternehmens, sondern der beruflichen Ausbildung des
Praktikanten. Angesichts dieser Umstände ist das Praktische Studiensemester als ein
Praktikum im Sinn der zitierten Wegleitung des BSV einzustufen und damit – entgegen
dem anderslautenden Passus in der Vereinbarung – als ausbildungsrechtliches
Verhältnis zu betrachten.
4.1.2 Der Praktikant verrichtete persönlich Arbeit auf Weisung und im Dienst der
Beschwerdeführerin. Somit war er während des Einsatzes arbeitsorganisatorisch in
deren Betrieb eingegliedert. Dies kommt neben dem Umstand, dass er als
Auszubildender auf die Vermittlung berufsspezifischer Kenntnisse und Erfahrungen
durch die Verantwortlichen der Praxisstelle angewiesen war (vgl. act. G 4.2; Ziff. 2.1),
beispielsweise auch dadurch zum Ausdruck, dass er bei mehr als zweitägiger
Krankheit eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen hatte oder dass eine Probezeit
sowie die Kündigungsmodalitäten geregelt wurden (act. G 4.2; Ziff. 3.2/4 und Ziff. 4).
Der Arbeitseinsatz wurde mit einer Entschädigung abgegolten; Arbeitseinrichtungen,
Betriebsmittel und Material stellte die Beschwerdeführerin zur Verfügung (act. G 4.2;
Ziff. 3.2/1). Der Praktikant hatte weder ein spezifisches Unternehmerrisiko zu tragen
noch Investitionen zu tätigen und war daher auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht
vom Einsatzort abhängig.
4.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Praktikant als unselbständig
Erwerbstätiger zu betrachten ist. Da der Natural- oder Barlohn als massgebender Lohn
der Auszubildenden und der ihnen gleich gestellten Personen gilt (WML, N 4148), ist
die ausgerichtete Aufwandentschädigung von monatlich Fr. 1'500.-- als Barlohn und
damit als Lohn im Sinn von Art. 5 AHVG zu qualifizieren.
5.
5.1 Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.2 Ob die Beschwerdeführerin nach Bezahlung der paritätischen Beiträge an die
Beschwerdegegnerin eine Forderung gegenüber der FHS geltend machen kann, ist
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eine juristische Frage, die nicht in diesem Verfahren entschieden werden kann.
Immerhin bleibt anzufügen, dass verständlich erscheint, wenn sich die
Beschwerdeführerin auf die Richtigkeit der in der Vereinbarung abgegebenen Erklärung
der FHS verlassen hat, auch wenn es Sache der AHV-Behörde ist zu entscheiden, ob
Sozialversicherungsbeiträge geschuldet sind.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG