Decision ID: 5af3ba4c-6118-489e-9fe8-fdf2953b01ac
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X, geboren 1948, wohnte bis Mitte 2014 in der Politischen Gemeinde Z. Per 31.
Oktober 2013 trat er in den Ruhestand. Im Jahr 2013 flossen ihm Kapitalleistungen aus
den Säulen 2 und 3a im Betrag von insgesamt Fr. 643'600.– zu. Am 12. März 2014
wurde X mit einer separaten Jahressteuer für die Kapitalleistungen von Fr. 643'600.–
veranlagt und es wurden Kantons- und Gemeindesteuern von Fr. 52'820.25 und direkte
Bundessteuern von Fr. 14'423.35 erhoben. Gegen diese Veranlagungen erhob X am 7.
April 2014 Einsprache. Er machte geltend, er lebe von seiner Ehefrau getrennt, und die
gerichtliche Scheidung werde noch in diesem Jahr stattfinden. Die Kapitalleistungen
von Fr. 643'600.– habe er mit seiner Frau zur Hälfte aufgeteilt und an sie ausbezahlt.
Daher seien sie über diese Leistungen auch steuerlich getrennt zu veranlagen. Mit
Entscheid vom 5. Mai 2014 wies das Kantonale Steueramt die Einsprachen ab. Zur
Begründung hielt es fest, die Kapitalleistungen seien dem Einsprecher als Berechtigtem
zugeflossen. Im Zeitpunkt der Zuflüsse sei er aufgrund der Trennung als
Alleinstehender steuerpflichtig gewesen. Deshalb hätten die Kapitalleistungen
ungeachtet der anschliessenden Verwendung bei ihm besteuert werden müssen.
B.- Mit Eingabe vom 30. Mai 2014 erhob X Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, er und seine Ehefrau seien für je die
Hälfte des Betrages von Fr. 643'600.– mit dem niedrigeren Steuerfuss von 2,3% bzw.
für den jeweiligen Betrag von Fr. 321'800.– zu belasten. Zur Begründung macht er
geltend, er habe nach dem Erhalt der Kapitalleistungen seiner getrennt lebenden Frau
die Hälfte der Leistungen überwiesen. Daher sei er als Alleinstehender nicht für den
gesamten Betrag steuerpflichtig. Er fühle sich vom Gesetz her benachteiligt. Einerseits
sei er gesetzlich verpflichtet, sein Pensionskassenkapital mit seiner Frau zu teilen,
anderseits werde er aber bei dieser Zahlung wie ein Alleinstehender zu einem höheren
Steuersatz über den gesamten Betrag belastet. In seiner Vernehmlassung vom 18. Juli
2014 beantragte das Kantonale Steueramt unter Hinweis auf den Einspracheentscheid
die Abweisung des Rekurses und der Beschwerde. Die Eidgenössische
Steuerverwaltung hat stillschweigend auf einer Vernehmlassung zur Beschwerde
verzichtet. Der Rekurrent und Beschwerdeführer äusserte sich mit Eingabe vom 20.
August 2014 zur vorinstanzlichen Vernehmlassung und reichte eine Kopie des
Scheidungsurteils ein.

Auf weitere Einzelheiten wird, soweit notwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Veranlagung der
Einkommens- und Vermögenssteuer für die Kantons- und Gemeindesteuern 2013
sowie der Einkommenssteuer für die Direkte Bundessteuer 2013. Zwar müssen für
Rekurs und Beschwerde verschiedene Entscheide ergehen; sie können indessen in
einem einzigen Dokument mit Verweisungen und einem gemeinsamen Dispositiv, das
die beiden Steuern allerdings ausdrücklich auseinanderhält, enthalten sein (vgl. BGE
130 II 509 = Pra 2005 Nr. 114, E. 8.3, BGE 135 II 260 = Pra 2010 Nr. 37, E. 1.3.1).
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurs- bzw. Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Rechtsmittel sind rechtzeitig
eingereicht worden. Sie erfüllen in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG;
Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11,
abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs und die
Beschwerde ist einzutreten.
3.- Nach Art. 35 Abs. 1 StG sind alle Einkünfte aus der Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, aus Einrichtungen der beruflichen Vorsorge und aus
anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge, mit Einschluss der
Kapitalabfindungen und Rückzahlungen von Einlagen, Prämien und Beiträgen
steuerbar. Kapitalleistungen nach dieser Bestimmung werden gesondert besteuert und
unterliegen einer vollen Jahressteuer (Art. 52 Abs. 1 StG). Der Steuersatz für Ehegatten
nach Art. 52 Abs. 2 StG wird auch für verwitwete, getrennt lebende, geschiedene und
ledige Steuerpflichtige angewendet, die mit Kindern oder unterstützungsbedürftigen
Personen zusammen leben und deren Unterhalt zur Hauptsache bestreiten. Das Recht
der direkten Bundessteuer weist analoge Bestimmungen auf (Art. 22 Abs. 1 und Art. 38
DBG).
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a) Fest steht, dass die Eheleute X und Y Ende 2013 getrennt lebten und im Jahr 2013
getrennt besteuert wurden. Der Rekurrent und Beschwerdeführer vermerkte in der
Steuererklärung denn auch, er lebe von seiner Ehefrau getrennt. Die Kapitalleistungen
wurden ausschliesslich dem Rekurrenten und Beschwerdeführer ausgerichtet und von
ihm vereinnahmt. Daher war es nach der gesetzlichen Ordnung folgerichtig, dass die
Kapitalleistungen angesichts der Trennung und der gesonderten Besteuerung der
getrennt lebenden Eheleute beim Rekurrenten und Beschwerdeführer im Rahmen der
gesonderten Besteuerung mit einer Jahressteuer erfasst wurden. Das Gesetz sieht
überdies für getrennt lebende Ehegatten nur dann die Anwendung des Steuersatzes für
Verheiratete vor, wenn sie mit Kindern zusammenleben und für deren Unterhalt zur
Hauptsache aufkommen (Art. 52 Abs. 3 StG, Art. 38 Abs. 2 i.V.m. Art. 214 Abs. 2
DBG). Nach der Systematik des Gesetzes werden steuerbare Einkünfte bei der
empfangenden Person erfasst. Soweit der Rekurrent und Beschwerdeführer die Hälfte
der Kapitalleistungen der getrennt lebenden Ehefrau überwies, erfüllte er eine
familienrechtliche Verpflichtung, weshalb der Zufluss bei der getrennt lebenden Ehefrau
als Leistung infolge güterrechtlicher Auseinandersetzung steuerfrei ist (Art. 37 lit. a StG,
Art. 24 lit. a DBG). Dies wurde offenbar im Rahmen der Scheidungskonvention
berücksichtigt. Gemäss dem vom Rekurrenten und Beschwerdeführer eingereichten
Scheidungsurteil der Familienrichterin des Kreisgerichts Wil wurde in der
Scheidungskonvention festgehalten, dass der Ehemann der Ehefrau den hälftigen
Anteil des Pensionskassenkapitals "nach Steuerabzug" überwiesen habe. Dies
bedeutet, dass im Rahmen der Scheidungskonvention der Umstand berücksichtigt
wurde, dass die Kapitelleistungen ausschliesslich beim Rekurrent und
Beschwerdeführer besteuert wurden. Sollte die Ehefrau einen Anteil der Steuerschuld
übernehmen müssen – was aus dem Konventionstext nicht eindeutig hervorgeht –
wäre dieser vom Pflichtigen bei ihr einzufordern.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Rekurs und die Beschwerde abzuweisen sind.
b) Der Rekurrent und Beschwerdeführer wendet sich gegen die Ausführungen in der
Vernehmlassung, wonach er im Rekurs keine neuen Tatsachen, Beweismittel oder
Anträge vorgebracht habe. Dies bedeutet, dass der Steuerkommissär unter Hinweis auf
die Begründung des angefochtenen Entscheides auf weitere Ausführungen in seiner
Vernehmlassung verzichtete. Der Steuerkommissär wollte damit zum Ausdruck
bis
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bringen, dass der Rekurrent und Beschwerdeführer im Wesentlichen die gleichen
Argumente vorbrachte wie in der Einsprache und dass dazu in den
Einspracheentscheiden abschliessend Stellung genommen wurde. Dies war durchaus
legitim, denn der Steuerkommissär hätte in seiner Vernehmlassung im Wesentlichen
nur jene Argumente wiederholen können, welche er bereits in der Begründung des
Einspracheentscheides anführte.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtliche Kosten zulasten des
Rekurrenten und Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP und Art. 144 Abs. 1 DBG).
Eine Entscheidgebühr von je Fr. 500.– ist angemessen (Art. 144 Abs. 5 DBG i.V.m. Art.
7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die geleisteten
Kostenvorschüsse von je Fr. 500.– sind zu verrechnen.