Decision ID: 19a6edc7-e81f-5f0b-8553-7e62355416b4
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Dr. med. B._ wandte sich mit Löschungsbegehren vom
27. September 2015 an die Assura-Basis SA (im Folgenden: Assura oder
Vorinstanz) und erklärte, er sei nicht damit einverstanden, dass sein Name
auf der von der Assura publizierten und an die Versicherten abgegebenen
Ärzteliste figuriere. Er lehne die von der Assura getroffene Auswahl als Lis-
tenarzt ab. Mangels vertraglicher und gesetzlicher Grundlage, welche die
Bekanntgabe seiner Daten rechtfertige, fordere er die Assura gestützt auf
das Bundesgesetz über den Datenschutz vom 19. Juni 1992 (DSG; SR
235.1) auf, seine Daten (wie Name, Adresse, Telefonnummer und Tätig-
keitsbereich) zu löschen und künftig – ohne seine Einwilligung – nicht mehr
an versicherte Personen weiterzugeben (Dossier C-3615/2016, Beilage 5
zu BVGer-act. 1).
A.b Mit Schreiben vom 5. November 2015 wies die Assura das Löschungs-
gesuch von Dr. med. B._ ab. Sie führte zur Begründung aus, die
Geschäftsdaten seien frei zugänglich und insbesondere im Medizinalberu-
feregister (Register der universitären Medizinalberufe, im Folgenden: Me-
dizinalberuferegister oder MedReg; abrufbar unter https://www.medre-
gom.admin.ch/) des Bundesamts für Gesundheit (im Folgenden: BAG) ent-
halten. Daher fielen diese nicht unter die Kategorie der persönlichen oder
sensiblen Daten, welche vom DSG geschützt würden. Gemäss Art. 41 KVG
(SR 832.10) sei es dem Versicherer gestattet, die Wahl der Leistungser-
bringenden aufgrund gewisser Bedingungen einzugrenzen. Die Versiche-
rungsmodelle der Assura begrenzten diese freie Arztwahl auf Allgemein-
mediziner und Internisten ohne weitere Spezialisierungen. Da Dr. med.
B._ diese Kriterien des Hausarztes gemäss den allgemeinen Ge-
schäftsbedingungen der Assura erfülle, sei die Assura gegenüber ihren
Versicherten verpflichtet, ihn in die Liste der anerkannten Ärzte aufzuneh-
men (Dossier C-3615/2016, Beilage 8 zu BVGer-act. 1).
A.c Mit Eingabe vom 17. Februar 2016 beantragte Dr. med. B._,
nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Urs Saxer und Rechts-
anwältin MLaw Nathalie Stoffel, erneut die Löschung seiner Angaben aus
der Ärzteliste der Assura. Er führte zur Begründung aus, die aufgrund von
Art. 41 Abs. 4 KVG entwickelten Modelle besonderer Versicherungsformen
basierten jeweils auf vertraglichen Vereinbarungen zwischen Ärztinnen
und Ärzten respektive ihrem Verband einerseits und einem Krankenversi-
cherer andererseits. Ohne eine entsprechende besondere Vereinbarung
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könne die Krankenversicherung einzelne Ärztinnen und Ärzte nicht dazu
verpflichten, als Leistungserbringende eines besonderen Versicherungs-
modells zur Verfügung zu stehen. Ebenfalls handle es sich bei den von der
Assura publizierten Angaben um Personendaten im Sinne des DSG. Selbst
wenn das MedReg ein öffentliches Register des Privatverkehrs im Sinne
von Art. 2 Abs. 2 Bst. d DSG darstellen sollte, was bestritten werde, dürfe
die Assura nicht daraus Daten entnehmen und beliebig weiterverarbeiten.
Die von der Assura veröffentlichte Liste sei ihrerseits privater Natur und
suggeriere zu Unrecht das Vorliegen einer rechtlichen und/
oder geschäftlichen Beziehung zwischen Dr. med. B._ und der
Krankenpflegeversicherung. Ferner sei die Assura nicht verpflichtet, be-
sondere Versicherungsmodelle zur Verfügung zu stellen. Die Verpflichtun-
gen der Assura gegenüber ihren Versicherten verpflichte Dr. med.
B._ nicht. Für den Fall einer verweigerten Löschung seiner Daten
hielt Dr. med. B._ die Assura an, eine anfechtbare Verfügung zu
erlassen (Dossier C-3615/2016, Beilage 6 zu BVGer-act. 1).
A.d Mit Schreiben vom 17. März 2016 lehnte es die Assura ab, eine an-
fechtbare Verfügung hinsichtlich des Löschungsgesuchs von Dr. med.
B._ zu erlassen. Sie führte zur Begründung aus, sie führe seit dem
13. November 2015 keine Liste der anerkannten Hausärzte mehr. Im
neuen Hausarztmodell könnten neu alle Ärztinnen und Ärzte ausgewählt
werden, die zur Tätigkeit zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegever-
sicherung zugelassen seien. Das auf ihrer Internetseite aufgeführte Ärzte-
verzeichnis sei unverbindlich und nicht ausschliesslich. Es handle sich da-
bei lediglich um eine Suchmaske, die alle Ärztinnen und Ärzte gemäss der
offiziellen FMH-Liste enthalte. Bei dem alternativen Versicherungsmodell
„Hausarzt“ handle es sich nicht um ein „Managed Care Modell“, das auf
Dienstleistungsverträgen zwischen den Krankenpflegeversicherungen so-
wie den Ärztinnen und Ärzten beruhe. In jenen Modellen verpflichteten sich
die Leistungserbringenden, die gesamte medizinische Versorgung eines
Behandlungsfalles zu steuern und eine Budgetverantwortung für die anfal-
lenden Kosten zu tragen. Beim eigenen Hausarztmodell der Assura könn-
ten die Versicherten ihre Hausärztin respektive ihren Hausarzt aus einer
definierten Gruppe aussuchen. Dieses Modell bringe weder eine Budget-
verantwortung noch irgendwelche Sonderpflichten der Leistungserbringen-
den mit sich. Die mit der vermehrten Ausstellung von Überweisungsschrei-
ben verbundene administrative Tätigkeit könne gemäss TarMed gegenüber
der Krankenpflegeversicherung abgerechnet werden. Eine Pflicht zur
Übernahme zusätzlicher Patientinnen und Patienten bestehe nicht. Eine
grundsätzliche Ablehnung von Patientinnen und Patienten aufgrund ihrer
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Versicherung sei jedoch unzulässig. Die beanstandeten Daten seien
schliesslich von Dr. med. B._ selber veröffentlicht worden und
keine besonders schützenswerte Personendaten im Sinne des DSG. Über-
dies sei die Assura gemäss KVG berechtigt, Daten über ein automatisiertes
Abrufverfahren zu veröffentlichen. Da ihre Entscheidung, Dr. med.
B._ in ihrem Ärzteverzeichnis zu belassen, dessen Rechtsstellung
nicht verändere, erlasse sie keine anfechtbare Verfügung (Dossier
C-3615/2016, Beilage 9 zu BVGer-act. 1).
A.e Mit Eingabe vom 14. April 2016 hielt Dr. med. B._ fest, er und
die Assura verträten offenbar grundlegend verschiedene Auffassungen,
was bereits die Verfügungspflicht der Assura begründe. Indem seine Daten
weiterhin in der Ärzteliste auf der Website der Assura einsehbar seien, ent-
stehe der falsche Eindruck, er sei ein von der Assura anerkannter Arzt und
an deren Hausarztmodell beteiligt. Nur durch eine Löschung seiner Daten
würde sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Prinzip
der Vertragsfreiheit anerkannt. Ob seine Daten auf der Website der Assura
veröffentlicht werden dürften, könne die Assura nicht selber in abschlies-
sender Form entscheiden (Dossier C-3615/2016, Beilage 7 zu BVGer-act.
1).
B.
B.a Mit Löschungsbegehren vom 1. Oktober 2015 beantragte Dr. med.
A._ gegenüber der Assura, sie sei nicht länger als Listenärztin auf
der an die Versicherten abgegebenen Ärzteliste für die Versicherungspro-
dukte Hausarztmodell und PharMed Modell aufzuführen. Ihre Daten seien
entsprechend gestützt auf das DSG zu löschen (Dossier C-3612/2016 Bei-
lage 2.B zu BVGer-act. 1).
B.b Mit Eingabe vom 16. Februar 2016 erneuerte Dr. med. A._,
nunmehr ebenfalls vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Urs Saxer
und Rechtsanwältin MLaw Nathalie Stoffel, ihr Löschungsbegehren gegen-
über der Assura (Dossier C-3612/2016 Beilage 2.F zu BVGer-act. 1). Diese
Eingabe entspricht inhaltlich jener von Dr. med. B._ vom 17. Feb-
ruar 2016 (vgl. Sachverhalt Bst. A.c). Im Übrigen ist in den dem Bundes-
verwaltungsgericht vorliegenden Unterlagen kein weiterer Schriftenwech-
sel zwischen Dr. med. A._ und der Assura vor Erlass der ange-
fochtenen Verfügung dokumentiert.
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C.
Mit Verfügungen vom 6. Mai 2016 stellte die Assura fest, die von ihr vorge-
nommene Veröffentlichung der persönlichen Daten von Dr. B._
respektive von Dr. med. A._ (mit Name, Vorname und Adresse)
zum Zweck der Durchführung der besonderen Versicherungsmodelle
„Hausarzt“ und „PharMed“ erfolge rechtmässig, weshalb die Daten nicht
aus dem Ärzteverzeichnis der Krankenpflegeversicherung zu löschen
seien. Sie führte zur Begründung aus, mit der alleinigen Aufführung der
Daten der Ärztinnen und Ärzte sei weder direkt noch indirekt die Informa-
tion verbunden, dass diese vertraglich verpflichtet wären, neue Patientin-
nen und Patienten aufzunehmen, eine Behandlung durchzuführen
oder dass ein besonderes Vertragsverhältnis zwischen ihnen und der As-
sura bestehe. Als Bundesorgan im Sinne von Art. 2 Abs. 1 Bst. b DSG un-
terstehe die Assura den entsprechenden Regelungen des DSG. Bei den
von ihr veröffentlichten Daten handle es sich nicht um besonders schüt-
zenswerte Daten im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. c DSG. Vorliegend sei die
Datenveröffentlichung überdies in Art. 84a Abs. 3 KVG durch eine gesetz-
liche Regelung gedeckt. Die von der Assura angebotenen Versicherungs-
modelle „Hausarzt“ und „PharMed“, bei welchen die Versicherten immer
zuerst die von ihnen gewählten und der Assura mitgeteilten, zur Tätigkeit
zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zugelassenen
Hausärztinnen und Hausärzte zu konsultieren hätten, seien beide vom
BAG genehmigt worden und setzten die Verarbeitung der entsprechenden
Daten voraus. Überdies bestehe für die Veröffentlichung der Daten ein
überwiegendes öffentliches Interesse im Sinne von Art. 19 Abs. 1bis DSG.
So wiege das Interesse der Versicherungsnehmer, die Adressdaten der für
die Leistungserbringung in Frage kommenden Ärztinnen und Ärzte direkt
bei ihrem Versicherer aufzufinden, schwerer als das Interesse der Ärztin-
nen und Ärzte, diese nicht zu veröffentlichen (Dossiers C-3612/2016 und
C-3615/2016, je Beilage 2 zu BVGer-act. 1).
D.
Gegen die Verfügungen vom 6. Mai 2016 erhoben Dr. med. B._
und Dr. med. A._ (im Folgenden: Beschwerdeführende), weiterhin
vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Urs Saxer und Rechtsanwältin
MLaw Nathalie Stoffel, in zwei separaten Eingaben vom 8. Juni 2016 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit den Anträgen, die angefoch-
tenen Verfügungen vom 6. Mai 2016 seien aufzuheben und es sei die As-
sura zu verpflichten, die persönlichen Daten (Name und Adresse) von
Dr. med. B._ respektive von Dr. med. A._ vollumfänglich
und unverzüglich von deren Ärzteverzeichnis – einschliesslich des online
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auf der von ihr betriebenen Website abrufbaren Ärzteverzeichnisses über
die anerkannten Ärztinnen und Ärzte im Hausarzt- und PharMed-Modell –
zu löschen und es künftig zu unterlassen, diese Daten an ihre Versicherten,
welche sich für ein Versicherungsmodell gemäss Art. 41 Abs. 4 KVG inte-
ressierten und/oder entschieden hätten, auf irgendeine Art und Weise di-
rekt oder indirekt weiterzugeben; unter Kosten- und Entschädigungsfolge
(zuzüglich Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Darüber
hinaus beantragten die Beschwerdeführenden, es sei im Sinne einer vor-
sorglichen Massnahme gegenüber den verantwortlichen Organen der As-
sura unter Androhung einer Busse wegen Ungehorsams anzuordnen, die
persönlichen Daten von Dr. med. B._ respektive Dr. med.
A._ im Ärzteverzeichnis der Assura, welches auf ihrer Website im
Zusammenhang mit den besonderen Versicherungsmodellen „Hausarzt“
bzw. „PharMed“ publiziert werde, unverzüglich und mindestens für die
Dauer des vorliegenden Beschwerdeverfahren ins allen verfügbaren Spra-
chen zu löschen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten die Be-
schwerdeführenden, es sei erstens vor einem allfälligen Nichteintretens-
entscheid mangels Zuständigkeit mit der kantonalen Paritätischen Kom-
mission TARMED des Kantons Bern und/oder mit dem kantonalen
Schiedsgericht ein Meinungsaustausch im Sinn von Art. 8 Abs. 2 VwVG
(SR 172.021) zu führen. Zweitens seien die von Dr. med. B._ so-
wie von Dr. med. A._ eingeleiteten Beschwerdeverfahren zu ver-
einigen.
Zur Begründung brachten die Beschwerdeführenden vor, im online zu-
gänglichen Ärzteverzeichnis der von der Assura angebotenen Hausarzt-
und PharMed-Modelle gebe die Assura Name und Adresse der Beschwer-
deführenden als Daten bekannt. Auf ihrer Website weise die Assura aus-
serdem darauf hin, dass sämtliche Facharztkonsultationen von der Haus-
ärztin oder vom Hausarzt verordnet werden müssten durch Ausfüllen eines
von der Assura hierzu erstellten Überweisungsscheins. Hierdurch werde
der (falsche) Eindruck erweckt, die Assura habe mit den in ihrem Verzeich-
nis publizierten Ärztinnen und Ärzten eine Absprache getroffen, aufgrund
derer sie über die Anforderungen an eine Kostenübernahme unter dem
Hausarzt-Versicherungsmodell in Kenntnis seien. Die Beschwerdeführen-
den seien indessen nicht über die Modalitäten und Pflichten im Zusammen-
hang mit der Vornahme von Überweisungsschreiben in Kenntnis gesetzt
worden. Überdies wüssten sie nicht einmal, ob eine Patientin oder ein Pa-
tient im Hausarzt-Versicherungsmodell der Assura versichert sei, obwohl
sie diesfalls als deren erste Anlaufstelle fungierten. Aus diesem Grund sei
eine vorgängige Information bzw. Absprache zwischen den Ärztinnen und
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Ärzten sowie den Krankenversicherungen, welche besondere Versiche-
rungsformen nach Art. 41 Abs. 4 KVG anböten, unerlässlich. Es sei die
Regel, dass diese die Durchführung der besonderen Versicherungsformen
mit den Ärztinnen und Ärzten vertraglich regelten. Diese Verträge enthiel-
ten oft Vereinbarungen über die finanzielle Beteiligung der Leistungserbrin-
genden am Versicherungsrisiko (Budgetverantwortung), über die Optimie-
rung des Kosten-/Nutzenverhältnisses der Behandlungsprozesse sowie
der Qualitätssteigerung. Im Gegenzug verpflichteten sich die Versicherer,
die Leistungen der Ärztinnen und Ärzte finanziell zu entschädigen. Ein-
zelne Versicherer, wie auch die Assura, seien indessen nicht bereit, im Zu-
sammenhang mit dem Angebot von Hausarzt-Versicherungsmodellen sol-
che Verträge abzuschliessen und die Leistungen zur Steigerung der Qua-
lität und Effizienz der ambulanten Grundversorgung zu honorieren. Diese
würden somit – als Trittbrettfahrer – von den bereits bestehenden Modellen
anderer Krankenversicherer und den zusätzlichen Anstrengungen der Ärz-
tinnen und Ärzte profitieren. Hierbei werde das Risiko der korrekten Aus-
stellung von Überweisungsschreiben vollumfänglich auf die Versicherungs-
nehmerinnen und Versicherungsnehmer überwälzt, ohne dass diese über
diesen Umstand Bescheid wüssten. Allenfalls müssten die Beschwerde-
führenden sogar befürchten, es sei implizit ein Vertrag zwischen ihnen und
der Assura zustande gekommen. Da jedoch keine Kontrahierungspflicht
bestehe, müssten sich die Beschwerdeführenden gegen die Auswahl der
Assura zur Wehr setzen können.
Alternativ stützten sich die Beschwerdeführenden auf eine Verletzung des
DSG. So könne sich die Assura für die Veröffentlichung ihrer Daten nicht
auf Art. 84a KVG stützen, da sie nicht dazu verpflichtet sei, besondere Ver-
sicherungsformen gemäss Art. 41 Abs. 4 KVG anzubieten. Ausserdem be-
ziehe sich besagter Artikel lediglich auf die Daten der Versicherten und
nicht auf den „Transfer“ der Daten von Ärztinnen und Ärzten. Selbst wenn
eine ausreichende gesetzliche Grundlage für die Veröffentlichung der Da-
ten vorläge, sei diese Veröffentlichung unverhältnismässig. So stünden im
Hausarztmodell der Assura alle zu Lasten der Krankenpflegeversicherung
zugelassenen Ärztinnen und Ärzte zur Auswahl. Diese Mitteilung respek-
tive ein Verweis auf die offizielle FMH-Liste würden vollends ausreichen,
ohne dass die Assura die Daten der einzelnen Ärztinnen und Ärzte selber
veröffentlichen müsste. Indem die Assura ihr Verzeichnis als unverbindlich
und unvollständig bezeichne, stelle sie die Notwendigkeit der Datenveröf-
fentlichung selber in Frage. Es sei sodann fraglich, ob es sich bei der
Durchführung eines besonderen Versicherungsmodells um die Erfüllung
einer öffentlichen Aufgabe im Sinne von Art. 19 Abs. 1bis DSG handle. Die
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Veröffentlichung der Daten entgegen dem Willen der Beschwerdeführen-
den verletze deren Persönlichkeit, das Recht auf informationelle Selbstbe-
stimmung sowie die Grundsätze von Treu und Glauben und der Verhältnis-
mässigkeit (Dossiers C-3612/2016 und C-3615/2016, je BVGer-act. 1).
E.
In der Folge eröffnete das Bundesverwaltungsgericht die beiden Be-
schwerdeverfahren C-3612/2016 (betreffend das Verfahren von Dr. med.
A._ gegen die Assura) und C-3615/2016 (betreffend das Verfah-
ren von Dr. med. B._ gegen die Assura), welche es mit Zwischen-
verfügung vom 14. Juni 2016 antragsgemäss vereinigte und unter dem
Hauptdossier C-3612/2016 fortführte. Gleichzeitig wies das Bundesverwal-
tungsgericht die Anträge auf superprovisorische Anordnung der beantrag-
ten vorsorglichen Massnahmen ab (BVGer-act. 2).
F.
Der mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2016 einverlangte Kostenvor-
schuss von insgesamt Fr. 5‘000.– ging am 27. Juni 2016 bei der Gerichts-
kasse des Bundesverwaltungsgerichts ein (BVGer-act. 5).
G.
Mit Vernehmlassung vom 28. Juni 2016 beantragte die Vorinstanz, nun-
mehr vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Tomas Poledna, die Be-
schwerde, soweit auf diese einzutreten sei, sowie die beantragten vorsorg-
lichen Massnahmen seien abzuweisen, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen. Sie führte zur Begründung aus, die Beschwerdeführenden
legten vordergründig eine Sorge um die Verwendung ihrer persönlichen
Daten dar, ihr eigentliches Ziel seien indessen lediglich monetäre Gesichts-
punkte, da die Beschwerdeführenden bei einer vertraglichen Regelung zu-
sätzliche Entschädigungen für diverse, über den TARMED-Anschlussver-
trag bereits entgoltene Leistungen erhalten und zudem zum Teil für Leis-
tungen entschädigt würden, die Teil ihrer gesetzlichen Pflichten (wie die
Einhaltung und Anhebung der Qualität, die Weiter- und Fortbildung oder
das Beachten der WZW-Kriterien) seien. Entgegen der Auffassung der Be-
schwerdeführenden sei eine vertragliche Regelung zwischen ihnen und
den Versicherern nicht die einzige mögliche Grundlage für ein besonderes
Versicherungsmodell. Das besondere Versicherungsmodell gemäss KVG
regle das Rechtsverhältnis zwischen der versicherten Person und den Ver-
sicherungen, nicht aber die Beziehung der Versicherung zu den Leistungs-
erbringenden. Bereits gestützt auf den von den Beschwerdeführenden so-
wie der Vorinstanz unterzeichneten TARMED-Rahmenvertrag müssten
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sich die Beschwerdeführenden für die Versicherten der Vorinstanz zur Ver-
fügung halten. Gleiche Versicherungsmodelle wie die Vorinstanz böten die
nachfolgenden Versicherungen an: KTP, Groupe Mutuel, sympany, Sa-
nitas, SWICA und Visana.
Streitgegenstand sei vorliegend die Rechtmässigkeit der fraglichen Daten-
bekanntgabe. Diesbezüglich sei ein aktuelles, schutzwürdiges Interesse
der Beschwerdeführenden zu verneinen. Die Beschwerdeführenden führ-
ten nicht an, worin die Schwere der Beeinträchtigung liege. Das Online-
Register der Vorinstanz entspreche den Angaben im MedReg sowie dem
FMH-Verzeichnis. Beides seien öffentlich zugängliche Verzeichnisse. Das
Online-Verzeichnis der Vorinstanz diene lediglich der Orientierungshilfe für
die Versicherten respektive für andere Besucher und gestatte der
Vorinstanz eine administrative Vereinfachung der Abwicklung des Versi-
cherungsverhältnisses. Die Internetseite erwecke nicht den Eindruck, dass
die Vorinstanz mit den aufgeführten Ärztinnen und Ärzten eine besondere
vertragliche Beziehung eingegangen sei. Mangels Betroffenheit respektive
Legitimierung der Beschwerdeführenden sei auf die Beschwerde nicht ein-
zutreten.
Die Assura regle das Hausarzt-Modell in Art. 22.2 ihrer besonderen Ver-
tragsbestimmungen (BVB). Entscheidend sei hierbei, dass die Assura als
Hausärztin/Hausarzt im Sinne des Hausarztmodells alle zu Lasten der ob-
ligatorischen Krankenpflegeversicherung zugelassenen Ärztinnen und
Ärzte akzeptiere, da der Kostenspareffekt immer eintrete, wenn die Versi-
cherten nicht beliebig viele Konsultationen bei Fachärzten in Anspruch
nehmen könnten. Die Bestimmung sei vom BAG in dieser Form genehmigt
worden, weshalb diese vorliegend nicht mehr in Frage gestellt werden
könne. Indem das Assura-Hausarztmodell darauf abziele, dass die Versi-
cherten konsequent zuerst eine Hausärztin oder einen Hausarzt im Sinne
der Grundversorgung aufsuchen müssten, sei die Funktion der Hausärztin
respektive des Hausarztes dieselbe wie im Standardmodell, was mit der
angepassten Tarifstruktur grundsätzlich auch tariflich gewürdigt werde. Da-
mit setze das Assura-Hausarztmodell lediglich auf Seiten des Verhaltes der
Versicherten an. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden sei
das Hausarztmodell der Assura nicht mangels einer vertraglichen Grund-
lage respektive ihrer Zustimmung in Frage zu stellen. Art. 41 Abs. 4 KVG
sehe nämlich lediglich eine Vertragsbeziehung zwischen der Versicherern
und den Versicherten vor und gewähre den Versicherern das Recht, die
Leistungserbringenden einseitig auszuwählen. Eine Mitsprache oder Mit-
gestaltung durch die Leistungserbringenden sei nicht vorgesehen.
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Mit ihrem Hausarztmodell nehme die Assura eine Beschränkung der Wahl
der Leistungserbringenden vor, indem die Versicherten für die Erstkonsul-
tation lediglich Allgemeinpraktikerinnen und Allgemeinpraktiker konsultie-
ren dürften. Gleichzeitig definiere sie den Behandlungspfad, der – sofern
und soweit nötig – von Hausärztin/Hausarzt zur Spezialistin respektive zum
Spezialisten führe. Dieses besondere Versicherungsmodell bedürfe keiner
vertraglichen Einbindung der Hausärztinnen und Hausärzte. Diese seien
als zugelassene Leistungserbringende vertraglich über den Anschlussver-
trag zum TARMED-Rahmenvertrag zur Leistungserbringung verpflichtet
und müssten von Gesetzes wegen die Kriterien der Behandlung nach Art.
32 f. KVG beurteilen, samt einer allfälligen Überweisung an einen anderen
Leistungserbringenden. Dazu gehöre auch die Ausstellung eines Überwei-
sungsformulars. Diese Leistung sei integraler Bestandteil eines ärztlichen
Behandlungsverhältnisses und werde gemäss TARMED-Anschlussvertrag
besonders entgolten. Demgegenüber trügen die Beschwerdeführenden
vorliegend keine Budgetverantwortung, da sie nach dem Einzelleistungs-
tarif entschädigt würden. Grund für die Prämienreduktion sei damit nicht
die hausärztliche Tätigkeit, sondern das Verhalten der Versicherten. Der
TARMED-Anschlussvertrag sehe sodann eine freie Arztwahl vor, welche
einerseits ein Recht zu Gunsten der Versicherten und andererseits eine
Verpflichtung der Ärztinnen und Ärzte, sich für die Versicherten der Versi-
cherer (im Rahmen ihrer Kapazitäten) zur Verfügung zu halten, beinhalte.
Entsprechend liege auch zwischen der Vorinstanz und den Beschwerde-
führenden eine vertragliche Bindung vor.
Den Argumenten der Beschwerdeführenden hinsichtlich der Datenbe-
kanntgabe hielt die Vorinstanz entgegen, gemäss der Rechtsprechung des
Bundesgerichts richte sich die Durchführung von besonderen Formen der
Versicherung nach den Bestimmungen des KVG und des öffentlichen
Rechts. Damit handle es sich bei der Durchführung von besonderen For-
men der Versicherung um eine öffentliche Aufgabe, die im allgemeinen In-
teresse liege. Art. 84a Abs. 3 KVG sei in zwei Sätze gegliedert und erwähne
lediglich im zweiten Satz Versichertendaten ausdrücklich. Es sei daher
durchaus denkbar sowie vorhersehbar, dass auch über Leistungserbrin-
gende (als wesentliche Akteure im Bereich des KVG) konkrete Daten ver-
öffentlicht werden dürften, ohne diese zu anonymisieren. Schliesslich seien
diese Daten weniger schutzbedürftig als Versichertendaten, welche sich
fast zwangsläufig direkt oder indirekt auf die Gesundheit bezögen und da-
her besonders sensibel seien. Aufgrund seiner Sachüberschrift beziehe
sich Art. 84a Abs. 3 KVG eindeutig auf die Datenbekanntgabe. Die Publi-
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kation der Daten der Leistungserbringenden sei schliesslich verhältnismäs-
sig, da am Hausarztmodell ein erhebliches öffentliches Interesse bestehe
und die Versicherten ein gewichtiges Interesse daran hätten, sich über die
verschiedenen Modelle in einfacher Weise informieren zu können. Die in
Frage stehende Liste diene der Transparenz über das Versicherungsmo-
dell. Die Datenbekanntgabe sei daher ein geeignetes Instrument, um dem
öffentlichen Interesse an reduzierten KVG-Prämien und einer möglichst
breiten Verfügbarkeit dieser Prämien nachzukommen. Die von der
Vorinstanz praktizierte Ärzteliste sei für die Erreichung des Ziels einer um-
fassenden Information erforderlich. Für die Beschwerdeführenden wiege
der Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht äussert leicht,
da die Daten bereits auf anderen Plattformen verfügbar seien und deren
öffentliche Zugänglichkeit im Rahmen des MedReg gesetzlich vorgesehen
sei. Ein Vergleich mit konkurrierenden Versicherern bestätige, dass die
Versicherten heutzutage erwarteten, die Verfügbarkeit einer Ärztin oder ei-
nes Arztes online überprüfen zu können. Widrigenfalls entstünde der
Vorinstanz ein Wettbewerbsnachteil. Damit falle die Interessenabwägung
zu Gunsten der Vorinstanz aus. Nachdem ferner das MedReg gemäss Art.
51 Abs. 4 MedBG dem Vollzug der Krankenversicherung diene, dürfe es
auch von den Krankenversicherern verwendet und selber veröffentlicht
werden, um die Krankenversicherung durchzuführen (BVGer-act. 6).
H.
Das Bundesverwaltungsgericht wies mit Zwischenverfügung vom 7. Juli
2016 den Antrag der Beschwerdeführenden auf Anordnung einer vorsorg-
lichen Massnahme ab mit der Begründung, die Beschwerdeführenden
seien im Zusammenhang mit dem Hausarzt- und PharMed-Modell bereits
im unverbindlichen Ärzteverzeichnis der Vorinstanz aufgeführt. Auch mit
Blick auf bloss mögliche zusätzliche Patientinnen und Patienten erscheine
eine Löschung aus dem erwähnten Verzeichnis nicht besonders dringlich,
weshalb es den Beschwerdeführenden zuzumuten sei, während der Dauer
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens weiterhin im Ärzteverzeichnis zu
verbleiben (BVGer-act. 6).
I.
Mit Verfügung vom 19. Juli 2016 eröffnete das Bundesverwaltungsgericht
einen Meinungsaustausch mit den Schiedsgerichten der Kantone Bern und
Zürich, wobei es die Auffassung vertrat, es handle sich bei der vorliegend
zu beurteilenden Streitsache um eine KVG-spezifische Streitigkeit zwi-
schen der Vorinstanz als Krankenversicherung und den Beschwerdefüh-
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renden als Leistungserbringende, für welche die Schiedsgerichte in Sozi-
alversicherungsstreitigkeiten der Kantone Bern und Zürich zuständig seien
(BVGer-act. 10).
J.
Am 11. August 2016 äusserte das Schiedsgericht in Sozialversicherungs-
sachen des Kantons Bern die Auffassung, die Streitigkeit falle in die Zu-
ständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts, da es sich bei den Löschungs-
gesuchen der Beschwerdeführenden um keine KVG-spezifische Streitig-
keit handle. So gehe es nicht um das Verhältnis zwischen der Vorinstanz
und den Beschwerdeführenden, insbesondere sei weder die Anerkennung
der Beschwerdeführenden noch deren Ausschluss von einem Versiche-
rungsmodell streitig. Vielmehr scheine es sich vorliegend um eine daten-
schutzrechtliche Streitigkeit mit einem sozialversicherungsrechtlichen Hin-
tergrund zu handeln. Aufgrund des vor dem Schiedsgericht geltenden Ver-
fahrens der ursprünglichen Verwaltungsrechtspflege erscheine eine Wei-
terleitung der Beschwerde überdies nicht möglich (BVGer-act. 13).
K.
In ihrer Stellungnahme vom 5. September 2016 schloss sich das Schieds-
gericht in Sozialversicherungsstreitigkeiten des Kantons Zürich den Aus-
führungen des Schiedsgerichts in Sozialversicherungssachen des Kantons
Bern an. Eine sozialversicherungsrechtliche Streitigkeit zwischen den Leis-
tungserbringenden und Versicherungsträgern, für welche die Schiedsge-
richte zuständig seien, liege lediglich vor, wenn mit der Löschung aus ei-
nem Verzeichnis die Leistungserbringung von Ärztinnen und Ärzten einge-
schränkt oder diese zu einer Leistung angehalten würden, welche sie nicht
erbringen wollten. Dies sei vorliegend unbestrittenermassen nicht der Fall.
Vielmehr gehe es vorliegend um die Frage, ob die von der Assura betrie-
bene Werbung mit den Daten der Beschwerdeführenden zulässig sei. Für
diese datenschutzrechtliche Streitigkeit sei das Schiedsgericht nicht zu-
ständig (BVGer-act. 14).
L.
In ihrer Replik vom 14. November 2016 hielten die Beschwerdeführenden
sinngemäss an ihren bisherigen Anträgen fest. Hinsichtlich der fraglichen
Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Beurteilung der Be-
schwerde habe die Vorinstanz den vorliegenden Streitgegenstand zu Un-
recht auf eine reine datenschutzrechtliche Frage reduziert. Nur weil das
KVG keine Antwort zum Löschungsanspruch enthalte, bedeute dies nicht,
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dass vorliegend keine KVG-rechtliche Streitigkeit vorliege. Gegen eine Zu-
ständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts für die Beurteilung ihrer Be-
schwerde hätten die Beschwerdeführenden nichts einzuwenden, solange
auch ihre mit dem KVG verknüpften Vorbringen geprüft würden. Materiell
bemerkten die Beschwerdeführenden, das Hausarztmodell der Vorinstanz
beinhalte eine quasi uneingeschränkte Auswahlmöglichkeit, so dass eine
Orientierungshilfe bei der Auswahl der Hausärztin oder des Hausarztes
nicht nötig sei. Der allfällige, indessen nicht zwingend notwendige Verweis
auf ein anderes öffentliches, bereits bestehendes Ärzteregister (zum Bei-
spiel das MedReg) sei sogar viel effizienter, da jene Einträge detaillierter
und informativer seien. Zudem biete das Medizinalberuferegister eine be-
nutzerfreundliche und selbsterklärende Suchmaske. Offenbar liege es im
wirtschaftlichen Interesse der Vorinstanz, den konkurrierenden Versiche-
rern, welche ebenfalls Listen von Ärztinnen und Ärzten publizierten, nicht
nachzustehen, wobei jene anderen Versicherern mit den auf ihren Listen
figurierenden Leistungserbringenden Verträge unterhielten, in welchen die
Publikation der Daten geregelt werde. Die Ärzteliste der Vorinstanz erfülle
keinen eigentlichen Zweck, da bei ihr jede Ärztin und jeder Arzt als Haus-
ärztin oder Hausarzt gewählt werden könne. Demgegenüber weise sie den
Vorwurf der Vorinstanz zurück, die Beschwerde aus rein monetären Grün-
den erhoben zu haben, um für gewisse Leistungen quasi doppelt entschä-
digt zu werden.
Die Verträge über besondere Versicherungsmodelle zwischen den Versi-
cherern und Leistungserbringenden bzw. deren Netzwerken sähen typi-
scherweise und insbesondere folgende Aufgaben vor, welche von den Ver-
sicherern entschädigt würden: Mitteilung des Leistungserbringendens an
die neu eingetretenen Patientinnen und Patienten, dass sie im Hausarzt-
modell versichert seien, mit dem Hinweis auf ihre Rechte und Pflichten;
Übermittlung der Überweisungsschreiben in einem speziellen elektroni-
schen Tool an den Versicherer; elektronische Beantwortung von Rückfra-
gen bei fehlenden Überweisungen; Kostencontrolling; die Betreibung einer
speziell auf das Hausarztmodell ausgerichteten, datenschutzkonformen IT-
Infrastruktur mit Datenbanken und Schnittstellen zur eigenen Praxissoft-
ware; Hinweise an die Spezialistinnen und Spezialisten, sie müssten die
Hausärztin/den Hausarzt über den Behandlungsverlauf informieren; Auf-
bau eines verbindlichen Netzes an Spezialistinnen und Spezialisten für die
Zusammenarbeit; Erarbeiten verbindlicher Regelungen bei Einweisun-
gen/Rücküberweisungen; Aufbau des elektronischen Datenaustausches
mit Spitälern sowie Spezialistinnen und Spezialisten; Einführung der elekt-
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 14
ronischen Krankengeschichte; Erreichen eines Qualitätslabels; Einkauf/Er-
arbeitung von verbindlichen Guidelines unter Berücksichtigung des As-
pekts Managed Care; Erstellen von (über TARMED nicht abgegoltener) Pa-
tienteninformationsunterlagen. Diese Zusatzleistungen könnten nicht nach
TARMED Tarif abgerechnet werden und müssten auch nicht von den Ärz-
tinnen und Ärzten entschädigungsfrei für alle Versicherer erbracht werden.
Die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass die von den Ärztinnen
und Ärzten im Hausarztmodell erbrachten zusätzlichen Leistungen durch
die Stärkung der Hausärztinnen und Hausärzte als Grundversorgerinnen
und Grundversorger mittels bundesrätlicher Tarifreform abgedeckt seien.
Tatsächlich sei diese Reform zwecks stärkerer Gewichtung der intellektu-
ellen ärztlichen Leistungen gegenüber den technischen Leistungen erfolgt.
Um eine wirkungsvolle Patientensteuerung im Sinne des Gatekeepings
durchführen zu können, sei die Hausärztin/der Hausarzt darauf angewie-
sen, dass ihm der Versicherer die Bestandes- und Kostendaten der im
Hausarztmodell versicherten Patientinnen und Patienten übermittle. Nur so
könne eine effektive Planung (insbesondere Kostencontrolling) sowie die
tatsächliche Verfügbarkeit der Hausärztin/des Hausarztes im Bedarfsfall
gewährleistet werden. Damit die Patientin/der Patient nicht im Bedarfsfall
wegen Kapazitätsengpässen einen Wechsel der Hausärztin/des Hausarz-
tes beantragen müsse, sei eine vorgängige koordinierte Zusammenarbeit
zwischen der Hausärztin/dem Hausarzt und dem Krankenversicherer un-
abdingbar. Das blosse Auswählen einer Hausärztin/eines Hausarztes –
ohne zusätzliche Massnahmen in der Dreiecksbeziehung zwischen den
Versicherten, Versicherern und Leistungserbringenden – könne denn auch
keine wirtschaftliche (bzw. kostengünstigere) und gleichzeitig qualitativ
hochwertige Medizin bewerkstelligen, wie dies die Vorinstanz in ihrem In-
formationsblatt „Hausarzt – Fragen/Antworten“ schreibe. Eine Organisie-
rung der Hausärztinnen und Hausärzte über ihre gewohnten Praxisstruk-
turen hinaus in Netzwerken sei für die an sie im Rahmen eines Hausarzt-
versicherungsmodells gestellten Ansprüche als Gatekeeper notwendig.
Der Aufbau dieser Netzwerke werde nicht über den TARMED abgegolten.
Deshalb sei es nur fair, dass die Versicherer, welche besondere Versiche-
rungsmodelle anböten, sich an den anfallenden Kosten zumindest teil-
weise beteiligten.
Eine vom BAG in Auftrag gegebene Studie über die Kosteneffizienz und
Qualität von Managed-Care-Modellen bei kostenintensiven Patientinnen
und Patienten habe aufgezeigt, dass Listenmodelle nur vereinzelt Verbes-
serungen gegenüber den Standardversicherungen aufzeigten. Bei der von
der Vorinstanz erwähnten Genehmigung würden lediglich die Prämientarife
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 15
genehmigt, nicht aber das Versicherungsmodell. Dies wäre denn auch
nicht nachvollziehbar, da jenes die von Gesetzes wegen geforderten
Voraussetzungen für eine Prämienermässigung nicht erfülle. So seien Prä-
mienermässigungen bei besonderen Versicherungsmodellen nur zulässig,
wenn das Wahlrecht der Versicherten im Hinblick auf eine kostengünsti-
gere Versorgung beschränkt werde. Nachdem im Hausarztmodell der
Vorinstanz jede praktizierende Ärztin und jeder praktizierende Arzt gewählt
werden könne – so auch teure Spezialistinnen/Spezialisten (zum Beispiel
nachweislich eine Gynäkologin sowie ein Mund-, Kiefer- und Gesichtschi-
rurg) – habe sie entgegen Art. 41 Abs. 4 KVG keine Arztauswahl im Hinblick
auf eine kostengünstigere Versorgung vorgenommen. Ebenfalls sei beim
Hausarztmodell der Vorinstanz keine nach Art. 101 KVV (SR 832.102) ge-
forderte besondere Art und Höhe der Entschädigung der Leistungserbrin-
genden gegeben. Die von der Vorinstanz als Anbieter ähnlicher Versiche-
rungsmodelle genannten Versicherer hätten beispielsweise zu grössten
Teilen mit dem Netzwerk der C._ AG sowie der D._ AG
Verträge abgeschlossen. Gemäss teleologischer Auslegung von Art. 41
Abs. 4 KVG erfordere es Sinn und Zweck der Bestimmung, dass die Zu-
sammenarbeit zwischen Leistungserbringenden sowie Versicherern ver-
traglich geregelt werde. Hinsichtlich der unrechtmässigen Datenbekannt-
gabe sei zu berücksichtigen, dass die Vorinstanz ihr Hausarztmodell auf
freiwilliger Basis anbiete. Entsprechend sei es ihr zuzumuten, sich selber
um den Datenschutz zu kümmern, indem sie vorgängig die Zustimmung
der Betroffenen einhole. Unnötig sei die Publikation der Daten auch, da die
Patientinnen und Patienten ohnehin erst bei Bekanntgabe ihrer Auswahl
gegenüber der Vorinstanz erführen, ob diese die Ärztin oder den Arzt ak-
zeptiere. Die unverbindliche Liste der Vorinstanz bringe den Versicherten
daher nichts, dies umso mehr, als sie nicht vollständig sei. Aus dem aus-
zugsweise ins Recht gelegten Gutachten von Prof. Dr. Ueli Kieser sei zu
entnehmen, dass ein einzelner Leistungserbringender nicht verpflichtet sei,
im Zusammenhang mit besonderen Versicherungsformen (HMO, Haus-
arztmodell oder Listenmodell) eine vertragliche Bindung einzugehen bzw.
die vom Krankenversicherer vorgenommene Auswahl zu akzeptieren
(BVGer-act. 19).
M.
Am 6. Januar 2017 duplizierte die Vorinstanz, ähnliche Versicherungsmo-
delle wie sie böten die Sanitas im Modell Sanitas NetMed, die Visana im
Modell Visana Med Direct, die KPT im Modell KPT.win.doc, die Groupe
Mutuel im Modell PrimaCare und die Sympany in verschiedenen Modellen,
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 16
zum Beispiel im Casamed Hausarzt-Modell, an. Hierbei könnten die Versi-
cherten ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt ebenfalls frei wählen, ohne
dass die Versicherungen mit diesen eine vertragliche Beziehung eingegan-
gen wären. Bei jenen Modellen seien die Modalitäten der Überweisung
stark vereinfacht. Teilweise stünden sehr einfache, minimale Formulare als
Überweisungsbestätigung zur Verfügung, auf welchen die Ärztin/der Arzt
nur wenige Zeilen Text erfassen müsse. Bei der Assura gebe es für die
Überweisung keine Formvorschriften, die Hausärztin/der Hausarzt könne
diese auf seinem Briefpapier oder dem Rezeptblock vornehmen. Abgese-
hen von der Überweisung gebe es bei diesem Modell denn auch keine Ver-
bindung zwischen der Assura und den Ärztinnen und Ärzten. Bei einer Aus-
stellung des Überweisungsscheins während der ärztlichen Untersuchung
werde diese wie folgt nach TARMED abgerechnet: 00.0010 Konsultation,
erste 5 Min. (Grundkonsultation), 00.0015 Zuschlag für hausärztliche Leis-
tungen in der Arztpraxis, 00.0020 Konsultation, jede weitere 5 Min. (Kon-
sultationszuschlag), 00.0030 Konsultation, letzte 5 Min. (Konsultationszu-
schlag). Bei späterer Anforderung des Überweisungsscheins per Telefon
könne dieser über die Position 00.0140 (ärztliche Leistung in Abwesenheit
der Patientin/des Patienten [inkl. Aktenstudium] pro 5 Min.) abgerechnet
werden.
Aus dem eingereichten E-Mail Verkehr mit dem BAG sei ersichtlich, dass
das BAG die Änderungen der AVB der Assura hinsichtlich der Entfernung
sämtlicher Einschränkungen bezüglich der Anforderungen an die Hausärz-
tin/den Hausarzt positiv zur Kenntnis genommen habe. Im Hausarztmodell
der Vorinstanz werde mit einfachen Mitteln eine Kostendämpfung erreicht,
indem durch die Konsultationspflicht bei der Hausärztin/dem Hausarzt die
Notwendigkeit weiterer fachärztlicher Behandlungen kritisch reflektiert
werde. Entsprechend habe das BAG auch die tieferen Prämien im Ver-
gleich zum Standardmodell genehmigt. Die Beschwerdeführenden seien
überdies auch in den Suchmaschinen der Sanitas sowie der Sympany, wel-
che ähnliche Versicherungsmodelle wie die Vorinstanz anböten, zu finden,
was diese nicht zu stören scheine. Gemäss der Rechtsprechung des Bun-
desgerichts sei es schliesslich zulässig, öffentliche und ohne besonderes
Interesse zugängliche (Handelsregister-) Daten weiterzuverbreiten, so-
lange die Daten unverändert und vollständig übernommen würden. Lö-
schungen aus dem übernommenen Register führten demgegenüber zu In-
transparenz und unterliefen daher den Zweck der informationellen Erleich-
terung (BVGer-act. 20).
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 17
N.
Mit Triplik vom 19. Januar 2017 erwiderten die Beschwerdeführenden, bei
den Hausarztversicherungsmodellen der Sanitas, Visana und KPT seien
nicht alle Ärztinnen und Ärzte wählbar, welche zur Tätigkeit zu Lasten der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung zugelassen seien. Lediglich
bei der Groupe Mutuel sei dies ebenfalls der Fall, woraus die Vorinstanz
indessen nichts zu ihren Gunsten ableiten könne. Auch aus dem Umstand,
dass noch andere Versicherer Hausarztmodelle anböten, ohne dass mit
den Beschwerdeführenden darüber eine Kooperation bestehe, könne die
Vorinstanz nichts zu ihren Gunsten ableiten. Anders als die Vorinstanz
publizierten die anderen Versicherer indessen die Daten der Beschwerde-
führenden nicht ungefragt und schon gar nicht gegen deren ausdrücklich
geäusserten Willen. Die Beschwerdeführenden behielten sich vor, nach
Abschluss des Verfahrens gegen andere Versicherer, welche ihre Daten
ebenfalls ungefragt auf einer Ärzteliste publizierten, zur Löschung aufzu-
fordern. Entgegen ihrer Behauptung, die Überweisung sei bei ihr an keine
besondere Form gebunden, sei auf der Website der Vorinstanz ein Über-
weisungsschein abgebildet, wobei sie die Versicherten explizit dazu auffor-
dere, dieses Dokument von der Hausärztin/vom Hausarzt ergänzen zu las-
sen.
Aus den durch die Vorinstanz eingereichten E-Mail Schreiben sei keine
Genehmigung des Hausarztmodelles der Vorinstanz durch das BAG er-
sichtlich. Insbesondere im E-Mail vom 30. November 2015 bedanke sich
das BAG leidglich für die Bestätigung über die erfolgte Anpassung der Ver-
sicherungsbedingungen. Darin könne weder eine Genehmigung noch eine
positive Kenntnisnahme der fraglichen Passage der Versicherungsbedin-
gungen des Hausarztmodells der Vorinstanz erblickt werden. Schliesslich
stimme die Hausarztliste der Vorinstanz auch nicht mit den Daten aus dem
MedReg überein. So sei enthalte diese beispielsweise nach wie vor eine
bereits vor zwei Jahren verstorbene Ärztin (BVGer-act. 23).
O.
In ihrer Quadruplik vom 17. Februar 2017 hielt die Vorinstanz ergänzend
fest, gemäss Kreisschreiben des BAG sei ein besonderes Versicherungs-
modell ohne Vertrag mit der Ärztin oder dem Arzt ausdrücklich zulässig.
Bei dem auf ihrer Website zur Verfügung gestellten Überweisungsformular
handle es sich um eine Serviceleistung für die Versicherten, welche dieses
ausdrucken und der Hausärztin oder dem Hausarzt zum Ausfüllen überge-
ben könnten. Die Versicherten seien jedoch nicht verpflichtet, dieses For-
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 18
mular zu verwenden. Aus der Eingabemaske sei ersichtlich, dass der Über-
weisungsschein primär durch die Versicherten ausgefüllt werden müsse.
Die von der Vorinstanz aufgeführten Daten würden einmal pro Woche auf-
grund der von der SASIS AG zugestellten Angaben aktualisiert (BVGer-act.
27).
P.
Mit Quintuplik vom 3. März 2017 erwiderten die Beschwerdeführenden, das
BAG-Kreisschreiben regle lediglich den Nachweis der Kostenunterschiede
bei besonderen Versicherungsformen mit eingeschränkter Wahl des Leis-
tungserbringendens und nicht die generelle Zulässigkeit dieser Modelle.
Selbst wenn das BAG besondere Versicherungsmodelle ohne Vertrag mit
den Ärztinnen und Ärzten für zulässig halten sollte, bedeute dies nicht,
dass die Vorinstanz berechtigt sei, die Daten der Beschwerdeführenden
entgegen deren ausdrücklichen Willen auf ihrer Website zu publizieren.
Dass die Versicherten den Überweisungsschein hauptsächlich auszufüllen
hätten, gehe an der Realität vorbei. Tatsächlich entscheide die Hausärztin
oder der Hausarzt, ob eine Überweisung an eine Spezialistin oder einen
Spezialisten erforderlich sei. Jeder Überweisungsschein, in welcher Form
auch immer, müsse mit der Krankengeschichte der Patientin/des Patienten
ergänzt werden. Daten der SASIS AG seien oft auch nicht hinreichend ak-
tualisiert, da Meldungen seitens der Ärztinnen und Ärzte unterlassen wür-
den, jedoch immer noch aktueller als das Register der Vorinstanz, weshalb
ein Verweis auf jenes Register anstelle eines eigenen Registers der Vo-
rinstanz vorzuziehen wäre (BVGer-act. 29).
Q.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen
wird – soweit erforderlich und rechtserheblich – in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Im Streit liegen die Verfügungen der Assura vom 6. Mai 2016 betreffend
Dr. med. A._ (Dossiers C-3612/2016) und Dr. B._
(C-3615/2016). Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31
VGG (SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG.
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 19
Die Beschwerde ist zulässig gegen Verfügungen der Instanzen oder Orga-
nisationen ausserhalb der Bundesverwaltung, die in Erfüllung der ihnen
übertragenen öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes verfügen (Art. 33
Bst. h VGG). Die Vorinstanz nimmt als zugelassener Krankenversicherer
bei der Durchführung des KVG öffentliche Aufgaben des Bundes wahr.
1.2 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b VGG ist die Beschwerde unzulässig ge-
gen Verfügungen, die nach einem anderen Bundesgesetz durch Be-
schwerde an eine kantonale Behörde anfechtbar sind. Die angefochtenen
Verfügungen vom 6. Mai 2016 betreffen eine Streitigkeit zwischen Kran-
kenversicherer und Leistungserbringenden. Für diese ist nach Art. 89 Abs.
1 KVG das kantonale Schiedsgericht zuständig (vgl. BGE 141 V 557 E. 2).
Das Bundesgericht geht bezüglich der Streitigkeit zwischen Krankenversi-
cherern und Leistungserbringenden von der sachlichen Zuständigkeit des
Schiedsgerichts für alle Streitigkeiten zwischen Krankenversicherern und
Leistungserbringenden aus, wenn und soweit sie Rechtsbeziehungen zum
Gegenstand haben, die sich aus dem KVG ergeben oder auf Grund des
KVG eingegangen worden sind (BGE 132 V 303 E. 4.1 mit Hinweis auf
BGE 131 V 193 E. 2, 114 V 323 E. 3b und BGE 112 V 310 f. E. 3b).
1.3 Vorliegend ist die Streitfrage zu beurteilen, ob die Veröffentlichung der
persönlichen Daten der Beschwerdeführenden 1 und 2, umfassend deren
Namen, Vornamen und Adresse, durch die Vorinstanz zum Zweck der
Durchführung der besonderen Versicherungsmodelle „Hausarzt“ und
„PharMed“ gemäss Verfügungen vom 6. Mai 2016 rechtmässig erfolgt ist,
oder ob die Beschwerdeführenden antragsgemäss einen Anspruch darauf
haben, dass die Vorinstanz ihre persönlichen Daten vollumfänglich und un-
verzüglich vom Ärzteverzeichnis entfernt und es zukünftig unterlässt, diese
Daten an ihre Versicherten, welche sich für ein Versicherungsmodell ge-
mäss Art. 41 Abs. 4 KVG interessieren und/oder entschieden haben, auf
irgendeine Art und Weise direkt oder indirekt weiterzugeben.
1.3.1 Die Vorinstanz hat den Erlass der angefochtenen Verfügungen vom
6. Mai 2016 explizit auf Art. 25 DSG i. V. m. Art. 5 VwVG gestützt. In ihrer
Verfügungsbegründung hat sie ausgeführt, dass ihr Vorgehen durch Art. 17
und 19 DSG gedeckt sei, welche auf eine gesetzliche Regelung verwiesen,
die eine Bearbeitung von Personendaten durch ein Bundesorgan ermög-
lichten. Eine solche gesetzliche Grundlage finde sich in Art. 84a Abs. 3
KVG.
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 20
1.3.2 Die kantonalen Schiedsgerichte Bern und Zürich haben sich im Rah-
men des von der Instruktionsrichterin durchgeführten Meinungsaustauschs
mit Eingaben vom 11. August 2016 bzw. vom 5. September 2016 gegen
ihre Zuständigkeit zur Beurteilung der Beschwerden gegen die angefoch-
tenen Verfügungen ausgesprochen, da eine datenschutzrechtliche – und
keine KVG-spezifische – Streitigkeit zu beurteilen sei, welche in die Zu-
ständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts falle.
1.3.3 Ob dem in der Tat so ist, wird im Rahmen der nachfolgenden materi-
ellen Beurteilung der Streitsache eingehend zu prüfen sein. Bei dieser Aus-
gangslage erscheint es als zulässig, die Zuständigkeit des Bundesverwal-
tungsgerichts gestützt auf Art. 31 i. V. m. Art. 33 Bst. h VGG (SR 173.32)
zu bejahen.
1.4 Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten der Verfügungen vom
6. Mai 2016 berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung oder Änderung, so dass sie im Sinn von Art. 48 VwVG beschwer-
delegitimiert sind.
1.5 Nachdem der einverlangte Kostenvorschuss fristgerecht geleistet
wurde (Art. 63 Abs. 4 VwVG), ist auf die im Übrigen frist- und formgerecht
(Art. 52 VwVG) eingereichten Beschwerden einzutreten.
2.
2.1 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413
E. 1a) bilden die Verfügungen der Vorinstanz vom 6. Mai 2016, mit welchen
diese festgestellt hat, die von ihr vorgenommene Veröffentlichung der per-
sönlichen Daten der Beschwerdeführenden (mit Name, Vorname und Ad-
resse) zum Zweck der Durchführung der besonderen Versicherungsmo-
delle „Hausarzt“ und „PharMed“ sei rechtmässig erfolgt. Vorliegend streitig
und durch das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen ist demnach, ob die
Vorinstanz die Daten der Beschwerdeführenden zu Recht veröffentlicht
hat, oder ob die Beschwerdeführenden 1 und 2 antragsgemäss einen An-
spruch auf deren Beseitigung haben.
2.2 Die Beschwerdeführenden bestreiten das Recht der Vorinstanz, ihre
Namen auf der Ärzteliste der von der Vorinstanz angebotenen Versiche-
rungsmodelle „Hausarzt“ und „PharMed“ aufzuführen, da zwischen ihnen
als Leistungserbringenden und der Vorinstanz als Krankenversicherer kein
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 21
Vertrag über die Durchführung bzw. Teilnahme am besonderen Versiche-
rungsmodell abgeschlossen worden sei. In einem ersten Schritt ist daher
zu prüfen, ob zur Durchführung der besonderen Versicherungsmodelle
„Hausarzt“ und „PharMed“ ein Vertragsabschluss zwischen den Beschwer-
deführenden und der Vorinstanz erforderlich ist.
3.
3.1 Nachfolgend sind die rechtlichen Grundlagen der fraglichen Versiche-
rungsmodelle der Vorinstanz, welche besondere Versicherungsformen dar-
stellen, zu prüfen.
3.1.1 Grundsätzlich ist jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz in der ob-
ligatorischen Krankenpflege (im Folgenden: OKP) versicherungspflichtig
(vgl. Art. 3 KVG i. V. m. Art. 1 ff. KVV). Gemäss Art. 4 Abs. 1 KVG können
die versicherungspflichtigen Personen unter den Versicherern nach Artikel
11 KVG frei wählen.
3.1.2 Nach Art. 61 KVG legt der Versicherer die Prämien für seine Versi-
cherten fest. Soweit das KVG keine Ausnahme vorsieht, erhebt der Versi-
cherer von seinen Versicherten die gleichen Prämien (Abs. 1). Der Versi-
cherer kann die Prämien nach den ausgewiesenen Kostenunterschieden
kantonal und regional abstufen. Massgebend ist der Wohnort der versi-
cherten Person. Das BAG legt die Regionen für sämtliche Versicherer ein-
heitlich fest (Abs. 2).
3.1.3 Art. 62 KVG regelt unter dem Marginale „Besondere Versicherungs-
formen“, dass der Versicherer die Prämien für Versicherungen mit einge-
schränkter Wahl des Leistungserbringers nach Art. 41 Abs. 4 vermindern
kann (Abs. 1). Der Bundesrat kann weitere Versicherungsformen zulassen
(Abs. 2); dies gilt namentlich für solche, bei denen die Versicherten die
Möglichkeit erhalten, sich gegen eine Prämienermässigung stärker als mit
den Franchisen und dem Selbstbehalt nach Artikel 64 KVG an den Kosten
zu beteiligen (Bst. a), oder bei denen die Höhe der Prämie der Versicherten
sich danach richtet, ob sie während einer bestimmten Zeit Leistungen in
Anspruch genommen haben oder nicht (Bst. b). Der Bund regelt die beson-
deren Versicherungsformen näher (Abs. 3).
3.1.4 Gemäss Art. 41 Abs. 1 KVG können die Versicherten für die ambu-
lante Behandlung unter den zugelassenen Leistungserbringenden, die für
die Behandlung ihrer Krankheit geeignet sind, frei wählen. Der Versicherer
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 22
übernimmt die Kosten höchstens nach dem Tarif, der am Wohn- oder Ar-
beitsort der versicherten Person oder in deren Umgebung gilt. Gemäss
Art. 41 Abs. 4 KVG können die Versicherten ihr Wahlrecht im Einverneh-
men mit dem Versicherer auf Leistungserbringende beschränken, die der
Versicherer im Hinblick auf eine kostengünstigere Versorgung auswählt
(Art. 62 Abs. 1 und 3 KVG). Der Versicherer muss in diesem Fall nur die
Kosten für diejenigen Leistungen übernehmen, die von diesen Leistungs-
erbringenden ausgeführt oder veranlasst werden (vgl. GEBHARD EUGSTER,
Besondere Versicherungsformen, in: Soziale Sicherheit, 3. Aufl., 2016, S.
385-884, Rz. 1419).
3.1.5 Nach Art. 99 KVV können die Versicherer neben der ordentlichen
Krankenpflegeversicherung Versicherungen betreiben, bei denen die Wahl
der Leistungserbringer eingeschränkt ist (Abs. 1). Bei einer Versicherung
mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer kann der Versicherer auf
die Erhebung des Selbstbehaltes und der Franchise ganz oder teilweise
verzichten (Abs. 2). Nach Art. 100 KVV stehen die Versicherungen mit ein-
geschränkter Wahl der Leistungserbringer sämtlichen Versicherten mit
Wohnsitz im Gebiet offen, in dem der Versicherer die betreffende Versiche-
rungsform betreibt (Abs. 1). Der Wechsel von der ordentlichen Versiche-
rung in eine Versicherung mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer
ist jederzeit möglich (Abs. 2).
3.1.6 Mit Blick auf die Prämien legt Art. 101 KVV fest, dass Versicherungen
mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringenden keine besonderen Ri-
sikogemeinschaften innerhalb eines Versicherers sind (Abs. 1). Prämiener-
mässigungen sind nur zulässig für Kostenunterschiede, die auf die einge-
schränkte Wahl der Leistungserbringenden sowie auf eine besondere Art
und Höhe der Entschädigung der Leistungserbringenden zurückzuführen
sind. Kostenunterschiede aufgrund eines günstigeren Risikobestandes ge-
ben keinen Anspruch auf Prämienermässigung (Abs. 2).
3.1.7 Eine detailliertere Regelung der besonderen Versicherungsformen
sehen das KVG und seine Ausführungsverordnungen nicht vor. Insbeson-
dere ist ihnen nicht zu entnehmen, dass für die Durchführung einer beson-
deren Versicherungsform ein Vertragsabschluss zwischen Krankenversi-
cherer und Leistungserbringer erforderlich wäre. Vielmehr ist in Art. 41
Abs. 1 KVG lediglich das Einvernehmen – und damit eine vertragliche Ver-
einbarung – zwischen Versicherer und Versicherten erwähnt.
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 23
3.2 Den Materialien zu Gesetz und Verordnung lassen sich zur Durchfüh-
rung der besonderen Versicherungsformen ebenfalls keine weiterführen-
den Angaben entnehmen.
3.3 Mit der 3. KVG-Revision hätten die Managed-Care-Modelle gefördert
werden sollen, vorab in Form von integrierten Versorgungsnetzen mit Bud-
getverantwortung, das heisst mittels Zusammenschlüssen medizinischer
Fachpersonen, welche es erlaubten, den Versicherten eine umfassende
und über die gesamte Behandlungskette koordinierte Betreuung und Be-
handlung anzubieten. Die beteiligten Leistungserbringenden dieses inte-
grierten Versorgungsnetzes hätten mit einem oder mehreren Versicherern
einen Vertrag ausgehandelt. Eigene Versorgungsnetze der Krankenkassen
wären nicht mehr zulässig gewesen. Diese Revision wurde am 17. Juni
2012 abgelehnt (BBl 2012 7685; vgl. GEBHARD EUGSTER, Besondere Ver-
sicherungsformen, a.a.O., Rz. 1427).
3.4 Einen gewissen Aufschluss über die Ausgestaltung und Durchführung
der besonderen Versicherungsmodelle gibt die nachfolgende Antwort des
Bundesrats auf die Motion (14.3813) „Hausärztinnen und Hausärzte. Klar-
heit schaffen und Abläufe vereinfachen“, eingereicht am 24. September
2014 von Nationalrat Pierre-Alain Fridez. Mit der Motion wird der Bundesrat
„beauftragt, eine Ergänzung der Gesetzgebung vorzulegen. Darin sollen
Krankenkassen, die im Rahmen des Krankenversicherungsgesetzes das
‚Hausarztmodell‘ anbieten, jedem Arzt und jeder Ärztin automatisch eine
Liste der Versicherten weiterleiten, die in diesem Versicherungsmodell die
betroffene Arztperson explizit als ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin an-
gegeben haben. Um die Abläufe zu vereinfachen, sollen die Krankenkas-
sen im Weiteren den betroffenen Versicherten zu Jahresbeginn eine aus-
reichende Anzahl Überweisungsscheine zuzustellen.“
3.4.1 Auf diese Motion antwortete der Bundesrat am 28. November 2014
wie folgt:
„Den Versicherern ist freigestellt, ob sie ihren Versicherten besondere Versiche-
rungsformen mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer anbieten. Auch in
deren Ausgestaltung sind sie weitgehend frei. Diese Freiheit, die einen gewissen
Wettbewerb schafft, ist vom Gesetzgeber gewollt. Dies wurde von der Kommission
für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates in ihrem Bericht vom
13. August 2014 zur parlamentarischen Initiative Feller 13.433, ‚Keine Benachtei-
ligung von Fachärztinnen und Fachärzten für allgemeine innere Medizin mit einem
zweiten Facharzttitel‘ bestätigt. Ebenso hat der Bundesrat in seiner Antwort auf
die Frage John-Calame 14.5439, ‚Allmächtige Krankenkasse im Modell Callmed‘,
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Seite 24
dargelegt, dass die Versicherer ziemlich frei sind, wie sie die Rechte und Pflichten
der Versicherten, die diese besonderen Versicherungsformen wählen, ausgestal-
ten. Als Gegenleistung für die darin vorgesehenen Einschränkungen werden ihnen
Prämienrabatte gewährt. Der Gesetzgeber hat für diese Versicherungsformen
keine weiteren Rechte der Versicherten vorgesehen. Er hat den Versicherern be-
wusst eine grosse Freiheit eingeräumt, wie sie diese Versicherungsformen ausge-
stalten. Sie sollen innovative Modelle entwickeln können, welche erlauben, die
Kosten zu senken. Der Bundesrat hat auch darauf hingewiesen, dass die Revision
des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) zu ‚Managed Care‘,
welche das Parlament am 30. September 2011 verabschiedet hatte, eine beson-
dere Versicherungsform näher definierte. Gegen diese Vorlage wurde das Refe-
rendum ergriffen, und sie wurde von etwa drei Vierteln der Bevölkerung abgelehnt.
Die für diese Versicherungsformen gewährten Prämienermässigungen sind aber
nur zulässig für Kostenunterschiede, welche auf die eingeschränkte Wahl der Leis-
tungserbringer sowie auf eine besondere Art und Höhe der Entschädigung der
Leistungserbringer zurückzuführen sind. Kostenunterschiede aufgrund eines
günstigeren Risikobestandes geben keinen Anspruch auf Prämienermässigung
(Art. 101 Abs. 2 der Verordnung über die Krankenversicherung). Die vom Motionär
geforderte Transparenz liegt in erster Linie im Interesse der behandelnden Ärztin
oder des behandelnden Arztes und der versicherten Person. Der Bundesrat ist
deshalb der Meinung, dass es im Hinblick auf die heutigen gesetzlichen Grundla-
gen primär an den Leistungserbringern ist, ihre Patientinnen und Patienten regel-
mässig nach der gewählten Versicherungsform zu fragen. Es wäre ein unverhält-
nismässiger Aufwand, wenn der Versicherer jeder versicherten Person jedes Jahr
mehrere Überweisungsformulare zustellen müsste, obschon viele diese nicht be-
nötigen, zumal die Überweisungsformulare von einer Arztpraxis im Bedarfsfall im
Internet heruntergeladen werden können. Deshalb will es der Bundesrat weiterhin
den Versicherern überlassen, welche Anforderungen sie an eine Überweisung
stellen. (...).“
Die Motion wurde in der Folge am 29. September 2016 zurückgezogen.
3.4.2 Es bleibt festzuhalten, dass der Bundesrat eine gesetzliche Verpflich-
tung der Krankenversicherer abgelehnt hat, den betroffenen Ärztinnen und
Ärzten (unter anderem) eine Liste der Versicherten, welche das Hausarzt-
modell gewählt haben, weiterzuleiten. Er hat dies mit der grossen Freiheit
begründet, die den Versicherern bei der Durchführung der besonderen Ver-
sicherungsformen zustehe, was vom Gesetzgeber gewollt sei. Diese Aus-
führungen sprechen gegen den gesetzgeberischen Willen, dass zur Durch-
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 25
führung der besonderen Versicherungsformen zwingend ein Vertrag zwi-
schen den Krankenversicherern und den Leistungserbringenden abzu-
schliessen wäre.
3.5 Das BAG regelt im Kreisschreiben Nr. 5.3 betreffend „besondere Ver-
sicherungsform mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer: Nach-
weis Kostenunterschiede“ vom 13. März 2015 die Berechnung der Kosten-
unterschiede nach Art. 101 Abs. 2 KVV. In der Beilage zum Kreisschreiben
führt es unter der Ziff. 2, Tabellenblatt „Modelle“ auf, es seien folgende Ty-
pen zulässig: Modelle ohne Vertrag zwischen Versicherer und Leistungs-
erbringenden, wie zum Beispiel Ärztelisten; Hausärzte, Ärztenetzwerke
und HMO-Praxen mit Vertrag zwischen Versicherer und Leistungserbrin-
genden ohne Budgetmitverantwortung; Hausärzte, Ärztenetzwerke und
HMO-Praxen mit Vertrag zwischen Versicherer und Leistungserbringenden
mit Budgetmitverantwortung; andere MC-Modelle wie Telefonmodelle mit
Vertrag zwischen Versicherer und Anbieter ohne Budgetmitverantwortung
und andere MC-Modelle wie Telefonmodelle mit Vertrag zwischen Versi-
cherer und Anbieter mit Budgetmitverantwortung.
3.5.1 Beim Kreisschreiben des BAG handelt es sich um eine so genannte
Verwaltungsverordnung, das heisst um eine generelle Dienstanweisung ei-
ner Behörde an die ihr untergeordneten Behörden (respektive vorliegend
an die die Krankenversicherungsgesetzgebung vollziehenden Krankenver-
sicherer; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7. Aufl., 2016, Rz. 81). Die Hauptfunktion einer Verwaltungsverordnung be-
steht darin, eine einheitliche, gleichmässige und sachrichtige Praxis des
Gesetzesvollzugs sicherzustellen und so behördliche Willkür und Zufällig-
keiten zu verhindern. Sie dient der Vereinfachung und Rationalisierung der
Verwaltungspraxis, erhöht die Kohärenz, Kontinuität sowie Voraussehbar-
keit des Verwaltungshandelns und erleichtert dessen Kontrolle (GIOVANNI
BIAGGINI, Die vollzugslenkende Verwaltungsverordnung: Rechtsnorm oder
Faktum?, Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht
[Zbl] 1997, S. 4; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 83). Sie um-
schreibt daher grundsätzlich keine Rechte und Pflichten der Bürger (HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 84; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, All-
gemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., 2014, § 14 Rz. 10 f., § 41 Rz. 12 ff.).
Ist eine Verwaltungsverordnung allerdings – wie vorliegend – darauf aus-
gerichtet, der untergeordneten Behörde für die Anwendung des Gesetzes
Weisungen zu erteilen, entfaltet sie unvermeidlich mittelbar oder unmittel-
bar Aussenwirkungen auf Private (FRITZ GYGI, Verwaltungsrecht, 1986, S.
103). Sie wirkt sich somit wie eine Rechtsnorm auf die Rechtsstellung der
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Seite 26
Privaten aus (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 129). Verwaltungsge-
richte sind grundsätzlich nicht an Verwaltungsverordnungen gebunden.
Prüfungsmassstab bilden allein Verfassung, Gesetz und Rechtsverord-
nung. Sie berücksichtigen allerdings in der Regel bei ihrer Entscheidfin-
dung die Verwaltungsverordnungen, soweit diese eine dem Einzelfall ge-
recht werdende Auslegung der massgebenden Bestimmung zulassen, da
sie nicht ohne Not von einer einheitlichen Praxis der Verwaltungsbehörden
abweichen wollen (BGE 122 V 19 E. 5b/bb, BGE 132 V 200 E. 5.1.2; HÄ-
FELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 87).
3.5.2 Festzuhalten ist aufgrund des Kreisschreibens Nr. 5.3, dass das BAG
als Aufsichtsbehörde über die Krankenversicherer von der Zulässigkeit der
besonderen Versicherungsformen mit eingeschränkter Wahl der Leis-
tungserbringer ohne Vertrag zwischen Versicherer und Leistungserbringer
ausgeht, was namentlich auch für die vorliegend in Frage stehende Veröf-
fentlichung von Daten der Beschwerdeführenden zutrifft.
3.6 Der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist zur vorliegend zu behan-
delnden Fragestellung nichts zu entnehmen.
3.7 Auch in der Doktrin ist, soweit ersichtlich, kein Hinweis darauf zu finden,
dass von einem Vertragszwang zwischen Versicherern und Leistungser-
bringern im Rahmen des Hausarzt- oder Telefonmodells ausgegangen
würde. EUGSTER hat in diesem Zusammenhang ausgeführt, dass Art. 41
Abs. 4 KVG auf so genannte Health Maintenance Organisations (HMOs),
Hausarztsysteme und Versicherungsmodelle mit Ärztelisten (Preferred-
Provider-Organization/ PPO) Bezug nehme mit dem Ziel der Kostenein-
dämmung. Wer sich ausserhalb von Notfällen nicht von der Hausärz-
tin/vom Hausarzt (Gatekeeper) oder einem von diesem durch Überweisung
bezeichneten Arzt oder Spital behandeln lasse, geniesse keinen Leistungs-
anspruch. Daneben seien sogenannte Telefonmodelle zulässig und vom
BAG akzeptiert, in welchen sich die angeschlossenen Versicherten ver-
pflichteten, sich vor der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen
telefonisch oder über das Internet an ein medizinisches Beratungszentrum
zu wenden und dessen Anordnungen hinsichtlich der einzuschlagenden
Behandlung Folge zu leisten. Im Hausarztmodell verpflichteten sich die
Versicherten, aus einer vom Versicherer beschränkten Anzahl Allgemein-
praktikerinnen und Allgemeinpraktikern ihre Hausärztin oder ihren Haus-
arzt und damit ihren Gatekeeper zu wählen. Als Gatekeeper würden Ärz-
tinnen und Ärzte bezeichnet, die für ihre Patientinnen und Patienten immer
die erste Anlaufstelle für medizinische Dienstleistungen darstellten. Diese
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 27
übernähmen die medizinische Grundversorgung ihrer Patientinnen und
Patienten und überwiesen sie, falls medizinisch angezeigt, an Spezialistin-
nen und Spezialisten oder Spitäler. Die HMOs und Hausarztsysteme be-
ruhten auf vertraglichen Vereinbarungen zwischen Leistungserbringenden
oder Organisationen von Leistungserbringenden und Versicherern, die sich
als Leistungsverträge kombiniert mit tarifvertraglichen Komponenten qua-
lifizierten. Daneben existierten Versicherungsmodelle mit einer Ärzteliste
(Preferred-Provider-Organization/PPO), in denen die Versicherten die
Leistungserbringenden von einer Anbieterliste auswählten, welche jährlich
von den Krankenversicherungen angepasst werde. Für diese Listen wür-
den nur Ärztinnen und Ärzte berücksichtigt, deren Kosten in der Höhe der
Durchschnittskosten der jeweiligen Fachgruppe liegen. Bei diesem Modell
fehlten sowohl Gatekeeping als auch Budgetverantwortung der Leistungs-
erbringenden (GEBHARD EUGSTER, Besondere Versicherungsformen,
a.a.O., Rz. 1419 ff.).
3.8 Bei den fraglichen Versicherungsformen der Vorinstanz handelt es sich
um die Hausarzt- und PharMed-Modelle, die im Rahmen der OKP angebo-
ten werden.
3.8.1 Im Hausarztmodell der Vorinstanz kann die versicherte Person die
Ärztin oder den Arzt, die oder der sie medizinisch individuell betreut, aus
dem „unverbindlichen Ärzteverzeichnis“ auswählen. Sie soll auf diese
Weise von einer individuellen Betreuung sowie von vorteilhaften Prämien
profitieren. Die versicherte Person hat immer zuerst den Hausarzt zu kon-
sultieren. Erachte es dieser als notwendig, überweise er die versicherte
Person an einen Spezialisten oder an ein Spital und empfehle eine zustän-
dige Fachperson, womit die medizinische Betreuung optimiert und unnö-
tige Konsultationen vermieden würden. Das Verzeichnis der zur Berufsaus-
übung berechtigten Ärzte hat die Vorinstanz auf der Internetseite „as-
sura.ch/anerkannte-aerzte“ publiziert, wo auch die Namen der Beschwer-
deführenden und ihre Praxisadressen aufgeführt sind. Im PharMed-Modell
wählt die versicherte Person ihre Ärztin oder ihren Arzt, die oder der sie
medizinisch individuell betreut, aus dem „unverbindlichen Ärzteverzeich-
nis“ aus. Sie kauft ihre Medikamente überdies in einer Partnerapotheke der
Vorinstanz. Dadurch profitiere sie von einer individuellen Betreuung sowie
von vorteilhaften Prämien.
3.8.2 Die fraglichen Versicherungsmodelle sehen einzig eine Vereinbarung
zwischen der Vorinstanz als Krankenversicherer und den Versicherten, die
eines dieser Modelle wählen, vor. Eine vertragliche Vereinbarung zwischen
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 28
der Vorinstanz und den Beschwerdeführenden als Leistungserbringenden
hat die Vorinstanz als betroffener Krankenversicherer jedoch nicht in Be-
tracht gezogen. Zu den Durchführungsmodalitäten dieser Versicherungs-
modelle enthalten das KVG und seine Ausführungsverordnungen keine
ausdrückliche Regelung. Namentlich sehen sie keine Verpflichtung der
Krankenversicherer vor, diesbezüglich mit den Leistungserbringern Ver-
träge abzuschliessen. Aus der bundesrätlichen Antwort auf die Motion
14.3813 „Hausärztinnen und Hausärzte. Klarheit schaffen und Abläufe ver-
einfachen“ vom 24. September 2014 und dem Kreisschreiben 5.3 des BAG
ist zu schliessen, dass das Hausarztmodell ohne Vertrag zwischen dem
Krankenversicherer und den Leistungserbringenden zulässig sei.
3.8.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ebenfalls zum Schluss, dass keine gesetzliche Regelung be-
steht, welche die Vorinstanz verpflichten würde, mit den Beschwerdefüh-
renden einen Vertrag zur Durchführung ihrer Hausarzt- und PharMed-Mo-
delle abzuschliessen. Vielmehr müsste der Gesetzgeber für eine einschlä-
gige Vertragspflicht erst eine gesetzliche Grundlage schaffen.
4.
4.1 Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Vorinstanz habe ihre
Daten ohne das Vorliegen einer genügenden gesetzlichen Grundlage so-
wie ohne ihre Zustimmung veröffentlicht. Öffentliche und ohne besonderes
Interesse zugängliche Daten dürften nur bei einer unveränderten und voll-
ständigen Übernahme weiterverbreitet werden. Die Hausarztliste der As-
sura entspreche jedoch nicht vollständig den Angaben im MedReg und sei
fehlerhaft. Bei der Durchführung eines besonderen Versicherungsmodells
handle es sich überdies nicht um die Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe.
Die Veröffentlichung der Daten der Beschwerdeführenden verletze daher
deren verfassungsmässigen Grundrechte.
4.2 Die Vorinstanz hält dem im Wesentlichen entgegen, sie habe auf ihrer
Hausarztliste alle Ärzte aufgeführt, die bereits im MedReg und im FMH-
Verzeichnis aufgeführt seien, weshalb sie nur öffentlich zugängliche Daten
zur Verfügung stelle. Das MedReg diene gemäss Art. 51 Abs. 4 MedBG
dem Vollzug der Krankenversicherung und dürfe daher von den Kranken-
versicherern verwendet und auch veröffentlicht werden. Die von ihr veröf-
fentlichten Daten würden einmal wöchentlich aufgrund der von der SASIS
AG zugestellten Angaben aktualisiert. Bei den Daten handle es sich nicht
um besonders schützenswerte Daten. An deren Veröffentlichung bestehe
ein überwiegendes öffentliches Interesse.
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 29
4.3 Nachfolgend sind die anwendbaren Gesetzesnormen zu prüfen.
4.3.1 Das DSG ist anwendbar auf das Bearbeiten von Personendaten
durch private Personen und Bundesorgane (Art. 2 Abs. 1 DSG). Bearbeiten
in diesem Sinne bedeutet jeder Umgang mit Personendaten, unabhängig
von den angewandten Mitteln und Verfahren, insbesondere das Beschaf-
fen, Aufbewahren, Verwenden, Umarbeiten, Bekanntgeben, Archivieren o-
der Vernichten von Daten (Art. 3 Bst. e DSG). Vorliegend nicht zutreffende
Ausnahmen sind in Art. 2 Abs. 2 DSG geregelt.
4.3.2 Krankenversicherer – und damit auch die Vorinstanz – gelten als Or-
gane des Bundes (URS MAURER-LAMBROU/SIMON KUNZ, in: Maurer-
Lambrou/Blechta [Hrsg.], Datenschutzgesetz, Basler Kommentar, 3. Aufl.,
2014, Rz. 3 ff. zu Art. 3 DSG; vgl. Art. 2 des Bundesgesetzes betreffend die
Aufsicht über die soziale Krankenversicherung vom 26. September 2014
[KVAG; SR 832.12]). Als solche dürfen sie nach Art. 17 Abs. 1 DSG Perso-
nendaten bearbeiten, wenn dafür eine gesetzliche Grundlage besteht.
Nach Art. 19 Abs. 1 DSG dürfen sie Daten bekannt geben, wenn dafür eine
Rechtsgrundlage im Sinn von Art. 17 besteht.
4.3.3 Art. 84 und 84a KVG enthalten eine eigenständige Regelung des Da-
tenschutzes in der Krankenversicherung und stellen eine formellgesetzli-
che Grundlage im Sinn von Art. 17 Abs. 1 i. V. m. Art. 19 Abs. 1 DSG für
das Zugänglichmachen – wie Einsichtgewähren, Weitergeben oder Veröf-
fentlichen – von Personendaten dar. Die Datenbearbeitung im Bereich der
Krankenversicherung richtet sich daher in erster Linie nach den Bestim-
mungen des KVG, welche den Datenschutz konkretisieren und dem DSG
als sowohl jüngere (lex posterior) wie auch speziellere (lex specialis) Be-
stimmungen vorgehen (BGE 133 V 359 E. 6.4; GEBHARD EUGSTER, BGer-
Rechtsprechung, KVG, Art. 84a, Rz. 1).
4.4 Somit ist nachfolgend insbesondere zu prüfen, ob Art. 84 und 84a KVG
eine hinreichende gesetzliche Grundlage bieten, um die Namen und Ad-
ressen der Beschwerdeführenden im Ärzteverzeichnis der Vorinstanz zu
publizieren.
4.4.1 Gemäss Art. 84 KVG (Bearbeiten von Personendaten) sind die mit
der Durchführung, der Kontrolle oder der Beaufsichtigung der Durchfüh-
rung dieses Gesetzes betrauten Organe befugt, die Personendaten, ein-
schliesslich besonders schützenswerter Daten und Persönlichkeitsprofile,
zu bearbeiten oder bearbeiten zu lassen, die sie benötigen, um die ihnen
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Seite 30
nach diesem Gesetz übertragenen Aufgaben zu erfüllen, namentlich um für
die Einhaltung der Versicherungspflicht zu sorgen (Bst. a), die Prämien zu
berechnen und zu erheben (Bst. b), Leistungsansprüche zu beurteilen so-
wie Leistungen zu berechnen, zu gewähren und mit Leistungen anderer
Sozialversicherungen zu koordinieren (Bst. c), den Anspruch auf Prämien-
verbilligungen nach Artikel 65 KVG zu beurteilen sowie die Verbilligungen
zu berechnen und zu gewähren (Bst. d), ein Rückgriffsrecht gegenüber ei-
nem haftpflichtigen Dritten geltend zu machen (Bst. e), die Aufsicht über
die Durchführung dieses Gesetzes auszuüben (Bst. f), Statistiken zu füh-
ren (Bst. g), die Versichertennummer der AHV zuzuweisen oder zu verifi-
zieren (Bst. h) oder den Risikoausgleich zu berechnen (Bst. i).
Art. 84 KVG stellt eine Generalklausel mit einer beispielhaften und somit
nicht abschliessenden Aufzählung zentraler Aufgaben dar, die eine Perso-
nendatenbearbeitung gestatten (vgl. GEBHARD EUGSTER, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, a.a.O., Kommentar zu
Art. 84 KVG; GEBHARD EUGSTER, Besondere Versicherungsformen, a.a.O.,
Rz. 1544 ff.). Bei diesen Aufgaben handelt es sich um wichtige Funktionen,
ohne welche die Gesetzgebung über die obligatorische Krankenversiche-
rung nicht umzusetzen wäre. So geht es namentlich darum, dafür zu sor-
gen, dass alle versicherungspflichtigen Personen ihrer Versicherungs-
pflicht nachkommen, die Prämien bezahlen sowie einen allfälligen An-
spruch auf Prämienverbilligung erhalten. Beim Anbieten und Durchführen
von besonderen Versicherungsmodellen handelt es sich nicht um eine für
die Umsetzung des KVG zentrale gesetzliche Aufgabe. Vielmehr ist es den
Krankenversicherern freigestellt, ob sie solche Modelle anbieten wollen,
und sie sind auch in deren Ausgestaltung weitgehend frei. Art. 84 KVG ist
folglich auch keine Regelung betreffend die Datenbearbeitung bei der
Durchführung der besonderen Versicherungsformen zu entnehmen.
4.4.2 Art. 84a Abs. 1 KVG regelt unter dem Marginale „Datenbekannt-
gabe“, dass Organe, die mit der Durchführung, der Kontrolle oder der Be-
aufsichtigung der Durchführung dieses Gesetzes betraut sind, in Abwei-
chung von Art. 33 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den All-
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) Daten be-
kannt geben dürfen, sofern kein überwiegendes Privatinteresse entgegen-
steht, an andere mit der Durchführung sowie der Kontrolle oder der Beauf-
sichtigung der Durchführung dieses Gesetzes betraute Organe (Bst. a), an
Organe einer anderen Sozialversicherung (Bst. b und bbis), an die für die
Quellensteuer zuständigen Behörden (Bst. c), an Organe der Bundessta-
tistik (Bst. d) an andere Stellen, die mit der Führung von Statistiken zur
C-3612/2016, C-3615/2016
Seite 31
Durchführung des KVG betraut sind (Bst. e), an die zuständigen kantona-
len Behörden (Bst. f), an die Strafuntersuchungsbehörden (Bst. g), an den
Nachrichtendienst des Bundes (NDB) sowie an die Sicherheitsorgane der
Kantone zuhanden des NDB (Bst. gbis), im Einzelfall sowie auf schriftlich
begründetes Gesuch hin ausserdem an die Sozialhilfebehörden, die Zivil-
gerichte, die Strafgerichte, die Betreibungsämter, die Kindes- und Erwach-
senenschutzbehörden (Bst. h).
Nach Art. 33 ATSG (SR 830.1) haben Personen, die an der Durchführung
sowie der Kontrolle oder der Beaufsichtigung der Durchführung der Sozi-
alversicherungsgesetze beteiligt sind, gegenüber Dritten Verschwiegenheit
zu bewahren.
4.4.2.1 Art. 84a Abs. 1 KVG regelt somit, unter welchen Voraussetzungen
die in dieser Bestimmung genannten Organe in Abweichung von ihrer
Schweigepflicht gemäss Art. 33 ATSG Daten (eingeschlossen Personen-
daten) genau definierten Dritten offenbaren dürfen (vgl. GEBHARD EUGS-
TER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
a.a.O., N. 1 zu Art. 84 KVG). Die Publikation von Namen und Praxisadres-
sen der Leistungserbringenden in einem öffentlich einsehbaren Ärztever-
zeichnis zur Durchführung der besonderen Versicherungsmodelle ist in
dieser Bestimmung nicht vorgesehen. Damit ist dieser Bestimmung für die
vorliegende Streitfrage nichts zu entnehmen.
4.4.3 Näherer Betrachtung bedarf Art. 84a Abs. 3 KVG. Danach dürfen Da-
ten, die von allgemeinem Interesse sind und sich auf die Anwendung des
KVG beziehen, veröffentlicht werden, unter Wahrung der Anonymität der
Versicherten.
4.4.3.1 Bei der Veröffentlichung der Namen und Adressen der Ärztinnen
und Ärzte, welche die Versicherten im Rahmen der von der Vorinstanz
durchgeführten besonderen Versicherungsmodelle „Hausarzt“ und „Phar-
Med“ als betreuende Ärztin oder betreuenden Arzt bzw. als Hausärztin oder
Hausarzt wählen können, handelt es sich um Personendaten, die ohne
Weiteres auf eine bestimmte Person schliessen lassen. Insofern sind sämt-
liche hier in Frage stehenden Daten als Personendaten im Sinn von Art. 3
Bst. a DSG zu qualifizieren.
4.4.3.2 Für die Beantwortung der Frage, bei welchen Daten es sich um
solche von allgemeinem Interesse handelt, sind die in der bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung entwickelten Auslegungsgrundsätze zu beachten.
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Seite 32
Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet danach der Wortlaut der massge-
blichen Norm. Ist dieser nicht klar oder sind verschiedene Interpretationen
möglich, muss unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente nach sei-
ner wahren Tragweite gesucht werden. Dabei kommt es namentlich auf
den Zweck der Regelung, auf die der Regelung zugrunde liegenden Wer-
tungen sowie den Sinnzusammenhang an, in dem die Norm steht. Die Ent-
stehungsgeschichte ist zwar nicht unmittelbar entscheidend, dient aber als
Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen. Namentlich bei neueren
Texten kommt ihr eine besondere Bedeutung zu, weil veränderte Um-
stände oder ein gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung we-
niger nahelegen. Sind mehrere Auslegungen möglich, ist jene zu wählen,
die der Verfassung am besten entspricht. Allerdings findet auch eine ver-
fassungskonforme Auslegung ihre Grenzen im klaren Wortlaut und Sinn
einer Gesetzesbestimmung (vgl. zum Ganzen statt vieler BGE 138 II 440
E. 13 m.w.H.).
4.4.3.3 Gemäss dem Wortlaut der Bestimmung von Art. 84a Abs. 3 KVG
setzt die zulässige Datenveröffentlichung zum einen ein Interesse der All-
gemeinheit voraus. Da grundsätzlich jede Person mit Wohnsitz in der
Schweiz obligatorisch versichert ist, sich frei für einen Krankenversicherer
und das Angebot eines alternativen Versicherungsmodells entscheiden
kann und in diesem Zusammenhang ein Interesse am Ärzteverzeichnis der
Vorinstanz haben kann, besteht zweifellos ein Interesse der Allgemeinheit
an der Publikation einer Ärzteliste. Zum anderen hat sich die Datenbe-
kanntgabe nach dem Wortlaut der Bestimmung auf die Anwendung des
KVG zu beziehen, was mit der gesetzlichen Grundlage der besonderen
Versicherungsmodelle in Art. 41 Abs. 4 KVG gegeben ist. Ferner wird in
Art. 84a Abs. 3 KVG explizit bestimmt, dass die Anonymität der Versicher-
ten gewahrt werden muss. Hingegen bleiben die Leistungserbringer zulas-
ten der Grundversicherung unerwähnt. Der Wortlaut von Art. 84a Abs. 3
KVG deutet somit darauf hin, dass die Stammdaten (Namen und Praxisa-
dressen) der Beschwerdeführenden, welche als privatpraktizierende Ärztin
bzw. Arzt Leistungen zulasten der Grundversicherung erbringen, zur
Durchführung der besonderen Versicherungsmodelle nach KVG veröffent-
licht werden dürfen.
Art. 84a Abs. 3 KVG mit dem Marginale „Datenbekanntgabe“ folgt in sys-
tematischer Hinsicht Art. 84 KVG mit dem Titel „Bearbeitung von Perso-
nendaten“. Während Art. 84 KVG die Aufgaben regelt, für welche die Bear-
beitung von Personendaten zulässig ist, regelt Art. 84a Abs. 1 KVG die Da-
tenbekanntgabe an spezifische Empfänger. Art. 84a Abs. 3 KVG erlaubt
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Seite 33
darüber hinaus die Veröffentlichung von Daten, die von allgemeinem Inte-
resse sind und sich auf die Anwendung des KVG beziehen. Art. 62 KVG
und Art. 99 ff. KVV regeln das Angebot der „besonderen Versicherungsfor-
men“, womit die Voraussetzung des allgemeinen Interesses für die Daten-
veröffentlichung durch die Vorinstanz in Bezug auf die Stammdaten der
Beschwerdeführenden zur Durchführung der Hausarzt- und PharMed-Mo-
delle erfüllt ist. Der zweite Satz von Absatz 3 bestimmt (lediglich), dass die
Anonymität der Versicherten gewahrt bleiben muss, was vorliegend zwei-
fellos der Fall ist. Dies steht in Übereinstimmung mit dem Hauptzweck der
datenschutzrechtlichen Bestimmungen des KVG, Daten der versicherten
Personen zu schützen, und nicht etwa unabhängig davon die Namen und
Adressen der leistungserbringenden Spitäler und Ärzteschaft (vgl. hierzu
z.B. Persönlichkeitsschutz in der sozialen und privaten Kranken- und Un-
fallversicherung, Bericht einer vom EDI und vom EJPD eingesetzten Ex-
pertenkommission, 2001, publiziert in: Beiträge zur sozialen Sicherheit, Nr.
7/01; BRIGITTE BERGER KURZEN, E-Health und Datenschutz in: ZIK, Nr. 27,
2004, S. 94-98, S. 95).
4.4.3.4 Zu berücksichtigen ist weiter die Entstehungsgeschichte von
Art. 84a Abs. 3 KVG. Den Materialien zum KVG lassen sich jedoch keine
Angaben dazu entnehmen, wie der Begriff des allgemeinen Interesses aus-
zulegen ist und ob sich die Bestimmung auch auf Personendaten der Ärz-
tinnen und Ärzte bezieht.
4.4.3.5 In teleologischer Hinsicht ist schliesslich zu berücksichtigen, dass
Art. 84a Abs. 3 KVG ermöglicht, Daten von allgemeinem Interesse der All-
gemeinheit zugänglich zu machen. Die besonderen Versicherungsmodelle
der Vorinstanz „Hausarzt“ und „PharMed“ erfolgen in Anwendung von
Art. 41 Abs. 4 KVG und setzen diese Bestimmung in der Praxis um. Das
Ärzteverzeichnis der Vorinstanz bezweckt, die versicherten Personen auf
eine leicht zugängliche Weise darüber zu informieren, welche Ärztinnen
und Ärzte im Rahmen der genannten Versicherungsmodelle als Gatekee-
per infrage kommen. Die Zweckgebundenheit des Ärzteverzeichnisses ist
sowohl für die Versicherten als auch für die betroffenen Leistungserbrin-
genden klar erkennbar. Bei den veröffentlichten Daten, den Namen und
Praxisadressen der Ärztinnen und Ärzte, handelt es sich sodann lediglich
um auch anderweitig abrufbare Stammdaten, an deren Geheimhaltung die
Beschwerdeführenden als Leistungserbringende im Rahmen der obligato-
rischen Krankenpflegeversicherung grundsätzlich kein schützenswertes
Interesse haben. Unter diesen Umständen ist die Publikation der genann-
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Seite 34
ten Daten der Beschwerdeführenden durch die Vorinstanz zur Durchfüh-
rung der besonderen Versicherungsmodelle „Hausarzt“ und „PharMed“
vom Zweck der gesetzlichen Regelung gedeckt.
4.4.3.6 In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass seit 1984
sämtliche Medizinalpersonen mit einem eidgenössischen Diplom vom BAG
im Medizinalberuferegister eingetragen werden. Gemäss Art. 52 des Bun-
desgesetzes über die universitären Medizinalberufe vom 23. Juni 2006
(MedBG, SR 811.11) melden die zuständigen kantonalen Behörden ohne
Verzug die Erteilung, Verweigerung und jede Änderung der Bewilligung zur
selbstständigen Berufsausübung (Abs. 1) sowie die für einen Weiterbil-
dungsgang verantwortlichen Organisationen jede Erteilung eines eidge-
nössischen Weiterbildungstitels (Abs. 2), was in der Folge im MedReg ein-
zutragen ist (Art. 51 MedBG). Die öffentliche Bekanntgabe der Daten im
MedReg ist gestützt auf Art. 53 MedBG vorgeschrieben. Aufgrund dieser
gesetzlichen Grundlage für die Datenveröffentlichung besteht hinsichtlich
der im MedReg veröffentlichten Angaben einer Medizinalperson kein Lö-
schungsanspruch auf Gesuch hin.
4.4.3.7 Nichts anderes ergibt sich, wenn für die Auslegung von Art. 84a
Abs. 3 KVG Art. 19 Abs. 1bis DSG herangezogen wird, wonach Personen-
daten unter anderem bekannt gegeben werden dürfen, wenn die betref-
fenden Personendaten im Zusammenhang mit der Erfüllung öffentlicher
Aufgaben stehen (Bst. a), und an deren Bekanntgabe ein überwiegendes
öffentliches Interesse besteht (Bst. b). Danach setzt die Datenbekanntgabe
eine Interessenabwägung im Einzelfall voraus und muss mit dem Zweck,
für den die Daten ursprünglich beschafft worden sind, vereinbar sein
(YVONNE JÖHRI/MARCEL STUDER, in: Maurer-Lambrou/Vogt [Hrsg.], Daten-
schutzgesetz, Basler Kommentar, 2. Aufl., 2006, Rz. 96 zu Art. 19 DSG).
4.4.3.8 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass mit Art. 84a Abs. 3
KVG eine genügende gesetzliche Grundlage für die Publikation der Namen
und Praxisadressen der Beschwerdeführenden durch die Vorinstanz zur
Durchführung der besonderen Versicherungsmodelle „Hausarzt“ und
„PharMed“ besteht.
4.4.4 Auch die Prüfung von Art. 84a Abs. 5 KVG führt zu keinem anderen
Ergebnis. Diese Bestimmung regelt die Zulässigkeit der Datenbekannt-
gabe an Dritte in Fällen, die nicht von den Absätzen 1 bis 4 erfasst sind.
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Seite 35
4.4.4.1 Nach Art. 84a Abs. 5 Bst. a KVG dürfen in den übrigen Fällen nicht
personenbezogene Daten in Abweichung von Artikel 33 ATSG an Dritte be-
kannt gegeben werden, wenn die Bekanntgabe einem überwiegenden In-
teresse entspricht. Diese Bestimmung beruht auf der Überlegung, dass
eine Verwaltungsbehörde auch über nicht personenbezogene Daten nicht
beliebig verfügen kann, sondern diese nur im Rahmen ihres Verwaltungs-
auftrags bearbeiten darf (GEBHARD EUGSTER, Besondere Versicherungs-
formen, a.a.O., Rz. 1552). Diese Fallkonstellation ist vorliegend nicht ge-
geben, da es sich bei den fraglichen Daten (Publikation von Name und
Adresse der Beschwerdeführenden) unstreitig um personenbezogene Da-
ten handelt.
4.4.4.2 Nach Art. 84a Abs. 5 Bst. b KVG dürfen Personendaten ausserdem
in Abweichung von Artikel 33 ATSG an Dritte bekannt gegeben werden,
wenn die betroffene Person im Einzelfall schriftlich eingewilligt hat oder,
wenn das Einholen der Einwilligung nicht möglich ist, diese nach den Um-
ständen als im Interesse der versicherten Person vorausgesetzt werden
darf. Diese Bestimmung kommt allerdings nur dann zur Anwendung, wenn
die Absätze 1 bis 4 nicht anwendbar sind; diese Voraussetzung ist vorlie-
gend nicht erfüllt (siehe E. 4.4.3). Letztlich spricht auch eine teleologische
Auslegung von Art. 84a Abs. 5 Bst. b KVG gegen dessen Anwendbarkeit
im vorliegenden Fall. Denn wie in E. 3 dargelegt, ist das Anbieten der be-
sonderen Versicherungsmodelle „Hausarzt“ und „PharMed“ durch die
Vorinstanz auch ohne Vereinbarung mit den beschwerdeführenden Leis-
tungserbringenden zulässig. Es wäre daher systemwidrig, wenn die
Vorinstanz die Namen und Praxisadressen der Beschwerdeführenden nur
mit deren Einwilligung, was als Vereinbarung zu qualifizieren wäre, publi-
zieren dürfte. Ob ein solches Vertragsmodell de lege ferenda wünschens-
wert wäre, ist vorliegend nicht zu beurteilen.
4.4.5 Nach Art. 84a Abs. 6 KVG dürfen nur die Daten bekannt gegeben
werden, welche für den in Frage stehenden Zweck erforderlich sind. Die
Publikation der Ärzteliste durch die Vorinstanz erweist sich für den in Frage
stehenden Zweck als erforderlich, um die Versicherten darüber zu infor-
mieren, welche Leistungserbringenden sie als Gatekeeper in den beson-
deren Versicherungsmodellen „Hausarzt“ und „PharMed“ der Vorinstanz
wählen dürfen. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den veröffentlich-
ten Listen mit den Namen und Praxisadressen der Ärztinnen und Ärzte le-
diglich um Stammdaten, die die Beschwerdeführenden dem BAG für die
Führung des Medizinalberuferegisters bekannt geben mussten und die be-
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reits veröffentlicht sind. Die Vorinstanz hat in ihrem Ärzteverzeichnis so-
dann lediglich die Namen und Praxisadressen aufgeführt. Sie hat damit die
Bekanntgabe von Daten auf ein Minimum reduziert, welches sich für die
Identifizierung der einzelnen Leistungserbringenden als notwendig erweist.
Damit ist der Grundsatz der Verhältnismässigkeit im Sinne von Art. 84a
Abs. 6 KVG gewahrt.
4.4.6 Zu der von den Beschwerdeführenden vorgebrachten Rüge des un-
geeigneten Mittels ist festzuhalten, dass vorliegend nicht Streitgegenstand
ist, ob die Vorinstanz den beabsichtigten Zweck mit anderen Mitteln besser
erreichen würde (vgl. hierzu Urteil des BVGer C-6253/2014 vom 4. Februar
2016 E. 6.3 m.w.H.). Die Beschwerdeführenden rügen überdies die kon-
krete Ausgestaltung des Ärzteverzeichnisses durch die Vorinstanz und in
diesem Zusammenhang einerseits überholte Angaben zu Arztpersonen
und andererseits die (mangelhaften) Einschränkungen des Wahlrechts auf
Ärztinnen und Ärzte, welche Hausarztmedizin betreiben. Bei den Be-
schwerdeführenden handelt es sich unbestrittenermassen um eine Haus-
ärztin und einen Hausarzt, und die Korrektheit der sie betreffenden Daten
wurde nicht in Zweifel gezogen. Ob das Ärzteverzeichnis im Übrigen zur
Durchführung der von der Vorinstanz angebotenen Versicherungsmodelle
„Hausarzt“ und „PharMed sachgerecht und insbesondere in Bezug auf an-
dere Personen korrekt ist, ist vorliegend nicht Streitgegenstand und daher
nicht zu beurteilen.
4.5 Als Zwischenergebnis ergibt sich, dass Art. 84a Abs. 3 i. V. m. Art. 84a
Abs. 6 KVG eine hinreichende gesetzliche Grundlage für die Publikation
der Namen und Adressen der Beschwerdeführenden im Ärzteverzeichnis
der Vorinstanz für die Durchführung der Versicherungsmodelle „Hausarzt“
und „PharMed“ bieten.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden weder
Anspruch auf Löschung ihrer persönlichen Daten (Name und Adresse) aus
dem Ärzteverzeichnis der Vorinstanz haben noch auf deren künftige Unter-
lassung, diese Daten an Versicherte weiterzugeben.
Die Beschwerden der Beschwerdeführenden 1 und 2 sind daher abzuwei-
sen.
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6.
6.1 Entsprechend diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrens-
kosten den Beschwerdeführenden solidarisch aufzuerlegen (vgl. Art. 63
Abs. 1 VwVG). Sie sind unter Berücksichtigung des Umfangs und der
Schwierigkeit der Streitsache, der Art der Prozessführung sowie der finan-
ziellen Lage der Parteien (vgl. Art. 63 Abs. 4bis VwVG i. V. m. Art. 2 Abs. 1
und Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]) auf insgesamt Fr. 5'000.– festzusetzen sowie nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Urteils dem von den Beschwerdeführenden
geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu entnehmen.
6.2 Den Beschwerdeführenden ist bei diesem Verfahrensausgang keine
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die obsiegende
Vorinstanz hat ebenfalls keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 7
Abs. 3 VGKE).
(Das Urteilsdispositiv folgt auf der nächsten Seite.)
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