Decision ID: e89d4679-dbe7-5031-bf9c-9386cf36daed
Year: 2021
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1972 geborene A. (nachfolgend: der Versicherte oder Beschwerdeführer) ist
seit 1. März 2006 beim C. angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Versicherung B.
(nachfolgend: Versicherung B. oder Vorinstanz) gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle
versichert. Mit Datum vom 10. Februar 2016 reichte der Versicherte bei der Versicherung
B. eine Unfallmeldung ein, laut welcher er sich am 23. Januar 2016 beim Langlaufen eine
Zerrung am rechten Oberarm zugezogen habe; er sei nach vorne gestürzt und habe sich
überschlagen (act. 10.A1). Die Vorinstanz anerkannte ihre gesetzliche Leistungspflicht. Am
13. Dezember 2017 wurde ihr seitens des Versicherten ein Rückfall betreffend
vorerwähntes Unfallereignis gemeldet (act. 10.A4). In einer Beurteilung vom 9. Juli 2018
bzw. vom 29. November 2018 kam der beratende Arzt der Versicherung B., Dr. D., zum
Schluss, dass die ab Dezember 2017 dokumentierte Symptomatik unfallfremd sei, mithin
kein Rückfall vorliege (act. M18 und M20). In der Folge erliess der Versicherungsträger am
18. Dezember 2018 eine entsprechende leistungsablehnende Verfügung (act. A18). Eine
Einsprache des Versicherten, welche dieser durch die Versicherung E. erheben liess,
wurde von der Versicherung B. am 13. November 2019 abgewiesen (act. 2.2).
B. Gegen den nämlichen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde des nunmehr
durch RA AA. vertretenen Versicherten vom 17. Dezember 2019 mit dem eingangs zitierten
Rechtsbegehren (act. 1). Die Vernehmlassung der Vorinstanz mit dem Antrag auf
Beschwerdeabweisung erfolgte am 26. März 2020 (act. 8). Mit Replik vom 7. Mai 2020 hielt
der Beschwerdeführer an seinem Rechtsbegehren fest (act. 13), des Gleichen die
Versicherung B. in ihrer Duplik vom 16. Juni 2020 (act. 17).
C. Die Parteien verzichteten auf eine mündliche Verhandlung.

Erwägungen
1.
1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Zuständig für die Beurteilung von sozialversicherungsrechtlichen Streitigkeiten ist gemäss
Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) das Versicherungsgericht desjenigen
Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat.
Da der Beschwerdeführer in F. wohnt, ist die Zuständigkeit des ausserrhodischen Versiche-
rungsgerichts gegeben.
1.2 Gemäss Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31)
beurteilt das Obergericht als kantonales Versicherungsgericht Beschwerden aus dem
Bereich der Sozialversicherungen. Das Gesamtgericht hat Beschwerden in Sozialversi-
cherungssachen mit medizinischen Fragestellungen der 3. Abteilung zur Beurteilung
zugewiesen (so publiziert im aktuellen Staatskalender des Kantons Appenzell
Ausserrhoden [https:// staatskalender.ar.ch/organizations/pdf], Ziff. 2.6.1.2), weshalb diese
zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerdesache zuständig ist.
1.3 Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten des
Beschwerdeführers als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die
Beschwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. März 1981 über die Unfallversicherung [UVG, SR 832.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1
und Art. 61 lit. b ATSG).
1.4 Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
1.5 Gestützt auf Art. 2 der Verordnung über COVID-19-Massnahmen: Gerichte (bGS 113.2)
kann das Obergericht zur Bewältigung der aktuell ausserordentlichen Lage in allen Fällen
auf dem Zirkularweg entscheiden, wenn das Gesetz keine Verhandlung vorschreibt. Ent-
scheide, die auf dem Zirkularweg gefällt werden, bedürfen der Einstimmigkeit (Art. 52
Abs. 2 JG). Da vorliegend keine Durchführung einer Verhandlung vorgeschrieben ist und
die Parteien auf die Durchführung einer solchen verzichteten, hat das Obergericht den
vorliegenden Entscheid im Zirkularverfahren gefällt.
2.
2.1 Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. März
1981 über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung vom
20. Dezember 1982 über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten.
Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015
werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor deren Inkrafttreten ereignet
haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher, nachdem der Streitigkeit ein Ereignis
aus dem Jahr 2016 zu Grunde liegt, die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen
Anwendung.
2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürli-
cher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusam-
menhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträch-
tigung nicht oder nicht in gleicher Weise oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Für
die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall
die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das
schädigende Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die Schädigung verantwortlich,
d.h. zumindest teilkausal ist, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann,
ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1;
117 V 376 E. 3a; SVR 2007 UV Nr. 28 S. 94). Bei organischen Unfallfolgen deckt sich die
adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität, weitgehend mit der natürlichen Kausali-
tät; die Adäquanz hat hier praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 122 V 417 E. 2c
mit Hinweisen; RKUV 2004 Nr. U 505 S. 249 E. 2.1).
2.3 Für die Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin sind der
Versicherungsträger und das Gericht auf Angaben ärztlicher Experten angewiesen.
Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzten kommt nach der
Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_824/2018 vom 26. März 2019
E. 3.3, insbesondere mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Auch wenn den Berichten
versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen mithin grundsätzlich Beweiswert
zuerkannt wird, so ist doch zu betonen, dass ihnen praxisgemäss nicht dieselbe Beweis-
kraft zuzubilligen ist wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG
vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenen Gutachten. Soll ein Versicherungsfall ohne
Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis-
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so
sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2019 vom
26. Februar 2020 E. 2.2 m.w.H.).
2.4 Nach Art. 11 UVV werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen
gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbestände dar
(Art. 22 UVG; BGE 127 V 456 E. 4b S. 457; 118 V 293 E. 2d S. 297; SVR 2003 UV Nr. 14
S. 43 E. 4.2). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeint-
lich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu
(weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar
geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen
bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können. Rückfälle und
Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend
können sie eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den
erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall
erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang
besteht (BGE 118 V 293 E. 2c S. 296 f; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; SVR 2003 UV
Nr. 14 S. 43 E. 4).
2.5 Es obliegt der versicherten Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammen-
hangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem im Sozialversiche-
rungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Je
grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen
Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbe-
weis des natürlichen Kausalzusammenhangs zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191
E. 1c in fine). Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus
(RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). Werden durch einen Unfall Beschwerden verursacht,
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-V-456%3Ade&number_of_ranks=0#page456 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-V-293%3Ade&number_of_ranks=0#page293
übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis verursachten Schaden,
spätere Gesundheitsstörungen dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben
sind (Urteil 8C_506/2008 vom 5. März 2009 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.6 Ein Rückfall im Sinne des Unfallversicherungsrechts liegt vor, wenn der (Grund-)Fall
zunächst abgeschlossen werden konnte, sei es mit oder ohne Zusprechung einer Rente
(RKUV 2006 Nr. U 570 S. 74, U 357/04 E. 1.5.2). Der Fallabschluss hat in Form einer
Verfügung zu erfolgen, wenn und solange die (weitere) Erbringung erheblicher Leistungen
zur Diskussion steht (BGE 132 V 412 E. 4 S. 417; Art. 124 UVV). Erlässt der Versicherer
stattdessen nur ein einfaches Schreiben, erlangt dieses in der Regel jedenfalls dann
rechtliche Verbindlichkeit, wenn die versicherte Person nicht innerhalb eines Jahres
Einwände erhebt (BGE 134 V 145). Standen zu einem bestimmten Zeitpunkt keine
Leistungen mehr zur Diskussion, kann ein Rückfall auch vorliegen, ohne dass der
versicherten Person mitgeteilt wurde, der Versicherer schliesse den Fall ab und stelle seine
Leistungen ein. In dieser Konstellation ist entscheidend, ob zum damaligen Zeitpunkt davon
ausgegangen werden konnte, es werde keine Behandlungsbedürftigkeit und/oder Arbeits-
unfähigkeit mehr auftreten. Dies ist im Rahmen einer ex-ante-Betrachtung unter Berück-
sichtigung der konkreten Umstände zu beurteilen. Dabei kommt der Art der Verletzung und
dem bisherigen Verlauf eine entscheidende Rolle zu. Lag ein vergleichsweise harmloser
Unfall mit günstigem Heilungsverlauf vor, welcher nur während relativ kurzer Zeit einen
Anspruch auf Leistungen begründete, wird tendenziell eher von einem stillschweigend
erfolgten Abschluss auszugehen sein als nach einem kompliziert verlaufenen Heilungs-
prozess. Andererseits ist der Leistungsanspruch unter dem Aspekt des Grundfalles und
nicht unter demjenigen eines Rückfalles zu prüfen, wenn die versicherte Person während
der leistungsfreien Zeit weiterhin an den nach dem Unfall aufgetretenen Beschwerden
gelitten hat bzw. wenn Brückensymptome gegeben sind, die das Geschehen über das
betreffende Intervall hinweg als Einheit kennzeichnen (Urteile des Bundesgerichts
8C_102/2008 vom 26. September 2008 und 8C_433/2007 vom 26. August 2008).
3. Im angefochtenen Einspracheentscheid (act. 2.2) wird zusammengefasst argumentiert, der
Versicherte habe am 26. Januar 2016 seinen behandelnden Arzt von der Klinik G. für
Neurologie des Kantonsspitals I. (I.)., Dr. H., aufgesucht und über eine zunehmende
Schulterelevationsschwäche auf der rechten Seite geklagt. Diese sei akut nach dem Unfall
vom 23. Januar 2016 aufgetreten. Zusätzlich sei es zu Kribbelparästhesien und
Hypästhesien gekommen, welche sich jedoch erfreulicherweise zurückgebildet hätten.
Aufgrund der im MRI erhobenen Befunde sei am 2. Februar 2016 ein operativer Eingriff
erfolgt, bei dem eine ventrale Diskektomie C4-C6 mit Cage-Implantation sowie eine
Plattenosteosynthese C4-C6 vorgenommen worden sei (act. 10.M1). Am 3. Februar 2016
habe das erstellte Röntgenbild eine regelrechte Materiallage gezeigt, ein intaktes
Osteosynthesematerial, ein normales Wirbelkörperalingement, sowie einen prävertebralen
Weichteilschatten postoperativ leicht verbreitert (act. 10.M7). Die Einsprachegegnerin habe
die gesetzlichen Leistungen erbracht und den Fall am 14. Juli 2016 abgeschlossen mit der
Zahlung von Fr. 21‘230.30 an das I..
Die nach Eingang der Rückfallmeldung vom 13. Dezember 2017 getätigten Abklärungen
hätten ergeben, dass während der Zeit vom 6. Februar 2016 bis zur Rückfallmeldung vom
13. Dezember 2017 weder Hinweise für eine Behandlungsbedürftigkeit noch Anhaltspunkte
für eine Arbeitsunfähigkeit belegt seien. Selbst im Falle von über den 6. Februar 2016
hinaus bestehenden Beschwerden könne deshalb nicht auf beweiskräftige Brücken-
symptome geschlossen werden. Im Ergebnis sei die neue Meldung unter dem Gesichts-
punkt des Rückfalls zu prüfen, wobei die Beweislast beim Beschwerdeführer liege.
Hinreichend erstellt und vom zuständigen Radiologen in seiner Beurteilung untermauert sei,
dass die im MR-Befund vom 26. Januar 2016 erhobene Pathologie, namentlich die
deutliche Diskusdegeneration zwischen HWK3 und HWK7 mit den Diskushernien einer
krankhaften Genese bzw. einer Degeneration zugeordnet werden müssten. Einzig die
dokumentierte Parese C5 weise nach Auffassung von Dr. D. auf eine sturzbedingte
Komponente hin, weshalb er acht Monate nach dem Ereignis am 30. August 2016 zur
Auffassung gelangt sei, dass die durchgeführte Operation zwar auch ohne das
Unfallereignis notwendig geworden wäre, jedoch aufgrund der in den Akten dokumentierten
Parese C5 die Kosten für den chirurgischen Eingriff zu Lasten des UVG-Versicherers
gehen würden.
Die im Dezember 2017 beklagte Symptomatik habe nach Lage der Akten in einer
zunehmenden Schmerzsymptomatik im Bereich der Schulterblätter bestanden, mit
progredienter Ausstrahlung in die obere Extremität, besonders unter Belastung. Die
Diskushernie C6/7 habe sich ebenfalls deutlich progredient gezeigt, so dass die Indikation
für die neuerliche OP gestellt worden sei. Am 15. Dezember 2017 habe im I. eine ventrale
Diskektomie C6/7 mit Cage-Implantation stattgefunden. Dr. D. habe die betreffende
medizinische Sachlage dahingehend zusammengefasst, dass subjektiv von einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen sei, sowie dass die Grössen-
zunahme der vorbestehend lediglich hemizirkumferentiellen Diskushernie bei HWK 6/7
hinzugetreten sei. Gleichzeitig sei er zum Schluss gelangt, dass die thorakalen Schmerzen
rechts, welche ab Herbst 2017 hinzugetreten seien, mit dieser Grössenzunahme nichts zu
tun hätten. Auch er habe ausserdem darauf aufmerksam gemacht, dass mangels
ausgewiesener Brückensymptome die neu aufgetretene Symptomatik nicht dem Unfall vom
23. Januar 2016 angelastet werden könne. Im Ergebnis liege kein Rückfall vor und bestehe
daher keine Leistungspflicht des Unfallversicherers.
4. Der vorinstanzliche Entscheid fusst im Ergebnis auf den Beurteilungen des beratenden
Arztes der Versicherung B., Dr. D., vom 9. Juli 2018 bzw. 29. November 2018. In seiner
ersten Stellungnahme hatte Dr. D. erklärt, es bestünden schwere degenerative Verände-
rungen an der HWS. Beim Sturz vom 23. Januar 2016 sei das Myelon vermutlich bei einer
leichten Schwellung traumatisiert worden, sodass trotz vorbestehenden degenerativen
Veränderungen die Operation vom 2. Februar 2016 als unfallkausal angesehen werden
dürfe; sie wäre ohne Sturz vermutlich erst zu einem späteren Zeitpunkt notwendig
geworden. Hingegen sei nicht zu erkennen, wie die Operation der Diskushernie C6/7
unfallkausal gerechtfertigt werden soll, nachdem die Symptome vom Februar 2016 bis
Spätherbst 2017 abgeklungen seien, erst dann seien wieder neue Symptome aufgetreten.
In diesem Sinne könne kein Rückfall befürwortet werden (act. 9.M18). Nachdem der
behandelnde Arzt des Versicherten, Dr. H., am 17. September 2018 im Rahmen einer
Wiedererwägung an die Versicherung B. begründet hatte, weshalb seiner Meinung nach
die neue Symptomatik als unfallkausal anzusehen sei, hielt Dr. D. in seiner zweiten
Stellungnahme dazu fest, er bleibe bei seiner Beurteilung vom 9. Juli 2018. Dr. H. habe
nicht genügend dargelegt, weshalb nach etwa 1.5 Jahren nach dem Unfall die Zunahme
der Symptomatik wie die erhebliche Grössenzunahme der Diskushernie C6/7 (neu sei
diese nicht nur hemizirkumferentiell gewesen), durch den Unfall vom 23. Januar 2016
erklärt werden könne. Die Zunahme der Grösse sei unfallfremd (act. 9.M20).
5.
5.1 Im Folgenden stellt sich nun die Frage, inwieweit die Einschätzungen von Dr. D. eine
zuverlässige Grundlage darstellen für die Beurteilung des vorliegenden Leistungsan-
spruchs. Diesbezüglich ist festzustellen, dass Dr. H. hinsichtlich der ab Dezember 2017
dokumentierten Symptomatik von unfallkausalen Beschwerden ausgeht, und es geht nun
darum zu prüfen, ob die Beurteilung von Dr. D. vor den Angaben des behandelnden Arztes
Stand hält.
5.2 Betrachtet man zunächst die Beschwerdesituation beim Versicherten, wie sie sich nach
dem Unfall im Januar 2016 präsentierte, ergibt sich anhand der damals vom I.
geschilderten Operationsindikation folgendes: Der Versicherte habe sich durch den Unfall
ein massives HWS-Trauma zugezogen. Direkt nach dem Sturz sei es zu Kribbel-
parästhesien und Hypästhesien in der oberen Extremität gekommen. Des Weiteren habe
der Patient ein deutliches Monokelhämatom gezeigt. Es habe sich eine ausgeprägte
Schwäche der Muskelgruppen für C5 und C6 auf der rechten Seite präsentiert. Betroffen
gewesen seien hauptsächlich die Schulterelevatoren und der Musculus bizeps rechts. In
der daraufhin durchgeführten MRI-Untersuchung vom selben Tag habe sich eine deutliche
Enge der Foramen C5 und C6 gezeigt. Eine weiterführende elektrophysiologische
Abklärung habe mehr oder weniger eine Plexusläsion ausschliessen können (act. 9.M1).
Bezogen auf die Situation, die im Dezember 2017 vorlag, ist der Indikation zur damaligen
Operation die Diagnose Cervikale Diskushernie C6/7 mit therapieresistentem Schmerz-
syndrom zu entnehmen. Der Versicherte klage über eine zunehmende Schmerzsympto-
matik im Bereich der Schulterblätter und eine progrediente Ausstrahlung in die obere
Extremität. Besonders unter Belastung seien die Schmerzen zunehmend. Beim
Versicherten sei bereits eine ventrale Diskektomie C4-6 durchgeführt worden aufgrund
einer traumatischen Myelopathie bedingt durch einen Sportunfall. Da die Schmerzen nun
leider wieder exazerbierten und die Diskushernie C6/7 deutlich progredient sei, werde die
Entscheidung zur Operation getroffen (act. 9.M15).
5.3 Bezogen auf die nun zu beurteilende Frage der Unfallkausalität der ab Dezember 2017
dokumentierten Symptomatik war der beratende Arzt der Vorinstanz, Dr. D., in seinen
beiden Stellungnahmen vom 9. Juli 2018 bzw. 29. November 2018 wie erwähnt zum
Schluss gekommen, dass die betreffenden Beschwerden unfallfremd seien (vgl. E. 4).
Davon abweichend stellt sich die Argumentation von Dr. H. zusammengefasst wie folgt dar:
Zwischen den beiden Operationen habe nie eine Beschwerdefreiheit bestanden, derweil
der Beschwerdeführer im Übrigen aber vor dem Unfallereignis asymptomatisch gewesen
sei. Die Restsymptomatik sei durch die posttraumatisch nachgewiesene Veränderung auf
der Höhe C6/7 hervorgerufen worden. Beim Sturzereignis vom Januar 2017 sei es
sicherlich zu einer Kontusion des Rückenmarks gekommen. Man habe gehofft, dass sich
die Situation mit der medikamentösen Therapie und der Abschwellung des Rückenmarks
erholen würde. Dies sei im Verlauf aber leider nicht geschehen. Bezüglich der im
Dezember 2017 dokumentierten Symptomatik handle es sich um Spätfolgen des Unfalls
vom Januar 2016. Die dafür verantwortlichen Mechanismen im Bereich der HWS seien
bereits im ersten MRI direkt nach dem Unfall zu verzeichnen gewesen (act. 9.M20/9.M22).
Was die Argumentation von Dr. D. betrifft, lautete diese wie erwähnt zunächst dahin-
gehend, dass Dr. H. nicht genügend darzulegen vermöge, weshalb es etwa 1.5 Jahre nach
dem Unfall zu der erheblichen Grössenzunahme der Diskushernie C6/7 gekommen sei.
Dazu ist namentlich auf der Grundlage der „2. Wiedererwägung der Kostenübernahme“ von
Dr. H. vom 12. Dezember 2019 festzustellen, dass der behandelnde Arzt der nämlichen
Beurteilung des beratenden Arztes der Versicherung B. wenig Substantiiertes entgegen-
hielt. Im Übrigen lässt sich die Behauptung des Beschwerdeführers, dass aufgrund der
MRT vom 12. Februar 2016 die Grössenzunahme bereits kurz nach dem Unfallereignis
belegt sei, nicht nachvollziehen. Zu beachten ist jedoch, dass die Beurteilung von Dr. D.
insbesondere auch auf der Behauptung basiert, die Symptome seien vom Februar 2016 bis
Spätherbst 2017 abgeklungen und erst dann seien neue Symptome aufgetreten. Auf diese
Frage ist im Folgenden näher einzugehen.
5.4 Betreffend das Unfallereignis vom 23. Januar 2016 sind unmittelbare Abklärungen und
Behandlungen bis Februar 2016 dokumentiert. Aus den Akten ergibt sich, dass der
Versicherte erst im Dezember 2017 wieder in der Neurochirurgie des I. vorstellig wurde, als
zunächst am 7. Dezember 2017 ein MRI HWS durchgeführt wurde und am 15. Dezember
2017 dann die neuerliche Operation erfolgte. Was den Zeitraum von März 2016 bis
Dezember 2017 betrifft, sind keinerlei echtzeitlichen medizinischen Untersuchungen oder
Therapien – wie im Übrigen auch keine Arbeitsunfähigkeiten – dokumentiert. Die
Vorinstanz beruft sich darauf, den Fall am 14. Juli 2016 mit einer Zahlung im Betrag von
Fr. 21‘230.30 an das I. formlos abgeschlossen zu haben. Der Beschwerdeführer bzw.
dessen behandelnder Arzt Dr. H. macht demgegenüber zunächst geltend, zwischen den
Operationen sei es zu mehreren Konsultationen gekommen, dies auf kollegialer Ebene und
somit ohne schriftliche Dokumentation. Der Beschwerdeführer, der selber Anästhesist sei,
habe die benötigte Schmerztherapie selber verordnet und selbständig auf eigene
Rechnung bezogen. Dr. H. hatte in diesem Zusammenhang namentlich geschrieben, die
nächtlichen Kribbelparästhesien und das Taubheitsgefühl, welche den Patienten 2 - 3-mal
in der Nacht wach werden liessen, hätten nicht medikamentös beeinflusst werden können.
Aus beweisrechtlicher Sicht erscheinen diese Angaben von Seiten des behandelnden
Arztes fraglich. Festzustellen ist jedenfalls, dass von der behaupteten auf Eigeninitiative
erfolgten Behandlung weder im OP-Bericht vom 21. Dezember 2017 noch im
Austrittsbericht gleichen Datums wie auch nicht im Bericht vom 23. Januar 2018 etwas
erwähnt wird (act. 9.M15; 9.M16; 9.M17), was erstaunt. Erst in der 2. Stellungnahme von
Dr. H. im Rahmen des Einspracheverfahrens kam die angebliche Behandlung erstmals zur
Sprache (act. 10.M22). Bezüglich der Frage nach dem Vorliegen von Kribbelparästhesien
hatte Dr. H. im Übrigen am 21. Dezember 2017 angegeben, im Anschluss an die Operation
vom Februar 2016 seien die Paresen „vollständig regredient“ gewesen, wobei im selben
Bericht auch gesagt wird, dass Kribbelparästhesien „vorbekannt“ seien (act. 9.M16, S. 3).
Im Bericht von Dr. H. vom 21. Januar 2018 seinerseits war der Verlauf nach der
Spondylodese „vorerst recht ordentlich“ beschrieben worden. Leider sei es jedoch wieder
zu Kribbelparästhesien und Hypästhesien gekommen (act. 9.M17). Gerade letztere
Beschreibung ist dahingehend zu verstehen, dass Kribbelparästhesien nach der ersten
Operation offenbar gerade nicht durchgängig vorgelegen hatten, was sich nicht zu decken
scheint mit den Erklärungen im Schreiben vom 12. Dezember 2019. Bezüglich Beurteilung
einer Brückensymptomatik ist jedoch vor allem auch eine Auseinandersetzung mit dem OP-
Bericht vom 21. Dezember 2017 (act. 9.M15; vgl. oben E. 5.2) aufschlussreich. Es wurde
dort wie gesehen die Diagnose Cervikale Diskushernie C6/7 mit „therapieresistentem
Schmerzsyndrom“ gestellt. Diese Angabe sagt zwar nichts über das Ausmass der
Beschwerden aus, muss aber eben dahingehend verstanden werden, dass seit dem Unfall
vom 23. Januar 2016 durchgehend eine gewisse Beschwerdesymptomatik bestand. Und
letztlich hatte – ungeachtet der vorbestehenden degenerativen Veränderungen – offenbar
erst der Unfall vom 23. Januar 2016 beim Versicherten zu Beschwerden geführt, was
zumindest im Sinne eines Indizes für deren Unfallkausalität spräche. Betrachtet man
schliesslich weitere Feststellungen im nämlichen OP-Bericht von Dr. H., so stellt die
Angabe, dass die Schmerzen „wieder exazerbieren“ ebenso ein Indiz dar, dass zwischen
den beiden Operationen nie eine vollständige Beschwerdefreiheit bestand.
5.5 Gesamthaft liefern die vorliegenden Akten und Rechtsschriften im Sinne vorstehender
Erwägungen ein eher uneinheitliches Bild darüber, inwieweit beim Beschwerdeführer
zwischen den beiden Operationen eine Brückensymptomatik bestand, die obendrein
behandlungsbedürftig war. Bezogen auf die Frage einer Brückensymptomatik muss jedoch
namentlich der Feststellung im OP-Bericht vom 21. Dezember 2017, wonach ein
therapieresistentes Schmerzsyndrom vorliege, ein relevantes Gewicht beigemessen
werden. Weder Dr. D. noch die Vorinstanz selber hatten sich indes je damit auseinander
gesetzt. Gemessen daran, dass sich die Beurteilung von Dr. D. de facto vor allem auf die
(eben zweifelhafte) Behauptung stützt, der Versicherte sei zwischen den beiden operativen
Eingriffen asymptomatisch gewesen und die versicherungsinterne Beurteilung insgesamt
im Übrigen sehr knapp ausgefallen ist, kann ihr letztlich nicht der von der Rechtsprechung
geforderte Beweiswert zuerkannt werden, wonach bei versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen nicht einmal geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
gegeben sein dürfen (vgl. oben E. 2.3). In diesem Sinne drängen sich weitere Abklärungen
auf. Dazu ist der Fall an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie eine externe
Begutachtung veranlasse, welche sich über die Frage der Unfallkausalität der ab Dezember
2017 dokumentierten Beschwerden bzw. der damaligen Operation äussert. Im Anschluss
daran wird die Vorinstanz über ihre Leistungspflicht neu zu verfügen haben.
6. 6.1 Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG).
6.2 a) Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten, die
vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache sowie nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen ist
(Art. 61 lit. g ATSG). Im Übrigen ist die Bemessung der Parteientschädigung dem kantona-
len Recht überlassen (Urteil des Bundesgerichts 8C_11/2016 vom 22. Februar 2016
E. 3.1).
b) Der beschwerdeführerische Rechtsvertreter RA AA. hat eine Kostennote eingereicht
(act. 18). Darin wird ein Honorar von Fr. 2‘273.20 geltend gemacht. Auch wenn dieser
Betrag auf dem Zeitmodell und nicht auf dem hier massgebenden Pauschalmodell basiert
(vgl. dazu Art. 13 Abs. 1 lit. c der Verordnung vom 14. März 1995 über den Anwaltstarif [AT;
bGS 145.53]), kann er übernommen werden, da er im Rahmen dessen liegt, was nach dem
Pauschalmodell resultieren würde. In diesem Sinne ist zu verfügen, dass die Vorinstanz
dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe des nämlichen Betrags von
Fr. 2‘273.20 zu entrichten hat.