Decision ID: fdeb09a5-18fc-42fd-83b6-84949959852b
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
gegen
Kontrollstelle für Krankenversicherung, Einwohneramt,
Rathaus, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Befreiung vom Krankenversicherungsobligatorium
Sachverhalt:
A.
Der deutsche Staatsangehörige B._ (nachstehend: Versicherter), geboren 1966, zog
Ende 2005 aus Deutschland nach C._ im Kanton Appenzell Ausserrhoden, von wo
aus er einer unselbständigen Tätigkeit in Liechtenstein nachging (act. G 3.1/18). Auf
Grund seines Umzugs in die Stadt St. Gallen per 1. März 2009 (act. G 3.1/7) beantragte
er bei der Kontrollstelle für Krankenversicherung der Stadt St. Gallen (nachstehend:
Kontrollstelle) am 12. Mai 2009 eine Befreiung von der obligatorischen
Krankenversicherungspflicht (act. G 3.1/8-9). Dem Gesuch legte er Bescheinigungen
seiner Krankenversicherung, der D._, über den auch in der Schweiz geltenden
Versicherungsschutz bei Krankheit und Unfall bei (act. G 3.1/11-12). Mit Verfügung vom
11. Juni 2009 eröffnete die Kontrollstelle dem Versicherten, dass seinem Gesuch um
Befreiung von der schweizerischen Krankenversicherungspflicht nicht entsprochen
werden könne (act. G 3.1/15).
B.
Die gegen diese Verfügung am 30. Juni 2009 erhobene Einsprache (act. G 3.1/17) wies
die Kontrollstelle mit Entscheid vom 10. Juli 2009 ab (act. G 3.1/19).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 10. Juli 2009 erhob der Versicherte mit
Eingabe vom 10. August 2009 Beschwerde. Zur Begründung legte er dar, er sei seit
seinem Zuzug in die Schweiz Ende 2005 immer von der schweizerischen
Krankenversicherung befreit gewesen. Somit bestehe ein Gewohnheitsrecht auf
Befreiung, weshalb die Befreiung auch weiterhin und trotz neuem Wohnsitz in
St. Gallen gelten müsse. Seine ausländische Krankenversicherung biete für ihn auch in
der Schweiz vollständigen Schutz gegen Krankheit und Unfall. Zudem würde er bei
einer Rückkehr nach Deutschland einen Nachteil erleiden, weil er nach Kündigung der
deutschen Krankenversicherung während drei Jahren von einem neuen Abschluss
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derselben Versicherung ausgeschlossen sei. Er wäre diesfalls gezwungen, den
Versicherungsschutz bei einer deutschen gesetzlichen Krankenversicherung
abzuschliessen. Dem könne er nur entgehen, wenn er für diese Zeit für ca. Fr. 250.-- im
Monat eine sog. Anwartschaftsversicherung abschliessen würde, wobei während der
Dauer dieser Anwartschaft kein Leistungsanspruch bestünde.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 8. September 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Sie begründet dies damit, dass der
Beschwerdeführer in Liechtenstein erwerbstätig sei und für diesen Staat gemäss
Spezialabkommen das Wohnsitzprinzip gelte. Daher unterstehe er in Bezug auf die
Krankenversicherungspflicht dem Recht der Schweiz. Da keiner der nach Gesetz
möglichen Tatbestände für eine Befreiung vom Krankenversicherungsobligatorium zur
Anwendung gelange, müsse er sich zumindest im Rahmen der Grundversicherung bei
einer schweizerischen Krankenkasse versichern lassen.
C.c In der Replik vom 4. Oktober 2009 (act. G 5) führte der Beschwerdeführer die ihm
anfallenden Kosten für einen der bisherigen Versicherungsdeckung gleichbleibenden
Versicherungsschutz in der Schweiz auf. Er machte im Wesentlichen geltend, dass eine
Unterstellung unter das schweizerische Krankenversicherungsobligatorium für ihn eine
klare Verschlechterung des Versicherungsschutzes im Sinn von Art. 2 Abs. 8 der
Verordnung über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) bedeuten würde. Im
Weiteren wolle er gestützt auf das Arztgeheimnis auf eine Nennung bestehender
Krankheiten verzichten. Mit Duplik vom 13. Oktober 2009 (act. G 7) äusserte sich die
Beschwerdegegnerin dahingehend, dass ihr keine Krankheiten des Beschwerdeführers
bekannt seien und er solche zuvor nie geltend gemacht habe. Es sei deshalb davon
auszugehen, dass beim Gesuch um Versicherungsbefreiung lediglich die finanziellen
Auswirkungen im Vordergrund stünden.

Erwägungen:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer in Bezug auf die
Krankenversicherung den Bestimmungen des schweizerischen Rechts untersteht und
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bei einer Bejahung dieser Frage, ob er allenfalls einen Befreiungsgrund von der
schweizerischen Versicherungspflicht nach KVG geltend machen kann.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger, der für die Schweiz eine
Aufenthaltsbewilligung B EG/EFTA besitzt und seinen Arbeitsort in Liechtenstein hat.
Es liegt somit ein internationaler Sachverhalt vor, weshalb zuerst einmal festzustellen
ist, nach welchem nationalen Recht die Frage der Krankenversicherungspflicht zu
prüfen ist. Dazu sind die in Frage kommenden internationalen Abkommen über die
Soziale Sicherheit beizuziehen.
2.1.1 Für die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit zwischen der
Schweiz und Liechtenstein wäre grundsätzlich, wie die Beschwerdegegnerin geltend
gemacht hat, das Übereinkommen zur Errichtung der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA-Übereinkommen; SR 0.632.31) massgebend. Nach diesem
Übereinkommen werden im Bereich der System-Koordinierung die gemeinschaftlichen
Rechtsakte, auf die Bezug genommen wird, so wie sie ins Abkommen über den
Europäischen Wirtschaftsraum (EWR-Abkommen) und ins Abkommen zwischen der
Schweiz und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten über die
Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen; SR 0.142.112.681) aufgenommen worden sind,
angewendet (vgl. Art. 1 Anlage 2 zu Anhang K i.V.m. Art. 21 des Übereinkommens).
Gemäss Art. 13 Abs. 2 lit. a der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 (SR 0.831.109.268.1)
sind im Bereich des Sozialversicherungsrechts grundsätzlich die Rechtsvorschriften
jenes Staates anwendbar, in dessen Gebiet der Arbeitnehmer erwerbstätig ist
(Erwerbsortprinzip), selbst wenn er im Gebiet eines anderen Mitgliedstaates wohnt. Für
die Versicherungspflicht in der Krankenversicherung gelten jedoch speziell im
Verhältnis zwischen Liechtenstein und der Schweiz Abweichungen. Nach Ziff. 1.1 des
Protokolls 2 zu Anlage 2 des EFTA-Übereinkommens unterliegen Personen, die im
Gebiet eines dieser beiden Staaten wohnen, in Bezug auf die Versicherungspflicht in
der Krankenversicherung den Rechtsvorschriften dieses Staates, wenn sie in Bezug auf
die anderen Zweige der Sozialen Sicherheit auf Grund einer Erwerbstätigkeit den
Rechtsvorschriften eines der beiden Staaten unterliegen (lit. a). Da die Bestimmungen
des EFTA-Übereinkommens bzw. die konkreten Regelungen, auf welche es Bezug
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nimmt, aber lediglich für Staatsangehörige der EFTA-Mitgliedstaaten (Schweiz,
Liechtenstein, Norwegen und Island) Anwendung finden (vgl. Art. 2 Abs. 1 der VO Nr.
1408/71, wonach die VO für Arbeitnehmer ... gilt, für welche die Rechtsvorschriften
eines oder mehrerer Mitgliedstaaten gelten oder galten, soweit sie Staatsangehörige
eines Mitgliedstaats sind oder als Staatenlose oder Flüchtlinge im Gebiet eines
Mitgliedstaats wohnen), hat das EFTA-Übereinkommen für vorliegenden Sachverhalt
keine Geltung. Ebenfalls nicht beigezogen werden kann hier das zwischen der Schweiz
und Deutschland sowie weiteren EU-Staaten abgeschlossene
Freizügigkeitsabkommen, da der "Erwerbsort" Liechtenstein diesem Abkommen nicht
beigetreten ist. Im Übrigen ist auch nach Rückfrage beim Bundesamt für
Sozialversicherungen (BSV) festzuhalten, dass grundsätzlich für einen deutschen
Staatsbürger mit schweizerischem Wohnsitz und liechtensteinischem Erwerbsort kein
anderes Abkommen ersichtlich ist, das die Koordination der Systeme der sozialen
Sicherheit insbesondere in Bezug auf die Krankenversicherungspflicht regeln würde
(vgl. u.a. das Übereinkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland, dem
Fürstentum Liechtenstein, der Republik Österreich und der Schweizerischen
Eidgenossenschaft im Bereich der Sozialen Sicherheit [SR 0.831.109.136.2], welches
gemäss seinem Anhang 2 nicht auf den Bereich der Krankenversicherung anwendbar
ist).
2.1.2 Obgleich die Schweiz eine Fülle von zwischenstaatlichen Vereinbarungen
zur Abgrenzung der nationalen Rechtsordnungen zur Sozialen Sicherheit
abgeschlossen hat, besteht demnach zur Zeit noch keine vertragsübergreifende
Koordination zwischen dem EFTA-Übereinkommen und dem Freizügigkeitsabkommen.
Dem in der Botschaft zur Genehmigung des Abkommens vom 21. Juni 2001 zur
Änderung des Übereinkommens vom 4. Januar 1960 zur Errichtung der Europäischen
Freihandelsassoziation (EFTA; BBl 2001 5005, Ziff. 3.2 letzter Abschnitt) postulierten
Auftrag, eine Verbindung zwischen den Anhängen über die Soziale Sicherheit des
sektoriellen Abkommens über die Freizügigkeit und des EFTA-Übereinkommens durch
ein übergreifendes Übereinkommen herzustellen, wurde folglich bisher nicht
nachgekommen (vgl. auch: Amt für Gesundheit des Fürstentums Liechtenstein,
Versicherungspflicht in Liechtenstein - Krankenversicherung, Januar 2008, Ziff. 1.2,
http://www.lkv.li/Portals/7/docs/Service/Versicherungspflicht/pdf-llv-ag-
versicherungspflicht-krankenversicherung_stand_01.pdf). In der Folge ist nach
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schweizerischer Rechtsordnung zu prüfen, ob der Beschwerdeführer gestützt darauf
dem Krankenversicherungsobligatorium untersteht.
2.2 Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) sieht in Art. 3
Abs. 1 ein allgemeines Versicherungsobligatorium für die gesamte schweizerische
Wohnbevölkerung vor (vgl. Gebhard Eugster, Krankenversicherung, in:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Aufl. Basel 2007,
Rz. 23). Danach muss sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei
Monaten nach der Wohnsitznahme oder der Geburt in der Schweiz für Krankenpflege
versichern oder von ihrem gesetzlichen Vertreter beziehungsweise ihrer gesetzlichen
Vertreterin versichern lassen. Gemäss den Ausführungsbestimmungen in Art. 1 Abs. 2
lit. f KVV sind insbesondere auch Personen mit einer Kurzaufenthalts- oder einer
Aufenthaltsbewilligung nach dem Freizügigkeitsabkommen oder dem EFTA-
Abkommen, die mindestens drei Monate gültig ist, versicherungspflichtig. Der
Bundesrat kann jedoch Ausnahmen von der Versicherungspflicht vorsehen, namentlich
für Personen, die im Sinn von Art. 2 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die von der
Schweiz als Gaststaat gewährten Vorrechte, Immunitäten und Erleichterungen sowie
finanziellen Beiträge (GSG; SR 192.12) mit Vorrechten, Immunitäten und
Erleichterungen begünstigt sind (Art. 3 Abs. 2 KVG). Gestützt auf diese
Delegationsnorm hat der Bundesrat die Ausnahmebestimmungen in Art. 2 und Art. 6
KVV erlassen.
2.3 In Art. 2 Abs. 1 und Art. 6 Abs. 1 KVV sind die Personenkategorien aufgezählt, die
vom Versicherungsobligatorium ausgenommen sind. Es handelt sich um die aktiven
und pensionierten Bundesbediensteten, die der Militärversicherung unterstellt sind (Art.
2 Abs. 1 lit. a KVV), um Personen, die sich ausschliesslich zur ärztlichen Behandlung
oder zur Kur in der Schweiz aufhalten (Art. 2 Abs. 1 lit. b KVV), und um bestimmte
Personen mit Vorrechten nach internationalem Recht (Art. 6 Abs. 1 KVV). Ebenfalls
nicht der Versicherungspflicht unterstehen gemäss Art. 2 Abs. 1 lit. c - f KVV Personen,
die auf Grund des Freizügigkeitsabkommens, des EFTA-Übereinkommens oder auf
Grund eines anderen Abkommens über Soziale Sicherheit von der schweizerischen
Versicherungspflicht ausgenommen sind. Darunter fallen insbesondere Personen, die
wegen ihrer Erwerbstätigkeit in einem anderen Abkommens-Staat den
Rechtsvorschriften jenes Staates unterstellt sind (vgl. lit. c). Nachdem der
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Beschwerdeführer der schweizerischen Krankenversicherungspflicht gestützt auf Art. 1
Abs. 2 lit. f KVV untersteht und auf Grund des vorliegenden Sachverhalts keine der
Ausnahmevorschriften Anwendung findet, insbesondere, weil Liechtenstein seit
Anstellungsbeginn des Beschwerdeführers im Jahr 2005 selbst keine Unterstellung
unter sein Krankenversicherungsobligatorium bestimmt hat, ist im Folgenden zu prüfen,
ob der Beschwerdeführer unter eine Personenkategorie fällt, für welche die Möglichkeit
einer Befreiung vom Versicherungsobligatorium auf Gesuch hin besteht.
2.4 Gemäss Art. 2 Abs. 2 KVV werden Personen, welche nach dem Recht eines
Staates, mit dem keine Regelung über die Abgrenzung der Versicherungspflicht
besteht, obligatorisch krankenversichert sind, auf Gesuch von der Versicherungspflicht
ausgenommen, sofern der Einbezug in die schweizerische Versicherung für sie eine
Doppelbelastung bedeuten würde und sie für Behandlungen in der Schweiz über einen
gleichwertigen Versicherungsschutz verfügen. Eine Befreiung nach diesem Tatbestand
fällt bereits deshalb ausser Betracht, weil es sich bei der Krankenversicherung der
D._ nicht um eine obligatorische, sondern um eine freiwillige, auf einem Vertrag
beruhende Versicherung, deren Leistungen der Art nach denen der gesetzlichen
Krankenversicherung nach dem 5. deutschen Sozialgesetzbuch entsprechen (act. G
3.1/12), handelt. Als weiterer Befreiungstatbestand ermöglicht Art. 2 Abs. 8 KVV
denjenigen Personen auf Gesuch hin eine Befreiung von der Versicherungspflicht, für
welche eine Unterstellung unter die schweizerische Versicherung eine klare
Verschlechterung des bisherigen Versicherungsschutzes oder der bisherigen
Kostendeckung zur Folge hätte und die sich auf Grund ihres Alters und/oder ihres
Gesundheitszustands nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen im bisherigen
Umfang zusatzversichern könnten. Dem Gesuch ist eine schriftliche Bestätigung der
zuständigen ausländischen Stelle mit allen Angaben beizulegen. Eine nach dieser
Bestimmung gewährte Befreiung oder ein Verzicht auf die Befreiung kann ohne
besonderen Grund nicht widerrufen werden. Der Beschwerdeführer macht geltend,
dass er sich nach einer Kündigung der Krankenversicherung in Deutschland während
drei Jahren nicht mehr im selben Rahmen versichern und somit bei einer Rückkehr in
sein Heimatland nur noch den Versicherungsschutz einer gesetzlichen
Krankenversicherung geniessen könnte. Dem könne er nur entgehen, wenn er eine
teure Anwartschaftsversicherung abschliesse, welche während ihrer Dauer jedoch
keine Leistungen gewähre. Den Akten bezüglich seiner jetzigen Versicherung ist zu
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entnehmen, dass er sowohl eine Privatpatienten- als auch eine
Zahnversicherungsdeckung besitzt. Gründe, weshalb er in der Schweiz nicht ebenfalls
solche Zusatzversicherungen abschliessen könnte, sind aber nicht ersichtlich.
Insbesondere hat das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) in seiner
Informationsbroschüre zu den Auswirkungen des Abkommens über die Freizügigkeit
mit der Europäischen Gemeinschaft auf die Krankenversicherung (Bern 2002, Ziff. 10.5)
festgehalten, dass in Bezug auf das Alter zu berücksichtigen sei, dass die meisten
grossen schweizerischen Krankenversicherer das Höchsteintrittsalter für die
Spitalzusatzversicherung "halbprivat" und "privat" entweder auf 55 oder 60 Jahre
festgelegt hätten, weshalb es sich rechtfertige, die Altersgrenze bei 55 Jahren
anzusetzen. Im Weiteren dürfe an den Gesundheitszustand keine strengen
Voraussetzungen geknüpft werden, da bei den Zusatzversicherungen keine
Aufnahmepflicht bestehe. Es genüge daher das Bestehen einer Krankheit, also jede
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die medizinische
Untersuchungen oder Behandlungen erfordere. Dies gelte auch für frühere Krankheiten,
die erfahrungsgemäss zu Rückfällen führten. Der Beschwerdeführer liegt mit dem
Geburtsjahr 1966 deutlich unter der Alterslimite, bei welcher der Abschluss einer
Zusatzversicherung schwierig werden dürfte. Des Weiteren machte er erst in der Replik
und lediglich im Sinn einer nicht weiter ausgeführten Behauptung geltend, an "bisher
bekannten Krankheiten" zu leiden. Dass diese jedoch der Aufnahme in eine
Zusatzversicherung in der Schweiz entgegenstünden, führte er nicht an. Auf weitere
Abklärungen zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers kann hingegen
verzichtet werden, da es im Rahmen der Mitwirkungspflicht Sache der Versicherten ist,
mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit das Vorliegen von zur Versicherungsbefreiung führenden
gesundheitlichen Problemen darzutun. Eine erfolgreiche Berufung auf den
Befreiungstatbestand von Art. 2 Abs. 8 KVV scheitert somit bereits daran, dass der
Abschluss einer Zusatzversicherung im bisherigen Umfang nicht als unmöglich oder als
stark erschwert im Sinn dieser Bestimmung erscheint, zumal der Beschwerdeführer
selber eine Auflistung der erwartungsgemäss dafür anfallenden Kosten aufführte. Es
kann daher offen bleiben, ob die Aufgabe des bisherigen Versicherungsschutzes bei
der jetzigen Krankenversicherung zu Gunsten des Abschlusses der
Krankenpflegeversicherung nach KVG sowie einer allfälligen Zusatzversicherung
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tatsächlich eine klare Verschlechterung im Sinn des entsprechenden weiteren
Kriteriums in Art. 2 Abs. 8 KVV bedeuten würde.
2.5 Die übrigen Befreiungstatbestände, insbesondere diejenigen, die in Art. 2 Abs. 4 -
7 KVV aufgeführt sind, stehen im vorliegenden Fall nicht zur Diskussion. Schliesslich ist
festzuhalten, dass die Befreiungstatbestände im Bundesrecht und den
zwischenstaatlichen Abkommen abschliessend geregelt sind (vgl. RKUV 1999 Nr. KV
81 S. 337 ff.). Es besteht demnach kein Ermessensspielraum der Verwaltung, im
Einzelfall Befreiungen vom Versicherungsobligatorium vorzunehmen, ohne dass einer
der gesetzlich vorgesehenen Befreiungsgründe gegeben wäre. Im Übrigen ist darauf
hinzuweisen, dass ein allfälliger Nachteil, den eine Person in der Situation des
Beschwerdeführers erleidet, weil sie sich unter dem schweizerischen System, dem sie
neu untersteht, nicht so gut oder allenfalls nur unter höheren Kostenfolgen gleich gut
versichern kann wie vor der Unterstellung unter die schweizerischen
Rechtsvorschriften, eine Folge der mangels einer Harmonisierung fortbestehenden
Unterschiede zwischen den nationalen Systemen der sozialen Sicherheit sowie
natürlich auch der national unterschiedlichen Lebenskosten ist.
2.6 Sodann kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten daraus ableiten,
dass das Departement Gesundheit des Kantons Appenzell Ausserrhoden, in dessen
Hoheitsgebiet der Beschwerdeführer vor seinem Umzug nach St. Gallen während
knapp dreieinhalb Jahren wohnte (act. G 1.3), allenfalls entgegen seiner Obliegenheit
nicht für die Einhaltung der Versicherungspflicht sorgte (vgl. Art. 6 Abs. 1 KVG). Eine
Berufung auf Gewohnheitsrecht scheitert bereits mit Blick auf die Definition dieses
Rechtsgrundsatzes. Als Gewohnheitsrecht gelten nämlich lediglich die Rechtsnormen,
die infolge ihrer langjährigen Anwendung durch die Behörden und ihrer Anerkennung
durch die Behörden und die privaten Betroffenen als ungeschriebenes Recht Geltung
haben (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl. Zürich 2006,
Rz. 196). Ergänzend bleibt anzufügen, dass vorliegend auch eine Berufung auf den
Vertrauensschutz bereits daran scheitern würde, dass die Beschwerdegegnerin,
welche als zuständige Instanz über Ausnahmen von der Versicherungspflicht zu
entscheiden hat (Art. 6 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung [EG KVG; sGS 371.11]), den
Beschwerdeführer nie von der Versicherungspflicht befreite.
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2.7 Zusammenfassend kann der Beschwerdeführer somit unter keinem Titel vom
schweizerischen Versicherungsobligatorium befreit werden, weshalb die Beschwerde
abzuweisen ist.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG