Decision ID: 955c6d06-8012-459e-bde5-a0393b435730
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Am 22. Oktober 2019 meldete sich A._ (nachfolgend: Versicherter) für berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: IV-Stelle) an (IV-act. 1). Er hatte zuletzt bei der B._ AG als Mitarbeiter in
der Produktion gearbeitet, war jedoch ab dem 28. Juni 2019 von Dr. med. C._,
Allgemeine Innere Medizin, zu 100 % krankgeschrieben worden (vgl. IV-act. 13-2 f. und
16-1; vgl. ferner IV-act. 1-4). In der IV-Anmeldung gab der Versicherte an, infolge eines
Bandscheibenvorfalls nicht mehr schwer heben zu können und an Fuss- und
Rückenschmerzen zu leiden, sodass er die aktuelle Tätigkeit nicht mehr ausüben
könne. Die Beschwerden hätten ihren Anfang nach einem Unfall im Juni 2018
genommen, jedoch sei sich der Arzt nicht sicher, ob sie auf den Unfall zurückzuführen
oder als krankheitsbedingt einzustufen seien (vgl. IV-act. 1-6 f.).
A.a.
In einem Bericht vom 16. November 2019 nannte Dr. C._ als Diagnose ein
chronisches lumbospondylogenes (DD: radikuläres) Schmerzsyndrom L3/L5 rechts bei
Diskushernie mit Irritation der Nervenwurzel L3 und L5 rechts. Der Versicherte leide an
Schmerzen beim Stehen und Laufen. Welche Tätigkeiten er ausüben könnte, sei unklar.
Zunächst müsse der Termin in der Wirbelsäulenorthopädie des Kantonsspitals St.
Gallen (KSSG) abgewartet werden (vgl. IV-act. 16-1 f.; zur MRT-Untersuchung vom 27.
September 2019 vgl. IV-act. 16-3). In einem Bericht vom _ November 2019 zu einer
Sprechstunde vom 26. November 2019 in der Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG wurde als Diagnose ein
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts nach Autounfall vom Juni
2018 (DD: radikuläres Schmerzsyndrom L5 rechts) genannt und eine diagnostisch-
therapeutische Infiltration der Facettengelenke L5/S1 beidseits sowie PRT L5 rechts in
A.b.
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Aussicht gestellt. Bezüglich geklagter Fussschmerzen links wurde der Besuch in der
Fusssprechstunde empfohlen (vgl. IV-act. 19). Die beidseitige Infiltration fand am _
Januar 2020 statt (vgl. IV-act. 24).
Am 25. Januar 2020 erklärte Dr. C._, dass er den aktuellen Zustand des
Versicherten nicht beurteilen könne, da dieser seit dem 29. Oktober 2019 nicht mehr
bei ihm in Behandlung sei (vgl. IV-act. 25-2 ff.; vgl. dazu auch IV-act. 32-3 ff.).
A.c.
In einem provisorischen Sprechstundenbericht der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom _ Februar
2020 hielten die Behandelnden fest, dass klinisch weiterhin der Rückenschmerz bei
einer Degeneration des Segments L5/S1 im Vordergrund stehe. Durch die
durchgeführten Infiltrationen habe jedoch nur ein wenig zufriedenstellendes Ergebnis
erzielt werden können, sodass man mit einem operativen Vorgehen aktuell sehr
zurückhaltend sei. Bevor an ein solches gedacht werde, sollte eine vollständige
Ausschöpfung der konservativen Therapiemassnahmen erfolgen. Physiotherapeutische
Massnahmen hätten wenig Erfolg gehabt, sodass eine chiropraktische Beübung
empfohlen werde, womit der Versicherte einverstanden sei. Zusätzlich werde um den
Ausbau der oralen Analgesie durch den Hausarzt gebeten. Seitens der Orthopädie des
KSSG seien vorerst keine weiteren Kontrollen vorgesehen (vgl. IV-act. 34). In einer E-
Mail vom _ März 2020 erklärte die Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG gegenüber der IV-Stelle, dass dem
Versicherten keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei. Die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit sei beim Hausarzt einzuholen. Eine Konsultation in der
Fusssprechstunde habe nicht stattgefunden (vgl. IV-act. 38).
A.d.
Am 11. März 2020 fand im Auftrag der Krankentaggeldversicherung eine
Untersuchung des Versicherten durch Dr. med. D._, Spezialarzt Orthopädie FMH,
statt (vgl. Fremdakten, act. 96). In seiner gleichentags verfassten Beurteilung nannte
Dr. D._ als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Lumbofemoralgie
beidseits bei Diskushernie L3/4 mit Tangierung der Nervenwurzel L3 rechts, eine
Osteochondrose und eine Diskusprotrusion L5/S1 mit Irritation der Nervenwurzel L5
beidseits (Fremdakten, act. 96-3). Sodann kam er zum Schluss, dass in der
angestammten Tätigkeit eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Eine optimal
A.e.
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leidensangepasste Tätigkeit könne dem Versicherten ab dem Tag der Begutachtung
bei voller Stundenpräsenz zu 100 % zugemutet werden (Fremdakten, act. 96-4).
In einem Bericht vom 27. April 2020 nannte med. pract E._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin FMH, als Diagnose ein chronisches lumbospondylogenes
(DD: radikuläres) Schmerzsyndrom L3 rechts und L5 links. Als objektiven Befund
erwähnte er eine allgemeine schmerzbedingte Einschränkung in der LWS. Der
Versicherte leide an chronischen belastungs- und bewegungsabhängigen Schmerzen
der LWS mit Ausstrahlung in die Beine. Für die Zeit vom 1. bis 30. April 2020 attestierte
med. pract. E._ dem Versicherten in der angestammten Tätigkeit eine 60%ige
Arbeitsunfähigkeit. Die Prognose bezeichnete er als unklar, in einem
beschwerdeangepassten Arbeitsfeld als grundsätzlich gut. Die Arbeitsfähigkeit in
leidensangepasster Tätigkeit anzugeben, erachtete er als nicht möglich, jedoch hielt er
fest, dass einer Eingliederung bei beschwerdeadaptierter Tätigkeit nichts im Wege
stünde (vgl. IV-act. 46; vgl. ferner IV-act. 45).
A.f.
In einer Aktenbeurteilung vom 30. April 2020 empfahl der regionale ärztliche Dienst
(RAD) die Einholung der von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen
medizinischen Beurteilung vom 11. März 2020 (vgl. IV-act. 47). In einer Stellungnahme
vom 7. Mai 2020 hielt der RAD fest, die von Dr. D._ vorgenommene Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, die mit derjenigen des Hausarztes
übereinstimme, sowie die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten
Tätigkeiten seien gestützt auf die anlässlich der fachärztlichen Untersuchung
erhobenen objektiven Befunde nachvollziehbar, sodass darauf abgestellt werden könne
(vgl. IV-act. 51-2).
A.g.
Mit Mitteilung vom 15. Juni 2020 sprach die IV-Stelle dem Versicherten gestützt
auf einen entsprechenden Eingliederungsplan (vgl. IV-act. 55) Arbeitsvermittlung
(Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche) zu (vgl. IV-act. 58). Im
Schlussbericht der Eingliederungsberatung vom 5. Januar 2021 wurde festgehalten,
dass die Arbeitsvermittlung in Koordination mit dem Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) durchgeführt worden sei. Zu Beginn sei der
Versicherte vom Hausarzt zu 60 %, ab Dezember 2020 zu 50 % arbeitsunfähig
geschrieben worden. Im Oktober 2020 habe er mit einem Einsatzprogramm in einer
A.h.
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B.
sehr leichten und wechselbelastenden Tätigkeit begonnen. Er habe sich das volle
Pensum aufgrund der Rückenschmerzen aber nie zugetraut, sondern entsprechend
den hausärztlichen Krankschreibungen zunächst im Pensum von 40 %, später von 50
% gearbeitet. Eine Operation stehe noch immer zur Diskussion, komme für den
Versicherten aber aktuell nicht in Frage. Gemäss Rückmeldung der zuständigen
Bezugsperson habe der Versicherte im Einsatzprogramm keine gute Leistung erbracht.
Er sei langsam gewesen und die Motivation sei als fraglich beurteilt worden. Bezüglich
Schmerzen habe man dem Versicherten bei der Arbeit nichts angemerkt, jedoch sei er
viele Tage (wegen Rückenbeschwerden, Erkältung etc.) krank gewesen. Eine
Anschlusslösung sei nicht gefunden worden. Der Versicherte werde bei der
Stellensuche weiterhin vom RAV unterstützt (vgl. IV-act. 63).
Mit Mitteilung vom 6. Januar 2021 lehnte die IV-Stelle einen Anspruch auf weitere
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 65).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 14. April 2021 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentengesuchs bei einem Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht (vgl.
IV-act. 68).
A.j.
Nachdem auf den Vorbescheid kein Einwand eingegangen war, verfügte die IV-
Stelle am 31. Mai 2021 die Ablehnung des Rentengesuchs des Versicherten (IV-act.
71).
A.k.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer),
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. R. Pedergnana, St. Gallen, am 2. Juli 2021
Beschwerde (vgl. act. G 1). Er beantragte, die Verfügung vom 31. Mai 2021 sei
aufzuheben und ihm sei eine vorübergehende halbe Rente zuzusprechen; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin; act. G 1 S. 2). Weiter beantragte der Beschwerdeführer die
unentgeltliche Rechtspflege (vgl. act. G 1 und 4).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 24. September 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.b.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente.
2.
Am 27. September 2021 entsprach der verfahrensleitende Richter dem Gesuch
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten
und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor
Versicherungsgericht (act. G 6).
B.c.
In seiner Replik vom 11. November 2021 hielt der Beschwerdeführer - abgesehen
von der bereits bewilligten unentgeltlichen Rechtspflege - an den in der Beschwerde
gestellten Rechtsbegehren fest (vgl. act. G 10).
B.d.
Mit Schreiben vom 15. Dezember 2021 hielt die Beschwerdegegnerin am in der
Beschwerdeantwort gestellten Antrag vollumfänglich fest und verzichtete auf die
Erstattung einer ausführlichen Duplik (vgl. act. G 12).
B.e.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
2.1.
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3.
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG).
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
2.2.
Die Beschwerdegegnerin hat sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs in erster
Linie auf die von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene medizinische
Beurteilung von Dr. D._ vom 11. März 2020 (vgl. Fremdakten, act. 96-1 ff.) sowie auf
die RAD-Beurteilung vom 7. Mai 2020 (vgl. IV-act. 51-2) abgestützt, wonach in der
angestammten Tätigkeit zwar eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe,
leidensangepasste Tätigkeiten (körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen,
abwechselnd sitzend und stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte
Körperhaltungen) jedoch zu 100 % zumutbar seien.
3.1.
Der Beschwerdeführer macht in seiner Replik geltend, dass die Beurteilung von Dr.
D._ nicht nachvollziehbar sei. Es sei widersprüchlich, dass Dr. D._ ihm einerseits
zur operativen Revision des Rückenleidens rate, weil die konservativen Massnahmen
nichts mehr nützen würden, andererseits aber eine volle Arbeitsfähigkeit in allen
Tätigkeiten attestiere (vgl. act. G 10 S. 3, unten, und S. 4, oben). Auch sei unklar,
weshalb der medizinische Endzustand erreicht sein sollte, wenn Dr. D._ noch eine
erfolgsversprechende therapeutische Option sehe (vgl. act. G 10 S. 3, unten).
Ausserdem habe sich Dr. D._ nicht mit der Einschätzung des behandelnden Arztes
auseinandergesetzt, sodass seiner Beurteilung nicht gefolgt werden könne. Im Übrigen
3.2.
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sei Dr. D._ weder unabhängig noch unbefangen, da seine Einschätzung im Auftrag
der Krankentaggeldversicherung erfolgt sei (vgl. act. G 10 S. 4).
Allein der Umstand, dass eine Krankentaggeldversicherung die Beurteilung bei Dr.
D._ in Auftrag gegeben hat, stellt deren Beweiswert nicht in Frage (vgl. dazu BGE
135 V 469 f. E. 4.4). Sodann kann aus der Beurteilung von Dr. D._ nicht ohne
weiteres abgeleitet werden, dieser rate dem Beschwerdeführer zu einer Operation.
Vielmehr hat Dr. D._ lediglich dargelegt, dass eine Operation die einzige für ihn
sichtbare Behandlungsoption darstelle, ohne sich konkret darüber auszusprechen, ob
diese zu empfehlen sei oder wie die Erfolgschancen einer solchen wären (vgl.
Fremdakten, act. 96-5). Ohnehin spielt es für die Beurteilung des Rentenanspruchs
vorliegend keine Rolle, ob noch eine operative Revisionsmöglichkeit offensteht, die
sich möglicherweise günstig auf die Schmerzsituation auswirken könnte, wenn bereits
ohne diese Operation eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten
anzunehmen ist. Eine allenfalls kurzzeitige höhere Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer
Operation würde sich auf den Rentenanspruch nicht auswirken. Sollten sich aufgrund
einer Operation langanhaltende Komplikationen oder neue medizinische Befunde
ergeben, steht es dem Beschwerdeführer natürlich frei, sich erneut bei der
Beschwerdegegnerin anzumelden. Schliesslich kann dem Beschwerdeführer auch
nicht gefolgt werden, wenn er behauptet, Dr. D._ habe ihm in sämtlichen Tätigkeiten
eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert. In der angestammten Tätigkeit hat Dr. D._ dem
Beschwerdeführer - in Übereinstimmung mit med. pract. E._ - gerade eine 60%ige
Arbeitsunfähigkeit zugestanden. Lediglich für körperlich leichte Tätigkeiten in
temperierten Räumen, abwechselnd sitzend und stehend, ohne häufige inklinierte,
reklinierte und rotierte Körperhaltungen, ist Dr. D._ von einer vollen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen (vgl. Fremdakten, act. 96-4). Inwiefern dem Beschwerdeführer eine
solche Tätigkeit nicht zumutbar sein sollte, legt er nicht dar. In seiner Beschwerde hat
er zwar geltend gemacht, er sei seit einem nicht aktenkundigen Vorfall im Januar 2021
nur noch zu 50 % arbeitsunfähig, und er hat die Einreichung entsprechender Belege in
Aussicht gestellt (vgl. act. G 1 S. 3). Eingereicht hat er solche in der Folge aber nicht.
Auch hat er darauf verzichtet, näher auszuführen, um welchen Vorfall es sich handeln
sollte (vgl. act. G 10). Schliesslich finden sich in den Akten auch keine Berichte
behandelnder Ärzte, die eine nachvollziehbare Begründung dafür liefern könnten,
weshalb dem Beschwerdeführer eine leidensangepasste Tätigkeit ab dem 11. März
2020 nicht möglich sein sollte. Die von med. pract. E._ am 27. April 2020 attestierte
60%ige Arbeitsunfähigkeit hat sich auf den angestammten Tätigkeitsbereich bezogen
(vgl. IV-act. 45 und 46-4 f.). Die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten
Tätigkeiten hat med. pract. E._ in seinem Bericht vom 27. April 2020 unbeantwortet
3.3.
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gelassen (vgl. IV-act. 46-5 f.). Im gleichen Bericht hat er allerdings ausgeführt, dass bei
einer beschwerdeangepassten Arbeit einer Eingliederung nichts im Wege stehe (vgl. IV-
act. 46-6) und dass die Prognose bezüglich Arbeitsfähigkeit in einem
beschwerdeangepassten Arbeitsumfeld grundsätzlich als gut einzuschätzen sei (vgl. IV-
act. 46-4). Daraus ist zu schliessen, dass med. pract. E. eine leidensangepasste
Tätigkeit durchaus für möglich gehalten hat. Der Bericht der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom _ Februar
2020 enthält keine Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit. Ausserdem ist darin festgehalten
worden, dass vorerst keine weiteren Kontrollen vorgesehen seien (vgl. IV-act. 46-14 f.).
Zusammenfassend ist gestützt auf die Beurteilung von Dr. D._ vom 11. März
2020 (vgl. Fremdakten, act. 96), die der RAD als nachvollziehbar bezeichnet hat (vgl.
IV-act. 51-2), sowie gestützt auf die gesamte medizinische Aktenlage mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass spätestens ab dem 11. März
2020 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten bestanden hat.
3.4.
Gegen den von der Beschwerdegegnerin zur Berechnung des Invaliditätsgrades
vorgenommenen Einkommensvergleich hat der Beschwerdeführer, soweit ersichtlich,
keine Einwände erhoben (vgl. act. G 1 und 10). Dass die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung trotz gegenteiliger Erklärung beim Einkommensvergleich für
das Invalideneinkommen nicht auf den LSE-Tabellenlohn abgestellt hat, sondern dem
Validen- und Invalideneinkommen dieselbe Lohnbasis zu Grunde gelegt hat (vgl. IV-act.
71), ist vorliegend nicht zu beanstanden. Denn der für das Jahr 2018 einschlägige LSE-
Lohn für die im Kompetenzniveau 1 beschäftigen Männer bei einer durchschnittlichen
wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden und indexiert bis zum Jahr 2019 (Fr.
68'336.--; vgl. Anhang 2 der Gesetzesausgabe AHV/IV, Ausgabe 2022) liegt über dem
vom Beschwerdeführer im Jahr 2019 erzielten Validenlohn von Fr. 64'805.-- (vgl. IV-act.
13-6). Anderes würde sich auch nicht ergeben, wenn man die beiden
Vergleichseinkommen an die Indexierung bis zum Jahr des frühestmöglichen
Rentenbeginns (vgl. dazu E. 3.6) anpassen würde, da sich die Indexierung bei beiden
Einkommen gleichlaufend entwickeln würde. Demnach erwächst dem
Beschwerdeführer durch die Parallelisierung der Einkommen kein Nachteil. Ausgehend
von derselben Lohnbasis für beide Vergleichseinkommen resultiert bei der Annahme
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 0 %, wie ihn die Beschwerdegegnerin
ermittelt hat (vgl. IV-act. 71).
3.5.
Eine befristete Rente kommt vorliegend ebenfalls nicht in Betracht (zum
entsprechenden Antrag vgl. act. G 1 S. 2), nachdem der frühestmögliche Rentenbeginn
3.6.
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4.