Decision ID: d727ac1b-9bc0-5368-a0bf-441ca185cbb1
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Ausgleichskasse B._,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Hilflosenentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 8. November 2013 zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung an (act. G 6.4/1). Sie gab an, sie könne nicht mehr alleine auf
stehen und absitzen. Sie brauche Hilfe bei der Körperpflege und beim Duschen. Sie
könne sich nur noch mit Stock oder Rollator fortbewegen. Das Einkaufen sei ihr nicht
mehr möglich. Der Hausarzt gab an, die Versicherte leide an einer posttraumatischen
schweren Hüft- und Kniegelenksarthrose (linksbetont), an einer posttraumatischen
Beinverkürzung (3.5cm) und an einer posttraumatischen Wirbelsäulenveränderung. Die
Versicherte sei auf Hilfe und Unterstützung im Alltag angewiesen. Am 25. November
2013 nahm die zuständige IV-Stelle St. Gallen (nachfolgend IV-Stelle) mit der
Versicherten telefonisch Kontakt auf (act. G 6.4/3). Basierend auf diesem
Telefongespräch wurde der Abklärungsbericht erstellt. Darin wurde festgehalten, dass
die Versicherte trotz ihrer Einschränkungen das An- und Auskleiden bei grösserem
Zeitaufwand selbst ausführen könne. Aufgrund der Kraftlosigkeit in den unteren
Extremitäten erfolge das Aufstehen vom Bett mit Einsatz eines Gehstockes und
Unterstützung des Lebenspartners. Die Versicherte verfüge nicht über ein
höhenverstellbares Pflegebett. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht könne aber
davon ausgegangen werden, dass unter Einbezug eines Elektrobettes oder eines
Aufziehständers das Aufstehen/Abliegen selbständig möglich sein sollte. Die
Versicherte könne Messer und Gabel selbständig einsetzen und die Speisen zerkleinern
und zum Mund führen. Die Einnahme der Speisen erfolge selbständig. Der Versicherten
sei es möglich, aus einem Glas zu trinken. Die tägliche Körperpflege und das Duschen
erledige sie selbständig. Infolge der Schwäche in den Beinen werde ein Sitzbrett
eingesetzt. Die Versicherte sei bei der Verrichtung der Notdurft selbständig und
bedürfe keiner Unterstützung. Die Fortbewegung innerhalb der Wohnung und im Freien
erfolge am Gehstock oder Rollator. Sie könne nur kurze Distanzen (ca. 50m) gehen.
Längere Spaziergänge seien nicht mehr möglich. Ein Rollstuhl werde nicht eingesetzt.
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Die Versicherte pflege selten gesellschaftliche Kontakte. Einkäufe würden durch den
Lebenspartner erledigt. Die Versicherte bedürfe keiner ständigen Überwachung und
nehme keine Medikamente ein. Der Bericht wurde am 2. Dezember 2013 durch die
Versicherte unterzeichnet (act. G 6.4/4-3). Mit Verfügung vom 12. Dezember 2013 wies
die Ausgleichskasse B._ (nachfolgend Ausgleichskasse) das Gesuch ab. Begründet
wurde die Abweisung damit, dass die Versicherte lediglich in einer (von sechs)
alltäglichen Lebensverrichtung, der Fortbewegung, auf eine erhebliche und dauernde
Hilfe Dritter angewiesen sei (act. G 6.1).
A.b Am 7. Januar 2014 erhob die Versicherte dagegen Einsprache (act. G 6.2). Sie gab
an, sie sei täglich auf die Hilfe ihres Lebenspartners angewiesen. Er helfe ihr beim
Laufen, beim Ankleiden, beim Baden und bei der Körperhygiene. Sie ersuchte darum,
ihren Antrag erneut zu prüfen und ihren Arzt zu kontaktieren. Viele ihrer Leiden seien
Spätfolgen eines Autounfalles. Am 6. Februar 2014 nahm eine Sachbearbeiterin des
Fachbereichs intern detailliert zu den einzelnen Lebensverrichtungen Stellung.
Abschliessend gelangte sie zur Einschätzung, es fänden sich keine Ausführungen, die
eine konkrete Hilfestellung beschreiben und begründen würden. Die Versicherte sei nur
in einer der sechs alltäglichen Lebensverrichtungen, der Fortbewegung, eingeschränkt
(act. G 6.4/12). Gestützt darauf wies die Ausgleichskasse die Einsprache ab (act.
G 6.3).
B.
B.a Am 23. April 2014 reichte die Versicherte Beschwerde gegen den Einsprache
entscheid vom 6. März 2014 ein (act. G 1). Zur Begründung führte sie an, ohne ihren
Lebenspartner (der inzwischen auch nicht mehr der Jüngste sei und selbst
gesundheitliche Probleme habe) müsste sie in eine betreute Institution gehen, da eine
Spitex-Betreuung nicht möglich sei. Sie beantragte deshalb eine
Hilflosenentschädigung und eventualiter eine amtsärztliche Untersuchung. Sie sei trotz
des ärztlichen Zeugnisses "nochmals so richtig ausgefragt worden" und es werde nun
alles falsch interpretiert. Sie verlange, dass sich jemand ihre Situation vor Ort
anschaue, da man aus der Ferne keine Prognose stellen könne. Sie lebe mit grossen
Schmerzen, ihre ganze linke Seite sei "kaputt". Sie habe eigentlich telefonisch keine
Auskunft geben wollen, da sie der Ansicht sei, das Arztzeugnis genüge. Sie sei aber
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durch die Sachbearbeiterin der IV-Stelle zur Auskunft genötigt worden. Sie legte einen
Bericht ihres Hausarztes vom 1. April 2014 bei (act. G 1.4). Er erachtete die
Hilfsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin als erwiesen. Je nach Tagessituation und
Schmerzen seien die Hilfestellungen des Partners verschieden. Die Peradipositas sei
ein weiterer einschränkender Faktor. Die Beschwerdeführerin habe beim
Telefongespräch wahrheitsgemäss angegeben, dass es bei gewissen Tätigkeiten stark
von der Tagessituation abhänge, wie aufwändig die Hilfsbedürftigkeit sei. Daraus
könne aber nicht einfach geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin nicht in
der Mehrheit der Tage die Hilfestellungen des Partners benötige. Es müsse davon
ausgegangen werden, dass die Bedürftigkeit gegeben sei.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2014 beantragte die Ausgleichskasse, die
Beschwerde sei abzuweisen (act. G 6). Zur Begründung verwies sie auf die
Begründung im Einspracheentscheid.
B.c In ihrer Replik beantragte die Beschwerdeführerin nochmals die Anordnung einer
vertrauensärztlichen Untersuchung (act. G 10). Die Ausgleichskasse verzichtete auf
eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen:
1. Im vorliegenden Fall war die Ausgleichskasse B._ für den Erlass der Verfügung
zuständig. Sie erliess auch den Einspracheentscheid. Bei der Ausgleichskasse B._
handelt es sich nicht um eine kantonale Ausgleichskasse. Deshalb gelangt Art. 84 des
Bundesgesetzes über die Alters-und Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10)
nicht zur Anwendung. Da die Beschwerdeführerin ihren Wohnsitz im Kanton St. Gallen
hat, ist gestützt auf Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
2.
2.1 Gemäss Art. 43 AHVG haben Bezüger von Altersrenten oder Ergänzungsleis
tungen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die in schwerem,
mittlerem oder leichtem Grad hilflos sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung.
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Der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung entsteht am ersten Tag des Monats, in
dem sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind und die Hilflosigkeit schweren, mittleren
oder leichten Grades ununterbrochen während mindestens eines Jahres bestanden hat
(Art. 43 Abs. 2 AHVG). Für die Bemessung der Hilflosigkeit sind die Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) sinngemäss
anwendbar. Die Bemessung der Hilflosigkeit zuhanden der Ausgleichskassen obliegt
den IV-Stellen. Der Bundesrat kann ergänzende Vorschriften erlassen (Art. 43 Abs. 5
AHVG). Gemäss Art. 66 Abs. 1 der Verordnung über die Alters-und
Hinterlassenenversicherung (AHVV, SR 831.101) ist für die Bemessung Art. 37 Abs. 1, 2
lit. a und b sowie 3 lit. a bis d der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201) sinngemäss anwendbar: Nach Art. 37 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer,
wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen
alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen
Überwachung bedarf (Abs. 1). Die Hilflosigkeit gilt nach Art. 37 Abs. 2 IVV als
mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den
meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe
Dritter angewiesen ist (lit. a) oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer
dauernden persönlichen Überwachung bedarf (lit. b). Als leicht gilt die Hilflosigkeit
gemäss den genannten Teilen von Art. 37 Abs. 3 IVV, wenn die versicherte Person trotz
der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a), einer
dauernden persönlichen Überwachung bedarf (lit. b), einer durch das Gebrechen
bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf (lit. c) oder wegen
einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur
dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte
pflegen kann (lit. d).
2.2 Zur Feststellung des massgeblichen Sachverhalts stehen vorliegend die Angaben
der gerontologischen Fachfrau im Anmeldeformular, die ärztliche Auskunft und der
Abklärungsbericht (d.h. die von der Abklärungsperson gewürdigten telefonischen Aus
künfte der Beschwerdeführerin) zur Verfügung. Für die Beurteilung des Gesuchs ist
nur eine telefonische Abklärung, also eine Befragung der Beschwerdeführerin, vorge
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nommen worden. Eine Abklärung an Ort und Stelle ist unterblieben. Unbestritten ist,
dass die Beschwerdeführerin in erheblicher Weise in der Fortbewegung – und damit in
einer von sechs alltäglichen Lebensverrichtung – eingeschränkt ist. Die
Beschwerdeführerin hat nun aber geltend gemacht, sie sei auch beim An-/Auskleiden,
beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen und bei der Körperpflege wesentlich eingeschränkt.
Dazu ist festzuhalten, dass eine versicherte Person bereits dann hilflos in einer dieser
Lebensverrichtungen ist, wenn sie für eine Teilfunktion regelmässig in erheblicher
Weise auf Dritthilfe angewiesen ist (Randziffer 8011 Kreisschreiben über Invalidität und
Hilflosigkeit [KSIH]). Erheblich ist die Hilfe gemäss Rz 8026 KSIH, wenn die versicherte
Person mindestens eine Teilfunktion einer einzelnen Lebensverrichtung nicht mehr, nur
mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise (ZAK 1981 S. 387)
selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne besondere
Aufforderung nicht vornehmen würde. Die blosse Erschwerung oder Verlangsamung
bei den Lebensverrichtungen begründet noch keine Hilflosigkeit (ZAK 1986 S. 481
E. 2b). Die Beschwerdeführerin hat angegeben, sie werde in allen Verrichtungen durch
ihren Lebenspartner unterstützt. Sie könne nicht mehr alleine aufstehen und absitzen.
Duschen könne sie nur noch sitzend. Ihr behandelnder Arzt gab an, die
Beschwerdeführerin sei auf Unterstützung im Alltag angewiesen (IV-act. 1-6,
act. G 1.4). Die Beschwerdegegnerin hat es, gestützt nur auf die Aussage der
Beschwerdeführerin, für überwiegend wahrscheinlich betrachtet, dass bei der
Fortbewegung ein erheblicher Bedarf nach Hilfe erforderlich sei. Warum die
Beschwerdegegnerin nicht auch die Angaben der Beschwerdeführerin zu den übrigen
alltäglichen Lebensverrichtungen als überwiegend wahrscheinlich richtig qualifiziert hat,
hat sie nicht begründet.
2.3 Soweit die Beschwerdegegnerin die Angaben der Beschwerdeführerin für nicht
plausibel gehalten hat, wäre sie in Erfüllung der Untersuchungspflicht gehalten ge
wesen, den Sachverhalt weiter abzuklären. Gemäss Art. 43 ATSG nimmt der Ver
sicherungsträger die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die er
forderlichen Auskünfte ein. Zur Sachverhaltsfeststellung bedient er sich nötigenfalls
folgender Beweismittel: Urkunden, Auskünfte von Parteien, Auskünfte von
Drittpersonen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen (Art. 55 ATSG i.V.m.
Art. 12 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]). Im
vorliegenden Fall wäre ein Augenschein, d.h. eine sogenannte Abklärung an Ort und
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Stelle, das für die Abklärung geeignete und zentrale Beweismittel gewesen, nachdem
man die Selbstangaben der Beschwerdeführerin als teilweise nicht überzeugend
qualifiziert hatte. Bei einem Augenschein handelt es sich um eine Beweiserhebung
durch eigene Sinneswahrnehmung der entscheidenden Behörde. Die korrekte
Ermittlung des Sachverhaltes erfordert hier, dass die Abklärungsperson sich zumindest
ein Bild an Ort und Stelle macht und sich selbst unmittelbar davon überzeugt, ob es
der versicherten Person noch möglich ist, die alltäglichen Lebensverrichtungen ohne
Hilfe selbst auszuführen. Durch eine Abklärung an Ort und Stelle können wesentliche
Erkenntnisse gewonnen werden, die sich aus einem Telefongespräch nicht
erschliessen lassen. So ist ein Augenschein beispielsweise tauglich und geeignet, der
Abklärungsperson ein Bild der konkreten Situation zu verschaffen. Die Abklärung an
Ort und Stelle ist offensichtlich nicht auf eine Befragung der versicherten Person und
der Familienmitglieder beschränkt. Die versicherte Person hat der Abklärungsperson
vielmehr zu zeigen, wie es ihr möglich ist (oder eben nicht mehr oder nur noch schwer
möglich ist), sich vom Bett zu erheben, umherzugehen und abzusitzen. Sie kann
zeigen, wie sie die Körperpflege normalerweise vornimmt, wie sie in die Dusche steigt,
wo sie sich festhalten kann etc. Wenn die versicherte Person aufgefordert wird, ihre
alltäglichen Verrichtungen vorzunehmen, soll dies der Abklärungsperson ermöglichen,
unmittelbar wahrzunehmen, ob und inwiefern die versicherte Person bei den einzelnen
Verrichtungen eingeschränkt ist. Die versicherte Person soll aber nicht über Gebühr
belastet werden. Daher kann ein Augenschein nicht so weit gehen, dass die versicherte
Person zeigen muss, wie sie die Notdurft verrichtet, sich anschliessend reinigt und ihre
Kleider wieder anzieht. Das ist zur Beantwortung der Frage nach einer allfälligen
Hilflosigkeit bei dieser alltäglichen Lebensverrichtung gar nicht notwendig, denn
darüber geben bereits die Fähigkeiten, sich selbständig hinzusetzen, aufzustehen, den
Rücken zu waschen etc. ausreichend Aufschluss. Erfolgt also eine Abklärung an Ort
und Stelle in der Wohnung der versicherten Person, so darf sich diese Abklärung nicht
auf eine Befragung der Beteiligten beschränken. Vielmehr soll die versicherte Person
der Abklärungsperson aktiv zeigen, wie sie sich in ihrem üblichen Alltag verhält und wie
es ihr gelingt (oder eben nicht mehr gelingt), die alltäglichen Lebensverrichtungen ohne
Hilfe zu bewältigen.
2.4 Die im vorliegenden Fall einzig zur Beurteilung herangezogene telefonische Be
fragung reicht nicht aus, um die Situation der Beschwerdeführerin mit dem erforder
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lichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu erheben. Einerseits sind
die telefonischen Angaben der Beschwerdeführerin subjektiv gefärbt gewesen und
andererseits hat die Abklärungsperson ihre Einschätzung in den entsprechenden Be
richt einfliessen lassen, so dass sich nicht mehr nachvollziehen lässt, wie weit es sich
um eine Protokollierung gehandelt bzw. wie weit die Abklärungsperson das von der
Beschwerdeführerin Gesagte in diesem Bericht bereits durch ihre Würdigung verändert
hat. Insbesondere hat die Abklärungsperson bei den einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtungen jeweils auf die Schadenminderungspflicht verwiesen und
ausgeführt, es könne "davon ausgegangen werden", dass eine bestimmte Verrichtung
"selbständig möglich sein sollte". Die Abklärungsperson war sich offenbar selbst nicht
sicher, ob die Beschwerdeführerin in den einzelnen Lebensverrichtungen mit den
entsprechenden Hilfsmitteln tatsächlich selbständig wäre. Daher wäre es notwendig
gewesen, dass sich die Abklärungsperson ein eigenes Bild der Situation vor Ort
verschafft hätte, zumal die Beschwerdeführerin dies ausdrücklich beantragt hatte. Ein
solcher Besuch bei der Beschwerdeführerin zu Hause wäre ohne weiteres möglich
gewesen.
2.5 Die Abklärungsperson hat wiederholt auf die Schadenminderungspflicht
verwiesen. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht sind die Auswirkungen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung durch geeignete organisatorische Massnahmen
möglichst zu mildern. Dazu ist festzuhalten, dass die Schadenminderungspflicht
insoweit zu berücksichtigen ist, als die erwähnten Hilfsmittel tatsächlich durch die AHV
zu Verfügung gestellt werden oder von der Beschwerdeführerin mit geringem Aufwand
selbst angeschafft werden können. Für die Frage nach der Hilflosigkeit einer Person ist
es hingegen irrelevant, ob und gegebenenfalls wer der versicherten Person Hilfe leistet,
denn bereits die Beeinträchtigung des versicherten Gutes (nämlich der Selbständigkeit
bei den alltäglichen Lebensverrichtungen) begründet den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung. Es darf nicht darauf ankommen, in welcher Umgebung sich
die versicherte Person aufhält. Ob sie alleine, in einer Partnerschaft oder in einer
Familie mit Kindern wohnt, kann nicht entscheidend sein, denn versichert ist nicht die
Fähigkeit von Lebenspartnern oder einer Familiengemeinschaft, zusammen die
alltäglichen Lebensverrichtungen zu meistern, sondern ausschliesslich die Fähigkeit der
versicherten Person selbst, bei den alltäglichen Lebensverrichtungen selbständig zu
sein. Die Schadenminderungspflicht kann also keine (reale oder fiktive) Pflicht des
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Lebenspartners beinhalten, der Beschwerdeführerin bei den alltäglichen
Lebensverrichtungen zu helfen (vgl. aber die in BGE 130 V 396 nicht publizierte E. 8
des Urteils des Bundesgerichts vom 18. Mai 2004 I 457/02).
2.6 Die Angelegenheit ist daher zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Dazu muss ein Augenschein an Ort und Stelle in der Wohnung der
Beschwerdeführerin vorgenommen werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, dabei auch
den Lebenspartner der Beschwerdeführerin sowie die mit dem Fall vertraute Pflege
fachkraft zu befragen.
3. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das Verfahren kostenlos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP