Decision ID: bcb69fde-936a-5c7f-a669-9902612deff8
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ leidet an einem chronischen (lumbalen) Schmerzsyndrom, weshalb er sich mehreren operativen Eingriffen an der Wirbelsäule unterzog. Da keine Linderung seiner Beschwerden eintrat, liess er sich am 25. Juni 2007 im Spital B._ einen Rückenmarkstimulator . Ihm wurde indes eine nur teilweise funktionstüchtige Elektrode , die er am 9. Juli 2007 operativ wieder entfernen liess. In der Folge machte A._ gegenüber der B._ AG Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche geltend.
B.
Die B._ AG eröffnete am 25. März 2015 ein Staatshaftungsverfahren und gab A._ kurz darauf Gelegenheit, sich zur beabsichtigten Abweisung seines Gesuchs zu äussern (Verfügungen vom 13.7.2015 und 11.8.2015). In diesem Zusammenhang störte sich A._ daran, dass die B._ AG auch den Rechtsanwalt ihrer Haftpflichtversicherung über das laufende Verfahren informierte, und stellte deshalb am 2. September 2015 folgende Anträge:
«1. Es sei von dem gestützt auf Art. 9 Abs. 1 des  des Kantons Bern (VRPG) gestellten  des Gesuchstellers gegen sämtliche Mitglieder des Spruchkörpers Vormerk zu nehmen und das vorliegende Verfahren sei an eine gegenüber der Haftpflichtversicherung nicht  Behörde zu überweisen, damit diese über das hängige Gesuch vom 6. Februar 2015 ergebnisoffen entscheide.
2. Es seien dem unterzeichneten Rechtsanwalt eine Kopie des auf den vorliegenden Sachverhalt anwendbaren  (Police Nr. ...), der anwendbaren Allgemeinen  (AVB) und der Statistik über die  der angerufenen Behörde zur Einsichtnahme zukommen zu lassen.
3. Die Mitglieder des Spruchkörpers der Verwaltungsbehörde haben gestützt auf Art. 9 Abs. 5 VRPG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 ZPO dem  eine schriftliche Stellungnahme zu erstatten.
4. Von einer Überweisung an die Rechtsmittelinstanz nach Art. 9 Abs. 2 VRPG sei vorläufig abzusehen, damit nach Erhalt der Un-
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terlagen gemäss Ziff. 2 und 3 hiervor dem Gesuchsteller die  verbleibt, das hängige Ausstandsbegehren zurückzuziehen.
5. a) Während des laufenden Ausstands- und Abklärungsverfahrens sei das hängige Verfahren betreffend das Gesuch vom 6. Februar 2015 zu sistieren.
b) Eventualiter: Die Frist zur Einreichung einer Stellungnahme  beabsichtigte Abweisung sei angemessen zu .»
Die B._ AG kam zum Schluss, ein vorsorgliches Ablehnungsbegehren sei unzulässig. Ferner hätte über ein solches nicht sie, sondern die Rechtsmittelbehörde zu befinden, wobei A._ ausdrücklich keine Beurteilung durch diese wünsche. Deshalb werde auf eine Weiterleitung des Ablehnungsbegehrens an das Verwaltungsgericht verzichtet und mangels Zuständigkeit auf die gestellten Anträge nicht eingetreten (Verfügung vom 25.9.2015).
C.
Am 12. Oktober 2015 hat A._ Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben mit folgenden Rechtsbegehren:
«1. Die Verfügung der B._ AG vom 25. September 2015 sei infolge deren Nichtigkeit aufzuheben.
2. Es sei gerichtlich festzustellen, dass die Vorinstanz mit der  sämtlicher Anträge des Beschwerdeführers vom 2. September 2015 – nebst verschiedener Bestimmungen des VRPG – dessen gesetzlichen, verfassungsrechtlichen und  Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG, Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK, das Verbot formeller Rechtsverweigerung nach Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK sowie die Rechtsweggarantie nach Art. 29a BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK verletzt hat.
3. a) Die Rechtsstreitsache sei zum Neuentscheid und zur Gewährung der Verfahrensrechte an die Vorinstanz zurückzuweisen,  mit der Anweisung, dass diese über die Anträge des  vom 2. September 2015 materiell zu befinden habe.
b) Eventualiter: Das angerufene Verwaltungsgericht habe gestützt auf Art. 9 Abs. 2 VRPG über das hängige Ausstandsbegehren vom 2. September 2015 zu entscheiden und die B._ AG sei gerichtlich anzuweisen, dem Gericht und dem unterzeichneten Rechtsanwalt eine Kopie des auf den vorliegenden Sachverhalt anwendbaren Versicherungsvertrages (Police Nr. ...), eine Kopie der anwendbaren Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB), die Korrespondenz zwischen der Haftpflichtversicherung und der Verwaltungsbehörde im
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vorliegenden Fall und die Statistik über die Entscheidpraxis der angerufenen Behörde zur Einsichtnahme zukommen zu lassen.
4. Die Mitglieder des Spruchkörpers der Verwaltungsbehörde haben gestützt auf Art. 9 Abs. 5 VRPG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 ZPO eine schriftliche Stellungnahme zu erstatten.
5. Es sei gerichtlich festzustellen, dass der vorliegenden Beschwerde nach Art. 68 Abs. 1 VRPG und Art. 82 VRPG von Gesetzes wegen die aufschiebende Wirkung zukommt.
6. Es sei eine öffentliche Gerichtsverhandlung nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK mit Publikums- und Presseanwesenheit durchzuführen.
7. Vor der Eröffnung des materiellen Endentscheides sei dem  Rechtsanwalt Gelegenheit zur Einreichung einer  Kostennote zur Geltendmachung einer Parteientschädigung zu geben (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV).
8. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der B._ AG.»
Mit Beschwerdeantwort vom 13. November 2015 beantragt die B._ AG, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Am 28. Januar 2016 hat A._ unaufgefordert zur Beschwerdeantwort Stellung genommen.

Erwägungen:
1.
1.1 Angefochten ist eine Verfügung, mit der die B._ AG auf ein (vorsorgliches) Ablehnungsbegehren (Antrag 1) und verschiedene damit verbundene Verfahrensanträge des Beschwerdeführers (Anträge 2-5) nicht eingetreten ist (Rechtsbegehren 1). Eine solche Zwischenverfügung  demselben Rechtsmittel wie der Entscheid in der Sache selber ( aus Art. 75 Bst. a des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Bei dieser handelt es sich um Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche im Zusammenhang mit der Implantation eines Rückenmarkstimulators im Spital B._.  kann das Verwaltungsgericht angerufen werden (vgl. Art. 74 ff. VRPG; Art. 104a Abs. 2 des Personalgesetzes vom 16. September 2004 [PG;
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BSG 153.01]), weshalb es auch für die Beurteilung der Beschwerde gegen die angefochtene Zwischenverfügung zuständig ist.
1.2 Zwischenverfügungen betreffend Ausstand und Ablehnung sind  Art. 74 Abs. 3 i.V.m. Art. 61 Abs. 2 VRPG selbständig anfechtbar. Da die B._ AG auf das Ablehnungsbegehren nicht eingetreten ist, ergibt sich die Beschwerdebefugnis für das verwaltungsgerichtliche Verfahren insoweit unmittelbar aus dem negativen Prozessentscheid (vgl. BVR 2006 S. 481 E. 1.2). Die Beschwerde wurde formgerecht und innert der dreissigtägigen Rechtsmittelfrist erhoben (vgl. Art. 81 Abs. 1 VRPG). Eine kürzere zehntägige Beschwerdefrist gilt einzig für die Anfechtung von Entscheiden in kommunalen Wahlsachen und solchen betreffend  in kommunalen Abstimmungssachen (vgl. Art. 81 Abs. 2 VRPG). Der von der B._ AG angerufene Art. 94 Abs. 2 VRPG regelte die Appellation im Klageverfahren und ist ohnehin, wie der ebenfalls erwähnte Art. 67 Abs. 2 VPRG, auf Anfang 2009 aufgehoben worden. Mithin ist auf die Beschwerde jedenfalls insoweit einzutreten, als diese das Ablehnungsbegehren betrifft. Soweit sich die Beschwerde gegen das Nichteintreten der B._ AG auf die Verfahrensanträge (Anträge 2-5) richtet, sind Art. 74 Abs. 3 i.V.m. Art. 61 Abs. 3 VRPG massgebend, wonach die selbstständige Anfechtung von «anderen Zwischenverfügungen», die weder Zuständigkeit noch Ausstand oder Ablehnung regeln, voraussetzt, dass sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Bst. a) oder die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Bst. b). Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, so ist die betreffende Zwischenverfügung erst zusammen mit dem Endentscheid anfechtbar (Art. 74 Abs. 3 i.V.m. Art. 61 Abs. 4 VRPG). Der Beschwerdeführer äussert sich mit keinem Wort zur Frage, weshalb vorliegend die Anforderungen für eine selbständige Anfechtung von  erfüllt sein sollten. Weil ein nicht wieder  Nachteil weder dargetan noch ersichtlich ist, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten, soweit sich diese gegen das Nichteintreten auf die  2-5 richtet (vgl. BVR 2009 S. 189 E. 1.2.1;
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Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 61 N. 4).
1.3 Nicht einzutreten ist weiter auf das Begehren, es sei festzustellen, dass die «Komplettabweisung sämtlicher Anträge» Recht verletze ( 2). Feststellungsbegehren sind gegenüber Leistungs- und  subsidiär, was bedeutet, dass sie grundsätzlich nur dann gestellt werden können, wenn solche ausgeschlossen sind;  ist insoweit ein besonderes Feststellungsinteresse (vgl. BVR 2014 S. 33 E. 1.4, 2011 S. 564 E. 3.3 mit Hinweisen; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 20). Ein solches ist hier weder dargetan noch ersichtlich. Gleiches gilt bezüglich des Antrags, gerichtlich festzustellen, der Beschwerde komme von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu (Rechtsbegehren 5).
1.4 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren bestimmt sich der Streitgegenstand anhand der im angefochtenen Entscheid getroffenen Anordnungen einerseits und der dagegen formulierten Rechtsbegehren andererseits, wobei zur Klärung missverständlicher Anträge gegebenenfalls auf die Begründung zurückzugreifen ist (statt vieler BVR 2011 S. 391 E. 2.1). Die hier gestellten Rechtsbegehren sind in diesem Sinn : Zunächst verlangt der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfügung (Rechtsbegehren 1) und die Rückweisung der Sache zu neuem Entscheid (Rechtsbegehren 3a), obschon er die  vom 25. September 2015 als nichtig betrachtet. Dabei ist nicht nur die Formulierung des Hauptbegehrens, sondern auch die  widersprüchlich: Mit dieser verlangt der Beschwerdeführer zwar zunächst wegen verschiedener Rechtsmängel die «Feststellung der Nichtigkeit» (S. 7), um jedoch an anderer Stelle zu argumentieren, diese «Rechtsverletzungen seien derart gravierend, dass sie einer nachträglichen Heilung im Beschwerdeverfahren nicht mehr zugänglich seien», was die «Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung an die Vorinstanz» rechtfertige (S. 10). Da eine Nichtigkeit der angefochtenen Verfügung ohnehin nicht in Frage kommt (vgl. zu den Voraussetzungen für die Annahme von Nichtigkeit BGE 138 II 501 E. 3.1; BVR 2014 S. 297 E. 4.3.3), ist zugunsten des Beschwerdeführers anzunehmen, dieser ver-
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lange mit seinem Hauptbegehren nicht die Feststellung von Nichtigkeit, sondern die Aufhebung der angefochtenen Verfügung unter Rückweisung der Sache an die B._ AG. Ferner beantragt der Beschwerdeführer, eventuell habe das Verwaltungsgericht selber über «das hängige Ausstandsbegehren vom 2. September 2015 zu entscheiden» (Rechtsbegehren 3b), wobei sich der Beschwerdebegründung nicht entnehmen lässt, auf welche verfahrensrechtliche Grundlage der Beschwerdeführer diesen Eventualantrag stützen will. Da die B._ AG auf das Ablehnungsbegehren nicht eingetreten ist, kann das Verwaltungsgericht an sich nur prüfen, ob dieser Prozessentscheid rechtmässig ergangen ist; es fehlt an einer Entscheidung in der Sache, die es einer materiellen Prüfung unterziehen könnte. Allerdings ist für die Beurteilung von Ausstandsbegehren in Spitalhaftungssachen ohnehin das Verwaltungsgericht als Rechtsmittelbehörde zuständig (sogleich E. 2.1), weshalb der Eventualantrag im wohlverstandenen Interesse des Beschwerdeführers wie folgt verstanden werden kann: Falls die Sache nicht, wie mit dem Hauptbegehren beantragt, zu neuem Entscheid an die B._ AG zurückgewiesen wird, soll das Verwaltungsgericht die  als Ausstandsgesuch entgegennehmen und selber über das Ablehnungsbegehren befinden.
1.5 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene  auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).
1.6 Die Beurteilung der vorliegenden Rechtssache fällt in die  Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 2 Bst. b des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der  [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 61 Abs. 1 Bst. b VRPG; vgl. BVR 2015 S. 213 E. 1.3).
2.
2.1 Ablehnungsbegehren in Staatshaftungsstreitigkeiten, die öffentliche Spitäler betreffen, sind gestützt auf Art. 9 Abs. 2 Satz 1 VRPG durch die Rechtsmittelbehörde zu beurteilen (vgl. BVR 2014 S. 216 E. 1.1). Als sol-
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.02.2016, Nr. 100.2015.296U, Seite 8
che amtet das Verwaltungsgericht (vorne E. 1.1), sodass es für die  des vorliegend gegen «sämtliche Mitglieder des Spruchkörpers» – also gegen die Entscheidungsträger der B._ AG – gerichteten Ablehnungsbegehrens zuständig ist. Die B._ AG hat sich deshalb in der angefochtenen Verfügung zu Recht für die Beurteilung des Begehrens unzuständig erklärt. Der Beschwerdeführer rügt in diesem Zusammenhang zwar eine Verletzung zahlreicher kantonaler, eidgenössischer und staatsvertraglicher Bestimmungen mit verfahrensrechtlichem Gehalt (vgl. insb. Beschwerde, S. 8 f.), geht aber auf die Frage der (mangelnden) funktionellen Zuständigkeit der B._ AG mit keinem Wort ein. Insbesondere wendet er nicht ein, die B._ AG sei ungeachtet der in BVR 2014 S. 216 publizierten verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung zur Behandlung des  zuständig bzw. die entsprechende Praxis verstosse  Recht. Mithin gehen seine Vorbringen an der Sache vorbei, weshalb auf die einzelnen Rügen nicht näher eingegangen zu werden braucht.