Decision ID: 1a04973f-b81c-5dbc-b12e-9b6817695abc
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich erstmals am 14. Februar 2012 bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen
und Rentenleistungen an (IV-act. 3). In einem Telefonat vom 15. Februar 2012 erklärte
der Versicherte der IV-Stelle, dass er am 8. Oktober 2010 (richtig: 28. August 2010; vgl.
Fremdakten, act. 1.84 f.) einen Autounfall erlitten habe und seither Rücken-, Fuss- und
Bandscheibenschmerzen habe. Nach dem Unfall habe er nicht mehr gearbeitet (vgl. IV-
act. 6). Vor dem Unfall hatte er zuletzt bei der Firma B._ als P._ bzw. Allrounder in
einem befristeten Anstellungsverhältnis, das Ende 2010 geendet hatte, gearbeitet (vgl.
IV-act. 17). Vom 15. November bis 16. Dezember 2010 hatte er sich stationär in der
Rehaklinik C._ aufgehalten. Im Austrittsbericht waren als Diagnosen eine HWS-
Distorsion QTF II sowie myofasziale Restbeschwerden im Schulter- und Nackenbereich
genannt worden. Weiter war festgehalten worden, es sei eine erhebliche
Symptomausweitung beobachtet worden. Es sei davon auszugehen, dass bei gutem
Effort eine bessere Leistung hätte erbracht werden können, als bei den Leistungstests
und im Behandlungsprogramm gezeigt worden sei. Infolge Selbstlimitierung hätten die
zu erwartenden Verbesserungen bezüglich Funktion und Belastbarkeit nicht erreicht
werden können. Die Resultate der physischen Leistungstests seien deshalb für die
Beurteilung der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Das
A.a.
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Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den
objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung, der
bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen nur ungenügend erklären. Die
Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich wesentlich auf medizinisch-theoretische
Überlegungen unter Berücksichtigung der Beobachtungen bei den Leistungstests und
im Behandlungsprogramm. Aus unfallkausaler Sicht könne der Versicherte ab dem 20.
Dezember 2010 die Tätigkeit als Mitarbeiter in der Q._ wieder zu 50 % und ab dem
17. Januar 2011 zu 75 % aufnehmen, wobei zum Einstieg eine etwas leichtere Tätigkeit
empfohlen werde. In anderen leichten bis mittelschweren Tätigkeiten sei eine
ganztägige Arbeitstätigkeit möglich. Es liege keine psychische Störung vor, welche
eine arbeitsrelevante Leistungsminderung begründen würde (IV-act. 12-3 ff.). In einem
Bericht vom 9. Juli 2012 attestierte Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeinmedizin,
E._ AG, dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer körperlich
angepassten Tätigkeit (vgl. IV-act. 25-3). Vom 7. bis 31. August 2012 wurde der
Versicherte in der Tagesklinik F._, Psychiatrie G._, behandelt, wobei die
behandelnde Ärztin aufgrund der lediglich drei Wochen dauernden Behandlung die
Arbeitsfähigkeit nicht einschätzen konnte. Als Diagnosen nannte sie in einem Bericht an
die IV-Stelle vom 23. Oktober 2012 eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom sowie einen Status nach HWS-Distorsion am 28. August 2010
im Rahmen einer Auffahrkollision (vgl. IV-act. 33). Dr. med. H._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, teilte am 17. Dezember 2012 mit, den Versicherten in den drei
Monaten zuvor nur einmal gesehen zu haben (vgl. IV-act. 37). Nach der Einholung einer
Beurteilung des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD), in welcher die
Eingliederungsfähigkeit des Versicherten im Umfang von mindestens 50 % steigerbar
eingeschätzt worden war (vgl. IV-act. 40), sowie der Durchführung eines
Assessmentgesprächs (vgl. IV-act. 43) wies die IV-Stelle mit Mitteilung vom 29. April
2013 den Anspruch auf berufliche Massnahmen ab, da sich der Versicherte nicht in der
Lage fühle, an Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken (vgl. IV-act. 45).
Mit Vorbescheid vom 18. September 2013 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht,
da die bei ihm diagnostizierte mittelgradige depressive Episode in der Regel keine von
depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im
A.b.
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B.
Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens darstelle. Leichte bis höchstens
mittelschwere psychische Störungen würden grundsätzlich als therapeutisch angehbar
gelten. Es lägen keine Hinweise für eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
vor (vgl. IV-act. 51). Am 4. November 2013 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentenbegehrens im Sinne des Vorbescheids (vgl. IV-act. 52).
Am 30. August 2016 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (IV-act. 58). Zur Glaubhaftmachung einer Veränderung des
Gesundheitszustandes (vgl. IV-act. 59) wurden ein Operationsbericht über eine im
Oktober 2014 durchgeführte arthroskopische suprapectorale Bicepssehnentenodese
sowie eine subacromiale und eine ACG-Dekompression Schulter rechts (IV-act. 67), ein
Operationsbericht über eine im Mai 2016 durchgeführte Schulterarthroskopie links mit
Intervallresektion, Mobilisation in Narkose, Acromioplastik und AC-Gelenksresektion
sowie subacromiale postoperative Infiltration mit Kenacort (IV-act. 64), der
Austrittsbericht zur Hospitalisation im Mai 2016 (IV-act. 63), ein Sprechstundenbericht
vom August 2016 (IV-act. 62) sowie ärztliche Bescheinigungen für eine vom 19. Mai bis
14. August 2016 bestehende Arbeitsunfähigkeit eingereicht (IV-act. 65). In einem bei
der IV-Stelle am 6. Februar 2017 eingegangenen Bericht erklärte Dr. med. I._,
Facharzt Allgemein-, Sportmedizin und Psychotherapie (D), dass der Versicherte im
Jahr 2013 zu ihm gewechselt habe. Damals habe er sich schon in psychiatrischer
Therapie bei Dr. H._ befunden und der IV-Antrag sei schon ausgefüllt und
abgeschickt gewesen. Er, Dr. I._, habe die somatische Behandlung zurückgestellt
und primär die psychiatrische favorisiert. Es bestünden noch körperliche
Restbeschwerden, die auch mit schmerzadaptierter Arbeit behandelt werden könnten.
Weiterhin sei eine Depression in Behandlung. Die Einnahme von Antidepressivum und
eine schmerzadaptierte Arbeit müssten möglich sein (IV-act. 85 i.V.m. 80). Am 7.
Februar 2017 berichtete ein behandelnder Arzt der psychiatrischen Tagesklinik R._,
dass sich der Versicherte aktuell dort in Behandlung befinde. Im Behandlungsverlauf
sei es zuletzt vor dem Hintergrund mehrerer psychosozialer Belastungsfaktoren zu
einer deutlichen Labilisierung des Zustandsbildes gekommen mit einer Zunahme der
depressiven Symptomatik und damit verbundenen Suizidideen. Trotz der aktuellen
Krise sei der Behandlungsverlauf als positiv zu werten, und im Verlauf des Monats
B.a.
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Februar 2017 sollte der Versicherte in der Lage sein, einer leidensangepassten Tätigkeit
in einem Pensum von 30 % nachzugehen (IV-act. 79-1; vgl. ferner IV-act. 91-3 f. und
79-2 f.). Am 15. Februar 2017 empfahl RAD-Ärztin Dr. med. J._, praktische Ärztin,
zertifizierte medizinische Gutachterin (SIM), ein halbtägiges Einsatzprogramm in einer
adaptierten Tätigkeit zur Umsetzung der vorerst 30%igen Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht. Eine zügige Steigerung auf mindestens 50 % sei sicher möglich.
Das Vermeidungsverhalten des Versicherten sollte dringend durchbrochen werden (IV-
act. 87).
Mit Mitteilung vom 9. Mai 2017 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein vom
8. Mai bis 23. Juli 2017 dauerndes Aufbautraining in der Durchführungsstelle K._ (IV-
act. 97; zum unterzeichneten Eingliederungsplan vgl. IV-act. 95). In einer
Schlussbeurteilung vom 28. August 2017 hielt der IV-Eingliederungsverantwortliche
fest, dass dem Versicherten eine Integrationsmassnahme zugesprochen worden sei
und er diese im Rahmen des Belastungstrainings absolviert habe. Die gewünschte
Stabilität und zeitliche Anwesenheit habe nicht erreicht werden können. Der Versicherte
habe von Beginn weg einfach die Rente bzw. eine finanzielle Unterstützung der IV-
Stelle gewünscht, damit er vom Sozialamt losgelöst sei. Die Ziele hätten nicht erreicht
werden können, die Motivation sei beim Versicherten nicht gegeben und er fordere
lediglich. Er verhalte sich nicht konstruktiv, sei ungehalten und stelle das
schweizerische System in Frage. Die Rentenbegehrlichkeit stehe im Vordergrund (IV-
act. 114-6; zum Schlussbericht des Aufbautrainings vgl. IV-act. 117).
B.b.
In einem Bericht vom 2. November 2017 nannte Dr. H._ als Diagnosen eine
rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig mittelgradige Episode), chronische
Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren, eine Persönlichkeitsstörung
mit emotional instabilen, aggressiven und unreifen Zügen sowie einen Status nach
einer Schulteroperation im Januar 2016. Sodann hielt sie fest, dass der Versicherte aus
psychiatrischer Sicht in der Lage sei, für ca. vier bis fünf Stunden pro Tag eine Arbeit
auszuführen, jedoch müssten diesbezüglich noch die somatischen Kollegen befragt
werden, da der Schwerpunkt der Arbeitsunfähigkeit beim Versicherten auf
somatischem Gebiet liege. Da es sich um eine komplexe Problematik mit somatischen
und psychischen Faktoren handle, sei es von ihrer Seite aus schwierig, eine
B.c.
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Arbeitsfähigkeit festzulegen. Eine multidisziplinäre Begutachtung, durch welche die
Frage der Arbeitsfähigkeit überprüft werden könne, sei indiziert (IV-act. 121).
Am 7. Mai 2018 erstattete das Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB) ein
polydisziplinäres (internistisches, orthopädisches und psychiatrisches) Gutachten (vgl.
IV-act. 139). Aus polydisziplinärer Sicht nannten die Sachverständigen folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein chronisches Schultersyndrom
beidseits mit leichter schmerzhafter Bewegungseinschränkung, eine soziale Phobie
sowie eine chronifizierte depressive Episode (Ausmass nicht sicher beurteilbar bei
Verdacht auf Beschwerdeverdeutlichung; DD Aggravation; IV-act. 139-44). Sodann
kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit aus somatischer Sicht vom jeweiligen Arbeitsprofil abhängig sei. Tätigkeiten
mit schwerer körperlicher Belastung könne der Versicherte aufgrund der
Schulterproblematik nicht durchführen. Alle anderen Tätigkeiten in einer Q._ seien
aus somatischer Sicht vollschichtig möglich. Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich eine
50%ige Arbeitsfähigkeit, sofern ein verständnisvolles und wohlwollendes Umfeld
vorliege. Bezüglich der retrospektiven Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei festzuhalten,
dass anlässlich des vom Mai bis Juli 2017 durchgeführten Aufbautrainings eine
mindestens 30%ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe. Aus formellen Gründen werde
die aktuelle Arbeitsfähigkeit von 50 % ab dem Datum der Erstellung des Gutachtens
angegeben. In adaptierten Tätigkeiten sei aus somatischer Sicht eine volle
Arbeitsfähigkeit gegeben und auch schon immer gegeben gewesen. Aus
psychiatrischer Sicht gelte für leidensangepasste Tätigkeiten dieselbe Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit wie für die angestammte Tätigkeit (vgl. IV-act. 139-48 f.). Sodann
gaben die Gutachter eine offene Prognose ab. Sie merkten an, dass durchaus von
einer Besserung der Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Es handle sich nicht um eine
Erkrankung, die nicht besserungsfähig wäre. Es lägen auch IV-fremde bzw.
krankheitsfremde Aspekte vor wie eine schlechte kulturelle Integration, fehlende
Kenntnisse der Landessprache sowie eine schwierige psychosoziale Situation. Alle
diese Faktoren würden die berufliche Reintegration erschweren (IV-act. 139-51).
Schliesslich fügten die Sachverständigen als Schlussbemerkung an, dass sich
aufgrund des Verdachts auf Beschwerdeverdeutlichung und Aggravation eine gewisse
Schwierigkeit ergeben habe, die Arbeitsfähigkeit zu definieren. Bei der Beurteilung der
B.d.
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Arbeitsfähigkeit seien sie davon ausgegangen, dass die im psychiatrischen Gutachten
genannten Diagnosen bestehen würden. Wenn sich aber der Verdacht auf
Beschwerdeverdeutlichung und Aggravation bestätigen sollte, würde
versicherungsmedizinisch durchaus eine weit höhere Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten resultieren. Es liege an der IV-Stelle, die entsprechende Vermutung zu
verifizieren, allenfalls im Rahmen einer Beobachtung mit anschliessender erneuter
gutachterlicher Evaluation (vgl. IV-act. 139-52).
Mit Mitteilung vom 12. Juni 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
weitere berufliche Massnahmen ab, da sich der Versicherte infolge seiner
gesundheitlichen Situation nicht in der Lage fühle, an Eingliederungsmassnahmen
mitzuwirken (IV-act. 143).
B.e.
In einer Stellungnahme vom 24. September 2018 führte RAD-Ärztin L._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, aus, dass nach Durchsicht des
psychiatrischen Teilgutachtens aus fachpsychiatrischer Sicht mehrere Inkonsistenzen
festzustellen seien. Die psychiatrische ZMB-Gutachterin habe die Diagnose einer
chronifizierten depressiven Episode gestellt, ohne sich auf den Schweregrad der
Ausprägung festzulegen, dies mit dem Hinweis auf eine Beschwerdeverdeutlichung
bzw. Aggravation. Der Versicherte habe offensichtlich auch keinen Leidensdruck. Er
nehme die Medikamente nicht ein und habe in den Jahren 2014 bis 2016 keine
psychiatrische Behandlung benötigt trotz eines anamnestisch erneuten Autounfalls.
Erst im August 2016 habe er sich wieder bei Dr. H._ vorgestellt. Schliesslich könne
auch die Diagnose einer sozialen Phobie nicht nachvollzogen werden. Diese stütze sich
auf die subjektiven Angaben des Versicherten. Gemäss der Aktenlage sei der
Versicherte bereits als Sozialgeldbetrüger infolge Schwarzarbeit bekannt. Sowohl im
psychiatrischen als auch im somatischen Teil des ZMB-Gutachtens seien eine
Beschwerdeverdeutlichung und Aggravation dokumentiert worden. Aufgrund der
durchgehend beschriebenen Inkonsistenzen und nicht ausgewiesenen
Gesundheitsschäden sei die aus psychiatrischer Sicht attestierte 50%ige
Arbeitsunfähigkeit nicht plausibel nachvollziehbar. RAD-Ärztin L._ schlug eine
Rückfrage beim ZMB vor (IV-act. 152-3 f.). Am 25. September 2018 bat die IV-Stelle
das ZMB um eine ausführliche Begründung der Diagnose einer sozialen Phobie (IV-act.
144). Am 5. Dezember 2018 nahm die psychiatrische ZMB-Gutachterin zur Rückfrage
B.f.
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der IV-Stelle Stellung (vgl. IV-act. 151). In einer ergänzenden Beurteilung vom 15.
Januar 2019 kam RAD-Ärztin L._ zum Schluss, dass auch nach der Beantwortung
der Rückfrage nicht auf das psychiatrische Teilgutachten abgestellt werden könne. Aus
versicherungsmedizinisch-psychiatrischer Sicht sei kein relevanter
Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit glaubhaft gemacht
worden. Vielmehr bestehe sowohl in angestammten als auch in adaptierten Tätigkeiten
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 152-4). Aufgrund zwischenzeitlich eingetroffener
somatischer Berichte vom Juli und August 2018 (vgl. IV-act. 147 ff.) erfolgte am 16.
Januar 2019 eine Stellungnahme durch RAD-Ärztin J._. Diese kam zum Schluss,
dass die aktuellen Abklärungen als einzigen pathologischen Befund eine Partialruptur
der Supraspinatussehne gezeigt hätten. Der Musculucs supraspinatus helfe beim
Abspreizen des Oberarmes. Eine Sehnenläsion könne konservativ oder operativ
behandelt werden und führe teils zu schmerzhaften Einschränkungen beim Heben und
Tragen von Lasten sowie bei Tätigkeiten mit weit ausholenden Armbewegungen oder
Überkopfarbeiten. Da die eingeschränkte Schulterfunktion bereits bei der
gutachterlichen Beurteilung berücksichtigt worden sei und durch den neuen Befund
keine wesentliche Änderung des Funktionsniveaus aufgetreten sei, könne aus
somatischer Sicht an der bisherigen Beurteilung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit unter
schulteradaptierten Konditionen festgehalten werden (vgl. IV-act. 152-5).
Mit Vorbescheid vom 29. Januar 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung wurde ausgeführt,
dass aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht auf das psychiatrische ZMB-
Teilgutachten abgestellt werden könne. Aus rechtlicher und medizinischer Sicht liege
kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor, weshalb das Gesuch um
Rentenleistungen abgewiesen werden müsse (vgl. IV-act. 155).
B.g.
Aufgrund des vom Versicherten gegen den Vorbescheid erhobenen Einwandes
vom 11. Februar 2019 (vgl. IV-act. 158) aktualisierte die IV-Stelle ihre medizinische
Aktenlage (vgl. IV-act. 165 ff.). In einer Beurteilung vom 28. August 2019 kam RAD-
Ärztin Dr. med. M._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, zertifizierte
medizinische Gutachterin (SIM), zum Schluss, dass sich im Hinblick auf die
chronischen Schulter- und Armschmerzen rechts seit der gutachterlichen
Untersuchung im Januar 2018 und der somatischen RAD-Stellungahme vom 16.
B.h.
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Januar 2019 keine neuen Befunde ergeben hätten, welche die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit relevant verändern könnten (vgl. IV-act. 189-2 f.). Mit Mitteilung vom
17. September 2019 zeigte die IV-Stelle dem Versicherten die Durchführung einer
psychiatrischen und neuropsychologischen Begutachtung bei Dr. med. N._, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und bei Dr. phil. O._, Diplompsychologe,
Klin. Neuropsychologe (GNP), Fachpsychologe für Neuropsychologie (FSP), an (vgl. IV-
act. 191; ferner IV-act. 164-2).
Am 19. November 2019 erfolgte die psychiatrische Exploration des Versicherten
durch Dr. N._ (vgl. IV-act. 198-1). Am 20. Dezember 2019 fand eine
neuropsychologische Abklärung bei Dr. O._ statt (vgl. IV-act. 198-76). Unter
Berücksichtigung auch der neuropsychologischen Abklärung erstattete Dr. N._ am 6.
Januar 2020 sein Gutachten. Er kam zum Schluss, dass sich in den Akten, der
psychiatrischen Untersuchung, in der neuropsychologischen Abklärung sowie auch in
der psychiatrischen Voruntersuchung viele Hinweise für Diskrepanzen, Widersprüche,
eingeschränkte Mitwirkung und Aggravation fänden. In dieser Situation könne keine
psychiatrische Diagnose gestellt und zur Leistungsfähigkeit, respektive zu den
Einschränkungen, nicht Stellung genommen werden (vgl. IV-act. 198-69). Weder die
geklagten Symptome noch die geltend gemachten Funktionseinbussen seien
konsistent oder plausibel. Die Untersuchungsergebnisse seien daher nicht valide (vgl.
IV-act. 198-72).
B.i.
Am 14. Januar 2020 beurteilte RAD-Ärztin L._ das psychiatrische Gutachten von
Dr. N._ (inklusive des neuropsychologischen Gutachtens von Dr. O._) als
umfassend, widerspruchsfrei, nachvollziehbar und schlüssig, sodass darauf abgestellt
werden könne. Das Gutachten setze sich mit den anamnestischen Angaben und mit
dem Verhalten des Versicherten auseinander. In der Beurteilung seien die
medizinischen Vorbefunde, die Beschwerden und eigenen Untersuchungsergebnisse
berücksichtigt und ausführlich diskutiert worden. Zum Vorgutachten werde ausführlich
Stellung genommen. Die Beurteilung des Gesundheitsschadens und der
Arbeitsfähigkeit sei auf dem psychiatrischen Fachgebiet infolge einer erheblichen
Einschränkung der Mitwirkungspflichten nicht möglich (vgl. IV-act. 199).
B.j.
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C.
Im Rahmen einer zweiten Anhörung (vgl. IV-act. 201) liess der Versicherte,
vertreten durch Rechtsanwältin M. Tzikas, Basel, am 6. März 2020 einwenden, eine
Aggravation sei nicht leichthin anzunehmen. Es werde beantragt, dass auf die
psychiatrische Einschätzung des ZMB-Gutachtens abgestellt, eventualiter die
Einholung eines Obergutachtens angeordnet werde. Zudem liess er der IV-Stelle
mitteilen, sich aufgrund einer neu aufgetretenen Augen- und Ohrenproblematik aktuell
im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) in Behandlung zu befinden (vgl. IV-act. 204). Auf
eine entsprechende Nachfrage der IV-Stelle (vgl. IV-act. 205) reichte der Versicherte
Berichte der Augenklinik und HNO-Klinik des KSSG ein (vgl. IV-act. 207 ff.). Anlässlich
einer Besprechung vom 12. Mai 2020 hielt der RAD fest, dass die neu eingereichten
Berichte aus medizinischer Sicht nur die qualitativen, nicht jedoch die quantitativen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit änderten. Aufgrund des aus den eingereichten
Berichten ersichtlichen ophthalmologischen Befundes seien aus
versicherungsmedizinischer Sicht zum Schutz des Auges Tätigkeiten mit
aussergewöhnlicher Belastung durch Staub, Zugluft und Trockenheit nicht geeignet.
Unter Einhaltung der Adaptationskriterien bestehe aus somatischer Sicht eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 212-2).
B.k.
Mit Verfügung vom 15. Mai 2020 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab (IV-act. 213).
B.l.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
am 15. Juni 2020 Beschwerde. Er beantragte, die Verfügung vom 15. Mai 2020 sei
aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Insbesondere sei
ihm eine ganze Invalidenrente, eventualiter eine Dreiviertelsrente, subeventualiter eine
halbe Rente zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Weiter stellte der Beschwerdeführer ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung und Prozessführung (act. G 1 und 4).
Gemeinsam mit seiner Beschwerde reichte er eine Stellungnahme von Dr. H._ vom 4.
Juni 2020 ein (vgl. act. G 1.3).
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 30. Juli 2020 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.b.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
2.
Am 4. August 2020 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht entsprochen (act. G
6).
C.c.
Mit Schreiben vom 14. August 2020 teilte der Beschwerdeführer dem
Versicherungsgericht mit, dass er am 4. September 2020 aufgrund einer gerissenen
Sehne am rechten Arm operiert werde (vgl. act. G 8 und 8.1).
C.d.
In seiner Replik vom 17. August 2020 (Postaufgabe am 18. August 2020) erneuerte
der Beschwerdeführer seine in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren (vgl. act. G
9).
C.e.
Mit Schreiben vom 7. September 2020 hielt die Beschwerdegegnerin an dem in
der Beschwerdeantwort gestellten Antrag vollumfänglich fest und verzichtete auf die
Erstattung einer ausführlichen Duplik (vgl. act. G 11).
C.f.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
2.1.
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Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
2.2.
In beweisrechtlicher Hinsicht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (BGE 125 V
352 E. 3a). Der im Sozialversicherungsrecht geltende Untersuchungsgrundsatz
schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur
insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen und 138 V 221 f. E. 6
mit Hinweisen). Die Verwaltung resp. das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als
2.3.
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3.
bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen).
Bei psychischen Erkrankungen, wie beispielsweise einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung, einem damit vergleichbaren psychosomatischen
Leiden (vgl. BGE 140 V 13 f. E. 2.2.1.3) oder depressiven Störungen leicht- bis
mittelgradiger Natur, sind im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
systematisierte Indikatoren zu beachten, die - unter Berücksichtigung
leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von
Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits - eine Einschätzung über das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen erlauben können (BGE 143 V 409 und 418
sowie 141 V 285 ff. E. 2 ff.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist jedoch
regelmässig dann kein versicherter Gesundheitsschaden gegeben, wenn die
Leistungseinschränkung zentral auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation
beruht (BGE 141 V 287 E. 2.2.1; zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 30. April
2019, 8C_52/2019, E. 2.2). Hier ist zu präzisieren, dass eine Aggravation jedenfalls
dann Leistungsansprüche negativ beeinflussen kann, wenn durch sie die objektive
Erhebung der Auswirkungen eines Gesundheitsschadens erschwert oder gar
verunmöglicht wird.
2.4.
Die Beschwerdegegnerin hat in medizinischer Hinsicht für die Rentenablehnung in
erster Linie auf das psychiatrische Gutachten von Dr. N._ sowie zur Beurteilung der
somatischen Leiden auf das ZMB-Gutachten und zahlreiche RAD-Beurteilungen
abgestellt. Ausserdem hat sie - namentlich gestützt auf die Beurteilung von Dr. N._ -
erwogen, dass eine Aggravation ausgewiesen sei, wodurch eine versicherte
Gesundheitsschädigung ausser Betracht falle und ein Rentenanspruch ausgeschlossen
sei (vgl. act. G 1.2; vgl. ferner act. G 5).
3.1.
Demgegenüber bestreitet der Beschwerdeführer den Beweiswert des
psychiatrischen Gutachtens von Dr. N._. Er macht geltend, dass es der
psychiatrischen ZMB-Gutachterin durchaus möglich gewesen sei, psychiatrische
Diagnosen zu stellen, die sich negativ auf seine Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Es
stelle sich folglich die Frage, weshalb Dr. N._ nicht in der Lage gewesen sein solle,
solche Diagnosen zu stellen. Dr. N._ habe eine ganze Reihe von Passagen aus
früheren ärztlichen Berichten herausgepickt und aus dem Gesamtkontext gerissen, um
3.2.
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auf diese Weise auf eine vermeintliche Aggravation hinzudeuten. Es liege die
Vermutung nahe, dass Dr. N._ bei der Begutachtung bereits voreingenommen
gewesen sei. So habe auch Dr. H._ in ihrer Stellungnahme vom 4. Juni 2020 zu
seiner (des Beschwerdeführers) Verteidigung vorgebracht, bei der Durchsicht des
Gutachtens von Dr. N._ würde der Eindruck entstehen, dass der Blick während der
Begutachtung vorwiegend auf allfällige Aggravations- und Simulationszeichen gerichtet
gewesen sei, wodurch Dr. N._ nicht ausreichend auf die Beschwerden eingegangen
sei. Dr. H._ habe darauf hingewiesen, dass das Gutachten von Dr. N._
unvollständig sei, da namentlich ihre Berichte aus den Jahren 2017 und 2019 nicht
berücksichtigt worden seien. In zwei Berichten habe sie die Diagnosen einer
Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, aggressiven und unreifen Zügen sowie
chronische Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren gestellt, welche von
Dr. N._ nicht erwähnt worden seien. Auch habe Dr. H._ darauf aufmerksam
gemacht, dass Dr. N._ zwar Symptome einer Depression aufgezählt habe, jedoch
ohne dazu Stellung zu nehmen und ohne eine entsprechende Diagnose zu stellen.
Überdies bestünden konkrete Anhaltspunkte für die Annahme, dass das von ihm, dem
Beschwerdeführer, während der Exploration gezeigte Verhalten (gemäss Dr. N._
habe er teilweise Auskünfte verweigert und stattdessen lediglich auf die Angaben in
den Akten verwiesen) einen krankhaften Hintergrund habe, sodass daraus ohnehin
nicht auf eine Aggravation geschlossen werden dürfe. Die psychiatrische ZMB-
Gutachterin habe in ihrem Gutachten ausgeführt, dass er während der Untersuchung in
eine starke Anspannung geraten sei und nur durch eine ausführliche Erläuterung der
Situation wieder in eine kooperative Position habe gebracht werden können.
Hintergrund dieser Problematik seien in der Regel ein niedriges Selbstwertgefühl und
eine Furcht vor Kritik, was sich bei ihm in körperlichen Symptomen wie dem Zittern der
Hände bemerkbar gemacht habe. Er sei also, wie von der ZMB-Gutachterin
beschrieben, während der Exploration in eine starke Überforderung geraten. Entgegen
der Ansicht der RAD-Ärztin L._ seien nicht bereits im psychiatrischen ZMB-
Gutachten eine Beschwerdeverdeutlichung und eine Aggravation dokumentiert
worden. Vielmehr habe die psychiatrische ZMB-Gutachterin lediglich von einem
Verdacht auf Beschwerdeverdeutlichung gesprochen. Im Übrigen befinde er sich
bereits seit acht Jahren bei Dr. H._ in Behandlung. Ohne Leidensdruck würde er wohl
kaum während derart langer Zeit eine psychiatrische Behandlung in Anspruch nehmen.
Dr. H._, die seine medizinische Situation bestens beurteilen könne, gehe nicht von
einer Aggravation aus, sondern sei anhand der langjährigen Beobachtungen durchaus
in der Lage, psychiatrische Diagnosen zu stellen. Gestützt auf die vorliegenden Akten
sei eine Aggravation nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt, weshalb dieser
Ausschlussgrund nicht angenommen werden dürfe. Folglich sei entgegen der
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Behauptung der Beschwerdegegnerin nicht erwiesen, dass kein invalidisierender
Gesundheitsschaden vorliege. Die rechtsanwendende Behörde könne sich nicht
aussuchen, auf welche Abklärung sie ihren Entscheid stütze. Vielmehr habe sie die
gesamte Aktenlage zu berücksichtigen. Das ZMB-Gutachten sei beweiskräftig,
weshalb darauf abzustellen sei (vgl. act. G1; vgl. ferner act. G 9).
Dass der RAD und die Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 152 ff. und 164 f.) an der
Einschätzung der psychiatrischen ZMB-Gutachterin, wonach in leidensangepassten
Tätigkeiten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, Zweifel gehegt haben, ist aufgrund
der im Gutachten enthaltenen zahlreichen Hinweise auf eine mögliche
Beschwerdeverdeutlichung bzw. Aggravation gut nachvollziehbar. Im interdisziplinären
Konsens haben die ZMB-Sachverständigen zum Punkt Konsistenz beispielsweise
ausgeführt, dass das Ausmass, die Intensität und die vom Beschwerdeführer
angegebene Limitierung mit den somatischen Befunden allein nicht erklärt werden
könnten. Aus psychiatrischer Sicht ist angeführt worden, dass während der Exploration
zunächst ein dysphorisch gereizter Zustand bestanden habe, der aber durch eine
entsprechende thematische Führung praktisch komplett habe aufgehoben werden
können. Auch nehme der Beschwerdeführer offenbar trotz angeblichen Leidensdrucks
sein Antidepressivum nicht ein. Das Schmerzmittel Paracetamol sei zudem im Serum
nicht nachweisbar gewesen, obschon andauernde Schmerzen geltend gemacht
würden. Entsprechend sei auch das psychiatrische Bild nur eingeschränkt konsistent
und es bestehe der Verdacht auf Beschwerdeverdeutlichung bzw. Aggravation (vgl. IV-
act. 139-47 f.). Bei der als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
angegebenen chronifizierten depressiven Episode haben die ZMB-Sachverständigen
sodann angemerkt, dass das Ausmass nicht sicher beurteilbar sei beim Verdacht auf
Beschwerdeverdeutlichung. Als Differentialdiagnose haben sie eine Aggravation
erwähnt (vgl. IV-act. 139-44). Schliesslich haben die ZMB-Gutachter und die
Gutachterin am Ende ihres Gutachtens die Anmerkung gemacht, dass sich aufgrund
des Verdachts auf eine Beschwerdeverdeutlichung und Aggravation eine gewisse
Schwierigkeit ergebe, die Arbeitsfähigkeit zu definieren. Bei der im Gutachten
angegebenen Arbeitsfähigkeit sei davon ausgegangen worden, dass die von
psychiatrischer Seite gestellten Diagnosen tatsächlich bestünden. Wenn sich aber der
Verdacht auf Beschwerdeverdeutlichung und Aggravation bestätigen sollte, würde
versicherungsmedizinisch eine weit höhere Arbeitsfähigkeit resultieren. Es liege an der
Beschwerdegegnerin, diese Vermutung allenfalls im Rahmen einer Beobachtung zu
verifizieren (vgl. IV-act. 139-52). Namentlich durch diese abschliessende Bemerkung
haben die ZMB-Sachverständigen ihre Unsicherheiten hinsichtlich der
Diagnosestellung auf psychiatrischem Fachgebiet und der aus psychiatrischer Sicht
3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/21
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attestierten Arbeitsunfähigkeit offengelegt. Entgegen der Darstellung des
Beschwerdeführers kann also nicht davon ausgegangen werden, dass es der
psychiatrischen ZMB-Gutachterin möglich gewesen ist, mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit Diagnosen zu stellen und die Arbeitsfähigkeit
einzuschätzen. Vielmehr haben die ZMB-Sachverständigen weitere durch die
Beschwerdegegnerin vorzunehmende Abklärungen zur Verifizierung der
Verdeutlichungstendenzen bzw. der Aggravation für nötig befunden (vgl. IV-act.
139-52). Folglich ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin eine
erneute psychiatrische Begutachtung bei Dr. N._ in die Wege geleitet hat, dies
insbesondere auch vor dem Hintergrund der seitens des RAD nachvollziehbar
dargestellten Ungereimtheiten im psychiatrischen Gutachten. Überdies haben die
ZMB-Gutachter unabhängig vom Verdacht auf Aggravation die Arbeitsfähigkeit als
besserungsfähig eingestuft, zumal auch IV-fremde Aspekte vorlägen, welche die
Reintegration erschwerten (vgl. IV-act. 139-51).
Dr. N._ hat den Beschwerdeführer am 19. November 2019 (vgl. IV-act. 198-1)
eingehend exploriert. Er hat ihn ausführlich zu seinen Leiden, zu seinem schulischen
und beruflichen Werdegang, zu seinem Tagesablauf und zu seiner sozialen Situation
befragt (vgl. IV-act. 198-47 ff.). Auch hat er in seinem Gutachten den Psychostatus des
Beschwerdeführers bzw. die Untersuchungsbefunde ausführlich dargelegt (vgl. IV-act.
198-60 ff.). Dabei sind Dr. N._ widersprüchliche Aussagen des Beschwerdeführers
aufgefallen. Beispielsweise habe dieser ausgesagt, wenig Appetit zu haben, gleichzeitig
habe er nach seinen eigenen Angaben aber zugenommen (vgl. IV-act. 198-63). Weiter
habe er über einen sozialen Rückzug berichtet. Er hätte mit niemandem Kontakt und
würde den ganzen Tag zu Hause verbringen. Dies habe er später relativiert, indem er
über einen einzigen Kollegen berichtet habe. Nochmals später habe er über einen
weiteren Kollegen erzählt, der eine Werkstatt habe und den er vor allem früher
aufgesucht habe, dies aktuell jedoch weniger tue, da andere Leute dort ein- und
ausgehen würden. Auch habe der Beschwerdeführer eine Depression beschrieben,
damit jedoch in erster Linie seine Wut und Gereiztheit sowie seine psychosoziale
Situation gemeint (vgl. IV-act. 198-62). Ausserdem hat sich gemäss Dr. N._ anlässlich
der Laboruntersuchung gezeigt, dass beim Beschwerdeführer, wie bereits im Rahmen
der Vorbegutachtung, die Schmerzmittel, die er nach eigenen Angaben regelmässig
und in hoher Dosis einnehme, im Blut nicht nachweisbar gewesen sind. Nachweisbar
seien einzig das Duloxetin und im Urin die Benzodiazepine gewesen (vgl. IV-act.
198-67). Überdies hat Dr. N._ auf die Ergebnisse der durch Dr. O._ durchgeführten
neuropsychologischen Untersuchung hingewiesen (vgl. IV-act. 198-68 f.). Dieser hatte
in seiner neuropsychologischen Beurteilung festgehalten, dass sich verschiedene
3.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/21
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Auffälligkeiten ergeben hätten, die auf suboptimales Leistungsverhalten hindeuten
würden. Die erbrachten Leistungen stimmten überwiegend wahrscheinlich nicht mit
dem eigentlichen Leistungspotential überein. Hinweise auf ein suboptimales
Leistungsverhalten hätten sich insbesondere aus den Resultaten in den durchgeführten
Beschwerdevalidierungsverfahren und den Diskrepanzen zwischen den Testleistungen
und den bekannten Mustern von Hirnleistungen und Hirnleistungsstörungen ergeben.
In den drei eingesetzten Beschwerdevalidierungstests hätten sich durchgängig
auffällige Resultate gezeigt (IV-act. 198-81). Beispielsweise sei innerhalb einer Aufgabe
die Leistung des Beschwerdeführers beim Abruf mit Abrufhinweisen geringer
ausgefallen als beim freien Abruf ohne Abrufhinweise. Bei einer authentischen Störung
wäre üblicherweise ein umgekehrtes Muster zu erwarten (vgl. IV-act. 198-82). Sodann
seien bei einer einfachen Reaktionszeitaufgabe erheblich schlechtere Reaktionszeiten
als bei einer komplexen Reaktionszeitaufgabe erbracht worden. In der
neuropsychologischen Untersuchung seien durchgängig unterdurchschnittliche
Leistungen erzielt worden. Aufgrund der Kofundierung von Begabung und Anstrengung
sowie des suboptimalen Leistungsverhaltens sei eine zuverlässige Interpretation der
erbrachten Resultate nicht möglich. Das Ausmass der tatsächlich vorhandenen
Leistungseinschränkungen sei nicht beurteilbar (vgl. IV-act. 198-83). Unter
Berücksichtigung dieser Testergebnisse, der eigenen Feststellungen im Rahmen der
psychiatrischen Exploration sowie der Vorakten (vgl. IV-act. 198-64 ff.) ist Dr. N._ in
seinem psychiatrischen Gutachten nachvollziehbar zum Schluss gelangt, dass sich
viele Hinweise für Diskrepanzen, Widersprüche, eingeschränkte Mitwirkung und
Aggravation fänden und es ihm in dieser Situation nicht möglich sei, eine
psychiatrische Diagnose zu stellen oder zur Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
Stellung zu nehmen (vgl. IV-act. 198-69). Er hat diesbezüglich einleuchtend erklärt,
dass man bei einer psychiatrischen Begutachtung auf die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers angewiesen sei. Bei fehlender Konsistenz der Angaben bleibe die
Einschätzung der Leistungsfähigkeit mehr oder weniger zufällig (vgl. IV-act. 198-67).
Anhaltspunkte dafür, dass Dr. N._, wie vom Beschwerdeführer behauptet,
voreingenommen gewesen sein könnte, liegen nicht vor. Im Übrigen ist dem
Beschwerdeführer die Begutachtung bei Dr. N._ gehörig angezeigt worden, ohne
dass er diesen Gutachter im Vorfeld der Begutachtung abgelehnt hätte (vgl. IV-act. 191
ff.). Aus dem Umstand, dass sich das Gutachten ausführlich mit den Inkonsistenzen im
Verhalten des Beschwerdeführers und den Verdeutlichungstendenzen
auseinandersetzt, ergeben sich vorliegend keine Anhaltspunkte für eine
Voreingenommenheit des Gutachters. Vielmehr ist diese Gewichtung im Gutachten der
Tatsache geschuldet, dass die gesamte Aktenlage zahlreiche Hinweise auf
3.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/21
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Inkonsistenzen und Verdeutlichungstendenzen enthält und die ausführliche
Auseinandersetzung mit dieser Aktenlage der Nachvollziehbarkeit der gutachterlichen
Schlussfolgerung gedient hat. Hinweise auf amotivationale Faktoren haben sich denn
auch nicht nur im Rahmen der ärztlichen Abklärungen, sondern auch im
Eingliederungsprozess gezeigt, worauf Dr. N._ ebenfalls zutreffend hingewiesen hat
(vgl. IV-act. 198-65). Auffallend ist beispielsweise, dass im Protokoll zum Gespräch mit
dem IV-Eingliederungsverantwortlichen vom 8. März 2017 festgehalten worden ist, der
Beschwerdeführer habe angegeben, weg vom Sozialamt zu wollen. Da dieses immer
Druck mache, werde er sofort nervös und falle in Depressionen. Er brauche finanzielle
Unterstützung und es sei besser das Geld von der IV-Stelle als vom Sozialamt zu
erhalten, da er dann weniger Druck habe. Wenn die IV ihm Geld bezahlen würde, wäre
auch die Depression weg und er könnte gut davon leben (vgl. IV-act. 114-3). Dazu
passend lässt sich in den Akten eine E-Mail an Dr. H._ vom 10. Juli 2017 finden, in
welchem diese über eine von einer Gruppenleiterin gemachte Beobachtung im Rahmen
der beruflichen Eingliederung des Beschwerdeführers informiert worden ist. Die
Gruppenleiterin habe angemerkt, dass der Beschwerdeführer ein Rätsel für sie sei. An
der von ihm erledigten Arbeit gebe es grundsätzlich nichts auszusetzen, jedoch zweifle
sie eher etwas an seiner Glaubwürdigkeit. Sie habe das Gefühl, dass er oft simuliere. Er
wolle IV-Bezüger werden und sich ein gutes Leben einrichten. Er belächle das System
und denke, er sei etwas Besseres und er habe es verdient, das Leben nun etwas
ruhiger zu nehmen. So verhalte er sich auch gegenüber den anderen Mitarbeitenden
eher etwas belustigend (vgl. IV-act. 108-2 f.). Schliesslich ist der IV-
Eingliederungsverantwortliche am 28. August 2017 zum Schluss gelangt, dass seines
Erachtens eine reine Rentenbegehrlichkeit vorliege. Die Ziele des Belastungstrainings
hätten nicht erreicht werden können. Die Motivation sei nicht gegeben. Der
Beschwerdeführer fordere lediglich und habe die Integrationsmassnahme nur noch
besuchen wollen, wenn seine Forderungen erfüllt seien. Erst nach Interventionen von
Dr. H._ und der Einsatzstelle sei er wieder bereit gewesen, die Massnahme
fortzuführen. Der Beschwerdeführer verhalte sich nicht konstruktiv, sei sehr fordernd
und stelle das schweizerische System in Frage (vgl. IV-act. 114-6).
Vor dem Hintergrund der zahlreichen Hinweise auf Verdeutlichungstendenzen und
Aggravation ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustimmen (vgl. act. G 5 S. 5), dass
die wenig vertiefte Auseinandersetzung mit den von Dr. H._ gestellten Diagnosen
bzw. den von ihr in der Stellungnahme vom 4. Juni 2020 (vgl. act. G 1.3)
angesprochenen Berichten den Beweiswert der Expertise von Dr. N._ nicht in Frage
stellt. Da es Dr. N._ aufgrund der Aggravationstendenzen nicht möglich gewesen ist,
eigene Diagnosen zu stellen, hat er sich nämlich auch nur schwer zu den im Raum
3.6.
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stehenden Diagnosen äussern können bzw. wäre von einer eingehenderen
Auseinandersetzung damit im konkreten Fall kaum ein Mehrwert zu erwarten gewesen
(vgl. act. G 5 S. 5). Im Übrigen kommt es zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ohnehin
nicht in erster Linie auf die Diagnosen, sondern vielmehr auf die sich daraus
ergebenden Einschränkungen an. Dr. H._ hat es in ihrem Bericht vom 2. November
2017 selber als schwierig eingestuft, beim Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht
eine Arbeitsfähigkeit festzulegen, weshalb sie zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eine
polydisziplinäre Abklärung vorgeschlagen hat. Zudem hat sie den Schwerpunkt für die
Arbeitsunfähigkeit damals auf der somatischen Seite gesehen (vgl. IV-act. 121). Soweit
der Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 15. Juni 2020 geltend macht, bereits
seit Januar 2012 und damit seit acht Jahren bei Dr. H._ in Behandlung zu stehen,
was für einen grossen Leidensdruck spreche (vgl. act. G 1 S. 23), kann ihm ebenfalls
nicht gefolgt werden. Aus dem Bericht von Dr. H._ vom 2. November 2017 geht
nämlich hervor, dass er zwar von 2012 bis 2014 in ihre Praxis gekommen sei, sie ihn
danach aber zwei Jahre lang nicht mehr gesehen habe. Erst im August 2016 habe er
sich wieder bei ihr gemeldet (vgl. IV-act. 121-2). Entgegen der Behauptung des
Beschwerdeführers gibt es auch keine Anhaltspunkte dafür, dass das von den
Gutachtern als Verdeutlichungstendenz bzw. als Aggravation eingestufte Verhalten
durch eine psychiatrische Erkrankung zu erklären wäre. Dr. O._ hat in seiner
neuropsychologischen Beurteilung denn auch explizit festgehalten, dass sich in der
Untersuchung keine Hinweise auf Beschwerden ergeben hätten, welche die
beschriebenen Auffälligkeiten erklären könnten (vgl. IV-act. 198-83), und Dr. N._ hat
gerade keine psychiatrischen Diagnosen stellen können (vgl. IV-act. 198-69).
Zur Beurteilung der somatischen Leiden hat die Beschwerdegegnerin im
Wesentlichen auf die Einschätzung der ZMB-Gutachter (vgl. IV-act. 139-48) sowie auf
die zahlreichen RAD-Beurteilungen (vgl. IV-act. 140-1, 152-5, 189-2 f. und 212-2)
abgestellt, wonach aus somatischer Sicht in leidensangepassten Tätigkeiten eine
100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (vgl. IV-act. 213). Diese Einschätzung ist aufgrund
der Aktenlage grundsätzlich nachvollziehbar und ist vom Beschwerdeführer, soweit
ersichtlich, im Beschwerdeverfahren auch nicht bemängelt worden (vgl. act. G 1 und 9).
Soweit sich aufgrund der für den 9. September 2020 und somit mehrere Monate nach
Erlass der angefochtenen Verfügung geplanten Operation eine Veränderung ergeben
hätte, wäre diese im vorliegenden Verfahren grundsätzlich unbeachtlich (vgl. act. G 8
und 8.1; vgl. dazu BGE 143 V 411 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Oktober
2020, 8C_505/2020, E. 5.1).
3.7.
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4.
Zusammenfassend ist gestützt auf das beweiskräftige Gutachten von Dr. N._
sowie den Gesamteindruck der übrigen Akten davon auszugehen, dass eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit - zumindest in optimal angepassten Tätigkeiten -
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist und diesbezüglich von
weiteren Abklärungen aufgrund der Aggravationstendenzen keine besseren
Erkenntnisse mehr zu erwarten sind, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 136 I 236 ff. E. 5.3 und 5.5 mit weiteren Hinweisen). Die
Folgen der Beweislosigkeit hat der Beschwerdeführer zu tragen (vgl. E. 2.3). Aufgrund
der beruflichen Laufbahn des Beschwerdeführers bzw. seiner in der Vergangenheit
erzielten stets unterdurchschnittlichen Erwerbseinkommen (vgl. IV-act. 9 und 61)
resultiert im Rahmen eines Einkommensvergleichs, bei welchem für das hypothetische
Invalideneinkommen auf LSE-Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik für
Hilfsarbeiter abgestellt werden kann (vgl. Anhang 2 der Gesetzesausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019), ungeachtet eines allfälligen Abzugs vom
Tabellenlohn offensichtlich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Die
Beschwerdegegnerin hat das Rentengesuch des Beschwerdeführers folglich zu Recht
abgelehnt.
3.8.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen die Verfügung
vom 15. Mai 2020 abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher
Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
4.1.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (vgl.
Art. 61 lit. g ATSG). In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint mit
Blick auf vergleichbare Fälle eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- als
angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes
[AnwG; sGS 963.70]). Somit hat der Staat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
pauschal mit Fr. 3'200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
4.2.
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