Decision ID: 150dbe31-6a7f-47f0-a0f6-12d2aeb0ada1
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführer,
gegen
SYNA Arbeitslosenkasse, Zentralverwaltung, Josefstrasse 59, Postfach, 8031 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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versicherter Verdienst (Koordination IV)
Sachverhalt:
A.
A.a Am 25. Oktober 2006 begann für C._ eine erste Rahmenfrist für den Bezug von
Arbeitslosenentschädigung zu laufen. Während der Zeit vom 1. Juni 2007 bis 31. Mai
2008 vermochte der Versicherte im Rahmen einer 50%igen Teilzeitarbeit einen
monatlichen Zwischenverdienst von Fr. 1'600.-- (bzw. Fr. 1'700.-- im Monat Januar
2008) zu erzielen (vgl. hierzu act. G 5.9 ff.). Aufgrund dieser Zwischenverdiensttätigkeit
erfüllte er eine 12-monatige Beitragszeit, weshalb ihm ab dem 27. Oktober 2008 eine
Folgerahmenfrist eröffnet wurde (vgl. act. G 5.88). Die SYNA Arbeitslosenkasse
ermittelte für die Folgerahmenfrist einen versicherten Verdienst von Fr. 3'233.-- (act.
G 5.71) und erbrachte gestützt darauf Taggeldleistungen. Bei der Ermittlung des
versicherten Verdienstes berücksichtigte sie den in der Zeit vom 1. Dezember 2007 bis
1. Mai 2008 erzielten Zwischenverdienst und zusätzlich die geleisteten
Kompensationszahlungen bis zum Betrag des Zwischenverdienstes.
A.b In der Verfügung vom 24. November 2009 verneinte die IV-Stelle des Kantons
St. Gallen einen Rentenanspruch des Versicherten. Der Berechnung des
Invaliditätsgrades legte sie eine 80%ige Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten zugrunde und ermittelte einen Invaliditätsgrad von 22% (act. G 5.76).
A.c Die SYNA Arbeitslosenkasse passte im Nachgang zur IV-Verfügung den
versicherten Verdienst an die von der IV-Stelle ermittelte Resterwerbsfähigkeit von
78% an und verfügte am 4. Februar 2010, dass der versicherte Verdienst per
1. Dezember 2009 neu Fr. 2'522.-- betrage (act. G 5.84).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 12. Februar 2010 Einsprache. Zur Begründung
brachte er vor, dass sich während der Zwischenverdiensttätigkeit und damit während
der Dauer der Erzielung eines beitragspflichtigen Lohns bis zum Zeitpunkt der
Wiederanmeldung zum Bezug von Arbeitslosentaggeldern am 27. Oktober 2008 und
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auch bis zum Erlass der Verfügung vom 4. Februar 2010 keine gesundheitsbedingte
Änderung der Leistungsfähigkeit ergeben habe. Er habe somit weder unmittelbar vor
noch während der am 27. Oktober 2008 begonnenen Folgerahmenfrist eine
gesundheitsbedingte Beeinträchtigung seiner Erwerbsfähigkeit erlitten. Der versicherte
Verdienst, der den Taggeldabrechnungen für die Folgerahmenfrist zu Grunde liege,
basiere auf einem Grundlohn, der die Einbusse in der Erwerbsfähigkeit bereits
berücksichtige. Die gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit habe
sich bereits im Lohn niedergeschlagen, der die Bemessungsgrundlage für den
versicherten Verdienst gebildet habe. Eine Anpassung des versicherten Verdienstes sei
daher nicht zulässig (act. G 5.86).
B.b Die SYNA Arbeitslosenkasse wies die Einsprache mit Entscheid vom 10. März
2010 ab. Sie machte im Wesentlichen geltend, dass der in der Folgerahmenfrist
berücksichtigte versicherte Verdienst von Fr. 3'233.-- auf der Basis einer
uneingeschränkten Erwerbstätigkeit beruhe. Der Versicherte habe mit der ausgeübten
Zwischenverdiensttätigkeit (Beschäftigungsgrad von 50%) nicht nachgewiesen, dass er
in der Lage sei, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen bzw. einen Verdienst im
Umfang einer Vollzeitbeschäftigung erzielen zu können. Wie sich nun nachträglich
mittels Erlass der IV-Rentenverfügung ergeben habe, betrage die Invalidität 22%. Das
Vorliegen der Unmittelbarkeit im Sinn von Art. 40b AVIV müsse bejaht werden, da die
mittlerweile festgestellte gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit
im versicherten Verdienst keinen Niederschlag finde. Die Anpassung des versicherten
Verdienstes sei zu Recht vorgenommen worden (act. G 5.88).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 10. März 2010 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 29. März 2010. Der Beschwerdeführer beantragt darin dessen
Aufhebung und die Festsetzung des versicherten Verdienstes auf Fr. 3'233.--. Er stellt
sich auf den Standpunkt, dass die Verfügung der IV-Stelle vom 24. November 2009
keine neue Tatsache darstelle, die eine Neubeurteilung bezüglich des versicherten
Verdienstes rechtfertigen würde. Aus den IV-Akten gehe hervor, dass die
Leistungseinbusse bereits seit Jahren bestehe. Keine andere Beurteilung rechtfertige
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sich mit dem Hinweis auf die Kompensationsleistungen, die durch die
Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung begründet seien (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Stellungnahme und verweist in der
Beschwerdeantwort vom 30. April 2010 - ohne einen Antrag zu stellen - auf den
Einspracheentscheid vom 10. März 2010 (act. G 5).

Erwägungen:
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin gestützt auf
den von der IV-Stelle in der Verfügung vom 24. November 2009 (act. G 5.76)
ermittelten Invaliditätsgrad von 22% den versicherten Verdienst zu Recht an eine
Resterwerbsfähigkeit von 78% anpassen und die Arbeitslosenentschädigung
herabsetzen durfte.
2.
2.1 Im Regelfall wird der versicherte Verdienst auf der Basis des im Sinn der AHV-
Gesetzgebung massgebenden Lohnes bemessen, der während eines
Bemessungszeitraums aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise
erzielt wurde (Art. 23 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Der
Bundesrat hat in Art. 37 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02) den
Bemessungszeitraum für den versicherten Verdienst festgelegt. In der Regel entspricht
der auf diese Weise definierte Lohn der aktuellen Leistungsfähigkeit der arbeitslosen
Person. Allfällige gesundheitsbedingte Leistungseinbussen können sich naturgemäss
nur im Lohn niederschlagen, wenn sie nicht unmittelbar vor oder sogar erst während
der Arbeitslosigkeit entstanden sind. Tritt mit anderen Worten eine
gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unmittelbar vor oder
während der Arbeitslosigkeit ein, so entspricht die aktuelle Leistungsfähigkeit nicht
mehr derjenigen vor der Arbeitslosigkeit, welche die Lohnbasis bildete. Weil der Lohn
vor Eintritt der Arbeitslosigkeit aber Bemessungsgrundlage für den versicherten
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Verdienst darstellt, muss in diesen Fällen nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung eine Anpassung nach Art. 40b AVIV erfolgen. Eine Korrektur gemäss
Art. 40b AVIV ist daher durchzuführen, wenn der versicherte Verdienst auf einem Lohn
beruht, den die versicherte Person im Zeitpunkt der Arbeitslosigkeit auf Grund einer
zwischenzeitlich eingetretenen Invalidität nicht mehr erzielen könnte. Unmittelbarkeit im
Sinn von Art. 40b AVIV liegt also dann vor, wenn sich die gesundheitsbedingte
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit (noch) nicht im Lohn niedergeschlagen hat, der
gemäss Art. 23 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 37 AVIV Bemessungsgrundlage für
den versicherten Verdienst bildet (BGE 133 V 534 f. E. 4.1.2).
2.2 Durch das Abstellen auf die verbleibende Erwerbsfähigkeit im Sinn von Art. 40b
AVIV soll verhindert werden, dass die Arbeitslosenentschädigung auf einem Verdienst
ermittelt wird, den die versicherte Person nicht mehr erzielen könnte. Die
Verordnungsbestimmung betrifft nicht allein die Leistungskoordination zwischen
Arbeitslosen- und Invalidenversicherung, sondern - in allgemeiner Weise, die
Abgrenzung der Zuständigkeit der Arbeitslosenversicherung gegenüber anderen
Versicherungsträgern nach Massgabe der Erwerbsfähigkeit. Sinn und Zweck der
Verordnungsbestimmung ist mit anderen Worten, die Leistungspflicht der
Arbeitslosenversicherung auf einen Umfang zu beschränken, der sich nach der
verbleibenden Erwerbsfähigkeit der versicherten Person während der Dauer der
Arbeitslosigkeit auszurichten hat (Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2007,
C 154/06, E. 7.2 mit Hinweis).
2.3 Aus den von der Beschwerdegegnerin eingereichten und aus dem beim Gericht
hängigen IV-Verfahren 2010/3 beigezogenen Akten ergibt sich, dass der versicherte
Verdienst (Fr. 4'964.--), der den Arbeitslosentaggeldleistungen der ersten Rahmenfrist
vom 25. Oktober 2006 bis 24. Oktober 2008 zugrunde lag (vgl. etwa act. G 5.21),
gestützt auf dem vom Beschwerdeführer bis Ende Mai 2006 bezogenen Lohn ermittelt
wurde (vgl. hierzu IV-act. 159). Seit 1997 (vgl. IV-act. 135-2) und insbesondere auch
während des bis zum Mai 2006 bestehenden Arbeitsverhältnisses wurde dem
Beschwerdeführer seitens der IV-Stelle ein Invaliditätsgrad von 30% zugestanden und
bezüglich der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine über 20%ige Einschränkung aus
medizinischer Sicht als nachvollziehbar bezeichnet (vgl. RAD-Stellungnahme vom
7. Oktober 2005, IV-act. 154). Auch in der Zeit danach wurde diese Einschätzung
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bestätigt (vgl. RAD-Stellungnahme vom 30. November 2007, IV-act. 186-2; ELAR-Notiz
des RAD vom 18. Juni 2008, IV-act. 202).
2.4 Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die in der IV-Verfügung vom
24. November 2009 ermittelte Invalidität bereits seit 1997 bestanden und sich die
gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit bereits im bis Ende Mai
2006 bezogenen Lohn niedergeschlagen hat. Dieser bildete Grundlage für die
Arbeitslosenleistungen der Rahmenfrist vom 25. Oktober 2006 bis 24. Oktober 2008
und - mit Blick auf die zusätzlich zum erzielten Zwischenverdienst geleisteten
Kompensationszahlungen (vgl. act. G 5.21 ff. und G 5.71) - auch für die in der
Folgerahmenfrist gewährten Leistungen. Es besteht damit - entgegen der Auffassung
der Beschwerdegegnerin - keine Veranlassung, gestützt auf die noch nicht
rechtskräftige IV-Verfügung vom 24. November 2009 eine Anpassung des versicherten
Verdienstes im Sinn von Art. 40b AVIV vorzunehmen. Denn es ergibt sich aus dem
darin ermittelten Invaliditätsgrad von 22% für das vorliegende
arbeitslosenversicherungsrechtliche Verfahren keine Verschlechterung der
Resterwerbsfähigkeit und damit keine unmittelbar vor oder während der
Arbeitslosigkeit eingetretene (zusätzliche) gesundheitliche Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit.
3.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 10. März 2010 in
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu erheben
(Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53