Decision ID: 621aecb9-a3c9-4768-81cd-74aa1dbd3f69
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Unfallmeldung UVG vom 2
3.
Mai
2018 (
Urk.
7/1) teilte die
Y._
GmbH, deren Arbeitnehmer bei der Suva versichert sind, dieser mit, dass der 1963 geborene, seit
1.
Oktober 2017 vollzeitlich angestellte
X._
am 3
0.
April 2018 ausgerutscht
sei
und mit dem Kopf an der WC Schüssel angeschlagen habe. In der Folge klärte die Suva die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und verneinte mit Verfügung vom
6.
September 2018 – unter Hinweis darauf, dass
aufgrund der Akten nicht erwiesen sei, dass
X._
zum Zeitpunkt des Unfalls für die
Y._
GmbH zu den angegebenen Konditionen tätig
gewesen
sei
– ihre Leistungspflicht (
Urk.
7/43). Die vom Leistungsansprecher dagegen erhobene Einsprache
vom 2
1.
Februar 2018
(Eingangsdatum 1
8.
September 2018;
Urk.
7
/
49
) wies die Suva mit Entscheid vom
7.
Februar 2019 ab (
Urk.
7/52 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
5.
März 2019 Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, der
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und
es seien
die gesetzlichen Leis
tungen aus dem Unfallereignis vom 3
0.
April 2018 zu e
rbringen (S. 1). Mit Beschwerde
antwort vom 2
9.
April 2019 (
Urk.
6) beantragte die Suva die Abwei
sung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 3
0.
April 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
N
ach
Art.
1a
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
sind
die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich der Heimarbeiter, Lehrlinge, Praktikanten, Volontäre sowie der in Lehr- oder Invalidenwerkstätten tätigen Personen, obligatorisch nach den Bestimmungen des UVG versichert. Als Arbeitnehmer gemäss dieser Gesetzesbestimmung gilt nach
Art.
1
der Verord
nung über die Unfallversicherung
(
UVV
)
, wer eine unselbstständige Erwerbs
tä
tigkeit im Sinne der Bundesgesetzgebung über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
(
AHV
) ausübt. Die Rechtsprechung hat im Sinne leitender Grunds
ätze als Arbeitnehmer gemäss UVG bezeichnet, wer um des Erwerbs oder der Ausbildung willen für einen Arbeitgeber, mehr oder weniger untergeordnet, dauernd oder vorübergehend tätig ist, ohne
hiebei
ein eigenes wirtschaftliches Risiko tragen zu
müssen. Im Regelfall besteht zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein Arbeitsvertrag gemäss
Art.
319 ff.
des Obligationenrechts (
OR
)
oder ein öffentlich-rechtliches Anstellungsverhältnis. Sind solche Rechtsverhält
nisse gegeben, besteht kaum Zweifel, dass es sich um einen Arbeitnehmer gemäss UVG handelt. Das Vorhandensein eines Arbeitsvertrages wird jedoch für die Annahme der Versicherteneigenschaft gemäss
Art.
1a
Abs.
1 UVG nicht voraus
gesetzt. Liegt weder ein Arbeitsvertrag noch ein öffentlich-rechtliches Anstel
lungsverhältnis vor, gilt es unter Würdigung der wirtschaftlichen Umstände in ihrer Gesamtheit zu beurteilen, ob die Arbeitnehmereigenschaft gegeben ist. Entscheidend für die Bejahung der Arbeitnehmereigenschaft nach
Art.
1a UVG ist, ob geleistete Arbeit, ein Unterordnungsverhältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form vorliegen. Für die Versicherungsunterstel
lung ist grundsätzlich die Bejahung eines Lohnanspruchs relevant. Einer tatsäch
lichen Lohnauszahlung bedarf es hingegen nicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_538/2019 vom 2
4.
Januar 2020
E. 2.3
).
1.2
Im Interesse eines umfassenden Versicherungsschutzes
schliesst
das
UVG
sodann auch Personen ein, deren Tätigkeit mangels Erwerbsabsicht nicht als Arbeitneh
mertätigkeit einzustufen wäre, wie beispielsweise Volontärverhältnisse, bei denen der für ein eigentliches Arbeitsverhältnis typische Lohn in der Regel weder
vereinbart noch üblich ist (dazu und zum Folgenden:
BGE 141 V 313
E. 2.1). Wo
die unselbstständige Tätigkeit ihrer Natur nach nicht auf die Erzielung eines Ein
kommens, sondern auf Ausbildung gerichtet ist, kann eine Lohnabrede somit kein ausschlaggebendes Kriterium für oder gegen den Unfall
versicherungsschutz sein. Von der obligatorischen Unfallversicherung werden somit auch Tätigkeiten erfasst, die die Begriffsmerkmale des Arbeitnehmers nicht voll
umfänglich erfül
len. Der Begriff des Arbeitnehmers
gemäss
Art.
1a
Abs.
1 UVG wird damit weiter gefasst als im Arbeitsvertragsrecht
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_538/2019 vom 2
4.
Januar 2020 E. 2.4)
.
1.3
Namentlich mit Blick auf die versicherten Risiken und deren Folgen bestehen erhebliche Unterschiede zwischen Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Die Gefahr, zu verunfallen, ist im Alltag, sowohl in der Arbeitswelt, insbesondere bei den schwereren Tätigkeiten, aber zunehmend auch
ausserberuflich
wesensgemäss
allgegenwärtig. Dabei kann ein Unfall (oder eine Berufskrankheit) unter Umstän
den zur lebenslangen Beeinträchtigung des Gesundheitszustands, zur Arbeitsun
fähigkeit oder gar zum Tod führen. Zur Abdeckung der damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen sieht das Unfallversicherungsrecht einen breiten Fächer mög
li
cher Versicherungsleistungen vor in Gestalt von Heilbehandlung und Pflege
leis
tungen
(
Art.
10 UVG), (unter Umständen lebenslängliche) Invali
denrente (
Art.
19 UVG), Integritätsentschädigung (
Art.
24
UVG
) oder
Hinterlassenenrenten
(
Art.
28 UVG).
Im
Interesse eines möglichst umfassenden Versicherungsschutzes
werden
auch Personen eingeschlossen, deren Tätigkeit mangels Erwerbsabsicht nicht als Arbeitnehmertätigkeit einzustufen wäre. Selbstredend kann auch die Arbeitslosigkeit für die Betroffenen beträchtliche finanzielle und soziale Folgen nach sich ziehen. Dies ändert aber nichts daran, dass zwischen den beiden Versi
cherungen mit Blick auf die damit abgedeckten Risiken und deren Folgen bedeut
same Unterschiede bestehen. Schon dieser Umstand setzt der
analogen Anwen
dung von Grundsätzen aus dem Bereich der Arbeits
losenversicherung, nament
lich dem Nachweis einer effektiven Lohn
zahlung im Zusammenhang mit der
Anspruchsberechtigung auf Arbeits
lo
senentschädigung,
gewisse Grenzen.
Hinzu kommt, dass für die Bejahung der Versichertenunterstellung gemäss
Art.
1a UVG - vorbehältlich der hier nicht interessierenden Tätigkeiten zu Ausbildungszwe
cken - die Bejahung eines Lohn
an
spruchs massgebend ist, wobei es der tatsäch
lichen Lohnauszahlung nicht bedarf (
Urteil des Bundesgerichts 8C_538/2019 vom 2
4.
Januar 2020 E. 3.2
).
1.4
I
m Sozialversicherungsverfahren
gelten
der Untersuchungsgrundsatz sowie der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (
Art.
43
Abs.
1 und
Art.
61 lit. c ATSG). Der rechtserhebliche Sachverhalt ist von Amtes wegen unter Mitwirkung der Parteien zu ermitteln. In diesem Sinne rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist.
Der Verzicht auf weitere Abklärungen oder im Beschwerdefall auf Rückweisung der Sache zu diesem Zweck (antizipierte Beweiswürdigung) verletzt etwa dann Bundesrecht (
Art.
95 lit. a
des Bundesgerichtsgesetzes,
BGG), wenn der festgestellte Sachverhalt unauflösbare Widersprüche enthält oder wenn eine
entscheidwesentliche
Tatfrage auf unvollständiger Beweisgrundlage beant
wortet wird
(Urteil des Bundesgerichts 8C_538/2019 vom 2
4.
Januar 2020 E. 2.5 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 9C_393/2017 vom 2
0.
September 2017 E. 2.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verneinung der Leistungspflicht im Wesentlichen damit, dass die Vorlage eines Arbeitsvertrags und von Lohnabrech
nungen ohne jeden Beleg für eine entsprechende konkrete Arbeitstätigkeit nicht als Beweis für das Bestehen eines Arbeitsverhältnisses genüge. Dies gelte umso mehr, als
ein konkreter Geldfluss durch keinerlei Dokumente nachgewiesen sei und diverse Widersprüche insbesondere bezüglich der Angaben in der Schaden
meldung vom 2
3.
Mai 2018, den Lohnabrechnungen (Januar, März, April und Mai 2018), dem eingereichten Arbeitsvertrag und den Angaben des Beschwerde
führers bestünden. Ein Arbeitsverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und der
Y._
GmbH sei damit nicht glaubhaft dargelegt respektive nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewie
sen. Folglich habe für das gemeldete Unfallereignis vom 3
0.
April 2018 keine Versicherungsdeckung bei der Suva bestanden (
Urk.
2 S. 4 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber im Wesentlichen auf den Stand
punkt, dass die Behauptungen der Suva unwahr seien. Es habe ein Anstellungs
verhältnis gegeben und er habe die Löhne in bar bezogen, da dies von ihm gewünscht worden sei. Die kompletten Unterlagen habe die Suva bereits von der
Y._
GmbH bekommen. Für die Monate Oktober bis Dezember 2017 sei er auf Stundenbasis und auf Abruf angestellt gewesen. Ab Januar 2018 habe er einen Stundenlohn und eine Anstellung im Pensum von 100
%
gehabt. Er habe ein Stundenprogramm gehabt und habe dies auch geliefert (
Urk.
1 S. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Unfalls am 3
0.
April 2018 nach dem üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit Arbeitnehmer der
Y._
GmbH und damit bei der Beschwer
degegnerin gegen die Folgen des Unfalls versichert war.
3.
3.1
Gemäss Schadenmeldung vom 2
3.
Mai 2018 (
Urk.
7/1)
sei
der Beschwerdeführer seit
1.
Oktober 2017 als Mitarbeiter in einem Pensum von 100
%
(45 Stunden pro Woche)
bei der
Y._
GmbH
angestellt
gewesen
. Das Arbeits
verhältnis sei ungekündigt (
Ziff.
3). Der vertragliche Bruttolohn betrage
Fr.
4'830
.--
, die Kinder-/Familienzulagen
Fr.
750.--, die Ferien/Feiertagsentschä
di
gung
Fr.
511.98 und die Gratifikation/1
3.
Monatslohn
Fr.
402.33 (
Ziff.
12
; insgesamt
Fr.
6'764.31
)
ergibt.
3.2
Mit Schreiben vom 2
9.
Mai 2018 (
Urk.
7/9)
forderte die
Beschwerdegegnerin
die
Y._
GmbH unter Fristeinräumung bis 1
9.
Juni 2018
auf
, den Arbeitsvertrag, sämtliche Lohnabrechnungen, sämtliche Bestätigungen für Lohn
zahlungen, sämtliche Stundenlisten bzw. Arbeitsrapporte, die AHV-Meldung 2017 und den BVG-Ausweis des
Beschwerdeführers
der Jahre 2017 und 2018 zuzustellen.
3.3
Mit weiterem Schreiben vom 2
9.
Mai 2018 (
Urk.
7/8)
ersuchte
die
Beschwerde
gegnerin
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
(SVA)
um Informa
tionen bezüglich des Anspruchs und Bezugs von Familienzulagen.
Mit Schreiben vom 2
9.
Juni 2018 (
Urk.
7/30) reichte die SVA der Beschwerde
gegnerin die Verfügung über die Familienzulagen
vom
8.
Februar 2018
ein.
3.
4
In der Telefonnotiz
der Beschwerdegegnerin
vom 2
0.
Juni 2018 (
Urk.
7/20) wird festgehalten, dass sich der Beschwerdeführer nach dem Stand des Verfahrens erkundigt habe. Der Beschwerdeführer habe mit seinem Arbeitgeber telefoniert. Dieser habe ihm gesagt, dass die Unterlagen geschickt worden seien.
Er werde nochmals mit dem Arbeitgeber reden. Er brauche unbedingt das Geld, er könne weder die Wohnung noch die Krankenkasse bezahlen. Er habe eine behinderte Tochter. Dem Beschwerdeführer sei geraten worden, die Unterlagen die er selber habe
,
einzureichen. Dieser habe
angegeben,
nur den Arbeitsvertrag
zu haben
, Lohnabrechnungen oder ähnliches habe er nicht. Lohn habe er zirka
Fr.
5'000.-- ausbezahlt erhalten. Er habe sicher jeden zweiten Tag beim Chef Geld verlangt, damit er die Rechnungen bezahlen könne.
3.
5
Mit erneutem Schreiben vom 2
0.
Juni 2018 (
Urk.
7/21) wurde die
Y._
GmbH
von der Beschwerdegegnerin
infolge nicht eingereichter Unterlagen
unter letzter Fristansetzung bis
9.
Juli 2018
erneut aufgefordert, die verlangten Unterlagen einzureichen.
3.
6
Am 1
9.
Juni 2018 (Eingangsdatum 2
1.
Juni 2018;
Urk.
7/24) reichte die
Y._
GmbH
der Beschwerdegegnerin
eine Seite der BVG-Police (S. 3), die Lohnabrechnungen der Monate Januar, März, April und Mai 2018 (S. 5-8) und die Anmeldung für Familienzulagen (S. 9-12) ein.
3.7
Infolge unvollständiger Unterlagen forderte die
Beschwerdegegnerin
die
Y._
GmbH mit Schreiben vom 2
2.
Juni 2018 (
Urk.
7/26) unter Fristanset
zung bis
9.
Juli 2018 erneut auf, die weiterhin ausstehenden Unterlagen einzu
reichen.
3.8
Die
Beschwerdegegnerin
holte mit Schreiben vom 2
2.
Juni 2018 (
Urk.
7/27) beim Betreibungsamt der Stadt Winterthur
einen
Betreibungsregister
auszug
des Beschwer
deführers ein, welcher am 2
9.
Juni 2018 zugestellt wurde (
Urk.
7/29).
3.9
Die
Beschwerdegegnerin
verlangte mit weiterem Schreiben vom 2
2.
Juni 2018 (
Urk.
7/28) beim Kantonalen Steueramt Auskünfte über die steuerbaren Einkünfte des
Beschwerdeführers des Jahres 2017 sowie
Kopien der Lohnausweise, welche das Kantonale Steueramt mit Schreiben vom 2
8.
Juni 2018 einreichte (
Urk.
7/31).
3.10
Mit Schreiben vom 1
1.
Juli 2018 (
Urk.
7/36) forderte die Beschwerdegegnerin die
Y._
GmbH
unter letzter Fristansetzung bis 3
1.
Juli 2018
erneut auf, die noch fehlenden Unterlagen einzureichen.
3.11
Die Beschwerdegegnerin forderte schliesslich den Beschwerdeführer mit Schrei
ben vom 1
1.
Juli 2018 (
Urk.
7/38) auf, den BVG-Ausweis für die Jahre 2017 und 2018 einzureichen und
seine
Krankenkasse anzugeben.
Mit weiterem Schreiben vom
2.
August 2018 (
Urk.
7/40) forderte die Beschwer
degegnerin den Beschwerdeführer unter Fristansetzung bis
3.
September 2018 erneut auf, die fehlenden Unterlagen einzureichen.
3.12
Aus der Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin mit dem Beschwerdeführer vom 2
9.
August 2018 (
Urk.
7/41) geht hervor, dass der Beschwerdeführer gestern zufällig seinen alten Chef gesehen habe, mit welchem er grosse Probleme habe.
Letzterer
habe ihm gewisse Unterlagen ausgehändigt. Anscheinend habe der Beschwerdeführer diese gestern am Schalter der Suva Winterthur vorgelegt und es sei ihm gesagt worden, dass diese schon vorhanden seien. Dem Beschwerde
führer sei
im Rahmen des Telefongesprächs
geraten worden, die Unterlagen bei der Suva abzugeben und gleichzeitig klar schriftlich mitzuteilen, wann, wie und welchen Lohn er erhalten habe. Er solle Beweise liefern, welche die Anstellung belegen würden.
3.13
Der Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin mit der Basler Versicherungen vom
6.
September 2018 (
Urk.
7/42) lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei der Basler Versicherungen weder im Jahr 2017 noch im Jahr 2018 über die
Y._
GmbH versichert gewesen sei.
3.14
Mit Verfügung vom
6.
September 2018 (
Urk.
7/43) verneinte die Beschwerdegeg
nerin eine Leistungspflicht in Zusammenhang mit dem gemeldeten Ereignis.
3.15
Mit Schreiben vom 1
8.
September 2018 (Eingangsdatum,
Urk.
7/49/1) reichte der Beschwerdeführer unter anderem den Arbeitsvertrag (
Urk.
7/49 S. 2-4), die erste Seite der BVG-Police (S. 6), die Lohnausweise für Januar, März, April und Mai 2018 (S. 7-11), das Anmeldeformular für Familienzulagen (S. 12-15),
den Unfall
schein und die Schadenmeldung (S. 16-20), diverse Arztberichte (S. 21-27) sowie eine Kopie der Kranken- und EC-Karte (S. 28) ein.
4
.
4
.1
Im Zusammenhang mit dem streitigen Arbeitsverhältnis zwischen dem Beschwer
deführer und der
Y._
GmbH sind den Unterlagen verschiedene Ungereimtheiten zu entnehmen.
So ist der Schadenmeldung vom 2
3.
Mai
2018 (
Urk.
7/1) ein monatlicher Lohn von
Fr.
4’830.-- brutto plus
Fr.
402.33 als Gratifikation/1
3.
Monatslohn nebst
Fr.
511.98 Ferienentschädigung,
Fr.
270.-- Spesen sowie
Fr.
750.
—
Kinder
-
/Fami
lienzulagen zu entnehmen (
Ziff.
12)
, was einen Lohn von insgesamt
Fr.
6'764.31 ergibt
. Demgegenüber lässt sich dem Arbeitsvertrag zwischen der
Y._
GmbH und dem Beschwerdeführer vom 2
9.
September 2017 (
Urk.
7/49/2-4) entnehmen, dass der Beschwerdeführer per
2.
Oktober 2017 als Hilfsarbeiter im Bau zu einem Stundenlohn von
Fr.
28.-- inklusive aller Zulagen wie Ferien/Feiertage und 1
3.
Monatslohn angestellt werde. Weiter trägt der Arbeitsvertrag den Titel «Befristetes Arbeitsverhältnis» ohne ein Enddatum zu nennen
, wobei in Bezug auf
das Arbeitspensum und die Arbeitszeit
eine Tätigkeit
nach Abruf und Bedarf
vereinbart
wurde
.
Der Anmeldung für Familienzulagen vom 2
9.
Januar 2017 ist
wiederum
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer zu einem Pensum von 25
%
und mit einem Jahresbruttolohn von
Fr.
10'000.-- angestellt worden sei (
Urk.
7/24/9-12 =
Urk.
7/49/12-15).
Als weitere Ungereimt
heit fällt schliesslich auf, dass die Höhe des 1
3.
Monatslohns auf den Lohnab
rechnungen (vgl.
Urk.
7/24/6-8 =
Urk.
7/49/9-11) nicht mit dem auf der Scha
denmeldung angegebenen (vgl.
Urk.
7/1) übereinstimmt.
Die Behauptung des Beschwerdeführers, er sei in den Monaten Oktober bis Dezember 2017 auf Stundenbasis und ab Januar 2018 im Monatslohn und im Pensum von 100
%
angestellt gewesen, erscheint angesichts der Tatsache, dass
in dem am 2
9.
Januar 2018 ausgefüllten Antragsformular für Familienzulagen nur ein Pensum von 25
%
angegeben wurde
(vgl.
Urk.
7/24/9-12
Ziff.
1 =
Urk.
7/49/12-15
Ziff.
1)
und überdies kein neuer Arb
eitsvertrag mit dem verein
barten
Monatslohn vorliegt,
hinsichtlich des
im Unfallzeitpunkt (3
0.
April 2018)
geltend gemachten Pensums
(100
%
)
und dem
geltend gemachten
vereinbarten Lohn
(
Fr.
6'764.31)
als
fragwürdig
, nicht jedoch ohne Weiteres hinsichtlich der hier strittigen grundsätzlichen Versicherungsdeckung
.
In den Akten befinden sich
sodann
vier Lohnabrechnungen, namentlich für die Monate Januar, März, April und Mai 2018 (
Urk.
7/24/5-8
=
Urk.
7/49/7-11
), wobei die Lohnabrechnung für Februar 2018 nicht vorliegt.
Weiter
fällt auf, dass bei der Lohnabrechnung für Januar 2018 bei der Auszahlung eine Kontonummer und di
e
Bezeichn
ung GKB
8750 Glarus
(
Urk.
7/24/8),
diese Kontonummer aber nicht mit der IBAN Nr. des Kontos des Beschwerdeführers bei der Migros Bank übereinstimmt (vgl.
Urk.
7/49/28, vgl. auch Angaben in der Steuererklärung 2017,
Urk.
7/31/18). In
den übrigen Lohnabrechnungen
wurde
bei Auszahlung
nichts mehr – auch kein Hinweis auf eine Barzahlung -
angegeben (
Urk.
7/24/5-
7).
Weiter geht aus der Telefonnotiz vom
6.
September 2018 betreffend Deckung BVG hervor, dass der Beschwerdeführer weder 2017 noch 2018 über die
Y._
GmbH versichert gewesen sei (
vorstehend E. 3.13
).
Schliesslich liegen keine Arbeitsrapporte
oder Lohnlisten in den Akten,
aus denen hervorgeht, wann und
wo der Beschwerdeführer konkret gearbeitet hat.
4
.2
Die Beschwerdegegnerin gelangte im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass ein Arbeitsverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und der
Y._
GmbH nicht glaubhaft dargelegt resp
ektive
nicht mit dem notwendigen Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sei. Die Vorlage eines Arbeitsvertrages und von Lohnabrechnungen genüge ohne jeden Beleg für eine entsprechende konkrete Arbeitstätigkeit nicht als Beweis für das Bestehen eines Arbeitsverhältnisses. Dies gelte umso mehr, als ein konkreter Geldfluss durch keinerlei Dokumente nachgewiesen sei und diverse Widersprüche best
ünden
(vgl.
Urk.
2 S. 4 f.).
Soweit die Beschwerdegegnerin bereits aus
den genannten Ungereimtheiten (vgl.
Urk.
2 S. 4 f.) und insbesondere
der fehlenden Überprüfbarkeit
der
Lohnzahlung schloss, es liege keine Versicherungsdeckung vor, so kann
ihr
nicht gefolgt werden. Zwar treffen die von der Beschwerdegegnerin
und auch vorstehend
aufge
führ
ten
Ungereimtheiten
(vorstehend E. 4.1)
zu. Ob vorliegend jedoch im frag
li
chen Zeitraum tatsächlich Arbeit geleistet wurde, lässt sich
nicht vorwie
gend gestützt auf die Lohnzahlung beantworten. So ist gemäss Urteil des Bundes
ge
richts 8C_538/2019 vom 2
4.
Januar 2020 eine tatsächlich getätigte Lohnzahlung nicht entscheidend (vgl. auch vorstehend E. 1.1 und E. 1.3). Mass
gebend ist viel
mehr, ob geleistete Arbeit, ein Unterordnungsverhältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruches in irgendeiner Form vorliegen (vorstehend E. 1.1).
Es ist zwar zutreffend, dass die Beschwerdegegnerin
die
Arbeitgeber
in
wiederholt um Arbeitsrapporte gebeten hat (vorstehend E.
3.2, E. 3.5, E. 3.7 und E. 3.10
). Dass
die
Arbeitgeber
in
diese jedoch nicht eingereicht hat, kann dem Beschwer
deführer nicht ohne Weiteres und ohne weitere Abklärungen angelastet werden. So wurde der
Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin nie explizit schrift
lich oder in einer mündlichen Besprechung mit Protokoll aufgefordert anzugeben, wann (Datum) er genau wo (Ort, genaue Baustelle), für wen, mit wem und für wie lange gearbeitet hat. In den Akten existiert einzig die Telefonnotiz vom 2
9.
August 2018 (
vorstehend E.
3.12
).
Trotz Ungereimtheiten liegt vorliegend ein Arbeitsvertrag vom 2
9.
September 2017 (
Urk.
7/49/2-4)
und eine Steuererklärung für das Jahr 2017 (
Urk.
7/31/5) mit entsprechendem Lohnausweis mit abgerechneten AHV-Beiträgen (
Urk.
7/31/10) vor
. Überdies liegt eine Anmeldung für Familienzulagen (
Urk.
7/24/9-12) und eine Bestätigung für die Ausrichtung von Familienzulagen zumindest im Zeitpunkt des Unfalls vom
3
0.
April 2018 (
Urk.
7/30/1-3) vor. Auf
grund der Angaben in der Steuererklärung
und des Lohnausweises
2017 kann zusammen mit der Tatsache, dass der für diesen Zeitraum ausgewiesene tiefe
Betrag
auch
durchaus
bar ausbezahlt worden sein könnte, geschlossen werden, dass zumindest für das Jahr 2017
ein Anstellungsverhältnis mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu bejahen ist
.
4.3
Ob dieses Anstellungsverhältnis und eine effektive Beschäftigung auch noch im Zeitpunkt des
Schadensereignisses
am
3
0.
A
pril 2018
bestanden hat, kann auf
grund der aktuellen Unterlagen
aber
selbst unter Berücksichtigung der genannten Ungereimtheiten nicht abschliessend beurteilt werden. Die Beschwerdegegnerin wäre
in Nachachtung des Untersuchungsgrundsa
t
zes
(vorstehend E. 1.4)
ver
pflichtet gewesen,
weitere Abklärungen vorzunehmen. So hätte die Beschwer
de
gegnerin
, nachdem der Arbeitgeber wiederholt keine Arbeitsrapporte einge
reicht hat,
den Beschwerdeführer schriftlich oder in einem Gespräch auffordern sollen
- allenfalls unter Nennung von Zeugen -
anzugeben, wann (Datum) er genau wo (Ort, genaue Baustelle), für wen, mit wem und für wie lange gearbeitet hat.
Es wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer entsprechende Angaben hätte liefern können.
Mit
entsprechende
n
Arbeitsrapporte
n
hätte der Beschwerde
führer
die
Möglichkeit, seine Arbeitsleistung gegenüber dem Arbeitgeber zu
mindest substantiiert zu behaupten
.
Sodann hätte die Beschwer
degegnerin
bei
spielsweise
vor Erlass des angefochtenen Entscheids am
7.
Februar 2019
einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK)
für das Jahr 2018
einholen können. Dieser müsste
vermutungsweise
inhaltlich mit den
eingereichten
Lohn
abrechnun
gen übereinstimmen.
Weiter hätte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer auffordern können, von den erwähnten Bankkonten entspre
chen
de Auszüge einzureichen.
Zwischenzeitlich könnte die Beschwerdegegnerin auch die Steuer
er
klärung für das Jahr 2018 einholen, worin
erneut der Lohn für das Jahr 2018 mit Lohnausweis des Arbeitg
ebers ausgewiesen sein sollte
.
4.4
Nach dem Gesagten lässt
sich aufgrund der aktuellen Unterlagen ohne weitere Abklärungen nicht abschliessend beurteilen, ob im Zeitpunkt des Schadensereig
nisses am 3
0.
April 2018 eine effektive Beschäftigung bei der
Y._
GmbH vorlag.
Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung der notwendigen Abklärungen und zu neuer Entscheidung über die
Versicherungsdeckung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.