Decision ID: fe935acb-ac86-54f1-b4c0-dc4c1faf480c
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ ist Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der B._ AG, welche Handel mit Waffen, Munition und , insbesondere mit historischen Waffen zivilen oder militärischen Ursprungs, betreibt. Er ist zwar in ... (Mallorca) wohnhaft, besitzt aber an der ... in ... eine Liegenschaft, in welcher er sich jeweils aufhält, wenn er in der Schweiz weilt. Die B._ AG verfügt über eine Waffenhandelsbewilligung und besitzt laut kantonalem Waffenregister sieben bewilligungspflichtige Seriefeuerwaffen. Ihre Geschäftsräume befinden sich in der Liegenschaft von A._ in .... Hier hat sie auch ihren Sitz.
Mit Verfügung vom 23. Oktober 2014 ermächtigte der Regierungsstatthalter des Verwaltungskreises Interlaken-Oberhasli die Kantonspolizei, «die Wohnung von A._, ..., ..., in der Kalenderwoche 44 (zwischen Montag 27. und Freitag 31. Oktober 2014) zwecks vorsorglicher Sicherstellung aller vorhandenen Feuerwaffen zu betreten und zu durchsuchen». Zur Begründung führte er aus, dass A._ mehrfach und in grober Weise gegen die Waffengesetzgebung verstossen habe, weshalb eine gegenwärtige und erhebliche Gefahr für die öffentliche Ordnung gegeben sei. Die Kantonspolizei machte vom 27. bis am 30. Oktober 2014 von der Betretungsermächtigung Gebrauch und stellte alle vorhandenen Feuerwaffen sicher.
B.
Am 25. November 2014 haben A._ und die B._ AG Beschwerde beim Verwaltungsgericht erhoben mit folgendem Rechtsbegehren:
«1. Es sei festzustellen, dass die Betretungsermächtigung vom 23. Oktober 2014 in Sachen A._ nicht rechtens ist.
2. Die Rückgabe der sichergestellten Gegenstände an die Eigentümer sei unverzüglich zu verfügen.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22.07.2015, Nr. 100.2014.336U, Seite 3
3. Den Beschwerdeführern sei eine Genugtuung über den Betrag von CHF 500.00 zu bezahlen. Sie sei in Form einer Spende an das ... auszurichten.
eventualiter:
4. Die sichergestellten Gegenstände seien unter Beizug einer  Person zu inventarisieren.
5. Die Lagerung der sichergestellten Gegenstände sei unter Beizug einer fachkundigen Person und unter deren Anweisungen .
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge»
Mit Vernehmlassung vom 15. Dezember 2014 beantragt der  die Abweisung der Beschwerde.
Am 14. April 2015 hat der Rechtsvertreter mitgeteilt, er habe die Mandate für A._ und die B._ AG niedergelegt.
A._ und die B._ AG haben mit Eingabe vom 29. April 2015 um Sistierung des Verfahrens ersucht. Mit Verfügung vom 4. Mai 2015 hat der Instruktionsrichter diesen Antrag abgewiesen.
Am 24. Juni 2015 haben A._ und die B._ AG, wieder anwaltlich vertreten, ihre Beschwerde ergänzt und die gestellten Rechtsbegehren bestätigt. Der Regierungsstatthalter hat am 26. Juni 2015 auf weitere Bemerkungen verzichtet und an seinem Antrag auf Abweisung des Rechtsmittels festgehalten.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22.07.2015, Nr. 100.2014.336U, Seite 4
1.2 Nach Art. 79 Abs. 1 VRPG ist zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde befugt, wer am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder  der Verfügung oder des Entscheids hat.
1.2.1 Die Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung beschwert und deshalb grundsätzlich zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde befugt (vgl. auch E. 2 hinten). Ein hinreichendes Rechtsschutzinteresse setzt im Allgemeinen voraus, dass die beschwerdeführende Partei ein aktuelles Interesse an der Behandlung ihres Rechtsmittels hat und ein günstiger Entscheid für sie von praktischem Nutzen wäre (Merkli//Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 79 N. 8 und Art. 39 N. 1). Trotz Fehlens eines aktuellen Rechtsschutzinteresses ist nach konstanter Praxis auf die Beschwerde einzutreten, wenn es um eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung geht, die sich jederzeit unter gleichen oder ähnlichen Umständen wieder stellen und wegen der Dauer des  sonst nie rechtzeitig einer endgültigen Beurteilung zugeführt  könnte (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 65 N. 25; zum Ganzen BVR 2014 S. 5 E. 1.2.1, 2006 S. 538 E. 1.2.1).
1.2.2 Am 23. Oktober 2014 ermächtigte der Regierungsstatthalter des Verwaltungskreises Interlaken-Oberhasli die Kantonspolizei, die Wohnung des Beschwerdeführers 1 in der Kalenderwoche 44 (zwischen Montag 27. und Freitag 31. Oktober 2014) zwecks vorsorglicher Sicherstellung aller vorhandenen Feuerwaffen zu betreten und zu durchsuchen (angefochtene Verfügung, Dispositiv Ziff. 1). Die Kantonspolizei machte von dieser  ab dem 27. Oktober 2014 (16.20 Uhr) bis am 30. Oktober 2014 (11.45 Uhr) Gebrauch (vgl. Durchsuchungsprotokoll, Beschwerdebeilage [BB] 12; vorne Bst. A). Vor Durchsuchungsbeginn wurde der  1 vorübergehend festgenommen. Die Betretungsermächtigung wurde ihm am 27. Oktober 2014 um 13.00 Uhr eröffnet (vgl. angefochtene Verfügung). Vor dem Hintergrund, dass die angefochtene Verfügung  vollzogen ist, verlangen die Beschwerdeführenden folgerichtig nicht die Aufhebung dieser Verfügung, sondern die Feststellung der  der Betretungsermächtigung (vgl. Rechtsbegehren 1). Die in diesem
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22.07.2015, Nr. 100.2014.336U, Seite 5
Zusammenhang sich stellende Frage der Rechtmässigkeit des Vorgehens der Behörden ist insbesondere mit Blick auf damit verbundene Eingriffe in Grundrechte (Unverletzlichkeit der Wohnung bzw. Hausrecht) von  Bedeutung. Da sie dem Gericht kaum je rechtzeitig unterbreitet werden könnte, ist im vorliegenden Fall auf das Erfordernis eines aktuellen Rechtsschutzinteresses zu verzichten.
1.2.3 Unter Vorbehalt von E. 1.3 hiernach ist auf die form- und  eingereichte Beschwerde einzutreten.
1.3 Anfechtungsobjekt bildet die Betretungsermächtigung des  vom 23. Oktober 2014. Streitgegenstand des  Verfahrens bildet somit allein die Frage, ob das Betreten und  der Liegenschaft zwecks vorsorglicher Sicherstellung sämtlicher Feuerwaffen rechtmässig war (Rechtsbegehren 1). Die Anträge der , die sichergestellten Gegenstände seien  (Rechtsbegehren 2), eine Genugtuung von Fr. 500.-- sei  (Rechtsbegehren 3), die sichergestellten Gegenstände seien unter  einer fachkundigen Person zu inventarisieren (Rechtsbegehren 4) und die Lagerung der sichergestellten Gegenstände sei unter Beizug einer fachkundigen Person und unter deren Anweisungen durchzuführen (Rechtsbegehren 5), liegen ausserhalb des Streitgegenstands, weshalb insoweit auf die Beschwerde nicht eingetreten werden kann (vgl. dazu  die Verfügung des Instruktionsrichters vom 4.5.2015). Ebenso wenig bildet das Verhalten der Kantonspolizisten beim Betreten und Durchsuchen der Liegenschaft Verfahrensthema. Es besteht daher kein Anlass, die  «als Aufsichtsbeschwerde gegen die fehlbaren Beamten  und weiterzuleiten» (Beschwerde S. 20). – Festzuhalten bleibt, dass die Beschlagnahme der Waffen nicht in der Zuständigkeit des , sondern in jener der Kantonspolizei liegt (vgl. Art. 3 der Verordnung vom 15. Dezember 2004 über den Vollzug des  Waffenrechts [Kantonale Waffenverordnung, KWV; BSG 943.511.1]). Im Übrigen wären allfällige Entschädigungsansprüche im Zusammenhang mit der Betretung der Liegenschaft und der Sicherstellung der Waffen im Rahmen eines eigenständigen Staatshaftungsverfahrens
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nach Art. 100 ff. des Personalgesetzes vom 16. September 2004 (PG; BSG 153.01) geltend zu machen.
1.4 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer 1 rügt vorab, die Betretungsermächtigung richte sich an den falschen Verfügungsadressaten. Er sei nicht direkter Verfügungsadressat. Vielmehr hätte die Verfügung gegenüber der  2, welche die Liegenschaft als Geschäftssitz nutze und Eigentümerin der Waffen sei, ergehen sollen.
2.2 Beteiligt eine Behörde eine Person zu Unrecht nicht am Verfahren, begeht sie eine formelle Rechtsverweigerung und verletzt  Gehörsansprüche (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101] und Art. 26 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]; BVR 2010 S. 129 E. 2). – Die angefochtene Anordnung vom 23. Oktober 2014 richtet sich vorab an die Kantonspolizei. Dennoch handelt es sich hierbei nicht ausschliesslich um eine (blosse) Handlungsgrundlage für die Polizei, beinhaltet sie doch – wenn auch nicht ausdrücklich  – die Verpflichtung der betroffenen Personen, das Vorgehen der  auch gegen ihren Willen zu dulden (BVR 2006 S. 538 E. 1.1). Die  Ermächtigung hat erhebliche Auswirkungen auf die  der Beschwerdeführenden. Der Beschwerdeführer 1 ist  der Liegenschaft und hält sich dort auf, wenn er in der Schweiz weilt. Nach seinen Angaben befinden sich auch private Gegenstände in der . Die Beschwerdeführerin 2 nutzt die Liegenschaft als  und ist Eigentümerin der Waffen. Von der Betretungsermächtigung sind sowohl der Beschwerdeführer 1 als auch die Beschwerdeführerin 2 direkt betroffen, weshalb beide (notwendige) Parteistellung haben (vgl. vorne E. 1.2.1). Zu prüfen ist, ob der Regierungsstatthalter beide in das Verfahren einbezogen hat.
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