Decision ID: d3b54533-a9ba-5d69-a76b-40bc93359461
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die X._ AG (im Folgenden: Beschwerdeführerin) ist eine Akti-
engesellschaft mit Sitz in A._ (Kanton Zürich), die im Bereich der
Dienstleistungserbringung im Personalsektor tätig ist (UID-Nr.
CHE-_).
A.b Mit Schreiben vom 13. Dezember 2018 und 11. Januar 2019 ersuchte
die Beschwerdeführerin das Einigungsamt des Kantons Zürich um Einset-
zung eines unabhängigen besonderen Kontrollorgans nach Art. 6 des Bun-
desgesetzes vom 28. September 1956 über die Allgemeinverbindlicherklä-
rung von Gesamtarbeitsverträgen (AVEG, SR 221.215.311). Sie begrün-
dete dies im Wesentlichen mit einem Konflikt zwischen ihr und der Regio-
nalen Paritätischen Berufskommission deutsche Schweiz für den Perso-
nalverleih (RPKD) über die Einsetzung eines Kontrollorgans.
Das Einigungsamt des Kantons Zürich leitete das Gesuch am 4./18. Feb-
ruar 2019 zuständigkeitshalber an das Staatssekretariat für Wirtschaft
SECO (nachfolgend auch: Vorinstanz) weiter. Dieses informierte die Be-
schwerdeführerin am 19. Februar 2019 über seine sachliche Zuständigkeit.
A.c In ihrer Stellungnahme vom 13. März 2019 ersuchte die Beschwerde-
führerin die Vorinstanz darum, die Teilung der Kontrollkosten erst nach der
Durchführung der Kontrolle zu klären. Daraufhin beantragte die RPKD in
ihrer Stellungnahme vom 15. April 2019 unter anderem, dass die Be-
schwerdeführerin die Kosten der Kontrolle zu tragen habe. Hierauf be-
gehrte die Beschwerdeführerin mit Stellungnahme vom 16. Mai 2019, dass
die Kontrollkosten vollumfänglich der RPKD aufzuerlegen seien.
A.d Mit E-Mail vom 4. Juni 2019 schlug die Vorinstanz der Beschwerdefüh-
rerin vor, bei der Firma B._, C._, eine Offerte für die Durch-
führung der unabhängigen Kontrolle nach Art. 6 AVEG einzuholen, und bat
um Rückmeldung, ob Einwände in Bezug auf die Unabhängigkeit dieser
Firma bestünden.
A.e Am 24. Juni 2019 teilte die Beschwerdeführerin der Vorinstanz per
E-Mail mit, keine Einwände gegen die Einholung einer Offerte bei der Firma
B._ zu haben.
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A.f Mit Schreiben vom 19. Juli 2019 teilte die Vorinstanz der Beschwerde-
führerin die Absicht mit, die B._ als besonderes Kontrollorgan ein-
zusetzen, und gab der Beschwerdeführerin die Gelegenheit, zu der bei der
B._ eingeholten Offerte und den verschiedenen dazugehörigen Er-
läuterungen Stellung zu nehmen.
A.g Am 20. August 2019 schrieb die Beschwerdeführerin der Vorinstanz,
sie sei mit der Höhe der Offerte nicht einverstanden. Sie sei als vergleichs-
weise kleine Firma nicht in der Lage, einen so hohen Betrag zu bezahlen.
Sie werde ihrerseits mindestens eine Offerte einholen. Sollte sich bestäti-
gen, dass sich sämtliche Offerten im Bereich der Kosten der B._
bewegten, müsse eine nochmalige Lagebeurteilung vorgenommen wer-
den. Die Beschwerdeführerin zeigte sich ausserdem befremdet, dass die
B._ Kontakt mit der RPKD aufgenommen habe.
A.h In ihrer E-Mail vom 26. August 2019 ersuchte die Vorinstanz die Be-
schwerdeführerin unter anderem um Mitteilung des Namens der Gesell-
schaft, bei welcher sie eine Offerte einzuholen beabsichtige.
A.i Mit E-Mail vom 28. August 2019 schrieb die Beschwerdeführerin der
Vorinstanz, sie werde ihr ihren Vorschlag sobald wie möglich mitteilen.
A.j Am 20. September 2019 brachte die Vorinstanz der Beschwerdeführe-
rin die zusätzlich bei der D._ AG und der E._ GmbH, beide
in C._, eingeholten Offerten zur Kenntnis und gab ihr Gelegenheit,
sich zu äussern.
A.k Mit Schreiben vom 29. Oktober 2019 lehnte die Beschwerdeführerin
die von der Vorinstanz unterbreiteten Offerten aus "verschiedenen, vor al-
lem aber aus Kostengründen" ab. Gleichzeitig reichte sie eine Offerte der
F._ AG, C._, ein, die sie zugleich aber ablehnte. Es sei für
sie (aus Kostengründen) die erste Option, wenn die RPKD die G._
AG, H._, mit der Durchführung der Kontrolle bei ihr beauftrage und
die Kontrollkosten übernehme. Sie – die Beschwerdeführerin – wäre bereit,
im Voraus eine Erklärung zu unterschreiben, mit einer solchen Kontrolle ab
der zweiten Januarhälfte 2020 einverstanden zu sein. Die Beschwerde-
führerin stellte sodann eigene weitere Offerten in Aussicht, ohne mitzutei-
len, bei wem sie diese einholen werde.
A.l Mit Schreiben vom 19. November 2019 begrüsste die RPKD den Vor-
schlag der Beschwerdeführerin vom 29. Oktober 2019. Sie sei grundsätz-
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lich bereit, ihr allfällige Kontrollkosten nur im Rahmen von Art. 31bis in Ver-
bindung mit Anhang 2 des Reglements des Vereins "I._" aufzuerle-
gen. Die Voraussetzung für die Umsetzung des Vorschlags sei, dass die
Beschwerdeführerin eine Vereinbarung zur reibungslosen Durchführung
der Kontrolle unterzeichne.
A.m Hierauf schrieb die Vorinstanz der Beschwerdeführerin am 22. No-
vember 2019, das Gesuch um Einsetzung eines besonderen Kontrollor-
gans nach Art. 6 AVEG als erledigt zu betrachten, sollte es zu einer Verein-
barung zwischen der Beschwerdeführerin und der RPKD über die Kontrolle
kommen.
A.n Daraufhin teilte die Beschwerdeführerin der Vorinstanz am 4. Dezem-
ber 2019 schriftlich mit, von der Beauftragung der G._ AG als Kon-
trollfirma auszugehen und den Erlass des entsprechenden Kontrollbe-
schlusses durch die Vorinstanz zu erwarten.
A.o Am 16. Dezember 2019 gab die Vorinstanz der Beschwerdeführerin
schriftlich bekannt, dass der Inhalt der Vereinbarung zwischen der Be-
schwerdeführerin und der RPKD nicht Gegenstand des Verfahrens um Ein-
setzung eines besonderen Kontrollorgans nach Art. 6 AVEG sei. Die Ver-
einbarung sei eine rein zivilrechtliche Angelegenheit. Sie (die Vorinstanz)
sei für die Überprüfung dieser Vereinbarung nicht zuständig. Sie habe le-
diglich im Sinn der Erbringung von guten Diensten für die Übermittlung der
Dokumente gesorgt.
A.p Mit Schreiben vom 9. Januar 2020 informierte die RPKD die Vorin-
stanz, dass das Zustandekommen einer Vereinbarung zwischen ihr (der
RPKD) und der Beschwerdeführerin nicht möglich scheine. Dem Antrag
der Beschwerdeführerin vom 4. Dezember 2019 sei Folge zu leisten und
es sei festzustellen, dass die Kontrollkosten zu Lasten der Beschwerdefüh-
rerin gingen.
A.q Am 29. Januar 2020 schrieb die Vorinstanz der Beschwerdeführerin,
sie nehme Kenntnis davon, dass mit der RPKD keine Vereinbarung über
die Durchführung einer Kontrolle zustande gekommen sei. Sie werde des-
halb nun die Einsetzung eines besonderen Kontrollorgans verfügen.
A.r In ihrer Stellungnahme vom 4. Februar 2020 beantragte die Beschwer-
deführerin die Durchführung der Kontrolle im Sinn der Vereinbarung (ex-
klusiv der Frage der Klageanerkennung). Diese sei rechtsgültig.
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Seite 5
B.
Am 21. Februar 2020 verfügte die Vorinstanz wie folgt:
"1. Die Firma B._, _, wird als besonderes Kontrollorgan zur
Durchführung einer Lohnbuchkontrolle bei der X._ AG, _,
eingesetzt;
2. [Zeitraum der Durchführung der Lohnbuchkontrolle];
3. Kontrolliert werden folgende allgemeinverbindlich erklärten Artikel des GAV
für den Personalverleih:
- Lohnklasseneinteilung (Art. 19)
- Mindestlohn (Art. 20)
- 13. Monatslohn (Art. 18)
- Arbeitszeiten, Überstunden und -zeiten, Lohnzuschläge (Art. 12,
Art. 24, Art. 25)
- Ferien (Art. 13)
- Feiertage (Art. 14)
- Kurzabsenzen (Art. 15, Prüfung im Rahmenarbeitsvertrag)
- Einhaltung der EKAS-Richtlinien usw. (Art. 26)
- Auswärtige Verpflegung (Art. 27)
- Lohnfortzahlung bei Krankheit / Krankentaggeld-Versicherung
(Art. 28 und Art. 29)
- Verwendung der Überschussbeteiligung (Art. 29 Abs. 2 lit. a)
- Berufliche Vorsorge (Art. 31)
[weitere Anordnungen zum Kontrollgegenstand];
4. [Pflicht zur Unterlagen- und Datenherausgabe und Auskunftserteilung];
5. [Zustellung des Kontrollberichts an die Vorinstanz];
6. Die Kontrollkosten gehen zu Lasten der X._ AG, _. Allfällige
Mehrkosten gegenüber der Offerte der Firma B._, die objektiv be-
gründbar sind, gehen ebenfalls zu Lasten der X._ AG, _;
7. [Zustellung der Verfügung]."
Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die
B._ die gesetzlichen Voraussetzungen für die Einsetzung als be-
sonderes Kontrollorgan erfülle. Insbesondere sei die B._ von der
Beschwerdeführerin und der RPKD unabhängig. Zudem habe die
B._ die "tiefste", detaillierteste und am besten nachvollziehbare Of-
ferte vorgelegt. Es lägen keine besonderen Umstände vor, um vom Grund-
satz abzuweichen, wonach die Kontrollkosten zu Lasten des Arbeitsgebers
gingen, welcher eine besondere Kontrolle verlange.
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C.
Gegen diese Verfügung hat die Beschwerdeführerin am 25. März 2020 vor
dem Bundesverwaltungsgericht Beschwerde mit folgenden Begehren er-
hoben:
"1. Die angefochtene Verfügung vom 21. Februar 2020 sei aufzuheben und an
die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen,
eventualiter
2. Es sei die G._ AG als unabhängiges Kontrollorgan einzusetzen und
es sei über die Kostentragung zu entscheiden.
3. Alles mit Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerde-
gegners.
4. Es sei unter Berücksichtigung der bundesrätlichen Notstandsanordnungen
eine zusätzliche Frist von 90 Tagen zur Ergänzung der Beschwerdefrist
einzuräumen."
Die Vorinstanz habe Art. 6 AVEG verletzt. Sie habe keine Offerte der
G._ AG eingeholt, obwohl die RPKD und sie – die Beschwerdefüh-
rerin – sich auf diese Firma als eine gemeinsame Kontrollstelle geeinigt
hätten und die Vorinstanz mit dieser Einigung einverstanden gewesen sei.
Die Offerte der B._ sei mehr als 100 % höher als die informell ab-
gegebene Offerte der G._ AG. Zudem habe sie – die Beschwerde-
führerin – die B._ mit Schreiben vom 20. August 2019 wegen mög-
licher Befangenheit als Kontrollorgan abgelehnt. Die Vorinstanz habe mit
ihrem Vorgehen auch ihr rechtliches Gehör und den Grundsatz von Treu
und Glauben verletzt und willkürlich gehandelt. Für die Verzögerung des
Verfahrens sei die Vorinstanz alleine verantwortlich. Aufgrund einer mögli-
chen Befangenheit hätte die Ressortleiterin Gesamtarbeitsverträge PAGA
bei der Vorinstanz die angefochtene Verfügung nicht unterschreiben dür-
fen. Der Entscheid der RPKD, ein unabhängiges Kontrollorgan zu verlan-
gen, beruhe auf besonderen Umständen. Demzufolge seien ihr – der Be-
schwerdeführerin – die Kontrollkosten ganz oder zumindest zum Teil zu
erlassen.
D.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 19. Mai 2020 die
Abweisung der Beschwerde. Sie habe die G._ AG nie als mögliches
besonderes Kontrollorgan genannt. Stattdessen habe sie die Beschwerde-
führerin unter anderem zur B._ als besonderes Kontrollorgan ange-
hört. Die Tatsache, dass sie – die Vorinstanz – keine Offerte bei der
G._ AG für die Durchführung einer besonderen Kontrolle eingeholt
habe, verletze weder das rechtliche Gehör noch den Grundsatz von Treu
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und Glauben noch Art. 6 AVEG. Die Beschwerdeführerin habe es trotz ihrer
Mitwirkungspflicht bis zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung unterlas-
sen, sie – die Vorinstanz – über die Möglichkeit zu informieren, bei der
G._ AG eine deutlich günstigere Offerte einzuholen. Eine privat-
rechtliche Vereinbarung mit der RPKD sei vom Verwaltungsverfahren zur
Einsetzung eines besonderen Kontrollorgans zu unterscheiden. Sie habe
sich der Unabhängigkeit der B._ von der RPKD versichert. Der Vor-
wurf einer Befangenheit der Ressortleiterin sei haltlos.
E.
Die Beschwerdeführerin wendet in ihrer Replik vom 11. Juni 2020 ein, die
Vorinstanz habe sich über den klaren Wortlaut und den Sinn und Zweck
von Art. 6 AVEG hinweggesetzt und anstelle der Vertragsparteien ein an-
deres Gremium angehört. Sie – die Beschwerdeführerin – habe mit Schrei-
ben vom 29. Oktober 2019 ausdrücklich die G._ AG als mögliche
Kontrollstelle vorgeschlagen. Mit ihrem Vorgehen, weder die G._
AG für eine Offerte anzufragen, noch ihr – der Beschwerdeführerin – Ge-
legenheit für einen neuen Vorschlag einer Kontrollstelle zu geben, habe die
Vorinstanz sowohl gegen den Grundsatz des Handelns nach Treu und
Glauben als auch gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs verstos-
sen. Es erscheine als völlig willkürlich, ausgerechnet bei der Firma keine
Offerte einzuholen, auf die sich die Parteien mit Zustimmung der Vorin-
stanz bereits geeinigt hätten und welche voraussichtlich auch die kosten-
günstigste und effizienteste Wahl gewesen wäre. Die Vorinstanz habe mit
der B._ ausgerechnet die Firma ausgewählt, welche sie – die Be-
schwerdeführerin – als einzige Firma abgelehnt habe. Es bestünden be-
rechtigte Zweifel an der Unabhängigkeit der Ressortleiterin.
F.
Mit Eingabe vom 26. Juni 2020 verzichtet die Vorinstanz auf die Einrei-
chung einer Duplik.
G.
Die RPKD hat auf Nachfrage des Bundesverwaltungsgerichts hin konklu-
dent auf eine Konstituierung als interessierte Dritte oder Partei verzichtet.
H.
Auf die bisher genannten und weitere Vorbringen der Parteien wird, soweit
entscheiderheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der Vor-
instanz vom 21. Februar 2020. Es handelt sich dabei um eine Verfügung
im Sinn von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember
1968 (VwVG, SR 172.021; vgl. Urteil des BVGer B-4174/2018 vom 3. April
2019 E. 1.1 mit Hinweisen), welche der Beschwerde an das Bundesver-
waltungsgericht unterliegt (Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verwaltungsge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Damit ist das Bun-
desverwaltungsgericht zuständig.
1.2 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men, ist als Adressatin der angefochtenen Verfügung durch diese beson-
ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Sie ist daher zur Beschwerdeführung legi-
timiert.
1.3 Das Rechtsschutzinteresse der Beschwerdeführerin hinsichtlich ihres
Begehrens um Fristverlängerung zur Ergänzung der Beschwerdebegrün-
dung (Ziff. 4 des Beschwerdeantrags) ist indessen nicht mehr gegeben.
Das Bundesverwaltungsgericht hat diesem Antrag mit Zwischenverfügung
vom 26. März 2020 (Dispositiv-Ziff. 2) unter Hinweis auf die Verordnung
vom 20. März 2020 über den Stillstand der Fristen in Zivil- und Verwal-
tungsverfahren zur Aufrechterhaltung der Justiz im Zusammenhang mit
dem Coronavirus (COVID-19, SR 173.110.4; im Folgenden: Corona-Ver-
ordnung) und der allfälligen Möglichkeit zu einem zweiten Schriftenwechsel
zum damaligen Zeitpunkt nicht stattgegeben. Der eben erwähnte Schrif-
tenwechsel ist zwischenzeitlich erfolgt (vgl. Sachverhalt Bst. E bis F). Somit
ist der obgenannte Antrag unterdessen gegenstandslos geworden.
1.4 Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerde innerhalb der gesetzli-
chen Frist eingereicht (Art. 50 Abs. 1 VwVG). Die Anforderungen an Form
und Inhalt der Rechtsschrift sind erfüllt, und der Kostenvorschuss wurde
fristgerecht geleistet (Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist daher im dargelegten Umfang einzutreten.
B-1726/2020
Seite 9
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid
auf Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich der unrichtigen oder un-
vollständigen Feststellung des Sachverhalts und Überschreitung oder
Missbrauch des Ermessens) sowie grundsätzlich auch auf Angemessen-
heit hin (Art. 49 VwVG). Die Rechtsanwendung erfolgt von Amtes wegen,
ohne Bindung an die Begründung der Parteibegehren (Art. 62 Abs. 4
VwVG).
2.2 Im vorliegenden Fall stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um
Einsetzung eines unabhängigen besonderen Kontrollorgans nach Art. 6
AVEG. Umstritten und zu prüfen ist unter anderem, welcher Firma diese
Überprüfung übertragen werden soll.
2.3 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
grundsätzlich mit voller Kognition. Räumt das Gesetz der Behörde – in
Form von unbestimmten Gesetzesbegriffen – einen Beurteilungsspielraum
oder Ermessen ein, so übt das Bundesverwaltungsgericht bei der einzel-
fallweisen Überprüfung von örtlichen, technischen oder tatsächlichen Ver-
hältnissen, die der Verwaltungsbehörde näher stehen, praxisgemäss Zu-
rückhaltung beziehungsweise setzt nicht ohne Weiteres sein eigenes Er-
messen an jenes der Verwaltung. Soweit die Vorinstanz die für den Ent-
scheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen Abklä-
rungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat, weicht das Bundesver-
waltungsgericht bei Fachfragen nicht ohne Not beziehungsweise zwingen-
den Grund von deren Auffassung ab, sondern respektiert die Einschätzung
der für die kohärente Konkretisierung und Anwendung des Gesetzes pri-
mär verantwortlichen Vorinstanz (BGE 136 I 184 E. 2.2.1; BVGE 2015/33
E. 4.3; Urteile des BVGer B-4072/2019 vom 20. Mai 2020 E. 2.2 und
B-4174/2018 vom 3. April 2019 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. Urteil
des BVGer B-3427/2019 vom 7. Januar 2021 E. 2.3).
In casu verfügt die Vorinstanz beim Entscheid, welche Firma sie als beson-
deres unabhängiges Kontrollorgan im Sinn von Art. 6 Abs. 1 AVEG einsetzt,
über ein gewisses Ermessen mithin über einen Spielraum bei der Beurtei-
lung und Anwendung der in Art. 6 AVEG verwendeten unbestimmten Be-
griffe "unabhängig" und "besondere Umstände" im Zusammenhang mit der
Kostentragung (vgl. in E. 9 ff.).
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Seite 10
3.
3.1 Die gesetzliche Grundlage von Art. 6 AVEG für die Einsetzung eines
besonderen Kontrollorgans gilt namentlich für Arbeitgeber, auf die der Gel-
tungsbereich des Gesamtarbeitsvertrags ausgedehnt wird (vgl. Art. 6
Abs. 1 AVEG). Nach Art. 1 Abs. 1 AVEG kann der Geltungsbereich eines
zwischen Verbänden abgeschlossenen Gesamtarbeitsvertrags auf Antrag
aller Vertragsparteien durch Anordnung der zuständigen Behörde (Allge-
meinverbindlicherklärung) auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer des betreffen-
den Wirtschaftszweigs oder Berufs ausgedehnt werden, die am Vertrag
nicht beteiligt sind.
3.2 Swisstaffing, die Gewerkschaften Unia und Syna, der Kaufmännische
Verband (KV) Schweiz und der Verband Angestellte Schweiz schlossen am
17. März 2009/15. Juli 2011 den GAV Personalverleih. Der Bundesrat er-
klärte gewisse Bestimmungen dieses GAV mit Beschluss vom 13. Dezem-
ber 2011 als allgemeinverbindlich (Bundesblatt [BBl] 2011 9223) und hat
diesen Beschluss bislang mehrmals verlängert (vgl. BBl 2014 9733, 2015
8673, 2016 3435 und 2018 7775). Die zwischenzeitlich erfolgten Änderun-
gen dieser als allgemeinverbindlich erklärten GAV-Bestimmungen erklärte
der Bundesrat mit Beschlüssen vom 20. Juni 2013 (BBl 2013 6165),
29. März 2016 (BBl 2016 3435), 17. November 2017 (BBl 2017 7825) und
12. Dezember 2018 (BBl 2018 7775) ebenfalls als allgemeinverbindlich.
Die letztgenannte allgemeinverbindlich erklärte Fassung des GAV Perso-
nalverleih war gemäss Bundesratsbeschluss vom 12. Dezember 2018 bis
31. Dezember 2020 gültig. Eine Verlängerung dieser Allgemeinverbindli-
cherklärung durch den Bundesrat ist seither nicht erfolgt.
Die Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung ist nach der Rechts-
lage im Zeitpunkt ihres Ergehens (21. Februar 2020) zu beurteilen (vgl.
BGE 139 II 243 E. 11.1; Urteile des BVGer A-897/2019 vom 27. März 2020
E. 2 und A-2760/2019 vom 29. Oktober 2019 E. 3.4.2 mit weiteren Hinwei-
sen). Insofern sind die allgemeinverbindlich erklärten Bestimmungen des
GAV in der Fassung vom 12. Dezember 2018 massgebend, welche bis
Ende des Jahres 2020 Gültigkeit hatten.
3.3 Gestützt auf Art. 32 der allgemeinverbindlich erklärten Bestimmungen
des GAV Personalverleih (die Fassung vom 29. März 2016 beliess der
Bundesrat in seinem Beschluss vom 12. Dezember 2018 unverändert;
GAV Personalverleih nachfolgend GAV) obliegen die gemeinsame Umset-
zung, Durchführung und Durchsetzung der Bestimmungen dieses GAV der
Schweizerischen Paritätischen Berufskommission Personalverleih
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Seite 11
(SPKP). Nach Art. 33 der allgemeinverbindlich erklärten Bestimmungen
dieses GAV bestehen drei nach Sprachregionen definierte regionale pari-
tätische Berufskommissionen (RPK: RPKD, RPKR, RPKT), die für den
Vollzug der Bereiche ohne Branchen-Vollzugsorgane zuständig sind. Für
die deutschsprachige Schweiz ist dies die RPKD, womit diese in casu zu-
ständig ist. Dabei werden mit der Übertragung des Vollzugs unter anderem
die Kompetenzen zur Kontrolle der Einhaltung der Bestimmungen dieses
GAV und zur Auferlegung der Kontrollkosten übertragen (Art. 33 der allge-
meinverbindlich erklärten Bestimmungen dieses GAV). Die SPKP ist Auf-
sichtsinstanz über die regionalen paritätischen Berufskommissionen
(Art. 33 der allgemeinverbindlich erklärten Bestimmungen dieses GAV).
Branchen-Vollzugsorgane sind Organe der Branchen mit allgemeinver-
bindlich erklärtem GAV (ave GAV) oder einem nicht-allgemeinverbindlichen
GAV gemäss Anhang 1 zum GAV; diese Organe vollziehen die GAV-Be-
stimmungen innerhalb dieser Branchen (vgl. Art. 34 Abs. 1 der allgemein-
verbindlich erklärten Bestimmungen dieses GAV).
3.4 Die Allgemeinverbindlicherklärung von Kontrollrechten bedeutet eine
weitgehende Ausdehnung der Verbandskompetenz gegenüber den soge-
nannten Aussenseitern (VISCHER/ALBRECHT, Der Arbeitsvertrag, in: Zür-
cher Kommentar, Obligationenrecht, Band V/2c, 4. Aufl. 2006, Art. 356b OR
N 166). Als solche werden Arbeitgeber und Arbeitnehmer des betreffenden
Berufs oder Wirtschaftszweigs bezeichnet, welche – wie die Beschwerde-
führerin, die unstrittig dem Geltungsbereich des Art. 6 Abs. 1 AVEG unter-
worfen ist – nicht bereits dadurch dem GAV unterstehen, dass sie Mitglied
eines vertragsschliessenden Verbands sind oder eine Anschlusserklärung
unterschrieben haben (vgl. GIACOMO RONCORONI, in: Altermatt et al.
[Hrsg.], Handbuch zum kollektiven Arbeitsrecht, 2009, Art. 1-21 AVEG
N 20; VISCHER/ALBRECHT, a.a.O., Art. 356b OR N 166; vgl. zum Ganzen
auch Urteil des BVGer B-4072/2019 vom 20. Mai 2020 E. 3.3). Diese ha-
ben gemäss Art. 6 Abs. 1 AVEG folgende Möglichkeit:
"Arbeitgeber und Arbeitnehmer, auf die der Geltungsbereich des Gesamtar-
beitsvertrags ausgedehnt wird, können jederzeit bei der zuständigen Behörde
die Einsetzung eines besonderen, von den Vertragsparteien unabhängigen
Kontrollorgans an Stelle der im Vertrag vorgesehenen Kontrollorgane verlan-
gen. Dieses Kontrollorgan kann auch auf Antrag der Vertragsparteien einge-
setzt werden, wenn sich ein am Vertrag nicht beteiligter Arbeitgeber oder Ar-
beitnehmer weigert, sich einer Kontrolle des paritätischen Organs zu unterzie-
hen."
Die Abs. 2 f. von Art. 6 AVEG legen zum besonderen Kontrollorgan zudem
Folgendes fest:
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Seite 12
"2 Die zuständige Behörde bestimmt Gegenstand und Umfang der Kontrolle
nach Anhörung der Vertragsparteien und des Arbeitgebers oder Arbeitneh-
mers, der die Einsetzung eines besonderen Kontrollorgans verlangt oder
der sich geweigert hat, sich der Kontrolle des paritätischen Organs zu un-
terziehen.
3 Die Kontrollkosten gehen zu Lasten des Arbeitgebers oder Arbeitnehmers,
der eine besondere Kontrolle verlangt oder der sich geweigert hat, sich der
Kontrolle des paritätischen Organs zu unterziehen; sie können jedoch von
der zuständigen Behörde ganz oder teilweise den Vertragsparteien aufer-
legt werden, wenn besondere Umstände dies rechtfertigen."
3.5 Ausser dem Erfordernis der Unabhängigkeit von den Vertragsparteien
(vgl. Art. 6 Abs. 1 AVEG) hält das Gesetz keine spezifischen Anforderungen
fest, denen das besondere Kontrollorgan genügen muss. Der Vorinstanz
kommt somit grundsätzlich ein grosser Ermessensspielraum zu, wenn es
darum geht, dieses Organ zu bestimmen. Sie kann Letzteres, unter Vorbe-
halt einer vertretbaren Beurteilung der Unabhängigkeit und der Beachtung
allgemeiner Rechtsgrundsätze wie des Willkürverbotes grundsätzlich un-
abhängig von allfälligen Wünschen der Aussenseiter und vertragsschlies-
senden Verbände bezeichnen (RONCORONI, a.a.O., Art. 1-21 AVEG N 211;
SCHWEINGRUBER/BIGLER, Kommentar zum Gesamtarbeitsvertrag mit Ein-
schluss der Allgemeinverbindlicherklärung, 3. Aufl. 1985, S. 121). Als un-
abhängiges Kontrollorgan kann eine staatliche oder eine private Stelle ein-
gesetzt werden (VISCHER/ALBRECHT, a.a.O., Art. 356b OR N 166 mit wei-
teren Hinweisen; zum Ganzen: Urteil des BVGer B-4072/2019 vom 20. Mai
2020 E. 6.2).
3.6 Zweck der Wahlmöglichkeit nach Art. 6 AVEG ist es, zu verhindern,
dass Aussenseiter gegen ihren Willen der verbandsinternen Kontrolle un-
terstellt werden müssen (vgl. JEAN-FRITZ STÖCKLI, Gesamtarbeitsvertrag
und Normalarbeitsvertrag, in: Berner Kommentar, Obligationenrecht, Band
VI/2/2/3, 1999, Art. 356b N 92 f.; VISCHER/ALBRECHT, a.a.O., Art. 356b OR
N 165 f.; RONCORONI, a.a.O., Art. 1-21 AVEG N 206; SCHWEINGRUBER/BIG-
LER, a.a.O., S. 120; Botschaft des Bundesrats vom 29. Januar 1954 zum
Entwurf eines Bundesgesetzes über den Gesamtarbeitsvertrag und des-
sen Allgemeinverbindlichkeit, BBl 1954 I 178). Die Einsetzung eines neut-
ralen Kontrollorgans hat den Vorteil, dass die Lohnbuchkontrolle durch eine
neutrale und nicht durch eine von der paritätischen Kommission (wirtschaft-
lich) abhängige Person durchgeführt wird (vgl. CHRISTOPH SENTI, Lohn-
buchkontrollen bei allgemeinverbindlichen GAV und NAV [= Normalarbeits-
verträgen]: praktische Probleme und Abgrenzungsfragen, in: Aktuelle Ju-
ristische Praxis [AJP] 2010, S. 19; zum Ganzen: Urteil des BVGer
B-4174/2018 vom 3. April 2019 E. 3.1.4).
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Seite 13
3.7 Gemäss Art. 20 Abs. 2 AVEG liegt bei Allgemeinverbindlicherklärungen,
die vom Bundesrat angeordnet werden, die Zuständigkeit für die Einset-
zung eines unabhängigen Kontrollorgans beim SECO (Urteil des BVGer
B-4072/2019 vom 20. Mai 2020 E. 3.5; vgl. SECO, Bericht GAV-Standort-
bestimmung, Mai 2014 [zu finden unter: <http://www.news.ad-
min.ch/NSBSubscriber/message/attachments/34715.pdf>, besucht am
15. Februar 2021], S. 76; RONCORNI, a.a.O., Art. 1-21 AVEG N 212).
4.
Vorliegend verlangt die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefoch-
tenen Verfügung und die Zurückweisung der Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz. Eventualiter sei die G._ AG – wie im undatierten
Vereinbarungsentwurf (Vernehmlassungsbeilage 29) mit der RPKD ange-
strebt – als unabhängiges Kontrollorgan einzusetzen und über die Kosten-
tragung zu entscheiden.
4.1 Einigen sich die Vertragsparteien eines GAV mit einem an diesem nicht
beteiligten Arbeitgeber, auf welchen der Geltungsbereich dieses GAV aber
ausgedehnt wurde, vertraglich auf die Einsetzung des in diesem GAV ge-
nannten paritätischen Organs als Kontrollstelle, handelt es sich um das in
diesem GAV vorgesehene Kontrollorgan (vgl. Art. 6 Abs. 1 AVEG). Letzte-
rer ist ein privatrechtlicher Vertrag zwischen Verbänden von Arbeitnehmern
(Gewerkschaften) einerseits und Verbänden von Arbeitgebern oder einzel-
nen Arbeitgebern andererseits, welcher in Art. 356 ff. des Obligationen-
rechts vom 30. März 1911 (OR, SR 220) geregelt ist (vgl. Urteil des BVGer
A-5092011 vom 18. Juli 2011 E. 8.2.1 f.; PORTMANN/RUDOLPH, in: Hon-
sell/Vogt/Wiegand [Hrsg.], Basler Kommentar Obligationenrecht I, Art. 1-
529, 6. Aufl. 2015, Art. 356 OR N 1 ff.). Die Einsetzung dieses Organs un-
tersteht somit den Regeln des Privatrechts.
Kommt hingegen zwischen den Vertragsparteien des betreffenden GAV
und dem erwähnten, an diesem GAV unbeteiligten Arbeitgeber keine pri-
vatrechtliche Einigung auf das in diesem GAV vorgesehene Kontrollorgan
zustande, wird auf Verlangen des Arbeitgebers ein besonderes unabhän-
giges Kontrollorgan gemäss Art. 6 AVEG eingesetzt (vgl. Art. 6 Abs. 1
AVEG). Die Einsetzung wird durch die zuständige Behörde nach Art. 20
AVEG – hier: das SECO (E. 3.7) – angeordnet und ist öffentlich-rechtlicher
Natur beziehungsweise dem öffentlichen Recht zuzuordnen (vgl. BGE 124
III 478 E. 2; Urteile des BVGer B-4058/2016 vom 9. August 2018 E. 3.2 und
B-3424/2015 vom 9. Dezember 2016 E. 1.1.2).
B-1726/2020
Seite 14
Im Geltungsbereich des GAV Personalverleih obliegt die Einsetzung des in
ihm vorgesehenen Kontrollorgans der RPKD (vgl. Art. 33 der allgemeinver-
bindlich erklärten Bestimmungen des GAV Personalverleih in der Fassung
vom 12. Dezember 2018). Einigt sich letztere mit einer Aussenseiterin im
Rahmen einer privatrechtlichen Vereinbarung auf die Einsetzung einer
Kontrollstelle, hängt diese Übereinkunft somit inhaltlich nicht vom Einver-
ständnis einer Behörde ab, sondern ist ebenfalls privatrechtlicher Natur.
4.2 Die Vorinstanz hat demnach kein besonderes Kontrollorgan nach Art. 6
AVEG anzuordnen, falls die RPKD die Einsetzung einer Kontrollstelle pri-
vatrechtlich regeln konnte. Somit hat die Vorinstanz die Beschwerdeführe-
rin in casu mit Schreiben vom 22. November 2019 (Sachverhalt Bst. A.m;
Vernehmlassungsbeilage 30) zurecht darauf hingewiesen, dass sie das
Gesuch um Einsetzung eines besonderen Kontrollorgans nach Art. 6 AVEG
als erledigt betrachte, falls es zu einer Vereinbarung über eine Kontrolle
zwischen der Beschwerdeführerin und der RPKD komme.
4.3 Die Parteien bemühten sich um den Abschluss einer "Vereinbarung i.S.
Lohnbuchkontrolle" zwischen der Beschwerdeführerin und der RPKD.
Diese Übereinkunft hätte die Durchführung einer Lohnbuchkontrolle durch
die G._ AG einvernehmlich geregelt. Dabei wäre die RPKD die Auf-
traggeberin dieser Kontrolle gewesen (Ziff. 2 des Entwurfs dieser Verein-
barung [Vernehmlassungsbeilage 31]; Schreiben der Beschwerdeführerin
vom 29. Oktober 2019 an die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage 27]).
Diese Regelung wäre mit Art. 33 der allgemeinverbindlich erklärten Best-
immungen des GAV Personalverleih (in der Fassung vom 12. Dezember
2018) konform gewesen. Diese Vereinbarung und damit auch die darin vor-
gesehene Einsetzung der G._ AG wäre dem Privatrecht unterstan-
den (vgl. E. 4.1). Die Vereinbarung kam jedoch mangels Einigung über die
Frage der Anerkennung der vor dem Zürcher Handelsgericht hängigen
Klage nicht zustande (vgl. Sachverhalt Bst. A.p-q). Ob und wie weit auch
die Frage der Kostentragung mit ein Grund des Scheiterns der Vereinba-
rung war, lässt sich aufgrund der Akten nicht restlos klären.
4.4 Die Beschwerdeführerin erwartet im Rahmen des vorliegenden öffent-
lich-rechtlichen Verfahrens, dass die Vorinstanz oder eventuell das Bun-
desverwaltungsgericht die G._ AG, wie in der gescheiterten Verein-
barung zwischen ihr und der RPKD ursprünglich vorgesehen, als unabhän-
giges Kontrollorgan einsetzt.
B-1726/2020
Seite 15
4.5 Die Vorinstanz wies die Beschwerdeführerin bereits mit Schreiben vom
16. Dezember 2019 (Vernehmlassungsbeilage 33) darauf hin, dass der In-
halt der besagten Vereinbarung nicht Gegenstand des Verfahrens um Ein-
setzung eines besonderen Kontrollorgans nach Art. 6 AVEG sei. Dieser
Hinweis entspricht der in E. 4.1 dargelegten Rechtslage. Daher ist die Fol-
gerung der Beschwerdeführerin aus dem eben erwähnten Schreiben, wo-
nach die Vorinstanz mit der Einsetzung der G._ AG als solches Or-
gan einverstanden gewesen sei, weder korrekt noch relevant.
Die Vorinstanz sprach zu keinem Zeitpunkt davon, bei einer allfälligen Ei-
nigung zwischen der RPKD und der Beschwerdeführerin die von ihnen be-
stimmte Kontrollstelle als besonderes Kontrollorgan einzusetzen. Vielmehr
konnte die Vorinstanz erwarten, dass die anwaltlich vertretene Beschwer-
deführerin die angestrebte privatrechtliche Einsetzung einer Kontrollstelle
von einer verwaltungsverfahrensrechtlichen Einsetzung eines besonderen
Kontrollorgans zu unterscheiden vermag. Doch selbst bei einer solchen Ei-
nigung hätte die Vorinstanz daher die G._ AG nicht als besonderes
Kontrollorgan einsetzen müssen (vgl. E. 3.5 hiervor).
5.
Die Vorinstanz schlug der Beschwerdeführerin am 4. Juni 2019 nach dem
Eingang des Gesuchs um Einsetzung eines besonderen Kontrollorgans
und nach einem einmaligen Schriftenwechsel zur Tragung der Kontrollkos-
ten die B._ als besonderes Kontrollorgan vor und bat um Bekannt-
gabe allfälliger Einwände bezüglich der Unabhängigkeit dieser Firma
(Sachverhalt Bst. A.b-d). Nach der Rückmeldung der Beschwerdeführerin
vom 24. Juni 2019 (Sachverhalt Bst. A.e), keine entsprechenden Einwände
zu haben, räumte ihr die Vorinstanz am 19. Juli 2019 Gelegenheit ein, zur
Offerte der B._ Stellung zu nehmen (Sachverhalt Bst. A.f). Als die
Beschwerdeführerin hierauf der Vorinstanz am 20. August 2019 (Vernehm-
lassungsbeilage 20) erklärte, mit der Offerthöhe nicht einverstanden zu
sein, holte die Vorinstanz weitere Offerten ein (Sachverhalt Bst. A.g-h und
A.j). Nachdem die Beschwerdeführerin auch diese Offerten abgelehnt, eine
angekündigte eigene Offerteinholung nicht umgesetzt und sich vergeblich
um eine Einsetzung der G._ AG durch die RPKD und auf deren
Kosten aufgrund einer privatrechtlichen Vereinbarung mit letzterer bemüht
hatte, erliess die Vorinstanz nach dem Scheitern dieser Bemühung
schliesslich am 21. Februar 2020 die angefochtene Verfügung, in welcher
sie die B._ als besagtes Organ einsetzte (Sachverhalt Bst. A.i-B).
B-1726/2020
Seite 16
6.
In Bezug auf das Einsetzungsverfahren rügt die Beschwerdeführerin in for-
meller Hinsicht vorab eine mehrfache Verletzung des rechtlichen Gehörs
durch die Anhörung der RPKD statt sämtlicher Vertragsparteien des GAV
Personalverleih, durch die Unterlassung der Einholung einer Offerte bei der
G._ AG sowie durch deren Nichtberücksichtigung als Kontrollorgan.
Im Zusammenhang mit der angeblich unterlassenen Offerteinholung und
Nichtberücksichtigung der G._ AG rügt sie ebenfalls eine Verlet-
zung des Grundsatzes von Treu und Glauben. Unter diesem Titel bean-
standet die Beschwerdeführerin auch, die Vorinstanz habe ihr keine Gele-
genheit eingeräumt, einen neuen Vorschlag eines Kontrollorgans zu ma-
chen.
Obwohl der Anspruch auf rechtliches Gehör formell- und der Grundsatz
von Treu und Glauben materiell-rechtlicher Natur entspringt, werden die
Rügen, die die Beschwerdeführerin grösstenteils auf die gleichen Sachum-
stände zurückführt, im Folgenden nebeneinander behandelt, womit allzu
häufige Wiederholungen in der Sachdarstellung vermieden werden kön-
nen.
6.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich aus Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101) und wird für das Ver-
waltungsverfahren in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert. Er umfasst ver-
schiedene Teilgehalte, so namentlich das Recht des Betroffenen, sich vor
Erlass eines Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizu-
bringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen
gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder
mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn
dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch umfasst
als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen
sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung
bringen kann (BGE 144 I 11 E. 5.3, 135 II 286 E. 5.1 und 127 I 54 E. 2b;
Urteil des BVGer B-4161/2020 vom 11. Januar 2021 E. 5.4 mit weiteren
Hinweisen). Im Folgenden wird auf die im vorliegenden Fall in Frage kom-
menden Teilaspekte näher eingegangen.
Art. 6 Abs. 2 AVEG sieht eine Anhörung der Vertragsparteien und des Ar-
beitgebers, welcher die Einsetzung eines besonderen Kontrollorgans ver-
langt hat, vor. Die zuständige Behörde darf den Gegenstand und Umfang
der Kontrolle erst nach dieser Anhörung bestimmen (vgl. Art. 6 Abs. 2
AVEG). Diese Anhörung soll Gewähr dafür bieten, dass nichts kontrolliert
B-1726/2020
Seite 17
wird, was mit den allgemeinverbindlich erklärten Vertragsbestimmungen in
keinem Zusammenhang steht (SCHWEINGRUBER/BIGLER, a.a.O., S. 121).
6.2 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde nicht geltend, sie
selbst sei nicht angehört worden, sondern, dass auf der Gegenseite nicht
die richtigen Vertragsparteien angehört worden seien. Die Vorinstanz habe
neben ihr als Arbeitgeberin nur die RPKD angehört. Diese sei aber gar
nicht Vertragspartei des GAV Personalverleih. Dessen Vertragsparteien
seien nicht angehört worden. Damit rügt die Beschwerdeführerin entgegen
ihrer Ansicht jedoch nicht eine Verletzung des ihr zustehenden Gehörs-
rechts, sondern eine Verfahrensverletzung.
Die Vorinstanz wendet in ihrer Vernehmlassung ein, die Vertragsparteien
des GAV Personalverleih sehr wohl konsultiert zu haben, da sie alle in der
RPKD vertreten seien. Es sei vorab dasjenige Organ der Vertragsparteien
anzuhören, welches auch für die Kontrolltätigkeit und damit die Bestim-
mung des Kontrollumfangs zuständig sei. Dies sei die RPKD.
6.2.1 Der Text des Art. 6 AVEG spricht zwar nicht von den GAV-Vertrags-
parteien, sondern schlicht von den "Vertragsparteien". Aus Art. 1 Abs. 1
AVEG ergibt sich indes, dass es sich bei den "Vertragsparteien" im AVEG
um die Parteien eines zwischen Verbänden abgeschlossenen GAV han-
delt. Die bundesrätliche Botschaft zu den heutigen Art. 2 Ziff. 3 und Art. 6
AVEG (Botschaft des Bundesrats vom 23. Juni 1999 zur Genehmigung der
sektoriellen Abkommen zwischen der Schweiz und der EG,
BBl 1999 6128-6450, 6396-6340) spricht ausdrücklich von "Vertragspar-
teien des GAV". Demnach sind in Art. 6 AVEG unter "Vertragsparteien" die-
jenigen des betreffenden GAV zu verstehen. Die Vertragsparteien des GAV
Personalverleih vom 12. Dezember 2018 sind swisstaffing, die Gewerk-
schaften Unia und Syna, der KV Schweiz und Angestellte Schweiz.
Die RPKD ist eine sprachregional definierte paritätische Berufskommis-
sion, die für den Vollzug der Bereiche ohne Branchen-Vollzugsorgane zu-
ständig ist (vgl. Art. 33 der allgemeinverbindlich erklärten Bestimmungen
des GAV Personalverleih in der Fassung vom 12. Dezember 2018). Der
RPKD sind unter anderem die Kompetenzen zur Kontrolle der Bestimmun-
gen des GAV Personalverleih und zur Auferlegung der Kontrollkosten über-
tragen (vgl. Art. 33 der allgemeinverbindlich erklärten Bestimmungen die-
ses GAV in der genannten Fassung).
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Seite 18
Die RPKD besteht laut Art. 1 Ziff. 1 ihres Reglements vom 1. Juli
2020/27. Februar 2014/20. April 2015/23. Juni 2016 (im Folgenden: RPKD-
Reglement; unter: <https://www.tempservice.ch/de/dokumente/down-
load.php>, abgerufen am 15. Februar 2021) aus Mitgliedern von swissstaf-
fing, der Gewerkschaft Unia, der Syna, von Angestellte Schweiz und des
KV Schweiz.
Die eben erwähnten Gesellschaften sind identisch mit den Vertragspar-
teien des GAV Personalverleih. Somit hat die Vorinstanz im Rahmen der
Anhörung der RPKD Vertreter sämtlicher dieser Vertragsparteien angehört,
womit sich die beschwerdeführerische Rüge insofern als unbegründet er-
weist. Die Beschwerdeführerin ist indes der Ansicht, dass statt der RPKD
Vertragsparteien eigens einzeln hätten angehört werden müssen.
Die Anhörung erfolgt gemäss Abs. 2 von Art. 6 AVEG zum Gegenstand und
Umfang der Kontrolle (E. 6.1). Die Beschwerdeführerin äussert jedoch im
vorliegenden Verfahren nicht, inwiefern die Vorinstanz sie und die Vertrags-
parteien zum Kontrollgegenstand und -umfang nicht angehört hat. Weder
Gegenstand noch Umfang der Kontrolle sind streitig (vgl. Ziff. 2 des Schrei-
bens der Beschwerdeführerin vom 13. März 2019 an die Vorinstanz [Ver-
nehmlassungsbeilage 5]). Die in Art. 6 Abs. 2 AVEG geforderte Anhörung
bezieht sich indessen ausschliesslich auf den Gegenstand und Umfang der
Kontrolle. Selbst wenn man von einem Verfahrensfehler während der ge-
setzlich geforderten Anhörung ausgehen wollte, bleibt unklar, was die Be-
schwerdeführerin hieraus im Ergebnis zu ihren Gunsten ableitet. Ange-
sichts des Zwecks, dem die Anhörung der Vertragsparteien dient, und dem
Umstand, wonach weder Gegenstand nach Umfang der Kontrolle strittig
sind, ist sogar fraglich, ob die Anhörung überhaupt nötig gewesen wäre.
Nach dem Gesagten ist der Vorinstanz zu folgen, wenn sie davon ausgeht,
dass die RPKD bei der Anhörung ohne Weiteres die Vertragsparteien im
Sinn der Arbeitgeberverbände vertreten konnte.
6.2.2 Die Beschwerdeführerin erblickt im Umstand der Anhörung der
RPKD statt sämtlicher Vertragsparteien des GAV Personalverleih auch
eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben.
Indem sich die Beschwerdeführerin zunächst über längere Zeit auf Verein-
barungsverhandlungen mit der RPKD einliess, welche schliesslich schei-
terten (vgl. E. 5), und sich erst in der Beschwerde darauf beruft, dass nicht
die RPKD, sondern die weiteren GAV-Vertragsparteien hätten angehört
werden sollen (E. 6.2), muss sich die Beschwerdeführerin allerdings selbst
B-1726/2020
Seite 19
ein treuwidriges Verhalten vorwerfen lassen. Dies verdient keinen Rechts-
schutz und ist im Sinn eines "venire contra factum proprium" als rechts-
missbräuchlich zu qualifizieren (vgl. BGE 126 V 308 E. 3).
6.3 Gemäss den Ausführungen der Beschwerdeführerin in der Sache geht
es ihr vor allem um die Kosten der durchzuführenden Kontrolle. Sie legt
indes nicht konkret dar, inwiefern die Vorinstanz sie und die Vertragspar-
teien zu den voraussichtlichen Kontrollkosten der von der Vorinstanz aus-
gewählten Kontrollfirma nicht angehört hat und was die Vertragsparteien
selbst, soweit die RPKD nicht als solche zu betrachten wäre, hierzu hätten
vorbringen können. Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin und die di-
rekt involvierte RPKD unstrittig zur Einsetzung von D._ AG,
E._ GmbH oder B._ als mögliches Kontrollorgan sowie zur
Offerte der B._ vom 18. Juli 2019 angehört (vgl. Schreiben der Vor-
instanz vom 19. Juli 2019 an die Beschwerdeführerin und die RPKD [Ver-
nehmlassungsbeilage 16], inkl. Beilage, und Schreiben der Vorinstanz vom
20. September 2019 an die Beschwerdeführerin und die RPKD [Vernehm-
lassungsbeilage 24], inkl. Beilagen).
6.4 Die Beschwerdeführerin erblickt sodann im Umstand, dass sich die
Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 21. Februar 2020 über den gemeinsa-
men Vorschlag von ihr und der RPKD, eine Offerte von der G._ AG
einzuholen, hinweggesetzt habe, sowohl eine Gehörsverletzung als auch
eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben. Die Vorinstanz
habe über das von ihr am 20. August 2019 schriftlich gestellte Gesuch (Ver-
nehmlassungsbeilage 20), bei der G._ AG eine Offerte einzuholen,
nicht entschieden. Sie sei mit dem Gesuch einem Wunsch der Vorinstanz
nachgekommen.
Die Vorinstanz wendet in ihrer Vernehmlassung sinngemäss ein, die
G._ AG nie als mögliches Kontrollorgan genannt zu haben. Es sei
zwischen der vorgeschlagenen privatrechtlichen Vereinbarung der Be-
schwerdeführerin mit der RPKD und dem Verwaltungsverfahren um Ein-
setzung eines besonderen Kontrollorgans zu unterscheiden. Sie habe nie
den Anschein erweckt, dass sie beabsichtige, die G._ AG als be-
sonderes Kontrollorgan einzusetzen.
6.5 Die Beschwerdeführerin erklärte der Vorinstanz zunächst am 24. Juni
2019 auf Frage hin, keine Einwände gegen die Einholung einer Offerte bei
der Firma B._ zu haben (Sachverhalt Bst. A.e), lehnte die von die-
ser Firma vorgelegte Offerte dann aber am 20. August 2019 wegen deren
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Seite 20
Höhe und einer Kontaktaufnahme dieser Firma mit der RPKD ab und er-
suchte die Vorinstanz um Einholung weiterer Offerten, ohne irgendwelche
Firmen vorzuschlagen. Dabei stellte sie erneut in Aussicht, zumindest eine
weitere Offerte von einer Firma einzuholen, von der sie wisse, dass sie für
die RPKD tätig sei (Schreiben der Beschwerdeführerin vom 20. August
2019 an die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage 20]), worauf die Vorin-
stanz die Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 26. August 2019 um Mittei-
lung des Namens der betreffenden Firma bat, sobald dieser bekannt sei.
Am 30. September 2019 antwortete die Beschwerdeführerin der Vorin-
stanz, sie versuche, ihr eine Offerte der F._ AG und eine Offerte
einer anderen Firma zu unterbreiten. Die Vorinstanz beschied der Be-
schwerdeführerin hiernach am 2. Oktober 2019, dass ihr die Einholung wei-
terer Offerten freistehe. Die Beschwerdeführerin äusserte hiernach den
Wunsch, die G._ AG als Kontrollfirma einzusetzen, und begründete
diesen ausdrücklich damit, dass diese Firma der RPKD bekannt sei (vgl.
Schreiben der Beschwerdeführerin vom 29. Oktober 2019 an die Vorinstanz
[Vernehmlassungsbeilage 27]). Die beiden von der Vorinstanz zusätzlich
eingeholten Offerten und eine selbst eingereichte Offerte der Firma
F._ lehnte die Beschwerdeführerin am 29. Oktober 2019 aus "ver-
schiedenen, vor allem aber aus Kostengründen" ebenfalls ab. Zugleich
stellte sie erneut eigene weitere Offertabklärungen in Aussicht und erklärte,
dass die Beauftragung der G._ AG die für alle Parteien effizienteste
Lösung wäre (Schreiben der Beschwerdeführerin vom 29. Oktober 2019
an die Vorinstanz). Demnach konnte die Vorinstanz erwarten, dass die Be-
schwerdeführerin namentlich eine Offerte der G._ AG einholen
wird. Trotzdem unterliess es die Beschwerdeführerin in der Folge, der Vor-
instanz eine weitere Offerte einzureichen.
Die Beschwerdeführerin und die RPKD versuchten damals zwar noch, wie
oben in E. 5 bereits erwähnt, sich mittels einer Vereinbarung über die Ein-
setzung der G._ AG für die Lohnbuchkontrolle bei der Beschwerde-
führerin gütlich zu einigen. Am 19. November 2019 stellte die RPKD der Be-
schwerdeführerin einen Vereinbarungsentwurf zu (Vernehmlassungsbeilage
29), nachdem sich die RPKD und die Beschwerdeführerin am 29. November
2018 in einem Telefongespräch darauf geeinigt hatten, die Durchführung der
Betriebsprüfung in einer Vereinbarung zu regeln (vgl. Schreiben der Be-
schwerdeführerin vom 30. November 2018 an die Geschäftsstelle Vollzug
GAV Personalverleih [Vernehmlassungsbeilage 3]). Ziffer 2 dieses Entwurfs
sieht vor, dass die RPKD die G._ AG mit dieser Kontrolle bei der Be-
schwerdeführerin beauftrage, wobei die Kontrollperiode die Zeit vom 1. Ja-
nuar 2018 bis 31. Dezember 2019 sei. Ziffer 5 des Entwurfs legt fest, dass
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Seite 21
allfällige Kontrollkosten gemäss Art. 31bis in Verbindung mit Anhang 2 des
Reglements des Vereins "I._" verlegt würden. Gemäss Ziffer 6 die-
ses Entwurfs überprüft die G._ AG die Einhaltung der Lohn- und Ar-
beitszeitbestimmungen bei den Arbeitnehmenden, welche in der erwähnten
Kontrollperiode durch die Beschwerdeführerin "verliehen" worden seien
(Satz 1) und ermittelt zusätzlich die Höhe der geschuldeten Vollzugskosten-
beiträge für die Jahre 2013 bis 2019 in Bezug auf alle verliehenen Personen
(Satz 2). Nach Ziffer 7 des Entwurfs anerkennt die Beschwerdeführerin das
Kontrollergebnis und die gestützt auf diese Kontrolle bestimmten Vollzugs-
kostenbeiträge zu schulden. Die Beschwerdeführerin war freilich mit Ziffer 6,
Satz 2, und Ziffer 7 dieses Entwurfs nicht einverstanden (Schreiben der Be-
schwerdeführerin vom 4. Dezember 2019 an die Vorinstanz [Vernehmlas-
sungsbeilage 31]). Die RPKD bat die Vorinstanz deshalb um Kenntnis-
nahme, dass eine gütliche Einigung mittels einer privatrechtlichen Vereinba-
rung gescheitert sei und beantragte, dass die Kontrollkosten zu Lasten der
Beschwerdeführerin gingen (Schreiben der RPKD vom 9. Januar 2020 an
die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage 36]).
Die Beschwerdeführerin behauptet nun, dass die Vorinstanz die
G._ AG als Kontrollfirma hätte beauftragen sollen (vgl. Sachverhalt
Bst. A.n und Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 4. Februar 2020
an die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage 39]). Sie ist in ihrer Be-
schwerde und Replik der Ansicht, dass sie sich mit der RPKD auf die Ein-
setzung der G._ AG als Kontrollstelle, geeinigt habe und es keinen
sachlichen Grund gebe, von dieser Einigung abzuweichen.
Als die RPKD erklärte, dass keine Einigung erreicht wurde, durfte die Vor-
instanz zu Recht davon ausgehen, dass eine privatrechtliche Vereinbarung
nicht zustande gekommen war. Es liegt entgegen der Auffassung der Be-
schwerdeführerin nicht in der Kompetenz der Vorinstanz, eine ausserhalb
des Verwaltungsverfahrens mithin privatrechtliche Vereinbarung auf ihre
Teilgültigkeit zu überprüfen. Die Vorinstanz hatte nach der Erklärung einer
der Parteien über das Scheitern keine andere Möglichkeit, als die Einset-
zung des besonderen Kontrollorgans mittels Verfügung selbst anzuordnen.
Die Beschwerdeführerin geht zu Unrecht davon aus, dass die angestrebte
Vereinbarung Teilgültigkeit in Bezug auf jene Punkte erlangt, die nicht zum
Scheitern der Vereinbarung führten, insbesondere auch, wenn der Verein-
barungsentwurf wie in casu von einer der Parteien abgelehnt wird.
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Seite 22
Soweit aus den Akten – auch aus dem Schreiben der Beschwerdeführerin
vom 20. August 2019 an die Vorinstanz (Vernehmlassungsbeilage 20) – er-
sichtlich, ersuchte die Beschwerdeführerin die Vorinstanz im vorinstanzli-
chen Verfahren niemals explizit darum, auch noch von der G._ AG
eine Offerte für die besondere Kontrolle gemäss Art. 6 AVEG einzuholen.
Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz in aktenwidriger Weise (vgl.
Schreiben der Beschwerdeführerin vom 29. Oktober 2019 an die Vor-
instanz [Vernehmlassungsbeilage 27], Schreiben der Vorinstanz vom
6. November 2019 an die RPKD [Vernehmlassungsbeilage 28], Schreiben
der Vorinstanz vom 22. November 2019 an die Beschwerdeführerin [Ver-
nehmlassungsbeilage 30], Schreiben der Beschwerdeführerin vom 4. De-
zember 2019 an die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage 31], Schreiben
der Beschwerdeführerin vom 4. Februar 2020 an die Vorinstanz [Vernehm-
lassungsbeilage 39]) vor, mit ihrem Gesuch vom 20. August 2019 um Of-
ferteinholung bei der G._ AG einem "Wunsch der Vorinstanz" nach-
gekommen zu sein. Die Vorinstanz forderte die Beschwerdeführerin nie
auf, selbst Offerten einzuholen. Die Vorinstanz erinnerte die Beschwerde-
führerin lediglich an ihre abgegebene Absichtserklärung, selbst eine Of-
ferte einzureichen, mit der Bitte, dies möglichst bald zu tun (vgl. E-Mail der
Vorinstanz vom 26. August 2019 an die Beschwerdeführerin [Vernehmlas-
sungsbeilage 21]). Die Beschwerdeführerin stellte darauf in Aussicht, ihren
Vorschlag baldmöglichst mitzuteilen (E-Mail der Beschwerdeführerin vom
28. August 2019 an die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage 21]). Die Vor-
instanz stellte der Beschwerdeführerin selbst weder jemals eine Offerte
dieser Firma in Aussicht, noch erwähnte sie diese als mögliches besonde-
res Kontrollorgan.
Mit Blick auf den Verlauf des Schriftenwechsels vor der Vorinstanz wäre
vielmehr zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin der Vorin-
stanz schnellstmöglich selbst eine Offerte dieser Firma einreicht, zumal
diese nach Aussage der Beschwerdeführerin angeblich rund 50% bzw.
100% tiefer als die anderen Offerten ausgefallen wäre (vgl. Beschwerde,
S. 7 und 8). Vor diesem Hintergrund erstaunt, dass die Beschwerdeführerin
der Vorinstanz nun vorwirft, keine Offerte dieser Firma eingeholt zu haben.
Im Verlauf der Korrespondenz mit der Vorinstanz stellte die Beschwerde-
führerin ihr immer wieder Fragen, so zur Pflicht der Durchführung einer
Lohnkontrolle, zur öffentlichen Zugänglichkeit der vorinstanzlichen Prüfbe-
richte bezüglich des GAV Personalverleih (vgl. Schreiben der Beschwer-
deführerin vom 3. Juli 2019 an die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage
14]) und zum in E. 5 hiervor erwähnten Vereinbarungsvorschlag der RPKD
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Seite 23
(vgl. Schreiben der Beschwerdeführerin vom 4. Dezember 2019 an die Vor-
instanz [Vernehmlassungsbeilage 31]). Die Vorinstanz setzte sich mit die-
sen Fragen wie bereits mit den Äusserungen der Beschwerdeführerin, wel-
che Kontrollfirma ihren Vorstellungen am besten entspräche, jeweils ein-
gehend und geduldig auseinander (vgl. Schreiben der Vorinstanz vom
15. Juli 2019 [Vernehmlassungsbeilage 15] und 16. Dezember 2019 [Ver-
nehmlassungsbeilage 32]), obwohl es sich diesbezüglich um einen unnöti-
gen aufwendigen Schriftenwechsel handelte.
Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz entgegen der Ansicht der Be-
schwerdeführerin weder deren rechtliches Gehör verletzt noch sich treu-
widrig verhalten. Auch die in diesem Zusammenhang vorgebrachte Rüge,
wonach die Vorinstanz keine Gelegenheit eingeräumt habe, einen neuen
Vorschlag für ein Kontrollorgan zu machen, erweist sich als unbegründet.
7.
Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz ferner Willkür bei ihrer Aus-
wahl des besonderen Kontrollorgans vor. Die Vorinstanz habe mit der
B._ ausgerechnet die Firma ausgewählt, welche sie in ihrem
Schreiben vom 20. August 2019 als einzige abgelehnt habe. Deren Offerte
für eine Kontrolle vor Ort sei ca. 20 % höher als diejenige der F._
AG und mehr als 100 % höher als die informell abgegebene Offerte der
G._ AG.
Diese Vorwürfe werden von der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung be-
stritten. Ihr seien zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfü-
gung vier Offerten vorgelegen, wovon sich drei in einem ähnlichen Preis-
rahmen bewegt und so die Marktsituation widerspiegelt hätten. Es seien
die offerierten Kosten für eine Kontrolle, welche nicht ausschliesslich vor
Ort stattfinde, miteinander zu vergleichen. Die Offerte der F._ AG
sei nicht ca. 20 % tiefer als diejenige der B._.
7.1 Willkür liegt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts vor,
wenn der angefochtene Entscheid im Ergebnis offensichtlich unhaltbar ist,
mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder
einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender
Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (BGE 142 II 369 E. 4.3,
141 IV 305 E. 1.2, 140 III 167 E. 2.1 und 138 IV 13 E. 5.1).
7.2 Die angefochtene Verfügung ordnet eine Kontrolle an, welche nur teil-
weise vor Ort durchgeführt würde (Dispositiv-Ziff. 4). Die Vorinstanz holte
B-1726/2020
Seite 24
bei der B._, der D._ AG und der E._ GmbH je eine
Offerte für eine allfällige besondere Kontrolle gemäss Art. 6 AVEG ein (vgl.
Kostenvoranschlag der B._ vom 18. Juli 2019 [Vernehmlassungs-
beilage 17], Offerte der D._ AG vom 17. September 2019 [Ver-
nehmlassungsbeilage 22] und Kostenvoranschlag der E._ GmbH
vom 19. September 2019 [Vernehmlassungsbeilage 23]). Die offerierten
Gesamtkosten für eine teilweise vor Ort durchgeführte Kontrolle belaufen
sich dabei auf Fr. 25'514.13 inkl. MwSt (B._), Fr. 24'750.– exkl.
MwSt (E._ GmbH) und Fr. 36'000.– (Fr. 25'000.– + Fr. 11'000.–) bis
Fr. 52'000.– (Fr. 38'000.– + Fr. 14'000.–) exkl. MwSt (D._ AG). Da-
mit offeriert die E._ GmbH betraglich zwar die tiefsten Kontrollkos-
ten. Wird die Mehrwertsteuer berücksichtigt, unterbietet die Offerte der
B._ jedoch jene der E._ GmbH.
Die Beschwerdeführerin reichte selbst keine wesentlich tiefere Offerte ein.
Die Offerte der F._ AG vom 4. Oktober 2019, welche die Beschwer-
deführerin der Vorinstanz am 29. Oktober 2019 trotz eigener Unzufrieden-
heit mit der Offerthöhe zukommen liess (Vernehmlassungsbeilage 27),
sieht Kosten in Höhe von Fr. 21'000.– bis Fr. 23'500.– exkl. MwSt für eine
teilweise vor Ort durchgeführte Kontrolle vor. Da auch diese Offerte die
Mehrwertsteuer unberücksichtigt lässt, belaufen sich die hier veranschlag-
ten Kosten auf eine ähnliche Höhe wie jene, welche die B._ offe-
riert. Die Vorinstanz hat dies richtig erkannt. Von der mündlichen informel-
len Offerte der G._ AG, welche laut Beschwerdeführerin angeblich
Kontrollkosten in Höhe von bloss Fr. 12'000.– bis Fr. 13'000.– und damit
viel tiefere Kosten veranschlagt, hatte die Vorinstanz gemäss den vorlie-
genden Akten bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung keine Kennt-
nis. Die Beschwerdeführerin unterliess es, der Vorinstanz eine Offerte der
G._ AG vorzulegen, obgleich sie eine eigene Offerteinreichung
mehrmals in Aussicht stellte (vgl. Sachverhalt Bst. A.g und A.k) und die Be-
auftragung dieser Kontrollfirma wünschte. Die Vorinstanz hatte daher kei-
nen Grund zur Annahme, dass die G._ AG erheblich billiger als die
Firma B._ sein könnte. Bis heute beruht die besagte informelle Of-
ferte der G._ AG auf unbelegten Behauptungen der Beschwerde-
führerin. Die Offerte der B._ ist im Übrigen unstrittig detaillierter und
nachvollziehbarer als die anderen vorliegenden Offerten.
In casu kam die geplante Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin
und der RPKD nicht zustande (E. 5), während der Vorinstanz wie oben
erwähnt bereits Offerten von drei in Frage kommenden Kontrollfirmen vor-
lagen. Der Rückgriff der Vorinstanz auf eine dieser Offerten ist sachlich und
B-1726/2020
Seite 25
nachvollziehbar im Scheitern der besagten Vereinbarung begründet. Die
Vorinstanz hat demnach nicht willkürlich gehandelt, indem sie den Einsatz
der B._ als besonderes Kontrollorgan verfügte.
Somit ist auch bezüglich der Offerten keine Ermessensüberschreitung oder
gar Willkür der Vorinstanz ersichtlich.
7.3 Vielmehr fällt das Vorgehen der Beschwerdeführerin selbst auf. Zu-
nächst ersuchte sie die Vorinstanz wegen eines Konflikts mit der RPKD
darum, dass die Vorinstanz statt der RPKD die Kontrolle anordne und ein
unabhängiges besonderes Kontrollorgan nach Art. 6 AVEG einsetze (vgl.
Gesuch vom 13. Dezember 2018 und 11. Januar 2019 [Vernehmlassungs-
beilage 3]; Sachverhalt Bst. A.b), und zeigte sich am 20. August 2019 be-
fremdet, dass die von der Vorinstanz vorgesehene Kontrollfirma
B._ Kontakt mit der RPKD aufgenommen habe (Sachverhalt
Bst. A.g). Dann aber wünschte die Beschwerdeführerin in ihrem Schreiben
vom 29. Oktober 2019 an die Vorinstanz, dass die in anderen Fällen regel-
mässig durch die RPKD beauftragte G._ AG auch in ihrem Fall
mandatiert werde und zwar durch die RPKD statt durch die Vorinstanz
(Sachverhalt Bst. A.k). Schliesslich kam eine Vereinbarung zwischen der
Beschwerdeführerin und der RPKD über die Einsetzung der G._
AG als Kontrollfirma nicht zustande, unter anderem da die Beschwerdefüh-
rerin nicht bereit war, die vor dem Zürcher Handelsgericht hängige Klage
anzuerkennen (vgl. Sachverhalt Bst. A.p-q).
Ferner lehnte die Beschwerdeführerin wiederholt Offerten wegen deren
Höhe ab, ohne selbst die angekündigte Offerteinholung auszuführen (vgl.
Sachverhalt Bst. A.g und A.k).
Es ist nachvollziehbar, dass dieses Hin und Her über die Frage, ob eine
von der RPKD unabhängige Kontrollfirma einzusetzen sei und welches die
kostengünstigste Offerte sei, die Vorinstanz verhältnismässig viel Zeit und
Aufwand kostete und daher auch die zeitliche Komponente einen Einfluss
auf die Reaktionen der Vorinstanz hatte. Insgesamt zeigt der Verlauf des
vorinstanzlichen Verfahrens, dass die Beschwerdeführerin dieses durch ihr
eigenes Verhalten ungebührlich verlängerte. Sie erweckt mit ihrer Vorge-
hensweise den Eindruck, dass sie die Verfahrensdauer mutwillig in die
Länge ziehen wollte.
8.
Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Beschwerde im Weiteren, dass die
B-1726/2020
Seite 26
B._ nicht unabhängig sei (vgl. Beschwerde, S. 10 f.). Diese habe
ohne ihr Wissen Kontakt mit der RPKD aufgenommen. Sie (die Beschwer-
deführerin) habe die B._ mit Schreiben vom 20. August 2019 wegen
einer möglichen Befangenheit als Kontrollorgan abgelehnt.
8.1 Art. 6 Abs. 1 AVEG verlangt, dass das besondere Kontrollorgan unab-
hängig von den Vertragsparteien sein muss. Weitergehende Anforderun-
gen an die Unabhängigkeit dieses Organs legt Art. 6 Abs. 1 AVEG nicht
fest. Aus dem Wortlaut dieses Erfordernisses geht indes hervor, dass die-
ses Organ neutral sein muss, mithin in Bezug auf den vorliegenden Fall
von der paritätischen Kommission unabhängig sein muss (vgl. E. 3.6).
8.2 Die Vorinstanz bat die Beschwerdeführerin mit E-Mails vom 4. Juni
2019 und 24. Juni 2019 (Vernehmlassungsbeilagen 11-12) um Rückmel-
dung, ob sie Einwände bezüglich der Unabhängigkeit der B._ als
besonderes Kontrollorgan habe. Hierauf teilte die Beschwerdeführerin mit
Schreiben vom 24. Juni 2019 (Vernehmlassungsbeilage 13) mit, keine Ein-
wände zu haben.
Als die Beschwerdeführerin der Vorinstanz mit Schreiben vom 20. August
2019 (Vernehmlassungsbeilage 20) bekannt gab, mit der Höhe der Offerte
der B._ nicht einverstanden zu sein, äusserte sie jedoch gleichzei-
tig, dass die B._ ein zentrales Anliegen von ihr (der Beschwerde-
führerin), nämlich die Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit des be-
sonderen Kontrollorgans, durch eine telefonische Kontaktaufnahme mit der
RPKD torpediert habe. Inwiefern der zwischen dem 26. Juni 2019 und dem
15. Juli 2019 erfolgte telefonische Kontakt zwischen Vertretern der RPKD
und der B._ (vgl. Schreiben der B._ vom 15. Juli 2019 an
die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage 15]) die Unabhängigkeit der letz-
teren beeinflussen soll, hat die Beschwerdeführerin jedoch nicht dargelegt.
Ein eigentliches Begehren um Ablehnung der B._ als besonderes
Kontrollorgan wegen fehlender Unabhängigkeit von der RPKD findet sich
im Schreiben der Beschwerdeführerin vom 20. August 2019 nicht.
8.3 Die B._ nahm von sich aus eine Rückfrage bei der RPKD vor,
ob seitens der RPKD in Bezug auf die Darstellung der Kontrollresultate
zwingende Vorgaben einzuhalten seien. Die Rückfrage beschränkte sich
auf die Frage der Vergleichbarkeit der Kontrolltools der B._ und der
RPKD und eine allfällige Übernahme des Tools der RPKD durch die
B._ (vgl. Schreiben der B._ vom 15. Juli 2019 und 18. Juli
2019 an die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage 17], je S. 1). Aus dieser
B-1726/2020
Seite 27
Nachfrage technischer Natur geht keine Abhängigkeit der B._ von
der RPKD hervor. Vielmehr bezeugt sie den Umstand, dass sich die Firma
B._ bemühte, im Hinblick auf ihre Offerteingabe seriös abzuklären,
ob sie über die Mittel verfügen würde, um die Kontrolle fachgerecht auszu-
führen.
Die B._ wies die Vorinstanz zwar darauf hin, dass die Übernahme
dieses Tools zur Folge hätte, dass organisatorisch keine vollständige Un-
abhängigkeit gegeben sein könnte (Schreiben der B._ vom 15. Juli
2019 [Vernehmlassungsbeilage 15] und 18. Juli 2019 [Vernehmlassungs-
beilage 17] an die Vorinstanz, je S. 1 f.). Die B._, welche den Auf-
trag allein mit den eigenen Tools nach eigener Aussage nicht mit der ge-
wünschten Kompatibilität ausführen kann (Schreiben der B._ vom
18. Juli 2019 an die Vorinstanz, S. 2), vermag diese Abhängigkeit jedoch
durch eine Kopie eines separaten Tabellenabschnitts aus jenem Tool in ihre
eigenen Tools zu minimieren (vgl. E-Mail der B._ vom 18. Juli 2019
an die Vorinstanz [Vernehmlassungsbeilage 17]).
8.4 Der besagte Kontakt wurde von der B._ ausführlich und trans-
parent ausgewiesen (vgl. deren Schreiben vom 15. Juli 2019 und 18. Juli
2019 an die Vorinstanz, je S. 1). Infolgedessen führt die Vorinstanz das
Verhalten der B._ auf deren Professionalität zurück. Die Vorinstanz
wertet diese Kontaktaufnahme als Verhalten einer auf GAV-Einhaltungs-
kontrollen spezialisierten Firma, welche die Rahmenbedingungen abkläre,
um eine seriöse Offerte erstellen zu können, und erachtet eine Beeinflus-
sung der B._ durch einen telefonischen Kontakt mit der RPKD unter
den offengelegten Umständen als nicht wahrscheinlich und auch nicht im
Interesse einer Firma, die ihre Dienstleistungen auf dem Markt anbiete und
von der Vorinstanz einen Auftrag für eine besondere Kontrolle nach Art. 6
AVEG erhalten wolle (angefochtene Verfügung, S. 10). Nach Meinung des
Bundesverwaltungsgerichts besteht keine Veranlassung, an dieser zu
Recht erfolgten Einschätzung zu zweifeln.
Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass sich die Vorinstanz, wie in
der angefochtenen Verfügung (S. 10) dargelegt, versicherte, dass die
B._ nicht auf der Liste der von der RPKD mit Kontrollen beauftrag-
ten Kontrollfirmen steht.
8.5 Demnach ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die Unabhän-
gigkeit der B._ von der RPKD ernsthaft in Frage stehen könnte.
B-1726/2020
Seite 28
8.6 Im Übrigen ist die Unabhängigkeit der B._ viel deutlicher zu be-
jahen als jene der G._ AG. Letztere sei – so die Beschwerdeführe-
rin (vgl. S. 1 deren Schreiben vom 29. Oktober 2019 an die Vorinstanz
[Vernehmlassungsbeilage 27] und S. 8 der Beschwerde) – regelmässig
durch die RPKD als Kontrollorgan bei Verleihbetrieben beauftragt worden.
Die Beschwerdeführerin stört sich offenbar nicht daran, sondern schlägt
die G._ AG trotz ihrer Nähe zur RPKD als Kontrollorgan in casu vor
(vgl. Schreiben der Beschwerdeführerin vom 29. Oktober 2019 an die Vorin-
stanz und S. 8 der Beschwerde). Andererseits insistiert sie – wie vorste-
hend dargelegt – wegen eines einzelnen telefonischen Kontakts eines Ver-
treters der Firma B._ mit der RPKD betreffend eine technische
Frage zum Kontrollablauf und schliesst hieraus auf eine fehlende Unab-
hängigkeit des Kontrollorgans von der RPKD. Die Argumentation der Be-
schwerdeführerin überzeugt nicht und erweist sich auch als widersprüch-
lich.
8.7 Die Vorinstanz hat bei der Auswahl des besonderen Kontrollorgans so-
mit weder gesetzeswidrig gehandelt, noch ihr eigenes Ermessen bei der
Auslegung des Unabhängigkeitsbegriffs von Art. 6 Abs. 1 AVEG verletzt
oder missbraucht. Aus den vorliegenden Akten gehen keine Hinweise her-
vor, dass die von der Vorinstanz als Kontrollorgan eingesetzte B._
nicht unabhängig ist.
9.
Die Beschwerdeführerin ist bezüglich der Kontrollkosten der Ansicht, dass
besondere Umstände im Sinn von Art. 6 AVEG gegeben seien. Sie habe
nicht mit einem fairen Verfahren durch die RPKD rechnen können. Demzu-
folge seien ihr die Kontrollkosten ganz oder zumindest zum Teil zu erlas-
sen.
Laut der Vorinstanz liegen keine besonderen Umstände im Sinn von Art. 6
AVEG vor.
9.1 Gemäss Art. 6 Abs. 3 AVEG gehen die Kontrollkosten zu Lasten des
Arbeitgebers, der eine besondere Kontrolle verlangt oder der sich gewei-
gert hat, sich der Kontrolle des paritätischen Organs zu unterziehen. Die
zuständige Behörde kann diese Kosten jedoch ganz oder teilweise den
Vertragsparteien auferlegen, wenn besondere Umstände dies rechtfertigen
(Art. 6 Abs. 3 AVEG). Besondere Umstände liegen beispielsweise vor,
wenn sich der eben erwähnte Arbeitgeber wegen unkorrekten Verhaltens
des im GAV vorgesehenen Kontrollorgans veranlasst sah, die Einsetzung
B-1726/2020
Seite 29
eines von den Vertragsparteien unabhängigen Kontrollorgans zu verlangen
(SCHWEINGRUBER/BIGLER, a.a.O., S. 121).
9.2 Es war unstrittig die Beschwerdeführerin, welche den Einsatz eines be-
sonderen Kontrollorgans nach Art. 6 AVEG mit Gesuch vom 13. Dezember
2018/11. Januar 2019 verlangte (vgl. Sachverhalt Bst. A.b-c oben, ange-
fochtene Verfügung, S. 2, und Beschwerde, S. 2 f., in welcher grundsätzlich
auf die Sachverhaltsdarstellung in der angefochtenen Verfügung verwie-
sen wird). Entsprechend der in Art. 6 Abs. 3 AVEG getroffenen Regelung
hat damit die Beschwerdeführerin grundsätzlich die Kontrollkosten zu tra-
gen.
Die Beschwerdeführerin bringt als besonderen Umstand vor, nicht mit ei-
nem fairen Verfahren durch die RPKD rechnen zu können. Die RPKD sei
wegen des hängigen Zivilverfahrens persönlich voreingenommen, setze al-
les daran, das privatrechtliche Verfahren zu ihren Gunsten zu beeinflussen,
und habe sich mehrmals, letztmals mit Schreiben vom 9. Januar 2020, ne-
gativ gegenüber Drittpersonen über sie (die Beschwerdeführerin) geäus-
sert. Zudem habe die RPKD einen völlig themenfremden Punkt in ihren
Vereinbarungsvorschlag "hineingeschmuggelt", um auf diese Weise von ihr
– der Beschwerdeführerin – im Verfahren vor dem Handelsgericht Zürich
eine Klageanerkennung zu erwirken. Ein Hinweis auf diese Anerkennung
fehle im Begleitschreiben der RPKD zum Entwurf dieser Vereinbarung. Die
RPKD kontrolliere sie (die Beschwerdeführerin) auch ständig, um sie in die
Knie zu zwingen. Überdies habe sich die RPKD ohne ihr Wissen mit der
Firma B._ getroffen und sich ausgetauscht.
Aus der Hängigkeit des erwähnten handelsgerichtlichen Verfahrens allein
könnte nicht auf eine persönliche Voreingenommenheit der RPKD gegen-
über der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren geschlossen
werden. Die Frage, ob und inwieweit die RPKD das privatrechtliche Ver-
fahren beeinflusst, ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Die
an die Vorinstanz gerichtete Stellungnahme der RPKD vom 9. Januar 2020
(Vernehmlassungsbeilage 36) kritisiert zwar die Beschwerdeführerin, ent-
hält jedoch keine Äusserungen, die auf ein unfaires Verfahren der RPKD
gegenüber dieser hätten schliessen lassen müssen. Auch aus den übrigen
in den Akten liegenden Schreiben der RPKD ist kein solches Verhalten er-
sichtlich. Die Klageanerkennung hat letztere nicht in treuwidriger Weise in
den Vereinbarungsentwurf eingefügt (hierzu in E. 11.6 hiernach). Für die
behauptete übermässige Kontrolltätigkeit der RPKD gegenüber der Be-
B-1726/2020
Seite 30
schwerdeführerin fehlt in den Akten jeglicher Hinweis. Der Kontakt, der te-
lefonisch zwischen der RPKD und der Beschwerdeführerin stattfand (dazu
eingehend in E. 8), deutet ebenfalls nicht auf ein unfaires Verhalten der
RPKD gegenüber letzterer hin. Abgesehen davon bestehen keine Anhalts-
punkte, dass sich die RPKD und die B._, wie von der Beschwerde-
führerin behauptet, "getroffen" hätten. Da die Beschwerdeführerin ihre Vor-
würfe betreffend dieses Verhalten nicht näher substantiiert, ist auf sie nicht
weiter einzugehen.
Die Beschwerdeführerin verlangte bereits in ihrem Schreiben vom 29. Ok-
tober 2019 an die Vorinstanz (Vernehmlassungsbeilage 27) eine Kosten-
tragung durch die RPKD, da deren Verantwortlicher von Anfang an jegliche
Objektivität habe vermissen lassen und die Kontrolle zu seinem persönli-
chen Anliegen gemacht hätte. Trotzdem wünschte die Beschwerdeführerin
in demselben Schreiben eine Einsetzung der G._ AG als Kontroll-
organ wegen deren Nähe zur und durch die RPKD. Die Beschwerdeführe-
rin argumentiert erneut widersprüchlich, auf reinen Behauptungen basie-
rend, mithin nicht überzeugend. Konkrete besondere Umstände, welche
die Vorinstanz dazu hätten veranlassen können, die Kontrollkosten in Ab-
weichung vom in Art. 6 Abs. 3 AVEG festgehaltenen Grundsatz ganz oder
teilweise der RPKD aufzuerlegen, vermag die Beschwerdeführerin im vor-
liegenden Verfahren nicht geltend zu machen und sind auch sonst nicht
ersichtlich.
Demnach sind die Kontrollkosten vollumfänglich von der Beschwerdefüh-
rerin zu tragen.
10.
Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Beschwerde überdies, die Kontrolle
dürfe nicht dazu führen, dass die vom Handelsgericht Zürich definitiv fest-
gesetzte Lohnsumme und damit die davon abgeleitete Höhe der Vollzugs-
kostenbeiträge (1 % der Lohnsumme) "abgeändert" beziehungsweise prä-
judiziert würden. Vor dem Zürcher Handelsgericht sei ein Rechtsstreit zwi-
schen ihr – der Beschwerdeführerin – und dem Verein "I._" über die
Frage hängig, in welcher Höhe sie Beiträge an die Kosten des Vollzugs des
GAV Personalverleih zu leisten habe.
Die vom besonderen Kontrollorgan zu kontrollierenden allgemeinverbind-
lich erklärten Artikel des GAV Personalverleih sind unstrittig unter Disposi-
tiv-Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung abschliessend aufgelistet. Art. 7
Abs. 4 des GAV Personalverleih, welcher die Pflicht zur Entrichtung von
B-1726/2020
Seite 31
Vollzugskostenbeiträgen regelt, ist nicht Gegenstand der verfügten beson-
deren Kontrolle. Folglich bilden diese GAV-Bestimmung und die daraus fol-
genden Pflichten weder den Anfechtungs- noch den Streitgegenstand im
vorliegenden Verfahren, in dem es lediglich um die Einsetzung eines be-
sonderen Kontrollorgans gemäss Art. 6 AVEG zur Durchführung einer
Lohnbuchkontrolle geht.
Es bleibt ohnehin unklar, welche Schlüsse die Beschwerdeführerin aus ih-
rer Rüge konkret in Bezug auf das vorliegende Verfahren zieht.
11.
11.1 Schliesslich ist der Vorwurf der Beschwerdeführerin zu prüfen, wo-
nach die Vorinstanz beziehungsweise deren Ressortleiterin befangen sei-
en. Dabei vermischt die Beschwerdeführerin in ihrem Vorwurf Befangen-
heit und Unabhängigkeit, so dass unklar ist, ob sie erstere oder letztere
meint. Die Beschwerdeführerin führt nämlich aus, dass die Weigerung der
Ressortleiterin, die Frage zu beantworten, ob sie von der "getarnten" Kla-
geanerkennung im Vereinbarungsentwurf gewusst habe, beweise, dass sie
nicht unabhängig (gemeint wohl: unbefangen) sei. Bereits die Stellung-
nahme der Vorinstanz, wonach diese Frage nicht relevant sei, beweise,
dass von einer fairen und unparteiischen Haltung der Vorinstanz bezie-
hungsweise deren Ressortleiterin nicht die Rede sein könne.
Die Vorinstanz erachtet diesen Vorwurf für haltlos. Die von der Beschwer-
deführerin als problematisch erachteten Ziffern 6 f. des Vereinbarungsent-
wurfs bildeten nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung. Von Inte-
resse sei lediglich gewesen, ob eine Vereinbarung zustande gekommen
sei oder nicht, da ersterenfalls das Verfahren um Einsetzung eines beson-
deren Kontrollorgans nach Art. 6 AVEG ad acta hätte gelegt werden kön-
nen.
11.2 Aus Art. 6 Abs. 1 AVEG lässt sich keine Prüfungszuständigkeit der
Vorinstanz für privatrechtliche Übereinkommen über die Einsetzung einer
Kontrollstelle oder Stellungnahmen zu solchen ableiten (vgl. E. 4 hiervor).
11.3 Die Vorinstanz ist in der angefochtenen Verfügung und der Vernehm-
lassung daher zu Recht der Ansicht, wonach es nicht ihre Aufgabe sei, eine
privatrechtliche Vereinbarung über die Einsetzung einer Kontrollstelle zu
bewerten, validieren oder genehmigen und dass eine solche Vereinbarung
auch nicht Gegenstand eines Verfahrens zur Einsetzung eines besonderen
B-1726/2020
Seite 32
Kontrollorgans nach Art. 6 AVEG sei. Die Vorinstanz hatte im Verwaltungs-
verfahren zur Einsetzung eines besonderen Kontrollorgans wie in den Er-
wägungen 4.1 f. dargelegt lediglich abzuwarten, ob sich die Beschwerde-
führerin und die RPKD privatrechtlich auf die Einsetzung einer Kontroll-
stelle einigen. Im Übrigen war das vorinstanzliche Verfahren von den Be-
mühungen der Beschwerdeführerin und der RPKD, eine solche Einigung
zu erzielen, unabhängig (vgl. E. 4.2 und 4.5). Entsprechend bilden die Zif-
fern 6 f. des Vereinbarungsentwurfs nicht Gegenstand der angefochtenen
Verfügung.
11.4 Eine Einflussnahme der Vorinstanz mittels der Ressortleiterin auf den
Ausgang der privatrechtlichen Einigungsbestrebungen ist in den Akten
nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin substantiiert ihre Vorwürfe, dass
die Vorinstanz auf diese Bestrebungen Einfluss genommen hätte – insbe-
sondere mittels einer Absprache mit der RPKD –, denn auch nicht näher.
Hätte die Vorinstanz beziehungsweise die Ressortleiterin die suggestiv-
rhetorische Frage der Beschwerdeführerin (E. 11.1 hiervor) beantwortet,
hätte dies eine Mitverantwortung der Vorinstanz für das angeblich treuwid-
rige Vorgehen der RPKD mit sich gebracht. Es ist kein Grund ersichtlich,
weshalb die Ressortleiterin eine solche Frage, welche geradezu in einem
Verhör gestellt werden könnte, zu beantworten hätte. Aufgrund des Schei-
terns der Einigungsbemühungen der Beschwerdeführerin und der RPKD
war die genannte Ressortleiterin gehalten, das Gesuch um Einsetzung ei-
nes besonderen Kontrollorgans nach Art. 6 AVEG ungeachtet dieser Be-
mühungen weiterzuführen (vgl. Art. 6 Abs. 1 AVEG).
Ferner wäre die Vorinstanz entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
weder verpflichtet noch berechtigt gewesen, auf die angeblich von der
RPKD vorgenommene Koppelung der erstrebten privatrechtlichen Eini-
gung mit einer Klageanerkennung in einem privatrechtlichen Forderungs-
prozess aufmerksam zu machen. Die Vorinstanz war daher denn auch nur
im Sinn der Erbringung guter Dienste für die Weiterleitung des besagten
Vereinbarungsentwurfs besorgt (vgl. Schreiben der Vorinstanz vom 16. De-
zember 2019 an die Beschwerdeführerin [Vernehmlassungsbeilage 33])
und hat in der angefochtenen Verfügung zu Recht darauf hingewiesen,
dass diese Weiterleitung ausserhalb des Verfahrens zur Einsetzung eines
besonderen Kontrollorgans nach Art. 6 AVEG erfolgt sei.
11.5 Die Ressortleiterin, welche im Namen der Vorinstanz handelte, legte
ihr Vorgehen für letztere bezüglich der besagten Vereinbarung transparent
B-1726/2020
Seite 33
offen (vgl. Schreiben der Vorinstanz vom 29. Mai 2019 [Vernehmlassungs-
beilage 10], 15. Juli 2019 [Vernehmlassungsbeilage 15] und 22. November
2019 [Vernehmlassungsbeilage 30], E-Mail der Vorinstanz vom 12. De-
zember 2019 [Vernehmlassungsbeilage 32] sowie Schreiben der Vorin-
stanz vom 16. Dezember 2019 [Vernehmlassungsbeilage 33] und 29. Ja-
nuar 2020 [Vernehmlassungsbeilage 37], jeweils an die Beschwerdeführe-
rin). Demnach bestehen keine Anhaltspunkte für eine fehlende Unabhän-
gigkeit oder für eine Befangenheit der Ressortleiterin beziehungsweise der
Vorinstanz.
11.6 Im Übrigen enthielten die Ziffern 6 f. des besagten Vereinbarungsent-
wurfs zwar tatsächlich eine Schuldanerkennung für anlässlich der Kontrolle
zusätzlich festzustellende Vollzugskostenbeiträge für die Jahre 2013 bis
2019. Dies hätte für die Beschwerdeführerin möglicherweise tatsächlich
eine Klageanerkennung im gleichzeitig vor dem Handelsgericht Zürich
hängigen Zivilverfahren (E. 10 hiervor) bedeuten können. Ob es sich in der
Tat um eine solche Anerkennung handelt, ist indes nicht Gegenstand des
vorliegenden, vor dem Bundesverwaltungsgericht hängigen Verfahrens.
Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz – wie der RPKD – allerdings,
weil sie im Begleitschreiben vom 22. November 2019 (Vernehmlassungs-
beilage 30), mit welchem der Beschwerdeführerin der Vereinbarungsent-
wurf der RPKD übermittelt wurde, auf diese Anerkennung nicht aufmerk-
sam gemacht hatte, treuwidriges, unfaires und parteiisches Verhalten vor
(Beschwerde, S. 12-14; Replik, S. 4 f.).
Es ist jedoch fraglich, inwieweit das Vorgehen der RPKD für den vorliegend
zu beurteilenden Streitgegenstand überhaupt relevant ist, zumal die be-
sagten Ziffern 6 f. der Vereinbarung offenliegen. Das Bundesverwaltungs-
gericht vermag im Vorgehen der RPKD jedenfalls keine Treuwidrigkeit zu
erkennen, zumal von einer anwaltlich vertretenen Vertragspartei erwartet
werden darf, dass Vereinbarungen genau gelesen werden, bevor sie un-
terzeichnet werden. Ferner ist für dieses Gericht nachvollziehbar, dass eine
mit durchzuführender Kontrolle gleichzeitige Ermittlung der von der Be-
schwerdeführerin geschuldeten Vollzugskostenbeiträge, welche Gegen-
stand eines hängigen Zivilgerichtsverfahrens sind (E. 10), aus der Sicht der
RPKD einem ökonomischeren Vorgehen entspräche, als wenn diese in ei-
nem separaten Verfahren ermittelt werden müssten.
12.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde vollumfänglich abzu-
weisen ist. Entgegen der Begehren der Beschwerdeführerin ist weder die
B-1726/2020
Seite 34
angefochtene Verfügung aufzuheben noch die Sache an die Vorinstanz zur
Neubeurteilung zurückzuweisen, womit es bei der Einsetzung der Firma
B._ als besonderes Kontrollorgan gemäss Art. 6 AVEG bleibt. Die
Vorinstanz wird letztere entsprechend zu informieren haben. Die Kosten
dieser Kontrolle sind vollumfänglich von der Beschwerdeführerin zu tragen.
13.
13.1 Entsprechend dem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Spruch-
gebühr richtet sich unter anderem nach Umfang und Schwierigkeit der
Streitsache sowie nach Art der Prozessführung (Art. 63 Abs. 4bis VwVG und
Art. 2 Abs. 1 VGKE). Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die unaufge-
fordert eingereichte Replik der Beschwerdeführerin vom 11. Juni 2020
grösstenteils eine Wiederholung der rechtlichen Argumente der Be-
schwerde enthält. Die Replik war weitgehend unnötig. Deren Kontrolle ver-
ursachte unnötigen Aufwand, was Kostenfolgen nach sich zieht. In gesamt-
hafter Betrachtung sind die Verfahrenskosten auf Fr. 2'200.– festzusetzen.
Der von der Beschwerdeführerin in Höhe von Fr. 1'700.– bezahlte Kosten-
vorschuss ist zur Kostenbegleichung zu verwenden. Den Restbetrag von
Fr. 500.– hat die Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vor-
liegenden Urteils zu leisten.
13.2 Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädi-
gung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE).
B-1726/2020
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