Decision ID: bc641caf-87ad-56c0-b020-cd512566e59a
Year: 2016
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1963 geborene A_ (nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich am 31.
August 2010 bei den Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden (damals noch:
Ausgleichskasse und IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden, nachfolgend: Vorinstanz) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1). Der Beschwerdeführer hatte sich am 19. April 2010 während
der Arbeit als Produktionsmitarbeiter bei der C_ AG mit einer Gehrungs-Kapp-Kreissäge
verletzt. In der Folge musste seine dominante rechte Mittelhand im Kantonsspital St. Gallen
(KSSG) subtotal amputiert werden.
B. Im Austrittsbericht des KSSG vom 10. Mai 2010 berichteten die behandelnden Ärzte von
einer sich postoperativ grundsätzlich positiv entwickelnden Situation. Gleichzeitig wurde
festgestellt, dass der Beschwerdeführer Probleme hinsichtlich der psychischen
Unfallverarbeitung äusserte und es wurde unter Beizug des psychosomatischen Dienstes
eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Es wurde dringend weitere
ambulante psychologische Betreuung empfohlen (act. 9.1, S. 31).
C. Auch bei den Nachkontrollen vom Mai bis Juli 2010 zeigte sich, dass der Beschwerdeführer
nach wie vor psychisch unter der Situation litt und die Hand nicht annehmen konnte,
weshalb trotz intensiver Ergotherapie keine wesentlichen Fortschritte erzielt werden
konnten. Entsprechend wurde weiterhin eine intensive psychiatrische Betreuung zur
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Verarbeitung des Unfalltraumas als notwendig erachet (act. 9.1., S. 15, 24 und 28). Der
Beschwerdeführer begab sich ab Mitte Mai 2010 zu Dr. D_ in Behandlung, der eine
Gesprächstherapie einleitete (IV-act. 11, S. 14 f.). Vom 15. September bis 13. Oktober
2010 weilte der Beschwerdeführer zudem in der Rehaklinik Bellikon mit dem Ziel, einerseits
eine Funktionsverbesserung der rechten Hand zu erreichen und andererseits die
psychische Unfallverarbeitung im Hinblick auf eine spätere berufliche Reintegration zu
fördern. Diese Ziele konnten, wenn überhaupt, lediglich in geringem Ausmass erreicht
werden (IV-act. 15).
D. Vom 17. Januar bis 11. Februar 2011 fand ein ambulanter Rehabilitationsaufenthalt in der
Klinik Teufen statt, welcher gemäss Bericht vom 25. Februar 2011 (IV-act. 25; S. 2) zur
Sicherstellung einer sinnvollen Tagesstruktur, Stabilisierung der Stimmungslage sowie zur
Besserung der Schlafstörungen beitragen konnte. Es wurde die Weiterführung der
psychiatrisch-psychotherapeutischen Einzelgespräche empfohlen. Im September 2011
informierte jedoch der Beschwerdeführer die Vorinstanz, er wolle die Psychotherapie nicht
mehr fortführen, da er das ständige Thematisieren des Unfalls nicht mehr ertrage (IV-act.
34).
E. Am 22. September 2011 unterzog sich der Beschwerdeführer einer weiteren Operation an
der verletzten Hand (Reosteosynthese und Spongiosaplastik aus dem distalen
Radiusgrundglied Kleinfinger; Arthrolyse am Mittelgelenk Ringfinger, IV-act. 41.2, S. 45).
Obwohl der Beschwerdeführer bezüglich Pseudoarthrose und gebrochener Platte am
Kleinfinger von dieser Operation profitierte, blieb weiterhin eine weitgehend funktionslose
Hand als Folge der subtotalen Mittelhandamputation zurück (IV-act. 41.2, S. 26).
F. Die SUVA sprach dem Beschwerdeführer als dessen Unfallversicherer infolge des
Unfallereignisses mit Verfügung vom 6. Juli 2012 schliesslich eine Integritätsentschädigung
von Fr. 31'500.-- auf der Basis einer Einbusse von 25% sowie rückwirkend ab Juni 2012
eine UVG-Teilrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 26% zu, da die rechte Hand
nur noch hilfsweise bei sehr leichten Tätigkeiten einsetzbar sei. Eine allfällige
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund von psychischen Beschwerden
berücksichtigte die SUVA bei der Festsetzung ihrer Leistungen nicht, da sie solche
Beschwerden als nicht adäquat unfallbedingt betrachtete (IV-act. 49). Die
leistungszusprechende Verfügung der SUVA ist inzwischen, nach erfolgloser Anfechtung
durch den Beschwerdeführer beim Obergericht (Verfahren O3V 14 13), in Rechtskraft
erwachsen.
Seite 4
G. Nach dem Erlass der rentenzusprechenden Verfügung durch die SUVA leitete die
Vorinstanz Massnahmen ein mit dem Ziel, den Beschwerdeführer beruflich wieder
einzugliedern. Nachdem der zunächst angestrebte Arbeitsplatzerhalt scheiterte (IV-act. 50
und 52), sicherte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit Mitteilung vom 9. August 2012
Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche zu (IV-act. 54). Vom 12. November 2012
bis 28. Februar 2013 fand eine berufliche Abklärung bei der Dreischiibe in Herisau statt (IV-
act. 63). Gemäss Schlussbericht vom 6. März 2013 (IV-act. 76) hatte der Beschwerdeführer
seine psychische Blockade bei weitem nicht verarbeitet, was sich als grosses Hindernis für
die weitere berufliche Entwicklung erweise. Da der Beschwerdeführer in der aktuellen
Verfassung eine Leistungsfähigkeit von lediglich 30% zu erbringen vermochte, wurde er als
derzeit nicht integrierbar beurteilt. Hierauf schloss die Vorinstanz die Arbeitsvermittlung ab
und leitete die Rentenprüfung ein (IV-act. 77). Nachdem zunächst die Rechtskraft des
Entscheids in Sachen UV-Rente abgewartet worden war, nahm die Vorinstanz ihre
Rentenprüfung nach dessen Vorliegen unverzüglich wieder auf und bot den
Beschwerdeführer auf den 20. August 2015 zu einer psychiatrischen Begutachtung bei Dr.
E_ auf (IV-act. 128). Dieser schickte der Vorinstanz sein Gutachten am 11. September
2015 zu (IV-act. 129, S. 1). Der Gutachter stellte die Diagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.0). Aus rein psychiatrischer Sicht
attestierte er dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 75% adaptiert und
angestammt (IV-act. 129, S. 21 und 24). In der Folge ging die Vorinstanz beim
Beschwerdeführer von einem IV-Grad von 26% aus und teilte dem Beschwerdeführer
mittels Vorbescheid vom 16. Oktober 2015 (IV-act. 131) mit, dass bei ihm keine
rentenbegründende Invalidität vorliege. Den vom Beschwerdeführer dagegen erhobenen
Einwand wies die Vorinstanz mit Verfügung vom 11. Februar 2016 ab (IV-act. 137).
H. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Beschwerdeführer am 15. März 2016
erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit Verfügung vom 4. April 2016 gewährte
der Einzelrichter des Obergerichts dem Beschwerdeführer im Verfahren ERV 16 16 die
unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Verbeiständung durch Rechtsanwältin B_
im vorliegenden Beschwerdeverfahren (act. 4). Mit Vernehmlassung vom 3. Mai 2016 (act.
5) verlangte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Am 18. Juli 2016 replizierte der
Beschwerdeführer unter Festhaltung an seinen beschwerdeweise vorgebrachten Anträgen
(act. 10). Die Vorinstanz verzichtete auf die Einreichung einer Duplik. Dem
verfahrensrechtlichen Antrag des Beschwerdeführers entsprechend, wurden die Akten aus
dem unfallversicherungsrechtlichen Verfahren O3V 14 13 im vorliegenden Verfahren
beigezogen (act. 13). Am 20. Dezember 2016 wurde die Sache in der dritten Abteilung des
Obergerichts in Abwesenheit der Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden.
Beide Parteien verlangten die Ausfertigung einer Begründung des Entscheids (act. 15 und
Seite 5
16). Diesen Begehren entsprechend, wird das Urteil hiermit mit schriftlicher Begründung
eröffnet.
I. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Die
örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art.
60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1
a. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die
versicherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt
gemäss Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit.
Seite 6
b. Gemäss Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn
sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens
zu 40% invalid sind.
2.2
Die Parteien sind sich uneinig darüber, welches Vorgehen angezeigt ist, um den
Invaliditätsgrad beim Beschwerdeführer festzulegen. Während die Vorinstanz in der
angefochtenen Verfügung von einem Invaliditätsgrad im Umfang von 26% ausging, welcher
invalidenversicherungsrechtlich keinen Anspruch auf eine Rente begründet (vgl. E. 2.1.b),
geht der Beschwerdeführer seinerseits davon aus, dass zunächst weitere Abklärungen zu
tätigen sind, deren Mitberücksichtigung bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads schliesslich
zur Festlegung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrads führen würde, ohne dass der
erwartete Rentenanspruch in Einzelnen konkretisiert wird. Der Beschwerdeführer bestreitet
dabei das von der Vorinstanz zur Ermittlung des Invaliditätsgrads angenommene
Valideneinkommen im Betrag von Fr. 62‘535.-- nicht, ist aber nicht einverstanden mit dem
angenommenen Invalideneinkommen im Betrag von Fr. 46‘177.--. Der Beschwerdeführer
rügt in diesem Zusammenhang namentlich den vorgenommenen Leidensabzug von 20%
und macht geltend, es wäre stattdessen ein Abzug von 25% vorzunehmen.
a. Mit dem Abzug vom Tabellenlohn (sog. Leidensabzug) soll der Tatsache Rechnung
getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach
Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf
einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
verwerten kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_898/2015 vom 7. April 2016, E. 3.1,
m.w.H.). Der Abzug ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er darf 25 % nicht übersteigen (Urteil des
Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 22. September 2015, E. 4.1, m.w.H.).
b. Ob ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen ist oder nicht, ist eine frei überprüfbare
Rechtsfrage. Dass im Fall des Beschwerdeführers für die Ermittlung des
Invalideneinkommens ein Leidensabzug vorzunehmen ist, wird von der Vorinstanz - zu
Recht - nicht grundsätzlich in Abrede gestellt. Streitig ist dagegen die Höhe des
vorzunehmenden Abzugs. Dabei handelt es sich um eine Ermessensfrage, für deren
Beantwortung naturgemäss ein gewisser Spielraum besteht. Namentlich unter dem
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Gesichtspunkt der Rechtssicherheit und -gleichheit bilden die in der Rechtsprechung
bereits in vergleichbaren Fällen als angemessen beurteilten Leidensabzüge eine wichtige
Grundlage für den Entscheid, welcher Abzug im konkreten Einzelfall angemessen ist. In der
Gerichtspraxis seit BGE 126 V 75 hat das Bundesgericht in vergleichbaren Fällen, wo
Versicherte ihre dominante Hand gesundheitlich bedingt nur sehr einschränkt einsetzen
können, verschiedentlich einen Leidensabzug von 20% oder weniger als angemessen
betrachtet (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_1050/2009 vom 28. April 2010, E. 4.2
[20%]; 9C_418/2008 vom 17. September 2008, E. 3.3.2 [20%]; 8C_272/2012 vom 29. Mai
2012, E. 4.3 [10%]; 9C_418/2008 vom 17. September 2008, E. 3.3.2 [20%], BGE 129 V
472, E. 4.3.2 [15%]).
c. Angesichts der beim Beschwerdeführer vorliegenden Lebensumstände und
Einschränkungen würde der von ihm geforderte Maximalabzug von 25% den konkreten
Umständen nicht gerecht. Bei den ihm offen stehenden einfachen und repetitiven
Tätigkeiten fallen namentlich weder die inzwischen (mit Ausnahme des
Eingliederungsversuchs) mehrjährige Arbeitsabstinenz und damit fehlende Dienstjahre,
noch allfällige sprachliche Schwierigkeiten oder sein Ausländerstatus massgeblich ins
Gewicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_594/2011 vom 20. Oktober 2011, E. 5;
8C_238/2014 vom 1. Juni 2015, E. 6.3.2). Ob im konkreten Fall ein Leidensabzug von
weniger als 20% als angemessen zu beurteilen wäre, kann an dieser Stelle noch offen
gelassen werden (vgl. aber dazu nachfolgend, E. 2.5.d). Die Anwendung des vom
Beschwerdeführer verlangten Maximalabzugs von 25% wurde jedenfalls zu Recht verneint.
2.3
Der Beschwerdeführer erachtet zudem das von der Vorinstanz veranlasste psychiatrische
Gutachten von Dr. E_ (IV-act. 129) aus diversen Gründen als nicht beweistauglich.
Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden:
a. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (Urteil
des Bundesgerichts 8C_125/2016 vom 4. November 2016, E. 2.1.1, m.w.H.). Den im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Berichten von externen Spezialärzten ist
bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
dagegen sprechen (Urteil des Bundesgerichts 9C_278/2016 vom 22. Juli 2016, E. 3.2.2,
Seite 8
m.w.H.). Es ist notwendig, dass die sachverständige Person nicht auszuräumende
Unsicherheiten und Unklarheiten, welche ihr die Beantwortung der Fragen erschweren oder
verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (vgl. KIESER, ATSG-Kommentar, 3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, N 56 zu Art. 44).
b. Der Beschwerdeführer rügt insbesondere, die gutachterliche Einschätzung widerspreche
der Einschätzung des langjährig behandelnden Psychiaters Dr. D_. Damit verkennt der
Beschwerdeführer die Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag. Die
behandelnden Ärzte haben sich in erster Linie auf die Behandlung einer Person zu
konzentrieren. Deren Berichte verfolgen nicht den Zweck einer den abschliessenden
Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des
Gesundheitszustands. Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und
umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die
unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen Fachperson
einerseits und dem Begutachtungsauftrag des fachmedizinischen Experten andererseits
nicht zu, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer
Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden
Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts 9C_276/2016 vom 19. August 2016,
E. 3.1.1, m.w.H.). Eine psychiatrische Exploration kann zudem von der Natur der Sache her
nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet sowohl dem behandelnden Arzt als auch dem
begutachtenden Psychiater praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen
verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu
respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts
9C_385/2015 vom 17. Dezember 2015, E. 4.3).
Im vorliegenden Fall diagnostizierte der Gutachter beim Beschwerdeführer eine
rezidivierende depressive Störung, im Zeitpunkt der Begutachtung leichte Episode (IV-act.
129, S. 21). Diese Diagnosestellung wird im Grundsatz auch vom behandelnden Psychiater
bestätigt (vgl. z.B. act. 2/4, wo Dr. D_ ebenfalls eine rezidivierende depressive Störung
diagnostizierte, allerdings im dannzumal aktuellen Zeitpunkt eine schwere Episode mit
latenter Suizidalität). Dass eine rezidivierende depressive Störung Schwankungen
unterworfen ist, ergibt sich aus deren Natur (Urteil des Bundesgerichts 9C_630/2015 vom
25. Februar 2016, E. 5.1.3). Deshalb kann darin, dass der Gutachter im Zeitpunkt des
Gutachtens von einer leichten Episode ausging, während der behandelnde Psychiater in
einem späteren Zeitpunkt eine schwere Episode feststellte, kein Widerspruch erblickt
werden, der den Beweiswert des Gutachtens in Frage stellen würde. Dass der
behandelnde Psychiater die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers abweichend vom
Gutachter einschätzte, hat der Gutachter erkannt und sich auf S. 23 f. des Gutachtens (IV-
Seite 9
act. 129) ausführlich mit der abweichenden Meinung des behandelnden Psychiaters
auseinandergesetzt. Die gutachterliche Schlussfolgerung, der Beschwerdeführer sei aus
psychiatrischer Sicht in einem Ausmass von 25% in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt,
ist schlüssig begründet und nachvollziehbar. Die in diesem Zusammenhang vom
Beschwerdeführer erhobene Rüge einer angeblichen Verletzung von Art. 6 EMRK erweist
sich als haltlos. Insgesamt erfüllt das Gutachten von Dr. E_ die erforderlichen Kriterien
(vgl. dazu vorstehend, E. 2.3.a), so dass entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
unabhängig von der abweichenden Einschätzung des behandelnden Psychiaters kein
Grund besteht, dieses bei der Festlegung des invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Invaliditätsgrads nicht mit zu berücksichtigen. Das Gutachten ist schlüssig begründet und
nachvollziehbar.
c. Der Beschwerdeführer hält es jedoch für ungenügend, wenn die medizinisch-
theoretische Arbeitsfähigkeitseinschätzung aus einer lediglich 75 Minuten dauernden
Begutachtung resultiere. Dem ist entgegenzuhalten, dass selbst aus einer relativ kurzen
Dauer der psychiatrischen Exploration nicht zum Vornherein auf eine Sorgfaltswidrigkeit
des Gutachters geschlossen werden kann. Für den Aussagegehalt eines medizinischen
Berichts kommt es nämlich nicht in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an.
Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist.
Der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von
der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016, E. 3.2.2). Der Gutachter hat sich zudem
für seine Beurteilung nicht nur auf seine eigene persönliche Untersuchung des
Beschwerdeführers, sondern auch auf sämtliche IV-Akten mit den dort enthaltenen
medizinischen Verlaufsberichten abgestützt. Das Gutachten basiert auf einer umfassenden
Würdigung der vorhandenen medizinischen und nicht-medizinischen Unterlagen und
kombiniert diese mit einer zusätzlichen persönlichen Untersuchung in demjenigen zeitlichen
Rahmen, den der Gutachter im konkreten Fall für erforderlich hielt. Unter diesen
Umständen besteht entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kein Grund, das
Gutachten allein wegen der aus seiner Sicht zu kurzen Begutachtungsdauer als zum
Vornherein nicht aussagekräftig zu betrachten.
d. Insoweit der Beschwerdeführer darüber hinaus weitere Sachverhaltsabklärungen
verlangt und geltend macht, entscheidend sei ohnehin nicht eine medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeitsschätzung, sondern es sei konkret und individuell anhand einer BEFAS-
Abklärung bzw. EFL über vier Wochen abzuklären, welche Leistung er mit der schweren
Verletzung seiner dominanten Hand und seiner schlechten psychischen Verfassung auf
dem ausgeglichenen allgemeinen Arbeitsmarkt überhaupt effektiv noch erbringen könne,
Seite 10
verkennt der Beschwerdeführer, dass kein genereller Anspruch auf Durchführung der von
ihm verlangten Untersuchungen besteht. Was die rein physische Einschränkung betrifft, so
ist die Vorinstanz - wie bereits der Unfallversicherer und auch das Obergericht im Verfahren
O3V 14 13 - zu Recht davon ausgegangen, dass in einer adaptierten Tätigkeit jedenfalls
aus rein somatischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit besteht. In diesem Zusammenhang
kann auch auf die ständige allgemeine Gerichtspraxis verwiesen werden, wonach bei
Versicherten, welche ihre dominante Hand gesundheitlich nur noch eingeschränkt, z.B. als
unbelastete Zudienhand einsetzen können, von einem hinreichend grossen Angebot an
realistischen Betätigungsmöglichkeiten auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
auszugehen ist (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts 9C_842/2014 vom 9. März 2015, E. 3.2,
m.w.H.). Was den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers betrifft, ist zu
berücksichtigen, dass der Gutachter Dr. E_ für die Abgabe seiner gutachterlichen
Einschätzung gerade keine zusätzliche Durchführung einer BEFAS-Abklärung oder EFL als
notwendig erachtete. Da seine Ausführungen im medizinischen Gutachten schlüssig
begründet und nachvollziehbar sind, ist dieser Verzicht, welcher letztlich im gutachterlichen
Ermessen liegt, nicht zu beanstanden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_768/2011 vom
8. Februar 2012, E. 2.4). Zwar sind die vom Beschwerdeführer zusätzlich verlangten
Untersuchungen als Abklärungsmassnahme grundsätzlich anerkannt, sie sind aber nicht
generell, sondern namentlich dann in Betracht zu ziehen, wenn sich die beteiligten
Fachärzte ausser Stande sehen, ohne derartige Zusatzuntersuchungen eine zuverlässige
Einschätzung des leistungsmässig Machbaren vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts
9C_764/2014 vom 21. Juli 2015, E. 3.2.1), was auf Dr. E_ gerade nicht zutrifft. Unter
diesen Umständen besteht entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kein Anspruch
auf weitere Abklärungen.
e. Der Beschwerdeführer macht ausserdem geltend, das Gutachten widerspreche der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Urteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V
281). Auch diese Kritik überzeugt nicht: Wie die Vorinstanz in der Vernehmlassung richtig
anführt, geht es im vorliegenden Fall nicht um die Beurteilung eines psychosomatischen
Leidens, sondern in Frage steht eine Handverletzung, welche dazu führte, dass der
Beschwerdeführer seine dominante Hand nur noch für Hilfsfunktionen einsetzen kann.
Zusätzlich bekundete der Beschwerdeführer Schwierigkeiten mit der psychischen
Unfallverarbeitung, weshalb ein psychiatrisches Gutachten angezeigt war. Das vom
Beschwerdeführer pauschal angerufene IV-Rundschreiben Nr. 334 des Bundesamtes für
Sozialversicherungen bezog sich dagegen ausschliesslich auf Fälle, in denen
psychosomatische Leiden zu beurteilen sind und liess noch offen, ob auch andere
Krankheitsbilder nach dem neuen strukturierten Beweisverfahren abzuklären sind. Erst am
9. September 2015 erliess das Bundesamt für Sozialversicherungen das Rundschreiben
Seite 11
Nr. 339, in welchem es dafür hielt, künftig einen neuen Fragekatalog für alle Arten von
Gesundheitsschädigungen anzuwenden. In diesem Zeitpunkt hatte die Begutachtung des
Beschwerdeführers bereits stattgefunden. Die Vorinstanz holte beim RAD eine umfassende
Stellungnahme dazu ein, wie das Gutachten unter Beachtung der inzwischen neu
ergangenen Rechtsprechung zu würdigen ist und Dr. F_ legte in seinem Bericht vom
27. Januar 2016 nachvollziehbar und schlüssig dar, dass keine weitere Begutachtung
notwendig sei (vgl. IV-act. 136). Dem ist unter Verweis auf die dortigen Ausführungen
zuzustimmen.
2.4
Insoweit der Beschwerdeführer darin, dass die Vorinstanz ihm vor dem Erlass der
angefochtenen Verfügung die erwähnte RAD-Stellungnahme vom 27. Januar 2016 nicht
zur Vernehmlassung zugestellt habe, eine schwerwiegende Verletzung seines rechtlichen
Gehörs sieht, welche unabhängig von der Beantwortung der Frage, ob das Gutachten
beweistauglich ist oder nicht, ohnehin zu einer Aufhebung der angefochtenen Verfügung
führen muss, trifft dies nicht zu:
a. Die regionalen ärztlichen Dienste RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der
medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für
die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit
der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich
auszuüben und sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art.
59 Abs. 2bis IVG). Die regionalen ärztlichen Dienste beurteilen die medizinischen
Voraussetzungen des Leistungsanspruchs (Urteil des Bundesgerichts 9C_858/2014 vom 3.
September 2015, E. 3.3).
b. Der RAD-Bericht ist aber, anders als ein externes Gutachten oder eine Stellungnahme
eines behandelnden Arztes, grundsätzlich ein rein versicherungsinternes Dokument. Auch
wenn dem RAD unstrittig in den meisten Fällen eine grosse Bedeutung zukommt für die
Beurteilung der Anspruchsvoraussetzungen aus medizinischer Sicht, liegt der
abschliessende Entscheid darüber bei der IV-Stelle, wie sich bereits aus Satz 1 von Art. 59
Abs. 2bis IVG ergibt. Zu den Aufgaben des RAD gehört insbesondere, aus medizinischer
Sicht - gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in der Verwaltung und
auch an den Gerichten, die im Streitfall über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
- den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen sowie sich zur
Notwendigkeit zusätzlicher Abklärungen zu äussern (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_858/2014 vom 3. September 2015, E. 3.3.3, m.w.H.). Der in Frage stehende RAD-
Bericht enthielt keine neuen Sachverhaltsfeststellungen und auch keine eigenständige
Seite 12
fachmedizinische Einschätzung, sondern stellte vielmehr eine - aufgrund der Vorbringen
des Beschwerdeführers im Einwand erfolgte - weitere Würdigung des bereits abgeklärten
Sachverhalts dar. Deshalb kann im Umstand, dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer
diese Stellungnahme nicht vor Erlass der angefochtenen Verfügung zur Kenntnis gebracht
hat, wenn überhaupt, jedenfalls keine schwerwiegende Gehörsverletzung erblickt werden.
c. Einer Heilung einer nicht schwerwiegenden Gehörsverletzung im vorliegenden
Verfahren steht nichts entgegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_793/2008 vom 13.
März 2009, E. 3). Der Beschwerdeführer konnte vor Obergericht Stellung zum in Frage
stehenden, ihm inzwischen bekannten RAD-Bericht nehmen. Die vom Beschwerdeführer
mit dem Argument der Verletzung des rechtlichen Gehörs trotzdem verlangte Rückweisung
der Angelegenheit aus rein formellen Gründen würde überdies erwartungsgemäss am
Inhalt der erneut zu treffenden Verfügung durch die Vorinstanz nichts ändern, sondern
lediglich zu einer Zeitverzögerung führen. Das liegt nicht im Interesse der Beteiligten,
namentlich auch nicht des Beschwerdeführers (vgl. IV-act. 98). Auf eine Rückweisung ist
auch aus diesem Grund zu verzichten.
2.5
Schliesslich ist die angefochtene Verfügung der Vorinstanz, mit welcher diese einen
rentenbegründenden Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers verneinte, im Resultat nicht
zu beanstanden:
a. Rein somatisch gesehen liegt beim Beschwerdeführer keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit vor. Er kann zwar seine dominante Rechte Hand nurmehr für
Hilfsfunktionen einsetzen, ist aber in entsprechend adaptierten Tätigkeiten weiterhin voll
arbeitsfähig. Diese Frage wurde bereits vom Unfallversicherer und im Verfahren O3V 14 13
abschliessend geklärt, worauf zu verweisen ist. Insoweit der Beschwerdeführer replikweise
eine erneute medizinische Abklärung der körperlichen Einschränkungen für notwendig
erhält, ist dies daher klar zu verneinen.
b. Gestützt auf das - entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers schlüssige und
überzeugende (vgl. vorstehend, E. 2.3) - Gutachten von Dr. E_ ist beim
Beschwerdeführer in psychischer Hinsicht von einer Arbeitsfähigkeit von 75% in
angestammter und adaptierter Tätigkeit auszugehen. Die vom Gutachter geschätzte
„qualitative Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit um 25%“ bezieht sich auf die die
psychische Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung. Die Beeinträchtigung
zeigt sich gemäss Gutachter in „Fähigkeitsstörungen in den Bereichen
Seite 13
Durchhaltevermögen, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie emotionale Belastbarkeit“
(vgl. IV-act. 129, S. 22). Diese gutachterliche Einschätzung dient als wichtige Grundlage,
um die für die Bestimmung des Invaliditätsgrads entscheidende Arbeitsunfähigkeit in
invalidenrechtlicher Hinsicht festzulegen.
c. Dabei ist zu beachten, dass die gutachterliche Einschätzung der um rund 25%
reduzierten Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers nicht bedeutet, dass nun automatisch das für die Ermittlung des
Invaliditätsgrads anzunehmende Invalideneinkommen in jedem Fall um 25% zu reduzieren
ist, bevor zusätzlich ein weiterer Abzug als Leidensabzug erfolgt. Es ist nämlich
keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Einzelfall gutachterlich befassten
Arztperson, selber abschliessend für die rechtsanwendende Stelle - die Vorinstanz oder im
vorliegenden Beschwerdeverfahren, das Obergericht - verbindlich zu entscheiden, ob das
medizinisch festgestellte Leiden zu einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Arbeitsunfähigkeit führt. Sache der medizinischen Fachperson ist es vielmehr, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu
beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter
Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und die Diagnose
zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung
und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson
hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arztperson
zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht
so substantiell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine
wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
Person noch zugemutet werden können (vgl. auch BGE 140 V 193, E. 3.2, m.w.H.). Die
Vorinstanz weist in diesem Zusammenhang zu Recht darauf hin, dass leichte bis
mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis - wozu auch die von Dr. E_
beim Beschwerdeführer gutachterlich diagnostizierte rezidivierende depressive Störung zu
zählen ist - in der Regel zu keiner invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_85/2016
vom 26. August 2016, E. 5.1; 9C_539/2015 vom 21. März 2016, E. 4.1.3.1; 9C_125/2015
vom 18. November 2015, E. 7.2.1; je m.w.H.). Im Zeitpunkt des Erlasses des
angefochtenen Rentenentscheids durch die Vorinstanz ging diese gestützt auf die damals
aktuellen Unterlagen zu Recht davon aus, dass in psychischer Hinsicht keine zusätzliche
invalidenversicherungsrechtlich relevante Einschränkung beim Beschwerdeführer vorlag,
nachdem das angenommene Invalideneinkommen bereits um 20% reduziert worden war.
Eine allfällige spätere Verschlechterung des Gesundheitszustands kann für die Beurteilung
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der angefochtenen Verfügung im vorliegenden Verfahren keine Rolle spielen (siehe dazu
nachfolgend, E. 2.6).
d. Der Beschwerdeführer bestreitet in der Replik die Argumentation der Vorinstanz in der
Vernehmlassung, wonach die psychische Arbeitsunfähigkeit in der somatischen
Arbeitsunfähigkeit aufgehen soll. Das Obergericht schliesst sich dem Beschwerdeführer
insoweit an, als die diesbezügliche Argumentation der Vorinstanz jedenfalls so nicht ohne
weiteres nachvollziehbar ist. Es ist in diesem Zusammenhang zu präzisieren, dass die
Invalidenversicherung bei der Festlegung des Leidensabzugs nicht an die - inzwischen
rechtskräftige - Beurteilung durch die Unfallversicherung gebunden ist (vgl. dazu auch Urteil
des Bundesgerichts 8C_238/2014 vom 1. Juni 2015, E. 6.3.1). Dass die Vorinstanz bei der
Ermittlung des Invalideneinkommens aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
schliesslich zum Schluss gelangt ist, dass mit einer adaptierten Arbeit, die der
gesundheitlichen Verfassung des Beschwerdeführers Rechnung trägt und in diesem
Rahmen auch einen angemessenen Leidensabzug berücksichtigt, insgesamt ein
Invalideneinkommen erzielt wird, das jedenfalls zu keinem rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von 40% oder mehr führt, ist nicht zu beanstanden. Für die konkrete
Berechnung des Invalideneinkommens ist zudem darauf hinzuweisen, dass nicht zwingend
vom Zentralwert Dienstleistungen auszugehen ist, wie dies etwa der Unfallversicherer im
unfallversicherungsrechtlichen Verfahren getan hat, sondern auch der Totalwert über alle
Branchen, welcher höher liegt, als zulässiger Tabellenwert für die Ermittlung des
Invalideneinkommens zu betrachten wäre (vgl. dazu Urteil O3V 14 13, E. 5.3). Im Resultat
ändert sich somit nichts am Ergebnis, dass die Vorinstanz zu Recht keinen
rentenbegründenden Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers angenommen hat.
2.6
Der Beschwerdeführer bringt gestützt auf das Überweisungsschreiben von Dr. D_ vom
26. Februar 2016 (act. 2/4) vor, sein Gesundheitszustand habe sich massiv verschlechtert,
weshalb er sich heute aufgrund seiner rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
schwere Episode mit latenter Suizidalität stationär in der geschlossenen Abteilung des
Psychiatriezentrums Herisau befinde. Falls der Beschwerdeführer mit dieser Argumentation
eine Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz erreichen
will, übersieht er, dass nach ständiger Rechtsprechung für die richterliche Beurteilung eines
Falles grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des
Verwaltungsverfahrens massgebend sind. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen daher im Regelfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung
sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_308/2013 vom 8. November 2013, E. 3.2.2, m.w.H.).
Seite 15
Das gilt auch im vorliegenden Fall. Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz datiert vom
11. Februar 2016. Zu diesem Zeitpunkt bestanden für die Vorinstanz keinerlei
Anhaltspunkte, von einer anhaltenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes beim
Beschwerdeführer auszugehen, welche allenfalls eine Neubeurteilung erfordern würde. Es
steht dem Beschwerdeführer aber selbstverständlich frei, sich erneut zum Leistungsbezug
bei der Invalidenversicherung anzumelden, wenn sich sein Gesundheitszustand seither
dauerhaft und wesentlich verschlechtert hat. Die Vorinstanz wird in diesem Fall erneut zu
prüfen haben, ob die Einschränkungen des Beschwerdeführers einen Anspruch auf
Invalidenleistungen begründen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Vorliegend ist
dem Beschwerdeführer die in vergleichbaren Fällen übliche Entscheidgebühr von Fr. 800.--
aufzuerlegen, die jedoch wegen der am 4. April 2016 gewährten unentgeltlichen
Rechtspflege vorläufig auf die Staatskasse zu nehmen ist. Der Beschwerdeführer wird
darauf hingewiesen, dass er dem Staat die erlassenen Gerichtskosten nachzuzahlen hat,
wenn er später in günstige wirtschaftliche Verhältnisse gelangt.
3.2
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet, da der Beschwerdeführer unterliegt und da
die obsiegende IV-Stelle eine staatliche Einrichtung ist (Art. 61 lit. g ATSG e contrario i.V.m.
Art. 1 IVG; KIESER, a.a.O., N 199 f. zu Art. 61 ATSG).
Da dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwältin
B_ gewährt wurde, ist dieser aber ungeachtet des Verfahrensausgangs zulasten der
Staatskasse eine Entschädigung zuzusprechen. Während Art. 23 der Verordnung über den
Anwaltstarif (Anwaltstarif, bGS 145.53) vorsieht, dass die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung grundsätzlich nach dem notwendigen Zeitaufwand entschädigt wird,
legt Art. 13 Abs. 1 lit. c Anwaltstarif als Spezialbestimmung für das Verwaltungsverfahren
fest, dass das Honorar pauschal festzulegen ist. Das Honorar des unentgeltlichen
Rechtsvertreters darf insgesamt nicht höher sein als das im Verwaltungsgerichtsverfahren
pauschal zu bemessende Honorar (Art. 24 Abs. 2 Anwaltstarif).
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Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. In solchen
Fällen wird praxisgemäss ein pauschales Honorar zugesprochen, das in vergleichbaren
Fällen üblich ist und den mutmasslich notwendigen Aufwand des unentgeltlichen
Rechtsvertreters abdeckt. Bei der Festlegung der Honorarpauschale orientiert sich das
Obergericht zusätzlich zu den im Anwaltstarif festgelegten Kriterien (Art. 17 Anwaltstarif)
auch analog an den in Art. 61 lit. g ATSG genannten Kriterien für eine Parteientschädigung.
Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen Fall mit durchschnittlicher Menge an Akten,
die zu studieren waren und es stellten sich keine ausserordentlich aufwändig zu
beantwortende Sachverhalts- und Rechtsfragen. Unter den gegebenen Umständen
erscheint eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘400.-- (Honorar inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) für die unentgeltliche Rechtsvertretung als angemessen.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ist somit mit Fr. 2‘400.-- aus der Staatskasse
zu entschädigen, wobei der Beschwerdeführer darauf hingewiesen wird, dass auch diese
Entschädigung unter ausdrücklichem Vorbehalt der Rückforderung bei ihm für den Fall des
Eintretens günstiger wirtschaftlicher Verhältnisse steht.
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