Decision ID: 6a98900e-ab4d-5bbd-811f-61a248c2a916
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1955 geborene A._ (nachfolgend Versicherter bzw. Beschwerdeführer) meldete sich am 28. August 2001 bei der IV-Stelle Bern (nachfolgend IVB oder Beschwerdegegnerin) zum Rentenbezug an (Akten der IVB [act. II] 2). Diese tätigte in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen. Mit Verfügung vom 13. Januar 2003 (act. II 15) lehnte sie bei einem Invaliditätsgrad von 25% den Anspruch des Versicherten auf eine  ab, was sie mit Einspracheentscheid vom 22. Mai 2003 (act. II 22) bestätigte. Die dagegen erhobene Beschwerde (act. II 23/2) hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, mit Urteil vom 3. November 2003, IV 63773 (act. II 31), dahingehend gut, als es den angefochtenen Einspracheentscheid aufhob und die Akten an die IVB zur Einholung eines interdisziplinären Gutachtens zurückwies.
In der Folge holte die IVB beim C._ (MEDAS) ein interdisziplinäres Gutachten ein, welches am 22. März 2005 (act. II 38) erstellt wurde. Vom 6. April bis zum 4. Mai 2005 erfolgte – wie von den MEDAS-Gutachtern vorgeschlagen – eine stationäre psychiatrische Behandlung (act. II 42/3). Nach Einholung einer Aktenbeurteilung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 11. Januar 2006 (act. II 45) sprach die IVB dem Versicherten mit Verfügung vom 15. Juni 2006 (act. II 50/2) bei einem Invaliditätsgrad von 58% rückwirkend ab Juni 2001 eine halbe Invalidenrente zu. Nach hiergegen erhobener Einsprache (act. II 52/2) holte sie auf Anraten des RAD (act. II 55) bei der MEDAS ein Zusatzgutachten vom 28. September 2007 (act. II 59/3) ein. Gestützt auf dessen Schlussfolgerungen wies die IVB mit Entscheid vom 22. August 2008 (act. II 62) die Einsprache ab. Die dagegen erhobene Beschwerde (act. II 63/3) hiess das Verwaltungsgericht mit Urteil vom 28. November 2008, IV 69836 (act. II 67), dahingehend gut, als es den angefochtenen Einspracheentscheid aufhob und die Akten an die IVB zurückwies, damit diese nach Einholung einer Stellungnahme beim psychiatrischen MEDAS-Gutachter die medizinischen Akten neu würdige und über den Rentenanspruch neu verfüge.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 18. Jan. 2019, IV/18/341, Seite 3

Die daraufhin bei der MEDAS eingeholten Stellungnahmen datieren vom 27. März 2009 (act. II 71) und 14. August 2009 (act. II 76). Mit Vorbescheid vom 16. April 2010 (act. II 78) stellte die IVB bei einem Invaliditätsgrad von 58% die Ausrichtung einer halben Invalidenrente ab dem 1. Juni 2001 in Aussicht, wogegen der Versicherte Einwände erhob (act. II 81). In der Folge erging keine Verfügung. Die IVB leitete im Dezember 2012 (act. II 95) ein „Rentenrevisionsverfahren“ ein. Insbesondere liess sie den Versicherten durch die Dres. med. D._, Fachärztin für Neurochirurgie, und E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bidisziplinär untersuchen (vgl. neurochirurgisches Teilgutachten vom 20. August 2013 [Akten der IVB {act. IIA} 100.1/2], psychiatrisches Teilgutachten vom 19. August 2014 [act. IIA 112.1/2] sowie bidisziplinäre Beurteilung vom 2. September 2014 [act. IIA 113.2]). Am 22. September 2014 (act. IIA 114) erliess sie einen neuen Vorbescheid, in welchem sie in Aussicht stellte, bei einem Invaliditätsgrad von 55% das „Rentenerhöhungsgesuch“ abzuweisen. Nach hiergegen erhobenen Einwänden (act. IIA 115) und Einholen einer RAD-Stellungnahme vom 18. Dezember 2014 (act. IIA 118) verfügte die IVB am 26. Januar 2015 (act. IIA 119) dem Vorbescheid entsprechend. Im darauffolgenden Beschwerdeverfahren (act. IIA 126/3) hob die IVB die angefochtene Verfügung wiedererwägungsweise auf (act. IIA 127). Mit Urteil vom 8. April 2015, IV/2015/205 (act. IIA 129), schrieb das Verwaltungsgericht das Beschwerdeverfahren als gegenstandslos geworden ab.
In der Folge holte die IVB auf Anraten des RAD (vgl. Bericht vom 12. Februar 2016 [act. IIA 145]) bei Dr. med. F._, Praktische Ärztin sowie Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten vom 2. September 2016 (act. IIA 152.1) ein. Mit Vorbescheid vom 21. April 2017 (act. IIA 153) stellte die IVB bei einem Invaliditätsgrad von 58% ab dem 1. Juni 2001 die Ausrichtung einer halben Invalidenrente in Aussicht, wogegen der Versicherte – vertreten durch Rechtsanwalt B._ – Einwände erhob (act. IIA 155). Am 23. Februar 2018 (act. IIA 158) verfügte sie dem Vorbescheid entsprechend.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 18. Jan. 2019, IV/18/341, Seite 4
B. Mit Eingabe vom 4. Mai 2018 erhob der Versicherte – weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt B._ – hiergegen Beschwerde mit folgenden Rechtsbegehren:
1. Die angefochtene Verfügung vom 23. Februar 2018 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer seit dem 1. Juni 2001 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe.
2. Eventuell: Die Akten seien der Beschwerdegegnerin zurückzuweisen zur Durchführung der notwendigen aktuellen medizinischen Abklärungen und zum anschliessenden Erlass einer neuen Verfügung für den Zeitraum ab August 2007.
3. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, unter Beiordnung des Rechtsanwaltes des Beschwerdeführers als amtlicher Rechtsbeistand.
4. Die Ergänzung und Anpassung der Rechtsbegehren bleibt ausdrücklich vorbehalten.
– unter Kosten- und Entschädigungsfolgen –
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 4. Juli 2018, auf die Beschwerde nicht einzutreten. Eventualiter sei sie abzuweisen.
Mit Verfügung vom 9. Juli 2018 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt B._ als amtlicher Anwalt gut.
Erwägungen:
1.
1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver-waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der
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Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Auch die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]) und die Bestimmungen über die Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) sind eingehalten.
1.2
1.2.1 Die Beschwerde ist innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung des Einspracheentscheides oder der Verfügung, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, einzureichen (Art. 60 Abs. 1 ATSG). Dabei sind Art. 38-41 ATSG sinngemäss anwendbar (Art. 60 Abs. 2 ATSG). Berechnet sich eine Frist nach Tagen oder Monaten und bedarf sie der Mitteilung an die Parteien, so beginnt sie am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (Art. 38 Abs. 1 ATSG). Bedarf sie nicht der Mitteilung an die Parteien, so beginnt sie am Tag nach ihrer Auslösung zu laufen (Art. 38 Abs. 2 ATSG). Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag. Massgebend ist das Recht des Kantons, in dem die Partei oder ihr Vertreter beziehungsweise ihre Vertreterin Wohnsitz oder Sitz hat (Art. 38 Abs. 3 ATSG). Gesetzliche oder behördliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen gemäss Art. 38 Abs. 4 ATSG still vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern (lit. a), vom 15. Juli bis und mit dem 15. August (lit. b) und vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (lit. c). Schriftliche Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 39 Abs. 1 ATSG).
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