Decision ID: 415df13e-a7eb-447c-ad5d-65850d285bad
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Benno Lindegger, Wildeggstrasse 24, Postfach
27, 9011 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 30. Januar 2008 wegen eines Rückenleidens und
Atembeschwerden, bestehend seit 12. Dezember 2003, zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Gemäss Arbeitgeberbericht vom 25. Februar 2008 war die Versicherte vom
1. November 2001 bis zum 31. Mai 2004 als Reinigungsmitarbeiterin angestellt
gewesen, hatte sie am 12. Dezember 2003 das letzte Mal effektiv gearbeitet und war
ihr ab 1. Januar 2002 ein Jahreslohn von Fr. 47’970.-- ausgerichtet worden (IV-act. 11).
A.c Am 8. März 2008 erstattete der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt
FMH für Innere Medizin, einen Arztbericht zuhanden der IV-Stelle. Er diagnostizierte ein
seit 2002 bestehendes chronisches invalidisierendes Schmerzsyndrom, eine
Hypertonie, eine Adipositas sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – eine
Depression und attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche
Tätigkeiten (IV-act. 13).
A.d Am 25. März 2008 ging der IV-Stelle ein Bericht der Klinik C._ vom 27. August
2004 betreffend eine interdisziplinäre arbeitsspezifische Abklärung zuhanden der
Krankentaggeldversicherung zu. Die Ärzte hatten im Wesentlichen ein chronisches links
betontes Panvertebralsyndrom und eine arterielle Hypertonie diagnostiziert und
festgehalten, für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit maximalen
Gewichtsbelastungen bis 15 Kilogramm sei die Versicherte ganztags arbeitsfähig,
allerdings benötige sie vermehrte Pausen von ein bis eineinhalb Stunden pro Tag (IV-
act. 16).
A.e Am 12. Januar 2009 erstatteten die Ärzte der Klinik C._ im Auftrag der IV-Stelle
ein fachärztliches Gutachten. Sie diagnostizierten im Wesentlichen ein chronisches,
linksbetontes Panvertebralsyndrom und eine reduzierte pulmonale Leistungsfähigkeit
und hielten fest, der Versicherten seien leichte Tätigkeiten mit Gewichtsbelastungen bis
zehn Kilogramm und maximal fallweise bis 15 Kilogramm ganztägig zumutbar,
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allerdings benötige sie zusätzliche Pausen von einer bis maximal eineinhalb Stunden
(IV-act. 27).
A.f Mit Vorbescheid vom 15. Oktober 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass die Abweisung
des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 41). Dagegen liess die Versicherte am
15. November 2009 und ergänzend am 30. März 2010 Einwand erheben (IV-act. 42 und
54).
A.g Am 12. Mai 2010 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 56).
B.
B.a Dagegen richtet sich die am 16. Juni 2010 erhobene Beschwerde, mit der die
Zusprache wenigstens einer halben Rente ab 1. Januar 2007 beantragt und zur Be
gründung im Wesentlichen ausgeführt wird, das Gutachten der Klinik C._ stelle keine
genügende Grundlage für die Bemessung des Invaliditätsgrades dar (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 17. August 2010 führte sie zur Begründung im Wesentlichen
aus, auf das Gutachten der Klinik C._ könne abgestellt werden (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 8. November 2010 liess die Beschwerdeführerin an ihrem mit
Beschwerde vom 16. Juni 2010 gestellten Antrag festhalten (act. G 16).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 18).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat.
Dabei stellt sich insbesondere die Frage, ob der rechtserhebliche Sachverhalt
genügend abgeklärt wurde, namentlich in medizinischer Hinsicht.
2.
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2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Bei einem Invaliditätsgrad von
weniger als 40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
(Art. 28 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG;
SR 831.20]).
2.2 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV; SR 831.201]), etwa jene des RAD (vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer
Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS). Aufgabe der IV-Stelle und des
Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu würdigen, das heisst zu
beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die zuverlässige Beurteilung
des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist, gestützt darauf sowie auf
die Feststellungen zu den beiden Vergleichseinkommen den Invaliditätsgrad zu
bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f. E. 3.2 f.).
3.
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Die Beschwerdegegnerin hat zur Abklärung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin eine Begutachtung veranlasst, was angesichts der Tatsache, dass
kaum Berichte behandelnder Ärzte zu den Akten genommen werden konnten, korrekt
ist. Das Gutachten der Klinik C._ vom 12. Januar 2009 erscheint für die Beurteilung
des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin sowie der quantitativen und
qualitativen Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit geeignet. Die Gutachter haben die
(wenigen) vorhandenen Akten studiert, Rücksprache mit dem behandelnden Psychiater
genommen, die Beschwerdeführerin selbst gründlich untersucht und ihre Klagen
berücksichtigt. Die gestützt auf diese umfassende Exploration getroffenen
Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Die Beschwerdeführerin
sieht das allerdings anders; sie macht diverse Mängel am Gutachten geltend. Zunächst
rügt sie, dass das Gutachten erst sechs Monate nach der Untersuchung verfasst
wurde; es sei aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung ausgeschlossen, dass das
Gutachten die Erkenntnisse aus der Zeit der Untersuchung zutreffend wiedergebe.
Diese Argumentation ist nicht stichhaltig. Zwar ist davon auszugehen, dass es der
Qualität eines Gutachtens zuträglich ist, wenn es möglichst zeitnah zur Untersuchung
verfasst wird, doch ist davon auszugehen, dass Gutachter in der Lage sind, auch noch
ein halbes Jahr nach einer Untersuchung anhand ihrer Notizen die gewonnenen
Erkenntnisse zutreffend wiederzugeben. Da keine Akten im Recht liegen, die den
Schluss zuliessen, die Untersuchungsergebnisse seien im Zeitpunkt der Abfassung des
Gutachtens (aufgrund zwischenzeitlicher Veränderungen) überholt gewesen, schadet
es nicht, dass das Gutachten erst rund ein halbes Jahr nach Untersuchung abgefasst
wurde. Ebenfalls nicht stichhaltig ist das Argument, die Gutachter würden nicht ohne
Not von den Ergebnissen der früheren Begutachtung abweichen. Dies würden sie ohne
Weiteres tun, wenn sich zwischen den beiden Begutachtungen der
Gesundheitszustand wesentlich verändert hätte, was hier aber offensichtlich nicht der
Fall ist. Dass sodann nicht auf die Ergebnisse der Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit abgestellt, sondern eine Arbeitsfähigkeitsschätzung aus
medizinisch-theoretischer Sicht abgegeben wurde, ist angesichts der Tatsache, dass
sich die Beschwerdeführerin bei den Tests selbst limitierte und keine konsistente
Leistung erbrachte, gut nachzuvollziehen. Was schliesslich die geltend gemachte und
von den Gutachtern angeblich nicht genügend gewürdigte psychische
Beeinträchtigung betrifft, so besteht aufgrund der Akten kein Anlass zur Annahme, die
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Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischen Gründen wesentlich beeinträchtigt. Lediglich
Dr. B._ diagnostizierte in seinem Arztbericht eine Depression, allerdings ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Berichte behandelnder Psychiater liegen nicht bei
den Akten. Lägen solche vor und würden in diesen erhebliche Beeinträchtigungen
ausgewiesen, so hätte die Beschwerdeführerin diese sicherlich einreichen lassen. Der
von den Gutachtern angefragte Psychiater war als verantwortlicher Arzt für die
psychiatrische Behandlung der Beschwerdeführerin befugt und in der Lage, auf die
gestellten Fragen zu antworten bzw. Auskunft über den Zustand der
Beschwerdeführerin zu erteilen. Hätte er mangels Kenntnis keine entsprechenden
Auskünfte erteilen können, wie der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vorbringt,
hätte er an den zuständigen Arzt verwiesen und nicht selbst Auskunft erteilt. So viel
Professionalität darf dem angefragten Psychiater, bei dem es sich bekanntermassen
ebenfalls um einen erfahrenen Gutachter handelt, jedenfalls unterstellt werden. Seine
Auskunft deckt sich denn auch mit den übrigen Akten, wonach eine relevante
psychische Beeinträchtigung nicht vorliegt. Die Gutachter und in der Folge auch die
Beschwerdegegnerin haben weitere diesbezügliche Abklärungen zu Recht unterlassen.
Zuletzt vermag auch die nicht überzeugende Einschätzung des Hausarztes bzw.
dessen Bericht, dem sich keine konkreten Hinweise auf von den Gutachtern nicht
berücksichtigte Tatsachen entnehmen lassen, nichts am Beweiswert des Gutachtens
zu ändern. Es ist gesamthaft auf das Gutachten abzustellen und entsprechend von
voller Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten mit allerdings der
Notwendigkeit zusätzlicher Pausen von einer bis eineinhalb Stunden auszugehen.
4.
Das von der Beschwerdeführerin bei der gesundheitsbedingten Niederlegung der
Arbeit erzielte Einkommen (Fr. 47’970.-- im Jahr 2002) entspricht ziemlich genau dem
statistischen Einkommen von Hilfsarbeiterinnen. Gemäss den Ergebnissen der vom
Bundesamt für Statistik (BFS) regelmässig durchgeführten Lohnstrukturerhebung (LSE)
erzielten Hilfsarbeiterinnen im Jahr 2002 nämlich einen standardisierten Monatslohn
von Fr. 3’820.--. Standardisiert bedeutet, auf ein wöchentliches Arbeitspensum von 40
Stunden umgerechnet. Angesichts der durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,8 Stunden
pro Woche im Jahr 2002 (BFS, Statistik der betriebsüblichen Arbeitszeit) entspricht
dies einem Jahreslohn von Fr. 47’903.--. Da davon auszugehen ist, dass die
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Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin als Hilfsarbeiterin
gearbeitet hätte, und da ihr körperlich leichte Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind,
entspricht der Invaliditätsgrad letztlich dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert
um einen Tabellenlohnabzug (vgl. BGE 126 V 75). Ein zusätzlicher Pausenbedarf von
maximal eineinhalb Stunden pro Tag entspricht in Relation zu einem minimalen
Pensum von acht Stunden pro Tag einem maximalen Arbeitsunfähigkeitsgrad von
18,75 %. Selbst wenn der Beschwerdeführerin der maximale Abzug von 25 % vom
Tabellenlohn gewährt würde – was aufgrund der gegebenen Umstände keineswegs
gerechtfertigt wäre –, würde der Invaliditätsgrad (maximal) lediglich 39,06 % (= 100 %
– [100 % – 18,75 %] × 75 %) betragen. Dies würde nicht zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung berechtigen. Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung daher zu Recht verneint.
5.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen. Die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu
erhebenden und angesichts des durchschnittlichen Aufwands auf Fr. 600.--
festzusetzenden Gerichtskosten sind vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Der von ihr geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist ihr daran
anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP