Decision ID: b0721f2b-c65b-4226-8b55-e859ea2aaa49
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, meldete sich am 18. September 2012 unter Hin
weis auf eine Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/10). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ver
neinte mit Verfügung vom 27. März 2014 einen Rentenanspruch (Urk. 8/51).
1.2
Am 1. Februar 2017 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf Herzbe
schwer
den erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 8/61). Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(
Urk. 8/67
;
Urk. 8/69
)
trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 14. Juni 2017 (Urk. 8/73) auf das Begehren mangels Glaub
haft
machung einer Verschlechterung nicht ein.
1.3
Die Verfügung vom 14. Juni 2017 wurde
vom Versicherten mit Beschwerde vom 12. Juli 2017 (Urk. 8/74/3-6) angefochten
und
mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 9. M
ärz 2018 (
Prozess Nr. IV.2017.00781;
Urk. 8/76) aufgehoben, wobei
die IV-Stelle verpflichtet
wurde
, auf die Neuanmeldung einzutreten und diese mate
riell zu prüfen.
1.4
Die IV-Stelle holte diverse Arztberichte (Urk.
8/80-84; Urk.
8/87/7-9; Urk. 8/91/1-6; Urk. 8/91/7-14; Urk. 8/91/15-18) und bei der MEDAS
Y._
, ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 4. März 2019 erstattet wurde (Urk. 8/110). Mit Stellungnahme vom 13. Mai 2019 (Urk. 8/114) beantworteten die Gutachter die von der IV-Stelle aufgeworfenen Zusatzfragen (Urk. 8/111/1-2).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/122; Urk. 8/124) verneinte di
e
IV-Stelle mit Verfügung vom 15. Oktober 2019 einen Rentenanspruch (Urk. 8/130
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 16. November 2019 Beschwerde gegen die Verfügung
vom 15. Oktober 2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ih
m eine Rente zuzusprechen, eventuell sei
die Sache
zwecks weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen oder eine Oberbegutachtung anzu
ord
nen
(Urk. 1 S. 2)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 20. Dezember 2019 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 8. Januar 2020 wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 1) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhal
ten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung ü
ber die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu
prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prü
fung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) be
ruht
.
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten davon aus, dass der Beschwerdeführer als ungelernter Hilfsarbeiter zu qualifizieren sei
. Es
sei
ihm zumutbar, in einem vollen Pensum mit einer Leistungseinschränkung von 20 % einer Hilfsarbeitertätigkeit
nachzugehen (S. 1 unten). Diese Leistungseinschränkung entspreche dem IV-Grad,
welcher somit unter 40 % liege (S. 2 oben). Im Bericht des behandelnden Arztes werde die psychische und psychosoziale Einschränkung als Hauptproblematik beschrieben. Es bestehe aber keine eigenständige psychische Diagnose mit einem derart grossen Leidensdruck, der eine langandauernde Arbeitsunfähigkeit be
grün
de. Es seien vielmehr motivational persönliche Zielvorstellungen im Kontext der psychosozialen Situation handlungslenkend. Hinweise, die einen leidens
be
dingten Abzug begründeten, bestünden keine (S. 2 unten).
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die Gutachter seien bei der Beurteilung des Grades der Arbeitsunfähigkeit nicht neutral und zu optimistisch gewesen (S. 3 Ziff. 1). Auf das Gutachten, insbe
sondere auf das psychiatrische Teilgutachten, könne nicht abgestellt werden (S. 3 Ziff. 2). Die psychischen Beschwerden
seien nur anhand eines kurzen Gesprächs festgestellt worden. Alle behandelnden Fachärzte und Spitäler hätten aber vor und nach der Begutachtung festgestellt, dass er an einer mittel- bis
schwer
gra
digen
depressiven Episode leide (S. 3 Ziff. 2.1). Die Behauptung der Guta
chter, er sei nicht psychisch krank
, sei nicht ausreichend begründet (S. 3 Ziff. 2.3). Er sei auch somatisch krank. Er sei aufgrund eines Herzinfarktes operiert und es seien ihm Stents einge
setzt
worden. Seither leide er an Kraftlosigkeit, Tagesmüdigkeit, Schlafstörungen und Angst, dass er deshalb bald sterbe (S. 3 Ziff. 2.4). Die Be
schwerdegegnerin habe sodann nicht berücksichtigt, dass er praktisch seit 2004 nicht gearbeitet habe und stark
dekonditioniert
sei. Er sei aufgrund der psy
chischen Beschwerden und der Arbeitsverlangsamung nicht in der Lage, bei einer Arbeitsstelle die volle Leistung zu erbringen. Er habe Anspruch auf einen Leidens
abzug, was nicht berücksichtigt worden sei (S. 4 Ziff. 3).
2.3
Die Verfügung vom 27. März 2014 (Urk. 8/51), mit welcher die Beschwer
de
geg
nerin einen Rentenanspruch
aufgrund eines zu geringen
Invaliditätsgrad
es
ver
neinte
,
beruhte auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts
kon
former Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung, wobei die Durchfüh
rung eines Einkommensvergleichs bei einer Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und behinderungsangepasster Tätigkeit von 30 % entbehrlich war. Der dieser Ver
fügung zugrundeliegende Sachverhalt bildet also vorliegend die Vergleichsbasis (vgl.
vorstehend E.
1.6).
Strittig und zu prüfen ist die Frage, ob seither eine wesentliche Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen des Beschwerdeführers, insbesondere betreffend sei
nen Gesundheitszustand, eingetreten ist und ob er gegebenenfalls über einen Renten
anspruch verfügt.
3.
3.1
Der Verfügung vom 27
.
März 2014 (Urk. 8/51
) lagen
in erster Linie
folgende Berichte zugrunde:
3.2
Im
bidisziplinären
Gutachten vom 3. April 2013 des
Z
entr
ums
Z._
(Urk. 8/25) wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Episode, aktuell leicht- bis mittelgradig, ge
nannt (I
CD-10
F32.0/32.1). Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit wurden ein blandes
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit/bei Spon
dylarthrose zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel (L4/5) und zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem Kreuzbein (L5/S1) und rumpfmuskulärem Globaldefizit als Folge einer
Langzeitdekonditionierung
, eine beginnende Hüftarthrose links, noch ohne er
kenn
bare Einschränkung der Steh- und Gehfähigkeit, eine
Epicondy
litis
humeri
radialis
rechts, Knick-Senk-Spreizfüsse und eine Adipositas bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 29 kg/m
2
festge
halten (S. 13
lit
. E).
Die depressive Episode
habe
sich
gemäss dem psychiatrischen Teilgutachter
vor dem Hintergrund zahlreicher psychosozialer Konflikte und Belastungen
gezeigt
. Der Versicherte sei zweimal geschieden und habe seinen jetzt neunjährigen Sohn aus einer dritten Beziehung seit langem nicht mehr gesehen. Aktuell bestehe seit Jahren keine feste Partnerschaft mehr. Darüber hinaus beklage er nach Arbeits
platzverlust fehlende berufliche Reintegration. Nach langjähriger Tätigkeit in einer Grossbäckerei habe er seinen Arbeitsplatz verloren und der Versuch, sich selbständig zu machen, sei gescheitert. Nach dreimonatiger Probezeit in einem Lager sei ihm erneut gekündigt worden. Seit mittlerweile etwa 6 Jahren arbeite er nicht mehr. Zudem habe er hohe Schulden und sei auf Sozialhilfe an
gewiesen. Die finanzielle Situation erlebe er als desolat und kränkend. In diesem Zusammenhang habe der Versicherte ein depressives Syndrom, zeitweilig wohl auch von mittelschwerer Tiefe, entwickelt
(S. 11 Ziff. 1.3)
.
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung wurde ausgeführt, dass
sich
das de
pressive Syndrom
vor
dem Hintergrund
der erwähnten schweren psychoso
zia
len
Belas
tungs
faktoren gezeigt habe und dass eine früher diagnostizierte mittel
gradige depressive Episode nicht mehr in diesem Ausprägungsgrad bestehe
. Sie sei unter der Behandlung teilremittiert, so dass nur noch von einer leichten, allenfalls in den mittelschweren Bereich tendierenden, depressiven Episode aus
zugehen sei. Aus polydisziplinärer Sicht sei der Versicherte durchaus in der Lage, sechs Stunden täglich ohne weitere Leistungsminderung Tätigkeiten auf dem allge
meinen Arbeitsmarkt auszuüben
(S. 13 f.
lit
. F).
Das
Belastungsprofil
umfasse Arbeiten einfacher und durchschnittlicher geistiger Natur mit einfachen und durchschnittlichen Verantwortungsbereichen, ohne be
sondere statische Beansp
ruchung des Rückens, das heisst
leichte bis mittel
schwere, wechselbelastende Tätigkeiten
ohne repetitive Bewegungsanfor
derung
en an den Rumpf mit einer
Gewichtslimite
von 15 kg beim Heben, Tragen und Bewegen von Lasten (S. 14 Mitte
).
Es bestehe somit eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 70 % (S. 15 oben). Ein höherer Grad der Arbeitsunfähigkeit als 30 % sei nicht ausgewiesen, weil zu berücksichtigen sei, dass erhebliche IV-fremde psychosoziale Belas
tungs
faktoren an der Entstehung und Aufrechterhaltung der depressiven Störung be
teiligt seien (S. 15 Mitte).
3.3
Die
Ärzte der
Klinik
A._
berichteten am
20. Januar 2014 über den stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 3. Dezem
ber 2013 bis
zum
14. Januar 2014
(Urk. 8/47
= Urk. 8/74/13-
16
). Sie nannten
folgende Diagnosen (S. 1):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11)
-
Tabakabhängigkeit, gegenwärtiger Substanzgebrauch (F17.24)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf das Wohnumfeld oder die wirtschaftliche Lage (Z59)
-
sonstige näher bezeichnete Hypothyreose
(E
03.8)
-
Mangel an sonstigen näher bezeichneten Vitaminen des Vitamin-B-Kom
plexes
(E53.8)
Im Bericht wurde auf verschiedene psychosoziale Faktoren hingewiesen und aus
geführt, dass der Beschwerdeführer sich passiv und ablehnend gegenüber der stationären Behandlung gezeigt habe. Ferner sei auch eine Tendenz, Symptome zu aggravieren, deutlich geworden, und die
Medikamentencompliance
sei bis zu
letzt fraglich geblieben (S. 3
)
.
4.
4.1
Bei der Prüfung des Rentenanspruchs nach erfolgter Neuanmeldung (Urk. 8/61) sind die folgenden Berichte
der behandelnden Ärzte
von Relevanz:
4.2
Die Ärzte der Klinik für Kardiologie, Universitätsspital
B._
, berichteten am
20. September 2016 (Urk.
8
/64/1-4) über die
Hos
pitalisation
des Beschwerde
führers vom 15. bis 20. September 2016, und stellten folgende Diagnosen (S. 1):
-
koronare Herzerkrankung mit leicht eingeschränkter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF)
-
akuter inferiorer ST-
elevated
myocardial
infarction
(STEMI) am 15. September 2016
-
Koronarangiographie 15. September 2016: Hauptstamm normal; 80%-
ige
Stenose des mittleren und distalen Ramus
int
er
ventricularis
anterior (RIVA); 50-70%-
ige
Stenose des distalen Ramus
circumflexus
(RCX); rechte Koronararterie (RCA) proximal Verschluss 100% (
Culprit
lesion
), perkutane
transluminale
koronare
Angioplastie
(PTCA) + 2
Mal
drug
-
eluting
stent
(DES) Implantation mit gutem Resultat
-
transthorakale Echokardiographie (
TTE
)
2
0.
September 2016: normal grosser, nicht hypertropher linker Ventrikel mit normaler LVEF von 49
%, Akinesie inferior basal,
Hypokinesie
septal
basal,
M
itralklappe mit verdickten Segeln und gut leichter Insuffizienz (Befund proviso
risch)
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren
(CVRF)
:
persistierender Nikotinkonsum (kumu
lativ 80py), E
rstdiagnose
(ED)
Diabetes mellitus
-
Diabetes mellitus, Typ 2,
ED
September 2016
-
Hba1c 7.8
% (
September
2016)
-
Beginn orales Antidiabetikum (
Jardiance
met
)
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
-
substituierte Hypothyreose
-
Thyreoidea
-stimulierendes Hormon
(TSH)
,
aktuell im Normbereich
Dem Bericht ist ferner zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am
20. Septem
ber 2016 beschwerdefrei und hämodynamisch stabil entlassen werden
konnte (S.
2).
Am 14. Oktober 2016 (Urk.
8
/64/5-8
= Urk. 8/74/17-20
) berichteten die Ärzte über
die am Vortag durchgeführte elektive Re-Koronarangiographie, welche ein gutes postinterven
tionelles Ergebnis und eine 30%-
ige
Stenose des distalen RCX ge
zeigt habe
(S. 1). Sie führten aus, dass der Beschwerdeführer am 14. Oktober 2016 beschwer
defrei nach Hause habe entlassen werden können (S. 2).
4.
3
Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Zentrum
D._
,
nannte im Bericht
vom 5. Dezem
ber 2016 (Urk.
8
/
60 = Urk.
8
/68
= Urk. 8/74/10-12
) folgende Diagnosen:
-
schwere depressive Episode ohne
psychotische Symptome (
F32.
2)
-
Störung durch Tabak (
F17.2)
-
koronare Herzerkrankung mit schwer eingeschränkter LVEF mit/bei
-
Status nach akutem inferioren STEMI am 15. September 2015
-
80% Stenose des mittleren und distalen RIVA
-
50-70% Stenose des distalen RCX
-
RCA
proximal Verschluss 100 % PTCA und 2 Mal
DES Implantation mit gutem Resultat
-
schwere Hypothyreose
-
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit/bei
-
Spondylarthrose
-
Diabetes mellitus
Die Frage betreffend eine Verschlechterung des Zustandes seit März 2014 wurde d
e
rgestalt beantwortet, dass der Patient seit 2008 unter Schlafstörungen (Durch
schlaf 3 Stunden, Tag-/Nachtumkehr) leide. Es lägen ein Gedankenkreisen um die Kinder (11 Jahre nicht gesehen), Lust und Interesselosigkeit (vollständig), Müdig
keit, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Sinnlosigkeitsgedanken, Antriebs
losigkeit (selten Spazieren), Rückzug (keine Kollegen, gelegentlich Geschwister, Neffen), Verlust von Selbstvertrauen und weniger Appetit vor. Die Arbeitsun
fähig
keit betrage 100% seit 2004 bis heute (S. 1
unten
).
Betreffend Tagesablauf habe es im Jahr 2016 einen vollständigen Rückzug ge
geben. Es gebe nur noch TV und PC (Schreiben mit Verwandten in der Türkei), hingegen keine Besuche mehr bei der Familie. Er spaziere nur noch selten und gehe nicht mehr ins Einkaufszentrum. Bettruhe sei immer wieder erst um 3 Uhr morgens. Einkauf und Haushalt könnten noch erledigt werden, hingegen fahre er trotz Ausweis nicht mehr Auto
(S. 2 Ziff. 3). Seine Schwester berichte, er rufe sie immer wieder mitten in der Nacht an, er wolle sich
suizidieren
. Der Haushalt sei kaum mehr machbar. Er koche nur noch selten, Hausarbeiten würden durch die
Schwester erledigt (S. 2 Ziff. 4).
Unter dem Titel «psychopathologischer Befund» (welcher ebenfalls die Ziff. 4 trägt; S. 2 unten) heisst es unter anderem: «Die Schmerzen sind 24 Std. vorhanden». Anamnestisch gebe es deutliche Suizid
ge
danken/-wünsche, jedoch keine Suizidversuche, keine konkreten Ausführungs
pläne, aktuell gebe
es keine Suizidalität (S. 3 oben).
4.
4
Die Ärzte des Universitären Herzzentrums,
B._
, nannten im Bericht zur kardio
lo
gischen Sprechstunde vom 4. Juli 2017 (Urk. 8/84) folgende, hier verkürzt wie
der
gegebene
n
Diagnosen (S. 1):
-
k
oronare 2-Gefässerkrankung mit leicht eingeschränkter linksventri
ku
lärer (LV) Funktion
-
Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie (SPECT) vom 14. Juli 2017: Kleine
inferobasale
sowie
inferoapikale
Myokardnarbe mit Rest- und Randischämie (kumuliertes
Ischämieareal
knapp 10% des LV-Myo
kards entsprechend). Global normale linksventrikuläre Funktion
-
transthorakale Echokardiographie (TTE) vom 3. Juli 2017: Normal grosser, nicht hypertropher linker Ventrikel mit normaler Auswurf
fraktion
-
e
lektive Re-Koronarangiographie am 13. Oktober 2016
-
Koronarangiographie am 15. September 2016 bei akutem inferioren STEMI
-
CVRF: persistierender Nikotinkonsum (kumulativ 80py), ED
Diaabetes
Mellitus
-
i
nsulinpflichtiger Diabetes mellitus, Typ 2, ED September 2016
-
v
ereinzelt unspezifische pulmonale
Noduli
-
Computertomographie
(CT)
vom 14. Juli 2017:
Nebenbefundlich
(Dr.
E._
) vereinzelt
unspezifische pulmonale
Noduli
bis maximal 6
mm (grösster
posterolateral
im linken Unterlappen)
-
CT-Verlaufskontrolle in zirka 12 Monaten empfohlen
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
Anamnestisch berichte der Patient über seit 2 Monaten bewegungsabhängige atypische Thoraxschmerzen und über eine
Belastungsdypspnoe
gemäss NYHA II. Fast täglich bemerke er ausserdem kurz anhaltendes Herzstolpern (S. 3 oben). Ein Progress der bekannten koronaren Herzkrankheit (KHK) sei nicht auszuschliessen (S. 3 Mitte).
Am 31. Juli 2017 (Urk. 8/82
= Urk.
8/91/7-11
) berichteten die
genannte
Ärzte über die Koronarangiographie
- und Intervention
vom 27. Juli 2017
,
die
eine 80%ige PLA/RCA-Stenose gezeigt habe, welche die in der SPECT gezeigte Ischä
mie erkläre. Die Läsion habe erfolgreich mittels Ballondilatation und Implantation eines Drug-
eluting
-Stents behandelt werden können. Der Patient habe kardial kompensiert und beschwerdefrei am 28. Juli 2017 nach Hause entlassen werden können (S. 2 Mitte).
4.5
Die Ärzte der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung,
B._
, führten im Bericht vom 5. Januar 2018 (Urk. 8/80
= Urk. 8/91/15-18
) aus, derzeit bestehe eine gute Blutzuckereinstellung. Die aktuelle Diabetestherapie könne fortgeführt werden. Bei der körperlichen Untersuchung sei eine körperliche
Dekonditionierung
aufgefallen, es würden regelmässige körperliche Aktivität und Gewichtsreduktion empfohlen. Anamnestisch bestehe ein Brennen der Füsse nachts sowie ein Gefühl, auf Watte zu gehen, kein Sturz, keine Schmerzen in den
Füssen oder Beinen beim Gehen
(S. 3 Mitte).
4.6
Dr. med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
thera
pie,
D._
, nannte im Verlaufsbericht vom 19. Juni 2018 (Urk. 8/87) als psychia
trische Diagnose (
Ziff.
2.5) eine schwere depressive Episode ohne psychische Symp
tome (F32.2, ED 2012).
Die Arbeitsunfähigkeit betrage seit 2004 100 % bei negativer Prognose für jegliche Tätigkeiten (Ziff. 2.7).
4.7.
Dr. med.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 3. Juli 2018 (Urk. 8/91/1-6) aus, sie behandle d
en
Beschwerdeführer seit dem
12. Mai 2012. Sie nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (Ziff. 2.5):
-
Depression, Anpassungsstörung seit 2004
-
chronisches
lumbovertebrales
Syndrom (LVS)
-
diabetische Polyneuropathie
Die allfällige Arbeitsunfähigkeit sei psychiatrisch bedingt. Sie habe nie ein Zeug
nis ausgestellt, der Patient habe seit 2012 nie gearbeitet (Ziff. 1.4). Die Depression mit somatischem Syndrom bestehe seit mindestens 2004 (Ziff. 2.1).
5.
5.1
Am 12. März 2019 erstatteten Dr. med.
H._
, Facharzt für Neurologie, Dr. med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie, Dr. med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie und Dr. med.
K._
, Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin
,
Y._
, ihr
polydisziplinäres Gutachten (Urk. 8/110).
5.2
Im neurologischen Teilgutachten
(Urk. 8/110/20-39)
nannte
Dr.
H._
fol
gen
de Diagnosen (S. 17 oben):
-
leichte
akrodistal
-symmetrische Polyneuropathie
-
leichtes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
anamnestisch gehstreckenabhängige Claudicatio-verdächtige Sympto
ma
tik (wahrscheinlich periphere a
rterielle Verschlusskrankheit [P
AVK], siehe internistisches Gutachten, pathologischer Knöchel-Arm-Index [ABI])
A
us neurologischer Sicht sei für eine entsprechend angepasste Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarkts keine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründbar (S. 16 unten). Möglich seien körperlich leichte Tätigkeiten, optimaler
weise in Wechselbelastung oder überwiegend sitzend. Wegen der degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule seien längere Zwangshaltungen derselben zu ver
meiden. Aufgrund der
akrodistal
betonten Polyneuropathie seien auch Arbeiten auf unebenem Gelände sowie auf Leitern und Gerüsten zu vermeiden (S. 18 Ziff. 7.4). Medizinisch-theoretisch ergebe sich aus rein neurologischer Sicht so
wohl in bisheriger als auch in angepasster Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (ganztägig, keine Leistungsminderung
; S. 19 Ziff. 8 oben).
Betreffend Veränderung des Gesundheitszustands seit 2014 führte Dr.
H._
aus, aus neurologischer Sicht sei ein Diabetes mellitus mit leichter Polyneu
ro
pathie neu
hinzugekommen. Diese habe jedoch keine versicherungsmedizinische quantitative Relevanz (S. 19)
5.3
Im psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 8/110/42-53)
nannte Dr.
J._
akzen
tu
ierte Persönlichkeitszüge (Z73.1) als Diagnose.
Diese sei als Ausschlussdiagnose zu wählen. Eine depressive Störung habe nicht eruiert werden können. Während der Exploration habe sich der Versicherte in Inkonsistenzen bezüglich seiner partnerschaftlichen Beziehungen verwickelt. Diese Beziehungen seien der Grund für seine Depressionen. Allerdings habe er mit der Mutter seines Sohnes offenbar über längere Jahre eine aussereheliche Beziehung gelebt. Als diese schliesslich nach Kroatien gegangen sei und ihr Kind mitgenommen habe, sei er zusammen
gebrochen. Dieser Zusammenbruch sei jedoch angesichts der sehr kurzfristig ein
gegangen neuen Beziehung wenig nachvollziehbar. Jetzt fühle
er sich nachvoll
ziehbar einsam
, teilweise allein. Aber auch hier habe das Verhalten der Nichte in den Untersuchungsräumen eine deutliche Diskrepanz zu den Schilderungen des Versicherten gezeigt (S. 9 f. Ziff. 6).
Eine depressive Störung sei bei der Untersuchung überhaupt nicht
eruierbar
ge
wesen, ebenso wenig eine andersartige relevante psychische Störung. Der psycho
pathologische Befund sei weitgehend unauffällig gewesen, abgesehen von einer
aggravatorischen
Komponente. Hinweise, die gegen eine berufliche Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht sprächen, habe weder der Versicherte selbst nennen können, noch seien sie den Unterlagen zu entnehmen (S. 10 Ziff. 7.1 Mitte). Aufgrund der Biografie und den damit in Zusammenhang gebrachten depressiven Episoden bestünden auch Zweifel an einer von den behandelnden Ärzten diagnostizierten depressiven Episode. Allerdings könne diese retroperspektiv nicht gänzlich aus
geschlossen werden. Wenn überhaupt, so habe eine Arbeitsunfähigkeit nur zeitlic
h
begrenzt während einer möglicherweise depressiven Störung bestanden
(S. 11
Mitte
Ziff. 8). Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage 100
%
(S. 11 Ziff. 8 unten)
5.
4
Dr.
I._
führte
zur kardiologischen Abklärung vom 19. Dezember 2018 (Urk. 8/110/80-81)
aus, es
habe sich dort
ein stabiler Befund gezeigt ohne signi
fikante Hinweise auf eine Progredienz der Erkrankung. Die körperliche Leis
tungs
fähigkeit sei durch Ermüdung, Kraftlosigkeit und Schmerzen in den Beinen ein
geschränkt und nicht durch die bekannte KHK. Aus rein kardialer Sicht
sei der Versicherte normal arbeitsfähig (S. 2 Mitte).
5.5
Im allgemeinmedizinisch-internistischen Teilgutachten (Urk. 8/110/54-74) nannt
e Dr.
K._
folgende Diagnosen (S. 14 Ziff. 6.):
-
koronare 3-Gefässerkrankung
-
akuter inferiorer STEMI am 15. September 2016
-
Re-Koronarangiografie mit PTCA/DE-Stent bei 80 % PLA/RCA-Stenose
, offene Stents im RIVA und der RCA am 27. Juli 2017
-
aktuell kein sicherer Anhalt für eine belastungsabhängige Myokardi
schämie
-
Diabetes mellitus Typ 2 ED 2016
-
Diabetes mellitus mit
mikroangiopathischen
Spätkomplikationen im Sinn einer peripheren Polyneuropathie (HbA1c 6,8 %)
-
Hinweise für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit
(PAVK)
Stadi
u
m IIB
-
ausgeprägte kardiovaskuläre Risikofaktoren:
-
schwerer anhaltender Nikotinabusus (zirka 70
pyrs
)
-
Adipositas Grad 1 (BMI 31,9)
-
Bewegungs- und Konditionsmangel
-
ausgeprägte Familienanamnese
-
Status nach Hypothyreose (Hashimoto) im April 2012
-
aktuell euthyreote Stoffwechsellage
-
Malcompliance
-
Status nach Vitamin-B 12 Mangel 2014
Betreffend kardiovaskuläre Risikofaktoren bestehe ein anhaltender schwerer Nikotinabusus mit durchschnittlich 2 Päckchen Zigaretten täglich (70
pyrs
), der dringend beendet werden müsste wegen der dadurch ausgelösten unweigerlichen Progression der generalisierten Arteriosklerose, insbesondere an Herz und Beinen. Weiterhin sehr ungünstig w
irkten sich der erhebliche Beweg
ungsmangel, die Adipositas, die unzureichende Diabeteseinstellung, die Hypercholesterinämie und die bedrohliche Familienanamnese aus (S. 16 Ziff. 7.2.4).
Aus allgemeininternistischer Sicht finde sich eine eingeschränkte körperliche Leis
tungsfähigkeit wegen folgender Befunde: Claudicatio intermittens bei PAVK nach Gehstrecke von zirka 200 Metern; sowohl körperliche als auch kardiopul
monale Leistungseinschränkung durch erheblichen muskulären und kardiopul
mo
nalen Konditionsmangel; diabetische Polyneuropathie der Füsse mit Fuss
brennen, insbesondere belastungsabhängig. Hinsichtlich seiner Leistungsfähig
kei
t in der angestammten Tätigkeit als Bäckerei-Mitarbeiter sei er aus inter
nistischer Sicht aktuell um 50 % eingeschränkt. Bei Abstellen der Risikofaktoren und besserer Mitarbeit des Versicherten wäre aber eine deutliche Besserung der Lei
s
tungsfähigkeit möglich, womit zumindest eine Arbeitsfähigkeit von mindestens zirka 70 % wieder erreichbar sein sollte. Er scheine allerdings in einer ideal an
gepassten Tätigkeit im Sinne einer körperlich sehr leichten, überwiegend im Sitz
en
auszuführenden Tätigkeit, vollschichtig einsetzbar. Diese sollte kein Heben schwe
rer
Lasten (mehr als 10 kg), keine Tätigkeiten, die längeres Gehen oder Stehen
erfordern, keine Tätigkeiten in Zwangshaltung (Über-Kopf, vorübergebeugt, Kn
ien), keine Arbeiten auf Leitern, Gerüsten oder auf unebenem Gelände, keine taktgebundene Arbeit oder Akkordarbeit, keinen überdurchschnittlichen Zeit
druck oder Arbeitsstress sowie keine Nachtarbeit, Schichtarbeit oder häufig wech
selnde Arbeitszeiten beinhalten (S. 17 Ziff. 7.4).
Vom Jahr 2014 bis Anfang des Jahres 2016 sei aus allgemeininternistischer Sicht keine sicher einschränkende Erkrankung zu erkennen. Ab diesem Zeitpunkt werde eine zunehmende belastungsabhängige Luftnot vom Versicherten berichtet und sei daher von einer eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit aus kardialer Sicht auszugehen. Vom Zeitpunkt des Herzinfarktes am 15. September 2016 bis zur Beseitigung der letzten Stenose im Folgejahr habe in der angestammten Tätigkeit aus internistischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden wegen einer persistierenden Myokardischämie bis zur Beseitigung der letzten Koro
nar
stenosen am
posterolateralen
Ast der rechten Kranzarterie im Juli 2017. Seit diesem Zeitpunkt sei eine organisch bedingte kardiale Leistungseinschränkung nicht mehr nachweisbar (S. 18 Mitte).
In angepasster Tätigkeit sei dem Versicherten eine vollschichtige Präsenz mög
lich. Es bestehe aus allgemeininternistischer Sicht eine Einschränkung der Leis
tung um 10 % bei optimaler Mitarbeit des Versicherten und bei konsequentem Abbau der Risikofaktoren
.
Die Arbeitsfähigkeit betrage 90 % (S. 19 oben). Wegen der persistierenden Myokardischämie habe überwiegend wahrscheinlich auch für die angepasste Tätigkeit aus internistischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% vom 15. September 2016 bis Ende Juli 2017 bestanden (S. 19 Mitte). Durch medizinische Massnahmen könne die Arbeitsfähigkeit relevant verbessert werden, und zwar durch eine intensivierte Diabetesbehandlung, Beendigung des Nikotin
abusus, regelmässige körperliche Betätigung, Gewichtsabnahme und regelmässi
ge Medikamenteneinnahme (S. 19 unten).
5.
6
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (Urk. 8/110/2-12)
wurde ausgeführt, die Einschätzung einer nicht nachweisbaren depressiven Störung h
abe
nicht nur in der psychiatrischen Untersuchung, sondern auch im neurologischen und inter
nistischen Gutachten gleichlautend getroffen werden können, auch wenn der Versicherte angegeben habe, er «warte auf den Tod» und «habe die Nase voll». Bei nicht leidensbezogenen Themen sei er durchaus schwingungsfähig gewesen, im Antrieb gestenreich und dynamisch (S. 6 Mitte).
Die interdisziplinär gestellten
Diagnosen
deck
t
en sich mit denjenigen in
den Teilgutachten
(S. 7 Ziff. 4.2)
. Es finde sich eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit wegen der Claudicatio intermittens, des erheblichen muskulären
und kardiopulmonalen Konditionsmangels, der diabetischen Polyneuropathie und
dem leichten
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms.
Daraus ergäben sich die im allgemeininternistischen Gutachten erarbeiteten Einschränkungen des Fähig
keitsprofils (
vgl.
vorstehend E. 5.4).
Aus psychiatrischer Sicht könne ausser einer akzentuierten Persönlichkeit mit vorrangig narzisstischen Zügen (mit passivem Schon- und Vermeidungsverhalten) keine tiefergreifende versicherungs
psychia
trisch relevante Störung objektiviert werden. Der Versicherte sei aus psy
chia
tri
schen Gründen voll belastbar, Motivation vorausgesetzt. Die motivationalen
Schwie
rigkeiten seien aber nicht durch eine versicherungspsychiatrische rele
v
ante Störung begründbar.
Die körperliche Leistungsfähigkeit sei durch Ermü
dung, Kraftlosigkeit und Schmerzen in den Beinen eingeschränkt und nicht durch die bekannte KHK. Aus rein kardialer Sicht sei der Versicherte normal arbeitsfähig (S. 7 f. Ziff. 4.3).
Betreffend Konsistenz wurde ausgeführt, die anamnestischen A
ngaben erschie
nen insbesondere im
psychiatrischen
Teilg
utachten teilweise plakativ, wenig kon
kret und teilweise widersprüc
hlich. Auch im internistischen Teilg
utachten hätten sich im Beschwerderapport demonstrative Schmerzangaben gezeigt, andererseits sei das Bewegungsrepertoire beim Auskleiden nicht wesentlich eingeschränkt gewesen. Schmerzmittel seien nicht benötigt worden (S. 8 Ziff. 4.6).
Aufgrund der internistischen Gesundheitsstörungen aber auch (potentiell bei besserer Mitarbeit) reversibler
Dekonditionierung
sei gegenwärtig eine Arbeits
fähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
von 50 % zu konstatieren. Es wäre aber bei verbesserter Compliance und Änderung des Lebensstils (Nikotin, Bewegungs
mangel, Medikation) eine Steigerung auf eine Arbeitsfähigkeit von zumindest 70
% möglich (S. 9 Ziff. 4.7). In angepasster Tätigkeit bestehe aus internistischen Gründen eine leichte Leistungsminderung um zirka 10
%.
5.
7
Dr. med.
L._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in der Stellungnahme vom 1. April 2019 (Urk. 8/120 S. 4-6) aus, Dr.
I._
habe Beschwerdefreiheit nach einer interventionell versorgten KHK am 27. Juli 2017 beschrieben. Die körperliche Leistungsfähigkeit sei
da
durch nicht mehr eingeschränkt. Im akt
u
ellen
Echo
kardiogramm habe sich eine Ejektionsfraktion von 60 % ergeben.
Die Ein
schätzung einer fortgesetzten Arbeitsunfähigkeit sei daher kaum nachvollziehbar (S. 6 oben).
5.8
Auf die entsprechend formulierten Rückfragen der Beschwerdegegnerin vom
2. Apr
il 2019 (Urk. 8/111) begründete
Dr.
K._
mit Stellungnahm
e vom 13. Mai
2019 (Urk. 8/114) seine Annahme einer persistierenden leichtgradigen Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer ideal angepassten Tätigkeit.
Dabei führte er aus, es bestehe ein langjähriger, nicht optimal eingestellter Diabetes mellitus, der an verschiedenen Organen zu irreversiblen Sekundär
er
krankungen geführt habe, so etwa zu einer diffusen Arteriosklerose. Diese habe beim Versicherten zu einer fortgeschrittenen koronaren 3-Gefässerkrankung
ge
führt. D
ie hochgradigen Stenosen hätten zwar in der Zwischenzeit gut beseitigt werden können; durch den Diabetes mellitus komme es aber neben den Verän
derungen an den grossen Koronargefässen auch zu diffusen Veränderungen an den kleinen arteriellen Gefässen, die sich in der Koronarangiografie nicht dar
stellen liessen. Weiterhin komme es auch zu diffusen
Fibrosierungen
des Myo
kards. Dadurch bedingt sei typisch für die
diabetogene
Kardiomyopathe
eine nicht reversible Einschränkung der Myokardfunktion.
Diese Myokardschädigung führe zwar zu keiner Einschränkung der systolischen Pumpleistung (Ejektionsfraktion); aufgrund des Elastizitätsverlustes komme es dagegen zu einer verminderten dias
tolischen Füllung des Herzens, die sich genau so ungünstig auf die Leis
tungs
fähigkeit des Herzens auswirke. Für solch eine Form einer kardialen Schädigung spreche auch die durch den Kardiologen echokardiografisch festgestellte leichte Vergrösserung des linken Vorhofes. (S. 1
f.). Eine andere nicht reversible Verän
de
rung im Rahmen des Diabetes mellitus stelle die diabetische Polyneuropathie dar, durch welche die Beweglichkeit des Versicherten zumindest leichtgradig eingeschränkt werde.
Weiterhin werde eine persistierende Einschränkung der Leis
tungsfähigkeit durch eine chronische körperliche
Dekonditionierung
infolge
mangelnder körperlicher Bewegung gesehen. Diese Funktionseinschränkung werde
verstärkt durch die Polyneuropathie und die PAVK, die sich allerdings erst auf höherer Belastungsstufe bemerkbar machen dürfte
. Weiterhin bestehe eine durch pulmonale Umbauprozesse verursachte Belastungsluftnot bei langjährigem Niko
tin
abusus. Auch diese Schädigungen könnten aber nicht durch optimale Ein
stellung komplett beseitigt werden Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Ver
sicherten könne aus näher dargelegten Gründen nicht alleine vom durch
ge
führten Belastungs-EKG des Kardiologen abhängig gemacht werden (S. 2 Mitte).
Es werde somit auch bei optimaler Einstellung aller Risikofaktoren aufgrund bleibender Schädigungen in einer ideal angepassten Tätigkeit bei Möglichkeit eines vollschichtigen Einsatzes eine persistierende Einschränkung der Arbeits
fähig
keit um 20 % gesehen (S. 2 unten).
6.
6.1
Das polydisziplinäre
Y._
-Gutachten vom 12. März 2019 (Urk. 8/110)
ist
für die streitigen Belange umfassend,
beruht
auf allseitigen Untersuchungen,
berücksich
tigt
auch die geklagten Beschwerden,
wurde
in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben,
leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und
die getroffenen
Schluss
folgerungen
sind begründet. Es vermag somit den praxisgemässen Anfor
de
rungen an den Beweiswert einer medizinischen E
xpertise (vgl. vorstehend E. 1.6
) zu genügen, weshalb grundsätz
lich darauf abgestellt werden kann.
6.2
I
m Vorgutachten
war
eine teilweise Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen attestiert worden (
vorstehend E. 3.2). Das aktuelle
psychiatrische
Teilgutachten
ver
neint eine solche und verdient daher eine nähere Prüfung
. Nachdem
beim
Be
schwerdeführer in der Zwischenzeit auch
ein Diabetes
mellitus
diagnostiziert wurde und er
einen Herzinfarkt erlitt, ist
weiter
die allgemein
medizinisch-
inter
nistische Beurteilung von Relevanz.
6.3
Was
das psychiatrische Teilgutachten
anbelangt, so mag es mit dem Beschwer
deführer (vgl. vorstehend E.
2.2) zutreffen, dass die behandelnden Psychiater vom
D._
im Dezember 2016 (vorstehend E. 4.3) und im Juni 2018 (vorstehend E. 4.6) jeweils eine schwere depressive Episode
bei
vollständiger Arbeitsunfähigkeit diag
nostizierten. Diese Diagnose wurde jedoch nicht ausreichend begründet. Zwar wird
im Bericht vom Dezember 2016
unter dem Titel «Symptome der schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (F32.2)» korrekterweise darauf hingewiesen, dass hierfür alle 3 Merkmale der depressiven Stimmung, des Inte
ressensverlustes und des verminderten Antriebs gegeben sein und die Gesamtzahl unter Einschluss zusätzlicher Merkmale mindestens 8 betragen müsse (Urk. 8/60 S. 2 oben).
Zu ergänzen ist hier, dass auch von diesen 5 zusätzlichen Merkmalen einige besonders ausgeprägt sein sollten
(
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internatio
nale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F] Klinisch-diag
nostische Leitlinien, 10., überarbeitete Auflage, Bern 2015, S. 174). Dass angeb
lich 9 dieser Merkmale gegeben sein sollten, widerspricht zunächst der Auflistung selber, welche lediglich die 3 Grundmerkmale sowie 5 zusätzliche Merkmale als gegeben bezeichnet. Sodann wird
betreffend die Zusatzmerkmale
der Verlust des Selbstvertrauens als «vollständig» bezeichnet, ohne
dass
hierauf in ersichtlicher Weise näher
eingegangen wird
.
Unter dem Merkmal «Selbstvorwürfe» werden Schuldgefühle wegen der Arbeitsunfähigkeit genannt. Wieso diese krankheits
wertig
sein sollten, erschliesst sich ebenso wenig wie der angebliche Zusammen
hang zwischen dem Merkmal «Konzentrationsstörung» und der Äusserung «Kaum lesen». Gleiches gilt für die «Gedanken an den Tod», wo gesagt wird, die Suizi
di
deen
bestünden immer wieder,
aktuell
aber
etwas weniger, un
d Gedankenkreisen um die Kinder beziehungsweise die
Zukunft erwähnt wird.
Offensichtlich lag zum Berichtsdatum effektiv keine Sui
zid
alität vor, was denn auch an anderer Stelle
im Bericht
explizit so bestätigt wurde (S. 3 oben).
Somit ist nicht glaubhaft, dass die erforderlichen 5 Zusatzmerkmale vorlagen, und erst recht nicht, dass einige von diesen besonders ausgeprägt waren.
Die Diagnose der schweren depressiven Episode ist also nicht nachvollziehbar und der
D._
-Bericht enthält weitere Widersprüche und Ungereimtheiten. So ist unerklärlich,
welcher Art die «Schmerzen» sein sollten, welche gemäss psycho
pa
thologischem
Befund
24 Stunden vorhanden seien.
Betreffend den Haushalt
wird
einmal gesagt
,
d
er
Beschwerdeführer
könne diesen noch erledigen (S. 2 Ziff. 3), um gerade anschliessend festzuhalten, die Hausarbeiten würden durch die Schwester
erledigt (S. 2 Ziff. 4). Völlig ohne
ersichtlichen
Bezugspunkt steht so
dann die Aussage im Raum, der Beschwerdeführer sei seit 2004 zu 100 % arbeits
unfähig. Dem Bericht des
D._
vom Dezember 2016
kommt somit kaum Beweis
kraft zu, was auch für den auf diesen aufbauenden Bericht vom Juni 2018
(vor
stehend E.
4.6)
gelten muss.
Soweit sich der Beschwerdeführer auf weitere Berichte der behandelnden Ärzte beruft, so ist ihm zu entgegnen, dass die Kardiologen des
B._
im September 2016 (vorstehend E. 4.2) und im Juli 2017 (vorstehend E. 4.4) zwar eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom als fachfremde Diagnose nannten, aus den Berichten aber nicht hervorgeht, auf welchem Weg und aus welchem Grund sie Eingang in die Diagnoseliste fand. Sie kann daher nicht beweisbildend berücksichtigt werden. Gleiches gilt für die von der Hausärztin Dr.
G._
im Juli 2018 ohne
näheren Angaben diagnostizierte
«Depression» (vorstehend E. 4.7).
Zudem ist bei Berichten von behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rech
nung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen),
möglicherweise
also deren Gesundheitszustand eher schlechter und ihre Arbeits
fähig
keit eher tiefer ein
schätzen als dies objektiv gerechtfertigt wäre.
Die Beurteilung im psychiatrischen Teilgutachten hingegen, dass eine depressive Störung bei der Untersuchung überhaupt nicht
eruierbar
gewesen sei, vermag an
gesichts der sorgfältigen Expertise zu überzeugen. Dies umso mehr, als an
lässlich
der Vorbegutachtung im April 2013 festgestellt worden war, dass eine früher diagnostizierte mittelgradige Episode unter der Behandlung teilremittiert war, so dass nur noch von einer leichten, allenfalls in den mittelschweren Bereich
tendierenden depressiven Episode ausgegangen wurde (vorstehend E. 3.2).
Es wurde
denn auch damals schon prognostiziert, dass unter konsequenter psychia
trischer Fachbehandlung und bei gelungener Reintegration mit einer weiteren Stabilisierung zu rechnen und medizinisch-theoretisch eine Arbeitsfähigkeit von 100 % durchaus zu erreichen sei (Urk. 8/25 S. 12 Ziff. 1.3).
Es ist somit erstellt, dass beim Beschwerdeführer keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen.
6.4
Die Schlussfolgerungen des allgemeinmedizinisch-internistischen Teilgutachters Dr.
K._
wurden von keiner Partei angegriffen. Die Beschwerdegegnerin
hatte sich zwar
nach
Erstattung des Gutachtens noch veranlasst gesehen, Rückfragen zu stellen. Dr.
K._
beantwortete diese mit seiner Stellungnahme vom Mai 2019 (vorstehend E. 5.8)
aber
sehr detailliert und nachvollziehbar, worauf die Be
schwerdegegnerin seine Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer
angepassten Tätigkeit übernahm (vgl. vorstehend E. 2.1). Es gibt denn auch keinen
Grund, seine Ausführungen in medi
zinischer Hinsicht anzuzweifeln, nachdem er in seiner Stellungnahme
insbesondere
schlüssig aufgezeigt hatte, dass trotz un
ein
geschränkter systolischer Pumpleistung des Herzens
die
Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
aufgrund von
durch den Diabetes mellitus ausgelösten Sekun
därerkrankungen
und der verminderten diastolischen Füllung des Herzens
den
noch eingeschränkt sei.
Zu bemerken
ist einzig, dass im Gutachten
vom März 2019
die
Arbeitsfähigkeit in
vollschichtiger
angepasster Tätigkeit
zunächst
bei einer Leistungsein
schrän
kung von 10 % mit 90 % beziffert wurde (vorstehend E. 5.5 und 5.6), in der Stel
lungnahme vom Mai 2019 hingegen eine Einschränkung von 20 % genannt wurde (vorstehend E. 5.8)
, was auf die schlüssige Präzisierung durch Dr.
K._
hinsichtlich der Einschränkungen durch den Diabetes und die Herzproblematik
zurückzuführen ist.
W
ie der nachfolgende Einkommensvergleich
(E. 7)
zeigen w
ird
, ergibt sich keine Anspruchsrelevanz, selbst wenn
zugunsten des Beschwer
deführers von einer Arbeitsfähigkeit von
lediglich 80 % in einer angepassten sowie von 7
0 % in
der angestammten
Tätigkeit
a
uszugehen
ist
.
Zu letzterer Ein
schätzung ist festzuhalten, dass d
ie von den Gutachtern erwähnte optimale Ein
stellung der Risikofaktoren, welche zur Err
eichung dieser Arbeitsfähigkeit
von
nöten ist,
gleichermassen
invaliditätsfremde Faktoren
betrifft
, welche vom Beschwerdeführer beeinflusst werden können. Konkret sind dies eine intensivierte Diabetes Behandlung, eine
Beendigung des Nikotinabusus’, regelmässige kör
per
liche Betätigung zur
Rekonditionierung
, Gewichtsabnahme und regelmässige
Medi
kamenteneinnahme (vgl.
vorstehend E. 5.5
). Di
ese Veränderungen des Lebens
s
tils
sind dem Beschwerdeführer klarerweise zumutbar, was folglich – bei einer persistierenden Leistungseinschränkung von 20 % - auch für die Aufnahme einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit gilt.
6.5
Gestü
tzt auf das beweiskräftige polydisziplinäre
Gutachten ist somit erstellt, dass
der Beschwerdeführer vom Zeitpunkt des Herzinfarktes am 15. September 2016 bis zum 31. Juli 2017 für sämtliche Tätigkeiten
vorübergehend
zu 100 % arbeits
unfähig war.
Ab diesem Zeitpunkt beträgt
die zumutbare Arbeitsfähigkeit des
Beschwerde
führer
s
in der bisherigen Tätigkeit als Bäckerei-Mitarbeiter
wie bisher
70 %.
In einer
dem Belastungsprofil
angepassten
Tätigkeit beträgt die Leistungs
ein
schränkung 20 % und
folglich
die Arbeitsfähigkeit 80 %.
Diese Tätigkeit sollte
im Vergleich zur Beurteilung im Jahr 2014 (vgl. vorstehend E. 3.2) nun
kein Heben schwerer Lasten
von
mehr als 10 kg
statt wie bisher 15 kg
, keine Tätigkeiten, die längeres Gehen oder Stehen erfordern, keine Tätigkeiten in Zwangshaltung (Über-Kopf, vorübergebeugt, Knien), keine Arbeiten auf Leitern, Gerüsten oder auf unebenem Gelände
und zusätzlich
keine taktgebundene Arbeit oder Akkordarbeit, keinen überdurchschnittlichen Zeitdruck oder Arbeitsstress sowie keine Nacht
arbeit, Schichtarbeit oder häufig wechselnde Arbeitszeiten beinhalten.
6.6
Ein
e Veränderung der Arbeitsfähigkeit und damit ein
Anlass zur Rentenrevision (vorstehend
E. 1.
3 und E. 1.
4)
sind
nach dem Gesagten
somit grundsätzlich ge
geben
. Es bleiben die erwerblichen Auswirkungen der erstellten Ein
schrän
kungen aufgrund des
Einkommensvergleichs zu prüfen.
7.
7.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
7.2
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grund
sätzlich auf die Gegeben
heiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222). Ein Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruc
hes. Die IV-Anmeldung ging am 3
.
Februar 2017
bei de
r Beschwerdegegnerin ein (Urk. 8/61
s
owie Aktenver
zeichnis zu Urk. 8
). Ein allfälliger Rentenanspruch bestünde somit frühestens ab dem 1.
August 2017. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Beschwerdeführer nach überstandenem Herzinfarkt
und den entsprechenden Be
handlungen
seine Arbeitsfähigkeit im
oben erstellten Ausmass wieder
hergestellt
(vorstehend E. 6.5)
.
7.3
D
er Beschwerdeführer
geht aktuell keiner
Erwerbstätigkeit nach
. Nach einer langjährigen Anstellung als Bäckereimitarbeiter von 1997 bis 2002 bei der
M._
AG (Urk. 8/2; Urk.
8/18
)
,
war er von 2002 bis 2003 bei der
N._
AG als Reiniger tätig (Urk.
8/2). Danach folgten Beschäf
tigungen im zweiten Arbeitsmarkt sowie ein Kurzeinsatz von 3 Monaten als Kommissionierer bei
O._
im Jahr 2006 (vgl. Urk. 8/4-6). Die Anstellungen im ersten Arbeitsmarkt liegen somit
weit
in der Vergangenheit und wurden nicht aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst, weshalb das dort erzielte Einkommen zur Evaluation des
Valideneinkommens
nicht herangezogen werden kann.
Es ist deshalb auf
den standardisierten Durch
schnittslohn für einfache Tätigkeiten kör
per
licher oder handwerklicher Arbeit in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzu
stellen (LSE 2016, Tabellengruppe
TA1_tirage_skill_level
, Total, Niveau 1).
7.
4
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mens
vergleichs gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG
grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig
nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zent
zahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalidenein
kom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit
unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts
9C_492/2018 vom 24. Januar
2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil
8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabel
lenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
7.5
In einer behinderungsangepassten Tätigkeit besteht eine Arbeitsfähigkeit von 80
%, wobei vom gleichen Tabellenlohn auszugehen ist.
Der Invaliditätsgrad liegt somit grundsätzlich bei 20 %. Nur ein maximaler leidensbedingter Abzug vom Invalideneinkommen in der Höhe von 25 % (vgl.
BGE 135 V 297 E. 5.2
)
hätte
einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad von min
destens 40 %
zur Folge (vgl.
E.
1.2). Gründe für einen solchen liegen
jedoch
nicht vor, zumal namentlich bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbe
dingten Abzugs einfliessen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_833/2017 vom 20. April 2018 E. 2.2 mit Hinweis). Im Übrigen kommt auch dem fortgeschrittenen Alter im Zusammenhang mit dem Leidensabzug keine entscheidende Bedeutung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2017 vom 1. Februar 2018 E. 5.3.2).
7.6
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
8.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der
unentgeltliche
n Prozessführung sind die Gerichtskosten einstwei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
.