Decision ID: 56460ccc-df0f-4251-88f2-7a99b1f03f63
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 19. Juli 2018 (DG180003)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 3. Januar
2018 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 23/4).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 62 S. 102 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne
von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2
lit. a BetmG,
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a
WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und Abs. 5 WG, Art. 8 Abs. 1 WG,
Art. 9a Abs. 1 WG, Art. 12 WG, Art. 15 WG und Art. 16a WG sowie Art. 15
und 21 WV sowie
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. Vom Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
betreffend VG 27, VG 54 und VG 55 wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 Jahren Freiheitsstrafe (wovon 448 Tage durch
Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von CHF 700.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte seit dem
13. Oktober 2017 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so
tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen.
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6. Die sichergestellten und bei der Kantonspolizei Zürich unter der Lager-Nummer 1
aufbewahrten Betäubungsmittelutensilien (Asservat A009'505'399) sowie die Faust-
feuerwaffe "Walther" samt Magazinen und Patronen (Asservat A009'505'220) wer-
den eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft der Kantonspolizei Zürich zur
Vernichtung überlassen.
7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
17. Mai 2017 beschlagnahmten und bei der Gerichtskasse unter der Sachkaution
Nr. 2 aufbewahrten Gegenstände werden eingezogen und nach Eintritt der Rechts-
kraft vernichtet:
− Asservat A009'505'957: 1 SIM-Kartenhalter, Yallo;
− Asservat A009'505'413: 1 SIM-Kartenhalter, Yallo;
− Asservat A009'505'355: 1 Mobiltelefonverpackung, Nokia Typ RM-1133, IMEI 3;
− Asservat A009'505'333: 1 Mobiltelefonverpackung, Nokia, IMEI 4;
− Asservat A009'505'322: 1 SIM-Kartenhalter Yallo;
− Asservat A009'505'297: 1 Apple Iphone 5, IMEI 5;
− Asservat A009'505'286: 1 Nokia, IMEI 6;
− Asservat A009'505'275: 1 Samsung Typ GT-E1200I, IMEI 7;
− Asservat A009'505'253: 1 Nokia Typ 215, IMEI 8;
− Asservat A009'505'366: 1 SIM-Kartenhalter, Yallo.
8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 9'000 ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF 7'000 Gebühr Strafuntersuchung
CHF 3'470 Kosten der Kantonspolizei
CHF 28'433.70 Auslagen Untersuchung
CHF 3'307 Gutachten/Expertisen etc.
CHF 63'900.35 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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11. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen und Barauslagen als
amtlicher Verteidiger mit CHF 63'900.35 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse ent-
schädigt.
12. (Mitteilungen)
13. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 79 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositivziffer 1 des angefochte-
nen Urteils schuldig zu sprechen der mehrfachen qualifizierten Widerhand-
lung gegen das Betäubungsmittelgesetz und der mehrfachen Übertretung
des Betäubungsmittelgesetzes, vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das
Waffengesetz sei der Beschuldigte freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositivziffer 2 des ange-
fochtenen Urteils vom Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz betreffend VG 27, VG 54, VG 55 sowie VG 64,
VG 18, VG 30/2, VG 39, VG 42, VG 50, VG 59 und VG 49 freizusprechen.
3. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositivziffer 3 und 4 des an-
gefochtenen Urteils mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu bestrafen
sowie mit einer Busse von Fr. 700.–; dem Beschuldigten sei der bedingte
Vollzug der Freiheitsstrafe zu gewähren unter Ansetzung einer Probezeit
von 2 Jahren.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 70; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 62 S. 4 ff.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 19. Juli 2018 wurde
der Beschuldigte A._ im Sinne des eingangs wiedergegebenen Urteilsdispo-
sitivs schuldig gesprochen und bestraft. Gegen dieses Urteil liess er innert Frist
mit Schreiben vom 20. Juli 2018 Berufung anmelden (Urk. 56). Das begründete
Urteil wurde dem Beschuldigten respektive seinem amtlichen Verteidiger in der
Folge am 30. August 2018 zugestellt (Urk. 61/2), woraufhin letzterer mit Eingabe
vom 14. September 2018 fristgerecht die Berufungserklärung beim hiesigen Ge-
richt einreichte (Urk. 66).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 2. Oktober 2018 wurde der Anklagebehörde
Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben, oder begründet ein Nicht-
eintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 68). Daraufhin teilte die Anklage-
behörde mit Eingabe vom 16. Oktober 2018 mit, sie verzichte auf die Erhebung
einer Anschlussberufung und beantrage die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils (Urk. 70).
1.4. Am 3. Juni 2019 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der Be-
schuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur.
X._, erschienen ist. Gleichzeitig wurden sodann die Berufungsverhandlungen
in den jeweils separat geführten Verfahren gegen die teilweise Mitbeschuldigten
B._ (SB180402), C._ (SB180404) und D._ (SB180406) durchge-
führt (Prot. II S. 3 ff.).
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2. Umfang der Berufung
2.1. In ihrer Berufungserklärung vom 14. September 2018 teilte die amtliche
Verteidigung mit, die Berufung des Beschuldigten richte sich gegen den Schuld-
punkt und die Bemessung der Strafe (Urk. 66). Anlässlich der Berufungsverhand-
lung konkretisierte die Verteidigung, es werde der Schuldpunkt betreffend VG 64,
VG 18, VG 30/2, VG 39, VG 42, VG 50, VG 59 und VG 49 sowie der Schuldpunkt
betr. Widerhandlung gegen das Waffengesetz angefochten (Urk. 79 S. 1).
2.2. Damit sind im Berufungsverfahren folgende Dispositiv-Ziffern unangefoch-
ten: 1 al. 1 bezüglich VG 24, VG 16, VG 30/1 und VG "Verkauf 200 g Kokain", 1
al. 3 (Schuldspruch Übertretung BetmG), 2 (Freisprüche), 6 und 7 (Entscheid über
die Verwendung von sichergestellten respektive beschlagnahmten Gegenstän-
den), 8 (Kostenfestsetzung), 9 und 10 (Kostenauflage) und 11 (Entschädigung
amtliche Verteidigung). Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil betreffend
diese Regelungen in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzu-
stellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.3. Im übrigen Umfang steht das vorinstanzliche Urteil zwecks Überprüfung
unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes (Verbot der reformatio in peius)
zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Verwertbarkeit der Erkenntnisse aus den Überwachungsmassnahmen
Die Vorinstanz hat sich ausführlich mit der Frage der Verwertbarkeit der diversen
Überwachungsmassnahmen auseinandergesetzt und eine differenzierte und
überzeugende Würdigung vorgenommen. Darauf kann vollumfänglich verwiesen
werden (vgl. Urk. 62 S. 11 ff.). Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass die auf
holländischem Hoheitsgebiet geführten Gespräche und die GPS-Daten aus
Holland nicht verwertbar sind, da die zuständige holländische Behörde die ge-
sammelten Informationen als gesetzeswidrig bezeichnete und deren Verwendung
nicht genehmigte.
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4. Fernwirkung des Beweisverbotes
Eine Fernwirkung des Beweisverwertungsverbots für die Aussagen des Beschul-
digten und des Mitbeschuldigten B._ in Bezug auf VG 59 ist – entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Urk. 79 S. 21 ff.) und mit der Vorinstanz (Urk. 62 S. 15,
60 f.) – zu verneinen. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, dokumentieren
die verwertbaren in Deutschland erhobenen GPS-Daten, dass der 'Peugeot' am
30. Mai 2016 die deutsch-holländische Grenze – unterwegs aus Richtung ... –
passierte (Beilage 5 S.1 zu Urk. 3/19 i.V.m. Urk. 44/3). Am 4. Juni 2016 ist aus
diesen erhobenen GPS-Daten ersichtlich, dass die Grenze in umgekehrter Rich-
tung passiert wurde (Beilage 5 S. 2 zu Urk. 3/19 i.V.m. Urk. 44/4). Ausserdem be-
zieht sich auch ein verwertbares Audio-Gespräch auf die Fahrt nach bzw. auf den
Aufenthalt in Holland (Beilage 8 zu Urk. 3/19). Der Schlussfolgerung der Vo-
rinstanz, dass die Aussagen des Beschuldigten sowie des Mitbeschuldigten
B._ – gestützt auf diese weiteren verwertbaren objektiven Beweismittel – mit
grosser Wahrscheinlichkeit auch ohne die unverwertbaren GPS-Daten aus Hol-
land erlangt worden wären, ist überzeugend und entsprechend zu übernehmen.
Die Aussagen des Beschuldigten sowie des Mitbeschuldigten B._ in Bezug
auf VG 59 sind uneingeschränkt verwertbar. Dasselbe gilt in Bezug auf Aussagen
betreffend VG 49.
II. Schuldpunkt
1. Sachverhalt
1.1. Allgemeine Bemerkungen
1.1.1. Dem Beschuldigten werden in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II
vom 3. Januar 2018 unter dem Titel "I. Drogenhandel (Kokain/Heroin)" insgesamt
16 Vorgänge zur Last gelegt, bei welchen er sich jeweils der qualifizierten Wider-
handlung gegen das BetmG schuldig gemacht haben soll. Darüber hinaus soll
sich der Beschuldigte des illegalen Waffenerwerbs und -besitzes sowie der mehr-
fachen Übertretung des BetmG (Konsum) schuldig gemacht haben (Urk. 23/4
S. 2 ff.). Nachdem sich der Beschuldigte anlässlich der Schlusseinvernahme und
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auch im Rahmen seiner Befragung vor Vorinstanz teilweise geständig gezeigt hat
(Urk. 3/39 S. 10 ff.; Urk. 51 S. 30 ff.), anerkennt er im Berufungsverfahren aus-
drücklich die Vorgänge gemäss VG 24, VG 16, VG 30/1, VG 62 (Bestreitung des
Quantitatives) sowie VG "Verkauf 200 Gramm Kokain" und den Anklagevorwurf
gemäss Ziff. "III. Betäubungsmittelkonsum". Damit sind im Berufungsverfahren
noch die Vorgänge 64, 18, 30/2, 62 (Quantitativ), 39, 42, 59, 50 und 49 gemäss
Anklageziffer I. sowie der illegale Waffenbesitz und -erwerb gemäss Anklageziffer
II. seitens des Beschuldigten bestritten. Diesbezüglich ist nachfolgend zu prüfen,
ob sich der jeweilige Anklagevorwurf durch die vorhandenen Beweismittel er-
stellen lässt, oder nicht.
1.1.2. Soweit die Vorinstanz einleitend Ausführungen zu den Grundsätzen der
Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung von Aussagen gemacht hat, er-
weisen sich diese als korrekt und vollständig, weshalb darauf vorab verwiesen
werden kann (Urk. 62 S. 16 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.1.3. Die Vorinstanz hat vorab mit überzeugenden Argumenten dargetan, dass
es sich beim Beschuldigten zweifellos um diejenige Person handelt, welche im
Rahmen der polizeilichen Ermittlungen mit dem Pseudonym "E._" versehen
wurde (Urk. 62 S. 19 f.). Wenngleich der Beschuldigte vor Vorinstanz noch zu
Protokoll gab, er wisse nicht, ob er die Person mit dem Pseudonym "E._" sei,
denn er höre das zum ersten Mal und er sei noch nie von jemandem mit diesem
Namen angesprochen worden (Urk. 51 S. 31), vermag diese halbherzige Bestrei-
tung nichts an den schlüssigen Erwägungen der Vorinstanz zu ändern. Hinzu
kommt, dass der Beschuldigte in Bezug auf die Vorgänge VG 24, VG 16, VG
30/1, VG 62 sowie VG "Verkauf 200 Gramm Kokain" ein Geständnis abgelegt und
damit implizit auch anerkannt hat, dass er es war, der bei den jeweils aufgezeich-
neten Gesprächen und beim Austausch der Textnachrichten beteiligt war.
1.1.4. Weiter hat die Vorinstanz unter Ziff. II. 1. B. 3.3, 3.1.1. ff. eine sehr detail-
lierte Würdigung des allgemeinen Aussageverhaltens des Beschuldigten vorge-
nommen. So hat sie sich sehr eingehend mit den Aussagen des Beschuldigten
zur Frage seines Umgangs mit Drogen, zu seinem Aufenthalt in der Schweiz, zu
seinem Umgang mit einer Vielzahl von verschiedenen Rufnummern und zu sei-
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nem Vermögen auseinandergesetzt. Zusammenfassend ist sie zum Schluss ge-
kommen, dass angesichts der im Aussageverhalten des Beschuldigten zu allge-
meinen Themen zu konstatierenden Ungereimtheiten und Widersprüchen nicht
unbesehen auf seine Angaben zu den konkreten Anklagevorwürfen abgestellt
werden könne; vielmehr seien seine Aussagen mit Vorsicht zu würdigen und ins-
besondere auf ihre Vereinbarkeit mit dem übrigen Beweisergebnis zu überprüfen
(Urk. 62 S. 23 ff.). In der Tat fällt auf, dass sich der Beschuldigte im Verlauf der
Befragungen immer wieder in fundamentale Widersprüche verwickelt oder nur
ausgesprochen vage Ausführungen gemacht hat, welche über weite Teile sehr
unzuverlässig erscheinen. Verschiedentlich hat er nur dann Aussagen gemacht
wenn ihm geradezu unumstössliche Beweise vorgelegt wurden, wobei seine Ant-
worten auch dann noch zumindest teilweise ausweichend ausgefallen sind. Zu-
dem sticht ins Auge, dass der Beschuldigte oftmals bemüht war, seine Aussagen
dem jeweiligen Kenntnisstand der Untersuchungsbehörden anzupassen. All diese
Umstände wecken ganz erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der jeweiligen
Depositionen des Beschuldigten, was im Sinne einer allgemeinen Feststellung
einleitend festzuhalten ist. Selbstverständlich muss die Schuld – mit der Verteidi-
gung – in jedem einzelnen Fall anhand einer stets wieder unvoreingenommenen
Würdigung der konkreten Beweismittel beurteilt werden (Urk. 53 S. 6; Urk. 79
S. 2 f.). Dennoch ist der Vorinstanz uneingeschränkt zuzustimmen, wenn sie sich
gestützt auf ihre profunde – und in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO ohne
Einschränkung zu übernehmende – Aussagenanalyse auf den Standpunkt stellt,
auf die Aussagen des Beschuldigten könne nicht unbesehen abgestellt werden.
1.1.5. Des weiteren ist einleitend noch einmal explizit darauf hinzuweisen, dass
der Beschuldigte durch sein Geständnis betreffend die Vorgänge VG 24, VG 16,
VG 30/1, VG 62 sowie VG "Verkauf 200 Gramm Kokain" anerkannte sich im
Sinne der Anklageschrift verhalten zu haben. Konkret bedeutet dies:
− betreffend VG 24 hat der Beschuldigte von D._ eine Drogen-
bestellung (ca. 30 Gramm Kokain) entgegen genommen und her-
nach den Verkauf und die Übergabe durch den Mittelsmann
F._ organisiert;
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− betreffend VG 16 hat der Beschuldigte den Verkauf und die Über-
gabe von 100 Gramm Kokaingemisch an einen Unbekannten
durch die Mittelsmänner F._ und G._ organisiert;
− betreffend VG 30/1 hat der Beschuldigte von D._ eine Dro-
genbestellung (100 Gramm Kokain) entgegen genommen und
hernach den Verkauf und die Übergabe unter Beizug der Mittels-
männer F._ und G._ organsiert und ausgeführt;
− betreffend VG 62 hat der Beschuldigte mindestens 100 Gramm
Kokaingemisch bezogen/gekauft, um dieses zumindest teilweise
weiter zu geben respektive weiter zu verkaufen;
− betreffend VG "Verkauf 200 Gramm Kokain" hat der Beschuldigte
zusammen mit H._ und D._ 200 Gramm Kokain an ei-
nen unbekannten Dritten verkauft.
Aus diesen Zugeständnissen des Beschuldigten lassen sich daher für die nach-
folgende Beweiswürdigung diverse wesentliche Erkenntnisse gewinnen, welchen
zwingend Beachtung zu schenken sein wird:
1.1.6. Einerseits ist nämlich erstellt, dass der Beschuldigte zweifellos an mehreren
Kokaingeschäften beteiligt war und er sich Kokain zum Zwecke des Weiter-
verkaufs beschaffte, wobei er mehrfach weitere Personen in die Geschehnisse
miteinbezog und diesen Anweisungen erteilte.
1.1.7. Weiter zeigt die abgehörte Kommunikation namentlich zwischen dem Be-
schuldigten und D._, dass der Beschuldigte bestens mit der im Drogenhan-
del notorischerweise verwendeten, verklausulierten Sprache vertraut war und die
von ihm benutzten Codewörter exakt der Redeweise von D._ entsprachen.
Als Beispiel hierfür sei auf das aufgezeichnete Gespräch zwischen dem Beschul-
digten und D._ verwiesen, welches am 8. April 2016 um 17:19 stattfand und
das die Beweisgrundlage für den unter VG 30/1 eingeklagten – und durch den
Beschuldigten anerkannten – Vorwurf bildete. Die Rede ist hier von einem "Auto"
respektive einem "halben Auto" welches demjenigen "vom Restaurant in I._"
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geliefert werden sollte (Beilage 1 zu Urk. 3/17). Das Codewort "ein Auto" steht
dabei für ein Kilogramm Kokain. Dementsprechend ist "halbes Auto" ein Synonym
für ein halbes Kilogramm Kokain. Dass es hier nicht um den Erwerb eines Autos
im eigentlichen Sinne gehen konnte, wird spätestens dann klar, wenn der Be-
schuldigte D._ fragt, ob er denn nicht wenigstens ein halbes Auto liefern
könne. Nachdem D._ zugestandenermassen weder mit ganzen noch mit
halben Autos im engeren Sinne handelte (Urk. 6/4 Antwort auf Frage 17), bleibt
kein Raum mehr für anderweitige Interpretationen. Hier ging es klarerweise um
Kokain, was die Vorinstanz bereits zutreffend erkannte. Auf deren vollends über-
zeugende, grundsätzliche Erwägungen zur verwendeten Codesprache ist unein-
geschränkt zu verweisen (Urk. 62 Ziff. II. 1. B. 3.5, 3.3.3.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Bezüglich der Interpretation "ein Auto = ein Kilogramm Kokain" erwog die Vo-
rinstanz folgendes: Einerseits sei es gerichtsnotorisch, dass Drogengespräche am
Telefon im Hinblick auf eine allfällige Überwachungsmassnahme nicht offen, son-
dern vorsichtig, verklausuliert und unter Verwendung von Codewörtern (für Dro-
gen und Geld) geführt würden. Andererseits gehe es im vorliegenden Gespräch
klarerweise um Drogen, zumal der Beschuldigte mit D._ noch weitere Koka-
ingeschäfte abgewickelt habe. Dass es im Gespräch nicht um den Verkauf eines
Autos gehe, sei vor diesem Hintergrund offensichtlich und werde durch eine in
den Akten liegende Aufzeichnung eines von D._ (an dieser Stelle mit "U" für
UM J._ abgekürzt) mit dem Beschuldigten ("C" für "E._") geführten Ge-
sprächs untermauert (TK Protokoll vom 08.04.2016, 17:19 [Beilage 1 zu
Urk. 3/17). Dieses Gespräch wird der Anschaulichkeit halber an dieser Stelle noch
einmal im Wortlaut dargestellt:
[...]
D._: Ich habe bis jetzt gearbeitet. Und ich dachte, ich bin jetzt frei.
A._: Es ist kein Problem. Soll ich ihn zu dir schicken? Soll ich ihn zu dir
schicken?
D._: Du wirst ihn schicken, aber hör mal. Ich habe eine andere Nachricht für
dich.
A._: Was?
D._: Kennst du diesen vom Restaurant in I._?
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A._: Ja, ja.
D._: Er verlangt ein Auto.
A._: Gut, aber wann soll ich es jetzt so? Wir können es nicht in Ordnung
bringen.
D._: Was?
A._: Wir können es heute nicht in Ordnung bringen.
D._: Warum nicht heute? Ein halbes.
A._: Nein.
D._: Kannst du nicht ein halbes?
A._: Aber... ich werde selber dorthin kommen, um zu sprechen.
D._: Jetzt zu mir... (unv.). Ich habe um 21.30 Uhr Feierabend. Du sollst um
21.30, 21.45 sollst du bei mir sein. Nachher werden wir zusammen
dorthin gehen.
A._: Ich selber komme nicht, ich werde einen anderen Freund dorthin
schicken.
D._: Das für mich schickst du es mir?
A._: Ja, ja.
D._: Ich dachte, was machen wir mit ihm? Ich dachte, ich mache dir einen
Gefallen. Verstehst du mich?
A._: Ja, ich werde ihn dort, zu dir schicken.
D._: Weil er schon alles reserviert hat. Verstehst du?
A._: Ok, ok. Ich komme dorthin und sprechen wir.
D._: Wirst du um 21.30 Uhr bei mir sein, oder wirst du direkt zu ihm gehen?
Im Restaurant.
A._: Um neun Uhr dreissig werde ich zu dir kommen.
D._: Zu mir?
A._: Ok.
D._: Ok, um neun Uhr dreissig, bei mir. Ich warte auf dich unten in Pizzeria.
Komm nicht nach oben.
A._: Ok, ok.
D._: Und nachher gehen wir zusammen nach I._.
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A._: Ok. Ciao.
D._: Tschüss.
[...]
1.1.8. Fazit: Nach dem Gesagten steht nicht nur fest, dass sich der Beschuldigte
im Dunstkreis des Drogenhandels aufhielt, sondern auch, dass er aktiv an Dro-
gengesprächen mit Mitbeschuldigten beteiligt war, die einschlägige "Nomenklatur"
beherrschte und auch Drogen zum Weiterverkauf an Dritte orderte und erhielt.
Zudem verfügte er erstelltermassen über Mittelsmänner, welchen er Anweisungen
erteilte. Im Lichte dieser Erkenntnisse sind die nachfolgenden Anklagevorwürfe
einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
1.2. VG 64 (Verkauf von ca. 500 Gramm Kokain und ca. 500 Gramm Heroin)
1.2.1. Dem Beschuldigten wird unter VG 64 vorgeworfen, er habe K._ am
Abend des 17. November 2015 angewiesen, einem nicht näher bekannten Dro-
genabnehmer "L._" Drogen zu verkaufen. Daraufhin habe K._ den Auf-
trag etwa eine halbe Stunde später ausgeführt, indem er dem "L._" in einem
Restaurant in Zürich ca. 500 Gramm Kokaingemisch (statistisches Gehalt 62%)
für CHF 21'400.– und ca. 500 Gramm Heroingemisch (statistisches Gehalt 38%)
für CHF 13'500.– verkauft habe (Urk. 23/4 S. 3).
1.2.2. Der Beschuldigte bestritt den Anklagevorwurf sowohl in der Strafunter-
suchung wie auch im vorinstanzlichen Verfahren (Urk. 3/39 S. 10, Urk. 51 S. 30).
Anlässlich der Berufungsverhandlung machte er sodann keine Aussagen mehr
zur Sache (Urk. 78 S. 2).
1.2.3. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, es sei mit Blick auf VG
64 zweifelsfrei nachgewiesen, dass der Beschuldigte am 17. November 2015
K._ angewiesen habe, zwei nicht näher bestimmbare Drogenportionen an
einen nicht näher bekannten Abnehmer, genannt 'L._', zu verkaufen. Nicht
rechtsgenügend erstellt sei hingegen, dass es dabei um ca. 500 Gramm Kokain
und ca. 500 Gramm Heroin gegangen sei (Urk. 62 S. 38 ff.).
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1.2.4. Wie die Vorinstanz korrekt festgestellt hat, lässt sich aufgrund des "modus
operandi" zwar vermuten, dass es bei der fraglichen Kommunikation um ein
Drogengeschäft gegangen ist. Klarerweise nicht beweisen lässt sich dagegen, um
welche Drogen es sich gehandelt hat, und auch das Quantitativ muss zwingend
offen bleiben. Unter diesen Umständen lässt sich das in der Anklage unter VG 64
behauptete Drogengeschäft nicht nachweisen. Entsprechend kann der Tatvorwurf
gemäss Anklage insoweit nicht erstellt werden, weshalb der Beschuldigte von
diesem Vorwurf (in dubio pro reo) freizusprechen ist.
1.3. VG 18 (Vermittlung Kauf/Bezug von ca. 500 Gramm Kokain)
1.3.1. Der Anklagevorwurf lautet dahingehend, dass der Beschuldigte M._
bei einem Treffen am 18. Februar 2016 in Zürich den Kauf von ca. 500 Gramm
Kokain über einen nicht näher bekannten Drogenlieferanten (UM O._) ver-
mittelt habe, worauf M._ am 20. Februar 2016 im Restaurant ... in O._
ca. 500 Gramm Kokaingemisch (statistisches Gehalt 69% somit ca. 345 Gramm
Reinsubstanz) von UM O._ bezogen habe (Urk. 23/4 S. 5).
1.3.2. Der Beschuldigte stellte sich im Rahmen der Schlusseinvernahme sinnge-
mäss auf den Standpunkt, dass er den Vorwurf teilweise anerkenne (Urk. 3/39
S. 12 f. i.V.m. Urk. 3/36 S. 10 ff.). In der Hauptverhandlung machte er sodann
sinngemäss geltend, dass es sich bei dem durch ihn arrangierten Treffen in
O._ bloss um einen Vorwand gehandelt habe, um M._ wegen noch of-
fener Schulden nach O._ zu schicken (Urk. 51 S. 31 f.).
1.3.3. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, der Beschuldigte habe
zur Sache unglaubhafte Aussagen gemacht. Einerseits habe er widersprüchliche
Depositionen zu Protokoll gegeben und andererseits seien seine Aussagen nicht
mit den abgehörten Telefonaten vereinbar. Vielmehr sei er bei seiner Zugabe zu
behaften, dass es um die Vermittlung von Kokain gegangen sei. Dies überzeuge
deshalb, weil er einerseits auch andere Kokain-Geschäfte abgewickelt habe und
andererseits sein Umgang mit Mobiltelefonen den im Drogenhandel üblichen Ge-
pflogenheiten entsprochen habe. Soweit der Beschuldigte auch das Quantitativ
bestreite und geltend mache, es habe sich nicht um 500 Gramm sondern um
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100 oder 200 Gramm Kokain gehandelt, werde dies klar und deutlich durch die
Aufzeichnungen widerlegt. Der Anklagesachverhalt gemäss VG 18 sei deshalb
erstellt (Urk. 62 S. 28 ff.).
1.3.4. Anlässlich seiner ersten polizeilichen Befragung zu VG 18 machte der Be-
schuldigte geltend, sich an nichts mehr erinnern zu können respektive nichts zur
Sache zu sagen zu haben (Urk. 3/12). Am 13. Oktober 2017 wurde der Beschul-
digte staatsanwaltschaftlich zur Sache einvernommen. Anlässlich dieser Einver-
nahme räumte er ein, dass er sich mit M._ getroffen habe. Der Inhalt der Ge-
spräche werde aber ganz falsch dargestellt. Es sei nicht um Drogen gegangen. Er
habe lediglich ein Treffen zwischen dem Inhaber eines Lokals in O._ und
M._ respektive dessen Vater arrangiert. Im Anschluss an diese Deposition
eröffnete der Staatsanwalt dem Beschuldigten, dass M._ in der Zwischenzeit
verstorben sei (Urk. 3/36 S. 6 f.). Offenbar veranlasste diese, für den Beschuldig-
ten wohl überraschende Mitteilung (zit. "der Beschuldigte ist darüber erstaunt")
diesen zu einer Kehrtwende in seinem Aussageverhalten. Nach einem kurzen Un-
terbruch und einer Unterredung mit seinem Verteidiger korrigierte er nämlich sei-
ne zuvor gemachten Aussagen. In diametralem Widerspruch zu seinen vorheri-
gen Aussagen gab er nämlich neu an, er habe mit M._ (=M._) Kokain
konsumiert. Es falle ihm, jetzt wo M._ tot sei, schwer darüber zu sprechen,
aber es müsse halt sein. Es sei eine Tatsache, dass er ihn nach O._ ge-
schickt habe, damit er dort habe Kokain beziehen können. Es sei aber nicht um
den Kauf von 500 Gramm, sondern um 100 oder 200 Gramm gegangen. M._
habe das Kokain dort auf Kommissionsbasis beziehen können und den Kaufpreis
erst dann bezahlen müssen, nachdem er seinerseits es weiterverkauft hätte. Das
sei der einzige Grund, weshalb M._ nach O._ gefahren sei. Wie die Sa-
che dann weitergelaufen sei, wisse er nicht. Zum Beispiel wisse er nicht, ob es
dann ein Treffen auch mit dem Vater von M._ gegeben habe (Urk. 3/36
S. 10). Bereits zwei Fragen später gab der Beschuldigte dann – in Widerspruch
zu seiner vorherigen Aussage – an, er habe M._ mit dem Vorwand des Ko-
kainkaufs nach O._ geschickt, damit er dort die Sache mit der offenen Rech-
nung für seinen Vater habe regeln können (Urk. 3/36 S. 11). Und obwohl der Be-
schuldigte kurz zuvor noch geltend machte, er wisse nicht, ob das Treffen zustan-
- 16 -
de gekommen sei, gab er wenige Minuten später zu Protokoll, sowohl M._
als auch "der Sänger" hätten ihm bestätigt, dass sie sich getroffen hätten bzw.
dass sie gerade zusammensitzen würden. Nach dem Treffen habe ihn M._
nochmals angerufen und ein Treffen verlangt, dazu sei es dann aber nicht mehr
gekommen (Urk. 3/36 S. 11 f.). Wer innerhalb weniger Fragen derartige Kehrt-
wenden in seinen Aussagen vollführt, hat jegliche Glaubhaftigkeit verspielt. Abge-
sehen von der augenscheinlichen Widersprüchlichkeit in seinen Schilderungen
fällt auch sofort auf, wie er seine Aussagen dem aktuellen Kenntnisstand (konkret
der Kenntnisnahme vom Tod M._s) anpasst und dabei keine Gelegenheit
auslässt, die Schuld von sich zu weisen. Kommt hinzu, dass die abgehörten Tele-
fonate den Beschuldigten klarerweise der Lüge überführen, was bereits die Vo-
rinstanz richtigerweise feststellte. Die Vorderrichter haben weiter erwogen, der
Anklagevorwurf basiere auf einem abgehörten Audio-Gespräch vom 25. Juni
2016, in dem der Beschuldigte u.a. zum Mitbeschuldigten B._ (polizeiliches
Pseudonym 'P._') gesagt habe, dass ein "kleiner Junge" namens M._,
der aus ... sei, "ein halbes von uns genommen und nicht bezahlt" habe (vgl. Bei-
lage 23 zu Urk. 3/12). Nachdem der Beschuldigte in der Einvernahme vom
13. Oktober 2017 (vgl. Urk. 3/36 S. 6 ff.) zunächst noch den Standpunkt vertreten
habe, dass die Gespräche mit B._ (Mitbeschuldigter B._) überhaupt
nicht realistisch seien, habe er wenig später eine Kehrtwende vollzogen, indem er
– wie erwähnt – eingeräumt habe, dass er 'M._' im Sinne eines Vorwands
Kokain vermittelt habe, welches dieser auf Kommission habe beziehen können,
ohne gleich bezahlen zu müssen. Damit habe der Beschuldigte die polizeiliche
bzw. staatsanwaltschaftliche Interpretation des besagten Audio-Gesprächs in
zwei von drei Punkten bestätigt, nämlich dass M._, der im Jahre 1988 gebo-
ren wurde und wohl deshalb vom fast 20 Jahre älteren Beschuldigten als "kleiner
Junge" bezeichnet worden sei, Drogen bezogen habe, ohne diese sofort bezahlen
zu müssen. Auch diese Erwägungen der Vorinstanz überzeugen vollkommen, und
es besteht angesichts der Beweislage nicht der geringste Zweifel daran, dass es
– entgegen der Darstellung des Beschuldigten und seines Verteidigers – men-
genmässig um 500 Gramm und nicht etwas um 100 oder 200 Gramm Kokain ("ein
halbes") ging. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 79 S. 4 ff.) kann näm-
- 17 -
lich das TK Protokoll vom 25. Juni 2016 (Beilage 23 zu Urk. 3/12) – trotz zeitlicher
Distanz – sehr wohl in direkte Verbindung mit dem vorliegenden Vorfall gebracht
werden, insbesondere auch gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten selbst,
welcher auf Vorhalt dieses Protokolls zunächst keine Angaben machte (Urk. 3/12
S. 8) und im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
13. Oktober 2017 auf seine Beziehung zu M._ und das von ihm arrangierte
Treffen vom 20. Februar 2016 in O._ Bezug nimmt sowie von sich aus vor-
erst keineswegs beanstandet, dass mit dem 'kleinen Jungen' namens 'M'._'
nicht M._ gemeint sei (vgl. Urk. 3/36 S. 6 f.), was zu erwarten gewesen wäre,
hätte hier eine Verwechslung stattgefunden. Sodann ist auf die gerichtsnotorisch
verklausuliert geführten Gespräche im Drogenmilieu hinzuweisen, um bei allfälli-
gen Überwachungsmassnahmen nicht ohne Weiteres überführt werden zu kön-
nen. Dabei wird "ein halbes" immer wieder als Synonym für 1⁄2 KG Kokain ge-
braucht. Insgesamt erweist sich die vorinstanzliche Beweiswürdigung mit Blick auf
den Vorgang VG 18 als lückenlos und vollends überzeugend. Sie kann daher in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO übernommen werden, womit auch festzustel-
len ist, dass der betreffende Anklagesachverhalt erstellt ist. Zur Verdeutlichung ist
sodann nochmals festzuhalten, dass – entgegen der Ansicht der Verteidigung
(Urk. 79 S. 6) – das vorsätzliche Handeln des Beschuldigten gestützt auf die ab-
gehörten Gespräche ausser Frage steht.
1.4. VG 30/2 (Anstalten treffen/Vermittlung Lieferung/Verkauf von ca. 1'000
oder 500 Gramm Kokain)
1.4.1. Gemäss Anklagesachverhalt VG 30/2 soll der Beschuldigte am 8. April
2016 einen Anruf von D._ erhalten haben, welcher für C._ eine Liefe-
rung von 1 Kg oder zumindest 1⁄2 Kg Kokaingemisch (statistisches Gehalt 69 %
somit ca. mind. 345 bis 690 Gramm Reinsubstanz) habe organisieren
wollen. Daraufhin habe sich der Beschuldigte in Begleitung von F._ per Auto
– mit einem Zwischenhalt in Q._/SG – zur Pizzeria "..." nach R._/SG
begeben, um dort mit dem Inhaber C._ seine Bestellung und das bevorste-
hende Kokaingeschäft zu besprechen (Urk. 23/4 S. 7).
- 18 -
1.4.2. Der Beschuldigte stellte diesen Anklagevorwurf sowohl in der Untersuchung
als auch vor Vorinstanz in Abrede (Urk. 3/39 S. 15 und Urk. 51 S. 30). Anlässlich
der Berufungsverhandlung machte er sodann keine Aussagen mehr zur Sache
(Urk. 78 S. 2).
1.4.3. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, aufgrund der Telefonüberwa-
chung sei erwiesen – und im Übrigen auch unbestritten (vgl. Urk. 3/36 S. 15 f.) –
dass D._ den Beschuldigten am 8. April 2016 angerufen habe (vgl. Beilage 1
zu Urk. 7/13). Aus dem Gesprächsverlauf ergebe sich ohne Weiteres, dass der
Beschuldigte die verklausulierte Botschaft von D._ verstanden habe. Insbe-
sondere sei durch den Umstand, dass der Beschuldigte noch am selben Abend
zur Pizzeria von C._ nach R._ gefahren sei (vgl. Beilage 20 zu
Urk. 3/17), belegt, dass ihm jederzeit klar gewesen sei, wer mit "diesen vom Res-
taurant in I._" gemeint gewesen sei. Auch zeige sich zweifelsfrei, dass dem
Beschuldigten der Sinn der Formulierung "Auto" respektive "ein halbes" sehr wohl
geläufig gewesen sei. Der Beschuldigte habe die von C._ stammende und
von D._ übermittelte Nachricht verstanden, darauf geantwortet und sich da-
nach auch entsprechend seiner Antwort verhalten. Hinzu komme, dass der Be-
schuldigte zum fraglichen Abend mehrfach unglaubhafte Angaben gemacht habe
und auch bei anderen Themen ein widersprüchliches, ungereimtes und deshalb
unglaubhaftes Aussageverhalten an den Tag gelegt habe. Schliesslich gelte es
darauf hinzuweisen, dass er nachweislich auch in andere Drogengeschäfte invol-
viert gewesen sei. Nach alledem sei der Anklagesachverhalt betreffend VG 30/2
rechtsgenügend erstellt, wobei in quantitativer Hinsicht gemäss dem Grundsatz
"in dubio pro reo" von der geringeren Menge, mithin von 1⁄2 Kg Kokain, auszuge-
hen sei (Urk. 62 S. 45 ff.).
1.4.4. Ausgangspunkt für den vorliegend zur Anklage gebrachten Vorwurf stellt
das Telefongespräch dar, welches am 8. April 2016 um 17:19 Uhr zwischen
D._ und dem Beschuldigten geführt wurde. Mithin also dasselbe Gespräch,
welches bereits dem Anklagevorwurf gemäss VG 30/1 zugrunde lag. Der mass-
gebliche Inhalt wurde vorstehend unter Ziffer II. 1.1.7 bereits wiedergegeben,
weshalb sich eine erneute Darstellung an dieser Stelle erübrigt. Gestützt auf den,
- 19 -
vom Beschuldigten anerkannten und durch die Vorinstanz im Übrigen überzeu-
gend erstellten Sachverhalt, fuhren der Beschuldigte, F._ und G._ am
Abend des 8. April 2016 von Zürich nach Q._, wo sie um ca. 21:27 Uhr ein-
trafen und D._ beim S._ an der ... [Adresse] ca. 100 Gramm Kokainge-
misch übergaben. Damit steht zunächst bereits ausser Frage, dass es beim frag-
lichen Telefonat zwischen dem Beschuldigten und D._ um Drogengeschäfte
ging und dass ein Teil der Verabredung, nämlich dass D._ um 21.30 Uhr mit
dem bestellten Kokaingemisch beliefert werden sollte (D._: "Das für mich
schickst du es mir?". Beschuldigter: " Um neun Uhr dreissig werde ich zu dir
kommen." (TK Protokoll vom 08.04.2016, 17:19 [Beilage 1 zu Urk. 3/17])) in die
Tat umgesetzt wurde. Weiter ergibt sich aus dem Gespräch klar, dass der
D._ dem Beschuldigten mitteilte, dass C._ ("dieser vom Restaurant in
I._") ein Kilogramm Kokain ("ein Auto") verlange. Dass es sich bei jenem
vom Restaurant in I._ um C._ handelte, welcher in R._/SG die Piz-
zeria "...." betrieb, liegt auf der Hand und wird zwanglos durch den Umstand be-
legt, dass anhand der GPS-Daten feststeht, dass der Beschuldigte am Abend des
8. April 2016 nach seinem Zwischenstopp in Q._/SG direkt zur Pizzeria von
C._ nach R._/SG fuhr (Beilagen 17 ff. zu Urk. 3/17). Damit steht fest,
dass der Beschuldigte entgegen seiner Darstellung in der Untersuchung Sinn und
Zweck der von D._ übermittelten Botschaft von C._ sehr wohl verstan-
den hat. Anders liesse sich nämlich nicht erklären, dass er im Anschluss an das
betreffende Telefonat das Besprochene noch am selben Abend exakt in die Tat
umsetzte. Dass der Beschuldigte nach der Drogenübergabe in Q._ be-
schlossen haben soll, F._ ein Nachtessen zu offerieren und zu diesem
Zweck keine andere Lokalität als die Pizzeria "..." im rund 100 km entfernten
R._ in Frage gekommen wäre, ist schlicht unrealistisch. Die betreffenden
Vorbringen des Beschuldigten stellen angesichts des Beweisergebnisses nichts
weiter als hilflose Schutzbehauptungen dar. Auch die weiteren Depositionen des
Beschuldigten zu diesem Anklagevorwurf vermögen nicht einmal im Ansatz zu
überzeugen. Die Vorinstanz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass sämtliche drei
Beteiligten – mithin der Beschuldigte, C._ und F._ – den Aufenthalt in
der Pizzeria grundlegend anders geschildert haben (Urk. 3/36 S. 20, Urk. 5/1 S. 5,
- 20 -
Urk. 6/9 S. 12 und Urk. 7/2 S. 13 f.). Hätte der Beschuldigte an jenem Abend tat-
sächlich, wie von ihm behauptet, in der Pizzeria lediglich mit F._ gegessen
und anschliessend mit C._ oberhalb der Pizzeria etwas Kokain konsumiert,
dann gäbe es keinen Grund dafür, dass die drei Beteiligten drei derart unter-
schiedliche Schilderungen zu Protokoll gegeben haben. Führt man sich schliess-
lich die zeitliche Komponente vor Augen, so zeigt sich, dass der Beschuldigte und
F._ um 22:21 Uhr in R._ ankamen und von dort um 23:03 Uhr wieder in
Richtung Zürich abfuhren (Beilage 20 und 21 zu Urk. 3/17). Mit anderen Worten
hätten die beiden eine Anreise von rund 1 Stunde und 20 Minuten in Kauf ge-
nommen, um sich dann für knapp 40 Minuten in der Pizzeria "..." aufzuhalten,
wobei der Beschuldigte ja nach eigenen Angaben neben dem eigentlichen Nacht-
essen auch noch mit C._ in den oberen Stock gegangen sein will, um dort
Kokain zu konsumieren. Auch aus dieser Perspektive sind die Darstellungen des
Beschuldigten reichlich unrealistisch und vermögen – entgegen der Ansicht der
Verteidigung (Urk. 79 S. 12 f.) – nicht zu überzeugen. Auch die Vorbingen der
Verteidigung, der Beschuldigte habe sich im Telefongespräch ablehnend gegen-
über einem möglichen Geschäft mit C._ gezeigt, weshalb nicht davon aus-
gegangen werden könne, dass der Beschuldigte beim geplanten persönlichen
Gespräch in I._ von seiner ablehnenden Haltung abgerückt sei (Urk. 79 S. 12
ff.), überzeugen nicht. Überzeugend ist demgegenüber die vorinstanzliche Be-
weiswürdigung, die sich als in allen Teilen als zutreffend erweist und daher in An-
wendung von Art. 82 Abs. 4 StPO übernommen werden kann. In Bezug auf die
Menge der Betäubungsmittel ist die durch die Vorinstanz festgestellte Einschrän-
kung, wonach nicht von 1 Kg Kokain, sondern von einem 1⁄2 Kg Kokain auszuge-
hen sei, allein schon mit Blick auf das Verschlechterungsverbot zu übernehmen.
1.5. VG 62 (Kauf/Übernahme von ca. 1'000 Gramm Kokain)
1.5.1. Diesbezüglich wird dem Beschuldigten durch die Anklagebehörde zum
Vorwurf gemacht, er habe zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt (ca. Anfang
Mai 2016) an einem nicht näher bekannten Ort (entweder in der vom Beschuldig-
ten benutzten Wohnung in Zürich oder in der Pizzeria "..." in R._/SG) ca.
1'000 Gramm Kokaingemisch (statistisches Gehalt 69% somit ca. 690 Gramm
- 21 -
Reinsubstanz) von C._ bezogen, wovon er einen Teil (ca. 100 Gramm) an
einem nicht näher bekannten Ort durch H._ mit der am 8. April 2016 an den
Mitbeschuldigten D._ übergebenen Kokainportion von ca. 100 Gramm (VG
30/1) habe mischen lassen. Am 22. Mai 2016 habe C._ beim Beschuldigten
an dessen Logisort in Zürich die offenen Geldschulden für das bezogene Kilo-
gramm Kokain eingezogen. Am 25. Mai 2016 sei der Beschuldigte sodann ge-
meinsam mit H._ zum Wohnort von D._ nach J._/SG gefahren, um
dort von diesem die offenen Geldschulden für das bereits gelieferte Kokain einzu-
kassieren (Urk. 23/4 S. 7 f.).
1.5.2. Der Beschuldigte anerkannte im Rahmen der Schlusseinvernahme den
Anklagevorwurf mit Ausnahme der ihm zur Last gelegten Menge von 1 Kg Kokain
(Urk. 3/39 S. 15 f.). Anlässlich seiner Befragung zur Sache vor Vorinstanz gab der
Beschuldigte zu Protokoll, der Anklagevorwurf sei insofern zutreffend, als er bei
C._ 100 Gramm Kokain gekauft habe. Dieses Kokain sei mit dem bereits am
8. April 2016 an D._ übergebenem Kokain vermischt worden (Urk. 51 S. 32).
1.5.3. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, dass der Beschuldigte
zwei von drei Kernelementen des Anklagevorwurfs anerkannt. Einerseits habe er
bestätigt, dass er von C._ Kokain gekauft habe und weiter habe er das Ver-
mischen mit dem bereits D._ gelieferten Kokain anerkannt. Das diesbezügli-
che Geständnis decke sich mit der Aktenlage, weshalb es keinen Anlass gebe,
das Geständnis des Beschuldigten in Zweifel zu ziehen. Was seine Bestreitung
betreffend das Quantitativ angehe, sei vorab auf das aufgezeichnete Telefonge-
spräch vom 21. Mai 2016 hinzuweisen, aus welchem klar hervorgehe, dass von
einem "Auto" die Rede gewesen sei. Der Begriff Auto sei von den Mitbeschuldig-
ten in der durch sie jeweils verwendeten, vorsichtig-verklausulierten Sprechweise
als Synonym für 1 Kg Kokain verwendet worden. Implizit habe dies der Beschul-
digte selbst anlässlich seiner Befragung zu VG 50 vom 13. Oktober 2017 einge-
räumt. Zudem habe er in der Hauptverhandlung bestätigt, dass "1 Auto" "1 Kg
Kokain" bedeute (vgl. Urk. 51 S. 37). Hinzu komme, dass der Standpunkt des Be-
schuldigten mit dem Wortlaut des vorerwähnten Telefonats vom 21. Mai 2016
nicht zu vereinbaren sei. Aus jenem Telefongespräch gehe unzweifelhaft hervor,
- 22 -
dass nur ein Teil des von C._ gelieferten Kokains D._ zukam. Der an-
dere Teil sei zum Beschuldigten gelangt. Aus all diesen Gründen sei der Anklage-
sachverhalt gemäss VG 62 erstellt (Urk. 62 S. 31 ff.).
1.5.4. In materieller Hinsicht ist betreffend VG 62 das Quantitativ des Anklage-
vorwurfs vom Beschuldigten bestritten. Während ihm die Anklagebehörde vorwirft,
er habe in der Pizzeria "..." in R._/SG bei C._ 1 Kg Kokain
(-gemisch) bezogen, stellt sich der Beschuldigte auf den Standpunkt, es habe sich
lediglich um 100 Gramm Kokain(-gemisch) gehandelt. Das Beweisfundament der
Anklage stellt das abgehörte und aufgezeichnete Telefongespräch zwischen dem
Beschuldigten und D._ dar, welches die beiden am 21. Mai 2016 führten. Da-
raus geht hervor, dass der Beschuldigte D._ mitteilte, "dieser vom Pizzas"
wolle weit weg gehen und er verlange von ihm und von D._ "alle Dokumente
vom Auto" (Beilage 3 S. 2 zu Urk. 3/25). Mit Verweis auf die bereits hinlänglich
diskutierte, codierte Sprache der Beschuldigten (vgl. vorstehend Ziff. II. 1.1.7 mit
Verweis auf das angefochtene Urteil, Urk. 62 Ziff. II. B 1. 3.5, 3.3.3.) steht ausser
Frage, dass mit "dieser vom Pizzas" C._ gemeint ist, welcher bekanntlich in
R._/SG die Pizzeria "..." führte. Weiter ist bekannt, dass "Auto" als Synonym
für 1 Kg Kokain und "Dokumente" als ein solches für Geld steht. "Vom Auto"
nimmt dabei – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 79 S. 7 f.) – eindeutig
Bezug auf die Menge 1. Damit ergibt sich zwanglos, dass der Beschuldigte bei
C._ nicht bloss 100 Gramm Kokain, sondern eben ein "Auto", mithin ein Kilo-
gramm Kokain, bezogen hat. Nachdem die Vorinstanz zutreffend erwogen hat,
dass das Teilgeständnis des Beschuldigten mit dem Untersuchungsergebnis
übereinstimme und es keinen Grund gebe, dieses anzuzweifeln, ist damit der An-
klagevorwurf gemäss VG 62 uneingeschränkt erstellt.
1.6. VG 39 (Verkauf/Übergabe von ca. 200 Gramm Kokain)
1.6.1. Diesbezüglich wird dem Beschuldigten im Wesentlichen vorgeworfen,
D._ habe am 26. Mai 2016 bei ihm telefonisch 200 Gramm Kokain bestellt,
worauf H._ im Auftrag des Beschuldigten in U._/TG am 27. Mai 2016
kurz vor Mitternacht bei einem Unbekannten 200 Gramm Kokain bezogen und an
den Logisort des Beschuldigten nach Zürich gebracht habe. Dort habe der Be-
- 23 -
schuldigte dem ebenfalls anwesenden Mitbeschuldigten D._ die ca. 200
Gramm Kokaingemisch (statistisches Gehalt 64% somit ca. 128 Gramm Reinsub-
stanz) am 28. Mai 2016 um ca. 01:00 Uhr übergeben; am 29. Mai 2016 um ca.
01:00 Uhr sei der Kaufpreis vom Beschuldigten und H._ in U._/TG dem
UM 'V._' bezahlt worden (Urk. 23/4 S. 9).
1.6.2. Der Beschuldigte wurde am 15. November 2016 erstmals einlässlich durch
die Polizei zum Vorgang 39 befragt. Anlässlich dieser Befragung machte er un-
eingeschränkt von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (Urk. 3/20
S. 1 ff.). In der Folge wurde er durch die Anklagebehörde am 13. Oktober 2017
zur Sache einvernommen, wobei der Beschuldigte den Anklagevorwurf von sich
wies. Er räumte zwar ein, am fraglichen Abend telefonischen Kontakt mit
D._ gehabt zu haben. Es treffe auch zu, dass ihn dieser gegen 21.30 Uhr an
seinem Logisort in Zürich zusammen mit einem Dritten besucht habe. Ungefähr
zur selben Zeit sei auch H._ zusammen mit dessen Neffen bei ihm eingetrof-
fen. Alle vier seien dann aber vor Mitternacht wieder gegangen, wobei H._
nach Mitternacht wieder zurückgekehrt sei. Zutreffend sei weiter, dass er am
nächsten Tag zusammen mit H._ ca. 30 bis 40 km mit dem Auto durch ein
paar Ortschaften gefahren sei. Sie seien dann angekommen und während
H._ und dessen Neffe das Auto verlassen hätten, sei er im Auto geblieben.
Die beiden seien später zurückgekommen und sie seien dann gemeinsam noch
irgendwohin gefahren, wobei er nicht sagen könne, wohin. Er habe damals ge-
hört, dass H._ mit einem V._ gesprochen habe. Worüber sie gespro-
chen hätten und wer dieser V._ sei, könne er aber nicht sagen (Urk. 3/36
S. 28 f.). In der Schlusseinvernahme machte der Beschuldigte dann ebenso wie
vor Vorinstanz keine Angaben zu Sache mehr und beschränkte sich darauf, auf
seine bisherigen Aussagen zu verweisen (Urk. 3/39 S. 17 f. und Urk. 51 S. 30).
1.6.3. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, aufgrund der abgehörten Kom-
munikation, welche sich fraglos auf eine vom Beschuldigten organisierte Lieferung
von 200 Gramm Kokain für den Mitbeschuldigten D._ bezogen habe, sowie
angesichts des Umstands, dass der Beschuldigte auch andere Drogengeschäfte,
teilweise ebenfalls mit dem Mitbeschuldigten D._, abgewickelt habe, sei der
- 24 -
Anklagesachverhalt betreffend VG 39 rechtsgenügend erstellt. Dass der Beschul-
digte dabei nicht alle Handlungen eigenhändig vorgenommen habe, sei – wie sich
im Rahmen der rechtlichen Würdigung noch zeigen werde – irrelevant (Urk. 62
S. 49 ff.).
1.6.4. Zentral für die Beweisführung betreffend den hier interessierenden An-
klagevorwurf ist die Aufzeichnung des am 26. Mai 2016, 23:15 Uhr, geführten
Telefonats zwischen dem Beschuldigten und D._. Die wesentliche Passage
lautet im Originalwortlaut wie folgt (Beilage 1 zu Urk. 3/20):
[...]
Beschuldigter: Soll ich dorthin kommen?
D._: Komm du hierher. Aber du weisst wie du kommen sollst?
Beschuldigter: Ok. Klar.
D._: Aber Ej.
Beschuldigter: Über Mittag.
D._: Ich brauche Fr. 200.
Beschuldigter: Gut. Soll ich über Mittag kommen?
D._: Wann... morgen...warte mal.
Beschuldigter: Wann arbeitest du?
D._: Ich mache früher Feierabend. Ich habe von zwei bis vier Pause.
Beschuldigter: Ok.
D._: Von zwei bis vier habe ich Pause.
Beschuldigter: Um zwei bin ich dort.
D._: Ok. Franken 200 brauche ich.
Beschuldigter: Du!
D._: Was?
Beschuldigter: Was ich fragen wollte? Gehen wir wegen der Wohnung dorthin?
D._: Ja, ja. Auch ich muss nach einer Wohnung fragen. Ich werde mit
meiner Frau zum Büro gehen.
Beschuldigter: Ok.
D._: Aber du weisst, dass ich morgen Fr. 200 brauche um zum Büro
zu gehen?
- 25 -
Beschuldigter: Ciao. Ok.
D._: Ciao.
1.6.5. Dass es bei dem vorliegend zu beurteilenden Gespräch weder um ein
Darlehen in der Höhe von CHF 200.– noch um eine Wohnungssuche ging, ist
augenscheinlich. Dies zunächst vor allem deshalb, weil die ganze Konversation
bei einer wörtlichen Betrachtung vollkommen sinnentleert ist. Sinnvoll wird sie
hingegen, wenn man davon ausgeht, dass es hier um ein Drogengespräch ging
und dass zwecks Verschleierung des wahren Gesprächsinhaltes einmal mehr mit
Codewörtern operiert wurde. Wie die Vorinstanz bereits zutreffend erwog, steht
das Begriffspaar "200 Franken" nicht für einen Geldbetrag, sondern als Synonym
für 200 Gramm Kokain. In Zusammenhang mit diesem Anklagevorwurf legte der
Mitbeteiligte D._ ein gleichermassen äusserst verräterisches wie bemer-
kenswertes Aussageverhalten an den Tag, welches an dieser Stelle noch einmal
aufzugreifen ist: Noch bevor ihm der polizeiliche Sachbearbeiter eine inhaltliche
Frage stellen konnte, sah sich D._ zu einer Vorabbemerkung veranlasst,
welche aufhorchen lässt. Wörtlich gab er zu Protokoll: "[...] Es war dann so, dass
ich und meine Frau Kredite aufgenommen haben und uns Geld ausgeliehen ha-
ben, dies in einer Höhe von mehr als CHF 100'000.–. Wenn sie jetzt mein Telefon
abgehört haben und die Rede von 400 Franken war, dann ging es dabei um ein
Darlehen von CHF 400.–" (Urk. 6/3 S. 2). Es drängt sich in diesem Zusammen-
hang die Frage auf, was für einen Grund D._ gehabt haben sollte, sozusa-
gen im vorauseilenden Gehorsam und ohne Not, einen vollkommen unverfängli-
chen Vorgang, wie das Ausleihen einer relativ geringen Geldsumme, zu erklären,
wenn es dabei nicht tatsächlich um etwas vollkommen Anderes, nämlich eben um
Drogen, gegangen wäre. Dieser Umstand ist denn auch der Vorinstanz nicht ent-
gangen, welche überzeugend schlussfolgerte, dass es sich hierbei um eine reine
Schutzbehauptung von D._ gehandelt habe. Weiter stellt sich damit die An-
schlussfrage, wie sich dieses Aussageverhalten von D._ mit den damit in di-
ametralem Widerspruch stehenden Depositionen des Beschuldigten verträgt. Die-
ser gab nämlich zu Protokoll, er wisse nicht, in welchem Zusammenhang D._
die CHF 200.– erwähnt habe. Davon, dass er wegen eines lapidaren Darlehens in
der Höhe von CHF 200.– von Zürich nach J._ und wieder zurückgefahren
- 26 -
sein soll, hat er jedenfalls nichts gesagt. Hätte es sich tatsächlich so zugetragen,
dann wäre zu erwarten gewesen, dass ein derartiger Vorgang durchaus Erwäh-
nung gefunden hätte, zumal aus der Interaktion zwischen dem Beschuldigten und
D._ zweifelsfrei hervorgeht, dass der Beschuldigte ganz genau verstanden
hatte, was D._ von ihm verlangte. Mit anderen Worten, was hätte es für ei-
nen Grund gegeben, einen simplen Vorgang, wie das Ausleihen von CHF 200.–,
derart auffällig widersprüchlich zu schildern, wenn dahinter nicht etwas ganz an-
deres stehen würde? Auch unter diesem Blickwinkel kann kein Zweifel daran be-
stehen, dass mit "CHF 200.–" eben nicht Geld, sondern Drogen gemeint waren. In
Bezug auf die Frage der Glaubhaftigkeit der Depositionen des Beschuldigten ist
weiter darauf hinzuweisen, dass er auch in Bezug auf den hier interessierenden
Anklagevorwurf ein äusserst unglaubhaftes Aussageverhalten an den Tag gelegt
hat. Namentlich sticht ins Auge, wie sehr er bemüht war, seine Aussagen den un-
umstösslichen Beweisen der Anklagebehörde so gut wie möglich anzupassen,
ohne sich selbst jedoch zu belasten. So konnte er zum Beispiel angesichts der
abgehörten Telefonate und der GPS-Auswertungen nicht mehr ernsthaft in Abre-
de stellen, dass sich D._ und H._ zur fraglichen Zeit in seiner Wohnung
aufhielten. Weiter musste er sich auch eine Erklärung dafür zurecht legen, wes-
halb er am nächsten Tag nachweislich zusammen mit H._ nach U._/TG
fuhr. Allerdings überzeugen seine betreffenden Erklärungsversuche nicht einmal
ansatzweise. Dies wird insbesondere deutlich, wenn er angibt, mitten in der Nacht
mit H._ eine Ausfahrt an einen ihm unbekannten Ort gemacht zu haben, um
dort im Auto zu warten, während H._ einen gewissen V._ aufgesucht
habe. Angesichts des gesamten Umstände müssen die betreffenden Erklärungs-
versuche des Beschuldigten nicht nur als unglaubhaft, sondern gar als irrwitzig
bezeichnet werden. Auf sie kann jedenfalls nicht abgestellt werden. Die Vor-
instanz hat sodann in überzeugender Manier die weiteren, überwachten Telefon-
gespräche wiedergegeben (vgl. Beilagen 1 ff. zu Urk. 3/20) und zutreffend inter-
pretiert. Daraus und aufgrund der sich hierzu zwanglos zu einem Gesamtbild
vervollständigenden GPS-Auswertungen des verwendeten Personenwagens der
Marke ‘Peugeot' (vgl. Beilagen 13 f. zu Urk. 3/20) lässt sich – entgegen der An-
sicht der Verteidigung (Urk. 79 S. 16 f.) – zweifelsfrei nachweisen, dass im An-
- 27 -
schluss an das Telefongespräch zwischen D._ und dem Beschuldigten,
H._ im Auftrag des Beschuldigten das bestellte Kokain in U._/TG be-
schaffte, um es hernach an den Logisort des Beschuldigten ... [Adresse] in Zürich
zu verbringen, wo es der Beschuldigte letztlich D._ übergab. Entsprechend
hat der Beschuldigte – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 79 S. 15 f.) –
einen wesentlichen Tatbeitrag geleistet. Die diesbezüglichen Erwägungen der Vo-
rinstanz erweisen sich als vollständig und zutreffend. Insgesamt kann auf die vo-
rinstanzlichen Erwägungen zwecks Vermeidung unnötiger Wiederholungen vor-
behaltlos verwiesen werden (Urk. 62 S. 49 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). In Überein-
stimmung mit dem vorinstanzlichen Beweisergebnis ist damit festzustellen, dass
der Sachverhalt gemäss VG 39 erstellt ist.
1.7. VG 42 (Bezug von mind. ca. 200 Gramm Kokain, Verkauf von ca.
200 Gramm Kokain)
1.7.1. Unter VG 42 wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten vor, er und
H._ seien am Nachmittag des 10. Juni 2016 nach W._ gefahren, wo sie
bei einem Unbekannten eine unbestimmte Menge Kokain bezogen hätten; glei-
chentags habe der Mitbeschuldigte D._ beim Beschuldigten telefonisch 200
Gramm Kokain (statistisches Gehalt 64 % somit ca. 128 Gramm Reinsubstanz)
bestellt, das er am gleichen Tag um ca. 22:30 Uhr am Logisort des Beschuldigten
zum Zwecke des Weiterverkaufs abgeholt bzw. beim Beschuldigten und H._
gekauft habe (Urk. 23/4 S. 9 f.).
1.7.2. Erstmals am 28. Oktober 2016 mit dem Vorgang 42 durch die Polizei kon-
frontiert, verweigerte der Beschuldigte konsequent die Aussage und machte kei-
nerlei Angaben (Urk. 3/14). In der rund 1 Jahr später folgenden Einvernahme
durch die Staatsanwaltschaft gab der Beschuldigte, mit dem Vorwurf konfrontiert,
zusammengefasst folgendes zu Protokoll: Er sei an jenem Tag "für persönliche
Belange und nicht für Drogen" nach W._ gefahren. Er habe sich dort mit ei-
nem "AA._" getroffen, um diesem Fussballtickets für das Fussballspiel
Schweiz-Albanien in Frankreich zu übergeben. Zudem sei es beim Gespräch
auch um ein Depot gegangen, das ein Freund von ihm in Grenznähe gesucht ha-
be, um sein Geschäft in Deutschland zusammen mit dem Beschuldigten in der
- 28 -
Schweiz aufzuziehen. Angesprochen auf den Umstand, dass D._ auch in
diesem Zusammenhang von ihm CHF 200.– verlangt habe, führte er wörtlich aus:
"Für mich sind 200.00 CHF einfach 200.00 CHF. D._ schuldete mir Geld.
Wozu sollte er danach noch mehr von mir wollen, wenn er mir gegenüber schon
Schulden hatte? Er hatte ja von mir bereits Kokain zum Weiterverkaufen erhal-
ten." (Urk. 3/36 S. 32 f.). In der Schlusseinvernahme schliesslich macht der Be-
schuldigte keine weiterführenden Ausführungen mehr und verwies auf frühere
Aussagen und damit auf seine entsprechenden Bestreitungen (Urk. 3/39 S. 18;
Urk. 3/36 S. 32 f.). Diesen Standpunkt nahm er letztlich auch in der Haupt-
verhandlung ein (Urk. 51 S. 30). Anlässlich der Berufungsverhandlung machte er
sodann keine Aussagen mehr zur Sache (Urk. 78 S. 2).
1.7.3. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, der vom Beschuldigten einge-
nommene Standpunkt – und zwar sowohl jener betreffend das Fussballspiel so-
wie auch jener betreffend das angebliche Depot – würden in keiner Art und Weise
zum Inhalt des zwischen ihm und "AA._" geführten Telefongesprächs vom
10. Juni 2016, 11:36 Uhr passen (vgl. Beilage 1 zu Urk. 3/14). Aufgrund der ab-
gehörten Kommunikation (vgl. Beilagen 1 ff. zu Urk. 3/14), die sich einerseits auf
eine vom Beschuldigten in W._ bezogene Kokainportion unbekannter Grösse
und andererseits auf an D._ verkaufte 200 Gramm Kokaingemisch bezogen
habe, sowie angesichts des Umstands, dass der Beschuldigte auch andere Dro-
gengeschäfte, teilweise ebenfalls mit D._, abgewickelt habe, sei der Ankla-
gesachverhalt betreffend VG 42 rechtsgenügend erstellt (Urk. 62 S. 53).
1.7.4. Was die Vorinstanz in Bezug auf die Vereinbarkeit der Depositionen des
Beschuldigten mit dem Inhalt der aufgezeichneten Telefongespräche erwägt,
überzeugt vollends und braucht an dieser Stelle nicht erneut dargetan zu werden.
Die Vorinstanz hat weiter die zwischen dem Beschuldigten und dem unbekannten
Teilnehmer ("UM W._") geführten Gespräche korrekt zusammengefasst und
wiedergegeben. Gleiches gilt für das gleichentags geführte Telefonat zwischen
dem Beschuldigten und D._. Die betreffenden Wiedergaben durch die Vo-
rinstanz sind vollständig und korrekt, weshalb sich eine neuerliche Darstellung er-
übrigt. Darauf ist vielmehr in globo zu verweisen (Urk. 62 S. 53 ff.). Auch der In-
- 29 -
terpretation der Gespräche durch die Vorderrichter ist uneingeschränkt zuzustim-
men. Aufgrund der Art und Weise der Gesprächsführung ist offenkundig, dass
auch hier die hinlänglich bekannte und mehrfach thematisierte, verklausulierte
Sprechweise zur Anwendung gelangte, welche geradezu typisch für Drogenge-
spräche ist. Dafür, dass es sich auch tatsächlich um Drogengespräche und nicht
etwa um harmlose Gespräche über Fussballtickets und die Aufnahme von legalen
Geschäftsbeziehungen handelte, spricht klarerweise auch der Umstand, dass
weder das eine, noch das andere in irgendeiner Form nachvollziehbar kommuni-
ziert worden wäre. So ist beispielsweise von Tickets für ein Fussballspiel an der
Europameisterschaft in Frankreich mit keinem Wort die Rede. Die Rede ist einzig
davon, ob man sich das Spiel anschauen werde. Nicht mehr und nicht weniger.
Das Wort Depot findet darüber hinaus weder explizit noch implizit Verwendung in
den fraglichen Gesprächen, was indes nicht weiter verwundert, wenn man sich
die geradezu unmotivierten und offenkundig unglaubhaften Ausführungen des
Beschuldigten hierzu vor Augen führt (Urk. 3/36 S. 32 f.). Nach dem Gesagten ist
mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der Inhalt der abgehörten Kommunikation
zwischen dem Beschuldigten und "UM W._" (mutmasslich AA._) einer-
seits und dem Beschuldigten und D._ andererseits – welcher entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Urk. 79 S. 18 ff.) zweifelsfrei in einem sachlichen Zu-
sammenhang steht – bei Lichte betrachtet keinen anderen Schluss zulässt, als
eben jenen, den die Anklagebehörde richtigerweise gezogen hat. Damit ist der
Anklagesachverhalt gemäss VG 42 mit der Vorinstanz erstellt.
1.8. VG 59 (Organisation/Einfuhr von ca. 4 Kg Kokain)
1.8.1. Dem Beschuldigten wird unter VG 59 zusammengefasst vorgeworfen, dass
er mit B._ zwischen dem 30. Mai 2016 und dem 4. Juni 2016 in
Holland bei einem nicht näher bekannten Mann (genannt 'AB._') die Liefe-
rung von ca. 4 kg Kokaingemisch (statistisches Gehalt 81% somit ca. 3'240
Gramm Reinsubstanz) organisiert habe, worauf dieses Kokain am 14. Juni 2016
von einem nicht näher bekannten Kurier von Holland zur vom Beschuldigten be-
wohnten Wohnung (... [Adresse], ... Zürich) transportiert worden sei. Der Be-
- 30 -
schuldigte habe es dort um ca. 20:00 Uhr entgegengenommen und vorerst in der
Wohnung aufbewahrt (Urk. 23/4 S. 10 f.).
1.8.2. Nachdem der Beschuldigte im Rahmen seiner polizeilichen Befragungen
zur Sache die Aussage verweigerte (Urk. 3/19 S. 2 ff., Urk. 3/23 S. 2 ff., Urk. 3/32
S. 5 ff.), gab er gegenüber dem Staatsanwalt zu Protokoll, der Vorwurf sei un-
zutreffend und er habe damit nichts zu tun. Es treffe zwar zu, dass er B._ auf
dessen Bitte hin mit dem Auto nach Holland gefahren habe. Dieser habe dort an
einem Pokerturnier teilnehmen wollen. Während des Aufenthalts in Holland habe
B._ sein Auto benutzt. Am dritten Tag habe ihm B._ wie vereinbart die
Spesen erstattet und ihm EUR 500.– für die Fahrt bezahlt. Danach sei er nach
Skopje geflogen. Er selber sei dann mit seinem Auto in die Schweiz zurückgefah-
ren. Solange er die Wohnung In der ... [Adresse] in ... Zürich benutzt habe, seien
keine zwei Gramm Kokain dorthin gebracht worden; von den vorgeworfenen meh-
reren Kilogramm Kokain wisse er nichts (Urk. 3/36 S. 26 f., 31). Denselben
Standpunkt vertrat er schliesslich auch in der Schlusseinvernahme (Urk. 3/39
S. 19).
1.8.3. Die Vorinstanz erwog diesbezüglich zusammengefasst, aufgrund der abge-
hörten Kommunikation, der den Beschuldigten belastenden Aussagen des Mitbe-
schuldigten B._ sowie angesichts des Umstands, dass der Beschuldigte
auch andere Drogengeschäfte, teilweise ebenfalls mit dem Mitbeschuldigten
B._, abgewickelt habe, sei der Anklagesachverhalt betreffend VG 59 rechts-
genügend erstellt (Urk. 62 S. 56 ff.).
1.8.4. Zentrales Beweismittel zur Erstellung des Vorgangs 59 stellt das Telefon-
gespräch zwischen dem Beschuldigten und B._ dar, welches am 16. Juni
2016 um 15:57 Uhr aufgezeichnet wurde. Das betreffende Gespräch dauerte un-
gewöhnlich lange, nämlich rund 20 Minuten. Dass es sich dabei um ein Drogen-
gespräch handelte, steht zweifelsfrei fest und wird einerseits durch die Verwen-
dung der bekannten Codewörter verdeutlicht und andererseits durch den Um-
stand, dass das Gespräch über die doch recht lange Dauer von 20 Minuten bei
objektiver Betrachtung und ohne die Deutung der Codewörter praktisch keinen
Sinn ergibt. Zudem fällt auf, dass die Gesprächsteilnehmer offenkundig bemüht
- 31 -
sind, wenn immer möglich keine Namen zu nennen (die Rede ist deshalb z.B.
"vom Grossen", "vom Glatze", "vom Kosovaren" und "vom Besen"). Inhaltlich geht
aus dem Telefonat hervor, dass am 14. Juni 2016 um 20.00 Uhr (Beschuldigter:
"was sprichst du da, ich habe die Ware vorgestern bekommen. [...] Um acht Uhr
am Abend") vier Kilogramm Kokain (B._: "Du hast 4 Brote Zeit 3 Tage be-
kommen") von Holland an den Logisort des Beschuldigten in Zürich geliefert wur-
den und dass B._ und der Beschuldigte auf der Suche nach potentiellen Ab-
nehmern für das Kokain waren (B._: "Jetzt. Wir haben die Bombe zu Hause.
Was machen wir. Er will heute Abend oder morgen weggehen. Hast du Kunden
zu 1, 2 oder haben wir nicht?" usw.). Die beiden waren offenkundig besorgt und
wollten nicht mit dem Kokain am Logisort schlafen (B._: "Weil wir die Sache
dort haben. Schlafen wir mit der Ware zusammen. Das ist sehr schlecht. Ich kann
es niemanden überlassen. Ich traue niemandem"), weil sie dies als zu riskant er-
achteten (Beilage 6 zu Urk. 3/19). Weiter zeigt sich aus der Aufnahme des Ge-
sprächs zwischen dem Beschuldigten und B._ vom 16. Juni 2016, 16:53 Uhr,
dass die beiden bemüht waren, das Kokain loszuwerden, um nicht auf den 4 Kilo-
gramm sitzen zu bleiben (Beilage 7 zu Urk. 3/19). Bereits um 20:48 Uhr erfolgte
am gleichen Tag ein weiteres Telefongespräch zwischen dem Beschuldigten und
B._, aus welchem in aller Deutlichkeit hervorgeht, dass die beiden in Holland
die Qualität der Ware prüften und von der Qualität dermassen überzeugt waren,
dass sie übereinstimmend feststellten, dass es schade sei, das Kokain unter dem
Kaufpreis von Euro 50'000.– zu verkaufen (Beilage 8 zu Urk. 3/19). Sowohl der
Beschuldigte als auch B._ anerkannten jeweils (unter der Last der erdrü-
ckenden Beweislage), dass sie Ende Mai Anfang Juni 2016 gemeinsam mit dem
Auto nach Holland gefahren seien. Die betreffende Fahrt ist denn auch durch die
Auswertung der verwertbaren GPS-Daten aus der Schweiz bis zur Deutsch-
Holländischen Grenze belegt (vgl. Beilage 5 S. 1 zu Urk. 3/19 i.V.m. Urk. 44/3).
Hinzu kommt und auch darauf hat die Vorinstanz zutreffend hingewiesen, dass
der Beschuldigte durch B._ belastet wird. An dieser Stelle ist zur Verdeutli-
chung nochmals darauf hinzuweisen, dass die Aussagen des Beschuldigten so-
wie des Mitbeschuldigten B._ in Bezug auf VG 59 uneingeschränkt verwert-
bar sind (vgl. Ziff. I 4). Wenngleich die Aussagen von B._ mit Vorsicht zu ge-
- 32 -
niessen sind. Einerseits weil er doch ein sehr aussergewöhnliches und teilweise
geradezu abstruses und damit unglaubhaftes Aussageverhalten an den Tag legte
und andererseits deshalb, weil er ganz zweifellos bemüht war, seine eigene Rolle
herunter zu spielen. Indes kann doch mit der Vorinstanz konstatiert werden, dass
seine Aussagen bezüglich den hier interessierenden Vorgang im Kern glaubhaft
sind. Diese Schlussfolgerung rechtfertigt sich vor allem deshalb, weil die betref-
fenden Depositionen weitgehend im Einklang mit den aufgezeichneten Gesprä-
chen und auch mit den verwertbaren GPS-Daten stehen. Insgesamt betrachtet
bleibt angesichts der Beweislage kein Zweifel daran bestehen, dass sich der Vor-
gang 59 so zugetragen hat, wie er durch die abgehörte Kommunikation praktisch
lückenlos belegt ist. Die Vorinstanz hat hierzu das Notwendige in überzeugender
Manier ausgeführt, weshalb auf ihre Erwägungen ohne Weiteres abgestellt wer-
den kann.
1.9. VG 50 (Anstalten treffen zur Lieferung von ca. 1 Kg Kokain)
1.9.1. Dem Beschuldigten wird unter VG 50 vorgeworfen, dass der Mitbeschuldig-
te D._ dem ebenfalls Mitbeschuldigten B._ am 11. Juli 2016 den Auftrag
erteilt habe, für ihn ca. 1 kg Kokaingemisch (statistisches Gehalt 69% somit ca.
690 Gramm Reinsubstanz) zu organisieren. Daraufhin sei der Beschuldigte zu-
sammen mit B._ am 12. Juli 2016 nach W._ gefahren, um mit einem
Unbekannten, genannt 'AA:_' (= UM 'W._'), die Drogenlieferung zu be-
sprechen; in der Folge habe sich der Beschuldigte um ca. 13:30 Uhr mit dem
Cousin von 'AA._', genannt 'AC._', zwecks Besprechung und Festle-
gung der bevorstehenden Drogenlieferung getroffen; das eingefädelte Drogenge-
schäft sei in der Folge aber daran gescheitert, dass zwischen den Beteiligten be-
züglich Transport bzw. Abholung des Kokains keine Einigung habe erzielt werden
können (Urk. 23/4 S. 12 f.).
1.9.2. Am 28. Oktober 2016 wurde der Beschuldigte erstmals durch die Polizei
zum Vorgang 50 befragt. Wie praktisch bei jeder ersten Einvernahme zu den di-
versen Vorgängen verweigerte der Beschuldigte auch hier die Aussage zur
Gänze (Urk. 3/15). Am 13. März 2017 folgte dann die Konfrontationseinvernahme
mit dem Mitbeschuldigten B._. Auch anlässlich dieser Einvernahme machte
- 33 -
der Beschuldigte konsequent keine Aussagen (Urk. 3/33). In der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme vom 13. Oktober 2017 räumte der Beschuldigte dann
ein, B._ und er hätten tatsächlich über grosse Drogenmengen gesprochen.
B._ habe ihm erklärt, dass er einen Kunden habe, der ein Kilogramm Kokain
brauche. In diesem Zusammenhang habe er den Beschuldigten dann aufgefor-
dert, dass er nun zeigen solle, was für Kontakte er habe. Er habe in dieser Situa-
tion nicht zugeben wollen, dass er keine solchen Kontakte habe, um nicht als
Lügner dazustehen. Als B._ ihm vorgeschlagen habe, zu 'AA._', dem
Kollegen des Beschuldigten, nach W._ zu fahren, sei er damit einverstanden
gewesen, zumal er gewusst habe, dass dieser sowieso kein Kokain habe. Ent-
sprechend seien sie nach W._ gefahren, wo er sich mit 'AA._' getroffen
habe, derweil B._ im Auto gewartet habe. Mit 'AA._' habe er dann nicht
über Drogen, sondern bloss über persönliche Belange gesprochen. Wenige Sätze
später korrigierte der Beschuldigte dann jedoch seine eigene Sachdarstellung, in-
dem er neu angab, dass er nur mit 'AC._', dem Cousin von 'AA._', ge-
sprochen habe. Zurück im Auto habe er dem Mitbeschuldigten B._ mitgeteilt,
dass das Kokain nicht geliefert werde, sondern abgeholt werden müsse, weil er
gewusst habe, dass dies nicht geschehen werde. Bekanntlich sei aus der ganzen
Geschichte schliesslich nichts geworden, weil er ja von Anfang an nur angegeben
habe (Urk. 3/36 S. 37 ff.). In der Schlusseinvernahme vom 20. Dezember 2017
verwies der Beschuldigte auf diese Aussagen (Urk. 3/39 S. 21 f.). In der Haupt-
verhandlung bestätigte der Beschuldigte, dass "1 Auto" "1 kg Kokain" bedeutet
und machte darüber hinaus keinerlei Angaben zum Vorgang 50 (Urk. 51 S. 31,
37).
1.9.3. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, es sei erwiesen, dass der Mitbe-
schuldigte D._ am 11. Juli 2016 beim Mitbeschuldigten B._ telefonisch
1 kg Kokain bestellt habe. Sodann stehe angesichts der entsprechenden Aussage
des Beschuldigten, welche nahtlos zu den aus der TK gewonnenen Erkenntnis-
sen passe, zweifelsfrei fest, dass der Beschuldigte durch B._ darüber in
Kenntnis gesetzt worden sei. Weiter sei aktenmässig nachgewiesen, dass der
Beschuldigte und B._ nach W._ gefahren seien, wo Ersterer 'AC._',
den Cousin von 'AA._', getroffen habe. Entgegen der unglaubhaften Aussage
- 34 -
des Beschuldigten sei es dabei nicht um belanglosen 'Smalltalk', sondern ange-
sichts der überwachten Kommunikation klarerweise um ein Drogengeschäft be-
treffend 1 kg Kokain gegangen, das letztlich jedoch daran scheiterte, dass der
Transport der Drogen nicht habe organisiert werden können: B._ habe ge-
genüber D._ am Telefon erklärt, dass sie, also der Beschuldigte und er
(B:_), die Arbeit für ihn (D._) erledigt hätten, sprich das von ihm bestell-
te Kilogramm Kokain organisiert hätten. Dasselbe habe auch der Beschuldigte
zum Ausdruck gebracht, indem er D._ gesagt habe, dass "es", gemeint das
Kokain, in W._ abzuholen sei. Auch daraus gehe unzweifelhaft hervor, dass
das Kokain in W._ bereit gewesen sei und nur noch hätte abtransportiert
werden müssen, was aus nicht näher bekannten Gründen jedoch nicht gesche-
hen sei. In diesem Zusammenhang falle schliesslich auch ins Gewicht, dass der
Beschuldigte bereits andere Drogengeschäfte, u.a. auch mit 'AA._' in
W._, abgewickelt habe. Aus all diesen Gründen sei der Anklagesachverhalt
betreffend VG 50 in Bezug auf den Beschuldigten rechtsgenügend erstellt
(Urk. 62 S. 65 ff.).
1.9.4. In diesem Zusammenhang drängt sich zunächst ein Blick auf das Aussage-
verhalten des Beschuldigten auf. Während er, wie vorstehend unter Ziffer II 1.9.2.
dargestellt, in der polizeilichen Befragung und der Konfrontationseinvernahme
keinerlei Aussagen machte und sich stattdessen detailliert anhörte, was die Un-
tersuchungsbehörde bis zur polizeilichen Befragung ermittelt hatte respektive
inwieweit er allenfalls von B._ belastet würde, gab er anlässlich der staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme vom 13. Oktober 2017 seine Version zu Proto-
koll. Danach machte er sowohl in der Schlusseinvernahme wie auch vor
Vorinstanz sowie im Berufungsverfahren keine Angaben mehr zur Sache. Er
machte also ein einziges Mal Aussagen zur Sache und stellte sich dabei stark zu-
sammengefasst auf den Standpunkt, dass die durch die Untersuchungsbehörden
ermittelten, äusseren Umstände zwar zutreffend seien, dass das Ganze aus sei-
ner Warte jedoch von Anfang an bloss eine inszenierte Show gewesen sei, wel-
che dazu gedient habe, B._ zu täuschen, um nicht selbst als Lügner dazu-
stehen. Mit anderen Worten passte er seine Aussagen dem geradezu unumstöss-
lichen Untersuchungsergebnis an, welches im Wesentlichen auf aufgezeichneten
- 35 -
Telefongesprächen basiert. Dass die Position des Beschuldigten unhaltbar ist,
zeigt sich allein schon an seiner nachweislich erlogenen Behauptung, wonach er
über keine Drogenkontakte verfüge und er zudem gewusst habe, dass
'AA._" in W._ über keine Drogen verfüge. Wie vorstehend unter VG 42
erstellt, hatte der Beschuldigte nämlich nachweislich rund einen Monat vor dem
Vorgang 50 bei 'AA._' in W._ mindestens 200 Gramm Kokain bezogen.
Damit ist erwiesen, dass er sehr wohl wusste, dass bei 'AA._' Drogen erhält-
lich gemacht werden konnten. Auch die generelle Behauptung des Beschuldigten,
wonach er keine Drogenkontakte gehabt habe, erweist sich angesichts der bereits
zuvor erstellten Vorgänge und auch aufgrund der teilweisen Zugeständnisse des
Beschuldigten selbst als Lüge und damit als haltlose Schutzbehauptung. Dem
vorliegend massgeblichen Anklagesachverhalt liegt im Wesentlichen die abgehör-
te Kommunikation vom 11./12. Juli 2016 zugrunde, welche die Vorinstanz zutref-
fend wiedergegeben und überzeugend interpretiert hat. Auf die betreffenden Er-
wägungen unter Ziffern II 1. B. 3.15. 3.2.1. ff. des angefochtenen Entscheides
kann vorab vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 62 S. 67 ff.; Art. 82 Abs. 4
StPO). Aufgrund der auch bei diesen Konversationen verwendeten, offenkundig
codierten Sprache kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Gespräche Dro-
gengeschäfte zum Inhalt hatten. Die Rede ist auch hier wieder vom hinlänglich
bekannten "Auto", welches als Synonym für 1 kg Kokain steht, was der Beschul-
digte vor Vorinstanz auch ausdrücklich als zutreffende Interpretation anerkannte
(Urk. 51 S. 37). In Bezug auf den Inhalt der überwachten Gespräche liegt es auf
der Hand, dass D._ B._ am frühen Abend des 11. Juli 2016 kontaktierte
und diesem mitteilte, dass er 1 kg Kokain von diesem beziehen wolle, wobei er
sogleich auch klarstellte, dass er das notwendige Geld dafür zur Verfügung habe
(Beilage 1 f. Urk. 3/15). Wie die Vorinstanz weiter überzeugend erwog, steht an-
gesichts der entsprechenden Aussage des Beschuldigten zweifelsfrei fest, dass
B._ ihn darüber in Kenntnis setzte. Erstellt ist weiter – und dies wurde weder
vom Beschuldigten noch von B._ in Abrede gestellt –, dass die beiden nach
W._ fuhren, wo der Beschuldigte 'AC._', den Cousin von 'AA._',
traf. Gestützt auf die überwachte Kommunikation ging es bei besagtem Treffen
klarerweise um ein Drogengeschäft betreffend 1 kg Kokain, welches letztlich je-
- 36 -
doch daran scheiterte, dass der Transport der Drogen nicht organisiert werden
konnte. Dass die anderslautenden Beteuerungen des Beschuldigten unglaubhaft
sind, wurde einleitend bereits dargetan. Erneut hat die Vorinstanz die vorhande-
nen Beweismittel einer sehr gründlichen und in allen Teilen überzeugenden Be-
weiswürdigung unterzogen, weshalb sowohl die Erwägungen als auch die daraus
gewonnenen Schlussfolgerungen uneingeschränkt übernommen werden können.
Der Anklagesachverhalt gemäss VG 50 ist damit erstellt.
1.10. VG 49 (Einfuhr von 2'980 Gramm netto Kokain)
1.10.1. Der Anklagevorwurf gemäss VG 49 lautet dahingehend, dass der Be-
schuldigte zusammen mit B._ am 3. Juli 2016, nachmittags, im Personenwa-
gen 'Peugeot' von Zürich nach AD._/NL gereist seien, um dort u.a. bei einem
unbekannten Montenegriner (polizeiliches Pseudonym UM 'AE._') eine Koka-
ineinfuhr von Holland in die Schweiz zu organisieren. Am 16. Juli 2016 seien die
beiden dann erneut über AF._/F nach AD._/NL gefahren, um dort bei
UM 'AE._' zumindest eine erste Lieferung von ca. 3 kg Kokain von Holland in
die Schweiz geschäftsmässig abzuwickeln; dabei sei ihnen zwecks Qualitäts-
prüfung eine kleine Kokainprobe von ca. 2-3 Gramm übergeben worden. Am
17./18. Juli 2016 seien der Beschuldigte und B._ in die Schweiz zurückge-
kehrt und hätten sich direkt zur Pizzeria "..." des Mitbeschuldigten C._ in
R._/SG begeben. Der Beschuldigte habe gemeinsam mit B._ beschlos-
sen, das einzuführende Kokain zum Hotel AG._ in R._/SG liefern zu
lassen, wobei die Ankunft des Kuriers für den 21. Juli 2016, zwischen 8 und 9 Uhr
morgens, erwartet worden sei. Zum Zweck der Entgegennahme habe der Be-
schuldigte B._ am frühen Morgen des 21. Juli 2016 von Zürich zur Pizzeria
des Mitbeschuldigten C._ nach R._/SG gefahren und sei danach so-
gleich alleine nach Zürich zurückgekehrt; gegen 09:45 Uhr habe sich B._ zu
Fuss von der Pizzeria "..." zum Hotel AG._ begeben, um dort das Kokain in
Empfang zu nehmen. In der Zwischenzeit hätte AH._, begleitet von AI._
in einem Begleitfahrzeug, netto 2'980 Gramm Kokaingemisch (Reinsubstanz
2'770 Gramm, Reinheitsgrad von 92-94%) mit dem Kurierfahrzeug von Holland
nach R._/SG transportiert, wo es durch B._ in Begleitung der beiden
- 37 -
erwähnten Kuriere zur Pizzeria von C._, der die Kokaineinfuhr mit mind.
CHF 20'000.– mitfinanziert habe, hätte verbracht werden sollen. Die geplante Ko-
kainübergabe sei aber infolge der Verhaftung des Mitbeschuldigten B._ und
der beiden Kuriere sowie der Sicherstellung des Kokains durch die Polizei ge-
scheitert (Urk. 23/4 S. 13 f.).
1.10.2. In der Hafteinvernahme vom 23. Juli 2016 stellte der Beschuldigte den
umschriebenen Vorwurf in Abrede, wobei er im Übrigen keine Aussagen machen
wollte (Urk. 3/2 S. 2 ff.). Im Rahmen der polizeilichen Befragungen zum Vorgang
49 vom 9. und 21. September 2016 machte der Beschuldigte – abgesehen von
einigen Belanglosigkeiten – keine Angaben zur Sache. Er anerkannte jedoch,
zusammen mit B._, den er AJ._ nannte, in Holland gewesen zu sein
(Urk. 3/6 und Urk. 3/7). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit B._
stellte sich der Beschuldigte auf den Standpunkt, dass an den Vorwürfen nichts
Wahres dran sei und er mit Drogengeschäften nichts zu tun habe. Es treffe zwar
zu, dass er mit B._ im Juli 2016 verschiedene Fahrten nach Holland und
Deutschland unternommen habe. Dabei sei es aber nicht um Drogen, sondern um
beabsichtigte Autokäufe gegangen, die aber letztlich nie zustande gekommen
seien. Am Tag der Verhaftung habe er B._ zusammen mit einer anderen
Person nach I._ gefahren, weil Ersterer nach Mazedonien habe reisen wol-
len. Eigentlich sei er müde und angetrunken gewesen und habe die Fahrt deshalb
nicht machen wollen. Er habe B._ dann aber doch gefahren, weil er sein Ge-
päck dabei gehabt habe und er sich deshalb gezwungen gefühlt habe, ihn und
den unbekannten Dritten nach I._ respektive nach AK._ zu fahren.
B._ habe er zu C._ gebracht. Danach sei er direkt zurück nach Zürich
gefahren, wo es später zu seiner Verhaftung durch die Polizei gekommen sei
(Urk. 3/30 S. 10 f.). In der Schlusseinvernahme wie auch in der Hauptverhandlung
stellte sich der Beschuldigte ebenfalls auf den Standpunkt, mit dem ihm zur Last
gelegten Vorgang nichts zu tun zu haben (Urk. 3/39 S. 6 f., 23 f.; Urk. 51 S. 30,
36).
1.10.3. Die Vorinstanz kam im Rahmen ihrer Beweiswürdigung betreffend VG 49
zum Schluss, aufgrund der abgehörten Kommunikation, die sich im Kern mit den
- 38 -
Aussagen von B._ vom 20. September 2016 in Bezug auf den Beschuldigten
vereinbaren lasse, sowie angesichts des Umstands, dass der Beschuldigte auch
andere Drogengeschäfte, teilweise ebenfalls mit dem Mitbeschuldigten B._,
abgewickelt habe, sei der Anklagesachverhalt betreffend VG 49 in Bezug auf den
Beschuldigten rechtsgenügend erstellt (Urk. 62 S. 69 ff.).
1.10.4. Erstellt und seitens des Beschuldigten auch nicht bestritten, sind folgende
Eckpunkte des Anklagesachverhaltes:
− AH._ und AI._ reisten am 20./21. Juli 2016 von Holland her-
kommend mit zwei Fahrzeugen in die Schweiz ein, wobei sie im Kurier-
fahrzeug in einem aufwändig präparierten Versteck 2'980 Gramm Ko-
kaingemisch mit sich führten (Urk. 11/3 ff.; Urk. 12/3).
− Das mitgeführte Kokain wies gemäss der unbestrittenen Analyse des
FOR einen ausgesprochen hohen Reinheitsgehalt von 92-94 % auf
(Urk. 15/3).
− Der Beschuldigte fuhr im Juli 2016 zweimal zusammen mit B._
nach Holland (Urk. 3/6 S. 5; Urk. 3/7; Urk. 3/30 S. 10; Urk. 3/36 S. 43;
Urk. 3/39).
− Der Beschuldigte brachte B._ am Morgen des 21. Juli 2016 mit
seinem Auto der Marke 'Peugeot' nach R._ zu C._ in die Piz-
zeria "..." (; Urk. 3/30 S. 10; Urk. 3/39 S. 23).
Der Anklagevorwurf fusst auf einer sehr umfangreich dokumentierten und über
beinahe drei Wochen dauernden Kommunikation zwischen dem Beschuldigten
sowie B._, C:_ und sich in Holland aufhaltenden Drogenlieferanten. Die
Vorinstanz hat die aus den verwertbaren Überwachungsmassnahmen gewonnen
Erkenntnisse im Wortlaut korrekt zusammengefasst und wiedergegeben. Zur bes-
seren Veranschaulichung werden die durch die Vorinstanz zitierten Fundstellen
und die jeweiligen Interpretationen an dieser Stelle noch einmal wiedergegeben:
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- Audio 3.7.16, 15:27 (Beilage 1 zu Urk. 3/6): In einem Drogengespräch, das die  C._ und B._ im vom Beschuldigten gelenkten 'Peugeot' führten, ging es um die bevorstehende Fahrt nach Holland und um die Beschaffung von Geld. - Audio 11.7.16, 01:16 (Beilage 16 zu Urk. 3/6): Im Drogengespräch zwischen dem  und dem Mitbeschuldigten B._ ging es im Wesentlichen um die  einer Drogeneinfuhr, wovon ein "halbes Brot" – sprich 1⁄2 kg Kokain – für den  C._ bestimmt war. - Audio 12.7.16, 05:39 (Beilage 21 zu Urk. 3/6): Drogengespräch zwischen dem  und dem Mitbeschuldigten B._ über offene Geldforderungen. - Audio 13.7.16, 14:28 (Beilage 22.1 zu Urk. 3/7): Drogengespräch zwischen dem  und dem Mitbeschuldigten B._ über offene Geldforderungen. - Audio 14.7.16, 00:42 (Beilage 25 zu Urk. 3/7): In einem Drogengespräch, das die  C._ und B._ im vom Beschuldigten gelenkten 'Peugeot' führten, ging es um die bevorstehende Fahrt nach Holland und um die noch nicht gesicherte  einer Lieferung von "3-4 Kilo" Kokain. - Audio 14.7.16, 19:54 (Beilage 36 zu Urk. 3/7): Der Mitbeschuldigte B._ teilte dem Beschuldigten mit, dass für die Einfuhr von "5 Broten", sprich 5 kg Kokain, noch EUR 23'000.-- fehlen. - Audio 15.7.16, 21:51 (Beilage 37 zu Urk. 3/7): Der Mitbeschuldigte B._ und der Beschuldigte besprachen mögliche Orte für die Übergabe des Kokains und wie der  über den letztlich gewählten Ort informiert werden sollte. - Audio 17.7.16, 00:00 (Beilage 45.1 zu Urk. 3/7): Der Beschuldigte und der  B._ besprachen den Weiterverkauf des Kokains und den möglichen Gewinn, wobei sich der Beschuldigte dafür aussprach, dass die "2, 3", also die 2 - 3 kg Kokain "unangetastet, so wie sie sind", sprich ungestreckt, verkauft werden sollten. - Audio 17.7.16, 22:34 (Beilage 45.2 zu Urk. 3/7): Der Beschuldigte und der  erzählten einem Dritten (wohl der Passagier aus Holland, den der Beschuldigte AL._ nannte [Urk. 3/36 S. 43]), dass sie schon einen Kunden haben, der sofort nach Ankunft der Lieferung "ein Brot", also 1 kg Kokain, für CHF 42'000.-- übernehme. - Audio 18.7.16, 14:19 (Beilage 45.3 zu Urk. 3/7): Der Mitbeschuldigte B._ lobte die Qualität der erhaltenen Kokainprobe ("Die Ware ist sehr stark, hey!", "Besser als die, die wir hatten"), worauf der Beschuldigte ihm beipflichtete ("Unvergleichbar", "Ja"). - Audio 19.7.16, 01:53 (Beilage 48.1 zu Urk. 3/7): Der Mitbeschuldigte B._ ist , dass sie "diese 3 Stück", spricht die 3 kg Kokain, verkaufen können, worauf der Beschuldigte ihm zustimmt ("Diese werden wir los kriegen"). - Audio 19.7.16, 16:14 (Beilage 48.2 zu Urk. 3/7): Der Beschuldigte teilte seinem  mit, dass er (gemeint der Mitbeschuldigte B._) dem Lieferanten die Adresse des Hotels (gemeint Hotel AG._ in R._/SG) als Übergabeort für das Kokain  habe. - Audio 20.7.16, 21:48 [Beilage 55 zu Urk. 3/7]: Der Mitbeschuldigte B._ teilt dem Beschuldigten mit, dass er (Beschuldigter) ihn am nächsten Tag zum Hotel, gemeint  AG._ in R._/SG, fahren müsse, damit er (Mitbeschuldigter B._) dort die Kuriere "um 8, 9" treffen könne.
Angesichts dieser beindruckenden Dokumentation unbestrittenermassen durch
den Beschuldigten geführter, offenkundiger Drogengespräche kann er seine Tä-
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terschaft nicht mehr ernsthaft in Abrede stellen. Vielmehr zeigt sich anhand dieser
Gespräche mit aller Deutlichkeit, dass der Beschuldigte vom Vorhaben sehr de-
taillierte Kenntnisse hatte und – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 79
S. 27 ff.) – massgeblich an der Organisation und Einfuhr der rund 3 kg Kokain be-
teiligt war. Entsprechend überrascht es auch wenig, dass B._ – nach anfäng-
lichen Bestreitungen – schliesslich am 20. September 2016 zu Protokoll erklärte,
dass der Beschuldigte die ganze Sache organisiert habe (Urk. 4/4 S. 2 ff.). Wenn
die Vorinstanz aufgrund der Analyse der wiedergegebenen Telefongespräche
schlussfolgert, die Kommunikation, welche sich klar erkennbar auf das Thema
Drogen beziehe, stütze in ihrer Gesamtheit den Anklagevorwurf, da sie dokumen-
tiere, dass der Beschuldigte über die Einfuhr der rund 3 kg Kokain von Holland in
die Schweiz bestens Bescheid gewusst habe und in die entsprechenden Vorgän-
ge massgeblich involviert gewesen sei, so ist ihr darin vollumfänglich zuzustim-
men. Vor diesem Hintergrund und mit dem Erkenntnisgewinn aus der vorange-
gangenen Beweiswürdigung, wonach der Beschuldigte, namentlich zusammen
mit B._, eine Vielzahl von Drogengeschäften abgewickelt hat, besteht nicht
der geringste Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt, so wie er zur Anklage ge-
bracht wurde, auch zugetragen hat. Für die rechtliche Würdigung ist daher unter
Verweis auf die überzeugende vorinstanzliche Beweiswürdigung (Urk. 62 S. 69 ff.;
Art 82 Abs. 4 StPO) vom Anklagesachverhalt gemäss VG 49 auszugehen.
1.11. Ziffer II. Illegaler Waffenerwerb und -besitz
1.11.1. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten unter Anklageziffer II. im
Wesentlichen vor, dass er zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt zwischen
Mitte November 2015 und dem 21. Juli 2016 an einem nicht näher bekannten
Ort eine Faustfeuerwaffe der Marke "Walther" (Selbstladepistole Modell "PPK",
Kaliber "7.65 Browning", Serien-Nr. "...") sowie zwei dazugehörige Patronenma-
gazine erworben habe. Die Waffe samt den mit fünf und sechs Patronen gelade-
nen Magazinen habe er in der von ihm bewohnten Wohnung von AM._ (...
[Adresse], ... Zürich) in der Wohnungstoilette unter dem Lavabokasten versteckt
unsachgemäss aufbewahrt. Dies habe der Beschuldigte getan, obwohl er als Per-
son mit Wohnsitz im Ausland und ohne Niederlassungsbewilligung eine derartige
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Waffe samt Munition ohne gültigen Waffenerwerbsschein nicht hätte erwerben
und besitzen dürfen. Dies habe er zumindest billigend in Kauf genommen bzw.
ihn nicht von seinem Tun abgehalten (Urk. 23/4 S. 15).
1.11.2. Der Beschuldigte stellte sich zusammenfassend auf den Standpunkt, er
habe die Waffe ca. zwei Monate vor seiner Verhaftung im Kühlschrank der Woh-
nung gefunden und sie dann in der Toilette versteckt, wo sie durch die Polizei
später auch gefunden worden sei. Die Waffe gehöre nicht ihm. Er habe sie bloss
gefunden und dann an einem sicheren Ort versteckt, damit sie nicht von jemand
anderem benutzt werde (Urk. 3/39 S. 3 ff.; Urk. 51 S. 34 f.).
1.11.3. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, der Anklagesach-
verhalt lasse sich lediglich insofern erstellen, als dass der Beschuldigte die Waffe
mitsamt Magazinen und Munition in der Wohnung von AM._ gefunden und
hernach unberechtigterweise in der Toilette unter dem Lavabokasten versteckt
aufbewahrt habe (Urk. 62 S. 77 ff.). Dies beanstandet sodann auch die Verteidi-
gung nicht. Entsprechend ist die schlüssige vorinstanzliche Beweiswürdigung in
Bezug auf den Anklagevorwurf Ziff. II. "Illegaler Waffenerwerb und -besitz" voll-
umfänglich zu übernehmen.
2. Rechtliche Würdigung
2.1. Ziffer I. Drogenhandel
2.1.1. Die Vorinstanz kam im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung zusammenge-
fasst zum Schluss, der Beschuldigte sei der qualifizierten Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g BetmG
in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf
der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz betreffend
VG 27, VG 54 und VG 55 sprach sie den Beschuldigten indes frei (Urk. 62
S. 80 ff.).
2.1.2. Die Verteidigung beanstandet die rechtliche Würdigung der Vorinstanz in
Bezug auf Ziffer I. Drogenhandel nicht (vgl. Urk. 79).
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2.1.3. Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist vollständig und zutreffend. Sie
bedarf weder einer Ergänzung noch einer Korrektur und kann daher ohne Ein-
schränkung übernommen werden. Damit ist der Beschuldigte betreffend die zur
Anklage und im vorliegenden Verfahren noch zur Disposition stehenden Vorgän-
ge 18, 30/2, 39, 42, 49, 50, 59 und 62 der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g BetmG in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig zu sprechen. Wie zuvor be-
reits unter Ziffer II 1.2 erwogen, ist der Beschuldigte vom Vorwurf der Verkaufs
von ca. 500 Gramm Kokain und ca. 500 Gramm Heroin gemäss Vorgang 64
freizusprechen.
2.2. Ziffer II. Illegaler Waffenerwerb und -besitz
2.2.1. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, der Beschuldigte sei
der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG
in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und Abs. 5 WG, Art. 8 Abs. 1 WG, Art. 9a
Abs. 1 WG, Art. 12 WG, Art. 15 WG und Art. 16a WG sowie Art. 15 und 21 WV
schuldig zu sprechen (Urk. 62 S. 82 ff.).
2.2.2. Die Verteidigung stellt sich mit Blick auf die rechtliche Würdigung durch die
Vorinstanz auf den Standpunkt, der Beschuldigte sei im Besitz eines ausländi-
schen Waffenscheins gewesen, weshalb fraglich sei, ob sein Verhalten überhaupt
strafbar sein könne. Zudem wirft die Verteidigung auf – sofern das Handeln des
Beschuldigten als tatbestandsmässig zu qualifizieren sei – könnte er sich in einem
Rechtsirrtum im Sinne von Art. 21 StGB befunden haben (Urk. 79 S. 30).
2.2.3. In Bezug auf die Tatbestandsmässigkeit kann vollumfänglich auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urk. 62 S. 83 f.).
Hervorzuheben ist, dass der Beschuldigte selbst zu Protokoll gab, es sei ihm
bewusst gewesen, dass der Fund und der Besitz einer Waffe deklariert werden
müsse (vgl. Urk. 3/39 S. 5). Daraus muss mit der Vorinstanz geschlossen werden,
dass ihm bewusst war, dass der Besitz einer Waffe nur mit der Erfüllung gewisser
Voraussetzungen erlaubt ist. Entsprechend handelte der Beschuldigte vorsätzlich
und ein Rechtsirrtum ist nicht ersichtlich.
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2.2.4. Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist entsprechend vollständig und
zutreffend und kann daher vollumfänglich übernommen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). Entsprechend ist der vorinstanzliche Schuldspruch wegen der Widerhand-
lung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung
mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und Abs. 5 WG, Art. 8 Abs. 1 WG, Art. 9a Abs. 1 WG,
Art. 12 WG, Art. 15 WG und Art. 16a WG sowie Art. 15 und 21 WV zu bestätigen.
2.3. Fazit
Zusammenfassend ist der Beschuldigte gestützt auf die vorstehenden Erwägun-
gen der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne
von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a
BetmG bezüglich VG 18, VG 30/2, VG 39, VG 42, VG 49, VG 50, VG 59, VG 62
sowie der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1
lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und Abs. 5 WG, Art. 8 Abs. 1 WG,
Art. 9a Abs. 1 WG, Art. 12 WG, Art. 15 WG und Art. 16a WG sowie Art. 15 und 21
WV schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz betreffend VG 64 ist der Beschuldigte freizuspre-
chen.
III. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren
sowie einer Busse von CHF 700.– bestraft (Urk. 62 S. 103). Die Anklagebehörde
verlangte im Hauptverfahren eine Sanktion von 8 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe sowie
eine Busse von CHF 300.– und beantragt nun im Berufungsverfahren die Bestäti-
gung der angefochtenen Strafe (Urk. 23/4 S. 16 ff.; Urk. 52 S. 1; Urk. 70). Die Ver-
teidigung beantragt im Berufungsverfahren eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten
sowie eine Busse von CHF 700.– (Urk. 79 S. 1).
2. Die Vorinstanz hat im Rahmen ihrer Strafzumessung einleitende Erwäg-
ungen zum Strafrahmen sowie zu den allgemeinen Grundsätzen der Strafzumes-
sung gemacht (Urk. 62 S. 86 ff.). Auf all diese zutreffenden Erwägungen, die alle-
samt im Einklang mit der einschlägigen Lehre und Rechtsprechung stehen, kann
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zwecks Vermeidung von unnötigen Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 62
S. 86 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Strafe ist vorliegend dementsprechend inner-
halb eines Strafrahmens von 1 bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe zu bemessen
(Art. 19 Abs. 2 BetmG, Art. 40 StGB).
3. Auch in Bezug auf die konkrete Strafzumessung hat die Vorinstanz die ein-
zelnen Gesichtspunkte sorgfältig erörtert und zutreffend gewürdigt, worauf im
Folgenden – unter anderem – kurz einzugehen ist.
4. Tatkomponente "qualifizierte Widerhandlung gegen das BetmG"
4.1. In Bezug auf die objektive Tatschwere hielt die Vorinstanz zutreffend fest
(vgl. Urk. 62 S. 92 ff.), dass der Beschuldigte an diversen Drogengeschäften im
Umfang von fast 11 kg Kokaingemisch bzw. etwa 8,5 kg reinem Kokain beteiligt
war, womit er die für die Strafbarkeit nach Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG bestimmte
Grenze massiv überschritten hat. Dabei hat die Vorinstanz bei der Strafzumes-
sung VG 64 – bezüglich welchem der Beschuldigte freizusprechen ist – nicht be-
rücksichtigt. Auch wurden keine Drogenmengen doppelt gezählt. Die Drogenge-
schäfte tätigte der Beschuldigte über den Zeitraum von ca. 6 Monaten (zwischen
dem 25. Januar 2016 und dem 21 Juli 2016). Zudem fand im vorinstanzlichen
Urteil auch der Umstand Berücksichtigung, dass in Bezug auf ca. 1.5 kg Kokain-
gemisch bzw. rund 1 kg reines Kokain die Drogenhandelsaktivitäten des Beschul-
digten als "Anstalten treffen" zu qualifizieren waren und entsprechend gemäss
Art. 19 Abs. 3 lit. a BetmG strafmindernd zu gewichten sind. Dass diese Strafmin-
derung nur geringfügig ausgefallen ist, zumal der Beschuldigte teilweise nicht von
sich aus auf die Ausführung verzichtete, erweist sich als überzeugend und ist ent-
sprechend ebenfalls zu bestätigen. Sodann wurde straferhöhend berücksichtigt,
dass der Beschuldigte mehrere deliktische Einzelhandlungen über mehrere Mo-
nate vorgenommen hat. Gestützt darauf sowie den Umstand, dass der Beschul-
digte zur Tarnung mehrere Rufnummern bzw. Mobiltelefone sowie eine codierte
Sprache verwendete, wurde zu Recht von einer erheblichen kriminellen Energie
gesprochen. Des Weiteren wurde – richtigerweise und entgegen der Ausführun-
gen der Verteidigung (Urk. 79 S. 32 f.) – die höhere Hierarchiestufe des Beschul-
digten im Drogenhandel berücksichtigt. Sodann wurde berücksichtigt, dass der
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Beschuldigte nicht aus eigenem Antrieb vom Drogenhandel abliess. Wenn die
Vorinstanz die objektive Tatschwere gestützt auf diese Erwägungen als erheblich
bis schwer einstufte und eine Einsatzstrafe von 7 1⁄2 Jahren festsetzte, ist dies
keinesfalls zu beanstanden.
4.2. In subjektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz festzuhalten (Urk. 62 S. 93 f.),
dass der Beschuldigte direktvorsätzlich und aus rein finanziellen, mithin egoisti-
schen Beweggründen handelte. Sodann verwies die Vorinstanz zu Recht auf die
eigenen Aussagen des Beschuldigten, wonach er "nicht krankhaft süchtig" ge-
wesen sei (Urk. 3/1 S. 8). Dabei berücksichtigte sie auch, dass der Beschuldigte
seinen Konsum in den letzten Wochen vor seiner Verhaftung deutlich gesteigert
hat (Urk. 3/4 S. 4; vgl. auch Urk. 14/7 [IRM-Gutachten zur Haaranalyse vom
21. September 2016]). Zutreffend hat die Vorinstanz erwogen, dass bei einer
gesamthaften Betrachtung – entgegen der Verteidigung (Urk. 79 S. 33 f.) – kein
Fall von Beschaffungskriminalität vorliege, da der Beschuldigte die Tat nicht zur
Finanzierung der eigenen Sucht begangen habe. Dies bestätigte der Beschuldigte
anlässlich der Berufungsverhandlung insofern, als dass er – auf die Frage, ob er
im Gefängnis Schwierigkeiten gehabt habe, als er kein Kokain mehr zur Ver-
fügung gehabt habe – zu Protokoll gab, das Ganze sei nur eine Kopfsache, wenn
man etwas wolle, gehe das schon (Urk. 78 S. 5). Zusammengefasst vermag die
subjektive Tatschwere die objektive nicht zu relativieren.
4.3. Mit der Vorinstanz ist von einem erheblichen bis schweren Tatverschulden
sowie einer hypothetischen Einsatzstrafe von 7 1⁄2 Jahren auszugehen.
5. Tatkomponente "Widerhandlung gegen das Waffengesetz"
Mit Verweis auf die Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 62 S. 94 ff.), wonach der
Beschuldigte während rund zwei Monaten eine Faustfeuerwaffe samt Magazinen
und Munition in der von ihm benutzten Wohnung unberechtigterweise aufbewahrt
hat, ist die objektive Tatschwere als gerade noch leicht zu werten. Subjektiv han-
delte der Beschuldigte direktvorsätzlich. Die subjektive Tatschwere vermag die
objektive nicht zu relativieren. Wenn die Vorinstanz in Anwendung des Aspera-
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tionsprinzips gemäss Art. 49 StGB einen Zuschlag von drei Monaten als ange-
messen betrachtete, ist dies nicht zu beanstanden.
6. Zwischenfazit
Mit Blick auf die Tatschwere der beiden vorerwähnten Delikte des Beschuldigten
wäre eine Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 9 Monaten angemessen.
7. Täterkomponente
7.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten und
seinen Werdegang in den wesentlichen Punkten korrekt zusammengefasst und
wiedergeben. Darauf ist zu verweisen (Urk. 2 S. 96 f.). Zu der aktuellen Lebens-
situation führte der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, er
arbeite nun in der Küche des Gefängnisses. Seine Tochter sei 15 Jahre alt und
gehe zur Schule. Sein 18-jähriger Sohn gehe ebenfalls noch zur Schule. Seiner
Frau gehe es nicht gut, sie habe Krebs (Urk. 78 S. 2 ff.). Die persönlichen Ver-
hältnisse des Beschuldigten wirken sich strafzumessungsneutral aus.
7.2. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, ist der Beschuldigte in der
Schweiz nicht vorbestraft, weist indes in Griechenland eine Vorstrafe aus dem
Jahre 2007 betreffend Widerhandlung gegen das Ausländergesetz auf. Wenn die
Vorinstanz diese längere Zeit zurückliegende und nicht einschlägige Vorstrafe
kaum berücksichtigt hat, ist ihr zuzustimmen (Urk. 62 S. 97 f.).
7.3. Der Beschuldigte zeigte sich betreffend den Vorwurf der mehrfachen qualifi-
zierten Widerhandlung gegen das BetmG nur teilweise geständig und zwar erst
gegen Ende des Vorverfahrens und nur dort, wo er sich durch das Untersu-
chungsergebnis ohnehin überführt gesehen hat. Wenn die Vorinstanz dies leicht
strafsenkend berücksichtigt, ist dies angemessen und entsprechend zu über-
nehmen (vgl. Urk. 62 S. 98). Die von der Verteidigung geltend gemachte Reue
und Einsicht des Beschuldigten (vgl. Urk. 62 S. 24) erscheint sodann angesichts
der überwiegenden Bestreitungen der Anklagevorwürfe nicht vollends aufrichtig
und ehrlich, weshalb eine entsprechende Strafreduktion nicht angezeigt ist.
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7.4. Weitere strafzumessungsrelevante Umstände sind nicht ersichtlich. Ins-
besondere ist dem Beschuldigten mit der Vorinstanz keine besondere Straf-
empfindlichkeit zu attestieren (vgl. Urk. 62 S. 98).
7.5. Bei einer gesamthaften Betrachtung der Täterkomponente zeigt sich, dass
diese – mit der Vorinstanz – leicht strafmindernd zu Buche schlägt. Wenn die
Vorinstanz unter diesem Titel eine Strafsenkung von 9 Monaten als gerechtfertigt
erachtet, kann das übernommen werden.
8. Busse
Zur Tatkomponente des mehrfachen Betäubungsmittelkonsums ist festzuhalten,
dass der Beschuldigte über mehrere Monate Kokain konsumierte, wobei der
Konsum in den letzten Wochen vor der Verhaftung ziemlich intensiv war. Mit
der Vorinstanz wiegt das Verschulden diesbezüglich nicht mehr leicht. Subjektiv
ist – wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat (Urk. 62 S. 96) – kein Grund für
eine Relativierung ersichtlich. Deutlich strafmindernd fällt sodann das Geständnis
des Beschuldigten bezüglich den Betäubungsmittelkonsum ins Gewicht. Die von
der Vorinstanz ausgefällte Busse von CHF 700.– erscheint dem Verschulden
angemessen und ist entsprechend zu bestätigen.
9. Fazit
9.1. Zusammenfassend erweist sich die vorinstanzliche Strafzumessung in allen
Teilen als korrekt und ist nicht zu beanstanden. Die im angefochtenen Entscheid
ausgefällte Freiheitsstrafe von 7 Jahren sowie die Busse von CHF 700.– ist im
Berufungsverfahren zu bestätigen.
9.2. Vom Tage seiner Verhaftung am 21. Juli 2016 an bis zum 12. Oktober 2017
sass der Beschuldigte in Untersuchungshaft. Seit dem 13. Oktober 2017 befindet
er sich ununterbrochen im vorzeitigen Strafvollzug. Die erstandene Untersu-
chungshaft sowie der vorzeitige Strafvollzug bis und mit heute von 1'048 Tagen
sind dem Beschuldigten in Anwendung von Art. 51 StGB auf die Strafe anzurech-
nen.
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9.3. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen. Die Busse ist zu bezahlen (Art. 105
Abs. 1 StGB). Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen festzulegen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
IV. Kosten- und Entschädigung
1. Kosten
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren wird auf CHF 5'000.– festgesetzt.
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem lediglich der Be-
schuldigte Berufung erhoben hat und er mit seinen Anträgen – abgesehen vom
Freispruchs betr. VG 62, welcher indes für die Kostenregelung von höchst margi-
naler Bedeutung ist – vollumfänglich unterliegt, sind die Kosten des Berufungsver-
fahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldig-
ten aufzuerlegen.
2. Entschädigung
Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._,
reichte am 24. Juni 2019 ihre Honorarnote betreffend ihre Aufwendungen im Be-
rufungsverfahren ein (Urk. 77). Der geltend gemachte Aufwand ist ausgewiesen
und angemessen. Dementsprechend ist die amtliche Verteidigung – unter Be-
rücksichtigung eines Zuschlags für die Dauer der Berufungsverhandlung sowie
die Urteilseröffnung – mit CHF 10'746.40 (inkl. MwSt.) zu entschädigen. Was die
Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren angeht, so sind diese
auf die Gerichtskasse zu nehmen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gestützt
auf Art. 135 Abs. 4 StPO.