Decision ID: 7ace1daa-4689-4f36-8bfa-000da4fb0a57
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 14. Oktober 2022 in der Schweiz um
Asyl nach. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der europäischen Finger-
abdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 10. Oktober 2022 in
Österreich ein Asylgesuch gestellt hatte.
B.
Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer anlässlich des sogenannten
Dublin-Gesprächs vom 14. November 2022 das rechtliche Gehör zu einem
allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung
nach Österreich.
Dabei brachte er im Wesentlichen vor, nur zwei Nächte in Österreich
verbracht und von Anfang an beabsichtigt zu haben, in die Schweiz weiter-
zureisen. Er habe in Österreich keine Fingerabdrücke abgeben, ge-
schweige denn ein Asylgesuch stellen wollen.
Bezüglich des medizinischen Sachverhalts machte er geltend, tagsüber
keine Probleme zu haben, nachts aber Kopfschmerzen zu haben, weil er
auf den Kopf geschlagen worden sei. Ausserdem kämen in der Nacht
Bilder und Erinnerungen an die Taliban hoch, die ihm den Schlaf rauben
würden. Es gehe ihm psychisch nicht gut; er habe sprachliche Probleme
und stottere manchmal. Er habe wegen der Kopfschmerzen und einmal
auch wegen Halsschmerzen in der Unterkunft Medikamente erhalten.
Schliesslich habe er seinen Finger verstaucht und habe Schmerzen im lin-
ken Bein.
C.
Am 14. November 2022 ersuchte das SEM die österreichischen Behörden
um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1
Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von
einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat
gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend
Dublin-III-VO). Die österreichischen Behörden nahmen innerhalb der fest-
gelegten Frist keine Stellung zum Übernahmeersuchen.
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D.
Mit Verfügung vom 29. November 2022 – am Folgetag eröffnet – trat das
SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine
Überstellung nach Österreich an und forderte ihn auf, die Schweiz nach
Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aus-
händigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Be-
schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
E.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe an das Bundesverwaltungs-
gericht vom 6. Dezember 2022 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Ver-
fügung. Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben
und die Vorinstanz sei anzuweisen, die Zuständigkeit erneut zu prüfen, ihr
Selbsteintrittsrecht auszuüben und sich für vorliegendes Asylverfahren zu-
ständig zu erklären; eventualiter sei die Sache zu weiteren Sachverhalts-
abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG einschliesslich des Verzichts
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner sei im Sinn einer vor-
sorglichen Massnahme die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Voll-
zugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Österreich
abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Beschwerde ent-
schieden habe.
F.
Am 7. Dezember 2022 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Über-
stellung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus. Gleichentags
lagen die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht in elekt-
ronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 Asyl).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerde-
instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht
auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
2.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt
auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet.
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist
(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesfalls verfügt das SEM in der Regel die
Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des
Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich
keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
3.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO).
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3.4 Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank ergab,
dass der Beschwerdeführer am 10. Oktober 2022 in Österreich ein Asyl-
gesuch gestellt hat. Das SEM ersuchte deshalb die österreichischen Be-
hörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18
Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Nachdem die österreichischen Behörden dem
Wiederaufnahmeersuchen des SEM nicht innert der in Art. 25 Abs. 1
Dublin-III-VO festgelegten Frist antworteten, haben sie die Zuständigkeit
Österreichs implizit anerkannt (Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO). An dieser
Feststellung ändern auch die unbelegten Ausführungen des Beschwerde-
führers im Rahmen seines Rechtsmittels nichts, wonach ihm in Österreich
zwangsweise die Fingerabdrücke abgenommen worden seien und er dort
explizit kein Asylgesuch habe einreichen wollen (vgl. Beschwerde S. 3 f.).
Der Beschwerdeführer, der sich nur zwei Tage in Österreich aufgehalten
hat, wurde dort als Asylantragssteller registriert und den Akten sind keine
Hinweise darauf zu entnehmen, dass er kein Asylgesuch gestellt hätte.
Demnach ist die grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs gegeben.
4.
Der Beschwerdeführer bringt in seinem Rechtsmittel darüber hinaus im
Wesentlichen vor, die Situation in Österreich sei derzeit aufgrund der
hohen Anzahl Asylsuchender äusserst angespannt. Zahlreiche Gesetzes-
änderungen hätten ausserdem dazu geführt, dass der Zugang zu unab-
hängiger Rechtsberatung erschwert worden sei. Schliesslich gebe es Be-
richte von Inhaftierungen vulnerabler Personen. Er habe schwere gesund-
heitliche Probleme und sei dementsprechend auf eine gute medizinische
Behandlung angewiesen, die er gerne in der Schweiz erhalten möchte.
5.
5.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den zunächst als
zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-
gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-
zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden
kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund
der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten
Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so
wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied-
staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
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5.2 Wie das SEM zutreffend festgehalten hat, gibt es keine wesentlichen
Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingun-
gen für asylsuchende Personen in Österreich hätten Schwachstellen im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO, die eine Gefahr einer
unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4
der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden.
Österreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) und kommt seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne
und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-
sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-
geben.
5.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
6.
6.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses Selbsteintrittsrecht
wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
(AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung kann das
SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann behandeln,
wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen
individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbst-
eintritt zwingend.
6.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die österreichischen Behörden würden sich weigern, ihn wieder auf-
zunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung
der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch
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keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Österreich werde in seinem
Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise
in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr
laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden.
Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht überzeugend dargelegt, die
ihn bei der Rückführung erwartenden Bedingungen in Österreich seien
derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten.
6.3 Der Beschwerdeführer hat auch keine konkreten Hinweise für die An-
nahme dargetan, Österreich würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnah-
merichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten.
Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im
Übrigen nötigenfalls an die dortigen Behörden wenden und die ihm zu-
stehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (Art. 26
Aufnahmerichtlinie). Die pauschalen, nicht näher konkretisierten Verweise
des Beschwerdeführers auf erschwerten Zugang zu unabhängiger Rechts-
beratung in Österreich und der angespannten Situation aufgrund aktuell
hoher Flüchtlingszahlen sind nicht geeignet, diese Einschätzung in Frage
zu stellen (vgl. Beschwerde S. 4 f.).
6.4
6.4.1 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine
zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen
nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen
(vgl. BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H. und Urteil des EGMR Paposhvili gegen Bel-
gien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
6.4.2 Den Akten lässt sich entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer in
der Schweiz aufgrund mehrerer medizinischer Probleme am 10. November
2022 in Behandlung begab (vgl. act. A21/2). Anhaltende, gravierende
gesundheitliche Probleme wurden anlässlich dieser Untersuchung nicht
festgestellt. Der behandelnde Arzt leitete eine Behandlung wegen Scabies-
Befall ein, ordnete ein Blutbild an und händigte dem Beschwerdeführer
eine Salbe gegen seine Knieschmerzen aus. Ausserdem stellte er fest, es
bestehe bei befundloser neurologischer Grobuntersuchung der Verdacht
auf eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Erkundigungen der
Vorinstanz vom 29. November 2022 zufolge hat der Beschwerdeführer ei-
nen Folgetermin zur Besprechung der Laborwerte am 17. November 2022
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nicht wahrgenommen. Weitere Abklärungen oder Behandlungen seien ge-
mäss Auskunft des zuständigen Gesundheitsdienstes nicht notwendig und
es stünden auch keine weiteren Arzttermine aus (vgl. act. A23/1).
6.4.3 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist nicht davon auszu-
gehen, die Vorinstanz hätte seine psychischen Probleme nicht genügend
berücksichtigt oder weitere Abklärungen diesbezüglich vornehmen müssen
(vgl. Beschwerde S. 4). Aus den medizinischen Akten geht – trotz der vor-
läufigen PTBS-Verdachtsdiagnose – genügend klar hervor, dass es sich
beim Beschwerdeführer nicht um eine schwer erkrankte Person handelt.
Demnach erweist sich die Sachverhaltsfeststellung als richtig und vollstän-
dig und für die eventualiter beantragte Rückweisung der Sache besteht
keine Veranlassung.
6.4.4 Bei dieser Sachlage kann ausgeschlossen werden, dass eine Über-
stellung nach Österreich eine tatsächliche Gefahr (real risk) einer Verlet-
zung von Art. 3 EMRK mit sich bringen würde. Im Übrigen ist darauf hinzu-
weisen, dass Österreich über eine ausreichende medizinische Infrastruk-
tur, insbesondere auch für allfällige psychologische Behandlungen, verfügt
und die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellern die erforderli-
che medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die
unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-
chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-
nahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die
erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls
einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2
Aufnahmerichtlinie). Es liegen damit – entgegen der Behauptung des Be-
schwerdeführers in seinem Rechtsmittel – keine Hinweise vor, wonach das
Land seinen Verpflichtungen im Rahmen der Dublin-III-VO in medizinischer
Hinsicht nicht nachkommen würde (vgl. Beschwerde S. 5). Bezüglich der
Reisefähigkeit sowie der Durchführung der Überstellung (Art. 31 und
Art. 32 Dublin-III-VO) kann im Übrigen auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Verfügung S. 4).
6.5 Nach dem Gesagten konnte der Beschwerdeführer kein konkretes und
ernsthaftes Risiko dartun, wonach seine Überstellung nach Österreich die
Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Die Vorinstanz
hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III-VO sowie
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die Schweiz
völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch liegen
humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen würden. Der
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Vollständigkeit halber ist zudem festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den
Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat
selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und
hat die Wegweisung nach Österreich angeordnet. Die Beschwerde ist folg-
lich abzuweisen.
8.
8.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen.
Die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und Befreiung von
der Kostenvorschusspflicht erweisen sich als gegenstandslos. Der am
7. Dezember 2022 angeordnete Vollzugsstopp fällt dahin.
8.2 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren des Beschwer-
deführers – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aus-
sichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65
Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.
8.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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