Decision ID: 779edfae-c021-445b-a4ed-61d7eff4651c
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1960 geborene
X._
hatte mehrheitlich als ungelernter Drucker gearbeitet (
Urk.
8/24 S. 2).
Seit dem 9. September 2009 war der Versicherte auf
grund einer depressiven Störung vollständig arbeitsunfähig (
Urk.
8/24).
Er meldete sich am
2.
Dezember 2010
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
mit dem Hinweis auf eine psychische Erkrankung
zum Rentenbezug an (
Urk.
8/16). Die IV-Stelle holte einen IK-Auszug (
Urk.
8/21)
und den Bericht des Hausarztes des Versicherten,
Dr.
med.
Y._
, Allgemeine Medizin, vom 15. Dezember 2010 ein (
Urk.
8/22). Im veranlassten Bericht vom 20. Dezember 2010 von
Dr.
med.
Z._
und med.
pract
.
A._
der
B._
erfuhr sie vom stati
onären Aufenthalt des Versicherten in dieser Klinik während des Zeitraums vom 20. September bis 29. Oktober 2010 nach einem Suizidversuch am 6. September 2010 (
Urk.
8/23, 8/24). Sie holte anschliessend den Bericht der den Versicherten behandelnden Therapeuten
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychologie und Psychotherapie, und
lic
. phil.
D._
, klinischer Psychologe und Psychothera
peut ASPV, vom 24. Januar 2011 ein (
Urk.
8/24 S. 1 ff.). In der Folge
gab sie das von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
am
7. Juli 2011 erstattete Gutachten in Auftrag (
Urk.
8/28). Mit Vorbescheid vom 25. Juli 2011 (
Urk.
8/31) stellte die IV-Stelle
die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht
. Der Versicherte liess dagegen am
2.
September 2011 und 6. Oktober 2011 (
Urk.
8/32 und 8/38)
einen Einwand erheben
. Mit dem Einwand liess er der IV-Stelle eine Stellungnahme
von
lic
. phil.
D._
und
Dr.
C._
vom 20. September 2011 (
Urk.
8/36)
zukommen
.
Daraufhin
reichte der Gutach
ter
am 7. Dezember 2011
eine ergänzende Stellungnahme ein (
Urk.
8/40). Mit Verfügung vom 31. Januar 2012 (
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle den Anspruch auf Leistungen
aus der Invalidenversicherung
mangels
eines
invalidisierende
n
Gesundheitsschaden
s
.
2.
Dagegen liess der Versicherte am
2.
März 2012 Beschwerde erheben (
Urk.
1). Er liess beantragen,
es sei ihm
mit Wirkung ab Dezember 2009 eine ganze Rente auszurichten. Weiter liess
er
ein Begehren um unentgeltliche
Prozessführung stellen. Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 9. Mai 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit Verfügung vom 23. Mai 2012 (
Urk.
9) wurde dem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung entsprochen und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Mit Schreiben vom 1. Juni 2012 liess der Versicherte seinen Verzicht auf eine Replik mitteilen (
Urk.
11).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2012 sind die im Rahmen der IV-Revision 6a vorgenommenen Änderungen des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (
IVG
)
und der Verordnung
über die Invalidenversicherung (
IVV
)
in Kraft getreten. In
materi
ellrechtlicher
Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grund
satz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die ange
fochtene Verfügung ist am 31. Januar 2012 (
Urk.
2) ergangen, wobei ein Sach
verhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmun
gen der IV-Revision 6a am 1. Januar 2012 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporal
rechtlichen
Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2011 auf die damals seit der
5. IV-Revision (ab dem 1. Januar 2008; AS 2007 5129 ff.) geltenden Bestimmun
gen und ab dem 1. Januar 2012 auf die neuen Normen der IV-Revision 6a ab
zustellen (vgl. zur 5. IV-Revision: Urteil des Bundesgerichts 8C_829/2008 23. Dezember 2008 E. 2.1). Im Folgenden werden die massgeblichen Gesetzesbe
stimmungen - soweit nichts anderes vermerkt ist - in der seit dem 1. Januar 2008 geltenden Fassung zitiert.
2
.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
2
.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2
.3
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009
E. 2).
2
.
4
Das Sozialv
ersicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3
.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
Die IV-Stelle begründete die Ablehnung des Leistungsbegehrens damit (
Urk.
2),
dass
gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr.
E._
vom
7.
September 2011 (
Urk.
8/28) kein
Gesundheitsschaden
vorliege, welcher eine
n
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung begründen würde.
Es
über
wiegten
psychosoziale
und damit
invaliditäts
fremde Gründe.
Dem lässt der Beschwerdeführer entgegenhalten (
Urk.
1), dass
die
sich in den Akten befindenden Arztberichte
dieser Einschätzung
diametral widersprächen. Das Gutachten erweise sich entgegen der Ansicht des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) nicht als umfassend
und die Diagnosestellung sei nicht nach
vollziehbar
. Gestützt auf die Berichte der
B._
und die Berichte von
Dr.
C._
und
lic
. phil
.
D._
sei von einer
schweren Depression und einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit au
s
zugehen und
sei
eine ganze Rente ausgewiesen.
4
.
4
.1
Im Bericht der
B._
vom 2
0.
Dezember
2
010 (
Urk.
8/23)
wurde
festgehalten, der Beschwerdeführer
leide
an einer rezidivierenden
depressiven
Störung, gegen
wärtig schwere depressive Episode, spätestens seit 2007 (ICD-10: F33.2) und
an
einer posttraumatischen Belastungsstörung seit spätesten
s 1970 (ICD-10: F43.1)
.
Der Versicherte präsentiere eine ausgeprägte
Anhedonie
,
Antriebsstörung und einen depressiven Affekt. Es fänden sich ein Morgentief, eine
Libidostörung
und Appetitstörung, Konzentrationsstörungen, Impulsdurchbrüche mit aggressivem Verhalten und Reizbarkeit, Intrusionen im Wachzustand, Vermeidungsverhalten und Affektlabilität. Diese Störungen führten zu einer ausgeprägten Einschrän
kung von kontinuierlichen Konzentrationsleistungen und auch die sozialen Interaktionen seien massiv beeinträchtigt (
Urk.
8/23 S. 3).
Insgesamt hätten die genannten Störungen schon seit Jahren zu permanenten Arbeitsausfällen und am Schluss zur Arbeitslosigkeit geführt.
Bezüglich der Ar
beitsfähigkeit
wurde dem
Beschwerdeführer
als ungelernter Drucker
aufgrund der schweren Depression und einer bestehenden posttraumatischen
Belastungs
störung
während der vergangenen
Jahre
eine
100%
ige
Arbeitsunfähigkeit attes
tiert
. Bei einer Remission der Symptomatik sei von einer Verbesserung der Ar
beitsfähigkeit auf voraussichtlich 50
%
auszugehen. Ob und wann eine solche erreicht werden könne, sei
zum
Zeitpunkt des Berichtes nicht ersichtlich, die Prognose für eine komplette Remission sei als nicht vielversprechend einzu
schätzen (
Urk.
8/23 S. 3).
Der von der
B._
zuhanden von
lic
. phil.
D._
erstellte Austrittsbericht vom 2
9.
Oktober 2010 (
Urk.
8/24 S. 7 ff.) stimmt im Wesentlichen mit dem
Bericht vom 2
0.
Dezember 2010
überein. Im Austrittsbericht w
urde
jedoch die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht
erwähnt
.
4
.2
Ab
September 2009 stand der Beschwerdeführer in Behandlung bei
Dr.
C._
in dessen Praxis eine delegierte psychotherapeutische Begleitung durch
lic
. phil
.
D._
durchgeführt wurde. I
n ihrem Bericht vom 2
4.
Januar 2011
stellten
diese Therapeuten die Diagnose
einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig schwere Episode, sicher seit dem Behandlungsbeginn am
9.
September 2009 (ICD-10: F33.2)
.
Sodann erwähnten sie einen
Suizidversuch
des Versicherten
am
6.
September 201
0.
Es bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr, dies
schon
seit Behandlungsbeginn am
9.
September 2009
(
Urk.
8/24 S. 3)
.
Sie beschrieben ebenfalls einen schweren Antriebsverlust des Versicherten mit stundenlangem Grübeln, schweren Schlafstörungen mit teilweise Tag- und Nachtumkehr, ein vermindertes Selbstwertgefühl, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven und eine latente und teilweise akute Suizidalität, häufige Kopfschmerzen und unkontrollierte Aggressionsdurchbrüche (
Urk.
8/24 S. 2). Sie behandelten
den
Versicherten mit Psychopharmaka und wöchentlicher Psy
chotherapie.
4
.3
Am
7.
Juli 2011 erstattete der von der IV-Stelle beauftragte
Dr.
E._
gestützt auf eine psychiatrische Untersuchung vom 2
9.
März 2011
sein Gutachten
(
Urk.
8/28). Er attestierte dem Beschwerdeführer keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei eine
Anpas
sungsstörung
mit längerer depressiver Reaktion bei psychosozialer Belastungs
situation (ICD-10: F43.21) zu attestieren.
Beim Beschwerdeführer sei eine langjährige, erhebliche und multifaktorielle, aber letztlich IV-fremde psychosoziale Belastungssituation dokumentiert. Zu familiären Problemen gesellten sich bald erhebliche berufliche Probleme, nach längerer Arbeitslosigkeit sei der Beschwerdeführer ausgesteuert worden. Die erste Ehe sei geschieden worden und in der zweiten komme es oft zu gewalttä
tigen Auseinandersetzungen.
Er
führte aus
, dass aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit auf
g
rund eines psychischen Gesundheitsschadens bestehe
und
auch
in der Vergangenh
eit
nicht bestanden habe.
5
.
5
.1
Die
Ausführungen zeigen,
dass
zwischen den
Berichte
n
von
Dr.
C._
und
lic
. phil.
D._
sowie
der
B._
einerseits und dem
Gutachten von
Dr.
E._
andererseits
trotz der relativen zeitlichen Nähe eine diametral entgegengesetzte Einschätzung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers und der Ar
beitsfähigkeit
besteht
. Während
die den Beschwerdeführer behandelnden
Fach
personen
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit und
im Wesentlichen von
ei
ner schweren Depression ausgingen, kam
Dr.
E._
zum Schluss, es bestehe auf
g
rund einer Anpassungsstörung keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit.
5
.2
5
.2.1
Die Darlegungen von
Dr.
E._
zum Gesundheitszustand überzeugen jedoch nicht. So hat er
nachvollziehbare Hinweise auf einen schweren psychischen Gesundheitsschaden
nicht gewürdigt
.
Gemäss den Berichten ist beim Beschwer
deführer eine depressive Stimmung gegeben und er hat die Freude und seinen Antrieb verloren (
Urk.
8/23 S. 2, 8/24 S. 8, 8/24 S. 2
).
Ausserdem zeigt er eine verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit,
ein
vermindertes Selbstwert
gefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühl und Gefühle von Wertlosigkeit, nega
tive und pessimistische Zukunftsperspektiven, Gedanken
an,
respektive tatsäch
lich
erfolgte Selbstverletzung und einen verminderten Appetit (
Urk.
8/23 S. 2, 8/24 S. 8, 8/24 S. 2).
In den Berichten werden genügend Symptome berichtet, damit nach ICD-10 eine mittelschwere bis streckenweise schwere depressive Episode erfüllt ist
(F32)
(
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Hrsg.),
Internationale
Klas
sifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), 7. Überarbeitete Auflage, Bern 2010, S. 149 ff.).
Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Beschwer
deführer ein Antidepressivum in einer hohen Dosis einnimmt (
Urk.
8/28 S. 8), finden sich damit durchaus Hinweise auf einen psychischen
Gesundheitsscha
den
mit Krankheitswert (
Urk.
8/36). In diesem Sinne muss den behandelnden Therapeuten, die sich im Schreiben vom 2
0.
September 2011 unter Hinweis auf das Vorliegen der einzelnen Elemente der depressiven Störungen nach den De
finitionen in der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen ICD-10 kritisch zum Gutachten von
Dr.
E._
geäussert haben, Recht gegeben werden (
Urk.
8/36). Für die Diagnose einer Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2), für wel
che ein belastendes Ereignis oder entscheidende Lebensveränderungen vorliegen müssen, erweist sich das Gutachten als zu oberflächlich und wenig abgestützt. So erforschte der Gutachter in ungenügender Weise die Vergangenheit des Ver
sicherten, trotz des Hinweises in den Akten, der Versicherte nehme schon seit Jahren Antidepressiva. Sodann erwähnt
Dr.
E._
in seinem Gutachten zwar selber „depressive Symptome“ (
Urk.
8/28 S. 10), die er als reaktiv zu einer IV-fremden psychosozialen Belastungssituation bezeichnet und diesen deshalb offenbar keine Bedeutung beimisst. Dies ist jedoch unrichtig. Denn wenn sich ein Gesundheitsschaden mit Krankheitswert und Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit eingestellt hat, ist es in der Invalidenversicherung nicht von Bedeutung, welches die Ursache dieses Leidens ist. Vielmehr geht es einzig darum, sorgfältig die Diagnose zu stellen und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festzule
gen. Wie erwähnt wurde im Gutachten von
Dr.
E._
die von ihm gestellte Diagnose nicht überzeugend ermittelt.
5
.2.2
Die Berufssituation des Versicherten ist in den Akten wenig dokumentiert.
In den medizinischen Akten wird
allerdings
darauf hingewiesen,
dass der Beschwerdeführer im zweiten Halbjahr 2009 in einer Velowerkstatt an einem geschützten Arbeitsplatz gearbeitet ha
t
t
e
(
Urk.
8/24 S. 2).
Dr.
E._
holte
über diesen Einsatz
keinerlei Informationen ein
. Fremdanamnestische Abklärungen
sind
zwar
nicht zwingend erforderlich (Urteil
des Bundesgerichts
8C_808/2012 vom 2
1.
Dezember 2012). Wenn sich
dadurch
jedoch ein wesentlicher
Erfah
rungsgewinn
versprechen lässt,
sind
diese notwendig.
In einem Fall wie dem vorliegenden, mit derart divergierenden Einschätzungen
hinsichtlich des Zu
standes des Versicherten in den letzten Jahren und dessen Au
ffälligkeiten am Arbeitsplatz
,
hätte ein diesbezüglicher Bericht
zur Klärung beitragen
können, zumal diese Stellen im Erteilen von Auskünften geübt sind.
5
.2.3
Weiter muss am
Gutachten von
Dr.
E._
kritisiert werden, dass er
die Konzent
ration und das Gedächtnis des Beschwerdeführers nur
kursorisch
prüfte (
Urk.
8/
28 S. 9
),
obwohl
sich sowohl im Bericht von
Dr.
C._
und
lic
. phil.
D._
sowie in den Berichten der
B._
klare Anhaltspunkte dafür finden, dass der Beschwerdeführer
in diesen Funktionen
eingeschränkt ist (
Urk.
8/
23
S. 2, 8/24 S. 2 und 8
).
Die
s
lässt den Eindruck einer nur oberflächlichen Explora
tion durch
Dr.
E._
entstehen
.
5
.3
Eine
psychiatrische Exploration
kann
von der Natur der Sache her nicht
ermes
sensfrei
erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden P
sychiat
er daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektie
re
n sind, so
fern der Experte lege
artis
vorgegangen ist. Daher kann es nicht angehen, eine me
dizinische
Administrativ
expertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte
nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hin
gegen, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vor
bringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt ge
blieben und die geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil
des Bundesgerichts
8C_809/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E. 4.1 mit Hinweis).
Nach obigen Ausführungen sind die Berichte durchaus geeignet,
um
zu einer abweichenden Beurteilung zu kommen.
Das
Gutachten von Dr.
E._
ist ins
gesamt
zu wenig schlüssig
und lässt keine verlässliche Beurteilung zu
, so dass sich
e
in
Entscheid
über den Rentenanspruch
nicht darauf zu stützen vermag
(BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
; 135 V 465 E. 4.4)
.
5
.
4
Was den Beweiswert der Berichte von
Dr.
C._
und
lic
. phil.
D._
und der
B._
betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass d
ie behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen
Verhältnis zur versicherten Person
stehen
und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren
haben
. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Ge
sundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss
BGE 125 V 351
E. 3a. Aus diesen Gründen kommt gemäss geltender Rechtsprechung im Streitfall eine direkte
Leistungszusprache
einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte kaum je in Frage (
BGE 135 V 465
E. 4.5). Es sind vorliegend keine Anhaltspunkte er
sichtlich, weshalb
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh
rers
ausnahmsweise a
uf die Berichte
der behandelnden Fachpersonen
abgestellt werden sollte
.
5
.
5
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid, weshalb eine Rückweisung zu weiteren psychiatrischen Abklärungen angezeigt ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.1),
zumal nach neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung kein An
spruch auf Einholung eines Gerichtsgutachtens besteht (vgl. BGE 138 V 271 E. 1.2.2 unter Hinweis auf
BGE 136 V 376
).
Nach dem Gesagten ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie im Sinne der Erwägungen den Sachverhalt
erneut
ab
kläre und her
nach über den Leistungsanspruch de
s
Beschwerdeführer
s
erneut verfüge.
6
.
Abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG ist das Bes
chwerdeverfahren um die Bewilli
gung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Gericht kostenpflichtig. Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Die Kosten sind auf Fr.
600
.-- anzusetzen und entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.