Decision ID: f1c6b82c-6a4a-400e-ac06-39318184f25b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1986,
absolvierte von 2007 bis 2011 ein Studium an der Fachhochschule
Z._
in Deutschland
und erwarb
2011
den
Bachelor of Science
im Bereich Ökolandbau und Vermarktung (
Urk.
7/2/1,
Urk.
7/2/3).
Am
1
9.
Dezember 2016
erlitt sie in einer Hütte bei
A._
einen Arbeitsunfall
(
Urk.
7/9
/16
Ziff.
2,
4-6
und 9)
.
Am
1
6.
März 2017 meldete
sie sich
bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische Berichte (
Urk.
7/23,
Urk.
7/42)
und
Auszüge
aus dem individuellen Konto (
Urk.
7/14,
Urk.
7/46)
ein und zog Akten der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis
zum Ereignis vom 1
9.
Dezember 2016
(
Urk.
7/18)
sowie
des Unfallversi
cherers (
Urk.
7/9,
Urk.
7/25
,
Urk.
7/32
,
Urk.
7/49
) zum Verfahren bei.
1.2
A
m 2
7.
Juni
2018
erteilte die IV-Stelle
Kostengutspra
c
he für eine Potentialabklä
rung und
gewährte Arb
eitsvermittlung (
Urk.
7/53-54). In der Folge veranlasste sie
eine BEFAS-Abklärung
der Versicherten
(
Urk.
7/79,
Urk.
7/81,
Urk.
7/84). Am
9.
April 2019 erliess die IV-Stelle den Vorbescheid bet
reffend Umschulung (
Urk.
7/82), wogegen die Versicherte
Einwä
nde (
Urk.
7/86,
Urk.
7/91) vorbrachte.
Mit Verfügung vom 2
4.
Juli 2019 (
Urk.
7/96 =
Urk.
2) lehnte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für eine Umschulung ab.
2.
Die Versicherte
erhob am 1
2.
September 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
4.
Juli 2019
(
Urk.
2)
und beantragte, diese sei auf
zuheben. Weiter sei
fest
zustellen, dass Einschränkungen von mindestens 20
%
vorliegen würden und es sei
en
ihr
berufliche Massnahmen zuzusprechen.
Die
Sache
sei des Weiteren
zur Planung der Eingliederung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1-3).
Verfahrensrechtlich beantragte die Versicherte die Gewährung der unentgelt
lichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
5).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
Oktober 2019 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Die Versicherte reichte am gleichen Tag (
Urk.
8) das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit (
Urk.
9) mit Belegen (
Urk.
10/1-4) ein.
Die Beschwerdeantwort wurde der Beschwerdeführerin am
8.
November 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide ode
r von einer Invalidität (Art. 8
ATSG) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (lit. a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit. d).
1.3
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vor
gängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.4
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der «annähernden Gleichwertigkeit» nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blos
sen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinwei
sen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtsprechung ist in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versicherten Person zu
mutbaren
Tätigkeit abzustellen. Zwar geht es nicht an, den Anspruch auf Um
schulungsmassnahmen – gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme – aus
schliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkom
mensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerblichen Mög
lichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzuneh
menden Prognose (BGE 110 V 99 E. 2) unter Berücksichtigung der gesamten Um
stände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbil
dungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (BGE 124 V 108
E. 3b; AHI 1997 S. 86 E. 2b; Urteile des Bundesgerichts I 826/05 vom 28. Februar 2006 E. 4.1 in fine und I 783/03 vom 18. August 2004 E. 5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungs
recht, Diss. Bern 1985, S. 186).
Massnahmen im Sinne von
Art.
17 IVG setzen subjektive und objektive Einglie
derungsfähigkeit voraus (AHI 1997 S. 82 E. 2b/aa; ZAK 1991 S. 179 unten f.
E. 3). Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der sozialberuflichen Rehabilita
tion (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeitsmotivation, Sta
bilisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen Grundelemente) mit dem pri
mären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder wieder herzustellen (ZAK 1992 S. 367
E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 527/00 vom 30. April 2001).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin lehnte eine Umschulung mit der Begründung ab, dass die Voraussetzung einer Erwerbseinbusse von mindestens 20
%
nicht erfüllt sei. Sie stellte fest, gemäss IK-Auszug habe die Beschwerdeführerin in den letzten fünf Jahre ein durchschnittliches Jahreseinkommen von weniger als
Fr.
20'000.
-- erzielt.
In einer
Hilfsarbeitertätigkeit
könn
e sie
ein
anhand von Tabellenlöhnen
ermitteltes Einko
mmen von
Fr.
54'450.-- erzielen
.
Da
das zumutbare Einkommen über dem
effektiven Einkommen der Beschwerdefü
hrerin liege, entstehe
ihr
kein
Minderverdienst und es bestehe kein Anspruch auf eine Umschulung (
Urk.
2 S. 1 f.).
Die
Beschwerdeführerin habe im Jahr 2011 in Deutschland den Bachelor of Sci
ence in Ökolandbau und Vermarktung abgeschlossen. Im Juni 2012 habe sie die erste Arbeitsstelle in der Schweiz im Service angenommen. Seither habe sie bis zu ihrem Unfall immer in der
Gastronomie gearbeitet. Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die Stellensuche beziehungsweise die Etablierung im Beruf fünf Jahre in Anspruch nehme
(
Urk.
2 S. 2 Mitte).
Die Beschwerdegegnerin ermittelte
sodann
ausgehend von
den
Jahren 2012-2016 ein durchschnittliches Einkommen von
Fr.
14'352.-- und anhand der letzten drei Jahre
(2014-2016)
ein
Einkommen
von
Fr.
18'173.-- (S. 3 oben).
Das so ermittelte
Valideneinkommen
von unter
Fr.
20'000.--
stellte sie in einer zweiten Berech
nung einem
Invalideneinkommen von
Fr.
32'670.--
gegenüber
und verneinte
wiederum
einen Anspruch auf Umschulung
(S. 3 Mitte).
2.2
Die
Beschwerdeführerin brachte vor, sie sei 2012 nach dem Studium für ein Prak
tikum im Bereich Gartenbau in die Schweiz gekommen. Dies habe ihr Interesse am Anbau und der Verwertung biologischer Produkte bestärkt. Sie
habe das Ziel verfolgt,
Landwirtschaft, ökologischen Anbau und Gastronomie als
Bereiche aus ihrem Studium zu verbinden und sich schrittweise in einer zu ihrem Bachelorab
schluss passenden Stelle zu etablieren und ihre Chancen auf eine Stelle durch
eine
breite Praxiserfahrung zu erhöhen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1).
Dass
die Beschwerdegegnerin davon
ausgehe
,
dass
die Beschwerdeführerin
mit einem Bachelor-Abschluss ihre weitere berufliche Laufbahn als ungelernte Hilfs
kraft in der Gastronomie geplant
hätte
, wirke fraglich
(S. 2
Mitte
). Sie habe nie ihr Leben als Serviceangestellte einrichten wollen, sondern habe mit klarer Per
spektive eine Anstellung im Bereich des absolv
ierten Studiums angestrebt
(S. 3 Mitte).
2.3
Streitig ist,
ob
ein Anspruch auf Umschulungsmassnahmen besteht
. Zu prüfen ist insbesondere,
ob die Voraussetzung einer Erwerbseinbusse von 20
%
erfüllt ist.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin
zog sich
beim Unfall vom 1
9.
Dezember 2016 ein Poly
trauma
der rechten Hand
und weitere Verletzungen zu
(
Urk.
7/9/1).
3.2
Vom 1
5.
Januar bis
9.
Februar 2018 erfolgte ein Aufenthalt in der
B._
(
Urk.
7/42/2). Die Ärzte der
B._
stellten im Austrittsbe
richt vom
1
2.
Februar 2018 (
Urk.
7/42/2-11
) folgende Diagnosen (S. 1 f.):
•
Unfall vom 1
9.
Dezember 2016: Explosion eines Gegenstandes in der rech
ten Hand
•
Amputation des
1.
bis
4.
Strahls der rechten Hand mit multiplen Fraktu
ren des
5.
Strahls und des
1.
Mittelhandknochens, Substanzverlust am rechten Handrücken
•
untere Extremität rechts: Fraktur des Aussenknöchels, des Sprungbeins, des ersten und zweiten Keilbeines Gustilo III a (im Bereich der Fussarte
rie) sowie der Basis des
5.
Mittelfussknochens Gustilo II
•
linke untere Extremität: Fraktur des Fersenbeins Gustilo I
•
anamnestisch Schmerzen der Halswirbelsäule (HWS)
•
psychiatrische Diagnosen: psychosomatisches
Konsilium,
B._
:
Anpassungsstörung mit Angst und maskiert agitiert-depressiver Symptomatik (ICD-10 F43.22)
, Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeits
züge (emotional-instabil, ICD-10 Z73.1)
Zur Anamnese wurde ausgeführt
, die rechte Hand
der Beschwerdeführerin
sei funktionell
sehr
eingeschränkt. Es sei nur noch der kleine Finger vorhanden,
der
laut
der Patientin
bis 8 kg belastet werden dürfe. Im Alltag verwende sie den Finger bei
kleineren Tätigkeiten (S. 8 oben). Die
Beschwerdeführerin habe vor 13 Monaten durch eine Explosion eines Gegenstandes in der rechten Hand eine schwere
und verstümmelnde Verletzung der
rechten Hand erlitten.
Weiter sei es
zu
Frakturen an den beiden unteren Extremitäten und zu multiplen Fremdkör
pereinsprengungen ins Gewebe gekommen.
Die Verletzungen seien im Verlauf mehrfach operativ versorgt worden und es seien Amputationen des
1.
bis
4.
Strahles der rechten Hand notwendig gewesen
. Der aus der Amputation resul
tierende reduzierte Funktionsumfang der rechten Hand sowie die ästhetische Be
einträchtigung stünden aktuell im Vordergrund
(S. 4 oben).
Die Ärzte der
B._
gaben zur Arbeitsfähigkeit an, die berufliche Tätigkeit als Servicekraft in einer Skihütte sei nicht
mehr
zumutbar. Die Anfor
derungen seien zu hoch, da bei der Tätigkeit beide Hände feinmotorisch eingesetzt werden müssten. Insofern bestehe ab dem 1
0.
Februar 2018 eine Arbeitsunfähig
keit von 100
%
. Eine leichte Arbeit sei in körperlicher Hinsicht zumutbar. Bei einem Status nach traumatischer Amputation des Daumens und von drei Lang
fingern könne der verbliebene Finger nur für leichte Haltefunktionen und die Bedienung von
leichtgängigen Schaltern eingesetzt werden. Alle anderen Aufga
ben müssten mit der linken Hand bewältigt werden. Eine festgestellt
e
psychische Störung begründe keine arbeitsrelevante Leistungsminderung. Die primäre Ver
sorgung der Patientin mit einer ästhetischen Prothese würde die Wiedereinglie
derung aus psychologischer Sicht erleichtern (S. 3 oben).
3.3
Vom 2
6.
November bis 2
1.
Dezember 2018
fand eine
berufliche Abklärung
in der Abklärungsstelle
C._
statt
(
Urk.
7/81
S. 1). Die Verantwortlichen der Ab
klärungsstelle gaben im Bericht vom
8.
April 2019
(
Urk.
7/81)
an,
nach der Ab
klärung seien
aus der Sicht der Berufsberatung
folgende Tätigkeitsfelder geeignet: Callcenter Beratung, Verk
auf oder Umfrage, Sachbearbeitung, Gästebetreu
ung/Rezeption/Empfang oder Buchhandlung/Verkauf. Aufgrund der Vorkennt
nisse und der Abklärungsresultate sei auch eine Handelsschule gut geeignet, um beruflich weiterzufahren (
Urk.
7/81 S. 10
Ziff.
3.3).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, gab in einer Stellungnahme
vom
1
6.
Juli 2019 (
Urk.
7/93) an,
d
ie bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Serviceange
stellte s
e
i ihr nicht mehr zumutbar. Für diese Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfä
higkeit von 100
%
. In einer körperlich leichten, einhändigen Tätigkeit, ohne He
ben und Tragen von Lasten,
ohne Ersteigen von Leitern
, bestehe eine Arbeitsfä
higkeit von 50-70
%
. Bei einem günstigen Verlauf lasse sich die Arbeitsfähigkeit allenfalls steigern.
4.
4.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog.
allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
4.2
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Valideneinkommen auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen
sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2;
128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
4.3
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch rea
lisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstä
tigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Ar
beitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tat
sächlich erzielte Verdienst als Invalide
nlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3;
135 V 297 E.
5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/aa).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin berechnete das Valideneinkommen anhand des
von der Beschwerdeführerin
in den letzten Jahren
vor dem Unfall
erzielten Einkommen
s
. Dabei handelte es sich um
kurzfristige Anstellungen in der Gastronomie
(
Urk.
7/46)
. Gemäss IK-Auszug
vom 1
6.
März 2018
(
Urk.
7/46)
erzielte die Be
schwerdeführerin
beispielsweise
im Jahr
2014 ein
Ein
kommen von
Fr.
13'287.-- (
Fr.
12'554.-- +
Fr.
733.--), 2015 von
Fr.
25'262.-- (
Fr.
16'527.-- +
Fr.
8'735.--) und
2016 von
Fr.
15'970.--
(
Fr.
3'870.-- +
Fr.
8'957.-- +
Fr.
3'143.--)
.
Weiter ist zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin in den betreffenden Jahren nicht durchgängig erwerbstätig war.
Entgegen der Beschwerdegegnerin lässt sich nicht sagen, dass sich die Beschwerdeführerin längerfristig
und
vor allem
trotz eines
Hochschulabschlusses
mit eine
m
tiefen
durchschnittlichen Jahrese
inkommen von unt
er
Fr.
20'000.-- begnügt hätte. Zumal
ein
Einkommen in dieser Grössenord
nung kaum für die Bestreitung des
Existenzminimums
genügt
.
Das Validenein
kommen ist daher aufgrund einer
Hilfsarbeitertätigkeit
zu bestimmen
. Ob die Be
schwerdeführerin
mit einer qualifizierten Tätigkeit ein höheres Einkommen als mit einer Hilfsarbeitertätigkeit
erzielt hätte
,
lässt sich dagegen nicht
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit
nachweisen.
5.2
Ausgehend
von den
Tabellenlöhnen 2016 (T1 tirage_skill_level) hätte die Be
schwerdeführerin
im privaten Sektor
in einer einfachen Tätigkeit körperlicher
o
der handwerklicher Art (Kompetenzniveau eins) ein durchschnittliches Einkom
men von
Fr.
4'
363
.-- pro Monat erzielen können.
Unter
Berücksichtigung
der Nominallohnentwicklung und
einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit
von 41.7 Stunden
ergibt sich für das Jahr 2018
ein
Einkommen von
rund
Fr.
55'
104
.--
(
Fr.
4'
363
.-- x 12 : 40 x 41.7 : 104.4 x 105.4)
.
Nach der Beurteilung durch RAD-Arzt
Dr.
D._
ist der Beschwerdeführerin
durch die
inf
olge des Unfalles resultierende
Behinderung eine körperliche leichte, einhändige Tätigkeit zumutbar, wobei er für eine solche Tätigkeit eine Arbeitsfä
higkeit von 50-70
%
attestierte (vorstehend E. 3.4).
Dabei kann grundsätzlich der gleiche Tabellenlohn
2016
T1 tirage_skill_level
verwendet werden. Aufgrund der eingeschränkten
zumutbaren
Arbeitsfähigkeit
von 50-70
%
resultiert
eine Ein
schränkung von mindestens 30
%
. Bei einer Erwerbseinbusse von mindestens 30
%
besteht
daher
grundsätzlich ein Anspruch auf Umschulungsmassnahmen.
Im Bericht der Fachleute des Abklärungsstelle
C._
vom
8.
April 2019
wur
den
mögliche Tätigkeiten wie Gästebetreuung oder Sachbearbeitung
erwähnt (vorstehend E. 3.3)
.
Der Beschwerdeführerin steht damit grundsätzlich ein An
spruc
h auf Umschulung zu, sofern auch die weiteren gesetzlichen Voraussetzun
gen (vgl. E. 1.2 und 1.4) erfüllt sind.
Die Sache ist daher zur Prüfung der weiteren Voraussetzungen an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensauf
wand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs.1
bis
IVG). Vorlie
gend sind die
Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen und der unterliegenden Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
Bei dieser Ausgangslage erweist sich das Gesuch um Gewährung der unentgeltli
chen Prozessführung (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
5) als gegenstandslos.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Die vertretene Beschwerdeführerin ist vorliegend mit
Fr.
1'400.--
(inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.