Decision ID: d1e62181-6e81-4305-ac08-df3a5f6b149e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln etc. und 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 5. November 2019 (DG180026)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 24. September
2018 (Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 4 lit. d SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG,
Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV und Art. 52 Abs. 2 SVG;
- der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b in Verbin-
dung mit Abs. 5 VRV und Art. 52 Abs. 2 SVG;
- der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG, Art. 55 Abs. 1 SVG;
- der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG;
- des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG, Art. 4 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 23 Abs. 2 und 3 VRV;
- des Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG.
2. Der Beschuldigte wird als Zusatzstrafe zum Urteil des Kantonsgerichts
St. Gallen vom 10. September 2018 bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe
(wovon 1 Tag durch Haft erstanden ist) sowie mit einer Busse von Fr. 800.–.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
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5. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 12. Dezem-
ber 2012 gewährte bedingte Vollzug der Freiheitsstrafe von 6 Monaten wird
nicht widerrufen.
6. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden die sichergestellten
Betäubungsmittel, 1 Minigrip Haschisch (A010'990'826; act. 10/7 und
act. 10/10), lagernd unter der Betäubungsmittelnummer B04682-2017 bei
der Kantonspolizei Zürich, Asservate Triage, eingezogen und vernichtet.
7. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides wird das sichergestellte
Mobiltelefon, 1 iPhone 6 (A010'941'772, act. 10/10), lagernd bei der Kan-
tonspolizei Zürich, Asservate Triage, dem Beschuldigten auf erstes Verlan-
gen herausgegeben.
Dem Beschuldigten wird eine Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft
dieses Entscheids angesetzt, um den herauszugebenden Gegenstand
selbst (oder durch eine bevollmächtigte Person) unter Vorlage eines amtli-
chen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der zuständigen La-
gerbehörde abzuholen.
Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt,
werden sie von der zuständigen Lagerbehörde vernichtet. Die Lagerbehörde
wird angewiesen, den Vollzug gegenüber dem Gericht schriftlich zu bestäti-
gen.
8. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides wird die unter der Refe-
renz-Nr. 0821-2017 gelagerte Datensicherung betreffend das Mobiltelefon
bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate Triage, vernichtet.
9. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides wird die unter der Refe-
renznummer K180305-025 archivierte Geschwindigkeitsauswertung in den
Videoaufzeichnungen, archiviert beim Forensischen Institut Zürich, vernich-
tet.
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10. Die amtliche Verteidigung wird für ihre Bemühungen und Auslagen mit
Fr. 6'762.70 (inkl. Fr. 483.50 MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
11. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'300.– Kosten Kantonspolizei Fr. 5'600.– Gebühr Strafuntersuchung Fr. 5'970.– Gutachten/Expertisen etc. Fr. 50.– Datensicherung auf externen Datenträger Fr. 4'178.15 amtliche Verteidigung, RA lic. iur. X2._
Fr. 6'762.70 amtliche Verteidigung, RA lic. iur. X1._
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausser die-
jenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 91 S. 2)
1. Es sei Vormerk zu nehmen, dass die vorinstanzlichen Schuldsprüche
gemäss Dispositiv-Ziffer 1. betreffend
− der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der  im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 55 SVG,
− der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG,
− des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG sowie Art. 23 Abs. 2 und 3 VRV sowie
− der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG
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in Rechtskraft erwachsen sind.
2. Weiter sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Dispositiv-Ziffern 5. -
11. sowie 13. und 14. in Rechtskraft erwachsen sind.
3. Von den Vorwürfen der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsre-
geln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1
lit. a VRV sowie Art. 32 Abs. 2, Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV und Art. 52
Abs. 2 SVG sowie
der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV sowie
Art. 32 Abs. 1 lit. b VRV und Art. 52 Abs. 2 SVG
sei Herr A._ freizusprechen.
4. Er sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von einem Monat als Zu-
satzstrafe zu der mit Urteil des Kantonsgerichtes St. Gallen vom
10. September 2018 ausgesprochen Freiheitsstrafe von 24 Monaten,
dies unter Anrechnung von einem Tag erstandener Polizeihaft sowie
einer Busse von Fr. 500.00.
5. Der Vollzug der Zusatzstrafe sei, unter Ansetzung einer Probezeit von
vier Jahren, bedingt aufzuschieben.
6. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsver-
fahrens seien zur Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen, zur Hälfte
auf die Staatskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
im erstinstanzlichen Verfahren seien zur Hälfte definitiv und zu anderen
Hälfte unter Rückforderungsvorbehalt einstweilen auf die Staatskasse
zu nehmen. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen
der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu
nehmen.
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b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis:
(Urk. 90, schriftlich)
1. Der Beschuldigte sei im Sinne des vorinstanzlichen Urteiles schuldig zu
sprechen.
2. Der Beschuldigte sei als Zusatzstrafe zum Urteil des Kantonsgerichts
St. Gallen vom 10. September 2018 mit einer Freiheitsstrafe von 30
Monaten sowie einer Busse von Fr. 1'500.– zu bestrafen.
_

Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 5. November 2019 wurde der Beschul-
digte der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln in zwei Fällen, der
Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, der einfachen
Verletzung der Verkehrsregeln, des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall und des
Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen und bestraft
mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten als Zusatzstrafe zum Urteil
des Kantonsgerichts St. Gallen vom 10. September 2018 sowie mit einer Busse
von Fr. 800.–. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
12. Dezember 2012 gewährte bedingte Vollzug der Freiheitstrafe von 6 Monaten
wurde nicht widerrufen. Ferner wurde die Vernichtung der sichergestellten Betäu-
bungsmittel angeordnet und über die Verwendung des sichergestellten Mobiltele-
fons, der Datensicherung und der Geschwindigkeitsauswertung in den Videoauf-
zeichnungen befunden (Urk. 69).
Der Beschuldigte hat gegen das Urteil fristgerecht mit Eingabe vom 15. November
2019 Berufung angemeldet (Urk. 59) und mit Eingabe vom 24. Februar 2020 die
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Berufungserklärung eingereicht (Urk. 70). Er ficht die Schuldsprüche betreffend
qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung, die Strafhöhe und die Kostenauflage
an (Urk. 70). Die Staatsanwaltschaft hat innert Frist mit Eingabe vom 9. März
2020 Anschlussberufung erhoben, welche sich auf die Bemessung der Strafe be-
schränkt (Urk 74). Sie beantragt, der Beschuldigte sei als Zusatzstrafe zum Urteil
des Kantonsgerichts St. Gallen vom 10. September 2018 mit einer Freiheitsstrafe
von 30 Monaten sowie einer Busse von Fr. 1'500.– zu bestrafen (Urk. 78).
Es ist somit vorweg festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich Dis-
positiv-Ziffern 1 Spiegelstriche 3 bis 6 (Schuldsprüche betreffend Vereitelung von
Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, Verletzung der Verkehrsre-
geln, pflichtwidriges Verhalten bei Unfall und Vergehen gegen das Betäubungs-
mittelgesetz), 5 (Verzicht auf Widerruf), 6 bis 9 (Einziehung, Vernichtung und
Herausgabe von Drogen und Gegenständen), 10 (Honorar amtliche Verteidigung)
und 11 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Bezüglich des Gegenstand des Berufungsverfahrens bildenden Sachverhalts wird
dem Beschuldigten in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis
vom 24. September 2018 kurz zusammengefasst vorgeworfen, er habe am
31. Mai 2015 auf der Autobahn A3 auf dem Gemeindegebiet B._ Richtung
Zürich als Lenker des PW Mercedes SLS AMG, Kontrollschild ZH 1 mit C._
als Lenker des PW BMW 335i Coupé, Kontrollschild ZH 2 ein Rennen gefahren.
Dabei habe der Beschuldigte sein Fahrzeug auf 222 km/h beschleunigt und die
zulässige Höchstgeschwindigkeit um 102 km/h überschritten. Sowohl der Be-
schuldigte als auch C._ hätten bei diesem Rennen einen auf der Normalspur
korrekt fahrenden PW überholt.
Am gleichen Tag direkt nach dem Rennen auf der Autobahn hätten der Beschul-
digte und C._ in D._ auf der Verzweigung E._ bis zum Abbau der
Busspur erneut ein Rennen gefahren. Der Beschuldigte sei auf der Busspur ge-
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fahren, C._ auf der Fahrbahn. Beide hätten ihre Fahrzeuge auf eine Ge-
schwindigkeit von ca. 115 km/h beschleunigt, und die signalisierte Höchstge-
schwindigkeit von 60 km/h um 55 km/h überschritten.
Der Beschuldigte hat in der Untersuchung, vor Vorinstanz und anlässlich der Be-
rufungsverhandlung bestritten, bei den angeklagten Vorfällen der Lenker des PW
Mercedes mit dem Kontrollschild ZH 1 gewesen zu sein. Es ist daher zu prüfen,
ob sich der Sachverhalt in diesem Punkt erstellen lässt.
2. Sachverhaltserstellung
2.1. Übersicht der Beweismittel
2.1.1. Videoaufzeichnung, Geschwindigkeitsgutachten und Mietvertrag
Am 15. August 2017 wurde C._ aufgrund eines Raserdelikts an seinem
Wohnort verhaftet. Bei der Hausdurchsuchung wurden zwei Mobiltelefone sicher-
gestellt, in deren Speicher sich Aufzeichnungen diverser SVG-Vergehen und Ver-
brechen befanden, darunter auch die anklagegegenständlichen (Urk. 3 S. 2 f.).
Die entsprechenden Aufzeichnungen dienen als Beweismittel für die Sachver-
haltserstellung im vorliegenden Fall (Urk. 9/1).
Das Forensische Institut Zürich hat am 22. März 2018 ein Gutachten betreffend
die Geschwindigkeitsauswertung in den Videoaufzeichnungen erstattet (Urk. 9/4).
In den Akten befindet sich ein Mietvertrag zwischen dem Beschuldigten als Mieter
und der Firma F._ AG als Vermieterin betreffend das Fahrzeug Mercedes
SLS mit dem Kennzeichen ZH 1 für die Zeit vom 29.5.2015 bis 31.05.2015
(Urk. 5).
2.1.2. Aussagen
Als weitere Beweismittel dienen die Aussagen des Beschuldigten und die Zeu-
genaussagen von C._ und G._ sowie deren Aussagen in den gegen sie
als Beschuldigte geführten Verfahren. Dabei ist vorweg festzuhalten, dass die
Aussagen von C._ und G._ als Beschuldigte, welche ohne Wahrung der
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Beteiligungsrechte des Beschuldigten erfolgten, nur soweit verwertbar sind, als
sie in der Zeugeneinvernahme bestätigt wurden oder den Beschuldigten nicht be-
lasten (Art. 147 StPO).
2.2. Beweismittel im Einzelnen
2.2.1. Video
Wie bereits erwähnt, bestehen betreffend die angeklagten Fahrten vom 31. Mai
2015 Videoaufzeichnungen, welche von G._ aus dem von C._ gelenk-
ten Fahrzeug BMW aufgenommen wurden (Urk. 9/1 und 9/2). Der Fahrer des
Fahrzeugs der Marke Mercedes ist darauf jedoch nicht erkennbar. Da die am
Rennen Beteiligten vor und während der beiden Fahrten über Handy miteinander
kommunizierten, ist neben den Stimmen von C._ und G._ auch diejeni-
ge des Lenkers des Mercedes zu hören. Ein Stimmgutachten wurde nicht erstellt.
Wie sich aus nachfolgenden Erwägungen ergibt, bedarf es aufgrund der beste-
henden Beweislage keiner Einholung eines solchen Gutachtens.
2.2.2. Geschwindigkeitsgutachten
Das Forensische Institut Zürich hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft betreffend
die beiden Fahrten vom 31. Mai 2015 auf der Autobahn A3 in B._ Fahrtrich-
tung Zürich und auf der H._-strasse Fahrtrichtung Zürich, eine Geschwindig-
keits-Auswertung der Videoaufzeichnungen vorgenommen und am 22. März 2018
ein Geschwindigkeitsgutachten erstattet (Urk. 9/4). Das Gutachten ist nachvoll-
ziehbar und kommt zum Schluss, betreffend den Mercedes sei bei der ersten
Fahrt auf der Autobahn eine durchschnittliche Geschwindigkeit von mindestens
222 km/h nachweisbar (Urk. 9/4 S. 8).
Betreffend die zweite Fahrt hält das Gutachten fest, es könne nur die Geschwin-
digkeit des BMW direkt eruiert werden. Dieser sei mit einer durchschnittlichen
Geschwindigkeit von mindestens 115 km/h gefahren. Weil der Mercedes auf den
Auswertstrecken nicht oder nur kurz und kaum verwertbar im Rückspiegel des
BMW sichtbar sei, müsse der Zusammenhang zwischen den Geschwindigkeiten
des BMW und des Mercedes im Rahmen der rechtlichen Bearbeitung des Falles
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unter Einbezug der Stimmen in der Videoaufnahme abschliessend hergestellt
werden (Urk. 9/4 S. 8). Die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass
auf dem Video erkennbar ist, dass der BMW und der Mercedes bei dieser Fahrt
eine kurze Zeit nebeneinander hergefahren sind, was auch anhand der Stimme
erkennbar sei, welche sage "mir sind anenand gsi" (Urk. 69 S. 20). Der Argumen-
tation der Vorinstanz, wonach aufgrund dieser Umstände davon ausgegangen
werden könne, dass der Mercedes eine ähnliche Geschwindigkeit erreicht habe
wie der BMW, kann ohne weiteres gefolgt werden (Urk. 69 S. 20).
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die vom Mercedes gemäss An-
klage gefahrene Geschwindigkeit auf der Autobahn B._ von 222 km/h auf-
grund des schlüssigen Gutachtens erstellt ist. Die vom Lenker des Mercedes auf
der H._-strasse in B._ gefahrene Geschwindigkeit von 115 km/h lässt
sich dadurch erstellen, dass der BMW gemäss Gutachten diese Geschwindigkeit
fuhr, der Mercedes aufgrund der Videoaufnahmen eine kurze Zeit neben dem
BMW herfuhr und durch einen Insassen des BMW kommentiert wird, dass sie an-
einander gewesen seien.
2.2.3. Mietvertrag
Unbestritten und durch den entsprechenden Vertrag belegt ist, dass der Beschul-
digte das Fahrzeug der Marke Mercedes, welches an den beiden Fahrten beteiligt
war, vom 29. Mai bis 31. Mai 2015 für Fr. 1'599.– gemietet hatte. Gemäss Miet-
vertrag durfte das gemietete Fahrzeug ausschliesslich vom Mieter gefahren wer-
den. Der Selbstbehalt im Schadenfall betrug Fr. 2'000.–, bzw. bei Totalschaden
Fr. 5'000.– (Urk. 5).
2.2.4. Aussagen Beschuldigter
In der polizeilichen Einvernahme vom 24. November 2017 erklärte der Beschul-
digte, er habe den PW Mercedes SLS AMG mit dem Kennzeichen ZH 1 gemietet,
sei aber nicht der einzige Fahrer gewesen. Da er ein grosszügiger Mensch sei,
habe er den Kollegen erlaubt, eine Runde zu drehen, obwohl im Mietvertrag ste-
he, dass er alleiniger Lenker des Fahrzeugs sei (Urk. 7/2 S. 2). Neben ihm hätten
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drei oder vier weitere Leute das Fahrzeug gefahren (Urk. 7/2 S. 3). Er habe den
Mercedes gemietet, weil es ein schönes Fahrzeug sei (Urk. 7/2 S. 3). Auf Vorhalt
der Videos betreffend die angeklagten Vorfälle erklärte er, er sei nicht der Lenker
gewesen und wisse nicht, wer bei diesen Rennen dabei gewesen sei. Er müsse
abklären, wem er den Mercedes ausgeliehen habe, es würden mehrere Personen
in Frage kommen (Urk. 7/2 S. 5).
In der Hafteinvernahme vom 24. November 2017 sagte der Beschuldigte auf Vor-
spielen der Videos betreffend die beiden Fälle erneut aus, er habe den PW nicht
gelenkt. Er habe das Auto mehreren Leuten ausgeliehen (Urk. 7/3 S. 2). Er könne
sich nicht mehr erinnern, wer als Lenker in Frage komme, das sei lange her. Er
wisse nicht mehr genau, wie viele Personen den Mercedes ausgeliehen hätten.
Da er niemanden falsch beschuldigen wolle, könne er keine Liste zusammenstel-
len mit Kollegen, die als Lenker in Frage kommen (Urk. 7/3 S. 3). Am Ende der
Befragung erklärte der Beschuldigte dann, er sei bei den fraglichen Fahrten der
Lenker gewesen. Er habe dies nicht vorher zugegeben, da es für ihn eine sehr
schwierige Situation gewesen sei (Urk. 7/3 S. 8). Sie seien einfach herumgefah-
ren ohne Plan, es sei spontan entstanden, dass er sich auf der Busspur neben
den BMW eingereiht habe. Er räumte ein, auf der Autobahn sehr schnell gefahren
zu sein. Weil er einen SLS gehabt habe, sei er so schnell gefahren (Urk. 7/3 S. 8).
Es sei wirklich nicht geplant gewesen, er habe einfach an diesem Tag dieses Auto
gehabt, sonst fahre er nicht solche Autos. Es sei einfach ein "Scheissmoment"
gewesen (Urk. 7/3 S. 9).
Der Beschuldigte verweigerte in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme
vom 6. September 2018 die Aussage (Urk. 7/4).
In der Befragung vor Vorinstanz am 5. November 2019 bestritt er, der Fahrer ge-
wesen zu sein und machte geltend, er sei bei dem Rennen nicht dabei gewesen.
Er habe das von ihm gemietete Fahrzeug verschiedenen Personen gegeben,
welche er nicht aufzählen könne, weil er einerseits nicht mehr wisse, welchen
Personen er das Auto gegeben habe, andererseits nicht wolle, dass andere Per-
sonen Probleme bekommen und niemanden falsch belasten wolle (Prot. I S. 10
f.). Als diese Fahrt stattgefunden habe, sei er in I._ gewesen. Er bestätigte,
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dass sich nach dieser Fahrt verschiedene Personen in I._ in der Nähe der
Tramendhaltestelle getroffen hätten. Er sei dabei gewesen und wisse nicht, wie er
dorthin gekommen sei (Prot. I S. 11 f.). Er wisse nicht mehr, wie viele Personen
dort gewesen seien und wer alles dabei gewesen sei. Genauere Zeitangaben
konnte er keine machen, erklärte jedoch, es sei am späteren Abend und bereits
dunkel gewesen. Ein paar Leute hätten das Auto gefahren und eine kleinere Run-
de oder eine grössere Runde gedreht (Prot. I S. 12). Auf die Frage, weshalb er
sein Geständnis widerrufe, erklärte er, er sei zuvor drei Wochen unschuldig in
Haft gewesen und habe unbedingt aus der Haft entlassen werden wollen. Seine
Mutter wohne alleine und leide an Depressionen. Er sei das einzige Kind. Sie hät-
te es nicht verkraftet, wenn er wieder länger in Untersuchungshaft gewesen wäre.
Der Staatsanwalt habe ihm gesagt, dass er frei komme, wenn er den Fahrer nen-
ne, sonst müsse er länger in Haft bleiben. Zusätzlich habe er in jener Zeit seine
Firma aufgebaut. Ausserdem habe auch sein Vater grosse gesundheitliche Prob-
leme und sei auf ihn angewiesen. An jenem Tag sei seine schwangere Freundin
in Zürich gelandet. Es habe so viele Gründe gegeben, die Schuld auf sich zu
nehmen. Er habe auch keine andere Person belasten wollen (Prot. I S. 15).
Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung bekräftigte der Beschuldigte den
Widerruf des Geständnisses und die vor Vorinstanz gemachten Aussagen (Prot. II
S. 14 ff.).
2.2.5. Aussagen G._ und C._
a) G._
In der polizeilichen Einvernahme vom 23. November 2017 sagte G._ auf
Vorhalt der Videoaufnahme Nr. 1 aus, er könne sich nicht erinnern, dieses Video
aufgenommen zu haben. Es sei darauf seine Stimme zu hören und seine Schuhe
seien zu sehen. Im Mercedes sei ein Kollege von C._ gesessen, er wisse
nicht, wer dies gewesen sei (Urk. 8/2 S.9 f.). Er glaube, es sei in I._ zum
Rennen abgemacht worden, dort seien etwa 10 Kollegen von C._ anwesend
gewesen (Urk. 8/2 S. 12). Es sei darum gegangen, ob der getunte BMW schneller
sein könne als der stark motorisierte SLS (Urk. 8/2 S. 12). Auch auf Vorhalt des
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zweiten Videos erklärte er, er wisse nicht, wer den Mercedes gefahren habe
(Urk. 8/2 S. 14).
In der Hafteinvernahme vom 24. November 2017 erklärte G._ betreffend das
Rennen auf der Autobahn, dass er gefilmt habe. Er wisse nicht mehr, wie es zu
diesem Rennen gekommen sei, soweit er sich erinnere, sei es darum gegangen,
zu schauen, ob der getunte BMW schneller fahre als der stark motorisierte SLS
(Urk. 8/3 S. 2). Er könne nicht mit Sicherheit sagen, wer den Mercedes gelenkt
habe. Es sei ein Mietauto gewesen, soweit er wisse, habe der Beschuldigte das
Auto gemietet. Der Beschuldigte habe das Auto über mehrere Tage über das Wo-
chenende gemietet. Er habe den Beschuldigten schon Tage vorher mit dem Auto
gesehen. Es seien auch noch andere Leute mit dem Auto gefahren. Er glaube, im
Mercedes seien weitere Personen mitgefahren, er wisse nicht, wer diese gewe-
sen seien (Urk. 8/3 S. 3). Auch betreffend die zweite Fahrt wisse er nicht mehr,
wer den Mercedes gefahren habe. Der Beschuldigte sei ein Kollege von ihm, er
kenne ihn seit ca. 3 Jahren, C._ und der Beschuldigte seien seines Wissens
schon länger befreundet (Urk. 8/3 S. 5).
Nach seiner rechtskräftigen Verurteilung sagte G._ in der Zeugeneinvernah-
me vor Vorinstanz vom 5. November 2019 aus, er kenne den Beschuldigten über
andere Kollegen seit etwa fünf bis sechs Jahren. Er habe zu ihm ein kollegiales
Verhältnis (Prot. I S. 33). Er wisse nicht, wer bei den beiden Autorennen im ande-
ren Auto gesessen habe. Viele Personen seien mit dem vom Beschuldigten ge-
mieteten Auto unterwegs gewesen. Deren Namen könne er nicht sagen. Er habe
gesehen, dass immer wieder Personen aus- und eingestiegen seien. In I._
bei der Endhaltestelle des Trams habe er gesehen, dass viele Personen um das
Auto herumgestanden seien. Viele Personen seien mit dem Auto gefahren, es
seien alles Kollegen des Beschuldigten gewesen (Prot. I S. 34 f.). Die Idee für das
Rennen sei spontan entstanden. Beim Rennen auf der A3 und auf der H._-
strasse habe er mit C._ im einen Auto gesessen. Er wisse nicht, wer im an-
deren Auto gesessen habe (Prot. I S. 36). Sein Geständnis im gegen ihn geführ-
ten Strafverfahren habe sich nur auf sein eigenes Verhalten bezogen. Er habe
schon damals nicht gewusst, wer das andere Auto gefahren habe (Prot. I S. 38).
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b) C._
In der polizeilichen Befragung vom 23. November 2017 sagte C._ auf Vorhalt
des Videos Nr. 1 aus, er erinnere sich nur noch vage an den Vorfall. Er bestätigte,
auf der A3 Höhe B._ sein Fahrzeug BMW gelenkt zu haben. Er wisse nicht
mehr, wer sein Beifahrer und wer der Lenker des Mercedes gewesen sei (Urk. 8/4
S. 2). Auch auf Vorhalt des zweiten Videos erklärte er, er könne sich nicht daran
erinnern und wisse nicht, wer der Beifahrer sei. Er bestätigte jedoch, dass es sein
Fahrzeug gewesen sei und er dieses gelenkt habe (Urk. 8/4 S. 4).
In der Hafteinvernahme vom 24. November 2017 erklärte er auf Vorspielen des
Videos Fall 1, er anerkenne den Vorwurf, wisse nicht, wer der Beifahrer gewesen
sei und wisse nicht, wer den PW Mercedes SLS AMG gelenkt habe (Urk. 8/6 S. 1
f.). Auch auf Vorhalt des Videos vom zweiten Vorfall sagte er aus, er wisse nicht,
wer sein Beifahrer gewesen sei, und wer den Mercedes gelenkt habe (Urk. 8/6
S. 3 f.).
C._ wurde nach seiner rechtskräftigen Verurteilung vor Vorinstanz als Zeuge
einvernommen. Er führte aus, dass er ein Kollege des Beschuldigten sei und auch
im Jahre 2015 ein gutes Verhältnis zu ihm gehabt habe. Er bestätigte, dass er
wegen der beiden Autorennen vom 31. Mai 2015 verurteilt worden sei und erklär-
te, nicht zu wissen, wer der Lenker des anderen Fahrzeugs gewesen sei (Prot. I
S. 20). Er wisse nicht mehr, ob er sich bei diesen beiden Fahrten mit anderen
Personen in D._ oder in I._ an der Tramstation getroffen habe und kön-
ne sich nicht mehr erinnern, weshalb die Rennen gefahren wurden. Insbesondere
erklärte er, dass er nicht mehr wisse, ob der Beschuldigte an dem Rennen teilge-
nommen habe (Prot. I S. 24).
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2.3. Beweiswürdigung
2.3.1. Unbestrittener und aufgrund der Akten erstellter Sachverhalt
Erstellt ist, dass die beiden angeklagten Fahrten vom 31. Mai 2015 auf der Auto-
bahn A3 Richtung Zürich (Dossier 1) und in D._ auf der H._-strasse
(Dossier 2) mit den Fahrzeugen BMW 335 i, Coupé, Kontrollschild ZH 2 und Mer-
cedes SLS AMG, Kontrollschild ZH 1, ausgeführt wurden. Der PW BMW wurde
von C._ gelenkt, Beifahrer war G._, der die Fahrten aufzeichnete. Die
gefahrenen Geschwindigkeiten von 222 km/h (Dossier 1) bzw. 115 km/h sind auf-
grund des Geschwindigkeitsgutachtens des FOR sowie der Videoaufzeichnungen
und des darin zu hörenden Kommentars eines der Insassen des BMW erstellt.
Unbestritten ist denn auch, dass auf beiden Strecken Rennen gefahren wurden.
Dies ergibt sich aus dem Umstand, dass auf dem Video zu hören ist, dass im
Fahrzeug BMW einer der Insassen von 3 auf 1 herunterzählte und beide Fahr-
zeuge beschleunigten sowie der glaubhaften Aussage von G._, wonach es
nach seiner Erinnerung darum gegangen sei, zu schauen, ob der getunte BMW
schneller fahre als der stark motorisierte SLS (Urk. 8/3 S. 2).
2.3.2 Bestrittener Sachverhalt
Bestritten wird vom Beschuldigten, dass er bei den zwei Fahrten den PW Merce-
des gelenkt habe.
Die beiden am Rennen Mitbeteiligen C._ und G._ erklärten beide kon-
stant, nicht zu wissen, wer den Mercedes gelenkt habe. G._ führte zudem
aus, der Beschuldigte habe das Fahrzeug gemietet und viele Personen seien da-
mit unterwegs gewesen. Seine diesbezügliche Aussage stützt diejenige des Be-
schuldigten, wonach er verschiedene Kollegen mit dem gemieteten Fahrzeug ha-
be fahren lassen.
Dass der Beschuldigte das Fahrzeug vom 29. Mai 2015 bis 31. Mai 2015 gemietet
hatte, ist aufgrund des bei den Akten liegenden Mietvertrags erstellt. Gestützt auf
diesen Vertrag hätte nur der Beschuldigte das Fahrzeug lenken dürfen. Daraus
lässt sich jedoch nicht ableiten, dass er das Fahrzeug nicht Kollegen für Fahrten
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überlassen hat. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 69 S. 11) spricht
auch der Umstand, dass gemäss Mietvertrag ein Selbstbehalt im Schadenfall von
Fr. 2'000.– bzw. bei Totalschaden von Fr. 5'000.– vereinbart war, nicht dafür,
dass dies den Beschuldigten davon abgehalten hätte, das Fahrzeug Kollegen für
Fahrten zu überlassen, handelt es sich doch bei der Höhe der Selbstbehalte im
Vergleich zum Wert des Fahrzeugs nicht um besonders hohe Beträge (vgl. auch
Urk. 91 S. 17). Ferner darf als notorisch bezeichnet werden, dass in Kreisen jun-
ger Männer, welche sich für stark motorisierte schnelle Autos interessieren, zu-
weilen leichtfertig davon ausgegangen wird, es werde bei Geschwindigkeitsüber-
schreitungen schon nichts passieren. Entscheidend ist jedoch, dass es bei dem
Rennen offensichtlich darum ging, die Leistung der beiden Fahrzeuge miteinander
zu vergleichen, zu schauen, ob der getunte BMW oder der stark motorisierte Mer-
cedes schneller fährt. Es erscheint als naheliegend, dass der Beschuldigte, der
das Fahrzeug für sich gemietet hatte, dieses Rennen selber gefahren ist und die-
ses Kräftemessen nicht irgendeinem Kollegen überlassen hat. Es ging schliess-
lich nicht bloss darum, eine kleine Runde in einem teuren Sportwagen zu drehen.
Dass die beiden Fahrzeuge gleichzeitig nebeneinander auf der gleichen Strecke
unterwegs waren, kann nicht einem Zufall geschuldet sein. Zudem erscheint es
als höchst unwahrscheinlich, dass sich irgendein Kollege, dem der Beschuldigte
das Fahrzeug für eine Runde überlassen hat, spontan dazu animieren liess, zwei
Rennen zu fahren.
Alle diese Umstände sprechen für den Wahrheitsgehalt des vom Beschuldigten in
der Hafteinvernahme vom 24. November 2017 abgelegten Geständnisses. In der
nächsten auf die Hafteinvernahme folgenden Einvernahme vom 6. September
2018 verweigerte der Beschuldigte die Aussage. Der Widerruf seines Geständ-
nisses erfolgte erst in der Einvernahme vor Vorinstanz am 5. November 2019.
Unklar bleibt, weshalb der Beschuldigte sein Geständnis erst rund zwei Jahre
später widerrufen hat und nicht sofort in der ersten Einvernahme nach seiner
Haftentlassung geltend machte, er habe unter dem Druck der Haftsituation ein
falsches Geständnis abgelegt. Dass die Abwendung drohender Untersuchungs-
haft die Motivation fördern kann, ein (wahres oder falsches) Geständnis abzule-
gen, ist zwar durchaus nachvollziehbar, insbesondere da die Haft damals beson-
- 17 -
ders nachteilige Auswirkungen auf die berufliche und familiäre Situation des Be-
schuldigten gehabt hätte. Seine Mutter war gesundheitlich angeschlagen und im
... in Behandlung, seine schwangere Freundin reiste am Tag der Einvernahme in
die Schweiz, um Ferien mit dem Beschuldigten zu verbringen und er war im Be-
griff, ein eigenes Umzugsunternehmen aufzubauen. Wie bereits die Vorinstanz
zutreffend dargelegt hat (Urk. 69 S. 12), fällt aber auch ins Gewicht, dass der Be-
schuldigte das Geständnis erst nach einer Unterbrechung der Einvernahme
zwecks Besprechung mit seinem Verteidiger ablegte (Urk. 7/3 S.7). Dies deutet
darauf hin, dass das Geständnis wohlüberlegt erfolgte (vgl. auch Urk. 90 S. 3 f.).
Der anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichten Erklärung vom 17. März
2021 des damaligen vom Beschuldigten beigezogenen Verteidigers, Rechtsan-
walt lic. iur. X2._, ist zu entnehmen, dass ihm der Beschuldigte damals unter
vier Augen eröffnete, dass er selbst der Fahrer gewesen sei. Der Beschuldigte
habe für Rechtsanwalt lic. iur. X2._ durchaus überzeugend gewirkt (Urk. 92/1
S. 2). Zudem war für den Beschuldigten angesichts der Schwere des Deliktsvor-
wurfs absehbar, dass eine Verurteilung basierend auf seinem Geständnis zu einer
einschneidenden Sanktion führen könnte. Aufgrund seiner Vorstrafen musste er
auch damit rechnen, dass eine vollziehbare Freiheitsstrafe ausgesprochen wer-
den könnte, was mindestens hinderlich und belastend für seine privaten und be-
ruflichen Zukunftspläne sein würde. Auch wenn ein Geständnis einstweilen zur
Abwendung einer Fortdauer der Haft führte, drohte das Risiko einer einschnei-
denden Sanktion bei einer Verurteilung. In einer derartigen Zwangssituation ist
nicht nachvollziehbar, dass der Beschuldigte nicht die mehreren Namen seiner
Kollegen nannte, welche für die Fahrt aus seiner Sicht in Frage gekommen wä-
ren. Dies wäre keiner falschen Anschuldigung gleichgekommen, hätte der Be-
schuldigte der Staatsanwaltschaft nur mehrere mögliche Täter aufgezeigt und
nicht einen spezifisch beschuldigt (vgl. Prot. II S. 18). Ausserdem musste er mit
einem Führerausweisentzug rechnen, welcher sehr ungünstige Auswirkungen auf
seine berufliche Tätigkeit haben würde. Wenn der damals einvernehmende
Staatsanwalt – wie vom Verteidiger geltend gemacht (Urk. 91 S. 12) – am Ge-
ständnis gezweifelt hätte, hätte er den Beschuldigten danach nicht aus der Haft
entlassen.
- 18 -
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Geständnis des Beschuldigten
durch verschiedene Indizien gestützt wird. Er hatte das leistungsstarke Fahrzeug
für drei Tage zu einem hohen Preis von Fr. 1'599.– für sich gemietet. Bei den
Rennen gemäss Anklage ging es um ein Kräftemessen zwischen zwei leistungs-
starken Fahrzeugen, darum zu prüfen, ob der getunte von seinem Kollegen
C._ gelenkte BMW schneller fuhr als der gemietete Mercedes. Aufgrund aller
dieser Umstände liegt es nahe, dass der Beschuldigte diese Rennen fuhr und das
von ihm gemietete Fahrzeug auch selber lenkte. Das Geständnis wurde vom Be-
schuldigten nach einer Unterbrechung der Einvernahme für eine Besprechung mit
seinem Verteidiger abgelegt. Dem Beschuldigten musste angesichts der Schwere
des Deliktsvorwurfs bewusst sein, dass das Risiko der Ausfällung einer unbeding-
ten Freiheitsstrafe bestand. Die von ihm angeführte familiäre und berufliche Situa-
tion, welche es wichtig erscheinen liessen, dass er möglichst rasch aus der Haft
entlassen werde, kann sowohl als Motiv für ein der Wahrheit entsprechendes Ge-
ständnis wie auch für ein wahrheitswidriges Geständnis herangezogen werden.
Das Geständnis wurde erst sehr spät widerrufen, wobei nicht nachvollziehbar ist,
weshalb der Widerruf nicht früher erfolgte. Dass die Vorinstanz bei einem gestän-
digen Beschuldigten zwei Zeugeneinvernahmen ansetzte, ist entgegen der Auf-
fassung der Verteidigung nicht als Zweifel am Geständnis zu werten, sondern
durchaus damit erklärbar, dass der Beschuldigte in der Einvernahme nach Able-
gen des Geständnisses die Aussage verweigerte. Dies konnte darauf hindeuten,
dass es möglicherweise nicht beim Geständnis bleiben würde (vgl. Urk. 91 S. 15).
Während der Wahrheitsgehalt des Geständnisses durch verschiedene Indizien
gestützt wird, lassen sich den Akten keine Anhaltspunkte für ein falsches Ge-
ständnis entnehmen. Der Widerruf des Geständnisses ist nicht glaubhaft. Gestützt
auf das glaubhafte Geständnis des Beschuldigten ist daher erstellt, dass er bei
den beiden Rennen vom 31. Mai 2015 der Lenker des PW Mercedes SLS AMG,
Kontrollschild ZH 1, war.
- 19 -
III. Rechtliche Würdigung
1. Qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG
Gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG wird mit Freiheitsstrafe von einem bis zu vier Jahren
bestraft, wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe
Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich
durch besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit,
waghalsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit
Motorfahrzeugen.
2. Rennen vom 31. Mai 2015
2.1. Rennen auf der Autobahn B._
Betreffend die Fahrt auf der Autobahn B._ (Fall 1 Dossier 1) ist erstellt, dass
der Beschuldigte und C._ mit den von ihnen gelenkten Fahrzeugen ein nicht
bewilligtes Rennen fuhren und dass der Beschuldigte sein Fahrzeug auf 222 km/h
beschleunigte. Damit sind die Voraussetzungen gemäss Art 90 Abs. 3 SVG erfüllt
(Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen und krasse Missachtung der
Höchstgeschwindigkeit). Da der Beschuldigte die zulässige Höchstgeschwindig-
keit von 120 km/h um 102 km/h überschritten hat, sind die Voraussetzungen ge-
mäss Art. 90 Abs. 4 lit. d SVG erfüllt. Gemäss dieser Bestimmung ist Absatz 3
von Art. 90 SVG auf jeden Fall erfüllt, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit
mehr als 80 km/h beträgt und um mindestens 80 km/h überschritten wird. Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung verletzt derjenige, der die Schwellenwerte
gemäss Art. 90 Abs. 4 überschreitet, stets elementare Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 90 Abs. 3 SVG und schafft grundsätzlich auch ein hohes Risiko eines Un-
falls mit Schwerverletzten oder Todesopfern. Dabei handelt es sich allerdings um
eine in aussergewöhnlichen Umständen widerlegbare Vermutung (BGE 143 IV
508). Solche aussergewöhnliche Umstände sind vorliegend eindeutig nicht er-
kennbar. Der objektive Tatbestand gemäss Art. 90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. d SVG ist
somit erfüllt. Wer eine Geschwindigkeitsüberschreitung im Sinne von Art. 90
Abs. 4 SVG begeht, erfüllt grundsätzlich die subjektiven Voraussetzungen des
Straftatbestands gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG. Dem Richter kommt ein begrenzter
- 20 -
Handlungsspielraum zu, um unter besonderen Umständen die Erfüllung der sub-
jektiven Voraussetzungen zu verneinen (BGE 142 IV 137). Solche besonderen
Umstände liegen auch in subjektiver Hinsicht nicht vor. Somit ist der Beschuldigte
bezüglich des Rennens auf der Autobahn B._ der qualifiziert groben Verlet-
zung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 4
lit. d SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit d VRV und Art. 52 Abs. 2 SVG
schuldig zu sprechen.
2.2. Rennen in D._
Gemäss dem erstellten Anklagesachverhalt fuhr der Beschuldigte am 31. Mai
2015 gegen C._ im Anschluss an das Rennen auf der Autobahn ein weiteres
Rennen in D._ auf der H._-strasse. Der Beschuldigte fuhr auf der Bus-
spur, C._ auf der Normalspur. Beide Fahrzeuge wurden auf 115 km/h be-
schleunigt und überschritten die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h
um 55 km/h. Dabei überfuhren sie einen Fussgängerstreifen und eine Einfahrt.
Durch das Fahren eines unbewilligten Rennens sowie die massive Geschwindig-
keitsüberschreitung von 55 km/h hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand
gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG erfüllt. Da die signalisierte Höchstgeschwindigkeit 60
km/h betrug, wäre für eine Geschwindigkeitsüberschreitung im Sinne von Art. 90
Abs. 4 lit. c SVG eine Überschreitung um 60 km/h erforderlich, was vorliegend
nicht erfüllt ist. Mit einer Überschreitung um 55 km/h liegt jedoch eine massive
Geschwindigkeitsüberschreitung vor, welche in Kombination mit dem Fahren ei-
nes unbewilligten Rennens auf nicht abgesperrter öffentlicher Strasse innerorts,
dem Überfahren eines Fussgängerstreifens und einer weiteren Einfahrt das hohe
Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern mit sich brachte, da
andere Verkehrsteilnehmer nicht mit einer derartigen Fahrweise rechnen mussten
und es bei solchen Geschwindigkeiten zu Fehleinschätzungen und Fehlreaktio-
nen und in der Folge zu schweren Verkehrsunfällen kommen kann. In subjektiver
Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit direktem Vorsatz innerorts ein
Rennen fuhr und auch die Höchstgeschwindigkeit vorsätzlich massiv überschrit-
ten hat. Damit ist der Tatbestand der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung
im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG erfüllt.
- 21 -
Der Beschuldigte ist daher ferner schuldig zu sprechen der qualifiziert groben Ver-
letzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG in Verbindung mit
Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b und Abs. 5 VRV und Art. 52 Abs. 2 SVG.
IV. Strafzumessung
1. Intertemporales Recht und retrospektive Konkurrenz
1.1. Intertemporales Recht
Sämtliche heute zu beurteilenden Delikte wurden vor dem Inkrafttreten des revi-
dierten Sanktionenrechts am 1. Januar 2018 begangen. Bezüglich der qualifiziert
groben Verkehrsregelverletzungen gilt eine Mindeststrafe von einem Jahr Frei-
heitsstrafe. Bezüglich dieser Delikte besteht angesichts dieses Strafrahmens kein
Unterschied zwischen altem und neuem Sanktionenrecht, da mangels Vorliegen
besonderer Umstände eine Unterschreitung des Strafrahmens bei der Strafzu-
messung in concreto ausser Betracht fällt und eine Freiheitsstrafe von mehr als
12 Monaten auszufällen ist. Der Strafrahmen betreffend Vereitelung von Mass-
nahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit (Art. 91a Abs. 1 SVG) und Vergehen
gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG) reicht von Geld-
strafe bis 3 Jahre Freiheitsstrafe. Angesichts der aufgrund der entsprechenden
Vorstrafen fehlenden präventiven Effizienz einer Geldstrafe ist für diese Delikte
eine Freiheitstrafe auszufällen. Die Einsatzstrafe für das schwerste neu zu beur-
teilende Delikt der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung wird eine Freiheits-
strafe von mindestens einem Jahr sein. Diese Einsatzstrafe ist mittels Asperation
um die Strafe für die Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrun-
fähigkeit und das Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu erhöhen. Des-
halb wirkt sich die Änderung des Sanktionenrechts vorliegend nicht auf die kon-
krete Strafzumessung aus. Sie hat auch keine Auswirkungen auf die Bemessung
der für die weiteren neu zu beurteilenden Delikte festzulegenden Bussen. Des-
halb erübrigen sich weitere Erwägungen zum intertemporalen Recht.
- 22 -
1.2. Retrospektive Konkurrenz
Die Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildenden Delikte wurden alle vor
dem Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 10. September 2018 begangen.
Es liegt somit retrospektive Konkurrenz vor. Gestützt auf Art. 49 Abs. 2 StGB hat
das Gericht bei retrospektiver Konkurrenz eine Zusatzstrafe in der Weise festzu-
legen, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Hand-
lungen gleichzeitig beurteilt worden wären. Eine Zusatzstrafe kann nur ausge-
sprochen werden, soweit die Strafen der neu zu beurteilenden Delikte und die
Grundstrafe gleichartig sind. Die durch das Zweitgericht hypothetisch zu bilden-
dende Gesamtstrafe setzt sich zusammen aus der rechtskräftigen Grundstrafe
und den für die neuen Taten festzusetzenden Einzelstrafen. Es ist zu unterschei-
den, ob die Grundstrafe oder die neu zu beurteilenden Delikte die schwerste
Straftat enthalten. Im ersten Fall ist die Grundstrafe aufgrund der Einzelstrafen
der neu zu beurteilenden Delikte angemessen zu erhöhen. Anschliessend ist von
der gebildeten Gesamtstrafe die Grundstrafe abzuziehen, was die Zusatzstrafe
ergibt. Liegt dagegen der Einzel- oder Gesamtstrafe der neu zu beurteilenden Ta-
ten die schwerste Straftat zugrunde, ist diese um die Grundstrafe angemessen zu
erhöhen und ist die infolge Asperation eintretende Reduzierung der rechtskräfti-
gen Grundstrafe von der Strafe für die neu zu beurteilenden Delikte abzuziehen
und ergibt die Zusatzstrafe (BGE 142 IV 265 E. 2.4.4.).
Mit Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 10. September 2018 wurde der Be-
schuldigte der mehrfachen Freiheitsberaubung, der mehrfachen qualifizierten
Körperverletzung, der mehrfachen Nötigung, der Amtsanmassung, der Wider-
handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, der Hinderung einer Amtshandlung,
der Sachbeschädigung und der Übertretung des Fernmeldegesetzes schuldig ge-
sprochen und mit einer Freiheitstrafe von 24 Monaten und einer Busse von Fr.
300.– bestraft. Hinsichtlich der Freiheitsstrafe wurde ihm der teilbedingte Straf-
vollzug im Umfang von 12 Monaten gewährt, unter Ansetzung einer Probezeit von
4 Jahren. Im Umfang von 12 Monaten wurde der Vollzug angeordnet.
- 23 -
Aus den vorstehenden Erwägungen betreffend die Gesamtstrafenbildung bei ret-
rospektiver Konkurrenz geht hervor, dass eine solche nur in Betracht kommt, so-
weit für die neu zu beurteilenden Delikte eine Freiheitstrafe auszufällen ist.
Die schwerste Straftat betreffend die neu zu beurteilenden Taten besteht in der
qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung, für welche der Strafrahmen gemäss
Art. 90 Abs. 3 SVG ein bis vier Jahre Freiheitsstrafe beträgt. Das der Grundstrafe
zugrundeliegende schwerste Delikt ist Freiheitsberaubung und Entführung im
Sinne von Art. 183 Abs. 1 StGB, für welche der Strafrahmen von Geldstrafe bis 5
Jahre Freiheitsstrafe reicht. Während der untere Strafrahmen bei der qualifiziert
groben Verkehrsregelverletzung mit einem Jahr Freiheitsstrafe höher liegt als der-
jenige für Freiheitsberaubung und Entführung, ist für letztere der obere Strafrah-
men höher. Schwerer ist das Delikt mit der höheren Höchststrafe, wobei die höhe-
re Mindeststrafe des weniger schweren Tatbestands den unteren Rand des Straf-
rahmens bestimmt (BSK StGB, Ackermann, Art. 49 N 116; Praxiskommentar
StGB, Thommen, Art. 49 N 8). Vorliegend stellt daher das Delikt der Freiheitsbe-
raubung und Entführung die schwerste Straftat dar. Da der Grundstrafe das
schwerste Delikt zugrundeliegt, ist bei der Gesamtstrafenbildung von der Grund-
strafe auszugehen und diese um die Einzelstrafen für die neu zu beurteilenden
Delikte angemessen zu erhöhen. Von der gebildeten Gesamtstrafe ist die Grund-
strafe abzuziehen, daraus resultiert die Zusatzstrafe.
Nachfolgend ist daher für die einzelnen Delikte je eine separate Strafe festzuset-
zen und - soweit eine Freiheitsstrafe auszufällen ist - mittels Asperation eine an-
gemessene Erhöhung der Grundstrafe vorzunehmen. Bilden die Grundstrafe und
die Strafe für die neu zu beurteilenden Delikte ihrerseits Gesamtstrafen, kann das
Zweitgericht der bereits im Rahmen der jeweiligen Gesamtstrafenbildung erfolg-
ten Asperation durch eine gemässigte Berücksichtigung bei der Zusatzstrafenbil-
dung Rechnung tragen (BGE 142 IV 265 E. 2.4.4.).
- 24 -
2. Allgemeine Strafzumessungsregeln
Hinsichtlich der allgemeinen Strafzumessungsregeln kann auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 69
S. 22 ff.).
3. Einzelstrafen
3.1. Qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzungen
3.1.1. Tatkomponente
a) Fahrt auf der Autobahn
In objektiver Hinsicht wiegt das Verschulden nicht mehr leicht. Der Beschuldigte
hat mit einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit um 102 km/h die Grenze
von 80 km/h für das Vorliegen einer qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung
deutlich überschritten. Erschwerend kommt hinzu, dass er mit C._ ein unbe-
willigtes Rennen fuhr, was das Gefahrenpotential bei dieser Fahrt zusätzlich er-
höhte. Die Strasse war zwar trocken und es herrschte wenig Verkehr, jedoch
wurde ein unbeteiligter, korrekt auf der Normalspur fahrender Fahrzeuglenker
durch die beiden am Rennen beteiligten Fahrzeuge überholt, was die Gefähr-
dungssituation noch akzentuierte.
Wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausführte, handelte der Beschuldigte aus
blossem Imponiergehabe und Spass an hoher Geschwindigkeit. Somit nahm er
die Gefahrenlage für das Leben und die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer
völlig unnötigerweise in Kauf. Hinsichtlich der Rennsituation sowie der massiven
Geschwindigkeitsüberschreitung liegt direkter Vorsatz vor.
Insgesamt wiegt das Verschulden nicht mehr leicht. Der Tatkomponente ange-
messen erscheint eine Einsatzstrafe im Bereich von 18 Monaten.
- 25 -
b) Fahrt in D._
Hinsichtlich der objektiven Tatkomponente ist darauf hinzuweisen, dass der Be-
schuldigte mit C._ ein Rennen fuhr. Die signalisierte Höchstgeschwindigkeit
wurde um 55 km/h überschritten. Die Geschwindigkeitsüberschreitung war massiv
und lag nahe am Grenzwert von 60 km/h gemäss Art. 90 Abs. 4 lit. c SVG. Die
Strasse war trocken und die Fahrt fand in der Nacht statt, zu einer Zeit, in welcher
die Ampeln orange blinkten, wenig Verkehr herrschte und kaum Fussgänger un-
terwegs waren. Der Beschuldigte fuhr auf der Busspur, über einen Fussgänger-
streifen und eine weitere Einfahrt und schuf ein hohes Risiko für andere Verkehrs-
teilnehmer, die nicht mit einer derartigen Fahrweise rechnen mussten. Es bestand
die Gefahr für Fehleinschätzungen oder Fehlreaktionen, welche zu einem schwe-
ren Verkehrsunfall mit Schwerverletzten und Toten hätten führen können.
In subjektiver Hinsicht liegt bezüglich der Schaffung einer Gefahr für das Leben
und die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer Eventualvorsatz vor, mit Bezug
auf das Fahren eines Rennens und die massive Überschreitung der Höchstge-
schwindigkeit dagegen direkter Vorsatz. Die Motivation ist auch bezüglich der
zweiten Fahrt in Spass an hoher Geschwindigkeit und Imponiergehabe zu sehen.
Zugunsten des Beschuldigten ist zu berücksichtigen, dass zwischen dem ersten
und dem zweiten Rennen nur kurze Zeit verstrich und beide Rennen zwischen
den gleichen Kontrahenten gefahren wurden. Das Fassen eines neuen Tatent-
schlusses bedurfte keiner grossen neuen kriminellen Energie.
Insgesamt wiegt das Verschulden bezüglich des zweiten Rennens noch leicht.
Da zwischen den beiden Rennen lediglich kurze Zeit verstrich und die Fahrt in
D._ unmittelbar auf die Fahrt auf der Autobahn folgte, rückt die Delinquenz
angesichts des engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs in die Nähe ei-
ner natürlichen Handlungseinheit. Eine solche ist dann zu bejahen, wenn mehrere
Einzelhandlungen auf einem einheitlichen Willensakt beruhen und wegen des en-
gen räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs bei objektiver Betrachtung noch
als einheitliches zusammengehörendes Geschehen erscheinen (BGE 131 IV 83
E.2.4.5). Zwar sind die Voraussetzungen für die Bejahung einer natürlichen Hand-
- 26 -
lungseinheit mangels Vorliegen eines einheitlichen Willensaktes nicht erfüllt. Je-
doch rechtfertigt die besondere Konstellation eine Unterschreitung der Mindest-
strafe von 12 Monaten. Es erscheint angemessen, die Einsatzstrafe für das erste
Rennen mittels Asperation um 8 Monate auf 26 Monate zu erhöhen.
3.1.2. Täterkomponente
a) Persönliche Verhältnisse
Der Beschuldigte ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Seine Eltern
sind geschieden. Er wuchs als Einzelkind bei seiner Mutter auf. Sowohl zu seiner
Mutter wie zu seinem Vater unterhält er heute noch guten Kontakt. Er hat die Pri-
marschule und die Sekundarschule besucht und verfügt über keine abgeschlos-
sene Berufsausbildung. Sowohl eine Lehre im Verkauf als auch als Reifenprakti-
ker hat er abgebrochen. Bisher arbeitete er als Kurier und half seinem Vater in
dessen Transportfirma aus. Er hatte eine eigene Umzugsfirma gegründet, welche
er nach drei Jahren wieder auflösen musste, da er über keinen Führerausweis
mehr verfügte und die Beschäftigung eines Fahrers zu teuer gewesen wäre (Prot.
I S. 26 f.). Der Beschuldigte ist ledig und hat keine Kinder. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung führte er aus, dass er seit ungefähr einem Jahr seinen Führer-
schein wieder habe. Zudem arbeite er seit Oktober 2019 im Transportbereich.
Das eingereichte Zwischenzeugnis attestiert ihm sehr gute Leistungen
(Urk. Urk. 92/6). Seit Juni 2020 befindet er sich in Halbgefangenschaft zur Ver-
büssung des unbedingten Teils der vom Kantonsgericht St. Gallen ausgespro-
chenen Freiheitsstrafe (vgl. Prot. II S. 9 ff.). Der eingereichte Führungsbericht be-
scheinigt dem Beschuldigten ein gutes Verhalten. So verhalte er sich stets kor-
rekt, kooperativ und zuvorkommend. Sich an die Regeln und Normen der Halbge-
fangenschaft zu halten, scheine ihm keine Mühe zu bereiten, er nehme stets an
den regelmässigen deliktpräventiven Gesprächen mit der Sozialarbeitenden teil,
habe sich auf die Deliktaufarbeitung eingelassen und arbeite gut. Er scheine sich
mit seinen 30 Jahren an einem anderen Punkt in seinem Leben zu bewegen als
zum Deliktzeitpunkt und übernehme Verantwortung für sein Leben und seine Mut-
ter (Urk. 92/5). Zudem bezahlt der Beschuldigte regelmässig seine Schulden ab,
womit er diese in merklichem Umfang reduzieren konnte. Er führte aus, dass er
- 27 -
anders denke als früher. Damals sei er oft unüberlegt gewesen. Sein jugendliches
Alter entschuldige seine früheren Taten nicht, es seien aber alles Sachen, die ihm
heute niemals mehr in den Sinn kommen würden und er niemals heute tun würde
(Prot. II S. 13). Der Beschuldigte hat demnach sein Leben seit den zu beurteilen-
den Taten geordnet, was positiv zu werten ist.
b) Vorstrafen
Der Beschuldigte hatte im Deliktszeitpunkt vier Vorstrafen erwirkt. Er wurde mit
Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 30. April 2012 wegen Raubes zu
einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit einer Probezeit von 2 Jahren
verurteilt. Die Probezeit wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
See/Oberland um ein Jahr verlängert und lief am 30. April 2015 ab, somit lediglich
einen Monat vor Begehung der vorliegenden Taten. Mit Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft Zürich-Limmat vom 12. Dezember 2012 wurde der Beschuldigte der
Erpressung und der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnah-
megeräte schuldig gesprochen und bestraft mit einer bedingten Freiheitsstrafe
von 6 Monaten bei einer Probezeit von 2 Jahren, welche ebenfalls mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 19. November 2013 um ein Jahr ver-
längert wurde. Die vorliegende Delinquenz fällt daher in die verlängerte Probezeit.
Mit letztgenanntem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland erfolgte ein
Schuldspruch betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich- Sihl vom 4. Juni 2014 betreffend
Hinderung einer Amtshandlung. Beide Male wurde der Beschuldigte mit vollzieh-
baren Geldstrafen bestraft.
c) Nachtatverhalten
Betreffend die beiden Rennen liegt kein Geständnis des Beschuldigten vor. Dies
wirkt sich bei der Strafzumessung neutral aus.
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d) Fazit
Die vier Vorstrafen und die Delinquenz in der Probezeit wirken sich deutlich straf-
erhöhend aus, werden jedoch durch die positive Entwicklung des Beschuldigten
relativiert. Die Gesamtstrafe von 26 Monaten ist auf 28 Monate zu erhöhen.
3.2. Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
3.2.1. Tatkomponente
Der Beschuldigte war am 8. November 2017 um ca. 01.50 Uhr im Rahmen eines
Ausweichmanövers wegen eines Fuchses mit seinem Fahrzeug heftig mit einem
am Strassenrand parkierten Fahrzeug kollidiert, hatte dieses in einen dahinter
parkierten Lieferwagen und diesen wiederum in einen weiteren dahinter parkier-
ten PW geschoben. Aufgrund der Heftigkeit der Kollision und des verursachten
Schadensbildes lag es auf der Hand, dass die Polizei einen Alkohol- und Betäu-
bungsmitteltest angeordnet hätte. Um eine solche Kontrolle zu vermeiden, organi-
sierte der Beschuldigte über G._ das Abschleppen seines Fahrzeugs und
entfernte sich nach Eintreffen des Abschleppdienstes von der Unfallstelle, so dass
das unfallverursachende Fahrzeug und er als dessen Lenker wenn überhaupt nur
mit grossem Aufwand hätte ermittelt werden können. In subjektiver Hinsicht liegt
direkter Vorsatz vor.
Insgesamt wiegt das Tatverschulden nicht mehr leicht. Eine Asperation der Ein-
satzstrafe um 5 Monate, wie sie von der Vorinstanz vorgenommen wurde (Urk. 69
S. 25), erscheint angemessen.
3.2.2. Täterkomponente
Hinsichtlich der Täterkomponente kann vollumfänglich auf die vorstehenden Er-
wägungen betreffend die beiden Rennen verwiesen werden. Zusätzlich ist eine
weitere Vorstrafe zu berücksichtigen. Die Vereitelung von Massnahmen zur Fest-
stellung von Fahrunfähigkeit wurde am 8. November 2017 begangen, somit weni-
ge Tage nach Eröffnung des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich vom 2. November 2017, mit welchem der Beschuldigte wegen Vergehens
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gegen das Waffengesetz mit einer vollziehbaren Geldstrafe von 180 Tagessätzen
zu Fr. 30.– bestraft worden war. Dagegen liegt keine Delinquenz in der Probezeit
vor, da die (verlängerten) Probezeiten gemäss Urteil des Obergerichtes des Kan-
tons Zürich vom 30. April 2012 und gemäss Strafbefehl vom 12. Dezember 2012
im Zeitpunkt der Tatbegehung abgelaufen waren. Ferner liegt bezüglich dieses
Delikts ein Geständnis vor, welches strafmindernd zu berücksichtigen ist. Zu-
sammen mit der positiven persönlichen Entwicklung des Beschuldigten vermag
dieses den Straferhöhungsgrund der Vorstrafen aufzuwiegen.
3.2.3. Fazit
Insgesamt ist die Einsatzstrafe für die qualifiziert groben Verkehrsregelverletzun-
gen somit um 5 Monate auf 33 Monate zu asperieren.
3.3. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz
Betreffend die Aufbewahrung von 2,77 Gramm Haschisch, welche ein Kollege in
der Wohnung des Beschuldigten zurückgelassen hatte, kam die Vorinstanz zum
Schluss, das Verschulden des Beschuldigten sei als gering zu beurteilen. Der
Vorfall stelle eine Bagatelle dar, und es bestehe kein öffentliches Interesse an ei-
ner Bestrafung, weshalb sie gestützt auf Art. 52 StGB von einer Strafe abgesehen
hat (Urk. 69 S. 26).
Der vorinstanzlichen Argumentation kann insoweit gefolgt werden als das Ver-
schulden als gering einzustufen ist. Es handelte sich um eine kleine Drogenmen-
ge und mit Haschisch nicht um eine harte Droge. Der Beschuldigte kam nicht auf-
grund eigener Initiative in den Besitz der Droge, vielmehr hat sie ein Kollege bei
ihm in der Wohnung liegen lassen. Die weitere Aufbewahrung der Droge erforder-
te geringe kriminelle Energie. Das Verschulden wiegt in objektiver und in subjekti-
ver Hinsicht sehr leicht. Zu berücksichtigen ist jedoch auch, dass Art. 52 StGB
nicht darauf abzielt, in allen Bagatellstraftaten generell auf eine strafrechtliche
Sanktion zu verzichten. Eine Strafbefreiung kommt vielmehr nur bei Delikten in
Frage, bei denen keinerlei Strafbedürfnis besteht. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung muss das Verhalten des Täters im Quervergleich zu typischen,
- 30 -
unter dieselbe Gesetzesbestimmung fallenden Taten vom Verschulden wie von
den Tatfolgen her als unerheblich erscheinen, so dass die Strafbedürftigkeit of-
fensichtlich fehlt (BGE 135 IV 135 f. E. 5.3.3.). Dass keinerlei Strafbedürftigkeit
besteht, kann vorliegend trotz sehr leichtem Verschulden nicht bejaht werden.
Angesichts der fehlenden präventiven Effizienz einer Geldstrafe ist auch für die-
ses Delikt eine Freiheitsstrafe auszusprechen. Im Rahmen der Asperation wirkt
sich die Straferhöhung für dieses Delikt jedoch nur marginal aus, was zum glei-
chen Ergebnis führt wie die vorinstanzliche Strafzumessung.
3.4. Verletzung der Verkehrsregeln und pflichtwidriges Verhalten bei Unfall
Wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, ist für das Nichtbeherrschen des
Fahrzeugs und das pflichtwidrige Verhalten bei Unfall im Zusammenhang mit dem
Unfall vom 8. November 2017 eine Busse auszufällen (Urk. 69 S. 26 f.).
Das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs war Folge eines Ausweichmanövers wegen
eines die Strasse überquerenden Fuchses und führte zu Sachschaden an mehre-
ren parkierten Fahrzeugen. Das Verschulden wiegt insgesamt noch leicht. Der
Beschuldigte lebt in knappen finanziellen Verhältnissen. Zwar verdient er mittler-
weile Fr. 4'254.– netto monatlich. Er weist indessen noch stets hohe Schulden im
Betrage von ca. Fr. 30'000.– bis Fr. 40'000.– auf, welche er regelmässig abbe-
zahlt (Prot. II S. 10 und 12). Die von der Vorinstanz auf Fr. 400.– festgelegte Bus-
se trägt diesem Verschulden und den finanziellen Verhältnissen des Beschuldig-
ten angemessen Rechnung.
Die Pflichtverletzung infolge des Unfalls bestand darin, dass der Beschuldigte sich
nach Eintreffen des Abschleppdienstes von der Unfallstelle entfernte, ohne die
Polizei zu verständigen und die Geschädigten zu benachrichtigen, obwohl insbe-
sondere am PW der Marke Peugeot massiver Sachschaden entstanden war. Die
Delinquenz zielte in erster Linie darauf ab, sich selber einer Strafverfolgung zu
entziehen. Das Verschulden wiegt diesbezüglich nicht leicht. Die finanziellen Ver-
hältnisse des Beschuldigten wurden vorstehend dargetan.
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Die von der Vorinstanz für das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs und das pflicht-
widrige Verhalten bei Unfall ausgefällte Busse von insgesamt Fr. 800.– erweist
sich unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips als angemessen (Art. 49
Abs. 1 StGB; BSK StGB, S. Heimgartner, Art. 106 StGB N 36 und 37).
4. Fazit
Für die heute zu beurteilenden Delikte resultiert eine Gesamtstrafe von 33 Mona-
ten Freiheitsstrafe und Fr. 800.– Busse. Die Grundstrafe gemäss Urteil des Kan-
tonsgerichts St. Gallen vom 10. September 2018 von 24 Monaten Freiheitsstrafe
und Fr. 300.– Busse ist durch Asperation um die Strafe für die neu zu beurteilen-
den Delikte zu erhöhen. Insgesamt erscheint eine Erhöhung auf eine Freiheits-
strafe von 48 Monaten und eine Busse von Fr. 900.– als angemessen. Entspre-
chend ist die Zusatzstrafe für die neu zu beurteilenden Delikte auf 24 Monate
Freiheitsstrafe und Fr. 600.– Busse festzusetzen.
V. Strafvollzug
Bei einer Gesamtstrafe von 48 Monaten fällt die Gewährung des teilbedingten
Strafvollzugs für die Zusatzstrafe ausser Betracht (Art. 43 StGB). Die Freiheits-
strafe von 24 Monaten ist daher zu vollziehen.
Die Busse ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziffer 12) zu
bestätigen. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit
seinen Anträgen vollumfänglich und die Staatsanwaltschaft dringt mit ihrer An-
schlussberufung dem Grundsatze nach durch. Demnach sind die Kosten des Be-
rufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, dem
Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt der Rückforderung gegenüber dem
Beschuldigten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
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