Decision ID: 652543a8-c004-4f35-a1a8-bceb3c4ffe28
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X lenkte am 23. August 2010 einen Personenwagen ohne Führerausweis, weshalb
ihm der Lernfahrausweis für sieben Monate (23. August 2010 bis 22. März 2011)
verweigert wurde. Den am 2. März 2012 erworbenen Führerausweis für Fahrzeuge der
Kategorie B entzog das Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen am 4. Dezember
2012 wegen Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts um 38
km/h für die Dauer von fünf Monaten (schwere Widerhandlung, Vollzug vom 1. März bis
31. Juli 2013). Da X am 1. Juli 2013 trotzdem ein Motorfahrzeug lenkte, verfügte das
Strassenverkehrsamt am 14. August 2013 einen zwölfmonatigen Führerausweisentzug
(schwere Widerhandlung, Vollzug vom 24. Dezember 2013 bis 23. Dezember 2014). Am
24. August 2018 wurde X wegen Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
auf der Autobahn um 26 km/h verwarnt.
B.- Am 28. Januar 2020, 19.30 Uhr, war X mit einem Personenwagen in Ricken
unterwegs. Es schneite und die Strasse war schneebedeckt. Da die vor ihm fahrenden
Fahrzeuge die Geschwindigkeit reduzierten, musste er ebenfalls bremsen. Dadurch
geriet sein mit Sommerpneus ausgerüstetes Fahrzeug auf der schneebedeckten
Fahrbahn ins Rutschen. X lenkte nach rechts, rammte einen weissen Markierungspfahl
und prallte schliesslich gegen die Fassade eines BP-Tankstellenshops. Wegen dieses
Vorfalls wurde X mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Uznach vom 27. März 2020
der groben Verletzung von Verkehrsregeln schuldig gesprochen und mit einer
bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 70.– und einer Busse von Fr. 450.–
bestraft. Dagegen erhob er keine Einsprache.
C.- Gestützt auf den rechtskräftigen Strafbefehl des Untersuchungsamts Uznach
verbot das Strassenverkehrsamt X das Führen von Motorfahrzeugen am 24. April 2020
vorsorglich ab sofort. Gleichzeitig wurde ihm das rechtliche Gehör zum vorgesehenen
Führerausweisentzug für unbestimmte Zeit gewährt. Den gegen den vorsorglichen
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Führerausweisentzug bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen
(VRK) erhobenen Rekurs zog X am 6. Mai 2020 zurück (Verfügung IV-2020/55 vom
7. Mai 2020). Mit Verfügung vom 19. Mai 2020 entzog das Strassenverkehrsamt den
Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für unbestimmte Zeit, mindestens für zwei Jahre ab dem
30. April 2020 (Ziffer 1 des Rechtsspruchs). Es hielt zudem fest, dass der
Führerausweis (Verlustanzeige) deponiert worden sei (Ziff. 2). Das Strassenverkehrsamt
machte die Wiedererteilung von einem positiv lautenden verkehrspsychologischen
Gutachten abhängig (Ziff. 3) und entzog einem allfälligen Rekurs die aufschiebende
Wirkung (Ziff. 4).
D.- Mit Eingabe vom 29. Mai 2020 erhob X durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
VRK. Er beantragte, die Ziffer 1 der vorinstanzlichen Verfügung vom 19. Mai 2020
(Führerausweisentzug für unbestimmte Zeit) sei aufzuheben und es sei ein
Führerausweisentzug von vier Monaten (Warnungsentzug) zu verfügen, die Ziffern 2
und 3 (Deponierung des Führerausweises/Anordnung einer verkehrspsychologischen
Begutachtung) seien vollumfänglich aufzuheben, die Ziffer 4 sei aufzuheben und dem
Rekurs sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt verzichtete mit Schreiben vom 30. Juni
2020 auf eine Vernehmlassung. Am 6. Juli 2020 wies der Verfahrensleiter das Gesuch
um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab (ZV-2020/39). Zudem teilte er den
Verfahrensbeteiligten mit Schreiben vom 5. November 2020 mit, dass das Gericht den
streitigen Vorfall auch hinsichtlich einer allfälligen Verletzung von Art. 29 SVG
(Betriebssicherheit) prüfen werde. Der Rekurrent äusserte sich dazu nicht. Auf die

Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 29. Mai 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
bis
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2.- Im Rekurs ist umstritten, ob es sich beim Vorfall vom 28. Januar 2020 um eine
schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16c
Abs. 1 lit. a des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) handelt.
a) aa) In tatsächlicher Hinsicht stellte das Untersuchungsamt fest, der Rekurrent habe
den mit Sommerpneus ausgestatteten Personenwagen bei starkem Schneefall auf der
schneebedeckten Rickenstrasse in Richtung Wattwil gelenkt. Er sei im zweiten Gang
mit ca. 30 bis 40 km/h gefahren und habe verkehrsbedingt bei der Tankstelle eingangs
des Dorfs Ricken abbremsen und in den ersten Gang zurückschalten müssen. Dabei
habe er infolge nicht angepasster Geschwindigkeit auf der schneebedeckten Strasse
die Kontrolle über seinen Personenwagen verloren. Da er befürchtet habe, gegen das
vor ihm bremsende Fahrzeug zu prallen, habe er seinen Personenwagen nach rechts
auf den Vorplatz der Tankstelle gelenkt und dabei einen weissen Markierungspfahl
umgefahren. Der Rekurrent habe versucht, den Personenwagen auf dem Vorplatz
anzuhalten. Das Fahrzeug sei jedoch auf der schneebedeckten Fahrbahn geradeaus
gerutscht, gegen die Fassade des Tankstellengebäudes geprallt und dort zum
Stillstand gekommen. Von diesem Sachverhalt ist im Folgenden auszugehen. Er wurde
zum einen vom Rekurrenten nicht bestritten und zum anderen sind keine ernsthaften
Gründe ersichtlich, davon abzuweichen. Dies entspricht dem Grundsatz der Einheit der
Rechtsordnung, wonach widersprüchliche Entscheide möglichst zu vermeiden sind.
Gemäss der Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde beim Entscheid über die
Massnahme von den tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters deshalb nur unter
bestimmten Voraussetzungen abweichen, so wenn die rechtliche Beurteilung sehr stark
von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die dem Strafrichter nicht bekannt waren
oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht
sämtliche Rechtsfragen abgeklärt, insbesondere die Verletzung bestimmter
Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 119 Ib 158 E. 3c und 136 II 447 E. 3.1). Die
Verwaltungsbehörde hat aber auch dabei den Grundsatz der Vermeidung
widersprüchlicher Urteile gebührend zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 1C_564/2019 vom 28. Mai 2020 E. 3.2; vgl. auch Entscheid der VRK IV-2016/2
vom 4. Juli 2016 E. 3b, im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort
unter Rechtsprechung). Diese Bindungswirkung erstreckt sich allerdings nicht auf die
Rechtsanwendung, namentlich die Würdigung der Schwere der Widerhandlung und
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des Verschuldens (vgl. Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015,
Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. SVG N 10 ff.).
bb) Im Strafverfahren wurde erwogen, der Rekurrent habe durch grobe Verletzung der
Verkehrsregeln – wonach die Geschwindigkeit den Strassenverhältnissen anzupassen
sei und der Fahrzeugführer langsam zu fahren habe, wenn die Strasse schneebedeckt
sei – eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen. Das Untersuchungsamt Uznach ging von einer Verletzung der
Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG aus, wonach mit Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren oder Geldstrafe sanktioniert wird, wer durch grobe Verletzung der
Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf
nimmt. Es stützte sich dabei auf den Polizeirapport und die polizeiliche Befragung des
Rekurrenten unmittelbar nach dem Unfall. Eine Einvernahme durch das
Untersuchungsamt oder weitergehende Untersuchungshandlungen wurden nicht
durchgeführt. Die Vorinstanz stützte ihre rechtliche Würdigung demnach auf die
gleichen tatsächlichen Grundlagen wie die Strafverfolgungsbehörde. Unter diesen
Umständen ist die Verwaltungsbehörde und somit auch die VRK nicht an die rechtliche
Würdigung der Strafverfolgungsbehörde gebunden. Das Gericht prüft (nachfolgend)
sowohl das Verschulden als auch das Ausmass der Gefährdung selbständig. Aus
diesem Grund schadete es hier nicht, dass der Rekurrent gegen die seiner Ansicht
nach unzutreffende Qualifikation im Strafbefehl keine Einsprache erhob; namentlich
richten sich seine Einwände gegen die rechtliche Beurteilung.
cc) Die Strafbehörde verurteilte den Rekurrenten, weil er die Geschwindigkeit nicht den
Umständen angepasst hatte (Art. 32 Abs. 1 SVG), zur Betriebssicherheit des Fahrzeugs
äusserte sie sich indessen nicht. Da sich der Unfall bei winterlichen Wetterverhältnissen
ereignete und das Fahrzeug unbestrittenermassen mit Sommerpneus ausgerüstet war,
erscheint indessen fraglich, ob dieses in betriebssicherem Zustand war. Daher ist der
Vorfall vom 28. Januar 2020 auch hinsichtlich einer allfälligen Verletzung von Art. 29
SVG zu prüfen.
b) Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Rekurrent den Personenwagen bei starkem
Schneefall und mit nicht an die Strassenverhältnisse angepasster Geschwindigkeit
gelenkt und eine Kollision verursacht habe. Er sei deshalb vom Untersuchungsamt
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Uznach gestützt auf Art. 90 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 1 SVG sowie Art. 4 Abs. 1 und 2
der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) verurteilt worden, was einer
schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG entspreche. Es bestehe kein Anlass, von dieser Beurteilung
abzuweichen.
Der Rekurrent hielt dem zusammengefasst entgegen, er habe sich lediglich einer
leichten bis mittelschweren Widerhandlung schuldig gemacht. Gemäss den Strafakten
habe er weder die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten noch einen zu
geringen Sicherheitsabstand zu den vor ihm fahrenden Personenwagen eingehalten. Es
sei vielmehr aktenkundig, dass die vor ihm verunfallten Fahrzeuge den Verkehrsunfall
ausgelöst hätten. Er habe im Vorfeld der Kollision keine spezifischen Verkehrsregeln
verletzt. Zudem hätten mehrere andere Fahrzeuge wegen der schwierigen Witterung
einen Unfall ebenfalls nicht verhindern können. Dies belege, dass der Vorfall vom 28.
Januar 2020 grösstenteils der witterungsbedingt schwierigen Situation und einer
Verkettung unglücklicher Umstände geschuldet gewesen sei. Sein Verhalten zeuge von
einem verantwortungsbewussten Verkehrsverhalten, zumal er mit seinem
Ausweichmanöver auf den Vorplatz der Tankstelle die Gefahr von Personenschäden
wirkungsvoll minimiert habe. Weder auf dem Vorplatz der Tankstelle noch auf der
Landstrasse hätten sich Fussgänger befunden. Durch das Ausweichmanöver habe er
zudem eine Kollision mit den vor ihm verunfallten Fahrzeugen verhindern können. Sein
Verhalten habe somit zu keinem Zeitpunkt zu einer ernstlichen Gefahr für die Sicherheit
anderer Personen geführt. Folglich habe lediglich eine einfache bis maximal leicht
erhöhte abstrakte Gefährdung vorgelegen. Insbesondere unter Berücksichtigung des
Ausweichmanövers könne ihm nur ein geringes Verschulden vorgeworfen werden.
c) aa) Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren
(Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte
Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr
für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft
(Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch
eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine
mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
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Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a
SVG). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn
nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle qualifizierenden
Bestandteile einer schweren Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft zur Änderung
des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4487).
Eine schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG entspricht einer
groben Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG. Der Tatbestand ist nach
der Rechtsprechung objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in
objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet.
Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
ist bereits beim Vorliegen einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Die erhöhte
abstrakte Gefahr setzt die naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
Verletzung voraus (BGer 6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.1; Weissenberger,
a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 16a bis c SVG N 4).
In subjektiver Hinsicht ist ein schweres Verschulden nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
gegeben, wenn der Lenker mindestens grobfahrlässig handelt (BGer 1C_282/2011 vom
27. September 2011 E. 3.2). Diese ist zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen
Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit
kann aber auch vorliegen, wenn er die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer
pflichtwidrig gar nicht in Betracht gezogen, also unbewusst fahrlässig gehandelt hat. In
solchen Fällen ist grobe Fahrlässigkeit zu bejahen, wenn das Nichtbedenken der
Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht (BGE 118 IV
285 E. 4 mit Hinweisen). Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses Verhalten
gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem blossen (momentanen)
Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen (BGE 131 IV 133 E. 3.2).
bb) Fahrzeuge dürfen nur in betriebssicherem und vorschriftsgemässem Zustand
verkehren. Sie müssen so beschaffen und unterhalten sein, dass die Verkehrsregeln
befolgt werden können und dass Führer, Mitfahrende und andere Strassenbenützer
nicht gefährdet und die Strassen nicht beschädigt werden (Art. 29 SVG). Obschon in
der Schweiz kein Winterreifenobligatorium besteht, kann ein Fahrzeug mit
Sommerpneus im Winter als nicht betriebssicher gelten. Gemäss bundesgerichtlicher
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Rechtsprechung verletzte ein ortskundiger Fahrzeugführer, der trotz dauerhaften und
beträchtlichen Schneefalls bei tiefen Temperaturen mit Sommerpneus eine stark
geneigte Strasse befuhr, obwohl er wusste, dass die Nebenstrassen um diese Zeit
noch nicht vom Schnee befreit worden waren und er die starke Neigung der Strasse
kannte, gegen Art. 29 SVG. Der Führer des Fahrzeugs hätte bei diesen Verhältnissen
entweder die Ausstattung seines Fahrzeugs anpassen müssen oder diese Strasse nicht
befahren sollen (BGer 6S.17/2007 vom 14. März 2007 E. 2.2; vgl. auch Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.2008.00429 vom 8. April 2009 E. 4.3, im
Internet abrufbar unter: www.zh.ch/de/gerichte-notariate/verwaltungsgericht und dort
unter Rechtsprechung; BSK SVG-C. Schenk, Basel 2014, Art. 29 N 41; Weissenberger,
a.a.O., Art. 29 SVG N 12).
cc) Die Geschwindigkeit ist stets den Umständen anzupassen, namentlich den
Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung, sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen. Wo das Fahrzeug den Verkehr stören könnte, ist langsam zu fahren
und nötigenfalls anzuhalten, namentlich vor unübersichtlichen Stellen, vor nicht frei
überblickbaren Strassenverzweigungen sowie vor Bahnübergängen (Art. 32 Abs. 1
SVG). Hinsichtlich der Strassenverhältnisse schreibt Art. 4 Abs. 2 VRV vor, dass der
Fahrzeugführer langsam zu fahren habe, wo die Strasse verschneit, vereist, mit nassem
Laub oder mit Splitt bedeckt sei, besonders, wenn Anhänger mitgeführt würden.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist unter anderem dann von einer
nicht angepassten Geschwindigkeit auszugehen, wenn ein Fahrzeug auf einer vereisten
Strasse ins Rutschen kommt, obwohl der Fahrzeuglenker die Gefahr aufgrund der
Umstände hätte voraussehen können (vgl. BGer 4A_76/2009 vom 6. April 2009 E. 3.3;
BGE 115 IV 241).
d) aa) Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 28. Januar 2020 gab der Rekurrent
an, er sei nach rechts auf den Vorplatz der Tankstelle ausgewichen, um nicht mit dem
Auto vor ihm zu kollidieren. Dieses habe abbremsen müssen, weil ein weiteres
Fahrzeug ins Rutschen geraten und gegen die Tankstelle geprallt sei (act. 10/22). Auch
wenn der Rekurrent nach eigenen Angaben und den Feststellungen im Strafbefehl mit
30 bis 40 km/h unterwegs war, konnte er sein Fahrzeug nicht mehr rechtzeitig
bremsen, was darauf schliessen lässt, dass die von ihm gewählte Geschwindigkeit
nicht den winterlichen Strassenverhältnissen angepasst war. Er konnte mit dem
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Ausweichmanöver nach rechts auf den Platz der Tankstelle zwar eine Kollision mit dem
vorderen oder einem entgegenkommenden Fahrzeug verhindern, schuf damit aber eine
nicht minder gefährliche Situation auf dem Vorplatz der öffentlich zugänglichen
Tankstelle, wo sich gemäss der Fotodokumentation der Kantonspolizei auch ein
Tankstellenshop befindet (act. 10/18 f.). Ins Gewicht fällt, dass der Rekurrent
offensichtlich die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und den weiteren Verlauf des
Unfalls nicht mehr beeinflussen konnte. Dies zeigte sich daran, dass er beim
Ausweichmanöver einen Strassenpfosten umfuhr, sein Fahrzeug nicht mehr abbremsen
konnte und schliesslich in die Fassade des Tankstellenshops prallte. Dass bei diesem
Ausweichmanöver niemand zu Schaden kam, ist deshalb weniger dem
verantwortungsbewussten Verkehrsverhalten des Rekurrenten zu verdanken, wie
vorgebracht wurde, als vielmehr glücklichen Umständen. Nach der allgemeinen
Lebenserfahrung besteht in nicht kontrollierbaren Situationen ein grosses Risiko von
Folgeunfällen, weil das Verhalten eines solchen Fahrzeugs unberechenbar ist. Weder
wäre der Rekurrent in der Lage gewesen, situationsgerecht auf übrige
Verkehrsteilnehmer zu reagieren, noch hätten diese das Verhalten des ins Rutschen
geratenen Wagens abschätzen können. Dies wäre im Übrigen nicht anders gewesen,
wenn der Rekurrent nicht nach rechts, sondern nach links auf die Gegenfahrbahn
ausgewichen wäre. Das Bundesgericht geht deshalb in solch nicht mehr
kontrollierbaren Situationen von einer schweren Verkehrsgefährdung aus (vgl. BGE 126
II 192 E. 2b). Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Rekurrent mit Sommerpneus
unterwegs war. Angesichts der zunehmend schneebedeckten Fahrbahn hätte er die
Rutschgefahr erkennen und entweder Schneeketten montieren, eine andere, nicht
schneebedeckte Route wählen oder die Fahrt abbrechen können (vgl. BGer 6S.
17/2007 vom 14. März 2007 E. 2.2). Es obliegt dem Fahrzeuglenker, auf
witterungsbedingte Strassenverhältnisse Rücksicht zu nehmen und geeignete
Gleitschutzmittel zu verwenden (BGE 98 II 40 E. 2). Der Rekurrent tat jedoch nichts
dergleichen und fuhr mit dem nicht für winterliche Strassenverhältnisse ausgerüsteten
Fahrzeug weiter. Demnach ist dem Rekurrenten nicht nur eine nicht den Umständen
angepasste Geschwindigkeit vorzuwerfen (Art. 32 Abs. 1 SVG), was an sich schon zu
einer schweren Verkehrsgefährdung führte, sondern auch die Verwendung eines nicht
betriebssicheren Fahrzeugs (Art. 29 SVG). Zu prüfen bleibt das Verschulden des
Rekurrenten.
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cc) Im Strafverfahren wurde zu Recht festgehalten, dass die Geschwindigkeit von 30
bis 40 km/h den Strassenverhältnissen (schneebedeckte Strasse) nicht angepasst war
(act. 10/28); dies allein war schon grobfahrlässig und führte zum Schuldspruch wegen
grober Verkehrsregelverletzung. In der polizeilichen Befragung vom 28. Januar 2020
gab der Rekurrent zu Protokoll, kurz nach Gebertingen – einer Ortschaft, die sich rund
3,5 Kilometer entfernt vom Unfallort befindet – sei die Strasse schneebedeckt
gewesen. Er setzte die Fahrt fort, obwohl er wusste, dass sein Fahrzeug nur mit
Sommerpneus ausgestattet war. Angesichts der winterlichen Verhältnisse und der
schneebedeckten Fahrbahn hätte sich der Rekurrent zumindest vergewissern müssen,
wie es um die Griffigkeit der neuen Reifen stand, zumal er die Sommerpneus erst im
Januar habe montieren lassen, weil er davon ausgegangen sei, es gäbe keinen Schnee
mehr (act. 10/24), und deshalb wissen musste, dass die Reifen für winterliche
Verhältnisse ungeeignet waren. Hinzu kommt, dass der Rekurrent nicht mit einer
Verbesserung der Strassenverhältnisse rechnen durfte, da Ricken rund 85 Meter höher
liegt als Gebertingen. Vor diesem Hintergrund hätte er die schwere Verkehrsgefährdung
voraussehen können und müssen. Indem er trotz der ungenügenden Bereifung
weiterfuhr – und zwar mit einer nicht den Strassenverhältnissen angepassten
Geschwindigkeit –, liess er elementare Vorsichtsgebote unbeachtet und handelte damit
zumindest grobfährlässig. Ihm ist deshalb in subjektiver Hinsicht ein schweres
Verschulden nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vorzuwerfen (vgl. BGer 1C_282/2011,
a.a.O., E. 3.2).
dd) Somit ergibt sich, dass der Rekurrent am 28. Januar 2020 durch grobfahrlässiges
Verhalten eine ernstliche Gefahr für die übrigen Verkehrsteilnehmer hervorrief. Dies ist
als schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG zu qualifizieren.
e) Nach einer schweren Widerhandlung wird der Lernfahr- oder Führerausweis für
unbestimmte Zeit, mindestens aber für zwei Jahre entzogen, wenn in den
vorangegangenen zehn Jahren der Ausweis zweimal wegen schweren
Widerhandlungen oder dreimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen
entzogen war; auf diese Massnahme wird verzichtet, wenn die betroffene Person
während mindestens fünf Jahren nach Ablauf eines Ausweisentzugs keine
Widerhandlung, für die eine Administrativmassnahme ausgesprochen wurde, begangen
hat (Art. 16c Abs. 2 lit. d SVG).
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Es ist unbestritten, dass der Führerausweis in den vergangenen zehn Jahren zweimal
wegen schwerer Widerhandlungen entzogen war, und zwar vom 1. März bis 31. Juli
2013 und vom 24. Dezember 2013 bis 23. Dezember 2014. Dies ergibt sich auch aus
dem Informationssystem über die Verkehrszulassung (IVZ, act. 10/25). Da der
Rekurrent zudem am 24. August 2018 – mithin innerhalb von fünf Jahren nach Ablauf
des letzten Ausweisentzugs – verwarnt wurde, sind die Voraussetzungen von Art. 16c
Abs. 2 lit. d SVG erfüllt. Der von der Vorinstanz verfügte Führerausweisentzug für
unbestimmte Zeit (mindestens für zwei Jahre, ab 30. April 2020) erweist sich demnach
als rechtmässig.
3.- Der Rekurrent wendet sich mit seiner Eingabe auch gegen die Ziffer 3 der
angefochtenen Verfügung, wonach die Wiedererteilung des Führerausweises von
einem positiv lautenden verkehrspsychologischen Gutachten abhängig gemacht
wurde. Er bringt im Wesentlichen vor, bei ihm bestehe weder eine Charakterschwäche
noch ein psychisches Problem aufgrund eines Suchtleidens. Es bestünden somit keine
Gründe für die Anordnung einer verkehrspsychologischen Begutachtung.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich beim
Führerausweisentzug für unbestimmte Zeit bei wiederholtem Rückfall nach Art. 16c
Abs. 2 lit. d SVG um einen Sicherungsentzug, da dieser auf einer unwiderlegbaren
Vermutung der fehlenden Fahreignung aus charakterlichen Gründen gemäss Art. 16d
Abs. 1 lit. c SVG beruht (vgl. BGE 141 II 220 E. 3.2). Der Führerausweis kann deshalb
nur wiedererteilt werden, wenn der Rekurrent die Behebung des charakterlichen
Mangels nachweist (vgl. Art. 17 Abs. 3 SVG). Da somit die charakterliche Fahreignung
zur Diskussion steht, wird nach Ablauf der Sperrfrist zu überprüfen sein, inwieweit der
Rekurrent Gewähr bietet, dass er künftig als Motorfahrzeugführer die Vorschriften
beachten wird. In der Schweiz werden diese verkehrsrelevanten
Persönlichkeitseigenschaften in der Regel mittels einer verkehrspsychologischen
Eignungsuntersuchung erfasst (vgl. Haag/Grimm, Die verkehrspsychologische
Untersuchung, in: Handbuch der verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005,
S. 87 f.; Bächli/Biétry, Zum Einsatz von Persönlichkeitsfragebogen in
verkehrspsychologischen Eignungsuntersuchungen – eine vergleichende Studie, in:
R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2015, S. 250). Es ist
daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz in Ziffer 3 der angefochtenen
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Verfügung den Nachweis der Fahreignung mittels eines verkehrspsychologischen
Gutachtens verlangte.
4.- Zusammengefasst ergibt sich, dass es sich beim Unfall vom 28. Januar 2020 um
eine schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG handelte und der
Führerausweis aufgrund der zwei früheren schweren Widerhandlungen und einer
weniger als fünf Jahre zurückliegenden Verwarnung wegen einer
Geschwindigkeitsüberschreitung zu Recht für unbestimmte Zeit, mindestens aber für
zwei Jahre, entzogen wurde (Art. 16c Abs. 2 lit. d SVG). Ebenso ist nicht zu
beanstanden, dass die Vorinstanz zum Nachweis der Fahreignung ein
verkehrspsychologisches Gutachten verlangte. Der Rekurs ist abzuweisen.
Das Vorbringen des Rekurrenten, als Geschäftsführer sei er dringend auf den
Führerausweis angewiesen, weil er seine Mitarbeiter zu den Baustellen fahren müsse,
ändert an der Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung nichts. Ein
Sicherungsentzug bezweckt die Fernhaltung ungeeigneter Fahrzeugführer vom
Verkehrsgeschehen, und zwar bis der Mangel als geheilt zu betrachten ist. Bis dahin
hat eine allfällige Sanktionsempfindlichkeit keinen Einfluss auf die Beurteilung der
Notwendigkeit des Sicherungsentzugs (BGer 6A.77/2003 vom 22. März 2004 E. 2.5.2).
5.- Die Massnahme des Sicherungsentzugs soll sicherstellen, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn der Rekurrent während eines
Rechtsmittelverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die gesetzlich vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 und Art. 51 VRP).
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.–, worunter die
Kosten von Fr. 200.– für die Zwischenverfügung zur aufschiebenden Wirkung vom
6. Juli 2020, erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziffn. 111 und 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist
damit zu verrechnen.
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Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).