Decision ID: d7024c10-1fcb-4811-aebb-d3cf9a52869b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B._ wurde im Juni 2006 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
angemeldet (IV-act. 1). Der Pädiater Dr. med. C._ berichtete im August 2006 (IV-act.
9), der Versicherte zeige massive Verhaltensauffälligkeiten und eine Störung des
Sozialverhaltens. Seit September 2005 erhalte er eine Psychotherapie. Diese müsse
unbedingt fortgesetzt werden. Im Oktober 2006 erteilte die IV-Stelle gestützt auf den
Art. 12 IVG eine Kostengutsprache für eine ambulante Psychotherapie (IV-act. 13). Im
Februar 2007 wurde der Versicherte in eine „Time Out“-Schule versetzt; die Lehrer und
die Psychotherapeutin erachteten eine Beschulung in einer Regelklasse als
ausgeschlossen (vgl. IV-act. 16). Die IV-Stelle verlängerte die Kostengutsprache für die
Psychotherapie (IV-act. 22 und 28) und eröffnete im September 2010 ein Verfahren
betreffend berufliche Massnahmen (vgl. IV-act. 39). Der Versicherte befand sich damals
in einer Sonderschule. Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle empfahl im Juni
2012 eine
Attestausbildung in einem geschützten Rahmen (IV-act. 57). Von August 2013 bis Juli
2016 absolvierte der Versicherte eine Ausbildung zum Kaufmann Profil B in einem
geschützten Rahmen (vgl. IV-act. 67, 70 und 142 f.). Der Psychotherapeut Dr. phil.
A.a.
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D._, der zwischenzeitlich die psychotherapeutische Behandlung übernommen hatte,
hatte im Februar 2015 berichtet (IV-act. 105), seit Sommer 2014 nehme der Versicherte
auf seine Empfehlung hin Ritalin ein, worauf er gut anspreche. Eine
Standortbestimmung im Februar 2014 habe ergeben, dass der Versicherte über sehr
erfolgsversprechende kognitive Fähigkeiten verfüge, vor allem im mathematischen
Bereich. Da die vergangene Schulkarriere von vielen Misserfolgen geprägt sei, hätten
sich im Test massive Bildungslücken in den traditionellen Schulfächern abgebildet. In
der Therapie habe die Regulation von Stresssituationen verbessert werden können.
Dadurch habe sich auch die Prüfungsangst zusehends verringert. In der Folge habe der
Versicherte verschiedentlich gute Erfolge erzielt, was ihn weiter motiviert habe. Auch
die depressiven Verstimmungen hätten sich zurückgebildet; sie seien nur sporadisch,
meist durch schwere Belastungen im familiären Umfeld ausgelöst (Ermordung des
„Lieblingscousins“ im Herkunftsland, Alkoholprobleme des ältesten Bruders,
Arbeitslosigkeit des zweitältesten Bruders, schizophrene Erkrankung des Vaters),
wieder aufgetreten.
Im Dezember 2017 liess der Versicherte der IV-Stelle einen Arbeitsvertrag zugehen
(IV-act. 148): Die E._ AG hatte ihn für die Zeit vom 11. September 2017 bis zum 10.
Dezember 2017 in einem Pensum von 50 Prozent als „Cash Controller“ bei der F._
AG eingesetzt (IV-act. 149). Gegenüber der Eingliederungsverantwortlichen der IV-
Stelle erklärte der Versicherte, dass er mit einer unbefristeten Anstellung im Januar
2018 rechne; aufgrund des weiten Arbeitsweges würde er gerne in einem Pensum von
80 Prozent arbeiten (IV-act. 150). Mit einer Mitteilung vom 15. Dezember 2017 schloss
die IV-Stelle das Verfahren betreffend berufliche Eingliederungsmassnahmen ab;
zugleich verneinte sie einen Rentenanspruch (IV-act. 152).
A.b.
Am 26. Februar 2018 wandte sich der Versicherte mit einer elektronischen
Nachricht mit dem Betreff „Wiederanmeldung für berufliche Massnahmen“ an die IV-
Stelle (IV-act. 153). Er führte aus, nach dem Lehrabschluss sei es ihm soweit gut
gegangen. Er habe an verschiedenen Arbeitsplätzen gearbeitet, was alles gut
gegangen sei. Danach sei es ihm schlechter gegangen. Er habe ein „Burnout“ erlitten
und sehr grosse psychische Probleme bekommen, weshalb er nicht mehr habe
arbeiten können. Er sei in eine Halbtagesklinik gegangen und befinde sich in
psychologischer Betreuung. Seine ehemalige Berufsberaterin der IV-Stelle habe ihm
A.c.
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empfohlen, eine Wiederanmeldung einzureichen. Die IV-Stelle forderte den
Versicherten am 27. Februar 2018 auf, sich mittels des dafür vorgesehenen Formulars
zum Leistungsbezug anzumelden (IV-act. 154). Das ausgefüllte Formular ging ihr am 5.
März 2018 zu (IV-act. 155). Am 6. März 2018 forderte die IV-Stelle den Versicherten
auf, eine relevante Sachverhaltsveränderung seit dem 15. Dezember 2017 glaubhaft zu
machen (IV-act. 159). Der Psychiater G._ teilte der IV-Stelle am 15. Juni 2018 mit (IV-
act. 166), der Versicherte leide an einer schizo-affektiven Störung, an einer Angst- und
Panikstörung sowie an einem Status nach einem ADHS in der Kindheit und Jugend.
Seit Mitte März 2018 befinde er sich in fachärztlicher Behandlung. Er benötige eine
Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung. Die Klinik H._ hatte am 29.
Januar 2018 berichtet (IV-act. 178), der Versicherte sei in der Zeit vom 15. bis zum 26.
Januar 2018 tagesklinisch behandelt worden. Er leide an einer Panikstörung sowie an
einer schizo-affektiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen depressiven
Episode. Er habe angegeben, dass sich die aktuelle Problematik im November 2017
entwickelt habe. Ende November 2017 sei er nach einem harten Arbeitstag in sein
Herkunftsland gereist. Er habe insgesamt mehr als 40 Stunden lang nicht geschlafen.
Dann habe er nicht einschlafen können. Er sei beinahe verrückt geworden, habe sich in
der fremden Welt hilflos gefühlt und Blitzschläge in seinem Kopf gespürt. Dadurch sei
er in Panik geraten. Nach zwei Tagen sei alles wieder gut gewesen. Kurze Zeit später,
zurück in der Schweiz, habe er plötzlich Herzrasen bekommen. Eine organische
Ursache habe ausgeschlossen werden können. Temesta habe geholfen. Kurz darauf
habe er erneut eine Panikattacke beim Coiffeur bekommen, dann eine weitere bei
einem Abendessen. Da diese Attacken immer bei Tätigkeiten ausser Haus aufgetreten
seien, habe er sich mittlerweile von fast allen Bekannten und Freunden zurückgezogen.
Er lebe mit dem Gefühl, dass er „in die andere Welt abdriften“ würde; mit viel Disziplin
könne er das aber verhindern. Das sei sehr ermüdend, weshalb er völlig ausgelaugt sei.
Die behandelnden Ärzte hielten fest, der Zustand des Versicherten habe in der
zweiwöchigen Behandlung stabilisiert werden können. Aufgrund der schwer
ausgeprägten Angstsymptomatik, den weiterhin vorherrschenden Gedankenmustern
und der kurzen Behandlungsdauer sei keine valide Prognose möglich; diese falle
jedoch eher ungünstig aus.
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Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Psychiater med. pract. I._ von der
Neurologie Toggenburg AG am 20. Februar 2020 ein fachärztliches Gutachten (IV-act.
221). Er hielt fest, der Versicherte sei während der gesamten Untersuchung massiv
angespannt und unruhig gewesen. Er habe ängstlich und verzweifelt gewirkt.
Insgesamt habe er den Eindruck einer starken psychischen Beeinträchtigung
hinterlassen. In der Untersuchung habe er sich freundlich verhalten und alle Fragen
kooperativ beantwortet. Mitunter habe er Schwierigkeiten gehabt, sozio-biographische
Fakten im Zeitgitter einzuordnen. Das Langzeit- und das Kurzzeitgedächtnis seien aber
im Wesentlichen intakt gewesen. Die Konzentration und die Aufmerksamkeit seien
vermindert gewesen, obwohl der Versicherte sich stark bemüht habe. Der formale
Gedankengang sei in sich geordnet, aber verlangsamt gewesen. Der Versicherte habe
über eine Angst vor Panikattacken, über täglich beginnende Panikattacken, über
Ängste bezogen auf seine Einschränkungen, über eine Vermeidung von sozialen
Situationen und über Zwangsgedanken berichtet. Hinweise für inhaltliche
Denkstörungen seien nicht erkennbar gewesen. Der Versicherte habe über fragliche
akustische Halluzinationen berichtet, wobei sich aber nicht habe klären lassen, ob er
eine innere Stimme höre oder ob es sich einfach nur um Gedanken handle. Er habe
eine Depersonalisation und Phänomene von Störungen der Ich-Demarkation sowie der
Ich-Identität beschrieben. In der Untersuchung sei er ängstlich, depressiv
herabgestimmt, modulationsarm und kaum auslenkbar gewesen. Der Sachverständige
habe ein ausgeprägtes Insuffizienzerleben feststellen können. Der Versicherte sei
innerlich unruhig sowie ängstlich angespannt gewesen und er habe eine Unruhe der
oberen und unteren Extremitäten gezeigt. Die Laboranalyse habe die regelmässige
Einnahme der verordneten Medikamente sowie die Angabe des Versicherten bestätigt,
dass er vor einiger Zeit aufgehört habe, die Symptome der Erkrankung mit Alkohol zu
betäuben. Gestützt auf die Vorakten sei davon auszugehen, dass zunächst nur
psychosoziale Verhaltensauffälligkeiten, am ehesten vor dem Hintergrund einer
belastenden familiären Situation (Krankheit des Vaters), vorgelegen hätten. Im Verlauf
habe sich eine Verbesserung eingestellt. Retrospektiv sei in Erwägung zu ziehen, dass
die mangelnden Fähigkeiten zur Strukturierung und Konzentration bereits
„Vorpostensymptome“ (Prodromalsymptome) der späteren Grunderkrankung gewesen
sein könnten. Das Bestehen einer schizo-affektiven Störung sei erst seit Januar 2018
nachgewiesen. Diese Störung habe in der aktuellen Untersuchung nachgewiesen
A.d.
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B.
werden können, wobei im Untersuchungszeitpunkt eine mittelgradige depressive
Episode vorgelegen habe. Hinweise auf das Vorhandensein einer Restsymptomatik
eines ADHS hätten nicht vorgelegen. Störungsbedingt bestünden ausgeprägte
Einschränkungen bereits im Bereich der alltäglichen Belange. In der Untersuchung sei
deutlich geworden, dass die verschiedenen medikamentösen
Behandlungsmassnahmen bis anhin keinen ausreichenden Erfolg gezeitigt hätten, da
sich der Versicherte weiterhin in einem spürbar psychisch stark beeinträchtigten
Zustand befunden habe. Der Versicherte sei nicht arbeitsfähig. Im März 2020 notierte
Dr. med. J._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 227), das
Gutachten überzeuge. Eine Therapieauflage im Sinne einer administrativ angeordneten
Schadenminderungspflicht sei aus medizinisch-theoretischer Sicht in der vorliegenden
Konstellation – bereits erfolgte ambulante, tagesklinische und stationäre Behandlung;
weiter laufende ambulante psychiatrische und psychopharmakologische Behandlung –
weder empfehlenswert noch zielführend. Eine Mitarbeiterin des Rechtsdienstes notierte
im April 2020, das psychiatrische Gutachten belege unter Berücksichtigung der
Würdigung des RAD-Arztes Dr. J._ eine vollständig aufgehobene Arbeitsfähigkeit bei
nur fraglichen Erfolgsaussichten durch weitere therapeutische Massnahmen (IV-act.
228). Mit einem Vorbescheid vom 21. April 2020 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab dem 1. Februar 2019 in Aussicht (IV-
act. 231). Mit einer Verfügung vom 6. August 2020 sprach sie dem Versicherten mit
Wirkung ab dem 1. Februar 2019 eine ganze Rente im Betrag von 1’580 Franken pro
Monat zu (IV-act. 238).
Am 10. September 2020 liess die Pensionskasse A._ (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. August 2020
erheben (act. G 1). Der Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Festsetzung des Beginns der einjährigen Wartezeit auf einen Zeitpunkt,
bevor der Versicherte bei der Beschwerdeführerin versichert gewesen sei, spätestens
auf den 10. September 2017, sowie eventualiter die Rückweisung der Sache zur
Neubeurteilung an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur
Begründung führte er aus, der Versicherte leide seit seiner Kindheit an psychischen
Beschwerden. Diese hätten ihn ohne Unterbrechung bis heute beeinträchtigt. Die die
B.a.
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Wartefrist auslösende wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei folglich
nicht erst im Februar 2018, sondern schon viel früher eingetreten. Der Versicherte habe
die schulische Ausbildung in einer Regelklasse begonnen, aber – trotz intensiver
psychotherapeutischer Begleitung – nicht in einer Regelklasse abschliessen können.
Eine Eingliederungsverantwortliche der Beschwerdegegnerin habe im Juni 2012
festgehalten, dass die Invalidität des Versicherten ausgewiesen sei und dass er
zwingend einen geschützten Rahmen für die Ausbildung benötige. Auch während der
Ausbildung habe der Versicherte weiterhin eine Psychotherapie benötigt. Rückblickend
zeige sich, dass nur schon kurze Unterbrechungen der Behandlung jeweils umgehend
zu einer Verschlechterung des psychischen Zustandes geführt hätten. Der Versicherte
habe nur sehr kurz gearbeitet, er habe die Arbeitsstellen jeweils kurz nach Antritt
wieder verlassen und er habe ab September 2017 nur in einem Teilpensum von
zunächst 50 Prozent und anschliessend 80 Prozent gearbeitet. Er sei gar nie
uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 14. Dezember 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, der Versicherte habe im Juli 2016
eine dreijährige Berufslehre zum Kaufmann Profil B abgeschlossen. Ihm sei es als
einem von wenigen Jugendlichen, die im Sonderschulheim K._ platziert gewesen
seien, gelungen, direkt in diese dreijährige Ausbildung einzusteigen. Das dritte Lehrjahr
habe er nicht mehr in einem geschützten Rahmen, sondern auf dem ersten
Arbeitsmarkt absolviert. Im Anschluss habe er auf eigene Faust Stellen auf dem ersten
Arbeitsmarkt gesucht und auch gefunden. Ab September 2017 habe er zu 50 Prozent
für die E._ AG gearbeitet. Da er diese Tätigkeit zur besten Zufriedenheit der
Vorgesetzten ausgeübt habe, sei ihm ein Angebot für eine unbefristete Anschlussstelle
unterbreitet worden. Die medizinischen Berichte belegten erst für die Zeit ab Januar
2018 eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Der Sachverständige I._
habe die relevanten Akten eingehend gewürdigt und überzeugend aufgezeigt, dass die
länger dauernde Arbeitsunfähigkeit erst im Januar 2018 eingetreten sei. Darauf sei
abzustellen. Augenfällig sei auch, dass die Probleme in der Kindheit und in der
Ausbildung nicht mit den aktuell geschilderten gesundheitlichen Problemen
übereinstimmten. Da sich der Versicherte bereits im März 2018 zum Leistungsbezug
B.b.
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Erwägungen
1.
angemeldet habe, erweise sich die Zusprache einer Rente mit Wirkung ab dem 1.
Februar 2019 als rechtmässig.
Die Beschwerdeführerin liess am 16. April 2021 an ihren Anträgen festhalten (act.
G 15). Die Beschwerdegegnerin hielt am 20. Mai 2021 ebenfalls an ihrem Antrag fest
(act. G 17).
B.c.
Der Versicherte liess am 12. Oktober 2021 Stellung nehmen (act. G 28). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte er
aus, die Beschwerdegegnerin habe in ihren Eingaben an das Versicherungsgericht
überzeugend aufgezeigt, dass der Versicherte erst im Januar 2018 arbeitsunfähig
geworden sei. Die dann eingetretene Gesundheitsbeeinträchtigung sei etwas anderes
als die Probleme in der Kindheit und in der Ausbildung gewesen.
B.d.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (act. 32). Die
Beschwerdegegnerin nahm ebenfalls keine Stellung mehr.
B.e.
Am 2. Dezember 2021 wurde dem Versicherten die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren bewilligt (act. G 39).
B.f.
Zur Erhebung einer Beschwerde gegen eine Verfügung einer IV-Stelle ist laut dem
Art. 59 ATSG berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung berührt ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 59 Abs. 1
ATSG). Praxisgemäss wird die Beschwerdelegitimation bejaht, wenn ein praktisches
oder rechtliches Interesse an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung geltend
gemacht werden kann. Ein solches Interesse ist gegeben, wenn die allfällige
Gutheissung der Beschwerde einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder
anderweitiger Natur vermeidet, wobei der Beschwerdeführer aber stärker als
jedermann von der angefochtenen Verfügung betroffen sein und in einer
beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache stehen muss (vgl. etwa Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 59 N 9 f., mit Hinweisen).
1.1.
Entgegen einer anderslautenden Praxis des Bundesgerichtes (vgl. etwa BGE 132 V
1 oder das Urteil 9C_66/2015 vom 9. Juni 2015, E. 1.3) geht das Versicherungsgericht
1.2.
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des Kantons St. Gallen davon aus, dass keine gesetzliche Grundlage für eine Bindung
der beruflichen Vorsorgeeinrichtung an eine Verfügung der IV-Stelle existiert. Zwar
heisst es in den Art. 23 f. BVG, dass der Invaliditätsgrad „im Sinne der
Invalidenversicherung“ massgebend sei, und im Art. 26 BVG, dass sich der
Rentenbeginn nach den Bestimmungen des IVG richte, aber damit lässt sich jene
strikte Bindungswirkung, wie sie das Bundesgericht postuliert, nicht begründen. Aus
der Botschaft des Bundesrates zum BVG vom 19. Dezember 1975 (BBl 1976 I 149 ff.)
geht hervor, dass der Gesetzgeber mit den erwähnten Formulierungen nur eine
Reduktion des Sachverhaltsabklärungsaufwandes der beruflichen
Vorsorgeeinrichtungen angestrebt hat. Ihm ist nämlich bewusst gewesen, dass die
Invaliditätsdefinition (und damit der Invaliditätsgrad) sowie der Rentenbeginn in der
beruflichen Vorsorge in zahlreichen Fallkonstellationen von der Invaliditätsdefinition und
dem Rentenbeginn in der Invalidenversicherung abweichen können (reglementarische,
vom Gesetz abweichende Invaliditätsdefinitionen, Teilerwerbstätigkeit, Aufschub der
Rente bei Vorhandensein einer Krankentaggeldversicherung, verspätete Anmeldung
etc.; vgl. BBl 1976 I 232). Der Gesetzgeber hat also gar keine einheitliche
Sachverhaltswürdigung angestrebt, sondern nur den Vorsorgeeinrichtungen die
Sachverhaltsabklärung erleichtern wollen. Diese Erleichterung wird bereits erreicht,
wenn eine berufliche Vorsorgeeinrichtung die Akten der Invalidenversicherung einsehen
kann. Dafür braucht es ganz offenkundig keine Bindungswirkung. Schon vor bald 15
Jahren ist deshalb in der Lehre die Ansicht vertreten worden, die angebliche positiv-
rechtliche Verankerung der Bindungswirkung könne „offensichtlich“ nicht aus den Art.
23 ff. BVG abgeleitet werden (Ueli Kieser, Bindungswirkung der
Invaliditätsschätzungen, in: Sozialversicherungsrechtstagung 2008, S. 74 f.); die Praxis
des Bundesgerichtes sei von Beginn weg unausgegoren gewesen und führe nur zu
Konfusionen im Bereich des koordinationsrechtlichen Beschwerderechtes (Franz
Schlauri, Koordinationsfragen in der Unfallversicherung – de lege lata und ferenda, in:
SZS 2008, S. 234 f.).
Zudem ist die Annahme, der BV-Gesetzgeber habe im BVG den IV-Stellen
irgendwelche Pflichten auferlegen wollen, unhaltbar. Wenn der Gesetzgeber die IV-
Stellen hätte in die Pflicht nehmen wollen, hätte er entsprechende Bestimmungen ins
IVG eingefügt, wie er dies beispielsweise bezüglich den Ergänzungsleistungen getan
hat (vgl. Art. 57 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 41 Abs. 1 lit. k IVV). Eine gesetzliche Grundlage
für die vom Bundesgericht postulierte Bindungswirkung kann auch nicht im Art. 49
Abs. 4 ATSG erblickt werden, der die IV-Stellen verpflichtet, ihre Verfügungen auch
jenen anderen Sozialversicherungsträgern zu eröffnen, deren Leistungspflicht von der
IV-Verfügung tangiert wird, denn diese Pflicht bezieht sich augenscheinlich auf die
1.3.
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intersystemische Leistungskoordination (Art. 64 ff. ATSG); sie enthält eindeutig keinen
Hinweis auf eine Bindungswirkung zwischen den Sozialversicherungsträgern. Im
Übrigen erklärt das BVG das ATSG als nicht anwendbar. Wenn es aber selbst zwischen
zwei dem ATSG unterstellten Sozialversicherungsträgern keine Bindungswirkung
(mehr) gibt (vgl. BGE 131 V 362 und BGE 133 V 549 betreffend das Verhältnis zwischen
der Invaliden- und der Unfallversicherung), kann es erst recht keine Bindungswirkung
zwischen einem dem ATSG unterstellten und einem nicht dem ATSG unterstellten
Sozialversicherungsträger geben. Daran ändert das Streben nach einem einheitlichen
Invaliditätsbegriff nichts, das vom Bundesgericht für das Verhältnis zwischen der
Invalidenversicherung und der beruflichen Vorsorge nach wie vor als Begründung für
eine angebliche Bindungswirkung angeführt wird, obwohl die Art. 7 f. und 16 ATSG im
Anwendungsbereich des BVG nicht massgebend sind. Die Einheitlichkeit des
Invaliditätsbegriffs kann nicht über eine Bindungswirkung und damit einhergehend über
ein Beschwerderecht der beruflichen Vorsorge im Invalidenversicherungsverfahren
erreicht werden, sondern muss auf einem anderen Weg gewährleistet werden.
Naheliegend wäre beispielsweise die Harmonisierung mittels administrativer
Weisungen betreffend die Zusammenarbeit der Unfall-, der Invaliden-, der Militär- und
der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung. Offensichtlich ist
aber kein Sozialversicherungszweig von Gesetzes wegen verpflichtet, auf die
Invaliditätsschätzung eines anderen Sozialversicherungsträgers abzustellen (vgl. dazu
den Entscheid IV 2006/68 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 20. November
2007, E. 1h).
Auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht überzeugt die bundesgerichtliche
Auffassung zur Bindungswirkung nicht, da die für eine berufliche Vorsorgeeinrichtung
angeblich bindenden Elemente einer IV-Verfügung gar nicht in deren Dispositiv
enthalten sind. Das Dispositiv einer (rechtsgestaltenden) Rentenverfügung einer IV-
Stelle lautet auf einen bestimmten Frankenbetrag, der ab einem bestimmten Datum
monatlich geschuldet ist. Für die Leistungspflicht einer Vorsorgeeinrichtung ist dieses
Dispositiv irrelevant. Nur in der Begründung der IV-Verfügung kann eine
Vorsorgeeinrichtung die angeblich bindenden Angaben zum Invaliditätsgrad und zum
Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit finden. Eine Verfügungsbegründung wird aber
nicht formell rechtskräftig und damit auch nicht verbindlich, weshalb sie zum
Vorneherein keine Bindungswirkung entfalten kann. Die Idee, dass auf ein sich nicht
gegen das Dispositiv, sondern nur gegen die Begründung einer Verfügung richtendes
Rechtsmittel eingetreten werden könnte, ist dem Verwaltungsverfahrensrecht völlig
fremd. Auch das Bundesgericht in Luzern tritt in aller Regel auf entsprechende
Beschwerden nicht ein, weil es das Vorliegen eines schützenswerten Interesses und
1.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/14
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St.Galler Gerichte
damit die Beschwerdelegitimation in solchen Fällen verneint. Hat beispielsweise eine
versicherte Person gleichzeitig einen Anspruch auf eine Witwenrente der AHV und auf
eine Rente der Invalidenversicherung und erhält sie deshalb unabhängig vom
Invaliditätsgrad entweder eine ganze Invalidenrente oder die Witwenrente (vgl. Art. 43
Abs. 1 IVG), besteht nach der bundesgerichtlichen Auffassung kein schützenswertes
Interesse an einer genauen Ermittlung des Invaliditätsgrades, weil jeder zwischen 40
und 100 Prozent liegende Invaliditätsgrad zum Anspruch auf eine ganze IV-Rente oder
auf eine Witwenrente verschafft und weil es sich deshalb nach der bundesgerichtlichen
Auffassung beim Invaliditätsgrad nur um ein irrelevantes Begründungselement handelt
(vgl. etwa das Urteil 9C_932/2012 vom 17. April 2013; SZS 58/2014, S. 164 ff.).
Wiederholt hat das Bundesgericht auch schon klargestellt, dass die Begründung einer
Verfügung oder eines Gerichtsurteils nur dann „an der Rechtskraft des
Entscheiddispositivs teilnehme“, wenn im Dispositiv mit der Wendung „im Sinne der
Erwägungen“ explizit auf die Begründung verwiesen werde (vgl. etwa das Urteil
9C_721/2011 vom 31. Oktober 2011, E. 1.3.3, mit Hinweisen). Verfahrensrechtlich
könnte ein einzelnes Begründungselement (auf das nicht mit der Wendung „im Sinne
der Erwägungen“ verwiesen worden ist) nur dann selbständig anfechtbar sein, wenn
man dieses Begründungselement als eine Feststellung im Sinne des Art. 49 Abs. 2
ATSG qualifizieren und ein entsprechendes schützenswertes Feststellungsinteresse
fingieren würde (ein schützenswertes Feststellungsinteresse kann in aller Regel nämlich
nicht bestehen, wenn rechtsgestaltend entschieden werden kann; vgl. etwa Alfred Kölz,
Isabelle Häner und Martin Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege
des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 351, mit Hinweisen). Da keine gesetzliche Grundlage
existiert, die ganz gezielt die Uminterpretation von einzelnen Begründungselementen
einer IV-Rentenverfügung in (in dieser Verfügung enthaltene) Feststellungsverfügungen
zulassen würde, liesse sich die Bundesgerichtspraxis zur Bindungswirkung nur
rechtfertigen, wenn unterstellt würde, dass eine rechtsgestaltende Verfügung immer
entsprechende Feststellungsverfügungen enthalte. Dafür müsste der allgemeine
Verfügungsbegriff komplett neu definiert werden: Eine rechtsgestaltende Verfügung
bestünde nicht mehr aus einer Begründung und einem Dispositiv, sondern aus lauter
Feststellungsverfügungen (eine Feststellungsverfügung pro Begründungselement) in
Kombination mit einer rechtsgestaltenden Verfügung. Diese Definition könnte sich nicht
auf IV-Rentenverfügungen beschränken, da ja unterstellt werden müsste, dass die
Existenz von Feststellungsverfügungen jeder rechtsgestaltenden Verfügung per
definitionem immanent sei; alle Verfügungen – nicht nur im Sozialversicherungsrecht,
sondern im ganzen Verwaltungsverfahrensrecht – müssten eine solche Kombination
aus Feststellungsverfügungen und rechtsgestaltenden Verfügungen sein. Damit würde
der allgemeine Verfügungsbegriff also komplett auf den Kopf gestellt. Das liesse sich
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/14
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aber augenscheinlich nicht (allein!) mit dem Umstand rechtfertigen, dass in den Art. 23
ff. BVG die Berechnung des Invaliditätsgrades „im Sinne der Invalidenversicherung“
und die Festsetzung des Rentenbeginns „nach den Bestimmungen des IVG“
vorgesehen sind. Die Idee, eine rechtsgestaltende IV-Rentenverfügung enthalte (als
Begründungselemente verkleidete) selbständig anfechtbare Feststellungsverfügungen
über den Invaliditätsgrad und über den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, lässt sich also
nicht mit der geltenden gesetzlichen Regelung in Einklang bringen. Das bedeutet, dass
eine IV-Rentenverfügung keine Elemente enthalten kann, die eine berufliche
Vorsorgeeinrichtung bei der Rechtsanwendung in irgendeiner Weise binden könnten.
Die Praxis des Bundesgerichtes zur angeblichen Bindungswirkung entbehrt folglich
einer gesetzlichen Grundlage. Deshalb ist es dem Versicherungsgericht durch das
Legalitätsprinzip verwehrt, die bundesgerichtliche Praxis zur Anwendung zu bringen
und damit vom positiven Gesetzesrecht abzuweichen.
Das Begehren der Beschwerdeführerin scheint sich nur auf den ersten Blick gegen
die Verfügung vom 6. August 2020 zu richten. Die Beschwerdeführerin kann nämlich
gar kein schützenswertes Interesse in Bezug auf das allein massgebende Dispositiv
jener Verfügung – die Zusprache einer monatlichen Rente von 1’580 Franken mit
Wirkung ab dem 1. Februar 2019 – haben, denn ihre Leistungspflicht wird von den
monatlichen Rentenzahlungen der Invalidenversicherung nicht berührt. Die
Beschwerde zielt bei genauer Betrachtung vielmehr auf eine Feststellung im Sinne des
Art. 49 Abs. 2 ATSG respektive auf eine Korrektur der in der rechtsgestaltenden
Verfügung vom 6. August 2020 enthaltenen, aber nicht Teil ihres Dispositivs bildenden
Feststellung bezüglich des Beginns des sogenannten Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG ab. Die Beschwerdeführerin will mit ihrer Beschwerde offenkundig nur
erreichen, dass die Beschwerdegegnerin respektive das Versicherungsgericht
verbindlich feststellt, dass das Wartejahr schon vor dem 11. September 2017 (vgl. den
Wortlaut des Beschwerdeantrages) zu laufen begonnen habe. Damit will sie in
Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis zur Bindungswirkung ihre eigene
Leistungspflicht ausschliessen, denn das Versicherungsverhältnis zwischen dem
Versicherten und ihr hat erst am 11. September 2017 zu laufen begonnen. Die
Beseitigung der angefochtenen Verfügung vom 6. August 2020 wäre demnach nur ein
verfahrensrechtlich notwendiger Zwischenschritt zur Erreichung dieses Ziels. Da es
aber gemäss den obigen Ausführungen gar nicht möglich ist, eine solche bindende
Feststellung im IV-Verfahren zu erwirken, kann die Beschwerdeführerin kein
schützenswertes Interesse an der Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 6.
August 2020 haben, weshalb nicht auf ihre Beschwerde eingetreten werden kann.
1.5.
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2.
Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass die angefochtene Verfügung
zwar zu korrigieren wäre, wenn auf die Beschwerde eingetreten werden könnte. Aber
diese Korrektur wäre für die Interessen der Beschwerdeführerin irrelevant, wie sich aus
den nachfolgenden Ausführungen ergeben wird. Obwohl der Beschwerdeführer bereits
in der Kindheit und Jugend an psychischen Beschwerden gelitten hat, die medizinische
und berufliche Eingliederungsmassnahmen erforderlich gemacht haben, ist es ihm
durch die gezielten Massnahmen der Beschwerdegegnerin gelungen, seine
Eingliederungs- und Erwerbsfähigkeit erheblich zu steigern: Er hat entgegen der
pessimistischen Prognose der Eingliederungsverantwortlichen im Juni 2012 nicht nur
eine Attestausbildung, sondern eine dreijährige Berufslehre zum Kaufmann mit einem
eidgenössischen Fähigkeitszeugnis antreten müssen und er hat diese Berufslehre auf
dem freien Arbeitsmarkt erfolgreich abgeschlossen, obwohl die
Eingliederungsverantwortliche eine Ausbildung oder eine Tätigkeit auf dem freien
Arbeitsmarkt im Juni 2012 noch als ausgeschlossen qualifiziert hatte. Anschliessend
hat sich der Beschwerdeführer (wenn auch nicht mit einem herausragenden Erfolg) auf
dem ersten Arbeitsmarkt behaupten können: Er hat ohne krankheitsbedingten
Einschränkungen verschiedene Tätigkeiten ausgeübt und er hat im Rahmen des
dreimonatigen Einsatzes vom 11. September 2017 bis zum 10. Dezember 2017 eine
Leistung erbracht, die seine Vorgesetzten im Einsatzbetrieb veranlasst haben, ihm eine
unbefristete Anschlussarbeitsstelle anzubieten. Der Umstand, dass ein Pensum von
lediglich 80 Prozent vereinbart worden ist, hat der Beschwerdeführer in einem
Gespräch mit einer Eingliederungsverantwortlichen überzeugend mit dem hohen
Zeitbedarf für den langen Arbeitsweg begründet. Eine teilweise Arbeitsunfähigkeit lässt
sich daraus keineswegs ableiten. Erst im Januar 2018 hat sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers wieder (dramatisch) verschlechtert, was dann auch zur Folge
gehabt hat, dass er seine Arbeitsstelle noch während der Probezeit verloren hat. Der
Sachverständige I._ hat anhand der medizinischen Akten überzeugend aufgezeigt,
dass die Gesundheitsbeeinträchtigung, die für die Zusprache einer Invalidenrente
massgebend gewesen ist, erst ab Januar 2018 zu einer relevanten Arbeitsunfähigkeit
geführt hatte. Er hat erwogen, dass die Symptome, die in der Kindheit und Jugend im
Fokus gestanden hätten, teilweise als Prodromalsymptome qualifiziert werden könnten,
aber als Facharzt hat er diesen möglichen Zusammenhang mit einer überzeugenden
Begründung als zu lose qualifiziert, um den massgebenden Krankheitsbeginn auf einen
vor Januar 2018 liegenden Zeitpunkt datieren zu können. Die davon abweichende
Würdigung der entsprechenden Angaben in den Akten durch den Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin können daran keine ernsthaften Zweifel wecken, denn der
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/14
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Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist ein medizinischer Laie und damit gar nicht
fähig, die Ätiologie, die Genese oder den Verlauf der psychischen Erkrankung des
Beschwerdeführers zu beurteilen. Das sorgfältig erarbeitete und überzeugend
begründete Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen I._ sowie die ebenso
überzeugende Aktenwürdigung des RAD-Arztes Dr. J._ belegen, dass die relevante
Arbeitsunfähigkeit (erst) im Januar 2018 eingetreten ist. Das sogenannte Wartejahr hat
folglich am 31. Dezember 2018 geendet, weshalb nicht nachvollziehbar ist, dass die
Beschwerdegegnerin den Rentenbeginn auf den 1. Februar 2019 und nicht auf den 1.
Januar 2019 festgelegt hat. Diesbezüglich müsste die angefochtene Verfügung
korrigiert werden, wenn auf die Beschwerde eingetreten werden könnte. Die
Beschwerdegegnerin hätte damit allerdings nichts gewonnen.
3.
Die Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie sind
angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzen
und vollumfänglich durch den von der Beschwerdeführerin geleisteten
Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Der anwaltlich vertretene Versicherte hat
einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Angesichts des Umstandes, dass er nur
eine Stellungnahme hat einreichen müssen, ist der erforderliche Vertretungsaufwand
als unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weshalb die Parteientschädigung auf 3’000
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird. In
Anwendung des Art. 98 VRP wird die unterliegende Beschwerdeführerin verpflichtet,
dem Versicherten diese Parteientschädigung auszurichten.