Decision ID: f24b560f-65e5-4755-9828-dabb7732de2e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Hausfriedensbruch
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 2. Oktober 2015 (GB150079)
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Anklage:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 8. Mai 2015 ist diesem
Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist betreffend des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs "unter
Bahnviadukt", B._-Strasse, ... Zürich im Sinne von Art. 186 StGB nicht
schuldig und wird freigesprochen.
2. Der Beschuldigte ist des Hausfriedensbruchs an der B._-Strasse ..., ...
Zürich, im Sinne von Art. 186 StGB schuldig.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
Fr. 30.–. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
4. Auf den Widerruf der mit Urteil der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom
5. September 2014 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 20 Tagessät-
zen zu je Fr. 30.–, entsprechend Fr. 600.–, wird verzichtet, hingegen wird die
Probezeit von zwei Jahren um ein Jahr verlängert.
5. Auf den Widerruf der mit Urteil der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
14. Oktober 2014 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 45 Tagessätzen
zu je Fr. 30.–, entsprechend Fr. 1'350.– wird verzichtet, hingegen wird die
Probezeit von drei Jahren um ein Jahr verlängert.
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf Fr. 600.–. Allfällige weitere Ausla-
gen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. Die Kosten des Strafbefehls Nr. ... vom 8. Mai 2015 im Umfang von
Fr. 800.– werden dem Beschuldigten zu Fr. 400.– auferlegt. Die restlichen
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Kosten werden der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat zur Abschreibung
überlassen.
9. Es werden dem Beschuldigten keine Prozess- und Umtriebsentschädigun-
gen zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten:
(Urk. 47 S. 1)
Freispruch betr. B._-Strasse ... .
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
Keine Anträge
c) Der Privatklägerschaft:
Keine Anträge
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Hinsichtlich des Verfahrensgangs bis zum Abschluss des erstinstanzlichen
Verfahrens kann vollumfänglich auf die vollständigen und zutreffenden Erwägun-
gen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 40 S. 3 ff.; Art. 82
Abs. 4 StPO).
1.2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 2. Oktober 2015 wurde der
Beschuldigte des Hausfriedensbruchs an der B._-Strasse ..., ... Zürich schul-
dig gesprochen. Vom gleichen Vorwurf, begangen unter dem Bahnviadukt an der
B._-Strasse in ... Zürich, wurde er freigesprochen. Dafür wurde er mit einer
Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft, ohne Gewährung eines Auf-
schubs. Auf den Widerruf zweier bedingt ausgesprochener Geldstrafen von 20
resp. 45 Tagessätzen zu je Fr. 30.– wurde hingegen verzichtet, aber die jeweili-
gen Probezeiten um je ein Jahr verlängert. Die Kosten des Verfahrens wurden
den Beschuldigten vollumfänglich auferlegt, jene des Strafbefehls ... vom 8. Mai
2015 zur Hälfte (Urk. 40 S. 15).
1.3. Gegen dieses Urteil erhob der Beschuldigte am 19. Oktober 2015 mündlich
Berufung (Urk. 32). Die Berufungserklärung ging am 20. Januar 2016 ebenfalls
fristgerecht ein (Urk. 41). Mit Verfügung vom 4. Februar 2016 wurde den Privat-
klägern 1 und 2 sowie der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um Anschlussberu-
fung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten zu
beantragen. Weiter wurde der Beschuldigte ersucht, diverse Unterlagen zu seinen
finanziellen Verhältnissen einzureichen (Urk. 43). Innert Frist liess sich niemand
vernehmen. Mit seiner Berufungserklärung reichte der Beschuldigte diverse Un-
terlagen ein (Urk. 42/1 - 15). Diese sind, obwohl nicht explizit beantragt, zu Guns-
ten des Beschuldigten als Beweismittelanträge zu behandeln und zu den Akten zu
nehmen.
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1.4. In der Folge wurde zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 46), wel-
che heute im Beisein des Beschuldigten stattfand (Prot. II. S. 3). Vorfragen waren
anlässlich der Berufungsverhandlung keine zu entscheiden, und – abgesehen von
der Einvernahme des Beschuldigten – mussten keine weiteren Beweise erhoben
werden (Prot. II S. 3 ff.). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Beru-
fungsverhandlung (Prot. II S. 16 f.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Berufung erhoben hat einzig der Beschuldigte. Er lässt das vorinstanzliche
Urteil mit Ausnahme des teilweisen Freispruchs anfechten (Urk. 112 S. 2).
2.2. Bei dieser Ausgangslage sind lediglich Dispositivziffer 1 (Freispruch vom
Vorwurf des Hausfriedensbruchs unter dem Bahnviadukt an der B._—
Strasse) sowie Dispositivziffer 6 (Kostenfestsetzung) des vorinstanzlichen Urteils
nicht angefochten und entsprechend in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3
StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO, Art. 404 StPO). Das ist vorab
vorzumerken. Im übrigen Umfang steht der angefochtene Entscheid im Rahmen
des Berufungsverfahrens unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbotes
zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Formales
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne, dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. Entscheid des Bun-
desgerichts 6B_170/2011 vom 10. November 2011 E. 1.2.). Die Berufungs-
instanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte be-
schränken.
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4. Sachverhalt
4.1. Vorbemerkung
Der Beschuldigte war längere Zeit nicht sesshaft und wohnte in einem Wohnwa-
gen. Einer geregelten Arbeitstätigkeit geht er noch stets nicht nach. Er gibt zwar
an, Gelegenheitsarbeiten nachzugehen, ist aber fürsorgeabhängig. Seit wenigen
Tagen lebt er mit Frau und Kind zusammen in einer Wohnung im Kanton Appen-
zell.
Soweit aus den Akten ersichtlich, ist diese Art der Lebensführung frei gewählt und
schätzt er die nicht-sesshaften Lebensweise. Dies ist sein gutes Recht. Es ver-
steht sich aber von selbst, dass damit sämtliche, vor allem auch die negativen,
Folgen dieser Lebensweise eben so frei gewählt sind und er die entsprechenden
Konsequenzen zu tragen hat. Ein Anspruch auf Ausgleich der dadurch entstan-
denen und frei gewählten Nachteile gibt es nicht. Eben so von selbst versteht sich
zudem, dass ihm durch diese Lebensweise keine anderen oder besseren Rechte
zustehen, als allen anderen Bürgern. Sämtliche Konsequenzen, insbesondere die
nachteiligen, sind somit frei gewählt und damit ausschliesslich selbst verschuldet.
4.2. Sachverhalt
Der Beschuldigte hat den äusseren Ablauf des Sachverhalts, wie die Vorinstanz
zutreffend festgehalten hat, anerkannt. Dieses Geständnis steht in Einklang mit
den Akten und es ist dementsprechend vom Sachverhalt wie in der Anklage um-
schrieben auszugehen.
5. Rechtliche Würdigung/Widerrechtlichkeit
5.1. Die Vorinstanz hat den Sachverhalt einer sorgfältigen rechtlichen Würdi-
gung unterzogen und sich eingehend mit den vom Beschuldigten vorgebrachten
Einwendungen auseinandergesetzt. Es kann somit, um unnötige Wiederholungen
zu vermeiden, vollumfänglich auf die erstinstanzlichen Ausführungen verwiesen
werden (Urk. 40 S. 5 ff.). Auch der Beschuldigte selbst anerkennt in seiner Beru-
fungserklärung, hinsichtlich der Privatklägerin 1 einen Hausfriedensbruch began-
gen zu haben (Urk. 41 S. 5).
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5.2. In Ergänzung dazu hat der Beschuldigte einen ganzen Wust von zum Teil
schon im erstinstanzlichen Verfahren geäusserten Einwendungen vorgebracht.
Vorauszuschicken gilt es hier, das auf seine Ausführungen hinsichtlich der Beset-
zung des Areals unter der Brücke nicht einzugehen ist, da er diesbezüglich frei-
gesprochen wurde (Urk. 41 S. 1 - 5). Es ist im folgenden einzig auf Ausführungen
im Zusammenhang mit dem Hausfriedensbruch an der B._-Strasse ... einzu-
gehen. Soweit nicht schon im zutreffenden erstinstanzlichen Urteil behandelt, gilt
was folgt.
5.3. Der Beschuldigte macht vorab geltend, dass er in einem rechtfertigenden
Notstand im Sinne von Art. 17 StGB gehandelt habe. Indem man ihm seine Fahr-
habe mit dem darin enthaltenen Gut entzogen habe, sei die in der Bundesverfas-
sung garantierte Eigentumsfreiheit verletzt worden. Und nur durch das Eindringen
in die Liegenschaft an der B._-Strasse, wo sie auf eine warme Bleibe mit sa-
nitären Anlagen und auf Raum für ihre Effekten gestossen seien, hätten sie sich
und ihr Eigentum vor der Zerstörung retten können (Urk. 41 S. 5 f.; Prot. II S. 8).
5.4. Art. 17 StGB sieht unter anderem vor, dass rechtmässig handelt, wer sich
durch Begehung einer Straftat aus einer nicht anders abwendbaren Gefahr rettet,
wenn er dadurch höherwertige Interessen wahrt. Abgesehen davon, dass der Be-
schuldigte, wie eingangs erwähnt, sich selbst in diese Lage gebracht hat und so-
mit die Situation selbst verschuldet hat, ist es vorliegend mehr als fraglich, ob
überhaupt je die Gefahr einer Verletzung von Rechtsgütern auf Seiten des Be-
schuldigten bestanden hat. Diese Frage braucht aber nicht genauer überprüft zu
werden, denn Notstand muss stets subsidiär sein. Das heisst, es darf sich keine
andere Möglichkeit zur Rettung bieten. Vorliegend hätten aber Alternativen zur
Hausbesetzung bestanden, nämlich, um es mit den Worten der Vorinstanz zu sa-
gen, welche treffender nicht sein könnten: Er hätte genau so gut woanders hinge-
hen können (Urk. 40 S. 9). Und zwar selbst der Beschuldigte als Obdach- und
Mittelloser. In der Stadt Zürich muss niemand wider Willen im Freien übernachten,
jedermann hat zur Nachtzeit Zugang zu einem gesicherten und beheizten Unter-
schlupf, genannt seien hier etwa Notschlafstellen oder der "Pfuusbus". Eine sol-
che Institution hätte auch der Beschuldigte ohne weiteres aufsuchen können.
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Auch andere aus seiner Gruppe fanden Ausweichmöglichkeiten (Prot. II S. 9 und
13). Es bestand überhaupt keine Notwendigkeit, in das Haus einzudringen.
5.5. Dasselbe gilt im übrigen auch für die Fahrhabe. Auch diese hätte sich ir-
gend wo anders unterbringen lassen, beispielsweise auf einem Parkplatz. Dass
diese in der Regel kostenpflichtig sind, ändert nichts an der rechtlichen Ausgangs-
lage, wonach der Beschuldigte diese ohne weiteres an einem anderen Ort hätte
parkieren können, zumal er schon Monate zuvor aufgefordert wurde, diese zu ent-
fernen. Wenn der Beschuldigte ausführt, dass er für seine Fahrzeuge keine ande-
ren Parkplätze gefunden hat, so meint er wohl damit, dass er keine kostenlosen
Parkplätze gefunden hat. Solche gibt es aber in der Stadt Zürich nicht mehr, ge-
schweige denn hat jemand Anspruch darauf, auch der Beschuldigte nicht. Dies
hätte er wissen müssen und es wäre ihm ohne weiteres möglich gewesen, die
behauptet "Not-"situation frühzeitig abzuwenden, etwa indem er sich von diesen
Fahrzeugen getrennt und in eine stationäre Bleibe gewechselt hätte. Auch hierfür
bestehen in der Stadt Zürich Alternativen, gerade für Obdach- und Mittellose.
5.6. Der Rechtfertigungsgrund der Notwehr kommt alleine schon deshalb nicht
in Frage, weil eine allfällige Gefahr - so sie denn überhaupt je bestanden hätte,
wovon allerdings auf Grund der vom Beschuldigten geschilderten Umstände nicht
auszugehen ist - keine unmittelbare war, da er ja lange vor dem angedrohten be-
hördlichen Eingreifen in die leer stehende Liegenschaft eingedrungen ist (Art. 15
StGB).
5.7. Der Beschuldigte kann sich auch nicht auf Art. 52 StGB berufen (Urk. 41
S. 7). Wohl kann unter bestimmten Voraussetzungen von einer Strafverfolgung
abgesehen werden, wenn Schuld und Tatfolgen geringfügig sind. Diese Voraus-
setzungen sind jedoch vorliegend nicht erfüllt. Wie nachfolgend unter 6.2. noch
aufzuzeigen sein wird, ist seine Schuld keineswegs gering. Zudem waren auch
die Folgen seines Tuns alles andere als geringfügig, wurde doch in der Folge ein
erhebliches polizeiliches Aufgebot notwendig. Zudem wäre vorliegend die Strafbe-
freiung auch unter spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten nicht zu
rechtfertigen. Der Beschuldigte ist ein uneinsichtiger Wiederholungstäter und
Hausbesetzungen sind in der Stadt Zürich ein weit verbreitetes Delikt, welches
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konsequent zu ahnden ist, um die zahlreichen Nachahmungstäter von ihrer Delin-
quenz abzuhalten.
5.8. Auch der vom Beschuldigten angerufene Art. 54 StGB kommt vorliegend
nicht zur Anwendung. Wohl können Täter, die von den unmittelbaren Folgen ihrer
Tat schwer betroffen sind von einer Strafverfolgung verschont werden. Soweit der
Beschuldigte durch sein Verhalten Nachteile zu tragen hat, sind diese lediglich in-
direkter Natur. Denn der Hausfriedensbruchs hat beim Beschuldigten keine direk-
ten Folgen, sondern höchstens indirekte. Direkte Folgen beim Hausfriedensbruch
hatte einzig der Hauseigentümer zu tragen, indem sein Eigentum verletzt wurde.
5.9. Zusammenfassend kann somit in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
festgehalten werden, dass der Beschuldigte im Wissen um die Fremdheit der Lie-
genschaft absichtlich eingedrungen ist und keinerlei Rechtfertigungsgründe vor-
liegen. Der Beschuldigte hat sich somit des Hausfriedensbruchs zum Nachteil der
Privatklägerin 1 schuldig gemacht und ist dafür zu bestrafen.
6. Strafzumessung
6.1. Die Vorinstanz hat die Kriterien der Strafzumessung korrekt dargestellt,
weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden kann.
6.2. Als grundsätzlich überzeugend erweisen sich die Ausführungen zur Straf-
zumessung. Wohl ist wahr, dass er sich nur für eine Nacht und einen Morgen in
der Liegenschaft aufgehalten hat und es sich nicht um eine bewohnte Liegen-
schaft gehandelt hat. Dies ist jedoch bedeutend länger, als es beispielsweise ein
Hausfriedensbrecher tut, welcher sich trotz Hausverbot in eine Ladengeschäft be-
gibt, um einzukaufen. Zudem ist auch nicht davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte das Haus so bald verlassen hätte, wenn er nicht polizeilicherseits dazu
aufgefordert worden wäre, gab er doch anlässlich der Berufungsverhandlung an,
dass er länger dort hätte bleiben wollen, wenn es gegangen wäre (Prot. II S. 12).
Seine ursprüngliche Absicht war somit auf einen länger dauernden Verbleib ge-
richtet. Dass er sich vor Kälte schützen wollte mag zwar sein, es gilt aber auch
hier zu berücksichtigen, dass er sich selbst in diese Situation gebracht hat und er
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deshalb auch die entsprechenden Folgen zu tragen hat. Insgesamt erweist sich
somit die Einsatzstrafe von 10 Tagen in Anbetracht des nicht mehr leichten Ver-
schuldens als eher mild.
6.3. Zu den vorinstanzlichen Ausführungen zu den persönlichen Verhältnissen
gibt es zu ergänzen, dass der Beschuldigte mittlerweile Vater geworden ist. Er
lebt mit Frau und Tochter im Kanton Appenzell. Seine finanziellen Verhältnisse
betreffend Sozialhilfe, Miete und Krankenkasse haben sich nicht verändert, wes-
halb auf die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden kann (Prot. II
S. 5 f.; Urk. 40 S. 12). Auf Grund seiner beiden einschlägigen Vorstrafen und sei-
ner doch ausgeprägten Uneinsichtigkeit ist eine erhebliche Erhöhung auf eine
insgesamt über der vorinstanzlichen liegende Strafe angezeigt. Auf Grund des
Verschlechterungsverbots muss es aber bei den ausgefällten 15 Tagessätzen
sein Bewenden haben. Dies gilt insbesondere auch für die Sanktionsform der
Geldstrafe, denn vorliegend wäre auch ohne weiteres eine Freiheitsstrafe in Be-
tracht zu ziehen gewesen, welche sich aber auf Grund des Verschlechterungs-
verbots verbietet.
6.4. Die Tagessatzhöhe von Fr. 30.– ist auf Grund der angespannten finanziel-
len Verhältnisse des Beschuldigten nicht zu beanstanden.
7. Strafvollzug
7.1. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen unter welchen der bedingte Straf-
vollzug gewährt werden kann zutreffend und vollständig aufgeführt, weshalb voll-
umfänglich darauf verwiesen werden kann (Urk. 40 S. 12 f.).
7.2. Als ebenso zutreffend erweisen sich die Erwägungen zur Verweigerung
des bedingten Strafvollzugs. Der Beschuldigte weist drei Vorstrafen auf, wovon
zwei einschlägige. Besonderen Anlass zur Sorge geben diesbezüglich seine Aus-
führungen zur Sache, in welchen er klar und deutlich zu erkennen gibt, dass er
sich zu seinem kriminellen Tun legitimiert fühlt und sich nicht als Täter, sondern
als Opfer fühlt und damit die Tatsachen in ihr Gegenteil verdreht. Davon zeugen
auch seine zahlreichen Bahnfahrten ohne im Besitz eines gültigen Fahrausweises
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zu sein (Urk. 42). Ein solch gerütteltes Mass an Uneinsichtigkeit lässt keinerlei
Hoffnung aufkommen, dass er sich in Zukunft wohl verhalten wird. Es muss ihm
eine ungünstige Prognose gestellt werden und dementsprechend ist die Geldstra-
fe zu vollziehen.
8. Widerruf
8.1. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für den Widerruf der bedingten
Strafe korrekt aufgeführt und es kann vollumfänglich darauf verwiesen werden
(Urk. 40 S. 13 f.). In seinen Erwägungen im konkreten Fall kommt die Vorinstanz
zum Schluss, dass vorliegend eine Verwarnung genügt und die Probezeit lediglich
zu verlängern sei. Dies mit der Begründung, dass in diesem Verfahren eine unbe-
dingte Geldstrafe ausgefällt werde, seine finanziellen Verhältnisse knapp seien
und deshalb, auch wegen der baldigen Vaterschaft, davon auszugehen sei, dass
ihn dies genügend beeindrucken werde um sich inskünftig um ein rechtskonfor-
mes Leben zu bemühen (Urk. 40 S. 14). Dieser Ansicht ist auf Grund des oben
unter 7.2. gesagten nicht zu folgen. Es erübrigt sich indessen weiter auf diesen
Punkt einzugehen, weil das Verschlechterungsverbot eine Änderung des erstin-
stanzlichen Entscheides zu Ungunsten des Beschuldigten verbietet.
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die erstinstanzlichen Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu bestätigen. Nachdem der Beschuldigte mit seiner Beru-
fung vollständig unterliegt, sind ihm die Kosten vollumfänglich aufzuerlegen.