Decision ID: 011722b4-d286-5532-840c-39cf35a7b343
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 2000 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Im Oktober 2000 berichtete der Hausarzt Dr. med.
B._ (IV-act. 5), die Versicherte leide an einer Lumboischialgie links bei einer
Discushernie L4/5 mit einer Verlagerung der Nervenwurzel L5 nach links. In der
angestammten Tätigkeit als Fabrikarbeiterin sei sie seit dem 22. Februar 1999 und bis
auf weiteres vollständig arbeitsunfähig. Die frühere Arbeitgeberin berichtete im Oktober
2000 (IV-act. 7), die Versicherte sei bis Ende Oktober 1999 als Metallarbeiterin
angestellt gewesen. Sie habe verschiedene Montagearbeiten ausgeführt. Das
Arbeitspensum habe 42 Stunden pro Woche betragen, der Lohn habe sich auf 2’946
Franken (ohne einen 13. Monatslohn) belaufen. Im Juli 2001 berichtete die Klinik Valens
über eine dreiwöchige stationäre Behandlung (IV-act. 20). Die Ärzte führten aus, die
Versicherte leide an einem residuellen lumbospondylogenen Syndrom, an einer
Migrationsproblematik mit Hinweisen auf eine Symptomausweitung und eine
Schmerzverarbeitungsstörung sowie an einem Status nach einer Kolpitis. Ihr könne
eine leichte, wechselbelastende Arbeit zu mindestens 50 Prozent zugemutet werden.
Am 7. Februar 2002 notierte ein Mitarbeiter der IV-Stelle (IV-act. 25), für die
Berechnung des Invaliditätsgrades sei gemäss den Angaben des Arbeitgebers von
einem Valideneinkommen von 12 × 2’946 = 35’352 Franken auszugehen. Das
zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen sei anhand der Ergebnisse der
Lohnstrukturerhebung festzulegen. Aufgrund des „Minderverdienstes“ von 21 Prozent
müsse der entsprechende Ausgangswert aber auf den Betrag des Valideneinkommens
reduziert werden. Vom Ergebnis sei ein Abzug von zehn Prozent („Teilzeitabzug“)
vorzunehmen. Unter Berücksichtigung einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent ergebe
sich ein zumutbarerweise erzielbares Invalideneinkommen von 16’057 Franken (=
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35’352 Franken × 90% × 50%). Dies ergab einen Invaliditätsgrad von 55 Prozent (IV-
act. 39). Mit einer Verfügung vom 6. Dezember 2002 sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Februar 2000 eine halbe Rente zu (IV-act. 42). Am
9. Januar 2003 erhob die Versicherte eine Beschwerde gegen diese Verfügung (IV-act.
43–1 ff.). Dieser lag unter anderem eine Stellungnahme eines Vertrauensarztes der
Rechtsschutzversicherung bei, der die Arbeitsunfähigkeit auf 75 Prozent geschätzt
hatte (IV-act. 43–21 ff.). Mit einer Verfügung vom 19. Februar 2003 widerrief die IV-
Stelle ihre Verfügung vom 6. Dezember 2002 (IV-act. 48). Im Auftrag der IV-Stelle
erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz am 10. Juni 2004 ein
Gutachten (IV-act. 58). Die Sachverständigen führten aus, die Versicherte leide an einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, einhergehend mit einer mittelschweren
depressiven Störung mit einem somatischen Syndrom, an einem chronifizierten
lumbospondylogenen Schmerzsyndrom links und an einem möglichen residuellen
lumbo-radiculären sensiblen Ausfallsyndrom L5 links. Aus internistisch-
rheumatologischer Sicht seien körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten unter
Vermeidung von rückenbelastenden Arbeiten zu mindestens 50 Prozent zumutbar. Aus
psychiatrischer Sicht müsse aber eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70 Prozent
für sämtliche Tätigkeiten attestiert werden. Mit einer Verfügung vom 15. Juli 2004/6.
September 2004 (IV-act. 67 f.) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab
dem 1. Februar 2000 eine halbe und mit Wirkung ab dem 1. Juli 2002 eine ganze Rente
zu. Für die Berechnung des für die Zeit ab dem 1. Juli 2002 massgebenden
Invaliditätsgrades hatte sie dem Valideneinkommen von 35’352 Franken ein
zumutbarerweise erzielbares Invalideneinkommen von 30 Prozent dieses Betrages
gegenüber gestellt; sie hatte keinen „Teilzeitabzug“ berücksichtigt.
A.b Im Juni 2006 füllte die Versicherte einen Fragebogen zur Überprüfung des
Rentenanspruchs aus. Sie gab an, ihr Gesundheitszustand habe sich verschlechtert;
auch die rechte Seite schmerze nun (IV-act. 69). Dr. B._ berichtete im Juni 2006 über
einen unveränderten Gesundheitszustand (IV-act. 72). Im Juli 2006 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, dass sie nach wie vor einen Anspruch auf eine ganze Rente habe
(IV-act. 75). Im Juni 2009 füllte die Versicherten einen weiteren Fragebogen zur
Überprüfung des Rentenanspruchs aus. Sie gab an, ihr Gesundheitszustand sei
unverändert geblieben (IV-act. 78). Im Juli 2009 berichtete Dr. B._ über eine leichte
Verschlechterung des Gesundheitszustandes (IV-act. 81). Er gab an, die Versicherte
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habe in letzter Zeit vermehrt über Schmerzen geklagt. Objektiv habe er einen
vermehrten Hartspann festgestellt. Im Juli 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie weiterhin einen Anspruch auf eine ganze Rente habe (IV-act. 82). Im Herbst
2010 wurde dem Ehemann der Versicherten eine Rente der Invalidenversicherung
zugesprochen. Infolgedessen musste das so genannte Beitragssplitting durchgeführt
werden. Die beiden Renten mussten anschliessend plafoniert werden. Mit einer
Verfügung vom 2. November 2010/10. Dezember 2010 setzte die IV-Stelle den
Rentenbetrag rückwirkend ab dem 1. April 2006 entsprechend neu fest (IV-act. 87 f.).
A.c Im November 2012 füllte die Versicherte erneut einen Fragebogen zur Überprüfung
des Rentenanspruchs aus. Sie gab an, ihr Gesundheitszustand verschlechtere sich
zusehends (IV-act. 93). Am 6. Dezember 2012 forderte die IV-Stelle Dr. B._ auf, einen
Fragebogen zur Überprüfung des Rentenanspruchs im Sinne der
Schlussbestimmungen zum ersten Massnahmenpaket der 6. IVG-Revision auszufüllen
(IV-act. 102). Dr. B._ gab an, der Gesundheitszustand sei seit der Rentenzusprache
im Wesentlichen unverändert geblieben. Die Versicherte leide an einem chronischen
lumbospondylogenen Syndrom und an einer Depression. Im Januar 2013 notierte Dr.
med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), zur Klärung des
medizinischen Sachverhaltes sei eine Verlaufsbegutachtung angezeigt (IV-act. 106). Im
Auftrag der IV-Stelle erstattete die Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) am 22.
Oktober 2013 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 111). Die Sachverständigen
führten aus, die Versicherte leide an einem chronifizierten lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom links mit einem residuellen lumbo-radiculären sensiblen
Ausfallsyndrom L5 links, an einer Cervicocephalgie, an einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie an einer leichten
depressiven Episode. Aus rheumatologischer und neurologischer Sicht könne ihr ein
Pensum von mindestens 50 Prozent für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
zugemutet werden. Der Gesundheitszustand habe sich diesbezüglich seit der
Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz nicht wesentlich verändert. Aus
psychiatrischer Sicht liege dagegen eine Verbesserung des Gesundheitszustandes vor,
denn die Versicherte leide nur noch an einer leichtgradigen und nicht mehr an einer
mittelgradigen depressiven Störung. Ihr könne nun eine Erwerbstätigkeit im Umfang
von 50 Prozent zugemutet werden. Wann diese Verbesserung eingetreten sei, könne
anhand der spärlichen Akten nicht nachvollzogen werden; die aktuelle
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Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte ab dem Zeitpunkt der Begutachtung. Es handle sich
nicht um eines der in der Schlussbestimmung zum ersten Massnahmenpaket der 6.
IVG-Revision erwähnten syndromalen Leiden. Der RAD-Arzt Dr. med. D._ erachtete
das Gutachten als überzeugend (IV-act. 112 und 117).
A.d Die IV-Stelle passte das Valideneinkommen von 35’352 Franken an die
Nominallohnentwicklung in den Jahren 2002–2011 an. Dies ergab einen Betrag von
38’958 Franken. Für die Ermittlung des Invalideneinkommens stellte sie auf den
Medianwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne ab. Da das Valideneinkommen 36,7 Prozent
tiefer lag, reduzierte sie den so ermittelten Ausgangswert des Invalideneinkommens um
31,7 Prozent. Davon rechnete sie 50 Prozent an. Dies ergab ein zumutbarerweise
erzielbares Invalideneinkommen von 20’453 Franken (IV-act. 118). Aus dem Vergleich
der beiden Einkommen resultierte ein Invaliditätsgrad von 47,5 Prozent. Mit einem
Vorbescheid vom 23. April 2014 teilte sie der Versicherten mit, dass sie die
Herabsetzung der Rente auf eine Viertelsrente vorsehe (IV-act. 121). Dagegen wandte
die Versicherte am 26. Juni 2014 ein (IV-act. 128), laut Dr. B._ habe sich ihr
Gesundheitszustand seit Juli 2002 nicht verändert. Das Gutachten der asim sei in sich
widersprüchlich. Das Anforderungsprofil sei nicht hinreichend definiert worden. Es liege
kein Revisionsgrund im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG vor. Der Validenlohn liege bei
46’515.85 Franken. Bei der Berechnung des Invalideneinkommens müsse ein Abzug
vom Tabellenlohn von 25 Prozent berücksichtigt werden. Am 4. August 2014 teilte die
IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Rente herabsetzen werde („Verfügungsteil 2:
Reduktion der Invalidenrente“; IV-act. 133). Am 19. August 2014 erging die
entsprechende Verfügung (IV-act. 135).
B.
B.a Am 15. September 2014 erhob die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den „Verfügungsteil 2“ vom 4. August
2014 (IV 2014/419, act. G 1). Sie beantragte die Weiterausrichtung der ganzen Rente,
eventualiter die Erstellung eines unabhängigen interdisziplinären Gutachtens und
subeventualiter die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) zur „Klärung des Umfangs der Erwerbsunfähigkeit“. Zusätzlich
beantragte sie die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und
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eventualiter die Anweisung an die Beschwerdegegnerin, im Sinne einer vorsorglichen
Massnahme weiterhin eine ganze Rente auszurichten. Zur Begründung führte sie an,
dass sich ihr Gesundheitszustand nicht verbessert habe. Ihr langjähriger Hausarzt, der
den Verlauf der Gesundheitsbeeinträchtigung am besten kenne und beurteilen könne,
habe eine relevante Verbesserung verneint. Das Gutachten der asim sei nicht
überzeugend. Es liege kein Revisionsgrund im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG vor. Das
Valideneinkommen sei zu tief angesetzt worden. Es sei zu Unrecht kein Abzug vom
Tabellenlohn berücksichtigt worden. Die Beschwerde wurde unter der
Verfahrensnummer IV 2014/419 eingeschrieben.
B.b Am 22. September 2014 erhob die Beschwerdeführerin eine Beschwerde gegen
die Verfügung vom 19. August 2014, die unter der Verfahrensnummer IV 2014/452
eingeschrieben wurde (IV 2014/452, act. G 1). Sie beantragte die Zusprache einer
ganzen Rente ab dem 1. Oktober 2014, die Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde und die Vereinigung des Verfahrens mit dem Verfahren IV
2014/419.
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. November 2014 die Abweisung der
Beschwerde (IV 2014/419, act. G 7; IV 2014/452, act. G 5). Zur Begründung führte sie
aus, in medizinischer Hinsicht sei auf das überzeugende Gutachten der asim
abzustellen. Die Anwendung des Art. 53 Abs. 1 ATSG stehe vorliegend nicht zur
Diskussion. Die Ermittlung des von der Versicherten angegebenen Valideneinkommens
sei nicht nachvollziehbar. Ein Abzug vom Tabellenlohn sei nicht gerechtfertigt.
B.d Am 19. November 2014 bewilligte die Verfahrensleitung die unentgeltliche
Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren (IV 2014/419, act. G 8; IV 2014/452, act. G
6).
B.e Am 13. Januar 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest (IV 2014/
419, act. G 12; IV 2014/452, act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine
Duplik.
B.f Da die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 26. Juni 2014, die sich gegen den
Vorbescheid vom 23. April 2014 gerichtet hatte, die unentgeltliche
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Rechtsverbeiständung für das „Vorbescheidsverfahren“ beantragt hatte, tätigte die
Beschwerdegegnerin diesbezüglich weitere Abklärungen. Sie gelangte zur Auffassung,
dass die Rechtsverbeiständung sachlich nicht geboten gewesen sei und überdies keine
finanzielle Bedürftigkeit vorgelegen habe. Mit einer Verfügung vom 16. Januar 2015
verweigerte sie deshalb die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Verwaltungsverfahren. Am 16. Februar 2015 erhob die Beschwerdeführerin eine
Beschwerde gegen diese Verfügung, die unter der Verfahrensnummer IV 2015/47
eingeschrieben wurde (IV 2015/47, act. G 1). Die Beschwerdegegnerin beantragte am
19. März 2015 unter Hinweis auf die Erwägungen der angefochtenen Verfügung die
Abweisung der Beschwerde (IV 2015/47, act. G 3). Am 24. März 2015 bewilligte die
Verfahrensleitung auch für dieses Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege (IV
2015/47, act. G 4).
B.g Mit zwei Zwischenentscheiden vom 23. Juni 2015 (IV 2014/419 Z und IV 2014/542
Z) wies das Versicherungsgericht die Gesuche um die Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegen den „Verfügungsteil 2“ vom 4. August
2014 und gegen die Verfügung vom 19. August 2014 ab.

Erwägungen
1.
1.1 Beim „Verfügungsteil 2“ vom 4. August 2014 handelt es sich nur um einen Teil
einer Verfügung. Zwar mag dieses Dokument auf den ersten Blick den Eindruck
erwecken, es handle sich dabei um eine eigenständige Verfügung. Bei einer näheren
Betrachtung wird aber klar, dass dies nicht der Fall ist, denn es ist als Verfügungsteil
betitelt, was den Schluss nahe legt, dass es nur zusammen mit einem „Teil 1“
vollständig sein kann. Zudem enthält es einen Hinweis darauf, dass die Sache der
Ausgleichskasse „zum Vollzug“ überwiesen werde, womit die Berechnung der
Rentenbeträge gemeint ist. Schliesslich enthält das „Dispositiv“ keine Rentenbeträge,
weshalb es sich dabei nicht um die verfahrensabschliessende Verfügung handeln kann,
denn nur eine Verfügung, die den Rentenbetrag im Dispositiv enthält, kann auch
tatsächlich vollzogen werden. Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hätte
spätestens beim Eintreffen der „richtigen“, „kompletten“ Verfügung vom 19. August
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2014 bewusst sein müssen, dass der „Verfügungsteil 2“ vom 4. August 2014 nur einen
Teil der Verfügung vom 19. August 2014 gebildet hatte und folglich nicht selbständig
anfechtbar gewesen war. Weshalb er dennoch nicht nur gegen die Verfügung vom 19.
August 2014, sondern auch gegen den „Verfügungsteil 2“ vom 4. August 2014 je eine
Beschwerde erhoben hat, ist unverständlich. Die Beschwerden vom 15. und 22.
September 2014 richten sich aber beide allein gegen die Rentenherabsetzung, weshalb
sie als eine „einheitliche“ Beschwerde behandelt werden können. Bei den beiden
Verfahren IV 2014/419 und IV 2014/452 handelt es sich also um ein und dasselbe
Verfahren.
1.2 Die sich gegen die Verfügung vom 16. Januar 2015 richtende Beschwerde vom
16. Februar 2015 betrifft zwar einen anderen Gegenstand als die Beschwerden vom
September 2014 gegen die Verfügung vom 19. August 2014, nämlich die Verweigerung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren. Da aber das
Verfahren, auf das sich das Gesuch um die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
bezogen hatte, mit der Verfügung vom 19. August 2014 abgeschlossen worden ist und
da die Verfügung vom 16. Januar 2015 deshalb einen engen sachlichen
Zusammenhang mit jener vom 19. August 2014 aufweist, kann das
Beschwerdeverfahren betreffend die Verfügung vom 16. Januar 2015 mit dem
Beschwerdeverfahren betreffend die Verfügung vom 19. August 2014 vereint werden.
Den Anfechtungsgegenstand dieses vereinten Beschwerdeverfahrens IV 2014/419,
2014/452 und IV 2015/47 bilden folglich die Verfügungen vom 19. August 2014 und
vom 16. Januar 2015; den Streitgegenstand bilden die Rentenherabsetzung und die
Verweigerung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren.
2.
2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss dem Art. 17 Abs. 1 ATSG für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt
oder aufgehoben. Für diese Form der Korrektur einer formell rechtskräftigen Verfügung
hat sich im Sozialversicherungsrecht der missverständliche Begriff der Revision
eingebürgert, der im übrigen Verwaltungsrecht die Korrektur einer formell
rechtskräftigen Verfügung bezeichnet. Letztere ist im Art. 53 Abs. 1 ATSG geregelt und
wird zur Abgrenzung von der Anpassung gemäss dem Art. 17 Abs. 1 ATSG im
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Sozialversicherungsrecht üblicherweise als prozessuale Revision bezeichnet. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat sich offenbar von diesen
missverständlichen Begrifflichkeiten in die Irre führen lassen, denn er hat sich auf den
Standpunkt gestellt, die Voraussetzungen des Art. 53 Abs. 1 ATSG seien nicht erfüllt,
weshalb die angefochtene Verfügung vom 19. August 2014 rechtswidrig sei.
Massgebend ist aber nur, ob die Voraussetzungen des Art. 17 Abs. 1 ATSG erfüllt sind.
Da das Versicherungsgericht das Recht von Amtes wegen anzuwenden hat, schadet
dieses Missverständnis nicht; das Gericht hat jedenfalls zu prüfen, ob die
Voraussetzungen des Art. 17 Abs. 1 ATSG erfüllt sind. Entscheidend ist dabei, ob sich
der Sachverhalt wesentlich verändert hat. Diese Frage ist vorliegend anhand eines
Vergleichs zwischen dem der rentenzusprechenden Verfügung zugrunde gelegten
Sachverhalt (nach der Rentenzusprache ist der Rentenanspruch nicht mehr umfassend
materiell überprüft worden) und dem Sachverhalt im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung vom 19. August 2014 zu beantworten. Da die Revision nicht
dazu missbraucht werden darf, eine Wiedererwägung (vgl. Art. 53 Abs. 2 ATSG) der
rentenzusprechenden Verfügung vorzunehmen, ohne dass die dafür notwendigen
Voraussetzungen erfüllt wären, darf sich das Revisionsverfahren nur auf die Tatsachen
beschränken, die sich effektiv nachträglich verändert haben (vgl. Ralph Jöhl, Die
Revision nach Art. 17 ATSG, in: JaSo 2012, S. 153 ff.).
2.2 Bei der Rentenzusprache ist die Beschwerdegegnerin von einem
Valideneinkommen von 35’352 Franken ausgegangen, was den Angaben des letzten
Arbeitgebers der Beschwerdeführerin zur Lohnhöhe entsprochen hat. Für die Zeit vom
1. Februar 2000 bis zum 30. Juni 2002 hat sie anstelle des statistischen Medianwertes
der Hilfsarbeiterinnenlöhne in der Schweiz den Betrag des Valideneinkommens als
Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens herangezogen.
Davon hat sie einen „Teilzeitabzug“ von zehn Prozent vorgenommen. Vom Ergebnis hat
sie aufgrund der attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent die Hälfte angerechnet
(vgl. IV-act. 25). Diese Berechnung des Invaliditätsgrades ist an sich nichts anderes als
ein „verkappter“ Prozentvergleich gewesen, denn der Betrag des Valideneinkommens
beziehungsweise des Ausgangswertes des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens hat dabei mathematisch gar keine Rolle mehr spielen können.
Resultiert hat ein Invaliditätsgrad von 1 – 0,9 × 0,5 = 55 Prozent. Für die Zeit ab dem 1.
Juli 2002 hat die Beschwerdegegnerin wiederum einen „verkappten“ Prozentvergleich
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vorgenommen, allerdings ohne Berücksichtigung eines „Teilzeitabzuges“, weshalb der
Invaliditätsgrad dem Arbeitsunfähigkeitsgrad entsprochen hat. Revisionsrechtlich hat
sich der Wegfall des „Teilzeitabzuges“ nicht erklären lassen, weshalb er an sich
unzulässig gewesen ist. Auch für die Zeit ab dem 1. Juli 2002 hätte also ein solcher
Abzug berücksichtigt werden müssen. Dieser hätte sich allerdings auf den
Rentenanspruch nicht ausgewirkt. Auf eine diesbezügliche Beschwerde wäre mangels
eines Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten, weshalb der Beschwerdeführerin
schon deshalb nicht eine (Teil-) Rechtskraft entgegen gehalten werden kann.
Unverändert ist hingegen der Invaliditätsgrad auch in diesem Anpassungsverfahren mit
einem Prozentvergleich zu berechnen.
2.3 Der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung hat für die Zeit ab dem 1. Juli
2002 in medizinischer Hinsicht das Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 10. Juni
2004 zugrunde gelegen. Darin war aus somatischen Gründen aufgrund eines
chronifizierten lumbospondylogenen Schmerzsyndroms links und eines möglichen
residuellen lumbo-radiculären sensiblen Ausfallsyndroms L5 links aus internistisch-
rheumatologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent selbst für
leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert worden. Aus psychiatrischer Sicht war aufgrund
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und aufgrund einer mittelschweren
depressiven Störung mit einem somatischen Syndrom eine Arbeitsunfähigkeit von 70
Prozent für sämtliche Tätigkeiten attestiert worden. Folglich hat der ursprünglichen
rentenzusprechenden Verfügung die Prognose zugrunde gelegen, dass die
Beschwerdeführerin auf absehbare Zeit an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und an einer mittelgradigen depressiven Störung leiden und dass sie
deshalb nur noch zu 30 Prozent arbeitsfähig sein werde; die somatischen
Einschränkungen sind bei dieser Sachlage nicht ausschlaggebend gewesen. Die
Sachverständigen der asim haben in ihrem Gutachten vom 22. Oktober 2013
ausgeführt, dass sich am somatischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
seit der Rentenzusprache nichts geändert habe, dass diese weiterhin an der vom
psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz als somatoforme
Schmerzstörung (statt als Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren)
diagnostizierten psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung leide, aber gleichzeitig nur
noch leichtgradig depressiv sei. Diese Schlussfolgerungen haben auf umfassenden
persönlichen Untersuchungen der Beschwerdeführerin und auf einer vertieften
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Auseinandersetzung mit sämtlichen medizinischen Vorakten beruht. Sie sind
ausführlich, nachvollziehbar und überzeugend begründet worden. Die diesen
Schlussfolgerungen widersprechende Aussage von Dr. B._, der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin habe sich seit der Rentenzusprache nicht verändert, überzeugt
dagegen nicht, denn sie ist nicht begründet und nicht durch Befunde untermauert
worden. Zudem hat sich Dr. B._ nicht mit dem Gutachten der asim auseinander
gesetzt, weshalb nicht nachvollzogen werden kann, wieso er zu einer anderen
Auffassung gelangt ist respektive an dieser festgehalten hat. Schliesslich ist Dr. B._
auch nicht Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Seine Stellungnahme vermag
daher die Arbeitsfähigkeitsschätzung der asim nicht zu erschüttern. Gesamthaft steht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass
die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung durch die asim bei einem
ansonsten im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustand nur noch
leichtgradig depressiv gewesen ist. Die der rentenzusprechenden Verfügung zugrunde
gelegte Prognose, die Beschwerdeführerin werde mittelgradig depressiv bleiben, ist
deshalb nicht mehr zutreffend gewesen, weshalb die Rente hat revidiert werden
müssen. Neu hat aufgrund des Gutachtens der asim nur noch eine Arbeitsunfähigkeit
von 50 Prozent für leidensadaptierte Tätigkeiten vorgelegen.
2.4 Die Berechnung des Invaliditätsgrades anhand eines Prozentvergleichs ist zwar
korrekt gewesen, aber dabei hätte richtigerweise ein Abzug vom Tabellenlohn
vorgenommen werden müssen. Dieser ist angesichts der gesamten Umstände
entsprechend der aktuellen Praxis neu auf 15 Prozent festzusetzen gewesen, was
einen Invaliditätsgrad von 1 – 0,85 × 0,5 = 57,5 Prozent ergibt. Damit ist die Rente auf
eine halbe Rente herabzusetzen.
2.5 Die Sachverständigen der asim haben mangels fachärztlicher Berichte im Zeitraum
zwischen der Rentenzusprache und ihrer Begutachtung den Zeitpunkt, in dem sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verbessert hat, nicht genau benennen
können. Dies ist allerdings irrelevant, denn die Rentenherabsetzung ist mangels einer
Verletzung der Meldepflicht gemäss dem Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV ohnehin erst auf das
Ende des der Zustellung der Herabsetzungsverfügung folgenden Monats zulässig
gewesen. Da die Herabsetzungsverfügung am 19. August 2014 ergangen und noch im
bis
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August 2014 zugestellt worden ist, ist die frühere ganze Rente mit Wirkung ab dem 1.
Oktober 2014 auf eine halbe Rente herabzusetzen.
3.
3.1 Wo die Verhältnisse es erfordern, wird der gesuchstellenden Person gemäss dem
Art. 37 Abs. 4 ATSG ein unentgeltlicher Rechtsbeistand für das Verwaltungsverfahren
bewilligt. Neben der Erforderlichkeit einer Rechtsverbeiständung setzt deren
Bewilligung gemäss dem Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. dem Art. 65 Abs. 1 VwVG auch
eine finanzielle Bedürftigkeit und die fehlende Aussichtslosigkeit des Anliegens der
gesuchstellenden Person voraus. An die Erforderlichkeit der Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren ist zudem ein strengerer Massstab als an die Rechtfertigung
einer Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren (vgl. Art. 61 lit. f ATSG)
anzulegen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 37 N 35, mit
Hinweisen auf die Materialien).
3.2 Das Verfahren, das mit der angefochtenen Verfügung vom 19. August 2014
abgeschlossen worden ist, hat zwar die verfahrensrechtliche Besonderheit
aufgewiesen, dass es sich dabei um ein Revisionsverfahren gehandelt hat. In
materieller Hinsicht hat sich das Verfahren aber fast ausschliesslich um die
Verbesserung des Gesundheitszustandes gedreht. Die Beschwerdeführerin wäre
alleine in der Lage gewesen, diese Verbesserung zu bestreiten, zumal ihr Hausarzt Dr.
B._ bereits dazu Stellung genommen hatte. Dafür hat sie keinen Rechtsbeistand
benötigt. Als juristischer Laie ist sie zwar mit der Festlegung der Vergleichseinkommen
sicherlich überfordert gewesen, doch hätte sie sich mit den damit verbundenen
juristischen Problemen gar nicht auseinandersetzen müssen. Sie hätte sich nämlich
damit begnügen können, darauf hinzuweisen, dass bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50
Prozent ihres Erachtens auch ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent
resultieren müsse. Auch dies wäre ihr ohne die Hilfe eines Rechtsbeistandes möglich
gewesen. Im „Vorbescheidsverfahren“ haben sich also keine besonders schwierigen
rechtliche oder tatsächliche Fragen gestellt, weshalb eine Rechtsverbeiständung nicht
erforderlich gewesen ist. Somit kann offen bleiben, ob die Voraussetzungen der
finanziellen Bedürftigkeit und der fehlenden Aussichtslosigkeit erfüllt gewesen sind,
denn mangels der sachlichen Gebotenheit einer Rechtsverbeiständung hat jedenfalls
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kein Anspruch darauf bestanden. Die Verfügung vom 16. Januar 2015 erweist sich
folglich als rechtmässig.
4.
4.1 Zusammenfassend ist die Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. August 2014
teilweise gutzuheissen und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab dem 1. Oktober
2014 eine halbe statt einer Viertelsrente zuzusprechen; die Sache ist zur Festsetzung
der Rentenbeträge an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerde
gegen die Verfügung vom 16. Januar 2015 ist dagegen abzuweisen.
4.2 Für den die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren
betreffenden Teil des vereinten Beschwerdeverfahrens sind keine Gerichtskosten zu
erheben, da es sich dabei nicht um Leistungen der Invalidenversicherung handelt (Art.
61 lit. a ATSG und Art. 69 Abs. 1 IVG e contrario). Für den die Rentenherabsetzung
betreffenden Teil des vereinten Beschwerdeverfahrens ist dagegen in Anwendung des
Art. 69 Abs. 1 IVG eine Gerichtsgebühr zu erheben, die angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes praxisgemäss auf 600 Franken festgesetzt
wird. Da die Beschwerdeführerin diesbezüglich mit ihrem Anliegen, nämlich der
Korrektur der von ihr als rechtswidrig erachteten Verfügung vom 19. August 2014,
vollumfänglich durchdringt, ist diese Gebühr der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.3 Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung für den die Rentenherabsetzung betreffenden Aufwand ihres
Rechtsvertreters. Da der Vertretungsaufwand trotz der Durchführung zweier
Schriftenwechsel nicht als aussergewöhnlich hoch, sondern nur als durchschnittlich zu
qualifizieren ist, rechtfertigt sich keine über die praxisgemässe Pauschale von 3’500
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) hinausgehende
Entschädigung. Für die Beschwerde gegen die Verweigerung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren besteht ausgangsgemäss kein
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahrens hat der Staat aber den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin für den damit im Zusammenhang stehenden
Aufwand zu entschädigen. Dieser Aufwand ist als gering zu qualifizieren, weil er nur die
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© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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Frage der finanziellen Bedürftigkeit und der sachlichen Gebotenheit der
Rechtsverbeiständung betroffen hat. Die Entschädigung ist folglich auf 80 Prozent (vgl.
Art. 31 Abs. 3 AnwG) von 1’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer), das heisst auf 800 Franken, festzusetzen. Die Beschwerdeführerin
wird zur Rückerstattung verpflichtet werden können, wenn ihre wirtschaftlichen
Verhältnisse dies dereinst gestatten sollten (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).