Decision ID: 65b6992f-ad88-4370-b0dc-ba8636c49e7d
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 8. Juli 2011 (GG110037)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 10. Februar 2011 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 21).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte B._ ist schuldig der einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
Fr. 20.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Schadenersatzbegehren der Privatklägerin A._, ... [Adresse], wer-
den abgewiesen, soweit sie nicht auf den Zivilweg verwiesen werden.
5. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin A._ wird abgewiesen.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 140.– Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt, aber sofort definitiv abgeschrieben.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A._ eine Prozess-
entschädigung von Fr. 400.– zu bezahlen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 66)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 8. Abteilung, Einzelgericht vom
8. Juli 2011, sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung von
Schuld und Strafe frei zu sprechen.
3. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens und des erstinstanzlichen
Gerichtsverfahrens sowie die Kosten des zweitinstanzlichen Gerichts-
verfahrens inkl. der Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die
Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 48)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Privatklägerschaft:
(Urk. 55)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I.
1. Das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Einzelrichters
des Bezirksgerichts Zürich, 8. Abteilung, vom 8. Juli 2011 wurde dem Beschuldig-
ten, der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin am 12. Juli 2011 schriftlich im
Dispositiv zugestellt (Urk. 38, Urk. 39/1-3). Mit Eingabe vom 21. Juli 2011 liess die
Privatklägerin rechtzeitig die Berufung anmelden (Urk. 40). Der Beschuldigte mel-
dete mit Eingabe vom 22. Juli 2011 ebenfalls rechtzeitig Berufung an (Urk. 41).
Das schriftlich begründete Urteil (Urk. 44) wurde der Privatklägerin, dem Beschul-
digten und der Staatsanwaltschaft am 1. September 2011 zugestellt (Urk. 43/1-3).
Die Partei, die Berufung angemeldet hat, reicht dem Berufungsgericht innert
20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungs-
erklärung ein (Art. 399 Abs. 3 StPO). Erfolgt die Berufungserklärung verspätet,
tritt das Berufungsgericht auf die Berufung nicht ein (Art. 403 Abs. 1 und 3 StPO).
Die Frist zur Einreichung der Berufungserklärung begann für die Privatkläge-
rin am 2. September 2011 zu laufen und endete am 21. September 2011 (Art. 90
Abs. 1 StPO). Diese lief ungenutzt ab. Somit ist auf die Berufung androhungsge-
mäss nicht einzutreten. Sodann kann auf die Einholung einer Stellungnahme der
Privatklägerin im Sinne von Art. 403 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StPO verzichtet werden,
wenn die Erklärung der Berufung offensichtlich unzulässig ist. Dies ist bei einer
verspäteten oder gänzlich versäumten Eingabe in der Regel der Fall (ZR
110/2011 S. 217). Ohnehin hat der Vertreter der Privatklägerin in seiner Eingabe
vom 14. November 2011 ausgeführt, die Privatklägerin habe keine Berufung er-
hoben (Urk. 51), weshalb davon auszugehen ist, dass er die Frist zur Einreichung
der Berufungserklärung bewusst ungenutzt verstreichen liess.
Der Beschuldigte unterbreitete mit Eingabe vom 22. September 2011 fristge-
recht die Berufungserklärung (Urk. 45). Er verlangt einen Freispruch. Die Staats-
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anwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 4. Oktober 2011 auf Anschlussberu-
fung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 48). Die
Privatklägerin erhob mit Eingabe vom 14. November 2011 auch keine Anschluss-
berufung (Urk. 51) und stellte mit Schreiben vom 2. Dezember 2011 ebenfalls den
Antrag, das vorinstanzliche Urteil sei zu bestätigen (Urk. 55). Beweisanträge wur-
den keine gestellt.
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO). Der
Beschuldigte führte in seiner Berufungserklärung sinngemäss aus, er halte die
Schadenersatzforderung und die Forderung nach Genugtuung der Privatklägerin
für nicht gerechtfertigt (Urk. 45 S. 4). Da die Vorinstanz diese Zivilansprüche in
Dispositivziffern 4 und 5 abwies, ist das Urteil als diesbezüglich nicht angefochten
zu betrachten. Es ist festzustellen, dass das Urteil des Einzelrichters des Bezirks-
gerichts Zürich, 8. Abteilung, vom 8. Juli 2011 bezüglich Dispositivziffern 4 und 5
(Abweisung Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren) in Rechtskraft erwach-
sen ist.
3. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die
eingangs erwähnten Anträge stellen.
II.
1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 19. Februar 2010 an der
C._-Strasse ... in D._ sei er, als die an Krücken gehende Privatklägerin
an sein Auto geklopft habe, ausgestiegen und habe der Privatklägerin unvermittelt
mit der Faust einmal gegen die Schläfe geschlagen. Dann habe er die Privatklä-
gerin an den Haaren gerissen und sie an der rechten Hand gepackt, wobei er ihr
mit Kraft den kleinen Finger weit nach hinten gebogen habe. Diese habe infolge
der Attacke eine blutende Risswunde am Kleinfinger rechts sowie starke Schmer-
zen im Bereich des Grundgelenks Kleinfinger rechts erlitten, wobei die Zuweisung
an einen Handchirurgen zur Beurteilung und Ruhigstellung der Fingerverletzung
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mit einer Fingerschiene sowie die Verabreichung von Schmerzmitteln erforderlich
gewesen seien, welche Verletzungen und Verletzungsfolgen (Beeinträchtigung
der Fingerbeweglichkeit während mehreren Monaten) der Beschuldigte mit sei-
nem brachialen Verhalten in Kauf genommen habe (Urk. 21).
2. Der Beschuldigte bestreitet, die Privatklägerin mit der Faust geschla-
gen, sie an den Haaren gerissen sowie ihren Finger nach hinten gebogen und ihr
damit die eingeklagten Verletzungen zugefügt zu haben.
Er führte in der polizeilichen Einvernahme vom 8. April 2010 aus, er habe
niemanden geschlagen. Am 19. Februar 2010 habe die Privatklägerin auf sein
Auto eingeschlagen, worauf er ausgestiegen sei und gefragt habe, ob es ihr "noch
gehe". Sie sei wie eine Furie auf ihn los gegangen. Er habe sie mit den Händen
abgewehrt und gefragt, was los sei. Sie habe gesagt, er dürfe sie nicht fotografie-
ren. Er sei der Privatklägerin gegenüber nicht tätlich geworden. Er habe sie nicht
an den Haaren gezogen. Wenn die ... Polizei [aus Stadt E._] behaupte, er
habe dies angegeben, lüge der Polizist. Es stimme auch nicht, dass er der Privat-
klägerin mit der Faust gegen den Kopf geschlagen und ihren kleinen Finger der
rechten Hand gepackt und nach hinten gebogen habe (Urk. 8/1 S. 2 f.). Am Ende
der Befragung räumte er ein, er habe nur aus Spass gesagt, dass der Polizist ge-
logen habe, ein Polizist "lüge doch nicht". Er führte einerseits aus, dass er dem
Polizisten gegenüber eventuell gesagt habe, dass er die Privatklägerin an den
Haaren gezogen habe, blieb aber andererseits dabei, die Privatklägerin nicht an
den Haaren gezogen zu haben (Urk. 8/1 S. 4 f.).
Anlässlich der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 6. Dezember
2010 bestritt er den ihm vorgeworfenen Sachverhalt erneut und führte aus, nicht
gewalttätig gewesen zu sein. Es habe hinten an seinem Auto "gechlöpft und ge-
tätscht" und er habe im Rückspiegel gesehen, wie die Privatklägerin herumge-
fuchtelt habe. Er sei ausgestiegen und habe gefragt, was los sei. Daraufhin sei sie
auf ihn los gegangen. Er habe sie abgewehrt und sie gefragt, was sie hier suche.
Sie habe gesagt, sie müsse zu F._ und er sei weitergefahren. Es stimme
nicht, dass er der Privatklägerin mit der Faust gegen die Schläfe geschlagen habe
und diese an Krücken gegangen sei. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Pri-
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vatklägerin mit Krücken auf ihn losgegangen sei und er ihr dann den Finger nach
hinten gebogen haben soll. Krücken habe er gar nie gesehen. Die Ausführungen
der Privatklägerin bei der Polizei seien "erstunken und erlogen". Die Privatklägerin
habe auf sein Auto eingeschlagen. Er habe sie nur abgewehrt. Er habe noch nie
eine Frau geschlagen (Urk. 8/2 S. 1 ff.). Anschliessend an die Einvernahmen der
Privatklägerin und der Zeugen am selben Tag führte er erneut aus, die Privatklä-
gerin nicht geschlagen zu haben und machte geltend, die Zeugen seien in seinen
Augen gekaufte Zeugen (Urk. 8/3).
An der Verhandlung vor Vorinstanz am 8. Juli 2011 bestritt der Beschuldigte
erneut, die Privatklägerin geschlagen zu haben. Er habe einfach die Hände nach
oben genommen und sie habe einen riesen Busch an Haaren gehabt. An diesen
gerissen habe er nicht. Sie sei wie eine Furie auf ihn losgekommen. Er wüsste
nicht, wie er der Privatklägerin den kleinen Finger der rechten Hand weit nach hin-
ten gebogen haben sollte. Er habe ihr die eingeklagten Verletzungen nicht zuge-
fügt (Urk. 36 S. 3 f.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung wiederholte der Beschuldigte, dass die
Privatklägerin wie eine Furie auf ihn losgekommen sei und er nur eine Abwehrhal-
tung eingenommen und "gegengefuchtelt" habe. Er habe keine Ahnung, woher
die Verletzung am kleinen Finger der rechten Hand der Geschädigten stamme;
wahrscheinlich sei sie entstanden, als sie auf das Auto eingeprügelt habe oder
vielleicht nach der Auseinandersetzung mit ihm (Urk. 65 S. 5 f.). Er liess zudem
durch seine Verteidigerin ausführen, er habe der ... Polizei [aus Stadt E._]
gesagt, dass die Vorwürfe der Privatklägerin "an den Haaren herbei gezogen sei-
en", d.h. nicht stimmen würden, was von der Polizei falsch interpretiert und so no-
tiert worden sei, als hätte er zugegeben, dass er die Privatklägerin an den Haaren
gezogen habe (Urk. 66 S. 6).
2.1. Betreffend die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist zu beachten,
dass dieser als im Strafverfahren Involvierter ein - durchaus legitimes - Interesse
am Ausgang des Verfahrens hat, weshalb er versucht sein könnte, die Sachlage
zu seinen Gunsten verfälscht darzustellen. Dies ist bei der Würdigung seiner Aus-
sagen zu berücksichtigen.
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2.2. Was die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen betrifft, so fällt auf, dass die-
se gewisse Widersprüche aufweisen. Diesbezüglich kann auf die ausführlichen
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 44
S. 7 ff.).
3. Die Privatklägerin führte in der polizeilichen Einvernahme vom 19. Feb-
ruar 2010 aus, sie habe auf einem Industrieareal in D._ (C._-Strasse ...)
vor dem "Broki-Laden" parkiert und auf den Ladeninhaber gewartet. Plötzlich sei
ein anderer Wagen vorbeigefahren, wobei dessen Fahrer mit seinem Handy ihren
Wagen fotografiert habe. Sie sei mit ihren Krücken ausgestiegen und zu Fuss
dem Auto gefolgt, welcher vor der Zugsbarriere infolge Zugsverkehr habe anhal-
ten und warten müssen. Sie habe mit der Hand auf die hintere Seitenscheibe fah-
rerseitig geklopft. Der Fahrer, d.h. der Beschuldigte, sei ausgestiegen und habe
sie ohne Vorwarnung mit seiner rechten Faust gegen die rechte Schläfe geschla-
gen. Er habe sie an den Haaren gepackt und den kleinen Finger der rechten
Hand zu fassen bekommen, den er nach hinten gebogen habe. Schliesslich seien
ihr ein Mann und eine Frau namens G._ zu Hilfe gekommen. Der Beschul-
digte habe die Autonomen auf das Übelste beschimpft und sich auch lautstark
über sie beschwert. Schliesslich sei er in sein Fahrzeug eingestiegen und davon-
gefahren. Sie sei in E._ in die Permanence beim Bahnhof gegangen und ha-
be ein Arztzeugnis erhalten. Es bestehe der Verdacht auf einen Sehnenriss an
der rechten Hand und sie müsse einen Handchirurgen aufsuchen (Urk. 9/1 S. 1 f.)
Bei der Staatsanwaltschaft sagte die Privatklägerin am 6. Dezember 2010
als Auskunftsperson aus. Sie führte aus, als sie vor der Brockenstube gewartet
habe, sei es ca. 16 Uhr nachmittags und noch hell gewesen. Nachdem sie vom
Beschuldigten fotografiert worden sei, sei sie aus ihrem Auto ausgestiegen und
mit ihren Krücken auf das Auto des Beschuldigten zugegangen. Bei der Zugbarri-
ere habe der Beschuldigte stoppen müssen. Sie habe auf der hinteren Seite der
Fahrerseite an die Scheibe geklopft und "Grüezi" gesagt. Dann sei die Türe
wuchtartig aufgegangen und das Erste sei ein Schlag in die Gesichtsgegend, am
Kiefer gewesen. Sie habe vom Schlag im Mund "immer" geblutet und sich daher
von einem Zahnspezialisten untersuchen lassen. Der habe gesehen, dass die
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Zahnkanten frisch abgebrochen seien, das habe von diesem Schlag gestammt.
Es sei ein Faustschlag gewesen. Der Beschuldigte habe dann in ihre damals
noch langen Haare gegriffen. Es sei ein zweiter Schlag in die Bauchgegend ge-
folgt. Sie habe ihn nicht angegriffen. Dann sei der dritte Schlag gefolgt, der auch
in die Bauchgegend getroffen habe. Der Beschuldigte habe sie weiterhin an den
Haaren gerissen. Mit irgendeiner scharfen Kante habe er ihren rechten kleinen
Finger verletzt. Sie habe geschrien, dass es weh tue, trotzdem habe er solange
an ihrem Finger gezerrt, bis dieser nachgelassen habe. Der Finger sei teilausge-
renkt worden. Man sei nicht ganz sicher gewesen, ob die Sehne gerissen sei. Als
Menschen, d.h. die Zeugen G1._ und H._, geschrien hätten "lass sie
los" habe sich der Griff in den Haaren langsam gelockert. Der Beschuldigten sei
dann weggefahren. Heute gehe es ihr gesundheitlich noch nicht gut. Es gehe ihr
schlechter, weil sie zusätzlich am Fuss und an der Hand Schmerzen habe. Die
erste Operation sei am 14. Dezember 2009 gewesen, deshalb sei sie an den Stö-
cken gegangen. Auf die Frage des Beschuldigten, ob sie am fraglichen Tag mit
zwei Krücken auf ihn losgegangen sei, führte sie aus, sie sei nicht auf ihn los ge-
gangen, sie sei mit zwei Krücken auf ihn zu gegangen. Auf die weitere Frage,
wieso sie bei der Polizei den Faustschlag gegen das Gesicht und die Schläge in
die Bauchgegend nicht erwähnt habe, führte die Privatklägerin aus, sie wisse heu-
te nicht mehr, ob sie das gesagt habe oder nicht und weshalb es nicht bei der Po-
lizei aufgenommen worden sei (Urk. 9/2 S. 2 ff.).
3.1. Was die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin betrifft, so ist darauf hinzu-
weisen, dass sie vor dem eingeklagten Vorfall den Beschuldigten nicht kannte.
Sie stellte Schadenersatzansprüche in der Höhe von Fr. 1'756.– und beantragte
Fr. 8'000.– als Genugtuung, machte folglich nicht unerhebliche Zivilansprüche
geltend. Aufgrund dieser finanziellen Forderungen hat die Privatklägerin durchaus
ein Interesse am Ausgang des Verfahrens, weshalb sie versucht sein könnte, die
Sachlage zu ihren Gunsten verfälscht darzustellen.
3.2. Sodann weisen ihre Aussagen - teils krasse - Widersprüche auf. So
führte sie bei der Polizei aus, der Beschuldigte habe sie mit seiner Faust gegen
die rechte Schläfe geschlagen, bei der Staatsanwaltschaft machte sie hingegen
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geltend, er habe sie am Kiefer getroffen. Diesen Faustschlag, der sehr stark ge-
wesen sein müsste - soll die Privatklägerin dabei doch sogar ein Zahnstück abge-
brochen und "es" im Mund danach "immer" geblutet haben - erachtete die Ankla-
gebehörde offensichtlich als genauso wenig glaubhaft wie die geltend gemachten,
anschliessenden heftigen Bauchschläge, nahm die Staatsanwaltschaft doch we-
der das eine noch das andere in die Anklageschrift auf. In der Tat wäre zu erwar-
ten gewesen, dass die Privatklägerin solche schwerwiegenden Attacken schon in
der polizeilichen Einvernahme erwähnt hätte. Im betreffenden Protokoll ist davon
aber nirgends die Rede, sondern nur von einem Schlag gegen die Schläfe, der
wohl kaum einen Zahnabbruch zur Folge gehabt haben kann. Es besteht durch-
aus der Verdacht, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten hier eine Tat unter-
schiebt, um sich für einen anderweitig erlittenen Zahnschaden bezahlt zu ma-
chen. Sie hat denn auch eine entsprechende Schadenersatzforderung gestellt.
Sind nun aber diese Belastungen nicht glaubhaft, schlägt sich das auch negativ
auf die übrigen Behauptungen der Privatklägerin nieder, insbesondere auf die
Vorwürfe, der Beschuldigte habe sie bewusst an den Haaren gezogen und ihr mit
Absicht einen Schlag an die Schläfe versetzt.
Ihre Aussage, wonach sie an Krücken gegangen sei, steht ausserdem im
Widerspruch zur den Aussagen der Zeugin G1._ und des Beschuldigten,
welche dies verneinten. H._ erwähnte solche Gehhilfen ebenfalls nicht. Viel-
mehr gab er an, die Privatklägerin habe bei der Auseinandersetzung "die Arme
oben gehabt" (Urk. 10/2 S. 2). Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich die Zeugen
nicht an Krücken erinnert hätten, wäre die Privatklägerin an solchen gegangen,
bzw. wären solche am Tatort gelegen. Die Frage des Beschuldigten, ob sie am
fraglichen Tag mit zwei Krücken auf ihn losgegangen sei, bedeutet im Übrigen
nicht, dass dieser die Krücken wahrgenommen hätte, sondern diente wohl eher
dazu, ironisch auf diese Ungereimtheit hinzuweisen. So wies heute auch die Ver-
teidigerin darauf hin, dass der Beschuldigte diese Frage gestellt habe, weil er ge-
wollt habe, dass sich die Privatklägerin in Widersprüche verstricke und er so dar-
legen könne, dass er die Wahrheit sage (Urk. 66 S. 8).
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Weitere Widersprüche ergeben sich im Zusammenhang mit den geltend
gemachten Schadenersatzansprüchen.
Dass die Privatklägerin Schadenersatz für eine zerrissene Jeans geltend
macht, mutet ebenfalls seltsam an, sprachen doch weder sie noch die Zeugen
davon, dass die Privatklägerin wegen der Auseinandersetzung mit dem Beschul-
digten gestürzt sei oder durch anderes Zutun des Beschuldigten die Jeans zerris-
sen worden seien.
Die widersprüchlichen und unkonstanten Ausführungen der Privatklägerin
betreffen das Kerngeschehen, was Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
aufkommen lässt. Es ist unbestritten, dass zwischen ihr und dem Beschuldigten
eine Auseinandersetzung stattfand, bei welcher es wohl nicht nur bei Worten
blieb, sondern allenfalls auch geschubst wurde. Schon dass der Beschuldigte die
Privatklägerin wissentlich und willentlich an den Haaren zerrte, lässt sich aber
nicht erstellen. Er kann auch beim verärgerten Gestikulieren unabsichtlich in ihre
langen bzw. buschigen Haare geraten sein. Auch dass die Verletzungen des klei-
nen Fingerns der Privatklägerin im Rahmen der Auseinandersetzung mit dem Be-
schuldigten zustande kamen, kann allein gestützt auf die Aussagen der Privatklä-
gerin nicht als erstellt erachtet werden. Denkbar wäre auch, dass sie vor oder
nach dem Vorfall gestürzt ist, war sie doch anscheinend noch unsicher auf den
Füssen. Auch der Handchirurg gab an, dass die Verletzungen durch einen Sturz
entstanden sein könnten (Urk. 13/5 S. 1). Zu prüfen ist im Folgenden, ob die Aus-
sagen der Zeugen diejenigen der Privatklägerin untermauern.
4. Die Zeugen G1._ und H._ wurden am 6. Dezember 2010 bei
der Staatsanwaltschaft einvernommen (Urk. 10/1-2).
G1._ führte aus, zum Zeitpunkt des eingeklagten Vorfalls habe sie den
Beschuldigten nicht gekannt und auch die Privatklägerin nicht. Seither habe sie
die Privatklägerin ein oder zwei Mal gesehen, als sie von ihr gefragt worden sei-
en, ob sie als Zeugen aufgeführt werden würden. Sie seien am fraglichen Tag
vom Bahnhof D1._ hergekommen, sie und H._, als sie die Privatklägerin
und den Beschuldigten herumschreien gehört hätten. Sie seien beim Haus gewe-
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sen und vielleicht 50 Meter oder weniger weit weg von dem Ort gestanden, wo die
beiden geschrien hätten. Die Sichtverhältnisse seien tiptop gewesen, es sei noch
hell gewesen. Sie habe gesehen, wie der Beschuldigte die Privatklägerin ge-
schubst habe. Sie sei sich nicht sicher, glaube aber, dass der Beschuldigte die
Hände der Privatklägerin in den Händen gehabt habe und sie rückwärts ge-
schubst habe. Sie seien dann hingerannt und hätten geschrien, was das solle.
Dann habe er sie als "dreckige Hausbesetzer" beschimpft, sei in sein Auto einge-
stiegen und davongefahren. Die Zeugin verneinte die Frage der Staatsanwältin,
ob die Privatklägerin an Krücken gegangen sei. Auf die Nachfrage der Privatklä-
gerin am Ende der Befragung, ob sie sich dessen ganz sicher sei, erklärte sie er-
neut, keine Krücken gesehen zu haben, wenn sie sich auch nicht ganz sicher sei.
Sie habe nur gesehen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin nach hinten ge-
schubst habe. Die Privatklägerin sei nicht hingefallen, sondern nur nach hinten
gestolpert. Sie sei gehumpelt und habe gemeint, dass ihre Hand weh tue. Auf die
Frage der Staatsanwältin, ob der Beschuldigte die Privatklägerin an den Haaren
gezerrt habe, antwortete die Zeugin, sie habe das nicht gesehen, aber die Partei-
en hätten ja schon gestritten (als sie hinzugekommen seien). Sie habe das nicht
gesehen. Auf Frage des Beschuldigten führte die Zeugin aus, sie seien nicht
durch den Tunnel gelaufen, sondern gleich den Schienen entlang zurück in die
Richtung, in welcher der Zug komme. Da dort gleich der Parkplatz sei, sehe man
alles. Sie seien auf der rechten Seite der Barriere gestanden, wo das Haus stehe
(Urk. 10/1 S. 1 ff.).
H._ führte ebenfalls aus, dass er den Beschuldigten am 19. Februar
2010 nicht gekannt habe, ebenso wenig die Privatklägerin. Er habe beide bis zu
diesem Vorfall noch nie gesehen. Am fraglichen Tag sei er mit G1._ von der
S-Bahn her gekommen und in Richtung des besetzten Hauses an der ...-Strasse
... gelaufen. Er habe gehört, dass sich zwei Leute streiten. Die beiden seien am
anderen Ende des Hauses gestanden und er habe von weitem gesehen, dass der
Beschuldigte mit den Armen herumgefuchtelt und auf die Privatklägerin einge-
hauen habe. Sie seien etwa die Hauslänge vom Geschehen entfernt gewesen,
ungefähr 20 Meter. Auf die Frage der Staatsanwältin, ob er gesehen habe, ob der
Beschuldigte die Privatklägerin beim Fuchteln getroffen habe, antwortete er "Ja,
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ziemlich sicher". Auf die Frage, wo er sie am Körper getroffen habe, führte er aus,
er glaube, ihre Arme seien auch oben gewesen und er habe sie gegen die Arme
getroffen. Er hätte nicht sagen können, ob die Privatklägerin verletzt gewesen sei.
Als der Beschuldigte weg gewesen sei, habe sie aber über Schmerzen geklagt.
Die Hand und das Bein habe ihr weh getan. An die Hand könnte er sich auf jeden
Fall erinnern. Als sie hingerannt seien, habe der Beschuldigte sie als "dreckige
Hausbesetzer" und "Scheiss Ausländer" beschimpft und sei dann weggefahren.
Die Privatklägerin habe ihnen grob erzählt, was geschehen sei. Sie habe gesagt,
sie habe den Beschuldigten nach dem Weg gefragt oder nach dem Eingang von
dem Haus, er wisse es nicht mehr, und dann sei er auf sie losgegangen (Urk.
10/2 S. 1 ff.).
4.1. Was die Glaubwürdigkeit der Zeugen betrifft, so sagten sie zwar unter
Ermahnung zur Wahrheit und unter Hinweis auf die Straffolgen gemäss Art. 307
StGB aus (Urk. 10/1-2), zum Zeitpunkt der Einvernahme war jedoch ein Strafver-
fahren gegen sie hängig, in welchem der Beschuldigte Geschädigter war. Am
24. Februar 2010, also wenige Tage nach dem heute eingeklagten Vorfall, kam es
zwischen H._, G1._ und dem Beschuldigten zur einer tätlichen Ausei-
nandersetzung, anlässlich welcher der Beschuldigte G1._ eine Ohrfeige gab,
worauf diese ihm zwei Faustschläge ins Gesicht versetzte und ihm damit eine
dislozierte Nasenbein-/Nasenseptumfraktur sowie ein leichtes Schädel-Hirn-
Trauma zufügte und anlässlich welcher H._ den Geschädigten zu Boden
stiess. Der Beschuldigte stellte einen Strafantrag gegen H._ und G1._,
welche mit Strafbefehl vom 18. Februar 2011 wegen Raufhandels bzw. einfacher
Körperverletzung und Raufhandel verurteilt wurden (vgl. Beizugsakten der
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, Urk. 62). Zum Zeitpunkt der Zeugeneinvernahme
am 6. Dezember 2010 im vorliegenden Verfahren war das Strafverfahren gegen
die Zeugen noch nicht abgeschlossen. Obwohl die Zeugen im genannten Straf-
verfahren geständig waren, ist es naheliegend, dass sie ein Interesse daran hat-
ten, ihr Verhalten in ein günstigeres Licht zu rücken. Folglich ist es nicht auszu-
schliessen, dass sie versuchten, den Beschuldigten als eine aggressive Person
darzustellen. Sie durften davon ausgehen, dass ihre Aussagen im vorliegenden
Verfahren durchaus auch Einfluss auf das gegen sie laufende Strafverfahren hat-
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ten, denn beide Untersuchungen wurden von der selben Staatsanwältin geführt
und sie wurden in beiden Verfahren am selben Tag befragt (vgl. Beizugsakten der
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, Urk. 62). Zudem ist nicht auszuschliessen, dass
sie im Zeitpunkt der Zeugeneinvernahme negative Gefühle, vielleicht sogar Ra-
chegedanken, gegenüber dem Beschuldigten hegten, hatte dieser sie doch ange-
zeigt. Als unbefangene Zeugen können sie folglich nicht gelten. Vielmehr beste-
hen erhebliche Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit.
4.2. Was die Aussagen der Zeugen betrifft, so fällt auf, dass H._ und
G1._ eher pauschal aussagten und kaum Details nennen konnten.
Die Zeugin war sich in vielem nicht sicher. Sie will gesehen haben, wie der
Beschuldigte die Privatklägerin schubste und gehört haben, wie beide schrien,
ansonsten blieben ihre Aussagen vage. So war sie sich nicht sicher, ob der Be-
schuldigte die Hände der Privatklägerin in seinen Händen gehabt habe oder nicht
und sie erklärte auch nicht, dass der Beschuldigte die Privatklägerin an den Haa-
ren gerissen hätte. Sie führte zwar aus, dass sich die Privatklägerin anschlies-
send über Schmerzen an der Hand beklagt habe, wie die Verletzung am Finger
zustande kam, habe sie jedoch nicht gesehen.
Der Zeuge behauptete pauschal, von weitem gesehen zu haben, wie der
Beschuldigte mit den Armen herumgefuchtelt und auf die Privatklägerin einge-
hauen habe. Er war sich jedoch auf Nachfrage nicht sicher, ob der Beschuldigte
die Privatklägerin beim Herumfuchteln getroffen hatte und gegebenenfalls wo. Er
vermutete bloss, dass der Beschuldigte die Privatklägerin an den Armen getroffen
habe, dies im Widerspruch zu den Aussagen der Privatklägerin, welche nie
Schläge gegen die Arme erwähnt hatte. Er will sich auch daran erinnern, wie sich
die Privatklägerin anschliessend über Schmerzen an der Hand beklagt habe,
konnte aber nicht sagen, ob die Privatklägerin, die ja behauptet, bei der Ausei-
nandersetzung mit dem Beschuldigten an einer scharfen Kante am Finger verletzt
worden zu sein (vgl. auch den Arztbericht), verletzt gewesen war oder nicht. Die
Aussage, wonach die Privatklägerin gesagt habe, sie habe den Beschuldigten
nach dem Weg oder nach dem Eingang vom Haus gefragt, stimmt sodann mit
den Aussagen der Privatklägerin nicht überein.
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Gestützt auf die sehr pauschalen, vagen und teils widersprüchlichen Aussa-
gen der Zeugen, welche anfangs auch noch relativ weit vom Ort des Geschehens
entfernt standen, und unter Berücksichtigung der Zweifel an deren Glaubwürdig-
keit, kann nicht rechtsgenügend erstellt werden, dass sich die Privatklägerin die
Verletzungen am kleinen Finger der rechten Hand im Rahmen der Auseinander-
setzung mit dem Beschuldigten zuzog.
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass anhand der zur Verfügung
stehenden Beweismittel nicht erstellt werden kann, dass die Verletzungen des
kleinen Fingers der rechten Hand der Privatklägerin eine Folge der Handlungen
des Beschuldigten war. Selbst wenn davon ausgegangen werden könnte, dass
der Beschuldigte die Verletzungen am Finger der Privatklägerin verursacht hätte,
wäre es fraglich, ob dem Beschuldigten ein diesbezüglicher Vorsatz nachgewie-
sen werden könnte, läge diesfalls somit auch die Möglichkeit einer fahrlässigen
Tatbegehung im Rahmen des gegenseitigen Herumfuchtelns und -schubsens im
Raum, welche jedoch nicht zu einer Verurteilung führen würde, da eine fahrlässi-
ge Körperverletzung nicht eingeklagt ist. Nicht erstellen lässt sich auch, dass der
Beschuldigte die Privatklägerin mit Wissen und Willen an den Haaren riss.
Es bestehen mithin erhebliche Zweifel, dass sich der Sachverhalt so verwirk-
licht hat, wie er dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorgeworfen wird. Der
Beschuldigte ist somit gestützt auf den Grundsatz in dubio pro reo vom Vorwurf
der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freizu-
sprechen.
III.
1. Bei diesem Verfahrensausgang kann zwar die erstinstanzliche Kosten-
aufstellung (Dispositivziffer 6) bestätigt werden. Die Kosten der Untersuchung und
des erstinstanzlichen Verfahrens sind jedoch gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO e
contrario auf die Gerichtskasse zu nehmen. Ein Fall von Art. 427 Abs. 2 StPO,
wonach im Falle eines Freispruchs bei Antragsdelikten eine Kostenauflage zu
Lasten der Privatklägerschaft erfolgen kann, sofern diese mutwillig oder grob fahr-
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lässig die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert
hat, liegt nicht vor.
Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ih-
res Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ob-
siegt mit seinem Antrag auf Freispruch vollumfänglich. Sodann sind vor Ablauf der
Frist für die Berufungserklärung keine Aufwendungen entstanden, weshalb der
Privatklägerin keine Kosten aufzuerlegen sind. Die Gerichtsgebühr für das Beru-
fungsverfahren hat ausser Ansatz zu fallen und die übrigen Kosten,
einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft,
sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, so
hat sie Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene
Ausübung ihrer Verfahrensrechte, Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen,
die ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind, so-
wie Genugtuung für besonders schwere Verletzung ihrer persönlichen Verhältnis-
se, insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1
StPO).
Im Berufungsverfahren war der Beschuldigte amtlich verteidigt. Die entspre-
chenden prozessualen Kosten sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Aufwen-
dungen für die Ausübung der Verfahrensrechte während der Untersuchung und
vor Vorinstanz wurden nicht geltend gemacht. Es liegen sodann keine Hinweise
vor, dass dem Beschuldigten durch die Beteiligung am Strafverfahren wirtschaftli-
che Einbussen in Form von Lohn- und Verdienstausfällen entstanden wären, ist er
doch nicht erwerbstätig (Urk. 36 S. 1, Urk. 65 S. 2). Eine Genugtuung wurde
schliesslich nicht beantragt und es ist auch keine besonders schwere Verletzung
der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten durch das vorliegende Strafver-
fahren ersichtlich, zumal der Beschuldigte keinen Freiheitsentzug erlitt.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Privatklägerin keine Entschädi-
gung zuzusprechen (vgl. Art. 433 Abs. 1 StPO).
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