Decision ID: e19d0689-6e1d-4bed-9c83-8139ba1489dd
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 29.11.2011 Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG, Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV: Der Beschwerdeführer hat durch sein Verhalten (Tätlichkeit gegenüber Mitarbeiter) der Arbeitgeberin Anlass zur Kündigung gegeben und somit die Arbeitslosigkeit selbstverschuldet. Vergleich im arbeitsrechtlichen Verfahren kann vorliegend als Indiz berücksichtigt werden. Reduktion der Einstelldauer gerechtfertigt, da die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid noch davon ausging, dass der Beschwerdeführer auf die Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist verzichtet habe und im vergleichsweise zugestandenen Betrag ein Anteil Kündigungslohn enthalten ist(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. November 2011, AVI 2010/117). Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin  Rüegg Haltinner, Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Marcel Kuhn Entscheid vom 29. November 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marc Hofer, Obere Bahnhofstrasse 11, Post- fach 253, 9501 Wil SG 1, gegen Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, betreffend Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Arbeitgeberkündigung) Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9. August 2010 beim RAV Oberuzwil zur Arbeitsvermittlung
an und beantragte per Anmeldedatum die Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung
(act. G 5.1/39 und 42).
A.b Der Versicherte war am selben Tag bei der B._ fristlos entlassen worden (act. G
5.1/25 und 46). Mit Schreiben vom 19. August 2010 teilte die Arbeitgeberin mit, dass
der Versicherte am 9. August 2010 Arbeitsanweisungen von einem Mitarbeiter nicht
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habe akzeptieren wollen. Anschliessend sei es zu einer heftigen verbalen
Auseinandersetzung gekommen, woraufhin der Versicherte die Fassung verloren und
dem involvierten Mitarbeiter die Brille aus dem Gesicht geschlagen habe. Daraus sei
eine Schlägerei entstanden, die diesen Mitarbeiter zu Fall gebracht habe. Diesen
inakzeptablen Vorfall habe der Versicherte ohne weiteres gestanden. Der Versicherte
sei bereits vorgängig negativ aufgefallen und mündlich verwarnt worden (act. G 5.1/38).
A.c Mit Verfügung vom 1. Oktober 2010 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse den
Versicherten für 55 Tage ab 10. August 2010 in der Anspruchsberechtigung ein. Durch
sein Verhalten habe er dem Arbeitgeber Anlass zu einer Kündigung gegeben, weshalb
ihm ein schweres Verschulden an der Arbeitslosigkeit anzulasten sei (act. G 5.1/19).
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 16. November 2010 Einsprache e-
heben und beantragen, dass auf eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu
verzichten sei (act G 5.1/8). Mit Einspracheentscheid vom 29. November 2010 hiess die
Kantonale Arbeitslosenkasse die Einsprache teilweise gut und reduzierte die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung auf 42 Tage (act. G 5.1/6).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Marc Hofer, Wil,
eingereichte Beschwerde vom 14. Dezember 2010 mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 29. November 2010 sei aufzuheben, auf eine Einstellung in
der Anspruchsberechtigung sei zu verzichten, eventualiter sei die Angelegenheit
zwecks Neubeurteilung nach ergänzender Abklärung des Sachverhalts an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und dem Beschwerdeführer sei die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die fristlose Entlassung des Beschwerdeführers sei nicht
gerechtfertigt gewesen, weshalb diesen kein Verschulden an der Arbeitslosigkeit treffen
würde. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zeige, dass eine Tätlichkeit gegen
einen Mitarbeiter nicht per se und ungeachtet der Umstände einen wichtigen, eine
fristlose Kündigung rechtfertigenden Grund darstelle. Eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung sei nur zulässig, wenn das Verschulden des
Beschwerdeführers klar bewiesen sei, die überwiegende Wahrscheinlichkeit genüge
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nicht. Die Bemessung der verfügten Einstelldauer sei nicht hinreichend begründet (act.
G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde und die Sistierung des Verfahrens bis zum Abschluss
des arbeitsrechtlichen Verfahrens über allfällige Lohn- oder Entschädigungsansprüche
(act. G 5).
B.c Mit Schreiben vom 8. Februar 2011 teilte das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen dem Beschwerdeführer mit, dass sein Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung wegen fehlender finanzieller Bedürftigkeit abgelehnt werden
müsse (act. G 6).
B.d Mit Replik vom 10. März 2011 hält der Beschwerdeführer an den bisherigen
Anträgen fest. Zusätzlich beantragt er verschiedene Zeugenbefragungen und legt das
Schlichtungsgesuch an die Schlichtungsstelle für Arbeitsverhältnisse Toggenburg vom
4. Februar 2011 ins Recht (act. G 8 und 8.1).
B.e Am 23. März 2011 teilte das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die
Sistierung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bis zum Abschluss des
arbeitsrechtlichen Verfahrens mit (act. G 9).
B.f Mit Schreiben vom 6. April 2011 teilte der Beschwerdeführer mit, dass am 31. März
2011 mit seiner ehemaligen Arbeitgeberin ein Vergleich abgeschlossen worden sei. Das
Vergleichsangebot der Arbeitgeberin über Fr. 7'316.70 bestätige seinen Standpunkt,
dass die fristlose Entlassung ungerechtfertigt, da ohne zureichenden wichtigen Grund,
erfolgt sei. Dem Schreiben legte er zusätzlich das Protokoll der Schlichtungsstelle vom
31. März 2011 bei (act. G 10 und 10.1).
B.g Am 7. April 2011 hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die
Sistierung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens auf (act. G 11).
B.h Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 12).

Erwägungen:
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1.
1.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung
arbeitsvertraglicher Pflichten, dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des
Arbeitsverhältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]).
1.2 Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter
Arbeitslosigkeit gemäss Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine Auflösung des
Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen gemäss Art. 337 OR voraus. Es genügt,
dass das allgemeine Verhalten der versicherten Person Anlass zur Kündigung bzw.
Entlassung gegeben hat; Beanstandungen in beruflicher Hinsicht müssen nicht
vorgelegen haben. Mithin gehören dazu auch charakterliche Eigenschaften im weiteren
Sinn, die den Arbeitnehmer für den Betrieb als untragbar erscheinen lassen. Eine
Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann jedoch nur verfügt werden, wenn das
der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht (Urteil des
Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht; EVG]
vom 3. April 2007, C 277/06, E. 2 mit Hinweis auf BGE 112 V 242).
1.3 Am 17. Oktober 1991 ist für die Schweiz das Übereinkommen Nr. 168 der
Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung und den
Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend Übereinkommen; SR
0.822.726.8) in Kraft getreten. Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens können
Leistungen verweigert, entzogen, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden, wenn die
zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer
Entlassung beigetragen hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und
klar ist, ist sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht damit allfällig widersprechendem
Landesrecht vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung setzt somit voraus, dass die versicherte Person vorsätzlich zu
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ihrer Entlassung beigetragen hat (Urteile des EVG vom 26. April 2006, C 6/06, E. 1.1
und C 11/06, E. 1, je mit Hinweisen auf BGE 124 V 236 E. 3b).
1.4 Im Sozialversicherungsrecht handelt vorsätzlich, wer eine Tat mit Wissen und
Willen begeht, oder mindestens im Sinn des Eventualvorsatzes in Kauf nimmt
(Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998,
S. 52). Eventualvorsatz ist beispielsweise anzunehmen, wenn die betroffene Person
vorhersehen kann oder damit rechnen muss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung
durch den Arbeitgeber führt (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar 2001, C
282/00, E. 2b; Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Rz 831).
2.
2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu
Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 42 Tage in der
Anspruchsberechtigung eingestellt hat.
2.2 Bezüglich der Sachverhaltsdarstellung stützt sich die Beschwerdegegnerin
hauptsächlich auf das bereits erwähnte Schreiben der ehemaligen Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers vom 19. August 2010. Der Beschwerdeführer führt in der
Beschwerde wie schon zuvor im Verwaltungsverfahren im Wesentlichen aus, dass es
am 9. August 2010 nach der betriebsüblichen Pause um 08:30 Uhr zu einer Diskussion
mit einem Mitarbeiter gekommen sei und er diesen sachlich und zu Recht angehalten
habe, seine Arbeit zu machen und ihm das Fleisch zur Maschine zu bringen. Der
Mitarbeiter habe ihn daraufhin als "Hurensohn von der Langstrasse" bezeichnet. In der
Folge sei es zu gegenseitigen Rempeleien gekommen, woraufhin er dem Mitarbeiter
mit der flachen Hand eine Ohrfeige verpasst habe. Dieser habe ihn daraufhin gepackt,
wobei er sich habe losreissen können. Deshalb sei der Mitarbeiter gestolpert und
hingefallen, wobei dessen Brille zu Boden gefallen und beschädigt worden sei. Es
stimme demnach nicht, dass er dem Mitarbeiter die Brille aus dem Gesicht geschlagen
habe.
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2.3 Den vorliegenden Akten sind unterschiedliche Schilderungen zu entnehmen, wie
sich der Vorfall vom 9. August 2010 tatsächlich zugetragen hat. Übereinstimmend ist
den Berichten hingegen zu entnehmen, dass der Versicherte von einem Mitarbeiter
provoziert wurde und er diesem nach einer verbalen Auseinandersetzung eine Ohrfeige
verpasst hat, woraufhin es zu einem Handgemenge zwischen den beiden gekommen
ist. Für die Beurteilung der vorliegenden Streitsache erscheint der rechtserhebliche
Sachverhalt als hinreichend abgeklärt. Von weiteren Abklärungen, insbesondere auch
von den vom Beschwerdeführer beantragten Zeugenbefragungen, sind keine neuen,
entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten und dem
Eventualantrag des Beschwerdeführers nicht stattzugeben ist (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157 E. 1d).
2.4 Ausgehend von diesem Sachverhalt muss angenommen werden, dass der
Beschwerdeführer seiner ehemaligen Arbeitgeberin durch sein Verhalten Anlass zur
Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers lässt sich aus dem im arbeitsrechtlichen Verfahren
abgeschlossenen Vergleich nicht ableiten, dass die fristlose Entlassung zu Unrecht
erfolgt sei. Einem Vergleich liegen naturgemäss verschiedene Interessen und
Motivationen zugrunde, weshalb das Vergleichsergebnis unter Umständen deutlich von
der materiellen Wahrheit abweichen kann. Das vergleichsweise erzielte Ergebnis kann
demnach höchstens ein Indiz dafür sein, wie begründet die Position des Arbeitnehmers
ist (Entscheid des Versicherungs-gerichtes des Kantons St. Gallen vom 13. Dezember
2007, AVI 2007/78, E. 3.3). Da wie bereits erwähnt, die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit keine Auflösung
des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen gemäss Art. 337 OR voraussetzt, kann
bereits aus diesem Grund nicht ausschliesslich auf den abgeschlossenen Vergleich
abgestellt werden. Sodann gilt es diesbezüglich nochmals festzuhalten, dass selbst bei
einer ungerechtfertigten fristlosen Auflösung des Arbeitsverhältnisses ein
sanktionsrechtlich relevantes Verschulden für eine ordentliche Beendigung des
Arbeitsverhältnisses vorliegen kann, lässt sich doch die Wirksamkeit der Entlassung
nicht mehr rückgängig machen und die bevorstehende Arbeitslosigkeit nicht mehr
vermeiden. In solchen Fällen geht es gegenüber dem Arbeitgeber einzig noch darum,
ob der Arbeitnehmer Lohnersatzansprüche für die Zeit bis zum Ablauf der ordentlichen
Kündigungsfrist geltend machen kann. Vorliegend fällt sodann ins Gewicht, dass der
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Beschwerdeführer bei der ehemaligen Arbeitgeberin bereits vor dem Vorfall vom 9.
August 2010 negativ aufgefallen ist und nach einer Ermahnung vom 29. September
2008 (Verhalten unter Mitarbeitenden) am 12. Januar 2009 mündlich verwarnt
(unerlaubtes Verlassen des Arbeitsplatzes) wurde (act. G 5.1/38 Beilagen). Der erneute
Vorfall vom 9. August 2010 hat somit die ehemalige Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers zweifellos veranlasst, das Arbeitsverhältnis fristlos aufzulösen.
Unter Berücksichtigung dieser bereits ausgesprochenen mündlichen Verwarnung
musste dem Beschwerdeführer klar gewesen sein, dass er bei einem erneuten
fehlbaren Verhalten mit strengeren Sanktionen, insbesondere auch mit einer Kündigung
- fristlos oder ordentlich -, zu rechnen habe. Somit ist vorliegend davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer mit seinem Verhalten die Kündigung des
Arbeitsverhältnisses eventualvorsätzlich in Kauf genommen hat.
2.5 Indem der Beschwerdeführer der ehemaligen Arbeitgeberin durch sein Verhalten
Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat und seine Arbeitslosigkeit
somit selbstverschuldet war, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht eine Einstellung in
der Anspruchsberechtigung verfügt.
3.
3.1 Zu prüfen bleibt, ob die von der Beschwerdegegnerin verfügten 42 Einstelltage
angemessen sind.
3.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 AVIV).
Zweck der Einstellung in der Anspruchsberechtigung als versicherungsrechtliche
Sanktion ist die angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden, den
sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung verursacht hat.
3.3 Der Beschwerdeführer erhob am 4. Februar 2011 bei der Schlichtungsstelle für
Arbeitsverhältnisse Toggenburg Klage gegen die fristlose Entlassung und machte u.a.
eine Schadenersatzforderung aus Art. 337c Abs. 1 OR in der Höhe von Fr. 9'567.45
(Lohnanspruch bei ordentlicher Kündigung bis Ende Oktober 2010 abzüglich
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bezogener Arbeitslosentaggelder) geltend (act. G 8). Der anlässlich der
Schlichtungsverhandlung vom 31. März 2011 vergleichsweise von der Arbeitgeberin
zugestandene Betrag von Fr. 7'316.70 (act. G 10.1) entspricht quantitativ in etwa dem
Kündigungslohn bis Ende September 2010 (einschliesslich Anteil 13. Monatslohn für
August und September 2010), den der Beschwerdeführer mangels Subrogation (keine
Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung bis Ende September 2010) auch selber
einklagen konnte. Obwohl wie bereits erwähnt aus einem Vergleichsergebnis nicht
ohne Weiteres Schlüsse auf die materiellrechtliche Lage gezogen werden dürfen und
vorliegend die Parteien auf eine Erörterung des Vergleichs verzichtet haben, ist dem
von der Arbeitgeberin zugestandenen Betrag ein Anteil Kündigungslohn nicht
abzusprechen. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände kann somit bei der
Festlegung der Einstellungsdauer nicht mehr von einer gerechtfertigten bzw.
akzeptierten fristlosen Kündigung ausgegangen werden. Die von der
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid verfügte Einstellung in
der Anspruchsberechtigung beruht jedoch auf der Annahme, dass der
Beschwerdeführer auf die Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist verzichtet habe,
da das Klageverfahren vor der Schlichtungsstelle für Arbeitsverhältnisse zu diesem
Zeitpunkt noch nicht angehoben war. Die Sanktion ist somit selbst nach den
Bemessungskriterien der Beschwerdegegnerin zu hoch ausgefallen, da diese im
angefochtenen Einspracheentscheid explizit festhielt, dass bei einer fristlosen
Arbeitgeberkündigung die Einstellung um acht bis zwölf Tage erhöht werde. Hingegen
wurde bei der konkreten Sanktionsbemessung durch die Beschwerdegegnerin bereits
ausreichend berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer durch den in den Streit
involvierten Mitarbeiter provoziert worden war. Weitere Entlastungsgründe sind nicht
auszumachen. Unter Berücksichtigung des Ausgangs des arbeitsrechtlichen
Verfahrens - wie von der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid in Aussicht
gestellt (act. G 5.1/6 E. 2b/cc) - erscheint vorliegend eine Reduktion der verfügten
Einstelldauer in den untersten Bereich des schweren Verschuldens angezeigt, weshalb
von einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 31 Tagen auszugehen ist.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die Einstellung in der Anspruchsberechtigung ist auf 31 Tage zu reduzieren.
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4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
4.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Bei
vollständigem Obsiegen wäre dem Beschwerdeführer mit Blick auf die Bedeutung der
Streitsache und dem Aufwand eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zugesprochen worden. Angesichts
des nur teilweisen Obsiegens erscheint vorliegend eine Parteientschädigung von Fr.
1'200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP