Decision ID: 5ab94444-d44c-4da1-a2f5-ad71de18b1c2
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 3. März 2006 dehnte die Bundesanwaltschaft ein gegen insgesamt neun Beschuldigte sowie gegen unbekannte Täterschaft geführtes  Ermittlungsverfahren gegen A. aus wegen des Verdachts der qualifizierten Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz vom 3.  1951 über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (, BetmG; SR 812.121), ausgehend von einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB). Am 5. Dezember 2008 eröffnete das  Untersuchungsrichteramt (nachfolgend „“) im Strafverfahren gegen A. eine Voruntersuchung. Am 27. Juni 2006 wurde A. auf Grund des gegen ihn ausgestellten Haftbefehls der  wegen Flucht- und Kollusionsgefahr in Untersuchungshaft gesetzt.
B. Am 20. Mai 2009 stellte A. beim Untersuchungsrichteramt ein , da sich seiner Ansicht nach eine andauernde Inhaftierung nicht mit dem Beschleunigungsgebot vertrage. Das  wies am 2. Juni 2009 das Gesuch von A. um Entlassung aus der  ab. Die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts wies eine von A. hiergegen erhobene Beschwerde mit Entscheid BH.2009.11 vom 25. Juni 2009 ab, stellte aber eine das  verletzende Rechtsverzögerung fest (vgl. daselbst E. 3.4). Dieser Entscheid blieb unangefochten.
C. Mit Schreiben vom 30. Oktober 2009 ersuchte A. erneut um Entlassung
aus der Haft. Das Untersuchungsrichteramt wies dieses Gesuch mit  vom 13. November 2009 ab (act. 1.1).
D. Dagegen gelangte A. mit Beschwerde vom 19. November 2009 an die
I. Beschwerdekammer und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheides sowie seine sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 7,6 % MwSt.) zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. 1).
Die Bundesanwaltschaft schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 23.  2009 auf kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde (act. 3). Das
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Untersuchungsrichteramt beantragte am 25. November 2009 ebenfalls die kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 4).
A. hielt in seiner Replik vom 30. November 2009 vollumfänglich an seinen Beschwerdeanträgen fest (act. 5). Die Replik wurde der  und dem Untersuchungsrichteramt am 2. Dezember 2009 zur  gebracht (act. 6 und 7).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird,  erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug .

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 52 Abs. 1 BStP kann der Beschuldigte jederzeit ein Haftent-
lassungsgesuch einreichen. Gegen dessen Abweisung durch den  kann bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden (Art. 52 Abs. 2 BStP i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. a SGG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das ; SR 173.710). Die Beschwerde steht den Parteien und  jeden zu, der durch eine Verfügung oder durch die Säumnis des  einen ungerechtfertigten Nachteil erleidet (Art. 214 Abs. 2 BStP). Ist die Beschwerde gegen eine Amtshandlung des  gerichtet, so ist sie innert fünf Tagen, nachdem der  von der Amtshandlung Kenntnis erhalten hat, einzureichen (Art. 217 BStP).
1.2 Der Beschwerdeführer, welcher auf Grund des angefochtenen Entscheides
in Untersuchungshaft zu verbleiben hat, ist ohne Weiteres beschwert und als Partei des gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahrens (Art. 34 BStP) zur Beschwerde legitimiert. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht  Beschwerde ist daher einzutreten.
2. 2.1 Untersuchungshaft setzt gemäss Art. 44 BStP voraus, dass gegen den Be-
schuldigten ein dringender Tatverdacht wegen eines Verbrechens oder Vergehens besteht und zusätzlich, dass einer der besonderen Haftgründe der Kollusions- oder der Fluchtgefahr gegeben ist. Untersuchungshaft hat
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sodann im öffentlichen Interesse zu liegen und dem  zu genügen (Entscheid des Bundesstrafgerichts BH.2006.23 vom 7. September 2006, E. 2.1 m.w.H.).
2.2 Vom Beschwerdeführer nicht thematisiert werden die allgemeine Haftvor-
aussetzung des dringenden Tatverdachts sowie die Haftgründe der Flucht- bzw. der Kollusionsgefahr. Die Beschwerdegegnerin bejaht das Vorliegen der entsprechenden Hafterfordernisse unter Verweis auf drei ihrer im  des Verfahrens erstellten Eingaben (act. 3.1, 3.2 und 3.3). Der  liess im Beschwerdeverfahren die entsprechenden  unkommentiert. Diesbezügliche Weiterungen erübrigen sich an dieser Stelle, da für den Ausgang des Beschwerdeverfahrens lediglich die nachfolgenden Erwägungen entscheidend sind.
3. 3.1 Gemäss Art. 31 Abs. 3 BV und Art. 5 Ziff. 3 EMRK hat eine in strafprozes-
sualer Haft gehaltene Person Anspruch darauf, innerhalb einer  Frist richterlich abgeurteilt oder während des Strafverfahrens aus der Haft entlassen zu werden. Eine übermässige Haftdauer stellt eine  Beschränkung dieses Grundrechts dar. Sie liegt dann vor, wenn die Haftfrist die mutmassliche Dauer der zu erwartenden  Sanktion übersteigt. Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Haftdauer ist namentlich der Schwere der untersuchten Straftaten Rechnung zu tragen. Der Richter darf die Haft nur so lange erstrecken, als sie nicht in grosse zeitliche Nähe der (im Falle einer rechtskräftigen ) konkret zu erwartenden Dauer der freiheitsentziehenden Sanktion rückt. Im Weiteren kann eine Haft die zulässige Dauer auch dann , wenn das Strafverfahren nicht genügend vorangetrieben wird, wobei sowohl das Verhalten der Justizbehörden als auch dasjenige des  in Betracht gezogen werden müssen. Gemäss der  Rechtsprechung des Bundesgerichtes und des Europäischen  für Menschenrechte ist die Frage, ob eine Haftdauer als  bezeichnet werden muss, aufgrund der konkreten Verhältnisse des einzelnen Falles zu beurteilen (BGE 132 I 21 E. 4.1 S. 27 f. mit Hinweisen). Die Rüge, das Strafverfahren werde nicht mit der verfassungs- und  gebotenen Beschleunigung geführt, ist im  nur soweit zu beurteilen, als die Verfahrensverzögerung geeignet ist, die Rechtmässigkeit der Untersuchungshaft in Frage zu stellen und zu einer Haftentlassung zu führen. Dies ist nur der Fall, wenn sie besonders schwer wiegt und zudem die Strafverfolgungsbehörden, z. B. durch  Ansetzung der Termine für die anstehenden Untersuchungshand-
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lungen erkennen lassen, dass sie nicht gewillt oder nicht in der Lage sind, das Verfahren nunmehr mit der für Haftfälle verfassungs- und  gebotenen Beschleunigung voranzutreiben und zum Abschluss zu bringen (BGE 128 I 149 E. 2.2.1 S. 151 f.).
3.2 In ihrem Entscheid BH.2009.11 vom 25. Juni 2009 verneinte die I. Be-
schwerdekammer vor diesem Hintergrund, dass die Dauer der bisher  Untersuchungshaft in grosse zeitliche Nähe der (im Falle  rechtskräftigen Verurteilung) konkret zu erwartenden Dauer der  Sanktion gerückt sei (vgl. dort E. 3.2). Sie übte jedoch Kritik daran, dass das Verfahren trotz der bereits bestehenden  Akten und knapp drei Jahre andauernder Untersuchungshaft im  vom 5. Dezember 2008 bis 25. Juni 2009 nur ungenügend  wurde und dass die Angaben betreffend den Zeitpunkt des  des Verfahrens lediglich vage seien. Sie kam zum Schluss, dass angesichts der Schwere des Tatvorwurfs (Mitverantwortung hinsichtlich des Handels von insgesamt 22,4 kg Heroingemisch bzw. bis zu 8,4 kg reines Heroin-Hydrochlorid) sowie dem Vorliegen der besonderen Haftgründe eine – wenn auch nicht besonders schwer wiegende – Rechtsverzögerung , und forderte die Vorinstanz auf, die Strafsache mit besonderer  voranzutreiben und bis spätestens Ende Oktober dieses  konkrete, auch für die Parteien erkennbare Fortschritte im Hinblick auf den Abschluss des Verfahrens zu erreichen (vgl. zum Ganzen Entscheid des Bundesstrafgerichts BH.2009.11 vom 25. Juni 2009, E. 3.2, 3.3 und 3.4).
3.3 Den nun der I. Beschwerdekammer vorliegenden Akten ist zu entnehmen,
dass die Beschwerdegegnerin im Nachgang zum erwähnten Entscheid am 21. Juli 2009 bei der Vorinstanz eine Reihe von Verfahrensanträgen  (act. 3.4). Die entsprechenden Anträge wurden von der Vorinstanz mit Verfügung vom 18. September 2009 weitgehend gutgeheissen bzw. als bereits erledigt bezeichnet (act. 3.9). Die Vorinstanz ihrerseits verwendete ihre Kapazitäten im Sommer 2009 in Erfüllung der ihr zugedachten  des Sammelns nach Beweismitteln für die Hauptverhandlung (Art. 113 Abs. 2 BStP) mit der Auswertung der umfassenden Telefonprotokolle auf die rund 300 wesentlichsten Telefongespräche inkl. Erstellung der  mit Übersetzung. Danach schritt sie am 2. November 2009 zu einer Konfrontationseinvernahme mit dem anderweitig verfolgten B. (act. 4.2), bevor sie am selben Tag den Beschwerdeführer selber als Beschuldigten einvernahm (act. 4.3). Eine weitere Konfrontationseinvernahme mit  Einvernahme des Beschwerdeführers als Beschuldigter fand am 17. November 2009 statt (act. 4.4 und 4.5). Im Weiteren hat die Vorin-
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stanz auf den 22. Dezember 2009 die Schlusseinvernahme mit dem  angesetzt, mit deren Durchführung sie alle notwendigen  als abgeschlossen erachtet, so dass einer Ansetzung der Frist gemäss Art. 119 Abs. 1 BStP nichts mehr im Wege stehe (act. 4).
3.4 Der Beschwerdeführer bringt diesbezüglich primär vor, dass die von der
Vorinstanz vorgebrachten Verfahrensschritte betreffend die Erstellung der Wortprotokolle der Telefonüberwachungen weder für die Parteien  noch dienlich waren, die massive Verfahrensverzögerung zu beheben. Weiter bringt er vor, dass gemäss Aussage der Beschwerdegegnerin  der Einvernahme vom 17. November 2009 das Verfahren noch lange nicht abgeschlossen sei, da es ihrer Auffassung nach noch diverser Gutachten, Konfrontationseinvernahmen usw. bedürfe (act. 1, S. 3; act. 5, S. 2 f.). Dem ist entgegenzuhalten, dass durch die erfolgte Auswertung der Telefonkontrollen bzw. die Erstellung der Wortprotokolle weitere  gesammelt bzw. in für die Zwecke des Strafverfahrens geeignete Form gebracht worden sind. Dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner  vom 2. November 2009 ausdrücklich auf das Abspielen der , welche den gegen ihn bestehenden Tatverdacht begründen sollen, verzichtet hat (act. 4.3, S. 4 unten), bedeutet nicht, dass sie für die Parteien nicht erkennbar sind. Hinsichtlich der von der  erwähnten weiteren notwendigen Untersuchungshandlungen ist , dass diese nicht zwingend durchgeführt werden müssen. Wie die Beschwerdegegnerin darstellt, liesse sich – je nach Verhalten des  als Beschuldigter – auch darauf verzichten (act. 3, S. 6). Sollte dieser beispielsweise darauf beharren, dass die ihm zugerechneten Telefongespräche nicht von ihm geführt worden seien, wäre ein  allenfalls notwendiges Stimmgutachten bzw. die daraus resultierende Fortdauer des Verfahrens auf das Aussageverhalten des Beschuldigten . Dieses ist bei der Beurteilung, ob eine Strafuntersuchung mit der notwendigen Beschleunigung geführt wird, mitzuberücksichtigen.
3.5 Seit dem bereits mehrfach erwähnten Entscheid der I. Beschwerdekammer
haben sich die Strafverfolgungsbehörden bemüht, das Verfahren . Mit Ansetzung der Schlusseinvernahme auf den 22. Dezember 2009 mit der umgehend danach erfolgenden Fristansetzung nach Art. 119 Abs. 1 BStP ist das Ende der Voruntersuchung zum jetzigen Zeitpunkt nicht nur als vage Möglichkeit, sondern konkret absehbar. Die Beschwerde ist daher als unbegründet abzuweisen. Die Strafverfolgungsbehörden sind dennoch anzuhalten, sich allfällige aus den Anträgen nach Art. 119 Abs. 1 BStP ergebenden Weiterungen so rasch wie möglich zu erledigen und die Voruntersuchung alsbald abzuschliessen.
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4. 4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Ge-
richtskosten zu tragen (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG). Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 1'500.-- festgesetzt (Art. 245 Abs. 2 BStP und Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die  vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32).
4.2 Rechtsanwalt Georges Müller wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung
vom 27. Juni 2006 auf Grund dessen Inhaftierung als amtlicher Verteidiger beigeordnet (vgl. bereits Entscheid des Bundesstrafgerichts BH.2009.11 vom 25. Juni 2009, E. 5.2). Diesem ist für das vorliegende Verfahren von der Beschwerdegegnerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'500.-- (inkl. Auslagen und 7,6 % MwSt.; Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 68 Abs. 1 BGG und Art. 3 des Reglements vom 26. September 2006 über die Entschädigung in Verfahren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.31). Der unterliegende Beschwerdeführer hat der  diese Entschädigung zurückzuerstatten (Art. 5 Abs. 2  Reglements).
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