Decision ID: b71156fc-04e0-475b-98a9-be74de44ee16
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1955,
war vom 1
5.
Dezember 2000 bis 3
1.
August 2004 bei der
Y._
AG,
Z._
, tätig (
Urk.
7/10). Am
4.
Juli
2005 meldete
sie
sich erstmals bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/1-2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und veranlasste eine
polydis
zi
plinäre
Begut
achtung an der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
A._
, deren Gutachten am
7.
Juni 2007 erstattet wurde (
Urk.
7/25). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/27-51) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
1.
Februar 2008 einen
Rentenan
spruch der Versicherten (
Urk.
7/52).
1.2
Am 2
5.
Juni 2010 (
Urk.
7/58) machte die Versicherte eine Verschlechterung geltend.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
7/65-70) liess die IV-Stelle die Versicherte psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 1
2.
August 2011;
Urk.
7/76) und verneinte mit Verfügung vom 1
6.
Oktober 2010 (richtig: 2011) erneut einen Leistungsanspruch
(Urk. 7/78)
.
Am 2
8.
April 2014
meldete sich
die Versicherte
wieder bei der IV-Stelle an
(
Urk.
7/83). Mit Vorbescheid vom 2
0.
Juni 2014 (
Urk.
7/85) und 2
6.
Juni 2014 (
Urk.
7/89) stellte die IV-Stelle ein Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in
Aus
sicht, wogegen
die Versicherte am 2
6.
August 2014 Einwände erhob (
Urk.
7/94).
Am
1.
September 2014 lehnte die IV-Stelle ein Eintreten auf die Neu
anmeldung ab (
Urk.
7/96 =
Urk.
2).
2.
Am
2.
Oktober 2014 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
1.
September 2014 und beantragte die Verpflichtung der IV-Stelle, auf das
Leis
tungsbegehren
einzutreten und dieses materiell zu prüfen. Eventuell sei die IV-Stelle zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens zu verpflichten (
Urk.
1 S.
2). Mit Beschwerdeantwort vom
4.
November 2014 (
Urk.
6) beantragte die
Be
schwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerde
füh
rerin am 1
9.
November 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades, verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Be
stimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invalidi
täts
grades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vorzugehen (vgl.
dazu BGE 130 V 71; AHI 1999 S.
84 E. 1b mit Hinweisen; vgl. auch AHI 2000 S.
309 E. 1b mit Hinweisen). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Er
lass
der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist
sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Ver
änderung genügt, um nunmehr eine
anspruchsbegrün
dende
Invali
di
tät zu be
jah
en, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall ob
liegt die gleiche mate
rielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 130 V 71 E. 3.2.2 und 3.2.3, 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Mit Art. 87 Abs.
3 in Verbindung
m
it
. Abs. 2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Ver
waltung nach vorangegangener rechtskräftiger
Leistungsverweige
rung
immer wie
der mit gleich lautenden und nicht näher begründeten, d. h. keine Verände
rung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a, 264 E. 3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht da
hin
gehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechts
kräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus
dem ge
samten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaub
würdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue
Leis
tungsbegehren
einzu
treten und es in tatsächlicher
wie auch in recht
licher Hin
sicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E.
3a und E.
4b; vgl. auch BGE 130 V 64
E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.3
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung
verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind;
verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch
Nicht
eintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dement
sprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anfor
derungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 ff. E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hin
wei
sen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Ge
richt grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Be
handlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintre
ten
strei
tig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf Art. 87 Abs. 3 IVV Nicht
eintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt;
hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Ein
tretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be
ruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Nichteintretensentschei
d
damit, dass die Beschwerdeführ
erin eine wesentliche Verschlechterung nicht glaubhaft dar
ge
legt habe. Es liege lediglich eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes vor.
Es sei nach wie vor das psychiatrische Gutachten von 2011 massgeblich. Die neu beschriebenen psychischen Beeinträchtigungen seien
invalidenversi
che
rungsrechtlich
nicht relevant (
Urk.
2 S. 1 f.).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, sie habe den Anforderungen an die Glaubhaftmachung einer Verschlechterung Genüge getan. Dem aktuellsten psy
chiatrischen Bericht vom 3
0.
September 2014 sei insbesondere zu entnehmen, dass nun eine schwere depressive Episode bestehe und deshalb keine Arbeitsfä
higkeit mehr gegeben sei. Im Vergleich zum früheren psychiatrischen Gutachten
sei die Verschlechterung glaubhaft dargelegt; die Beschwerden hätten deutlich zu
genommen und es handle sich nicht mehr um den
gleichen
Sachverhalt. Dies
gelte auch für die degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule
(
Urk.
1 S. 7 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit ausschliesslich, ob die Beschwerdegegnerin auf
grund der ihr im Verfügungszeitpunkt vorliegenden Beurteilungen zu Recht an
ge
nommen hat, eine Veränderung sei nicht glaubhaft gemacht worden, oder ob sie auf das neue Gesuch hätte eintreten müssen.
3.
3.1
Im Zeitpunkt der
letzten
leis
tungsverneinenden Verfügung vom
1
6.
Oktober
2011
stellte sich der medizinische Sachverhalt wie folgt dar.
In ihrem Gutachten vom 1
2.
August 2011 (
Urk.
7/76) stellte
Dr.
med.
B._
,
Fachärztin für Neurologie
sowie für
Psychiatrie und Psychotherapie, keine psy
chiatrische Diagnose. Der psychopathologische Befund zeige keine Zeichen eine
r depressiven Erkrankung und es gebe keine Hinweise auf eine an
dere psychische Erkrankung. Die von der Beschwerdeführerin beklagte Reduk
tion ihres Erinne
rungsvermögens habe im Verlauf der Untersuchung nicht ob
jektiviert werden
können. Wie bei früheren Untersuchungen hätten auch aktuell Hinweise auf eine
gewisse Aggravation oder Verdeutlichungstendenz bestanden. Dass die Ärzte des
C._
im Juli 2009 eine mittel
gradige depressive
Episode
diagnostiziert hätten
, könne nicht nachvollzogen werden
. Die Beschwer
deführerin schildere einen etwas diffusen andauernden schweren Schmerz, der
jedoch nach den in der Vergangenheit durchgeführten Untersuchungen und auch
anhand eines neurologischen Untersuchungsbefun
des nicht in ausreichendem Mass
auf eine körperliche Störung zurückgeführt werden könne. Während der
Untersuchung habe die Beschwerdeführerin nicht schmerzgequält gewirkt (S. 21).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Ein
schränkung im früheren Tätig
keits
bereich. Es sei aber festzuhalten, dass die diesbezüglichen Fähigkeiten der Be
schwerdeführerin nur auf Grundlage der so
matischen Situation geklärt werden
könn
t
en, da ihre bisherige Tätigkeit körper
lich sehr anstrengend gewesen sei und
bei voller Arbeitstätigkeit auch eine deutliche Beanspruchung des Bewegungs
apparates beinhalte (S. 22).
3.2
Gestützt auf dieses Gutachten verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
1
6.
Oktober 2011 einen Leistungsanspruch der Versicherten (
Urk.
7/78).
3.3
Der Neuanmeldung vom 2
8.
April 2014 lag ein Bericht des
D._
vom
4.
März 2014 (
Urk.
7/84) zugrunde. Darin wurden fol
gen
de Diagnosen gestellt (S. 1):
chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom (
E._
interdisziplinäre Schmerzsprechstunde vom 20.8.2008)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
chronische Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch
cervicozephales
Syndrom
degenerative Veränderungen (CT HWS 21.3.05)
lumbovertebrales
Syndrom
initiale
Dehydration des Diskus L5/S1, diskrete Signalstörung der
Eck
platten
L4/5 (CT 21.3.05)
degenerative Veränderungen mit kleiner Diskushernie L5/S1 rechts ohne Kompression der
Neuroforamina
thorakovertebrales
Syndrom
leichte
Spondylosis
deformans
und
kleinvolumige
Retroosteophyten
, Th10 Wirbelkörperhämangiom (CT 21.3.05)
Schmerzen Knie rechts
mediale Meniskusläsion Grad 3 sowie
erstgradige
Chondromalazie
ret
ropatellär
(MRI 9.10.04)
beginnende Finger-Polyarthrose
kleinste Kapsel-Verkalkungen linke Hand
(
Rx
15.6.05)
Übergewicht
Verdacht auf Herzkrankheit
arterielle Hypertonie
Verdacht auf obstruktives Schlafapnoesyndrom
Dyslipidämie
Refluxösophagitis
(GERD)
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Es sei eine Verschlechterung eingetreten. Aus psychiatrischer Sicht sei die Be
schwerdeführerin aufgrund der Diagnosen, des positiven und negativen
Leis
tungsbildes
, der neuropsychologisch bestätigten Depression sowie der
Fremd
anam
nese
auch für angepasste Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig. In soma
ti
scher Hinsicht bestehe wegen des
chronifizierten
Schmerzleidens für die bis
herige Tätigkeit volle Arbeitsunfähigkeit. In einer angepassten leichten Tätigkeit und bei Vermeidung von monoformen Belastungsmustern ohne schweres Heben sei die Beschwerdeführerin etwa zu 30
%
arbeitsfähig (S. 6). Aus
wirbelsäulen
chi
rurgischer
und psychiatrischer Sicht bestehe volle Arbeitsunfähigkeit auch für angepasste Tätigkeiten (S. 7).
3.4
Dr.
med.
F._
, Facharzt Allgemeinmedizin, zertifizierter Gutachter SIM,
Regionaler Ärztlicher Dienst
(
RAD
)
, führte dazu am 1
1.
Juni 2014 aus, es werde mit dem aktuellen Bericht des
D._
im psychi
atrischen Bereich im Wesentlichen ein chronisches generalisiertes
Schmerzsyn
drom
sowie eine mittelgradige depressive Episode beschrieben, was aus
versi
che
rungsmedizinischer
Sicht nicht relevant sei (
Urk.
7/87/2).
Es würden weiter
hin keine neuen, fachärztlich-psychiatrisch ausgewiesene Tatsachen und Be
funde vor
gebracht (
Urk.
7/95/2).
Gestützt auf diese medizinischen Unterlagen verfügte die Beschwerdegegnerin das
Nichteintreten auf die Neuanmeldung.
3.5
Im Rahmen d
es Beschwerdeverfahrens erging
ein
weitere
r medizinischer
Bericht
(
Urk.
3). Dazu gilt das Folgende: Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind
grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des
Ver
waltungsverfah
rens
massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirkli
chen,
sind jedoch in
soweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in eng
em Sach
zu
sammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeit
punkt des
Ent
scheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b S.
366; 99 V 98
S. 102).
Letzteres ist vorliegend erfüllt, weshalb dieser Bericht berück
sichtigt wird.
Dr.
phil.
G._
, der auch den Bericht vom
4.
März 2014 mitunterzeichnet hatte (vgl.
Urk.
7/84 S. 7), und
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH,
C._
, wiederholten mit Be
richt
vom 3
0.
September 2014 (
Urk.
3) die bereits gestellten Diagnosen, nannten aber
nun
als erste Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere
depressive Episode (ICD-10 F33.2; S. 3).
Seit der letzten Beurteilung durch
Dr.
B._
im August 2011 hätten die Symptome deutlich zugenommen. In den bisher realisierten 42 therapeutischen Einzelsitzungen habe sich die Be
schwerdeführerin aufgrund direkter Befragung ohne Beteiligung des Ehemannes
über zunehmende Schmerzen, Lust- und Interesselosigkeit, Traurigkeit, Rück
zug,
Müdigkeit und Antriebslosigkeit beklagt. Sie habe auch über
Gedanken
kreisen
, Sinnlosigkeitsgedanken, Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit berichtet. Damit seien die ICD-Kriterien für eine schwere depressive Störung vollständig erfüllt. Suizidideen seien heute ständig vorhanden. Es handle sich nicht um den gleichen Sachverha
lt wie von
Dr.
B._
beschrieben;
die Be
schwerdeführerin habe heute ein schweres Leiden mit Krankheitswert und die
Partizipa
tions
fähig
keit
sei nicht mehr erhalten (S.
1-2). Die Befunderhebung habe eine deutlich de
pressiv-resignierte Stimmung, eine deutliche Störung des Vitalgefühls, deutliche kognitive Einschränkungen und Vergesslichkeit
ergeben.
Auch
für angepasste Tätigkeiten sei d
ie
Beschwerdeführerin
vollständig arbeits
unfähig (S. 3).
4.
4.1
Mit dem
Beweismass
des Glaubhaftmachens
im Sinne des Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV
sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die
Tatsa
chen
änderung
muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) er
stellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtser
heb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen,
auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 ff. E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine
Sachverhalts
änderung
, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) In
va
liden
ren
te sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als rich
tig
erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom 5. Juni 2013 E. 2.3
mit Hin
wei
sen auf 8C_1009/2010 vom 7. April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 28. Feb
ruar 2012 E. 3.3.2).
4.2
Es ist fraglich, ob diesen Voraussetzungen mit dem Bericht des
D._
vom
4.
März 2014 Genüge getan wurde, denn die Ärzte stellten viele der darin erwähnten Diagnosen aufgrund von Untersuchungser
geb
nissen
, welche
aus den Jahren 2004 bis 2008
stammen
(vgl. vorstehend E. 3.3)
und
die
somit
bereits
vor dem Gutachten von
Dr.
B._
vom 1
2.
August 2011 bekannt
gewesen
waren.
Auch hatte
Dr.
B._
darauf hingewiesen, dass in einem Bericht vom Juli 2009 - wie auch
unverändert
im Bericht vom
4.
März 2014 -
eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert worden sei,
was sie allerdings als nicht nachvollziehbar erachtete (vgl. vorste
hend E. 3.1). Mit
dem Bericht vom
4.
März 2014 wurden somit im Wesentlichen bereits bekannte Diagnosen gestellt
und beurteilt, was zur Glaubhaftmachung eine
r Verschlech
terung nicht genügt
.
Jedoch
haben
Dr
. phil.
G._
und
Dr.
H._
in ihrem
kurz nach Verfügungserlass erstatteten Bericht vom 3
0.
September 2014
in nac
h
vollziehbarer Weise
beschriebe
n, dass nun die ICD-Kriterien zur Bejahung einer schweren dep
ressiven Episode erfüllt seien
.
Eine solche
wurde bislang nicht diagnostiziert
, weshalb
im Vergleich zur Beurteilung durch
Dr.
B._
im Jahr 2011 nun
Anhaltspunkte für eine mögliche
versi
cherungsmedizinisch
rele
vante
Verschlechterung
bestehen. Dies genügt
recht
sprechungsgemäss für ein Eintreten auf die Neuanmeldung
(vgl. vorstehend E. 4.1),
selbst
wenn sich bei genauerer Abklärung - auch in somatischer Hinsicht, denn die letzte diesbe
züg
liche umfassende Abklärung erfolgte im Jahr 2007 am
A._
- herausstellen sollte, dass
sich
die behauptete Veränderung nicht
oder nicht
in
renten
begrün
den
dem
Ausmass verwirklicht ha
t
.
4.3
Nach dem Gesagten ist die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung zu Un
recht nicht eingetreten, weshalb die Beschwerde
gutzuheissen
und die Sache zur materiellen Beurteilung an die
Vorinstanz
zurückzuweisen ist.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG)
und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). In Anwendung dieser Kriterien
und beim für vor dem
1.
Januar 2015 erbrachte anwaltliche Leistungen anwendbaren
Stunden
ansatz
von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ist die Parteientschädigung
vorliegend auf
Fr.
1‘3
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und
ausgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.