Decision ID: c326d7b6-2f1c-4983-a008-4188c84cb25a
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
A.a .D._, Jahrgang 1960, meldete sich am 14. September 2001 erstmals zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte Berufsberatung und
die Ausrichtung einer Rente (IV-act. 1). Ein von der Suva als Unfallversicherung des
Versicherten in Auftrag gegebenes Gutachten vom 23. Juli 2001 hatte die Diagnose
eines arbeitsabhängigen, teilweise streuenden Kontaktekzems beider Hände bei
berufsrelevanter epikutaner Sensiblisierung gegenüber Kühlschmiermitteln sowie
weiterer epikutaner Sensibilisierungen gegenüber Nutraplus-Creme, Kolophonium und
Fixomull Stretch und bei leicht verminderter Alkaliresistenz ergeben. Weiter wurden ein
atopisches Ekzem vom Intrinsic-Typ und ein seborrhoisches Ekzem diagnostiziert.
Unter Meidung der erwähnten sensibilisierenden Stoffe sowie Abheilung der
Hautveränderungen und optimalem Hautschutz sei eine Arbeitsfähigkeit von 100%
anzustreben (IV-act. 8). Am 3. Oktober 2001 erliess die Suva rückwirkend auf 1. Sep
tember 2001 eine Nichteignungsverfügung. Der Versicherte habe alle Arbeiten mit
Kontakt zu Kühlschmiermitteln und deren Additiven und zu Kolophonium zu vermeiden
(IV-act. 18-11). Die A._ gab im Arbeitgeberfragebogen vom 24. Oktober 2001 an, der
Versicherte sei von November 1998 bis Ende August 2001 bei ihr als Metallarbeiter in
der Kugellagerabteilung angestellt gewesen (IV-act. 6-1). Am 6. Dezember 2001
diagnostizierte Dr. med. B._, Facharzt FMH für Dermatologie und Venerologie,
ebenfalls ein arbeitsabhängiges, streuendes Kontaktekzem beider Hände bei
berufsrelevanter epikutaner Sensibilisierung und ein atopisches Ekzem. Bei Arbeiten
mit Kühlschmiermittel sei der Versicherte zu über 50% eingeschränkt. Andere,
möglichst trockene Arbeiten seien ihm voll zumutbar. Allerdings sollten staubreiche
Arbeiten und Arbeiten mit Tierkontakt vermieden werden (IV-act. 8-1 bis 8-4).
A.b Mit Vorbescheid vom 29. Januar 2002 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen in Aussicht. Es bestehe auch kein
Anspruch auf eine Rente (IV-act. 10). Selbiges verfügte sie am 28. Februar 2002 (IV-
act. 11). Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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A.c Im Dezember 2002 meldete sich der Versicherte erneut zum IV-Leistungsbezug an
und beantragte Berufsberatung, Umschulung und eine Rente. Seit der letzten
Anmeldung seien zwei Arbeitsversuche erfolgt, die aus gesundheitlichen Gründen
gescheitert seien (IV-act. 14). Im Arztbericht vom 9. Dezember 2002 wies Dr. B._
neben den Ekzemen auf eine psychogene Überlagerung und mögliche depressive
Entwicklung hin (IV-act. 18-1). Am 15. Januar 2003 diagnostizierte Dr. med. F._ von
der Sozialpsychiatrischen Beratungsstelle E._ in einem Schreiben an Dr. B._ ein
lang dauerndes reaktives ängstliches und depressives Zustandsbild im Sinne einer
insuffizienten Krankheitsverarbeitung (ICD-10 F43.22) bei einfach strukturierter
Persönlichkeit, bei Kontaktekzem beider Hände und atopischem Ekzem. Seit 7. Januar
2003 sei der Versicherte voll arbeitsunfähig (IV-act. 25-5 ff.). Gegenüber der IV-Stelle
berichtete Dr. F._ am 27. Januar 2003 von einem schweren, anhaltenden reaktiven
ängstlich-depressiven Zustandsbild. Seit Februar 2001 sei der Versicherte voll
arbeitsunfähig (IV-act. 25-1 ff.). Nach Rückfrage beim IV-internen Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD; IV-act. 28) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 26. Mai 2003 mit, er
habe seit 1. Februar 2002 Anspruch auf eine ganze IV-Rente (IV-act. 34). Mit Verfügung
vom 10. Juli 2003 wurden dem Versicherten eine ganze Rente sowie eine Zusatzrente
für die Ehefrau und vier Kinderrenten ab 1. Juli 2003 und mit Verfügung vom 24. Juli
2003 für die Zeit vom 1. Februar 2002 bis 30. Juni 2003 zugesprochen (IV-act. 36 f.).
Die Verfügungen erwuchsen in Rechtskraft.
A.d Nach einer internen Prüfung (IV-act. 38) leitete die IV-Stelle im September 2004 ein
Rentenrevisionsverfahren ein. Der Versicherte gab am 25. Oktober 2004 an, sein
Gesundheitszustand sei gleich geblieben (IV-act. 40). Im Verlaufsbericht vom
17. Dezember 2004 beurteilte die Dermatologische Klinik des Universitätsspitals Zürich
den Gesundheitszustand des Versicherten als stationär. Die Diagnose sei unverändert.
Unter Abheilung sämtlicher Hautveränderungen und Meidung der positiv getesteten
Substanzen sowie Meidung von Feuchtkontakt und feuchtem Arbeitsmilieu wäre eine
100%-ige Arbeitsfähigkeit theoretisch zumutbar. Da aber bei vermehrten
Arbeitsversuchen immer wieder Rückfälle zu verzeichnen seien, sei diese Prognose mit
äusserster Vorsicht zu stellen (IV-act. 43). Die Assistenzärztin I._ und die Oberärztin
Dr. med. C._ vom Psychiatrischen Zentrum E._ bezeichneten den
Gesundheitszustand des Versicherten am 25. Januar 2005 als stationär. Bisher habe
sich nur eine leichte Zustandsverbesserung ohne namhafte Auswirkung auf die
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Arbeitsfähigkeit verzeichnen lassen (IV-act. 45). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das
Inselspital Bern am 22. Juni 2006 ein polydisziplinäres Gutachten. Die Ärzte
diagnostizierten einen Status nach allergischem Kontaktekzem an den Händen mit
Reaktion bei Kontaktsensibilisierungen gegen Kühlschmiermittel sowie gegen
Kolophonium, Nutraplus Creme und Fixomull Stretch. Der Versicherte könne körperlich
mittelschwere bis schwere Arbeiten in vollem Pensum verrichten. Die gemäss
Allergiepass Ekzem verursachenden Substanzen seien zu meiden, ebenso
hautirritierende Faktoren wie Staubbelastung, starke Wärme oder Feuchtigkeit (IV-
act. 56-20).
A.e Gestützt auf dieses Gutachten kündigte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 18. Juli
2006 bei einem Invaliditätsgrad von 0% die Einstellung der Rente an (IV-act. 61), was
sie mit Verfügung vom 3. Oktober 2006 auf den der Verfügung folgenden Monat tat.
Zugleich entzog sie einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung
(act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die als Rekurs bezeichnete Eingabe (richtig:
Beschwerde) von lic. iur. Eliano Mussato, Rechtsanwalt, vom 2. November 2006. Er
beantragt die Aufhebung der Verfügung, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die
Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit des Inselspitals sei aus psychiatrischer Sicht nicht
zutreffend. Die psychiatrische Situation des Beschwerdeführers habe sich seit der
Rentenzusprache keineswegs verbessert, sondern erheblich verschlechtert. Die
Angstzustände hätten an Intensität und Dauer zugenommen. Zudem habe sich eine
Hypernervosität eingestellt. Diese Situation habe zum Abbruch von fünf
Arbeitsversuchen geführt. Nach jeweils rund zwei Stunden sei der Beschwerdeführer
nicht mehr in der Lage gewesen weiterzuarbeiten. Die Allergie breche aus psychischen
Gründen in verstärktem Masse aus. Der Rechtsvertreter beantragt die Sistierung des
Verfahrens, da der Beschwerdeführer nun ein Privatgutachten erstellen lassen wolle
(act. G 1).
B.b Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts sistierte das Verfahren am
3. November 2006 bis Ende April 2007 (act. G 2) und verlängerte die Sistierung am
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27. April 2007 auf Gesuch hin bis Ende Mai 2007 (act. G 4). Mit Schreiben vom 31. Mai
2007 teilte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers dem Gericht mit, es habe sich
trotz intensivster Bemühungen kein Psychiater finden lassen, der es gewagt hätte, sich
mit den Ärzten des Inselspitals zu messen. In einem Bericht des Psychiatrischen
Zentrums E._ vom 15. Mai 2007 werde die Frage der Arbeitsfähigkeit nicht
beantwortet mit der Begründung, es handle sich um eine parteiengutachterliche Frage.
Der Beschwerdeführer habe zwei Monate zuvor in einer geschützten Werkstatt zu
arbeiten begonnen. Entsprechend sei er unter sehr minimem Druck gestanden. Ebenso
sei darauf geachtet worden, dass die atmosphärische Situation in Bezug auf die
Hautekzeme auf den Unterarmen harmoniert habe. Nach wenigen Tagen seien
indessen die Ekzeme aufgebrochen, die Unterarme seien blutig geworden. Die Ärzte
des Psychiatrischen Zentrums E._ hätten daraufhin eine volle Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt. Sie hätten festgestellt, dass der Beschwerdeführer an einer
rezidivierenden depressiven Störung mittleren Grades leide. Die Feststellungen des
Inselspitals seien nichts anderes als eine Momentaufnahme. Der Beschwerdeführer sei
vollumfänglich arbeitsunfähig. Der Arbeitsversuch habe dies klar gezeigt. Zum Beweis
werde die Einholung von Arztberichten beim Psychiatrischen Zentrum E._ und bei Dr.
B._ beantragt (act. G 5).
B.c Die Verfahrensleitung des Gerichts hob die Sistierung am 1. Juni 2007 auf
(act. G 6). In der Beschwerdeantwort vom 9. August 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die am 31. Mai 2007
eingereichten Arztzeugnisse und der Bericht des Psychiatrischen Zentrums vom
15. Mai 2007 seien von Vornherein nicht verwendbar, weil lediglich Verhältnisse bis
zum Verfügungszeitpunkt zu berücksichtigen seien. Im Übrigen seien die Arztzeugnisse
für die Belange der IV nicht brauchbar, weil sie keine Anamnese, Symptome, Befunde
und Diagnosen aufführten und die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht begründet werde.
Auch der Bericht vom 15. Mai 2007 sei ziemlich rudimentär. Obwohl zum damaligen
Zeitpunkt das MEDAS-Gutachten bereits vorgelegen sei, gehe der Bericht mit keinem
Wort auf dieses ein und begründe seine abweichende Diagnosestellung nicht. Zudem
würden keine psychopathologischen Befunde aufgeführt, die die Diagnose einer
mittelgradigen depressiven Störung stützen könnten. Das MEDAS-Gutachten sei keine
blosse Momentaufnahme, zumal den Gutachtern die medizinischen Vorakten zur
Verfügung gestanden hätten und die Anamnese berücksichtigt worden sei. Die
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Einwände des Beschwerdeführers vermöchten das Gutachten nicht zu erschüttern. Es
sei somit vollumfänglich auf dieses abzustellen. Die MEDAS habe im Gegensatz zur
sozialpsychiatrischen Beratungsstelle beim Beschwerdeführer kein schweres
anhaltendes reaktives ängstlich-depressives Zustandsbild mehr feststellen können.
Demnach habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der
Verfügung vom 24. Juli 2003 wesentlich verbessert. Somit sei ein Revisionsgrund
gegeben (act. G 8).
B.d Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hält mit Replik vom 13. September
2007 an seinen Anträgen fest. Die Ekzemproblematik und die auch damit verbundene
Arbeitsunfähigkeit würden sich nicht zeigen, wenn der Beschwerdeführer keine
Arbeitsstelle habe. Dies sei aufgrund der fünffachen Arbeitsversuche ausreichend
belegt. In der Zeit, in der der Beschwerdeführer im Inselspital untersucht worden sei,
habe er keine Arbeit gehabt. Der Befund des Inselspitals sei daher nicht verwunderlich.
Es sei eine Momentaufnahme, die immer dann nicht stimme, wenn der
Beschwerdeführer arbeite (act. G 12).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 21. September 2007 auf die Einreichung
einer Duplik (act. G 14).
B.f Mit Schreiben vom 3. März 2008 reichte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ärztliche Zeugnisse des Psychiatrischen Zentrums E._ ein,
gemäss denen der Beschwerdeführer vom 4. September 2007 bis 31. März 2008 voll
arbeitsunfähig ist (act. G 16). Diese wurden der Beschwerdegegnerin am 6. März 2008
zur Kenntnis zugestellt (act. G 17).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
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der streitigen Verfügung vom 3. Oktober 2006 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist
(BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind auf die angefochtene Verfügungdie bis zum 31. Dezem
ber 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
1.2 Vorliegend ist streitig, ob die Voraussetzungen für die Durchführung einer Revision
der rechtskräftig zugesprochenen IV-Rente des Beschwerdeführers gegeben sind.
Bejahendenfalls ist die konkrete Durchführung der Revision der Beschwerdegegnerin
zu prüfen. In zeitlicher Hinsicht massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum
Erlass der zu beurteilenden Verfügung, also bis zum 3. Oktober 2006, zugetragen hat
(vgl. BGE 130 V 445 Erw. 1.2). Nicht relevant sind in diesem Verfahren somit die
ärztlichen Zeugnisse des Psychiatrischen Zentrums E._ betreffend die Zeit ab dem
4. September 2007.
2.
2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Anlass zur Rentenrevision gibt nach der auch unter dem ATSG
massgeblichen Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. Erw. 3.5). Eine bloss unterschiedliche Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes stellt dagegen praxisgemäss
keine revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 Erw. 2b). Ob eine
revisionsbegründende Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des
Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten (der versicherten Person eröffneten)
rechtskräftigen Verfügung bestand, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in
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den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108),
mit dem Sachverhalt zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 Erw. 2).
2.2 Die begutachtenden Ärzte der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals
Zürich bezeichneten den Beschwerdeführer grundsätzlich als voll arbeitsfähig, wenn er
den Kontakt mit sensibilisierenden Stoffen vermeide, die Hautveränderungen abheilten
und optimaler Hautschutz verwendet werde (IV-act. 8-13; 43-2). Diese Meinung teilte
auch der behandelnde Dermatologe Dr. B._ (IV-act. 8-4, 18-3). Dr. F._ berichtete
am 15. Januar 2003 von einem lang dauernden reaktiven ängstlichen und depressiven
Zustandsbild im Sinne einer insuffizienten Krankheitsverarbeitung bei einfach
strukturierter Persönlichkeit, bei Kontaktekzem beider Hände und atopischem Ekzem.
Der Beschwerdeführer sei seit 7. Januar 2003 aus psychiatrischer Ursache nicht mehr
arbeitsfähig. Am 30. August 2002 habe er eine leichte bis mittelgradige Depressivität
und Ratlosigkeit gezeigt und über stark ausgeprägten Juckreiz geklagt, durch den er
offenbar auch stark psychisch belastet sei. Auf diesen reagiere er mit Ungeduld, Ärger,
Auftragen von Creme oder intensivem Kratzen. Es lägen keine Hinweise auf effiziente
Coping-Strategien vor. Weiter berichtet Dr. F._, beim Termin vom 17. Januar 2003
habe er keine Depressivität feststellen können, der Beschwerdeführer sei aber unruhig
und logorrhoisch gewesen (IV-act. 25-6). Trotz dieser Aussage diagnostizierte der
Psychiater im IV-Arztbericht vom 27. Januar 2003 gar ein schweres, anhaltendes
reaktives ängstlich-depressives Zustandsbild; der Beschwerdeführer sei seit
ca. Februar 2001 voll arbeitsunfähig. Seit dem 17. Januar 2003 hatte er den
Beschwerdeführer nicht mehr gesehen (IV-act. 25-1).
2.3 Im Gutachten des Inselspitals Bern vom 22. Juni 2006 wird mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit die Diagnose des Status nach allergischem Kontaktekzem an den
Händen mit Reaktion bei Kontaktsensibilisierungen gegen Kühlschmiermittel sowie
gegen Kolophonium, Nutraplus Creme und Fixomull Stretch genannt. Psychiatrische
Diagnosen liegen gemäss Gutachten nicht vor. Der Beschwerdeführer könne körperlich
mittelschwere bis schwere Arbeiten verrichten, wobei die gemäss Allergiepass Ekzem
verursachenden Substanzen zu meiden seien, ebenso wie hautirritierende Faktoren wie
Staubbelastung, starke Wärme oder Feuchtigkeit. Unter diesen Voraussetzungen
könne der Beschwerdeführer ein volles Arbeitspensum absolvieren (IV-act. 56-20).
Motivation zur Rückkehr in regelmässige Arbeitstätigkeit sei nicht gegeben (IV-
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act. 56-12). Gemäss dermatologischem Teilgutachten sind die Hautveränderungen
unter Arbeitskarenz vollständig abgeheilt. Persistiert habe ein generalisierter Juckreiz
mit konsekutiven Kratzattacken an den Unterarmen (IV-act. 56-25). Die psychiatrische
Teilgutachterin Dr. med. G._ hielt fest, ein schweres anhaltendes reaktives ängstlich-
depressives Zustandsbild, wie 2003 psychiatrischerseits diagnostiziert, könne nicht
nachgewiesen werden. Konzentrationsstörungen und ausgeprägte körperbezogene
Ängste hätten zum aktuellen Untersuchungszeitpunkt nicht bestanden. Der
Beschwerdeführer habe sich zwar bemüht, seine Hautveränderungen immer wieder
durch Zeigen und Deuten in einem gewissen Schweregrad evident zu machen, eine
krankheitswertige Störung lasse sich jedoch hieraus nicht ableiten (IV-act. 56-32). Das
Gutachten enthält keine Hinweise auf eine wesentliche Veränderung des
Gesundheitszustands seit Rentenzusprache. Eine solche weist es jedenfalls nicht
überwiegend wahrscheinlich aus.
2.4 Am 15. Mai 2007 hielten med. pract. H._, Assistenzarzt, und Dr. med. C._,
Oberärztin, beide am Psychiatrischen Zentrum E._, fest, der Beschwerdeführer leide
an einem anhaltenden, reaktiv ängstlich-depressiven Zustandsbild. Aktuell bestehe
eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradig. Da bereits ein Gutachten des
Universitätsspitals Bern vom 22. Juni 2006 über den gesundheitlichen Zustand des
Beschwerdeführers unter Einbezug einer psychiatrischen fachärztlichen Einschätzung
der Arbeitsunfähigkeit vorliege, könne man zu diesem Sachverhalt keine Stellung
nehmen. Die Institution beantworte keine parteiengutachterlichen Fragen (IV-act. 82-4).
Im Verlaufsbericht vom 25. Januar 2005 hatten die Assistenzärztin med. pract. I._
und Dr. C._ von einem stationären Gesundheitszustand berichtet (IV-act. 45).
2.5 Der Beschwerdeführer machte am 25. Oktober 2004 geltend, sein
Gesundheitszustand sei gleich geblieben (IV-act. 40). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers weist darauf hin, fünf Arbeitsversuche seien bereits gescheitert,
weil der Beschwerdeführer nach jeweils rund zwei Stunden nicht mehr in der Lage sei
weiterzuarbeiten. Die Akten liefern keine Hinweise darauf, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Rentenzusprache wesentlich
verändert hätte. Auch wenn die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums E._ sich in
Kenntnis der Arbeitsfähigkeitsschätzung des Inselspitals nicht mehr zu einer eigenen
Arbeitsfähigkeitsschätzung durchringen können, stellen sie doch seit Jahren eine im
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Wesentlichen unveränderte Diagnose und attestierten nie eine relevante Änderung des
Gesundheitszustands. Bei den voneinander abweichenden psychiatrischen
Diagnosestellungen der Gutachter des Inselspitals und der Ärzte des Psychiatrischen
Zentrums E._ handelt es sich lediglich um eine unterschiedliche Würdigung eines im
Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts. Auf eine Veränderung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers lassen die Akten nicht schliessen,
sodass die Voraussetzungen für die Vornahme einer Revision gemäss Art. 17 Abs. 1
ATSG nicht gegeben sind.
3.
3.1 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige
Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos
unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 119 V
183 Erw. 3a mit Hinweisen). Bei einer internen Kontrolle im Februar 2004 wurde der Fall
des Beschwerdeführers beanstandet. Es wurde auf Widersprüchlichkeiten in der
Beurteilung von Dr. F._ hingewiesen. Sein Bericht tauge nicht, um die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zuverlässig beurteilen zu können (IV-act. 38).
Diese interne Notiz verdeutlicht, dass die Beschwerdegegnerin die zweifellose
Unrichtigkeit der Rentenzusprache vom Juli 2003 vermutete und ein
Wiedererwägungsverfahren einleiten wollte. Schliesslich hob sie die Rente jedoch – wie
erläutert unzulässigerweise – revisionsweise auf und nahm keine Wiedererwägung vor.
Auch in der Beschwerdeantwort äusserte sie noch die Ansicht, zu Recht eine Revision
vorgenommen zu haben.
3.2 Gemäss der Praxis des Bundesgerichts zu den Revisionsbestimmungen im IV-
Bereich ist es zulässig, einen Rentenrevisionsentscheid einer IV-Stelle, der sich nicht
mit einer erheblichen Veränderung des Invaliditätsgrades rechtfertigen lässt, im
Beschwerdeverfahren mit der substituierten Begründung der Wiedererwägung zu
"retten" (vgl. BGE 129 V 433 ff., Erw. 3 m.H.). Dies setzt allerdings voraus, dass die
Rentenzusprache von Anfang an falsch war. Diese höchstrichterliche
"Substitutionspraxis" beruht gemäss ständiger Praxis des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen auf einem fehlerhaften Verständnis des
Wiedererwägungsverfahrens. Es ist keineswegs so, dass die Wiedererwägungsfreiheit
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der Verwaltung nach dem Motto "in maiore minus" die Möglichkeit umfassen würde,
die Wiedererwägung nicht rückwirkend, sondern nur ex nunc et pro futuro
vorzunehmen. Die Wiedererwägung beinhaltet notwendigerweise den Widerruf der
ursprünglichen, zweifellos unrichtigen (d.h. rechtswidrigen) Verfügung. Im vorliegenden
Fall bedeutete eine Wiedererwägung also die Aufhebung der Verfügungen vom
10./24. Juli 2003 betreffend den Rentenanspruch ab Februar 2002. Träte nun
wiedererwägungsweise eine neue Leistungsverfügung an die Stelle der widerrufenen
Verfügungen, die nicht ab 1. Februar 2002, sondern erst ab November 2006 Wirkung
entfaltete, fehlte den zwischen Februar 2002 und Oktober 2006 ausgerichteten
Rentenleistungen die Verfügungsgrundlage. Das verfahrensrechtliche "Vakuum", das
durch eine derartige Vorgehensweise geschaffen würde, liesse rechtsgrundlose
Zahlungen an den Beschwerdeführer zurück, was nach der Offizialmaxime und nach
dem Grundsatz der Rechtmässigkeit des Verwaltungshandelns unzulässig wäre.
Demnach ist eine Wiedererwägung ex nunc et pro futuro verfahrensrechtlich gar nicht
möglich. Theoretisch könnte der Effekt einer Wiedererwägung ex nunc et pro futuro
auch erreicht werden, indem der Richter der Verwaltung unterstellen würde, sie hätte
für die Vergangenheit wiedererwägungsweise wieder gleich, d.h. unrichtig bzw.
rechtswidrig verfügt. Diese Unterstellung würde allerdings dem Grundsatz der
Rechtmässigkeit des Verwaltungshandelns widersprechen, so dass sie als unzulässig
zu betrachten wäre. Die Substitution der Anpassung durch die Wiedererwägung
scheitert somit daran, dass eine Wiedererwägung ex nunc et pro futuro, d.h. mit einem
der Anpassung entsprechenden Wirkungszeitpunkt, verfahrensrechtlich nicht möglich
ist. Dazu kommt, dass diese "Substitutionspraxis", weil sie gar nicht die Begründung
des Verwaltungsentscheides, sondern diesen selbst substituiert, in unzulässiger Weise
in die Wiedererwägungsfreiheit der Verwaltung eingreift. Die "Substitutionspraxis" läuft
auf eine rein richterliche Wiedererwägung eines formell rechtskräftigen
Verwaltungsentscheides hinaus, was angesichts des klaren Wortlauts von Art. 53
Abs. 2 ATSG als rechtswidrig zu betrachten ist (vgl. den Entscheid EL 2003/39 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Juni 2004, Erw. 3). Die
angefochtene Verfügung vom 3. Oktober 2006 lässt sich also auch nicht durch die
"Substitutionspraxis" retten. Sie ist deshalb bei vollumfänglicher Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben.
4.
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4.1 Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die angefochtene Verfügung vom
3. Oktober 2006 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Es ist Sache der
Beschwerdegegnerin zu entscheiden, ob sie ein Wiedererwägungsverfahren eröffnen
will.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt. Da sie gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. b
des st. gallischen Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der
Sozialversicherungsanstalt und damit Teil einer selbstständigen öffentlich-rechtlichen
Anstalt ist, kommt Art. 95 Abs. 3 VRP (Befreiung von der Pflicht zur Übernahme
amtlicher Kosten) nicht zur Anwendung (vgl. Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., 2003, Rz. 792). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb
die Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen. Dem Beschwerdeführer wird der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- zurückerstattet.
4.3 Da der Beschwerdeführer vollumfänglich obsiegt, hat er einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist nach der Bedeutung der Streitsache und entsprechend
der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In Bezug auf das
zweite Kriterium sowie unter Berücksichtigung des Aufwands des Rechtsvertreters
erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht