Decision ID: 360b5ca6-58ed-4b61-bcdd-d43100fd1294
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 23. April 2010 (DG090344)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 9. Juli 2009 ist die-
sem Urteil beigeheftet (Urk. HD 51).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte A._ ist schuldig:
− der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmit-
tel im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3-6 in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2
lit. a BetmG;
− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB;
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs 1 StGB;
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB;
− des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB;
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB;
− der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB;
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 2 der Verordnung über Blutalko-
holgrenzwerte im Strassenverkehr sowie
− der Übertretung der Verordnung über die Strassenverkehrsregeln im
Sinne von Art. 96 VRV in Verbindung mit Art. 3a Abs. 1 VRV.
2. Der Angeklagte ist nicht schuldig und wird freigesprochen:
− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 StGB;
- 3 -
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB;
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 sowie des Versuchs dazu im Sinne
von Art. 181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB sowie
− der versuchten Anstiftung zu Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in
Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 und Art. 22 Abs. 1 StGB.
3. Der Angeklagte wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe - wovon 500 Tage
durch Untersuchungshaft erstanden sind - und einer Busse von Fr. 100.–.
Die Busse ist zu bezahlen.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Angeklagte seit dem
2. September 2008 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
4. Bezahlt der Angeklagte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von einem Tag.
5. Von der Ausfällung einer Ersatzforderung wird abgesehen.
6. Der Angeklagte wird verpflichtet, der B._ AG Schadenersatz in der Hö-
he von Fr. 5'540.– zu bezahlen.
7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 7'500.-- ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'075.-- Kosten der Kantonpolizei
Fr. 48.-- Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 15'528.80 Auslagen Untersuchung
Fr. 23'563.95 amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden zu
9/10 dem Angeklagten auferlegt und zu 1/10 auf die Gerichtskasse genom-
- 4 -
men. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse
genommen.
Beschluss der Vorinstanz:
Die beim Wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich unter der externen
Lagernummer ... (alte Lagernummer ...) eingelagerten Betäubungsmittel werden
eingezogen und der Stadtpolizei Zürich zur Vernichtung überlassen.
Berufungsanträge:
a) des amtlichen Verteidigers des Angeklagten:
(Urk. 117)
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 23. April
2010 im Dispositiv-Ziffer 2 in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Herr A._ sei hinsichtlich der vorgeworfenen Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz in den Anklage-Ziffern 1.1.2., 1.2, 2.1 und 2.2 frei-
zusprechen.
Eventualiter sei Herr A._ diesbezüglich der Gehilfenschaft zu den vor-
geworfenen Betäubungsmitteldelikten schuldig zu sprechen.
3. Herr A._ sei ferner der weiteren Vorwürfe wegen Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz unter Anklage-Ziff. 3.1.1., 3.1.2. , 3.2.1., 3.2.2.,
3.2.3., 3.3.8. und 3.3.9. freizusprechen.
4. Hinsichtlich der Vorwürfe des Betrugs (ND4), der Urkundenfälschung (ND4)
als auch der Hehlerei (ND7) ist Herr A._ ebenfalls freizusprechen.
5. Herr A._ sei zu einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als 2 Jahren zu be-
strafen, unter Anrechnung der erstandenen Haft in Form von Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft, bzw. des vorzeitigem Strafvollzugs. Von einer
Busse sei abzusehen.
- 5 -
Für die Überhaft sei Herr A._ angemessen zu entschädigen resp. es sei
ihm eine angemessene, pauschalisierte Entschädigung/Genugtuung in der
Höhe von Fr. 200.- pro Tag Überhaft zuzusprechen.
6. Die Verfahrenskosten seien für das zweitinstanzliche Verfahren auf die
Staatskasse zu nehmen, ebenso die Kosten der amtlichen Verteidigung.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(schriftlich, Urk. 100)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Formelles
Am 23. April 2010 verurteilte das Bezirksgericht Zürich, 9. Abteilung, den
Angeklagten wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-
setz und wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfa-
chem Hausfriedensbruchs, Betrugs, Urkundenfälschung, Hehlerei, Fahrens in
fahrunfähigem Zustand und Verletzung von Verkehrsregeln und bestrafte ihn mit
fünf Jahren Freiheitsstrafe und einer Busse von Fr. 100.–. Von den Vorwürfen der
mehrfachen einfachen Körperverletzung, der Drohung, der Nötigung und des Ver-
suchs dazu, der mehrfachen Tätlichkeiten und der versuchten Anstiftung zu Dieb-
stahl sprach es den Angeklagten frei (Urk. 103).
Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte am 6. Mai 2010 Berufung ein (Urk.
HD 85). Bereits in diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass im vorlie-
genden Verfahren gemäss Art. 453 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessord-
nung das bisherige kantonalzürcherische Verfahrensrecht Anwendung findet
(StPO/ZH, GVG/ZH). Die Beanstandungen des Angeklagten sind auf den 26. Au-
- 6 -
gust 2010 datiert, während der Stempel der Sendung auf den 27. August 2010
lautete (Urk. 96). Auf die Präsidialverfügung vom 5. November 2010 hin (Prot. II
S. 2) begründete und belegte der Verteidiger den rechtzeitigen Einwurf der Bean-
standungsschrift in den Postbriefkasten (vgl. Urk. 109/1+2).
Gleichzeitig stellte die Verteidigung schriftlich Beweisanträge (a.a.O.). Dem-
nach sollten die Akten von C._ und D._ beigezogen werden, welchem
Antrag mit der gemeinsamen Verhandlung aller drei Berufungen entsprochen ist.
Sodann wurde der Beizug der Verfahrensakten betreffend E._ verlangt; auch
diese Akten wurden der Verteidigung zugänglich gemacht, wenn sie auch nicht
formell beigezogen wurden. Soweit die Verteidigung zusätzlich die erneute Befra-
gung von E._ verlangte, gleichzeitig jedoch ankündigte, durch Sichtung der
Akten betreffend dieser Person erkennen bzw. nachweisen zu können, dass eine
Wiederholung der früheren Konfrontationseinvernahme mit dem Angeklagten
nichts mehr bringen würde, ist festzuhalten, dass die Verteidigung nach Sichtung
der Verfahrensakten betreffend E._ den in der Eingabe vom 25. November
2010 noch vorbehaltenen Beweisantrag (Urk. 109/1 S. 4 oben) in der Berufungs-
verhandlung nicht erneuert hat, sondern ausführte, E._ sei "als Beweismittel
restlos kontaminiert; das kann nicht korrigiert oder rückgängig gemacht werden"
(Prot. II S. 44). Auf die erneute Befragung von E._ kann, wie sich im Rahmen
der Sachverhaltserstellung ebenfalls zeigen wird, folglich verzichtet werden, so-
dass sich Weiterungen erübrigen. Wenn die Verteidigung ferner beantragte, es
solle als weiterer Zeuge ein gewisser "F._" einvernommen werden, so wurde
dieser Antrag bereits an der Hauptverhandlung vor Vorinstanz gestellt und vom
Bezirksgericht mit zutreffender Begründung abgelehnt; da auch heute – entgegen
der Behauptung der Verteidigung (Urk. 96 S. 7) – die Identität des angerufenen
Zeugen nicht feststeht, kann auf die diesbezüglich zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 103 S. 39 f.), womit sich Wiederholungen
vermeiden lassen. Weitere Beweisanträge sind im Berufungsverfahren nicht konk-
ret formuliert und gestellt worden (vgl. insbesondere Prot. II S. 37 ff.), sodass der
Fall grundsätzlich spruchreif erscheint.
- 7 -
In der Beanstandungsschrift hielt die Verteidigung des Angeklagten an den
Anträgen zur Sache im erstinstanzlichen Verfahren fest (Urk. 96 S. 2). Demnach
wäre der Schuldspruch der Vorinstanz angefochten betreffend der Anklageziffern
I:1.1.2., 1.2., 2.1. und 2.2., 3.1.1-2., 3.2.1-3., 3.3.8-9. (alles BetmG-Widerhand-
lungen) sowie hinsichtlich der Anklageziffern III (Betrug, Urkundenfälschung) und
IV (Hehlerei). Weiter wird die Höhe der Strafe als exorbitant hoch und völlig un-
verhältnismässig gerügt. Die Einwendungen in der Beanstandungsschrift sind im
Übrigen allesamt sehr allgemein gehalten. Sie beschlagen konkret nur die Be-
weisführung der Vorinstanz, soweit sich diese auf die belastenden Aussagen von
E._ und auf die abgehörten Telefongespräche stützt, ferner soweit zu den
vorgeworfenen Betäubungsmittel-Widerhandlungen die Akten von mitbeteiligten
Personen nicht beigezogen oder geöffnet worden sind bzw. keine verwertbaren
(Konfrontations-)Einvernahmen vorliegen würden.
Diese Rügen beschlagen die Anklagepunkte I:3.3.9. und III. und IV. jedoch
in keiner Weise und zur erstinstanzlichen Verurteilung in diesen drei Anklage-
punkten fehlt in der Beanstandungsschrift jedes Wort. Da ein bloss genereller
Verweis auf Plädoyers vor Vorinstanz eine konkrete Beanstandung nicht zu erset-
zen vermag und da mangels jeglicher Angabe in der Beanstandungsschrift zu
diesen drei Anklagepunkten auch sonst keine Beanstandung vorliegt, erübrigt sich
die Ansetzung einer Nachfrist zur "Verdeutlichung" im Sinne von § 419 Abs. 3
StPO/ZH. Diese Anklagepunkte wie auch die übrigen nicht bemängelten Teile des
vorinstanzlichen Urteils haben somit als unangefochten geblieben zu gelten.
Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Anschlussberufung und beantragte
die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 100). Von der Teilnahme an der
Berufungsverhandlung liess sich die Staatsanwaltschaft dispensieren (Urk. 112).
Demnach ist der vorinstanzliche Schuldspruch (Dispositivziffer 1) insoweit
unangefochten geblieben, als sich die Verurteilung wegen Widerhandlung gegen
Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3-6 teilweise in Verbindung mit Ziff. 2 lit. a BetmG auf die
Sachverhalte aus den Anklageziffern I:1.1.1., 3.1.3.-3.1.5., 3.3.1.-3.3.7. und 3.3.9.
bezieht sowie auf Delikte aus dem Strafgesetzbuch und dem Strassenverkehrs-
recht. Ebenfalls nicht angefochten sind die Freisprüche gemäss Dispositivziffer 2,
- 8 -
sodann das Absehen von einer Ersatzforderung (Ziff. 5), der Entscheid im Zivil-
punkt (Ziff. 6) und die Kostenaufstellung (Ziff. 7). Dass all diese Entscheide in
Rechtskraft erwachsen sind, ist vorab festzustellen.
II. Sachverhaltserstellung, soweit das Urteil der Vorinstanz angefochten ist
1. Vorbemerkungen
a) Die Anklagebehörde und die Vorinstanz stützten sich zur Beweisführung
im Zusammenhang mit den Anklagevorwürfen betreffend Betäubungsmitteldelik-
ten zumeist hauptsächlich auf abgehörte Telefongespräche der Beteiligten sowie
auf die den Angeklagten belastenden Aussagen seiner damaligen Braut bzw.
Ehefrau, E._. Die Verteidigung des Angeklagten kritisiert in erster Linie diese
beiden Beweisgrundlagen.
b) Gemäss der Verteidigung sind die Telefonprotokolle willkürlich interpre-
tiert worden; als Zufallsfunde seien sie ohnehin nicht verwertbar und die Identifi-
zierung des Angeklagten als Gesprächsteilnehmer sei nicht erfolgt.
Was die Verwertbarkeit der Telefonaufzeichnungen angeht, so hat die Vo-
rinstanz den Einwänden der Verteidigung das Nötige entgegengehalten (vgl. Urk.
103 S. 7 f.). Unter Verweis darauf kann festgehalten werden, dass die formellen
Voraussetzungen zur Verwertung der Telefonate auch hinsichtlich der anfängli-
chen Zufallsfunde gegeben waren. Was sodann die Identifizierung des Angeklag-
ten als Gesprächsteilnehmer angeht, so hat er nicht grundsätzlich bestritten, die
Gespräche über die ihm bzw. seiner Frau oder Braut zugehörigen Telefonnum-
mern geführt zu haben. Nicht selten hat er am Telefon sogar seinen eigenen Na-
men genannt oder abwechselnd mit seiner Ehefrau das Gespräch mit dem Dritten
geführt. Indem der Angeklagte im Übrigen bei diversen Telefonaten dem Inhalt
derselben einen anderen Sinn zu geben versucht hat, hat er sinngemäss seine
Urheberschaft eingeräumt. Es verbleiben somit nicht die geringsten Anhaltspunk-
te, dass dem Angeklagten völlig fremde über seine Telefonanschlüsse geführte
Gespräche unterstellt würden. Die unsubstanzierten Einwendungen seiner Vertei-
- 9 -
digung, die in der Rüge mündeten, es fehle eine Stimmanalyse (Urk. 96 S. 6),
sind somit nicht weiter zu hören.
Zur Interpretation von verklausulierten Gesprächsinhalten ist des Weiteren
folgendes anzuführen: Im Allgemeinen sind einzelne solche Aufzeichnungen für
sich allein wenig aussagekräftig und damit nicht beweisführend. Anders verhält es
sich jedoch, wenn die Telefonate zahlreich sind und das Geschehen annähernd
lückenlos wiedergeben. Dann wird der Interpretationsspielraum eng. Und der Zu-
gang zur Realität hinter den verklausulierten Gesprächen wird weiter erleichtert,
wenn mehrere Mitbeteiligte in den Gesprächen aufscheinen und sie in logisch
nachvollziehbarer Weise koordiniert agieren. Dies gilt umso mehr, wenn die An-
geschuldigten keinerlei plausible andere Erklärungen für die Gesprächsinhalte
haben.
Der vorliegende Fall zeichnet sich dadurch aus, dass eine selten gesehene
lückenlose Aufzeichnung der Kommunikation des Angeklagten mit den Mitbeteilig-
ten erfasst ist. Dass es dazu kommen konnte, wird mit einer gewissen Unbedarft-
heit des Angeklagten im Drogenhandel zusammenhängen; ansonst hätte er nicht
stets von Anschlüssen aus, die ihm klar zugeordnet werden können, die inkrimi-
nierten Gespräche geführt und er hätte viele unnötige Gespräche vermieden.
Aufgrund der Dichte der Aufzeichnungen war es der Vorinstanz vorliegend zu-
meist möglich, den wahren Inhalt der Gespräche willkürfrei und mit ausreichender
Sicherheit festzustellen.
c) Was die Verteidigung zur Unglaubwürdigkeit von E._ ausführte – sie
erachtet deren Aussagen beweismässig für wertlos –, so ist dies ebenfalls zu rela-
tivieren. Zwar trifft es zu, dass E._ eine Vorstrafe wegen falscher Anschuldi-
gung, begangen im Jahre 2005, aufweist (Urteil des Obergerichts des Kantons
Zürich vom 9. Mai 2007; Urk. 114). Auch hat E._ die erstinstanzliche Verur-
teilung vom 16. März 2011 wegen falscher Anschuldigung nicht angefochten (vgl.
Urk. 115 und Urk. 116). Diese jüngste falsche Anschuldigung, begangen am 24.
März 2009 im Vorfeld der Konfrontationseinvernahme mit ihrem Ehemann, dem
Angeklagten, war gegen diesen gerichtet und betraf eine angebliche Drohung
desselben ihr gegenüber für den Fall, dass sie gegen ihn aussagen würde.
- 10 -
Diese Vorfälle stellen die generelle Glaubwürdigkeit von E._ tatsächlich
arg in Frage. Die Verteidigung schloss daraus, dass E._ ein virulentes Inte-
resse daran habe, ihren Teil an den vorgeworfenen strafbaren Handlungen von
sich weg und dem Angeklagten A._ in die Schuhe zu schieben und sie habe
dies denn auch ausgiebig getan. Dessen ungeachtet habe die Vorinstanz deren
Aussagen unkritisch übernommen und zentral darauf abgestellt, was nicht ange-
he. Die Konfrontationseinvernahme vom 26. März 2009 mit E._ und dem An-
geklagten (Urk. HD 9/20) – so die Verteidigung weiter – sei zudem formell nicht
korrekt durchgeführt worden und deshalb nicht verwertbar (Urk. 96 S. 3 f. und 6).
Was den letzteren Einwand der Verteidigung angeht, so hat die Vorinstanz
ausführlich und überzeugend dargetan, dass die Konfrontationseinvernahme for-
mell korrekt nach den Vorschriften des Opferhilfegesetzes und der Strafprozess-
ordnung durchgeführt worden ist (Urk. 103 S. 25 f.). Dem ist beizupflichten.
Was sodann die Frage betrifft, ob und inwieweit die Aussagen von E._
als glaubhaft eingestuft werden können, so ist vorauszuschicken, dass es dabei in
aller Regel weniger auf die Glaubwürdigkeit der aussagenden Person ankommt,
als auf den Inhalt und die Umstände der jeweiligen Aussage. Es ist demnach stets
zu differenzieren. Dies hat grundsätzlich bereits die Vorinstanz getan (vgl. Urk.
103 S. 26, aber auch S. 10 f., 14 und 18 f.). Unter Verweis auf die diesbezügli-
chen Erwägungen ist daran festzuhalten, dass die Glaubwürdigkeit von E._
vor allem im sehr emotionalen Gebiet der häuslichen Gewalt bzw. der schei-
dungsrechtlichen Auseinandersetzung mit dem Angeklagten stark beeinträchtigt
war, jedoch weniger in der Kategorie Drogenhandel, wo sich die persönliche Be-
troffenheit – wie die Vorinstanz richtig erkannte – in Grenzen hält. In solchem Zu-
sammenhang kann nicht einfach jede Äusserungen von E._ als gänzlich un-
glaubhaft abgetan werden. Vielmehr ist mit Bezug auf jede ihrer belastenden
Aussagen sorgfältig zu prüfen, ob sie trotz allem beweiskräftig erscheint. Dies ist
insbesondere dann der Fall, wenn eine Aussage durch zusätzliche Indizien wie
Telefongespräche, Teilzugaben des Angeklagten und anderes mehr untermauert
wird und damit an Überzeugungskraft gewinnt. Entscheidend kann mitunter auch
sein, dass E._ sich mit ihrer Aussage selber unnötig stark belastet, mithin ge-
- 11 -
rade nicht Schuld von sich abwälzt. Auch Aussagen, die im Gesamtzusammen-
hang logisch und kohärent wirken und dem Beschuldigten nicht eigentlich zum
Nachteil gereichen (wie etwa die Frage, um welche Art harte Droge es sich ge-
handelt habe, Heroin oder Kokain), können nicht kategorisch mit dem Hinweis,
dass die aussagende Person die beschuldigte Person bei anderer Gelegenheit
und in anderem Zusammenhang auch schon "in die Pfanne hat hauen wollen", als
völlig unglaubhaft abgestempelt werden.
Zusammengefasst ist der Vorinstanz dahingehend zu folgen, dass die Aus-
sagen von E._ über die Aktivitäten des Angeklagten zur (ergänzenden) Be-
weisführung nicht absolut untauglich sind, sondern im Einzelfall, wenn auch mit
grösster Vorsicht, zu entscheiden ist, ob darauf abgestellt werden kann oder nicht.
2. Anstaltentreffen mittels Kontaktnahme mit potentiellen Heroinlieferanten
zwischen 20. Juni und 12. Juli 2006 (Anklage I.2.1.)
In diesem Anklagepunkt wird dem Angeklagten vorgeworfen, er habe in der
Absicht, mehrere Kilogramm Heroin im Ausland zu erwerben und für den Weiter-
verkauf an Dritte in die Schweiz einzuführen, mit unbekannten Drogenlieferanten
in G._, H._ und der I._ telefoniert. In diesen Gesprächen habe sich
der Angeklagte nach Lieferbedingungen, Preisen und Zahlungsmodalitäten er-
kundigt. Obwohl der Angeklagte alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, um auf
Kommission mehrere Kilogramm Heroin zu erwerben und in die Schweiz einzu-
führen, sei es zu keiner solchen Drogeneinfuhr gekommen, weil ihm eine solche
Lieferung auf Kommission verweigert worden sei.
Der Angeklagte bestreitet nicht, die Telefonanrufe gemacht zu haben; er will
jedoch nur unter Druck von E._ gehandelt haben, mit der er damals noch
nicht verheiratet war; diese habe verlangt, etwas zu tun, wenn er über die Heirat
mit ihr an die Aufenthaltspapiere kommen wolle. Einzig um seine Braut zu beruhi-
gen, habe er mit diesen Leuten, die nichts mit Drogen zu tun hätten, Gespräche
über Drogenlieferungen fingiert.
- 12 -
Dass dies das einzige Motiv gewesen sei, kann nicht geglaubt werden. Zwar
dürfte seine Braut, die sich im Drogengeschäft bestens auskennt, Einfluss auf den
Angeklagten genommen haben. Auch kann durchaus als aussichtsloses Unter-
fangen bezeichnet werden, aus J._ und dem K._ von Lieferanten, zu
denen nicht bereits ein enges und stabiles Vertrauensverhältnis besteht, kiloweise
Drogen auf Kommission, das heisst ohne Vorauszahlung, erhalten zu wollen.
Dennoch ist aufgrund der mehreren Kontakte, die der Angeklagte knüpfte, und
angesichts dessen, dass er in der gleichen Zeit (Juni/Juli 2006) in der Schweiz
bereits, wenn auch im kleinerem Rahmen Drogengeschäfte tätigte (vgl. Anklage-
ziffern I.3.1.1., I.3.1.3., I.3.2.1. und I.3.3.1.), davon auszugehen, dass er, selbst
wenn dazu primär von seiner Braut veranlasst, die Chance wahrgenommen hätte,
falls einer der Kontaktmänner tatsächlich zu einer Drogenlieferung bereit gewesen
wäre. Eventualvorsatz im Sinne des Anklagevorwurfs war somit gegeben. Dass
der Angeklagte keine Erfahrung im internationalen Drogenhandel hatte und sich
dennoch anschickte, grössere Drogenmengen auf Kommission importieren zu
wollen, war – wie erwähnt – zwar wenig aussichtsreich, dennoch spricht dies nicht
gegen eine solche Absicht, hatte er doch ohnehin kein Geld für Zugumzug-
Geschäfte und bestand gemäss seiner Aussage in der Berufungsverhandlung
(Prot. II S. 23 f.) zudem die Möglichkeit, dass seine Braut den Lieferanten andere
denn pekuniäre Gegenleistungen (z.B. die Vermittlung von Ehen mit Frauen aus
der Schweiz) offerieren würde.
Dass bereits beide Gespräche vom 20. Juni 2006 (21:44 und 21:48 Uhr)
verklausuliert geführt wurden, hat die Vorinstanz richtig festgestellt (Urk. 103
S. 35 ff.). Offenbar haben beide Gesprächspartner gewusst, um was es geht.
Selbst der Angeklagte räumte an anderer Stelle ein, auch wenn er es später wie-
der bestritt, es sei bei den Gesprächen "auch um Drogen" gegangen (Urk. HD
9/19 S. 6). Dass über Heroinlieferungen gesprochen worden ist, bestätigte er er-
neut anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 25). Der Angeklagte stand
mit dem ersten Gesprächspartner (L._/M._) sodann Anfang August
2006 erneut in Kontakt im Zusammenhang mit der inzwischen konkret werdenden
Heroinlieferung. Wenn die Vorinstanz aus beiden Gesprächen vom 20. Juni 2006
schloss, dass sich der Angeklagte bei den Gesprächspartnern in G._ ernst-
- 13 -
lich nach der Möglichkeit zur Beschaffung von Drogen erkundigte, so ist dies nicht
zu bemängeln (Urk. 103 S. 35 f.).
Das Telefonat vom 29. Juni 2006 vom Festanschluss des Angeklagten aus
in die I._ ist nicht anders zu beurteilen. Der ... Gesprächspartner [aus dem
Land I._] erklärte dem Angeklagten, dass er erst ab "zehn Soldaten", von der
Vorinstanz zu Recht als zehn Kilogramm Droge interpretiert, zu liefern bereit sei
und dies nur bei sofortiger Bezahlung. Dass es sich bei dieser Anfrage des Ange-
klagten hinsichtlich Verfügbarkeit und Lieferbedingungen für Drogen um ein
ernstgemeintes Gespräch gehandelt hat, ist offensichtlich.
Die weiteren zwei Telefonate vom 29. Juni 2006 und 12. Juli 2006 mit einem
unbekannten "F._" in G._ hat die Vorinstanz ebenfalls richtig interpre-
tiert und gewürdigt. Der Angeklagte bestritt letztlich nicht, dass es bei diesen Tele-
fonaten um die Einfuhr von Heroin gegangen sei. Dass alles fingiert gewesen wä-
re und der Angeklagte mit diesen Telefonaten nur seine Braut hätte beeindrucken
wollen, kann erneut nicht geglaubt werden. Die Vorinstanz hat richtig gesehen,
dass dies gewisse vorgängige Absprachen mit den Gesprächspartnern vorausge-
setzt hätte, wofür keinerlei Hinweise bestehen. Bezüglich des zweiten Gesprächs
mit "F._" hat die Vorinstanz ebenfalls zutreffend festgestellt, dass die Ver-
klausuliertheit und der sonstige Inhalt des Telefonats keine Zweifel daran lassen,
dass es um Abklärungen gegangen ist, ob Heroin auf Kommission erhältlich zu
machen sei (Urk. 103 S. 39-43).
Zusammenfassend kann unter nochmaligem Verweis auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz gesagt werden, dass der Inhalt und die Sprechweise
in den fünf vom Angeklagten geführten Gesprächen die Anklagesachverhalte von
Ziff. I.2.1. als erstellt erscheinen lassen. Dass es sich bei den verklausuliert ange-
sprochenen Drogen um Heroin (und nicht etwa um Kokain) gehandelt haben
muss, steht aufgrund der involvierten Herkunftsländer ausser Frage. Zur Beweis-
führung braucht die den Sachverhalt ebenfalls bestätigende Aussage von
E._ nicht auch noch herangezogen zu werden. Die diesbezüglichen Einwen-
dungen der Verteidigung schiessen hier deshalb ins Leere.
- 14 -
3. Heroin- und Streckmittellieferung nach N._ am 17./18. Juli 2006
(Anklageziffer I.1.1.2.)
Hier wird dem Angeklagten vorgeworfen, aufgrund vorgängig erfolgter Be-
stellung durch den Heroinkäufer "O._" und aufgrund vorgängiger gemeinsa-
mer Planung mit D._ und P._ am 17. Juli 2006 mit seinem Personen-
wagen nach N._ gefahren zu sein, wo er sich mit dem unbekannten Heroin-
käufer getroffen und die nachfolgende Heroinübergabe durch D._ bespro-
chen habe. Währenddessen sei D._, welcher ca. ein Kilogramm Heroin mit
sich geführt habe, ebenfalls nach N._ gereist, wobei der Angeklagte gewusst
habe, dass jener Heroin in der genannten Menge mit sich führe, um es dem Hero-
inkäufer in N._ zu verkaufen. In der Folge habe D._ im Beisein des An-
geklagten, der die Verkaufsverhandlungen geführt und übersetzt habe, dem Hero-
inkäufer "O._" in N._ für Fr. 22'000.– etwa ein Kilogramm Heroin ver-
kauft, womit der Angeklagte einverstanden gewesen sei. Da anlässlich dieser
Drogenlieferung das ebenfalls benötigte Streckmittel vergessen worden sei, habe
der Angeklagte am Abend des 17. Juli 2006 etwa ein halbes Kilogramm Streck-
mittel gekauft und es am folgenden Tag zusammen mit E._ nach N._
transportiert, um es dort dem Heroinkäufer zu übergeben. Dabei hätten der Ange-
klagte und E._ gewusst, dass dieser das gelieferte Streckmittel zur Stre-
ckung von mehreren 100 Gramm Heroin verwenden würde. Für die beiden Fahr-
ten nach N._ und die vorgenannte Tätigkeit in N._ sowie die Streckmit-
tellieferung habe der Angeklagte von D._ insgesamt Fr. 1'000.– erhalten.
Mit der eigentlichen Drogenübergabe vom 17. Juli 2006 in N._ will der
Angeklagte nichts zu tun gehabt haben. Er anerkannte jedoch den Anklagevor-
wurf von I.1.1.1., wonach er fünf Tage zuvor eine von D._ stammende Hero-
inprobe von brutto fünf bis zehn Gramm an P._ übergeben habe, damit die-
ser die Probe dem potentiellen albanischen Heroinkäufer in N._ übergebe.
Weiter wird vom Angeklagten eingeräumt, dass er von P._ aufgefordert wor-
den sei, am 17. Juli 2006 nach N._ zu fahren. Jedenfalls gab er zu, tags da-
rauf mit einem halben Kilogramm Streckmittel nochmals, diesmal zusammen mit
seiner Braut, nach N._ gefahren zu sein, um es dort zu übergeben. Wenn er
- 15 -
in der Berufungsverhandlung bestritt, gewusst zu haben, was er da nach N._
transportierte (Prot. II S. 15 f.), so ist dies völlig unglaubhaft. Wenn die Vorinstanz
sodann aus der vorgängigen Übergabe einer Probe und der Nachlieferung des
Streckmittels abgeleitet hat, dass der Angeklagte gewusst haben muss, dass es
anlässlich seiner ersten Reise nach N._ zu einer Übergabe von Heroin min-
destens in der Menge des später nachgelieferten Streckmittels gekommen sei
(Urk. 103 S. 23 f.), so ist dies nachvollziehbar und überzeugend. Die Vorinstanz
hat zudem die vom Angeklagten geführten Telefongespräche vom 17. Juli 2006
analysiert und darin zu Recht ebenfalls ausreichende Hinweise erblickt, dass der
Angeklagte an diesem Tag wusste, dass D._ Heroin nach N._ transpor-
tierte und es dort zu einer Übergabe gekommen ist (a.a.O. S. 24 f.). Aus den Te-
lefongesprächen wird zudem deutlich, dass der Angeklagte bei der Übergabe in
N._ tatkräftig mitgeholfen hat und dabei sowohl mit dem Vermittler P._
als auch mit D._ in ständiger telefonischer Verbindung stand. Die Erklärung
des Angeklagten für seine Reisen nach N._, dass es um gestohlene Autos
gegangen sei, die nach G._ hätten gebracht und nach deren dortigen Einlö-
sung hätten als gestohlen gemeldet werden sollen, überzeugt schon deshalb
nicht, weil aus den Telefoninhalten erhellt, dass es um Lieferungen nach N._
und nicht um solche von N._ nach anderswo gegangen ist. Die Behauptung
des Angeklagten, er habe mit der Drogenübergabe in N._ nichts zu tun ge-
habt, da es um etwas anderes gegangen sei, ist folglich widerlegt. Somit ist der
Nachweis für den Anklagesachverhalt auch ohne die Aussage von E._, die
den Ablauf ebenfalls bestätigte, zu erbringen.
Hinsichtlich der Menge an übergebenem Heroin und des dafür vom Abneh-
mer bezahlten Preises stellte die Vorinstanz im Wesentlichen auf die Aussagen
von E._ ab, wonach es ein Kilogramm für Fr. 22'000.– gewesen sei. E._
war am 17. Juli 2006 jedoch nicht in N._, allerdings will sie diese Details vom
Angeklagten erfahren haben. Fakt ist, dass sie am Folgetag bei der Lieferung des
Streckmittels an den Abnehmer den Angeklagten auf der Reise nach N._
begleitet hat. Auch ist durch die Telefonprotokolle erstellt, dass der Angeklagte
und E._ den Kontakt mit dem Abnehmer in N._ im Hinblick auf eine spä-
tere Lieferung weiter aufrecht erhalten haben. Sodann ist gemäss der in der Beru-
- 16 -
fungsverhandlung wiederholten Aussage des Angeklagten (Prot. II S. 17 und 24)
davon auszugehen, dass ihn seine Braut in jener Zeit dazu gedrängt hat, im Dro-
genhandel tätig zu werden, wenn er sie heiraten wolle. Folglich lag nichts näher,
als dass er, der, wie sich in der Berufungsverhandlung zeigte, auch sonst redselig
ist, seiner Braut von der Drogenübernahme vom 17. Juli 2006 berichtet hatte,
konnte er damit doch seine Heiratschancen erhöhen. Dass E._ somit die
Menge bzw. den Preis kannte, obwohl sie am 17. Juli 2006 nicht in N._ war,
ist die logische Folge. Die Menge von einem Kilogramm Heroingemisch korres-
pondiert des weiteren mit dem halben Kilogramm an zusätzlichem Streckmittel.
Zudem ist aus der Telefonkontrolle bezüglich der zweiten Lieferung nach N._
ersichtlich, dass der Kilopreis für Heroin inklusiv zusätzlichem Streckmittel in der
gleichen Grössenordnung lag.
All diese Umstände stützen die Angaben von E._ bezüglich der ersten
Lieferung. Mit der Vorinstanz ist somit festzuhalten, dass die Angaben von
E._ zur Menge und zum Preis der Heroinübergabe vom 17. Juli 2006 im
Verbund mit den übrigen Anhaltspunkten glaubhaft erscheinen, zumal E._
sich mit der zugegebenen Teilnahme an der Streckmittellieferung und mit dem
von ihr eingeräumten Wissen um die vorgängige Heroinlieferung selber stark be-
lastete. Im Ergebnis kann hier zur Beweisergänzung auf ihre Aussage abgestellt
werden. Zusammengefasst ist der Sachverhalt von Anklageziffer I.1.1.2. als
rechtsgenügend erstellt zu betrachten.
4. Heroinlieferung nach N._ am 2. August 2006 (Anklageziffer I.1.2.)
Unter diesem Titel wird dem Angeklagten vorgeworfen, dass er nach vor-
gängigen Absprachen mit E._, mit dem Heroinkäufer "O._" und mit
D._ bezüglich Lieferbedingungen und Heroinpreis zusammen mit seiner
Braut am Morgen des 2. August 2006 nach N._ gefahren sei, während
D._ mit seinem Auto separat nach N._ unterwegs gewesen sei und ca.
1⁄2 Kilogramm Heroin und 1⁄2 Kilogramm Streckmittel mit sich geführt hatte, um es
dem Käufer in N._ zu verkaufen, was alles der Angeklagte und seine Braut
gewusst hätten. In der Folge habe D._ im Beisein des Angeklagten, welcher
erneut die Verkaufsverhandlungen geführt und übersetzt habe, dem Heroinkäufer
- 17 -
für Fr. 12'500.– das halbe Kilogramm Heroin und ein halbes Kilogramm Streckmit-
tel verkauft, womit der Angeklagte und auch E._ einverstanden gewesen
seien. Für seine Mitwirkung vom 20. Juli 2006 bis zum 2. August 2006 habe der
Angeklagte von D._ mindestens Fr. 800.– erhalten.
Auch hier will der Angeklagte nichts mit der Organisation des Geschäftes
und mit der Drogenübergabe zu tun gehabt haben. Er gibt zwar zu, mit seiner
Braut am 2. August 2006 nach N._ gefahren zu sein und von D._ mit Fr.
800.– entschädigt worden zu sein. Das ganze Geschäft sei jedoch von seiner
Braut hinter seinem Rücken organisiert worden und es sei wieder um Autos ge-
gangen. Immerhin räumte der Angeklagte vor zweiter Instanz ein, dass er wegen
der Drogenkontakte seiner Braut "vielleicht" schon damals den Verdacht gehabt
habe, dass es um Drogen gehe (vgl. Prot. II S. 23).
Die Telefonprotokolle vom 20. Juli 2006 bis zum 2. August 2006 widerlegen
diese Bestreitungen und Relativierungen des Angeklagten klar. Es geht daraus
hervor, dass er wusste, dass seine Braut mit dem ... Abnehmer [aus N._] er-
neut und wiederholt Kontakt aufgenommen hatte. Auch wird ersichtlich, dass er
selber mehrmals mit diesem unter anderem zum Thema der (schlechten) Qualität
der früher gelieferten Ware und darüber, dass jetzt im Vergleich zur ersten Liefe-
rung eine geringere Menge zu liefern war, samt gleichviel Streckmittel, telefoniert
hat. Weiter wird ersichtlich, dass der Angeklagte über den Kilopreis der Lieferung
(Fr. 25'000.–) Bescheid wusste und er das Treffen vom 2. August 2006 recht ei-
gentlich koordinierte. Auch wenn bei diesem Deal E._ ebenfalls aktiv beteiligt
war, insbesondere bei der Preisabsprache, so ist die Tatbeteiligung des Ange-
klagten aufgrund der zahlreichen klar interpretierbaren Telefonprotokolle erstellt,
ohne dass eigens noch auf die gleichlautenden Aussagen von E._ abgestellt
werden müsste. Auch die übergebene Menge von 1⁄2 Kilogramm Heroin und 1⁄2 Ki-
logramm Streckmittel kann gestützt auf die Telefonate des Angeklagten mit dem
Abnehmer (Urk. HD 12/7 Anhang: 30.07.2006 10:56 und 21:19 Uhr, 31.07.2006
22:12 und 22:19 Uhr) und mit D._, in welchen vom Kilopreis die Rede ist,
sowie aufgrund der Bestätigung von E._, die sich damit selber erheblich mit-
- 18 -
belastete (Urk. HD 9/20 S. 14), als gesichert betrachtet werden. Im Ergebnis ist
auch dieser Anklagesachverhalt rechtsgenügend erstellt.
5. Anstaltentreffen vom 4. bis 18. August 2006 zur Heroineinfuhr von
G._ in die Schweiz (Anklage I.2.2.)
a) Unter diesem Titel wird dem Angeklagten in den Absätzen 1-4 zusam-
mengefasst vorgeworfen, er habe im Hinblick auf eine geplante Heroineinfuhr ab
dem 4. August 2006 von Q._ aus mit unbekannten Männern im Grenzgebiet
G._/H._ den Kontakt gesucht und über die Modalitäten einer potenziel-
len Heroinlieferung verhandelt, nachdem er mit D._ vereinbart hatte, dass er
über solche Kontakte eine Heroinbestellung in der Grössenordnung von etwa drei
Kilogramm organisieren würde, die D._ persönlich bei den Heroinlieferanten
abzuholen und zumindest teilweise bar bezahlen und dann in die Schweiz zu
transportieren gehabt hätte. Folglich sei D._ am 6. August 2006 denn auch
nach R._ gereist, wobei der Angeklagte davon ausgegangen sei, er werde
das organisierte Heroin abholen und in die Schweiz bringen. In diesem Zusam-
menhang sei der Angeklagte einerseits mit D._ und andererseits mit dem
Lieferanten in ständigem telefonischen Kontakt gestanden und habe mit Letzte-
rem über Menge, Qualität, Lieferbedingungen, Preis, Übergabeort und Übergabe-
zeit verhandelt. Der Angeklagte und D._ hätten sich alsdann am 7. August
2006 darauf geeinigt, dass Letzterer zwei Kilogramm Heroin guter Qualität entge-
gennehmen, bezahlen und in die Schweiz bringen solle, was der Angeklagte von
Zürich aus dem unbekannten "F._" telefonisch mitgeteilt und was dieser be-
stätigt habe.
Die Vorinstanz hat auch hier die entsprechenden Telefongespräche genau
analysiert und hat in überzeugender Weise ausschliessen können, dass der An-
geklagte mit den mehreren Gesprächspartnern gleichzeitig bloss inszenierte Dia-
loge geführt hätte, einzig um seine Braut zu beschwichtigen (Urk. 103 S. 45 und
52 f.). Sodann hat die Vorinstanz überzeugend dargelegt, dass sich der Angeklag-
te bei den Telefongesprächen mit "F._" und "L._" ernsthaft um Heroin
bemüht hat (a.a.O. S. 45 f.). Es liegt denn auch auf der Hand, dass der Angeklag-
te im Ernst an eine solche neue Lieferung geglaubt haben muss, hat er eine sol-
- 19 -
che doch dem bereits am 17. Juli 2006 und 2. August 2006 in N._ bedienten
Abnehmer mehrfach in Aussicht gestellt und diesen, als D._ mit dem Heroin
auf sich warten liess, gezielt vertröstet, in der Hoffnung, D._ werde doch
noch kommen.
Auch der Telefon- und SMS-Verkehr des Angeklagten mit "F._",
D._ und "L._" während der Reise von D._ nach R._ vom 6. bis
14. August 2006 ist schlüssig und zeigt einerseits, wie über Preis und Qualität der
Droge gesprochen wurde und wie die Heroinbestellung von ursprünglich drei Ki-
logramm auf zwei Kilogramm reduziert wurde, da in jenem Moment offenbar erst
ein solches Quantum finanziert werden konnte. Ebenso klar ersichtlich wird aus
der überwachten Kommunikation des Angeklagten mit seinen Kontaktleuten in
G._, wie diese sich verärgert gezeigt haben, nachdem D._ das bereit
gestellte Heroin nicht abgeholt hatte. Auf all dies ist die Vorinstanz unter Bezug-
nahme auf die konkreten Gesprächsinhalte im Einzelnen eingegangen und es ist
ihrer Beweisführung nichts beizufügen. Festzuhalten ist an dieser Stelle erneut,
dass einzelne Telefonprotokolle allein zur Beweisführung oft nicht ausreichen.
Liegen aber wie hier unzählige und lückenlose Gespräche und SMS-Mitteilungen
vor und sind sie untereinander stimmig und zeigen sie einen logischen Ablauf und
halten sie gegenüber verschiedenen Realitätskriterien stand, so können sie ins-
gesamt durchaus geeignet sein, den rechtsgenügenden Beweis zu erbringen.
Dies ist hier der Fall und weder der Angeklagte noch D._ waren in der Lage,
der Aussagekraft der Gesprächsinhalte etwas plausibles anderes entgegen zu
setzen.
Es kommt schliesslich hinzu, dass der Angeklagte in den vorangegangenen drei
Wochen bereits an zwei grösseren Heroinlieferungen im Kilobereich wissentlich
teilgenommen und somit keinerlei Grund hatte, seine Anstrengungen im Hinblick
auf neue Lieferungen auf eine geringere Drogenmenge zu richten und das Ganze
überhaupt bloss zu fingieren. Zum Ganzen passt, dass der Angeklagte ausgesagt
hat, seine Braut habe ihm vorgeschlagen, die Drogen nun doch selber zu be-
schaffen, um nicht weiter von D._ abhängig zu sein. Zusammengefasst ist
- 20 -
der Sachverhalt der Anklage gemäss deren Ziff. I.2.2., Absätze 1-4, als erstellt zu
betrachten.
b) In den Absätzen 5 und 6 des selben Anklagepunktes wird dem Angeklag-
ten zusätzlich vorgeworfen, er sei, um das Heroin, welches D._ in die
Schweiz hätte bringen sollen, später weiterverkaufen zu können, zusammen mit
E._ von Q._ aus am 9., 13. und 14. August 2006 mit dem Heroinkäufer
"O._" in N._ in telefonischem Kontakt gestanden und habe diesem eine
künftige Heroinlieferung in der Grössenordnung von mehreren Kilogramm in Aus-
sicht gestellt, sobald D._ das Heroin in die Schweiz bringen würde. Obwohl
A._ in der Zeit vom 4. August 2006 bis 18. August 2006 von der Schweiz aus
alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, um mindestens zwei Kilogramm Heroin gu-
ter Qualität von G._ in die Schweiz einzuführen, um es nach N._ zu ver-
kaufen, sei es nicht dazu gekommen, weil D._ sich nicht an die Abmachun-
gen gehalten habe.
Diese Textabschnitte der Anklageschrift beinhalten keine strafrechtlich rele-
vanten Vorgänge. Das wiederholte in Aussicht stellen einer Heroinlieferung, die
ohnehin auf sich warten liess und im Übrigen gänzlich ungewiss war, ist zwar ein
Hinhaltemanöver gegenüber einem potentiellen Abnehmer, erfüllt jedoch keine
Handlungsvariante von Art. 19 BetmG. Als Anstaltentreffen kann es ebenfalls
noch nicht gelten, da dieses eine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit der Verwirkli-
chung einer tatbestandsmässigen Handlung über die dem Angeklagten bereits in
den Absätzen 1-4 dieses Anklagesachverhalts angelasteten Tatbeiträge hinaus
verlangen würde. Dies war hier, da D._ das in G._ bereitgestellte Heroin
nicht abgeholt hatte, weil er sich anders besonnen hatte, nicht der Fall. Auf diese
Textabschnitte ist deshalb nicht weiter einzugehen.
6. Weitere Drogengeschäfte des Angeklagten
6.1 Anklageziffer I.3.1.1.
Unter diesem Titel wird dem Angeklagten vorgeworfen, am Mittag des 22.
Juni 2006 mittags in der Tiefgarage der S._ in Q._ mindestens ca. fünf
- 21 -
Gramm Heroin, das für den Weiterverkauf bzw. die Weitergabe bestimmt war,
entgegengenommen zu haben. Aus den Akten wird ersichtlich, dass es C._
war, der dem Angeklagten das besagte Heroin übergeben haben soll. Entspre-
chendes steht auch in der gegen C._ erhobenen Anklage, wobei dort noch
von ein bis drei Muster à je ca. fünf Gramm Heroin die Rede ist (vgl. Verfahrens-
akten in Sachen gegen C._, Urk. HD 32 Ziff. I.1.1.).
Weder der Angeklagte noch C._ bestritten auf Vorhalt ihres Telefonats
vom Vormittag des besagten Tages, in welchem C._ den Angeklagten auf-
fordert, zu ihm zu kommen, denn er habe "etwas Gutes" für ihn (Urk. HD 11/8 An-
hang, 22.06.2006, 10:05 Uhr), sich zur fraglichen Zeit am fraglichen Ort getroffen
zu haben. C._ machte aber zuerst geltend, es sei nicht um Drogen, sondern
um die Vermittlung eines Jobs für A._ bei einer Firma in T._ gegangen
(Verfahrensakten C._, Urk. HD 2/41 S. 1). Später sagte er aus, Grund des
Treffens sei die Übergabe einer Bluse von E._, die für die Ehefrau von
C._ bestimmt war, gewesen (Akten C._, Urk. HD 2/47 S. 4 f.). Der An-
geklagte A._ wiederum führte aus, es sei um die Rückgabe eines "Frauen-
anzugs" durch C._ gegangen, da das Kleid dessen Ehefrau nicht gepasst
habe (Urk. HD 9/19 S. 10).
Die Jobvermittlungsversion hat C._ selber wieder aufgegeben, während
die Version mit dem Frauenkleid, welches ja von A._ bzw. E._ den
C._s offeriert worden sein soll, nicht zur Äusserung von C._ am Telefon
unmittelbar vor dem Treffen passt, er habe für A._ "etwas Gutes". Es kommt
hinzu, dass A._ und C._, wenn es um Kleider oder um einen Job ge-
gangen wäre, am Telefon nicht hätten verklausuliert miteinander sprechen müs-
sen; und sie hätten sich auch nicht in einer dunklen Tiefgarage zu treffen brau-
chen. Betreffend den Austausch einer Frauenkleidung ist ohnehin nicht verständ-
lich, wieso sich dazu die beiden Ehemänner hätten treffen sollen. Sind die Erklä-
rungsversuche der beiden Angeschuldigten somit als Schutzbehauptung zu wer-
ten, so erhält die Aussage von E._, wonach es um die Übergabe von einer
oder mehreren Heroinproben à ca. fünf Gramm gegangen sei (Urk. HD 9/20 S. 30
f.), an Aussagekraft und diese Belastung ist angesichts der nachgewiesenen tele-
- 22 -
fonischen Ankündigung und Verabredung in verklausulierter Form und des Um-
standes, dass E._, die beim Treffen ebenfalls dabei gewesen sein will, auch
sich selber mit ihrer Aussage unnötig belastet, als glaubhaft zu erachten.
Der Sachverhalt kann demnach der Vorinstanz folgend als erstellt betrachtet
werden, wobei gemäss Anklage von der Übergabe einer einzigen Heroinportion
auszugehen ist. Dass die Angabe von E._, eine solche Probe habe in ca.
fünf Gramm Heroingemisch bestanden, für plausibel und glaubhaft anzusehen ist,
ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass dies mit einer vom Angeklagten anerkannten
Übergabe einer Probeportion in einem zeitlich naheliegenden Fall korrespondiert
(vgl. Anklageziffer I.1.1.1.). Im Übrigen fanden die kleineren Drogengeschäfte des
Angeklagte jeweils in dieser Grössenordnung statt.
6.2 Anklageziffern I.3.1.2. und I.3.2.1.
In Anklageziffer I.3.1.2. wird dem Angeklagten vorgeworfen, er habe vor
dem 23. Juni 2006 von U._ in Q._ mindestens 40 Gramm für den Wei-
terverkauf bzw. die Weitergabe bestimmtes Heroin entgegengenommen. In der
Anklageziffer 3.2.1. wird ihm sodann vorgeworfen, am gleichen Tag im Restaurant
V._ in Q._ einem gewissen W._ für Fr. 600.– ca. 20 Gramm Heroin
verkauft zu haben.
Der Angeklagte bestreitet beide Vorwürfe. Die Vorinstanz hat gestützt auf
entsprechende Belastungen von E._ den ersten Anklagevorwurf für erstellt
betrachtet, allerdings lediglich bezüglich einer Mindestmenge von 20 Gramm He-
roin, nachdem E._ dazu unterschiedliche Angaben gemacht hatte. Sodann
hat die Vorinstanz auch den zweiten Vorwurf, wonach der Angeklagte Heroin an
W._ verkauft haben soll, für erstellt erachtet, allerdings mit dem Übergabeda-
tum 24. Juni 2006 und nicht tags zuvor, wie es in der Anklageschrift steht. Dabei
stützte sich die Vorinstanz auf die Telefongespräche zwischen dem Angeklagten
und W._ vom 23. und 24. Juni 2006, die dies zwingend nahelegen. Für die
- 23 -
übergebene Menge bleibt nur die Angabe von E._, die wie alle ihre Aussa-
gen mit grosser Vorsicht zu würdigen ist.
Hinsichtlich Anklagevorwurf Ziff. I.3.1.2. liegen zur Beweisführung lediglich
die generell mit Vorsicht zu würdigenden Aussagen von E._ vor, die zudem
bezüglich der Mengenangabe widersprüchlich waren (vgl. Urk. HD 9/20 S. 32).
Damit allein muss die Beweisführung scheitern. Der Angeklagte ist in diesem
Punkt deshalb freizusprechen.
Bezüglich des Anklagevorwurfs I.3.2.1. sind immerhin die Protokolle von drei
Gesprächen des Angeklagten und von E._ mit dem Abnehmer W._ vom
23. Juni 2006 aktenkundig sowie zwei weitere Gespräche des Angeklagten mit
W._ unmittelbar vor der Übergabe der Droge am Folgetag (Urk. HD 11/8 An-
hang: 23.06.2006, 22:05, 20:11 und 20:02 Uhr; 24.06.2006, 20:11 und 21:40 Uhr).
An der Übergabe von Heroin (dem "Dunklen") am späten Abend des 24. Juni
2006 kann somit kein Zweifel bestehen. Allerdings muss auch hier die übergebe-
ne Menge unbestimmt bleiben, da die blosse Angabe von E._ dazu als zu
wenig zuverlässig erscheint ("Ich glaube das waren 20 Gramm", Urk. HD 8/20 S.
31). Mit dieser Einschränkung kann der Anklagesachverhalt unter Ziff. I.3.2.1. als
erstellt gelten.
6.3 Anklageziffer I.3.2.2.
Hier wird dem Angeklagten vorgeworfen, er habe am 20. August 2006
abends in der Pizzeria Y._ in Q._ an P._ ca. fünf Gramm Heroin
verkauft.
Der Angeklagte war im Zusammenhang mit der anderen Anklageziffer
I.3.1.4. geständig, am 20. August 2006 von D._ ca. fünf Gramm Heroin als
Probeportion übernommen zu haben (vgl. Urk. HD 9/19 S. 11; HD 74 S. 26). Auch
anerkannte er, diese Portion weitergegeben zu haben und E._ sei dabei ge-
wesen (Urk. HD 9/19 S. 12). Dennoch liess er durch seinen Verteidiger anlässlich
der Hauptverhandlung den Vorwurf aus Anklageziffer I.3.2.2., wonach diese Pro-
beportion an P._ gegangen sei, bestreiten (Urk. HD 74 S. 26). Die Zugabe
- 24 -
der Weitergabe der Probeportion durch den Angeklagten und die zeitliche Koinzi-
denz von Erwerb und mutmasslicher Weitergabe sowie der Umstand, dass der
Angeklagte zugegebenermassen fünf Wochen früher bereits einmal eine solche
Probeportion an P._ weitergereicht hatte (vgl. Anklageziffer I.1.1.1.), lassen
die dem Anklagevorwurf entsprechende Aussage von E._ jedoch für glaub-
würdig erscheinen (Urk. HD 9/20 S. 25 und 28). Dies zumal sie den Angeklagten
damit nicht spürbar zusätzlich belasten bzw. schaden kann. Der Anklagesachver-
halt unter Ziff. I.3.2.2. ist deshalb in Übereinstimmung mit der Auffassung der Vo-
rinstanz als erstellt zu betrachten.
6.4 Anklageziffer I.3.2.3.
Unter dieser Ziffer wird dem Angeklagten vorgeworfen, am 1. September
2006 in der Pizzeria Y._ in Q._ weitere ca. zehn Gramm Heroin an
P._ verkauft zu haben. Dies ist vom Angeklagten bestritten.
Hier liegen jedoch Telefongespräche und SMS-Mitteilungen vor, die auf die
Drogenbestellung von zehn Gramm ("zehn Radiokassetten") durch P._ und
sein Treffen mit dem Angeklagten schliessen lassen. Dafür, dass es sich um He-
roin und nicht um Kokain gehandelt hat, kann ohne Weiteres auf die den Ange-
klagten nicht weiter belastende und glaubhaft erscheinende Darstellung von
E._ abgestellt werden, die wissen wollte, dass P._ kein Kokain genom-
men habe (vgl. Urk. HD 9/20 S. 35); in der gesamten Anklageschrift sind denn
auch betreffend P._ immer nur Heroingeschäfte aufgeführt. Mit der Vo-
rinstanz ist deshalb auch dieser Anklagevorwurf als erstellt zu betrachten.
6.5 Anklageziffer I.3.3.8.
Die Anklage wirft dem Angeklagten hier vor, am 21. Oktober 2006 einem
Unbekannten vor dem Restaurant Z._ in AA._ mindestens ca. 30
Gramm Kokain für Fr. 3'000.– verkauft zu haben.
Der Angeklagte bestritt diesen Vorwurf und wollte den von E._ erwähn-
ten schweizerischen Abnehmer nicht kennen. Auch wenn die Vorinstanz dem An-
geklagten mittels eines Telefongesprächs zwischen E._ und ihm nachweisen
- 25 -
konnte, dass er diesen Schweizer kennen musste (Urk. 103 S. 71-73), so ver-
bleibt als Beweismittel für den Kern des Anklagevorwurfs ausschliesslich die den
Angeklagten belastende Aussage von E._. Auch wenn hier mit der Vo-
rinstanz gesagt werden kann, dass deren Aussagen nicht völlig aus der Luft ge-
griffen sind, so bleiben die Vorgänge im und vor dem Restaurant Z._ in
AA._ doch undurchsichtig. E._ will sodann nach eigenen Angaben nicht
alles mitbekommen haben, da sie im Restaurant gesessen habe und der ent-
scheidende Teil vor dem Gebäude abgelaufen sei (vgl. Urk. HD 15/1 S. 4 f.; Urk.
HD 9/20 S. 27). Im Übrigen spricht sie einmal von 30 und einmal von glaublich 40
Gramm Kokain, die der Angeklagte von den ursprünglich 100 Gramm Kokain (vgl.
Anklageziffer I.3.1.3) verkauft haben soll. Sie anerkennt im Übrigen, mitgeholfen
zu haben, von diesen 100 Gramm Kokain zu verkaufen. Davon geht auch die An-
klage aus (vgl. Ziff. I.3.3, erster Absatz). Mithin hatte E._ ein Interesse, dem
Angeklagten einen möglichst grossen Anteil am Verkauf der ursprünglichen 100
Gramm Kokain zuzuteilen, um den eigenen Tatbeitrag gering zu halten. Da aber
ausser ihrer Aussage keine tauglichen anderen Beweismittel zum konkreten Tat-
vorwurf vorliegen - das einzige Telefonprotokoll erweist sich jedenfalls nicht als
aussagekräftig -, und da E._ neben ihrer beschränkten Glaubwürdigkeit in
diesem Fall ein eigenes Interesse hat, den Angeklagten stärker zu belasten, kann
auf ihre Aussagen hier nicht abgestellt werden. Damit fehlt es an einem rechtsge-
nügenden Nachweis des Anklagevorwurfs und der Angeklagte ist im Zweifel zu
seinen Gunsten hinsichtlich Anklageziffer I.3.3.8. freizusprechen.
Im Dispositiv, welches den Parteien nach der Urteilsfällung ausgehändigt
wurde, ist der Freispruch in diesem Anklagepunkt anstatt mit I.3.3.8. versehentlich
mit I.3.1.8. bezeichnet, einem Anklagepunkt, den es gar nicht gibt. Das offensicht-
liche Versehen ist hiermit in Anwendung von § 166 GVG-ZH berichtigt.
- 26 -
III. Rechtliche Würdigung
Die Anklagebehörde und die Vorinstanz hat die dem Angeklagten nachge-
wiesenen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz insgesamt als
mengenmässig qualifizierten Fall angesehen. Dies ist grundsätzlich richtig. Die
Vorinstanz ist sodann im Zusammenhang mit den beiden Heroinübergaben in
N._ von der Mittäterschaft des Angeklagten ausgegangen und nicht von
blosser Gehilfenschaft, wie es die Verteidigung im Eventualstandpunkt beantragt
hatte. Auch diese Betrachtungsweise der Vorinstanz überzeugt. Die aus den
überwachten Telefongesprächen rund um die Heroinlieferungen nach N._ zu
entnehmenden vielfachen Aktivitäten des Angeklagten sind zu allermindest als ein
aktives Vermitteln der besagten Verkäufe zu betrachten, sodass bereits eine Tä-
terschaft gegeben ist.
Nicht zu übersehen ist aber auch, dass das Anstaltentreffen zu Heroinein-
fuhren im Juni 2006 und im August 2006, bei dem ebenfalls Täterschaft und nicht
bloss Gehilfenschaft anzunehmen ist, und die beiden Heroinübergaben in
N._ vom 17. Juli 2006 und 2. August 2006 voneinander zu unterscheidende
Sachverhalte darstellen, bei denen es stets um Heroinmengen im Kilo- oder Halb-
kilobereich gegangen ist. Folglich ist die mengenmässig qualifizierte Widerhand-
lung gegen das Betäubungsmittelgesetz mehrfach begangen worden. Dies ist zu-
sätzlich geschehen zum bereits rechtskräftigen schweren Fall von Kokainhandel
(Entgegennahme von 100 Gramm Kokaingemisch und teilweiser Weiterverkauf
gemäss Anklageziffern I.3.1.3. und I.3.3.1.-7.).
Zu beachten ist weiter, dass das Betäubungsmittelgesetz auf den 1. Juli
2011 eine Revision erfahren hat. Mit Bezug auf blosses Anstaltentreffen in Hin-
blick auf andere strafbare Handlungen im Zusammenhang mit Drogen ist dabei
neu eine Strafmilderung nach freiem Ermessen ins Gesetz eingefügt worden; das
revidierte Gesetz erscheint diesbezüglich somit als milder. Da die heutige Verur-
teilung des Angeklagten hinsichtlich mehrerer Anklagepunkte blosses Anstalten-
treffen zum Drogenverkehr zum Inhalt hat (so die Anklagepunkte I.2.1. samt
I.2.1.1.-2.1.5. und I.2.2.), ist hier nach neuem Recht sicherlich eine gewisse Straf-
- 27 -
reduktion am Platze. Folglich hat das mildere neue Betäubungsmittelgesetz so-
wohl beim ergänzenden diesbezüglichen Schuldspruch wie auch bei der Strafzu-
messung Anwendung zu finden.
Hinsichtlich den mengenmässig qualifizierten Fällen von Drogenverkehr
(Anklageziffern I.1.1.2., I.1.2., I.2.1. und I.2.2.) sind nebst dem Anstaltentreffen
gemäss lit. g von Art. 19 Abs. 1 BetmG als weitere Tathandlungen solche gemäss
lit. c und d der erwähnten Bestimmung gegeben. Das aktive Vermitteln der beiden
Heroinverkäufe in N._ durch den Angeklagten ist nach der neuen Gesetzes-
terminologie, die ein "Vermitteln" als Tathandlung nicht mehr ausdrücklich nennt,
unter die Tatvariante des "auf andere Weise einem andern verschaffen" zu sub-
sumieren, mithin unter die vorerwähnte lit. c. Der mengenmässig schwere Fall von
Drogenverkehr findet sich im revidierten Recht in Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.
Die weiteren Drogengeschäfte des Angeklagten kleineren Ausmasses, die
nicht mit einem der schweren Fälle in direktem Zusammenhang stehen, sind so-
dann als separate Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz ins
Recht zu fassen, wobei hier ebenfalls mehrfache Begehung vorliegt. Dies gilt für
die Heroingeschäfte gemäss Anklageziffern I.:3.1.1., 3.2.1., 3.2.2. und 3.2.3. Dies-
bezüglich liegen Tathandlungen gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG vor.
Diese kleineren Drogengeschäfte kommen zu den bereits rechtskräftig abgeurteil-
ten Einzelhandlungen hinzu.
Zusammengefasst ist der Angeklagte heute zusätzlich zum rechtskräftigen
Teil des Schuldspruchs der Vorinstanz im erwähnten Sinne zu verurteilen.
IV. Strafe
Die Ausführungen der Vorinstanz zum anwendbaren Recht bezüglich des Allgemeinen Teils des StGB sind zutreffend (Urk. 103 S. 90 f.). Bezüglich der
konkreten Strafbestimmung für die Drogendelikte kommt vorliegend allerdings,
wie bereits erwähnt, jene gemäss neuester Fassung des Betäubungsmittelgeset-
zes zum Zug. Trotz dieser Novelle kann den allgemeinen Erwägungen der Vo-
rinstanz zur Strafzumessung und zum konkreten Strafrahmen – ergänzt um den
- 28 -
erwähnten neuen Milderungsgrund – sowie ihren Ausführungen zum Vorleben
und zur Person des Angeklagten weiterhin beigepflichtet werden (a.a.O. S. 92 ff.).
Wenn das Bezirksgericht die Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz,
die im Zusammenhang mit mehreren Kilogramm Heroin standen, als nicht mehr
an der unteren Grenze eines schweren Falles ansah, so ist dies zweifellos richtig.
Demzufolge liegt die Einsatzfreiheitsstrafe bereits in einem mehrjährigen Bereich.
Die beim Vorgehen des Angeklagten teilweise aufscheinende Unbedarftheit hat er
damit, dass er alle Hebel in Bewegung setzte, um zum Ziel zu kommen, weitge-
hend selber wieder kompensiert. Auch wenn entgegen der Annahme der Vo-
rinstanz (a.a.O. S. 95) nicht davon auszugehen ist, dass der Angeklagte und
D._ gleichgestellte Partner waren, sondern der Angeklagte offenbar lediglich
versuchte, es ihm gleich zu tun, so ist doch auffällig, mit welch grosser Intensität
er, der selber keine Drogen konsumierte, den inkriminierten Erfolg, egal ob Heroin
oder Kokain betreffend, angestrebt hat. Gestoppt wurde sein kriminelles Tun erst
durch seine Verhaftung. Darin, dass aus seinen persönlichen Verhältnissen nichts
zu seinen Gunsten abzuleiten ist und auch sein teilweises Geständnis sich nur
leicht strafmindernd auswirken kann, ist der Vorinstanz ebenfalls beizupflichten
(a.a.O. S. 96). Zu ergänzen bleibt einmal mehr einzig, dass vorliegend die Strafe
aufgrund von Art. 19 Abs. 3 lit. a BetmG nach freiem Ermessen etwas zu reduzie-
ren ist.
Nebst der mehrfachen Tatbegehung im Drogenbereich sind die weiter hinzu-
tretenden Delikte zum Teil erheblich straferhöhend zu veranschlagen. Insbeson-
dere der zweite Einbruchdiebstahl, den der Angeklagte nebst der Beteiligung im
Drogenhandel beging, zeigt in erschreckender Weise seine kriminelle Energie: Er
hat nicht nur zwei Kollegen zum Mitmachen animiert, sondern hat den Einbruchs-
ort während der Weihnachtsfeiertage nicht weniger als drei Mal aufgesucht, bis er
den dort ausgebauten Tresor abzutransportieren in der Lage war. Dieser Ein-
bruchdiebstahl verbunden mit den weiteren sechs Vermögensdelikten hätte be-
reits zu einer Freiheitsstrafe von mindestens 1 1⁄2 bis 2 Jahren geführt. Entspre-
chend erheblich hat die Erhöhung der bereits für den mehrfachen schweren Fall
von Drogenhandel einzusetzenden Strafe von 3-4 Jahren auszufallen. Überhaupt
ist dem Angeklagten in Übereinstimmung mit den Feststellungen der Vorinstanz
- 29 -
zu attestieren, dass er mit seiner Verhaltensweise in den Jahren 2006 und 2007
seine generelle Bereitschaft manifestiert hat, aus jeder sich bietenden Gelegen-
heit einen Vorteil zu ziehen, auch wenn dabei Gesetze gebrochen werden.
Wenn die Vorinstanz alles in allem zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren
(und einer Busse von Fr. 100.– für die Übertretung im Strassenverkehr) als an-
gemessene Sanktion gelangte, so war dies bei der damaligen Rechtslage durch-
aus angemessen. Wenn die Berufungsinstanz heute jene Freiheitsstrafe um 1⁄2
Jahr senkt, so einmal aufgrund des neurechtlichen Milderungsgrundes, der vorlie-
gend zur Anwendung kommen muss, nachdem das blosse Anstaltentreffen einen
grossen Anteil der dem Angeklagten anzulastenden Tätigkeiten im Drogenhandel
ausmacht, und ferner wegen der langen Verfahrensdauer, die hinsichtlich einer
Verletzung des Beschleunigungsgebots zumindest grenzwertig erscheint. Zu-
sammengefasst wird eine Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren zuzüglich der erwähnten
Busse dem nach wie vor als schwer zu taxierenden Verschulden des Angeklagten
und seinen persönlichen Verhältnissen gerecht.
Ebenfalls zu bestätigen ist die Ersatzfreiheitsstrafe von einem Tag für den
Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse. An die Freiheitsstrafe ist sodann
die Dauer der Untersuchungshaft und des vorzeitigen Strafvollzugs, insgesamt
1218 Tage (23.1.07-23.3.07 und 18.6.07-20.8.10) anzurechnen.
V. Kostenfolge
Der Angeklagte unterliegt mit seiner Berufung, mit der er in den  Punkten Freisprüche anstrebte, fast vollständig. Die erstinstanzliche Kosten-
auflage (Urteilsdispositiv Ziffer 8) ist deshalb zu bestätigen.
Nachdem der Angeklagte mit seiner Berufung nur marginal durchdringt und
da die leichte Strafreduktion im Wesentlichen auf eine Gesetzesrevision zurück-
zuführen ist, sind ihm ebenfalls die Berufungskosten samt der entsprechenden
Kosten seiner amtlichen Verteidigung aufzuerlegen. Dabei ist der Kostenanteil für
- 30 -
die Verteidigung jedoch wegen offensichtlicher Unerhältlichkeit sofort abzuschrei-
ben.
Beschluss:
1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abtei-
lung, vom 23. April 2010 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:
1. Der Angeklagte A._ ist schuldig:
− der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel im
Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4-5, teilweise in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a
aBetmG (betreffend die Anklageziffern I.:1.1.1., 3.1.3.-3.1.5., 3.3.1.-3.3.7. und
3.3.9.);
− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB;
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs 1 StGB;
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB;
− des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB;
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB;
− der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB;
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 1 Abs. 2 der Verordnung über Blutalkoholgrenzwerte im
Strassenverkehr sowie
− der Übertretung der Verordnung über die Strassenverkehrsregeln im Sinne von
Art. 96 VRV in Verbindung mit Art. 3a Abs. 1 VRV.
2. Der Angeklagte ist nicht schuldig und wird freigesprochen:
− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB;
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB;
- 31 -
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 sowie des Versuchs dazu im Sinne von Art.
181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB sowie
− der versuchten Anstiftung zu Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbin-
dung mit Art. 24 Abs. 2 und Art. 22 Abs. 1 StGB.
(...)
5. Von der Ausfällung einer Ersatzforderung wird abgesehen.
6. Der Angeklagte wird verpflichtet, der B._ AG Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 5'540.– zu bezahlen.
7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 7'500.-- ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'075.-- Kosten der Kantonpolizei
Fr. 48.-- Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 15'528.80 Auslagen Untersuchung
Fr. 23'563.95 amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
Urteil:
1. Der Angeklagte A._ ist ferner schuldig
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von dessen Art. 19 Abs. 1 lit. c, d und g in Verbindung mit Art. 19
Abs. 2 lit. a dieses Gesetzes sowie
− der mehrfachen Widerhandlung im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d
BetmG.
- 32 -
2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf der Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz in den Anklagepunkten I.3.1.2. und I.3.3.8.
3. Der Angeklagte wird bestraft mit 4 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 1218
Tage durch Untersuchungshaft und vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind,
und mit einer Busse von Fr. 100.–.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Angeklagte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von einem Tag.
5. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziff. 8) wird bestätigt.
6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 10'782.35 amtliche Verteidigung
7. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der
amtlichen Verteidigung, werden dem Angeklagten auferlegt, wobei jedoch
der Kostenanteil für die Verteidigung abgeschrieben wird.
8. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Angeklagten
− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl − das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs-
und Vollzugsdienste
in vollständiger Ausfertigung an
− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Angeklagten
− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl − die Bundesanwaltschaft
sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger Rechtsmit-
tel an
− die Vorinstanz
- 33 -
− das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste
− das Migrationsamt des Kantons Zürich − das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung
Administrativmassnahmen, Richterliche Fahrverbote, 8090 Zürich − die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A.
9. Rechtsmittel:
Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in  erhoben werden.
Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen,  Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des
Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichts-
gesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.
Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen
richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-
gesetzes.
_