Decision ID: 58100b27-f12d-4ab5-97d3-0413f2a02632
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984,
stand zuletzt seit dem 2
9.
April 2013 in einem bis zum 3
1.
August 2013
befristeten Arbeitsverhältnis
als Hilfschauffeur bei der
„
Y._
GmbH
“
(
Urk.
10/1/1;
Urk.
10/11/3
Ziff.
3), als er
sich am
8.
Juli 2013 unter Hinweis auf ein
im Mai 2013 erlittenes
Schädelhirntrauma mit
begleitenden
Beschwerden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
b
ezug an
meldete
(
Urk.
10/2 S. 4 f.
Ziff.
6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation (
Urk.
10/5-6;
Urk.
10/8;
Urk.
10/11-13;
Urk.
10/17-22;
Urk.
10/26;
Urk.
10/48;
Urk.
10/57;
Urk.
10/83) ab und veranlasste ein psychiatrisches Gutachten, wel
ches am 2
5.
April 2016 erstattet wurde (
Urk.
10/69). Am 1
8.
Juli
und
1
1.
September 2016
sowie
1
3.
Januar 2017 beantwortete der Gutachter sodann
von der IV-Stelle
gestellte Rückfragen (
Urk.
10/76;
Urk.
10/79;
Urk.
10/85).
Die Suva
hatte
die
von ihr
erbrachten Leistungen
per 3
1.
Dezember 2013 ein
ge
stellt
(
Urk.
10/21).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/88;
Urk.
10/92;
Urk.
10/95) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
1.
Juni 2017 (
Urk.
10/98 =
Urk.
2) einen Leistungsanspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 2
2.
August 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
1.
Juni 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm von Mai 2014 bis und mit Mai 2016 eine ganze sowie ab Juni 2016 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Ausserdem seien ihm Eingliederungsmassnahmen zu gewähren (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
November 2017 (
Urk.
9) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
2.
November 2017 zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geis
tigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähig
keit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus ob
jektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
An
spruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit
.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mass
nahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
1.4
Beeinträchtigungen der psychischen Ge
sundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine In
validität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewir
ken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Per
son auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
renten
ausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend
objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2;
143 V 409
E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den
funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln
(BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätz
lich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweis
-
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach
Krank
-
heitsbild
allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der
Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und
eingliederungsamamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hindernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
potenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen
ein
-
zuschätzen
(
BGE
141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funk
tionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
-
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und
wider
-
spruchsfrei
mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewie
sen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Ent
scheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festge
stellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rück
weisung – da diese das
Verfahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versiche
rungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne ma
terielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest,
dass
der
erlittene
Unfall
ohne bleibende gesundheitliche
Ein
schränkung verheilt sei
.
Die
polymorphe psychotische Störung
sei weitgehend remittiert und es sei
von guten Ressourcen auszugehen. Die Therapieoptionen seien noch nicht aus
geschöpft und eine Suchtmittelabstinenz sei weiterhin notwendig. Mit diesen Massnahmen
könne
die Arbeitsfähigkeit weiter
gesteigert werden
. Eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt sei dem Beschwerdeführer zumutbar. Aufgrund der vor
genommenen
Indikatorenprüfung
lägen somit keine relevanten gesundheitli
chen Einschränkungen vor, welche Anspruch auf Leistungen der Invalidenver
sicherung generieren könnten (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (
Urk.
1),
die Diagnose falle nicht unter die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen, weshalb die Indikatoren nicht zu prüfen seien. Ausserdem
seien
keine Hinweise
aktenkundig
, dass sich die Arbeitsfähig
keit mit einer Therapie massgeblich steiger
n lasse oder er
die zumutbaren The
rapiemöglichkeiten
bislang
unzureichend ausgeschöpft habe. Vielmehr werde eine konsequente antipsychotische Medikation erwähnt und darauf hingewie
sen, dass die Arbeitsfähigkeit nur bei gutem Verlauf respektive gegebenenfalls
steigerbar
sei
. Auf die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei abzu
stellen, weshalb er ab Mai 2014 Anspruch auf eine ganze und ab Juni 2016 auf eine halbe Invalidenrente habe
(S. 6
f
f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invali
denrente sowie auf berufliche Massnahmen hat. Dabei umstritten ist insbeson
dere das Vorliegen eines invalidisierenden
psychischen
Gesundheitsschadens.
3.
3.1
Laut Unfallmeldung vom 3
1.
Mai 2013 stürzte der Beschwerdeführer a
m 2
4.
Mai 2013
und erlitt ein Blackout
. Als betroffener Körperteil
wurde
der Schädel
erwähnt
;
d
er
Beschwerdeführer
habe
eine starke Hirnblutung erlitten
(vgl.
Urk.
10/11/3).
3.2
Mit Austrittsbericht vom 2
7.
Mai 2013 (
Urk.
10/11/28-30
; vgl. auch den
glei
chentags erstellten
Operatio
nsbericht,
Urk.
10/22/6-7
)
informierten die Ärzte des
Z._
, Klinik für Unfallchirurgie, über die stationäre
Hospitalisation
des Beschwerdeführ
ers vom 2
4.
Mai bis
3.
Juni 2013
und er
wähnten
als Diagnose nebst einem chronischen C2-Abusus ein Schädelhirn
trauma mit grossem
Epiduralhämatom
frontal rechts,
Kalotten
fraktur
parietooccipital
rechts sowie
Orbitabodenfraktur
rechts mit hohem Frakturaus
läufer
frontoparietal
und
subgalealem
Hämatom frontal rechts.
Am 2
5.
Mai 2013 sei das frontale
rechte
epidurale
Hämatom evakuiert worden. Der
Be
schwerdeführer sei bis zum
9.
Juli 2013 vollständig arbeitsunfähig (S. 1 f.).
3.3
Anschliessend
hielt sich der Beschwerdeführer bis
zum
9.
Juli 2013 stationär in der Rehaklinik
A._
auf (vgl. Austrittsbericht vom
9.
Juli 2013,
Urk.
10/5). Als Diagnosen nannten die Ärzte (S. 1):
-
t
raumatische Hirnverletzung aufgrund eines
Unfalles vom 2
4.
Mai 2013 (
unbeobachtet auf der Beifahrerseite aus einem stehenden Lastwagen ge
fallen
)
mit/bei:
-
grossem
Epiduralhämatom
frontal rechts
-
Kalottenfraktur
parietooccipital
rechts
-
Orbitabodenfraktur
rechts mit hohem Frakturausläufer
frontoparietal
-
subgalealem
Hämatom frontal rechts
-
Alkoholabhängigkeit mit gegenwärtiger Abstinenz in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21)
Es liege eine minime kognitive Leistungsminderung infolge einer neuropsycho
logischen Funktionsstörung vor, welche teilweise Folge einer primär hirn
-
organischen Schädigung sei. Der Beschwerdeführer sei derzeit in der bisherigen Tätig
keit vollständig arbeitsunfähig (S. 2).
3.4
Mit Bericht vom 2
4.
Juli 2013 (
Urk.
10/11/50-51) informierten die Ärzte des
Z._
, Klinik für Neurochirurgie, über die neuroradiologisch regelrechte Ver
laufskontrolle mit vollständiger Resor
ption des
Epiduralhämatoms
(S. 2)
.
3.5
Ein Abklärungsgespräch in der
B._
Klinik erfolgte am 2
0.
September 201
3.
Mit Bericht vom 2
5.
September 2013 (
Urk.
10/19/13-16) nannten die Ärzte folgende Diagnosen (S. 1):
-
Alkoholabhängigkeit, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F10.2)
-
Cannabisabhängigkeit, abstinent seit Sommer 2011 (ICD-10 F12.20)
-
Nikotinabhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.2)
-
Status nach Schädelhirntrauma mit
epiduralem
Hämatom frontal rechts, Mai 2013
-
Status nach
Peroneuslähmung
rechts
Beim Beschwerdeführer bestehe seit vielen Jahren eine Suchtproblematik, wobei sich die Alkoholabhängigkeit in den letzten Monaten stark akzentuiert habe. Es bestünden bereits soziale, körperliche und psychische Folgeerkrankungen.
Vor dem Eintritt in
die Entwöhnungsbehandlung soll
t
e ein
Entzug erfolgen,
welche
r
aufgrund der erhöhten Wahrscheinlichkeit eines erneuten epileptischen Krampf
anfalles im körperlichen Entzug bestenfalls in einem somatischen Spital durch
zuführen sei
(S.
4).
3.6
Der stationäre Alkoholentzug fand vom
3.
bis 2
1.
Oktober 2013 im Spital
C._
statt.
Mit Austrittsbericht vom 2
1.
Oktober 2013 (
Urk.
10/19/8-9)
berich
teten
die Ärzte
darüber, dass die
Entzugssymptome unter Substitution mit Ben
zodiazepinen gut
hätten
beherrscht werden können.
De
r
Beschwerdeführer
habe in gutem Allgemeinzustand zur weiteren Entwöhnungsbehandlung in die
B._
Klinik
entlassen
werden können (S. 1 f.).
3.
7
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
gab
mit Bericht vom 1
5.
November 2013 (
Urk.
10/19/5-6)
an, dass er den Beschwerdeführer seit November 1989 behandle (S. 1
Ziff.
1.2) und folgende
Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
stellen könne
(S. 1
Ziff.
1.1):
-
Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.2)
-
Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F12.20)
-
Nikotinabhängigkeit (ICD-10 F17.2)
-
Status nach Schädelhirntrauma mit
epiduralem
Hämatom frontal rechts, Mai 2013
-
Status nach
Peroneuslähmung
-
depressive Entwicklung unter Alkoholabusus mit Angst und Panik
attacken
Der Beschwerdeführer
habe sich vom Unfall gut erholt. Allerdings habe er im August 2012 einen Rückfall mit dem Alkoholkonsum erlitten (S. 1
Ziff.
1.4). S
eit dem 2
4.
Mai 2013
sei er
in der bisherigen Tätigkeit als Betriebspraktiker
vollständig arbeitsunfähig (S. 2
Ziff.
1.6). Nach erfolgreicher Therapie
sei
eine schrittweise Wiederaufnahme
einer
berufliche
n
Tätigkeit
zu erwarten und m
it einer vollen Einsatzfähigkeit im erlernten Beruf
könne gerechnet
werden
(S. 2
Ziff.
1.7-1.9).
3.8
Dem Bericht der Ärzte des
Z._
, Klinik für Neurologie, vom 1
0.
Dezember 2013 (
Urk.
10/26/8-10)
sind die folgenden – hier gekürzt aufgeführten – Diagnosen zu entnehmen (S. 1):
-
Parästhesien der rechten Körperhälfte seit 2010
-
Schädelhirntrauma vom 2
4.
Mai 2013
-
psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol, aktuell abstinent
-
Status nach
Peroneusparese
rechts
In der klinischen Untersuchung
finde
sich eine mittig begrenzte Hypäst
hesie der rechten Körperhälfte
. Die letzte kraniale Bildgebung vom Juli 2013 habe eine regelrechte Resorption des
Epiduralhämatoms
gezeigt. Eine
Frakturdislokation
oder eine
neuartige
Pathologie sei nicht ersichtlich gewesen. Die Ursache der Symptomatik bleibe weiterhin unklar. Eine direkte Zuordnung der diffusen Aus
fälle zu einem peripheren Hauptnerv, einer Nervenwurzel oder einem zentralen Repräsentationsgebiet bestehe nicht (S. 3).
3.9
Mit Bericht vom 2
1.
Januar 2014 (
Urk.
10/26/6-7) informierten die Ärzte des
Z._
, Klinik für Neurologie, über die durchgeführten
Somatosensibel
evozierten Potentiale (SEP) des
Medianus
,
welche beidseits normale
Latenzen
sowie Amplituden und somit einen unauffälligen Befund gezeigt hätten. Die Ursache der Symptome bleibe weiterhin unklar (S. 1).
3.10
Med.
pract
.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitende Ärztin,
B._
Klinik, informierte mit Bericht vom
9.
Juni 2015 (
Urk.
10/48) über die stationären
Hospitalisationen
des Beschwerdeführers vom 2
1.
Oktober 2013 bis 1
4.
April 2014 sowie vom
5.
Januar bis 1
3.
Mai 2015 (S. 3
Ziff.
1.3)
. Als Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte sie ein seit mehreren Jahren bestehendes Cannabisabhängigkeitssyndrom,
schizo
phrenieforme
Störung (ICD-10 F12.50), sowie als Differentialdiagnose (DD) eine Schizophrenie (ICD-10 F20.0). Sodann nannte sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.1):
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent aber in beschüt
zender Umgebung (ICD-10 F10.21)
-
Cannabisabhängigkeitssyndrom, seit 2012 abstinent (ICD-10 F12.2)
-
Tabakabhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
-
Status nach Schädelhirntrauma mit Blutung im April 2013, Total
remission
Die Prognose bezüglich der Erlangung einer Arbeitsfähigkeit in geschütztem Rahmen bei entsprechend psychiatrisch-psychotherapeutischer Unterstützung
und medikamentöser Behandlung sei derzeit nur vorsichtig positiv (S. 4
Ziff.
1.4).
Beim Beschwerdeführer habe sich eine ausgeprägte psychotische Symptomatik mit ausgeprägten Denkstörungen, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen, einem ängstlich-depressiven Affekt mit starkem sozialen Rückzug und ausgeprägten Ängsten sowie Schlafstörungen gezeigt. Im Verlauf der stationären Behandlung und unter
neuroleptischer
Medikation habe sich eine schrittweise Reduktion und Remission der psychotischen Symptomatik gezeigt (S. 5
Ziff.
1.5). Der Beschwerdeführer sei seit dem
2.
August 2012 in der bis
herigen Tätigkeit als Betriebspraktiker vollständig arbeitsunfähig. Er werde im geschützten Umfeld eine Belastungserprobung durchführen, da im stationären Setting keine sichere Aussage darüber getroffen werden könne, wie belastbar
er
in einer angepassten Tätigkeit sei (S. 5
Ziff.
1.6-1.7).
3.11
Mit Schreiben vom 1
4.
Oktober 2015 (
Urk.
10/57) beantwortete med.
pract
.
E._
die vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) gestellten Rückfragen in dem Sinne, dass der Beschwerdeführer eine dreijährige Lehre zum Betriebs
praktiker
abgeschlossen
und nach einer langen Arbeits
losigkeit schliesslich Arbeiten
auf Stundenlohnbasis
, zuletzt als Lagerist und Gelegenheitsarbeiter,
a
usgeführt
habe. Am Wochenende habe er
zudem
ehrenamtlich
in einem
Tier
heim geholfen. Er habe bis zuletzt ni
e
in einem
Pensum von
100
%
gearbeitet. Das Tätigkeitsprofil, welches nicht dem Ausbildungsniveau entspreche, spiegle bereits deutlich die reduzierte Arbeitsfähigkeit wieder. Seit dem
1.
Dezember 2014 bestehe nachweislich eine Abstinenz von Alkohol und Cannabis. Bis heute
liege
allerdings eine Tabakabhängigkeit
vor
(S. 1).
3.12
Am 2
5.
April 2016 erstattete
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
10/69
/1-11
).
Als Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähig
keit führte er Folgendes auf (S. 10
Ziff.
5.1):
-
Status nach akuter polymorpher psychotischer Störung mit Symptomen einer Schizophrenie, aktuell weitgehend remittiert unter antipsychoti
scher Medikation, DD:
schizoaffektive
Störung, DD: im Rahmen des Suchtgeschehens, DD: organische
Halluzinose
bei Status nach Schädel
hirntrauma 2013 (ICD-10 F23.1)
Als ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit erachtete er einen Status nach Alkohol- und Cannabisabhängigkeit, aktuell abstinent (ICD-10 F10.20, F12.20; S. 10
Ziff.
5.2).
Im Zeitpunkt der Untersuchung bestehe a
us rein psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt. Es sei ein massives langjähriges Sucht
geschehen mit Alkohol und Cannabis bekannt, welche
s
an
amnestisch sistiert worden sei
. Der Beschwerde
führer habe ab
dem Jahr
2013 akustische Halluzinationen wahrgenommen, wel
che sich unter antipsychotischer Medikation gebessert hätten. In
der
Vorge
schichte würden klare Hinweise auf eine psych
otische Grunderkrankung fehlen und i
n den dokumentierten Behandlungen
dominiere
das Suchtgeschehe
n
. Auch seine vielseitigen sozialen Aktivitäten einschliesslich der intensiven Reisetätig
keit würden sich eher nicht mit einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis vereinbaren lassen. Es sei denkbar, dass die beschriebenen Halluzina
tionen im Rahmen des Alkoholkonsums aufgetreten seien, obwohl dies vom Be
schwerdeführer bestritten werde. Differentialdiagnostisch denkbar wäre auch eine bipolare oder
schizoaffektive
Störung mit gutem Funktionsniveau und psy
chotisch-
maniformen
Phasen. Dafür würden sich
allerdings
die Beschwerden zeitlich zu wenig scharf begrenzen lassen. Da die psychotischen Beschwerden erst nach
dem Jahr
2013 aufgetreten seien, sei auch eine
halluzinatorische
Symptomatik als Folge des erlittenen Schädelhirntraumas denkbar. Aus neu
ropsychologischer Sicht seien jedoch keine erheblichen Spätfolgen des Unfalles festgestellt worden, was eher gegen ein chronisches organisches Psychosyndrom spreche. Es sei aber davon auszugehen, dass die fraglich psychotischen Be
schwerden unter antipsychotischer Medikation weitgehend remittiert seien. Deshalb seien berufliche Massnahmen zur Eingliederung indiziert, zuerst in einem Pensum von 50
%
, welches bei gutem Verlauf
steigerbar
sei
(S. 10
f.
Ziff.
6).
3.13
Mit Schreiben vom 1
8.
Juli 2016 (
Urk.
10/76) beantwortete
Dr.
F._
die vom RAD gestellten Rückfragen. Dabei gab er an, dass im Zeitpunkt der gutachterli
chen Untersuchung
gemäss den Angaben des
Beschwerdeführers
und in Über
einstimmung mit den umfangreichen Unterlagen der
B._
Klinik
kein Sucht
mittelkonsum
mehr
vorgelegen habe, weshalb auf eine laborchemische Überprüfung verzichtet worden sei.
Eine solche könne bei Bedarf nachgeholt werden. Auch eine Serumspiegelprobe könne bei Bedarf nachgeholt werden. Die psycho
tischen Symptome seien gemäss Angaben des Beschwerdeführers ers
t nach Ende des Cannabiskonsums,
zirka
ab dem Jahr
2013
,
aufgetreten. In den älteren
Vorakten
stehe das Suchtgeschehen im Vordergrund. Im Austrittsbericht der
B._
Klinik vom Februar 2016 werde unter anderem auch die Diagnose einer Schizophrenie (ICD-10 F20.0) gestellt. Die Diagnose einer Schizophrenie wiege weit schwerer als die einer polymorphen psychotischen Störung und habe eine viel schlechtere Prognose. Der Beschwerdeführer werde auch konsequent anti
psychotisch
mediziert
. Die
Einschätzung
einer 50%igen Arbeitsfähigkeit stelle keinen abschliessenden Wert dar, sondern sei die Ausgangslage für die berufli
che Eingliederung. Die Ergebnisse dieser Eingliederung seien abzuwarten, bevor die abschliessende Arbeitsfähigkeit festgelegt werden könne (S. 2 f.).
3.14
Am 1
1.
September 2016 führte
Dr.
F._
in Beantwortung der
erneuten
Rück
frage des RAD aus,
es
sei
schwierig
,
aus Reis
e- und Freizeitaktivitäten eine
Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt abzuleiten. Auf einer Reise, die allenfalls auch körperlich und mental anstrengend sein könne, seien dem Reisenden viele Freiheiten gegeben, die er auf de
m ersten Arbeitsmarkt nicht besitze
. Er könne
den
Zeitplan nach seinen Bedürfnissen gestalten, spontan Pausen machen, das Tempo anpassen oder die
Reise
bei Bedarf abbrechen, wie dies der Beschwerdeführer auch ge
tan
habe.
Er habe
eine 50%ige Arbeitsfähig
keit auf dem ersten Arbeitsmarkt mit Steigerungspotential bei gutem Integra
tionsverlauf attestiert (
vgl.
Urk.
10/79
S. 2).
3.15
Die Analyse der am 2
2.
November 2016 sichergestellten Haare des Beschwerde
führers zeigte, dass für den untersuchten Zeitraum von
Anfang Juni bis Anfang November 2016 keine Konzentration von
Ethylglucuronid
(Alkohol-Marker) nachweisbar
war
(
vgl. Bericht
des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich
vom
2.
Dezember 2016,
Urk.
10/83
S. 2)
.
3.16
In Beantwortung der gestellten Zusatzfrage hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit verwies
Dr.
F._
am 1
3.
Januar 2017 auf sein Gutachten.
Die darin enthaltene Beurteilung behalte ihre Gültigkeit. Die vom RAD veran
lasste Haaranalyse habe keine Hinweise auf einen relevanten Alkoholkonsum erbracht. Aus rein psychiatrischer Sicht
sei der
Beschwerdeführer im Zeitpunkt der
am
5.
Februar 2016 erfolgten
Untersuchung
für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt zu
50
%
arbeitsunfähig gewesen
. Als Beginn der 50%igen Arbeitsfähigkeit sei der am 2
9.
Februar 2016 erfolgte Austritt aus d
er
B._
Klinik anzusehen. Davor
habe aufgrund der aufeinanderfolgenden, teils länge
ren Klinikaufenthalte seit dem Unfall vom 2
4.
Mai 2015 keine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt bestanden (vgl.
Urk.
10/85 S. 2).
3.17
Mit Stellungnahme vom 2
4.
Januar 2017 erklärte RAD-Arzt med.
pract
.
G._
, Facharzt für Neurologie, dass
Dr.
F._
die gestellten Rückfragen be
antwortet habe.
Der Beschwerdeführer sei vom 2
4.
Mai 2013 bis
5.
Februar 2016 vollständig arbeitsunfähig gewesen und im weiteren
Verlauf
bestehe auf
grund einer organischen psychotischen Störung nach Schädelhirntrauma
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeit
smarkt
. Die weiteren Diagnosen
seien
ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit
. Da die Arbeitsfähigkeit gegebenenfalls
steigerbar
sei,
empfehle er
eine Schaden
minderungspflicht (SMP) hinsichtlich
einer
Suchtmittelabstinenz und einer regelmässigen psychiatrischen Beha
ndlung für mindestens 12 Monate
(vgl.
Urk.
10/87 S. 7 f.).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte vorliegend entgegen
d
en
medizinischen Ein
schätzung
en
nach Prüfung der Standardindikatoren
eine
relevante gesundheitli
che Einschränkung
mit dem Hinweis darauf, dass
der Beschwerdeführer über gute Ressourcen verfüge und
ein psychisches Leiden rechtlich erst dann in Be
tracht falle, wenn es erwiesenermassen schwer
und
therapeutisch nicht mehr
angehbar
sei
,
vorliegend
die Therapieoptionen
jedoch
noch nicht ausgeschöpft seien
(
vgl.
Urk.
2 S. 2
;
Urk.
1
0
/87 S. 8 f.
).
D
iesem
Vorgehen
kann nicht gefolgt werden.
4.2
So hatte i
m Zeitpunkt der Leistungsprüfung durch die Beschwerdegegnerin
bei den
aus
psychiatrischer
Sicht gestellten Diagnose
n
gar
keine Prüfung der Standardindikatoren zu erfolgen, fiel
en
doch
diese
nicht unter
die
damals gel
tende
Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen
und vergleich
baren psychosomatischen Leiden
(
vgl.
hierzu
BGE 141 V 281
).
D
em Hinweis auf
die
fehlende Therapieresistenz d
urfte
keine
alleinige
entscheid
relevante
Bedeu
tung zukommen
.
Insbesondere
wurde keine
leichte bis mit
telgradige depressive Störung diagnostiziert, welche nach der damaligen Rechtsprechung lediglich dann als invalidisierende Krankheit in B
etracht kam
, wenn sie
erwiesener
massen therapieresistent
war
(BGE 1
40 V 193 E. 3.3; Urteil
des Bundesgerichts 9C_89/2016 vom 1
2.
Mai 2016 E. 4.1
).
Vielmehr
ist
bei Beeinträchtigungen des psychischen Gesundheitszustandes ge
stützt auf
Art.
7
Abs.
2 ATSG stets eine objektive Betrachtung des
Forderbaren
vorzunehmen (vorstehend E. 1.1), was
anlässlich der psychiatrischen Begut
achtung durch
Dr.
F._
erfolgt
ist
.
Dabei gilt es insbesondere zu beachten, dass dieser lediglich eine weitgehende und keine komplette Remission der akuten polymorphen psychotischen Störung diagnostizierte. Die von RAD-Arzt med.
pract
.
G._
als gegeben erachtete organische psychotische Störung nach Schädelhirntrauma zog
Dr.
F._
lediglich differentialdiagnostisch in
Betracht
, da aus neuropsychologischer Sicht keine erheblichen Spätfolgen des Unfalles festgestellt worden seien (
Urk.
10/69/1-11 S. 10 f.
Ziff.
5.1,
Ziff.
6;
Urk.
10/87 S. 7 f.
).
Den Akten lassen sich
keine Hinweise
entnehmen
, dass der Beschwerdeführer die Therapieoptionen bisher unzureichend ausgeschöpft hätte. Vielmehr wies
Dr.
F._
sogar darauf hin, dass eine konsequente antipsycho
tische Medikation erfolge (vgl.
Urk.
10/76 S. 2).
Die durch
Dr.
F._
attestierte
Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer angepassten Tätigkeit
erfolgte
schliesslich
unter Berücksichtigung der Ressourcen des Beschwerdeführers
(vgl. hierzu ins
besondere
die Ausführungen in
Urk.
10/79 S. 2). Hierauf stellte letztlich auch RAD-Arzt med.
pract
.
G._
ab (vgl.
Urk.
10/87 S. 7 f.), welcher gestützt auf
Art.
59
Abs.
2
bis
IVG die massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Ver
sicherten festsetzt. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit wurde
von beiden Ärzten
erst nach Durchführung von Eingliederungsmassnahmen und gutem In
tegrationsverlauf als möglich erachtet, wobei
Dr.
F._
ebenfalls angab, dass die definitive Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit erst danach beur
teilt werden könne (vgl.
Urk.
10/69/1-11 S. 11
Ziff.
6;
Urk.
10/76 S. 3;
Urk.
10/79 S. 2;
Urk.
10/87 S. 8).
4.3
Zwar hat sich die Rechtsprechung zwischenzeitlich geändert und die Standard
indikatoren sind nun bei sämtlichen psychischen Leiden zu berücksichtigen (vorstehend E. 1.4).
Allerdings ist das Leistungsvermögen der versicherten Per
son unter Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren durch die sachver
ständige Person einzuschätzen und nicht einzig
auf der Stufe der Sachbearbei
tung
der Beschwerdegegnerin. Die Rechtsanwendung prüft
danach
lediglich
die betreffenden Angaben
des Sachverständigen
. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prüfung einer medizinischen und einer rechtli
chen Arbeitsfähigkeit
(BGE 141 V 281 E. 5.2.2-5.2.3).
Da im Zeitpunkt der Leistungsprüfung durch die Beschwerdegegnerin die nun
mehr geltende Praxis betreffend psychische Leiden noch nicht bestanden hat und sich das
Gutachten von
Dr.
F._
vor dem Hintergrund der geänderten Rechtsprechung als
zu wenig aussagekräftig erweist
,
um die Auswirkun
gen des
diagnostizierten Leiden
s
auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers anhand der Standardindikatoren festlegen zu können, fehlt
es vorliegend an
einer
ver
läs
slichen medizinischen Grundlage.
Eine gerichtliche Überprüfung der an
wendbaren Standardindikatoren ist demnach nicht möglich. Insoweit hat die Beschwerdegegnerin ergänzende Abklärungen vorzunehmen.
4
.4
Nach dem Gesagten
erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unvollständig
, weshalb
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den Leistungs
anspruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwer
de gutzuheissen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.
--
anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.