Decision ID: 90634d01-bbb1-4557-80f3-8de9bd3ac43c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1983, begann
je eine
Ausbildung zum Konstrukteur
und
Maler, welche er jedoch nicht abschloss. Im Jahr 2014 erlangte er das Han
delsdiplom VSH (Urk. 6/3, Urk. 6/126/36).
Ab
1. Mai 2016 war er bei der
Y._
als Softwaretester angestellt (Urk. 6/16/1).
Im September 2016 erlitt er einen
psychischen
Zusammenbruch
. Hernach
wurde
er
ab dem 9. September 2016
in unterschiedlichem Umfang,
ab
17. März 2018
anhaltend
zu 100 % krankgeschrieben
und bezog Krankentaggelder
(
Urk. 6/5/2,
Urk. 6/5/9,
Urk. 6
/102/10).
Mit Datum vom
29. Januar 2016
(richtig: 2017)
me
ldete er sich unter anderem unter Hinweis auf ein Burnout mit diversen Symptomen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/4).
Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte in der Folge medizinische sowie erwerbliche Abklärungen und zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 6/5, Urk. 6/24, Urk. 6/97, Urk. 6/109).
Per Ende Oktober 2017 wurde das Arbeitsverhältnis gekündigt (
Urk.
6/40/7).
In d
er Folge erteilte
die IV-Stelle
für den Zeitraum vom 4. September
2017
bis 31. März 2018 Kostengutsprachen
für eine
Potentialabklärung
sowie
Integrationsmassnahmen in der Form eines
Belast
barkeits
-
und
Aufbautrainings und erbrachte
Taggeldleistungen
(Urk. 6/26
f.
, Urk. 6/38
f.
, Urk.
6/57
f.
).
Das Aufbautraining wurde per
16
. Mä
rz 2018 abgebro
chen
, woraufhin die IV-Stelle dem Versicherten am 20. März 2018 mitteilte, es seien derzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich und es werde der Rentenanspruch geprüft (Urk. 6/75
)
.
Mit Vorbescheid vom 2
9.
August 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 6/103). Auf erhobenen Einwand des Versicherten hin (Urk. 6/105) veran
lasste
sie
eine
bidisziplinäre
Begutachtung
beim
Z._
(
Psychiatrie
/
Neuro
psychologie
,
Gutachten vom 8. Mai 2019, Urk. 6/126).
Zum Ergebnis der Begutachtung
nahm der Versicherte am 1. Juli 2019 Stellung (Urk. 6/131). Mit neuem Vorbescheid vom
9. August 2019 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten abermals die Abweisung seines Leistungsbegeh
rens
an
, woraufhin der Versicherte am 4. September 2019 wiederum Einwand erhob (Urk. 6/140, Urk. 6/143). Am 19. September 2019 verfügte die IV-Stelle schliesslich im angekündigten Sinne und verneinte einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 23 % (Urk. 6/147/ = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 23. Oktober 2019 Beschwerde und beantragte, es sei ihm ab September 2017 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventua
liter sei die Sache zur ergänzenden Abklärung und zum Neuentscheid an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 21. November 2019 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 22. November 2019 mitgeteilt (Urk. 7). Am 20. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer einen
weiteren
Bericht zu den Akten (Urk. 8 und 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete schliess
lich am 15. Juni 2020 auf eine Stellungnahme (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1
9.
September 2019 erwog die Beschwer
degegnerin, es sei dem Beschwerdeführer trotz seiner Einschränkung zumutbar, eine Tätigkeit ohne erhöhte Anforderung an die Konzentration sowie in einem wohlwollenden Umfeld in einem Pensum von 80 % auszuüben (Urk. 2 S. 1). Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 23 %, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe. Im Rahmen seines Einwandes habe der Beschwerdeführer keine neuen Diagnosen oder Beurteilun
gen angeführt, welche nicht bereits berücksichtigt worden seien
. Es handle sich um eine unterschiedliche Beurteilung desselben Sachverhalts
(Urk. 2 S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift vom 23. Oktober 2019 geltend, auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten von P
rof. Dr. med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, könne nicht
abgestellt werden, da sich
dieses
– aus näher dargelegten Gründen – als unklar und widersprüchlich erweise (Urk. 1 S. 8 f.). Die angeblich suboptimale
Behandlungscompliance
sei krankheitsbedingt und könne ihm daher nicht als Verletzung der Schadenminder
ungspflicht vorgeworfen werden
(Urk. 1 S. 9).
Aus den
verschiedenen ausführlichen und nachvollziehbaren Stellungnahmen des
B._
in Verbindung mit den ebenfalls ausführ
lichen Berichten der
C._
ergebe sich, dass eine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 40 % nicht möglich erscheine. Im Rahmen der beruflichen Massnahmen habe die Grenze des Zumutbaren bei einer Leistungsfähigkeit
von
maximal 30 % gelegen. Somit könne grundsätzlich auch ohne weitere Abklärungen von einem Invaliditätsgrad von über 70 % aus
gegangen und ihm eine ganze Invalidenrente zugesprochen werden. Sofern diese Berichte nicht als genügende Grundlage für die I
nvaliditätsbeurteilung ausrei
ch
en würden, sei eine Rückweisung zwecks ergänzender psychiatrischer Begut
achtung unabdingbar (Urk. 1 S. 10).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu Recht keine I
nvalidenrente zugesprochen hat.
3.
3.1
Dem Bericht der
D._
vom 12. April 2017 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich vom
31. Januar bis 30. März 2017 in stationärer Behandlung befand (Urk. 6/20/2). Die Behandler stellten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine undifferenzierte Soma
tisierungsstörung (ICD-10 F45.1), bestehend seit Anfang 2016
,
sowie eine Per
sönlichkeitsakzentuierung mit selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitszü
gen (ICD-10 Z73.1), bestehend seit dem Jugendalter (Urk. 6/20/1). Dazu ergänzten sie, der Beschwerdeführer habe seit zwei Jahren zunehmende Schlafprobleme und seit etwa Mai 2016 zusätzlich zunehmende Symptome wie Schwindel, Augen
brennen, Müdigkeit und Unruhe. Im September 2016 sei es am Arbeitsplatz zum Zusammenbruch mit anschliessend
em
notfallmäs
s
igem Eintritt ins Akutspital gekommen. Seither sei er in ambulanter psychotherapeutischer Betreuung. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit werde bei
einer
störungsspezifische
n
psycho
therapeuti
schen Behandlung längerfristig davon ausgegangen, dass eine 100%ige Arbeits
fähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt wiederhergestellt werden könne. Mittel
fristig sei eine weitere Stabilisierung mit nachfolgender Unterstützung bei der Arbeitsintegration notwendig. Es sei eine
schrittweise Wiedereingliederung mit reduziertem Arbeitspensum nach dem Austritt zu empfehlen (Urk. 6/20/2).
In der angestammten sowie in einer angepassten Tätigkeit sei im Anschluss an die stationäre Behandlung grundsätzlich eine Teilarbeitsfähigkeit von mindestens 50 % mit schrittweiser Steigerung bis zu 100 % denkbar (Urk. 6/20/3).
3.2
Vom 30. September bis 31. Dezember 2017 absolvierte der Beschwerdeführer ein
Belastbarkeitstraining in der
C._
(Urk. 6/68/1). Aus dem Schlussbericht vom 31. Dezember 2017 geht hervor, dass der Beschwerde
führer motiviert und interessiert mit dem Belastbarkeitstraining begonnen habe. Er sei als freundliche, sehr engagierte und offene Person kennengelernt worden. Ferner habe er einen starken Willen, sei zuverlässig und überzeuge mit sehr guter Qualität. Die sehr gute Qualität gehe
jedoch
zu Lasten des Arbeitstempos respek
tive der Quantität. Aufgrund seines Perfektionismus k
omme
er immer wieder an seine Grenzen und überschreite diese teilweise. Dies führe unter anderem zu gesundheitlichen Beschwerden (Schwindelanfälle, Kopfschmerzen, Konzentra
tionsschwierigkeiten, Tinnitus, Schlafstörungen) und er
komme
an seine Belas
tungsgrenze. An den Themen Perfektionismus und Belastbarkeit arbeite er konstant und habe sich verbessern können, es bestehe aber noch eine Steige
rungsfä
higkeit.
Es
habe
eine Präsenzzeit von vier Stunden täglich
an vier Tagen pro Woche aufgebaut we
rden können
(Urk. 6/68/4).
3.3
Vom 1. Januar bis 8. März 2018 befand sich der Beschwerdeführer in einem Auf
bautraining der
C._
in einer Velowerkstatt
. Dem Schlussbericht vom 14. März 2018 ist zu entnehmen, dass die Zielsetzungen betreffend die geforderte Arbeits- und Leistungsfähigkeit sowie den Umgang mit dem persönlichen Energie- und Ressourcenhaushalt nicht
hätten
erreicht werden können. Der Beschwerdeführer habe motiviert gearbeitet, sei interessiert gewesen und habe ein zuverlässiges und pünktliches Verhalten gezeigt. Seine Arbeitsweise sei äusserst engagiert gewesen und er habe bei den Arbeiten stets mit guter Qualität überzeugt. Er habe jedoch immer wieder seine Grenzen überschritten und persönliche Krisen erlitten. Im Verlauf sei es ihm immer schlechter gegangen und seine gesundheitlichen Beschwerden (Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Tinnitus und Sensibilitätsstörungen) hätten sich verstärkt.
Er
habe ein durchschnittliches Pensum von 40 % erreicht. Die Leistungsfähigkeit in den anwesenden Stunden habe geschwankt und sei abhängig von seinem Befinden gewesen. Sie habe
sich
zwischen 20 und 45 % bewegt. Aufgrund der nicht erreichten Ziele und des gesundheitlichen Zustandes des Beschwerdeführers
werde der Fokus auf seine Gesundheit mit weiteren medizinischen Massnahmen gelegt.
Das Aufbautraining
werde
daher
vorzeitig abgebrochen (Urk. 6/71/6).
3.
4
Ab 2
7.
März 2017 befand sich der Beschwerdeführer in der psychiatrischen Therapie
im
B._
. Die
Fachärztin
Dr.
med.
E._
, Oberärztin
,
nannte i
m
Bericht vom 9. Mai 2018
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit den Verdacht auf eine kombinierte Persön
lich
keitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und zwanghaften Anteilen (ICD-10 F61.0
)
, eine Anpassungsstörung bei Überforderung im beruflichen Umfeld (ICD-10 F43.22), eine dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung (ICD-10 F44.6) sowie Ereignisse in der Kindheit, die den Verlust des Selbstwertgefühls zur Folge gehabt hätten (ICD-10 Z61.3, Urk. 6/82/5).
Der Beschwerdeführer sei aktuell zweimal wöchentlich in Behandlung (Urk. 6/82/3).
Die momentane Situation löse
bei ihm
Gefühle von Überforderung und Angst sowie Insuffizien
z
- und Versagensgefühle aus. Aufgrund von Defiziten in der Emotionswahrnehmung und –
regulierung
würden sich diese Gefühle meist über Schlafstörungen und somati
sche Symptome zeigen. Es bestünden Defizite, vor allem in der Selbstwahr
neh
mung und –
regulierung
(Urk. 6/82/4).
Der Beschwerdeführer sei sehr thera
piemo
tiviert und er wolle seine Leistungsfähigkeit vollständig zurückerlangen. Er ver
füge zudem über einige Ressourcen. Aufgrund der Vorgeschichte und de
s
aktuel
len Krankheitsbild
es
sei jedoch mittelfristig von einer reservierten Prognose auszugehen. Es brauche zunächst eine weitere Stabilisierung und
Rückfall
s
pro
phylaxe
in einem stressarmen Umfeld. Aufgrund seines hohen Leistungsan
spruchs zusammen mit
der
ungenügende
n
Wahrnehmung der eigenen Leistungs
grenzen sei bei einem erneuten Arbeitsversuch sehr dosiert vorzugehen. Der Beschwerdeführer benötige einen stark reduzierten Arbeitsrhythmus mit vielen Pausen und einer wohlwollenden sowie stress- und reizarmen
Atmosphäre
(Urk. 6/82/5). Er sei aktuell zu 100 % arbeitsunfähig. Die ursprüngliche Tätigkeit als Softwaretester erfordere eine hohe Konzentration über eine längere Zeit, was momentan nicht möglich sei. Aktuell bestünden Funktionseinschränkungen in den Bereichen der Konzentrationsfähigkeit, der Belastbarkeit (körperlich und psy
chisch), der Anpassungs- sowie Leistungsfähigkeit und eine stark erhöhte Ermüd
barkeit sowie Erholungsbedürftigkeit. Die psychischen Einschränkungen beträfen Insuffizienz-, Angst- und Ohnmachtsgefühle. Des Weiteren liege eine Störung der Vitalgefühle vor und es bestünden eine innere Unruhe, hohe Leis
tungsansprüche, eine reduzierte Stresstoleranz, die Neigung zur Selbstverausga
bung (einge
schränkte Abgrenzungsfähigkeit und Fehlertoleranz), eine einge
schränkte Emotionsregulation sowie eine ausgeprägte Selbstwertproblematik (Urk.
6/82/6). Auf
die Frage nach
eine
r
leidensangepasste
n
Tätigkeit führte die
Ärztin
aus, aktuell bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, die Frage könne
jedoch
erst nach Erlangen einer Arbeitsfähigkeit beantwortet werden (Urk. 6/82/8).
3.
5
Am 28. September 2018 ers
tattete Dr. med. F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie,
im Nachgang zu seiner Akten
beurteilung vom 6. Juni 2018
zu
Ha
nden
der Krankentaggeldversicherung
(Urk. 6/97/239-268)
ein
psychiatrisches Gutachten.
Darin führte er aus,
e
s sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer kombinierten Persönlichkeitsstö
rung mit selbstunsicheren, emotional instabilen, zwanghaften und perfektionis
tischen Persönlichkeitszügen (ICD-10 F61.0) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen
(Urk. 6/109/
39
f.). Aufgrund der Untersuchung,
der
ihm
vorliegenden Akten
und
de
n
Angaben des Beschwerdeführers sei diese als leicht ausgeprägt zu werten (Urk. 6/109/41)
. Ohne leistungseinschränkende Wirkung sei
en
die ausgeprägte undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1) sowie der Status nach Anpassungsstörung bei Überforderung im berufli
chen Umfeld, Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22)
und eine gemäss
den
Angaben des Beschwerdeführers mindestens seit dem 23. Lebensjahr bestehende, anhaltende affektive Störung im Sinne einer
Dysthymi
e
(ICD-10 F34.1)
. Des Weiteren lägen psychische
Störungen
und Verhaltensstörungen durch
schädlichen Gebrauch von Kokain bei
gegenwärtig
er
Abstinenz
(ICD-10 F14.1) und mit Verweis auf seine Biografie Ereignisse, die den Verlust des Selbstwertge
fühls in der Kindheit zur Folge gehabt hätten (ICD-10 Z61), vor (Urk. 6/10
6/40
).
Die Persönlichkeitsstörung sei im vorliegenden Fall sicherlich nicht gleichzuset
zen mit einer mittelschweren oder gar schweren psychiatrischen Störung, welche die Handlungs- und Willensfreiheit und/oder den Realitätsbezug (fast) vollständig verunmögliche. Der Beschwerdeführer erfülle die Kriterien der Persönlichkeits
störung vor allem durch seine gestörte berufliche Reintegration aufgrund
seiner
interaktionelle
n
Konflikte
. Diese hätten am
letzten Arbeitsplatz insbesondere auf
grund der reduzierten Ressourcen im Hinblick auf die Konfliktbewältigung zur Entwicklung einer Anpassungsstörung, Angst und depressiven Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22) und gleichzeitig zur Entwicklung von multiplen somatischen Unzulänglichkeiten im Sinne einer undifferenzierten Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1) geführt. Sicherlich sei die kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
verantwortlich für den protrahierten Verlauf der Erkrankung, dies begründe allerdings aus versicherungsmedizinischer Sicht keine
100%ige Arbeitsunfähig
keit für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt (Urk. 6/109/41).
We
itere Auffälligkeiten seien beim Beschwerdeführer nicht erkennbar. Er sei sozial integriert (regelmässige berufliche Tätigkeit, keine juristischen Konflikte, keine schweren psychopathologischen Störungen mit Behandlung, aktuell keine Suchterkrankung, langjährige Beziehung
)
. Gesamthaft könne somit maximal eine leichte Ausprägung der Störung angenommen werden (Urk. 6/109/41 f.).
Die
vor
liegenden Befunde
ergäben
insgesamt
bei kritischer Würdigung ein in sich unschlüssiges, inkonsistentes Bild (Aktenlage, Eigenanamnese, Beobachtung, Untersuchungsbefunde, Beschwerdevalidierungstests, Selbstein
schätzungsskalen, Medikamenten-
Monitoring
, Urk. 6/109/45
).
In der zuletzt ausgeübten
Erwerbstä
tigkeit als Softwaret
ester bei der
Y._
sei der Beschwerde
führer
seit der krankheitsbeding
ten Aufgabe der Tätigkeit am 9. August 2016
zu 100
%
arbeitsunfähig. In
dieser
Tätigkeit
sei
insbesondere aufgrund des hohen IQ des
Beschwerdeführers
und entspr
echende
r
berufliche
r
Ressourcen bei einem
konfliktarmen
Arbeitgeber mit reduziertem Kundenkontakt und der Möglichkeit, sich zurückzuziehen, spätestens ab dem Zeitpunkt der Untersuchung von einer allenfalls 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, die im weiteren Verlauf alle 4-6 Wochen um 20
%
gesteigert werden
könne
. Spätestens ab dem
1. Januar
2019
sei
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit bei einem konfliktarmen Arbeitge
ber auszugehen. Die noch vorübergehende Attestierung einer 50%igen Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
werde
mit der längeren Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und entsprechender
Dekonditionierung
begründet.
In einer Ver
weistätigkeit sei
der Beschwerdeführer
spätestens ab Januar 2019 zu 100 % arbeitsfähig.
Das Belastungsprofil umfasse einen
konfliktarme
n
Arbeitgeber, die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, klar strukturierte Aufgaben,
einen reduzierten
Zeitdruck
und keine
Leitungsfunktionen
.
Das ermittelte Belastbarkeitsprofil
gelte
seit der aktuellen Abklärung. Plausible fachärztliche Berichte, die retrospektiv eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers
zulassen würden,
lägen
nicht vor.
Zudem seien
eine Aggravation und Selbstlimitierung festgestellt
worden
(Urk. 6/109/47)
.
3.
6
Am 4. Dezember 2018 erstattete das
B._
zum obigen Gutachten von Dr.
F._
eine Stellungnahme
zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers. Darin erklärten
die Behandler
, das
B._
gehe ebenfalls von einer kombinierten Persön
l
i
chkeitsstörung mit stark ausgeprägten ängstlich
-
vermeidenden sowie zw
ang
haften Anteilen, aus (ICD-10
F61.0). Zusätzlich
hätten sie aktuell
ein
e rezi
divie
rende
depressive Störung, geg
enwärtig
mittelgradige Episode (IC
D
-10 F33.1,
nach BDI-2), eine
generalisierte
Angststörung (
ICD-10
F41.1) sowie eine komplexe
posttraumatische
Belastungsstörung (
PTBS,
nach ICD-11)
diagnostiziert. Die letztgenannte
Diagnose beschreib
e
die Folgen der Entwicklungstraumatisierun
gen, an welchen
der Beschwerdeführer
leide. Dies seien
unter anderem Störungen i
n der Affektregulation und Selbstwahrnehmung, anhaltende Gefühle von Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Scham und Schuld, somatoforme Beschwerden, Schwie
rigkeiten in sozialen Beziehungen sowie dissoziative Zustände (nach IK-PTBS). Im Gutachten
werde
dies unter der Diagnose ICD-10 Z61 (Ereignisse
in der Kind
heit, die den Vertust des Selbstwertgefühls zur Folge haben
) abgebildet.
Der Diagnose einer ausgeprägten undifferenzierten Somatisierungsstörung
(ICD-10
F4
5
.1) könn
t
en
sie sich
ebenfalls
anschliessen (Urk. 6/115/1)
.
Das
B._
gehe davon
aus, dass sich alle
zuvor genannten
Diagnosen nachteilig auf die
Arbeitsfähigkeit
auswirken
würden
. Nicht nur die Persönlichkeitsstörung, sondern auch die gene
ralisierten Ängste, die depressiven Symptom
e, die somatoformen Beschwerden
sowie die komplexe
PTBS
hätten
jeweils Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Die Komplexität erzeug
e
einen erhöhten Le
i
densdruck, der sich zusammen mit den ausgeprägten kognitiven Einschränkungen nachteilig auf die Belastungs- sowie Leistungsfähigkeit auswirk
e (Urk. 6/115/1 f.).
Dr.
F._
argumentier
e
bei seiner Einschätzung des Ausprägungsgrades der Persönlichkeitsstörung, dass
der Beschwerdeführer
sozial gut integriert sei
.
Auf den ersten Blick
vermöge
dies so zu
er
scheinen. Die Strategien, welche diese soziale Integration
i
n der Vergangen
heit
ermöglicht hätten, hätten jedoch
auch zum Zusammenbruch
geführt
(extreme Überanpassung, Perfektionismus, fehlende Abgrenzung). Seither fehl
e
die Energie zur Überkompensation und
der Beschwerdeführer habe
sich sozial noch stärker zurückgezogen. In sozialen Interaktionen fühl
e
er sich seit jeher sehr unsicher und unter grossem Druck. Dies
werde
auch i
m Kontakt mit ihm deutlich
.
Der
Blickkontakt
falle
i
hm beispielsweise schwer und
werde
als unangenehm erlebt. Selbst gegenüber seinen zwei einzigen engen Bezugspersonen (Freundin und Bruder)
könne
er sich emotional nicht öffnen. In Kombination mit der mittelgra
digen depressiven Störung, der ausgeprägten undifferenzierten Somatisierungs
störung, der generalisierten Angststörung sowie der komplexen
PTBS
seien
ein stark ausgeprägtes persönliches Leiden, eine stark eingeschränkte soziale Funkti
onsfähigkeit (nicht nur b
eruflich, sondern auch privat)
sowie eine erheblich eingeschränkte Flexibilität
betreffend die
Wahrnehmungs-, Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster
vorhanden
. Aufgrund der Komplexität des Krankheitsbildes
sei
folglich von einer stärkeren Ausprägung
auszugehen
.
Der
Beschwerdeführer werde aktuell durch das
B._
i
n seiner zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsunfähig ein
geschätzt
. In einer angepassten Tätigkeit
sei er
zu
höchs
tens 20-30
%
arbeitsfähig. Dabei
werde
auf die beiden Arbeits
ver
suche, die
der Beschwerdeführer bisher unterno
mmen
habe, abgestützt
.
Beim ersten Arbeitsver
such im Januar 2017 in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit
hätten
sich bereits bei
einem Pensum von
10
% erhebliche Schwierigkeiten
gezeigt
. Beim zweiten Arbeitsversuch im Rahmen des
Aufbautrainings
hätten
sich ab einem Pensum von 30
% erhebliche Schwierigkeiten
bemerkbar gemacht. Dem Beschwerdefüh
rer sei es zwar
über einige Monate hinweg mit Mühe und Not
gelungen,
ein Pen
sum von 40
% aufrechtzuerhalten. Diese Anstrengung
habe jedoch
zu einer erheblichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes
geführt,
aufgrund des
sen die Massnahme
habe
abgebrochen werden
müssen
. Zudem
habe
seine tat
sächliche Leistungsfähigkeit während dieser Zeit nur zwischen 20 und 4
5
%
gelegen
.
Dem Beschwerdeführer sei es zwar mit Hilfe
seiner dysfunktionalen
Cop
i
ngstrategien
(Überkompensation, Zusammenreissen)
gelungen,
sich in einer angepassten Tätigkeit kurzzeitig anzupassen. Aufgrund der grossen Anstrengung
habe
er dies jedoch nicht
über
einen längeren Zeitraum hinweg aufrechterhalten
können
und es
sei
zu einer erheblichen
Verschlechterung des Zustandes gekom
men
.
Es sei davon auszugehen
, dass sich dieses Muster
bei einem erneuten Arbeits
versuch wiederholen
werde (Urk. 6/115/2).
Die funktionelle Leistungsfä
higkeit
werde a
ktuell als schwer eingeschränkt ein
geschätzt
.
Es sei
eine ange
passte Tätigkeit
zu empfehlen, welche
Aufgaben beinhalte,
die
an die
Fähigkeiten
des Beschwerdeführers
angepasst
seien.
A
ufgrund der überdurchschnittlichen Intelligenz
sollten diese
auch nicht zu unte
rfordernd und eintönig
sein. Zudem seien eine
selbst
ändige Arbeitsweise sowie ein reduzierte
r
Arbe
i
tsrhythmus
not
wendig, dies
in einem stabilen (regelmäs
sige Arbei
t
s- und Pause
nzeiten), wohl
wollenden und wertschätzenden
Umfeld sowie in einer stress-und reiz
armen Umgebung mit Rückzugsmögli
chkeiten. Den Empfehlungen von
Dr.
F._
nach einem
konfliktarmen
Arbeitgeber sowie klar strukturierten Aufgaben mit redu
ziertem Zeitdruck
sei ebenfalls zu folgen
(Urk. 6/115/2
f.
)
.
Aktuell
sei der Beschwerdeführer
zu 100
% arbeitsunfähig. Aufgrund des komplexen
Störungs
bildes
, der reduzierten Ressourcen sowie der langen Abwesenheit vom Arbeits
markt
sei
eine
Arbeitsfähigkeit
von 50
% mit
einer
Steigerung von 20
% alle 4-
6
Wochen, wie sie
Dr.
F._
empfehle
, nicht zumutbar und
werde
unweigerlich zu einer erneuten
Überlastungssituation
führen.
Der Beschwerdeführer sei
zwar motiviert
,
seine Leistungsfähigkeit
zurückzuerlangen
, aufgrund seiner psychi
schen und körperlichen Verfassung
sei
er jedoch
dazu
momentan
nicht in der Lage.
Das im Gutachten als Aggravation, Symptomausweitung und fehlende Motivation eingeschätzte Verhalten
sei
im Rahmen des komplexen Krankheits
bildes
zu sehen. Dies beinhalte
depressive und somatoforme Symptome sowie perfektionistische und zwanghafte Persönlichkeitsanteile, kognitive Einschrän
kungen,
eine
eingeschränkte
Stressregulationsfähigkeit,
Überforderung,
einen
erhöhte
n
Lei
densdruck,
Ermüdbarkeit,
eine
reduzierte Belastbarke
i
t sowie erhöhte
Kompensationsbedürfnisse
bei überdurchschnittlicher Intelligenz
(Urk. 6/115/5)
.
3.
7
3.
7
.1
In der Folge gab die Beschwerdegegnerin bei
Prof.
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
sowie Dr. phil.
G._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP,
ein psychiatrisch-neuropsychologisches Gutachten in Auftrag, welches am
8. Mai 2019
erstattet wurde
.
Dr.
G._
führte darin in neuro
psychologischer Hinsicht aus,
i
m Rahmen der Untersuchung habe sich der Beschwerdeführer ve
rschlossen, leicht
dysphorisch
und
bei flachem und nieder
gestimmtem Affekt
gezeigt
. Er habe diverse Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Kribbeln am Kopf und brennende Augen zum Ausdruck gebracht. In der Test
situation habe
er
dennoch konstant und ausreichend belastbar gewirkt. Das kursorisch überprüfte Intelligenzniveau habe bei einem IQ-Wert von 114 im Durchschnittsbereich gelegen. Die Leistungsbereitschaft des Exploranden sei aus
reichend gegeben gewesen, was sich auch in einer durchwegs unauffälligen Symptomvalidierung, also bei ausbleibenden Hinweisen auf Aggravation oder Verdeutlichung, wiedergespiegelt habe,
so
dass die Befunde als valide betrachtet werden könnten. Die Untersuchung der kognitiv-intellektuellen Funktionen habe mehrheitlich durchschnittliche Resultate zutage gefördert. Sämtliche Exekutiv-Funktionen, mnestische Funktionen,
visuo
-räumliche Fähigkeiten wie auch die Konzentrationsfähigkeit seien durchschnittlich. Nur im Bereich der
attentionalen
Funktionen sei es zu isolierten, leichten Einschränkungen im Bereich der Ver
arbeitungsgeschwindigkeit sowie im Bereich der geteilten Aufmerksamkeitsleis
tung gekommen
. Die erwähnten kognitiven Lei
stungseinbussen
entsprächen
einer minimalen neuropsychologischen Störung. Die Person
könne
sich
dabei
subjektiv gestört fühlen. Ihre Funktionsfähigkeit
sei
aber im privaten Alltag nicht einge
schränkt. Berufliche Leistungen w
ü
rden praktisch unvermindert vollbracht. Die Person
würde
auch - was die kognitiven Fähigkeiten anbelang
e
- in ihrem sozialen Umfeld nicht auffallen. Bei Aufgaben und Tätigkeiten mit sehr hohen Anforderungen an die Kognition
sei
die Funktionsfähigkeit maximal leicht ein
geschränkt (
die
maximale Arbeitsunfähigkeit aus rein neuropsychologischer Sicht
betrage
10
%)
.
Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bezieh
e
sich rein auf die kognitiven Leistungen, eine gesamte prozentuale Einschätzung der Arbeitsfähig
keit sowie die Beantwortung
allfälliger
Fragen erfolg
e
im psychiatrischen Gut
achten. Im Vergleich zur neuropsychologischen
Voruntersuchung vom August 2017 im
H._
hätten
sich die Leistungen verbessert. Das vorbeschriebene, auffal
lend reduzierte Arbeitstempo
sei
zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr auszu
machen. Auch im Bereich der mnestischen Funktionen
hätten
sich vormalig unterdurchschnittliche Leistungen
gezeigt
, zum aktuellen Zeitpunkt
seien eben solche Leis
tungseinbussen nicht mehr zu verzeichnen. Die in der Voruntersu
chung
vom September 2018 be
schriebene Aggravation seitens des
Beschwerde
führers habe
aktuell nicht bestätigt werden
können
. Sämtliche Symptomvalidie
ru
ngsverfahren, welche breit gefächert in die Untersuchung
eingeflossen seien
,
hätten unauf
fällige Resultate aus
gewiesen
.
3.
7
.2
Prof.
A._
führte
aus, beim Beschwerdeführer
habe
in
der aktuellen
psychiatri
schen
Untersuchung
ein deutlich ausgeprägtes depressives Syndrom mit
einem
Gefühl der Gefühllosigkeit,
einer Störung
der Vitalgefühle,
deprimiertem
Affekt, Hoffnungslosigkeit, innerer Unruhe, Insuffizienz- und Schuldgefühlen sowie auch objektivierbarer Affektarmut und Affektstarre
vor
gelegen
. Betreffend die
antriebs- und psychomotorische
n
Störungen
lägen
Antriebsarmut und -
hemmung vor. Zudem
werde
auch
eine
Angstsymptomatik, allerdings nicht mit anfallsartigen katastrophalen Ausprägungen, wie bei einer Panikstörung, geschil
dert. In der neuropsychologischen Untersuchung
hätten
nur leichte kognitive Leistungseinbussen objektiviert werden
können
. Auffällig
sei
zudem die stark dramatisierte Schilderung der Symptomatik und die fehlende positive Einstellung zur Therapie.
Der Beschwerdeführer vermittle
eine Perspektivlosigkeit mit
einer «
Alles-Egal-Einstell
ung»
(Urk. 6/126/22)
.
In diagnostischer Hinsicht führte der Gutachter aus,
d
ie Aktenlage
sei
bezüglich der gestellten Diagnosen extrem heterogen, ebenso die daraus jeweils abgeleiteten Leistungseinschränkungen. Insgesamt
würden
achtzehn verschiedene psychiatri
sche Diagnosen erwähnt mit meistens sehr unvollständiger oder völlig fehlender Begründung. Diese
würden dann
auch jeweils von einem Bericht zum nächsten völlig geändert.
Insgesamt lägen die vermuteten Diagnosen in den vier grossen Themenbereichen der depressiven Störungen, der neurotischen belastungs- und somatoformen Störungen
sowie
der Persönlichkeitsakzentuierung beziehungs
weise Persönlichkeitsstörungen. (Urk. 6/126/22 f.). Relativ unumstritten erscheine aufgrund der Aktenlage als auch nach dem Bericht des Beschwerdeführers, dass eine deutliche
Schlafstörung vorliege, welche auch
polysomnographisch
als gesicherte Insomnie bezeichnet werden könne.
Ebenfalls
polysomnographisch
objektiviert
sei
das mittelschwere obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, bestehend in den Jahren 2016 bis 2017, das sich aber unter deutlicher Gewichtsreduktion Ende 2017 nicht mehr
habe
nachweisen
lassen
. Zudem erschein
e
aus den zur Verfügung stehenden Informationen gesichert, dass
der Beschwerdeführer
über Jahre einen Cannabis- und
Kokainabusus
betrieben
habe
, der
zufolge den
MRI-Untersuchungen ebenfalls mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Ursache der vorliegenden
Mikroangiopathien
sei
.
Des Weiteren
erschein
e
nach den glaubhaf
ten Angaben
des Beschwerdeführers
sowie den durchgeführten Drogen-Screenings sehr wahrscheinlich, dass der Drogenkonsum seit Jahren sistiert
worden sei
und auch die
Mikroangiopathien
nicht zugenommen
hätten. Die ent
spre
chenden Diagnosen
(Schlafapnoe, die Suchtdiagnosen und die
Mikroangio
pathien
)
würden
also für die aktuelle Beurteilung keine Rolle mehr spielen
(Urk. 6/126/23).
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
liege
beim Beschwerde
führer
im Sinne seines depressiven Syndroms eine Anpassungsstörung
(
Angst und depressive Reaktion gemischt
)
vor.
Die
bei einer Anpassungsstörung vorlie
gende
reaktive Grundlage der depressiv ängstlichen Symptomatik
liege wahr
scheinlich
auch
beim Beschwerdeführer
vor
. Beginnend mit einer Überf
o
rde
rungssituation am Arbeitsplatz und der Infragestellung des weiteren Lebenswegs
seien
relativ gesichert die Symptome in einem genau bestimmten Zeitintervall im Zusammenhang mit dieser psychophysischen Überforderung auf
getreten (Urk. 6/126/23)
.
Die gesamte ängstlich depressive Symptomatik erschein
e
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit am besten durch das Konzept der Anpas
sungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt, zu fassen zu sein. Eine eigentliche Angststörung im Ausmass einer generalisierten Angststörung
,
oder auch einer Panikstörung
,
lieg
e
eher nicht vor. Insbesondere
liessen
sich aus dem Berich
t des Beschwerdeführers
keine anfallsartigen, kurzdaue
rn
den Angstanfälle mit katastrophalem Ausmass wie bei einer Panikstörung eruieren. Tatsächlich lieg
e
bei ihm
eine eher problematische Entwicklung in der Kindheit vor,
mit
wohl auch psychisch gestörten Eltern und verschiedenen Orts- und Schulwechseln. Allerdings
liessen
sich keine Einzelereignisse identifizieren,
welche
die Diagnose einer
PTBS
erfüllen würden. Auch von den diagnostizierenden
Behandlerinnen
würden
keine ausreichenden Kriter
ien dafür genannt, der Begriff «
E
ntwicklungs
traumatisierung»
finde sich jedenfalls nicht als diagnostisches Kriterium
im
ICD-1
0.
Über das depressiv ängstliche Störungsbild hinaus
sei
beim Beschwerdeführer
die bunte, körperbezogene Symptomatik auffällig, für die bei vielfältigen soma
tischen Abklärungen kein organisches Korrelat
habe
gefunden
werden
können
. Hierfür
treffe
am besten die Diagnose einer Somatisierungsstörung nach ICD-10
zu
.
Die diagnostischen Kriterien seien alle erfüllt.
In der Aktenlage
werde
zudem
immer wieder diskutiert, ob beim Beschwerdeführer Persönlichkeits
akzentuierun
gen oder sogar Persönlichkeitsstörungen
vorlägen
.
Verschiedene Beurteiler wür
den
auf die perfektionistische Ader
des Beschwerdeführers hinweisen.
Hierdurch
werde er
deutlich in seiner
Leistungsfähigkeit
blockiert. Immer wieder
werde
beschrieben, dass die Qualität der abgelieferten Arbeit sehr gut sei, er aber durch diesen perfektionistischen Zug in der Quantität der geleisteten Arbeit deutlich eingeschränkt sei. Auch
seien
selbstunsichere und emotional instabile Züge seiner Persönlichkeit erwähnt worden
(Urk. 6/126/24).
Mit Bezug auf
die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung
erklärte
der Gutachter, beim Beschwerdeführer
seien
in der
neuropsychologischen U
ntersuchung eher leichte, aber feststellbare kognitive Störungen diagnostiziert worden. Zudem komm
e
es zu einer deutlichen Auffäl
ligkeit der Affektivität sowie Auffälligkeiten in der Art des Umgangs mit anderen Menschen und der Handhabung zwischenmenschlicher Beziehungen. Die Abwei
chung,
vor allem
bezüglich der perfektionistischen Persönlichkeitszüge sowie der Selbstunsicherheit, aber auch der gelegentlichen impulsiven Anteile
,
seien
so aus
geprägt, dass das daraus resultierende Verhalten in vielen Situationen auffällig
sei
. Insbesondere
würden auch
die Arbeitserprobungen immer wieder darauf
hin
weisen
, dass gerade dieser Störungsbereich
den Beschwerdeführer
davon
abhalte
, eine ausreichende Quantität der Arbeit abzuliefern. Der persönliche Leidensdruck
sei
gross. Auch in der Kindheit und Jugend
habe
es
gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers bereits
Anhaltspunkte dafür
gegeben
, dass sein Verhalten
von jenem der anderen Schüler abgewichen sei
. So
habe
er darüber
berichtet
, immer wieder gehänselt worden und insgesamt ein Aussenseiter gewesen zu sein. Auch die Ausschlusskriterien
erschienen
erfüllt, da die gestellten Diagnosen der Anpassungsstörung und der Somatisierungsstörung nicht das gesamte Störungs
bild der Persönlichkeit
zu
erklären
vermöchten
. Vielmehr
sei davon auszugeben, dass
die auffällige Persönlichkeit
des Beschwerdeführers
als Vulnerabilitätsfaktor für den Umgang mit den aufgetretenen Belastungen, die zur
Anpassungsstörung
geführt
hätten, zu werten sei
. Zusammenfassend seien die Diagnosen der Anpas
sungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22), der Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) sowie der kombinierten spezifischen Per
sönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, perfektionistischen und impulsiven Zügen (ICD-10 F61.0) zu stellen (Urk. 6/126/25).
Die geklagten Symptome und/oder Funktionseinbussen
würden vom Beschwer
deführer
deutlich dramatisiert, allerdings besteh
e
kein Anhalt
für
bewusste Aggravation oder Simulation. Auch in der neuropsychologischen Untersuchung
h
abe
sich eine unauffällige Symptomvalidierung
gezeigt.
Viel eher
müsse
die geklagte Symptomatik im Sinne des primären Krankheitsgewinns und der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung gesehen werden
(Urk. 6/126/27 f.).
3.7.3
Betreffend die Arbeitsfähigkeit statuierte der Gutachter, der Beschwerdeführer könne
in der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als Softwaret
ester im IT-Bereich wohl nur zu etwa 70
% anwesend sein. Aus dem Arbeitstraining der
C._
geh
e
hervor, dass auch bei
einem eingeschränkten Arbeitsv
olumen immer wieder
Ruhezeiten nötig gewesen seien
. Insbesondere
trete
eine Erschöpfung auf, wenn längerdaue
rn
de
Leistungen mit Konzentration,
wie im angestammten Beruf
,
erforderlich
seien (Urk. 6/126/28)
.
Allerdings hätten in
der neuropsycho
logischen Untersuchung keine unterdurchschnittlichen
Konzentrationsleistungen
objektiviert werden
können
, sodass die Einschränkungen wohl eher auf
die Per
sönlichkeitsanteile in Kombination
mit der Anpassungsstörung zurückzuführen
seien (Urk. 6/126/28 f.).
Während der Anwesenheitszeit von 70
%
sei
nur mit einer eher geringen Einschränkung der Leistung zu rechnen
.
Immer
wieder
werde
darauf hingewiesen, dass die Qualität der abgegebenen Leistung durchaus sehr gut
gewesen sei
, die Quantität aber durch den vorhandenen Perfektionismus deut
lich eingeschränkt sei und
der Beschwerdeführer
dann in eine rasche
Überforde
rungssituation
gerate. Da Qualität und Quantität Aspekte der Leistung
seien, müsse
hier von einer relevanten
,
wenn auch gering ausgeprägten Einschränkung der Leistungsfähigkeit von etwa 20
% ausgegangen werden.
Insgesamt
werde
die Arbeitsfähigkeit in der bis
herigen Tätigkeit als Softwaret
ester, bezogen auf ein 100
%-Pensum, auf 60
% eingeschätzt (Anwesenheitsanteil 70
% x Leistungsfä
higkeit
80
%
).
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit liege
seit Auftreten der
beruflichen
Überf
o
rderung im Jahr 2016 mit den darauffolgenden
Symptomen des Burn
out-Syndroms und der
Somatisierungsstö
rung
vor. Es
sei
nach den Berichten
des Beschwerdeführers
und der bestehenden Aktenlage davon auszuge
h
en, dass diese Einschränkung seit 2016 im Wesentli
chen unverändert vorlieg
e.
Betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit vertrat der Gutachter die Auffassung, ein
e
solche
dürfe nur wenige Anforderungen an dauerhafte
konzentrative
Leistungen stellen. Allerdings
seien in der aktuellen neuropsycho
logischen Untersuchung nur leichte kognitive Störungen und eine
durchschnittliche Konzentrationsfähigkeit objektiviert worden, sodass die wesentliche Einschränkung der Leistung wohl auf die Persönlichkeitseigenschaf
ten
des Beschwerdeführers
zurückzuführen
sei. D
eswegen
sei
in einer angepassten Tätigkeit
optimalerweise
auch auf ein eher familiäres,
wohlwollendes Umfeld zu achten.
In einer solchen optimal angepassten Tätigkeit sei von
einer maximalen Präsenz von 80-
100
% auszuge
hen
(Urk. 6/126/29).
Die Arbeitsfähigkeit in einer solchen optimal angepassten Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt
sei
bezogen auf
ein
100
%-Pensum durchaus auf
zirka
80
% festzusetzen. Allerdings erschein
e
die
Prognose
bezüglich der Erreichung einer solchen Arbeitsfähigkeit aufgrund der tiefgreifenden Persönlichkeitsstörung
und
de
s
dysf
u
nktionalen Krankheitskon
zept
s
des Beschwerdeführers,
inklusive Ablehnung der leitlinienorientiert vorhan
denen Veränderungsmöglichkeiten der Behandlung
,
gering.
Der zeitliche Verlauf der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
beginne
im Jahr
201
6.
Eine wesentliche Veränderung der Arbeitsfähigkeit
habe seither wohl nicht
stattgefunden
(Urk. 6/126/29 f.)
.
3.
8
In ihrer Stellungnahme vom 4. Juli 2019 zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers wiesen die Behandler des
B._
darauf hin, dass auch sie von einer
kombinierten
Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F61.0) sowie eine
r Somatisie
rungsstörung (ICD-10
F45.1) aus
gingen.
In Bezug auf die Angst- sowie depressive Symptomatik
würden sie
jedoch eine
chronifizierte
Ausprägung
sehen
. Zu Beginn der Therapie
hätten sie
ebenfalls eine Anpassungsstörung (Angst und depressive Reaktion gemischt, ICD-10 F43.22)
diagnostiziert
. Im Verlaufe der Therapie hät
ten sie diese Diagnose jedoch auf
eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) und
eine
general
i
sierte
Angststörung (ICD-10
F41.1)
geändert.
Entsprechend
Prof.
A._
sei
aufgrund der kombinierten Persönlichkeitsstörung von einer erhöhten Vulnerabilität aus
zugehen
und die depressive
Symptomatik
und
die
Angstsymptomatik
seien
als Komorbiditäten
an
zusehen
.
Da ferner davon auszugehen sei,
dass sich die kombinierte Persönlich
keitsstörung aufgrund
der
traumatischen Erfahrungen entwickelt
habe, sei
zusätzlich die Diagnose einer
komplexen PTBS zu stellen.
Diese Diagnose beschreib
e
die Folgen von
anhaltenden Traumatisierungen. Beim Beschwerdefüh
rer seien dies vor allem
Vernachlässigung und kö
rperliche Gewalterfahrungen wäh
rend
der
Kindheit und Jugend
gewesen
. Diese Diagnose
werde
mit dem IC
D-11 besser abgebildet, weshalb sich die Behandler des
D._
darauf beziehen wür
den
.
Sie
könne
im ICD-10 jedoch als sonstige
Reaktion auf schwere Belastung
en
im Sinne
einer komplexen
Traumafolgestörung
, Bindungstraumatisierung (
ICD-10
F43.8) kodiert werden
(Urk. 6/133/2)
.
Betreffend die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit verwiesen die Behandler auf ihre Stellungnahme zum Gutachten von Dr.
F._
zuhanden der Krankentaggeldver
sicherung. Zudem ergänzten sie, a
ufgrund des komplexen Krankheitsbildes und der erheblichen Einschränkungen in der funktionellen Leistungsfähigkeit und Alltagsbewältigung
sei
weiterhin von
einer
Arbeitsfähigkeit
von
höchstens 30
% in einer angepassten Tätigkeit aus
zugehen
.
Dabei sei auf das
Arbeitstraining
abzustützen
,
anlässlich dessen
es bereits ab einem Pensum von 30
% zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes und nach der Erhöhung auf 40
% zu einem Abbruch der Massnahmen gekommen
sei
. Weiter
s
ei darauf hinzuweisen
, dass auch
Prof.
A._
in seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von einer schlechten Prognose ausgeh
e, indem er darauf hinweise, dass die Prognose
zur
Erreichung einer solchen Arbeitsfähigkeit gering
sei
.
Hierbei sei nochmals zu bemerken
,
dass die – gemäss
Prof.
A._
bestehende
«
Ablehnung
der l
eitlinien
orientiert vo
rhandenen Veränderungsmöglichkei
ten
»
–
sowie das d
ysfunktionale Krankheitskonzept
ebenfalls vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Persönlich
keitsstörung zu sehen
seien
.
Die funktionellen
Einschränkungen dieses kompl
e
xen Krankheitsbildes (tiefgrei
fende Persönlichkeitsstörung und Komorbiditäten) auf die Arbeitsfähigkeit
sei als schwerwiegend einzuschätzen (Urk. 6/133/3).
3.
9
In seiner Stellungnahme vom 1
4.
Mai 2019 erklärte der RAD-Arzt Dr. med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
beim obigen Bericht des
B._
handle es sich
in
Bezug auf Diagnostik
und
Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit um eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes, wie
sie
bereits die Gutachter vorgenommen hätten. Die Behandler würden zudem auf ihre Stellungnahme zum Gutachten der Krankentaggeldversicherung vom 4. Dezem
ber 2018 verweisen. In dieser sei eine weitgehend ähnliche
Einschätzung
vorge
nommen worden und diese sei
den Gutachtern
zugänglich gewesen (Urk. 6/139/7).
3.
10
Aus dem
im Rahmen des Gerichtsverfahrens eingereichten
Bericht des
B._
vom
11. Mai 2020
geht hervor, dass der Beschwerdeführer nach einer leichten Verbes
serung
d
er Symptomatik (Schlafstörungen und vegetative Symptome) im August 2019 eine Stelle bei der
J._
gefunden habe. Aufgrund der Zunahme der Belastung infolge der Arbeits- und Schichttätigkeit sei es schon bald wieder zu Schlafstörungen und somatischen Symptomen (insbesondere Empfindungsstö
rungen, Schwindel, Sehprobleme, Übelkeit) gekommen. Im November 2019 habe er einen ersten
Zusammenbruch erlitten, na
c
h welchem er sein Pensum auf 40
%
habe reduzieren wollen. Dies sei jedoch nicht möglich gewesen. Mitte Dezember 2019 sei es zu einem weiteren Zusammenbruch gekommen, wodurch er erneut von der Hausärztin krankgeschrieben worden sei. Aktuell sei es infolge der Situation mit dem Corona-Virus zu einer erneuten Verschlechterung des Zustandsbildes gekommen (Urk. 9 S. 1).
In diagnostischer Hinsicht stellten die Behandler des
B._
nicht mehr die Diagnose einer komplexen PTBS, hielten jedoch ansonsten an ihren mit Bericht vom 4. Juli 2019
genannten
Diagnosen fest. Der Beschwerdeführer sei aktuell zu 100 % arbeitsunfähig. In einer Verweistätigkeit sei er aktuell zu höchstens 30-40 % arbeitsfähig.
Unter Berücksichtigung des beschriebenen Belastungsprofils
sei allenfalls auch eine Erhöhung
der Arbeitsfä
higkeit möglich. Ab
wann und in welchem Umfang
dies möglich sei,
sei aktuell jedoch noch nicht abzuschätzen. Es sei jedoch wahrscheinlich nicht mit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit zu rechnen (Urk. 9 S. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre leistungsabweisende Verfügung in erster Linie auf
das
psychiatrisch
-neuropsychologische
Gutachten
von
Prof
.
A._
sowie Dr.
G._
, welches
sie
als beweiskräftig erachtete
(Urk. 2 S. 1 f.)
.
Entgegengesetz
ter Auffassung ist der Besch
werdeführer, welcher
dem
Gutachten
die Beweiskraft abspricht und gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte
des
B._
und den Berichten der
C._
von einer Leistungsfähigkeit von maximal 30 % in einer angepassten Tätigkeit
ausgeht (Urk. 1 S. 8 ff.).
4.2
Das
B._
nahm am 4. Juli 2019 zum
obgenannten
Gutachten Stellung. Dabei kritisierten
die Behandler
die Diagnosestellung des psychiatrischen Gutachters und machten geltend, auch sie gingen von einer kombinierten Persönlichkeits
störung sowie einer Somatisierungsstörung aus. Die Angst sowie die depressive Symptomatik seien allerdings
chronifiziert
. Des Weiteren sei anstelle der Anpas
sungsstörung (Angst und depressive Reaktion gemischt) von einer rezidivieren
den depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
,
sowie einer gene
ralisierten Angststörung auszugehen (Urk. 6/133/1 f.).
Dem ist in erster Linie zu entgegnen,
dass
die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Daher bleibt dem begutachtenden Psychiater prak
tisch immer ein gewisser Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2017 vom 29. Dezember 2017 E. 4.3).
Der Gutachter leitete die von ihm gestellten Diagnosen der Anpassungsstörung (Angst und depressive Reaktion gemischt), der Somatisierungsstörung sowie der kombinierten spezifischen Persönlichkeitsstö
rung mit selbstunsicheren, perfektionistisc
hen und impulsiven Zügen
unter ein
gehender
und detaillierter
Würdigung der Aktenlage
und nach eigener Erhebung des Status des Versicherten
unter anderem
mittels AMDP, das ein Instrument
zur standardisierten Erfassung des psychopathologischen Befundes, körperlicher Symptome und Anamnese-D
aten bei psychisch Kranken bereit hält
,
her
(Urk. 6/126/
21
ff.)
. Er wies insbesondere
einleuchtend
darauf hin, dass
beim Beschwerdeführer
aufgrund des fehlenden Einzelereignisses
nicht die Diagnose einer
PTBS
gestellt werden könne (Urk. 6/126/24). Auch die Diagnose der Anpas
sungsstörung
erweist sich als nachvollziehbar. Der Gutachter erklärte diesbezüg
lich unter Hinweis auf die Kriterien des ICD-10
, diese
habe mit
der Überforde
rungssituation am Arbeitsplatz und der Infragestellung des weiteren Lebensweges des Beschwerdeführers
begonnen
, woraufhin die Symptomatik in einem genau bestimmten Zeitintervall und im Zusammenhang mit der psychophysischen Über
forderung
aufgetreten sei
(Urk. 6/126/23). Letztendlich ist jedoch ohnehin nicht
abschliessend
entscheidend, ob
die Leiden des Beschwerdeführers (unter anderem) als eine Anpassungsstörung oder – wie das
B._
statuiert (Urk. 6/133/1 f.) – separat als eine rezidivierende depressive Störung sowie eine generalisierte Angststörung
eingeordnet
werden. Denn
es ist
nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens
massgebend, sondern
deren konkrete
Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 mit Hinweis und 14
3 V
418 E. 6).
4.3
Die konkreten objektivierten Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit
kogniti
ver Natur
wurden mittels der neuropsychologischen Testung lege
artis
erhoben. Trotz
geklagter
Kopfschmerzen, eines Kribbeln
s
am Kopf und der Klage über brennende Augen war der Beschwerdeführer konstant und ausreichend belastbar
und es konnten valide Ergebnisse erzielt werden
.
In Anbetracht der Tatsache, dass
nur
leichte kognitive Einschränkungen
und eine
durchaus
durchschnittliche Kon
zentrationsfähigkeit
erhoben werden konnte
n
(
Urk.
6/126/48)
,
leuchtet die Ein
schätzung des Gutachters ein, dass
die wesentliche Einschränkung der Leistungs
fähigkeit wohl auf die Persönlichkeitseigenschaften des Beschwerdeführers zurückgeh
t
.
Wenn daher e
ine angepasste Tätigkeit nur wenige Anforderungen an dauerhafte
konzentrative
Leistungen
enthält
und ein eher familiäres, wohlwol
lendes
Umfeld
vorhanden ist, das den Beschwerdeführer trägt,
(Urk. 6/126/29)
, leuchtet die Einschätzung einer höheren Arbeitsfähigkeit - als bei der Tätigkeit als Softwaretester –
im Umfang von 80
%
ein. Bei dieser letzteren Arbeit
als Soft
waretester
waren
längerdauernde
konzentrative
Leistungen nötig (Urk. 6/126/28).
Die Leistungseinschränkung von 20 % in einer optimal angepassten
Arbeit
erweist sich damit als
schlüssig
.
Daran vermag die gegenteilige Einschätzung des
B._
nichts zu ändern, wonach der Beschwerdeführer in einer
behinderungs
ange
passten Tätigkeit zu maximal 30 % arbeitsfähig sei (Urk. 6/133/3). Einerseits
ist
betreffend die Einschätzung von behandelnden Arztpersonen sowie Therapiekräf
ten
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Andererseits
stellten
die Behandler bei ihrer Leistungseinschätzung
in erster Linie
auf den Schlussbericht des Aufbautraining
s in der
C._
ab
(Urk. 6/133/3, Urk. 6/71/6). Diesbezüglich ist jedoch daran zu erinnern, dass
rechtsprechungsgemäss
die
Frage
nach
der Arbeitsfähigkeit
in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute zu beantworten
ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_798/2018 vom 2
6.
Juli 2019 E. 4.2.1).
Mit Bezug auf die abweichende Beurteilung der
Einschränkung der
funktionellen Leistungsf
ähigkeit
gemäss Mini-ICF-APP
(Urk. 6/133/3, Urk. 6/115/2
f.
)
gilt es
überdies
zu berück
sichtigen
, dass
auch
Prof
.
A._
in seiner Beurteilung darauf hinwies, dass der Summenwert des Mini-ICF-APP 25
Punkte
betrage und damit fast genau im Mit
telwert des vor einer stationären Aufnahme stehenden arbeitsunfähigen Patienten
liege. Gleichzeitig wies er jedoch darauf hin, dass die so beurteilte Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchtigung fast ausschliesslich auf den Angaben des Beschwerdeführers beruhe und der Punktwert in Anbetracht der persönlichkeits
bedingten Ursachenfaktoren nur eingeschränkt aussagekräftig sei (Urk. 6/126/26). Dies korreliert auch mit der gutachterlichen Feststellung, wonach der Beschwerdeführer seine Symptome stark dramatisierend geschildert habe
und die geklagte Symptomatik im Sinne eines primären Krankheitsgewinnes und der Persönlichkeitsstörung zu sehen sei (Urk. 6/126
/
22 und 26)
.
Vor diesem Hinter
grund vermag die Einschätzung des
B._
jene
des Gutachters, wonach der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei, nicht in Zweifel zu ziehen.
Diese erweist sich angesichts der seit 2016 weitgehend unveränderten Befundlage
mit den geschilderten Symptomen wie beispielsweise Konzentrationsprobleme
n
,
Visusprobleme
n
, Kopfschmerzen, Empfindungsstö
rungen
und Schwindel
(
Urk. 6/14/3,
Urk. 6/
34/1, Urk. 6/82/4, Urk. 6/86/3, Urk. 6/126/17
) auch im zeitlichen Verlauf als nachvollziehbar.
Dem widerspricht auch die Beurteilung durch
Dr.
F._
nicht, wonach der Beschwerdeführer in seiner angestammten sowie einer angepassten Tätigkeit ab dem
Zeitpunkt der Begutachtung vom
28. September 2018 zu 50 % arbeitsfähig sei
. Denn er begründete die
50%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit
in ers
ter Linie mit der längeren Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und einer entsprechen
den
Dekonditionierung
(Urk. 6/109/47)
. Diese
psychosozialen
Faktoren sind allerdings invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant. Immerhin ging er
per 1. Januar 2019 sogar von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausge
übten
sowie einer angepassten
Tätigkeit aus
, wobei er
darauf hin
wies
, dass eine retrospektive Beurteilung nicht ohne
Weiteres
möglich sei (Urk. 6/109/47
und 49).
4.4
Prof
.
A._
hielt
zwar
ergänzend fest
, die Prognose betreffend die Erreichung
der
80%igen
Arbeitsfähigkeit
in einer leidensadaptierten Tätigkeit
erscheine
auf
grund
der
tiefgreifenden Persönlichkeitsstörung, dem dysfunktionalen Krank
heitskonzept sowie der Ablehnung der leitlinienorientiert vorhandenen Verände
rungsmöglichkeiten der Behandlung
eher gering
(Urk. 6/126/30)
.
Sobald es um eine sinnvolle Änderung der Medikation, eine Intensivierung der Therapie im Sinne einer neuen stationären Behandlung oder einer konfrontierenden
Therapie
der Persönlichkeitsstörung gehe, verhalte sich
der Beschwerdeführer
kritisch ablehnend (Urk. 6/126/28).
Das
B._
sah diese ablehnende Haltung durch die tief
greifende Persönlichkeitsstörung begründet
und erklärte
unter anderem
,
d
er
Beschwerdeführer
habe grosse Angst vor neuen Medikamenten und neuen thera
peutischen Massnahmen
(Urk. 6/133/
2 f.
). Diese Ansicht vermag allerdings ange
sichts der Aktenlage nicht zu überzeugen. So
ist beispielsweise nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer – angesichts des von ihm geschilderten grossen Leidensdrucks (Urk. 6/126/17 f.) – bis heute keinen erneuten stationären Aufent
halt
angetreten
hat
, obwohl es sich dabei angesichts des bereits im Jahr 2017 stattgefundenen Aufenthalts in der
D._
(Urk. 6/20/2) nicht um eine neue Thera
pieform handeln würde. Vielmehr bezeichnete er die
dortige Behandlung
als
«
Geschwätz
»
(Urk. 6/126/17
und 27
).
Au
ch eine Erhöhung der bisher eingenom
menen und offenbar gut vertragenen antidepressiven Medikation (
Trittico
, Urk. 6/126/27) wurde
soweit ersichtlich
bis heute nicht vorgenommen, was sich nicht mit der Angst vor neuen Medikamenten erklären lässt. Dass sich der Beschwerdeführer auf neue Massnahmen, wie Ergotherapie und Biofeedback ein
lassen konnte, lässt wiede
rum darauf schliessen, dass das Hauptaugenmerk der Therapie
offenbar
weiterhin auf der Somatisierungsstörung liegt und nicht auf de
m
vom Gutachter geforderten Fokus auf die Persönlichkeitsstörung mit dem primären Krankheitsgewinn (vgl. Urk. 6/133/2, Urk. 6/126/30).
Die durch
Prof
.
A._
postulierte
schwierige Prognose ist vor diesem Hintergrund mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit der nicht durchwegs vorhandenen Behandlungs
bereitschaft des Beschwerdeführers zuzuschreiben
.
4.
5
Was schliesslich den während des Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht des
B._
vom 11. Mai 2020 angeht, so ist zu berücksichtigen, dass dieser entgegen der Meinung des Beschwerdeführers (Urk. 8) im vorliegenden Beschwerdeverfah
ren nicht zu berücksichtigen ist. Dieser Bericht datiert vom 11. Mai 2020 und wurde damit nach Verfügungserlass erstellt (Urk. 9, Urk. 2 S. 1). Zudem befasst er sich mit der
aktuellen psychischen
Situation des Beschwerdeführers nach Wiederaufnahme der Therapie am 9. Januar 2020, nachdem
diese offenbar seit dem 18. Juli 2019 – also
für
knapp sechs Monate – sistiert worden war (Urk. 9).
Der Bericht erlaubt daher keine Rückschlüsse auf
die
bis zum
19. September 2019 (
Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens
, Urk. 2)
gegebene Situa
tion (Urteil des Bundesgerichts
9C_235/2016 vom 26. Januar 2017 E. 4.2)
.
Zudem ergibt sich daraus eine weitgehend unveränderte –
respektive
im Vergleich zu ihrem Bericht vom 4. Juli 2019
sogar noch
eine
leicht
höhere
– Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 30-40 % (Urk. 9 S. 2, vgl. Urk. 6/133/3).
Daher
ist nicht ersichtlich, inwiefern darau
s
zusätzliche Erkennt
nisse gewonnen werden könnten
, welche die gutachterliche Einschätzung infrage stellen könnten
.
Zusammengefasst ist daher auf das beweiskräftige psychiatrisch-neuropsycholo
gische Gutachten abzustellen, wonach der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2016 in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig ist.
Eine weitergehende
medizinische
Abklärung erweist sich daher als nicht notwendig.
5.
5.1
Für den Rechtsanwender ist eine medizinische Einschätzung der Arbeitsunfähig
keit aus psychischen Gründen nicht ohne Weiteres verbindlich. Es kann davon a
bgewichen werden, ohne dass ein
Gutachten
seinen Beweiswert verliert (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_106/2015 vom
1. April 2015 E. 6.3 mit Hinweis). Grundsätzlich soll für
sämtliche psychischen Leiden
ein
indikatorengeleitetes
Beweisverfahren gemäss BGE
141 V 281 Anwendung finden (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.3 und 143 V 4
18 E. 7.1), das Aufschluss über
das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen geben
soll (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/201
7 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
Dabei
ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spe
zifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundes
recht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall
zu klären, ob die beigezogenen
Gutachten
– allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
5.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.3
5.3.1
Hinsichtlich des
Komplexes der Gesundhe
itsschädigung ist zum Indikator der Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde
festzuhalten, dass der Gutachter
angesichts der geschilderten Symptomatik eine Anpassungsstörung (Angst und depressive Reaktion gemischt
)
, eine Somatisierungsstörung sowie eine kombi
nierte spezifische Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, perfektionisti
schen und
impulsiven Zügen diagnostizierte (Urk. 6/126/25). Dabei wies er auf ein deutlich ausgeprägtes depressives Syndrom, jedoch auch auf eine stark dra
matisierte Schilderung der Symptomatik hin (Urk. 6/126/22). Insgesamt
ist
daher eher auf eine
leichte bis
mittlere Ausprägung des psychischen Gesundheitsscha
dens zu schliessen
.
Zum Indikator Behandlungserfolg oder –
resistenz
legte
Prof
.
A._
dar, dass
sich der Beschwerdeführer gegenüber Behandlungen sehr skeptisch zeige. Insbeson
dere habe er die Erhöhung der offenbar gut vertragenen
Trittico
-Medikation sowie einen erneuten stationären Aufenthalt bisher abgelehnt. Aktuell befinde er sich in psychotherapeutischer Behandlung und auch die Medikation mit
Trittico
werde weitergeführt. Ferner soll
t
e das depressive Syndrom mit einer leitlinienge
rechten Therapie spätestens nach einigen Monaten deutlich rückgängig sein (Urk. 6/126/27).
Insgesamt ergibt sich daraus, dass der Beschwerdeführer immer
hin gewisse Bemühungen anstellt, seinen Gesundheitszustand zu verbessern, jedoch die Behandlungsm
öglichkeiten
nicht
vollständig
ausschöpft
.
Hinsichtlich des Indikators des Eingliederungserfolgs ist zwar positiv zu werten, dass der Beschwerdeführer an einem Belastbarkeits- sowie Aufbautraining teilgenommen hat (Urk. 6/38, Urk. 6/57). Allerdings hat er bis zum Abschluss des Verwaltungs
verfahrens keine
weiteren
Bemühungen
getätigt
, sich einzugliedern
. Daher kann nicht von einer ma
nifeste
n
Eingliederungsresistenz
ausgegangen werden
.
Bezüglich der relevanten Komorbiditäten
ist zu erwähnen, dass sich die drei diagnostizierten psychischen Störungen gemäss Gutachten in der Kombination gegenseitig verschlechternd auswirken
, was entsprechend zu berücksichtigen ist
(Urk. 6/126/28).
5.3.2
Betreffend den Komplex «Persönlichkeit» ist zu erwähnen, dass der Gutachter eine Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, perfektionistischen und impulsiven Zügen diagnostizierte. Insbesondere die perfektionistischen Persönlichkeitszüge halten den Beschwerdeführer davon ab, eine ausreichende Quantität der Arbeit abzuliefern. Damit kommt der Persönlichkeitsstruktur
durchaus
eine ressourcen
hemmende Wirkung zu (Urk. 6/126/25 f.).
5.3.3
Der soziale Kontext des Beschwerdeführers hält
dahingehend Ressourcen
bereit, dass er
seit Jahren eine stabile Partnerschaft
mit seiner
Freundin führt, welche – zusammen mit ihren Eltern – eine Unterstützung im sozialen Umfeld darstell
t
(Urk. 6/126/26 f.).
5.3.4
Zum
entscheidenden
Indikator «Konsistenz»
hielt der Gutachter fest
, dass
eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen best
ehe
(Urk. 6/126/27).
Dies ist mit den Schilderungen des Beschwerdeführers zu seinem Tagesablauf vereinbar, wonach er
insbesondere das Kochen
früher geliebt habe, jedoch heute überfordert sei
und
nur noch selten ins Fitness gehe.
Dennoch erwähnte er, dass er meist das Kochen übernehme. Ferner
ist es ihm immer noch möglich, in die Ferien zu verreisen,
auch wenn dies mit Anstrengungen verbunden
ist
. Zudem
fährt
er noch Auto, wenn auch nicht mehr weite Strecken (Urk. 6/126/20).
Insgesamt ergibt
sich daraus eine durchaus vor
handene, aber eher geringfügige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus.
Hinsichtlich des Leidensdrucks ist zu erwähnen, dass
gemäss Gutachten ein
extremer Leidensdruck bestehe, dieser beziehe sich allerdings auf die im Vorder
grund stehende, immer wiederkehrende körperliche Symptomatik und die Symp
tome des depressiv-ängstlichen Syndroms. Die Fokussierung und gedankliche Einengung auf diesen Symptombereich entspreche einem primären Krankheits
gewinn im Sinne der Vermeidung der Auseinandersetzung mit den
zugrundelie
genden
Störungen (Urk. 6/126/27).
Damit lässt sich ein relevanter Leidensdruck
jedenfalls
nicht in Abrede stellen.
5.3.5
In Anbetracht der
leichten bis mittelgradigen Ausprägung des psychischen Gesundheitsschadens, der Komorbiditäten, der ressourcenhemmenden Persön
lichkeitsstruktur sowie des reduzierten Aktivitätsniveaus und des durchaus vor
handenen Leidensdrucks kann die gutachterlich angegebene
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit von 80 % – respektive die 20%ige Einschränkung –
in einer angepassten Tätigkeit auch mit Blick auf die Standardindikatoren nachvollzogen werden.
6
.
Davon ausgehend hat die Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad korrekt anhand eines Einkommensvergleichs ermittelt (Urk.
2 S. 2, Urk. 6/138/1
). Dieser wurde seitens
des Beschwerdeführers
weder im Vorbescheid- noch im Beschwer
deverfahren beanstandet (vgl.
Urk.
6/105
Urk.
1 S. 2 ff.), und es besteht auch kein Anlass für eine abweichende Beurteilung.
So stützte sich die Beschwerdegegnerin für das
Valideneinkommen
zu Recht auf den Arbeitgeberfragebogen der
Y._
, wonach der Beschwerdeführer im Jahr 2016
Fr. 69'600.
--
verdient habe
(Urk. 6/16/4)
. Ausgehend davon resultiert ein
Valideneinkommen
für das
massgebende
Jahr 201
7
(frühestmöglicher Rentenbeginn bei krankheits
bedingter Niederlegung der Arbeit am 9. September 2016
und Anmeldung bei der Invalidenversicherung am 2
9.
Januar
2017
, vgl. Urk. 6/5/2, Art. 28
Abs.
1
lit
. b
und c
in Verbindung mit
Art.
29
Abs.
1 IVG)
von Fr.
69'878.40 (Fr. 69'600.-- x 1.004 [Nominallohnentwicklung 2017, vgl. Bun
desamt für Statistik, Tabelle T
39, Männer]).
Sodann legte die Beschwerdegegnerin das Invalideneinkommen zu Recht anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016
fest. A
ngepasst an die Nominallohnentwicklung 2017
ergibt sich ein Invalidenein
kommen von
Fr. 53'656.50 in einem
zumutbaren
80 %-Pensum (Urk. 6/138/1).
Gründe für einen Leidensabzug sind keine ersichtlich und werden vom Beschwer
deführer auch nicht geltend gemacht. Der ermittelte
rentenauschliessende
Invali
ditätsgrad von 23 % erweist sich damit als korrekt.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhäng
ig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.
--
bis
Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Diese sind auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen und
dem
unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.