Decision ID: e162b149-01ce-493a-82ba-a5de200f28bb
Year: 2009
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

daher nun noch geklärt werden. In diesem Punkt sei der Sachverhalt zu wenig
abgeklärt und somit der Untersuchungsgrundsatz durch die Vorinstanz
verletzt worden. Bei korrekter Beurteilung aller Gesundheitsleiden hätte
letztlich mindestens ein IV-Grad von 60% resultiert.
5. In ihrer Duplik vom 27.09.2009 führte die Vorinstanz noch aus, dass sich die
Beschwerdeführerin treuwidrig verhalte, da die ursprüngliche rechtskräftige
Verfügung vom 01.09.2004 auf einer gegenseitigen Einigung
(aussergerichtlicher Vergleich) beruht habe und der damalige Vorbehalt für
deren (dessen) Gültigkeit durch das Gutachten von Dr. ... (2005/06)
einwandfrei erfüllt worden sei. Mit jener Begutachtung sei die
Beschwerdeführerin einverstanden gewesen. Darin sei aber eine
Unfallkausalität der Rückenbeschwerden klar verneint worden. Eine
zusätzliche (polydisziplinäre) Begutachtung sei auch aufgrund der enormen
Zeitverzögerungen, welche die Beschwerdeführerin durch ihre wiederholten
Sistierungsbegehren (2007-2009) selbst verursacht habe, abzulehnen. Die
damit bezweckte Verzögerungstaktik dürfe nicht dazu führen, dass auf die
inzwischen 3-4 Jahre alten Gutachten der Dres. ... und ... nicht mehr
abgestellt werden könne. Dr. ... sei für die Begutachtung ausreichend
dokumentiert gewesen (LWS-MRI v. 09.01.2001 sowie Röntgenaufnahme der
LWS v. 10.12.2004). Es sei daher nachvollziehbar, dass er bei den Gutachten
auf jene aktuelle Verlaufsdiagnostik abgestellt und keine zusätzlichen
Bildaufnahmen angefertigt habe. Zudem seien diese Facharztberichte schon
in einem früheren Urteil des Verwaltungsgerichts (S 07 131 betreffend IV-
Rente) als einleuchtend, widerspruchsfrei und schlüssig bezeichnet worden.
Nach dem Rückweisungsurteil des EVG (U 273/01) habe zuvor auch noch Dr.
... entsprechende Abklärungen über eine allfällige Unfallkausalität getätigt,
diese mit ergänzendem Bericht vom 08.12.2003 aber eindeutig verneint. Die
Beschwerdeführerin wolle einfach nicht akzeptieren, dass keine Kausalität
zwischen der ursprünglichen Sturzverletzung 1993 (mit Knöchelbruch) und
den späteren Rückenschmerzen mit Symptomausweitung bestünde. Daran
ändere auch die erstmals in der Replik erwähnte anderslautende
Kausalitätsbeurteilung der langjährigen Hausärztin Dr. ... nichts, da ihre
Beurteilung (April 2008) die älteren Gutachten nicht zu stürzen vermöge. Die
aktuelle Wissenschaft sei berücksichtigt worden, weshalb eine weitere
Begutachtung unnötig sei.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Nach Art. 18 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) hat die Versicherte Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sie
infolge eines Unfalles mindestens zu 10% invalid geworden ist (Abs. 1). Als
invalid gilt, wer voraussichtlich bleibend oder für längere Zeit in seiner
Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist (Art. 8 Abs. 1 Bundesgesetz über den
allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechtes [ATSG; SR 830.1]). Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
Versicherte nach Eintritt der Invalidität sowie nach Durchführung
medizinischer Behandlungen und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Für die
Ermittlung des IV-Grades kommt es primär auf die wirtschaftliche
Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an (PVG
2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132 V 395 E. 2.1). Ohne zuverlässige und
beweistaugliche Bestimmung der prozentualen Arbeitsfähigkeit durch die
Ärzte (als Beurteilungsgrundlage) ist eine seriöse Festsetzung der
Erwerbsunfähigkeit (IV-Grad) aber zum vorneherein gar nicht möglich (BGE
125 V 261 E. 4, 122 V 160 f. E. 1c, 115 V 134 E. 2). Vorliegend sind sich die
Parteien über den unfallrelevanten Gesundheitsschaden (Arbeitsunfähigkeit)
und dessen Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit (IV-Grad) bis zuletzt
uneins geblieben.
b) Die Beschwerdeführerin machte zudem noch eine Verschlechterung ihres
Allgemeinzustands geltend, was eine Erhöhung des bisher anerkannten IV-
Grads (22%) gerechtfertigt hätte. Art. 17 Abs. 1 ATSG hält dazu fest, dass
eine Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben wird, sofern sich der IV-
Grad der Rentenbezügerin erheblich ändert (Kieser, ATSG-Kommen-tar, 2.
Auflage, Zürich 2009, zur Revision der IV-Rente, Art. 17 Rz 14-44 [S. 232-
240]).
2. a) Im konkreten Fall sind folgende Gutachten und Arztberichte aktenkundig und
für die Entscheidfindung von Bedeutung:
 Im Ergänzungsgutachten vom 08.12.2003 verneinte der Orthopäde Dr. ... – nachdem er die Versicherte schon im Juni 1996 und im Februar 1999 wegen der im Januar 1993 erlittenen Knöchelverletzung untersucht und behandelt hatte – eine Unfallkausalität zwischen dem Sturzunfall (1993) und den aktuell geklagten Leiden (Rückenschmerzen mit Symptomausweitung). Er verwies dabei einerseits auf seine erfolglose Recherche in der gängigen Medline Datenbank und anderseits darauf, dass das Problem der Rückenschmerzen in seiner Häufigkeit und in seinen Ursachen komplex sei. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der festgestellten Sprunggelenksarthrose und den Rückenschmerzen könne nicht hergestellt werden. Zudem sei es eine medizinische
Erfahrungstatsache, dass Rückenbeschwerden in den hoch industrialisierten Ländern zu einem der häufigsten Krankheitsbilder gehörten, wobei deren Ursachen sehr vielschichtig seien. Die bildgebenden Untersuchungen (LWS-MRI 2001) hätten ebenfalls zu einer Verneinung der Unfallkausalität geführt.
 Im Zweitgutachten vom 24.07.2006 hielt der Allgemein- und Unfallchirurge Dr. ... (Spitäler Chur AG) – nachdem er die Patientin bereits einmal im Herbst 2005 begutachtet hatte – seinerseits fest, dass ein gesicherter Zusammenhang zwischen der ermittelten Fehlhaltung und den Bein- /Rückenschmerzen nicht nachgewiesen werden könne, woraus er schloss, dass auch keine überwiegende Wahrscheinlichkeit eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen der Arthrose im oberen rechten Sprunggelenk und den lumbalen Rückenschmerzen (als Sekundärfolge einer permanenten Fehlbelastung mit Schonhinken) bejaht werden könne. Auch die Symptomausweitung (mit Kopfschmerzen; Schwindelproblematik) könne zweifelsfrei nicht als Unfallfolge bezeichnet werden.
 Im Abklärungsbericht vom 25.01.2007 des Vertrauensarztes der Vorinstanz, Dr. ..., werden die Angaben der Dres. .../... noch bestätigt, wobei hier „bestenfalls“ von einer (bloss) möglichen Unfallkausalität zwischen dem Köchelbruch (1993) und den aktuell (2007) geklagten Gesundheitsleiden (Rücken-/Kopfschmerzen) die Rede ist.
 Im Arztzeugnis (bestehend aus einem Blatt) vom 14.04.2008 der Hausärztin Dr. ... wurde die Diagnose „Rezidivierendes lumbospondylogenes Syndrom links bei Fehlbelastung, Fehlhaltung und Wirbelsäulen-Fehlform“ gestellt.
b) In Würdigung der soeben aufgezählten Medizinalgutachten und Arztatteste ist
das Gericht zur Überzeugung gelangt, dass es keine triftigen Gründe gibt,
nicht auf die umfassenden, übereinstimmenden und in sich
widerspruchsfreien Erkenntnisse (Schlussfolgerungen) der Spezialisten Dr.
... (Ergänzungsgutachten 2003; Vorakten 1999/1996) und Dr. ...
(Zweitgutachten 2006; Vorakten 2005) abzustellen. Die unabhängig
voneinander erstellten Fachgutachten vermögen in jeder Beziehung zu
überzeugen, da sie sich eingehend mit dem aktuellen Wissensstand der Lehre
und Forschung zu einer allfälligen Kausalität zwischen den geklagten
Gesundheitsleiden auseinandersetzten und eine solche Unfallkausalität
letztlich einhellig verneinten. Die von der Beschwerdeführerin gegen die
Zuverlässigkeit und die Aussagekraft jener Expertisen ins Feld geführten
Argumente, wonach der Orthopäde Dr. ... eigene Abklärungen unterlassen
habe und es dem Unfallchirurgen und Spitalarzt Dr. ... vorab an der
erforderlichen Fach-/Urteilskompetenz gefehlt habe, entbehren offensichtlich
jeder sachlichen Grundlage. Abgesehen davon, dass die erwähnten
Gutachter - nebst ihrem eigenen, langjährigen und allseits anerkannten
Fachwissen - noch auf weitere fundierte Untersuchungsresultate (LWS-MRI
2001; Röntgenaufnahme LWS 2004) abstellen konnten, gilt es nicht zu
übersehen, dass auch der Vertrauensarzt Dr. ... im Januar 2007 im
Wesentlichen zu identischen Befunden wie die Dres. ... und ... gelangte.
Soweit die Beschwerdeführerin die Unabhängigkeit des Vertrauensarztes
anzweifelte, verhält sie sich selbst widersprüchlich, zumal sie für ihren
Standpunkt anführte, dessen Meinung weiche von den Beurteilungen der zwei
Erstgenannten bezüglich „Unfallkausalität“ ab. Zum Einen trifft dies inhaltlich
nicht zu, da Dr. ... bloss bestenfalls die Möglichkeit einer Kausalität bejahte.
Den erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
verneinte er demnach ebenso, wie die beiden anderen Fachärzte, welche eine
Unfallkausalität gar explizit ausschlossen. Zum Anderen mutet es etwas
seltsam an, wenn man zwar die Unabhängigkeit und damit zugleich den
Beweiswert der Beurteilung des Vertrauensarztes in Frage stellt, umgekehrt
aber dennoch gerade mit dieser Beurteilung die (bloss vermeintlich)
gegenteiligen Schlussfolgerungen der Dres. ... und ... entkräften bzw. gar
widerlegen möchte. Daran ändert selbst das Arztzeugnis der Hausärztin Dr.
... vom April 2008 nichts, da aus der dort aufgeführten Diagnose – ohne
plausible und nähere Begründung - ebenfalls noch nicht auf eine
Unfallkausalität zu den schon vor 15 Jahren (1993) erlittenen
Sturzverletzungen geschlossen werden kann. Im Übrigen sind die Angaben
von Hausärzten stets mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen, da ihnen
wegen der Nähe zu ihren Patienten nicht die gleiche Objektivität wie neutralen
Gutachtern zugebilligt werden kann (BGE 125 V 351, E. 3b cc). Auch der
Hinweis der Beschwerdeführerin, dass selbst für einen medizinischen Laien
nachvollziehbar sein dürfte, dass eine permanente Ungleichbelastung der
unteren Extremitäten als Folge des Schonverhaltens zu gravierenden
Verspannungen der Wirbelsäule bzw. zu entsprechenden
Abnützungserscheinungen des knöchernen Skeletts führe, vermag an der
anderslautenden Gesamtbeurteilung der genannten Gutachter nichts zu
rütteln, zumal es nach dem Unfallchirurgen Dr. ... eben gerade keinen
wissenschaftlichen Nachweis für einen derartigen - von betroffenen Patienten
oftmals vermuteten - Zusammenhang gibt. In Anbetracht der eindeutigen
medizinischen Faktenlage darf auch von einer weiteren (polydisziplinären)
Begutachtung – wie von der Beschwerdeführerin ausdrücklich beantragt –
abgesehen werden, da daraus zum vorneherein keine neuen Erkenntnisse zu
erwarten sind. Zudem hat sich die Beschwerdeführerin die lange
Verfahrensdauer weitgehend selbst zuzuschreiben, weil sie durch ihre
zahlreichen Sistierungsanträge (2007-2009) eine raschere Fallerledigung
selber erheblich erschwerte, wenn nicht gar verunmöglichte. Mit diesem
Einwand dringt sie daher ebenso nicht durch.
c) Schliesslich ist der Vorinstanz auch darin beizupflichten, dass keine Hinweise
oder Indizien für eine Verschlechterung der unfallkausalen
Sprunggelenksarthrose bzw. für eine Erhöhung der unfallbedingten
Einschränkungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ersichtlich sind.
Die objektiven Befunde sind laut Dr. ... bis 2005/2006 unverändert geblieben
und sowohl Dr. ... als auch Dr. ... stellten keine massive Verschlimmerung
der Arthrose fest. Die zusammen mit der Rückenproblematik bestehende
Symptomausweitung (mit Kopfschmerzen; Schwindelattacken), auf welche
der verschlechterte Gesundheitszustand zurückzuführen ist, ist laut Dr. ...
zweifelsfrei „unfallfremd“. Die Vorinstanz hat deshalb vorliegend zu Recht
auch die strengen Voraussetzungen für eine Rentenrevision nach Art. 17 Abs.
1 ATSG als nicht erfüllt angesehen.
3. a) Der angefochtene Einspracheentscheid vom 27.04.2007 ist demzufolge
rechtmässig, was zu seiner Bestätigung und zur Abweisung der dagegen
erhobenen Beschwerde vom 29.05.2007 - mit Sistierung bis 02.03.2009 -
führt.
b) Gerichtskosten werden nicht erhoben, da das kantonale
Beschwerdeverfahren nach Art. 61 lit. a ATSG kostenlos ist. Eine
aussergerichtliche Entschädigung steht der Vorinstanz nicht zu, da sie als
Unfallversicherer eine öffentlich-rechtliche Aufgabe wahrnimmt, was eine
gesonderte Parteientschädigung vorab ausschliesst (Umkehrschluss aus Art.
61 lit. g ATSG).