Decision ID: e25bf17b-656c-4c13-8ea0-52c4c68a6295
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
K._, Staatsangehöriger von Serbien, geb. 1977, reiste am 22. Juni 1992 im Rahmen
des Familiennachzugs der Eltern in die Schweiz ein und erhielt eine
Aufenthaltsbewilligung, die letztmals bis 6. November 2018 verlängert wurde (Vorakten
Migrationsamt, nachfolgend Dossier, S. 622 ff.). Er hat keine Kinder. Seine
Aufenthaltsbewilligung wurde in den Jahren 2009, 2011, 2012, 2013, 2015 und 2016
jeweils auf Zusehen und Wohlverhalten hin verlängert. Dabei wurde er angehalten, eine
geregelte Arbeitstätigkeit auszuüben, keine neuen Schulden zu verursachen und die
bestehenden Schulden zu tilgen sowie sich im Allgemeinen wohl zu verhalten. Mit
Verfügung vom 18. November 2014 wurde K._ seitens des Migrationsamts verwarnt.
Die Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung wurde mit den Bedingungen
verbunden, dass er in strafrechtlicher Hinsicht zu keinerlei Klagen Anlass gibt, seinen
finanziellen Verpflichtungen nachkommt und seine Schulden abbaut beziehungsweise
seine Erwerbstätigkeit ausbaut. In strafrechtlicher Hinsicht ist er vor allem vor dieser
Verwarnung mehrfach wegen eher geringfügiger Delikte aufgefallen. Seit der
Verwarnung wurde er einmal verurteilt, und zwar am 6. Dezember 2018 wegen
Benützens des Busses ohne gültigen Fahrausweis zu einer Busse in Höhe von
A.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Mit Eingabe vom 23. November 2020 erhob K._, vertreten durch Rechtsanwalt Gandi
Calan, Wil, Beschwerde beim Verwaltungsgericht St. Gallen (act. 1). Diese Beschwerde
wurde nach Ansetzung einer Frist (act. 5) und deren Verlängerung (act. 7) ergänzt
(act. 8). Der Beschwerdeführer begehrte im Rahmen seiner Beschwerde die Aufhebung
der vorinstanzlichen Entscheide und die Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung,
eventualiter begleitet von einer Verwarnung, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
und Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung (act. 1 S. 2).
Am 25. November 2020 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege
und -verbeiständung bewilligt (act. 5). Mit Vernehmlassung vom 14. Januar 2020
beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung

hauptsächlich auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids (act. 10).
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
CHF 100. Nach der Verwarnung musste er von April bis November 2018 von den
Sozialen Diensten A._ unterstützt werden. Da K._ jedoch im August 2018 nach B._
umgezogen war und nach erfolgtem Wegzug deshalb beziehungsweise auch wegen
Nichtdeklaration von Einkommen zu Unrecht Sozialhilfeleistungen bezogen hatte,
wurde er verpflichtet, diese zurückzuerstatten. Die Höhe dieser Rückforderung betrug
CHF 11'701.45. Es wurde auch Strafanzeige erstattet. Im Kanton Zürich ist ausserdem
ein Verfahren betreffend Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (SR 142.20, AIG) hängig
(Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts einer anderen Person).
Aus diesen Gründen wies das Migrationsamt das Gesuch von K._ um Verlängerung
seiner Aufenthaltsbewilligung mit Verfügung vom 8. August 2019 ab und forderte ihn
auf, die Schweiz spätestens 60 Tage nach Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. Der
gegen diese Verfügung erhobene Rekurs wurde vom Sicherheits- und
Justizdepartement (SJD) mit Entscheid vom 3. November 2020 abgewiesen (act. 2).
A.b.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde gegen den am 5. November 2020 versandten Entscheid wurde
unter Berücksichtigung des Wochenendes mit Eingabe vom 23. November 2020
rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 8. Januar 2021
formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 VRP und Art. 145 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR
272, ZPO, sowie Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Eine Aufenthaltsbewilligung kann verlängert werden, wenn kein in Art. 62 des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
(Ausländer- und Integrationsgesetz, SR 142.20, AIG) aufgeführter Widerrufsgrund
gegeben ist (vgl. Art. 33 Abs. 3 AIG). Die zuständige Behörde kann Bewilligungen und
andere Verfügungen laut Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG widerrufen und damit auch nicht
verlängern, wenn die ausländische Person erheblich und wiederholt gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat oder diese gefährdet. Laut Art. 80
Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201,
VZAE) liegt ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung etwa bei einer
Missachtung von gesetzlichen Vorschriften und behördlichen Verfügungen (lit. a) oder
bei mutwilliger Nichterfüllung öffentlich-rechtlicher beziehungsweise privatrechtlicher
Verpflichtungen (lit. b) vor. Schuldenwirtschaft allein genügt für den Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung nicht. Vorausgesetzt ist zusätzlich Mutwilligkeit der
Verschuldung; die Verschuldung muss mit anderen Worten selbst verschuldet und
qualifiziert vorwerfbar sein (BGE 137 II 297 E. 3.3). Erforderlich ist zumindest ein
erheblicher Ordnungsverstoss; ein solcher kann bereits in einer qualifizierten
Leichtfertigkeit liegen (BGer 2C_573/2019 vom 14. April 2020 E. 2.2 und 2C_724/2018
vom 24. Juni 2019 E. 3.1). Die so umschriebene Mutwilligkeit ist nicht leichthin
anzunehmen (BGer 2C_93/2018 vom 21. Januar 2019 E. 3.4 und 2C_164/2017 vom
12. September 2017 E. 3.1). Neben der Höhe der Schulden ist entscheidend, ob und
inwiefern sich der pflichtvergessene Schuldner bemüht hat, seine Verbindlichkeiten
abzubauen und mit den Gläubigern nach einer Lösung zu suchen. Sind solche
Bemühungen dargetan, liegt die Wegweisung der ausländischen Person nicht im
Interesse der Gläubiger, da der Schuldenabbau dadurch kompromittiert würde.
2.1.
Der Beschwerdeführer macht in Bezug auf sein Finanzgebaren geltend, dass die
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorausgesetzte Mutwilligkeit der Verschuldung in seinem Fall nicht gegeben sei (act. 8
S. 4). Man könne nicht einzig aus der Zunahme der Verschuldung auf die Mutwilligkeit
schliessen, ohne zu beachten, dass sein Lohn nicht gereicht habe, um nebst dem
eigenen Unterhalt und dem seiner in Serbien lebenden Ehefrau auch sämtlichen
weiteren Verpflichtungen nachzukommen. Massgebend seien einzig seine
Neuverschuldung nach der letzten Verwarnung in Höhe von CHF 4'507.30. Dieser
Betrag könne angesichts der Umstände klar nicht als erheblich qualifiziert werden.
Zudem habe sich sein Saldo beim Sozialamt C._ von CHF 41'288.80 auf
CHF 12'219.35 reduziert. Er suche sehr wohl nach einer festen Arbeitsstelle. Doch
aufgrund seiner geringen Schulbildung sowie der fehlenden Berufsausbildung stelle
sich dieses Vorhaben als schwierig dar. Dies habe aber nichts mit seinem fehlenden
Willen zu tun. Er sei bereit, aus seinem betreibungsrechtlichen Existenzminimum
Schulden zurückzuzahlen und unternehme derzeit grosse Anstrengungen, um seine
Schuldensituation in den Griff zu bekommen.
Wenn der Beschwerdeführer vorbringt, dass er neben seinem Unterhalt auch noch den
Unterhalt seiner Ehefrau in Serbien zu bezahlen gehabt habe, so kann dies maximal bis
zu seiner Scheidung der Fall gewesen sein. Wann diese genau stattfand, geht aus den
Akten nicht hervor. In den Akten wurde der Beschwerdeführer am 29. Januar 2019
noch als verheiratet bezeichnet (Dossier, S. 347), am 2. Juni 2019 sodann als
geschieden (Dossier, S. 783). Unklar ist auch, ob es allenfalls bereits vor der Scheidung
zu einer Trennung gekommen war. Dies kann jedoch offenbleiben, zumal der
Beschwerdeführer trotz seiner umfassenden Mitwirkungspflicht keine Belege einreicht,
die über den Umfang einer allfälligen Unterstützung seiner Ehefrau in Serbien Auskunft
geben. Es darf beziehungsweise muss deshalb sogar davon ausgegangen werden,
dass die Schulden des Beschwerdeführers nicht im Zusammenhang mit seiner
ehemaligen serbischen Ehefrau stehen. Vielmehr ist deutlich aktenkundig, dass der
Beschwerdeführer teilweise sehr wenig verdient und über längere Zeitspannen von der
Sozialhilfe und Arbeitslosenkassengeldern gelebt hat. Das zum Teil tiefe
beziehungsweise inexistente Erwerbseinkommen kann nicht mit der Schul- oder
Berufsbildung des Beschwerdeführers in Verbindung gebracht werden, zumal er
zeitweise auch über ein recht gutes Einkommen verfügte (vgl. z.B. Dossier, S. 225 ff.;
über CHF 4'000 brutto pro Monat, teilweise gegen CHF 5'000 brutto). Unklar ist
sodann, wie viel der Beschwerdeführer neben seinen aktenkundigen Erwerbstätigkeiten
sonst noch verdient und nicht zum Abzahlen von Schulden verwendet hat, da er
Einkommensquoten nicht abgeliefert und Arbeitgeber verschwiegen hat (Dossier,
S. 290). Aus den Akten ebenfalls hervor geht, dass ein Bewerbungscoaching
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
abgebrochen werden musste, weil der Beschwerdeführer angab, die nötigen
Fahrspesen nicht organisieren zu können, und es zudem an der Qualität der
Arbeitsbemühungen mangelte (Dossier, S. 714). Ebenfalls wird aus den Akten deutlich,
dass der Beschwerdeführer Arbeitsstellen oft nur für kurze Dauer erhielt oder behalten
konnte (Dossier, S. 685). Über den Grund dafür lässt sich den Akten nichts entnehmen;
auch die Nachweise gegenüber der Arbeitslosenversicherung zu den
Arbeitsbemühungen enthalten keine Absagegründe (z.B. Dossier, S. 651). Es wäre
angesichts der den Beschwerdeführer treffenden Mitwirkungspflicht an ihm gelegen,
anhand von Kündigungsschreiben darzulegen, dass er die Stellen ohne sein
Verschulden verloren hat und dass die Kündigungen beziehungsweise die
Nichtverlängerung eines Temporäreinsatzes beispielsweise wirtschaftliche Gründe
hatten. Solches hat der Beschwerdeführer weder geltend gemacht noch
entsprechende Belege beigebracht. Im Gegenteil befindet sich bei den Akten gar ein
fristloses Kündigungsschreiben vom 18. Juni 2012, aus dem hervorgeht, dass dem
Beschwerdeführer während laufender ordentlicher Kündigungsfrist fristlos gekündigt
wurde, weil er sich wegen einer vermeintlichen Arbeitsunfähigkeit nicht
ordnungsgemäss bei der Arbeitgeberin von der Arbeit abgemeldet hatte (Dossier,
S. 186). Besondere Anstrengungen, eine Arbeit zu finden, sind ebenfalls nicht belegt.
Der Beschwerdeführer hat nur gerade die seitens der Regionalen Arbeitsvermittlung
geforderten Suchbemühungen unternommen (vgl. Dossier, S. 559). Die Schulden, die
der Beschwerdeführer durch sein strafrechtlich relevantes Verhalten beziehungsweise
die damit einhergehenden Verfahren verursacht hat, sind ausserdem zweifelsohne
mutwillig entstanden (z.B. Dossier, S. 441). Im Zusammenhang mit dem geltend
gemachten Schuldenabbau geht aus den Akten hervor, dass sich der
Beschwerdeführer in der Tat noch im Herbst 2014 mittelmässig darum bemühte
(Dossier, S. 431). Dies ist aber schon lange her. Welche Bemühungen der
Beschwerdeführer seither unternommen haben will, führt er nicht aus und ergibt sich
auch nicht aus den Akten. Es muss angesichts der obgenannten Gründe davon
ausgegangen werden, dass die Verschuldung insgesamt selbstverschuldet und
ausreichend qualifiziert vorwerfbar (das heisst qualifiziert leichtfertig) entstand. Es
besteht auch keine Aussicht auf einen Abbau der Schulden. Die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung steht somit in erheblichem Interesse der (potentiellen)
Gläubiger, da die Verschuldung stetig ansteigt und insgesamt erheblich ist. Das
Vorliegen eines Widerrufsgrunds ist damit zu bejahen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Ist, wie vorliegend, ein Widerrufsgrund gegeben, ist die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung rechtens, wenn die Interessenabwägung diese Massnahme als
verhältnismässig erscheinen lässt, wobei einerseits die öffentlichen Interessen,
andererseits die persönlichen Verhältnisse und der Grad der Integration der
ausländischen Person zu berücksichtigen sind (vgl. Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 2 und
3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV; Art. 96
AIG; VerwGE B 2015/288 vom 15. August 2017 E. 5.1 und VerwGE B 2016/48 vom
15. August 2017 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
3.1.
Der Beschwerdeführer bringt in diesem Zusammenhang vor, dass er mit seinen
Verurteilungen nicht in erheblicher Weise gegen die Rechtsordnung verstossen habe
(act. 8 S. 4 f.). Seit der letzten Verwarnung sei es nur zu einer einzigen Verurteilung
wegen Benützung eines Busses ohne gültigen Fahrausweis gekommen. Dies falle
sicherlich nicht massgeblich ins Gewicht. Die berücksichtigten Delikte seien zudem
teilweise bereits vor dem 17. Altersjahr begangen worden. Sie stünden zudem
vorwiegend in Zusammenhang mit seiner schwierigen finanziellen Situation und seien
auf sein Unvermögen im finanziellen Bereich und bei administrativen Aufgaben
zurückzuführen. Er sei mit 15 Jahren in die Schweiz eingereist und lebe nun seit 28
Jahren hier, was bedeute, dass er zwei Drittel seines Lebens in der Schweiz verbracht
habe. In Serbien habe er keine nahen Verwandten und verfüge dort über kein
Beziehungsnetz. Mit jenem Land verbinde ihn praktisch nichts mehr. Seine Heimat sei
die Schweiz. Zudem würden alle seine Freunde und Bekannten in der Schweiz leben.
Er habe sowohl schweizerische als auch ausländische Kollegen hier. Im Falle einer
Ausweisung wäre er völlig auf sich gestellt und hätte keinen Halt mehr in seinem
Leben. Eine Rückkehr könne ihm auch aus persönlichen und wirtschaftlichen Gründen
nicht zugemutet werden. Er werde mit überdurchschnittlichen Schwierigkeiten
konfrontiert werden, die er mit Sicherheit nicht meistern werde. Die Rückweisung wäre
somit unzumutbar und unverhältnismässig.
3.2.
Der Beschwerdeführer verkennt vorliegend, dass ihm die Tatsache, dass die
wirtschaftliche Situation in der Schweiz besser ist als in Serbien, nicht zum Vorteil
gereichen kann. Er ist wohl seit langer Zeit in der Schweiz, hat aber die prägenden
Kinder- und Jugendjahre in Serbien verbracht und es ist ihm deshalb durchaus
zuzumuten, dort wieder Bekanntschaften zu schliessen oder bisherige zu erneuern.
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
(...).
5.
Seine Integration in der Schweiz muss demgegenüber als gescheitert betrachtet
werden. Er hat es nicht geschafft, sich wirtschaftlich zu integrieren, und bekundet aus
welchem Unvermögen auch immer eine gewisse Mühe mit der Rechtsordnung. Die von
ihm geltend gemachten Schweizer Kollegen hat er trotz weitreichender
Mitwirkungspflicht nicht namentlich bezeichnet und auch keine entsprechenden Belege
eingereicht, weshalb davon ausgegangen werden darf und sogar muss, dass sie nicht
existieren. Den Kontakt mit seiner Familie, soweit sie in der Schweiz lebt, kann er im
Rahmen von Ferienaufenthalten und via Skype und ähnliche Kommunikationsmittel
pflegen; eine besondere Nähe zu diesen geht aus den Akten nicht hervor. Es bestehen
sodann konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer sich während des
Rekursverfahrens für längere Zeit in seiner Heimat aufgehalten hat, wo er am
14. November 2020 eine Landsfrau heiratete. Dies weist darauf hin, dass die soziale
(Wieder-)Integration in Serbien nicht mit besonderen Schwierigkeiten verbunden sein
wird. Der Beschwerdeführer ist gesund, und es wird ihm mit der Arbeitserfahrung in der
Schweiz vergleichsweise einfach fallen, sich in Serbien wirtschaftlich zu integrieren. Der
Beschwerdeführer hat somit trotz seiner langen Verweildauer in der Schweiz ein recht
geringes (objektiviertes) persönliches Interesse am Verbleib hier. Demgegenüber steht
das doch gewichtige Interesse der (potentiellen) Schweizer Gläubiger, auch wenn
dieses von geringerem Gewicht erscheint als dasjenige an der Wegweisung straffälliger
oder dauernd sozialhilfeabhängiger Personen (dazu BGer 2C_573/2019 vom 14. April
2020 E. 2.2 und 2C_789/2017 vom 7. März 2018 E. 3.3.1, zum Ganzen auch: M.
Spescha, in: Spescha et al. [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 11 zu
Art. 62 AIG sowie N 17 zu Art. 63 AIG), das durch die strafrechtliche Auffälligkeit des
Beschwerdeführers noch verstärkt wird, wenn auch nicht massgeblich. Insgesamt
überwiegt damit das öffentliche Interesse der Schweiz an der Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers dessen persönliche Interessen. Die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung ist damit keineswegs unzumutbar oder
unverhältnismässig.
(...).
5.1.
(...).
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte