Decision ID: b16aa32a-fe0a-4745-8136-f2b7d7458569
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
1.1.1
X._
, geboren 1984, war ab 1. August 2015 als Automobil-Assistent EBA
bei der
Y._
in
Z._
angestellt und bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als er sich am 10. Juli 2016 nach einem Sprung von einer kleinen Mauer am rechten Knie verletzte (Urk. 3/1).
Die medizinische Erstversorgung fand bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Infektiologie, statt; es wurde eine Kniekontusion rechts diagnostiziert (Urk. 3/6
S. 1
).
Die Suva erbrachte Heilbehandlungs- und Taggeld
leistungen (vgl. Urk. 2/2 S. 2
lit. A
).
Am 26. August 2016 fand am Röntgeninsti
tut
B._
eine MRI-Untersuchung des rechten Knies statt (Urk. 3/26).
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
vom
Zentrum D._
untersuchte den Versicherten am 10. Oktober 2016 (Urk. 3/15)
und 17. Januar 2017 (Urk. 3/16)
.
1.1.2
Am 3. Februar 2017 wurde der Suva ein Rückfall gemeldet (Urk. 3/17
; vgl. dazu auch Urk. 3/23
). Der Versicherte wurde erneut von
Dr.
C._
untersucht (Urk. 3/22
und 3/24
)
und am 8. März 2017 im
Spital E._
am rechten Knie operiert (diagnostische Arthroskopie, MPFL-Rekonstruktion [Gracilis] nach Schmeling; Urk. 3/32).
Kreisarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Radiologie, nahm am
9.
und 14.
März 2017 Stellung (Urk. 3/27
-28
).
In der Folge wurde der Versicherte physiotherapeutisch behandelt; es fanden ärztliche Kontrollen statt (vgl. Urk. 3/36-45). Ab dem 21. Juni 2017 war der Versicherte wieder zu 100 % arbeitsfähig (vgl. Urk. 3/46).
1.2
1.2.1
Vom 14. November bis 2
2.
Dezember 2017 war der Versicherte als Automobil-Assistent bei der
G._
AG in
H._
angestellt und wiederum bei der Suva unfallversichert, als er am 27. November 2017 beim Einlagern von Pneus von einer Leiter stürzte und sich dabei am rechten Knie verletzte (Urk. 4/1).
Die medizinische Erstversorgung fand wiederum bei
Dr.
A._
statt. In der Folge fanden wiederum physiotherapeutische Behandlungen und ärztliche Kontrollen bei
Dr.
C._
statt (vgl. Urk. 4
/4). Die Suva erbrachte erneut
Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen (vgl.
Urk.
2/2 S. 2
lit. B
).
Am 27. Dezember 2017 wurde der Versicherte von
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Orthopädische Chirur
gie, und Assistenzarzt
J._
vom
Zentrum D._
unter
sucht (Urk. 4/16)
, wo er auch hernach weiter betr
e
ut wurde (vgl. Urk. 4/
21,
4/25
und 4/35
).
1.2.2
Kreisarzt
Dr.
med.
K._
, Arzt für Allgemeinmedizin, von der Suva-Abteilung Versicherungsmedizin erklärte am 12. März 2018, dass der Versicherte wieder zu 100 % arbeitsfähig sei (Urk. 4/33), was diesem mit Schreiben vom 14. März 2018 (Urk. 4/34) mitgeteilt wurde.
Mit dieser Einschätzung war der Versicherte nicht einverstanden (vgl. Urk. 4/37). Auch
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom
Zentrum D._
konnte sich der Einschätzung der Suva nicht anschliessen (vgl. Urk. 4/38).
Dr.
K._
hielt in der Stellungnahme vom 6. April 2018 an seiner Auffassung fest (Urk. 4/41).
Dr.
L._
vertrat am 11. April 2018 weiterhin eine gegenteilige Auffassung (Urk. 4/46).
1.2.3
Am 7. Juni 2018 musste sich der Versicherte im Kantonsspital
M._
einem operativen Eingriff unterziehen (Neurolyse und Neurotomie Ramus
infrapatellaris
Nervus
saphenus; Urk. 4/51).
Dr.
K._
äusserte sich am 1
5.
und 21
.
Juni 2018 zum vorliegenden Fall (Urk. 4/56-57). Der Leitende Arzt
Dr.
med.
N._
vom Kantonsspital
M._
erstattete am 20. August 2018 seinen Bericht (Urk. 4/62). Am 23. August 2018 wurde das rechte Kniegelenk sonographisch untersucht (Urk. 4/63)
.
1.3
1.3.1
Am
7. März 2019 wurde der Suva gemäss Schadenmeldung UVG ein Rückfall zum Ereignis vom 27. November 2017 [nach Auffassung der Suva wohl: zum Ereignis vom 10. Juli 2016] gemeldet (Urk. 3/83
; Rückfalldatum: 1. Januar 2019 [vgl. Urk. 3/91]
). Die Suva erbrachte in der Folge wiederum Versicherungsleis
tungen (vgl. Urk. 2/2 S. 2 lit. C).
Dr.
med.
O._
, stellvertretender Leitender Arzt am Kantonsspital
B._
, erstattete am 18. März
und 2
0.
April
2019 Bericht (Urk. 3/89; Urk. 3/103).
Dr.
L._
untersuchte den Versicherten am
9.
und 24. Mai 2019 (Urk. 3/114).
Dr.
med.
P._
, Ärztlicher Leiter der Klinik für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie des Spitals
E._
, berichtete am 11. Juli und 27. August 2019 (Urk. 3/138 und 3/140).
Dr.
med.
Q._
, Facharzt FMH für Neurologie, untersuchte den Versicherten am 17. September 2019 (Urk. 3/149).
Dr.
K._
reichte am 12. November 2019 seinen Bericht zu den Akten (Urk. 3/175).
1.3.2
Mit Verfügung vom 20. November 2019 (Urk. 3/176)
verneinte die Suva ihre Leistungspflicht hinsichtlich des Ereignisses vom 10. Juli 2016 mit der Begrün
dung, dass auf kein wahrscheinliches Unfallereignis als Ursache der Beschwerde
symptomatik geschlossen werden könne, sondern auf eine ausschliesslich vorbestehende, bekannte Tendenz zur Patella-Subluxation. Deshalb
würden
die Versicherungsleistungen per sofort ein
gestellt
. Die Taggeldleistungen würden ab
dem 13. August 2019 eingestellt. Auf eine Rückforderung der bisher bezahlten Aufwendungen werde verzichtet.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 18. Dezember 2019 (Urk. 3/187; vgl. auch Urk. 3/194) Einsprache erheben.
1.4
Mit Verfügung vom 20. Juli 2020 (Urk. 4/67) verneinte die Suva ihre Leistungs
pflicht
auch
hinsichtlich des Ereignisses vom 27. November 2017 mangels eines Kausalzusammenhanges zwischen dem genannten Ereignis und de
n Beschwerden am rechten Knie.
Auch
gegen
diese Verfügung
liess der Versicherte mit Eingabe vom 20. August 2020 (Urk. 4/75; vgl. auch
Urk.
4/82)
Einsprache
erheben.
1.5
Mit Einspracheentscheid vom 8. Februar 2021 (Urk. 2/2) wies die Suva beide Einsprachen des Versicherten ab.
2.
Dagegen
erhob
der Versicherte mit Eingabe vom 10. März 2020 (Urk. 2/1) Beschwerde am Versicherungsgericht des Kantons Aargau. Dieses trat auf die Beschwerde mit Urteil vom 10. Juni 2021 (Urk. 1) mangels örtlicher Zuständigkeit nicht ein und überwies die Sache nach Eintritt der Rechtskraft an das hiesige Gericht.
In ihrer Beschwerdeantwort vom
7. Oktober 2021 (Urk. 7) schloss die Suva auf Abweisung der B
eschwerde, was dem Versicherten zur Kenntnis gebracht wurde (vgl. Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des
UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Eines der hier zu beurteilenden Ereignisse (Sprung von einer kleinen Mauer [vgl. Sachverhalt Ziff. 1.1.1]) hat sich am 10. Juli 2016
ereignet, weshalb
insoweit
die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
Demgegenüber sind in Bezug auf das zweite Ereig
nis vom 27. November 2017 (Sachverhalt Ziff. 1.2.1) die ab 1. Januar 2017 gültigen Bestimmungen anwendbar.
2.
2.1
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustan
des erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali
denversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e contrario).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG).
2.2
2.2.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
2.2.2
Gemäss Art. 9 Abs. 2
altUVV
waren folgende, abschliessend aufgeführte Körper
schädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen waren, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen;
c.
Meniskus
risse
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Bei den unfallähnlichen Körperschädigungen im Sinne von Art. 9
Abs.
2
alt
UVV
entfällt im Vergleich zu den eigentlichen Unfällen nach
Art.
4 ATSG einzig das Tatbestandselement der Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors. Alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalles müssen hingegen auch bei den unfallähnlichen Körper
schädigungen erfüllt sein. Dies gilt nament
lich für das Erfordernis des einwirkenden äusseren Faktors an sich, worunter ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnfälliger – eben unfallähnlicher – Einfluss auf den Körper zu verstehen ist. Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer körpereigenen Bewegung bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 327 E. 3.1, 3.3.1; 129 V 466 E. 2.2, 4.1; 123 V 43 E. 2b).
Erforderlich für die Bejahung eines äusseren Faktors ist ein gesteigertes Schädi
gungspotenzial, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden Faktors. Die physiologische Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_696/2013 vom 1
4.
November 2013 E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E. 3.3.1, 129 V 466 E. 4.2.2, 4.3). Ein äusserer Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn die zur Diskussion stehende Betätigung mit einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers, insbeson
dere seiner Gliedmassen, verbunden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E. 3.3.1). Erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, so etwa beim plötzlichen Aufstehen aus der Hocke, bei heftigen belastenden Bewegungen oder bei einer wegen äusserer Einflüsse unkontrollier
bar gewordenen Positionsänderung (vgl. BGE 129 V 466 E. 4.2.3, Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3).
2.3
2.3.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.3.2
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegrün
dende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweislast
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallver
sicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteile des Bundesgerichts 8C_600/2021 vom 3. März 2022 E. 3.2 und 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2, je mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
2.3.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2.4
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfall
ereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversiche
rung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in
fine
). Es obliegt dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines Kausalzusam
menhangs zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge geltend gemachten Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungs
pflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stellen, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist. Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (Urteile des Bundesgerichts 8C_627/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 2.3 und 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.2, je mit Hinweisen).
2.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.6
Praxisgemäss
stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die sogenannten spontanen «Aussagen der ersten Stunde» ab, denen in
beweismässiger
Hinsicht
grösseres
Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2, 121 V 45 E. 2a, je mit Hinweisen).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht im angefochtenen Einspracheentscheid (Urk. 2/2) im Wesentlichen mit der Begründung, dass der Beschwerdeführer beim Vorfall vom 10. Juli 2016 weder einen Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung (Fehlen einer Listenverletzung sowie eines sinnfälligen Ereignisses) erlitten habe und dass die über den 12. August 2019 hinaus persistierenden Kniebeschwerden auch nicht auf das Ereignis vom 27. November 2017 zurückzuführen seien.
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses führte die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen aus (Urk. 7), dass
der Beschwerdeführer am 10. Juli 2016 von einer Mauer gesprungen sei und bei der Landung einen Schmerz im rechten Knie verspürt habe, ohne dass sich etwas Besonderes ereignet habe. Damit fehle es am Erfordernis des ungewöhnlichen äusseren Faktors. Auch die nachträglich ausge
schmückten Schilderungen des Beschwerdeführers würden daran nichts ändern. Im Übrigen sei auch kein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereig
nis vom 10. Juli 2016 und den gemeldeten Kniebeschwerden gegeben. Das ergebe sich eindeutig aus den medizinischen Akten. Die Pathologie beruhe auf einer ausschliesslich anlagebedingten Fehlbildung und sei keine Unfallfolge. In B
ezug auf den Unfall
vom 27. November 2017 komme der Kreisarzt unter Hinweis auf die bildgebend und intraoperativ
erhobenen Befunde
in überzeugender Weise zum Schluss, dass der genannte Unfall zu keinen strukturell objektivierbaren Verletzungen, sondern lediglich zu einer vorübergehenden Beschwerdesympto
matik geführt habe und dass die Operation vom 7. Juni 2018 auf die unfallfremde Voroperation vom 8. März 2017 zurückzuführen sei.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers seien auch die Ausführungen des behandelnden Arztes
Dr.
L._
, der eine Verletzung der Nervenstruktur durch den Unfall vom
27. November 2017 für möglich gehalten habe, nicht geeignet, Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der kreisärztlichen Beurteilung zu erwecken.
3.2
Demgegenüber liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vortragen (Urk. 2/1), dass er sowohl am 10. Juli 2016 als auch am 27. November 2017 je einen Unfall erlitten habe (S. 3). Er sei sich
nicht der Tragweite seiner Antwort bewusst gewesen
, als er im Standardfragebogen die Frage, ob sich
beim Ereignis vom 10. Juli 2016
etwas Besonderes ereignet habe, verneint habe. Es sei viel
-
mehr überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer eine Sprung- beziehungsweise Aufprallverletzung erlitten habe, als er nach dem Sprung von der Mauer mit nach aussen abgewinkelten Beinen gelandet sei, was keineswegs dem beabsichtigten Ablauf des Sprungs entsprochen habe.
Er habe möglichst mit beiden Füssen gleichzeitig und gerade landen und sicher nicht seinem vorbelas
teten Knie eine derart ungünstige Krafteinwirkung zumuten wollen (X-Beinstel
lung). Der Sprung und die Landung seien planwidrig verlaufen, weshalb ein Unfall im Rechtssinne vorliege (S. 4). Zudem sei auch der Unfall vom 27. Novem
ber 2017 zumindest mitverantwortlich für die gesundheitlichen Probleme, namentlich für die von
Dr.
L._
beschriebene Nervenproblematik (S. 4 f.). Hinsichtlich der kreisärztlichen Beurteilung sei darauf hinzuweisen, dass auf eine solche ohne weitere Abklärungen nur abgestellt werden könne, sofern keine auch nur geringen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Feststellungen vorhanden seien. Dies sei vorliegend nicht der Fall, denn Kreisarzt
Dr.
K._
habe sich nicht nur unzulässigerweise zu juristischen Aspekten geäussert (Verneinung des Unfallbegriffs), sondern sei auch von einem unzutreffenden Sachverhalt (keine kleine Mauer) ausgegangen und
habe die Aussagen von
Dr.
L._
falsch verstanden (S. 5 f.). Die beschwerdegegnerische These, dass sich die Beschwerde
symptomatik ausschliesslich auf eine vorbestehende Tendenz zur Patella-Subluxation zurückführen lasse, nicht jedoch auf ein Unfallereignis, sei nicht schlüssig (S. 6 f.).
3.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die vom Beschwerdeführer geklagten Gesundheits
beeinträchtigungen auf die Ereignisse vom 10. Juli 2016 und/oder 27. November 2017 zurückzuführen sind. Hinsichtlich des Ereignisses vom 10. Juli 2016 ist zudem umstritten, ob ein Unfall im Rechtssinne vorliegt. Bezüglich des Ereignis
ses vom 27. November 2017 steht hingegen fest, dass es den Unfallbegriff
erfüllt. Des Weiteren gehen die Parteien zutreffend davon aus, dass
mangels Vorliegen einer sogenannten Listenverletzung keine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne des oben in E. 2.2.2 gegeben sein kann.
4.
Von den zahlreichen medizinischen Berichten, die sich in den Akten befinden, werden nachfolgend nur diejenigen auszugsweise wiedergegeben, die geeignet erscheinen, Aufschluss über die vorliegend zu klärenden Fragen zu geben.
4.1
Dr.
A._
erhob am 11. Juli 2016, am Tag nach dem Ereignis vom 10. Juli 2016, folgenden Befund: «Minimale Schwellung des rechten K
nies.
Druckdolenz
lateral
parapa
tellär
und im Bereich des Gelenkspaltes.» Der Röntgenbefund war unauffällig. Es wurde eine Kniekontusion rechts diagnostiziert (Urk. 3/6).
4.2
Dr.
C._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 11. Oktober 2016 (Urk. 3/15) eine
Patellainstabilität
bei Status nach Patellaluxation mit
Lateralisations
t
en
d
enz
am rechten Knie. Der Beschwerdeführer habe berichtet, im Juli 2016 von einer Mauer gesprungen zu sein und dabei im leichten Valgus gelandet zu sein mit stechendem Schmerz im Kniegelenk und leichter medialer Schwellung. Im MRT Knie rechts würden sich keinen Binnenläsionen in Hinsicht auf Meniskus oder Kreuzbänder zeigen. Es seien Einblutungen im Bereich des MPFL-Ansatzes vorhanden (vgl. auch Urk. 3/16 und 3/22).
4.3
Dr.
L._
führte im Operationsbericht vom 8. März 2017 (Urk. 3/32) aus, dass der Beschwerdeführer unter einer Patella-Instabilität mit rezidivierenden Luxationen leide. Bei nur leichtgradiger
Trochleadysplasie
sei die Indikation zur MP
FL-Rekonstruktion durch
Dr.
C._
gestellt worden
.
4.4
Dr.
L._
konnte am 25. April 2017 darüber berichten, dass sich äusserlich ein reizarmes Kniegelenk, reizfreie Narben und (nur) leichte
Druckdolenzen
im Bereich des medialen
Patellaoberpoles
zeigten. Die Haltefunktion der MPFL-Rekonstruktion sei gut. Es gebe keine
Subluxierbarkeit
mehr. Die Beweglichkeit sei sehr gut. Die Muskulatur sei sehr schlecht aktivierbar (Urk. 3/38).
4.5
Dr.
A._
berichtete am 18. Dezember 2017 darüber, dass der Beschwerde
führer tags zuvor ausgerutscht, auf das rechte Bein gefallen (Fallhöhe: etwa ein Meter) und auf die rechte Seite gekippt
sei
. Der Beschwerdeführer habe über Schmerzen medial im rechten Knie geklagt. Es wurde folgender Befund erhoben: «
Druckdolenz
im Bereich des medialen Gelenkspaltes und im Bereich des
Pes
anserinus.» Der Röntgenbefund sei unauffällig (Urk. 4/13).
4.6
Dr.
L._
äusserte sich am 21. März 2018 dahingehend, dass am Knie rechts noch eine Reizung im Ramus-
infrapatellaris
-Bereich mit einer
Druckdolenz
über dem proximalen Condylus mit Ausstrahlung nach distal vorliege. Sonst sei die P
a
tella stabil geführt. Knien sei aufgrund der Beschwerdesymptomatik nicht möglich (Urk. 4/38).
4.7
Kreisarzt
Dr.
K._
führte am 4. April 2018 aus,
Dr.
L._
habe selbst festgestellt, dass aktuell kniende Tätigkeiten und schwere Belastungen nicht möglich seien. Daraus resultiere, dass in angepasster, körperlich leichter bis mittelschwerer Tätigkeit ohne Knien und Kauern eine ganztägige Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Unter Einhaltung dieser Kriterien wäre selbst eine Teilarbeitsfähigkeit als Auto
mobilassistent gegeben (Urk. 4/41).
4.8
Am 21. Juni 2018 bestätigte
Dr.
K._
(Urk. 4/57), dass hinsichtlich des Unfalls vom 27. November 2017 keine behandlungsbedürftigen Unfallfolgen mehr vorlägen und dass die weitere Behandlungsbedürftigkeit ausschliesslich auf das Ereignis vom 10. Juli 2016 zurückzuführen sei. Dasselbe gelte für die Arbeits
unfähigkeit; diese sei auf das Ereignis vom 10. Juli 2016 zurückzuführen beziehungsweise auf die deshalb notwendig gewordene Operation vom 7. Juni 201
8.
Die Dauer der postoperativen Arbeitsunfähigkeit betrage bei regulärem Verlauf zwei Wochen (angepasste Tätigkeit) beziehungsweise vier Wochen (bisherige Tätigkeit).
4.9
Dr.
N._
hielt in seinem Bericht vom 20. August 2018 (Urk. 4/62) allerdings fest, dass das rechte Knie des Beschwerdeführers
medialseitig
im Operationsgebiet geschwollen sei. Die Narbe sei gerötet. Es bestehe der Verdacht auf ein neu aufgetretenes Neurom im Bereich des
neurotomierte
n
Ramus
infrapatellaris
. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100 %.
4.10
Dr.
O._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 18. März 2019 (Urk. 4/64) eine komplexe Schmerzsituation am rechten Knie bei Status nach MPFL-Rekonstruktion 03/2017 und eine
N
eurolyse Neurotomie des Ramus
infrapatella
ris
Nervus
saphenus rechts 06/2018 sowie eine Anpassungsstörung.
4.11
In seinem Bericht vom 3. Juni 2019 stellte
Dr.
L._
folgende Diagnosen (Urk. 3/114):
Knie rechts: Persistierende Neuropathie und Schmerzen mediale Kapsel bei
-
St.
n. Neurotomie Ramus
infrapatellaris
04.09.2019 bei
-
Neurotomie Ramus
infrapatellaris
07.06.2018 bei
-
St.
n. MPFL-Rekonstruktion 08.03.2017 mit erneuter Kniege
l
e
nksdistorsion und Zerrung femoraler Ansatz 20.11.2017 und Zerrung femoraler Ansatz 20.11.2017
4.12
Dr.
Q._
äusserte sich am 17. September 2019 dahingehend, dass er die Diagnose einer Neuropathie/Neuralgie des Ramus
infrapatellaris
des
Nervus
saphenus rechts bestätigen könne. Neben einer leicht verminderten Sensibilität im Bereich
des Ramus
infrapatellaris
rechts könnten durch Beklopfen des Gebietes messer
stichartige Missempfindungen ausgelöst werden. Die Beschwerden würden für ein Neurom beziehungsweise einen
demyelinisierten
Nerv sprechen (Urk. 3/149).
4.13
Kreisarzt
Dr.
K._
führte in seinem Bericht vom 12. November 2019 (Urk. 3/175) aus, dass kein
wahrscheinlicher unfallbedingter
Gesundheitsschaden ersichtlich sei, der eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt haben könnte. Anlässlich des Ereigniss
es
vom 10. Juli 2016
sei keine Patellaluxation dokumentiert worden, mit welcher in späteren Beurteilungen
die Übernahme der Oper
ation des MPFL (mediales
patella
femorale
s
Ligament)
begründet worden sei. Im Erstunter
suchungsbefund vom 11. Juli 2016 (eine
n
Tag nach dem geltend gemachten Ereignis) werde festgehalten, dass eine minimale Schwellung des rechten Kniege
lenks mit
Druckdolenz
lateral
parapatellär
und im Bereich des Gelenkspalts bestanden habe. Es sei die Diagnose einer Knieko
ntusion rechts gestellt worden. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass bei Durchsicht der gesamten Dokumen
tation keine Patellaluxation ausgewiesen sei und dass die Beschwerdesymptoma
tik mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliesslich aus einer anlagebeding
ten, chronischen Luxationstendenz bei
Trochleadysplasie
resultiere. Des Weiteren führte
Dr.
K._
aus, dass seines Erachtens das Ereignis vom 10.
Juli 2016 nicht als Unfall im Rechtssinne zu qualifizieren sei.
4.14
Dr.
K._
hielt in seinem Bericht vom 6. Juli 2020 (Urk. 4/65) fest, dass die
über den 12. August 2019 hinaus geltend gemachten Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 27. November 2017 zurückzu
führen seien. Anlässlich des Ereignisses vom 27. November 2017 sei es überwie
gend wahrscheinlich zu keiner strukturellen Läsion gekommen. Die Beschwerden im Bereich des Kniegelenks seien anlässlich der am 7. Juni 2018 durchgeführten Operation auf ein
Entrapment
des Ramus
infrapatellaris
Nervus
saphenus rechts im Bereich der Narbe nach der Operation (MPFL-Rekonstruktion) vom 8. März 2017 zurückgeführt worden. Intraoperativ sei Folgendes beschrieben worden: «
Subcutan
zeigen sich bereits mehrere Verwachsungen, di
e
s
ukzessive gelöst [werden]. Der N
erv scheint auf Höhe des Narbenbereiches
aufgefiedert
und teilweise in seiner Kontinuität unterbrochen.» Somit handle es sich bei den geklagten Beschwerden um Folgen der im Jahre 2017 durchgeführten Operation und nicht um Folgen des geltend gemachten Ereignisses vom 27. November 2017.
4.15
Dr.
L._
vertrat in seinem Bericht vom 21. August 2020 (Urk. 3/193) die Auffas
sung, dass der Beschwerdeführer zwei Distorsionstraumata erlitten habe, nämlich eines am 1
0
. Juli 2016 mit Patellaluxation und eines am 27. November 2019
[
richtig
: 2017
]
. Möglicherweise sei es im Rahmen d
ies
es U
nfalls
zu einer Verletzung der Nervenstrukturen gekommen, was daraufhin eine Vernarbung mit
Neuro
m
bildung bewirkt habe. Sowohl neurologisch als auch probeinfiltrations
technisch habe sich eine klare Problematik im Ramus-
infrapatellaris
-Bereich gezeigt.
4.16
In seinem Bericht vom 29./30. Oktober
2020 (Urk. 4/85) hielt
Dr.
K._
zusam
menfassend fest, dass die vom Beschwerdeführer beziehungsweise von dessen Rechtsvertreter vorgebrachten Einwände einer Grundlage entbehrten und durch die medizinische Dokumentation widerlegt seien. Weder anlässlich der Arthro
skopie noch der intraoperativ beschriebenen Befunde sei eine strukturelle
Verletzung
(Ruptur) des MPF
L belegt worden. Im MRI vom 26.
August 2016 zeige sich eine Signalstörung des medialen
Retinaculums
vereinbar mit einem Status nach Patellaluxation/
Patellasubluxation
,
Trochleadysplasie
und
eine
minimale Signalalteration der knöchernen Anteile. Dies decke sich mit dem anlässlich der Arthroskopie intraoperativ festgehaltenen Befund sehr laxer Verhältnisse als Folge der
Trochleadysplasie
Typ IV nach
Knutsson
und
Patelladysplasie
Typ IV nach Wiberg. Dass anlässlich der durchgeführten Operation lediglich laxe Band
verhältnisse ohne unfallbedingte strukturelle Läsion bei
Trochlea
- und
Patelladysplasie
behoben worden seien, ergebe sich aus der Tatsache, dass die Struktur- und Stellungsverhältnisse der Patella vor und nach der Operation in der vorliegenden Röntgendokumentation identisch seien.
5.
5.1
5.1.1
Vorweg ist zu prüfen, wie das Ereignis vom 10. Juli 2016 rechtlich zu qualifizie
ren ist. Die Beschwerdegegne
rin verneinte - wie ausgeführt -
, dass der Beschwer
deführer anlässlich dieses Ereignisses einen Unfall oder eine unfallähnliche Körperschädigung (Fehlen einer Listenverletzung sowie eines sinnfälligen Ereignisses) im Rechtssinne erlitten habe. Demgegenüber liess der Beschwerde
führer vortragen, dass es sich um einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG gehandelt habe.
Wie oben in E. 2.6 dargelegt wurde, kommt bei der Sachverhaltsschilderung den sogenannten Aussagen der ersten Stunde in beweisrechtlicher Hinsicht eine besondere Bedeutung zu. Danach ist davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh
rer am 10. Juli 2016
eine kleine Mauer hinabgesprungen ist, um einen Fussball zu holen (Urk. 3/1). Auf die im weiteren Verfahrensverlauf zunehmend dramatischer ausgeschmückten Sachverhaltsdarstellungen, die übersichtsmässig in Urk. 2/2 E. 2.2 wiedergegeben wurden, ist nicht abzustellen. Entsprechendes gilt für die Schilderung in der Beschwerdeschrift, in
der
die Höhe
der Mauer
mit
«bis zu zwei Metern» und eine Landung im nachgebenden weichen Kies mit besonde
rer X
Beinstellung
angegeben wurde
(vgl. Urk. 2/1 S. 2).
Soweit der Beschwerde
führer
sinngemäss
vortragen liess, dass er sich anfangs nicht bewusst gewesen sei, welche Tragweite seine Sachverhaltsschilderungen hätten
(vgl. Urk. 2/2 S. 4), ist er darauf hinzuweisen, dass die Rechtsprechung
den Aussagen der ersten Stunde besondere Beweiskraft zukommen lässt
, weil
d
iese Aussagen üblicher
weise (noch) nicht von Überlegungen versicherungsrechtlicher Natur
beeinflusst
sind
(vgl. oben E. 2.6).
Ein Sprung von einer kleinen Mauer (und davon ist - wie gesagt - auszugehen) erfüllt jedenfalls den Unfallbegriff nicht, und zwar unabhängig davon, ob die Landung auf einem weichen Kiesboden oder einem harten Boden erfolgt. Auch eine allfällige X
Beinstellung ist bei einem Sprung von einer kleinen Mauer nicht von Relevanz. Es ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer am 10. Juli 2016 keinen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat.
Bei einem Sprung von einer kleinen Mauer ist auch das Vorliegen eines «sinn
fälligen Ereignisses» im Sinne der früheren Praxis zu den unfallähnlichen Körperschädigungen (vgl. dazu oben E. 2.2.2) eher zu verneinen, liegt einem solchen Sprung doch kein gesteigertes Schädigungspotential inne.
Letztlich kann
dies aber
offenbleiben, denn - wie a
usgeführt wurde - liegt ohnehin
keine Listen
verletzung im Sinne von Art. 9 Abs. 2
altUVV
vor
.
Damit fällt auch eine unfall
ähnliche Körperschädigung ausser Betracht.
5.1.2
Somit ergibt sich, dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 8. Februar 2021 (Urk. 2/2), soweit die Beschwerdegegnerin damit ihre Leistungspflicht in Bezug auf das Ereignis vom 10. Juli 2016 verneint hat, rechtens ist und dass die Beschwerde insoweit abzuweisen ist.
Festzuhalten ist, dass die Beschwerdegegnerin auf die Rückforderung der bis am 12. August 2019 erbrachten Leistungen verzichtet hat (vgl. Urk. 2/2 S. 2 lit. C).
5.2
5.2.1
Aus den wiedergegeben Arztberichten ist ersichtlich, dass beim Beschwerdeführer nach wie vor erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigungen am rechten Knie vorhanden sind.
Ob allerdings diese Gesundheitsbeeinträchtigungen auf das Unfallereignis vom 27. November 2017 zurückzuführen oder unfallfremder Genese sind, ist aufgrund der vorliegenden Akten nicht eindeutig
zu beantworten
. Während Kreisarzt
Dr.
K._
die Auffassung vertrat, dass der Unfall vom 27. November 2017 nichts mit den Beschwerden zu tun habe, sondern vielmehr laxe Bandverhältnisse vorliegen würden (vgl. etwa E. 4.16), brachte
Dr.
L._
die Hypothese ins Spiel, dass es am 27. November 2017 zu einer Verletzung der
Nervenstrukturen gekommen sei, die zu einer Neurombildung geführt habe (vgl. E. 4.15).
Nach der Auffassung von
Dr.
L._
könnte mithin auch eine neurolo
gische Problematik gegeben sein.
Ob dies der Fall ist, kann durch die vorliegenden medizinischen Akten nicht beantwortet werden.
5.2.2
Gemäss ständiger Praxis (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4) ist auf eine kreisärztliche Einschätzung ohne Weiteres abzustellen, so lange keine Zweifel an ihrer Richtig
keit bestehen. Bestehen allerdings auch nur geringe Zweifel, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen beziehungsweise ist ein Gutachten einzuholen. Angesichts dessen, dass die von der Beschwerdegegnerin veranlassten Abklärun
gen die neurologischen Aspekte des vorliegenden Falls zu wenig berücksichtigt haben, kann auf die Einschätzungen des Kreisarztes, der selbst nicht Facharzt für Neurologie ist, nicht abgestellt werden.
5.3
Demzufolge erweist sich die Sache in Bezug auf den Unfall vom 27. November 2017 als nicht spruchreif. Somit ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzuheissen, dass der Einspracheentscheid vom 8. Februar 2021 (Urk. 2/2), soweit er die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin hinsichtlich der Folgen des Unfalls vom 27. November 2017 verneint, aufzuheben und die Sache insoweit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie die erforderlichen Abklärungen vornehme und hernach über ihre entsprechende Leistungspflicht neu verfüge. Angesichts der Umstände erscheint die Einholung eines versiche
rungsunabhängigen Gutachtens angezeigt.
6.
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer, der durch ein
e
Rechtsschutzversicherung vertreten wurde
und nur teilweise obsiegte, ein
e
angemessen reduzierte Prozessentschädigung in der Höhe von Fr.
1'000.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.