Decision ID: ca7689d1-9b64-4930-bbb1-5008f48d7c0f
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gehilfenschaft zur Verletzung des Bankgeheimnisses etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung - , vom 7. April 2016 (GB150091)
- 3 -
Inhaltsübersicht
Anklage 5
Urteil der Vorinstanz 5
Berufungsanträge 7
I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung 9
1. Einleitung 9 2. Kurzüberblick Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren 9 3. Berufungsverfahren und Gegenstand der Berufung 14
II. Prozessuales 16
1. Allgemeiner Hinweis zur Würdigung der Parteistandpunkte 16 2. Örtliche Zuständigkeit 17 3. Privatkläger 17 4. Privatgutachten von Prof. Dr. D._ 17
III. Schuldpunkt 18
A. ALLGEMEINES 18
1. Anklagevorwurf 18 2. Beweismittel und Grundsätze der Beweiswürdigung 20 3. Unbestrittene Sachverhalte 21 4. Bestrittene Sachverhalte 21 5. Zur Glaubwürdigkeit 23 6. Theoretische rechtliche Ausführungen 24
B. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.B. 31
1. Sachverhalt 31 2. Tatbestandsmässigkeit 43 3. Rechtswidrigkeit: 45
3.1. Vorbemerkung 45 3.2. Prüfung der Wahrung berechtigter Interessen 46
4. Fazit 55
C. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.C. 55
1. Sachverhalt 55 2. Tatbestandsmässigkeit 83
- 4 -
3. Rechtswidrigkeit 84 Prüfung der Wahrung berechtigter Interessen 84 4. Fazit 91
D. GESAMTFAZIT SCHULDPUNKT 91
IV. Sanktion 91
1. Strafe 91 1.1. Strafrahmen und allgemeine Ausführungen 91 1.2. Tatkomponenten 91 1.3. Täterkomponenten 93
1.4. Fazit 94 2. Vollzug 94
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen 94
1. Kostenfolgen 94 2. Entschädigungsfolgen 95
Dispositiv 100
- 5 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 25. Sep-
tember 2013 (Urk. 06.601) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der Gehilfenschaft zur Verletzung des Bankgeheimnisses im Sinne von
Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG in Verbindung mit Art. 26 StGB sowie
- der versuchten Verleitung zur Verletzung des Bankgeheimnisses im
Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. b BankG.
2. Das Verfahren in Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Verletzung des
Schriftgeheimnisses im Sinne von Art. 179 Abs. 1 und Abs. 2 StGB wird ein-
gestellt.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
CHF 340.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
5. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich
vom 11. Juli 2013 beschlagnahmten Gegenstände (act. 02.118):
- Pos. 3/12: Visitenkarte E._, F._ [Zeitung];
- Pos. 4/2: E-Mail Verkehr C._/A._ (Papierform);
- Pos. 4/3: E-Mail Verkehr C._/A._ aus Laptop (215 Seiten);
- Pos. 4/4: Leistungsabrechnung/Zahlungen Klient C._;
- Pos. 4/6: E-Mail Verkehr A._/C._ aus Laptop;
- Pos. 4/7: E-Mail Verkehr "F._" aus Laptop;
- Pos. 4/8: E-Mail Verkehr "G._" aus Laptop;
- Pos. 4/9: E-Mail Verkehr "G._" aus Laptop (Account 2);
- 6 -
- Pos. 4/10: E-Mail Verkehr "H._" aus Laptop;
- Pos. 4/20: E-Mail C._/A._ vom 15. November 2011
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids
auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabholung werden die Ge-
genstände nach Ablauf von 3 Monaten seit Eintritt der Rechtskraft vernich-
tet.
6. Die externe Festplatte Samsung 1,5 TB mit den Sicherungskopien der an-
lässlich der Hausdurchsuchungen vom 13. Januar 2012 sichergestellten
elektronischen Datenträgern sowie 3 CDs (Auswertungen des iPhones des
Beschuldigten und seiner Handyverbindungen sowie exportierte E-Mails)
werden zu den Akten genommen.
7. C._ wird die Stellung als Privatkläger aberkannt.
Auf seine Schadenersatz-, Genugtuungs- und Prozessentschädigungsbe-
gehren wird nicht eingetreten.
8. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'200.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 700.00 Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
10. Der Beschuldigte wird unter solidarischer Haftung mit dem Mitbeschuldigten
C._ verpflichtet, dem Privatkläger B._ für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von CHF 10'886.40 (inkl. MwSt.) zu bezahlen.
Die Forderung in Bezug auf die Spesen in der Höhe von CHF 830 wird auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Im Mehrbetrag wird die Entschädi-
gungsforderung des Privatklägers B._ abgewiesen.
- 7 -
Berufungsanträge:
Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 68 S. 1)
1. Es seien die Ziffern 1, 3, 4, 8, 9 und 10 des bezirksgerichtlichen Urteils
vom 7. April 2016 aufzuheben.
1. Es sei der Beschuldigte A._ vollumfänglich freizusprechen.
2. Die Zivilforderung des Privatklägers 2 B._ sei abzuweisen, soweit
darauf eingetreten werden kann.
3. Die Anschlussberufungen der Staatsanwaltschaft III sowie des Privat-
klägers 2 B._ seien abzuweisen, auf die Berufung des Zweitberu-
fungsklägers C._ sei nicht einzutreten.
4. Es sei dem Beschuldigten A._ aus der Staatskasse zu bezahlen:
a) eine Entschädigung von Fr. 14'649.00 sowie eine Entschädigung
im Umfange der heutigen Verhandlungsdauer;
b) eine Genugtuung in angemessener Höhe.
Die Kosten- und Entschädigungsfolgen des erst- sowie zweitinstanzli-
chen Verfahrens seien ausgangsgemäss zu regeln.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich:
(Urk. 67)
1. In Abänderung von Ziff. 3 und 4 des Urteilsdispositivs des Urteils des
Einzelrichters in Strafsachen am Bezirksgericht Zürich vom 7. April
2016 (GB150091) sei der Beschuldigte A._ mit einer Geldstrafe
von 150 Tagessätzen zu je CHF 340.00, wobei der Vollzug der Geld-
strafe unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit aufzuschieben sei,
- 8 -
sowie einer Busse von CHF 1'000.00, bei schuldhaftem Nichtbezahlen
ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 2 Tagen, zu bestrafen.
2. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
c) Des Vertreters des Privatklägers:
(Urk. 64 S. 1 f.)
1. Es seien C._ und A._ solidarisch zu verpflichten, dem Privat-
kläger gestützt auf Art. 433 StPO für die Aufwendungen im erstinstanz-
lichen Verfahren eine Entschädigung von CHF 24'519.25 zu leisten.
2. Es seien C._ und A._ solidarisch zu verpflichten, dem Privat-
kläger für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von
CHF 3'048.50 zu leisten.
3. Es sei dem Unterzeichner als Vertreter des Privatklägers das persönli-
che Erscheinen an der Berufungsverhandlung vom 23.6.2017 zu erlas-
sen bzw. sei der Unterzeichner als Vertreter des Privatklägers von der
Teilnahme an der Berufungsverhandlung zu dispensieren.
4. Es seien dem Privatkläger die Urteilsdispositive und die schriftlich be-
gründeten Urteile zuzustellen.
- 9 -

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung
1. Einleitung
Die Verfahrensgeschichte und der Prozessverlauf vor erster Instanz ergeben sich
aus dem angefochtenen Urteil. Auf diese korrekten und sehr detaillierten Ausfüh-
rungen kann vorab verwiesen werden (Urk. 48 S. 5-15; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Kurzüberblick Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren
2.1 Medienartikel und Eröffnung der Strafverfahren gegen C._
und den Beschuldigten
Am tt. Dezember 2011 wurden in einem Artikel des I._ [Zeitung] unter der
Schlagzeile "Stolpert SNB-Chef B._ über seine schöne Frau?" Gerüchte
thematisiert, wonach die Ehefrau des damaligen Nationalbankpräsidenten kurz
vor Festsetzung des Euro-Mindestkurses von FR. 1.20 pro Euro am 6. Sep-
tember 2011 US-Dollar gekauft habe. Da der US-Dollar Kurs nach Festsetzung
dieser Mindestgrenze von rund 78 auf 88 Rappen stieg, wurde gemutmasst, ob
sie vom Insiderwissen ihres damaligen Ehemannes, B._, zu profitieren ver-
sucht haben könnte (Urk. 05.002).
Am 1. Januar 2012 um 07.00 Uhr gelangte C._ an die Kantonspolizei Zürich,
Kasernenstrasse 29 in Zürich, um eine Meldung betreffend ein Insidergeschäft
des damaligen Nationalbankpräsidenten zu machen, wobei er von einem Miss-
stand sprach. Eine Anzeige gegen eine bestimmte oder unbekannte Person wollte
er nicht erstatten (Urk. 00.101 S. 2). In der anschliessenden Befragung durch die
Kantonspolizei Zürich legte C._ dar, dass er als Mitarbeiter im Bereich Infor-
matik bei der Bank J._ etwa am 12. Oktober 2011 durch andere Mitarbeiter
mitbekommen habe, dass der Präsident der Schweizerischen Nationalbank im
Rahmen einer Dollartransaktion allenfalls sein berufliches Wissen für ein privates
- 10 -
Insidergeschäft genutzt haben könnte (Urk. 00.103 S. 1). Weiter erklärte er, des-
wegen den Beschuldigten, den er als seinen Rechtsanwalt bezeichnete, kontak-
tiert und um Rat zum korrekten Weg gefragt zu haben, diese ihm bekannt gewor-
denen Dollartransaktionen überprüfen zu lassen. Der Beschuldigte habe in dieser
Sache dann mit dem damaligen Nationalrat G._ Kontakt aufgenommen
(Urk. 00.103 S. 1 f.).
Die Kantonspolizei Zürich informierte die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zü-
rich am 3. Januar 2012 über diese Mitteilungen von C._ (Urk. 00.007).
In der Ausgabe der F._ vom tt. Januar 2012 erschien sodann ein Artikel mit
dem Titel "Spekulant B._". Darin war unter anderem ein Auszug des Bank-
kontos von B._ bei der Bank J._ (die heutige Bank K._ AG hiess
bis 2013 Bank J._ ... AG, nachfolgend als Bank J._ bezeichnet) abge-
druckt. Dem Artikel war zu entnehmen, dass der angebliche Dollar-Kauf der Ehe-
frau von B._ über ein auf ihn lautendes Konto abgewickelt worden sei. Ge-
mäss diesem Kontoauszug seien am 15. August 2011 für FR. 400'000 US-Dollar
gekauft worden. Nach der Festsetzung des Euro-Mindestkurses vom
6. September 2011 seien die gekauften rund USD 500'000 Anfang Oktober 2011
mit einem Gewinn von rund FR. 75'000 wieder verkauft worden. Ausserdem wur-
de davon berichtet, dass sich ein Mitarbeiter der Bank J._ im Oktober 2011
mit den Informationen über diese Dollar-Transaktion an seinen Rechtsanwalt ge-
wandt habe und dass danach auch der damalige Nationalrat G._ darüber in-
formiert worden sei, welcher diese Erkenntnisse wiederum der damaligen Bun-
despräsidentin L._ weitergeleitet habe (Urk. 00.336 und Urk. 00.337).
Mit Schreiben vom 5. und 9. Januar 2012 erstattete die Bank J._ bei der
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich Strafanzeige gegen C._ sowie ge-
gen Dritte. Sie ging davon aus, dass es sich um Verletzungen des Bankgeheim-
nisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG sowie des Geschäftsgeheimnisses
im Sinne von Art. 162 Abs. 1 StGB handle (Urk. 00.001 und Urk. 00.006).
Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 5. Januar 2012
wurde gegen C._ wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die
- 11 -
Banken und Sparkassen ein Strafverfahren eröffnet (Urk. 03.101) sowie mit weite-
rer Verfügung vom 6. Januar 2012 um den Tatbestand der Verletzung des Ge-
schäfts- und Fabrikationsgeheimnisses erweitert (Urk. 03.102).
Mit Verfügung derselben Staatsanwaltschaft vom 12. Januar 2012 wurde gegen
den Beschuldigten wegen Verletzung des Bankgeheimnisses, des Geschäftsge-
heimnisses sowie des Berufsgeheimnis ein Strafverfahren eröffnet (Urk. 03.103)
und mit weiterer Verfügung vom 20. Juni 2013 um den Tatbestand der Verletzung
des Schriftgeheimnisses im Sinne von Art. 179 StGB erweitert (Urk. 03.121).
Mit der Erklärung, nicht belegen zu können, dass seine Ehefrau die Dollarkäufe
ohne sein Wissen getätigt habe, trat B._ in der Folge am 9. Januar 2012 als
Präsident der Schweizerischen Nationalbank zurück.
In der Zeit vom 10. Januar bis 30. Oktober 2012 stellte C._ diverse Strafan-
träge gegen den Beschuldigten, so wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses
(Anwaltsgeheimnisses) im Sinne von Art. 321 StGB (Urk. 01.305 S. 16; Urk.
00.014), wegen Verletzung des Schriftgeheimnisses im Sinne von Art. 179 Abs. 1
und Abs. 2 StGB (Urk. 00.011) und wegen Körperverletzung (Urk. 00.113; Urk. 48
S. 7 f.).
2.2 Diverse Zwangsmassnahmen
2.2.1 Hausdurchsuchungen, Sicherstellungen und Beschlagnahmungen
Sowohl die Privatwohnung des Beschuldigten in M._ als auch seine An-
waltskanzlei damals in N._ wurden gestützt auf zwei Durchsuchungsbefehle
der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 12. und 13. Januar 2012 in
Anwesenheit des Beschuldigten durchsucht. Dabei kam es zu Sicherstellungen
diverser Datenträger und Unterlagen. Zudem wurde das iPhone des Beschuldig-
ten mit dessen Einverständnis gespiegelt. Die erlangten Daten wurden auf einer
externen Festplatte gespeichert und zusammen mit einem Grossteil der Unterla-
gen unter Siegelung zu den Akten genommen (Urk. 48 S. 8 f.).
- 12 -
Mit Zustimmung des Beschuldigten wurden sämtliche Daten, Inhalte und Verbin-
dungsfeststellungen in Bezug auf C._, die Bank J._ und den gesamten
Fallkomplex gesichert, ausgewertet und zuhanden der Strafuntersuchungsbehör-
de auf einem externen Datenträger gespeichert (Urk. 48 S. 9 f.).
Die Beschlagnahmungen der Daten namentlich betreffend diversen E-Mail-
Verkehr erfolgten mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 11. Juli 2013
(Urk. 02.118), während die übrigen sichergestellten Gegenstände und Datenträ-
ger dem Beschuldigten in drei Etappen 2012/2013 wieder ausgehändigt wurden.
2.2.2 Editionsersuchen an die Bank J._
Aufgrund diverser Verfügungen der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich
vom Januar und Februar 2012 edierte die Bank J._ sämtliche Unterlagen
und Dokumente im Zusammenhang mit den vorliegend eingeklagten Geheimnis-
verletzungen sowie ihren internen Untersuchungsbericht. Weiter wurde am 5. Ja-
nuar 2012 der Arbeitsplatz von C._ überprüft, unter Sicherstellung diverser
Gegenstände (Urk. 01.10.1 bis Urk. 01.10.32). Der sichergestellte PC wurde aus-
gelesen und die darauf enthaltenen Daten auf einer externen Festplatte gespei-
chert (Urk. 01.103 und Urk. 01.105 S. 9).
2.2.3 Aktenbeizugsgesuch an den Bundesrat
Am 20. Januar 2012 erhielt die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
Rechtsdienst des Eidgenössischen Finanzdepartements die erbetenen Notizen
von L._ zu den Gesprächen mit G._ vom 5., 13. und 15. Dezember
2011 einschliesslich der Mitteilung, wer an diesen Gesprächen jeweils teilge-
nommen habe (Urk. 01.11.1 und Urk. 01.11.3).
2.2.4 Rückwirkende Telefonüberwachung
Nach entsprechender Genehmigung der rückwirkenden Telefonüberwachung der
Rufnummer des Beschuldigten, ..., vom 3. August 2011 bis am 13. Januar 2012
durch das Zwangsmassnahmengericht des Obergerichts ordnete die Staatsan-
waltschaft III des Kantons Zürich am 2. Februar 2012 auch die Auswertung der
- 13 -
rückwirkenden Teilnehmeridentifikation durch die Kantonspolizei Zürich an
(Urk. 02.201 ff.).
2.3 Verteidigung
Seit 6. Januar 2012 ist der Beschuldigte durch Rechtsanwalt Dr. X._ anwalt-
lich vertreten (Urk. 03.202 und Urk. 03.203).
2.4 Strafbefehl, Einstellung und erstinstanzliches Verfahren
2.4.1 Am 25. September 2013 erliess die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zü-
rich einen Strafbefehl gegen den Beschuldigten, womit er wegen vorsätzlicher
Gehilfenschaft zur Verletzung des Bankgeheimnisses, vorsätzlich versuchter Ver-
leitung zur Verletzung des Bankgeheimnisses sowie wegen mehrfacher Verlet-
zung des Schriftgeheimnisses mit einer auf zwei Jahre bedingt aufgeschobenen
Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je FR. 110.– sowie mit einer Busse von
FR. 3'300.– bestraft wurde (Urk. 06.601).
2.4.2 Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom gleichen
Tag wurde das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen Verletzung des
Geschäfts- und Berufsgeheimnisses eingestellt (Urk. 06.602). Die durch C._
dagegen erhobene Beschwerde wies das Obergericht, III. Strafkammer, mit Be-
schluss vom 10. Dezember 2014 ab (Urk. 08.027). Auf die Beschwerde des Be-
schuldigten gegen den genannten Beschluss trat das Bundesgericht mit Urteil
vom 7. Mai 2015 nicht ein (Urk. 08.031; Urk. 48 S. 18 f.).
2.4.3 Nachdem die durch den Beschuldigten erhobene Einsprache gegen den
Strafbefehl zunächst an das Bezirksgericht Meilen überwiesen worden war, das
dortige Einzelgericht jedoch mangels örtlicher Zuständigkeit auf die Anklage (bzw.
den gemäss Art. 356 Abs. 1 StPO als Anklage geltenden Strafbefehl) nicht einge-
treten war (Urk. 09.021 und Urk. 09.031, diesbezüglicher Beschwerdeentscheid
des Obergerichts, III. Strafkammer, vom 29. Juli 2015), ging der Strafbefehl am
15. Oktober 2015 beim zuständigen Bezirksgericht Zürich ein (Urk. 06.601 und
Urk. 09.042; Urk. 48 S. 14 f.).
- 14 -
2.4.4 Auf Beweisantrag von C._ wurden mit Verfügung vom 4. Januar 2016
die Akten im Strafverfahren gegen G._ beigezogen (Urk. 25; Urk. 27-A; Bei-
zugsakten A-1/2012/191100378, orange Ordner). In diesem Verfahren erging am
7. Dezember 2015 eine Einstellungsverfügung. Auf weiteren Antrag von C._
verfügte die Vorinstanz am 1. März 2016 den Beizug der Akten im Verfahren ge-
gen H._ (Urk. 27; Urk. 27-B; Beizugsakten A-1/2013/191100165).
2.5 Erstinstanzliches Urteil
Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung – Einzelgericht, vom 7. April
2016 wurde der Beschuldigte der Gehilfenschaft zur Verletzung des Bankgeheim-
nisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG in Verbindung mit Art. 26 StGB
sowie der versuchten Verleitung zur Verletzung des Bankgeheimnisses im Sinne
von Art. 47 Abs. 1 lit. b BankG schuldig gesprochen und mit einer auf 2 Jahre be-
dingt aufgeschobenen Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu FR. 340.– bestraft. In
Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Verletzung des Schriftgeheimnisses im
Sinne von Art. 179 Abs. 1 und Abs. 2 StGB wurde das Verfahren eingestellt. Wei-
ter entschied die Vorinstanz über das Schicksal zahlreicher beschlagnahmter Ge-
genstände (Urk. 48 S. 86 f.).
3. Berufungsverfahren und Gegenstand der Berufung
3.1 Berufungsanmeldungen
3.1.1. Gegen dieses Urteil meldeten der Verteidiger des Beschuldigten und der
amtliche Verteidiger des als Privatkläger konstituierten C._ rechtzeitig Beru-
fung an (Urk. 41 und Urk. 42). Das schriftliche Urteil in begründeter Fassung wur-
de dem Beschuldigten am 9. Mai 2016 (Urk. 46/2) und C._ am 6. Mai 2016
(Urk. 46/5) zugestellt. Während der Beschuldigte fristgerecht mit Eingabe vom
10. Mai 2016 die Berufungserklärung erstattete (Urk. 49), ging von C._ keine
Berufungserklärung ein.
Am 4. August 2016 reichte der Beschuldigte das "Datenerfassungsblatt" samt Ko-
pien der Steuererklärungen 2014 und 2015 sowie die Geschäftsabschlüsse 2014
und 2015 ein (Urk. 56 und Urk. 57/2-5).
- 15 -
3.1.2. Auf entsprechende Fristansetzung (Urk. 52) erhoben die Staatsanwalt-
schaft mit Schreiben vom 13. Juli 2016, Poststempel 14. Juli 2016, und der Pri-
vatkläger 2 mit Eingabe 22. Juli 2016 ebenfalls rechtzeitig Anschlussberufung
(Urk. 53/1 und 53/5; Urk. 54; Urk. 55). Die Privatklägerin 1 und der Privatkläger 3
liessen sich nicht vernehmen. Beweisanträge wurden keine gestellt.
3.2 Angefochtene Punkte
3.2.1. Von der Verteidigung angefochten sind die Dispositivziffern 1, 3, 4, 8, 9
und 10. Verlangt wird ein vollumfänglicher Freispruch unter ausgangsgemässer
Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urk. 49).
3.2.2. Für die Staatsanwaltschaft ist die Sanktion gemäss den Dispositivziffern 3
und 4 zu mild ausgefallen. Sie beantragt die Bestrafung des Beschuldigten mit ei-
ner auf zwei Jahre bedingt aufzuschiebenden Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
FR. 340.– sowie mit einer Busse von FR. 1'000.– (Urk. 54 S. 1 f.).
3.2.3. Der Privatkläger 2 ficht die Dispositivziffer 10 an und stellt wie im erstin-
stanzlichen Verfahren den Antrag, die Prozessentschädigung auf FR. 24'519.25
festzusetzen (Urk. 55, unter Verweis auf Urk. 31A).
3.3 Nichteintreten auf die Berufung von C._
Da der Privatkläger 3, C._, im Anschluss an die Berufungsanmeldung keine
Berufungserklärung eingereicht hat, ist androhungsgemäss auf seine Berufung
nicht einzutreten (Urk. 48 S. 89; BSK StPO - Eugster, 2. Aufl., Basel 2014,
Art. 399 N 2).
3.4 Teilrechtskraft des vorinstanzlichen Urteils
Damit ist das vorinstanzliche Urteil in den Dispositivziffern 2 (Freispruch), 5 (Her-
ausgabe beschlagnahmter Gegenstände), 6 (Aufnahme einer externen Festplatte
und von CDs in die Akten) und 7 (Aberkennung der Stellung als Privatkläger) in
Rechtskraft erwachsen, was vorab mit Beschluss festzustellen ist.
- 16 -
3.5. Weiterer Verfahrensgang
3.5.1. Am 24. Januar 2017 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 23. Juni
2017 vorgeladen (Urk. 63). Die beiden Beschuldigten (separate Verfahren) erho-
ben keine Einwände gegen eine gemeinsame Durchführung der Berufungsver-
handlung.
3.5.2. Am 23. Juni 2017 fand die Berufungsverhandlung statt (vgl. Prot. II S. 5 ff.).
Die geheime Beratung des Gerichts wurde am 3. Juli 2017 und am 16. August
2017 durchgeführt (Prot. II S. 71).
Mit Verfügung vom 26. Juni 2017 wurde der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt,
um zu dem vom Beschuldigten eingereichten Rechtsgutachten von Prof. Dr.
D._ Stellung (Urk. 60) zu nehmen (Prot. II S. 70). Die Stellungnahme der
Staatsanwaltschaft erfolgte am 4. Juli 2017 (Urk. 75). Eine Stellungnahme des
Verteidigers zu dieser staatsanwaltschaftlichen Stellungnahme erfolgte am 17. Ju-
li 2017 (Urk. 77/1-2).
Die öffentliche mündliche Eröffnung des Urteils vom 16. August 2017 fand am
23. August 2017 statt (Prot. II S.72 ff.).
II. Prozessuales
1. Allgemeiner Hinweis zur Würdigung der Parteistandpunkte
Auf die Argumente des Beschuldigten bzw. der Verteidigung ist im Rahmen der
nachstehenden Erwägungen einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art. 29
Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des von einem Entscheid in
seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Ent-
scheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-
drücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Ent-
scheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1.; BGE 141 III 28 E. 3.2.4 S. 41; BGE 139
- 17 -
IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_957/2016,
6B_/1022/2016 vom 22. März 2017 und 6B_401/2015 vom 16. Juli 2015 E. 1.1; je
mit Hinweisen).
2. Örtliche Zuständigkeit
Die einlässlichen Erwägungen der Vorinstanz zur örtlichen Zuständigkeit sind al-
lesamt zutreffend, so dass ohne Ergänzung darauf verwiesen werden kann
(Urk. 48 S. 16-18; Art. 82 Abs. 4 StPO). Als Fazit ist festzuhalten, dass sich vor-
liegend die örtliche Zuständigkeit aufgrund der dem Beschuldigten vorgeworfenen
Handlungen als Teilnehmer nach jener im Verfahren gegen C._ als Täter
richtet (Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO; Art. 33 Abs. 1 StPO), weshalb das Bezirksge-
richt Zürich als erste Gerichtsinstanz auch in diesem Verfahren zuständig war.
3. Privatkläger
Hinsichtlich der Konstituierung der Privatkläger kann ebenfalls auf die zutreffen-
den Ausführungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 91 S. 24;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Privatgutachten von Prof. Dr. D._
4.1. Der Verteidiger des Beschuldigten A._ reichte ein "Rechtsgutachten be-
treffend Strafverfahren gegen A._ in Sachen Bankgeheimnis/Whistleblowing"
ein (Urk. 60). Dieses Gutachten äussert sich zur Frage, ob die Beschuldigten
A._ und C._ mit der Informierung von G._ am 3. Dezember 2011 –
also im Hinblick auf den im vorliegenden Verfahren unter Anklageziffer I.B. einge-
klagten Sachverhalt – den Tatbestand der Verletzung des Bankgeheimnisses im
Sinne von Art. 47 StGB erfüllen oder sich auf legales Whistleblowing im Rahmen
des übergesetzlichen Rechtfertigungsgrundes der Wahrung berechtigter Interes-
sen berufen können.
4.2. Zu diesem Gutachten ist zunächst ganz allgemein festzuhalten, dass dieses
ein Privatgutachten darstellt und als ein solches nur zur Kenntnis zu nehmen ist.
Die Tatsachen, dass der Privatgutachter nicht von der Strafbehörde, sondern von
- 18 -
einer am Ausgang des Prozesses interessierten Partei ausgewählt, instruiert und
entschädigt wird, dass die Möglichkeit einer strafrechtlichen Haftbarmachung ge-
stützt auf Art. 307 StGB ausscheidet, dass der Privatgutachter möglicherweise
nicht in alle Akten Einsicht hat, sowie die Erfahrung, dass ein Privatgutachten nur
dann eingereicht wird, wenn es für den Auftraggeber günstig lautet, führt dazu,
dass generell einem Privatgutachten lediglich der Beweiswert von blossen Partei-
vorbringen beigemessen wird (Donatsch in Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kom-
mentar zur Schweizerischen StPO, 2. Aufl., 2014, Art. 182 N 15). Hinzu kommt,
dass es sich beim vorliegenden Gutachten um ein Rechtsgutachten handelt. Zu
Rechtsfragen (unter Vorbehalt von hier nicht interessierenden Ausnahmen etwa
bei Fragen des ausländischen Rechts) werden jedoch keine Sachverständige
beigezogen, denn nach dem Grundsatz von iura novit curia ist es die ureigenste
Aufgabe des Gerichtes, das Recht anzuwenden. Im konkreten Fall ist ausserdem
zu beachten, dass Prof. Dr. D._ nicht nur ein Rechtsprofessor, sondern auch
ein versierter Politiker bzw. Nationalrat ist, der sich de lege ferenda für eine bes-
sere Rechtsstellung von Whistleblowern engagiert. Seine Ausführungen sind des-
halb auch unter diesem Gesichtspunkt kritisch und mit der gebotenen Zurückhal-
tung zu würdigen, geht es doch hier um die Anwendung geltenden und nicht zu-
künftigen Rechts.
III. Schuldpunkt – eingeklagte Sachverhalte
A. ALLGEMEINES
1. Anklagevorwurf
Der noch zu beurteilende Anklagevorwurf ergibt sich aus der Anklageschrift der
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 25. September 2013 (Urk. 06.601
S. 2-6) und ist in den wesentlichen Zügen auch im angefochtenen Urteil darge-
stellt (Urk. 48 S. 22-24).
1.1 Zusammengefasst wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten in  I.B. vor, er habe gemeinsam mit C._ – der damals IT-Mitarbeiter bei
- 19 -
der Bank J._ war und durch Belege untermauerte Konto-Informationen über
die privaten Aktien- und Devisengeschäfte des damaligen Nationalbankpräsiden-
ten B._ besass – spätestens am 18. November 2011 beschlossen, den als
Nationalrat gewählten G._ über die besagten Geschäfte B._s zu infor-
mieren und bezüglich des weiteren Vorgehens um Rat zu fragen. Auf Wunsch
C._s habe er für den 3. Dezember 2011 ein Treffen zu Dritt mit G._ bei
diesem zu Hause in O._ arrangiert, anlässlich welchem C._ G._ in
Gegenwart des Beschuldigten detailliert sowie unter Vorlage der von diesem ei-
gens mitgebrachten "Printscreens" betreffend das Konto von B._ informiert
habe.
Dabei habe der Beschuldigte im Bewusstsein gehandelt, dass C._ als
Bankmitarbeiter dem Bankgeheimnis unterstand und dass er mit seinem Handeln
die Preisgabe der geheimen Bankinformationen durch C._ fördern würde.
Dies habe er auch gewollt, da er weder mit der Geldpolitik der Nationalbank noch
mit den privaten Aktien- und Devisengeschäften von B._ einverstanden ge-
wesen sei und sich dessen Rücktritt vom Amt des Nationalbankpräsidenten er-
hofft habe.
1.2 Weiter wird dem Beschuldigten in Anklageziffer I.C. angelastet, nach einer
persönlichen Besprechung mit G._ am 27. Dezember 2011 den Tatent-
schluss gefasst zu haben, C._ zur Preisgabe seiner Informationen gegen-
über dem F._-Journalisten P._ zu bewegen. Zu diesem Zweck habe er
sich mit C._ am 28. Dezember 2011 im Café "Q._" in N._ getroffen
und diesem mitgeteilt, dass G._ und er sich für einen Gang an die Medien
entschieden hätten und dass C._ den F._-Journalisten über die Devi-
sengeschäfte des Nationalbankpräsidenten informieren solle. Ausserdem habe er
C._ einen USB-Stick mit einem ausformulierten Entwurf einer anonymen
Strafanzeige gegen B._ übergeben und ihn aufgefordert, die Strafanzeige bei
der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich einzureichen, womit dieser nicht
einverstanden war. Zudem wird dem Beschuldigten vorgeworfen, C._ anläss-
lich zweier Spaziergänge vom 29. und 30. Dezember 2011 in der Umgebung sei-
nes Wohnortes in M._ sowie erneut in den ersten Januartagen 2012 zur Kon-
- 20 -
taktnahme mit P._ bzw. für ein Interview mit diesem zwecks Preisgabe der
Informationen an die F._ zu bewegen versucht zu haben, was C._ wie-
derum ablehnte.
Beim erwähnten Handeln habe der Beschuldigte zumindest angenommen, dass
die in Frage stehenden Devisengeschäfte von B._ noch immer geheim ge-
wesen seien. Weiter habe er gewusst, dass sein Verhalten dazu geeignet gewe-
sen sei, C._ zur Preisgabe geheimer Bankinformationen gegenüber dem
F._-Journalisten zu bewegen, was er auch gewollt habe.
2. Beweismittel und Grundsätze der Beweiswürdigung
2.1. Als Beweismittel zur Erstellung dieses strittigen Sachverhalts sind aus den
vorhandenen Beweismitteln neben den Aussagen des Beschuldigten vorab die
Angaben des Mitbeschuldigten C._ und jene des früheren Mitbeschuldigten
G._ sowie die Korrespondenz zwischen dem Beschuldigten und C._ via
E-Mail und SMS relevant.
Mit der Vorinstanz erweisen sich sämtliche Einvernahmen des Beschuldigten als
verwertbar, nachdem diese ausnahmslos im Beisein seiner Verteidigung stattge-
funden haben und die Verteidigungsrechte damit gewahrt sind (vgl. Urk. 01.307;
Urk. 01.309; Urk. 01.313; Urk. 01.316; Urk. 01.322; Urk. 01.323; Urk. 48 S. 29).
Ebenso uneingeschränkt verwertbar sind die Einvernahmen von C._ und
G._, wurde doch am 24. Juni 2013 eine Konfrontationseinvernahme mit den
drei damaligen Beschuldigten durchgeführt, anlässlich welcher der Beschuldigte
und sein ebenfalls anwesender Verteidiger die Möglichkeit hatten, Ergänzungs-
fragen zu stellen (Urk. 01.323; Urk. 48 S. 29).
2.2. Die Grundsätze der Beweiswürdigung finden sich korrekt und umfassend im
angefochtenen Urteil. Darauf kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen
vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 48 S. 26-29; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.3. Auf eine zusammenfassende Darstellung der verschiedenen Beweismittel ist
zu verzichten. Auf die einzelnen wichtigen Beweismittel – namentlich die relevan-
ten Aussagen und E-Mails/SMS der Beteiligten C._, A._ und G._ –
- 21 -
ist nachfolgend, soweit notwendig, jeweils direkt an gegebener Stelle im Rahmen
der tatsächlichen und rechtlichen Würdigung einzugehen.
3. Unbestrittener Sachverhalt
Der Beschuldigte bestätigte, dass C._ Anfang November 2011 zu ihm in sei-
ne Anwaltskanzlei gekommen sei und ihm Printscreens zum Konto von B._
bei der Bank J._ gezeigt habe. Dazu habe C._ gesagt, dass B._
spekulieren würde und man da doch etwas machen müsse. Gemeinsam habe
man diskutiert, ob und was man diesbezüglich tun solle (Urk. 01.307 S. 1 und 4).
Weiter räumte der Beschuldigte ein, mit G._ den Termin für das gemeinsame
Treffen zu Dritt vom 3. Dezember 2011 vereinbart und zu diesem Zwecke mehr-
mals G._ und dessen Büro angerufen zu haben (Urk. 01.309 S. 25 und
Urk. 01.322 S. 6 f.). Auch dass er am 3. Dezember 2011 gemeinsam mit C._
im Auto an den Wohnort von G._ gefahren sei, bestritt der Beschuldigte nicht
(Urk. 01.307 S. 14). Den diesbezüglichen Sachverhalt bestätigte der Beschuldigte
auch anlässlich der Hauptverhandlung (Urk. 33 S. 5 f.).
4. Bestrittener Sachverhalt
4.1. Vorwurf der Gehilfenschaft zur Bankgeheimnisverletzung (Anklageziffer I.B.)
4.1.1. Den Vorwurf in Anklageziffer I.B., die Preisgabe geheimer Bankinformatio-
nen durch C._ gegenüber G._ gefördert und diesen Vorwurf in der Un-
tersuchung anerkannt zu haben, bezeichnete der Beschuldigte anlässlich der vo-
rinstanzlichen den Vorwurf zwar als richtig, stellte sich jedoch auf den Standpunkt,
der Ablauf sei verkürzt, nicht ganz vollständig, dargestellt (Urk. 33 S. 6). Bei sei-
nem ersten Telefonat mit G._ sei es noch nicht um eine Terminvereinbarung
gegangen. So führte er aus, er habe die Kenntnis über diese Vorfälle nicht ge-
sucht. C._ habe ihn damit konfrontiert und dann viele Ideen gehabt, eine da-
von sei beispielsweise der Gang an die Presse gewesen. C._ sei ziemlich
besessen gewesen von dieser Idee. Er (A._) habe deshalb G._ – als
ebenfalls Kritiker B._s und in der gleichen Partei wie er selber – angerufen,
- 22 -
um ihn über die Dollar-Transaktionen B._s zu informieren, weil er jemanden
kenne, der damit möglicherweise zu den Medien gehen würde. Dass sich die
Presse auf G._ gestürzt hätte, sei für ihn naheliegend gewesen, da dieser als
Kritiker von B._ bekannt gewesen sei. Da er G._ auf einen solchen An-
griff habe vorbereiten wollen, habe er ihm alle Informationen, welche er selbst von
C._ erhalten habe, weitergegeben. Er habe alles erzählt, was er über diese
Transaktionen gewusst habe, auch den Namen der Bank und die Höhe der
Transaktionen. Somit sei G._ vollständig informiert gewesen, bevor C._
überhaupt die Möglichkeit gehabt habe, diesen seinerseits zu informieren (Urk. 33
S. 5 f.). G._ habe später zurückgerufen und sich bei ihm erkundigt, was denn
los sei, da bisher noch nichts in der Presse erschienen sei. Um eine Terminver-
einbarung sei es erst im dritten oder vierten Telefonat mit G._ gegangen
(Urk. 33 S. 5).
4.1.2. Der Verteidiger doppelte nach, der Beschuldigte habe G._ bei diesem
äusserst wichtigen Telefon vom 21. November 2011 vorwarnen wollen und ihn
daher umfassend über die spekulativen Transaktionen von B._ informiert.
Das sei erneut detailliert und ausführlich geschehen beim rückfragenden Telefon-
anruf von G._ vom 29. November 2011 (Urk. 37 S. 7 und 9). Daraus, dass
der Beschuldigte G._ bereits vor dem Treffen vom 3. Dezember 2011 über
die Dollar-Transaktionen vollständig ins Bilde gesetzt habe, leitete der Verteidiger
ab, dass die relevanten Informationen gegenüber G._ dann gar nicht mehr
geheim gewesen seien. Das Bankgeheimnis habe also am 3. Dezember 2011 gar
nicht mehr verletzt werden können (Urk. 37 S. 12).
4.1.3. Wie die Vorinstanz richtig erwog (Urk. 48 S. 25 und 30), stellt sich die Fra-
ge, ob die internen Bankinformationen am 3. Dezember 2011 beim Treffen in
O._ entgegen der Behauptung des Beschuldigten in Bezug G._ noch
geheim bzw. diesem noch nicht gänzlich bekannt waren. Das ist folglich zu erstel-
len (hinten Ziff. III.B.1.).
- 23 -
4.2 Vorwurf der versuchten Verleitung zur Bankgeheimnisverletzung (Anklageziffer I.C.)
4.2.1 Der Beschuldigte bestritt ausserdem, zwischen dem 28. Dezember 2011
und dem Tag, an welchem er selbst Unterlagen an P._, den F._-
Journalisten, weiterleitete, in irgendeiner Weise Einfluss oder Druck auf C._
ausgeübt zu haben (Urk. 01.307 S. 26). Er verneinte auch generell, C._ ver-
anlasst zu haben, zu den Medien zu gehen (Urk. 01.323 S. 9; auch Urk. 37 S. 18
f.).
4.2.2 Der Sachverhalt in Bezug auf die versuchte Verleitung von C._ zur
Verletzung des Bankgeheimnisses gemäss Anklageziffer I.C. ist demnach eben-
falls zu erstellen (hinten Ziff. III.C.1.).
5. Zur Glaubwürdigkeit der Beteiligten
5.1. Zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten A._ sowie von G._ kann
ohne Ergänzungen auf die Erwägungen im angefochtenen Urteil verwiesen wer-
den (Urk. 48 S. 32 f.)
5.2. Zur Glaubwürdigkeit des Mitbeschuldigten C._ hat die Vorinstanz (vgl.
Urk. 48 S. 56-58) richtig darauf hingewiesen, dass gegen ihn teilweise wegen
derselben Ereignisse ein separates Verfahren geführt wird, in welchem er Be-
schuldigter ist, und dass er diesbezüglich ein Interesse an einem günstigen Ver-
fahrensausgang hat, was zu kritischer Würdigung seiner Aussagen Anlass gibt.
Weiter ist im angefochtenen Urteil erwähnt, dass C._ im Zusammenhang mit
einem früheren Strafverfahren gegen ihn im Kanton Thurgau – worin es um einen
Beziehungskonflikt gegangen war, der Beschuldigte ihn als Rechtsanwalt vertre-
ten und welches ihn stark beschäftigt und mitgenommen hatte – im vorliegenden
Fall während der Einvernahmen gelegentlich weinen musste und dass in seiner
E-Mail-Korrespondenz namentlich im November/Dezember 2011 heftige Gefühls-
regungen und auch Wutausbrüche zum Ausdruck kamen, mit Beschimpfungen
gegen Thurgauer Behördenmitglieder. Übereinstimmend mit der Vorinstanz ist je-
doch festzustellen, dass während der Befragungen im vorliegenden Verfahren
keine Wutausbrüche erfolgten und vor allem angesichts der Detailliertheit und Be-
- 24 -
ständigkeit seiner Aussagen nicht davon auszugehen ist, sein Gesundheitszu-
stand oder seine Gemütsregungen hätten sein Erinnerungsvermögen in Bezug
auf die hier in Frage stehenden Ereignisse beeinträchtigt. Im Ergebnis ist die
Glaubwürdigkeit von C._ nicht von vornherein anzuzweifeln. Primär massge-
bend ist jedoch ohnehin die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen.
6. Allgemeine rechtliche Ausführungen
Weiter sind vor der konkreten Würdigung der einzelnen Vorwürfe die relevanten
allgemeinen rechtlichen Überlegungen aufzuführen.
6.1. Tatbestand der Gehilfenschaft zur Bankgeheimnisverletzung
6.1.1. a) Der Widerhandlung gegen Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG macht sich straf-
bar, wer ein Geheimnis offenbart, das ihm in seiner Eigenschaft als Organ, Ange-
stellter, Beauftragter oder Liquidator einer Bank anvertraut worden ist oder das er
in dieser Eigenschaft wahrgenommen hat.
In ihrer Anklage würdigte die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich die Hand-
lungen des Beschuldigten hinsichtlich Anklageziffer I.B. in Bezug auf die Teilnah-
meform als Gehilfenschaft im Sinne von Art. 25 StGB. Da es sich jedoch bei der
Bankgeheimnisverletzung im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG um ein Son-
derdelikt handelt, kommt vorliegend – wie die Vorinstanz zutreffend ausführte
(Urk. 48 S. 65) – einzig die Teilnahme am Sonderdelikt im Sinne von Art. 26 StGB
in Betracht. Danach macht sich strafbar, wer als Anstifter oder Gehilfe am unech-
ten oder echten Sonderdelikt teilnimmt (Donatsch, in: Donatsch [Hrsg.], StGB
Kommentar, 19. Aufl., Zürich 2013, N 1 zu Art. 26). Gehilfenschaft ist sodann je-
der kausale Beitrag, der eine dem Gehilfen in den groben Umrissen bekannte
strafbare Tat fördert, sodass sich diese ohne Mitwirkung des Gehilfen anders ab-
gespielt hätte, nicht aber, dass sie dann überhaupt unterblieben wäre (BGE
98 IV 83 E. 2c; BGE 129 IV 124 E. 3.2 und Donatsch, a.a.O., N 1 zu Art. 25).
b) Geheim im Sinne von Art. 47 BankG sind Informationen dann, wenn sie relativ
unbekannt sind und der Geheimnisherr an ihrer Geheimhaltung ein berechtigtes
Interesse hat, das er gewahrt wissen will. Dies gilt in der Regel für alle geschäftli-
- 25 -
chen Beziehungen zwischen einem Kunden und seiner Bank, auch für die Exis-
tenz dieser Beziehung als solche (Stratenwerth, in: Watter/Vogt/Bauer/Winzeler
[Hrsg.], Basler Kommentar Bankengesetz, 2. Aufl., Basel 2013, N 13 zu Art. 47).
Die geheimzuhaltenden Tatsachen müssen dem Verpflichteten zudem in seiner
Eigenschaft als Bankangestellter anvertraut oder von ihm in dieser Eigenschaft
wahrgenommen worden sein (Stratenwerth, a.a.O., Art. 47 N 14). Geheimzuhal-
tende Tatsachen zu offenbaren, bedeutet sodann, sie Unberufenen zugänglich zu
machen (Stratenwerth, a.a.O., Art. 47 N 15).
c) Der Tatbestand der Bankgeheimnisverletzung im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a
StGB stimmt in der Sache weitgehend mit jenem der Verletzung des Amtsge-
heimnisses im Sinne von Art. 320 StGB überein, das heisst, es liegt den Tatbe-
ständen grundsätzlich auch derselbe Geheimnisbegriff zugrunde (Stratenwerth,
a.a.O., N. 12 zu Art. 47). Ein Geheimnis kann demnach selbst dann offenbart
werden, wenn der Empfänger die geheimzuhaltende Tatsache bereits kennt oder
vermutet, weil dadurch seine unsicheren oder unvollständigen Kenntnisse ergänzt
oder verstärkt werden (BSK StGB - Oberholzer, 2013, Art. 320 N 10).
d) In Bezug auf die Tatbestandsmässigkeit der Offenbarung eines Geheimnisses
ist unbedeutend, ob der Empfänger seinerseits einer Geheimhaltungspflicht un-
tersteht (BSK Strafrecht - Oberholzer, 3. Aufl., 2013, Art. 320 N 10, Flachsmann,
in: Donatsch [Hrsg.], Kommentar StGB, 19. Aufl., Zürich 2013, N 15 zu Art. 320).
6.1.2. In subjektiver Hinsicht ist sowohl vorsätzliche wie fahrlässige Begehung
möglich (Art. 47 Abs. 1 und 2 BankG). Dabei setzt der Vorsatz in jedem Fall das
Wissen voraus, dass die preisgegebenen Informationen dem Bankgeheimnis un-
terliegen (Stratenwerth, a.a.O., Art. 47 N 18).
6.2. Tatbestand der Verleitung zur Bankgeheimnisverletzung
Gemäss Art. 47 Abs. 1 lit. b BankG macht sich strafbar, wer jemanden zu einer
Verletzung des Bankgeheimnisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG zu
verleiten sucht.
- 26 -
Bei diesem Tatbestand handelt es sich im Gegensatz zu Art. 47 Abs. 1 lit. a
BankG nicht um ein Sonderdelikt, weshalb sich auch Aussenstehende strafbar
machen können (Stratenwerth, a.a.O., N 16 zu Art. 47). Der durch diese Bestim-
mung unter Strafe gestellte Versuch der Verleitung zur Bankgeheimnisverletzung
kommt nicht zwingend einer Anstiftung zur Verletzung des Bankgeheimnisses
gleich. Als "Verleiten" ist nicht nur das Hervorrufen des Vorsatzes zur Begehung
einer Tat, wie bei der Anstiftung, sondern vielmehr jede Einwirkung auf den Ge-
heimnisträger, durch die er veranlasst werden soll, den Tatbestand der Bankge-
heimnisverletzung objektiv zu erfüllen, zu verstehen (Stratenwerth, a.a.O., N 17
zu Art. 47).
6.3. Tatbestand der Geschäftsgeheimnisverletzung
6.3.1. a) Der Verletzung des Geschäftsgeheimnisses im Sinne von Art. 162
Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer ein Geschäftsgeheimnis, das er infolge ei-
ner gesetzlichen oder vertraglichen Pflicht bewahren sollte, verrät.
Als Geschäftsgeheimnisse gelten Tatsachen, die den Bereich des Vertriebs und
die Vermögenslage des Unternehmens betreffen (BSK StGB - Niggli/Hagenstein,
3. Aufl. Basel 2013, Art. 162 N 19). Es geht um wirtschaftlich relevante Informati-
onen wie zum Beispiel Betriebsorganisation, Einkaufs- und Bezugsquellen, Preis-
kalkulationen, Absatzmöglichkeiten, Kundenlisten, Abmachungen mit Lieferanten
und Kunden etc., die einen betriebswirtschaftlichen oder kaufmännischen Charak-
ter aufweisen. Entscheidend ist, ob die geheimen Informationen Auswirkungen
auf das Geschäftsergebnis haben können oder mit anderen Worten, ob sie Aus-
wirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmung haben (BGE 142 II
268 E. 5.2.3 mit zahlreichen Hinweisen). Die aus der Geschäftssphäre des Unter-
nehmens verratene Tatsache muss demnach für den Geheimnisherrn (das Unter-
nehmen) von wirtschaftlichem Wert und ihr Bekanntwerden geeignet sein, im
Wettbewerb die Konkurrenz zu stärken oder den eigenen Betrieb zu schädigen.
Entsprechend muss das Geschäftsgeheimnis einen wirtschaftlichen Wert darstel-
len und dessen Verletzung einen Einfluss auf den kaufmännischen Erfolg haben
können (BSK StGB II - Niggli/Hagenstein, a.a.O., Art. 162 N 9 und 19; Donatsch,
in: Donatsch [Hrsg.], a.a.O., Art. 162 N 3; Trechsel/Jean-Richard, Schweizeri-
- 27 -
sches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013,
Art. 162 N 5 f.).
6.3.2. Bei der Verletzung eines Geschäftsgeheimnisses handelt es sich um ein
Vorsatzdelikt. Vorausgesetzt ist, dass der Täter um den geheimen Charakter der
Tatsache weiss und den Verrat im Bewusstsein um seine Verpflichtung, das Ge-
heimnis zu bewahren, begeht (BSK StGB II - Niggli/Hagenstein, a.a.O., Art. 162
N 32).
6.4. Konkurrenz zwischen Bank- und Geschäftsgeheimnisverletzung
6.4.1. Echte Idealkonkurrenz wird (u.a.) angenommen, wenn mehrere verschie-
dene Tatbestände bei der Anwendung auf eine Handlung konkurrieren. Demge-
genüber liegt unechte Idealkonkurrenz vor, wenn jemand durch eine Handlung
zwar mehrere Straftatbestände erfüllt, doch der Tatbestand, der den deliktischen
Gehalt der Tat erschöpfend erfasst und abgilt, den oder die anderen Tatbestände
verdrängt, und deshalb nur ersterer anwendbar ist (vgl. BSK StGB - Ackermann,
Art. 49 N 49, 68, 72 und 76).
6.4.2. Als Geschäftsgeheimnisse im Sinne von Art. 162 StGB gelten Tatsachen,
die den Bereich des Vertriebs und die Vermögenslage des Unternehmens betref-
fen. Nicht etwa nur die Herausgabe ganzer Kundenlisten, sondern auch schon die
Preisgabe einer einzigen Kundenbeziehung kann eine wirtschaftlich relevante In-
formation darstellen, namentlich dann, wenn es sich – wie im vorliegenden Fall –
um einen Kunden handelt, der zugleich eine Person öffentlichen Interesses ist
und daher ein allfälliger Geheimnisverrat eine grosse Publizität erlangt. Dies kann
selbstredend eine Rufschädigung der Bank nach sich ziehen und z.B. zur vermö-
gensschädigenden Abwanderung von Kundschaft infolge Vertrauensverlust füh-
ren. Aus diesen Gründen ist davon auszugehen, dass durch eine einzige Tat-
handlung – die rechtswidrige Offenbarung einer geheimen Bankkundenbeziehung
– beide Tatbestände, also die Verletzung des Bankgeheimnisses im Sinne von
Art. 47 BankG sowie die Verletzung des Geschäftsgeheimnisses im Sinne von
Art. 162 StGB erfüllt werden können.
- 28 -
Dann aber stellt sich die Frage der Konkurrenz der beiden Tatbestände zueinan-
der. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Strafnorm der Bankgeheimnisverlet-
zung umfassenden strafrechtlichen Schutz bietet: Im Unterschied zur Strafbe-
stimmung der Geschäftsgeheimnisverletzung handelt sich bei Art. 47 BankG um
ein Offizialdelikt, nicht bloss um ein Antragsdelikt. Sodann ist nicht nur vorsätzli-
ches, sondern auch fahrlässiges Handeln unter Strafe gestellt. Schliesslich wird
auch die versuchte Anstiftung bestraft, was bei Vergehen sonst nicht der Fall ist.
Der strafrechtliche Schutz des Bankgeheimnisses geht somit wesentlich weiter als
derjenige des Geschäftsgeheimnisses. Es ist deshalb – in Übereinstimmung mit
der von Marcel Niggli und Nadine Hagenstein im Basler Kommentar geäusserten
Auffassung (BSK StGB – Niggli/Hagenstein, 3. Aufl. 2013, Art. 162 N 55) – davon
auszugehen, dass der Tatbestand der Verletzung des Geschäftsgeheimnisses
vom Tatbestand der Verletzung des Bankgeheimnisses konsumiert wird.
6.5. Rechtfertigungsgründe
6.5.1. Allgemeines
Eine Handlung kann, obwohl sie einen Straftatbestand verwirklicht, gleichwohl
rechtmässig sein. Die Erfüllung eines gesetzlichen Tatbestandes indiziert lediglich
die Rechtswidrigkeit, so dass deren Aufhebung durch das Vorliegen eines sog.
Rechtfertigungsgrundes möglich ist. Allen Rechtfertigungsgründen liegt der Ge-
danke zu Grunde, dass es Gründe dafür geben kann, dem Achtungsanspruch ei-
ner Norm nicht zu entsprechen, insbesondere wenn eine höherrangige Norm oder
ein von der Rechtsordnung anerkanntes höherrangiges Interesse dem Normge-
horsam entgegenstehen. Prinzip der Rechtfertigung ist damit die – allerdings
durch Angemessenheitserwägungen begrenzte – Interessenabwägung. Diese ist
freilich an zusätzliche Voraussetzungen geknüpft, die je nach Rechtfertigungs-
grund unterschiedlich ausgeprägt sind (vgl. BSK StGB - Seelmann, 3. Aufl. 2013,
Vor Art. 14 N 2).
- 29 -
6.5.2. Wahrung berechtigter Interessen (in der Form von Whistleblowing)
6.5.2.1. Wahrung berechtigter Interessen (allgemein)
Gerechtfertigt ist eine Tat sodann, wenn der Täter in Wahrnehmung berechtigter
Interessen handelt. Dieser Rechtfertigungsgrund gilt als gewohnheitsrechtlich an-
erkannt. Im Unterschied zu den anderen Rechtfertigungsgründen geht es nicht
um Abwehr, sondern um die Ausübung verfassungsmässig garantierter Freiheits-
rechte oder um die Herstellung sozial erwünschter und gebilligter Zustände auf
Kosten der Beeinträchtigung anderer Interessen (BSK StGB – Seelmann, 3. Aufl.,
2013, Art. 14 N 25; Trechsel/Geth, StGB PK, 2. Aufl., 2013, Art. 14 N 13). Der
aussergesetzliche Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen
setzt nach der Rechtsprechung voraus, dass die Straftat notwendig und ange-
messen ist, um ein berechtigtes Ziel zu erreichen, die Tat also insoweit den einzig
möglichen Weg darstellt und offenkundig weniger schwer wiegt als die Interessen,
welche der Täter zu wahren sucht (BGE 134 IV 216 E. 6.1; BGE 127 IV 122 E. 5c,
BGE 127 IV 166 E. 2b; BGE 126 IV 236 E. 4b mit Hinweisen). Diese Vorausset-
zungen müssen auch erfüllt sein, wenn es dem Täter nicht um die Wahrung von
eigenen privaten, sondern um die Wahrnehmung öffentlicher Interessen geht. Ob
die zu schützenden Interessen privater oder öffentlicher Art sind, betrifft die Ab-
wägung respektive Gewichtung der auf dem Spiel stehenden Interessen. Dass ein
Vorgehen, wie das heute zu beurteilende des Beschuldigten, in neuerer Zeit als
"Whistleblowing" bezeichnet wird, ändert an seiner strafrechtlichen Beurteilung
unter dem Gesichtspunkt des aussergesetzlichen Rechtfertigungsgrundes der
Wahrung berechtigter Interessen nichts (vgl. Bundesgerichtsurteil 6B_305/2011
vom 12. Dezember 2011, Erw. 4.1.). Die neuere Lehre tendiert in Anlehnung an
die zitierte Rechtsprechung dahin, für die Anerkennung von legalem Whistleblo-
wing vorauszusetzen, dass nicht nur die berechtigten Interessen deutlich höher zu
gewichten sind als die verletzten, sondern auch die verwendeten Mittel angemes-
sen sind (BSK StGB – Seelmann, 3. Aufl., 2013, Art. 14 N 24; Stratenwerth,
Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 4. Aufl., 2011, § 10 N 59 f.).
- 30 -
6.5.2.2. Handlungskaskade des Whistleblowers
Auf der Grundlage dieses Rechtfertigungsgrundes der Wahrung berechtigter Inte-
ressen ist gemäss Praxis und Lehre die erste Voraussetzung, die ein Whistleblo-
wer erfüllen muss, damit seine Handlung straflos bleibt, – soweit kann dem Pri-
vatgutachter Prof. Dr. D._ [Verfahrensakten SB160257, Urk. 60 S. 11] gefolgt
werden –, die Einhaltung eines dreistufigen Kaskadensystems: Demnach muss
der Whistleblower zunächst versuchen, die Meldung organisations- bzw. amtsin-
tern zu erstatten. Erst wenn dies nicht erfolgreich ist bzw. aussichtslos erscheint,
ist der Schritt an externe Stellen wie Strafverfolgungsbehörden, Rechtsdienste,
Geschäftsprüfungskommission etc. gerechtfertigt. Der Gang an die Medien bzw.
die "Flucht in die Öffentlichkeit" ist sodann nur als letztes Mittel zulässig, wenn die
Meldung an geeignete externe Stellen keine Abhilfe zu schaffen vermag (vgl. Ur-
teil 6B_305/2011 vom 12. Dezember 2011, E. 4.1; BGE 115 IV 75; BSK StGB -
Oberholzer, 3. Aufl., 2013, Art. 320 N 17; Günter Stratenwerth/Felix Bommer,
Schweizerisches Strafrecht Besonderer Teil II, Straftaten gegen Gemeininteres-
sen, 2013, § 61 N 12 ; Andreas Donatsch/Wolfgang Wohlers, Strafrecht IV, Delik-
te gegen die Allgemeinheit, 2004 S. 559 f).
6.5.2.3. Geeignete externe Stellen im Falle der Schweizerischen Nationalbank
a) Aufsichtsbehörden über die Nationalbank
Gemäss dem Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbank vom 3. Okto-
ber 2003 (Nationalbankgesetz; SR 951.11) und dem Organisationsreglement der
Schweizerischen Nationalbank vom 14. Mai 2004 (SR 951.153) übt der Bankrat
die Aufsicht und Kontrolle über die Nationalbank aus. Der Bankrat stellt auch die
Wahlvorschläge für die Mitglieder des Direktoriums der Nationalbank zuhanden
des Bundesrates und er kann ebenso Abberufungsanträge zuhanden des Bun-
desrates stellen. Das Präsidium wird vom Bundesrat bezeichnet (vgl. Art. 42
Abs. 1, Art. 42 Abs. 2 lit. a und h, Art. 43, Art. 45 Nationalbankgesetz; Art. 10 lit. g
und Art. 14 Abs. 2 lit. b Organisationsreglement). Zudem unterliegen die Mitglie-
der der Organe der Nationalbank dem Amts- und Geschäftsgeheimnis (Art. 49
Abs. 1 Nationalbankgesetz). Gemäss der Generalklausel von Art. 42 Abs. 3 Nati-
- 31 -
onalbankgesetz ist überdies der Bankrat für alle Angelegenheiten zuständig, die
nach Gesetz oder Organisationsreglement nicht einem andern Organ zugewiesen
werden. Als Aufsichtsbehörde über die Nationalbank ist somit in erster Linie der
Bankrat und in einem weiteren Sinne auch der Bundesrat zu bezeichnen.
b) Strafverfolgungsbehörden
Jede Person ist berechtigt, Straftaten bei einer Strafverfolgungsbehörde schriftlich
oder mündlich anzuzeigen (Art. 301 StPO). Dieses allgemeine Anzeigerecht steht
jedermann zu, wobei es keine Rolle spielt, ob man als Geschädigter betroffen ist
oder lediglich als Aussenstehender vom Delikt Kenntnis genommen hat. Eine
Strafanzeige kann selbst anonym erfolgen. Die Strafverfolgungsbehörden, vorab
die Polizei, sind verpflichtet, Strafanzeigen entgegen zu nehmen (vgl. Schmid,
StPO PK, 2. Auflage, Art. 301 N 1). Somit steht grundsätzlich jedermann die Mög-
lichkeit offen, bezüglich eines von ihm vermuteten Insidergeschäfts eines Natio-
nalbankpräsidenten von Anfang an direkt an die Polizei zu gelangen und Anzeige
zu erstatten (vgl. Art. 161 aStGB, Ausnützen der Kenntnis vertraulicher Tatsa-
chen; Straftatbestand des Insiderhandels).
B. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.B.
1. Sachverhalt
1.1. Standpunkt des Beschuldigten
1.1.1. Wie oben bereits ausgeführt, war der Beschuldigte A._ hinsichtlich
des äusseren Sachverhalts weitgehend geständig, stellte sich aber – wie schon
vor erster Instanz – auf den Standpunkt, er habe G._ anlässlich der Telefo-
nate im Vorfeld des Treffens vom 3. Dezember 2011 umfassend und detailliert
über die Dollar-Transaktionen B._s informiert. Dies habe er deshalb getan,
da es für ihn naheliegend gewesen sei, dass bei einem allfälligen Gang an die
Presse durch den Beschuldigten C._ die Medien sich tumultartig auf
G._ stürzen würden, da dieser der prominenteste Kritiker von B._ ge-
- 32 -
wesen sei. Da er G._ auf einen solchen Angriff habe vorbereiten wollen, ha-
be er ihm alle Informationen, welche er selbst von C._ erhalten habe, münd-
lich weitergegeben (vgl. Prot. II S. 21 ff. und Urk. 33 S. 5 f.).
Gestützt auf diese Darstellung machte der Verteidiger vor Berufungsgericht wie
schon vor erster Instanz geltend, dass aufgrund dieser umfassenden Vorabinfor-
mation von G._ durch den Beschuldigten die von C._ am Treffen vom
3. Dezember 2011 mitgeteilten Informationen G._ gegenüber bereits nicht
mehr geheim gewesen seien. Somit habe der Mitbeschuldigte C._ in jenem
Moment das Bankgeheimnis gar nicht mehr verletzen können und der Beschuldig-
te A._ deshalb logischerweise auch keine Gehilfenschaft dazu leisten kön-
nen (Urk. 68 S. 6 f und Urk. 37 S. 12 f.).
1.1.2. Der Behauptung des Beschuldigten A._, G._ sei bereits vor dem
Treffen vom 3. Dezember 2011 vollständig informiert gewesen, kann indes nicht
gefolgt werden. sie muss als Schutzbehauptung verworfen werden, wie bereits im
erstinstanzlichen Entscheid überzeugend dargetan worden ist (Urk. 48 S. 30 ff.).
Zusammenfassend und ergänzend ist in Darstellung und Würdigung der relevan-
ten Aussagen des Beschuldigten und von G._ das Folgende auszuführen
(nachstehend Ziff. 1.2. - 1.4.).
1.2. Aussagen des Beschuldigten und vorläufige Würdigung
1.2.1. An seiner ersten Einvernahme vom 13. Januar 2012 (Urk. 01.307) führte
der Beschuldigte aus, C._ habe ihn gebeten, ob er nicht mit G._ einen
Termin ausmachen könne. Zunächst habe er G._ zwei- oder dreimal vergeb-
lich zu erreichen versucht. Als er ihn dann habe sprechen können, habe er ge-
sagt, dass ein Informant und er brisante Informationen bezüglich B._ hätten
und der Informant ihn, G._, gerne treffen würde. Auf entsprechende Nach-
fragen erklärte der Beschuldigte, erwähnt zu haben, dass aus seiner Sicht
B._ mit Devisen spekulieren würde. Den Namen der Bank habe er bei die-
sem Telefonat nicht genannt [Anmerkung: diese und die nachfolgenden Hervor-
hebungen finden sich nicht in den Originaleinvernahmen des Beschuldigten].
G._ habe erwidert, sich diese Person einmal anzuhören. Er habe G._
- 33 -
am Telefon gesagt, dass B._ rund USD 500'000 gekauft und wieder verkauft
habe. Auf Frage gab der Beschuldigte an, G._ keine Details über diese
Transaktionen, sondern lediglich das grosse Bild vermittelt zu haben. Dann habe
er mit G._ einen Termin auf den 3. Dezember 2011 vereinbart und diesen ein
paar Tage darauf C._ mitgeteilt (zum Ganzen: Urk. 01.307 S. 13 f., Antwort
zu Frage 46).
1.2.2. Diese eigenen Aussagen wurden dem Beschuldigten in seiner zweiten
Einvernahme vom 26. Januar 2011 (Urk. 01.309) nochmals vorgehalten. Nun
machte er geltend, es könne nicht ganz so abgelaufen sein. Er sei sicher,
G._ angerufen und ihm gesagt zu haben, dass jemand, ein Bankmitarbeiter,
zu ihm gekommen sei und ihm Bankauszüge bzw. Printscreens von B._ ge-
zeigt habe. Er sei sich fast sicher, gegenüber G._ erwähnt zu haben, dass er
drei Print Screens gesehen habe. Er habe gegenüber G._ erwähnt, B._
habe Fr. 500'000.– gekauft und verkauft. Auf Frage fügte er an, nach seiner Erin-
nerung gesagt zu haben, B._ habe am 15. August Fr. 500'000.– in USD ge-
wechselt und am 4. Oktober wieder in Franken zurückgewechselt und dass er ei-
nen Informanten habe, der zu ihm gekommen sei und ihm das gezeigt habe. Wei-
ter habe er angemerkt, dass sich dieser Informant gerne mit G._ treffen wür-
de. G._ habe es interessant gefunden und sich bereit erklärt, den Informan-
ten mal anzuhören. Er habe G._ nicht bearbeiten müssen. Ob sie damals
schon einen Termin abgemacht hätten, wisse er jetzt nicht mehr. Wahrscheinlich
sei zu diesem Zeitpunkt das Datum noch nicht festgestanden. Auf Nachfrage
glaubte er sich zu erinnern, dass man bereits an diesem ersten Telefongespräch
beschlossen habe, dass es zu einem Treffen komme, bei welchem sich G._
vom Informanten informieren lasse (zum Ganzen: Urk. 01.309 S. 12-14; Antwort
zu Fragen 37 und 38).
1.2.3. In seiner dritten Einvernahme vom 9. Februar 2012 (Urk. 01.313) wurde
dem Beschuldigten die Aussage C._s vom 10. Januar 2012 (Urk 01.304
S. 18 f.) zur Stellungnahme vorgelegt. Dort hatte C._ namentlich geschildert,
G._ habe bei ihrem Eintreffen in O._ am 3. Dezember 2011 bereits sehr
vieles gewusst, da A._, wie er wisse oder zum Teil ahne, schon viel mit ihm
- 34 -
über die Angelegenheit gesprochen gehabt habe. Der Beschuldigte bestritt aus-
drücklich, dass G._ schon viel gewusst haben soll, und auch, dass G._
und er schon viel über diese Angelegenheit gesprochen haben sollen. Er habe
ihm (G._) diese zwei Daten mitgeteilt, 14. August und 4. Oktober 2011.
G._ habe von ihm gar nicht viel wissen können (Urk. 01.313 S. 19). Auf wei-
tere konkrete Vorhalte von Aussagen C._s erläuterte der Beschuldigte, er
selber habe am 3. Dezember 2011 nur den Namen von C._ genannt, gar
keine Gesprächseinleitung gemacht, sondern die beiden hätten das Gespräch
selbst übernommen, indem G._ dann C._ die Gelegenheit eingeräumt
habe zu erzählen (Urk. 01.313 S. 20 und 25). Dieser habe dann einfach losge-
sprudelt, ca. 2 Stunden ununterbrochen gesprochen, während er selber mucks-
mäuschenstill gewesen sei. G._ habe hin und wieder nachgefragt, zum Bei-
spiel, als C._ erwähnt habe, am 15.08. sei ein gewisser Betrag in USD ge-
wechselt worden. Er habe dann nach dem genauen Betrag gefragt und sich dar-
über Notizen gemacht (Urk. 01.313 S. 19, 22). C._ habe das Bedürfnis ge-
habt, G._ alle Details mitzuteilen. Auch habe C._ die Printscreens ohne
seine (A._s) oder G._s Aufforderung völlig freiwillig und mit einem ge-
wissen Stolz gezeigt (Urk. 01.313 S. 26 f.). Ob er selber G._ vor dem Treffen
mitgeteilt habe, dass der Informant ein Informatiker sei, wisse er nicht, könne es
aber nicht ausschliessen (Urk. 01.313 S. 21).
1.2.4. Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme zwischen G._ und dem
Beschuldigten vom 8. April 2013 (Urk. 01.322) gab der Beschuldigte auf die ent-
sprechenden Fragen jeweils an, sich weder genau an die Anzahl noch an die In-
halte der Telefonate mit G._ vor dem 3. Dezember 2011 erinnern zu können
(Urk. 01.322 S. 6). So wisse er nicht mehr, was er G._ gesagt oder mit die-
sem konkret vereinbart habe. Nach einer Erklärung dafür gefragt, wie er unmittel-
bar vor Sessionsbeginn des Parlaments vom 5. Dezember 2011 und trotz vollem
Terminkalender von G._ ein Treffen für den Samstagmorgen, 3. Dezember
habe arrangieren können, entgegnete der Beschuldigte, dies sei mit dem Hinweis
geschehen, es gehe um eine wichtige Sache und er würde ihn gerne treffen
(Urk. 01.322 S. 6). Insbesondere verneinte der Beschuldigte noch zu wissen, ob
er G._ am Telefon gesagt habe, dass er über Informationen betreffend den
- 35 -
damaligen SNB-Präsidenten B._ verfüge, dass B._ wenige Wochen vor
der Einführung des Mindestkurses CHF/EUR rund USD 500'000 gekauft und da-
nach wieder mit Gewinn verkauft habe, dass er die Quelle dieser Informationen
genannt habe, dass dies belegende schriftliche Unterlagen vorliegen würden,
dass er einen Informanten habe (Urk. 01.322 S. 7 f.).
Auf erneuten Vorhalt seiner Aussagen in der ersten Einvernahme – Urk. 01.307
S. 13 f., Antwort zu Frage 46, zitiert vorne in Ziff. 1.2.1. – berief sich der Beschul-
digte auf Nichtmehrwissen. Es könne auch sein, dass er [...] gedacht habe, dass
das am Telefon so gesagt worden sei (Urk. 01.322 S. 8 f).
Auch auf wiederholten Vorhalt seiner Darstellung in der zweiten Einvernahme –
Urk. 01.309 S. 12 f., Antworten zu Fragen 37 und 38, zitiert vorne in Ziff. 1.2.2. –
erklärte der Beschuldigte, er sei sich schon damals nicht mehr so sicher über den
Ablauf gewesen, und heute, eineinhalb Jahre später, sei es erst recht so. Er habe
keine Ahnung und könne sich an Details nicht mehr erinnern (Urk. 01.322 S. 9 f.).
Danach gefragt, ob er bei diesen früheren Einvernahmen wahrheitsgemäss aus-
gesagt habe, erwiderte der Beschuldigte, nach seiner Erinnerung schon, das
heisse, er habe wahrheitsgemäss nach seiner damaligen Erinnerung ausgesagt
(Urk. 01.322 S. 10). Schon kurz zuvor in der Konfrontationseinvernahme hatte der
Beschuldigte erklärt, er nehme nicht an, dass er den Staatsanwalt in seinen frühe-
ren Aussagen angelogen habe. Er wisse es aber nicht mehr. Das heisse, er sei
sich sicher, dass er ihn damals nicht angelogen habe, aber er sei sich nicht mehr
so sicher, ob ihn die Erinnerung heute oder damals trüge oder getrügt habe
(Urk. 01.322 S. 8).
1.2.5. Wie vorne aufgezeigt (vgl. Ziff. A.4.1.1.), nahm dann der Beschuldigte an
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 30. März 2016 (Urk. 33) die Position
ein, bevor überhaupt die Rede von einem gemeinsamen Treffen am 3. Dezember
2011 gewesen sei, habe er G._ am Telefon über sämtliche Details im Zu-
sammenhang mit den Dollar-Transaktionen B._s in Kenntnis gesetzt, inkl.
den Namen der Bank und die Beträge. Dies habe er getan, um G._ vorzube-
reiten. Der geäusserten Vermutung des Beschuldigten, dass die Medien über-
- 36 -
haupt auf G._ zugehen könnten, liegen seine weiteren Vermutungen zugrun-
de, dass C._ mit den bankinternen Daten an die Presse gelangen würde und
dass G._ als bekannter Kritiker von B._ wahrscheinlich als Urheber der
ganzen Angelegenheit angefragt worden wäre (Urk. 33 S. 5 f.).
1.2.6. In Bezug auf die Glaubhaftigkeit seiner Ausführungen ist bereits gestützt
auf diesen Aussagen-Überblick im Einklang mit der Vorinstanz zu konstatieren,
dass die Darlegungen des Beschuldigten schon für sich allein betrachtet als we-
nig konsistent erscheinen.
So springt zunächst ins Auge, wie sehr seine Schilderungen je nach dem Zeit-
punkt der Befragungen variieren. Während er Anfang 2012 zu Beginn der Unter-
suchung, wenn erfahrungsgemäss die Erinnerung an das Geschehen am fri-
schesten ist, klar festgehalten hatte, G._ am Telefon keine Details, sondern
nur das grosse Bild – zu Gehör bekommene brisante Informationen bezüglich De-
visenspekulationen durch den Nationalbankpräsidenten und dass der Informant
G._ treffen möchte – vermittelt und auch einen Termin vereinbart zu haben
(Urk. 01.307 S. 13 f.), behauptete er anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung geradewegs das Gegenteil. So machte er geltend, G._ damals
vollumfänglich, alle eigenen Kenntnisse weitergebend, orientiert zu haben, um
diesen für den von ihm erwarteten Fall von Medienanfragen vorzuwarnen. Dar-
über hinaus will der Beschuldigte nunmehr, ebenso im Gegensatz zur Erstaussa-
ge, am Telefon auch den Namen der Bank bekannt gegeben haben, wobei es,
wiederum konträr, damals (noch) nicht um eine Terminvereinbarung gegangen sei
(Urk. 33 S. 5). Dieser im Frühling 2016 vor Vorinstanz neu vorgetragene, sehr
präzise, aber in frappantem Widerspruch zu seinen Angaben in den früheren Be-
fragungen stehende Standpunkt erstaunt umso mehr, als der Beschuldigte in der
zeitlich dazwischen liegenden Konfrontationseinvernahme vom 8. April 2013
durchwegs ins Feld geführt hatte, sich nach eineinhalb Jahren nicht mehr an die
genauen Gegebenheiten im Vorfeld des 3. Dezember zu erinnern, eigentlich kei-
ne Ahnung mehr zu haben (Urk. 01.322 S. 6 und 9 f.). Dieser Umstand schwächt
die Glaubhaftigkeit des neuen, quasi aus dem Hut gezauberten bzw. aus den Tie-
fen des Vergessens auferstandenen Vorbringens, G._ schon vor dem Tref-
- 37 -
fen vollständig informiert und diesem alles eigene Wissen erzählt zu haben, noch
weiter ab. Das wird zusätzlich unterstrichen durch die Tatsache, dass der Be-
schuldigte anlässlich der Konfrontationseinvernahme auch auf die konkrete Auf-
zählung, was er G._ laut eigener Bekundung schon kommuniziert habe, je
mit Nichtmehrwissen reagiert hatte. Seine beim Bezirksgericht präsentierte Versi-
on, G._ vorgängig detailliert und ausführlich ins Bild gesetzt zu haben – dies
gemäss seinem Verteidiger sogar an zwei Daten, dem 21. und 29. November
2011 (Urk. 37 S. 7 und 9) – kontrastiert schliesslich auch mit der expliziten Be-
streitung des Beschuldigten in seiner dritten Einvernahme (vorne Ziff. 1.2.3.),
dass G._ vor dem 3. Dezember schon viel gewusst habe; von ihm, dem Be-
schuldigten, habe G._ gar nicht viel wissen können. Abgesehen von alledem
ist auch das markant schwammige Aussageverhalten des Beschuldigten anläss-
lich der Konfrontationseinvernahme mit G._ vom April 2013 (Urk. 01.322; vgl.
vorne Ziff. 1.2.4.) alles andere als überzeugend. Damals beteuerte der Beschul-
digte einerseits, den Staatsanwalt in den ersten Einvernahmen nicht angelogen
zu haben, berief sich aber anderseits auf fehlende Erinnerung durch Zeitablauf
resp. gab sich unsicher, ob ihn die Erinnerung heute oder damals trüge oder ge-
trügt habe.
Wohl ist schon an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass G._ sich ebenfalls
nicht mehr genau an die Telefonate mit dem Beschuldigten erinnern konnte (siehe
nachstehend Ziff. 1.3.). Dies hat zur Folge, dass die neuen Aussagen des Be-
schuldigten zwar nicht im Widerspruch zu jenen von G._ stehen, sie lassen
sich durch die Angaben G._s aber auch nicht bestätigen.
1.3. Aussagen von G._ und vorläufige Würdigung
1.3.1. In der Befragung vom 6. September 2012 (Urk. 01.320) erklärte G._,
dass er sich nicht mehr genau erinnern könne, wie die Telefonate vor dem
3. Dezember 2011 mit dem Beschuldigten abgelaufen seien. Er könne sich nicht
einmal mehr genau daran erinnern, ob er direkt Kontakt mit dem Beschuldigten
gehabt und den Termin vom 3. Dezember 2011 selbst mit dem Beschuldigten ab-
gemacht habe, oder ob dies durch sein Sekretariat vereinbart worden sei. Er habe
diesem Ablauf auch keine Bedeutung beigemessen. Der Beschuldigte habe si-
- 38 -
cher wegen einer Terminvereinbarung angerufen. Jedenfalls habe er, G._,
nicht gewusst, um was es im Detail gehe. Wenn jemand anrufe wegen einer wich-
tigen Sache und um ein Gespräch bitte, dann schaue er, ob er einen Termin finde
(Urk. 01.320 S. 9 und 14). In seiner Erinnerung habe der Beschuldigte wegen ei-
ner wichtigen, dringenden Sache – es sei um Landesinteressen gegangen, also
um das Wohl des Landes, so sein (G._s) Empfinden – auf ein Treffen vor
Sessionsbeginn gedrängt, sonst hätte er den Termin nicht gegeben (Urk. 01.320
S. 11 ff.). Dass er vor dem Treffen über den Grund der dringenden Terminanfrage
orientiert worden sei, konnte G._ wegen fehlender Erinnerung selbst auf
Vorhalt konkreter Behauptungen des Beschuldigten (etwa dass er G._ vor-
gängig erwähnt, dass B._ mit Devisen spekulieren würde, indem er an den
aktenkundigen Daten Fr. 500'000.– in Dollar gewechselt und wieder zurückge-
wechselt habe), nicht bestätigen. Das entspreche aber dem, so G._ weiter,
was am 3. Dezember dann auf den Tisch gekommen sei, da habe er realisiert,
dass ein schwerwiegender Verdacht vorliege. Auch liess G._ durchblicken,
dass der Beschuldigte ihn bei telefonischer Information gar nicht mehr hätte tref-
fen müssen (Urk. 01.320 S. 13 ff.).
1.3.2. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten vom
8. April 2013 (Urk. 01.322) wiederholte G._ unter Bezugnahme auf seine
frühere Aussage, dass er das, was bis zum 3. Dezember 2011 gewesen sei, nicht
mehr in Erinnerung habe, da dies für ihn in dieser Geschichte Nebensache sei. Es
sei um eine Terminvereinbarung gegangen. Er glaube, dass der Beschuldigte ihm
gesagt habe, er sei in grosser Not, da aus seiner Sicht für unser Land eine
schwerwiegende Angelegenheit passiert sei und dass er ihn als Nationalrat dar-
über orientieren müsse. Ausserdem habe der Beschuldigte noch gefragt, ob er,
G._, bereit sei, ihn zu empfangen. Aufgrund von dessen Motiv habe er sich
entschlossen, den Beschuldigen anzuhören (Urk. 01.322 S. 11 ff.). Das Treffen
vom 3. Dezember 2011 habe er noch gut in Erinnerung (Urk. 01.322 S. 11 ff.).
1.3.3. Was die Glaubhaftigkeit der Aussagen von G._ betrifft, ist mit der Vo-
rinstanz anzumerken, dass er in seiner Einvernahme als Auskunftsperson vom
13. Januar 2012 keine Angaben zum in Frage stehenden Sachverhalt tätigte
- 39 -
(Urk. 01.306 S. 1 ff.). In seinen weiteren, teilweise vorne zitierten Einvernahmen
als Mitbeschuldigter sowie in der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldig-
ten und C._ vom 24. Juni 2013 (Urk. 01.323) schilderte er jedoch jeweils wi-
derspruchsfrei, was er im Zusammenhang mit den zu beurteilenden Vorwürfen
wahrgenommen hatte. Insbesondere fällt auf, dass G._ zum Treffen vom
3. Dezember 2011 selbst viele, auch sonst aktenkundige Einzelheiten abrufen
konnte.
1.4. Gesamtwürdigung Anklageziffer I.B.
1.4.1. In ihrer Beweiswürdigung bezeichnete die Vorinstanz zunächst die Version
der umfassenden vorgängigen Information von G._ im Hinblick auf vermeint-
liche Presseanfragen als sehr weit hergeholt. Das vom Beschuldigten beschrie-
bene Szenario enthalte mehrere Vermutungen, deren Wahrscheinlichkeit der
Verwirklichung auch aus damaliger Sicht nicht als allzu gross einzuschätzen ge-
wesen sei. Die Annahme, G._ hätte durch die Presse kontaktiert werden
können, sei demnach nur hypothetisch gewesen. Ausserdem erschien der Vo-
rinstanz nicht ganz nachvollziehbar, weshalb es für G._ wichtig gewesen
sein sollte, informiert zu sein, wäre er tatsächlich von den Medien mit dem Vor-
wurf kontaktiert worden, etwas mit der Sache zu tun gehabt zu haben (Urk. 48
S. 33 f.).
Diese stichhaltige Auffassung ist zu teilen. Als zutreffend zu übernehmen ist auch
die weitere Beurteilung durch die Vorinstanz. Die nachstehenden Ausführungen
verstehen sich als Zusammenfassung mit einigen Ergänzungen.
1.4.2. Darüber hinaus wurde diese Erklärung erstmals anlässlich der vorinstanzli-
chen Hauptverhandlung, mithin nach vier Jahren und damit sehr spät im Verfah-
ren abgegeben, was deren Glaubhaftigkeit ebenfalls massgeblich einschränkt.
Bis dahin war nie die Rede davon, dass sich der Beschuldigte an G._ ge-
wandt habe um ihn vorzuwarnen oder vorzuinformieren oder ihm bereits vor dem
3. Dezember 2011 das ganze eigene Wissen über die Dollar-Transaktionen
B._s weitergegeben zu haben. Vielmehr hatte der Beschuldigte wie aufge-
- 40 -
zeigt in den diversen Einvernahmen eine Mehrzahl an Varianten vorgelegt oder
aber weitreichende Unsicherheit behauptet oder zu gänzlichem Erinnerungsman-
gel Zuflucht genommen. Ein plausibler, nachvollziehbarer Grund, weshalb die
neue Version, wäre sie denn wahr, nicht schon früher hätte abgegeben werden
können, ist weder vom Beschuldigten dargetan noch ersichtlich. Die neue Darstel-
lung erscheint als konstruiert und nachgeschoben.
1.4.3. Die Argumentation des Verteidigers, dass der Beschuldigte und C._
zu Beginn der Untersuchung darauf bedacht gewesen seien, sich gegenseitig
nicht zu belasten und sich selbst gleichzeitig auch schadlos zu halten, dann aber
nach Ausweitung der Ermittlungen hinsichtlich der Ereignisse im November und
Dezember 2011 auf G._ dieser eine ganz eigene Version, eine – wie es der
Verteidiger nannte – resolut aufgetragene Sachverhaltsdarstellung, vorgebracht
habe, was den Beschuldigten zum zeitlichen Ablauf bezüglich der Telefonate ha-
be unsicher werden lassen und Erinnerungslücken in der Konfrontationseinver-
nahme bewirkt habe, vermag ebenfalls nicht als Anlass für das schwankende und
uneinheitliche Aussageverhalten des Beschuldigten einzuleuchten. Inwiefern die
Schilderungen G._s in diesem Punkt Auswirkungen auf das Aussageverhal-
ten des Beschuldigten gehabt haben sollen, ist nicht nachvollziehbar und wurde
auch nicht näher dargelegt. Das gilt umso mehr, als es sich beim Beschuldigten
bereits damals um einen über mehrjährige Berufserfahrung verfügenden Rechts-
anwalt handelte, der auch schon als Strafverteidiger tätig gewesen war.
Wenn überdies ausgeführt wird, dass der Beschuldigte nunmehr, nachdem einige
Zeit verstrichen und er von den Aussagen G._s unbelastet sei, nach einigem
Aktenstudium erkannt habe, dass an einigen ganz zentralen Punkten gewisse
Korrekturen und Berichtigungen anzubringen gewesen seien (Urk. 37 S. 4), so
deutet das sehr darauf hin, dass das abgeänderte Vorbringen gerade nicht auf
realem Hintergrund beruht, sondern rein taktisch motiviert ist. Es ist nämlich mit
der Vorinstanz nicht einzusehen, weshalb der Beschuldigte erst an der Hauptver-
handlung Ende März 2016 und nicht schon zu Beginn, zumindest aber deutlich
früher in der Untersuchung, den neuen, für ihn günstigen Standpunkt vorlegte,
sollten sich die Ereignisse tatsächlich so zugetragen haben, zumal davon auszu-
- 41 -
gehen ist, dass die Erinnerung daran im Januar/Februar 2012 fraglos vorhanden
gewesen wäre. Wären die Bankinformationen beim Treffen am 3. Dezember 2011
G._ bereits vollständig bekannt und folglich nicht mehr geheim gewesen, wä-
re auch eine Strafbarkeit des Beschuldigten wegen Gehilfenschaft zur Bankge-
heimnisverletzung ausgeschlossen. Dass der Beschuldigte in seinen ersten Ein-
vernahmen betreffend Kontakt zu und Information von G._ unzutreffende
Angaben gemacht haben soll, nur um C._ nicht zu belasten, wie von der Ver-
teidigung ausgeführt (Urk. 37 S. 4), erscheint mit der Vorinstanz als unwahr-
scheinlich, ist doch nicht erkennbar, inwiefern C._ durch die neue Sachdar-
stellung (zusätzlich) belastet worden wäre.
Der an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung erstmals präsentierte Standpunkt
des Beschuldigten muss im Ergebnis als rein taktisch motivierte Schutzbehaup-
tung gewertet werden.
1.4.4. Schliesslich sind keine Gründe ersichtlich, weshalb G._ hätte ver-
heimlichen sollen, dass er bereits vor dem 3. Dezember 2011 umfassend über die
Dollartransaktionen von B._ informiert worden wäre, wenn es sich denn so
zugetragen hätte. Die Aussagen G._s sprechen insgesamt jedenfalls gegen
eine detaillierte telefonische Information wie vom Beschuldigten zuletzt behauptet.
Wie vorne unter Ziff. 1.3. gezeigt, war G._ hinsichtlich der Telefonate des
Beschuldigten im Vorfeld des 3. Dezember 2011 – insbesondere bezüglich An-
zahl, Inhalt und ob er überhaupt direkt mit dem Beschuldigten in Kontakt gestan-
den hatte oder dies via sein Sekretariat geschehen war – wegen fehlender Erin-
nerung ausserstande, substanzielle Angaben zu Vorabinformationen seitens des
Beschuldigten machen. Er mass dem auch keine weitere Bedeutung zu, ging es
doch aus seiner Sicht um eine Terminvereinbarung. Dass er trotz starker terminli-
cher Auslastung und kurz vor der Session des Parlaments noch am Samstag an
seiner Privatadresse den Beschuldigten und C._ empfing, erklärte er plausi-
bel damit, er habe als Grund für die dringliche Terminanfrage von A._ ver-
standen, dass das Wohl des Landes betroffen sei. Jedenfalls hat G._ glaub-
haft versichert, nicht gewusst zu haben, um was es im Detail gehe. Selbst wenn
G._ schon vor dem Treffen erfahren haben sollte, dass das gewünschte Ge-
- 42 -
spräch mögliche Spekulationsgeschäfte des Nationalbankpräsidenten betreffe,
kann nicht davon gesprochen werden, dass er – wie behauptet – detailliert und
umfassend informiert gewesen wäre. Bei derartiger, schon telefonisch erfolgter In-
formation wäre aus seiner Sicht eine Zusammenkunft im Übrigen nicht mehr er-
forderlich gewesen (vorne Ziff. 1.3.1). All diese Umstände deuten darauf, dass
G._ vor dem besagten Treffen mit dem Beschuldigten und C._ höchs-
tens in groben Zügen, jedoch keineswegs in allen Einzelheiten, orientiert war.
Im Gegensatz zum eben dargestellten Vorfeld konnte G._ zum Ablauf und
Gesprächsinhalt im Rahmen des Treffens vom 3. Dezember 2011 dann sehr de-
tailliert Auskunft erteilen, zumal ihm auch die drei Printscreens des Kontos von
B._ mit den Dollartransaktionen durch C._ vorgelegt und erläutert wor-
den waren (z.B. Urk. 01.322 S. 14 f). Laut dem Beschuldigten hat C._
G._ diese Dokumente mit einem gewissen Stolz gezeigt und dabei das Be-
dürfnis gehabt, diesem alle Details mitzuteilen, und G._ habe auch Notizen
angefertigt (vgl. vorne Ziff. 1.2.3.). Dies sind Indizien dafür, dass G._ die De-
tails zu den Devisentransaktionen am 3. Dezember 2011 erfuhr.
Letztendlich geht auch aus den Schilderungen des Beschuldigten hervor, dass
man G._ persönlich informieren und seinen Rat einholen wollte, unter Vorla-
ge namentlich auch der existenten Dokumente – welche gezielt und eigens zu
diesem Zweck an die Zusammenkunft in O._ mitgenommen wurden – zur
Untermauerung des Darzulegenden. Es versteht sich von selbst, dass speziell in
dieser brisanten, das öffentliche Interesse unmittelbar tangierenden Angelegen-
heit die erhoffte Unterstützung durch Rat und eventuell Tat seitens von G._
als sehr erfahrenem und gewieftem Politiker nur realistisch war, wenn sich dieser
ein genaues eigenes Bild der Ausgangslage machen konnte, um gestützt darauf
allenfalls konkrete weitere Schritte empfehlen zu können. Dazu bedurfte es präzi-
ser Information aller massgeblichen Tatsachen, wozu gerade eben das vereinbar-
te persönliche Treffen vom 3. Dezember 2011 diente, welches sich bei bereits
umfassender Kenntnis der Umstände durch G._ erübrigt hätte. All dies war
zweifellos auch dem Beschuldigten als Rechtsanwalt und ebenfalls Politiker klar.
- 43 -
Anzufügen bleibt, dass eine detaillierte und umfassende Information per Telefon
gegenüber einem erst in die Geschehnisse Einzuweihenden auch unter dem As-
pekt höchst zweifelhaft ist, als der Beschuldigte und C._ in ihrem aktenkun-
digen E-Mail-Verkehr ebenso wie bei den Telefonaten sehr auf Vorsicht bedacht
waren und aus diesem Grund weitgehend nur bruchstückhaft und verklausuliert
kommunizierten, indem sie für B._ und G._ bewusst Pseudonyme ver-
wendeten (für B._: "R._" [Anfangsbuchstabe des Nachnames],
"S._" [Abkürzung des Nachnames], "T._", "U._"; für G._:
"Chef", "Vögeli"; vgl. auch hinten Ziff. C.1.2.). Dass vor diesem Hintergrund tele-
fonisch diesbezügliche Informationen zwischen dem Beschuldigten und G._
offen und ausführlich geflossen sein sollen, erscheint realitätsfremd.
1.4.5. Wenn die Vorinstanz zweifelsfrei zum Ergebnis gelangte, dass es sich bei
den neuen Vorbringen des Beschuldigten um taktisch motivierte Schutzbehaup-
tungen handelt, mit welchen er sich einer Strafbarkeit aufgrund der Gehilfenschaft
zur Bankgeheimnisverletzung zu entziehen versucht, so ist dem nach dem Ge-
sagten und unter ergänzendem Verweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Urteil (Urk. 48 S. 36) ohne Weiteres beizupflichten.
2. Rechtliche Würdigung
2.1. Aufgrund des vorstehend Gesagten und des im Übrigen geständigen Be-
schuldigten ist der unter Anklageziffer I.B. festgehaltene Sachverhalt erstellt.
Die Vorinstanz hat überzeugend dargetan, dass die darin festgehaltenen Hand-
lungen des Beschuldigten die Voraussetzungen des Tatbestands der Gehilfen-
schaft zur Verletzung des Bankgeheimnisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a
BankG in Verbindung mit Art. 26 StGB erfüllen. Auf ihre Ausführungen kann vorab
verwiesen werden (Urk. 48 S. 65-69). Zusammenfassend und ergänzend ist das
Folgende festzuhalten:
Wie eingangs ausgeführt (vorstehend Ziff. A.6.1.1.c.),ist eine Geheimnisoffenba-
rung im Sinne von Art. 47 BankG auch dann zu bejahen, wenn – wie hier beim
Treffen mit G._ – bereits vorbestehende, unsichere oder unvollständige
- 44 -
Kenntnisse eines Empfänger über die geheimzuhaltende Tatsache durch die
Preisgabe ergänzt oder verstärkt werden.
Dass den Informationen in Bezug auf die Bankbeziehung zwischen B._ und
der Bank J._ sowie in Bezug auf die einzelnen Dollartransaktionen, welche
auf dem Konto B._s bei der Bank J._ getätigt wurden, Geheimnischa-
rakter zukommt, ist unbestritten. Auch nachdem C._ diese Informationen ge-
genüber dem Beschuldigten preisgegeben und der Beschuldigte G._ vorori-
entiert hatte, waren sie der Öffentlichkeit und vor allem auch G._ noch nicht
im Detail bekannt. Rechtlich ist somit offensichtlich, dass der Mitbeschuldigte
C._, der dem Bankgeheimnis unterstand, mit diesen geheimen Informationen
gegenüber G._ anlässlich des Treffens vom 3. Dezember 2011 den Tatbe-
stand der Verletzung des Bankgeheimnisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a
BankG erfüllt hat.
Bezüglich des Beschuldigten ergibt sich gestützt auf den erstellten Sachverhalt
eine vielfältige Hilfestellung: Er nahm Kontakt auf mit G._, unterbreitete die-
sem Vorinformationen hinsichtlich der Eckdaten der Dollartransaktionen, verein-
barte mit ihm den Termin für das Treffen, begleitete C._ zu diesem Treffen
und nahm die Printscreens aus seiner Kanzlei mit. Der Beschuldigte A._ un-
terstützte somit den Mitbeschuldigten C._ organisatorisch, physisch und
mental. Damit leistete er mehrere Tatbeiträge, welche das Delikt massgeblich för-
derten.
Das Vorbringen des Verteidigers, der Beschuldigte habe im Zeitpunkt der Organi-
sation des Treffens nicht gewusst, dass der Mitbeschuldigte C._ G._ die
detaillierten Dollartransaktionen offenbaren würde (Urk. 60 S. 8), vermag nicht zu
überzeugen. In Anbetracht des E-Mail-Verkehrs zwischen den Beschuldigten im
Vorfeld des Treffens – vgl. z.B. das E-Mail C._s an A._ vom 20. No-
vember 2011, 17:07 Uhr: "[...] für mich ist die Besprechung mit ihm fast mit ein
Ziel, auch dass er es einfach weiss [...]" (Urk. 00.204) oder das E-Mail von
A._ an C._ vom 28. November 2011, 10:53 Uhr: "Bez. Chef bräuchte
ich dann aber schon verbindliche Zusagen, dass Du es machst. Sonst kann ich
nicht nochmals anrufen" (SB160259 Urk. 72/5 S. 5) – aber auch entsprechender
- 45 -
Aussagen des Beschuldigten – vgl. z.B. Urk. 01.307 S. 14: "Wir waren völlig un-
befangen auf dieser Fahrt [zu G._]. C._ sagte, ich zeige ihm diese Un-
terlagen, und dann wird er sicher begeistert sein und werde sicher helfen wollen."
– geht klar hervor, dass der Beschuldigte wusste und auch wollte, dass der Mit-
beschuldigte C._ G._ die Printscreens zeigen würde, zumal auch er es
war, der diese Printscreens aus seinem Tresor nahm und an dieses Treffen mit-
brachte.
2.2. Inkonsequenterweise hat die Anklagebehörde hinsichtlich des Geheimnisver-
rats gegenüber G._ die Handlungen der Beschuldigten A._ und
C._ rechtlich unterschiedlich gewürdigt. Während C._ wegen Verletzung
des Bank- sowie des Geschäftsgeheimnisses angeklagt wurde, wurde dem Be-
schuldigten A._ dagegen nur Gehilfenschaft zur Verletzung des Bank-, nicht
aber des Geschäftsgeheimnisses vorgeworfen. Eine solche Ungleichbehandlung
ist grundsätzlich sachlich nicht gerechtfertigt. Sie wirkt sich indes im Ergebnis
nicht aus, da – wie vorstehend ausgeführt wurde (Ziff. A.6.4.) – die Verletzung
des Geschäftsgeheimnisses bzw. die hierzu geleistete Gehilfenschaft ohnehin
durch die Verletzung des Bankgeheimnisses bzw. die dazu begangene Gehilfen-
schaft konsumiert würde.
3. Rechtswidrigkeit
3.1. Vorbemerkung
Die Verteidigung des Mitbeschuldigten C._ machte im Parallelverfahren
SB160259 bezüglich des Geheimnisverrats gegenüber G._ mehrere Recht-
fertigungsgründe geltend. Unter anderem brachte sie vor, dass zwischen dem
Beschuldigten C._ und G._ am 3. Dezember 2011 (zumindest aus sub-
jektiver Sicht des Beschuldigten C._) ein anwaltliches Mandatsverhältnis zu-
stande gekommen und deshalb die Geheimnisoffenbarung des Beschuldigten
C._ an G._ im Sinne von Art. 14 StGB gerechtfertigt sei. Müsste dieser
Auffassung der Verteidigung des Mitbeschuldigten C._ gefolgt werden, wäre
aufgrund der sog. limitierten Akzessorietät der Teilnahme (vgl. Trechsel/Jean-
Richard, StGB PK, 2. Aufl., vor Art. 24 N 26) auch das Verhalten des Beschuldig-
- 46 -
ten A._ nicht strafbar. Im Berufungsentscheid betreffend den Beschuldigten
C._ wurde indes einlässlich dargetan, dass der geltend gemachte (Putativ-)
Rechtfertigungsgrund gemäss Art. 14 StGB verneint werden muss. Im vorliegen-
den Verfahren wurde der entsprechende Rechtfertigungsgrund nicht geltend ge-
macht, weshalb sich an dieser Stelle weitere Ausführungen hierzu erübrigen.
3.2. Prüfung des Rechtfertigungsgrunds der Wahrung berechtigter Interessen
3.2.1. Standpunkt des Beschuldigten
Die Verteidigung des Beschuldigten A._ beruft sich indes auf den überge-
setzlichen Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen. Sie führt
aus, dass die Beschuldigten A._ und C._ für sich in Anspruch nehmen
könnten, als Whistleblower gehandelt zu haben (Urk. 68 S. 18 ff.), und stützt sich
dabei auf das von ihr ins Recht gelegte Rechtsgutachten von Prof. Dr. D._
vom 14. Juli 2016 (Urk. 60, vgl. dazu vorstehend Ziff. II.4). Das mediale Echo,
welches die Enthüllungen der Dollartransaktion von B._ ausgelöst hätten,
bestätigte eindrücklich das öffentliche Interesse am Vorgefallenen. Insofern könne
man den Beschuldigten C._ und A._ danken, dass sie die ganze Sache
publik gemacht hätten (Urk. 68 S. 18 f.). Dass der erste Schritt der Whistleblo-
wing-Kaskade, nämlich der interne Weg, seitens des Mitbeschuldigten C._
nicht beschritten worden sei, sei nachvollziehbar, sei doch nicht anzunehmen,
dass die Bank J._ von sich aus etwas gegen einen guten Kunden und
gleichzeitig den obersten Banker der Schweiz unternommen hätte. Als zweiter
Schritt wäre sodann vorliegend zwar in der Tat der Bankrat als externe Stelle in
Frage gekommen. Dass sich der Beschuldigte C._ dagegen entschieden ha-
be, müsse man aber rückblickend als richtig werten. Mit seiner Pressemitteilung
vom tt. Dezember 2011 habe der Bankrat nämlich selbst den Beweis geliefert,
dass ihm an der Untersuchung der im Raum stehenden Verdachtsmomente herz-
lich wenig gelegen sei. Als alternativen Weg hätten die Beschuldigten C._
und A._ stattdessen die Kontaktaufnahme mit G._, einem nationalen
Parlamentarier, der selbst Justizminister gewesen und bekanntermassen bestens
vernetzt gewesen sei, gewählt. Diesen als geeignete externe Stelle zu kontaktie-
ren, sei nicht abwegig, was auch das Rechtsgutachten von Prof. Dr. D._ so
- 47 -
sehe. Hinzu komme, dass G._ die geeigneten Schritte unternommen und
über Bundesrätin L._ verwaltungsinterne Untersuchungsmassnahmen aus-
gelöst habe. Mit der Kontaktaufnahme zu G._ hätten die Beschuldigten des-
halb eine korrekte Meldung an eine externe Stelle vorgenommen, womit ihr Han-
deln gerechtfertigt sei und straflos bleiben müsse (a.a.O. S. 22 f.).
3.2.2. Beurteilung
3.2.2.1. Wie einleitend ausgeführt (vorstehend Ziff. A.6.5.2.) ist bei der Prüfung,
ob sich der Beschuldigte auf den Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter
Interessen berufen kann, in Nachachtung der erwähnten Lehre und Rechtspre-
chung (u.a.) zu beurteilen, ob das gewählte Vorgehen des Beschuldigten notwen-
dig und angemessen war. Im Rahmen dieser Beurteilung ist zu prüfen, ob der Be-
schuldigte das dreistufige Kaskadensystem des erlaubten Whistleblowing einge-
halten hat bzw. ob die Einhaltung desselben ihm allenfalls nicht möglich oder zu-
mutbar war.
3.2.2.2. Der Beschuldigte C._ macht im Parallelverfahren mit dem Plädoyer
seiner Verteidigerin (Verfahrensakten SB160259, Urk. 168) sowie in seiner schrift-
lichen Stellungnahme vom 18. Mai 2017 (SB 160259 Urk. 156) geltend, dass eine
interne Meldung an die Compliance-Abteilung der Bank J._ unmöglich bzw.
nicht erfolgversprechend gewesen wäre. Anlässlich seiner Einvernahmen wäh-
rend der Untersuchung erklärte der Beschuldigte C._, dass jene Person, von
welcher er die Kundennummer B._s erhalten habe, bereits beim zuständigen
Kundenberater nachgefragt habe. Dieser habe lediglich gesagt, dass alles korrekt
sei und gemäss dessen Wortwahl dürfte auch die Compliance bereits im Spiel
gewesen sein (SB 160259 Urk. 01.308 S. 19 f.). Da der Kundenberater bereits
gesagt habe, dass alles ok sei und auch die Compliance informiert sei, habe er
keinen Zweck darin gesehen, dies auch noch zu tun ("dann muss nicht noch ein
C._ da nachfragen"; SB160259 Urk. 01.308 S. 20, SB160259 Urk. 01.311
S. 6). Diverse Mitarbeiter hätten allerdings an dieser Aussage (wonach alles kor-
rekt sei) gezweifelt, und eine (erneute) Kontaktaufnahme mit der Compliance sei
als gar keine Möglichkeit erschienen (Urk. 01.302 S. 10). In seiner schriftlichen
Stellungnahme vom 18. Mai 2017 bringt der Mitbeschuldigte C._ im Kern vor
- 48 -
– auf die Details ist hier nicht einzugehen, nachdem den übrigen Parteien hin-
sichtlich dieser Eingabe das rechtliche Gehör eingeschränkt wurde (vgl. Prot. II
S. 62 f.) – dass er bei einer bankinternen Meldung Repressionen hätte befürchten
müssen. So habe in der Vergangenheit einmal ein früherer Mitarbeiter etwas auf-
gedeckt, worauf diesem postwendend gekündigt worden sei (vgl. Prot. II S. 61).
Hierzu ist festzuhalten, dass in dieser doch sehr speziellen Konstellation eine in-
terne Meldung des Beschuldigten C._ an die Compliance-Abteilung der Pri-
vatbank in der Tat kaum erfolgversprechend gewesen wäre. Es ist – mit dem Ver-
teidiger des Beschuldigten A._ – davon auszugehen, dass die Vorgesetzten
des Mitbeschuldigten C._ wohl kaum etwas gegen ihren prominenten Kun-
den, den damaligen Nationalbankpräsidenten, unternommen hätten. Die Aussa-
gen des Mitbeschuldigten C._, wonach ihm seitens des Kundenberaters von
B._ mitgeteilt worden sei, dass mit den Transaktionen alles in Ordnung sei
und die Compliance-Stelle darüber bereits informiert worden sei, kann ihm so-
dann nicht widerlegt werden. Zumindest subjektiv ist nachvollziehbar, dass dem
Mitbeschuldigten C._ die (erneute) Meldung an die Compliance-Stelle aus
Furcht vor allfälligen Repressalien nicht zumutbar erschien. Dass der Mitbeschul-
digte C._ tatsächlich entsprechende Befürchtungen hegte, wird durch die
Aussagen des Beschuldigten A._ bestätigt. Dieser führte aus, der Mitbe-
schuldigte C._ habe ihm – (glaublich anlässlich des Treffens vom 4. Novem-
ber 2011) auf dessen Rat, den Vorfall bankintern zu melden – geantwortet, das
sei komplett unmöglich, was ihn (A._) damals überrascht habe, ihm aber
mittlerweile als absolut wahrscheinlich erscheine. Der Beschuldigte C._ habe
weiter gesagt, dass wenn er irgendeine Meldung machen würde, die Bank das
Konto physisch verschwinden lasse würde und er seinen Job verlieren würde. Der
Beschuldigte habe ihm auch gesagt, dass B._ von dessen Bankberater da-
rauf aufmerksam gemacht worden sei, dass diese Transaktionen nicht in Ordnung
seien, worauf dieser Bankberater ziemlich scharf angegangen worden sei. Es ha-
be also ein gewisses Klima der Unsicherheit in dieser Bank geherrscht (Prot. II
S. 17 ff.).
- 49 -
Aus all den genannten Gründen erscheint es als gerechtfertigt, dass der Mitbe-
schuldigte C._ den ersten Schritt der Informationskaskade des Whistleblo-
wing nicht einhielt.
3.2.2.3. In einem zweiten Schritt hätte sich der Beschuldigte C._ für ein le-
gales Whistleblowing direkt an eine geeignete externe Stelle, also an den Bankrat
als Aufsichtsbehörde über die Nationalbank, oder an den Bundesrat, der Wahlbe-
hörde des Direktoriums der Nationalbank, wenden dürfen und müssen. Abgese-
hen davon wäre ihm jederzeit der direkte Gang zur Strafbehörden erlaubt gewe-
sen (vgl. vorstehend Ziff. A.6.5.2.).
Prof. Dr. D._ hält einer solchen Erwägung in seinem vom Beschuldigten
A._ eingereichten Rechtsgutachten vom 14. Juli 2016 entgegen, dass diese
Stellen zwar durchaus als Adressaten für eine Meldung in Frage gekommen wä-
ren. Der alternativ gewählte Weg über G._, d.h. einen nationalen Parlamen-
tarier, der selber ehemaliger Justizminister gewesen sei, bekanntermassen bes-
tens vernetzt sei und die damalige Bundespräsidentin informiert habe, sei indes
keineswegs abwegig, sondern plausibel. Die entsprechende Vorgehensweise sei
durchaus als korrekte Meldung an externe Stellen gedeckt (Urk. 60 S. 14).
Diese Betrachtungsweise greift indessen zu kurz. Freilich trifft es zu, dass
G._, der wohl bekannteste und einflussreichste Politiker der Schweiz, beste
Beziehungen zu Bundesbern hatte. Es ist aber auch zu beachten – und dieser
Umstand war den beiden politisch versierten Beschuldigten C._ und A._
anerkanntermassen bewusst – dass G._ sowohl B._ als auch der dama-
ligen Geldpolitik der Nationalbank äusserst kritisch gegenüberstand. Wenn nun
G._ hochbrisante Informationen über B._ erhielt, nämlich Informationen
über allenfalls illegale oder zumindest moralisch verwerfliche private Devisen-
transaktionen des Nationalbankpräsidenten, dann drängte sich die Möglichkeit,
dass sich daraus eine Eigendynamik entwickeln könnte, geradezu gebieterisch
auf. Bestens vernetzt war G._ selbstredend nicht nur mit Bundesbern, son-
dern auch mit bestimmten Medien. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert,
was sich gemäss den bei den Akten liegenden, rückwirkenden Teilnehmeridentifi-
kationen von Telefonverbindungen ergibt, dass nämlich die telefonischen Kontak-
- 50 -
te zwischen G._ und V._, dem Chefredaktor der F._, im fraglichen
Zeitraum ein beachtliches Mass annahmen (vgl. Akten SB160259 Urk. 72/5, Kor-
respondenztabelle mit V._).
3.2.2.4. Von entscheidender Bedeutung ist sodann auch die Frage, aus welchem
Grund die beiden Beschuldigten gerade G._ informierten, und hier ergeben
sich aufgrund der Akten – welche dem Privatgutachter Prof. Dr. D._ wohlge-
merkt gar nicht zur Verfügung standen und somit auch nicht in seine Beurteilung
einflossen – wesentliche Erkenntnisse. Aus dem intensiven tatzeitnahen E-
Mailverkehr zwischen den beiden Beschuldigten C._ und A._ rund um
das Treffen mit G._ ergibt sich nämlich mit aller nur wünschbarer Klarheit,
dass diese mit der Weiterleitung der brisanten Informationen an G._ – ent-
gegen den vorstehend zitierten Aussagen des Beschuldigten C._ aber auch
von G._ (oben Ziff. 1.2. und 1.3.) in der Untersuchung – gar kein spezifisches
Ziel verfolgten, zumindest jedenfalls nicht in erster Linie. G._, den sie in den
E-Mails bisweilen ehrfurchtsvoll als "Chef" bezeichneten, sollte vielmehr ganz ein-
fach in Kenntnis gesetzt werden über das ihrer Ansicht nach skandalöse Verhal-
ten des Nationalbankpräsidenten:
• Bereits in einem E-Mail vom 19. November 2011, 11.47 Uhr schreibt der
Beschuldigte C._ an A._: "... falls es sich als eher schwierig ge-
staltet: es ist kein Zwang von meiner Seite ok bzgl. dem Zustandekommen
dieses Gesprächs. Und wenn es dazu kommt, reicht es evtl. auch einfach,
wenn er es einfach weiss, was die Geschehnisse sind. Er wird sich selbst
seine Gedanken dazu machen, und überzeugen wird es ihn" (SB160259
Urk. 00.157 = Urk. 01.215.2).
• in einem weiteren E-Mail vom 19. November 2011, 14:22 Uhr schreibt
C._ an A._ unter anderem: "[...] Ich glaube zwar, wenn er wüsste
um was es geht bei dieser politischen/privaten Sache von uns, würde er
sich Zeit nehmen. Ich tendiere zwar langsam zur Variante gar nicht zu pla-
nen was wir machen (nach dem Gespräch), sondern es ihm einfach mal
vorzulegen. es kann nicht schaden, wenn er das weiss oder? Er wird wohl
- 51 -
paff sein, und denken, das gibt’s doch nicht. Und bezüglich Ideen - wenn
man was machen will - ist sein Arsenal wohl so ungemein grösser als un-
seres [...] Oder? Bzw. sag Du was Du dazu denkst. Ich bin immer sehr für
Vorausplanung [...] Aber hier könnte es mal reichen, den ersten Schritt zu
tun, und den Rest offen zu lassen. [...] Ok? [...]" (SB160259 Urk. 00.160
Blatt 2 = Urk. 01.21.5.3 Blatt 2).
• Der Mitbeschuldigte A._ antwortet C._ auf vorstehendes E-Mail
zwei Minuten später: "[...] ich bin für die Lösung, es ihm mal vorzulegen
und hören, was er meint." (E-Mail vom 19. November 2011, 14:24 Uhr, vgl.
SB160259 Urk. 72/5 S. 4), worauf C._ seinerseits ihm drei Minuten
später zurückschreibt: "ist ok. Vielen Dank [...]"(E-Mail vom 19. November
2011, 14:27 Uhr, vgl. SB160259 Urk. 72/5 S. 4).
• In einem E-Mail vom 29. November 2011, 10:24 Uhr, schreibt der Beschul-
digte C._ an A._: "Der Chef wird – falls er kann und will (was er
sollte) – es nicht bereuen denke ich. Das Ding hier hat Fleisch und die Sa-
che wird ihn wegen unserer Gesinnung wohl generell auch eher aufstellen
[...]" (SB160259 Urk. 00.184 = Urk. 01.222).
• Wenige Tage im Vorfeld des in die Wege geleiteten Treffens schreibt der
Beschuldigte C._ dann an den Mitbeschuldigten A._: "Bin ge-
spannt auf den Termin. Und mehr wegen dem Inhalt, statt was anderem.
Auch gut wenn er es mal sieht und weiss, dahinter stehe ich bedingungs-
los." (E-Mail vom 30. November 2011, 08.29 Uhr, SB160259 Urk. 00.188 =
Urk. 00.203).
• Am Abend des gleichen Tages schreibt er: " [...] für mich ist die Bespre-
chung mit ihm fast ein Ziel, auch dass er es einfach weiss" (E-Mail vom
30. November 2011, 17.07 Uhr, SB160259 Urk. 00.187= Urk. 00.204).
In diesen Mails im Vorfeld des Treffens mit G._ ist kein Wort darüber zu fin-
den, dass die Beschuldigten C._ und A._ G._ um juristischen an-
waltlichen Rat hätten angehen wollen. Auch deutet nichts darauf hin, dass sie
- 52 -
G._ ausschliesslich und gezielt deshalb aufsuchen wollten, damit ihnen die-
ser den ihnen bereits bekannten legalen Weg zu den Aufsichtsbehörden über die
Schweizerische Nationalbank ebnen bzw. ein entsprechendes Untersuchungsver-
fahren auslösen würde. Vielmehr zeigen diese Mails deutlich, dass die beiden
Beschuldigten einvernehmlich G._ ganz einfach über das Vorgefallene in-
formieren wollten, ohne schon eine klare Vorstellung zu haben, dass dieser etwas
tun sollte, bzw. ob dieser etwas und gegebenenfalls was tun würde. Damit aber
konnte zumindest auch nicht ausgeschlossen werden, dass neben den zuständi-
gen Bundesbehörden auch die Medien von der Affäre B._ Kenntnis erhalten
könnten. Die genannten E-Mails offenbaren auch, dass es bei dieser geplanten
Informierung von G._ vorab um eine "private/politische Sache" ging (vgl.
auch SB150259 Urk. 72/6 S. 5, wo der Beschuldigte C._ seine politische Nä-
he zu A._ und G._ hervorhebt).
Dieses Bild findet seine Bestätigung in einem längeren E-Mail vom 3. Dezember
2011, 19.14 Uhr, also am Abend nach der erfolgten Besprechung mit G._, in
welchem der Beschuldigte C._ an den Mitbeschuldigten A._ (u.a.)
schreibt:
• "Ich habe ehrlich gemischte Gefühle aktuell [...]. Ich glaube er sieht es
mehr als Auftrag an oder, etwas zu tun... neben all der Kritik, welche er zu
R._ hörte, bringt es für ihn wohl wie das Fass zum Überlaufen. Das
verstehe ich nur zu gut. Aber ich will dafür den Preis mit meinem Job nicht
zahlen, Das verunsichert mich sehr. So war das nicht gemeint. Ich ver-
suchte dies heute Morgen ja auch zu vermitteln, und über die offizielle Of-
fenlegungsvariante (welche wir fordern) zu stützen [...] . Die direkte Varian-
te birgt nur Risiken. Für mich solche, welche ich nicht tragen will [...] Wenn
er oder jemand aus der Partei das direkt bringt, werden die ein Sammelsu-
rium an Ausreden überlegen, und sagen "schau, ha, sie schiessen wieder
auf solch integre Bürger". Gehen wir doch denn korrekten Weg über die In-
stitutionen (v.a. den Bankrat und den Bundesrat) [...] und wir sind alle safe.
Das will ich ok. Er sieht glaubs meinen Job und die Bedeutung zu wenig,
was hier auch für Kollegen von mir auf dem Spiel steht. Das will ich nicht!
- 53 -
[...] Für die Offenlegung der Daten stehe ich nicht zur Verfügung. Das war
für Euch, aber für niemanden anderen, selbst H._ sieht diese Daten
nicht. Ich wollte damit persönlich überzeugen, was für ein Lump R._
ist [...]. [...] Ok? Wenn Du ihm das noch sagen kannst, oder sonst mache
ich es auch gerne selbst. [...] Dass er sich Gedanken macht, finde ich gut,
dass er auch nichts überstürzen will, ist sogar sehr gut. Aber die "Bang-
Variante" mit der Offenlegung ist keine. Ich muss das noch anfügen. Man
könnte mich natürlich in die Zwickmühle nehmen und sagen, ich hätte
Euch die Sachen auch offengelegt. Nur: ich tat das nicht als Whistleblower
(der ich nie sein wollte und nicht sein will), sondern als Mann, der Euch po-
litisch nahe steht. Das hatte bei Dir kollegiale Züge und bei ihm geht es
eher um die Sache der Partei. Wir müssen intern kommunizieren, ohne
dass etwas rausgeht. [...] Ich möchte ihn bitten, das nicht zu tun und diese
Variante komplett zu streichen. Ich stehe für die[se] nicht zur Verfügung,
stütze die Offenlegungsvariante aber voll und ganz [...] machen wir es über
die risikofreie Offenlegungsvariante [...] Ich wäre sehr froh, wenn Du mir
bei dieser an sich selbstverständlichen Bitte gegenüber ihm hilfst [...] Die-
ses Mail ist auch für den Chef [...]" (SB160259 Urk. 00.195 = Urk. 00.211).
Diesem E-Mail ist eindeutig zu entnehmen, dass anlässlich des Treffens vom
3. Dezember 2011 zumindest zwei Vorgehensweisen diskutiert wurden; einerseits
der Weg über die Meldung an die Institutionen, den Bankrat oder den Bundesrat,
(im E-Mail als "offizielle" bzw. "risikofreie Offenlegungsvariante" bezeichnet) und
andererseits der Gang – G._s oder einer anderen Person mit entsprechen-
der politischer Halltung – an die Presse (im E-Mail als "direkte Variante" bzw.
"Bang-Variante" bezeichnet). Das E-Mail zeigt, dass die Beschuldigten C._
und A._ anlässlich des Treffens mit G._ einen darauffolgenden Gang an
die Presse zumindest in Kauf nahmen. Daran ändert nichts, dass der Mitbeschul-
digte C._ nach dem Treffen wieder Angst bekam und von einem Gang an die
Presse wieder Abstand nehmen wollte.
Wie erwähnt, wäre der von den beiden Beschuldigten zu beschreitende korrekte
Schritt gewesen, direkt und eigenständig an eine externe zuständige Stelle zu ge-
- 54 -
langen, d.h. an die Strafverfolgungsbehörden, den Bankrat oder allenfalls auch an
den Bundesrat, ohne vorab aus vornehmlich politischen Gründen einen Politiker
in eine der Geheimhaltung unterstehende Entdeckung einzuweihen. Entgegen
dem Einwand der Verteidigungen der Beschuldigten C._ und A._ be-
durfte C._ nicht eines Gesprächs mit G._, um zu erfahren, ob und wie
eine Überprüfung der Transaktionen ausgelöst werden könnte, bzw. um diese
auszulösen. Die Beschuldigte wussten bereits vor dem Treffen mit G._, dass
die Meldung an den Bankrat – nebst der jederzeit ebenfalls möglichen Anzeige an
die Polizei – ein gangbarer legaler Weg war. Gemäss den eigenen Aussagen des
Mitbeschuldigten C._ bestand bereits unmittelbar nach dem Gespräch mit
dem Beschuldigten A._ in dessen Anwaltskanzlei am 4. November 2011 der
Gang an den Bankrat bzw. den "Prüfungsausschuss" über die Nationalbank zu-
mindest als vage Option im Raum (vgl. SB160259 Urk. 01.308 S. 6 oben: "Die
dritte Variante wäre gewesen, und da war Herr A._ auch offen zu dieser Zeit,
dass wenn es irgend einen legalen Weg gibt, [...] – wir sahen auch das mit dem
Bankrat / Prüfungsausschuss – irgend eine Variante zu finden, die legal wäre, da
war er durchaus offen und sagte, ja, wenn es etwas gibt, wäre es sicher interes-
sant"). Die Beschuldigten wussten damit bereits im Vorfeld des Treffens des Mit-
beschuldigten C._ mit H._ vom 28. November 2011 zumindest rudimen-
tär um die Möglichkeit einer legalen Vorgehensvariante, die sie ohne Weiteres
hätten weiterverfolgen können. Sodann stand für den Beschuldigten C._ so-
wie für den Mitbeschuldigten A._ gemäss den Aussagen des Mitbeschuldig-
ten C._s spätestens seit dem Treffen mit H._ klar fest, dass ein korrek-
ter und möglicher Weg darin bestand, an den Bankrat zu gelangen (Urk. 01.302
S. 14). Auch sagte der Mitbeschuldigte C._ aus, dass ihm die diesem korrek-
ten Weg zu Grunde liegenden Rechtsgrundlagen, nämlich das Reglement der
Schweizerischen Nationalbank, schon seit dem 28. November 2011 bekannt ge-
wesen seien. Dieses Reglement habe ihm die Möglichkeit gezeigt, eine neutrale
und unabhängige Untersuchung auszulösen (Urk. 01.322 S. 8 und 13 f. = Urk.
01.323 S. 8 und 13 f.). Im Zeitpunkt des Treffens mit G._ bestand deshalb
objektiv sowie aus Sicht der beiden Beschuldigten überhaupt keine Notwendigkeit
- 55 -
für eine juristische Beratung hinsichtlich des korrekten legalen Wegs zur Überprü-
fung der Transaktionen B._s
Aus den vorstehend dargelegten Gründen kann entgegen der Meinung der Ver-
teidigungen der beiden Beschuldigten bzw. des vom Beschuldigten A._ be-
auftragten Privatgutachters nicht gesagt werden, dass es sich bei der Weitergabe
dieser geheimen Informationen an G._ um eine korrekte Meldung an eine
geeignete externe Stelle handelte.
3.2.2.5. Der Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen kann
somit im vorliegenden Fall nicht bejaht werden.
4. Fazit
Damit bleibt das Handeln des Beschuldigten A._ in diesem Fall rechtswidrig.
Er ist deshalb hinsichtlich Anklageziffer I.B. der Gehilfenschaft zur Verletzung des
Bankgeheimnisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG in Verbindung mit
Art. 26 StGB schuldig zu sprechen.
C. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.C.
1. Sachverhalt
1.1. Standpunkt des Beschuldigten
Wie ausgeführt verneinte der Beschuldigte generell, C._ veranlasst zu ha-
ben, zu den Medien zu gehen. Insbesondere bestritt er, den Mitbeschuldigten
C._ zum Gang zur F._ gedrängt zu haben. Sein Verteidiger argumen-
tierte, es sei unbestritten, dass die Beschuldigten A._ und C._ nach
dem 23. Dezember 2011 das weitere Vorgehen rege diskutiert hätten und dabei
auch der Gang an die Presse und insbesondere zur F._ ein Thema gewesen
sei. Dass indes der Beschuldigte A._ versucht habe, den Mitbeschuldigten
C._ zur Bankgeheimnisverletzung der F._ gegenüber zu verleiten, sei
nicht erwiesen (vgl. Urk. 68 S. 10-17).
- 56 -
1.2. Aussagen von C._ und vorläufige Würdigung
Die Schilderungen von C._ anlässlich der zahlreichen Einvernahmen sind im
angefochtenen Urteil ausführlich und korrekt wiedergegeben. Darauf kann vorab
verwiesen werden (Urk. 48 S. 37-39). Die folgende Übersicht versteht sich als Zu-
sammenfassung.
1.2.1. Gemäss C._ hat der Beschuldigte ihm gegenüber am 28. Dezember
2011 erstmals erwähnt, dass P._, ein Journalist der F._, laut G._ in
der Sache B._ recherchiere (Urk. 01.319 S. 6). An diesem Datum habe ihn
der Beschuldigte erstmals dazu aufgefordert, zur F._ zu gehen (Urk. 01.319
S. 5), dies anlässlich eines Treffens zwischen ihm und dem Beschuldigten im Ca-
fé Q._ in N._. Dort habe ihm der Beschuldigte einen USB-Stick überge-
ben wollen, mit – gemäss dem Beschuldigten – einer anonymen Strafanzeige ge-
gen B._ sowie einem Schreiben, welches mit seinem, C._s, Namen ver-
sehen worden sei und das er an P._ hätte schicken sollen. Der Beschuldigte
habe dazu gesagt, dieses Vorgehen am Morgen des Mittwoch, 28. Dezember
2011 mit G._ besprochen zu haben.
Weiter erklärte C._, der Umstand, dass der Beschuldigte nach dem Treffen
mit G._ extra noch zwei Stunden aufgewendet habe, um die anonyme An-
zeige und das Schreiben zu verfassen, habe ihm schon Druck aufgesetzt, aber er
habe dann trotzdem nein gesagt (Urk. 01.304 S. 6).
1.2.2. Weiter führte C._ aus, dass der Beschuldigte ihn am Donnerstag,
29. Dezember 2011, und am Freitag, 30. Dezember 2011, anlässlich zweier Spa-
ziergänge im Waldstück in der Nähe des Wohnhauses des Beschuldigten münd-
lich aufgefordert habe, mit P._ von der F._ Kontakt aufzunehmen
(Urk. 01.304 S. 5). Die ständigen Forderungen des Beschuldigten, zu den Medien
zu gehen, hätten zu einem heftigen Konflikt zwischen ihnen am Nachmittag des
30. Dezember 2011 geführt und am Abend sogar in ein beschimpfendes Telefo-
nat gemündet (Urk. 01.304 S. 5 und Urk. 01.319 S. 9). C._ beschrieb diese
insgesamt drei Treffen so, dass es am 28. Dezember noch geheissen habe, er
solle sich diese Dokumente auf dem USB-Stick einmal anschauen. Am
- 57 -
29. Dezember sei der Druck gestiegen und am 30. Dezember sei ein offener
Streit zwischen dem Beschuldigten und ihm ausgebrochen. Anlässlich des be-
schriebenen Telefonats vom Abend des 30. Dezember 2011 hätten sie auch nicht
mehr, wie sonst üblich, verklausuliert gesprochen (Urk. 01.304 S. 8). Normaler-
weise hätten sie immer verschlüsselt gesprochen und geschrieben, für G._
beispielsweise jeweils den Ausdruck "Chef" verwendet (Urk. 01.310 S. 30 und 35
f.).
1.2.3. Konkret habe der Beschuldigte jeweils von ihm verlangt, er solle das Ge-
spräch mit P._ suchen und diesem die Geschichte aus seiner Sicht sowie die
Details zum Ablauf der Sache B._ erklären. Der Beschuldigte habe gewollt,
dass er die Geschichte vollumfänglich unter Angabe des Banknamens, der Kon-
tonummer, der Buchungen und der zeitlichen Angaben zu den Buchungen preis-
gebe (Urk. 01.304 S. 8).
Nach dem 30. Dezember 2011 hat es gemäss C._ seitens des Beschuldigten
keine Aufforderung mehr gegeben, zur F._ zu gehen, da der Beschuldigte es
offensichtlich aufgegeben habe (Urk. 01.319 S. 13).
1.2.4. Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme vom 24. Juni 2013 wiederholte
C._ seine Ausführungen in Bezug auf die Treffen im Q._ in N._, die
Spaziergänge im Wald beim Wohnort des Beschuldigten und die zu diesen Gele-
genheiten vom Beschuldigten ausgesprochenen Aufforderungen, an F._ zu
gelangen und die anonyme Anzeige einzureichen (Urk. 01.323 S. 28 ff.).
1.2.5. Im Zusammenhang mit den Absichten C._s in dieser Sache ist mit der
Vorinstanz anzumerken, dass er laut seinen Angaben das beim Beschuldigten
hinterlegte Couvert mit den Printscreens am 6. Dezember 2011 aus Sicherheits-
gründen geholt, noch am gleichen Abend in einem Eimer in der Badewanne ver-
brannt und die übrig gebliebenen schwarzen Schnipsel im Garten verstreut habe.
Nach der Besprechung mit G._ am 3. Dezember 2011 habe sich der Be-
schuldigte als jemanden gegeben, der mit den Daten sofort habe raus gehen wol-
len. Dieser Wortbruch habe dazu geführt, dass er das Couvert habe zurückholen
wollen (Urk. 01.304 S. 13 f.).
- 58 -
1.2.6. C._ sah den gedruckten F._-Artikel vom tt. Januar 2012 gemäss
seinen Aussagen erst auf Vorhalt in der Einvernahme an ebendiesem Datum. Er
zeigte sich fassungslos ob des Abdrucks eines Zusammenschnitts seiner drei
Printscreens (Urk. 01.302 S. 16).
Diesbezüglich erläuterte er später, dass der Beschuldigte ihm noch am Morgen
des tt. Januar 2012, als sie sich über den Vorabdruck dieses F._-Artikels un-
terhalten hätten, versichert habe, dass die Informationen der F._ nicht von
ihm, dem Beschuldigten, stammen würden (Urk. 01.303 S. 4).
1.2.7. Die eben wiedergegebenen, oft von sich aus und ohne Nachfrage getätig-
ten Schilderungen C._s zu den hier gegenständlichen Ereignissen erweisen
sich als sehr detailliert, präzis und anschaulich. Sie sind auch geprägt von Origi-
nalität und enthalten situationsadäquate Hinweise. Zudem sind sie sowohl inhalt-
lich als auch in zeitlicher und örtlicher Hinsicht sehr konstant, stimmig und logisch
in der Abfolge.
Das betrifft zum einen die genannte Chronologie der Ereignisse, vom Faktum der
im Gange befindlichen Recherche des F._-Journalisten P._ über die
diesbezügliche Besprechung des Beschuldigten mit G._, die auf einen USB-
Stick geladenen schriftlichen Vorbereitungen des Beschuldigten und anschlies-
send die an drei aufeinander folgenden Tagen stattgefundenen Treffen zwischen
dem Beschuldigten und C._. Ersteres bildete offensichtlich den Anstoss für
die einsetzende Hektik und die nachfolgenden Geschehnisse, stellte sich dem
Beschuldigten doch zweifellos die Frage, ob, wann und allenfalls wie nun zu han-
deln sei.
Dieser Ausgangslage entsprechend erläuterte C._ sehr authentisch, dass es
zunächst nur darum gegangen sei, die Dokumente auf dem USB-Stick einmal an-
zuschauen, wie er sich dann aber durch den Beschuldigten zum Gang an die
F._ unter Druck gesetzt fühlte, dass dieser Druck stetig zunahm und am letz-
ten der drei Tage, am 30. Dezember 2011 zu einem heftigen verbalen Konflikt
zwischen ihnen beiden am Telefon führte, dies gar unter Vernachlässigung der
bis dahin getroffenen Vorsichtsmassnahmen (verschlüsselte Kommunikation).
- 59 -
Nachvollziehbar umschrieb C._ ferner, welche Einzelheiten er konkret auf
Verlangen des Beschuldigten im Gespräch mit dem Journalisten hätte preisgeben
sollen, und dass nach dem 30. Dezember 2011 keine weitere Aufforderung sei-
tens des Beschuldigten mehr erfolgte, was mit dem Umstand übereinstimmt, dass
der Beschuldigte am 31. Dezember 2011 selber aktiv wurde und an die F._
gelangte (vgl. nachstehend Ziff.1.3.1.).
Insgesamt spricht nichts gegen die Glaubhaftigkeit der Ausführungen von
C._.
1.3. Aussagen des Beschuldigten und vorläufige Würdigung
Die Aussagen des Beschuldigten sind ausführlich und überdies chronologisch,
nach dem Zeitpunkt der Preisgabe, im angefochtenen Urteil dargestellt, worauf
vorab zu verweisen ist (Urk. 48 S. 39-45, Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammengefasst
und teilweise ergänzt ergibt sich das folgende Bild:
1.3.1. Der Beschuldigte räumte in seiner ersten Einvernahme vom 13. Januar
2012 (Urk. 01.307) ein, am 31. Dezember 2011 selbst mit dem F._-
Journalisten P._ Kontakt aufgenommen und diesem in der Folge auch Ko-
pien der Printscreens geschickt zu haben (Urk. 01.307 S. 24 und S. 26).
C._ sei am Abend des tt. Dezember 2011 zu ihm nach Hause gekommen
und habe ihn gefragt, ob er die Pressemeldung der Nationalbank gesehen habe.
Sie hätten diese dann am Computer zusammen gelesen. Am 24. Dezember 2011
habe ihm C._ mitgeteilt, dass er jetzt zur Presse gehe und wie er es bewerk-
stelligen könne, dass niemand merke, dass er dahinter stecke (Urk. 01.307
S. 19). Am 25. Dezember 2011 sei C._ erneut zu ihm gekommen und habe
erklärt, sich am vorherigen Tag mit Journalisten des W._s getroffen und pro-
biert zu haben, diesen die Informationen zu stecken. Das habe er getan aus dem
Gefühl, dass es in dieser Sache sonst nicht weiter gehe. Er, der Beschuldigte,
habe diesen Schritt als unvernünftig bezeichnet, weil C._ so als Person in
Erscheinung getreten sei (Urk. 01.307 S. 20).
- 60 -
Gemäss dem Beschuldigten hat C._ diesen Schritt weiter damit begründet,
dass der Name der Bank zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt gewesen sei und
für ihn daher die einzige Chance, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, darin be-
standen habe, dass B._ zurücktreten würde. Da jedoch auch nach diesem
Treffen C._s mit dem W._ nichts in dieser Richtung passiert sei, habe
man weiter über mögliches Vorgehen diskutiert. C._ habe dann den Gang
zur F._ genannt, obwohl es ihm eigentlich lieber gewesen, der W._ hät-
te darüber berichtet, weil es sonst nach ... [Partei der Schweiz] aussehe und nie-
mand das ernst nehme (Urk. 01.307 S. 21). Jedenfalls hätten sie im laufenden
Gespräch gemeinsam gesagt, dass sie zur F._ gehen würden. Wie bei ande-
ren Entscheidungen sei aber auch diese Entscheidfindung nicht linear verlaufen.
Er, der Beschuldigte, habe auf dessen erneutes Schwanken zu C._ gesagt,
er sei sowieso schon beim W._ gewesen und könne auch noch zur F._
gehen. Irgendwann habe C._ gesagt, jetzt machen wir das (Urk. 01.307
S. 21). Auf entsprechende Nachfrage verneinte der Beschuldigte, sich an den Ort
oder die Umstände erinnern zu können, unter welchen C._ dies geäussert
habe (Urk. 01.307 S. 21). Ausdrücklich darauf angesprochen, ob er in Bezug auf
den Gang zur F._ irgendwie Einfluss auf C._ genommen habe, antwor-
tete der Beschuldigte, sie hätten dies in gemeinsamen Diskussionen überlegt. Er
könne nicht sagen, wer den entscheidenden Anstoss gegeben habe, da sie ei-
gentlich alle Schritte gemeinsam gemacht hätten (Urk. 01.307 S. 21 f.).
Einen Einfluss G._s auf die Entscheidung betreffend Gang zur F._ ver-
neinte der Beschuldigte. Hingegen führte er aus, nach Weihnachten 2011 in ei-
nem Telefonat mit G._ erfahren zu haben, dass P._ in dieser Sache re-
cherchiere. G._ habe gesagt, P._ werde es sicher gut machen und dass
es sich nicht schlecht machen würde, wenn sie ihm noch Informationen lieferten.
Jedenfalls sei er während der Festtage 2011 noch einmal zu G._ gefahren
zwecks Besprechung, wie es weiter gehen solle, denn dieser habe nichts mehr
über das Telefon besprechen wollen (Urk. 01.307 S. 22). Bei diesem Treffen sei-
en die Recherchen von P._ Thema gewesen. Wie G._ davon erfahren
habe, wisse er nicht, jedenfalls habe G._ verneint, dass er selber Kontakt zu
P._ habe und diesen auch nicht suche. G._ habe jedoch erwähnt, dass
- 61 -
es sicher gut wäre, P._ würde vom Beschuldigten und C._ noch mehr
Informationen erhalten. Auf entsprechende Frage gab der Beschuldigte dann zu
Protokoll, sich gedacht zu haben, dass es sicher gut sei, mit P._ Kontakt auf-
zunehmen und diese Informationen zu liefern (Urk. 01.307 S. 23).
Bei seiner Kontaktnahme mit P._ habe sich dieser erkundigt, ob ein Interview
mit dem Informanten möglich wäre. Darauf habe er erwidert, dieser wisse nicht,
dass er mit ihm, P._, Kontakt habe (Urk. 01.307 S. 24). Auf Nachfrage fügte
der Beschuldigte an, dies P._ nur so gesagt zu haben, dass aber C._
tatsächlich schon in Kenntnis über sein Telefon an P._ gewesen sei
(Urk. 01.307 S. 25). Der Beschuldigte gab an, sich zu erinnern, dass er und
C._ nach dessen Gang zur Polizei am 1. Januar 2012 bei ihm, dem Beschul-
digten zu Hause in einem Waldstück herumgelaufen seien. Ob sie über das The-
ma F._ gesprochen hätten, wisse er nicht. Zuvor habe man sicher darüber
gesprochen und wahrscheinlich auch dann wieder. Er denke aber, dass nicht am
1. Januar 2012 der Entschluss gefallen sei, auch die Kontodaten an die F._
zu schicken (Urk. 01.307 S. 25).
Sodann erklärte der Beschuldigte, C._ sei an einem weiteren Abend nach
dem Gang zur Polizei, das genaue Datum wisse er nicht mehr, zu ihm nach Hau-
se gekommen und habe ihm gesagt, er, der Beschuldigte, solle nun die Kopien
der Printscreens der F._ übermitteln. C._ habe diesbezüglich gesagt, er
sei zum W._ gegangen, was nichts genützt habe und auch bezüglich der
Meldung bei der Polizei wisse er nicht, ob das etwas bringe. Also müssten sie nun
die Kontoauszüge liefern, da es sonst nur leere Behauptungen seien. C._ sei
wieder schwankend gewesen, habe sich auch hintersinnt, weil er unter starkem
Druck gestanden sei, sei aber damit einverstanden gewesen, dass er, der Be-
schuldigte, diese Unterlagen der F._ sende. Das habe er per E-Mail an
P._ noch am gleichen Abend getan. P._ habe noch nach der Möglich-
keit eines Interviews mit dem Informanten gefragt, was er, A._, nach vorgän-
giger Besprechung mit C._ verneint habe. Gemäss C._ habe es so aus-
sehen müssen, als ob er nichts damit zu tun habe. Man habe selbstverständlich
- 62 -
immer über alles diskutiert. Alles sei in gemeinsamen Gesprächen entstanden.
C._ habe geschwankt, er selber manchmal auch (Urk. 01.307 S. 26).
Auf entsprechenden Vorhalt hielt es der Beschuldigte für möglich, sich mit
C._ am selben Tag, an dem er bei G._ war, d.h. am 28. Dezember
2011, im Restaurant Q._ in N._ verabredet zu haben (Urk. 01.307
S. 27). Ebenso auf Nachfrage räumte er ein, dass er C._ zwischen dem
28. Dezember 2011 und dem 1. Januar 2012 einen USB-Stick übergeben habe,
denn dieser habe gesagt, man müsse eine Strafanzeige gegen B._ machen.
Er, der Beschuldigte, habe dann schnell eine geschrieben. Da er aber zu wenig
über den Fall gewusst und auch keine Zeit gehabt habe, habe er C._ gesagt,
wenn er wolle, könne er die Anzeige im Detail ausformulieren und einreichen
(Urk. 01.307 S. 27 f.). C._ habe ihm diesen USB-Stick mit der Strafanzeige
dann irgendwann aber zurückgegeben mit der Bemerkung, dass er keine Strafan-
zeige eingereicht habe, da es ihm zu heiss gewesen sei. Auf Frage gab der Be-
schuldigte zu, die Strafanzeige irgendwann selbst anonym eingereicht zu haben
(Urk. 01.307 S. 29).
1.3.2. Bei der Einvernahme vom 9. Februar 2012 (Urk. 01.313) erklärte der Be-
schuldigte, es nicht als einen Auftrag oder eine Aufforderung G._s aufgefasst
zu haben, zur F._ zu gehen. Er habe aber den Eindruck gehabt, dieser wür-
de es begrüssen, wenn sie dies täten (Urk. 01.313 S. 62).
Auch schon vor seinem Gespräch mit G._ vom 27. Dezember 2011 hätten
C._ und er immer wieder über einen Gang an die Medien gesprochen, auch
die F._ sei ein Thema gewesen (Urk. 01.313 S. 63). Wann er bzw. C._
den Entschluss gefasst hätten, P._ zu kontaktieren, wisse er nicht mehr. Er
bejahte aber, dass die Entschlussfassung erleichtert worden sei durch den Um-
stand, dass P._ bereits am Recherchieren war (Urk. 01.313 S. 63).
Dem Beschuldigten wurde die Aussage C._s vorgehalten, er sei ohne des-
sen Einverständnis zur F._ gegangen. Auf die damit verbundene Frage nach
einem Beweis für das Einverständnis C._s erwiderte der Beschuldigte, dass
es genau ihr Bestreben gewesen sei, es so aussehen zu lassen, als hätte
- 63 -
C._ nichts damit zu tun. Zudem verwies er auf den Umstand, dass sie zur
Tarnung jeweils falsche Namen in ihren E-Mails verwendet hätten (Urk. 01.313
S. 65).
1.3.3. In der Einvernahme vom 28. März 2012 (Urk. 01.316) bestätigte der Be-
schuldigte, C._ habe das Interview mit der F._ abgelehnt, weil er sich
beim W._ geoutet habe, schon einmal persönlich in Erscheinung getreten sei
und dies nicht noch einmal tun wolle (auch Urk. 01.307 S. 26). Das sei auch so
ein Punkt, so der Beschuldigte weiter, wo er gedacht habe, C._ fordere ihn
mit dieser Formulierung jetzt auf, dass er es machen solle (Urk. 01.316 S. 5).
Auf Nachfrage verneinte der Beschuldigte, sich zu erinnern, wann er mit C._
über die Interviewanfrage der F._ gesprochen habe. Er glaube, das sei bei
einem Spaziergang durch das Wäldchen hinter seinem Haus gewesen und
C._ habe nein gesagt. Dabei habe er zu C._ gesagt, das nicht zu ver-
stehen, da er ja schon – erfolglos – beim W._ gewesen sei und er, der Be-
schuldigte, der Ansicht sei, er, C._, solle das machen. C._ habe das
abgelehnt, denn er sei einmal rausgegangen, persönlich zur Presse, habe wieder
eine Bankgeheimnisverletzung beim W._ gemacht, wo man ihn persönlich
festnageln könne, das mache er nicht mehr (Urk. 01.316 S. 5).
Zu Beginn der Einvernahme – diese war auf Wunsch des Verteidigers und dessen
Hinweis anberaumt worden, dass der Beschuldigte seine bisherigen Aussagen
präzisieren und Ergänzungen anbringen wolle (Urk. 01.316 S. 2) – liess der Be-
schuldigte verlauten, mit seinem jetzigen Wissensstand könne er nicht aus-
schliessen, dass es zu Missverständnissen gekommen sei. Er habe die ihm im
Laufe der Untersuchung vorgehaltenen E-Mails von C._ an ihn zum grössten
Teil bei Erhalt nicht gelesen oder höchstens überflogen. Es könne sein, dass er
damals gewisse Dinge falsch beurteilt habe. Sobald ihm C._ jeweils persön-
lich gegenüber gestanden sei, habe dieser den Eindruck vermittelt, dass er das
alles gewollt habe. Es könne aber sein, dass C._ sich, sobald er wieder zu
Hause gewesen sei, gefragt habe, was er da nur gemacht habe und es dann zu
diesen E-Mails gekommen sei, wonach er alles abbrechen wolle. Damals habe er
selbst diese E-Mails, wenn er sie gelesen habe, nicht ernst genommen. Er sei im
- 64 -
Gegenteil der Meinung gewesen, dass der Beschuldigte dies um jeden Preis ge-
wollt habe. Das sei damals seine Überzeugung gewesen. Heute könne er sich je-
doch vorstellen, dass C._ es in Tat und Wahrheit wirklich anders gesehen
habe. Diese aus seiner heutigen Sicht möglicherweise vorgelegenen Missver-
ständnisse, würden sich auf die Weiterleitung der Print-screens an G._ und
auf den Gang zur F._ beziehen (Urk. 01.316 S. 2 f.). So könne er heute nicht
mehr mit Sicherheit sagen, dass C._ diese Printscreens wirklich zu G._
und zur F._ habe schicken lassen wollen (Urk. 01.316 S. 7). Die Ergän-
zungsfrage seines Verteidigers, ob er es aus heutiger Sicht für möglich halte,
dass er gedanklich geäusserte Szenarien von C._ im Gespräch irrtümlich als
"Go-Zeichen" missdeutet habe, bejahte der Beschuldigte. Das ergebe sich aus
der heutigen Betrachtung, aus seinen Überlegungen und auch nach Studium die-
ser E-Mails (Urk. 01.316 S. 7).
1.3.4. Im Verlauf der Konfrontationseinvernahme mit G._ vom 8. April 2013
(Urk. 01.322) wiederholte der Beschuldigte, beide, C._ und er, seien am
Entschluss beteiligt gewesen, zu den Medien zu gehen (Urk. 01.322 S. 20). Da-
rauf angesprochen, wie es am 31. Dezember 2011 dazu gekommen sei, dass er
P._ kontaktiert und über die Devisentransaktionen von B._ informiert
habe, führte der Beschuldigte aus, die Idee sei relativ nahe gelegen, weil die
F._ in dieser "nordkoreanischen" Zeitungslandschaft die einzige "südkorea-
nische" Zeitung sei (Urk. 01.322 S. 21). Auf Frage, ob er zu diesem Zeitpunkt ge-
wusst habe, dass P._ in dieser Sache bereits recherchiere, erklärte der Be-
schuldigte, dies nicht mehr zu wissen (Urk. 01.322 S. 21).
Auch sonst antwortete der Beschuldigte auf einen Grossteil der Fragen, sich auf-
grund des Zeitablaufs von eineinhalb Jahren nicht mehr genau an alles erinnern
zu können (Urk. 01.322 S. 4 ff.; auch Ziff. B.1.2.4.). Dazu beteuerte er einerseits,
in den früheren Einvernahmen sicher nicht gelogen zu haben, jedoch sei er nicht
sicher, ob ihn die Erinnerung zum Zeitpunkt der Einvernahme vom 8. April 2013
oder jene von damals trüge oder getrügt habe (Urk. 01.322 S. 8).
1.3.5. An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 30. März 2016 (Urk. 33)
brachte der Beschuldigte dann vor, C._ habe ihn ständig gefragt, wie er sich
- 65 -
verhalten solle, habe immer wieder verschiedene Varianten aufgezeigt und ge-
fragt, was er, der Beschuldigte, tun würde. Konkret habe C._ ihn gefragt, ob
er an die Medien gehen solle oder nicht. Er habe ihm darauf geantwortet, dass
dies sein eigenes Problem sei, er müsse wissen, was er tun wolle. Auf weiteres
Fragen habe er erwidert, dass er an C._s Stelle zur Presse gehen würde,
aber diesen gewarnt, dass er, C._, dann am Schluss ein Problem damit ha-
ben würde und nicht er, der Beschuldigte (Urk. 33 S. 9 f.).
1.3.6. Ähnlich wie an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung äusserte sich der
Beschuldigte auch anlässlich der Berufungsverhandlung (vgl. Prot. II S. 27 ff.)
1.3.7. Zur Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten ist mit der Vorinstanz
(Urk. 48 S. 47 f.) schon an dieser Stelle festzuhalten, dass sich im Verfahrensver-
lauf eine Änderung seines Aussageverhaltens zeigte. Die ersten Aussagen waren
meistens geprägt durch Schilderungen von sich aus, was sich im Novem-
ber/Dezember 2011 zugetragen hatte (Urk. 01.307 S. 2 ff.). In der Folge, nament-
lich mit der Häufung ihn belastender Vorhalte, wurde der Beschuldigte immer zö-
gerlicher und äusserte sich oft nur noch auf konkrete Fragen oder Nachhaken,
wobei die Antworten zunehmend unbestimmter oder wenig greifbar ausfielen –
wenn er nicht überhaupt mangelnde Erinnerung anführte (Urk. 01.313 S. 18 ff.;
Urk. 01.323 S. 26 ff.). Bedenkt man, dass der Beschuldigte selber die ganzen Er-
eignisse um das Bekanntwerden der Dollartransaktionen von B._ als sehr
wichtig, nämlich als eine der grösseren Geschichten des Jahrzehnts einstufte
(Urk. 00.306), im Zuge des gegen ihn geführten Strafverfahrens immer wieder mit
diesbezüglichen Fragen konfrontiert wurde und auch gegenüber den Medien frei-
mütig und ausführlich Auskunft darüber erteilte, erscheint es ziemlich unwahr-
scheinlich, dass seine Erinnerung in derartigem Ausmass geschwunden sein
kann(vgl. auch vorne Ziff. B.1.2.6. und B.1.3.). Seine Aussagen vermitteln viel-
mehr den Eindruck, dass er vorsichtiger wurde, um Widersprüche oder eigene
Belastungen zu vermeiden. Seine Berufung auf mögliche Missverständnisse an
der vierten Einvernahme und die dort meist schwammigen Antworten sowie die
teilweise von geltend gemachter Unsicherheit durchsetzten Ausführungen im
- 66 -
Rahmen der Konfrontationseinvernahme vom April 2013 vermögen ebenfalls nicht
besonders zu überzeugen.
1.4. Objektive Beweismittel
1.4.1. E-Mail vom 7. Dezember 2011 (Urk. 00.228)
20.19 Uhr, Beschuldigter an C._: "Das liegt nun am Chef. Wenn er von Dir die Unterlagen will, so muss er sich an Dich wenden. Ich will damit nichts mehr zu tun haben."
1.4.2. E-Mail Verkehr vom 8. Dezember 2011 (Urk. 00.230)
07.51 Uhr, Ehefrau BA._ an Beschuldigten: "solltest du bei C._ nicht einfach sagen, G._ hätte das nun halt von sich aus gemacht, was ja auch stimmt, und möglichst wenig lügen. Ich , er kann sich ja denken, dass es schlussendlich von Euch kommt, und er wird wohl noch hässiger, wenn Du das belügst. Du kannst ja einfach sagen, Du hättest damit wirklich nichts zu tun, sondern G._ hätte das nun alles selber von [sich] aus gemacht... Ich fürchte mich, wenn der durchdreht....!!!"
07.54 Uhr, Beschuldigter an BA._: "Ja und was sage ich, weshalb ich ihm die unterlagen gab?"
11.38 Uhr, BA._ an Beschuldigten: "weiss au nöd, häsch äs ihm denn scho geh? viellicht brucht ers jo gar nöd ... wär wohl am beschtä wenn er ohni diä unterlagä diä gschicht chönti . weisch underdessä scho was hüt glofä isch?"
1.4.3. SMS Verkehr vom 4. Januar 2012 (Urk. 00.133 S. 13)
18.17 Uhr, Beschuldigter an C._: "Ich wuerd morgen 1400 vorbeikommen. Ev koenntest du versuchen, deine einvernahme nachher zu haben."
19.50 Uhr, Beschuldigter an C._: "Bist du vor zwei monaten zur F._ gegangen? Strange..."
21.01 Uhr, C._ an Beschuldigten: "He's gone, I think nach dem Artikel. Viele unbekannte Quellen, aber das ändert nichts am Sachverhalt."
- 67 -
21.06 Uhr, Beschuldigter an C._: "Hoffen wirs, ich glaub noch nicht dran... Aber es gibt uns sicher mehr luft fuer dich und das ist die wichtigste nebensache ;)"
21.09 Uhr, C._ an Beschuldigten: "Ich glaube schon, schau dir den Titel an. Und der Kundenberater ist !"
21.36 Uhr, Beschuldigter an C._: "Ich schlaf heut besser;)"
1.4.4. SMS vom 7. Januar 2012 (Urk. 00.133 S. 14)
09.21 Uhr, Beschuldigter an C._: "Sali C._. Wie geht’s? Ich wollte dich in ... abholen, aber du warst nicht mehr da. Meldest du dich mal? Ich glaube wir sollten uns unbedingt mal aussprechen. was ich gemacht habe, habe ich gemacht, weil ich dich  wollte und ich denke, wir sollten uns gegenseitig unterstützen (lies auch die ... von heute). Die arschlöcher sind im moment wir und nicht der, der es sollte. Gruss, A._."
1.5. Gesamtwürdigung Anklageziffer I.C.
Nach sorgfältiger und fundierter Würdigung der Aussagen beider Beteiligter und
unter Einbezug auch des vorne aufgelisteten E-Mail- und SMS-Verkehrs verblie-
ben der Vorinstanz keine Zweifel, dass C._ hinsichtlich der Versuche des
Beschuldigten, ihn zum Gang zur F._ zu bewegen, wahrheitsgetreu ausge-
sagt hat. Demgegenüber hegte die Vorinstanz generell und insbesondere zur
Frage eines Einverständnisses von C._ mit dem Gang zur F._ erhebli-
che Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten (Urk. 48
S. 48-63). Dieser Schlussfolgerung ist beizupflichten.
1.5.1. Zur Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten
1.5.1.1. Wie sich aus seinen vorne wiedergegebenen Aussagen ergibt, hat der
Beschuldigte im Verlauf des Verfahrens immer zögerlicher und ungenauer Aus-
kunft erteilt oder auch zu fehlender Erinnerung Zuflucht genommen, was die
Überzeugungskraft seiner Darlegungen merklich beeinträchtigt.
- 68 -
1.5.1.2. Seine Aussagen sind darüber hinaus auch nicht widerspruchsfrei. Wenn
der Beschuldigte zum Beispiel einerseits C._ eine relativ komplexe Persön-
lichkeitsstruktur zuschreibt, er sei extrem schwankend, weshalb es für ihn, den
Beschuldigten, auch sehr schwierig sei zu beurteilen, was C._ wirklich ge-
wollt habe (Urk. 01.322 S. 32), anderseits aber – trotz seiner Schwierigkeit, die
Absichten C._s zu erkennen – in den Einvernahmen wiederholt den Stand-
punkt einnahm, davon ausgegangen zu sein, C._ sei jeweils mit seinem
Handeln einverstanden gewesen oder sogar, trotz erneutem Schwanken und
ständigem Hin und Her von C._, einen gemeinsamen Entschluss oder Schritt
durch sie beide behauptete (Urk. 01.307 S. 21; Urk. 01.313 S. 5, 63 und 65;
Urk. 01.316 S. 5 und 8; Urk. 021.322 S. 20), so reimt sich das schlecht zusam-
men. Analog verhält es sich betreffend die wiederholte Anmerkung des Beschul-
digten, die Entscheidfindung sei nicht linear verlaufen. Namentlich lässt sich ge-
meinsames Diskutieren und Überlegen, wie vom Beschuldigten beschrieben
(Urk. 01.307 S. 21), nicht gleichsetzen mit einem gemeinsamen Entscheid, auch
wenn C._ selber den Weg zur F._ erwogen haben mag, die F._
mehrmals ein Thema war. Das gilt erst recht bei derart wechselndem Verhalten
wie hier. Hätte C._ tatsächlich dem Gang zur F._ zugestimmt, so müss-
te dies für den Beschuldigten vor dem Hintergrund der ihm bekannten und auch
als aufreibend geschilderten Stimmungsschwankungen C._s ein so prägen-
der Moment gewesen sein, dass er noch genau sagen könnte, wann, wo oder un-
ter welchen Umständen dies geschah. Obwohl ausdrücklich darauf angespro-
chen, verneinte der Beschuldigte, dies zu wissen. Der blosse Hinweis, irgend-
wann habe C._ gesagt, jetzt machen wir das (Urk. 01.307 S. 21), konnte un-
ter den gegebenen Umständen ein Einverständnis nicht ersetzen (Urk. 01.307
S. 21 f.). Und ebenso wenig durfte der Beschuldigte die Formulierung C._s,
er sei schon beim W._ persönlich in Erscheinung getreten und wolle dies (bei
der F._) nicht noch einmal (Urk. 01.316 S. 5), als grünes Licht deuten, diesen
Schritt im Einverständnis von C._ zu tun.
1.5.1.3. Es zeigen sich auch Diskrepanzen zwischen den Aussagen des Be-
schuldigten in seinen Einvernahmen und dem E-Mail-Verkehr zwischen ihm und
C._. So gab der Beschuldigte beispielsweise an, dass er und C._ zwar
- 69 -
oft diskutiert, sie sich aber nie gestritten hätten. Das habe eigentlich erst angefan-
gen via Presse, seit C._ verteidigt sei (Urk. 01.307 S. 29). Vor allem aus den
E-Mails von C._, aber auch aus gewissen E-Mails von A._ geht jedoch
hervor, dass der zwischen ihnen herrschende Ton schon im Verlauf des Novem-
ber 2011 teilweise jenen einer Diskussion deutlich überschritt, indem harsche
Worte seitens von C._ fielen (etwa: "du verdammter Lügner von einem An-
walt"; "verdammte Dreckspartei" [gemeint die ...]; "... verdammt nochmals, ...
verdammte Scheisse. ... Geht es ehrlich noch gut?"; "Verbrechen"; er sei wütend;
etc.; vgl. Urk. 00.345; Urk. 01.228.2 ff.; Urk. 01.228.3; Urk. 01.228.4 S. 1;
Urk. 01.230), worauf der Beschuldigte beispielsweise erwiderte, mit der Sache
nichts mehr zu tun haben zu wollen, er möge nicht mehr, oder, C._ sollte
aufhören, sich in die Hosen zu scheissen (Urk. 01.228.4 S. 1; Urk. 01.229.2 S. 1;
Urk. 01.233.2 S. 2).
1.5.1.4. Zutreffend wies die Vorinstanz sodann darauf hin, dass die Schilderun-
gen der Beteiligten hinsichtlich des zentralen Kriteriums, was bei den Zusammen-
künften im Restaurant Q._ in N._ und den Waldspaziergängen nahe
des Wohnorts des Beschuldigten hinsichtlich Kontaktierung der F._ ent-
schieden wurde, diametral ausfielen: Während C._ angab, nicht einverstan-
den gewesen zu sein und auch nichts davon gewusst zu haben, dass der Be-
schuldigte schliesslich Informationen an die F._ weiterleitete (Urk. 01.319
S. 13 und Urk. 01.303 S. 4), behauptete der Beschuldigte das Gegenteil
(Urk. 01.307 S. 21 und Urk. 01.313 S. 65).
Der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen ist weiter abträglich, dass der Beschuldigte
im Zusammenhang mit dem gewünschten Interview mit C._ dem F._-
Journalisten zuerst geantwortet haben will, jener wisse gar nichts von dieser Kon-
taktnahme, um aber gleich zu relativieren, das nur so gesagt zu haben, C._
habe gewusst, dass er, der Beschuldigte, P._ angerufen habe (Urk. 01.307
S. 24 f.). Diese Relativierung erscheint als Ausflucht, nachdem der Beschuldigte
offenbar sogleich realisiert hat, sich zum eigenen Nachteil geäussert zu haben.
Eine weitere Ungereimtheit findet sich darin, dass C._ konstant erklärte, den
Kontakt zu den beiden W._ Journalisten, welche ihn am 24. Dezember 2011
- 70 -
ausgefragt hätten, nicht von sich aus gesucht zu haben (Urk. 01.302 S. 3). Aus-
serdem habe er dann alleine deshalb mit ihnen gesprochen, weil er habe heraus-
finden wollen, wer die Quelle für den am tt. Dezember 2011 im W._ erschie-
nenen Artikel zur Affäre B._ gewesen sei (Urk. 01.302 S. 3 f.). Dieser Stand-
punkt C._s entspricht auch dem Beweisergebnis im Parallelverfahren
SB160259 betreffend C._, war das Treffen mit den W._-Journalisten
doch von einer Drittperson arrangiert worden. Der Beschuldigte gab hingegen an,
dass ihm C._ gesagt habe, den W._ extra kontaktiert zu haben, um die
ganze Geschichte voranzutreiben (Urk. 01.307 S. 20). Da die von den Angaben
C._s abweichenden Aussagen des Beschuldigten für ihn, den Beschuldigten,
jeweils entlastend wären, stellt sich vor dem Hintergrund der weiteren Zweifel an
der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen die Frage, ob der Beschuldigte versuchte,
sich durch diese Aussagen eine bessere Ausgangslage im Strafverfahren zu
schaffen.
1.5.1.5. Wie erwähnt, nahm der Beschuldigte zwar mehrmals den Standunkt ein,
C._ sei damit einverstanden gewesen, dass sie zur F._ gehen würden,
konnte aber nicht andeutungsweise darlegen, wo, wann und unter welchem Um-
ständen dies gewesen sein soll (vorne Ziff. 1.5.1.2.). Umgekehrt war C._
diesbezüglich in der Lage, sehr detailliert und authentisch auszusagen, dass er
dies abgelehnt habe. In Anbetracht auch des Umstandes, dass keine schriftliche
Zustimmung C._s vorliegt und es auch sonst an Hinweisen auf eine solche
mangelt, vermag die alleinige konstante Zusicherung von A._, C._ sei
mit diesem Schritt einverstanden gewesen, keinesfalls zu überzeugen.
1.5.1.6. Da im Verfahrensverlauf ferner thematisiert worden ist, ob C._ damit
einverstanden gewesen war oder überhaupt davon gewusst hatte, dass der Be-
schuldigte am 8. Dezember 2011 Kopien der drei Printscreens von C._ per
E-Mail an G._ weiterleitete (Urk. 01.313 S. 3 f.), ist es mit der Vorinstanz
(Urk. 48 S. 50 ff.) im Hinblick auf die Prüfung der Glaubwürdigkeit des Beschuldig-
ten angezeigt, diesen vergleichbaren Diskussionspunkt ebenfalls zu beleuchten.
Der Beschuldigte führte zu diesem Thema aus, C._ habe ihn nach dem Ge-
spräch mit G._ vom 3. Dezember 2011 mündlich gebeten, Kopien von den
- 71 -
Printscreens zu erstellen und dabei seinen Namen sowie den Namen der Bank
bzw. alles, womit man ihn identifizieren könnte, abzudecken. Er, der Beschuldigte,
hätte dann im Sinne von C._ nur noch diese abgedeckten Kopien behalten
sollen. Das Couvert mit den Original Printscreens habe C._ aber zurückha-
ben wollen, um es zu vernichten (Urk. 01.307 S. 15 und Urk. 01.313 S. 3).
G._ habe ihn, den Beschuldigten dann irgendwann nach dem 3. Dezember
2011 angerufen und ihn nach den Belegen gefragt (Urk. 01.307 S. 15). Er habe
die Frage des Weiterleitens an G._ dann mit C._ besprochen. Das habe
wieder zu einem Hin und Her geführt, wobei C._ irgendwann gesagt habe, es
sei in Ordnung, er könne die Dokumente an G._ weiterleiten, jedoch nur un-
ter der Voraussetzung, dass man gar nichts sehe, was auf ihn schliessen lasse
(Urk. 01.307 S. 16). In der Einvernahme vom 9. Februar 2012 bestätigte der Be-
schuldigte, bezüglich der Weitergabe der Printscreens an G._ vorgängig das
Einverständnis von C._ eingeholt zu haben (Urk. 01.313 S. 5).
Demgegenüber bestritt C._ gleichbleibend und konsequent, dieser Weiter-
gabe der Printscreens an G._ zugestimmt zu haben (Urk. 01.302 S. 14;
Urk. 01.303 S. 5 und Urk. 01.308.8 S. 2 und 8). Einerseits habe er von einer dies-
bezüglichen Anfrage G._s gar nichts gewusst (Urk. 01.302 S. 14) und ande-
rerseits habe er die Printscreens am 6. Dezember 2011 gerade zurückhaben wol-
len, um sie zu vernichten, damit sie nicht weiter gebraucht werden könnten
(Urk. 01.302 S. 14).
Dem aktenkundigen E-Mail Verkehr zwischen dem Beschuldigten und C._ ist
zu diesem vom Beschuldigten beschriebenen Hin und Her bezüglich der Frage,
ob die Printscreens an G._ weitergeleitet werden sollen (Urk. 01.307 S. 16),
gar nichts zu entnehmen. Dies, obwohl zwischen dem 3. Dezember abends und
dem 6. Dezember abends sehr rege elektronische Kommunikation mit über zwei
Dutzend Botschaften betreffend die Zusammenkunft bei G._ stattfand. Da-
von entfielen nur fünf kurze Hinweise bzw. Antworten auf den Beschuldigten, die
übrigen, teilweise ausführlichen Mitteilungen auf C._. Inhaltlich ging es in
diesen Mails um aufkeimendes Misstrauen C._s gegenüber dem Beschuldig-
ten (und G._), dass er nur mit einer für ihn sicheren Offenlegung einverstan-
- 72 -
den sei, aber nicht mit den Daten und seinem Namen. Die Daten seien einzig für
den Beschuldigten und G._ bestimmt gewesen, selbst H._ habe sie
nicht gesehen. Die Daten würden vernichtet (Urk. 01.228.1; Urk. 01.228.3;
Urk. 01.229.2; Urk. 01.233.1 und Urk. 00.133 S. 6 f.). C._ bat daher den Be-
schuldigten, dem "Chef" zu sagen, zur Zeit nicht aktiv zu sein. Es könne sonst
Selbstmord sein (Urk. 01.229.4). Konform mit diesem Standpunkt forderte
C._ dezidiert das Couvert mit den Printscreens vom Beschuldigten zurück
(Urk. 01.230 bis Urk. 01.233.1; Urk. 00.133 S. 6 f.). Die vom Beschuldigten ge-
schilderten Gespräche betreffend das Erstellen von abgedeckten bzw. ge-
schwärzten Kopien der Printscreens und das Einverständnis C._s zu deren
Weiterleitung an G._ hätten somit persönlich oder per Telefon stattfinden
müssen. Ein solcher mündlicher Austausch erscheint jedoch äusserst unwahr-
scheinlich, ist doch davon auszugehen, dass der überaus mitteilsame C._ im
Rahmen des dichten dreitägigen E-Mail Verkehrs zweifellos und trotz verklausu-
lierter Schreibweise in erkennbarer Weise darauf Bezug genommen hätte. Dass
C._ an der strikten Geheimhaltung der Printscreens gelegen war, zeigt im
Übrigen schon sein E-Mail an den Beschuldigten vom 15. November, 06.23 Uhr,
mit der drohenden Ankündigung, er hole das hinterlegte Couvert ab, und wenn
der Beschuldigte das öffne, zeige er ihn heute noch an und das sei kein Witz
(Urk. 01.214.1; Urk. 00.345).
Darüber hinaus spricht auch die durch C._ minutiös vorgenommene und im
Detail beschriebene Vernichtung der Dokumente in seiner Badewanne samt Ver-
streuen der Aschefragmente im Garten hinter seinem Haus gegen jegliches Ein-
verständnis von C._, dass die Printscreens jemals über den Beschuldigten
und G._ hinaus irgendwelchen Personen bekannt gegeben, geschweige
denn ausgehändigt oder veröffentlicht werden.
Abgesehen von alledem erweisen sich die Darlegungen des Beschuldigten – im
Gegensatz zu den plausiblen, durch den Schriftverkehr gestützten Schilderungen
von C._ – auch hier als höchst vage und damit kaum nachvollziehbar, soll
doch der wieder wankelmütige C._ "irgendwann" der Weiterleitung der Do-
kumente an G._ zugestimmt haben. Im Falle eines Einverständnisses wäre
- 73 -
der Beschuldigte aber fraglos imstande gewesen, eine präzise Antwort zu erteilen
(vgl. auch vorne Ziff. 1.5.1.2.). Der Beschuldigte hat zwar mehrmals bestätigt,
C._ bezüglich der Weiterleitung um Erlaubnis gefragt zu haben. An die Um-
stände, wo und wann dies geschehen sei, will er sich jedoch nicht erinnern kön-
nen (Urk. 01.313 S. 8). Da es den Eindruck macht, dass zwischen dem Beschul-
digten und C._ in dieser Phase rund um das Treffen mit G._ am
3. Dezember 2011 alles jeweils mehrmals diskutiert wurde, ist es schwer vorstell-
bar, dass der Beschuldigte keine Erinnerung mehr daran hat, wie und wann er die
Einwilligung von C._ – wäre eine solche denn tatsächlich erfolgt – eingeholt
haben soll. In Anbetracht der weiteren bestehenden Zweifel über eine Zustim-
mung von C._ vermag auch diese blosse Zusicherung des Beschuldigten es
nicht glaubhaft erscheinen zu lassen, dass er sich tatsächlich bezüglich des Ein-
verständnisses von C._ zur Weitergabe der Printscreens versichert hatte.
Im E-Mail vom 7. Dezember 2011, 20.19 Uhr, schrieb der Beschuldigte an
C._: "Wenn er (gemeint G._) von Dir die Unterlagen will, so muss er
sich an Dich wenden. Ich will damit nichts mehr zu tun haben." (Urk. 01.233.2 S. 2
= Urk. 00.228 S. 2). Diese Nachricht legt den Schluss nahe, dass der Beschuldig-
te zu jener Zeit weder von einer konkret erfolgten Bitte G._s, die Printscreens
zu erhalten, ausging, noch dass er sich mit einer solchen intensiv auseinander
gesetzt und sich diesbezüglich in einer Diskussion mit C._ befunden hätte.
Der Beschuldigte gab auf Vorhalt dieses E-Mails an, nicht mehr zu wissen, um
was es gegangen sei. Möglicherweise sei es um zusätzliche Unterlagen gegan-
gen. C._ habe beim Treffen mit G._ auch noch Notizen dabei gehabt
(Urk. 01.313 S. 46). Auf weiteres Nachfragen erklärte er, nicht mehr zu wissen, ob
es um zusätzliche Unterlagen oder um die Originalunterlagen gegangen sei. Und
er erklärte, dass sich G._ an C._ hätte wenden müssen, wenn er die
Originalunterlagen hätte haben wollen, da er nur Kopien gehabt habe
(Urk. 01.313 S. 47).
Auch wenn der Beschuldigte erst auf Nachfragen die Möglichkeit nannte, dass es
sich in diesem E-Mail um die Originalunterlagen und somit um die Printscreens
von C._ hätte handeln können, ist in Übereinstimmung mit der Vor-instanz
- 74 -
aufgrund der weiteren Umstände und des Zeitpunkts des Versands klar, dass im
E-Mail mit "Unterlagen" die Printscreens gemeint waren. Vor dem Hintergrund,
dass der Beschuldigte am Tag nach dem Versand dieses E-Mails (7. Dezember
2011) die Printscreens an G._ weiterleitete (8. Dezember 2011) und somit
sehr wohl noch etwas mit dieser Sache zu tun hatte, erscheinen sowohl der Inhalt
des E-Mails als auch die Angaben des Beschuldigten auf den entsprechenden
Vorhalt als unaufrichtig. Zudem erweist sich die Unterscheidung, welche der Be-
schuldigte in seiner Befragung zwischen den Kopien der Print-screens und den
Originalunterlagen vornahm (Urk. 01.313 S. 47), offensichtlich als Ausflucht. Bei
den durch den Beschuldigten angefertigten Printscreens handelte es sich nicht
um Dokumente, welche durch den Kopiervorgang ihre Gültigkeit oder ihren Wert
eingebüsst hätten, waren es doch ohnehin nur Ausdrucke des Abbilds des Com-
puterbildschirms. Wäre es tatsächlich und einvernehmlich darum gegangen, die
Printscreens nur noch in geschwärzter Form in Umlauf zu wissen, hätten auch die
ursprünglichen Printscreens einfach geschwärzt werden können und nicht ver-
brannt werden müssen.
Die Weitergabe der Printscreens war auch Thema in einer per E-Mail geführten
Diskussion zwischen dem Beschuldigten und seiner Ehefrau (zitiert vorne in
Ziff. 1.4.2.). Am 8. Dezember 2011, 07.51 Uhr, fragte BA._ den Beschuldig-
ten, ob er gegenüber C._ nicht einfach sagen solle, G._ habe das nun
halt von sich aus gemacht, ... und möglichst wenig lügen. Sie denke, er (C._)
könne sich ja denken, dass es schlussendlich von ihnen komme und werde wohl
noch hässiger, wenn er (der Beschuldigte) das belüge. Ausserdem erwähnte
BA._, sich zu fürchten, wenn C._ durchdrehe. Der Beschuldigte fragte
zurück, welchen Grund er "ihm" nennen solle, weshalb er "ihm" die Unterlagen
gegeben habe. Aus dem Zusammenhang und dem Zeitpunkt des Versands lässt
sich klar erschliessen, dass der Beschuldigte einerseits G._ meinte, dem er
die Unterlagen gegeben hatte und sich andererseits unschlüssig zeigte, was er
C._ diesbezüglich sagen solle. BA._ fragte in der Folge noch zurück, ob
er ihm die Unterlagen denn schon gegeben habe (Urk. 01.233.3 = Urk. 00.230).
- 75 -
Auf Vorhalt dieser Korrespondenz erklärte der Beschuldigte, er habe seiner Ehe-
frau immer gesagt, dass C._ nichts mit der Sache zu tun habe. Sie habe sich
immer vor ihm gefürchtet. Er, der Beschuldigte, habe ihr eigentlich immer nur die
Hälfte davon gesagt, was vor sich gegangen sei (Urk. 01.313 S. 6). In der späte-
ren Einvernahme vom 28. März 2012 gefragt, weshalb er gemäss seiner Aussage
gegenüber seiner Ehefrau betreffend C._ laufend falsche Informationen ge-
macht habe, gab der Beschuldigte an, er habe C._ versprechen müssen, ihr
nicht zu sagen wie es wirklich sei, weil er, C._, nicht habe in Erscheinung tre-
ten wollen. So habe er seiner Ehefrau beispielsweise zwar erwähnt, dass sie zu
G._ gehen würden, C._ aber gar nicht mitkomme, sondern in einem Ca-
fé warte, und ebenso, dass C._ gar nicht wisse, dass er die Unterlagen an
G._ schicke (Urk. 01.316 S. 7).
Auch in diesem Punkt ist der nachstehend dargestellten Auffassung des Bezirks-
gerichts zuzustimmen (Urk. 48 S. 53 f.). Aus dem erwähnten E-Mail Verkehr
(Urk. 00.230) ergibt sich unmissverständlich, dass BA._ davon ausging,
C._ habe nichts davon gewusst, dass der Beschuldigte die Unterlagen an
G._ weitergeleitet habe. Es stellt sich jedoch die Frage, weshalb der Be-
schuldigte seiner Ehefrau – angeblich wahrheitswidrig – hätte sagen sollen, dass
er in einem bedeutenden Punkt gegen das Wissen und den Willen von C._
gehandelt habe, nachdem er um ihre Furcht vor C._ wusste. Da BA._
den Namen "C._" im Zusammenhang mit G._ und den Unterlagen
nannte, drängt sich die Annahme auf, dass sie bereits wusste, dass er mit dieser
Sache etwas zu tun hatte. Sollte C._ tatsächlich darum gebeten haben, in
diesem Zusammenhang nicht in Erscheinung zu treten, hätte sich der Beschuldig-
te somit bereits zuvor nicht daran gehalten. Weshalb er seine Ehefrau deshalb
noch hätte in der Angst belassen sollen, C._ könnte durchdrehen, weil hinter
seinem Rücken und gegen dessen Willen gehandelt wurde, wenn C._ – in
Wahrheit – doch einverstanden gewesen wäre, leuchtet nicht ein. Vielmehr ent-
steht der Eindruck, der Beschuldigte habe mit dem Hinweis, er sei gegenüber sei-
ner Ehefrau nicht immer ehrlich gewesen, eine weitere Ausflucht gesucht, um den
aufschlussreichen Inhalt des E-Mail Verkehrs mit seiner Ehefrau zu rechtfertigen.
Der Umstand, dass der Beschuldigte seine Ehefrau noch fragte, wie er C._
- 76 -
erklären solle, dass er die Unterlagen weitergegeben habe, spricht ebenfalls im
Gegenteil dafür, dass der Beschuldigte gegenüber seiner Ehefrau ehrlich war und
C._ tatsächlich nichts davon wusste. Seine Rückfrage hätte sich nämlich er-
übrigt, wäre er vom Einverständnis C._s ausgegangen. Da BA._ keine
Zweifel an seiner Version (fehlendes Einverständnis und Nichtwissen C._s)
zeigte, bestand auch kein Grund dafür, mit dieser Rückfrage beispielsweise sein
Lügengebäude ausbauen zu müssen.
Die zweifellos auch inhaltlich wirklichkeitsgetreue E-Mail Korrespondenz zwischen
dem Beschuldigten und BA._ macht vollends klar, dass der Beschuldigte
zumindest bezüglich der Weitergabe der Printscreens an G._ am
8. Dezember 2011 bereits einmal wahrheitswidrig vorgegeben hat, C._ sei
mit seinem Handeln einverstanden gewesen.
1.5.1.7. Schliesslich ist bezüglich der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschul-
digten näher auf sein späteres Vorbringen 28. März 2012 einzugehen, dass es
möglicherweise in seinen Annahmen unter anderem in Bezug auf die Bereitschaft
C._s, zur F._ zu gehen, zu Missverständnissen gekommen sei, weil er
viele der E-Mails von C._ nicht richtig gelesen habe. Er führte diesbezüglich
ferner aus, dass C._, wenn er ihm persönlich gegenüber gestanden sei, je-
weils den Eindruck vermittelt habe, dass er das alles gewollt habe. Jedoch könne
er sich nun vorstellen, dass C._ diese Entschlossenheit jeweils wieder hinter-
fragt habe, wenn er wieder zu Hause gewesen sei und er dann diese E-Mails ge-
schrieben habe (Urk. 01.316 S. 2 f.).
Im Widerspruch dazu stehen seine Aussagen in der Einvernahme vom 26. Januar
2012, dass das, was in C._s E-Mails stehe, nicht zwingend objektiv sei. Ei-
nerseits habe C._ Realitätsprobleme und zweitens habe er in der Regel in
den Telefonaten das Gegenteil von dem erklärt, was er in den E-Mails geschrie-
ben habe (Urk. 01.309 S. 2). Bereits in jener Einvernahme hatte der Beschuldigte
erläutert, C._ habe ihm so viele E-Mails geschrieben, dass er ein halbes Jahr
damit beschäftigt gewesen wäre, alle zu lesen und dies daher auch nicht getan
habe (Urk. 01.309 S. 6). Wie der Beschuldigte unter diesen Umständen die be-
- 77 -
haupteten Diskrepanzen zwischen den Mail-Inhalten und C._s Angaben am
Telefon konstatiert haben will, erscheint rätselhaft.
Jedenfalls war dem Beschuldigten, wie vorne in Ziff. 1.5.1.2. aufgezeigt, bereits
längst vor dem 28. März 2012 bewusst, dass C._ seinen Willen nicht immer
konstant ausdrückte, sondern ein schwankendes Verhalten an den Tag legte, ei-
ne nicht lineare Entscheidfindung typisch für ihn war. Bereits in der Einvernahme
vom 13. Januar 2012 beschrieb er das Verhalten von C._ in der Zeit zwi-
schen dem 11. November 2011 und dem 3. Dezember 2011 als schwankend. Ei-
nerseits habe dieser immer gesagt, sie müssten etwas unternehmen, sei dann
aber teilweise in der Nacht wieder ängstlich geworden und habe per Mail ge-
schrieben, dass er glaube, nichts mehr tun zu wollen. Anschliessend habe er sich
dann am nächsten Tag wieder entschuldigt und gesagt, es gehe einfach nicht,
man müsse etwas tun (Urk. 01.307 S. 10). Diese Angaben entsprechen ziemlich
genau dem, was der Beschuldigte auch in der Einvernahme vom 28. März 2012
zum Benehmen C._s schilderte. Allerdings machte der Beschuldigte am
28. März 2012 geltend, er sei sich dieses Wankelmuts von C._ erst jetzt be-
wusst, nachdem ihm nun verschiedene der E-Mails vorgehalten worden seien,
welche er zuvor nicht gelesen habe (Urk. 01.316 S. 2 f.). Wie erwähnt, war dem
Beschuldigten offensichtlich bereits zuvor bewusst, dass C._ oft die Meinung
wechselte. Da der Beschuldigte aber schon in den Einvernahmen vor dem
28. März 2012 verschiedene Aussagen tätigte, welche im Widerspruch zu den
Aussagen C._s und den als Beweismittel vorliegenden E-Mails stehen, liegt
die Annahme nahe, dass der Beschuldigte mit seinem Vorbringen, mögliche
Missverständnisse seien ihm erst jetzt bewusst geworden, diese Widersprüche im
Nachhinein zu erklären versuchte.
Ein derartiges Aussageverhalten überzeugt nicht. Dass er aus späterer Betrach-
tung aufgrund seiner Überlegungen und auch nach Studium dieser E-Mails von
C._ für möglich hält, gedanklich geäusserte Szenarien von C._ im Ge-
spräch irrtümlich als "Go-Zeichen" missdeutet zu haben (Urk. 01.316 S. 7), kann
dem Beschuldigten – abgesehen vom reichlich verschwommenen Charakter die-
ser Aussage – nicht abgenommen werden, sondern ist als Schutzbehauptung
- 78 -
einzustufen. Dem Beschuldigten musste in Kenntnis der komplexen Persönlich-
keit von C._ und in Kombination mit seinem persönlichen und beruflichen
Hintergrund als Rechtsanwalt und Kantonsrat klar sein, dass nur eine zumindest
wiederholte und konstante Äusserung C._s oder aber dessen schriftliche Zu-
stimmung als Einverständnis hätte gewertet werden dürfen. Auf blosse Signale
von C._ oder eigene Interpretationen – zum Beispiel, es sei ihr Bestreben
gewesen, es so aussehen zu lassen, als hätte C._ nichts damit zu tun
(Urk. 01.313 S. 65), oder er, der Beschuldigte, habe gedacht, C._ fordere ihn
mit der Formulierung, er sei beim W._ schon einmal persönlich aufgetreten
und wolle dies nicht noch einmal tun, jetzt auf, dass er selber es (gegenüber der
F._) machen solle (Urk. 01.316 S. 5; auch vorne Ziff. 1.3.2. und 1.3.3.) –,
konnte der Beschuldigte jedenfalls nicht auf ein Einverständnis schliessen.
Es bestehen daher mit der Vorinstanz sowohl hinsichtlich der Angaben des Be-
schuldigten generell als auch namentlich betreffend des angeblichen Einver-
ständnisses von C._ mit dem Gang zur F._ wie auch in Bezug auf sein
Vorbringen, sich erst jetzt, d.h. in seiner vierten Einvernahme vom 28. März 2012,
allfälliger Missverständnisse bewusst geworden zu sein, erhebliche Zweifel. Die
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen ist entsprechend angeschlagen.
1.5.2. Glaubhaftigkeit Aussagen von C._
In Ergänzung zur vorläufigen Würdigung (Ziff. 1.2.7. hiervor) und den stichhaltigen
Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 48 S. 58 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO) erweisen sich
die sehr konstanten, inhaltlich den von ihm verfassten E-Mails entsprechenden
und angesichts wiederholter Schilderungen eigener psychischer Vorgänge (z.B.
Urk. 01.3015 S. 9, aufscheinende Empörung) authentisch wirkenden, kaum wi-
dersprüchlichen Aussagen von C._ als glaubhaft. Insbesondere hat sich
C._ in seinen schriftlichen Mitteilungen an den Beschuldigten vielfach dage-
gen verwahrt, sein Anliegen über die Medien offenzulegen, und immer wieder
durchblicken lassen, dass er sich gepuscht fühlt. Nicht zuletzt ist zu erwähnen,
dass es an einem ersichtlichen Grund fehlt, weshalb C._ den Beschuldigten
zu Unrecht eines – von ihm selber angelasteten – unabhängigen Delikts bezichti-
- 79 -
gen sollte, zumal sein Vorwurf gegenüber dem Beschuldigten ihm keinerlei Ent-
lastung im eigenen Verfahren bringt.
1.5.3. Fazit Anklageziffer I.C.
1.5.3.1. Den plausiblen Vorbringen C._s, dass der Beschuldigte ihn anläss-
lich dreier Begegnungen vom 28. bis 30. Dezember 2011 zur Offenbarung der
bankinternen Informationen an die F._ zu bewegen versucht habe, stehen
einerseits die hinsichtlich ihrer Glaubhaftigkeit mit beträchtlichen Zweifeln behafte-
ten Bestreitungen bzw. Gegenpositionen des Beschuldigten gegenüber.
1.5.3.2. Bei der Prüfung der Frage, ob der Beschuldigte in Bezug auf das Verlei-
ten C._s zur Informationspreisgabe an die F._ auch ein Motiv gehabt
haben könnte, resultiert im Einklang mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 48 S. 59-60) das
Nachstehende:
Der Beschuldigte erklärte beispielsweise, C._ habe ihm unter anderem die
Idee präsentiert, eine Strafanzeige gegen B._ wegen Insidergeschäften ein-
zureichen. Zu diesem Vorschlag habe er C._ irgendwann vor dem
3. Dezember 2011 jedoch gesagt, dass es sich beim Strafrecht um eine stumpfe
Waffe handle und dies eher dazu führen würde, dass er, C._, selbst wegen
Verletzung des Bankgeheimnisses angezeigt würde (Urk. 01.307 S. 11 f.). Zwar
fügte der Beschuldigte noch an, dass er irgendwann doch zur Überzeugung ge-
langt sei, dass diese Idee nicht so abwegig sei (Urk. 01.307 S. 12). Später ver-
fasste der Beschuldigte jedoch selbst eine anonyme Strafanzeige gegen B._
wegen Insiderhandels und reichte diese sogar selbst ein, nachdem C._ trotz
Anraten des Beschuldigten dies zu tun abgelehnt hatte (Urk. 01.307 S. 28 f.). Vor
diesem Hintergrund erscheinen die Aussagen des Beschuldigten in Bezug auf
das, was er C._ vor dem 3. Dezember 2011 gesagt haben soll, nicht aufrich-
tig. Das führt zur Annahme, dass der Beschuldigte darauf bedacht war, gegen-
über den Strafverfolgungsbehörden den Eindruck zu erwecken, er habe C._
eher gebremst und ihn jeweils auf die Risiken seiner ins Auge gefassten Hand-
lungen hingewiesen. Dass der Beschuldigte aber letztlich die anonyme Strafan-
- 80 -
zeige einreichte, zeigt, dass er selber sehr daran interessiert war, Schritte gegen
B._ zu unternehmen.
Im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptverhandlung erklärte der Beschuldigten
dann, C._ habe ihn mit der Frage belagert, ob er nun zur Presse gehen solle
oder nicht. Auch räumte er ein, offen erwidert zu haben, dass er das an dessen
Stelle tun würde, dass dies jedoch nicht sein, des Beschuldigten, Problem sei
(Urk. 33 S. 9 f.). Bis dahin hatte sich der Beschuldigte nie in dieser Weise geäus-
sert. Der Umstand, dass dieses Vorbringen erst jetzt erfolgte, lässt vermuten,
dass er sich dadurch erhoffte, sich eine bessere Ausgangslage zu verschaffen.
So ist nicht zu übersehen, dass der Beschuldigte durch diese Angaben versuchte,
die Initiative zum Gang an die Presse C._ zuzuschreiben und seinen eigenen
Einfluss abzuschwächen. Darüber hinaus ist gut vorstellbar, dass der Beschuldig-
te im Laufe der Untersuchung realisiert haben könnte, dass C._ glaubhaft
darzulegen vermochte, dass der Beschuldigte an einem Gang zur Presse durch
C._ interessiert war und letzteren somit zu überzeugen versuchte, diesen
Schritt vorzunehmen. Es sind insbesondere seine konstruiert wirkenden Aussa-
gen, die diesen Eindruck erwecken. Sollte es sich so zugetragen haben, was na-
heliegt, ist nicht einsichtig, weshalb der Beschuldigte erst an der Hauptverhand-
lung vorbrachte, dass er C._ gegenüber kein Geheimnis daraus gemacht
hat, dass er an dessen Stelle zur Presse gehen würde. Da er gleichzeitig betonte,
dies gegenüber C._ nicht als Aufforderung formuliert zu haben, hätte ihn dies
nicht weiter belastet. Sein spätes Vorbringen erst im Frühling 2016 vor Gericht,
als ihm bereits alle ihn belastenden Momente bekannt waren, legt unweigerlich
den Schluss nahe, dass er damit die Sache so darzustellen versuchte, als habe
C._ ihn einfach falsch verstanden, um sich so selber aus der Affäre ziehen
zu können.
Wiederholt betonte der Beschuldigte, dass er zwischendurch genug von dieser
Sache gehabt habe und damit nichts zu tun haben wollte (vgl. Urk. 01.309 S. 28
und Urk. 01.313 S. 41). Dass sich das Zusammenwirken mit C._ nicht ein-
fach gestaltete, ist aufgrund des E-Mail-Verkehrs zwischen den beiden an sich
nachvollziehbar. Gestützt darauf lässt sich erklären, weshalb der Beschuldigte
- 81 -
C._ zwischendurch mitteilte, er wolle nichts mehr in dieser Sache unterneh-
men (Urk. 00.213; Urk. 00.220; Urk. 00.228.4). Fraglich bleibt jedoch, weshalb er
sich trotzdem die Mühe machte, beispielsweise die anonyme Strafanzeige zu
schreiben und sie sogar selbst einzureichen, am 31. Dezember 2011 die F._
mit Informationen einschliesslich der Printscreens zu beliefern und am 8. Dezem-
ber 2011 die Printscreens per E-Mail Anhang an G._ weiterzuleiten (vgl.
Urk. 00.133 S. 7; Urk. 01.307 S. 24 und 26). Darauf angesprochen, weshalb er
nicht ausgestiegen sei, nachdem G._ in Besitz der Unterlagen gelangt war,
erklärte der Beschuldigte, dass ihn C._ einerseits ständig belagert habe und
er ihn als Kollegen gut gemocht habe und dass er andererseits schon auch der
Meinung gewesen sei, dass man die Transaktionen B._s habe überprüfen
müssen (Urk. 01.307 S. 18). Da er offenbar keine Mühe hatte, C._ mehrmals
zu sagen, dass er nichts mehr machen wolle (Urk. 00.213; Urk. 00.220
und Urk.00. 228.4), erscheint der zweite Beweggrund, welchen der Beschuldigte
aufführte, dass er nämlich C._s Ansicht teilte, dass man die Transaktionen
B._s überprüfen müsse, zutreffender. Dass der Beschuldigte ungeachtet sei-
ner bekundeten Distanzierungen betreffend die Angelegenheit doch wieder weite-
re Schritte in dieser Sache unternahm, zeigt exemplarisch, wie viel ihm an der
Aufdeckung dieser Dollartransaktionen und den dadurch erhofften Konsequenzen
für B._ lag. Das belegen auch diverse seiner Mail-Botschaften an C._,
etwa jene vom 15. November 2011, 13.22 Uhr, worin er C._ darin zustimmte,
dass man den BB._, d.h. B._, an die Wand fahren sollte (Urk. 00.152),
oder die vom 8. Dezember, 13.10 Uhr: ... "Ich war der Ansicht, man müsse es so-
fort machen [gemeint: es rausbringen] aber ihr [gemeint: C._ und G._]
habt mich überstimmt."(Urk. 00.133 S. 8), bzw. die Mitteilungen vom 4. Januar
2012, 04.22 Uhr, 7. Januar 2012, 09.21 Uhr und 9. Januar 2012, 06.43 Uhr, je mit
weiteren Hinweisen auf des Beschuldigten offensichtliches Ziel, den damaligen
Nationalbankpräsidenten wegzuhaben (Urk. 00.133 S. 12 und 14). Ferner korres-
pondiert es mit seiner Aussage an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom
30. März 2016, wonach es ihm darum ging, eine aus seiner Sicht bestehende Ge-
fahr für das Land zu beenden, wozu eben die Offenlegung der Dollar-
- 82 -
Transaktionen betreffend das Devisenkonto von B._ erforderlich war (Urk. 33
S. 9; auch Urk. 00.121).
In dieser mehrfach zu Tage getretenen Haltung lag klarerweise ein eigenes Motiv
des Beschuldigten zur Informationspreisgabe.
1.5.3.3. Mit zutreffender Begründung ist die Vorinstanz sodann zum ebenfalls kor-
rekten Schluss gelangt, dass der Beschuldigte ohne Mitwissen und ohne Zustim-
mung von C._ gehandelt und die Informationen samt den Printscreen-Kopien
an P._ von der F._ gesendet hat (Urk. 48 S. 61 - 63).
Nach dem Verbrennen der von ihm erstellten Printscreens ging C._ davon
aus, dass diese nicht mehr existierten (Urk. 01.304 S. 13 f.). Es ist daher kaum
vorstellbar, dass er sein Einverständnis zur Weiterleitung der Printscreens an die
F._ durch den Beschuldigten erteilte. Hätte C._ die F._ von sich
aus kontaktieren und mit Informationen beliefern wollen, so hätte er dies längst
tun können.
Wäre der Beschuldigte tatsächlich der Überzeugung gewesen, dass C._ ei-
nen Gang an die Medien befürworte und hätte er C._ darüber auch infor-
miert, hätte kein Anlass bestanden, C._ am 4. Januar 2012, 19.50 Uhr per
SMS, sich erstaunt gebend, anzufragen, ob er, C._, vor zwei Monaten zur
F._ gegangen sei (Urk. 00.133 S. 13). Offenbar hatten der Beschuldigte und
C._ an jenem Abend Kenntnis eines Vorabdrucks des betreffenden F._-
Artikels vom tt. Januar 2012. Ausserdem stellte C._ am gleichen Abend um
21.09 Uhr per SMS gegenüber dem Beschuldigten fest, dass der Kundenberater
B._s die Quelle sei, was der Beschuldigte nicht richtig stellte (Urk. 00.133
S. 13). Auch das Vorbringen des Beschuldigten, dass sie es bewusst so hätten
aussehen lassen, dass C._ nichts mit der Kontaktierung der F._ zu tun
gehabt habe (Urk. 01.313 S. 65), vermag wie schon erwähnt nicht zu überzeugen.
Zum einen brachte der Beschuldigte dies nicht von sich aus vor, sondern erst auf
einen belastenden Vorhalt. Zudem leuchtet nicht ein, weshalb in einer SMS-
Korrespondenz hätte vorgespiegelt werden sollen, dass beide keine genaue
Kenntnis von der Quelle hatten. Abgesehen davon machte der Beschuldigte nicht
- 83 -
geltend, man habe vorgeben wollen, dass beide nicht involviert gewesen seien,
sondern nur, dass sie C._ aus dem Spiel halten wollten.
Ein zusätzliches Indiz für den Versuch des Beschuldigten, seine Kontaktierung
der F._ vor C._ geheim zu halten, weil er um dessen fehlendes Einver-
ständnis wusste, findet sich schliesslich im SMS vom 7. Januar 2012, 09.21 Uhr,
worin der Beschuldigte C._ mitteilte, dass sie sich unbedingt mal ausspre-
chen sollten. Was er, der Beschuldigte, gemacht habe, habe er gemacht, weil er
ihn, C._, habe unterstützen wollen (Urk. 00.133 S. 14). Diese Aussage er-
scheint wie ein Rechtfertigungsversuch gegenüber C._ für seine, des Be-
schuldigten, Handlungen, welche er ohne Wissen und Willen von C._ vorge-
nommen hat.
1.5.3.4. Dass der Beschuldigte selber, ohne Kenntnis und Einwilligung C._s,
zur F._ ging, zeigt, wie sehr ihm an der Bekanntmachung der Dollartransak-
tionen gelegen war. Er wusste um das fehlende Einverständnis von C._ zu
diesem Schritt, ansonsten er C._ darüber informiert hätte. Somit treffen dies-
bezüglich die Aussagen C._s im Gegensatz zu jenen des Beschuldigten zu.
Ebenso ist nach dem Dargelegten aufgrund der Aussagen und diverser Korres-
pondenz der beiden Beteiligten erstellt, dass der Beschuldigte vor dem Jahresen-
de 2011 in mehreren Anläufen mündlich und unterstützt mit von ihm vorbereiteten
Dokument-Entwürfen zunächst vergeblich versucht hatte, C._ zur Informati-
onspreisgabe an die F._ zu bewegen. Das wird überdies bestärkt durch sei-
ne Schilderung in der Einvernahme vom 9. Februar 2012, C._ gesagt zu ha-
ben, er sei der Ansicht, C._ solle zur F._ gehen (Urk. 01.316 S. 5).
Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer I.C. ist damit erstellt.
2. Rechtliche Würdigung
Wie bereits ausgeführt, ist als "Verleiten" im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. b BankG
nicht allein das Hervorrufen des Vorsatzes zur Begehung einer Tat, wie bei der
Anstiftung zu verstehen, sondern vielmehr jede Einwirkung auf den Geheimnis-
- 84 -
träger, durch die er veranlasst werden soll, den Tatbestand der Bankgeheimnis-
verletzung objektiv zu erfüllen, zu verstehen.
Es wurde als erstellt erachtet, dass der Beschuldigte anlässlich mehrerer Gele-
genheiten versuchte, C._ dazu zu bewegen, einen Journalisten der F._
aufzusuchen und diesen über die Dollartransaktionen von B._ zu informie-
ren. Zum Zeitpunkt dieser Überzeugungsversuche Ende Dezember 2011 waren
zwar bereits gewisse Gerüchte in Bezug auf mögliche Devisenspekulationen von
B._ im Umlauf, die breite Öffentlichkeit hatte indes noch keine Kenntnis der
genauen Angaben zu den spezifischen Dollartransaktionen bei der Bank J._.
Indem der Beschuldigte den Mitbeschuldigten C._ mit dem Ziel, dass dieser
geheime bankinterne Informationen preisgibt, zu einer Kontaktierung eines
F._-Journalisten zu bewegen versuchte, sind die Voraussetzungen des Tat-
bestands der vorsätzlich versuchten Verleitung zur Verletzung des Bankgeheim-
nisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. b BankG erfüllt.
3. Rechtswidrigkeit
3.1. Prüfung des Rechtfertigungsgrunds der Wahrung berechtigter Interessen
3.1.1. Standpunkt des Beschuldigten
Auch hinsichtlich des unter Anklageziffer I.C eingeklagten Vorfalls bringt die Ver-
teidigung den Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen vor. Zur
Begründung führte sie aus, dass man sich beim vorgesehenen Gang zur F._
nun beim letzten Schritt der Whistleblowing-Kaskade bewege. Am tt. Dezember
2011 sei völlig überraschend die Pressemitteilung des Bankrates erfolgt, wonach
keine Unregelmässigkeiten im Verhalten von Herrn B._ hätten erkannt wer-
den können und man die Untersuchung abschliessen würde. Ferner sei in der
Medienmitteilung der falsche Eindruck erweckt worden, die Transaktionen seien
sowieso über das Konto der Ehefrau und nicht über dasjenige des Nationalbank-
präsidenten erfolgt. Für die Beschuldigten A._ und C._ habe dies im
Klartext geheissen, dass die bisherigen Schritte kläglich gescheitert seien. Dass
hernach also der Schritt an die Medien thematisiert worden sei, sei somit eine kla-
- 85 -
re Folge dessen, dass die früheren Schritte nichts gebracht hätten. Selbst wenn
man deshalb wider Erwarten davon ausgehen würde, dass der Beschuldigte
A._ den Beschuldigten C._ zum Gang an die Presse gedrängt hätte,
könne sich der Beschuldigte A._ jedenfalls auf den Rechtfertigungsgrund der
Wahrung öffentlicher Interessen berufen (vgl. Urk. 68 S. 23-25).
3.1.2. Beurteilung
3.1.2.1. Wie bereits ausgeführt, ist bei der Prüfung dieses Rechtfertigungsgrunds
zu beurteilen, ob das gewählte Vorgehen der Beschuldigten A._ und
C._ notwendig und angemessen war, und ist dabei von Bedeutung, ob die
Beschuldigten das dreistufige Kaskadensystem des erlaubten Whistleblowing
eingehalten haben oder die schrittweise Einhaltung desselben ihnen allenfalls
nicht möglich oder zumutbar war.
3.1.2.2. Dass es – zumindest aus der unwiderlegbaren subjektiven Sicht des Be-
schuldigten C._ – gerechtfertigt war, den ersten Schritt der Informations-
kaskade des Whistleblowing, die Meldung an die bankinterne Compliance-Stelle,
nicht einzuhalten, wurde bereits im Zusammenhang mit der Kontaktierung von
G._ (Anklageziffer I.B.) dargetan. Auf die dortigen Ausführungen kann ver-
wiesen werden (vorstehend Ziff. B.3.2.2.2)
3.1.2.3. a) Als zweiten Schritt hat ein Whistleblower, wie bereits ausgeführt,
grundsätzlich an eine geeignete externe Stelle – hier also etwa an den Bankrat
als Aufsichtsbehörde über die Nationalbank – zu gelangen. Nur dann, wenn eine
solche Meldung an geeignete externe Stellen keine Abhilfe zu schaffen vermag –
diese mit anderen Worten nicht erfolgreich ist oder als aussichtslos erscheint – ist
als ultima ratio der Gang an die Medien bzw. die "Flucht in die Öffentlichkeit" zu-
lässig.
b) Im vorliegenden Fall fasste der Beschuldigte A._ laut Anklage am 27. De-
zember 2011 den Tatentschluss, C._ zur Preisgabe seiner Informationen
über die privaten Aktien- und Devisengeschäfte von Dr. B._ gegenüber dem
- 86 -
F._-Journalisten P._ zu bewegen und traf sich zu diesem Zweck mit
C._ am Mittwoch, den 28. Dezember 2011.
Der Beschuldigte A._ handelte somit zu einem Zeitpunkt, nachdem am tt.
Dezember 2011 die Medienmitteilung des Bankrats der Schweizerischen Natio-
nalbank mit dem Titel "Gerüchte gegen den Präsidenten des Direktoriums erwei-
sen sich als haltlos" veröffentlicht worden war (Urk. 05.000): Diese Medienmittei-
lung vom tt. Dezember 2011 lautet wie folgt (vgl. Urk. 05.000):
"Mitteilung des Bankrats der Schweizerischen Nationalbank
Gerüchte gegen den Präsidenten des Direktoriums erweisen sich als haltlos.
Bankrat schliesst Untersuchung ab.
Der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, B._,
ist am 15. Dezember 2011 über Gerüchte aus unbekannter Quelle informiert
worden, nach denen er im Zusammenhang mit der Einführung eines Mindest-
kurses gegenüber dem Euro am 6. September 2011 in unzulässiger Weise
persönliche Vermögensvorteile erlangt haben soll.
B._ hat unverzüglich den Bankrat informiert und seine finanziellen Ver-
hältnisse offengelegt. Die vertiefte Prüfung wurde durch die Revisionsstelle
der Nationalbank BC._ und den Direktor der Eidgenössischen Finanz-
kontrolle (EFK) und seinen Stellvertreter persönlich durchgeführt.
Die Prüfer hatten uneingeschränkten und vollständigen Einblick in sämtliche
Transaktionen von B._ und seiner Familie im Jahr 2011. Ferner hatte
BC._ auch Einblick in die Verträge über den Verkauf eines Hauses und
den Ersatzkauf einer Wohnung durch die Familie B._ im Jahr 2011.
Die Prüfungen, die am 21. Dezember 2011 abgeschlossen und vom Bankrat
in einer Sitzung vom 22. Dezember 2011 beurteilt wurden, haben bestätigt,
dass keine unzulässigen Transaktionen vorgenommen wurden und kein
Missbrauch von privilegierten Informationen erfolgt ist.
- 87 -
Im Rahmen dieser Prüfungen wurden alle Transkationen untersucht. Im Hin-
blick auf das Interne Reglement über Eigengeschäfte der Mitglieder des Er-
weiterten Direktoriums vom 16. April 2010 erwiesen sich zwei Transaktionen
im Zusammenhang mit der Einführung des Mindestkurses als besonders prü-
fenswert. Die Frau von B._ hatte am 15. August 2011 eine Fremdwäh-
rungstransaktion getätigt (Kauf von US-Dollar gegen Schweizer Franken). Es
wurde auch ein kleiner US-Dollar-Betrag für das Konto der Tochter gekauft.
B._ hat diese Geschäfte nach Erhalt der Bankbestätigung am nächsten
Tag unverzüglich dem Compliance-Verantwortlichen der Nationalbank ge-
meldet. Dieser kam zum Schluss, dass kein Handlungsbedarf bestand. Nach
dem übereinstimmenden Urteil der Prüfung und den Feststellungen des
Bankrates entsprechen auch diese Transaktionen vollumfänglich den regle-
mentarischen Anforderungen.
Der Bankrat hat in seiner Sitzung vom 22. Dezember 2011 die Angelegenheit
abgeschlossen. Der Bankrat und B._ behalten sich rechtliche Schritte
gegen Dritte vor."
In dieser Medienmitteilung wird also festgehalten, die Angelegenheit sei von der
Revisionsstelle der Nationalbank, der BC._ sowie dem Direktor der Eidge-
nössischen Finanzkontrolle und dessen Stellvertreter einer vertieften Prüfung un-
terzogen worden. Die Prüfer hätten uneingeschränkten und vollständigen Einblick
in sämtliche Banktransaktionen von B._ und seiner Familie im Jahre 2011
gehabt. Die Prüfungen hätten bestätigt, dass seitens B._s keine unzulässi-
gen Transaktionen vorgenommen worden seien und kein Missbrauch von privile-
gierten Informationen erfolgt sei. Im Rahmen dieser Prüfungen seien alle Trans-
aktionen überprüft worden. Im Hinblick auf das interne Reglement über Eigenge-
schäfte der Mitglieder des Erweiterten Direktoriums hätten sich zwei Transaktio-
nen im Zusammenhang mit der Einführung des Mindestkurses gegenüber dem
Euro vom 6. September 2011 als besonders prüfenswert erwiesen. Nach dem
übereinstimmenden Urteil der Prüfer und den Feststellungen des Bankrats wür-
den indes auch diese zwei Transaktionen vollumfänglich den reglementarischen
Anforderungen entsprechen. Der Bankrat habe in seiner Sitzung vom 22.12.2011
- 88 -
die Angelegenheit abgeschlossen. Der Bankrat und B._ würden sich rechtli-
che Schritte gegen Dritte vorbehalten.
Der Verteidigung des Beschuldigten A._ ist beizupflichten, dass mit dieser
äusserst dürftigen Medienmitteilung der falsche Eindruck entstehen konnte, dass
die Dollartransaktionen über das Konto der Ehefrau und nicht über dasjenige des
Nationalbankpräsidenten erfolgt waren. Nicht genannt wurde in dieser Medienmit-
teilung sodann, in welcher Grössenordnung US-Dollar gekauft wurden. Auch nicht
erwähnt wurde, dass die am 15. August 2011 gekauften US-Dollars kurze Zeit
nach der am 6. September 2011 erfolgten Einführung des Mindestkurses mit Ge-
winn wieder veräussert wurden. Aufgrund dieser Unterlassungen konnte der wei-
tere falsche Eindruck entstehen, dass es sich um Transaktionen im Bagatellbe-
reich gehandelt hatte. So stellte sich denn auch etwa der W._ in einem Arti-
kel vom tt. Dezember 2011 die (rhetorische) Frage, ob vielleicht alles nur dumm
gelaufen sei und es möglicherweise lediglich um ein paar Hundert Dollars gegan-
gen sei, die die Frau des Nationalbankpräsidenten vielleicht für eine bevorstehen-
de Ferienreise in die USA gekauft habe. Weiter konnte dem W._-Artikel ent-
nommen werden, dass die Schweizerische Nationalbank zu weiteren Auskünften
nicht bereit war (vgl. Urk. 05.002: "«Kein Kommentar.»").
c) Demgegenüber sind die folgenden erwiesenen Fakten in Erinnerung zu rufen
(vgl. die Anklageschrift Ziff. I.A [Urk. 09.042 S. 3], die Transaktionsbelege der
Bank J._, [Verfahrensakten SB160259 Urk. 01.10.9.2 ff.] sowie den Prü-
fungsbericht der BC._ vom 21. Dezember 2011 [Verfahrensakten SB160259
Urk. 01.002 S. 3 f.]): Am 15. August 2011 wurden über das persönliche Konto von
B._ bei der Bank J._ USD 504'000 für Fr. 400'000.– gekauft. Am 6. Sep-
tember 2011 legte die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs von 1.20
Franken pro Euro fest. Am 4. Okt 2011 wurden USD 516'000 für Fr. 475'000.–
wieder verkauft – dies somit mit einem Gewinn von über Fr. 70'000.–. Der interne
Prüfungsbericht der BC._ vom 21. Dezember 2011 kam zwar zum Schluss,
dass kein Missbrauch von privilegierten Informationen "anzunehmen" sei, stufte
den Dollarkauf vom 15. August 2011 aber explizit als "heikel" ein (Verfahrensak-
ten SB160259 Urk. 01.002 S. 5).
- 89 -
d) Selbstredend entstand durch diese Dollartransaktionen der dringende Ver-
dacht, dass sich der Nationalbankpräsident B._ durch sein Insiderwissen –
nämlich hinsichtlich der anstehenden Festsetzung eines Euromindestkurses, was
dann auch einen Anstieg des Dollarkurses zur Folge haben würde – einen Ver-
mögensvorteil verschafft hatte. Zwar wäre ein solches Verhalten nicht strafbar
gewesen, da Devisengeschäfte – wegen fehlender praktischer Relevanz, wie der
damalige Gesetzgeber annahm – vom Tatbestand des Insiderhandels gemäss
Art. 161 aStGB nicht erfasst wurde. Auch noch nach dem revidierten aktuellen
Recht fallen Devisengeschäfte nicht unter den Insidertatbestand (vgl. Art. 154 Fin-
fraG). Ausser Frage steht aber, dass es sich zumindest um ein moralisch höchst
verwerfliches Verhalten des Nationalbankpräsidenten gehandelt hätte, wenn die-
se Dollarkäufe mit der Absicht getätigt worden wären, sie nach der damals für
Aussenstehende nicht absehbaren Einführung des Euro-Mindestkurses mit Ge-
winn zu verkaufen. Schliesslich ist offenkundig, dass auch mit Devisentransaktio-
nen Insiderwissen ausgenutzt werden kann, und es ist grundsätzlich nicht einseh-
bar, inwiefern der Unrechtsgehalt solcher Transaktionen geringer sein soll als der-
jenige von Insiderhandel mit Effekten. In der Literatur wird denn auch mit über-
zeugender Argumentation Kritik daran geäussert, dass der Insidertatbestand an-
lässlich der jüngsten Revision nicht entsprechend ergänzt wurde (vgl. Lukas Fahr-
länder, der revidierte schweizerische Insiderstraftatbestand, Schweizer Schriften
zum Finanzmarktrecht Band/Nr. 120, 2015, S. 169 f.; vgl. auch Derselbe/Rolf
Sethe, Kommentar zum Finanzmarktinfrastrukturgesetz FinfraG, 2017, Art. 2 N 90
und Art. 154 N 88).
e) Nach dem Erscheinen des Medienberichts vom tt. Dezember 2011 mussten
die Beschuldigten C._ und A._ somit zur Kenntnis nehmen, dass das
mutmassliche gravierende Fehlverhalten von B._ nicht weiter untersucht
würde, hatte dies doch die zuständige Behörde – der Bankrat – entschieden und
die Angelegenheit explizit für abgeschlossen erklärt. Im Rahmen einer offen
kommunizierten Untersuchung hätte geklärt werden können, ob die Dollartransak-
tionen tatsächlich nicht von B._, sondern ohne dessen Wissen von dessen
Ehefrau getätigt worden waren. Mit der dürren Pressemitteilung vom tt. Dezember
2011 aber wurde der bestehende dringende Verdacht nicht nur nicht ausgeräumt,
- 90 -
sondern vielmehr zusätzlich der Eindruck erweckt, dass eine eher peinliche Ange-
legenheit unter den Tisch gewischt werden sollte. Den Beschuldigten konnte in
dieser Situation nicht ernsthaft zugemutet werden, vor einem Gang an die Medien
noch weitere externe Stellen zu konsultieren. Vielmehr durften sie im Sinne des
skizzierten dreistufigen Kaskadensystems als ultima ratio nun den Gang an die
Medien wählen, nachdem die Kenntnisnahme des Vorfalls durch den Bankrat –
und damit die unmittelbare Aufsichtsbehörde über das Direktorium der Schweize-
rischen Nationalbank – keine Abhilfe zu schaffen vermochte.
Das bei seinem tatbestandsmässigen Handeln vom Beschuldigten A._ (ne-
ben seinen politischen Bestrebungen) verfolgte Interesse des Beschuldigten an
einer vollständigen und der Öffentlichkeit angemessen kommunizierten Überprü-
fung der Rechtmässigkeit dieser Transaktionen auf dem Konto von B._ ist
als ein berechtigtes Interesse von hohem Gewicht zu betrachten. Der Frage, ob
der Nationalbankpräsident als einer der höchsten Exponenten der Schweizeri-
schen Staatsorgane, Insiderwissen ausgenutzt und damit einen erheblichen per-
sönlichen Vermögensvorteil erlangt hat, kommt eine erhebliche (staats-)politische
und rechtsstaatliche Bedeutung zu. Das Interesse der Öffentlichkeit, durch die
Medien über einen entsprechenden Verdacht angemessen informiert zu werden,
ist als gewichtig zu erachten. Dieses Interesse überwiegt unter den hier vorlie-
genden konkreten Umständen das private Interesse von B._ auf den Schutz
einzelner persönlicher, unter das Bankgeheimnis fallender Informationen. Dies
insbesondere, nachdem zuvor entsprechende Grundinformationen bereits durch
den Bankrat publik gemacht worden sind. Die vom Beschuldigten beabsichtigte
Verleitung zur Geheimnisoffenbarung erweist sich im Rahmen des Rechtferti-
gungsgrundes der Wahrung berechtigter Interessen sodann auch als verhältnis-
mässig, zumal ja die Existenz fragwürdiger Transaktionen auf dem Konto von
B._ bereits durch die Medienmitteilung des Bankrats in den Fokus der Öf-
fentlichkeit geraten war. Die Handlung des Beschuldigten A._ ist deshalb zu-
sammengefasst als ein legales Whistleblowing zu qualifizieren, das vom Rechtfer-
tigungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen gedeckt ist.
- 91 -
4. Fazit
Der Beschuldigte A._ ist deshalb hinsichtlich Anklagepunkt I.C. vom Vorwurf
des Versuchs der Verleitung zur Bankgeheimnissverletzung freizusprechen.
D. GESAMTFAZIT SCHULDPUNKT
Der Beschuldigte A._ ist somit der Gehilfenschaft zur Verletzung des Bank-
geheimnisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG in Verbindung mit Art. 26
StGB (Anklageziffer I.B.) schuldig zu sprechen.
Vom Vorwurf der versuchten Verleitung zur Verletzung des Bankgeheimnisses im
Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. b BankG (Anklageziffer I.C.) ist er freizusprechen.
IV. Sanktion
1. Strafe
1.1. Strafrahmen und allgemeine Ausführungen
1.1.1. Für die Verletzung des Bankgeheimnisses sieht das Gesetz einen Straf-
rahmen von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor (Art. 47 Abs. 1
BankG).
1.1.2. Die Vorinstanz hat die vom Gesetz und der Rechtsprechung für die Straf-
zumessung aufgestellten Regeln und Grundsätze richtig wiedergegeben, worauf
verwiesen werden kann (Urk. 48 S. 73 f.).
1.2. Tatkomponente
1.2.1. Objektive Tatschwere
Bezüglich der objektiven Tatkomponente ist zu bemerken, dass der Beschuldigte
A._ den Mitbeschuldigten C._ (hinsichtlich Anklageziffer I.B.) in vielfälti-
- 92 -
ger Weise bei der Verletzung des Bankgeheimnisses unterstützt hat und damit
nicht bloss einen kleinen, untergeordneten Tatbeitrag geleistet hat: Der Beschul-
digte A._ hat das Treffen mit G._ organisiert, indem er diesen telefo-
nisch kontaktierte. Er hat C._ zum Treffen begleitet und ihn durch seine An-
wesenheit bei der Geheimnispreisgabe mental unterstützt. Schliesslich war er es,
der die bei ihm hinterlegten Printscreens des Kontoauszuges zum Treffen mit
G._ mitbrachte. Hinsichtlich des betroffenen Bankkunden B._ wurde das
geschützte Rechtsgut der Privatsphäre verletzt. Der Geheimnisverrat betraf einen
Kontoauszug über mehrere Monate mit diversen Aktien- und Devisengeschäften,
womit inhaltliche Details über einen längeren Zeitraum preisgegeben wurden. Zu
beachten ist anderseits, dass der Geheimnisverrat "nur" einen Bankkunden und
dessen Konto betraf und nicht etwa eine Vielzahl von Bankkunden bzw. ganze
Kundenlisten. Bei der Tathandlung des Beschuldigten handelt es sich um die Ge-
hilfenschaft zu einem Sonderdelikt, was nach Art. 26 StGB einen Strafmilde-
rungsgrund darstellt und obligatorisch zumindest zu einer Strafminderung inner-
halb des ordentlichen Strafrahmens führt.
Insgesamt kann das objektive Tatverschulden noch als leicht bezeichnet werden.
1.2.2. Subjektive Tatschwere
Subjektiv fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte die Überprüfung der von ihm als
skandalös empfundenen Dollartransaktionen anstrebte, was ein nachvollziehba-
res Motiv darstellt. Sein Handeln war aber überdies auch politisch motiviert: er
verfolgte auch das politische Ziel eines Abganges von B._, der ihm unüber-
sehbar ein Dorn im Auge war. Das ergibt sich ohne weiteres aus dem E-Mail-
Verkehr zwischen den Beschuldigten und auch aus dem gemeinsam mit dem Mit-
beschuldigten C._ verfassten Artikel im September 2011. So stimmte er in
einem E-Mail C._ darin zu, dass man den BB._ - gemeint B._ - an
die Wand fahren sollte (Urk. 00.133 S. 5). Es kann daher nicht die Rede davon
sein, dass A._ sich von rein ideellen Beweggründen leiten liess. Die im vo-
rinstanzlichen Urteil geäusserte Auffassung, der Beschuldigte A._ könnte
sich mit seinem Vorgehen einen politischen Karrieresprung erhofft haben (Urk. 48
S. 77), entbehrt hingegen jeglicher Grundlage bzw. ist rein spekulativ und lässt
- 93 -
sich deshalb nicht aufrechterhalten. Schliesslich ist zu beachten, dass es dem
Beschuldigten als Anwalt ohne weiteres möglich gewesen wäre, die legale Über-
prüfung der inkriminierten Dollartransaktionen in die Wege zu leiten.
Als Fazit ist festzustellen, dass die subjektive Tatschwere das objektive Verschul-
den nicht zu relativieren vermag. Das noch leichte Tatverschulden rechtfertigt ei-
ne Einsatzstrafe von 60 Tagessätzen.
1.3. Täterkomponente
1.3.1. Hinsichtlich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse des Be-
schuldigten kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 48 S. 77 f.). Aus dem Lebenslauf des Beschuldigten lassen sich kei-
ne für die Strafzumessung relevanten Aspekte erkennen.
1.3.2. Auch die Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten ist gemäss der neueren
Rechtsprechung als strafzumessungsneutral zu werten.
1.3.3. Der Beschuldigte zeigte sich zwar hinsichtlich des äusseren Anklagesach-
verhalts weitgehend geständig, bestritt jedoch, sich dieses Tatbestands strafbar
gemacht zu haben. Ausserdem tätigte der Beschuldigte Aussagen meist nur auf
Nachfrage oder ihn belastende Vorhalte. Seine Eingeständnisse sind deshalb
bloss marginal strafmindernd zu berücksichtigen.
1.3.4. Schliesslich trifft zu, dass die gesamte Verfahrensdauer relativ lang war.
Der Umstand, dass mehrere Personen auf Beschuldigten- sowie Geschädigten-
seite involviert waren, die Akten einen beachtlichen Umfang annahmen, der Fall
auch von nicht unerheblicher Komplexität war, kann – unter diesem Titel (Art. 48
lit. e StGB) – allerdings keine allzugrosse Strafreduktion resultieren. Im Gegen-
satz zum Beschuldigten C._ ist dem Beschuldigten A._ aber nicht anzu-
lasten, das Verfahren durch sein Verhalten erschwert zu haben. Anzufügen bleibt,
dass eine Verletzung des Beschleunigungsgebots zu verneinen ist. Namentlich in
den ersten eineinhalb Jahren wurde das Verfahren intensiv vorangetrieben, was
Zeiträume mit geringerer Behördenaktivität aufwiegt. Eine stossende Lücke ent-
stand nie.
- 94 -
1.4. Fazit
1.4.1. Unter Berücksichtigung sämtlicher vorerwähnter Strafzumessungskriterien
erweist sich eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen als angemessen.
1.4.2. Aufgrund der im wesentlichen unveränderten finanziellen Verhältnisse des
Beschuldigten (vgl. Prot. II S. 10 ff.) ist der Tagessatz mit der Vorinstanz, auf de-
ren Begründung verwiesen werden kann (Urk. 48 S. 80f.), auf Fr. 340.– anzuset-
zen.
1.4.3. Der Beschuldigte ist folglich mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu
Fr. 340.– zu bestrafen.
2. Vollzug
Da es sich beim Beschuldigten um einen Ersttäter handelt und davon ausgegan-
gen werden kann, dass ihm das durchlaufene Strafverfahren die volle Tragweite
seines Fehlverhaltens aufgezeigt hat, ist der Vollzug der Geldstrafe in Anwendung
von Art. 42 Abs. 1 StGB aufzuschieben, wobei die Probezeit auf 2 Jahre festzu-
setzen ist.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. KOSTENFOLGEN
Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kostenfestsetzung zu be-
stätigen.
Aufgrund des teilweisen Obsiegens des Beschuldigten rechtfertigt es sich sodann,
die Kosten der Untersuchung sowie beider Gerichtsverfahren – wobei die Ge-
richtsgebühr für das Berufungsverfahren auf Fr. 5'000.– festzusetzen ist – zur
Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen und zur Hälfte auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
- 95 -
B. ENTSCHÄDIGUNGSFOLGEN
1. Entschädigung des Privatklägers B._
1.1. Entschädigungsumfang
Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf ei-
ne angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren,
soweit sie obsiegt (Art. 433 StPO).
Entsprechend dem vorliegenden Verfahrensausgang hat der Privatkläger B._
hinsichtlich des gesamten Verfahrens Anspruch auf eine angemessene reduzierte
(konkret: hälftige) Prozessentschädigung.
1.2. Entschädigung für das erstinstanzliche Verfahren
1.2.1. Der Privatkläger liess vor Vorinstanz mit Eingabe vom 21. März 2016 eine
volle Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 24'519.25 (inkl. Spesen und
MwSt.) für seine Vertretung durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._ geltend machen
(Urk. 31A).
Die Vorinstanz hielt sowohl den geltend gemachten Aufwand von 62.67 Stunden
als auch den eingesetzten Stundenansatz von Fr. 350.– als insgesamt zu hoch.
Als angemessen erachtete sie demgegenüber einen Stundenansatz von Fr. 280.–
und einen Aufwand von 36 Stunden. Die geltend gemachten Spesen von
Fr. 830.– erachtete sie als nicht belegt und daher nicht entschädigungsfähig.
Insgesamt hielt die Vorinstanz eine volle Entschädigung von lediglich
Fr. 10'886.40 (inkl. 8.0 % MwSt.) für angemessen.
1.2.2. Der Privatkläger B._ hat diesen Entscheid der Vorinstanz mit An-
schlussberufung angefochten und stellt wie im erstinstanzlichen Verfahren den
Antrag, die (volle) Prozessentschädigung sei auf Fr. 24'510.25 festzusetzen (vgl.
vorstehend Ziff. I.3; Urk. 64).
1.2.3. Die Vorinstanz hat die Kürzung des Stundenansatzes von Fr. 350.– auf
Fr. 280.– nicht weiter begründet. Entgegen ihrer Auffassung kann der Stunden-
- 96 -
satz von Fr. 350.– des erbetenen Vertreters des Privatkläger B._ noch nicht
als überhöht erachtet werden, bewegt sich dieser doch gerade noch im Rahmen,
wie er von § 17 AnwGebV abgesteckt wird.
1.2.4. Die Kürzung des Aufwands von 62,67 Stunden auf 36 Stunden wurde von
der Vorinstanz damit begründet, dass in Anbetracht dessen, dass die Rechtsver-
tretung eines Privatklägers primär der Durchsetzung von Zivilansprüchen diene,
insbesondere die geltend gemachten Besprechungen von mehr als 10 Stunden in
dieser Höhe nicht notwendig seien, zumal auch gar keine Zivilansprüche gestellt
worden seien. Angemessen erscheine neben dem für die Teilnahme an Einver-
nahmen geltend gemachten Aufwand von rund 28 Stunden lediglich noch eine
Entschädigung für weitere 8 Stunden Bearbeitungszeit.
Der Vertreter des Privatklägers moniert zu Recht (vgl. Urk. 64 S. 3 f.), dass sei-
tens der Vorinstanz unberücksichtigt blieb, dass sich die geltend gemachten Auf-
wendungen auf den doch relativ langen Zeitraum von über vier Jahren beziehen.
Die geltend gemachte Besprechungszeit von 10,75 Stunden verteilt sich auf vier
Besprechungen in diesen vier Jahren, was als noch angemessen erscheint. Auch
die übrigen geltend gemachten Aufwandpositionen (8,75 Stunden für Aktenstudi-
um, 15 Stunden Studium für diverse Eingaben und Stellungnahmen, Mails Tele-
fonate etc.; vgl. Urk. 64 4 ff.) – auf welche die Vorinstanz nicht eingegangen war –
sind ausgewiesen und erscheinen nebst den unbestrittenen 28 Stunden für Ein-
vernahmen als angemessen angesichts der langen und zwei Verfahren betreffen-
den Dauer von 4 Jahren.
Der Vertreter des Privatklägers weist sodann zu Recht darauf hin, dass die gel-
tend gemachten Spesen von Fr. 830.– in seiner Eingabe vom 21. März 2016 an
die Vorinstanz entgegen deren Auffassung ausreichend substantiiert dargetan
worden sind (vgl. Urk. 31A S. 2 Rz. 5). Auch diese Position ist deshalb liquide und
berechtigt.
Die geltend gemachte Prozessentschädigung in voller Höhe von Fr. 24'510.25
(inkl. 8.0 % MwSt.) ist somit ausgewiesen und erscheint angemessen.
- 97 -
1.2.5. Dem Antrag des Privatklägers, den Beschuldigten solidarisch mit C._
zur Bezahlung einer Prozessentschädigung zu verpflichten, ist aufgrund derer
gemeinsamen Tatbeteiligung zu folgen, was bereits die Vorinstanz erkannte.
1.2.6. Der Beschuldigte hat dem Privatkläger B._ somit für das erstinstanzli-
che Verfahren unter solidarischer Haftung mit C._ eine reduzierte Prozess-
entschädigung im Umfang der Hälfte des vom Privatkläger geltend gemachten
und ausgewiesenen Betrages zu bezahlen.
1.3. Entschädigung für das Berufungsverfahrens
1.3.1. Der Privatkläger B._ fordert für das Berufungsverfahren eine volle
Prozessentschädigung von Fr. 3'048.50 (inkl. MwSt.) und verlangt, dass der Be-
schuldigte und der Mitbeschuldigte C._ solidarisch zu verpflichten seien, die-
se Parteientschädigung zu leisten (Urk. 64 S. 1 f. und 6).
1.3.2. Die geforderte Prozessentschädigung ist ausgewiesen (vgl. die Honorarno-
te vom 8. Juni 2017, Urk. 166) und erscheint auch angemessen.
1.3.3. Entsprechend dem Verfahrensausgang steht dem Privatkläger B._
somit für das Berufungsverfahren eine reduzierte Prozessentschädigung im Um-
fang der Hälfte des vorgenannten Betrags zu.
1.4. Fazit
Der Beschuldigte ist somit unter solidarischer Haftung mit dem Mitbeschuldigten
C._ zu verpflichten, dem Privatkläger B._ für das gesamte Strafverfah-
ren eine reduzierte Prozessentschädigung von (gerundet) Fr. 13'800.– zu bezah-
len.
2. Entschädigung des Beschuldigten
2.1. Prozessentschädigung
2.1.1. Aufgrund seines teilweisen Obsiegens hat der Beschuldigte Anspruch auf
eine reduzierte Entschädigung für die Kosten seines erbetenen Verteidigers.
- 98 -
2.1.2. Der Verteidiger macht für das Vorverfahren und das erstinstanzliche Ge-
richtsverfahren einen Honoraraufwand von Fr. 60'497.95 (inkl. Barauslagen und
MwSt.) geltend (Urk. 70/1), der ausgewiesen ist und angemessen erscheint. Für
das Berufungsverfahren macht er ein – ebenfalls ausgewiesenes und angemes-
sen erscheinendes – Honorar von Fr. 8'506.19 (inkl. Barauslagen und MwSt.) gel-
tend (Urk. 70/3). Hinzuzurechnen ist ein in der Aufstellung des Verteidigers noch
nicht berücksichtigter Aufwand von 8 Stunden für die Berufungsverhandlung und
3 Stunden für die Urteilseröffnung; somit 11 Stunden à Fr. 300.–, was einem Be-
trag von Fr. 3'564.– (inkl. MwSt.) entspricht.
2.1.3. Das volle Honorar des Verteidigers für das gesamte Strafverfahren beläuft
sich somit auf (gerundet) Fr. 72'500.–. Dem teilweise freigesprochenen und ob-
siegenden Beschuldigten ist demnach eine reduzierte Parteientschädigung von
Fr. 36'250.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
2.2. Persönliche Umtriebsentschädigung
Der Beschuldigte verlangt weiter eine persönliche Umtriebsentschädigung von
Fr. 14'479.50 für seine Teilnahme an den Einvernahmen im Rahmen des Straf-
verfahrens (Urk. 70/2; Urk. 68 S. 26). Der Beschuldigte hatte an 8 Einvernahmen
von einer Gesamtdauer von rund 59 Stunden teilzunehmen. Hierzu ist zu bemer-
ken, dass das Schwergewicht dieser Einvernahmen klar auf dem Lebenssachver-
halt rund um den Kontakt mit G._ lag, für welchen der Beschuldigte heute
der Gehilfenschaft zur Verletzung des Bankgeheimnisses schuldig gesprochen
wurde. Der Lebenssachverhalt, hinsichtlich dessen der Beschuldigte freigespro-
chen wurde, fällt demgegenüber sehr viel weniger ins Gewicht.
Aufgrund dessen erscheint es gerechtfertigt, dem Beschuldigten eine persönliche
Umtriebsentschädigung von (lediglich) Fr. 3'000.– zuzusprechen.
2.3. Genugtuung
2.3.1. Der Beschuldigte verlangt schliesslich, dass ihm eine angemessene Ge-
nugtuung zuzusprechen sei als Ausgleich für die Verletzung in seinen persönli-
chen Verhältnisse, die ihm durch die riesige mediale Beachtung des vorliegenden
- 99 -
Strafverfahrens entstanden sei, wobei auch zu berücksichtigen sei, dass dieses
Strafverfahren nunmehr seit sechseinhalb Jahren andauere (Urk. 68 S. 26 f.).
2.3.2. Entgegen den Ausführungen des Beschuldigten sind die Voraussetzungen
für den Zuspruch einer Genugtuung nicht gegeben. Wer an einer derart medien-
trächtigen Sache mitwirkt, muss mit einer starken Medienresonanz rechnen. Der
Beschuldigte hat sich denn auch von sich aus den Medien gestellt und ihnen Red
und Antwort, auch in Form von Interviews, gegeben. Ohnehin hat der Beschuldig-
te die behauptete Verletzung in seinen persönlichen Verhältnissen nicht genü-
gend substantiiert dargetan, was ihm aber oblegen hätte (vgl. Bundesgerichtsur-
teil 6B_956/2016 E. 5.3.3. m.w.H.). Soweit schliesslich der Beschuldigte die lange
Verfahrensdauer rügt, wurde diese bereits mit einer Strafminderung zu seinen
Gunsten berücksichtigt.