Decision ID: 9e0cf91b-8996-4d73-9c46-c5825e4ebddf
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 23. April 2010 wegen generalisierter chronischer
Schmerzen und Müdigkeit, zunehmend seit 2008, zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Anlässlich des FI-Gesprächs mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom
3. Mai 2010 gab der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin, an,
die Versicherte leide an einem chronischen Erschöpfungszustand mit Müdigkeit,
Schlafstörungen, generalisierten Schmerzen und Dekonditionierung, einem
Zervikalsyndrom bei degenerativen HWS-Veränderungen, einer Fingerpolyarthrose und
einem Spreizfuss beidseits mit Hallux valgus. Eine leidensangepasste Tätigkeit könne
der Versicherten mit einem Pensum von 50% zugemutet werden (Protokoll vom
4./5. Mai 2010, IV-act. 6; vgl. auch den Bericht von Dr. B._ vom 8. Oktober 2010
[Datum Posteingang IV-Stelle], IV-act. 48). Am 30. August 2010 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, eine Arbeitsvermittlung sei zurzeit nicht möglich, da sie sich nicht in
der Lage fühle zu arbeiten (IV-act. 37).
A.b Dr. med. C._, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, der die Versicherte vom
20. Juli bis 10. Dezember 2010 ambulant behandelt hatte, führte im Bericht vom
23. Dezember 2010 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Fibromyalgie sowie ein chronisches Panvertebralsyndrom mit spondylogenen
Ausstrahlungen in die Extremitäten auf (IV-act. 51-3 ff.). Er reichte weitere medizinische
Berichte ein (Bericht der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St.Gallen [KSSG] vom
13. Dezember 2010, worin ausgeführt wurde, es hätten sich keine Hinweise für ein
neurologisches Grundleiden finden lassen, IV-act. 51-7 ff.; konsiliarischer
Untersuchungsbericht von Dr. C._ vom 20. Juli 2010, IV-act. 51-10 ff.).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 19. April 2011 internistisch/
rheumatologisch durch Dr. med. D._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell
Rheumaerkrankungen, und psychiatrisch durch Dr. med. E._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, begutachtet. Im Gesamtgutachten vom 14. Mai 2011 hielten die
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Gutachter fest, die Versicherte leide mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an einer
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) DD:
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), bei Verdacht auf
Fibromyalgie bei generalisiertem Schmerzsyndrom (ICD-10: M79.0), an einem
chronischen Panvertebralsyndrom mit spondylogenen Ausstrahlungen in die
Extremitäten, bei radiologisch und klinisch unauffälligen, altersentsprechenden
Fingergelenken, an leichten Spreizfüssen und angedeutetem leichtem Hallux valgus
nicht rigid beidseits. Für die angestammte Reinigungstätigkeit bestehe aus somatischer
Sicht seit 20. Mai 2010 eine 50%ige und ab 3. Juni 2010 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht bestehe nicht kumulativ zur somatischen
Einschränkung eine anhaltende 40%ige Einschränkung. Für eine leidensangepasste
Tätigkeit attestierte Dr. D._ eine 50%ige Arbeitsfähigkeit und Dr. E._ eine ebenfalls
nicht kumulative 40%ige Arbeitseinschränkung. Eine den Schmerzen und deren Folgen
angepasste Tätigkeit sei nur in einem geschütztem Rahmen möglich (IV-act. 58; zum
psychiatrischen Teilgutachten vom 9. Mai 2011 siehe IV-act. 59).
A.d RAD-Ärztin Dr. med. F._, Fachärztin für Physikalische Medizin u. Rehabilitation,
und RAD-Arzt G._, Facharzt für Arbeitsmedizin, hielten zur Klärung des
medizinischen Sachverhalts verschiedene Rückfragen an die beiden Gutachter für
erforderlich (Stellungnahme vom 30. Mai 2011, IV-act. 61). Hierzu nahmen Dr. E._ am
29. Juni 2011 (IV-act. 65) und Dr. D._ am 3. Juli 2011 Stellung (IV-act. 66). RAD-
Ärztin Dr. F._ hielt die Beurteilung der Dres. D._ und E._ nicht für
nachvollziehbar. Im Vordergrund stehe die somatoforme Schmerzstörung.
Diesbezüglich sei eine "psychiatrische" Komorbidität von erheblicher Schwere nicht
ausgewiesen. Zeichen einer mittelschweren Depression liessen sich nicht
nachvollziehen. Auch die übrigen Förster-Kriterien seien "nicht überwiegend
ausgewiesen". Dr. D._ begründe die Einschätzung, dass nur halbtags eine
Arbeitsfähigkeit vorliegen solle, mit dem selbstlimitierenden, vermeidenden Verhalten
und der sich entwickelten Dekonditionierung. Bei diesen Faktoren würde es sich nicht
um einen langandauernden Gesundheitsschaden handeln. Es sei deshalb eine MEDAS-
Begutachtung erforderlich (Stellungnahme vom 31. August 2011, IV-act. 67). Daraufhin
beauftragte die IV-Stelle die ABI Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH mit einer
polydisziplinären Begutachtung der Versicherten. Diese fand am 21. November 2011
statt. Im polydisziplinären (internistischen, orthopädischen und psychiatrischen)
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Gutachten vom 3. Januar 2012 erhoben die Experten der ABI als Diagnose mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre Symptomatik. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehe u.a. eine
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: "F54"). Für körperlich leichte bis höchstens
mittelschwere adaptierte Tätigkeiten bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 76). RAD-Ärztin Dr. F._ bezeichnete die Beurteilung der ABI-Experten als
ausführlich, schlüssig und nachvollziehbar (Stellungnahme vom 15. Februar 2012, IV-
act. 79).
A.e Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 1. März 2012 in Aussicht,
das Rentengesuch abzuweisen (IV-act. 82). Dagegen erhob die Versicherte am 19. April
2012 Einwand (IV-act. 86). Diesen begründete sie ergänzend in der Eingabe vom
23. Mai 2012 (IV-act. 91). Mit dieser reichte sie eine Stellungnahme von Dr. B._ zum
IV-Vorbescheid und zum ABI-Gutachten vom 25. April 2012, worin dieser einen
Verdacht auf eine psychiatrische Begleiterkrankung äusserte (IV-act. 91-9 f.), und eine
ärztliche Bestätigung von Dr. med. H._, Spezialarzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom 7. Mai 2012 ein. Dieser gab an, dass die Versicherte im
Zeitraum vom 23. März 1998 bis 24. Februar 1999 an acht Konsultationen
teilgenommen habe. Vom 21. Mai bis 20. Juni 2007 sei er von der Versicherten dreimal
aufgesucht worden. Seit dem 14. April 2012 sei sie wieder bei ihm in Behandlung.
Früher habe die Versicherte ein italienisches Temperament gehabt. Gegenwärtig sei sie
ein Schatten von sich selbst (IV-act. 91-11 f.). Mit Schreiben vom 27. Juni 2012 (IV-
act. 92) reichte die Versicherte ein psychiatrisches Konsilium von Dr. med. I._, Eidg.
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. Juni 2012 ein. Dieses beruht auf
einer persönlichen Untersuchung der Versicherten vom 7. Mai 2012. Dr. I._
berichtete, die Versicherte leide seit ihrem 34. Lebensjahr an einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode, seit Mai 2010 (unter
Berücksichtigung der Beurteilung durch den Hausarzt) bestehend. Es gehe dabei um
eine Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer und nicht um eine
reaktive Depression auf die Schmerzempfindung. "Die Schmerzempfindung gehört zum
somatischen Syndrom, das einer schweren Depression zu subsummieren ist". Seines
Erachtens hätten die Vorgutachter den vorliegenden Fall undifferenziert beurteilt. Eine
Revision durch eine dritte, unabhängige Stelle sei dringend indiziert (IV-act. 93). In der
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Folge holte die IV-Stelle einen Arztbericht bei Dr. H._ ein. Dieser gab am
5. September 2012 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
anhaltende affektive, depressive Störung (ICD-10: F34.8) und eine andauernde
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.8) an. Die
drei bei ihm stattgefundenen Behandlungsphasen würden zeigen, dass es mit der
Versicherten "auf und ab" gegangen sei und "starke affektive Reaktionen auf das
Umfeld" stattgefunden hätten. Die derzeitige Störungsphase sei hartnäckig. Es fänden
"etwa monatlich" psychotherapeutische Sitzungen und eine leichte symptomatische
medikamentöse Behandlung statt. Seit der ABI-Begutachtung habe sich nichts
Wesentliches geändert. Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten verwies Dr. H._ auf das ABI-Gutachten. Die Diskrepanz zwischen den
subjektiven Angaben und der objektiven Befunde sei derart, dass die Fragen nach der
Restleistungsfähigkeit der Versicherten nicht von einer psychiatrischen Praxis aus
beantwortet werden könnten (IV-act. 96).
A.f Die RAD-Ärztinnen Dr. F._ und Dr. med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, gelangten in den Stellungnahmen vom 11. und 16. Oktober 2012 zum
Schluss, es könne aus rheumatologischer sowie psychiatrischer Sicht an der
Einschätzung der ABI festgehalten werden (IV-act. 98). Die IV-Stelle zeigte der
Versicherten am 5. November 2012 an, sie werde am im Vorbescheid in Aussicht
gestellten Entscheid festhalten (IV-act. 99). Hierzu liess sich die Versicherte mit
Schreiben vom 29. November 2012 vernehmen (IV-act. 102). Am 22. Januar 2013
verfügte die Versicherte die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 103).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 7. Februar
2013. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge
deren Aufhebung. Es sei ihr mit Wirkung ab wann rechtens, allerspätestens ab 1. Mai
2011 und bis auf weiteres, eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die
Streitsache an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen zurückzuweisen. Im Wesentlichen bringt sie vor, das ABI-Gutachten sei
nicht beweiskräftig. Stattdessen sei bei der Beurteilung des Rentenanspruchs auf die
Einschätzung von Dr. I._ abzustellen, der eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
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bescheinigt habe. Was die somatischen Beeinträchtigungen anbelange, so seien diese
durch Dr. D._ zutreffend beurteilt wurden. Bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens rechtfertige sich ein 25%iger Tabellenlohnabzug (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 18. März 2013
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie aus, die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit durch die ABI-Experten sei beweiskräftig. Es rechtfertige sich ein
Tabellenlohnabzug von 10% (act. G 4).
B.c In der Replik vom 30. April 2013 hält die Beschwerdeführerin unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 7). Sie reicht einen Bericht des behandelnden Dr. med. K._,
Leitender Arzt in der Abteilung Psychosomatik des Departements Innere Medizin des
KSSG, vom 30. Januar 2013 ein. Darin berichtet dieser, die Beschwerdeführerin leide
unter einer erheblichen, bereits chronifizierten, seit Jahren bestehenden rezidivierenden
depressiven Störung. Derzeit bestehe eine mittelschwere bis schwere depressive
Episode. Früher, in den 80er-Jahren sei sie in Behandlung seines Vorgängers
gestanden. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, schon damals an einer
depressiven Symptomatik gelitten zu haben (act. G 7.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat die Frist für eine Duplik unbenützt verstreichen
lassen (act. G 9).
B.e Am 13. März 2014 (act. G 10) reicht die Beschwerdeführerin einen weiteren Bericht
von Dr. K._ vom 7. März 2014 ein, worin dieser eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (act. G 10.1). Mit Eingabe vom 30. Juni 2014 (act. G 12) legt die
Beschwerdeführerin Berichte des behandelnden Dr. med. L._, Leitender Arzt in der
Klinik für Rheumatologie, Departement Innere Medizin des KSSG, vom 24. April 2014,
4. Juli und 3. Oktober 2013 ins Recht. Dr. L._ hält darin die Beschwerdeführerin seit
Behandlungsbeginn vom 15. März 2013 für 100% arbeitsunfähig (act. G 12.1).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
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1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Erwerbsunfähigkeit ist demgegenüber der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Die Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG
wird durch einen Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Berichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
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medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
1.4 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a in fine).
2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob der medizinische Sachverhalt rechts
genüglich abgeklärt ist. In den Akten liegen verschiedene, sich teils widersprechende
medizinische Beurteilungen, die es nachfolgend zu würdigen gilt.
2.1 Dres. D._ und E._ diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) DD:
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), einen Verdacht auf
Fibromyalgie bei generalisiertem Schmerzsyndrom (ICD-10: M79.0), ein chronisches
Panvertebralsyndrom mit spondylogenen Ausstrahlungen in die Extremitäten,
radiologisch und klinisch unauffällige, altersentsprechende Fingergelenke, leichte
Spreizfüsse und einen angedeuteten leichten Hallux valgus nicht rigid beidseits
(Gutachten vom 14. Mai 2011). Somatischerseits wurde für leidensangepasste
Tätigkeiten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe eine anhaltende 40%ige Arbeitseinschränkung nicht kumulativ zur
somatischen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Eine den Schmerzen und deren
Folgen angepasste Tätigkeit sei nur noch in einem geschützten Rahmen möglich (IV-
act. 58-17).
2.1.1 Dr. D._ begründet die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit für die
angestammte Tätigkeit mit einer Dekonditionierung, der objektivierten, allerdings leicht
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bis mittelgradigen degenerativen Veränderungen der HWS, BWS und LWS, negativ
beeinflusst durch die doch beträchtliche Adipositas. Welche dieser Gesichtspunkte
auch die Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten beeinträchtigen, legt
Dr. D._ indessen im Gutachten nicht dar (IV-act. 58-16). Erst auf Nachfrage der
Beschwerdegegnerin ergänzte er in der Stellungnahme vom 3. Juli 2011, die
bescheinigte quantitative Einschränkung sei aus Gründen der rascheren Ermüdung, der
Anfälligkeit für Verspannungen und entsprechenden Schmerzen erfolgt. Die vermehrt
einzustreuenden Kurzpausen seien schon bedingt durch das selbstlimitierende,
vermeidende Verhalten der Beschwerdeführerin (IV-act. 66). Zweifel weckt an der
Beurteilung von Dr. D._, dass sich in der Diagnoseliste keine Dekonditionierung
findet und die erwähnte Adipositas als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
aufgeführt wird (IV-act. 58-14). Er legt des weiteren nicht schlüssig dar, auf welcher
somatischen Grundlage die raschere Ermüdung und die Anfälligkeit für Verspannungen
beruhen, und inwiefern diese selbst bei einer leidensangepassten Tätigkeit zu einer
50%igen Einschränkung zu führen vermögen. Die degenerativen Veränderungen an der
Wirbelsäule sind gemäss Dr. D._ nicht ausgeprägt (IV-act. 58-12; darauf hat bereits
Dr. C._ hingewiesen, IV-act. 51-13). Hinzu kommt, dass er das selbstlimitierende
Verhalten - entgegen der Ausführungen der Beschwerdeführerin (act. G 7, Rz 2.a) - bei
der Begründung der Arbeitsunfähigkeit miteinbezogen (IV-act. 66-2) und damit keine
strikt objektive Beurteilung der Restleistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
vorgenommen hat. Diese wäre vorliegend umso erforderlicher gewesen, als sich im
Rahmen des von Dr. D._ erhobenen rheumatologischen Status Inkonsistenzen
ergeben haben (IV-act. 58-8: grösstenteils normale Befunde; "palpatorisch sich
unbeobachtend fühlend indolent, sind auf Befragen sämtliche Sehnenansatzstellen am
ganzen Körper druckdolent, stereotyp «viel viel Schmerz»"; betreffend HWS "erst auf
Befragen dann schmerzhaft"; Inkonsistenz bei Langsitz, IV-act. 58-9), die indessen von
ihm keiner (erkennbaren) Würdigung unterzogen wurden.
2.1.2 Fragen an der psychiatrischen Beurteilung wirft der Umstand auf, dass
weder im Gutachten noch in der ergänzenden Antwort vom 29. Juni 2011 (IV-act. 65)
schlüssig begründet wurde, weshalb der Beschwerdeführerin - sowohl bezüglich der
angestammten Reinigungstätigkeit als auch für leidensangepasste Tätigkeiten - bloss
noch Tätigkeiten in einem geschützten Rahmen zugemutet werden können (siehe
hierzu IV-act. 59-10). Die diesbezügliche Argumentation von Dr. E._, die
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Beschwerdeführerin brauche jeweils nach 30 Minuten körperlicher Tätigkeit längere
Pausen, um sich von den Schmerzen und der "totalen Erschöpfung" zu erholen (IV-
act. 65), vermag nämlich gerade bei im allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung
stehenden leichten körperlichen Tätigkeiten ohne nähere Begründung nicht
einzuleuchten. Zumindest erklärte Dr. E._ nicht nachvollziehbar, weshalb seine
Einschätzung unabhängig von der körperlichen Schwere der Tätigkeit gilt. Der von ihm
beschriebene Pausenbedarf scheint sich ferner hauptsächlich an den Angaben der
Beschwerdeführerin zu orientieren ("Sie zwinge sich, im Haushalt Arbeiten zu
verrichten, müsse aber jeweils nach 30 Minuten genervt aufgeben und vor den
Schmerzen kapitulieren", IV-act. 59-6; siehe auch IV-act. 59-9: "Diese
Willensanstrengung bricht jedoch jeweils nach ca. 30 Minuten zusammen und dann
geht nichts mehr"). Eine objektive Einordnung dieser Angaben der Beschwerdeführerin
bzw. ihrer Ressourcen fehlt. RAD-Ärztin Dr. F._ hat zudem plausibel und in
Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der Stellungnahme
vom 31. August 2011 dargelegt, dass die Bejahung einer psychischen Komorbidität
durch Dr. E._ "in Form von Ängsten und reaktiven depressiven Verstimmungen" (IV-
act. 59-9) unzutreffend ist (IV-act. 67).
2.1.3 Vor diesem Hintergrund gelangte RAD-Ärztin Dr. F._, auf deren weitere
Begründung verwiesen werden kann, in der Stellungnahme vom 31. August 2011 zu
Recht zur Auffassung, der Sachverhalt erweise sich als abklärungsbedürftig und es sei
eine MEDAS-Begutachtung erforderlich (IV-act. 67).
2.2 Gegen das ABI-Gutachten vom 3. Januar 2012, auf das sich die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung stützt, bringt die
Beschwerdeführerin verschiedene Einwände vor.
2.2.1 Zunächst führt sie gegen das ABI-Gutachten die davon abweichenden
medizinischen Beurteilungen der Dres. D._, E._, C._ und B._ ins Feld (act. G 1,
Rz 3.a und Rz 5.a, act. G 7 Rz 2.c). Was die Einschätzung der Dres. D._ und E._
anbelangt, so fehlt dieser die Beweiskraft (siehe vorstehende E. 2.1). Allein schon aus
diesem Grund vermag deren Beurteilung das ABI-Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen.
Dies gilt vorliegend umso mehr, als sich die ABI-Experten mit der abweichenden
Würdigung der Dres. D._ und E._ ausführlich auseinandergesetzt haben (IV-
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act. 76-16 f. und 76-22 f.). Dr. B._ bescheinigte der Beschwerdeführerin am 25. April
2012 eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit für eine leidensangepasste Tätigkeit.
Allerdings berücksichtigte er dabei auch bzw. "insbesondere" fachfremde
psychiatrische Gründe (IV-act. 91-9). Des Weiteren nahm er hinsichtlich der
Beeinträchtigungen der diagnostizierten Fibromyalgie keine Prüfung der Försterkriterien
vor. Die Würdigung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. C._ steht der
versicherungsmedizinischen ABI-Beurteilung nicht entgegen. Einerseits bescheinigte er
für leidensangepasste Tätigkeiten eine "zumindest" 50%ige Arbeitsfähigkeit.
Andererseits nahm er keine Überwindbarkeitsprüfung vor, sondern beschränkte sich
auf den Hinweis, dass "die Fibromyalgie von der IV nicht als rentenwirksam" beurteilt
werde. Im Übrigen bezeichnete er die degenerativen Veränderungen der HWS und der
LWS als nicht sehr ausgeprägt (IV-act. 51-13), was mit der somatischen Würdigung im
ABI-Gutachten einhergeht ("moderate degenerative Veränderungen", IV-act. 76-21).
2.2.2 Die Beweiskraft des ABI-Gutachtens sieht die Beschwerdeführerin ferner
durch das psychiatrische Konsilium von Dr. I._ erschüttert (act. G 1, Rz 3.c und 4.a,
act. G 7, Rz 3.a f.). Dr. I._ diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2) und hielt
die Beschwerdeführerin für voll arbeitsunfähig (psychiatrisches Konsilium vom 20. Juni
2012, IV-act. 93). Entscheidend ist hinsichtlich der Würdigung des ABI-Gutachtens,
dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem Tod ihrer
Schwester im April 2012 überwiegend wahrscheinlich erheblich verschlechtert hat (IV-
act. 93-2; siehe auch den Bericht von Dr. K._ vom 7. März 2014, act. G 10.1: Die
jetzige depressive Verstimmung habe sich im Jahre 2012 nach dem Tod ihrer ältesten
Schwester entwickelt und sie habe sich wieder in psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung begeben) und sich Dr. I._ somit ein anderer Gesundheitszustand als
dem psychiatrischen ABI-Gutachter präsentierte. Bezüglich der von Dr. I._
aufgeführten retrospektiven Wertungen fällt zunächst auf, dass sich diese allein auf die
Angaben der Beschwerdeführerin stützen und sich grösstenteils nicht mit der
Voraktenlage vereinbaren lassen. So lässt sich die Angabe "anamnestisch seit
mindestens 2 Jahren ist die Stimmung andauernd gedrückt" (IV-act. 93-4) mit dem vom
psychiatrischen ABI-Gutachter erhobenen Befund ("Stimmung war ausgeglichen",
siehe hierzu sowie dem im Wesentlichen unauffälligen psychiatrischen Befund IV-
act. 76-15) nicht vereinbaren. Die von Dr. I._ übernommene Angabe, die
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Beschwerdeführerin habe bis über 50 Stunden pro Woche als Reinigungskraft
gearbeitet (IV-act. 93-4), bzw. ein überdurchschnittliches Erwerbspensum geleistet,
findet in der Voraktenlage keine Stütze (siehe IK-Auszug in IV-act. 7; sowie zur
wiederholten Angabe "insgesamt zumindest 50%" IV-act. 48-1 und 59-5). Schliesslich
fällt zugunsten der Beweiskraft des psychiatrischen Teils des ABI-Gutachtens ins
Gewicht, dass die gesamte vor April 2012 ergangene medizinische Voraktenlage
einhellig den Schluss enthält, nicht ein depressives, sondern ein somatoformes
Geschehen oder eine Anpassungsstörung stehe im Vordergrund des Leidensbilds der
Beschwerdeführerin (siehe etwa IV-act. 51, 58-14 und 76).
2.2.3 Im Weiteren soll gemäss Ausführungen der Beschwerdeführerin auffallend
sein, dass bei ihr just am Tag der Untersuchung durch die ABI-Gutachter am
21. November 2011 eine zwischenzeitlich eingetretene Besserung des
Gesundheitszustands festgestellt worden sei (act. G 1, Rz 3.a). Der psychiatrische ABI-
Gutachter führte aus, die Beschwerdeführerin habe angegeben, mittlerweile akzeptiert
zu haben, mit ihren Schmerzen und der dadurch bedingten Kraftlosigkeit und
Leistungsunfähigkeit zu leben. Er hielt fest, so sei es durch den natürlichen Verlauf und
durch Adaptationsvorgänge zu einer "gewissen" Besserung gekommen. Aufgrund der
von Dr. E._ gestellten Diagnose könne aber eine Arbeitsunfähigkeit nicht bestätigt
werden (IV-act. 76-16 f.). Im Rahmen der Gesamtbeurteilung wies er darauf hin, aus
psychiatrischer Sicht seien retrospektive Beurteilungen immer mit einer gewissen
Unsicherheit behaftet, da der Verlauf naturgemäss schwankend sein könne. Aufgrund
der Angaben der Beschwerdeführerin müsse aus heutiger Sicht allerdings postuliert
werden, dass bereits seit längerem ein vergleichbares psychisches Zustandsbild
vorgelegen habe, wie es sich heute präsentiere, sodass die festgelegte Arbeitsfähigkeit
auch in der Vergangenheit Gültigkeit haben dürfte (IV-act. 76-25). An diesen
abwägenden Ausführungen ist kein Mangel erkennbar, der den Beweiswert des ABI-
Gutachtens zu erschüttern vermöchte.
2.2.4 Zudem rügt die Beschwerdeführerin, die ABI-Beurteilung basiere auf einem
unvollständigen medizinischen Sachverhalt, seien doch die ABI-Gutachter davon
ausgegangen, dass sie in der Vergangenheit noch nie in psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung gewesen sei, was aber aktenmässig klar widerlegt
sei (act. G 1, Rz 3.a, und act. G 7, Rz 3.a und Rz 3b [betreffend die in den 80er Jahren
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stattgefundenen psychosomatischen Behandlungen]). Die Beschwerdegegnerin weist
in diesem Zusammenhang vorab zutreffend darauf hin, dass die Beschwerdeführerin
anlässlich der psychiatrischen Exploration in der ABI ausgeführt habe, sie sei nie in
psychiatrischer Behandlung gewesen (act. G 4, Rz 2.3; IV-act. 76-14). Des Weiteren
wurde im ABI-Gutachten die von Dr. E._ erwähnte, erfolglos beendete "frühere kurze
psychiatrische Intervention" sowie dessen Einschätzung, dass eine
psychotherapeutische Behandlung wenig sinnvoll und Erfolg versprechend sei,
aufgeführt (IV-act. 76-9; gegenüber Dr. E._ gab die Beschwerdeführerin an, "früher
sei sie einmal bei einem Psychiater gewesen, der ihr nicht helfen konnte, weil die
Ursache ihrer Beschwerden nicht psychiatrischer Natur sei", IV-act. 59-7). Dr. B._
erzählte die Beschwerdeführerin im Übrigen erst im April 2012 von einem früheren
"sporadischen Kontakt" zu Dr. H._ (auf Dr. B._ wirkte das Aussageverhalten der
Beschwerdeführerin "befremdlich"; zum Ganzen siehe IV-act. 91-10). Deshalb und da
es sich um abgeschlossene, sporadische psychiatrische Behandlungen bei Dr. H._
(vom 23. März 1998 bis 24. Februar 1999 fanden acht Konsultationen statt; vom
21. Mai bis 20. Juni 2007 wurde Dr. H._ dreimal aufgesucht, IV-act. 91-11) handelt,
vermag die fehlende einlässliche Kenntnis der (sporadischen) Behandlungen bei
Dr. H._ keinen Mangel am ABI-Gutachten zu begründen. Gleiches gilt betreffend die
von Dr. K._ im Bericht vom 30. Januar 2013 erwähnte Behandlung in den 80-er
Jahren (act. G 7.1, S. 2). Hinzu kommt, dass der psychiatrische ABI-Gutachter gestützt
auf die eigene Untersuchung nachvollziehbar begründete, weshalb er eine depressive
Störung ausschloss (IV-act. 76-15). Seine Schlussfolgerung, aus heutiger Sicht
ergäben sich keine Hinweise darauf, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
in der Vergangenheit jemals während längerer Zeit aufgrund eines psychiatrischen
Leidens namhaft eingeschränkt gewesen wäre (IV-act. 76-16), lässt sich mit den
sporadischen Behandlungen bei Dr. H._ und der restlichen Voraktenlage vereinbaren.
Im Licht dieser Verhältnisse ist die von der Beschwerdeführerin vorgebrachte Rüge
unbegründet, auch wenn es wünschenswert gewesen wäre, dass der psychiatrische
ABI-Gutachter in Kenntnis der von Dr. E._ geschilderten psychiatrischen Behandlung
die Beschwerdeführerin mit ihrem Aussageverhalten konfrontiert hätte, anstatt eine
frühere Inanspruchnahme (wohl einer massgeblichen) psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung bei der Stellungnahme zur Selbsteinschätzung zu
verneinen (IV-act. 76-16).
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2.2.5 Sodann sind die ABI-Gutachter gemäss Darstellung der Beschwerdeführerin
von weiteren unzutreffenden bzw. irrigen Annahmen ausgegangen. Sie sei
offensichtlich in verschiedener Hinsicht "falsch" verstanden worden (act. G 1, Rz 3.a).
Betreffend die Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin haben die ABI-Gutachter
ausgeführt, für die Untersucher entstehe nicht der Eindruck, als ob sie sich selbst noch
in verwertbarem Ausmass für arbeitsfähig halte (IV-act. 76-25). Es bleibt damit unklar,
wie die Beschwerdeführerin zur Auffassung gelangt, "anders als im Gutachten
angenommen" sehe sie sich nicht mehr als arbeitsfähig (act. G 1, Rz 3a). Entscheidend
ist weiter, dass die Explorationen jeweils in italienischer Sprache durchgeführt und sich
für eine ungenügende Kommunikation keine konkreten Hinweise finden lassen.
Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin findet sich an der von ihr
referenzierten Gutachtenstelle (S. 10, IV-act. 76-11) keine Erwähnung, dass das
Spazierengehen "mit einer Kollegin" durchgeführt wird (IV-act. 91-6; bereits gegenüber
Dr. D._ gab sie an, kleinere Spaziergänge [täglich eine Stunde] und Kleineinkäufe
vorzunehmen, IV-act. 58-7). Lediglich bei der Stellungnahme zur Selbsteinschätzung
wird u.a. die von der Beschwerdeführerin bestrittene Angabe aufgeführt, sie würde
auch mit Kolleginnen Kaffee trinken (IV-act. 76-16). Ob dies nun zutrifft oder nicht, lässt
sich rückwirkend wohl nicht mehr abklären, kann indessen offen bleiben. Denn dieser
Gesichtspunkt vermag ohnehin keinen relevanten Kommunikationsmangel darzutun,
zumal Umstände auf ein fragliches Aussageverhalten seitens der Beschwerdeführerin
ausgewiesen sind (vgl. vorstehende E. 2.2.4). Auch ein Mangel im Rahmen der
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ist nicht ersichtlich, stützte sich der psychiatrische
Gutachter hinsichtlich der sozialen Situation hauptsächlich auf die unbestritten
gebliebene "sehr gute Beziehungssituation" innerhalb der Familie (mit dem weiteren
Hinweis, dass in der Herkunftsfamilie ebenfalls gute Beziehungen bestünden, IV-
act. 76-16; zur guten Beziehung zu den Töchtern siehe ferner das psychiatrische
Konsilium von Dr. I._, IV-act. 93-3). Vergleichbares gilt hinsichtlich des fraglichen
Aufenthalts in M._, der über die Sozial- und Arbeitsanamnese hinaus keinen
Niederschlag in der gutachterlichen Beurteilung gefunden hat und offenbar zumindest
ernsthaft beabsichtigt gewesen ist (IV-act. 91-6). Schliesslich ist im Gutachten der
Dres. D._ und E._ festgehalten, dass die Beschwerdeführerin im August 2010 in
N._ weilte (IV-act. 58-7).
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2.2.6 Gegen die Beurteilung des somatischen ABI-Gutachters wendet die
Beschwerdeführerin ein, dieser sei nicht Facharzt für Rheumatologie (act. G 7, Rz 2.b).
Somatischerseits wurde die Beschwerdeführerin nicht rheumatologisch, sondern von
Dr. med. O._, FMH Orthopädische Chirurgie, untersucht und beurteilt. Angesichts
dessen, dass zwischen der Beurteilung von Dr. O._ und der rheumatologischen
Voraktenlage keine wesentlichen Differenzen hinsichtlich der objektivierbaren Befunde
bestehen (mässige degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule; IV-act. 76-23,
58-12 und 51-13) und weder ersichtlich noch dargetan ist, dass das somatisch
objektivierbare Leidensbild zwingend einer rheumatologischen Begutachtung bedurft
hätte, ist ein Mangel zu verneinen. Zu ergänzen bleibt, dass die Beurteilung
somatoformer Zustände wie die übrigen psychischen Leiden in den Fachbereich der
Psychiatrie fallen (BGE 130 V 353 f. E. 2.2.3).
2.2.7 Schliesslich ergeben sich auch aus den Berichten der Dres. K._ (act. G 7.1
und 10.1) und L._ (act. G 12.1) keine Mängel am ABI-Gutachten. Den Berichten von
Dr. K._ liegt eine seit dem April 2012 und damit nach dem ABI-Gutachten
eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustands zugrunde (act. G 10.1). Es
ergeben sich daraus ferner keine relevanten Gesichtspunkte, die bereits im Zeitpunkt
der ABI-Begutachtung vom 21. November 2011 bestanden hätten und im ABI-
Gutachten ausser Acht gelassen worden wären. Die bescheinigte 100%ige
Arbeitsunfähigkeit wird denn auch auf den Beginn der Behandlung im Januar 2013
datiert (act. G 10.1). Das Gesagte gilt gleichermassen für die rudimentär begründeten
Berichte von Dr. L._ (act. G 12.1).
2.2.8 Zusammenfassend ist gestützt auf das die Anforderungen an beweiskräftige
Gutachten erfüllende ABI-Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb) bis Ende März 2012
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin für leidensangepasste Tätigkeiten
über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfügte. Eine konkrete Berechnung der
Vergleichseinkommen kann vorerst offen gelassen werden. Denn ausgehend von einer
100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten würde kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren, selbst wenn zugunsten der
Beschwerdeführerin ein von ihr beantragter Prozentvergleich (act. G 1, Rz 7)
vorgenommen und ein 25%iger Tabellenlohnabzug gewährt würde.
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2.2.9 Was die Zeit ab April 2012 anbelangt, so ergeben sich aus den
Ausführungen der Dres. I._ und K._ mehrere Hinweise auf einen verschlechterten
Gesundheitszustand (vgl. vorstehende E. 2.2.2 und 2.2.7). Daran ändert nichts, dass
Dr. H._ im Bericht vom 5. September 2012 auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der
ABI-Gutachter verwies, begründete er dies doch einzig mit der durch ihn offenbar nicht
beurteilbaren Diskrepanz zwischen subjektiven Angaben und objektiven Befunden (IV-
act. 96-4). Des Weiteren wies er darauf hin, dass sich die "jetzige Phase" hartnäckig
zeige (IV-act. 96-2). Dies spricht für einen veränderten Gesundheitszustand. Auch der
psychiatrische ABI-Gutachter wies darauf hin, dass eine fachärztliche psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung erfolgen solle, wenn es im weiteren Verlauf zu einer
Verschlechterung und einer manifesten depressiven Störung komme (IV-act. 76-17). Da
sich weder Dr. K._ noch Dr. I._ bei ihrer Beurteilung der Restleistungsfähigkeit auf
eine kritische Einordnung der Angaben der Beschwerdeführerin stützen, was
angesichts der aktenkundigen Inkonsistenzen für eine aussagekräftige
Arbeitsfähigkeitsschätzung erforderlich ist, erweist sich der Sachverhalt seit April 2012
als noch nicht spruchreif. Die Sache ist daher zur psychiatrischen
Verlaufsbegutachtung des Gesundheitszustands seit April 2012 an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Mit Blick darauf, dass in den Berichten von
Dr. L._ neu von einer Cervico-Cephalo-Brachialgie beidseits die Rede ist (act.
G 12.1), die ABI-Begutachtung inzwischen schon mehr als vier Jahre zurückliegt und
ein degeneratives Wirbelsäulenleiden besteht, erscheint auch eine somatische
Verlaufsbeurteilung angezeigt. Hernach wird die Beschwerdegegnerin über das die Zeit
ab April 2012 betreffende Rentengesuch erneut zu befinden haben.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die
angefochtene Verfügung insoweit aufzuheben, als darin das Rentengesuch für die Zeit
ab April 2012 abgewiesen wurde. Die Sache ist im Sinn der Erwägungen zur
Verlaufsbegutachtung des Gesundheitszustands ab April 2012 und zu neuer Verfügung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Soweit die Beschwerdeführerin für die
Zeit vor April 2012 um Rentenleistungen ersucht, ist die Beschwerde abzuweisen.
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3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Da die
Beschwerdeführerin Rentenleistungen mit Wirkung ab spätestens 1. Mai 2011
beantragt hat und die Rückweisung lediglich die Zeit ab April 2012 betrifft, ist von
einem Obsiegen von drei Vierteln auszugehen. Dem Obsiegen entsprechend haben die
Beschwerdeführerin Fr. 150.-- und die Beschwerdegegnerin Fr. 450.-- zu bezahlen. Der
geleistete Kostenvorschuss ist der Beschwerdeführerin im Betrag von Fr. 150.--
anzurechnen und im Restbetrag von Fr. 450.-- zurückzuerstatten.
3.3 Da die Beschwerdeführerin teilweise obsiegt, hat sie einen reduzierten Anspruch
auf eine Parteientschädigung. Dieser ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen,
wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu
tragen ist (Art. 61 lit. a ATSG). Bei vollständigem Obsiegen wäre eine
Parteientschädigung von Fr. 3‘500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen. Wegen des nur teilweisen Obsiegens erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 2'625.-- als gerechtfertigt. Die Beschwerdegegnerin hat der
Beschwerdeführerin somit eine Parteientschädigung von Fr. 2'625.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP