Decision ID: f87b842b-6739-4c9e-8428-b423f8de4235
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 24. März 2014 anerkannte das SEM die Beschwerde-
führerin als Flüchtling und gewährte ihr Asyl.
B.
Am (...) beziehungsweise (...) brachte die Beschwerdeführerin ihre beiden
(...) B._ und C._, zur Welt, die mit Verfügungen des SEM
vom (...) beziehungswiese (...) in die Flüchtlingseigenschaft ihrer Eltern
einbezogen wurden und ebenfalls Asyl erhielten.
C.
Mit Schreiben vom 9. Oktober 2019 an die Beschwerdeführerin fasste das
SEM zusammen, dass die Kantonspolizei D._ ihm eine Kopie eines
Flugtickets vom (...) August 2019 (ausgestellt in Asmara am (...) August
2019) von Asmara via Kairo nach Mailand, lautend auf die Beschwerdefüh-
rerin, zugestellt habe. Es sei deshalb davon auszugehen, dass sie sich un-
erlaubterweise in ihrem Heimatstaat aufgehalten habe, weshalb sie am
18. September 2019 dazu aufgefordert worden sei, ihren Reisepass für
Flüchtlinge einzureichen. Dieser Aufforderung sei sie jedoch nicht nachge-
kommen, da der Reisepass angeblich nicht mehr auffindbar sei. Aufgrund
der Reise in den Heimatstaat erachte das SEM die Voraussetzungen für
eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und einen Widerruf des
Asyls als gegeben. Es werde deshalb beabsichtigt, ihr die Flüchtlingsei-
genschaft abzuerkennen und ihr Asyl zu widerrufen.
Die Vorinstanz gewährte der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör und
setzte ihr eine Frist zur schriftlichen Stellungnahme, in welcher sie diverse
Fragen zu ihrer Reise nach Eritrea beantworten sollte.
D.
Die Beschwerdeführerin, welche am 17. Oktober 2019 den rubrizierten
Rechtsvertreter mandatierte, bestritt in ihrer Stellungnahme vom 30. Okto-
ber 2019 nicht, nach Eritrea zurückgekehrt zu sein. Sie habe aber nach-
vollziehbare Gründe, die dem Widerruf des Asyls sowie einer Aberkennung
der Flüchtlingseigenschaft entgegenstünden. Sie habe im Sommer mit ih-
ren beiden Kindern nach Äthiopien reisen wollen, um ihre Eltern zu treffen.
Dieses Vorhaben sei von ihrer Sozialarbeiterin unterstützt worden, wes-
halb sie am (...) Juli 2019 nach Addis Abeba geflogen seien. Ihre Eltern
seien aber nicht am vereinbarten Treffpunkt erschienen, was sie sehr be-
unruhigt habe. Als sie eine Nachbarin der Eltern telefonisch erreicht habe,
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habe sie im Hintergrund Schreie gehört. Wie sich später herausgestellt
habe, sei ihre Schwägerin am (...) Juli 2019 während der Geburt ihres Kin-
des verstorben. Sie habe sich deshalb spontan dazu entschieden, ihrem
Bruder in dieser schweren Zeit beizustehen und nach Eritrea zu reisen.
Aufgrund der fehlenden Einreisebewilligung seien sie am Flughafen in As-
mara festgenommen und anschliessend mehrere Tage an einem ihnen un-
bekannten Ort in der Umgebung von Asmara festgehalten worden. Ihr Va-
ter habe von ihrer Verhaftung erfahren, einen ihm bekannten hochrangigen
Militärangehörigen kontaktiert und so ihre Freilassung erwirken können.
Mittels Bestechung habe ihr Vater auch ihre Wiederausreise organisieren
können und erreicht, dass man keinen Stempel in ihrem Pass angebracht
habe.
Diese gesamten Umstände zeigten auf, dass ihre Rückreise nach Eritrea
aufgrund eines seelischen und moralischen Zwanges erfolgt sei. Sie habe
ausserdem nicht beabsichtigt, sich dem Schutz des Heimatstaates zu un-
terstellen und es habe auch keine Schutzgewährung durch die eritreischen
Behörden stattgefunden. Vielmehr hätten diese sie bei ihrer Einreise in As-
mara festgenommen und anschliessend mehrere Tage festgehalten. Sie
bedürfe daher nach wie vor des internationalen Schutzes der Schweiz.
Als Beweis legte die Beschwerdeführerin eine Fotografie eines Schreibens
der Kirche von E._ betreffend den Tod ihrer Schwägerin (mit Über-
setzung) zu den Akten.
E.
Mit Verfügung vom 4. November 2019 forderte das SEM die Beschwerde-
führerin dazu auf, diverse Dokumente betreffend die Reise nach Eritrea
einzureichen und einige Fragen zu beantworten. Dem kam die Beschwer-
deführerin mit Eingabe vom 3. Dezember 2019 nach.
Die Beschwerdeführerin äusserte sich zu den Daten der Einreisestempel
in ihren Reisedokumenten und erklärte, sie sei am (...) Juli 2019 mit ihren
Kindern in Äthiopien angekommen. In Addis Abeba habe sie ihre Schwie-
germutter getroffen, die aus Eritrea angereist sei, um ihre Enkelkinder zu
sehen. Die Flugtickets von Addis Abeba nach Asmara habe sie mit Hilfe
eines eritreischen Bekannten organisieren können, der in Addis Abeba
lebe. Sie seien am (...) Juli 2019 nach Asmara geflogen. Da sie bei der
Ankunft am Flughafen direkt inhaftiert worden seien, hätten sie keinen Ein-
reisestempel von Asmara erhalten. Sie sei nicht mehr im Besitz des Flug-
tickets und könne auch keine Kaufbestätigung vorweisen. Gereist seien sie
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mit ihren Flüchtlingspässen. Nach der Freilassung – die ein Bekannter ih-
res Vaters, der ein hochrangiger Militärbeamter sei, veranlasst habe – sei
sie in Kontakt mit ihrer Familie getreten und habe sich bei ihrer Tante ver-
steckt. Ein Bekannter habe für sie und die Kinder die Flugtickets organi-
siert, so dass sie am (...) August 2019 die Rückreise hätten antreten kön-
nen. Mittels Bestechung habe der Bekannte ihres Vaters ihnen die Aus-
reise aus Eritrea ermöglicht, die ebenfalls nicht im Pass festgehalten wor-
den sei.
Die Beschwerdeführerin reichte die Flüchtlingspässe ihrer Kinder, die Bu-
chungsbestätigung vom 7. März 2019 betreffend die Reise nach Äthiopien,
zwei Fotografien mit der Schwiegermutter bei der Ankunft in Äthiopien, ei-
nen äthiopischen Mietvertrag betreffend eine Wohnung in Addis Abeba
vom (...) Juli bis (...) August 2019 (ohne Übersetzung), das erwähnte
Schreiben der Kirche von E._ (nun im Original), eine Fotografie ih-
rer Nichte sowie zwei Fotografien des Bruders mit der Schwägerin der Be-
schwerdeführerin zu den Akten.
F.
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2019 – tags darauf eröffnet – aberkannte
das SEM der Beschwerdeführerin und deren Kindern die Flüchtlingseigen-
schaft und widerrief das ihnen gewährte Asyl.
G.
Die Beschwerdeführerin erhob mit Eingabe vom 13. Januar 2020 beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid. Darin be-
antragt sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, ihre Flüchtlings-
eigenschaft sei zu bestätigen und ihnen sei weiterhin Asyl zu gewähren.
Eventualiter seien ihre beiden minderjährigen Kinder in die Flüchtlingsei-
genschaft ihres Vaters miteinzubeziehen und es sei ihnen weiterhin Asyl
zu gewähren.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses sowie um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als
amtlichen Rechtsbeistand. Ausserdem sei ihnen Einsicht in die Verfahren-
sakten betreffend die Flugbuchungen bei der F._ zu gewähren.
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 20. Januar 2020 hiess die Instruktionsrich-
terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut,
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verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete den
Beschwerdeführenden den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen
Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlas-
sung ein.
I.
Die Vorinstanz hielt mit Eingabe vom 24. Januar 2020 fest, die Beschwer-
deschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel,
welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Im Übri-
gen werde auf ihre Erwägungen verwiesen.
J.
Dieses Schreiben wurde der Beschwerdeführerin am 28. Januar 2020 zur
Kenntnis weitergeleitet.
K.
Am (...) brachte die Beschwerdeführerin (...) G._ zur Welt, der mit
Verfügung des SEM vom (...) in die Flüchtlingseigenschaft des Vaters,
H._, einbezogen wurde und Asyl erhielt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
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und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.4 (...) der Beschwerdeführerin, G._, wurde in die Flüchtlingsei-
genschaft des Vaters einbezogen und ist erst nach der Heimreise seiner
Mutter geboren worden, weshalb die angefochtene Verfügung ihn nicht be-
trifft.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Mit Beschwerde an
das Bundesverwaltungsgericht können entsprechend die Verletzung von
Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermes-
sens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts gerügt werden.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin rügt in der Beschwerde sinngemäss eine Ver-
letzung ihres Rechts auf Akteneinsicht.
3.2 Ein Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ist der verfahrensrechtliche An-
spruch auf Akteneinsicht (Art. 26 VwVG). So können sich die Betroffenen
in einem Verfahren nämlich nur dann wirksam zur Sache äussern und ge-
eignet Beweis führen beziehungsweise Beweismittel bezeichnen, wenn
ihnen die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf wel-
che die Behörde ihren Entscheid stützt. Das Recht auf Akteneinsicht kann
eingeschränkt werden, wenn ein öffentliches oder privates Interesse über-
wiegt (Art. 27 VwVG). Wird einer Partei die Einsichtnahme in ein Akten-
stück verweigert, muss ihr die Behörde zumindest von seinem wesentli-
chen Inhalt Kenntnis sowie die Gelegenheit geben, sich dazu zu äussern
und Gegenbeweismittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). Wird das Aktenein-
sichtsrecht eingeschränkt, ist der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu
beachten. Je stärker das Verfahrensergebnis von der Stellungnahme der
Betroffenen zum konkreten Dokument abhängt und je stärker auf ein Do-
kument bei der Entscheidfindung (zum Nachteil der Betroffenen) abgestellt
wird, desto intensiver ist dem Akteneinsichtsrecht Rechnung zu tragen
(vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; 2013/23 E. 6.4.1 und 6.4.2, je m.w.H.).
Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs
im Sinne einer Heilung des Mangels ist selbst bei einer schwerwiegenden
Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die
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Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen
Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei
an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren ist
(vgl. z.B. BGE 132 V 387 E. 5.1; Urteile des BVGer D-3831/2020 vom
23. Oktober 2020 E. 4.4; E-2768/2018 vom 14. Juli 2020 E. 4.9.2)
3.3 Gemäss ständiger Rechtsprechung unterstehen grundsätzlich alle Do-
kumente, welche zu einem Verfahren gehören respektive zu diesem Zweck
erstellt oder beigezogen wurden, dem Akteneinsichtsrecht. Somit werden
auch Akten anderer Behörden nach Aufnahme in das Aktenverzeichnis
zum Gegenstand des Verfahrens und unterliegen damit grundsätzlich der
Einsicht (Urteile des BVGer A-5275/2015 und A-5278/2015 vom 4. Novem-
ber 2015 E. 8.8.2.1, m.w.H.). Vorliegend wurde die "Meldung Kantonspoli-
zei D._" (vgl. SEM-Akte 1053278-1/6, nachfolgend Akte C1) in das
Aktenverzeichnis aufgenommen und ist in diesem Zeitpunkt zu Akten des
SEM geworden. Soweit die Beschwerdeführerin um Einsicht in die Flugbu-
chung vom 5. August 2019 – als Teil der "Akte C1" (Seite 6) – ersucht, ist
festzuhalten, dass sie im Sinne von Art. 26 VwVG Anspruch auf Einsicht in
diese Akte gehabt hätte. Allerdings legte das SEM der Beschwerdeführerin
mit Schreiben vom 9. Oktober 2019 den wesentlichen Inhalt des fraglichen
Aktenstücks dar und diesem kommt ohnehin keine Entscheidrelevanz zu,
bestreitet die Beschwerdeführerin doch nicht, am 5. August 2019 in Eritrea
einen Flug zurück in die Schweiz gebucht zu haben. Folglich hatte die nicht
gewährte Akteneinsicht in das fragliche Dokument keinen Einfluss auf die
Möglichkeit der Beschwerdeführerin, sich gegen die angefochtene Verfü-
gung des SEM zu wehren. Eine Kassation der Sache ist nicht angezeigt
und wird auch nicht beantragt. Der Gehörsverletzung ist allerdings im Rah-
men der Kosten- und Entschädigungsfolge Rechnung zu tragen
(vgl. E. 10.4). Der Vollständigkeit halber wird diesem Urteil eine Kopie der
Seite 6 der Akte C1 beigelegt.
4.
4.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, dass die Ausführun-
gen der Beschwerdeführerin zur vorgebrachten Zwangslage den Anforde-
rungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen vermöchten. Die Reise
nach Äthiopien sei bereits im März 2019 geplant worden, woraus geschlos-
sen werden könne, dass offenbar bereits seit längerer Zeit der Wunsch
bestanden habe, über Äthiopien nach Eritrea zurückzukehren. Auch das
Zusammenfallen der Rückreise mit den Schulferien im Kanton D._
zeige auf, dass diese bereits seit Monaten minutiös geplant worden sei und
nicht ein spontaner Entscheid aufgrund eines angeblichen Todesfalles in
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der Verwandtschaft darstelle. Zudem seien die Erklärungen der Beschwer-
deführerin zur Organisation des angeblich spontan erfolgten Rückfluges
von Addis Abeba nach Asmara als Reaktion auf den angeblichen Tod ihrer
Schwägerin völlig substanzlos ausgefallen und beruhten auf blossen Par-
teibehauptungen. Auf die vom SEM dazu gestellten Fragen sei sie nicht
konkret und ausführlich eingegangen. Die eingeforderten Beweismittel
habe sie nicht eingereicht. Auch die Behauptung, wonach sie mit ihren
Flüchtlingspässen nach Eritrea ein- und ausgereist seien, erachte das SEM
als unbewiesene und unglaubhafte Parteibehauptung, zumal sich keine
entsprechenden Stempel in diesen Pässen fänden. Ausserdem stehe darin
ausdrücklich, dass diese nicht für die Einreise in den Staat gültig seien, aus
dem die Inhaber geflohen seien. Falls sie tatsächlich versucht hätten, mit
diesen Pässen in Eritrea einzureisen, wären ihnen diese mit überwiegen-
der Wahrscheinlichkeit abgenommen worden. Die Beschwerdeführenden
setzten sich aufgrund dieser Ungereimtheiten vielmehr dem begründeten
Verdacht aus, mit ihren eigenen eritreischen Pässen von Äthiopien nach
Eritrea zurückgereist zu sein und diese den Schweizer Asylbehörden in
Verletzung der Mitwirkungspflicht vorenthalten zu haben. Des Weiteren er-
achte das SEM auch die Festnahme bei der Ankunft in Eritrea sowie die
Befreiung durch ihren Vater als unglaubhaft, zumal diese Aussagen wenig
detailliert ausgefallen seien. Befremdend wirke zudem, dass ihr Vater ihre
Freilassung erst nach zwei Wochen habe erwirken können, zumal sie be-
haupte, dieser verfüge über einen grossen Einfluss bei den eritreischen
Militärbehörden. Hätte sie die Aufmerksamkeit der eritreischen Behörden
tatsächlich auf sich gezogen, hätte sie wohl kaum den bewachten Grenz-
übergang am Flughafen in Asmara zur Ausreise gewählt. Auch die geplante
Ausreise unter Angabe ihrer eigenen Personalien lasse sich nicht mit ihrer
behaupteten Angst vor weiteren Übergriffen der eritreischen Behörden be-
ziehungsweise der zuvor erfolgten zweiwöchigen Haft in Asmara vereinba-
ren. An der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen vermöchten auch die einge-
reichten Beweismittel nichts zu ändern. Insbesondere das angebliche
Schreiben der Kirche und der äthiopische Mietvertrag seien als Gefällig-
keitsschreiben zu qualifizieren. Folglich liege kein Grund im Sinne von
Art. 63 Abs.1bis AsylG vor, um von einer Aberkennung der Flüchtlingseigen-
schaft abzusehen. Sie habe sich freiwillig wieder unter den Schutz ihres
Heimatstaates gestellt.
4.2 Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Rechtsschrift zum einen vor,
dass die Vorinstanz in ihrer Argumentation nicht berücksichtigt habe, dass
ihre beiden Kinder noch im Kleinkindalter seien und demnach in Bezug auf
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die gesamten Ereignisse und insbesondere auf den Entscheid der Rück-
reise nicht urteilsfähig seien. Zum anderen hält sie fest, dass die Argumen-
tation der Vorinstanz grösstenteils auf Spekulationen und Vermutungen ba-
siere. Sie habe lediglich die Reise nach Äthiopien geplant, um dort ihre
Eltern sowie ihre Schwiegermutter zu treffen. Des Weiteren zeuge die frühe
Buchung mit Rückflug vom (...) August 2019 gerade davon, dass sie eine
solche Heimreise nicht geplant habe. Wäre dem wirklich so gewesen, so
hätte sie den bereits gebuchten Flug verwendet, um so ihre «Spuren» mög-
lichst zu verwischen. Den Rückflug von Asmara habe sie erst am (...) Au-
gust 2019 mit der Hilfe ihres Bekannten gebucht. Diese Buchung zeuge
davon, dass sie zuvor knapp zwei Wochen inhaftiert und nur aufgrund ihrer
Notlage bereit gewesen sei, ein so grosses Risiko einzugehen. Des Weite-
ren gehe auch das «Schulferien-Argument» der Vorinstanz fehl: Dass sie
die Ferien so geplant habe, dass ihr (...) nicht im Kindergarten fehle, sei
offenkundig.
Ihre Ausführungen seien keineswegs substanzlos ausgefallen. Sie habe
vielmehr überzeugend dargelegt, dass sie in Addis Abeba von ihrer
Schwiegermutter in Empfang genommen worden seien. Nicht erschienen
seien jedoch ihre Eltern und erst nachdem sie endlich eine Nachbarin ihrer
Eltern habe erreichen können, habe sie vom Tod ihrer Schwägerin erfah-
ren. Sie habe eindrücklich geschildert, welche Angst und Verzweiflung die
Schreie im Hintergrund bei ihr ausgelöst hätten, da sie zunächst angenom-
men habe, das Nichterscheinen und diese Schreie stünden im Zusammen-
hang mit ihren verschollenen Geschwistern. Danach habe sie völlig kopflos
einen Flug nach Asmara gebucht, welchen sie dann auch angetreten habe.
Dass sie diese Flugbuchung und Flugtickets nicht mehr habe, könne ihr
nicht zum Vorwurf gemacht werden, zumal ihr nicht bewusst gewesen sei,
dass diese Tickets und Flugbuchungen von weiterer Relevanz sein könn-
ten. Auch die Festnahme und Inhaftierung habe sie lebensnah und plausi-
bel geschildert.
Weiter verkenne die Vorinstanz in ihrer Argumentation, dass nicht der Vater
der Beschwerdeführerin selber über einen grossen Einfluss bei den eritre-
ischen Militärbehörden verfüge, sondern einer seiner Bekannten, den er
zuerst habe kontaktieren müssen und dessen Hilfe er mit Bestechungsgeld
erwirkt habe. Dass die Freilassung damit rund zwei Wochen in Anspruch
genommen habe, sei demnach vielmehr Ausdruck des Wahrheitsgehalts
dieser Vorbringen. Des Weiteren zeuge das grosse Risiko, welches sie
durch ihre Einreise am Flughafen eingegangen sei, wiederum von der
Zwangslage. Hätte sie diese Reise wirklich von langer Hand geplant, wie
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es die Vorinstanz ihr unterstelle, so hätte sie sicherlich ein Schutzdispositiv
aufgezogen. Ausserdem sei die Ausreise über den Flughafen in Asmara
noch immer die sicherste aller möglichen Varianten gewesen, da der be-
sagte Militärbeamte ihr nur dort habe helfen können.
Schliesslich gelte es festzuhalten, dass die Vorinstanz die eingereichten
Beweismittel nicht gebührend berücksichtigt habe. Diese würden in ihrer
Summe sehr wohl die geltend gemachte Zwangslage beweisen. Hätte sie
tatsächlich eine «Ferienreise» nach Eritrea antreten wollen, so hätte sie
sicherlich keine Wohnung gemietet und die betagte Schwiegermutter hätte
sie bestimmt nicht bereits in Addis Abeba in Empfang genommen. Ausser-
dem weise das Schreiben der Kirche sehr wohl Sicherheitsmerkmale auf,
nämlich zwei Stempel und Unterschriften der St. Mary Church E._.
Die Voraussetzungen für die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft so-
wie für einen Asylwiderruf seien weder bei ihr noch – und insbesondere –
den beiden Kindern gegeben. Sie sei aufgrund ihrer moralischen und see-
lischen Verpflichtung, an der Beerdigung ihrer Schwägerin teilzunehmen,
nach Eritrea gereist. Dort sei sie Opfer staatlicher Verfolgung geworden,
weshalb auch die Voraussetzung der Inanspruchnahme staatlichen Schut-
zes nicht erfüllt sei.
5.
5.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft ab-
erkannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach Art. 1 Bst. C Ziff. 1–6
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorliegen.
5.1.1 Die in der FK normierten sogenannten «Beendigungsklauseln» defi-
nieren die Umstände, nach denen ein Flüchtling aufhört, ein Flüchtling zu
sein. Die Klauseln beruhen auf der Überlegung, dass internationaler
Schutz nicht mehr gewährt werden soll, wo er nicht mehr erforderlich oder
nicht mehr gerechtfertigt ist. Während die Ziffern 1 bis 4 von Art. 1 Bst. C
FK dabei an das Verhalten des Flüchtlings anknüpfen, beziehen sich die
Ziffern 5 und 6 auf eine Veränderung der Umstände im Heimat- oder Her-
kunftsland.
5.1.2 Gemäss Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK fällt eine Person dann nicht mehr un-
ter den Geltungsbereich der Flüchtlingskonvention, wenn sie sich freiwillig
wieder unter den Schutz des Landes gestellt hat, dessen Staatsangehörig-
keit sie besitzt.
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5.1.3 Die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Widerruf des
Asyls gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK
sind gemäss Lehre und Rechtsprechung (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.2 ff.)
dann anzuordnen, wenn die folgenden drei Voraussetzungen kumulativ er-
füllt sind. Die Handlung der die Flüchtlingseigenschaft innehabenden Per-
son muss freiwillig erfolgt sein. Bei der Beurteilung, ob diese Vorausset-
zung gegeben ist, kommt es auch auf die Motive für die Heimatreise an.
Einfache Urlaubs- und Vergnügungsreisen lassen eher auf die Inkauf-
nahme einer Unterschutzstellung schliessen als Reisen aus Gründen, die
ohne gleich die Freiwilligkeit auszuschliessen, immerhin ein gewisses
Mass an psychischem Druck zur Heimatreise ausüben. Die als Flüchtling
anerkannte Person muss in der Absicht gehandelt haben, sich dem Schutz
des Heimatstaates zu unterstellen. Die Schutzgewährung durch den Hei-
matstaat muss tatsächlich erfolgt sein. Das Kriterium der effektiven Schutz-
gewährung ist erfüllt, wenn objektive Anhaltspunkte dafür bestehen, dass
die als Flüchtling anerkannte Person in ihrem Heimatstaat tatsächlich nicht
mehr gefährdet ist. Zudem muss in jedem Fall die Verhältnismässigkeit be-
achtet werden (vgl. BVGE 2017 VI/11 E. 4.2, 4.3 und 5).
5.2 Gemäss dem seit 1. Juni 2019 in Kraft getretenen Art. 63 Abs. 1bis AsylG
(verabschiedet mit Gesetzesrevision vom 14. Oktober 2018 zur Änderung
des Ausländer- und Integrationsgesetzes [AIG] vom 14. Dezember 2018,
Verfahrensregelungen und Informationssysteme, AS 2019 1413 ff.;
BBl 2018 1685 ff.) aberkennt das SEM die Flüchtlingseigenschaft, wenn
Flüchtlinge in ihren Heimat- oder Herkunftsstaat reisen. Die Aberkennung
unterbleibt, wenn die ausländische Person glaubhaft macht, dass die Reise
in den Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund eines Zwanges erfolgte, dass
keine Absicht bestand, sich unter den Schutz des Heimat- oder Herkunfts-
staates zu stellen und eine solche Unterschutzstellung auch nicht in Kauf
genommen wurde (gemäss Praxis des BVGer lassen etwa Urlaubs- und
Vergnügungsreisen auf eine Inkaufnahme einer Unterschutzstellung
schliessen) oder, dass ihr der Heimat- oder Herkunftsstaat keinen effekti-
ven Schutz gewährt hat (vgl. BBl 2018 1658, 1754).
5.3 Heimatreisen von Flüchtlingen sind restriktiv zu beurteilen. Grundsätz-
lich stellt der Umstand, dass sich ein anerkannter Flüchtling zurück in den
Verfolgerstaat begibt, ein starkes Indiz dafür dar, dass die frühere Verfol-
gungssituation oder die Furcht vor Verfolgung nicht mehr besteht. Trotz-
dem stellt nicht jeder Kontakt mit den Heimatbehörden und damit auch
nicht jede Heimatreise einen Aberkennungsgrund dar (vgl. Urteil des
BVGer D-781/2022 vom 3. März 2022 E. 4.4).
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Seite 12
5.4 Die Beweislast für die Voraussetzungen einer Aberkennung der Flücht-
lingseigenschaft liegt nach den allgemeinen Regeln des Verwaltungsrechts
bei den asylrechtlichen Behörden, da diese aus den zu beweisenden Tat-
sachen Rechtsfolgen ableiten wollen. Dies gilt für alle drei der genannten
Voraussetzungen einer Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft (vgl. Urteil
des BVGer D-304/2019 vom 17. September 2019 E. 4.3).
Bezüglich des Beweismasses ist festzuhalten, dass die Asylbehörden die
relevanten Tatsachen grundsätzlich zu beweisen haben. Soweit relevante
Tatsachen nur mit unverhältnismässigem Aufwand oder mit den Behörden
zur Verfügung stehenden Mitteln gar nicht bewiesen werden können, müs-
sen sie mindestens überwiegend wahrscheinlich gemacht werden (analog
Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Soweit die Vorinstanz ihre Verfügung auf Art. 63 Abs. 1bis AsylG stützt,
ist vorab Folgendes festzuhalten.
6.2 Die Vorinstanz legt diese neue Bestimmung dahingehend aus, dass
der Gesetzgeber mit der Einführung von Art. 63 Abs. 1bis AsylG bewusst
darauf verzichtet habe, die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft bei
Heimatreisen von den Kriterien der beabsichtigen Unterschutzstellung so-
wie der effektiven Schutzgewährung abhängig zu machen. Stehe nach ak-
tueller Gesetzeslage fest, dass eine als Flüchtling anerkannte Person in
ihren Heimatstaat gereist sei, werde von der Aberkennung der Flüchtlings-
eigenschaft einzig dann noch abgesehen, wenn diese die Reise aufgrund
eines Zwanges unternommen habe. Der Nachweis eines solchen Zwanges
sei im Sinne einer Umkehr der Beweislast von der heimreisenden Person
und nicht von der verfügenden Behörde zu erbringen (vgl. Handbuch Asyl
und Rückkehr Artikel E6 «Die Beendigung des Asyls und die Aberkennung
der Flüchtlingseigenschaft» Ziff. 1.2.1.2.).
6.3 Eine weitergehende Auseinandersetzung mit der gesetzgeberischen
Intention zur neu eingeführten Norm kann vorliegend unterbleiben. Ebenso
muss der Frage nicht nachgegangen werden, in welchem Verhältnis Art. 63
Abs. 1bis zum nach wie vor Gültigkeit entfaltenden Art. 63 Abs. 1 Bst. b
AsylG i.V.m. Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK steht (vgl. etwa Urteil des BVGer
E-2319/2022 vom 28. Juli 2022 E. 5.1). Eine Aberkennung der Flüchtlings-
eigenschaft und ein Widerruf des Asyls rechtfertigten sich vorliegend auch
mit Blick auf die weniger restriktive Norm von Art. 63 Abs. 1 AsylG.
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7.
7.1 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin am (...) Juli 2019 von
Addis Abeba mit ihren beiden Kindern nach Eritrea gereist und am (...) Au-
gust 2019 in die Schweiz zurückgekehrt ist. Nachfolgend ist somit zu prü-
fen, ob die Voraussetzungen nach Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1
Bst. C Ziff. 1 FK vorliegen.
7.1.1 Das Kriterium der Freiwilligkeit bedingt, dass die Handlung des
Flüchtlings, welche auf eine Unterschutzstellung hinweist, ohne äusseren
Zwang – weder durch die Umstände im Asylland noch durch die Behörden
des Heimatstaates – erfolgt (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.2.1). Mit dem Krite-
rium der Absicht der Schutzunterstellung soll gewährleistet bleiben, dass
ein Flüchtling seinen Status behält, wenn die Beschaffung heimatlicher
Reisepapiere oder eine Reise in den Heimatstaat aus beachtlichen Grün-
den erfolgt. Die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem vo-
raus, dass die Schutzgewährung durch den Heimatstaat tatsächlich erfolgt
ist. Es müssen objektive Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die betroffene
Person nicht mehr gefährdet ist (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.3 m.H.).
7.1.2 Es ist der Beschwerdeführerin zunächst beizupflichten, dass sie
– entgegen der Schlussfolgerung der Vorinstanz – nicht angegeben hat, ihr
Vater habe Einfluss bei den militärischen Behörden, sondern einer seiner
Bekannten. Ausserdem ist es durchaus nachvollziehbar, dass sie ihre
Reise in den Sommerferien geplant hat, damit (...) im Kindergarten nicht
fehlt. Die Planung der Reise nach Äthiopien ist denn auch nicht zu bean-
standen, zumal sie in diesem Staat nicht verfolgt wird. Allerdings kann ihr
der angeblich spontane Entschluss, nach Eritrea zu reisen, nicht geglaubt
werden. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Reise via Äthiopien
dazu diente, den Besuch ihres Heimatlandes zu vertuschen.
Der eingereichte Mietvertrag betreffend eine Wohnung in Addis Abeba liegt
nur als Kopie vor. Ausserdem weist er keine fälschungssicheren Merkmale
auf. Die Beschwerdeführerin vermag daraus nichts zu ihren Gunsten ab-
zuleiten. Zweifel am spontanen Entschluss der Reise nach Eritrea wecken
die Umstände bei der Ankunft in Addis Abeba. Die Beschwerdeführerin er-
klärt, sie sei mit ihren beiden Kindern am 16. Juli 2019 in Addis Abeba ge-
landet und dort von ihrer Schwiegermutter abgeholt worden. Da ihre Eltern
dort nicht erschienen seien und sie diese nicht habe telefonisch erreichen
können, habe sie eine Nachbarin der Eltern kontaktiert und in diesem Mo-
ment im Hintergrund Schreie gehört. Es erstaunt, dass die Eltern der Be-
schwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch in Eritrea waren,
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zumal sie wohl schon tags zuvor hätten anreisen müssen, um ihre Tochter
und die beiden Enkel im Nachbarstaat rechtzeitig bei ihrer Ankunft in Emp-
fang nehmen zu können. Dessen ungeachtet ist diese Darstellung der Er-
eignisse vom (...) Juli 2019 nicht mit ihrer Behauptung vereinbar, die
Schwägerin sei am (...) Juli 2019 und somit erst am Folgetag gestorben
(vgl. Schreiben der St. Mary Kirche von E._). Auch dass die Bu-
chung der Reise nach Eritrea unüberlegt erfolgt sei, überzeugt nicht. Es ist
insbesondere nicht nachvollziehbar, dass sie ihre Familie nicht über ihre
Reisepläne in Kenntnis gesetzt hat, zumal sie über den Hauptflughafen in
ihr Heimatland einreiste, in welchem ihr gemäss positivem Asylentscheid
vom 24. März 2014 eine staatliche Verfolgung droht. Die Tatsache, dass
sie über den Luftweg nach Eritrea gereist ist und damit bewusst einen Be-
hördenkontakt in Kauf nahm, spricht vielmehr dafür, dass sie keine Verfol-
gung fürchtete. Ferner ist nach Angaben der Beschwerdeführerin ihre
Schwiegermutter eigens für die Zusammenkunft (in Äthiopien) aus Eritrea
angereist. Ob die Schwiegermutter die Beschwerdeführerin und ihre Kinder
dann auf ihrer Reise nach Eritrea begleitet hat – was unter den genannten
Umständen durchaus naheliegend gewesen wäre – bleibt jedoch im Dun-
keln. Auch diese Unklarheit trägt nicht zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen
bei.
Soweit die Beschwerdeführerin anführt, sie seien bei der Einreise wegen
den fehlenden Einreisebewilligungen und ihren Flüchtlingspässen festge-
halten worden, ist – wie die Vorinstanz zutreffend festhält – nicht nachvoll-
ziehbar, dass ihnen die Flüchtlingspässe nicht abgenommen wurden. Die
Vermutung der Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin und ihre Kinder
mit ihren eigenen Reisepässen nach Eritrea gereist seien, wird daher vom
Gericht geteilt.
Neben diesen Ungereimtheiten sind auch die Ausführungen zur angebli-
chen Inhaftierung sehr dürftig ausgefallen. Dass sich die Beschwerdefüh-
rerin nach der Inhaftierung bei einer Tante versteckt habe, überzeugt eben-
falls nicht, musste sie doch damit rechnen, dass die Behörden sie dort su-
chen würden. Hätte sie tatsächlich eine Verfolgung befürchtet, ist folglich
nicht davon auszugehen, dass sie mit Flüchtlingspässen über den Haupt-
flughafen eingereist wäre, ohne die Familie zu benachrichtigen und ent-
sprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Wenn der Vater überdies
über solch relevante Kontakte zu den eritreischen Militärbehörden verfü-
gen sollte, sollte ihr auch die ursprüngliche Flucht aus Eritrea aufgrund ei-
nes Militäraufgebots im heutigen Zeitpunkt nicht mehr zum Verhängnis
werden. Es bestehen folglich auch objektive Anhaltspunkte dafür, dass die
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Beschwerdeführerin in ihrem Heimatstaat nicht mehr gefährdet ist. Es kann
deshalb auch angenommen werden, dass sie dort effektiv Schutz finden
würde.
7.2 Das Gericht verkennt nicht die Schwierigkeit für Flüchtlinge, über Jahre
getrennt von nahen Familienangehörigen zu leben, und hat Verständnis für
ihren Wunsch, diese zu besuchen. Die Massnahmen der Aberkennung der
Flüchtlingseigenschaft und des Widerrufs des Asyls sind denn in Konstel-
lationen wie der vorliegenden auch nicht als «Sanktionierung» für ein Ver-
halten zu verstehen, sondern als logische Konsequenz der Subsidiarität
des flüchtlingsrechtlichen Schutzes im Vergleich zum grundsätzlichen
Schutz des jeweiligen Heimatstaates (vgl. Urteil des BVGer E-5282/2019
vom 19. Dezember 2019 E. 5.3).
7.3 Es ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führerin die Reise nach Eritrea freiwillig unternahm und damit freiwillig in
Kontakt mit ihrem Heimatland trat. Es bleibt folglich festzuhalten, dass das
SEM in insgesamt überzeugender Weise zum Schluss gekommen ist, dass
der Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Eritrea kein Zwangselement
zu Grunde gelegen hat. Schliesslich ist von der freiwilligen Unterschutz-
stellung und der tatsächlichen Schutzgewährung durch den Heimatstaat
auszugehen.
7.4 Zusammenfassend ist hinsichtlich der Beschwerdeführerin festzuhal-
ten, dass die Voraussetzungen für die Aberkennung der Flüchtlingseigen-
schaft und den Widerruf des Asyls gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG
i.V.m. Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK erfüllt sind.
Anzumerken bleibt, dass der Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der
Schweiz durch die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft derzeit nicht
beeinträchtigt ist, da sie über eine Niederlassungsbewilligung C verfügt.
Unter diesen Umständen erweist sich die Aberkennung der Flüchtlingsei-
genschaft und der Widerruf des Asyls vorliegend auch nicht als unverhält-
nismässig.
8.
8.1 Gemäss Art. 63 Abs. 4 AsylG erstreckt sich der Asylwiderruf oder die
Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht auf die Ehegatten und die
Kinder. Es müssen bei diesen vielmehr eigene Gründe vorliegen, damit ein
Asylwiderruf oder die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft erfolgen
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kann. Auf die spezifische Situation der Kinder geht das SEM aber in seinen
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung in keiner Weise ein.
8.2 Die minderjährigen Kinder der Beschwerdeführerin waren zum Zeit-
punkt der Reise nach Eritrea ungefähr (...) beziehungsweise (...) Jahre alt.
Ihnen fehlte offensichtlich die Urteilsfähigkeit beziehungsweise das Wissen
um die Folgen einer (Rück-)reise nach Eritrea. Das SEM hat demnach das
Asyl der beiden Kinder zu Unrecht widerrufen. Diese verfügen nach wie
über die Flüchtlingseigenschaft, da sie mit Verfügungen des SEM vom (...)
beziehungswiese (...) in die Flüchtlingseigenschaft beider Elternteile ein-
bezogen worden sind, Asyl erhalten haben und die Flüchtlingseigenschaft
des Vaters nicht aberkannt sowie sein Asyl nicht widerrufen wurde.
9.
Die Beschwerde ist in Bezug auf die Beschwerdeführerin abzuweisen. In
Bezug auf die Kinder der Beschwerdeführerin ist die Beschwerde gutzu-
heissen und die Verfügung der Vorinstanz vom 11. Dezember 2019 aufzu-
heben. Deren Asyl wird nicht widerrufen und sie sind nach wie vor als
Flüchtlinge anzuerkennen.
10.
10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen der
Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63
Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführenden sind bezü-
glich der Anträge zur Person der Beschwerdeführerin unterlegen. Bezüg-
lich der Anträge der beiden Kinder haben sie obsiegt. Praxisgemäss be-
deutet dies ein hälftiges Obsiegen.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hätten die Beschwerdeführen-
den die Verfahrenskosten zur Hälfte zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da
indessen ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2020 gutgeheissen wurde und
keine Anhaltspunkte bestehen, dass sich ihre finanzielle Situation seither
massgeblich verändert hat, wird auf die Auferlegung von Verfahrenskosten
verzichtet.
10.3 Sodann ist den vertretenen Beschwerdeführenden im Umfang des
Obsiegens eine angemessene Parteientschädigung für die ihnen aus der
Beschwerdeführung erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 sowie Art. 15 und Art. 5 des Reglements
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über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.310.2]).
10.4 Der Rechtsvertreter reichte mit Eingabe vom 13. Januar 2020 eine
Kostennote ein. Hierin wird ein Vertretungsaufwand von insgesamt
Fr. 1'829.05 geltend gemacht, ausgehend von einem zeitlichen Aufwand
von 5.58 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300.– und Barauslagen
von Fr. 24.30. Der zeitliche Vertretungsaufwand erscheint den konkreten
Verfahrensumständen angemessen. Der ausgewiesene Stundenansatz
bewegt sich zudem im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE.
Praxisgemäss ist sodann eine anteilmässige Parteientschädigung zuzu-
sprechen, wenn – wie vorliegend – eine Verfahrensverletzung (fehlerhafte
Akteneinsicht) auf Beschwerdeebene geheilt wird. Diese Parteientschädi-
gung ist auf Grund der Akten (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und unter Berücksich-
tigung der Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 150.– (inkl. Ausla-
gen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen.
Die Parteientschädigung, die durch das SEM zu vergüten ist, ist somit ins-
gesamt auf gerundet Fr. 1'064.– (inkl. hälftige Auslagen und Mehrwertsteu-
erzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen.
10.5 Soweit die Beschwerdeführenden unterliegen, ist dem amtlich einge-
setzten Rechtsbeistand ein Honorar auszurichten. Ausgehend von einem
Stundenansatz von Fr. 150.– ist dem amtlichen Rechtsbeistand demzu-
folge ein Gesamtbetrag von gerundet Fr. 463.– (hälftiges Honorar inklusive
hälftige Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1
Bst. c VGKE) durch das Gericht zu vergüten.
(Dispositiv nächste Seite)
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