Decision ID: 8724094b-6ef4-5cd3-9534-b49e01c5345e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Sabrina Schneider, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
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Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Urs Glaus, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1948 geborene K._ war bei der A._ als Deckenmonteur tätig und dadurch
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von
Unfällen und Berufskrankheiten versichert, als die Arbeitgeberin am 14. November
2007 meldete, beim Versicherten sei bei der Montage von Deckenplatten eine
Überbeanspruchung der Oberarme eingetreten. Ab 19. Oktober 2007 habe er die Arbeit
aussetzen müssen (Suva-act. 1). Im Fragebogen der Suva gab der Versicherte am 27.
November 2007 an, er habe am 17. April 2007 Schmerzen in der linken Schulter
verspürt. Diese seien auf die Überbelastung der Schultern bei der Montage von
schweren Deckenplatten zurückzuführen. Etwas Besonderes, insbesondere ein Sturz,
sei nicht passiert (Suva-act. 5).
A.b K._ hatte sich erstmals am 24. April 2007 wegen muskulären lumbalen
Verspannungen sowie bewegungsabhängigen Beschwerden in der linken Schulter bei
seinem Hausarzt Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, in Behandlung begeben.
Dieser stellte die Differentialdiagnosen einer Periarthropathia humeroscapularis und
einer Rotatorenmanschette links bei chronischer Überbelastung und hielt im Weiteren
fest, es würden keine Unfallfolgen vorliegen. Es handle sich um eine
Abnützungserscheinung bei chronischer Überbelastung. Dr. med. C._, Zentrum für
bildgebende Diagnostic, erhob im Rahmen einer am 17. September 2007
durchgeführten MRI-Untersuchung der linken Schulter eine subtotal durchgreifende
ansatznahe Supraspinatussehnenruptur mit einer Ausdehnung von ca. 1 cm und
lokalen Signalstörungen im Tuberculum majus im Sinn eines partiell ossären Ausrisses.
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Begleitend zeigte sich eine Bursitis subdeltoidea/subacromialis. In Bezug auf die
Subscapularis- und Infraspinatussehne, die lange Bizepssehne im Sulcus sowie die
Schulterblattmuskulatur wurden normale Befunde erhoben. Erkennbar war indessen
eine initiale Acromioclavicular-Arthrose (Suva-act. 12). Am 23. Oktober 2007
diagnostizierte Dr. med. D._, Orthopädie FMH/Sportmedizin, eine Impingement
Symptomatik sowie eine schmerzhafte Bizeps- und Supraspinatussehne der linken
Schulter und führte eine Arthroskopie mit einer Bizepstenotomie, Glättung des
ventralen Labrums, Bursoskopie und Defilée-Erweiterung (subacromial und AC-Gelenk)
sowie eine offene Supraspinatussehnen-Reinsertion durch (Suva-act. 9). Im ärztlichen
Zwischenbericht vom 13. Dezember 2007 hielt Dr. B._ fest, dass Dr. D._ im
Dezember 2007 eine Verlaufskontrolle durchführen werde. Der Versicherte habe seine
Arbeit noch nicht wieder aufgenommen. Im Heilungsverlauf würden unfallfremde
Faktoren mitspielen, die Schulterproblematik sei keine Folge eines Traumas, sondern
einer chronischen Überbelastung des Schultergelenks (Suva-act. 10). Mit Schreiben
vom 25. Januar 2008 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass kein Unfallereignis im
Sinn von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) vorliege. Auch seien die Voraussetzungen
zur Übernahme des Schadenfalls als unfallähnliche Körperschädigung
beziehungsweise als Berufskrankheit nicht erfüllt. Sie lehne deshalb eine
Leistungspflicht ab (Suva-act. 14). Nach Einholung einer ärztlichen Beurteilung bei
Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt Chirurgie, Sportmedizin - Phlebologie, hielt die Suva
am 25. Februar 2008 verfügungsweise an der Leistungsablehnung gemäss Schreiben
vom 25. Januar 2008 fest (Suva-act. 18).
B.
Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (Suva-act. 22, 24) wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 17. Juni 2008 ab (Suva-act. 26).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte durch Rechtsanwältin
lic. iur. S. Schneider, St. Gallen, am 20. August 2008 Beschwerde erheben mit dem
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Antrag, der Entscheid sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen ab
dem 17. April 2007 auszurichten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 22. Oktober 2008 beantragte die
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. U. Glaus, St. Gallen,
Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 12. November 2008 hielt die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers unverändert an ihrem Antrag und ihren Standpunkten fest.
C.d Mit Schreiben vom 14. November 2008 verzichtete der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin auf eine Duplik.
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die weiteren
Ausführungen in den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20)
werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Gemäss Art. 6
Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls
ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat er in Art. 9
Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) Gebrauch
gemacht. - Laut Angaben des Beschwerdeführers vom 27. November 2007 im
Fragebogen der Beschwerdegegnerin verspürte er am 17. April 2007 bei der Montage
von schweren Deckenplatten Schmerzen in der linken Schulter (Suva-act. 5). In der
Folge wurde eine Supraspinatussehnenruptur festgestellt.
2.
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Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass das Geschehen vom 17. April 2007 das
Merkmal der Ungewöhnlichkeit nicht erfüllt, und somit kein Unfall im Sinn von Art. 4
ATSG vorliegt. Strittig ist jedoch zunächst eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 UVV. Als
sogenannte unfallähnliche Körperschädigungen gelten die in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h
UVV aufgeführten Körperverletzungen (unter anderem Sehnenrisse, vgl. lit. f), sofern sie
auf eine plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende äussere Einwirkung auf den
menschlichen Körper zurückzuführen sind. Das bei einem Unfall vorausgesetzte
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors ist bei den unfallähnlichen
Körperschädigungen also nicht erforderlich. Hingegen hat das Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts) in BGE 129 V 467 E. 2.2 seine Rechtsprechung
bestätigt, wonach mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit auch bei den unfallähnlichen
Körperschädigungen die weiteren Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs - fehlende
Absicht, äusserer Faktor, Plötzlichkeit, Schädigung (Art. 4 ATSG) - erfüllt sein müssen.
Laut der EVG-Rechtsprechung kommt dabei dem äusseren Ereignis, d.h. eines
ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben
unfallähnlichen Vorfalls, besondere Bedeutung zu. Wo kein unfallähnliches Ereignis mit
Einwirkung auf den Körper stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in
Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, liegt eindeutig eine
krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Kein
unfallähnliches Ereignis liegt insbesondere in all jenen Fällen vor, in denen der äussere
Faktor mit den Schmerzen gleichgesetzt wird, wie sie anfänglich bei den in Art. 9 Abs.
2 lit. a bis h UVV aufgezählten Gesundheitsschäden typischerweise in Erscheinung
treten. Das Auftreten von Schmerzen als solches ist kein äusserer (schädigender)
Faktor im Sinn der Rechtsprechung. Entsprechend kann dort nicht von einem äusseren
schädigenden Faktor gesprochen werden, wo die versicherte Person in zeitlicher
Hinsicht nur das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen anzugeben vermag. Ebenfalls
nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors, wenn das
(erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht,
denn für die Bejahung eines äusseren Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem
ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotential innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn
die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein
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gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche
Betätigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der
Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet,
welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann
sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Die
physiologische Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und
Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar, dem ein zwar nicht ungewöhnliches, jedoch
gegenüber dem normalen Gebrauch der Körperteile gesteigertes Gefährdungspotential
innewohnen muss. Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren
schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer
Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, also im Sinn der bisherigen
Rechtsprechung das plötzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder
belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare Änderung der
Körperlage im Sinn der von der Rechtsprechung positiv beurteilten Sachverhalte (ZBJV
2003 S. 918 f.; BGE 129 V 470 E. 4.2.1, 4.2.2). Erforderlich für die Bejahung eines
äusseren Faktors ist demzufolge ein gesteigertes Schädigungspotential, sei es zufolge
einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur
Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden
Faktors (vgl. BGE 129 V 471 E. 4.3).
3.
3.1 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers sieht das Erfordernis des äusseren
schädigenden Faktors bzw. sinnfälligen Ereignisses insofern erfüllt, als ihres Erachtens
der Tätigkeit eines Deckenmonteurs unweigerlich ein gewisses Gefährdungspotential
anhaftet, indem der Körper dabei mehr als physiologisch normal beansprucht wird. Der
Beschwerdeführer habe 15 kg schwere Platten auf einem Rollgestell stehend über Kopf
montieren müssen, was nicht der normalen Haltung entspreche.
3.2 Laut der Rechtsprechung des EVG stellen der im Einzelfall aufgewendete
Kraftaufwand und/oder die dabei eingenommene Körperhaltung grundsätzlich
Komponenten dar, die für die Beantwortung der Frage des Vorliegens eines äusseren
Faktors mit gesteigertem Schädigungspotential massgebend sind (vgl. dazu BGE 129
V 466). Ein hoher Kraftaufwand und Bewegung an sich führen jedoch nicht in jedem
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Fall ohne Weiteres zur Bejahung eines unfallähnlichen Ereignisses. Der Begriff der
blossen Lebensverrichtung ist nicht dadurch bestimmt, dass er nur leichte
Kraftaufwendungen umfasst, und sämtliche Menschen einer bestimmten Verrichtung
im Alltag genau gleich begegnen. So kann die physiologische Belastung der Arme und
Schultern, (insbesondere ihrer Sehnen) bzw. der Kraftaufwand beim Montieren einer 15
kg schweren Deckenplatte nicht bereits als schädigend bezeichnet werden. Sie
entspricht einer alltäglichen Lebensverrichtung, bei der die Arme nicht mit einer
gegenüber dem normalen Gebrauch schädigenden Kraft beansprucht werden. Diese
Beurteilung wird zusätzlich dadurch gestützt, dass der Beschwerdeführer
Deckenmonteur ist und damit die Grenze zwischen der normalen physiologischen
Beanspruchung des Körpers und einer sinnfälligen Überbeanspruchung bei seiner
Konstitution und beruflichen Gewöhnung, eine körperliche Tätigkeit in der geltend
gemachten Form auszuüben, höher angesetzt werden kann. Die vom EVG im Einzelfall
positiv beurteilten Sachverhalte machen sodann deutlich, dass der äussere
schädigende Faktor häufig einer zusätzlichen Komponente, wie ruckartig, plötzlich,
brüsk, abrupt, Abwehr oder Reflexbewegung, Abstossen, Verdrehung des Knies oder
ähnliches, bedarf. Dass beim Montieren einer Deckenplatte am 17. April 2009 eine
belastende, unkontrollierte Bewegung hinzugetreten sein soll, kann weder den Akten
entnommen werden, noch wird es von Seiten des Beschwerdeführers in irgendeiner
Weise geltend gemacht. Das Hochhalten eines Arms - auch mit einer
Gewichtsbelastung von 15 kg - stellt grundsätzlich eine Bewegung dar, welche der
Körper, insbesondere die Schulter, im Allgemeinen auszuüben vermag.
3.3 Entsprechend dem in vorstehender Erwägung Gesagten verneinte das EVG in
BGE 129 V 466 E. 4.3 einen äusseren Faktor bei folgenden zwei Sachverhalten: Nach
mehreren krankheitsbedingten Schulterluxationen verspürte ein Versicherter eines
Tages erneut Schulterschmerzen, als er im Rahmen der gewohnten beruflichen
Tätigkeit mit ausgestrecktem Arm einen 20 kg schweren Plastiksack von der
Ladebrücke eines Lastwagens nahm (vgl. a.). Bei einem wiederholt ausgeführten
beruflichen Vorgang (Entladen eines Paletts) verspürte ein Versicherter einen heftigen
Schmerz in der Schulter (vgl. c. sowie Urteil des EVG vom 30. August 2001 [U 198/00]
i/S K.). Im Fall des Beschwerdeführers handelt es sich ebenfalls um eine Schädigung
zufolge repetitiver Beanspruchung der Schulter. Ohne in Abrede zu stellen, dass es
sich bei der Tätigkeit eines Deckenmonteurs nicht um leichte Arbeit handelt, muss für
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das Ereignis vom 17. April 2007 eines äusseres Moment mit einem im Vergleich zum
normalen Gebrauch der Schulter gesteigerten Gefährdungspotential verneint werden.
Dafür spricht auch die Feststellung von Dr. B._ im Arztzeugnis vom 13. Dezember
2007, dass keine traumatische Folge, sondern eine chronische Überbelastung des
Schultergelenks vorliege (Suva-act. 10, 11). Schliesslich fehlt es auch an dem für die
Annahme einer unfallähnlichen Körperschädigung vorausgesetzte Tatbestandsmerkmal
der Plötzlichkeit.
3.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass ein ausserhalb des Körpers liegendes,
objektiv feststellbares, sinnfälliges, unfallähnliches Ereignis nicht nachgewiesen ist,
weshalb die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG
i.V.m. Art. 9 Abs. 2 UVV zu Recht verneint hat.
4.
4.1 Gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG gelten Krankheiten, die bei der beruflichen Tätigkeit
ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten
verursacht worden sind, als Berufskrankheiten. Verlangt wird ein qualifizierter
Kausalzusammenhang zwischen der verursachenden Arbeit einerseits und der
Berufskrankheit andererseits, bei dem der Listenstoff oder die Arbeit mindestens 50%
aller mitwirkenden Ursachen ausmachen müssen. Ob dies im Einzelfall so ist, muss mit
hinreichender Wahrscheinlichkeit dargetan werden (Alexandra Rumo-Jungo,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2003, S. 83, mit
weiteren Hinweisen). Der Bundesrat hat gestützt auf die in Art. 9 Abs. 1 UVG enthaltene
Kompetenzdelegation im Anhang 1 zur UVV eine Liste der schädigenden Stoffe und
der arbeitsbedingten Erkrankungen erstellt. Es ist unbestritten, dass beim
Beschwerdeführer weder eine arbeitsbedingte Erkrankung noch schädigende Stoffe
gemäss Anhang 1 zur UVV in Frage stehen, womit er keine Ansprüche aus
Berufskrankheit im Sinn von Art. 9 Abs. 1 UVG ableiten kann.
4.2 Als Berufskrankheiten gelten jedoch auch andere Krankheiten, von denen
nachgewiesen ist, dass sie ausschliesslich oder stark überwiegend durch berufliche
Tätigkeit verursacht worden sind (Art. 9 Abs. 2 UVG). Diese Generalklausel bezweckt,
allfällige Lücken zu schliessen, wenn die bundesrätliche Liste entweder einen
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schädigenden Stoff, der eine Krankheit verursachte, oder eine Krankheit, die durch die
Arbeit verursacht wurde, nicht aufführt. Die Voraussetzung des "ausschliesslichen oder
stark überwiegenden" Zusammenhangs gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG ist erfüllt, wenn der
Verursachungsanteil der Berufsarbeit an einer Krankheit mindestens 75% beträgt, und
dies mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist (BGE 119 V 201 E. 2b,
116 V 142 E. 5a, 114 V 109). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts
genügt den Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung
zu folgen, die von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste
erscheint (BGE 117 V 360 E. 4a mit Hinweisen). Die Anerkennung von Beschwerden im
Rahmen der Generalklausel von Art. 9 Abs. 2 UVG ist - entsprechend der in BGE 114 V
111f. E. 3c eingehend dargelegten legislatorischen Absicht, die Grenze zwischen
krankenversicherungsrechtlicher Krankheit und unfallversicherungsrechtlicher
Berufskrankheit nicht zu verwässern - an relativ strenge Beweisanforderungen
gebunden. Verlangt wird, dass der Versicherte für eine gewisse Dauer einem typischen
Berufsrisiko ausgesetzt ist. Die einmalige gesundheitliche Schädigung, die gleichzeitig
mit der Berufsausübung eintritt, genügt nicht. Für die Beurteilung der Exposition (oder
Arbeitsdauer) ist die gesamte Berufstätigkeit zu berücksichtigen (vgl. BGE 126 V 186 E.
2b mit Hinweisen).
4.3 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a, 121 V 210 E. 6c, je mit
Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsrecht tragen mithin
die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte; bei einer leistungsaufhebenden Tatfrage liegt die
Beweislast somit beim Unfallversicherer, bei einer leistungsbegründenden Tatfrage -
wie der vorliegenden - bei der versicherten Person. Diese Beweisregel greift allerdings
erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
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entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Auch den Berichten
versicherungsinterner Ärzte kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen
werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125
V 353f. E. 3b/ee, RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311). Art. 4 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK geben
keinen formellen Anspruch auf Beizug eines versicherungsexternen Gutachters, wenn
Leistungsansprüche streitig sind. Erachtet das Gericht die rechtserheblichen
tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als
schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Beizug eines
Gerichtsgutachters - abschliessen. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung
jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E. 1a).
4.4 Nach der Rechtsprechung des EVG ist die Voraussetzung einer mindestens 75%
durch eine berufliche Tätigkeit verursachten Krankheit erfüllt, wenn nachgewiesen ist,
dass die Häufigkeit des Auftretens der Krankheit in einer bestimmten Berufsgruppe
mindestens viermal höher ist als in der Bevölkerung im allgemeinen (BGE 116 V 142f E.
5c; RKUV 1999 Nr. U 326 S. 109 E. 2; Jean-Maurice Frésard/Margrit Moser-Szeless,
L'assurance-accidents obligatoire, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht,
Soziale Sicherheit, 2. Aufl. Basel 2007, Rz. 112). Gemäss Frésard/ Moser-Szeless
(a.a.O.) hat diese Praxis zur Folge, dass nur in wenigen Fällen eine Berufskrankheit
gestützt auf die Generalklausel von Art. 9 Abs. 2 UVG anerkannt werden kann. Bereits
Maurer (Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1989, S. 222)
wies darauf hin, dass das Erfordernis der stark überwiegenden Ursache streng sei,
weshalb es nur in seltenen Fällen erfüllt sein werde. Die Generalklausel werde daher in
der Praxis als "Auffangnetz" eine eher bescheidene Rolle spielen .
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4.5 Zur Frage, ob die Supraspinatussehnenruptur des Beschwerdeführers durch die
berufliche Tätigkeit als Deckenmonteur verursacht worden sei und damit von einer
Berufskrankheit nach Art. 9 Abs. 2 UVG gesprochen werden könne, nahm Kreisarzt Dr.
E._ in seiner ärztlichen Beurteilung vom 21. Februar 2008 Stellung (Suva-act. 17).
Ausgehend von dieser hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Leistungen der
Unfallversicherung zu Recht abgelehnt. Dr. E._ legt dar, aufgrund der
biomechanischen Gegebenheiten und vaskulären Besonderheiten werde die gesamte
Rotatorenmanschette häufig von degenerativen Veränderungen betroffen. Der
Hauptmanifestationsort degenerativer Veränderungen befinde sich im Bereich der
Supraspinatussehne an ihrem Vorderrand nahe der Insertion. Hier werde der
mechanische Stress am grössten und die Durchblutung am geringsten angenommen.
Epidemiologische Angaben über die Häufigkeit der Rotatorenmanschettenruptur
wiesen grosse Schwankungenauf. Ogata und Uhthoff zeigten, dass in
Alterspopulationen ab dem 40. Lebensjahr erste komplette
Rotatorenmanschettenrupturen aufgetreten seien, wo hingegen Patienten in der
7. Dekade in mehr als 70% der Fälle komplette Rotatorenmanschettenrupturen
ausweisen würden (zitiert nach Löhr und Uhthoff 2007). Nach Zuckermann hätten sich
jenseits des 60. Lebensjahres 29% Rotatorenmanschettenrupturen in der Bevölkerung
gefunden (zitiert nach Loew, Habermeyer et al.; Details zur zitierten medizinischen
Literatur siehe Bericht Dr. E._, Suva-act. 17). Bei dieser Datenlage könne nicht davon
ausgegangen werden, dass vorliegend die Ruptur der Supraspinatussehne
ausschliesslich durch die vom Beschwerdeführer angegebene berufliche Tätigkeit
verursacht worden sei. Auch könne in Anbetracht der epidemiologischen Daten ein
überwiegender, 75%-iger Anteil beruflicher Verursachung nicht als medizinisch
ausgewiesen betrachtet werden.
4.6 Bei Auftritt der Schmerzen im Bereich der Rotatorenmanschette während der
Arbeit mit nachfolgender Diagnose einer Supraspinatussehnenruptur, arbeitete der
Beschwerdeführer seit rund sieben Jahren als Deckenmonteur bei der A._, wobei er
die ab März 2007 auf der IKEA-Baustelle ausgeführte Arbeit - alleiniges Montieren von
15 kg schweren Deckenplatten über Kopf - als besonders anstrengend empfand. Er
war somit im Zeitpunkt der Erkrankung seit vielen Jahren als Deckenmonteur tätig.
Allerdings beruft er sich nur auf die belastendere Arbeitsphase auf der IKEA-Baustelle
ab März 2007 von lediglich rund eineinhalb Monaten. Selbst wenn mechanische
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Beanspruchungen der Schultern die Beschwerden ausgelöst oder begünstigt haben
sollten, genügt dies nicht, um mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegen zu
können, dass die berufliche Arbeit Ursache des aufgetretenen Gesundheitsschadens
ist. Zwar ist nachvollziehbar, dass die auf das diagnostizierte Leiden zurückgehenden
Schmerzen im Anschluss an die berufliche Tätigkeit aufgetreten sind. Indessen ist
zwischen der Auslösung und der Verursachung eines Leidens zu unterscheiden. Der
Umstand, dass eine Krankheit durch die berufliche Tätigkeit ausgelöst worden ist,
heisst noch nicht, dass ein Leiden auch im Sinn von Art. 9 Abs. 1 und 2 UVG
ausschliesslich oder stark überwiegend, bzw. vorwiegend dadurch verursacht worden
ist.
4.7 Entscheidrelevant ist, dass die von Dr. E._ angeführten epidemiologischen
Daten für die Altersgruppe des Beschwerdeführers eine überwiegend berufsbedingte
Verursachung im Sinn von Art. 9 Abs. 2 UVG - unabhängig von der Art der beruflichen
Tätigkeit - bereits aus empirischen Gründen ausschliessen. Gemäss höchstrichterlicher
Rechtsprechung ist anerkannt, dass der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nur selten
auf dem Weg einer Deduktion im naturwissenschaftlich-mathematischen Sinn
erschlossen oder abgeleitet werden kann, und dass es in medizinischen Sachverhalten,
in denen ein direkter Beweis ausscheidet, den Vergleich mit anderen Krankheitsfällen
bzw. die induktive Beweisführung braucht. Wenn auf Grund medizinischer
Forschungsergebnisse ein Erfahrungswert dafür besteht, dass eine berufsbedingte
Genese eines bestimmten Leidens von seiner Natur her nicht nachgewiesen werden
kann, dann schliesst dies den Beweis auf qualifizierte Ursächlichkeit im Sinn von Art. 9
Abs. 2 UVG im Einzelfall aus (BGE 126 V 189 E. 4c). Sofern mit anderen Worten der
Nachweis eines qualifizierten (Anteil von mindestens 75%) Kausalzusammenhangs
nach der medizinischen Empirie allgemein nicht geleistet werden kann (z.B. wegen der
weiten Verbreitung einer Krankheit in der Bevölkerung, welche es ausschliesst, dass
eine versicherte Person zumindest viermal häufiger von einem Leiden betroffen ist als
die Bevölkerung im Durchschnitt [vgl. Erwägung 4.4]), scheidet die Anerkennung im
Einzelfall aus. Ausgegangen wird mithin von den in der Bevölkerung erhobenen
epidemiologischen Daten. Sind anderseits die allgemeinen medizinischen Erkenntnisse
mit dem gesetzlichen Erfordernis einer stark überwiegenden Verursachung des Leidens
durch eine bestimmte berufliche Tätigkeit vereinbar, besteht Raum für nähere
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Abklärungen zwecks Nachweises des qualifizierten Kausalzusammenhangs im
Einzelfall (vgl. BGE 126 V 189 E. 4c mit Hinweisen).
4.8 Vorliegend ist mit Blick auf die Ausführungen von Dr. E._ eine (teilweise)
berufsbedingte Verursachung zwar denkbar, der Beweis stark überwiegender
Ursächlichkeit (bzw. der Nachweis für eine im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung
viermal häufigere Betroffenheit der Berufsgruppe des Beschwerdeführers) jedoch
ausgeschlossen, da die Häufigkeit bzw. die Höhe des Prozentsatzes der degenerativ
bedingten Rotatorenmanschettenrupturen insbesondere im Bereich der
Supraspinatussehne (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische
Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 725) in der Bevölkerung derart ist, dass eine viermal
höhere berufsbedingte Genese beim Schulterleiden des Beschwerdeführers mit
Jahrgang 1948 ausgeschlossen ist bzw. nicht nachgewiesen werden kann. Es kann
davon ausgegangen werden, dass die aus der Literatur entnommenen
epidemiologischen Kennzahlen die degenerativ bedingten
Rotatorenmanschettenläsionen oder zumindest die in Abhängigkeit vom Alter als
prädisponierender Faktor auftretenden Rotatorenmanschettenläsionen korrekt
wiedergeben (vgl. dazu auch Debrunner, a.a.O., S. 726, 728). Damit besteht kein Raum
für nähere medizinische oder berufliche Abklärungen zum Nachweis eines qualifizierten
Kausalzusammenhangs, da sich die dargelegten allgemeinen medizinischen
(empirischen) Erkenntnisse - selbst wenn man vom tieferen Wert von 29% ausgeht -
zum vornherein nicht mit dem Erfordernis einer stark überwiegenden berufsbedingten
Verursachung vereinbaren lassen. Die einzelfallbezogene Feststellung von Dr. B._,
wonach von einer Abnützungserscheinung bei chronischer Überbelastung des
Schultergelenks auszugehen sei (Suva-act. 10, 11), vermag an dieser Beurteilung
nichts zu ändern.
4.9 Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass im vorliegenden Fall auch eine
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 9 UVG entfällt.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen hat die Beschwerdegegnerin eine
Leistungspflicht für das Ereignis vom 17. April 2007 zu Recht abgelehnt, weshalb die
Beschwerde abzuweisen ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG