Decision ID: 9ce94655-9d61-440d-bfd6-10fc49231d88
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1970 geborene
X._
meldete sich
erstmals
am 1
5.
April 2005 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/1). Nach Einholung eines Arbeitge
berberichts (
Urk.
7/5) sowie zweier Arztberichte (
Urk.
7/6 und
Urk.
7/15) ordnete die IV-Stelle eine medizinische Abklärung bei
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, an (
Urk.
7/17). Gestützt auf das darauf
hin erstattete Gutachten vom 3
0.
März 2006 (
Urk.
7/19) und unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 20
%
verneinte die Verwaltung mit Verfügung vom 1
5.
Mai 2006 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/24), was mit Einspracheentscheid vom 1
4.
November 2006 bestätigt wurde (
Urk.
7/31).
Die dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
7/33/3-7) wurde vom hiesigen Gericht – nun bei einem Invali
ditätsgrad von 37
%
- mit Urteil vom 3
1.
März 2008 abgewiesen (
Urk.
7/40).
1.2
Am 1
6.
Dezember 2015 (Eingang bei der IV-Stelle am 2
9.
Februar 2016) meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/48).
Die Verwaltung veranlasste – nachdem sie am 2
9.
Juli 2016 mitgeteilt hatte, zurzeit seien keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich (
Urk.
7/65) – eine polydiszipli
näre Begutachtung (Expertise der
A._
ag
vom
7.
April 2017
[
Urk.
7/80]
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
verneinte die IV-Stelle den Renten
anspruch der Versicherten – wiederum unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 20
%
- mit Verfügung vom
2.
Febr
uar 2018 abermals (Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
5.
März 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente der Invaliden
versicherung zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
1
7.
April 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfügung vom 19. April 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8). Am 2
4.
April 2018 reichte die Versicherte einen Bericht der Therapeuten des Medizinischen Zentrums
B._
vom 1
3.
April 2018 ein (
Urk.
9-10).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung
über die Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im Beschwerdeverfah
ren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch rele
vante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam
men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widerspre
chenden medizinischen Berichten
den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die
andere medizi
nische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die erneute Verneinung des Rentenan
spruchs damit,
gestützt auf die gutachterliche Beurteilung sei der Beschwerde
führerin eine behinderungsangepasste Tätigkeit mit einem Pensum von 80
%
zumutbar. Dabei könne sie ein Invalideneinkommen von
Fr.
43'465.80 erzielen. Bei einem Valideneinkommen – das
gestützt auf die vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) zu ermitteln sei, da die Versicherte seit Jahren keiner regelmässigen Erwerbstätigkeit mehr nachgehe – von
Fr.
54'332.25
resultiere ein Invaliditätsgrad von 20
%
, weshalb auch wei
terhin kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung bestehe (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dem ein
geholten Gutachten fehle es an einer differenzierten Symptomaufnahme sowie einer entsprechenden Würdigung der Grundtatsachen des Leidens, was eine ent
sprechende Diagnosestellung verunmögliche. Es könne nicht hingenommen wer
den, dass ihre Beschwerden unter dem Aspekt der Selbstlimitierung und der bewussten Verfälschung der Symptomatik abgetan würden. Das Gutachten sei ebenso nicht anhand des strukturierten
Beweisverfahrens erstellt worden. Die Einschränkungen bezüglich der Kopfschmerzen würden gemäss ärztlicher Beur
teilung mindestens 50
%
betragen (
Urk.
1 S. 8).
3.
3.1
3.1.1
Dem durch Urteil des hiesigen Gerichts (
Urk.
7/40) bestätigten rentenablehnenden Einspracheentscheid vom 1
4.
November 2006 (
Urk.
7/31) lag im Wesentlichen das psychiatrische Gutachten von
Dr.
Z._
vom 3
0.
März 2006 (
Urk.
7/19) zugrunde. Die Expertin stellte nachstehende Diagnosen (S. 14):
-
multiple psychosomatisch
e
Störung (ICD-10 F45.0) mit
-
im Vordergrund stehender, anhaltender somatoformer Schmer
z
störung (ICD-10 F45.4)
-
Störung des
Gastrointestinaltrakts
(ICD-10 F45.31/32)
-
Störung der Haut (ICD-10 F45.38
-
leichte depressive Episode
(ICD-10 F32.0)
-
akzentuierte,
histrionische
und narzisstische Persönlichkeitszüge, einfache Persönlichkeitsstruktur (ICD-10 Z73.1)
-
multiple psychosoziale Belastungssituation (ICD-10 Z56, Z63.3, Z63.0, Z63.1)
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit hielt sie fest, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiterin beziehungsweise System Controllerin bei der Überwachung von Drucksystemen bestehe aus psychiatrischer Sicht seit Januar 2004 eine Arbeits
unfähigkeit von 20 %. Dabei seien die psychosozialen Belastungsfaktoren – die zu der hohen subjektiv empfundenen Beeinträchtig
ung der Arbeitsfähigkeit füh
ren würden
– ausgeklammert (S. 14).
3.1.2
Aufgrund des
in somatischer Hinsicht geäusserten Verdachts auf eine Konversi
onssymptomatik und der gestellten Diagnosen eines
lumbospondylogenen
Syn
droms rechts und eines
thorakovertebralen
Syndroms mit/bei
Fehlform
der Wir
belsäule
(Flach
rücken), muskulärer
Dysbalance
und unauffälligem MRI der Len
denwirbelsäule vom
3.
September 2003 und 17.
Dezember 2002
sowie eines
Fib
romyalgiesyndroms
bestand keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk.
7
/6/21-23; siehe auch
Urk.
7/
6/11, 7/6/12-13 und 7/40 S. 7).
3.2
3.2.1
Die am
2.
Februar 2018 verfügte Rentenverweigerung
(
Urk.
2) beruht auf folgen
den mediz
inischen
Berichten:
Die am Medizinischen Zentrum
B._
tätigen
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
phil.
klin
. psych.
D._
und die Psychologin
E._
nannten in ihrem Bericht vom 1
2.
April 2016 (Urk. 7/62/6-9) folgende Diagnosen mit Auswirkung au
f die Arbeitsfähigkeit (S. 1
f.):
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
-
Sta
tus nach wiederholtem versuchtem
Suizidversuch 2012 (ICD-10 X79)
-
z
ervikozephales
Syndrom mit/bei
-
Labrumriss
anteroposterior
und
Ansatztendinopathie
der
Abduktoren
muskulatur
(Stadtspital
F._
4.
Juli 2014)
-
Schulterschmerzen rechts mit/bei
-
minimale
Protrusion
L4/5, leichte
Foraminalstenosen
L4/5 (
4.
Mai 2015
MRI LWS
)
-
Lumbovertebrales
Syndrom mit/bei
-
minimale
Protrusion
L4/5, leichte
Foraminalstenosen
L4/5 (
4.
Mai 2015
MRI LWS
)
-
Hüftschmerzen rechts mit/bei
-
Labrumriss
anteroposterior
und
Ansatztendinopathie
der
Abduktoren
muskulatur
(Stadtspital
F._
4.
Juli 2014)
-
St
atus nach
Unfall
September 2013
(Sturz im Zug, keine Frakturen Schul
ter re
chts
)
mit/bei
-
Schmerzen Schulter rechts
in der Folge
-
Fibromyalgie (
ICD-10 M79.0) (
Dr.
med. Zweifel
3.
Mai 2005
)
-
Status nach
Nephrolithiasis
-
Status nach
Append
ektomie (Stadtspital
F._
Juli
2014)
-
l
atenter Eisenmangel
-
Ferritin
26
ug
/l
-
Vitamin-D-Mangel
-
Leukozyturie
, kontrollbedürftig (bei St
atus nach
Nephrolithiasis
)
Den
nachstehenden Diagnosen massen sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit bei (S. 2):
-
Allergie auf
I
odine
? (Exanthem)
-
Übergewicht, BMI 26 kg/m
2
-
Störung durch Tabak (
ICD-10 F
17.2)
Sie berichteten
, die Beschwerdeführerin beklage
seit 2002 unter Schmerzen an der Lendenwirbelsäule, ausstrahlend ins rechte Bein, zu leiden. Der im September 2013 erfolgte Sturz im Zug habe zu Schmerzen an der rechten Schulter geführt. Sie sei bewusstseinsklar und allseits orientiert. In der emotionellen Kontaktauf
nahme sei sie zurückhaltend und gehemmt, im Spontanverhalten zeige sie sich indes aktiv. Die Stimmung sei deutlich depressiv-resigniert und es bestehe eine deutliche Störung des Vitalgefühls. Kognitiv sei sie in Aufmerksamkeit, Konzent
ration und Merkfähigkeit verlangsamt beziehungsweise deutlich eingeschränkt. Es sei keine Denkverlangsamung, Denkeinengung und keine Denkhemmung vor
handen. Die Schmerzen spüre sie 24 Stunden. Es würden keine Anhaltspunkte für psychotische Erlebnisweisen bestehen.
Die Beschwerdeführerin sei seit
1.
Januar 2003 zu 100
%
arbeitsunfähig.
3.2.2
Dem Bericht von
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Chirurgie, vom 1
9.
April 2016 kann entnommen werden, dass das Fazit betreffend die Behandlung der Beschwerdeführerin sehr ambivalent ist. Die anfänglich erfolgreichen Interven
tionen hätten nach zweimaliger Durchführung wieder zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands geführt. Gesamthaft seien sämtliche Versuche zur Schmerzlinderung mehr oder weniger erfolglos gewesen, weshalb sich ein starker
Verdacht auf eine erhebliche
Somatisierungstendenz
aufdränge. Entsprechende psychosoziale Belastungsfaktoren seien auch in der Anamnese dokumentiert.
Aufgrund der komplexen Problematik mit vor allem belastungsabhängigen the
rapieresistenten Beschwerden könne der Beschwerdeführerin
zurzeit
und bis auf Weiteres keine Tätigkeit zugemutet werden (
Urk.
7/63/1-6 S. 3 ff.).
3.2.3
Dr.
med.
H._
stellte in ihrem Bericht vom 1
2.
Mai 2016 (
Urk.
7/64) nachstehende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom vorwiegend rechts (MRI der LWS 2002, 2003, 2009 war unauffällig, 2013
Diskusprotrusion
L5 mit bilateraler leichter
foraminaler
Enge)
-
zervikoz
ephales
Schmerzsyndrom
-
u
nklare Hüftschmerzen rechts
-
Labrumriss
anteroposterior
und
Ansatztendinopathie
der
Abduktoren
muskulatur
Hüfte rechts (MRI der Hüfte im 2013)
-
r
ezidiv
ierende depressive Störung, gegenwärtig mi
ttelgradige depressive Episode (
ICD-10
F33.1)
-
Belastungsinkontinenz
-
Status nach Tension-
free
Tape-Einlage 2010 bei
Urethrainsuffizie
nz
und sensorischer Reizblase
-
Urolithiasis
rechts mit Konkrement untere Nierenkelchgruppe rechts
-
Status nach spont
anem Nierensteinabgang ca. vor fünf
Jahren
-
s
ensorineurale
Schwerhörigkeit rechts bei Status nach Lärmexposition 1998
-
Status nach Venenoperation beidseits 2006
Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte sie den Status nach Hepatitis A und Hepatitis B (Serologie 2006 und 2007),
Status
nach
laparoskopischer
APPE 2014, Status nach Laparoskopie bei
Tuboovarialabszess
(vor vielen Jahren in Ita
lien) und den Status nach zwei Spontangeburten (S. 1).
Sie schilderte, seit 2002 würden Lumbalgien
beziehungsweise
Lumboischialgien
vorwiegend rechts unter
schiedlicher Intensität bestehen.
Die Beschwerdeführerin leide unter Konzentra
tionsstörungen, Vergesslichkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Schulter
schmerzen rechts, häufigen Magenschmerzen und einer Belastungsinkontinenz. Die Ausübung der bisherigen Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht wahrscheinlich nicht mehr zumutbar (S. 3 f.).
3.2.4
In ihrem Verlaufsbericht vom 1
7.
August 2016 diagnostizierte
Dr.
H._
zusätzlich eine
Tendomy
o
pathie
der Kau- und Nackenmuskulatur beidseits und eine
anteriore
Diskusverlagerung im Kiefergelenk links mit Reposition und nan
n
te als Verdachtsdiagnose einen
myogenen
Tinnitus
. Sie berichtete von einem
chronifizierten
Zustand und einer geringen Motivation bei der Beschwerdeführe
rin
(
Urk.
7/68).
3.2.5
Gestützt auf die Ergebnisse ihrer internistischen, rheumatologischen,
psychiatri
schen,
neurologischen und neuropsychologischen
Untersuchung nannten die Experten der
A._
AG in ihrem Gut
achten vom
7.
April 2017 (
Urk.
7
/80) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 68):
-
C
hronische
Kopfschmerzen, aktuell Medikam
en
ten
übergebrauchskopf
-
schmerz
-
Differentialdiagnose: Kopfschmerz vom Spannungstyp als zugrunde
liegendes Kopfschmerzsyndrom, Differentialdiagnose: zusätzliche psy
chosomatische Schmerzkomponente im Rahmen eines chronischen Schmerzsyndroms mit psychischen Faktoren
-
chronisches Schmerzsynd
rom
muskuloskelettal
und
myofasz
ial
-
primär
lumbospondylogen
mit
pseudoradikulärer
Ausstrahlung in das rechte Bein (keine
radikuläre
n
Ausfälle), aktuell zervikal und am Schul
tergürtel rechtsbetont
Ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beurteilten sie nachste
hende Diagnosen (S. 68):
-
Fibromyalgiesyndrom
seit 2003 mit vielen vegetativen Begleitbeschwer
den und hoher Inanspruchnahme des medizinischen Systems
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F
45.0)
-
Differentialdiagnose: Konversionsstörung (ICD-10 F44.9)
-
a
kzentuierte narzisstische und
histrionische
Persönlichkeitszüge (ICD-10
Z73.1)
-
Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56.0)
-
Status nach zerrütteten Ehen (ICD-10 Z63.5), Unstimmigkeiten innerhalb der Familie (ICD-10 Z63.8), Status nach leichter depressiver Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4)
-
neuropsychologisch: nicht authentische neuropsychologische Störungen
Rheumatologisch sei – so
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie – ein
diffuses
myofasziales
Schmerzsyndrom
festzustellen
, zu bezeichnen auch als unspezifischer
multilokulärer
Weichteilschmerz mit vie
len vegetativen Begleitbeschwer
den seit
2003, d.h. seit die Beschwerdeführerin 33-jährig sei (S. 69).
Dr.
med.
J._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, schilderte, w
ie
im psychiatrischen Gutachten
vom 3
0.
März 2006
durch Dr.
Z._
ausführ
lich und nach
vollziehbar dargestellt, handle
es sich bei
der Beschwerdeführerin um eine Somatisierungsstö
rung (ICD-10 F45.0) bei zugrundeliegenden akzentuierten
histrionischen
und narzisstischen Persönlichkeitszügen (
ICD-10 Z73.1
) bei mul
tiplen psychosozialen Belastungssituationen.
Sie
klage
seit 2001 (aktenkundig) über multiple und wechselnde körperliche Symptome (gastrointestinale Beschwerden, Störungen der Haut und vor allem
muskuloskelettale
Schmerzen) un
d beanspruch
e deswegen sowohl di
e Primärversorgung als auch
spezialisiert
e
medizinische Ein
richtungen. Vorliegend
bekannte somatische Krankheiten
wür
den
nicht die Schwere, das
Ausmass, die Vielfalt und die Dauer der körperlichen Beschwerden und die da
mit subjektive verbundene sozia
le Behinderung
erklären
. Die Art der Darstellung der subjektiv empfundenen Symptome mute dissoziativ an im Sinne einer soma
toformen Dissoziation. Es passe
hierzu, dass in der DSM-Klassifikation Konversionsstörungen als somatofo
rme Störungen verstanden würden. Durch die zugrundelie
genden
histrionischen
und narzisstischen Persön
lichkeitszüge
– so der Gutachter weiter – bestehe
bei der
Beschwerdeführerin
die Neigung, ihre Beschwerden dramatisch und in übertriebener Weise darzustellen, womit sie die Aufmerksamkeit
ihrer Umgebung auf sich lenke
. Depressive Ver
stimmungen
würden e
ine Somatisierungsstörung sehr oft
begleiten
,
würden aber
die eigenständige Diagnose einer depressiven Störung nicht
rechtfertigen
. Anam
nestisch
lasse
sich kein depressives Syndrom im Sinne der ICD-Klassifikation eru
ieren. Auch
sei die Beschwerdeführerin
gemäss aktuelle
n
psychop
athologischen Befunden nicht de
pressiv. Psychos
oziale Belastungsfaktoren würden
sowohl ursächlich als auch für die Fortdauer der Somatisierungsstörung im Zusammen
hang
stehen (S. 69).
Dipl. Psych.
K._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP
,
berichtete, aus
neuropsychologis
cher Sicht würde
sich aus der Zusa
mmenschau der Verhaltens
beobach
tung, des Testprofils und der Ergebnisse der
Beschwerdenvalidierung
Hinweise für vor allem nicht-authentische neuropsychologische Störungen
erge
ben
. Mit den in
den Akten beschriebenen Diagno
sen s
eien die aktuell erhobenen, zum Teil ausgeprägten Minderl
eistu
ngen nicht zu vereinbaren. Ebenfalls nicht erklärbar seien
die schwachen Ergebnisse in der neuropsychologischen Testung durch die Fremdsprachlichkeit und das niedrige Bildungsniveau, da die
Beschwer
deführerin
sehr schwache und inkonsistente Leistungen auch in sprachfreien und
sehr einfachen Aufgaben erbringe
. Die oben beschriebenen Inkonsistenzen und
die Ergebnisse der
Beschwerdenv
alidierung
mit teilweise auf Zufallsni
veau lie
genden Resultaten würden
bei zweifelsfrei angestrebtem Krankheitsgewinn auf eine bewusste Selbstlimitierung hin
weisen (S. 70)
.
Die
Dres
. med.
L._
, Facharzt für Neurologie, und
M._
, Assistenzärztin Neurologie, gaben an, die Beschwerdeführerin klage vordergründig über ein lum
bales Schmerzsyndrom. Fokalneurologische Ausfälle, insbesondere
radikuläre
sensomotorische Ausfälle, seien
im neurologischen Untersuchungsbefund
nicht
dokumentiert
.
In den radiologischen Untersuchungen der Wirbelsäule sei neben einer leichten
Diskusprotrusion
L4/5 mit leichter
foraminaler
Einengung keine relevante Kompression
nervaler
Strukturen festgestellt worden
(S. 70). Weiter leide die Beschwerdeführerin an
einem chronischen Kopfschmerzsyndrom.
Ent
sprechend des anamnestischen Beschwerdeverlaufs und der Angabe einer
Chro
nifizierung
der Beschwerden unter einem jahrelangen
Analgetikakonsum
im Rah
men der Rückenschmerzen liege aktuell in
erster Linie ein Medikamenten
ü
ber
gebrauchsk
opfschmerz vor. Der Paracetamol-
Medikamentenspiegel sei im Rah
men der aktuellen Be
gutachtung bestimmt worden und
deutlich über dem Refe
renzbereich gelegen.
Hinweise auf eine sekundäre, symptomatische Kopfschmerz
genese würden anamnestisch und klinisch nicht bestehen, weshalb keine Indika
tion zur Durchführung einer zerebralen Bildgebung bestehe. Bezüglich des statt
gehabten Traumas der rechten Schulter würde sich klinisch kein Anhalt für ein neurologisches Beschwerdebild ergeben (S. 65).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit kann dem Gutachten entnommen werden, dass sich internistisch und rheumatologisch keine relevanten Einschränkungen finden, welche mittel- oder langfristig das Leistungsvermögen wesentlich reduzieren. Auch aus psychiatrischer Sicht bestehe keine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Unter Berücksichtigung der chronischen Kopfschmerzsympto
matik und des chronischen Schmerzsyndroms sei aus neurologischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 20
%
durch einen regelmässi
gen Pausenbedarf und die Vermeidung von Schi
chtarbeit gegeben (S. 70). Dies
würde spätestens seit der aktuellen Begutachtung gelten (S. 71).
3.2.6
Im Bericht über die neurologische Verlaufsuntersuchung vom
5.
September 2017 gab
Dr.
med.
N._
, Facharzt FMH für Neurologie an, die Beschwerdeführerin leide seit circa 15 Jahren an Migränekopfschmerzen. Diese hätten sich weitge
hend chronifiziert und seien phasenweise derart intensiv, dass sie zu keiner Aktivität fähig sei. Neurologisch seien die Befunde unauffällig, sodass eine organ-neurologische Ursache nicht anzunehmen sei. Bei seit Jahren rezidivieren
den Lumbalgien hätte die neurologische Untersuchung keine Hinweise für eine relevante Läsion einer lumbalen oder sakralen Wurzel ergeben. Die Befunde an den unteren Extremitäten seien unauffällig gewesen (
Urk.
7/104).
3.2.7
In Beantwortung der Anfrage der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin gab der nämliche Arzt am 2
3.
November 2017 an, eine nochmalige neurologische Untersuchung habe eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung der Halswir
belsäule
mit palpatorisch deutlich verdickter und
druckdolenter
Nacken- und Schultermuskulatur
um insgesamt 50
%
ergeben. Bei Kopfschmerzen im Aus
mass, wie sie die Beschwerdeführerin erleide, bestehe in der Regel eine gänzliche
Arbeitsunfähigkeit. Da es dazwischen immer wieder bessere Momente gebe, dürfte die effektive Arbeitsunfähigkeit mindestens 50
%
betragen (Urk. 7/105).
4.
4
.1
Soweit die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf ihre sprachlichen Fähigkeiten das Auftreten von Missverständnissen
im Rahmen der Begutachtung
durch die
A._
ag
für möglich hält
(
Urk.
1 S. 7), ist daran zu erinnern, dass sie mit Schreiben vom 2
4.
Januar 2017
darauf aufmerksam gemacht
worden ist
, dass sie sich bei für die Begutachtung nicht ausreichenden Deutschkenntnissen zwecks Organisation eines Dolmetschers bei der Abklärungsstelle zu melden habe (Urk.
7/79). Eine entsprechende Mitteilung
erfolgte weder durch die Versicherte noch durch ihre
Rechtsvertreterin, die das Schrei
ben ebenfalls erhalten hatte
. Hinzu kommt, dass die die Beschwerdeführerin aktuell behandelnde Psychologin
E._
(
Urk.
7/
80 S.
51) deutsch, englisch und ungarisch (
www.mzg.ch
; zuletzt
besucht am 12.
August 2019) und damit
ebenfalls
nicht die Muttersprache der Versicherten (vgl.
Urk.
7/19 S. 2) spricht.
Auch anlässlich der von ihr bei Dr.
med. Dipl.-Psych.
O._
, Leitender Arzt an der
P._
, initiierten Begutachtung war – soweit aktenkundig – kein Dolmet
scher anwesend (Urk. 7/39/9-15).
Ausserdem ging die Beschwerdeführerin zwei Jahre
in
Q._
zur Schule und lernte schnell deutsch (
Urk.
7/19 S. 3 und S.
11, 7/39/9-15 S. 2, 7/48 S. 4,
7/64/2-6 S. 2 und 7/80 S. 51
).
4.2
Zu
R
echt gibt die Beschwerdeführerin an, dass die
nicht korrekte Wiedergabe von Namen ihrer Therapeuten oder grammatikalische Fehler an der Beweiskraft der
Expertise der
A._
ag
vom
7.
April 2017 nichts
zu ändern vermögen
(
Urk.
1 S. 7).
Auch lässt sich gestützt darauf
kein
Rückschluss auf die Qualität des Gutachtens ziehen. Dies gilt umso mehr
, als das
von ihr als integrierender Bestandteil der Beschwerde
bezeichnete
Schreiben der Therapeuten des Medizini
schen Zentrums
B._
vom 2
1.
Juli 2017 (
Urk.
1 S. 7) gleichfalls gram
matikalische Fehler enthält (
Urk.
7/103) und sie deswegen deren Beweiswertigkeit nicht in Frage stellt.
5.
5.1
Es verbleibt
,
auf d
ie materiellen Rügen einzugehen.
Das auf einlässlichen internistischen, rheumatologischen, neurologischen, neu
ropsychologischen und psychiatrischen Untersuchungen beruhende, die fallrele
vanten
Vorakten
sowie die geklagten Beschwerden berücksichtigende Gutachten der
A._
ag
entspricht den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine
beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.6 hievor). Nach einleuchtender Darlegung der medizinischen Zusammenhänge gelangten die Experten zur begründeten Schlussfolgerung, dass aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
in der bisherigen und einer angepassten Tätigkeit bestehe.
5.2
5.2.1
Die Rüge der Beschwerdeführerin, die «Beschwerdeerhebung» im psychiatrischen Teilgutachten falle äusserst oberflächlich aus (
Urk.
1 S. 7), erweist sich als unzu
treffend.
Unrichtig sind auch die
Ausführungen der Therapeuten des Medizini
schen Zentrums
B._
, wonach vom psychiatrischen G
utachter
Vergess
lichkeit,
Konzentrationsstörungen
und Schmerzen als (einzige)
objektive Befunde erhoben
worden seien (
Urk.
7/103/1-3 S. 2). Der Experte berichtete
vielmehr von einer bewusstseinsklaren und allseits orientierten Versicherten. Das formale Den
ken sei geordnet und
gut
nachvollziehbar
.
Sie klage zwar über Vergesslichkeit im Zusammenhang mit der Schmerzempfindung, doch während der Untersuchung seien die
mnestischen und kognitiven
Funktionen unauffällig gewesen. Insbeson
dere seien keine Störung des Gedächtnisses, des Konzentrationsvermögens, der Aufmerksamkeit oder der Auffassung vorhanden. Inhaltliche Denkstörungen wie Wahnvorstellungen, Sinnestäuschungen, Halluzinationen oder Ich-Störungen seien nicht eruierbar. Die Stimmung
sei
dysphorisch
bei noch ausreichend vor
handener Modulationsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin verbringe die meiste Zeit der Konsultation stehend und gehe im Untersuchungszimmer umher. Die beklag
ten Beschwerden würden jedoch ohne emotionale Beteiligung «à la belle
indiffe
rence
» dargestellt. Der affektive Rapport sei distanziert. Mimik, Gestik, Antrieb und Psychomotorik seien unauffällig (
Urk.
7/80 S. 52).
Inwiefern die
vom Exper
ten erhobenen Befunde
keine fundierte
und differenzierte
Beurteilung des Gesundheitsschadens er
lauben (
Urk.
1 S. 7), ist damit
nicht zu sehen.
5.
2.2
Was das Vorbringen der Beschwerdeführerin, es fehle im Zusammenhang mit der neuropsychologischen Prüfung eine Auseinandersetzung mit den gezeigten Dis
krepanzen in der Leistungskonsistenz und ihrer sprachlichen Limitierung bei der Erfassung der Testinstruktionen (
Urk.
1 S
.
7), betrifft, geht aus dem
R._
-Gut
achten hervor, dass die Beschwerdeführerin sehr schwache und inkonsistente Leistungen auch in sprachfreien und sehr einfachen Aufgaben erbrachte
(Urk. 7/80 S. 53)
. Die Ergebnisse sind damit weder durch die Fremdsprachlichkeit noch das niedrige Bildungsniveau zu erklären. Zur Leistungskonsistenz führte die Gutachterin aus, zur Validierung der kognitiven Leistungserfassung seien in der aktuellen Untersuchung zwei unterschiedlich
e
nonverbale Bes
chwerdevalidie
rungsverfahren durchgeführt worden. Die Ergebnisse der Beschwerdeführerin in
der formalisierten
Beschwerdenvalidierung
seien hoch auffällig mit zum Teil im Zufallsbereich liegenden Ergebnissen. Auch unter Einbezug der übrigen durchge
führten neuropsychologischen Testverfahren
würden sich Auffälligkeiten und Inkonsistenzen zeigen, die auf eine neuropsychologisch
unplausible
Symptom
produktion hinweisen und nicht mit den wissenschaftlichen Modellen pathologi
scher Hirnfunktionen zu erklären seien. So erbringe die Beschwerdeführerin zum Teil im Altersnormbereich liegende Leistungen bei schwierigeren Gedächtnis-Anforderungen, während sie bei einfacheren Gedächtnis-Anforderungen ein stark vermindertes Ergebnis erzielt hätte. In einer komplexeren Reaktionsaufgabe habe sie erwartungswidrig schnellere Reaktionen als in einer Einfach-Reaktionsauf
gabe gezeigt. In der Verhaltensbeobachtung hätten sich ebenfalls Hinweise für eine suboptimale Leistungsbereitschaft gezeigt, und zwar eine teilweise ausge
prägte Verlangsamung in der formalen Testung, welche diskrepant zum allgemei
nen psychomotorischen Tempo erscheine
(
Urk.
7/80 S. 53).
Vor diesem Hinter
grund ist nicht zu bemängeln, dass die Gutachterin auf eine bewusste Selbstlimi
tierung und eine eingeschränkte Leistungsbereitschaft schloss.
5.
2.3
In Bezug auf
die divergierende Beurtei
lung der Therapeuten des Medizinischen Zentrums
B._
ist schliesslich anzumerken,
dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei ist. Sie eröffnet der begutachtenden psychiatrischen Fachperson deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern lege
artis
vor
gegangen worden ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizini
schem Behandlungs- und Abklärungsauftrag geht es nicht an, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnde Ärzteschaft nachträglich zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangt oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhält. Anders verhält es sich ledig
lich, wenn die behandelnden Ärztinnen und Ärzte objektiv feststellbare Gesichts
punkte vorbringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung uner
kannt geblieben und geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (
Urteil des Bundesgerichts 9C_363/2018 vom 1
0.
Oktober 2018 E. 4.2.3 mit wei
teren Hinweisen). Dies ist insbesondere beim Bericht der Therapeuten des Medi
zinischen Zentrums
B._
vom 2
1.
Juli 2017 (
Urk.
7/103/1-3) –
der integrierender Bestandteil
der Beschwerde bildet (
Urk.
1 S. 7) – nicht der Fall.
Vor di
esem Hintergrund erübrigen sich
Ausführungen
zur Frage, ob jene projektive oder valide und
reliable
Testverfahren angewandt haben (vgl.
Urk.
1 S. 8
; zur grundsätzlich nur ergänzenden Funktion psychiatrischer Testverfahren vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_344/2013 vom 1
6.
Oktober 2013 E. 3.1.5 mit Hinweisen).
Diesbezüglich ist ohnehin
nicht nachvollziehbar,
weshalb die dabei festgestellte schwere Depression keinen Eingang in die Diagnoseliste fand, wobei
sich diese
auch nicht in den vom Psychiater erhobenen Befunde
n
wiederspiegelt (
Urk.
7/47 und
Urk.
7/62).
5.2.4
Hinsichtlich der umstrittenen Qualifikation der Kopfschmerzen
(
Urk.
1 S. 8 f.)
kann offen
bleiben, ob die fraglichen Beschwerden im Rahmen eines Medikamen
tenübergebrauchskopfschmerzes zu interpretieren sind, wie es die
R._
-Gutach
ter annahmen (
Urk.
7/
80 S. 68)
oder vor dem Hintergrund von Migränekopf
schm
erzen zu sehen sind, wie es die
Bericht
e
von
Dr.
med.
N._
, Facharzt FMH für Neurologie, vom
5.
Septem
ber und 2
3.
November 2017 (Urk.
7/104-105)
nahe
legen
. Denn für die Leistungsberechtigung in der Invalidenversicherung kommt es nicht auf die genaue Diagnose, sondern auf die erwerblichen Auswir
kungen eines Gesundheitsschadens an (Urteil des Bundesgerichts 9C_811/2013 vom
6.
Februar 2014 E. 4.). Zu ergänzen ist jedoch, dass
sich Dr.
N._
hin
sichtlich der eingenommenen Anzahl von Medikamenten einzig auf die subjekti
ven Angaben der Beschwerdeführerin abstütz
t
e, während die Gutachter den Medikamentenspiegel bestimm
t
en.
Auffällig ist zudem, dass die Versicherte den Experten berichtete, sie nehme bis zu vier Mal täglich 1g
Dafalgan
ein (
Urk.
8/80 S. 48, 51 und 61), gegenüber
Dr.
N._
indes nur einen regelmässigen Konsum von einer Tablette à 1g pro Tag bestätigte (
Urk.
7/105 S. 1).
Angesichts
dessen, dass
Dr.
N._
aus neurologischer Sicht unauffällige Befunde erhob (
Urk.
7/104 S. 2) und
eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit einzig mit Kopf
schmerzen begründete (
Urk.
7/105 S. 2), überzeugt seine Beurteilung nicht. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass Schmerzen an sich noch keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bedingen (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 994/06 vom 29. August 2007
E. 3.3 mit Hinweisen).
5.
3
Zusammenfassend sind keine Gründe ersichtlich, die gegen die Beweistauglich
keit des Gutachtens der
A._
ag
sprechen. Daran ändert auch
der im Rah
men des Beschwerdeverfahrens eingereichte Bericht der Therapeuten des Medizi
nischen Zentrums
B._
vom 1
3.
April 2018 (Urk. 10) nichts,
zumal die
sem, da für die Beurteilung des Gesundheitszustands in zeitlicher Hinsicht grund
sätzlich der Zeitpunkt des Verfügungserlasses (hier: 2. Februar 2018) massgebend ist (BGE 129 V 1 E. 1.2), ohnehin die zeitliche Relevanz fehlt.
5.4
Angesichts der von den
Gutachtern der
A._
ag
erhobenen Diagnosen ent
fällt eine
Indikatorenprüfung
gemäss BGE 141 V 281
(
Urk.
1 S. 6 und S. 8;
Urteil des Bundesgerichts 9C_635/2016
vom 1
4.
Dezember 2016 E. 3.2.2).
6.
6.1
In psychischer Hinsicht geht aus dem
R._
-Gutachten
– insbesondere aufgrund des Wegfalls der depressiven Erkrankung – eine gesundheitliche Verbesserung
und eine damit verbundene uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit hervor
.
Eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die zu einer für den
Rentenanspruch relevante
n
Beeinflussung
des Invaliditätsgrades
geführt hätte, wäre im Übrigen auch nicht in
der Beurteilung
der Therapeuten des
Medizini
schen Zentrums
B._
(vom
9.
Dezember 2015)
zu sehen. Diese gingen von einer seit 2003
und damit zum Zeitpunkt der erstmaligen Rentenverweige
rung bereits
bestandenen
, andauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit
aus
(
Urk.
7/47/5-11 S. 7).
6.2
Ob die Beschwerde
führerin seit dem Erlass des Einspracheentscheids vom 14. November 2006 aus somatischer Sicht e
ine relevante gesundheitliche
Verän
derung erlitten hat, ist angesichts des Umstands, dass sie bereits seit mindestens 15 Jahren an Kopfschmerzen leidet (
Urk.
7/105 S. 1), fraglich. Dies kann – wie nachfolge
nd zu zeigen ist – jedoch offen
gelassen werden.
Die Beschwerdeführerin ist
gestützt auf die gutachterliche
Beurteilung in der bis
herigen wie auch in einer adaptierten Tätigkeit aufgrund eines regelmässigen Pausenbedarfs und der Vermeidung von Schichtarbeit zu 20
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/80 S. 70 f.). Damit lässt sich die Invalidität mittels Prozentvergleichs bestimmen und beträgt 20
%
, was nicht rentenbegründen
d
ist.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden und die Beschwerde daher abzuweisen ist.
8.
8.1
Da vorliegend die Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen
Rechts
pflege
gemäss
§
16 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) erfüllt sind (
Urk.
1 S. 2 und
Urk.
3), ist der Beschwerdeführerin in Gutheissung ihres Gesuchs vom
5.
März 2018 (
Urk.
1 S. 2) die unentgeltliche Proessführung zu bewilligen.
8.2
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
ist das Verfahren für die unterliegende Beschwerdeführerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert
nach dem Verfahrensaufwand festzulegen und vorliegend auf
Fr.
800.--anzuset
zen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.