Decision ID: 794c8553-77a0-519d-9bd7-e6d598e7cd61
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 17. April 2013 richtete die Steuerbehörde (Internal Revenue Service
in Washington [IRS]) der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ein
Amtshilfegesuch an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV). Der
IRS stützte sich dabei auf Art. 26 des Abkommens vom 2. Oktober 1996
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und den Vereinigten
Staaten von Amerika zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem
Gebiete der Steuern vom Einkommen (SR 0.672.933.61; DBA-USA 96)
sowie das dazugehörige Protokoll (ebenfalls in SR 0.672.933.61 veröf-
fentlicht; Protokoll 96). Das Gesuch betrifft in den USA steuerpflichtige
Personen (und mit diesen allenfalls verbundene Domizilgesellschaften),
die bei der "Julius Baer Group Ltd." und ihren Niederlassungen oder
Tochtergesellschaften in der Schweiz (nachfolgend: die Julius Bär) Kon-
ten eröffnet oder gehalten hatten. Der IRS ersuchte um Herausgabe von
Informationen über solche Steuerpflichtige, die zu irgendeinem Zeitpunkt
in den Jahren 2002 bis und mit 2012 eine Unterschriftsberechtigung oder
eine andere Verfügungsbefugnis über Bankkonten bei der Julius Bär hat-
ten bzw. wirtschaftlich an bei der Julius Bär gehaltenen bestimmten Kon-
ten berechtigt waren, die dort geführt, überwacht oder gepflegt wurden.
B.
Dabei umschrieb der IRS den Sachverhalt wie folgt:
B.a Die Julius Bär habe ein Geschäftsmodell entwickelt, welches in den
USA steuerpflichtigen Kunden (nachfolgend auch: US-Kunden) ermög-
licht habe, nicht deklarierte (also dem IRS gegenüber nicht offengelegte)
Konten bei der Julius Bär und ihren Nicht-US-Niederlassungen und Toch-
tergesellschaften zu halten und darauf Gelder ("funds") zu deponieren.
IRS-Untersuchungen hätten ergeben, dass es zwischen 2002 und 2009
jeweils notwendig gewesen sei, sich als Kunde bei der Julius Bär mittels
Dokumenten bezüglich Staatsangehörigkeit und aktuellem Wohnort aus-
zuweisen. Die Julius Bär sei dementsprechend über Staatsangehörigkeit
und Wohnort ihrer Kunden informiert gewesen.
B.b Im März 2009 habe der IRS die Möglichkeit einer freiwilligen Offenle-
gung ("voluntary disclosure") für US-Steuerzahler mit nicht deklarierten
Konten ("undisclosed offshore accounts") geschaffen. Mindestens 400
US-Steuerzahler mit Konten bei der Julius Bär hätten von dieser Möglich-
keit Gebrauch gemacht, wobei sich die meisten dieser Konten in der
Schweiz befunden hätten.
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B.c Am 11. Oktober 2011 seien zwei Kundenberater der Julius Bär ange-
klagt worden, US-Kunden dabei geholfen zu haben, gemeinsam mit and-
ren Kundenberatern der Julius Bär Vermögen von mindestens
USD 600'000'000.-- vor dem IRS zu verstecken (Anklageschrift ist das
sog. "Casadei Indictment"). Im "Casadei Indictment" sei beschrieben, wie
US-Bankkunden von Julius Bär in den Kontoeröffnungsunterlagen anga-
ben, dass sie Wohnsitz in den USA hätten und US-Bürger seien und dass
sie zugestimmt hätten, dass die Julius Bär die Post banklagernd halte
und ihnen entsprechende Mitteilungen nicht mit internationaler Post zu-
sende.
B.d Aufgrund der Erkenntnisse aus dem "Casadei Indictment" sowie von
Befragungen und Selbstanzeigen ("voluntary disclosures") von US-
Bankkunden sei vom IRS festgestellt worden, dass die Julius Bär ge-
wusst habe, dass die Bankkonten ihrer US-Kunden nicht deklariert gewe-
sen seien. So habe die Bank keine Formulare "W-9" für die entsprechen-
den Konten erhalten. Weiter hätten die Kundenberater der Julius Bär zur
Verheimlichung der Bankkonten zu Decknamen und Nummern ("code
names and numbers") sowie zu Reisekontoauszügen ("'travelling' account
statements"), die keine Rückschlüsse auf die Berechtigten ermöglichten,
geraten. Die Kundenberater hätten zudem den US-Kunden mitgeteilt,
dass die Julius Bär den Untersuchungen des IRS zu nicht deklarierten
Konten nicht ausgesetzt sei, da sie – anders als die UBS – keine Bank-
präsenz in den USA mehr habe.
B.e Bis ungefähr 2008 habe die Julius Bär in New York eine Niederlas-
sung unterhalten, die ebenfalls dazu gedient habe, Transaktionen der US-
Kunden, die ihre nicht deklarierten Konten betrafen, zu erleichtern. Kun-
denberater der Julius Bär hätten US-Kunden bei der Nutzung von nicht
deklarierten Bankkonten unter Verwendung von Domizilgesellschaften,
Decknamen, Nummern und anderer ausserhalb der US-amerikanischen
Jurisdiktion bestehenden Vorkehrungen ("arrangements") beraten, um die
wirtschaftliche Berechtigung an solchen Konten zu verheimlichen. Diese
"schemes" hätten Folgendes beinhaltet: Eröffnen von nicht deklarierten
Bankkonten unter Verwendung von Decknamen, Namen von Angehöri-
gen ohne US-Staatsbürgerschaft oder Namen von Scheingesellschaften
("sham corporate entities"); Sicherstellen, dass Kontokorrespondenz nicht
an Kunden in den USA gesendet werde; Veranlassen, dass Kunden in die
Schweiz reisen, um Angelegenheiten zu regeln, die diese Bankkonten
betreffen; Reisen von Kundenberatern in die USA, um Bankkunden zu
treffen; sowie Herstellen von Kontoauszügen durch die Kundenberater,
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auf denen absichtlich die Kundennamen fehlten, weil die Kundenberater
nicht wollten, dass die Kunden identifiziert werden könnten. Aufgrund die-
ser "schemes" hätten in der Folge verschiedene Bankkunden falsche US-
Steuererklärungen eingereicht, die weder das aufgrund der Julius-Bär-
Konten erworbene Einkommen noch deren Existenz ausgewiesen hätten.
B.f Unter Mithilfe der Julius Bär hätten US-Kunden, als Teil eines Lügen-
gebäudes ("scheme of lies"), um die US-Steuerbehörden zu täuschen,
Dokumente erstellt und besessen, die wahrheitswidrig und betrügerisch
die an den Konten Berechtigten falsch wiedergegeben hätten, in der Ab-
sicht, Steuerstraf- und Einkommenssteuervorschriften der USA zu verlet-
zen ("criminal and civil income tax laws"). Diese betrügerischen Machen-
schaften hätten eine widerrechtliche und wesentliche Reduktion im Steu-
erbetrag bewirkt, welcher von US-Kunden der Julius Bär betreffend Ein-
kommen und Erträge aus US- oder ausländischen Anlagen bezahlt wor-
den sei.
B.g Kundenberater der Julius Bär seien in die USA gereist, um Kunden
zu treffen und deren Konten inkl. die Performance zu besprechen. Solche
Treffen hätten noch in den Jahren 2006 und 2007 in der New Yorker Nie-
derlassung und an anderen Orten in den USA stattgefunden. Einige US-
Kunden seien von den Kundenberatern jährlich, andere halbjährlich oder
alle zwei Jahre besucht worden. In mehreren Fällen habe die Julius Bär
verlangt oder vorgeschlagen, dass die US-Kunden Stiftungen im Fürsten-
tum Liechtenstein oder Gesellschaften in Drittstaaten gründen und dass
sie Vermögen auf Konten bei der Julius Bär transferieren, die von diesen
Stiftungen bzw. Gesellschaften gehalten werden. Die Kundenberater hät-
ten zudem die US-Kunden an Rechtsanwälte verwiesen, welche die nöti-
gen Kenntnisse für die Gründung einer solchen Stiftung oder Gesellschaft
gehabt hätten.
B.h In anderen Fällen hätten Kundenberater der Julius Bär ihren Kunden
geraten, Dritt-Kundenberater beizuziehen und sie hätten Empfehlungen
abgegeben, wie die Konten zu strukturieren seien, um sie vor einer Ent-
deckung durch den IRS zu schützen. Ein US-Kunde hätte jährliche Tref-
fen mit einem Dritt-Kundenberater – einem ehemaligen Angestellten der
UBS – in New York beschrieben. Dieser Berater sei in einem separaten
Verfahren angeklagt. Aufgrund der Auswertung freiwilliger Selbstanzeigen
("voluntary disclosures") habe sich im Übrigen ergeben, dass eine Anzahl
ehemaliger UBS-Kunden in den Jahren 2008 bis 2009 Konten bei der Ju-
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lius Bär eröffnet und Vermögenswerte in der Schweiz von der UBS zur
Julius Bär überwiesen hätten.
B.i Im Weiteren merkt der IRS an, die Julius Bär und ihre US-Kunden hät-
ten auch in Verletzung des für die Julius Bär am 1. Januar 2001 in Kraft
getretenen "Qualified Intermediary Withholding Agreement" (nachfolgend:
QI-Agreement) gehandelt. Die Julius Bär sei gemäss diesem Agreement
verpflichtet, Einkünfte aus US-Quellen sowie gewisse weitere Beträge,
die an (vermutete) US-Personen bezahlt werden, mittels Formular "1099"
dem IRS zu melden und/oder von diesen Einkünften die "backup withhol-
ding tax" einzubehalten. Als "Qualified Intermediary" (QI) – sowie unter
US-Recht – sei die Julius Bär verpflichtet gewesen, die Identität, die Nati-
onalität sowie den Wohnsitz der Kontoinhaber zu verifizieren. Dies hätte
entweder mittels eines IRS-Formulars "W-8BEN" ("Certificate of Foreign
Status of Beneficial Owner for United States Tax Withholding") bzw. eines
zugelassenen Ersatzformulars oder mittels eines IRS-Formulars "W-9"
("Request for Taxpayer Identification Number and Certification") oder mit-
tels der in den Anhängen zum QI-Agreement umschriebenen Dokumenta-
tion erfolgen müssen.
B.j Zur Untermauerung ihres Standpunktes führt der IRS im Gesuch ein
Beispiel an. Demnach habe ein US-Kunde der Julius Bär, der am Offen-
legungsprogramm der IRS teilgenommen habe, folgenden Sachverhalt
geschildert: Ein US-Bürger und seine Frau, welche beide in einem Dritt-
staat geboren seien, hätten Wohnsitz in den USA gehabt. Der US-Bürger
habe für sich und seine Frau im Jahr 1994 ein Konto eröffnet. Beide Ehe-
gatten hätten Debitkarten erhalten und die Frau habe mit ihrer Karte wäh-
rend ihrer Europareisen Geldbezüge für persönliche Auslagen getätigt. Im
Jahr 2005 sei das Konto, um die Anwendung von erbrechtlichen Bestim-
mungen des Herkunftslandes des Ehemanns zu vermeiden, auf die Ge-
sellschaft "[ ] Investments Ltd." übertragen worden, bei welcher es sich of-
fenbar um eine Domizilgesellschaft handle. Beide Ehegatten hätten auch
nach der Übertragung weiterhin Debitkarten für das Konto gehabt und
diese auch bis unmittelbar vor der Offenlegung benutzt. Auf dem Konto
hätten sich mehrere Millionen US-Dollar befunden; die Erträge daraus
seien nicht deklariert worden. Der IRS ist der Ansicht, die Verwendung
dieses Kontos sei nicht nur als Steuerhinterziehung, sondern auch als
Steuerbetrugsdelikt oder dergleichen ("tax fraud or the like") zu bewerten,
da die wirtschaftlich Berechtigten in Missachtung der Gesellschaftsstruk-
turen weiterhin die Kontrolle über das Konto ausübten und Bargeldbezü-
ge tätigten, ohne eine entsprechende Berechtigung zu besitzen.
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Seite 6
C.
C.a In rechtlicher Hinsicht beruft sich der IRS auf Art. 26 DBA-USA 96
sowie Ziff. 10 des Protokolls 96. Der Begriff "Steuerbetrug" ("tax fraud")
bezeichne betrügerisches Verhalten, das eine gesetzwidrige und wesent-
liche Herabsetzung des Betrags der einem Vertragsstaat geschuldeten
Steuer bewirke oder bezwecke. Zudem sei betrügerisches Verhalten an-
zunehmen, wenn der Steuerpflichtige Konstrukte gebrauche oder zu
gebrauchen beabsichtige, die üblicherweise die Erstellung von falschen
oder verfälschten Dokumenten mit sich bringen oder sich eines Lügenge-
bäudes bediene oder zu bedienen beabsichtige, um damit die Steuerbe-
hörden zu täuschen. Gemäss US-Recht seien US-Bürger und dort wohn-
hafte Personen verpflichtet, ihr weltweites Einkommen in ihren jährlichen
Einkommenssteuererklärungen anzugeben. Um den IRS zu täuschen,
hätten Angestellte der Julius Bär und die US-Kunden der Julius Bär ver-
schiedene "schemes" geschmiedet. Sie hätten dazu wissentlich und vor-
sätzlich Schritte unternommen, um betrügerisch und fortgesetzt wesentli-
che Summen an US-Steuern zu hinterziehen. Dabei seien u.a. Domizil-
gesellschaften benutzt worden, um falsche Dokumente zu erstellen, und
falsche Steuerformulare erstellt und eingereicht oder Steuerformulare
überhaupt nicht eingereicht worden.
C.b Der IRS hält fest, er habe in seinem Amtshilfegesuch und den dazu-
gehörenden Beilagen genügend Anhaltspunkte dargelegt, die einen hin-
reichenden Verdacht auf ein Verhalten von US-Steuerpflichtigen begrün-
den, welches die US-Gesetzgebung verletzt und die Schwelle von "Be-
trugsdelikten und dergleichen" im Sinne von Art. 26 DBA-USA 96 erreicht.
Das Amtshilfegesuch sei damit im Einklang mit den Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts vom 5. März 2009 und 5. April 2012. Die Schweizer
Gerichte hätten in konstanter Rechtsprechung festgehalten, die Verwen-
dung von Domizilgesellschaften würde ein Lügengebäude darstellen,
wenn erstens diese gegründet worden seien, um steuerbares Einkommen
vor den US-Steuerbehörden zu verstecken und um eine rechtswidrige
und wesentliche Herabsetzung der vom wirtschaftlich Berechtigten ge-
schuldeten Einkommenssteuer zu erreichen. Zweite Voraussetzung bilde
die Tatsache, dass der wirtschaftlich Berechtigte die getrennte rechtliche
Existenz der Domizilgesellschaft nicht respektiert und das sog. "Spiel der
Gesellschaft" nicht korrekt gespielt habe. Dies sei vorliegend der Fall.
C.c Zusammengefasst ist der IRS der Auffassung, dass jedes Konto bei
der Julius Bär, welches den "selection criteria" (dazu Sachverhalt C.g)
entspricht, den Standard von "Betrugsdelikten und dergleichen" aufweise.
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C.d Das Amtshilfeersuchen listet schliesslich auch die betroffenen Tatbe-
stände nach US-Recht auf.
C.e Schliesslich nimmt der IRS Bezug auf Art. 6 des Bundesgesetzes
vom 28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersa-
chen (StAhiG; SR 672.5) und erklärt, das Ersuchen entspreche den ge-
setzlichen Anforderungen.
C.f Die US-Behörden ersuchten im Amtshilfegesuch um Herausgabe von
Kontoinformationen über US-Kunden von Julius Bär und allenfalls mit
diesen verbundenen Domizilgesellschaften sowie von sämtlichen sich im
Besitz der Julius Bär befindenden massgeblichen Kontounterlagen, Kor-
respondenzen, Daten des internen Managementsystems, internen Auf-
zeichnungen und anderen Belegen, die mit den Handlungen, auf die sich
der Verdacht richte, im Zusammenhang stünden. Des Weiteren wurde um
die Auflistung sämtlicher US-Personen ersucht, die mit dem Konto in Ver-
bindung stünden, dies über die wirtschaftliche Berechtigung am Konto
oder die Eigentümerschaft am Konto hinaus.
C.g Im Amtshilfegesuch wurde zudem näher umschrieben, welche Eigen-
schaften die Konten erfüllen müssten, bei denen ein Verdacht bestehe,
die an ihnen berechtigten Personen hätten "Betrugsdelikte und derglei-
chen" begangen (sog. "search criteria").
D.
Am 30. April 2013 forderte die ESTV die Julius Bär schriftlich auf, die vom
IRS verlangten Unterlagen samt unterzeichneten "Certifications of Busi-
ness Records" in verschiedenen Teillieferungen bis spätestens am
31. Mai 2013 einzureichen. Die Julius Bär kam dieser Aufforderung frist-
gerecht nach.
Zugleich forderte die ESTV die Julius Bär auf, die betroffenen Personen
zu informieren.
E.
Am 2. Juli 2013 erschien im Bundesblatt eine Mitteilung der ESTV über
das Amtshilfeverfahren (Mitteilung der Eidgenössischen Steuerverwaltung
[ESTV] über das Amtshilfeverfahren des Internal Revenue Service [IRS]
der Vereinigten Staaten von Amerika vom 17. April 2013 betreffend Bank
Julius Bär & Co. Ltd Kundenverhältnisse, BBl 2013 4850 ff.).
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Seite 8
F.
In ihrer Schlussverfügung vom 16. August 2013 gelangte die ESTV zum
Ergebnis, A._, wohnhaft in [ausländischer Wohnsitz], sei an der
B._ S.A. mit Sitz in [ausländischer Sitz] wirtschaftlich berechtigt
und in seinem Fall seien sämtliche Voraussetzungen erfüllt, um dem IRS
Amtshilfe zu leisten und die Unterlagen zu edieren.
G.
Da A._ innert Frist keinen Zustellungsbevollmächtigten bezeichnet
hatte, wurde die Schlussverfügung der ESTV vom 16. August 2013 am
19. August 2013 an die von der ESTV bezeichneten Zustellungsbevoll-
mächtigten zugestellt.
H.
Mit Eingabe vom 16. September 2013 liess A._ (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) gegen die genannte Schlussverfügung der ESTV
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen,
die Schlussverfügung der ESTV vom 16. August 2013 sei aufzuheben
und die Erteilung von Amtshilfe zu verweigern. Prozessual sei das Be-
schwerdeverfahren zu sistieren, bis die ESTV über ein von ihm am
17. September 2013 eingereichtes Wiedererwägungsgesuch entschieden
habe. Zudem beantragt der Beschwerdeführer, es sei ihm Frist anzuset-
zen, um die Begründung der Beschwerde zu ergänzen – alles unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ESTV.
I.
Mit Schreiben vom 17. September 2013 bestätigt die ESTV dem Be-
schwerdeführer, dass auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten
werde.
J.
Mit Vernehmlassung vom 21. Oktober 2013 beantragt die ESTV, Sistie-
rungsgesuch und Beschwerde seien kostenpflichtig abzuweisen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird – soweit sie entscheid-
relevant sind – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
A-5390/2013
Seite 9

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfegesuch des IRS gestützt
auf Art. 26 Ziff. 1 DBA-USA 96 zugrunde. Die Durchführung der mit die-
sem Abkommen vereinbarten Bestimmungen richtet sich nach dem StA-
hiG, welches am 1. Februar 2013 in Kraft getreten ist (Art. 1 Abs. 1 Bst. a
und Art. 24 StAhiG im Umkehrschluss).
1.2 Das StAhiG hält fest, dass die Schlussverfügung der ESTV betreffend
die Übermittlung von Informationen der Beschwerde nach den allgemei-
nen Bestimmungen über die Bundesrechtspflege unterliegt. Jede der
Schlussverfügung vorangehende Verfügung, einschliesslich einer Verfü-
gung über Zwangsmassnahmen, ist sofort vollstreckbar und kann nur zu-
sammen mit der Schlussverfügung angefochten werden (Art. 19 Abs. 1
und 5 StAhiG). Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005
über das Bundesverwaltungsgericht (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren (VwVG; SR 172.021). Zu den beim Bundesverwaltungsgericht an-
fechtbaren Verfügungen gehört damit auch die Schlussverfügung der
ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe (Art. 32 VGG im Umkehr-
schluss und Art. 19 Abs. 5 StAhiG). Die Zuständigkeit des Bundesverwal-
tungsgerichts zur Behandlung der Beschwerde ist somit gegeben. Der
Beschwerdeführer erfüllt die Voraussetzungen der Beschwerdebefugnis
nach Art. 48 Abs. 1 VwVG und Art. 19 Abs. 2 StAhiG (vgl. in diesem Sinn
letztlich auch BGE 139 II 404 E. 2.1 und 2.3 sowie Urteil des Bundesge-
richts 2C_511/2013 vom 27. August 2013 in BGE 139 II 451 nicht publi-
zierte E. 1.4). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2.
2.1 Ein Verfahren kann auf Antrag einer Partei oder von Amtes wegen bei
Vorliegen besonderer Gründe bis auf Weiteres bzw. bis zu einem be-
stimmten Termin oder Ereignis sistiert werden. Die Sistierung eines Ver-
fahrens muss jedoch durch zureichende Gründe gerechtfertigt sein. Eine
Verfahrenssistierung kommt namentlich aus prozessökonomischen Grün-
den in Betracht, so z. B. bei Hängigkeit eines anderen (gerichtlichen) Ver-
fahrens, dessen Ausgang für das hängige und zu sistierende Verfahren
von präjudizieller Bedeutung ist (BGE 130 V 90 E. 5; statt vieler: Urteile
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des Bundesverwaltungsgerichts A-8104/2007 vom 13. Februar 2008
E. 2.5 und A-3924/2012 vom 18. Februar 2013 E. 3.1; ANDRÉ MO-
SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, 2. Aufl., Basel 2013, Rz. 3.14 ff.).
2.2 Der Beschwerdeführer begründet seinen Sistierungsantrag damit,
dass er bis zur Einreichung der Beschwerde und des Sistierungsantrags
weder im Besitze des Widererwägungsentscheids der ESTV noch der
Verfahrensakten gewesen sei und damit zu wenig Zeit gehabt habe, eine
mit voller Kenntnis des Sachverhalts erfolgte Beschwerde einzureichen.
Mit Schreiben vom 17. September 2013 hat die ESTV das Widererwä-
gungsgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen und ihm die Verfah-
rensakten auf einem USB-Datenträger zugestellt. Spätestens seit dieser
Zustellung war es dem Beschwerdeführer möglich, seine Beschwerde-
schrift vom 16. September 2013 an das Bundesverwaltungsgericht zu
verbessern und zu ergänzen und diesem weitere Eingaben zu machen.
Diese Möglichkeit hat er aber nicht wahrgenommen.
2.3 Der Beschwerdeführer war auch nicht wegen Art. 19 Abs. 4 StAhiG an
der Verbesserung seiner Beschwerde gehindert. Diese Bestimmung sieht
vor, dass grundsätzlich nur ein Schriftenwechsel im Beschwerdeverfahren
stattfindet. Diese Regelung ist in ihrer Bedeutung insofern relativiert, als
gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts in Gerichtsverfahren
die Parteien die Möglichkeit haben, zu jeder Eingabe von Vorinstanz und
Gegenpartei Stellung zu nehmen, dies unabhängig davon, ob ein zweiter
Schriftenwechsel angeordnet, eine Frist zur Stellungnahme angesetzt
oder die Eingabe lediglich zur Kenntnisnahme oder zur Orientierung zu-
gestellt worden ist (BGE 139 I 189 E. 3.2; BGE 138 I 154 E. 2.2.3; MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.47 m.w.H.). Gemäss Art. 5 Abs. 1
StAhiG findet zudem Art. 32 Abs. 2 VwVG Anwendung. Gemäss dieser
Bestimmung können verspätete Parteivorbringen, die ausschlaggebend
erscheinen, trotz der Verspätung noch berücksichtigt werden.
2.4 Im Übrigen ist vorliegend kein anderes gerichtliches Verfahren hän-
gig, das eine Sistierung rechtfertigen würde. Die ESTV hat das Wieder-
erwägungsgesuch bereits am 17. September 2013 abschlägig beantwor-
tet (vgl. Sachverhalt I).
2.5 Das Sistierungsbegehren mit dem Begehren um Nachfristsetzung für
die Ergänzung der Beschwerdeschrift ist nach dem Ausgeführten abzu-
weisen.
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Seite 11
3.
3.1 Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steuersachen gegenüber
den USA ist Art. 26 DBA-USA 96. Demnach tauschen die zuständigen
Behörden der beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen (gemäss den
Steuergesetzgebungen der beiden Vertragsstaaten erhältlichen) Auskünf-
te aus, die notwendig sind für die Durchführung der Bestimmungen des
Abkommens oder "für die Verhütung von Betrugsdelikten und derglei-
chen, die eine unter das Abkommen fallende Steuer zum Gegenstand
haben" (Art. 26 Ziff. 1 DBA-USA 96). Da das US-Steuerrecht den für die
Anwendung von Art. 26 DBA-USA 96 massgebenden Unterschied zwi-
schen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug nicht kennt, wird in Ziff. 10
des gleichzeitig mit dem DBA-USA 96 vereinbarten Protokolls 96 zum
Abkommen der Begriff des Steuerbetrugs im Sinn der bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung zur internationalen Rechtshilfe in Strafsachen um-
schrieben (vgl. dazu ausführlich unten E. 6.1 bis 6.3; Urteil des Bundes-
gerichts 2C_269/2013 vom 5. Juli 2013 E. 9.3 mit Hinweis auf die Bot-
schaft des Bundesrates vom 10. März 1997, BBl 1997 II 1099; Urteile des
Bundesverwaltungsgerichts A-6011/2012 vom 13. März 2013 E. 4.1,
A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 3.1.1, A-2866/2011 vom 12. Dezember
2011 E. 3.1.1, A-5529/2008 vom 26. Januar 2009 E. 3).
3.2 Bei den Art. 26 Ziff. 1 DBA-USA 96 unter das Abkommen fallenden
Steuern handelt es sich um Einkommenssteuern (Art. 2 Ziff. 1 DBA-
USA 96), wobei in den USA insbesondere die Bundeseinkommensteuern
in Betracht kommen (Art. 2 Ziff. 2 Bst. b DBA-USA 96). Ebenfalls dazu
gehört die sog. "backup withholding tax", eine Sicherungssteuer, die auf
Dividenden, Zinsen und dem Verkaufs- bzw. Rückzahlungserlös erhoben
wird (dazu unten insb. E. 6.5.2.3). Dabei ist der Informationsaustausch
nicht durch Art. 1 dieses Abkommens (persönlicher Geltungsbereich) ein-
geschränkt. Die zuständige Behörde eines Vertragsstaates erteilt auf
ausdrückliches Ersuchen der zuständigen Behörde des anderen Ver-
tragsstaates die Auskünfte durch Übermittlung beglaubigter Kopien von
unveränderten Originalunterlagen und -dokumenten (Art. 26 Ziff. 1 Bst. a
und b DBA-USA 96; ausführlich dazu: Urteile des Bundesgerichts
2A.250/2001 vom 6. Februar 2002 E. 5a und 2A.551/2001 vom 12. April
2002 E. 3).
Dass der Informationsaustausch nicht auf abkommensberechtigte Perso-
nen beschränkt ist, bedeutet, dass die zu übermittelnden Auskünfte auch
nicht ansässige Personen betreffen können (Urteil des Bundesgerichts
2A.233/2003 vom 22. Dezember 2003 E. 3.2). Eine unbeschränkte Steu-
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Seite 12
erpflicht der vom Amtshilfegesuch betroffenen Person in den USA ist kei-
ne Voraussetzung für die Leistung von Amtshilfe.
4.
Die ESTV nimmt bei Ersuchen der zuständigen US-Behörden um Infor-
mationsaustausch zur Verhütung von Betrugsdelikten nach Art. 26 DBA-
USA 96 eine Vorprüfung i.S.v. Art. 6 StAhiG vor. Diese beschränkt sich
auf die Frage, ob die Voraussetzungen nach Art. 26 DBA-USA 96 i.V.m.
Ziff. 10 des Protokolls 96 bzw. Art. 6 StAhiG glaubhaft gemacht worden
sind. In diesem Verfahrensstadium der prima-facie-Vorprüfung hat die
ESTV bezüglich Anfragen aus den USA noch nicht zu prüfen, ob die Vor-
aussetzungen des Informationsaustausches erfüllt sind oder nicht.
Nach wie vor hat sich damit die ESTV erst in der Schlussverfügung im
Sinn von Art. 17 StAhiG zur Frage zu äussern, ob ein begründeter Ver-
dacht auf ein Betrugsdelikt im Sinn von Art. 26 DBA-USA 96 vorliegt und
ob die von den US-Steuerbehörden genannten Sachverhaltselemente
und Daten tatsächlich hinreichend bestimmt sind, um nach schweizeri-
schem Recht als Recht des ersuchten Vertragsstaates die angeforderten
Daten zu beschaffen und letztlich zu einem Informationsaustausch zu
schreiten (so bereits schon: Art. 20j Abs. 1 der Verordnung zum schwei-
zerisch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommen vom 2. Oktober
1996 [Vo DBA-USA; SR 672.933.61]). Schliesslich hat sie mit der
Schlussverfügung zu entscheiden, welche Informationen an die zuständi-
ge US-Behörde übermittelt werden dürfen (vgl. Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-7789/2009 vom 21. Januar 2010 [auszugsweise publiziert
in: BVGE 2010/7] E. 2.2). Haben sich hinreichende Anhaltspunkte dafür
ergeben, dass der inkriminierte Sachverhalt erfüllt sein könnte, ist der
Tatverdacht zu bejahen; die Amtshilfe ist nur dann zu verweigern, wenn
es dem vom Amtshilfeverfahren Betroffenen gelingt, den begründeten
Tatverdacht mittels Urkunden klarerweise und entscheidend zu entkräften
(BGE 139 II 451 E. 2.3.3; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-6011/2012 vom 13. März 2013 E. 5 m.w.H.).
Auf das Ersuchen wird gemäss Art. 7 StAhiG aber nicht eingetreten,
wenn (1) es zum Zweck der Beweisausforschung gestellt worden ist
(E. 5.1), (2) Informationen verlangt werden, die von den Amtshilfebestim-
mungen des anwendbaren Abkommens nicht erfasst sind, oder (3) das
Ersuchen den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, z. B. wenn es
auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht strafba-
re Handlungen erlangt worden sind.
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Seite 13
5.
5.1
5.1.1 Wie jedes staatliche Handeln muss auch die Amtshilfe verhältnis-
mässig sein (BGE 139 II 404 E. 7.1 ff., insb. 7.2.3; Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts A-6011/2012 vom 13. März 2013 E. 7 m.w.H.). Das ver-
fassungsmässige Gebot der Verhältnismässigkeit gemäss Art. 5 Abs. 2
der Bundesverfassung vom 18. April 1999 der Schweizerischen Eidge-
nossenschaft (BV; SR 101) verlangt, dass staatliche Hoheitsakte für das
Erreichen eines im übergeordneten öffentlichen Interesse liegenden Zie-
les geeignet, notwendig und dem Betroffenen zumutbar sein müssen. Ei-
ne Zwangsmassnahme ist namentlich dann unverhältnismässig, wenn ei-
ne ebenso geeignete mildere Anordnung für den angestrebten Erfolg aus-
reicht. Der Eingriff darf in sachlicher, räumlicher, zeitlicher und personeller
Hinsicht nicht einschneidender sein als notwendig (BGE 126 I 112 E. 5b
mit Hinweisen).
5.1.2 Das auch bei der Amtshilfe gemäss Art. 7 Bst. a StAhiG geltende
Verbot der Beweisausforschung ist Ausdruck des Verhältnismässigkeits-
prinzips, dem bei einem Eingriff in die verfassungsmässigen Rechte
Rechnung getragen werden muss (vgl. DINA BETI, La nouvelle loi sur l'as-
sistance administrative en matière fiscale – une vue d'ensemble, ASA 81
[2012/13], 181 ff., 190). Art. 26 Abs. 1 des OECD-Musterabkommens zur
Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom
Einkommen und vom Vermögen, welcher den hier interessierenden The-
menbereich beschlägt, benutzt den Begriff der voraussichtlichen Erheb-
lichkeit der Information ("information as is foreseeably rele-
vant/renseignements vraisemblablement pertinents"), gemeint ist aber
auch hier die Verhältnismässigkeit der Informationsübermittlung und das
Verbot der Beweisausforschung ("fishing expedition"). Verschiedene An-
gaben können die voraussichtliche Erheblichkeit der verlangten Informa-
tionen belegen. So enthält Art. 26 DBA-USA 96 keine Bestimmungen
über die inhaltlichen Anforderungen, denen ein Amtshilfegesuch des IRS
zu genügen hat. Doch regelt zumindest Art. 6 Abs. 2 StAhiG die Mindest-
anforderungen, welche das Gesuch erfüllen muss (vgl. unten E. 5.1.4).
5.1.3 Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung können die Grundsät-
ze über die internationale Rechtshilfe auch beim Informationsaustausch
nach Art. 26 DBA-USA 96 herangezogen werden (BGE 139 II 404
E. 7.2.2). Dies entspricht denn auch ständiger Praxis und erscheint ange-
sichts des vor steuerstrafrechtlichem Hintergrund vergleichbaren Zwecks
von Amts- und Rechtshilfeverfahren als sachgerecht. Bisher wurde daher
A-5390/2013
Seite 14
insbesondere auf die Grundsätze in Art. 28 des Bundesgesetzes vom
20. März 1981 über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG;
SR 351.1) abgestellt. Demnach müssen die Stelle, von der das Gesuch
ausgeht, und die für das Verfahren zuständige Behörde ebenso genannt
werden, wie der Gegenstand und der Grund des Ersuchens. Des Weite-
ren sind möglichst genaue und vollständige Angaben über die Person zu
machen, gegen die sich das Verfahren richtet. Zudem muss die ersu-
chende Behörde die gesetzlichen Grundlagen der Untersuchung und den
relevanten Sachverhalt darstellen und die gewünschten Auskünfte bzw.
Unterlagen konkret bezeichnen. Soweit die Behörden des ersuchenden
Staates verpflichtet sind, den massgeblichen Sachverhalt darzulegen,
kann zwar von ihnen nicht erwartet werden, dass sie dies bereits lücken-
los und völlig widerspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn und Zweck der
Amtshilfe (wie mit jenem der Rechtshilfe) nicht vereinbar, sollen doch
aufgrund von Informationen und Unterlagen, die sich im ersuchten Staat
befinden, bisher im Dunkeln gebliebene Punkte erst noch geklärt werden
(Urteil des Bundesgerichts 2A.154/2003 vom 26. August 2003 E. 4.1; Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts B-2700/2013 vom 2. Juli 2013 E. 2;
ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en matière
pénale, 3. Aufl., Bern 2009, Rz. 295). Daher verlangt die Rechtsprechung
von der ersuchenden Behörde nicht den strikten Beweis des Sachver-
halts, doch muss sie hinreichende Verdachtsmomente für dessen Vorlie-
gen dartun. Gegenüber Rechtshilfegesuchen in anderen Fällen werden
an Rechtshilfegesuche betreffend Abgabebetrug aber erhöhte Anforde-
rungen an die Begründung gestellt. Ein begründeter Verdacht auf Steuer-
bzw. Abgabebetrug wurde seit jeher auch im Falle der Auskunftserteilung
nach den Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und den
USA verlangt (zum Ganzen: BGE 139 II 404 E. 7.2.2 und BGE 139 II 451
E. 2.1 und 2.2.1; statt vieler weiterer: Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 6.1.1 m.w.H.).
An dieser Rechtslage bezüglich der Notwendigkeit der Sachverhaltsdar-
stellung hat sich auch durch das Inkrafttreten des StAhiG grundsätzlich
nichts geändert. Zwar äussert sich das Gesetz in Art. 6 Abs. 2 StAhiG 
welcher den notwendigen Inhalt eines Ersuchens bestimmt, falls das an-
wendbare Abkommen keine Bestimmungen enthält bzw. falls aus dem
Abkommen nichts abgeleitet werden kann  nicht ausdrücklich zur Not-
wendigkeit einer ausreichenden Sachverhaltsdarstellung. Zur Beurteilung,
ob ein begründeter Verdacht vorliegt, ist eine solche Darstellung des
massgeblichen Sachverhalts aber unerlässlich. Es muss daher davon
ausgegangen werden, dass dieser auch nach Inkrafttreten des StAhiG
A-5390/2013
Seite 15
weiterhin erforderlich ist. Anders liesse sich auch nicht beurteilen, ob eine
nach Art. 7 Bst. a StAhiG verbotene Beweisausforschung ("fishing expedi-
tion") vorliegt.
5.1.4 Art. 6 Abs. 2 Bst. a StAhiG sieht vor, dass die Identität der betroffe-
nen Person im Ersuchen genannt werden muss, wobei die Identifikation
auch auf andere Weise als durch Angabe des Namens und der Adresse
erfolgen kann. Das Gesuch muss, um dem Grundsatz der Verhältnismäs-
sigkeit (E. 5.1.1) und Art. 6 Abs. 2 Bst. a StAhiG zu entsprechen, mög-
lichst genaue und vollständige Angaben über die Person enthalten, gegen
die sich das Verfahren richtet. Nichts anderes ergab sich bisher aus der
analogen Anwendung von Art. 28 Abs. 2 IRSG (vgl. Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 6.2).
Das vorliegende Amtshilfegesuch ist ein Gruppenersuchen, das die Na-
men der betroffenen Personen nicht nennt. Diese dürften den US-
Behörden zurzeit auch nicht bekannt sein. Nennt das Ersuchen keine
Namen, sind gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die übrigen
Umstände umso detaillierter zu beschreiben, damit die Notwendigkeit
bzw. die voraussichtliche Erheblichkeit der Informationsübermittlung beur-
teilt werden kann und unzulässige Beweisausforschungen verhindert
werden. Das gilt insbesondere, falls ein Gesuch eine grosse Anzahl von
Bankkunden betrifft. An den Detaillierungsgrad der Darstellung des Sach-
verhalts sind somit hohe Anforderungen zu stellen, denn nur wenn der
Sachverhalt genügend klar dargestellt wurde, kann das zulässige Ersu-
chen von einer verbotenen Beweisausforschung ("fishing expedition") ab-
gegrenzt werden. Darüber hinausgehende Anforderungen an das Gesuch
können allerdings nicht gestellt werden, denn wie bei der internationalen
Rechtshilfe in Strafsachen ist zu berücksichtigen, dass die Informationen,
um deren Übermittlung ersucht wird, dazu dienen sollen, die noch offenen
Fragen zu klären (BGE 139 II 404 E. 7.2.3 und BGE 139 II 451 E. 2.2.1;
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts B-2700/2013 vom 2. Juli 2013
E. 2, B-934/2011 vom 3. Mai 2011 E. 5.2.2).
5.1.5 Soweit ein auf das DBA-USA 96 gestütztes Amtshilfegesuch die
weiteren erforderlichen Voraussetzungen erfüllt, macht das blosse Fehlen
von Namens- und Personenangaben das Gesuch somit nicht zu einer
unzulässigen Beweisausforschung ("fishing expedition"). Auch mit fehlen-
den Namens- und Personenangaben kann ein solches Gesuch das Ziel
verfolgen, Betrugsdelikte und dergleichen zu verhüten oder bereits verüb-
te Betrugsdelikte oder dergleichen zu bekämpfen oder zu ahnden. Das
A-5390/2013
Seite 16
DBA-USA 96 lässt nur  aber immerhin  keine verdachtslosen Gruppen-
anfragen zu. Ergibt sich aus der Darstellung im Gesuch ein Verdacht auf
Betrugsdelikte und dergleichen, ist somit auf das Gesuch einzutreten,
auch wenn es die Namen- und Personenangaben der betroffenen Steu-
erpflichtigen nicht enthält. Wie bei der Rechtshilfe in Strafsachen und der
Amtshilfe in Börsenangelegenheiten ist jedoch auch bei der Steueramts-
hilfe im Falle eines Verfahrens gegen Unbekannt zu verlangen, dass die
Anforderungen an die Sachverhaltsdarstellung umso konkreter sein müs-
sen (zuvor: E. 5.1.4; BGE 139 II 404 E. 7.2.3).
5.1.6 Im internen schweizerischen Recht genügt als Anfangsverdacht für
die Durchführung eines Ermittlungsverfahrens der Verdacht des Vorlie-
gens einer Straftat. Dabei reicht ein einfacher Verdacht, welcher in der
Annahme einer gewissen Wahrscheinlichkeit strafbaren Verhaltens be-
steht, wobei zu Beginn der Untersuchung durchaus Zweifel bestehen
können, ob überhaupt ein Delikt begangen wurde, ist doch gerade die
Klärung dieser Frage Zweck des Verfahrens. Der Verdacht einer Straftat
ergibt sich aus bestimmten Tatsachen, welche zusammen mit kriminalisti-
schen, kriminologischen oder anderen allgemeinen Erkenntnissen und im
Hinblick auf einen gesetzlichen Straftatbestand den Wahrscheinlichkeits-
schluss erlauben, es sei eine Straftat verübt worden. Rechtsstaatlich be-
deutsam ist der Bezug auf bestimmte Tatsachen. Die Ermittlungs- und
Untersuchungsorgane sollen nicht ohne konkreten, verdachtserwecken-
den Anlass, welcher unter anderem auf bestimmten Tatsachen beruht, ir-
gendwelche Vorgänge überprüfen. Dies heisst, dass nicht, um Verdacht
schöpfen zu können, zuerst ermittelt werden darf; vielmehr muss ein An-
fangsverdacht aufgrund bestimmter Tatsachen schon feststehen. In die-
sem Sinn enthält eine allgemeine Erkenntnis keine bestimmten Tatsa-
chen, die einen konkreten Verdachtsfall begründen, sondern es handelt
sich dabei allenfalls um einen kriminologischen Erfahrungssatz, der erst,
wenn bestimmte Tatsachen vorliegen, den Wahrscheinlichkeitsschluss
auf eine bestimmte Handlung erlaubt. Zur Entstehung eines individuellen
Anfangsverdachts sind mit anderen Worten die bestimmten Tatsachen
ausschlaggebend, und die allgemeinen Erkenntnisse dürfen lediglich der
hypothetischen Wahrscheinlichkeitsüberprüfung dienen. Dabei ist aller-
dings festzustellen, dass als Anfangsverdacht der Verdacht einer Straftat
genügt und der Verdacht gegenüber einer bestimmten Person als Täter
nicht erforderlich ist. Die Wahrscheinlichkeit, ein Unbekannter habe ein
Verbrechen oder Vergehen begangen, reicht völlig aus. Daher dürfen
auch Prozesshandlungen vorgenommen werden, die der Klärung eines
noch nicht personenbezogenen Verdachts dienen. Dies ergibt sich als
A-5390/2013
Seite 17
Selbstverständlichkeit aufgrund des Umstands, dass es zur Ermittlungstä-
tigkeit gehört, nach Personen und Sachen zu fahnden (zum Ganzen: Ur-
teile des Bundesverwaltungsgerichts A-737/2012 vom 5. April 2012
E. 6.2.1 mit zahlreichen Hinweisen und B-934/2011 vom 3. Mai 2011
E. 2.2.2.2).
5.2
5.2.1 Die ESTV hat sich nicht darüber auszusprechen, ob die im Ersu-
chen angeführten Tatsachen zutreffen oder nicht. Sie hat weder Tat- noch
irgendwelche Schuldfragen zu prüfen noch ihrerseits eine Beweiswürdi-
gung vorzunehmen. Sie ist an die Darstellung des Sachverhalts im Ersu-
chen insoweit gebunden, als diese nicht wegen offensichtlicher Fehler,
Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet werden kann (statt vieler: Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts A-737/2012 vom 5. April 2012
E. 6.1.2 m.w.H.).
5.2.2 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenar-
beit bildet der Grundsatz, wonach  ausser bei offenbarem Rechtsmiss-
brauch oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz
des schweizerischen oder internationalen ordre public (vgl. Art. 7 StAhiG)
 grundsätzlich kein Anlass besteht, an der Richtigkeit und Einhaltung der
Sachverhaltsdarstellung und an Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln
(sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip; vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2,
4.3.1 und 4.3.3, BGE 126 II 409 E. 4; Urteile des Bundesverwaltungsge-
richts B-1258/2013 vom 24 Juli 2013 E. 4.1, B-2700/2013 vom 2. Juli
2013 E. 2 m.w.H., A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 8.1.1; Urteil des Bun-
desstrafgerichts RR.2010.295 vom 15. Dezember 2011 E. 5.3). Auf die-
sem Vertrauen gründet letztlich das ganze Amtshilfeverfahren.
5.2.3 Die ESTV hat demnach kein eigentliches Beweisverfahren durchzu-
führen. Sie kann (und muss) eigene Abklärungen vornehmen zur
Frage, ob der Verdacht auf Betrugsdelikte und dergleichen hinreichend
begründet scheint, und sie hat vor Übermittlung der Dokumente an den
ersuchenden Staat zu prüfen, ob diese zum Beweis des im Amtshilfege-
such geäusserten Verdachts geeignet sind. Damit soll verhindert werden,
dass sich die ersuchende Behörde unter dem Deckmantel eines von ihr
ohne Vorhandensein von Verdachtsmomenten lediglich behaupteten Ab-
gabebetrugs Beweise verschafft, die zur Ahndung anderer  unter der
Herrschaft des vorliegend einzig massgebenden DBA-USA 96 nicht
amtshilfefähiger Fiskaldelikte dienen sollen. Die Auskunft ist zu erteilen,
wenn die im Zeitpunkt des Entscheids über das Gesuch feststehenden
A-5390/2013
Seite 18
Tatsachen den Verdacht auf Betrugsdelikte und dergleichen erhärten.
Darin erschöpfen sich aber auch bereits die Untersuchungen. Ob die vom
Amtshilfegesuch betroffene Person die ihr vorgeworfenen Handlungen
tatsächlich begangen hat, bildet nicht Gegenstand des Amtshilfeverfah-
rens. Die weiteren, eigentlichen Abklärungen obliegen der zuständigen
Behörde im ersuchenden Staat; erst sie hat die ihr amtshilfeweise gelie-
ferten Informationen im Zusammenhang mit allfälligen eigenen weiteren
Abklärungen umfassend zu würdigen (zum Ganzen: Urteile des Bundes-
verwaltungsgerichts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 6.1.3 m.w.H.,
A-7342/2008 und A-7426/2008 vom 5. März 2009 E. 4.4.2).
6.
6.1 Weitere Voraussetzung zur Gewährung der Amtshilfe ist ein begrün-
deter Verdacht auf "Betrugsdelikte und dergleichen" im Sinn von Art. 26
DBA-USA 96. Dieser Begriff ist nach ständiger Rechtsprechung vertrags-
autonom auszulegen und umfasst im Amtshilfebereich auch den Abgabe-
betrug, nicht aber die blosse Steuerhinterziehung (Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 7.1).
6.2 Das schweizerische Recht unterscheidet bei den direkten Steuern –
soweit im vorliegenden Kontext relevant – zwischen Steuerhinterziehung
(Art. 175 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] bzw. Art. 56 des Bundesgesetzes vom
14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden [StHG; SR 642.14]) und Steuerbetrug (Art. 186
DBG bzw. Art. 59 StHG). Die Steuerhinterziehung ist das Verhalten, durch
welches vorsätzlich oder fahrlässig bewirkt wird, dass eine Veranlagung
zu Unrecht unterbleibt oder dass eine rechtskräftige Veranlagung unvoll-
ständig ist. Der objektive Tatbestand besteht darin, dass der Täter in Ver-
letzung von Verfahrenspflichten – sei es mittels Tun oder mittels Unter-
lassen – bewirkt, dass eine Veranlagung ausbleibt oder unrichtig erfolgt
und ihm daraus ein ungerechtfertigter Steuervorteil respektive dem Ge-
meinwesen ein Steuerausfall entsteht. Erforderlich ist, dass zwischen
dem Steuerausfall des Gemeinwesens und dem Verhalten des Täters ein
Kausalzusammenhang besteht (vgl. PIETRO SANSONETTI, in: Danielle Yer-
sin/Yves Noël [Hrsg.], Commentaire Romand, Impôt fédéral direct, Com-
mentaire de la loi sur l'impôt fédéral direct, Basel 2008, Art. 175 DBG,
N. 12 ff.; ROMAN SIEBER, in: Martin Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], Kom-
mentar zum schweizerischen Steuerrecht I/2b, Bundesgesetz über die di-
rekte Bundessteuer [DBG], Art. 83 bis 222, 2. Aufl., Basel 2008 [nachfol-
gend: Kommentar DBG], Art. 175 DBG, N. 23 ff.). Steuerbetrug begeht,
A-5390/2013
Seite 19
wer zum Zweck der Steuerhinterziehung gefälschte, verfälschte oder in-
haltlich unwahre Urkunden zur Täuschung Dritter gebraucht (Art. 186
DBG bzw. Art. 59 StHG). Der objektive Tatbestand ist erfüllt, wenn der Tä-
ter von unwahren oder unechten Urkunden Gebrauch macht. Ein Erfolg,
z.B. die Täuschung der Steuerbehörde, die Hinterziehung von Steuern,
die konkrete Gefährdung oder der Ausfall des Steueranspruchs des Ge-
meinwesens ist nicht vorausgesetzt. Der subjektive Tatbestand umfasst
neben dem vorsätzlichen Handeln die Absicht, die Steuerbehörde zu täu-
schen und Steuern zu hinterziehen (vgl. SANSONETTI, a.a.O., Art. 186
DBG, N. 12 ff. und N. 37 ff.; ANDREAS DONATSCH, in: Kommentar DBG,
a.a.O., Art. 186 DBG, N. 9 ff. und N. 37 ff.). In diesem Zusammenhang ist
darauf hinzuweisen, dass das Bundesgericht die Formulare des IRS, ins-
besondere das Formular W-8BEN, als Urkunde im Sinn von Art. 110
Abs. 5 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937
(StGB; SR 311.0) qualifiziert (BGE 139 II 404 E. 9.9.2).
Im Kontext des DBA-USA 96 ist neben diesen beiden Delikten bezüglich
der direkten Steuern auch die Definition des Abgabebetrugs im Sinn von
Art. 14 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 22. März 1974 über das Verwal-
tungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0) relevant, welcher sich auf die vom
Bund erhobenen Steuern bezieht (vgl. Art. 1 VStrR zum Geltungsbereich
des Gesetzes). Nach dieser Bestimmung begeht einen Abgabebetrug,
wer durch arglistiges Verhalten bewirkt, dass dem Gemeinwesen Leis-
tungen in erheblichem Umfang unrechtmässig vorenthalten werden. Der
subjektive Tatbestand des Abgabebetrugs setzt einen Vorsatz des Täters
auf die arglistige Täuschung der Steuerbehörde zum Zweck der Steuer-
verkürzung voraus (Art. 2 VStrR i.V.m. Art. 12 Abs. 1 StGB). Als qualifizie-
rendes Tatbestandselement tritt das arglistige Verhalten des Täters in den
Vordergrund. Die im Verwaltungsstrafrecht verwendete Umschreibung
des Begriffs der Arglist deckt sich dabei grundsätzlich mit derjenigen, wel-
che Rechtsprechung und Lehre zu Art. 146 StGB entwickelt haben (Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 7.2).
6.3 Arglistig handelt, wer sich zur Täuschung eines anderen besonderer
Machenschaften oder Kniffe bedient oder ein ganzes Lügengebäude er-
richtet, aber auch jener, der bloss falsche Angaben macht, wenn deren
Überprüfung besondere Mühe erfordert, unmöglich oder nicht zumutbar
ist. Danach muss ein Abgabebetrug nicht notwendigerweise durch Ver-
wendung falscher oder gefälschter Urkunden begangen werden. Ein be-
trügerisches Verhalten wird bereits dann angenommen, wenn ein Steuer-
pflichtiger zum Zweck der Täuschung der Steuerbehörden sich schwer
A-5390/2013
Seite 20
durchschaubarer Machenschaften bedient, um eine gesetzwidrige und
wesentliche Herabsetzung der Steuer zu bewirken. Nach der Rechtspre-
chung sind jedoch immer besondere Machenschaften, Kniffe oder ein ei-
gentliches Lügengebäude erforderlich. Eine einfache Lüge erfüllt für sich
allein das Arglistelement demnach nicht (statt vieler: BGE 125 II 250
E. 3b m.w.H.). Arglist ist ferner gegeben, wenn der Täter den Getäusch-
ten von der Überprüfung der falschen Angaben abhält oder wenn er vo-
raussieht, dass der andere die Überprüfung unterlassen wird, sofern sich
diese Voraussicht aus einem besonderen Vertrauensverhältnis ergibt, auf
klaren Regelungen oder Zusicherungen beruht und nicht nur eine auf ge-
wissen Beobachtungen beruhende Erwartung darstellt (vgl. ANDREAS EI-
CKER/FRIEDRICH FRANK/JONAS ACHERMANN, Verwaltungsstrafrecht und
Verwaltungsstrafverfahrensrecht, Bern 2012, S. 108 f.). Eine blosse fal-
sche Angabe, welche die Gegenpartei – im vorliegenden Kontext die
Steuerbehörde – ohne besondere Mühe auf ihre Richtigkeit hin überprü-
fen könnte, gilt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung dagegen nicht
als arglistig (vgl. BGE 135 IV 76 E. 5.2, BGE 122 IV 197 E. 3d m.w.H.).
Im Verhältnis mit den USA werden die in Art. 14 Abs. 2 VStrR umschrie-
benen Handlungsweisen auch dann als "Betrugsdelikte und dergleichen"
betrachtet, wenn es sich bei der beeinträchtigten ausländischen Steuer
nach schweizerischer Rechtsauffassung um eine nicht vom Bund erho-
bene Steuer handeln würde (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 7.3).
6.4 Der Begriff "Betrugsdelikte und dergleichen" wird in Ziff. 10 des Proto-
kolls 96 umfassend umschrieben. Auch das Bundesgericht geht bei der
Auslegung des Begriffs nach wie vor vom – gegenüber der Regelung des
Steuerbetrugs von Art. 186 DBG – tatbestandlich weiteren Betrugsbegriff
von Art. 14 Abs. 2 VStrR aus (Urteil des Bundesgerichts 2C_269/2013
vom 5. Juli 2013 E. 9.4).
6.5
6.5.1 Vorliegend ist noch auf den spezifischen Kontext des sog. Qualified
Intermediary (QI) Systems (QI-System) einzugehen.
6.5.2
6.5.2.1 Die Vereinigten Staaten änderten mit Wirkung ab dem 1. Januar
2001 ihre Quellensteuervorschriften, indem sie unter anderem das sog.
QI-System schufen. Die neuen US-Vorschriften änderten das Entlas-
tungsverfahren bei Quellensteuern auf Dividenden und Zinsen für aus-
ländische Investoren grundlegend (MARC RIHS, EU-Zinsbesteuerung,
A-5390/2013
Seite 21
Auswirkungen auf die Schweiz, Zürich 2001, S. 34 ff., auch zum Folgen-
den). Sie ermöglich(t)en ausländischen Banken, für ihre nichtamerikani-
schen Kunden die Entlastung bzw. Befreiung von der US-Quellensteuer
ohne Angaben von Kundendaten direkt zu bewirken, sei es unter dem je-
weiligen Doppelbesteuerungsabkommen, sei es unter der "portfolio inte-
rest exemption".
6.5.2.2 Bis Ende 2000 war die Regelung wie folgt: Die USA erhoben auf
den an ausländische Empfänger gezahlten Dividenden und Zinsen aus
US-Wertschriften eine Quellensteuer von 30%. Allerdings waren die Zin-
sen auf den meisten Obligationen US-Emittenten gemäss US-Recht
("portfolio interest exemption") von der Quellensteuer befreit, sofern sie
an ausländische Investoren ausgerichtet wurden. Die Inanspruchnahme
der "portfolio interest exemption" setzte voraus, dass der wirtschaftlich
Berechtigte seinen Status als ausländischer Empfänger auf dem offiziel-
len Formular "W-8" bestätigte und somit seinen Namen gegenüber den
US-Steuerbehörden offenlegte. Für die verbleibenden Zinsen und Divi-
denden konnten Investoren aus einem Land, das mit den USA ein Dop-
pelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hatte, grundsätzlich eine vol-
le oder teilweise Entlastung von dieser Steuer verlangen.
6.5.2.3 Für das Vorgehen seit 2001 ist notwendig, dass die Nicht-US-
Banken den Status eines sog. QI erlangen. Dann können sie einerseits
die antragslose Quellensteuerentlastung gewähren und andererseits die
Beibehaltung des Bankgeheimnisses garantieren. Um den Status eines
QI zu erlangen, sind die Banken verpflichtet, eindeutig festzustellen, wel-
che ihrer Kunden "non-US persons" sind und damit in den Genuss der
Quellensteuerentlastung gelangen können. Des Weiteren sind sie ver-
pflichtet sicherzustellen, dass die für US-Steuerpflichtige geltenden Vor-
schriften eingehalten werden. Für in den USA steuerpflichtige Personen
gilt, dass sie nur noch dann US-Wertschriften erwerben bzw. halten dür-
fen, wenn sie bereit sind, ihre Identität gegenüber der US-Steuerbehörde
offenzulegen. Für Personen, die gemäss US-Steuervorschriften als "US
persons" gelten und der Bekanntgabe ihrer Identität nicht zustimmen, ist
der QI verpflichtet, von den nach dem 1. Januar 2001 ausgeschütteten
Dividenden/Zinsen sowie auf dem Verkaufs- bzw. Rückzahlungserlös die
US-Sicherungssteuer (sog. "backup withholding tax") einzubehalten und
an die USA abzuliefern.
6.5.2.4 Umgesetzt wird dieses QI-System im Einzelnen wie folgt: Ist der
Kunde der Bank, welche als QI fungiert, ein "foreign investor", das heisst
A-5390/2013
Seite 22
ein nicht US-Steuerzahler mit Wohnsitz ausserhalb der USA, ist von die-
sem das sog. Formular "W-8BEN" einzuholen. Statt des Formulars "W-
8BEN" kann die Bank auch bankeigene Formulare verwenden (vgl. URS
R. BEHNISCH, Amtshilfe in Steuersachen an die USA: Zur Bedeutung der
QI-Normen, in: Jusletter 26. Januar 2009 [nachfolgend: QI-Normen],
Rz. 27 f. und 41, auch FN 15). Darin bestätigt der Kunde, dass er ein "fo-
reign investor" ist, mit allfälligem Anspruch auf eine reduzierte Quel-
lensteuer auf den aus den USA stammenden Einkünften. Mit diesem
Formular kann der QI vom ursprünglichen "payor" (z.B. einer US-Aktien-
gesellschaft, sog. "withholding agent"), sofern ein Doppelbesteuerungs-
abkommen anwendbar ist, den Überschuss über den Sockelsatz der
Quellensteuer zurückverlangen und dem Investor weiterleiten. Das For-
mular "W-8BEN" ist dabei nicht dem IRS bzw. dem ersten "withholding
agent" zu übermitteln und damit offenzulegen. Vielmehr darf der "payor"
auf diese Angaben des QI (welcher die Aufgabe hat, Staatsbürgerschaft
und Wohnsitz abzuklären) vertrauen.
6.5.2.5 Ist der Investor in US-Werte ein US-Steuerzahler, ist von diesem
das Formular "W-9" zu verlangen, welches das Formular für Empfänger
von sog. FDAP-Income ("fixed or determinable annual or periodical in-
come") von US-Steuerzahlern darstellt. Dieses Formular zusammen mit
der Auflistung der vereinnahmten Einkommen und der genauen Identität
des Kunden ist mit dem Formular "1099" dem IRS zu übermitteln. Ein sol-
ches Reporting verlangt jedoch den Verzicht des Depotinhabers auf die
Wahrung des Bankgeheimnisses. Verzichtet er, werden die Daten über-
mittelt, was zugleich sicherstellt, dass die entsprechenden Einkommen
auch in den USA deklariert werden. Verzichtet er nicht, muss der QI die
"backup withholding tax" insbesondere auf den Verkäufen der Werte er-
heben und dem IRS abliefern. Zudem ist der QI verpflichtet, Investments
in US-Werte zu blocken (zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 7.5.1.4 mit zahlreichen Hinwei-
sen).
6.5.2.6 Das Formular "W-9" muss jedoch in der Regel nur ausgefüllt wer-
den, wenn US-Wertschriften im entsprechenden Depot gehalten werden.
Ohne solche sieht das QI-System keine Mitteilungspflicht vor. Diese Lü-
cke im QI-System war den USA bekannt. Ausnahmen bestehen etwa,
wenn Verkäufe in den USA erwirkt werden, sich also z.B. die Händler der
Wertschriften in den USA aufhalten oder bei Telefonaten oder E-Mails aus
den USA. Die Vorschrift erklärt sich aus der Tatsache, dass das QI-
System sich auf das Einkommen aus US-Quellen konzentriert, also auf
A-5390/2013
Seite 23
Einkommen, das seinen Ursprung in den USA hat (zum Ganzen: Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 7.5.1.5
mit zahlreichen Hinweisen).
6.5.3 Gemäss Art. 2 Ziff. 1 DBA-USA 96 gilt das Abkommen für Steuern
vom Einkommen, die für Rechnung eines Vertragsstaates erhoben wer-
den. Nach Art. 2 Ziff. 3 DBA-USA 96 gilt das Abkommen auch für alle
Steuern gleicher oder im Wesentlichen ähnlicher Art, die nach der Unter-
zeichnung des Abkommens neben den bestehenden Steuern oder an
deren Stelle erhoben werden. Der US-Fiskus hat mit dem QI-System or-
ganisatorische Vorkehren getroffen, welche die korrekte Einkommensbe-
steuerung der in den Vereinigten Staaten Steuerpflichtigen sicherstellen
sollen. Die Feststellung des Bundesverwaltungsgerichts, das QI-System
stelle im Ergebnis nichts anderes als eine verfahrenstechnische Seite der
Einkommensbesteuerung dar und werde dementsprechend vom Abkom-
men ohne weiteres mitumfasst, ist freilich nicht dahingehend zu verste-
hen, dass das QI-Abkommen als Vereinbarung zwischen den QI und dem
IRS vom Bundesverwaltungsgericht als solches durchgesetzt würde. Da
die in ihm enthaltenen Regeln aber nicht etwa eine Steuerpflicht neu be-
gründen, sondern einzig der Durchsetzung der schon bestehenden Steu-
erpflicht dienen – und also insofern verfahrenstechnischer Natur sind –,
kann es durchaus – eben als Vertrag zwischen QI und IRS – in die Beur-
teilung miteinbezogen werden. Dass das System erst nach der Abkom-
mensratifizierung in Kraft getreten ist, spielt aufgrund der sinngemäss an-
zuwendenden Bestimmung von Art. 2 Ziff. 3 DBA-USA 96 keine Rolle.
Nach Art. 26 Ziff. 1 DBA-USA 96 ist zudem "in Fällen von Steuerbetrug"
der Informationsaustausch nicht durch Art. 1 des Abkommens (persönli-
cher Geltungsbereich) eingeschränkt. Das heisst, es spielt keine Rolle,
wem gegenüber die "backup withholding tax" zur Anwendung kommt und
ob vom Amtshilfegesuch auch Offshore-Gesellschaften betroffen sind.
Massgebend ist einzig, dass im einen der Vertragsstaaten Informationen
zur Verhütung von Betrugsdelikten und dergleichen benötigt werden und
dass der andere Vertragsstaat über solche Informationen verfügt bzw.
diese beschaffen kann (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
A-2866/2011 vom 12. Dezember 2011 E. 7.5.2, A-7342/2008 und
A-7426/2008 vom 5. März 2009 E. 5.5.2.2).
6.5.4 Bei Vorliegen eines besonderen Vertrauensverhältnisses kann – wie
zuvor festgehalten wurde (E. 6.3) – unter Umständen bereits ein blosses
Schweigen einen Abgabebetrug darstellen, nämlich dann, wenn der Täu-
schende voraussieht, dass der Getäuschte mit Rücksicht auf dieses be-
A-5390/2013
Seite 24
sondere Vertrauensverhältnis von einer Überprüfung absehen wird (vgl.
dazu auch ERIC HESS, Die Möglichkeiten und Grenzen der Schweiz auf
dem Gebiete der internationalen Zusammenarbeit in Steuersachen, in:
ASA 71 S. 125 ff., S. 128).
Es ergibt sich gemäss dem vorstehend Dargestellten deutlich, dass das
gesamte QI-Verfahren auf besonderen Regelungen des Verhältnisses
zwischen dem IRS, den QI und den Steuerpflichtigen beruht. Dabei spielt
es keine Rolle, dass das QI-System nicht Teil des schweizerischen
Rechtssystems ist. Es geht – wie erwähnt (E. 6.5.2) – nicht darum, das
QI-System als solches durchzusetzen, sondern um das besondere Ver-
hältnis, das dieses System tatsächlich zwischen den Beteiligten schafft.
Dieses Verhältnis zeichnet sich dadurch aus, dass der IRS faktisch einen
wesentlichen Teil seiner Aufgaben bezüglich der Kontrolle der Deklaration
der Erträge aus US-Wertschriften von "US persons" auf die QI ausgela-
gert hat und der IRS selbst keine Möglichkeiten hat, die Einhaltung der
vom QI aufgrund des mit dem IRS abgeschlossenen QI-Agreements ein-
gegangenen Verpflichtungen selbst zu überprüfen. Zwar wurde aufgrund
dieser eingeschränkten Möglichkeiten des IRS bestimmt, dass eine be-
sondere, unabhängige Revisionsstelle einzusetzen sei, welche die Kon-
trolle über die richtige Anwendung des QI-Agreements durch den QI
wahrzunehmen habe. Die Revisionsstelle darf nun aber auf die Angaben
in den einschlägigen Formularen abstellen, wenn sie nicht konkrete
Kenntnisse darüber hat, dass diese Angaben falsch sind. Diese Folge-
rung ergibt sich aufgrund der Regelung der "External Audit Procedures" in
Section 10 des QI-Model-Vertrages (Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 7.5.3.1). Die Revisionsstelle muss
nämlich unter anderem die Einhaltung der Gültigkeitsstandards gemäss
Section 5.10 durch den QI und die Einhaltung der "Know-Your-Costumer-
Standards" prüfen. Diese halten fest, dass der QI grundsätzlich auf die
Angaben in den einschlägigen Formularen abstellen darf. Gleiches muss
demzufolge auch für die Revisionsstelle gelten, da sie nur prüft, ob sich
der QI an diese Standards hält. Aufgabe der Revisionsstelle ist danach
eine insbesondere formelle Überprüfung der Einhaltung der Regelungen
durch den QI, wobei ersichtlich ist, dass die Revisionsstelle dabei die Un-
terlagen überprüfen muss, welche der QI im Zusammenhang mit dem
fraglichen Kontoinhaber, auf den das QI-System zur Anwendung kommt,
erstellt hat. Das heisst, die Überprüfungsaufgabe der Revisionsstelle be-
schlägt vor allem die Kontrolle, ob die QI die notwendigen Prozesse rich-
tig handhaben. Aufgrund der Umschreibung der Aufgaben der Revisions-
stelle ist dagegen nicht ersichtlich, dass weitergehende Prüfungen oder
A-5390/2013
Seite 25
Abklärungen der Revisionsstelle zur Frage vorgesehen sind, ob die An-
gaben auf den Kundenunterlagen, welche der QI führt bzw. verwaltet,
auch den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen, so zum Beispiel ob
die Angabe des tatsächlich Nutzungsberechtigten der Wahrheit ent-
spricht. Überdies sind diese Revisionsstellen nicht Teile des IRS, sondern
Dritte, welche in das QI-System eingebunden sind. Der Zweck, der mit
den Revisionsstellen verfolgt wird, besteht denn auch nicht darin, die rich-
tige steuerliche Behandlung der Kontoinhaber sicherzustellen, sondern
die externe Revisionsstelle soll sicherstellen, dass der QI sich gemäss
den Verpflichtungen der QI-Vereinbarung verhält. Damit stimmt überein,
dass die Revisionsstelle dem IRS Kundennamen nicht offenlegen muss
(zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-737/2012 vom 5.
April 2012 E. 7.5.3.1 mit zahlreichen Hinweisen).
Das bedeutet zusammenfassend nichts anderes, als dass das QI-System
das Ziel hat, die US-Steuerpflichtigen ohne weitere Kontrollen des US-
Fiskus, das heisst gestützt auf dessen Vertrauen in die korrekte Anwen-
dung des QI-Systems, zur korrekten Erfüllung ihrer Steuerpflicht zu brin-
gen. Der US-Fiskus verfügt auch nicht über Kontrollmöglichkeiten über
die korrekte Erfüllung der Steuerpflicht der einzelnen Steuerpflichtigen
(vgl. auch BGE 139 II 404 E. 9.7; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 7.5.3.1).
6.5.5 Im Weiteren hat das Bundesverwaltungsgericht bereits in früheren
Entscheiden darauf hingewiesen, dass sich aus dem Vorschieben einer
reinen Tarngesellschaft in Verbindung mit der Angabe, diese Gesellschaft
sei gemäss QI-System Nutzungsberechtigte an in Wirklichkeit direkt
durch "US persons" verwalteten Vermögenswerten, ein begründeter Ver-
dacht auf Abgabebetrug im Sinn von Art. 26 DBA-USA 96 zu ergeben
vermag (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2866/2011 vom
12. Dezember 2011 E. 7.5.5, A-7342/2008 und A-7426/2008 vom 5. März
2009 E. 5.5.2.4). Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass – wie
erwähnt – im Rahmen des Amtshilfeverfahrens das Bestehen eines Be-
trugsdelikts oder dergleichen nicht nachgewiesen sein muss, sondern
dass es genügt, wenn die feststehenden Tatsachen eine gewisse Wahr-
scheinlichkeit dafür begründen (E. 5.1).
6.5.6 Für eine korrekt errichtete selbstständige juristische Person, deren
rechtliche Organisation beachtet wird und welche die notwendigen For-
malakte einhält, ist die dogmatische Trennung zwischen der juristischen
Person einerseits und dem oder den an ihr Berechtigten andererseits
A-5390/2013
Seite 26
grundsätzlich auch steuerlich zu akzeptieren. Von dieser Trennung kann
allenfalls dann abgesehen werden, wenn das anwendbare Steuerrecht
trotz (zivilrechtlicher) Selbständigkeit festlegt, es sei von einer transparen-
ten Struktur auszugehen und es sei steuerlich nicht die juristische Per-
son, sondern jemand Drittes als "Beneficial Owner" zu qualifizieren. So-
weit nicht derartige steuerrechtliche Spezialbestimmungen bestehen, ist
auch steuerrechtlich von zwei getrennten Steuersubjekten auszugehen
(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-737/2012 vom 5. April 2012
E. 7.5.5 m.w.H.).
Umgekehrt ergibt sich aus dem Grundsatz, wonach bei Gründung und
Zwischenschaltung einer juristischen Person "das Spiel der juristischen
Person zu spielen" ist, dass bei Negierung der unterschiedlichen Rechts-
sphären durch den wirtschaftlich Berechtigten im Ergebnis nicht von ge-
trennten, unabhängigen Rechtssubjekten auszugehen ist. Vielmehr er-
scheint in diesem Fall eine Berufung auf die rechtliche Selbständigkeit als
rechtsmissbräuchlich, entgegen Treu und Glauben (vgl. BGE 108 II 213
E. 6 mit Hinweisen; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-7342/2008
und A-7426/2008 vom 5. März 2009 E. 5.5.2.5). Dass Gesellschaften aus
QI-Sicht grundsätzlich als wirtschaftlich Berechtigte gelten und damit
auch die Vermögensverwaltung über eine solche Gesellschaft nicht per
se eine amtshilfefähige Handlung darstellt, ändert nach dem Gesagten
nichts daran, dass Amtshilfe geleistet werden kann, wenn die eigenstän-
dige Struktur der Gesellschaft missachtet wurde (Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 7.5.5 m.w.H.).
Im schweizerischen Bankverkehr wird das sog. "Formular A" zur Feststel-
lung der an einem Konto wirtschaftlich berechtigten bzw. letztbegünstig-
ten Person verwendet. Dieses dient nicht steuerlichen, sondern anderen
Zwecken (wirtschaftliche Hintergründe, Hinweise bei Strafuntersuchun-
gen, Geldwäscherei etc; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-7342/2008 und A-7426/2008 vom 15. März 2009 E. 5.5.2.4). Damit ist
es möglich, dass auf dem "Formular A" eine andere Person als wirtschaft-
lich berechtigte angegeben wird als auf dem Formular "W-8BEN" und
dennoch beide Formulare korrekt ausgefüllt wurden. Allein der Umstand,
dass jeweils andere Personen als wirtschaftlich Berechtigte auf den For-
mularen angegeben werden, führt noch nicht zum begründeten Verdacht,
dass falsche Angaben gemacht wurden. Jedoch genügt die Tatsache,
dass bezüglich identischer Vermögenswerte einmal eine, ein anderes Mal
eine andere Person als wirtschaftlich berechtigte aufgeführt wird, um wei-
tere amtshilferelevante Abklärungen auszulösen. Treten alsdann weitere
A-5390/2013
Seite 27
einschlägige Hinweise hinzu, kann sich ein begründeter Verdacht erge-
ben.
6.5.7 Da das Formular "W-8BEN" nicht dem IRS, sondern der Bank ein-
zureichen ist, ist hier festzuhalten, dass dem Strafrecht die Begriffe des
sog. "mittelbaren Täters" und des "Tatmittlers" bekannt sind (vgl. dazu:
GÜNTER STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil,
Die Straftat, 4. Aufl., Bern 2011, § 13 N. 20 ff.). Eine Täuschung ist also
auch dann möglich, wenn der Täter (mittelbarer Täter) eine Person (Tat-
mittler) täuscht, die dann ihrerseits wieder – ohne sich dessen selbst be-
wusst zu sein, da sonst Mittäterschaft, allenfalls Gehilfenschaft in Frage
kommen – eine weitere Person täuscht. Übertragen bedeutet dies nun,
dass zunächst der QI durch Vorlage eines falschen Formulars "W-8BEN"
getäuscht wird. Da der wirtschaftlich Berechtigte – wie soeben gesehen –
nicht mit jenem im "Formular A" korrespondieren muss, besteht für die
Bank kein Anlass, in einem solchen Fall vertiefte Nachforschungen anzu-
stellen. Immerhin wird die Person, welche das Formular "W-8BEN" aus-
füllt, angehalten, "[u]nder penalties of perjury" die Informationen korrekt
anzugeben. Der dermassen getäuschte QI wird nun seinerseits den IRS
täuschen, indem er seinen Verpflichtungen gemäss dem QI-Vertrag (un-
wissentlich) nicht nachkommt. Die jeweiligen Vertrauensverhältnisse zwi-
schen mittelbarem Täter und Tatmittler einerseits sowie Tatmittler und IRS
andererseits genügen für das Bestehen eines Vertrauensverhältnisses
(statt vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-737/2012 vom 5. Ap-
ril 2012 E. 7.5.7 m.w.H.).
6.6
6.6.1 Die Auffassung, dass betrügerisches Verhalten stets einer über das
blosse Verschweigen hinausgehenden Täuschung bedarf, findet ihre
Stütze auch in den vorbereitenden Arbeiten und den Umständen des Ver-
tragsabschlusses, welche in Anwendung von Art. 32 VRK bestätigend he-
rangezogen werden dürfen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-7789/2009 vom 21. Januar 2010 [auszugsweise publiziert in: BVGE
2010/7] E. 6.6 auch zum Folgenden).
6.6.2 Davon ausgehend, dass Doppelbesteuerungsabkommen traditionel-
lerweise der Vermeidung der Doppelbesteuerung dienen, basierte die
schweizerische Abkommenspolitik bis zum Entscheid des Bundesrates
vom 13. März 2009 (nämlich in zukünftig abgeschlossenen Doppelbe-
steuerungsabkommen auch bei Steuerhinterziehung Amtshilfe zu leisten)
darauf, lediglich die sog. "kleine" Amtshilfe zu gewähren (statt vieler: PE-
A-5390/2013
Seite 28
TER LOCHER, Die schweizerische Haltung zur internationalen Amtshilfe bei
den direkten Steuern in einem veränderten Umfeld, in: Peter Lo-
cher/Bernhard Rolli/Peter Spori [Hrsg.], Internationales Steuerrecht in der
Schweiz, Aktuelle Situation und Perspektiven, Festschrift für Walter Ry-
ser, Bern 2005, S. 269 ff., S. 270 f). Vor diesem Hintergrund stellt bereits
eine erweiterte Amtshilfe in Betrugsfällen eine Ausweitung dar. Eine sol-
che bestand im DBA-USA zwar bereits seit jeher (vgl. Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts A-7789/2009 vom 21. Januar 2010 [auszugsweise
publiziert in: BVGE 2010/7] E. 4.1.3). Stets war aber auch im Verhältnis
zu den USA klar, dass Amtshilfe lediglich für Betrugsdelikte und nicht
bloss für Steuerhinterziehung geleistet würde (vgl. etwa Botschaft des
Bundesrats zum DBA-USA vom 10. März 1997 BBl 1997 II 1085 ff., 1099:
"Das amerikanische Recht kennt den für die Anwendung von Artikel 26
massgebenden Unterschied zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbe-
trug nicht; ..."). Eine derartige Ausweitung auf die Steuerhinterziehung
war im Übrigen mit Bezug auf die USA auch später nicht geplant.
Schliesslich kann in diesem Zusammenhang auch noch auf den von der
Schweiz im Juni 2004 modifizierten Vorbehalt zu Art. 26 des OECD-MA
hingewiesen werden, wonach sich der Informationsaustausch auf "...acts
of fraud subject to imprisonement according to the laws of both Contrac-
ting States" beschränken soll (Bericht der Expertenkommission für ein
Bundesgesetz über Steuerstrafrecht und internationale Amtshilfe in Steu-
ersachen zu Handen des Chefs des Eidgenössischen Finanzdeparte-
ments [EFD] vom Oktober 2004, S. 35). Die US-Behörden waren dieser
schweizerischen Differenzierung zwischen Betrug und Hinterziehung
zwar nicht zugetan (HESS, a.a.O., 132). Die Bedeutung der Unterschei-
dung war ihnen indessen durchaus klar.
6.7 Damit ist – wie das Bundesverwaltungsgericht bereits in früheren Ent-
scheiden festgestellt hat (statt vieler: Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 7.7 m.w.H.) – unter dem DBA-
USA 96 für vermutete reine Steuerhinterziehung, selbst wenn es um hohe
Beträge gehen sollte, keine Amtshilfe zu leisten.
7.
7.1 Das Amtshilfegesuch des IRS vom 17. April 2013 nennt die zuständi-
gen Behörden sowie Gegenstand und Grund des Ersuchens. Der mass-
gebliche Sachverhalt wird dargelegt (vgl. oben Sachverhalt B). Wie be-
reits zuvor festgehalten, nennt das Amtshilfegesuch des IRS vom 17. Ap-
ril 2013 keine Namen. Es ist daher zunächst zu prüfen, ob überhaupt ge-
nügend Hinweise vorliegen, aus denen sich der begründete Verdacht er-
A-5390/2013
Seite 29
gibt, es seien amtshilfefähige Straftaten begangen worden (E. 7.2). Nur
falls der begründete Verdacht auf das Vorliegen einer solchen Straftat be-
stehen sollte, wäre zu fragen, ob betreffend die im Amtshilfegesuch auf-
geführten Personengruppen ein begründeter Verdacht besteht, sie seien
an einer solchen Straftat beteiligt gewesen, mit anderen Worten, ob die
im Amtshilfegesuch genannten Kriterien geeignet sind, diejenigen Perso-
nen zu finden, die möglicherweise die vorgeworfene(n) Straftat(en) be-
gangen haben. Auch dabei wäre insbesondere der Grundsatz der Ver-
hältnismässigkeit zu beachten (E. 5.1.1).
7.2
7.2.1 Der IRS wirft der Julius Bär im Amtshilfegesuch vom 17. April 2013
zusammengefasst vor, Mitarbeiter derselben hätten nach US-Recht steu-
erpflichtigen Kunden aktiv dabei geholfen, Einkommen und Vermögen vor
dem US-Fiskus zu verbergen. Damit verhindert werden kann, dass ein
entsprechender Verdacht bloss vorgeschoben ist, ist zunächst zu prüfen,
auf welche Quellen sich der IRS stützt.
7.2.2 Der IRS führt in seinem Amtshilfegesuch vom 17. April 2013 aus, er
stütze sich auf Informationen, die von der Julius Bär selbst an das
US-Department of Justice oder den IRS übermittelt worden waren, auf
Auskünfte von Kunden der Julius Bär, die sich im Rahmen eines "volunta-
ry disclosure programs" beim IRS selbst angezeigt hatten, sowie auf eine
Anklageschrift gegen zwei gegenwärtige oder ehemalige Angestellte der
Julius Bär ("Casadei Indictment") und auf Untersuchungen von öffentlich
zugänglichen Informationen verschiedener Einheiten der Julius Bär (vgl.
oben Sachverhalt B.c). Der IRS schildert in seinem Amtshilfegesuch das
Bild, welches sich seiner Meinung nach aus den zusammengetragenen
Quellen ergibt. Dazu ist Folgendes festzustellen: Auf der einen Seite sind
an den in einem Amtshilfegesuch umschriebenen Sachverhalt hohe An-
forderungen zu stellen, wenn es – wie dies vorliegend der Fall ist – die
betroffenen Personen nicht namentlich nennt. Nur so kann sichergestellt
werden, dass der ersuchende Staat keine verbotene Beweisausforschung
aufs Geratewohl betreibt, welche dem Verhältnismässigkeitsprinzip wi-
dersprechen würde (E. 5.1). Auf der anderen Seite ist aber auch hier
nach dem im Völkerrecht üblichen Vertrauensprinzip grundsätzlich vom
Sachverhalt auszugehen, wie er im Amtshilfeverfahren geschildert ist, so-
lange sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass er nur vorgeschoben
ist (völkerrechtliches Vertrauensprinzip; E. 5.2.2).
A-5390/2013
Seite 30
7.2.3 Zwar ergibt sich aus dem dem Amtshilfegesuch beigelegten "Casa-
dei Indictment" nicht, dass es sich bei der dort genannten Bank um die
Julius Bär handelt. Dies lässt sich aber anhand der in der Anklageschrift
genannten Namen eruieren. Zum "Casadei Indictment" ist zu bemerken,
dass es sich um eine (wenn auch bereits zugelassene) Anklageschrift
handelt. Über die Taten, die den Angeklagten vorgeworfen werden, hat 
zumindest soweit sich das den dem Gericht vorliegenden Akten entneh-
men lässt  noch kein Gericht geurteilt. Zudem werden die Vorwürfe nicht
weiter durch Unterlagen belegt. Es wird so nicht klar, ob sich die Vorwürfe
aus Aussagen der in der Anklageschrift genannten Kunden ergeben oder
ob sie anderen Quellen entstammen. Überdies sind in der Anklageschrift
 soweit aufgrund der Angaben nachvollziehbar  ausschliesslich Hand-
lungen umschrieben, die nach schweizerischem Verständnis allenfalls als
nicht amtshilfefähige Steuerhinterziehung zu würdigen wären. Dies gilt
insbesondere für die (unvollständigen) Steuererklärungen, auf denen die
nicht deklarierten Konten nicht aufgeführt wurden.
7.2.4 Soweit der IRS der Julius Bär lediglich vorwirft, sie habe ihren Kun-
den geholfen, Konten zu verbergen, handelt es sich nach schweizeri-
schem Recht ebenfalls (höchstens) um eine Steuerhinterziehung, die un-
ter dem vorliegend einzig relevanten DBA-USA 96 nicht amtshilfefähig ist.
Dies gilt insbesondere für die vom IRS dargestellten Handlungen betref-
fend die Verwendung von Decknamen und Nummern für Konten, das
Ausstellen von Reisekontoauszügen, welche keinen Rückschluss auf den
Kontoinhaber zulassen und Reisen der Kundenberater in die USA.
Problematisch erweist sich auch der Hinweis im Amtshilfegesuch, Kunden
seien von der Julius Bär gefragt worden, ob sie ein Formular "W-9" aus-
füllen und damit die Konten angeben wollten. Auch dieses Verhalten be-
wertet der IRS als Hinweis auf ein amtshilfefähiges Delikt. Wie bereits
mehrfach festgehalten, stellt unter der Herrschaft des vorliegend einzig
massgebenden DBA-USA 96 das reine Nichtangeben eines Kontos aber
kein amtshilfefähiges Verhalten dar. Soweit das Amtshilfegesuch nur von
verschleierten bzw. nicht offengelegten Konten spricht, kann darauf nicht
eingetreten werden. Wie zuvor dargelegt (E. 6.5.2.6), weist das QI-
System zudem eine den USA durchaus bekannte Lücke auf, indem unter
Umständen kein Formular "W-9" ausgefüllt werden muss, wenn Konten –
in der schweizerischen Terminologie "Depots" – betroffen sind, in denen
keine US-Wertschriften gehalten werden. Damit kann in solchen Fällen
nicht die Rede davon sein, es liege arglistiges Verhalten vor, weil das Ver-
trauen ausgenutzt worden sei (oben E. 6.3). Ein entsprechendes Vertrau-
A-5390/2013
Seite 31
en bestand hier gerade nicht. Wurde also die – bekannte – Lücke im
QI-System gezielt ausgenutzt, führt dies nicht dazu, dass arglistiges Ver-
halten vorliegt, welches ein amtshilfefähiges Delikt darstellen kann. Es
liegt höchstens eine nicht amtshilfefähige Steuerhinterziehung vor (oben
E. 6.7).
Verfehlungen einzelner Mitarbeiter einer Bank können sodann nicht dazu
führen, dass bezüglich aller Kunden, die ein bestimmtes Verhaltensmus-
ter aufweisen, Amtshilfe zu leisten ist. Dies würde dem Verhältnismässig-
keitsprinzip widersprechen (E. 5.1.1). Im "Casadei Indictment" werden die
Namen von immerhin zwei Mitarbeitern genannt, wobei diesen (nach
schweizerischer Auffassung) wohl "nur" Beihilfe zur Steuerhinterziehung
vorgeworfen werden kann. Zudem zeigten sich in der "voluntary disclosu-
re practice" gemäss Amtshilfegesuch mindestens 400 Personen selbst
an, die nicht gemeldete Konten bei der Julius Bär hatten (vgl. Sachverhalt
B.b). Nun würde es sich beim blossen Nichtangeben eines Kontos um
nicht amtshilfefähige Fälle von Steuerhinterziehung handeln.
7.2.5 Grundsätzlich sind zwar die Behörden des ersuchenden Staates
nicht verpflichtet, den massgebenden Sachverhalt im Amtshilfegesuch
bereits lückenlos und völlig widerspruchsfrei darzulegen (E. 5.1.3). Ge-
mäss Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Bundesverwaltungs-
gerichts stellt aber der Umstand, dass hinreichende Anhaltspunkte für ein
Delikt gegeben sind, die notwendige (und gleichzeitig ausreichende) Vor-
aussetzung für die Gewährung der Amtshilfe dar. Bei Gruppenersuchen 
wie dem vorliegend zu beurteilenden  sind gemäss Bundesgericht an
den Detaillierungsgrad der Darstellung des Sachverhalts hohe Anforde-
rungen zu stellen, denn nur wenn der Sachverhalt genügend klar darge-
stellt wurde, kann das zulässige Ersuchen von einer verpönten Beweis-
ausforschung ("fishing expedition") abgegrenzt werden (E. 4 und 5.1.4).
7.2.6 Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts genügt die Dar-
stellung des Sachverhalts im Amtshilfegesuch vom 17. April 2013 diesen
Anforderungen an den Detaillierungsgrad aber nicht:
Im vom IRS beschriebenen Sachverhalt findet sich lediglich ein einziges
Beispiel, das allenfalls und erst noch nur, falls zusätzliche Informationen
vorhanden wären, gegebenenfalls den Vorwurf der Erfüllung des Tatbe-
stands des Abgabebetrugs begründen könnte. So beschreibt der IRS ein
in den USA steuerpflichtiges, ursprünglich aus einem Drittstaat stammen-
des Ehepaar, das offenbar  um erbrechtliche Folgen zu vermeiden  ein
A-5390/2013
Seite 32
Konto bzw. die dazugehörenden Vermögenswerte bei der Julius Bär auf
eine Domizilgesellschaft übertragen hat (vgl. oben Sachverhalt B.j). Zwar
lässt sich dem geschilderten Sachverhalt entnehmen, dass das Ehepaar
nach Übertragung weiterhin Gelder bezogen haben soll. Doch wird im
Amtshilfegesuch nicht beschrieben, inwieweit dadurch tatsächlich das
"Spiel der Gesellschaft" (E. 6.5.6) nicht gespielt worden wäre. Es lässt
sich insbesondere mangels weitergehender Beschreibung nicht ansatz-
weise entnehmen, welche Position die Ehegatten innerhalb der Gesell-
schaft innehatten und inwieweit Gelder für den persönlichen Gebrauch
bezogen wurden. Auch dass Bankformulare falsch ausgefüllt worden sei-
en, was gemäss den vom IRS im Gesuch selbst aufgestellten Kriterium
zur Identifikation der betroffenen Personen (Nr. 6 der "search criteria")
ausdrücklich für die Amtshilfe erforderlich wäre, wird nicht behauptet. Im
"Casadei Indictment" findet sich der im Amtshilfegesuch beschriebene
Sachverhalt im Übrigen nicht.
7.2.7 Zusammengefasst lässt sich somit festhalten, dass einerseits die
vom IRS angeführten Sachverhalte im "Casadei Indictment" den Tatbe-
stand des Steuer- bzw. Abgabebetrugs nicht erfüllen (E. 7.2.6). Für ver-
mutete reine Steuerhinterziehung darf unter dem DBA-USA 96 aber keine
Amtshilfe geleistet werden (E. 6.7). Andererseits weist der im Amtshilfe-
gesuch vom 17. April 2013 selber dargestellte Sachverhalt nicht denjeni-
gen Detaillierungsgrad auf, der bei Gruppenersuchen, welche "Betrugs-
delikten und dergleichen" betreffen, erforderlich ist, um diese von der ver-
botenen Beweisausforschung ("fishing expedition") abzugrenzen
(E. 7.2.5). Damit bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte, die ein
Eintreten auf das Amtshilfegesuch vom 17. April 2013 erlauben würden.
8.
8.1 Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde im Sinne der Erwägun-
gen gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Amtshilfe zu verweigern. Aufgrund des Ausgangs des Verfahrens erübrigt
sich die Beantwortung der Frage, ob die Kriterien, die im Gesuch zur
Identifikation der betroffenen Personen führen sollen ("search criteria"),
den Anforderungen genügen.
8.2 Ausgangsgemäss sind dem obsiegenden Beschwerdeführer und der
Vorinstanz keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 VwVG). Dem
Beschwerdeführer ist eine Parteientschädigung von Fr. 10'000.-- zuzu-
sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 8 ff. sowie Art. 13 f. des Reglements
A-5390/2013
Seite 33
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht; SR 173.320.2).
9.
Gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das
Bundesgericht (BGG; SR 173.110) kann dieser Entscheid auf dem Gebiet
der internationalen Amtshilfe in Steuersachen innerhalb von 10 Tagen nur
dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen
um einen besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG
handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist,
entscheidet das Bundesgericht.