Decision ID: 76900087-2ce0-4426-908f-5aedf2b517d3
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführer,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Kursbesuch (Kurskosten)
Sachverhalt:
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A.
A.a L._ meldete sich am 3. März 2003 beim RAV St. Gallen zur Arbeitsvermittlung
an (act. G 3.24). Sein letztes Arbeitsverhältnis bei der A._ AG, wurde von der
Arbeitgeberin am 26. Februar 2003 zunächst per 31. August 2003 aufgelöst, wobei der
Versicherte ab sofort freigestellt war (act. G 3.4). Später verlängerte sich die
Kündigungsfrist infolge Krankheit auf den 30. September 2003 (act. G 3.17). Da der
Versicherte von Arbeitslosigkeit bedroht war, wurde ihm der Besuch von 7
Modulkursen bewilligt (Verfügungen vom 12. Mai 2003; act. G 9.1 bis 9.7). Gemäss
Aktennotiz des RAV St. Gallen vom 9. Mai 2003 zahlte der Versicherte die Kurskosten
selber im Voraus, wobei ihm diese Auslagen von der Arbeitslosenversicherung nach
Beendigung des jeweiligen Kurses rückerstattet würden, sofern der Versicherte den
Kurs lückenlos besucht habe (act. G 3.6).
A.b Am 14. Dezember 2006 erkundigte sich der Versicherte beim RAV St. Gallen,
wann die Kurskosten auf das Konto von B._ überwiesen worden seien. Die
Kontoinhaberin habe seinerzeit die Kursauslagen vorfinanziert und ihn nun darauf
aufmerksam gemacht, dass der Betrag immer noch ausstehend sei, was natürlich nicht
stimmen könne (act. G 3.89). Mit E-Mails vom 17. und 31. Januar 2007 teilte das RAV
St. Gallen dem Versicherten mit, dass für die beantragten Kurse weder die
erforderlichen monatlichen Kursbescheinigungen noch die Zahlungsbestätigungen
eingereicht worden seien. In allen sieben Verfügungen sei der Hinweis enthalten
gewesen, dass der Anspruch auf die bewilligten Leistungen erlösche, wenn er nicht
innert dreier Monaten nach dem Ende der Kontrollperiode, auf die er sich beziehe,
geltend gemacht werde. Da der letzte Kurs bis zum 9. September 2003 gedauert habe,
hätten alle Unterlagen und Zahlungsbestätigungen bis spätestens Ende Dezember
2003 eingereicht werden müssen. Die Rückerstattung der Kursgelder für die im Jahr
2003 besuchten Kurse könne somit nicht mehr über die Arbeitslosenversicherung
vorgenommen werden (act. G3.90).
Mit Verfügung vom 25. Mai 2007 wies sodann die Arbeitslosenkasse des Kantons St.
Gallen die Rückerstattung der Kurskosten für die vom 7. Mai bis 3. September 2003
besuchten Kurse ab, da die Unterlagen zur Geltendmachung der Vergütungen für die
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Module (Kursbescheinigungen, Zahlungsbestätigungen) weder beim RAV St. Gallen
noch bei der kantonalen Arbeitslosenkasse eingetroffen seien (act. G 3.99).
A.c Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte Einsprache, mit welcher er im
Wesentlichen geltend machte, er habe die Unterlagen am Abend des 27. September
2003, und damit rechtzeitig, in den Briefkasten des RAV St. Gallen geworfen (act. G
3.100). Mit Entscheid vom 9. Juli 2007 wies die Kasse die Einsprache ab, da der
behauptete Einwurf nicht nachgewiesen sei und der Einsprecher die Beweislast trage
(act. 3.102).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 4.
September 2007 mit dem Antrag auf Aufhebung der Verfügung vom 15. Mai 2007
(richtig: 25. Mai 2007). Sodann seien dem Beschwerdeführer die Kurskosten von
insgesamt Fr. 16'315.-- unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu erstatten. Er habe
die Unterlagen zur Geltendmachung der Vergütungen für die Kursmodule innert Frist
am 27. September 2003 eingereicht. Er habe an diesem Abend mit C._ und D._
Minigolf gespielt. Auf der Heimfahrt nach St. Gallen habe man einen kleinen Umweg via
Stadtzentrum zur Unterstrasse gemacht, um den Briefeinwurf tätigen zu können. Bei
Bedarf seien die genannten Personen als Zeugen zu befragen. Es sei ihm mehrmals
von offizieller Stelle (RAV) glaubhaft gemacht worden, dass die Auszahlung erfolgt sei.
Somit müsse auch die Zustellung erfolgreich verlaufen sein. Er habe deswegen keinen
Anlass gehabt, mittels rechtzeitiger Nachfrage das Beweisrisiko zu vermindern.
Ausserdem seien die Kurskosten damals von B._ vorgestreckt worden. Aus
Rücksicht auf seine schwierige Situation habe sie davon abgesehen, ihn schon früher
auf die Rückzahlung der von ihr vorausbezahlten Kurse anzusprechen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 2 Oktober 2007 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Die Unterlagen zur Geltendmachung der Vergütungen für die Module
(Kursbescheinigungen, Zahlungsbestätigungen) seien weder beim RAV St. Gallen noch
bei der kantonalen Arbeitslosenkasse eingetroffen; die Sendung sei nicht
eingeschrieben zugestellt worden. Der Beschwerdeführer trage deshalb die Folgen der
Beweislosigkeit bezüglich der rechtzeitigen Abgabe. Da es unwahrscheinlich sei, dass
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die Bekannten des Beschwerdeführers sich nach Ablauf von mehr als drei Jahren noch
genau an das Datum der Sendungsaufgabe erinnern könnten, sei auf die Einvernahme
von Zeugen oder Auskunftspersonen zu verzichten. Um das Beweisrisiko zu
vermeiden, hätte der Beschwerdeführer die Unterlagen per eingeschriebener
Postsendung einreichen oder mittels rechtzeitiger Nachfrage sicherstellen sollen, dass
diese eingetroffen seien. Da er dies unterlassen habe, falle die Beweislage zu seinen
Ungunsten aus, so dass die Frist zur Geltendmachung als nicht gewahrt anzusehen sei.
Selbst wenn jedoch von einer rechtzeitigen Abgabe der Unterlagen auszugehen wäre,
wäre immer noch unklar, welchen Inhalt die Sendung hatte (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 23. Oktober 2007 macht der Beschwerdeführer geltend, die
Angaben des Personalberaters, nicht über bezahlte oder unbezahlte Kurskosten
gesprochen zu haben, treffe nicht zu. Ausserdem weist er darauf hin, dass die
fraglichen sieben Kurse bereits bewilligt gewesen waren, und ihm für den Fall des
lückenlosen Besuchs zugesichert worden sei, dass die Kurskosten rückerstattet
würden. Den Tatbestand des lückenlosen Kursbesuchs habe er erfüllt (act. G 5). Die
Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Vorliegend ist unbestritten, dass dem Beschwerdeführer der Besuch von sieben
Kursmodulen, dauernd vom 7. Mai 2003 bis 9. September 2003, inklusive Swiss
Education Card, mit Verfügungen vom 12. Mai 2003 bewilligt wurde (Implementing MS
Windows 2000 Professional and Server, Implementing an MS Windows 2000 Network
Infrastructure, Implementing and Administering MS Windows 2000 Directory Services,
Designing a Secure Windows 2000 Network, Designing an MS Windows 2000 Directory
Services Infrastructure, Internetworking Fundamentals und Implementing and
Managing MS Exchange 2000; act. G 9.1 bis 9.7). Im Weiteren ist unbestritten, dass
der Beschwerdeführer die bewilligten Kurse lückenlos besucht und bezahlt hat (act. G
3.92). Bislang unbestritten geblieben ist schliesslich die Höhe der fraglichen
Ausbildungskosten (Fr. 16'315.-- [Kurskosten Fr. 14'510.--, Reisespesen Fr. 1'325.--,
Verpflegungskosten Fr. 480.--], vgl. act. G 3.91). Ausserdem ist die Leistung nicht im
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Sinn von Art. 24 Abs. 1 ATSG verwirkt (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 24 Rz
14). Umstritten ist einzig die rechtzeitige Geltendmachung der Vergütungen innert der
Dreimonatsfrist gemäss Art. 86 Abs. 2 AVIV.
2.
2.1 Gemäss Art. 62 Abs. 2 AVIG (bis 30. Juni 2003: Art. 61 Abs. 3 und 63 AVIG)
erstattet die Versicherung dem Teilnehmer oder der Teilnehmerin die nachgewiesenen
notwendigen Auslagen für die Teilnahme an der Bildungsmassnahme. Die Kasse zahlt
die Vergütungen in der Regel zusammen mit dem Taggeld aus, wenn die versicherte
Person die Auslagen bis Ende der Kontrollperiode nachweist. Kursbesucher, die keine
Taggelder beziehen, legen ihre Unterlagen der Kasse jeweils bis Monatsende vor.
Rechnungen für Kursbeiträge sowie für grössere Anschaffungen von Lehrmitteln
können der Kasse zur direkten Bezahlung eingereicht werden (Art. 86 Abs. 1 AVIV). Die
Vergütungen werden nicht ausgerichtet, wenn sie die versicherte Person nicht
spätestens drei Monate nach Ablauf des Monats, in dem die betreffenden Kosten
angefallen sind, geltend macht (Art. 86 Abs. 2 AVIV). Bei dieser Frist handelt es sich um
eine Verwirkungsfrist (Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Rz
698, mit Hinweis auf BGE 119 V 372 E. 4 und BGE 117 V 245 E. 3).
2.2 Art. 39 Abs. 1 ATSG bestimmt, schriftliche Eingaben müssten spätestens am
letzten Tag der Frist dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen Handen der
Schweizerischen Post oder einer diplomatischen oder konsularischen Vertretung
übergeben werden. Die Beweislast für die Rechtzeitigkeit einer Parteihandlung im
Verfahren trägt grundsätzlich diejenige Partei, welche diese Handlung vorzunehmen
hat. Wo für die Ausübung eines Rechts eine Verwirkungsfrist läuft, trägt demgemäss
die das Recht ausübende Partei die Beweislast für die Einhaltung der Frist. Wird für die
Übermittlung einer schriftlichen Eingabe die Post benützt, umfasst die Beweislast für
die fristgerechte Rechtsausübung nicht nur das Beweisrisiko für die rechtzeitige
Postaufgabe (vgl. dazu BGE 109 Ia 185 oben, 98 Ia 249, 97 III 15 f., 82 III 102), sondern
auch dasjenige für den zur Fristwahrung erforderlichen Inhalt der Postsendung. Eine
Umkehr der Beweislast greift lediglich Platz, wenn die Partei den Beweis der
Rechtzeitigkeit aus Gründen nicht erbringen kann, die von der Behörde zu
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verantworten sind (BGE 92 I 257 E. 3). Da indessen nach dem im
Sozialversicherungsprozess herrschenden Untersuchungsgrundsatz das Gericht von
Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen hat, greifen diese Beweislastregeln erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln,
der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. Juli 2004 [C 285/03] E. 4.2,
mit Hinweis auf BGE 105 V 216 mit Hinweis).
Im Sozialversicherungsrecht ist der Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas
Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste
würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen). Andererseits dürfen
die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht eine
Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt
sind (Kummer, Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., S. 135). Der Nachweis des
Zustellungsdatums kann auch auf Grund von Indizien oder gestützt auf die gesamten
Umstände erbracht werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5.
Juli 2004 [C 285/03] E. 4.3, mit Hinweis auf BGE 105 III 43 E. 3 S. 46).
3.
3.1 Vorliegend macht die Beschwerdegegnerin geltend, die erforderlichen Unterlagen
zur Geltendmachung der Vergütungen (Kursbescheinigungen, Zahlungsbestätigungen)
seien weder beim RAV St. Gallen noch bei der Arbeitslosenkasse eingegangen.
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer bereits in seinem Mail vom 18. Januar
2007 an das RAV St. Gallen geltend, er habe den Umschlag mit den erforderlichen
Unterlagen direkt in den RAV-Briefkasten eingeworfen. Da der Briefkasten bereits stark
gefüllt gewesen sei, habe er das Couvert so weit wie möglich nach hinten gestossen.
Als Anerkennung für die prompten Serviceleistungen habe er der Sendung noch Fr.
20.-- für die Kaffeekasse beigelegt. Das Couvert habe den Vermerk "persönlich"
getragen (act. G 3.90). In seiner Einsprache vom 16. März 2007 führte er weiter aus,
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dass er am Abend des 27. September 2003 (Samstag) mit zwei Bekannten nach E._,
gefahren sei, um Minigolf zu spielen. Die Unterlagen hätten bereits im Vorfeld für
Gesprächsstoff gesorgt, da er den Begleitbrief auf dem Drucker des Kollegen
ausgedruckt habe. Auf der Heimfahrt hätten ihm die Mitfahrer gestattet, einen kleinen
Umweg via Stadtzentrum zum RAV St. Gallen zu fahren (act. G 3.91).
3.2 Diese Darstellung des Beschwerdeführers erscheint durchaus plausibel. Zudem
blieb der Beschwerdeführer von Anfang an bei seiner Version, was ebenfalls ein Indiz
für deren Glaubwürdigkeit darstellt. Nachdem indessen auch dem RAV nicht unterstellt
werden kann, die Unterlagen bewusst aus den Akten entfernt zu haben, ist nach der
vorliegenden Aktenlage ein Briefeinwurf nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt.
Bereits in seinem Mailverkehr mit dem RAV führte der Beschwerdeführer aus, dass er
beim Briefeinwurf in Begleitung zweier Bekannter gewesen sei (Mail vom 2. Februar
2007; act. G 3.90). Die Beschwerdegegnerin warf in der Folge in ihrer Verfügung vom
25. Mai 2007 die Frage auf, ob diese Begleitpersonen als Zeugen oder
Auskunftspersonen befragt werden sollen. Sie sah mit der Begründung davon ab, dass
sich diese nach mehr als drei Jahren wahrscheinlich nicht mehr an das Datum der
Sendungsaufgabe erinnern könnten (act. G 3.99).
In der Einsprache vom 24. Juni 2007 verlangte der Beschwerdeführer die Einvernahme
dieser Zeugen bzw. die Befragung seiner Bekannten als Auskunftspersonen. Die
Beschwerdegegnerin habe trotz Zeitablauf auch die involvierten Mitarbeiter des RAV
befragt und als Beweis angenommen. Es seien deshalb auch seine als Beweis
aufgeführten Personen zu befragen, zumal sich diese - im Gegensatz zu den RAV-
Mitarbeitern - nur an diese eine Begebenheit erinnern müssten (act. G 3.100). Im
Einspracheentscheid verzichtete die Beschwerdegegnerin erneut mit der gleichen
Begründung auf die Einvernahme der Begleitpersonen als Zeugen oder
Auskunftspersonen.
3.3 Mithin stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen auf die Erhebung von
Beweismitteln verzichtet werden kann bzw. wann eine antizipierte Beweiswürdigung
vorgenommen werden kann. Zulässig ist die Nichtabnahme eines Beweismittels etwa
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dann, wenn die zu beweisende Tatsache bereits auf Grund der abgenommenen
Beweise zur Überzeugung des Gerichts dargetan ist, und es als ausgeschlossen
erscheint, dass weitere Beweismittel an diesem Beweisergebnis etwas ändern.
Unproblematisch ist die Ablehnung von Beweismitteln, die objektiv untauglich sind,
einen bestimmten Beweis zu erbringen. Ist ein Beweisergebnis jedoch bereits durch
Zweifel erschüttert worden, ist es unzulässig, den Gegenbeweis durch antizipierte
Beweiswürdigung zu verweigern. Aus Gründen der Waffengleichheit ist es auch
unzulässig, (im Zivilprozess) nach Anhörung der Zeugen des Klägers mit antizipierter
Beweiswürdigung auf die Zeugen des Beklagten zu verzichten. Mit Zurückhaltung ist
schliesslich auf ein Beweismittel zu verzichten, weil seit dem zu beweisenden Ereignis
eine lange Zeit vergangen ist. Es muss hier geradezu als ausgeschlossen erscheinen,
dass mit weiteren Beweismassnahmen noch Näheres in Erfahrung gebracht werden
kann. Blosse Zweifel an der Tauglichkeit und Ergiebigkeit eines Beweismittels dürfen
jedoch dessen Abnahme nicht verhindern.
Zurückhaltung bei der Ablehnung eines Beweismittels ist auch bei subjektiv
untauglichen Beweismitteln angebracht. Etwa dann, wenn das Gericht bei einem stark
befangenen Zeugen zur Auffassung gelangt, dass es selbst bei dessen Befragung nicht
zur gebotenen Überzeugung gelangen könnte (Christoph Leuenberger / Beatrice Uffer-
Tobler, Kommentar zur Zivilprozessordnung des Kantons St. Gallen, S. 287 f., mit
Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung umfasst der Anspruch auf
rechtliches Gehör auch das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die
Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses
verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die
für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Auf weitere Beweisvorkehren kann
auch dann verzichtet werden, wenn der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will,
nicht rechtserheblich ist, wenn bereits Feststehendes bewiesen werden soll, wenn von
vornherein gewiss ist, dass der angebotene Beweis keine Abklärungen herbeizuführen
vermag, oder wenn die Behörde den Sachverhalt gestützt auf ihre eigene Sachkenntnis
bzw. jene ihrer fachkundigen Beamten zu würdigen vermag (BGE 104 V 211E. a mit
Hinweisen). Gelangt die Verwaltung oder das Gericht bei pflichtgemässer
Beweiswürdigung zur Überzeugung, der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, sei
nicht rechtserheblich oder der angebotene Beweis vermöge keine Abklärungen
herbeizuführen, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. In der damit
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verbundenen antizipierten Beweiswürdigung kann kein Verstoss gegen das rechtliche
Gehör nach Art. 4 BV erblickt werden (BGE 122 V 157 E. 1d; BGE 119 V 344 E. 3c in
fine mit Hinweisen).
3.4 Vorliegend bot der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin die Befragung
von Zeugen an. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin erscheint nicht von
Vornherein ausgeschlossen, dass die Befragung dieser Personen als Zeugen oder
Auskunftspersonen zur Erhellung des rechtserheblichen Sachverhalts beitragen kann,
etwa auch zur Frage, weshalb sich B._ bei einem ausstehenden Betrag von über Fr.
16'000.-- erst nach über drei Jahren beim Beschwerdeführer nach dem Verbleib des
Geldes erkundigt hat. Jedenfalls kann nicht von Vornherein gesagt werden, die
vorgeschlagenen Zeugen könnten sich nicht mehr an das fragliche Ereignis erinnern.
Der angebotene Zeugenbeweis erscheint damit nicht objektiv untauglich. Er erscheint
aber auch nicht subjektiv untauglich. Zwar handelt es sich um Bekannte des
Beschwerdeführers. Indessen ist bis jetzt ungeklärt, in welcher Beziehung diese
Bekannten zum Beschwerdeführer stehen. Mithin kann auf Grund der heutigen
Aktenlage nicht gesagt werden, diese Personen seien derart befangen, dass selbst
dann nicht auf deren Aussage abgestellt werden könnte, wenn sie den vom
Beschwerdeführer geschilderten Sachverhalt bestätigen würden. Schliesslich ist auch
im Sinn der Waffengleichheit der vom Beschwerdeführer angebotene Beweis
abzunehmen, befragte die Beschwerdegegnerin doch auch die Mitarbeiter des RAV St.
Gallen.
Auch kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass selbst bei belegtem
Briefeinwurf immer noch offen bliebe, welchen Inhalt die Sendung hatte. Vielmehr ist
auch bezüglich dieser Frage auf denjenigen Sachverhalt abzustellen, der nach erfolgter
Beweisabnahme als überwiegend wahrscheinlich erscheint.
3.5 Nach Art. 61 lit. c ATSG stellt das Versicherungsgericht unter Mitwirkung der
Parteien die für den Entscheid erheblichen Tatsachen fest; es erhebt die notwendigen
Beweise und ist in der Beweiswürdigung frei. Dabei steht es grundsätzlich in seinem
pflichtgemässen Ermessen, weitere Abklärungen selber vorzunehmen oder in
Aufhebung des Einspracheentscheides oder der Verfügung die Sache zu diesem
Zwecke an die Verwaltung zurückzuweisen (vgl. BGE 127 V 231 E. 2a, 122 V 163
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oben). Indes darf eine Rückweisung nicht einer Verweigerung des gerichtlichen
Rechtsschutzes gleichkommen, was etwa dann der Fall ist, wenn wegen besonderer
Gegebenheiten nur ein Gerichtsgutachten oder andere gerichtliche
Beweismassnahmen geeignet sind, zur Abklärung des Sachverhalts beizutragen.
Unzulässig ist die Rückweisung auch, sofern sie nach den Umständen als
unverhältnismässig erscheint. Liegen sachliche Gründe vor, ist sie aber regelmässig mit
dem Untersuchungsgrundsatz und dem Prinzip eines einfachen und raschen
Verfahrens vereinbar (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 30.
Januar 2006 [K 36/05] E. 4.1; BGE 131 V 410 E. 2.1.1 mit Hinweisen).
Vorliegend stellte sich die Frage der Befragung der damaligen Mitfahrer des
Beschwerdeführers als Auskunftspersonen oder Zeugen bereits im
Verwaltungsverfahren. Im Einspracheverfahren beantragte der Beschwerdeführer
sodann ausdrücklich die Befragung von C._ und D._. Die Beschwerdegegnerin
verzichtete darauf jeweils mit dem Argument, dass sich diese Mitfahrer wahrscheinlich
nicht mehr an den Briefeinwurf erinnern könnten. Eine solche pauschale antizipierte
Beweiswürdigung ist nach dem vorstehend Gesagten jedoch nicht zulässig. Vielmehr
hat die Verwaltung die notwendigen Abklärungen in Anwendung von Art. 43 Abs. 1
ATSG von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen.
Dabei kann die Behörde Beteiligte, Auskunftspersonen oder Zeugen befragen (Art. 12
Abs. 1 VRP[SG]). Nachdem die Beschwerdegegnerin die gebotenen
Abklärungsmassnahmen unterlassen hat, erscheint eine Rückweisung zur Abnahme
der beantragten Beweise als angemessen. Dies auch unter dem Gesichtspunkt, dass
dem Beschwerdeführer ansonsten eine Instanz verloren geht.
Nachdem - auf Grund der Nähe der zu befragenden Personen zum Beschwerdeführer -
der persönliche Eindruck massgebend erscheint, wird die Beschwerdegegnerin C._
und D._ persönlich anzuhören und darüber ein Protokoll zu erstellen haben. Dabei ist
sie grundsätzlich frei, ob sie diese Personen als Auskunftspersonen oder Zeugen
befragen will (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 1. September
2006 [U 61/06] E. 1.3.2, mit Hinweis auf Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen: dargestellt am Verfahren vor Verwaltungsgericht, 2. Aufl., S. 494 N
984).
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3.6 Ergeben diese Abklärungen, dass ein Briefeinwurf mit den erforderlichen
Unterlagen als überwiegend wahrscheinlich erscheint, wäre somit davon auszugehen,
dass die Sendung in den Machtbereich bzw. die Risikosphäre des RAV gelangt ist.
Diesfalls müsste sich der Beschwerdeführer nicht entgegenhalten lassen, dass die
Sendung allenfalls beim RAV verloren gegangen ist.
Im Fall, dass die Beschwerdegegnerin zum Schluss gelangen sollte, dass der
Briefeinwurf selber oder der Inhalt der Sendung nicht als überwiegend wahrscheinlich
erscheint, wird die Beschwerdegegnerin sodann zu prüfen haben, ob allenfalls die
verwirkte Frist wiederhergestellt werden kann. Dabei wird sie zu prüfen haben, ob das
Schweigen von B._ als Hindernis für das rechtzeitige Handeln des
Beschwerdeführers angesehen werden könnte (nach dessen Wegfall der
Beschwerdeführer offenbar rasch handelte), oder ob dem Beschwerdeführer ein
Vorwurf daraus erwächst, dass er sich nach dem geltend gemachten Briefeinwurf nicht
von sich aus bei B._ über das Eintreffen der Zahlung erkundigte.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die Streitsache zur Einvernahme der beiden Mitfahrer C._ und D._ an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Im Weiteren beantragt
der Beschwerdeführer sinngemäss eine Parteientschädigung. Dem ist jedoch entgegen
zu halten, dass einer nicht vertretenen Partei der Zeitaufwand für das Erstellen von
Rechtsschriften grundsätzlich nicht entschädigt wird, und Barauslagen werden nur
ersetzt, wenn sie erheblich und nachgewiesen sind (GVP 1993, 111). So setzt der
Anspruch auf eine Parteientschädigung nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung
unter anderem voraus, dass die Interessenwahrung einen hohen Arbeitsaufwand
notwendig macht, der den Rahmen dessen überschreitet, was der Einzelne üblicher-
und zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung der persönlichen Angelegenheiten auf
sich zu nehmen hat; erforderlich ist somit ein Arbeitsaufwand, welcher die normale (z.B.
erwerbliche) Betätigung während einiger Zeit erheblich beeinträchtigt (BGE 110 V 132
E. 4d).
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Vorliegend geht es zwar um einen erheblichen Betrag. Indessen musste der
Beschwerdeführer keinen das übliche Mass überschreitenden Aufwand auf sich
nehmen. Vielmehr konnte er sich auf die Darstellung seiner Sachverhaltsversion
beschränken. Die Ausrichtung einer Parteientschädigung an den Beschwerdeführer fällt
deshalb im konkreten Fall nicht in Betracht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht