Decision ID: 276cb5a0-57cd-57ab-84ab-955607be2478
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 12. März 2004 bei der IV-Stelle zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 1), nachdem ihm das Arbeitsverhältnis als Chauffeur per 31.
Oktober 2003 gekündigt worden war (IV-act. 10-1, 10-4). Im Rahmen der
vertrauensärztlichen Untersuchung der Krankentaggeldversicherung vom 5. November
2003 diagnostizierte Dr. med. B._, Innere Medizin, speziell Rheumatologie FMH, ein
chronifizierendes lumbospondylogenes Syndrom links und sensomotorisches
radikuläres Ausfallsyndrom L3 links, einen Status nach Weichteilverletzung
Ellbogenbereich rechts 1997 (Arbeitsunfall), eine Urolithiasis (ED 2002) sowie
anamnestisch Doppelnieren links. Er schätzte die Restarbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten auf 50% (IV-act. 8-21, 8-23). Im Austrittsbericht der Klinik Valens über die
Hospitalisation des Versicherten vom 6. bis 27. Januar 2004 diagnostizierten die Ärzte
in psychiatrischer Hinsicht zusätzlich eine Anpassungsstörung mit Angst und
depressiver Reaktion gemischt. Nach einer Arbeitsfähigkeit von 0% bis 1. Februar
2004, befanden sie den Versicherten ab 1. März 2004 in adaptierten Tätigkeiten zu
100% arbeitsfähig (IV-act. 8-5). Dagegen attestierte der Hausarzt im Bericht vom 18.
März 2004 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 8-4). Die IV-Stelle erteilte in der
Folge den Auftrag zur bidisziplinären Begutachtung des Versicherten (IV-act. 13 f.).
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A.b Am 15. Juli 2005 teilte der Versicherte der IV-Stelle am Schalter mit, dass er seine
Anmeldung für berufliche Massnahmen und Invalidenrente zurücknehmen wolle, da er
seit dem 1. März 2004 wieder zu 100% arbeitsfähig sei und sich seit 1. Juli 2005 mit
einer C._ selbständig gemacht habe (IV-act. 21). Im Verlaufsbericht vom 15. Juli 2005
stellte sein Hausarzt Dr. med. D._ eine Verbesserung der Beschwerden fest. Seit
seinem letzten Bericht von März 2004 seien diese etwas abgeflacht, verschwunden
seien sie aber noch nicht ganz. Eine leichte rückenschonende Arbeit in adaptierter
Tätigkeit könne er ganztags bewältigen. Er sei somit ab 1. März 2005 wieder
arbeitsfähig (IV-act. 23). Mit Rückzugserklärung vom 21. Juli 2005 zog der Versicherte
seine Anmeldung zurück, worauf die IV-Stelle das Leistungsbegehren als
gegenstandslos abschrieb (IV-act. 28 f.). Ab 1. Januar 2007 arbeitete der Versicherte
als Betriebsmitarbeiter Logistik mit einem 100%-Pensum für die Post (IV-act. 48).
A.c Nach einem Heckauffahrunfall am 31. August 2011 mit Diagnose einer HWS-
Distorsion Grad III mit motorischer Abschwächung C4-C8 (Fremdakten: Arztzeugnis
UVG vom 22. September 2011) meldete sich der Versicherte am 14. März 2012 erneut
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug (berufliche Massnahmen/Rente) an (IV-act. 37).
Am 11. Januar 2012 hatte er im Rahmen der Suva-Abklärungen an einem ambulanten
Assessment in der Rehaklinik Bellikon teilgenommen. Dabei hatten die
Abklärungspersonen die erlittene Verletzung als leicht eingestuft und waren davon
ausgegangen, dass keine bleibenden Schäden zu erwarten seien. Anlässlich der
psychosomatischen Abklärung in der Rehaklinik vom 24. Januar 2012 hatten die Ärzte
eine leichte depressive Episode festgestellt (IV-act. 95-11 f.).
A.d Mit Eingliederungsplan vom 7./11. September 2012 vereinbarten der Versicherte
und die IV-Eingliederungsverantwortliche als Massnahmen u.a. eine aktive Mitarbeit bei
langsamer Steigerung der Präsenz und Arbeitsfähigkeit von der aktuellen
Leistungsfähigkeit von 30% und einer Präsenz von 50% (IV-act. 56). Die IV-Stelle teilte
dem Versicherten mit Schreiben vom 12. September 2012 mit, sie gewähre ihm
Beratung und Unterstützung beim Erhalt seines Arbeitsplatzes durch die
Eingliederungsberatung (IV-act. 55).
A.e Vom 4. bis 22. März 2013 war der Versicherte in der Klinik Valens hospitalisiert. Die
Klinik-Ärzte diagnostizierten eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.11) mit
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einem deutlichen somatischen Syndrom und vielen Insuffizienzgefühlen auf Grundlage
des chronischen Schmerzsyndroms nach Unfallereignis vom 08/11, ein
zervikospondylogenes Syndrom, ein lumbospondylogenes Syndrom sowie chronischen
Kopfschmerz. Der Versicherte sei weiterhin zu 30% leistungsfähig bei einer 50%igen
Präsenz (IV-act. 73 ff.).
A.f Per 31. August 2013 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit dem
Versicherten (IV-act. 95-24). Gegenüber der Eingliederungsverantwortlichen gab er an,
auch an Integrationsmassnahmen nicht mitwirken zu können. Die
Eingliederungsverantwortliche schloss daher die beruflichen Massnahmen ab (vgl.
Stellungnahme vom 23. Oktober 2013, IV-act. 83-3, 83-5). Die IV-Stelle verneinte durch
Mitteilung vom 5. November 2013 einen Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen
(IV-act. 88).
A.g Die Suva, welche Taggelder leistete und für die Heilkosten des Unfalls
aufgekommen war, stellte die Versicherungsleistungen mit Verfügung vom 20. Februar
2014 per 31. März 2014 ein. Diese Verfügung bestätigte sie mit Einspracheentscheid
vom 24. Februar 2015 (Fremdakten). Dagegen erhob der Versicherte Beschwerde ans
Versicherungsgericht (UV 2015/18).
A.h Im Arztbericht vom 27. März 2014 attestierten die Ärzte des psychiatrischen
Ambulatoriums eine Arbeitsfähigkeit adaptiert von 50%, vorzugsweise halbtags (IV-act.
96).
A.i Am 27. August und 17. September 2014 wurde der Versicherte polydisziplinär
begutachtet. Im PMEDA-Gutachten (Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen) vom
10. Dezember 2014 attestierten die Gutachter dem Versicherten in angepassten
Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 100%, nämlich 9 Stunden, Pensum 100%. Eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht hinreichend belegt und habe auch zuvor
nicht bestanden. Die Vorberichte hätten sich „weitgehend“ von dem subjektiven
Beschwerdevortrag leiten lassen, da objektive behinderungsrelevante Störungsbefunde
auch aktenkundig nicht belegt worden seien (IV-act. 110-40, 100-40ff.). RAD-Ärztin Dr.
med. E._ hielt mit Stellungnahme vom 16. Dezember 2014 fest, dass auf das
Gutachten abgestützt werden könne (IV-act. 112).
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A.j Mit Vorbescheid vom 16. Februar 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenantrags in Aussicht (IV-act. 117).
A.k Dagegen liess der Versicherte durch Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller am 24.
März 2015 Einwand erheben und die Zusprache einer mindestens halben
Invalidenrente beantragen (IV-act. 118).
A.l Mit Stellungnahme vom 14. April 2015 kam RAD-Ärztin Dr. E._ zum Schluss, es
könne auch unter Berücksichtigung der Argumente im Einwandschreiben weiterhin auf
das Gutachten abgestützt werden (IV-act. 122).
A.m Mit Verfügung vom 15. April 2015 wies die IV-Stelle den Antrag des Versicherten
auf Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 0% ab (IV-act. 123).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 6. Mai 2015
mit dem Antrag auf deren Aufhebung und Zusprache mindestens einer halben
Invalidenrente ab August 2012. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die
Sache im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter
geltend, das PMEDA-Gutachten baue auf rein äusserlichen, von der subjektiven
Einschätzung des Gutachters abhängigen Beobachtungen auf. Auch erwähne es den
Unfall des Beschwerdeführers von 1997 praktisch nicht, obgleich jener die Begründung
dafür liefere, dass die Kraftminderung rechts erklärbar sei. Es liege daher zweifellos
keine Diskrepanz beim Beschwerdeführer vor, sondern im Gutachten. Auffallend sei
zudem, dass das Gutachten die spinale Enge respektive die engen Foramina
grundsätzlich anerkenne, aber anders beurteile als im Jahr 2012. Es dürfe nicht einfach
auf die statistische Heilungsquote abgestellt werden, weil dies der
Einzelfallgerechtigkeit widerspreche. Der Beschwerdeführer leide an grossen
Konzentrationsstörungen und sei in seinem täglichen Umfeld eingeschränkt. Daher sei
zwingend noch mindestens eine neuropsychologische Abklärung durchzuführen. Dazu
komme, dass der Beschwerdeführer regelmässig starke Medikamente gegen die
Schmerzen einnehmen müsse, welche vor allem dann entstünden, wenn er sich
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konzentrieren und anstrengen sollte. Dies führe dann zu den üblichen Verspannungen
im Nackenbereich und aufsteigenden Kopfschmerzen sowie auch Schwindel,
Erbrechen und Sehstörungen. Insgesamt sei der Sachverhalt wegen fehlender
neuropsychologischer Begutachtung nicht vollständig abgeklärt und die
Schlussfolgerungen seien unhaltbar (act. G 1).
B.b Am 20. Mai 2015 bewilligte der Abteilungspräsident das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 4).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 29. Juni 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin
mit Verweis auf die Stellungnahme des RAD vom 14. April 2015 die
Beschwerdeabweisung (act. G 5).
B.d Mit Replik vom 24. September 2015 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest. Er machte im Weiteren geltend, dass auf Grund von evident
unterschiedlichen Beurteilungen eines MRI unabdingbar ein Obergutachten in Auftrag
zu geben sei. Zudem gestehe auch das Gutachten zu, dass eine depressive Störung
nicht nur bestanden habe, sondern im Prinzip auch bestehe, diese aber wegen bzw.
dank der Medikation als remittiert anzusehen sei. Dies bedeute jedoch eine
Abhängigkeit von starken Medikamenten, was das Gutachten zugestanden habe, und
damit auch eine erhebliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit und der
Konzentration (act. G 9).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
11).
C.
C.a Am 27. Juni 2016 beschliesst das Gericht, bei der asim Begutachtung,
Universitätsspital Basel, ein polydisziplinäres (allgemeininternistisches/orthopädisches/
neurologisches/psychiatrisches) Obergutachten einzuholen (act. G 13). Nachdem die
Parteien zur Einholung der in Aussicht genommenen Begutachtung keine
grundsätzlichen Einwände erheben (vgl. act. G 14), erteilt die Abteilungsvizepräsidentin
dem asim mit Schreiben vom 20. Juli 2016 den Begutachtungsauftrag (act. G 15).
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C.b Vom 24. bis 26. Oktober 2016 wird der Beschwerdeführer ambulant durch die
Gutachter des asim begutachtet. Gestützt auf diese Untersuchungen kommen die
Experten im Gutachten vom 1. März 2017 zum Schluss, dass der Versicherte auf Grund
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, und auf
Grund einer neurotischen Entwicklung im Rahmen einer einschneidenden sozialen
Situation von Januar 2012 bis Januar 2013 zu 50% und seither noch zu 20%
arbeitsfähig sei. Aus rein somatischer Sicht sei in einer angepassten Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 60% zumutbar, die auf Grund der psychiatrischen Problematik
nicht umsetzbar sei (act. G 19 S. 11ff.)
C.c Mit Eingabe vom 28. März 2017 führt der Beschwerdeführer aus, dass das
gerichtlich angeordnete Gutachten in jeder Hinsicht beweiskräftig sei und deshalb
vollumfänglich auf die Berentungsfrage Anwendung finden müsse (act. G 21).
C.d In der Eingabe vom 3. April 2017 hält die Beschwerdegegnerin mit Bezug auf die
Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 30. März 2017 an ihrem Antrag auf Beschwerdeabweisung fest
(act. G 25, 25.1).
C.e Mit Schreiben vom 28. April 2017 nimmt der Beschwerdeführer zur Eingabe der
Beschwerdegegnerin Stellung und macht geltend, dass das asim-Gutachten als
Gerichtsgutachten höher zu werten sei als das PMEDA-Gutachten aus dem
Verwaltungsverfahren (act. G 29).

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente.
1.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
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und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20)
besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%
invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf
eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der medizinischen Fachperson ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des streitigen Leistungsanspruchs gestatten. Diese Untersuchungspflicht dauert so
lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen
Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Bezüglich Gerichtsgutachten hat die
Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht weiche "nicht ohne zwingende Gründe" von
den Einschätzungen der medizinischen Experten ab. Auch der Europäische Gerichtshof
für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung eines von einem Gericht
ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung vermutungsweise hohes
Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen).
2.
2.1 Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
2.2 Die asim-Gutachter diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), eine neurotische Entwicklung im
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Rahmen einer einschneidenden sozialen Situation (ICD-10 F48.9), ein chronisches
zervikovertebrales und zervikocephales Schmerzsyndrom (M47.12, M51.1), ein
lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M47.16 und M51.3) und multifaktoriellen
Schwindel (ICD-10 R42; act. G 19 S. 11). Im Rahmen der orthopädischen
Begutachtung habe der Beschwerdeführer angegeben, dass sich die
Beschwerdesymptomatik in den letzten zwei Jahren verschlechtert habe. Er sei schnell
kraftlos und schwitze. Weiterhin würden die Schmerzen im unteren Rücken und linken
Bein schneller auftreten und sie seien stärker vorhanden. Der Schwindel sei
unverändert vorhanden, allerdings habe er früher öfter erbrochen, was heute nur noch
selten vorkomme (act. G 19.2 S. 2). Aus interdisziplinärer Sicht beurteilten die
Mediziner aktuell ein HWS-Distorsionstrauma QTF Grad II ohne Hinweise auf MTBI
(Schädelhirntrauma). Bleibende strukturelle Schäden seien auf Grund des Unfalls nicht
entstanden und die Chronifizierung sei mit der HWS-Distorsion nicht zu erklären,
sondern nur als Ausdruck der komplexen psychiatrischen Problematik (Vorgeschichte).
Ein Teil der aktuell beklagten somatischen Beschwerden könne aus orthopädischer
Sicht erklärt werden, insbesondere das chronische zervikovertebrale und
zervikocephale Schmerzsyndrom bei möglichem intermittierendem Reizsyndrom C6
rechts bei bildgebend progredienten degenerativen Veränderungen der HWS und
möglicher Nervenwurzelaffektion C6 beidseits und möglicher Kompression C7 links
(MRI der Wirbelsäule vom 28.10.2016) sowie das chronische lumbovertebrale
Schmerzsyndrom bei klinisch-neurologisch residuellem sensomotorischem
Ausfallsyndrom L3-L4. Die frühere gutachterliche Einschätzung der PMEDA hinsichtlich
einer vollen Arbeitsfähigkeit für jede Tätigkeit sei aus orthopädisch/neurologischer
Sicht nicht zu stützen. Zumindest im bisherigen Tätigkeitsbereich als G._ dürften
Belastungen auftreten, welche die Belastbarkeit des Beschwerdeführers übersteigen
würden (act. G 19 S. 12f.). Für eine angepasste Tätigkeit ging der orthopädische
Gutachter Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädie, Manuelle Medizin/Chirotherapie
und Akupunktur, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, von einer leichten
Einschränkung (qualitative Limiten, quantitativ Arbeitsfähigkeit von 60%) aus. Es falle
jedoch rein somatisch auch eine erhebliche Diskrepanz zwischen den beklagten
Einschränkungen und den objektivierbaren Befunden auf. Die spontane Beweglichkeit
sei wenig bis gar nicht eingeschränkt, deutlich abhängig von der innerlichen Spannung.
Die Beschwerdeangabe sei wenig spezifisch. Es sei hier neben den organischen
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Schmerzursachen von einer gravierenden Schmerzfehlverarbeitung auf dem
Hintergrund der komplexen psychiatrischen Vorgeschichte auszugehen (act. G 19 S.
13).
2.3 In Bezug auf die psychiatrische Untersuchung führte Dr. med. I._, Facharzt
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, aus, der Beschwerdeführer hadere mit dem
Schicksal. Er habe Schuldgefühle, weil er das Gefühl habe, immer alle unterstützt zu
haben und jetzt nicht mehr für die eigene Familie sorgen zu können. Die behandelnde
Psychiaterin sei zwar als Person wichtig für ihn. Es lasse sich jedoch herausspüren,
dass ein Zugang zum Konzept der Depression für ihn schwierig zu sein scheine. Er
bleibe im Konzept der somatischen Ursache der Schmerzen durch den HWS-Unfall
von 2011 verhaftet (act. G 19.1 S. 9). Der Gutachter hielt fest, dass der
Beschwerdeführer eine depressive Symptomatik mittelgradigen Ausmasses gezeigt
habe. Sowohl im BDI wie auch in der Erhebung des psychopathologischen Befundes
nach AMDP seien depressive Symptome gefunden worden. Die depressive Affektlage
lasse sich durch die traurig wirkende Mimik und die eingeschränkte Psychomotorik
objektivieren. Als weiteres Kernsymptom gab er eine ausgeprägte Anhedonie an.
Zudem sei der Antrieb vermindert. Der Beschwerdeführer zeige Schuldgefühle, eine
Reduktion des Selbstvertrauens, wiederkehrende Gedanken an den Tod und teilweise
suizidale Gedanken. Das Denk- und Konzentrationsvermögen sei subjektiv
beeinträchtigt und auch in der Untersuchung beobachtbar im Zeitverlauf
eingeschränkt. Er sei psychomotorisch gehemmt und habe Ein- und
Durchschlafstörungen. Das Erscheinungsbild der Depression sei stark durch die
neurotische Fehlentwicklung des Beschwerdeführers mitgeprägt. Diese sei u.a. im
psychosomatischen Konsilium der Rehaklinik Bellikon 2012 herausgearbeitet worden.
Die Aspekte der Migration von 1989 und die schwierige Rolle im Familiensystem als
ältestes Kind nach dem Tod des Vaters seien differenziert beschrieben worden. Die
behandelnde Psychiaterin spreche auch von einer auf die verlorene Rolle in der Familie
und das somatische Krankheitskonzept fixierte, rigide und starre
Bewältigungsstrategie. Im Rahmen der Untersuchung habe die Belastung durch diese
Aspekte bestätigt werden können. Der Beschwerdeführer habe sich affektiv deutlich
belastet gezeigt, als er über den Verlust des Vaters und seine eigene neue Rolle in der
Familie gesprochen habe. Er habe seine damaligen beruflichen Wünsche, nämlich
Lehrer zu werden, aufgeben müssen. Durch die Migration 1989 und die Ansprüche der
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Familie habe er sich emotional weiter von der Familie distanziert, sei ihr aber weiterhin
loyal verpflichtet gewesen. Sein Dasein sei durch die Funktion des Ernährers zweier
Familien, seiner eigenen und der Herkunftsfamilie geprägt gewesen. Weiter sei deutlich
geworden, dass er nur sehr schambesetzt über den beruflich eingeschränkten Erfolg
des jüngsten Sohnes berichtet habe. Das Nichterfüllen der Ernährer- und Versorgerrolle
sei für ihn hoch ambivalent besetzt. Er habe Schuld- und Schamgefühle (act. G 19.1 S.
14f.). Die Diagnose einer rezidivierenden Störung lasse sich auf Grund der Akten
begründen. 1998 hätten zwar keine Hinweise für psychische Fehlentwicklungen
vorgelegen. Nach 2002 sei jedoch sowohl eine Anpassungsstörung mit Angst und
Depression gemischt wie auch eine leichte depressive Episode und später 2013 eine
mittelschwere depressive Episode diagnostiziert worden. Die Persönlichkeitsaspekte
liessen sich nicht als Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Das Ausmass der sozialen
Beziehungsprobleme sei zu wenig stark ausgeprägt. Ohne Depression scheine er in der
Beziehungsgestaltung gut kompensiert zu sein. Schliesslich würden sich die
neurotischen Aspekte darin zeigen, dass er unter Belastung zu sozialem Rückzug neige
und die Scham und Schuldaspekte teilweise unabhängig von der depressiven
Symptomatik in der Beziehungsgestaltung und in der Aktivierung eigener Ressourcen
relevant würden. Die neurotische Entwicklung führe zu einer Einschränkung der
Funktionen von Temperament und Persönlichkeit. Durch das dauernde Zurückstellen
eigener Bedürfnisse und die damit verbundene Gewissenhaftigkeit könne es unter
Belastung zu dysfunktionalen Bewältigungsmustern kommen. Durch die depressive
Symptomatik sei die Funktion der psychischen Energie und des Antriebs reduziert.
Zudem habe sich in der Untersuchung nach etwas über einer Stunde eine Reduktion
der Aufmerksamkeit und der Konzentration beobachten lassen (act. G 19.1 S. 15f.).
2.4 Die neurologische Gutachterin Dr. med. J._, Fachärztin für Neurologie,
zertifizierte medizinische Gutachterin SIM, hielt fest, dass die Schwindelsymptomatik
beim Beschwerdeführer multifaktoriell bedingt zu sein scheine. Es würden sich daraus
Einschränkungen in der Form ergeben, dass dem Beschwerdeführer keine Tätigkeiten
mit erhöhter Sturz- und Absturzgefahr, z.B. das Arbeiten in grossen Höhen, das
Klettern und Steigen auf Leitern und Gerüste zugemutet werden könne (act. G 19.3 S.
19). Zudem sei es im Zuge des Unfalls vom 31. August 2011 zu keiner
vorübergehenden oder bleibenden Schädigung neuraler Strukturen gekommen. Aus
neurologischer Sicht habe weder eine Contusio spinalis, noch eine neurologisch
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begründbare und eine auf das HWS-Distorsionstrauma 2011 zurückzuführende
Verschlechterung des durch den Arbeitsunfall 1998 bestehenden Vorzustandes im
Bereich des rechten Arms bestanden (act. G 19.3 S. 24). Basierend auf den
Konsistenzkriterien nach Widder und in Zusammenschau aus Aktenlage, den Angaben
des Beschwerdeführers und den objektivierbaren klinisch-neurologischen
Untersuchungsbefunden haben sich gemäss der Neurologin keine Hinweise für
relevante Inkonsistenzen oder für eine etwaige Aggravation oder gar Simulation
ergeben. So hätten sich keine Diskrepanzen zwischen der Beschwerdeschilderung und
den objektivierbaren körperlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers gezeigt
(act. G 19.3 S. 25). Aus isoliert neurologischer Sicht ging die Gutachterin grundsätzlich
von einer ganztägigen Arbeit mit anzunehmender Leistungseinschränkung von 20%
aus. Der erhöhte Pausenbedarf gelte sowohl in der bisherigen als auch in einer optimal
leidensadaptierten Tätigkeit. Dies begründe sich darin, da die bisherige Tätigkeit als
K._ weitgehend einer leidensadaptierten Tätigkeit entspreche (act. G 19.3 S. 27).
2.5 Im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung durch lic. phil. M._,
Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, zertifizierter neuropsychologischer
Gutachter SIM, konnte ein affektiver Kontakt nur bedingt hergestellt werden. Die
Leistungsbereitschaft sei gegeben, doch habe sich eine reduzierte Ausdauer gezeigt
und der Beschwerdeführer habe sich auch nicht zu einer aktiveren Mitarbeit motivieren
lassen. Die allgemeine Aufmerksamkeit sei gegeben und die Ablenkbarkeit nicht erhöht
gewesen. Die Belastbarkeit über die gesamte Untersuchungsdauer (Anamnese 13:00 -
14.45 / Testung 14:45 - 16:15) sei ausreichend gewesen, auch wenn sich in der zweiten
Hälfte eine leicht erhöhte Ermüdung bemerkbar gemacht habe (act. G 19.4 S. 7).
Hinsichtlich der Validität der neuropsychologischen Befunde hielt der Gutachter fest,
dass das Antwortverhalten im durchgeführten angewandten
Beschwerdevalidierungstest (DMT) und im expliziten Beschwerdevalidierungstest
(TBFN) grenzwertig sei. Leichte Auffälligkeiten hätten sich bei den
Verhaltensbeobachtungen gezeigt, indem bei der Testung die Ausdauer reduziert sei
und der Beschwerdeführer sich kaum zu einer aktiveren Mitarbeit habe motivieren
lassen. Die Testbefunde seien eingeschränkt konsistent mit der eigenanamnestisch
beschriebenen Alltags- und Berufsfunktionalität. Auf Grund der testpsychologisch
objektivierten Defizite wäre nicht zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer
seinen Alltag noch weitgehend selber meistere, die Betreuung seines Enkels
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übernehme oder noch selber Auto fahre. Diese Verhaltensauffälligkeiten und
Diskrepanzen seien wahrscheinlich im Rahmen der psychiatrischen Symptomatik zu
erklären (Slick-Kriterium D). Gemäss den Wertungskriterien nach Slick et al. (1999) sei
die Validität der neuropsychologischen Befunde nicht zweifelsfrei gegeben. Bei
verneintem Kriterium D seien die Auffälligkeiten nicht als eine bewusste Aggravation zu
werten, doch liege wahrscheinlich eine krankheitsbedingte unbewusste
Symptomverdeutlichung vor (act. G 19.4 S. 12). Der Gutachter schätzte, dass der
Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig sei. Bei einer
Arbeitspräsenz von 70% (5 3⁄4 Stunden pro Tag an 5 Tagen pro Woche) könne er eine
Arbeitsleistung von 50% (bezogen auf ein Vollpensum von 100%) erbringen (act. G
19.4 S. 13).
2.6 Interdisziplinär kamen die Gutachter zum Schluss, dass die in der
neuropsychologischen Testung objektivierten kognitiven Einschränkungen mit der
depressiven Symptomatik und im Rahmen der Schmerzstörung erklärbar, jedoch nicht
Folge einer Schädigung des Gehirns und auch nicht direkt Unfallfolge seien (act. G
19.1 S. 15f.). Die Gutachter gingen insgesamt davon aus, dass beim Beschwerdeführer
in der angestammten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. Dies auf Grund
der dabei vorkommenden Belastungen mit Tragen von Lasten teilweise über 25kg
(anamnestisch auch bis 40kg) und über längere Strecken, was somatisch nicht möglich
sei (Zervikalsyndrom bei möglichem intermittierendem Reizsyndrom C6 rechts).
Bezüglich adaptierter Tätigkeiten kamen die Gutachter zum Schluss, dass im Verlauf
von Januar 2012 bis Januar 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 50% gegeben gewesen sei,
danach sei dem Beschwerdeführer bis heute durchgehend auf Grund der
psychiatrischen Einschränkung eine Arbeitsfähigkeit von ca. 20% zu attestieren. Die
rein somatisch zumutbare Arbeitsfähigkeit von 60% in einer angepassten Tätigkeit sei
auf Grund der psychiatrischen Diagnosen nicht umsetzbar (act. G 19 S. 16f.).
3.
3.1 Gegen die asim-Beurteilung bringt RAD-Ärztin Dr. F._ vor, dass das
psychiatrische Gutachten einige widersprüchliche klinische Befunde im
neuropsychologischen Gutachten nicht beachte bzw. sich nicht damit
auseinandersetze. So seien das erste und zweite Kernsymptom „depressive
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Affektlage“ und relevante „Antriebsstörung“ bei der kritischen Symptomprüfung nicht
nachvollziehbar. Einerseits werde festgehalten, dass bei regelrechtem
psychomotorischem Antrieb und mentalem Arbeitstempo die Arbeitsweise gut geplant
und strukturiert und die Fehlerkontrolle unauffällig sei. Der Beschwerdeführer wirke
diskret dysphorisch, ansonsten affektiv ausgeglichen (act. G 19.4 S. 7). Andererseits
werde diskrepant dazu aufgeführt, dass die eingeschränkte Psychomotorik die
depressive Affektlage objektiviere (act. G 19.1 S. 14). Zudem ignoriere das Gutachten
auch die übereinstimmende Feststellung bezüglich der unauffälligen Ermüdbarkeit (vgl.
act. G 19.4 S. 7, 19.1 S. 3 unten; act. G 25). Dazu ist festzuhalten, dass die
Ermüdbarkeit des Beschwerdeführers tatsächlich relativ unauffällig war. So stand der
Beschwerdeführer im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung zwar erst nach 70
Minuten erstmals auf. Danach aber habe er immer häufiger den Dolmetscher
angeschaut und eine Übersetzung verlangt. Er habe in dieser Phase auch in der
Konzentration beeinträchtigt gewirkt (act. G 19.1 S. 10), was die Problematik mit der
Konzentrationsfähigkeit stützt. Schliesslich beschrieb der psychiatrische Gutachter den
Beschwerdeführer als eingeschränkt schwingungsfähig wirkend; zudem wirke die
Mimik traurig. Der Beschwerdeführer habe selber geschildert, eigentlich die ganze Zeit
traurig zu sein, immer wieder ans Sterben und teilweise auch an Suizid zu denken.
Zudem weine er mehr als früher und habe von Scham berichtet, wenn es öffentlich
passiere (act. G 19.1 S. 11f.). Gemäss Dr. F._ ist die attestierte „ausgeprägte
Anhedonie“, ein weiteres Kernsymptom einer relevanten depressiven Störung,
ebenfalls widerlegt, da sowohl im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung als auch
gegenüber dem neuropsychologischen Gutachter angegeben werde, dass der Appetit
normal sei, die sexuelle Appetenz auch in Zusammenhang mit den Antidepressiva
gebracht werde, Interesse an den Menschen bestehe, Freudeempfinden an den
Kindern noch möglich und der soziale Rückzug nicht ausgeprägt sei bei Kontakten mit
Fussballkollegen, täglichen Spaziergängen sowie jährlichen Heimaturlauben (act. G
25.1 Ziff. 2). Hierzu hält das Gutachten etwas relativierender fest, dass sich der
Beschwerdeführer an nichts habe erinnern können, worüber er sich freuen könnte. Er
könne Dinge nicht mehr so geniessen wie früher, zwar könne er sich schon noch ein
bisschen über die Kinder und Enkel freuen, aber es sei schwierig, das Leben so zu
akzeptieren. Dass die Libido völlig aufgehoben sei, bleibt zudem ein Aspekt der
Anhedonie, auch wenn dies - nur möglicherweise - in Zusammenhang mit dem
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Escitalopram stehen könnte (act. G 19.1 S. 12). Zudem führte der asim-Gutachter
konkret aus, dass es dem Beschwerdeführer weiterhin gelinge, „minimale“ soziale
Kontakte auch zu Kollegen aufrecht zu erhalten. Die privaten Einschränkungen seien
aber mit dem Leistungsniveau, das der Beschwerdeführer im RAV-Programm N._
sowie auch bei der Tätigkeit, die er 2013 im geschützten Rahmen beim letzten
Arbeitgeber habe erreichen können, vereinbar (act. G 19.1 S. 17). Sodann bemängelt
die RAD-Ärztin am Gutachten, dass die klinische Befundung bezüglich Depression und
Persönlichkeit nicht einer Beschwerdevalidierung unterzogen, sondern lediglich mit
einem (rein subjektiven) Selbstbeurteilungs-Fragebogen ergänzt worden sei (act. G
25.1 Ziff. 3). Dem ist entgegenzuhalten, dass sich der psychiatrische Gutachter gestützt
auf die psychometrischen Testungen nach dem Beck Depressionsinventar und unter
Berücksichtigung der im Rahmen der Laboruntersuchungen nachgewiesenen
Medikamenteneinnahme von Escitalopram und Venlafaxin ausführlich mit den
Resultaten auseinandergesetzt hat (vgl. act. G 19.1 S. 13). Ebenso stützte er sich auf
das AMDP-System, welches den psychopathologischen Befund mittels Elementen der
Fremdbeurteilung erhebt (vgl. act. G 19.1 S 11). Im Rahmen der eingehenden
Konsistenzprüfung hielt der Gutachter fest, dass der Beschwerdeführer durchgehend in
den Arztberichten und der eigenen Untersuchung eine Neigung gezeigt habe,
depressive Symptome zu dissimulieren und Schmerzaspekte zu verdeutlichen. Diese
Aspekte hätten sich auch in der neuropsychologischen Untersuchung finden lassen.
Sie würden sich mit dem Krankheitskonzept des Beschwerdeführers weitgehend
erklären lassen. In den Berichten seien keine Hinweise für Simulation zu finden. Die
Hinweise auf Aggravation bezögen sich auf die Handlungsebene und würden somit
einer Verdeutlichung entsprechen. Es würden sich in den Akten keine Hinweise
ergeben, dass dem Beschwerdeführer auf dieser Ebene bewusstseinsnahe Motive
unterstellt werden könnten. Es sei somit aus medizinischer Sicht am
wahrscheinlichsten, dass eine Verdeutlichung vorliege. Die behandelnde Psychiaterin
Dr. O._ sehe auf Grund der Gesamtsituation keine Hinweise dafür, dass das aktuell
rigide Bewältigungsmuster vom Beschwerdeführer überwunden werden könnte. Auch
habe in der eigenen Untersuchung bei der Fokussierung auf psychische Problematiken
kein Verhalten mit demonstrativem Schmerzgebaren gefunden werden können, wie es
im PMEDA-Gutachten dauernd beschrieben worden sei. Zudem habe der
Beschwerdeführer im Untersuch nach 70 Minuten um ein Glas Wasser zur Einnahme
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eines Dafalgan gebeten. Im Gesamtkontext habe das Demonstrieren dieser Schmerzen
situationsadäquat und weder ostentativ noch theatralisch gewirkt. Der Bericht über das
Beschäftigungsprogramm über knapp sechs Monate im Jahr 2014 habe ausserdem
einen motivierten, sozialkompetenten und sorgfältigen Mann mit stark eingeschränkter
Durchhaltefähigkeit beschrieben, der faktisch kaum eine Leistung habe bringen können
(act. G 19.1 S. 17). Schliesslich ist gemäss Dr. F._ die asim-Beurteilung der
„psychodynamischen Aspekte“ nicht nachvollziehbar, welche zu einer relevanten
neurotischen Entwicklung geführt hätten, die nur eine rigide Abwehr, einen
dysfunktionalen Umgang mit Schmerz ermögliche. Dies, weil der Beschwerdeführer
bereits bewiesen habe, genau diese Ressourcen aufbringen zu können, als ihm nach
zweieinhalbjähriger Arbeitsunfähigkeit wegen Rückenschmerzen (beginnend 2/03) und
anschliessenden Minimaleinkünften bis 1/07 eine neue 100%-Anstellung als Chauffeur
möglich gewesen sei (act. G 25.1 Ziff. 4). Entgegen dieser Beurteilung anerkannte Dr.
I._ jedoch die Ressourcen des Beschwerdeführers dahingehend, als er 1998 nach
dem schweren Arbeitsunfall die Arbeit wieder habe aufnehmen können, auch die
Diskushernie 2002 bis 2004 nicht zu einer andauernden Arbeitsunfähigkeit geführt habe
und er in einer neuen Stelle habe reüssieren können. Hier sei ein gewisser Stolz
mitgeschwungen, da er der beste in seiner Abteilung gewesen sei. Das wiederum
erweise sich als Belastungsfaktor, weil die Schamaspekte bei verringerter
Leistungsfähigkeit, wie der Beschwerdeführer sie aktuell verspüre, dazu führen
könnten, dass er sich weniger zutraue als möglich sein könnte (act. G 19.1 S. 16). Allein
deshalb darauf zu schliessen, dass der Beschwerdeführer auch ein drittes Mal diese
Ressourcen aufbringen könnte, ist nicht belegt. Sodann vermögen auch die weiteren
von der RAD-Ärztin aufgeführten sogenannten „Fehler“ im asim-Gutachten nicht zu
überzeugen, nahmen die Gutachter doch ausführlich Stellung zu ihrer von der PMEDA-
Beurteilung abweichenden Einschätzung. Insgesamt ist damit die Beweistauglichkeit
des asim-Gutachtens nicht in Frage zu stellen. Nachdem es in sich schlüssig und
nachvollziehbar ist, es die medizinischen Vorakten berücksichtigt und sich damit
ausführlich auseinandersetzt, kann darauf abgestellt werden.
4.
Gestützt auf das vorliegend unstrittige Arztzeugnis von Dr. D._ zu Handen der
Unfallversicherung war der Beschwerdeführer in Folge des Unfalls vom 31. August
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2011 bis zum 13. September 2011 zu 100% und ab 14. September 2011 bis Januar
2012 zu 50% arbeitsunfähig (Fremdakten: Unfallschein UVG, Akten-Nr. 43). Gemäss
den asim-Gutachtern bestand sodann beim Beschwerdeführer im Verlauf von Januar
2012 bis Januar 2013 eine 50%ige und ab Februar 2013 eine 80%ige
Arbeitsunfähigkeit (act. G 19 S. 17). Auf Grund eines Valideneinkommens im Jahr 2012
von Fr. 62‘206.-- (vgl. IV-act. 48-4), das im Vergleich zum durchschnittlichen
Jahreseinkommen von Hilfsarbeitern von Fr. 65‘177.-- (Tabelle TA1, vgl. Anhang 2 der
IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2015) leicht unterdurchschnittlich
ist, kann vorliegend ein Prozentvergleich erfolgen. Die Frage, ob sich zudem ein Abzug
für leidensangepasste Tätigkeiten rechtfertigt, kann hier zudem offen gelassen werden,
da selbst ein gegebenenfalls höchstens zu rechtfertigender Abzug von 10% keine
Änderung des Rentenanspruchs ergäbe. Somit hat der Beschwerdeführer für die Zeit
vom 1. September 2012 bis 30. April 2013 Anspruch auf eine halbe Rente (IV-Grad von
50% bzw. bei einem Leidensabzug von 10% max. 55%) und ausgehend von einer für
leidensangepasste Tätigkeiten bestehenden 20%igen Arbeitsfähigkeit bzw. einem IV-
Grad von mind. 80% ab 1. Mai 2013 (vgl. Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) Anspruch auf eine ganze Rente.
5.
5.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 15. April 2015 aufzuheben
und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. September 2012 bis 30. April 2013 eine
halbe Rente und ab 1. Mai 2013 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung). Auf Grund der Einholung eines Gerichtsgutachtens und des
damit verbundenen Zusatzaufwands erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
Beschwerdegegnerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 1'000.--
aufzuerlegen.
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5.3 Die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 18'515.40 (act. G 24) hat die
Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
5.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint wegen des im Zusammenhang mit dem Gerichtsgutachten
verbundenen Mehraufwands eine Parteientschädigung von Fr. 4'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem Ausgang erübrigt sich
die Festlegung einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung.