Decision ID: e789e8d6-8e10-4b13-9d0d-03a37ad4f38d
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente; berufliche Massnahmen
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Sachverhalt:
A.
M._ meldete sich am 26. August 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie gab
dabei u.a. an, sie habe keinen Beruf erlernt. Gemäss einem der Anmeldung beigelegten
Bericht von Dr. med. A._ vom Spital X._ vom 10. August 2007 litt die Versicherte
an einem lumbospondylogenen Syndrom und an einer Ansatztendinopathie am rechten
Beckenkamm. Seit vier Jahren waren immer wieder Schmerzen paralumbal mit
Ausstrahlung zur rechten Gesässhälfte und manchmal zum Oberschenkel aufgetreten.
Seit etwa einem Monat waren die Schmerzen nun ständig vorhanden. Sie exazerbierten
bei langem Stehen und Sitzen. Neurologische Ausfälle waren nicht aufgetreten. Die
Diagnose stützte sich auf Röntgenaufnahmen vom 7. August 2007 und auf MRI-Bilder
vom 9. August 2007. Die Röntgenaufnahmen zeigten eine verschmälerte Bandscheibe
lumbosacral mit einer leicht spondylophytären Reaktion L5/S1 und L3/4 und
degenerative Veränderungen im thorako-lumbalen Übergang mit Deck- und
Bodenplattenkonturalteration im Sinne eines durchgemachten Morbus Scheuermann.
Auf dem MRI-Bild war eine dehydrierte Bandscheibe L5/S1 mit kleinster
subligamentärer medianer bis leicht linksbetonter Hernierung der Bandscheibe L5/S1
zu erkennen, allerdings ohne Kontakt zu einer Nervenwurzel und ohne Nachweis einer
Nervenwurzelkompression. Ausserdem zeigte das MRI-Bild mässige degenerative
Veränderungen vor allem im thorako-lumbalen Übergang und in der mittleren BWS und
eine Deck- und Bodenplattenkonturalteration im thorako-lumbalen Übergang wie bei
einem St. n. Morbus Scheuermann. Dr. med. A._ schätzte die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten in der Tätigkeit als Raumpflegerin auf 50%, in einer rückenadaptierten
Tätigkeit (Büroarbeit mit Pausen und mit der Möglichkeit, die Körperposition zu
wechseln) wäre die Versicherte zu 70-80% arbeitsfähig. Gemäss dem von ihr selbst
erstellten Lebenslauf war die Versicherte seit August 2006 arbeitslos. Dr. med. B._
vom RAD Ostschweiz hielt am 7. September 2007 fest, in einer leichten und
wechselbelastenden Tätigkeit ohne längeres Stehen oder Sitzen und ohne Heben,
Tragen oder Transportieren von Lasten über 5 kg sei die Versicherte entsprechend
ihren eigenen Angaben zu 100% arbeitsfähig.
B.
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Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am 8. September 2007, bei einer
rückenadaptierten Tätigkeit mit der Möglichkeit zum Wechseln der Körperhaltung, ohne
repetitives Bücken und ohne Heben von Gegenständen über 10 kg sei der Versicherten
ein volles zeitliches Pensum ohne verminderte Leistung zumutbar. Die Versicherte sei
mit NSAR (Lodine 300 1-0-1) und Physiotherapie behandelt worden. Es sei mit
rezidivierenden Rückenbeschwerden zu rechnen. Der Gesundheitszustand sei
besserungsfähig. Die IV-Stelle ersuchte eine Reihe früherer Arbeitgeber der
Versicherten, einen Fragebogen im Zusammenhang mit einer beruflichen Integration
auszufüllen. Die Akten enthalten keinen Hinweis darauf, dass diese Fragebögen in
irgendeiner Form ausgewertet worden wären. Mit einem Vorbescheid vom 1. Oktober
2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie "das Leistungsbegehren
betreffend berufliche Massnahmen und Rente" abweisen werde, da alle leichten und
wechselbelastenden Tätigkeiten ohne längeres Stehen oder Sitzen und ohne Heben,
Tragen oder Transportieren von Lasten uneingeschränkt zumutbar seien. Die
Versicherte wandte am 3. Oktober 2007 ein, das rechtliche Gehör sei ihr verweigert
worden und es seien keine Abklärungen vorgenommen worden. Die Röntgenbilder
seien nämlich nicht beigezogen worden. Im Übrigen werde sie nun ein
Einsatzprogramm des RAV absolvieren, um die Vermittlungsfähigkeit zu klären. Dr.
med. B._ vom RAD gab am 28. November 2007 an, Dr. med. A._ habe die MRI-
und Röntgenbilder gewürdigt. Am 17. Dezember 2007 füllte die Versicherten den
Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt aus. Dabei gab
sie an, ohne den Gesundheitsschaden wäre sie zu 100% erwerbstätig. Mit einer
Verfügung vom 30. Januar 2008 wies die IV-Stelle sowohl das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen als auch das Rentengesuch der Versicherten ab.
C.
Die Versicherte erhob am 11. Februar 2008 Beschwerde gegen diese Verfügung. Sie
machte sinngemäss geltend, es seien keine medizinischen Abklärungen vorgenommen
worden. Eine Begutachtung durch einen neutralen Arzt wäre sinnvoll. Die Versicherte
legte ein an das RAV gerichtetes Schreiben vom 25. Januar 2008 bei, laut dem sie eine
sitzende Tätigkeit, wie sie im Arbeitsprogramm (Nähatelier) ausgeführt worden war,
wegen ihrer Rückenprobleme gar nicht aushalten konnte. Es dürfe nicht sein, dass sie
sich ein paar Stunden abplagen müsse, um dann die verordnete Tablettenmenge
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verdreifachen zu müssen. Der Ehemann der Versicherten teilte am 25. Februar 2008
telefonisch mit, diese habe das Einsatzprogramm im Nähatelier nicht besucht. Sie habe
jetzt eine Stelle bei einem Postzustelldienst gefunden, bei der sie dauernd in Bewegung
sein könne.
D.
Die IV-Stelle beantragte am 10. April 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie wies
darauf hin, dass Dr. med. A._ die Röntgen- und MRI-Bilder beigezogen habe. Weiter
führte sie aus, dass die Versicherte auf dem realen Arbeitsmarkt keine Stelle finden
könne, sei für die Invaliditätsbemessung irrelevant. Bei der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens sei nämlich auf den allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt abzustellen. Wegen der fehlenden Invalidität habe die Versicherte weder
einen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen noch einen
Rentenanspruch.
E.
Die Versicherte ersuchte am 24. April 2008 um eine Sistierung des
Beschwerdeverfahrens, da sie mit Dr. med. C._, Klinik Y._, Kontakt aufgenommen
habe und auf den Bericht warte. Am 28. April 2008 reichte sie den angekündigten
Bericht ein. Darin wurde folgende Diagnose angegeben: chronische Lumbago bei
Spondylarthrose L4/5 und L5/S1 sowie muskuläre Dysbalance. Die vertebrospinale
Kernspintomographie zeige eine mässige Dehydration L4/5, etwas stärker ausgeprägt
L5/S1, eine leichte Höhenminderung beider Segmente, eine Spondylarthrose L4/5 und
L5/S1, aber keinerlei Einengung neuraler Strukturen und ein reguläres Alignement der
Wirbelkörper. Die Versicherte war bei der Briefzustellung mit einem Roller unterwegs.
Probleme hatte sie vor allem mit dem Gewicht der Postsäcke. Gemäss ihren eigenen
Angaben war ihr diese Arbeit nur halbtags zumutbar. Die Versicherte machte in einer
Eingabe vom 23. Mai 2008 u.a. geltend, durch Therapien sei keine Verbesserung zu
erreichen. Die von Dr. med. A._ empfohlenen Therapien hätten sogar zu einer
Verschlechterung geführt. Momentan mache sie die vorgeschlagenen Muskelübungen.
F.
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Die IV-Stelle verzichtete am 6. Juni 2008 auf eine Duplik.
G.
Im März 2009 teilte die Versicherte dem Gericht mit, dass sie am rechten Fuss operiert
worden sei. Ob sie den Roller jemals wieder auf den Ständer werde stellen können, sei
fraglich. Während einer Tour müsse sie das aber bis zu 250mal machen. Später habe
sie auch noch einen Auffahrunfall erlitten. Seitdem habe sie Rückenschmerzen.

Erwägungen:
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 30. Januar 2008 hat die Beschwerdegegnerin
sowohl einen Anspruch auf eine Invalidenrente als auch einen Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen verneint. In dieser Situation bilden die beruflichen
Eingliederungsmassnahmen nicht Gegenstand der allgemeinen
Schadenminderungspflicht in ihrer Ausprägung als Grundsatz der 'Eingliederung vor
Rente' (vgl. etwa Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., Vorbemerkungen N. 47), denn
nach der Ansicht der Beschwerdegegnerin besteht ja kein Rentenanspruch. Da es sich
also um zwei voneinander unabhängige Leistungsbegehren handelt, über die am 30.
Januar 2008 entschieden worden ist, liegen zwei getrennte Verfügungsgegenstände
vor. Die Verfügung vom 30. Januar 2008 hätte für jeden der beiden Gegenstände
getrennt unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen können. Das bedeutet, dass
zwei verschiedene Streitgegenstände vorliegen, die an sich in zwei getrennten
Beschwerdeverfahren behandelt werden müssten. Da die Beschwerdeführerin nur eine
Beschwerdeschrift eingereicht und dabei beide Verfügungsgegenstände zum Inhalt des
Beschwerdeverfahrens gemacht hat, rechtfertigt es sich – auch unter Beachtung des
Grundsatzes der Verfahrensökonomie – über einen allfälligen Anspruch auf eine
Invalidenrente und über einen allfälligen Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen in einem Urteil zu entscheiden.
2.
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2.1 Ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht erst ab einem Invaliditätsgrad von
40% (Art. 28 IVG). Der Invaliditätsgrad ist gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen
und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum
Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Ausschlaggebendes Element des Einkommensvergleiches ist in
aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit. Diesbezüglich hat sich die
Beschwerdegegnerin ausschliesslich auf die Angaben von Dr. med. A._ vom Spital
X._ vom 10. August und vom 8. September 2007 abgestützt. Das erscheint als
problematisch, denn den Angaben behandelnder Ärzte zur Arbeitsfähigkeit wird in der
Verwaltungs- und der Gerichtspraxis regelmässig ein tiefer Beweiswert beigemessen
(vgl. etwa Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer-Blaser, S.
230), so dass eine solche Schätzung für sich allein in der Regel den
Arbeitsfähigkeitsgrad nicht mit dem nötigen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen vermag. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass
Dr. med. A._ einen Arbeitsfähigkeitsgrad angegeben hat, dem zum vornherein keinen
Rentenanspruch entstehen lassen kann. Eine aus der Sicht einer eine Rente
anstrebenden versicherten Person ungünstige Arbeitsfähigkeitsschätzung eines
behandelnden Arztes ist also nicht per se überzeugend. Sie kann nicht anders
gewürdigt werden als eine Arbeitsfähigkeitsschätzung eines behandelnden Arztes, die
einen Rentenanspruch begründen würde. Nun kann aber auch eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung eines behandelnden Arztes ausnahmsweise überwiegend
wahrscheinlich sein. Dies setzt allerdings voraus, dass der behandelnde Arzt
nachweislich mit besonderer Objektivität vorgegangen ist. Der entsprechende Bericht
muss sich auf eine umfassende, präzise und objektive Erhebung der Art und der
Schwere der Gesundheitsbeeinträchtigung stützen und die Arbeitsfähigkeitsschätzung
muss unvoreingenommen sein und auf einer nachvollziehbaren, objektiven Begründung
beruhen. Dazu gehört insbesondere, dass klar zwischen der subjektiven
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der versicherten Person und der objektiv zumutbaren
Arbeitsfähigkeit unterschieden wird. Der behandelnde Arzt muss also trotz seines
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Behandlungsauftrages wie ein unabhängiger medizinischer Sachverständiger
berichten. Die im vorliegenden Fall massgebenden Röntgen- und MRI-Bilder sind von
Fachärzten erstellt und interpretiert worden. Dr. med. A._ hat auf die entsprechenden
Angaben abgestellt. Die Erhebung der Gesundheitsbeeinträchtigung der
Beschwerdeführerin erweist sich somit als objektiv und unvoreingenommen. Da es
keine Hinweise darauf gibt, dass die Gesundheit der Beschwerdeführerin auch noch in
einem anderen Bereich beeinträchtigt sein könnte, ist die Abklärung auch als
umfassend zu betrachten. In bezug auf die Arbeitsfähigkeit gehen die beiden Berichte
von Dr. med. A._ hingegen nicht über den üblichen Objektivitätsstandard von
Hausarztberichten hinaus. Insbesondere fehlt eine überzeugende Begründung für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung, die sich auch mit der Zumutbarkeit der Überwindung der
subjektiven Teilarbeitsfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin
auseinandersetzt. Die beiden Berichte von Dr. med. A._ weisen also entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht den erforderlichen Beweiswert auf. Sie
erlauben es deshalb nicht, das zumutbare Invalideneinkommen und damit den
Invaliditätsgrad mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu ermitteln. Grundsätzlich wäre
die Sache deshalb zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit durch einen unabhängigen
medizinischen Sachverständigen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
2.2 Nun hat die Beschwerdeführerin aber im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
einen weiteren Arzt beigezogen. Die von Dr. med. C._ gestellte Diagnose stimmt
weitgehend mit derjenigen von Dr. med. A._ überein. Dasselbe gilt für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung, allerdings nur bezogen auf eine nicht adaptierte
Erwerbstätigkeit (Dr. med. A._: Raumpflegerin, Dr. med. C._: Postzustelldienst mit
dem Roller). Dr. med. C._ hat weder die Anforderungen an eine
behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit umschrieben noch hat er eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf eine solche Tätigkeit abgegeben. Trotzdem
kann darin eine – indirekte – Bestätigung der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med.
A._ erblickt werden, denn die übereinstimmende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in
einer nicht adaptierten, körperlich ungünstigen und belastenden Tätigkeit lässt in
antizipierender Beweiswürdigung erwarten, dass Dr. med. C._ sowohl die
Umschreibung einer adaptierten Erwerbstätigkeit als auch die Einschätzung der dort
objektiv bestehenden Arbeitsfähigkeit von Dr. med. A._ bestätigen würde. Damit ist
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die
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Beschwerdeführerin in einer der konkreten Gesundheitsbeeinträchtigung ideal
Rechnung tragenden Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsfähig ist. Die später
eingetretenen Gesundheitsbeeinträchtigungen sind nicht in die Beurteilung
einzubeziehen, da nur der Sachverhalt bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
(30. Januar 2008) beurteilt wird. Sie können allerdings den Anlass für ein neues IV-
Leistungsgesuch bilden.
2.3 Der reale Arbeitsmarkt mag zwar keine geeigneten offenen Arbeitsplätze
aufweisen, aber dies ist für die Invaliditätsbemessung irrelevant, denn damit ist die
Beschwerdeführerin arbeitslos, aber nicht invalid. Der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens ist somit ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 100% in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit zugrunde zu legen. Die Beschwerdeführerin hat – teilweise parallel -
eine ganze Reihe verschiedener Hilfsarbeiten ausgeübt. Die dabei erzielten
Stundenlöhne waren ebenfalls verschieden. Es gibt deshalb keine früher effektiv
ausgeübte Tätigkeit, von der gesagt werden könnte, sie sei Ausdruck der erwerblichen
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung. Da
die Beschwerdeführerin einer nicht-adaptierten (Teil-) Erwerbstätigkeit nachgeht, kann
auch das nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung effektiv erzielte
Erwerbseinkommen nicht Ausdruck ihrer verbliebenen erwerblichen Leistungsfähigkeit
sein. Das bedeutet, dass sowohl das Validen- wie auch das Invalideneinkommen
anhand statistisch ermittelter Einkommenszahlen bemessen werden muss. Da die
Beschwerdeführerin vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens als Hilfsarbeiterin nicht
auf eine bestimmte Branche beschränkt war, entspricht ihr Valideneinkommen dem
Durchschnittslohn aller Branchen. Die Beschränkung auf körperlich leichte Hilfsarbeiten
ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg und ohne längeres Sitzen oder Stehen,
aber mit der Möglichkeit, viel zu gehen, kann nicht in einer bestimmten Branche
besonders leicht oder gut Rechnung getragen werden. Vielmehr ist davon auszugehen,
dass die meisten Branchen geeignete Arbeitsplätze aufweisen. Somit ist auch das
zumutbare Invalideneinkommen ausgehend vom Durchschnittslohn aller Branchen zu
ermitteln. Dies erlaubt es, einen sogenannten Prozentvergleich anzustellen, bei dem
allerdings nur die indirekt behinderungsbedingten Nachteile der am 30. Januar 2008
bestehenden Gesundheitsbeeinträchtigung eine Invalidität bewirken können. Dabei ist
davon auszugehen, dass körperlich leichte Hilfsarbeiten, die meist gehend auszuüben
sind, nicht generell tiefer entlöhnt werden als körperlich belastende Hilfsarbeiten.
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Andere Eigenschaften der Hilfsarbeiterin als die Körperkraft, etwa die
Konzentrationsfähigkeit, die Aufmerksamkeit, die Zuverlässigkeit, der Einsatzwille, die
Fähigkeit, selbständig die Arbeit zu planen usw., sind durchaus geeignet, eine
zumindest durchschnittliche Entlöhnung zu rechtfertigen. Nun weist die
Beschwerdeführerin aber gegenüber gesunden Konkurrentinnen für derartige
Arbeitsplätze Nachteile auf, die indirekt auf die Gesundheitsbeeinträchtigung
zurückzuführen sind. Ein rein ökonomisch denkender potentieller Arbeitgeber wird sich
überlegen, dass die Gesundheitsbeeinträchtigung ein höheres Risiko
krankheitsbedingter Arbeitsabsenzen schafft als bei einer gesunden Hilfsarbeiterin.
Weiter wird er bedenken, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Einsatzfähigkeit
eingeschränkt wäre, weil sie nicht bei Bedarf ohne weiteres an einem anderen, nicht
oder wenig adaptierten Arbeitsplatz eingesetzt werden könnte, dass sie aufgrund der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht in der Lage wäre, bei Bedarf Überstunden zu
machen usw. Er würde all diese Nachteile der Beschwerdeführerin nur in Kauf nehmen,
wenn er dafür finanziell entschädigt würde, d.h. indem er der Beschwerdeführerin einen
entsprechend unterdurchschnittlichen Lohn zahlen könnte. Die Beschwerdeführerin
wäre also nicht in der Lage, einen dem Durchschnittseinkommen entsprechenden Lohn
zu verlangen. Dies zwingt dazu, zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens
einen Abzug vom Durchschnittseinkommen vorzunehmen. Dieser Abzug beträgt
maximal 25% (vgl. BGE 126 V 75 ff.). Die Konkurrenznachteile der Beschwerdeführerin
sind offenkundig nicht so gross, dass sie eine volle Ausnützung dieses Abzuges
rechtfertigen würden. Sie bewegen sich in einem eher bescheidenen Bereich. Ein
Abzug von 10% ist als angemessen zu betrachten. Damit resultiert aus dem
Prozentvergleich eine Invalidität von 10%. Die Beschwerdegegnerin hat das
Rentenbegehren also zu Recht abgewiesen.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin hatte am 30. Januar 2008 einen Arbeitsplatz, der
allerdings der beeinträchtigten Gesundheit nicht angepasst war. Massnahmen der
Frühintervention (Art. 7d IVG) kamen deshalb (mit Ausnahme allenfalls der
Arbeitsvermittlung gemäss Art. 7d Abs. 2 lit. c i.V.m. Art. 18 IVG, vgl. dazu unten) nicht
in Frage, denn es konnte nicht darum gehen, den bisherigen, ungeeigneten Arbeitsplatz
zu erhalten. Ebenso wenig sollte kurzfristig eine Eingliederung an einem neuen
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Arbeitsplatz erfolgen können, da die Beschwerdeführerin ja über einen Arbeitsplatz
verfügte. Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung
(Art. 14a IVG) kamen schon deshalb nicht in Frage, weil die Beschwerdeführerin weder
eine sozialberufliche Rehabilitation noch Beschäftigungsmassnahmen benötigte. Näher
zu prüfen waren also eine Umschulung (Art. 17 Abs. 1 IVG) und die Arbeitsvermittlung
(Art. 18 IVG). Ein Anspruch auf eine Umschulung setzt praxisgemäss eine länger
dauernde oder bleibende, durch die Gesundheitsbeeinträchtigung bedingte
Erwerbseinbusse von mindestens 20% in der bisher ausgeübten oder in einer ohne
zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden, noch zumutbaren Erwerbstätigkeit
voraus (vgl. Ulrich Meyer-Blaser, a.a.O., S. 124 f.). Die Beschwerdeführerin ist in einer
körperlich belastenden Hilfsarbeit wie z.B. im Reinigungsdienst oder im
Postzustelldienst mit dem Roller zu 50% arbeitsunfähig. In einer solchen Hilfsarbeit,
wie sie vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübt worden ist, würde
die Beschwerdeführerin also eine Erwerbseinbusse von über 20% erleiden. Nun ist es
ihr aber ohne weiteres zumutbar, eine Hilfsarbeit anzunehmen, in der sie eine
Erwerbseinbusse von lediglich 10% erleiden würde. M.a.W. sie kann ihre in der
bisherigen Art von Erwerbstätigkeiten erlittene Erwerbseinbusse durch eine ganz
einfache Art beseitigen, nämlich indem sie eine der Behinderung angepasste Hilfsarbeit
ausübt. In dieser Situation wäre es unverhältnismässig, sie umzuschulen, zumal diese
Umschulung nur eine sogenannt höherwertige Ausbildung sein könnte, d.h. die
Vermittlung weit qualifizierterer Berufskenntnisse beinhalten würde, als die
Beschwerdeführerin sie vor dem Eintritt der Gesundheitsschädigung aufgewiesen
hatte. Eine derartige höherwertige Ausbildung einer Hilfsarbeiterin kommt nur dann in
Frage, wenn das die einzige Möglichkeit ist, einen Rentenbedarf zu vermeiden oder
zumindest so gering wie möglich zu halten. Ist eine Hilfsarbeiterin also auch in einer
adaptierten Hilfsarbeit zu 40% arbeitsunfähig, so besteht ein Anspruch auf eine
Berufsausbildung, die bei einem Beschäftigungsgrad von 60% die Erzielung eines
Lohns zulässt, der mehr als 60% des Valideneinkommens als Hilfsarbeiterin ausmacht.
Da die Beschwerdeführerin einen Rentenbedarf bereits durch das Ausüben einer
adaptierten Hilfsarbeit vermeiden kann, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht einen
Anspruch auf eine (höherwertige) Umschulung verneint.
3.2 Die Arbeitsvermittlung gemäss Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG setzt einerseits die
Arbeitslosigkeit der versicherten Person und andererseits deren Eingliederungsfähigkeit
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voraus. Die leistungsspezifische Eingliederungsfähigkeit kann in Analogie zu Art. 15
Abs. 1 AVIG definiert werden: Vermittlungsfähig ist, wer bereit, in der Lage und
berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen. Die sogenannte objektive
Vermittlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist gegeben. Sie ist in der Lage, eine
Stelle anzutreten, an der sie zu 100% einer der Gesundheitsbeeinträchtigung
angepassten Hilfstätigkeit nachgehen könnte. Die bestehende, nicht adaptierte und
deshalb nur zu 50% ausgeübte Tätigkeit ist kein unüberwindbares Hindernis, denn die
Stelle könnte gekündigt werden, sobald die Beschwerdeführerin eine passende Stelle
gefunden hätte. Zur Vermittlungsfähigkeit und damit zur Eingliederungsfähigkeit im
Sinne von Art. 18 Abs. 1 IVG gehört aber auch die sogenannte subjektive
Vermittlungsfähigkeit, nämlich die Vermittlungsbereitschaft (vgl. Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, bearbeitet von Hans-Ulrich
Stauffer und Barbara Kupfer Bucher, 3. A., S. 72 f.). Diese fehlt, wenn eine versicherte
Person den erforderlichen Eingliederungswillen vermissen lässt, etwa weil sie der
Überzeugung ist, dass sie arbeitsunfähig sei und deshalb gar keine Arbeit ausüben
könne (vgl. AHI-Praxis 2002 S. 108 ff.). Die Beschwerdeführerin ist überzeugt, dass sie
nur zu 50% arbeitsfähig sei und dass sie bereits eine ideale Arbeitsstelle habe. Damit
fehlt ihr die arbeitsvermittlungsspezifische subjektive Eingliederungsfähigkeit bezogen
auf eine mögliche und zumutbare adaptierte, zu 100% auszuführende Hilfstätigkeit. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb auch dieses Leistungsgesuch zu Recht abgewiesen.
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist sowohl die gegen die Abweisung des
Rentengesuches als auch die gegen die Abweisung des Gesuchs um berufliche
Eingliederungsmassnahmen gerichtete Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Im vorliegenden Fall rechtfertigt der
durchschnittliche Verfahrensaufwand eine durchschnittliche Gerichtsgebühr von Fr.
600.-. Diese ist der vollumfänglich unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Da der Beschwerdeführerin am 10. April 2008 die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt
worden ist, wird sie vorläufig von der Bezahlung der Gerichtsgebühr befreit. Sollten die
bis
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wirtschaftlichen Verhältnisse es allerdings später einmal gestatten, die Gerichtsgebühr
zu bezahlen, wird die Beschwerdeführerin Fr. 600.- nachzuzahlen haben (Art. 288 Abs.
1 ZPG/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG