Decision ID: a186d995-3da9-4372-97ae-bbc4bdc21a9f
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am (...) in
die Schweiz, wo er am folgenden Tag um Asyl nachsuchte.
A.b Am 1. Oktober fand die Befragung des Beschwerdeführers (Erstbefra-
gung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende; EB UMA) statt und am
26. November 2021 hörte das SEM ihn vertieft zu seinen Asylgründen an.
Der Beschwerdeführer brachte dabei im Wesentlichen vor, er sei ethni-
scher Paschtune sunnitischen Glaubens und im Dorf (...) (Distrikt [...], Pro-
vinz [...]) geboren, wo er mit seinen Eltern, (Nennung Geschwister) bis zur
Ausreise gewohnt habe. Er habe die Schule nach dem Abschluss des (...)
Schuljahrs abgebrochen und kurze Zeit vor seiner Abreise (...) gearbeitet.
Sein Vater sei (Nennung Beruf) gewesen, als die Taliban begonnen hätten,
von den Bergen in die Distrikte herunterzukommen. Mit der steigenden
Zahl von Taliban sei es in seinem Dorf immer unsicherer geworden. Die
Taliban hätten absichtlich Orte der Regierung, Kliniken, Krankenhäuser
und Brücken zerstört. Auf Initiative der Regierung hätten die Dorfbewohner
einen Rat gegründet, welcher die Probleme mit den Taliban den neu ge-
gründeten Regierungsposten in der Nähe des Dorfes gemeldet habe. Im
Gegenzug hätten die Ratsmitglieder Lohn von der Regierung erhalten.
Sein Vater sei (...) geworden, was zu Konflikten mit den Taliban geführt
habe. Die Taliban hätten seinem Vater Drohbriefe zukommen lassen und
ihn oft angegriffen. Seinem Vater sei bei den Angriffen nichts passiert, aber
zwei bis drei Freunde seines Vaters seien von den Taliban getötet worden.
Den ersten Drohbrief habe sein Vater etwa (...) nach (...) erhalten. Als
Folge habe die Regierung seinem Vater, um ihn vor den Taliban zu schüt-
zen, ein Stück Land in (...), was näher bei der Stadt (...) liege, gegeben.
Sie seien aber nicht umgezogen. (...) später habe der Vater einen zweiten
Drohbrief erhalten, in welchem auch Konsequenzen für die Familie ange-
droht worden seien. Weitere (...) später – als sich sein Vater bereits haupt-
sächlich in (...) aufgehalten habe – seien zwei Taliban zu ihnen nach Hause
gekommen und hätten nach seinem Vater gesucht. Da sein Vater nicht zu
Hause gewesen sei, hätten sie ihn (den Beschwerdeführer) geschlagen
und versucht, ihn zu entführen. Die anderen Dorfbewohner hätten die Tali-
ban aber von der Entführung abhalten können. Nach diesem Vorfall habe
sein Vater beschlossen, ihn wegzuschicken. Nach (...) habe er einen ers-
ten Ausreiseversuch unternommen; er habe die Schule etwa (...) vor die-
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sem ersten Ausreiseversuch abgebrochen. Seine ersten beiden Ausreise-
versuche seien gescheitert und er sei vom (...) respektive von (...) wieder
zurückgeschafft worden. Er sei jeweils zwischen (...) und (...) zu Hause
geblieben und habe dann erneut versucht auszureisen. Erst im dritten An-
lauf habe die Ausreise (...) geklappt.
Nach seiner Ausreise habe sein Vater die Mutter und Geschwister zu sei-
nem Onkel mütterlicherseits, welcher zuerst ebenfalls in (...) und später im
stadtnäheren (...) lebte, geschickt. Etwa (...) später hätten die Taliban das
Land eingenommen. Sein Vater habe sich zu diesem Zeitpunkt bereits in
(...) aufgehalten. Die Taliban hätten weiterhin, unter anderem beim Onkel
mütterlicherseits, nach seinem Vater gesucht. Als die Taliban beim Onkel
mütterlicherseits nur seine (des Beschwerdeführers) Geschwister vorge-
funden hätten, hätten sie den Onkel zusammengeschlagen, der seither
auch Probleme mit den Taliban habe.
A.c Der Beschwerdeführer reichte eine Kopie seiner afghanischen Tazkera
(inklusive Übersetzung), eine Kopie einer englischen Version seiner Taz-
kera, ein Foto des Arbeitsausweises seines Vaters und Kopien von zwei
Drohbriefen, welche vom SEM übersetzt wurden, zu den Akten.
A.d Am 29. November 2021 wurde das Asylgesuch dem erweiterten Ver-
fahren zugewiesen.
B.
Mit Verfügung vom 24. Februar 2022 (eröffnet am 25. Februar 2022) stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Es wies ihn aus der Schweiz weg,
nahm ihn aber infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig
in der Schweiz auf. Es beauftragte den Kanton (...) mit der Umsetzung der
vorläufigen Aufnahme und händigte dem Beschwerdeführer die editions-
pflichtigen Akten aus.
C.
Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Eingabe vom 25. März
2022 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte unter Aufhebung
der Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung die Feststellung
seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die
Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an das SEM. In prozessualer
Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
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und um Beiordnung der Unterzeichnenden als unentgeltliche Rechtsver-
treterin.
Der Beschwerde waren die angefochtene Verfügung und eine Vollmacht
vom 9. März 2022 beigelegt.
D.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
28. März 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG
[SR 142.31]). Gleichentags bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den
Eingang der Beschwerde.
E.
Mit Eingabe vom 5. April 2022 reichte der Beschwerdeführer eine ergän-
zende Stellungnahme ein, welcher eine Fürsorgebestätigung vom (...) und
eine Liste der bisherigen Aufwendungen der Rechtsvertretung beigelegt
waren.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 8. April 2022 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um
unentgeltliche Verbeiständung wurde ebenfalls gutgeheissen und dem Be-
schwerdeführer wurde Valentina Berisha, Caritas Schweiz, als amtliche
Rechtsbeiständin beigeordnet.
G.
Mit Eingabe vom 21. Juli 2022 ersuchte Valentina Berisha um Entbindung
von ihren Verpflichtungen als unentgeltliche Rechtsbeiständin und um Ein-
setzung von (...), als neue amtliche Rechtsbeiständin. Diese reichte mit
Schreiben vom 12. August 2022 ihre Vollmacht ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Nach Lehre und Rechtsprechung enthält die Furcht vor Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG ein objektives und ein subjektives Element. Als
Flüchtling anerkannt wird eine Person, die gute – für eine Drittperson er-
kennbare – Gründe hat, mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in naher
Zukunft Verfolgung zu befürchten. Auf subjektiver Seite ist die Vorge-
schichte der betroffenen Person zu berücksichtigen, insbesondere hat, wer
in der Vergangenheit bereits Opfer von Verfolgungsmassnahmen gewor-
den ist, objektive Gründe für eine subjektiv ausgeprägtere Furcht vor künf-
tiger Verfolgung. Auf objektiver Seite muss die Furcht auf konkreten An-
haltspunkten beruhen, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit und in naher
Zukunft den Eintritt von Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3
AsylG erwarten lassen; eine bloss entfernte Möglichkeit reicht nicht. Hin-
sichtlich der Situation im Heimat- respektive Herkunftsstaat ist jene im Zeit-
punkt des Entscheides massgeblich. Veränderungen der Situation zwi-
schen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asyl-
suchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 f. mit
zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung des BVGer und der vorma-
ligen Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK]).
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3.3 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-
nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-
folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-
flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl.
BVGE 2007/19 E. 3.3 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK
[EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; EMARK 1994 Nr. 17).
4.
4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung
aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.
Das damalige Interesse der Taliban am Beschwerdeführer müsse als ge-
ring eingeschätzt werden. So hätten die Taliban vom Entführungsversuch
abgelassen, nachdem sich ihnen einige Dorfbewohner in den Weg gestellt
hätten. Während des in der Folge noch mehrere Monate andauernden Auf-
enthalts des Beschwerdeführers sei es zudem zu keinen weiteren Entfüh-
rungsversuchen gekommen. Auch sei es abgesehen vom einmaligen Ent-
führungsversuch zu keiner Begegnung mit den Taliban gekommen,
obschon sein Vater die Amtstätigkeit (...) (...) vor der Ausreise des Be-
schwerdeführers aufgenommen habe. Demnach sei die Intensität bereits
erlittener Verfolgungsmassnahmen als äusserst schwach zu beurteilen.
Weiter fänden sich in den Aussagen des Beschwerdeführers keine Anhalts-
punkte, dass er bei einer Rückkehr nach Afghanistan durch die Taliban in
eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdungssituation geraten würde.
Seit der faktischen Machtübernahme durch die Taliban Mitte August 2021
befände sich Afghanistan in einer Übergangsphase. Es sei derzeit nicht
vollständig absehbar, wie die Taliban mit spezifischen Personengruppen in
der afghanischen Bevölkerung umgehen würden. Dokumentiert seien na-
mentlich Übergriffe auf bisherige Gegnerinnen und Gegner der Taliban wie
Angehörige der Sicherheitskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auslän-
discher Streitkräfte und internationalen Organisationen, Journalistinnen
und Journalisten, Aktivistinnen und Aktivisten. Allem voran sei festzuhalten,
dass sich in den Aussagen des Beschwerdeführers keine Hinweise auf ein
Verhalten seinerseits finden lassen würden, aufgrund welcher die Taliban
ihm (selber) eine oppositionelle Gesinnung unterstellen könnten. Es sei
aber nicht auszuschliessen, dass die Taliban ihn bei einer Rückkehr nach
Afghanistan als Sohn seines Vaters identifizieren würden. Seine Furcht vor
einer Reflexverfolgung aufgrund der Amtstätigkeit seines Vaters erscheine
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19 http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17
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indessen unbegründet. Aufgrund des jugendlichen Alters des Beschwerde-
führers und seines unauffälligen Profils sei ein allfälliges Interesse der Ta-
liban an seiner Person als äusserst gering einzuschätzen. Dies gelte umso
mehr, als sein Vater das Amt (...) unterdessen abgelegt und Afghanistan
verlassen habe. Es bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass
sich die Lageveränderung risikoverschärfend auf seine persönliche Situa-
tion auswirke und er zum Entscheidzeitpunkt bei einer Rückkehr nach Af-
ghanistan mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen durch die Taliban
ausgesetzt sein würde.
Bei offensichtlich fehlender flüchtlingsrechtlicher Relevanz könne darauf
verzichtet werden, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers einzugehen.
4.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmittelschrift, die Vor-
instanz habe die Bindungswirkung der Rechtsprechung missachtet und
verletze mit der fehlerhaften Prüfung der Asylrelevanz unter anderen Art. 2
und 3 AsylG.
Personen mit seinem Profil seien gemäss seriösen Quellen in Afghanistan
seit der Unterzeichnung des Abkommens mit den USA am 29. Februar
2020 per se gefährdet (Verweis auf CORINNE TROXLER, Afghanistan: Ge-
fährdungsprofile, Update der SFH-Länderanalyse, 30. September 2020
und UNHCR-Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbe-
darfs Afghanischer Asylsuchender, 30. August 2018, HCR/EG/AFG/18/02).
Durch die hohe Stellung seines Vaters sei auch er, als ältester Sohn, in das
Visier der Taliban geraten. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sei er
aufgrund der Unerreichbarkeit des Vaters aktiv verfolgt worden (Vorverfol-
gung). Er sei von den Taliban mit der Absicht einer Entführung verprügelt
und anschliessend aus dem Haus gezerrt worden. Nur durch den zufälligen
Umstand, dass die anderen Dorfbewohner ihm zu Hilfe gekommen seien,
hätten die Taliban ihn losgelassen. Zu jener Zeit seien die Taliban noch
nicht an der Macht gewesen und das Dorf habe mit der Regierung zusam-
mengearbeitet, so dass nachvollziehbar sei, dass die Taliban ihn losgelas-
sen hätten, sobald die Dorfbewohner dazu gekommen seien. Das Glück,
den Taliban entkommen zu sein, ihm negativ anzulasten, erscheine stos-
send. Der ernsthafte Entführungsversuch stelle eine Verfolgung mit starker
Intensität dar, insbesondere da er minderjährig gewesen sei. Nach diesem
Vorfall habe er Vorsichtsmassnahmen getroffen, um das Risiko einer er-
neuten Verfolgung zu minimieren. Eine Zeitspanne von (...) bis zu seiner
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Ausreise sei als kurze Zeit zu werten. Deshalb könne nicht argumentiert
werden, dass es zu keinen weiteren Entführungsversuchen gekommen sei.
Auch könne nicht argumentiert werden, dass es abgesehen von diesem
Vorfall zu keiner Begegnung mit den Taliban gekommen sei. Die Droh-
briefe, mit denen auch er mit dem Tode bedroht worden sei, seien als Ver-
folgungshandlungen anzusehen. Zudem sei zuerst sein Vater das Haupt-
ziel der Taliban gewesen. Erst als dieser unauffindbar gewesen sei, habe
sich der Fokus der Taliban auf ihn (den Beschwerdeführer) verschoben.
Sodann habe sein Vater Unterstützung von der Regierung gehabt, weshalb
die Taliban logischerweise nicht ungehindert hätten wüten können. Insge-
samt liege eine Bedrohungssituation mit grosser Intensität im Sinne von
Art. 3 AsylG vor.
Das Urteil des BVGer D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 halte fest, dass
sich Gruppen von Personen definieren liessen, die in Afghanistan aufgrund
ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt seien.
Sein Vater gehöre den in diesem Urteil aufgeführten Risikogruppen an, da
er jahrelang als (...) der afghanischen Regierung gedient habe, indem er
gegen die Taliban ankämpfte. Gemäss der aufgeführten Rechtsprechung
werde auch er, als ältester Sohn des (...), von den Taliban als Oppositio-
neller eingestuft. Die Vorinstanz schliesse nicht aus, dass er bei einer
Rückkehr als Sohn des Vaters identifiziert werden könne. Es sei daher
nicht nachvollziehbar, wieso die Vorinstanz mit dem jugendlichen Alter, sei-
nem unauffälligen Profil und dem dadurch fehlenden Interesse der Taliban
an ihm argumentiere. Es scheine, als gehe die Vorinstanz davon aus, dass
Minderjährige von den Taliban verschont würden. Dies entspreche nicht
der Rechtsprechung und könne mit dem erwähnten Urteil widerlegt wer-
den. Die Situation sei für Personengruppen, welchen sein Vater und er an-
gehören würden, seit der Machtübernahme der Taliban als noch gefährli-
cher einzustufen. Dies zeige sich darin, dass er und sein Vater Afghanistan
aufgrund der Gefahr verlassen hätten und sein Vater seine Mutter und
seine Geschwister zum Onkel mütterlicherseits habe schicken müssen.
Sogar der Onkel väterlicherseits und der Onkel mütterlicherseits hätten nun
grosse Probleme mit den Taliban. Obwohl seine (des Vaters) Familienmit-
glieder in Gefahr seien und auch schon Gewalt angewendet worden sei,
kehre der Vater nicht nach Afghanistan zurück. Dies zeige auf, dass sein
Leben nach wie vor in Gefahr sei und die Taliban noch immer ein grosses
Interesse an ihm hätten. Weiter seien er und sein Vater bedroht worden,
weil er nicht die Koranschule besucht habe. Bei seiner Rückkehr nach Af-
ghanistan würde er als Sohn des (...) und damit ebenfalls als oppositionel-
ler Regimegegner identifiziert werden. Ihm würde eine politisch motivierte
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Bestrafung und Behandlung drohen, welche einer flüchtlingsrechtlich rele-
vanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkomme. Entgegen der
Auffassung der Vorinstanz hätten die Taliban weiterhin ein grosses Inte-
resse an ihm. Die Furcht vor zukünftiger Verfolgung sei deshalb objektiv
begründet. Zudem sei die subjektive Furcht vor künftiger Verfolgung im
Hinblick auf die bereits erlebte Verfolgung, auf den Machtwechsel sowie
auf andere bereits getötete und verschollene (...) nachvollziehbar. Insge-
samt sei davon auszugehen, dass er in seinem Heimatland auch zum heu-
tigen Zeitpunkt ernsthafte Verfolgungsmassnahmen seitens der Taliban zu
befürchten hätte.
4.3 In der Stellungnahme vom 5. April 2022 ergänzte der Beschwerdefüh-
rer, die afghanische Regierung habe Kenntnis von der Verfolgung gehabt
und die Gefahrenlage erkannt. Die Regierung habe seiner Familie in der
Folge ein Stück Land zur Verfügung gestellt, um ihr die Flucht vor den Ta-
liban zu ermöglichen. Dies zeige auf, dass selbst die Regierung von der
Gefahr einer Reflexverfolgung aller Familienmitglieder und somit auch von
ihm ausgegangen sei. Dies verdeutliche das enorme Gefährdungsprofil.
Die Furcht vor künftiger Verfolgung sei angesichts dieser Tatsache sowohl
objektiv als auch subjektiv begründet. Weiter liesse sich aus aktuellen Zei-
tungsartikeln schliessen, dass er eine aktuelle begründete Furcht vor künf-
tiger Verfolgung habe, die objektiv und subjektiv nachvollziehbar sei (mit
Verweis auf drei Zeitungsartikel).
5.
5.1 Einleitend ist zu bemerken, dass die Vorinstanz entgegen der Auffas-
sung in der Beschwerde nicht implizit von der Glaubhaftigkeit der Vorbrin-
gen ausgegangen ist. Vielmehr hat sie festgehalten, dass aufgrund der of-
fensichtlich fehlenden Asylrelevanz auf die Prüfung allfälliger Unglaubhaf-
tigkeitselemente in den Vorbringen verzichtet werden könne. Entsprechend
ist nachfolgend zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Asylrelevanz der
Vorbringen – ungeachtet der Frage ihrer Glaubhaftigkeit – verneint hat.
5.2 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er habe vor seiner Aus-
reise bereits Verfolgungsmassnahmen (ein Entführungsversuch mit Schlä-
gen) erlitten, ist Folgendes festzuhalten:
Auch bei Wahrunterstellung fällt hinsichtlich des geschilderten Entfüh-
rungsversuchs auf, dass die Taliban offenbar spontan entschieden hatten,
den Beschwerdeführer mitzunehmen, und offenbar auch ohne Weiteres
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Seite 10
wieder vom Beschwerdeführer abliessen, nachdem sie von Dorfbewoh-
nern entdeckt wurden (vgl. act. SEM 1108126-31/14, F41). Aufgrund des
Vorgebrachten ist nicht davon auszugehen, dass hinter dem Entführungs-
versuch eine feste Absicht der Taliban bestand, dem Beschwerdeführer
habhaft zu werden, und sie ihn gezielt sowie mit Nachdruck hätten entfüh-
ren wollen. Es ist vielmehr von einem einmaligen Ereignis auszugehen.
Diese Folgerung wird auch dadurch gestützt, dass die Taliban den Anga-
ben zufolge nicht erneut versucht hatten, den Beschwerdeführer zu entfüh-
ren, obwohl er sich seinen Darlegungen zufolge während den folgenden
(...) bis zu seinem ersten Ausreiseversuch weiterhin zu Hause aufgehalten
hatte. Aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer sodann bis kurz vor
seinem ersten Ausreiseversuch weiterhin zur Schule gegangen ist (vgl. act.
SEM 1108126-31/14, F52 f.), wird sodann ersichtlich, dass auch er und
seine Familie zum damaligen Zeitpunkt dem geschilderten Entführungsver-
such nicht jene Bedeutung beigemessen haben, wie dies im vorliegenden
Beschwerdeverfahren geltend gemacht wird. Es ist vielmehr davon auszu-
gehen, dass auch der Beschwerdeführer zum damaligen Zeitpunkt nicht
von einer gezielten Suche der Taliban nach ihm ausgegangen ist, ansons-
ten er wohl nicht weiterhin zur Schule gegangen wäre. Auch nach den ers-
ten beiden missglückten Ausreiseversuchen, nach denen er jeweils (...) bis
(...) lang zu Hause verbrachte (vgl. act. SEM 1108126-16/13, Pt. 2.04),
kam es zu keinen weiteren Begegnungen mit den Taliban. Im Übrigen ist
davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer – hätte er zum dama-
ligen Zeitpunkt tatsächlich eine Mitnahme der Taliban befürchtet – in der
Zeit zwischen den Ausreiseversuchen nicht zu Hause aufgehalten sondern
versteckt gehalten hätte, allenfalls bei seinem Onkel mütterlicherseits. Es
ist insgesamt nicht erkennbar, dass er vor seiner Ausreise ernsthaften
Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen ist oder solche
hätte befürchten müssen.
Im Übrigen kann auf die entsprechenden Ausführungen im Entscheid des
SEM verwiesen werden, welchen der Beschwerdeführer auf Beschwerde-
ebene nichts Wesentliches entgegensetzen konnte. Die Vorinstanz ist
demnach zu Recht von der fehlenden Asylrelevanz des geschilderten Ent-
führungsversuchs – wie auch der angeblich an den Vater gerichteten Dro-
hungen, welche sich zeitlich vor dem Entführungsversuch abgespielt ha-
ben sollen – ausgegangen.
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Seite 11
5.3
5.3.1 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund der ehemali-
gen Tätigkeit seines Vaters als (...) in Afghanistan gefährdet zu sein, macht
er eine Reflexverfolgung geltend.
5.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt, dass gewisse Personen,
insbesondere solche, die den vormaligen afghanischen Behörden ange-
hörten oder für sie oder ausländische Akteure arbeiteten, ein erhöhtes Ri-
siko haben, in den Fokus der Taliban zu geraten. Zudem kann die familiäre
Zugehörigkeit zu einer solchen Person zu einer Reflexverfolgung führen
(vgl. Urteil des BVGer D-1728/2022 vom 10. Mai 2022 E. 7.3 f., m.w.H.).
Dies gilt insbesondere in Bezug auf (ehemalige) Angehörige der Polizei
und der Sicherheitskräfte, Regierungsbeamte oder der Regierung nahe-
stehende Personen (vgl. Urteil des BVGer E-5120/2021 vom 21. Juli 2022
E. 6.3.4, m.w.H.). Eine Einschätzung hat jedoch im jeweiligen Einzelfall zu
erfolgen. Selbst wenn der Vater über ein entsprechendes Risikoprofil ver-
fügen würde, vermag das per se noch keine Reflexverfolgung für die nä-
heren Angehörigen, namentlich auch für den Beschwerdeführer, zu be-
gründen. Um eine begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG zu bejahen, muss ein begründeter Anlass zur Annahme
bestehen, eine solche Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft auch in Bezug auf die Angehörigen ver-
wirklichen. Es müssen konkrete Indizien dargelegt werden, die die Furcht
vor einer real drohenden Verfolgung nachvollziehbar erscheinen lassen
(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 1994 Nr. 5; Urteil des BVGer E-4140/2014 vom
13. Oktober 2014 E. 5.4).
Die Vorbringen des Beschwerdeführers enthalten – auch bei Wahrunter-
stellung – diesbezüglich keine ausreichenden Indizien, aus denen auf eine
nachvollziehbar erscheinende begründete Furcht vor Reflexverfolgung in
Bezug auf seine Person geschlossen werden kann. Wie bereits ausgeführt,
ist der Beschwerdeführer bis zur Ausreise keinen ernsthaften Behelligun-
gen durch die Taliban ausgesetzt gewesen (vgl. oben E. 5.2), dies obwohl
die Taliban damals, wie der Beschwerdeführer auch selber ausführte (vgl.
act. SEM 1108126-31/14, F28.), bereits eine ernstzunehmende Präsenz
hatten und der Beschwerdeführer seinen Schilderungen zufolge nach der
Flucht seines Vaters während (...) weiterhin die Schule besucht hatte. Hät-
ten die Taliban tatsächlich ein ernsthaftes Interesse am Beschwerdeführer
(gehabt), ist davon auszugehen, dass sie sich nicht mit einem spontanen
und ohne Nachdruck ausgeführten Entführungsversuch und mit zwei über
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Seite 12
(...) nicht in die Tat umgesetzten Drohbriefen begnügt hätten. Sodann ist
festzustellen, dass die im Heimatstaat verbliebenen Familienangehörigen,
namentlich die Mutter und die Geschwister des Beschwerdeführers, sei-
tens der Taliban offenbar keine verfolgungsrelevanten Behelligungen erlit-
ten haben, obschon die Taliban in Kenntnis vom Aufenthaltsort seiner Ge-
schwister und seiner Mutter sind. Die Taliban haben den Angaben des Be-
schwerdeführers zufolge die Mutter und Geschwister auf der Suche nach
seinem Vater zwar aufgesucht, dies aber ohne weitere Konsequenzen für
sie (act. SEM 1108126-31/14, F20). Lediglich der Onkel mütterlicherseits,
wo die Mutter und die Geschwister des Beschwerdeführers leben, habe
nun Probleme mit den Taliban (act. SEM 1108126-31/14, F20). Abgesehen
vom vagen und unsubstantiierten Vorbringen, sein Onkel sei einmal zu-
sammengeschlagen worden, konnte der Beschwerdeführer aber keine
konkreten Konsequenzen für seinen Onkel nennen. Es ist vor diesem Hin-
tergrund keine plausible Erklärung erkennbar, wieso insbesondere nicht
auch sein Bruder B._ – zumal jener mit heute etwa (...) Jahren kein
Kleinkind mehr und nach dem Beschwerdeführer der nunmehr älteste
männliche Nachkomme des Vaters vor Ort ist – als Druckmittel gegenüber
dem Vater dienen könnte und lediglich der Beschwerdeführer eine Re-
flexverfolgung zu befürchten hatte respektive hätte. Seit der Beschwerde
vom 28. März 2022 wurden – trotz weiteren Eingaben – sodann auch keine
weiteren Behelligungen der im Heimatstaat lebenden Familienmitglieder
geltend gemacht. Es gelingt dem Beschwerdeführer damit nicht, eine Re-
flexverfolgung glaubhaft zu machen. Im Übrigen kann auch hier auf die
korrekten Ausführungen im Entscheid des SEM verwiesen werden.
5.4 Auch aus dem Verweis auf das Urteil des BVGer D-2161/2021 vom
12. Januar 2022 vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten
abzuleiten. Jenem Urteil liegt nämlich eine wesentlich andere Konstellation
zu Grunde; insbesondere hatte der Beschwerdeführer in jenem Fall bereits
in der Vergangenheit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erlit-
ten.
5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Vor-
bringen nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu be-
gründen. Daran vermag auch das unsubstantiierte Vorbringen des Be-
schwerdeführers, er werde von den Taliban auch verfolgt, weil er die nor-
male Schule und nicht die Koranschule besucht habe, nichts zu ändern. In
diesem Sinne musste sich auch die Vorinstanz, ohne die Begründungs-
pflicht zu verletzen, nicht mit diesem Vorbringen auseinandersetzen.
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Seite 13
Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und
das Asylgesuch abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 24. Februar 2022 infolge Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme des Be-
schwerdeführers angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere
Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegwei-
sungsvollzugs.
8.
Da der rechtserhebliche Sachverhalt vom SEM vollständig abgeklärt und
erstellt sowie die Begründungspflicht nicht verletzt wurde (vgl. oben E. 5.5
und zudem wurde die Reflexverfolgung vom SEM offensichtlich berück-
sichtigt), besteht keine Veranlassung, die Sache zur Neubeurteilung an das
SEM zurückzuweisen, weshalb der entsprechende Subeventualantrag ab-
zuweisen ist.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
und vollständig feststellt (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerde ist daher
abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da je-
doch das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit Zwischenverfü-
gung vom 8. April 2022 gutgeheissen worden ist, werden keine Verfahrens-
kosten erhoben.
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10.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde ferner auch das Gesuch um
amtliche Verbeiständung gutgeheissen und MLaw Valentina Berisha als
amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Mit Gesuch vom 22. Juli 2022 er-
suchte diese um ihre Entlassung aus dem öffentlich-rechtlichen Mandat,
da sie ihre Arbeit bei Caritas Schweiz per Ende Juli 2022 definitiv niederle-
gen werde; es sei (...) als neue amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen.
Ein Gesuch um Entlassung aus dem amtlichen Mandat wird nur bewilligt,
wenn aus objektiven Gründen eine sachgerechte Vertretung der Interessen
nicht mehr gewährleistet erscheint (vgl. KNEER/SONDEREGGER in: ASYL
2017/2, S. 18). In der Eingabe vom 22. Juli 2022 wird jedoch nichts er-
wähnt, das auf die Unmöglichkeit einer weiteren Vertretung des Beschwer-
deführers durch die aktuelle amtliche Rechtsbeiständin schliessen lassen
würde. Bei dieser Aktenlage kann dem Gesuch um Einsetzung einer neuen
amtlichen Rechtsvertreterin nicht entsprochen werden. Dies gilt umso
mehr, als mit dem vorliegenden Entscheid keine weiteren namhaften Ver-
tretungshandlungen mehr notwendig werden dürften und die Ernennung
einer neuen amtlichen Rechtsvertretung – und deren entschädigungs-
pflichtige Einarbeitung in das Verfahren – auch unter diesem Blickwinkel
nicht sachgerecht erscheinen würde.
10.3 Für die Aufwendungen der amtlichen Rechtsbeiständin ist ein Honorar
auszurichten (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädi-
gung Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR
173.320.2]). In der eingereichten Kostennote vom 5. April 2022 wird ein
Aufwand von 10.5 Stunden sowie Auslagen von Fr. 50.– geltend gemacht,
was angemessen erscheint. Der ausgewiesene Stundenansatz von
Fr. 200.– ist indessen auf Fr. 150.– zu kürzen (vgl. dazu bereits die Ausfüh-
rungen in der Zwischenverfügung vom 8. April 2022). MLaw Valentina Be-
risha ist damit zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von
insgesamt (gerundet) Fr. 1'738.75 (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne
von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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