Decision ID: c12dd569-e524-53cc-ba9d-5f43a728170d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1955 in Bosnien-Herzegowina geborene und wohnhafte
A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) arbeitete
unbestrittenermassen von 1980 bis 2010, zuletzt als Isolierer, mit Unter-
brüchen in der Schweiz und leistete dabei Beiträge an die schweizerische
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV). Im Anschluss
kehrte er in seine Heimat zurück (vgl. Akten [im Folgenden: IV-act.] der IV-
Stelle für Versicherte im Ausland [im Folgenden: IVSTA oder Vorinstanz]
25, Akten betreffend die Berufstätigkeit in der Schweiz liegen nicht im Dos-
sier).
B.
Am 8. Juli 2016 meldete sich der Versicherte aufgrund einer seit 31. Mai
2016 bestehenden Krankheit und ohne weitere Angaben zu seinen Be-
schwerden beim bosnischen Versicherungsträger zum Bezug einer
schweizerischen Invalidenrente an. Das entsprechende Formular YU/CH 4
wurde am 18. Juli 2016 an die Schweizerische Ausgleichskasse (SAK) zur
weiteren Bearbeitung übermittelt und ging am 28. Juli 2016 ein (IV-act. 3).
Nachdem die IVSTA Abklärungen der erwerblichen und medizinischen Ver-
hältnisse (IV-act. 5 – 7, 12, 15 – 24, 28 f., 32 f.) vorgenommen und die
Akten Dr. B._ vom regionalärztlichen Dienst (RAD) vorgelegt hatte
(IV-act. 26, 39) erliess sie einen Vorbescheid, in welchem sie feststellte,
dass keine ausreichende durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit während ei-
nes Jahres vorliege. Trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung sei die Betäti-
gung im bisherigen Aufgabenbereich noch immer in rentenausschliessen-
der Weise zumutbar. Es liege keine einen Rentenanspruch begründende
Invalidität vor. Dem Beschwerdeführer wurde die Abweisung des Renten-
begehrens in Aussicht gestellt (IV-act. 40). In der Folge liess der Versi-
cherte, vertreten durch C._, am 12. Mai 2017 seinen Einwand so-
wie am 14. Juni 2017 eine Ergänzung unter Beilage weiterer Arztberichte
einreichen, welche Dr. med. D._, Facharzt für allgemeine Medizin
des RAD vorgelegt wurden (IV-act. 41, 46 f., 49). Gestützt auf seinen
Schlussbericht vom 6. September 2017 (IV-act. 53) erliess die Vorinstanz
am 19. September 2017 eine dem Vorbescheid im Ergebnis entspre-
chende Verfügung (IV-act. 54).
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C.
C.a Gegen die Verfügung vom 19. September 2017 liess der durch Rechts-
anwalt Kreso Glavas vertretende Versicherte am 29. September 2017 beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, die an-
gefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei eine ganze IV-Rente zu
gewähren. Eventualiter sei eine neue Abklärung – gegebenenfalls in der
Schweiz – durchzuführen. Im Weiteren wurde die Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung sowie Verbeiständung verlangt. Zur Begrün-
dung wurde zusammengefasst ausgeführt, der Versicherte leide an ver-
schiedenen Erkrankungen, die aber nur teilweise und selektiv abgeklärt
worden seien. Die massgebenden Akten seien nicht eingeholt worden; der
medizinische Sachverhalt sei somit unvollständig, weshalb eine medizini-
sche Beurteilung nicht möglich sei (act. 1).
C.b Mit prozessleitenden Verfügungen vom 6. und 31. Oktober sowie
28. November 2017 wurde der Beschwerdeführer unter Hinweis auf die
Säumnisfolgen (Aktenentscheid) aufgefordert, innert Frist das der Verfü-
gung beigelegte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" aus-
gefüllt und mit den nötigen Beweismitteln versehen beim Bundesverwal-
tungsgericht einzureichen (act. 2, 5, 8). Der Beschwerdeführer kam dieser
Aufforderung mit Eingaben vom 27. Oktober, 15. November und 14. De-
zember 2017 nach (act. 4, 7, 11), woraufhin die Gesuche um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung mit Zwischenverfü-
gung vom 19. Dezember 2017 gutgeheissen wurden (act. 13).
C.c In ihrer Vernehmlassung vom 29. November 2017 (act. 10) beantragte
die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der ange-
fochtenen Verfügung.
C.d In seiner Replik vom 29. Januar 2018 (act. 15) liess der Beschwerde-
führer an seinen beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren festhalten,
seine bereits vorgebrachten Argumente wiederholen und Rügen betreffend
die von der Vorinstanz angewandte Invaliditätsbemessungsmethode sowie
eine Verletzung der EMRK-Garantien vorbringen.
C.e In der Duplik vom 28. Februar 2018 (act. 17) äusserte sich die Vor-
instanz zur Bemessungsmethode und führte zusammengefasst aus, dass
sie mangels neuer medizinischer Sachverhaltselemente an den bisherigen
Ausführungen und Anträgen festhalte.
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C.f Mit Triplik vom 15. März 2018 (act. 19) liess der Beschwerdeführer wei-
tere Ausführungen – insbesondere zu seiner Arbeitstätigkeit und der Be-
messungsmethode – machen.
D.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird
– soweit erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der Beschwerde zu-
ständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG [SR
831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfü-
gung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse
an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung der Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 59 ATSG [SR
830.1]). Zum Antrag auf unentgeltliche Prozessführung wird auf E. 8.1 ver-
wiesen. Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht
worden ist (Art. 60 ATSG und Art. 52 VwVG), ist darauf einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht ein-
schliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens, die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger von Bosnien-
Herzegowina und hat dort seinen Wohnsitz. Es kommt das im Verhältnis
zu Bosnien-Herzegowina bis heute gültige Abkommen vom 8. Juni 1962
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen
Volksrepublik Jugoslawien über Sozialversicherung (SR 0.831.109.818.1;
nachfolgend: Sozialversicherungsabkommen) zur Anwendung. Nach Art. 2
des Sozialversicherungsabkommens stehen die Staatsangehörigen der
Vertragsstaaten in ihren Rechten und Pflichten aus den in Art. 1 genannten
Rechtsbereichen, zu welchen auch die schweizerische Bundesgesetzge-
bung über die Invalidenversicherung gehört, einander gleich, soweit nichts
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anderes bestimmt ist. Hinsichtlich der Voraussetzungen des Anspruchs auf
eine schweizerische Invalidenrente sowie der anwendbaren Verfahrens-
vorschriften sieht das Sozialversicherungsabkommen und die dazugehö-
rige Verwaltungsvereinbarung vom 5. Juli 1963 (SR 0.831.109.818.12)
keine im vorliegenden Verfahren relevanten Abweichungen vom Grundsatz
der Gleichstellung vor. Demnach beurteilt sich der Anspruch des Be-
schwerdeführers auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversiche-
rung allein aufgrund der schweizerischen Rechtsvorschriften (vgl. Art. 4
des Sozialversicherungsabkommens).
3.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 19. September 2017 in Kraft standen; weiter aber auch
Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren,
die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprü-
che von Belang sind.
3.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 19. September 2017) eingetretenen Sachver-
halt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
4.
Streitig und vom Bundesverwaltungsgericht zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine schweizerische Invalidenrente im Rahmen ei-
ner Erstanmeldung.
4.1 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und
beim Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer
Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(AHV/IV) geleistet hat. Der Anspruch auf eine ganze Rente besteht, wenn
die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertels-
rente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente
(Art. 28 Abs. 2 IVG). Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf
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von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG (Art. 29 Abs. 1 IVG). Laut Art. 29 Abs. 4 IVG wer-
den jedoch Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50 % ent-
sprechen, nur an Versicherte ausgerichtet, die ihren Wohnsitz und gewöhn-
lichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, was laut Rechtspre-
chung eine besondere Anspruchsvoraussetzung darstellt (vgl. BGE 121 V
264 E. 6c). Eine Ausnahme von diesem Prinzip gilt seit dem 1. Juni 2002
für Schweizer Bürger und Staatsangehörige der EU, denen bereits ab ei-
nem Invaliditätsgrad von 40 % eine Rente ausgerichtet wird, wenn sie –
was jedoch beim Beschwerdeführer nicht zutrifft – in einem Mitgliedstaat
der EU Wohnsitz haben.
4.2 Art. 36 Abs. 1 IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung setzt
voraus, dass bei Eintritt der Invalidität während mindestens drei (vollen)
Jahren Beiträge geleistet worden sind.
4.3
4.3.1 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwal-
tung und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztli-
chen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stel-
len sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam-
nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam-
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; BGE 125 V 351 E. 3a; Urteil BGer
9C_433/2017 vom 13. März 2018 E. 2.1). Eine begutachtende medizini-
sche Fachperson muss ausserdem über die notwendigen fachlichen Qua-
lifikationen verfügen (Urteil des BGer 9C_555/2017 vom 22. November
2017 E. 3.1 mit Hinweisen). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft des Beweismittels noch die Be-
zeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder als Gutachten (vgl. dazu das Urteil BGer I 268/2005 vom 26.
Januar 2006 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 125 V 352 E. 3a).
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4.3.2 Auf Stellungnahmen der RAD kann für den Fall, dass ihnen materiell
Gutachtensqualität zukommen soll, nur abgestellt werden, wenn sie den
allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht
genügen (Urteil des EVG I 694/05 vom 15. Dezember 2006 E. 2). Die RAD-
Ärzte müssen sodann über die im Einzelfall gefragten persönlichen und
fachlichen Qualifikationen verfügen, spielt doch die fachliche Qualifikation
des Experten für die richterliche Würdigung einer Expertise eine erhebliche
Rolle. Bezüglich der medizinischen Stichhaltigkeit eines Gutachtens müs-
sen sich Verwaltung und Gerichte auf die Fachkenntnisse des Experten
verlassen können. Deshalb ist für die Eignung eines Arztes als Gutachter
in einer bestimmten medizinischen Disziplin ein entsprechender spezial-
ärztlicher Titel des berichtenden oder zumindest des den Bericht visieren-
den Arztes vorausgesetzt (Urteil des EVG I 178/00 vom 3. August 2000 E.
4a; Urteile des BGer 9C_410/2008 vom 8. September 2008 E. 3.3, I 142/07
vom 20. November 2007 E. 3.2.3 und I 362/06 vom 10. April 2007 E. 3.2.1;
vgl. auch SVR 2009 IV Nr. 53 S. 165 E. 3.3.2 [nicht publizierte Textpassage
der E. 3.3.2 des Entscheides BGE 135 V 254]).
4.3.3 Nicht zwingend erforderlich ist, dass die versicherte Person durch
den RAD untersucht wird. Nach Art. 49 Abs. 2 IVV führt der RAD für die
Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
nur "bei Bedarf" selber ärztliche Untersuchungen durch. In den übrigen Fäl-
len stützt er seine Beurteilung auf die vorhandenen ärztlichen Unterlagen
ab. Nach der Praxis sind Aktengutachten nicht zu beanstanden, wenn die
Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen
Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. Der Untersuchungsbe-
fund muss lückenlos vorliegen. Der Experte muss sich aufgrund vorhande-
ner Unterlagen ein gesamthaft lückenloses Bild machen können. Das Ab-
sehen von eigenen Untersuchungen an sich ist somit kein Grund, um einen
RAD-Bericht in Frage zu stellen (Urteile des Bundesgerichts 8C_641/2011
vom 22. Dezember 2011, 9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E. 4.3.1 und
I 1094/06 vom 14. November 2007 E. 3.1.1, je mit Hinweisen; RKUV 2006
U 578 S. 175 E. 3.4 und 1988 U 56 S. 371). Die IV-Stelle kann auf die
Stellungnahmen des medizinischen Dienstes nur abstellen, wenn diese
den allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Be-
richt genügen und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl.
Urteil des BGer 9C_1063/2009 vom 22. Januar 2010 E. 4.2.3 mit Hinweis
auf das Urteil des EVG I 694/05 vom 15. Dezember 2006 E. 2). Die Tatsa-
che allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Ver-
sicherungsträger steht, lässt indes nicht schon auf mangelnde Objektivität
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Seite 8
und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Um-
stände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung ob-
jektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee mit Hin-
weisen).
4.3.4 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomati-
sches Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen
leicht- bis mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409), sind für die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Be-
rücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits
und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Ausgangspunkt der Prü-
fung und damit erste Voraussetzung bildet eine psychiatrische, lege artis
gestellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1; 143 V 418 E. 6 und E. 8.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das
Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie
«funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheits-
schädigung» (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symp-
tome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbidi-
täten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struk-
tur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kon-
text» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhal-
tens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitä-
tenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und be-
handlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens-
druck (E. 4.4.2).
5.
Vorliegend hat die Vorinstanz das Begehren des Versicherten um eine IV-
Rente mit der Begründung abgewiesen, dass keine ausreichende durch-
schnittliche Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres vorliege. Trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung sei die Betätigung im bisherigen Aufgaben-
bereich noch immer in rentenausschliessender Weise zumutbar. Der Be-
schwerdeführer hingegen verweist auf die Feststellungen der bosnischen
Ärzte und macht geltend, zu mindestens 90 % invalid zu sein. Der medizi-
nische Sachverhalt sei von der Vorinstanz nicht genügend abgeklärt wor-
den.
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Seite 9
5.1 Im Rahmen des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 19. Sep-
tember 2017 stützte sich die Vorinstanz in erster Linie auf die Stellungnah-
men der RAD-Ärztin Dr. B._ vom 9. Januar und 25. April 2017 (IV-
act. 26, 39) sowie auf den Schlussbericht von Dr. med. D._, Fach-
arzt für Allgemeine Medizin des RAD vom 6. September 2017 (IV-act. 53).
Die entsprechenden Berichte sowie weitere medizinische Dokumente und
Unterlagen sind, soweit erforderlich, nachfolgend zusammengefasst wie-
derzugeben und einer Würdigung zu unterziehen.
5.2 Den im Anmeldeverfahren eingereichten medizinischen Akten lässt
sich im Wesentlichen Folgendes entnehmen:
5.2.1 In seinem Bericht vom 8. Januar 2016 (IV-act. 15) nannte Prim.
Dr. sc. E._, Internist und Kardiologe der fachärztlichen Praxis
F._ in (...) die Diagnosen Diabetes mellitus Typ 2 und chronisch
dekompensierte Kardiomyopathie und erachtete eine stationäre Aufnahme
auf der Klinik für Innere Medizin für notwendig.
5.2.2 Gemäss dem Arztbericht vom 19. Januar 2016 (IV-act. 16, S. 1 f.)
von Dr. G._ der Abteilung für invasive Kardiologie wurde eine drin-
gende Koronarographie bei einem Status nach einer Synkope durchge-
führt.
5.2.3 Der Versicherte hielt sich vom 8. Januar bis 1. Februar 2016 im Spital
H._ auf; in den Abteilungen Klinik für Innere Medizin mit Dialyse-
Zentrum, Klinische Abteilung für Kardiologie, Klinische Abteilung für inva-
sive Kardiologie, Klinische Abteilung für Kardiochirurgie, Abteilung für post-
operative kardiologische lntensivbehandlung, (IV-act. 17, S. 3). Im Entlas-
sungsschreiben des Ambulatoriums wurde die Diagnose "Atheroskleroti-
sche Herz-Kreislauf-Krankheit, gemäss Beschreibung ICD-10 I25.0" ge-
nannt. Dr. med. Mr. sc. I._, Facharzt für Kardiochirurgie der Klinik
für Chirurgie hielt in seinem Entlassungsschreiben vom 31. Januar 2016
folgende Diagnosen fest: "Stenosis valvulaeaortaegradus 3+ Regurgitatio-
valvulaeaortalisgradus 2+, Stenosis LAD, St. post PCI et lmplantatio-en-
doprothesisno. III a.a. IX und Diabetes mellitus". Er führte u.a. aus, am
25. Januar 2016 sei bei einer medianen Sternotomie eine Aortenklappe
(Grösse 23 mm) implantiert worden. Dieselben Diagnosen wurden von
Prim. Dr. sc. E._, Internist und Kardiologe der Facharztpraxis
F._ in (...) in Bericht vom 2. Februar 2016 (IV-act. 18) wiederholt.
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Seite 10
5.2.4 Dr. J._ des Gesundheitszentrum in (...) hielt in seinem Bericht
vom 10. Februar 2016 fest, die Röntgenaufnahme der Lunge und des Her-
zens sei unauffällig (IV-act. 22).
5.2.5 Prim. Dr. sc. E._ gab im Bericht vom 8. Juni 2016 (IV-act. 33,
S. 1 f.) u.a. an der Versicherte klage zeitweise über niedrige Zuckerwerte,
insbesondere vor dem Mittagessen (bis 2.8 mmol/l) sowie über Schmerzen
in den Knien, den Beinen und den Armen. Im Brustbereich habe er keinerlei
Beschwerden. Im EKG zeige sich ein Sinusrhythmus mit einer Frequenz
von 82/min; es lägen Zeichen einer linksventrikulären Hypertrophie vor. Im
Bericht vom 3. Oktober 2016 wiederholte Prim. Dr. sc. E._ seine
bereits gemachten Ausführungen (IV-act. 33, S. 3 f.).
5.2.6 Nach Einsicht in die anlässlich des Anmeldeverfahrens eingereichten
ärztlichen Berichte hielt die RAD-Ärztin Dr. B._ in ihrer Stellung-
nahme vom 9. Januar 2017 (IV-act. 26) unter Angabe des ICD-10 Codes
I25 und I35 als Hauptdiagnosen eine chronische ischämische Herzkrank-
heit und eine nichtrheumatische Aortenklappenkrankheiten fest. Ausser-
dem erwähnte sie den Ersatz der Aortenklappe für Stenose und Koronar-
arterien-Bypass am 25. Januar 2016. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit führte sie eine Tabakabhängigkeit, Diabetes Typ II und Sta-
tus post Angioplastie und Einsatz von 3 Stents in der Schweiz 2007. Sie
verlangte einen neuen kardiologischen Test mit einem Leistungstest und
einem Echokardiogramm, da keine kardiologischen Ergebnisse nach der
Operation im Dossier lägen und die Informationen weitgehend ungenü-
gend seien.
5.2.7 Im Befund vom 30. Januar 2017 (IV-act. 29, 32), welcher nach Durch-
führung des von Dr. B._ beantragten Belastungstests erstellt wor-
den war, gab Prim. Dr. sc. E._ zusammengefasst an, der Test sei
nach 7 Minuten Belastung, bei einer Belastung von 100 W wegen Ermü-
dung, sowie Schmerzen in den Beinen abgebrochen worden. Der Versi-
cherte habe einen Sauerstoffverbrauch von 4.4 MET bei einer Herzfre-
quenz von 105/min mit einer Tablette Metroprolol 2 x 50 mg erreicht, was
66 % der maximalen Frequenz von 159/min. seien. Am Ende des Belas-
tungstests habe er an Kurzatmigkeit, Atemnot und Schmerzen in den Bei-
nen gelitten. Die kardiorespiratorische Fähigkeit des Patienten ist im Be-
lastungstest um 20 – 30 % gemindert. Er falle unter die NY HA-II-Gruppe.
In diesem Belastungsstadium zeige er keine Zeichen einer Myokardischä-
mie mit hypertensiver Reaktion.
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Seite 11
5.2.8 Dr. B._ gab in ihrem Schlussbericht vom 25. April 2017 (IV-
act. 39) zum Belastungstest an, die Werte lägen innerhalb der Norm; die
Ergebnisse des Tests erlaubten Freizeitaktivitäten und Beschäftigungen im
Garten. Im Bereich der Haushaltstätigkeiten könnten auf diesem Leis-
tungsniveau Arbeiten wie staubsaugen, kehren und Böden putzen durch-
geführt und Lasten bis zu 6 kg die Treppen hochgetragen werden. Es liege
eine sehr leichte Einschränkung der körperlichen Aktivität vor, jedoch seien
die Einschränkungen im Haushalt nicht bedeutend.
5.3 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens reichte der Beschwerdeführer
weitere Berichte nach:
5.3.1 Im Bericht "Befund und Stellungnahme" vom 22. Mai 2017 (IV-
act. 47, S. 1; Übersetzung: IV-act. 49, S. 1) nannte Prim. Dr. K._,
Facharzt für Familienmedizin des Hauses L._ in (...), folgende Di-
agnosen:
– " Dg/Cardiomyopathia chr atheroscvlerotica recompenzata
– post - implantacio valvule arteficialis aorte typ SJM MECANICAL- a - 23 et LIMA
– LADs T. POST. STENT IMPLANTACIOX3
– Diabetes mellitus Typ – 2
– Polyneuropathia diabetica externum inf.
– Hypertensio arterialis
– lnsuff valvule mitralis et stenosis valvule aorte
– PTSP-a – Elemente"
Zusammengefasst erwähnte er – neben den bereits genannten Sympto-
men – Angstzustände und Schlaflosigkeit und empfahl die Überweisung
zur psychiatrischen Untersuchung.
5.3.2 Prim. Sc. Dr. med. M._, Facharzt für Psychiatrie der fachärzt-
lichen Praxis "F._", nannte in seinem Bericht "Befund und Stellung-
nahme des Facharztes" vom 23. Mai 2017 (IV-act. 47, S. 2; Übersetzung:
IV-act. 49, S. 3) die IDC-10 Codes F01 und F06.3. Zusammengefasst gab
er an, der Versicherte habe eine gestörte Orientierung in der Zeit, der Ver-
balkontakt werde schwer hergestellt und erhalten, der Gedankenverlauf sei
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Seite 12
mit knappen Inhalten und depressive Ideen verlangsamt, die Grundstim-
mung sei gesenkt; der Versicherte sei psychomotorisch mit gestörten kog-
nitiv- mnestischen Funktionen inhibiert und negiere eine Sinnestäuschung,
er sei ohne Einsicht und Kritik.
5.3.3 Nachdem die anlässlich des Vorbescheidverfahrens eingereichten
medizinischen Berichte Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Me-
dizin des RAD, vorgelegt worden waren, führte dieser im Schlussbericht
vom 6. September 2017 (IV-act. 53) folgende Hauptdiagnosen auf:
– Valvuläre und ischämische Kardiopathie mit/bei: (125.0)
o St.n. Aortenklappen-Ersatz und aorto-koronarem Bypass am 25.1.2016
o St.n. PTCA und Stenting 2007
– Diabetes II
Er befand den Versicherten für Tätigkeiten im Haushalt für 100 % arbeits-
fähig. In seiner Beurteilung führte er aus, die medizinische Aktenlage sei
vollständig. Der Versicherte habe zwei neue Berichte eingereicht, wovon
der eine (von Dr. K._) keine neuen Diagnosen oder Erkenntnisse
bringe; der andere (von Dr. M._) zwar von einer psychischen Be-
lastung spreche, diesbezüglich aber kein klarer Psychostatus verfasst wor-
den sei und auch nicht auf die wesentlichen Veränderungen "im täglichen"
eingegangen werde, somit kein objektiver Nachweis einer Veränderung
des Gesundheitszustandes im Vergleich zu früheren RAD-Stellungnahmen
bestehe. Am Bericht vom 25. April 2017 (E. 5.2.8) könne festgehalten wer-
den.
5.4 Vorliegend führten die RAD-Ärzte Dres. B._ und D._ für
die Beurteilung des Leistungsanspruchs des Versicherten keine eigene
ärztliche Untersuchung durch, sondern zogen die medizinischen Atteste
der bosnischen Ärzte heran und werteten diese aus. Die Beurteilungen
vom 9. Januar, 25. April 2017 und vom 6. September 2017 (IV-act. 39; 39,
53) sind somit reine Aktenberichte. Ihnen kann nicht jegliche Aussen- oder
Beweiswirkung abgesprochen werden, denn sie sind entscheidrelevante
Aktenstücke (Urteil I 143/07 des BGer vom 14. September 2007 E. 3.3 mit
Hinweisen; vgl. auch Urteil I 694/05 des EVG vom 15. Dezember 2006
E. 5). Wie bereits dargelegt wurde (vgl. E. 4.3.2 f. hiervor), kann darauf nur
unter der Bedingung abgestellt werden, dass die Stellungnahmen den all-
gemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht
genügen.
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Seite 13
5.4.1 Die RAD-Ärztin Dr. B._ beurteilte die Arbeitsfähigkeit des Be-
schwerdeführers aufgrund der vorhandenen Akten des Dossiers. In ihrem
ersten Bericht vom 9. Januar 2017 (IV-act. 26) erwähnte sie in den Diag-
nosen den Ersatz der Aortenklappe für Stenose und Koronararterien-By-
pass am 25. Januar 2016 sowie die in der Schweiz durchgeführte Opera-
tion betreffend den Einsatz von drei Stents im Jahr 2007. Dabei gab sie zur
im Januar 2016 durchgeführten Operation lediglich an, dass der Eingriff im
Fragebogen vom 31. Mai 2016 von Dr. N._, der übrigens nicht in
den Akten liegt, erwähnt worden sei. Sie hat demnach weder in das von
Dr. med. Mr. sc. I._ ausgestellte Entlassungsschreiben vom 31. Ja-
nuar 2016 des Spitals H._ (IV-act. 17, S. 1) noch in die Berichte von
Prim. Dr. sc. E._, vom 8. Januar sowie 2. Februar 2016 (IV-act. 15,
17) Einsicht genommen und diese ausgewertet. Es liegen ferner keine Arzt-
berichte betreffend eine im Jahr 2007 durchgeführte Operation in den Ak-
ten. Somit ist unklar, worauf Dr. B._ sich bei ihren Angaben gestützt
hat. Zur Tätigkeit des Versicherten führte sie aus, der Versicherte habe von
1980 – 2010 in der Schweiz gearbeitet und sei Maurer. Er gab jedoch in
seiner Rentenanmeldung an, eine Ausbildung zum Maler absolviert und
zuletzt als Fassaden-Isolierer beschäftigt gewesen zu sein (IV-act. 12). Im
Schreiben vom 11. März 2016 an die SAK gab er zudem an, vom 16. März
1987 bis 1998 in Deutschland gearbeitet zu haben (IV-act. 1); schliesslich
liegt das Formular E 205 AT "Bescheinigung des Versicherungsverlaufs in
Österreich" in den Akten (IV-act. 52), wonach der Versicherte von Mai 1970
bis Juli 1971 mit Unterbrüchen in Österreich tätig gewesen ist. Die Anga-
ben von Dr. B._ sind somit widersprüchlich zu den Akten und aus-
serdem nicht belegt, denn im Dossier fehlen sämtliche Unterlagen betref-
fend eine Berufstätigkeit in der Schweiz und in Deutschland; ein IK-Auszug
liegt nicht in den Akten. Nach Durchführung einer kardiologischen Untersu-
chung inklusive eines Leistungstests sowie eines Echokardiogramms, wel-
che Dr. B._ aufgrund der ungenügenden medizinischen Unterlagen
verlangt hatte, nahm sie am 25. April 2017 (IV-act. 39) erneut Stellung.
Während ihre Ausführungen zum Leistungstest plausibel erscheinen, fällt
jedoch auf, dass sie sich nur oberflächlich mit dem Dossier auseinander-
gesetzt hat. In ihrer zweiten Stellungnahme wiederholte sie die bereits ge-
machten Ausführungen, unterliess es jedoch, ihre fehlerhaften und unvoll-
ständigen Angaben, wie beispielsweise zum Krankheitsverlauf und zur be-
ruflichen Tätigkeit, zu ergänzen respektive zu korrigieren. Ferner ist unklar,
welche medizinischen Berichte sie eingesehen und gewürdigt hat; Ausfüh-
rungen dazu finden sich in ihrer Stellungnahme nicht. Im Weiteren erstellte
sie weder eine Anamnese, noch äusserte sie sich zu den beklagten Leiden.
Fraglich ist ebenfalls, inwiefern Dr. B._ den Gesundheitszustand
C-5625/2017
Seite 14
des Versicherten in kardiologischer Hinsicht zu beurteilen vermochte, denn
es geht aus den Akten nicht hervor, welchen Facharzttitel sie besitzt. Ins-
gesamt sind ihre Feststellungen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Ver-
sicherten ungenügend.
5.4.2 Dr. med. D._, welchem die anlässlich des Vorbescheidverfah-
rens eingereichten Berichte (IV-act. 47; Übersetzung: IV-act. 49) vorgelegt
worden waren, stützte sich in seinem Schlussbericht vom 6. September
2017 (IV-act. 53) vollumfänglich auf die Stellungnahmen von
Dr. B._ ab. Zu den neu eingereichten Berichten hielt er fest, dass
Prim. Dr. K._ keine neuen Diagnosen oder Erkenntnisse bringe, ob-
wohl dieser neben einer Polyneuropathie auch eine "PTSP-a" diagnosti-
ziert hatte. Dr. med. D._ diskutierte weder die neu gestellten Diag-
nosen, noch veranlasste er betreffend die neuen Beschwerdebilder weitere
Abklärungen. Die vom Versicherten geschilderten Beschwerden wie Angst-
zustände und Schlaflosigkeit wurden nicht weiter thematisiert. Zum Bericht
von Prim. Sc. Dr. med. M._, Facharzt für Psychiatrie, gab er ledig-
lich an, dass dieser keinen klaren Psychostatus verfasst habe. Er sah trotz
psychiatrischer Befunde keinen Nachweis für eine Veränderung des Ge-
sundheitszustandes seit der letzten Beurteilung durch den RAD. Mit den
übrigen Arztberichten setzte er sich nicht auseinander. Die medizinische
Aktenlage hielt er für vollständig, obwohl sie – wie bereits ausführlich dar-
gelegt – unvollständig ist (vgl. E. 5.4.1). Eine Aktendiskussion fehlt auch in
seinem Schlussbericht. Offensichtlich hat sich Dr. med. D._ nicht
mit den gesamten Vorakten beschäftigt und alle Berichte gewürdigt. Anzu-
merken ist ausserdem, dass er als Facharzt für Allgemeinmedizin weder
über einen Facharzttitel der Kardiologie noch der Psychiatrie verfügt. Seine
Beurteilung ist nicht lückenlos, unvollständig und kann nicht nachvollzogen
werden.
5.4.3 Schliesslich kann für die Anspruchsbeurteilung auch nicht auf die Be-
richte der behandelnden und begutachtenden Fachärzte aus Bosnien ab-
gestellt werden; ihre Berichte sind für die streitigen Belange nicht beweis-
kräftig. Ihnen kann insbesondere nicht entnommen werden, welche medi-
zinischen Vorakten den Ärzten zur Verfügung standen und daher kann
nicht davon ausgegangen werden, dass diese Berichte auf einer vollstän-
digen Anamnese beruhen. Zudem fehlt es jeweils an einer nachvollziehba-
ren Einschätzung der Arbeitsfähigkeit.
5.4.4 Der Versicherte machte beschwerdeweise geltend, die Vorinstanz
habe in seiner Heimat bei der dortigen Sozialversicherung ein Gutachten
C-5625/2017
Seite 15
in Auftrag gegeben. Anlässlich der daraufhin durchgeführten Untersuchung
sei ein IV-Grad von 90 % ermittelt worden. Unklar ist, ob es sich beim vom
Versicherten erwähnten Gutachten um den Befund der Facharztpraxis
„F._" von Prim. Dr. sc. E._ vom 30. Januar 2017 (IV-act. 29,
32) handelt, welcher aufgrund des von Dr. B._ geforderten Belas-
tungstests erstellt worden war. Dieser Befund enthält abermals keine An-
gaben zum IV-Grad. Ein weiteres Gutachten liegt nicht in den Akten; jedoch
ist anzumerken, dass im Dossier das Aktorum 4 fehlt; auch im Aktenver-
zeichnis wird das Dokument 4 nicht aufgezählt. Zudem enthält das Dossier
keinerlei persönliche Dokumente des Versicherten wie beispielsweise Aus-
weispapiere. Somit ist die gesamte Aktenlage unvollständig.
5.4.5 Angesichts der vorstehenden Darlegungen ist im Ergebnis festzuhal-
ten, dass auf die nicht umfassenden und nicht überzeugenden Einschät-
zungen des RAD nicht abgestellt werden kann. Sie genügen den allgemei-
nen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht nicht. Die
Voraussetzungen für eine blosse Aktenbeurteilung durch den RAD waren
nicht gegeben (E. 4.3.2). Mangels einer zuverlässigen, sämtliche relevan-
ten Leiden umfassenden medizinischen Gesamtbegutachtung ist es dem
Bundesverwaltungsgericht nicht möglich, aufgrund der Akten mit dem im
Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob und gegebenenfalls in welchem Um-
fang und ab wann der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente
hat. Es sind daher weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen.
5.5 Weiter wirft der invalidenrechtliche Status des Beschwerdeführers Fra-
gen auf, die im Folgenden zu klären sind. Im Rahmen der erstmaligen Prü-
fung seines Rentengesuchs stellt sich unter dem Gesichtspunkt des
Art. 28a IVG in Verbindung mit Art. 16 und Art. 7 Abs. 2 ATSG die Frage
nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode.
5.5.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig
oder als nichterwerbstätig einzustufen ist (Statusfrage), was je zur Anwen-
dung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensver-
gleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) führt, ergibt sich aus der
Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte,
wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist
nach der Rechtsprechung nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der
versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, son-
dern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haus-
C-5625/2017
Seite 16
halt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl. Art. 27 IVV) sind die persön-
lichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie all-
fällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter,
die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Nei-
gungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich
praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Ver-
waltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische An-
nahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3; 141 V 15 E. 3.1 m.w.H.;
Urteil BGer 9C_645/2015 vom 3. Februar 2016 E. 2.3).
5.5.2 Die Statusfrage ist hypothetisch zu beurteilen, unter Berücksichti-
gung der ebenfalls hypothetischen Willensentscheidungen der versicher-
ten Person. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen einer direkten
Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel aus äusseren
Indizien erschlossen werden (Urteil BGer 9C_222/2016 vom 19. Dezember
2016 E. 4.2; Urteil BGer 9C_497/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 3.1).
5.5.3 Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Versicherte seit seiner Rück-
kehr nach Bosnien 2010 nicht mehr gearbeitet habe (IV-act. 25), weshalb
die spezifische Methode anwendbar sei. Diese Annahme ist nicht wider-
sprüchlich zu den Angaben des Beschwerdeführers, der im "Fragebogen
für den Versicherten" angab, die Arbeit 2010 aufgegeben zu haben. Er prä-
zisierte jedoch, die Arbeitsaufgabe sei aufgrund von Krankheit erfolgt (IV-
act. 12, S. 1 – 5). Dazu sind die Angaben des Versicherten in den Formu-
laren "Fragebogen für den Arbeitgeber" und "Fragebogen für die im Haus-
halt tätigen Versicherten" konform, in welchem er angab, keine Arbeiten zu
verrichten, da er sich krank fühle und ständig Hilfe brauche. Hingegen
führte er in seiner Rentenanmeldung aus, die gesundheitliche Beeinträch-
tigung bestehe seit 31. Mai 2016 (IV-act. 3). Am 29. September 2017 er-
wähnte er beschwerdeweise, dass er in seiner Heimat niemals gearbeitet
habe. Er habe die IV-Anmeldung in der Schweiz eingereicht, da er hier zu-
letzt aktiv gewesen sei und die Beiträge entrichtet habe (act. 1). Hingegen
nannte er im Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom 27. Oktober
2017 ein Einkommen aus selbständiger Tätigkeit in Höhe von Fr. 300.- und
legte dar, er habe nach der Rückkehr aus der Schweiz 2010 bis zu seiner
Erkrankung im Jahr 2015 ab und zu Gelegenheitsarbeiten ausgeführt und
damit den Lebensunterhalt einigermassen bestritten. Duplikweise wieder-
holte er, die Arbeitstätigkeit aufgrund einer Krankheit aufgegeben zu haben
und im Anschluss in seine Heimat gezogen zu sein. Im Bericht, welcher
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Seite 17
während seines Aufenthalts im Spital H._ (IV-act. 17, S. 3) erstellt
worden war, wird wiederum als Tätigkeit "Landwirt, Träger eines ländlichen
Haushalts" angegeben. Die Vorinstanz führte dazu vernehmlassungsweise
aus, dass sie bei der bosnischen Verbindungsstelle zum Zweck der Sach-
verhaltsklärung zusätzliche ärztliche Akten eingefordert habe; Abklärungen
in beruflicher Hinsicht hat sie jedoch offenbar keine unternommen. Sie ging
– ohne ihre Annahme weiter zu begründen – davon aus, dass der Versi-
cherte auch ohne Gesundheitsschaden höchstwahrscheinlich keine Er-
werbstätigkeit mehr ausüben würde, da er seit seiner Rückkehr nach Bos-
nien im Jahr 2010 nicht mehr gearbeitet habe. Gleichzeitig führte sie aus,
der Versicherte leide seit Jahren an einer koronaren Herzkrankheit, wes-
halb ihm bereits im Jahre 2007 in der Schweiz drei Stents implantiert wor-
den seien; am 25. Januar 2016 sei ein weiterer chirurgischer Eingriff er-
folgt. Die Auswirkungen des Gesundheitsschadens in seiner zuletzt ausge-
übten Tätigkeit seien in der Tat als gravierend zu bezeichnen, wodurch sich
eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit ergäbe (act. 10). Unklarheiten bestehen
ebenfalls betreffend die berufliche Tätigkeit. Es wird von der Vorinstanz we-
der dargelegt, noch ergibt es sich aus den Akten, in welchem Umfang der
Beschwerdeführer in der Schweiz tätig gewesen ist und in welcher Höhe
er Beiträge geleistet hat. In der Duplik (act. 17) führte die Vorinstanz aus,
eine Nachfrage bei der kantonalen IV-Stelle O._ habe ergeben,
dass betreffend den Versicherten kein Aktendossier geführt werde. Den-
noch wurde im Dokument "Exposé d'une demande de prestations" vage
ausgeführt, er habe 82 Monate, von 1980 – 2010 in der Schweiz gearbeitet
(IV-act. 25). Worauf sich diese Angaben stützen, ist zweifelhaft. In der
Folge nahm die Vorinstanz eine Tätigkeit des Versicherten im Haushalt an;
Haushaltsabklärungen sind hingegen nicht erfolgt.
5.5.4 Die Aussagen des Beschwerdeführers betreffend die Berufstätigkeit
in seiner Heimat sind widersprüchlich und die Angaben der Vorinstanz sind
nicht belegt. Unbestritten ist, dass der Versicherte mindestens seit 2007 –
also bereits vor der Arbeitsaufgabe im Jahr 2010 – an einer Herzkrankheit
leidet, welche sich im Laufe der Zeit verschlechterte und eine erneute Ope-
ration im Jahr 2016 erforderlich machte. In Anbetracht dessen wäre abzu-
klären gewesen, ob der Versicherte die Erwerbstätigkeit aufgrund gesund-
heitlicher Probleme aufgegeben hat. Schliesslich räumte die Vorinstanz
ein, dass der Versicherte aufgrund koronarer Beschwerden in der ange-
stammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei. Die Vorinstanz hat jedoch
– abgesehen von der Einholung diverser Fragebögen – keine Abklärungen
in dieser Hinsicht getroffen. Aus dem Dargelegten folgt, dass aufgrund der
Akten eine abschliessende Beurteilung der für einen Rentenanspruch oft
C-5625/2017
Seite 18
wegweisenden Statusfrage nicht möglich ist. Die Vorinstanz hat folglich
auch bezüglich der Statusfrage ergänzende Abklärungen vorzunehmen.
5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im vorinstanzlichen Verfah-
ren infolge unvollständiger Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts (vgl. Art. 43 ff. ATSG und Art. 12 VwVG) entscheidwesentliche As-
pekte vollständig ungeklärt geblieben sind (Art. 43 ff. ATSG sowie Art. 12
und Art. 49 lit. b VwVG), sodass die Verfügung vom 19. September 2017
aufzuheben ist. Vorliegend erscheint eine Rückweisung der Streitsache an
die IVSTA im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausnahms-
weise möglich, denn es liegt nicht ein vom Bundesverwaltungsgericht zu
würdigendes Administrativgutachten im Recht. Vielmehr war die Zulässig-
keit eines Aktenberichts durch den RAD zu beurteilen. Wie sich vorstehend
gezeigt hat, konnte dieser jedoch nicht auf für die streitigen Belange be-
weistaugliche Unterlagen im Sinn der Rechtsprechung zurückgreifen. Eine
Aktenbeurteilung war unter diesen Umständen offensichtlich unzulässig,
was zwangsläufig zur weiteren Sachverhaltsabklärungen hätte führen
müssen. Würde eine derart mangelhafte Sachverhaltsabklärung durch Ein-
holung eines Gerichtsgutachtens im Beschwerdeverfahren korrigiert, be-
stünde die Gefahr der unerwünschten Verlagerung der den Durchführungs-
organen vom Gesetz übertragenen Pflicht, den rechtserheblichen Sachver-
halt nach dem Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) abzuklären
(sodass gestützt darauf die Verfügung über die in Frage stehende Leistung
ergehen kann), auf das Gericht. In Fällen mit Auslandsbezug ist die Gefahr
der Verlagerung der Expertentätigkeit von der administrativen auf die ge-
richtliche Ebene umso grösser, als dass die Aktenbeurteilung durch den
RAD (oder den medizinischen Dienst der Vorinstanz) gestützt auf auslän-
dische Arztberichte, die oftmals weder eine erforderliche interdisziplinäre
Gesamtbeurteilung enthalten noch in Kenntnis der Vorakten und der spe-
zifischen versicherungsmedizinischen Anforderungen der Invalidenversi-
cherung verfasst werden, häufig vorkommen. Weiter ist zu beachten, dass
für Fälle mit Auslandsbezug eine spezialisierte IV-Stelle eingerichtet wor-
den ist. Überdies sind die gesundheitlichen Beeinträchtigungen physischer
und psychischer Art nicht isoliert, sondern interdisziplinär zu beurteilen. Da-
her und infolgedessen, dass vorliegend aufgrund der Aktenlage keine ge-
nügende Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
erfolgen konnte, ist die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Die Rückweisung wird mit der Weisung verbun-
den, eine interdisziplinäre, psychiatrische sowie kardiologische Begutach-
tung des Beschwerdeführers in der Schweiz durchzuführen. Ob neben den
genannten Fachdisziplinen auch noch weitere Spezialisten beigezogen
C-5625/2017
Seite 19
werden, ist dem pflichtgemässen Ermessen der Gutachter zu überlassen,
zumal es primär ihre Aufgabe ist, aufgrund der konkreten Fragestellung
über die erforderlichen Untersuchungen zu befinden (vgl. dazu Urteil des
BGer 8C_124/2008 vom 17. Oktober 2008 E. 6.3.1). Im Rahmen einer
pluridisziplinären Begutachtung ist die Gutachterstelle nach dem Zufalls-
prinzip gemäss Zuweisungssystem «SuisseMED@P» zu ermitteln und
dem Beschwerdeführer sind die ihm zustehenden Mitwirkungsrechte ein-
zuräumen (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9). Wird im Zusammenhang mit
der Untersuchung eine psychosomatische Erkrankung festgestellt, so ist –
wie grundsätzlich bei allen psychischen Erkrankungen – ein strukturiertes
Beweisverfahren nach den in BGE 141 V 281 definierten Indikatoren vor-
zunehmen, welches auf einer ergebnisoffenen Gesamtbetrachtung in Be-
rücksichtigung der Wechselwirkungen der verschiedenen Störungen ba-
siert (BGE 143 V 418 E. 6 ff.; 141 V 281 E. 3.6 ff.). Im Rahmen der inter-
disziplinären Begutachtung werden die Gutachter insbesondere auch im
Hinblick auf das Zusammenwirken der verschiedenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen eine Gesamtbeurteilung vorzunehmen haben. Die be-
auftragten Sachverständigen sind letztverantwortlich einerseits für die
fachliche Güte und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten Ent-
scheidungsgrundlage, anderseits aber auch für eine wirtschaftliche Abklä-
rung (BGE 139 V 349 E. 3.2 f.). Bei diesem Ergebnis ist auf den Antrag auf
Befragung des Beschwerdeführers durch das Gericht nicht weiter einzuge-
hen.
6.
Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerde weiter, die Vorinstanz
habe sich auf den von den bosnischen Ärzten ermittelten IV-Grad von 90 %
abzustützen (act. 1, S. 3 f.). Dazu ist vorab festzuhalten, dass gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung für den Beweiswert eines Arztberichts
weder die Herkunft des Berichts noch die Bezeichnung ausschlaggebend
ist, sondern einzig, ob der Bericht den allgemeinen beweisrechtlichen An-
forderungen genügt (vgl. E. 4.3.1 dieses Urteils). Im Unterschied dazu be-
steht für die rechtsanwendenden Behörden in der Schweiz keine Bindung
an die Feststellungen ausländischer Versicherungsträger, Behörden und
Ärzte bezüglich des Invaliditätsgrads oder Anspruchsbeginns (vgl. BGE
130 V 253 E. 2.4 und AHI 1996, S. 179; vgl. auch ZAK 1989 S. 320 E. 2).
Nach dem Gesagten sind für die Abklärungen der gesundheitlichen Beein-
trächtigungen des Beschwerdeführers die bosnischen Arztberichte heran-
zuziehen, sofern sie den Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genü-
C-5625/2017
Seite 20
gen. Jedoch kann der Beschwerdeführer nicht verlangen, dass sich die Vo-
rinstanz bei der Ermittlung des IV-Grads auf die Feststellungen der bosni-
schen Ärzte abzustützen hat. Seine diesbezügliche Rüge ist unbehilflich.
7.
Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung
vom 19. September 2017 aufzuheben und die Angelegenheit an die Vor-
instanz zur Durchführung weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen
(E. 5.6) und anschliessendem Erlass einer neuen Verfügung zurückzuwei-
sen ist.
8.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG
die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Da eine
Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Par-
tei gilt (BGE 132 V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall dem Beschwerde-
führer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Die mit Zwischenverfügung
vom 19. September 2017 (act. 9) gewährte unentgeltliche Rechtspflege
kommt, da sie subsidiärer Natur ist, nicht zum Tragen. Der Vorinstanz wer-
den ebenfalls keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
8.2 Der obsiegende, rechtsanwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat ge-
mäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteient-
schädigung zu Lasten der Verwaltung. Da keine Kostennote eingereicht
wurde, ist die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen. Unter Be-
rücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundi-
gen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
vorliegend zu beurteilenden Verfahrens sowie in Anbetracht der in ver-
gleichbaren Fällen gesprochenen Entschädigungen ist eine Parteientschä-
digung von pauschal Fr. 2'800.- (inkl. Auslagen) gerechtfertigt (Art. 65 Abs.
5 VwVG i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG und Art. 14 Abs. 2 VGKE).
(Dispositiv: nächste Seite)
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