Decision ID: f36faeed-6a18-56f4-a32d-93370f3e746d
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerinnen B._ (geb. [...]) und C._ (geb.
[...]) gelangten am 12. August 2012 in die Schweiz, wo sie um Asyl nach-
suchten. Der Beschwerdeführer A._ (geb. [...], Ehemann bzw. Vater
der Beschwerdeführerinnen) reiste am 15. November 2012 in die Schweiz
ein, wo er ebenfalls ein Asylgesuch stellte. Mit Verfügung vom 9. Januar
2015 gewährte das SEM den Beschwerdeführenden Asyl und anerkannte
sie als Flüchtlinge.
Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich um aus Syrien stammende
Kurden.
B.
Mit Eingabe vom 17. Juni 2016 ersuchten die Beschwerdeführenden beim
SEM um Anerkennung der Staatenlosigkeit. Das Gesuch bezog sich auch
auf den zum Zeitpunkt der Gesuchstellung bereits volljährigen Sohn bezie-
hungsweise Bruder D._.
Zur Begründung machten sie geltend, sie hätten in Syrien als Maktum al-
Kaid gegolten und würden bis heute noch als solche gelten. Der Nachweis
der Staatenlosigkeit beziehungsweise der Maktumin-Ausweis liege bei den
Akten. Es sei einem Maktum nicht erlaubt, die syrische Staatsangehörig-
keit zu erwerben und diese könne nicht beansprucht werden. Das im April
2011 erlassene Einbürgerungsdekret betreffe nur die Gruppe der Ajanib.
Einbürgerungen könnten ausschliesslich vor Ort beantragt werden.
Da ihre Staatenlosigkeit belegt und nachgewiesen sei, ersuchten sie um
deren Anerkennung.
C.
Mit Schreiben vom 5. September 2017 forderte das SEM die Beschwerde-
führenden auf, bis am 29. September 2017 das Gesuch um Anerkennung
der Staatenlosigkeit zu substantiieren und eine Reihe von Fragen aus ei-
nem Fragenkatalog zu beantworten.
Sie wurden insbesondere darauf hingewiesen, dass sie einen Registeraus-
zug der Syrischen Arabischen Republik eingereicht hätten, aus welchem
hervorgehe, dass die ganze Familie im syrischen Zivilregister eingetragen
sei.
F-6194/2017
Seite 3
D.
Die Beschwerdeführenden reichten innert Frist keine Stellungnahme ein.
E.
Mit Verfügung vom 19. Oktober 2017 lehnte die Vorinstanz das Gesuch der
Beschwerdeführenden um Anerkennung der Staatenlosigkeit vom 17. Juni
2016 ab.
Auf das Gesuch um Anerkennung der Staatenlosigkeit vom 17. Juni 2016
betreffend D._ trat sie mangels Einreichen eines eigenhändig un-
terzeichneten separaten Gesuchs beziehungsweise einer Vollmacht zu-
gunsten der Eltern nicht ein.
F.
Mit Eingabe vom 26. Oktober 2017 erhoben die Beschwerdeführenden ge-
gen die vorgenannte Verfügung beim SEM Beschwerde, welche gestützt
auf Art. 8 VwVG zuständigkeitshalber dem Bundesverwaltungsgericht
überwiesen wurde. Die Beschwerdeführenden ersuchten sinngemäss um
Aufhebung der Verfügung und um Anerkennung ihrer Staatenlosigkeit.
Als Beilagen gaben sie Folgendes zu den Akten: Ein Schreiben vom
27. Oktober 2017 mit den Antworten auf die von der Vorinstanz mit Schrei-
ben vom 5. September 2017 gestellten Fragen, ein Hochzeitsfoto, eine
Hochzeitseinladungskarte, ein Familienfoto und ein Schreiben vom 27. Ok-
tober 2017 von Frau E._, Lehrperson des Kantons (...), in welchem
sie die Familie (...) als aufgeschlossen, lernwillig und aufrichtig beschreibt
und mitteilt, sie habe die Familie bei der Beantwortung der Fragen unter-
stützt.
Auf die Begründung der Beschwerde und die Beweismittel wird – soweit
entscheidrelevant – in den Erwägungen eingegangen.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 9. November 2017 forderte der zuständige In-
struktionsrichter die Beschwerdeführenden zur Leistung eines Kostenvor-
schusses auf.
H.
Mit Eingabe vom 9. Januar 2018 liess sich die Vorinstanz zur Beschwerde
vernehmen.
F-6194/2017
Seite 4
I.
Mit Eingabe vom 20. März 2018 replizierten die Beschwerdeführenden.
Auf die Begründung der Eingabe und die damit ins Recht gelegten Beweis-
mittel wird – soweit entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägun-
gen eingegangen.
J.
Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit rechtserheblich – in den Erwä-
gungen zurückgekommen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM betreffend Anerkennung der Staatenlosigkeit
unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31 ff.
VGG).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be-
schwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und
52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Recht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4
VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
F-6194/2017
Seite 5
3.
3.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Übereinkommens vom 28. September 1954
über die Rechtsstellung der Staatenlosen (Staatenlosenübereinkommen,
StÜ, SR 0.142.40) gilt jemand als staatenlos, wenn kein Staat ihn aufgrund
seiner Gesetzgebung (im englischen bzw. französischen Originaltext: "un-
der the operation of its law", "par application de sa législation") als seinen
Angehörigen betrachtet. Staatenlosigkeit bedeutet nach dieser Begriffsum-
schreibung das Fehlen der rechtlichen Zugehörigkeit zu einem Staat (sog.
"de iure"-Staatenlosigkeit). Das Übereinkommen bezieht sich dagegen
nicht auf Personen, die zwar formell noch eine Staatsangehörigkeit besit-
zen, deren Heimatstaat ihnen aber keinen Schutz mehr gewährt (sog. "de
facto"-Staatenlose; vgl. YVONNE BURCKHARDT-ERNE, Die Rechtsstellung
der Staatenlosen im Völkerrecht und Schweizerischen Landesrecht, 1977,
S. 1 ff. m.H.; BGE 115 V 4 E. 2b; BVGE 2014/5 E. 4.1 m.H.; Urteil des BGer
2C_661/2015 vom 12. November 2015 E. 3.1 m.H.).
Die Rechtsprechung hält dazu präzisierend fest, dass als staatenlos nur
angesehen werden kann, wem die Staatenlosigkeit nicht zuzurechnen ist,
beispielsweise weil er die Staatsangehörigkeit ohne eigenes Zutun verlo-
ren hat und diese nicht (wieder-)erlangen kann. Wer dagegen seine Staats-
angehörigkeit freiwillig aufgibt oder es ohne triftigen Grund unterlässt, sie
zu erwerben oder wieder zu erwerben, kann sich nicht auf die Rechte aus
dem Staatenlosenübereinkommen berufen (Urteil des BGer 2C_36/2012
vom 10. Mai 2012 E. 3.1 m.H.). Damit wird verhindert, dass der Status der
Staatenlosigkeit den ihm im Übereinkommen zugedachten Auffang- und
Schutzcharakter verliert und zu einer Sache der persönlichen Präferenz
der betroffenen Person wird (Urteil des BGer 2C_763/2008 vom 26. März
2009 E. 3.2 m.H.).
3.2 Das Verfahren auf Anerkennung der Staatenlosigkeit folgt mangels ei-
ner spezialgesetzlichen Regelung dem VwVG und den allgemeinen
Grundsätzen des Verwaltungsverfahrensrechts. Für das Vorliegen einer
Tatsache ist daher grundsätzlich der volle Beweis zu erbringen. Gelingt der
Beweis nicht, so geht die Beweislosigkeit nach der üblichen Beweislastre-
gel zulasten dessen, der aus der Tatsache Rechte ableitet (Art. 8 ZGB). Es
gilt sodann der Untersuchungsgrundsatz, der die Verantwortung für die Er-
mittlung des Sachverhalts der Behörde auferlegt (Art. 12 VwVG). Der Un-
tersuchungsgrundsatz wird relativiert durch die Pflicht der Partei, an der
Ermittlung des Sachverhalts mitzuwirken. Die Mitwirkungspflicht kommt
unter anderem in Verfahren zum Tragen, die auf Begehren der Partei ein-
F-6194/2017
Seite 6
geleitet werden (Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG), und gilt namentlich für Tatsa-
chen, welche die Partei besser kennt als die Behörde beziehungsweise
welche die Behörde ohne Mitwirkung der Partei gar nicht oder nur mit über-
mässigem Aufwand ermitteln kann (vgl. BGE 130 II 449 E. 6.6.1 und BGE
128 II 139 E. 2b). Dabei gilt es zwar zu berücksichtigen, dass eine negative
Tatsache (hier: das Fehlen einer Staatsangehörigkeit) anspruchsbegrün-
dend ist. Dies ändert aber nichts an der objektiven Beweislastverteilung
(vgl. Urteil des BGer 2C_661/2015 vom 12. November 2015 E. 3.2 m.w.H.).
4.
4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte die Vorinstanz im
Wesentlichen aus, ihr liege ein Registerauszug der Syrischen Arabischen
Republik vor, gemäss welchem die Gesuchstellenden und die ganze Fami-
lie im Zivilregister der Syrischen Arabischen Republik eingetragen seien.
Auf einer Kopie sei handschriftlich eine deutsche Übersetzung der Anga-
ben eingefügt worden; als Nationalität werde dabei "Maktumin" angege-
ben.
Bei dem betreffenden Registerauszug handle es sich um ein amtliches For-
mular, auf welchem als Aussteller der Urkunde ausdrücklich das Innenmi-
nisterium der Arabischen Republik Syrien, Direktion für zivile Angelegen-
heiten aufgeführt sei. Der Begriff "Maktumin" bedeute übersetzt nichts an-
deres als "nicht registrierter Ausländer", sodass es widersinnig erscheine,
mittels eines syrischen Registerauszugs nicht registrierte Personen inoffi-
ziell zu registrieren.
Die Gelegenheit, sich im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu diesem Wi-
derspruch zu äussern, hätten die Gesuchstellenden nicht wahrgenommen.
In den Akten finde sich darüber hinaus ein Urteil des Scharia-Gerichts in
F._ in Syrien. Eine beglaubigte Übersetzung hierzu liege ebenfalls
vor. Dieses Urteil halte in Bezug auf die Eltern (A._ und B._)
ausdrücklich fest, dass diese mit einer individuellen Registernummer in ei-
nem amtlichen Melderegister verzeichnet seien. Der Umstand, dass sie in
einem amtlichen Register erfasst seien, stehe der Annahme, es handle sich
bei ihnen und der Tochter C._ um Maktum (d.h. Nichtregistrierte),
ebenfalls entgegen.
Zusammenfassend sei es den Gesuchstellenden nicht gelungen, den "vol-
len Beweis" für die Parteibehauptung einer Staatenlosigkeit zu erbringen.
F-6194/2017
Seite 7
Das Gesuch um Anerkennung der Staatenlosigkeit sei deshalb abzu-
lehnen.
4.2 Demgegenüber machen die Beschwerdeführenden in ihrer Rechtsmit-
teleingabe namentlich geltend, die ganze Familie sei im Jahr G._
nach H._ gezogen, weil sie vom syrischen Geheimdienst unter
Druck gesetzt worden seien. Da sie im Jahr 2011 bereits in H._ ge-
wesen seien und die syrische Regierung sie weiterhin verfolgt habe, hätten
sie keine Chance gehabt, gestützt auf den Erlass des syrischen Präsiden-
ten aus dem Jahr 2011 die Staatsbürgerschaft zu beantragen. Aufgrund
des Umstands, wonach sie als Familie Verfolgung, Inhaftierung und Aus-
grenzung seitens der syrischen Diktatur erfahren hätten, hätten sie es auch
nie in Erwägung gezogen, die syrische Staatsbürgerschaft zu beantragen.
Weil bereits der Vater des Beschwerdeführers "aschanib" gewesen sei und
somit nach syrischem Gesetz kein Anrecht auf offizielle Registrierung oder
Eheschliessungspapiere gehabt habe, habe auch für ihn und seine Familie
nie ein Anrecht auf eine solche offizielle Anerkennung bestanden. Das Ur-
teil des Scharia-Gerichts in F._ in Syrien sei "Mittel zum Zweck" ge-
wesen. Sohn I._ habe seine Verlobte in H._ zurückgelas-
sen. Um sie als Familiennachzüglerin zu sich holen zu können, habe er
"amtliche Papiere" gebraucht. Offiziell sei aber niemand aus der Familie in
einem syrischen, amtlichen Melderegister erfasst worden.
4.3 In der Vernehmlassung hält die Vorinstanz im Wesentlichen fest, es
falle auf, dass die Beschwerdeführenden die ihnen gestellten Fragen se-
lektiv beantwortet hätten, das heisse entscheidende Fragen entweder gar
nicht (Frage 5b betreffend Datum und Ort der Ausstellung des "Anerken-
nungszeugnisses"), sehr ausweichend (Frage 4, Frage 6a: "können wir uns
nicht erklären") oder schlicht widersprüchlich beantwortet hätten (Frage 6c:
B._ sei gemäss Übersetzung des eingereichten Dokuments mit Re-
gisternummer [...] erfasst vs. Aussage des Ehemannes, wonach sie selber
keine Registernummer erhalten habe).
Die Beschwerde selbst enthalte widersprüchliche Angaben. So habe etwa
der Ehemann sich bei der Anhörung (SEM-Akte B32/18, F62) offensichtlich
nicht darauf festlegen können, welchen Status er geltend machen wolle:
"In Syrien waren wir Maktumin und Ajnabi. Also nicht Ajnabi, sondern Mak-
tumin." Im Weiteren habe die Tochter J._ angegeben, dass der Bru-
der militärdienstpflichtig sei (SEM-Akte A6/11, 7.02). Maktumin seien je-
doch nicht militärdienstpflichtig. Auch wenn der beschwerdeführende Vater
F-6194/2017
Seite 8
– nach Konfrontation damit – angebe, die Tochter habe sich bei dieser Aus-
sage geirrt, mute dies doch als nachgeschobene Schutzbehauptung an. Es
lägen (ausser der Behauptung des Vaters) keine Hinweise dafür vor, dass
die Erstaussage der Tochter nicht wahrheitsgemäss gewesen sei.
Es sei unglaubwürdig, dass die Unterscheidung zwischen Ajanib und Mak-
tumin nicht klar gemacht werde.
In der Beschwerde werde dargelegt, dass der Vater der Ehefrau den Status
eines Ajnabi habe und die Mutter syrische Staatsangehörige sei. Betrachte
man diese Aussage isoliert, sei dies ein Hinweis darauf, dass die Ehefrau
tatsächlich den Status einer Maktuma getragen habe. Im Widerspruch
dazu habe sie jedoch bei der Befragung zur Person vom 21. August 2012
angegeben, ihr Vater sei Maktum und ihre Mutter Syrerin (SEM-Akte
B10/11, 1.11). Anlässlich der Anhörung vom 3. Juli 2014 habe sie wiederum
erklärt, ihr Vater sei "wahrscheinlich ein Ajnabi" (SEM-Akte B31/11, F61).
Konfrontiert mit dem Widerspruch zwischen ihrer Aussage (sie sei Mak-
tuma) und den Angaben im eingereichten Dokument (registriert als Auslän-
derin und somit Ajnabiyya) habe sie angegeben, sie "verstehe von solchen
Sachen nichts" (SEM-Akte B31/11, F61/F62).
Dass die Beschwerdeführenden zwischen den Gruppen der Ajanib und den
Maktumin beliebig hin und her wechselten beziehungsweise angäben, von
solchen Sachen nichts zu verstehen, mindere die Glaubwürdigkeit stark,
da die Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Ajanib oder Maktumin) in der syri-
schen Gesellschaft einschneidende Konsequenzen mit sich bringe. Da die
Beschwerdeführenden global gesehen zwar ziemlich konstant angäben,
Maktumin zu sein, sich jedoch in den Ausführungen dazu jeweils massiv
widersprächen beziehungsweise Lebenssachverhalte so wiedergäben,
wie es von einem Maktum in Syrien nicht hätte erlebt werden können,
müsse davon ausgegangen werden, dass dieser Status vorliegend nicht
gegeben sei.
Im Übrigen sei anzufügen, dass die Argumentation des Ehemannes (wel-
che er bereits anlässlich der Befragung zur Person und der Anhörung so
vorgebracht habe) in der Beschwerde betreffend die Frage Nr. 10b des
SEM, die Frau sei Analphabetin und widerspreche sich deshalb bezie-
hungsweise verstehe die Zusammenhänge nicht, ins Leere gehe. Die Tat-
sache, dass jemand nicht alphabetisiert sei, stehe in keinerlei Zusammen-
hang mit einem (nicht vorhandenen) Verständnis der Lebenswelt im Hei-
F-6194/2017
Seite 9
matland. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass der Ehemann den Aus-
sagen von anderen Familienangehörigen, welche nicht ins von ihm ge-
zeichnete Bild passten, den Wahrheitsgehalt abspreche. Die Ehefrau habe
unmissverständlich zu Protokoll gegeben, dass sie sich nicht hätten ein-
bürgern lassen wollen. Es sei demzufolge – unter der Annahme, dass die
Beschwerdeführenden nicht bereits eingebürgert seien – von einem frei-
willigen Verzicht auf die Erlangung der Staatsangehörigkeit Syriens auszu-
gehen, was keine Staatenlosigkeit zu begründen vermöge. Gemäss Infor-
mationen des SEM könnten sich aufgrund des Dekrets des syrischen Prä-
sidenten lediglich Ajanib einbürgern lassen, weshalb eine diesbezügliche
Aussage der Beschwerdeführenden – isoliert betrachtet – eher auf einen
Status als (ehemalige) Ajanib hindeute.
Der Ehemann habe anlässlich der Befragung zur Person am 4. Dezember
2012 angegeben, er könnte die syrische Staatsangehörigkeit beantragen
(SEM-Akte B20/12, 1.11). Dies spreche nicht für seine Zugehörigkeit zur
Gruppe der Maktumin, da sich Maktumin in Syrien gemäss den dem SEM
vorliegenden Informationen nicht einbürgern lassen könnten.
In den vorinstanzlichen Akten seien zwei Originaldokumente betreffend die
Ehepartner verzeichnet, welche diese anlässlich der Asylverfahren beim
SEM eingereicht hätten. Maktumin-Anerkennungszeugnisse würden keine
Sicherheitsmerkmale aufweisen und könnten leicht käuflich erworben wer-
den, weshalb ihr Beweiswert sehr niedrig sei. Auf eine Dokumentenprüfung
sei daher verzichtet worden. Das Dokument betreffend B._ weise
in sich selbst Widersprüche auf, da es in Form und Farbe einem Maktumin-
Ausweis entspreche, die Beschwerdeführerin jedoch inhaltlich "als Auslän-
der erfasst" werde, was bedeute, dass der Ausweis als Ganzes gefälscht
sei. Die Formulierung "als Ausländer erfasst" werde für Ajanib verwendet.
Diesem Dokument könne somit keinerlei Beweiswert zugemessen werden.
Im Übrigen könnten die beiden Dokumente – für den Fall der Annahme der
Echtheit – lediglich darüber Auskunft geben, wie sich die Situation zur Zeit
ihrer Ausstellung präsentiert habe. Die Beschwerdeführenden hätten in-
dessen auf die Frage, wann und wo die Dokumente ausgestellt worden
seien, nicht geantwortet.
In der Beschwerde werde – obwohl der letzte Absatz sich gemäss Über-
schrift darauf beziehen sollte – der Widerspruch zwischen den Angaben
der Beschwerdeführenden (Status als Maktum) und den vorhandenen Fak-
ten (Registrierung in einem amtlichen Melderegister) nicht aufgelöst. So
reichten die Beschwerdeführenden einen Registerauszug der Syrischen
F-6194/2017
Seite 10
Arabischen Republik ein, gemäss welchem sie als Maktumin erfasst seien
(SEM-Akte C8/1). Den Informationen des SEM zufolge würden Maktumin
jedoch nicht in den amtlichen Registern erfasst. Die Beschwerdeführenden
stellten in Abrede, in einem syrischen, amtlichen Melderegister verzeichnet
zu sein. Ungeklärt bleibe somit auch aufgrund der zusätzlichen Eingabe
der Widerspruch zwischen den Angaben der Beschwerdeführenden (Sta-
tus Maktumin) und den Akten (Registerauszug der Syrischen Arabischen
Republik). Das Vorhandensein des Registerauszugs deute darauf hin,
dass die Beschwerdeführenden entgegen ihren eigenen Angaben einge-
bürgert worden seien.
Die beiden von den Beschwerdeführenden eingereichten Dokumente wür-
den eine Zugehörigkeit zur Gruppe der Maktumin nahelegen. Da jedoch
das eine Dokument bereits in sich selbst widersprüchlich sei und die Be-
schwerdeführenden Angaben machten, die sich nicht mit dem Status von
Maktumin vereinbaren liessen, sei die angebliche Zugehörigkeit zu dieser
Gruppe im vorliegenden Fall nicht rechtsgenüglich nachgewiesen. Auf-
grund der Gesamtumstände sei davon auszugehen, dass die Beschwer-
deführenden nicht der Gruppe der Maktumin angehörten.
4.4 Replikweise bringen die Beschwerdeführenden im Wesentlichen vor,
das SEM sei selbst davon überzeugt, dass sie staatenlos seien. Deshalb
sei auf ihren Aufenthaltstiteln "Staat unbekannt" eingetragen worden. Sie
würden das Gericht darum bitten, die syrische Vertretung in der Schweiz
zu kontaktieren, um zur absoluten Überzeugung zu gelangen, dass sie in
keinem amtlichen Melderegister verzeichnet seien. Das UNHCR in der
Schweiz und Liechtenstein gehe davon aus, dass etliche unter den in der
Schweiz registrierten Personen, deren Herkunftsstaat als unbekannt gelte,
staatenlos seien.
Die Beschwerdeführenden hätten weder ihre Staatsangehörigkeit freiwillig
aufgegeben noch die mögliche Erlangung einer Staatsangehörigkeit abge-
lehnt. Für eine syrische Staatsangehörigkeit gebe es keine eindeutigen In-
dizien. Das SEM behaupte, dass es sich bei der Staatenlosigkeitsurkunde
(Maktumin-Ausweis der Familie) vom K._ um einen Zivilstandsre-
gisterauszug der Syrischen Arabischen Republik handle, weil darin "Arabi-
sche Republik Syrien / Innenministerium / Direktion für zivile Angelegen-
heiten" geschrieben stehe. Alle ausgestellten amtlichen Unterlagen in Sy-
rien enthielten diese Versatzstücke. Auf all den mit der Replik eingereichten
Unterlagen (individuelle Registrierungserklärung betreffend Ajanib in der
Provinz L._ [Beilage 1], von einem Dorfbürgermeister [Mukhtae] für
F-6194/2017
Seite 11
eine staatenlose Person ausgestellte Wohnsitzbestätigung [Beilage 2],
Auszug aus dem Personenstandsregister, ausgestellt durch das syrische
Innenministerium für syrisch-arabische Bürger [Beilage 3 (=SEM-Akte
C8/1)]) stehe "Arabische Republik Syrien / Innenministerium / Direktion für
zivile Angelegenheiten" geschrieben, was nicht bedeute, dass der jeweilige
Inhaber die syrische Staatsangehörigkeit besitze.
Die Beschwerdeführenden seien im Jahr G._ mit ihren Kindern und
vor dem Erlass des Präsidialdekrets Nummer 49 im April 2011 aus politi-
schen Gründen aus Syrien geflüchtet und würden bis heute als staatenlos
(Maktum Al Kaid) gelten. Die Einbürgerung von Maktum Al Kaid sei bis
heute unmöglich. Die syrischen Behörden hätten für Maktumin keine Per-
sonenregister geführt. Ihnen sei lediglich bei Bedarf vom zuständigen
Mukhtar eine Personalienbescheinigung ausgestellt worden. Der Be-
schwerdeführer möchte hervorheben, dass er lebenslang das Gefühl, ein
Staatsbürger zu sein, nicht erlebt habe. Er habe keine arabische-syrische
Staatsbürgerschaft erlangt und beabsichtige auch nicht, einen solchen
Pass zu beantragen, wie er bei der Befragung zur Person vom 4. Dezem-
ber 2012 betont habe. Er habe damals nicht gesagt, dass er die syrische
Staatsangehörigkeit habe erlangen können, sondern, dass er sie nicht er-
langt hätte, wenn er sie erlangen könnte. In Wirklichkeit dürfe und könne
er nicht.
Das in den SEM-Akten verzeichnete Maktumin-Anerkennungszeugnis sei
am K._ ausgestellt und von den Beschwerdeführenden im Rahmen
der Befragung zur Person abgegeben worden. Dies bedeute zweifelsfrei,
dass dieses Papier echt sei und die Realität widerspiegle. Wenn sie offizi-
elle syrische Papiere besitzen würden, hätten sie diese abgegeben, um die
syrische Staatsangehörigkeit beweisen zu können.
Hinsichtlich des von der Vorinstanz erwähnten Urteils des Scharia-Gerichts
in F._ betonen die Beschwerdeführenden, dass sie in keinem Zivil-
standsregister eingetragen seien. Die Heirat von staatenlosen Personen
werde staatlich nicht anerkannt. Scharia-Richter würden im Urteil nie eine
Person als staatenlos eintragen. Ausserdem hätten nicht die Beschwerde-
führenden dieses Urteil beim SEM abgegeben; sie hätten keine Ahnung
davon. Sie wüssten nicht, wie der syrische Anwalt das Urteil habe ausstel-
len lassen.
Was die vom SEM erwähnten Widersprüche anbelangt, verweisen die Be-
schwerdeführenden auf das von ihnen Erlebte, aufgrund dessen man auch
F-6194/2017
Seite 12
viele wichtige Dinge vergesse.
Zusammenfassend stehe somit fest, dass sie in Syrien den Status Maktum
Al Kaid besässen und nicht über die syrische Staatsbürgerschaft verfügten.
Die relevanten Gründe seien demnach gegeben, um sie als staatenlos an-
zuerkennen.
5.
Die Beschwerdeführenden behaupten, dass sie in Syrien bis heute als
"Maktum al-Kaid" gelten würden und daher staatenlos seien.
5.1 Die Kurden in Syrien sind als grösste nichtarabische Minderheit gene-
rell Diskriminierungen ausgesetzt. Im Nachgang zu einer 1962 in der syri-
schen Provinz al-Hasaka durchgeführten Sondervolkszählung verloren
viele von ihnen das syrische Bürgerrecht mit der Folge, dass sie staatenlos
wurden. Abhängig vom rechtlichen Status können heute drei Gruppen sy-
rischer Kurden unterschieden werden: Kurden mit syrischer Staatsangehö-
rigkeit, registrierte staatenlose Kurden, die als Ajanib (Sg. Ajnabi, wörtlich:
Ausländer) bezeichnet werden, und schliesslich staatenlose Kurden, die in
keinem staatlichen Register geführt werden, die sogenannten Maktumin al-
Qaid. Bereits die Ajanib sind in Bezug auf ihre politischen Rechte, ihre Be-
sitzrechte sowie ihr Recht auf Bildung und freie Berufswahl vielfältigen Ein-
schränkungen ausgesetzt. Immerhin haben sie die Möglichkeit einer Ein-
bürgerung. Die rechtliche Situation der Maktumin ist durch eine noch we-
sentlich weiter gehende Rechtlosigkeit gekennzeichnet. Sie sind nirgends
registriert und haben keine Möglichkeit, einen Pass zu erhalten. Ein Mak-
tum kann zum Nachweis seiner Identität lediglich eine besondere, für Mak-
tumin bestimmte Bescheinigung des für ihn zuständigen Mukhtars erhal-
ten, das sogenannte Erkennungszeugnis (vgl. Kurdwatch, Bericht 5: Staa-
tenlose Kurden in Syrien - Illegale Eindringlinge oder Opfer nationalisti-
scher Politik?, 03.2010, ˂ http://docplayer.org/17143640-Kurdwatch-be-
richt-5-staatenlose-kurden-in-syrien-illegale-eindringlinge-oder-opfer-nati-
onalistischer-politik.html >; Danish Refugee Council/Danish Immigration
Service (DIS), Syria: Kurds, Honour-killings and Illegal Departure. Report
from a fact finding mission to Damascus 15-22 January 2007, 05.2007, ˂
https://www.nyidanmark.dk/NR/rdonlyres/0031B53B-2395-4460-A5A6-
887DDDFBE357/0/rapportsyria2007.pdf >, jeweils abgerufen im Septem-
ber 2019).
F-6194/2017
Seite 13
5.2
5.2.1 Was den in den Akten liegenden Auszug aus dem Zivilstandsregister
vom K._ (Beweismittel Nr. 2 unter SEM-Akte B39), der sich auf die
Beschwerdeführenden (Eltern) und ihre Kinder (M._, I._,
J._, D._) bezieht, anbelangt, fällt auf, dass die Familienan-
gehörigen in der für die Staatsangehörigkeit vorgesehenen Aussparung so-
wie in der für das Datum des jeweiligen Registereintrags reservierten
Spalte als Maktumin bezeichnet werden (vgl. handschriftliche deutsche
und italienische Übersetzungen auf der Kopie des Dokuments). In Anbe-
tracht des Umstands, wonach es sich um ein amtliches Formular (ausge-
stellt vom Innenministerium der Syrischen Arabischen Republik) handelt,
ist nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden der Gruppe
der Maktumin angehören. Als solche wären sie in kein staatliches Register
aufgenommen worden. Die blosse Existenz des Registerauszugs steht so-
mit in diametralem Widerspruch zur Behauptung der Beschwerdeführen-
den, sie würden in Syrien als Maktumin gelten. Diesen Widerspruch aufzu-
lösen, ist ihnen nicht gelungen. So beantworteten sie Frage 4) aus dem
Fragenkatalog des SEM lediglich in ausweichender Weise, indem sie an-
gaben, solche Papiere seien nur zur Erfassung durch den Geheimdienst,
in Zusammenarbeit mit dem Bürgerdorf, ausgestellt worden. Sie hätten die
Beschwerdeführenden nicht berechtigt, in öffentlichen Ämtern Anträge zu
stellen (z.B. Geburts- oder Heiratsurkunden usw.). Nach dem Gesagten
können sie aus ihrem Argument, wonach der Aufdruck "Arabische Republik
Syrien / Innenministerium / Direktion für zivile Angelegenheiten" in allen
amtlichen Unterlagen nicht zwingend auf die syrische Staatsangehörigkeit
hindeute, nichts für sich ableiten. Im Übrigen kann auf das den Sohn/Bru-
der der Beschwerdeführenden, I._, betreffende Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts F-4188/2017 vom 13. Februar 2018 verwiesen wer-
den, worin dem vorerwähnten Zivilstandsregisterauszug die Beweiskraft
abgesprochen wurde (vgl. a.a.O., E. 4.2).
5.2.2 Die Beschwerdeführenden vermögen des Weiteren auch aus den
eingereichten Erkennungszeugnissen (Beweismittel Nr. 3 und 4 unter
SEM-Akte B39) nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Mit der Vorinstanz ist
auf den sehr niedrigen Beweiswert solcher Dokumente hinzuweisen. So
fällt insbesondere auf, dass die Beschwerdeführerin B._ im sie be-
treffenden Dokument als "Ausländerin", mithin Ajnabiyya, mit der Register-
nummer (...) erfasst ist (vgl. handschriftliche italienische Übersetzung auf
der Kopie des Dokuments). Auch diesen Widerspruch (in einem der
Gruppe der Maktumin vorbehaltenen Erkennungszeugnis als "Auslände-
rin" mit einer Registernummer erfasst) konnten die Beschwerdeführenden
F-6194/2017
Seite 14
nicht entkräften. Die Antwort auf Frage 6) c. i. aus dem Fragenkatalog des
SEM, wonach der Vater der Beschwerdeführerin im Ausländerregister von
N._ mit der Registernummer (...) erfasst worden sei und sie selber
also keine Registernummer erhalten habe, ist vielmehr als unbehelfliche
Schutzbehauptung zu qualifizieren.
5.2.3 Abgesehen vom bereits Gesagten lässt eine Reihe von Indizien den
Schluss zu, dass die behauptete Zugehörigkeit zu den Maktumin nicht den
Tatsachen entsprechen kann:
So wurde im (...) Führerausweis des Beschwerdeführers (Beweismittel Nr.
5 unter SEM-Akte B39), der im Jahr G._ mit seiner Familie in (...)
gezogen ist, als Nationalität Syrien angegeben (vgl. Übersetzung aus dem
[...] [SEM-Akte B28, S. 4]). Ausserdem wurde in den für die ganze Familie
(...) ausgestellten UNHCR-Flüchtlingsausweisen (Ausstelldaten: 31. Au-
gust 2010 / 30. Oktober 2011, Ablaufdaten: 31. August 2011 / 30. Oktober
2013) unter Nationalität jeweils Syrian Arab Republic erfasst. Dass in den
beiden (...) ausgestellten Dokumenten auf das Herkunftsland Bezug ge-
nommen wurde, wie der Beschwerdeführer zu erklären versucht (vgl. Ant-
worten auf die Fragen 3a. und 5a.iii.), ist nicht überzeugend (vgl. bereits
Urteil F-4188/2017 E. 4.2). Zum einen stammen die Dokumente von unter-
schiedlichen Behörden. Zum anderen darf davon ausgegangen werden,
dass die Beschwerdeführenden, würde es sich bei ihnen um Maktumin
handeln, dies den Behörden gegenüber, allenfalls mit dem Hinweis, sie kä-
men aus Syrien her, kommuniziert hätten.
Im Weiteren fällt auf, dass sich die Beschwerdeführenden auf den im Asyl-
verfahren ausgefüllten Personalienblättern als Staatsangehörige Syriens
bezeichneten (vgl. SEM-Akte B1/3 [B._ und C._], SEM-Akte
B16/2 [A._]). Auch diesbezüglich vermag ihre Erklärung, sie hätten
als Staatsangehörigkeit Syrien angegeben, weil es sich um ihr Ursprungs-
land handle (vgl. Antwort auf Frage 7), nicht zu überzeugen. Es ist auch
hier davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden, handelte es sich
um Maktumin, in der für die Staatsangehörigkeit reservierten Aussparung
einen entsprechenden Vermerk gemacht hätten.
Anlässlich der Befragung zur Person vom 4. Dezember 2012 beantwortete
der Beschwerdeführer die Frage, ob er nicht die syrische Staatsangehörig-
keit beantragen könnte, mit "ja, das stimmt" (vgl. SEM-Akte B20/12,
Ziff. 1.11, S. 3). Dass er nun angibt, er habe eine solche syrische Staats-
angehörigkeit nie erlangen können und dies auch nie gesagt (vgl. Antwort
F-6194/2017
Seite 15
auf Frage 8) a. aus dem Fragenkatalog des SEM), muss als unbehelfliche
Schutzbehauptung gewertet werden.
Die Beschwerdeführerin (B._) ihrerseits erklärte im Rahmen der
Anhörung zu den Asylgründen vom 3. Juli 2014 auf den Vorhalt hin, sie
habe ja heute als Ajnabiyya die Möglichkeit, die syrische Staatsangehörig-
keit zu erlangen, "... und andererseits wollten wir uns nicht einmal einbür-
gern lassen" (vgl. SEM-Akte B31/11, F64 S. 8). Wie die Vorinstanz in ihrer
Vernehmlassung zu Recht ausgeführt hat, deutet diese Aussage – sollten
die Beschwerdeführenden nicht bereits eingebürgert sein – auf einen frei-
willigen Verzicht auf die Erlangung der syrischen Staatsangehörigkeit hin,
was keine Staatenlosigkeit zu begründen vermag.
5.2.4 Auf das von der Vorinstanz erwähnte Urteil vom (...) des Scharia-
Gerichts in F._ (SEM-Akte C7/3) braucht an dieser Stelle nicht nä-
her eingegangen zu werden, da darin nicht – wie die Vorinstanz irrtümli-
cherweise anzunehmen scheint – festgehalten wird, die Beschwerdefüh-
renden (A._ und B._) seien mit einer individuellen Register-
nummer in einem amtlichen Melderegister verzeichnet, sondern, ihr Sohn
I._ werde im Register von O._ unter der Nummer (...) ge-
führt (vgl. Urteil F-4188/2017 E. 4.2).
5.2.5 Sowohl die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung als auch
diejenigen in der Vernehmlassung zeigen zweifelsfrei, dass die Vorinstanz
nicht von der Staatenlosigkeit der Beschwerdeführenden ausgeht. Die in
der Replik vertretene Argumentation, wonach das SEM selbst davon über-
zeugt sei, dass sie staatenlos seien, läuft vor diesem Hintergrund ins
Leere. Nachdem die Prüfung der vorliegenden Akten ergeben hat, dass
nicht von der Staatenlosigkeit der Beschwerdeführenden auszugehen ist,
vermögen sie auch aus dem Hinweis, dass das UNHCR in der Schweiz
und Liechtenstein annehme, etliche unter den in der Schweiz registrierten
Personen mit unbekanntem Herkunftsstaat seien staatenlos, nichts für sich
abzuleiten. Bei dieser Sachlage kann auf die von den Beschwerdeführen-
den gewünschte Kontaktnahme mit der syrischen Vertretung verzichtet
werden und es erübrigt sich, auf weitere Vorbringen näher einzugehen.
5.3 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden weder nachge-
wiesen noch glaubhaft dargelegt, dass sie Maktumin al-Qaid und als sol-
che staatenlos sind. Die angefochtene Verfügung, mit der ihr Gesuch um
Anerkennung der Staatenlosigkeit abgewiesen wurde, ist daher im Lichte
F-6194/2017
Seite 16
von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden und die Beschwerde demzufolge
abzuweisen.
6.
Von Angehörigen der Gruppe der Ajanib kann aufgrund ihres Flüchtlings-
status nicht verlangt werden, von der Möglichkeit zum Erwerb der syri-
schen Staatsangehörigkeit Gebrauch zu machen. Eine Weigerung wäre
wegen der ihr zugrunde liegenden Motivation ohne Weiteres als triftiger
Grund im Sinne der bundesgerichtlichen Praxis anzusehen. Die Beschwer-
deführenden würden demnach – falls sie Ajanib wären – als staatenlos gel-
ten (vgl. BVGE 2014/5 E. 11.3 und E. 11.6) und es stünde ihnen offen, mit
einem neuen Gesuch um Anerkennung ihrer Staatenlosigkeit an die Vor-
instanz zu gelangen. Aufgrund der bisherigen Akten ist jedoch weder belegt
noch glaubhaft gemacht, dass es sich bei den Beschwerdeführenden um
Ajanib handelt.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 18. November
2017 einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskos-
ten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
F-6194/2017
Seite 17