Decision ID: a17a1fcc-0ef8-5c33-8610-63af31b9d742
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1984 geborene A_ war seit 4. Februar 2013 bei der Sägerei & Holzbau
B_ AG als Zimmermann angestellt und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen versichert. Am 16. August 2013 erlitt A_ einen Unfall in der Werkstatt
seines Arbeitgebers. Gemäss den Angaben rutschte ihm ein Balken aus der Hand und fiel
auf seine rechte Schulter. Ab 28. August 2013 setzte er die Arbeit zufolge Unfalls aus (act.
11/1 und act. 11/2).
B. Die SUVA übernahm mit Schreiben vom 4. September 2013 die Versicherungsleistungen
für die Folgen des Berufsunfalls von A_ (act. 11/3 und act. 11/4). Per 16. Oktober 2013
löste A_ sein Arbeitsverhältnis auf (act. 11/14). Am 5. November 2013 fand eine
kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med. C_, Facharzt FMH Chirurgie, SUVA Chur,
statt (act. 11/42). Eine weitere kreisärztliche Untersuchung fand am 10. März 2014 durch
Dr. med. D_, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, SUVA St. Gallen, statt (act. 11/87). In der Taxationsbestätigung der
Seite 3
SUVA vom 10. März 2014 wurde die Arbeitsfähigkeit auf 50% ab 17. März 2014 und auf
100% ab 1. April 2014 festgelegt (act. 11/88). A_ erhob hiergegen umgehend Einwände
(act. 11/88, act. 11/91 – 93 und act. 11/97). Am 24. Februar 2015 reichte die
Arbeitslosenkasse bei der SUVA eine Rückfallmeldung ein (act. 11/102). Mit Verfügung
vom 26. Mai 2015 verneinte die SUVA einen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall
vom 16. August 2013 und den gemeldeten Schulterbeschwerden rechts und wies ihre
Leistungspflicht ab (act. 11/120). Dagegen reichte A_ am 23. Juni 2015 Einsprache ein
(act. 11/123). Nach weiteren ärztlichen Abklärungen nahm die SUVA mit Schreiben vom
30. August 2016 ihre Verfügung vom 26. Mai 2015 zurück und anerkannte ihre
Leistungspflicht (act. 11/189). In der Folge fanden weitere ärztliche Abklärungen statt.
C. Mit Verfügung vom 16. Juni 2017 sprach die SUVA A_ für die Arbeitsunfähigkeit ab dem
29. Mai 2017 einen Taggeldansatz von Fr. 27.70 pro Kalendertag zu (act. 11/249).
Dagegen erhob A_ am 3. Juli 2017 Einsprache (act. 11/254).
D. Mit Einspracheentscheid vom 14. Juli 2017 wies die SUVA die Einsprache ab (act. 11/261).
E. Am 14. September 2017 erhob A_ beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden
Beschwerde mit dem eingangs wiedergegebenen Antrag (act. 1). In der Vernehmlassung
vom 11. Dezember 2017 beantragte die SUVA die Abweisung der Beschwerde (act. 10).
Am 17. Januar 2018 ging die Replik von A_ ein (act. 14). Die Duplik der SUVA datiert
vom 6. Februar 2018 (act. 16).
F. Auf die Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften sowie die Ausführungen in den
medizinischen Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
1. 1.1
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales
Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die
örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
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Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. März
1981 über die Unfallversicherung [UVG, SR 832.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002
über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.2
Der Beschwerdeführer änderte beziehungsweise präzisierte – auf Nachfrage hin – sein
Rechtsbegehren im Verlauf des Verfahrens (act. 1, act. 14 und act. 19). Da im
sozialversicherungsrechtlichen Gerichtsverfahren keine Bindung an die Parteibegehren
besteht, kann sich die Frage der Zulässigkeit der Änderung eines Rechtsbegehrens nur
stellen, wenn der Streitgegenstand erweitert oder über den Anfechtungsgegenstand hinaus
etwas verlangt werden würde (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 146 zu
Art. 61 ATSG). Beides ist vorliegend nicht der Fall, weshalb die vorgebrachten Änderungen
zulässig sind.
2. 2.1
Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG sind Gegenstand der Unfallversicherung
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten. Ist
die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG),
so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG).
Der Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der
Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod
des Versicherten (Art. 16 Abs. 2 UVG). Das Taggeld beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit
(Art. 6 ATSG) 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit
wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs. 1 UVG).
Taggelder werden nach dem versicherten Verdienst bemessen. Als versicherter Verdienst
gilt für die Bemessung der Taggelder der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn (Art. 15
Abs. 1 und Abs. 2 UVG). Nach Art. 22 Abs. 3 der Verordnung vom 20. Dezember 1982
über die Unfallversicherung (UVV, SR 832.202) gilt als Grundlage für die Bemessung der
Taggelder der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn, einschliesslich noch nicht ausbezahlter
Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht. Die Taggeldberechnung für den
Rückfall (Art. 11 UVV) ist als Sonderfall in Art. 23. Abs. 8 UVV geregelt, wonach für die
Bemessung der unmittelbar davor bezogene Lohn, mindestens aber ein Tagesverdienst
von 10 Prozent des Höchstbetrages des versicherten Tagesverdienstes massgebend ist.
Seite 5
2.2
Unabdingbare Voraussetzung für die Leistungspflicht eines Unfallversicherers bildet das
Vorliegen eines natürlichen und – kumulativ – adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen
dem Unfallereignis und der gesundheitlichen Störung (BGE 129 V 177 E. 3 mit Hinweisen).
Dies gilt für alle in Betracht fallenden Ansprüche, namentlich auch für das Taggeld (Art. 16
Abs. 1 UVG). Fehlt es an einem rechtserheblichen Kausalzusammenhang, trifft den
Unfallversicherer für diese Ansprüche keine Leistungspflicht (Urteil des Bundesgerichts
8C_806/2011 vom 30. März 2012 E. 2.1). Rückfälle – bei solchen handelt es sich um das
Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher
Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt – schliessen
sich begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend
gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen
Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht
(BGE 118 V 293 E. 2 c mit Hinweisen; vgl. ebenso anstelle vieler: Urteil des
Bundesgerichts 8C_61/2016 vom 19. Dezember 2016 E. 3.2).
2.3
Die SUVA stellt sich auf den Standpunkt, sie habe im April 2014 aufgrund der Umstände
davon ausgehen dürfen, dass keine Behandlungsbedürftigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit
mehr bestehe. Nach den Akten habe bis zum April 2015 keine weitere ärztliche Behandlung
mehr stattgefunden und es sei auch keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Die
Beschwerden, die am 20. April 2015 zur Konsultation beim Hausarzt geführt hätten, seien
deshalb als Rückfall geprüft worden (act. 10/4). Auch der Beschwerdeführer geht
hinsichtlich seiner Beschwerden von einem Rückfall aus (act. 1 und act. 14).
Somit gehen beide Parteien von einem Rückfall aus und meinen damit, dass der
Beschwerdeführer an einer gesundheitlichen Beeinträchtigung leidet, die auf den Unfall
vom August 2013 zurückzuführen ist. Dem ist grundsätzlich zuzustimmen, jedoch ist zu
prüfen, ob der Leistungsanspruch tatsächlich unter dem Aspekt eines Rückfalls zu
beurteilen ist und nicht unter jenem eines Grundfalles. In diesem Zusammenhang ist auch
zu prüfen, ob die SUVA den Fall im März 2014 mit einem einfachen Schreiben
abschliessen durfte (act. 11/88).
2.3.1
Der Fallabschluss hat in Form einer Verfügung zu erfolgen, wenn und solange die (weitere)
Erbringung erheblicher Leistungen zur Diskussion steht. Erlässt der Versicherer
stattdessen nur ein einfaches Schreiben, erlangt dieses in der Regel jedenfalls dann
Seite 6
rechtliche Verbindlichkeit, wenn die versicherte Person nicht innerhalb eines Jahres
Einwände erhebt. Standen zu einem bestimmten Zeitpunkt indessen keine Leistungen
mehr zur Diskussion, kann ein Rückfall auch vorliegen, ohne dass der versicherten Person
mitgeteilt wurde, der Versicherer schliesse den Fall ab und stelle seine Leistungen ein. In
dieser Konstellation ist entscheidend, ob zum damaligen Zeitpunkt davon ausgegangen
werden konnte, es werde keine Behandlungsbedürftigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit mehr
auftreten. Dies ist im Rahmen einer ex-ante-Betrachtung unter Berücksichtigung der
konkreten Umstände zu beurteilen. Dabei kommt der Art der Verletzung und dem
bisherigen Verlauf eine entscheidende Rolle zu: Lag ein vergleichsweise harmloser Unfall
mit günstigem Heilungsverlauf vor, welcher nur während relativ kurzer Zeit einen Anspruch
auf Leistungen begründete, wird tendenziell eher von einem stillschweigend erfolgten
Abschluss auszugehen sein als nach einem kompliziert verlaufenen Heilungsprozess.
Andererseits ist der Leistungsanspruch unter dem Aspekt des Grundfalls und nicht unter
demjenigen eines Rückfalls zu prüfen, wenn die versicherte Person während der
leistungsfreien Zeit weiterhin an den nach dem Unfall aufgetretenen Beschwerden gelitten
hat bzw. wenn Brückensymptome gegeben sind, die das Geschehen über das betreffende
Intervall hinweg als Einheit kennzeichnen (Urteil des Bundesgerichts 8C_102/2008 vom
26. September 2008 E. 4.1 mit Hinweisen).
Da die Versicherungsträgerin nie eine Verfügung erlassen hat, in der sie den Grundfall
abgeschlossen und die Leistungen formell eingestellt hat, obliegt ihr die Beweislast für den
Nachweis, dass bei der versicherten Person vor dem Zeitpunkt, ab welchem die
Versicherungsträgerin von einer Rückfallsituation ausgeht, mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit hinsichtlich der Unfallfolgen der Status quo sine oder der Status quo
ante eingetreten war. Dabei ist der Status quo sine oder quo ante nicht im Hinblick auf
einzelne spezifische Leistungen (Taggelder, Heilbehandlung) nachzuweisen, sondern
entscheidend ist, ob beim Versicherten generell in gesundheitlicher Hinsicht die
Unfallfolgen abgeklungen waren und in gesundheitlicher Hinsicht vom Zustand, wie er vor
dem Unfall bestanden hatte (quo ante) oder wie er auch ohne Unfall gewesen wäre (quo
sine) ausgegangen werden konnte (Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons
Zürich UV.2004.00258 vom 27. Juni 2005 E. 4.1 mit Hinweis).
2.3.2
Demnach ist zu fragen, ob beim Beschwerdeführer nach dem Unfall ein gesundheitlicher
Zustand bestanden hat, wie er vor dem Unfall geherrscht hat oder wie er auch ohne Unfall
eingetreten wäre. Medizinisch ist folgendes aktenkundig:
2.3.2.1
Der Unfall geschah am 16. August 2013 (act. 11/1 und act. 11/2).
Seite 7
2.3.2.2
Der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. Dr. med. E_, Facharzt Chirurgie,
Schönengrund, ordnete am 13. Februar 2014 eine 9er-Serie Physiotherapie an (act. 11/80).
Zudem attestierte er dem Beschwerdeführer am 5. März 2014 eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit (act. 11/79 und act. 11/83).
In der kreisärztlichen Untersuchung vom 10. März 2014 hielt Dr. med. D_ fest, dass der
Beschwerdeführer weiterhin über Beschwerden klage. Er stellte die Diagnose eines
Residualzustands mit Belastungsschmerzen und geringer Bewegungseinschränkung. Die
noch geltend gemachten Beschwerden seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf
das Unfallereignis vom 16. August 2013 zurückzuführen. Ab dem 1. April 2014 könne mit
einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden (act. 11/87).
In der Besprechung mit der SUVA gab der Beschwerdeführer am 10. März 2014 an, er
befinde sich auf dem Weg der Besserung. Er gehe regelmässig in die Physiotherapie und
habe am 15. März 2014 die nächste Konsultation beim Hausarzt (act. 11/85).
Nach Erhalt der Taxationsbestätigung vom 10. März 2014, in welcher dem
Beschwerdeführer ab 1. April 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 100% attestiert wurde, wandte
sich der Beschwerdeführer am Folgetag an die Direktion der SUVA und wies auf seine
weiterhin bestehenden Beschwerden hin (act. 11/86). Mit Antwortschreiben vom 18. März
2014 bestätigte die Direktion der SUVA die Richtigkeit der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit (act. 11/89).
Am 21. März 2014 wies der Beschwerdeführer die SUVA darauf hin, dass sein Hausarzt
einen MRI Untersuchungstermin vereinbart habe, da sich die Beschwerden in der rechten
Schulter trotz Physiotherapie verstärkt hätten (act. 11/91). Mit Schreiben vom 25. März
2014 machte der Beschwerdeführer gegenüber der SUVA geltend, er müsse mehrmals
täglich Schmerzmittel zu sich nehmen (act. 11/92). Am 2. April 2014 wies der
Beschwerdeführer die SUVA darauf hin, dass er von seinem Hausarzt bis 31. März 2014 zu
100% arbeitsunfähig geschrieben worden sei und demzufolge eine Auszahlung des
restlichen Taggeldes erwarte (act. 11/93).
Mit Schreiben vom 14. April 2014 hielt die Geschäftsleitung der SUVA an ihrer Beurteilung
fest (act. 11/96).
Am 27. August 2014 teilte der Beschwerdeführer der SUVA mit, dass die
Schulterbeschwerden noch immer beständen. Weiter verlangte er einen Unfallschein
Seite 8
beziehungsweise Apothekerschein, um beim Hausarzt vorstellig zu werden über das
weitere Vorgehen (act. 11/97).
Am 1. September 2014 antwortete die SUVA dem Beschwerdeführer dahingehend, dass
sie für die Eröffnung des Falles als Rückfall die Rückfallmeldung benötigen (act. 11/99).
2.3.2.3
Mit E-Mail vom 18. Februar 2015 wandte sich der Beschwerdeführer mit der Frage, welche
Schritte für eine Rückfallmeldung notwendig seien, an die SUVA (act. 11/100). Die Antwort
der SUVA erging gleichentags ebenfalls mittels E-Mail (act. 11/100).
Am 24. Februar 2015 meldete sich eine Angestellte der Arbeitslosenkasse Appenzell
Ausserrhoden bei der SUVA und teilte mit, der Beschwerdeführer habe sie beauftragt, eine
Rückfallmeldung zu machen. Als Rückfalldatum habe er den 14. Februar 2015 angegeben
(act. 11/101). Die schriftliche Schadenmeldung UVG für arbeitslose Personen datiert
ebenfalls vom 24. Februar 2015 (act. 11/101).
Am 20. April 2015 konsultierte der Beschwerdeführer seinen Hausarzt (act. 11/116). Ein
Arztzeugnis UVG für Rückfall ging am 21. April 2015 bei der SUVA ein. Darin wurde vom
Hausarzt eine Arbeitsaufnahme von 100% ab 1. April 2014 attestiert (act. 11/112). Mit
ärztlichem Zwischenbericht vom 13. Mai 2015 wurde keine gegenwärtige ärztliche
Behandlung angegeben (act. 11/117).
Mit Schreiben vom 5. Mai 2015 machte der Beschwerdeführer geltend, die Beschwerden
an seiner rechten Schulter beständen noch immer (act. 11/115). In der Einsprache vom
23. Juni 2015 gegen die Verfügung der SUVA vom 26. Mai 2015 führte der
Beschwerdeführer aus, es habe nie eine Schmerzfreiheit erreicht werden können
(act. 11/123).
Im Bericht von Dr. med. F_, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, Spital Herisau, vom 6. August 2015 diagnostizierte er ein
persistierend schmerzhaftes AC-Gelenk rechts bei Status nach vermuteter Tossy 1
Affektion August 2013 (act. 11/129). Am 12. August 2015 fand eine AC-Gelenksinfiltration
rechts statt (act. 11/147).
Die Kreisärztin med. pract. G_, Fachärztin Chirurgie, SUVA St. Gallen, erachtete in ihrer
Stellungnahme vom 25. September 2015 aufgrund der neuen fachärztlichen Erkenntnisse
eine Teilkausalität der beklagten Beschwerden als überwiegend wahrscheinlich. Eine
Arbeitsunfähigkeit erscheine als nicht ausgewiesen (act. 11/134). Mit Schreiben vom
Seite 9
gleichen Tag gab die SUVA dem Beschwerdeführer bekannt, dass sie die Kosten der
Heilbehandlung der Schulterbeschwerden übernehme (act. 11/135).
Die Untersuchung durch Dr. med. F_ am 20. Oktober 2015 ergab, dass eine
Kernspintomographie durchzuführen sei. Eine schlüssige Aussage über die
Arbeitsunfähigkeit könne erst nach Erhalt der MRT-Diagnostik gemacht werden
(act. 11/147).
Die kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med. H_, Facharzt Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates, SUVA St. Gallen, vom 27. Oktober 2015
ergab, dass der Beschwerdeführer für leichte bis mittelschwere Arbeiten mit Heben von
Lasten bis 15kg auf Hüfthöhe und gelegentliches Arbeiten mit Lasten bis 10kg in der
Horizontalen einsetzbar sei. Über-Kopf-Arbeiten seien zumindest beim heutigen Stand der
Diagnostik nicht zuzumuten. Unter Einhaltung der angepassten Arbeitstätigkeit könne der
Beschwerdeführer vollschichtig arbeiten (act. 11/151).
2.3.2.4
Am 26. Februar 2016 fand die MR-Arthrographie der rechten Schulter statt (act. 11/162 und
act. 11/163).
Im Bericht vom 6. Juli 2016 von Prof. Dr. med. J_, Facharzt Chirurgie und Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Orthopädie am Park, St. Gallen,
über die Konsultation vom 1. Juni 2016 wurde ein Verdacht auf posttraumatische AC-
Arthrose diagnostiziert. Er halte den 2013 erlittenen Unfall für überwiegend wahrscheinlich
als kausale Ursache der jetzt eingetretenen Symptomatik (act. 11/186).
Mit Schreiben vom 30. August 2016 kam die SUVA auf ihre Verfügung vom 26. Mai 2015
zurück und anerkannte ihre Leistungspflicht (act. 11/189). Anlässlich eines Erstgesprächs
mit dem Case Manager der SUVA vom 20. September 2016 wurde dem Beschwerdeführer
erklärt, dass keine Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
ausgewiesen sei (act. 11/200).
Prof. Dr. med. J_ äusserte sich in einem Telefongespräch mit der SUVA vom 21.
September 2016 dahingehend, dass der Beschwerdeführer für die beiden gelernten Berufe
Säger und Zimmermann arbeitsunfähig sei. Für andere Tätigkeiten auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt sei er hingegen zu 100% arbeitsfähig (act. 11/201 und act. 11/2014).
Seite 10
Dr. med. K_, Facharzt Neurologie, Kantonsspital St. Gallen, befand im
Untersuchungsbericht vom 27. Oktober 2016, dass keine Hinweise auf neurologische
Schädigungen beständen (act. 11/205).
Die SUVA wies den Beschwerdeführer anlässlich eines Telefongesprächs vom
4. November 2016 darauf hin, dass eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten ausgewiesen sei (act. 11/206). Mit Schreiben vom 28. Dezember 2016
informierte die SUVA den Beschwerdeführer erneut darüber, dass aufgrund der Aktenlage
weiterhin keine Arbeitsunfähigkeit für angepasste Tätigkeiten auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt ausgewiesen sei und insbesondere auch keine entsprechende ärztliche
Bescheinigung für die zurückliegende Zeit vorliege (act. 11/218).
2.3.2.5
Im Bericht vom 1. März 2017 von Dr. med. L_, Facharzt Neurologie, Spital Thurgau,
Münsterlingen, wurde festgehalten, dass keine Hinweise auf eine Läsion der Nerven
beständen (act. 11/233).
Am 29. Mai 2017 trat der Beschwerdeführer ins Kantonsspital Münsterlingen ein
(act. 11/237). Am Folgetag wurde er operiert (act. 11/238).
2.3.3
Wie bereits erwähnt, hat die SUVA den Fall im März 2014 abgeschlossen, aber nicht mit
einer Verfügung, sondern einer Taxationsbestätigung (act. 11/88). Gegen diese
beziehungsweise die zugrundeliegende kreisärztliche Untersuchung vom 10. März 2014
brachte der Beschwerdeführer umgehend Einwände vor (act. 11/88 und act. 11/92). So
klagte er – unter anderem im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung – über weiterhin
bestehende Beschwerden (act. 11/87). Insofern hätte die SUVA, da die (weitere)
Erbringung von Leistungen zur Diskussion stand, den Fall formell in Form einer Verfügung
abschliessen müssen (Urteil des Bundesgerichts 8C_102/2008 vom 26. September 2008 E.
4.1 mit Hinweisen).
Damit obliegt der SUVA, die in Bezug auf die Beschwerden, welche im April 2015 zu einer
Konsultation des Hausarztes führten, von einem Rückfall ausgeht, die Beweislast, dass
beim Beschwerdeführer vor dem Februar 2015 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
hinsichtlich der Unfallfolgen der Status quo sine oder der Status quo ante eingetreten war
(Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich UV.2004.00258 vom 27. Juni
2005 E. 4.1 mit Hinweis). Diesen Nachweis kann sie jedoch nicht erbringen.
Seite 11
Gestützt auf die vorliegenden Akten ist festzuhalten, dass zwischen Ende August 2014 und
Ende Februar 2015 eine Phase von rund 6 Monaten besteht, zu welcher keine
Informationen über allfällige beim Beschwerdeführer vorhandenen Beschwerden vorliegen
(act. 11/97 und act. 11/101). Der Beschwerdeführer befand sich in dieser Phase nicht in
Behandlung beim Hausarzt (act. 11/90, act. 11/106, act. 11/111, act. 11/116 und act.
11/117). Gemäss den Akten befand sich der Beschwerdeführer sogar während fast eines
Jahres nicht in ärztlicher Behandlung (act. 11/90, act. 11/92 und act. 11/116). Am 5. Mai
2015 schrieb der Beschwerdeführer der SUVA – nachdem er letztmals am 27. August 2014
gegenüber der SUVA das Bestehen der Beschwerden erwähnte – seine Beschwerden an
der rechten Schulter beständen noch immer (act. 11/115, vgl. auch act. 11/123).
Gegenüber den später untersuchenden Ärzten gab der Beschwerdeführer an, nie
beschwerdefrei gewesen zu sein (vgl. act. 11/186).
Nach dem Gesagten führte der Unfall vom 13. August 2013, bei welchem dem
Beschwerdeführer ein Balken auf die rechte Schulter gefallen war, zu Beschwerden im
Bereich der Schulter. Im Februar 2014 wurde wegen anhaltender Beschwerden eine
Kernspintomographie durchgeführt, welche den Verdacht auf einen Status nach Tossy I
Läsion ergab (act. 11/42 und act. 11/78). Danach erfolgte gemäss dem Bericht von Prof.
Dr. med. J_ zunächst eine Zurückbildung der Bewegungseinschränkung der Schulter,
daraufhin aber wieder eine Zunahme der Beschwerden, welche zur Rückfallmeldung im
Februar 2015 führte (act. 11/186). Unter diesen Umständen ist sehr wahrscheinlich, dass
der Beschwerdeführer durchgehend – auch wenn er zeitweilig nicht in ärztlicher
Behandlung war – an Schulterbeschwerden litt. Zwar lag ursprünglich ein vergleichsweise
simpler Unfall vor, der Heilungsverlauf entwickelte sich dann aber nicht zufriedenstellend,
so dass rund ein halbes Jahr nach dem Unfall doch eine eingehendere Untersuchung,
nämlich eine Kernspintomographie, erforderlich wurde (vgl. act. 11/42). Im Monat darauf
klagte der Beschwerdeführer im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung über weiterhin
anhaltende Beschwerden, ebenso – mithin rund ein Jahr nach dem Unfall –im Schreiben
vom 27. August 2014 (act 11/87 und act. 11/97). Somit ist auch im Zeitraum ab Ende
August 2014 bis zur Rückfallmeldung im Februar 2015 – und damit während lediglich rund
6 Monaten – nicht mit hinreichender Zuverlässigkeit anzunehmen, die Unfallfolgen seien
geheilt, wie es die Definition des Rückfalls (vgl. E. 2.2) verlangt (Urteil des Bundesgerichts
8C_102/2008 vom 26. September 2008 E. 4.1). Demnach ist entgegen der Ansicht der
Parteien der Leistungsanspruch unter dem Aspekt des Grundfalls zu prüfen.
2.4
Der Anspruch des Beschwerdeführers auf Taggeld ist an und für sich unbestritten, jedoch
nicht deren Beginn und Höhe.
Seite 12
2.4.1
Der Beschwerdeführer macht einen Taggeldanspruch ab 24. Februar 2015 geltend. Es sei
gesetzlich nicht festgehalten, wann nach einer Rückfallmeldung ein entsprechender
Arztbesuch zu erfolgen habe. Er habe seinen Hausarzt erst am 20. April 2015 konsultiert,
weil die SUVA nicht klar kommuniziert habe, ob sie die ärztliche Untersuchung übernehme
(act. 1). Der Taggeldansatz sei auf Grundlage des unmittelbar zuvor bezogenen
Arbeitslosentaggeldes zu berechnen (act. 14). Die SUVA wendet ein, dass am 20. April
2015 zwar eine Konsultation beim Hausarzt stattgefunden habe, jedoch dem Bericht vom
13. Mai 2015 entnommen werden könne, dass keine Behandlung aufgenommen worden
sei. Vor der Konsultation am 20. April 2015 sei keine Behandlungsbedürftigkeit
anzunehmen (act. 10/4). Aufgrund der Akten sei der Beginn der ärztlichen Behandlung
beziehungsweise die Behandlungsbedürftigkeit frühestens per 20. April 2015 anzunehmen.
Doch habe aktenkundig erst ab dem 29. Mai 2017 eine medizinisch attestierte
Arbeitsunfähigkeit bestanden (act. 10/5). Für die Höhe des Anspruchs sei nach dem
Bundesgericht die Situation unmittelbar vor der Arbeitsunfähigkeit massgebend (act. 10/5).
2.4.2
Nach Art. 16 UVG besteht ein Anspruch auf Taggeld bei voller oder teilweiser
Arbeitsunfähigkeit. Eine solche war bis 31. März 2014 ausgewiesen (act. 11/86, act. 11/90
und act. 11/93). Später wird eine medizinisch attestierte Arbeitsunfähigkeit erst wieder ab
29. Mai 2017 – mithin dem Datum des Eintritts des Beschwerdeführers in das Spital
Thurgau, Münsterlingen – ausgewiesen (act. 11/237, act. 11/238 und act. 11/242). Der
Beginn des Taggeldanspruchs ist somit der 29. Mai 2017, da ab diesem Tag wiederum eine
volle Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers vorlag.
2.4.3
Da der Grundfall – und nicht ein Rückfall – vorliegt, ist weiterhin ein Taggeld von Fr. 126.20
geschuldet (act. 11/99).
2.5
Zusammenfassend ist somit dem Beschwerdeführer ab dem 29. Mai 2017 ein Taggeld in
Höhe von Fr. 126.20 pro Kalendertag auszurichten. Damit ist die Beschwerde teilweise
gutzuheissen.
3. 3.1
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 UVG).
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3.2
Gemäss Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde
führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen.
Über diese Regelung hinaus ist die Bemessung der Parteientschädigung eine
Angelegenheit des kantonalen Rechts, wobei bei kantonal festgesetzten Kriterien beachtet
werden muss, dass sie nicht den bundesrechtlich massgebenden Bemessungselementen
zuwiderlaufen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_307/2014 vom 15. Juli 2014 E. 3.1 mit
Hinweisen; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 212 zu Art. 61 ATSG).
Der Beschwerdeführer hat mit seinen Anträgen teilweise obsiegt, macht jedoch keine
konkreten Kosten geltend, die ihm zu entschädigen wären. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung werden sonstige Kosten der nicht vertretenen Partei nur ausnahmsweise
übernommen, wenn es sich um eine komplizierte Sache mit einem hohen Streitwert
handelt, wobei der – in einem vernünftigen Rahmen betriebene – Aufwand denjenigen
Rahmen überschreitet, der von der Partei auf sich zu nehmen ist (UELI KIESER, a.a.O., N.
198 zu Art. 61 ATSG). Dies trifft vorliegend ebenfalls nicht zu, weshalb dem
Beschwerdeführer keine Entschädigung zuzusprechen ist.
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