Decision ID: 1de3337a-0144-525b-8ad6-825448e77620
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Gemeinde Spiez erteilte dem Beschwerdeführer mit Entscheid vom 9. April 2015
den Bauabschlag für dessen Bauvorhaben, den "Teilabbruch des Gebäudes und
Wiederaufbau von einem 3-Familienhaus sowie Erstellen von vier Autoabstellplätzen" auf
den Parzellen Grundbuch Spiez, Gbbl. Nrn. Y._ und Z._ (X._ 17
und 19).
2. Gegen diesen Entscheid hat der Beschwerdeführer am 8. Mai 2015 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) eingereicht. Er
beantragt, der Bauabschlag vom 9. April 2015 sei aufzuheben und das
Baubewilligungsverfahren sei von der BVE weiterzuführen. Die Gemeinde Spiez sei
aufzufordern, die bei dieser eingereichten Projektänderung mit zwei Varianten zu prüfen
2
und Bericht zu erstatten. Sobald die Kubatur als bewilligungsfähig erachtet werde, sei die
generelle Baubewilligung inkl. Erschliessung durch die Beschwerdeinstanz zu erteilen. Im
Rahmen seiner Begründung beantragt der Beschwerdeführer zudem ein Gespräch mit
einer baurechtlich versierten Fachperson der Beschwerdeinstanz zur Abklärung der
Chancen und Risiken. Anschliessend sei allenfalls Projektänderung 3 zu prüfen. Die
Varianten seien von der Beschwerdeinstanz zur Beurteilung an die Gemeinde und an eine
geeignete Fachstelle für Ästhetik zur Stellungnahme zuzustellen.
3. Das Rechtsamt, welches das Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, teilte den
Verfahrensbeteiligten mit Verfügung vom 12. Mai 2015 mit, dass auf einen
Schriftenwechsel vorläufig verzichtet werde. Aufgrund einer ersten summarischen
Beurteilung erscheine es, dass der nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführer mit teils
unklaren, teils unzulässigen Anträgen an die BVE gelange. Die Bewilligung einer
Projektänderung im Beschwerdeverfahren vor der BVE werde nicht beantragt. Es sei
unklar, ob der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein neues (generelles)
Baugesuchsverfahren eingeleitet habe; diesfalls bestünde wohl kein aktuelles
Rechtsschutzinteresse im Beschwerdeverfahren und dieses müsste als gegenstandslos
abgeschrieben werden. Die BVE könne im Beschwerdeverfahren auf ein Gesuch, das in
Varianten unterbreitet werde, nicht eintreten. Nachdem sich die Vor-instanz bereits mit dem
Detailprojekt befasst habe, fehle es zudem wohl an einem aktuellen schützenswerten
Interesse des Beschwerdeführers an einer generellen Baubewilligung. Die BVE könne aus
rechtlichen Gründen auch keine fachliche Beratung anbieten.
Der Beschwerdeführer erhielt daher Gelegenheit zu erklären, ob und inwiefern er an der
Beschwerde festhalte. Dabei wurde ausdrücklich festgehalten, dass infolge Ablaufs der
Rechtsmittelfrist keine neuen Anträge gestellt werden können.
4. Mit Datum vom 15. Mai 2015 reichte der Beschwerdeführer bei der BVE die Kopie
eines Schreibens an die Bauverwaltung der Gemeinde Spiez ein. Mit diesem unterbreitete
er der Gemeinde Spiez weitere Unterlagen (Grundriss sowie 4 Fassadenprojektionen) zur
Prüfung "im Hinblick auf eine generelle Baubewilligung".
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
3
5. Mit Schreiben vom 30. Mai 2015 teilt der Beschwerdeführer mit, er habe bei der
Gemeinde drei Projektänderungen zur Beurteilung eingereicht. Aus den Beilagen ist
ersichtlich, dass die Gemeinde diese im Voranfrageverfahren geprüft hat. Der
Beschwerdeführer erklärt weiter, die Beschwerdeinstanz solle das ordentliche
Baubewilligungsverfahren weiterführen. Er beantrage, die 9 Mal revidierten
Baueingabepläne vom 9. Februar 2015 einer Fachstelle für Ästhetik zur Stellungnahme zu
unterbreiten und den Bericht den Beteiligten zu eröffnen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2
BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Baugesuch mit dem angefochtenen Entscheid
abgewiesen wurde, ist durch diesen beschwert und damit zur Beschwerdeführung formell
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher grundsätzlich
einzutreten. Allerdings muss im Entscheidzeitpunkt ein aktuelles Rechtsschutzinteresse
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0).
4
(noch) bestehen, so dass ein Erfolg der Beschwerde dem Beschwerdeführer einen
praktischen Nutzen brächte.4 Inwiefern dies zutrifft, wird nachfolgend im Einzelnen geprüft.
2. Projektänderungen
a) Der Beschwerdeführer ersucht im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht um die
Bewilligung einer Projektänderung. Vielmehr teilt er mit, dass er Projektänderungen in
mehreren Varianten bei der Gemeinde zur Prüfung im Voranfrageverfahren unterbreitet
hat. Die Frage der Zulässigkeit einer Projektänderung im vorliegenden
Beschwerdeverfahren stellt sich demnach nicht. Ohnehin könnte auf ein
Projektänderungsgesuch, das in Varianten unterbreitet wird, im Beschwerdeverfahren nicht
eingetreten werden.
b) Soweit ersichtlich, hat der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz noch kein neues
Baugesuch für ein abgeändertes Projekt gestellt, sondern erst im Voranfrageverfahren
mehrere Varianten zur Beurteilung unterbreitet. Die Gemeinde Spiez hat sich zu diesen mit
Schreiben vom 20. Mai 2015 geäussert.5 Es erscheint fraglich, ob der Beschwerdeführer
am vorliegenden Beschwerdeverfahren überhaupt noch ein aktuelles
Rechtsschutzinteresse hat, da er offensichtlich nicht beabsichtigt, das im angefochtenen
Entscheid beurteilte Projekt auszuführen. Vielmehr scheint es seine Absicht zu sein, der
Vorinstanz die Bewilligung eines geänderten Projekts zu beantragen, zu dem er bereits
detaillierte Pläne ausgearbeitet hat. Ob das vorliegende Beschwerdeverfahren damit als
gegenstandslos zu betrachten ist, kann offen bleiben. Wie zu zeigen sein wird, kann auf die
Beschwerde aus anderen Gründen nicht eingetreten werden.
3. Generelle Baubewilligung
a) Der Beschwerdeführer beantragt in seiner Beschwerde, es "sei die generelle
Baubewilligung inkl. Erschliessung durch die Beschwerdeinstanz zu erteilen". Nachdem
das Rechtsamt mit Verfügung vom 12. Mai 2015 darauf aufmerksam gemacht hatte, dass
darauf wohl mangels aktuellem schützenswertem Interesse nicht eingetreten werden
4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 4a mit Hinweisen auf die Rechtsprechung. 5 Beilage zur Stellungnahme vom 30. Mai 2015.
5
könne, beantragt er in seiner Stellungnahme vom 30. Mai 2015 nunmehr, die
Beschwerdeinstanz solle "das ordentliche Baubewilligungsverfahren weiterführen". Damit
hat er sein Rechtsbegehren nachträglich abgeändert. Die Rechtsmittelfrist gemäss Art. 40
Abs. 1 BauG war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits abgelaufen. Die Stellung neuer
Anträge war daher gemäss Art. 33 Abs. 3 VRPG6 nicht mehr möglich, worauf der
Beschwerdeführer bereits mit der Verfügung vom 12. Mai 2015 ausdrücklich hingewiesen
worden war. Massgebend sind demnach die Rechtsbegehren, die der Beschwerdeführer in
seiner Beschwerde vom 8. Mai 2015 gestellt hat.
b) Im angefochtenen Entscheid ist über ein ordentliches Baugesuch befunden worden.
Der Beschwerdeführer beantragt die Erteilung einer generellen Baubewilligung im
Beschwerdeverfahren.
Nach Art. 32d Abs. 1 BauG besteht bei grösseren Bauvorhaben oder bei unklarer
Rechtslage die Möglichkeit der generellen Baubewilligung. Mit dieser können einzelne
baurechtliche Fragen im Zusammenhang mit einem konkreten Projekt verbindlich geklärt
werden, bevor die gesamte Detailplanung unterbreitet und geprüft wird. Die generelle
Baubewilligung dient demnach der Prozessökonomie. Das generelle Baugesuchsverfahren
steht daher (nur) dann zur Verfügung, wenn zumindest die Möglichkeit besteht, dass mit
der Aufteilung der sich stellenden Fragen unnötiger Aufwand verhindert werden kann.
Wenn erst im Beschwerdeverfahren in das Verfahren der generellen Baubewilligung
gewechselt wird und sich die Baubewilligungsbehörde bereits mit dem Detailprojekt und mit
allen sich stellenden rechtlichen und tatsächlichen Fragen befasst hat, kann mit dem
generellen Baugesuch kein unnützer Aufwand mehr gespart werden und es besteht kein
aktuelles schützenswertes Interesse daran.7
Nach den Ausführungen des Beschwerdeführers soll sich die generelle Baubewilligung auf
den Gebäudekubus und die Erschliessung beziehen. Gerade die Dimensionierung des
Projekts bildet jedoch Gegenstand der Projektänderungen, welche der Beschwerdeführer
der Vorinstanz im Voranfrageverfahren unterbreitet hat. Auch ein generelles
Baubewilligungsverfahren und das entsprechende Beschwerdeverfahren müssen sich auf
ein bestimmtes Bauvorhaben beziehen; diejenigen Projektteile, die mit der generellen
Baubewilligung verbindlich geklärt werden sollen, müssen im entsprechenden Gesuch klar
6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 7 VGE 100.2013.403U vom 10. September 2014, E. 3.3 und 4.2 ff.
6
definiert sein.8 Das Verfahren der generellen Baubewilligung dient insbesondere nicht
dazu, bestimmte Aspekte des Projekts, z.B. die Kubatur, durch die Behörde festlegen zu
lassen. Es ist Sache des Gesuchstellers, die Projektteile zu definieren, die mit der
generellen Baubewilligung verbindlich erklärt werden sollen. Dafür ist das Baugesuch
massgebend.
Die generelle Baubewilligung für Gebäudekubatur und Erschliessung, um welche der
Beschwerdeführer ersucht, kann sich demnach nur auf die entsprechenden Aspekte des
von der Vorinstanz eingehend geprüften Projekts beziehen. Der Beschwerdeführer
beantragt also im Beschwerdeverfahren die Erteilung der generellen Baubewilligung
insbesondere auch für solche Aspekte seines Projekts, die er nicht aufrechtzuerhalten
gedenkt. Die Vor-instanz hat zudem das Projekt bereits im ordentlichen
Baubewilligungsverfahren geprüft, so dass kein unnötiger Aufwand mehr gespart werden
kann. Das Umschwenken auf das Verfahren der generellen Baubewilligung dient daher
vorliegend offensichtlich nicht der Prozessökonomie. Damit fehlt es an einem aktuellen
schützenswerten Interesse des Beschwerdeführers an einer generellen Baubewilligung.
Auf das entsprechende Rechtsbegehren kann offensichtlich nicht eingetreten werden.
4. Beratungsgespräch
Der Beschwerdeführer ersucht um ein Beratungsgespräch "mit einer baurechtlich
versierten Fachperson der Beschwerdeinstanz". Dies gehört jedoch nicht zu den Aufgaben
der BVE; es fehlt an einer rechtlichen Grundlage. Im Gegenteil ist dem Rechtsamt der BVE
in Geschäften, in denen ihm im Beschwerdefall die Instruktion des Verfahrens obliegen
würde, jede Mitwirkung oder Beratung untersagt.9 Generell können Mitglieder und
Mitarbeiter einer Entscheidbehörde im Kompetenzbereich der Behörde keine beratende
Funktion wahrnehmen.10 Auch auf diesen Antrag ist offensichtlich nicht einzutreten.
5. Zusammenfassung und Kosten
8 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 32-32d N. 7. 9 Art. 7 Abs. 2 OrV BVE. 10 Art. 9 VRPG.
7
a) Nach dem Gesagten erweisen sich die Begehren des Beschwerdeführers als
offensichtlich unzulässig. Gemäss Art. 69 Abs. 1 VRPG kann daher auf einen
Schriftenwechsel verzichtet werden, da die Gewährung des rechtlichen Gehörs keinen
Einfluss auf den bereits feststehenden Verfahrensausgang hätte. Im Sinne des
Beschleunigungsgebots hat vielmehr die Beschwerdeinstanz sogleich zu entscheiden.11
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 400.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV12).
Parteikosten werden keine gesprochen.