Decision ID: ed6323d6-1776-5f2b-88da-55bc29c5596b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin – welche zusammen mit ihrem (Nennung Ver-
wandter) B._ (N_) am (...) illegal in die Schweiz gelangte –
suchte gleichentags um Asyl nach. Am 4. März 2016 fand die Befragung
zur Person (BzP) statt. Am 13. Juni 2018 wurde sie vom SEM zu ihren
Asylgründen angehört.
Die in der Stadt C._ (Provinz D._) geborene und in der Stadt
E._ aufgewachsene Beschwerdeführerin führte zur Begründung ih-
res Asylgesuchs an, sie habe während zwölf Jahren die Schule besucht,
diese jedoch aufgrund familiärer Probleme nicht abgeschlossen. Während
ihrer Schulzeit habe sie die (...)nachmittage manchmal bei F._, ei-
ner (Nennung Verwandte), verbracht, um Zeit mit ihrer (Nennung Ver-
wandte) zu verbringen. Eines Nachmittags sei ausser dem Sohn der (Nen-
nung Verwandte) namens G._ niemand dort gewesen. Als sie da-
raufhin wieder nachhause habe gehen wollen, habe G._ die Türe
abgeschlossen, sie gepackt und auf den Boden geworfen. Dort habe er sie
festgehalten und – nachdem sie zu schreien begonnen habe – ihren Mund
mit ihrem eigenen Kopftuch zugehalten. Beim Versuch, sich zu befreien,
habe sie ihren Kopf heftig auf dem Boden aufgeschlagen, worauf sie das
Bewusstsein verloren habe. Nachdem G._ sie mit Wasser bespritzt
habe, sei sie wieder zu sich gekommen. Sie habe mit Schrecken bemerkt,
dass die Knöpfe ihres Mantels offen gewesen seien. Sie habe ihren Mantel
mit beiden Händen zugezogen und sei zur Türe gelaufen. Daraufhin habe
G._ ihr gedroht, dass es noch schlimmer für sie werden würde, falls
sie jemandem etwas darüber erzähle. Bei ihrer Rückkehr habe sich ihre
Mutter sehr besorgt über ihren Zustand gezeigt. Sie habe ihr aber nichts
über diesen Vorfall berichtet. Als sie schliesslich bemerkt habe, dass ihre
Unterwäsche voller Blut gewesen sei, habe sie realisiert, was tatsächlich
geschehen sei. Sie habe Angst gehabt, dass ihre Angehörigen irgendwie
vom sexuellen Übergriff respektive von der Vergewaltigung erfahren könn-
ten. Sie habe dann ungefähr (Nennung Dauer) nach diesem Vorfall ver-
sucht, sich (...) das Leben zu nehmen, da sie von G._ unter Druck
gesetzt worden sei. Dieser habe ihr immer wieder gedroht und Botschaften
geschickt, wonach die Familie schon vom Vorfall erfahren werde. Im Spital
sei (Nennung Behandlung) worden, wodurch sie gerettet worden sei. Als
sie wieder zuhause gewesen sei, habe G._ sie erneut bedroht und
ihr gesagt, dass sie schwanger werde, ihre Angehörigen deshalb sicherlich
von der Sache erfahren und sie umbringen würden. Wenige Tage darauf
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habe ihre (Nennung Verwandte) beziehungsweise die Mutter von
G._ bei ihrer Familie um ihre Hand für ihren Sohn angehalten. Ob-
wohl ihre Familie gegen die Heirat gewesen sei, habe sie darauf bestan-
den, da sie grosse Angst gehabt habe. Sie habe gedacht, dass sie be-
stimmt schwanger sei und dies nicht erklären könne. Ausserdem habe sie
überlegt, dass sie ohnehin irgendwann einmal heiraten müsse und dann
nicht erklären könne, weshalb Sie nicht mehr Jungfrau sei. Sie habe des-
wegen nach der Vergewaltigung auch keinen Arzt aufgesucht, um sich we-
gen der Blutungen untersuchen zu lassen. Unter diesen Umständen sei sie
gezwungen gewesen, G._ zu heiraten und mit ihm unter einem
Dach zu leben. Die Heirat habe am (...) stattgefunden. Nach der Heirat sei
sie von G._ praktisch wie eine Gefangene behandelt worden. Sie
habe an eine religiöse Schule wechseln, einen Hijab tragen und an islami-
schen Treffen teilnehmen müssen. Bei diesen Treffen sei es auch darum
gegangen, auf der Strasse zu kontrollieren, ob die Frauen ihr Kopftuch rich-
tig tragen würden und diejenigen, bei denen man die Haare sehe, mitzu-
nehmen. Da sie dies aber nicht habe tun wollen, habe G._ einmal
ein Küchenmesser in ihre Richtung geworfen und sie dabei am (Nennung
Körperteil) verletzt. Eines Tages habe sie beim Waschen der Kleider in ei-
ner Hosentasche von G._ dessen (Nennung Ausweis) gefunden.
G._ habe dies zufällig gesehen, sie geohrfeigt und ihr unter Andro-
hung des Todes verboten, darüber mit jemandem zu sprechen. Als sie die
Aufnahmeprüfung für die Universität habe absolvieren wollen, habe er ihr
dies untersagt, wieder einmal mit ihr geschimpft und sie geschlagen.
Abends habe er das Abzugsrohr der Kohleheizung aus der Wand gerissen
und versucht, sie dadurch im Schlaf umzubringen. Sie habe dies jedoch
rechtzeitig bemerkt. Aus Angst um ihr Leben habe sie sich ihrer Mutter ge-
genüber schliesslich offenbart und ihr die ehelichen Probleme geschildert.
Nachdem sie gedroht habe, sich selber umzubringen, habe ihre Mutter mit
ihrem (Nennung Verwandter) gesprochen, damit sie zusammen mit ihm
das Land verlassen könne. Ihr (Nennung Verwandter) habe nämlich auf-
grund seiner eigenen Probleme aus dem Iran ausreisen wollen. Sie sei in
der Folge zu einer Verwandten nach H._ gereist, wo ihr (Nennung
Verwandter) sie (Nennung Zeitpunkt) abgeholt habe. In einem Lastwagen
seien sie durch ihr unbekannte Länder in die Schweiz gelangt. Von ihrer
Mutter habe sie erfahren, dass G._ nach ihrer Flucht respektive als
sie in H._ gewesen sei, einige Male zuhause vorbeigekommen sei
und nach ihr gefragt habe. Sie habe die Gewalttätigkeiten von G._
weder bei den Behörden gemeldet noch habe sie versucht, sich scheiden
zu lassen, da der Geheimdienst über der Polizei stehe und das Schei-
dungsrecht im Iran beim Mann liege. Im Falle einer Rückkehr in den Iran
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befürchte sie eine Bestrafung, weil sie das Land illegal und ohne das Ein-
verständnis von G._ verlassen habe. Ausserdem befürchte sie,
dass ihr Ehemann einen Grund erfinden könnte, um ihre Steinigung zu er-
reichen.
Zum Beleg ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin (Aufzählung
Beweismittel) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 30. August 2019 stellte das SEM fest, die Beschwerde-
führerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihr Asylgesuch
ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus
der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 2. Oktober 2019 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei die angefoch-
tene Verfügung des SEM vom 30. August 2019 aufzuheben, es sei die
Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren. Eventua-
liter seien die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung aufzu-
heben und sie sei vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer
Hinsicht beantragte sie, es sei das Beschwerdeverfahren mit denjenigen
ihrer Eltern (N_) sowie ihres (Nennung Verwandter) (N_) zu
koordinieren. Weiter sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren,
es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihr
ihre Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin zu bestellen.
Der Beschwerde lagen (Nennung Beweismittel) bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober 2019 hiess die Instruktionsrichte-
rin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
amtlichen Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses und ordnete der Beschwerdeführerin ihre Rechtsver-
treterin als amtliche Rechtsbeiständin bei, und teilte mit, dass das vorlie-
gende Verfahren mit den Beschwerdeverfahren der Eltern (...) sowie dem-
jenigen des (Nennung Verwandter) (...) in zeitlicher Hinsicht und soweit der
Sache dienlich koordiniert behandelt werde. Weiter ersuchte die Instrukti-
onsrichterin das SEM, bis am 28. Oktober 2019 eine Vernehmlassung ein-
zureichen.
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E.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 21. Oktober 2019 fest, die
Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-
weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes zu rechtfertigen
vermöchten, weshalb auf eine Stellungnahme verzichtet werde. Im Übrigen
verwies das SEM auf seine Erwägungen in der angefochtenen Verfügung
und hielt an diesen vollumfänglich fest.
F.
Am 24. Oktober 2019 brachte das Bundesverwaltungsgericht der Be-
schwerdeführerin die vorinstanzliche Vernehmlassung zur Kenntnis.
G.
Mit Eingabe vom 7. Januar 2021 reichte die Beschwerdeführerin ein wei-
teres Beweismittel (Nennung Beweismittel) zu den Akten. Zudem stellte sie
die Einreichung eines (Nennung Beweismittel) in Aussicht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 Die Beschwerdeführerin rügt in der Rechtsmittelschrift, die Vorinstanz
habe die zum Beleg ihrer Heirat eingereichten Kopien ihrer Heiratsurkunde
und der Shenasnameh nicht in die Erwägungen miteinbezogen. Sie macht
dadurch sinngemäss eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Ge-
hör sowie der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechts-
erheblichen Sachverhalts geltend. Diese formelle Rüge ist vorab zu behan-
deln, da sie geeignet sein könnte, eine Kassation der vorinstanzlichen Ver-
fügung zu bewirken.
3.2
3.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Dazu gehört insbesondere das Recht der Betroffenen, sich vor Er-
lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan-
trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent-
weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1
S. 293; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
3.2.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel
(Bst. a–e). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungs-
pflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Der Untersuchungsgrundsatz
findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden
(Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
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3.2.3 Diesbezüglich ist anzuführen, dass sich die verfügende Behörde
nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem recht-
lichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentli-
chen Gesichtspunkte beschränken darf (vgl. BGE 126 I 97 E. 2b). Das
SEM hat in seinem Entscheid bei der Darlegung des Sachverhalts (vgl.
S. 3 Ziff. 3) die von der Beschwerdeführerin erwähnten Dokumente (Kopien
der Heiratsurkunde, der Shenasnameh und der Melli-Karte ihres Eheman-
nes) ausdrücklich aufgeführt. Weiter legte es im angefochtenen Entscheid
in nachvollziehbarer Weise dar, aufgrund welcher Überlegungen die gel-
tend gemachten Asylgründe in zentralen Punkten, so insbesondere zur
Ehe mit (...) G._ als nicht glaubhaft zu erachten seien. Aus den vor-
instanzlichen Erörterungen ist ohne Weiteres zu erkennen, dass das SEM
zwar die geltend gemachten Umstände sowie die Beweggründe der Be-
schwerdeführerin, wie und warum es zum Eheschluss gekommen sei und
auch die dargelegte Schilderung des Ehealltags in Frage stellte, nicht je-
doch den Eheschluss als solchen. So sprach es in seinen Erwägungen bei
der Erwähnung von G._ stets vom "Ehemann" der Beschwerdefüh-
rerin. Zudem wurde ihr Zivilstand im Zentralen Migrationsinformationssys-
tem (ZEMIS) durch die Vorinstanz als "verheiratet" vermerkt. Das SEM hat
demnach die erwähnten Dokumente der Beschwerdeführerin durchaus –
wenn auch implizit – mitberücksichtigt. Nachdem der Zivilstand der Be-
schwerdeführerin vom SEM nicht grundsätzlich bestritten wurde, stellt es
keinen formellen Mangel dar, dass die eingereichte Heiratsurkunde oder
die weiteren Identitätsdokumente in den Erwägungen der angefochtenen
Verfügung keine explizite Erwähnung fanden.
Weiter ist der Umstand, dass die Vorinstanz nicht jedes Detail der Asylvor-
bringen aufgeführt und auch, soweit dies als angezeigt erscheint, bei der
Begründung des Entscheids berücksichtigt respektive die geltend gemach-
ten Asylgründe anders gewichtet hat als die Beschwerdeführerin, nicht als
Verletzung des rechtlichen Gehörs zu werten. Dies gilt ebenso für den Um-
stand, dass sie nach einer gesamtheitlichen Würdigung der Parteivorbrin-
gen inklusive der eingereichten Beweismittel respektive der aktuellen Situ-
ation im Iran zu einem anderen Schluss als die Beschwerdeführerin ge-
langte. Es ergeben sich denn auch nach Prüfung der Akten keine hinrei-
chenden Anhaltspunkte, welche den Schluss zulassen würden, das SEM
habe den Sachverhalt unvollständig abgeklärt respektive die Begrün-
dungspflicht verletzt. Eine Verletzung der Begründungspflicht ist auch da-
her nicht zu erkennen, weil es der Beschwerdeführerin möglich war, sich
ein Bild über die Tragweite des vorinstanzlichen Entscheides zu machen
und diesen sachgerecht anzufechten (BGE 129 I 232 E. 3.2).
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3.3 Die formellen Rügen erweisen sich daher insgesamt als unbegründet.
Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neu-
beurteilung ist daher abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Die Vorinstanz wies das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab, da
deren Vorbringen den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftma-
chung nicht genügten.
Zur Begründung führte es an, es sei kaum nachvollziehbar, dass die Be-
schwerdeführerin ihren Vergewaltiger geheiratet habe, obschon ihre Fami-
lie dagegen gewesen sei. Ihre diesbezügliche Erklärung, sie habe vermei-
den wollen, dass ihre Familie von einer allfälligen Schwangerschaft er-
fahre, sei in keiner Weise verständlich. So habe sie selber gar nicht ge-
wusst, ob sie schwanger geworden sei oder nicht und habe dies auch nie
von einem Arzt abklären lassen. Selbst in der Schweiz habe sie bislang
keinen Arzt konsultiert. Ausserdem habe sie wiederholt betont, dass sie
G._ gehasst und nach der Vergewaltigung sogar versucht habe,
sich das Leben zu nehmen. Weiter sei nicht nachvollziehbar, weshalb ihr
G._ nach der Tat gedroht haben sollte, ihre Familie über den Vorfall
zu informieren. Da im Iran das Gesetz bei Vergewaltigung sehr strenge
Strafen vorsehe, hätte dies für G._ selber erhebliche Konsequen-
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zen mit sich gebracht, wenn seine Tat bekannt geworden wäre. Dieser Um-
stand müsse auch der Beschwerdeführerin bekannt gewesen sein. Ferner
sei es als realitätsfern zu erachten, dass die Familie von G._ we-
nige Tage nach ihrem Selbstmordversuch bei ihrer Familie um ihre Hand
angehalten habe. Die Beschwerdeführerin vermöge überdies nicht plausi-
bel zu erklären, wie sie als (...)-jähriges Mädchen kurz nach einem Suizid-
versuch ihre Familie von einer Heirat mit einem Mann, den sie verabscheut
habe, habe überzeugen können, obwohl ihre Familie sehr konservativ und
gegen einen Eheschluss gewesen sei. Ihre diesbezüglichen Aussagen
seien sehr vage ausgefallen und würden kaum eine ernsthafte und vertiefte
Diskussion innerhalb ihrer Familie wiederspiegeln, wie dies jedoch bei ei-
nem solchen weittragenden Entscheid mit Sicherheit geschehen würde. Es
sei ebenso kaum nachvollziehbar, dass die Familie ihre Wünsche wider-
spruchslos akzeptiert hätte. Sodann sei realitätsfremd, dass sie ihren Aus-
führungen zufolge vor der Heirat nie davon ausgegangen sei, dass sie von
ihrem Ehemann weiterhin misshandelt würde. Konstruiert erscheine ferner,
dass sie von G._ beim Waschen seiner Kleidung beobachtet und
ausgerechnet in dem Moment erwischt worden sei, als sie dessen (Nen-
nung Ausweis) in einer Hosentasche entdeckt habe. Als unlogisch sei so-
dann die Forderung des Ehemannes zu erachten, dass sie im Rahmen ih-
rer politischen und ideologischen Kurse auf der Strasse als Sittenwächterin
tätig sein und dabei Frauen und Mädchen festnehmen sollte, deren Haare
sichtbar seien, zumal dies eigentlich in den Aufgabenbereich der Basidji
oder der Sittenpolizei falle. Im Weiteren sei befremdlich, dass die Be-
schwerdeführerin zusammen mit ihrem (Nennung Verwandter) ausgereist
sei, ohne dessen Beweggründe dafür zu wissen. Sie selber habe ihrem
(Nennung Verwandter) auch nichts über ihre eigenen Gründe für die gleich-
zeitige Ausreise aus dem Iran gesagt. Hingegen habe sie ihrer Mutter von
den Gewalttaten, die G._ ihr gegenüber verübt habe, erzählt. Es
erstaune, dass sie von ihrem (Nennung Verwandter) ohne Nachfragen mit-
genommen worden sei. Ohnehin sei eine Ausreise zusammen mit ihrem
(Nennung Verwandter) als unlogisch zu erachten. Sie habe die Eheschlies-
sung mit den konservativen Moralvorstellungen ihrer Familie und ihrer
Angst, von der eigenen Familie getötet zu werden, begründet. So hätte ih-
ren Angaben zufolge die Familie eher den Ehrenschaden durch ihre Flucht
mit ihrem (Nennung Verwandter) als den Ehrverlust durch Scheidung in
Kauf genommen. Diese Begründung erscheine abstrus und unsinnig, seien
ihrem (Nennung Verwandter) die Gründe ihrer Flucht gar nicht bekannt ge-
wesen. Weiter falle auf, dass sie kaum Auskunft darüber habe geben kön-
nen, wie es ihrer Mutter zwischenzeitlich im Iran ergangen sei, obwohl sie
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mit ihr in telefonischem Kontakt gestanden sei. Ihre diesbezügliche Erklä-
rung, sie sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen sei, um entspre-
chende Fragen zu stellen, müsse ebenfalls als sehr realitätsfern gewertet
werden. Sie habe nur gewusst, dass die Polizei das Haus der Familie auf
der Suche nach ihrem (Nennung Verwandter) wiederholt durchsucht habe.
Sodann sei sie bereits in der Schweiz gewesen, als sie von ihrer Mutter
erfahren habe, dass G._ mehrmals mit Gewalt ins Haus eingedrun-
gen sei. Diesen Umstand habe ihre Mutter im Rahmen deren Anhörung
hingegen nicht erwähnt. Aus diesen Gründen bestünden ernsthafte Zweifel
an der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen.
Im Weiteren habe die Beschwerdeführerin die angeführten Gewaltausbrü-
che von G._ relativ ausführlich geschildert. Dagegen seien aber die
Ausführungen zum gemeinsamen Ehealltag sehr substanzarm ausgefal-
len. Sodann wäre von ihr zu erwarten gewesen, dass sie im Verlauf der
Ehe Strategien entwickelt hätte, den Gewaltausbrüchen ihres Mannes zu
entgehen oder diese zu vermeiden. Entsprechende Antworten seien aber
ebenfalls ausweichend und oberflächlich ausgefallen. Auch habe sie kaum
konkrete Alltagssituationen nennen können, in denen G._ wütend
geworden sei, obschon sie von massiven Gewaltausbrüchen berichtet
habe. Entsprechenden Fragen sei sie ausgewichen. Weiter habe sie sich
ausgerechnet im Zeitraum, als auch ihr (Nennung Verwandter) angeblich
ernsthafte Schwierigkeiten zu befürchten gehabt hätte, ihrer Mutter offen-
bart und ihr von den ehelichen Problemen erzählt. Bezüglich der Reaktion
ihrer Mutter seien ihre Aussagen aber ebenfalls ausweichend und vage ge-
blieben und würden sich als realitätsfremd darstellen. Ausserdem wirke die
geschilderte Reaktion ihrer Mutter angesichts des von der Beschwerdefüh-
rerin geschilderten Martyriums äusserst realitätsfremd. Der Frage, ob sie
in der Folge mit ihrem (Nennung Verwandter) über ihr Martyrium gespro-
chen habe, sei sie ebenso ausgewichen und habe angeführt, dass sie auf
der ganzen Reise vom Iran bis in die Schweiz überhaupt nicht miteinander
hätten kommunizieren dürfen. Dies sei angesichts der geschilderten Dra-
matik der Ereignisse und der schwerwiegenden Entscheidung einer Flucht
aus dem Heimatland als äusserst realitätsfremd zu werten, zumal sie vom
(Nennung Verwandter) vorher bei der (Nennung Verwandte) in H._
abgeholt worden sei und sie demnach ausreichend Zeit gehabt hätten, sich
auszutauschen. Überhaupt seien die Aussagen zum Reiseweg äusserst
dürftig ausgefallen. Zudem sei nicht glaubhaft, dass die Beschwerdeführe-
rin und ihr (Nennung Verwandter) vom Iran aus im Laderaum eines LKWs
versteckt bis in die Schweiz gereist seien, ohne zu wissen, durch welche
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Länder sie gefahren seien, und ohne dass der LKW jemals durchsucht wor-
den sei. Insgesamt seien die Aussagen zu zentralen Punkten der Asylvor-
bringen oberflächlich, schematisch und knapp ausgefallen und enthielten
auch keine Realkennzeichen, die normalerweise die Erzählungen von tat-
sächlich erlebten Begebenheiten prägten. Die Aussagen könnten in der ge-
machten Form ohne weiteres von irgendjemandem nacherzählt werden.
Da die Beschwerdeführerin die gestellten Fragen nur knapp oder auswei-
chend beantwortet habe, weise dies auf einen konstruierten Sachverhalt
und nicht auf tatsächliche Erlebnisse hin.
5.2 Die Beschwerdeführerin entgegnete in ihrer Beschwerdeschrift, das
von der Vorinstanz für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit überwiegend
verwendete Kriterium der Plausibilität werde gemäss Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts D-2124/2014 vom 15. Januar 2016 von der Lehre seit
längerer Zeit stark kritisiert. So sei diesbezüglich grosse Vorsicht angezeigt
und es sollten grundsätzlich lediglich naturwissenschaftliche Tatsachen un-
ter dem Aspekt der Plausibilität bewertet werden oder zumindest Unplau-
sibilität mit Country of Origin Information (COI) oder anderen von der Be-
schwerdeführerin eingereichten Beweismitteln abgeglichen werden. Ent-
gegen der vorinstanzlichen Einschätzung würden ihre detailreichen Aus-
führungen in Anbetracht des kulturellen Kontextes im Iran sowie ihrer per-
sönlichen Situation durchwegs nachvollziehbar, verständlich und glaubhaft
erscheinen. Sie habe anlässlich der Anhörung klar ausgeführt, weshalb sie
sich zur Heirat mit dem (Nennung Verwandter) gezwungen gefühlt habe
(Nennung Gründe). Verschiedene Quellen würden in diesem Zusammen-
hang belegen, dass zum damaligen Zeitpunkt im Iran Jungfräulichkeits-
tests regelmässig durchgeführt worden seien und aktuell noch immer
durchgeführt würden. Sie habe sich durch die Annahme des Heiratsantrags
erhofft, das kleinere Übel gewählt zu haben. Sie habe sich nach der Ver-
gewaltigung medizinisch nicht abklären lassen, weil solche Abklärungen
zwangsläufig zu weiteren Fragen geführt hätten und ihre Familie letztlich
davon erfahren hätte. Sie sei auch bis anhin nicht bereit, die erlebten Miss-
handlungen durch den Ehemann aktiv zu verarbeiten, weshalb sie auch in
der Schweiz bislang keine medizinische Hilfe in Anspruch genommen
habe. Sie habe ihrer Familie bis heute nicht erzählt, was damals der tat-
sächliche Grund für (Nennung Umstände des Selbstmordversuchs) gewe-
sen sei. Offiziell sei sie wegen (Nennung Grund) im Spital gewesen, wes-
halb der Suizidversuch somit auch keinen Einfluss auf die Tatsache und
den Zeitpunkt des Heiratsantrags gehabt habe. Weiter treffe es zu, dass
im Iran strenge Strafen für Vergewaltigungen vorgesehen seien. Jedoch
sei einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (E-2108/2011 vom 1. Mai
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Seite 12
2013) zu entnehmen, dass für eine vergewaltigte Frau die erhebliche Ge-
fahr bestehe, bei einer Meldung selber des Verbrechens der "Zena" ange-
klagt und verurteilt zu werden. Bei einer Anzeige müsse die erlittene Tat
bewiesen werden, wobei für Frauen schwere Behinderungen bei der Be-
weisführung bestünden. Sowohl ihr als auch G._ sei bewusst ge-
wesen, dass die Frau die Beweislast für die Vergewaltigung zu tragen
habe. Zudem hätte ihre Familie bei Einreichung einer Klage mit Sicherheit
von dem Vorfall erfahren. Sodann sei ihre Familie zwar traditionell einge-
stellt, habe ihr jedoch trotzdem die Freiheit zugestanden, selbst zu wählen,
wen sie heiraten möchte. Sie sei mit ihren damals (Nennung Alter) durch-
aus naiv gewesen, da sie nicht erwartet habe, dass sie auch künftig von
G._ misshandelt würde. Es sei ihr jedoch von Anfang bewusst ge-
wesen, dass sie in der islamischen Tradition als Frau ihrem Mann unterge-
ordnet sei und dementsprechend auch Benachteiligungen zu erdulden
habe. Quellen zufolge verbiete das iranische Gesetz häusliche Gewalt
nicht; diese werde von den Behörden als Privatangelegenheit erachtet.
Ferner habe sie ausführlich und detailliert geschildert, wie sie von
G._ erwischt worden sei, als sie seinen (Nennung Ausweis) gefun-
den habe. Ihr Mann habe nämlich im fraglichen Moment direkten Sichtkon-
takt zum Zimmer gehabt, in welchem sie die Wäsche vorbereitet habe. Das
SEM führe sodann keine Quellen an, welche gegen ihre Aussage, dass sie
im Rahmen eines ideologischen Kurses aufgefordert worden sei, auf der
Strasse als Sittenwächterin tätig zu sein, sprechen würden. Weiter sei es
im Ausreisezeitpunkt für sie nicht weiter relevant gewesen, mit ihrem (Nen-
nung Verwandter) über die Details ihrer Probleme zu sprechen. Dieser
habe damals bereits die Entscheidung getroffen gehabt, sie mitzunehmen.
Sie habe von ihrer Mutter gewusst, dass ihr (Nennung Verwandter) in Ge-
fahr gewesen sei und dessen Ausreisegründe auch von ihr erfahren, da sie
kulturell bedingt nicht allzu oft und schon gar nicht über persönliche Ange-
legenheiten mit ihrem (Nennung Verwandter) gesprochen habe. Die ge-
meinsame Ausreise sei nicht als unlogisch zu erachten, sondern der da-
maligen Situation geschuldet. Zudem hätte es eine grössere Schande für
die Familie dargestellt, wenn sie alleine ausgereist wäre. Zwar habe ihr
G._ Vorschriften bezüglich des Schulbesuchs gemacht, ihr aber
nicht grundsätzlich verboten zu lernen. Sie habe in dessen Abwesenheit
lernen dürfen, einfach nicht für die Aufnahmeprüfung für die Universität. Es
bestehe daher kein Widerspruch in ihren Aussagen. Der Vorhalt, dass sie
hätte Strategien entwickeln sollen, um den Gewaltausbrüchen ihres Man-
nes zu entgehen, hinterlasse den Eindruck, als würde das SEM davon aus-
gehen, dass sie tatsächlich einen Einfluss darauf gehabt hätte, ob sie von
G._ geschlagen würde oder nicht respektive als hätte sie dafür eine
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Mitverantwortung. Zum Vorhalt, dass sie kaum konkrete Alltagssituation
habe nennen können, in denen es zu massiven Gewaltausbrüchen gekom-
men sei, sei anzuführen, dass die Vorinstanz davon auszugehen scheine,
es bedürfe eines Wutausbruchs des Täters oder einer scheinbaren Schuld
des Opfers, damit es zu Gewaltanwendungen komme. Es bedürfe aber
vielfach nicht eines besonderen Auslösers, damit häusliche Gewalt ausge-
übt werde. Zudem habe sie sehr wohl Situationen geschildert, in denen
G._ wütend und gewalttätig geworden sei. Sie sei auch von ihm
geschlagen worden, ohne dass es dafür einen spezifischen Grund oder
Auslöser gegeben habe. G._ habe sie lediglich als Dienerin be-
trachtet und um ihr seine Machtposition zu demonstrieren. Ferner sei ihre
Mutter der Ansicht gewesen, dass eine Frau gewisse Probleme auszuhal-
ten habe, weshalb deren Verhalten nach der Schilderung ihrer Probleme
mit G._ in Anbetracht der streng traditionellen Ansichten der Familie
durchaus nachvollziehbar erscheine. Im Weiteren könne die Einschätzung
der Vorinstanz, sie habe nur dürftig über ihren Reiseweg berichtet, ange-
sichts ihrer detaillierten Ausführungen in der BzP zum Transportfahrzeug
und den Reiseumständen nicht geteilt werden. Ihre Angaben seien dem-
nach insgesamt als glaubhaft zu bezeichnen.
Bei einer Rückkehr in den Iran habe sie angesichts ihrer persönlichen Si-
tuation, der häuslichen Gewalt und der illegalen und ohne Zustimmung von
G._ durchgeführten Ausreise asylrelevante Nachteile zu befürch-
ten.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Vorliegen von Vorfluchtgründen zu Recht
verneinte.
6.1.1 Nachdem die Vorinstanz einen Eheschluss zwischen der Beschwer-
deführerin und ihrem Mann G._ als solchen nicht bestritt, geht auch
das Gericht angesichts der eingereichten Unterlagen von einer Heirat der
Beschwerdeführerin aus. Jedoch kann – entgegen der in der Beschwerde
vertretenen Ansicht – nicht geglaubt werden, dass die Ehe infolge der gel-
tend gemachten Vorgeschichte und der daraus resultierenden Beweg-
gründe zustande gekommen sein soll. Zunächst ist logisch nicht nachvoll-
ziehbar, dass die Beschwerdeführerin ihren Vergewaltiger, der ihr in der
Folge überdies wiederholt mit dem Tod gedroht haben will, aus eigenen
Stücken und auf sein Drängen hätte heiraten wollen. Dies umso mehr, als
ihren Angaben zufolge nicht nur ihre eigene, konservativ eingestellte und
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sehr auf ihr Ansehen bedachte Familie gegen diese Ehe gewesen sei, son-
dern sich insbesondere auch diejenige von G._, welche sehr reli-
giös gewesen sei, in allgemeiner Weise gegen eine Heirat innerhalb der
Familie respektive der Verwandtschaft ausgesprochen habe (vgl. act. A3,
S. 14; A20, F67 [S. 10], F77 und F91). Die Beschwerdeführerin vermag
weder nachvollziehbar noch plausibel zu erklären, wie es ihr gelungen sein
soll, sich als damals (...)-Jährige gegen den Widerstand ihrer Eltern und
den Willen der Familie von G._ durchzusetzen. Einerseits ist es als
widersprüchlich zu erachten, dass die (Nennung Verwandte) überhaupt ei-
nen Heiratsantrag gemacht haben will, obwohl deren Familie grundsätzlich
dagegen gewesen sei, dass man in der Verwandtschaft untereinander hei-
rate (vgl. act. A20, F89 ff.). Andererseits erwecken ihre Angaben in der An-
hörung in keiner Weise den Eindruck, dass es ihr dadurch gelungen wäre,
ihre Eltern von deren klar ablehnenden Haltung abzubringen. Auf wieder-
holte Nachfrage im Rahmen der Anhörung, wie sie ihre Eltern von einer
Heirat habe überzeugen können, machte sie lediglich pauschale Angaben
und wiederholte mehrmals, "weil ich es wollte" (vgl. act. A20, F92 ff.). Dar-
aus lässt sich keine authentische Auseinandersetzung zwischen ihr und
ihren Eltern zu diesem Thema erkennen, welche jedoch angesichts der
Tragweite ihres Entscheids zu erwarten gewesen wäre.
6.1.2 Überdies ist es als widersinnig zu erachten, dass der Heiratsantrag
durch die Familie von G._ wenige Tage, nachdem die Beschwerde-
führerin das Spital im Nachgang zu dem von ihr geltend gemachten Selbst-
mordversuch habe verlassen können, gestellt worden sein soll. So ist da-
von auszugehen, dass die (Nennung Verwandte) und deren Familie spä-
testens dann darüber informiert worden wären, als die (Nennung Ver-
wandte) mit ihrer Mutter über das Thema Heirat gesprochen haben soll
(vgl. act. A20, F90). Unter diesen Umständen ist nicht vorstellbar, dass die
Familie von G._ am Antrag – wie wenn nichts geschehen wäre –
einfach festgehalten hätte. Der Einwand, gemäss welchem sie offiziell we-
gen einer (Nennung Grund) im Spital gewesen sei, weshalb der Suizidver-
such somit auch keinen Einfluss auf die Tatsache und den Zeitpunkt des
Heiratsantrags gehabt habe, vermag schon deshalb nicht zu überzeugen,
weil ihre Eltern vom tatsächlichen Grund ihres Spitalaufenthaltes (Nennung
Grund) durchaus Kenntnis hatten (vgl. act. A20, F86).
6.1.3 Sodann ist ebenso wenig glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin
wegen ihrer Angst, die Familie könnte von einer allfälligen Schwanger-
schaft erfahren, sich dazu entschlossen habe G._ zu heiraten (vgl.
act. A20, F66 S. 10, F80, F95). So will sie selber gar nicht gewusst haben,
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ob sie überhaupt schwanger sei und sich überdies – was in diesem Zusam-
menhang nicht nachvollziehbar erscheint – offenbar auch nicht sonderlich
dafür interessiert haben, ob tatsächlich etwas geschehen sei (vgl. act. A20,
F82), obwohl sie daraus erhebliche Konsequenzen für sich ableitet und
schliesslich sogar versucht haben soll, sich das Leben zu nehmen. Die in
der Beschwerdeschrift dargelegten pauschalen Einwände, wonach ihre de-
tailreichen Ausführungen in Anbetracht des kulturellen Kontextes im Iran
sowie ihrer persönlichen Situation durchwegs nachvollziehbar, verständlich
und glaubhaft erscheinen würden und die erneute Darlegung der Gründe,
die die Beschwerdeführerin zu einem Eheschluss mit G._ gedrängt
hätten, vermögen die obige Einschätzung nicht umzustossen.
6.1.4 Weiter erscheint es wenig plausibel, dass die Beschwerdeführerin –
nachdem sie anlässlich des Übergriffs von G._ aus ihrer Bewusst-
losigkeit erwacht sei – erst nach ihrer Rückkehr nach Hause realisiert ha-
ben will, was tatsächlich vorgefallen sei (vgl. act. A20, S. 9 F67). So be-
schränken sich ihre diesbezüglichen Ausführungen auf die Darstellung des
äusseren Handlungsablaufs. So will sie zunächst lediglich gemerkt haben,
dass die Knöpfe ihres Mantels offen gewesen seien, sie ihre Hose noch mit
verschlossenem Reisverschluss angehabt und das Kopftuch auf der Seite
gelegen habe. Dann habe sie G._ aufgefordert, die verschlossene
Türe zu öffnen und sie sei weinend nach Hause gegangen, wobei sie das
Gefühl gehabt habe, von G._ verfolgt zu werden. Erst zuhause in
ihrem Zimmer habe sie aufgrund ihrer blutigen Unterwäsche festgestellt,
was geschehen sei. Wäre sie jedoch tatsächlich vergewaltigt worden, hätte
sie bereits nach Wiedererlangen ihres Bewusstseins eine körperliche Ver-
änderung spüren müssen. Die Beschwerdeführerin äusserte sich aber zu
solchen Empfindungen mit keinem Wort. Auch wenn dem Kriterium der
Plausibilität in der Regel nur untergeordnetes Gewicht beigemessen wer-
den kann (vgl. Urteile des BVGer D-2124/2014, D-4194/2015 vom 15. Ja-
nuar 2016 E. 7.3 und D-4833/2018 vom 12. September 2018 E. 4.1), ist es
dennoch als Indiz gegen die Glaubhaftigkeit in die Würdigung miteinzube-
ziehen.
6.1.5 Sodann sind an der Glaubhaftigkeit des von der Beschwerdeführerin
geltend gemachten Suizidversuchs mit (...) aufgrund widersprüchlicher
Schilderungen ebenfalls ernsthafte Zweifel anzubringen. So brachte sie im
Rahmen der BzP auf Nachfrage nach Dokumenten, welche den Spitalau-
fenthalt infolge der (Nennung Behandlung) belegen würden, vor, der Spi-
talaufenthalt sei zu kurz gewesen, damit ein Dossier eröffnet worden wäre.
So sei eine (Nennung Behandlung) kein grosser Eingriff, sondern fast wie
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eine Arztvisite. Erst nach einem Spitalaufenthalt von drei bis vier Tagen sei
dies der Fall (vgl. act. A3, S. 13 unten). Anlässlich der Anhörung führte sie
demgegenüber jedoch an, sie sei etwa drei bis vier Tage im Spital geblie-
ben (vgl. act. A20, F88). Unter diesen Umständen hätte es ihr – nachdem
die Dauer des Spitalaufenthalts für die Eröffnung eines entsprechenden
Dossiers demnach ausreichend gewesen wäre – aber möglich sein müs-
sen, entsprechende Unterlagen des Spitals beizubringen.
6.1.6 Nachdem aufgrund der vorstehenden Erwägungen nicht glaubhaft
ist, dass die Ehe der Beschwerdeführerin unter den von ihr geschilderten
Umständen und wegen der angeführten Gründe geschlossen wurde, sind
auch an den Schilderungen, wie sich das gemeinsame Eheleben abge-
spielt haben soll, überwiegende Zweifel anzubringen. Zwar erscheint es
nicht abwegig, dass sich die Beschwerdeführerin trotz eines Verbots zu
lernen, so insbesondere für die Aufnahmeprüfung an die Universität, in Ab-
wesenheit ihres Mannes oder während dieser schlief darüber hinweg-
setzte, weshalb daraus noch keine Ungereimtheit abgeleitet werden kann
(vgl. act. A20, F67 f. und F97-103). Jedoch werden die oben erwähnten
Zweifel durch die beliebigen, wenig konkreten und kaum Realkennzeichen
(so insbesondere Detailreichtum der Schilderung, freies assoziatives Er-
zählen, Interaktionsschilderung sowie inhaltliche Besonderheiten) enthal-
tenen Ausführungen zum Ehealltag verstärkt (vgl. act. A20, F68-71 und
F114-F117). Zudem ist es in der Tat als wenig glaubhaft zu werten, dass
der Ehemann die Beschwerdeführerin genau in dem Moment beobachtet
haben will, als diese bei der Vorbereitung der Wäsche die Taschen der
Kleidungsstücke geleert und dabei dessen (Nennung Ausweis) zum Vor-
schein gekommen sei. Selbst wenn er – wie in der Rechtsmitteleingabe
geltend gemacht – im fraglichen Moment direkten Sichtkontakt zum Zim-
mer gehabt hätte, in welchem die Wäsche vorbereitet worden sei, ist es
kaum wahrscheinlich, dass er sie bei ihrer Hausarbeit überhaupt beobach-
tet oder wahrgenommen hätte. So führte die Beschwerdeführerin wieder-
holt an, dass sie von ihrem Mann lediglich als "Kolfat" (Diener) behandelt
worden sei und sie dieser nur bei sexuellen Bedürfnissen gesehen habe,
ansonsten nicht (vgl. act. A20, F68, F115 und F117). Ausserdem ist nicht
glaubhaft, dass G._ seinen Geheimdienstausweis überhaupt oder
zumindest derart lose in der Hosentasche mitgeführt hätte, wäre er so da-
rauf bedacht gewesen, dass niemand von seiner tatsächlichen Stellung
und Tätigkeit erfahren dürfe, zumal er der Beschwerdeführerin sogar mit
dem Tod gedroht habe, falls sie jemanden davon unterrichte (vgl. act. A3,
S. 15 f.; A20, F60 und F67).
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6.1.7 Ferner sind die Aussagen zur Reaktion ihrer Mutter, nachdem die Be-
schwerdeführerin ihr das von Übergriffen und Erniedrigungen gekenn-
zeichnete Eheleben geschildert und ihr insbesondere auch die verschiede-
nen Blessuren an ihrem Körper gezeigt habe – wie die Vorinstanz zu Recht
erkannte – als vage und wirklichkeitsfremd zu qualifizieren (vgl. act. A20,
F67 S. 10, F133 f.). Selbst wenn ihre Mutter – wie in der Beschwerdeschrift
angeführt wird – der Ansicht gewesen wäre, dass eine verheiratete Frau
gewisse Probleme auszuhalten habe, kann deren Reaktion angesichts der
Schwere der von der Beschwerdeführerin geschilderten Repression durch
den Ehemann auch in Berücksichtigung der in der Rechtsmitteleingabe an-
geführten streng traditionellen Ansichten der Familie nicht als nachvollzieh-
bar erachtet werden. Auch der Umstand, dass sie und ihr (Nennung Ver-
wandter) auf der ganzen Reise vom Iran in die Schweiz nicht miteinander
kommuniziert und auch voneinander die jeweiligen Ausreisegründe nicht
gekannt hätten (vgl. Asylentscheid, S. 5 oben), ist als realitätsfern und da-
her als unglaubhaft zu bezeichnen.
6.2 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass
das SEM insgesamt zu Recht das Vorliegen von Vorfluchtgründen verneint
hat, da die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise die Flüchtlings-
eigenschaft nicht erfüllte. Weder die Ausführungen auf Beschwerdeebene
noch die eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Einschätzung et-
was zu ändern. Angesichts der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich
auf weitere Ungereimtheiten im Sachverhaltsvortrag und die entsprechen-
den Entgegnungen in der Rechtsmitteleingabe weiter einzugehen.
6.3 Asylsuchende sind auch dann als Flüchtlinge anzuerkennen, wenn sie
erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer Rückkehr
in ihren Heimat- oder Herkunftsstaat in flüchtlingsrechtlich relevanter
Weise verfolgt würden. Zu unterscheiden ist dabei zwischen objektiven und
subjektiven Nachfluchtgründen. Objektive Nachfluchtgründe liegen vor,
wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Ein-
fluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von einer Ver-
folgung bedrohten Person ist in solchen Fällen die Flüchtlingseigenschaft
zuzuerkennen und Asyl zu gewähren. Subjektive Nachfluchtgründe liegen
vor, wenn eine asylsuchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach
der Ausreise eine Verfolgung zu befürchten hat; in diesen Fällen wird kein
Asyl gewährt (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.).
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6.4 Vorliegend ist mit Blick auf das allfällige Vorliegen von objektiven Nach-
fluchtgründen Folgendes zu berücksichtigen: Mit Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts (...) wurde der (Nennung Verwandter) der Beschwerdeführe-
rin und (...) als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Das Gericht bejahte
bezüglich ihres (Nennung Verwandter) infolge dessen Konversion zu den
I._ subjektive Nachfluchtgründe und stellte fest, dass dieser bei ei-
ner Rückkehr in den Iran flüchtlingsrechtlich relevante, ernsthafte Nachteile
im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte. Angesichts dieser Sachlage
lässt sich nach Einschätzung des Gerichts die Frage der Gefährdung der
Beschwerdeführerin aufgrund der Situation des (Nennung Verwandter) ge-
genwärtig nicht abschliessend beurteilen. Es stellt sich die Frage, ob diese
Konstellation – gemäss welcher der (Nennung Verwandter) der Beschwer-
deführerin gemäss Einschätzung des Gerichts aus Sicht der iranischen Be-
hörden als Anhänger der I._, mithin als (...) wahrgenommen werden
dürfte, da er sich vom islamischen Glauben abgekehrt zu haben scheint,
und mit hoher Wahrscheinlichkeit als solcher identifiziert wurde oder be-
fürchten muss, als solcher identifiziert zu werden – eine Gefährdung für die
Beschwerdeführerin als eine seiner nächsten Verwandten, welche kurz
nach diesem ebenfalls aus dem Iran flüchtete, zu bewirken vermag (vgl.
dazu auch Urteil des BVGer D-2872/2019 vom 13. August 2019 E. 5.2).
Zudem erscheint eine koordinierte Behandlung des vorliegenden Verfah-
rens mit demjenigen der (Nennung Verwandte) ([...]; N_) als ange-
zeigt, zumal sich in deren Verfahren die gleiche Problematik stellt. Da sich
die Vorinstanz in diesem Zusammenhang zur Frage des allfälligen Vorlie-
gens von objektiven Nachfluchtgründen (Reflexverfolgung) bislang nicht
äussern konnte und der Beschwerdeführerin – würde das Bundesverwal-
tungsgericht hier selber entscheiden – in dieser Frage eine Instanz verlo-
ren ginge, ist die vorliegende Sache zur Neubeurteilung und zwecks koor-
dinierter Behandlung mit dem Asylverfahren der (Nennung Verwandte) der
Beschwerdeführerin ([...]; N_) an das SEM zurückzuweisen.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als die
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückweisung der Sa-
che zur Neubeurteilung beantragt wird (Rechtsbegehren 3 der Beschwer-
deschrift). Die Verfügung vom 30. August 2019 ist aufzuheben und die Sa-
che zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
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Seite 19
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
9.
Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in An-
wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr
im Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren notwendigerweise er-
wachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin reichte mit
ihrer Beschwerdeschrift eine Kostennote ein. Demnach beliefen sich ihre
Bemühungen auf 8.50 Stunden. Zusätzlich werden Auslagen in der Höhe
von Fr. 50.– aufgeführt. Der ausgewiesene Aufwand erscheint vorliegend
als angemessen und der im Falle eines Obsiegens vermerkte Stundenan-
satz von Fr. 200.– ist für die Bemessung der Parteientschädigung regle-
mentskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). In der Kostennote nicht enthalten
ist der für die Beweismitteleingabe vom 7. Januar 2021 getätigte Aufwand,
welcher von Amtes wegen auf eine halbe Stunde zu veranschlagen ist. Der
gesamte Aufwand beläuft sich demnach auf neun Stunden, die Auslagen
erhöhen sich auf gerundet Fr. 56.–. Die vom SEM auszurichtende Partei-
entschädigung ist demnach auf insgesamt Fr. 1856.– (Honorar: Fr. 1800.–
und Auslagen: Fr. 56.–) festzusetzen. Damit wird die Ausrichtung eines
amtlichen Honorars an die Rechtsvertreterin gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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