Decision ID: 8bc66661-4157-53fa-ace3-a207a40330a9
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. N.N., geb. 1965, stammt aus dem Kosovo und heiratete 1985 in seinem
Herkunftsland die kosovarische Staatsangehörige C.C. Aus dieser Ehe stammen die
drei Kinder D.D., geb. 1986, E.E., geb. 1987, und A.A., geb. 1997, welche alle die
kosovarische Staatsangehörigkeit besitzen. Die Ehe wurde 1998 im Kosovo
geschieden und das Sorgerecht über die drei Töchter der Kindsmutter übertragen (vgl.
act. 7, Akten Migrationsamt, Dossier N.N., S. 138). Im Jahr 1999 kam Sohn B.B.,
ebenfalls kosovarischer Staatsangehöriger, nachehelich in der Schweiz zur Welt, wobei
das elterliche Sorgerecht der Kindsmutter zukam (vgl. act. 7, Akten Migrationsamt,
Dossier N.N, S. 73 und 82). Alle vier Kinder verblieben bei der Kindsmutter im Kosovo.
Am 11. Mai 2011 reiste N.N. zwecks Vorbereitung der Eheschliessung mit F.F., geb.
1959, schweizerische Staatsangehörige, in die Schweiz ein. Nach der Heirat am 18.
Mai 2011 reichte die Ehegattin ein Gesuch um Familiennachzug für N.N. ein, worauf
ihm am 1. Juni 2011 eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde (vgl. act. 7, Akten
Migrationsamt, Dossier N.N., S. 175-184).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit Beschluss des Jugendamtes Z. vom 7. August 2012 beziehungsweise Urteil des
dortigen Gemeindegerichts vom 5. September 2012 wurde das Sorgerecht über B.B.
beziehungsweise A.A. auf N.N. übertragen (vgl. act. 7, Akten Migrationsamt, Dossier
N.N., S. 82 ff.). Am 24. Mai 2013 stellte er beim Migrationsamt ein Gesuch um
Familiennachzug für die beiden Kinder, mit der Begründung, dass diese in ihrem
Herkunftsland weder von seiner Mutter noch von der Kindsmutter weiterhin betreut
werden könnten (vgl. act. 7, Akten Migrationsamt, Dossier N.N., S. 68). Nach
Einräumung des rechtlichen Gehörs wies das Migrationsamt das Gesuch für Tochter
A.A. und Sohn B.B. mit Verfügung vom 13. November 2013 ab mit der Begründung,
dass es nicht innert der gesetzlichen Frist gestellt worden sei und wichtige familiäre
Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug nicht vorlägen (vgl. act. 7, Akten
Migrationsamt, Dossier N.N., S. 32 ff.). Den gegen die Verfügung erhobenen Rekurs
vom 28. November 2013 wies das Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St.
Gallen mit Entscheid vom 28. August 2014 ab (act. 2).
B. N.N. (Beschwerdeführer) erhob gegen den ihm am 4. September 2014
zugestellten Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) mit
Eingabe seines Rechtsvertreters vom 18. September 2014, Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Anträgen, nach mündlicher und öffentlicher Verhandlung
und unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben. Das Gesuch um Familiennachzug der Kinder A.A. und B.B. sei
gutzuheissen und die Angelegenheit zur Erteilung der Einreise- und
Aufenthaltsbewilligungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (act. 1).
Mit Vernehmlassung vom 21. Oktober 2014 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde (act. 6).
Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 18. September 2014
rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
Unbeachtlich bleibt allerdings der pauschale Verweis in der Beschwerde auf die
früheren Eingaben. Da aus einem solchen Verweis nicht hervorgeht, in welchen
Punkten und weshalb der vorinstanzliche Entscheid fehlerhaft sein soll, genügt er den
Anforderungen an eine Rechtsmittelbegründung nicht (vgl. statt vieler VerwGE B
2013/76 vom 16. April 2014 E. 1, B 2012/19 vom 29. August 2012 E. 2.3;
www.gerichte.sg.ch).
2. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Durchführung einer mündlichen und
öffentlichen Verhandlung ist abzuweisen, da sie weder zur Wahrung der Parteirechte
notwendig ist noch zweckmässig erscheint (Art. 55 Abs. 1 VRP). Bei Entscheiden um
Ausländerfragen handelt es sich nach ständiger Rechtsprechung des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte und des schweizerischen Bundesgerichtes weder um
eine zivilrechtliche noch eine strafrechtliche Angelegenheit im Sinn von Art. 6 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK; vgl. BGer 2C_108/2014 vom 14. September 2014 E. 2.1 mit Hinweisen).
Die für den Entscheid wesentlichen Umstände zur Klärung der umstrittenen Frage, ab
welchem Zeitpunkt die gesetzliche Frist zur Einreichung eines Gesuchs um
Familiennachzug läuft, können umfassend schriftlich vorgebracht werden.
Der Beschwerdeführer beantragt, er sei zu allen Details des Sachverhalts förmlich zu
befragen und es sei ein medizinisches Gutachten über die gesundheitlichen
Beschwerden seiner Mutter einzuholen. Zum Anspruch auf rechtliches Gehör, wie er
sich für das Verfahren vor Verwaltungsgericht aus Art. 64 in Verbindung mit Art. 12 und
15 VRP und Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) ableitet, gehört das Recht des Betroffenen, sich vor
Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zur Sache zu äussern,
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sowie das Recht auf Abnahme der rechtzeitig und formrichtig angebotenen
rechtserheblichen Beweismittel (BGE 127 I 54 E. 2b). Indessen räumt Art. 29 Abs. 2 BV
– entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – keinen Anspruch auf eine
mündliche Anhörung ein (BGE 130 II 425 E. 2.1). Auch steht die Verfassungsgarantie
einer vorweggenommenen Beweiswürdigung nicht entgegen. Das Gericht kann auf die
Abnahme von Beweisen verzichten, wenn es aufgrund bereits abgenommener Beweise
seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür annehmen kann, seine Überzeugung
werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert (BGE 134 I 140 E. 5.3; 130 II
425 E. 2.1; BGer 2C_276/2011 vom 10. Oktober 2011 E. 2.1, nicht publ. in: BGE 137 II
393). Der Beschwerdeführer hatte sowohl vor der verfügenden Behörde als auch vor
den Rechtsmittelinstanzen die Gelegenheit, ausführlich alle ihm wesentlich
erscheinenden Sachverhaltselemente schriftlich zu schildern und Beweismittel
insbesondere in Form von Urkunden und Amtsberichten einzureichen. Da die für den
Entscheid wesentlichen Umstände einer schriftlichen Darstellung zugänglich sind,
erübrigt sich eine Befragung des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer hat
ärztliche Beurteilungen des Gesundheitszustandes seiner Mutter vorgelegt, deren Inhalt
nicht in Frage gestellt wird. Der gesundheitliche Zustand der Grossmutter der Kinder ist
indessen für die Beurteilung der Angelegenheit von untergeordneter Bedeutung, so
dass auch eine eingehendere medizinische Würdigung nicht geeignet wäre, an der
Beurteilung etwas zu ändern. Die entsprechenden Anträge sind deshalb abzuweisen.
3.
3.1. Da der Beschwerdeführer nicht über eine Niederlassungsbewilligung, sondern
über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, kann er sich für den Nachzug seiner
minderjährigen Kinder aus erster Ehe nicht auf Art. 43 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz; SR 142.20, AuG) berufen, welcher
den Familiennachzug von Personen mit einer Niederlassungsbewilligung regelt. Seine
jetzige Ehefrau ist nicht die Mutter seiner Kinder, weshalb auch Art. 42 Abs. 1 AuG
nicht anwendbar ist, obwohl sie die schweizerische Staatsangehörigkeit besitzt (vgl.
BGE 137 I 284 E. 1.2 mit Hinweis auf BGer 2C_537/2009 vom 31. März 2010 E. 2.2.2).
Alsdann kommt Art. 44 AuG in Betracht, welcher den Nachzug durch Ausländer mit
einer Aufenthaltsbewilligung regelt. Art. 44 AuG räumt dem Beschwerdeführer, anders
als Art. 42 und 43 AuG, keinen Nachzugsanspruch ein. Der Beschwerdeführer kann
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich für einen Familiennachzug seiner Kinder jedoch auf den Schutz des
Familienlebens nach Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV berufen (E. 2 des
angefochtenen Entscheids). Durch das Zusammenleben mit der Schweizer Ehefrau hat
er selbst einen Anspruch auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42
Abs. 1 AuG und damit ein gefestigtes Anwesenheitsrecht (vgl. BGE 137 I 284 E. 1.3;
BGer 2C_305/2012 vom 1. Oktober 2012 E. 1.3).
3.2. Das Ausländergesetz beziehungsweise die Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) verlangen, dass das Gesuch um
Nachzug von Ehegatten und Kindern innerhalb von fünf Jahren und bei Kindern über
zwölf Jahren innerhalb von zwölf Monaten eingereicht wird (Art. 47 Abs. 1 AuG
beziehungsweise Art. 73 Abs. 1 VZAE). Massgebend ist das Alter des Kindes bei
Einreichung des Nachzugsgesuchs (BGE 136 II 497). Die Fristen beginnen bei
Familienangehörigen von Ausländerinnen und Ausländern mit der Erteilung der
Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligung oder der Entstehung des
Familienverhältnisses (Art. 47 Abs. 3 lit. b AuG beziehungsweise Art. 73 Abs. 2 VZAE).
3.3. Ein nachträglicher, das heisst ein nicht fristgerechter Familiennachzug wird nur
bewilligt, wenn hierfür wichtige familiäre Gründe sprechen (Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG;
vgl. BGer 2C_276/2011 vom 10. Oktober 2011, in BGE 137 II 393 nicht veröffentlichte
E. 4). Solche liegen unter anderem dann vor, wenn das Kindeswohl schwergewichtig
nur durch einen Nachzug in die Schweiz sachgerecht gewahrt werden kann (vgl. Art. 75
VZAE). Unter Hinweis auf BGE 126 II 329 führt die Botschaft vom 8. März 2002 zum
Ausländergesetz als Beispiel an, dass die weiterhin notwendige Betreuung der Kinder
im Herkunftsland etwa wegen des Todes oder der Krankheit der betreuenden Person
nicht mehr gewährleistet ist (BBl 2002 S. 3794 zu Art. 46 E-AuG). Entgegen dem
Wortlaut von Art. 75 VZAE ist dabei nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung
jedoch nicht ausschliesslich auf das Kindeswohl abzustellen. Zur Bewilligung des
Nachzugs nach Ablauf der Fristen ist jedoch umgekehrt nicht zwingend erforderlich,
dass das Kindeswohl den Nachzug gebietet. Letztlich bedarf es einer Gesamtschau
unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände des Einzelfalles (vgl. BGer
2C_532/2012 vom 12. Juni 2012 E. 2.2; BGer 2C_205/2011 vom 19. September 2012
E. 4.2). Dabei ist dem Sinn und Zweck der Fristenregelung Rechnung zu tragen, welche
die Integration der Kinder erleichtern will, indem diese durch einen frühzeitigen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nachzug unter anderem auch eine möglichst umfassende Schulbildung in der Schweiz
geniessen sollen. Zudem geht es darum, Nachzugsgesuchen entgegenzuwirken, die
rechtsmissbräuchlich erst kurz vor Erreichen des erwerbstätigen Alters gestellt werden,
wenn also die erleichterte Zulassung zur Erwerbstätigkeit und nicht (mehr) die Bildung
einer echten Familiengemeinschaft im Vordergrund steht (BBl 2002 3754 f. Ziff.
1.3.7.7). Die Bewilligung des Nachzugs nach Ablauf der Fristen hat nach dem Willen
des Gesetzgebers die Ausnahme zu bleiben; dabei ist Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG jeweils
dennoch so zu handhaben, dass der Anspruch auf Schutz des Familienlebens nach
Art. 8 EMRK beziehungsweise Art. 13 BV nicht verletzt wird (vgl. BGer 2C_449/2015
vom 4. August 2015 E. 4.2 und 2C_906/2012 vom 5. Juni 2013 E. 3.2 je mit Hinweisen
auf 2C_765/2011 vom 28. November 2011 E. 2.1, 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011
E. 4.2 und 2C_709/2010 vom 25. Februar 2011 E. 5.1.1).
Bei der Beurteilung, ob wichtige familiäre Gründe vorliegen, kommt mithin im
Wesentlichen die unter dem früheren Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung
der Ausländer vom 26. März 1931 (ANAG, BS 1 121) entwickelte Praxis zum Nachzug
zu nur einem Elternteil zum Tragen (vgl. BGE 137 I 284 E. 2.3.1 in fine). Danach lagen
praxisgemäss keine solchen Gründe vor, wenn im Heimatland alternative
Pflegemöglichkeiten bestanden, die dem Kindeswohl besser entsprachen, weil
dadurch vermieden werden konnte, dass die Kinder aus ihrer bisherigen Umgebung
und dem ihnen vertrauten Beziehungsnetz gerissen wurden. An den Nachweis der
fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland stellte die Rechtsprechung umso
höhere Anforderungen, je älter das nachzuziehende Kind war und je grösser die
Integrationsschwierigkeiten erschienen, die ihm hier drohten (vgl. BGE 137 I 284 E. 2.2
mit zahlreichen Hinweisen insbesondere auf BGE 136 II 78 E. 4.1 und 4.7, 120 E. 2.1.,
133 II 6 E. 3.1.2 und 5.3 mit Hinweis auf das Urteil des EGMR i.S. Tuquabo-Tekle und
andere gegen Niederlande vom 1. Dezember 2005 [Nr. 60665/00], 129 II 11 E. 3.3.2,
125 II 585 E. 2c).
4.
4.1. Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe die von der Vorinstanz als
massgeblich erachtete einjährige Nachzugsfrist eingehalten, denn er sei erst seit
August 2012 (für B.B.) beziehungsweise September 2012 (für A.A.) sorgeberechtigt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(act. 7, Akten Migrationsamt, Dossier N.N., S. 82 ff.). Zuvor sei es ihm aufgrund eines
fehlenden rechtlichen Familienverhältnisses nicht möglich gewesen, den Umzug der
Kinder in die Schweiz zu organisieren. Mit seinem Nachzugsgesuch vom 24. Mai 2013
(act. 7, Akten Migrationsamt, Dossier N.N., S. 68 ff.) habe er die Jahresfrist seit
Erteilung des elterlichen Sorgerechts eingehalten.
4.2. Tatsächlich hat das Bundesgericht in BGE 136 II 78 E. 4.8 festgehalten, der
Familiennachzug müsse in Übereinstimmung mit den Regeln des Zivilrechts erfolgen.
Daraus lässt sich indessen nicht schliessen, die Fristen von Art. 47 AuG würden
generell erst mit der Übertragung des Sorgerechts zu laufen beginnen. Denn es liegt in
der Verantwortung der Eltern, eine sachgerechte Regelung des Sorgerechts
sicherzustellen, wenn sie sich scheiden lassen (BGer 2C_174/2012 vom 22. Oktober
2012 E. 3.2). Die Vorinstanz hat richtigerweise erkannt, dass er die beiden Kinder zum
Zeitpunkt seines Wegzuges aus dem Kosovo bewusst bei seiner Ex-Frau
zurückgelassen und damit akzeptiert hat, die entsprechenden familiären Beziehungen
künftig nur besuchsweise und damit eingeschränkt leben zu können (E. 3 b. des
angefochtenen Entscheids). Zudem haben der Beschwerdeführer und seine Ex-Frau
trotz dessen Heirat mit einer schweizerischen Staatsangehörigen und der daraufhin
erteilten Aufenthaltsbewilligung knapp zwei Jahre mit einem Nachzug der Kinder in die
Schweiz zum Vater zugewartet. Dem Beschwerdeführer musste bewusst sein, dass für
den Familiennachzug in die Schweiz Fristen bestehen und gewisse gesetzliche
Vorgaben, wie beispielsweise das Innehaben des elterlichen Sorgerechts für die
nachzuziehenden Kinder, zu erfüllen sind. Letzteres wird durch die Tatsache, dass er in
seinem Herkunftsland bei den entsprechenden Behörden beziehungsweise Gerichten
die elterliche Sorge für die beiden Kinder aufgrund des geplanten Familiennachzugs
beantragte, deutlich. Der Beschwerdeführer moniert, dass er seit seiner Heirat jegliche
rechtlichen Schritte unternommen habe, um einen Familiennachzug in die Schweiz in
die Wege zu leiten. Tatsächlich aber wurde das Gesuch um die Zuteilung der
elterlichen Sorge über die Tochter A.A. an das Gemeindegericht am Heimatort der Ex-
Frau des Beschwerdeführers erst am 30. Juli 2012, also mehr als ein Jahr nach der
Ausreise in die Schweiz und der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung, gestellt. Ähnlich
verhält es sich bei Sohn B.B., bei dem die Vereinbarung über die elterliche Sorge auf
dem Jugendamt am selben Ort erst am 7. August 2012 geschlossen wurde. Dies
indiziert, dass vorwiegend andere Gründe als diejenigen einer schnellen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Familienzusammenführung für den Nachzug massgeblich waren, da der
Beschwerdeführer die Möglichkeit gehabt hätte, entsprechende Schritte bereits viel
früher und damit rechtzeitig einzuleiten. Es besteht deshalb kein Grund, die Frist erst
ab der Übertragung des Sorgerechts gelten zu lassen (vgl. dazu BGer 2C_305/2012
vom 1. Oktober 2012 E. 4.5); es ist vielmehr auf die üblichen Fristen abzustellen: Die im
Jahr 1997 geborene Tochter war bei der Einreichung des Gesuchs um
Familiennachzug am 24. Mai 2013 15 Jahre, der im Jahr 1999 geborene Sohn 13 Jahre
alt, womit die Nachzugsfrist gemäss Art. 73 Abs. 1 VZAE zwölf Monate betrug. Das
Familienverhältnis zur Tochter A.A. wurde mit der Geburt, dasjenige zu Sohn B.B. mit
der Anerkennung begründet. Zur Berechnung der Nachzugsfrist ist deshalb auf den
Zeitpunkt der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an den Beschwerdeführer
abzustellen. Das Gesuch wäre demnach innerhalb eines Jahres ab dem 1. Juni 2011
einzureichen gewesen, nachdem dem Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt die
Aufenthaltsbewilligung zugesprochen wurde (Akten Migrationsamt, Dossier N.N., S.
175). Mit der Einreichung des Gesuchs am 24. Mai 2013 wurde diese Frist um ein
knappes Jahr verpasst, was auch die Vorinstanz treffend feststellte (E. 2 a. ff. des
angefochtenen Entscheids). Ein Nachzug innerhalb der Fristen ist damit
ausgeschlossen.
5.
5.1. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, es bestünden aufgrund der
veränderten Betreuungssituation unabhängig der geltenden Fristen wichtige familiäre
Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AuG in Verbindung mit Art. 73 Abs. 3 und Art. 75
VZAE, um den Nachzug seiner beiden Kinder auch nachträglich zu bewilligen: Weder
die Kindsmutter noch die gesundheitlich angeschlagene Mutter des
Beschwerdeführers, welche die Kinder seit der Übertragung des Sorgerechts betreuen
würde, seien in der Lage, dies weiterhin zu tun. Es sei ausserdem der ausdrückliche
Wunsch der Kinder, zum Beschwerdeführer in die Schweiz zu ziehen.
5.2. Zu klären ist also, ob wichtige Gründe für einen nachträglichen
Familiennachzug im Rahmen von Art. 47 Abs. 4 AuG in Verbindung mit Art. 73 Abs. 3
und Art. 75 VZAE zu bejahen sind. Nach Art. 96 AuG sind bei der Ermessensausübung
die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie der Grad der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Integration des Kindes mit einzubeziehen. Die Vorinstanz kam im angefochtenen
Entscheid unter anderem zum Schluss, dass weder aus dem Urteil des
Gemeindegerichts in Z. vom 7. August 2012 noch aus dem Beschluss des dortigen
Jugendamtes vom 5. September 2012 – jeweils betreffend Übertragung der elterlichen
Sorge – hervorgehe, dass die Kindsmutter nicht mehr für ihre Kinder sorgen könne. Es
bestünden zudem keine Anhaltspunkte oder Hinweise zu deren Gesundheitszustand,
welche nahelegen würden, dass sie für die Betreuung der Kinder unfähig wäre. Weiter
seien die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme (Schwindel und verminderter
Blutfluss), unter denen die Mutter des Beschwerdeführers leiden soll, altersbedingte
Beschwerden, denen mit entsprechender medikamentöser Behandlung
entgegengewirkt werden könne. Diese gesundheitlichen Einschränkungen würden es
aufgrund des altersbedingten reduzierten Betreuungsbedarfs der Kinder nicht
verunmöglichen, sie im erforderlichen Ausmass weiterhin zu betreuen. Angesichts des
Alters der beiden Kinder sei es ausserdem möglich und zumutbar, mit der finanziellen
Hilfe des Beschwerdeführers eine Betreuung durch Personen ausserhalb der Familie zu
organisieren. Zudem seien beide Kinder im Kosovo aufgewachsen, hätten dort ihre
Schulbildung erhalten und die prägenden Jugendjahre verbracht, weshalb sie in ihrem
Heimatland sprachlich und kulturell verwurzelt seien. Trotz der besuchten
Deutschkurse würden diese Tatsachen eine Eingliederung ins Berufsleben in der
Schweiz unter den lokalen Verhältnissen erschweren und dem Sinn und Zweck einer
frühzeitigen Integration zuwiderlaufen. Aufgrund der Akten werde vielmehr der Eindruck
erweckt, dass der Nachzug im Zusammenhang mit bessern Berufs- und
Lebenschancen in der Schweiz und nicht die Bildung einer echten
Familiengemeinschaft im Vordergrund stehe. Der Wunsch der Kinder, beim Vater in der
Schweiz leben zu wollen, begründe keinen wichtigen familiären Grund für einen
verspäteten Familiennachzug. Es bestehe ein öffentliches Interesse daran, den
Nachzug von Kindern, die mit erheblichen Integrationsschwierigkeiten zu kämpfen
hätten, restriktiv zu handhaben. Das öffentliche Interesse an der Verweigerung des
Familiennachzugs überwiege die privaten Interessen des Beschwerdeführers und
seiner beiden Kinder. Der Kontakt könne mit den gängigen Kommunikationsmitteln, mit
Besuchen sowie gemeinsamen Ferien aufrechterhalten werden (E. 4 a. ff. des
angefochtenen Entscheids).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Beschwerdeführer wendete ein, die Vorinstanz habe die dem Sachverhalt zugrunde
liegenden Tatsachen unrichtig beurteilt. Das Sorgerecht sei dem Beschwerdeführer
nicht pro forma zugeteilt worden. Vielmehr hätten die entsprechenden staatlichen
Entscheidungsträger die soziale Situation von Tochter A.A. und Sohn B.B. analysiert
und seien zum Schluss gekommen, dass es zum Wohle der Kinder besser sei, wenn
sie zum Vater in die Schweiz zögen, da sie dort eine bessere Verpflegung, Ausbildung
und Erziehung erhielten. Die Mutter sei zudem arbeitslos, weshalb ihr die Möglichkeiten
für eine angemessene Betreuung fehlten. Es sei aus den eingereichten Dokumenten im
Zusammenhang mit der Gesundheit der Mutter des Beschwerdeführers ersichtlich,
dass sie sich keinesfalls weiter um die Betreuung und Erziehung der beiden Kinder
kümmern könne. Weiter seien die Kinder in einem Alter, in welchem sie der väterlichen
Betreuung und Anleitung bedürften, zumal es jetzt darum gehe, sich einer weiteren
passenden Ausbildung bzw. Erwerbstätigkeit zuzuwenden. Entgegen der Ansicht der
Vorinstanz sei es durchaus sinnvoll gewesen, dass die beiden Kinder die Schulzeit im
Kosovo durchlaufen und abgeschlossen hätten, bevor jetzt mit einer Berufsausbildung
begonnen werde. Es wäre deutlich schwieriger gewesen, hätten nur ein oder zwei
Abschlussjahre in der Schweiz absolviert werden müssen. Zur Vorbereitung des
Umzugs seien die beiden seit einiger Zeit intensiv daran, die deutsche Sprache zu
erlernen. Ausserdem würden die beiden älteren Schwestern bereits seit einiger Zeit in
der Schweiz wohnen, was den Familiennachzug zusätzlich als geboten erscheinen
lasse.
5.3.
5.3.1. Fest steht, dass Tochter A.A. und Sohn B.B. ihre Kindheit und die gesamte
Schulzeit im Kosovo verbrachten. Als der Beschwerdeführer im Jahr 2011 in die
Schweiz zog, liess er seine beiden Kinder zusammen mit der Kindsmutter dort zurück
und akzeptierte damit, die entsprechenden familiären Beziehungen künftig nur
besuchsweise und damit eingeschränkt leben zu können. Der Einwand, er habe
aufgrund des fehlenden Sorgerechts rechtlich keine Möglichkeit gehabt, die beiden
Kinder zeitig nachzuziehen, vermag nicht zu überzeugen. Er hätte entsprechende
Bemühungen und Vorbereitungen zur Erhaltung des Sorgerechts für die beiden Kinder
bereits vor oder zumindest kurz nach seinem Umzug in die Schweiz vornehmen
können, was er jedoch offensichtlich nicht gemacht hat. Der Umstand, dass der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer in der Zeit vom 30. April bis 31. Dezember 2012 arbeitslos war und
er daher kein angemessenes Einkommen erzielte, weshalb er mit dem Familiennachzug
zuwartete, kann bei genauerer Betrachtung ebenfalls nicht zu dessen Gunsten
gewertet werden. So war er in der Zeit vor dem 30. April 2012 vollzeitlich bei der Firma
X. GmbH (heutige X. AG) bei einem Bruttolohn von CHF 5‘600 angestellt, weshalb ein
früherer Familiennachzug finanziell verkraftbar gewesen wäre. Zudem erklärte der
Beschwerdeführer selbst, dass er die folgenden acht Monate deshalb arbeitslos
beziehungsweise – viel wichtiger – ohne Einkommen gewesen war, weil er sich nicht
bei der Arbeitslosenkasse angemeldet habe (act. 7, Akten Migrationsamt, Dossier N.N.,
S. 133). Dabei ist irrelevant, ob er dies in der Hoffnung auf eine baldige neue Stelle
getan hat. Er war für den Einkommensausfall also selbst verantwortlich, weshalb auch
dieser Umstand nicht als Grund für das verspätete Nachzugsgesuch gelten kann. Im
Übrigen kann der Vorinstanz im Zusammenhang mit der Beurteilung der
wirtschaftlichen Situation, welche zur verspäteten Einreichung des Gesuchs geführt
haben soll, weder eine Gehörsverletzung noch eine formelle Rechtsverweigerung
vorgeworfen werden. So hat sie lediglich argumentiert, der Beschwerdeführer sei vor
Ablauf der Nachzugsfrist bei einem Bruttolohn von CHF 5‘600 bei der Firma X. GmbH
angestellt gewesen, was vor dem 30. April 2012 und damit vor der Arbeitslosigkeit
auch der Fall und somit nicht aktenwidrig war.
5.3.2. Es fragt sich, aus welchen Gründen das Sorgerecht über die beiden Kinder von
der Kindsmutter auf den Vater übertragen wurde und ob diese Gründe als wichtige
Gründe im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AuG i.V.m. Art. 73 Abs. 3 und Art. 75 VZAE zu
qualifizieren sind. Aus dem Urteil des Gemeindegerichts in Z. vom 5. September 2012
betreffend das Sorgerecht über Tochter A.A. geht hervor, dass der Beschwerdeführer
das elterliche Sorgerecht beantragte, weil er in der Schweiz lebe und über bessere
materielle Verhältnisse verfüge, um seinen Kindern alle lebensnotwendigen Bedürfnisse
zu erfüllen. Dies gab auch die Ex-Frau des Beschwerdeführers zu Protokoll, wobei sie
auf ihre Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen schlechteren Lebensverhältnisse
hinwies. Auch Tochter A.A. sagte vor Gericht aus, dass die Kindsmutter aufgrund ihrer
Arbeitslosigkeit nicht in der Lage sei, Bildungskosten und weitere Bedürfnisse zu
decken, weshalb sie mit einem Umzug zum Beschwerdeführer einverstanden sei. Dem
Beschluss des Jugendamtes in Z. vom 7. August 2012 betreffend das Sorgerecht über
Sohn B.B. sind keine konkreten Angaben über die Beweggründe zu entnehmen. Diese
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dürften sich aber mit denjenigen des Urteils des Gemeindegerichts decken, was auch
der Beschwerdeführer sinngemäss bestätigt. Zusätzlich macht der Beschwerdeführer
geltend, es sei der ausdrückliche Wunsch der Kinder, zu ihm in die Schweiz zu ziehen.
Im Übrigen wohnten auch seine beiden älteren Kinder mit ihren Ehegatten in der
Schweiz, was zu einer wünschenswerten Gesamtzusammenführung der Familie führte.
Wie die Vorinstanz bereits festgestellt hat, geht aus den Akten nicht hervor, dass die
Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage wäre, sich im
notwendigen Ausmass um die beiden Kinder zu kümmern. Das Kindeswohl ist also
nicht aufgrund einer Krankheit oder gar des Todes der betreuenden Person nicht mehr
gewährleistet. Vielmehr geht aus den Akten hervor, dass materielle Gründe und
bessere Berufs- und Lebenschancen für die Übertragung des Sorgerechts bzw. das
Nachzugsgesuch massgebend waren. Die Arbeitslosigkeit der Kindesmutter und die
damit verbundene finanziell schwierige Situation stehen einer angemessenen
Betreuung der Kinder nicht entgegen, zumal es dem Beschwerdeführer ohne weiteres
möglich und zumutbar wäre, die Kindesmutter finanziell zu unterstützen, um die
Bedürfnisse der beiden Kinder zu erfüllen. Dies macht eine Beurteilung der
vorgebrachten Betreuungsumstände im Zusammenhang mit dem gesundheitlichen
Zustand der Mutter des Beschwerdeführers unbedeutend, da keine gewichtigen
Gründe ersichtlich sind, weshalb die Kindesmutter nicht für die Betreuung der Kinder
sorgen könnte. Diesem Sachverhalt sind demnach keine Anhaltspunkte für das
Vorliegen eines wichtigen Grundes zu entnehmen. Sodann ist zu berücksichtigen, dass
der Kindeswunsch alleine keinen wichtigen familiären Grund nach Art. 47 Abs. 4 AuG
darstellt.
5.3.3. Die beiden Kinder sind im Kosovo aufgewachsen und haben ihre bisherige
Jugend- und Schulzeit dort verbracht. Sie sind demnach sprachlich und kulturell in
ihrem Heimatland sozialisiert und verwurzelt, weshalb ihnen eine Eingliederung ins
hiesige Berufsleben und in die lokalen Verhältnisse schwer fallen dürfte. Dies nicht
zuletzt aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse. Der Beschwerdeführer vertritt
diesbezüglich den Standpunkt, seine Kinder seien derzeit intensiv daran, die deutsche
Sprache zu erlernen, weshalb ihnen die Integration in der Schweiz leicht fallen würde.
Hierzu wurden zwei Dokumente zu den Akten gereicht, welche die Teilnahme der
Kinder an einem ersten Teil des Deutschkurses auf Stufe A1 des europäischen
Sprachportfolios und die geplante Absolvierung des zweiten Teiles bestätigen (Akten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Migrationsamt, Dossier N.N., S. 20 f.). Dieses Niveau befähigt im Normalfall einfache
Fragen zu stellen und zu beantworten und andere um etwas zu bitten, sich in einfachen
Sätzen und Wendungen vorzustellen und Gespräche und Texte mit vertrautem Inhalt zu
verstehen (Goethe Institut, www.goethe.de, Deutschkurse und Deutschprüfungen/
Deutschprüfungen/unsere Deutschprüfungen/Goethe-Zertifikat A1: Fit in Deutsch 1).
Ob diese Grundkenntnisse der deutschen Sprache ausreichen, um einen erleichterten
Einstieg in die Arbeitswelt und den Alltag in der Schweiz zu gewährleisten, ist fraglich.
Überdies genügen elementare Sprachkenntnisse für sich alleine ohnehin nicht für die
Annahme, die beiden Kinder würden sich ohne grosse Schwierigkeiten hierzulande
integrieren können.
5.3.4. Insgesamt liegen keine wichtigen familiären Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4
AuG vor, welche die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ausserhalb der gesetzlichen
Nachzugsfristen rechtfertigen.
6. Die Ablehnung des Familiennachzugsgesuchs des Beschwerdeführers muss
sich sodann als verhältnismässig erweisen. Gemäss Art. 96 AuG berücksichtigen die
zuständigen Behörden bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die
persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und
Ausländer. Als zulässiges öffentliches Interesse nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK gilt nach
bundesgerichtlicher Praxis das Durchsetzen einer restriktiven Einwanderungspolitik, die
ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der schweizerischen und der ausländischen
Wohnbevölkerung, die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung
der in der Schweiz bereits ansässigen Ausländer und die Verbesserung der
Arbeitsmarktstruktur sowie eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung bezweckt
(BGE 135 I 153 E. 2.2.1, 137 I 284 E. 2.1 je mit Hinweisen). Die Vorinstanz erachtete
das öffentliche Interesse daran, den Nachzug bei fehlenden wichtigen Gründen nach
Art. 47 AuG und von Kindern, die mit Integrationsschwierigkeiten zu kämpfen hätten,
restriktiv zu handhaben, als gewichtiger als die privaten Interessen der beiden Kinder
und des Beschwerdeführers am Familiennachzug. Diese Wertung der
Verhältnismässigkeit ist nicht zu beanstanden, da nach dem bereits Gesagten keine
wichtigen familiären Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug vorliegen. Die
Verweigerung des Familiennachzugs bedeutet auch nicht, dass die Beziehung und der
persönliche Kontakt zwischen Vater und Kindern verhindert werden. Der Kontakt kann
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mittels Telefonaten, Briefen und gegenseitigen Besuchen sowie gemeinsamen Ferien
aufrechterhalten werden. Zusammengefasst ist demgemäss die Beschwerde
abzuweisen.
7. (...).