Decision ID: c6b17f9d-39a9-432c-a558-f06db9c5df0d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 21. März 2018 (DG170241)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
13. September 2017 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 002001 ff., Haupt-
ordner 1).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 90 S. 174 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1
Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Abs. 3 StGB,
− der mehrfachen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung im Sinne
von Art. 164 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB,
− der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 29 StGB,
− der Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB sowie
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in
Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG und Art. 4a Abs. 1
und 5 VRV.
2. Vom Vorwurf der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 StGB wird der
Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 27 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis und mit
heute 31 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von
13 Tagessätzen zu CHF 30.
4. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen.
5. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anordnung der Abnahme einer DNA-Probe
und auf Erstellung eines DNA-Profils im Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes
sowie auf Erteilung eines entsprechenden Vollzugsauftrages wird abgewiesen.
- 3 -
6. Das beschlagnahmte und bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich lagernde
Mobiltelefon der Marke Black-Berry (Typ SQN100) wird dem Beschuldigten nach
Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei
Nichtabholung innert drei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft wird das
Mobiltelefon durch die Lagerbehörde vernichtet.
7. Über die im Vorverfahren geleistete Sicherheitsleistung wird mit separatem
Beschluss entschieden.
8. Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 10'000 ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF 20'000 Gebühr Vorverfahren
CHF 9'709 Auslagen Untersuchung
CHF 491 Diverse Kosten
CHF 59'185.10 Amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
11. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
12. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen und Barauslagen als
amtlicher Verteidiger mit CHF 59'185.10 (inkl. MwSt., abzüglich der bereits
erhaltenen Akontozahlungen in der Höhe von CHF 33'000) aus der Gerichtskasse
entschädigt.
13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von CHF 25'662 (inkl. MwSt.) zu bezahlen.
14. (Mitteilungen)
15. (Rechtsmittel)"
- 4 -
Berufungsanträge: (Prot. II S. 13 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 177 S. 2)
Unter Aufhebung der Dispositiv-Ziff. 1, 3, 4, 10 und 13 des Urteils des Bezirks-
gerichts Zürich vom 21. März 2018 (DG170241) sei wie folgt zu entscheiden:
1. A._ sei von den Vorwürfen der mehrfachen ungetreuen
Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise in
Verbindung mit Abs. 3 StGB; der mehrfachen Gläubigerschädigung durch
Vermögensverminderung im Sinne von Art. 164 Ziff.1 StGB in Verbindung
mit Art. 29 StGB; der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB und
der Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB freizu-
sprechen.
2. A._ sei der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Abs. 2 SVG schuldig zu sprechen und dafür mit einer Geldstrafe von 10
Tagessätzen zu bestrafen, deren Vollzug bei einer Probezeit von 2 Jahren
aufzuschieben ist.
3. Die Zivilansprüche der Privatklägerin seien auf den Zivilweg zu verweisen,
und der Privatklägerin sei keine Parteientschädigung zuzusprechen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien vollumfänglich, die Kosten der
Untersuchung und des vorinstanzlichen Verfahrens zu neun Zehnteln auf die
Staatskasse zu nehmen.
5. A._ sei eine angemessene Genugtuung für den von ihm
ausgestandenen Freiheitsentzug von 31 Tagen zuzusprechen.
- 5 -
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 179 S. 1)
1. Dispositiv Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 21. März 2018
(Geschäfts-Nr. DG170241; hiernach "Vorinstanz") sei aufzuheben und der
Beschuldigte und Berufungskläger sei in allen Punkten im Sinne der An-
klageschrift vom 17. September 2018 [recte: 2017] (hiernach "Anklage")
schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte und Berufungskläger sei in Abänderung von Ziffer 3 des
Urteils der Vorinstanz zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren
und sechs Monaten als Gesamtstrafe (entsprechend dem vor der Vorinstanz
gestellten Antrag der Anklägerin).
3. Dispositiv Ziffer 1, 4 bis 7 und 9 bis 13 des Urteils der Vorinstanz seien zu
bestätigen. (In Bezug auf Ziffer 8 verzichtet die Anklägerin und Anschluss-
berufungsklägerin auf Antragstellung.)

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 90 S. 6 f.).
1.2. Mit Urteil der 9. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich vom 21. März 2018
wurde der Beschuldigte A._ vom Vorwurf der Urkundenfälschung im Sinne
von Art. 251 StGB frei gesprochen, im Übrigen jedoch – mit einigen zeitlichen und
betragsmässigen Einschränkungen – anklagegemäss schuldig gesprochen. Der
Beschuldigte wurde mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten sowie
mit einer unbedingten Geldstrafe von 13 Tagessätzen zu CHF 30 bestraft (Urk.
90). Mit separatem Beschluss vom 21. März 2018 ordnete die Vorinstanz sodann
- 6 -
an, dass die Fluchtkaution im Sinne einer Ersatzmassnahme für Sicherheitshaft
bis zum Antritt des Vollzugs der unbedingten Freiheitsstrafe weiterhin unter
Beschlag verbleibe (Urk. 82).
1.3. Gegen das Urteil vom 21. März 2018 liess der Beschuldigte mit Schreiben
seines amtlichen Verteidigers vom 29. März 2018 rechtzeitig Berufung anmelden
(Urk. 85). Nach Zustellung des begründeten Urteils am 13. Juni 2018 liess er
innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO am 3. Juli 2018
Berufung erklären (Urk. 89/2; Urk. 92). Die Staatsanwaltschaft III des Kantons
Zürich erklärte Anschlussberufung (Urk. 99). Demgegenüber verzichtete die
Privatklägerin B._ AG auf die Erhebung einer Anschlussberufung (Urk. 101).
1.4. Mit Eingabe vom 12. Juli 2018 beantragte der amtliche Verteidiger, das
Berufungsverfahren sei vorerst auf die Frage der Geltung des Spezialitätsprinzips
zu beschränken, und es sei dafür das schriftliche Verfahren anzuordnen (Urk. 97).
Mit Präsidialverfügung vom 7. August 2018 wurden der Staatsanwaltschaft und
der Privatklägerin Frist angesetzt, um zum Antrag der Verteidigung Stellung zu
nehmen (Urk. 103). Während die Privatklägerin auf Stellungnahme verzichtete
(Urk. 105), erklärte sich die Staatsanwaltschaft mit dem Antrag auf einstweilige
Verfahrensbeschränkung und Anordnung des schriftlichen Verfahrens
ausdrücklich einverstanden. Gleichzeitig nahm sie zu der gerügten Verletzung
des Spezialitätsprinzips inhaltlich Stellung (Urk. 107). Die Privatklägerin liess sich
nicht vernehmen. Mit Präsidialverfügung vom 21. August 2018 wurde das
Verfahren antragsgemäss vorerst auf die Frage der Geltung des
Spezialitätsprinzips beschränkt, und es wurde ein zweiter Schriftenwechsel
angeordnet (Urk. 109). Der Beschuldigte liess sich am 12. September 2018 zur
Stellungnahme der Staatsanwaltschaft vernehmen, wobei er an seinen
Ausführungen festhalten liess (Urk. 111). Die Eingabe des Beschuldigten wurde
der Staatsanwaltschaft am 14. September 2018 zugestellt. Die Stellungnahme der
Staatsanwaltschaft ging hierorts am 24. September 2018 ein (Urk. 115) und
wurde der Verteidigung sowie der Privatklägerschaft mit Präsidialverfügung vom
25. September 2018 zugestellt (Urk. 117). In der Folge wurde mit Beschluss der
hiesigen Kammer vom 15. Januar 2019 das Berufungsverfahren sistiert und die
- 7 -
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich wurde ersucht, Deutschland ein
Nachtragsersuchen im Sinne von Art. 14 Ziff. 1 lit. a EAÜ zu unterbreiten, um die
nachträgliche Zustimmung zur Strafverfolgung und Aburteilung des Beschuldigten
für die nicht von der ursprünglichen Auslieferungsbewilligung erfassten Taten
einzuholen (Urk. 119). Nachdem sich die Anklagebehörde mit Ersuchen vom 21.
Februar 2019 durch das Gericht zur Vornahme der erforderlichen
Untersuchungshandlungen hatte ermächtigen lassen (Urk. 123 und Urk. 125),
richtete sie am 28. Mai 2019 (Urk. 129) ein Ersuchen um Nachtragsgenehmigung
gemäss Art. 14 Ziff. 1 Bst. 1 des Europäischen Auslieferungsübereinkommens an
das Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung, welches sich seinerseits an
das Bayrische Staatsministerium der Justiz wandte. Mit Schreiben vom 16.
September 2019 schliesslich teilte das Bayrische Staatsministerium der Justiz
den Schweizerischen Behörden mit, dass es nachträglich auch die Auslieferung
des Beschuldigten zur Strafverfolgung wegen der in dem Haftbefehl der
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 28. Mai 2019 in Verbindung mit
der Anklageschrift vom 13. September 2017 aufgeführten Straftaten bewillige
(Urk. 133/2). Mit Beschluss vom 21. Oktober 2019 hob die erkennende Kammer
in der Folge die Sistierung auf und stellte den Parteien die vorgenannte
Bewilligung zur freigestellten Vernehmlassung zu (Urk. 134). Nach zweifacher
Fristerstreckung teilte der amtliche Verteidiger des Beschuldigten mit Eingabe
vom 23. Dezember 2019 den Verzicht auf Stellungnahme mit (Urk. 136, Urk. 138
und Urk. 140). Die Anklagebehörde und die Privatklägerin liessen sich innert Frist
nicht vernehmen.
1.5. Am 21. Februar 2020 erfolgte die Vorladung zur Berufungsverhandlung auf
den 6. Juli 2020 (Urk. 142). Diese Verhandlung musste coronabedingt ver-
schoben werden (Urk. 161 ff.). Mit Verfügung vom 22. Januar 2021 wurde neu auf
den 21. April 2021 vorgeladen (Urk. 172). Zur heutigen Berufungsverhandlung
sind der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt
lic. iur. X._ und der Vertreter der Anklagebehörde, Staatsanwalt Dr. iur. M.
Jean-Richard-dit-Bressel, erschienen (Prot. II. S.13). Die Privatklägerin liess
bereits vorab mitteilen, dass sie an der Berufungsverhandlung nicht teilnehmen
werde (Urk. 144; Urk. 174). Vorfragen waren keine zu entscheiden und
- 8 -
abgesehen von der Befragung des Beschuldigten (Urk. 176) waren keine Beweise
abzunehmen. Die Parteien verzichteten sodann auf eine mündliche
Urteilseröffnung (Prot. II S. 23). Das Urteil erging noch gleichentags und wurde
den Parteien schriftlich mitgeteilt (Prot. II S. 24 ff.; Urk. 180; Urk. 181).
2. Umfang der Berufung
2.1. In ihrer Berufungserklärung vom 3. Juli 2018 beantragt die amtliche
Verteidigung des Beschuldigten im Hauptstandpunkt einen vollumfänglichen
Freispruch und im Eventualstandpunkt die Einstellung der gegen den
Beschuldigten erhobenen Strafuntersuchung. Alles unter entsprechender Kosten-
und Entschädigungsregelung (Urk. 92). Die Anklagebehörde dagegen beantragt
mit ihrer Anschlussberufung einen vollumfänglichen Schuldspruch entsprechend
der Anklageschrift vom 13. September 2017 sowie die Bestrafung des
Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten sowie
mit einer Geldstrafe von 13 Tagessätzen zu CHF 30.– (Urk. 99).
2.2. Die folgenden Regelungen des erstinstanzlichen Urteils wurden weder
durch den Beschuldigten, noch durch die Anklagebehörde ausdrücklich ange-
fochten:
− Ziff. 5 (Verzicht auf Abnahme einer DNA-Probe); − Ziff. 6 (Herausgabe des beschlagnahmten Mobiltelefons); − Ziff. 7 (Verweis auf Beschluss (Urk. 82)); − Ziff. 9 (Kostenfestsetzung) und − Ziff. 12 (Festsetzung Honorar amtliche Verteidigung).
Sodann beantragt die Verteidigung in Ziff. 3 erster Satzteil ihrer Anträge (in Bezug
auf Dispositiv-Ziff. 8 des vorinstanzlichen Urteils), die Zivilansprüche der
Privatklägerin seien auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. 117 S. 2). In diesem
Sinne verlangt sie auch in diesem Punkt die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils. Mithin hat sie diesbezüglich kein Rechtschutzinteresse auf eine
Abänderung weshalb auf den in Ziff. 3 erster Satzteil gestellten Antrag der
Verteidigung betreffend Schadenersatzansprüche der Privatklägerin nicht
eizutreten ist und die Ziff. 8 des erstinstanzlichen Urteils (Verweis des
- 9 -
Schadenersatzbegehrens der Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses)
entsprechend ebenfalls nicht als angefochten gilt.
Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil in diesen Punkten nicht ange-
fochten und damit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss
festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.3. Im übrigen Umfang – für den nicht in Rechtskraft erwachsenen und
angefochtenen Teil des Urteils – steht das vorinstanzliche Urteil zwecks
Überprüfung unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes (Verbot der
reformatio in peius) zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Formelles
3.1. Soweit nachfolgend auf Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid verwiesen wird, so erfolgt dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO,
auch ohne dass dies jeweils explizit Erwähnung findet.
3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 146 IV 297,
E. 2.2.7; BGE 141 IV 249, E. 1.3.1; BGE 139 IV 179, E. 2.2; BGE 138 IV 81,
E. 2.2, je mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit in der
Begründung auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
4. Prozessuale Einwände
4.1. Wie bereit vor Vorinstanz (Urk. 79 S. 6 ff.), stellt sich die Verteidigung
bekanntlich auch im Berufungsverfahren auf den Standpunkt, es sei vorliegend
das Spezialitätenprinzip zu beachten. Wie zuvor unter Ziffer I. 1.4. dargetan, teilte
das Bayrische Staatsministerium der Justiz den Schweizerischen Behörden auf
entsprechendes Ersuchen hin mit, dass es nachträglich auch die Auslieferung des
Beschuldigten zur Strafverfolgung wegen der im Haftbefehl der
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 28. Mai 2019 in Verbindung mit
der Anklageschrift vom 13. September 2017 aufgeführten Straftaten bewillige
- 10 -
(Urk. 133/2). Mit Verweis auf die einschlägigen Erwägungen im Beschluss der
hiesigen Kammer vom 15. Januar 2019 (Urk. 119) handelte es sich bei der durch
das hiesige Gericht festgestellten Verletzung des Spezialitätsprinzips um einen
Mangel, der
– entgegen der Auffassung der Verteidigung – auch noch im Berufungsverfahren
geheilt werden kann und welcher aufgrund der nachträglichen Bewilligung durch
die zuständigen deutschen Behörden auch tatsächlich geheilt wurde.
Entsprechend erübrigen sich an dieser Stelle Weiterungen hierzu.
4.2. Nach Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift möglichst
kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit
Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Diese
Bestimmung basiert auf dem aus Art. 6 EMRK und Art. 32 BV fliessenden und in
Art. 9 StPO verankerten Anklageprinzip, wonach die Anklage einen genau
umschriebenen Sachverhalt zu enthalten hat (SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar
StPO, 3. Aufl. 2018, Art. 325 N 7 f.). Wie detailliert der Sachverhalt in der
Anklageschrift zu umschreiben ist, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab.
Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem
Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und
subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Es muss aus ihr erkennbar sein,
inwiefern die inkriminierte Handlung den objektiven und subjektiven Tatbestand
des angerufenen Straftatbestandes erfüllt. Das Gericht ist an den in der Anklage
wiedergegebenen Sachverhalt gebunden, nicht aber an dessen rechtliche Wür-
digung durch die Anklagebehörde. Das Anklageprinzip bezweckt zugleich den
Schutz der Verteidigungsrechte der angeschuldigten Person und dient dem
Anspruch auf rechtliches Gehör (Urteil des BGer 6B_324/2012 vom
27. September 2012 E. 1.3.).
Im Zusammenhang mit dem durch die Anklagebehörde erhobenen Vorwurf der
Urkundenfälschung ist der Anklagesachverhalt äusserst vage formuliert. Zwar hält
die Anklagebehörde einleitend wörtlich fest, der Beschuldigte habe (unter
anderem) "mehrfach in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an anderen
Rechten zu schädigen oder sich oder einem anderen einen unrechtmässigen
- 11 -
Vorteil zu verschaffen, eine rechtlich erheblichen Tatsache unrichtig beurkundet
oder beurkunden lassen". In der Folge unterlässt sie es aber, konkrete Angaben
zu Art und Weise der vermeintlichen Tatausführung respektive -begehung, zum
Tatort und zur Tatzeit zu machen. Mit Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen
Urkundenfälschung bleibt der Anklagesachverhalt dermassen unklar, dass eine
ausreichende Verteidigung des Beschuldigten nicht möglich ist. Daran vermögen
die Vorbingen seitens der Staatsanwaltschaft betreffend den "Zwischeningress"
vor Ziffer 15 der Anklage (Urk. 179 S. 6) nichts zu ändern. Damit liegt eine
Verletzung des Anklageprinzips vor, was zur Folge hat, dass das Verfahren
betreffend mehrfach Urkundenfälschung in Anwendung von Art. 329 StPO
einzustellen ist.
4.3. Wie bereits ausgeführt (Ziff. I 2.2.), ist sodann auf den Antrag der Vertei-
digung in Ziffer 3 erster Satzteil (Verweis des Schadenersatzbegehrens der
Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses; Urk. 117 S. 2) mangels
Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
II. Sachverhalt
5. Allgemeines
5.1. Auf die in allen Teilen korrekten einleitenden Erwägungen der Vorinstanz
zu den theoretischen Grundsätzen der Beweiswürdigung sowie zur einschlägigen
Lehre und Rechtsprechung kann vorab vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 90
S. 21 ff.).
5.2. Die Vorderrichter haben sich weiter unter Ziffer II. 2.1. a - f eingehend mit
der Beurteilung der Glaubwürdigkeit sämtlicher einvernommenen Personen
auseinandergesetzt. Sie haben dabei die Positionen und Interessenlagen der
verschiedenen befragten Personen kritisch beleuchtet und gleichermassen
überzeugende wie nachvollziehbare Schlüsse daraus gezogen (Urk. 90 S. 25 f.).
Diese zutreffenden Erwägungen können ohne Weiterungen übernommen werden,
zumal sie auch von keiner der Parteien substantiiert in Abrede gestellt wurden.
Hinzu kommt, dass es nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung
- 12 -
ohnehin in erster Linie auf die inhaltliche Glaubhaftigkeit einzelner Aussagen
ankommt und der Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen im Rahmen der
Beweiswürdigung – in aller Regel – lediglich untergeordnete Bedeutung zukommt
(BGE 133 I 33 E. 4.3).
6. Ziff. I. 1. der Anklageschrift betr. Handelsregisterdaten und tatsächliche Verhältnisse
6.1. Soweit in der Anklageschrift vom 13. September 2017 zunächst der Inhalt
der Handelsregistereintragung betreffend die C._ (C._ AG)
wiedergegeben wird, ist der entsprechende Sachverhalt durch den Beschuldigten
unbestritten und durch den Handelsregistereintrag belegt (Urk. 050555 f., Ordner
6 sowie Urk. 156086 ff. Ordner 15).
6.2. Die Vorderrichter erwogen im Rahmen ihrer Beweiswürdigung zu Ziff. I. 1.
der Anklageschrift stark zusammengefasst das folgende (Urk. 90 S. 27 ff.).
6.2.1. Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten selbst sowie gestützt auf die
glaubhaften Aussagen des Zeugen D._ sei im Kern erstellt, dass der
ursprüngliche wirtschaftliche Zweck der C._ darin bestanden habe, aus
steuerlichen Gründen durch Lizenzgebühren für die Nutzung der Marke E._
Aufwand der Gesellschaften "F._ Comp." und "E._ USA Inc." (deren
jeweiliger Alleinaktionär der Beschuldigte gewesen sei) zu verursachen bzw.
Ausschüttungen dieser beiden Gesellschaften an die C._ bzw. an den
Beschuldigten als Lizenzaufwand darzustellen. Nachdem "F._ Comp." in
Konkurs gegangen und die "E._ USA Inc." stillgelegt worden sei, sei die
C._ mit verschiedenen Zahlungen in Rückstand geraten, worauf der erste
Verwaltungsrat der C._, D._, sein Mandat am 6. Januar 2011
niedergelegt habe. Der Beschuldigte habe aufgrund des Abgangs von D._
bereits um die damaligen Zahlungsschwierigkeiten der C._ gewusst, was
namentlich auch aus dem durch D._ eingereichten E-Mail-Verkehr zwischen
diesem und dem Beschuldigten hervorgehe. Der Inhalt dieser Konversation
mache nämlich deutlich, dass der Abgang D._s in unmittelbarem
Zusammenhang mit Zahlungsschwierigkeiten der C._ gestanden sei (Urk.
- 13 -
050343, Hauptordner 1; [...] I am no longer willing to be on C._s Board if the
company is no longer able to pay the debts on time and if the company is in
danger to send into bancruptcy [...] I will resign from the board with immediate
effect if C._ has not received sufficient funds to pay all of the above
mentioned debts [...]). Nachdem der ursprüngliche wirtschaftliche Zweck der
C._ weggefallen sei, habe der Beschuldigte entschieden, ab 2011 über die
C._ in der Schweiz Massbekleidung für Herren zu verkaufen.
6.2.2. Was die konkrete Stellung des Beschuldigten innerhalb der C._
anbelange, sei zunächst aufgrund seiner eigenen Zugaben erstellt, dass die
C._ am 13. September 2007 durch D._ und zwei seiner Mitarbeiterinnen
im Auftrag und auf Rechnung des Beschuldigten gegründet worden sei, worauf
sämtliche Inhaberaktien an den Beschuldigten übergeben worden seien. In der
Folge sei der Beschuldigte unbestrittenermassen und fortdauernd Alleinaktionär
der C._ gewesen.
6.2.3. Ebenfalls sei erstellt, dass der Beschuldigte aufgrund seiner bisherigen
Erfahrungen – insbesondere aufgrund seiner Vorstrafe – gezielt nicht namentlich
habe als Organ der C._ in Erscheinung treten wollen. Er sei davon
ausgegangen, dass sich eine Verantwortlichkeit nicht ohne weiteres nachweisen
lasse, wenn er gegen aussen nicht als Geschäftsführer oder Bevollmächtigter in
Erscheinung trete. Aufgrund seines Aussageverhaltens habe der Beschuldigte
deutlich gemacht, dass er sich im Hinblick auf eine Organstellung auf eine rein
formelle Sichtweise beschränkt habe. Dabei habe er ausgeblendet, dass er in
mannigfacher Hinsicht Tätigkeiten als Geschäftsführer der C._ entfaltet
habe. Dass es dem Beschuldigten wichtig gewesen sei, dass sein Name bei der
C._ nirgendwo offiziell erwähnt worden sei und dass er dies aus Gründen
einer allfälligen Verantwortlichkeit gezielt so gehandhabt habe, zeige sich zudem
auch in den Aussagen Dritter. D._, ehemaliger Verwaltungsrat der C._,
habe im Rahmen seiner Zeugeneinvernahme vom 12. Mai 2015 zu Protokoll
gegeben, dem Beschuldigten sei es stets ein Anliegen gewesen, nicht als Organ
der C._ in Erscheinung zu treten. Gleiches habe auch die Zeugin G._,
ehemalige Angestellte der C._, ausgeführt. Schliesslich habe die Ex-Ehefrau
- 14 -
des Beschuldigten, H._, als Zeugin zu Protokoll erklärt, der Beschuldigte
habe gesagt, dass er der Besitzer des Unternehmens sei, dass er aber nichts
Operatives mache, denn als Geschäftsführer stehe man in der Verantwortung.
6.2.4. Aufgrund der Aussagen der im Verlauf der Strafuntersuchung als Zeugen
einvernommenen Angestellten und Mandatsträger der C._ und der
Depositionen des Beschuldigten selbst, verbleibe kein Zweifel daran, dass er
faktisch als Geschäftsführer der C._ agiert habe. Seine in verschiedener
Hinsicht bestehende Vormachtstellung (Auswahl der formell bestellten
Verwaltungsräte, Bestimmung der konkreten Tätigkeit der C._ und der
Verwendung der durch diese erwirtschafteten Mittel, Auswahl und Instruktion des
Personals, Bestimmung der genutzten Mieträumlichkeiten, Verhandlungen mit
den Lieferanten und der Privatklägerin als Promotionspartnerin etc.) lasse keinen
anderen Schluss zu, als eben jenen, dass der Beschuldigte – entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Urk. 177 S. 5 ff.) – als Geschäftsführer bzw. faktischer
Leiter im Sinne von Art. 29 lit. d StGB für die C._ tätig gewesen sei. Aufgrund
des durch ihn mit I._ vereinbarten Mandatsvertrags, welcher ihm faktisch
eine weitgehende Weisungsbefugnis gegenüber dem einzigen formell bestellten
Verwaltungsrat und damit u.a. auch die Zuständigkeit für die Oberleitung der
Gesellschaft eingeräumt habe, sei der Beschuldigte nicht nur als faktischer
Geschäftsführer zu betrachten, sondern es sei auch davon auszugehen, dass er
neben I._ als faktischer Verwaltungsrat tätig gewesen sei. Der
Mandatsvertrag habe den formell bestellten Verwaltungsrat I._ betreffend
sämtlicher Geschäfte, welche über die ordentliche Verwaltung im Sinne der
Buchhaltung und allgemeinen Administration der Gesellschaft hinausgegangen
seien, verpflichtet, das Einverständnis des Beschuldigten einzuholen. Von dieser
generellen Regelung sei einzig für den Fall der Dringlichkeit Ausnahmen
vorgesehen gewesen. Aufgrund dieser hierarchischen Überordnung des
Beschuldigten könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Oberleitung der
Gesellschaft (und die weiteren unübertragbaren Aufgaben des Verwaltungsrates
als Oberleitung der Gesellschaft, vgl. Art. 716a OR) einzig bei I._ gelegen
habe. Damit sei erstellt, dass der Beschuldigte nicht bloss Alleinaktionär der
- 15 -
C._ sondern auch deren faktischer Leiter und faktischer Verwaltungsrat
gewesen sei.
6.2.5. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung betreffend Ziff. I. 1. der Anklageschrift
(Handelsregisterdaten und tatsächliche Verhältnisse) erweist sich als vollständig
und zutreffend, weshalb sie ohne Weiterung und mit Verweis auf die Erwägungen
der Vorderrichter übernommen werden kann (Urk. 90 S. 27 ff.). Die Vorbringen
der Verteidigung, wonach der Beschuldigte nicht aus dem Grund, sich einer
allfälligen zivil- oder strafrechtlichen Verantwortung zu entziehen, nicht namentlich
in Erscheinung habe treten wollen (Urk. 177 S. 3 f.), vermag in Anbetracht der
gesamten Umstände und mit Verweis auf die wohlbegründeten vorinstanzlichen
Erwägungen keineswegs zu überzeugen. Auf die Rolle respektive die effektive
Funktion des Beschuldigten in der C._ wird nachfolgend unter Ziffer II 7.2.
noch näher einzugehen sein.
7. Ziff. I. 2. der Anklageschrift betr. unrichtige Finanzlage der C._
7.1. Die Vorderrichter erachteten den unter der Anklageziffer I. 2.
umschriebenen Sachverhalt als weitestgehend erstellt. Zu den einzelnen
Abschnitten kamen sie nach durchgeführter Würdigung der Beweislage zu den
nachfolgend im Einzelnen zu rekapitulierenden Beweisergebnissen (Urk. 90 S. 38
ff.):
7.1.1. Betreffend den unter Ziffer I. 2. der Anklageschrift geschilderten Sach-
verhalt erwog die Vorinstanz, dass die Bilanzkennzahlen in Einklang mit den
tatsächlich bilanzierten und aktenkundigen Zahlen stünden. Gestützt auf die
Buchhaltungsunterlagen der C._ und die diesbezüglich überzeugenden und
mit den Urkunden in Einklang stehenden Aussagen des Zeugen I._ seien die
unter Ziffer I. 2.1. unter dem Titel "Bilanzen" tabellarisch aufgelisteten
Zusammenfassungen der Jahresabschluss-Bilanzen der C._ für die Jahre
2009 bis 2012 sowie die Konkursbilanz per 15. bzw. 11. April 2013 durch das
Beweisergebnis erstellt.
- 16 -
7.1.2. Bezüglich den weiteren Anklagevorwurf, wonach der Beschuldigte die
durch I._ erstellten Jahresrechnungen 2011 und 2012 sowie die
Konkursbilanz in Bezug auf deren wesentliche Aussagen quartalsweise in
Besprechungen mit I._ gutgeheissen habe, verwies die Vorinstanz zunächst
auf die Aussagen des Zeugen I._. Nach dessen Darstellung habe nämlich in
etwa einmal pro Quartal eine Besprechung mit dem Beschuldigten betreffend die
Buchhaltung stattgefunden. Die gegenteilige Darstellung des Beschuldigten
überzeuge nicht. Auch wenn die Buchführung zur Hauptsache in der
Verantwortung von I._ gestanden sei und auch wenn sich der Beschuldigte
nur marginal um diese gekümmert habe, erscheine es wenig glaubhaft, wenn er
sich auf den Standpunkt stelle, er habe die Buchhaltung nie mit I._
besprochen und sei auch nie entsprechend involviert gewesen. Dies umso
weniger, als der Beschuldigte als Hauptaktionär, Geschäftsführer und faktischer
Verwaltungsrat die eigentlich zentrale Rolle innerhalb der C._ eingenommen
habe und diese dessen Haupteinnahmequelle gewesen sei. Hinzu komme, dass
I._ der fernab vom Geschäftsbetrieb der C._ deren Buchhaltung geführt
habe, diese Funktion ohne regelmässige Besprechungen mit dem Beschuldigten
gar nicht hätte wahrnehmen können. Als faktischer Verwaltungsrat der C._
(mit Weisungsbefugnis gegenüber dem formell bestellten Verwaltungsrat I._)
sei der Beschuldigte zudem insbesondere für die Ausgestaltung des Rechnungs-
wesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung, für die Erstellung des
Geschäftsberichtes sowie für die Benachrichtigung des Richters im Falle einer
Überschuldung von Gesetzes wegen zwingend mitverantwortlich gewesen.
Nachdem er selbst in der Konkurseinvernahme vom 29. April 2013 festgehalten
habe, dass die Buchhaltung bis zum 15. April 2013 nachgeführt worden sei, habe
er auch in jenem Zeitpunkt noch auf die durch I._ erledigte Buchführung
verwiesen und damit implizit anerkannt, dass diese als wesentlich zu erachten
sei. Der betreffende Anklagesachverhalt sei damit vollumfänglich erstellt (Urk. 90
S. 40 ff.).
7.1.3. Weiter erwog die Vorinstanz, der Anklagevorwurf, wonach die Bilanzen
2011 und 2012 sowie die Buchführung, auf welcher diese beruhten, nicht
ordnungsgemäss erstellt worden seien, sodass der Vermögensstand der C._
- 17 -
nicht vollständig und nicht zutreffend ersichtlich gewesen sei, treffe zu.
Tatsächlich habe sich der Vermögensstand der C._ ab Anfang 2011
erheblich schlechter präsentiert, als er durch die Buchhaltung ausgewiesen
worden sei. Die von der Anklagebehörde zur Anwendung gebrachte Methodik,
wonach sie basierend auf den aktenkundigen Bilanzen per 31. Dezember 2011,
31. Dezember 2012 und 11. April 2013 per Stichtag 15. April 2013 (Tag der
Konkurseröffnung) die mangelhafte Bilanzierung um die unberücksichtigten
Positionen ergänzte, sei grundsätzlich korrekt und nicht zu beanstanden.
7.1.4. Die Anklagebehörde habe unter dem Konto 1, Mobiliar und Einrichtungen,
korrekterweise die per Ende 2012 ausgewiesenen Abschreibungen in der
gesamten Höhe von CHF 13'700.– proportional in den Bilanzen per 30. Juni und
per 31. August 2012 berücksichtigt und sodann in die Bilanz per 11. April 2013
den in der Konkursbilanz der C._ enthaltenen Liquidationswert des Mobiliars
und der Einrichtungen nachgeführt.
7.1.5. Weiter habe die Anklagebehörde betreffend die Konten 2 Darlehen E._
USA und 3 Transitorische Aktiven zutreffend erkannt, dass das durch die C._
an die E._ USA Inc. gewährte Darlehen ab Anfang 2011 und damit auch die
damit zusammenhängenden akkumulierten Zinsforderungen wertlos gewesen
seien. Nach den übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten sowie des
Zeugen I._ sei das Darlehen ursprünglich dafür bestimmt gewesen, der
Darlehensnehmerin (sprich der E._ USA Inc.) den Aufbau des US-
Geschäftes zu ermöglichen. Der Plan, in New York englische Massanzüge zu
verkaufen, sei aber gescheitert. Der Beschuldigte habe in diesem
Zusammenhang zunächst ausgesagt, die E._ USA Inc. habe ihre Aktivitäten
per Ende 2010 oder Anfang 2011 eingestellt. In der Konfrontationseinvernahme
mit I._ habe sich der Beschuldigte dann aber wieder von dieser Aussage
distanziert. Insgesamt bestehe aber kein Zweifel an der Glaubhaftigkeit der
ursprünglich mehrfach geäusserten Darstellung des Beschuldigten. Demnach
habe er spätestens Anfang 2011 gewusst, dass mit einer Rückzahlung des
Darlehens oder mit diesbezüglichen Zinszahlungen nicht mehr gerechnet werden
könne. Dass das Konto Darlehen E._ in Anwendung der Grundsätze der
- 18 -
Bilanzwahrheit und der Bilanzvorsicht in sämtlichen Bilanzen ab 2011 auf CHF 0
hätte berichtigt werden müssen und dass der Beschuldigte um die Notwendigkeit
dieser Berichtigungen auch gewusst habe, sei folglich als erstellt zu erachten.
Gleiches gelte auch für das Konto transitorische Aktiven ab 2011. Nicht
nachvollziehbar sei hingegen, weshalb die Anklagebehörde das Konto 3
(Transitorische Aktiven) per Ende 2011 auf CHF 26'794.30 berichtigt habe. Nach
Auffassung der Vorinstanz wäre eine Berichtigung auf CHF 26'894.30
vorzunehmen gewesen. In diesem Umfang sei der Sachverhalt als erstellt zu
erachten (Urk. 90 S. 44 ff.).
7.1.6. Ebenso wie die Anklagebehörde, erachtete es auch die Vorinstanz als mit
den Grundsätzen der Bilanzwahrheit und -klarheit unvereinbar, dass die Buch-
haltung der C._ weder ein Konto betreffend das vorhandene Kleiderlager,
noch ein solches betreffend die Kundenkreditoren enthielt. Sie erwog hierzu, dass
die aufgrund der geleisteten Vorauszahlungen bestehenden Forderungen der
Kunden gegenüber der C._ und die entsprechend im Lager befindlichen
Kleider im Rahmen der Buchführung der C._ in Nachachtung der Grundsätze
der Bilanzwahrheit und -klarheit (Art. 957a Abs. 1 und Abs. 1 Ziff. 1 und 3 OR) zu
berücksichtigen gewesen wären, erkläre sich von selbst und habe entsprechend
auch dem Beschuldigten bekannt sein müssen. Schliesslich sei er es ja gewesen,
der die Gutscheinspromotionen über B._.ch initiiert habe. Was die durch die
Anklagebehörde korrigierte Bilanz der C._ angehe, sei diskutabel, weshalb
sie nur diejenigen Kundenkreditoren erfasst habe, welche im Konkursverfahren
auch tatsächlich Forderungseingaben gemacht hätten. Gleiches gelte
selbstredend auch für die diesen Kreditoren jeweils gegenüberstehenden
Kleiderbeständen. Dieses Vorgehen stelle zwar eine Vereinfachung der effektiven
Sachlage dar, weil sich diese aber jedenfalls nicht zu Lasten der Organe der
C._ respektive des Beschuldigten auswirke, sei auch hier die Methodik nicht
zu beanstanden. Der Kollokationsplan des Konkursverfahrens der C._
umfasse fünf Ordner. Aus diesem habe die Anklagebehörde die im Konkurs
konkret eingegebenen Kundenforderungen herausgefiltert und diese nach dem
jeweiligen Entstehungszeitpunkt der Forderungen eingeordnet. Auf diese Weise
habe sie feststellen können, welche konkreten Forderungen in den jeweiligen
- 19 -
Bilanzierungszeitpunkten offen gewesen seien. Die Vorinstanz nahm
diesbezüglich eine Überprüfung anhand mehrerer Stichproben vor und kam zum
Schluss, dass das zur Anwendung gebrachte Vorgehen der Staatsanwaltschaft
nicht zu bemängeln sei. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Aufarbeitung
der kollozierten Kundenforderungen anhand des Kollokationsplans korrekt erfolgt
sei. Das Gleiche gelte auch für das Kleiderlager. Um den ermittelten
Kundenforderungen die in den unterschiedlichen Bilanzierungszeitpunkten an
Lager befindlichen Masskleider zuzuordnen, habe die Anklagebehörde in der
Folge einen Abgleich des Konkursinventars mit den kollozierten
Kundenforderungen vorgenommen. Auch die diesbezüglich stichprobenartig
vorgenommene Überprüfung habe ergeben, dass die Aufarbeitung der zu den
verschiedenen relevanten Zeitpunkten im Lager befindlichen Masskleider
derjenigen Kunden mit kollozierten Forderungen grundsätzlich korrekt erfolgt sei.
Weder betreffend die Vorgehensweise, noch betreffend die konkreten
Berechnungen der Anklagebehörde, habe die Verteidigung Einwendungen
vorgebracht. Einzig betreffend die sich im Lager befindlichen Hemden stellte die
Vorinstanz eine marginale Abweichung fest. Nach ihrer Auffassung war per 31.
Dezember 2012 respektive per 11. April 2013 ein Hemd mehr an Lager, als dies
die Anklagebehörde errechnet hatte. Anstelle von CHF 10'547.– setzte sie daher
für das Kleiderlager in den Bilanzen per 31. Dezember 2012 und per 11. April
2013 den Betrag von CHF 10'630.– ein (Urk. 90 S. 46 ff.).
7.1.7. Was die Anklagebehörde dem Beschuldigten weiter unter dem Titel "Nicht-
Erfassung der Kunden-Kreditoren aus dem Kleiderverkauf" vorwirft, erachtet die
Vorinstanz grundsätzlich als unbestritten und durch die Akten sowie die Aussagen
des Beschuldigten selbst erstellt. Betreffend den Start des Gutscheinverkaufs via
B._.ch am 16. März 2011 geht die Vorinstanz von 484 verkauften
Gutscheinen aus, während die Anklagebehörde einen Gutscheinverkauf weniger
– mithin 483 – als erstellt erachtete. Weiter erwog die Vorinstanz, entgegen der
Darstellung der Anklagebehörde seien nicht die gesamten Einnahmen aus den
Gutscheinverkäufen der C._ zugekommen. So habe die J._ AG CHF
50.– pro Gutschein direkt für sich beansprucht und im Übrigen auch den Anteil
der Produzenten der Masskleider jeweils direkt an diese überwiesen. Die
- 20 -
Anklagebehörde gehe jedoch zutreffend davon aus, dass den konkreten über die
Verkäufe erzielten Einnahmen der C._ die Forderungen der Kunden (auf
Auslieferung der Masskleider) gegenübergestanden seien und dass diese
Forderungen in der Buchhaltung der C._ hätten berücksichtigt werden
müssen. Nur so hätte die wirtschaftliche Situation der C._ wahrheitsgetreu
abgebildet werden können. Dass der Beschuldigte zumindest im Sinne einer
Parallelwertung in der Laiensphäre erkannt haben müsse, dass die Kunden
zufolge ihrer Vorauszahlungen zu Kreditoren der C._ geworden seien, stehe
ausser Frage. Die Vorinstanz erwog weiter, der Anklagebehörde könne nicht
gefolgt werden, wenn diese davon ausgehe, dass die Bedeutung der
Kundenkreditoren noch dadurch verschärft worden sei, dass die Gutscheine mit
Nennwert von CHF 1'900.– zum Preis von CHF 498.– (Massanzug) bzw. mit
Nennwert von CHF 747.– zum Preis von CHF 249.– (drei Masshemden) verkauft
worden seien, sodass die Forderungen der Kunden bis zur Auslieferung der
Masskleider nicht dem bezahlten Preis, sondern dem Nennwert entsprochen
hätten. Im Widerspruch zu dieser Betrachtungsweise habe sich die
Anklagebehörde selbst bei ihren Berechnungen betreffend die Höhe der
Kundenkreditoren am Kollokationsplan orientiert. In diesem seien die
Forderungen der Kunden bekanntlich nicht zum Nennwert der Gutscheine,
sondern zu den konkret bezahlten Beträgen erfasst worden. Entsprechend seien
die durch die Anklagebehörde korrigierten Bilanzen denn auch nicht zu
beanstanden. Zusammenfassend könne festgehalten werden, dass die
Zahlungseingänge aus Direktkäufen sowie der J._ AG direkt als Ertrag
verbucht worden seien, ohne dass die entsprechenden Kundenkreditoren in
einem spezifischen Passiv-Konto verbucht worden wären. Die Nichtberücksich-
tigung der Kundenforderungen habe dazu geführt, dass die Vermögenslage der
C._ aufgrund der hohen Einnahmen durch die Verkäufe von Masskleidern
bzw. von diesbezüglichen Gutscheinen zu optimistisch dargestellt worden sei. In
diesem Sinne sei der diesbezügliche Anklagesachverhalt erstellt (Urk. 90 S. 48
ff.).
7.1.8. Dass es im Jahr 2012 wie in der Anklageschrift weiter umschrieben zu
weitreichenden Lieferverzögerungen der C._ und zu diversen
- 21 -
Kundereklamationen wegen falscher Lieferungen kam, erachtet die Vorinstanz
gestützt auf die nach ihrer Auffassung glaubhaften Aussagen der Zeuginnen
G._ und K._ als zweifelsfrei erstellt. Übereinstimmend hätten diese
beiden Zeuginnen dargetan, dass es ab 2012 vermehrt offene Bestellungen von
Kunden gegeben habe, betreffend welche es aufgrund der Geschäftsabläufe in
der C._ keine den Forderungen entsprechende Masskleider in den Lagern
der C._ gegeben habe. Dieser Umstand habe unter anderem auch dazu
geführt, dass sich die tatsächliche Vermögenssituation der C._ zunehmend
schlechter präsentiert habe, als sie in deren Bilanzen dargestellt worden sei. Der
betreffende Anklagevorwurf sei erstellt und die diesbezüglich wenig glaubhaften
Aussagen des Zeugen I._ seien durch die Aktenlage und die Aussagen der
Zeuginnen G._ und K._ widerlegt (Urk. 90 S. 51 ff.).
7.1.9. Ebenfalls als zutreffend erachtete die Vorinstanz den Anklagevorwurf,
wonach betreffend das Konto 4 Lieferantenkreditoren der Buchhaltung der
C._ während den Jahren 2011-2013 durch I._ jeweils einzig
Rechnungen erfasst worden seien, welche am Jahresende offen geblieben seien.
Dieser Anklagevorwurf sei zutreffend, ergebe sich doch aus der Buchhaltung,
dass am 31. Dezember 2011 mittels Sammelbuchung mit dem Buchungstext
"Kreditoren per 31.12.2011" (diverse) Kreditoren in der Höhe von insgesamt
CHF 29'334.38 verbucht worden seien. Demgegenüber sei während des
laufenden Jahres – mit Ausnahme zweier (transitorischer) Buchungen zu Beginn
– keine weiteren Kreditoren mehr verbucht worden. Gleiches gelte auch für das
Jahr 2012, wo wiederum einzig zu Beginn des Jahres sowie mit Datum vom 31.
Dezember 2012 Buchungen im Konto 4 Lieferantenkreditoren erfolgt seien. Es
liege auf der Hand, dass anhand der laufenden Bilanzierung der C._ keine
Übersicht darüber habe gewonnen werden können, welche Kreditoren während
des Jahres bestanden hätten. Eine solche Übersicht sei aber mit Blick auf das
Erfordernis der Bilanzwahrheit unabdingbar, zumal – wie sich aus den Akten
ergebe – diverse Rechnungen nicht beglichen worden seien und die ent-
sprechenden Forderungen damit als Kreditoren hätten erfasst werden müssen.
Davon, dass die in der Anklageschrift erwähnten Rechnungen liegen geblieben
seien und dass diese durch den Beschuldigten erst im Nachgang zur
- 22 -
Konkurseröffnung an I._ übergeben worden seien, müsse in Anbetracht der
Aktenlage ausgegangen werden. Dies gehe einerseits aus der durch I._
erstellte Auflistung der vorgenannten Rechnungen bei den Konkursakten hervor.
Darauf habe dieser nämlich vermerkt, dass er die Rechnungen erst am 16. April
2013 erhalten habe. Dass es in der Verantwortlichkeit des Beschuldigte gelegen
sei, dafür zu sorgen, dass die laufenden Rechnungen an I._ weitergeleitet
würden, gehe aus den überzeugenden Aussagen der Zeuginnen G._ und
K._ hervor. Nach deren Darstellung sei es durchaus vorgekommen, dass
Rechnungen nicht bezahlt worden seien. Vor diesem Hintergrund könne ohne
Weiteres davon ausgegangen werden, dass es dem Beschuldigten bewusst
gewesen sei, dass diese Rechnungen verschleppt wurden bzw. dass sie nicht zur
Verbuchung an I._ weitergeleitet worden seien (Urk. 90 S. 54 f.).
7.1.10. Die Vorderrichter erwogen weiter, zur Erstellung der jeweiligen Saldi des
Kontos 4 Lieferantenkreditoren für die korrigierten Bilanzen gemäss
Anklageschrift habe die Anklagebehörde die im Konkurs konkret eingegebenen
Forderungen herausgefiltert, welche nicht bereits anderweitig in den Bilanzen der
C._ erfasst worden seien. Diese habe sie sodann nach dem jeweiligen
Entstehungszeitpunkt erfasst, wodurch sie habe feststellen können, welche
konkreten Forderungen zu den jeweiligen Bilanzierungszeitpunkten bereits offen
gewesen seien. Neben den klassischen Lieferantenforderungen habe die
Anklagebehörde auf diese Weise auch bis dahin nicht bilanzierte Forderungen
von weiteren Gläubigern in der korrigierten Bilanz erfasst. Das Vorgehen der
Anklagebehörde, welches auf den kollozierten Forderungen gemäss
Kollokationsplan basiere, sei grundsätzlich weder methodisch, noch inhaltlich zu
beanstanden, was eine stichprobenartige Überprüfung gezeigt habe. Eine
Berichtigung drängte sich nach Auffassung der Vorinstanz einzig zu der durch die
Anklagebehörde im Rahmen der Lieferantenkreditoren berücksichtigten
Forderung der J._ AG in Höhe von CHF 102'166.94 auf. Diesbezüglich
kamen die Vorderrichter zum Schluss, dass sich zum Nachteil des Beschuldigten
nicht erstellen lasse, dass der Beschuldigte davon habe ausgehen müssen, dass
die J._ AG mehr an die C._ und an deren Lieferanten überwiesen
haben könnte, als sie selbst durch den Gutscheinverkauf zuvor eingenommen
- 23 -
habe. Es gebe auch keinen Hinweis darauf, dass die Forderung der J._ AG
durch den Beschuldigten im Rahmen des Konkursverfahrens anerkannt worden
sei. Zudem sei auch nicht davon auszugehen, dass die Forderung der C._
bereits vor dem Konkursverfahren in Rechnung gestellt worden sei und dass der
Beschuldigte aufgrund dessen von dieser Forderung Kenntnis gehabt habe.
Jedenfalls habe sich keine im Zusammenhang mit Forderungen der J._ AG
stehende Rechnungen bei den durch den Beschuldigten zurückbehaltenen
Rechnungen befunden. Aufgrund all dieser Umstände rechtfertige es sich –
entgegen der Auffassung der Anklagebehörde – nicht, die Forderung der J._
AG in Höhe von CHF 102'166.94 in die korrigierten Bilanzen aufzunehmen.
Sämtliche weiteren, in der Anklageschrift aufgeführten und in die korrigierten
Bilanzen übernommenen Forderungen seien demgegenüber im Konkursverfahren
anerkannt worden oder es befänden sich diesbezügliche Akten im Recht, welche
eine Rechnungsstellung an die C._ belegen würden. Diesbezüglich sei ohne
Weiteres davon auszugehen, dass der Beschuldigte in Kenntnis all dieser
Forderungen gehandelt habe (Urk. 90 S. 55 ff.).
7.1.11. Was den Vorwurf der falschen Darstellung des Ausfalls der Lizenzge-
bühren gemäss Anklageziffer I. 2.5 anbelangt, kam die Vorinstanz zum Schluss,
es sei zunächst zutreffend, dass die Haupteinnahmen der C._ in den Jahren
2009 und 2010 Lizenzeinnahmen aus den in der Anklageschrift aufgeführten
Verträgen gewesen und dass diese Einnahmen ab Anfang 2011 weggefallen
seien. Dies ergebe sich aus den Akten und sei zudem vom Beschuldigten so auch
bestätigt worden. Weiter ergebe sich aufgrund der Akten zweifelsfrei, dass die
Erträge aus den Gutscheinverkäufen falsch verbucht worden seien, was im
Übrigen auch durch die für die Buchhaltung der C._ hauptverantwortliche
Person anerkannt worden sei. Glaubhaft erscheine dabei – auch hinsichtlich der
durch die Anklageschrift ebenfalls erfassten Rückvergütung der L._ Ltd. –,
dass die Fehlerhaftigkeit der Buchungen aufgrund eines Versehens der
Angestellten I._s erfolgt sei. I._ und der Beschuldigte hätten die
Fehlbuchungen aber spätestens an der Generalversammlung vom 11. Oktober
2012, als sie zusammen die Rechnung 2011 besprochen bzw. der Beschuldigte
diese als Alleinaktionär genehmigt habe, zur Kenntnis nehmen müssen. Es sei
- 24 -
nämlich schlicht nicht zu übersehen gewesen, dass in der Erfolgsrechnung nach
wie vor Lizenzerträge als die Haupteinnahmen der C._ ausgewiesen worden
seien, obwohl diese Einnahmen bekanntermassen per Anfang 2011 ersatzlos
weggefallen seien. Dieser Umstand habe allen voran dem Beschuldigten, aber
auch I._, bereits schon bei einer bloss summarischen Prüfung der Rechnung
auffallen müssen. Wenngleich es bei diesem Beweisergebnis zutreffend sei, dass
aufgrund der Falschbuchungen die finanzielle Situation der C._
buchhalterisch nicht korrekt dargestellt worden sei, dürfe dennoch nicht verkannt
werden, dass es hinsichtlich der Bilanzsumme und damit hinsichtlich der
finanziellen Lage der C._ im engeren Sinn letztlich keinen Unterschied
gemacht habe, ob die Einnahmen in das Ertragskonto betreffend die
Lizenzeinnahmen oder in das Ertragskonto der Kleider- bzw. Gutscheinverkäufe
gebucht worden seien. Dies umso mehr, als die Buchungen hinsichtlich der
Bilanzsumme und hinsichtlich der Feststellung der Höhe des Gewinns bzw.
Verlustes vollumfänglich neutral erfolgt seien (Urk. 90 S. 58 ff.).
7.1.12. Im Rahmen ihrer abschliessenden Gesamtbetrachtung sämtlicher unter
dem Titel "Unrichtige Finanzlage in der Buchhaltung der C._" massgeblicher
Vorgänge kam die Vorinstanz zum Schluss, die überarbeiteten Bilanzen würden
aufzeigen, dass die C._ ab dem 30. Juni 2012 überschuldet gewesen sei,
denn die Aktiven in Höhe von CHF 108'793.56 hätten dannzumal das
Fremdkapital in Höhe von CHF 148'538.90 nicht mehr zu decken vermocht. Dies
sei bei der Jahresendbilanz 2011 noch nicht der Fall gewesen. Dort seien Aktiven
in der Höhe von CHF 162'927.35 einem Fremdkapital in der Höhe von CHF
115'640.42 gegenüber gestanden. Die per 30. Juni 2012 festgestellte
Überschuldung habe sich ab Mitte 2012 in zunehmendem Masse verschlechtert
(Urk. 90 S 60 ff.).
7.2. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung betreffend Ziff. I. 2. der
Anklageschrift (unrichtige Finanzlage der C._) wird im Berufungsverfahren
weder durch den Beschuldigten noch durch die anschlussappellierende
Anklagebehörde gesamthaft in Frage gestellt. Die Verteidigung stützt ihre
Verteidigungsstrategie weitgehend auf den Einwand, dass der Beschuldigte nicht
- 25 -
die Stellung eines faktischen Verwaltungsratsmitglieds der C._ innegehabt
habe (Urk. 177 S. 5 ff.). Sodann moniert sie konkret zu diesem Anklageabschnitt
lediglich, es lasse sich einerseits nicht erstellen, dass der Beschuldigte davon
habe ausgehen müssen, dass die E._ USA Inc. ihr Darlehen überhaupt nie
zurückzahlen könne und dass dieses wertlos sei. Sodann sei es nicht völlig
abwegig, dass ein Laie Käufer von Gutscheinen erst dann als Kreditoren seines
Unternehmens betrachte, wenn diese ihren Anspruch auf Einlösung des
Gutscheins geltend machen würden, und nicht bereits dann, wenn sie die
Gutscheine erwerben würden (Urk. 177 S. 9 f.). Diese Behauptungen der
Verteidigung erweisen sich – wie noch aufzuzeigen sein wird – als nicht
stichhaltig bzw. lebensfremd. Sodann hält die Anklagebehörde in ihrer
Berufungsschrift daran fest, dass sich der Aussteller eines Gutscheins den dort
angegebenen Nominalwert entgegenhalten lassen müsse, wenn er die von ihm so
bewertete Sachleistung nicht erbringen könne (Urk. 179 S. 3). Etwas relativierend
führte sie sodann im Rahmen der Berufungsantwort sinngemäss aus, die
Bilanzierung von Gutscheinen basiere auf Erfahrungswerten, wobei sowohl
Ausfälle als auch Garantiearbeiten zu berücksichtigen seien (Prot. II S. 20).
Während Letzteres nachvollziehbar erscheint, kann mit der Begründung der
Vorinstanz, wonach es stossend wäre, für den Fall einer Rückabwicklung der
Kaufverträge einen Anspruch der Kunden in der Höhe des Nennwerts (anstelle
des konkret bezahlten Kaufpreises der Gutscheine) zu bejahen (Urk. 90 S. 50),
nicht zu Lasten des Beschuldigten auf die Nominalwerte abgestellt werden.
Vielmehr ist zugunsten des Beschuldigten und – wie auch die Anklagebehörde in
den korrigierten Bilanzen festhielt – auf die konkret bezahlten Beträge
abzustellen. Auch des Weiteren erweist sich die vorinstanzliche Beweiswürdigung
in allen Teilen als vollständig und zutreffend, weshalb sie ohne Weiterung und mit
Verweis auf die Erwägungen der Vorderrichter übernommen werden kann
(Urk. 90 S. 38 ff.). Insbesondere in Bezug auf die massgeblichen
Bilanzkennzahlen kann vollumfänglich auf die durch die Vorinstanz abschliessend
korrigierten und im angefochtenen Urteil wiedergegebenen Bilanzen der C._
verwiesen werden. Welche Rolle dabei der Beschuldigte im Rahmen der C._
inne hatte und inwiefern er auf die Buchhaltung Einfluss nahm, ist nachfolgend
- 26 -
der Vollständigkeit halber noch einmal zu rekapitulieren: Wie bereits einleitend
dargetan wurde, liess der Beschuldigte am 13. September 2007 durch D._
und dessen Mitarbeiterinnen M._ und N._ die C._ (C._ AG)
fiduziarisch und auf Rechnung des Beschuldigten gründen. Im Anschluss an die
Gründung übergaben die vorgenannten Personen sämtliche Inhaberaktien an den
Beschuldigten, woraufhin dieser Alleinaktionär der C._ wurde und dies fortan
auch blieb. Der Beschuldigte schloss in der Folge mit I._ den bereits
erwähnten Mandatsvertrag, welcher zum Inhalt hatte, dass letzterer formell zum
einzigen Verwaltungsrat bestellt wurde. Der Mandatsvertrag regelte das
Innenverhältnis zwischen den beiden insofern, als er dem Beschuldigten
gegenüber I._ – entgegen den Vorbringen der Verteidigung (Urk. 177 S. 7 f.)
– weitreichende Weisungsbefugnisse einräumte, sodass die effektiv gelebte
Stellung von I._ bei Lichte betrachtet subalterner Natur war. Die Klauseln im
Mandatsvertrag, gemäss welchen für sämtliche Geschäfte, welche die ordentliche
Verwaltung überschreiten, die Einwilligung des Beschuldigten notwendig wird, es
sei denn, es liege eine besondere Dringlichkeit vor (Ziff. 3. c. und Ziff. 5), zeigen
auf, dass die Befugnisse von I._ auf vorwiegend formelle Belange
beschränkt wurden. Demgegenüber wurde dem Beschuldigten mit
Mandatsvertrag die Zuständigkeit für die Oberleitung der Gesellschaft eingeräumt
und er nahm damit– entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 177 S. 5 ff., 12
f.) – faktisch die Position eines Geschäftsführers und Mitgliedes des
Verwaltungsrates ein. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, kann man mit Blick
auf die in mannigfacher Hinsicht bestehende Vormachtstellung des Beschuldigten
(Auswahl der formell bestellten Verwaltungsräte, Bestimmung der konkreten
Tätigkeit der C._ und der Verwendung der durch diese erwirtschafteten
Mittel, Auswahl und Instruktion des Personals, Bestimmung der genutzten
Mieträumlichkeiten, Verhandlungen mit den Lieferanten und der Privatklägerin als
Promotionspartnerin etc.) zu keinem anderen Schluss kommen. I._ war
dagegen überwiegend mit der Führung der Buchhaltung betraut. Darüber hinaus
hatte er praktisch keine eigenständigen operativen Befugnisse. Aufgrund der
Beweisergebnisses und hier namentlich aufgrund der Aussagen von I._ ist
weiter erstellt, dass er zusammen mit dem Beschuldigten quartalsweise die
- 27 -
finanzielle Situation der C._ besprochen hat. Entsprechend musste dem
Beschuldigten spätestens nachdem die Zinszahlungen von E._ komplett
ausblieben und diese ihren Betrieb einstellen musste, – entgegen der
Verteidigung (Urk. 179 S. 9 f.) – klar sein, dass das Darlehen an E._ in den
Büchern der C._ hätte wertberichtigt werden müssen, was er indes nicht
veranlasste. Ebenso musste ihm – wiederum entgegen der Verteidigung (Urk. 179
S. 10) – auch mit Bezug auf den Verkauf der von ihm initiierten Gutscheine klar
sein, dass den Einnahmen aus dem Verkauf die Forderungen der Kunden
entgegenstanden, welche in der Buchhaltung hätten berücksichtigt werden
müssen. Auch darum kümmerte sich der Beschuldigte nicht. Schliesslich steht
ausser Frage, dass der Beschuldigte auch wissen musste, dass sämtliche
Kreditoren vollständig zu erfassen gewesen wären und dass er entsprechend die
offenen Rechnungen der C._ an I._ hätte weiterleiten müssen, damit
dieser sie in der Buchhaltung hätte erfassen können. Obwohl der Beschuldigte
erstelltermassen an diversen Besprechungen mit I._ teilnahm und aufgrund
seiner eigenen Tätigkeiten für die C._ wusste, dass die vorgenannten
Umstände nicht in die Buchhaltung der C._ Eingang fanden, unternahm er
nichts, um diese Missstände zu beheben. Er unterliess es nicht nur, I._ zu
einer korrekten Buchführung anzuhalten, sondern verunmöglichte eine solche
zumindest auch insofern, als er es unterliess – wie zuvor dargetan – die
laufenden Rechnungen der C._ zur buchhalterischen Erfassung weiterzu-
leiten, wobei es sich entgegen der Verteidigung klarerweise nicht lediglich um ein
vorübergehendes Nichtweiterleiten handelte (Urk. 177 S. 11). Aufgrund der
Summe und der Qualität der konkreten buchhalterischen Verfehlungen muss
davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte zumindest in Kauf
genommen hat, die Bilanzen der C._ durch sein Verhalten respektive
Unterlassen vorteilhafter aussehen zu lassen, als es der jeweiligen tatsächlichen
wirtschaftlichen Verfassung des Unternehmens entsprach. Dies alles muss
schliesslich umso mehr gelten, wenn man sich vor Augen führt, dass der
Beschuldigte mit Urteil des Landgerichts München I vom 9. Januar 2006 der
vorsätzlichen Insolvenzverfahrensverschleppung, des vorsätzlichen Bankrotts,
des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt in 24 Fällen und des
- 28 -
Betrugs in 530 Fällen schuldig gesprochen und mit 3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe
bestraft wurde (Urk. 151004 f., Ordner 15; Urk. 70/2). Aufgrund dieser
einschlägigen Vorgeschichte kann kein Zweifel daran bestehen, dass der
Beschuldigte betreffend die gegen ihn erhobenen Vorwürfe von Anfang an erhöht
sensibilisiert sein musste. Dessen ungeachtet kam er seinen Verpflichtungen
nicht nach, womit er sich – mit den genannten, marginalen Einschränkungen –
anklagegegenständlich verhielt, was die Vorinstanz mit überzeugender
Begründung, auf welche verwiesen werden kann, festhielt (Urk. 90 S. 62 ff.).
8. Ziff. I. 3. Weitere Gesichtspunkte der finanziellen Entwicklung der C._
8.1. Unter Ziffer I 3.1. der Anklageschrift vom 13. September 2017
(Urk. 002030) schildert die Anklagebehörde, dass sich zufolge eines Vergleiches,
welchen die C._ (vertreten durch das dannzumal einzig Mitglied des Ver-
waltungsrates, O._) mit der Vermieterschaft der Liegenschaft P._-
strasse ... in Q._ am 15. Februar 2011 schloss, die Aktiven der C._
gegenüber dem Stichtag 31. Dezember 2010 um CHF 150'337.– und die
Passiven um CHF 91'540.– vermindert hätten, was einer Reduktion des
Eigenkapitals um CHF 58'797.– gleich komme.
8.1.1. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, der C._ sei durch den
abgeschlossenen Vergleich mit der Vermieterschaft bei einer Gesamtbetrachtung
kein Schaden entstanden. Gegenüber einer ordentlichen Beendigung des
Mietverhältnisses erweise sich der Vergleich mit Saldoklausel sogar als vorteilhaft
für die C._, denn er habe Einsparungen in der Höhe von CHF 32'743.– zur
Folge gehabt. Dennoch treffe es zu, dass sich das Eigenkapital der C._
zufolge des Vergleichs Mitte Februar 2011 um CHF 58'797.– vermindert habe,
zumal aufgrund des Vergleichs im Jahr 2011 ja keine in vorliegendem
Zusammenhang stehenden Mietzinsforderungen mehr angefallen seien, die als
Passiven hätten verbucht werden müssen (Urk. 90 S. 64 f.).
8.1.2. Die Verteidigung äussert sich auch im Berufungsverfahren nicht zum be-
treffenden Anklagevorhalt und stellt entsprechend auch die vorinstanzlichen
- 29 -
Erwägungen nicht in Abrede (Urk. 177). Auch die Anklagebehörde beanstandet
die vorinstanzlichen Erwägungen hierzu nicht (Urk. 179).
8.1.3. Die Schilderungen der Anklagebehörde sind durch die Akten erstellt
(vgl. Buchung Nr. 696 im Konto 4 Lieferantenkreditoren gemäss Kontoblatt in
Urk. 060307, Ordner 8; Bilanz gemäss Jahresrechnung 2010 in Urk. 240286,
Ordner B-6, Aussage des Beschuldigten in Urk. 050614, Ordner 6) und die vor-
instanzlichen Erwägungen sind daher zutreffend und zu bestätigen. Anzumerken
bleibt einzig, dass dem Beschuldigten unter Ziffer I 3.1. kein strafrechtlich
relevanter Vorwurf gemacht wird, weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen.
8.2. Unter dem Titel "Chancen und Risiken der C._ im und ab März 2011"
bringt die Anklagebehörde zusammengefasst vor, das Eigenkapital der C._
habe in der Bilanz per 31. Dezember 2010 CHF 131'983.– betragen. Davon seien
bei einer approximativen Beurteilung der Situation im März 2011 aufgrund der
Entwicklung von E._ CHF 101'854.– sowie aufgrund der Sachlage betreffend
das Mietverhältnis P._-strasse ... CHF 58'797.– in Abzug zu bringen
gewesen. Damit habe schon im März 2011 eine Überschuldung der C._
vorgelegen. Gleichzeitig sei aber auch darauf hinzuweisen, dass weiteren
Ereignisse im ersten Quartal 2011 Anlass zur Hoffnung geboten hätten, dass die
C._ zukünftig Gewinne erwirtschaften werde. Grund für diese Hoffnung seien
einerseits der Wegfall der exorbitant hohen Mietkosten für die Liegenschaft in
Q._ und andererseits der ausserordentlich erfreuliche Gutscheinverkauf über
die Plattform B._.ch gewesen. Den daraus resultierenden Einnahmen seien
jedoch die Forderungen der Kunden gegenüber gestanden, welche für die
Masskleider bekanntlich jeweils Vorauszahlungen geleistet hätten. Aufgrund des
höheren Nennwertes der Gutscheine habe der Gegenwert dem dreifachen bzw.
dem
3.8-fachen Wert der jeweiligen Gutscheinpreise entsprochen. Aufgrund dieser
Umstände habe ab März 2011 die begründete Besorgnis einer Überschuldung
bestanden. Spätestens ab dann sei der Beschuldigte dazu verpflichtet gewesen,
eine Zwischenbilanz zu ziehen und diese revidieren zu lassen (Urk. 002030 ff.).
- 30 -
8.2.1. Die Vorinstanz hielt dafür, dass sich die in der Anklageschrift erwähnten
Zahlen durch die aktenkundige Bilanz der C._ per 31. Dezember 2010 ohne
weiteres verifizieren liessen. Weiter sei zutreffend, dass die C._ durch den
Verkauf von Gutscheinen für Masskleider sowie über den Direktverkauf von
solchen in den Jahren 2011 bis 2013 die nachfolgend aufgeführten Einnahmen
erzielt habe:
2011 2012 2013
Zahlungen der J._ AG (Konto 5) CHF 470'585 CHF 115'568 -
Direkte Kundenzahlungen (Konto 6) CHF 233'706 CHF 592'463 CHF 28'876
Total CHF 704'291 CHF 708'031 CHF 28'876
Schliesslich könne der Anklagebehörde insofern zugestimmt werden, als diese
sich auf den Standpunkt stelle, den Einnahmen aus dem Gutscheinverkauf
stünden die Forderungen der Kunden gegenüber. Nicht angängig sei indes die
Haltung der Anklagebehörde, wonach die Forderungen der Kunden auf den
Nennwert der Gutscheine zu beziffern seien. Wie bereits zuvor dargetan, würde
ein solches Vorgehen zu höchst stossenden Ergebnissen führen. Es erscheine
unverständlich, dass die Anklagebehörde an dieser Stelle der Anklageschrift
erneut darauf hinweise, dass die Forderungen der Kunden zum Nennwert ein-
zusetzen gewesen seien, obwohl sie selbst im Rahmen ihrer Korrekturen der
Bilanzen der C._ bekanntlich davon ausgegangen sei, dass die
Kundenforderungen in der konkret im Konkursverfahren kollozierten Höhe –
mithin zu den tiefer angesetzten konkreten Kaufpreisen der Gutscheine – zu
berücksichtigen seien. Dass die Anklagebehörde aufgrund der (zum Nennwert
berechneten) Kundenforderungen davon ausgehe, dass beim Beschuldigten ab
März 2011 die begründete Besorgnis einer Überschuldung habe vorliegen
müssen, sei folglich nicht nachvollziehbar (Urk. 90 S. 65 ff.).
8.2.2. Die Verteidigung bringt diesbezüglich keine neuen Argumente vor, welche
nicht bereits behandelt und entkräftet wurden (Urk. 177; vgl. Ziff. II 7.2.). Die Kritik
- 31 -
der Anklagebehörde beschränkt sich ebenfalls auf die bereits thematisierte
buchhalterische Erfassung der Gutscheinverkäufe (Urk. 179 S. 3).
8.2.3. Die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz können vollumfänglich
übernommen werden. Insbesondere ist zur Frage, ob die Forderungen der
Gutscheinkunden zum Nennwert oder zum Wert gemäss Kollokationsplan zu
veranschlagen sind, auf die vorstehenden Erwägungen unter Ziffer II 7.1.7. und II
7.2. zu verweisen. Nachdem bekanntlich auch die Anklagebehörde unter Ziffer 27
ihrer Anklageschrift die Kundenforderungen in der jeweils zur Kollokation
angemeldeten und auch so berücksichtigen Höhe (also dem effektiven Kaufpreis)
ihren Berechnungen zu Grunde legte, ist – wie bereits ausgeführt – mit der
Vorinstanz nicht nachvollziehbar, weshalb mit Blick auf eine allfällige
Überschuldung der C._ ab März 2011 zum Nachteil des Beschuldigten hier
anders verfahren werden sollte.
8.3. In Ziffer I. 3.3. der Anklageschrift schildert die Anklagebehörde unter dem
Titel "Steigerung der Besorgnis und personelle Unterdotierung der C._"
zusammengefasst, dass die Gründe für die Besorgnis hinsichtlich einer
Überschuldung der C._ ab Sommer 2012 deutlich zugenommen hätten.
Kundenreklamationen, offene Rechnungen und Mahnungen hätten sich ständig
gehäuft. G._ habe, als eine von drei Mitarbeiterinnen der C._, ihr
Arbeitsverhältnis am 26. Juni 2012 gekündigt und sei ab 5. Juli 2012, nachdem
sie aufgrund eines Nervenzusammenbruchs während der laufenden
Kündigungsfrist krankgeschrieben worden sei, definitiv als Arbeitskraft
ausgefallen. Zu dieser Zeit habe I._ dem Beschuldigten mitgeteilt, dass die
R._ AG (Treuhandunternehmen I._s) der C._ seit Frühjahr 2012
regelmässig Liquiditätsvorschüsse für die wichtigsten Zahlungen habe gewähren
müssen. Im November 2012 habe sodann das Arbeitsverhältnis mit T._
geendet, sodass sich ab Mitte November nur noch die letzte verbliebene
Mitarbeiterin, nämlich die Praktikantin K._, im Laden an der S._-gasse
... befunden habe. Der Beschuldigte habe in dieser Situation tatenlos zugesehen
und sich weder um die Rekrutierung von Personal noch um die Einbringung
seiner eigenen Arbeitskraft bemüht. Aufgrund der desolaten personellen Situation
- 32 -
sei es in der Folge zu verspäteten Auslieferungen von Masskleidern oder zu
Auslieferungen mit falschen Massen/Materialien gekommen, was schliesslich zu
mehreren Minderungs- und Wandelungsforderungen sowie zu Vertragsrücktritten
von Kunden geführt habe. Zudem seien bereits bestellte und bezahlte
Masskleider gar nicht erst angefertigt worden. Die personelle Unterdotierung habe
dazu geführt, dass bis zur Konkurseröffnung bereits bezahlte und nach Mass
gefertigte Kleidungsstücke von ungefähr 167 Kunden nicht mehr ausgeliefert und
damit faktisch wertlos geworden seien. All diese Umstände hätten die
Überschuldung der C._ verschlimmert, wobei der Beschuldigte die
Überschuldung bzw. die Illiquidität der C._ in Kauf genommen habe.
Spätestens am 30. September 2012 sei die C._ nach Liquidations- und
Fortführungswerten überschuldet gewesen. Dessen ungeachtet habe es der
Beschuldigte unterlassen, eine Zwischenbilanz zu deponieren, denn er habe
weiterhin Umsätze generieren wollen, um auf diese Weise seinem aufwendigen
Lebensstil frönen zu können (Urk. 002032 ff.).
8.3.1. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, dass die personelle
Unterdotierung der C._ ab Mitte 2012 und der Umstand, dass der
Beschuldigte dagegen nichts bzw. zu wenig unternommen habe, durch die
glaubhaften Zeugenaussagen der Office Managerin G._ erstellt seien. Weiter
sei gestützt auf ihre Aussagen bewiesen, dass es aufgrund des Personalmangels
vermehrt zu verspäteten und fehlerhaften Auslieferungen und zunehmend zu
Kundenreklamationen gekommen sei. G._ habe weiter in überzeugender
Manier zu Protokoll gegeben, dass sie ihr Arbeitsverhältnis am 26. Juni 2012
gekündigt habe und am 5. Juli 2012 letztmals für die C._ tätig gewesen sei.
Die Arbeitsüberlastung sei so hoch gewesen, dass die Arbeitsabläufe nicht mehr
gewährleistet gewesen seien. Sie habe den Beschuldigten auf die prekäre
Situation aufmerksam gemacht und ihm gesagt, dass er mit den Gutscheinen
aufhören solle. Als sie mit dem Beschuldigten das Gespräch gesucht habe, habe
dieser ihre Kündigung nicht entgegengenommen, sondern sie darum gebeten,
zuerst noch die offenen Bestellungen aufzuarbeiten. In der Folge habe sie noch
über 500 offene Bestellungen bearbeitet, bevor sie wegen einer
Kundenreklamation einen Nervenzusammenbruch erlitten habe. Ihr Arzt habe bei
- 33 -
ihr ein Burn-Out-Syndrom diagnostiziert und sie krankgeschrieben. Aufgrund der
Arbeitsüberlastung habe es jeweils vier bis fünf Wochen – teilweise jedoch über
drei Monate – gedauert, bis eine Bestellung nach Abnahme der Masse
aufgegeben worden sei, wobei dies nicht durch die Lieferanten verschuldet
gewesen sei. Es sei vermehrt zu verspäteten Lieferungen und wütenden Kunden
gekommen. Gegen Ende ihrer Anstellung habe es täglich zwei bis drei
Reklamationen gegeben. Vom Kundenstamm mit etwa 3'000 Kunden sei ca. ein
Drittel unzufrieden gewesen. Zu Reklamationen sei es auch gekommen, weil die
gelieferten Anzüge teilweise nicht den Bestellungen entsprochen hätten. Dass
sich der Personalmangel und die zunehmende Geschäftslast – und damit die
Situation betreffend Verspätungen, Falschlieferungen und unzufriedenen Kunden
– nach dem Abgang G._s ab Mitte 2012 noch weiter verschärft haben, als
nur noch T._ und K._ für die C._ tätig gewesen seien, liege auf der
Hand. Zwar habe K._ die Situation nicht so drastisch wie G._
geschildert, aber auch sie habe als Zeugin ausgesagt, dass es immer häufiger zu
Kundenreklamationen gekommen sei. Seit sie bei der C._ als Praktikantin
begonnen habe, habe dort ein Organisationschaos geherrscht. Auch K._
habe klarerweise bestätigt, dass sie zu wenige Angestellte gewesen seien, um die
anfallende Arbeit zu bewältigen. Viele unter den rund ca. 2'000 Kunden seien
nicht zufrieden gewesen. Der Beschuldigte selbst habe in der Untersuchung
eingeräumt, dass er für die Rekrutierung des Personals bei der C._
zuständig gewesen sei und dass er auch von der Überlastung des Personals
Kenntnis gehabt habe. Wenngleich sich der Beschuldigte – entgegen den
Depositionen seiner Mitarbeiterinnen G._ und K._ – auf den Standpunkt
gestellt habe, dass sich erst im letzten Quartal 2012 ein Ungleichgewicht
zwischen Aufwand und Ertrag eingestellt habe, habe er dennoch anerkannt, dass
die Personalsituation und die damit einhergehende Überforderung dazu geführt
habe, dass der Betrieb nicht mehr habe aufrecht erhalten werden können. Der
Beschuldigte habe sich auch nach seinen eigenen Angaben nicht ernsthaft darum
bemüht, den Personalmangel zu beheben. Seine eigene Arbeitskraft habe er nur
ganz sporadisch und für wenige Stunden in den Dienst der C._ gestellt. Zwar
habe er ab und an Kunden bedient und Mass genommen sowie verkauft und
- 34 -
beraten. Der eigentliche Grund für sein Erscheinen im Verkaufslokal sei aber,
nach der Wahrnehmung der Zeugin K._, das Abholen der Bareinnahmen
gewesen. Lediglich gegen Schluss, als nur noch sie alleine für die C._ tätig
gewesen sei, sei der Beschuldigte beinahe täglich, jeweils etwa einen halben Tag
vor Ort gewesen. Dass sich der Beschuldigte zusätzlich hätte einbringen müssen,
gehe zudem gemäss D._ auch aus dem Beratervertrag hervor, welcher
nämlich für den Beschuldigten ein "Full-Time-Engagement" vorgesehen habe.
Erstellt sei weiter aufgrund der durch den Beschuldigten unbestritten gebliebenen
Aussagen von I._, dass dessen Firma R._ der C._ immer wieder
Überbrückungsdarlehen habe gewähren müssen. Dass diese
Liquiditätsvorschüsse aufgrund mangelnder Liquidität der C._ notwendig
gewesen seien, verstehe sich dabei von selbst. So könne im Übrigen auch belegt
werden, dass es im Jahr 2012 vermehrt zu offenen Rechnungen und Mahnungen
gekommen sei. Die beiden Zeuginnen K._ und G._ hätten
übereinstimmend von offenen Rechnungen und Mahnungen sowie nichtbezahlten
Lieferanten und Transporteuren berichtet. Die C._ sei gemäss den
Zwischenbilanzen spätestens ab dem 30. Juni 2012 überschuldet gewesen. Aus
einer buchhalterischen Perspektive könne damit festgehalten werden, dass ein
Kapitalverlust grundsätzlich bereits zuvor bestanden haben müsse. Nachdem sich
der Beschuldigte nicht um die Buchhaltung der C._ und deren finanzielle
Lage gekümmert habe, sei aufgrund der weiteren äusseren Umstände darauf zu
schliessen, ab wann er mit einer Überschuldung der C._ habe rechnen
müssen. Aufgrund der konkreten vorgenannten Umstände (Liquiditätsvorschüsse
ab Juni 2012; Ausführungen G._s betreffend die gegen Ende ihrer
Anstellung vor Mitte 2012 bestehenden Probleme der C._ sowie ihre
diesbezüglichen Äusserungen gegenüber dem Beschuldigten; Abgang G._s
und definitive personelle Unterdotierung ab Mitte 2012; zunehmende
Auslieferungsengpässe, Kundenreklamationen und offene Rechnungen im Jahr
2012) sei erstellt, dass die Gründe zur Besorgnis einer Überschuldung im Jahr
2012 ständig zugenommen hätten und dass der Beschuldigte spätestens ab Mitte
2012 habe erkennen müssen, dass die C._ überschuldet sein könnte, bzw.
dass der Beschuldigte deren Illiquidität bzw. die Tatsache, dass es zu einem
- 35 -
Zwangsvollstreckungsverfahren gegen die C._ kommen könnte, spätestens
in jenem Zeitpunkt in Kauf genommen habe. Dessen ungeachtet habe er es aber
unterlassen, die Überschuldung im Sinne von Art. 725 Abs. 2 OR anzuzeigen
bzw. eine Zwischenbilanz zu deponieren. Der zur Anklage erhobene Sachverhalt
sei damit erstellt (Urk. 90 S. 68 ff.).
8.3.2. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung betreffend Ziff. I. 3.3. der
Anklageschrift (Steigerung der Besorgnis und personelle Unterdotierung der
C._) wurde im Berufungsverfahren durch die Verteidigung insofern
beanstandet, als die Liquiditätsprobleme nur vorübergehend gewesen seien und
daher der Beschuldigte als Laie nicht davon habe ausgehen müssen, dass sein
Unternehmen sich ernstlich in finanziellen Schwierigkeiten befunden habe oder
gar kurz vor der Überschuldung gestanden sei (Urk. 177 S. 10 f., 14). Sodann
habe der Beschuldigte, wie er selbst mehrfach geltend gemacht habe, erfahrene
und kompetente Mitarbeiter gebraucht, was nicht einfach zu finden sei. Es sei
daher verfehlt, ihm vorzuwerfen, der C._ durch die Nichteinstellung von
neuem Personal einen Schaden zugefügt zu haben (Urk. 177 S. 13 f.). Die Kritik
der anschlussappellierende Anklagebehörde beschränkt sich sodann einmal mehr
auf die Frage, ab welchem Zeitpunkt die Finanzlage der C._ so kritisch war,
dass sie "einen erheblichen Sanierungsbedarf hatte, so dass ein äussert
haushälterischer Umgang mit den Aktiven und die Vermeidung und Eliminierung
sämtlicher geschäftlich nicht begründeten Aufwendungen geboten war" (Urk. 179
S. 2).
8.3.3. Auch in diesem Punkt erweist sich die vorinstanzliche Beweiswürdigung als
sehr gründlich und vollständig redigiert und ist im Ergebnis vollumfänglich zu-
treffend (Urk. 90 S. 67 ff.). Dabei ist zu betonen, dass die Behauptung des
Beschuldigten, wonach es schwierig sei, im Grossraum Zürich genügend quali-
fizierte Mitarbeiter mit Erfahrungen im Bereich (Änderungs-)Schneiderei bzw.
Massbekleidung zu finden, welche die anstehenden Arbeiten hätten erledigen
können, nicht überzeugt, zumal auch die Praktikantin K._ zu erkennen gab,
dass sie via Stelleninserat zur C._ gekommen sei und vom Beschuldigten
gelernt habe, wie man Mass nimmt. Vielmehr ist angesichts der gesamten
- 36 -
Umstände – mit der Vorinstanz und entgegen der Verteidigung – erstellt, dass der
Beschuldigte sich gar nicht ernstlich darum bemüht hat, das abgegangene
Personal zu ersetzten, damit die Geschäftstätigkeit der C._ weitergeführt
werden konnte. Sodann ist aufgrund der konkreten Umstände (notwendige
Liquiditätsvorschüsse ab Juni 2012; vermehrt offene Rechnungen und
Mahnungen im Jahr 2012; häufiger Wechsel von Transporteuren, da deren
Rechnungen nicht beglichen wurden; immer deutlicher werdende finanzielle
Probleme der C._; Abgang von Personal und definitive personelle
Unterdotierung ab Mitte 2012; zunehmende Auslieferungsengpässe und
Kundenreklamationen im Jahr 2012; Überschuldung der C._ [gemäss den
Zwischenbilanzen] spätestens ab 30. Juni 2012), erstellt, dass die Gründe zur
Besorgnis einer Überschuldung im Jahr 2012 ständig zugenommen haben. Das
musste denn auch der Beschuldigte, welcher sich offensichtlich nicht wirklich um
die finanzielle Lange kümmerte, – mit der Vorinstanz – spätestens ab Mitte 2012
erkennen. Aufgrund der zahlreichen und gewichtigen Probleme der C._, zu
deren Behebung nicht die notwendigen Massnahmen ergriffen wurden, konnte
der Beschuldigte entgegen der Argumentation der Verteidigung im besagten
Zeitpunkt eindeutig nicht mehr davon ausgehen, es handle sich lediglich um
vorübergehende (Liquiditäts-)Probleme.
8.3.4. Schliesslich vermag auch die Kritik der Anklagebehörde nicht zu über-
zeugen. Aus den Erwägungen der Vorinstanz, insbesondere aus den korrigierten
Bilanzen, ist ersichtlich, dass die Überschuldung der C._ spätestens ab Mitte
2012 vorlag. Die vorinstanzlichen Erwägungen kristallisieren sodann sorgfältig die
zunehmenden Schwierigkeiten der C._ heraus und zeigen auf, dass sich die
Lage Mitte 2012 derart zuspitzte, dass der Beschuldigte spätestens dann mit
einer Überschuldung der C._ rechnen musste bzw. dass er deren Illiquidität
bzw. die Tatsache, dass es zu einem Zwangsvollstreckungsverfahren gegen die
C._ kommen könnte, spätestens in jenem Zeitpunkt in Kauf nahm. Für einen
früheren Zeitpunkt kann dies indes – entgegen der Anklagebehörde und mit der
Vorinstanz – nicht erstellt werden.
- 37 -
9. Ziff. I.4. Vermögensdispositionen zum Schaden der C._ und ihrer Gläubiger
9.1. Unter Ziffer I. 4.1. der Anklageschrift wirft die Anklagebehörde dem
Beschuldigten in stark zusammengefasster Form vor, er habe sich im Rahmen
des am 24. Januar 2008 mit der C._ (vertreten durch deren damals einzigen
Verwaltungsrat D._) geschlossenen Beratervertrages eine monatliche
Vergütung in der Höhe von CHF 10'000.– zusichern lassen. Zudem habe er sich
ein Fahrzeug zur Verfügung stellen und sich einen Privatanteil von CHF 800.–
anrechnen lassen. Für die Vertragsparteien sei es dabei unerheblich gewesen, ob
der Beschuldigte eine Leistung erbracht habe, welche einen angemessenen
Gegenwert für das Beraterhonorar dargestellt habe. Ab März 2011 habe die
begründete Besorgnis der Überschuldung und damit ein ausgewiesener
Sanierungsbedarf der C._ bestanden. Unter diesen Umständen habe es den
Interessen der C._ und ihrer Kreditoren widersprochen, dass sich der
Beschuldigte weiterhin das Beraterhonorar gemäss Vertrag vom 24. Januar 2008
zuzüglich Spesengelder und Fahrzeug habe zuhalten lassen. Dies habe er getan,
obwohl er gewusst habe, dass seine Aktivitäten ausserhalb der S._-gasse ...
ab Juli 2011 praktisch nichts zum Geschäftserfolg der C._ beigetragen
hätten. Ab Juli 2011 habe der Beschuldigte nur noch wenige Aktivitäten entfaltet,
die den Ertrag der C._ gefördert hätten. So habe er von Zeit zu Zeit via
B._.ch ein Angebot erneuert und sporadisch, ca. 6 Stunden pro Woche im
Ladenlokal beim Massnehmen und der Kundenberatung mitgewirkt. Seine
Leistung habe höchstens einem 20%-Pensum eines qualifizierten
Detailhandelsangestellten im Bekleidungssektor entsprochen und damit für die
C._ höchstens einen Wert von CHF 2'000.– pro Monat dargestellt. Von
November 2012 bis März 2013 habe er dann sein Pensum auf 50% erhöht, was
höchstens einem Gegenwert von CHF 5'000.– pro Monat entsprochen habe.
Gemessen an den durch den Beschuldigten für die C._ in der Zeit ab Juli
2011 bis Oktober 2012 erbrachten Leistungen sei höchstens ein monatliches
Entgelt von CHF 2'000.– angemessen gewesen. Daraus ergebe sich, dass sich
der Beschuldigte im Zeitraum Juli bis Dezember 2011 CHF 70'000.– ohne
Gegenleistung habe gutschreiben lassen. Der Beschuldigte habe sich aufgrund
- 38 -
der nichterbrachten Gegenleistung und angesichts der Finanzlage der C._
unrechtmässig bereichert. Diese habe er im Voraus zumindest für möglich
gehalten und in Kauf genommen.
9.1.1. Die Vorinstanz erwog hierzu zusammengefasst, die Darstellung der
Anklagebehörde betreffend das Zustandekommen und den Inhalt des
Beratervertrages vom 24. Januar 2008 seien korrekt und durch den
aktenkundigen Vertrag belegt. Ebenfalls sei durch die Buchhaltung der C._
belegt, dass das dem Beschuldigten im Jahr 2011 durchschnittlich
gutgeschriebene Honorar CHF 10'333.– betragen habe. Diesen im Jahr 2011 im
Haben des Kontos verbuchten Honorarzahlungen von durchschnittlich CHF
10'333.– seien dabei jeweils Soll-Buchungen in Höhe von CHF 7'800.–
(Mietanteil, Spesenanteil, Autoanteil, Ausgleich Bargeldbezüge) gegenüber
gestanden, was sich ebenfalls ohne weiteres aus der Buchhaltung ergebe. Nicht
gefolgt werden könne der Anklagebehörde, wenn sich diese auf den Standpunkt
stelle, dass ab März 2011 die begründete Besorgnis einer Überschuldung sowie
ein Sanierungsbedarf bestanden habe. Vorliegend habe sich nämlich gezeigt,
dass eine konkrete Überschuldung der C._ zu Fortführungswerten ab Mitte
2012 vorgelegen habe. Der Jahresabschluss 2011 habe noch keine
Überschuldung ausgewiesen. Andauernde Verlustausweise seien im März 2011
ebenfalls noch nicht vorgelegen, zumal in den Jahresrechnungen 2009 und 2010
ein Gewinn ausgewiesen habe werden können. Dass der Beschuldigte die
finanzielle Situation der Gesellschaft überwachen und laufend besonders auf
diese Acht hätte geben müssen, weil ein Verlustvortrag getätigt worden sei, sei
ebenfalls erst ab anfangs 2012 zu bejahen. Dass dem Beschuldigten
Liquiditätsprobleme der C._ bekannt gewesen seien, könne zudem auch erst
für den Zeitraum ab Mitte 2012 angenommen werden. Ab dann seien nämlich
durch die R._ konkrete Liquiditätsvorschüsse gewährt worden. Auch die
Angestellten hätten erst für das Jahr 2012 angegeben, dass sie vermehrt
unbezahlte Rechnungen und Mahnungen bemerkt hätten. Dass sich die
Fortführung der Unternehmung bzw. die Bilanzierung zu Fortführungswerten im
März 2011 als nicht mehr gerechtfertigt erwiesen habe, könne ebenfalls nicht
angenommen werden, gehe doch die Anklagebehörde selbst davon aus, dass der
- 39 -
erfolgreiche Geschäftsstart betreffend die Masskleider dazu geführt haben
könnte, dass die Bilanz der C._ im Mai 2011 noch nicht zu hinterlegen
gewesen sei bzw. dass die Bilanz der C._ in jenem Zeitpunkt zu
Fortführungswerten als gedeckt habe erachtet werden können. Zudem halte die
Anklagebehörde selbst auf S. 31 der Anklageschrift fest, dass die Ereignisse im
ersten Quartal 2011 Anlass zur Hoffnung gegeben hätten, dass die C._
zukünftig Gewinne erwirtschaften werde, zumal sie von den exorbitanten
Mietkosten für die Liegenschaft an der P._-strasse ... befreit worden sei und
der Verkauf mit Masskleidern sehr erfolgreich angelaufen sei. Ein solcher Anlass
zur Hoffnung hinsichtlich der Geschäftstätigkeit der C._ bzw. auf eine baldige
Gewinnerwirtschaftung widerspreche aber wiederum der Annahme der
begründeten Besorgnis einer Überschuldung bzw. der Inkaufnahme der
Illiquidität. In Anbetracht all dieser Umstände sei davon auszugehen, dass der
Beschuldigte die Illiquidität der C._ nicht schon im März 2011 in Kauf
genommen bzw. dass sich diesem die begründete Besorgnis einer Über-
schuldung bzw. die Besorgnis hinsichtlich der Durchführung eines
Zwangsvollstreckungsverfahrens nicht bereits damals aufgedrängt habe. Erst
aufgrund der Entwicklungen im Jahr 2012 (Personalprobleme,
Auslieferungsengpässe, Kundenreklamationen, offene Rechnungen,
Liquiditätsvorschüsse) könne zweifelsfrei davon ausgegangen werden, dass der
Beschuldigte die begründete Besorgnis einer Überschuldung der C._ habe
erkennen müssen und dass er deren Illiquidität in Kauf genommen habe. Es sei
folglich im Grundsatz auch nicht zu beanstanden, dass der Beschuldigte ab März
2011 weiterhin ein Honorar von der C._ bezogen habe. Was die eigentliche
Präsenzzeit des Beschuldigten in den Geschäftsräumlichkeiten der C._ an-
belange, so seien die betreffenden Schilderungen in der Anklageschrift durch die
glaubhaften Aussagen der Zeuginnen G._ und K._ sowie durch die
Zugaben des Beschuldigten selbst grundsätzlich erstellt. Wenn die Anklageschrift
dann jedoch weiter festhalte, dass die Leistungen des Beschuldigten ab Juli 2011
bis Oktober 2012 höchstens dem 20%-Pensum eines qualifizierten
Detailhandelsangestellten entsprochen und für die C._ höchstens einen Wert
von CHF 2'000.– im Monat gehabt hätten, wobei dies für den Zeitraum November
- 40 -
2012 bis März 2013 (entsprechend einem 50%-Pensum) einem Wert von CHF
5'000.– entsprochen habe, und daraus schlussfolgere, dass der Beschuldigte sich
im Zeitraum Juli bis Dezember 2011 CHF 70'000.– [6 x CHF 7'000.–, zuzüglich
CHF 40'000.–, abzüglich berechtigt überwiesenen CHF 12'000.–] ohne
Gegenleistung habe gutschreiben lassen, sei die rechtliche Würdigung insofern
vorweg zu nehmen, als festgehalten werden müsse, dass diese Auffassung zu
weit gehe. Auch wenn der Beschuldigte die Geschäftsführung der C._ in
relevanter Hinsicht vernachlässigt habe und teilweise nur ein relativ geringes
Pensum seiner verfügbaren Zeit für diese aufgewendet habe, sei er doch deren
Geschäftsführer und faktisches Verwaltungsratsmitglied mit Weisungsbefugnis
gegenüber dem formell bestellten Verwaltungsrat gewesen. Bei der Frage, was
als geschäftsmässig begründeter Aufwand – und somit auch, was als
angemessenes Honorar eines Geschäftsführers – zu erachten sei, sei dem
Geschäftsführer ein Ermessensspielraum einzuräumen (vgl.
Bundesgerichtsentscheid 6B_473/2011 vom 13. Oktober 2011 E. 1.2.2. m.w.H.).
Dass die Honorare von Geschäftsführern diverser (auch bekannter
börsenkotierter) Aktiengesellschaften nicht immer den konkret für die Gesellschaft
erbrachten Leistungen entsprächen, ohne dass sie dabei in strafrechtlicher
Hinsicht als übersetzt zu erachten seien, sei hinlänglich bekannt. In
Mitberücksichtigung dieses Umstandes wirke die durch den Beschuldigten
bezogene Entschädigung jedenfalls nicht als derart überrissen, dass für jenen
Zeitraum eine strafrechtliche Relevanz anzunehmen sei, habe der Beschuldigte
das mit der C._ vertraglich vereinbarte Honorar doch bereits seit 2008 –
mithin bereits während 3 1⁄2 Jahren vor der ihm in der Anklage zum Vorwurf
gemachten Zeit – erzielt, was durch die Anklage nicht moniert worden sei, obwohl
der Beschuldigte in jenem Zeitraum nicht mit einem intensiveren Pensum für die
C._ tätig gewesen sei (Urk. 90 S. 73 ff.).
9.1.2. Diese Erwägungen der Vorinstanz kritisierte die Anklagebehörde im
Berufungsverfahren wiederum einzig mit Bezug auf den Zeitpunkt, ab welchem
die begründete Besorgnis einer Überschuldung der C._ sowie
Sanierungsbedarf bestanden habe (Urk. 179), worauf bereits eingegangen wurde
(Ziff. II 8.3.3.).
- 41 -
9.1.3. Auch die Verteidigung brachte lediglich erneut vor, dass der Beschuldigte
Mitte 2012 noch nicht mit der Illiquidität der C._ bzw. mit der Eröffnung eines
Zwangsvollstreckungsverfahrens gegen diese habe rechnen müssen (Urk. 177
S. 16). Diesbezüglich kann ebenfalls auf die obigen Erwägungen verwiesen
werden (Ziff. II 8.3.3.).
9.1.4. Soweit sich die Anklagebehörde unter den Ziffern 48 bis und mit 51 zum
Abschluss und Inhalt des Beratervertrages vom 24. Januar 2008 (Urk. 240076 f.,
Ordner B-6) sowie zu den aus der Buchhaltung der C._ hervorgehenden
Buchungen betreffend das Konto "U._." äussert, sind die betreffenden
Angaben ohne weiteres durch die aktenkundigen und für die hier interessierende
Zeitspanne massgeblichen Buchhaltungsunterlagen der C._ belegt (vgl.
Kontenblätter in Urk. 060300 und Urk. 060354 ff., Ordner 8). Weiterungen hierzu
erübrigen sich, zumal den vorinstanzlichen Erwägungen hierzu auch seitens der
Parteien keine Kritik erwachsen ist. Umstritten ist dagegen einerseits die Frage,
ab wann der Beschuldigte die Illiquidität der C._ in Kauf genommen hat und
andererseits die Frage, ob das Honorar des Beschuldigten in der fraglichen
Zeitspanne als geschäftsmässig begründeter Aufwand zu betrachten ist, oder
nicht.
9.1.4.1. Wie bereits vorstehend unter Ziffer II 7.1.12. und II 7.2. dargetan, geht
aus den überarbeiteten Bilanzen hervor, dass die C._ ab dem 30. Juni 2012
überschuldet war, denn ab diesem Zeitpunkt vermochten die Aktiven in Höhe von
CHF 108'793.56 das Fremdkapital in Höhe von CHF 148'538.90 nicht mehr zu
decken. Dies war – wie erstellt – bei der Jahresendbilanz 2011 ausdrücklich noch
nicht der Fall. Zum damaligen Zeitpunkt stand nämlich den Aktiven in der Höhe
von CHF 162'927.35 ein Fremdkapital in der Höhe von CHF 115'640.42
gegenüber. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, lagen im März 2011 keine
andauernden Verlustausweise vor. Entsprechend war der Beschuldigte
dannzumal auch (noch) nicht verpflichtet die finanzielle Situation der Gesellschaft
in besonderem Masse zu überwachen. Wie sich aufgrund des bisherigen
Beweisergebnisses gezeigt hat, lässt sich zum Nachteil des Beschuldigten auch
nicht erstellen, dass er vor Mitte 2012 Kenntnis von allfälligen
- 42 -
Liquiditätsproblemen der C._ gehabt hatte, respektive hätte haben müssen.
Augenscheinlich wurden diese nämlich erst ab Juni 2012, nämlich ab jenem
Moment, als die R._ der C._ erste Liquiditätsvorschüsse gewähren
musste, damit erstere ihren laufenden Verpflichtungen nachkommen konnte. Dies
war denn auch der Zeitpunkt, ab welchem – wie dargetan – auch den
Mitabeiterinnen G._ und K._ zufolge vermehrt unbezahlte Rechnungen
und Mahnungen auftauchten. In der Folge kam es zu den bereits thematisierten
Personalproblemen und als Konsequenz davon zu gravierenden Engpässen bei
der Auslieferung der bestellten und bezahlten Massanzüge und infolge dessen
auch zu Kundenreklamationen. Wenn die Vorinstanz in Würdigung all dieser
Vorkommnisse resümiert, der Beschuldigte habe erst aufgrund der Entwicklungen
Mitte 2012 zweifelsfrei die begründete Besorgnis einer Überschuldung der
C._ haben müssen, so ist ihr darin – wie bereits ausgeführt – vollumfänglich
zuzustimmen.
9.1.4.2. Soweit sich die Anklageschrift zur Präsenzzeit des Beschuldigten im
Geschäftslokal und zu seinen dortigen Tätigkeiten äussert, stehen die
betreffenden Behauptungen im Einklang mit den Aussagen der Zeuginnen
G._ und K._, aber auch mit den Depositionen des Beschuldigten selbst.
Die Vorinstanz hat hierzu das Wesentliche zusammengefasst und
wiedergegeben, worauf vollumfänglich verwiesen werden kann. Dies umso mehr,
als es von niemandem in Abrede gestellt wird (Urk. 90 S. 75 ff.). Wenn die
Anklagebehörde, ungeachtet des mittels Beratervertrag vom 24. Januar 2008
zugesicherten und seither ausbezahlten Honorars und des vereinbarten
Beschäftigungsumfangs, davon ausgeht, der Beschuldigte habe sich, ohne eine
Gegenleistung zu erbringen und damit unrechtmässig zum Nachteil der C._
bereichert, so kann ihr mit der Vorinstanz nicht zugestimmt werden. Wie das
Bundesgericht in dem bereits von der Vorinstanz zitierten Entscheid 6B_473/2011
E. 1.2.2. erwog und in 6B_818/2017 E. 1.2.2 sowie in 6B_940/2019 vom 6. Mai
2020 E. 2.1. bestätigte, handelt pflichtwidrig, wer als Geschäftsführer einer
Handelsgesellschaft wissentlich einen geschäftsmässig unbegründeten Aufwand
verursacht. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Geschäftsführer bei
der Frage, was geschäftsmässig begründet ist, über einen Ermessensspielraum
- 43 -
verfügt. Bekanntlich war der Beschuldigte als Geschäftsführer der C._ und
als deren faktisches Verwaltungsratsmitglied mit Weisungsbefugnis gegenüber
dem formell bestellten Verwaltungsrat tätig. In dieser Funktion erhielt er seit
Anfang 2018 für eine Vollzeitbeschäftigung eine monatliche Vergütung in der
Höhe von CHF 10'000.–, wobei ihm nach Abzug des privaten Spesenanteils, der
privaten Beteiligung am Firmenfahrzeug und einem Mietanteil letztlich im Jahre
2011 pro Monat ein Honorar von CHF 7'000.– ausbezahlt wurde. Ob die Höhe
dieser vereinbarten Entschädigung letztlich in einem vertretbaren Verhältnis zu
den für die C._ durch ihn erbrachten Leistungen stand, ist nicht zuletzt auch
eine gesellschaftspolitische Frage, die hier weder zu entscheiden, noch zu
diskutieren ist. Entscheidend ist vorliegend einzig, dass die Entschädigung
keinesfalls als im strafrechtlich relevanten Ausmass unangemessen, oder gar
überrissen bezeichnet werden kann. Dies wird namentlich auch klar, wenn man
den statistischen Lohnrechner des Bundesamtes für Statistik zu Rate zieht. Zwar
basieren die dort verwendeten Zahlen nicht auf den in den Jahren 2008 bis 2012
effektiv ausbezahlten Löhnen, sondern auf denjenigen aus dem Jahre 2016.
Dennoch sind die betreffenden Statistikdaten für die Beantwortung der Frage, ob
der Beschuldigte eine unangemessen hohe Entschädigung bezog,
aufschlussreich. Gemäss dem "Salarium-Statistischer Lohnrechner 2016" erzielte
ein ausländisches, männliches Kadermitglied der Berufsgruppe Verkaufskräfte in
der Branche Herstellung von Textilien in der Region Zürich bei einer
Vollzeitbeschäftigung und je nach Aufenthaltsstatus einen monatlichen Bruttolohn
von zwischen rund CHF 8'200 und CHF 10'400.–
(https://www.gate.bfs.admin.ch/salarium/public/index.html#/calculation?regionCod
e=4&nogaId=13&skillLevelCode=52&mgmtLevelCode=1&weeklyHourValue=42.5
&educationCode=6&ageCode=51&workYearsCode=0&companySizeCode=3&mo
nth13SalaryCode=1&specialFeesCode=1&hourSalaryCode=0;zuletzt besucht am
18. Juni 2020). Auch im Lichte dieser statistischen Werte erscheint die durch den
Beschuldigten bezogene Entschädigung per se nicht als grundsätzlich
unangemessen. Schon gar nicht kann mit der Vorinstanz und entgegen der
Auffassung der Anklagebehörde von einem in strafrechtlicher Hinsicht relevanten
Lohnexzess gesprochen werden (Urk. 90 S. 77).
- 44 -
9.2. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten weiter vor, dieser habe im
Jahre 2012, als die finanzielle Lage der C._ angespannter geworden sei, für
seine privaten Bedürfnisse insgesamt 34 Barbezüge im Totalbetrag von
CHF 44'581.80 zulasten der C._ bei der Bank V._ veranlasst. Dabei
habe in den meisten Fällen G._ (in einem Fall sei es I._ gewesen) das
Bargeld im Auftrag des Beschuldigten in der Filiale der Bank V._ an der
W._-strasse in Zürich abgeholt und es in der Folge an den Beschuldigten
ausgehändigt. Der Beschuldigte selbst habe bewusst auf eine eigene
Unterschriftenberechtigung verzichtet, um auf diese Weise seine Stellung in der
C._ zu vertuschen. Die erwähnten Bezüge habe I._ in der Folge
allesamt und korrekterweise zulasten des Beschuldigten in das Soll des Kontos
U._ gebucht (Urk. 002038 f.).
9.2.1. Die Vorinstanz erachtete zunächst sämtliche Bargeldbezüge als durch die
Akten ausgewiesen, womit auch erstellt sei, dass die Auszahlungen an die
genannten Personen erfolgt seien, was diese denn auch jeweils unterschriftlich
bestätigt hätten. Einzig zu korrigieren sei, dass die Barauszahlung vom 3. Januar
2012 am 4. Januar 2012 erfolgt sei. Dafür, dass die Barbezüge jeweils dem
Beschuldigten übergeben worden seien, gebe es keinen direkten Beweis.
Namentlich habe G._ keine entsprechenden Aussagen gemacht. Gestützt
aber auf den Umstand, dass I._ sämtliche Bargeldbezüge im Soll des Kontos
"U._" mit dem Buchungstext "Barbezug A._" gebucht und diese mit den
Honorarforderungen des Beschuldigten verrechnet habe, sei davon auszugehen,
dass der Beschuldigte diese Vorgehensweise ohne sein Einverständnis
respektive ohne seine entsprechende Anweisung nicht toleriert hätte. Eine solche
Buchung liege zudem auch betreffend die Transaktion vom 4. Juni 2012 (recte: 4.
Januar 2012) vor, weshalb auch dieser Bargeldbezug zugunsten des
Beschuldigten erstellt sei. Insofern sei der Anklagesachverhalt erstellt. Zu
berücksichtigen sei auch in diesem Zusammenhang, dass der Beschuldigte erst
ab Mitte 2012 die begründete Besorgnis einer Überschuldung der C._ habe
erkennen müssen bzw. dass er erst ab jenem Zeitpunkt mit der Illiquidität der
C._ bzw. mit der Eröffnung eines Zwangsvollstreckungsverfahrens habe
rechnen müssen (Urk. 90 S. 77 ff.).
- 45 -
9.2.2. Die Verteidigung äussert sich zu diesem Anklagesachverhaltsabschnitt
nicht und beanstandet auch die vorinstanzliche Beweiswürdigung nicht (Urk. 177).
9.2.3. Der Einwand der Anklagebehörde betrifft sodann wiederum einzig den
Zeitpunkt, ab welchem der Beschuldigte die begründete Besorgnis einer
Überschuldung der C._ haben musste. Diesbezüglich kann auf die hierzu
bereits mehrfach gemachten Feststellungen unter den Ziff. II 7.1.12., II 7.2., II
8.3.1. ff., II 9.1.1. ff. verwiesen werden. Mit der Vorinstanz ist erstellt, dass der
Beschuldigte erst ab Mitte 2012 die begründete Besorgnis einer Überschuldung
der C._ haben musste respektive, dass er erst ab jenem Zeitpunkt mit der
Illiquidität der C._ bzw. mit der Eröffnung eines
Zwangsvollstreckungsverfahrens rechnen musste. Was die in der Anklageschrift
aufgelisteten Bargeldbezüge bei der Bank V._ anbelangt, so sind diese (mit
Ausnahme des Bezugs vom 4. Juni 2012 in der Höhe von CHF 1'031.80) durch
die aktenkundigen Bankbelege dokumentiert (Urk. 081379 - Urk. 081387, Urk.
081390 - Urk. 081391, Urk. 081393 - Urk. 081394, Urk. 081396 - Urk. 081400,
Urk. 081403 - Urk. 081413, Urk. 081416 - Urk. 081417, Urk. 81420 bzw. vgl. Urk.
081138, Urk. 081142, Urk. 081155, Urk. 081172, Urk. 081177 ff., Urk. 081181,
Urk. 081187, Urk. 081189, Urk. 081194, Urk. 081198 ff., Urk. 081205 f., Urk.
081208 f., Urk. 081213, Urk. 081217 f. und Urk. 081221, je Ordner 9). Ebenso ist
mir der Vorinstanz erstellt, dass die getätigten Bargeldbezüge an den
Beschuldigten weitergeleitet wurden. Dies ergibt sich einerseits aus den
entsprechenden Buchungen im Soll des Kontos "U._" mit dem Buchungstext
"Barbezug A._" und andererseits aus dem Umstand, dass der Beschuldigte
die betreffenden Belastungen offenbar nie beanstandete. Etwas Gegenteiliges
wurde denn auch vom Beschuldigten nie behauptet. Der hier zur Beurteilung
stehende Anklagesachverhalt ist damit unter Verweis auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz erstellt (Urk. 90 S. 79 f.).
9.3. Ebenfalls unter Ziff. I. 4.1. wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten
vor, er habe I._ im Jahr 2012 angewiesen, zulasten des Kontos der C._
bei der Bank V._ diverse Banküberweisungen in Auftrag zu geben. Diese
Überweisungen seien nicht im Interesse der C._ erfolgt, weshalb I._, im
- 46 -
Einvernehmen mit dem Beschuldigten, entsprechende Soll-Buchungen im Konto
U._ erfasst habe (Urk. 002039 f).
9.3.1. Die Vorinstanz erwog hierzu, Bestand und Höhe (inklusive der jeweiligen
Überweisungskosten) sowie Destinatäre der in der Anklageschrift erwähnten
Banküberweisungen vom Kontokorrentkonto der C._ seien durch die
aktenkundigen Bankbelege ausgewiesen. H._, die Ex-Ehefrau des
Beschuldigten, habe als Zeugin glaubhaft angegeben, in der Zeit vom 12. Juni
2012 bis zum 10. Dezember 2012 regelmässig Zahlungen von der C._ in der
Gesamthöhe von CHF 32'200.– erhalten zu haben. Diese Zahlungen habe sie
teilweise zur Deckung ihres Lebensunterhaltes verwendet, teilweise seien sie
aber auch dem Beschuldigten zugutegekommen. Für die C._ sei sie nie tätig
gewesen. Die Überweisungen, welche direkt an den Beschuldigten erfolgt seien,
hätten teilweise dem mit ihm vereinbarten und seitens der C._ geschuldeten
monatlichen Honorar gemäss Beratervertrag entsprochen. Dass auch die übrigen
Überweisungen für den Beschuldigten getätigt worden seien und dass – im
Gegensatz zu den Honorar-Überweisungen an den Beschuldigten selbst – kein
unternehmerisches Interesse der C._ an den Überweisungen bestanden
habe, gehe auch daraus hervor, dass durch I._ jeweils im Soll des Kontos
"U._." eine den Überweisungen entsprechende Gegenbuchung
vorgenommen worden sei, um in der Folge die Bezüge mit den
Honorarforderungen des Beschuldigten zur Verrechnung bringen zu können.
Diesbezüglich sei zudem nicht davon auszugehen, dass diese Buchungen ohne
entsprechendes Einverständnis bzw. ohne entsprechende Anweisungen des
Beschuldigten vorgenommen worden seien. Der Sachverhalt betreffend die
Banküberweisungen sei daher erstellt. Zu berücksichtigen sei jedoch auch hier,
dass der Beschuldigte erst ab Mitte 2012 die begründete Besorgnis einer Über-
schuldung der C._ gehabt haben müsse respektive dass er erst ab jenem
Zeitpunkt mit der Illiquidität der C._ bzw. mit der Eröffnung eines
Zwangsvollstreckungsverfahrens habe rechnen müssen. Der Saldo der im
Zeitraum ab Mitte 2012 erfolgten Banküberweisungen betrage gemäss
vorstehender Tabelle CHF 67'263.27 (Urk. 90 S. 80 ff.).
- 47 -
9.3.2. Während sich die Kritik der Anklagebehörde an der vorinstanzlichen
Beweiswürdigung erneut einzig auf den Zeitpunkt, ab welchem der Beschuldigte
die begründete Besorgnis einer Überschuldung der C._ haben musste,
bezieht (Urk. 179 S. 1 ff.), äusserte sich die Verteidigung weder zum
Anklagevorwurf, noch zum vorinstanzlichen Beweisergebnis (Urk. 177).
9.3.3. Die vorinstanzlichen Erwägungen unter diesem Titel sind gleichermassen
vollständig wie korrekt. Sie können ohne Weiterung übernommen werden. In
Bezug auf den Einwand der Anklagebehörde, kann zwecks Vermeidung unnötiger
Wiederholungen auf Ziff. II 7.1.12., II 7.2., II 8.3.1. ff., II 9.1.1. ff. und II 9.2.3.
vorstehend verwiesen werden.
9.4. Der weitere Anklagevorwurf lautet dahingehend, dass in Verbindung mit
den berechtigten, jedoch quantitativ zu tiefen Soll-Buchungen für die Privatanteile
des Beschuldigten an der Wohnungsmiete, den Fahrzeugkosten und den Spesen
im Betrag von insgesamt CHF 6'800.– die vorgenannten Bezüge und Über-
weisungen des Beschuldigten (bzw. im Interesse des Beschuldigten)
CHF 253'830.02 betragen hätten. Diese Schuld sei durch mehrere Bareinlagen
des Beschuldigten um insgesamt CHF 53'005.– auf CHF 200'825.– reduziert
worden. Unter Berücksichtigung des berechtigten Beraterhonorars für das Jahr
2012 von höchstens CHF 30'000.– habe per 31. Dezember 2012 ein Saldo
zulasten des Beschuldigten von insgesamt CHF 169'825.– bestanden (Urk.
002041).
9.4.1. Die Vorinstanz kam gestützt auf ihr bisheriges, vom Anklagevorwurf teil-
weise abweichendes Beweisergebnis zu einem anderen Schluss. Nach ihrer
Auffassung betrug das zu Lasten des Beschuldigten im Soll des Kontos U._
verbuchte Total im Jahr 2012 CHF 253'830.02. Unter Berücksichtigung der durch
den Beschuldigten im Jahre 2012 auf das Konto "7 Kasse" getätigten Bar-
einzahlungen in der Höhe von CHF 53'005.– und des in vollem Umfang zu
berücksichtigenden Honoraranspruches von CHF 120'000.– zeige sich, dass die
Bezüge des Beschuldigten sein Guthaben um CHF 80'825.02 überschritten
hätten. Berücksichtige man weiter, dass sich dem Beschuldigten erst ab Mitte
2012 die begründete Besorgnis einer Überschuldung der C._ zwingend habe
- 48 -
aufdrängen müssen und dass er erst ab jenem Zeitpunkt damit habe rechnen
müssen, dass es zu einer Zwangsvollstreckung gegen die C._ kommen
könnte, bzw. dass er erst ab jenem Zeitpunkt die Illiquidität der C._ in Kauf
genommen habe, und werde somit das Augenmerk einzig auf den Zeitraum ab
Mitte 2012 gelegt, so ergebe sich daraus für die zweite Jahreshälfte 2012
zusammengefasst folgendes: Im Soll des Kontos "U._." seien zu Lasten des
Beschuldigten CHF 110'063.27 verbucht worden. Davon seien die in der zweiten
Jahreshälfte geleisteten Bareinzahlungen im Umfang von total CHF 13'005.–
sowie die in vollem Umfang zur berücksichtigenden Honorarzahlungen in der
Höhe von CHF 60'000.– in Abzug zu bringen. Es zeige sich daher, dass die
Bezüge des Beschuldigten dessen Bareinlagen und Honoraransprüche um
CHF 37'058.27 überschritten hätten (CHF 110'063.27, abzüglich CHF 13'005.–,
abzüglich CHF 60'000.–) (Urk. 90 S. 83 ff.).
9.4.2. Während sich die Verteidigung auch in diesem Punkt weder zum
Anklagevorwurf noch zur vorinstanzlichen Beweiswürdigung substantiiert äussert
(Urk. 177), betrifft die Kritik der Anklagebehörde an der vorinstanzlichen
Beweiswürdigung auch hier den Zeitpunkt, ab welchem Sanierungsbedarf
bestanden habe (Urk. 179).
9.4.3. Die vorinstanzlichen Schlussfolgerungen weichen insofern vom Anklage-
sachverhalt ab, als sie dem Beschuldigten einerseits den vollen, im Beratervertrag
vom 24. Januar 2008 (Urk. 240076 f., Ordner B-6) zugesicherten Lohn in der
Höhe von CHF 10'000.– zubilligt und sie sich andererseits auf den Standpunkt
stellt, eine begründete Besorgnis betreffend die Überschuldung der C._ im
strafrechtlich relevanten Ausmass habe erst ab Mitte 2012 bestanden. Dass
diesen Auffassungen der Vorinstanz gefolgt werden kann, wurde zuvor bereits
unter den Ziffern II 7.2., II 7.1.12., II 7.2., II 8.3.1. ff., II 9.1.1. ff. dargetan. Darauf
kann verwiesen werden. Entsprechend vermag die Argumentation der
Anklagebehörde nicht zu überzeugen, weshalb es bei der vorinstanzlichen
Sachverhaltserstellung in diesem Punkt sein Bewenden hat.
9.5. Unter Ziffer I. 4.1. wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten weiter vor,
als er und I._ im Januar 2013 der Konkurs der C._ hätten kommen
- 49 -
sehen, hätten sie versucht, den Beschuldigten davor zu bewahren, dass die
Konkursverwaltung oder Abtretungsgläubiger gemäss Art. 260 SchKG ihre
Forderung einzutreiben versuchten. Deshalb hätten sie entschieden, das
Beraterhonorar des Beschuldigten rückwirkend zu erhöhen. Ungefähr am 8.
Januar 2013 habe I._, auf Ersuchen des Beschuldigten einen neuen
Beratervertrag zwischen der C._ und dem Beschuldigten aufgesetzt, der ein
monatliches Honorar von CHF 16'000.– vorgesehen und sich im Übrigen an den
Beratervertrag vom 24. Januar 2008 angelehnt habe. Gestützt auf diesen neuen
Beratervertrag habe I._ dem Beschuldigten im Konto U._ der
Buchhaltung der C._ für das Jahr 2012 eine Honorarforderung von neu
insgesamt CHF 192'000.– gutgeschrieben. Dadurch habe die Buchhaltung per
Ende 2012 ein Guthaben des Beschuldigten in Höhe von CHF 17'077.98
ausgewiesen, was die Folge eines in der Buchhaltung nicht ausgewiesenen
Verzichts der C._ auf CHF 162'000.–, eventualiter auf CHF 72'000.–,
gewesen sei. Durch diesen Verzicht sei der Beschuldigte ungerechtfertigt
bereichert gewesen, was mit dem Abschluss des Beratervertrags vom 8. Januar
2013 bezweckt worden sei. Für das Jahr 2013 hält die Anklageschrift im
vorliegenden Zusammenhang demgegenüber fest, es sei im Resultat davon
auszugehen, dass der Beschuldigte mit eigenem Geld eine Netto-Barzahlung im
Betrag von CHF 1'643.15 für die C._ geleistet habe. Für den Januar 2013
habe I._ dem Beschuldigten im Konto U._ ein Beratungshonorar von
CHF 16'000.– gutgeschrieben, wovon höchstens CHF 11'000.– gerechtfertigt
gewesen seien. Am 1. Januar 2013 habe der Beschuldigte eine Bareinlage von
CHF 7'440.40 getätigt, am 25. Januar 2013 habe er Rechnungen der AA._
Suisse von CHF 1'390.65 bezahlt und am 31. Januar 2013 sowie am 31. März
2013 habe er den Lohn von K._ in Höhe von je CHF 2'906.25 beglichen. Die
Summe seiner Barzahlungen im Unternehmensinteresse, welche ohne Minderung
der Aktiven erfolgt seien, hätten folglich CHF 14'643.15 betragen. Diese
Zahlungen habe er jedoch weitestgehend durch einen Barbezug vom 14. März
2013 in Höhe von CHF 13'000.– wieder kompensiert, sodass die erwähnte Netto-
Barzahlung von CHF 1'643.15 resultiert habe (Urk. 002041 f.).
- 50 -
9.5.1. Die Vorinstanz kam betreffend diesen Teil des Anklagevorwurfs
zusammengefasst zu folgendem Schluss: Dass I._ und der Beschuldigte mit
Datum vom 8. Januar 2013 einen neuen Beratervertrag mit dem in der
Anklageschrift erwähnten Inhalt geschlossen hätten, sei zutreffend und durch die
Akten belegt. Ungeachtet des Umstands, dass der betreffende Vertrag erst mit
dessen Unterzeichnung in Kraft getreten sei, sei dem Beschuldigten rückwirkend
für das gesamte Jahr 2012 ein monatliches Honorar von CHF 16'000.–
gutgeschrieben worden. Damit habe die Gutschrift für das Jahr 2012 CHF
72'000.– mehr betragen, als ihm gestützt auf den ursprünglichen Beratervertrag
vom 24. Januar 2008 zugestanden sei. Diese rückwirkende Honorarerhöhung sei
in einem Zeitpunkt erfolgt, als die massive Überschuldung der C._
unübersehbar und die Konkurseröffnung praktisch unausweichlich geworden sei.
Unter diesen Umständen sei die Erhöhung des Honorars nicht anders erklärbar,
als dass I._ und der Beschuldigte eine direkte Inanspruchnahme des
Beschuldigten durch die Konkursverwaltung respektive Abtretungsgläubiger
hätten verhindern wollen. Nachdem weder der Beschuldigte noch I._ eine
überzeugende Erklärung für die Honorarerhöhung hätten liefern können und die
Aktenlage keinen anderen Schluss zulasse, sei dieser Sachverhaltsabschnitt
anklagegemäss erstellt. Zutreffend sei weiter, dass im Januar 2013 eine
Honorargutschrift zugunsten des Beschuldigten in der Höhe von CHF 16'000.–
erfolgt sei. Weitere Honorargutschriften habe es nicht gegeben. Die Vorinstanz
stellte sich auf den Standpunkt, es sei angebracht, dem Beschuldigten für die
verbleibenden drei Monate des Jahres 2013 das ursprünglich vereinbarte Honorar
in der Höhe von CHF 10'000.– pro Monat zuzugestehen. Eine Erhöhung des
Honorars auf CHF 16'000.– erweise sich jedenfalls als unangemessen, denn der
Beschuldigte habe im Zeitpunkt der Unterzeichnung des neuen Beratervertrages
bereits mit der Illiquidität der C._ rechnen müssen. Dass der Beschuldigte
am 1. Januar 2013 eine Bareinlage von CHF 7'440.– (und nicht von
CHF 7'440.40, wie die Anklage aufführt) erbracht, am 25. Januar 2013
Rechnungen der AA._ Suisse in Höhe von CHF 1'390.65 bezahlt, am
31. Januar 2013 sowie am 31. März 2013 den Lohn von K._ in Höhe von je
CHF 2'906.25 in bar beglichen sowie dass er am 14. März 2013 einen Barbezug
- 51 -
in Höhe von CHF 13'000.– getätigt habe, treffe sodann zu. Entgegen der von der
Anklagebehörde vertretenen Auffassung seien ihm auch die durch ihn
übernommenen Kosten für das Fahrzeug ("Mercedes Benz Kosten", ebd.) in
Höhe von CHF 1'125.35 anzurechnen, zumal der Anspruch auf ein Geschäftsauto
einen vereinbarten und gerechtfertigten Honorarbestandteil dargestellt habe. Es
sei somit davon auszugehen, dass der Beschuldigte im Jahr 2013 Barzahlungen
im Unternehmensinteresse in Höhe von insgesamt CHF 15'768.50 getätigt habe,
wobei in Verrechnung seines Barbezugs in Höhe von CHF 13'000.– für das Jahr
2013 von einer Netto-Barzahlung des Beschuldigten in Höhe von CHF 2'768.50
auszugehen sei (Urk. 90 S. 85 ff.).
9.5.2. Weder die Verteidigung noch die Anklagebehörde äussern sich konkret
zum hier interessierenden Anklagevorwurf und sie stellen auch die vorinstanzliche
Beweiswürdigung nicht substantiiert in Abrede (Urk. 177; Urk. 179). Die Kritik der
Anklagebehörde beschränkt sich einmal mehr auf die Frage, ab wann konkret
Sanierungsbedarf bestanden habe (Urk. 179).
9.5.3. Der am 8. Januar 2013 zwischen I._ und dem Beschuldigten
geschlossene (neue) Beratervertrag ist aktenkundig, weshalb die diesbezüglichen
Schilderungen in der Anklageschrift betreffend Abschluss und Inhalt belegt und
damit erstellt sind (Urk. 240074 f., Ordner B-6). Ebenfalls belegt ist, dass sich der
Beschuldigte rückwirkend für das gesamte Jahr 2012 ein monatliches Honorar in
der Höhe von CHF 16'000.– gutschreiben liess (Urk. 060354 ff., Ordner 8). Wie
zuvor bereits mehrfach ausgeführt, musste der Beschuldigte ab Mitte 2012
betreffend die sich stets (zufolge Personal- und Liquiditätsmangel)
verschlechternde Geschäfts- und Finanzlage der C._ alarmiert sein. Mit der
Anklagebehörde zeichnete sich zu Beginn des Jahrs 2013 der Konkurs der
C._ ab. Dessen ungeachtet vereinbarten I._ und der Beschuldigte die
Honorarerhöhung zugunsten des Beschuldigten. Angesichts der gesamten
Umstände lässt dieses Vorgehen schlechterdings keinen anderen Schluss zu, als
eben jenen, dass I._ und der Beschuldigte verhindern wollten, dass die
Buchhaltung eine hohe Forderung gegen den Beschuldigten dokumentierte. Der
Beschuldigte sollte auf diese Weise davor bewahrt werden, dass die
- 52 -
Konkursverwaltung oder Abtretungsgläubiger ihre Forderung bei ihm einzutreiben
versuchten. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang – und auch darauf hat
die Vorinstanz bereits hingewiesen –, dass I._ und der Beschuldigten zum
Grund für den Abschluss des neuen Beratervertrages befragt, unterschiedliche
Angaben machten. Der Beschuldigte stellte sich diesbezüglich auf den
Standpunkt, den Vertrag habe I._ gemacht und auch unterschrieben.
Bestimmt habe er keine bösen Absichten gehabt. Weshalb just in jenem Zeitpunkt
eine Erhöhung des Beraterhonorars vereinbart worden sei, könne er nicht sagen
(Urk. 050573 f., Ordner 6). I._ dagegen gab an, der Vertrag sei zwar von ihm
mitunterschrieben worden. Er sei aber auf Anweisung des Beschuldigten erstellt
worden. Man habe zu dieser Zeit gemeint, die C._ stehe kurz vor einem
Vertragsabschluss, dass ein Dritter die Firma übernehme und der Beschuldigte
weiterhin als Berater tätig sein werde. Wer dieser potentielle Firmenkäufer hätte
sein sollen, konnte I._ nicht mehr sagen. Immerhin gab er aber an, er glaube
es sei diese norwegische Firma, AB._, oder eine englische Firma, von der er
aber den Namen nicht mehr wisse, gewesen (Urk. 050648, Ordner 6). Mit
anderen Worten machten die beiden am Vertragsabschluss Beteiligten äusserst
widersprüchliche Angaben zum Grund der massiven Honorarerhöhung. Weder
konnten sie auch nur ansatzweise erklären, was der eigentliche Grund für die
Erhöhung war und schon gar nicht, weshalb diese Erhöhung letztlich rückwirkend
für das ganze Jahr 2012 buchhalterisch erfasst wurde. Wenn die Vorinstanz
weiter erwägt, was die anzurechnende Honorarhöhe anbelange, sei auch für die
verbleibenden drei Monate des Jahres 2013 von der ursprünglich vereinbarten
Entschädigung in der Höhe von CHF 10'000.– auszugehen, so ist ihr
vollumfänglich zuzustimmen. In der Tat erscheint die Argumentation der
Anklagebehörde diesbezüglich etwas widersprüchlich, wenn sie unter diesem
Titel ein Honorar in der Höhe von CHF 11'000.– als gerechtfertigt erachtet,
nachdem sie zuvor den Standpunkt einnahm, gemessen am effektiven
Arbeitseinsatz seien rund 50 % des vereinbarten Lohnes, mithin CHF 5'000.–,
gerechtfertigt. Nicht in Frage kommt jedenfalls die Berücksichtigung der
missbräuchlich vereinbarten Honorarhöhe von CHF 16'000.–, denn der
Beschuldigte wusste im Zeitpunkt der Unterzeichnung zweifelsohne, dass die
- 53 -
C._ wirtschaftlich am Ende war. Schliesslich sind die folgenden Ein-
respektive Auszahlungen des Beschuldigten durch die Akten belegt (Urk. 060408,
Ordner 8):
− 1. Januar 2013, Bareinlage CHF 7'440.– − 25. Januar 2013, Bezahlung Rechnung AA._ CHF 1'390.65 − 31. Januar 2013, Bezahlung Lohn K._ CHF 2'906.25 − 31. März 2013, Bezahlung Lohn K._ CHF 2'906.25 − 14. März 2013, Barbezug CHF 13'000.–
Weiter sind mit der Vorinstanz die Auslagen des Beschuldigten für die Benützung
des Geschäftsautos in der Höhe von CHF 1'125.35 zu berücksichtigen, denn dem
Beschuldigten steht diesbezüglich ein vertraglich vereinbarter Anspruch zu
(vgl. Beratervertrag vom 24. Januar 2008 in Urk. 240076 f., Ordner B-6). Unter
Berücksichtigung dieser Zahlen resultiert eine Netto-Barzahlung des
Beschuldigten in der Höhe von CHF 2'768.50. Insoweit ist der Sachverhalt mit der
Vorinstanz und unter Verweis auf deren zutreffende Erwägungen erstellt.
9.6. Unter Ziffer I. 4.2 wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten stark
zusammengefasst vor, auf seinen Wunsch hin habe I._ über die R._ AG
die 6-Zimmerwohnung im 4. OG der Liegenschaft "AC._" am AD._-Quai
..., ... Zürich zum Preis von CHF 12'000.– monatlich, zuzüglich CHF 500.–
Nebenkosten und Parkplatz zu CHF 400.– monatlich, angemietet. In dem von
I._ auf Instruktion des Beschuldigten geschlossenen Mietvertrag sei
festgehalten worden, dass das Mietobjekt nur als Wohnung genutzt werden dürfe
und dass es vom Beschuldigten exklusiv bewohnt werde. Die Parteien seien sich
zudem einig darüber gewesen, dass die Kosten der Mieter von total CHF 12'900.–
monatlich vollständig auf die C._ abgewälzt werden sollten. Das
Mietverhältnis sei dabei im privaten Interesse des Beschuldigten und ohne jeden
Bezug zur Geschäftstätigkeit der C._ gewesen. Ausser dem Beschuldigten
und H._ sei das Mietobjekt – von gelegentlichen Gästen abgesehen – nie
von anderen Personen bewohnt worden. Insbesondere habe das Mietverhältnis
zu keinem Zeitpunkt einem Unternehmenszweck der C._ gedient, weshalb
die anfallenden Mietkosten für die C._ unnötig und gemessen an ihren
- 54 -
Vermögensverhältnissen unangemessen hoch gewesen seien. Aufgrund des
Mietverhältnisses seien der C._ über die R._ total CHF 280'498.– an
Mietkosten angefallen. Bei der Konkurseröffnung hätten die Mietausstände der
R._ bei der Vermieterin CHF 28'525.– und die Ausstände der C._ bei
der R._ CHF 53'015.– betragen. Somit habe die C._ für die Wohnung
CHF 198'958.– bezahlt und sei CHF 81'540.– schuldig geblieben. Die bezahlten
und offenen Schulden hätten die Überschuldung der C._ erhöht. Der
Beschuldigte habe den Schaden vordergründig auf CHF 199'873.– vermindert,
indem er sich im Konto U._ einen Privatanteil Mietaufwand von monatlich
CHF 3'750.–, total CHF 80'625.– für 21 1⁄2 Monate ab 15. Juni 2011 habe belasten
lassen. Diese Schadensminderung habe er aber neutralisiert, indem er die
Forderung mit seinem weitgehend unberechtigten Beraterhonorar habe
verrechnen lassen. Die Kosten für die Wohnung hätten keinen Geschäftsaufwand
der C._ dargestellt, sondern seien ausschliesslich Ausschüttungen an den
Beschuldigten als Alleinaktionär gewesen. Die Finanzlage der C._ sei ab
März 2011 aber zu angespannt gewesen, als dass solche Ausschüttungen
zulässig gewesen wären, was der Beschuldigte erkannt habe. Der Vorteil in Form
des Bewohnens einer Luxuswohnung sei folglich unrechtmässig gewesen und
habe den Vermögensfürsorgepflichten des Beschuldigten gegenüber der C._
widersprochen (Urk. 002043 ff.).
9.6.1. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, die Mietverträge seien akten-
kundig und deren Inhalt daher im Sinne der Anklage erstellt. Was den Zweck der
Miete anbelange, habe der Beschuldigte im Verlauf der Untersuchung diverse
Angaben gemacht. Zuletzt habe er aber die Frage, ob es sich bei der Wohnung
hauptsächlich um seine Zürcher Wohnung gehandelt habe, bejaht. Auch die
damalige Partnerin und spätere Ehefrau des Beschuldigten, H._, habe als
Zeugin angegeben, sie und der Beschuldigte hätten die Wohnung alleine
bewohnt. Mit Ausnahme des Sohnes des Beschuldigten, welcher hie und da zu
Besuch gewesen sei, habe nie jemand anderes in der Wohnung gewohnt.
D._ habe als ehemaliger Verwaltungsrat der C._ im Zeugenstand
ausgesagt, die Wohnung habe als Wohnsitz des Beschuldigten und seiner
späteren Ehefrau gedient. Einen anderen Zweck habe er mit keinem Wort
- 55 -
erwähnt. Aufgrund der gesamten Umstände sei davon auszugehen, dass das
Mietverhältnis rein den privaten Interessen des Beschuldigten gedient und keinen
Bezug zur Geschäftstätigkeit der C._ gehabt habe. Es sei der
Anklagebehörde insofern beizupflichten, als dass die Kosten für die Wohnung
keinen Geschäftsaufwand der C._ dargestellt, sondern den Zweck von
Ausschüttungen an den Beschuldigten als Alleinaktionär erfüllt hätten. Entgegen
der Auffassung der Anklagebehörde seien diese verdeckten
Gewinnausschüttungen an den faktischen Alleinaktionär erst ab dem Zeitpunkt als
pflichtwidrig zu betrachten, als das Reinvermögen das Aktienkapital und die
gebundenen Reserven nicht mehr zu decken vermochte. Dies sei erst ab Mitte
2012 zweifelsfrei der Fall gewesen und habe aufgrund der erwähnten
Vorkommnisse auch erst ab jenem Zeitpunkt vom Beschuldigten erkannt werden
können. In der nunmehr massgeblichen Zeit habe die Wohnung am AD._-
Quai ... damit Kosten von CHF 12'900.– pro Monat, mithin total CHF 103'200.–
verursacht. Entgegen der Auffassung der Anklagebehörde und mit Verweis auf
das zuvor erwogene, sei das ursprünglich vereinbarte Beraterhonorar nicht als
unrechtmässig zu betrachten. Entsprechend sei die Verminderung des Schadens
im Umfang von CHF 3'750.– (Privatanteil Mietaufwand) pro Monat, total also von
CHF 30'000.–, anzurechnen. Damit belaufe sich der Schaden bzw. die
Bereicherung für den Zeitraum, in welchem die Unverhältnismässigkeit von
Gewinnausschüttungen hätte erkannt werden müssen, auf CHF 73'200.– (Urk. 90
S. 90 ff.).
9.6.2. Während sich die Kritik der Anklagebehörde an der vorinstanzlichen
Beweiswürdigung erneut auf den Zeitpunkt bezieht, ab welchem der Beschuldigte
die begründete Besorgnis einer Überschuldung der C._ haben musste
(Urk. 179), äussert sich die Verteidigung lediglich dahingehend, es sei nicht
erstellt, dass die Wohnung im AC._ in keiner Beziehung zur C._
gestanden habe (Urk. 177 S. 16).
9.6.3. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist erneut gründlich, umfassend und
im Ergebnis korrekt erfolgt, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden
kann. Insbesondere wurde auch sorgfältig redigiert, weshalb angesichts der
- 56 -
gesamten Umstände – insbesondere der glaubhaften Zeugenaussagen der
damaligen Ehefrau des Beschuldigten, H._, und des ehemaligen
Verwaltungsrats D._, sowie der unterschiedlichen Depositionen des
Beschuldigten – erstellt ist, dass das Mietverhältnis rein privaten Interessen des
Beschuldigten gedient hat. Mit anderen Worten ist anhand der vorhandenen
Beweise – entgegen der Verteidigung – klar erstellt, dass die Wohnungsmiete
keinen Bezug zur Geschäftstätigkeit der C._ hatte. Sodann entsprechen die
Einwände der Anklagebehörde inhaltlich den bereits zuvor vorgebrachten
Einwänden, weshalb auf die vorstehenden Erwägungen unter Ziffern II 7.2.,
II 7.1.12., II 7.2., II 8.3.1. ff., II 9.1.1. ff. verwiesen werden kann. Weiterungen
erübrigen sich an dieser Stelle.
9.7. Der unter Ziff. I. 4.3. geschilderte Anklagevorwurf lautet dahingehend, dass
die C._ ab Juni 2011 bis Dezember 2012 auf Instruktion des Beschuldigten
Leasing-Zahlungen in der Höhe von gesamthaft CHF 28'772.15 geleistet habe,
welche I._ im Konto 8 als Fahrzeugaufwand verbucht habe. Die
Leasingkosten hätten den Personenwagen Mercedes-Benz ML 320 CDI 4Matic
M-Klasse 164 betroffen, der ausschliesslich durch den Beschuldigten verwendet
worden sei. Für den Unternehmenszweck der C._ habe es ab dem 1. Juni
2011 keinerlei Vorteil dargestellt, dass der Beschuldigte über einen
Personenwagen verfügt habe. Das Fahrzeug habe ausschliesslich den privaten
Bedürfnissen gedient. Deshalb hätten sich die Leasingraten von Total CHF
28'772.15 spätestens ab dem ersten Besorgniszeitpunkt im März 2011 als für die
C._ schädigend erwiesen. Der Beschuldigte habe den Schaden dabei
vordergründig auf CHF 13'572.15 vermindert, indem er sich im Konto U._
einen Privatanteil Fahrzeugaufwand von monatlich CHF 800.– (bzw. total CHF
15'200.–) habe belasten lassen, wobei er diese Schadensminderung aber
wiederum dadurch neutralisiert habe, dass er diese Forderung mit seinem
weitgehend unverdienten Beraterhonorar verrechnen lassen habe (Urk. 002045 f).
9.7.1. Die Vorinstanz erwog hierzu zusammengefasst, die Leasingverträge und
die Buchhaltungsunterlagen, aus welchen hervorgehe, dass die C._ die
Leasingraten des durch den Beschuldigten genutzten Fahrzeugs bezahlt habe,
- 57 -
seien aktenkundig. Die betreffenden Schilderungen in der Anklageschrift seien
daher belegt und damit erstellt. Nachdem die Finanzierung des Autos des
Beschuldigten bereits mit Beratervertrag vom 24. Januar 2008 als
Lohnbestandteil behandelt worden und in der Folge (im Umfang von monatlich
CHF 800.–) an das Honorar angerechnet worden sei, rechtfertige sich vorliegend
eine Gleichbehandlung mit den an den Beschuldigten getätigten
Honorarzahlungen. Hinsichtlich des durch den Beschuldigten benutzten
Fahrzeugs sei nämlich festzuhalten, dass es nicht als ungewöhnlich zu betrachten
sei, dass dem Beschuldigten durch die C._ in seiner Stellung als
Geschäftsführer und faktischer Verwaltungsrat ein Geschäftsauto zur Verfügung
gestellt worden sei und dass die entsprechenden Leasingraten über die Unter-
nehmung abgerechnet worden seien. Es sei an dieser Stelle wiederum daran zu
erinnern, dass dem Geschäftsführer betreffend die Frage, was als
geschäftsmässig begründeter Aufwand – und somit auch, was als angemessenes
Honorar – zu erachten sei, ein Ermessensspielraum einzuräumen sei. Auch
betreffend die Finanzierung des Fahrzeugs werde mithin nicht von einer straf-
rechtlichen Relevanz ausgegangen, zumal diese bereits seit 2008 – mithin bereits
während mehr als 3 Jahren vor der ihm in der Anklage zum Vorwurf gemachten
Zeit – durch die C._ erfolgt sei, was durch die Anklage nicht moniert worden
sei, obwohl der Beschuldigte auch in dieser Zeit für seine Geschäftstätigkeit
ebenfalls nur selten auf ein Auto angewiesen gewesen sein dürfte. Anders als bei
übertrieben luxuriösen und unverhältnismässigen Ausgaben, die in keinerlei
Verbindung zum Geschäftszweck standen, sei die Finanzierung des Autos über
die C._, welche wie erwähnt Lohnbestandteil dargestellt habe und dem
Honorar auch zu mehr als einem hälftigen Kostenanteil angerechnet worden sei,
somit auch für die Zeit ab Mitte 2012, in welcher der Beschuldigte die
Überschuldung und Illiquidität der C._ in Kauf genommen habe, nicht zu
beanstanden (Urk. 90 S. 94 f.).
9.7.2. Weder die Verteidigung noch die Anklagebehörde äussern sich im
Berufungsverfahren zu diesem Anklagevorwurf, und sie stellen auch die
vorinstanzliche Würdigung nicht in Abrede (Urk. 177; Urk. 179).
- 58 -
9.7.3. Zunächst ist mit der Vorinstanz und gestützt auf die aktenkundigen
Leasingverträge (Urk. 240194 und Urk. 240180, Ordner B-6) sowohl der Bestand
der Verträge sowie die Höhe der vereinbarten Leasingraten erstellt. Weiter sind
die durch die Anklagebehörde tabellarisch aufgelisteten Zahlungen der C._
mittels der aktenkundigen Buchhaltungsbelege erstellt und zudem auch
unbestritten (Urk. 081090 ff., Ordner 9; Urk. 060325 und Urk. 060393, Ordner 8).
Ebenfalls hinlänglich bekannt ist der Beratervertrag, der zwischen der C._
und dem Beschuldigten am 24. Januar 2008 geschlossen wurde (Urk. 240076 f.,
Ordner B-6). Wie bereits zuvor unter Ziffer II 9.1.4.2. ausgeführt, ist die
Lohnvereinbarung (inkl. Spesenregelung und Nutzung des Geschäftsautos),
welche im Beratervertrag vom 24. Januar 2008 zwischen der C._ und dem
Beschuldigten getroffen wurde, nicht als im strafrechtlich relevanten Sinne
unangemessen zu bezeichnen. Dass der Beschuldigte von seiner Arbeitgeberin
gegen Entrichtung eines monatlichen Privatanteils von CHF 800.– ein
Geschäftsauto zur Verfügung gestellt bekommen hat, ist daher nicht zu
beanstanden. Bezeichnenderweise stört sich denn auch die Anklagebehörde nicht
daran, soweit es um den Zeitraum von 2008 bis 2011 geht. Dies obwohl sich in
der gesamten Zeit die Art der Leistungserbringung des Beschuldigten für die
C._ nicht verändert hat. Wie die Vorinstanz überzeugend erwägt, stellt sich
die Situation mit dem Geschäftsauto im Gegensatz zu der vorstehend unter Ziffer
II 9.6. abgehandelten Wohnungsmiete, nicht als übertrieben luxuriös und damit
unverhältnismässig dar. Die Zurverfügungstellung eines Geschäftsautos und die
teilweise Finanzierung desselben durch die C._ stellt einen Lohnbestandteil
dar, auf welchen der Beschuldigte grundsätzlich bis zur Beendigung des
Arbeitsverhältnisses respektive zu einer allfälligen Neuverhandlung der
Vertragsbedingungen einen obligatorischen Anspruch hatte. Die vorinstanzlichen
Erwägungen erweisen sich daher als korrekt und sie können ohne weiteres
übernommen werden.
9.8. Dem Beschuldigten wird unter Ziffer I. 4.3. weiter vorgeworfen, er habe
durch eine Vielzahl von Verkehrsregelverletzungen in der Zeit zwischen dem
5. August 2011 und dem 16. November 2012 Ordnungsbussen in der Gesamt-
höhe von CHF 4'080.– erwirkt. I._ habe diese Bussen entsprechend den
- 59 -
Instruktionen des Beschuldigten zulasten der C._ zur Zahlung angewiesen
und sie aber nicht im Soll des Kontos U._ des Beschuldigten belastet.
Vielmehr habe I._ die Bussen im Jahre 2011 über das Konto "9 Fahrzeug
Rep., Service" und im Jahr 2012 über das Konto "10 Fahrzeug diverser Aufwand"
verbucht (Urk. 002046 ff.).
9.8.1. Die Vorinstanz erwog hierzu, Bestand, Höhe, Bezahlung und Verbuchung
der durch die Anklagebehörde tabellarisch aufgelisteten Ordnungsbussen seien
durch die Akten belegt. Es stehe zudem ausser Frage, dass die Ordnungsbussen
in keinerlei Zusammenhang mit dem Unternehmenszweck der C._
gestanden seien und in keinerlei Hinsicht als geschäftlich bedingt erachtet werden
könnten. Auch vorliegend sei aber als limitierende Tatsache zu berücksichtigen,
dass erst für den Zeitraum ab Mitte 2012 zweifelsfrei erstellt werden könne, dass
der Beschuldigte mit einer Überschuldung der C._ bzw. mit der Möglichkeit,
dass es zu einem Zwangsvollstreckungsverfahren kommen könnte, habe rechnen
müssen bzw. dass er ab dann die Illiquidität der C._ in Kauf genommen
habe. Damit ergebe sich in Abweichung zum Anklagesachverhalt ein reduzierter
relevanter Betrag an durch die C._ bezahlten Ordnungsbussen in der Höhe
von CHF 1'030.– (Urk. 90 S. 97 f.).
9.8.2. Weder die Verteidigung noch die Anklagebehörde äussern sich im
Berufungsverfahren zum betreffenden Anklagevorwurf und stellen entsprechend
auch die vorinstanzlichen Erwägungen nicht in Abrede (Urk. 177; Urk. 179).
9.8.3. Mit der Vorinstanz ist vorab festzuhalten, dass die aufgelisteten
Ordnungsbussen durch die C._ bezahlt und wie in der Anklageschrift
dargetan, verbucht wurden (Urk. 081096 ff. Ordner 9 sowie Urk. 060324 f. und
Urk. 060392 f. Ordner 8). Dass die unbestrittenermassen durch den
Beschuldigten verwirkten Ordnungsbussen in keinerlei Zusammenhang mit dem
Unternehmenszweck der C._ standen und daher selbstredend auch nicht
geschäftlich bedingt waren, liegt auf der Hand. Lediglich der Vollständigkeit halbe
ist an dieser Stelle auf die seit BGE 70 I 250 (E. 4) unveränderte und ständige
Praxis des Bundesgerichts hinzuweisen, wonach eine Busse keinen
geschäftsmässig begründeten Aufwand darstellen kann (vgl. BGE 143 II 8). Was
- 60 -
indes unter fiskalischen Gesichtspunkten für den gesamten in der Anklageschrift
erwähnten Zeitraum unzulässig erscheint, ist unter strafrechtlichen
Gesichtspunkten anders zu beurteilen. Mit Recht hat nämlich die Vorinstanz auch
unter diesem Titel darauf hingewiesen, dass für die Beurteilung der
strafrechtlichen Relevanz lediglich diejenigen Vorgänge in Betracht kommen,
welche ab Mitte 2012 erstellt werden können. Bekanntlich musste der
Beschuldigte nämlich erst ab diesem Zeitpunkt konkret mit der Überschuldung
respektive der Insolvenz der C._ rechnen. Entsprechend ist nicht zu
beanstanden, wenn die Vorinstanz schlussfolgert, die vorliegend massgebliche
Summe der durch die C._ bezahlten Ordnungsbussen belaufe sich auf
CHF 1'030.–.
9.9. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten in Ziff. I. 4.4. sodann vor, er
habe seinen reisefreudigen und aufwendigen Lebensstil über die C._
finanziert. Soweit I._ Ausgaben im privaten Interesse des Beschuldigten in
der Buchhaltung der C._ nicht als Banküberweisung, als Bargeldbezug oder
als Miet- oder Fahrzeugaufwand behandelt habe, habe er diese über das Konto
"11 Reise/Logi[s]/Verpflegung" als Aufwand der C._ verbucht. Bei diesem
Konto habe es sich um das Spesenkonto der C._ gehandelt, über welches
auch berechtigte Spesen abgerechnet worden seien. Hauptsächlich seien jedoch
Ausgaben erfasst worden, welche rein im privaten Interesse des Beschuldigten
getätigt worden seien oder an welchen ein derart geringes Interesse der C._
bestanden habe, dass die Ausgaben der Vermögenssituation der C._ ab
2011 nicht angemessen gewesen seien. Um den Anschein der Seriosität zu
verstärken, seien im Haben des Kontos "U._." pauschale Privatanteile an
den Spesen von monatlich CHF 2'250.– erfasst worden. Dies sei zwar sinnvoll
gewesen, jedoch sei der Privatanteil der tatsächlich im Konto 11 erfassten
Spesenausgaben deutlich höher gewesen. Der Beschuldigte habe im Zeitraum
vom 1. Juni 2011 bis zum 11. April 2013 über eine MasterCard-Kreditkarte der
Viseca zulasten des Kontos der C._ bei der Bank V._ Privatausgaben
von insgesamt CHF 123'772.70 getätigt, welche er über das Konto 11 zu Unrecht
als Geschäftsaufwand der C._ habe verbuchen lassen. Dabei sei der
Schaden vordergründig wiederum dadurch vermindert worden, dass er sich im
- 61 -
Konto U._ den vorstehend erwähnten Privatanteil Spesen von monatlich
CHF 2'250.– habe belasten lassen, wobei die Schadensminderung durch sein
weitgehend unverdientes Beraterhonorar neutralisiert worden sei. Der
Anklageschrift ist in diesem Zusammenhang eine Auflistung der durch den
Beschuldigten über die MasterCard getätigten Ausgaben zu entnehmen, wobei
jeweils vermerkt wird, wo nach Auffassung der Anklagebehörde ein hinreichendes
Geschäftsinteresse der C._ für eine Ausgabe bestanden hat (Urk. 002048
ff.).
9.9.1. Die Vorinstanz hielt im Rahmen ihrer Beweiswürdigung einleitend dafür,
dass auch hinsichtlich der Ausgaben, welche über die Kreditkarte der C._
getätigt worden seien, darauf hinzuweisen sei, dass einzig die
Kreditkartenabrechnungen für den Zeitraum ab Mitte 2012 zu berücksichtigen
seien. Denn erst ab diesem Zeitpunkt habe der Beschuldigte bekanntlich die
begründete Besorgnis einer Überschuldung der C._ haben müssen bzw. erst
ab dann deren Illiquidität bzw. ein gegen die C._ geführtes
Zwangsvollstreckungsverfahren in Kauf genommen, wobei für den Zeitraum zuvor
selbst luxuriöse und unverhältnismässige Ausgaben nicht als strafrechtlich
relevant erachtet werden könnten. Der Beschuldigte selbst habe zu den
Kreditkartenabrechnungen nur teilweise Aussagen gemacht und dabei
insbesondere einzelne konkrete Beträge bezeichnet, welche seiner Auffassung
nach geschäftsmässig begründet gewesen seien. Im Allgemeinen habe er aber
die Aussage zu den entsprechenden Vorhalten verweigert. Was die
Kreditkartenabrechnungen nach Mitte 2012 anbelange, zeige sich folgendes:
− Betreffend die Kreditkartenrechnung vom 24. August 2012 könne einzig betreffend die Zahlungen zugunsten der AE._ AG in Höhe von CHF 100.– und zugunsten der AF._ AG in Höhe von CHF 19.90 nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass es sich um geschäftsbedingte Ausgaben gehandelt habe. Die nicht geschäftlich bedingten Ausgaben über die Kreditkarte im Rahmen der Rechnung vom 24. August 2012 seien mithin auf CHF 4'765.05 zu beziffern.
− Die nicht geschäftlich bedingten Ausgaben über die Kreditkarte im Rahmen der Rechnung vom 24. September 2012 seien auf CHF 1'657.50 zu beziffern.
- 62 -
− Die nicht geschäftlich bedingten Ausgaben über die Kreditkarte im Rahmen der Rechnung vom 24. Oktober 2012 seien auf CHF 10'438.15 zu beziffern.
− Die nicht geschäftlich bedingten Ausgaben über die Kreditkarte im Rahmen der Rechnung vom 23. November 2012 seien auf CHF 10'314.75 zu beziffern.
− Die nicht geschäftlich bedingten Ausgaben über die Kreditkarte im Rahmen der Rechnung vom 19. Dezember 2012 seien auf CHF 6'002.75 zu beziffern.
− Die nicht geschäftlich bedingten Ausgaben über die Kreditkarte im Rahmen der Rechnung vom 24. Januar 2013 seien somit auf CHF 7'509.– zu beziffern.
− Die nicht geschäftlich bedingten Ausgaben über die Kreditkarte im Rahmen der Rechnung vom 22. Februar 2013 seien mithin auf CHF 3'010.– zu beziffern.
Damit ergebe sich, dass der Beschuldigte während den relevanten 8 Monaten ab
Mitte 2012 also Privatausgaben von insgesamt CHF 43'697.20 generiert habe.
Diese Auslagen stellten keine Spesen dar. In diesem Umfang habe er folglich die
Auslagen über das Konto 11 zu Unrecht als Geschäftsaufwand der C._ ver-
buchen lassen. Dabei habe er jedoch den Schaden insofern verringert, als er sich
einen monatlichen Spesenanteil von CHF 2'250.– mit seinem Honoraranspruch
habe verrechnen lassen. In Berücksichtigung dessen belaufe sich der der
C._ entstandene Schaden daher auf CHF 25'697.20 (Urk. 90 S. 98 ff.).
9.9.2. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung bleibt in Bezug auf diesen konkreten
Vorwurf sowohl von der Verteidigung als auch der Anklagebehörde gänzlich
unkommentiert und erweist sich als überzeugend. Was die durch die Anklage-
behörde tabellarisch aufgelisteten Kreditkartenbezüge respektive -zahlungen
anbelangt, kann auf die entsprechenden Belege in Urk. 032148 - 032186
verwiesen werden. Dass die durch die Vorinstanz als nicht geschäftsbedingte
Ausgaben identifizierten Buchungen zu Unrecht als solche qualifiziert worden
wären, wird weder durch den Beschuldigten respektive seine Verteidigung, noch
durch die Anklagebehörde behauptet. Die Kritik der Anklagebehörde richtet sich
einmal mehr gegen den durch die Vorinstanz als massgeblich ermittelten
Zeitpunkt, ab welchem der Beschuldigte begründete Besorgnis betreffend die
Überschuldung respektive die Insolvenz der C._ haben musste.
- 63 -
Diesbezüglich kann auf die vorstehenden Erwägungen unter Ziffer II 7.2., II
7.1.12., II 7.2., II 8.3.1. ff., II 9.1.1. ff. verwiesen werden. Mit der Vorinstanz ist
nach dem Gesagten festzuhalten, dass der Beschuldigte in der massgeblichen
Zeitspanne ab Mitte 2012 bis Februar 2013 mit der auf ihn lautenden MasterCard
Gold 12 Privatbezüge in der Höhe von CHF 43'697.20 tätigte. Für dieselbe
Zeitspanne liess er sich – korrekterweise – einen monatlichen Privatanteil Spesen
gemäss Beratervertag von CHF 2'250.– anrechnen, was insgesamt CHF 18'000.–
entspricht und letztlich einem durch ungerechtfertigte Privatbezüge verursachten
Schaden in der Höhe von CHF 25'697.– ergibt. Dass das am 24. Januar 2008
vereinbarte Beraterhonorar ab Mitte 2012 weiterhin ebenso geschuldet war, wie
die vereinbarten Spesen und die Zurverfügungstellung eines Geschäftsautos,
wurde bereits verschiedentlich erläutert und braucht deshalb an dieser Stelle nicht
erneut ausgeführt zu werden. Der Sachverhalt, wie ihn die Vorinstanz als
bewiesen erachtete, ist damit auch im Berufungsverfahren erstellt (Urk. 90 S. 105
f.).
9.10. Weiter wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten in Ziff. I 4.4.
zusammengefasst vor, er habe regelmässig die Bareinnahmen – welche nicht in
einer Registrationskasse aufbewahrt worden seien – im Atelier an der S._-
gasse abgeholt und diese zumindest teilweise für Auslagen – namentlich für
Repräsentationsanlässe – verwendet, an denen die C._ angesichts ihrer
Finanzlage kein Interesse gehabt habe. Konkret listet die Anklagebehörde in der
Zeit zwischen dem 12. Juni 2011 und dem 14. Februar 2013 insgesamt 74
Vorgänge im Gesamtbetrag von CHF 26'665.12 auf (Urk. 002052 ff.).
9.10.1. Die Vorinstanz erachtete es gestützt auf die Zeugenaussagen von
G._ und K._ als erstellt, dass der Beschuldigte regelmässig die
Bareinnahmen im Atelier abholte und "privat einsteckte". Weiter erwog die
Vorinstanz, dass lediglich diejenigen Auslagen relevant seien, die nach Mitte Juli
2012 angefallen seien. Mit Ausnahme der Taxikosten vom 5. Juli 2012, denen der
geschäftliche Charakter nicht mit Sicherheit abgesprochen werden könne, seien
sämtliche weiteren Kosten entweder mit nicht geschäftlich bedingten Reisen des
Beschuldigten in Verbindung zu bringen, oder sie stellten Auslagen für
- 64 -
Verköstigungen in diversen Restaurants in Zürich dar, welche privater Natur
gewesen seien. Ab Mitte 2012 seien jedenfalls geschäftliche Essen zu
Repräsentationszwecken in Anbetracht der Überschuldung der C._ nicht
mehr notwendig gewesen. Damit sei erstellt, dass der Beschuldigte in der
relevanten Zeit nicht geschäftlich bedingte Auslagen in der Höhe von insgesamt
CHF 12'908.40 generiert habe (Urk. 90 S. 106 ff.).
9.10.2. Während sich die Anklagebehörde zu diesem Anklagesachverhalts-
abschnitt nicht explizit äussert und infolgedessen auch die vorinstanzliche
Beweiswürdigung nicht beanstandet (Urk. 179), stellt sich die Verteidigung auf
den Standpunkt, im Hinblick auf die Zukunft der C._ sei es durchaus sinnvoll
gewesen, Reisen zu tätigen und Kontakte zu Personen aus der Branche zu
knüpfen und zu pflegen, und die dafür anfallenden Reise-, Logis- und
Verpflegungskosten der C._ zu belasten. Entgegen der Vorinstanz könne
daher nicht pauschal angenommen werden, dass es sich bei Restaurantbesuchen
um private Auslagen und nicht um geschäftliche Essen zu
Repräsentationszwecken gehandelt habe. Vielmehr lasse sich bei den einzelnen
Positionen, wobei die meisten Kosten für Reisen oder Restaurantrechnungen
beträfen, nicht ausschliessen, dass diese geschäftlich bedingt gewesen seien
(Urk. 177 S. 16).
9.10.3. Dass der Beschuldigte regelmässig die vorhandenen Bareinnahmen im
Atelier an der S._-gasse ... abholte, ist mir der Vorinstanz durch die
glaubhaften Zeugenaussagen der ehemaligen Mitarbeiterinnen G._ und
K._ belegt. Gleiches gilt für den, für die rechtliche Würdigung an sich
unmassgeblichen Umstand, dass im Ladenlokal keine Registrierkasse vorhanden
war (Urk. 050081 Ordner 5; vgl. hierzu auch Ziffer II 8.3.1. vorstehend). Erstellt ist
durch die Buchhaltungsunterlagen weiter, dass diejenigen Ausgaben, die mit
Bargeld getätigt wurden, welches im Konto 7 erfasst worden war, entsprechend
verbucht wurden (Urk. 060072 ff. Ordner 7). Der Vorinstanz ist erneut darin
beizupflichten, dass für die Beurteilung der strafrechtlichen Relevanz nur
diejenigen Auslagen in Betracht kommen, welche ab Mitte 2012 getätigt wurden.
Konkret stehen damit 21 Positionen zur Debatte, welche in der Zeit zwischen dem
- 65 -
5. Juli 2012 und dem 14. Februar 2013 generiert wurden. Mit der Vorinstanz kann
nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass die Auslagen in der Höhe von
CHF 60.-– für die Taxifahrt vom 5. Juli 2012 – geschäftlichen Charakter hatten.
Sechs der verbleibenden 20 Positionen betreffen Auslandreisen nach Mailand,
Oslo, München, Beirut und Kitzbühel. Dass bezüglich dieser Auslandaufenthalte
eine geschäftlicher Zusammenhang respektive gar eine geschäftliche
Notwendigkeit bestand, behauptete der Beschuldigte nicht einmal ansatzweise.
Hinzu kommt, dass die Ausgaben in den Belegen 785 (Milano), 982 (Oslo), 60
(Beirut) und 57 (Kitzbühel) an Wochenenden angefallen sind, was jedenfalls
keinen geschäftlichen Zusammenhang indiziert. Gleiches gilt für die
Konsumationen in Zürich gemäss den Belegen 967, 1169 und 58. Die
betreffenden Restaurantbesuche fanden an Samstagen respektive an
Heiligabend des Jahres 2012 statt. Schliesslich – und auch hier ist der Vorinstanz
uneingeschränkt zuzustimmen – ist aufgrund der desolaten Finanzlage der
C._ ab Juli 2012 und der geradezu chaotischen Verhältnisse im allgemeinen
Geschäftsbetrieb weder die Notwendigkeit noch die Zweckdienlichkeit von doch
beträchtlichen Ausgaben für mehr oder weniger opulente Geschäftsessen
gegeben. Mit Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen und entgegen der
Verteidigung ist damit erstellt, dass die nicht geschäftlich bedingten Auslagen in
der Zeit von Juli 2012 bis 14. Februar 2013 CHF 12'908.40 betrugen. Was die
zeitliche Eingrenzung und die betreffenden Einwände der Anklagebehörde
anbelangt, kann auf die einschlägigen Erwägungen unter Ziffer II 7.2., II 7.1.12., II
7.2., II 8.3.1. ff., II 9.1.1. ff. verwiesen werden.
9.11. Der abschliessende Vorwurf betreffend die im Juni 2012 erfolgte
Anschaffung eines Verlobungsringes im Betrag von CHF 56'000.– (Urk. 002054)
hat die Vorinstanz sodann mit Verweis auf die mehrfach thematisierte, zeitliche
Limitierung, als irrelevant erachtet. Erneut hat sie darauf hingewiesen, dass erst
für den Zeitraum ab Mitte 2012 erstellt werden kann, dass der Beschuldigte eine
begründete Besorgnis der Überschuldung haben musste bzw. dass er erst ab
jenem Zeitpunkt eine Insolvenz der C._ bzw. den Umstand, dass diese in ein
Zwangsvollstreckungsverfahren verwickelt werden könnte, in Kauf genommen
habe. Für den Zeitraum zuvor würden selbst luxuriöse und unverhältnismässige
- 66 -
Ausgaben ohne jeglichen Zusammenhang mit dem Geschäftszweck der C._
mit Blick auf die strafrechtliche Beurteilung ausser Betracht fallen (Urk. 90 S.
108.). Dieser im Verlauf der vorstehenden Erwägungen mehrfach thematisierte
Umstand ist zutreffend und bedarf keiner weiteren Erläuterung mehr.
9.12. Unter dem Titel "Zusammenfassung der schädigenden Aufwendungen"
korrigierte die Vorinstanz die Tabelle der Anklagebehörde im Sinne des gericht-
lichen Beweisergebnisses. Nachdem sich dieses, wie vorstehend erwogen, in
allen Teilen als überzeugend erweist, kann die korrigierte tabellarische Auf-
stellung der schädigenden Aufwendungen vollumfänglich übernommen werden
(Urk. 90 S. 108 ff.). Demnach präsentiert sich die Gesamtsituation wie folgt:
Titel Ziffer Art des für die C._
nutzlosen Aufwandes || Kompensation dieses Aufwandes bzw. Minderung der Kompensation
Zahlung bzw. Verpflichtung der C._
Kompensation -negative Komp.
Nettoschaden der C._ (Differenz)
4.1 51 Bargeldbezüge 2012 || Schuld A._ gem. Konto U._
2'000.00 2'000.00 0.00
4.1 52 Banküberweisungen 2012 || Schuld A._ gem. Konto U._
67'263.27 67'263.27 0.00
4.1 53 - || Bargeldeinlagen 2012 0.00 13'005.00 -13'005.00 4.1 54 Bargeldentnahmen 2013 ||
Bargeldeinlagen 2013 13'000.00 15'768.50 -2'768.50
4.1 54 - || Beraterhonorar 2012: Anteil ohne Gegenleistung
0.00 -72'000.00 72'000.00
4.2 57 Miete u. NK AC._ 01.07..03.2013 || Privatanteil A._ gem. Konto U._
103'200.00 30'000.00 73'200.00
4.3 59/61 Leasing Mercedes 01.07..2012 || Privatanteil A._ gem. Konto U._
6'077.05 6'077.05 0.00
4.3 62 Verkehrsbussen || - 1'030.00 0.00 1'030.00 4.4 64/65 Privatausgaben über Viseca
01.07.2012-11.04.2013 43'697.20 18'000.00 25'697.20
4.4 66 Privatausgaben über Kasse C._ 01.07.2012-04.2013 || -
12'908.40 0.00 12'908.40
Total 249'175.92 80'113.82 169'062.10
10. Ziff. II. der Anklageschrift betr. grobe Verletzung der Verkehrsregeln
10.1. Unter diesem Titel wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe am
Montag, den 10. Juni 2013, um 13.23 Uhr, einen Personenwagen des Herstellers
BMW, mit dem deutschen Kontrollschild 13, auf der Stadtautobahn SA... in St.
Gallen bei km ..., bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, mit
- 67 -
einer Geschwindigkeit von mindestens 137 km/h in Richtung Rorschach gelenkt
und dabei in Kauf genommen, wegen der bei Geschwindigkeitsübertretungen in
dieser Grössenordnung generell verminderten Beherrschbarkeit von
Motorfahrzeugen andere Verkehrsteilnehmer ernstlich zu gefährden
(Urk. 002056).
10.2. Die Vorinstanz erwog hierzu, der Vorwurf stütze sich auf den Anzeige-
rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 10. September 2013. Demnach habe
sich der Beschuldigte zu der in der Anklageschrift genannten Zeit und am in
dieser aufgeführten Ort, mit dem erwähnten Fahrzeug, eine
Geschwindigkeitsübertretung zu Schulden kommen lassen. Dabei solle er bei
einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h mit 143 km/h gefahren
sein, was nach Anrechnung des Sicherheitsabzugs gemäss Art. 8 VSKV-ASTRA
in Höhe von 6 km/h einer relevanten Übertretung von 37 km/h entspreche. Der
Beschuldigte sei zu diesem Vorfall nie befragt worden und in der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung habe er diesbezüglich von seinem
Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Der Sachverhalt könne jedoch
anhand der Aktenlage, insbesondere in Anbetracht des vorgenannten
Anzeigerapports, unter Berücksichtigung des Umstandes, dass das Fahrzeug
durch die Ex-Ehefrau des Beschuldigten, H._, gemietet worden sei und in
Würdigung der bei den Akten befindlichen Fotografie, anhand welcher der
Beschuldigte als Fahrer identifiziert werden könne, als erstellt erachtet werden
(Urk. 90 S. 112).
10.3. Die Verteidigung beanstandet den vorinstanzlichen Schuldspruch
hinsichtlich der groben Verkehrsregelverletzung im Rahmen des
Berufungsverfahrens nicht und beantragt für diese lediglich eine tiefere Strafe
(Urk. 177 S. 19).
10.4. Mit der Vorinstanz kann der Anklagevorwurf anhand der Akten erstellt
werden. Die Geschwindigkeitsüberschreitung ist mittels des Anzeigerapportes
der Kantonspolizei St. Gallen sowie der anlässlich der
Geschwindigkeitsüberschreitung automatisch ausgelösten Fotografien, aufgrund
welcher sich Ort, Zeit sowie das Ergebnis der Geschwindigkeitsmessung
- 68 -
ergeben, erstellt (Urk. 021004 und Urk. 021007/08 Ordner 1). Weiter ist
aktenkundig und unbestritten, dass es sich beim fraglichen Fahrzeug der Marke
BMW mit dem Kontrollschild 13 um ein Mietauto der Firma AG._ GmbH & Co
handelte, welches am 10. Juni 2013 durch die damalige Ehefrau des
Beschuldigten, H._ [recte: H._], angemietet wurde (Urk. 021013 Ordner
1). Schliesslich kann aufgrund der Fotografien des fehlbaren Lenkers der
Beschuldigte als Fahrer identifiziert werden (Urk. 021007 Ordner 1), wovon sich
das Berufungsgericht auch anlässlich der Berufungsverhandlung überzeugen
konnte. Nachdem der Beschuldigte den betreffenden Vorwurf nicht in Abrede
gestellt, sondern hierzu lediglich die Aussage verweigert hat, und der
Beschuldigte durch das Beweisergebnis überführt ist, erweisen sich die
vorinstanzlichen Erwägungen als überzeugend, weshalb sie übernommen werden
können.
III. Rechtliche Würdigung
11. Anklageziffer I. Misswirtschaft etc. betreffend C._ AG
11.1. Betreffend die Vorgänge im Zusammenhang mit der C._ kam die Vor-
instanz zusammengefasst zum Schluss, der Beschuldigte habe sich der mehr-
fachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1
StGB, teilweise in Verbindung mit Abs. 3 StGB, der mehrfachen
Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung im Sinne von Art. 164 Ziff. 1
StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB sowie der Misswirtschaft im Sinne von Art.
165 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB und der Unterlassung der
Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB schuldig gemacht. Vom Vorwurf der
Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 StGB dagegen sprach die Vorinstanz
den Beschuldigten frei (Urk. 90 S. 113 ff.).
11.2. Die Vorbringen der Verteidigung unter dem Titel "Rechtliches" stellen auf
eine andere Sachverhaltserstellung ab. Die sorgfältigen rechtlichen Erwägungen
der Vorinstanz werden nicht beanstandet (Urk. 177 S. 17 ff.).
- 69 -
11.3. Die Anschlussberufung der Anklagebehörde richtet sich mit Blick auf die
rechtliche Würdigung der Vorinstanz gegen die "verdeckten Teilfreisprüche"
welche ergangen seien, weil die Vorderrichter in Bezug auf einen erheblichen
Zeitabschnitt des Sachverhaltes gemäss Anklageschrift einen Teilfreispruch
gefällt habe, der sich nicht auf den Schuldpunkt im Dispositiv, sondern lediglich
auf den Strafpunkt ausgewirkt habe. Zudem beantragt die Anklagebehörde im
Rahmen ihrer Anschlussberufung einen zusätzlichen Schuldspruch wegen
Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 StGB (Urk. 99; Urk.179 S. 5 f.). Da in
letzterem Punkt – wie in Ziff. I 4.2. ausgeführt – das Verfahren einzustellen ist, ist
auf die diesbezüglichen Einwände der Anklagebehörde (Urk. 179 S. 6) nicht
weiter einzugehen.
11.4. Im Übrigen erweist sich die rechtliche Würdigung der Vorinstanz als sehr
sorgfältig, umfassend und überzeugend. Darauf kann in Anwendung von Art. 82
Abs. 4 StPO vollumfänglich verwiesen werden. Nachstehend ist einzig noch
betreffend die Beanstandungen der Anklagebehörde auf Folgendes hinzuweisen:
11.5. Soweit die Anklagebehörde den "verdeckten Teilfreispruch" der Vorinstanz
monierte, tut sie dies ausschliesslich akzessorisch zu der von ihr beantragten
Ausdehnung des Deliktszeitraumes. Dass mit Blick auf die strafrechtliche
Relevanz nicht der gesamte, in der Anklageschrift erwähnte Zeitraum
massgeblich ist, wurde im Rahmen der Sachverhaltserstellung verbindlich fest-
gestellt. Entsprechend erübrigen sich Weiterungen hierzu.
11.6. Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die vorinstanzlichen
Schuldsprüche vollumfänglich zu bestätigen sind. Der Beschuldigte ist betreffend
Anklageziffer I der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Abs. 3 StGB, der mehr-
fachen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung im Sinne von Art. 164
Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB, der Misswirtschaft im Sinne von
Art. 165 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB sowie der Unterlassung der
Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB schuldig zu sprechen.
- 70 -
12. Anklageziffer II. Grobe Verkehrsregelverletzung
12.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten betreffend Anklageziffer II.
anklagegemäss der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG und Art. 4a
Abs. 1 und 5 VRV schuldig (Urk. 90 S. 141 f.).
12.2. Die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz wurde naturgemäss von der
Anklagebehörde nicht beanstandet. Die Verteidigung brachte bereits vor Vorin-
stanz keine Einwände gegen die rechtliche Würdigung vor und beanstandet diese
denn auch konsequenterweise im Berufungsverfahren nicht (Urk. 177 S. 19).
12.3. Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist zutreffend und daher zu
übernehmen. In Bestätigung des angefochtenen Entscheides und in Ermangelung
von Schuldausschluss- und/oder Rechtfertigungsgründen ist der Beschuldige der
groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in
Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG und Art. 4a Abs. 1 und 5
VRV schuldig zu sprechen.
IV. Sanktion
13. Allgemeines
Die Vorinstanz machte einleitend sehr ausführliche und in allen Teilen zutreffende
Erwägungen zu den theoretischen Grundsätzen der Strafzumessung und zur
einschlägigen bundesgerichtlichen Praxis. Darauf kann zwecks Vermeidung von
unnötigen Wiederholungen vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 90 S. 142 ff.).
14. Konkrete Strafzumessung
14.1. Bei der Beurteilung der Frage nach dem anwendbaren Strafrahmen
erkannte die Vorinstanz zurecht, dass die Tatbestände der ungetreuen
Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB, der
Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung im Sinne von Art. 164 Ziff. 1
StGB und der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB bei abstrakter
Betrachtung je Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe an. Wenn die
- 71 -
Vorinstanz sodann davon ausgeht, dass aufgrund des konkreten Verschuldens
die ungetreue Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3
StGB als das schwerste durch den Beschuldigten begangene Delikt zu werten sei
und deshalb dafür zunächst eine Einsatzstrafe festzusetzen sei, so ist ihr darin
beizupflichten. Ausgangpunkt für die Strafzumessung ist somit eine Freiheitsstrafe
bis zu fünf Jahren. Dass eine Gesamtstrafe zu bilden ist und eine Geldstrafe unter
den gegebenen Umständen für die zusammenhängende Delinquenz betreffend
Anklageziffer I. nicht mehr in Frage kommt, hat die Vorinstanz zutreffend
dargetan. Die gestützt auf die mehrfache qualifizierte ungetreue
Geschäftsbesorgung festgesetzte Einsatzstrafe ist entsprechend aufgrund der
Delinquenz betreffend die mehrfache Gläubigerschädigung durch
Vermögensminderung, die Misswirtschaft sowie die Unterlassung der
Buchführung angemessen zu erhöhen. Allseits unbestritten ist sodann, dass für
das Strassenverkehrsdelikt eine Geldstrafe auszufällen ist (Urk. 90 S. 148 ff.).
14.2. Tatkomponente für das Hauptdelikt
14.2.1. Bei der Beurteilung der objektiven Tatschwere berücksichtigte die Vor-
instanz die Stellung des Beschuldigten als Geschäftsführer der C._ und
seine in diesem Zusammenhang stehenden Pflichtverletzungen. Weiter erachtete
sie es als besonders verwerflich, dass der Beschuldigte nicht davor
zurückgeschreckt sei, zu Beginn des Jahres 2013 sein Honorar rückwirkend für
das Jahr 2012 massiv zu erhöhen, um auf diese Weise die Ansprüche der
Gläubiger zu schmälern. Trotz Kenntnis von der Überschuldung der C._ und
von der bevorstehenden Zwangsvollstreckung habe sich der Beschuldigte wie in
einem Selbstbedienungsladen bedient und auf diese Weise sein gesamtes
luxuriöses Leben mit Mitteln der C._ finanziert. Dabei habe er einen Schaden
von insgesamt CHF 169'062.10 verursacht. Faktisch sei der angerichtete
Schaden aufgrund der Vernachlässigung der Folgen der personellen
Unterdotierung der C._ und der groben Vernachlässigung des
- 72 -
Kerngeschäftes noch weit grösser gewesen. Der Beschuldigte habe massiv
gegen die obliegenden Werterhaltungspflichten verstossen. Er habe eine grobe
Geringschätzung des Eigentums der C._ und eine erhebliche kriminelle
Energie offenbart. Im Vergleich zu anderen ungetreuen Geschäftsbesorgungen
habe sich der durch den Beschuldigten verursachte Schaden dennoch in einem
relativ überschaubaren Bereich bewegt. Die objektive Tatschwere sei innerhalb
des für den Tatbestand der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung im
Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB zur Verfügung stehenden
Strafrahmens und damit auch im Vergleich mit anderen derartigen Delikten als
noch leicht einzustufen (Urk. 90 S. 150 ff.). Die subjektive Tatschwere beurteilte
die Vorinstanz insgesamt ebenfalls als noch leicht, wobei sie erwog, dass der
Beschuldigte mit direktem Vorsatz gehandelt und eine sehr egoistische Ein-
stellung offenbart habe, wobei er in keiner Art und Weise in seiner Einsichts-
und/oder Handlungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei (Urk. 90 S. 152).
Insgesamt erachtete sie nach Beurteilung der Tatschwere eine hypothetische
Einsatzstrafe im Bereich von 12 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen (Urk. 90
S. 153).
14.2.2. Die vorinstanzlichen Erwägungen zur Tatschwere sind mit der Ergänzung,
dass der Beschuldigte eine mehrfache Tatbegehung zu verantworten hat,
inhaltlich vollständig und zutreffend. Namentlich ist mit der Vorinstanz
festzuhalten, dass das objektive Verschulden jedenfalls durch das subjektive
Verschulden nicht relativiert wird. Wenn die Vorinstanz das Gesamtverschulden
als noch leicht bezeichnet, so ist dies keinesfalls zu beanstanden und erweist sich
mit Blick auf den Strafrahmen und auf alle denkbaren, unter diesen Tatbestand
fallenden Sachverhalte, als richtig. Allerdings ist die dafür festgesetzte
Einsatzstrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe (oder 360 Tagessätzen Geldstrafe)
etwas zu wohlwollend. Angesichts des noch leichten Verschuldens rechtfertigt es
sich vielmehr, die Einsatzstrafe auf 15 Monate festzusetzen. Bereits an dieser
Stelle zeigt sich, dass die Ausfällung einer Geldstrafe nicht mehr in Betracht
kommt, denn die maximale Anzahl Tagessätze Geldstrafe ist damit auch nach
dem im Tatzeitpunkt noch geltenden milderen Recht überschritten (vgl. Art. 34
Abs. 1 aStGB).
- 73 -
14.3. Tatkomponenten für die Nebendelikte
14.3.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere der Gläubigerschädigung durch
Vermögensminderung erwog die Vorinstanz, es könne betreffend die
rückwirkende Honorarerhöhung und betreffend die diversen nicht durch den
Beschuldigten kompensierten und nicht im Interesse der C._ stehenden
Ausgaben und Bezüge auf die einschlägigen Ausführungen zur ungetreuen
Geschäftsbesorgung verwiesen werden. Sämtliche im Rahmen der
Gläubigerschädigung verwirklichten Tathandlungen des Beschuldigten seien
nämlich bereits unter den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung
subsumiert worden und seien im Rahmen der Strafzumessung bereits dort ins
Gewicht gefallen, weshalb sich eine neuerliche Berücksichtigung derselben an
dieser Stelle verbiete. Hinzu komme, dass – aufgrund der vorliegend speziellen
Konstellation, in welcher der Beschuldigte als Alleinaktionär der C._ agiert
habe – davon auszugehen sei, dass die Gläubigerinteressen bereits weitgehend
durch den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung geschützt würden.
Eine Asperation sei damit vorab im Hinblick auf den durch den Tatbestand der
Gläubigerschädigung als Konkursdelikt ebenfalls miterfassten Schutz des
Zwangsvollstreckungsrechts vorzunehmen. Die objektive Tatschwere sei vor
diesem Hintergrund, innerhalb des für den Tatbestand der Gläubigerschädigung
durch Vermögensminderung zur Verfügung stehenden Strafrahmens und damit
auch im Vergleich mit anderen derartigen Delikten als sehr leicht einzustufen.
Subjektiv könne ebenfalls auf die im Rahmen der ungetreuen Geschäfts-
besorgung getätigten Erwägungen verwiesen werden. Die objektive Tatschwere
werde durch die subjektive Komponente somit auch an dieser Stelle nicht
relativiert. Unter Berücksichtigung der Tatschwere erscheine es als angemessen,
die bisherige hypothetische Einsatzstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips
um 3 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen (Urk. 90 S. 153 ff.). Diese vor-
instanzlichen Erwägungen erweisen sich – mit der Ergänzung, dass auch hier
eine mehrfache Tatbegehung vorliegt – als vollständig und bei der Gewichtung
des Verschuldens als angemessen. Die Asperation von lediglich 3 Monaten
erscheint indes wiederum etwas zu wohlwollend. Vielmehr erscheint es ange-
messen, für die mehrfache Gläubigerschädigung 5 Monate zu asperieren.
- 74 -
14.3.2. Betreffend die Beurteilung der objektiven Tatschwere hinsichtlich des
Vorwurfs der Misswirtschaft erwog die Vorinstanz, es könne hinsichtlich der
Unterlassung der Massnahmen betreffend die personelle Unterdotierung der
C._ und deren Folgen auf die im Rahmen der ungetreuen
Geschäftsbesorgung getätigten Ausführungen verwiesen werden. Zu beachten
sei hier, dass die damit in Zusammenhang stehenden Verletzungen der
Gläubigerinteressen bereits im Rahmen der Beurteilung der ungetreuen
Geschäftsbesorgung ins Gewicht gefallen seien. Vorliegend würden die
Handlungen, welche dem Beschuldigten im Rahmen des pflichtwidrigen
Globalverhaltens anzulasten seien, jedoch darüber hinaus gehen. Hinsichtlich der
Bankrotthandlungen des Beschuldigten falle vorab ins Gewicht, dass die
Buchhaltung während über einem Jahr nicht korrekt geführt worden sei und dass
der Beschuldigte als faktischer Verwaltungsrat der C._ und als deren
Geschäftsführer für die ordnungsgemässe Buchführung mitverantwortlich
gewesen sei. Dass er I._ die bestehenden Kreditoren nicht gemeldet habe –
ja gar Rechnungen nicht an diesen weitergeleitet habe – und dass er diesen nicht
darüber informiert habe, dass das Darlehen der E._ nicht mehr werthaltig sei,
zeige, dass es ihm völlig egal gewesen sei, ob die Buchhaltung die tatsächlichen
Begebenheiten widergegeben habe. Die arge Nachlässigkeit in der
Berufsausübung habe dabei nicht nur in der groben Vernachlässigung der
Buchhaltung der C._, sondern auch darin bestanden, dass der Beschuldigte
es ab Mitte 2012 andauernd unterlassen habe, die begründete Besorgnis der
Überschuldung anzuzeigen bzw. eine Zwischenbilanz zu erstellen. Die arge
Nachlässigkeit der Berufsausübung habe somit in mehrfacher Hinsicht
vorgelegen, was im Resultat dazu geführt habe, dass keinerlei Überblick über die
finanzielle Lage der C._ mehr bestanden habe. Die objektive Tatschwere sei
innerhalb des für den Tatbestand der Misswirtschaft zur Verfügung stehenden
Strafrahmens als nicht mehr leicht einzustufen. Auch mit Blick auf die
Misswirtschaft lägen in subjektiver Hinsicht keine Anhaltspunkte dafür vor, dass
der Beschuldigte im Tatzeitpunkt in seiner Einsichts- und/oder Handlungsfähigkeit
eingeschränkt gewesen sein könnte, ebenso wenig in seiner
Entscheidungsfreiheit. Da er mit direktem Vorsatz und nicht bloss mit
- 75 -
Eventualvorsatz gehandelt habe, ergebe sich unter diesem Titel keine
Verschuldensrelativierung. Angesichts des insgesamt nicht mehr leichten
Tatverschuldens rechtfertige sich unter Berücksichtigung der Asperation eine
Erhöhung der Einsatzstrafe um weitere 5 Monate (Urk. 90 S. 155 f.). Nachdem
auch diesen, in keiner Weise zu beanstandenden Erwägungen keine Opposition
seitens der Parteien erwachsen ist, können sie im Berufungsverfahren
übernommen werden.
14.3.3. Was die objektive Tatschwere betreffend den Vorwurf der Unterlassung
der Buchführung anbelangt, erwog die Vorinstanz, die Buchhaltung sei während
über einem Jahr nicht korrekt geführt worden. Der Beschuldigte als faktischer
Verwaltungsrat der C._ und als deren Geschäftsführer sei für die ordnungs-
gemässe Buchführung mitverantwortlich gewesen. Dass er I._ die be-
stehenden Kreditoren nicht gemeldet und gar Rechnungen nicht an diesen
weitergeleitet habe, zeige ebenso wie der Umstand, dass er nicht über die
Wertlosigkeit des E._ Darlehens informierte habe, dass es ihm völlig egal
gewesen sei, ob die Buchhaltung die tatsächlichen Begebenheiten widergegeben
habe. Dabei sei zu berücksichtigen, dass sämtliche objektiven Tatkomponenten
bereits unter den Tatbestand der Misswirtschaft subsumiert worden seien, da sich
dieses Delikt mit der Unterlassung der Buchführung überschneide. Vorliegend
könne einzig noch Berücksichtigung finden, dass sich das durch die Unterlassung
der Buchführung geschützte Rechtsgut nicht vollumfänglich mit demjenigen der
Misswirtschaft decke. Dabei sei vorliegend zu beachten, dass Art. 166 StGB auch
den Schutz der zivilrechtlichen Normen, die der Sicherstellung der Buchführung
und damit der Dokumentation des Vermögensstandes eines Unternehmens
diene, mitbezwecke. Die Verletzung der Gläubigerinteressen und des
Zwangsvollstreckungsrechts seien dabei bereits durch die Subsumtion unter Art.
165 StGB pönalisiert. In Anbetracht dieser Umstände sei die objektive Tatschwere
als sehr leicht einzustufen. In subjektiver Hinsicht sei zu vermerken, dass der
Beschuldigte mit direktem Vorsatz und nicht bloss mit Eventualvorsatz gehandelt
habe. Eine Verschuldensrelativierung ergebe sich daher nicht. In Würdigung der
objektiven und subjektiven Tatschwere der Unterlassung der Buchführung
erscheine es als angemessen, die hypothetische Einsatzstrafe in Anwendung des
- 76 -
Asperationsprinzips um 2 Monate zu erhöhen (Urk. 90 S. 156 f.). Die Vorinstanz
hat alle massgeblichen Faktoren mit Blick auf das objektive und subjektive
Tatverschulden berücksichtigt und daraus die richtigen Schlüsse gezogen. Die
Erhöhung der Einsatzstrafe – asperiert – um lediglich 2 Monate ist indes zu
wohlwollend ausgefallen. Vielmehr rechtfertigt es sich angesichts der gesamten
Umstände für dieses Delikt weitere 4 Monate zu asperieren.
14.4. Zusätzlich auszufällende Geldstrafe für die grobe Verletzung der
Verkehrsregeln
Die von der Vorinstanz nach Beurteilung der Tatschwere festgesetzte Geldstrafe
in der Höhe von 10 Tagessätzen zu CHF 30.– wurde von keiner Seite
beanstandet. Sie steht im Einklang mit den einschlägigen
Strafmassempfehlungen der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich und
erweist sich damit auch im Verhältnis zu gleichgelagerten Fällen ausdrücklich als
angemessen. Sie ist ohne weiteres zu übernehmen.
14.5. Täterkomponente
14.5.1. Die Vorinstanz hat den Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten sehr ausführlich und umfassend zusammengefasst. Darauf kann
vorab vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 90 S. 158 f.). Anlässlich der
Berufungsverhandlung ergänzte der Beschuldigte zu seiner aktuellen Situation
befragt, was folgt (Urk. 176 S. 2 ff.): Er lebe nun mit seiner kleinen Familie – er sei
im August letzten Jahres erneut Vater geworden – zusammen in Mailand und
möchte nach der Corona-Krise mit seiner Verlobten in der Gastronomie Fuss
fassen. Zurzeit werde er noch von seiner Familie unterstützt. Dem Werdegang
und den persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann nichts entnommen
werden, was für die Strafzumessung von Relevanz wäre.
14.5.2. Währenddem der Beschuldigte im Verfahren vor Vorinstanz in der
Schweiz noch als vorbestraft galt (Urk. 151006, Ordner 15), ist der betreffende
Strafregistereintrag aus dem Jahre 2009 zwischenzeitlich gelöscht worden
(Urk. 151). Auch die im Jahre 2001 durch das Amtsgericht München verhängte
- 77 -
Geldstrafe wegen eines Strassenverkehrsdelikts kann dem Beschuldigte
zwischenzeitlich nicht mehr vorgehalten werden. Aus dem Strafregister entfernte
Vorstrafen bleiben unberücksichtigt, wobei auf ausländische Vortaten die Ent-
fernungsvorschriften von Art. 369 StGB zur Anwendung gelangen, selbst wenn
das ausländische Recht längere Löschungsvorschriften enthält (BGE 135 I 71
E. 2; Urteil des Bundesgerichts 1B_88/2015 vom 7. April 2015 E. 2.2.1, in:
forumpoenale 2015, S. 211 ff. und in Pra 2015 Nr. 69 S. 544 f.). In
automobilistischer Hinsicht ist der Beschuldigte damit als unbescholten zu
betrachten. Weiter ist aus dem deutschen Strafregisterauszug ersichtlich, dass
der Beschuldigte mit Urteil des Landgerichts München I vom 9. Januar 2006 der
vorsätzlichen Insolvenzverfahrensverschleppung, des vorsätzlichen Bankrotts,
des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt in 24 Fällen und des
Betrugs in 530 Fällen schuldig gesprochen und mit 3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe
bestraft wurde (Urk. 151004 f., Ordner 15; Urk. 70/2). Nach schweizerischem
Recht werden Urteile, die eine Freiheitsstrafe von mindestens einem und maximal
fünf Jahren enthalten, von Amtes wegen aus dem Register gelöscht, wenn über
die gerichtlich zugemessene Strafdauer hinaus 15 Jahre verstrichen sind (Art. 369
Abs. 1 lit. b StGB). Damit ist diese Vorstrafe nach wie vor im Register eingetragen
und muss entsprechend dem Beschuldigten zum Vorwurf gemacht werden. Wie
bereits die Vorinstanz zutreffend erwog, ist diese Vorstrafe hinsichtlich der heute
zu beurteilenden weiteren Delikte als einschlägig zu beurteilen. Die in
Deutschland verwirklichten Taten weisen bemerkenswerte Parallelen zum
vorliegenden Verfahren auf, denn auch im Verfahren in Deutschland wurde
festgestellt, dass der Beschuldigte die Insolvenz der dort betriebenen AH._
Vertriebs GmbH verschleppte bzw. es unterliess, Antrag auf Eröffnung eines
Insolvenzverfahrens zu stellen. Zudem konnten auch dort aufgrund der
Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens bzw. aufgrund der zweckwidrigen
Verwendung der Zahlungen der Kunden zur Tilgung von finanziellen Altlasten des
Unternehmens, diverse Ansprüche der Kunden auf die Lieferung von
Masskleidern nicht befriedigt werden (Urk. 087035 ff., Ordner 10). Wenn die
Vorinstanz in diesem Zusammenhang von einer erheblich straferhöhenden
Wirkung ausgeht, so ist ihr darin – entgegen der Verteidigung (Urk. 177 S. 20) –
- 78 -
vorbehaltlos beizupflichten, wobei nicht ausser Acht gelassen wird, dass seit der
betreffenden Verurteilung bis heute ca. 15 Jahre vergangen sind, die heute zu
beurteilende Delinquenz aber relativ bald nach der einschlägigen Vorstrafe
respektive der Entlassung aus dem Strafvollzug erfolgte.
14.5.3. Weitere, für die Strafzumessung relevante täterbezogene Faktoren
wurden weder geltend gemacht, noch sind solche ersichtlich. Namentlich kann
der Beschuldigte weder ein Geständnis, noch Einsicht und/oder Reue in das
Unrecht der von ihm begangenen Taten für sich in Anspruch nehmen.
14.5.4. Schliesslich liegt – entgegen der Verteidigung (Urk. 177 S. 20) – keine
Verletzung des Beschleunigungsgebots vor, zumal das Nachtragsersuchen an die
deutschen Behörden ohnehin nötig gewesen wäre (vgl. auch Urk. 119), allenfalls
in einem anderen Verfahrensstadium, und des Weiteren weder grössere
Bearbeitungslücken auszumachen sind noch beanstandet wurden. Entsprechend
erfolgt auch unter diesem Titel keine Strafreduktion.
14.6. Fazit
14.6.1. Nach dem Gesagten stellt sich die Gesamtsituation wie folgt dar:
Ausgangspunkt stellt die Sanktion in der Höhe von 15 Monaten Freiheitsstrafe für
das Hauptdelikt, nämlich die mehrfache qualifizierte ungetreue
Geschäftsbesorgung dar. Diese ist unter Berücksichtigung des
Asperationsprinzips für die weiteren, vom Beschuldigten zu vertretenen Delikte
(mehrfache Gläubigerschädigung, Misswirtschaft und Unterlassung der
Buchführung) angemessen zu erhöhen. Hierzu gilt es zu sagen, dass die durch
die Vorinstanz zur Anwendung gebrachte Asperation im Ergebnis als etwas zu
wohlwollend erscheint. Dies namentlich unter Berücksichtigung des Umstandes,
dass bereits bei der Verschuldensbewertung – vollkommen zu Recht –
berücksichtigt wurde, dass das Verschulden betreffend die verschiedenen Delikte
teilweise als deckungsgleich zu bezeichnen ist, was bei den Nebendelikten
bereits zu einer erheblichen Verschuldensreduktion geführt hat. Nun mit
derselben Argumentation auch noch sehr zurückhaltend zu asperieren, würde im
Ergebnis bedeuten, dass der Beschuldigte doppelt profitieren würde, was nicht
- 79 -
angehen kann. Es rechtfertigt sich daher, die Einsatzstrafe für die Nebendelikte
um insgesamt 14 Monate (5 Monate für die mehrfache Gläubigerschädigung, 5
Monate für die Misswirtschaft [unverändert gegenüber der Vorinstanz], 4 Monate
für die Unterlassung der Buchführung) auf insgesamt 29 Monate zu erhöhen.
Unter Berücksichtigung der Täterkomponente und dort aufgrund der
einschlägigen Vorstrafe, ist eine erhebliche Straferhöhung um 5 Monate auf
insgesamt 34 Monate Freiheitsstrafe angezeigt.
14.6.2. Was die Festsetzung der Geldstrafe anbelangt, ist heute zu konstatieren,
dass unter dem Titel Täterkomponente keine Erhöhung mehr angezeigt ist,
nachdem die einschlägige Vorstrafe aus dem Jahre 2009 zwischenzeitlich im
Strafregister gelöscht wurde. Damit hat es bei einer Geldstrafe von 10
Tagessätzen zu CHF 30.– sein Bewenden.
14.6.3. Folglich ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten als
Gesamtstrafe und einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu CHF 30.– zu be-
strafen.
14.6.4. Der Anrechnung der bisher erstanden Haft von insgesamt 31 Tagen steht
selbstredend nichts entgegen.
V. Strafvollzug
15. Allgemeines
Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe
oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine
unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Art. 43 StGB regelt den
teilweisen Aufschub. Danach kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe
von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben,
wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung
zu tragen. Für den bedingten Vollzug genügt das Fehlen einer ungünstigen
Prognose, das heisst die Abwesenheit der Befürchtung, der Täter werde sich
nicht bewähren (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2 S. 5 f. mit Hinweisen). Die Prüfung der
- 80 -
Bewährungsaussichten des Täters ist anhand einer Gesamtwürdigung aller
wesentlichen Umstände vorzunehmen (vgl. dazu im Einzelnen: BGE 134 IV 1 E.
4.2.1 S. 5 mit Hinweisen). Grundvoraussetzung für eine teilbedingte Strafe
gemäss Art. 43 StGB ist wie bei Art. 42 StGB, dass die Legalprognose des Täters
nicht schlecht ausfällt. Fällt die Legalprognose nicht negativ aus, tritt bei
Freiheitsstrafen zwischen zwei und drei Jahren der teilbedingte Freiheitsentzug
an die Stelle des in diesem Bereich nicht mehr möglichen vollbedingten
Strafvollzuges (BGE 144 IV 277 E. 3.1.1 mit Hinweisen).
16. Vollzug der Freiheitsstrafe
16.1. Wie gesehen, ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten
zu belegen. Damit liegen die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des
teilbedingten Vollzuges gemäss Art. 43 StGB grundsätzlich vor. Ein vollumfäng-
licher Aufschub des Vollzugs im Sinne von Art. 42 kommt dagegen bereits aus
objektiven Überlegungen nicht mehr in Betracht.
16.2. In subjektiver Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass der Beschuldigte
innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat nicht zu einer Freiheitsstrafe von
mindestens sechs Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens
180 Tagessätzen verurteilt wurde. Zwar liegt, wie gesehen, eine einschlägige
Vorstrafe, welche am 9. Januar 2006 durch das Landgericht München
ausgesprochen wurde, vor. Die heute zu beurteilende Delinquenz stammt indes
aus dem Jahre 2012, womit zwischen der Verurteilung und der neuerlichen
Tatbegehung mehr als sechs Jahre verstrichen sind. Damit brauchen für die
Gewährung des teilbedingten Vollzuges nicht besonders günstige Umstände
vorzuliegen (Art. 42 Abs. 2 StGB). Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, ist mit
Blick auf die Legalprognose die einschlägige Vorstrafe des Beschuldigten
dennoch von erheblicher Bedeutung. Wie den Akten entnommen werde kann,
wurde im Verfahren in Deutschland festgestellt, dass der Beschuldigte die
Insolvenz der dort durch ihn geführten Unternehmung verschleppte und dass
aufgrund der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens diverse Ansprüche der
Kunden auf Lieferung von Masskleidern nicht befriedigt werden konnten. Auch in
jenem Verfahren verwendete der Beschuldigte die von den Kunden in das
- 81 -
Unternehmen eingebrachten Mittel zweckwidrig (Urk. 087035 ff., Ordner 10). Mit
anderen Worten betrieb der Beschuldigte in Deutschland ein sehr ähnlich
gelagertes Geschäftsmodell, welches letztlich kolossal scheiterte und ihm eine
hohe Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jahren einbrachte. Gemäss seinen eigenen
Angaben hatte er damals rund die Hälfte – mithin ungefähr 18 Monate – bzw. 2
Jahre zu verbüssen (Urk. 153071, Ordner 15; Urk. 77 S. 6; Urk. 176 S. 5 f.). Dass
es nach diesem Vollzug in der Schweiz zu sehr ähnlich gelagerten Taten
gekommen ist, kann mit der Vorinstanz nicht anders erklärt werden, als dass sich
der Beschuldigte durch die in Deutschland ausgefällte Strafe und vor allem auch
durch den teilweisen Vollzug derselben nicht im Geringsten beeindrucken liess.
Angesichts dieser Vorgeschichte sowie des Umstands, dass der Beschuldigte bis
zum heutigen Tag kein Unrechtsbewusstsein an den Tag legte, bestehen
begründete Bedenken an einer günstigen Legalprognose. Zu berücksichtigen ist
indes auch, dass diese Vorstrafe sowie deren teilweiser Vollzug schon längere
Zeit zurückliegen und der Beschuldigte nun seit ca. 8 Jahren nicht mehr
strafrechtlich in Erscheinung getreten ist. Zudem sind weitere Aspekte vorhanden,
welche die Legalprognose des Beschuldigten in ein etwas besseres Licht zu
rücken vermögen: Auch wenn dem Beschuldigten keine bereits längerfristige
Stabilisierung der Lebensumstände attestiert werden kann, sodass von einer
deutlichen positiven Wandelung dieser gesprochen werden könnte, scheinen sich
seine Lebensumstände doch merklich verändert und stabilisiert zu haben.
Gesamthaft ist davon auszugehen, dass ein teilbedingter Vollzug die
Legalprognose des Beschuldigten ausreichend positiv zu beeinflussen vermag, so
dass in Zukunft nicht ernsthaft mit einem erneuten Rückfall in die Delinquenz
gerechnet werden muss. In Anbetracht der gesamten Umstände erscheint es
angemessen, die Freiheitsstrafe im Umfang von 15 Monaten zu vollziehen und im
Umfang von 19 Monaten aufzuschieben. Die Probezeit ist angesichts der
verbleibenden erschwerenden Momente auf vier Jahre festzusetzen.
17. Vollzug der Geldstrafe
Wie gesehen wurden die einschlägigen Vorstrafen des Beschuldigten aus den
Jahren 2001 und 2009 zwischenzeitlich aus dem Strafregister gelöscht respektive
- 82 -
sie kann ihm nicht mehr vorgehalten werden (vgl. Ziff. 14.5.2. vorstehend). Damit
gilt der Beschuldigte in automobilistischer Hinsicht als unbescholten. Nachdem
der Beschuldigte somit (wieder) einen tadellosen automobilistischen Leumund
vorzuweisen hat, steht einer günstigen Legalprognose nichts entgegen. Damit ist
der Vollzug der Geldstrafe aufzuschieben. Die Probezeit ist auf zwei Jahre
festzusetzen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
18. Verfahren vor Bezirksgericht
18.1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage zu bestätigen
(Art. 426 StPO).
18.2. Die Privatklägerin B._ AG (vormals J._ AG) beantragte im vor-
instanzlichen Verfahren eine Prozessentschädigung in der Höhe von
CHF 25'662.– (inkl. MwSt.) (Urk. 74 f.). Die Vorinstanz erwog hierzu, angesichts
der sich im vorliegenden Verfahren stellenden Tat- und Rechtsfragen sei der
Beizug einer Rechtsvertretung aus Sicht der Privatklägerin zweifelsohne
gerechtfertigt gewesen. Die Anwaltskosten gehörten somit zu den notwendigen
Aufwendungen im Sinne von Art. 433 StPO. Das durch die Privatklägerin geltend
gemachte Honorar erscheine im Übrigen angemessen. Entsprechend sei der
Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin B._ AG für das Strafver-
fahren eine Prozessentschädigung in der Höhe von insgesamt CHF 25'662.–
(inkl. MwSt.) zu bezahlen (Urk. 90 S. 173 f.). Die Zusprechung der
Prozessentschädigung an die Privatklägerin ist angesichts des Ausgangs des
Berufungsverfahrens zu bestätigen. Dies umso mehr, als seitens der Verteidigung
namentlich die Höhe der angefallenen Anwaltskosten nicht beanstandet wurde
und diese auch mit Blick auf das Honorar, welches der amtliche Verteidiger für
sich beanspruchte und auch zugesprochen erhielt, zweifelsfrei angemessen sind.
Demnach ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin für die
Untersuchung und das Verfahren vor Bezirksgericht eine Prozessentschädigung
von CHF 25'662.– (inkl. MwSt.) zu bezahlen.
- 83 -
19. Berufungsverfahren
19.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 10'000.– fest-
zusetzen.
19.2. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen
praktisch vollumfänglich. Einzig mit Blick auf die Gewährung des teilbedingten
Vollzugs betreffend die Freiheitsstrafe bzw. des bedingten Vollzugs betreffend die
Geldstrafe obsiegt er in einem marginalen Nebenpunkt. Die Anklagebehörde
obsiegt insofern teilweise, als eine höhere Sanktion ausgesprochen wird. In
Bezug auf die beantragte Ausdehnung der Schuldsprüche in zeitlicher Hinsicht
sowie auf den beantragten Schuldspruch wegen Urkundenfälschung unterliegt sie
vollumfänglich. Demnach sind die Kosten des Berufungsverfahrens zu 3/4 dem
Beschuldigten aufzuerlegen. Im Umfang von 1/4 sind sie auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind zu 3/4 einstweilen und zu
1/4 definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des
Beschuldigten bleibt für 3/4 der Kosten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
19.3. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur.
X._, reichte am 21. April 2021 ihre Honorarnote betreffend ihre
Aufwendungen im Berufungsverfahren ein (Urk. 178). Die geltend gemachten
Aufwendungen und Auslagen für das Berufungsverfahren erscheinen indes
deutlich zu hoch. In Anwendung von § 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 AnwGebV ist eine
Pauschale festzusetzen. Dabei erscheint eine Pauschale von CHF 15'000.–
der Bedeutung und der Schwierigkeit des Falls, der Verantwortung der Vertei-
digung sowie dem notwendigen Zeitaufwand für das Berufungsverfahren
(inkl. Barauslagen und MwSt.) angemessen. Entsprechend ist Rechtsanwalt
lic. iur. X._ für das Berufungsverfahren mit pauschal CHF 15'000.– (inkl.
MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Hinzuweisen ist an dieser Stelle,
dass dem amtlichen Verteidiger mit Präsidialverfügung vom 6. April 2020 bereits
eine Akonto-Entschädigung von CHF 10'000.– zugesprochen und hernach am 7.
April 2020 auch ausgerichtet wurde (Urk. 149).
- 84 -
19.4. Die Vertretung der Privatklägerin reichte am 19. Januar 2021 ihre finale
Honorarnote betreffend ihre Aufwendungen im Berufungsverfahren ein (Urk. 174
und 175). Die geltend gemachten Aufwendungen und Auslagen für das
Berufungsverfahren waren notwendig im Sinne von Art. 433 StPO und das
geltend gemachte Honorar in der Höhe von CHF 1'401.70 erscheint im Übrigen
angemessen. Entsprechend ist der Beschuldigte zu verpflichten, der
Privatklägerin B._ AG für das Berufungsverfahren eine
Prozessentschädigung in der Höhe von insgesamt CHF 1'401.70 (inkl. MwSt.) zu
bezahlen.
19.5. Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte keinen Anspruch auf eine
Genugtuung (vgl. Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO).