Decision ID: 2773f600-8d66-460d-9e7b-2362747b2d59
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ (geboren 1950) und B._ (geboren 1954) sind Staatsangehörige von Kosovo. Die
Ehegatten lebten seit dem Jahr 1987 (A._) bzw. 1989 (B._) bis im August oder
September 2013 ununterbrochen in der Schweiz und verfügten über
Niederlassungsbewilligungen. Ebenfalls über Niederlassungsbewilligungen verfügten
die gemeinsamen Kinder (der 1980 geborene Sohn F._ und die 1996 geborene
Tochter G._). Im Spätsommer 2013 zog die Familie nach Österreich, ohne sich in der
Schweiz abzumelden. Im Dezember 2014 reiste sie wieder in die Schweiz ein und
wollte sich in X._ anmelden. Mit Verfügungen vom 10. Dezember 2015 stellte das
Migrationsamt fest, die Niederlassungsbewilligungen seien erloschen. Gleichzeitig
stellte es in Aussicht, die am 15. Juli 2015 gestellten Gesuche um Wiedererteilung von
Aufenthaltsbewilligungen zu prüfen. Diese Verfügungen blieben unangefochten. A._
und B._ leben seither ohne gültige Aufenthaltstitel in X._.
B.
Betreffend Wiedererteilung von Aufenthaltsbewilligungen forderte das Migrationsamt
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A._ und B._ in der Folge wiederholt erfolglos auf, die zur Prüfung notwendigen
Unterlagen beizubringen, und wies die Gesuche schliesslich ab. Dagegen erhoben die
Eheleute A._ und B._ Rekurse beim Sicherheits- und Justizdepartement (SJD) und
reichten einige der verlangten Dokumente ein. Hierauf widerrief das Migrationsamt die
angefochtenen Verfügungen, und das SJD schrieb die Rekurse ab. Wiederum
kooperierten die Gesuchsteller erst in den Rekursverfahren gegen die (erneut)
abschlägigen Verfügungen des Migrationsamtes ernsthaft mit den Behörden.
Nach erneutem Widerruf seiner Verfügungen wies das Migrationsamt die Gesuche um
Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen schliesslich mit Verfügungen vom 10. Januar
2019 vorerst definitiv ab. Es verwies zunächst auf die beträchtliche Verschuldung: A._
sei beim Betreibungsamt X._ mit offenen Verlustscheinen in der Höhe von CHF 39'505
und Betreibungen in der Höhe von CHF 34'453 verzeichnet; seine Ehefrau mit
Verlustscheinen in der Höhe von CHF 46'732 und Betreibungen von CHF 1'154. Zwar
würden seit Januar 2018 monatliche Zahlungen von CHF 470 an das Betreibungsamt
geleistet. Dennoch kämen immer wieder neue Betreibungen hinzu, sodass sich die
Schulden des Ehepaares nicht wesentlich reduziert hätten. Aufgrund des geringen
Renteneinkommens von netto CHF 2'644 (ohne Berücksichtigung der erwähnten
CHF 470) sei unwahrscheinlich, dass der Lebensunterhalt ohne finanzielle
Unterstützung ihrer volljähren Kinder bestritten werden könne. Diese lebten ihrerseits
nicht in günstigen finanziellen Verhältnissen, sodass sie keine
Verwandtenunterstützungspflicht treffe. Ein Härtefall, welcher den weiteren Aufenthalt
des Ehepaares A._ und B._ in der Schweiz als notwendig erscheinen lasse, sei nicht
ersichtlich. Es sei diesen namentlich zumutbar, die bestehenden gesundheitlichen
Probleme im Kosovo medizinisch behandeln zu lassen.
C.
Die gegen diese Verfügungen erhobenen Rekurse wies das SJD mit gemeinsamem
Entscheid vom 27. August 2019 ab und wies A._ und B._ an, die Schweiz innert 30
Tagen nach Rechtskraft der Verfügung des Migrationsamtes zu verlassen (Ziff. 1).
Zufolge Gutheissung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege und -
verbeiständung entschädigte das SJD die Rechtsvertreter der Rekurrenten (das
Mandat war während des Rekursverfahrens von Rechtsanwältin Simone Thöni auf
Rechtsanwalt Markus J. Meier, beide Zürich, übergegangen) mit je CHF 600 (zuzüglich
Mehrwertsteuer; Ziff. 4 und 5). In den Erwägungen bestätigte das SJD die Begründung
des Migrationsamtes. Es sei nicht davon auszugehen, dass A._ und B._ ihren
Lebensunterhalt in der Schweiz auf lange Sicht aus eigener Kraft finanzieren könnten.
Noch viel unwahrscheinlicher sei, dass die erneute Anwesenheit zur Rückzahlung der
Schulden führe. Die notwendige medizinische Betreuung sei auch im Herkunftsland
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erhältlich, zumal die Rekurrenten dort mit ihren schweizerischen Renten über ein
überdurchschnittlich hohes Einkommen verfügten. Ebenso wenig stehe der langjährige
Voraufenthalt in der Schweiz der Rückkehr entgegen. Das Ehepaar A._ und B._ sei in
der Schweiz weder richtig integriert noch sonstwie tief verwurzelt.
D.
Gegen den Rekursentscheid vom 27. August 2019 erhoben A._ und B._
(Beschwerdeführer 1 / Beschwerdeführerin 2) am 11. September 2019 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht (act. 1). Sie beantragten sinngemäss, der angefochtene
Entscheid und die Verfügungen des Migrationsamtes vom 10. Januar 2019 seien
aufzuheben, und es sei ihnen der weitere Aufenthalt in der Schweiz zu bewilligen.
Eventualiter sei das Verfahren zu sistieren, bis über das Aufenthaltsrecht von F._ und
S._ (Sohn und Enkel) definitiv – eine Beschwerde ist derzeit am Bundesgericht hängig
– entschieden sei. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Subsubeventualiter sei die Frist zum Verlassen der Schweiz auf
mindestens sechs Monate ab Rechtskraft des Wegeweisungsentscheids zu verlängern.
Ferner sei die Entschädigung der Rechtsvertreter für das Rekursverfahren auf
CHF 1'353.35 (Rechtsanwältin Simone Thöni) bzw. CHF 1'504.35 (Rechtsanwalt
Markus J. Meier) zu erhöhen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich
Mehrwertsteuer) zu Lasten des Kantons St. Gallen.
Mit Schreiben vom 12. September 2019 bewilligte der Abteilungspräsident des
Verwaltungsgerichts die unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung für das
Beschwerdeverfahren (act. 4; letztere durch Rechtsanwalt Markus J. Meier, Zürich). Der
Vorsteher des SJD (Vorinstanz) beantragte mit Vernehmlassung vom 23. September
2019 Abweisung der Beschwerde (act. 5).
Auf die Ausführung der Beschwerdeführer zur Begründung ihrer Anträge, den
angefochtenen Entscheid und die Akten wird – soweit wesentlich und erforderlich – in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführer
sind zur Erhebung des Rechtsmittels befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 11. September 2019 rechtzeitig
erhoben erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
bis
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(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde
ist grundsätzlich einzutreten.
Ein Eintretenshindernis besteht jedoch insofern, als die Beschwerdeführer beantragen,
die Verfügungen des Migrationsamtes vom 10. Januar 2019 seien aufzuheben. Die
erstinstanzlichen Verfügungen sind durch den angefochtenen Rekursentscheid ersetzt
worden. Sie gelten zwar inhaltlich, nicht aber formell als mitangefochten
(Devolutiveffekt, statt vieler vgl. BGE 138 II 169 E. 3.3).
2.
Rechtskräftig festgestellt und unbestritten ist, dass die Niederlassungsbewilligungen
der Beschwerdeführer zufolge ihres Aufenthalts in Österreich zwischen August/
September 2013 und Dezember 2014 erloschen sind. Streitig ist, ob ihnen nun zu
Recht keine Aufenthaltsbewilligungen mehr erteilt worden sind.
3.
Von den in den Art. 18 - 29 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration (SR 142.20, AIG) geregelten allgemeinen
Zulassungsvoraussetzungen kann unter anderem abgewichen werden, um die
Wiederzulassung von Ausländerinnen und Ausländern, die im Besitz einer Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung waren, zu erleichtern (Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. k
AIG). Zu diesem Zweck können Kurzaufenthalts- oder Aufenthaltsbewilligungen erteilt
werden. Dies allerdings nur, wenn der frühere Aufenthalt in der Schweiz mindestens
fünf Jahre gedauert hat und nicht nur vorübergehender Natur war (Art. 34 Abs. 5 AIG)
und die freiwillige Ausreise aus der Schweiz nicht länger als zwei Jahre zurückliegt (vgl.
Art. 49 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit,
SR 142.201, VZAE). Selbstverständlich dürfen keine Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs.
1 AIG vorliegen (Art. 33 Abs. 3 AIG). Ein Rechtsanspruch auf Erteilung einer Bewilligung
besteht nicht ("Kann-Bestimmung"). Erteilung und Verlängerung von
Aufenthaltsbewilligungen liegen im Ermessen der zuständigen Migrationsbehörde (sog.
"Ermessensbewilligung"). Es sei denn, eine Sondernorm des Landesrechts oder eines
bi- oder multilateralen Staatsvertrags räume der betreffenden Person einen Anspruch
auf Aufenthalt ein (zum Ganzen vgl. VerwGE B 2015/169 vom 20. Januar 2017 E. 3.1
und B 2016/131 vom 16. Januar 2018 E. 3.1, beide www.gerichte.sg.ch, je mit Hinweis
auf Zünd/Hugi Yar, Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen
Ausländerrecht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, in:
EuGRZ 40/2013, S. 1 ff., Ziff. 7 mit Hinweisen).
3.1.
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Vorrangig ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführer aus Art. 13 Abs. 1 der
Bundesverfassung (SR 101, BV) bzw. Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) einen Rechtsanspruch auf
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ableiten können.
3.2.
Familiäre Beziehungen, die in den Schutzbereich dieser Grundrechte fallen würden,
sind nicht ersichtlich. Insbesondere wird zu Recht nicht geltend gemacht, die
Betreuung der gesundheitlich angeschlagenen Beschwerdeführer könne
ausschliesslich durch in der Schweiz anwesenheitsberechtigte Familienangehörige
gewährleistet werden (vgl. dazu VerwGE B 2014/214 vom 27. November 2015 E. 2.1,
www.gerichte.sg.ch, mit Hinweis auf BGer 2C_253/2010 vom 18. Juli 2011 E. 1.5).
Nach der neueren Rechtsprechung (vgl. BGE 144 I 266 E. 3.9) ist hingegen – unter dem
Aspekt des ebenfalls geschützten Privatlebens – nach einer rechtmässigen
Aufenthaltsdauer von rund zehn Jahren von so engen sozialen Beziehungen in der
Schweiz auszugehen, dass der Aufenthalt nur aus besonderen Gründen beendet
werden darf. Verlangt ist eine Einzelfallprüfung. Die Integration kann durchaus auch
nach über zehnjährigem Aufenthalt noch nicht derart sein, dass die
aufenthaltsbeendende Massnahme das Recht auf Achtung auf Privatlebens berührt.
Umgekehrt ist es möglich, dass dieses Grundrecht schon zu einem früheren Zeitpunkt
betroffen bzw. verletzt wird. Dies setzt allerdings eine besonders ausgeprägte
Integration voraus, die nebst engen sozialen Beziehungen namentlich auch in
sprachlicher, beruflicher und wirtschaftlicher Hinsicht weit fortgeschritten ist (vgl. BGer
2C_292/2019 vom 8. April 2019 E. 4.1).
3.2.1.
Die Vorinstanz zeichnete von der Integration der Beschwerdeführer folgendes Bild:
Aufgrund ihres langen Aufenthalts – 26 bzw. 24 Jahre vor der Ausreise nach Österreich
– bestehe zweifellos eine gewisse Bindung an die Schweiz. Hier seien die engsten
Familienmitglieder aufgewachsen und wohnhaft (für Sohn und Enkel sei der weitere
Verbleib allerdings unklar). Ihre Integration in die hiesige Gesellschaft und Ordnung
könne jedoch höchstens als mittelmässig bezeichnet werden. In beruflicher und
finanzieller Hinsicht hätten sie sich stets mehr schlecht als recht durchgeschlagen. Vor
Erreichen des Pensionsalters hätten beide IV-Renten bezogen, wobei die
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers 1 zumindest zu Beginn auch auf seine starre
Fixierung auf körperliche Beschwerden, die Unfähigkeit zu Introspektion und die
3.2.2.
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unbegründete Überzeugung, schwer krank zu sein, zurückzuführen gewesen sei. Die
Beschwerdeführer hätten zudem seit langer Zeit hohe Schulden. Deren Sanierung
hätten sie in der Vergangenheit zwar angestrebt, angesichts deren Höhe und der immer
neuen Betreibungen bestehe indessen kaum Aussicht auf Erfolg. Bei den Schulden
handle es sich mehrheitlich um öffentlich-rechtliche Forderungen
(Krankenkassenprämien und Steuerforderungen). Gegen die Integration spreche zudem
die Nachlässigkeit, die insbesondere in den jüngsten ausländerrechtlichen Verfahren an
den Tag gelegt worden sei und einen erheblichen Aufwand (insbesondere zwei
überflüssige Rekursverfahren) mit sich gebracht habe. Den Akten lasse sich zudem –
obwohl Gegenteiliges behauptet werde – entnehmen, dass der Beschwerdeführer 1
trotz langjähriger Anwesenheit nur über bescheidene Deutschkenntnisse verfüge.
Diesen Ausführungen ist beizupflichten. Gegen eine enge Verwurzelung spricht, dass
die Beschwerdeführer seit dem Jahr 2004 (bzw. soweit die st. gallischen Akten
zurückreichen) mehr als zwölfmal umgezogen sind. An Wohnorten dokumentiert sind
zunächst M._, N._, X._, O._, P._, Q._ und R._ (Dossier Z.G. S. 12, 17, 26, 30, 33,
37, 47, 49). Seit der Rückkehr aus Österreich wohnen sie in X._, jedoch mittlerweile an
der fünften Adresse (Dossier Z.G. S. 93, 95, 131, 194, 348). Kaum je wohnten sie länger
als zwei Jahre an einem Ort, und insbesondere die Wohnsitze während des
Voraufenthaltes lagen teilweise ziemlich weit auseinander. Inwiefern vor diesem
Hintergrund konventionsrechtlich zu beachtende Sozialkontakte geknüpft werden
konnten, ist äusserst fraglich. Vielmehr drängt sich der Schluss auf, dass über die
engsten Familienbande hinaus kein nennenswertes Privatleben gepflegt worden ist.
Unterstrichen wird der nur geringe soziale Integrationsgrad dadurch, dass der
langjährige Aufenthalt in der Schweiz aus einem objektiv wenig gewichtigen Grund –
der Sohn zog aus beruflichen Gründen nach Österreich – aufgegeben worden ist. Eine
berufliche (Wieder-)Eingliederung fand nicht mehr statt, nachdem der
Beschwerdeführer 1 seit dem Jahr 1999 (zunächst teilweise) arbeitsunfähig war und
auch die Beschwerdeführerin 2 eine IV-Rente erhielt. Zudem wirken die
Beschwerdeführer trotz ihres langjährigen Aufenthalts mit elementarsten
administrativen Abläufen (zivilrechtliche An- und Abmeldung, Mitwirkung im
ausländerrechtlichen Verfahren) überfordert und haben hohe Ausstände gegenüber den
Steuerbehörden sowie der Krankenversicherung. Der Anspruch auf Achtung des
Privatlebens verschafft ihnen bei diesen konkreten Gegebenheiten trotz langjährigem
Voraufenthalt keinen Rechtsanspruch auf Wiedererteilung eines Aufenthaltstitels.
3.2.3.
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Besteht kein Rechtsanspruch auf (Wieder-)Erteilung bzw. Verlängerung einer
Aufenthaltsbewilligung, so liegt diese Frage im behördlichen Ermessen (vgl. E. 3.1
hiervor und P. Bolzli, in: Spescha/Zünd/Ders./Hruschka/de Weck, Kommentar
Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, Art. 33 AIG N 7). Die zuständigen Behörden
berücksichtigen bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Integration der Ausländerinnen und Ausländer (Art.
96 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 58a AIG).
3.3.
Mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht können Rechtsverletzungen geltend
gemacht werden (Art. 61 Abs. 1 VRP). Solange die Vorinstanzen ihr Ermessen nicht
rechtsfehlerhaft – durch Unter- oder Überschreiten des Ermessensspielraums oder
Ermessensmissbrauch – ausgeübt haben, kann das Verwaltungsgericht den
angefochtenen Entscheid nicht aufheben (vgl. Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 739 ff.).
Missbräuchlich ist die Ausübung des Ermessens, wenn die zu beachtenden
verfassungsrechtlichen Grundsätze, insbesondere die Rechtsgleichheit, die
Verhältnismässigkeit oder das Verbot der Willkür, verletzt worden sind (vgl. BGE 123 V
152).
3.3.1.
Die Vorinstanz hat erwogen, die Beschwerdeführer hätten während ihres
Voraufenthaltes (1987/1989 – 2013) und nach ihrer Wiedereinreise in finanzieller
Hinsicht zu Klagen Anlass gegeben. Der Beschwerdeführer 1 sei per 30. April 2019 im
Betreibungsregister mit 32 offenen Verlustscheinen in der Höhe von CHF 62'396
verzeichnet gewesen, die Beschwerdeführerin 2 mit deren acht im Gesamtbetrag von
CHF 46'732. Die Verschuldung in diesem Umfang lasse auf ein unzureichendes
Einkommen schliessen. Sie sei – entgegen der Darstellung der Beschwerdeführer –
nicht ausschliesslich auf die unterbliebene Abmeldung aus der Schweiz und die damit
weitergelaufenen Policen der Krankenversicherung zurückzuführen, sondern
vorbestehend. Zwar bezahlten die Beschwerdeführer seit Januar 2018 monatlich
CHF 470.10 an das Betreibungsamt X._ zuhanden der Gläubiger. Dennoch kämen
stets neue Betreibungen hinzu; die Schulden hätten sich nicht wesentlich reduziert.
Vielmehr sei die Zahl der offenen Verlustscheine des Beschwerdeführers 1 innert drei
Jahren von 23 auf 32 bzw. von CHF 37'919 auf CHF 62'396 angestiegen. Angesichts
dieser Entwicklung sei eine dauerhafte Schuldensanierung nicht absehbar.
3.3.2.
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Das Einkommen der Beschwerdeführer betrage monatlich CHF 3'114 (AHV-Rente
Beschwerdeführerin 2: CHF 1'065; AHV-Rente Beschwerdeführer 1: CHF 1'579; BVG-
Rente Beschwerdeführer 1: CHF 470). Weil sie sich mit ihren erwachsenen Kindern
G._ und F._ und dem Enkel S._ eine Wohnung teilten, ergebe sich ein Gesamtbedarf
von derzeit lediglich CHF 2'581. Falls Sohn und Enkel die Schweiz definitiv verlassen
müssten und die Tochter mit ihrem Verlobten einen eigenen Haushalt gründe, steige
der Bedarf. Die Lebenshaltungskosten müssten diesfalls auf weniger Personen verteilt
werden, und eine weitere Rückzahlung der Schulden werde unmöglich. Es sei sogar
wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführer von Sozialhilfe abhängig würden, bis sie
(mit Ablauf der zehnjährigen Karenzfrist für ausländische Personen) in Genuss von
Ergänzungsleistungen kämen. Sohn und Tochter lebten ihrerseits nicht in günstigen
wirtschaftlichen Verhältnissen und unterlägen deshalb nicht der
Verwandtenunterstützungspflicht.
Die Beschwerdeführer seien gesundheitlich seit längerer Zeit angeschlagen. Der
Beschwerdeführer 1 habe seine Arbeit als Bauarbeiter und Kranführer im Jahr 1998
wegen chronischer Rückenschmerzen (lumbovertebrales Schmerzsyndrom) sowie
psychischer Beschwerden (leichtgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom) aufgeben müssen. Vor dem Erreichen des Rentenalters habe er eine IV-
Teilrente bezogen, die mit Erreichen des Pensionsalters von einer AHV-Rente abgelöst
worden sei. Weiter leide der Beschwerdeführer 1 an einer Herzkrankheit, an Diabetes
mellitus sowie an einer Fettstoffwechselstörung (gemäss Austrittsbericht Spital Y._
vom 28. Januar 2010). Die Beschwerdeführerin 2 habe bis vor Kurzem eine IV-Rente
bezogen, die nun durch eine AHV-Rente in gleicher Höhe ersetzt worden sei.
Erfahrungsgemäss sei davon auszugehen, dass mit zunehmendem Alter vermehrt
kostspielige medizinische Leistungen in Anspruch genommen würden und die von der
Krankenversicherung nicht gedeckten Kosten der öffentlichen Hand angelastet würden.
Dass die Behandlungsmöglichkeiten im Kosovo nicht jenen in der Schweiz
entsprächen, lasse die Rückkehr auch aus medizinischer Sicht nicht als unhaltbar
erscheinen. Die übliche ärztliche Betreuung sei im Kosovo gewährleistet, zumal die
Beschwerdeführer mit ihren schweizerischen Renten dort über ein überdurchschnittlich
hohes Einkommen verfügten und sich damit eine umfassende Betreuung leisten
könnten.
Nebst dem, dass die Beschwerdeführer in der Schweiz insgesamt nicht vertieft
integriert seien (vgl. die in E. 3.2.2 hiervor wiedergegebenen Ausführungen), verfügten
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sie im Kosovo über Verwandte und – während der häufigen Besuchsaufenthalte
gepflegte – gesellschaftliche Bindungen. Die Tochter G._ habe sich dort verlobt, und
es lebten mehrere Geschwister des Beschwerdeführers 1 dort. Letztere könnten bei
der Wiedereingliederung behilflich sein. Nach Angaben des Sohnes im
Beschwerdeverfahren B 2018/86 (Entscheid vom 24. Januar 2019 E. 6.4,
www.gerichte.sg.ch) besitze die Familie im Kosovo sodann eine Liegenschaft von
erheblichem Wert. Unter diesen Umständen sei es möglich, sich im Kosovo wieder
zurechtzufinden, dies allenfalls zusammen mit dem Sohn F._. Der Kontakt zu den in
der Schweiz verbleibenden Familienangehörigen könne mit den heutigen
Kommunikationsmitteln aufrechterhalten werden, und auch gegen regelmässige
Besuche spreche nichts.
Zusammenfassend kam die Vorinstanz zum Schluss, das öffentliche Interesse, die
Aufenthaltsbewilligungen zu verweigern, überwiege angesichts der knappen
finanziellen Ressourcen, der hohen Schulden und der beschränkten Integration das
private Interesse der Beschwerdeführer am erneuten bzw. weiteren Verbleib in der
Schweiz.
Die Beschwerdeführer machen geltend, die Vorinstanz stütze ihren Entscheid in
verschiedener Hinsicht auf Mutmassungen, die tatsachenwidrig und ohnehin irrelevant
seien. Die (abstrakte) Gefahr von Sozialhilfeabhängigkeit bestehe immer und könne für
die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung nicht ausschlaggebend sein. Sollten die
Beschwerdeführer einst tatsächlich auf Sozialhilfe angewiesen werden, könne das
Migrationsamt den Aufenthalt auch in jenem Zeitpunkt noch beenden. Insbesondere
habe sich die Wohnsituation der Beschwerdeführer durch die jüngsten familiären
Entwicklungen nicht nachteilig verändert. Die Tochter, deren (heutiger) Ehemann und
die Beschwerdeführer teilten sich eine Wohnung und hielten so die Kosten tief. Die
Tochter habe sich – obwohl keine Verwandtenunterstützungspflicht nach Gesetz
bestehe – vertraglich verpflichtet, die Beschwerdeführer zu unterstützen. Sollte der
Sohn F._ nach Beendigung seines Aufenthalts die Eltern nicht mehr unterstützen
können, erhöhe sich der Beitrag der Tochter.
Hinsichtlich der finanziellen Situation wird einerseits das Ausmass der Verschuldung
relativiert. Es sei zu Doppelbetreibungen gekommen und einzelne Betreibungen seien
lediglich zwecks Verjährungsunterbrechung eingeleitet worden. Andererseits betonen
die Beschwerdeführer ihre Anstrengungen, die Schulden abzubauen. Dies gehe
3.3.3.
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langsam aber stetig voran und sei nicht mehr möglich, wenn sie das Land verlassen
müssten.
Bezüglich der anfallenden Gesundheitskosten verfalle die Vorinstanz wiederum in
Mutmassungen. Der schlechte Gesundheitszustand sei unverschuldet, und das
Gesundheitssystem dürfe von jedermann beansprucht werden. Dies gelte umso mehr,
weil die Beschwerdeführer über Jahrzehnte Beiträge an ebendieses System geleistet
hätten. Unergründlich sei die Annahme, dass künftige medizinische Leistungen nicht
von einer Krankenkasse übernommen würden.
Soweit die Vorinstanz von mangelnder Integration ausgehe, übersehe sie, dass die
zitierten (älteren) Arztberichte keinen Aufschluss darüber geben könnten, wie der Alltag
heute sprachlich bewältigt werde. Es sei geradezu offensichtlich, dass ein
ausländischer Patient in medizinischen Belangen sprachlich an seine Grenzen komme.
Wenn dem Beschwerdeführer 1 angelastet werde, er habe sich nur "mehr schlecht als
recht durchgeschlagen", übersehe die Vorinstanz, dass er über lange Zeit in der
Schweiz schwer gearbeitet habe und nach seinen Möglichkeiten alles für den Unterhalt
seiner Familie getan habe. Erst mit den zunehmenden gesundheitlichen Problemen
seien finanzielle Schwierigkeiten entstanden. Die IV-Renten seien rechtskräftig
zugesprochen und hätten den Beschwerdeführern ohne weiteres zugestanden; in ihnen
könnten keine Indizien für eine mangelhafte Integration gesehen werden. Ferner
machen sie geltend, in der Schweiz verwurzelt zu sein. Dies vorab mit der hier
lebenden Kernfamilie und mit anderen anwesenheitsberechtigten Personen gleicher
Herkunft.
Inwieweit die Vorinstanz ihr Ermessen missbräuchlich gehandhabt haben soll, legen die
Beschwerdeführer im Rahmen ihrer generellen Kritik nicht konkret dar. Aus ihren
Ausführungen ergibt sich aber, dass sie die Verweigerung von
Aufenthaltsbewilligungen als unverhältnismässig erachten. Dem kann nicht gefolgt
werden. Die Vorinstanz hat die auf dem Spiel stehenden öffentlichen Interessen und die
privaten Verhältnisse der Beschwerdeführer in vertretbarer Weise gegeneinander
abgewogen und insbesondere die Integration (vgl. Art. 58a AIG) berücksichtigt.
Gegen den weiteren Aufenthalt in der Schweiz spricht zunächst die sich – trotz
Gegenmassnahmen – immer weiter verschlechternde finanzielle Situation. Waren im
Jahr 2016 gegen die Beschwerdeführerin 2 sechs Verlustscheine über total
3.3.4.
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CHF 44'021 und gegen den Beschwerdeführer 1 25 im Totalbetrag von CHF 37'922.50
ausgestellt worden (Auszüge vom 25. April 2016 in: Doss. Z.G. S. 157 und 161), hatten
sich die offenen Verlustscheine bis Ende April 2019 auf acht (Beschwerdeführerin 2) im
Betrag von CHF 46'732.15 und 31 (Beschwerdeführer 1) im Betrag von CHF 59'357.75
erhöht (act. 6.1/11.4 und 11.6). Gemäss Amtsauskunft des Betreibungsamtes X._
amortisiert der Beschwerdeführer 1 zwar derzeit monatlich CHF 470.10 (was seiner
BVG-Rente entspricht), gleichzeitig wird er aber laufend neu betrieben (Doss. Z.G.
S. 352). Während die Neuverschuldung der Beschwerdeführerin 2 als geringfügig
bezeichnet werden kann, muss mit Blick auf den Beschwerdeführer 1 davon
ausgegangen werden, dass der weitere Aufenthalt zunehmende Schulden mit sich
bringen wird. Einzelne doppelt angeführte Forderungen (vgl. act. 11 Ziff. 2 und 11.4)
ändern am Gesamtbild nichts. Inwiefern dadurch der Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1
lit. c AIG (in Verbindung mit Art. 77a Abs. 1 Ingress und lit. c VZAE) erfüllt ist, kann
offenbleiben. Die Beendigung des Aufenthalts trägt zwar nichts zur Schuldensanierung
bei. Dennoch liegt die Massnahme im öffentlichen Interesse, wird doch verhindert,
dass weitere Schulden geäufnet werden. Dass die private Lebenshaltung der
Beschwerdeführer bislang in einem nicht geringen Ausmass zu Lasten der
Steuerbehörden und der Krankenversicherer erfolgte, verstärkt das öffentliche
Interesse. Bei diesem Befund relativieren sich auch die Beteuerungen der
Beschwerdeführer, wonach sie von ihren erwachsenen Kindern grosszügig unterstützt
würden. Nach der Praxis im Kanton St. Gallen werden ohnehin nur Leistungen von
Verwandten mit entsprechender privatrechtlicher Verpflichtung im Sinne von Art. 328
Abs. 1 des Zivilgesetzbuches (SR 210) berücksichtigt (vgl. VerwGE B 2014/162 vom
27. November 2015 E. 5.1, www.gerichte.sg.ch, mit Hinweisen). Weder auf die Tochter
noch auf den Sohn trifft zu, dass sie in günstigen Verhältnissen leben und deshalb
verpflichtet sind, Verwandte in auf- und absteigender Linie zu unterstützen, die ohne
ihren Beistand in Not geraten würden. Zwar mag sein, dass sie derzeit (noch) günstig in
einem gemeinsamen Haushalt wohnen. Auf die öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen
blieb dies jedoch ohne Einfluss. Bei diesen Gegebenheiten hilft den Beschwerdeführern
nicht, dass sie – soweit ersichtlich – bislang keine Sozialhilfeleistungen in Anspruch
genommen haben.
Das private Interesse der Beschwerdeführer am weiteren (rechtmässigen) Aufenthalt
besteht vor allem darin, mit der hier wohnenden erwachsenen Tochter (und allenfalls
dem erwachsenen Sohn und dessen Familie) weiter den Alltag zu verbringen. Die
Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Eltern und ihrer minderjährigen Kinder, wird
durch die Verweigerung von Aufenthaltsbewilligungen allerdings nicht tangiert.
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Bezüglich der beim Ermessensentscheid ebenfalls zu berücksichtigenden Integration
der Beschwerdeführer kann – anstelle von Wiederholungen – auf E. 3.2.3 hiervor
verwiesen werden.
Die Rückkehr erweist sich schliesslich auch als zumutbar. Es ist nicht ersichtlich, dass
die gesundheitlichen Beschwerden den Aufenthalt in der Schweiz zwingend erfordern
würden. Die medizinische Grundversorgung ist im Herkunftsstaat sichergestellt und für
Personen über 65 Jahre sogar kostenlos. Sodann fehlen Anhaltspunkte dafür, dass
Rückkehrer aus dem Ausland bezüglich der medizinischen Behandlungen diskriminiert
würden (vgl. "Focus Kosovo", Medizinische Grundversorgung, hg. vom
Staatssekretariat für Migration, Version vom 9. März 2017, www.sem.admin.ch, S. 30
und 36). Selbst wenn nun die medizinische bzw. hausärztliche Versorgung im Kosovo
nicht den gleichen Standard wie hierzulande erreicht, wird dadurch die
Wiedereingliederung der Beschwerdeführer im Herkunftsland nicht verunmöglicht. Es
wird nicht geltend gemacht, sie seien auf Fremdbetreuung angewiesen. Ihre Situation
unterscheidet sich nicht wesentlich von zahllosen in ihrer Heimat verbliebenen
Landsleuten, die an denselben Beschwerden leiden, ohne dass sie deswegen eine
ausländerrechtlich privilegierte Behandlung beanspruchen könnten (vgl. BGer
2A_214/2002 vom 23. August 2002 E. 3.4). Die Vorinstanz hat ferner zu Recht darauf
hingewiesen, dass die Altersrenten von insgesamt CHF 3'115 auch in den Kosovo
ausbezahlt werden und dort ein weit überdurchschnittliches Einkommen darstellen.
Weiter verfügen die Beschwerdeführer im Kosovo über verwandtschaftliche und andere
soziale Bindungen. Der Ehemann der Tochter G._ wurde vom Heimatstaat in die
Schweiz nachgezogen, und es leben dort mehrere Geschwister des
Beschwerdeführers 1. Nichts deutet demnach darauf hin, dass die Wiedereingliederung
übermässig erschwert wäre. Der Kontakt zu den in der Schweiz verbleibenden
Familienangehörigen kann mit den heutigen Kommunikationsmitteln ohne weiteres
aufrechterhalten werden, und auch gegen regelmässige Besuche spricht nichts.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der vorinstanzliche Entscheid bezüglich Erteilung
von Aufenthaltsbewilligungen nicht mit einem Ermessensfehler behaftet ist.
3.3.5.
Unter den geschilderten Umständen ist von Vornherein nicht erkennbar, inwiefern die
Beschwerdeführer, denen die Rückkehr in den Kosovo zugemutet werden kann, von
einem schwerwiegenden persönlichen Härtefall (vgl. Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG) betroffen
sein könnten, zumal auch unter diesem Aspekt kein Rechtsanspruch auf Erteilung einer
3.4.
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4.
Die Beschwerdeführer beantragen im Eventualstandpunkt, das verwaltungsgerichtliche
Verfahren zu sistieren, bis rechtskräftig über den weiteren Aufenthalt von F._ und S._
entschieden sei. Dies, weil derzeit noch ungewiss sei, ob auch von dieser Seite weiter
mit finanzieller Unterstützung zu rechnen sei.
Die Sistierung bedeutet eine Abweichung vom Grundsatz der möglichst beförderlichen
Fortführung und Erledigung des Verfahrens (Beschleunigungsgebot), was einer
Rechtfertigung bedarf. Sie ist dann anzuordnen, wenn ein anderes Verfahren anhängig
ist, dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1093 f.
mit Hinweis auf BGE 123 II 3). Es ist konkret nicht ersichtlich, dass die weitere
Anwesenheit insbesondere des Sohnes F._ den zu beurteilenden Sachverhalt derart
verändern könnte, dass sich der angefochtene Entscheid als ermessensfehlerhaft
erweisen würde. F._ ist (ebenfalls) hoch verschuldet (vgl. VerwGE B 2018/86 vom
24. Januar 2019 Ziff. B, www.gerichte.sg.ch). Seine Anwesenheit hat in der
Vergangenheit insbesondere nicht dazu beigetragen, die öffentlich-rechtlichen
Verpflichtungen der Beschwerdeführer zu erfüllen. Er wird – selbst wenn er weiter in
der Schweiz verbleibt – nicht mehr zur Verfügung haben als das betreibungsrechtliche
Existenzminimum, zumal weder in jenem noch in diesem Verfahren ernsthafte Anstalten
dargetan worden sind, durch den Verkauf eines angeblich im Kosovo in Familienbesitz
befindlichen Grundstücks im Wert von CHF 800'000 die in der Schweiz geäufneten
Schulden zu amortisieren.
5.
Für den Fall, dass ihnen keine Bewilligungen für den weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erteilt werden, beantragen die Beschwerdeführer, die Ausreisefrist von 30 Tagen ab
Rechtskraft der Verfügungen des Migrationsamtes vom 10. Januar 2019 (vgl. act. 2/1,
Aufenthaltsbewilligung besteht (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.1). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt ein Härtefall nur vor, wenn sich die
betroffene Person in einer persönlichen Notlage befindet. Ihre Lebens-/
Daseinsbedingungen müssen, am durchschnittlichen Schicksal ausländischer
Personen gemessen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein (BGE 130 II 39 E. 3;
BGE 128 II 200 E. 4). Der Begriff des schwerwiegenden persönlichen Härtefalls ist
restriktiv auszulegen, und an die genannten Härtefallkriterien ist ein strenger Massstab
zu legen (VerwGE B 2010/294 vom 31. Mai 2011 E. 3, www.gerichte.sg.ch). Die
Rückkehr der Beschwerdeführer geht – wie bereits ausgeführt – nicht mit wesentlichen
Erschwernissen einher, jedenfalls nicht mit solchen, die nicht normalerweise mit der
Ausreise in ein weniger entwickeltes Land verbunden sind.
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Dispositiv-Ziff. 1.b) auf mindestens sechs Monate zu verlängern.
Nach Art. 64d Abs. 1 AIG ist mit der Wegweisungsverfügung eine angemessene
Ausreisefrist zwischen sieben und dreissig Tagen anzusetzen. Eine längere
Ausreisefrist ist anzusetzen oder die Ausreisefrist wird verlängert, wenn besondere
Umstände wie die familiäre Situation, gesundheitliche Probleme oder eine lange
Aufenthaltsdauer dies erfordern. Zwar darf die Erstreckung der Ausreisefrist über den
gesetzlichen Regelrahmen nicht zur faktischen Bewilligungsverflängerung dienen.
Obwohl die betroffene Person die Wegweisung frühzeitig in Betracht ziehen muss,
kann von ihm vor Eintritt der Rechtskraft der Verfügung nicht erwartet werden, dass er
bereits nicht rückgängig zu machende organisatorische Vorkehren trifft. Ab dem
Zeitpunkt, in dem er von der Rechtskraft des Wegweisungsentscheid Kenntnis erhalten
hat, muss er jedoch die notwendigen Anstrengungen auf sich nehmen und kann nicht
tatenlos eine Fristansetzung abwarten (vgl. BGer 2C_631/2018 vom 4. April 2019
E. 6.3; 2C_634/2018 vom 5. Februar 2019 E. 8.3; 2C_815/2018 vom 24. April 2019
E. 5).
Die allgemeine Lebenserfahrung legt nahe, dass eine geordnete Beendigung des
Aufenthalts in einem Fall wie jenem der Beschwerdeführer mehr als einen Monat
beansprucht. Dies ergibt sich mit Blick auf den langen rechtmässigen Voraufenthalt
und die mittlerweile während mehrerer Jahre geduldete Anwesenheit während der
Gesuchsverfahren. Die Frist von dreissig Tagen war unverhältnismässig knapp
bemessen. Es rechtfertigt sich, diese Frist stattdessen auf drei Monate ab Rechtskraft
der Verfügungen des Migrationsamtes vom 10. Januar 2019 anzusetzen.
6.
Die Beschwerdeführer rügen, das Honorar der "konsekutiv aufeinanderfolgenden
Rechtsvertreter" sei im Rekursverfahren für diese zu Unrecht gemeinsam und pauschal
berechnet worden. Die Vorinstanz hätte die beiden Rechtsvertreter separat beurteilen
müssen. Ferner sei unverständlich, weshalb der Aufwand mittels Pauschale
entschädigt worden sei. Sie hätten es – entgegen der Vorinstanz – nicht verpasst, ihre
Honorarnoten einzureichen. Es sei ihnen nicht bekannt gewesen, dass das Verfahren
vor dem Abschluss stehe, geschweige denn seien sie aufgefordert worden, die
Honorarnoten einzureichen. Die Pauschalentschädigung sei unrechtmässig. Im Übrigen
sei sie mit je CHF 600 zu tief ausgefallen. Bei einem mittleren Honorar von CHF 250 /
Stunde entspreche dies einem Aufwand von vier (recte: ca. fünf) Stunden, wobei nicht
6.1.
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davon ausgegangen werden dürfe, es sei kein Aufwand für die (kanzleiinterne)
Fallübernahme angefallen. Ferner zeige die Entschädigung mit je CHF 600, dass die
Honorare jeweils je am unteren Ende der Bandbreite angesiedelt worden seien, was
der Komplexität des Falles nicht gerecht werde. So sei lediglich ca. 50 Prozent des
tatsächlichen Aufwandes (bei einem reduzierten Honorar von CHF 200 / Stunde)
entschädigt worden.
6.2.
Den Behörden kommt bei der Verlegung und Bemessung von amtlichen und
ausseramtlichen Kosten ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Die
Ermessenskontrolle ist dem Verwaltungsgericht im Beschwerdeverfahren bekanntlich
verwehrt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP, vgl. VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 E.
2.2, siehe auch VerwGE B 2014/70 vom 27. November 2015 E. 2.4,
www.gerichte.sg.ch). Das Verwaltungsgericht ist daher nur zur Rechtskontrolle befugt
und kann einen Kostenspruch der Vorinstanz nur aufheben, wenn er auf einer Über-
oder Unterschreitung bzw. einem Missbrauch des Ermessens beruht (vgl. auch Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 848).
6.2.1.
Die Höhe der ausseramtlichen Entschädigung im Verwaltungs- und
Verwaltungsrechtpflegeverfahren bestimmt sich in erster Linie nach der Pauschale
gemäss Art. 22 der Honorarordnung (sGS 963.75, HonO) in Verbindung mit Art. 19
HonO. Zu prüfen bleibt damit vorliegend, ob die von der Vorinstanz zugesprochene
ausseramtliche Parteientschädigung in der Höhe von CHF 1'200 auf einem
Ermessensfehler beruht. Die Vorinstanz setzte die Höhe der ausseramtlichen
Entschädigung ermessensweise fest, woran auch die Einreichung einer Kostennote
nichts geändert hätte (vgl. E. 6.2.5 hiernach). Zur Einreichung besteht denn auch keine
Pflicht, und der berufsmässige Vertreter muss sein Entschädigungsbegehren auch
nicht näher substantiieren (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 208). Ebenso wenig muss ihn die
Behörde zur Einreichung einer Kostennote auffordern (vgl. VerwGE B 2014/167 vom
27. Oktober 2015 E. 2.1 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Wird auf die Einreichung
einer Kostennote verzichtet, so werden die Parteikosten gestützt auf Art. 6 HonO nach
Ermessen festgesetzt. Nach Art. 22 Abs. 1 lit. a HonO beträgt das Honorar in der
Verwaltungsrechtspflege vor Verwaltungsbehörden pauschal CHF 500 bis CHF 6'000.
Innerhalb dieser Pauschale wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen,
6.2.2.
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namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und
den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO).
Von Vornherein nicht zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu entschädigen ist
der durch den kanzleiinternen Anwaltswechsel verursachte Zusatzaufwand (vgl.
VerwGE B 2014/214 vom 27. November 2015 E. 4.2.2, www.gerichte.sg.ch). Der
Wechsel wurde – nachdem Rechtsanwältin Simone Thöni den Rekurs 15. Januar 2019
erhoben hatte – am 10. April 2019 von Rechtsanwalt Markus J. Meier damit begründet,
die vormalige Vertreterin befinde sich im Mutterschaftsurlaub (vgl. act. 6.1/1 und 6.1/7).
Dass sie ihr Mandat würde übergeben müssen, war Rechtsanwältin Thöni offensichtlich
bereits im Zeitpunkt der Rekurseingabe bekannt. Die Kosten für die Einarbeitung des
Stellvertreters – der im Übrigen auch F._ und S._ vertritt und folglich mit den
konkreten Sachverhalts- und Rechtsfragen bereits vertraut war – können unter diesen
Umständen nicht dem Staat angelastet werden.
6.2.3.
Die Vorinstanz begründete die von ihr zugesprochene ausseramtliche
Parteientschädigung detailliert. Rechtsanwältin Thöni habe die heutigen
Beschwerdeführer bereits seit Dezember 2017 vertreten, namentlich in den
Gesuchsverfahren vor dem Migrationsamt und im letzten Rekursverfahren. Hierfür sei
sie jeweils zufolge unentgeltlicher Rechtspflege entschädigt worden. Dieselben Fragen
hätten sich nun erneut gestellt, und es sei mehrheitlich auf frühere Eingaben verwiesen
worden bzw. seien deren Inhalte wiederholt worden. Die anwaltliche Tätigkeit von
Rechtsanwältin Thöni habe – neben üblichen Mandantenkontakten – im Wesentlichen
das Einreichen der Rekursschriften umfasst, wobei sie auf Inhalte vergangener
Verfahren habe zurückgreifen können. Rechtsanwalt Meier habe in seiner Eingabe vom
29. Mai 2019 lediglich vereinzelte Sachverhaltsergänzungen beigesteuert. Die
Vorinstanz ging in der Folge von einem Pauschalhonorar von CHF 1'500 aus, das sie in
Anwendung von Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) um einen Fünftel
herabsetzte.
6.2.4.
Diese Ausführungen sind nachvollziehbar und offensichtlich nicht rechtsfehlerhaft. Der
vom Rechtsvertreter betriebene Aufwand, wie er in der Honorarnote zum Ausdruck
kommt, stellt bei der Festlegung des Pauschalhonorars lediglich eines von
verschiedenen Bemessungskriterien dar (GVP 2015 Nr. 68 E. 4.2.1; VerwGE B 2018/75
vom 21. März 2018 E. 4.6 und B 2016/38 vom 12. März 2018 E. 8.3,
6.2.5.
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7.
Dem Verfahrensausgang entsprechend – die geringfügige Ausdehnung der
Ausreisefrist bleibt ohne entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis – haben die
Beschwerdeführer die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 95
Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die Kosten gehen infolge der Bewilligung des
Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege zulasten des Staates (act. 4; Art. 99 Abs. 2
VRP in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen Zivilprozessordnung,
SR 272, ZPO). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Wird vor Verwaltungsgericht die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt (vgl.
Art. 99 Abs. 1 VRP), wird das Honorar um einen Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3
AnwG). Es beträgt vor Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'500 bis 15'000 (Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO). Innerhalb dieser Pauschale wird
das Grundhonorar nach den besonderen Umständen bemessen (vgl. wiederum Art. 19
HonO). Die gerichtlich festgesetzte Entschädigung gilt auch im Verhältnis zwischen
dem Rechtsvertreter und den Beschwerdeführern (Art. 11 HonO). Der Rechtsvertreter
hat auf der Grundlage eines Zeitaufwandes von 10.15 Stunden zu je CHF 200 (vgl. Art.
31 Abs. 3 AnwG) eine Kostennote über CHF 2'251.90 (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) eingereicht. Eine derartige Entschädigung ist für das
Beschwerdeverfahren praxisgemäss angezeigt. Dementsprechend ist der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführer für das Beschwerdeverfahren ausseramtlich mit
CHF 2'251.90 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer; der Antrag gemäss Art. 29 HonO
findet sich in act. 1 S. 2 Ziff. 7) zu entschädigen.
Die Beschwerdeführer sind zur Nachzahlung der Kosten aus unentgeltlicher
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung an den Staat verpflichtet, sobald sie dazu in
der Lage sind (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 123 ZPO).
www.gerichte.sg.ch). Zu berücksichtigen sind innerhalb des gesetzten Rahmens nach
Art. 22 Abs. 1 lit. a HonO auch die Kriterien von Art. 19 HonO. Unbeachtlich ist – wie
bereits dargelegt – der Aufwand von Rechtsanwalt Meier für die interne
Mandatsübernahme. Inwiefern allein seine zweiseitige Eingabe vom 29. Mai 2019 einen
Aufwand von 6.6 Stunden bzw. CHF 1'340 (zusätzlich zum von Rechtsanwältin Thöni
ausgewiesenen Aufwand von 6.1 Stunden bzw. CHF 1'220) verursacht haben soll, ist
nicht nachvollziehbar. Selbst wenn der Vorinstanz die erst im Beschwerdeverfahren
eingereichten Kostennoten (über insgesamt CHF 2'653.40 netto inkl. Barauslagen,
act. 2/3 und 2/4) bekannt gewesen wären, könnte ihr daher kein Ermessensmissbrauch
vorgeworfen werden.
bis
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