Decision ID: e56400ed-d152-4ef0-9d22-7a219b74b880
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, hatte ab dem
1.
b
eziehungsweise
4.
Mai 2015 bei der
Y._
AG eine Vollzeitstelle als Projektleiter und Projektkoordi
nator inne.
Diese Stelle wurde ihm am 1
5.
September 2016 per 3
0.
November 2016 gekündigt (
Urk.
7/3)
, wobei er a
b dem
3.
O
ktober 2016
krankgeschrieben
war
(
Urk.
7/3 Arbeitgeberbescheinigung S. 2
Ziff.
18,
Urk.
8/C S. 5 ff.).
1.2
Der Versicherte meldete sich am 2
7.
Juni 2017 beim Regionalen Arbeitsver
mittlungszentrum (RAV) Thalwil zur Arbeitsvermittlung ab dem 2
7.
Juni 2017 an (
Urk.
7/1
, vgl. auch
Urk.
7/4
)
und beantragte ab demselben Tag Arbeitslosenent
schädigung (Urk. 7/2)
.
1.3
Mit Verfügung vom
6.
Juni 2018 hielt die
Unia
Arbeitslosenkasse (nachfolgend
Unia
) fest, der Versicherte habe während der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 2
7.
Juni 2017 bis 2
6.
Juni 2019 einen Höchstanspruch von 260 Taggeldern
aufgrund einer Beitragszeit von 16.093 Monaten
(
Urk.
8/B)
.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am
9.
Juli 2018 Einsprache und machte
im Wesentlichen
geltend, es sei
eine Anstellung vom
1.
Mai 2015
bis 2
8.
Februar 2018
zu berücksichtigen und es sei
en
die
Taggelder von
260 auf 400 zu erhöhen
, gegebenenfalls sei nach Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils des Arbeitsgerichts Bülach die Beitragszeit von insgesamt 23 Monaten anzuerkennen und der Bezug auf 520 Taggelder zu erhöhen
(
Urk.
8/C).
1.4
Mit Entscheid vom 2
1.
August 2018 sistierte die
Unia
das
Einspracheverfahren
bis zum rechtskräftigen Entscheid des Verfahrens, welches in Bezug auf die arbeitsrechtliche Streitigkeit
mit der
ehemalige
n
Arbeitgeberin
eröffnet worden
war
(
Urk.
8/G).
Mit am 1
1.
Dezember 2020 vor dem Bezirksgericht Bülach geschl
ossener
Verein
barung hielten der Versicherte sowie
seine ehemalige Arbeitgeberin,
die
Y._
AG
,
fest, dass der Versicherte vom
1.
Mai 2015 bis zum 2
8.
Februar 2017 bei der
Y._
AG angestellt
gewesen
war (
Urk.
8/J S. 7 ff.).
1.5
Mit
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Dezember 2020 hob die
Unia
die Sistierung des Verfahrens auf und hiess die Einsprache des Versicherten vom
9.
Juli 2018 gut, indem sie die Verfügung vom
6.
Juni 2018 aufhob und
dem Versicherten
während der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 2
7.
Juni 2017 bis 2
6.
Juni 2019 einen Höchstanspruch von 400 T
aggeldern zusprach (
Urk.
8/K =
Urk.
2
Ziff.
4
).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2
2.
Dezember 2020
erhob
der Versicherte am 2
5.
Januar 2021
Beschwerde und beantragte
,
es sei die in
Ziff.
4 des Entscheids für die Beitragszeit massgebende Rahmenfrist vom 1
4.
April 2017, spätestens aber vom 3
0.
April 2015 bis 3
0.
April 2017 zu berücksichtigen und es sei der Höchstanspruch der Taggelder gemäss
Ziff.
4 des Entscheids aufgrund der Anstellung bei der
Y._
AG vom
1.
Mai 2015 bis 2
8.
Februar 2017
,
der Beitragszeit von insgesamt 22 Monaten und des zurückgelegten 5
5.
Altersjahres von derzeit 400 auf 520 Taggelder zu erhöhen und anzuerkennen. Es seien im Rahmen der Bezugsdauer bereits ab 1
5.
April 2017 beziehungsweise ab dem 3
0.
April 2017 die Taggelder für die Zeit vom 1
5.
April 2017 bis 2
6.
Juni 2017 nachzuzahlen und die bezogenen Taggelder mit den dazumal eventuell durch die Krankentaggeldversicherung entrichteten Krankentaggelder direkt zu verrechnen (
Urk.
1 S. 2).
Die
Unia
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Februar 2021 die Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
6). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 2
3.
Februar 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
9
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
gelten - soweit das Gesetz nichts
anderes
vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zwei
jährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (
Art.
9
Abs.
2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (
Art.
9
Abs.
3 AVIG).
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenent
schädigung besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche Anspruchsvorausset
zungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
1
.2
Die Anspruchsvoraussetzungen werden in Art. 8 Abs. 1 AVIG aufgezählt. Die versicherte Person hat
unter anderem dann
Anspruch auf Arbeitslosenentschädi
gung, wenn sie
gemäss
lit
.
e. die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14 AVIG) und
gemäss
lit
.
g. die Kontroll
vorschriften erfüllt (Art. 17 AVIG).
Des Weiteren muss sich die versicherte Person nach Art. 17 Abs. 2 AVIG
(in der hier anwendbaren, bis am 3
0.
Juni 2021 in Kraft gewesenen Fassung)
möglichst frühzeitig, spätestens jedoch am ersten Tag, für den sie Arbeitslosenentschädi
gung beansprucht, persönlich bei ihrer Wohngemeinde oder der vom Kanton bestimmten zuständigen Amtsstelle zur Arbeitsvermittlung melden und von da an die Kontrollvorschriften des Bundesrates befolgen.
Sodann
bestimmt
Art. 10 Abs. 3 AVIG
(in der hier anwendbaren, bis am 30. Juni 2021 in Kraft gewesenen Fassung)
, dass die arbeitsuchende Person erst dann als ganz oder teilweise
arbeitslos gilt, wenn sie sich
beim Arbeitsamt ihres Wohnorts
zur Arbeitsvermittlung angemeldet hat.
1.
3
Gemäss
Art.
27
Abs.
1 AVIG bestimmt sich die Höchstzahl der Taggelder i
nner
halb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug (
Art.
9
Abs.
2) nach dem Alter der Versicherten sowie nach der Beitragszeit (
Art.
9
Abs.
3).
Nach
Art.
27
Abs.
2 AVIG hat die
versicherte Person Anspruch auf:
a.
höchstens 260 Taggelder, wenn sie eine Beitragszeit von insgesamt
12
Monaten nachweisen kann;
b.
höchstens 400 Taggelder, wenn sie eine Beitragszeit von insgesamt
18
Monaten nachweisen kann;
c.
höchstens 520 Taggelder, wenn sie eine Beitragszeit von mindestens
22
Monaten nachweisen kann und
unter anderem das
5
5.
Altersjahr zurück
gelegt hat.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid damit (
Urk.
2),
in der
Verfügung des Bezirksgerichts Bülach vom 1
1.
Dezember 2020 betreffend die arbeitsrechtliche Forderung, welche die Abschreibung des Verfahrens durch Vergleich beinhalte,
sei
festgehalten worden, dass der Beschwerdeführer vom
1.
Mai 2015 bis 2
8.
Februar 2017 angestellt gewesen sei. Fest stehe weiter, dass sich der Beschwerdeführer am 2
7.
Juni 2017 zur A
rbeitsvermittlung und zum Leistungsbezug an
gemeldet habe
. Eine frühere Anmeldung beim zuständigen RAV sei entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers nicht aktenkundig
und habe von diesem auch nicht nachgewiesen werden können.
Aufgrund der Verfügung des Bezirksgerichts Bülach sei während der für die Beitragszeit mass
gebenden Rahmenfrist vom 2
7.
Juni 2015 bis 2
6.
Juni 2017
eine Beitragszeit von 20.093 Monaten (2
7.
Juni 2015 bis 2
8.
Februar 2017)
anzurechnen
.
Selbst
wenn das Arbeitsverhältnis bei der
Y._
AG am
1.
Mai 2015 angetreten worden sei,
könne
nur die in der Rahmenfrist für die Beitragszeit zurückgelegte Besc
h
äf
tigungszeit berücksichtigt werden.
Zusammenfassend ergebe sich, dass eine Beitragszeit von 20.093 Monaten nachgewiesen sei und der Höchstanspruch 400 Taggelder betrage
(S. 3)
.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend (
Urk.
1),
er habe sich während seiner krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit
A
nfang April 2017 tele
fonisch beim RAV über die Anmeldung während einer Krankheit erkundigt. Man habe ihm mitgeteilt, er könne sich nicht anmelden, solange er arbeitsunfähig und somit nicht vermittlungsfähig sei.
Es könne ihm nicht angelastet werden, wenn er sich so verhalte, wie man es ihm beim RAV mitgeteilt habe.
Er habe die Anspruchsvoraussetzungen für die Beitragszeit erfüllt. Die zweijährige Rahmen
frist
für den Leistungsbezug beginne somit nicht erst am 2
7.
Juni 2015, sondern sei auf den 1
4.
April 2015 festzulegen.
Dieser Umstand berechtige ihn zum Bezug von Taggeldleistungen ab dem 1
4.
April 201
7.
2.3
Strittig und zu prüfen ist vorliegend die Berechnung der Rahmenfristen für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit und somit
die Dauer beziehungsweise der Beginn des Leistungsbezugs.
3.
3.1
Au
fgrund der
Akten
ist belegt
, dass sich der Beschwerdeführer
am 2
7.
Juni 2017 beim RAV zur Arbeitsvermittlung und zum Leistungsbezug anmeldete (
Urk.
7/1
-2)
, nachdem ihm die Stelle bei der
Y._
AG per 3
0.
November 2016 gekün
digt worden war (
Urk.
7/3).
Gemäss
dem
Vergleich
des Bezirksgerichts Bülach
vom 1
1.
Dezember 2020 hiel
ten die Parteien
unter anderem
fest, dass der Beschwerdeführer vom
1.
Mai 2015 bis zum 2
8.
Februar 2017 bei der
Y._
AG angestellt war (vgl.
Urk.
8/J).
Gestützt
dar
auf
setzte die Beschwerdegegnerin mit Entscheid vom 2
2.
Dezember 2020 während der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 2
7.
Juni 2017 bis 2
6.
Juni 2019 einen Höchstanspruch von 400 Taggeldern aufgrund einer Beitragszeit von 20.093 Monaten (2
7.
Juni 2015 bis 2
8.
Februar 2017) fest
(
Urk.
8/K =
Urk.
2)
, was
mit Blick auf
Art.
27
Abs.
2
lit
. b AVIG
nicht zu bean
standen ist und auch vom
Beschwerdeführer nicht in Abrede
ge
stellt
wurde
.
3.
2
Für die Annahme eines Beginns der
Rahmenfrist für die Beitragszeit
am 1
4.
April 2017
,
wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht,
gibt es
keine Veranlassung
.
Nach Art. 17 Abs. 2 AVIG und Art. 19 Abs. 1 AVIV
(in der
hier anwendbaren, bis am 3
0.
Juni 2021
gültig
gewesen
en Fassung)
muss
te
die Anmeldung beim RAV persönlich erfolgen; es
war also
eine persönliche Vorsprache erforderlich, und eine Kontaktnahme per Telefon oder E-Mail genügt
e
nicht.
Der
Beschwerdeführer bestritt nicht, dass
er sich am 2
7.
Juni 2017
persönlich
zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung angemeldet hatte, und stellte dement
sprechend das vermerkte Anmeldedatum in der Bestätigung vom gleichen Tag (
Urk.
7/1)
auch
nicht in Frage.
Damit war die Anspruchsvoraussetzung der erfüll
ten Kontrollvorschriften nach Art. 17
Abs.
2 AVIG
in Verbindung mit Art. 8 Abs. 1
lit
. g AVIG am 27.
Juni
201
7
gegeben (vgl. auch Art. 10 Abs. 3 AVIG), und
erst an diesem Datum konnte dem Beschwerdeführer
bei Vorliegen der übri
gen Anspruchsvoraussetzungen eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug nach Art. 9 Abs. 2 AVIG eröffnet werden.
Aus seinen Ausführungen, wonach er sich bereits
A
nfang April 2017 telefonisch beim RAV erkundigt habe
, kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten.
Der Nachweis einer Parteihandlung im Verwaltungsverfahren obliegt grundsätz
lich der Partei, welche diese Handlung vorzunehmen hat (BGE 103 V 66 E. 2a, Urteil des Bundesgerichts 9C_171/2007 vom 24. Juli 2007 E. 3).
Im Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b).
Somit muss der Beschwerdeführer den Beweis für einen früheren Beginn der Rahmenfrist für die Beitragszeit erbringen,
namentlich eine frühere
persön
liche Anmeldung beim RAV,
und trägt die Folgen der Beweislosigkeit
,
wenn die Beschwerdegegnerin eine solche bestreitet.
Aufgrund der Akten ist eine
frühere Anmeldung beim RAV
vorliegend nicht ersichtlich
und der Beschwerdeführer vermag denn eine solche auch nicht nachzuweisen.
3.3
Der Beschwerdeführer beruft sich sinngemäss auf den
in
Art.
9 der Bundes
verfassung verankerten
Vertrauensschutz, d
a er sich infolg
e
e
iner angeblich
en
Auskunft des RAV
im Zusammenhang mit seiner Krankheit
nicht bereits Anfang April 2017
zur Arbeitsvermittlung
angemeldet habe.
Rechtsprechungsgemäss kann eine vom Gesetz abweichende Behandlung eines Rechtsuchenden als Folge des Vertrauensschutzes nur in Betracht fallen, wenn die Voraussetzungen des Vertrauensschutzes klar und eindeutig erfüllt sind. In Bezug auf mündliche und namentlich telefonische Zusicherungen und Auskünfte hat die Rechtsprechung erkannt, dass die blosse, unbelegte Behauptung einer telefonischen Auskunft oder Zusage nicht genügt, um einen Anspruch aus dem Grundsatz des Vertrauensschutzes zu begründen. Praxisgemäss ist eine nicht schriftlich belegte telefonische Auskunft zum Beweis von vornherein kaum geeignet (BGE
143 V 341
E. 5.3.1).
Ob das behauptete Telefongespräch mit dem RAV im April
2017 stattgefunden hat, ist aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers unklar. Er
vermochte
nicht dar
zu
tun, wann genau er die Auskunft eingeholt hat
,
und
er hat nicht aus
geführt,
welches
seine
genaue Fragestellung
war
. Die telefonische Auskunft
ist sodann
in den Akten nicht dokumentiert.
In Anbetracht der
weder hinreichend noch glaubhaft dargetanen, geschweige denn nachgewiesenen Auskunft
bleibt dem Beschwerdeführer
eine erfolgreiche Berufung auf den Vertrauensschutz
verwehrt
.
Mangels näherer Angaben zu dieser angeblichen Erkundigung, welche mehrere Jahre zurückliegt, können dazu auch keine weiteren Beweise, etwa eine Zeugenbefragung, erhoben werden.
3.4
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin die Rahmenfrist für die Beitragszeit aufgrund der Anmeldung des Beschwerdeführers beim RAV vom 2
7.
Juni 2017
(
Urk.
7/1)
zu Recht vom 2
7.
Juni 2015 bis 2
6.
Juni 2017 festgelegt und
entsprechend die Beschäftigungszeit vom 2
7.
Juni 2015 bis 2
8.
Februar 2017
(20.093 Monate)
berücksichtigt hat
, was einen Höchstanspruch von 400 Tag
geldern ergibt
.
Der
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Dezember 2020 ist somit zu bestätigen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.