Decision ID: 981acebb-6852-5e9b-9c39-931fe9efb12e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
gegen
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Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
M._ meldete sich am 28. Februar 2003 zum Bezug von IV-Leistungen (berufliche
Eingliederungsmassnahmen) an. Am 9. Juni/11. November 2005 sprach ihm die IV-
Stelle während einer vom 8. August 2005 bis 6. November 2006 dauernden beruflichen
Eingliederungsmassnahme Taggeldleistungen zu. Am 15. Januar, 14. Juni und
17. September 2007 folgten Taggeldverfügungen für eine vom 13. Dezember 2006 bis
16. Dezember 2007 dauernde berufliche Eingliederungsmassnahme. Die berufliche
Eingliederung des Versicherten scheiterte anscheinend, denn mit einer Verfügung vom
18. Dezember 2008 sprach die IV-Stelle ihm rückwirkend ab März 2002 eine ganze
Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 100% zu. Zwischen dem 1. September
2005 und dem 31. Oktober 2006 und zwischen dem 1. Januar und dem 30. November
2007 bestand gemäss der Verfügungsbegründung kein Rentenanspruch, weil der
Versicherte in dieser Zeit berufliche Eingliederungsmassnahmen absolviert hatte. Die
IV-Stelle hatte dem Versicherten gestützt auf den – aufgrund einer entsprechenden
intertemporalrechtliche Lösung noch anwendbaren – Art. 48 Abs. 2 Satz 1 IVG für die
zwölf der IV-Anmeldung vorangehenden Monate eine Rente zugesprochen. Die EL-
Durchführungsstelle sprach dem Versicherten am 4. und 10. Mai 2007 für die Zeit ab
Dezember 2006 Ergänzungsleistungen zum IV-Taggeld zu. Die Anspruchsberechtigung
endete wegen des Abbruchs der beruflichen Eingliederungsmassnahme im November
2007 am 30. dieses Monats. Mit einer Verfügung vom 8. Januar 2008 stellte die EL-
Durchführungsstelle die Ausrichtung der Ergänzungsleistung per 30. November 2007
ein. Gleichzeitig forderte sie die für Dezember 2007 bereits ausbezahlte
Ergänzungsleistung zurück.
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B.
Am 21. Dezember 2008 meldete sich der Versicherte zum Bezug einer
Ergänzungsleistung an. Er gab an, er wohne in Miete. Er habe eine Mitbewohnerin,
nämlich seine Mutter. Schulden habe er keine. Mieterin der Wohnung war die Mutter
allein. Der Bruttomietzins belief sich gemäss einem aktuellen Zahlungsauftrag auf Fr.
1596.-. Der Versicherte gab an, er bezahle die Hälfte dieses Mietzinses. Gemäss dem
Wertschriftenverzeichnis zur Steuerveranlagung 2007 bestand das Vermögen aus den
beiden PostFinance-Konti X._ und Y._. Der Saldo des erstgenannten Kontos hatte
sich am 31. Dezember 2008 auf Fr 21.05 belaufen, derjenige des zweiten Kontos
ebenfalls per 31. Dezember 2008 auf Fr. 74'114.65. Dazu führte der Versicherte am 12.
Januar 2009 aus, kurz vor Ende des Jahres 2008 habe er von der IV-Stelle eine
Rentennachzahlung von etwa Fr. 68'000.- erhalten. Am 1./5. Januar 2009 habe er
seiner Mutter Fr. 60'000.- zurückbezahlt. Das sei eine Entschädigung dafür gewesen,
dass sie zwischen März 2002 und Dezember 2008 seine Lebenshaltungskosten
übernommen und damit die Invalidenrente bevorschusst habe. Am 4. Februar 2009
forderte die EL-Durchführungsstelle sämtliche Steuerveranlagungen,
Wertschriftenverzeichnisse, Mietverträge und Mietvertragsänderungen an. Ausserdem
wollte sie vom Versicherten wissen, ob seit dem 1. Januar 2002 immer nur zwei
Personen im Haushalt gewohnt hätten und ob er Taggelder der
Arbeitslosenversicherung bezogen habe. Die angeforderten Unterlagen gingen am 26.
Februar 2009 bei der EL-Durchführungsstelle ein. Gemäss einer Telephonnotiz vom 5.
März 2009 war der Versicherte vom Sozialamt A._ nie bevorschusst worden und er
erhielt auch aktuell keine Leistungen. Mit einer Verfügung vom 12. März 2009 sprach
die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit Wirkung ab Januar 2009 eine
Ergänzungsleistung zu. Bei der Anspruchsberechnung hatte sie auf der Ausgabenseite
neben der Pauschale für die Krankenkassenprämie und der Pauschale für den
Lebensbedarf eines Alleinstehenden die Hälfte des Bruttomietzinses von Fr. 1596.-
monatlich, also Fr. 9576.- pro Jahr berücksichtigt. Diesen Ausgaben hatte sie neben
der Invalidenrente und dem effektiven Vermögensertrag einen Vermögensverzehr von
Fr. 3276.- (1/15 von Fr. 74'153.- nach Abzug des Freibetrages von Fr. 25'000.-)
gegenübergestellt. Der Ausgabenüberschuss entsprach einer monatlichen
Ergänzungsleistung von Fr. 840.-.
C.
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Der Versicherte erhob am 17. März 2009 Einsprache gegen diese Verfügung. Er machte
geltend, die Anrechnung der Rentennachzahlung sei nicht zulässig, da er seiner Mutter
Fr. 60'000.- für den Zeitraum März 2002 bis Dezember 2008 überwiesen habe. Die
Mutter habe ihn finanziell unterstützt, indem sie seinen Lebensunterhalt übernommen
habe, soweit sein Einkommen dazu nicht ausgereicht habe. Sie habe denselben
Erstattungsanspruch wie das Sozialamt, wenn dieses Leistungen erbracht hätte. Da
sich der Betrag ihrer Unterstützungsleistungen nicht mehr genau eruieren lasse, sei es
logisch, ihr die gesamte Rentennachzahlung zu erstatten. Den über Fr. 60'000.-
hinausgehenden Betrag habe er vorerst für sich behalten, bis er die volle
Ergänzungsleistung erhalte. Angesichts der kleinen von 2002 bis 2008 erzielten
Einkommen sei es gar nicht möglich gewesen, ein Vermögen von Fr. 74'000.-
anzusparen, ohne dass jemand anderes einen beträchtlichen Teil der
Lebenshaltungskosten übernommen hätte. Der Versicherte rügte ausserdem, dass die
Nebenkosten der Wohnung nicht berücksichtigt worden seien. Schliesslich verlangte er
die sofortige Zusprache der Ergänzungsleistung auch für die vor dem 1. Januar 2009
liegende Zeit.
D.
Bereits am 6. März 2009 hatte der Versicherte die EL-Durchführungsstelle ersucht,
auch die rückwirkende Ergänzungsleistung auszuzahlen, da nur ein Zeitraum betroffen
sei, der im IV-Beschwerdeverfahren nicht strittig sei. Die EL-Durchführungsstelle kam
dieser Aufforderung nach. Sie ermittelte einen EL-Anspruch ab 1. März 2003. Dabei
berücksichtigte sie auf der Ausgabenseite wieder die Hälfte des jeweiligen
Bruttomietzinses. Mit einer Verfügung vom 21. Mai 2009 sprach sie dem Versicherten
für März 2003 bis und mit August 2005, für November/Dezember 2006 und für
Dezember 2007 bis Dezember 2008 Ergänzungsleistungen zu. Die Nachzahlung von Fr.
47'776.- beinhaltete ausserordentliche Ergänzungsleistungen von Fr. 3190.-. Von der
gesamten Nachzahlung zog die EL-Durchführungsstelle zuviel geleistete individuelle
Prämienverbilligungen von Fr. 80.40 und von Dezember 2006 bis November 2007
bereits ausgerichtete Ergänzungsleistungen von Fr. 3005.- ab.
E.
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Auch gegen diese Verfügung erhob der Versicherte Einsprache. Er machte am 3. Juni
2009 geltend, erneut seien die Mietnebenkosten nicht berücksichtigt worden. Im
Ausmass der nachträglich noch anzurechnenden Nebenkosten seien ihm
Ergänzungsleistungen nachzuzahlen. Ausserdem sei die Ergänzungsleistung
rückwirkend ab März 2002 auszurichten, denn der Rentenanspruch sei am 1. März
2002 entstanden. Damit die Ergänzungsleistung ihren Zweck, den Existenzbedarf zu
sichern, erfüllen könne, müsse sie auch für die zwölf der IV-Anmeldung vorangehenden
Monate ausgerichtet werden. Im IV-Beschwerdeverfahren stehe ein früherer
Rentenbeginn zur Diskussion. Falls dort der Rentenbeginn weiter in die Vergangenheit
verschoben werde, sei auch der Anspruchsbeginn für die Ergänzungsleistung neu
festzusetzen und die entsprechenden Ergänzungsleistungen seien nachzuzahlen.
F.
Die EL-Durchführungsstelle wies am 24. Juli 2009 beide Einsprachen ab. Sie
begründete diesen Entscheid damit, dass gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG weder eine
Nach- noch eine Rückzahlung von Mietnebenkosten berücksichtigt werde. Deshalb
könnten dem Versicherten keine Nebenkosten aus der Schlussabrechnung des
Vermieters vergütet werden. Laut Art. 22 Abs. 1 ELV entstehe der Anspruch mit dem
Monat der Anmeldung für eine Rente. Der Versicherte habe die Frage nach allfälligen
Schulden im Anmeldeformular verneint. Er habe keine Unterlagen eingereicht, welche
die Rückzahlung eines Darlehens belegen könnten. Die Rentennachzahlung sei deshalb
zu Recht als Vermögen angerechnet worden.
G.
Der Versicherte erhob am 30. Juli 2009 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid. Er reichte einen Kontoauszug ein, um zu belegen, dass er seiner
Mutter Fr. 60'000.- überwiesen hatte. Dazu führte er aus, dieser Betrag könne nicht als
Vermögen angerechnet werden, weil er sich nicht mehr in seinem Besitz befinde. Da er
mit dieser Zahlung eine rechtliche Verpflichtung erfüllt habe, könne auch nicht von
einem Vermögensverzicht ausgegangen werden. Die Überweisung sei anfangs Januar
2009 erfolgt, also bevor die EL-Durchführungsstelle die IV-Nachzahlung als Teil des
Vermögens deklariert habe. Er habe den im Anmeldeformular verwendeten Begriff der
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'Schulden' nicht auf den Anspruch seiner Mutter bezogen. Im übrigen sei die
Überweisung zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgt gewesen. Er sei nach wie vor der
Auffassung, dass die Hälfte der Mietnebenkosten erstattet werden müsse. Der EL-
Anspruch bestehe ab dem Rentenbeginn und nicht ab dem Monat der IV-Anmeldung.
H.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 20. August 2009 die Abweisung der
Beschwerde. Sie machte sinngemäss geltend, es sei nicht nachgewiesen, dass die
Rückzahlung vereinbart gewesen sei, und es sei auch nicht nachgewiesen, dass die
angeblich entgeltliche Unterstützung dem Betrag von Fr. 60'000.- entsprochen habe.
Es gehe nicht an, eine ursprünglich unentgeltliche Unterstützung in eine entgeltliche
umzuwandeln, um mehr Ergänzungsleistungen beantragen zu können.
I.
Der Versicherte wandte in seiner Replik vom 26. August 2009 ein, er habe die im
Anmeldeformular gestellte Frage nach Schulden so verstanden, dass er keine
klassischen Schulden habe. Bei der Überweisung an seine Mutter habe es sich gar
nicht um eine Rückzahlung von Schulden, sondern um die Weiterreichung einer
Nachzahlung an die Person, der sie zustehe, gehandelt. Die Überweisung sei nicht
Jahre im Voraus vereinbart worden, da es sich erst vergleichsweise spät herausgestellt
habe, dass der Invaliditätsgrad ein rentenbegründendes Ausmass aufweise. Die IV-
Anmeldung sei mit dem Ziel erfolgt, ein Arbeitstraining zu erhalten. Deshalb wäre es
seltsam gewesen, bereits damals die Überweisung später nachbezahlter
Rentenleistungen zu vereinbaren. Seine Mutter habe die Lebenskosten übernommen,
ohne wissen zu können, dass die Invalidenversicherung Rentenleistungen erbringen
werde. Im Herbst 2007 sei von der IV-Beraterin erstmals vorgeschlagen worden, eine
Rente zu beantragen. Daraufhin habe er seiner Mutter zugesichert, dass er ihr die
nachbezahlten Rentenleistungen überweisen werde.
J.
Die EL-Durchführungsstelle verzichtete am 20. August 2009 auf eine Duplik.

Erwägungen:
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1.
Gemäss Art. 61 lit. d ATSG ist das Versicherungsgericht nicht an die Begehren der
Parteien gebunden. Es kann eine Verfügung zu Ungunsten der Beschwerde führenden
Person ändern oder dieser mehr zusprechen, als sie verlangt hat. Diese Regelung
schliesst die Existenz eines Rügeprinzips aus. Der Sinn und Zweck des Art. 61 lit. d
ATSG besteht nämlich darin, das materielle Recht ungeachtet der subjektiven
Interessen der Beschwerde führenden Partei durchzusetzen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2.A., N. 89 Zu Art. 61 ATSG). Das Versicherungsgericht ist deshalb nicht
gezwungen, die Beurteilung auf die vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Fragen der
Höhe des anrechenbaren Mietzinses, der Anrechnung eines Vermögens unter
Einschluss der an die Mutter überwiesenen Fr. 60'000.- und des Anspruchsbeginns zu
beschränken. Eine solche Beschränkung wäre mit dem Zweck der erstinstanzlichen
gerichtlichen Beurteilung der Verfügung, nämlich der Durchsetzung des materiellen
Rechts, d.h. der inhaltlich korrekten Entscheidung über das Leistungsgesuch des
Beschwerdeführers, nicht in Übereinstimmung zu bringen. Gegenstand der
gerichtlichen Überprüfung bildet deshalb – ungeachtet des konkreten
Beschwerdebegehrens - immer das zur Diskussion stehende Rechtsverhältnis als
Ganzes. Demnach ist im vorliegenden Fall zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
tatsächlich nur für die Zeit vom 1. März 2003 bis 31. August 2005, für November und
Dezember 2006 und für die Zeit ab Dezember 2007 einen Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung hat. Die IV-Stelle hat die Rentenzusprache auf die genannten
Perioden beschränkt, weil der Beschwerdeführer vom 8. August 2005 bis 6. November
2006 und vom 13. Dezember 2006 bis 16. Dezember 2007 IV-Taggelder bezogen hat.
Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. c ELG hat auch derjenige einen Anspruch auf
Ergänzungsleistungen, der während mindestens sechs Monaten ein IV-Taggeld
bezieht. Der Beschwerdeführer hat sowohl 2005/6 als auch 2006/7 während mehr als
sechs Monaten ein Taggeld erhalten. Er hat deshalb durchgehend einen Anspruch auf
Ergänzungsleistungen. Der angefochtene Einspracheentscheid ist somit aufzuheben
und die Sache ist zur Ermittlung und Ausrichtung der Ergänzungsleistungen auch
während der Phasen des Taggeldbezugs an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
2.
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Laut Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG sind der Wohnungsmietzins und die damit
zusammenhängenden Nebenkosten als Ausgaben anerkannt. Erstellt der Vermieter
eine Schlussabrechnung für die Nebenkosten, so ist weder eine Nach- noch eine
Rückzahlung zu berücksichtigen. Leben Personen in der Wohnung, die nicht in die
Anspruchsberechnung eingeschlossen sind, so ist ihr Anteil am Mietzins ausser
Betracht zu lassen. Die Aufteilung erfolgt zu gleichen Teilen (Art. 16c ELV). Der
Bruttomietzins, also der Mietzins unter Einbezug der Mietnebenkosten, hat gemäss der
Änderungsmitteilung vom 22. November 2004 bis März 2004 Fr. 1496.- und ab 1. April
2004 Fr. 1516.- betragen. Gemäss der Änderungsmitteilung vom 7. Dezember 2005 ist
der Bruttomietzins ab 1. April 2006 auf Fr. 1596.- angestiegen. Der Beschwerdeführer
hat bei der Anmeldung nach wie vor einen Mietzins von Fr. 1596.- angegeben. Die
Beschwerdegegnerin hat für die Zeit ab dem von ihr angenommenen Anspruchsbeginn
die Hälfte des jeweils zu entrichtenden Bruttomietzinses angerechnet, weil der
Beschwerdeführer die Wohnung mit seiner Mutter geteilt hat. Die Mietnebenkosten
sind also immer als Ausgaben berücksichtigt worden. Würde die Hälfte der gemäss der
Schlussabrechnung des Vermieters vom 21. August 2008 effektiv zu bezahlenden
Nebenkosten von Fr. 3384.45 ebenfalls angerechnet, käme es also zu einer doppelten
Berücksichtigung dieser Ausgabenposition, so dass die Ergänzungsleistung zu hoch
ausfiele. In bezug auf die Mietzinsausgaben erweist sich die Anspruchsberechnung
durchgehend als korrekt.
3.
3.1 Gemäss dem am 31. Dezember 2008 erstellte Zinsabschluss für das Konto Nr.
Y._ belief sich der Kontostand an diesem Tag auf Fr. 74'114.65. Erst am 6. Januar
2009 ist die Überweisung von Fr. 60'000.- an die Mutter des Beschwerdeführers
erfolgt. Gemäss Art. 23 Abs. 1 ELV ist das am 1. Januar des Bezugsjahres vorhandene
Vermögen massgebend. Nun lässt aber auch eine Vermögensverminderung eine
Revision der Ergänzungsleistung zu (Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 25 Abs. 1 lit. c
ELV). Hätte die Beschwerdegegnerin die Überweisung von Fr. 60'000.- an die Mutter
als revisionsrechtlich relevante Veränderung qualifiziert, hätte sie die
Ergänzungsleistung ab 1. Februar 2009 aufgrund des entsprechend tieferen
Vermögens herabgesetzt. Das ist nicht geschehen, obwohl sich das Vermögen des
Beschwerdeführers effektiv um Fr. 60'000.- vermindert hatte. Dieses Vorgehen kann
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nur so interpretiert werden, dass die Beschwerdegegnerin ab 1. Februar 2009 im
Umfang von Fr. 60'000.- ein hypothetisches Vermögen (Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art.
11 Abs. 1 lit. c ELG) angerechnet hat. Sie ist also davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung
Vermögen auf eine andere Person übertragen habe (vgl. Rechtsprechung des
Bundesgericht zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Ergänzungsleistung zu AHV und IV, 2.A., bearbeitet von Urs Müller, S. 140 N. 451 f.).
Die Beschwerdegegnerin beruft sich dabei implizit auf die bundesgerichtliche Praxis zu
den ohne Entgelt erbrachten Betreuungs- und/oder Pflegeleistungen, die später als
entgeltlich behauptet und durch eine Vermögensübertragung von der betreuten/
gepflegten Person auf die betreuende/pflegende Person abgegolten werden (vgl. das
unveröffentlichte Bundesgerichtsurteil vom 27. Mai 1993 i.S. I.E., P 4/93). In aller Regel
handelt es sich dabei um Sachverhalte, in denen die Betreuungs- und/oder
Pflegeleistungen nach dem übereinstimmenden Willen der Beteiligten unentgeltlich
erbracht worden sind und erst später - als Rechtfertigung für eine gegenleistungslose
und rechtspflichtlose Vermögensübertragung - in nachträglich entgeltliche umgedeutet
werden, um so die Anrechnung eines hypothetischen Vermögens zu verhindern. Die
Beschwerdegegnerin unterstellt also, dass die Mutter des Beschwerdeführers dessen
Lebensunterhalt unentgeltlich finanziert habe und dass keine Vereinbarung bestanden
habe, nach welcher der Beschwerdeführer die Unterhaltsleistungen rückvergüten
würde, falls eine Rentennachzahlung dies ermöglichen sollte. Der Beschwerdeführer
selbst hat darauf hingewiesen, dass es keine explizite Vereinbarung dieses Inhalts
gegeben habe, weil er sich lange gar nicht um Rentenleistungen, sondern nur um
berufliche Eingliederungsmassnahmen beworben habe. Es ist davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer und seine Mutter auch nach dem Wechsel von der beruflichen
Eingliederung zur Prüfung eines rückwirkenden Rentenanspruchs keine explizite
Vereinbarung betreffend die Verwendung einer allfälligen Rentennachzahlung
abgeschlossen haben.
3.2 Daraus darf aber entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht der
Schluss gezogen werden, dass der Beschwerdeführer mit der Überweisung an seine
Mutter auf Fr. 60'000.- verzichtet habe. Während Betreuungs- und Pflegeleistungen
unter nahen Verwandten in aller Regel ohne einen Gedanken an eine spätere finanzielle
Abgeltung erbracht werden, ist nach der Lebenserfahrung davon auszugehen, dass
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das Aufkommen für den Lebensunterhalt eines erwachsenen Kindes – in natura oder
durch Geldzahlungen – nicht unentgeltlich erfolgt. Anders als eine in natura erbrachte
Betreuungs- oder Pflegeleistung steht eine derartige Unterhaltsleistung – als
Kindesunterhalt wie als Verwandtenunterstützung - unausgesprochen unter dem
Vorbehalt einer Rückerstattung, falls das unterstützte erwachsene Kind später,
beispielsweise durch eine Rentennachzahlung, zu Geld kommen sollte. Ohne eine
Rückerstattung der früher erbrachten Unterstützungsleistungen aus dem nachträglich
erworbenen Vermögen würde sich die unterstützende Person zu Recht ausgenützt und
übervorteilt wähnen, denn das unterstützte erwachsene Kind wäre im Ergebnis
bereichert. Bei in natura erbrachten Betreuungs- oder Pflegeleistungen wäre das nicht
der Fall. Das Aufkommen für den Lebensunterhalt ist deshalb nach der allgemeinen
Lebenserfahrung als Leistung zu qualifizieren, die ihrer Natur nach eine Rückerstattung
voraussetzt, sobald und soweit das aufgrund eines nachträglichen
Vermögenszuflusses möglich ist. Es handelt sich sowohl aus der Sicht der
unterstützenden als auch aus der Sicht der unterstützten Person um
Vorschussleistungen, die naturgemäss zurückzuzahlen sind, wenn dies später einmal
möglich wird. Der Beschwerdeführer hat zu Recht auf die Parallele zu den Leistungen
einer bevorschussenden Sozialhilfestelle hingewiesen, denn auch familienrechtliche
Unterstützungen erfolgen im Zusammenspiel mit anderen Bedarfsdeckungs- und
Schadenausgleichssystemen der Rechtsordnung (vgl. etwa die Koordinationsregeln in
den Abs. 2 und 2 des Art. 285 ZGB betreffend Sozialversicherungsleistungen und
Art. 11 Abs. 1 lit. h und Abs. 3 lit. a ELG betreffend familienrechtliche
Unterhaltsbeiträge und Verwandtenunterstützung; zur notwendigen Gesamtsicht vgl.
Franz Schlauri, Die Opferhilfe im Verhältnis zu sonstigen Bedarfsdeckungs- und
Schadenausgleichssystemen, namentlich zur Sozialhilfe, in: Ehrenzeller/Guy-Ecabert/
André Kuhn [Hrsg.], Das revidierte Opferhilfegesetz, Zürich/St. Gallen 2009, S. 99 ff.).
Im System der Lohnfortzahlung sind Bereicherungen ebenfalls verpönt, weshalb trotz
des Fehlens einer positivrechtlichen Norm die Annahme rückzahlbarer und
anrechenbarer Vorleistungen selbstverständlich ist (vgl. etwa BGE 126 III 521 ff.). Dies
muss aufgrund einer wertungsmässigen Kongruenz auch im vorliegenden
Zusammenhang gelten. Trotz des Fehlens einer zwischen dem Beschwerdeführer und
seiner Mutter bestehenden expliziten Rückzahlungsvereinbarung ist also von einer
Rechtspflicht zur Rückerstattung auszugehen. Daraus folgt, dass der
bis
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Beschwerdeführer grundsätzlich in Erfüllung einer Rechtspflicht eine Überweisung an
seine Mutter getätigt hat. Die rückwirkende Zusprache einer Ergänzungsleistung zeigt,
dass die nachbezahlte Rente, wäre sie laufend ausgerichtet worden, nicht ausgereicht
hätte, den Existenzbedarf des Beschwerdeführers zu decken. Das bedeutet, dass die
von der Mutter erbrachten Leistungen höher gewesen sein müssen als die
Invalidenrente, denn sie haben den Existenzbedarf des Beschwerdeführers abgedeckt.
Mit der Überweisung nur eines Teils der Rentennachzahlung hat der Beschwerdeführer
also nicht die Gesamtleistung der Mutter abgedeckt. Demnach enthält die
Überweisung von Fr. 60'000.- keinen Schenkungsteil. Ab 1. Februar 2009 hätte nur
noch das effektiv vorhandene Vermögen des Beschwerdeführers angerechnet werden
dürfen, d.h. die Ergänzungsleistung hätte auf diesen Tag heraufgesetzt werden
müssen. Diesbezüglich erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid, soweit er
den Leistungsanspruch ab 1. Februar 2009 regelt, als rechtswidrig.
4.
Der Anspruch auf eine Ergänzungsleistung besteht ab dem Beginn des Monats, in dem
die Anmeldung eingereicht wird (Art. 12 Abs. 1 ELG). Diese Bestimmung weicht
bewusst von Art. 24 Abs. 1 ATSG ab, laut welchem der Anspruch auf ausstehende
Leistungen nach fünf Jahren erlischt. Damit wäre nämlich für die der Anmeldung
vorausgehenden fünf Jahre eine Ergänzungsleistung nachzuzahlen. Art. 12 Abs. 1 ELG
schliesst jede Nachzahlung für die Zeit vor der EL-Anmeldung aus. Nun sieht Art. 12
Abs. 4 ELG aber dem Grundsatz nach eine Nachzahlungsmöglichkeit für
Ergänzungsleistungen vor, auf die der Anspruch vor der Anmeldung entstanden ist.
Dem Verordnungsgeber wird nämlich die Kompetenz eingeräumt, eine
Nachzahlungsregelung zu schaffen. Der Verordnungsgeber hat diesen Auftrag mit Art.
22 Abs. 1 ELV erfüllt: Wird die Anmeldung für eine Ergänzungsleistung innert sechs
Monaten seit der Zustellung der Rentenverfügung eingereicht, beginnt der Anspruch
mit dem Monat der Anmeldung für die Rente. Die Nachzahlung der Ergänzungsleistung
für die Zeit vor dem Einreichen der EL-Anmeldung ist also beschränkt auf die Zeit ab
dem Einreichen der Rentenanmeldung. Von den Versicherten soll nicht verlangt
werden, dass sie ihre EL-Anmeldung schon mit der Rentenanmeldung einreichen. Sie
sollen vielmehr mit der EL-Anmeldung zuwarten können, bis sie aufgrund der ihnen
eröffneten Rentenverfügung wissen, dass sie die Grundvoraussetzung einer EL-
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Anspruchsberechtigung erfüllen. Aus der in dieser Form "verspäteten" EL-Anmeldung
soll ihnen also kein Nachteil erwachsen. Der Beschwerdeführer betrachtet die Lösung
des Art. 22 Abs. 1 ELV als gesetzwidrig, wenn er geltend macht, eine
Rentennachzahlung nach dem früheren Art. 48 Abs. 2 IVG, die in die Zeit vor der
Rentenanmeldung zurückreiche, müsse auch einen parallelen EL-Anspruch begründen,
denn der Zweck der Ergänzungsleistung sei es, für die gesamte Zeit der
Rentenberechtigung den Existenzbedarf des Rentners zu gewährleisten. Der EL-
Anspruch bestehe also nicht erst ab dem Zeitpunkt der Einreichung der
Rentenanmeldung, sondern bereits ab dem – davor liegenden – Zeitpunkt der
Rentenberechtigung. Vom Sinn und Zweck der Ergänzungsleistungen her betrachtet ist
dem Beschwerdeführer zuzustimmen. Nun handelt es sich dabei aber nicht um das
massgebende Argument. In Art. 12 Abs. 1 ELG ist nämlich das sogenannte
"Bewerbungsprinzip" festgeschrieben: Massgebend für die Ausrichtung einer
Ergänzungsleistung ist nicht der Zeitpunkt der Entstehung des Rentenanspruchs (in
dem von Art. 24 Abs. 1 ATSG abgedeckten Zeitraum von fünf Jahren), sondern der
Zeitpunkt der Einreichung der EL-Anmeldung. Es wird also bewusst in Kauf
genommen, dass eine verspätete EL-Anmeldung die Deckung eines in der
Vergangenheit entstandenen EL-Bedarfs bei damals bestehender Rentenberechtigung
ausschliesst. Diese Regelung ist vom Verordnungsgeber konsequent weitergeführt
worden. Er hat nur die EL-Anmeldung durch die Rentenanmeldung ersetzt und so
verhindert, dass die Versicherten gezwungen sind, ihre EL-Anmeldung gleichzeitig mit
der Rentenanmeldung einzureichen (worauf die EL-Durchführungsstelle die
Behandlung der EL-Anmeldung bis zum Erlass der Rentenverfügung sistieren müsste).
Art. 22 Abs. 1 ELV deckt sich also vollständig mit dem Sinn und Zweck des Art. 12
Abs. 1 ELG. Das bedeutet, dass der Verordnungsgeber sich an die ihm in der
Delegationsnorm (Art. 12 Abs. 4 ELG) gesetzten Grenzen gehalten hat. Art. 22 Abs. 1
ELV ist gesetzmässig, der sich auf diese Bestimmung stützende angefochtene
Einspracheentscheid also korrekt. Der Beschwerdeführer hat erst ab dem 1. März 2003
einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen, weil er die IV-Anmeldung am 3. März 2003
eingereicht hat.
5.
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Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Der angefochtene Einspracheentscheid ist aufzuheben und die Sache ist zur neuen
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenlos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG