Decision ID: 7a3c9262-1432-4162-a8b7-58a0ce86a6a4
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, arbeitete zuletzt von März bis September 2001 als Typograph (Urk. 19/3 Ziff. 6.3.1) und meldete sich am 3. Mai 2002
unter anderem wegen der Folgen eines am 17. Februar 2002 erlittenen Unfalles bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 19/3 Ziff. 7.2).
Nach erfolgten medizinischen (Urk. 19/8-9) und beruflichen Abklärungen (Urk. 19/6) verneinte die IV-Stelle mit Verfügungen vom 1
7.
sowie 20. Januar 2003 einen Anspruch sowohl auf berufliche Massnahmen (Urk. 19/12) als auch auf die Abgabe von Hilfsmitteln (Urk. 19/13)
, sprach dem Versicherten m
it Verfügung vom 26. August 2003
jedoch
mit Wirkung ab 1. August 2002 bei einem
Invali
ditätsgrad
von 100 % eine ganze Rente zu (Urk. 19/24).
Auch
die Schweizeri
sche Unfallversicherungsanstalt (Suva) als zuständiger Unfallversicherer
sprach mit Wirkung ab 1. Januar 2005 eine Rente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 %
sowie eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 40 %
zu (
Verfügung vom 6. Januar 2005;
Urk. 19/34).
Mit
Einspracheent
scheid
vom 6. Dezember 2005 sprach die Suva dem Versicherten sodann eine zusätzliche Integritätsentschädigung von 40 % zu (Urk. 19/45).
Am 7. Juni 2005
,
23. Dezember 2008
sowie 19. August 2014
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, der Rentenanspruch bestehe unverändert weiter (Urk. 19/44
, Urk. 19/58, Urk. 19/99
).
Im Laufe des Jahres 2014 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für verschiedene Hilfsmittel, so insbesondere einen Elektrorollstuhl (Urk. 19/69, Urk. 19/90), bauliche Anpassungen des Zufahrts
weges (Urk. 19/82) sowie einen Transferlift (Urk. 19/94
; vgl.
im Weiteren
auch Urk. 19/79, Urk. 19/95
).
1.2
Am
13. März 2014 beantragte der Versicherte die
Zusprache
einer
Hilflosenent
schädigung
(Urk. 19/72). Nach ergangenem Vorbescheid (Urk. 19/84) lehnte die IV-Stelle einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
mit Verfügung vom 19. Juni 2014
vorerst ab
mit der Begründung
, das Wartejahr
laufe
erst im November 2014 ab (Urk. 19/86
= Urk. 2)
.
2.
Gegen die Verfügung vom 19. Juni 2014 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 13. August 2014 Beschwerde und beantragte die
Zusprache
einer
Hilflosenent
schädigung
per 1. März 2002
, eventuell die Anerkennung des Anspruches per 1. Januar 2012 oder zumindest die Feststellung, dass die einjährige Wartezeit per 1. November 2013 abgelaufen sei (Urk. 1 S. 1). Am 20. Oktober 2014 teilte die IV-Stelle dem hiesigen Gericht mit,
X._
sei
im
Oktober 2014 verstorben
(Urk. 9
-10
). Daraufhin sistierte das Gericht den Prozess mit Verfü
gung vom 24. Oktober 2014 bis zum Entscheid über den Antritt der Erbschaft und nahm der IV-Stelle die Frist zur Einreichung der Beschwerdeantwort
ab (Urk. 11). Am 13. Februar 2015 ging der Erbschein vom 14. Januar 2015 ein, woraus sich erg
ab
, dass die Tochter des Verstorbenen,
Y._
, als ein
zige gesetzliche Erbin gilt (Urk. 14). Daraufhin hob das hiesige Gericht mit Verfügung
vom 17. Februar 2015 die Sistierung auf und setzte der Erbin Frist an, um mitzuteilen, ob sie den Prozess weiterführe, wobei dieser bei Säumnis fortgesetzt werde (Urk. 15). Nachdem sich
Y._
innert Frist nicht vernehmen
liess
, wurde der IV-Stelle mit Verfügung vom 16. April 2015 Frist zur Beschwerdeantwort angesetzt (Urk. 17). Mit Beschwerdeantwort vom 20. Mai 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 18), was
Y._
am 26. Mai 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 20).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflo
senentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebens
verrichtungen
dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwa
chung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung,
IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgen
den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.
3
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige, versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regelmäs
sig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erfor
derlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und
Verwaltungs
tä
tigkeiten
im Rahmen vormundschaftlicher Massnahmen nach
Art.
398-419 des Zivilgesetzbuches (
Art.
38
Abs.
3 IVV).
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Gesundheit beschränkt. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Behinderte einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung geltend machen können. Zu den
ken ist insbesondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die
Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450 E.
2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die
lebensprakti
sche
Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Insti
tut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
nicht davon abhän
gig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
1.
4
Entgegen dem Verweis in Art. 42 Abs. 4 IVG richtet sich der zeitliche Beginn des Anspruches auf eine
Hilflosenentschädigung
nach Vollendung des ersten Lebensjahres nicht nach Art. 29 Abs. 1 IVG. Vielmehr entsteht der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
in sinngemässer Anwendung von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG nach dem Ablauf eines Wartejahres (BGE 137 V 351 E. 5.1). Macht eine versicherte Person ihren Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
mehr als zwölf Monate nach dessen Entstehung geltend, so wird die Leistung in Abwei
chung von Art. 24 Abs. 1 ATSG nur für die zwölf Monate nachgezahlt, die der Geltendmachung vorangehen (vgl. Art. 48 Abs. 1 IVG).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
mit der Begründung, eine
langdau
ernde
Hilflosigkeit
liege
seit November 2013 vor. Damit laufe das Wartejahr erst per November 2014 ab und die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung
seien noch nicht erfüllt (S. 1).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort
vom 20. Mai 2015 (Urk. 18)
führte die
Be
schwerdegegnerin
ergänzend aus, aus den Revisionsfragebogen der Jahre 2005 und 2008 hätten sich keine Hinweise
für
eine Hilflosigkeit des Versicherten er
geben. Auch im damaligen Bericht von
Dr.
med.
Z._
vom 14. April 2008 werde festgehalten, dass der Versicherte nicht auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen sei. Am 18. März 2014 habe sich der Versicherte zum Bezug von
Hilflosenentschädigung
angemeldet und es könne gemäss der Anmeldung da
v
on ausgegangen werden, dass im Juni 2013 die Anspruchsvoraussetzungen für
eine
Hilflosenentschädigung
noch nicht vorgelegen hätten. Auch
Dr.
med.
A._
habe am 12. August 2014 dargelegt, dass bis Oktober 2013 keine Dritthilfe notwendig gewesen sei. Erst seit November 2013 habe aufgrund der fortschreitenden Erkrankung eine zunehmende Beeinträchtigung der Selbstän
digkeit bestanden. Im Verfügungszeitpunkt sei das Wartejahr damit noch nicht abgelaufen gewesen (S. 2 Ziff. 3).
2.2
Demgegenüber machte der
Versicherte
geltend,
infolge der spastischen Läh
mung von Arm und Hand rechtsseitig und der Sprachschwierigkeiten sei er seit Februar 2002 insbesondere bei Schreibarbeiten, Telefonaten mit Ämtern, Versi
cherungen und technischen Betrieben sowie bei der Nahrungszubereitung auf Hilfe angewiesen
, seit November 2011 auch bei der Hausarbeit (S. 1). Seine Lebenspartnerin habe seit dem Jahre 2002 diese Hilfe geleistet. Seit der
Krebs
diagnose
, Strahlentherapie und der Entlassung aus dem Spital am 6. Januar 2014 sei er zusätzlich auf den Rollstuhl und Pflege durch die Spitex angewiesen (S. 2).
2.3
Unbestritten und von der Beschwerdegegnerin anerkannt ist grundsätzlich, dass ab November 2013 eine Hilflosigkeit vorgelegen hat.
Strittig und zu prüfen ist
jedoch, ob eine solche bereits früher eingetreten ist.
3.
3.1
Der Versicherte meldete sich am 1
3
. März 2014 zum Bezug von
Hilflosen
entschä
digung
an. Aufgrund der gesetzlichen Grundlagen (vgl. vorstehend
E. 1.4
) ist dementsprechend eine Auszahlung frühestens ab März 2013 möglich
und
mit Blick auf das
Wartejahr der Zeitraum ab März 2012 relevant.
Wie im Folgenden der Vollständigkeit halber zu zeigen ist,
muss
das Vorliegen einer Hilflosigkeit zu einem früheren Zeitpunkt ohnehin verneint werden
.
3.2
Im Rahmen
der erstmaligen
Rentenzusprache
verneinten sowohl die behandeln
den Ärzte der Klinik
B._
in ihrem Bericht vom
22. Juli 2002
(Urk. 19/8/2 Ziff. 5)
als auch
am 9. September 2002
der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie u
nd Psychotherapie, dass der Versicherte bei den alltäglichen Lebensverrichtungen auf die Hilfe Dritter angewiesen sei
(
Urk. 19/9/2 Ziff. 5). Ab dem 17. April 2003 war der Versicherte zudem anwaltlich vertreten (vgl. die am 17. April 2003 unterzeichnete Voll
macht, Urk. 19/20).
Dass der Rechtsvertreter, welcher mit Sicherheit um die Möglichkeit der
Hilflosenentschädigung
wusste, ebenfalls keine solche bean
tragte, bestätigt die Annahme, dass der Versicherte in diesem Zeitpunkt nicht auf erhebliche Dritthilfe angewiesen war.
Anlässlich der ersten Rentenrevision im Jahre 2005
gab der Versicherte an, er benötige lediglich bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte erhebliche
Dritt
hilfe
,
und Administratives werde von seiner Partnerin erledigt (Urk. 19/40 Ziff. 3 und
4). Diese Angaben decken sich mit denjenigen von Dr.
C._
, welcher in seinem Bericht vom 30. Mai 2005
die Notwendigkeit von
Dritthilfe bei den alltäglichen Lebensverrichtungen weiterhin verneinte (Urk. 19/42
lit
. C.5).
Im Jahre 2008
gab
der Versicherte
sodann
im Rahmen einer erneuten
Renten
re
vision
an
, er sei in keinem Lebensbereich auf erhebliche Hilfe Dritter ange
wie
sen (Urk. 19/51 Ziff. 3), und auch der Hausarzt
Dr.
med.
Z._
,
Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt am 19. September 2008 keine Hilflosigkeit fest (Urk. 19/53 Ziff. 5.4).
3.3
Zusammenfassend ist demnach ohne Weiteres davon auszugehen, dass
beim Versicherten bis ins Jahr
2008
- entgegen den Ausführungen des Versicherten in seiner Beschwerde (Urk. 1 S. 1 f.) -
keine Hilflosigkeit im Rechtssinne vorlag
, nachdem gemäss Art. 38 Abs. 3 IVV die Unterstützung
bei der Erledigung
der
administrativen Arbeiten durch seine Partnerin
keine
solche
zu begründen
ver
mag (vgl. vorstehend E. 1.3)
.
4.
4.1
Zu prüfen ist demnach die Frage,
ob
die ab November 2013 unbestrittenermas
sen vorliegende Hilflosigkeit
bereits zu einem früheren Zeitpunkt vorgelegen hat
und ab welchem Zeitpunkt Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
be
steht.
4.2
Nach einer
Hospitalisation
im
D._
vom 1
9.
bis 22. Februar 2012 nannten die Ärzte im Austrittsbericht vom 21. Februar 2012 (Urk. 3/1) im Wesentlichen folgende Diagnosen:
l
eichtes Schädelhirntrauma vom 18. Februar 2012
Schädelhirntrauma vom 21. November 2011
r
echtsseitige Hemiparese mit Wernicke-Gangbild
Temporookzipitalfraktur
bei kontralateraler Einklemmung
Polytoxikomanie
a
lte Rippenserienfrakturen rechts
Status nach Hepatitis C und Hepatitis B
Die Ärzte empfahlen körperliche Schonung sowie audio-visuelle
Reizabschir
mung
für sieben Tage, machten jedoch keine Angaben zu einer allfälligen Hilflosigkeit des Versicherten.
4.
3
Bei der Anmeldung zum Bezug von
Hilflosenentschädigung
am 13. März 2014 (Urk. 19/72)
machte der Versicherte geltend, im November 2013 sei zusätzlich zu den Folgen de
s
Unfalles vom 17. Februar 2002
ein
Leberkrebs mit Tumoren an der Wirbelsäule diagnostiziert worden, seither sitze er im Rollstuhl (S. 6). Im Weiteren
gab
er
an, er sei
seit November 2013
beim Ankleiden/Auskleiden und Aufstehen/Absitzen/Abliegen, beim Waschen, Baden und Duschen sowie beim Verrichten der Notdurft auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen
.
Weiter sei er seit September 2013 auf den Mahlzeitendienst der
E._
angewiesen.
Lediglich beim Zerkleinern der Nahrung benötige er
aufgrund der spastischen Lähmung des Arms und der Hand
bereits seit Dezember 2003
Dritt
hilfe
(Ziff. 4).
Um das selbständige Wohnen zu ermöglichen
, sei er
seit Novem
ber 2013
auf
Hilfeleistungen
der
E._
sowie
seit dem Jahre 2003
der
F._
angewiesen. Zudem werde er seit Februar 2002 bei der Erledigung der administrativen Arbeiten unterstützt (Ziff. 5.2).
4.
4
Im Laufe des Jahres 2014 erteilte die Beschwerdegegnerin wiederholt Kosten
gutsprache für verschiedene Hilfsmittel, so insbesondere
für
einen Rollstuhl (Verfügung vom 6. Februar 2014, Urk. 19/69, bzw. Verfügung vom 22. Juli 2014, Urk. 19/90), einen Toilettenaufsatz und Haltegriffe (Verfügung vom 1. April 2014, Urk. 19/79), bauliche Anpassungen des Zufahrtsweges (Verfü
gung vom 11. April 2014, Urk. 19/82) sowie einen Transferlift und einen WC/Dusch-Rollstuhl-Sitz (Verfügungen vom 5. August 2014, Urk. 19/94-95).
4.
5
Der aktuelle Hausarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte am 12. August 2014 (Urk. 19/96/1-6)
im Rahmen des
revisi
onsrechtlichen
Verfahrens
aus, er habe die Betreuung des Patienten im Januar 2014 nach einem Aufenthalt auf der Palliative Care Station übernommen. Der Versicherte sei in eine neue Wohnung gezogen, in welcher er mit der Unterstüt
zung seiner Angehörigen alleine leben könne. Die Krebserkrankung schreite weiter fort, im April 2014 sei es zu Komplikationen mit einer schweren Blutung der
Oesophagusvarizen
gekommen. Seither sei er wieder zu Hause und leide zu
nehmend an Lähmungen in beiden oberen Extremitäten, so dass nun eine voll
ständige Abhängigkeit in Bezug auf die Grundpflege bestehe. Er könne sich nur teilweise oben waschen und Mahlzeiten zu sich nehmen. Die
Nahrungszuberei
tung
sei kaum mehr möglich. Er müsse mit dem Lift transferiert werden, auch für die Verrichtung der Notdurft. Die Situation verlange praktisch eine perma
nente Betreuung, wobei Kompromisse eingegangen würden, damit der Versi
cherte nicht in eine Institution verlegt werden müsse. Im Grunde genommen sei die Prognose mit dem Fortschreiten der Grundkrankheit infaust, es gebe keine Optionen mehr (Ziff. 1.4). Bei massiver Verschlechterung sei die Betreuung durch die ergänzende Spitex zu Hause sicherzustellen (Ziff. 1.5).
Seines Wissens sei der Patient aufgrund der Unfallfolgen nicht mehr erwerbsfä
hig gewesen, habe jedoch vor der akuten Erkrankung bis Oktober 2013 seinen Haushalt selber führen können und sei
nicht
auf Hilfe angewiesen gewesen. Seit November 2013 bestehe jedoch die fortschreitende Krankheit mit zunehmender Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und auch der Partizipation. Aktuell sei
d
er
Patient
noch in der Lage, sich mit dem Elektromobil zu bewegen, müsse aber bei Transfers immer unterstützt werden und könne nur noch wenige Hand
griffe im Haushalt selber ausführen. Die Grundpflege müsse praktisch komplett übernommen werden, zur Sicherheit müsse eine Person anwesend sei, wenn er sich in der Sitzdusche abdusche. Die Abhängigkeit werde in Zukunft zunehmen (Ziff. 1.11).
4.6
Am 7. Juli 2014 bestätigte Dr.
A._
einen vermehrten Bedarf des Versicher
ten an Hilfsmitteln sowie auch an persönlicher Assistenz im häuslichen Umfeld ergänzend zur Spitex-Betreuung wegen des fortgeschrittenen bösartigen Lei
dens. Der Versicherte benötige neben einem Rollstuhl ein elektrisches
Kranken
bett
sowie gegebenenfalls einen elektrischen Patientenheber und Hilfen für den Toilettengang. Er sei zudem für die Bewältigung des Alltages, der
Nahrungszu
bereitung
, des Toilettenganges, die Mobilisation vom Bett in den Rollstuhl sowie die Transfers auf die Toilette auf personelle Unterstützung im häuslichen Rah
men angewiesen. Die Dauer der Unterstützung sei nicht vorhersehbar (Urk. 3/2).
5.
Aus den vorliegenden Akten ergibt sich übereinstimmend, dass der Versicherte ab November 2013 bei alltäglichen Lebensverrichtungen auf Dritthilfe ange
wiesen war
(E. 4.
3
, E. 4.5-6).
Für das Vorliegen einer Hilflosigkeit vor diesem Zeitpunkt gibt es keine Anhaltspunkte, nachdem
einerseits
der Hausarzt von einer Selbständigkeit bis November 2013 ausging (E. 4.5) und
andererseits
der
Versicherte
selber
im Rahmen der Anmeldung
ausführte
,
er sei beim Anklei
den/Auskleiden und Aufstehen/Absitzen/Abliegen, beim Waschen, Baden und Duschen sowie beim Verrichten der Notdurft seit November 2013 auf regelmäs
sige und erhebliche Dritthilfe angewiesen. Lediglich im Bereich Essen machte er eine Hilfsbedürftigkeit seit September 2013 geltend (E. 4.3). Wie vorstehend ausgeführt, vermag
sodann
Unterstützung in administrativen Angelegenheiten keine Hilflosigkeit im Sinne von
Art. 9 ATSG zu begründen (vgl. E. 1.3 und 3.3).
Insgesamt ist dementsprechend davon auszugehen, dass ab November 2013 eine Hilflosigkeit vorgelegen hat und das Wartejahr im November 2014 abgelaufen ist. Damit erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 500.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführe
rin
aufzuerlegen.