Decision ID: 32b4e4e0-5ee8-5d22-b449-b3bb0b8132f5
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 20. November 2015 in der Schweiz um
Asyl nach.
Bezüglich seiner Person brachte er im Wesentlichen vor, er sei afghani-
scher Staatsangehöriger und ethnischer B._. Geboren und aufge-
wachsen sei er in C._ (Distrikt D._, Provinz E._). Er
sei (...) gewesen und habe nur (...) Jahre die Schule besucht. Er habe
einen älteren (F._) und einen jüngeren Bruder (G._) sowie
eine ältere (H._) und eine jüngere Schwester (I._). Seine
Mutter sei vor längerer Zeit verstorben und als sein Vater eine andere Frau
geheiratet habe, sei er mit seinem älterer Bruder F._ weggegangen.
Nach einem kurzen Aufenthalt bei einem Onkel mütterlicherseits in
K._ seien sie in den J._ gereist. Dort habe er zirka einein-
halb Jahre als Hilfsarbeiter auf dem (...) gearbeitet, bevor er und
F._ nach Afghanistan ausgewiesen worden seien. Nach wenigen
Monaten hätten sie sich wieder in den J._ begeben. Nachdem
F._ erneut nach Afghanistan ausgeschafft worden sei, sei er allein
im J._ verblieben und habe als (...) gearbeitet. Gegen Ende 2014
sei er von der (...) Polizei aufgegriffen und in der Folge nach Afghanistan
ausgewiesen worden. Er habe sich zu F._ begeben, der sich zwi-
schenzeitlich in Kabul niedergelassen, geheiratet und eine Familie ([...]
Kinder) gegründet habe. Die letzten acht Monate vor der erneuten Ausreise
aus Afghanistan habe er bei F._ und dessen Familie in Kabul ge-
lebt. Seine beiden jüngeren Geschwister würden auch bei F._ in
Kabul leben. Die ältere Schwester sei verheiratet und lebe mit ihrem Ehe-
mann, der (...) sei, und ihren (...) Kindern ebenfalls in Kabul. Schliesslich
wohne noch ein Onkel väterlicherseits in Kabul, zu dem er aber keinen
Kontakt habe. Er habe in Kabul nach Arbeit gesucht, aber keine Stelle ge-
funden. Die Reise nach Europa habe ihm ein im J._ lebender
Cousin – der Sohn des in K._ wohnhaften Onkels mütterlicherseits
– finanziert.
B.
Mit Verfügung vom 10. Januar 2017 stellte das SEM fest, dass der Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asyl-
gesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Weg-
weisungsvollzug an.
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Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung führte das SEM an, dieser sei
durchführbar. Der Beschwerdeführer stamme zwar nicht aus Kabul, habe
aber die letzten acht Monate vor der Ausreise dort verbracht, und es sei
davon auszugehen, dass er nach wie vor über ein dortiges intaktes famili-
äres und verwandtschaftliches Beziehungsnetz verfüge, auf welches er
sich stützen könne. Zusätzlich könnten ihn, falls nötig, der Onkel in
K._ und dessen Sohn im J._ vorübergehend finanziell un-
terstützen. Zwar verfüge der Beschwerdeführer nur über eine geringe
Schulbildung, aber er habe mehrere Jahre im (...) gearbeitet, so dass es
ihm auch gelingen sollte, sich in Afghanistan wirtschaftlich zu integrieren.
Die von der Schweiz angebotene Rückkehrhilfe könne dabei einen Beitrag
leisten.
C.
Mit Eingabe vom 13. Februar 2017 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde gegen den vom SEM angeordneten
Wegweisungsvollzug. Er beantragte die Feststellung der Unzumutbarkeit
des Vollzugs und die Gewährung der vorläufigen Aufnahme.
Er machte geltend, er verfüge in Kabul nicht über ein tragfähiges Bezie-
hungsnetz. Seine Geschwister seien nicht im Stande, ihn in wirtschaftlicher
und sozialer Hinsicht nachhaltig zu unterstützen. F._ arbeite als
(...). Dessen Familie lebe aus finanzieller Not auf engstem Raum und habe
längerfristig kaum Platz für eine weitere Person. Er selbst habe während
seines Aufenthalts in Kabul keine Arbeit gefunden.
D.
Mit Urteil D-926/2017 vom 24. Oktober 2017 wies das Bundesverwaltungs-
gericht die Beschwerde ab.
Das Gericht verwies auf die im (zwischenzeitlich als Referenzurteil publi-
zierten) Koordinationsurteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 vorge-
nommene Lageanalyse zur aktuellen Situation in Afghanistan respektive
Kabul und stellte fest, dass beim Beschwerdeführer besonders begünsti-
gende Faktoren vorlägen, aufgrund derer sich der Vollzug der Wegweisung
nach Kabul als zumutbar erweise. Der Beschwerdeführer, der gesund sei
und über Erfahrung als (...) verfüge, habe vor der Ausreise bei seinem äl-
teren Bruder F._ und dessen Familie in Kabul gelebt, so dass seine
dortige Wohnsituation als gesichert erscheine. F._, der als (...) die
Miete seines Wohnhauses zu bezahlen vermöge, dürfte auch im Stande
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sein, den Beschwerdeführer für das Nötigste finanziell zu unterstützen. Zu-
dem lebe auch ein Onkel in Kabul, der ihn unterstützen könne. Schliesslich
könne er sich zwecks finanzieller Unterstützung gegebenenfalls auch an
den im J._ lebenden Cousin wenden.
E.
Mit Eingabe vom 30. Dezember 2017 reichte der Beschwerdeführer betref-
fend den Vollzug der Wegweisung beim SEM ein Wiedererwägungsgesuch
ein und ersuchte um wiedererwägungsweise Feststellung der Unzumutbar-
keit des Vollzugs sowie um Gewährung der vorläufigen Aufnahme.
Er machte geltend, sein älterer Bruder F._ sei bei einem Bomben-
angriff eines Selbstmordattentäters auf eine (...) in Kabul in der Nacht vom
(...), bei dem unzählige Personen ums Leben gekommen und verletzt wor-
den seien, getötet worden. Dies gehe aus der beiliegenden Kopie der To-
desbescheinigung des (...) vom (...) hervor, welche vom (...) am (...) be-
stätigt worden sei. Die Schwägerin habe Kabul nach dem Tod ihres Man-
nes verlassen und sei mit den (...) Kindern zu ihrem Bruder in die Provinz
E._ (Bezirk D._) gezogen. Sein jüngerer Bruder G._
halte sich bereits seit (...) im J._ auf. In Kabul befinde sich nur noch
ein Onkel väterlicherseits mit seinen (...) Kindern. Zu diesem habe aber
aufgrund eines innerfamiliären Konflikts über ein Grundstück in D._
stets nur eine lose Beziehung bestanden und er sei sich sicher, von diesem
keine Unterstützung erwarten zu können. Nach dem Tod von F._
und dem dauerhaften Wegzug der Schwägerin nach E._ sowie dem
Weggang des jüngeren Bruders in den J._ wäre er bei einer Rück-
kehr nach Kabul auf sich allein gestellt und in seiner Existenz bedroht. Der
Vollzug der Wegweisung sei daher als unzumutbar zu erachten.
F.
Mit Verfügung vom 9. März 2018 – eröffnet am 12. März 2018 – wies das
SEM das Wiedererwägungsgesuch ab, erklärte die Verfügung vom 10. Ja-
nuar 2017 als rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Gebühr von
Fr. 600.– und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschie-
bende Wirkung zukomme.
Das SEM führte aus, die schriftliche Bestätigung über den Tod des älteren
Bruders des Beschwerdeführers vermöge keinen neuen Sachverhalt zu
begründen. Das Dokument liege lediglich in Kopie vor, so dass die Echtheit
nicht geprüft werden könne. Afghanische Dokumente dieser Art seien zu-
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dem käuflich erwerbbar und nicht fälschungssicher. Auch sei kein Um-
schlag, der den Wohnort der Schwägerin oder zumindest den Aufgabeort
belegen würde, eingereicht worden. Weitere Belege, die den Wegzug der
Schwägerin nachweisen würden, lägen nicht vor. Die Fotos des jüngeren
Bruders vermöchten dessen Wegzug in den J._ nicht zu belegen.
Dass zum in Kabul lebenden Onkel väterlicherseits immer nur eine lose
Beziehung bestanden habe, lasse nicht den Schluss zu, dass dieser nicht
bereit wäre, den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr zu unterstützen. Im
Übrigen werde im Wiedererwägungsgesuch nichts zum Verbleib der
Schwestern des Beschwerdeführers gesagt, so dass davon auszugehen
sei, dass auch sie sich noch in Kabul aufhalten würden.
G.
Mit Eingabe vom 11. April 2018 erhob der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er ersuchte
um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 9. März 2018 und um
Gewährung der vorläufigen Aufnahme, eventualiter um Rückweisung der
Sache an das SEM zwecks rechtsgenüglicher Sachverhaltsabklärung und
Neubeurteilung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie
um Einräumung einer Frist zur Nachreichung weiterer Beweismittel.
Er brachte vor, unterdessen sei das Original der Bescheinigung des Todes
seines älteren Bruders eingetroffen. Aufgrund des Wegzugs der Schwäge-
rin aus Kabul sei der Kontakt mehrere Wochen unterbrochen gewesen und
erst im Februar 2018 wieder zustande gekommen. Die zuvor eingereichte
Kopie der Todesbescheinigung sei nicht mit der Post in die Schweiz ge-
sandt worden, sondern via Smartphone, weshalb diesbezüglich kein Brief-
umschlag existiere. Da von E._ aus kein Postversand ins Ausland
möglich sei, habe die Schwägerin das Originaldokument ihrer in Kabul
wohnhaften Nachbarin mitgegeben, als diese besuchshalber in E._
geweilt habe. Die Nachbarin habe das Dokument gemäss beiliegendem
Versandumschlag am (...) 2018 in Kabul der Post übergeben. Anfangs
März 2018 sei die Sendung eingetroffen. Wie sich unterdessen herausge-
stellt habe, und was er bis zum 30. Dezember 2017 noch nicht gewusst
habe, seien seine beiden Schwestern mit der Schwägerin zusammen nach
E._ gereist. Über seinen jüngeren Bruder habe er sich die beilie-
genden aktuellen Fotos seiner Schwester I._ und seiner Schwäge-
rin sowie deren Kinder zusenden lassen. Die Bilder seien in der Stadt
E._ aufgenommen worden, wie der Schriftzug im Hintergrund
(„[...]“) erkennen lasse. Die ältere Schwester H._ sei zu diesem
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Zeitpunkt bereits bei ihrem Mann im Bezirk D._ gewesen, wo sich
dieser schon seit längerer Zeit aufhalte und als (...) sowie (...) arbeite. Wei-
tere Unterlagen (Tazkaras der Angehörigen, Fotos) seien unterwegs. Zum
Beleg des Aufenthalts des jüngeren Bruders im J._ reiche er ein
Foto und eine Abbildung des Chatverlaufs ein. In Kabul sei einzig der Onkel
väterlicherseits mit seinen (...) Kindern verblieben. Zu diesen Verwandten
bestehe jedoch kein Kontakt und er wisse nicht, wie, wo und wovon sie
leben würden. Er habe bereits bei der Anhörung im Asylverfahren auf das
schlechte Verhältnis hingewiesen. Für seine Geschwister sei es keine Op-
tion gewesen, von dieser Seite Hilfe in Anspruch zu nehmen; dies zeige,
dass dies auch für ihn keine Option darstelle. Er sei sich sicher, dass er
diesbezüglich keine Unterstützung erwarten könne. Er habe vor seiner
Flucht nur relativ kurze Zeit in Kabul gelebt. Aufgrund der Umzüge und De-
portationen in den Jahren zuvor habe er nirgends ein Beziehungsnetz auf-
zubauen vermögen, auf das er heute zurückgreifen könnte.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 18. April 2018 – eröffnet am 19. April 2018 –
hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung unter Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgeab-
hängigkeitsbestätigung bis zum 3. Mai 2018 gut. Das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wies sie hingegen ab. Wei-
ter räumte sie dem Beschwerdeführer zur Nachreichung weiterer Beweis-
mittel eine Frist von 30 Tagen ab Erhalt der Verfügung ein, verbunden mit
dem Hinweis, dass das Beschwerdeverfahren bei ungenutztem Fristablauf
aufgrund der Aktenlage weitergeführt werde.
I.
Am 30. April 2018 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine vom 27. April
2018 datierende Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung ein.
J.
Mit Eingabe vom 22. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer weitere Be-
weismittel ein (Fotos der Tazkaras der Schwestern, Schwägerin und des
jüngeren Bruders sowie von Belegen der Postaufgabe, Ausdruck des „Af-
ghan Post Tracking“). Er führte aus, die Original-Ausweise seien am (...)
von Kabul aus in die Schweiz geschickt worden. Laut dem „Afghan Post
Tracking“ habe die Sendung die afghanische Grenze am (...) 2018 pas-
siert. Da die Dokumente aus unbekannten Gründen bislang nicht bei ihm
eingetroffen seien, reiche er die beiliegenden Fotoprints ein.
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K.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Mai 2018 lud die Instruktionsrichterin die
Vorinstanz zur Beschwerdevernehmlassung ein.
L.
Mit Eingabe vom 1. Juni 2018 reichte der Beschwerdeführer ein Schreiben
der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) vom (...) 2018 ein, dem zu ent-
nehmen sei, dass die Sendung mit den Tazkaras seiner Angehörigen vom
Grenzwachtkorps sichergestellt worden sei; Kopien der Tazkaras und der
Versandumschlag lägen bei. Zum Beleg des Aufenthalts seiner Verwand-
ten in E._ reiche er zudem weitere Fotos ein, die er via Smartphone
erhalten habe. Seine Schwestern und die Schwägerin hätten die Aufnah-
men an verschiedenen Orten in der Stadt E._ gemacht.
M.
In seiner Vernehmlassung vom 7. Juni 2018 beantragte das SEM die Ab-
weisung der Beschwerde. Das nachgereichte Original der Todesbeschei-
nigung des Bruders weise keine Sicherheitsmerkmale auf und könne daher
nicht auf die Echtheit überprüft werden. Auch wenn der Bruder verstorben
sein sollte, seien die Fotos der Verwandten nicht geeignet, einen Wegzug
ebendieser von Kabul in die Provinz E._ zu belegen. Die lose Be-
ziehung zum Onkel und dessen Familie in Kabul lasse nicht darauf schlies-
sen, dass der Beschwerdeführer von deren Seite keine Unterstützung er-
halten würde. Zudem sei anzunehmen, dass es dem Beschwerdeführer
während des achtmonatigen Aufenthalts in Kabul möglich gewesen sei, ein
dortiges Beziehungsnetz aufzubauen. Der Vollzug der Wegweisung nach
Kabul sei für ihn als junger, alleinstehender und gesunder Mann mit Be-
rufserfahrung im (...) weiterhin als zumutbar zu erachten.
N.
In seiner Replik vom 20. September 2018 entgegnete der Beschwerdefüh-
rer, unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontexts habe er mit
den eingereichten Unterlagen in ausreichendem Mass aufgezeigt, dass
sein älterer Bruder verstorben sei und die übrigen Familienmitglieder Kabul
dauerhaft verlassen hätten. Da die Familienangehörigen die Originale ihrer
Tazkaras für den Erhalt einer amtlichen Bestätigung der Wohnsitzbehörden
in E._ benötigen würden, ersuche er das SEM um Rückgabe dieser
vom Grenzwachtkorps am (...) 2018 sichergestellten Dokumente. Des
Weiteren sei ihm kürzlich über mehrere Personen zugetragen worden,
dass sein Onkel in Kabul verstorben sei. Belege hierzu lägen ihm nicht vor
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und er könne die Information mangels direkter Kontakte zu den Nachkom-
men des Onkels auch nicht verifizieren, er ersuche aber dennoch um Be-
rücksichtigung des (wahrscheinlichen) Todes des Onkels.
O.
O.a Mit Schreiben vom 4. Oktober 2018 überwies das Bundesverwaltungs-
gericht das Gesuch des Beschwerdeführers um Rückgabe der sicherge-
stellten Ausweise seiner Familienangehörigen vom 20. September 2018
zur Behandlung an das SEM.
O.b Das SEM teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 12. Oktober
2018 mit, dass die besagten Dokumente noch bei der EZV (Kommando
Grenzwachtkorps) seien und er dort um Rückgabe ersuchen müsse.
O.c Mit Schreiben vom 16. Oktober 2018 ersuchte der Beschwerdeführer
bei der EZV (Kommando Grenzwachtkorps) um Herausgabe der sicherge-
stellten Dokumente zuhanden des beim Bundesverwaltungsgericht hängi-
gen Beschwerdeverfahrens.
O.d Mit Eingabe vom 23. Oktober 2018 übermittelte die EZV (Kommando
Grenzwachtkorps) dem Bundesverwaltungsgericht die vier Tazkaras sowie
den Schriftverkehr mit dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers.
P.
Mit Schreiben vom 16. Januar 2019 gelangte das Bundesverwaltungsge-
richt an die – auch für Afghanistan zuständige – Schweizerische Botschaft
in Islamabad (Pakistan) mit der Bitte um Auskunft zur Identifizierung von
Attentatsopfern durch die afghanischen Behörden im Allgemeinen sowie
zu den Opfern des Attentats in Kabul am (...).
Q.
Am 13. Februar 2019 teilte die Botschaft mit, ohne weitere Angaben bezie-
hungsweise Unterlagen könnten die gestellten Fragen nicht beantwortet
werden.
R.
Die zuständige kantonale Behörde erkundigte sich am 14. Mai 2020 nach
dem Verfahrensstand und ob es richtig sei, dass kein Vollzugsstopp ange-
ordnet worden sei. Die Anfrage wurde mit Schreiben vom 18. Mai 2020
beantwortet.
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S.
Mit Eingabe vom 19. Mai 2020 beantragte der Beschwerdeführer, es sei
der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Diese wurde
der Beschwerde mit Zwischenverfügung vom 29. Mai 2020 erteilt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005
(AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integ-
rationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Gesetzes-
artikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernommen
worden. Das Gericht wird nachfolgend die neue Gesetzesbezeichnung ver-
wenden.
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist zur Einrei-
chung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG;
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
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1.4 Eine Kopie der Botschaftsanfrage vom 16. Januar 2019 sowie das ent-
sprechende Antwortschreiben vom 13. Februar 2019 wird den Parteien (in
anonymisierter Version) mit vorliegendem Urteil zur Kenntnis gebracht.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren
nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG).
Auf ein Wiedererwägungsgesuch ist einzutreten, wenn sich der rechtser-
hebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise
seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz in we-
sentlicher Weise verändert hat. In seiner praktisch relevantesten Form be-
zweckt das Wiedererwägungsgesuch die Änderung einer ursprünglich feh-
lerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Verände-
rung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuän-
dernde Verfügung unangefochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwer-
deverfahren mit einem blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde –
können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung be-
gründen (zum sogenannten "qualifizierten Wiedererwägungsgesuch" vgl.
BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwä-
gung geprüft werden können Beweismittel, die erst nach einem materiellen
Beschwerdeentscheid des Bundesverwaltungsgerichts entstanden und
daher einem Revisionsverfahren nicht zugänglich sind (Art. 123 Abs. 2
Bst. a in fine BGG; vgl. hierzu auch BVGE 2013/22, insb. E. 12.3).
3.2 Vorliegend hat das SEM den grundsätzlichen Anspruch des Beschwer-
deführers auf Behandlung seines Wiedererwägungsgesuchs nicht in Ab-
rede gestellt. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist zu prüfen, ob das
SEM zu Recht davon ausgegangen ist, dass die neuen Vorbringen des
Beschwerdeführers die Sachlage nicht derart verändern, als dass sie den
Vollzug der Wegweisung undurchführbar machen würden. Die Fragen der
Flüchtlingseigenschaft und des Asyls sind – wie die Wegweisung als solche
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Seite 11
– nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Für die Be-
urteilung der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist praxisgemäss
der sich im Urteilszeitpunkt präsentierende Sachverhalt massgebend.
4.
4.1 Im Asylverfahren wurde der Vollzug der Wegweisung des Beschwerde-
führers nach Kabul als zumutbar erachtet. Im Wiedererwägungsverfahren
macht er nun geltend, aufgrund des zwischenzeitlichen Ablebens seines
älteren Bruders und des Wegzugs der übrigen Familienangehörigen aus
Kabul sei eine Rückkehr dorthin für ihn nicht mehr zumutbar.
4.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG (SR 142.20) kann der Vollzug für Auslände-
rinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Her-
kunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner
Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine kon-
krete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG
– die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
4.2.1 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan hat das Bundesver-
waltungsgericht im als Referenzurteil publizierten Urteil D-5800/2016 vom
13. Oktober 2017 festgestellt, dass die Situation in Afghanistan als exis-
tenzbedrohend und der Wegweisungsvollzug dorthin folglich als unzumut-
bar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Hinsichtlich der
Hauptstadt Kabul könne von dieser allgemeinen Feststellung abgewichen
werden, falls besonders begünstigende Faktoren vorliegen würden, auf-
grund derer die betroffene Person bei einer Rückkehr nicht in eine exis-
tenzbedrohende Lage gerate und daher ausnahmsweise von der Zumut-
barkeit des Vollzugs ausgegangen werden könne. Solche begünstigenden
Voraussetzungen könnten namentlich dann gegeben sein, wenn es sich
bei der rückkehrenden Person um einen jungen, gesunden Mann handle,
der in Kabul über ein soziales Netz verfüge, das ihn wieder aufnehmen
könne und tragfähig sei, so dass er sich dort wieder eingliedern könne.
Mithin müsse das soziale Netz in der Lage sein, ihm eine angemessene
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Seite 12
Unterkunft, die Grundversorgung und Hilfe zur sozialen und wirtschaftli-
chen Reintegration zu bieten. Allein lose Kontakte zu Verwandten, Bekann-
ten oder Mitgliedern der Kernfamilie würden insbesondere dann kein trag-
fähiges Netz darstellen, wenn das wirtschaftliche Fortkommen und die Un-
terbringung ungeklärt seien. Zurückhaltung bei der Bejahung eines tragfä-
higen sozialen Beziehungsnetzes sei geboten, wenn die betroffene Person
lediglich im Sinne einer Aufenthaltsalternative nach Kabul zurückkehre und
dort kaum oder nie gelebt habe. Entscheidrelevant sei ferner die Berufser-
fahrung der zurückkehrenden Person respektive die Frage, inwiefern eine
wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im Zusam-
menspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt werden könne (vgl. Refe-
renzurteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 8.4.1).
4.2.2 Unter Beilage des vom Beschwerdeführer eingereichten Dokuments
zum Tod seines Bruders ersuchte das Bundesverwaltungsgericht die zu-
ständige Schweizer Botschaft um Auskunft, wie die afghanischen Behör-
den grundsätzlich (insbesondere in Kabul) bei der Identifizierung von At-
tentatsopfern vorgehen würden. Zudem wurde angefragt, ob sich eruieren
lasse, beziehungsweise die Botschaft bestätigen könne, dass der Bruder
des Beschwerdeführers unter den Todesopfern des Attentats in der Nacht
vom (...) gewesen sei.
In ihrem Antwortschreiben führte die Botschaft aus, es sei – namentlich
zufolge der mangelhaften Administration – schwierig, von den afghani-
schen Behörden Informationen zu erhalten, und sie verfüge über keine
Kenntnisse, wie die afghanischen Behörden grundsätzlich bei der Identifi-
zierung von Attentatsopfern vorgehen würden. Um zu erfahren, ob der Bru-
der des Beschwerdeführers unter den Todesopfern des fraglichen Attentats
gewesen sei, wären mehr Informationen und Dokumente über den Bruder
erforderlich.
4.2.3 Der Beschwerdeführer stammt aus der Provinz E._. Dorthin
ist der Wegweisungsvollzug generell unzumutbar. Im Beschwerdeurteil
D-926/2017 vom 24. Oktober 2017 kam das Bundesverwaltungsgericht
aber zum Schluss, dass der Beschwerdeführer über eine zumutbare Auf-
enthaltsalternative in Kabul verfüge, da davon auszugehen sei, dass ihm
der dort wohnhafte, arbeitstätige ältere Bruder F._ die notwendige
Unterstützung in Form einer gesicherten Unterkunft und Grundversorgung
sowie der Hilfe bei der sozialen und wirtschaftlichen Eingliederung bieten
könne. Im heutigen Zeitpunkt kann aufgrund der Aktenlage indes nicht
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mehr mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen dieser be-
sonders begünstigenden Faktoren ausgegangen werden. Es kann ange-
sichts der Ausführungen des Beschwerdeführers und den von ihm einge-
reichten Beweismitteln nicht mehr mit genügender Bestimmtheit geschlos-
sen werden, dass er in Kabul über eine gesicherte Wohnsituation und ein
tragfähiges, ihn hinsichtlich der Grundversorgung und der Eingliederung
unterstützendes Beziehungsnetz im Sinne der vorstehenden Rechtspre-
chung verfügt. Aus dem im Original vorgelegten Dokument (Todesbeschei-
nigung vom (...) respektive (...); gemäss Botschaftsauskunft: Affidativ)
geht hervor, dass der ältere Bruder F._ zwischenzeitlich verstorben
ist. Zwar vermag das besagte Dokument mangels Überprüfbarkeit der
Echtheit aufgrund des Fehlens von Sicherheitsmerkmalen grundsätzlich
nur einen verminderten Beweiswert zu entfalten. Das darin verbriefte Able-
ben von F._ bei einem Anschlag auf eine (...) in der Zone (...) in
Kabul Ende (...) erscheint indes im örtlichen und religiösen Kontext, wo-
nach F._ ein (...) mit damaligem Wohnsitz in L._/M._
sei, nicht unwahrscheinlich. Dass und welches beweiskräftigere Beweis-
mittel eingereicht werden könnte, wird vom SEM in seiner Vernehmlassung
nicht erwähnt. Zwar wird in der Botschaftsantwort nicht dargelegt, es sei
unmöglich, weitere Abklärungen zum behaupteten Tod des Bruders zu tä-
tigen oder entsprechende Unterlagen zu erhalten. Indessen ist einerseits
daran zu erinnern, dass als Beweismass zumindest Glaubhaftmachung vo-
rausgesetzt wird, anderseits Dokumente aus dem Heimatland des Be-
schwerdeführers angesichts der dortigen Verhältnisse schwierig erhältlich
zu machen sind und zudem ihr Beweiswert oft beeinträchtigt ist. Aus die-
sem Grund verzichtet das Bundesverwaltungsgericht vorliegend denn
auch auf weitere Instruktionsmassnahmen und würdigt insbesondere die
Aussagen des Beschwerdeführers betreffend seine Verwandten in Kabul.
In Bezug auf den geltend gemachten dauerhaften Wegzug der Schwägerin
(mit den Kindern) und der Schwestern des Beschwerdeführers aus Kabul
ist dem SEM zwar dahingehend zuzustimmen, dass die diesbezüglich ein-
gereichten Belege (Fotos aus E._, Tazkaras) als Beweis nicht ge-
nügen. Als Indizien sind sie indessen in die Glaubhaftigkeitsbeurteilung
einzubeziehen. Es erscheint unter Berücksichtigung des Länderkontexts
nachvollziehbar, dass den Frauen (und Kindern) ein alleiniger Verbleib in
Kabul nach dem Tod des Familienoberhaupts und Versorgers nicht möglich
war und sie zu männlichen Verwandten in E._ gezogen sind. Im
Übrigen wäre selbst bei Annahme eines weiteren Verbleibs der Schwägerin
in der Familienwohnung in Kabul nicht ersichtlich, wie diese als nicht er-
werbstätige Mutter von (...) Kindern nebst ihren Lebenshaltungskosten für
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die Grundversorgung des Beschwerdeführers aufkommen und ihm bei sei-
ner wirtschaftlichen und sozialen Reintegration in Kabul behilflich sein
könnte. Dasselbe gilt für die Schwestern des Beschwerdeführers. Auch bei
einer Kontaktaufnahme mit der noch in Kabul wohnhaften Familie des (an-
geblich zwischenzeitlich verstorbenen) Onkels väterlicherseits kann nicht
mit hinreichender Bestimmtheit davon ausgegangen werden, dass diese in
der Lage und – in Anbetracht der Ausführungen des Beschwerdeführers
zum losen Kontakt respektive zerrütteten Verhältnis zum Onkel (vgl. Akten
SEM A18 F258) – willens sein würde, dem Beschwerdeführer eine Unter-
kunft zu gewähren und ihn bei seinem wirtschaftlichen Fortkommen nach-
haltig zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund kann nicht mehr mit genü-
gender Bestimmtheit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerde-
führer in Kabul über ein tragfähiges Beziehungsnetz im Sinne der hohen
Anforderungen der heute geltenden Praxis verfügt und dort eine reelle
Chance hätte, sich eine neue Existenzgrundlage aufzubauen. Das Bun-
desverwaltungsgericht stellt nicht in Abrede, dass gewisse Zweifel an der
Sachdarstellung des Beschwerdeführers bestehen, indessen überwiegen
bei einer Gesamtwürdigung der Vorbringen die Gründe, die für die Richtig-
keit seiner Sachverhaltsdarstellung sprechen, was im Hinblick auf das re-
duzierte Beweismass der Glaubhaftmachung genügt. Aufgrund einer Ge-
samtabwägung ist somit das Vorliegen besonders begünstigender Fakto-
ren im Sinne der Rechtsprechung, aufgrund derer ausnahmsweise von der
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden könnte, im
heutigen Zeitpunkt zu verneinen. Das Risiko, dass der Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr nach Kabul auf sich allein gestellt wäre, ist als gegeben
zu qualifizieren, und es bestünde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
die Gefahr, dass er dort in eine existenzbedrohende Situation geraten
würde. Kabul stellt folglich keine innerstaatliche Wohnsitzalternative für
den Beschwerdeführer mehr dar.
4.2.4 Aufgrund des Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung im heutigen
Zeitpunkt als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren.
Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen von Aus-
schlussgründen im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AIG ergeben, sind die Voraus-
setzungen für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerde-
führers erfüllt.
5.
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung vom
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9. März 2018 ist aufzuheben und das SEM anzuweisen, den Beschwerde-
führer in der Schweiz wegen gegenwärtiger Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
6.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Seitens der
Rechtsvertretung wurde für das Beschwerdeverfahren keine Kostennote
eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen wird verzichtet, da sich
der Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren zuverlässig ab-
schätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die von der Vorinstanz aus-
zurichtende Parteientschädigung ist in Anwendung der genannten Bestim-
mungen und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfak-
toren auf insgesamt Fr. 1600.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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