Decision ID: f0785d56-0531-5fd2-8c8a-50114f97e5dd
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Carlo Häfeli, Dufourstrasse 95, 8008 Zürich,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Mit Bagatellunfallmeldung vom 19. Dezember 2007 (act. G 3.1/A1) liess K._,
geboren 1947, Köchin im A._ und in dieser Eigenschaft bei der AXA Winterthur
Versicherungen AG gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert,
einen Unfall vom 4. September 2007 melden. Die Versicherte habe einen vollen
Milcheimer (10 Liter) in eine Pfanne geleert. Durch das Heben des Gefässes habe sie
sich eine Verletzung in der Schulter zugezogen. Mit Arztzeugnis vom 3. Januar 2008
(act. G 3.1/M1) diagnostizierte Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, der die
Versicherte seit dem 19. Dezember 2007 behandelte, einen Verdacht auf eine
Rotatorenmanschettenruptur links. Auf Veranlassung von Dr. B._ wurde am 4. Januar
2008 in der Klinik Stephanshorn in St. Gallen ein Arthro-MRI der linken Schulter
durchgeführt (act. G 3.1/M2). Dieses zeigte eine ausgedehnte
Rotatorenmanschettenläsion, d.h. u.a. eine breitflächige komplett durchgehende
Ruptur der ansatznahen Supraspinatussehne. Mit Schreiben vom 31. Januar 2008 (act.
G 3.1/M3) diagnostizierte Dr. med. C._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
eine vollständige traumatische Ruptur der Supraspinatussehne links. Er führte zur
Anamnese aus, die Patientin habe im August 2007 eine schwere Michkanne über die
Horizontale gehoben. Dabei sei sie ausgerutscht und auf die linke Schulter gefallen.
Anschliessend sei es zu sehr starken Schmerzen und zu einer
Bewegungseinschränkung gekommen. Mit Vorbescheid vom 12. Februar 2008 zwecks
Gewährung des rechtlichen Gehörs (act. G 3.1/A5) und Verfügung vom 11. März 2008
(act. G 3.1/A8) verneinte die AXA Winterthur ihre Leistungspflicht. Mangels eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors liege kein Unfall im Rechtssinn vor. Auch eine
unfallähnliche Körperschädigung liege mangels eines äusseren Faktors nicht vor.
A.b Am 14. März 2008 wurde die Versicherte an der Klinik für Orthopädische Chirurgie
des Kantonsspitals St. Gallen an der linken Schulter operiert. Im Austrittsbericht vom
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19. März 2008 (act. G 3.1/M5) diagnostizierten Dr. med. D._, Dr. med. E._ und Dr.
med. F._ eine traumatische Supraspinatussehnenruptur linke Schulter (Unfall vom
04.07.07) und einen Verdacht auf eine alte Supra- und Infraspinatussehnenruptur der
rechten Schulter. Unter Anamnese wird ausgeführt, dass die Versicherte am 4. Juli
(recte: September) 2007 bei der Arbeit von einem Hocker gefallen und dabei auf den
ausgestreckten linken Arm gefallen sei.
B.
Am 9. April 2008 erhob die Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom 11. März
2008 (act. G 3.1/A9). Am 10. April 2008 erhob auch der Krankenversicherer der
Versicherten, die CSS Versicherung, Einsprache und machte geltend, es liege eine
unfallähnliche Körperschädigung vor, weshalb die AXA Winterthur für die
Heilungskosten aufkommen müsse (act. G 3.1/A10). Diese legte den Fall ihrem
beratenden Arzt, Dr. med. G._, Spezialarzt FMH Chirurgie, vor, der mit Schreiben
vom 23. September 2008 antwortete, dass die Angaben zum Geschehensablauf
äusserst divergent seien. Gehe man von der primären, von der Versicherten
handschriftlich verfassten Hergangsschilderung aus, handle es sich um einen in einer
Grossküche normalen Bewegungsablauf ohne sinnfälliges Ereignis, so dass das
Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung nicht nachvollzogen werden könne.
Zur Frage, ob eine solch massive Rotatorenmanschettenläsion durch das Heben eines
10 Liter Eimers ohne Sturz entstehen könne, führte Dr. G._ aus, es liege mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine vorbestehende degenerative Situation
vor, wie sie im Alter der Versicherten häufig zu beobachten sei. Der massive Befund sei
deshalb als Vorzustand zu werten. Ein solcher könne sehr häufig über längere Zeit
symptomfrei sein und dann nach einer etwas ungewöhnlichen Bewegung oder einer
starken Belastung ohne Unfall bzw. unfallähnliche Einwirkung massiv symptomatisch
werden (act. G 3.1/M8). Mit Einspracheentscheid vom 1. Oktober 2008 (act. G 3.1/A13)
wies die AXA Winterthur die Einsprachen der Versicherten und der CSS Versicherung
ab. Zur Begründung wurde am Standpunkt festgehalten, es liege weder ein Unfall noch
eine unfallähnliche Körperschädigung vor.
C.
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Mit Eingabe vom 29. Oktober 2008 (act. G 1) erhob die Versicherte gegen den
Einspracheentscheid Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen.
Mit Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2008 (act. G 3) beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Am 2. März 2009 reichte die
Beschwerdeführerin, mittlerweile vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Carlo Häfeli,
Zürich, eine Replik ein (act. G 9). Darin beantragte der Rechtsvertreter, der
angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben, die Beschwerdegegnerin sei
anzuweisen, die gesetzlichen Leistungen aufgrund des Unfalls der Beschwerdeführerin
vom 4. September 2007 auszurichten, alles unter Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Mit Duplik vom 24. März 2009 (act. G 12) hielt die
Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest.

Erwägungen:
1.
Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin für das Ereignis vom 4. September 2007 zu
Recht eine Leistungspflicht nach dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) abgelehnt hat.
2.
2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Art. 4 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] definiert einen
Unfall als die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge
hat. Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die
Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die
Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls
schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ein äusserer Faktor ist
aussergewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen
oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei
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grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV 2000 Nr. U 368 S.
99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen). Das für
den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann
nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen
(RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 176 f.). Weiter bejaht
die Rechtsprechung das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors dann, wenn
beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand
erfolgt und zu einer, gelegentlich als Verhebetrauma bezeichneten, Schädigung führt.
Es muss jedoch von Fall zu Fall geprüft werden, ob die Anstrengung im Hinblick auf
Konstitution und berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person
ausserordentlich war (vgl. BGE 116 V 139 E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2). Bei
unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in
der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt
oder auszuführen versucht (RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1). Dass es tatsächlich zu
einem Sturz kommt, wird mithin nicht vorausgesetzt. Immerhin ist festzuhalten, dass
der Nachweis eines Unfalls bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere
beschränken, insofern strengen Anforderungen unterliegt, als die unmittelbare Ursache
der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss; denn
ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren
Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein
krankheitsbedingter Ursachen besteht (RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4d).
2.2 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Indessen ist die
leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die
Umstände des Unfalls glaubhaft machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach,
indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das
Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen,
besteht keine Leistungspflicht der Unfallversicherung. Im Streitfall obliegt es dem
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Gericht, zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind.
Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen
Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Wird
auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens
mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht – so hat dieses als
unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person
auswirkt (BGE 116 V 140 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei sich widersprechenden
Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die
Beweismaxime abgestellt werden, wonach die so genannten spontanen "Aussagen der
ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere
Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die
versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die
sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grösseres Gewicht zu als jenen
nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 E. 1a mit
Hinweisen). Das Gericht stellt daher auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von
allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt. Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel kommt zur
Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kein wahrscheinlicher
Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 2b).
2.3 In den Akten finden sich unterschiedliche Versionen des Vorfalls vom 4. September
2007. Im "Fragebogen zum Unfallhergang" vom 4. Januar 2008 (act. G 3.1/A2) führte
die Beschwerdeführerin aus: "Der Milchwärmer war höher gelegt. So wollte ich 10 lt.
Milch hineinschütten, und vom Hochheben habe ich einen Riss im Oberarm gespürt,
und einen grossen Schmerz. Diese Tätigkeit ist alltäglich, nur der Behälter ist höher
gelegen, und ich brauchte mehr Kraft." Von einem Sturz von einem Hocker, wie er in
verschiedenen Arztberichten erwähnt wird (act. G 3.1/M3 und M5), ist nicht die Rede.
Mit Schreiben vom 29. Februar 2008 (act. G 3.1/A6) schilderte die Versicherte den
Sachverhalt – im Nachgang zum ablehnenden Vorbescheid der Beschwerdegegnerin
vom 12. Februar 2008 (act. G 3.1/A5) – wie folgt: "Die Milch wurde mit einem 10 L
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Kübel auf einem Wagen vom Kühlschrank in die prov. Küche gestossen und in den
etwas höher gelegten Milchwärmer gegossen. Der Milchwärmer war etwas höher
gestellt, damit die Milch unten herausgelassen werden konnte. Damit ich die Milch in
den Behälter leeren konnte, musste ich einen Schemel nehmen. Leider war dies nicht
möglich, weil mir die Kraft fehlte. Ich wollte den Kübel auf den Wagen stellen, um etwas
Milch abzuleeren, damit es weniger schwer war, aber es kam nicht dazu. Ich drehte
mich halb um und fiel vom Schemel und griff dabei automatisch mit der rechten Hand
zum Wagen um Halt zu suchen und mit der linken hielt ich den Kübel mit der Milch. Der
Wagen schoss an den Türpfosten und wieder zurück. Ich spürte einen Riss am
Oberarm und einen Stoss an der Wirbelsäule und im Nacken." (grammatikalische
Anpassungen ohne Sinnveränderung durch den Verfasser).
2.4 Die Beschwerdegegnerin wendet ein, bezüglich des Unfallhergangs sei von der
Aussage der ersten Stunde und somit von der Sachverhaltsschilderung vom 4. Januar
2008 (act. G 3.1/A2) auszugehen. Der Anwalt der Beschwerdeführerin macht
demgegenüber geltend, die beiden schriftlichen Sachverhaltsschilderungen
widersprächen einander nicht. Die Darstellung vom 29. Februar 2008 (act. G 3.1/A6) sei
lediglich detaillierter und erwähne zusätzlich, dass die Beschwerdeführerin einen
Schemel nehmen musste, da es ihr sonst nicht möglich gewesen wäre, die Milch in den
Behälter zu leeren. Dass sie auf den Boden oder auf die Schulter gefallen sei, werde
von der Beschwerdeführerin nicht behauptet. In der Tat besteht zwischen den beiden
Schilderungen des Unfallhergangs vom 4. Januar 2008 und vom 29. Februar 2008 kein
offensichtlicher Widerspruch. Dennoch fällt auf, dass die Beschwerdeführerin am 4.
Januar 2008 im Fragebogen der Beschwerdegegnerin bei der Frage, ob etwas
Besonderes geschah (Ausgleiten, Sturz etc.), den Schemel und den Verlust des
Gleichgewichts nicht erwähnte. Eine programmwidrige Körperbewegung ist somit nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Ebensowenig kann von einem
Verhebetrauma ausgegangen werden: Das Hochheben einer Milchkanne 10 Liter Inhalt
ist für eine Köchin alltäglich, was sie im Schreiben vom 4. Januar 2008 auch selber
erklärt (act. G 3.1/A2). Es kann somit nicht von einer für ein Verhebetrauma
vorausgesetzten ausserordentlichen Überanstrengung ausgegangen werden. Die
Beschwerdegegnerin hat somit mangels Vorliegens eines ungewöhnlichen äusseren
Faktors das Vorliegen eines Unfalls zu Recht verneint.
3.
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3.1 In Art. 6 Abs. 2 UVG wird der Bundesrat ermächtigt, Körperschädigungen, die den
Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die Versicherung einzubeziehen. Von dieser
Befugnis hat der Bundesrat in Art. 9 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV;
SR 832.202) Gebrauch gemacht. Als sogenannte unfallähnliche Körperschädigungen
sind die in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie
nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch
ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen gleichgestellt. Das bei einem Unfall
im Sinn von Art. 4 ATSG vorausgesetzte Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des
äusseren Faktors ist bei den unfallähnlichen Körperschädigungen also nicht
erforderlich. Hingegen hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) in BGE
129 V 467 E. 2.2 seine Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 43 bestätigt, wonach mit
Ausnahme der Ungewöhnlichkeit auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen die
übrigen Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs - fehlende Absicht, äusserer Faktor,
Plötzlichkeit, Schädigung (Art. 4 ATSG) - erfüllt sein müssen. Laut EVG-
Rechtsprechung kommt hierbei der Voraussetzung des äusseren Ereignisses, d.h.
eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben
unfallähnlichen Vorfalls, besondere Bedeutung zu. Wo kein solches Ereignis mit
Einwirkung auf den Körper stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in
Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig
krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Ist demgegenüber
ein äusseres Ereignis, und sei es auch nur als Auslöser, mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, ergibt sich daraus umgehend die Leistungspflicht
der Unfallversicherung. Der Gegenbeweis, dass die Schädigung eindeutig auf
Krankheit oder Degeneration zurückzuführen ist, steht der Unfallversicherung dann
nicht mehr offen (RKUV 2001 Nr. U 435, S. 332 ff. E. 2c = SVR 2002 UV Nr. 3 S. 5 f.
E. 2c; vgl. die Besprechung dieses Entscheides von Christoph Kieser/Ueli Kieser, SZS
2001, S. 580 ff., 582; ferner Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, 2009, Art. 4
Rz. 72). Kein unfallähnliches Ereignis liegt insbesondere in all jenen Fällen vor, in denen
der äussere Faktor mit den Schmerzen gleichgesetzt wird, wie sie anfänglich bei den in
Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgezählten Gesundheitsschäden typischerweise in
Erscheinung treten. Das Auftreten von Schmerzen als solches ist kein äusserer
(schädigender) Faktor im Sinn der Rechtsprechung. Entsprechend kann dort nicht von
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einem äusseren schädigenden Faktor gesprochen werden, wo die versicherte Person
nur das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag.
Ebenfalls nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors, wenn das
(erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht,
denn für die Bejahung eines äusseren Faktors ist nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes
Gefährdungspotential innewohnt (BGE 129 V 466 E. 4.2.2). Das ist zu bejahen, wenn
die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein
gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche
Betätigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der
Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet,
welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann
sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Die
physiologische Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und
Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar, dem ein zwar nicht ungewöhnliches, jedoch
gegenüber dem normalen Gebrauch der Körperteile gesteigertes Gefährdungspotential
innewohnen muss. Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren
schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer
Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, also im Sinn der bisherigen
Rechtsprechung das plötzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder
belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare Änderung der
Körperlage im Sinn der von der Rechtsprechung positiv beurteilten Sachverhalte (ZBJV
2003 S. 918 f.; BGE 129 V 470 E. 4.2.1, 4.2.2). Erforderlich für die Bejahung eines
äusseren Faktors ist demzufolge ein gesteigertes Schädigungspotential, sei es zufolge
einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur
Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden
Faktors (vgl. BGE 129 V 471 E. 4.3).
3.2 Die Beschwerdeführerin hat unbestrittenermassen eine
Rotatorenmanschettenruptur erlitten. Eine solche kann unter die in Art. 9 Abs. 2 lit. f
UVV erwähnten Sehnenrisse subsumiert werden (vgl. explizit BGE 123 V 43). Die
Beschwerdegegnerin verneint jedoch das Vorliegen einer unfallähnlichen
Körperschädigung, weil das Hochheben eines Milchgefässes mit 10 Liter Inhalt keinen
sinnfälligen oder unfallähnlichen Vorgang darstelle, dem ein gewisses gesteigertes
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Gefährdungspotential innewohne. Diese Beurteilung ist nachvollziehbar. Beim
Hochheben eines Milchgefässes handelt es sich um eine für eine Köchin gewöhnliche
Lebensverrichtung ohne besonderes Gefährdungspotential (vgl. auch die Beispiele in
BGE 129 V 466 E. 4.3). Die Beschwerdeführerin schreibt in ihrer
Sachverhaltsschilderung vom 4. Januar 2008 denn auch selber, dass diese Tätigkeit
alltäglich sei. Lediglich der Behälter sei höher gelegen, weshalb sie mehr Kraft
gebraucht habe. Ihr Anwalt macht zusätzlich geltend, das Anheben eines schweren
Gewichts über die Horizontale hinaus habe eine Überanstrengung dargestellt (vgl. act.
G 9, S. 4). Dabei erscheint es jedoch wenig glaubwürdig, wenn er zu suggerieren
versucht, die Beschwerdeführerin habe den Milchkübel einhändig und mit
ausgestrecktem Arm über die Horizontale hinaus angehoben. Vielmehr ist davon
auszugehen, dass sie dazu, wie beim Anheben von schweren Gewichten über die
Horizontale üblich, beide Hände benutzt hat. Für eine degenerativ bedingte
Schädigung spricht auch die Beurteilung durch Dr. G._ vom 23. September 2008
(act. G 3.1/M8). Nach dieser handelt es sich bei den Befunden mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit um eine vorbestehende degenerative Situation, wie sie
im Alter der Versicherten ausserordentlich häufig zu beobachten sei. Zudem hätte nach
Dr. G._ bei einer derartigen Massenruptur im Rotatorenmanschettenbereich durch
eine äussere Gewalteinwirkung oder eine unfallähnliche Körperschädigung sofort ein
praktisch invalidisierender Schmerz mit Pseudoparalyse der Schulter und immediater
Behandlungsbedürftigkeit auftreten müssen. Dies scheint hier offensichtlich nicht der
Fall zu sein, suchte die Versicherte doch erst am 19. Dezember 2007 ihren Hausarzt
auf. Aus den nachträglich vom Anwalt eingereichten Zeugnissen ergibt sich, dass die
Beschwerdeführerin bereits im Oktober 2007 eine Physiotherapeutin (act. G 9.2) und
am 24. Oktober 2007 ihren Hausarzt Dr. B._ (vgl. act. G 9.1) konsultiert hatte und die
Schulterbeschwerden erwähnte. Die Konsultation am 24. Oktober 2007 erfolgte jedoch
wegen eines Zervikalsyndroms und chronischer Rückenschmerzen. Der Umstand, dass
die Beschwerdeführerin nach dem erstmaligen Auftreten von Schulterschmerzen am 4.
September 2007 so lange mit einer Arztkonsultation zugewartet hat, spricht ebenfalls
gegen ein unfallähnliches Geschehen an diesem Datum. Angesichts dieser Umstände
hat die Beschwerdegegnerin auch das Vorliegen einer unfallähnlichen
Körperschädigung zu Recht verneint.
4.
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Damit ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht sowohl das Vorliegen eines
Unfalls wie auch einer unfallähnlichen Körperschädigung verneint und deshalb eine
Leistungspflicht nach UVG abgelehnt hat. Die dagegen erhobene Beschwerde ist
entsprechend abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG