Decision ID: 5d4b039b-55b4-4b6f-baf5-b927d8835649
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Hinwil vom 12. Dezember 2017 (EE170057-E)
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Rechtsbegehren:
der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (Urk. 1; Urk. 15):
"1. Der Gesuchstellerin sei gestützt auf Art. 175 ZGB das Getrenntleben zu be-
willigen.
2. Der Gesuchsgegner sei ab Aufnahme des Getrenntlebens zu verpflichten,
der Gesuchstellerin angemessene monatliche, monatlich zum Voraus  auf den 28. des Vormonats zahlbare persönliche Unterhaltsbeiträge zu bezahlen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8 % MWST) zu Lasten des Gesuchsgegners."
des Gesuchsgegners und Berufungsklägers (Urk. 18):
"1. Den Parteien sei das Getrenntleben zu bewilligen, und es sei davon Vor-
merk zu nehmen, dass sie bereits seit Januar 2013 getrennt leben.
2. Eventualiter sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Parteien seit über zwei
Jahren getrennt leben (Stichtag: 3. Oktober 2017).
3. Die eheliche Wohnung an der C._-Strasse ... in D._ sei für die
Dauer des Getrenntlebens dem Gesuchsgegner zuzuweisen. Der  sei eine nicht verlängerbare Frist bis maximal 31. März 2018 , um die eheliche Wohnung zu verlassen.
4. Es sei die Gütertrennung per 5. Juli 2017 (Eingang des Eheschutzbegeh-
rens) anzuordnen.
5. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen ange-
messenen Unterhaltsbeitrag zu bezahlen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu Lasten der Ge-
suchstellerin."
Urteil des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Hinwil vom 12. Dezember 2017:
(Urk. 36 S. 26 ff.)
"1. Es wird festgestellt, dass die Parteien auf unbestimmte Zeit zum  berechtigt sind.
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2. Die Teilvereinbarung der Parteien vom 23. November 2017 wird vorgemerkt und genehmigt. Sie lautet wie folgt:
"1. Getrenntleben
Die Parteien erklären, auf unbestimmte Zeit getrennt zu leben.
2. Familienwohnung, Mobiliar und Hausrat
Die Parteien halten fest, dass die Gesuchstellerin die eheliche Liegenschaft
bereits per 16.11.2017 verlassen hat.
3. Gütertrennung
Die Parteien beantragen dem Gericht gemeinsam die Anordnung der Güter-
trennung mit Wirkung ab 5. Juli 2017."
3. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin monatliche Ehe-
gattenunterhaltsbeiträge wie folgt zu bezahlen:
− Fr. 4'150.– vom 17. November bis 31. Dezember 2017;
− Fr. 2'797.– für den Monat Januar 2018;
− Fr. 3'102.– vom 1. Februar bis zum 31. Juli 2018;
− Fr. 2'690.– ab dem 1. August 2018.
Diese Unterhaltsbeiträge sind zahlbar monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats.
4. Diesem Urteil liegen die folgenden finanziellen Verhältnisse der Parteien zu-
grunde:
Nettoeinkommen Gesuchstellerin vom 17. November 2017 bis 31. Juli 2018: Fr. 0.–
Hypothetisches Einkommen Gesuchstellerin ab August 2018: Fr. 1'000.–
Nettoeinkommen Gesuchsgegner bis Dezember 2017: Fr. 9'514.–
Nettoeinkommen Gesuchsgegner im Monat Januar 2018: Fr. 6'814.–
Nettoeinkommen Gesuchsgegner ab Februar 2018: Fr. 7'443.75
Vermögen der Gesuchstellerin: Fr. 15'000.–
Vermögen des Gesuchsgegners: Fr. 49'000.–
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5. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Gesuchstellerin die eheliche Wohnung per 16. November 2017 verlassen hat.
6. Zwischen den Parteien wird mit Wirkung ab 5. Juli 2017 die Gütertrennung
angeordnet.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 675.– Dolmetscherkosten.
8. Die Kosten werden den Parteien je hälftig auferlegt.
9. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
10. (Schriftliche Mitteilung)
11. (Berufung)"
Berufungsanträge:
des Gesuchsgegners und Berufungsklägers (Urk. 35 S. 2):
"1. Es sei Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Hinwil vom 12. De-
zember 2017 (Geschäfts-Nr. EE170057) im Umfang der für den Zeitraum ab dem 1. Februar 2017 (recte: 2018) geregelten Ehegattenunterhaltsbeiträge aufzuheben und wie folgt zu ersetzen:
'- CHF 3'102.– vom 1. Februar bis zum 30. Juni 2018;
- CHF 1'390.– ab dem 1. Juli 2018.'
2. Es sei die Dispositiv-Ziffer 4 des Urteils des Bezirksgerichts Hinwil vom 12.
Dezember 2017 hinsichtlich des festgelegten Einkommens der /Gesuchstellerin aufzuheben und wie folgt zu ersetzen:
'Nettoeinkommen Gesuchstellerin vom 17. November 2017 bis 30. Juni 2018: CHF 0.–
Hypothetisches Einkommen ab 1. Juli 2018 CHF 3'600.–'
3. Eventualiter sei der Entscheid vom 12. Dezember 2017 zur Ergänzung und
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu Lasten der Beru-
fungsbeklagten."
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der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (Urk. 42 S. 2):
"1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen.
2. Das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 12. Dezember 2017 sei in Bezug
auf die Dispositiv-Ziffern 3 und 4 zu bestätigen.
3. Eventualiter sei die vorliegende Sache zur Ergänzung und Neubeurteilung
der Unterhaltsbeiträge an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Der Berufungskläger sei zu verpflichten, der Berufungsbeklagten für das vor-
liegende Berufungsverfahren einen Prozesskostenbeitrag von einstweilen CHF 7'275.– (CHF 4'275.– für Anwaltskosten und CHF 3'000.– für ) zu bezahlen. Eventualiter sei der Berufungsbeklagten für das  Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihr in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher Rechtsbeistand beizugeben.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich 7.7 % MWST) zu Lasten des Berufungsklägers."

Erwägungen:
A. Sachverhalt / Prozessgeschichte
1. Die Parteien sind seit Dezember 2001 verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos (Urk. 18 S. 3; Prot. I S. 30).
2.1. Mit Eingabe vom 4. Juli 2017 ersuchte die Gesuchstellerin und  (fortan Gesuchstellerin) um Anordnung von Eheschutzmassnahmen
(Urk. 1). In der Folge zog die Vorinstanz die Akten der drei vorhergehenden Ehe-
schutzverfahren aus den Jahren 2006, 2007 und 2008 bei (Urk. 6, 7 und 8). Die
Hauptverhandlung fand am 3. Oktober 2017 statt und wurde am 23. November
2017 fortgeführt, wobei eine Teilvereinbarung betreffend das Getrenntleben und
die Gütertrennung geschlossen werden konnte (Prot. I S. 4 ff., 22 ff.; Urk. 28). Mit
Urteil vom 12. Dezember 2017 fällte die erste Instanz den eingangs wiedergege-
benen Entscheid in unbegründeter Fassung (Urk. 29). Mittels Schreiben vom 28.
Dezember 2017 liess der Gesuchsgegner und Berufungskläger (fortan Gesuchs-
gegner) fristwahrend (vgl. Urk. 30) um Begründung des Urteils nachsuchen (Urk.
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31). Mit Schreiben vom 4. Januar 2018 setzte die Vorinstanz die Gegenseite da-
von in Kenntnis (Urk. 32). Am 7. März 2018 wurde schliesslich der begründete
Entscheid verschickt (Urk. 33).
2.2. Gegen diesen Entscheid liess der Gesuchsgegner rechtzeitig (vgl. Urk. 34) mit Eingabe vom 16. März 2018 Berufung erheben und die eingangs zitierten An-
träge stellen (Urk. 35). Den ihm gemäss Präsidialverfügung vom 28. März 2018
auferlegten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 3'000.– bezahlte er rechtzeitig
(Urk. 39 und 40). Mittels Präsidialverfügung vom 19. April 2018 wurde der Ge-
suchstellerin Frist zur Beantwortung der Berufung angesetzt (Urk. 41). Innert Frist
erstattete sie mittels Eingabe vom 7. Mai 2018 ihre Berufungsantwort mit den ein-
gangs erwähnten Anträgen samt Beilagen (Urk. 42 und 45/1-4). Mit Präsidialver-
fügung vom 17. Mai 2018 wurde dem Gesuchsgegner Frist anberaumt, um zu den
von der Gesuchstellerin in ihrer Berufungsantwort neu aufgestellten Behauptun-
gen und den neu eingereichten Unterlagen Stellung zu beziehen sowie um sich
zum Antrag der Gesuchstellerin betreffend Leistung eines Prozesskostenbeitra-
ges für das zweitinstanzliche Verfahren in der Höhe von einstweilen Fr. 7'275.– zu
äussern (Urk. 46). Der Gesuchsgegner bezog rechtzeitig mit Eingabe vom 1. Juni
2018 Stellung, wobei er neue Behauptungen aufstellte sowie eine neue Beilage
einreichte (Urk. 47 und 48/1). Diese Eingabe samt Beilage wurde der Gesuchstel-
lerin am 8. Juni 2018 zugesandt (Urk. 49). Mittels Eingabe vom 18. Juni 2018
(Datum Poststempel) machte diese unverzüglich von ihrem Replikrecht Gebrauch
(Urk. 50), reichte weitere Unterlagen zu den Akten (Urk. 52/1-6) und erhöhte den
von ihr verlangten Prozesskostenbeitrag auf Fr. 8'799.– (Urk. 50 S. 9). Diese Ein-
gabe samt Beilagen wurde am 29. Juni 2018 wiederum dem Gesuchsgegner zur
Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 50 S. 1, 51 und 52/6). Das Verfahren ist nunmehr
spruchreif.
B. Prozessuales / Vorbemerkungen
1. Mit der vorliegenden Berufung nicht angefochten werden die  1, 2, 5 und 6 des vorinstanzlichen Urteils vom 12. Dezember 2017 (Urk. 35
S. 2). Die Rechtskraft der nicht angefochtenen Dispositivziffern ist vorzumerken.
Betreffend die ebenfalls nicht angefochtenen erstinstanzlichen Kosten- und Ent-
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schädigungsfolgen (Urk. 36 S. 28, Dispositivziffern 7-9) erfolgt keine Vormerk-
nahme der (Teil-)Rechtskraft (vgl. Art. 318 Abs. 3 ZPO).
2. Das Berufungsverfahren ist ein eigenständiges Verfahren (BGE 142 III 413 E. 2.2.1). Mit der Berufung kann sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als auch
die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310
ZPO). In der Berufungsschrift sind die Behauptungen bestimmt und vollständig
aufzustellen. Zudem muss sie – im Gegensatz zur Klageschrift – nicht nur eine
tatsächliche, sondern auch eine rechtliche Begründung enthalten (Reetz/Theiler,
in: Sutter-Somm et al., ZPO Komm., 3. A., Art. 311 N 36). Der Berufungskläger
hat mittels klarer und sauberer Verweisungen auf die Ausführungen vor der Vor-
instanz zu zeigen, wo er die massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Be-
streitungen und Einreden erhoben hat. Es ist nämlich nicht Sache der Rechtsmit-
telinstanz, die Akten und die Rechtsschriften der Vorinstanz zu durchforsten, um
festzustellen, was welche Partei wo ausgeführt hat. Damit ist gesagt, dass die Be-
rufungsschrift weder eine pauschale Verweisung auf die bei der Vorinstanz einge-
reichten Rechtsschriften noch eine neuerliche Darstellung der Sach- oder Rechts-
lage enthalten darf, welche nicht darauf eingeht, was vor der Vorinstanz vorge-
bracht worden ist. Pauschale Verweisungen auf die vor der Vorinstanz einge-
brachten Rechtsschriften sind namentlich dann unzulässig, wenn sich die Vor-
instanz mit den Ausführungen des Berufungsklägers auseinandergesetzt hat.
Stützt sich der angefochtene Entscheid auf mehrere selbständige Begründungen,
muss sich der Berufungskläger in der Berufungsschrift mit allen Begründungen
auseinandersetzen. Das Gleiche gilt im Falle von Haupt- und Eventualbegrün-
dung. Auch hier muss sich der Berufungskläger mit beiden Begründungen ausei-
nandersetzen (Hungerbühler/Bucher, DIKE-Komm-ZPO, Art. 311 N 42 f.). Zwar
prüft die Berufungsinstanz nicht nur die geltend gemachten Rügen (Rügeprinzip).
Aber das Gericht muss den angefochtenen Entscheid nicht von sich aus auf Män-
gel untersuchen, es sei denn, der Sachverhalt sei geradezu willkürlich festgestellt
worden oder das Recht sei geradezu willkürlich angewandt worden (Reetz/Thei-
ler, a.a.O.). Aufgrund der umfassenden Überprüfungsbefugnis ist die Berufungs-
instanz nicht an die mit den Rügen vorgebrachten Argumente oder an die Erwä-
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gungen der Vorinstanz gebunden, sie kann die Rügen auch mit abweichenden
Erwägungen gutheissen oder abweisen (vgl. Reetz/Theiler, a.a.O., Art. 310 N 6).
3. Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfahren betreffend die der eingeschränkten Untersuchungsmaxime unterliegenden Belan-
ge – wie die vorliegend im Streit liegenden Ehegattenunterhaltsbeiträge – nur un-
ter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt werden, das
heisst, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer
Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). Neue
rechtliche Ausführungen stellen keine Noven dar.
4.1. Der Gesuchsgegner rügt zunächst eine Verletzung der Dispositionsmaxime durch die Vorinstanz, weil die anwaltlich vertretene Gesuchstellerin nur angemes-
sene Unterhaltsbeiträge verlangt und diese bis zum Ende des Hauptverfahrens
nie beziffert habe (Urk. 35 S. 3 f.; vgl. auch Urk. 47 S. 4).
Die Gesuchstellerin stellt eine Verletzung der Dispositionsmaxime in Abrede, zu-
mal der Gesuchsgegner sich bereit erklärt habe, angemessene Ehegattenunter-
haltsbeiträge zu bezahlen und die Bemessung der Unterhaltsbeiträge somit in das
richterliche Ermessen gestellt habe. Auf dieser Anerkennung sei er zu behaften.
Zudem leite der Gesuchsgegner aus der – von ihr bestrittenen – Verletzung der
Dispositionsmaxime nichts ab, insbesondere auch nicht die Aufhebung der Unter-
haltsbeiträge, weshalb auf diese Ausführungen des Gesuchsgegners ohnehin
nicht einzugehen sei. Hinzu komme, dass er vor Vorinstanz eine solche Verlet-
zung nie geltend gemacht habe, weshalb sein Verhalten rechtsmissbräuchlich sei.
Sodann habe sie dargelegt, dass sie ab 12. Oktober 2017 kein Einkommen erzie-
le und ihr auch kein hypothetisches Einkommen anzurechnen sei. Zudem habe
sie das Einkommen ihrer (vorehelichen) Tochter und die Bedarfszahlen dargetan.
Es sei für das Gericht somit ohne weiteres ersichtlich gewesen, welche Mindest-
beträge sie ab Aufnahme des Getrenntlebens, welches im Zeitpunkt der erwähn-
ten Verhandlung noch nicht vorgelegen habe, benötigen würde. Das Rechtsbe-
gehren sei somit hinreichend bestimmt gewesen (Urk. 42 S. 3 ff.).
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4.2. In Bezug auf die Ehegattenunterhaltsbeiträge gilt der Dispositionsgrundsatz. Verlangt ein Ehegatte persönliche Unterhaltsbeiträge, hat er diese in seinem Be-
gehren zu beziffern und der Richter darf ihm nicht mehr zusprechen, als er ver-
langt hat (Art. 84 Abs. 2 ZPO; Art. 58 Abs. 1 ZPO). Ist ihm eine Bezifferung nicht
möglich oder unzumutbar, weil ihm zuverlässige Angaben über das Einkommen
und das Vermögen des anderen Ehegatten fehlen, hat er zu Beginn des Prozes-
ses einen Mindestbetrag zu nennen (Art. 85 Abs. 1 ZPO). Die Unterhaltsbeiträge
sind sodann zu beziffern, sobald der sie beantragende Ehegatte nach Abschluss
des Beweisverfahrens oder nach Auskunftserteilung durch den anderen Ehegat-
ten dazu in der Lage ist (Art. 85 Abs. 2 ZPO). In Nachachtung des Untersu-
chungsgrundsatzes (Art. 272 ZPO) sowie der richterlichen Fragepflicht (Art. 56
ZPO) hat der Richter einen unbeholfenen Ehegatten spätestens nach Vorliegen
der benötigten Informationen und Unterlagen zur Bezifferung seines Begehrens
aufzufordern. Unzulässig ist das Begehren, der Richter solle die Ehegattenunter-
haltsbeiträge nach Ermessen oder im üblichen Umfang festlegen (Jann Six, Ehe-
schutz, Ein Handbuch für die Praxis, 2. A., Bern 2014, Rz 2.62). Rechtsbegehren
sind nach dem Vertrauensprinzip und unter Beizug der Klagebegründung auszu-
legen, allenfalls unter Beanspruchung der richterlichen Fragepflicht nach Art. 56
ZPO (Engler, OFK-ZPO, ZPO 221 N 4). Bei anwaltlich vertretenen Parteien ist die
Fragepflicht jedoch eingeschränkt (Sarbach, OFK-ZPO, ZPO 56 N 2 m.H.).
Vorliegend liess die anwaltlich vertretene (und damit nicht unbeholfene) Gesuch-
stellerin mit ihrem Eheschutzbegehren unter anderem die Zusprechung von an-
gemessenen monatlichen persönlichen Unterhaltsbeiträgen verlangen mit dem
Hinweis, dass die Begründung der Anträge anlässlich der Hauptverhandlung er-
folgen werde (Urk. 1 S. 2). Auch im Rahmen ihrer Plädoyernotizen verlangte die
Gesuchstellerin angemessene monatliche persönliche Unterhaltsbeiträge und gab
ihr Einkommen, bestehend aus Arbeitslosentaggeldern, mit durchschnittlich
Fr. 2'023.70 netto pro Monat an. Ab 13. Oktober 2017 werde sie ausgesteuert
sein und über keinerlei Einkünfte mehr verfügen. Ein hypothetisches Einkommen
könne ihr nicht angerechnet werden. Ihren monatlichen Bedarf bezifferte sie mit
Fr. 4'134.65 (Urk. 15 S. 1, 3 ff.). Vor diesem Hintergrund kann davon ausgegan-
gen werden, dass die Gesuchstellerin ab dem Auszug aus der ehelichen Liegen-
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schaft per 16. November 2017 (vgl. Urk. 36 S. 26, 27) jedenfalls monatliche Un-
terhaltsbeiträge in der Höhe von gerundet Fr. 4'135.– verlangt hat. Wenn die Vor-
instanz betreffend die Zeitphase von 17. November 2017 bis 31. Dezember 2017
persönliche Unterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 4'150.– zusprach, verletzte sie
somit die Dispositionsmaxime im geringfügigen Umfang von rund Fr. 15.– pro
Monat. Der Gesuchsgegner rügt zwar die Verletzung der Dispositionsmaxime,
ficht aber einzig die vorinstanzlichen Unterhaltsbeiträge ab Juli 2018 an (Urk. 35
S. 2, 5 i.V.m. Urk. 36 S. 27). Die Gesuchstellerin selbst hat keine Berufung erho-
ben. Vor diesem Hintergrund sowie in Anbetracht der Geringfügigkeit des Betra-
ges führt das vorinstanzliche Vorgehen nicht zur diesbezüglichen Aufhebung der
vor-instanzlichen Unterhaltsregelung. Daran ändert nichts, dass den Parteien von
der Vorinstanz nach Abschluss der Teilvereinbarung anlässlich der Fortsetzung
der Hauptverhandlung vom 23. November 2017 keine Gelegenheit zur Stellung-
nahme bzw. nachträglichen Bezifferung des Rechtsbegehrens eingeräumt wurde
(Prot. I S. 22 ff., 38; Urk. 42 S. 7; Urk. 47 S. 4). Die anwaltlich vertretenen Partei-
en haben solches im Übrigen auch nicht (mehr) verlangt.
C. Unterhaltsbeiträge
1. Ausgangslage
Angefochten sind die von der Vorinstanz festgesetzten Ehegattenunterhaltsbei-
träge ab Juli 2018. Strittig sind vor allem die Höhe und der Beginn des von der
Vorinstanz der Gesuchstellerin angerechneten hypothetischen Einkommens.
Nicht angefochten werden die vorinstanzlichen Bedarfsberechnungen der Partei-
en (Urk. 35 S. 5; Urk. 42 S. 8, 18, 20; Urk. 36 S. 8 ff. und S. 25 f.) und das Ein-
kommen des Gesuchsgegners in der Höhe von insgesamt Fr. 7'443.75 ab Febru-
ar 2018 (Urk. 35 S. 10; Urk. 36 S. 27; Urk. 42 S. 23).
2. Einkommen der Gesuchstellerin
2.1. Die erste Instanz erwog, die Gesuchstellerin sei 50-jährig und werde im März 2018 51 Jahre alt. Es sei nachvollziehbar, dass es in ihrem Alter nicht mehr
einfach sei, eine Stelle zu finden. Erschwerend komme hinzu, dass die Gesuch-
stellerin nur über eine Ausbildung als Pflegehelferin verfüge und Mühe mit der
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deutschen Sprache bekunde. Es handle sich jedoch für die Gesuchstellerin nicht
um einen Wiedereinstieg nach einer langen Hausgattenehe. Nach eigenen Aus-
sagen habe die Gesuchstellerin während der Ehe stets gearbeitet. Aus den ver-
gangenen Eheschutzverfahren gehe jedoch hervor, dass sie nicht regelmässig
und immer nur in einem Teilzeitpensum gearbeitet und nie besonders viel verdient
habe. Zudem sei sie meist nur temporär angestellt gewesen. Bei den meisten
Stellen habe sie weniger als Fr. 1'000.– pro Monat verdient. Im Jahr 2015 habe
sie jedoch ein Einkommen von Fr. 2'226.90 monatlich erzielt. Die Gesuchstellerin
sei zudem äusserst motiviert und traue sich zu, zwischen Fr. 2'500.– und
Fr. 3'000.– pro Monat zu verdienen. Ausserdem habe sie keine gesundheitlichen
Einschränkungen. In Betracht kämen Stellen in den Bereichen Reinigung, Logis-
tik, Gastgewerbe und Pflege. Die Gesuchstellerin sei im Bereich Pflege auf Stel-
lensuche, habe kürzlich eine Ausbildung zur Pflegehelferin absolviert und habe in
diesem Bereich auch schon einen Probearbeitstag absolvieren können. Weil der
Eheschutz das Getrenntleben nur vorübergehend regle, und weil es für die Ge-
suchstellerin schwierig sein dürfte, direkt eine Stelle mit einem hohen oder gar
vollzeitigen Pensum zu finden, sei ihr in dieser Zeit vorerst nur eine Teilzeittätig-
keit zuzumuten. Sie könnte beispielsweise eine Teilzeitstelle in einem Altersheim
oder bei der Spitex erhalten. Aber auch im Bereich Logistik habe sie Erfahrung
sammeln können. Es sei gerichtsnotorisch, dass es in der Reinigungsbranche und
im Gastgewerbe Stellen gebe, für welche weder eine Ausbildung noch fundierte
Deutschkenntnisse nötig seien. Gemäss dem Lohnrechner des BFS und dem
Lohnbuch von Mühlhauser sollte es der Gesuchstellerin bei einem Arbeitspensum
von acht bis zwanzig Wochenstunden möglich sein, mindestens Fr. 1'000.– netto
zu verdienen. Trotz der erkannten Schwierigkeiten, welche die Gesuchstellerin bei
der Stellensuche habe, überzeuge vorliegend ihre Zuversicht und Motivation, wo-
nach es ihr möglich sein werde, erneut mit einem Teilzeitpensum in das Arbeits-
leben einzusteigen. Da es sich zwar nicht um einen kompletten Wiedereinstieg
nach langer Zeit handle, die Gesuchstellerin jedoch seit 2015 nicht mehr gearbei-
tet habe, sei ihr für die Stellensuche bis im August 2018 und somit gut sieben
Monate Zeit zu geben (Urk. 36 S. 19-23 m.w.H.).
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2.2. Der Gesuchsgegner rügt, die Vorinstanz habe das hypothetische  der Gesuchstellerin willkürlich zu tief festgesetzt. Das Bundesgericht habe
bei einem Wiedereinstieg ins Berufsleben die Altersgrenze bei Frauen sukzessive
auf über 50 Jahre ausgedehnt. Zudem werde insbesondere jenen Frauen, welche
bereits während der Ehe teilzeitlich erwerbstätig gewesen seien, eine Ausdeh-
nung der Erwerbstätigkeit auf 100 % auch später noch zugemutet. Von einem
Wiedereinstieg könne bei der Gesuchstellerin nicht die Rede sein. Wie die Vor-
instanz richtig festhalte, habe sie während der Ehe stets gearbeitet. Die Gesuch-
stellerin sei denn auch motiviert, eine neue Arbeitsstelle zu finden, bei der sie ein
Einkommen zwischen Fr. 2'500.– und Fr. 3'000.– generieren könne. Es sei allge-
mein bekannt und dürfe als gerichtsnotorisch bezeichnet werden, dass in den von
der Vor-instanz in Betracht gezogenen Bereichen Reinigung und Pflege bei ent-
sprechendem Willen ohne weiteres eine Stelle gefunden werden könne. Selbst
die Vor-instanz sei der Meinung, dass die Gesuchstellerin in einem Altersheim
oder bei der Spitex arbeiten könnte. Gemäss Salarium des Bundesamtes für Sta-
tistik könne eine 51-jährige Frau ohne abgeschlossene Berufsausbildung im Kan-
ton Zürich im Gesundheitswesen als Reinigungs- oder sonstige Hilfskraft mindes-
tens Fr. 3'609.– verdienen bei einem Vollzeitpensum. Es erscheine geradezu will-
kürlich, dass die Vorinstanz der Gesuchstellerin nur ein Pensum von 20 bis 50 %
zumute, nachdem diese völlig andere Aussagen zu Arbeitsmotivation und Höhe
des Einkommens gemacht habe. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Ge-
suchstellerin vorerst einer Teilzeittätigkeit nachgehen sollte, obschon einem Voll-
pensum weder gesundheitliche noch andere Gründe, wie etwa Betreuungsaufga-
ben, entgegen stünden. Die Gesuchstellerin habe nie gesagt, sie könne nur Teil-
zeit arbeiten. Ohne ersichtlichen Grund – und deshalb willkürlich und auch gegen
den Grundsatz der Dispositionsmaxime verstossend – setze die Vorinstanz das
Pensum auf acht bis zwanzig Wochenstunden fest, was einerseits einer nicht
nachvollziehbar grossen Bandbreite eines Teilzeitpensums entspreche. Anderer-
seits sei aber auch nicht einzusehen, weshalb sich die Gesuchstellerin bei der Ar-
beitssuche auf ein Teilzeitpensum beschränken sollte, wenn es gerichtsnotorisch
sei, dass Vollzeitstellen einfacher zu finden seien. Ausgehend von einer solchen
Vollzeitstelle sei ihr in Anlehnung an das Salarium ein hypothetisches Einkommen
von Fr. 3'600.– pro Monat anzurechnen. Der Gesuchstellerin habe bereits im Zeit-
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raum des ersten Eheschutzverfahrens, spätestens aber seit Einreichung des vor-
liegenden Eheschutzbegehrens am 5. Juli 2017 bewusst gewesen sein müssen,
dass sie inskünftig ihre Eigenversorgungskapazität voll würde ausnützen müssen.
Es sei daher nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz ihr für die Stellensu-
che nochmals sieben Monate seit dem Urteil vom 12. Dezember 2017 einräume.
Weil vielerorts Reinigungs- oder Hilfskräfte auch ohne besondere Deutschkennt-
nisse eingestellt würden, sei der Gesuchstellerin eine Übergangsfrist bis höchs-
tens 30. Juni 2018 zur Stellensuche einzuräumen. Zusammengefasst sei ihr somit
ab 1. Juli 2018 ein hypothetisches Einkommen in der Höhe von Fr. 3'600.– anzu-
rechnen (Urk. 35 S. 6 ff.).
2.3. Die Gesuchstellerin hält dem im Wesentlichen entgegen, sie akzeptiere, dass ihr ab August 2018 ein fiktives Einkommen von Fr. 1'000.– angerechnet
werde. Gemäss bundesgerichtlicher Praxis sei ein Wiedereinstieg in der Regel
nach wie vor nach dem 45. Altersjahr nicht mehr möglich. Es bestehe lediglich ei-
ne Tendenz, die Alterslimite bei 50 Jahren anzusetzen. Entgegen den vom Ge-
suchsgegner zitierten Bundesgerichtsentscheiden handle es sich hier nicht um ei-
ne Ausdehnung einer bestehenden Erwerbstätigkeit, nachdem die Gesuchstelle-
rin mittlerweile über zwei Jahre arbeitslos und somit überhaupt nicht erwerbstätig
sei. Zudem bestehe im vorliegenden Eheschutzverfahren nach wie vor die eheli-
che Solidarität weiter. Vorliegend handle es sich denn auch um einen Wiederein-
stieg, weil die Gesuchstellerin nicht immer, sondern immer wieder während der
Ehe Teilzeit gearbeitet habe, aktuell jedoch seit über zwei Jahren arbeitslos sei.
Es stimme nicht, dass allgemein bekannt sei und als gerichtsnotorisch bezeichnet
werden dürfe, dass in den Bereichen Reinigung und Pflege ohne weiteres eine
Stelle gefunden werden könne. Hätte sich die Gesuchstellerin nicht ordnungsge-
mäss auf solche Stellen beworben, hätte sie keine Arbeitslosengelder erhalten.
Zudem sei unbestritten geblieben, dass sie ernsthafte Suchbemühungen unter-
nommen habe. Wie aus den beiliegenden Bewerbungs- und Absageschreiben
hervorgehe, habe sie sich, insbesondere auch nach dem Zeitpunkt des vo-
rinstanzlichen Urteils, weiterhin leider erfolglos bemüht, eine Arbeitsstelle zu fin-
den. Zu Recht habe die Vorinstanz lediglich in Bezug auf eine Teilzeitarbeit die
reale Möglichkeit einer Arbeitsaufnahme gesehen, weil die Gesuchstellerin immer
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nur Teilzeit gearbeitet habe. Auch die Dispositionsmaxime sei nicht verletzt, weil
sie beantragt habe, es sei ihr kein hypothetisches Einkommen anzurechnen. Dass
sie persönlich deponiert habe, sie glaube, in Zukunft ein entsprechendes Ein-
kommen verdienen zu können, ändere daran nichts, weil darin keine Zugabe er-
blickt werden könne. Gerade in der Reinigungs- und Pflegebranche sei es im Üb-
rigen einfacher, eine Teilzeit- als eine Vollzeitstelle zu finden. Die gegnerische
Behauptung, wonach ihr ein hypothetisches Monatseinkommen von Fr. 3'600.–
anzurechnen sei, stelle ein unzulässiges Novum dar, weil der Gesuchsgegner vor
Vorinstanz noch die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens in der Höhe
des Arbeitslosengeldes (Fr. 2'277.– bzw. Fr. 2'023.70) gefordert habe. Die von
der Vorinstanz anberaumte Übergangsfrist von sieben Monaten sei angemessen
und nicht zu beanstanden (Urk. 42 S. 8 ff.).
2.4. a) Die Voraussetzungen für die Anrechnung eines hypothetischen  hat die Vorinstanz richtig dargelegt (vgl. Urk. 36 S. 20 f. m.H.). Die Ein-
kommenssteigerung muss tatsächlich möglich und zumutbar sein. Weiter ist eine
angemessene Übergangsfrist anzusetzen. Solches ist denn auch nicht strittig
(Urk. 35 S. 9; Urk. 42 S. 17). Zwecks Ergänzung und Verdeutlichung ist Folgen-
des festzuhalten: Nach konstanter bundesgerichtlicher Praxis bestehen während
der Dauer der Trennung im Sinne von Art. 175 ZGB die Ehebande und damit die
gegenseitigen Beistands- und Unterstützungspflichten nach wie vor und bildet
Art. 163 ZGB (und nicht Art. 125 ZGB) die Grundlage für die Festsetzung des
Trennungsunterhalts (BGE 140 III 337 E. 4.2.1; BGE 137 III 385 E. 3.1). Dement-
sprechend ist bei der Regelung des Getrenntlebens bzw. bei der Festsetzung von
ehelichen Unterhaltsbeiträgen nach Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB primär von der
zwischen den Ehegatten vereinbarten Lastenverteilung auszugehen. Das gilt
grundsätzlich auch dann, wenn – wie vorliegend – nicht mehr ernsthaft mit einer
Wiederaufnahme des Zusammenlebens zu rechnen ist und die Eheschutzmass-
nahmen in erster Linie dazu dienen, die Zeit bis zur Scheidung zu regeln (BGE
138 III 97 E. 2.2; BGE 137 III 385 E. 3.1; Six, a.a.O., Rz 2.53 f.). In solchen Fällen
gewinnt aber neben der ehelichen Solidarität das Ziel der wirtschaftlichen Selbst-
ständigkeit an Bedeutung, weshalb beim Entscheid über den ehelichen Unterhalt
während der Dauer der Trennung auch die für den nachehelichen Unterhalt gel-
- 15 -
tenden Kriterien von Art. 125 ZGB miteinzubeziehen sind (BGE 128 III 65 E. 4.a;
BGE 137 III 385 E. 3.1; BGE 138 III 97 E. 2.2; BGer 5A_298/2015 vom 30. Sep-
tember 2015, E. 3.1). Wie das Wort "miteinzubeziehen" bereits zum Ausdruck
bringt, bedeutet dies jedoch nicht, dass in einem solchen Fall ausschliesslich die
Kriterien von Art. 125 ZGB zur Anwendung gelangen und die Festsetzung der
ehelichen Unterhaltsbeiträge nach Art. 176 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 163 ZGB durch
die zu erwartende nacheheliche Unterhaltsregelung resp. die entsprechenden
Überlegungen präjudiziert wird. Im Eheschutzverfahren soll insbesondere nicht
der Entscheid über den nachehelichen Unterhalt vorweggenommen werden.
Vielmehr ist zu prüfen, ob und in welchem Umfang einem Ehegatten im Lichte
dieser Kriterien allenfalls schon während der Dauer der Eheschutzmassnahmen
eine (Wieder-) Aufnahme oder Ausdehnung der Erwerbstätigkeit und damit die
Erzielung eines eigenen oder höheren Erwerbseinkommens zuzumuten ist (BGE
138 III 97 E. 2.2; BGE 137 III 385 E. 3.1; BGE 130 III 537 E. 3.2; Six, a.a.O., Rz
2.54 und Rz 2.158). Dadurch erhält der betroffene Ehegatte den Schutz, den ihm
die Ehe bietet. Auf der anderen Seite trifft ihn aber auch die Pflicht, sich im Rah-
men des Zumutbaren auf die absehbare Auflösung der Ehe vorzubereiten (Brun-
ner, in Hausheer/Spycher [Hrsg.], Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. A. 2010, Rz
04.62; OGer ZH LE150071 vom 10.02.2016, E. III/4). Die Verpflichtung zur Erzie-
lung eines eigenen oder höheren Erwerbseinkommens ergibt sich im Übrigen
auch bereits aus Art. 163 ZGB, indem einerseits für die Finanzierung von zwei
Haushalten höhere Kosten anfallen und andererseits für den haushaltsführenden
Ehegatten der bisherige Beitrag an die gemeinsamen Lasten (unter Vorbehalt von
Erziehungspflichten) wegfällt, wenn neu jeder Teil einen eigenen Haushalt führt.
Dies bedeutet normalerweise gleichzeitig, dass Kapazitäten für die (Wieder-
)Aufnahme oder Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit frei werden, soweit nicht Kin-
der zu betreuen sind, weshalb sich der bisher haushaltsführende Ehegatte nicht
unbeschränkt auf die seinerzeit vereinbarte Rollenteilung berufen kann, zumal
diese stillschweigend unter dem Vorbehalt gleich bleibender Verhältnisse steht
(vgl. BGer 5A_122/2011 vom 9. Juni 2011, E. 4).
Es gilt nach wie vor der Grundsatz, dass dem bislang nicht erwerbstätigen (ge-
sunden und von Erziehungspflichten befreiten) Ehegatten die Aufnahme einer
- 16 -
Erwerbsarbeit bis zum vollendeten 45. Altersjahr zumutbar ist, wobei es sich da-
bei nicht um eine starre Regel handelt, sondern um eine Richtlinie (so schon BGE
115 II 6 E. 5a) und eine Tendenz besteht, die Alterslimite auf 50 Jahre anzuheben
(BGE 137 III 102 E. 4.2.2.2 m.w.H.). Wie schnell und wie kategorisch sich der
Ehegatte in den Arbeitsprozess eingliedern muss, hängt stark von den finanziellen
Verhältnissen ab. Sodann ist von entscheidender Bedeutung, ob es sich um den
beruflichen (Wieder-)Einstieg nach jahrelangem Erwerbsunterbruch oder bloss
um die Ausdehnung einer bereits bestehenden Erwerbstätigkeit handelt. So kann
die Ausdehnung der Erwerbsarbeit allenfalls auch einer älteren Person zumutbar
sein (vgl. BGer 5A_206/2010 vom 21. Juni 2010, E. 5, betreffend eine 54-jährige
Frau, die während der gesamten Ehedauer berufstätig war und sich zudem auf ih-
rem Beruf weiterbildete). Aus dem Ausgeführten zeigt sich, dass stets die konkre-
ten Verhältnisse des Einzelfalles massgebend sind (vgl. BGer 5A_21/2012 vom
3. Mai 2012 E. 3.3; OGer ZH LE150008 vom 26.10.2015, E. III/4.1), unter denen
neben der Dauer der Ehe, der gelebten Aufgabenverteilung, der zeitlichen Ver-
fügbarkeit, dem Alter, der Ausbildung, der Berufserfahrung und der gesundheitli-
chen Verfassung insbesondere auch die aktuelle finanzielle Lage der Parteien
von entscheidender Bedeutung ist (vgl. Six, a.a.O., Rz 2.158). Es handelt sich um
einen Ermessensentscheid im Sinne von Art. 4 ZGB, bei welchem dem Gericht
ein weites Ermessen zukommt (vgl. BGE 134 III 577 E. 4; BGer 5A_766/2012
vom 14. Februar 2013, E. 4.3.3; BGer 5A_565/2015 vom 24. November 2015, E.
2.2).
b) Die Parteien sind seit Dezember 2001 und damit über 16 Jahre verheiratet und haben keine gemeinsamen Kinder (Urk. 18 S. 3; Prot. I S. 30). Mit Blick auf
den Umstand, dass die Parteien bereits mehrere Eheschutzverfahren durchlaufen
haben und seit 17. November 2017 in getrennten Wohnungen leben, erscheint ei-
ne erneute Wiederaufnahme des Zusammenlebens nunmehr eher unwahrschein-
lich (vgl. auch Urk. 36 S. 23; Prot. I S. 4, 23, 30 ff.). Die Gesuchstellerin war im
Zeitpunkt der definitiven Trennung per 17. November 2017 50-jährig. Sie hat Mü-
he mit der deutschen Sprache und verfügt lediglich über eine sechsmonatige
Ausbildung als Pflegehelferin. Allerdings hat sie während der Ehe immer wieder
gearbeitet. Es handelte sich jedoch nicht um regelmässige Arbeiten, sondern
- 17 -
vielmehr um verschiedene Temporäreinsätze im Teilzeitpensum und im Stunden-
lohn (vgl. Urk. 6/7/3, 4; Urk. 7/12/3; Urk. 8/8; Prot. I S. 25 f.; Urk. 36 S. 21). Im
Jahr 2006 war sie beispielsweise während dreier Monate bei der E._ AG in
.../SG tätig, wo sie an vier ganzen Tagen die Woche arbeitete. Ihr durchschnittli-
ches Wochenpensum betrug zirka 24 Stunden (vgl. Urk. 6/6 S. 10; Urk. 6/7/3; vgl.
auch Urk. 7: Prot. S. 4; Urk. 7/11 S. 9). In den Jahren 2014 und 2015 arbeitete sie
in der Logistik bei der F._ AG, wo sie im Teilzeitpensum zwischen Fr. 2'500.–
und Fr. 3'000.– verdiente. Im Jahr 2015 erzielte sie namentlich ein durchschnittli-
ches Nettoeinkommen von Fr. 2'226.90 pro Monat. Ihre letzte Anstellung hatte sie
als Pflegehelferin. Von April 2016 bis Mitte Oktober 2017 bezog sie Arbeitslosen-
taggelder von durchschnittlich rund Fr. 2'270.– pro Monat, wobei der versicherte
Verdienst Fr. 2'705.– brutto betrug (Prot. I S. 24-26; Urk. 10/3, 4; Urk. 15 S. 4;
Urk. 16/16; Urk. 17). Die Gesuchstellerin selbst scheint äusserst motiviert, wieder
zu arbeiten und traut sich zu, zwischen Fr. 2'500.– bis Fr. 3'000.– pro Monat ver-
dienen zu können (Prot. I S. 26).
Nach dem Gesagten handelt es sich vorliegend zwar nicht um eine Ausdehnung
einer bestehenden Erwerbstätigkeit, aber, wie bereits die Vorinstanz zutreffend
feststellte, auch nicht um einen klassischen Wiedereinstieg nach einer jahrelan-
gen Hausgattenehe mit Erwerbsunterbruch. Vielmehr ist von einer Zuverdienst-
ehe auszugehen. Die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit ist der Gesuchstel-
lerin deshalb trotz ihres Alters zuzumuten. Die Gesuchstellerin ist gesund und frei
von jeglichen Kinderbetreuungspflichten. Es ist ihr daher mit Blick auf ihre bisheri-
gen Tätigkeiten, entgegen der Vorinstanz, welche lediglich von einem 20 bis
50 %-Pensum ausging (Urk. 36 S. 22), was der Gesuchsgegner zu Recht bemän-
gelt (Urk. 35 S. 7), zuzumuten, bereits im Zuge des Getrenntlebens ein Arbeits-
pensum von wenigstens 70 % zu verrichten. Die Gesuchstellerin bewarb sich
nämlich unter anderem auf 100 %-Stellen als Pflegeassistentin bzw. Reinigungs-
mitarbeiterin sowie auf eine Anstellung als Lagermitarbeiterin im 60- bis 80 %-
Pensum (Urk. 45/1, 2 i.V.m. Art. 317 Abs. 1 ZPO; Urk. 47 S. 3 f.). Ein solches
70 %-Pensum erscheint auch tatsächlich möglich. Einerseits stellt das Gesund-
heitswesen eine klassische Teilzeitbranche dar und im Pflegebereich, wo die Ge-
suchstellerin primär eine Anstellung sucht (Prot. I S. 25), sind denn auch viele
- 18 -
Teilzeitstellen verfügbar (vgl. z.B. www.jobs.ch; www.indeed.ch etc.). Andererseits
vermag die Gesuchstellerin dieses Pensum allenfalls auch im Rahmen mehrerer,
miteinander koordinierbarer Teilzeit- und Temporäranstellungen zu bewältigen,
zumal mit der Vorinstanz davon auszugehen ist, dass es für die Gesuchstellerin
schwierig sein dürfte, direkt eine Stelle mit hohem oder gar vollzeitigem Pensum
zu finden (Urk. 36 S. 22; vgl. dazu auch die neu beigebrachten Absageschreiben:
Urk. 45/2 i.V.m. Art. 317 Abs. 1 ZPO). Im Rahmen des vorliegenden Eheschutz-
verfahrens besteht im Übrigen denn auch keine Veranlassung, die Gesuchstelle-
rin zu einem solchen Vollzeitpensum anzuhalten, weil die finanziellen Mittel aus-
reichend sind. Im Hinblick auf die absehbare Scheidung wird die Gesuchstellerin
jedoch gehalten sein, sich um eine zumutbare und, nachdem ihr die Wiederein-
gliederung ins Berufsleben geglückt ist, auch tatsächlich mögliche Vollzeitstelle zu
bemühen.
Im Rahmen eines 70 %-igen Arbeitspensums ist es der Gesuchstellerin möglich,
in den von der Vorinstanz zu Recht in Betracht gezogenen Bereichen Reinigung,
Logistik, Gastgewerbe und Pflege (vgl. Urk. 36 S. 22) jedenfalls ein Nettoein-
kommen von monatlich rund Fr. 2'200.– zu verdienen, wie sie dies denn auch im
Rahmen ihrer Anstellung in der Logistikbranche im Jahr 2015 vermochte (vgl.
auch Mühlhauser, Lohnbuch Schweiz 2017, Alle Löhne der Schweiz auf einen
Blick, S. 533 [Pflegehelfer: Fr. 3'893.15], S. 343 [Kantinenpersonal, Fr. 3'144.–],
S. 469 [Unterhaltsreiniger, Fr. 3'419.–], je Bruttolöhne im Vollzeitpensum, wobei
der 13. Monatslohn jeweils noch dazuzuzählen ist [S. 33]).
Vor Vorinstanz wollte der Gesuchsgegner der Gesuchstellerin im Übrigen ein hy-
pothetisches Einkommen in der Höhe der Arbeitslosentaggelder, welche nach
seiner Ansicht Fr. 2'277.– pro Monat betrugen, anrechnen lassen (Urk. 18 S. 9;
Prot. I S. 19). Die Dispositionsmaxime ist somit entgegen der Ansicht der Ge-
suchstellerin nicht verletzt (vgl. Urk. 42 S. 14 f.). Solches wäre im Übrigen ohne-
hin nur betreffend das Ergebnis der konkreten Unterhaltsbeiträge und nicht be-
züglich der Begründung der Fall. Ob der Gesuchstellerin die Erzielung eines hö-
heren Einkommens in einer bestimmten Höhe zuzumuten ist, ist eine Rechtsfra-
ge. Neue rechtliche Vorbringen sind stets zulässig. Somit blieb es dem Gesuchs-
- 19 -
gegner unbenommen, nunmehr im Berufungsverfahren ein hypothetisches Ein-
kommen in der Höhe von Fr. 3'600.– in den Raum zu stellen. Ob dieses Einkom-
men dann tatsächlich erzielbar ist, ist demgegenüber eine Tatfrage (vgl. BGE 128
III 4, E. 4a ff.).
Wenngleich die Gesuchstellerin über 50 Jahre alt ist, kann mit Blick auf die gute
Konjunktur und die tiefe gegenwärtige Arbeitslosenquote in der Schweiz von
2,4 % (vgl. www.nzz.ch/wirtschaft vom 7.6.2018) sowie mit Blick auf den Um-
stand, dass das Gesundheitswesen eine hohe Fluktuationsrate und eine ver-
gleichsweise hohe Einstellungsrate bei älteren Erwerbstätigen aufweist (vgl. Kan-
ton Zürich, Volkswirtschaftsdirektion, Amt für Wirtschaft und Arbeit, 50plus, Chan-
cen und Risiken auf dem Zürcher Arbeitsmarkt, publiziert im September 2016, S.
24, 27 f.), davon ausgegangen werden, dass die Gesuchstellerin bei genügend in-
tensiven Stellensuchbemühungen eine entsprechende Anstellung wird finden
können. Gegenteiliges vermag sie denn auch nicht genügend glaubhaft zu ma-
chen. So verweist sie lediglich auf ihre dem RAV gegenüber gemachten Stellen-
suchbemühungen, ohne diese beizubringen (Urk. 15 S. 4; Prot. I S. 29; Urk. 42 S.
11, 16; Urk. 50 S. 2), und lässt erst im Rahmen des Berufungsverfahrens und ein-
zig betreffend die Monate März und April 2018 vergebliche Stellensuchbemühun-
gen einreichen (Urk. 45/1-2). Es fehlen insbesondere solche Bemühungen betref-
fend die Zeit ab Mitte Oktober 2017 bis Februar 2018 (vgl. auch Urk. 47 S. 2 f.).
Immerhin konnte die Gesuchstellerin sich bereits einmal in einem Pflegeheim in ...
vorstellen und dort im August 2017 einen Probearbeitstag absolvieren (Prot. I S.
29 f.). Es ist indessen notorisch, dass teilweise über 100 Bewerbungen erforder-
lich sind, um eine Anstellung zu bekommen. Ihre Schwierigkeiten mit der deut-
schen Sprache hinderten die Gesuchstellerin im Übrigen nicht daran, während der
Ehe bei verschiedenen Arbeitgebern erwerbstätig zu sein und die Ausbildung als
Pflegehelferin zu absolvieren. Zudem schrieb sie im Rahmen einer Bewerbung als
Lagermitarbeiterin bei der G._ AG, dass sie sowohl Hochdeutsch als auch
Schweizerdeutsch spreche und verstehe (Urk. 45/1).
Bejaht der Richter die Pflicht zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit und verlangt er
von der betreffenden Partei durch die Anrechnung eines hypothetischen Einkom-
- 20 -
mens eine Umstellung ihrer Lebensverhältnisse, so hat er ihr hinreichend Zeit zu
lassen, die rechtlichen Vorgaben in die Tat umzusetzen. Die Übergangsfrist muss
nach ihrem Zweck und den Umständen angemessen sein (BGE 129 III 417, E.
2.2.). In der Regel beträgt die Übergangsfrist drei bis sechs Monate. Sie beginnt
frühestens mit der erstmaligen richterlichen Eröffnung der Umstellungsfrist zu lau-
fen. Eine rückwirkende Anrechnung des hypothetischen Einkommens ist nur in
extremen Einzelfällen möglich, wenn der betroffenen Person ein unredliches Ver-
halten vorgeworfen werden kann oder wenn die geforderte Umstellung in ihren
Lebensverhältnissen und das Erfordernis eines vermehrten beruflichen Einsatzes
für sie vorhersehbar gewesen sind (Maier, Die konkrete Berechnung von Unter-
haltsansprüchen im Familienrecht, dargestellt anhand der Praxis der Zürcher Ge-
richte seit Inkraftsetzung der neuen ZPO, in: FamPra.ch 2014 S. 302 ff., S. 342
m.w.H.).
Die Gesuchstellerin musste spätestens mit Erhalt des angefochtenen Urteils vom
12. Dezember 2017 damit rechnen, zur Ausdehnung ihrer Erwerbstätigkeit ver-
pflichtet zu werden. Die Vorderrichterin räumte ihr bereits eine Übergangsfrist bis
Ende Juli 2018 ein, mithin blieben ihr gemäss diesem Entscheid sieben Monate
zur Stellensuche (Urk. 36 S. 23, 27). Der Gesuchsgegner möchte der Gesuchstel-
lerin indessen bloss eine sechsmonatige Übergangsfrist bis 30. Juni 2018 gewäh-
ren. Der Gesuchstellerin habe bereits im Rahmen des ersten Eheschutzverfah-
rens 2008, spätestens aber seit Einreichung des vorliegenden Eheschutzbegeh-
rens am 5. Juli 2017 bewusst sein müssen, dass sie inskünftig ihre Eigenversor-
gungskapazität voll werde ausnützen müssen (Urk. 35 S. 2, 9 f.). Die Gesuchstel-
lerin hält die vorinstanzliche Übergangsfrist für angemessen und wehrt sich (je-
denfalls betreffend die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens von
Fr. 1'000.–) nicht dagegen (Urk. 42 S. 18).
Es besteht kein Grund, die von der Vorinstanz nach pflichtgemässem Ermessen
festgelegte Übergangfrist um einen Monat zu verkürzen. Der Gesuchstellerin
muss namentlich im Hinblick auf ihr Alter und ihre längere Arbeitslosigkeit hinrei-
chend Zeit für die Stellensuche zur Verfügung stehen. Es rechtfertigt sich daher,
den vorinstanzlichen Entscheid betreffend die Anrechnung eines hypothetischen
- 21 -
Einkommens von Fr. 1'000.– per 1. August 2018 zu bestätigen. Für die Erzielung
eines hypothetischen Einkommens von Fr. 2'200.–, womit die Gesuchstellerin erst
nach dem vorliegenden Berufungsentscheid rechnen muss, ist ihr eine weitere, al-
lerdings kürzere Übergangsfrist bis Ende November 2018 einzuräumen.
3. Unterhaltsberechnung
3.1. Phasen I und II
Wie bereits erwähnt, blieben die von der Vorinstanz zugesprochenen Unterhalts-
beiträge in der Höhe von Fr. 4'150.– vom 17. November 2017 bis 31. Dezember
2017 und Fr. 2'797.– für den Monat Januar 2018 unangefochten (Urk. 36 S. 27;
Urk. 35 S. 2), weshalb es dabei bleibt.
3.2. Phase III
Von Februar 2018 bis und mit Juli 2018 belaufen sich die Unterhaltsbeiträge mit
der Vorinstanz auf Fr. 3'102.– (vgl. Urk. 36 S. 25, 27; Urk. 35 S. 2).
3.3. Phase IV
Von August 2018 bis und mit November 2018 bleibt es bei der Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens der Gesuchstellerin in der Höhe von Fr. 1'000.– und
damit den erstinstanzlich zugesprochenen Unterhaltsbeiträgen von Fr. 2'690.–,
zumal die Einkünfte des Gesuchsgegners sowie die Bedarfszahlen beider Partei-
en unangefochten blieben (vgl. Urk. 36 S. 26 f.; Urk. 35 S. 5, 10; Urk. 42 S. 8,
18 ff.).
3.4. Phase V
Ab Dezember 2018 ist der Gesuchstellerin ein hypothetisches Einkommen von
Fr. 2'200.– in Anrechnung zu bringen. Eine allfällige Anpassung ihres Bedarfs
(vgl. Urk. 36 S. 8 f.) liess die Gesuchstellerin für den Eventualfall nicht beantragen
(Urk. 42 S. 18, 20 f.; Urk. 50 S. 3 ff.). Es bleibt daher bei den erstinstanzlichen
Zahlen (vgl. Urk. 36 S. 25 f.). Damit belaufen sich die Unterhaltsbeiträge auf ge-
rundet Fr. 2'090.– (Fr. 9'643.75 Gesamteinkommen [Fr. 7'443.75 Einkommen Ge-
- 22 -
suchsgegner + Fr. 2'200.– hypothetisches Einkommen Gesuchstellerin] -
Fr. 7'809.20 Gesamtbedarf [Fr. 3'372.45 Bedarf Gesuchstellerin + Fr. 4'436.75
Bedarf Gesuchsgegner] = Fr. 1'834.55 Überschuss, der hälftig zu teilen ist (je ge-
rundet Fr. 917.–. Unterhalt Gesuchstellerin = Fr. 3'372.45 Bedarf + Fr. 917.– An-
teil Freibetrag - Fr. 2'200.– Einkommen).
D. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Vorinstanz auferlegte den Parteien die Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 4'200.– zuzüglich Fr. 675.– Dolmetscherkosten je hälftig und sprach dement-
sprechend keine Parteientschädigungen zu (Urk. 36 S. 26, 28). Dies blieb unan-
gefochten (Urk. 35 S. 2), weshalb es dabei bleibt.
2. Ausgangsgemäss sind die Kosten- und Entschädigungsfolgen des  zu regeln. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 3'000.– festzusetzen
(§ 5 Abs. 1, § 6 Abs. 2 lit. b, § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG). Betreffend die ab Juli
2018 für die weitere Dauer des Getrenntlebens strittigen Unterhaltsbeiträge unter-
liegt der Gesuchsgegner zu über drei Vierteln. Ebenso unterliegt er bezüglich der
Zusprechung eines Prozesskostenbeitrages an die Gesuchstellerin. Allerdings ist
dessen Höhe deutlich tiefer angesetzt als von der Gesuchstellerin verlangt (vgl.
nachstehend lit. E). Insgesamt rechtfertigt es sich, ihm die Kosten des zweitin-
stanzlichen Verfahrens zu vier Fünfteln aufzuerlegen. Die Verfahrenskosten sind
aus dem vom Gesuchsgegner geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 3'000.– zu beziehen. Die Gesuchstellerin ist zu verpflichten, dem Gesuchs-
gegner ihren Kostenanteil in der Höhe von Fr. 600.– zu ersetzen (Urk. 39 und 40;
Art. 111 Abs. 1 und 2 ZPO).
Ausgangsgemäss ist der Gesuchsgegner sodann zu verpflichten, der Gesuchstel-
lerin für das Berufungsverfahren eine auf drei Fünftel reduzierte Parteientschädi-
gung zu bezahlen.
Die Parteientschädigung für anwaltlich vertretene Parteien (Art. 95 Abs. 3 lit. a
und b ZPO) spricht das Gericht nach den Tarifen (Art. 96 ZPO) bzw. der Anw-
GebV vom 8. September 2010 zu. Die Parteien können eine Kostennote einrei-
chen (Art. 105 Abs. 2 ZPO). Die Gesuchstellerin machte zuletzt Anwaltskosten in
- 23 -
der Höhe von insgesamt Fr. 5'799.– geltend (Fr. 5'215.25 Honorar [23.60 Stunden
à Fr. 220.–] zuzüglich Fr. 169.10 Barauslagen und Fr. 414.65 Mehrwertsteuern;
Urk. 50 S. 9; Urk. 52/6). Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass das angefochtene
Urteil vom 12. Dezember 2017 datiert (Urk. 36) und die begründete Fassung im
März 2018 versandt wurde (Urk. 34). Sämtliche Bemühungen die vorher und ins-
besondere im November 2007 erfolgten (vgl. Urk. 52/6 : 0.51 h à insgesamt
Fr. 137.70, mit einem MwSt.-Zuschlag von 7.6 %, wobei diese Bemühungen in
der ersten Honorarnote noch nicht enthalten waren [vgl. Urk. 45/4]), können im
Berufungsverfahren nicht entschädigt werden. Bei der Bemessung der Parteient-
schädigung ist der notwendige Zeitaufwand sodann nur ein Kriterium. Weitere Kri-
terien sind die Verantwortung des Anwalts und die Schwierigkeit des Falles (vgl. §
2 Abs. 1 lit. c, d, und e sowie § 5 Abs. 1 AnwGebV). Das Bundesrecht gewährt
keinen Anspruch auf einen minimalen Anwaltskostenersatz (vgl. z.B. BGE 144 III
164 E. 3.6; OGer ZH RE160018 vom 15.05.2017, E. III.1). Die vom Bundesgericht
im Zusammenhang mit der Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands
entwickelten Grundsätze müssen bei der Bemessung der Parteientschädigung
nicht beachtet werden. Insbesondere begründet Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO keinen
Anspruch auf volle Schadloshaltung der obsiegenden (entschädigungsberechtig-
ten) Partei, d.h. auf Ersatz bzw. Erstattung der gesamten bei ihr angefallenen
Anwaltskosten.
Vorliegend handelt es sich um einen eher einfachen Fall, der weder in tatsächli-
cher noch in rechtlicher Hinsicht besondere Schwierigkeiten bot. Auch der zeitli-
che Aufwand hielt sich in Grenzen, nachdem einzig das hypothetische Einkom-
men der Gesuchstellerin im Streit lag. Es rechtfertigt sich daher eine Grundgebühr
von Fr. 5'000.– (§ 5 Abs. 1 AnwGebV). Da es sich um ein Eheschutzverfahren
handelt, ist diese Gebühr auf zwei Drittel und damit gerundet Fr. 3'350.– zu er-
mässigen (§ 6 Abs. 3 AnwGebV). Für die in Ausübung ihres Replikrechts erfolgte
weitere Stellungnahme der Gesuchstellerin vom 18. Juni 2018 (Urk. 50) rechtfer-
tigt sich ein Zuschlag von 30 % bzw. Fr. 1'005.– (§ 11 Abs. 1-3 AnwGeb). Weil
das Eheschutzverfahren endgültig erledigt wird, erfolgt sodann eine Herabsetzung
dieser Gebühr auf zwei Drittel (§ 13 Abs. 2 AnwGebV). Damit beläuft sich die vol-
le Parteientschädigung auf Fr. 2'900.–. Dementsprechend beträgt die vom Ge-
- 24 -
suchsgegner der Gesuchstellerin zu bezahlende, auf 60 % reduzierte Parteient-
schädigung Fr. 1'740.–. Dazu kommen Barauslagen von Fr. 104.10 (vgl. Urk. 52/6
S. 2; die Fr. 65.– Reisespesen sind nicht zu berücksichtigen, weil auf diese ein
MwSt.-Zuschlag von 8 % gemacht wurde, welcher nur bis 31. Dezember 2017
Gültigkeit hatte, weshalb diese Spesen nicht im vorliegenden Berufungsverfahren
zu entschädigen sind) sowie 7.7 % MwSt. bzw. Fr. 142.–, womit eine reduzierte
Parteientschädigung von gerundet Fr. 1'986.– resultiert.
E. Prozesskostenbeitrag / unentgeltliche Rechtspflege
1. Die Gesuchstellerin ersucht um Zusprechung eines Prozesskostenbeitrages in der Höhe von einstweilen Fr. 7'275.– (Fr. 4'275.– für Anwaltskosten und
Fr. 3'000.– für Prozesskosten) bzw. Fr. 8'799.– (Fr. 5'799.– Anwaltskosten ein-
schliesslich 7.7 % MwSt. und Auslagen sowie Gerichtskosten von bis zu
Fr. 3'000.–), eventualiter sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen
(Urk. 42 S. 2; Urk. 50 S. 9). Ihr Bedarf belaufe sich gemäss den unbestrittenen
vorinstanzlichen Feststellungen zurzeit auf Fr. 3'102.45. Sie sei nach wie vor ar-
beitslos. Ihre monatlichen Einnahmen beschränkten sich auf die Unterhaltsbeiträ-
ge des Gesuchsgegners in der Höhe von Fr. 3'102.– bzw. Fr. 2'690.– ab August
2018. Ihr Vermögen habe sich am 23. November 2017 noch auf ungefähr
Fr. 15'000.– belaufen. Nunmehr liege es nur noch bei Fr. 5'660.20. Ihre Prozess-
armut sei daher ausgewiesen. Demgegenüber sei der Gesuchsgegner angesichts
seines Vermögens leistungsfähig. Gemäss Steuererklärung belaufe sich dieses
nämlich auf Fr. 282'323.–, wobei allein das bewegliche Vermögen Fr. 138'573.–
betrage (Urk. 42 S. 22 ff.; Urk. 45/3; Urk. 50 S. 8).
Der Gesuchsgegner lässt die von der Gesuchstellerin behauptete Bedürftigkeit
bestreiten. Mit dem einzig eingereichten Bankbeleg der Zürcher Kantonalbank
vom 29. März 2018 könne sie ihre Prozessarmut nicht hinreichend dartun. In der
Vergangenheit habe sie bereits sehr hohe Beträge von ihm erhalten, wobei sie
daraus nichts an den gemeinsamen Bedarf habe bezahlen müssen. Auch die be-
zogenen Arbeitslosentaggelder seien nicht in die Familienkasse geflossen, womit
die Gesuchstellerin mindestens rund Fr. 39'600.– habe ansparen können. Im Wei-
teren habe sie sich auch in ihren Aussagen verstrickt, als sie von der Vorinstanz
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auf die Zahlung von Fr. 70'000.– im Jahr 2014 angesprochen worden sei. Zu-
sammenfassend stelle er sich auf den Standpunkt, dass er die Gesuchstellerin
bisher überdurchschnittlich stark finanziell unterstützt habe und deshalb zu kei-
nem Prozesskostenbeitrag verpflichtet werden sollte. Aufgrund der langen Zeit, in
welcher er ihr monatliche Pauschalbeträge zur freien Verfügbarkeit überwiesen
habe, nämlich seit 2012 zunächst Fr. 2'700.–, im Jahr 2014 Fr. 2'400.–, im Jahr
2015 Fr. 1'600.– und seit Ende Mai 2017 bis zum Auszug aus dem Familienhaus
Mitte November 2017 noch Fr. 1'500.– pro Monat, ziehe er in Zweifel, dass die
Gesuchstellerin das vorliegende Verfahren nicht finanzieren könne. Diesbezüglich
müsste sie ihre Vermögensverhältnisse deutlicher aufzeigen. Zum Anderen habe
sich seine finanzielle Lage seit seiner Pensionierung im Januar 2018 verschlech-
tert. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Unterhalt des Wohnhauses und
der Mietwohnungen würden die liquiden Mittel immer knapper. Und schliesslich
bestreite er die Höhe des geforderten Beitrages, welcher sich nicht nach dem ef-
fektiven Zeitaufwand, sondern der Gebührenverordnung des Obergerichts richte
(Urk. 47 S. 5 ff.).
Darauf liess die Gesuchstellerin erwidern, zwar sei nicht bestritten, dass sie in der
Vergangenheit vom Gesuchsgegner finanziell unterstützt worden sei, für die Beur-
teilung der Mittellosigkeit seien allerdings die wirtschaftlichen Verhältnisse im
Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs massgebend. Das Geld des Gesuchs-
gegners habe sie für Kleider, Essen, Wohnung etc. verwendet. Insbesondere sei
das Essen, das sie gekauft habe, auch für den Gesuchsgegner gewesen. Mit dem
Arbeitslosengeld habe sie die Schulden für die Ausbildung ihrer Tochter bezahlt.
Sie sei auch für die Ausbildungs- und Lebenshaltungskosten der jüngeren Tochter
H._ aufgekommen, welche nunmehr ein Studium zur Diplomierten Textilwirt-
schafterin HF absolviere. Dementsprechend habe sie kein angespartes Geld aus
der Vergangenheit. Auch die Fr. 30'000.–, welche sie vom Gesuchsgegner insge-
samt erhalten habe, habe sie für Schulden aufwenden müssen, und zwar für jene,
welche sie in der Phase, in welcher sie getrennt gelebt hätten, für die Wohnung
aufgenommen habe. Es sei denn auch belegt, dass sie per Ende März 2018 le-
diglich noch über ein Vermögen von etwas mehr als Fr. 5'000.– verfüge. Der Ge-
suchsgegner habe alsdann seine Leistungsfähigkeit, namentlich dass sich sein
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Vermögen auf Fr. 282'323.– belaufe und allein das bewegliche Vermögen
Fr. 138'573.– betrage, nicht substantiiert bestritten. Es dürfe daher von ihm erwar-
tet werden, dass er zwecks Finanzierung des Prozesses auf dieses beträchtliche
Vermögen zurückgreife (Urk. 50 S. 6 ff.).
2.1. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos
erscheint (Art. 117 ZPO). Wenn es zur Wahrung ihrer Rechte erforderlich ist, be-
steht zudem Anspruch auf Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung (Art.
118 Abs. 1 lit. c ZPO). Aufgrund der Subsidiarität der unentgeltlichen Rechtspfle-
ge geht der Anspruch auf einen Prozesskostenvorschuss bzw. -beitrag gegenüber
dem Ehegatten dem Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege jedoch vor (BGE
138 III 672, E. 4.2.1). Die Pflicht zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses
bzw. -beitrages gründet in der allgemeinen ehelichen Beistandspflicht nach
Art. 159 Abs. 3 ZGB. Vorausgesetzt ist, dass die bedürftige Person für die Finan-
zierung des Prozesses auf den Beistand des anderen Ehegatten angewiesen ist
und dieser zudem zur Leistung in der Lage ist (Maier, Die Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung in familienrechtlichen Prozessen im Spannungsfeld mit
der Vorschusspflicht von Ehegatten und Eltern, dargestellt anhand der Praxis der
Zürcher Gerichte seit Inkraftsetzung der eidgenössischen ZPO, in: FamPra.ch
2014 S. 635 ff., S. 637). Es sind die für die Gewährung des prozessualen Armen-
rechts entwickelten Grundsätze – Mittellosigkeit und fehlende Aussichtslosigkeit –
analog anzuwenden. Die Beistandsbedürftigkeit ist gegeben, wenn die anspre-
chende Partei ohne Beeinträchtigung des angemessenen Lebensunterhalts nicht
über eigene Mittel rechtlich oder tatsächlich und binnen nützlicher Frist verfügen
kann, um die bereits aufgelaufenen und künftig erwarteten Gerichts- und Anwalts-
kosten innert nützlicher Frist, gegebenenfalls in Raten, zu bezahlen.
2.2. Einkommensmässig gilt die Gesuchstellerin als bedürftig, zumal ihr  den Zeitpunkt der Gesuchstellung im Mai 2018 Unterhaltsbeiträge von
Fr. 3'102.– zugesprochen werden, welche gerade ihren Bedarf decken (vgl. Urk.
36 S. 8, 25 f.). Ein hypothetisches Einkommen ist im Rahmen der Prüfung der Mit-
tellosigkeit betreffend die unentgeltliche Rechtspflege nicht zu berücksichtigen.
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Per 29. März 2018 verfügte die Gesuchstellerin auf ihrem ZKB-Konto noch über
rund Fr. 5'660.– (Urk. 45/3 i.V.m. Art. 317 Abs. 1 ZPO), Ende November 2017 wa-
ren es noch zirka Fr. 15'000.– gewesen (Prot. I S. 26). Allerdings würde auch die-
ser letztere Betrag einen Notgroschen darstellen, welcher der Gesuchstellerin zu
belassen wäre.
Es blieb unbestritten und wurde auch belegt, dass der Gesuchsgegner der Ge-
suchstellerin seit 2012 über entsprechende Daueraufträge jeweils monatliche
Geldbeträge von anfänglich Fr. 2'700.– (2012) und zuletzt Fr. 1'500.– (2017)
überwies (Urk. 13/7; Urk. 19/8; Prot. I S. 27; Urk. 18 S. 5). Die Gesuchstellerin
vermochte jedoch glaubhaft darzutun, dieses Geld für den Haushalt, insbesonde-
re das Essen für sich, die Tochter H._ und zumindest teilweise auch für den
Gesuchsgegner, gebraucht zu haben (Prot. I S. 23 f., 26 ff.), zumal sie selbst nur
unregelmässig arbeitete und nicht viel verdiente (vgl. Prot. I S. 24, 27 f.).
Nicht strittig ist auch, dass ihre voreheliche jüngere Tochter H._ zunächst ei-
ne Lehre als Textilfachfrau absolvierte und alsdann eine Weiterbildung zur Dipl.
Textilwirtschafterin HF in Angriff nahm. Die Semestergebühren belaufen sich da-
bei auf Fr. 4'890.–, wobei die (berufsbegleitende) Ausbildung sechs Semester
dauert (Urk. 16/11, 15; Prot. I S. 24). Mit ihren eigenen Nettoeinkünften von
Fr. 2'174.70 konnte und kann die Tochter, nebst ihren Lebenshaltungskosten,
diese Schulkosten wohl kaum (vollumfänglich) selbst bezahlen (Urk. 16/12). So-
dann gab die Gesuchstellerin glaubhaft zu Protokoll, mit dem Arbeitslosengeld die
Schulden für die Ausbildung ihrer Tochter bezahlt zu haben (zehntes Schuljahr an
der Berufswahlschule; Prot. I S. 27 f.).
Die Gesuchstellerin räumte auch ein, Fr. 30'000.– nach dem Tod des Vaters des
Gesuchsgegners erhalten zu haben. Dieses Geld habe sie aber ebenfalls für die
Schulden benutzt, nämlich für die Wohnung, welche sie in der Phase, in der sie
getrennt gelebt hätten, übernommen habe (Prot. I S. 28). Weil die Parteien nach
dem Eheschutzentscheid vom 23. Oktober 2008, worin die Gesuchstellerin ver-
pflichtet wurde, die eheliche Liegenschaft bis spätestens 1. Dezember 2008 zu
verlassen (Urk. 7/13), während zweieinhalb Jahren getrennt lebten, bis die Ge-
suchstellerin 2011 wieder in die eheliche Liegenschaft zurückkehrte (Urk. 18
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S. 4), erscheint solches nachvollziehbar (vgl. auch Urk. 50 S. 7). Dass sie weitere
Geldbeträge für sich erhalten haben soll, ist bestritten (Prot. I S. 28) und durch
nichts belegt, insbesondere auch nicht durch die vom Gesuchsgegner neu einge-
reichte, nicht datierte und nicht unterzeichnete Vereinbarung zwischen den Par-
teien, wonach der Gesuchsgegner der Gesuchstellerin Fr. 70'000.– bezahlen soll
(Urk. 48/1; dazu auch: Prot. I S. 28).
Zusammengefasst bestehen mithin keine hinreichenden objektiven Anhaltspunk-
te, wonach die Gesuchstellerin in der Vergangenheit namhafte Geldbeträge an-
sparen konnte. Vielmehr erscheint mit Blick auf ihre Ausführungen und den Kon-
toauszug der ZKB glaubhaft, dass solches nicht der Fall ist. Ihre Mittellosigkeit ist
daher auch in vermögensmässiger Hinsicht zu bejahen.
Was die Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners anbelangt, so ist diese mit Blick
auf sein Einkommen zu verneinen. Ab August 2018 verfügt er zwar über einen ge-
ringfügigen Freibetrag von Fr. 317.– (Fr. 7'443.75 Einkommen - Fr. 4'436.75 Be-
darf - Fr. 2'690.– Unterhaltsbeiträge), diesen benötigt er aber für die (teilweise)
Tilgung seiner eigenen Prozesskosten. Gemäss der Steuererklärung 2015 belief
sich das bewegliche Vermögen des Gesuchsgegners zwar auf Fr. 138'534.– und
das steuerbare Gesamtvermögen auf Fr. 282'323.– (Urk. 10/8 = Urk. 13/2), was
unbestritten blieb (vgl. Urk. 47 S. 8). Allerdings wurde gemäss der Schlussrech-
nung 2015 Staats- und Gemeindesteuern vom 27. Oktober 2017 lediglich von ei-
nem steuerbaren Vermögen von Fr. 49'000.– ausgegangen (vgl. Urk. 27/17), wo-
von auch die Vorinstanz unangefochtenermassen ausging (vgl. Urk. 36 S. 27,
Dispositivziffer 4; dabei ist darauf hinzuweisen, dass Guthaben der 2. Säule und
der Säule 3a bei Pensionskassen, Banken oder Versicherungen [vgl. Urk. 10/8:
Wertschriften- und Guthabenverzeichnis der Steuererklärung 2015] notorischer-
weise steuerfrei sind). Davon ist dem pensionierten, gesundheitlich angeschlage-
nen Gesuchsteller (vgl. Prot. I S. 31, 34) jedenfalls ein Notgroschen von
Fr. 20'000.– zu belassen (vgl. Maier, a.a.O., S. 651). Mit dem verbleibenden Be-
trag ist er jedoch ohne weiteres in der Lage, nebst seinen eigenen erst- und zweit-
instanzlichen Prozesskosten auch der Gesuchstellerin einen Beitrag an deren
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zweitinstanzlichen Prozesskosten zu bezahlen. Die Gesuchstellerin hat somit An-
spruch auf einen Prozesskostenbeitrag.
Der Gesuchsgegner beschränkte sich im Übrigen im Wesentlichen auf den Hin-
weis, dass er die Gesuchstellerin bereits bisher überdurchschnittlich stark finanzi-
ell unterstützt habe und deshalb zu keinem Prozesskostenbeitrag verpflichtet
werden sollte (Urk. 47 S. 6). Dieser Umstand vermag ihn jedoch nicht von seiner
gestützt auf die eheliche Beistandspflicht bestehenden Pflicht zur Leistung eines
Prozesskostenbeitrages an seine Ehefrau zu entbinden. Seine pauschale Be-
hauptung, wonach sich seine finanzielle Lage seit seiner Pensionierung im Januar
2018 verschlechtert habe, weil insbesondere im Zusammenhang mit dem Unter-
halt des Wohnhauses und der Mietwohnungen die liquiden Mittel immer knapper
würden (Urk. 47 S. 6 f.), blieb denn auch gänzlich unsubstantiiert und unbelegt.
2.3. Das Gericht hat bei der Festsetzung der Höhe des Prozesskostenbeitrags einen Ermessensspielraum. Die Höhe des Prozesskostenbeitrags muss aufgrund
von dessen Zweck bestimmt werden. Ein Prozesskostenbeitrag soll der anspre-
chenden Partei die finanziellen Mittel verschaffen respektive ersetzen, die sie zur
gehörigen Führung des Prozesses benötigte. Es soll verhindert werden, dass die
Partei aufgrund fehlender Mittel ihrer guten Rechte verlustig geht. Es müssen also
nur, aber immerhin, alle Kosten, die für die ordentliche Führung eines Prozesses
bezahlt werden müssen, gedeckt sein. Abzustellen ist auf die objektiv notwendi-
gen Kosten. Als Mass kann dabei der Aufwand einer nach objektiven Kriterien
sorgfältig und haushälterisch prozessierenden Partei herangezogen werden. Da-
bei kann auf die Entschädigung abgestellt werden, welche einer Partei gestützt
auf die Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (nachfol-
gend AnwGebV) zustehen würde. Die Gerichtskosten sind zusätzlich miteinzube-
ziehen (vgl. OGer ZH LE150062 vom 15.02.2016, S. 20 f.).
Weil die Gesuchstellerin, wie dargetan, lediglich Gerichtskosten von Fr. 600.– (1/5
von Fr. 3'000.–) zu tragen hat, ist der Prozesskostenbeitrag hinsichtlich der Ge-
richtskosten auf diese Summe zu beschränken. Was die Anwaltskosten anbe-
langt, erscheint, wie vorstehend dargelegt (vgl. Erw. D.2, S. 21 f.), eine volle Ent-
schädigung von gerundet Fr. 2'900.– angemessen. Hinzu kommen die Barausla-
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gen von Fr. 104.10 und 7.7 % Mehrwertsteuer, weshalb insgesamt Fr. 335.40 zu
addieren sind. Damit resultiert eine angemessene Entschädigung von
Fr. 3'235.40. Davon ist die der Gesuchstellerin zuzusprechende reduzierte Partei-
entschädigung von Fr. 1'986.– (inkl. Barauslagen von Fr. 104.10 und 7.7 %
MwSt.) abzuziehen (vgl. ZR 85 [1986] Nr. 32, E. e). Es resultiert somit ein Pro-
zesskostenbeitrag in der Höhe von gerundet Fr. 1'850.– (Fr. 1'249.40 + Fr. 600.–).