Decision ID: 557ed7c6-eba4-4761-8b88-d98a515cda19
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Der in B._ aufgewachsene A._ meldete sich wegen Diskushernien am 11. Juni
2013 zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle an (IV-act. 4). Mit Verfügung vom
25. Oktober 2013 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (IV-act. 39).
A.a.
Am 16. Mai 2014 beantragte der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin
Christina Ammann, Integrationsmassnahmen, eventuell eine Rente ab März 2014. Er
leide unter anderem an einer Diskushernie, Spondylolyse mit Diskopathie L5/S1 und
L4/5 sowie an fortgeschrittener Coxarthrose rechts und einer Offset-Störung Hüfte
links mit Cam-Impingement sowie an einem Karpaltunnelsyndrom beidseits (IV-act. 43).
Mit Mitteilung vom 15. August 2014 wies die IV-Stelle das Begehren ab (IV-act. 60).
A.b.
Am 31. Januar 2018 meldete der Versicherte sich wegen eines Unfalls vom
22. November 2017 erneut zur Früherfassung und am 21. Februar 2018 zum Bezug von
Leistungen bei der IV-Stelle an (IV-act. 63). Er sei beim Schlafen aus dem Hochbett auf
den Boden gefallen. Er hatte sich eine Kompressionsfraktur BWK11 sowie eine
Deckplattenimpressionsfraktur LWK1 zugezogen (vgl. act. G4.2/5 und G4.2/93-3). Die
behandelnden Ärzte attestierten dem Versicherten eine volle Arbeitsunfähigkeit ab
22. November 2017 (vgl. insbesondere IV-act. 64 und 65).
A.c.
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Mit Stellungnahme vom 7. Juni 2018 hielt RAD-Ärztin C._, praktische Ärztin,
fest, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Lagerungspfleger und für andere körperlich
schwere Tätigkeiten sei der Versicherte nicht mehr arbeitsfähig. In einer adaptierten
Tätigkeit sei er per sofort 100% arbeitsfähig (IV-act. 89-2).
A.d.
Mit Vorbescheid vom 13. Juli 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Gesuchs um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen in
Aussicht (IV-act. 94).
A.e.
Gestützt auf eine Untersuchung vom 25. Juli 2018 und die Suva-Akten führte der
Kreisarzt med. pract. D._, Facharzt für Chirurgie, am 26. Juli 2018 aus, dem
Versicherten sei auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine vollschichtige, leichte bis
gelegentlich mittelschwere wechselbelastende rückenadaptierte Tätigkeit ohne Heben
und Tragen von Lasten grösser als fünf bis zehn Kilogramm und ohne Arbeiten in
Zwangshaltungen (gebückt, gebeugt, kauernd) zumutbar (act. G4.2/93-4).
A.f.
Gegen den Vorbescheid vom 13. Juli 2018 erhob der Versicherte am 4. September
2018 Einwand. Er habe an der Universität E._ ein zweijähriges medizinisches
Studium ohne Abschluss absolviert, dank welchem er beim Spital F._ am
1. September 2014 als Quereinsteiger eine Arbeitsstelle als Lagerungsfachmann OPS
habe antreten können. Gleichzeitig habe er berufsbegleitend die Ausbildung OP-
Lagerungspflege absolviert. Dank dieser Ausbildung habe er vor Eintritt der Invalidität
ein Jahreseinkommen von Fr. 90'657.85 brutto erzielt. Unter Berücksichtigung eines
angemessenen Tabellenlohnabzugs von mindestens 10% ergebe sich ein
Invalideneinkommen von maximal Fr. 60'000.-- und ein Invaliditätsgrad von mindestens
34%. Damit seien die Voraussetzungen für die Gewährung von
Umschulungsmassnahmen erfüllt. Da er über medizinische Vorkenntnisse verfüge,
wolle er sich in einem medizinischen Beruf weiterbilden. Es sei ihm deshalb der
Diplomlehrgang Akupunktur und Tuina zu bewilligen (IV-act. 102).
A.g.
Mit Verfügung vom 27. September 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen ab. Der Versicherte verfüge über
keinen eidgenössisch anerkannten Abschluss. Er sei als ungelernt zu qualifizieren. Der
Anspruch auf Umschulung setze eine Erwerbseinbusse von etwa 20% voraus, welche
A.h.
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B.
beim Versicherten nicht vorliege. Es bestehe weder Anspruch auf berufliche
Massnahmen noch auf Rente (IV-act. 106).
Gegen diese Verfügung erhob A._ am 26. Oktober 2018 Beschwerde. Ihm seien
berufliche Massnahmen zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zulasten der Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin qualifiziere ihn zu Unrecht
als ungelernten Hilfsarbeiter. Er habe die Z._ mit Diplom abgeschlossen. Danach
habe er zwei Jahre an der Universität studiert mit dem Schwergewicht der Fächer
Business, Naturheilpraktiker und E._-sche Medizin. Dank dieser Vorkenntnisse sei er
im September 2014 im Regionalspital F._ als Operationspflegehelfer eingestellt
worden. Während dieser Anstellung habe er berufsbegleitend den Basiskurs OP-
Lagerungspflege beim Bildungszentrum G._ absolviert und mit einem Zertifikat
abgeschlossen. Voraussetzung für die Absolvierung des Basiskurses sei eine
Ausbildung als "Fachperson Gesundheit EFZ, Pflegeassistent FA SRK, MPA oder
diplomiertes Pflegepersonal (DN 1 + II, AKP, HF)". Er habe während mehr als drei
Jahren als OP-Lagerungspfleger gearbeitet und Anspruch auf eine zumindest
gleichwertige berufliche Ausbildung. Das Erfordernis der annähernden Gleichwertigkeit
einer Umschulung beziehe sich in erster Linie auf die Verdienstmöglichkeiten. Der
Beschwerdeführer habe gemäss Vertrag der H._ AG vom 29. September 2017 vor
Eintritt der Invalidität ein Einkommen von rund Fr. 90'000.-- erzielt. Er sei zu einem
Vollpensum angestellt gewesen. Die Suva habe ihren Taggeldleistungen dieses
Einkommen, welches auch für die Invalidenversicherung massgeblich sei, zugrunde
gelegt. Ohne Gewährung von Integrations- und beruflichen Massnahmen sei der
Beschwerdeführer nicht in der Lage, ein Einkommen von Fr. 90'000.-- zu erzielen
(act. G1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 28. Dezember 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Für die Bemessung des
Einkommens vor dem Gesundheitsschaden sei die kurze, bis Januar 2018 befristete
Anstellung als Temporärmitarbeiter im Personalverleih der H._ AG nicht
repräsentativ. Es liege in der Natur einer Temporäranstellung, dass der Stundenlohn im
Vergleich zu einem Festangestellten als Kompensation für die gesetzlich vorgesehenen
B.b.
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schlechteren Arbeitsbedingungen deutlich höher sei. Die Einsatzzeiten des
Beschwerdeführers hätten zwischen September und November 2017 stark variiert.
Auch habe der Beschwerdeführer lediglich vier Monate im Einsatzbetrieb gearbeitet.
Ein Einkommen von Fr. 90'000.-- komme dem Einkommen einer regulären
Festanstellung als OP-Lagerungsfachmann nicht gleich. Für die Eruierung des
Erwerbseinkommens vor Gesundheitsschaden sei die längere Anstellung im Spital
F._ miteinzubeziehen. Dort sei der Beschwerdeführer in einem Pensum von 80%
festangestellt gewesen. Er sei dort auch nach dem Ausbildungsabschluss im August
2016 tätig geblieben. Es müsse deshalb von einem Durchschnittsjahreseinkommen von
rund Fr. 65'000.-- (13 x Fr. 4'000.-- / 80 x 100) ausgegangen werden. Für das
Jahreseinkommen mit Gesundheitsschädigung sei auf jenes, welches er als
Hilfsarbeiter in leichten und mittelschweren Tätigkeiten erreichen könnte, abzustellen.
Dieses habe 2016 durchschnittlich Fr. 67'022.-- betragen. Damit sei keine
Erwerbseinbusse vorhanden (act. G4).
Mit Replik vom 8. April 2019 bringt der Beschwerdeführer "unter Wiederholung
des bereits gestellten Antrags auf Gewährung von Integrationsmassnahmen" vor, er
habe die Ausbildung zum OP-Lagerungsfachmann erst im August 2017
abgeschlossen. Während seiner Tätigkeit im Spital F._ habe er sich noch in
Ausbildung befunden, weshalb sein Verdienst entsprechend niedriger gewesen sei. Der
befristete Vertrag mit der H._ AG wäre bei einer Verlängerung des Einsatzes durch
einen unbefristeten Vertrag abgelöst worden. Dass ein durchschnittliches
Jahreseinkommen in Höhe von Fr. 90'000.-- nicht repräsentativ sei, stimme nicht. Ein
temporär angestellter OP-Lagerungsfachmann müsse beruflich besser sein als ein
regulär angestellter. Er müsse beispielsweise am neuen Arbeitsort für neue Situationen
sofort parat sein und alle Operationsabläufe à fond kennen. Er müsse im Einsatz
bleiben, bis die Operation fertig sei, und Bereitschaft zeigen, auch in unvorhersehbaren
Situationen Überstunden zu leisten (act. G12).
B.c.
Mit Duplik vom 16. April 2019 bringt die Beschwerdegegnerin vor, im
Personalverleih würden Einsatzverträge sehr selten über drei Monate hinaus verlängert,
denn ab dann müsse der Verleiher BVG-Leistungen zahlen. Die Suva verwende den
versicherten Verdienst als Basis für die Taggeldleistungen im UVG. Für den
B.d.
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Erwägungen
1.
Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gestützt auf die Akten in einer
adaptierten Tätigkeit unstreitig zu 100% arbeitsfähig ist. Folgerichtig stellt er keinen
Antrag auf Rentenzusprache, sondern lediglich auf Integrationsmassnahmen und
Umschulung (siehe zum Ganzen act. G1 und G12). Demnach ist in erster Linie zu
prüfen, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Umschulung hat.
2.
Invaliditätsgrad beim Einkommensvergleich sei der versicherte Verdienst hingegen
nicht repräsentativ (act. G14).
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben nach Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern, und die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind. Drohende Invalidität liegt vor,
wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der
Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist in diesem Zusammenhang
unerheblich (vgl. Art. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR
831.201]).
2.1.
novies
Als Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art gelten Berufsberatung, erstmalige
berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung oder Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3
lit. b IVG). Nach Art. 17 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person Anspruch auf
Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität
notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder
verbessert werden kann. Als Umschulung gelten Ausbildungsmassnahmen, die
Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer
Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen (Art. 6
Abs. 1 IVV). Invalid im Sinn dieser Bestimmung sind Versicherte, wenn sie wegen der
Art und Schwere des eingetretenen Gesundheitsschadens in den bisher ausgeübten
und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offenstehenden noch
zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde
2.2.
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Erwerbseinbusse von etwa 20% erleiden. Dabei ist für das Valideneinkommen auf das
vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte Erwerbseinkommen abzustellen (BGE
124 V 108 E. 2b; vgl. auch BGE 130 V 488 E. 4.2). Ziel der Umschulung ist es, der
versicherten Person eine ihrer früheren Arbeit annähernd gleichwertige
Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "annähernden
Gleichwertigkeit" nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern
auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel
besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen,
notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen
bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit
sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488
E. 4.2 mit Hinweisen).
Auf Seiten der offenstehenden Erwerbstätigkeiten werden auch
Hilfsarbeitertätigkeiten, für deren Ausübung naturgemäss keine Ausbildung benötigt
wird, berücksichtigt. Unter bestimmten Umständen, namentlich mit Blick auf die zu
erwartende zukünftige Einkommensentwicklung in den beiden zu vergleichenden
Tätigkeiten oder bei einer jungen beruflich ausgebildeten versicherten Person mit
entsprechend langer verbleibender Aktivitätsdauer, die ohne weitere Ausbildung nur
noch im Vergleich zur erlernten Tätigkeit qualitativ nicht als annähernd gleich zu
wertende unqualifizierte Hilfsarbeiten ausüben könnte, kann auch bei einer unter 20%
liegenden Erwerbseinbusse ein Anspruch auf Umschulung bejaht werden (vgl. Bucher,
a.a.O., S. 355 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar 2018, 8C_808/2017, E. 3
mit Hinweisen).
2.3.
Eine Umschulung, die zu einem wesentlich höheren Einkommen als dem mit der
bisherigen Tätigkeit erzielten führen würde, fällt grundsätzlich ausser Betracht, weil
eine durch die Eingliederungsmassnahme bewirkte wirtschaftliche Besserstellung der
versicherten Person im Vergleich zu ihrer ökonomischen Lage vor dem
Invaliditätseintritt nicht Aufgabe der Invalidenversicherung ist. Art. 6 Abs. 1 IVV nennt
indes als Umschulungsmassnahmen auch Ausbildungsmassnahmen, die zu einer
höherwertigen als der vorhandenen Ausbildung führen. Voraussetzung dafür ist jedoch,
dass diese zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit notwendig sind, die
erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens sich mithin nur auf diese Weise
hinreichend beheben lassen (Bucher, a.a.O., S. 364 mit Hinweisen auf die
Rechtsprechung). Bei der Bemessung der Erwerbseinbusse ist auf den ausgeglichenen
Arbeitsmarkt abzustellen. Invaliditätsfremde Faktoren bleiben ausser Acht (Ulrich
Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: Hans-
2.4.
bis
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-V-488%3Ade&number_of_ranks=0#page488
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3.
Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 17 N 4 mit Hinweisen).
Der hier massgebliche Gesundheitsschaden trat mit dem Unfall vom 22. November
2017 ein (vgl. act. G4.2/94). Seine volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
erlangte der Beschwerdeführer bereits einige Monate später wieder (vgl. die RAD-
Stellungnahme vom 7. Juni 2018, IV-act. 89-2, sowie den Kreisarzt-Bericht vom 26. Juli
2018, act. G4.2/93-4, mit welchen RAD-Ärztin C._ und Kreisarzt D._
übereinstimmend von einer vollen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
adaptierter Tätigkeit ausgehen). Für das Valideneinkommen ist deshalb grundsätzlich
auf das Erwerbseinkommen abzustellen, welches der Beschwerdeführer vor dem
22. November 2017 erzielt hat.
3.1.
Der Beschwerdeführer macht geltend, für das Valideneinkommen sei von einem
Jahresverdienst in Höhe von Fr. 90'000.-- auszugehen. Er stellt dabei auf die
Berechnung der Suva ab. Diese zog einen Lohn in Höhe von Fr. 41.51 pro Stunde
(Fr. 37.97 + Fr. 3.54 Anteil 13. Monatslohn; exkl. Ferienanteil und
Feiertagsentschädigung) gemäss Einsatzvertrag bei der H._ AG (act. G1.3) heran,
multiplizierte diesen mit 42 Wochenstunden und 52 Wochen und berechnete so einen
Jahresverdienst von Fr. 90'657.85 (IV-act. 103). Der so kalkulierte Jahresverdienst kann
indes nicht als Valideneinkommen verwendet werden, und zwar aus folgenden
Gründen.
3.2.
Die Arbeitgeberin des Beschwerdeführers, die H._ AG, ist eine
Personalvermittlerin. Sie hat mit dem Beschwerdeführer einen Rahmenarbeitsvertrag
und einen Einsatzvertrag geschlossen. Der Temporäreinsatz war auf den Zeitraum vom
4. Oktober 2017 bis 31. Januar 2018, mithin auf weniger als vier Monate befristet
(act. G1.3). Ein so kurzes Arbeitsverhältnis kann für sich alleine in der Regel keine
verlässliche Grundlage für die Festsetzung des Valideneinkommens bilden. Das
Valideneinkommen soll einem realistischen Wert für das ohne Gesundheitsschaden
erzielbare Erwerbseinkommen (vgl. Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) entsprechen. Ein bloss für kurze
Zeit direkt vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens erzieltes, gegenüber früheren
Arbeitsverhältnissen massiv höheres oder tieferes Einkommen soll weder zugunsten
noch zuungunsten der versicherten Person blindlings übernommen werden. Denn bei
einem solchen Einkommen steht nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass
die versicherte Person es im Gesundheitsfall weiterhin erreicht hätte (vgl. Meyer/
3.2.1.
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Reichmuth, a.a.O., Art. 28a N 49 ff. mit Hinweisen). Vorliegend ist keineswegs klar, ob
das vertraglich vereinbarte Einkommen nach Beendigung des befristeten Vertrags
weiterhin umsetzbar gewesen wäre und in welchem Pensum und mit welchen
Unterbrüchen der Beschwerdeführer tatsächlich hätte weiterarbeiten können. Dies gilt
vorliegend umso mehr, als der Beschwerdeführer tatsächlich nur bis zum Unfall am
22. November 2017, mithin lediglich für sieben Wochen, im Rahmen dieses
Einsatzvertrages Arbeit verrichten konnte.
Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei bei H._ in einem 100%-Pensum
angestellt gewesen. Aus dem Einsatzvertrag geht hervor, dass er sich zwar
verpflichtete, bis zu 100% zu arbeiten, ihm jedoch lediglich eine Wochenarbeitszeit von
32 Stunden zugesichert wurde (act. G1.3). Dies entspricht einem Pensum von rund
76%. Während der Beschwerdeführer sich also für vier Monate faktisch dazu
verpflichtete, keiner anderen Erwerbstätigkeit nachzugehen, war sein Arbeitspensum –
und damit auch sein Einkommen – insofern ungewiss, als es zwischen 76 und 100%
schwanken konnte. Hätte es sich um eine unbefristete Anstellung gehandelt, so hätte
der Beschwerdeführer also künftig im schlechtesten Fall (bei einem Pensum von 76%)
ein Jahreseinkommen von lediglich Fr. 69'073.--erzielt.
3.2.2.
Der Beschwerdeführer war schon am 22. August 2017 bei der H._ AG
eingetreten und erzielte von August bis November 2017 unterschiedlich hohe
Monatseinkommen (siehe zu den Zahlen das Lohnkonto 2017 bei der H._ AG, IV-
act. 83-7). Er hatte demnach mindestens zwei Einsatzverträge, wobei sich aus dem
ersten keine Festanstellung ergeben hat. Es kann deshalb nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit angenommen werden, der im Recht liegende befristete
Einsatzvertrag wäre zu einem späteren Zeitpunkt in eine Festanstellung überführt
worden, geschweige denn, es hätte eine Festanstellung mit einem Pensum von 100%
und einem Jahreslohn von rund Fr. 90'000.-- resultiert. Aus den unterschiedlich hohen
Monatseinkommen, die im Oktober bereits Unfalltaggelder, im November nebst
Unfalltaggeldern auch die bis dahin aufgelaufene Ferienentschädigung enthalten und
ab Dezember nur noch aus den Leistungen der Suva bestehen, kann kein valables
Valideneinkommen bestimmt werden.
3.2.3.
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass der vertraglich vereinbarte und potentiell
bei einem Vollzeitpensum mögliche Lohn aus dem befristeten Einsatzvertrag des
Beschwerdeführers im Invalidenverfahren nicht als Basis für die Berechnung des
Valideneinkommens verwendet werden kann.
3.2.4.
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Die Beschwerdegegnerin will für die Berechnung des Valideneinkommens den
Erwerb im Rahmen der Anstellung im Spital F._ heranziehen. Dort sei der
Beschwerdeführer mehrere Jahre lang festangestellt gewesen. Die
Beschwerdegegnerin geht damit wie bei einer Rentenprüfung vor, wo für den
Validenlohn bei starken und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung tretenden
Einkommensschwankungen auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten
Durchschnittsverdienst abzustellen ist. Ist es nicht möglich, zur Bestimmung des
Valideneinkommens vom zuletzt vor Invaliditätseintritt erzielten Lohn auszugehen oder
liegen keine konkreten Anhaltspunkte für dessen Bestimmung vor, dann ist auf
Erfahrungs- und Durchschnittswerte, insbesondere auf die vom Bundesamt für Statistik
periodisch herausgegebene Schweizerische Lohnstrukturerhebung (nachfolgend: LSE)
zurückzugreifen (Meyer/Reichmuth, a.a.O., Art. 28a N 68 und N 55 f.). Ob im Rahmen
der Prüfung beruflicher Massnahmen ein analoges Vorgehen für die Bestimmung des
Valideneinkommens sinnvoll ist und ob dieses dem früheren Verdienst des
Beschwerdeführers beim Spital F._ entspricht, wird nachfolgend geklärt. Vorab
festzuhalten ist, dass der Beschwerdeführer den Basiskurs OP-Lagerungspflege
bereits im August 2016 (und nicht, wie er versehentlich geltend macht, im August 2017)
erfolgreich abgeschlossen hat (siehe Ergebnis Modulprüfung 4 vom 15. Juli 2016, IV-
act. 104-5; siehe auch Schreiben des Spitals F._ vom 12. August 2016, IV-
act. 104-1).
3.3.
Die Beschwerdegegnerin führt gestützt auf den Lohn des Beschwerdeführers
beim Spital F._ aus, das realistische Durchschnittseinkommen bei einem 100%-
Pensum liege bei rund Fr. 65'000.-- (siehe act. G4). Tatsächlich hätte das
Jahreseinkommen für das Jahr 2017 Fr. 65'156.-- betragen (Fr. 4'009.60 x 13 / 80 x
100), hätte der Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis mit dem Spital F._
weitergeführt und in einem 100%-Pensum gearbeitet. Das so berechnete
durchschnittliche Monatseinkommen beläuft sich also auf Fr. 5'430.--.
3.3.1.
Gemäss der Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2016 (LSE)
des Bundesamtes für Statistik, Ziff. 86-88, Gesundheits- u. Sozialwesen, betrug der
monatliche Lohn für eine Vollzeitstelle basierend auf einer 40-Stundenwoche für
Männer auf dem Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher Art) Fr. 5'036.-- und auf dem Kompetenzniveau 2 (praktische
Tätigkeiten wie Verkauf, Pflege, Datenverarbeitung und Administration, Bedienen von
Maschinen und elektronischen Geräten, Sicherheitsdienst, Fahrdienst) Fr. 5'451.--. Da
die betriebsübliche Arbeitszeit 2016 wie auch 2017 41.7 Stunden pro Woche betrug
(vgl. Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen IV-
3.3.2.
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Textausgabe, Ausgabe 2019, S. 228, basierend auf der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik), sind diese Löhne
entsprechend umzurechnen. Weil vorliegend die Einkommenssituation für das Jahr
2017 relevant ist, sind sie zudem gestützt auf die Tabelle T39 zu indexieren. Der
Monatslohn für das Jahr 2017 beträgt somit für das Kompetenzniveau 1 Fr. 5'274.--
(Fr. 5'036.-- / 40 Wochenstunden x 41.7 Wochenstunden / 2'239 Index 2016 x 2'249
Index 2017) und für das Kompetenzniveau 2 Fr. 5'708.--. Der auf ein Vollzeitpensum
aufgerechnete tatsächlich erzielte Lohn des Beschwerdeführers beim Spital F._ liegt
folglich zwischen den Tabellenlöhnen für das Kompetenzniveau 1 und 2.
Der Beschwerdeführer beendete sein Arbeitsverhältnis mit dem Spital F._ per
Ende August 2017, wobei sein letzter Arbeitstag der 11. August 2017 war (vgl. IV-
act. 66-8 und 86-22). Die Kündigung erfolgte durch den Arbeitgeber, weil die Qualität
der Arbeitsleistung unbefriedigend gewesen sei (IV-act. 86-1). Es kann deshalb nicht
ohne Weiteres davon ausgegangen werden, die Einkommensverhältnisse des
Beschwerdeführers hätten sich bei seiner nächsten Festanstellung wesentlich
verbessert. Immerhin darf angenommen werden, dass der Beschwerdeführer anlässlich
des Stellenwechsels eine Verbesserung seiner Entlohnung angestrebt hätte, sofern
eine solche realisierbar gewesen wäre.
3.3.3.
Der Beschwerdeführer wurde im Spital F._ als Lagerungspflegehelfer
angestellt. Um am Kurs zum OP-Lagerungspfleger teilnehmen zu dürfen, hätte er
eigentlich eine Ausbildung als "Fachperson Gesundheit EFZ, Pflegeassistent FA SRK,
MPA oder diplomiertes Pflegepersonal" haben müssen. Bei Personen ohne
anerkannten Abschluss im Gesundheitswesen wird die Aufnahme gemäss dem
Bildungszentrum G._"sur Dossier" geprüft. Der einjährige Kurs wird denn auch nicht
als Ausbildung, sondern explizit als Weiterbildung bezeichnet (siehe Broschüre
"Weiterbildung für Personal im OP (Sekundarstufe II) – Basiskurs OP-Lagerungspflege /
Basiskurs Perioperative Assistenz", act. G1.4). Dass der Beschwerdeführer in einer
solchen Position angestellt wurde und ohne anerkannten Abschluss im
Gesundheitswesen den Kurs nicht nur besuchen durfte, sondern auch sämtliche
Module bestanden hat (siehe IV-act. 104-2 bis 104-5), zeigt, dass er über eine
Ausbildung und Berufserfahrung verfügt, welche über das Hilfsarbeiterniveau
hinausgeht. So lässt sich auch erklären, weshalb er von Anfang an einen Lohn erhielt,
welcher über demjenigen für das entsprechende Kompetenzniveau 1 gemäss LSE lag
und weshalb sein Lohn beim Spital F._ nach Abschluss des Kurses im August 2016
für ein weiteres Jahr und damit bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses nahezu
gleich blieb.
3.3.4.
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Auf dem Arbeitsmarkt finden sich diverse Stellenangebote für Lagerungspfleger
(beispielsweise 76 offene Stellen auf jobs.ch, besucht am 3. Oktober 2019). In den
Stelleninseraten wird nicht immer eine Ausbildung im Gesundheitswesen, meist aber
zumindest Erfahrung im Lagerungsbereich, ein Kurs in Lagerungspflege oder die
Motivation, einen solchen Kurs zu absolvieren, vorausgesetzt. Der Beschwerdeführer
hätte sich somit, befähigt durch seine Berufserfahrung in Verbindung mit dem
absolvierten Kurs OP-Lagerungspflege, auf eine Vielzahl solcher Stellen bewerben und
einer solchen Tätigkeit nachgehen können. Eine Person ohne Berufserfahrung in
diesem Bereich und ohne fachliche Qualifikationen dürfte hingegen wohl keine
Anstellung als Lagerungspfleger erhalten. Der Beschwerdeführer ist somit nicht als
blosser Hilfsarbeiter zu qualifizieren.
3.3.5.
Da das Anstellungsverhältnis beim Spital F._ vor dem Eintritt des
Gesundheitsschadens geendet hat, kann nach dem Gesagten nicht das damals erzielte
Einkommen als Valideneinkommen eingesetzt werden. Es ist zu berücksichtigen, wie
sich die Arbeitssituation des Beschwerdeführers danach entwickelte und wie sie sich
voraussichtlich entwickelt hätte, wäre der Gesundheitsschaden vom 22. November
2017 nicht eingetreten. Bemerkenswert ist, dass der Beschwerdeführer nach der
Beendigung des Arbeitsverhältnisses beim Spital F._ nahtlos (bzw. sogar leicht
überschneidend) für die H._ AG tätig werden konnte. Er hätte daher überwiegend
wahrscheinlich bald wieder eine Festanstellung im Gesundheitsbereich erhalten
können. Da er über mehr Berufserfahrung verfügte als zu Beginn seiner Anstellung
beim Spital F._ und auch den Basiskurs OP-Lagerungspflege vorweisen konnte, darf
dem Beschwerdeführer als Valideneinkommen ein durchschnittliches Einkommen
gemäss LSE, Kompetenzniveau 2, angerechnet werden. Der relevante Monatslohn
beträgt somit Fr. 5'708.-- (siehe E. 3.3.2 vorstehend), das Jahreseinkommen
dementsprechend Fr. 68'496.--.
3.3.6.
Für das Kompetenzniveau 3 beträgt der Monatslohn für das Jahr 2017 gestützt
auf die LSE Fr. 7'058.--. Das entspricht einem Jahreslohn von Fr. 84'696.--. Dieser
Jahreslohn ist tiefer als das vom Beschwerdeführer geltend gemachte
Jahreseinkommen von rund Fr. 90'000.--. Das Kompetenzniveau 3 erreicht, wer
komplexe praktische Tätigkeiten ausübt, welche ein grosses Wissen in einem
Spezialgebiet voraussetzen (vgl. Tabelle TA1 LSE). Der Beschwerdeführer übte gemäss
Einsatzvertrag keine solche Tätigkeit aus. Dass er im Rahmen eines Temporäreinsatzes
flexibler einsetzbar war und sich an einem neuen Arbeitsort rasch zurechtfinden
musste, erfüllt die Anforderungen an eine komplexe praktische Tätigkeit nicht. Dass der
Beschwerdeführer, wie er vorbringt, alle Operationsabläufe à fond habe kennen und
3.3.7.
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unter Leistung von Überstunden auch bei unvorhersehbaren Situationen im Einsatz
habe bleiben müssen, bis die Operation fertig war, dürfte für festangestellte Mitarbeiter
ebenso gegolten haben wie für den Beschwerdeführer als Temporärangestellten. Auch
dabei handelt es sich somit nicht um eine besondere Qualifikation, welche eine
Erhöhung auf das Kompetenzniveau 3 voraussetzen würde. Insofern ist auch mit Blick
auf die LSE 2016 das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Jahreseinkommen von
Fr. 90'000.-- deutlich zu hoch und entspricht nicht einem realistischen
Valideneinkommen. Dem gestützt auf die Qualifikationen des Kompetenzniveaus 2
berechneten Jahreseinkommen in Höhe von Fr. 68'496.-- ist der Vorzug zu geben.
Seit Eintritt des Gesundheitsschadens ist es dem Beschwerdeführer nicht mehr
zumutbar, als Lagerungspfleger zu arbeiten (vgl. IV-act. 89-2). Über Ausbildungen,
welche ihn zu einer adaptierten Tätigkeit in einem anderen Beruf befähigen würden,
verfügt er nicht. Insbesondere ermöglichen ihm weder sein Z._-Abschluss noch das
abgebrochene Studium an der Universität E._ einen Quereinstieg in einen anderen
Beruf auf dem Kompetenzniveau 2 (vgl. auch act. G4.2/57-2, wonach der
Beschwerdeführer in B._ keine eigentliche Ausbildung gemacht habe). Ohne
Umschulung stehen ihm somit lediglich Tätigkeiten als Hilfsarbeiter
(Kompetenzniveau 1) offen. Der so erzielbare Monatslohn beträgt Fr. 5'592.--
(Fr. 5'340.-- gemäss LSE / 40 Wochenstunden x 41.7 Wochenstunden / 2'239 Index
2016 x 2'249 Index 2017), das Jahreseinkommen Fr. 67'102.--.
3.4.
Der Beschwerdeführer fordert einen Tabellenlohnabzug von mindestens 10%. Mit
dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte
Personen im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. In BGE 126 V 75 hat das
Bundesgericht festgestellt, dass es von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter,
Dienstjahre, Nationalität, Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängt, ob
und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind. Bereits in der Beurteilung
der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen
nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu
einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen. Der Einfluss sämtlicher
Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen. Der Abzug ist auf höchstens 25% begrenzt (Urteil des
Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_833/2017, E. 2.2; BGE 134 V 327 E. 5.2).
3.5.
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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4.
Vorliegend kann der Beschwerdeführer körperlich leichte bis gelegentlich
mittelschwere, wechselbelastende und rückenadaptierte Arbeiten ohne Arbeiten in
Zwangshaltungen (gebückt, gebeugt, kauernd) ausüben (vgl. IV-act. 89-2 und
act. G4.2/93-4). Unter diesen Voraussetzungen sollte er in der Lage sein, ein
Vollzeitpensum zu leisten. In dieser Konstellation ist somit kein Abzug wegen des
Beschäftigungsgrads vorzunehmen. Auch altershalber rechtfertigt sich kein
Tabellenlohnabzug, zumal der Beschwerdeführer bei seiner Wiederanmeldung gerade
einmal 40 Jahre alt war. Aus seinem Lebenslauf (IV-act. 6) ergibt sich, dass der
Beschwerdeführer vielseitige, insbesondere auch körperlich leichte Tätigkeiten
ausgeübt hat. Anders als bei einer versicherten Person, die beruflich stets körperlich
schwere Arbeit verrichtet hat, ist deshalb auch kein Abzug wegen der Beschränkung
auf leichte, gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten zu gewähren. Insgesamt rechtfertigt
sich kein Tabellenlohnabzug. Das Invalideneinkommen ist somit auf Fr. 67'102.--
festzusetzen.
3.6.
Aus der Gegenüberstellung von Valideneinkommen (Fr. 68'497.--) und
Invalideneinkommen (Fr. 67'102.--) ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 2%. Weil eine
Umschulung grundsätzlich einen Invaliditätsgrad von 20% voraussetzt, hat der
Beschwerdeführer somit keinen Anspruch auf Umschulung.
3.7.
Die Beschwerdegegnerin ging ursprünglich von der Lohnabrechnung November
2017 (IV-act. 83-3) aus, errechnete so eine Taggeldbasis von Fr. 75'462.-- (IV-act. 92)
und ging auch in der angefochtenen Verfügung von diesem Betrag für das
Valideneinkommen aus (IV-act. 106). Gemäss Einsatzvertrag hätte dies einem
Stellenpensum von 83% entsprochen. Wie bereits dargelegt, ist diese Berechnung
nicht haltbar, da die November-Lohnabrechnung für sich genommen für das
Valideneinkommen des Beschwerdeführers nicht repräsentativ ist. Selbst wenn indes
Fr. 75'462.-- als Valideneinkommen zugrunde gelegt würde, ergäbe sich ein
Invaliditätsgrad von lediglich 11%, sodass der Beschwerdeführer auch in diesem Falle
keinen Anspruch auf Umschulung hätte. Umstände, welche eine Umschulung bei
einem so niedrigen Invaliditätsgrad dennoch rechtfertigen würden, liegen keine vor.
3.8.
Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf die von ihm beantragten
Integrationsmassnahmen hat.
4.1.
Anspruch auf Integrationsmassnahmen im Sinne von Art. 14a IVG haben
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50% arbeitsunfähig
sind. Die Arbeitsunfähigkeit wird nicht nur im bisherigen, sondern auch in einem
4.2.
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5.