Decision ID: 8077704e-19a6-45c6-8adc-e01a2bcac3e2
Year: 2015
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Hintergrund dieser Sachverhaltsabklärungen stellte sie mit
Zwischenverfügung vom 2. November 2012 alsdann die Ausrichtung der
A._ zugesprochenen halben Invalidenrente per sofort ein. Nach
Durchführung des Vorbescheidverfahrens bejahte die IV-Stelle sodann
mit Verfügung vom 14. Februar 2014 das Vorliegen eines
Revisionsgrundes und hob die A._ zugesprochene halbe Rente
rückwirkend auf den 30. November 2011 hin auf.
5. Gegen diese Anordnung gelangte A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 17. März 2014 mit Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Darin beantragte er, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei ab dem
1. Dezember 2012 weiterhin eine halbe Invalidenrente, eventuell ab April
2014 eine Viertelsrente, subeventuell nach Ermessen des Gerichts
- 4 -
auszurichten. Eventuell sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen,
um die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers durch eine Berufliche
Abklärungsstelle (BEFAS) eingehend abklären zu lassen und aufgrund
der derart ergänzten Sachlage über den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers erneut zu befinden. In formeller Hinsicht ersuchte er
das Verwaltungsgericht, dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung sowie Rechtspflege zu gewähren und den
unterzeichnenden Rechtsvertreter als dessen Rechtsvertreter
einzusetzen. Zur Begründung dieser Rechtsbegehren brachte der
Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, seine gesundheitliche
Verfassung habe seit dem 28. März 2008 keine rechtserhebliche
Verbesserung erfahren. Aus psychiatrischer Sicht sei seine
Arbeitsfähigkeit bereits laut dem eingeholten asim-Gutachten nicht
eingeschränkt gewesen. Insofern habe der massgebliche Sachverhalt seit
der Zusprache der halben Invalidenrente keine Änderung erfahren. Was
seine somatischen Beschwerden betreffe, beschreibe med. pract.
E._ dieselben gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie der asim-
Gutachter. Hierbei handle es sich demnach um eine neue Beurteilung
eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustands,
die als solche keinen Revisionsgrund darstelle. Auch aus den anlässlich
der Observation gemachten Beobachtungen liesse sich nichts anderes
ableiten. Denn sowohl der hinzugezogene RAD-Arzt als auch med. pract.
E._ hätten es versäumt, die zeitliche Dauer der beobachteten
Tätigkeiten zu beachten und angemessen zu gewichten. Die
dokumentierten handwerklichen Arbeiten seien auf den ganzen Tag
verteilt und betrügen, gesamthaft betrachtet, nicht mehr als anderthalb bis
zwei Stunden. Es zeige sich auch, dass der Beschwerdeführer täglich drei
bis fünf Stunden dauernde Pausen einlegen müsse. Auch dies sei nicht
berücksichtigt worden. Diese durch die Observation dokumentierte
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gehe nicht über die dem
Beschwerdeführer im asim-Gutachten zuerkannte Arbeitsfähigkeit hinaus,
sei doch der Beschwerdeführer danach in einer leidendadaptierten
- 5 -
Tätigkeit im Umfang von 4.2 Stunden pro Tag, verteilt auf eine längere
Präsenzzeit, arbeitsfähig. Eine Verbesserung der gesundheitlichen
Verfassung des Beschwerdeführers lasse sich mit den im Rahmen der
Observation gemachten Aufnahmen nicht begründen. Die IV-Stelle habe
das Vorliegen eines Revisionsgrundes demzufolge zu Unrecht bejaht,
weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und dem
Beschwerdeführer weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten sei.
Bereits im Einwandverfahren sei schliesslich beantragt worden, eine
mehrwöchige BEFAS anzuordnen. So seien bei der EVAL bereits am
zweiten Tag Schwellungen der Hand beobachtet worden. Bei einer
stündigen Begutachtung sei es nicht möglich, diese Reaktionen zu
erfassen und ihr Rechnung zu tragen. Nachdem der Beschwerdeführer
stets angegeben habe, gute und schlechte Tage zu haben, erscheine es
sachgerecht, sein effektives Leistungsvermögen im Rahmen einer BEFAS
abzuklären.
6. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 23. April 2014 die
Abweisung der Beschwerde. Begründend führte sie in erster Linie aus,
der asim-Psychiater habe dem Beschwerdeführer 2007 aufgrund zweier
psychiatrischer Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
25%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Diese Beurteilung sei insofern in die
Gesamtbeurteilung eingeflossen, als dem Beschwerdeführer deshalb
anstelle der aus somatischer Sicht angenommenen 40%igen eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei. Entgegen den Vorbringen des
Beschwerdeführers liege somit aus psychiatrischer Sicht ein
Revisionsgrund vor, sei doch der IME-Psychiater, Dr. med. F._, zur
Überzeugung gelangt, der Beschwerdeführer leide an keiner psychischen
Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers aus somatischer Sicht im
massgeblichen Zeitraum im Übrigen erheblich verbessert habe, lege
sodann der IME-Gutachter, med. pract. E._, überzeugend dar. Es sei
kein Grund ersichtlich, weshalb vorliegend nicht auf das IME-Gutachten
- 6 -
abgestellt werden sollte. Insbesondere vermöchten die nicht
medizinischen Berichte der Lebenspartnerin des Beschwerdeführers,
dessen Bekannten, Mitarbeitern und Vorgesetzten das interdisziplinäre
IME-Gutachten nicht zu erschüttern. In den durch die Observation
gewonnenen Berichten und Bilddokumente seien keine funktionellen
Behinderungen ersichtlich. Danach sei der Beschwerdeführer in der Lage,
vollkommen normal zu arbeiten.
7. Mit Schreiben vom 25. April 2014 verzichtete der Beschwerdeführer auf
die Einreichung einer Stellungnahme und reichte zugleich seine
Honorarnote ein. Die IV-Stelle beanstandete den darin geltend
gemachten Arbeitsaufwand am 30. April 2014 als übersetzt. Dazu nahm
der Beschwerdeführer am 2. Mai 2014 Stellung.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensparteien sowie die
eingereichten Beweismittel, wird soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der
IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 14. Februar 2014. Eine solche
Anordnung, die gemäss Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle unterliegt, kann beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Damit fällt die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts.
Als formeller und materieller Verfügungsadressat ist der
Beschwerdeführer von der angefochtenen Verfügung ausserdem
- 7 -
unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Abänderung. Demnach ist er zur Beschwerdeführung
berechtigt (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Schliesslich hat der Beschwerdeführer seine Beschwerde frist- und
formgerecht beim Verwaltungsgericht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG). Auf die vorliegende Beschwerde ist damit
einzutreten.
2. In der angefochtenen Verfügung hat die IV-Stelle das Vorliegen eines
Revisionsgrundes bejaht und dem Beschwerdeführer auf der Grundlage
der getätigten Beweisvorkehren die mit Verfügung vom 28. März 2008
zugesprochene halbe Invalidenrente per 30. November 2011 aberkannt.
Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob diese rückwirkende
Rentenaufhebung zulässig ist.
a) Nach Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch
auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente. Bei erwerbstätigen
Versicherten ist der rentenbegründende Invaliditätsgrad aufgrund eines
Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung
mit Art. 16 ATSG). Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
- 8 -
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen auf zeitidentischer Basis
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber gestellt
werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad zu
bestimmen ist (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE
130 V 343 E.3.4.2, 128 V 29 E.1).
b) Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, wird die
Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 1 Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 17 Abs. 1 ATSG, Art. 88a und Art. 88bis der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Anlass für eine solche
Anpassung gibt jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Die Invalidenrente ist daher nicht nur bei einer wesentlichen
Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern etwa auch dann
revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen eines an sich
gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben
oder eine andere Art der Invaliditätsbemessung zur Anwendung gelangt
(BGE 130 V 343 E.3.5; Urteile des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom
25. Juli 2013 E.3.1.1, 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E.1.2, I 554/05
vom 3. Januar 2006 E.2.1, I 212/03 vom 28. August 2003 E.2.2.3).
Dagegen bildet die unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines
im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die
Arbeitsfähigkeit nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für sich
allein genommen keinen Revisionsgrund (Urteil des Bundesgerichts
9C_552/2007 vom 17. Januar 2008 E.3.1.2).
c) Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss
des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung
des Invaliditätsgrades im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG eingetreten ist,
dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen
Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
- 9 -
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den
erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133
V 108 E.5; vgl. auch SVR 2010 IV Nr. 54 S. 167 E.2.1; Urteile des
Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.3.1.2, 9C_418/2010
vom 20. August 2011 E.3.1). Wird bei dieser Gegenüberstellung
festgestellt, dass der Invaliditätsgrad im zur Beurteilung stehenden
Zeitraum keine rechtserhebliche Änderung erfahren hat, bleibt es beim
bisherigen Rechtszustand (Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom
25. Juli 2013 E.3.1.3). Andernfalls ist das Vorliegen eines
Revisionsgrunds zu bejahen und die zugesprochene Rente entsprechend
der festgestellten Sachverhaltsveränderung abzuändern (vgl. ULRICH
MEYER / MARCO REICHMUTH, in: STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2014, Art. 30-31 N. 13).
d) Mit Verfügung vom 21. Januar 2008 bejahte die IV-Stelle das Vorliegen
eines Revisionsgrundes und änderte die ursprüngliche Rentenzusprache
dahingehend ab, als sie dem Beschwerdeführer ab dem 1. Januar 2008
bei einem Invaliditätsgrad von 50 % nur mehr eine halbe Invalidenrente
zuerkannte (Beilagen der IV-Stelle [IV-act.] 81). Ob der
rentenbegründende Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers seither eine
rechtserhebliche Änderung erfahren hat, prüfte die IV-Stelle in der Folge
erstmals im Rahmen des von Amtes wegen eingeleiteten
Revisionsverfahrens, das mit der Mitteilung vom 14. April 2009 seinen
Abschluss fand (Art. 51 ATSG i.V.m. Art. 74ter lit. f IVV). Darin beschied
die IV-Stelle dem Beschwerdeführer, bei der Überprüfung des
Invaliditätsgrads keine Änderung der rechtserheblichen Sachlage
festgestellt zu haben, die sich auf die zugesprochene Rente auswirke (IV-
act. 94). Die fragliche Anordnung beruhte lediglich auf einem
Verlaufsbericht des Hausarztes des Beschwerdeführers, Dr. med.
- 10 -
G._, Facharzt für Pneumologie und Innere Medizin, datierend vom
6. April 2009 (IV-act. 92). Darin wird die gesundheitliche Verfassung des
Beschwerdeführers als unverändert geschildert, ohne dass eine
eingehende Auseinandersetzung mit den vom Beschwerdeführer
beklagten Beschwerden und der hieraus resultierenden funktionellen
Beeinträchtigung erfolgt. Im Übrigen wird festgehalten, die attestierte
Arbeitsfähigkeit von 50 % sei bei entsprechenden Rahmenbedingungen in
Teilzeit realisierbar. Bei alltäglichen Lebensverrichtungen sei der
Beschwerdeführer nicht in erheblichem Masse auf Dritthilfe angewiesen,
womit keine Hilfslosigkeit im Rechtssinne bestehe (IV-act. 92). Aus diesen
Ausführungen ergibt sich kein vollständiges Bild über den für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads massgebenden medizinischen
Sachverhalt. Unter diesen Umständen ist mit den Verfahrensbeteiligten
davon auszugehen, dass diese Sachverhaltsabklärung nicht genügt, um
die Mitteilung vom 14. April 2009 als Vergleichsbasis für die strittige
Rentenrevision anzusehen. Ob sich die gesundheitliche Verfassung des
Beschwerdeführers und, als Folge davon, dessen Arbeitsfähigkeit, wie in
der angefochtenen Verfügung angenommen, in einer für den
Rentenanspruch massgeblichen Weise verbessert haben, beurteilt sich
demnach durch den Vergleich des Sachverhalts, welcher der Verfügung
28. März 2008 zugrunde lag, mit jenem Sachverhalt, der sich bis zum
Erlass der angefochtenen Verfügung am 14. Februar 2014 verwirklicht
hat. Davon ausgehend wird anschliessend zunächst zu untersuchen sein,
auf welchem Sachverhalt die Verfügung vom 21. Januar 2008 beruht.
Daraufhin wird der rechtserhebliche Sachverhalt zu ermitteln sein, der
sich bis zum Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens zugetragen hat.
Schliesslich wird durch Gegenüberstellung dieser beiden Sachverhalte zu
entscheiden sein, ob die massgeblichen Verhältnisse damit eine
rechtserhebliche Änderung erfahren haben, welche die Aufhebung der
zugesprochenen halben Rente rechtfertigt.
- 11 -
3. Die Verfügung vom 21. Januar 2008 beruhte in erster Linie auf dem
polydisziplinären asim-Gutachten vom 12. September 2007 (IV-act. 73).
Darin diagnostizierten Dr. med. H._, Rheumatologie und Innere
Medizin FMH, Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, Dr. med. K._, Oberarzt,
Neurologische Universitätsklinik, sowie Dr. med. L._,
fallverantwortlicher Oberarzt, als Krankheiten mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten Fussschmerzen links mehrfacher
Ursache, multifaktorielle Restbeschwerden und diffus reduzierte
Willkürinnervation im linken Arm, Status nach Narkosemobilisation der
rechten Schulter nach Kontusion 2004 (aktuell Beschwerdefreiheit und
freie Beweglichkeit), dissoziative Störungen (Konversationsstörungen)
gemischt (ICD-10: F 44.7) sowie eine anhaltend somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4, IV-act. 73 S. 20). Aus polydisziplinärer
Sicht bestehe als Mitarbeiter in einem Sportgeschäft und einer Skischule
mit vorwiegend administrativen Büro- und Planungsarbeiten sowie der
Vermietung von Skigeräten eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, entsprechend
einer Leistungsfähigkeit von 4.2 Stunden pro Tag bei längerer
Präsenzzeit am Arbeitsplatz. Dabei seien – wie im Gutachten von
Dr. med. M._ ausgeführt – repetitives Heben und Tragen von Lasten
von mehr als 10 kg, belastende Tätigkeiten für die unteren Extremitäten,
repetitives Treppenbenutzen, ausschliessliches Stehen und Gehen zu
vermeiden. Gleiches gelte für Tätigkeiten mit der Notwendigkeit zu
vorwiegendem Begehen von unebenem Gelände oder mit häufigem
Bergab – oder Bergaufgehen. Arbeiten mit vorwiegend über Kopf
Tätigkeitsanteilen sollten ebenso wenig ausgeführt werden (IV-act. 73
S. 22). In allen körperlich leichten Tätigkeiten, welche diese
Einschränkungen berücksichtigten, bestünde eine Arbeitsfähigkeit von
50 %, entsprechend einer Leistungsfähigkeit von 4.2 Stunden pro Tag bei
längerer Präsenzzeit am Arbeitsplatz. Aus somatischer Sicht könnten
keine medizinischen Massnahmen vorgeschlagen werden, welche die
Arbeitsfähigkeit erhöhten. Symptomatisch wirksam seien Schuheinlagen
- 12 -
und eine generelle Optimierung der Schuhversorgung. Bei Nachweis
einer signifikanten Gelenksinstabilität könnte sich ein chirurgischer Eingriff
prognostisch günstig auswirken in dem Sinne als eine mittelfristig zu
erwartende Verschlechterung des Gesundheitszustands vermieden
werden könnte. Zu empfehlen sei, in der wiederaufgenommenen
fachpsychiatrischen Behandlung, den Schwerpunkt auf eine weitere
Unterstützung der in den letzten Jahren gewachsenen beruflichen und
privaten Strukturen zu legen. Hiervon sei keine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit zu erwarten, da die Einschränkungen vornehmlich im
somatischen Bereich lägen. Falls eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
langfristig erhalten werden könne, sei von einem Erfolg auszugehen (IV-
act. 73 S. 23). Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei die Folge einer
weitgehenden Remission der psychiatrischen Symptomatik, die vormals
bestanden habe (IV-act. 73 S. 23).
4. a) Um beurteilen zu können, ob sich die gesundheitliche Verfassung des
Beschwerdeführers im Vergleich zu diesem der Verfügung vom 21.
Januar 2008 zugrunde liegenden Gesundheitszustand in einer für den
Rentenanspruch massgeblichen Weise verändert hat, liess die IV-Stelle
den Beschwerdeführer am 11. Februar 2012, 12. Februar 2012 und am
2. März 2012 observieren und ordnete dessen bidisziplinäre
Begutachtung durch das IME an. Dabei stellte die IV-Stelle den IME-
Gutachtern die Ergebnisse der Observation, mithin den
Observationsbericht vom 15. März 2013, einschliesslich der zugehörigen
Videoaufnahmen, sowie die Abschlussbeurteilung des RAD-Arztes, med.
pract. N._, vom 4. September 2013, zur Verfügung, verbunden mit
der Aufforderung dazu Stellung zu nehmen. Die Rechtmässigkeit dieses
Vorgehens, insbesondere die Zulässigkeit der von der IV-Stelle
veranlassten dreitägigen Observation des Beschwerdeführers, blieb zu
Recht unbestritten (vgl. dazu BGE 137 I 327 E.6). Unter diesen
Umständen hängt der Beweiswert des unter Berücksichtigung des
Observationsmaterials erarbeiteten IME-Gutachtens (IV-act. 148)
- 13 -
rechtsprechungsgemäss davon ab, ob es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben wurde, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchtet und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu
überzeugen vermag. Ausschlaggebend für den Beweiswert des IME-
Gutachtens ist folglich grundsätzlich weder dessen Herkunft noch
Bezeichnung (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a, 122 V 160
E.1c). Dennoch hat es das Bundesgericht mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen. Danach kommt Gutachten
versicherungsexterner Ärzte, wie dem vorliegend in Frage stehenden,
voller Beweiswert zu, wenn sie die vorgenannten Anforderungen erfüllen
und nicht konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen
(BGE 125 V 353 E.3b/bb). Nur wenn die Schlüssigkeit eines
versicherungsexternen Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft
erscheint, sind ergänzende Beweisvorkehren in Betracht zu ziehen und
nötigenfalls anzuordnen. Andernfalls ist ihnen voller Beweiswert
beizumessen, womit darauf bei der Beurteilung der strittigen
Leistungsansprüche abgestellt werden kann (vgl. BGE 121 Ia 146 E.1c).
Von diesen Grundsätzen ausgehend ist nachfolgend zu prüfen, ob dem
IME-Gutachten voller Beweiswerkt zukommt.
b) Hinsichtlich der getätigten Untersuchungen geht aus dem IME-Gutachten
vom 23. August 2013 hervor, dass der begutachtende Rheumatologe,
med. pract. E._, Facharzt für Rheumatologie, Facharzt für Innere
Medizin, Manuelle Medizin SAMM, zertifizierter medizinischer Gutachter
SIM, den Beschwerdeführer am 14. Juni 2012, 11. Oktober 2012 und am
19. Juli 2013 persönlich untersuchte (IV-act. 148 S. 1). Ausserdem
veranlasste er einerseits eine Evaluation der funktionellen
- 14 -
Leistungsfähigkeit (EFL) des Beschwerdeführers, die am 11. und
12. Oktober 2012 durchgeführt wurde (IV-act. 148 S. 1), andererseits eine
Röntgen- und Ultraschalluntersuchung des Beschwerdeführers (IV-
act. 148 S. 1). Der IME-Psychiater, Dr. med. F._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter
SIM, untersuchte den Beschwerdeführer seinerseits am 6. Juni 2012
sowie am 7. Juni 2013. Auf der Grundlage dieser Untersuchungen sowie
der von der IV-Stelle zur Verfügung gestellten und nachgeforderten
medizinischen Berichte gelangten med. pract. E._ und Dr. med.
F._ im Gutachten vom 23. August 2013 zum Schluss, der
Versicherte leide an keiner psychischen Krankheit mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Aus rheumatologischer Sicht beeinträchtigten die
Periarthropathia humeroscaplularis rechts (ICD-10: M 75.0, M 75.1,
T 92.9), die Periarthropathia humeroscapularis links (ICD-10: M 75.0,
M 75.1, T 92.9), ein chronifiziertes Schmerzsyndrom des linken oberen
Sprunggelenks (ICD-10: R 52.2, T 93.9) sowie chronifizierte Hand- und
Armschmerzen links (ICD-10: M 79.64, T 92.9) die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten
diagnostizierten die IME-Gutachter aus psychiatrischer Sicht eine
Anpassungsstörung mit kurzer depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.21)
und aus rheumatologischer Sicht ein interdisziplinierendes
lumbovertebrales bis lumbospondylogenes Schmerzsyndrom,
anamnestisch Status nach zweimaliger Arthroskopie des rechten
Kniegelenks und Status nach Bandscheibenoperation am linken
Kniegelenk bei Patella-Luxation vor Jahren sowie einen chronischen
Nikotinabusus (IV-act. 148 S. 99-101). Der Versicherte sei in der aktuellen
Tätigkeit als Mitarbeiter in einer Schneesportschule, die von den IME-
Gutachtern als angestammte Tätigkeit angesehen werde, mit Winter- und
Sommerbetrieb mindestens im Umfang von 60-70 % arbeitsfähig (IV-
act. 148 S. 133). Diese berufliche Tätigkeit könne der Versicherte nach
Durchführung der geplanten Schulteroperation rechts mutmasslich nach
einer dreimonatigen Rekonvaleszenz wieder aufnehmen. Nach einer
- 15 -
schrittweisen Steigerung des Arbeitspensums sei zwei bis drei Monate
nach der Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit von einer
mindestens 80%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 148 S. 133).
Die Prognose bleibe allerdings unsicher, da auch linksseitig eine
Rotatorenmanschettenruptur diagnostiziert worden sei, welche sich unter
körperlicher Belastung verschlimmern könnte. In einer leichten Tätigkeit
mit maximalen Gewichtsbelastungen von 10 kg verbunden mit der
Möglichkeit zur Wechselbelastung sei der Versicherte aus
rheumatologischer Sicht indessen in jedem Fall zu 100 % arbeitsfähig.
Tätigkeiten, welche einen Einsatz der Arme und Schultern mit Kraft oder
wiederholt über Schulter- oder Kopfhöhe ausgeführte Arbeiten
beinhalteten, sollten möglichst vermieden werden. Dasselbe gelte für
Tätigkeiten mit repetitivem Krafteinsatz der linken Hand oder Tätigkeiten,
bei welchen die Hand wiederholten Vibrationen ausgesetzt sei sowie rein
stehende oder gehende Tätigkeiten (IV-act. 148 S. 133). Würden diese
funktionellen Beeinträchtigungen der im asim-Gutachten vom
12. September 2007 beschriebenen Arbeitsfähigkeit des Versicherten
gegenübergestellt, so zeige sich, dass zwischenzeitlich eine deutliche
Verbesserung eingetreten sei. Ab wann sich der Gesundheitszustand des
Versicherten wesentlich verbessert habe, lasse sich retrospektiv nicht
mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststellen. Eine deutliche
Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit sei aber im Rahmen
der Videoobservation dokumentiert worden. Es scheine plausibel, dass
diese Verbesserung spätestens ab Anfang Wintersaison 2011/2012
eingetreten sei, womit es sich als überwiegend wahrscheinlich erweise,
dass der Versicherte ab diesem Zeitpunkt in einer leidensadaptierten
Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig gewesen sei. Am 10. November 2012
habe er sich allerdings beim Skifahren eine nichtdislozierte Fraktur am
Tuberculum majus rechts zugezogen, worauf er während zwei bis drei
Monaten voll arbeitsunfähig gewesen sei. Nach einer schrittweisen
Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei ab dem Frühsommer 2013 von einer
- 16 -
100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
auszugehen (IV-act. 148 S. 134 f., 137).
c) Die vorangehend auszugsweise wiedergegebenen Ausführungen der
IME-Gutachter sind für die strittigen Belange umfassend, berücksichtigen
die vom Beschwerdeführer beklagten Leiden und wurden in Kenntnis der
Vorakten sowie unter Berücksichtigung der im Rahmen der Observation
gemachten Beobachtungen erstellt. Zudem beruhen sie auf mehreren
persönlichen Untersuchungen des Beschwerdeführers, die es den IME-
Gutachtern erlaubt haben, sich einen persönlichen Eindruck vom
Beschwerdeführer zu verschaffen. Die IME-Gutachter haben sich im
Gutachten vom 23. August 2013 ausserdem ausführlich mit allen
relevanten medizinischen Aspekten der strittigen Rentenaufhebung
auseinandergesetzt und objektiv, in sich schlüssig und nachvollziehbar
begründet, weshalb sich die gesundheitliche Verfassung des
Beschwerdeführers nach ihrer Auffassung seit dem massgeblichen
Referenzzeitpunkt (21. Januar 2008) erheblich verbessert hat und der
Beschwerdeführer nach Ausheilung der am 10. November 2012 erlittenen
Schulterverletzung in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig ist. Soweit ihre Beurteilung von jener anderer Ärzte abweicht,
begründen sie sorgfältig, weshalb sie deren Einschätzung nicht teilen und
von einer höheren Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgehen. Die
diesbezüglichen Ausführungen der IME-Gutachter leuchten sowohl in der
Darlegung der massgeblichen medizinischen Zusammenhänge als auch
in der hierauf gestützt vorgenommenen Einschätzung des funktionellen
Leistungsvermögens des Beschwerdeführers ein. In den Akten finden
sich keine Hinweise, welche Zweifel an der Zuverlässigkeit und Richtigkeit
des IME-Gutachtens vom 23. August 2013 wecken. Dem IME-Gutachten
vom 23. August 2013 ist folglich voller Beweiswert zuzuerkennen.
Demzufolge gilt als ausgewiesen, dass sich die gesundheitliche
Verfassung des Beschwerdeführers seit dem 21. Januar 2008 sowohl aus
rheumatologischer als auch aus psychiatrischer Sicht insoweit verbessert
- 17 -
hat, als der Beschwerdeführer seit November 2011 in einer
leidensadaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist.
d) Was der Beschwerdeführer dagegen einwendet, überzeugt nicht. Soweit
er vorbringt, bereits im Gutachten der asim vom 12. September 2007 sei
keine affektive Erkrankung mit Auswirkung auf seine Arbeitsfähigkeit
diagnostiziert worden, kann ihm nicht gefolgt werden. Entgegen der
Behauptung des Beschwerdeführers wurden im Gutachten der asim vom
12. September 2007 nämlich als psychische Krankheiten mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit einerseits dissoziative Störungen
(Konversationsstörungen) gemischt (ICD-10: F 44.7) und andererseits
eine anhaltend somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4, IV-act. 73
S. 20) diagnostiziert (IV-act. 73 S. 29, vgl. auch E.3 hiervor). Zu den sich
hieraus ergebenden Beeinträchtigungen im funktionellen
Leistungsvermögen führte Dr. med. I._ in der psychiatrischen
Einzelbeurteilung erläuternd aus (IV-act. 73 S. 43 ff.), der Versicherte sei
im Wesentlichen durch die Konversionsstörung, einschliesslich der
Somatisierungstörung, in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Im
Rahmen einer den körperlichen Beschwerden des Versicherten
angepassten Tätigkeit betrage dessen Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht 75 % (IV-act. 73 S. 54). Eine derartige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers liegt nach
Auffassung der IME-Gutachter seit November 2011 nicht mehr vor (IV-
act. 148 S. 100 f.). Erläuternd führte der IME-Psychiater, Dr. med.
F._, im psychiatrischen Teilgutachten vom 11. Juli 2012 aus (IV-
act. 148 S. 145 ff.), der Versicherte sei im Zeitpunkt der Untersuchung
psychopathologisch unauffällig gewesen (vgl. IV-act. 148 S. 213). In den
Akten seien einzelne depressive Episoden beschrieben, die darauf
schliessen liessen, dass der Versicherte in der Vergangenheit an einer
rezidivierenden depressiven Störung gelitten habe. Da diese jedoch seit
vielen Jahren remittiert und der Versicherte dadurch nicht mehr
beeinträchtigt sei, scheine es nicht sinnvoll, diese Diagnose weiterhin zu
- 18 -
stellen. Unklarer sei die Situation beim Vorliegen einer
Somatisierungsstörung/Schmerzstörung. Hier gingen die Einschätzungen
weit auseinander. Häufig werde eine anhaltend somatoforme
Schmerzstörung und/oder eine dissoziative Störung diagnostiziert.
Welche dieser Diagnosen zutreffend sei, könne retrospektiv nicht beurteilt
werden. Jedenfalls habe sich die diesbezügliche Situation seit der letzten
Begutachtung durch das asim deutlich verbessert (IV-act. 148 S. 216). Dr.
med. I._ sei im August 2007 in erster Linie noch von einer
dissoziativen Störung (ICD-10: F 44.7) ausgegangen, da der Versicherte
immer wieder unter tranceähnlichen Zuständen, unklaren
Bewusstseinsverlusten und Sturzereignissen, Ohnmachtsanfälle und
pseudoneurologischen Symptomen gelitten habe. Mehrfach seien auch
Hyperventilationen aufgetreten. Davon könne heute keine Rede mehr
sein. Der Versicherte klage nicht über entsprechende Symptome. Die
diesbezügliche Problematik habe sich also deutlich gebessert (IV-act. 148
S. 216). Im Übrigen klage der Versicherte nicht über einen andauernden
und quälenden Schmerz, sondern berichte, dass es ihm gut gehe,
solange er arbeite. Wenn er dann von der Arbeit zurückkomme und sich
erholen wolle, würden die Schmerzen wiederkommen. Dieses
Beschwerdebild erfülle die Voraussetzungen für eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung nicht, weshalb diese Krankheit zum
jetzigen Zeitpunkt nicht mehr diagnostiziert werden könne (IV-act. 148
S. 216 f.). Derzeit sei nicht mehr vom Vorliegen einer psychischen
Störung von Krankheitswert auszugehen, welche die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten beeinträchtige (IV-act. 148 S. 217). Diese gutachterliche
Einschätzung ist in sich schlüssig und überzeugend begründet.
Ausserdem stimmt sie mit der Beurteilung des Hausarztes des
Beschwerdeführers überein, der im Arztbericht vom 27. Dezember 2012
keine psychische Krankheit als rentenrelevant bezeichnet (vgl. Beilagen
des Beschwerdeführers [Bf-act.] 39) und diese Einschätzung auf
entsprechende Nachfrage hin gegenüber dem IME-Psychiater telefonisch
bestätigt hat (vgl. IV-act. 148 S. 203). Damit ist ausgewiesen, dass der
- 19 -
Beschwerdeführer seit November 2011 an keiner psychischen Krankheit
mehr leidet, welche seine Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Folglich hat sich
seine psychische Verfassung im Vergleich zu dem der Verfügung vom
21. Januar 2008 zugrunde liegenden Gesundheitszustand wesentlich
verbessert. Die gegenteilige Auffassung des Beschwerdeführers erweist
sich somit als unzutreffend.
aa) Diese Verbesserung der psychischen Verfassung des Beschwerdeführers
wäre im Ergebnis freilich bedeutungslos, wenn der Beschwerdeführer
aufgrund seiner rheumatologischen Beschwerden (nach wie vor) zu 50 %
arbeitsunfähig wäre. Diesbezüglich ist die Ausgangslage weniger
eindeutig als hinsichtlich der psychischen Verfassung des
Beschwerdeführers. So weist der Beschwerdeführer durchaus zu Recht
darauf hin, dass die entsprechende Beurteilung seiner Leistungsfähigkeit
durch den IME-Gutachter, med. pract. E._, grundsätzlich auf dem
gleichen somatischen Gesundheitszustand beruhe wie die Beurteilung im
asim-Gutachten vom 12. September 2007. In der Tat hat med. pract.
E._ im Gutachten vom 23. August 2013 im Wesentlichen die
gleichen rheumatologischen Befunde erhoben und ist vom gleichen
objektivierbaren Gesundzustand ausgegangen wie der rheumatologische
asim-Gutachter, Dr. med. H._ (vgl. die entsprechenden Diagnosen
sowie die rheumatologische IME-Beurteilung [IV-act. 148 S. 103 ff.,
insbes. S. 117 bis 123]). Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von
Versicherten beruht indessen nicht nur auf objektivierbaren medizinischen
Befunden, sondern immer auch auf den Angaben der Versicherten zu den
von ihnen deshalb hinzunehmenden funktionellen Beeinträchtigungen.
Liegen körperliche Beschwerden vor, so können Angaben zu den
funktionellen Beeinträchtigungen im Allgemeinen in einer EFL objektiviert
werden, indem anhand von Arbeitssimulationstests, wie etwa Heben,
Tragen sowie Arbeit über Kopfhöhe, das arbeitsbezogene
Leistungsvermögen bestimmt wird. Diesen Weg hat med. pract. E._
beschritten, indem er am 11. und 12. Oktober 2012 eine EFL durchführen
- 20 -
liess. Da die durchgeführten Verhaltensbeobachtungen eine erhebliche
Symptomausweitung zu Tage förderten (IV-act. 148 S. 101), erlaubten die
Ergebnisse der EFL keine objektivierte Evaluierung des
Leistungsvermögens des Beschwerdeführers. Unter diesen Umständen
sahen sich die IME-Gutachter gezwungen, die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers medizinisch-theoretisch zu bestimmen. Dabei hatten
sie im Unterschied zu den asim-Gutachtern die Möglichkeit, die Angaben
des Beschwerdeführers zu seinem funktionellen Leistungsvermögen vor
dem Hintergrund der während der Observation gemachten
Beobachtungen zu hinterfragen. Im Observationsmaterial waren nach
Auffassung der IME-Gutachter die in der EFL als arbeitsrelevantes
Probleme benannte mangelnde Belastbarkeit und somatovegetative
Funktionsstörung des linken Armes, des linken Beines und ein durch die
Schonungs- und Meidungsstrategie des Versicherten ungünstige
Belastung des Rückens sowie eine verminderte muskuläre Stabilisation
des Rumpfes nicht zu erkennen (IV-act. 148 S. 129). Nach gutachterlicher
Feststellung wird im Observationsmaterial ein Leistungsvermögen des
Beschwerdeführers abgebildet, das deutlich über dem bisher
angenommenen liegt. Deshalb erachten die IME-Gutachter die bisherige
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, die sich auf
eine Tätigkeit bezieht, die mit einer geringeren körperlichen Belastung
verbunden ist als die vom Beschwerdeführer während der Observation
ausgeübten, als unzutreffend. Das Gericht hat keinen Anlass, an der
Richtigkeit der entsprechenden sorgfältig begründeten und auf neuen
Erkenntnissen beruhenden Schlussfolgerungen zu zweifeln. In diesem
Zusammenhang ist ausserdem darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführer konfrontiert mit dem Observationsmaterial anlässlich
der Befragung vom 29. Oktober 2012 angegeben hat, sich an die
Situation angepasst zu haben. Es (der Gesundheitszustand) habe sich
sicherlich verbessert. Ansonsten er jetzt nicht viel weniger Medikamente
einnehmen müsste (vgl. Befragungsprotokoll vom 29. Oktober 2012 S. 3
im separaten BVM-Dossier).
- 21 -
bb) Dass die während der Observation gemachten Beobachtungen auf ein
höheres Arbeitsvermögen als das bisher angenommene schliessen
liessen, stellt der Beschwerdeführer mit der Begründung in Abrede, die
Observation zeige nichts anderes, als dass er bei längerer Präsenzzeit,
wie im asim-Gutachten vom 12. September 2007 angenommen, die
erforderliche Leistung im Wesentlichen erbringen könne, ohne dass die
gesundheitlichen Beschwerden exazerbierten. Es sei daher falsch, wenn
der IME-Gutachter und der RAD-Arzt, med. pract. N._, einzelne
Tätigkeiten herausnähmen und behaupteten, seine gesundheitliche
Verfassung habe sich verbessert, ohne der Dauer der ausgeübten
Tätigkeiten und den dazwischengeschalteten Pausen Rechnung zu
tragen. Diese Behauptung des Beschwerdeführers ist aktenwidrig. Die
IME-Gutachter haben im Gutachten vom 23. August 2013 festgehalten,
gemäss dem vorliegenden Observationsmaterial sei für Freitag, 2. März
2012, eine Präsenzzeit von 08.45 Uhr bis 16.45 Uhr, für Sonntag eine
solche von ca. 08.45 Uhr bis gegen 16.20 Uhr dokumentiert. Ausserdem
sei von widerholten Pausen und nicht von einer dauernden Tätigkeit in
diesem Zeitraum auszugehen. (...) Betreffend der körperlichen Tätigkeit
an einem Tag, an welchem der Beschwerdeführer für die Organisation
des Skirennens verantwortlich sei, sei von wechselnden Phasen der
körperlichen Aktivität, aber auch von Phasen von im Wesentlichen
fehlender körperlicher Aktivität auszugehen (IV-act. 148 S. 139). Die
gezeigte Arbeitsleistung entspreche sehr wahrscheinlich nicht einer
eigentlichen Arbeitsleistung im Rahmen eines acht oder achteinhalb
Stunden dauernden vollen Arbeitstags. Aus rheumatologischer Sicht
werde aufgrund des Observationsmaterials von einer Arbeitszeit von
sechseinhalb bis sieben Stunden ausgegangen, womit der
Beschwerdeführer die ihn seiner beruflichen Tätigkeit anfallenden
Arbeiten vollends habe bewältigen können (IV-act. 148 S. 139). Daraus
folgerten die IME-Gutachter, es sei auf der Grundlage eines
achtstündigen Arbeitstags von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit des
- 22 -
Beschwerdeführers in der aktuellen beruflichen Tätigkeit auszugehen (IV-
act. 148 S. 139). Diese Schlussfolgerung ist entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers nicht zu beanstanden, da die Gutachter hiermit die
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in Bezug auf einen konkreten
Arbeitsplatz beurteilen. Diesbezüglich stellen sie fest, dass der
Beschwerdeführer in der Lage war, sämtliche Arbeiten, die er als
Mitarbeiter der Skischule an den dokumentierten drei Arbeitstagen zu
erfüllen hatte, zu erledigen und verneinen deshalb einen erhöhten
Pausenbedarf.
cc) Im Übrigen ist zu beachten, dass die 80%ige Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in der von ihm aktuell ausgeübten Tätigkeit für die
Bemessung des rentenbegründenden Invaliditätsgrads nur dann von
Bedeutung ist, wenn er mit dieser Tätigkeit die ihm verblieben
Restarbeitsfähigkeit ausschöpfen würde. Dies kann ohne weiteres
ausgeschlossen werden, hat doch der Beschwerdeführer 2010 mit der
von ihm aktuell ausgeübten Arbeitstätigkeit bei einer zehnmonatigen
Beschäftigungsdauer und einem Pensum von 50 % Fr. 13'699.--, mithin
Fr. 1'369.90 pro Monat, verdient (vgl. IV-act.103 S. 1 und
Ermittlungsgericht vom 16. November 2010 S. 5 im separaten BVM-
Dossier; Schreiben der Lebensgefährtin des Beschwerdeführers vom
14. November 2013 [Bf-act. 44]). Dass der Beschwerdeführer in einer
leidensadaptierten Tätigkeit, in der er zu 100 % arbeitsfähig ist, ein
darüberhinausgehendes Einkommen zu erzielen vermag, steht ausser
Frage (vgl. dazu: 5d-f). Damit kann letztlich offengelassen werden, ob die
dem Beschwerdeführer in seiner aktuellen Tätigkeit attestierte 80%ige
Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist. Entscheidend ist, dass die IME-
Gutachter den Beschwerdeführer in einer leidensadaptierten Tätigkeit als
zu 100 % arbeitsfähig erachten.
dd) Dass die vom Beschwerdeführer beantragten Zeugeneinvernahmen
seines aktuellen Arbeitgebers und seiner Lebenspartnerin an diesem
- 23 -
Ergebnis etwas ändern würden, ist auszuschliessen. Für die Frage, ob
einer Person eine bestimmte Arbeitsleitung zugemutet werden kann, sind
vorab die medizinischen Verhältnisse massgebend. Der Arzt hat die
Aufgabe die medizinischen Befunde aufzuzeigen und davon ausgehend
zu erläutern, inwieweit dadurch das funktionelle Leistungsvermögen des
Versicherten beeinträchtigt wird, mithin welche Funktionen und
Fähigkeiten der Versicherte gesundheitsbedingt nicht mehr oder nur mehr
teilweise zu erfüllen vermag. Wie medizinische Laien das diesbezügliche
Leistungsvermögen einer Person einschätzen, ist, abgesehen von klaren
Fällen, ohne Bedeutung. Deshalb erscheinen die begehrten
Zeugeneinvernahmen von vornherein nicht geeignet, Zweifel an der
Richtigkeit der gutachterlichen Feststellungen zur Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers zu wecken, weshalb der entsprechende Beweisantrag
in antizipierter Beweiswürdigung abzuweisen ist (vgl. dazu statt vieler:
Urteile des Bundesgerichts 8C_126/2013 vom 19. Juni 2013 E.4,
9C_309/2007 vom 5. September 2007 E.2.2.1; FLÜCKIGER, in: STEIGER-
SACKMANN / MOSIMANN [Hrsg.], Recht der Sozialen Sicherheit, a.a.O.,
N. 4.175). Im Ergebnis gleich verhält es sich in Bezug auf die im Weiteren
begehrte Zeugeneinvernahme des Hausarztes des Beschwerdeführers,
zumal dessen Beurteilung durch mehrere Arztberichte und IV-
Verlaufsberichte aktenkundig ist. Bei dieser Ausgangslage ist nicht
ersichtlich, welche zusätzlichen Erkenntnisse von dessen Einvernahme
als Zeugen zu erwarten sind. Ebenso nicht erforderlich ist die Befragung
von pract. med. E._, der als Gutachter ausführlich zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers Stellung genommen hat. Dass er
im vorliegenden Verfahren ohne neue Erkenntnisse von dieser
Auffassung abweichen würde, kann ausgeschlossen werden, weshalb auf
dessen Zeugeneinvernahme zu verzichten ist. Soweit der
Beschwerdeführer schliesslich fordert, seine Leistungsfähigkeit im
Rahmen einer mehrwöchigen BEFAS untersuchen zu lassen, ist
festzuhalten, dass die BEFAS dazu dient, die praktische Verwendung der
vorhandenen Arbeitsfähigkeit abzuklären (URS MÜLLER, Das
- 24 -
Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, § 11
N. 488). Eine solche Abklärung ist nur anzuordnen, wenn die
Eingliederungs- bzw. Arbeitsfähigkeit nicht auf Grund einer ambulanten
Abklärung durch die IV-Stelle oder eine Spezialstelle mit genügender
Sicherheit bestimmt werden kann. Diese berufliche Vorabklärung soll
nach Rücksprache mit dem/der bisherigen Arbeitgeber/in insbesondere
auch Aufschluss über die Art der bisherigen Tätigkeit(en), die konkrete
Gestaltung des Arbeitsplatzes und über das Arbeitsverhalten sowie über
allfällige innerbetriebliche Versetzungen geben (Kreisschreiben über das
Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI], Stand 1. Januar 2015,
Rz. 5022). Solche arbeitsplatzbezogenen Massnahmen stehen vorliegend
nicht zur Diskussion. Im Übrigen waren die IME-Gutachter – auch gestützt
auf eine EFL-Abklärung – in der Lage, die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers zuverlässig zu bestimmen, weshalb die
Voraussetzungen für die Anordnung einer BEFAS nicht erfüllt sind.
Demzufolge ist der Antrag des Beschwerdeführers, seine Arbeitsfähigkeit
durch eine mehrwöchige BEFAS abklären zu lassen, in antizipierter
Beweiswürdigung abzuweisen.
e) Aus den vorgenannten Überlegungen gelangt das Gericht zum Schluss,
dass dem IME-Gutachten vom 23. August 2013 voller Beweiswert
zuzuerkennen ist. Damit gilt als erstellt, dass der Beschwerdeführer seit
November 2011 in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig ist. Folglich hat sich seine gesundheitliche Verfassung und,
davon ausgehend, seine Arbeitsfähigkeit seit dem der Verfügung vom
21. Januar 2008 zugrunde liegenden Gesundheitszustand wesentlich
verbessert. Bei dieser Sachlage hat die IV-Stelle das Vorliegen eines
Revisionsgrundes im Sinne von Art. 17 ATSG in der angefochtenen
Verfügung zu Recht bejaht.
5. a) Nachfolgend ist somit ohne Bindung an frühere Beurteilungen frei zu
prüfen, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Erlasses der
- 25 -
angefochtenen Verfügung nach wie vor in rentenbegründendem Umfang
invalid ist (BGE 141 V 9 E.2.3 und E.6.1; Urteile des Bundesgerichts
8C_209/2015 E.6.3, 8C_209/2015 vom 17. August 2015 E.6.2.2). Diese
Frage ist beim Beschwerdeführer, der im Gesundheitsfall vollzeitlich
erwerbstätig gewesen wäre, aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
beurteilen (Art. 28a IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Dazu ist das
Erwerbseinkommen, das der Beschwerdeführer nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
setzen zum Erwerbseinkommen, das er erzielen könnte, wenn er nicht
invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der Einkommensvergleich hat in
der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs; BGE 130 V 348 E.3.4, 128 V 30 E.1, 104 V 136
E.2a und b).
b) Was die Ermittlung des Valideneinkommens anbelangt, ist dabei
entscheidend, was der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunder verdient hätte. Dabei
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es
empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (vgl. statt vieler: BGE 135
V 297 E.5.1). Von diesen Grundsätzen ausgehend hat die IV-Stelle dem
Beschwerdeführer ein Jahreseinkommen von Fr. 68'044.-- zugestanden
(IV-act. 170 S. 2). Dieses Vorgehen ist zu Recht unbeanstandet geblieben
und gibt zu keinen Ausführungen Anlass.
- 26 -
c) Strittig und nachfolgend eingehend zu prüfen ist dagegen, welches
Invalideneinkommen der Beschwerdeführer unter Ausschöpfung der ihm
verbliebenen Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
hätte erzielen können. Hat ein Versicherter, wie vorliegend der
Beschwerdeführer, nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder
jedenfalls keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit
aufgenommen, so ist das massgebliche Invalideneinkommen nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung entweder aufgrund der DAP-Zahlen
(DAP = Dokumentation von Arbeitsplätzen seitens der SUVA) oder der
LSE-Tabellenlöhne zu bestimmen (BGE 135 V 297 E.5.2, 126 V 75
3.b/aa, 117 V 18 E.2c/aa, je mit Hinweisen). Im letztgenannten Fall ist
praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A)
abzustellen, wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median)
auszugehen ist (BGE 129 V 472 E.4.2.1). Die entsprechenden Angaben
sind in der Folge auf eine durchschnittliche und betriebsübliche
Arbeitszeit umzurechnen, weil die LSE-Tabellenlöhne aus statistischen
Gründen auf einer standardisierten Arbeitszeit von 40 Wochenstunden
beruhen (BGE 124 V 321 E.3b/bb).
d) Die IV-Stelle hat das Invalideneinkommen des Beschwerdeführers auf der
Grundlage der LSE 2010, Anforderungsniveau 4, leichte und repetitive
Tätigkeiten, männlich, bestimmt. Danach beträgt der standardisierte,
monatliche Bruttoverdienst von Männern (TA 1) in einer leichten und
repetitiven Tätigkeit (Anforderungsniveau 4) Fr. 4'901.--. Daraus ergibt
sich auf der Basis der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2013 von
41.6 Stunden unter Anpassung an die Nominallohnentwicklung ein
jährliches Bruttoeinkommen von Fr. 63'017.80 (vgl. IV-act. 170 S. 2, 184
S. 1).
e) Da der Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen
Beeinträchtigung selbst bei der Ausübung einer leidensadaptierten
beruflichen Tätigkeit gewissen Einschränkungen unterliegt, hat die IV-
- 27 -
Stelle dem Beschwerdeführer einen leidensbedingten Abzug von 5 %
zugestanden, dem Beschwerdeführer mithin nur 95 % des vorangehend
berechneten Bruttoeinkommen angerechnet, somit Fr. 59'867.--. Mit dem
sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass
Versicherte, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit
verrichtet haben und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für
leichtere Arbeiten nur mehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das
entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht
erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug
entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechtsprechung dem Umstand
Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale
des Versicherten wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität
oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf
die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht
automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Versicherte wegen eines oder
mehrerer dieser Merkmale seine gesundheitlich bedingte (Rest-
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung
der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden
Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände
im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 %
des Tabellenlohnes zu begrenzen ist und im Regelfall nicht weniger als
10 % betragen sollte (vgl. BGE 134 V 322 E.5 und 6, BGE 126 V 75
E.5b/aa; Urteil des Verwaltungsgerichts S 13 50 E.4b; MEYER/ REICHMUTH,
a.a.O., Art. 28a N. 104).
f) Ob dem Beschwerdeführer nach Massgabe der obigen Rechtsprechung
ein Leidensabzug von 10 % zuzugestehen wäre, kann vorliegend
dahingestellt bleiben. Selbst wenn nämlich davon ausgegangen würde,
wäre der Beschwerdeführer bei Ausschöpfung seiner Restarbeitsfähigkeit
- 28 -
in der Lage, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein
Invalideneinkommen von Fr. 56'716.-- zu erzielen (Fr. 63'017.80 x 0.90).
Wird dieser Verdienst dem Valideneinkommen des Beschwerdeführers
von Fr. 68'044.-- gegenübergestellt, so resultiert daraus eine
Einkommenseinbusse von Fr. 11'328.-- (Fr. 68'044.-- - Fr. 56'716.--), was
einem Invaliditätsgrad von 17 % (16.64 %, vgl. BGE 130 V 121 E.3)
entspricht. Selbst wenn der Beschwerdeführer demnach einen
leidensbedingten Abzug von 10 % beanspruchen könnte, wäre er nicht in
rentenbegründendem Umfang invalid (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG; E.2a
hiervor). Demzufolge ist der Beschwerdeführer, abgesehen von der
vorübergehenden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit infolge der
Schulterverletzung, seit November 2011 in der Lage, ein
rentenausschliessendes Einkommen zu generieren. Ihm steht folglich
keine Rente mehr zu. Soweit sich die vorliegende Beschwerde gegen die
verfügte Rentenaufhebung richtet, erweist sie sich demnach als
unbegründet, weshalb sie insoweit abzuweisen ist.
6. a) Zu prüfen bleibt, ob die IV-Stelle berechtigt war, die dem
Beschwerdeführer vormals zugesprochen halbe Invalidenrente
rückwirkend per 30. November 2011 aufzuheben. Der Beschwerdeführer
wendet gegen dieses Vorgehen ein, nie verschwiegen zu haben, bei einer
Sportschule zu arbeiten. 2009 habe dessen Inhaber für den
Sommerbetrieb Trottinettes gekauft, um diese im Sommer vermieten zu
können. Der Beschwerdeführer könne seither ein Einkommen von rund
Fr. 10'000.-- bis Fr. 13'000.-- erzielen. Von der hiermit verbundenen
Einkommenssteigerung habe der Beschwerdeführer die IV-Stelle jedoch
nicht in Kenntnis setzen müssen. Denn diese habe am 28. März 2008
verfügt, dass es dem Beschwerdeführer zumutbar sei, ein jährliches
Invalideneinkommen von Fr. 30'932.35 zu erzielen. Die
Einkommenssteigerung von jährlich Fr. 13'000.-- sei unerheblich und
beeinflusse den rentenbegründenden Invaliditätsgrad nicht. Im Übrigen
habe der Beschwerdeführer nie falsche Angaben zu seinem
- 29 -
Leistungsvermögen gemacht. Aus diesen Gründen sei eine rückwirkende
Rentenaufhebung nicht zulässig.
b) Dieser Argumentation hält die IV-Stelle entgegen, der Beschwerdeführer
habe es unterlassen, der IV-Stelle die erhebliche Erhöhung seines
Einkommens seit 2009 (das Einkommen habe sich mehr als verdoppelt)
zu melden und durch falsche Angaben zu seinem Gesundheitszustand,
insbesondere zu den Auswirkungen seiner Schmerzen auf seine
Leistungsfähigkeit, Leistungen der Invalidenversicherung unrechtmässig
erwirkt. So habe er anlässlich der Besprechung vom 29. Oktober 2012
gegenüber der IV-Stelle erklärt, Stöcke als Hilfsmittel zu benötigen,
jedoch nicht gänzlich darauf angewiesen zu sein. Er versuche, so oft wie
möglich ohne Gehilfe zu gehen. Er können nicht einmal die Kamera oder
eine Videokamera halten. Er könne ca. vier bis fünf Stunden arbeiten.
Mehr liege aufgrund seiner Schmerzen nicht drin. Ansonsten seien die
Schmerzen so stark, dass er sich übergeben müsse. Beanspruche er
seine linke Hand stärker, würden seine Finger extrem anschwellen. Den
linken Arm müsse er unter Zuhilfenahme des rechten Arms respektive der
rechten Hand über den Kopf hinaufheben. Auf unebenem Gelände habe
er Mühe, weil er mit dem linken Fuss nicht gut abrollen könne.
Gleichermassen habe sich der Beschwerdeführer gegenüber den Ärzten
und Gutachtern geäussert. Aus dem Observationsmaterial gehe jedoch
nunmehr hervor, dass der Beschwerdeführer ohne jegliche
Einschränkung als Mitarbeiter der Sportschule tätig sein könne. Mit
diesem Verhalten habe der Beschwerdeführer spätestens seit Beginn der
Wintersaison 2011/2012 billigend in Kauf genommen, dass die IV-Stelle
ihm weiterhin eine Invalidenrente ausrichte, obgleich die gesetzlichen
Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Somit liege ein Fehlverhalten des
Beschwerdeführers vor, welches eine Rentenaufhebung rückwirkend per
30. November 2011 rechtfertige.
- 30 -
c) Gemäss Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV darf die IV-Stelle eine Rente
rückwirkend vom Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung
aufheben, wenn die unrichtige Ausrichtung einer Leistung darauf
zurückzuführen ist, dass die Bezügerin sie unrechtmässig erwirkt hat oder
sie einer ihr obliegenden Meldepflicht nicht nachgekommen ist (Urteil des
Bundesgerichts 9C_1022/2012 vom 16. Mai 2013 E.2.2). Gemäss Art. 77
IVV haben der Berechtigte oder sein gesetzlicher Vertreter sowie
Behörden oder Dritte, denen die Leistung zukommt, jede für den
Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des
Gesundheitsschadens, der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit, des Zustandes
der Hilflosigkeit, des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes oder
Hilfsbedarfs, des für den Ansatz der Hilfslosenentschädigung und des
Assistenzbeitrags massgebenden Aufenthaltsorts sowie der persönlichen
und gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse des Versicherten,
unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen (vgl. ausserdem Art. 31 Abs.1
ATSG). Für den Tatbestand der Meldepflichtverletzung ist ein
schuldhaftes Verhalten erforderlich, wobei nach ständiger
bundesgerichtlicher Rechtsprechung bereits leichte Fahrlässigkeit genügt
(BGE 118 V 214 E.2a, 112 V 97 E.2a, 110 V 180 E.3d). Dabei darf der
Versicherte als Arbeitnehmer zwar von einem pflichtgemässen Vorgehen
des Arbeitgebers, welcher gehalten ist, der Ausgleichskasse den Lohn zu
melden sowie die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge zu
entrichten, ausgehen. Dies entbindet ihn jedoch nicht von der ihn
persönlich treffenden Meldepflicht. Mit anderen Worten ist das Wissen der
Ausgleichskasse nicht der IV-Stelle anzurechnen (Urteil des
Bundesgerichts 9C_245/2012 vom 29. Oktober 2012 E.4.2.2; ZAK 1981
S. 94). Es genügt, wenn die Änderung in den Grundzügen angezeigt wird
(MÜLLER, a.a.O., § 22 N. 1199).
d) Diesbezüglich ist vorliegend in tatsächlicher Hinsicht erstellt und im
Übrigen unbestritten geblieben, dass der Beschwerdeführer der IV-Stelle
nicht angezeigt hat, 2009 Fr. 10'793.-- und 2010 Fr. 13'699.-- verdient zu
- 31 -
haben, er es mithin versäumt hat, die IV-Stelle von der hiermit erfolgten
Einkommenssteigerung um einen Viertel (2009) bzw. die Hälfte (2010) in
Kenntnis zu setzen (vgl. IV-act. 103, 163 S. 3, 165 S. 1, 166 S. 5, 181,
Ermittlungsbericht vom 16. November 2010 S. 5 im separaten BVM-
Dossier). Die Erhöhung des tatsächlichen Verdiensts stellt allerdings nur
dann einen meldepflichtigen Sachverhalt im Sinne der obigen
Ausführungen dar, wenn es sich hierbei um eine Änderung handelt, die
einen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG begründen könnte. Dies
kann nicht nur bei einer Änderung des Gesundheitszustands, sondern
auch bei einer Änderung der erwerblichen Komponenten erfolgen (vgl.
E.2b hiervor). Bei den prozentgenauen Renten (Unfallversicherung nach
Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20];
Militärversicherung) wird die Erheblichkeit angenommen, wenn sich der
Invaliditätsgrad um 5 % erhöht (BGE 133 V 545 E.6.2). In der
Invalidenversicherung, wo die Rente abgestuft nach gewissen
Schwellenwerten bemessen wird (Art. 28 Abs. 2 IVG), gilt als Anlass zur
Rentenrevision jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Daher kann in der Invalidenversicherung auch eine geringe Änderung des
massgeblichen Sachverhalts zu einer Rentenrevision berichtigen, wenn
sie zu einer Über- oder Unterschreitung eines der Schwellenwerte führt
(BGE 133 V 545 E.7.2). Die festgestellte Einkommenssteigerung stellt
demzufolge einen meldepflichtigen Tatbestand dar, wenn diese
grundsätzlich geeignet ist, eine Änderung des in der Verfügung vom
28. März 2008 ausgewiesenen Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers zu
erwirken. Diesbezüglich weist der Beschwerdeführer zutreffend darauf
hin, dass ihm die IV-Stelle in der fraglichen Verfügung ein hypothetisches
Invalideneinkommen von Fr. 30'932.35 angerechnet hat (IV-act. 83 S. 9).
Bei dieser Ausgangslage bleibt eine tatsächliche Einkommenssteigerung
für die Bemessung des rentenbegründende Invaliditätsgrads solange
unbeachtlich, als der Beschwerdeführer dadurch nicht einen Lohn erzielt,
der über dem ihm in der Verfügung vom 28. März 2008 angerechneten
- 32 -
liegt. Dass der Beschwerdeführer sein jährliches Bruttoeinkommen in den
vergangen Jahren auf bis zu Fr. 13'699.-- erhöhen konnte, stellt folglich
keinen meldepflichtigen Tatbestand dar. Insofern die IV-Stelle die
angenommene Meldepflichtverletzung mit der nicht erfolgten Anzeige der
fraglichen Einkommenssteigerung begründet, kann ihr daher nicht gefolgt
werden.
e) Die IV-Stelle bringt indessen im Weiteren vor, der Beschwerdeführer habe
gegenüber der IV-Stelle sowie den IME-Gutachtern unvollständige
und/oder falsche Angaben gemacht. In der Tat hat der Beschwerdeführer
seine Leistungsfähigkeit gegenüber den IME-Gutachtern falsch dargestellt
und in der EFL sein Leistungspotential nicht ausgeschöpft (vgl. E.4d
hiervor). Im Revisionsfragebogen vom 7. März 2012 (IV-act. 112 S. 4) hat
er ausserdem angegeben, aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung
nicht mehr auf unebenem Gelände gehen und nicht mehr Skifahren zu
können. Letzteres hat er anlässlich der Befragung vom 29. Oktober 2012
auf entsprechende Nachfrage hin dahingehend abgeschwächt, als er
wegen der in den Skischuhen verspürten Schmerzen höchstens noch
eine Abfahrt machen könne (IV-act. 136 sowie Befragungsprotokoll vom
29. Oktober 2012 im separaten Dossier). Die Angaben des
Beschwerdeführers sind in Bezug auf das Laufen und Rennen auf
unebenem Gelände durch das Observationsmaterial widerlegt.
Dokumentiert ist am 2. März 2012 überdies eine kurze Abfahrt (vgl.
Sequenzen 08.51 Uhr bis 09.25 Uhr), wobei der Beschwerdeführer die
Skischuhe nach knapp einer Stunde (09.42 Uhr) wiederauszieht. Dieses
Verhalten steht im Widerspruch zu den Angaben im Revisionsfragebogen
vom 7. März 2012, lässt sich jedoch mit den Aussagen des
Beschwerdeführers anlässlich seiner Befragung am 29. Oktober 2012
vereinbaren. Die Angaben des Beschwerdeführers bewegen sich damit
durchaus in einem Bereich, in welchem sie mit der persönlichen
Wahrnehmung des Beschwerdeführers und durch die in den
Untersuchungs- und Befragungssituationen beobachtbaren
- 33 -
Verdeutlichungstendenzen erklärbar sind. Wenn die IV-Stelle dem
Beschwerdeführer diesbezüglich vorwirft, gelogen zu haben, kann ihr
deshalb nicht zugestimmt werden. Dieser Eindruck wird dadurch gestützt,
dass sowohl der Arbeitgeber des Beschwerdeführers sowie seine
Arbeitskollegen den Beschwerdeführer als gesundheitlich angeschlagen
erleben (Bf-act. 40. 41). So hält der Arbeitgeber des Beschwerdeführers
im Schreiben vom 20. November 2013 fest (Bf-act. 40), für ihn als
Arbeitgeber sei es wichtig, dem Beschwerdeführer eine Tätigkeit
anzubieten, die ihm gut tue. Dazu müsse er sehr flexibel sein. Der
Beschwerdeführer benötige verantwortungsvolle und schwierige
Aufgaben. Ihm gehe es besser, wenn er gebraucht werde, abgelenkt sei
und zugleich etwas für seine Fitness tun könne. Bei kleinsten
Verletzungen würde beim Beschwerdeführer seine Krankheit
wiederausbrechen. Er müsse starke Medikamente einnehmen, die er
nicht immer ertrage und erbrechen müsse. Immer wieder komme es
deshalb vor, dass er einen bis drei Tage von der Arbeit fernbleibe. Öfter
müsse er früher nach Hause oder sich im SOS-Raum der Bergbahnen
von starken Kopfschmerzen erholen. Die Arbeitsausfälle hätten durch
seine gesundheitlichen Schwankungen in den letzten zwei Jahren
wiederzugenommen (Bf-act. 40). Ein ehemaliger Arbeitskollege bestätigt
diese Angaben im Schreiben vom 28. November 2013 (Bf-act. 41).
Schliesslich halten die P._, Bergbahnen AG, mit Schreiben vom
18. November 2013 fest (Bf-act. 42), den Beschwerdeführer in den letzten
Jahren infolge seiner gesundheitlichen Schwierigkeiten mehrmals betreut
zu haben. Dazu hätten sie ihm immer ein Bett in ihrem SOS-Container zur
Verfügung gestellt. Es habe auch schon die Rettung aufgeboten werden
müssen, die den Beschwerdeführer dann abgeholt und zur weiteren
Behandlung ins Kantonsspital gebracht habe. Unter diesen Umständen ist
nicht erstellt, dass der Beschwerdeführer erkannt hat bzw. bei Aufbietung
der erforderlichen Sorgfalt hätte erkennen müssen, dass sich seine
gesundheitliche Verfassung verbessert hat und die IV-Stelle von dieser
Verbesserung hätte in Kenntnis setzen müssen. Es ist daher nicht
- 34 -
ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer seine Meldepflicht gegenüber
der IV-Stelle verletzt hat. Die IV-Stelle war folglich nicht berechtigt, die
dem Beschwerdeführer zugesprochene halbe Invalidenrente in
Anwendung von Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV rückwirkend per 1. November
2011 aufzuheben.
f) Gestützt Art. 88bis Abs. 2 IVV hätte sie die dem Beschwerdeführer mit
Verfügung vom 28. März 2008 zugesprochene Invalidenrente vielmehr
frühestens auf den ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung
folgenden Monats aufheben dürfen. Die angefochtene
Rentenaufhebungsverfügung ist beim Beschwerdeführer am 19. Februar
2014 eingegangen. Demzufolge hätte die IV-Stelle die dem
Beschwerdeführer mit Verfügung vom 28. März 2008 zugesprochene
halbe Renten frühestens per 1. April 2014 aufheben dürfen. Die
vorliegende Verfügung erweist sich somit insofern als begründet, weshalb
die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung des
Hauptbegehrens des Beschwerdeführers dahingehend abzuändern ist,
als die IV-Stelle dem Beschwerdeführer die halbe Rente erst mit Wirkung
ab dem 1. April 2014 aberkennen darf. Das weitergehende
Hauptbegehren des Beschwerdeführers und dessen Eventualanträge
erweisen sich als unbegründet und sind abzuweisen.
7. a) Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung
von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren
kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen.
Sie werden vorliegend ermessensweise auf Fr. 700.-- festgelegt und den
Verfahrensparteien entsprechend dem Verfahrensausgang zur Hälfte zur
Bezahlung auferlegt (Art. 73 VRG, zum Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege vgl. E.8 nachstehend).
- 35 -
b) Während die teilweise obsiegende IV-Stelle keine Parteientschädigung
beanspruchen kann (Art. 61 lit. g ATSG e contrario), hat sie die Hälfte der
Kosten des Beschwerdeführers für dessen anwaltliche Vertretung zu
übernehmen (Art. 78 Abs. 1 VRG). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers macht in seiner Honorarnote vom 25. April 2014
einen Aufwand von Fr. 5'982.95, bestehend aus einem Honorar von
Fr. 5'378.40 (22.41 Stunden x Fr. 240), 3 % Kleinspesen im Betrag von
Fr. 161.35 sowie 8.0 % MWSt im Betrag von Fr. 443.20 geltend.
Entgegen der Auffassung der IV-Stelle erscheint dem Gericht dieser
Aufwand durchaus als angemessen. Freilich ist dieser für ein IV-
Verfahren überdurchschnittlich hoch. Dies hängt jedoch – wie der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im Schreiben vom 2. Mai 2013
zutreffend ausführt – damit zusammen, dass der massgebliche
medizinische Sachverhalt bis 1993 zurückreicht und drei Vorgutachten
aufweist, die zumindest summarisch konsultiert werden mussten. Hinzu
kommen das IME-Gutachten, welches unter Einschluss der
psychiatrischen Teilgutachtens insgesamt 238 Seiten umfasst, und die
durch die Observation gewonnene Videomaterial mit einer Laufzeit von
vier Stunden und 11 Minuten. Die Analyse dieser für ein IV-Verfahren
aussergewöhnlich umfangreichen Akten ist mit einem
überdurchschnittlichen Arbeitsaufwand verbunden, der den geltend
gemachten Zeitraufwand ohne weiteres zu begründen vermag. Die
Notwendigkeit der für die anwaltliche Vertretung geltend gemachten
Kosten im Betrag von Fr. 5'982.95 ist damit ausgewiesen. Die IV-Stelle ist
demnach zu verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Hälfte dieser Kosten,
mithin Fr. 2'991.50 (inkl. MWSt und Barauslagen), zu erstatten
(Fr. 5'982.95 : 2).
8. Es bleibt das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Rechtspflege mit Rechtsvertretung durch Dr. iur Andrea Cantieni zu
prüfen.
- 36 -
a) Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur
Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf
unentgeltlichen Rechtsbeistand. Die unentgeltliche Rechtspflege
bezweckt, der bedürftigen Partei den Zugang zum Gericht und die
Wahrung ihrer Parteirechte zu ermöglichen. Sie soll sicherstellen, dass
jedermann unabhängig von seinen finanziellen Verhältnissen nicht
aussichtslose Streitsachen zur gerichtlichen Entscheidung bringen und
sich überdies im Prozess, sofern es sachlich geboten ist, durch einen
Anwalt vertreten lassen kann (BGE 135 I 1 E.7.1). Art. 61 lit. f ATSG
wiederholt dieses Recht auf unentgeltliche Rechtspflege explizit. Dabei
erweist sich eine Person als bedürftig, wenn sie nicht über die Mittel
verfügt, um den prozessualen Notbedarf zu decken (SVR 2007 AHV Nr. 7
E.4.1.2.1). Aussichtslos ist ein Prozess, dessen Gewinnchancen
beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahr und kaum als ernsthaft
bezeichnet werden können. Hingegen darf nicht von Aussichtslosigkeit
ausgegangen werden, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahr
ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese.
Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich
bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine
Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht
führen würde, nicht allein deshalb anstrengen können, weil er nichts
kostet (BGE 138 III 217 E.2.2.4; 129 I 129 E.2.3.1; 122 I 267 E.2b;
KIESER, a.a.O., Art. 61 N. 102). Ob im Einzelfall genügende
Erfolgsaussichten bestehen, beurteilt sich aufgrund einer vorläufigen und
summarischen Prüfung, wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt der
Einreichung des Gesuchs massgebend sind (BGE 129 I 129 E.2.3.1;
ANDREAS TRAUB, in: STEIGER-SACKMANN / MOSIMANN [Hrsg.], Recht der
Sozialen Sicherheit, a.a.O., N. 5.202).
- 37 -
b) Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung das Vorliegen eines
Revisionsgrundes bejaht und die dem Beschwerdeführer mit Verfügung
vom 28. März 2008 zugesprochene halbe Rente rückwirkend per
1. November 2011 aufgehoben. Die vom Beschwerdeführer gegen dieses
Vorgehen erhobenen Einwände erweisen sich nicht von vornherein als
unbegründet, weshalb die mit der vorliegenden Beschwerde verbundenen
Gewinnchancen nicht von Anfang an als beträchtlich geringer einzustufen
sind als die entsprechende Verlustgefahr. Zudem erscheint die Vertretung
durch einen Rechtsanwalt angesichts der Schwierigkeit der zu
beurteilenden Sach- und Rechtsfragen und der fehlenden
Rechtskenntnisse des Beschwerdeführers durchaus als geboten.
Schliesslich ist die Bedürftigkeit des teilzeitlich erwerbstätigen
Beschwerdeführers aufgrund der eingereichten Unterlagen ausgewiesen
(Bf-act. 35). Demzufolge ist dem Gesuch des Beschwerdeführers um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege stattzugeben und
Rechtsanwalt Dr. iur. Andrea CAntieni als dessen unentgeltlicher
Rechtsvertreter einzusetzen. Die dem Beschwerdeführer für das
vorliegende Verfahren auferlegten Gerichtskosten sind folglich auf die
Gerichtskasse zu nehmen und Rechtsanwalt Dr. iur. Andrea Cantieni ist
für seine Aufwendungen durch die Gerichtskasse zu entschädigen.
c) Dass der von Rechtsanwalt Dr. iur. Andrea Cantieni geltend gemachte
Aufwand im Betrag von Fr. 5'982.95 angemessen ist, wurde bereits
festgehalten. Soweit dieser nicht durch die zugesprochen
Parteientschädigung gedeckt ist, ist dieser von der Gerichtskasse zu
übernehmen (E.7b hiervor). Diesbezüglich ist jedoch zu beachten, dass
ein unentgeltlicher Rechtsbeistand im Kanton Graubünden gemäss Art. 5
Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (HV; BR 310.250) lediglich ein
Honorar von Fr. 200.-- pro Stunde beanspruchen kann. Wird die
geforderte Entschädigung in dieser Beziehung berichtigt, so beträgt die
dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers für das vorliegende
- 38 -
Verfahren zuzusprechende Entschädigung Fr. 2'492.90 (Honorar:
Fr. 2'241.-- [11.205 Stunden x Fr. 200.--] + Barauslagen: Fr. 67.25 [3 %
von Fr. 2'241.--] + MWSt: Fr. 184.65 [8 % von Fr. 2'308.25]). In diesem
Umfang ist der unentgeltliche Rechtsbeistand des Beschwerdeführers,
Dr. iur. Andrea Cantieni, für das vorliegende Beschwerdeverfahren durch
die Gerichtskasse zu entschädigen.
d) Es gilt der Vorbehalt von Art. 77 VRG, wonach die Verfahrenskosten und
die Kosten der Rechtsvertretung zu erstatten sind, wenn sich die
Einkommens- oder Vermögensverhältnisse des Beschwerdeführers
dereinst verbessern und er dazu finanziell in der Lage ist.