Decision ID: abd07972-7f27-59a4-ae1b-28ccf136dd36
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Monika Brenner, Paradiesstrasse 4,
9030 Abtwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 11. Oktober 2005 zum
Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Zuvor hatte sie seit 25. Mai
2002 bei B._ als Reinigungskraft gearbeitet (IV-act. 10, 17).
A.b Vom 16. bis 28. Juni 2005 war die Versicherte im Kantonsspital St. Gallen (KSSG)
hospitalisiert (IV-act. 18-5/13). Im Kurzaustrittsbericht vom 28. Juni 2005 sowie im
Bericht vom 11. Juli 2005 (IV-act. 18-5/13ff.; 19-7/15ff.) wurden folgende Diagnosen
gestellt: Rückenschmerzen der gesamten Wirbelsäule seit fünf Monaten, Depressive
Episode, Gewichtszunahme von 10kg in fünf Monaten, subklinische Hypothyreose,
anamnestisch rezidivierende Hypoglykämien mit/bei Bewusstlosigkeit bis zu einer
halben Stunde sowie Kopfschmerzen. Bei der konsiliarischen Untersuchung vom
20. Juni 2005 wurden von Dr. med. C._, leitender Arzt, und Dr. med. D._,
Departement Innere Medizin, Psychosomatik, KSSG, eine mittelgradige depressive
Störung mit somatischem Syndrom und Somatisierungstendenz bei psychosozialer
Belastungssituation (ICD-10: F32.11) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge (ängstlich
dependent; ICD-10: Z73.1; IV-act. 18-8/13f.) diagnostiziert. Mit Schreiben vom 12. Juli
2005 überwies Dr. med. E._, Innere Medizin FMH, die Versicherte an Dr. med. F._,
Rheumaerkrankungen FMH, (IV-act. 19-12/15). Mit Arztbericht vom 31. Oktober 2005
sah diese keine Auswirkungen der gesundheitlichen Störung bei der bisherigen
Tätigkeit und befand, dass die erlernte Tätigkeit als Rechtsanwältin oder jegliche
rückenschonende Tätigkeit durchführbar seien (IV-act. 18-1/13ff.). Aufgrund der
widersprüchlichen Einschätzungen der erhobenen Befunde erachtete der Regionale
Ärztliche Dienst (RAD) am 13. Februar bzw. am 11. August 2006 eine bidisziplinäre
Begutachtung (Psychiatrie/Orthopädie) als notwendig (IV-act. 20-2/2, 25, 28).
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A.c Mit Gutachten vom 19. Januar 2007 diagnostizierte Dr. med. G._, Spezialarzt
Orthopädische Chirurgie FMH, eine fortgeschrittene Osteochondrose L5/S1 mit
breitbasiger medianer leicht mediorechtslateral betonter Diskusprotrusion L5/S1 mit
Kontakt zur Nervenwurzel S1 rechts, anamnestisch eine depressive Störung mit
somatischem Syndrom und Somatisierungstendenz bei psychosozialer
Belastungssituation, Adipositas, Schmerzen in der Brustwirbelsäule sowie eine
subklinische Hypothyreose (IV-act. 45). Vorwiegend sitzende oder stehende und
gehende Tätigkeiten in feuchter und kalter Umgebung bei der regelmässig
unphysiologische, speziell gebückte Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände
über 10kg gehoben oder getragen werden müssen, seien der Versicherten nicht mehr
vollumfänglich zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit als Putzfrau betrage bei voller
Stundenpräsenz ca. 60%. Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die
abwechslungsweise sitzend und stehend durchgeführt werden könnten, ohne dass
dabei regelmässig unphysiologische speziell gebeugte Körperhaltungen eingenommen
und Gegenstände über 10kg gehoben oder getragen werden müssten, seien der
Versicherten bei voller Stundenpräsenz zu ca. 90% zumutbar. Eine psychiatrische
Begutachtung wurde nicht durchgeführt, da die Versicherte explizit einen spanisch
sprechenden Psychiater wünschte (vgl. IV-act. 40-2/2; 43). Am 10. Juli 2007 teilte die
IV-Stelle St. Gallen mit, dass an der Abklärungsstelle festgehalten werde (IV-act. 50).
A.d Mit psychiatrischem Gutachten vom 10. Dezember 2007 (IV-act. 62) hielt Dr. med.
H._, Psychiatrie/Psychotherapie FMH, aus psychiatrischer Sicht als Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Anpassungsstörung mit kürzerer
depressiver Reaktion (ICD-10: F43.20) fest. Seit ca. Juli/August 2005 liege aus
psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr vor. RAD-Arzt
Dr. I._ bestätigte mit Stellungnahme vom 18. Dezember 2007 die bidisziplinäre
Ansicht (IV-act. 63).
A.e Eine berufliche Abklärung vom 20. Mai bis 25. Juli 2008 wurde vorgesehen, jedoch
aufgrund einer Verschlechterung des Gesundheitszustands frühzeitig (am 23. Juni
2008) abgebrochen (IV-act. 70, 73, 75, 78, 81). Der RAD konnte aufgrund der alten
medizinischen Aktenlage die Frage nach der zumutbaren Arbeitsfähigkeit nicht
beantworten, weshalb eine medizinische Abklärung in die Wege geleitet wurde (IV-
act. 95, 97).
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A.f Mit rheumatologischem Gutachten vom 27. November 2009 (IV-act. 109) wurden
von Dr. med. J._, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, als Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches, lumbospondylogen betontes
Panvertebralsyndrom bei thorakolumbaler Torsionsskoliose, Haltungsinsuffizienz,
muskulären Dysbalancen und fortgeschrittener Osteochondrose L5/S1 mit breitbasiger,
medianer und leichter mediorechtslateraler Diskusprotrusion L5/S1 sowie ein
Fibromyalgiesyndrom gestellt. Eine Arbeitsfähigkeit bestehe zu 90% bei voller
Stundenpräsenz mit Ermöglichung von zwei halbstündigen Minuten Pausen täglich.
Dr. H._ stellte mit psychiatrischem Gutachten vom 13. Januar 2010 die Diagnose
einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10:
F32.11), welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. In der bisherigen
(angestammten) Tätigkeit bestehe seit Juni 2008 eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit.
A.g Vom 1. Februar bis 7. Mai 2010 hielt sich die Versicherte stationär in der
Psychiatrischen Klinik K._ auf (IV-act. 126). Vom 5. bis 9. Juli 2010 befand sich die
Versicherte in der Klinik L._ in stationärer Behandlung (IV-act. 130).
A.h Mit Vorbescheid vom 22. März 2011 stellte die IV-Stelle aufgrund des anhand der
gemischten Methode ermittelten Invaliditätsgrads von 5% die Abweisung des
Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 144).
B.
Der dagegen erhobene Einwand vom 26. Mai 2011 (IV-act. 150) fand in der Verfügung
vom 31. Mai 2011 insofern Berücksichtigung, als von der Zumutbarkeit der Ausübung
einer 50%-igen körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ausgegangen und ein
Invaliditätsgrad von 35% ermittelt wurde; im Ergebnis wurde ein Rentenanspruch
verneint (IV-act. 152; act. G 1.1).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 1. Juli 2011 (act. G 1) liess die Versicherte durch
Rechtsanwältin Dr. iur. Monika Brenner, Abtwil, die Aufhebung der Verfügung vom
31. Juni 2011 (richtig: 31. Mai 2011) und die Zusprache einer vollen (richtig: ganzen)
Invalidenrente beantragen. Eventualiter sei das Verfahren an die Vorinstanz
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zurückzuweisen. Es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung liess die Beschwerdeführerin
anführen, sie leide an multiplen Beschwerden, welche ihre Arbeitsfähigkeit schwer
beeinträchtigten und eine Erwerbstätigkeit verunmöglichten. Die Krankheitssymptome
hätten sich seit ihrem Antrag im Oktober 2005 massiv verstärkt. Nicht ohne Grund
benötige sie täglich Leistungen der Spitex, weil sie nicht mehr in der Lage sei, alleine
aus dem Bett aufzustehen. Zur einlässlichen Beschwerdebegründung ersuchte die
Rechtsvertreterin um Ansetzung einer angemessenen Nachfrist, welche ihr gewährt
wurde (act. G 2, 5, 7, 9, 11).
C.b Mit Beschwerdeergänzung vom 3. Januar 2012 (act. G 13) hielt die
Beschwerdeführerin an ihren bisherigen Anträgen fest und liess zusätzlich den
Eventualantrag stellen, die Vorinstanz sei anzuweisen, angemessene
Eingliederungsmassnahmen durchzuführen. Die Vorinstanz habe den ablehnenden
Rentenentscheid auf das bidisziplinäre Medas-Gutachten vom 27. Januar 2010 – und
damit auf den Gesundheitszustand von November/Dezember 2009 – abgestützt. Sie
habe das Versäumnis des Hausarztes, der sie nicht erst nach fünf Monaten, sondern
spätestens nach vier Wochen an einen Spezialisten hätte überweisen müssen, nicht zu
verantworten. Aus der Aussage der behandelnden Ärztin, Dr. F._, müsse
geschlossen werden, dass sie nicht mehr in ihrem in der Schweiz angestammten Beruf
tätig sein konnte bzw. könnte. Die Rechtsvertreterin weise zudem auf verschiedene
ihrer Ansicht nach bestehende Widersprüche des Medas-Gutachtens hin.
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2012 schloss die Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (act. G 18). Zur Begründung brachte sie im
Wesentlichen vor, die angefochtene Verfügung habe einzig den allfälligen Anspruch auf
eine IV-Rente zum Inhalt. Demnach sei auf den Eventualantrag in Bezug auf die
Eingliederungsmassnahmen nicht einzutreten. Hinzu komme, dass die
Beschwerdeführerin sich subjektiv nicht arbeitsfähig fühle, weshalb von vornherein kein
Anspruch auf Arbeitsvermittlung bestünde. Zu den von der Beschwerdeführerin im
Einzelnen erhobenen Rügen verweise sie auf die umfassende und schlüssige
Stellungnahme des RAD vom 18. Januar 2012. Dieser sei nichts hinzuzufügen. Es sei
ohne Abstriche auf das Gutachten J._ abzustellen, zumal dieses die gleiche
Arbeitsfähigkeit wie das Gutachten G._ attestiere. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern
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das zweite Gutachten H._ bezüglich der erhobenen Befunde und der gestellten
Diagnosen rechtsfehlerhaft sein sollte. Die psychiatrisch festgesetzte Arbeitsfähigkeit
von lediglich 50% stehe nicht im Einklang mit der Rechtsprechung des
Bundesgerichts. Die bei der Beschwerdeführerin diagnostizierte mittelgradig
depressive Störung sei eine reaktive Begleiterscheinung zur Schmerzstörung. Eine
solche Depression stelle von vornherein keine Komorbidität dar. Nebst der
Schmerzstörung stehe auch der Konflikt mit dem Ehegatten im Vordergrund. Es
würden im Wesentlichen einzig ätiologisch-pathogenetisch unerklärliche syndromale
Leidenszustände beschrieben, denen infolge der fehlenden Objektivierbarkeit keine
invalidisierende Wirkung zukomme. Es sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus
psychischen Gründen auszugehen, wie dies Dr. H._ auch noch in seinem ersten
Gutachten festgehalten habe. Weitere medizinische Abklärungen seien unnötig. Es
könne vollumfänglich auf den Einkommensvergleich im Vorbescheid abgestellt werden,
wonach kein Anspruch auf eine IV-Rente bestehe.
C.d Am 28. März 2012 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) entsprochen (act. G 22).
C.e Nach unbenutztem Ablauf der Frist zur Einreichung einer allfälligen Replik wurde
der Schriftenwechsel am 25. Oktober 2012 abgeschlossen (act. G 28).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 traten die anlässlich der 5. IV-Revision vorgenommenen
Änderungen und am 1. Januar 2012 die im Zug des ersten Massnahmenpakets der
6. Revision revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft. In zeitlicher Hinsicht gilt der
übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu
legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids bzw. im Zeitpunkt gegolten
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haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte
(vgl. BGE 130 V 445; 127 V 466 E. 1; 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Bezüglich des
allfälligen Rentenbeginns sind vorliegend nach der Aktenlage angesichts der IV-
Anmeldung im Oktober 2005 und des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit im August 2004
die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung am 31. Mai 2011 (IV-act. 152)
und damit vor Inkrafttreten der IV-Revision 6a erlassen. Für die Invaliditätsbemessung
hat sich indessen materiell keine Änderung der Rechtslage ergeben, weshalb in diesem
Zusammenhang die ab 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen wiedergegeben
werden.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung
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der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 351
E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
3.
3.1 Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin den Grundsatz des
Devolutiveffekts missachtet hat, als sie am 17. Januar 2012 bei Dr. I._ und am
18. Januar 2012 bei Dr. med. M._ eine RAD-ärztliche Stellungnahme einholte (IV-
act. 166).
3.2 Der Beschwerde kommt als ordentliches Rechtsmittel Devolutiveffekt zu. Die
Behandlung der Angelegenheit geht mit Einreichung der Beschwerde auf die
Beschwerdeinstanz über. Insoweit ist es dem Versicherungsträger grundsätzlich
verwehrt, nach Einreichung der Beschwerde weitere oder zusätzliche Abklärungen
vorzunehmen. Nach der Rechtsprechung sind lediglich punktuelle Abklärungen (wie
z.B. Einholen von Bestätigungen oder Rückfragen) zugelassen (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2009, N 73 zu Art. 61). Eine Ausnahme vom
Prinzip des Devolutiveffekts gilt im Beschwerdeverfahren insofern, als der
Versicherungsträger den angefochtenen Einspracheentscheid bis zu seiner
Vernehmlassung in Wiedererwägung ziehen kann (Art. 53 Abs. 3 ATSG; Kieser, a.a.O.,
N 74 zu Art. 61 und N 46 ff. zu Art. 53). Wegleitende Gesichtspunkte für die
Beantwortung der Frage, was im kantonalen Verfahren noch zulässiges
Verwaltungshandeln darstellt, bilden die inhaltliche Bedeutung der
Sachverhaltsvervollständigung für die (Streit-)Sache und die zeitliche Intensität
allfälliger weiterer Abklärungsmassnahmen (BGE 127 V 228 E. 2b/bb). Im konkreten Fall
holte die Beschwerdegegnerin die Stellungnahme des RAD im Anschluss an die
Eingabe des mit der Beschwerde eingereichten Berichts des Kantonsspitals St. Gallen,
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Klinik für Neurologie, vom 28. September 2011 ein. Soweit sich der RAD zur
Beschwerde und zu den darin vorgebrachten Rügen gestützt auf die bisherige
Aktenlage – insbesondere das Gutachten von Dr. J._ vom 27. November 2009 –
geäussert hat, ist darin keine Verletzung des Devolutiveffekts bzw. keine über eine
Bestätigung des bisherigen Standpunkts hinaus gehende Stellungnahme zu erblicken.
4.
4.1 Zwar hat die angefochtene Verfügung lediglich den allfälligen Anspruch auf eine
Invalidenrente zum Inhalt. Die Beschwerdeführerin beantragte jedoch im
Verwaltungsverfahren einzig eine Berufsberatung und keine Rentenleistungen (IV-
act. 2). Bei der vorliegenden Verfügung gehört daher zum Streitgegenstand
notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der Beschwerdeführerin zu Massnahmen
korrekt in Anspruch genommen hat. Denn wie sich aus Art. 16 ATSG ergibt, ist der
Einkommensvergleich zur Bemessung des Invaliditätsgrads erst nach Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
vorzunehmen und hat die versicherte Person, wenn ohne berufliche Massnahmen ein
Rentenanspruch droht, die Pflicht, sich geeigneten und zumutbaren
Eingliederungsmassnahmen zu unterziehen. Die Verwaltung ihrerseits hat die Pflicht,
vor dem Entscheid über die Rentenfrage von Amtes wegen alle
Eingliederungsmöglichkeiten zu prüfen und hierüber zu entscheiden.
4.2 Ein Arbeitsversuch im Verzahnungsprogramm Kleika scheiterte aufgrund der
Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin und der Fall
wurde bei der Eingliederungsberatung abgeschlossen (IV-act. 82). Ein Anspruch auf
berufliche Massnahmen wurde bei Eingliederungsfähigkeit der Beschwerdeführerin von
Seiten der Eingliederungsberatung weiterhin zugestanden. Mit E-Mail vom 10. Juli 2008
wurde zwischen der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin und der zuständigen
Eingliederungsberaterin vereinbart, dass die Rechtsvertreterin auf diese zukommen
werde, wenn sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin stabilisiert habe.
Bei der psychiatrischen Exploration am 11. Dezember 2009 erwähnte die
Beschwerdeführerin, dass sie sich überhaupt nicht in der Lage fühle, einer geregelten
Arbeit nachzugehen (IV-act. 110-7/9). Noch mit Schreiben vom 8. August 2010 vertrat
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die Beschwerdeführerin den Standpunkt, dass sich ihr Gesundheitszustand bedeutend
verschlechtert habe und die Eingliederung zu einem Zeitpunkt erfolgt sei, da es "schon
zu spät" gewesen sei (IV-act. 121). Auch anlässlich der Haushaltabklärung vom
11. Februar 2011 betonte die Beschwerdeführerin mehrmals, wie wichtig ihr eine
Weiterbildung gewesen wäre und sie diese behinderungsbedingt nicht mehr
absolvieren könne (IV-act. 141-7/10). Bis zum vorliegenden Beschwerdeverfahren
wurde den Akten zufolge ein allfälliger Wunsch nach Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen nicht mehr geäussert – insbesondere auch nicht mit
Einwand vom 26. Mai 2011 oder mit Beschwerde vom 1. Juli 2011 (IV-act. 150,
act. G 1). Erst mit der Beschwerdeergänzung vom 3. Januar 2012 wurde im Rahmen
eines Eventualantrags die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen geltend
gemacht, und dies lediglich unter der Voraussetzung, dass nach weitergehenden
Untersuchungen eine Arbeitsfähigkeit festgestellt werden würde. Seit dem
gescheiterten Arbeitsversuch im Jahr 2008 zeigt sich somit weder aus den Akten noch
im Beschwerdeverfahren eine ernsthafte Mitwirkungsbereitschaft für
Eingliederungsmassnahmen, weshalb die Beschwerdegegnerin zur Prüfung der
Rentenfrage schreiten durfte, ohne weitere Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. Auf
dieses Begehren ist somit nicht einzutreten. Sollte die Beschwerdeführerin tatsächlich
berufliche Eingliederungsmassnahmen beanspruchen wollen, könnte sie ein
entsprechendes (neues) Gesuch an die IV-Stelle richten.
5.
5.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet damit einzig der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Rentenleistungen. Zunächst ist zu prüfen, ob die medizinische
Aktenlage eine rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin erlaubt. Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der
angefochtenen Verfügung auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. J._ und von
Dr. H._ vom 10. Dezember 2009 bzw. vom 13. Januar 2010 ab, wonach aus
vorwiegend psychischen Gründen eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als
Raumpflegerin von 50% bestehe (IV-act. 109, 110). Bei der Einschränkung im Haushalt
stellte sie auf die anlässlich der Abklärung vor Ort ermittelte Einschränkung von
gerundet 27% ab. Im Beschwerdeverfahren hält sie die psychischen Beschwerden als
überwindbar und sieht deren Ursache in psychosozialen Faktoren begründet, weshalb
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in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine 90%-ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Die
Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass nicht auf das bidisziplinäre Gutachten
abgestellt werden könne. Im Konkreten macht sie Rügen gegen das rheumatologische
Gutachten von Dr. J._ vom 10. Dezember 2009 geltend, die nachfolgend auf ihre
Stichhaltigkeit zu überprüfen sind.
5.2
5.2.1 Unter anderem bringt die Beschwerdeführerin gegen das rheumatologische
Gutachten vor, es berücksichtige nicht, dass die medizinische Abklärung der seit fünf
Monaten bestehenden starken Rückenschmerzen ungenügend verlaufen sei. Diese
Rüge erscheint unbegründet, da aus der Aktenlage nicht hervorgeht, inwiefern eine
ungenügende Abklärung bezüglich Rückenschmerzen erfolgt sein sollte. Den Akten zu
folge wurden bereits im Juni 2004 Abklärungen aufgrund einer chronischen Lumbago
veranlasst (vgl. Röntgen LWS ap/seitlich vom 21. Juni 2004; IV-act. 19-4/15). Im Jahr
2005 folgten neben einem stationären Aufenthalt im KSSG weitere mannigfaltige
Untersuchungen bei mehreren Spezialisten (vgl. dazu Sachverhalt A.b). Insbesondere
legt die Beschwerdeführerin nicht dar, welche Abklärungen zu diesem Zeitpunkt in
voraussehbarer Weise zusätzlich notwendig gewesen wären und unterlassen worden
sind. Unklar ist auch, welchen Einfluss bzw., welche Aussagekraft diese Frage mit Blick
auf die Qualität des Gutachtens haben soll, zumal jenes an diesem Umstand
nachträglich nichts zu ändern vermochte.
5.2.2 Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass aus der Aussage von Dr. F._
geschlossen werden müsse, dass sie nicht mehr in ihrem angestammten Beruf tätig
sein konnte bzw. könnte. Nach den Angaben von Dr. F._ im Arztbericht und Beiblatt
vom 31. Oktober 2005 war die Arbeitsfähigkeit durch den damaligen
Gesundheitszustand nicht eingeschränkt, weder in der von ihr als angestammte
Tätigkeit angesehenen Erwerbsfähigkeit als Putzfrau noch in der angepassten
(erlernten) Tätigkeit als Anwältin (IV-act. 18-1/13ff.). Dies äussert sich auch darin, dass
Dr. F._ keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte. Eine
vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft
wird im Übrigen – zumindest aus ausschliesslich somatischen Gründen – von keinem
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der behandelnden Ärzte vertreten, insbesondere auch nicht im Gutachten von
Dr. G._ vom 19. Januar 2007 (IV-act. 45).
5.2.3 Die Beschwerdeführerin macht ausserdem geltend, gemäss Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 28. September 2011 gehe sie seit ca. acht Monaten am
Rollator. Rechtsprechungsgemäss hat das Sozialversicherungsgericht wie erwähnt auf
den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt
abzustellen (BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweisen). Später eingetretene Tatsachen,
die zu einer Änderung des Sachverhalts geführt haben, sind grundsätzlich nicht im
Rahmen des hängigen, sondern im Rahmen eines weiteren Verfahrens zu
berücksichtigen (BGE 121 V 362 E. 1b mit Hinweisen). Daher kann der Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 28. September 2011 nicht berücksichtigt werden, soweit
er eine allenfalls nach Erlass der vorliegend streitigen Verfügung stattgehabte
Verschlechterung des Gesundheitszustands belegen soll. Einerseits weist nicht allein
die Benutzung eines Rollators bereits auf eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands hin, andererseits reichen die Angaben der Beschwerdeführerin
ohne echtzeitliche medizinische Bestätigung nicht aus, um vom Gebrauch eines
Rollators bereits zum Zeitpunkt des Erlasses der vorliegend streitigen Verfügung
auszugehen, zumal dieser Umstand auch nicht im Einwand vom 26. Mai 2011 erwähnt
wurde.
5.2.4 Zudem bringt die Beschwerdeführerin an, die fehlende
Nervenleitgeschwindigkeit sei nicht untersucht worden. Dass eine Bestimmung der
Nervenleitgeschwindigkeit nicht notwendig ist, um einen Bandscheibenvorfall mit
Nervenkompression zu diagnostizieren, geht in nachvollziehbarer Weise aus der RAD-
ärztlichen Stellungnahme vom 18. Januar 2012 hervor. Im Bericht des KSSG vom
28. September 2011 wird im Übrigen erwähnt, dass sich von neurologischer Seite her
aktuell keine Hinweise auf akute Nervenläsionen ergäben, weshalb sich an den
Schlussfolgerungen im Gutachten von Dr. J._ nichts ändert.
5.2.5 Auf Seite 7 des Gutachtens werde im Absatz "Untere Extremitäten/Gelenke"
festgehalten, dass die Gelenke ohne Druckdolenz seien, ohne dass beschrieben werde,
um welche Gelenke es sich handle. Eine Fibromyalgie könne eben nicht vorliegen,
wenn die Gelenke ohne Druckdolenz seien. Es werde nicht beschrieben, was ein
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Endphasenschmerz sei. Bei der Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms handle es sich
um eine Vermutungsdiagnose, da keine Tenderpoint-Prüfung vorgenommen worden
sei. Die an der rheumatologischen Untersuchung durchgeführten Globaltests seien
nicht objektivierbar. Die Bezugnahme auf die im Gutachten von Dr. G._ enthaltene
Feststellung, dass der Trapezius und die gesamte paravertebrale Muskulatur
schmerzhaft sei, weise darauf hin, dass nicht die einzelnen (18) Tenderpoints überprüft
worden seien. Dr. G._ sei zudem kein Facharzt für Innere Medizin und
Rheumatologie. Da keine Blutwerte untersucht worden seien, könnten auch keine
anderen Erkrankungen ausgeschlossen und eine Fibromyalgie definitiv nachgewiesen
werden. Bereits aus der Zusammenfassung der Krankengeschichte des KSSG aus dem
Jahr 2005 geht hervor, dass 16 von 18 Tenderpoints leicht positiv gewesen seien (IV-
act. 19-10/15f.). An den unteren Extremitäten gibt es lediglich zwei Tenderpoints der
Fibromyalgie (proximal des medialen Kniegelenkspalts; André G. Aeschlimann/Felix
Angst, Fibromyalgie-Syndrom – Kennen Sie die 18 "tender-points"? Und das 3-Säulen-
Prinzip?, in: Hausarzt Praxis 2007, S. 19ff., <http://www.reha-clinic.ch/cms/fileadmin/
user_upload/ pdf_forschung/fibromyalgie_Aeschlimann_Angst_2007.pdf>, abgerufen
am: 30. April 2013, auch zu den Kriterien zur Definition eines Fibromyalgiesyndroms
allgemein). Eine Tenderpoint-Prüfung wurde bei der Erhebung des rheumatologischen
Status sehr wohl vorgenommen und es wurden dabei Druckdolenzen im Bereich der
Dornfortsätze der gesamten HWS, BWS und LWS sowie im Bereich des Epicondylus
humeri radialis beidseits festgestellt (vgl. IV-act. 109-6/11f.). Die bestrittene fachliche
Qualifikation von Dr. G._ kann vorliegend unbeantwortet bleiben, zumal diejenige von
Dr. J._ – auf dessen Gutachten vorliegend abgestellt wurde – ausser Frage steht. Da
der Endphasenschmerz gemäss der RAD-ärztlichen Stellungnahme vom 18. Januar
2012 weder etwas mit Tenderpoints noch mit dem Test nach Lasègue zu tun hat,
erübrigt sich eine Erläuterung hierzu. Eine regelmässige Bestimmung der Blutwerte
wurde zumindest zur Überwachung der TSH und der freien Schilddrüsen-Werte im
KSSG durchgeführt (IV-act. 19/9-15). Während der Hospitalisation im KSSG waren
auch die Blutzuckerwerte im normalen Bereich. Da beim primären bzw. idiopathischen
Fibromyalgiesyndrom – das in über 90% der Fälle vorkommt und deren Ursache nicht
bekannt ist – alle Laborparameter normal sind und eine Bestimmung des Blutbilds
lediglich zum Ausschluss einer Ursache für ein sekundäres Fibromyalgiesyndrom und
ansonsten nur je nach Klinik empfohlen wird, kann davon ausgegangen werden, dass
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die behandelnden Ärzte wie auch die Gutachter im vorliegenden Fall keine
Veranlassung zur Durchführung weiterer Bluttests sahen (Aeschlimann/Angst, a.a.O.,
S. 19f.).
5.2.6 Die Beschwerdeführerin rügt schliesslich, dass die Verletzung des
Steissbeins im Gutachten überhaupt nicht erwähnt werde, ebenso wenig die
Auswirkungen dieser Verletzung auf die Rückenschmerzen, weshalb der Schluss
naheliege, dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht richtig
abgeklärt worden sei. Die Rüge ist unbegründet, da in Bezug auf den Zustand der
Lendenwirbelsäule explizit auch ein deutlich nach ventral anguliertes Os coccygis
(Steissbein) festgestellt wurde (vgl. IV-act. 109-8/11 und auch IV-act. 151).
5.2.7 Die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Rügen sind allesamt nicht
geeignet, um Zweifel am rheumatologischen Gutachten von Dr. J._ vom
10. Dezember 2009 zu wecken, weshalb aus somatischer Sicht bei Diagnose eines
chronischen lumbospondylogen betonten Panvertebralsyndroms sowie eines
Fibromyalgiesyndroms von einer 90%-igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten
Tätigkeit ausgegangen werden kann.
5.3 Bereits aus der nachvollziehbaren Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F32.11) von Dr. H._ geht hervor, dass
kein Anwendungsfall der von der Beschwerdegegnerin zitierten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung vorliegt und die Anwendung der Foerster'schen Kriterien zu
unterbleiben hat. Im Vordergrund steht vorliegend – auch gemäss der übrigen
Aktenlage (vgl. IV-act. 18-8/13f., 89-1/14, 89-5/14, 89-9/14, 89-12/14, 94-4/11,
126-1/7, 128) – eine mittelgradige depressive Episode, die eigenständige Symptome
wie eine stark reduzierte psychische Belastbarkeit, reduzierte geistige Flexibilität,
reduzierte Konzentrationsfähigkeit in Stresssituationen sowie Antriebsstörungen zeitigt.
Die somatischen Symptome sind davon klar abgrenzbar und finden lediglich
Erwähnung im interdisziplinären Teil des psychiatrischen Gutachtens. Diese
Gewichtung zeigt sich ausserdem deutlich in der aus rheumatologischen Gründen
attestierten Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten
Tätigkeit von 90% und derjenigen aus psychischen Gründen von 50%. Was die
psychosozialen Komponenten angeht, ist im Übrigen nur massgebend, ob letztlich
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Folgen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung vorliegen, die eine voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit bewirken können (vgl. Art. 7f.
ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Hingegen ist nicht von Belang, welches die Ursachen
(seien sie auch psychosozial) einer allfälligen Einschränkung der medizinisch
zumutbaren Arbeitsfähigkeit sind.
5.4 Zusammenfassend ist damit vollumfänglich auf das bidisziplinäre Gutachten von
Dr. J._ und von Dr. H._ vom 10. Dezember 2009 bzw. vom 13. Januar 2010
abzustellen und davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin eine 50%-ige
leidensadaptierte Tätigkeit zumutbar ist.
6.
6.1 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten
im Sinn von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter
anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV).
Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität
diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in
einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin gestützt auf ihre
Angaben zu Recht als im hypothetischen Gesundheitsfall zu 80% erwerbstätig und zu
20% als im Haushalt tätige Person qualifiziert, weshalb vorliegend bei der Bemessung
des Invaliditätsgrads die gemischte Methode zur Anwendung kommt.
6.2 Die für den Haushaltsbereich ermittelte Invalidität von 27% blieben im
Beschwerdeverfahren unbestritten und aus den Akten ergeben sich auch keine
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Hinweise für eine andere Einschätzung. Bei einer 27%-igen Einschränkung ergibt sich
bei einer Gewichtung eines 20%-Pensums eine Teilinvalidität im Bereich Haushalt von
gerundet 5% (27%x0.2).
6.3 Zu prüfen bleibt damit die Invalidität im Erwerbsbereich.
6.3.1 Da die zum Verfügungszeitpunkt 44-jährige Beschwerdeführerin trotz ihrer
Ausbildung und Arbeitserfahrung in der Dominikanischen Republik als Juristin/Rechts
anwältin seit ihrer Einwanderung in die Schweiz (im Jahr 2002) während drei Jahren
bzw. bis zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit als Reinigungskraft gearbeitet hat und
während dieser Zeit gemäss Aktenlage keine konkreten Schritte zur Aufnahme eines
Studiums unternommen wurden, ist davon auszugehen, dass sie auch ohne
Gesundheitsschaden weiterhin als Reinigungskraft gearbeitet hätte. Nachdem sie
damals lediglich als Aushilfe auf Abruf tätig war und heute im Gesundheitsfall ein 80%-
iges Pensum bewältigen würde, steht zur Festlegung des Valideneinkommens keine
verlässliche Einkommensbasis zur Verfügung. Die Anwendung der Tabellenlöhne der
Lohnstrukturerhebung (LSE) erscheint daher im vorliegenden Fall gerechtfertigt und
wurde von der Beschwerdeführerin auch nicht beanstandet.
6.3.2 Das bei Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit erzielbare Einkommen
lässt sich praxisgemäss ebenfalls gestützt auf die Tabellenlöhne der LSE ermitteln
(BGE 126 V 75 E. 3b/aa und 3b/bb). Da vorliegend das Validen- und
Invalideneinkommen anhand derselben statistischen Werte (einfache und repetitive
Tätigkeiten [Anforderungsniveau 4] von Frauen) zu ermitteln sind, erübrigt sich deren
genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (sogenannter
Prozentvergleich; SVR 2008 IV Nr. 2 S. 3 E. 5.4).
6.3.3 Die Beschwerdegegnerin hat keinen Abzug vom Tabellenlohn
vorgenommen. Angesichts der konkreten persönlichen und beruflichen Umstände
besteht hierzu auch kein Anlass und die Beschwerdeführerin macht denn auch keine
Gründe geltend, um einen solchen rechtfertigen.
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6.3.4 Anhand des Prozentvergleichs ergibt sich im Erwerbsbereich ungewichtet
ein Invaliditätsgrad von 37,5% ([80%-50%]/0.8). Bezogen auf einen Erwerbsanteil von
80% beträgt die entsprechende Teilinvalidität im Erwerbsbereich somit 30%
(37,5%x0.8).
6.4 Zusammen mit der Teilinvalidität im Bereich Haushalt von 5% ergibt sich ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von insgesamt 35%. Die angefochtene Ver
fügung vom 31. Mai 2011 erweist sich damit als rechtens.
7.
7.1 Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 31. Mai 2011 in Abweisung der
Beschwerde zu bestätigen, soweit auf diese überhaupt einzutreten ist (vgl. vorne
E. 4.2).
7.2 Die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnitt
lichen Aufwands auf Fr. 600.-- festzusetzenden Gerichtskosten hat ausgangsgemäss
die Beschwerdeführerin zu bezahlen. Zufolge der am 28. März 2012 bewilligten
unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 22) ist sie von der Bezahlung der Gerichtskosten
zu befreien. Für die Kosten der Rechtsvertretung hat sie jedoch selbst aufzukommen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP