Decision ID: 362c717f-fd7a-51aa-97b5-c7a7c8618ff6
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 25. Oktober 2013 bei der Gemeinde Langenthal
ein Baugesuch ein für den Neubau einer Mobilfunkanlage auf dem Dach des Gebäudes
H._weg 8a, Parzelle Langenthal Grundbuchblatt Nr. J._. Die
Gesamtleistung der Anlage beträgt maximal 6980 Watt äquivalenter abgestrahlter Leistung
(effective radiated power, ERP). Die Anlage umfasst einen Antennenmast, der den
Dachfirst um ca. 7 m überragt. An der Mastspitze sind zwei Richtfunkantennen und drei
Antennenpanels des Antennentyp "Kathrein 80010826" vorgesehen. Eine weitere
Richtfunkantenne ist unterhalb der Antennenpanels geplant. Die übrigen technischen
Einrichtungen sind im Dachraum untergebracht. Das beco beantragte in seinem
Amtsbericht, das Vorhaben könne unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit und Gesundheit
am Arbeitsplatz und der nichtionisierenden Strahlung unter Auflagen bewilligt werden.1
Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 12. Februar 2015 erteilte die Gemeinde Langenthal die
Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 13. März 2015 gemeinsam eine
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
bitten um Prüfung der Rechtmässigkeit der Baubewilligung. Diese sei gegebenenfalls
rückgängig oder von weiteren Bedingungen abhängig zu machen. Sinngemäss beantragen
sie damit die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 12. Februar 2015 und die Erteilung
des Bauabschlags oder eventuell die Ergänzung mit Bedingungen. Sie kritisieren
insbesondere, mit dem vorgesehenen Antennentyp könnten Anpassungen des
horizontalen Winkels vorgenommen werden (sog. Beamforming-Technologie). Zudem
rügen sie die Abnahmemessung und die Verträglichkeit der Anlage mit dem Denkmal- und
Ortsbildschutz.
1 Vgl. pag. 122 der Vorakten der Stadt Langenthal (Amtsbericht des beco zu Arbeitsbedingungen sowie Immissionsschutz vom 14. Mai 2014)
3
3. Mit Eingabe vom 1. April 2015 erklärte die Beschwerdegegnerin, Beamforming sei für
sie in naher Zukunft kein Thema. Nunmehr anwaltlich vertreten beantragt die
Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort vom 15. April 2015 die Abweisung der
Beschwerde soweit darauf einzutreten sei. In ihren Eingaben vom 27. Juli 2015 und
17. August 2015 hält sie im Wesentlichen an gestellten Anträgen fest. Die Stadt Langenthal
schliesst in ihrer Stellungnahme vom 23. März 2015 ebenfalls auf Abweisung der
Beschwerde. Mit Eingabe vom 7. August 2015 teilt sie mit, sie halte an ihren Eingaben fest
und verzichte auf die Einreichung von Schlussbemerkungen.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Es holte einen Fachbericht bei der
kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) und einen
Bericht zu adaptiven Antennen beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) ein. Die Parteien
erhielten Gelegenheit, sich zum Beweisergebnis zu äussern und Schlussbemerkungen
einzureichen. Auf die Rechtsschriften, den Fachbericht der OLK sowie auf den Bericht des
BAFU wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Perimeter für die Einsprachelegitimation beträgt gemäss
Standortdatenblatt vom 23. Juni 2014 738 m.5 Dass sich die Liegenschaften der
Beschwerdeführenden innerhalb dieses Perimeters befinden, ist unbestritten. Bei dieser
Ausgangslage kann darauf verzichtet werden, die Beschwerdebefugnis jedes einzelnen
Beschwerdeführers genauer abzuklären. Die Beschwerdeführenden, deren Einsprachen
abgewiesen wurden, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und
somit zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Beamforming / Dynamische Seitensteuerung
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, die Anlage werde mit neuartigen Doppel-
Antennen ausgestattet. Diese würden eine echte Seitensteuerung des Strahls ermöglichen
und bedinge ein neues Rechenverfahren. Sie sind der Auffassung, die rechnerische
Prognose gemäss Standortdatenblatt sei unzutreffend und die Grenzwerte gemäss NISV6
offensichtlich überschritten. Es leuchte nicht ein, dass Mobilfunkfirmen neue Ausrüstung
anschaffen und dann nicht verwenden würden. Es genüge auch nicht, die Seitensteuerung
mit einer Auflage zu verbieten.
b) Die Beschwerdegegnerin entgegnet, die fragliche Antenne ziele darauf ab, die LTE-
Abdeckung auszubauen und im gesetzlichen Rahmen das Netzwerk und die Abdeckung zu
optimieren. Das vorgesehene Equipment sei gemäss den Angaben des Herstellers
technologisch nicht in der Lage, die "Beamforming-Technologie" anzuwenden. Falls die
technologischen Entwicklungen so weit fortgeschritten seien, dass ein kommerzieller
Einsatz möglich ist, werde sie alle zuständigen Stellen frühestmöglich informieren. Sie hält
zudem fest, sie werde "Beamforming" nur dann einsetzen, wenn dies die rechtlichen
5 Vgl. pag. 309 der Vorakten der Einwohnergemeinde Langenthal 6 Verordnung des Bundesrates vom 23. Dezember 1999 über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV; SR 814.710)
5
Rahmenbedingungen zulassen würden. Für einschränkende Massnahmen oder Auflagen
bestehe kein Bedarf.
c) Das beco bemerkt in seiner Stellungnahme, in Fachkreisen sei unbestritten, dass
neue Technologien wie "Beamforming" oder 5G schon bald ein Thema sein werden. Es
erübrige sich hier jedoch, auf "Beamforming" oder Seitensteuerung näher einzugehen. Eine
aktive Seitensteuerung sei nicht vorgesehen, nicht erlaubt und nicht bewilligt. Die Strahlung
der geplanten Anlage mit neuartigen Dual-Band Antennen sei wie üblich im
Standortdatenblatt berechnet worden. Die Immissionsfeldstärke an den OMEN (Orte mit
empfindlicher Nutzung) sei mit den vorgesehenen Parametern im Zusatzblatt 2 bestimmt
worden. Mit der Baubewilligung seien diese Parameter verbindlich geworden und dürften
nicht überschritten werden. Dies treffe im Speziellen auf das Azimut der
Hauptsenderichtung zu. Diese Richtung sei normalerweise auf 1° (Grad) genau
angegeben. Der Nachweis zur Einhaltung des Anlagegrenzwerts in der Umgebung der
Antenne sei damit erbracht.
d) Die BVE hat zum Thema der "Beamforming"-Technologie beim BAFU eine
Stellungnahme eingeholt. Im Schreiben vom 9. Juli 2015 hält das BAFU dazu Folgendes
fest: Adaptive Antennen seien in der Lage, die Senderichtung und unter Umständen auch
das räumliche Abstrahlungsmuster (Antennendiagramm) ohne Anpassung der
Montagerichtung zu ändern. Ersteres werde als Beamsteering, Letzteres als Beamforming
bezeichnet. Antennen seien adaptiv, wenn sie über mehrere, räumlich getrennte
emittierende Elemente verfügten, denen das Sendesignal je mit einer geeigneten,
zeitlichen Verzögerung (sog. Phasenverschiebung) zugeführt werde. Mit dieser
Phasenansteuerung lasse sich die Senderichtung und das Antennendiagramm innerhalb
gewisser Grenzen anpassen. Dieses Verfahren sei bezüglich der vertikalen Senderichtung
bei vielen Mobilfunkantennen bereits seit Jahren standardmässig implementiert. Die
vertikale Senderichtung könne so vom Mobilfunkbetreiber ohne mechanische
Neuausrichtung der Antenne innerhalb eines bewilligten Winkelbereichs, zum Beispiel
zwischen 0° und -10°, eingestellt werden. Diese elektrische Feinjustierung werde manuell
mit einem Drehknopf oder – bei Fernsteuerung – durch einen Stellmotor vorgenommen. Da
sie normalerweise bei Netzoptimierungen, d.h. in der Regel im Abstand von Monaten oder
Jahren erfolge, sei sie eher statischer Natur.
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Neben dieser statischen Einstellung bestehe grundsätzlich die Möglichkeit, die genannte
Phasensteuerung der einzelnen emittierenden Elemente direkt von der Sendeelektronik
übernehmen zu lassen (dynamische Steuerung). Weil Letztere innerhalb von Millisekunden
erfolgen könne, eröffne sich die Möglichkeit, die Strahlung dynamisch nach den
momentanen Aufenthaltsorten mobiler Mobilfunknutzer auszurichten. Die dynamische
Steuerung der Senderichtung und des Antennendiagramms ermögliche eine effizientere
Nutzung der Frequenz- und Strahlungsressourcen für die Datenübertragung. Die Strahlung
könne gezielt dorthin gelenkt werden, wo sie für die drahtlose Verbindung benötigt werde.
Mobilfunk der vierten Generation (LTE) sehe in den Spezifikationen diese Möglichkeit
bereits vor, könne aber auch ohne diese Option betrieben werden. Im Rahmen der
technischen Entwicklung (Mobilfunk nächster Generationen) werde dieses Konzept
voraussichtlich weiter ausgebaut werden.
In der Schweiz würden adaptive Antennen für die dynamische Steuerung weder für die
vertikale oder die horizontale Senderichtung noch für das Antennendiagramm eingesetzt.
Die dafür nötigen elektronischen Komponenten seien derzeit nicht installiert. Es bestünden
von den Mobilfunkbetreibern auch keine Hinweise, dass sich das in absehbarer Zeit ändern
werde. Die dynamische Steuerung der Senderichtung oder des Antennendiagramms werde
weder in der NISV noch in der Vollzugshilfe thematisiert. Es gebe dazu auch keine
Empfehlungen. Bis auf weiteres seien dynamische Steuerungen aber nicht anders zu
beurteilen als statische. In diesem Fall hätten die Netzbetreiber für die NIS-Berechnung ein
umhüllendes Antennendiagramm zu verwenden und den gesamten vorgesehenen
Winkelbereich zu deklarieren. Für die Beurteilung der Einhaltung des Anlagegrenzwertes
wäre jene Senderichtung innerhalb dieses Bereichs massgebend, die an den OMEN die
höchste elektrische Feldstärke erzeugt. Wie bei der statischen Steuerung hätten die
Netzbetreiber mit Hilfe des QS-Systems sicherzustellen, dass der bewilligte Winkelbereich
nicht überschritten werde. Ergänzend bemerkt das BAFU, dass bei einer dynamischen
Richtungssteuerung die tatsächliche Langzeitbelastung an den OMEN wesentlich niedriger
sein könne als der berechnete Beurteilungswert. So könne ein solches
Beurteilungsverfahren in vielen Fällen als streng erscheinen. Im Hinblick auf die
dynamische Steuerung sollte die Definition des massgebenden Betriebszustands und das
geltende Beurteilungsverfahren überprüft und unter Umständen für statische und
dynamische Verhältnisse differenziert ausgestaltet werden. Es werde diese Überprüfung
an die Hand nehmen, sobald der Einsatz der dynamischen Steuerung durch die
Netzbetreiber konkret absehbar werde.
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e) In der Eingabe vom 6. August 2015 vertreten die Beschwerdeführenden die Ansicht,
die Seitensteuerung könne über Nacht eingeschaltet werden. Sie befürchten, die Behörden
würden beim Zukauf oder Ersatz der Elektronik nicht informiert. Auch bemängeln sie, dass
das BAFU nicht aufgezeigt habe, wie eingeschaltete Seitensteuerung messtechnisch
festgestellt werden könne. Im Sinn eines Kompromisses schlagen sie vor, in der
Baubewilligung anzuordnen, dass bei jeder der drei Antennen nur die Hälfte der
vorhandenen Kabelstecker elektrisch angeschlossen werden dürften. Damit sei eine
normale Seitensteuerung nicht mehr möglich. Dies könne mit Hilfe eines Feldstechers
ohne weiteres überprüft werden. Die Verwendung der zweiten Antennenhälfte bedinge ein
neues Baugesuch.
f) Am vorgesehenen Anlagestandort sollen drei Panels des Antennentyps "Kathrein
80010826" zum Einsatz kommen. Bei diesem Antennentyp handelt es sich um eine
neuartige Dual-Band Antenne. Diese eignen sich für den Betrieb im Low- und Highband
Bereich. D.h., sie können die Frequenzbänder 800, 900, 1800 und 2100 MHZ nutzen. Alle
emittierende Elemente (Antennen) befinden sich im gleichen Gehäuse (Panel). Es ist hier
unbestritten, dass der vorgesehene Antennentyp aufgrund seiner Hardware-Komponenten
in der Lage ist, die horizontale Senderichtung dynamisch zu verändern, ohne dass dafür
die Montagerichtung angepasst werden müsste. Das BAFU hat dazu allerdings
festgehalten, dass in der Schweiz die dynamische Steuerung weder für die vertikale oder
horizontale Senderichtung noch für das Antennendiagramm eingesetzt werde. Die nötigen
elektronischen Komponenten seien zurzeit nicht installiert. Es würden auch keine Hinweise
bestehen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern werde. Die Beschwerdeführenden
bringen nichts Konkretes vor, das Zweifel an dieser Beurteilung des BAFU erwecken
würde. Im Gegenteil: Die Beurteilung deckt sich mit den Angaben der
Beschwerdegegnerin. Nichts anders folgt aus dem aktualisierten Standortdatenblatt vom
23. Juni 2014 (Revision 1.0). Eine dynamische Steuerung für die Senderichtung oder das
Antennendiagramm ist nicht geplant. Wie das beco in seiner Stellungnahme vom 9. April
2015 zutreffend ausführte, sind gemäss Standortdatenblatt alle Parameter, die die
abgestrahlte Sendeleistung beeinflussen, insbesondere die Winkel der horizontalen
Senderichtung (Azimut), statischer Natur.7 Das Standortdatenblatt ist Bestandteil der
Baubewilligung und somit verbindlich. Eine Veränderung der Senderichtung über die
7 Vgl. Rückseite der pag. 308 der Vorakten der Stadt Langenthal
8
beabsichtigte Hauptstrahlrichtung hinaus hätte erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt.
Sie untersteht der Baubewilligungspflicht (Art. 22 RPG8). Die Netzbetreiber sind in diesen
Fällen gemäss Art. 11 Abs. 1 i.V.m Anhang 1 Ziffer 62 Abs. 5 NISV verpflichtet, bei der
Baubewilligungsbehörde ein neues Standortdatenblatt einzureichen. Falls die
Beschwerdegegnerin die elektronischen Komponenten bzw. die dynamische Steuerung
zukünftig einsetzen will, muss die Umweltverträglichkeit der Anlage vorgängig in einem
Baubewilligungsverfahren neu geprüft werden.
g) Nach dem Gesagten ist die Annahme der Beschwerdeführenden, wonach hier eine
Anlage mit Seitensteuerung (dynamische Steuerung) betrieben wird, falsch. Für einen
derartigen Betrieb fehlen nach den Angaben der Beschwerdegegnerin und den
unbestrittenen Informationen des BAFU die nötigen elektronischen Komponenten.
Vielmehr steht hier eine Antennenanlage zur Diskussion, bei der nach den Angaben im
Standortdatenblatt vom 23. Juni 2014 (Revision 1.0) eine statische Steuerung der
Senderichtung vorgesehen ist. Für die Beurteilung der Frage, ob die Anlage den
umweltrechtlichen Vorschriften entspricht, ist somit auf die rechnerische Prognose im
Standortdatenblatt und nicht auf hypothetische Berechnungen mit Seitensteuerung
abzustellen. Das beco hat das geplante Vorhaben unter Einbezug des Standortdatenblatts
vom 23. Juni 2014 (Revision 1.0), das für die NIS-Berechnung relevant ist, geprüft. Es kam
zum Schluss, dass die streitige Mobilfunkanlage den gesetzlichen Vorgaben entspreche.
Für die BVE besteht kein Anlass, von der Einschätzung der Fachbehörde abzuweichen.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden hält die umstrittene Anlage die
Grenzwerte der NISV ein. Wie es sich verhält, wenn die elektronischen Komponenten für
die dynamische Steuerung installiert würden, muss in diesem Verfahren nicht geprüft
werden. Es bestehen auch keine Anhaltspunkte, dass die Beschwerdegegnerin die
dynamische Steuerung unbemerkt einführen will. Sie hat versichert, frühzeitig mit allen
zuständigen Stellen in Kontakt zu treten, sobald ein kommerzieller Einsatz der
Beamforming-Technologie möglich erscheint. Um die Einhaltung der Grenzwerte der NISV
zu gewährleisten sind die Netzbetreiber zusätzlich verpflichtet, ein
Qualitätssicherungssystem (QS-System) einzurichten. Das Bundesgericht und das
Verwaltungsgericht haben mehrfach bestätigt, dass dieses QS-System den Anforderungen
8 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
9
an eine wirksame Kontrolle der bewilligten Sendeleistung und an die Einhaltung der
immissionsrechtlichen Grenzwerte genügt.9
h) Somit erweist sich die Befürchtung der Beschwerdeführenden, die elektronischen
Komponenten für die dynamische Steuerung der Antennenanlage würden ohne Meldung
an die Behörden über Nacht installiert, als unbegründet. Ein gesetzwidriger Betrieb der
Anlage mit Seitensteuerung ist ohne elektronische Zusatzkomponenten nicht möglich. Die
fachliche Einschätzung des beco zur Seitensteuerung ist somit nicht zu beanstanden.
Damit ist es entgegen den zahlreichen Anträgen der Beschwerdeführenden nicht nötig,
Auflagen oder Bedingungen bzgl. der Seitensteuerung anzuordnen. Dass sich die
Beschwerdegegnerin für diesen Antennentyp entschieden hat, kann nicht zur Aufhebung
oder Rückweisung des angefochtenen Entscheids führen. Unzutreffend ist schliesslich die
Behauptung der Beschwerdeführenden, die Beschwerdegegnerin habe sich zur
Seitensteuerung bisher nicht geäussert. Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde in
diesem Punkt unbegründet ist. Der Einwand der Beschwerdeführenden, wonach die
Anlage die gesetzlichen Grenzwerte überschreite, ist nicht stichhaltig; die Anträge 1 bis 4
sowie 7 bis 11 sind abzuweisen.
3. Abnahmemessung
a) Die Beschwerdeführenden bringen weiter vor, es sei unbekannt, wie sich die
Seitensteuerung auf die Messung auswirke. Sie kritisieren, das BAFU habe nicht erläutert,
wie eine eingeschaltete Seitensteuerung messtechnisch festgestellt werden könne. Auch
stellen sie sich auf den Standpunkt, die Anlage dürfe erst dann in Betrieb gesetzt werden,
wenn klar sei, wie eine Abnahmemessung bei LTE durchgeführt werde und wie bei
gemischter Sendetechnik im selben Frequenzband ohne Angabe der einzelnen, maximal
erlaubten Sendeleistung die Hochrechnung auf die maximale Sendeleistung erfolge.
b) Wie aus der Erwägung 2 hervorgeht, ist hier keine Seitensteuerung der Antennen
geplant. Wo keine dynamische Steuerung (Seitensteuerungen) besteht, braucht deren
Strahlung auch nicht gemessen zu werden. Die Beschwerdeführenden stossen mit ihrer
9 Statt vieler: BGer 1C_440/2010 vom 8. März 2011 E. 4.3 mit Hinweisen, 1C_118/2010 vom 20. Oktober 2010, 1C_282/2008 vom 7. April 2009, 1C_45/2009 vom 6. Juli 2009 E. 2.3, 1C_316/2007 vom 30. April 2008 E. 7.; VGE in BVR 2007 S. 126 E. 5.5.5 f.; VGE 22852 vom 8. November 2007
10
Kritik bzgl. der messtechnischen Feststellung der Seitensteuerungen von vornherein ins
Leere.
Ebenso unbegründet ist der Einwand, es sei unklar, wie die Abnahmemessung bei LTE
durchgeführt werde. Das Messprozedere ist für alle Funkdienste (GSM, UMTS, LTE)
definiert. Abnahmemessungen können von akkreditierten Messfachfirmen vorgenommen
werden.10 In Bezug auf den LTE Funkdienst gilt zudem der technische Bericht
"Messmethode für LTE-Basisstationen".11 Auch hat sich das Bundesgericht im Urteil vom
23. Oktober 2014 mit der Messung von LTE befasst.12 Es verwies auf den veröffentlichten
Amtsbericht des METAS vom 11. Juni 2014.13 Das METAS kam darin zum Schluss, dass
die früher publizierten Messempfehlungen für die Funkdienste GSM (Mobilfunk der 2.
Generation), UMTS (Mobilfunk der 3. Generation) und LTE (Mobilfunk der 4. Generation)
nach wie vor dem Stand der Technik entsprechen. Für die Abnahmemessung sind somit
die Empfehlungen und Berichte des BAFU/METAS einschlägig. Das heutige
Vollzugsprozedere bei der Abnahmemessung und das Qualitätssicherungssystem erfüllen
die Anforderungen an eine wirksame Kontrolle der bewilligten Sendeleistung und an die
Einhaltung der immissionsrechtlichen Grenzwerte.14 Demnach ist auch der Antrag 6 der
Beschwerdeführenden unbegründet und abzuweisen.
c) Die Beschwerdeführenden kritisierten ferner die Auflage des beco zur
Abnahmemessung. Sie verlangen den Einbezug der OMEN 5 und 8 in die
Abnahmemessung (Antrag 5). Sie machen geltend, bei diesen OMEN sei der
Anlagegrenzwert zu 80 % erreicht.
Im Baubewilligungsverfahren kann die Strahlung nur berechnet, nicht aber gemessen
werden. Aus diesem Grund muss nach der Inbetriebnahme der Anlage eine
Abnahmemessung durchgeführt werden, wenn gemäss rechnerischer Prognose der
Anlagegrenzwert an einem OMEN zu 80 % erreicht wird. In begründeten Fällen kann die
10 Abrufbar unter: http://www.seco.admin.ch/sas/akkreditiertestellen/index.html?lang=de& 11 Abrufbar unter: http://www.metas.ch/metas/de/home/dok/rechtliches/messempfehlung-nisv.html 12 Vgl. BGer 1C_122/2014 vom 23. Oktober 2014 E. 6.3 13 Abrufbar unter: http://www.metas.ch / Dokumentation / Messen im Bereich nichtionisierender Strahlung (NISV) / Mobilfunk / Messunsicherheit beim Messen elektromagnetischer Felder 14 Siehe dazu Magazin "Umwelt" 3/2014 des BAFU, Dossier Vollzug des Umweltrechts, Vollzug auf Kurs: Nichtionisierende Strahlung - Verlässliches Verfahren schützt vor Elektrosmog (abrufbar unter: http://www.bafu.admin.ch/recht/13822/13823/14282/index.html?lang=de)
http://www.seco.admin.ch/sas/akkreditiertestellen/index.html?lang=de& http://www.metas.ch/metas/de/home/dok/rechtliches/messempfehlung-nisv.html http://www.metas.ch http://www.bafu.admin.ch/recht/13822/13823/14282/index.html?lang=de
11
Behörde diese Schwelle auch niedriger ansetzen.15 Gemäss dem Amtsbericht vom 14. Mai
2014 verlangt das beco an fünf OMEN (2, 4, 7, 11 und 12) eine Abnahmemessung. Es fällt
auf, dass gemäss dem Standortdatenblatt vom 23. Juni 2014 (Revision: 1.0) auch beim
OMEN 5 (4.05 V/m) und OMEN 8 (4.93 V/m) die Schwelle des Anlagegrenzwerts von 80 %
überschritten ist.16 Das beco führt in seiner Stellungnahme dazu aus, in einigen typischen
Fällen führe die Berechnung im Standortdatenblatt immer zu einem höheren Wert als der
reale Messwert. Namentlich spiele die Grösse eines Fensters oder der Einfallswinkel des
Hauptsendestrahls auf das Fenster eine grosse Rolle. Bei der Berechnung dürfe nur mit
dem Dämpfungsfaktor 0 dB gerechnet werden. Dies führe an diesen Orten zu einer
rechnerischen Überschätzung der Feldstärke. Es sei akzeptabel, die 80 % Regel als
Richtwert zu betrachten und an solchen Orten nicht von vornherein eine Abnahmemessung
zu verlangen. Falls sich direkt betroffene Anwohner erkundigen würden, könnten zum
Zeitpunkt der Abnahmemessung auch diese Orte berücksichtigt werden.
d) Vorliegend rechtfertigt es sich, die Abnahmemessung zusätzlich bei den OMEN 5
und 8 anzuordnen. Gestützt auf die Akten lässt sich nicht beurteilen, ob die Fenster bei den
OMEN 5 und 8 besonders klein sind. Aktenkundig ist jedoch, dass es sich beim OMEN 8
um einen der drei höchstbelasteten Orte handelt.17 Zudem ist nach den Messempfehlungen
die Strahlung in der Regel bei offenem Fenster zu messen.18 Der Dämpfungsfaktor 0 dB für
das Baumaterial Glas oder Fenster ist daher berechtigt. Von einer rechnerischen
Überschätzung der Feldstärke an den OMEN 5 und 8 kann somit nicht zwingend
ausgegangen werden. Die Fachbehörde wehrt sich denn auch nicht grundsätzlich gegen
eine Abnahmemessung bei den OMEN 5 und 8. Demzufolge sind gemäss dem
Standortdatenblatt vom 23. Juni 2014 (Revision: 1.0) folgende OMEN in die
Abnahmemessung einzubeziehen: 2, 4, 5, 7, 8, 11 und 12. Die entsprechende Anordnung
im Amtsbericht Immissionsschutz des beco vom 14. Mai 2014 (Auflage Ziffer 8) und die
Nebenbestimmungen im angefochtenen Entscheid (Ziff. 4, Punkt 15) werden entsprechend
ergänzt. In diesem Punkt wird die Beschwerde gutgeheissen (vgl. Antrag 5 der
Beschwerdeführenden).
15 Siehe dazu Ziff. 2.1.8 Vollzugsempfehlung zur NISV des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL; heute Bundesamt für Umwelt, BAFU) abrufbar unter: http://www.bafu.admin.ch/elektrosmog/01079/01086/index.html?lang=de 16 Vgl. pag. 301 und pag. 298 der Vorakten der Stadt Langenthal 17 Vgl. Rückseite pag. 107 der Vorakten der Stadt Langenthal 18 Entwurf Messempfehlung BUWAL (heute BAFU) vom 17. September 2003, Mobilfunk-Basisstationen (UMTS - FDD) S. 19
http://www.bafu.admin.ch/elektrosmog/01079/01086/index.html?lang=de
12
4. Ortsbild- und Denkmalschutz
a) Die Beschwerdeführenden rügen schliesslich, die Antennen befänden sich nur 55 m
vom geschützten Haus I._weg 6a entfernt. Es seien drei ungewöhnlich breite
Antennen geplant. Zudem würden bei einem Vollanschluss von unten her 36 Kabel
hochgeführt, wodurch ein dunkler Kabelwald entstehe. Dies widerspreche dem
Grundsatzpapier "Mobilfunkantennen an Baudenkmälern" der eidgenössischen
Kommission für Denkmalpflege (EKD). Sie kritisieren, die Stadt Langenthal habe nicht
begründet, weshalb sie die Regelung der EKD nicht berücksichtigt habe. In der Eingabe
vom 4. August 2015 bemängeln die Beschwerdeführenden ausserdem, auch die OLK habe
es vermieden, sich mit dem Grundsatzpapier der EKD auseinanderzusetzen.
b) Dem hält die Beschwerdegegnerin entgegen, die Vorinstanz habe sich ausführlich
mit der optischen Wirkung der Antenne beschäftigt und das strittige Projekt mit Blick auf
seine Einordnung aber auch seine Wirkung auf die umliegenden als schützens- oder
erhaltenswert eingestuften Objekte geprüft. Die Beschwerdeführenden würden sich mit
dem angefochtenen Entscheid nicht hinlänglich auseinandersetzen, sondern die
Beurteilung in pauschaler Weise beanstanden. Mangels Substantiierung sei auf diese
Rüge nicht einzutreten. Zudem bringt sie vor, die blosse gemeinsame Sichtbarkeit eines
denkmalgeschützten Objekts und einer Mobilfunkanlage könne keine Grundlage für eine
Bauverweigerung sein. Vielmehr müsse innerhalb der gemeinsamen Wahrnehmung eine
sichtbare Störung des geschützten Objekts vorliegen. Eine solche Störung sei weder
ersichtlich, noch werde sie von den Beschwerdeführenden konkret geltend gemacht.
c) Die Vorinstanz bejahte im angefochtenen Entscheid die Verträglichkeit der
Sendeanlage mit dem Ortsbild- und Denkmalschutz. Implizit bejahte sie damit auch die
Vereinbarkeit der Anlage mit den Kriterien der EKD zu Mobilfunkantennen an
Baudenkmälern. Zum Denkmal- und Ortsbildschutz führte die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid im Einzelnen aus, das Gebiet, in dem die Sendeanlage installiert werde, sei
ortsbildmässig wenig sensibel, auch wenn im weiteren Umfeld verschiedene Einzelbauten
im Bauinventar als erhaltens- oder schützenswert eingetragen seien. Diese Einzelbauten
seien zwischen rund 55 m (I._weg 6a) und rund 200 m (Krematorium) weit von der
geplanten Antenne entfernt. Betreffend die erhaltens- oder schützenswerten Einzelbauten
13
hielt sie fest, dass für sie durch die Sendeanlage entweder keine oder nur eine sehr
marginale Beeinträchtigung entstehe. In der Stellungnahme vom 23. März 2015 ergänzte
sie ausserdem, beim Gebäude I._weg 6a handle es sich um ein auf kommunaler
Ebene erhaltenswertes Gebäude im Sinn von Art. 10a Abs. 3 BauG. Die Bedeutung der
Baute sei nicht derart herausragend, wie in der Beschwerdeschrift dargestellt werde. Die
geplante Anlage sei genug weit entfernt, um keine oder nur eine äusserst geringfügige
Beeinträchtigung in denkmalpflegerischer Hinsicht zu verursachen. Der Umstand allein,
das eine Mobilfunkanlage gleichzeitig mit einem erhaltenswerten Gebäude gesehen
werden könne, rechtfertige nicht, den Bau zu untersagen.
d) Auf die Rüge der Beschwerdeführenden bzgl. Denkmal- und Ortsbildschutz ist
einzutreten, da an die Begründung einer Laieneingabe praxisgemäss keine hohen
Anforderungen gestellt werden.19 Aus ihrer Begründung geht hervor, dass die geplante
Antennenanlage aufgrund ihrer Nähe zum denkmalgeschützten Gebäude I._weg
6a dem Grundsatzpapier "Mobilfunkantennen an Baudenkmälern" der EKD widerspreche.
Die Anforderungen an eine genügende Begründung sind damit knapp erfüllt.
e) Das Gebäude I._weg 6a ist im Bauinventar der Stadt Langenthal
aufgenommen und als erhaltenswert bewertet. Es liegt in der näheren Umgebung des
geplanten Antennenstandorts. Die Distanz zum Antennenstandort beträgt rund 50 m. Der
Kurzbeschrieb im Bauinventar zum Gebäude "I._weg 6a" lautet wie folgt: "Sog. Doktor-Geiser-Haus (nach dem Arzt Joh. Geiser, +1876). Nachträglich verputzter
Riegbau über massivem EG. NW- und NO-seitiger Anbau jünger. Im EG und teilweise im OG
Fenster mit unechten Stichbogenstürzen. Heterogenes Erscheinungsbild; die einzelnen
Formen lassen sich nur schwer an bestimmte Epochen zuweisen. Von Resten eines einst
beachtlichen Gartens umgeben. Lokalhistorisch bedeutendes Gebäude."
f) Art. 10b Absatz 1 Satz 2 BauG schreibt vor, dass Baudenkmäler durch
Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden dürfen. Diese Bestimmung
schützt Baudenkmäler vor den störenden Einwirkungen eines Nachbarprojekts. Es geht um
den Schutz des eigentlichen Objekts mittels Bewahrung seiner Umgebung. Das heisst
nicht, dass die Umgebung von Denkmälern nicht verändert werden kann. Die Veränderung
19 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N. 15
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soll aber das Denkmal ernst nehmen und gebührend berücksichtigen.20 Nichts anderes
folgt aus dem Grundsatzpapier der EKD „Mobilfunkantennen an Baudenkmälern“ vom
23. Juli 2002 (revidierte Fassung vom 12. März 2008)21. Dabei handelt es sich nicht um
eine gesetzliche Regelung wie die Beschwerdeführenden meinen, sondern um eine
Entscheidhilfe zum Umgang mit Mobilfunkanlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden.
Generell ist es gemäss diesem Grundsatzpapier zu vermeiden, Mobilfunkantennen an
Baudenkmälern oder in ihrer Umgebung anzubringen. Ein Baudenkmal darf durch die
Installation einer Mobilfunkantenne nicht in seiner materiellen Substanz angetastet werden;
eine Antennenanlage ist somit an einem Baudenkmal nur dann möglich, wenn sie zu einem
späteren Zeitpunkt ohne Schaden oder Veränderung der schützenswerten Teile des
Objekts demontiert werden kann. Ferner sind Mobilfunkantennen an Baudenkmälern und in
deren massgeblichen Umgebung nur möglich, wenn sie Gestalt und Wirkung der
Denkmäler nicht beeinträchtigen; daher dürfen Mobilfunkantennen an Baudenkmälern nur
dort errichtet werden, wo sie vom öffentlichen Grund oder von öffentlich zugänglichen
Räumen nicht wahrgenommen werden können. Mobilfunkantennen dürfen in der
massgeblichen Umgebung von Baudenkmälern und Ensembles nur dann errichtet werden,
wenn sie die relevanten Blickrichtungen vom Denkmal aus und die relevanten
Blickrichtungen vom öffentlichen Raum aus auf das Denkmal nicht stören.
g) Die Frage, inwieweit eine Mobilfunkantenne ein benachbartes Denkmal
beeinträchtigt, ist nicht abstrakt, sondern muss von Fall zu Fall aufgrund der Eigenschaften
des Baudenkmals sowie seiner Umgebung geprüft werden. Zur Frage, wie sich die
geplante Antennenanlage auf das Ortsbild und die angrenzenden Baudenkmäler auswirkt,
hat die BVE die OLK beigezogen. Am 15. Juni 2015 fand durch die OLK eine Begehung
statt. Davon besteht eine umfangreiche Fotodokumentation.22 Der relevante Sachverhalt
ergibt sich somit hinreichend aus den Akten. Die Durchführung eines Augenscheins ist
nicht nötig. Die Beschwerdeführenden und die Beschwerdegegnerin konnten ihre Anliegen
zu diesem Rügepunkt in genügender Form ins Verfahren einbringen. Der Beweisantrag der
Beschwerdegegnerin auf Durchführung eines Augenscheines wird abgewiesen.
20 Vgl. dazu Nathalie Guex in: KPG-Bulletin 4/2006 S. 98 ff (abrufbar unter: http://www.bve.be.ch/bve/de/index/direktion/organisation/ra/downloads_publikationen.html) 21 Abrufbar unter: http://www.bak.admin.ch/kulturerbe/04273/04293/index.html?lang=de 22 Vgl. Fotobeilage zum Bericht der OLK vom 30. Juni 2015
http://www.bve.be.ch/bve/de/index/direktion/organisation/ra/downloads_publikationen.html http://www.bak.admin.ch/kulturerbe/04273/04293/index.html?lang=de
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Die OLK führte im Bericht vom 30. Juni 2015 bzgl. des Gebäudes I._weg 6a und
dessen Umgebung Folgendes aus: Beim Haus I._weg 6a werde die
Mobilfunkanlage aus Blickrichtung Südwest zweifellos gut sichtbar sein. Doch seien die
ästhetischen Auswirkungen auf das Inventarobjekt selber als untergeordnet einzustufen,
zumal das unmittelbare Umfeld bereits durch raumgreifende Überbauungen tangiert sei.
Der Denkmalwert des Gebäudes werde durch das geplante Bauvorhaben nicht
geschmälert. Der Antennenstandort liege östlich des Ortskerns von Langenthal, in einer
schmalen und ebenen Zone zwischen dem Kirchenbezirk und dem steil ansteigenden
Hang zum Färechwald. Bis Mitte 20. Jahrhundert sei dieses landwirtschaftlich genutzte
Terrain zwischen Geissberg, Greppen und Färech mit Ausnahme strassenbegleitender
Gehöfte unbebaut gewesen. Reste dieser ursprünglich bäuerlichen Bebauung fänden sich
am L._ 14 oder an der K._strasse 21 (erhaltenswert) und 23
(schützenswert). Auch das Haus I._weg 6a (erhaltenswert / geschützt gemäss
RRB) sei Teil dieser locker entlang einstiger Ausfallstrassen aufgereihter Altbausubstanz.
Fast das gesamte Areal an Geissberg-, Hinterberg- und I._weg sei jedoch ab den
1950-Jahren etappenweise parzelliert und in der Folge dicht überbaut worden, was den
wenigen stehengebliebenen alten Bauernhäusern und Landgütern nicht nur optisch den
nötigen Raum genommen habe. Im Bereich der K._strasse 21-31 könne der
Bauernhof-Charakter noch gut nachempfunden werden. Das Haus I._weg 6a, das
durch Um- und Anbauten mehrfach verändert worden sei, werde durch banale
Mehrfamilienhäuser und ein ehemaliges Altersheim (I._weg 6) rundum bedrängt.
Dass im Bauinventar ausser dem Haus I._weg 6a (sog. Dr.-Geiser-Haus) keine
weiteren Gebäude im nahen Umfeld des Anlagestandorts (H._weg 8a) aufgeführt
seien, sei nachvollziehbar. Die Mehrfamilienhäuser im fraglichen Areal würden einem
damals gängigen Muster entsprechen. Sie würden keine Rücksicht auf die vorhandene
Bausubstanz nehmen und seien in der Regel von zeittypischem Abstandgrün und
asphaltierten Parkflächen umgeben. Durch die Überbauungen etwa ab 1960 sei unter
Missachtung jeglichen Respektabstands dem Haus I._weg 6a sein einstiges
Umfeld verlustig gegangen. Das geplante Bauvorhaben habe bezüglich allfälliger
Ortsbildcharakteristika auf den Perimeter der Zone W3 keinen Einfluss.
h) Die Einschätzung der OLK, welche die Beurteilung der Vorinstanz stützt, ist plausibel
und überzeugt. Der umstrittene Antennenstandort liegt in der Wohnzone W3. Der
Antennenmast soll mittig auf dem Dach des zusammengebauten Mehrfamilienhauses
H._weg 8a erstellt werden. Es ist vorgesehen, am Antennenmast drei
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Antennenkörper (Panels) und drei Richtfunkantennen zu montieren. Der Antennenmast
überragt den Dachfirst um rund 7 m (ohne Blitzschutz).
Zwar liegt in der näheren Umgebung des Antennenstandorts das erhaltenswerte Gebäude
I._weg 6a. Seine ursprüngliche Umgebung wurde jedoch durch die späteren
Wohnüberbauungen und das ehemalige Altersheim praktisch vollständig zerstört. In der
nahen Umgebung des geplanten Anlagestandorts sind heute keine ortsbildrelevanten
Merkmale mehr auszumachen. Ein kohärentes und sensibles Ortsbild besteht im
Nahbereich des Antennenstandorts nicht. Die Auswirkungen der geplanten
Antennenanlage auf die nähere Umgebung sind daher gering. Daran ändert auch der
vorgesehene Kabelstrang der Antennen nichts. Das Gesagte deckt sich auch mit dem
Beschrieb im Bauinventar.23 Danach ist das Gebäude I._weg 6a nicht wegen
seinen ansprechenden architektonischen Qualitäten und Aussenräumen, sondern wegen
seiner historischen Bedeutung oder besser ortshistorischen Zeugeneigenschaft als
erhaltenswert eingestuft. Dieser Denkmalwert wird durch die ästhetischen Auswirkungen
der geplanten Antennenanlage offensichtlich nicht geschmälert. Hinzu kommt, dass
gemäss der Fotodokumentation der OLK die Mobilfunkantenne zusammen mit dem
erhaltenswerten Gebäude I._weg 6a nur vom schmalen Zugangsweg her aus der
Blickrichtung Südwest gleichzeitig in Erscheinung tritt.24 Dieser schmale Fussweg liegt auf
der rückwärtigen Seite des ehemaligen Altersheims auf einem privaten und nicht
öffentlichen Grundstück. Von einer Beeinträchtigung der Umgebung des Gebäudes
I._weg 6a vom öffentlichen Grund aus kann auch deshalb nicht gesprochen
werden.
i) Aus den Erwägungen folgt, dass das geplante Vorhaben mit dem Denkmalschutz
vereinbar ist. Die Beschwerde ist somit auch in diesem Punkt unbegründet.
5. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
23 Abrufbar unter: http://www.erz.be.ch/ Kultur / Denkmalpflege / Bauinventar online 24 Vgl. S. 2 oben der Fotobeilage der OLK zum Bericht vom 30. Juni 2015
http://www.erz.be.ch/
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erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG25). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4'000.00 je Beschwerde erhoben (Art. 19
Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV26). Die Pauschale wird vorliegend festgelegt auf insgesamt
Fr. 1'700.00. Für den Bericht der OLK vom 30. Juli 2015 wird in Anwendung von Art. 20
Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 500.00 erhoben. Die Kosten des
Beschwerdeverfahrens betragen somit Fr. 2’200.00.
b) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden grundsätzlich. Zu
berücksichtigen ist jedoch, dass aufgrund ihrer Beschwerde der vorinstanzliche Entscheid
mit einer Auflage ergänzt wird (Abnahmemessung weiterer OMEN). In diesem Punkt gelten
die Beschwerdeführenden als obsiegend und die Beschwerdegegnerin als unterliegend. Es
rechtfertigt sich deshalb, den Beschwerdeführenden sieben Achtel der Verfahrenskosten,
ausmachend Fr. 1'925.00, anzulasten. Die Beschwerdegegnerin hat einen Achtel der
Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 275.00, zu tragen.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Wie bereits ausgeführt unterliegen die
Beschwerdeführenden zu sieben Achtel; sie haben der Beschwerdegegnerin demzufolge
sieben Achtel der Parteikosten zu ersetzen. Die Beschwerdeführenden haben keinen
Anspruch auf Parteikostenersatz. Sie waren anwaltlich nicht vertreten.
Die Kostennote der Beschwerdegegnerin beläuft sich auf Fr. 4'072.70 (Honorar
Fr. 3'771.00, Mehrwertsteuer Fr. 301.70). Sie gibt grundsätzlich zu keinen Bemerkungen
Anlass. Die Beschwerdegegnerin ist jedoch mehrwertsteuerpflichtig27 und kann somit die
von ihrem Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
25 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 26 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 27 Siehe Unternehmens-Identifikationsnummer-Register, einsehbar unter: <https://www.uid.admin.ch>.
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Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich.
Nach Praxis des Verwaltungsgerichts ist deshalb die in der Kostennote des
Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer von Fr. 301.70 bei
der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.28 Die
Beschwerdeführenden haben somit der Beschwerdegegnerin sieben Achtel der
Parteikosten im Umfang von Fr. 3'771.00, ausmachend Fr. 3'299.60, zu ersetzen. Die
Beschwerdeführenden haften solidarisch für den gesamten Betrag.