Decision ID: 4cbcdbd1-a6a7-4df4-bd86-87d287d9fc82
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
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A.
A.a G._ war bei der A._ angestellt und dadurch bei der Suva unfallversichert, als
er 25. Juni 2007 beim maschinellen Aufrollen von Stoff auf eine Walze mit der rechten
Hand und dem rechten Arm in die Walze geriet. Er wollte eine Falte im Stoff mit der
Hand glätten, versuchte dabei vergeblich, die Walze mit dem linken Arm zu stoppen
und wurde vom Gesicht bis zum Oberkörper durch die Walzendrehung vom Stoff
umwickelt, bevor die Maschine gestoppt wurde (UV-act. 1, 11, 19). Die Erstbehandlung
des Versicherten erfolgte im Spital Heiden, wo eine Kontusion der rechten Schulter und
des Oberarms, eine Rissquetschwunde rechts retroauriculär, eine HWS-Kontusion und
eine Kontusion der rechten Hand festgestellt wurden (UV-act. 2). Die Suva anerkannte
ihre Leistungspflicht. Im Bericht vom 17. Dezember 2007 bestätigte die B._, dass der
Versicherte am 17. September 2007 die Arbeit wieder vollumfänglich aufgenommen
habe (UV-act. 4).
A.b Am 18. Juli 2008 meldete die Arbeitgeberin der Suva einen Rückfall zum Unfall
vom 25. Juni 2007 (UV-act. 8). Nach Durchführung von ärztlichen Behandlungen und
Abklärungen eröffnete die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom 22. Januar 2009,
dass kein sicherer oder wahrscheinlicher Zusammenhang zwischen dem Unfall und
den als Rückfall gemeldeten Beschwerden im Rücken, Nacken, im linken und im
rechten Bein sowie im linken Unterarm bestehe. Sie sei demzufolge nicht
leistungspflichtig (UV-act. 24). In der zu Protokoll erhobenen Einsprache gegen diese
Verfügung erklärte der Versicherte, er habe seit dem Unfall je länger je mehr
Schmerzen am ganzen Körper, welche vorher nicht vorhanden gewesen seien. Nach
dem Unfall habe er seine Beine nicht bewegen können; er habe darin kein Gefühl
gehabt. Es sei für ihn schwer zu begreifen, dass die Beschwerden nicht auf den Unfall
zurückzuführen seien (UV-act. 25; vgl. auch UV-act. 27). Mit Entscheid vom 9. Juni
2009 wies die Suva die Einsprache ab (UV-act. 30).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte am 6. Juli 2009
Beschwerde zu Protokoll mit dem Antrag, der Entscheid sei aufzuheben, und es seien
ihm für den am 18. Juli 2008 gemeldeten Rückfall zum Unfall vom 25. Juni 2007
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Unfallversicherungsleistungen auszurichten. Zur Begründung führte der
Beschwerdeführer aus, die bei ihm bestehende Symptomatik mit einer Polyneuropathie
und cervikalen und lumbalen Diskushernien mit Fussheberschwäche und
Peroneusneuropathie stehe aus seiner Sicht im Zusammenhang mit dem Unfall. Die
Beschwerden seien sofort nach dem Unfall aufgetreten und danach nicht mehr
abgeklungen. Dennoch habe er drei Monate nach dem Unfall die Arbeit wieder voll
aufgenommen und seither die volle Arbeitsfähigkeit beibehalten. Er habe seine
Arbeitsstelle nicht verlieren wollen. Der Umstand, dass er uneingeschränkt arbeite,
rechtfertige die Ablehnung der Unfallkausalität und der dadurch notwendig werdenden
Behandlungen nicht. Dr. med. C._ sei zur Unfallbedingtheit der Beschwerden/
Behandlungen zu befragen. Im Weiteren stehe er auch in Behandlung bei Dr. med.
D._. Auch dieser Arzt könne unter Umständen zur Unfallkausalität Auskunft geben.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 8. Oktober 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 9. Juni 2009. Zur Begründung verwies sie auf die
Darlegungen im angefochtenen Entscheid und führte unter anderem aus, sie habe im
Dezember 2007 aufgrund des Unfallereignisses, der Art der Verletzung, des günstigen
Heilungsverlaufs, den Angaben des behandelnden Arztes vom 17. Dezember 2007 (UV-
act. 4) und der Tatsache, dass es beim Beschwerdeführer lediglich zu einer
Arbeitsunfähigkeit bis 17. September 2007 gekommen sei, davon ausgehen dürfen,
dass keine Behandlungsbedürftigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit mehr auftreten
werde. Somit sei Ende Dezember 2007 von einem stillschweigenden Abschluss des
Grundfalls auszugehen gewesen. Es lägen keine Brückensymptome vor, die für die
Annahme einer Unfallkausalität genügten. Bei den Schmerzen im linken Bein handle es
sich nicht um unfallbedingte Beschwerden, da das linke Bein vom Unfall nicht betroffen
gewesen sei (UV-act. 11). Die im Juli 2008 erneut aufflackernden starken
Nackenbeschwerden und die übrigen Beschwerden, die zu einer neuen
Arbeitsunfähigkeit geführt hätten, seien unter dem Aspekt des Rückfalls zu beurteilen.
Auf die Beurteilung des Suva-Kreisarztes (UV-act. 17, 22) könne vollumfänglich
abgestellt werden. Der Beschwerdeführer sei umfassend abgeklärt und medizinisch
hinreichend dokumentiert, weshalb sich weitere Abklärungen nicht aufdrängen würden.
Zwischen der geltend gemachten Symptomatik mit einer Polyneuropathie, cervikalen
und lumbalen Diskushernien mit Fussheberschwäche und Peroneusneuropathie
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beidseits und dem Unfallereignis vom 25. Juni 2007 bestehe - wenn überhaupt -
lediglich ein möglicher Kausalzusammenhang. Sie sei somit nicht leistungspflichtig.
B.c Mit Replik zu Protokoll vom 26. Oktober 2009 bestätigte der Beschwerdeführer
seinen Standpunkt.
B.d Eine Anfrage des Versicherungsgerichts vom 3. Mai 2010 beantwortete Dr. med.
D._, FMH Anästhesiologie/FA Interventionelle Schmerztherapie, mit Schreiben vom
20. Mai 2010 (act. G 9, 10). Hierzu nahm die Beschwerdegegnerin am 15. Juni 2010
Stellung (act. G 12).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist, ob ein adäquat kausaler Zusammenhang zwischen den am 18. Juli
2008 als Rückfall gemeldeten Beschwerden und dem Unfall vom 25. Juni 2007 besteht.
Die Beschwerdegegnerin legte die rechtlichen Voraussetzungen des Bestehens einer
natürlichen und adäquaten Unfallkausalität und die diesbezüglichen
Beweisanforderungen im angefochtenen Entscheid (Erw. 1) zutreffend dar; darauf ist zu
verweisen.
1.2 Am 7. Januar 2008 berichteten die Ärzte der Klinik für Neurologie am
Kantonsspital St. Gallen, der Patient gebe klinisch nach wie vor eine Hypästhesie im
Bereich der Zehen II-IV an beiden Füssen an; Paresen im Bereich der unteren
Extremitäten, insbesondere die Grosszehenparese links, hätten nicht mehr
nachgewiesen werden können. Im MRI des Beckens und des Oberschenkels vom 7.
Dezember 2007 sei ein komprimierender Prozess im Bereich des Plexus lumbosacralis
sowie im Bereich beider Nerven ischiadici ausgeschlossen worden.
Elektroneurographisch habe sich wie in der Voruntersuchung vom 22. November 2007
hauptbefundlich das Bild einer beidseitigen, linksbetonten, motorischen, axonalen
Neuropathie des Nervus peroneus gezeigt. Zusammenfassend fänden sich chronische
und subakute neurogene Veränderungen im M. tibialis anterior links, die für eine länger
zurückliegende axonale Schädigung bzw. einen sich bereits im Gang befindenden
Reinnervationsprozess sprechen würden. Da in einem lumbalen MRI kein Hinweis für
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eine Wurzelkompression habe gefunden werden können und passend dazu auch in der
paraspinalen Elektromyographie vom 22. November 2007 keine pathologische
Spontanaktivität vorhanden gewesen sei, bleibe diese beidseitige axonale linksbetonte
Neuropathie des N. peroneus unklar. Für eine generalisierte Polyneuropathie
beständen in der aktuellen Untersuchung weder klinisch noch elektrophysiologisch
genügend Hinweise, insbesondere da sich die Parese im Bereich des linken Fusses
vollständig zurückgebildet habe. Auf eine weitere Diagnostik werde deshalb vorerst
verzichtet, aber eine weitere Verlaufskontrolle in sechs Monaten empfohlen (UV-act.
9.1). Gemäss Bescheinigung von Dr. med. E._, Allgemeine Medizin FMH, vom 28.
Juli 2008 bestand wegen muskulären Dysbalancen panvertebral eine volle
Arbeitsunfähigkeit ab 25. Juli 2008 und eine solche von 0 % ab 4. August 2008. Im
Bericht vom 28. Juli 2008 hielt der Arzt fest, die Psyche könne den Heilverlauf
ungünstig beeinflussen (UV-act. 6, 9). Dr. med. C._ bestätigte am 7. August 2008 die
Diagnosen von cervikalen Diskushernien (DH) C5/6 und C6/7 (fraglich traumatisch
bedingt), lumbalen Diskushernien (DH) L4/5 und L5/S1 mit Fussheberschwäche sowie
einer linksbetonten Neuropathie des N. peroneus (UV-act. 10). Gegenüber dem Suva-
Aussendienstmitarbeiter erklärte der Beschwerdeführer am 21. August 2008 unter
anderem, nachdem er die Arbeit am 17. September 2007 wieder aufgenommen habe,
seien vor allem die Nackenschmerzen bestehen geblieben. Die letzte Behandlung sei
am 3. Dezember 2007 erfolgt. Ganz schmerzfrei sei er zu jener Zeit im Nacken aber
noch nicht gewesen. Im Verlauf der weiteren Wochen habe er immer wieder etwas
Nackenschmerzen und Verspannungen gehabt. Wegen komischen Schmerzen im
ganzen linken Bein bis zum Fuss, Gefühlsstörungen in den Zehen beider Füsse und
teils auch Schmerzen in der LWS sei am 4. Januar 2008 noch eine Abklärung in der
Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen erfolgt. Wann diese Schmerzen
aufgetreten seien, könne er nicht mehr sagen. Die Behandlung sei über die
Krankenkasse gelaufen, denn das linke Bein habe er sich beim Unfall nicht verletzt. Die
Nackenschmerzen seien auch im Verlauf des Jahres 2008 bestehen geblieben. Auch
der Schmerz im linken Bein sei bestehen geblieben; dies bei längerem Stehen. Am
Morgen des 18. Juli 2008 sei er mit extremen Nackenschmerzen aufgestanden. Etwas
Unfallmässiges sei nicht passiert. Der Druck im rechten Oberschenkel/Hüftbereich sei
ebenfalls dagewesen. Der Nacken schmerze weiterhin. Wenn er länger sitze, trete im
Hüftbereich ein Schmerz auf. Beim Laufen bemerke er danach nichts mehr. Wenn er
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länger an Ort stehe, dann fühle sich das linke Bein irgendwie schwach an. Ab und zu
habe er auch etwas Schmerzen in der LWS. Er arbeite den ganzen Tag stehend/
gehend und müsse auch die Rollen ausspannen. Es würden Krane zur Verfügung
stehen. Die kleineren Rollen müsse er von Hand ein- und ausspannen (UV-act. 11).
1.3 Eine weitere Abklärung in der Klinik für Neurologie am Kantonsspital ergab
gemäss Bericht vom 17. September 2008 die Diagnose eines Verdachts auf
traumatische N. ischiadicus Läsion beidseits (peronealer Anteil) mit/bei Status nach
Arbeitsunfall vom 25. Juni 2007 mit Quetschungstrauma, neuropathischen Schmerzen
im Bereich der Beine und (differentialdiagnostisch) einer Polyneuropathie unklarer
Ätiologie. Die von dem Patienten angegebenen Schmerzen von brennendem und
stechendem Charakter würden, vor allem bei elektrophysiologisch nachweisbaren
axonalen Nervenläsionen der Nn. peronei und Nn. surales als neuropathische
Schmerzen beurteilt; es werde eine medikamentöse Therapierung empfohlen. Es sei
vorstellbar, dass es während des Arbeitsunfalls zu Quetschungen der Beine gekommen
sei, die wiederum axonale Schäden des N. ischiadicus verursacht hätten. Jedoch seien
sie (die Ärzte) über den genauen Unfallhergang nicht informiert, um hier eine eindeutige
Korrelation zu bestätigen. Um auch mögliche andere Ursachen einer Polyneuropathie
ausschliessen zu können, würden weitere Laboruntersuchungen empfohlen (UV-act.
13.2). Im Bericht der Klinik für Neurologie vom 21. Oktober 2008 wurde unter anderem
festgehalten, der Patient sei mit Verdacht auf eine vaskulitische Erkrankung DD F._
zugewiesen worden. In der folgenden stationären Abklärung hätten sich jedoch keine
diese Diagnose bestätigenden Befunde gefunden. Aufgrund der festgestellten Werte
und des klinisch unauffälligen Patienten hätten die konsiliarisch angeforderten
Rheumatologen keine Indikation zur Durchführung eigener Untersuchungen mehr
gesehen. Die ergänzenden Neurographien der oberen Extremitäten hätten keine
Hinweise auf eine Neuropathie ergeben. Das MRI der LWS habe degenerative
Veränderungen gezeigt, jedoch keine stenosierenden Prozesse oder Hinweise für eine
Radikulopathie. In einer komplikationslosen Lumbalpunktion hätten sich keine Hinweise
auf ein entzündliches ZNS-Geschehen ergeben. Allerdings habe sich im Labor ein
erniedrigter Wert für Vitamin B 12 gezeigt. Im physiotherapeutischen Assessment
hätten die Kopfschmerzen und Schmerzen des linken Armes durch manuelle Therapie
gut beeinflusst werden können; auch die Beinbeschwerden schienen durch
Physiotherapie besserungsfähig. Zusammenfassend habe die stationäre Abklärung
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keine Hinweise auf ein rheumatisches Geschehen ergeben. Inwiefern die wiederholt
postulierte traumatische Ursache der Ischiadicusläsion die Beschwerden bedinge oder
der Vitamin B 12-Mangel, müsse vorerst offen gelassen werden (UV-act. 14.1).
1.4 Im Bericht vom 11. November 2008 führte Suva-Arzt Dr. med. H._, Facharzt
FMH für Chirurgie, aus, seines Erachtens seien die Angaben des Beschwerdeführers
sehr unklar. Im Bericht des erstbehandelnden Spitals Heiden seien vorwiegend die
rechte Seite mit Kontusion im Schulterbereich, die Vorderhandquetschung rechts und
eine HWS-Distorsion erwähnt worden. Worauf diese beruht habe, sei nicht klar. Ossäre
Läsionen seien nicht vorgefunden worden. Eigentlich habe nach drei Monaten die
Arbeitsfähigkeit wieder erreicht werden können. Deutlich abgesetzt davon seien die
Beschwerden zunächst in beiden Beinen, dann linksbetont aufgetreten. In den
neurologischen Untersuchungen hätte keine eigentliche Ursache dafür gefunden
werden können. Die Symptomatik habe sich geändert, so dass er hier von einer
Ausweitungssymptomatik im Zusammenhang mit einer psychischen Problematik im
Sinn einer möglichen Belastungsstörung ausgehe. Einen direkten kausalen
Zusammenhang zwischen dem ursprünglichen Ereignis und den heute im Vordergrund
stehenden Beschwerden könne er nicht ausmachen. Für die Beschwerden in den
unteren Extremitäten lägen genügend Gründe (Diskushernien) vor. Eine traumatische
Läsion des Nervus ischiadicus durch den Einzug in die Abwicklungsmaschine sei für
ihn nicht erklärlich, auch wenn er diese Maschine nicht kenne. Es sei deshalb allenfalls
abzuklären, ob rein theoretisch ein starker Schlag gegen das Gesäss durch diese
Abwicklungsmaschine möglich gewesen wäre. Dies erkläre dann allerdings kaum die
Beidseitigkeit und den Wechsel der Symptomatik. Nach Vorlage der Abklärung müsse
dann definitiv über die Annahme eines Rückfalls entschieden werden. Tendenzmässig
sehe er jedoch eher eine Ablehnung (UV-act. 17). Am 26. November 2008 erklärte der
Beschwerdeführer dem Suva-Aussendienstmitarbeiter, die Nacken- und
Kopfbeschwerden sowie diejenigen am rechten Oberschenkel bzw. der rechten Hüfte
seien noch die gleichen, wie er sie am 21. August 2008 angegeben habe. Im linken
Bein habe er die meisten Beschwerden. Seit 6-7 Monaten habe er auch einen
Ausstrahlschmerz vom Nacken in den linken Arm, den er vor allem beim Liegen auf der
rechten Seite merke. Die Schmerzsituation schlage ihm auf die Psyche. Er wolle aber
weiter 100 % arbeiten; er könne es sich nicht leisten, den Job zu verlieren. Neben der
Medikamenten- und Vitamineinnahme gehe er einmal wöchentlich in die
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Physiotherapie. Eine ärztliche Behandlung laufe im Moment nur beim Hausarzt Dr.
C._ (UV-act. 19). In der Beurteilung vom 9. Dezember 2008 kam Dr. H._ unter
Verweis auf seine Stellungnahme vom 11. November 2008 zum Schluss, die
Echtzeitdokumentation des Spitals Heiden anlässlich der Erstbehandlung Ende Juni
2007 gehe von einer Kontusion der rechten Schulter und des rechten Oberarmes, einer
HWS-Distorsion und einer Kontusion der rechten Hand aus. Neurologische Störungen
hätten nicht festgestellt werden können. Die jetzt präsentierte Symptomatik stehe
deshalb, wenn überhaupt, nur möglicherweise in kausalem Zusammenhang zum
ursprünglichen Unfall (UV-act. 22).
2.
2.1 Der Fallabschluss hat in Form einer Verfügung zu erfolgen, wenn und solange die
(weitere) Erbringung erheblicher Leistungen zur Diskussion steht (BGE 132 V 412
Erw. 4 S. 417; Art. 124 UVV). Erlässt der Versicherer stattdessen nur ein einfaches
Schreiben, erlangt dieses in der Regel jedenfalls dann rechtliche Verbindlichkeit, wenn
die versicherte Person nicht innerhalb eines Jahres Einwände erhebt (BGE 134 V 145).
Standen zu einem bestimmten Zeitpunkt indessen keine Leistungen mehr zur Diskus
sion, kann ein Rückfall auch vorliegen, ohne dass der versicherten Person mitgeteilt
wurde, der Versicherer schliesse den Fall ab und stelle seine Leistungen ein. In dieser
Konstellation ist entscheidend, ob zum damaligen Zeitpunkt davon ausgegangen
werden konnte, es werde keine Behandlungsbedürftigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit
mehr auftreten. Dies ist im Rahmen einer ex-ante-Betrachtung unter Berücksichtigung
der konkreten Umstände zu beurteilen. Dabei kommt der Art der Verletzung und dem
bisherigen Verlauf eine entscheidende Rolle zu: Lag ein vergleichsweise harmloser
Unfall mit günstigem Heilungsverlauf vor, welcher nur während relativ kurzer Zeit einen
Anspruch auf Leistungen begründete, wird tendenziell eher von einem stillschweigend
erfolgten Abschluss auszugehen sein als nach einem kompliziert verlaufenen
Heilungsprozess. Andererseits ist der Leistungsanspruch unter dem Aspekt des
Grundfalls und nicht unter demjenigen eines Rückfalls zu prüfen, wenn die versicherte
Person während der leistungsfreien Zeit weiterhin an den nach dem Unfall
aufgetretenen Beschwerden gelitten hat bzw. wenn Brückensymptome gegeben sind,
die das Geschehen über das betreffende Intervall hinweg als Einheit kennzeichnen
(Urteil des Bundesgerichts vom 26. September 2008 i/S B. [8C_102/2008), Erw. 4.1 mit
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Hinweis). Brückensymptome liegen vor, wenn von allgemein üblichen, hin und wieder
auftretenden Beschwerden sich deutlich unterscheidende Beschwerden bestehen, die
eine gewisse Intensität und Konstanz haben (mehrmaliges Auftreten pro Monat), die die
Lebensführung nachweisbar nachhaltig beeinflussen und die ein nachweisbares
Absinken der Arbeitsleistung bewirken und den Patienten zu Selbsttherapie oder
ärztlicher/physiotherapeutischer Behandlung zwingen (Ramseier/Debrunner, Die
Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 64).
Als unmittelbare Folgen des Unfalls vom 25. Juni 2007, bei welchem der
Beschwerdeführer mit der rechten Hand und dem rechten Arm in eine Walze geriet
(UV-act. 1, 11, 19), wurden anlässlich der Erstbehandlung im Spital Heiden eine
Kontusion der rechten Schulter und des Oberarms, eine Rissquetschwunde rechts
retroauriculär (d.h. hinter dem Ohr), eine HWS-Distorsion und eine Kontusion der
rechten Hand vermerkt (UV-act. 5), wobei im späteren Bericht vom 26. Juli 2007
anstelle der HWS-Distorsion eine HWS-Kontusion angeführt wurde. Gestützt auf
Röntgenuntersuchungen (HWS, Thorax, rechte Schulter, Oberarm, Ellbogen, Hand,
rechter Unterschenkel, Becken in Übersicht) verneinten die Spitalärzte ossäre Läsionen
und bescheinigten eine unauffällige Hämodynamik und Neurologie (UV-act. 2, 5). Nach
dem Unfall bestand rund drei Monate lang (bis 16. September 2007) eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Danach nahm der Beschwerdeführer die vor dem Unfall ausgeübte
Tätigkeit wieder vollumfänglich auf und arbeitete bis und mit 18. Juli 2008 (UV-act. 11).
Von der B._ (Dr. I._) war am 17. Dezember 2007 bescheinigt worden, dass weitere
Behandlungen nicht geplant seien bzw. nur bei Bedarf stattfänden. Es bestünden zum
Teil noch Schmerzen in der HWS (UV-act. 4). Die Arbeitgeberin gab am 21. August
2008 an, der Beschwerdeführer habe bis 18. Juli 2008 ganz normal gearbeitet, jedoch
schon Wochen zuvor immer wieder über Rückenbeschwerden geklagt. Der
Beschwerdeführer selbst erklärte dem Suva-Aussendienstmitarbeiter gleichentags,
auch nach der letzten Behandlung am 3. Dezember 2007 habe er immer wieder
Nackenschmerzen und Verspannungen sowie Hinterkopfschmerzen gehabt. Er habe
teilweise Schmerztabletten genommen. Im Weiteren erwähnte er Schmerzen im
rechten Oberschenkel/Hüftbereich und im linken Bein sowie in der LWS (UV-act. 11).
Bei dieser Sachlage ist festzuhalten, dass nach dem 3. Dezember 2007 keine
intensiven Behandlungen mehr durchgeführt wurden und überdies eine unverminderte
Arbeitsleistung vorlag. Die im Januar 2008 durchgeführte neurologische Abklärung im
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Kantonsspital St. Gallen erfolgte im Wesentlichen wegen Schmerzen im linken Bein,
deren Unfallzusammenhang jedoch zu verneinen ist (vgl. nachstehende Erw. 2.2). Vor
diesem Hintergrund lässt es sich nicht beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
hinsichtlich der im Juli 2008 gemeldeten Beschwerden von einem Rückfall ausging.
Aber selbst wenn von einem fortdauernden Grundfall auszugehen wäre, müsste - wie
nachstehend zu zeigen sein wird - die Unfallkausalität für die Zeit ab Juli 2008 verneint
werden.
2.2 Die im Bericht der Klinik für Neurologie vom 7. Januar 2008 (UV-act. 9.1) und in
weiteren ärztlichen Bescheinigungen (UV-act. 13.2) thematisierten Beschwerden
bezogen sich auf die unteren Extremitäten (Beine, Zehen), welche nach Lage der Akten
vom Unfall vom Juni 2007 überhaupt nicht betroffen waren und erst mehrere Monate
nach dem Unfall (im November 2007) zu Vorabklärungen führten (vgl. UV-act. 9.1). Die
anamnestische Angabe im Bericht des Kantonsspitals vom 17. September 2008,
wonach die Schmerzen im Bereich beider Beine seit dem Unfall vom 25. Juni 2007
bestünden (UV-act.13.2), wird durch die unmittelbar nach dem Unfall erstellten Berichte
(UV-act. 2, 5) nicht bestätigt und kann daher nicht als belegt gelten. Die von den Ärzten
der Klinik für Neurologie am 17. September 2008 gemachten Feststellungen erfolgten
zudem - wie diese selbst anerkannten - ohne Kenntnis des genauen Unfallhergangs
(UV-act. 13.2). Auch der Beschwerdeführer selbst bestätigte im Übrigen, dass er sich
das linke Bein beim Unfall nicht verletzt habe (UV-act. 11 S. 2 oben). Weitere
Abklärungen ergaben sodann keine Hinweise auf eine Neuropathie bzw. auf ein
rheumatisches Geschehen (UV-act. 14.1). Die Schlussfolgerung von Dr. H._, wonach
- auch in Anbetracht der Änderung der Symptomatik längere Zeit nach dem Unfall
(Auftreten von Beinbeschwerden linksbetont) - ein kausaler Zusammenhang zwischen
dem Unfallereignis und den aktuell im Vordergrund stehenden Beschwerden
(Schmerzen am ganzen Körper, vor allem aber auf der linken Seite im Bereich der
dorsalen Oberschenkel bis in den äusseren Fussrand) nicht auszumachen sei (UV-act.
17), leuchtet vor dem geschilderten Hintergrund ein.
2.3 Auch für den in verschiedenen Berichten erwähnten lumbalen Bereich (LWS) und
der dort bestätigten degenerativen Veränderungen (UV-act. 6, 9, 9.1, 14.1) ist keine
Unfallbeteiligung bzw. -verletzung ersichtlich. Was die von Dr. C._ im Bericht vom
7. August 2008 angeführten cervikalen und lumbalen Diskushernien (DH) betrifft, ist von
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Bedeutung, dass die signifikante und dauernde Verschlimmerung einer
vorbestandenen degenerativen Schädigung der Wirbelsäule, hervorgerufen durch einen
Unfall, nur dann bewiesen ist, wenn die Radioskopie ein plötzliches Zusammensinken
der Wirbel sowie das Auftreten und Verschlimmern von Verletzungen aufgrund eines
Traumas aufzeigt (RKUV 2000, 45). Es entspricht einer medizinischen
Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien durch degenerative
Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise,
unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als
weitgehend unfallbedingt kann ein Bandscheibenvorfall lediglich dann betrachtet
werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine
Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie
(vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger
Arbeitsunfähigkeit auftreten. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich
ausgelöst, nicht aber (weitgehend) verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den
durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen
nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 3. Januar 2005 [U 332/03] Erw. 1 mit Hinweisen; ZBJV 1996 S.
489f; vgl. auch Ramseier/Debrunner, a.a.O., S. 54ff, insbesondere S. 56).
Für die Zeit unmittelbar nach dem Unfallereignis vom 25. Juni 2007 finden sich in den
Akten keine Diskushernien-Symptome vermerkt. Das Unfallereignis war angesichts der
dabei aufgetretenen Einwirkungen auf den Körper des Beschwerdeführers und der
daraus resultierenden Verletzungen (Kontusion der rechten Schulter und des
Oberarms, Rissquetschwunde rechts hinter dem Ohr, HWS-Distorsion bzw. -
Kontusion, Kontusion der rechten Hand; vgl. UV-act. 2, 5) überwiegend wahrscheinlich
auch nicht geeignet, für sich allein eine Bandscheibenschädigung zu bewirken. Ein
Anschlagen des Gesässes an der Walze während des Aufwickelns verneinte der
Beschwerdeführer (UV-act. 19). Wenn Dr. H._ in der Beurteilung vom 9. Dezember
2008 zum Schluss kam, dass die jetzt vorgebrachte Symptomatik mit einer
Polyneuropathie, cervikalen und lumbalen Diskushernien mit Fussheberschwäche und
Peroneusneuropathie beidseits in der Erstbeschreibung nicht aufgeführt worden sei
und der Beschwerdeführer keine direkte Kontusion im Becken- bzw. Gesässbereich
angebe, weshalb die jetzt präsentierte Symptomatik nur möglicherweise, wenn
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überhaupt, in kausalem Zusammenhang zum ursprünglichen Unfall stehe (UV-act. 22),
so erscheint dies nachvollziehbar und begründet. Dieser Schlussfolgerung
entgegenstehende radiologische Befunde oder ein plötzliches Zusammensinken der
Wirbel sind nicht ausgewiesen. Der Beschwerdeführer hatte im Übrigen neben den
Nacken- und Kopfschmerzen zu keinem Zeitpunkt über Beschwerden geklagt, welche
im Rahmen einer schleudertraumaähnlichen Verletzung typischerweise auftreten. Auch
hieraus liesse sich somit eine natürliche Unfallkausalität nicht herleiten.
Dr. D._ vermerkte in der Stellungnahme vom 20. Mai 2010, aus dem
Krankengeschichteeintrag von Dr. C._ vom 29. Mai 2009 gehe hervor, dass der
Patient anscheinend schon seit Jahren unter chronischen rezidivierenden
panvertebralen Beschwerden leide. 1998 sei auf der Neurologie des Kantonsspitals St.
Gallen die Diagnose eines Cluster-Kopfschmerzes gestellt worden. Ob ein eindeutiger
Zusammenhang zwischen dem angegebenen Beschwerdebild (linksbetonte Nacken-
und Kopfschmerzen sowie Schmerzen im gesamten Wirbelsäulenbereich) und dem
Unfall bestehe, könne nicht mit letzter Sicherheit bestätigt werden. Möglicherweise sei
es im Rahmen dieses Unfalls zu einer Dekompensation der degenerativ veränderten
Strukturen mit den aktuell beklagten Beschwerden gekommen (act. G 10). Gemäss
Bericht der Klinik für Neurologie vom 21. Oktober 2008 hatte ein MRI der HWS eine
Streckfehlhaltung und degenerative Veränderungen ergeben und ein MRI der
Wirbelsäule (L1-S4) unter anderem akzentuierte Degenerationen der Bandscheiben
sowie eine akzentuierte Diskushernie L4/5 bzw. L5/S1 ohne Nervenwurzelkompression
(act. G 10.3 S. 1 und 3, G 10.8). Ausgehend von der von Dr. D._ (als Möglichkeit) in
Betracht gezogenen Beschwerdeauslösung/Verschlimmerung durch den Unfall ist
festzuhalten, dass nach der einschlägigen medizinischen Literatur (Bär/Kiener,
Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule, Medizinische Mitteilungen Nr. 67
der Suva, S. 45ff; Bär, Zerrung, Verstauchung oder Prellung der Wirbelsäule. Ein
Update, Medizinische Mitteilungen Nr. 79 der Suva, S. 100ff) nach einem Unfall ohne
strukturelle Schädigungen der Wirbelsäule eine vorübergehende Verschlimmerung der
Beschwerden bei vorbestehenden degenerativen Veränderungen nach spätestens
einem Jahr, d.h. im vorliegenden Fall im Juni 2008, als abgeschlossen zu betrachten
wäre. Unter diesen Umständen könnten selbst bei (überwiegend wahrscheinlichem)
Zutreffen der von Dr. D._ erwähnten Möglichkeit die Beschwerden im lumbalen und
cervikalen Bereich für die streitige Zeit ab Juli 2008 nicht mit überwiegender
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Wahrscheinlichkeit weiterhin als adäquat kausal durch das Ereignis vom 25. Juni 2007
verursacht bzw. verschlimmert gelten. Weitere medizinische Abklärungen vermöchten
überwiegend wahrscheinlich nicht zu neuen oder "besseren" Erkenntnissen zu führen,
weshalb von solchen abzusehen ist.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 9. Juni 2009 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG