Decision ID: c26debfe-571a-5575-be7a-cab8feabe0f9
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Das Regierungsstatthalteramt Seeland bewilligte am 9. Juli 2013 den Neubau eines
Wohn- und Pflegeheims, bestehend aus den Häusern A und B, in dem sich auch
Alterswohnungen befinden (Parzelle Täuffelen Gbbl. Nr. D._). Anlässlich der
Bauabnahme stellte die Gemeinde zusammen mit der Fachstelle Hindernisfreies Bauen
Procap unter anderem Mängel beim hindernisfreien Bauen fest. Beanstandet wurden
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fehlende Markierungen auf der Treppe und auf den Glaswänden bzw. Glastüren,
ungenügende Kontraste bei den Beschriftungen auf der Etage, ungenügende Kontraste bei
den Befehlsgebern im Lift und auf der Etage, das Fehlen einer akustischen
Stockwerkansage im Lift sowie der Umstand, dass die Handläufe bereits beim
Treppenaustritt enden und im Treppenauge unterbrochen sind. Mit
Wiederherstellungsverfügung vom 2. Februar 2016 ordnete die Gemeinde − nebst
vorliegend nicht interessierenden Massnahmen − an, dass die erwähnten Mängel bis am
30. Juni 2016 zu beheben seien. Gleichzeitig drohte sie die Ersatzvornahme und eine
Busse bei Nichtbefolgung an.
2. Gegen diese Verfügung reichte die Beschwerdeführerin am 24. Februar 2016
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragt, die Wiederherstellungsverfügung sei aufzuheben soweit sie den unterbrochenen
Handlauf im Treppenauge, die fehlende akustische Ansage im Lift und den ungenügenden
Kontrast der Befehlsgeber in der Kabine und auf der Etage betreffe. Sie rügt insbesondere,
die angeordneten Wiederherstellungsmassnahmen könnten sich weder auf hinreichend
konkrete Auflagen in der Baubewilligung stützen noch auf eine gesetzliche Grundlage.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Es beteiligte die Grundeigentümerin
von Amtes wegen am Verfahren. Zudem gab es der Procap Gelegenheit zur
Stellungnahme, wovon diese mit Eingabe vom 16. März 2016 Gebrauch machte. Die
Gemeinde beantragt mit Stellungnahme vom 17. März 2016, die Beschwerde sei
abzuweisen. Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte reichte keine Vernehmlassung
ein.
4. Am 25. Mai 2016 führte das Rechtsamt in Anwesenheit der Beteiligten und eines
Vertreters der Procap einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die Parteien
erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und
Schlussbemerkungen einzureichen. Auf die Rechtsschriften und die Stellungnahme der
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Procap wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführerin ist Adressatin der Wiederherstellungsverfügung und durch die
Anordnungen beschwert. Sie ist daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
b) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Streitgegenstand kann nur sein,
was die Vorinstanz in dieser Verfügung geregelt hat. Innerhalb dieses Rahmens bestimmt
die Beschwerdeführerin, ob sie die gesamte Verfügung anfechten will oder nur Teile davon.
Vorliegend hat sie die Verfügung nur in Bezug auf die Wiederherstellungsmassnahmen
beim unterbrochenen Handlauf im Treppenauge, der fehlenden akustischen Ansage im Lift
und dem ungenügenden Kontrast der Befehlsgeber des Lift angefochten. Nur diese
Wiederherstellungsmassnahmen sind Thema des Beschwerdeverfahrens. Das Fehlen
eines beidseitigen Handlaufs und die Markierungen auf den Treppen und Glasscheiben,
welche die Procap anlässlich des Augenscheins als ungenügend bemängelt hatte, liegen
ausserhalb des Verfahrensgegenstands.
2. Auflagen
a) Erste Voraussetzung für Wiederherstellungsmassnahmen nach Art. 46 BauG ist,
dass ein unrechtmässiger Zustand besteht, sei es, dass ohne oder in Abweichung einer
Baubewilligung gebaut wurde oder sei es, dass bei der Ausführung des Bauvorhabens
Vorschriften missachtet wurden. Streitig ist, ob die Wiederherstellungsmassnahmen als
Auflagen in der Baubewilligung verfügt worden waren. Die Beschwerdeführerin bringt vor,
aus dem Fachbericht der Procap gehe nicht klar hervor, was genau verlangt werde. In
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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anderen Fällen habe die Procap durchaus klare Angaben gemacht. Die Gemeinde macht
geltend, der Detaillierungsgrad der geforderten Massnahmen könne in der Planungs- und
Ausführungsphase der SIA-Norm 500 entnommen werden.
b) Baubewilligungen können mit Bedingungen oder Auflagen verknüpft werden (Art. 29
Abs. 2 und Art. 38 Abs. 3 BauG). Auflagen sind Pflichten, die mit einer Baubewilligung
verbunden sind und die Hauptbestimmungen präzisieren.3 Auflagen müssen auf einer
gesetzlichen Grundlage basieren oder zumindest in einem engen sachlichen
Zusammenhang zur erteilten Bau- oder Ausnahmebewilligung stehen und verhältnismässig
sein. Verhältnismässig ist eine Nebenbestimmung nur dann, wenn sie zum Erreichen des
angestrebten Ziels erforderlich, geeignet und für den Bauherrn zumutbar ist.4
c) Der Fachbericht der Procap vom 6. März 2013 wurde im Gesamtbauentscheid vom
9. Juli 2013 als verbindlich erklärt. Der pauschale Verweis auf die SIA-Norm 500:2009
"Hindernisfreie Bauten"5, die im Fachbericht unter der Rubrik "Hinweise" als massgebend
erklärt wurde, stellt keine genügend konkrete Auflage dar. Es ist nicht gesagt, dass alle
Massnahmen im Einzelfall auch erforderlich sind, zumal von SIA-Normen regelmässig
abgewichen werden kann (vgl. SIA-Norm 500, Ziffer 0.2). Umstritten sind vorliegend
einerseits die unterbrochenen Handläufe. Die Beurteilung der Procap lautete "Soweit in
den Plänen ersichtlich i.O." und bei den "Auflagen/Einwände" heisst es: "Bei
Ausführungsplanung nebenstehende Beurteilungskriterien einhalten". Es kann
offenbleiben, ob ein solcher Verweis eine Auflage darstellt, da fortlaufende,
ununterbrochene Handläufe in der Rubrik Haupttreppen ohnehin nicht genannt wurden. Als
Kriterium aufgeführt wurden nur "beidseitige Handläufe". Beim Lift ("vertikale Zirkulation")
hat die Procap im Fachbericht einzig die Auflage "Kabinenmasse innen min. 1.10 x 1.40 m"
gemacht. Als Beurteilungskriterium sind "Befehlsgeber nach EN 81-706 und Anhang G"
genannt. Beim Verweis auf die EN-81-70 handelt es sich nicht um einen Globalverweis,
sondern auf einen bestimmten Teilbereich der Norm. Die Anforderungen an die
Befehlsgeber sind in Ziffer 5.4.1 und 5.4.2 der EN 81-70 geregelt und in Tabelle 2 konkret
aufgelistet. Daraus ist ersichtlich, dass die Tasten einen optischen Kontrast aufweisen
3 Tschannen/Zimmerli/ Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014, § 28 N. 90; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 29 N. 1 4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 15 ff. 5 Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein (SIA), SN 521 500, Ausgabe 2009 6 EN 81-70:2003 (SIA 370.070), Sicherheitsregeln für die Konstruktion und den Einbau von Aufzügen - Besondere Anwendungen für Personen und Lastenaufzüge - Teil 70: Zugänglichkeit von Aufzügen für Personen einschliesslich Personen mit Behinderungen
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müssen, der dort aber nicht definiert wird. Der als "informativ" klassierte Anhang G betrifft
nur Masse und Anordnung von übergrossen Tasten. Das Erfordernis eines bestimmten
Kontrastes ist somit nicht mittels Auflagen geregelt. Dass eine akustische Ansage der
Stockwerke erforderlich sein soll, lässt sich dem Fachbericht nirgends entnehmen.
d) Baugesuchspläne haben einen geringen Detaillierungsgrad, aus dem die
Installationen im Innenbereich nicht hervorgehen. Abgesehen von den Massen der
Liftkabine konnte die Procap im Baubewilligungsverfahren nicht beurteilen, ob die
Handläufe und die Ausgestaltung des Lifts den Anforderungen an hindernisfreies Bauen
genügen. Im vorliegenden Fall lassen sich die angeordneten
Wiederherstellungsmassnahmen nicht auf die Auflagen des Fachberichts der Procap
abstützen.
3. Gesetzliche Grundlagen für hindernisfreies Bauen
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die SIA-Norm 500 sei im Baugesetz nicht als
massgeblich erklärt worden und nur soweit anwendbar, als sie im BauG und der BauV7
über eine Grundlage verfüge. Die Gemeinde verweist demgegenüber darauf, dass nach
den Regeln der Baukunde gebaut werden müsse. Dabei seien auch die Normen und
Empfehlungen der Fachverbände zu beachten, wozu die SIA-Norm 500 zähle. Nur so sei
gewährleistet, dass die Benutzbarkeit von Publikumsbauten für Behinderte durchgesetzt
werden könne und Verletzungsgefahren vermieden würden. Eine ähnliche Auffassung
vertritt die Procap, die zudem auf das Diskriminierungsverbot verweist.
b) Auf Bundesebene bestimmt das BehiG8, dass Menschen mit Behinderungen, zu
denen auch ältere und gebrechliche Personen zählen, durch architektonische Hindernisse
nicht benachteiligt werden dürfen (vgl. Art. 1 BehiG). Das BehiG regelt nur Grundsätze und
überlässt es den Kantonen, diese im kantonalen Baurecht umzusetzen und zu
konkretisieren. Dabei dürfen die Kantone über die Minimalanforderungen des BehiG
hinausgehen (vgl. Art. 4 und Art. 5 i.V.m. Art. 1 Abs. 2 BehiG).9 Massgebend ist somit
7 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 8 Bundesgesetz vom 13. Dezember 2002 über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen (Behindertengleichstellungsgesetz, BehiG, SR 151.3) 9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 22/23 N. 4c; BGE 132 I 82 E. 2.3.2 und 2.3.3, in Pra 2006 Nr. 127
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primär das kantonale Baurecht. Nur soweit sich aus dem Bundesrecht weitergehende
Ansprüche ableiten lassen, ist dieses ergänzend beizuziehen und direkt anzuwenden.10
c) Nach Art. 22 Abs. 1 BauG sind Bauten und Anlagen nach Möglichkeit so zu
gestalten, dass ihre Benützung auch den Behinderten offen steht. Die Bauten sind
möglichst so zu gestalten, dass sie für ältere und für behinderte Personen gut erreichbar
und benützbar sind und keine vermeidbaren Verletzungsgefahren schaffen (Art. 85 Abs. 1
BauV). Diese Anforderung gilt für alle Bauten und Anlagen, unabhängig davon, ob es sich
um ein Gebäude mit publikumsoffenen Teilen oder um ein Wohngebäude handelt. Das
Baugesetz und die Bauverordnung zählen nur einzelne konkrete bauliche Massnahmen
auf, die bei einem Neubau zwingend berücksichtigt werden müssen, so ein
rollstuhlgängiger Zugang oder die Lifteinbaupflicht in Gebäuden mit vier oder mehr
Stockwerken (Art. 22 Abs. 3 und 4 BauG). Für Gebäude mit erheblichem
Publikumsverkehr, zu denen auch Heime zählen, ist bei der baulichen Gestaltung der
publikumsoffenen Gebäudeteile auf die Bedürfnisse behinderter Gebäudebenützer
Rücksicht zu nehmen (vgl. Art. 23 Abs. 1 Bst. c BauG und Art. 85 Abs. 2 Bst. c BauV). Die
publikumsoffenen Räume müssen rollstuhlgängig sein, es müssen gleitsichere
Bodenbeläge verwendet werden, wichtige Bedienungseinrichtungen (Türfallen, Schalter
und dergleichen) sind behindertengerecht anzubringen und auszuführen, es braucht
Toiletten für Rollstuhlbenützer und es soll möglich sein, Menschen im Rollstuhl an
Schalter- und Kassenanlagen zu bedienen (Art. 87 Abs. 1 und 2 BauV). Mit Ausnahme
einzelner punktueller Bestimmungen definiert das BauG und die BauV somit nicht, wie die
verlangten baulichen Massnahmen umzusetzen sind, damit die Gebäude für Menschen mit
Behinderungen benützbar sind und keine vermeidbaren Verletzungsgefahren geschaffen
werden. Soweit die SIA-Norm 500:2009 "Hindernisfreie Bauten" im bernischen Recht eine
gesetzliche Grundlage hat, kann sie als Stand der Technik bzw. Baukunde herangezogen
werden.11 Dies ist im Einzelnen zu prüfen.
d) Wenn es um die Vermeidung von Verletzungsgefahren geht (Art. 22 BauG und
Art. 85 BauV), ist zusätzlich Art. 21 BauG als Grundnorm für die Sicherheit von Bauten und
Anlagen zu beachten. Bauten und Anlagen sind so zu erstellen, zu betreiben und zu
unterhalten, dass weder Personen noch Sachen gefährdet werden. Bei der Erstellung sind
die anerkannten Regeln der Baukunde einzuhalten. Dazu verweist das Gesetz unter
10 VGE 231/2012 vom 4.9.2013, E. 3.1 11 Empfehlungen über die hindernisfreie Ausführung von Bauten und Anlagen, Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern, BSIG Nr. 7/721.0/19.1 vom 28. November 2012, Ziff. 3
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anderem auf die Vorschriften und Richtlinien der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) und ergänzend auf die Normen und Empfehlungen der
Fachverbände, wozu grundsätzlich auch die SIA-Normen gehören (vgl. Art. 57 Abs. 1 und
2 BauV). Der Verweis in Art. 57 Abs. 2 BauV betrifft aber vor allem Regeln und Normen zur
Konstruktion.12 Aus Art. 57 Abs. 2 BauV lässt sich daher nicht ableiten, dass die SIA-Norm
500 generell anwendbar wäre. Soweit sie aber Bestimmungen zur Sicherheit enthält, stellt
sie den Stand der Baukunde dar.
4. Handläufe
a) Bei den Treppen im Innenbereich (Haus A und B) wurden am Geländer Handläufe
montiert, die bereits beim untersten bzw. obersten Treppentritt enden. Um das
Treppenauge, d.h. beim Geländer auf dem Zwischenpodest bzw. auf dem Stockwerk, fehlt
ein Handlauf.13 Es stellt sich die Frage, ob dadurch vermeidbare Verletzungsgefahren
geschaffen wurden. Die SIA-Norm 500 enthält in Ziffer 3.6 Bestimmungen zu den Treppen,
die nicht nur die Benutzbarkeit, sondern auch die Sicherheit und Unfallprävention betreffen.
Die Normen von Ziffer 3.6 der SIA-Norm 500 können sich somit auf die gesetzliche
Grundlage von Art. 21 sowie Art. 22 Abs. 1 BauG stützen und sind bei Handläufen als
Stand der Technik bzw. Baukunde zu beachten.14
b) Nach Ziffer 3.6.4 der SIA-Norm 500 müssen die Handläufe den Treppenlauf an
beiden Enden um mindestens 0,30 m überragen und bei der Änderung der Laufrichtung
ununterbrochen weiterführen. Handlaufenden, die um mehr als 0,10 m frei in den Raum
ragen, müssen nach unten oder seitlich gekrümmt sein. Gleiches ergibt sich aus den
Fachbroschüren der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Auch die bfu empfiehlt
allgemein durchlaufende Handläufe über die gesamte Treppenlänge, und zwar nicht nur in
Gebäuden, die hindernisfrei erstellt werden müssen. Für Treppen bei Alterswohnungen
verweist die bfu ausserdem auf die SIA-Norm 500.15 Zur Vermeidung von
12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 21 N. 6 und 7 13 Vgl. Fotodokumentation des Augenscheins vom 25. Mai 2016, Fotos Nr. 5-8 14 Empfehlungen über die hindernisfreie Ausführung von Bauten und Anlagen, Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern, BSIG Nr. 7/721.0/19.1 vom 28. November 2012, Ziff. 3.4.4 15 bfu Fachbroschüre "Treppen", 2015, S. 4, 7; bfu-Fachdokumentation 2.120 "Sturzprävention in Alters- und Pflegeinstitutionen, 2013, S. 20, 24, 40, abrufbar unter www.bfu.ch
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Verletzungsgefahren hätte der Handlauf im vorliegenden Fall somit ohne Unterbruch um
das Treppenauge herumgeführt werden müssen. Es besteht ein unrechtmässiger Zustand.
Nicht relevant ist vorliegend, ob die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern
(GEF) das Heim besichtigt und die Betriebsbewilligung erteilt hat. Die GEF ist nicht
Baupolizeibehörde und beurteilt Alters- und Pflegeheime unter anderen Gesichtspunkten.
Für sie stehen konzeptionelle Aspekte, Betreuungsformen und Raumkonzepte im
Vordergrund. Das für den Neubau von Alters- und Pflegeheimen verbindliche
Richtraumprogramm16 enthält zwar auch bautechnische Anforderungen, diese betreffen
aber insbesondere Raumgrössen und deren Einrichtung bzw. Ausstattung.
c) Die Beschwerdeführerin beruft sich auf Art. 23 Abs. 3 BauG und macht geltend,
bestehende Bauten müssten erst bei ihrer Erneuerung oder bei wesentlichen Umbauten
angepasst werden. Vorliegend handelt es sich um eine andere Konstellation: Der
unrechtmässige Zustand wurde bei der Bauausführung, d.h. in Zusammenhang mit dem
Neubau geschaffen. Werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens Vorschriften
missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art. 46 Abs. 1 und 2
BauG). Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse liegen,
verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.17
d) Die Treppengeländer und Handläufe wurden in beiden Häusern identisch erstellt. Die
Wiederherstellungsmassnahme betrifft somit alle Handläufe in den Treppenhäusern. Die
Bauherrschaft kann sich nicht wirksam auf den Gutglaubensschutz berufen. Es darf
erwartet werden, dass sie die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen sowie die SIA-
Normen kennt und nach dem Stand der Technik baut. Zudem wurde die SIA-Norm 500 im
Richtraumprogramm der GEF als Minimalstandard vorausgesetzt.
16 Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern, Bau- und Umbauvorhaben in Alters- und Pflegeheimen des Kantons Bern: Vorgaben und Empfehlungen für Planung und Ausführung. Richtraumprogramm vom 10. Juni 2013, S. 11 und 20 17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1
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e) Die Beschwerdeführerin bringt vor, aufgrund der unterbrochenen Handläufe sei es
bisher noch nie zu Unfällen oder Verletzungen gekommen, es handle sich um eine nur
theoretische Unfallgefahr. Zudem sei bei Problemen geschultes Personal schnell zur
Stelle. Gemäss der bfu gehören Treppen zu den unfallträchtigsten Stellen eines Gebäudes.
"Beim Betreten und Verlassen eines Treppenlaufes stellt der Mensch von der ebenen
Gangart auf das Treppensteigen um. Kognitiv ist dies eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.
Wird sie nicht bewältigt, so kann es zum Sturz kommen." Als Ursache für Stürze nennt die
bfu unter anderem fehlende Handläufe.18 Was die bfu in genereller Weise festhält, gilt erst
recht für ältere und gebrechliche Menschen, die besonders sturzgefährdet sind, und für
Personen mit Sehbehinderungen.19 Wie der Vertreter der Procap am Augenschein
ausführte, müssen sich ältere oder sehbehinderte Personen ohne Unterbruch an einem
Geländer halten können. Beim Griffwechsel bestehe eine Sturzgefahr. Auch müsse man
sich bereits an einem Geländer halten können, bevor die Treppe beginne und bis sie
geendet habe.20
f) Wie anlässlich des Augenscheins erklärt wurde und auch festgestellt werden konnte,
werden die Treppen durchaus benutzt, und zwar von etlichen Bewohnern der
Alterswohnungen sowie von Besuchern.21 Ein durchlaufender Handlauf dient der
Unfallprävention, weshalb es nicht relevant ist, ob bereits Personen gestürzt sind. Bei
einem nicht fachgerecht erstellten Handlauf besteht eine reale Unfallgefahr, auch wenn sie
sich bisher nicht verwirklicht hat. Ein Sturz geschieht so schnell, dass herbei eilendes
Personal immer zu spät käme und nicht präventiv eingreifen könnte. Es ist allgemein
bekannt, dass Stürze gerade bei älteren Personen zu erheblichen Verletzungen führen
können, die sich oft entscheidend auf die weitere Lebensqualität und Selbständigkeit
auswirken.22 Die Wiederherstellungsmassnahme liegt daher im öffentlichen Interesse. Die
ununterbrochene Weiterführung des Handlaufs entlang der gesamten Treppe ist eine
geeignete Massnahme zur Herstellung des rechtmässigen Zustandes. Das Geländer ist
kein Ersatz für den fehlenden Handlauf. Zudem ist auch das Geländer beim Treppenauge
18 bfu Fachbroschüre "Treppen", 2015, S. 2 19 Protokoll des Augenscheins vom 25. Mai 2016, S. 10 20 Protokoll des Augenscheins vom 25. Mai 2016, S. 9 und 10 21 Protokoll des Augenscheins vom 25. Mai 2016 S. 10 22 Vgl. auch Aussage des Heimleiters anlässlich des Augenscheins, Protokoll S. 10; bfu-Fachdokumentation 2.120 "Sturzprävention in Alters- und Pflegeinstitutionen, 2013, S. 5 und 9
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kurz unterbrochen: das Geländerelement auf dem Zwischenpodest bzw. auf dem
Stockwerk steht rechtwinklig zu den Geländern entlang der Treppe und ist mit diesen nicht
verbunden. Tastet eine Person am Ende des Handlaufs nach dem Geländer, besteht die
Gefahr, dass sie die Hand zwischen den beiden Geländern einklemmt bzw. sich
verklemmt. Es besteht eine erhebliche Verletzungsgefahr, die vorliegend durch die
kantigen Geländerstäbe noch erhöht wird. Hinzu kommt, dass das Zwischenelement im
Treppenauge leicht wackelt, und damit zu Unsicherheit beiträgt.23 Es besteht auch die
Gefahr, mit Taschen oder Kleidern beim Handlauf hängen zu bleiben, da dieser weder
nach unten noch seitlich gebogen ist. Die Wiederherstellungsmassnahme ist daher
erforderlich.
g) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Nachrüstung der Handläufe würde
ungefähr Fr. 20'000.- kosten und sei nicht verhältnismässig. Auch eine Bauherrschaft, die
nicht gutgläubig gehandelt hat, kann sich auf den Verhältnismässigkeitsgrundsatz berufen.
Wirtschaftliche Interessen können in solchen Fällen aber kaum je ausschlaggebendes
Gewicht beanspruchen. Andernfalls würde die baurechtliche Ordnung weitgehend in Frage
gestellt.24 Angesichts der im Baugesuch genannten Baukosten von rund Fr. 21 Mio fallen
die Kosten für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes nicht ins Gewicht und
sind zumutbar. Die Beschwerde ist daher insoweit abzuweisen.
h) Die Frist für die Vornahme der Wiederherstellungsmassnahmen ist am 30. Juni 2016
abgelaufen. Sie wird neu angesetzt auf den 31. Oktober 2016 (vgl. Art. 46 Abs. 2 Bst. e
BauG).
5. Kontrast der Befehlsgeber und akustische Ansage in den Liften
a) Wichtige Bedienungseinrichtungen (Türfallen, Schalter und dergleichen) sind
behindertengerecht anzubringen und auszuführen (Art. 87 Abs. 2 Bst. b BauV). Für
sehbehinderte Personen sind gute Kontraste bei den Bedienelementen wichtig. Die SIA-
Norm 500 enthält dazu in Ziffer 4.3 Vorgaben, die aufzeigen, was unter einer
behindertengerechten Ausführung zu verstehen ist. Die Normen in Ziffer 4.3 der SIA-Norm
können sich somit ebenfalls auf eine gesetzliche Grundlage im bernischen Recht stützen.
23 Protokoll des Augenscheins vom 25. Mai 2016 S. 9; Fotos Nr. 5-8 24 BVR 1995 S. 522 E. 3a
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b) Von der Wiederherstellungsmassnahme sind die Befehlsgeber (Bedienelemente) in
der Liftkabine und aussen an der Haltestelle betroffen, und zwar bei sämtlichen Liften in
den Häusern A und B. Die inneren und äusseren Befehlsgeber des Liftes bestehen
vorliegend aus dem gleichen Material wie die umgebende Fläche, so dass es praktisch
keinen Kontrast gibt. Einzig die Notruftasten sind farblich abgesetzt. Die Procap wies
anlässlich des Augenscheins darauf hin, "Chromstahl auf Chromstahl" sei für Menschen
mit einer Sehbehinderung nicht wahrnehmbar.25 Es besteht somit auch hier ein
unrechtmässiger Zustand.
c) Beim mangelhaften Kontrast der Lifttasten steht die Benutzbarkeit des Lifts im
Vordergrund; Verletzungsgefahren werden damit nicht geschaffen. Wie die
Beschwerdeführerin und der Heimleiter nachvollziehbar darlegten, verursacht die
Bedienung des Lifts im Alltag keine Probleme. Der Lift wird häufig benutzt und es ist
ständig Personal anwesend, so dass Personen mit Sehbehinderungen jederzeit Hilfe
anfordern könnten. Dies gilt nicht nur für die Bewohner und Besucher, sondern auch für die
Kunden und Patienten der Dienstleistungsangebote (Arztpraxen, Physiotherapie, Coiffeur,
Fusspflege etc.), die auch öffentlich zugänglich sind. Die Lifte sind gut ausgeleuchtet,
zudem haben die Tasten in der Liftkabine eine Reliefschrift und sind damit ertastbar.26
Trotz mangelhaften Kontrasten der Lifttasten ist der Lift für Menschen mit Behinderungen
ohne weiteres benutzbar.
Nicht gut wahrnehmbar ist die Ruftaste des Lifts bei der Haltestelle auf der Etage. Die
Wahrnehmbarkeit der Lifttaste kann aber mit farbigen oder weissen Klebefolien verbessert
werden.27 Es handelt sich um eine einfache und günstige Massnahme, die zur Herstellung
des rechtmässigen Zustandes genügt. Ein Ersatz der Befehlsgeber ist somit nicht
erforderlich. Die Wiederherstellungsmassnahme ist dahingehend zu präzisieren, dass bis
am 31. Oktober 2016 mit Klebefolien Kontraste bei den Befehlsgebern auf der Etage
hergestellt werden müssen.
d) Die Gemeinde beanstandete weiter die fehlende akustische Stockwerkansage im Lift.
Das Erfordernis einer akustischen Liftansage ist im BauG bzw. der BauV nicht genannt. Es
25 Protokoll des Augenscheins vom 25. Mai 2016, S. 5, Fotos Nr. 1-3 26 Protokoll des Augenscheins vom 25. Mai 2016 S. 5 27 Protokoll des Augenscheins vom 25. Mai 2016 S. 7
RA Nr. 120/2016/14 12
ist daher nach den allgemeinen Grundsätzen von Art. 22 BauG zu prüfen, ob eine
Stockwerkansage für die Benützbarkeit oder zur Vermeidung von Verletzungsgefahren
erforderlich ist. Aus der SIA-Norm 500 ergibt sich dies nicht zwingend. Nach der SIA-Norm
500 sind bei den Bauten mit Wohnungen keine akustischen Liftansagen vorgeschrieben
(Ziff. 9.5). Bauten mit spezifischen Wohnnutzungen wie Wohnheime, Alterswohnungen etc.
zählen nach der SIA-Norm 500 ebenfalls zu den Bauten mit Wohnungen (Kategorie II)
(Ziffer. 1.3.3.2). Für sie gelten "weitergehende oder andere Anforderungen", die in der SIA-
Norm 500 aber nicht definiert sind. Sowohl nach BehiG wie auch nach dem bernischen
Recht müssen Massnahmen für hindernisfreies Bauen verhältnismässig sein. So sprechen
Art. 22 BauG und Art. 85 BauV davon, dass die Bauten und Anlagen "nach Möglichkeit"
bzw. "möglichst" so zu gestalten sind, dass sie auch für Behinderte benützbar sind.
Gemäss den BSIG-Empfehlungen28 bedeutet "nach Möglichkeit", dass eine Abwägung
zwischen den Interessen der Bauherrschaft am Vermeiden höherer Baukosten und den
Interessen der Behinderten an der Benützung der Bauten zu treffen ist. Nebst der Frage
der Kosten und Rentabilität sind dafür folgende Kriterien zu beachten: die Anzahl
Personen, welche das Gebäude benutzen oder die Dienstleistung in Anspruch nehmen, die
Bedeutung des Gebäudes für Menschen mit Behinderungen, die Publikumsorientiertheit
bzw. die Frage, wie weit die Menschen mit Behinderungen darauf angewiesen sind, die
betreffenden Räume aufsuchen zu können.
e) Auch bei der akustischen Stockwerkansage steht die Benützbarkeit des Lifts für
Menschen mit Sehbehinderungen im Vordergrund. Der grösste Teil der beiden Häuser
dient der Wohnnutzung, als Pflegezimmer oder Alterswohnungen. In beiden Gebäuden gibt
es einige Praxen bzw. Angebote, die auch externen Personen offenstehen (Arztpraxis im
Haus B; Physiotherapie, Kinesiologie, Fusspflege und Coiffeur im Haus A). Diese
publikumsoffenen Dienstleistungen haben allerdings eine untergeordnete Bedeutung bei
der Gesamtnutzung. Das Gebäude muss primär auf die Bedürfnisse der Bewohner des
Wohn- und Pflegeheims ausgerichtet sein. Für die betagten Bewohner ist eine akustische
Liftansage nicht erforderlich, zumal der Lift nur wenige Stockwerke erschliesst, rege
genutzt wird und kaum jemand alleine fährt. Die gebrechlicheren Bewohner benutzen den
Lift ohnehin nicht mehr allein. Selbst wenn jemand auf einem falschen Stockwerk
aussteigen sollte, besteht keine Verletzungsgefahr. Das Wohn- und Pflegeheim ist eine
eher "geschlossene Welt", in der man sich kennt und gegenseitig hilft. Die Betreuung ist
28 Empfehlungen über die hindernisfreie Ausführung von Bauten und Anlagen, Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern, BSIG Nr. 7/721.0/19.1 vom 28. November 2012, Ziff. 4.3.2.1
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rund um die Uhr gewährleistet. Den Personen mit Demenz oder anderen
Orientierungsschwierigkeiten würde auch eine akustische Ansage nichts nützen. Bleiben
somit Externe wie Besucher oder Kunden der öffentlichen Angebote. Da die optische
Stockwerkanzeige im Lift sehr gross ist,29 wären nur stark sehbehinderte Personen oder
Blinde auf eine akustische Anzeige angewiesen. Auch sie könnten aber auf die Hilfe von
Mitpassagieren zählen oder Hilfe beim Empfang anfordern. Die fehlende akustische
Ansage würde somit nur sehr wenige Einzelfälle betreffen. Andererseits könnte eine
akustische Ansage vom Personal, das den Lift häufig benutzt oder am Empfang arbeitet,
als lästig empfunden werden. Am Mittag, wenn die Bewohner ins Restaurant kommen, gibt
es immerhin bis zu 80 Liftfahrten. Zusammenfassend ist ein Lift mit akustischer Ansage
nicht erforderlich. Die Beschwerdeführerin war daher auch nicht verpflichtet, einen Lift mit
entsprechender Ausrüstung einzubauen. Insofern ist die Beschwerde gutzuheissen und die
Verfügung in diesem Punkt aufzuheben.
6. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 900.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV30). Für den Augenschein vom
25. Mai 2016 wird eine zusätzliche Gebühr von Fr. 300.– erhoben (Art. 20 Abs. 1 GebV).
b) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin zur Hälfte. Sie hat
daher Fr. 600.− der Verfahrenskosten zu tragen. Die restlichen Verfahrenskosten trägt der
Kanton (Art. 108 Abs. 2 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG).
29 Vgl. Fotodokumentation des Augenscheins vom 25. Mai 2016, Foto Nr. 4 30 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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c) Die Gemeinde hat der Beschwerdeführerin die Hälfte der Parteikosten zu ersetzen
(Art. 108 Abs. 3 VRPG). Da die Beschwerdeführerin mehrwertsteuerpflichtig ist,31 kann sie
die von ihrem Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich.
Nach neuer Praxis des Verwaltungsgerichts ist deshalb die in der Kostennote des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin aufgeführte Mehrwertsteuer bei der Bestimmung
des Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.32 Im Übrigen gibt die Kostennote des
Anwaltes der Beschwerdeführerin im Betrag von Fr. 4'419.50 (inkl. Auslagen) zu keinen
Bemerkungen Anlass. Die Gemeinde hat der Beschwerdeführerin somit einen
Parteikostenanteil von Fr. 2'209.75 zu leisten.