Decision ID: a6672aac-bf15-4e9b-96c0-a2ce10134bee
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte die Schweiz am (...). Juli 2022 um Asyl.
Anlässlich der Personalienaufnahme vom 25. Juli 2022 und der Anhörung
vom 19. August 2022 (SEM-Akten 1184236-12/14, nachfolgend A12) führte
er im Wesentlichen Folgendes aus:
Er sei algerischer Staatsangehöriger, sahrauischer Ethnie, in B._
geboren und im Dorf C._, Provinz Tiaret, aufgewachsen. Dort habe
er – mit diversen Unterbrüchen – zusammen mit seiner Familie bis zu sei-
ner Ausreise gewohnt. Er habe die Matura abschlossen, (...) Jahre am (...)
studiert, den Militärdienst absolviert und danach – ungefähr ab 2018 – als
(...) gearbeitet. Neben seiner Haupttätigkeit, habe er im Handel und als
(...) einen Zusatzverdienst erzielt. Aufgrund seiner Ethnie und insbeson-
dere wegen seiner Hautfarbe habe er sowohl an seinem Wohnort als auch
bei seiner Arbeit Probleme gehabt. So sei ihm etwa der Eintritt in Geschäfte
und Restaurants verwehrt worden. (...) habe er täglich niedrige Arbeiten
erledigen müssen, die nicht in seinen Aufgabenbereich gefallen wären und
er sei dauernd beleidigt oder beschimpft worden. Er habe dies lange ertra-
gen, da er keine Probleme habe machen wollen und auf das Geld ange-
wiesen gewesen sei. Im (...) 2021 habe er es aber nicht mehr ausgehalten
und gekündigt. Daraufhin habe er in anderen Provinzen nach Arbeit ge-
sucht. Es habe sich aber immer wieder dasselbe Muster wiederholt, was
er nicht mehr ertragen und ihn jeweils nach einem Monat zur Aufgabe sei-
ner Tätigkeit veranlasst habe. Seine Brüder und seine Mutter hätten weisse
Haut, nur er und sein Vater seien dunkler. Sein Vater habe die Demütigun-
gen ertragen können, er selbst nicht. Er habe zwei Mal Anzeige erstattet –
einmal gegen den Projektleiter und einmal gegen einen Nachbarn –, wo-
raufhin die Personen zu einer polizeilichen Anhörung vorgeladen worden
seien. Diese hätten jedoch alles abgestritten und mangels Beweisen habe
die Polizei die Sache nicht vor Gericht bringen können. Er habe psychische
Probleme bekommen und nach einem Selbstmordversuch Algerien am (...)
2022 verlassen. Er sei via Italien in die Schweiz gereist, wo er am (...) Juli
2022 angekommen sei.
Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts gab er zu Protokoll, er leide
aufgrund des Erlebten an psychischen Problemen und habe auf seiner
Reise über das Meer einen Schock erlitten. Ausserdem habe er nach sei-
ner Einreise in die Schweiz zwanzig Tage in Quarantäne ([...]) verbringen
müssen, was einen starken Einfluss auf sein psychisches Wohlbefinden
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gehabt habe. Er sei in Algerien für einen Monat in psychiatrischer Behand-
lung gewesen, habe sich dort aber nicht wohl gefühlt.
B.
Am 26. August 2022 erhielt der Beschwerdeführer von der Vorinstanz die
Gelegenheit, zum Entwurf des ablehnenden Asyl- und Wegweisungsent-
scheids Stellung zu nehmen. Mit Schreiben vom selben Tag (Eingang beim
SEM am 29. August 2022) informierte der Rechtsvertreter des Beschwer-
deführers das SEM, Letzterer sei nicht zum Besprechungstermin erschie-
nen, weshalb davon ausgegangen werde, dass er auf eine Stellungnahme
zum Entwurf verzichte.
C.
Mit Verfügung vom 30. August 2022 – gleichentags eröffnet – verneinte die
Vorinstanz das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz
und ordnete den Vollzug an. Sie beauftragte den Kanton Bern mit dem Voll-
zug der Wegweisung.
D.
Gleichentags legte die ihm zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat nie-
der.
E.
Gegen den Entscheid des SEM erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe
vom 28. September 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
und beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Prü-
fung seines Verfahrens in der Schweiz. Aus dem Fliesstext geht hervor,
dass er sinngemäss um Anerkennung als Flüchtling sowie um Gewährung
von Asyl und eventualiter um eine vorläufige Aufnahme wegen Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs ersucht.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Ausserdem sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu
erteilen.
F.
Mit Instruktionsverfügung vom 29. September 2022 bestätigte das Bundes-
verwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde und hielt fest, der Be-
schwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der
Schweiz abwarten.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist – unter nachstehenden Vorbehalten – einzutre-
ten.
1.5 Nicht einzutreten ist mangels Rechtschutzinteresses auf den Antrag
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung, weil diese der Be-
schwerde schon von Gesetzes wegen zukommt (Art. 42 AsylG i.V.m.
Art. 55 Abs. 1 VwVG) und von der Vorinstanz vorliegend nicht entzogen
wurde.
1.6 Nicht einzutreten ist im Übrigen auf den Antrag, das Asylgesuch sei in
der Schweiz zu prüfen, zumal das SEM auf dieses Gesuch eingetreten ist
und es geprüft hat. Es fehlt dem Beschwerdeführer folglich auch diesbe-
züglich an einem Rechtschutzinteresse.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz hielt in ihrem Entscheid vorab fest, dass die geltend ge-
machten Nachteile nicht physischer Natur und somit nicht direkt gegen Leib
und Leben gerichtet, sondern der Beschwerdeführer ausschliesslich ver-
balen Diskriminierungen und Benachteiligungen ausgesetzt gewesen sei.
Somit seien seine Vorbringen unter dem Aspekt des unerträglichen psychi-
schen Druckes, den solche Massnahmen bewirken könnten, zu prüfen.
Ohne seine individuelle Situation kleinreden zu wollen, könnten die vorge-
brachten Beispiele aus objektiver Sicht aber nicht als ernsthafte Nachteile
im Sinne des Asylgesetzes bezeichnet werden. Es sei ihm möglich gewe-
sen, eine Ausbildung bis hin zum Studium zu durchlaufen und eine Anstel-
lung zu finden. Diese Anstellung hätte weiter Bestand gehabt, wenn er sich
nicht selbst dazu entschieden hätte, zu kündigen. Auch auf der darauffol-
genden Stellensuche sei ihm durchaus Arbeit angeboten worden, leider
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aber unter seiner Qualifikation. Die Schikanen, die er im Alltag habe erlei-
den müssen, seien eher als geringfügig zu bezeichnen. Es werde nicht in
Abrede gestellt, dass die geltend gemachten Vorfälle psychisch belastend
sein könnten. Dennoch sei in Bezug auf ihre Intensität festzuhalten, dass
sie nicht als derart ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetztes be-
zeichnet werden könnten, die mit unmittelbaren Angriffen auf Leib, Leben
und Freiheit vergleichbar wären und demnach einen Verbleib im Heimat-
land vollständig verunmöglichten oder unzumutbar erschwerten. Sie wür-
den nicht über Nachteile hinausgehen, die weite Teile einer Bevölkerung
aufgrund spezifischer Persönlichkeitsmerkmale in ähnlicher Art und Weise
treffen könnten. Aus diesen Gründen hielten die Vorbringen den Anforde-
rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Rechtsschrift, dass er den
Entscheid "ungerecht" finde, da er in Algerien Rassismus erlebt habe. Dies
habe ihn moralisch und psychisch so sehr getroffen, dass er versucht habe,
sich das Leben zu nehmen. Der Zustand in Algerien sei für ihn unerträglich,
weshalb er als Flüchtling anerkannt werden müsse.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die gesuchsbegründenden Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen
vermögen. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift sind nicht geeignet,
die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu entkräften.
6.2 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, er habe seinen
Heimatstaat verlassen, weil er wegen seiner Hautfarbe und ethnischen Zu-
gehörigkeit anhaltend Diskriminierungen und Beleidigungen ausgesetzt
gewesen sei.
Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Schwierigkeiten, die er im
beruflichen und privaten Umfeld erfahren habe, wurden vom SEM zu Recht
als nicht ausreichend intensiv eingestuft, um als ernsthafte Nachteile im
Sinne des Asylgesetzes qualifiziert zu werden. Seine erste Stelle (...) hat
er eigenen Angaben zufolge verlassen, weil er die Diskriminierung nicht
mehr ausgehalten habe (vgl. A12 F71). Danach fand er zwar immer wieder
Arbeit, verliess diese Stellen aber jeweils nach kurzer Zeit wieder, weil er
sich benachteiligt gefühlt hat (vgl. A12 F74). Auch wenn es nachvollziehbar
ist, dass Beleidigungen von Arbeitskollegen, Vorgesetzten, Nachbarn und
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fremden Menschen für ihn belastend waren, erreichen diese kein flücht-
lingsrechtlich relevantes Ausmass. Die von ihm geltend gemachten Prob-
leme bei der Arbeit und im Alltag haben sein Leben zwar erschwert, es ihm
aber offenbar nicht verunmöglicht, eine menschenwürdige Existenz zu füh-
ren. Als ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes – worunter na-
mentlich eine Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie
ein unerträglicher psychischer Druck zu verstehen ist – können sie folglich
nicht eingestuft werden.
6.3 Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, eine im
Zeitpunkt seiner Ausreise aus Algerien bestehende oder gegenwärtig dro-
hende asylrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu
machen. Nach dem Gesagten hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
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grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Das SEM hielt hinsichtlich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs fest, dass weder die in seinem Heimatstaat herrschende politische
Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung
des Beschwerdeführers sprechen würden. Auch aus individueller Sicht
stünde nichts einer Rückkehr entgegen. Der Beschwerdeführer sei ein phy-
sisch gesunder junger Mann im arbeitsfähigen Alter. Er haben eine solide
Ausbildung mit abgeschlossenem Studium in der (...), sei als (...) tätig ge-
wesen und habe bereits wesentliche Arbeitserfahrungen sammeln können,
die ihm den Wiedereinstieg auf dem heimatlichen Arbeitsmarkt erleichtern
werde. Der Umstand, dass ihm oftmals nur eine Arbeit unter seiner Quali-
fikation angeboten worden sei, spreche nicht gegen die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs, zumal die existenzielle Sicherheit auch mit einer al-
ternativen Tätigkeit als dem gelernten Beruf gegeben sei. Ausserdem leb-
ten seine Eltern und seine Geschwister in Algerien. Seine Brüder seien alle
arbeitstätig, während seine Eltern eine Altersrente beziehen würden. Seine
Familie gehöre der finanziellen Mittelschicht des Landes an. Es könne von
einem intakten Verhältnis zu seiner Familie ausgegangen werden, weshalb
anzunehmen sei, dass diese ihm ebenfalls die notwendige Unterstützung
bei der Wiedereingliederung in der Heimat bieten könne. Aufgrund seiner
psychischen Belastung könne nicht auf das Vorliegen einer medizinischen
Notlage geschlossen werden. In Algerien könne er überdies wieder psychi-
atrische Hilfe in Anspruch nehmen. Auch die suizidalen Absichten ver-
möchten den Wegweisungsvollzug nicht als unzumutbar erscheinen las-
sen. Diesen wäre bei einem zwangsweisen Wegweisungsvollzug im Rah-
men der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen.
8.3.2 Der Beschwerdeführer erklärt, sein psychischer Zustand habe sich
seit der Eröffnung des angefochtenen Entscheides weiter verschlechtert
und er sei in psychiatrischer Behandlung. Er leide an Albträumen und
Schlafstörungen. Er sei ganz alleine, ohne Unterstützung und müsse sich
vom Erlebten erholen.
8.3.3 Die Ausführungen der Vorinstanz können vollumfänglich gestützt
werden. Der Beschwerdeführer hat ein stabiles familiäres Beziehungsnetz
im Heimatland, das ihn sowohl psychisch als auch finanziell unterstützen
kann (vgl. A12 F25 f. und F29 ff.). Es ist davon auszugehen, dass er auch
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in wirtschaftlicher Hinsicht wieder Fuss fassen kann, ist es ihm doch in der
Vergangenheit und trotz der geltend gemachten Schwierigkeiten immer
wieder gelungen, eine Arbeitsstelle zu finden. Wie das SEM ferner zu
Recht darlegt, hat er im Heimatland bereits psychiatrische Unterstützung
in Anspruch nehmen können (vgl. A12 F94). Es spricht nichts dagegen,
dass er dies bei einer Rückkehr wieder tun können wird.
8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos.
10.2 Der mit der Beschwerde gestellte Antrag auf Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu gelten haben.
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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