Decision ID: 5206ee76-cb40-4f59-8807-8812efad9e16
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a Am 18. Oktober 2010 meldete sich A._, der mit Verfügung vom 20. Juli 2010
eine Viertelsrente der Invalidenversicherung mit Wirkung ab 1. Mai 2008 zugesprochen
worden war (EL-act. 26), zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) bei der
Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen (EL-Durchführungsstelle) an (EL-act. 24). Der
Anmeldung lag unter anderem ein Protokoll der am 21. November 2001 durchgeführten
Schätzung betreffend das von der Versicherten und ihrer Familie bewohnte und in
deren Eigentum stehende Grundstück bei. Gemäss diesem beliefen sich damals der
Wert des Grundstücks auf Fr. 402’000.-- und der Ertragswert auf Fr. 20’720.-- (EL-
act. 27). Weiter lag der Anmeldung die Veranlagungsverfügung der Staats- und
Gemeindesteuern für das Jahr 2009 bei, in welcher ein Eigenmietwert von Fr. 14’756.--
angerechnet und der Vermögenswert des Grundstücks auf Fr. 467’000.-- (inkl.
Autoabstellplatz im Wert von Fr. 7’000.--) festgelegt worden war (EL-act. 30).
A.b Mit Verfügung vom 18. Februar 2011 wies die EL-Durchführungsstelle das
Gesuch um Ergänzungsleistungen ab (EL-act. 13). Der Verfügung lagen
Berechnungsblätter für die Zeiträume 1. August bis 31. Dezember 2008 (EL-act. 18),
1. Januar bis 31. August 2009 (EL-act. 16), 1. September bis 31. Dezember 2009 (EL-
act. 11–10 ff.), 1. Januar bis 31. Juli 2010 (EL-act. 15), 1. August bis 31. Dezember
2010 (EL-act. 14) und ab 1. Januar 2011 (EL-act. 17) bei, welchen sich entnehmen
lässt, dass unter anderem der Versicherten ein hypothetisches Erwerbseinkommen und
als Liegenschaftsertrag ein Betrag von Fr. 21’080.-- angerechnet worden waren.
B.
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B.a Am 21. März 2011 liess die Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom
18. Februar 2011 erheben und beantragen, dass ihr kein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet werde, da sie gemäss Verfügung der IV-Stelle als
nichterwerbstätige Hausfrau zu qualifizieren sei und ihr die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit angesichts ihrer Betreuungspflichten auch nicht zugemutet werden
könne (EL-act. 9). Am 21. April 2011 liess sie ergänzend darauf hinweisen, dass bei der
Berechnung der Einkommenssteuer für das Jahr 2009 lediglich ein Eigenmietwert von
Fr. 14’756.-- angerechnet worden sei, weshalb der bei der Berechnung des EL-
Anspruchs berücksichtigte Liegenschaftsertrag als überhöht zu qualifizieren sei (EL-
act. 6).
B.b Mit Entscheid vom 11. August 2011 wurde die Einsprache abgewiesen. Die
Qualifikation als nichterwerbstätige Hausfrau im Verfahren betreffend IV-Rente sei
lediglich hinsichtlich der Methodenwahl entscheidend, weshalb daraus nicht ohne
Weiteres folge, dass bei der Berechnung des EL-Anspruchs kein (hypothetisches)
Erwerbseinkommen zu berücksichtigen sei. Da die älteren beiden Söhne nicht einmal
mehr zum Mittagessen nach Hause kommen würden und die anderen Kinder einige
Tage pro Woche ebenfalls das Mittagessen auswärts einnehmen würden, sei die
Aufnahme einer Teilzeiterwerbstätigkeit zumutbar. Es sei daher zu Recht ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet worden. Bezüglich
Liegenschaftsertrag sei zu Recht auf die Schätzung vom 1. November 2001 abgestellt
worden (EL-act. 3).
C.
C.a Dagegen richtet sich die am 15. September 2011 erhobene und am 15. November
2011 ergänzte Beschwerde, mit welcher die Aufhebung des Einspracheentscheides
vom 11. August 2011 und die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur
Festlegung der Höhe der jährlichen Ergänzungsleistung beantragt und zur Begründung
im Wesentlichen ausgeführt wird, der Beschwerdeführerin sei die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zumutbar, und hinsichtlich des Liegenschaftsertrags sei auf den
Eigenmietwert gemäss Steuerveranlagung abzustellen (act. G 1 und G 5). Der
Beschwerdeergänzung lag unter anderem ein von der IV-Stelle in Auftrag gegebenes
psychiatrisches Gutachten der Dres. med. B._, Fachärzte FMH für Psychiatrie und
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Psychotherapie, vom 8. April 2010 bei. Darin waren eine gemischte schizoaffektive
Störung und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, emotional-
instabilen und schizotypen Zügen diagnostiziert und eine 40–50%ige Arbeitsunfähigkeit
als Hausfrau, eine mindestens 80%ige Arbeitsunfähigkeit als Arzthelferin und eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit für dem Leiden ideal angepasste Tätigkeiten attestiert
worden (act. G 5.2).

C.b Die Beschwerdegegnerin schliesst unter Verweis auf die Erwägungen des
angefochtenen Einspracheentscheides auf Abweisung der Beschwerde
(Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2011; act. G 7).
Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) sind bei der
Berechnung eines EL-Anspruchs unter anderem auch Einkünfte anzurechnen, auf die
verzichtet worden ist. Diese Regelung beruht auf der EL-spezifischen
Schadenminderungspflicht, wonach die versicherte Person ihren Existenzbedarf soweit
möglich und zumutbar aus eigener Kraft finanzieren muss (vgl. Ralph Jöhl,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., 2007, Rz. 173 und
266 f.). Schöpft ein Teilinvalider seine Restarbeitsfähigkeit nicht aus, ist ihm
grundsätzlich ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Für die
Anrechnung dieses Einkommens sieht Art. 14a der Verordnung über die
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV;
SR 831.301) spezifische Sonderregeln vor: So wird Invaliden unter 60 Jahren bei einem
Invaliditätsgrad von 40 bis unter 50 % mindestens der um einen Drittel erhöhte
Höchstbetrag für den Lebensbedarf von Alleinstehenden als Erwerbseinkommen
angerechnet (Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV). Vor Erlass dieser Verordnungsbestimmung
wurde das hypothetische Erwerbseinkommen von Teilinvaliden aufgrund der Umstände
des Einzelfalls ermittelt; da dies regelmässig mit umfangreichen Abklärungen und
schwierigen Ermessensfragen verbunden gewesen sei, entschloss sich der
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Verordnungsgeber, schematisch gewisse Mindestbeträge festzulegen (ZAK 1987,
S. 546). Die Rechtsprechung hat die Regeln gemäss Art. 14a Abs. 2 ELV bereits früh
und anschliessend konstant als widerlegbare Vermutungen qualifiziert (BGE 115 V 88),
was bedeutet, dass sich ihre Wirkung darin erschöpft, die Ermittlung des
hypothetischen Erwerbseinkommens von Teilinvaliden anhand schematischer
Vorgaben zu vereinfachen. Wenn nun aber in Art. 14a Abs. 3 ELV festgehalten wird,
diese Regeln seien nicht anwendbar, wenn die Invalidität von Nichterwerbstätigen
aufgrund von Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
festgelegt worden sei, wird damit offenbar trotzdem nicht die Ermittlung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens ohne schematische Vorgaben bzw. in
Anwendung der allgemeinen Regel von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG bezweckt. Der
Verordnungsgeber hielt nämlich in seinen Erläuterungen zu Art. 14a ELV fest: „Wenn
die Invaliditätsbemessung aufgrund von Art. 27 IVV erfolgt, entfällt logischerweise eine
Einkommensanrechnung“ (ZAK 1987 S. 546), was nur bedeuten kann, dass der
Verordnungsgeber gleichsam selbstverständlich davon ausging, Nichterwerbstätigen
sei kein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Das Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) hat Art. 14a Abs. 3 ELV offensichtlich ebenfalls so ausgelegt (BGE 117
V 202 E. 2c S. 206). Art. 14a Abs. 3 ELV – der auch im vorliegenden Fall grundsätzlich
zur Anwendung gelangen würde, da der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin
aufgrund von Art. 27 IVV festgelegt bzw. sie IV-rechtlich als Nichterwerbstätige
qualifiziert wurde – führt mit anderen Worten dazu, dass in spezifischen Fällen, in
denen von Gesetzes wegen an sich die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens zu prüfen wäre, diese Anrechnung generell ausgeschlossen ist.
Die Leistungsberechtigten werden damit von vorneherein von der Erfüllung ihrer EL-
spezifischen Schadenminderungspflicht entbunden, was gegen Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
verstösst. Die Bestimmung von Art. 14a Abs. 3 ELV erweist sich damit als
gesetzeswidrig, weshalb sie nicht angewendet werden darf.
1.2 Entgegen den Ausführungen der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
besteht kein Anlass zur Koordination zwischen dem Entscheid der IV-Stelle und jenem
der EL-Durchführungsstelle hinsichtlich der so genannten Statusfrage und des
zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommens. Eine Bindung der EL-
Durchführungsstelle an den Entscheid der IV-Stelle in diesen Punkten ist vielmehr
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abzulehnen. Zunächst ist nämlich zu berücksichtigen, dass die Leistungen der IV und
die Ergänzungsleistungen verschiedene Risiken abdecken: Während durch die IV die
gesundheitliche Validität versichert ist und insbesondere die IV-Rente die
gesundheitsbedingte Erwerbseinbusse angemessen ersetzen soll, beziehen sich die
Ergänzungsleistungen zu Renten der ersten Säule einzig auf das soziale Risiko der
Armut. Bei der Berechnung des EL-Anspruchs stellt sich mit anderen Worten nicht die
Frage, wie hoch die gesundheitsbedingte Erwerbseinbusse ist, sondern vielmehr jene,
ob und allenfalls in welchem Betrag die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren
Einnahmen übersteigen, und zwar unabhängig davon, aus welchen Gründen. Die Nähe
zu Fürsorgeleistungen ist nicht zu übersehen; die Qualifikation als
Versicherungsleistungen war ursprünglich ein Kniff des Bundesgesetzgebers, dem eine
Kompetenz zur Regelung von Fragen der Fürsorge fehlte (vgl. die Botschaft des
Bundesrates zum Entwurf des ELG vom 21. September 1964, BBl 1964 II 687 f.). Zwar
sehen auch Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) und Art. 8 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) vor, dass hinsichtlich der Statusfrage zu
prüfen ist, ob die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit der versicherten Person zugemutet
werden kann, doch nicht mit dem Gedanken, die versicherte Person damit dazu
anzuhalten, ihren täglichen Bedarf möglichst selbst zu bestreiten. Vielmehr geht es in
der IV in diesem Zusammenhang lediglich um die Bestimmung der für die
Invaliditätsbemessung anzuwendenden Methode. Hinzu kommt, dass gemäss
ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung hinsichtlich der Beantwortung der
Statusfrage bzw. der Methodenwahl nicht eine eigentliche Zumutbarkeitsbeurteilung
durchzuführen ist, sondern vielmehr lediglich danach zu fragen ist, ob und allenfalls in
welchem Ausmass die versicherte Person hypothetisch, d.h. ohne
Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (BGE
133 V 477 E. 6.3 S. 486 f. mit zahlreichen Hinweisen). Im Rahmen der Bemessung des
Invaliditätsgrades wird mithin überhaupt nicht danach gefragt, was der versicherten
Person hinsichtlich Aufnahme oder Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit zumutbar wäre;
vielmehr wird der Status lediglich aufgrund der wahrscheinlichsten Variante unter
Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse festgelegt. War eine versicherte
Person beispielsweise nie erwerbstätig, gibt sie an, auch ohne Gesundheitsschaden
keiner Erwerbstätigkeit nachzugehen, und spricht nichts dagegen, wird die versicherte
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Person als nicht erwerbstätig qualifiziert, und der Invaliditätsgrad wird gemäss Art. 27
IVV bemessen – unabhängig davon, ob der versicherten Person die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit zumutbar wäre, sie ohne Ausübung einer Erwerbstätigkeit ihren
Lebensbedarf überhaupt bestreiten könnte usw. Wäre die EL-Durchführungsstelle an
den so ermittelten Status gebunden, könnte sie die Verletzung der EL-spezifischen
Schadenminderungspflicht, den Existenzbedarf soweit als möglich und zumutbar aus
eigenen Kräften zu finanzieren, von vorneherein nicht sanktionieren. Kommt hinzu, dass
der EL-Durchführungsstelle (anders, als etwa den Einrichtungen der beruflichen
Vorsorge) die Rentenverfügungen der IV-Stelle nicht zugestellt werden – in aller Regel
auch gar nicht zugestellt werden können, da die Anmeldung zum Bezug von
Ergänzungsleistungen systembedingt stets erst nach Abschluss des IV-Verfahrens
erfolgen kann – und die EL-Durchführungsstellen entsprechend auch kein Rechtsmittel
gegen eine IV-Verfügung ergreifen können.
1.3 Im Übrigen ist den Materialien des Verordnungsgebers zu entnehmen, dass auch
dieser nicht von einer bindenden Übernahme des von der IV-Stelle ermittelten
Invalideneinkommens als von der EL-Durchführungsstelle anzurechnendes
hypothetisches Erwerbseinkommen ausging, und zwar unter Berücksichtigung der
Anmerkung, dass das von der IV-Stelle korrekt ermittelte Invalideneinkommen im
Rahmen der Berechnung des EL-Anspruchs zu stossenden Ergebnissen führen könnte
(ZAK 1987 S. 546). Schliesslich ist auf einen Entscheid des EVG hinzuweisen, der zwar
vor Erlass von Art. 14a ELV erging, aber dennoch aufzeigt, dass sich IV-Stelle und EL-
Durchführungsstelle von völlig verschiedenen Grundsätzen leiten zu lassen haben: In
Aufhebung des angefochtenen kantonalen Entscheids hielt das EVG fest, der als
Nichterwerbstätige qualifizierten Versicherten sei es angesichts des im
Aufgabenbereich ermittelten Invaliditätsgrades von 59 % zumutbar, als
Hausangestellte ein Einkommen in der Höhe von 41 % des Valideneinkommens zu
erzielen (ZAK 1983 S. 460). Die Versicherte wurde also IV-rechtlich als
Nichterwerbstätige qualifiziert; die Statusfrage wurde mit anderen Worten anhand des
„Ist- bzw. Wäre-Zustandes“ beantwortet, ohne Berücksichtigung der Auswirkungen
dieser Annahme auf die Fähigkeit der Versicherten, ihren Existenzbedarf aus eigenen
Kräften finanzieren zu können. Für die Berechnung des EL-Anspruchs wurde dagegen
– zu Recht – mit aller Selbstverständlichkeit davon ausgegangen, dass es der
Beschwerdeführerin zumutbar sei, die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit als Hausfrau
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erwerblich zu verwerten und ein entsprechendes Einkommen zu erzielen. Wäre Art. 14a
Abs. 3 ELV damals bereits in Kraft gestanden und hätte das EVG diese Bestimmung
nicht als gesetzeswidrig qualifiziert, hätte diese Zumutbarkeitsbeurteilung nicht
erfolgen und der Versicherten kein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet
werden dürfen. Dieses Ergebnis wäre offensichtlich stossend und auch juristisch nicht
überzeugend begründbar gewesen.
2.
2.1 Ob und allenfalls in welchem Betrag der Beschwerdeführerin ein hypothetisches
Erwerbseinkommen anzurechnen ist, ist nach dem Ausgeführten anhand der
Grundsätze von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zu prüfen (vgl. auch Jöhl, a.a.O., Rz. 192 bzw.
FN 645). Die Beschwerdegegnerin hat die Zumutbarkeit der Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit bejaht, wobei sie namentlich festhielt, einer solchen stünden die
Betreuungspflichten gegenüber den Kindern der Beschwerdeführerin nicht entgegen.
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, die Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit sei ihr aufgrund ihrer Betreuungspflichten nicht möglich.
2.2 Betreuungspflichten gegenüber Kindern können grundsätzlich der Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit tatsächlich entgegenstehen, eine solche mithin unzumutbar
machen (vgl. Jöhl, a.a.O., Rz. 183). Bei der Würdigung der Umstände des Einzelfalls
bietet es sich an, sich an den Kriterien des Familienunterhaltsrechts zu orientieren.
Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass die familienrechtliche
Zumutbarkeitsbeurteilung in Bezug auf die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit EL-
rechtlich nicht unbesehen übernommen werden kann, geht es doch nicht lediglich
darum, welchen Anteil die (geschiedenen) Ehegatten an den Unterhalt zu leisten haben,
sondern vielmehr darum, wie hoch die Unterstützung des Staates für eine Person sein
soll, die ihren Existenzbedarf nicht vollständig aus eigenen Kräften finanzieren kann.
Dies kann im Einzelfall eine erhöhte Zumutbarkeit als angezeigt erscheinen lassen.
2.3 Es liegt zwar ohne Weiteres auf der Hand, dass etwa einer Mutter, die kleine
Kinder zu betreuen hat und deren Ehemann vollzeitig erwerbstätig ist, die Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann. Fraglich ist hingegen, ob auch der
Beschwerdeführerin die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden
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kann, waren ihre Kinder doch im August 2008 bereits 15, 14, 12, 9 und 9 Jahre alt.
Gesamthaft befanden sich die Kinder demnach bereits im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Beginns eines EL-Anspruchs in einem Alter, das die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin nicht mehr ohne Weiteres hätte unzumutbar
erscheinen lassen (vgl. Heinz Hausheer/Annette Spycher, Unterhalt zwischen
geschiedenen Ehegatten, in: Heinz Hausheer/Annette Spycher (Hrsg.), Handbuch des
Unterhaltsrechts, 2. Aufl., 2010, Rz. 05.104). Allerdings ist nicht allein das Alter
insbesondere des jüngsten Kindes massgebend, sondern vielmehr auch die Anzahl der
zu betreuenden Kinder sowie allfällige Krankheiten, mithin der gesamthafte konkrete
Betreuungsbedarf (vgl. Heinz Hausheer/Annette Spycher, a.a.O., Rz. 05.106).
Vorliegend fällt dabei ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich fünf
Kinder zu betreuen hat, dass drei davon an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/
Hyperaktivitätsstörung leiden (vgl. act. G 5.2, S. 11 f.) und dass die Beschwerdeführerin
bereits mit den Aufgaben im Haushalt und der Kinderbetreuung alleine offensichtlich
überfordert ist, wobei diesbezüglich aus medizinisch-gutachterlicher Sicht eine 40–
50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (vgl. act. G 5.2) und die Beschwerdeführerin
seit Jahren auf Unterstützung Dritter angewiesen ist. Gesamthaft konnte ihr deshalb
sicherlich in den vergangenen Jahren die Aufnahme einer ausserhäuslichen
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden. Ob sich in Zukunft mit zunehmendem Alter
der Kinder eine andere Einschätzung aufdrängt, ist im vorliegenden Verfahren nicht zu
prüfen. Im hier massgebenden Zeitraum ist jedenfalls von der Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens der Beschwerdeführerin abzusehen. Insofern ist
der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben.
3.
Was den angerechneten Liegenschaftsertrag betrifft, so hat das Bundesgericht in
seinen zur Publikation vorgesehenen Urteilen 9C_501/2011, 9C_508/2011 vom
19. Dezember 2011 und 9C_495/2011 vom 23. Dezember 2011 aus Gründen der
Rechtsgleichheit mit überzeugender Begründung seine Rechtsprechung dahingehend
präzisiert, dass der nach kantonalem Steuerrecht gewährte Eigenmietwertabzug nicht
zu berücksichtigen ist. Der gemäss Art. 34 Abs. 3 des Steuergesetzes des Kantons
St. Gallen (StG; sGS 811.1) gewährte Abzug von 30 % ist deshalb bei der Berechnung
des EL-Anspruchs nicht zu berücksichtigen. Die anderslautende Praxis des
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Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen (vgl. etwa den Entscheid EL 2008/31
vom 10. März 2009, E. 2.5) ist entsprechend zu ändern. Wenn bei Veranlagung der
direkten Steuern ein Eigenmietwert von Fr. 14’756.-- angerechnet wurde, dann ist bei
der Berechnung des EL-Anspruchs ein solcher von Fr. 21’080.-- (= Fr. 14’756.-- ÷
70 %) anzurechnen. Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen
Einspracheentscheid bzw. in der diesem zugrunde liegenden Verfügung den korrekten
Wert angerechnet.
4.
Angesichts der Tatsache, dass das angerechnete hypothetische Erwerbseinkommen in
sämtlichen Zeiträumen, für welche der EL-Anspruch berechnet wurde, mehr als das
Anderthalbfache des ermittelten Einnahmenüberschusses beträgt, hat die
entsprechende Korrektur des angefochtenen Einspracheentscheides zur Folge, dass
aller Voraussicht nach ein Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung im gesamten
massgebenden Zeitraum zu bejahen ist. Der angefochtene Einspracheentscheid ist
daher aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zur
Berechnung des Anspruchs zurückzuweisen, was einer vollen Gutheissung der
Beschwerde gleichkommt. Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin gemäss Art. 61
lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) die Beschwerdeführerin mit einer Pauschale von Fr. 3’500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP