Decision ID: e791c63e-f8b8-4738-87fc-65fdc1e23936
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, verfügt über keine Berufsausbildung (
Urk.
11/23/10). In der Schweiz übte er ab dem Jahr 2006 diverse Hilfstätigkeiten in der Gastronomie, vorderhand als Hilfskoch, aus (
Urk.
11/10 und 11/12). Zuletzt arbeitete er ab September 2011 als Produktionsmitarbeiter in einer Grossbäckerei (
Urk.
11/2 und 11/11). Nach einem Arbeitsunfall am
2.
Februar
2013 (
Urk.
11/23/10 f.) meldete ihn sein Hausarzt,
Dr.
med.
Y._
, im Juli 2013 wegen einer Diskushernie zur Früherfassung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle)
,
an (
Urk.
6/2).
Im August 2013
füllte der Versicherte das Anmeldeformular
zum
Leistungsbezug aus (
Urk.
11/18).
1.2
Die IV-Stelle zog die Akten des Unfallversicherers, der Suva (
Urk.
11/48), sowie des Krankentaggeldversicherers, der
Swica
(
Urk.
11/67 und 11/51), bei. Zudem nahm sie Arztberichte zu den Akten (
Urk.
11/24), holt
e
einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK) ein (
Urk.
11/30) und liess den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) ein Belastungsprofil erstellen (
Urk.
11/45). Die wiederholten Versuche der IV-Stelle, eine berufliche Eingliederung an die Hand zu nehmen, schei
terten an der fehlenden Mitwirkung des Versicherten (
Urk.
11/31, 11/38 und 11/47).
Mit Verfügung vom 2
6.
November 2013
verneinte die Suva gestützt auf die kreisärztliche Kausalitätsbeurteilung vom 22. November 2013 ihre Leistungs
pflicht (
Urk.
11/41). Die
Swica
stellte ihre Taggeldleistungen mit Schreiben vom 2
3.
Januar 2014 per Ende Monat ein (
Urk.
11/52).
Schliesslich verneinte a
uch die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
6.
Juni 2014 sowohl einen Anspruch auf Arbeits
vermittlung als
auch
einen solchen auf
eine Invalidenrente
(
Urk.
11/77).
1.3
Im
Januar 2016
meldete sich der Versicherte
unter Beilage eines Berichts des
Zentrums
Z._
vom 2
8.
September 2015 (
Urk.
11/79
) erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/81). Diese holte einen aktuellen IK-Auszug (
Urk.
11/88) sowie Berichte der p
sychiatrischen
K
linik
A._
(
Urk.
11/89) und des
Z._
(
Urk.
11/92) ein, die sie dem RAD zur Pr
üfung vorlegte (
Urk.
11/107/3).
Hernach gab sie ein internistisches, neurologisches, orthopädisches und psychiatrisches Gutachten in Auftrag, das am 1
5.
September 2016 vom
I
nstitut
B._
erstattet wurde (
Urk.
11/102). Am 1
4.
September
2016
wurde der Versicherte am Ellbogen ope
riert (
Urk.
11/104 und 11/105/4). Basierend auf den RAD-Stellungnahmen vom
4.
Oktober und 21. November 2016 (
Urk.
11/107/4 f.) stellte die IV-Stelle dem Versicherten
wiederum eine Abweisung seines Leistungsbegehrens
in Aussicht (
Urk.
11/108). Dagegen liess der Versicherte durch die Sozialen Dienste der Stadt Zürich (
Urk.
11/114; Beendigung Mandat
Urk.
11/124)
wie auch
durch
die Bera
tungs
stelle für Ausländer (insbesondere
Urk.
11/118, 11/122, 11/130 und 11/137) unter Beilage neuer Arztberichte (
Urk.
11/121 und 11/136) Einwand erheben. Gestützt auf eine weitere Stellungnahme des RAD vom 1
8.
Oktober
2017
(
Urk.
11/138/3) verneinte die IV-Stelle mit
Verfügung vom 2
3.
Oktober
2017 erneut
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen oder eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte mit Eingabe vom 1
8.
November 2017 Beschwerde. Darin beantragte er,
es sei
ihm ei
ne Invalidenrente zuzu
spre
chen
(
Urk.
1).
Die
IV-Stelle
schloss
in der Beschwerdeantwort vom 2
7.
Dezember 2017 (
Urk.
10) auf Abweisung der Beschwerde und verzichtete im Übrigen auf eine Stellungnahme (
Urk.
10). Mit Verfügung vom
8.
Januar 2018 gewährte das Sozialversicherungsgericht dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung und stellte diesem die Beschwerdeantwort zu
(
Urk.
12). Mit Eingabe vom 24.
August 2018 (
Urk.
14) reichte er einen
neuen
Bericht des
Z._
ein (
Urk.
15), welcher d
er IV-Stelle zur Kenntnis
nahme zugestellt wurde
(
Urk.
16).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verwei
gert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwer
deverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenan
spruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3
Das
Sozialversicherungsgericht
hat
den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen um
fassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklag
ten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehl
ent
wicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setz
ung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medi
zinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsan
wendende Person sie prüfend nachvollziehen kann und ob der Experte nicht aus
zuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE
134
V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechts
pflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Freden
hagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
Es bleibt in Bezug auf Berichte behandelnder Arztpersonen bzw. Therapiekräfte auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
.
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begu
t
achtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätz
ungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundes
gerichts 8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, es sei vollumfänglich auf das
B._
-Gutachten ab
zustellen. Insbesondere bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwer
deführer für die Begutachtung eines Dolmetschers bedurft hätte. Die Stellung
nahme des
Z._
zeige keine neuen, objektiven medizinischen Tatsachen auf. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 14 % (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt indes dafür, er leide gemäss den Ärzten an zahl
reichen somatischen und psychischen Beschwerden. Auf das
B._
-Gutachten könne
nicht abgestellt werden. Die psychiatrische Exploration sei
mit 40 Minuten zu kurz gewesen.
Der Psychostatus fehle und die leichten und mittelschweren depressi
ven Episoden seien zeitlich nicht näher erörtert worden. Er sei als Kurde in der Türkei mehrmals verhaftet, geschlagen und bedroht worden und habe infolgedessen auch begonnen, Cann
abi
s zu konsumieren. Die Ärzte des
Z._
sowie der
A._
hätten daher eine schwere depressive Episode und eine posttraumatische Belas
tungsstörung
(PTBS)
diagnostiziert. Ferner sei er für das
B._
-Gutachten nicht bildgebend abgeklärt worden, während frühere Berichte eine «Wirbelkörper
kom
pression» bestätigt hätten (
Urk.
1).
3.
Die
Beschwerdegegnerin
hat den medizinischen Sachverhalt nach Eingang der Neuanmeldung
im
Januar 2016 (
Urk.
11/81) mittels des polydisziplinären
B._
-Gutachtens vom 1
5.
September 2016 (
Urk.
11/102) umfassend abgeklärt. Bei dieser Sachlage ist
n
icht mehr zu prüfen, ob die Verwaltung zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E 2b). Vielmehr ist materiell zu überprüfen, ob sie eine rentenrelevante Änderung des Invaliditätsgrades seit Erlass der letzten rechtskräftigen Verfügung vom 16. Juni 2014 (
Urk.
11/77) zutreffend verneint und das neue L
eistungsbegehren abgewiesen hat.
Bei Eingang der Anmeldung im Januar 2016 (
Urk.
11/81
-82
)
wäre
frühstmögliche
r
Renten
beginn
am
1.
Juli 2016 (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
4.
4.1
Die
B._
-Gutachter erläuterten
in der Gesamtbeurteilung
, der Beschwerdeführer
klage
über Probleme am rechten Arm und im Rückenbereich. Bei gleichzeitig
aus
geprägter funktioneller Überlagerung sei es schwierig, objektivierbare Befunde
herauszuschälen
(vgl. auch
Urk.
11/102/24 zweiter Abschnitt)
. In der orthopä
dischen Untersuchung habe das chronische
Lumbovertebralsyndrom
ohne wes
ent
liche ossäre Verände
rungen (ICD-10: M51.1) imponiert
.
Aufgrund
der neuro
logischen Untersuchung bestünden Hinweise auf eine intermittierende radikuläre Reizsymptomatik der Wurzel L5 rechts
bei
residuellem
radikulärem se
nsiblem Ausfallsyndrom der Wurzel L5 rechts. Gemäss Kernspintomographie vom Dezember 2013 könne ein Korrelat in der rechts lateralen
Diskusprotrusion
mit Einengung des
Rez
essus
bestehen. Weiter zu vermerken sei die wahrscheinlich druckbedingte proximale sensomotorische
Ulnarisneuropathie
(ICD-10: G56.2) rechts (dominant) mit objektivierbaren Folgeerscheinungen im Sinne einer Atro
phie des
Interosseus
dorsalis mit entsprechenden klinischen Hinweisen für eine Minderinnervation des
Ulnarisge
bietes
. Es sei fraglich, ob
die
vorgesehene Neu
rolyse – obwohl grundsätzlich indiziert – zum Erfolg führe. Aus dem Auftreten einer gelegentlichen Migräne (ICD-10: G43.0) könne keine dauerhafte Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden
(vgl.
Urk.
11/102/22: Dauer jeweils 1-2 Tage, seit vier Wochen
beschwerdefrei
)
. Es gebe zudem keine Hinweise, dass das Ereignis vom 2. Februar 2013 eine wesentliche Folgeerscheinung zerebral hinterlassen habe (
Urk.
11/102/26 f.).
Aus orthopädisch-neurologischer Sicht resultiere
e
ine Arbeitsunfähigkeit in schwe
ren
und anhaltend mittelschweren Tätigkeiten. In körperlich leichten bis nur selten mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeiten, ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne Zwangshaltung und mit der Möglichkeit für Posi
tionswechsel, bestehe eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der nach
voll
ziehbaren Schmerzsymptomatik könne aus neurologischer Sicht eine Ein
schrän
kung von 20
%
bei vermehrtem Pausenbedarf nachvollzogen werden. Aus anderweitiger somatischer Sicht würden keine wesentlichen, die Arbeitsfähigkeit tangierenden Befunde vorliegen (
Urk.
11/102/27).
4.
2
Ergänzend ist dem orthopädischen Teilgutachten zu entnehmen, im Bericht des
Z._
vom
8.
Januar 2015
werde
seitens des Bewegungsapparates
einzig
ein «
lumbo
-radikuläres Reizsyndrom L5 rechts» angeführt. Aus chirurgischer und orthopädischer Sicht würden an
der
zervikale
n
Wirbelsäule,
an den
Extremitäten und
den
Iliosakralgelenken keine relevanten Veränderungen festgehalten und
vom Rheumatologen
die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule als um 2/3 einge
schränkt beschrieben. Bei unterschiedlichen Angaben zum Neurostatus habe die Neurologin «
dermatomale
Hypästhesien
L4/L5/S1 rechts» genannt
. D
er Orthopäde
habe
so
dann
eine Verschlechterung
seit dem Jahr 2013
verneint, der Chirurg eine solche als «deutlich»
angegeben
und der Rheumatologe keine Stellung bezog
en
.
Aus orthopädischer Sicht seien
i
m Falle einer Besserung der Depression leichte Verrichtungen
als
mindestens halbtags möglich
, a
us chirurgischer Sicht l
eichte Tätigkeiten als zu 50
%
zumutbar beurteilt worden. Gemäss rheumatologischer Angabe «aus schmerztherapeutischer Sicht» sei indes eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit gegeben, während der Anäst
hesist für leichte Verrichtungen eine Arbeitsfähigkeit von 35
%
attestiert und für eine definitive Einschätzung auf einen Arbeitsversuch bzw. Belastungstest verwiesen habe. Die somatische Kon
sens
beurteilung habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ergeben. Diesen sehr widersprüchlichen Ei
nschätzungen könne
nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Untersuchung keinesfalls gefolgt werden. Dem Rheumatologen sei bezüglich einer Verkürzung der dorsalen Oberschenkelmuskulatur zuzustimmen, do
ch fehlten im Übrigen objektive
Angaben zu höhergradigen Einschränkungen des Bewegungsapparates (
Urk.
11/102/19 f.;
Z._
-Bericht
Urk.
11/102/29 ff.).
Im neurologische
n Teilgutachten wurde
darauf hingewiesen, dass die
Ulnaris
-Prob
lematik nach eigenanamnestischen Angaben seit Anfang Mai 2016 bestehe.
Vor allem feinmotorische Tätigkeiten mit der dominanten Hand seien nur ein
geschränkt möglich, wobei der Grad der Einschränkung mit 15
%
zu quanti
fi
zie
ren sei, diese aber nicht additiv zu den w
e
gen der Rückenproblematik attestierten wirke.
Der
neurologischen
Einschätzung des
Z._
einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
wegen eines
lumbo
-radikulären Reizsyndroms sowie einer Migräne könne nicht gefolgt werden (
Urk.
11/102/25).
4.3
Aus psychiatrischer Sicht sei eine rezidivierende depressive Störung zu diagnos
tizieren. Auf objektiver Ebene sei gegenwärtig eine leichte bis mittelgradige depressive Episode festzustellen (ICD-10: F33.0 bzw. F33.1). Die somatisch nicht ausreichend erklärbaren Befunde für die subjektiven Limitierungen und Be
schwer
den seien einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren (ICD-10: F45.41) zuzuordnen. Ohne Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit sei die Störung durch multiplen Substanzkonsum. Diese reduziere sich auf
Medikamente, auch Opioid-Medikamente, und einen Cannabis-Konsum. Die Arbeits
fähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht, vor allem aufgrund der depressiven Störung, zu 20
%
eingeschränkt (
Urk.
11/102/27).
4.4
Gemäss psychiatrischem Teilgutachten führt die Störung durch den Substanz
konsum seit dem 1
7.
Lebensjahr zu einer Verschlechterung der Depression (erhöhte Ermüdbarkeit, fehlende Motivation) und der Schmerzsymptomatik. Bei angegebenen Entzugssymptomen mit Schwitzen am Morgen sei von einer pri
mä
ren Substanzabhängigkeitsstörung auszugehen. Dem Beschwerdeführer könne aber jederzeit ein qualifizierter Entzug zugemutet werden. Allein das aggressive Verhalten gegen Personal und Mitpatienten in der
A._
beweise keine psychische Verhaltensstörung bei Substanzkonsum (
Urk.
11/102/12 f.). Ein irreversibler hirn
organischer Abbau sei nicht erwiesen (
Urk.
11/102/14). Opioid-Analgetika seien bei psychisch überlagerten Schmerzen nicht zu verordnen. Es empfehle sich ein stationärer Entzug. Ebenso sei
en
eine Cannabis-Abstinenz anzustreben und die Schlafhygiene zu beachten (
Urk.
11/102/14 f.).
Für die Diagnose einer PTBS sei ein emotionaler Rückzug mit Abstumpfung der Umgebung gegenüber oder Phasen von Erregtheit erforderlich. Hingegen pflege der Beschwerdeführer soziale Kontakte in der Umgebung und mit seiner Familie. Zudem habe er nach den schlimmen Erlebnissen in der Heimat mit voller Leistung arbeiten können (
Urk.
11/102/13 f.).
Im Übrigen erledige der Beschwerdeführer weiterhin seinen Haushalt und koche für sich. Er habe auch nach wie vor Kontakte, wenn auch nicht viele, weil viele Bekannte seine anhaltende Arbeitsunfähigkeit nicht verstehen würden. Er gebe zudem selber zu, durch das Fehlen einer Arbeit beeinträchtigt zu sein, keine Tages
struktur bzw. keinen Rhythmus mehr zu haben (
Urk.
11/102/15).
4.5
Damit bestehe beim Beschwerdeführer aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeits
unfähigkeit für schwere und andauernd mittelschwere Tätigkeiten. Ein genaues Arbeitsprofil für die letzte Arbeit liege nicht vor, so dass die Arbeitsunfähigkeit für diese nicht sicher bestätigt werden könne. In körperlich leichten bis selten mittelschweren, adaptierten Tätigkeiten bestehe hingegen eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
. Das Pensum könne vollschichtig mit erhöhtem Pausenbedarf umgesetzt werden. Die Einschränkungen aus somatischer und psy
chiatrischer Sicht würden sich ergänzen, nicht addieren. Es könnten die gleichen Zeitabschnitte für Pausen und Erholung genutzt werden. Aufgrund der anam
nes
tischen Angaben, gutachterlichen Untersuchungsbefunde,
Vorakten
und früher attestierten Arbeitsunfähigkeiten könne eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in diesem Ausmass über die Zeit gemittelt seit Februar 2013 angenommen werden (
Urk.
11/102/27).
Der Beschwerdeführer halte sich für gänzlich arbeitsunfähig, was aufgrund der objektivierbaren Befunde weder somatisch noch psychiatrisch nachvollziehbar sei. Die deutliche funktionelle Überlagerung erschwere therapeutische Massnah
men und Wiedereingliederungsbemühungen ausserordentlich. Zu kontrollieren sei bei indizierter Gabe eines Antidepressivums die Compliance der Medikamen
teneinnahme, zumal Mirtazapin offenbar nicht eingenommen werde und Amitri
p
tylin keinen wirksamen Serumspiegel aufweise (vgl. ferner Urk. 11/102/7). Beruf
liche Massnahmen könnten aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung keine vorgeschlagen werden (
Urk.
11/102/27 f.).
5.
5
.1
Im Bericht des
Z._
vom 1
7.
Juli 2018 nahmen diverse Fachärzte unter Einbezug der
Vorakten
zum Verlauf der Beschwerden und der Arbeitsfähigkeit sowie
zu
den Abklärungen und Behandlungen seit
dem Bericht
vom
8.
Januar 2015 Stellung
.
Dabei interessieren zunächst die somatischen Beschwerden.
5.2
5.2.1
Der Wirbelsäulenchirurg hie
lt fest
, seit dem Unfall im Febr
uar 2013 mit Commotio cerebri kom
me es bis zu dreimal pro Monat zu intensiven Kopf
schmerzen, die bis zu drei Tage anhalten würden. Diese hätten die typischen Merkmale einer Migräne. Neurologisch hätten sich keine Hinweise für eine organische Ursache ergeben (vgl. auch
Urk.
15 S. 3: unauffälliges MRI des Neu
rocraniums). Es sei an eine traumatische Ursache im Sinne einer Triggerung durch den Unfall zu denken. Therapeutisch könnten die üblichen Analgetika eingesetzt werden. Bei ungenügender Wirkung sei, falls man sich dazu entscheide, ein Triptan sinnvoll (
Urk.
15 S. 2).
Ab März 2016
habe der Beschwerdeführer über weniger Gefühl an der rechten Hand und in der Folge
über
Schmerzen am kleinen und am Ringfinger mit teilweise schmerzhafter Schwellung und eingeschränkter Beweglichkeit geklagt. Die neurologische Untersuchung habe eine sensomotorische Parese des
Nervus
ulnaris
rechts ergeben, der eine Druckschädigung im
Sulcusbereich
zugrunde liegen dürfte. Die motorische Leitgeschwindigkeit des Nervs sei daselbst deutlich verlangsamt gewesen. Wegen persistierender Beschwerden habe
Dr.
D._
am 4. September 2016 eine Neurolyse mit submuskulärer Vorverlagerung durch
ge
führt. Daraufhin hätten sich Gefühl und Kraft normalisiert (
Urk.
15 S. 2).
Schliesslich seien im Oktober 2017 am rechten Mittelfinger
zerviko
-radikulär bedingte Schmerzen aufgetreten. Betroffen sei das Segment C7 rechts. Motorische Ausfälle fänden sich keine, das MRI der Halswirbelsäule vom 3
1.
Oktober 2017 sei denn auch ohne Hinweis auf eine Wurzelkompression (
vgl.
im Detail
Urk.
15 S.
5 oben). Der Befund der Sensibilitätsstörung mit belastungsabhängigen Be
schwer
den sei unklar. Gemäss
Dr.
C._
handle es sich um
zerviko
-radikuläre Beschwerden.
Dr.
D._
sei zum Schluss gekommen, es könnte sich um ein dyna
misches Karpaltunnelsyndrom bei
zerivko
-radikulär bedingter Sensibilitätsstö
rung des Mittelfingers handeln. Er habe eine
Maframanschette
für die Nacht verschrieben. Bezüglich einer Dekompression des
Nervus
medianus sei
Dr.
D._
zurückhaltend. Er erwarte davon keine wesentliche Besserung und das Risiko für ein postoperatives komplexes regionales Schmerzsyndrom erscheine ihm erhöht (
Urk.
15 S. 2 und 7
;
zum Verlauf dieser Beschwerden
Urk.
15 S. 7
; zum MRI
-Befund der rechten H
and
vom
Juni 2018
Urk.
15 S. 3).
5.
2.2
Ferner
zeigte sich gemäss
Z._
-Bericht i
m MRI vom 14. September 2015 eine
breitbasige
rechtsbetonte Hernie L4/5 mit kleiner zystischer Degeneration para
zentral rechts und bilateraler, rechtsbetonter
rezessaler
Einengung mit vermuteter Reizung von L5
rezessal
beidseits rechtsbetont.
Er
sichtlich war
auch
eine
breit
basige
Diskusprotrusion
L5/S1 ohne Kontakt zu neuralen Strukturen. Es zeigte sich
zudem
eine rechtsbetonte Facettengelenksarthrose mit kleinen
synovialen
Zysten dorsal an der Facette L5/S1 und L2/
3.
Der Befund im zweiten MRI vom 3
0.
Januar 2017 wurde als weitgehend stationär beurteilt
(Ur
k
. 15 S. 3, detailliert
S. 4 f.).
Aus orthopädischer Sicht wurde
dazu angemerkt
, gemäss
Dr.
E._
von
F._
habe aufgrund des MRI
von
2013 eine deutliche Kompression L5 bei Diskushernie L4/5 bestanden (
Urk.
15 S. 7;
ferner
Urk.
11/121).
Zur Behand
lung
wurde angegeben
, der Beschwerdeführer nehme Targin, das er gut vertrage, und
Saroten
ein. Nicht vertragen habe er eine orale Kortison-Therapie. Es seien zwei Infiltrationen in die Lendenwirbelsäule und
sacral
erfolgt, die nur kurzzeitig gewirkt
hätten
und schlecht vertragen (Schwindel, Appetitlosigkeit
) worden seien. Die wöchentlich durchgeführte
Physiotherapie helfe wenig (
Urk.
15 S. 7).
5.
3
5.3.1
Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht wurde geschlussfolgert, die Arbeit in einer Bäckerei könne entsprechend den chronischen lumbalen Schmerzen mit objek
tivierbaren chronischen radikulären Schäden nicht mehr zugemutet werden. In eine rückenschonende Arbeit sei eine Wiedereingliederung mindestens halbtags zumutbar, wobei die neuropsychologischen Limiten zu berücksichtigen seien (
Urk.
15 S.
8). Von einer Nervenwurzeldekompression sei nach dem langen Ver
lauf keine Besserung zu erwarten (
Urk.
15 S. 9; zu weiteren orthopädischen Be
fun
den folglich ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
Urk.
15 S. 5 f.).
5.3.2
Der Wirbelsäulenchirurg des
Z._
kam zum Schluss
, einerseits sei der Beschwer
deführer aufgrund der vor allem belastungsabhängigen ausgeprägten Beschwer
den im Bereich des rechten Armes, diffus und vor allem in den Bereichen des Oberarmes medial und des rechten Zeigefingers, funktionell stark eingeschränkt. Andererseits bestehe ein ausgeprägtes
zerivkozephales
Schmerzsyndrom mit der bekannten Migräne sowie ein starkes
lumbovertebrales
Syndrom mit Ausstrah
lung ins rechte Bein, so dass ihm bis auf
W
eiteres keine Tätigkeit zuzumuten sei (
Urk.
15 S. 8).
5.3.3
Aus anästhesiologischer Sicht wurde
im
Z._
-Bericht
eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit empfohlen (
Urk.
15 S. 8).
5.4
5.4.1
Die
Ulnaris
-Problematik
, welche
vorab
die Feinmotorik
der rechten Hand
ein
schränk
te, trat demnach
frühestens im März
2016 auf und
konnte entgegen der gutachterlichen Erwartungen
durch die
Operation im September 2016, die gemäss Operateur zu einer Arbeitsunfähigkeit des rechten Armes während acht bis zehn Wochen führte (
Urk.
11/105/4),
geheilt
w
erden
.
Erst im Oktober 2017 traten
neue
Hand- respektive Armbeschwerden auf, für
di
e trotz eingehender Abklärung
derzeit
von einem unklaren Befund
ausgegangen wird
bzw.
für die
lediglich eine Verdachtsdiagnose besteht.
Diskutiert wird
eine
zerviko
-radikulär bedingte Sensi
bili
tätsstörung bzw. Beeinträchtigung des
Nervus
medianus.
Demnach
bestand bis
Oktober 2017 und damit
i
m Beurteilungszeitraum der angefochtenen Verfü
gung
keine
länger
andauernde (
und
nach Einschätzung der
B._
-Gutachter
auch keine
höhergradige) Arbeitsunfähigkeit
infolge eines invalidisierenden,
nicht kurzfristig behandelbaren
Hand-/Armleidens.
5.4.2
Nachvollziehbar keine Arbeitsunfähigkeit wurde dem Beschwerdeführer von den
B._
-Gutachtern
infolge
der Migräne attestiert. Es konnte weder ein organisches Korrelat festgestellt werden, noch ist behandlungsanamnestisch ein erheblicher Leidensdruck ausgewiesen, wie auch die im jüngsten
Z._
-Bericht
aufgezeigten, bisher offenbar nicht beanspruchten
Behandlungsoptionen belegen. Dazu passt die angegebene Häufigkeit von nur wenigen Tagen pro Monat mit teils längerer Beschwerdefreiheit
(vgl. auch
Urk.
11/102/30)
. Eine r
elevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
lässt sich damit von vornherein nicht begründen
.
5.4.3
Schliesslich wurden im
jüngsten Bericht des
Z._
aktuelle
re
Bilddokumente der Lendenwirbelsäule berücksichtigt. Eine relevante Veränderung wurde da
bei
nicht ausgewiesen, sondern weiterhin eine Reizung der Nervenwurzel L5 «vermutet». Neue Aspekte, die das Ergebnis der orthopädischen oder neurologischen Begut
achtung
zu den Rückenbeschwerden
in Frage stellen würden, ergeben sich also nicht. Vielmehr wurde selbst vom behandelnden Orthopäden trotz der chroni
schen lumbalen Schmerzen eine Arbeitsfähigkeit
– wohlwollend über die untere Limite
definiert
–
von
«mindestens halbtags
»
in einer rückenschonenden Tätigkeit bestätigt. Der
behandelnde
Wirbelsäulenchirurg schloss zwar auf eine volle Arbeitsunfähigkeit, berücksichtigte hierbei aber zusätzlich und vorrangig die
seit Oktober 2017 erneut bestehenden
Hand-
/
Armbeschwerden sowie das
zerviko
ze
ph
ale
Schmerzsyndrom mit Migräne.
Ähnliches gilt
übrigens
für die
einzige
neurologische Beurteilung
des
Z._
im
Bericht vom
8.
Januar 201
5.
Bei der damals attestierten vollen
Arbeitsunfähigkeit aus neurolog
ischer Sicht
wurden
neben dem
lumbo
-radikulären Reizsyndrom
auch
die
M
igräne
und
offenbar
zahl
reiche nicht-neurologische Diagnosen
berücksichtigt, wie
die
d
amalige Konsens
beurteilung
einer
Arbeitsunfähigkeit v
on 50
%
aus somatischer
Sicht
naheleg
t
(vgl.
Urk.
11/102/34).
5.5
D
ie (zumindest
vordergründig)
diskrepanten Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit
in Bezug auf die somatischen Besch
we
rden
h
aben
ihren Ursprung
also
weder in abweichenden somatischen Befunden noch
in
massgeblichen diagnostischen Diffe
renzen
.
Abgesehen davon, dass
nach dem
vorstehend
Ausgeführten unbe
achtliche
Diagnosen
in die Beurteilungen der
Z._
-Ärzte einflossen, stellt sich somit
das gängige Problem, dass zwischen ärztlicher Diagnose und
attestierter
Arbeitsunfähigkeit letztlich
auch bei
somatisch dominierten Leiden keine Korre
lation besteht, weshalb die medizinische Folgenabschätzung notwendigerweise eine hohe Variabilität aufweist und unausweichlich Ermessenzüge tr
ägt (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1).
Nachdem
gewisse
MRI-Befunde
vorhanden sind,
b
ehandlungsanamnestisch
(Infi
l
trationen, orale
Kortisonstherapie
und
hoher Schmerzmittelkonsum
) ein
gewisser
Leidensdruck
ausgewiesen
ist und der Beschwer
deführer heute auf die frühere
n
sportliche
n
Betätigung
en
(vgl.
Urk.
11/102/8,
11/102/10 und 11/102/16: Schwimmen
, Box-Sack, Joggen) verzichtet,
haben die
B._
-Gutachter
in Würdi
gung der geklagten Beschwerden und
Vorakten
nachvollziehbar das
Belastungs
profil
an das Rückenleiden
angepasst
und
ein um 20 %
verminderte
s
Rendement
infolge eines erhöhten P
ausenbedarf
s festgestellt.
6.
6.1
6.1.1
Bezüglich der
psychiatrische
n
Beurteilung beanstandete
Dr.
med.
G._
vom
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, in seiner Stellungnahme zum
B._
-Gutachten vom 14. September 2017
vorab
, dass in der 40-minütigen Exploration nicht alle Beschwerden hätten erfasst werden können. Zudem sei der Beschwerde
führer ohne Dolmetscher mit komplexeren Inhalten deutlich überfordert, weshalb von Missverständnissen auszugehen sei. Die Beschwerdeaufnahme finde
sich im
«Psychostatus nach AMDP», ein gutachterlich erhobener psychopathologischer Befund fehle.
Zudem nehme der
Beschwerdeführer die Medikamente in der Regel ein, doch habe deren Anzahl ihn dazu bewogen, dies teilweise nicht zu tun. Eine regelmässige Einnahme sei
aber auch
nicht erforderlich, würden
Saroten
und Mirtazapin nur als Schlafmedikation eingenommen; auch Lyrica erfordere nicht zwingend eine regelmässige Einnahme (
Urk.
3
Ziff.
1, 2 und 5).
6.1.2
Dazu ergänzte er
, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2004 unschuldig 45 Tage wegen des Verdachts auf Doppelheirat in Untersuchungshaft gesessen sei. Dabei sei zweimal versucht worden, ihn unter
Gewaltanwendung
auszuschaffen
. Eine zweite nachhaltige Traumatisierung sei durch den Unfall im Februar 2013 geschehen. Beide Traumatisierungen hätten zu Flashbacks (alle 2 Tage bzw. täglich), deutlichem Vermeidungsverhalten (Angst vor Intrusionen und Triggern) sowie
hyperarousal
(Schweissausbrüche, Herzrasen und Nervosität) geführt. Richtigzustellen sei, dass der Beschwerdeführer begleitet wohne, es finde nicht nur einmal wöchentlich eine Betreuung statt. Davor sei er zwei Monate obdachlos gewesen. Er wiege zudem nicht 74 kg, sondern 56 kg (
Urk.
3
Ziff.
3 und 4).
6.1.3
A
ufgrund der deutlich depressiven Stimmung (teil
s
kaschiert mit Cannabis
,
in
kom
plette
r
Selbstheilungsversuch), des Interessenverlustes und der vollstän
digen Antriebsminderung, des Verlusts des Selbstvertrauens, der Schuldgefühle
bei
Arbeitsunfähigkeit, der Konzentrationsstörungen, der Vergesslichkeit (Termine, Herd) und Appetitminderung, da keine Agitiertheit bestehe und der Beschwerde
führer nur drei bis vier Stunden durchschlafe, seien die Symptome einer rezi
divierende
n
depressiven Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Sy
mptome (ICD-10: F33.2) erfüllt.
Ebenfalls
bestehe eine
chronifizierte PTBS (ICD-10: F43.1). So sei der Beschwer
deführer in der Kindheit massiv durch seinen Vater bedroht worden. In der Jugendzeit habe er nach Demonstrationen Gewalt (schlagen) auf der Polizei
station erlebt. Im Jahr 1999 sei er in Istanbul zusammengeschlagen worden. Er habe alle zwei bis drei Wochen deutliche Flashbacks (nachts und tags
)
, ziehe sich zurück in die Cannabiswelt und leide an
H
yperarousal
(Angst
und Herzrasen). Statt diese
Kriterien zu erfragen, habe der Gutachter vorgebracht, es müss
t
e
n
ein emotionaler Rückzug mit Abstumpfung gegenüber der Umgebung oder Phasen von Erregtheit v
orhanden sein (
Urk.
3
Ziff.
5).
6.1.4
Dr.
G._
kam zum Schluss, d
er Beschwerdeführer sei aufgrund der neuropsy
chologisch bestätigten Depression und des Leistungsbildes – auch in angepassten Tätigkeiten – voll arbeitsunfähig
.
Während ca. einer Woche pro Monat könne er den Alltag bewältigen, kurze Strecken Auto fahren
(
vgl. indes
Urk.
3 S.
2: Fahrausweis aus Vernunftgründen abgegeben)
und ca. 30 Minuten spazieren. In
den restlichen drei Wochen helfe ihm die Spitex (Einkaufen, Mithilfe beim Kochen
) und er komme kaum aus dem Haus.
Er
könne keine schweren, einseitigen oder längeren Tätigkeiten ausführen, vertrage keinen Stress und keinen Publikums
verkehr (
Urk.
3
Ziff.
8).
6.2.
6.2.1
Im Bericht des
Z._
vom 1
7.
Juli 2018 wurde in «psychosomatischer» Sicht konstatiert, es bestünden eine depressive Stimmung, Lust- und Interessenlosigkeit sowie ein verminderter Antrieb. Hinzu kämen ein Gefühl der Wertlosigkeit und Verlust des Selbstvertrauens wie auch Schuldgefühle (Arbeit) und vage Gedanken an den Tod. Deutlich seien die Vergesslichkeit und
die
Konzentrationsstörungen (ca. 5 Min. lesen). Der Beschwerdeführer sei zudem leicht unruhig, habe Ein
schlafprobleme, schlafe nur drei bis vier Stunden durch (vgl. auch
Urk.
15 S. 3: viel Lärm, Bettwanzen) und habe infolge der Appetitlosigkeit 17 kg abgenommen (
Urk.
15 S. 6 f.). Diese depressive Störung habe sich im Verlauf mit mittelgradiger bis schwerer Ausprägung gezeigt. Zuletzt habe im Juni 2015 eine schwere de
pressive Episode vorgelegen, die stationär in der
A._
behandelt worden sei (
Urk.
15 S.
2).
Testpsychologisch resultiere eine schwere Depression, die unter Berücksichtigung einer gewissen Grundaktivität als mässig zu beurteilen sei (
Urk.
15 S. 8).
Der Beschwerdeführer erfülle zudem die Kriterien einer PTBS. Als kurdischer Aktivist sei er in der Türkei von der Polizei verfolgt, mit dem Tod bedroht und verprügelt worden. Er habe jahrelang unter fremdem Namen leben müssen. Er habe immer wieder Erinnerungen an diese Zeit und meide das Fernsehen sowie die Polizei. Bei gewissen Geräuschen bestehe eine erhöhte Schreckhaftigkeit. Erinne
rungen fehlten teilweise (
Urk.
15 S. 7). Wegen der Schmerzen, des Gedan
kenkreise
n
s und zur Schlafinduktion rauche er abends zwei Joints. Folgeschäden bestünden bis
lang
nicht (
Urk.
15 S. 6).
6.2.2
S
eit November 2013
besuche er
eine ambulante Behandlung im
Z._
. Dort sei ab März 2014 eine achtwöchige tagesklinische Behandlung durchgeführt worden. Zudem sei er im Juni 2014 fünf Wochen und im Juni 2015 zwei Wochen stationär in der
A._
behandelt worden. Beim letzten Aufenthalt sei
ein
Opiat- und Canna
bisentzug durchgeführt worden. Seither konsumiere er statt acht nur noch zwei Joints pro Tag. Der Beschwerdeführer werde intensiv psychotherapeutisch (einmal wöchentlich) sowie psychiatrisch behandelt. Die Einz
eltherapie sei
traumafo
kussiert
und
basiere auf verhaltenstherapeutischen und psychodynamischen Ele
menten, einer medikamentösen Behandlung mit
Saroten
retard
, motivationsför
dernden Massnahmen zur Steigerung der körperlichen (regelmässiges Spazieren) und sozialen Aktivitäten (täglich Kollegen treffen) sowie Ablenkung mit Lesen respektive im Internet-Café und dem Erlernen eines verbesserten Umgangs mit chronischen Schmerzen (
Urk.
15 S. 3 und 7).
6.2.3
Der
Beschwerdeführer sei
aufgrund
der Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein und
der
Kopfschmerzen
100
%
arbeitsunfähig. Zudem bestünden post
traumatische Belastungssymptome,
welche
ihren Ursprung in den Gewalter
fahrungen im Herkunftsland hätten.
Infolge
der chronischen und therapiere
frak
tären Beschwerden habe sich eine depressive Störung entwickelt.
Er
habe
im Jahr 2013 zwei Arbeitsversuche
am
Imbissstand
wegen
der
Schmerzen nach
einigen Stunden abbrechen müssen. Basierend auf der depressiven Störung weise er eine erhöhte Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und Antriebs
stö
rungen auf. Er ermüde viel schneller
als andere
und benötige daher häufigere und längere Pausen. Die Stresstoleranz und
die
Belastbarkeit seien deutlich redu
ziert. Bei zwischenmenschlichen Konflikten tendiere er dazu, die Situation zu verlassen. Dadurch sei die Konfliktfähigkeit stark vermindert. Aufgrund der chro
nischen Schmerzen und der depressiven sowie posttraumatischen Belastungs
symptome
beurteile man
ihn
als in jegliche
r
Tä
tigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig
.
Gemäss Konsensbeurteilung bestehe somit objektiv aus somatischer und psychiatrischer Sicht jeweils eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
15 S. 8).
6.2.4
«Subjektiv» sei er zu 100
%
arbeitsunfähig
–
auch für angepasst
e
Tätigkeiten.
Das Leistungsbild gestalte
sich wie folgt:
Er könne ca. 15 Min. sitzen, ca. 30 Min. mit Belastung des linken Beins stehen und ca. 30 Min.
spazieren
. Kopfrotationen seien uneingeschränkt möglich. Sein Zimmer reinige er mit grosser Mühe selber. Nicht möglich seien sch
w
ere Arbeiten, Bücken, Knien oder Kauern. Arbeiten über Kopf seien nur kurz und mit dem rechten Arm noch schlechter
möglich.
Treppen könne er wegen der Rücken
-
und Beinschmerzen rechts nur langsam
gehen
.
Bei
Oberkörperrotationen
sei er eingeschränkt und ertrage weder
Lärm, grelles Licht
noch grosse Menschenmengen (
Urk.
15 S. 8).
6.3
6.3.1
Dem Beschwerdeführer ist insoweit beizupflichten, als d
er bestmöglichen sprach
lichen Verständigung zwischen dem Experten und der versicherten Person ins
besondere bei der psychiatrischen Abklärung besonderes Gewicht zu
kommt
. Nach der Rechtsprechung ist daher eine Übersetzungshilfe beizuziehen, sofern sprach
liche Schwierigkeiten bestehen und das Untersuchungsgespräch nicht in der Muttersprache des Exploranden geführt werden kann. Es besteht indessen kein unbedingter Anspruch auf Durchführung einer medizinischen Abklärung in der Muttersprache oder auf Beizug eines Übersetzers. Grundsätzlich hat der Gutachter im Rahmen der sorgfältigen Auftragserfüllung zu entscheiden, was im Einzelfall geboten ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_578/2014 vom 1
7.
Oktober 2014 E. 4.2.4 und E. 2.4.5 mit Hinweis auf BGE 140 V 260 E. 3.2.1 und das Urteil des Bundesgerichts 8C_913/2010 vom 1
8.
April 2011 E. 3.3.1).
Der Beschwerdeführer lebt seit 1989 im deutschsprachigen Raum und arbeitete teilweise
i
m direkten Kontakt mit Kunden (z.B.
Urk.
11/102/9 f.). Es verwundert daher nicht, dass ihm die
B._
-Gutachter sehr gute Deutschkenntnisse attestierten bzw. feststellten, die Untersuchung sei ohne Verständigungsprobleme durchführ
bar (
Urk.
11/102/11 und 11/102/15).
In den
Z._
-Berichten
finden sich denn auch
keine Hinweise auf den Beizug eines Dolmetschers für die Behandlung.
Im Übri
gen
wurde der
Beschwerdeführer
vor der Begutachtung schriftlich
informiert
,
dass
er nötigenfalls
einen Dolmetscher verlangen könne (
Urk.
11/99/2
).
Der nach
träg
liche Einwand ist als blosse Schutzbehauptung zu werten.
6.3
.
2
Zutreffend ist
ferner
, dass sich unter Umständen auch anhand der aufgewendeten Zeit bestimmt, ob die Expertise als inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig gelten kann. Wie viel Aufwand im Einzelfall zu betreiben ist, hängt indes von der Fragestellung und dem zu beurteilenden Beschwerdebild ab; in letzter Konsequenz kann deshalb, je nach Natur der abzuklärenden Frage, selbst ein reines Aktengutachten den nötigen Beweis erbringen. Ein Zeitrahmen für die Untersuchung lässt sich nicht allgemeingültig festlegen. So wird auch in
Ziff.
3 der
«
Qualitätslinien für versicherungspsychiatrische Gutachten
»
der Schweizeri
schen Gesellschaft für Psychiatrie un
d Psychotherapie (SGPP) vom 16.
Juni 2016 nur eine
«
angemessene
»
Dauer mit genügend Zeit für eine umfassende Anamnese und ein vollständiges Bild der Befundlage verlangt. Über die Akten erschliessen sich dem Gutachter häufig so viele Anhaltspunkte für seine Beurteilung, dass der in der Untersuchung gewonnene Eindruck vor allem bestätigend wirkt (Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_747/201
1 vom 1
0.
Februar
2012 E.
2.2.2 und
ferner
9C_170/2009 vom
6.
Mai 2009 mit zahlreichen Hinweisen).
Angesichts der
Vorakten
(vgl.
Urk.
11/102/4 f. und 11/102/29) bedurfte es zur Erhebung der lebensgeschichtlichen Belastungsmomente keiner längeren ps
y
chia
tr
ischen Untersuchung.
Gänzlich u
nbegründet
ist
d
er
Vorwurf
von
Dr.
G._
, im
B._
-Gutachten
fehle der p
sychop
athologische
Befund
. Dieser findet sich unter dem Titel «Psychostatus nach AMDP» zusammen mit
relevanten Symptomen, die selbstredend
vorab
anhand
eigenanam
nestischer Angaben
festzustellen sind
(z.B. Schlafverhalten)
.
Zusätzlich
wurde
n
die
Beobachtungen während de
r
knapp
ein
stündigen
Exploration
notiert
(vgl.
Urk.
11/102/55).
Dr.
G._
legte nicht dar, welche Befunde konkret übersehen wurde
n
. Soweit ersichtlich bestehen relevante Unterschiede
zu seiner
Beurteilung
vor allem
in Bezug auf die Ausprägung und diagnostische Zuordnung d
er
Symptomatik
(vgl.
Urk.
3 S. 3 f.)
.
Diese Elemente sind naturgemäss mit ärztlichem Ermessen verbunden, wobei letztlich
nicht
die
Schwere einer Erkrankung entscheidend
ist
,
sondern deren konkrete Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
(vgl. BGE 143 V 418 E. 5
)
.
6.4
6.4.1
An erster Stelle wird
sodann
v
on allen involvierten Psychiatern eine rezidi
vie
rende depressive Störung genannt, wobei eine letzte
kurze
schwere depressive Episode für Juni 2015 ausgewiesen ist. Damals wurde der Beschwerdeführer zum letzten Mal (zwei Wochen) stationär behandelt
,
und durch eine Umstellung der Medikation
wurde
eine Zustandsbesserung erzielt (vgl.
Urk.
11/89/3 f.). Seither wurde von den Psychiatern des
Z._
– zumindest soweit sie zur Plausibilisierung der geklagten Beschwerden auch das Aktivitätsniveau im Alltag mitberück
sich
tigten – nur noch eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Bei
einer schwe
ren Depression
wäre es denn auch entgegen
dem
vom Beschwerdeführer relativ konstant geschilderten
Tagesabl
auf
(vgl.
Urk.
15 S. 3,
Urk.
11/102/10
,
11/102/16
und 11/79/2
) sehr unwahrscheinlich, dass er seine sozialen und häus
lichen Aktivitäten fortführen könnte (vgl. Weltgesundheitsorganisation [WHO]
,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Kli
nisch-diagnostische Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
1
0.
Aufl. 201
5
, S.
174).
Dr.
G._
steht mit seiner Beurteilung
einer
s
chweren Depression
alleine da
, die bereits deshalb fragwürdig erscheint, weil er gleichzeitig eine konsequente psychopharmakologische
Behandlung als nicht erforderlich erachtete.
6.4.2
Eine PTBS
entsteht gemäss ICD-10-Klassifikation als eine verzögerte oder pro
trahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation ausserge
wöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses (kurz oder lang anhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Hierzu gehören Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastrophen, Kampf
handlungen, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder
selbst Opfer von Folterung, Terrorismus, Vergewaltigung o
der anderen Verbre
ch
en zu sein.
Daneben erfordert die Latenzzeit zwischen initialer Belastung und Auf
treten der Störung eine eingehende Prüfung. Diese beträgt nach ICD-10-Klassi
fikation wenige Wochen, bis (sechs) Monate. Eine besondere Begründung braucht es daher gemäss Bundesgericht in jenen Fällen, in denen ganz ausnahmsweise aus bestimmten Gründen ein späterer Beginn berücksichtigt werden soll. Nach der ICD-10-Klassifikation ist eine solche Diagnose bei grösserem zeitlichem Abstand noch «wahrscheinlich» - vorausgesetzt, die klinischen Merkmale sind typisch und es kann keine andere Diagnose (wie etwa eine depressive Episode) gestellt werden.
Zusätzlich muss eine wiederholte unausweichliche Erinnerung oder Wiederinszenierung des Ereignisses in Gedächtnis, Tagträumen oder Träu
men auftreten. Häufig zu beobachten, aber für die Diagnose nicht wesentlich sind ein deutlicher emotionaler Rückzug, Gefühlsabstumpfung und die Vermeidung von Reizen, die eine Wiedererinnerung an das Trauma herrufen könnten. Ähn
liches gilt für vegetative Störungen, eine beeinträchtigte Stimmu
ng oder ein abnormes Verhalten.
Der Verlauf einer PTBS ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. Nur bei ca. 10
%
der Patienten nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht in eine andauernde Persön
lichkeitsänderung (ICD-10: F62.0) über; dabei widersprechen progrediente Ent
wic
k
lungen dem zu erwartenden degressiven Charakter posttraumatischer Stö
rungen (vgl.
Dilling
/
Mambour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O
, S. 207 f.; BGE 142 V 342 E. 5 und Urteil des Bundesgerichts 9C_298/2017 vom
4.
September 2017 E. 4.2 je mit Hinweisen).
Es fällt auf, dass die
Z._
-Psychiater wechselnde
Traumata
schilderten.
Dr.
G._
nannte als «nachhaltige Traumatisierungen» die Untersuchungshaft im Jahr 2004 mit Ausschaffungsversuchen sowie den Unfall im Februar 2013, begründete die PTBS aber mit einer massiven Bedrohung durch den Vater, Gewalt durch die
Polizei und ein
em
nicht näher erörterten Zusammenschlagen in Istanbul 199
9
.
Gemäss dem jüngsten
Z._
-Bericht wurde der Beschwerdeführer als kurdischer Aktivist von der türkischen Polizei mit dem Tod bedroht und verprügelt. In der Begutachtung gab dieser
indes
an, er sei vom Vater zwischen dem 1
1.
und 1
6.
Lebensjahr geschlagen worden, wenn er nicht gehorsam gewesen sei. Dieser habe ihn zudem gegen seinen Willen mit einer Türkin verheiraten wollen. Der Cousin des Vaters sei 15 Jahre lang PKK-Mitglied gewesen und die Grosseltern hätten die PKK mit Nahrung
smitteln
versorgt, weshalb das Militär
deren
Dorf zerstört habe. Er sei 1989 in Istanbul inhaftiert und geschlagen worden (vgl.
Urk.
11/102/9). Angesichts dieser vagen Schilderung, die weder auf eine lange
Haft noch
auf
Folter oder systematische Misshandlung schliessen lassen, er
scheint
eine genügende Schwere der Ereignisse fragwürdig. Den Unfall im Februar 2013 nahm der Beschwerdeführer nicht ernst (vgl.
Urk.
11/102/16), so dass diesem eine entsprechende Eindrücklich bei auch objektiv unspektakulärem Unfallhergang
(vgl.
Urk.
11/23/46)
abzusprechen ist.
Mit dem
B._
-Gutachter
ist
hervorzuheben, dass der Beschwerdeführer bis Februar 2013 ohne Leistungseinbusse arbeite
te. D
iese lange Latenzzeit wird in den
Z._
-Berichten nicht weiter erörtert bei gleichzeitig bestätigter Depression
und psychosozial belastender Situation (
schwie
rige Wohnsituation
, finanzielle Abhängigkeit vom Sozialamt)
. Zutreffend ist, wie von
Dr.
G._
dargelegt, dass die Diagnose einer PTBS nicht zwingend einen emotionalen Rückzug oder eine Gefühlsabstumpfung voraussetzt. Eine solche kann aber nicht damit begründet werden, dass
F
ernsehen den Beschwer
deführer traurig mach
e
(
Urk.
15 S. 3), der sich
dennoch
für die Nachrichten inte
ressiert und – solange
ihm
die politische Lage stabil schien – weiterhin in die Türkei reiste (
Urk.
11/102/10).
6.4.3
Im
Gegensatz zu den
B._
-Gutachtern
diagnostizierten die
Z._
-
Ärzte
keine
chro
nische
Schmerzstörung
. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass sie von
voll
ständig
somatisch
erklärbaren Beschwerden aus
gingen.
Zudem
hielten
sie
mit wenig
aussagekräftigen
Argumenten fest
, es bestünden keine Hinweise auf Aggravat
ion
(
vgl.
Urk.
15 S. 8 f.). In de
n körperlichen
Begutachtungen
fanden sich allerdings
auch
nur
wenige Inkonsistenzen
(
Urk.
11/102/18
neurologischer
Status;
Urk.
11/17/35
kein relevantes
Hinken auf der Strasse;
Urk.
11/102/24
Schuhsohle;
Urk.
11/102/18 problemlose orthopädische Untersuchung bei ausrei
chender Kooperation;
Urk.
11/102/24 gewisse Auffälligkeiten in der neurolo
gischen Untersuchung mit Verdacht auf eine gewisse Fehlverarbeitung, aber keine
Aggravation
)
.
6.5
6.5.1
Das
Bundesgericht
hat
seine Rechtsprechung seit Erlass der angefochtenen Ver
fügung
sodann
dahingehend geändert, dass nach
BGE 143 V 418 E. 7 neu sämt
liche psychischen Leiden,
also
vorliegend n
eben der chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
die
leichte bis mittel
schwere Depression
(
BGE 143 V 409 E. 4.5.2
),
einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
sind
.
Es bleibt anzumerken, dass es
in
BGE
140 V 290
E. 3.3.1-2
zudem
die Frage offen
liess
,
ob eine Migräne zu den Krankheitsbildern zählt, die mit etablierten Meth
oden objektiviert werden können
. Es
wies darauf hin, dass
Abklärungs- und Beweisschwierigkeiten
die Berücksichtigung von
allenfalls durch fremdanamnestische Angaben zu erheben
de
n
Lebensbereichen wie Freizeitverhalten oder familiäres Engagement
erfordern würden.
Darüber hinaus
stellte es in
BGE 143 V 418
E. 8.1 klar, dass das strukturierte Beweisverfahren einer Aufteilung von Einbussen auf einzelne Leiden entgegen
stehe, da es auf einer ergebnisoffenen Gesamtbetrachtung in Berücksichtigung der Wechselwirkungen basiere. Eine Ausscheidung einzelner Beschwerden wegen fehlender invalidenversicherungsrechtlicher Relevanz wäre nicht zielführen. Stö
rungen würden daher unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen sei.
6.
5
.2
Nach altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten verlieren nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bun
desrecht standhält (
BGE 141 V 281
E. 8 S. 309;
137 V 210
E. 6 S. 266). Mithin ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/
oder gerichtlichen Sachverständigengutachten - gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8 S. 309).
6.
5
.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu beachtenden Standardindikatoren hat das Bundesgericht
schliesslich
wie folgt systemat
isiert (BGE 141 V 281 E.
4.1.3)
: Kategorie
«
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3) mit den Komplexen
«
Ge
sundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1; Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome [E. 4.3.1.1]; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
[E.
4.3.1.2]; Komorbiditäten [E.
4.3.1.3]),
«
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsent
wick
lung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und
«
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3) sowie Kategorie
«
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und einglie
derungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2). Sie erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_539/2015 vom 2
1.
März 2016 E. 2.2.1).
6.6
6.
6
.1
Gemäss
B
eurteilung
der
B._
-Gutachte
r
wie auch der Behandlungspersonen
lässt sich die depressive Symptomatik klinisch
– mit
seltenen
Ausnahmen
ohne nennenswerte Dauer
–
als
maximal
mittelgradig einstufen (
vgl. E. 5.5.3
).
Im Unterschied zu einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.40), bei welcher ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz im Vordergrund steht, wird bei
der ebenfalls diagnostizierten
chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
ein über sechs Monate bestehender Schmerz in mehreren anatomischen Regionen beschrieben.
Letzterer
fehlt damit ein Bezug zum Schweregrad (
BGE 140 V 106 E. 4.2
).
Die Diagnose setzt aber immerhin voraus, dass der Schmerz «in klinisch bedeutsamer Weise» Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen und anderen wichtigen Funktions
be
reichen hervorruft (
BGE 143 V 418
E. 5.1).
Eine
schwerere
Ausprägung ist
in den Akten
indes
nicht auszumachen.
Die Behandlungspersonen stellten k
eine ver
gleichbare Diagnose und der
B._
-
Gutachter
begründete
diese
einzig
mit dem nicht anderweitig erklärbaren Ausmass der Schmerzen und wies auf vorhandene
psychosoziale, emotionale und lebensgeschichtliche Bel
a
s
t
ungsfaktoren
hin
(
Urk.
11/102/11)
.
Eine
formalgedankliche Einengung auf
das Schmerzerleben
etc. stellte er nicht fest
.
D
er Indikator der diagnoserelevanten Befunde
erweist sich damit
als höchstens mittelgradig ausgeprägt.
K
omorbiditäten sind
insofern
zu bejahen,
als beim Beschwerdeführer nicht nur eine Depression diagnostiziert wurde, sondern sich aufgrund der somatischen Be
funde
auch
Schmerzen am Bewegungsapparat objekt
ivieren liessen
und
er
zumin
dest nach eigenen
Angaben
an Migräne
leidet.
Ferner
besteht gemäss
B._
-Gut
achten eine fehlgeleitete Schmerzverarbeitung.
Die ressourcenhemmende Wirk
ung
ist indes aufgrund des zu den einzelnen Leiden bereits
A
usgeführten zu rela
ti
vieren
(vgl.
vorstehender Abschnitt und
E.
5
.4
-5
).
Bedingt aussagekräftig sind der Behandlungs- und Eingliederungserfolg
. Einer
seits ist
trotz längerer psychiatrischer Behandlung noch kein
massgeblicher
Erfolg erzielt
worden
(vgl. E. 6.2.2
)
. Andererseits führte
die letzt
e
stationäre Behandlung innert kurzer
Zeit zu einer Zustandsbesserung
einschliesslich Substanzkonsum
(
vgl.
Urk.
11/89
)
und d
er Beschwerd
eführer nimmt d
ie verschriebenen Psycho
phar
maka
nach eigenem Gutdünken
ein
.
Eine
massgebliche Behandlungsresistenz im Sinne des Scheiterns einer indizierten und lege artis durchgeführten Therapie
ist daher nicht erwiesen.
Die
Eingliederung
im zweiten Halbjahr 2013
scheiterte
schon
in der Abklärungsphase
an
d
er fehlenden Mitwirkung
des Beschwer
de
füh
rers
(vgl. Sachverhalt
E. 1.2
)
.
6.
6
.2
Des Weiteren waren in der aktuellen Untersuchung keine strukturellen Defizite im Sinne einer eigentlichen Persönlichkeitsproblematik oder eine erhebliche Störung komplexer Ich-Funktionen auszumachen
.
Entsprechendes wurde auch von den
Z._
-Ärzten nicht behauptet.
Insbesondere verneint wurde im
B._
-Gut
achten eine Wesensänderung infolge des Substanzkonsums (
Urk.
11/102/12), obschon es bei erhöhter Reizbarkeit während des
A._
-Aufenthalts zu aggressi
ve
m
Verhalten gegen das Personal kam (
Urk.
11/89/4).
6.
6
.3
Der
Komplex
«
Sozialer Kontext
»
bestimmt
mit darüber, wie sich die Aus
wir
kungen der Gesundheitsbeeinträchtigung konkret manifestieren. Dazu ist zweier
lei festzuhalten: Soweit soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie nach wie vor ausgeklammert (vg
l. BGE 127 V 294 E. 5a
). Anderseits hält der Lebenskontext der versicherten Person auch (mobilisierbare) Ressourcen bereit, so die Unterstützung, die ihr im sozialen Netzwerk
zuteil wird
(vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.3
).
Die
meisten der
im
B._
-Gutachten genannten sozialen Belastungen (vgl.
Urk.
11/1
02/14)
dürften aufgrund der zeitlichen Distanz nicht im Vordergrund stehen. Festzustellen ist
jedoch
, dass
der Beschwerdeführer
im August 2012 ge
schieden wurde (
Urk.
11/17) und in der Schweiz über keine Familie und mittler
weile nur noch wenige Freunde verfügt. N
ach Einstellung der Krankentag
geld
leistungen
wurde er
finanziell vom Sozialamt abhängig
(
Urk.
11/60
)
, was
im Weiteren
zu einer unbefriedigenden
Wohnsituation
führte
(
Urk.
3 S.
2 und
Urk.
15 S.
3).
Mobilisierende Ressourcen sind folglich keine ersichtlich, dafür psychosoziale Faktoren, die zur
Aufrechterhaltung der psychi
schen Symptomatik beitragen.
6.6.4
Unter die beweisrechtlich entscheidende
zweite
Kategorie
«
Konsistenz
»
fällt der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen. Dieser zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgaben
bereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Soweit erhebbar, empfiehlt sich ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Akti
vitätsniveau der versicherten Person ist dabei stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.1 mit Hin
weisen).
Der Beschwerdeführer verfügt über
einen
wenig
strukturierten Tagesablauf und treibt – allerdings aufgrund der somatischen Leiden –
im Vergleich zu früher
keinen Sport m
ehr. Hervorzuheben ist, dass
er regelmässig soziale Kontakte mit Freunden mitunter beim Essen bzw. im türkischen Verein
pflegt, seinen H
aushalt
grundsätzlich
selbst
erledigt (ein Kollege hilft
ihm
an schlechten Tagen beim Einkaufen)
und die öffentlichen Verkehrsmittel
nützt
. Dazu beschäftigt er sich mit
Zeitunglesen, Kreuzworträtseln
und im Internet-Café, interessiert sich für die Nachrichten und
spaziert täglich (vgl.
Urk.
11/102/10 und
Urk.
15 S. 3)
.
Gleich
zeitig
gab er in der Begutachtung an
, dass
täglich jemand schaue, ob alles in Ordnung sei
bzw. wöchentlich Herr
H._
vorbeikomme (
Urk.
11/102/6 und 11/102/8).
Davon weichen die Angaben von
Dr.
G._
im
September 2017
ab
, der von einem begleiteten Wohnen spricht, ohne
allerdings
eine Institution zu nennen.
Der
Beschwerdeführer erfahre im Haushalt Hilfe von
de
r Spitex, sehe wenig TV und könne kurze Strecken selbst mit dem Auto fahren.
Diese A
ngaben
finden sich auch im B
ericht
des
Z._
vom 2
8.
September 2015
(
Urk.
11/
79/3)
.
Selbst bei unklarer Unterstützung durch die Spitex stehen die
selbst deklarierten
Alltagsaktivitäten des Beschwerdeführers
im klaren Widerspruch zu einer sehr hohen Arbeitsunfähigkeit.
6.
6.5
Der weiter in die Kategorie
«
Konsistenz
»
fallende Aspekt des behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks betrifft die Frage nach der Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen. Das Ausmass, in welchem
Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergän
zend
zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz) im Regelfall auf den tatsächlichen Leidensdruck hin (vgl. vorerwähntes Urteil 9C_539/2015 E. 4.5). Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf feh
lenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarer
weise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzu
füh
re
n ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.2).
Der Beschwerdeführer
beansprucht
seit längerer Zeit zweimal wöchentli
ch eine psychiatrische Therapie
, lebt allerdings auch allein in einer ungemütlichen
kleinen W
ohnung und hat nicht mehr so viele Freunde. Eine tagesklinische bzw. stationäre Behandlung wurde vor Beginn des Wartejahres letztmals durchgeführt.
Die
Psychopharmaka
nimm
t
er
nicht zuverlässig
,
konsumiert
aber
(nach sechs Monaten Abstinenz,
Urk.
11/102/9) erneut
Cannabis und
weiterhin
Opioid-
Medi
ka
mente.
Ein gewisser Leidensdruck
ist bei unzweckmässiger Behandlung
zu bestätigen,
kann
zwischen Juli 2015 und September 2017
aber nicht
schlüssig
als
erheblich
bezeichnet werden
.
D
er Beschwerdeführer
strebte
bisher auch keine stationäre Schmerzrehabilitation einschliesslich Medikamentenentzug an.
6.7
Nach dem Gesagten lässt sich somit anhand der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 – und damit auch aus der Optik des Rechtsanwenders, der die ärzt
lichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen auf ihre konkrete sozialver
siche
rungsrechtliche Relevanz und Tragweite hin zu prüfen hat – eine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit
von 20
%
in einer den somatischen Beschwerden ange
passten Tätigkeit
bestätigen.
Für eine leichte Beeinträchtigung der Arbeitsfähig
keit
sprechen die
höchstens
mittelgradige
Ausprägung der diagnoserelevanten Be
funde,
die
geringfügig ressourcenhemmende
n
Komorbiditäten
bei gleichzeiti
gem Fehlen
nennenswerter Ressourcen und
die seit längerer Zeit beanspruchte
psychiatrische Begleitung
. Eine
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, wie sie von den Behandlungspersonen attestiert
wurde
,
ist
demgegenüber aufgrund
der Alltags
akti
vitäten
(Interessen und sozialen Kontakten)
und
den bisher nicht ausge
schöpften
Behandlungsoptionen
in Bezug auf verschiedene Leiden nicht über
wie
gend wahrscheinlich.
Es kommt hinzu, das
s beim Beschwerdeführer keine Moti
va
tion erkennbar ist, wieder eine Arbeit aufzunehmen.
Bis heute zeigte er trotz seiner Alltagsaktivitäten keinerlei Interesse daran, mögliche Eingliederungsmass
nahmen abzuklären
oder gar
zu versuchen. Dafür raucht er
heute trotz intakter Persönlichkeitsstruktur
und
nach
längerer (also offensichtlich zumutbarer)
Absti
nenz
erneut
Cannabis
.
7.
Zusammenfassend kann somit vollumfänglich auf das
B._
-Gutachten abgestellt werden
, das alle beweisrechtlichen Anforderungen (vgl. E. 1.3) erfüllt
.
Die
für den relevanten Zeitraum
(Beginn des Wartejahres im
Juli 2015 bis zum Erla
ss der angefochtenen Verfügung im
Oktober 2017
)
von den
B._
-Gutachtern
festge
stellten
Befunde
,
Diagnosen
und Lebensumstände
wurden
von de
n
Z._
-
Ärzte
n
weitestgehend bestätigt.
Ihre
abweichende Einschätzun
g der Arbeitsfähigkeit
aus polydisziplinärer Sicht gründet dementsprechend nicht auf wesentlichen Aspek
ten,
die
von den Gutachtern übersehen wurden
. Sie lässt sich teils mit Berück
sichtigung des
ganz zum Schluss
aufgetretenen (unklaren) Armleide
n
s, teils mit ärztlichem Ermessen
und
letztlich dem
erfahrungsgemäss von Behandlungs
per
sonen ihren Patienten entgegengebrachten
Wohlwollen erklären.
Schliesslich lässt sich auch mittels
der Standardindikatoren keine höhergradige
oder gar voll
ständige Arbeitsunfähigkeit in einer dem objektivierbaren somatischen Leiden angepassten Tätigkeit bestätigen.
In
den Erwägungen der angefochtenen Verfügung
wird
ein Inva
liditätsgrad von 14
%
angegeben, beruhend auf dem
Einkommensvergleich im
Feststellungsblatt
vom 24.
November 2016
(
Urk.
11/106/1)
. Der Beschwerdeführer äusserte sich nicht
zu den Vergleichseinkommen.
Gemäss IK-
Auszug erzielte er im Jahr 2012 sein bisher höchstes
Jahreseinkommen von
Fr.
60'778.
-- (
Urk.
11/88). In Anbe
tracht des
standardisierte
n
Monatslohn
s
(Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) von
über
Fr.
5’
300
.--
für Hilfsarbeite
r
gemäss der
Schweize
rische
n
Lohnstrukturerhebung (LSE) für
die Jahre 2014 und 2016,
Tabelle
TA1_tirage_skill_level,
Ziff.
5-96, Kompetenzniveau 1
, Männer
(Zentralwert)
wäre
daher
eine Leistungs- bzw. Lohneinbusse in einer angepassten Tätigkeit von mehr als 40
%
nötig,
um einen minimalen
Anspruch auf eine
Viertelsrente
zu begrün
den.
Di
e Beschwerdegegnerin
hat
somit
einen Rentenanspruch
des
Beschwerde
führer
s
zu Recht abermals verneint. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
8
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand unabhängig vom Streitwert
im Rahmen von
Fr.
200.-- bis Fr.
1‘000.
--
festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Sie sind auf
Fr.
800.
--
festzusetzen und
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, unter Berücksichtigung der ihm gewährten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.