Decision ID: e733431e-ed06-50af-b4c1-b3e204024020
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 23. Dezember 2020 in der Schweiz um
Asyl nach.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (European
Dactyloscopy [EURODAC]) vom 31. Dezember 2020 ergab, dass der Be-
schwerdeführer am (...) 2014 in Italien um Asyl ersucht hatte.
C.
Das Gespräch zur Personalienaufnahme (PA) fand am 6. Januar 2021 im
Bundesasylzentrum (BAZ) Region (...) statt (vgl. Vorakten [nachfolgend:
Vi-act.] 1084368-12/8).
D.
Die rubrizierte Rechtsvertretung wurde vom Beschwerdeführer am 7. Ja-
nuar 2021 bevollmächtigt.
E.
Seit dem 10. Januar 2021 befindet sich der Beschwerdeführer in Untersu-
chungshaft (vgl. Vi-act. 1084368-16/1).
F.
Mit als «Rechtliches Gehör» betiteltem Schreiben vom 20. Januar 2021
forderte das SEM die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers auf, bis
zum 3. Februar 2021 verschiedene Fragen im Zusammenhang mit dem in
Italien erfolgten Asylverfahren und seinem dortigen Aufenthalt zu beant-
worten, sich zur möglichen Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens zu äussern und das SEM über den Ge-
sundheitszustand des Beschwerdeführers zu informieren (vgl. Vi-act.
1084368-20/2).
G.
Nach erstreckter Frist liess der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner
Rechtsvertretung vom 8. Februar 2021 eine Stellungnahme einreichen.
Neben Ausführungen zu seinem Gesundheitszustand machte er geltend,
er müsse bei einer Rückkehr nach Italien um sein Leben fürchten. Aufgrund
seiner Rauschmittelabhängigkeit habe er Probleme mit Gruppierungen aus
dem organisierten Verbrechen gehabt. (...).
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Seite 3
H.
Am 10. Februar 2021 ersuchte das SEM die italienischen Behörden ge-
stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung
der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei-
nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig
ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), um Übernahme des Beschwerdeführers
mit dem Hinweis, ein Abgleich mit der EURODAC-Datenbank habe erge-
ben, dass dieser am (...) 2014 in Italien um Asyl ersucht habe. (...).
Dieses Gesuch blieb von Italien unbeantwortet.
I.
Auf entsprechende Anfrage des SEM vom 25. Februar 2021 reichte das
Gefängnis B._ medizinische Unterlagen betreffend den Beschwer-
deführer ein (vgl. Vi-act. 1084368-29/1, 1084368-30/4). Die Psychiatrische
Gefängnisversorgung des Kantons C._ gab einen Arztbericht vom
5. März 2021 zu den Akten (vgl. Vi-act. 1084368-33/2).
J.
Am 19. März 2021 liess der Beschwerdeführer dem SEM ein medizinisches
Verlaufsprotokoll und einen psychiatrischen Verlaufsbericht zu den Akten
reichen (vgl. Vi-act. 1084368-35/3).
K.
Mit als «Zweites Rechtliches Gehör» betiteltem Schreiben vom 23. März
2021 forderte das SEM die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers auf,
bis zum 1. April 2021 verschiedene Fragen zum Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers, zu seiner Aufenthaltssituation und medizinischen Be-
handlung in Italien sowie zu seinen familiären Beziehungen zu beantwor-
ten (vgl. Vi-act. 1084368-36/2).
L.
Am 31. März 2021 liess der Beschwerdeführer eine entsprechende Stel-
lungnahme einreichen (Vi-act. 1084368-37/4).
M.
Mit Verfügung vom 12. April 2021 (gleichentags ausgehändigt) trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung
nach Italien, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung seines
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Seite 4
Asylgesuchs zuständig sei. Gleichzeitig forderte es den Beschwerdeführer
auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
beauftragte den Kanton C._ mit dem Vollzug der Wegweisung, hän-
digte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-
verzeichnis aus und stellte fest, eine allfällige Beschwerde gegen die Ver-
fügung habe keine aufschiebende Wirkung.
N.
Am 19. April 2021 erhob der Beschwerdeführer dagegen Beschwerde und
liess beantragen, die Verfügung vom 12. April 2021 sei aufzuheben und die
Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei
die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, individu-
elle Zusicherungen bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren, adäquater
medizinischer Versorgung sowie Unterbringung von den italienischen Be-
hörden einzuholen. In prozessualer Hinsicht beantragte er, der Be-
schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es seien die Vor-
instanz und die Vollzugsbehörden im Rahmen von vorsorglichen Massnah-
men unverzüglich anzuweisen, bis zum Entscheid über das vorliegende
Rechtsmittel von jeglichen Vollzugsmassnahmen abzusehen. Zudem sei
dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren
und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
O.
Die zuständige Instruktionsrichterin setzte am 20. April 2021 gestützt auf
Art. 56 VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 und
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
3.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
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zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
4.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
eine antragstellende Person, die während der Prüfung ihres Antrags in ei-
nem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder die sich im Ho-
heitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält
(Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO) beziehungsweise eine drittstaatsange-
hörige oder staatenlose Person, deren Antrag abgelehnt wurde und die in
einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder die sich im Ho-
heitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach
Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18
Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO). Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden
kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl.
BVGE 2010/45 E. 8.3).
Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der EURO-
DAC ergab, dass er am (...) 2014 in Italien ein Asylgesuch eingereicht
hatte. Das SEM ersuchte deshalb die italienischen Behörden am
10. Februar 2021 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt
auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die italienischen Behörden liessen
das Übernahmeersuchen innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorge-
sehenen Frist unbeantwortet, womit sie die Zuständigkeit Italiens implizit
anerkannten (Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO). Die grundsätzliche Zuständig-
keit Italiens ist somit gegeben und wird vom Beschwerdeführer auch nicht
bestritten.
5.
5.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (2012/C 326/02) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser
Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann.
Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der
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die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
5.2 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einer drittstaatsangehörigen oder staaten-
losen Person gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus hu-
manitären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre.
5.3 Erweist sich die Überstellung einer asylsuchenden Person in einen
Dublin-Staat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer anderen bin-
denden, völkerrechtlichen Bestimmung, ist die Vorinstanz verpflichtet, die
Souveränitätsklausel anzuwenden und das Asylgesuch in der Schweiz zu
behandeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 7.2).
6.
Auf Rechtsmittelebene macht der Beschwerdeführer geltend, infolge sei-
ner schweren Suchterkrankung, seines Diabetes mellitus II und seiner psy-
chischen Beschwerden sei er als besonders vulnerable Person zu qualifi-
zieren. Ihm drohe aufgrund der Mängel im italienischen Asylsystem bei ei-
ner Überstellung nach Italien die Gefahr der Obdachlosigkeit und einer we-
sentlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes, was gegen
Art. 3 EMRK verstosse. Im Sinne eines Eventualantrags wird geltend ge-
macht, die Vorinstanz habe ihre Pflicht zur vertieften Sachverhaltsabklä-
rung (beziehungsweise subeventualiter die Pflicht zur Einholung notwendi-
ger Garantien Italiens) im Zusammenhang mit seiner Erkrankung und einer
Wegweisung nach Italien verletzt, weshalb sich eine Rückweisung des Ver-
fahrens an die Vorinstanz aufdränge.
Betreffend seinen Gesundheitszustand führt der Beschwerdeführer aus,
dass er gemäss Arztbericht vom 16. Februar 2021 folgende Medikamente
benötige: Metformin 1000mg, Pantoprazol 40mg, Seresta forte 50mg, Pre-
gabalin 300mg, Trittico 100mg und Truxal 15mg. Er leide an Schlafproble-
men, Gedankenkreisen, Rücken- und Beinschmerzen sowie an Herzprob-
lemen seit einer Überdosis Kokain. Im Rahmen seiner Inhaftierung vom 6.
Januar 2021 (recte: 7. Januar 2021) habe er sich mit einer Rasierklinge
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Seite 8
Schnittverletzungen am Unterarm zugefügt. Zudem habe er eine kleine Ra-
sierklinge im Mund versteckt und angegeben, weitere verschluckt zu ha-
ben.
Mit Verweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-552/2020
vom 5. Februar 2020 sei eine schwere Abhängigkeit von Hypnotika zwei-
felsohne als eine schwere Erkrankung im Sinne des Referenzurteils des
Bundesverwaltungsgerichts E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 zu wer-
ten. Gemäss diesem Referenzurteil erwiesen sich für schwer erkrankte
Asylsuchende Dublin-Überstellungen nach Italien erst wieder als zulässig,
wenn die schweizerischen Behörden von den italienischen Behörden vor-
gängig individuelle Garantien für einen unmittelbaren Zugang zu einer an-
gemessenen medizinischen Versorgung und Unterbringung verlangt und
erhalten hätten. Solche Garantien seien vorliegend nicht eingeholt worden.
Er sei indessen auf eine nahtlose medizinische Weiterbehandlung ange-
wiesen. Einem schwer suchtkranken Menschen könne keine Reser-
vemedikation ausgehändigt werden, da die Gefahr der gleichzeitigen Ein-
nahme und somit einer Überdosis bestehe. Ein sofortiger Zugang zu me-
dizinischer Behandlung und zu den benötigten Medikamenten sei aufgrund
der aktuellen Lage in Italien nicht wahrscheinlich. Gemäss dem im Internet
verfügbaren Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) „Aktuelle
Situation für Asylsuchende in Italien“ vom Januar 2020 sei fraglich, ob ihm
überhaupt Zugang zum Asylsystem beziehungsweise zu medizinischer
Versorgung gewährt werde. Soweit die Vorinstanz bezüglich Italien auf das
Dekret Nr. 130 vom 21. Oktober 2020 hinweise, welches für 60 Tage in
Kraft gewesen sei und den Asylsuchenden die Registrierung in den lokalen
Gemeinderegistern erneut ermöglichen und damit den Zugang zu den
Leistungen wie die Registrierung beim nationalen Gesundheitsdienst ver-
einfachen sollte, sei darauf hinzuweisen, dass diese 60 Tage bereits abge-
laufen seien. Es sei indessen nicht klar, ob Italien dieses Dekret in ein Ge-
setz umgewandelt habe. Im Übrigen gelte eine mit Diabetes erkrankte Per-
son gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) als eine besonders gefähr-
dete Person, für welche die Ansteckung mit dem Corona-Virus besonders
gefährlich sein könne. Zudem hätten Dublin-Rückkehrer kein Anrecht mehr
auf eine Unterkunft. (...).
7.
Das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende und Personen mit
Schutzstatus steht zwar in der Kritik, das Bundesverwaltungsgericht ist in-
des im Referenzurteil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 zum Schluss
gelangt, auch nach Erlass und Umsetzung des «Salvini-Dekrets» sei das
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Seite 9
Vorliegen systemischer Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Satz 2
Dublin-III-VO, welche die staatliche Unterstützung Italiens und dessen Ein-
richtungen für Asylsuchende betreffen, zu verneinen (vgl. ausführlich
E. 6.1 – 6.4 des erwähnten Referenzurteils sowie anstelle vieler die jüngst
ergangenen Urteile des BVGer F-27/2021 vom 25. Februar 2021 E. 6,
F-5520/2020 vom 18. Februar 2021 E. 5.3; F-444/2021 vom 8. Februar
2021 E. 5 sowie das Referenzurteil D-2846/2020 vom 16. Juli 2020 E. 6.1).
Für eine Änderung dieser Rechtsprechung besteht auch in Würdigung des
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorbringens, wonach hinsicht-
lich des italienischen Asylsystems von Defiziten auszugehen sei, keine
Veranlassung (vgl. unter vielen F-27/2021 E. 6). Aufgrund dieser Umstände
ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht angezeigt.
8.
Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Prob-
lemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK
darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person
sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und be-
reits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod
rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte
(vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des EGMR).
Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die
durch die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behand-
lung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns-
ten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-
heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer
erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
9.
Aus den Akten ergibt sich folgender medizinischer Sachverhalt:
9.1 Das SEM führte im vorinstanzlichen Verfahren kein mündliches Dublin-
Gespräch durch, sondern gewährte dem Beschwerdeführer zweimal im
Rahmen einer schriftlichen Gehörsgewährung Gelegenheit zur Stellung-
nahme. Der Stellungnahme vom 8. Februar 2021 ist betreffend Gesund-
heitszustand zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer unter Diabetes,
Schlafproblemen, Rücken- und Beinschmerzen, Medikamenten- und
Rauschmittelabhängigkeit und nach einer Überdosis an Kokain an schwe-
ren Herzproblemen (u.a. Bluthochdruck) leidet.
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Seite 10
9.2 Im Bericht zur «Ärztlichen Abklärung Hafterstehungsfähigkeit» der (...)
Medical Services (Anmerkung des Gerichts: Adresse anonymisiert) vom
11. Januar 2021 wurden betreffend den Beschwerdeführer folgende Be-
funde festgehalten: Diabetes mellitus II, Polytoxikomanie (Alkohol, Opiate,
Pregabalin, Benzodiazepine) und Schmerz nach Verhaftung im Muskel-
Skelettsystem. Als fixe Medikation wurden als tägliche Dosis Metformin
3000mg, Rivotril 8mg, Pregabalin 600mg, Esomep 40mg verschrieben so-
wie als Reservemedikation Ibuprofen 600mg und bei Entzugssymptomen
Seresta (max. 60mg täglich) vermerkt (vgl. Vi-act. 1084368-29/1).
9.3 Mit ärztlicher Verordnung des Amts für Justizvollzug/Gefängnis
B._ (Anmerkung des Gerichts: undatiert, letztes aufgeführtes Medi-
kament datiert vom 21. Januar 2021) wurden folgende Medikamente ver-
schrieben: am 14. Januar 2021 Metformin 3000mg, Seresta forte 100mg,
Pregabalin 600mg sowie Pantoprazol 40mg. Am 15. Januar 2021 wurde
zusätzlich Quetiapin 100mg verordnet und die Medikation am
21. Januar 2021 um Trittico 200mg und Truxal in Reserve (3x15mg) er-
gänzt (vgl. Vi-act. 1084368-30/4). Dem dazugehörigen medizinischen Ver-
laufsprotokoll ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 27. Januar
2021 dem Arzt mitteilte, er habe in den letzten vier bis fünf Tagen jeweils
nur 3 Stunden geschlafen, da er an Schlafstörungen und Gedankenkreisen
leide. Er habe bis zum Haftantritt jahrelang Alkohol, Kokain und Benzodia-
zepine konsumiert. Aus dem Protokoll geht weiter hervor, dass der Be-
schwerdeführer auf die Abgabe von Valium und Rivotril drängte, dem je-
doch kein Gehör geschenkt wurde, sondern ihm eine Ausschöpfung des
Medikaments Truxal nahegelegt wurde.
9.4 Im Arztbericht der psychiatrischen Gefängnisversorgung, Justizvollzug
und Wiedereingliederung, Kanton C._, vom 5. März 2021, wurde
festgehalten, dass bisher im Rahmen der psychiatrischen Gesundheitsver-
sorgung der Psychiatrischen (...)klinik ([...] ) C._ zwei Konsultatio-
nen (am 21. Januar 2021 und am 16. Februar 2021) stattgefunden hätten.
Beim Beschwerdeführer wurde eine «psychische und Verhaltensstörung
durch psychotrope Substanzen (insbesondere Benzodiazepine)» diagnos-
tiziert. Es wurde weiter festgehalten, den Einträgen des Gefängnisses sei
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer im Vorfeld vor allem Benzodi-
azepine konsumiert habe (vermutlich Rivotril). Im Rahmen der psychiatri-
schen Konsultationen habe er auf Erhöhung des verordneten Benzodiaze-
pins Seresta oder auf eine Umstellung auf Rivotril gedrängt. Auf eine Alter-
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Seite 11
nativmedikation ohne Abhängigkeitspotential habe er sich nur gering ein-
lassen können. Es hätten sich zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf eine akute
Selbst- oder Fremdgefährdung ergeben (vgl. Vi-act. 1084368-33/2).
9.5 Dem Bericht des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Justiz-
vollzugs und Wiedereingliederung, C._, vom 16. März 2021 ist ne-
ben dem bereits im Arztbericht vom 5. März 2021 Festgehaltenen insbe-
sondere zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer unter Suchtdruck leide
und dementsprechend auf Suchtpräparate dränge. Die beigefügte Medika-
tionsliste sowie das beigefügte Verlaufsprotokoll decken sich inhaltlich mit
den oben bereits zusammenfassend wiedergegebenen Dokumenten (vgl.
E. 9.3.).
9.6 Mit infolge des zweiten vom SEM gewährten schriftlichen Gehörs er-
folgter Stellungnahme vom 31. März 2021 präzisiert der Beschwerdeführer,
dass er schon seit dem Jahre 2004 an einer Suchterkrankung leide. Ein
Entzugsversuch war bisher erfolglos verlaufen. Neben seiner Rauschmit-
telabhängigkeit (Kokain und Alkohol) sei er seit einigen Jahren von Ben-
zodiazepinen abhängig.
10.
10.1 Vorab ist festzuhalten, dass suizidale Tendenzen, wie sie vom Be-
schwerdeführer auf Rechtsmittelebene geltend gemacht werden, gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung keine vollzugshindernde Wirkung
entfalten (vgl. Urteil des BGer 2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015
E. 3.2.1). Dies entspricht auch der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
(vgl. unter vielen Urteil des BVGer F-27/2021). Im Übrigen findet dieses
Vorbringen in den medizinischen Akten keine Stütze (vgl. oben E. 9.4 in
fine).
10.2 Primär ist indes die aufgrund der Arztberichte diagnostizierte Polyto-
xikomanie genauer zu betrachten, zumal die alleinige Medikamentenab-
hängigkeit eine besonders schwere Erkrankung darstellen kann (vgl. das
vom Beschwerdeführer zitierte Urteil D-552/2020 vom 5. Februar 2020).
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer ein ausgespro-
chenes Suchtverhalten zeigt und sich nur gering auf eine Alternativmedi-
kation einlassen kann. So mussten die dem Beschwerdeführer zu Beginn
seiner Haft verabreichten Medikamente infolge andauernder Beschwerden
erhöht werden. Im Vordergrund steht dabei seine Sucht nach Benzodiaze-
pinen. Das am 11. Januar 2021 als Reservemedikament verschriebene Se-
E-1770/2021
Seite 12
resta (4x15mg) musste am 14. Januar 2021 auf 100mg täglich als fixe Me-
dikation erhöht werden. Seresta ist ein Benzodiazepin mit Missbrauchs-
und Abhängigkeitspotential. Die dem Beschwerdeführer verschriebene Do-
sis ist zudem als hoch zu bezeichnen (vgl. Hinweise unter < https://com-
pendium.ch/product/13851-seresta-tabl-50-mg-forte >, abgerufen am 26.
April 2021). Die seit dem 27. Januar 2021 gemäss Akten bis dato unverän-
dert gebliebene Medikation des Beschwerdeführers ist auch im Übrigen
beachtlich. Pregabalin ist ein Antiepilektikum, ebenfalls mit Abhängigkeits-
potential, wobei dem Beschwerdeführer die maximale Dosierung ver-
schrieben wurde (< https://compendium.ch/product/1304874-pregabalin-
mepha-kaps-300-mg >, abgerufen am 26. April 2021). Der Beschwerde-
führer erhält zudem das Neuroleptikum mit Suchtpotential Quetiapin
(< https://compendium.ch/product/1237369-quetiapin-mepha-retard-depo-
tabs-50-mg >, abgerufen am 26. April 2021). Dazu kommt, dass er auf-
grund seines Diabetes Mellitus II ein weiteres Medikament hochdosiert ein-
nimmt (3000mg Metformin, < https://compendium.ch/product/1217715-
metformin-spirig-hc-filmtabl-1000-mg >, abgerufen am 26. April 2021). Im
Rahmen eines Gefängnisaufenthaltes erfolgt die Medikamentenabgabe in
überwachter Form. Sein stetes Drängen auf Erhöhung der Dosen (insbe-
sondere der Medikamente mit hohem Abhängigkeitspotential) ist – wie auf
Rechtsmittelebene zu Recht dargetan – als Indiz zu werten, dass der Be-
schwerdeführer sich diesbezüglich nicht unter Kontrolle hat. Die Erheblich-
keit seiner Medikamentenabhängigkeit wird insbesondere durch den Um-
stand bestätigt, dass aus seinem Abusus eine psychische und Verhaltens-
störung resultierte (vgl. Arztbericht der psychiatrischen Gefängnisversor-
gung vom 5. März 2021 oben E. 9.4). Schliesslich ist zu beachten, dass
der Beschwerdeführer zusätzlich an einem Diabetes Mellitus II leidet. Nach
dem Gesagten ist die beim Beschwerdeführer diagnostizierte Medikamen-
tenabhängigkeit als schwere Erkrankung zu qualifizieren (vgl. hierzu das
Urteil des BVGer F-27/2021 E. 9.3 f.).
10.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-962/2019 vom
17. Dezember 2019 in Bezug auf schwer erkrankte Asylbewerber, die so-
fort nach der Ankunft in Italien auf lückenlose medizinische Versorgung an-
gewiesen sind, das SEM verpflichtet, individuelle Zusicherungen betref-
fend die Gewährleistung der nötigen medizinischen Versorgung und Unter-
bringung bei den italienischen Behörden einzuholen (vgl. a.a.O., E. 7.4.3).
Der Beschwerdeführer fällt aufgrund seiner schweren Erkrankung in die
Kategorie der besonders vulnerablen Personen.
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Seite 13
10.4 Der physische und psychische Zustand des Beschwerdeführers in
seiner Gesamtheit dürfte einen nahtlosen Zugang zu medizinischer Versor-
gung notwendig machen. Insbesondere die aktenkundige Medikamenten-
abhängigkeit erlaubt es nicht, die aktuell verordneten Medikamente dem
Beschwerdeführer in Reserve als Überbrückung mitzugeben, da – wie be-
reits in seiner Stellungnahme vom 31. März 2021 und in seiner Beschwer-
deschrift vom 19. April 2021 betont wird – ein Missbrauch aufgrund des
Krankheitsbildes als sehr wahrscheinlich zu erachten ist. Ob ein nahtloser
Zugang zur medizinischen Versorgung derzeit in Italien gewährleistet wäre
beziehungsweise der Beschwerdeführer unter Geltung des neuen Geset-
zesdekrets Nr. 130/2020 zur Modifikation zentraler Bestimmungen des
«Salvini-Dekrets» angemessen betreut und untergebracht würde, steht
nicht eindeutig fest. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass er
bei einer Überstellung nach Italien mit dem realen Risiko einer ernsten,
raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung seines Gesundheits-
zustandes konfrontiert würde (vgl. zum Ganzen grundlegend Referenzur-
teil E-962/2019 E. 6.2.7 und E. 7.4; ferner Urteile des BVGer F-27/2021
vom 25. Februar 2021 und F-431/2020 vom 29. Januar 2020 E. 5.6 f.). Ob
die Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien aber tatsächlich eine
Verletzung von Art. 3 EMRK darstellen würde, lässt sich aufgrund der be-
stehenden Aktenlage nicht abschliessend beurteilen.
10.5 Vor diesem Hintergrund hätte die Vorinstanz genauere Abklärungen
treffen und gegebenenfalls prüfen müssen, ob die Souveränitätsklausel an-
zuwenden wäre. Der Sachverhalt erweist sich somit als unvollständig er-
hoben (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG;
BVGE 2016/2 E. 4.3). Es ist sinnvoll und angezeigt, die Sache zur weiteren
Abklärung des Gesundheitszustands sowie zur Neubeurteilung an die Vor-
instanz zurückzuweisen (Art. 61 Abs. 1 VwVG; BVGE 2016/2 E. 4.4
m.w.H.; BVGE 2015/9 E. 7 und 8).
10.6 Die Vorinstanz wird angehalten, eine fachärztliche Stellungnahme
zum Ausmass der bestehenden Medikamentenabhängigkeit und zu den
möglichen Konsequenzen eines allfällig verzögerten Zugangs des Be-
schwerdeführers zu einer adäquaten medizinischen Versorgung in Italien
einzuholen. Sie wird dabei die allfälligen Auswirkungen einer Reduktion der
ärztlichen Betreuung auf eine Notfallversorgung, respektive die Auswirkun-
gen einer zeitweiligen Unterbrechung der Behandlung auf seinen physi-
schen und psychischen Gesundheitszustand zu beurteilen haben. Nach
vollständig abgeklärtem Sachverhalt wird sie zu prüfen haben, ob sich die
Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien als zulässig im Sinne des
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/9
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Völkerrechts erweisen würde. Sollte die Zulässigkeit der Überstellung zu
bejahen sein, wäre die Vorinstanz anzuweisen, bei den italienischen Be-
hörden individuelle Zusicherungen betreffend die Gewährleistung der nöti-
gen medizinischen Versorgung und Unterbringung einzuholen (vgl.
E. 10.3). Sollte sich die Überstellung als unzulässig im Sinne der EMRK
oder einer anderen die Schweiz bindenden völkerrechtlichen Bestimmung
herausstellen oder die Vorinstanz seitens Italiens keine entsprechenden
Zusicherungen erhalten, wäre sie gehalten, erkennbar individuell und in
Würdigung der konkreten Umstände die Anwendung der Souveränitäts-
klausel zu prüfen.
11.
Die Beschwerde erweist sich im Eventualantrag als begründet. Sie ist –
soweit damit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz beantragt werden – gutzuheissen.
Die angefochtene Verfügung vom 12. April 2021 ist in Anwendung von Art.
61 Abs. 1 in fine VwVG aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägun-
gen zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung sowie zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Vor diesem Hintergrund erübrigt es
sich, die übrigen vorinstanzlichen Erwägungen zu würdigen beziehungs-
weise auf die Ausführungen in der Beschwerdeschrift (...) weiter einzuge-
hen.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer
keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gesuche um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sind folglich gegenstandslos geworden.
12.2 Dem Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszurichten,
da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertre-
tung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund
nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch
Art. 111ater AsylG).
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