Decision ID: 3f504193-43d5-4099-8371-9961b47136bf
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
Mit Eingabe vom 3
1.
März 2017 liess
X._
Klage gegen die
«
Pensionskasse der
Y._
»
erheben und beantragen, die Beklagte sei zu verpflichten, ihr die Pensionskassenleistungen und die Prämienbefreiung im Umfang von 50
%
samt 5
%
Zins ab
7.
April 2016 zu bezahlen. In prozessualer Hinsicht liess sie um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
ersuchen (
Urk.
1 S. 2). Nachdem von der
Y._
die zuständige Pensionskasse nicht in Erfah
rung zu bringen war (vgl.
13, 17, 21
), traf das Gericht selber Abklärungen. Diese ergaben, dass es sich bei der Pensionskasse der
Y._
um die BVG-Sammelstiftung Swiss Life handelt (
Urk.
23, 25,
26,
30, 35). Diese schloss in der Klageantwort vom 1
5.
November 2017 auf Abweisung der Klage (
Urk.
33 S. 2). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträ
gen fest (
Urk.
37, 42).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Nach
Art.
2
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenvorsorge
(
BVG
) in der im Jahr 2012
gültig gewesenen und hier anwendbaren Fassung unterstehen der obligatorischen Versicherung Ar
beitnehmer, die das 1
7.
Altersjahr vollendet haben und bei einem Arbeitgeber eine
n Jahreslohn von mehr als
Fr.
20'8
80.--
beziehen (
Abs.
1). Der Bundesrat bestimmt, welche Arbeitnehmer aus besonderen Gründen nicht der obligatori
schen Versicherung unterstellt sind (
Abs.
4
).
Gemäss
Art.
1
j
Abs.
1
lit
. b
der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversicherung (
BVV2
)
in der im Jahr 2012
gültig gewe
senen und hier anwendbaren Fassung sind Arbeitnehmer mit einem befristeten Arbeitsvertrag von höchstens drei Monaten der obligatorischen V
ersicherung nicht unterstellt. I
m Falle der Verlängerung des Arbeitsverhältnisses über die Dauer von drei Monaten hinaus sind sie von dem Zeitpunkt an versichert, in welchem die
Verlängerung vereinbart wurde (
Art.
1k
lit
. a BVV2).
Im Gesamtarbeitsvertrag Personalverleih (Stand 2
1.
Dezember 2011,
Urk.
2/5 Anhang) wird ebenfalls festgehalten, dass
Arbeitnehmende
mit zeitlich be
schränkten Verträgen bis zu drei Monaten nicht versicherungspflichtig sind (
Art.
31
Abs.
2).
Im Rahmenarbeitsvertrag (
Urk.
14/2; vgl. hierzu nachfolgend E. 2) wird festge
legt, dass die Arbeitnehmer/innen nur in Falle eines unbefristeten oder über drei
Monate hinaus befristeten Einsatzvertrages vom ersten Tag an der BVG-Pflicht unterstehen (
Ziff.
C. 14).
2.
Gestützt auf einen Rahmenarbeitsvertrag (datiert auf den 2
9.
November 2011,
Urk.
14/2) schloss
en die Klägerin und die
Y._
am 2
8.
November 2011 den Einsatzvertrag Nr. 70376 (temporärer befristeter Einsatz) ab (
Urk.
2/4). Als Arbeitsbeginn wurde der
1.
Dezember 2011 festgelegt. Laut dem Rahmenar
beitsvertrag,
der integrierender Bestandteil
des Einsatzvertrags bildet, gelten beim ersten Einsatz die ersten drei Monate effektiver Arbeitszeit als Probezeit
. Weiter wird darin bestimmt
, dass der erste Einsatzvertrag auf eine Maximaldau
e
r von drei Monaten befristet ist
, jedoch vorzeitig aufgelö
st werden kann
(
Urk.
14/2
Ziff.
B.1).
Dieser von der Klägerin ins Feld geführte Einsatzvertrag, welcher als Arbeitsende den «00.00.0000» nennt, kann nicht als unbefristeter Einsatzvertrag gefasst werden, war doch im Rahmen des ersten Einsatzvertrages eine Anstellung über drei Monate gar nicht möglich.
Der Einsatzvertrag
Nr. 70376
wurde in der Folge
vorzeitig bee
ndet, indem die Klägerin und die
Y._
per
1.
Januar 2012 einen neuen,
auf einen Monat
(bis 3
1.
Januar 2012)
befristeten Einsatzvertrag
(Einsatzvertrag
Nr. 72531
)
ab
schloss
en
(
Urk.
14/3).
3.
Nicht der abgeschlossene Rahmenarbeitsvertrag bestimmt die rechtliche Dauer des Arbeitsverhältnisses,
so
ndern die individuellen Arbeitsvertr
äge (Bundesge
richtsurteil 8C_403/09 vom
1.
September 2009 E. 3). Vorliegend bestanden zwei Arbeitsverhältnisse von je einem Monat
.
Ob es
sich dabei um «unerlaubte Kettenverträge» handelte, kann
offen bleiben
, denn die Dauer mehrerer Einsätze wird laut Rahmenarbeitsvertrag ohnehin zusammengezählt (
Ziff.
C. 14). Aller
dings wird auch bei gesamthafter Betrachtung keine Anstellungsdauer von drei Monaten erreicht. Damit ist erstellt,
dass
die Voraussetzungen für
Versiche
rungspflicht
gemäss
BVG
-
Obligatorium
nicht gegeben waren
.
Die Kl
age ist folg
lich abzuweisen. Im Übrigen besteht für
die Feststellung der Leistungspflicht ei
ner am Verfahren nicht beteiligten Partei, wie vom Kläger weiter g
ewünscht (
Urk.
37 S. 3),
keine
rechtliche
Grundlage.
4.
Die
Klage war
von Vornherein aussichtslos. Daran ändert nichts, dass es die
Y._
(auch vorprozessual) unterliess, die zuständige Pensionskasse mitzu
teilen (vgl. dazu
Urk.
26).
Die genaue Kenntnis der zuständigen Pensionskasse hätte
am Ausgang des Verfahrens nichts geändert. Für
die blosse Durchsetzung des Anspruchs auf Auskunftserteilung gegenüber der Arbei
tgeberin (
vgl.
Art.
331
Abs.
4 des Obligationenrechts,
OR) wäre das
Arbeitsgericht
zuständig gewesen
.
Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens traf das So
zialversicherungs
gericht die nötigen Abklärungen. Insofern hatte die Klägerin keine zusätzlichen Aufwendungen.
Angesichts der Aussichtslosigkeit der Klage ist das Begehren um unentgeltli
che Rechtsvertretung abzuweisen (vgl. dazu bereits
Urk.
16, 35).
Soweit die Beklagte eine Entschädigung beantragt (
Urk.
33 S. 2) ist festzuhalten, dass
den Trägern
der beruflichen Vorsorge
gemäss
BVG b
eziehungsweise den mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen
praxisgemäss
keine
Parteientschädigung
zugesprochen
wird
.
Das Gericht beschliesst
:
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung wird abgewiesen,
und erkennt:
1.
Die
Klage
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Kreso
Glavas
-
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.