Decision ID: 697d2a04-dcab-4dac-a441-d1cc178032bd
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960,
war
seit Januar 2007
als Unterhaltsreinigerin bei der
Y._
AG angestellt, als sie
am 2
8.
März 2015 während eines Auslandaufent
haltes v
erunfallte
und sich
am linken Fussgelenk verletzte
(
Urk.
9/5/7
Ziff.
1-6 und 9
,
Urk.
9/5/20
).
Die Suva
richtete für die Fol
gen des Unfalles
Ver
sicherungsleistungen
aus
(
vgl.
Urk.
9/5/10-11).
Am
2
7.
Juni 20
16
meldete sich die Versicherte
bei der Invalidenversicherung zum Leistun
gsbezug an (
Urk.
9/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche Abklärungen (
Urk.
9/9,
Urk.
9/25) und zog Akten
der Suva (
Urk.
9/5,
Urk.
9/13-14,
Urk.
9/21,
Urk.
9/23) und
des Kranken
taggeldversicherers
(
Urk.
9/20
)
bei.
A
m
3.
Oktober 2016
meldete sich die Versi
cherte
erneut bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/15).
Die Suva stellte
ihre
Versicherungsleistungen
per
1.
März 2017 ein
, was
sie
der Versicherten am 1
0.
Februar 2017 mitteilte
(
Urk.
9/23/19
-20
).
Die IV-Stelle führte
in der Folge
eine Haushaltabklärung durch
(
Urk.
9/26). Am
3.
August 2017 (
Urk.
9/28)
erliess sie
den Vorbescheid, wogegen die Versicherte am 1
6.
August 2017 (
Urk.
9/32) Einwände vorbrachte.
Mit Verfügung vom 2
8.
September 2017 (
Urk.
9/37 =
Urk.
2) verneinte die IV
Stelle einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 1
2.
Oktober 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
8.
September 2017 (
Urk.
2). Sinngemäss beantragte
sie die
Zusprache
einer Rente (
Urk.
1).
Am
2
7.
November 2017 (
Urk.
5) reichte die Versicherte dem Gericht weitere Akten (
Urk.
6/1-4) ein.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Dezember 2017 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 18.
Dezember 2017 z
ur Kenntnis gebracht (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (
BGE
125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte darauf ab,
dass es sich
bei den
geklagten
Beschwerden um reine Unfallfolgen handle.
Sie
hielt
dazu
im ange
fochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest
,
b
ezüglich der Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin schliesse sie sich vollumfänglich den Einschätzungen der Suva an
(S. 1)
.
G
emäss Einkommensvergleich
resultiere für den Erwerbsbereich
keine
Einbusse
.
Nach der durchgeführten Haushaltabklärung vom
9.
Mai 2017 liege auch keine Einschränkung im Haushalt vor (S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführer
in
machte
dagegen
geltend, es bestehe eine volle Arbeits
unfähigkeit. Ihr gesundheitlicher Zustand habe sich leider nicht verbessert. Sie kämpfe permanent mit starken Schmerzen (
Urk.
1).
Zirka seit zehn Jahren leide sie an konstanten Kopfschmerzen, Schlafstörungen und an Depression
en
. Ihr gesundheitlicher Zustand erlaube ihr nicht, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen (
Urk.
5 Mitte).
2.3
Strittig ist, ob ein Rentenanspruch besteht.
Dabei ist zu prüfen
, ob reine Unfall
folgen vorliegen und ob sich die Beschwerdegegnerin der Beurteilung des Unfallversicherers anschliessen durfte.
3.
3.1
Gemäss Schadenmeldung
des Arbeitgebers
vom 2
2.
April 2015
stürzte
die Beschwerdeführerin am 2
8.
März 2015 während eines Auslandaufenthaltes im Kosovo
und verletzte sich am
linken
Fuss
gelenk
(
Urk.
9/5/7
Ziff.
2,
4-6 und 9).
Am
8.
April 2015 wurde sie im Stadtspital
Z._
operiert (vgl.
Urk.
9/5/24-25).
3.2
Die Beschwerdeführerin war vom
5.
bis 1
5.
April 2015 im Stadtspital
Z._
hospitalisiert (
Urk.
9/5/22).
Die
Ärzte des Stadtspitals
Z._
stellten im Aus
trittsbericht vom 1
0.
April 2015 (
Urk.
9/5/22-23) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Bimalleolarfraktur
links
-
Status nach Sturz am 2
8.
März 2015 und Erstversorgung
mit
Gips im Kosovo
-
Diabetes mellitus
-
chronische Kopfschmerzen
-
Differentialdiagnose: Spannungskopfschmerzen,
somatoforme Stö
rung
-
chronische Bauchschmerzen, Differentialdiagnose: Obstipation
-
Adipositas
3.3
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates,
nannte
im Bericht
vom 2
9.
August 2016 (
Urk.
9/13) als Diagnosen (S. 1):
-
postoperative
retraktile
Kapsulitis
Schulter links mit assozi
i
erten
Myoge
losen
Musculus
trapezius
und
periscapulär
links bei
-
Status nach Schulterarthrosko
pie links mit
Tenodese
der Bizep
s
longus
Sehne und
subak
r
omialer
Dekompression bei
-
posttraumatischem
subacromialem
Schmerzsyndrom links mit insta
biler Bizeps
-
longus
-
Sehne be
i Limbus-Läsion
supero-posterior
SLAP III nach Distorsionstrauma am 2
8.
März 2015 Schulter links
Dr.
A._
führte
in der Beurteilung
aus, bei der Patientin bestehe noch eine
residuelle
f
rozen
s
houlder
. Dadurch bedingt sei die AC-Region bei Bewegungen stark belastet und es komme reflektorisch zu einer Irritation im Bereich des AC
Gelenkes. Derzeit stünden vor allem Muskelschmerzen über dem
Trapezius
muskel
und im Bereich des AC-Gelenkes im Vordergrund.
Daher sei
eine diagnostische und therapeutische Infiltration in das linke AC-Gelenk durchge
führt worden. Die Patientin sei noch bis Ende Oktober 2016 zu 100
%
arbeits
unfähig.
Ihre Arbeitsstelle habe sie bereits verloren
(S. 2).
3.4
Die Beschwerdeführerin wurde am 1
5.
Dezember 2016 durch Suva-Kreisärztin
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Chirurgie, untersucht.
Dr.
B._
stellte im
gleichentags erstellten Bericht
(
Urk.
9/21) folgende Diagnosen (S. 6):
-
Restbeschwerden im Bereich des linken oberen Sprunggelenkes bei Status nach osteosynthetisch versorgter
Bimalleolarfraktur
im April 2016, Metallentfernung im Mai 2016
-
m
edikamentenpflichtiger Diabetes mellitus
-
chronische Kopfschmerzen
-
Restbeschwerden im Bereich der linken Schulter bei Status nach Schul
terarthroskopie,
subakromialer
Dekompression,
Bizepstenodese
Dezember 2015
Dr.
B._
führte aus, die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass es ihr nicht gut gehe. Sie habe immer Schmerzen im Fuss. Es sei ein Dauerschmerz
im Aus
mass
von vier bis fünf auf der Schmerzskala vorhanden. Unter Belastung gehe
dieser
auch
auf einen Wert von
sieben bis acht (S. 4 oben).
Bildgebend hätten sich am 2
7.
Juni 2016 ein Status nach Metallentfernung bei konsolidierter
Bimalleolarfraktur
links und eine regelrechte Artikulation des oberen Sprunggelenkes gezeigt. Anhaltspunkte für eine
Osteolyse
oder Zeichen
für eine
Knochendestruk
tion bestünden nicht (S. 6 oben).
Die Beschwerde
führerin habe
sich im März 2015 bei einem Treppensturz
eine
bimalleoläre
Fraktur links zugezogen.
Sekundär sei a
m
8.
April 2015 eine Osteosynthese
durchgeführt worden
. Der Eingriff sei soweit komplikationslos verlaufen.
Der weitere Verlauf habe sich aber protrahiert gestaltet bei persistierenden Schmer
zen und einer Weichteilschwellung.
Im Verlauf seien auch Schulterschmerzen links geklagt worden.
Die eingeleitete
Artho
-
MRI
-Diagnostik zeige eine diskrete
Ansatztendinopathie
der
Supraspinatussehne
und
der
Infraspinatussehne
mit diskret aktivierter AC-Gelenksarthrose. Die Schulterbeschwerden seien bereits im Dezember 2015 kreisärztlich al
s unfallfremd beurteilt worden.
Bei per
sistierenden Beschwerden im Bereich des linken oberen Sprunggelenkes habe man sich zur Metallentfernung vom 1
0.
Mai 2016 entschlossen. Der Eingriff sei komplikationslos verlaufen. Im weiteren Verlauf sei es zu einer Wundheilungs
störung im
Bereich des medialen
Malleolus
mit mehr
eren
Wunddébridements
gekommen (S. 6 unten).
Die Beschwerdeführerin habe bei der heutigen Untersuchung angegeben, dass sich die Situation durch die Metallentfernung gesamthaft nicht verändert habe und weiterhin die gleichen Beschwerden im Bereich des linken oberen Sprung
gelenkes
bestünden
. Insgesamt gehe es ihr schlecht. Sie
habe immer Schwindel, Atemnot und
Kopfschmerzen. Auch die Beweglichkeit der Schulter sei einge
schränkt
. Gesamthaft sei sie mit dem
Heilungsverlauf
im
derzeitigen körperli
chen Zustand sehr unzufrieden
(S. 6 f.).
Die Beschwerdeführerin habe sich bei der klinischen Untersuchung in einem reduzierten Allgemein- und einem guten Ernährungszustand präsentiert. Gesamthaft mache sie einen sehr in sich gekehr
ten, depressiven Eindruck. Unter körperlicher Belastung komme es rasch
zu einer
Kurzatmigkeit mit einem Druck- und Engegefühl im Brustbereich und zu einem Schweissausbruch.
Klinisch zeige sich eine eingeschränkte Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk. Im Bereich des linken Beines zeige sich eine vermin
derte Belastbarkeit, Stabilität und
Propriozeption
.
Bei ausgesprochener Berüh
rungsempfindlichkeit der Narbe de
s linken oberen Sprunggelenkes
medial/lateral und elektrisierender Schmerzen in den
Vorfuss
medial werde vor der abschliessenden Beurteilung eine neurologische Standortbestimmung empfohlen (S. 7).
3.5
Nach Vorliegen eines Berichtes von
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Neurologie, vom
5.
Januar 2017 (
Urk.
9/23/12-14)
über eine neurologische Untersuchung vom
3.
Januar 2017
nahm
Kreisärztin
Dr.
B._
in einer Beur
teilung vom
6.
Februar 2017 (
Urk.
9/23/17-18)
zu den Fragen der Suva Stellung.
Dr.
B._
gab an, die neu
von
Dr.
C._
dokumentierten neuropathisch anmu
tenden Schmerzen im Bereich des linken oberen
Sprunggelenkes nach Osteosynthese und Metallentfernung seien mit überwiegender Wahrscheinlich
keit auf die operative Sanierung beziehungsweise auf die Fraktur des oberen Sprunggelenkes zurückzuführen. Ebenso seien die im kreisärztlichen Bericht dokumentierte Bewegungseinschränkung sowie
eine
verminderte Belastbarkeit, Stabilität und
Propriozeption
im Bereich des linken oberen Sprunggelenkes als unfallkausal zu betrachten (S. 1
Ziff.
1).
In der Zusammenschau der objektiven Befunde schätz
t
e
Dr.
B._
die Beschwerdeführerin in einer leichten, wechsel
belastenden Tätigkeit, ohne Zwangshaltung für den linken Fuss, ohne kniende,
kauernde Tätigkeiten und ohne Gehen auf unebenem Gelände und mit nur sel
tenem Treppensteigen als ganztägig arbeitsfähig
ein
(S. 2
Ziff.
2).
3.6
Die Beschwerdegegnerin veranlasste am
9.
Mai 2017
(
Urk.
9/26 S. 1)
eine Haus
haltabklärung
bei der Beschwerdeführerin
.
Im Abklärungsbericht vom
9.
Mai 2017 wurde die Beschwerdeführerin als zu 57
%
im Erwerbsbereich und zu 43
%
im Haushalt
Tätige
qualifiziert (S. 3
Ziff.
2.6).
Die Abklärung ergab keine Einschränkung im Haushalt (S. 7
Ziff.
6.8).
3.7
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, Regionalärztlicher Dienst der Beschwer
degegnerin (RAD),
nannte
in
der
Stellungnahme vom 1
0.
April 2017 (
Urk.
9/27 S. 4 f.) als Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
einen Zustand nach Sturz auf einer Treppe vom 2
8.
März 2015 mit
Bimalleolarfraktur
links, Erstversorgung mit Gips im Kosovo, operativer Sanierung vom
8.
April 2015, Entfernung des
Osteosynthesematerials
vom 1
0.
Mai 201
5.
Weiter nannte er als Diagnosen einen Zustand nach Distorsions
trauma der linken Schulter vom 2
8.
März 2015 mit posttraumatischem
sub
acromialem
Schmerzsyndrom links mit instabiler Bizeps-
longus
-Sehne bei Limbus-Läsion
supero-posterior
SLAP III,
sowie
eine
n
Zustand nach Schulter
arthroskopie links und postoperativer
retraktiler
Kapsulitis
mit assoziierten
Myelogenosen
(S. 4).
Für
die bisherige Tätigkeit als Putzfrau habe vom 2
8.
März 2015 bis 3
1.
Mai 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Vom 1
2.
bis 1
7.
September 2016 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestanden. Seit dem 1
6.
September 2016 bestehe bis auf Weiteres wieder eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Zu vermeiden seien Tätigkeiten in Zwang
shaltungen für den linken Fuss und
Tätigkeiten
,
die
ein
Heben, Tra
gen und Transportieren von Lasten
erforderten
.
Weiter seien
das Besteigen von Treppen, Leitern und Gerüsten in kniender oder kauernder Körperhaltung
zu vermeiden sowie eine
überwiegende Geh- und Stehbelastung. In einer solchen angepassten Tätigkeit bestehe seit dem
1.
März 2017 bis auf Weitere
s eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%. Überwiegend sitzend ausgeübte (angepasste) Tätigkeiten mit leichter Wechselbelastung seien medizi
nisch-theoretisch zu 100 % zumutbar (S. 5).
3.8
Dr.
med.
E._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates,
Leitender Arzt Orthopädie, Stadtspital
Z._
, nannte
im Bericht
vom 1
3.
September 2017 (
Urk.
3/1) als Diagnose Restbe
schwerden bei Status nach Osteosynthese einer
Bimalleolarfraktur
links im April 2015 und Status nach Metallentfernung im Mai 201
6.
Die Patientin sei seit dem Unfall vor zweieinhalb Jahren im Reinigungsdienst voll arbeitsunfähig.
Ein einmaliger Arbeitsversuch sei gescheitert.
Sie
habe ihre Anstellung verloren.
Zuletzt durchgeführte Testspritzen hätten zu
k
einer kurzfristigen Linderung der chronischen Schmerzsituation geführt.
3.9
Dr.
E._
stellte
im Bericht
vom 2
9.
September 2017 (
Urk.
6/3)
nach
der
Unter
suchung
vom 1
5.
September 2017
(Drei-Phasen-Skelettszintigraphie)
neu die Diagnose einer aktivierten Arthrose des oberen Sprunggelenkes links.
Dr.
E._
führte weiter aus,
szintigraphisch
zeige sich eine aktive Arthrose im
Tibiotalargelenk
links. Zusätzlich bestünden eine aktivierte Arthrose zwi
schen OS
cuneiforme
mediale und
intermedius
und im MTP I Gelenk. Die Pati
entin werde für eine Sprechstunde in der Universitätsklinik
Balgrist
aufgeboten mit der Frage, ob eine operative Behandlung das Beschwerdebild verbessern könne.
3.10
Die
Hausärztin
Dr.
med.
F._
, praktische Ärztin, führte
im
Schreiben
vom 1
8.
Oktober 2017 (
Urk.
3/2 =
Urk.
6/1) aus, die Beschwerdeführerin klage
un
verändert über
Schmerzen im linken Sprunggelenk. Eine operative Therapie sei geplant.
3.11
PD
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte
im Bericht
vom 2
1.
November 2017 (
Urk.
6/2) aus, die Patientin sei ihm von
ihrer
Hausärztin wegen einer therapieresistenten depressiven Erkrankung überwiesen worden. Die Patientin habe über Kopfschmerzen berichtet, welche seit zirka zehn Jahren bestünden und die in den letzten Monaten zugenommen hätten. Die Schmerzen seien
occipital
lokalisiert.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin zog sich
beim
Unfall vom 2
8.
März 2015
eine
Bimalleolar
fraktur
am linken oberen Sprunggelenk zu, die am
8.
April 2015 operativ
versorgt
worden ist
(E. 3.1 und
3.2
hiervor).
Die Beschwerdeführerin klagt
weiterhin
über Schmerzen am linken Sprunggelenk
.
Daneben
ist sie in der Beweglichkeit des linken Schultergelenkes eingeschränkt
(E. 3.3)
.
Gemäss
PD
Dr.
G._
befindet sich die Beschwerdeführerin
zudem
wegen einer depressiven Störung
in psychiatrischer Behandlung
(vgl. E. 3.11 hiervor).
Die Beschwerdeführerin wurde b
ei
der Haushaltabklärung vom
9.
Mai 2017
als
zu 57
%
im Erwerbsbereich und zu 43
%
im Haushalt
Tätige
qualifiziert (E. 3.6 hiervor).
Für den Erwerbsbereich besteht nach
übereinstimmender ärztlicher Beurteilung in der angestammten Tätigkeit in der Reinigung keine Arbeits
fähigkeit mehr.
4.2
Die Beschwerdegegnerin schloss sich der Beurte
i
lung des Unfallversicherers an. Dieser kam gestützt auf
Kreisärztin
Dr.
B._
zur Einschätzung, dass der
Beschwerdeführerin in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit zugemutet werden könne
(E. 3.5 hiervor)
.
Gegen dieses Vorge
hen
der Beschwerdegegnerin
spricht
, dass die Suva
eine
Leistungspflicht
für die Folgen
einer dokumentierten
Verletzung des linken Schultergelenkes
ausdrück
lich abgelehnt hatte
(
Urk.
9/5/
126-127
)
.
Bezüglich dieser Beschwerden
fehlen
aktuelle
Angaben zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
Von der Beschwerdegegnerin wurde demnach
nicht abgeklärt
und
es
bleibt unklar, ob die Beschwerdeführerin aufgrund
der
geklagten
Beschwerden an der linken Schulter
zusätzlich in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
Nach den Schreiben von
Dr.
E._
vom 1
3.
und vom 2
9.
September 2017 und
jenem der
Hausärztin von 1
8.
Oktober 2017 ist wegen
der Situation am
linken Sprunggelenk
erneut
eine
Operation geplant (E. 3.8-3.10).
Die medizini
sche Behandlung ist demnach noch nicht abgeschlossen.
Zudem stehen psychi
sche Beschwerden im Raum.
Bei dieser Sachlage erscheint eine umfassende
medizinische
Ab
klärung inklusive der Schulter- und allfälliger psychischer Beschwerden
angezeigt, wobei zunächst das Ergebnis der geplanten Operation
am linken Fussgelenk
abzuwarten ist.
Nach den vorliegenden Akten ist zudem nicht auszuschliessen, dass
sich
mittlerweile eine Schmerzs
törung entwickelt haben könnte (vgl. die von den Ärzten des Stadtspitals
Z._
im Austrittsbe
richt vom 1
0.
April 2015 gestellte Differentialdiagnose einer somatoformen Stö
rung, E. 3.2).
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesge
richts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.4
Zusammenfassend ist die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung zu
Unrecht von reinen U
nfallbeschwerden ausgegangen
und hat sich der Beur
teilung des Unfallversicherers angeschlossen
.
Namentlich
bleibt unklar, ob und wie sich die weiteren Beschwerden an der linken Schulter sowie allfällige psychische Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
einer angepassten Tätigkeit auswirken. Zudem ist die medizinische Behandlung betreffend das linke Fussgelenk noch nicht abgeschlossen. Der
medizinische Sachverhalt
erweist sich
demzufolge
als unzureichend abgeklärt.
In
Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung
vom 2
8.
Sep
tember 2017
aufzuheben und die Sache zur ergänzenden Abklärung des medizi
nischen Sachverhaltes an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Anschlies
send hat die Beschwerdegegnerin über einen Rentenanspruch der Beschwerde
führerin neu zu verfügen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
600.—
festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.