Decision ID: 38ded48a-01f1-44c9-8f71-b3a2d901504b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die brasilianischen Untersuchungsbehörden im Zusammenhang mit Ge-
schäftsaktivitäten der (halb-)staatlichen E. umfangreiche Untersuchungen
wegen Korruptions-, Bestechungs-, Geldwäscherei- und anderen verbreche-
rischen Handlungen führen;
- die brasilianischen Behörden mit Rechtshilfeersuchen vom 7. Juni 2018 in
diesem Zusammenhang die schweizerischen Behörden um die Beschlag-
nahme von Bankbeziehungen ersuchen;
- das Bundesamt für Justiz der Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») das
Ersuchen zum Vollzug übertrug und die BA mit Verfügung vom 28. Januar
2019 auf das Rechtshilfeersuchen eintrat;
- die BA am 30. Januar 2019 bei der Bank F. die Vermögensbeschlagnahme
betreffend die Geschäftsbeziehung 1, lautend auf die C. Ltd., anordnete;
- die BA am 30. Januar 2019 bei der Bank F. die Vermögensbeschlagnahme
betreffend die Geschäftsbeziehung 2, lautend auf die D. Ltd., anordnete;
- die BA mit einer Schlussverfügung vom 3. Mai 2019 verfügte, dass dem
Rechtshilfeersuchen der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Pa-
ranà (BR) vom 7. Juni 2018 im Sinne der Erwägungen entsprochen wird und
die Sperre des Kontos mit der Stamm-Nr. 1, lautend auf die C. Ltd., aufrecht-
erhalten wird;
- die BA mit einer weiteren Schlussverfügung vom 3. Mai 2019 verfügte, dass
dem Rechtshilfeersuchen der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaa-
tes Paranà (BR) vom 7. Juni 2018 im Sinne der Erwägungen entsprochen
wird und die Sperre des Kontos mit der Stamm-Nr. 2, lautend auf die D. Ltd.,
aufrechterhalten wird;
- mit Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2019.128 vom 3. Juli 2019 die
Beschwerdekammer auf die von A. und B. gemeinsam erhobene Be-
schwerde gegen die Schlussverfügungen vom 3. Mai 2019 nicht eintrat; die-
ser Entscheid unangefochten blieb;
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- A., B., die C. Ltd. und die D. Ltd. am 24. Juli 2019 an die BA gelangten und
(in Wiedererwägung der Schlussverfügungen vom 3. Mai 2019) um Aufhe-
bung der Kontensperren ersuchten (act. 1.5);
- die BA mit Schreiben vom 6. August 2019 A., B., der C. Ltd. und der D. Ltd.
mitteilte, dass die betreffenden Schlussverfügungen nicht neu beurteilt wür-
den und die Kontensperren aufrechterhalten blieben (act. 1.6);
- gegen das Schreiben vom 6. August 2019 A., B., die C. Ltd. und die D. Ltd.,
alle vertreten durch Rechtsanwalt Christophe Wilhelm, am 19. August 2019
gemeinsam Beschwerde erheben (act. 1);
- die BA am 10. September 2019 der Beschwerdekammer aufforderungsge-
mäss ihre Akten zustellte (act. 9);
- die BA am 24. Januar 2020 der Beschwerdekammer eine Kopie eines
Schreibens der BA vom 24. Januar 2020 an Rechtsanwalt Christophe Wil-
helm zustellte (act. 11).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten die
Bestimmungen des VwVG anwendbar sind (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37
Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (Art. 12
Abs. 1 IRSG);
- gemäss Art. 80e Abs. 1 IRSG die Verfügung der ausführenden kantonalen
Behörde oder der ausführenden Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfever-
fahren abgeschlossen wird, zusammen mit den vorangehenden Zwischen-
verfügungen der Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstraf-
gerichts unterliegt;
- der Schlussverfügung vorangehende Zwischenverfügungen selbständig an-
gefochten werden können, sofern sie einen unmittelbaren und nicht wieder
gutzumachenden Nachteil bewirken (lit. a) durch die Beschlagnahme von
Vermögenswerten und Wertgegenständen oder (lit. b) durch die Anwesen-
heit von Personen, die am ausländischen Prozess beteiligt sind (Art. 80e
Abs. 2 IRSG);
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- die Verfügung, mit welcher eine Vermögenssperre angeordnet wird, eine
Zwischenverfügung im Sinne von Art. 80e Abs. 2 IRSG ist; die Kontoinhaber
bei der Behörde, welche die Vermögenssperre angeordnet hat, jederzeit die
Aufhebung der Sperre beantragen können (BGE 129 II 449 E. 2.5); der Ent-
scheid, mittels welchem die ausführende Behörde ein solches Gesuch um
Aufhebung der Beschlagnahme abweist, eine Zwischenverfügung darstellt,
denn er beendet das Beschlagnahmeverfahren nicht (TPF 2007 124 E. 2.2);
Verfügungen, die die Abweisung von Gesuchen um Freigabe von Vermö-
genswerten zum Gegenstand haben, welche nach Rechtskraft der Schluss-
verfügung betreffend die Beschlagnahme der Gegenstände oder Vermö-
genswerte und nach längerer Zeit gestellt werden, prozessual als Schluss-
verfügung zu qualifizieren sind (TPF 2007 124 E. 2; vgl. zum Ganzen zuletzt
u.a. Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2019.233 vom 2. Oktober 2019
m.w.H.);
- das vorliegend angefochtene Schreiben vom 6. August 2019 eine Zwischen-
verfügung darstellt; insofern der Ansicht der Beschwerdeführer, dass es sich
um eine Schlussverfügung im Sinne von Art. 80e Abs. 1 IRSG handle, weil
es sich um einen Wiedererwägungsentscheid betreffend eine Schlussverfü-
gung handle, nicht gefolgt werden kann;
- das vorliegend angefochtene Schreiben vom 6. August 2019 dann pro-
zessual als Schlussverfügung zu qualifizieren sein könnte, wenn das Gesuch
um Freigabe der Vermögenswerte längere Zeit nach den Schlussverfügun-
gen vom 3. Mai 2019 gestellt worden wäre;
- das Gesuch um Freigabe der Vermögenswerte vom 24. Juli 2019 datiert; das
Gesuch damit klar nicht nach längerer Zeit im Sinne der erwähnten Recht-
sprechung gestellt wurde; mithin das vorliegend angefochtene Schreiben
vom 6. August 2019 auch nicht prozessual als Schlussverfügung qualifiziert
werden kann;
- folglich das Schreiben vom 6. August 2019 selbständig nur angefochten wer-
den kann, sofern es einen unmittelbaren und nicht wieder gutzumachenden
Nachteil bewirkt;
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- der drohende unmittelbare und nicht wieder gutzumachende Nachteil vom
Betroffenen konkret glaubhaft gemacht werden muss und die blosse Be-
hauptung eines solchen Nachteils nicht genügt (zum Ganzen BGE 130 II 329
E. 2; 128 II 353 E. 3 mit Hinweisen; TPF 2008 7 E. 2.2);
- die Beschwerdeführer in ihrer Beschwerde einen solchen Nachteil nicht be-
haupten, geschweige glaubhaft machen;
- sich die Beschwerde schon aus diesem Grund als zum vornherein unzuläs-
sig erweist;
- nach dem Gesagten auf die Beschwerde ohne Schriftenwechsel nicht einzu-
treten ist (vgl. Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario);
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten den Beschwerde-
führer je zu gleichen Teilen und unter solidarischer Haftung aufzuerlegen
sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG); die Gerichtsgebühr auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen ist (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8
Abs. 3 lit. b des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010
über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren
[BStKR; SR 173.713.162]), unter Anrechnung des entsprechenden Betrags
am geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 10'000.–; die Kasse des Bun-
desstrafgerichts anzuweisen ist, den Beschwerdeführern Fr. 7'000.– zurück-
zuerstatten;
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