Decision ID: 195bce3d-c47d-5c44-be4a-bc874c1cd714
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1966 geborene, französische Staatsangehörige A._
(nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) wohnt in Frankreich,
wo er im Jahr 1987 eine Ausbildung zum «Technicien en Pharmacie Indust-
rielle» an der Universität C._ abschloss (act. 32.2 S. 5). Seit 1994
war er mit zwei Unterbrüchen als Grenzgänger in der Schweiz erwerbstätig
und leistete dabei Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung (AHV/IV; act. 7). Zuletzt arbeitete er als Projekt-
leiter im Bereich Produkteentwicklung bei einem Pharmaunternehmen mit
einem Pensum von 100 %, ehe seine Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis
am 25. Juni 2015 wegen ungenügender Leistungen per 30. September
2015 kündigte und ihn per sofort freistellte (act. 11). Ab 9. Juli 2015 wurde
er von seinem behandelnden Psychiater krankgeschrieben (act. 10 S. 5),
weshalb das Arbeitsverhältnis aufgrund der verlängerten Kündigungsfrist
erst am 31. März 2016 endete (act. 32.2 S. 1).
B.
B.a Am 1. Oktober 2015 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle des
Kantons D._ (nachfolgend: kantonale IV-Stelle) unter Hinweis auf
eine im Jahr 1999 festgestellte Multiple Sklerose zum Leistungsbezug an
(act. 5). Im Rahmen ihrer Abklärungen holte die kantonale IV-Stelle einen
Bericht des behandelnden Neurologen (act. 8), die Akten des Krankentag-
geldversicherers (act. 10) sowie den Fragebogen für Arbeitgebende
(act. 11) ein. In Absprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD;
act. 26) gewährte die kantonale IV-Stelle dem Versicherten ein Belastbar-
keitstraining vom 16. August 2016 bis 15. November 2016 (Kostengutspra-
che vom 19. Juli 2016 [act. 37]; Taggeldverfügung vom 7. September 2016
[act. 41]) sowie ein Aufbautraining vom 16. November 2016 bis 15. Februar
2017 (Kostengutsprache vom 14. November 2016 [act. 49]; Taggeldverfü-
gung vom 5. Dezember 2016 [act. 59]) in der Institution E._ in (...),
worüber am 20. Dezember 2016 provisorisch berichtet wurde (act. 61).
B.b Nach einer Empfehlung des RAD (act. 56) und Einholung aktueller Be-
richte behandelnder Ärzte (act. 58, act. 60) gab die kantonale IV-Stelle am
1. Februar 2017 bei der F._ AG Polydisziplinäre Medizinische Ab-
klärungen (nachfolgend: F._) ein polydisziplinäres Gutachten in
Auftrag (act. 70), das am 16. Juni 2017 erstattet wurde (act. 91). Der RAD
nahm am 26. Juni 2017 zum Gutachten Stellung (act. 93).
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B.c Nach Eingang des definitiven Berichts der Institution E._ vom
25. August 2017 (act. 97) betreffend das in der Zwischenzeit bis zum
15. August 2017 verlängerte Aufbautraining (Kostengutsprachen vom
13. Februar 2017 [act. 74] und 11. Mai 2017 [act. 88]; Taggeldverfügungen
vom 1. März 2017 [act. 80] und 2. Juni 2017 [act. 90]) schloss die kantonale
IV-Stelle die Integrationsmassnahme ab (Abschlussbericht vom 28. August
2017 [act. 96]) und teilte dies dem Versicherten am 18. September 2017
mit (act. 98). Mit Vorbescheid vom 18. Oktober 2017 stellte sie ihm sodann
die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (act. 99), wogegen dieser
mit Eingaben vom 10. November 2017 (act. 100), 15. Januar 2018
(act. 103) und 16. Januar 2018 (act. 104) Einwände erheben und diverse,
ab dem Jahr 2000 erstellte Arztberichte einreichen liess. Mit Verfügung
vom 27. Februar 2018 wies die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (nach-
folgend: Vorinstanz) das Rentenbegehren gestützt auf die Feststellungen
der kantonalen IV-Stelle ab. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen fest,
dass keine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 40 % während eines
Jahres bestanden habe, weshalb kein Rentenanspruch entstanden sei
(act. 108).
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte durch seinen Vertreter mit
Eingabe vom 3. April 2018 (Postaufgabe: 4. April 2018) Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt sinngemäss, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei zu verpflichten, den Leis-
tungsanspruch neu zu überprüfen (BVGer-act. 1).
D.
Der mit Zwischenverfügung vom 13. April 2018 beim Beschwerdeführer
eingeforderte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– (BVGer-act. 2)
wurde am 17. Mai 2018 geleistet (BVGer-act. 4).
E.
Der Beschwerdeführer reichte am 17. Mai 2018 (BVGer-act. 5) und am
28. Mai 2018 (BVGer-act. 8) je einen neuen Arztbericht ein.
F.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 6. Juni 2018 unter
Hinweis auf eine Stellungnahme der kantonalen IV-Stelle die Abweisung
der Beschwerde (BVGer-act. 10). Am 29. Juni 2018 übermittelte die Vo-
rinstanz eine ergänzende Stellungnahme der kantonalen IV-Stelle vom
21. Juni 2018 (BVGer-act. 13).
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Seite 4
G.
Nachdem innert der mit Verfügung vom 11. Juni 2018 (BVGer-act. 11) an-
gesetzten Frist keine Replik des Beschwerdeführers eingegangen war,
wurde der Schriftenwechsel mit Verfügung vom 31. Juli 2018 abgeschlos-
sen (BVGer-act. 16).
H.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochte-
nen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48 Abs. 1
VwVG). Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde
(Art. 63 Abs. 4 VwVG), ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Wie in der Zuständigkeitsregelung des Art. 40 Abs. 2 IVV (SR 831.201) vor-
gesehen, hat die kantonale IV-Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der Be-
schwerdeführer als Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, das
Leistungsbegehren entgegengenommen und geprüft, während die
Vorinstanz die angefochtene Verfügung vom 27. Februar 2018 erlassen
hat. Diese Verfügung, mit der die Vorinstanz das Leistungsbegehren des
Beschwerdeführers abgewiesen hat, bildet Anfechtungsobjekt und damit
Begrenzung des Streitgegenstandes des vorliegenden Beschwerdeverfah-
rens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1). Streitig und vom Bundesverwaltungsge-
richt zu prüfen ist somit der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
schweizerische Invalidenrente im Rahmen einer Erstanmeldung.
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Seite 5
3.
3.1 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 27. Februar 2018) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither ver-
ändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs-
verfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). Immerhin sind indes Tatsachen, die
sich erst später verwirklichen, soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem
Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet
sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen
(BGE 121 V 362 E. 1b; Urteile des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008
E. 2.3.1; 8C_95/2017 vom 15. Mai 2017 E. 5.1).
3.2 Der Beschwerdeführer ist französischer Staatsangehöriger, wohnt in
Frankreich und war in der Schweiz erwerbstätig. Damit gelangen das Frei-
zügigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die
Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen
Sicherheit gemäss Anhang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz
am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR
0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwen-
dung. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU)
Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in
den Beziehungen zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten an-
wendbar. Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt
sich indes auch im Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungs-
vorschriften nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4;
Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4).
4.
4.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
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gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
4.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c). Zusätzliche kumulative Voraussetzung für einen Ren-
tenanspruch ist, dass der Versicherte im Sinne von Art. 36 Abs. 1 IVG beim
Eintritt der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge an die Al-
ters- Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleistet hat,
was vorliegend unbestritten der Fall ist (vgl. IK-Auszug act. 7 S. 2 f.).
4.3 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-
spruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die
Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (zum Verhältnis zwischen Art. 28
Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 IVG vgl. BGE 142 V 547 E. 3.2). Der Anspruch
entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG
beanspruchen kann (Art. 29 Abs. 2 IVG).
4.4 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und
gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind.
Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-
ten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes
eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge-
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
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Seite 7
sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun-
gen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1;
125 V 351 E. 3a).
4.5 Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG einge-
holten Gutachten von medizinischen Sachverständigen, die den Anforde-
rungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweis-
wert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässig-
keit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4).
5.
Zum Gesundheitszustand bzw. zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Be-
schwerdeführers lässt sich den medizinischen Akten im Wesentlichen das
Folgende entnehmen:
5.1 Der behandelnde Psychiater Dr. med. G._ berichtete am 18.
September 2015, dass der Beschwerdeführer an einer bipolaren Störung
sowie an einer Multiplen Sklerose leide. Aufgrund der körperlichen und
kognitiven Probleme bestehe seit 9. Juli 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von
100 % (act. 10 S. 6 f.).
5.2 Laut Berichten des behandelnden Neurologen Dr. med. H._
vom 30. September 2015 (act. 10 S. 2 ff.) und vom 23. Oktober 2015 (act.
8) leidet der Beschwerdeführer seit 1992 an einer Multiplen Sklerose (se-
kundär progressiv seit 2012), die offenbar erst im Jahr 1999 diagnostiziert
worden war und seitdem medikamentös behandelt wird (vgl. act. 103 S.
19). Die bisherige Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer weiterhin zumutbar.
Es bestehe aber aufgrund der Müdigkeit und eines momentanen depressi-
ven Zustandes ein reduziertes Rendement. Dr. med. H._ erwähnte
einen EDSS-Score von 3.5 (Expanded Disability Status Scale). Im IV-Arzt-
bericht vom 2. Dezember 2016 hielt er fest, dass dem Beschwerdeführer
die Ausübung der angestammten Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei. Der
EDSS-Score betrage 3.5 (act. 58).
5.3 Der Psychiater Dr. med. I._, der den Beschwerdeführer seit
14. September 2016 behandelte, nannte im IV-Arztbericht vom 9. Dezem-
ber 2016 als Diagnose eine seit eineinhalb Jahren bestehende schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2). Er at-
testierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit 14. September 2016 (Be-
handlungsbeginn durch Dr. med. I._; act. 60).
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Seite 8
5.4 Im polydisziplinären Gutachten der F._ vom 16. Juni 2017 wur-
den die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
– Multiple Sklerose mit sekundär chronisch progredientem Verlauf
– Leichtgradige kognitive Störung (unterdurchschnittliche kognitive Verarbei-
tungsgeschwindigkeit)
Zudem wurden die folgenden Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfä-
higkeit genannt:
– Mögliche periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bei langjährigem Ni-
kotinkonsum
– Weitgehend remittierte mittelgradige depressive Episode
– Mögliche Bipolar-II-Störung
– Cannabis-Konsum
Im polydisziplinären Konsens kamen die Gutachter zum Schluss, dass die
leichtgradige kognitive Störung in geistig anspruchsvollen Tätigkeiten limi-
tierend wirke. Es liege zudem eine spastisch-ataktische Störung vor, die
sich in jedweder Tätigkeit negativ auswirke (gestörte Motorik, gestörtes
feinmotorisches Arbeiten). Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
der angestammten Tätigkeit als Projektleiter in der Pharmaforschung so-
wie in vergleichbaren Tätigkeiten sei aufgrund der leichtgradigen kogniti-
ven sowie der spastisch-ataktischen Störung im Rahmen einer Multiplen
Sklerose auf Dauer auf 50 % einzuschätzen (Pensum 100 %, Rendement
50 %). Die Reduktion des Rendements aufgrund der leichten kognitiven
Störung von 20 % sowie aufgrund der spastisch-ataktischen Störung von
30 % sei aufgrund der fehlenden Überschneidung der Effekte der beiden
Behinderungen zu addieren. Ursache der leichtgradigen kognitiven Beein-
trächtigung sei am ehesten die bestehende entzündliche Erkrankung am
zentralen Nervensystem (Multiple Sklerose). Die ataktisch-spastische mo-
torische Störung bewirke eine weitere eigenständige Minderung der Ar-
beitsfähigkeit sowie einen Ausschluss von Tätigkeiten die überwiegend ge-
hend und stehend auszuüben seien. In einer angepassten Tätigkeit (kör-
perlich leicht, überwiegend sitzend, ohne höhere geistige Ansprüche) sei
die Arbeitsfähigkeit auf 70 % (Pensum 100 %, Rendement 70 %) einzu-
schätzen. Die Einschränkung von 50 % in der angestammten Tätigkeit
gelte auf Dauer, da die Grunderkrankung und deren Folgen nicht reversibel
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Seite 9
seien. Eine künftige Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit sei denkbar.
Retrospektiv sei vorangehend eine höhergradige depressive Störung diag-
nostiziert worden, die sich aktuell nicht mehr nachzeichnen lasse. Die Ein-
schätzung der Arbeitsfähigkeit gelte also spätestens ex nunc (act. 91).
5.5 Einwandweise hat der Beschwerdeführer diverse Arztberichte einge-
reicht, wobei die folgenden drei Berichte in zeitlicher Hinsicht von Belang
sind:
– Im Bericht vom 10. November 2017 hielt Dr. med. H._ fest, dass
sich die neurologische Symptomatik seit 2010 verschlechtert habe. Der
initiale EDSS-Score habe 3.0 betragen, aktuell betrage der EDSS-
Score 4.5 (act. 103 S. 9).
– Dr. med. I._ attestierte im Bericht vom 13. November 2017 eine
Arbeitsunfähigkeit von 80 % aufgrund einer schweren depressiven Epi-
sode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2; act. 103 S. 8).
– Im Bericht vom 11. Januar 2018 hielt Dr. med. G._ fest, dass er
den Beschwerdeführer vom 9. Juli 2015 bis 12. Juli 2016 behandelt
habe. Beim Erstkontakt sei der Beschwerdeführer in einem hypomanen
Zustand gewesen. Sein Zustand habe im November 2015 in eine De-
pression umgeschlagen. Seit der Aufnahme der Behandlung bei Dr.
med. I._ scheine sich sein Zustand auf dem Niveau einer chro-
nischen Depression stabilisiert zu haben. Die psychischen Probleme
hätten möglicherweise bereits im Jahr 2000 begonnen und stünden
wohl in direktem Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose (act. 104).
6.
6.1 Die Vorinstanz stützt sich für die Leistungsablehnung in medizinischer
Hinsicht auf das Gutachten der F._ vom 16. Juni 2017. Bezüglich
der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ist sie jedoch von der Beurteilung der
Gutachter abgewichen und hat lediglich eine Einschränkung von 30 % in
der angestammten Tätigkeit anerkannt (während die Gutachter eine Ein-
schränkung von 50 % attestiert haben). Sie hielt in der angefochtenen Ver-
fügung fest, dass beim Zusammentreffen verschiedener Gesundheitsbe-
einträchtigungen sich deren erwerbliche Auswirkungen in der Regel über-
schneiden würden, weshalb der Grad der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer
sämtlichen Behinderungen umfassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu
bestimmen sei. Eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne Funktions-
störungen und Beschwerdebilder geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrade
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Seite 10
sei nicht zulässig. Die Addition der Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit,
wie sie von den Gutachtern vorgenommen worden sei, sei gemäss Recht-
sprechung damit nicht zulässig. Folglich sei auf die höchste Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit, sprich auf die neurologisch bedingte Einschränkung
von 30 % abzustellen. Die depressive Störung stelle keinen IV-relevanten
Gesundheitsschaden dar, weil sie sich aus psychosozialen Gründen (Kün-
digung) entwickelt habe und zudem nicht therapieresistent sei. Da die neu-
rologisch bedingte Einschränkung keine durchschnittliche Arbeitsunfähig-
keit von 40 % während eines Jahres begründet habe, bestehe kein An-
spruch auf eine Invalidenrente.
6.2 Das im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholte polydisziplinäre Gut-
achten der F._ vom 16. Juni 2017 beruht auf einer detaillierten
Anamneseerhebung, den erforderlichen fachärztlichen (Allgemeine Innere
Medizin, Neurologie und Psychiatrie) sowie neuropsychologischen Unter-
suchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis
der sowie in Auseinandersetzung mit den Vorakten erstellt. Die Gutachter
legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, setzten sich
mit den geklagten Beschwerden sowie dem Verhalten des Beschwerdefüh-
rers auseinander und nahmen eine interdisziplinäre Beurteilung vor. Die
vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeits-
fähigkeit werden für die rechtsanwendende Person nachvollziehbar be-
gründet. Das Gutachten der F._ vom 16. Juni 2017, dem sich in
medizinischer Hinsicht und bezüglich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
auch die RAD-Ärztin Dr. med. J._, Praktische Ärztin, angeschlos-
sen hat (Stellungnahme vom 11. Juli 2017 [act. 93]), entspricht somit den
allgemeinen rechtlichen Anforderungen an ein medizinisches Gutachten
(siehe E. 4.3).
6.2.1 Aus somatischer Sicht ist gemäss überzeugender internistischer Be-
urteilung davon auszugehen, dass in diesem Fachgebiet keine Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit vorlie-
gen und auch die möglicherweise bestehende periphere arterielle Ver-
schlusskrankheit die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Der neurologi-
sche Gutachter bestätigte gestützt auf die eigenen Untersuchungen sowie
die MRI-Befunde des Kopfes aus den Jahren 2012, 2013 und 2015 (act.
22) die Diagnose einer sekundär chronisch progredienten Multiplen Skle-
rose. Im klinischen Befund zeigte sich vor allem eine spastisch-ataktische
Störung der Extremitäten, die laut überzeugender Einschätzung auch in
einer überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit als limitierend anzusehen
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Seite 11
ist. Im Rahmen der polydisziplinären Konsensbesprechung wurde diesbe-
züglich eine Minderung des Rendements im Umfang von 30 % attestiert.
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer beklagten Müdigkeit hat der Gut-
achter bei der klinisch-neurologischen Untersuchung kein objektives Kor-
relat für ein Fatigue-Syndrom festgestellt, was auch mit der Einschätzung
des neuropsychologischen Gutachters übereinstimmt. Die Funktionsdefi-
zite infolge der Multiplen Sklerose ordnete der Gutachter dem EDSS-Score
3.5 zu, was gemäss der entsprechenden Leistungsskala einer mässigen
Behinderung in zwei funktionellen Systemen, und einer leichten Behinde-
rung in einem oder zwei funktionellen Systemen, aber bei voller Gehfähig-
keit entspricht (www.multiplesklerose.ch>Über MS>Multiple Sklerose>Di-
agnose>Bewertungsskalen; vgl. auch Urteil des BGer 8C_620/2011 vom
8. Februar 2012 E. 5.2).
6.2.2 Die vom Beschwerdeführer beklagten kognitiven Einschränkungen
(Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme) wurden im Rahmen der neu-
ropsychologischen Untersuchung abgeklärt und diagnostisch als leichtgra-
dige kognitive Störung (unterdurchschnittliche kognitive Verarbeitungsge-
schwindigkeit) erfasst, welche gemäss dem neurologischen Gutachter in
die konsensuelle Gesamtbeurteilung einzubeziehen ist (vgl. act. 91 S. 19
Ziff. 2.2.4). Diese Störung hat laut den ärztlichen Gutachtern ihre Ursache
am ehesten in der entzündlichen Erkrankung am zentralen Nervensystem
(Multiple Sklerose). Gestützt auf die neuropsychologische Beurteilung ka-
men die Gutachter im polydisziplinären Konsens zum nachvollziehbaren
Schluss, dass diese eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % in
der (geistig anspruchsvollen) angestammten Tätigkeit verursacht. Diese
Einschätzung leuchtet aufgrund der leicht unterdurchschnittlichen Leistun-
gen bezüglich der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit und fehlenden
Hinweisen auf eine eingeschränkte Leistungsmotivation bei den testpsy-
chologischen Erhebungen ein. Aufgrund des im Rahmen der neuropsycho-
logischen, der neurologischen und psychiatrischen Untersuchung erhobe-
nen unauffälliges Befundes hinsichtlich Konzentration und Aufmerksamkeit
ist es ebenfalls nachvollziehbar, dass keine höhergradige Arbeitsunfähig-
keit attestiert wurde. Gegen das Vorliegen einer schwerwiegenden kogniti-
ven Störung spricht auch, dass der Beschwerdeführer noch Auto fährt
(vgl. Urteil des BGer 9C_78/2017 vom 26. Januar 2018 E. 6.3.5;
9C_363/2018 vom 10. Oktober 2018 E. 4.3.2.1).
6.2.3 In psychiatrischer Hinsicht wurde im Gutachten keine Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt, was mit Blick auf den erhobenen
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Seite 12
unauffälligen psychiatrischen Befund, die gutachterlichen Verhaltensbe-
obachtungen und die Angaben des Beschwerdeführers zu seinen Be-
schwerden und seinem geregelten Tagesablauf einleuchtet. Der Gutachter
hat schlüssig dargelegt, dass es nach der Kündigung der Arbeitsstelle im
Juni 2015 zwar zu einer (maximal mittelgradig ausgeprägten) depressiven
Entwicklung gekommen sei, diese aber im Rahmen der ambulanten psy-
chiatrischen Behandlung remittiert sei, und sich aktuell nur noch eine sub-
syndromale Restsymptomatik beschreiben lasse. Er hat aufgezeigt, dass
die Achsenkriterien für eine depressive Episode (tiefe Traurigkeit, Freud-,
Lust- und Interessenlosigkeit, Antriebsminderung) nicht mehr bestehen. In-
sofern ist die gestellte Diagnose einer weitgehend remittierten mittelgradi-
gen depressiven Episode nachvollziehbar. Die vom behandelnden Psychi-
ater Dr. med. I._ im kurzen Bericht vom 9. Dezember 2016 gestellte
Diagnose einer schweren depressiven Episode konnte der F._-Gut-
achter mit Blick auf die anamnestischen Angaben sowie der erhobenen
Befundlage nicht bestätigen. So führte er auch zutreffend aus, dass keine
Hospitalisationen oder eine intensivere Behandlung mit Psychopharmaka
erfolgt seien, was gegen eine schwergradige Depression spreche. Diese
Einschätzung steht überdies im Einklang mit der Beurteilung der Berufs-
fachleute der Institution E._, die den Beschwerdeführer über ein
Jahr begleitet haben und seine «psychische Belastbarkeit im Allgemeinen»
sowie seine «emotionale Stabilität» als gut und die «psychische Belastbar-
keit unter Druck und Stress» als genügend eingeschätzt haben (act. 97 S.
10). Weiter hat sich der Gutachter auch mit der vom ersten behandelnden
Psychiater diagnostizierten bipolaren Störung auseinandergesetzt. Er hielt
dazu fest, dass aufgrund der anamnestischen Angaben des Beschwerde-
führers differentialdiagnostisch auch eine Bipolar-II-Störung zu erwägen
sei. Vorbestehend könnten mehrere hypomane Phasen aufgetreten sein,
die aber offensichtlich ohne Relevanz für die Alltags- und Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers gewesen seien. Es erscheint nachvollziehbar,
dass eine mögliche bipolare Störung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähig-
keit hat, zumal diese laut den Feststellungen in der polydisziplinären Beur-
teilung angesichts des erhobenen Befundes und der Anamnese als nicht
aktiv bzw. gut therapiert anzusehen sei. Schliesslich bestehen auch keine
Hinweise darauf, dass der vom Beschwerdeführer angegebene gelegentli-
che Konsum von Cannabis anspruchsrelevant ist. Insgesamt wird eine psy-
chisch bedingte Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbarer Weise verneint. Es
liegen auch keine abweichenden beweiswertigen fachärztlichen Einschät-
zungen vor, weshalb von der Durchführung eines strukturierten Beweisver-
fahrens abgesehen werden kann (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.3; 143 V 418
E. 7.1).
C-2044/2018
Seite 13
6.2.4 Soweit sich die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung auf die
Rechtsprechung stützt, wonach bei nicht ausgewiesener Therapieresis-
tenz von leichten bis mittelschweren depressiven Störungen ein invaliden-
versicherungsrechtlich relevanter psychischer Gesundheitsschaden regel-
mässig zu verneinen sei (statt vieler BGE 140 V 193 E. 3.3 S. 197 mit Hin-
weis), ist darauf hinzuweisen, dass diese Rechtsprechung zwischenzeitlich
aufgegeben wurde. Demnach steht die Therapierbarkeit eines Leidens
dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht absolut entgegen.
Denn die Behandelbarkeit, für sich allein betrachtet, sagt nichts über den
invalidisierenden Charakter einer psychischen Störung aus (BGE 143 V
409 E. 4.2.1 und E. 5.1; Urteil des BGer 9C_590/2017 vom 15. Februar
2018 E. 5.1). Für die Beurteilung des Leistungsanspruchs des Beschwer-
deführers ist dies jedoch nicht von Belang, hat der psychiatrische Gutach-
ter doch wie erwähnt überzeugend dargelegt, dass die Depression remit-
tiert ist und keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet, ohne dies
mit der fehlenden Therapieresistenz zu begründen.
6.3 Was die im Nachgang zur Begutachtung verfassten Berichte des be-
handelnden Psychiaters vom 13. November 2017 (act. 103 S. 8) und des
behandelnden Neurologen vom 10. November 2017 (act. 103 S. 9) anbe-
langt, so vermögen diese weder Zweifel an der Einschätzung der
F._-Gutachter zu wecken noch ergeben sich daraus konkrete Hin-
weise auf eine anspruchsrelevante Verschlechterung des Gesundheitszu-
stands des Beschwerdeführers seit der Begutachtung. Zunächst lässt es
die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch täti-
gen Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein
Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum
Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztper-
sonen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben
Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese
wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblie-
ben sind (Urteil des BGer 8C_182/2019 vom 19. Juni 2019 E. 2.2 mit Hin-
weis). Solche Aspekte ergeben sich vorliegend aus den beiden genannten
Arztberichten nicht. Der behandelnde Neurologe hat in seinem Bericht vom
10. November 2018 zwar einen im Vergleich zum Gutachten höheren
EDSS-Score von 4.5 erwähnt, es ist aber nicht ersichtlich, auf welche Be-
funde er sich stützt und wie er die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
einschätzt. Auch die vom Beschwerdeführer erst im Beschwerdeverfahren
eingereichten Berichte des behandelnden Psychiaters vom 16. Mai 2018
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Seite 14
(BVGer-act. 5) und des behandelnden Neurologen vom 17. Mai 2018
(BVGer-act. 8) sind nicht geeignet, die Beurteilung der Gutachter in Zweifel
zu ziehen und konkrete Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesund-
heitszustandes aufzuzeigen. Diese Berichte wurden erst nach Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 27. Februar 2018 erstellt. Neue Rück-
schlüsse auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Zeit-
raum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung ergeben sich daraus
nicht.
6.4 Zusammenfassend liegen keine konkreten Indizien vor, die gegen die
Zuverlässigkeit des Gutachtens der F._ vom 16. Juni 2017 spre-
chen.
6.5 Die Vorinstanz ist vom gutachterlich festgelegten Grad der Arbeitsun-
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit aus rechtlichen Gründen abgewi-
chen und ist davon ausgegangen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwer-
deführers auch in der angestammten Tätigkeit nur zu 30 % eingeschränkt
ist. Sie weist zwar zu Recht darauf hin, dass die unter verschiedenen me-
dizinischen Titeln ausgewiesenen Teilarbeitsunfähigkeiten grundsätzlich
nicht einfach zu addieren sind, weil in der Regel der Umfang der grössten
Teileinschränkung auch die weiteren Entlastungserfordernisse abdeckt
(vgl. Urteil des BGer 8C_893/2017 vom 8. Mai 2018 E. 5.3 mit Hinweisen).
Im vorliegenden Fall haben die Gutachter den Grad der Arbeitsunfähigkeit
jedoch in einer sämtliche Behinderungen umfassenden medizinischen Ge-
samtbeurteilung bestimmt (vgl. Urteil des BGer 9C_948/2012 vom 22. Juli
2013, E. 4.3 mit Hinweis) und dabei ausdrücklich festgehalten, dass sich
eine additive Zusammenziehung der Teilarbeitsunfähigkeiten angesichts
der fehlenden Überschneidungen der Effekte der beiden Behinderungen
rechtfertige. Damit stellten die Gutachter klar, dass nach ihrer konsensua-
len Einschätzung die unterdurchschnittliche kognitive Verarbeitungsge-
schwindigkeit bei der geistig anspruchsvollen angestammten Tätigkeit
nicht bereits durch die in der spastisch-ataktischen Störung bedingten Ar-
beitsunfähigkeit von 30 % abgedeckt ist, sondern mit zusätzlichen 20 % zu
Buche schlägt, womit gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % vorliegt.
Von einer rechtlich unzulässige «einfachen Addition» verschiedener Teilar-
beitsunfähigkeiten (vgl. Urteile des BGer 9C_345/2017 vom 30. August
2017 E. 3.3.1 und 8C_660/2016 vom 29. Dezember 2016 E. 5.3.1) kann
unter diesen Umständen nicht die Rede sein. Mit Blick auf das im Gutach-
ten festgelegte Zumutbarkeitsprofil (keine geistig anspruchsvollen Tätigkei-
ten) ist es vielmehr nachvollziehbar, dass sich die unterdurchschnittliche
kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit bei einer geistig anspruchsvollen
C-2044/2018
Seite 15
Tätigkeit auch bei einem optimal an die körperlichen Einschränkungen
adaptierten Arbeitsplatz zusätzlich limitierend auswirkt. Folglich ist es vor-
liegend nicht gerechtfertigt, von der gutachterlichen Einschätzung der Ar-
beitsfähigkeit, der sich auch die Berufsfachleute der Institution E._
grundsätzlich angeschlossen haben (act. 97 S. 8), aus rechtlichen Grün-
den abzuweichen.
6.6 Gestützt auf das beweiskräftige Gutachten der F._ vom 16. Juni
2017 ist damit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass dem Beschwerdeführer spätestens ab März 2017 (Zeitpunkt der Be-
gutachtung) die Ausübung seiner angestammten Tätigkeit als Projektleiter
in der Pharmaforschung sowie von vergleichbaren Tätigkeiten nur noch mit
einer Einschränkung von 50 % zumutbar ist (Pensum 100 %, Rendement
50 %). In einer angepassten Tätigkeit (körperlich leicht, überwiegend sit-
zend, ohne höhere geistige Ansprüche) ist von einer Restarbeitsfähigkeit
von 70 % (Pensum 100 %, Rendement 70 %) auszugehen. Eine (psy-
chisch bedingte) höhergradige Arbeitsunfähigkeit im Zeitraum vom 9. Juli
2015 bis zur Begutachtung im März 2017 ist nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Es ist auch nicht ersichtlich,
welche Abklärungen diesbezüglich noch unternommen werden könnten.
Der medizinische Sachverhalt erweist sich insgesamt als rechtsgenüglich
abgeklärt. Von weitergehenden medizinischen Abklärungen sind vorlie-
gend keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb auf solche in antizi-
pierter Beweiswürdigung zu verzichten ist.
7.
Zu prüfen sind nachfolgend die erwerblichen Auswirkungen der festgestell-
ten Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers.
7.1 Bei erwerbstätigen Versicherten wie dem Beschwerdeführer ist der In-
validitätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Er-
werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Ein-
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli-
chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie-
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensver-
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe-
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei-
C-2044/2018
Seite 16
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdiffe-
renz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2; Urteil
des BGer 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 5.1). Für die Bemessung der
Invalidität einer im Ausland wohnhaften versicherten Person sind Validen-
und Invalideneinkommen grundsätzlich bezogen auf denselben Arbeits-
markt zu ermitteln (BGE 137 V 20 E. 5.2.3.2; Urteil des BGer 8C_300/2015
vom 10. November 2015 E. 7.1).
7.2 Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des
(hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Vali-
den- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben
und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis
zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4.1 und
E. 4.2; Urteil des BGer 8C_61/2018 vom 23. März 2018 E. 6.1).
Vorliegend haben die F._-Gutachter festgehalten, dass die Ein-
schränkung von 50 % in der angestammten Tätigkeit spätestens ab dem
Zeitpunkt der Begutachtung (ex nunc) vorliege. Aufgrund der echtzeitlichen
Einschätzungen des behandelnden Psychiaters, der den Beschwerdefüh-
rer ab 9. Juli 2015 wegen körperlicher und kognitiver Probleme zu 100 %
krankgeschrieben hat, sowie des behandelnden Neurologen, der im Herbst
2015 ein eingeschränktes Rendement im angestammten Beruf beschrieb,
kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden,
dass die im Gutachten beschriebenen, die Arbeitsfähigkeit im angestamm-
ten Beruf einschränkenden körperlichen und kognitiven Folgen der MS-Er-
krankung bereits ab 9. Juli 2015 bestanden haben. Das Wartejahr im Sinne
von Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG mit einer mindestens 40 %-igen Arbeitsunfä-
higkeit in der angestammten Tätigkeit wurde damit im Juli 2016 erfüllt. Die
sechsmonatige Karenzfrist nach der Anmeldung zum Leistungsbezug im
Oktober 2015 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) war in diesem Zeitpunkt bereits ab-
gelaufen, so dass der hypothetisch frühestmögliche Rentenbeginn im Juli
2016 liegt. Somit ist der Einkommensvergleich auf diesen Zeitpunkt hin
durchzuführen.
7.3 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im massgeblichen Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte.
Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und
der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da
es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Ge-
C-2044/2018
Seite 17
sundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1; 129 V
222 E. 4.3.1 mit Hinweisen; Urteil des BGer 8C_567/2013 vom 30. Dezem-
ber 2013 E. 2.2.1).
7.3.1 Der Beschwerdeführer hätte im hypothetischen Gesundheitsfall mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Projektleiter in der Pharmabranche weitergeführt. Obwohl die Kündigung
vom 25. Juni 2015 wegen ungenügender Leistungen vor der Krankschrei-
bung durch den behandelnden Arzt per 9. Juli 2015 ausgesprochen wurde,
besteht aufgrund der zeitlichen Nähe der Auflösung des langjährigen Ar-
beitsverhältnisses und des Eintritts der gesundheitlichen Beeinträchtigung
kein hinreichender Grund, ausnahmsweise auf Tabellenlöhne abzustellen
(Urteil des BGer 9C_699/2010 vom 22. Dezember 2010 E. 3.2; vgl.
MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl.
2014, Art. 28a N 48). Zudem gehen auch die RAD-Ärztin und die Fachleute
der beruflichen Integration davon aus, dass die Kündigung aufgrund der
durch die MS-Erkrankung verursachten Einschränkungen der Leistungsfä-
higkeit erfolgt ist (vgl. RAD-Stellungnahme vom 7. April 2016 [act. 26]; pro-
visorischer Zwischenbericht der Institution E._ vom 20. Dezember
2016 [act. 61 S. 3]).
7.3.2 Laut den Angaben im Fragebogen für Arbeitgebende vom 25. No-
vember 2015 verdiente der Beschwerdeführer zuletzt seit Oktober 2011
unverändert Fr. 9'874.– pro Monat bzw. Fr. 128'362.– pro Jahr (act. 11.1
S. 3). Aus den von der Arbeitgeberin eingereichten Auszügen aus dem
Lohnkonto der Jahre 2013 bis 2015 (act. 11.3) wird ersichtlich, dass dem
Beschwerdeführer zusätzlich zu diesem Grundlohn jeweils ein Bonus aus-
gerichtet wurde (2015: Fr. 11'412; 2014: Fr. 11'658.–; 2013: Fr. 8’588.–),
der auch als AHV-pflichtiger Lohn abgerechnet wurde (vgl. IK-Auszug,
act. 7). Diese Bonuszahlungen erfolgten regelmässig, weshalb sie bei der
Bestimmung des Valideneinkommens zu berücksichtigen sind (vgl. Urteil
des BGer 8C_116/2008 vom 27. November 2008 E. 3.4). Da die Bonus-
zahlungen unterschiedlich hoch ausfielen, rechtfertigt es sich, den Durch-
schnitt der letzten drei Jahre von Fr. 10'552.65 heranzuziehen. Damit ist
von einem Valideneinkommen von Fr. 138'914.65 (Fr. 128'362.– +
Fr. 10'552.65) auszugehen. Eine Anpassung an die Nominallohnentwick-
lung ist nicht angezeigt, zumal der Grundlohn seit Oktober 2011 nicht er-
höht wurde (vgl. MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 28a N 61).
C-2044/2018
Seite 18
7.4 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der be-
ruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Per-
son konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich, weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesund-
heitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Er-
werbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Ta-
bellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch heraus-
gegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE
126 V 75 f. E. 3b/aa und bb; 129 V 472 E. 4.2.1). Wird auf die LSE 2012
oder neuere abgestellt, ist die Tabelle TA1 Monatlicher Bruttolohn (Zentral-
wert) nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Priva-
ter Sektor zu verwenden (BGE 142 V 178 E. 2.5.7). Da den Tabellenlöhnen
generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu Grunde liegt, ist eine
Umrechnung auf eine betriebsübliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit
erforderlich (BGE 126 V 75 E. 3b/bb). Zudem ist eine Anpassung an die
Nominallohnentwicklung vorzunehmen, wobei nach Geschlechtern zu dif-
ferenzieren, das heisst auf den branchenspezifischen Lohnindex für
Frauen oder Männer abzustellen ist (BGE 129 V 408 E. 3.1.2). Vorliegend
ist somit auf den Lohnindex für Männer abzustellen. Dieser wird in der BfS-
Tabelle T1.1.10, Nominallohnindex Männer, festgehalten (vgl. Urteil des
BGer 8C_72/2019 vom 11. Juni 2019 E. 4.1).
7.4.1 Der Beschwerdeführer war nach Eintritt des Gesundheitsschadens
im Juli 2015 gemäss den Akten nicht mehr erwerbstätig. Aus diesem Grund
sind für die Bestimmung des Invalideneinkommens statistische Werte in
Form der LSE-Tabellenlöhne heranzuziehen. Dabei stellt sich die Frage,
auf welches Kompetenzniveau beim Beschwerdeführer im vorliegend
massgeblichen Zeitpunkt (Juli 2016) abzustellen ist. Medizinisch-theore-
tisch besteht zwar in der angestammten Tätigkeit noch eine Restarbeitsfä-
higkeit von 50 %. Laut überzeugender Einschätzung der Berufsfachleute
der Institution E._ ist eine Verwertbarkeit dieser Restarbeitsfähig-
keit im angestammten Bereich aufgrund der hohen Leistungsorientierung
in der Pharmabranche auf dem bisherigen Niveau nicht realistisch (vgl. act.
97 S. 8), weshalb im vorliegenden Fall ein auf der medizinisch-theoreti-
schen Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf von 50 % beruhendes In-
valideneinkommen nicht angerechnet werden dürfte (vgl. Urteil des BGer
9C_141/2009 vom 5. Oktober 2009 E. 2.3). Aus dem Abschlussbericht der
Institution E._ vom 25. August 2017 ergeben sich dagegen keine
Hinweise darauf, dass die Restarbeitsfähigkeit von 70 % in einer ange-
passten Tätigkeit nicht verwertbar wäre. Nach bundesgerichtlicher Recht-
sprechung wird bei versicherten Personen, die nach Eintritt der Invalidität
C-2044/2018
Seite 19
ihren angestammten Beruf nicht mehr ausüben können, in der Regel auf
das (tiefste) Kompetenzniveau 1 («einfache Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher Art») abgestellt (Urteil des BGer 8C_325/2018 vom
11. September 2018 E. 4.2). Die Anwendung des nächsthöheren Kompe-
tenzniveaus 2 («praktische Tätigkeiten wie Verkauf/ Pflege/ Datenverarbei-
tung und Administration/ Bedienen von Maschinen und elektronischen Ge-
räten/ Sicherheitsdienst/ Fahrdienst») rechtfertigt sich in diesem Fall nur
dann, wenn die versicherte Person über besondere Fertigkeiten und
Kenntnisse verfügt (Urteil des BGer 8C_457/2017 vom 11. Oktober 2017
E. 6.3 mit weiteren Hinweisen). Aufgrund der langjährigen Berufserfahrung
als Projektleiter, einem Abschluss auf Bachelorstufe («Technicien en Phar-
macie Industrielle») sowie der sehr guten Englischkenntnisse erscheint der
Beschwerdeführer nicht nur zur Verrichtung lediglich einfacher und repeti-
tiver Tätigkeiten – mithin Hilfsarbeiten – fähig, sondern kann auch Arbeiten
ausführen, die Berufs- und Fachkenntnisse voraussetzen. Im Kompetenz-
niveau 2 wird eine breite Palette möglicher Tätigkeiten wiedergegeben, de-
ren Anforderungen er durchaus zu genügen vermag. Für die Bestimmung
des Invalideneinkommens ist daher auf das Kompetenzniveau 2 abzustel-
len.
7.4.2 Massgebend ist die LSE 2014, zumal die aktuelleren Zahlen der LSE
2016, die am 26. Oktober 2018 veröffentlicht wurden, im Verfügungszeit-
punkt noch nicht vorlagen (vgl. Urteil des BGer 9C_699/2015 vom 6. Juli
2016 E. 5.2). Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist die Tabelle
TA1, Total, Kompetenzniveau 2, Männer, heranzuziehen. Der entspre-
chende Wert von Fr. 5'660.– ist an die durchschnittliche Wochenarbeitszeit
im Jahr 2016 von 41.7 Stunden sowie an die Nominallohnentwicklung bis
ins Jahr 2016 anzupassen ([Fr. 5‘660.– / 40 x 41.7 Wochenstunden x 12
Monate] x 1.003 x 1.006 = 71'445.15). Unter Berücksichtigung der gut-
achterlich attestierten Arbeitsfähigkeit von 70 % ist für die Invaliditätsbe-
messung von einem Invalideneinkommen von Fr. 50'011.60 auszugehen.
Gründe für die Vornahme eines leidensbedingten Abzugs (vgl. BGE 126 V
75) sind nicht ersichtlich, insbesondere weil die gesundheitlichen Defizite
des Beschwerdeführers bereits bei der medizinischen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit und des Zumutbarkeitsprofils umfassend berücksichtigt
wurden.
7.5 Aus der Gegenüberstellung des Validen- und Invalideneinkommens re-
sultiert ein aufzurundender (BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3) Invaliditätsgrad
von 64 % ([Fr. 138'914.65 - Fr. 50'011.60] / Fr. 138'914.65 x 100). Folglich
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hat der Beschwerdeführer ab 1. Juli 2016 Anspruch auf eine Dreiviertels-
rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Zu beachten ist, dass ein bereits entstandener
Rentenanspruch unterbrochen wird, soweit Eingliederungsmassnahmen
nach Art. 8 Abs. 3 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 IVG durchgeführt werden, die von
einem Taggeldanspruch begleitet sind (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 29
N 11 f.). Im vorliegenden Fall wurde von 16. August 2016 bis 15. August
2017 eine Integrationsmassnahme im Sinn von Art. 8 Abs. 3 Bst. abis IVG
durchgeführt, die gemäss Verfügungen vom 7. September 2016 (act. 41),
vom 5. Dezember 2016 (act. 59), vom 1. März 2017 (act. 80) und vom
2. Juni 2017 (act. 90) von einem Taggeldanspruch begleitet wurde. Folglich
wurde der Rentenanspruch während dieses Jahres unterbrochen (vgl.
auch Art. 43 Abs. 2 IVG). Der Beschwerdeführer hat somit vom 1. Juli 2016
bis 15. August 2016 sowie ab 16. August 2017 Anspruch auf eine Dreivier-
telsrente der schweizerischen Invalidenversicherung.
7.6 Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen und die Verfügung vom
27. Februar 2018 ist aufzuheben. Die Akten sind an die Vorinstanz zu über-
weisen zur Berechnung der geschuldeten Rente und zum Erlass einer ent-
sprechenden neuen Verfügung.
8.
8.1 Dem obsiegenden Beschwerdeführer sind keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG e contrario). Der von ihm geleistete Kos-
tenvorschuss von Fr. 800.– ist ihm nach Eintritt der Rechtskraft des vorlie-
genden Urteils auf ein von ihm zu bestimmendes Konto zurückzuerstatten.
Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 2 VwVG).
8.2 Der obsiegende Beschwerdeführer hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in
Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR
173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Verwal-
tung (vgl. BGE 135 V 473; Urteil des BVGer C-6018/2015 vom 12. Mai
2017 E. 9.2). Die Entschädigung für eine nichtanwaltliche berufsmässige
Vertretung wird nach dem notwendigen Zeitaufwand des Vertreters bemes-
sen (Art. 10 Abs. 1 VGKE). Der Stundenansatz beträgt für nichtanwaltliche
Vertreter mindestens Fr. 100.– und höchstens Fr. 300.– (Art. 10 Abs. 2 Satz
2 VGKE). Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung
aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Be-
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rücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundi-
gen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
vorliegend zu beurteilenden Verfahrens ist für die nichtanwaltliche Vertre-
tung eine Parteientschädigung von Fr. 500.– (inkl. Auslagen, ohne Mehr-
wertsteuer; Art. 9 Abs. 1 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) gerechtfertigt.
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