Decision ID: 8d733a79-acd7-4fdb-a859-0c804c5467de
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 28.02.2017 Art. 17 ATSG. Einstellung einer laufenden IV-Rente infolge Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Februar 2017, IV 2014/285). Entscheid vom 28. Februar 2017 Besetzung Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Marilena Gnesa Geschäftsnr. IV 2014/285 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Anwalt und Beratung GmbH, Poststrasse 6, Postfach 239, 9443 Widnau, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rentenrevision (Einstellung) Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 19. März 2002 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Sie gab an, seit August 2000 zu 100 %
arbeitsunfähig zu sein. Ihr Hausarzt Dr. med. B._ erwähnte im Bericht vom 6. Mai
2002 unklare Schmerzzustände bei Status nach Operation eines Sakraldermoids
Anfang 2000, eine Hypothyreose und eine depressive Entwicklung und empfahl
dringend eine Medas-Abklärung (IV-act. 7-1, 7-3). Zuletzt war die Versicherte bei der
C._ AG, Montageabteilung, angestellt gewesen; das Arbeitsverhältnis war per 31.
Dezember 2001 aufgelöst worden (IV-act. 6).
A.b Die IV-Stelle liess die Versicherte in der Folge durch die Fachstelle D._
psychiatrisch begutachten. Dort diagnostizierte Dr. med. E._ - mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit - eine Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0) und eine leichte
depressive Episode ohne somatische Symptome (ICD-10: F32.0; DD: organische
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depressive Störung) und bescheinigte eine seit September 2000 bestehende 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen wie in einer adaptierten Arbeitstätigkeit (Gutachten
vom 27. August 2002, IV-act. 11). Nach Rückfrage der IV-Stelle betreffend
Psychotherapie (IV-act. 13) nahm die Versicherte im November 2002 bei der Fachstelle
eine Behandlung auf (IV-act. 14). Nach einer Haushaltabklärung wurde die Versicherte
als Vollerwerbstätige eingestuft (IV-act. 16). Mit Verfügung vom 19. März 2003 wurden
ihr ab 1. April 2003 bei einem Invaliditätsgrad von 100% eine ganze Rente samt
Zusatzrenten zugesprochen, wobei die Verfügung den Hinweis enthält, für die Periode
vom 1. September 2001 bis 31. März 2003 erhalte die Versicherte nach
abgeschlossenem Verrechnungsverfahren eine separate Verfügung (IV-act. 24; letztere
ist nicht aktenkundig).
A.c In den Jahren 2004 und 2007 durchgeführte Revisionsverfahren ergaben keine
relevanten Veränderungen (Mitteilungen vom 28. April 2004, IV-act. 28, und vom 17.
Oktober 2007, IV-act. 44).
A.d Anlässlich der Rentenrevision im Jahr 2010 berichtete Dr. B._ von einem
stationären Gesundheitszustand (Bericht vom 30. August 2010, IV-act. 51-3). Am 8.
Februar 2011 hielt er fest, dass eine leichte Tätigkeit mit wechselnder körperlicher
Belastung "wahrscheinlich" zumutbar sei, auf eine prozentuale Quantifizierung wolle er
sich nicht festlegen (IV-act. 54-3). Der RAD verneinte am 18. Februar 2011 eine
gesundheitliche Veränderung (IV-act. 55).
A.e Nach Inkrafttreten der IV-Revision 6a nahm die IV-Stelle weitere Abklärungen vor.
Dr. B._ berichtete am 2. April 2012 zusätzlich von rezidivierenden
Unterbauchschmerzen unklarer Genese. Die Frage nach aktueller somatisch-
fachärztlicher, psychiatrischer oder psychologisch-psychotherapeutischer Behandlung
verneinte er. Körperlich leichte Tätigkeiten mit wechselnder Belastung wären
wahrscheinlich möglich, würden von der Versicherten jedoch wahrscheinlich nicht
toleriert (IV-act. 60-3). Im daraufhin bei der Academy of Swiss Insurance Medicine
(asim), Basel, in Auftrag gegebenen Gutachten vom 31. Dezember 2013 finden sich mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen chronische Migräne ohne Aura (ICD-10:
G43.0) mit möglicher Analgetika-induzierter Kopfschmerzkomponente (ICD-10: G44.83)
sowie zervikobrachiales Schmerzsyndrom beidseits (ICD-10: M54.82). In der
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angestammten leichten, aber einseitig belastenden Tätigkeit schätzten die Gutachter
die Arbeitsfähigkeit auf 75 % (6 Stunden täglich bei 100 %iger Präsenz). Für andere
körperlich leichte Tätigkeiten mit angepasster Wechselbelastung bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 80 %. Diese Einschätzung beruhe auf einer Verbesserung des
psychischen Gesundheitszustands. Da seit 2002 keine psychiatrischen Berichte
vorlägen, die eine Vergleichsbeurteilung der depressiven Episoden ermöglichen
würden, datiere man den Beginn der Arbeitsfähigkeit auf den Zeitpunkt des Gutachtens
(IV-act. 80-19, 80-23).
A.f In der Folge stellte die IV-Stelle der Versicherten basierend auf einem ermittelten
Invaliditätsgrad von 16 % (vgl. IV-act. 82) die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht
(Vorbescheid vom 6. Februar 2014, IV-act. 84), wogegen die Versicherte am 31. März
2014 Einwand erheben und die Weiterausrichtung der ganzen Rente beantragen liess
(IV-act. 94). Sie liess unter anderem einen Bericht ihres sie seit November 2012
behandelnden Psychiaters Dr. med. F._ vom 11. März 2014 einreichen (IV-act. 94-14
f.). Mit Verfügung vom 15. April 2014 entschied die IV-Stelle gemäss Vorbescheid und
hob die Rentenleistung auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats
auf. Einer Beschwerde gegen diese Verfügung entzog sie die aufschiebende Wirkung
(IV-act. 99).
B.
B.a Die vorliegende Beschwerde vom 27. Mai 2014 (act. G 1) richtet sich gegen die
Verfügung vom 15. April 2014. Die Beschwerdeführerin beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Weiterausrichtung einer ganzen Rente. Eventualiter sei ein unabhängiges
interdisziplinäres Gutachten zu erstellen; subeventualiter sei die Sache an die
Beschwerdegegnerin zur Klärung des Umfangs der Erwerbsunfähigkeit
zurückzuweisen. Schliesslich beantragt die Beschwerdeführerin die Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Es sei davon auszugehen,
dass die psychiatrische asim-Begutachtung ohne Kenntnis der psychiatrischen
Vorakten erfolgt sei. Die medizinische Anamnese sei unvollständig. Dr. F._ und Dr.
B._ schätzten die Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin als
erheblich eingeschränkt ein. Auch die Schmerzen im Bauchraum seien nicht genügend
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abgeklärt worden. Es sei nicht von einem PÄUSBONOG-Leiden auszugehen und einer
Verbesserung des Gesundheitszustands seit dem Jahr 2002 sei nicht ausgewiesen.
B.b Mit Schreiben vom 13. Juni 2014 bezeichnete die Beschwerdegegnerin die
Beschwerde als aussichtslos und verzichtete auf die Einreichung einer
Beschwerdeantwort (act. G 7, act. G 11).
B.c In einer weiteren, nach Einsichtnahme in die Akten der Beschwerdegegnerin
erfolgten und diese ergänzenden Stellungnahme vom 10. November 2014 (act. G 16)
hat die Beschwerdeführerin an den gestellten Anträgen festgehalten. Sie betonte
insbesondere, der psychiatrische asim-Gutachter habe ignoriert, dass sie seit Jahren in
intensiver fachärztlicher Behandlung sei. Im orthopädischen Teilgutachten und im
Gesamtgutachten seien überdies die Adaptationskriterien für eine geeignete Tätigkeit
nicht genannt worden.
B.d Am 12. November 2014 reichte die Beschwerdeführerin weitere medizinische
Unterlagen ein (act. G 17.1-17.4).

Erwägungen
1.
1.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die zwischen den Parteien
umstrittene Frage der Rechtmässigkeit der Rentenaufhebung. Die Beschwerdegegnerin
hat einen verbesserten Gesundheitszustand ermittelt und daraufhin eine
Renteneinstellung per 31. Mai 2014 verfügt, womit die Beschwerdeführerin nicht
einverstanden ist.
1.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Zeitlicher Referenzpunkt für die
Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige
Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur
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Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4). Dagegen stellt die
bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein
genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des
Bundesgerichts 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.1).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, der psychische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit der ursprünglichen
Rentenzusprache im März 2003 relevant verbessert, was sie mit dem psychiatrischen
Teil des asim-Gutachtens vom 31. Dezember 2013 begründet. Gegen den Beweiswert
des asim-Gutachtens bringt die Beschwerdeführerin insbesondere die davon
abweichenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte vor (act. G 1, S. 7 f.).
2.2 Im psychiatrischen Gutachten von Dr. E._ vom 27. August 2002 (IV-act. 11)
wurden eine Somatisierungsstörung und eine leichte depressive Episode ohne
somatische Symptome diagnostiziert. Die Beschwerdeführerin habe nach der
Operation eines Sakraldermoids im Jahr 1999 ein Beschwerdebild, das geprägt sei
durch Schmerzen sakral, Schmerzen im Bereich des Schulterblattes, des Nackens und
des linken Armes, Kopfschmerzen, Schwindel, ein Gefühl von Schwäche im linken Arm
und der ganzen linken Körperhälfte, Schlafstörungen, gedrückter Stimmungslage,
Nervosität, besorgtes Sinnieren mit Hauptfokus auf die körperlichen Beschwerden,
Vitalitätsmangel und Interessenverlust sowie rascher Ermüdbarkeit und Müdigkeit
tagsüber. Die Phänomenologie wurde als Somatisierungsstörung interpretiert. Das
ängstlich depressive Syndrom werde einerseits im Sinne einer begleitenden
Affektstörung der Somatisierungsstörung zugeordnet; da aber andererseits die
vorhandenen Symptome auch einer leichten depressiven Episode entsprächen, werde
diese bei der Beschwerdeführerin eigens klassifiziert (IV-act. 11-5). Die Gutachterin
erwähnte Verlust von Interesse und Freude, erhöhte Ermüdbarkeit, verminderte
Konzentration, leicht vermindertes Selbstwertgefühl und Schlafstörungen sowie
Libidoverlust (IV-act. 11-6). Die Beschwerdeführerin wurde als massiv beeinträchtigt
beschrieben in der Ausübung der Tätigkeit als Mutter, Hausfrau und Arbeitnehmerin
(IV-act. 11-7).
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2.3 Verglichen mit diesem von Dr. E._ beschriebenen Störungsbild hinterliess die
Beschwerdeführerin bei der asim-Begutachtung einen verbesserten Eindruck.
Gegenüber dem psychiatrischen Teilgutachter Dr. G._ nannte sie Kopfschmerzen als
schlimmstes gesundheitliches Problem (IV-act. 80-33). Die "Anfälle" mit
Bewusstlosigkeit, von denen sie Dr. E._ berichtet hatte (IV-act. 11-2 f.), erwähnte sie
gegenüber Dr. G._ nicht mehr. Während sie im Jahr 2002 noch berichtet hatte, dass
ihre im Jahr 2000 geborene Tochter sie nervös mache und sie Hilfe bei ihrer Betreuung
in Anspruch nehmen müsse (IV-act. 11-3), thematisierte sie im Jahr 2013 gegenüber
dem psychiatrischen Gutachter keine Probleme mehr bei der Betreuung der
unterdessen zwei Kinder. Der asim-Psychiater bezeichnete die leichte depressive
Episode mit plausibler Beschreibung insbesondere des psychopathologischen Befunds
als remittiert. Er beschrieb die Beschwerdeführerin als in der Kontaktaufnahme und
durchgehend im Gespräch auffallend wenig spontan. Es müsse kontinuierlich
präzisierend nachgefragt werden. Die Fragen beantworte die Beschwerdeführerin
überwiegend mit einem stereotypen "Weiss-ich-nicht", wobei sie zur Begründung ihre
Vergesslichkeit angebe. Allerdings würden die Antworten prompt gegeben. Die gereizte
Haltung der Beschwerdeführerin sei gut spürbar; sie seufze nach präzisierendem
Nachfragen laut und rolle die Augen. Ermüdungserscheinungen seien keine bemerkbar.
Ihre Miene sei gleichgültig, die Haltung und der Gesichtsausdruck signalisierten
Desinteresse. Die Schilderungen imponierten sehr defizitorientiert, wobei fraglich sei,
ob die stereotypen, informationsarmen Angaben tatsächlich einem Mangel an Life
Events entsprächen oder aus der eingeschränkten Mitwirkung heraus gemacht würden.
Es lägen Anhaltspunkte für zumindest aggravatorisches Verhalten vor. Im Affekt sei die
Beschwerdeführerin subjektiv traurig, mit häufigem Weinen, objektiv hingegen nicht
deprimiert mit leichtgradiger Dysphorie; die Schwingungsfähigkeit sei reduziert.
Psychomotorisch lägen subjektiv gravierende Defizite, starke Ermüdbarkeit und
Kraftlosigkeit vor, objektiv sei die Beschwerdeführerin psychomotorisch ausgeglichen
und frei von Beeinträchtigungen. Es hätten sich zahlreiche Anhaltspunkte für eine
nichtauthentische Beschwerdeschilderung ergeben. Deshalb habe über die Situation
der Beschwerdeführerin, insbesondere hinsichtlich der Alltagsgestaltung, nur wenig
Information gewonnen werden können, wobei eine fundierte Beurteilung dennoch
möglich gewesen sei. Anders als noch im Jahr 2002 Dr. E._ diagnostizierte Dr. G._
keine Somatisierungsstörung mehr, wobei er darauf hinwies, dass auf den jeweiligen
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Fachgebieten Störungen hätten objektiviert werden können (Adhäsionssitus, Migräne,
Coccygodynie). Auch wenn nicht gänzlich ausgeschlossen ist, dass Dr. G._ seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung (volle Arbeitsfähigkeit) einen strengeren
Zumutbarkeitsmassstab zugrunde legte als damals Dr. E._, ist insgesamt mit der
Beschwerdegegnerin eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands seit
2002 als hinreichend ausgewiesen zu betrachten.
2.4 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin erwecken die behandelnden Ärzte
keine ernsthaften Zweifel an dieser Beurteilung. Dr. G._ hielt fest, die
Beschwerdeführerin erinnere sich nicht an den Namen ihres Therapeuten, sie wisse
nur, dass seine Praxis im gleichen Gebäude sei wie jene ihres Hausarztes (IV-act.
80-34). Er gelangte zur Beurteilung, dass auf ihre anamnestischen Angaben nicht
abgestützt werden könne, denn diese fielen pauschal aus und könnten nicht präzisiert
werden (IV-act. 80-38). Diese Einschätzung erscheint vor dem Hintergrund der übrigen
Akten plausibel. Zwar ist zu bemängeln, dass der Gutachter es unterlassen hat, den
Namen des behandelnden Psychiaters in Erfahrung zu bringen und von diesem die
Behandlungsakten einzufordern. Auch der RAD hat dies nicht nachgeholt. Der von der
Beschwerdeführerin gezogene Schluss, dass der Gutachter in Kenntnis der
Einschätzung von Dr. F._ zu einer anderen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung gelangt wäre,
vermag jedoch nicht zu überzeugen. Dr. F._, der die psychiatrische Behandlung der
Beschwerdeführerin im November 2012 aufgenommen hatte, erwähnte in seinem
Bericht vom 11. März 2014, dass die Beschwerdeführerin seit der Geburt der Tochter
gesundheitliche Probleme habe. Nach der Geburt des Sohnes hätten sich die
psychischen und körperlichen Beschwerden eher verschlechtert. Der zitierte Bericht
enthält keine eigentliche Verlaufs- bzw. Therapiebeschreibung, sondern im
Wesentlichen lediglich einige Hinweise zum Befund beim Erstgespräch vom 14.
November 2012. Die Beschwerdeführerin wird als bewusstseinsklar, allseits voll
orientiert und freundlich-zurückhaltend im Kontakt beschrieben. Gestisch und mimisch
wirke sie stark leidend. Eine psychotische Symptomatik oder Störungen der
Wahrnehmung sowie akute Suizidalität verneinte der Therapeut. Die Stimmung
beschrieb er als depressiv bis maximal ernst mit fehlender emotionaler Auslenkbarkeit
zum freudigen Pol hin. Das gesamte körperlich-psychiatrische Beschwerdebild
erschien Dr. F._ so miteinander verwoben, dass er ihm erheblichen Krankheitswert
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zubilligte. Er halte die Arbeitsfähigkeit für so
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erheblich eingeschränkt, dass er von Invalidität ausgehe (IV-act. 94-15). Diese
Ausführungen sind relativ vage und in Bezug auf den Psychostatus sehr knapp.
Dadurch erlangen sie nicht die nötige Nachvollziehbarkeit und Plausibilität. Auch die
Diagnose der chronischen depressiven Symptomatik mit Fehlverarbeitung von
Schmerzen wurde nicht nachvollziehbar hergeleitet und begründet; eine begründete
Angabe zum Schweregrad fehlt. Eine kritische Prüfung der Glaubwürdigkeit der
Leidensschilderung der Beschwerdeführerin ist nicht ersichtlich. Zu allfälligen
Ressourcen hat sich der behandelnde Psychiater gar nicht geäussert und sein Bericht
vom 11. März 2014 lässt nicht darauf schliessen, dass er fremdanamnestische
Auskünfte eingeholt oder Vorakten beigezogen hätte. Dies wäre aber schon nur für die
Einschätzung, dass Schmerzen fehlverarbeitet würden, nötig gewesen. Die
Behandlungsfrequenz ist ferner nicht belegt. Dass die Beschwerdeführerin sich bei der
asim-Begutachtung vom 25. April 2013 und damit über fünf Monate nach
Behandlungsbeginn nicht einmal an den Namen ihres Psychiaters erinnern konnte, ist
jedenfalls kein Hinweis auf eine intensive Therapie. Dr. F._ hielt im Weiteren fest, die
Beschwerdeführerin nehme regelmässig nur das Medikament Saroten ein, die
Tagesdosis wisse sie aber nicht. Auch hier findet sich also kein Beleg für einen
grösseren Leidensdruck. Die Einnahme eines Antidepressivums war in der vom asim
veranlassten Laboruntersuchung denn auch nicht nachweisbar (IV-act. 80-12). Dass
der asim-Gutachter Dr. G._ zahlreiche Anhaltspunkte für eine nicht authentische
Beschwerdeschilderung erwähnte (IV-act. 80-38), vermag vor dem Hintergrund dieser
Akten nicht zu überraschen. Im Übrigen enthält das Schreiben von Dr. F._ vom 11.
März 2014 keine Quantifizierung der Arbeitsunfähigkeit (eine solche enthält auch das
Schreiben vom 13. Mai 2014 nicht; IV-act. 106-4). Soweit er von Invalidität ausgeht,
kann dem von Vornherein keine Bedeutung beigemessen werden, handelt es sich
dabei doch um einen juristischen und nicht einen medizinischen Begriff.
2.5 RAD-Arzt Dr. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, wies in seiner
Stellungnahme vom 14. April 2014 (IV-act. 98) darauf hin, dass der von Dr. F._
genannte Diagnosecode ICD-10: F34.1 lediglich jener der Dysthymie sei. Diese
entspreche nicht der Schwere einer Depression und stelle somit keinen psychischen
Gesundheitsschaden im schweren Grad dar; eine psychiatrische Komorbidität liege
nicht vor. Angesichts der Diagnose einer Dysthymie hätte sich umso mehr aufgedrängt,
eine Ressourcenprüfung vorzunehmen. Dr. F._ hat in Erwiderung auf die soeben
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erwähnte Beurteilung durch RAD-Arzt Dr. H._ im Schreiben vom 29. Oktober 2014
(act. G 16.1) darauf hingewiesen, dass die von ihm festgestellten Beschwerden sich
unabhängig von der zugrunde liegenden Diagnose chronifiziert hätten und es der
Beschwerdeführerin unmöglich machten, die Beeinträchtigungen (Schmerzen,
Energie-, Kraft- und Lustlosigkeit sowie depressive und morose Verstimmung) zu
überwinden und eine regelmässige Arbeitsleistung zu erreichen. Dieses Schreiben
enthält zum Psychostatus der Beschwerdeführerin jedoch keine neuen Erkenntnisse.
Wiederum ohne Umschreibung der Schwere nennt Dr. F._ zwar Beeinträchtigungen,
hält aber nicht fest, dass das depressive Geschehen klar über dem geringen
Schweregrad einer Dysthymie liegt. Auch wenn eine Diagnose allein in aller Regel noch
keine direkten Aussagen zur Arbeitsfähigkeit ermöglicht, so lässt sich eine so
umfassende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus den
wenigen Ausführungen, die Dr. F._ zu ihrem Zustand macht, jedenfalls nicht
nachvollziehen.
2.6 Nach dem Gesagten ist mit der Verbesserung des psychischen Zustands eine
relevante Sachverhaltsveränderung im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG zu bejahen.
3.
3.1 In den Berichten des Hausarztes Dr. B._ finden sich entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin keine konkreten Hinweise darauf, dass die Beurteilung der asim-
Gutachter aus somatischer Sicht unzutreffend sein könnte bzw. sie eine
unverhältnismässige Zumutbarkeitsbeurteilung vorgenommen haben könnten. Im
Bericht vom 31. März 2014 bezeichnete er die Beschwerden im Bauchraum noch
immer als unklar (IV-act. 97), sodass nicht davon auszugehen ist, dass der Internist
oder der Gynäkologe des asim wesentliche Aspekte oder Erkrankungen übersehen
oder nicht erkannt haben. Die asim-Gutachter haben sich eingehend auch mit den
geklagten Bauchbeschwerden auseinandergesetzt und die eigene Exploration mit
Laboruntersuchungen (Gutachten, S. 25 ff.) sowie einer Sonografie des Abdomens
(Gutachten, S. 30 ff.) ergänzt. In dieser Hinsicht, aber auch betreffend den übrigen
Gesundheitszustand fehlen überzeugende Hinweise auf eine Unvollständigkeit oder
Unsorgfältigkeit im asim-Gutachten.
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3.2 Im asim-Gutachten wurde der Beschwerdeführerin in einer leichten bis
mittelschweren Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% attestiert,
was mit der chronischen Migräne ohne Aura begründet wurde. Da bei der
ursprünglichen Rentenzusprache keine neurologische Beurteilung vorgenommen
worden war, lässt sich nicht beurteilen, ob sich der Gesundheitszustand aus
neurologischer Sicht verschlechtert hat. Doch selbst wenn man dies zugunsten der
Beschwerdeführerin bejahen wollte, ist die Renteneinstellung rechtmässig, wie sich
nachfolgend ergibt.
4.
4.1 Die ursprüngliche Invaliditätsbemessung der Beschwerdeführerin wurde anhand
eines Einkommensvergleichs vorgenommen. Eine Sachverhaltsveränderung, die zu
einer anderen Bemessungsmethode führen würde, machen die Parteien zu Recht nicht
geltend.
4.2 Im Jahr 2003 wurde von einem unterdurchschnittlichen Valideneinkommen
ausgegangen (IV-act. 17-2, 19). Auch diesbezüglich ist keine revisionsrelevante
Sachverhaltsveränderung erstellt. Selbst wenn jedoch neu ein Prozentvergleich
vorgenommen würde (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a mit Hinweisen, Urteil des
Bundesgerichts 9C_882/2010 vom 25. Januar 2011 E. 7.1), resultierte bei einer
Arbeitsfähigkeit von 80% kein rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr, zumal der
maximal mögliche Tabellenlohnabzug von 25% offenkundig nicht angezeigt ist. Zum
Abzug macht die Beschwerdeführerin geltend, sie könnte ihre Restarbeitsfähigkeit nur
mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Ausserdem sei bei ihr im
Vergleich zu anderen Arbeitstätigen mit einem höheren Krankheitsrisiko zu rechnen,
und dies vermindere ihren Wert als Arbeitnehmerin erheblich. Auch wenn die
gesundheitliche Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin grundsätzlich als
Konkurrenznachteil anerkannt würde, rechtfertigt dies jedenfalls nicht die Gewährung
des Maximalabzugs, dies weder mit Blick auf ihr Alter (Jahrgang 1977) noch auf die Art
der angepassten Tätigkeiten (sämtliche leichten Tätigkeiten mit Wechselbelastung sind
möglich) oder sonstige Faktoren. Folglich ist die Renteneinstellung ex nunc
rechtmässig und die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden.
5.
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5.1 Die Beschwerdeführerin hat die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
sowie Rechtsverbeiständung beantragt (act. G 1). Die diesbezüglichen
Voraussetzungen sind erfüllt, wenn der Prozess nicht offensichtlich aussichtslos, die
Partei bedürftig und die Verbeiständung durch einen Anwalt notwendig oder doch
geboten ist (Art. 61 lit. f ATSG; BGE 103 V 46; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3.
Aufl., Bern/St.Gallen/Zürich 2015, Rz 177 zu Art. 61 ATSG), wobei als bedürftig gilt, wer
aus seinen Mitteln die zu gewärtigenden Anwaltskosten nicht zu bestreiten vermag (vgl.
KIESER, a.a.O., Rz 179 zu Art. 61 ATSG).
5.2 Aussichtslosigkeit ist angesichts der Komplexität der Fragestellungen im
Sozialversicherungsrecht nur zurückhaltend anzunehmen und vorliegend zu verneinen.
Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin über keine tiefergehenden
Kenntnisse des Sozialversicherungsrechts verfügt und somit diesbezüglich nicht als
"bewandert" gelten kann (vgl. KIESER a.a.O., Rz 183 zu Art. 61 ATSG). Zudem stellen
sich im Revisionsverfahren anspruchsvolle verfahrensrechtliche Fragen, und mit der
Renteneinstellung wurde empfindlich in die Rechtsstellung der Beschwerdeführerin
eingegriffen. Der Beizug einer rechtlichen Vertretung ist jedenfalls nachvollziehbar und
wäre wohl auch erfolgt, wenn die Beschwerdeführerin nicht bedürftig gewesen wäre.
5.3 Nach Lage der Akten generierte der Ehemann der Beschwerdeführerin zum
Urteilszeitpunkt monatliche Einkünfte von rund Fr. 5'800.- (x 12). Die anerkennbaren
Auslagen der Familie (um 30% erweiterter betreibungsrechtlicher Grundbedarf [Fr.
3'809.-], Miete inkl. Nebenkosten [rund Fr. 2'000.-, act. G 24.1; 6.1], OKP-
Krankenversicherungsprämien [Fr. 720.-, act. G 24.1], Anteil Franchise/Selbstbehalt;
Steuern [rund Fr. 150.-]; vgl. die vom Kantonsgericht des Kantons St. Gallen im Mai
2011 herausgegebenen, vom Versicherungsgericht analog angewendeten Richtlinien
zur unentgeltlichen Rechtspflege im Zivilprozess und für die Privatklägerschaft im
Strafprozess) übersteigen diese Einnahmen. Anrechenbares Vermögen ist selbst unter
Berücksichtigung des Rückkaufswerts der Lebensversicherungen nicht vorhanden.
Damit ist die finanzielle Bedürftigkeit ausgewiesen.
5.4 Damit sind die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege erfüllt. Dem Gesuch ist zu entsprechen und Rechtsanwalt lic.iur. Adrian
Fiechter ist zum unentgeltlichen Rechtsvertreter zu benennen.
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5.5 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
5.6 Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozessen bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.- bis Fr. 12'000.-. In der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit erscheint wie in vergleichbaren Fällen üblich eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.- als angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu
kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes [sGS 963.70]) und beträgt Fr. 2'800.-. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Kostennote
verzichtet. Die Rechtsschutzversicherung der Beschwerdeführerin hat eine Beteiligung
von Fr. 1'000.- geleistet (vgl. Schreiben vom 9. September 2016, act. G 20). Somit hat
der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 1'800.-
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
5.7 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).