Decision ID: 0ab963e6-8db4-526c-8cd9-5e1b5d4c1619
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im April 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe eine Berufslehre als Schreiner
absolviert, verfüge aber über kein entsprechendes Fähigkeitszeugnis oder Diplom. Er
sei aber Inhaber eines Wirtepatentes der Gastronomie Swiss. Seit Juli 2008 arbeite er
in einem Pensum von 50 Prozent als Kellner. Der Psychiater Dr. med. B._ teilte im
April 2010 telefonisch mit (IV-act. 12), der Versicherte leide an einer rezidivierenden
depressiven Störung, die aktuell mittelgradig ausgeprägt sei. Er neige zu autonomen
Funktionsstörungen, hauptsächlich im Gastrointestinalbereich. Zudem liege ein
Alkoholabusus mit einem sekundären Konsum vor. Die depressive Störung sei
anamnestisch seit dem Jahr 2000 symptomatisch; die Behandlung sei im Januar 2005
aufgenommen worden. Der Versicherte sei über lange Zeit psychisch stabil und zu 50
Prozent arbeitsfähig gewesen. Im November 2009 sei der psychische Zustand
dekompensiert, wobei die psychosoziale Situation mit wenig Kontakt zu den Kindern
nach der Trennung von der Ehefrau und mit der finanziellen Abhängigkeit vom
Sozialamt, das ihn nun auch zur IV-Anmeldung gedrängt habe, eine wesentliche Rolle
gespielt habe. Aktuell entspreche das psychische Störungsbild wieder in etwa dem
Niveau vor November 2009. Die Arbeitgeberin des Versicherten berichtete im April
2010 (IV-act. 9), sie führe ein Lokal, sei aber selbst nicht im Besitz eines Wirtepatentes.
Deshalb beschäftige sie den Versicherten für unregelmässige Teilzeiteinsätze, wobei
der Lohn nicht der Arbeitsleistung entspreche, sondern eine Entschädigung für das
Wirtepatent beinhalte, das den Betrieb des Lokals ermögliche.
A.b Im September 2010 erlitt der Versicherte einen Verkehrsunfall (vgl. IV-act. 35). Vom
14. März 2011 bis zum 11. Mai 2011 befand er sich in einer stationären Behandlung in
der Klinik C._. Diese berichtete am 30. Mai 2011 (IV-act. 56–6 ff.), der Versicherte
leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
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mittelgradigen Episode und einem somatischen Syndrom sowie an einer arteriellen
Hypertonie. Er habe angegeben, dass er sich gerade von einer depressiven Episode
nach dem fremdverschuldeten Verkehrsunfall erholt gehabt habe, als seine Freundin
die Beziehung beendet habe. Das sei für ihn ein Schock gewesen, der zu einer
psychischen Dekompensation geführt habe. Er habe auch wieder zum Alkohol
gegriffen. Der Chiropraktor Dr. D._ berichtete im September 2011 (IV-act. 65–3), der
Versicherte habe beim Verkehrsunfall ein Schleudertrauma erlitten. Ein MRI der
Halswirbelsäule habe einen Bandscheibenvorfall links medial im Segment C5/6 gezeigt,
der posttraumatischer Natur sei. Mittlerweile müsse von einer Chronifizierung der
Beschwerden ausgegangen werden. Kurz nach dem Unfall seien auch Schmerzen im
Lumbalbereich aufgetreten. Nachdem der Versicherte gegenüber der IV-Stelle erklärt
hatte, dass er motiviert sei, wieder ins Berufsleben einzusteigen (vgl. IV-act. 73), erteilte
ihm die IV-Stelle mit einer Mitteilung vom 15. Dezember 2011 eine Kostengutsprache
für eine dreimonatige berufliche Abklärung (IV-act. 80). Mit einer Mitteilung vom 21.
Februar 2012 verlängerte die IV-Stelle ihre Kostengutsprache um weitere drei Monate
(IV-act. 92). Die Abklärungsstelle berichtete im Juni 2012 (IV-act. 103), der Versicherte
habe sich vom Einsatzprogramm motiviert gefühlt. Er habe die anstehenden Arbeiten
gewissenhaft ausgeführt. Die Arbeitsleistung habe im Bereich von 30–40 Prozent
gelegen. Im Mai 2013 teilte Dr. B._ mit (IV-act. 126), der Gesundheitszustand des
Versicherten habe sich während einer tagesklinischen Behandlung ab Mitte September
2012 stetig verschlechtert. Anfang Dezember 2012 habe die tagesklinische Behandlung
wegen einer schweren depressiven Symptomatik abgebrochen werden müssen; der
Versicherte sei in die Klinik E._ eingewiesen worden. Ende Januar 2013 habe er sich
dann wieder in die tagesklinische Behandlung begeben. Sein Zustand habe sich seither
verbessert, sodass von einer Teilremission gesprochen werden könne. Im August 2013
berichtete das Psychiatrie-Zentrum F._ (IV-act. 132–14 f.), die tagesklinische
Behandlung sei am 9. August 2013 abgeschlossen worden. Der Ver¬sicherte leide an
sozialen Phobien und an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer
gegenwärtig leichten Episode. Im November 2013 empfahl Dr. med. G._ vom IV-
internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), den behandelnden Psychiater Dr. B._ in
sechs Monaten zur Einreichung eines Verlaufsberichtes aufzufordern (IV-act. 136). Im
Juli 2014 berichtete Dr. B._, der Gesundheitszustand des Versicherten sei nach wie
vor instabil; er empfehle die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 143).
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Die RAD-Ärzte Dres. G._ und H._ hielten im August 2014 fest (IV-act. 144), das von
Dr. B._ beschriebene Zustandsbild lasse sich mit einer Erwerbstätigkeit nicht
vereinbaren. Es könne ohne weitere medizinische Abklärungen von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ausgegangen werden.
A.c Im September 2014 nahm die IV-Stelle einen Auszug aus dem Profil des
Versicherten in einem sozialen Netzwerk (IV-act. 148) sowie eine Liste von Dart-
Turnieren, an denen der Versicherte offenbar teilgenommen hatte (IV-act. 147), zu den
Akten. Im November 2014 beauftragte sie den Psychiater und Neurologen Dr. med.
I._ mit einer psychiatrischen Begutachtung des Versicherten (IV-act. 149). Das
entsprechende Gutachten wurde am 8. Mai 2015 erstellt (IV-act. 164). Der
Sachverständige hielt fest, der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven
Störung, an einer Dysthymia und an einer sozialen Phobie. Er sei unter schwierigen
Entwicklungsbedingungen aufgewachsen und habe eine Kette von Verlusten erlebt.
Das habe den Ausgangspunkt für eine lebenslange Neigung zu Gefühlen von
Ungenügendsein, Selbstunsicherheit und Scham gebildet. Gestützt auf die
Untersuchungsergebnisse und die Berichte der behandelnden Ärzte stehe ohne einen
vernünftigen Zweifel fest, dass der Versicherte seit Jahren an depressiven Symptomen,
an einer Selbstunsicherheit und an sozialen Ängsten leide. Angesichts des in den Akten
beschriebenen Verlaufs dürfte es sich um eine sogenannte „double depression“ mit
einer anhaltenden affektiven Störung im Sinne einer Dysthymia und rezidivierend
auftretenden depressiven Episoden handeln. Der Versicherte sei kognitiv nicht
wesentlich eingeschränkt, leide aber an Beeinträchtigungen im emotionalen Bereich,
bezüglich der Emotionsregulation und im sozialen Bereich. Er könne nur mit einem
verlangsamten Tempo arbeiten und benötige mehr Erholungszeit ausserhalb der
Arbeitszeit. Die bisherige Tätigkeit sei ihm während fünf Stunden pro Tag, an fünf
Tagen pro Woche, zumutbar, wobei er aber jeden Tag eine einstündige Pause einlegen
können müsse. Die Leistungsfähigkeit sei um 20 Prozent vermindert. Insgesamt
betrage die Arbeitsfähigkeit also 50 Prozent. Dasselbe gelte auch für andere,
leidensadaptierte Tätigkeiten. Die Arbeitsfähigkeit bestehe wohl seit ungefähr
September 2013.
A.d Im Juni 2015 ging der IV-Stelle ein Bericht betreffend eine verdeckte Observation
des Versicherten zu, der im Auftrag einer Haftpflichtversicherung erstellt worden war
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(IV-act. 175). Der Berichterstatter hielt fest, der Versicherte arbeite offensichtlich und
führe mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Shisha-Bar. Er sei an sämtlichen
Überwachungstagen bei der Bar anzutreffen gewesen und habe Arbeiten verrichtet,
wie sie für den Geschäftsführer eines solchen Lokals üblich seien. Ein Plakat beim
Eingang habe den Hinweis enthalten: „Ali und sein Team freuen sich auf Ihren Besuch“.
Offenbar beschäftige der Versicherte also Personal. Allerdings könne nicht angegeben
werden, wie viele Leute er angestellt habe. Weder bei den Besorgungen noch bei den
Spaziergängen mit dem Hund seien psychische oder physische Beeinträchtigungen
festzustellen gewesen. Am 24. Juli 2015 forderte die IV-Stelle Dr. I._ auf (IV-act. 176),
den Observationsbericht zu studieren und verschiedene Rückfragen zu seinem
Gutachten zu beantworten. Am 4. Oktober 2015 gab Dr. I._ an (IV-act. 181), die
Observationsergebnisse stünden im Widerspruch zu den Angaben, die der Versicherte
bei der persönlichen Untersuchung gemacht habe. Er müsse davon ausgehen, dass
der Versicherte ihm ein falsches Bild von sich vermittelt habe. Im Observationsbericht
sei kein stichhaltiger Beleg für eine effektive Tätigkeit des Versicherten im Service
enthalten; hätte eine solche Tätigkeit nachgewiesen werden können, würde das die
Einschätzung von Dr. I._ bezüglich der sozialen Ängste des Versicherten „völlig über
den Haufen werfen“. Die Videos zeigten zwar kein Verhalten, von dem der Versicherte
behauptet hätte, er sei dazu überhaupt nicht mehr in der Lage, die Häufigkeit der
Aktivitäten verwundere allerdings schon. Insgesamt müsse er, Dr. I._, davon
ausgehen, dass sich der Versicherte bei der Untersuchung im April 2015 nicht
authentisch dargestellt habe, weshalb sich Zweifel an der gestellten Diagnose ergäben.
Die Widersprüche zwischen der Observation und der Selbstdarstellung seien so gross,
dass erhebliche Zweifel daran bestünden, ob überhaupt aktuell eine psychische
Gesundheitsbeeinträchtigung vorliege. Im Dezember 2015 notierte die RAD-Ärztin Dr.
med. J._ (IV-act. 182), die Ausführungen von Dr. I._ seien überzeugend. Rund
einen Monat nach der Begutachtung habe sich der Versicherte für fünf Wochen in eine
stationäre psychiatrische Behandlung begeben. Die behandelnden Ärzte hätten über
eine Zunahme der depressiven Beschwerden und der Schmerzen berichtet, aber sie
hätten keine Kenntnis vom Observationsmaterial gehabt. Später habe sich der
Versicherte notfallmässig wegen einer angeblichen Zunahme der cervicalen
Beschwerden in eine Behandlung begeben. Im Spital habe allerdings kein objektiver
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Befund erhoben werden können, der die Schmerzen hätte erklären können. Bei der
aktuellen Aktenlage dränge sich eine bidisziplinäre Begutachtung auf.
A.e Mit einem Vorbescheid vom 4. April 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 186), dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens vorsehe. Zur
Begründung führte sie an, sie habe umfassende Abklärungen getätigt, aber den
massgebenden Sachverhalt nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermitteln können, weil der Versicherte von Beginn
weg darauf fokussiert gewesen sei, seine wahren Fähigkeiten zu verbergen. Ein
Gesundheitsschaden sei nicht nachgewiesen. Soweit noch eine Unsicherheit bezüglich
des Sachverhaltes bestehe, habe der Versicherte deren Folgen zu tragen. Zudem habe
der Versicherte jeweils nur ein Einkommen von etwa 25’000 Franken erzielt. Offenbar
hätte er sich als Gesunder auch weiterhin mit diesem Einkommen begnügt. Nun treffe
ihn aber eine Schadenminderungspflicht, weshalb er eine durchschnittlich entlöhnte
Hilfsarbeit verrichten müsste. Bei einem Durchschnittslohn eines Hilfsarbeiters von
65’177 Franken würde folglich selbst dann kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
resultieren, wenn von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent ausgegangen würde.
Dagegen liess der Versicherte am 13. Mai 2016 einwenden (IV-act. 189), er beantrage
die Zusprache einer halben Rente. Die Observationsergebnisse zeigten kein Verhalten,
das im Widerspruch zu den Angaben des Versicherten im Verfahren stehen würde. Der
Sachverständige Dr. I._ habe sich zwar über die Häufigkeit der Aktivitäten
gewundert, aber offenbar übersehen, dass die Observation über einen längeren
Zeitraum hinweg durchgeführt worden sei. Das zeige bereits der Umstand, dass auf
einigen Aufnahmen eine Schneedecke zu erkennen sei, während andere Aufnahmen
eine komplett schneefreie Landschaft zeigten. Das relativiere die Häufigkeit der
Aktivitäten des Versicherten. Zusammenfassend sei das Observationsmaterial nicht
geeignet, Zweifel am Gutachten von Dr. I._ zu wecken, weshalb von einer
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten von 50 Prozent ausgegangen werden müsse. Die
Ausführungen der IV-Stelle zum Valideneinkommen seien unzutreffend. Die
Invalidenkarriere entspreche der Validenkarriere. Bei der Berechnung des
Invalideneinkommens müsse ein Tabellenlohnabzug berücksichtigt werden. Der
Invaliditätsgrad belaufe sich auf 56 Prozent. Mit einer Verfügung vom 30. Mai 2016
wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 190).
Bezugnehmend auf die Einwände des Versicherten hielt sie fest, dieser ziele darauf ab,
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die medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung durch eine eigene
Arbeitsfähigkeitsschätzung zu ersetzen, was unzulässig sei. Der Versicherte sei darauf
zu behaften, dass er stets nur zu 50 Prozent erwerbstätig gewesen sei. Selbst wenn er
arbeitsunfähig wäre, müsste der Invaliditätsgrad im erwerblichen Teil gewichtet
respektive angesichts des halben Pensums halbiert werden. Er könnte sich also
höchstens auf 25 Prozent belaufen.
B.
B.a Am 30. Juni 2016 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. Mai 2016 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache einer halben Rente mit Wirkung ab dem 1. September 2011 zuzüglich fünf
Prozent Zinsen seit dem 1. September 2011. Zur Begründung führte er an, ein
Observationsbericht, der sich auf bewusst zulasten einer versicherten Person
ausgewählte Ausschnitte stütze, könne nichts Objektives über den psychischen
Gesundheitszustand dieser Person aussagen. Der Sachverständige Dr. I._ habe in
seiner nachträglichen Stellungnahme keine Begründung geliefert, die geeignet wäre,
wesentliche Zweifel an der Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung in
seinem Gutachten zu wecken. Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
habe dem Beschwerdeführer keine Gelegenheit gegeben, sich zu den
Observationsergebnissen und zur nachträglichen Stellungnahme von Dr. I._ zu
äussern, was eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör darstelle. Die
Observationsergebnisse seien allerdings ohnehin nicht verwertbar. Zusammenfassend
sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent auszugehen. Die von der
Beschwerdegegnerin vorgenommene proportionale Kürzung entsprechend dem
Beschäftigungsgrad sei rechtswidrig. Der Invaliditätsgrad belaufe sich auf 56 Prozent.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. Oktober 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, die Observation sei rechtmässig
gewesen. Auch die Verwertung der Observationsergebnisse sei rechtmässig gewesen.
Der Sachverständige Dr. I._ habe seinem Gutachten falsche Sachverhaltsannahmen
zugrunde gelegt, weshalb nicht auf sein Gutachten abgestellt werden könne. In seiner
nachträglichen Stellungnahme habe er überzeugend dargelegt, dass er angesichts der
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Observationsergebnisse zu einem anderen Ergebnis komme. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs liege nicht vor, da der Beschwerdeführer nach der Eröffnung des
Vorbescheides umfassend habe Stellung nehmen können.
B.c Am 31. Oktober 2016 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 7).
B.d Der Beschwerdeführer liess am 30. November 2016 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 11). Die Beschwerdegegnerin hielt am 6. Januar 2017 ebenfalls an ihrem Antrag
fest (act. G 13).

Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, dass die Beschwerdegegnerin seinen
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, indem sie ihm keine Gelegenheit zur
Stellungnahme zu den Observationsergebnissen und zur nachträglichen Ergänzung des
Gutachtens von Dr. I._ gegeben habe. Diese Rüge muss als Erstes geprüft werden,
denn sollte die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör tatsächlich verletzt haben, müsste die Sache ohne Weiteres an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden. Diese müsste dem Beschwerdeführer
das rechtliche Gehör gewähren und anschliessend erneut verfügen, denn nur so
könnte die Verfahrensrechtswidrigkeit behoben werden. Vorliegend erweist sich die
Rüge einer Gehörsverletzung als offenkundig unbegründet, denn die
Beschwerdegegnerin hat nach der Einholung einer Stellungnahme von Dr. I._ zu den
Observationsergebnissen einen ausführlich begründeten Vorbescheid eröffnet. Diesem
hat der Beschwerdeführer ohne Weiteres entnehmen können, dass die
Beschwerdegegnerin den Observationsergebnissen und der nachträglichen
Stellungnahme von Dr. I._ ein entscheidendes Gewicht beigemessen hat. Er hätte
also problemlos die entsprechenden Akten anfordern und eingehend Stellung dazu
nehmen können. Der Vorbescheid dient ja auch in erster Linie dazu, der versicherten
Person (in einer formalisierten Art) das rechtliche Gehör zu gewähren. In seiner Eingabe
vom 13. Mai 2016 hat sich der Beschwerdeführer eingehend zu den
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Observationsergebnissen und zur nachträglichen Stellungnahme von Dr. I._
geäussert. Weshalb er nun die Ansicht vertritt, die Beschwerdegegnerin habe ihm diese
Möglichkeit verwehrt, lässt sich nicht nachvollziehen. Ebenso wenig überzeugt die
Rüge des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin habe seinen Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt, indem sie ihm keine Möglichkeit eingeräumt habe, eigene
Ergänzungsfragen an den Sachverständigen Dr. I._ zu stellen, denn bei der
Rückfrage an Dr. I._ hat es sich nur um eine Aktenwürdigung gehandelt, die in aller
Regel durchgeführt wird, ohne dass der versicherten Person zuerst noch die
Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt werden müsste. Der Beschwerdeführer hat
denn auch mit keinem Wort darlegen können, welche Fragen er Dr. I._ hätte stellen
wollen. Eine Gehörsverletzung ist jedenfalls nicht auszumachen.
2.
2.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen
ist und die nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat
gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung. Laut dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16
ATSG wird für die Bemessung der Invalidität das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
2.2 Der Beschwerdeführer ist zwar über Jahre hinweg nur in einem Teilpensum
erwerbs¬tätig gewesen, aber das bedeutet nicht, dass der Invaliditätsgrad anhand der
sogenannten gemischten Methode zu berechnen wäre. Diese kommt nach dem Willen
des Gesetzgebers nämlich nur in wenigen Ausnahmefällen zur Anwendung, zu denen
der vorliegende Fall augenscheinlich nicht gehört, weil der Beschwerdeführer bereits
erwerbstätig gewesen ist und weil es ihm zumutbar ist, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen (vgl. zum Ganzen den Entscheid IV 2014/125 des St. Galler
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Versicherungsgerichtes vom 24. Mai 2016, insb. E. 2.2). Die Invalidität des
Beschwerdeführers bemisst sich folglich anhand eines reinen Einkommensvergleichs.
Hinsichtlich des Valideneinkommens ist massgebend, dass der Beschwerdeführer
keine in der Schweiz anerkannte Berufsausbildung absolviert hat, aber Inhaber des
Wirtepatentes ist, was bedeutet, dass er im sogenannten „hypothetischen
Gesundheitsfall“ nicht nur als Hilfsarbeiter, sondern auch als Wirt (bspw. als Pächter
einer Gastwirtschaft) erwerbstätig sein könnte. Gemäss den Ergebnissen der
Schweizer Lohnstrukturerhebung für das Jahr 2012 hat der Zentralwert der Löhne für
Männer, die im Gastgewerbe im Kompetenzniveau 3 tätig gewesen sind, 5’362 Franken
betragen; der Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne (Kompetenzniveau 1) hat sich auf 5’210
Franken belaufen. Die gerichtsnotorische schlechte Entlöhnung respektive kleine
Gewinnspanne im Gastgewerbe lässt sich also statistisch belegen: Ein Angestellter im
Gastgewerbe, der anspruchsvolle Tätigkeiten verrichtet, also beispielsweise ein Lokal
führt, erzielt im Allgemeinen keinen nennenswert höheren Lohn als ein Hilfsarbeiter.
Das Wirtepatent allein dürfte es dem Beschwerdeführer nicht ermöglicht haben, jenen
Lohn zu erzielen, den ein Angestellter im Gastgewerbe erhält, der anspruchsvolle
Tätigkeiten verrichtet (Kompetenzniveau 3). Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass
eine Entschädigung für die Überlassung des Wirtepatentes zum Gebrauch keinen
massgebenden Lohn darstellt. Ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung wäre es dem
Beschwerdeführer folglich wohl kaum möglich gewesen, einen höheren Lohn als den
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne über alle Branchen hinweg zu erzielen. Da es dem
Beschwerdeführer ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung zumutbar wäre, eine
durchschnittlich entlöhnte Hilfsarbeit in irgendeiner Branche anzunehmen, ist für die
Bestimmung des Valideneinkommens vom Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne
auszugehen.
2.3 Die Höhe des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens hängt
massgebend von der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung ab. Die
Beschwerdegegnerin hat zur Bestimmung der Arbeitsfähigkeit ein fachärztliches
Gutachten bei Dr. I._ eingeholt, das für sich allein betrachtet aus der Sicht eines
medizinischen Laien eine überzeugend begründete Diagnose und eine ebenso
überzeugend begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung enthalten hat. Nun hatte die
Haftpflichtversicherung allerdings den Beschwerdeführer in der Zeit kurz vor der
Begutachtung observieren lassen. Die Frage nach der Zulässigkeit jener Observation
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gehört nicht zum Gegenstand dieses Verfahrens. Hier stellt sich nur die Frage nach der
Zulässigkeit der Verwertung der Observationsergebnisse, die mit Blick auf die aktuelle
bundesgerichtliche Praxis (BGE 143 I 377) ohne Weiteres zu bejahen ist. Nachdem Dr.
I._ das Observationsmaterial gesichtet hatte, hat er sein eigenes Gutachten als nicht
mehr länger überzeugend bezeichnet. Er hat geltend gemacht, seine
Schlussfolgerungen im Gutachten beruhten zu einem wesentlichen Teil auf den
Angaben des Beschwerdeführers, die er in der Untersuchungssituation als glaubwürdig
und zuverlässig qualifiziert habe. Das Observationsmaterial zeige zwar nicht direkt eine
Verrichtung, die im Widerspruch zu den Angaben des Beschwerdeführers bei der
Begutachtung stehen würde, aber einerseits liege der Schluss nahe, dass der
Beschwerdeführer in den einer verdeckten Überwachung nicht zugänglichen
Privaträumen Tätigkeiten verrichtet haben könnte, die sich nicht mit seinen eigenen
Angaben vereinbaren liessen (Mitarbeit im Service oder Führung eines Lokals), und
andererseits habe der Beschwerdeführer die Verrichtungen in einer Häufigkeit
ausgeübt, die sich nicht mit seinen Angaben bei der Begutachtung vereinbaren lasse.
Diese Ausführungen von Dr. I._ sind nachvollziehbar und für einen medizinischen
Laien ohne Weiteres einleuchtend. Das Argument des Beschwerdeführers, Dr. I._
müsse übersehen haben, dass die Observation über einen langen Zeitraum hinweg
durchgeführt worden sei, was die Häufigkeit der Aktivitäten des Beschwerdeführers
relativiere, verfängt nicht. Die Observation ist nämlich am 9., am 20., am 21., am 28.
und am 29. Januar 2015 durchgeführt worden, also einmal an einem einzelnen und
zweimal an je zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Die Tagesprotokolle zu den einzelnen
Observationen belegen chronologisch genau die Aktivitäten des Beschwerdeführers.
Dem Sachverständigen Dr. I._ darf zugestanden werden, dass er die Unterlagen
sorgfältig studiert und seine Aussagen zur für ihn überraschenden Häufigkeit der
Aktivitäten in genauer Kenntnis der Chronologie der Beobachtungen des verdeckten
Ermittlers gemacht hat. Da also der Sachverständige Dr. I._ die Zuverlässigkeit seiner
eigenen Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung nachträglich mit einer
überzeugenden Begründung in Frage gestellt hat und da die Akten keine andere
überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung enthalten, auf die abgestellt werden könnte,
erweist sich der Sachverhalt hinsichtlich der Frage nach der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers als nicht hinreichend abgeklärt.
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2.4 Das bedeutet allerdings nicht, dass damit auch zwingend eine objektive
Beweislosigkeit vorliegen würde. Solange nämlich von weiteren
Abklärungsmassnahmen ein wesentlicher Erkenntnisgewinn erwartet werden kann, ist
die Beschwerdegegnerin angesichts ihrer Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
verpflichtet, die entsprechenden Abklärungen zu tätigen und so zu versuchen, den
massgebenden Sachverhalt doch noch hinreichend zu ermitteln. Gestützt auf die
überzeugenden Ausführungen der RAD-Ärztin Dr. J._ drängt sich vor dem
Hintergrund der Ausführungen von Dr. I._ die von der RAD-Ärztin empfohlene
bidisziplinäre Begutachtung auf. Sollten die medizinischen Sachverständigen
Kenntnisse darüber benötigen, ob und wie der Beschwerdeführer im
Observationszeitraum gearbeitet hat, sollte es durch eine Zeugenbefragung möglich
sein, das zu ermitteln: Anhand der Aussagen des Inhabers des Lokals, der dort
arbeitenden Angestellten und der Stammgäste dürfte es durchaus möglich sein
herauszufinden, ob und in welchem Umfang der Beschwerdeführer im Lokal
mitgearbeitet hat respektive wie oft er dort anwesend gewesen ist und was er in dieser
Zeit jeweils getan hat. Mithilfe dieser fremdanamnestischen Aussagen dürfte ein
psychiatrischer Sachverständiger in der Lage sein, eine zuverlässige, überwiegend
wahrscheinlich richtige Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben. Vor diesem Hintergrund
kann beim aktuellen Stand der Akten nicht von einer objektiven Beweislosigkeit
ausgegangen werden. Das bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin den
massgebenden Sachverhalt nicht vollständig ermittelt hat, weshalb die angefochtene
Verfügung in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen ist
und als rechtswidrig aufgehoben werden muss.
2.5 Da die Sachverhaltsermittlung die ureigenste Aufgabe der Verwaltung ist und da
die weitere Sachverhaltsabklärung mehrere Schritte umfasst, ist die Sache zur
Vervollständigung der Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Diese wird nötigenfalls die erwähnten Zeugenbefragungen
durchführen und den Beschwerdeführer anschliessend – allenfalls in Anwendung des
sogenannten Mahn- und Bedenkzeitverfahrens gemäss dem Art. 43 Abs. 3 ATSG –
auffordern, sich erneut begutachten zu lassen und bei jener Begutachtung durchwegs
wahrheitsgetreue Angaben zu machen und sich in jeder Hinsicht authentisch zu
verhalten.
3.
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Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen gilt eine Rückweisung zur weiteren
Abklärung als ein vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei. Die
Gerichtskosten von 600 Franken sind folglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Diese hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten, die
angesichts des durchschnittlichen Vertretungsaufwandes praxisgemäss auf 3’500
Franken (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.