Decision ID: fcfffdab-3fef-4c44-bec5-30cd52235aa8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1969 geborene
X._
war
seit November 2000 als Fahrer und Allrounder bei der
Y._
AG
angestellt.
Anfangs 2019 wurde d
ie
Y._
AG
v
on neuen Eigentümern übernommen und in der Folge mit der
Z._
AG
fusioniert (vgl.
www.zefix.ch
)
.
X._
wurde am 2
8.
Mai 2019 eine Änderungskündigung ausgesprochen (Urk.
12/15/10). Ab dem 1
2.
Juni 2019
war
X._
zu 100
%
krank
geschrieben
(
Urk.
12/15/1;
Urk.
12/14/2). Die Krankentaggeldversicherung
der Arbeitgeberin, die
Vaudoise
Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft AG (nach
folgend:
Vaudoise
)
,
erbrachte Taggeldleistungen (
Urk.
12/9/1;
Urk.
12/9/4,
Urk.
12/9/14,
Urk.
12/9/24,
Urk.
12/9/30). Am
2
2.
November 2019 (E
ingangs
datum)
meldete sich
X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/5). Die IV-Stelle zog die Akten der
Vaudoise
(
Urk.
12/9
), der
Vorsorgeeinrichtung des Versicherten,
AXA Stiftung Berufliche Vorsorge, W
interthur
(
Urk.
12/19; vgl.
Urk.
12/13)
und der Zürich V
e
rsicherungs-Gesellschaft AG
(nachfolgend: Zürich Versicherung)
, welche ab dem
1.
Januar 2020
die zuständige
Krankentaggeldver
s
i
cheru
ng
war,
(
Urk.
12/29
,
Urk.
12/50
;
vgl.
Urk.
12/15/5)
bei und
holte Arztberichte bei A._
, Praktischer Arzt,
(Urk.
12/14)
und
beim
Zentrum
B._
(
nachfolgend:
B._
;
Urk.
12/18)
sowie einen Arbeitgeberbericht
der
Z._
AG
ein (
Urk.
12/15)
. Mit Vorbescheid vom 2
3.
März 2021 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen
Leistungsanspruch
des Versicherten zu verneinen (
Urk.
12/54). Nachdem der Versicherte dage
gen Einwand erhoben hatte (Urk.
12/62)
,
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2021 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am
2.
Juli 2021 (Datum Poststempel;
Urk.
1) Beschwerde erheben und beantragen, es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflich
ten, i
h
m die gesetzlichen Leistungen zu gewähren, insbesondere sei ihm ab Juni 2020 eine ganze Rente auszurichten. Mit Verfügung vom
6.
Juli 2021 (
Urk.
5) wurde dem Beschwerdeführer und seiner
Rechtsv
ertreterin Frist angesetzt, um dem Gericht eine schriftliche Vertretungsvollmacht für das vorliegende Verfahren einzureichen. Dieser Aufforderung wurde innert Frist nachgekommen (
Urk.
8,
Urk.
9). Die Beschwerdegegnerin beantragt
e mit Beschwerdeantwort vom 10.
September 2021 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11), was dem Beschwer
deführer mit Verfügung vom 1
3.
September 2021 angezeigt wurde (Urk
.
13).
Am
7.
Oktober 2021 reichte der Beschwe
rdeführer eine Replik ein (Urk.
14), welche der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 1
2.
Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
15).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung ihres Entscheides
(
Urk.
2)
, der Beschwerdeführer sei seit dem 1
2.
Juni 2019 durchgehend in seiner bisherigen Tätigkeit arbeitsunfähig geschrieben. Es lägen keine Diagnosen vor, welche die Arbeitsfähigkeit langandauernd oder dauerhaft einschränkten. Seit Oktober 2020 sei der Beschwerdeführer aus versicherungsmedizinischer Sicht wieder zu 100
%
arbeitsfähig. In der Invalidenversicherung s
eien nur Krankheiten versichert
, welche langandauernd und nicht (mehr) behandelbar seien. Eine solche Einsch
rä
nkung liege beim Beschwerdeführer nicht vor, weshalb sein Leistungs
begehren abzuweisen sei.
Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, dass bei der medizinischen Abklärung kein Dolmetscher beigezogen worden sei, gelte es zu beachten, dass im Arz
t
bericht von
Dr.
med. C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 1
1.
Februar 2020 die «guten Deutschkennt
nisse» des Beschwerdeführers als Ressource angegeben würden. Die Verstän
digung während der medizinischen Untersuchung
durch
Dr.
med. D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, welcher zu Händen der Zürich
Versicherung
ein Gutachten erstellt
habe
,
sei wie bei den anderen Arz
t
besuchen ohne Dolmetscher ausreichen
d
gewährleistet gewesen. Sie hätten eine Ressourcenprüfung durchgeführt. Die psychischen
Befunde
sei nur noch leicht vorhanden. Eine längerfristige gesundheitliche Einschränkung liege nicht vor.
Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
September 2021 (
Urk.
11) erklärte die Beschwer
degegnerin
,
d
as Gutachten von
Dr.
D._
vom 1
9.
August 2020 erfülle die rechtlichen Anforderungen, um vollen Beweiswert zu beanspruchen. Gemäss Einschätzung des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
seien die vorliegenden Akten schlüssig und nachvollziehbar. Aus psychiatrischer Sicht liege ab dem
1.
Oktober 2020 keine Arbeitsunfähigkeit mehr vor. Die somatischen Beschwer
den schränkten den Beschwerdeführer ebenfalls nicht in seiner bisherigen Tätig
keit als Chauffeur oder einer an
deren angepassten Tätigkeit ein
. Da der Beschwer
deführer in seiner angestammten Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig sei,
sei auch kein
Anspruch auf berufliche Massnahmen gegeben.
2.2
Der Beschwerdeführer
liess dagegen im Wesentlichen einwenden (
Urk.
1
und Urk.
14
),
die Beschwerdegegnerin stelle massgeblich auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
D._
ab.
Einem
solchen Gutachten
komme
nicht derselbe Beweiswert zu wie einem nach
Art.
44 ATSG eingeholten und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten.
Die
Beschwerdegegnerin
begnüge sich
damit, bei einem RAD-Facharzt für orthopädische Chirurgie eine psychiatrische Beurteilung einzuholen. Bereits die Tatsache, dass ein RAD-Arzt
eine fachfremde Beurteilung vornehme, habe zur Folge, dass auf die Aktenbeur
teilung aufgrund erheblicher Zweifel an der Schlüssigkeit und Nachvollzieh
barkeit nicht abgestellt werden könne. Vom RAD sei weder die Stellungnahme des behandelnden Arztes vom 3
0.
September 2020 berücksichtigt worden noch liege der Beschwerdegegnerin der Austrittsbericht über die teilstationäre Behand
lung vor. Dies wäre allerdings beides unabdingbar, wenn
der
Aktenbeurteilung B
eweiswert zukommen soll.
Hinsichtlich
der
Sprachkenntnisse gelte es zu beachten, dass die Beschwerde
gegnerin selbst in ihren Akten festhalte,
dass aufgrund fehlender Deutschkennt
nisse kein Standortgespräch habe durchgeführt werden könne
n
.
Er habe bei der Begutachtung die Kranke
n
taggeldversicherung
gebeten,
ein
en
Dolmetscher
beizuziehen
. Dies sei ihm allerdings aus unerklärlichen Gründen verwe
h
rt worden. Es kö
nne daher nicht auf das Gutacht
e
n
abgestell
t
werden, da es gerade bei einer psychiatrischen Begutachtung unabdingbar sei, dass die sprachliche Verständigung gegeben sei. Tatsache sei, dass er meist von der Ehefrau an Arzt
termine begleitet werde, da sich oft herausstelle, dass
seine
Deutschkenntnisse eben gerade nicht ausreichten und es vorkomme, dass er etwas falsch verstehe.
Die behandelnden Psychiater
Dr.
C._
und
med.
pract
.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führten die Behandlung in seiner Muttersprache durch.
Ferner sei zu be
rücksichtigen, dass
Dr.
D._
eine prognostische Einschätzung vorgenommen habe, welche sich offensichtlich nicht bewahrheitet habe. Denn Fakt sei, dass er sich trotz regelmässiger psychiatrischer Behandlung in teilsta
tionäre Behandlung habe begeben müssen, da sich
sein
Gesundheitszu
s
tand nicht verbessert, sondern verschlech
t
ert habe.
Aus dem Bericht von
Dr.
E._
, welcher der griechischen Sprache mächtig sei, geh
e klar hervor, dass er deutlich
mehr eingeschränkt sei, als dies aus dem Gutachten von
Dr.
D._
hervorgehe.
Unter Berücksichtigung der Standardindikatoren sei von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden auszugehen.
Er sei seit dem 1
2.
Juni 2019 zu 100
%
arbeits
unfähig und habe
sich
im November 2019 bei der Beschwerdegegnerin ange
meldet. Demnach habe er ab Juni 202
0
Anspruch auf eine ganze Rente. Selbst wenn auf die fachfremde Aktenbeurteilung des RAD-
Arztes
abgestellt
w
ürde
,
sei erst
ab dem
1.
Oktober 2020
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen
. Dies wiederum habe zur Folge, dass er ebenfalls ab Juni 2020 Anspruch auf eine ganze Rente habe. Unter Berücksichtigung von
Art.
88a
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
hätte er demnach bis Ende Dezember 2020 Anspruch auf eine ganze Rente. Wenn auf die RAD-Beurteilung
abgestellt würde, müsste ab
1.
Januar 2021 ein Einkommensvergleich durch
geführt w
e
rden. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei davon auszugehen, dass er bei guter Gesundheit weiterhin zum Lohn vor der Änderungskündigung dort arbeiten würde und so ein Einkommen von Fr. 94'662.50 erzielen würde. Das Invalideneinkommen sei gestützt auf die LSE TA1, Privater Sektor, Total Kompe
tenzniveau 1, Männer zu berechnen. Unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn von 15
%
resultiere ein Invaliditätsgrad von 38
%
, was einen Anspruch auf
berufliche Massnahmen begründe.
3.
3.1
Dr.
C._
,
Dr.
phil. F._
, Klinischer Psychologe und Supervisor, sowie
MSc
G._
, Psychologin FSP, alle vom
B._
, nannten mit Bericht an die
Beschwerdegegnerin vom 1
1.
Februar 2020
als D
iagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
12/
18/7-9
)
:
-
m
ittelgrad
ig
e depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie:
-
Alkoholmissbrauch (ICD-10 F10.1)
-
l
umbovertebr
a
les
Syndrom
-
z
ervikovert
ebrales
Syndrom
Der Beschwerdeführer beklag
e
,
seit der neuen Geschäftsleitung im Januar 2019 und einer Gehaltsreduktion von 30
%
unter Depressionen zu leiden. Die Fach
personen des
B._
führten
als Symptome
an:
Gedankenkreisen, Verfolgungsideen (Arbeitgeber mische sich in Beh
andlungen ein, wolle ihn fertig
mache
n
), Schlaf
störungen (Durchschlaf
drei
Stunden, dann Schlaflosigkeit), Appetitminderung, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Sinnlosigkeitsgedanken, Müdigkeit, Antriebslosigkeit (kaum mehr Hausha
l
tsarbeiten),
Rückzug und Traurigkeit
. Somatisch bestünden LWS-Schmerzen, Parästhesien im linken Arm und Hyper
tonie.
Der Beschwerdeführer trinke
gelegentlich
eine Flasche Wein, dazu Ouzo im Rahmen eines inko
mpletten Selbstheilungsversuchs. Es
bestünden kein Nikotin
- oder
Drogen
konsum
, kein Medikamentenmissbrauch, keine Sui
zidideen, keine Suizidversuche und auch
keine akute Suizidalität.
Unter den Befunden hielten sie fest: 50jähriger Patient, äusserlich gepflegt, mit der Ehefrau erscheinend,
alters
entsprechend,
bewusstseinsklar und allseits orientiert, in der emotionellen Kontaktaufnahme abwartend, gehemmt, sachlich, aktiv im Spontanverhalten, Stimmung depressiv-resigniert, affektiv kontrolliert, im Gesprächsverlauf verbal mitteilungsaktiv,
schildert Symptomerleben und -verhalten im Zusammenhang mit den Arbeitsplatzveränderungen, kognitiv in Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis verlangsamt bzw. deutlich eingeschränkt, deut
liche Vergesslichkeit, Denken formal beweglich, inhaltlich problemzentriert.
Aktuell sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsunfähig, auch für angepasste Tätigkeiten. Auf längere Sicht sei bei vorhandenen Ressourcen und einer vorsich
tigen schrittweisen Steigerung der Arbeitsfähigkeit von einer vorsichtig positiven Prognose auszugehen. Als Ressourcen führten die Fachpersonen des
B._
gute Deutschkenntnisse, bisherige Resilienz und Motivation an.
3.2
In der Aktenbeurteilung vom
2
1.
Januar 2020 nahm der beratende Arzt der AXA
Stiftung
B
erufliche Vorsorge, Winterthur
,
Dr.
med. H._
,
Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers Stellung
(
Urk.
12/19/5-7)
. Als Diagnose führte er eine mittelgradige depressive Episode bei Alkoholmissbrauch (ICD-10 F32.1, F10.1)
an
. Ge
mäss
dem Besuchs
bericht der
Vaudoise
vom 2
0.
September 2019 habe der Beschwerdeführer als Grund für die Krankschreibung vom 1
2.
Juni 2019 massive Rückenschmerzen, Unterarmschmerzen sowie Gefühllosigkeit beider Hände angegeben. Psychische Probleme hätten sich später zur Schmerzproblematik hinzugestellt. Hinweise auf eine Diskusveränderung
der Wirbelsäule
hätten
bei den durchgeführten Unter
suchungen
nicht festgestellt werden können,
hingegen bestünden
Abnutzungen der Facettengelenke lumbal, welche mittels Infiltration
hätten
angegangen werden könn
en. Eine neurologische Untersuchung habe unauffällige Befunde ergeben. Mit dem behandelnden Psychiater,
Dr.
C._
, habe er am 1
6.
Januar 2020
telefonisch Kontakt aufnehmen könne
n
. Dieser habe angegeben, dass trotz
des Wegfalls der Stelle gegenwärtig noch keine Verbesserung habe erreicht werden können. So habe die antidepressive Medikation mit Citalopram erhöht werden müsse
n
. Der Beschwerdeführer leide unter einer erheblichen
Anhedonie
und habe Schwierigkeiten seinen Alltag zu bewältigen. So habe er ihn bis zum 1
5.
Februar 202
0
weiterhin krankschreiben müsse
n
.
Dr.
H._
erklärte, er habe mit
Dr.
C._
die Situation dahingehend besprochen, dass eine stufenweise Adaptation an eine Teilarbeitsfähigkeit erfolgen sollte. Sie seien so verblieben, dass
Dr.
C._
den Beschwerdeführer ab dem
1.
März 2020 zu mindestens 20
%
arbeitsfähig schreiben werde. Weitere Steigerungsschritte um 20
%
monat
lich seien realistisch
, so dass ab
1.
April 2020 eine 40%ige, ab
1.
Mai 2020 eine 60%ige und ab
1.
Juli 2020 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehen dürfte
. Seines Erachtens erübrige sich eine Plausibilis
i
erung. Der Beschwerdeführer befinde sich in einer adäquaten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung inklusive
Medikation. Das gemeinsam eruierte Prozedere einer stufenweisen Steigerung der Ar
beitsfähigkeit ab dem
1.
März 2
020 erscheine sinnvoll.
3.3
Im Bericht vom
6.
Mai 2020 bestätigten
Dr.
C._
,
Dr.
phil.
F._
und die Psychologin
G._
die von ihnen im Bericht 1
1.
Februar 2020 gestellten Diag
nosen sowie die attestierte volle Arbeitsunfähigkeit. Sie hielten jedoch fest, dass eine leichte Besserung der depressiven Symptomatik eingetreten sei, insbesondere in Bezug auf die Traurigkeit. Hingegen bestünden immer noch Schlafstörungen, Gedankenkreisen und Konzentrationsschwierigkeiten
. Es erfolge weiterhin zwei
mal monatlich eine Einzelpsychotherapie sowie ein- bis zweimal monatlich eine medikamentöse Überwachung
(
Urk.
12/29/36-38).
3.
4
Dr.
D._
verfasste am 1
9.
August 2020
ein psychiatrisches Gutachten zu Händen der
Zürich
Versicherung
(
Urk.
12/50/14-33). Bei dem heute 51-jährigen Beschwerdeführer lägen keine eigen- oder fremdanamnestischen Angaben zu einer relevanten psychiatrischen Vorgeschichte vor. Soweit ersichtlich sei der Beschwerdeführer in jungen Jahren nach Deutschland und dann in die Schweiz emigriert. Hier habe er beruflich Fuss gefasst, eine Familie gegründet und bis Somm
e
r 2019 ein in psychiatrischer Hinsicht völlig unauffälliges Leben in stabi
len familiären, beruflichen und finanziellen Verhältnissen geführt. Diese Lebens
bewährung über fast 30 Jahre deute nicht zwingend auf einen Menschen hin, bei dem relevante prämorbide Faktoren für die derzeitige Krankheitsepisode ange
nommen werden müssten. Einzig festzustellen sei eine persönlichkeitsstrukturelle Komponente in Richtung einer Selbstwertproblematik
. Glaubhaft und überzeu
gen
d
festzustellen sei nun, dass die Ereignisse am Arbeitsplatz den Beschwerde
führer erheblich in seiner Ehre und in seinem Selbstverständnis verletzt und gekränkt hätten. Das Verhalten de
r Arbeitgeberin
erscheine dem Beschwerde
führer völlig unverständlich und kollidiere erheblich mit seinem Wertesystem bzw. seiner Selbsteinschätzung seiner beruflichen Leistung.
D
ass nach fast 30 Jahren so mit ihm umgegangen worden sei, sei für den Beschwerdeführer in seiner Wahrnehmung absolut unfassbar. Von daher sei es für ihn
–
Dr.
D._
-
völlig stimmig, dass es nach der vorgesehenen Änderungskündigung zu einem erheblichen psycho-reaktiven psychischen Beschwerdebild gekommen sei, das am besten als Anpassungsstörung zu klassifizieren sei. Die gleichfalls angegebenen somatischen Beschwerden gingen hierin zunächst einmal auf bzw.
müssten zunächst als das genommen werden, was sie zunächst einmal seien, nämlich sub
jektiv angegebene kö
rperliche Beschwerden. Das Vorl
i
e
gen einer Erkrankung aus dem somatoformen Formenkreis im Sinne einer «Verschiebung» der psychischen Beschwerden in den somatischen Bereich sei angesichts der diesbezüglich
unauf
fälligen Vorgeschichte des Beschwerdeführers und bei einer für ihn zufrieden
stellenden Lebenssituation jedenfalls derzeit nicht ausgewiesen. Im Kontext des psychopathologischen Befundes und einer im
W
esentlichen unauffälligen Kogni
tion, einem unauffälligen formalen und inhaltlichen Denken und einer im Gespräch unauffälligen Gestik und Mimik gehe er weiter davon aus, dass eine Depression nach F3 nicht unbedingt anzunehmen sei. Auch das
B._
– er vermute, dass die Textpassage bereits 2019 geschrieben worden sei, werde doch ein 50-jähriger Versicherter genannt – spreche von einem mitteilsamen
Patienten
, der im Spontanverhalten aktiv sei und sein Symptomerleben und Verhalten in Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz geschildert habe. Dieses interaktionelle Aktivitätsniveau spreche nic
ht unbedingt für ein depressives
Geschehen im Sinne einer endogenen Depression. Dass der Beschwerdeführer sich dennoch mitunter unverä
ndert depressiv-gekränkt erlebe
und auch eine entsprechende Gemütslage aufweise, bleibe hiervon unberührt, gehöre aber zur Diagnose der Anpassungs
störung. Weitere Erkrankungen seien nicht zu postulieren.
Es sei von einem in der Akutphase Mai/Juni 2019 zunächst
höhergradigen
Beschwerdebild auszugehen. Betrachte man nu
n
weiter die für eine
schwer
gradige
psychische Erkrankung eher geringe Behandlungsintensität und den im Mai 2020 erwähnten psychopathologischen Befunden, so gehe er weiter davon aus, dass sich das Beschwerdebild zunehmend
regredient
entwickelt haben dürfte, insbesondere auch deshalb, da eine Zusammenarbeit mit de
r
Arbeitgeber
in
, dem auslösenden «Agens»
,
nicht mehr notwendig gewesen sei und damit der zentrale auslösende Belastungsfaktor weggefallen sei. Während de
s
Untersuchungs
gespräch
s
vom 1
4.
August 2020 seien nun im Grunde nur noch psychopatho
logische und interaktionelle Befunde in einem Ausmass zu erheben, die allenfalls noch ein leichtgradiges Beschwerdebild auswiesen. Dass der Beschwerdeführer weiterhin gekränkt sei und hier auch ein dysfunktionales subjektives Beschwer
deerleben und eine Art der Beschwerdepräsentation zum «Beweis» des Ausmasses der Kränkung entwickelt habe, sei wahrscheinlich. Jedoch sei diese Dynamik nicht in ein krankheitswertiges Geschehen eingebettet, dem ein diagnostischer Rang einer psychiatrischen Erkrankung gebühre. Die Therapie sei dem Schwere
grad der Erkrankung ange
m
essen, es genüg
e eine niederfrequent
e
Psychotherapie
mit einer gewissen antidepressiven Unterstützung.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe allenfalls noch eine
geringgradige
Einschrän
kung der funktionellen Leistungsfähigkeit, die als Ausdruck der Symptomatik einer psychischen Erkrankung zu sehen sei. De
n
hier berücksichtigten Ausfüh
rungen
von
Dr.
H._
, dass nämlich ab dem
1.
März 2020 von einer 20%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen sei und spätestens ab Juli 2020 keine Arbeitsun
fähigkeit mehr bestehe, könne er vollumfänglich in Kenntnis sämtlicher Informa
tionen folgen. Es verstehe sich von selber, dass diese medizinisch-gutachterliche Beurteilung konträr zur Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers stehe, sehe sich
dieser
in seiner Wahrnehmung doch als vollständig invalidisiert. Aus seiner Sicht bestehe hier jedoch eine nicht-krankheitswertige Selbstlimitierung, die überwiegend als bewusstseinsfern zu taxieren sei. Der Beschwerdeführer habe in seinem Erleben mindestens unbewusst Anspruch auf «Entschädigung» für das in seiner Wahrnehmung
erlittene Unrecht. Di
ese Haltung sei leider
I
ch
-
synton
und bis heute soweit ersichtlich nicht thematisierbar, geschweige denn veränderbar gewesen. Auch i
hm
sei es nicht gelungen, nur in Ansätzen mit dem Beschwerde
führer
darüber
ins Gespräch zu kommen, dass die Vorkommnisse zwar nachvoll
ziehbar verletzend und unschön gewesen seien und die Kränkungsreaktion verstehbar sei, es aber dennoch notwendig sei, auch sich und sein Verhalten an der Entwicklung zu reflektieren,
u
m nicht
in
einer trotzi
g
sich
verweigernden Haltung zu verharren, die einer günstigen E
ntwicklung sicher nicht förderlich sei. Es sei zu befürchten, dass die gegenwärtige dysfunktion
al
e Haltung, bei der sicher auch existentielle Ängste und Versagensängste eine Rolle spielen könnten, den weiteren Krankheitsverlauf und auch die Integration in den ersten Arbeitsmarkt ungünstig beeinflussen werden.
Gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers könne von einer guten beruf
lichen und auch privaten Lebensbewährung ausgegangen werden.
D
ie fast 30 Jahre dauernde Anstellung bei
der
gleichen Arbeitgeber
in
spreche an sich für gut ausgeprägte Durchhaltefähigkeit, Belastbarkeit und Loyalität
. A
uch das nach Angaben des Beschwerdeführers intakte Familienleben sei als Ressource zu werte
n
. In Bezug auf die Integration in den ersten Arbeitsmarkt von Nachteil sei die fehlende berufliche Qualifikation und Diversifikation,
das
Alter des Beschwer
deführers und die wahrscheinlich eingeschränkten Fähigkeiten, sich neu zu orientieren bzw. sich auf die jetzige Situation einzulassen.
Als Diagnose führte
Dr.
D._
an:
-
Anpassu
ngsstörung mit vorwiegender Stö
rung von anderen Gefühlen (ICD-10 F43.23) mit/bei
-
Arbeitsplatzkonflikt
-
Selbstwertproblematik mit erhöhter Kränkbarkeit als prädispo
nie
rende
m
Persönlichkeitsfaktor
Der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht gegenwärtig in
weitestgehend
jedweder Tätigkeit, die seinen beruflichen und personalen Qualifikationen
entspreche
, zu mindestens 80
%
arbeitsfähig
. Es sei sinnvoll, dem Beschwerde
führer noch bis zum
1.
Oktober 2020 Zeit einzuräumen, um sich auf die neue Situation einzustellen bzw. es sei anzuraten, den Beschwerdeführer psychothera
peutisch diesbezüglich weiterhin zu unterstützen und
zu
begleiten. Spätestens ab dem 1.
Oktober 2020 sei gleichfalls eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit ausge
wiesen und zumutbar.
3.
5
Am 3
0.
Dezember 202
0
nahmen
med.
pract
.
E._
sowie
Dr.
phil.
F._
vom
B._
zum Gutachten von Dr.
D._
Stellung
(
Urk.
12/
45/9-10
)
. Dabei
erklärten sie, die Beschwerden seien
von
Dr.
D._
oberflächlich aufgenommen
worden
. Gefühllosigkeit in den Händen, Schmerzen, Schlafstörungen, Lust- und Antriebs
losigkeit, sämtliche restliche
n
Symptome der depressiven Stimmung, Appetit
minderung, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Sinnlosigkeitsgedanken, Müdigkeit, Rückzug, Traurigkeit
seien
nicht erfragt bzw. als nicht vorhanden deklariert
worden
, was im klinischen Verlauf
falsch sei. Das
B._
habe am 2.
November
2018 mit validen und objektiven Test
s
deutliche Einschränkungen in
der
Aufmerksamkeit sowie im Gedächtnis festgestellt. Dazu sei die Reaktions
fähigkeit eingeschränkt.
Es gebe auch
Hinweise auf eine mögliche hirnorganische Mitbeteiligung. Bei komplexen Reizen sei der Beschwerdeführer überfordert. Gemäss dem Gutachter seien Aufmerksamkeit, Konzentration sowie Auffassung nicht eingeschränkt, was objektiv falsch sei. Das Gedächtnis sei – obschon psychopathologischer Befund angeblich nach AMDP – gar nicht erfragt worden. Die sogenannte Testbatterie TBFN zu
r
Feststellung von Simulationen sei der einzige verwendete Test,
das
Resultat dort unsich
er
und nicht hinweisend auf eine klare Simulation. Kränkung und demonstrative
s
Verhalten seien im Verlauf der bisher 17 Sitzungen im
B._
nicht beobachtet worden
.
I
m Gegenteil sei der Beschwerdeführer deutlich le
idend, zwei Stunden Durchschlaf
, wenn er um 23 Uhr ins Bett gehe, schlafe dann erst etwas länger um 6 Uhr am Morgen bis etwa 11 Uhr. Beim Liegen und Sitzen habe der Beschwerdeführer nach kurzer Zeit Schmerzen, der Alltag sei ausser kleinen Einkäufen nicht
bewältigbar
. Vor 2018 sei der Beschwerdeführer aktiv gewesen, habe den Garten machen können und im Haushalt geholfen. Eine Abklärung und Therapien betreffend Schmerzen in der Klinik
I._
(LWS schmale, zentral akzentuierte dorsale
Diskusprot
ru
sionen
L3/4, L4/5,
L5/S1, milde Facettengelenksarthrosen mit hypertrophen Liga
mente
flava
, MRI LWS 1
0.
Juli 2019) habe keine Milderung der Symptomatik erbracht. Des
W
eiteren
seien im
B._
im Verlauf Gedankenkreisen, Verfol
g
ungs
ideen (Arbeitgeber mische sich in Behandlungen ein, wolle ihn fertigmachen), Sin
nlosigkeitsgedanken, Müdigkeit und
Rückzug beobachtbar gewesen.
Es
bestehe eine 100%ige Arbeitsunf
ä
h
igkeit seit dem 1
2.
Juni 2019 bis heute.
Ein Beschäftigungsversuch im Haushalt scheitere bereits nach kleinem Kochen oder kleinem Einkauf, der Sport scheitere wegen Antriebslosigkeit. Der Beschwer
deführer gehe
wegen Antriebslosigkeit
kaum aus dem Haus. Es sei nur etwas besser, wenn er mit den Kindern und der Familie sei.
Die
Aufnahme einer regel
mässigen Arbeitstätigkeit scheitere im Moment schon an der Reiseunfähig
keit
und am Durchhaltevermögen
(bei kleinsten Drucksituationen Rückzug)
. Eine
Arbeitsfähigkeit ab
1.
Oktober 2020, wie vom Gutachter postuliert, sei daher im klinischen Verlauf völlig unrealistisch. Die Prognose
für
eine Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit
sei
langfrist
ig
hingegen
gut
, wenn der Beschwerdeführer die Depression weiter reduzieren könne. Der Beschw
e
rdeführer werde diesbezüglich we
i
tere Beschäftigungsversuch
e unternehmen
.
Realistischerweise
dürfte mindes
tens eine Teilarbeitsfähigkeit von 50
%
etwa ab
Juni 2021 wiederhergestellt sein. Der Beschwe
rdeführer habe sich jetzt über zehn
Woc
hen bemüht, regelmässig und mot
i
vier
t mit guter Compliance an der Tagesklinik im Haus teilzunehmen, was auch gut gelungen sei. Daher sei bei weiterer Verbesserung der Symptom
at
ik von einer
positiven Prognose auszugehen.
3.
6
Am
4.
Januar 2021 berichtete
Dr.
A._
dem Beschwerdeführer (
Urk.
12/45
/1-2
). Er nannte als Diagnosen:
-
Lumboischialgie
mit ausstrahlenden Beschwerden in UE rechts bei Facet
tengelenksarthrose
LWS
Sensibilitätsstörung in beiden Händen unklar
ab
Ell
en
bogen nach distal beidseits
-
m
ittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Tinnitus
auricularis
(
idiopatis
ch
) links (vermutlich psychisch
)
-
a
rterielle Hypertonie
-
Hyperlipidämie
-
Hyperurikämie
-
c
hronische Bronchitis
Der Beschwerdeführer stehe in seiner hausärztlichen Behandlung. Wegen der mittelgradigen depressiven Episode stehe
er
im
B._
in Behandlung. Diesbe
züglich sei eine intensive Behandlung am Laufen. Betreffend
Lumboischialgie
sei eine MRI Untersuchung und eine neurologische Kontrolle durchgeführt worden. Eine Infiltration sei noch nicht gemacht werden, sei jedoch möglich bei Abnut
zung der Facettengelenke lumbal. Es werde Physiotherapie durchgeführt.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützt
e
sich bei
ihrem Entscheid
, dass der Beschwerde
führer in sämtlichen Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsfähig sei,
im Wesentlichen
auf das Gutachten von
Dr.
D._
, welches dieser zu Händen der
Zürich Versiche
rung erstellt hatte (vgl. E. 3.4
)
.
4.2
4.2.1
Gemäss
Art.
44 ATSG hat der Versicherungsträger, der
zur Abklärung des Sach
verhaltes ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einho
len
muss,
der Partei deren oder dessen Namen bekannt
zugeben
. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach
Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (Administrativgutachten) darf voller Beweiswert zuerkannt werden, solange
nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4
,
135 V 465 E. 4.4). Liegt - wie hier
–
jedoch
ein vom Kran
kentaggeldversicherer nicht im gesetzlich v
orgesehenen Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholtes Gutachten vor, kommt diesem der Beweiswert versicherungs
interner ärztlicher Feststellungen zu (Urteil
des Bundesgerichts
8C_71/2016 vom
1.
Juli 2016
E. 5.3
). Folglich sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüs
sigkeit einer solchen Expertise, so sind ergänzende Abklärungen in Form eines Gerichtsgutachtens oder einer versicherungsexternen medizinischen Begutach
tung im Verfahren nach
Art.
44 ATSG v
orzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4
; Urteil des Bundesgerichts 9C_168/2020 vom 1
7.
März 2021 E. 3.2
).
4.2.2
Das Gutachten
von
Dr.
D._
erfüllt die rechtsprechungsgemässen Vorausset
zungen an beweiskräftige medizinische Berichte.
Der Bericht
ist
für die streitigen Belange umfassend
,
beruht
auf allseitigen Untersuchungen
, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden, leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation ein und die Schlussfolgerungen
sind
begründet. Zudem verfügt
Dr.
D._
über die notwendigen fachlichen Qualifikationen (
vgl.
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
4.2.3
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, es könne mangels ausreichender Deutschkenntnisse seinerseits nicht auf das Gutachten von
Dr.
D._
abgestellt werden
(vgl. E. 2.2)
, ist festzuhalten, dass der bestmöglichen sprachlichen Verständigung zwischen Experte und versicherter Person insbesondere bei der psychiatrischen Abklär
ung besonderes Gewicht zukommt.
Nach der Recht
sprechung ist daher bei psychiatrischen Begutachtungen eine Übersetzungshilfe beizuziehen, sofern sprachliche Schwierigkeiten bestehen und das Untersu
chungsgespräch nicht in der Muttersprache des Exploranden geführt werden kann. Es besteht indessen kein unbedingter Anspruch auf Durchführung einer medizinischen Abklärung in der Muttersprache oder auf
Beizug
eines Übersetzers.
G
rundsätzlich hat der Gutachter im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung zu
entscheiden, ob eine medizinische Abklärung in der Muttersprache des Explo
randen oder unter
Beizug
eines Übersetzer
s im Einzelfall geboten ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_
578/2014
vom 1
7.
Oktober 2014
E.
4.2.5).
Aus den Akten
ergeben sich Hinweise darauf, dass
die Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers limitiert sind.
So hielt der Car
e
Manager der
Vaudoise
nach einem Gespräch mit dem Beschwerdeführer fest, dass dieser nur gebrochen Deutsch spreche (
Urk.
12/
9
/23). Die
Beschwerdegegnerin führte zudem
aufgrund fehlender Deutschkenntnisse kein Standortgespräch durch (Urk.
12/53/1)
. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die Beschwerdegegnerin aufgrund eigener Einschätzung die Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers als für ein Standortgespräch ungenügend einschätzt
e
.
Vielmehr
ist aktenkundig
, dass der Sohn des Beschwerdeführers der Beschwerde
gegnerin am 1
3.
Dezember 2019
, mithin drei Tage vor Erstellung der Notiz, dass aufgrund fehlender Deutschkenntnisse kein Standortgespräch durchgeführt werde,
mi
tgeteilt hatte
, dass der Beschwerdeführer über schlechte Deutschkennt
nisse verfüge (
Urk.
12/8).
Von guten Deutschkenntnissen gingen die
behan
delnden Ärzte des
B._
aus
, führten sie die
guten
Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers
doch
als Ressource
an
(E
.
3.1).
Der Beschwerdeführer selber führte im Einwand
zum Vorbescheid vom 2
3.
März 2021 aus, er verfüge zwar für den Alltag sowie seine berufliche Tätigkeit über gute Deutschkenntnisse. Sobald er allerdings seine Berufsgebiet verlasse und sich komplexe Fragen in anderen Fachgebieten stellten, sei die Verständigung nicht immer gegeben (
Urk.
12/62
/4
). In diesem Zusammenhang ist zu bedenken, dass der
mittlerweile 51jährige
Beschwerdeführer im Alter von 19 Jahren nach Deutschland auswanderte und mit 23 Jahren in die Schweiz übersiedelte (
Urk.
12/50/20). Inzwischen ist er Schweizer B
ürger
(vgl.
Urk.
12/9/22)
. Zumin
dest über die für das Bestehen des Einbürgerungstests erforderlichen Deutschkenntnisse verfügt er
, was
impliziert, dass er
auch
fähig sein dürfte
, in deutscher Sprache die für die Exploration erfor
derlichen A
ngaben
zu machen
.
Dr.
D._
erachtete die Deutschkenntnisse
des Beschwerdeführers
denn auch
als ausreichend für die Begutachtung. Es ergeben sich aus dem Gutachten keinerlei Hinweise, dass es aufgrund von Verstän
digungsschwierigkeiten zu Missverständnissen oder unzutreffenden Angaben des Beschwerdeführers gekommen wäre.
Es ist daher nicht zu beanstanden, dass
Dr.
D._
die Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers im Rahmen seines Ermessens als ausreichend erachtete und
bei der Begutachtung kein Übersetzer beigezogen wurde
(Urteil des Bundesgerichts 8C_578/2014 vom 1
7.
Oktober 2014 E. 4.2.6).
Soweit der Beschwerdeführer mit der mangelnden Verständigungsmöglichkeit erklären will, dass
Dr.
D._
festhielt, ein emotionaler Rappor
t sei nicht herstellbar gewesen und
der Beschwerdeführer habe wenig persönliche Inter
aktion mit dem Referenten gezeigt, kann ihm nicht
gefolgt
werden (
Urk.
1 S. 8).
D
iese gutachterliche
Feststellung ist im Zusammenhang mit
den Ausführungen von
Dr.
D._
zu sehen, wonach der Beschwerdeführer nach seinem Dafür
halten mindestens unbewusst Anspruch auf Entschädigung für das erlittene Unrec
ht habe. Diese Haltung sei Ich-
s
ynton
und bis heute nicht therapierbar, geschweige denn veränderbar gewesen. Auch i
h
m als Referenten sei es nicht gelungen, nur in Ansätzen darüber mit dem Beschwerdeführer dahingehend ins Gespräch zu kommen, dass die Vorkommnisse zwar nachvollziehbar verletzend und unschön gewesen seien, es aber
denn
och notwendig sei, auch sich und sein eigenes Verhalten an der Entwicklung zu reflektieren, um nicht
in einer
T
rotz
haltung zu verharren (
Urk.
12/50/30). Gleich verhält es sich mit der Aussage von
Dr.
D._
, wonach die Darstellung des Ausmasses der psychischen Beschwer
den auf die funktionelle
Leistungsfähigkeit
eher diffus
sei
. Erklärte er doch dazu, dass ein gleichförmig tiefes Funktionsniveau seit über einem Jahr angegeben werde.
Ein solcher Verlauf mit abruptem Beginn und nachfolgend gleichförmig
schlechtem
Verlauf über Monate hinweg sei eher ungewöhnlich
.
Diesbezüglich fehlten hinreichende objektivierende Angaben zur Alltagsgestaltung des Beschwerdeführers. Beispielsweise korreliere das Führen eines Kraftfahrzeuges nicht mit einer vollschichtigen Arbeits
un
fähigkeit. Auch wäre zu erwarten, dass bei einem solchen Verlauf durchaus negative Auswirkungen auf das Familien
leben und die Ehe einträten. Der Beschwerdeführer schildere jedoch ein völlig unauffälliges soziales Funktionieren (
Urk.
12/50/27).
Zum letzteren Punkt
ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer nicht nur gegenüber
Dr.
D._
ange
geben hatte, die Beziehungen innerhalb der Familien sei
en
gut (
Urk.
12/50/20), sondern auch gegenüber den
behandelnden
Fachleuten des
B._
(
Urk.
12/18/7). Ehe- bzw. Familienprobleme machte er soweit ersichtlich erstmals erst im Einwand gegen den Vorbescheid geltend (
Urk.
12/62/4).
4.2.4
Hinsichtlich der Prüfung der Standardindikatoren ergibt sich aus
dem Gutachten von
Dr.
D._
, dass
aus diagnostischer Sicht eine Anpassungsstörung vorliegt (
Urk.
12/
50/32)
. E
ine Depression verneinte
D
r.
D._
hingegen
(
Urk.
12/50/29)
. Die diagnoserelevanten Befunde sind, wenn überhaupt, nur noch leichtgradig ausgeprägt (
Urk.
12/50/28-29). Eine Be
handlu
n
g
s- und Eingli
e
derungsresistenz konnte
Dr.
D._
verneinen, entwickelten sich die Beschwerden doch zuneh
mend
regredient
(
Urk.
12/50/29).
Der Beschwerdeführer leidet
zwar
an somati
schen «Komorbiditäten», insbesondere einer
Lumboischialgie
(E. 3.1, E. 3.5
;
Urk.
12/9/11-12,
Urk.
12/9/28-29
).
Diese ist gemäss den behandelnden Ärzten aber
nicht von besonderer Schwere, ist sie doch
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(vgl. E. 3.1)
. Hinsichtlich Persönlichkeit und sozialer Kontext ergibt sich
aus dem Gutachten
, dass zwar eine persönlichkeitsstrukturelle Komponente in Richtung einer Selbstwertproblematik gegeben scheint (U
r
k.
12/50/28), jedoch von einer gut ausgeprägten Du
rchhaltefähigkei
t, Belast
barkeit und Loyalität auszugehen ist und der Beschwerdeführe
r
über
ein intaktes Familienleben verfügt (
Urk.
12/50/31). Der Beschwerdeführer
erachtet sich zwar als sozial zurückgezogen
(vgl. auch
Urk.
1 S. 12)
, er
pflegt
aber
weiterhin Kontakt zu Kol
legen und empfängt Besuch (Urk.
12/50/21). Er geht zudem spazieren und verbringt Zeit am Computer (
Urk.
12/50/21).
Die Inanspruchnahme der tages
klinischen Behandlung
im
B._
, welche erst nach der Begutachtung aufge
nommen wurde,
während zehn Wochen (
Urk.
12/45/10) lässt auf einen Leidens
druck des Beschwerdeführers schliessen.
Zusammenfassend kann festgehalten, dass der Be
schwerdeführer zwar an Komorbiditäten
leidet
, gewisse persönlich
keitsstrukturelle Komponente in Richtung einer Selbstwertproblematik gegeben scheinen und ein Le
idensdruck zu bestehen scheint. Aus diagnostischer Sicht liegt jedoch nur eine – sehr - leichte Erkrankung vor, der soziale Kontext enthält zudem
auch
positiv auf die Leistungsfähigkeit auswirkende Faktoren. Trotz gewisser Belastungsfaktoren erweis
t
sich daher die von
Dr.
D._
attestierte 80%ige bzw. ab
1.
Oktober 2020 100%ige Arbeitsfähigkeit
als nachvollziehbar und aus rechtlicher Sicht als nicht zu beanstanden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_194/2018 vom
4.
Juni 2018 E. 4.1).
4.2.
5
Das Gutachten wurde seitens der Beschwerdegegnerin von RAD-Arzt
Dr.
med. J._
, Facharzt für Chirurgie,
gewürdigt
(vgl.
Urk.
12/53/6-7, Urk.
12/67/3-4). Entgegen dem Einwand der Beschwerdegegnerin begründet die Tatsache, dass
Dr.
J._
kein Facharzt für Psychiatrie
, sondern für Chirurgie ist
, keinen Anlass, seine Stellungnahe infrage zu stellen, ist ein Arzt doch unab
hängig von seiner Fachrichtung grundsätzlich in der Lage, die Kohärenz des Berichts eines Kollegen beurteilen zu können (Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, IVG,
3.
Auflage, Zürich 2014,
Art.
59 N 5 mit Verweis auf das Urteil des Bun
desgerichts 9C_149/2008 vom 27.
Oktober 2008 E. 3.2
; ferner: Urteil des Bundesgerichts 9C_582/2020 vom
8.
September 2021 E. 3.3
).
4.
3
Mit Bericht vom 1
1.
Februar 2020 (
Urk.
12/18/7-9;
E. 3.1
hiervor
) attestierten die Fachpersonen des
B._
dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten.
Bereits
Dr.
H._
kam
in seiner Beurteilung vom
2
1.
Januar 2020 gestützt auf diesen Bericht sowie die Fremdauskunft des behan
delnden Psychiaters des
B._
zum Schluss,
dass
ab
1.
März 2020 eine 20%ige Arbeitsfähigkeit mit anschliessender rascher Steigerung bis zur vollen Arbeits
fähigkeit per
1.
Juli 2020 möglich sein sollte (
Urk.
12/19/5-7
; E. 3.2 hiervor
). Im Bericht vom
6.
Mai 2020 beschrieben die Fachpersonen des
B._
sodann
eine Besserung des psychischen Zustandsbilds (
Urk.
12/29/39-38
; E. 3.
3 hiervor
).
Alle d
iese Berichte waren dem G
utachter
Dr.
D._
bekannt. Bei einer im Wesent
lichen una
u
ffälligen Kognition, einem unauffälligen formalen und inhaltlichen Denken
,
einer im Gespräch unauffälligen Gestik und Mimik war im Rahmen seiner Untersuchung bloss noch ein leichtgradiges Beschwerdebild
erhebbar
(
Urk.
12/50/14-33).
Der Bericht der Fachpersonen des
B._
vom 3
0.
Dezember 2020
(
Urk.
12/45/9-10; E. 3.5 hiervor)
enthält keine neuen wesentlichen Gesichts
punkte
.
Hin
sichtlich dieses Berichts fällt
sodann
auf
, dass auf
Tests vom
2.
November 2018,
das heisst Tests, welche
angeblich
mehr als zwei Jahre vor der Bericht
erstattung durchgeführt
wurden
,
Bezug genommen wird
.
Wann diese Tests jedoch tatsächlich durchgeführt
wurden
, bleibt unklar, steht der Beschwerdeführer
gemäss Bericht des
B._
vom 11.
Februar 2020 doch erst seit Juli 2019 im
B._
in Behandlung (
Urk.
12/18/7).
Weiter fällt auf, dass die Fachpersonen des
B._
dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit unter anderem mit der Begrün
dung der
Reise
unfähigkeit attestier
t
en,
hingegen
keine
Einschränkungen der Fahrfähigkeit
festhielten
.
Weshalb zwar eine Reise-
,
nicht aber keine Fahrun
fähigkeit bestehen soll, wird nicht dargelegt.
Dr.
D._
hatte diesbezüglich fest
gehalten,
dass das Führen eines Kraftfahrzeuges nicht zwingend mit der geltend gemachten vollschichtigen Arbeitsunfähi
gkeit korreliere
(Urk. 12/50/27).
Das Gesagte
lässt darauf schliessen, dass die von den Fachpersonen des
B._
attes
tierte Arbeitsunfähigkeit den
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Beschwerden,
nicht aber den objektiven Befunden entspricht. Auf den Umstand, dass die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers nicht mit seinem tatsäch
lichen Leistungsvermögen übereinstimmt, wies
Dr.
D._
hin (
Urk.
12/50/30).
Der Ber
i
cht
des
B._
vom 3
0.
Dezember 2020 erweist sich somit
als nicht nach
vollziehbar
. Zwar
ist
er
nicht geeignet, das Gutachten von
Dr.
D._
infrage zu stellen
,
jedoch ist ihm zu entnehmen,
dass die nach der Begutachtung im
B._
aufgenommene tagesklinische Behandlung zu einer Verbesserung d
er Sympto
matik geführt hat
. Es sei deshalb von einer günstigen Prognose auszugehen
(
Urk.
9/45/10).
Daraus ist zu schliessen, dass nach der Begutachtung
eine Besse
rung des Gesundheitszustands eintrat.
4.4
Der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
A._
,
machte in seinem Bericht vom 4.
Januar 2021
(E. 3.
6
)
keine Angaben zur Arbeits
fähigkeit des Beschwerde
führers
. Seinem Bericht sind auch ansonsten keine Angaben zu entnehmen, welche die Einschätzung von
Dr.
D._
infrage stellten würde.
4.
5
Nach dem Gesagten ist gestützt auf das Gutachten von
Dr.
D._
eine unein
geschränkte Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab
1.
Oktober 2020 ausge
wiesen. Für die Zeit davor ergibt sich
aus dem Gutachten unter Verweis auf
Dr.
H._
(
Urk.
12/50/30)
bis 2
9.
Februar 2020
eine 100%ige
, ab
1.
März
2020 e
ine 80%ige, ab
1.
April
eine 60%ige
, ab
1.
Mai 2020
eine
40%ige
und ab
1.
Juni 2020 20%ige
Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
12/
19/5,
Urk.
12/50/30).
5.
5.1
Zur Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlich bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist ein Einkommensvergleich vorzunehmen
.
Dabei
sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeit
identischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
Der Beschwerdeführer war ab dem 1
2.
Juni 2019 arbeitsunfähig (
Urk.
12/15/1). Das Wartejahr war daher am 1
1.
Juni 2019 abgelaufen. Zum Leistungsbezug angemeldet hat
sich der Beschwerdeführer
am 2
2.
November 2019 (
Urk.
12/
5
), weshalb der hypothetische Rentenbeginn im Juni 2020 ist.
5.2
5.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 144 I 103 E. 5.3, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berech
net werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls relevanten
persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014, Art.
28a
N 55 f.
).
Der Beschwerdeführer war zuletzt bei der
Z._
AG angestellt (
Urk.
12/15). Die Arbeitgeberin hatte dem Beschwerdeführer bereits am 2
8.
Mai 2019 eine Änderungskündigung ausgesprochen (
Urk.
12/15/10
,
Urk.
12/18/7
)
, das heisst vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit am 1
2.
Juni 201
9.
Hinweise, dass
die Änderungskündigung durch gesundheitliche
Einschränkungen de
s
Beschwer
deführers begründet war, liegen nicht vor. So erklärte die Arbeitgeberin, dass
der
Beschwerdeführer die Änderungen der neuen Eigentümerin bzw. Arbeitgeberin nicht akzeptieren wollte
(
Urk.
12/15/1).
Vor Erhalt der Änderungskündigung stand der Beschwerdeführer nicht in ärztlicher Behandlung (
Urk.
12/5/
7
,
Urk.
12/14/2).
Die mit der Änderungskündigung verbundene Gehaltsreduktion wird vom Beschwerdeführer
denn auch
selbst als wesentlich für seine Erkrankung gesehen (
Urk.
12/19/6, Urk. 12/18/7).
Nachdem der Beschwerdeführer den neu offerierten Vertrag nicht akzeptiert hat, steht fest, dass er auch ohne Gesundheits
schaden nicht weiter für die
Z._
AG
gearbeitet hätte. Das
V
a
lideneinkommen
ist daher gestützt auf die LSE zu berechnen.
5.2.
2
Der Beschwerdeführer konnte im Juni 2020,
das heisst bereits vor der Begut
achtung durch
Dr.
D._
, die angestammte Tätigkeit wieder
in einem 80%-Pensum ausüben
(E. 4.
5
)
. Da
er
keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, ist auch das Invalideneinkommen gestützt auf Tabellenlöhne zu berechnen, und zwar auf demselben Tabell
enlohn wie das
Valideneinkommen
, kann der Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit doch weiterhin ausüben.
Aus
der
Gegenüberstellung der beiden Einkommen ergibt sich ab Juni 2020 ein Invaliditätsgrad von 20
%
und somit kein Rentenanspruch.
5.2.
3
Nachdem der Beschwerdeführer ab Oktober 2020 in der angestammten Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig ist, ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 0
%
und somit auch kein Anspruch auf berufliche Massnahmen.
6.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzu
weisen.
7.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und ermessensweise auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.