Decision ID: 8e64a62b-034d-4ffd-bb4b-dd46aa8a05a8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959,
war seit April 2018
bis zur Kündigung des Arbeits
verhältnisses
per 31. März 2020
als Reifengrosshändler bei der
Y._
GmbH
angestellt (Urk. 6
/6
/1
S. 1
, Urk. 2 S. 1
).
Im Zusammenhang mit einer Anstellung
als Verkäufer
bei
der
Z._
GmbH ersuchte
der Versicherte
am 9. März
(richtig wohl: 27. Februar; vgl. Urk. 3/3 S. 1 und Urk. 5 S. 2)
2020 um die Gewährung von Einarbeitungszuschüssen (Urk. 3/4 S. 5 f.).
Mit Verfügung vom 2. März 2020 (Urk. 3/3) lehnte das Amt für Wirtschaft und Arbeit
,
Qualifizierung für
Stellensuchende (AWA),
die Ausrichtung von Ein
ar
beitungszuschüssen ab. Die vom Versicherte
n
am 10. März 2020 (Urk.
3
/2)
da
gegen erhobene Einsprache wies das AWA mit E
nt
scheid vom 8. April 2020 (Urk.
2
)
ab.
2.
Der Versicherte erhob am 12. April 2020 Beschwerde gegen den
Einsprache
ent
scheid
vom 8. April 2020 (Urk.
2
) und beantragte
dessen Aufhebung und
die Aus
richtung
eines Einarbeitungszuschusses
(Urk. 1 S. 1 Mitte).
Das AWA beantragte mit Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2020 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5 S. 2 Ziff. 1 oben). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 11. Juni 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7). Am 23. Juni 2020 (Urk. 8) reichte er
unaufgefordert
eine
Replik
ein, die dem Beschwerdegegner
am 6. April 2021 zugestellt
wurde
(Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 1a Abs. 2 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) gehört zu den Zielen des Gesetzes, drohende Arbeitslosigkeit zu verhüten und bestehende zu bekämpfen. Diesem Zwecke dienen die so genannten
arbeitsmarktlichen
Massnahmen (Art. 59-75 AVIG).
Gemäss Art. 59 AVIG erbringt die Versicherung finanzielle Leis
tungen für
arbeitsmarktliche
Massnahmen zu Gunsten von versicherten Personen und von Personen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind (Abs. 1). Laut Abs. 2 dieser Bestimmung soll mit
arbeitsmarktlichen
Massnahmen die Eingliederung
von Versicherten, die aus Gründen des Arbeitsmarktes erschwert vermittelbar sind
, gefördert werden. Solche Massnahmen sollen insbesondere:
a.
die Vermittlungsfähigkeit der Versicherten verbessern, damit diese rasch
und dauerhaft wie
der eingegliedert werden können;
b.
die berufl
ichen
Qualifikationen
entsprechen
d
den Bedürfnissen des
Arbeits
markts fördern;
c.
die Gefahr von Langzeitarbeitslosigkeit vermindern; oder
d.
die
Möglichkeit bieten, Berufserfahrungen zu sammeln.
1.2
Zu den
arbeitsmarktlichen
Massnahmen gehören auch die
Einarbeitungs
zusc
hüsse.
Damit soll versicherten Personen, deren Vermittlung erschwert ist, im Hinblick auf
eine definitive Anstellung in einem Betrieb für eine Einarbeitungsphase, während der diese Personen einen v
erminderten Lohn erhalten, Einarbei
tungs
zu
schüsse gewährt werden. Diese Massnahme soll die konkrete dauerhafte Wieder
eingliede
rung einer arbeitslosen Person an einem bestimmten Arbeitsplatz förd
ern (Urteil des Bundesgerichts 8C_363/2014 vom 23. September 2014 E 5.2). Ge
mäss Art. 65 AVIG können versicherten Personen, deren Vermittlung erschwert ist, für die Einarbeitung i
n einem Betrieb bei vermindertem
Lohn Einarbe
i
tungs
zu
schüsse gewährt werden.
Die Einarbeitungszuschüsse decken den Unterschied zwischen dem tatsächlich bezahlten Lohn und dem normalen Lohn, den der Ver
sicherte nach der Einarbeitung unter Berücksichtigung seiner Leistungsfähigkeit erwarten darf, höchstens jedoch 60 Prozent des normalen Lohns (Art. 66 Abs. 1 AVIG).
1.3
Nach
Art. 90 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) gilt die Vermit
tlung einer ver
sicherten Person im Sinne von Art. 65 AVIG als erschwert, wenn sie bei der herrschenden Arbeitsmarktlage besonders grosse Schwierigkeiten hat, eine Stelle zu finden, weil sie in fortgeschrittenen Alter steht (
lit
. a), körperlich, psychisch oder geistig behindert ist (
lit
. b), ungenügende berufliche Voraussetzungen hat (
lit
. c),
bereits 150 Taggelder bezogen hat (
lit
. d) oder in einer Zeit erhöhter Arbeitslosigkeit nach Art. 6 Abs. 1
ter
AVIV mangelnde berufliche Erfahrungen hat (
lit
. e).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner hielt im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) fest,
er
sei zur Überzeugung gelangt, dass der Beschwerdeführer nicht als erschwert vermittelbar gelten könne. Er habe noch während der Kündigungsfrist bei der
Y._
GmbH per 31. März 2020 eine neue Stelle wiederum in einer völlig neuen Bra
n
che gefunden. Am 25. Februar 2020 habe er den neuen Arbeitsvertrag unterschreiben können. Dies zeige, dass die neuen Besitzer der
Z._
GmbH in ihm ein grosses
Potential als Küchen
planer, Verkaufsperson und als Management
mitar
beiter sehen würden.
Verdeutlicht werde dies
durch den eingereichten Stellenbe
schrieb. Der Beschwerdeführer erfülle das darin aufgeführte Anforderungsp
rofil vollumfänglich (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer
brachte vor, er sei arbeitslos und
über 60 Jahre
bezie
hungsweise
im fortgeschrittenen Alter. Dies entspreche wesentlichen Voraus
setzun
gen gemäss dem Merkblatt
für Einarbeitungszuschüsse (
Urk. 1 S. 1 unten). Trotz guter persönlicher Voraussetzungen feh
lten ihm wesentliche fachliche und
technische Kenntnisse für einen Berufswechsel. Die
Z._
GmbH könne alternativ eine Fachperson verpflichten und sich den ausserordentlichen Aus
bildungsaufwand für ihn sparen. Er sei sehr wohl erschwert vermittelbar
. Seit ihm Ende Januar 2020 gekündigt worden sei, habe er sich über 20 Mal erfolglos be
worben und Absagen oder keine Rückmeldungen erhalten. Dass er die
Z._
GmbH als potentiellen Arbeitgeber gefunden habe, sei als Glücksfall zu werten. Daraus zu schliessen, dass er nicht erschwert vermittelbar sei, sei realitätsfremd und entspreche nicht den Tatsachen und der Situation am Arbeitsmarkt
(S. 2
oben).
Er erfülle aktuell die Anforderungen und Kenntnisse im Stellenbe
schri
eb/
Anforderungsprofil nur teilweise. Er komme aus der Bankenbrache und habe die letzten zwei Jahre bei einem Reifengrosshändler gearbeitet. Es fehlten ihm also die wichtigen, fachspezifischen Kenntnisse (S. 2 Mitte).
2.3
Der Beschwerdegegner
führte in der Vernehmlassung ergänzend
aus, es sei fest
gestellt worden, dass die
neue
Arbeitgeberin, die
Z._
GmbH (vormals
A._
GmbH), seit August 2019 drei Mitarbeitende entlassen
habe
, die sich in der Folge als arbeitslos gemeldet hätten. Die Arbeitgeberin habe auf dem Formular «Bestätigung des Arbeitgebers betreffend Einarbeitungszuschüsse» die Frage nach Entlassungen in den letzten 24 Monaten
aber
verneint
.
Das Unter
nehmen sei im Januar 2020 in neue Hände übergegangen. Die neuen Firmen
in
haber
seien als Gesellschafter und Geschäftsfü
hrer im Handelsregister einge
tragen. Dies sei ein Hinweis
darauf
, dass sich das
Unternehmen im Umbruch befinde (Urk. 5 S. 2 Ziff. 3 unten).
Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, dass die Einarbeitung des Beschwerdeführers durch
den neuen Besitzer des Unterneh
mens erfolgen werde, da dieser
in der Bau- und Baunebenbrache tätig sei
. Der Beschwerdegegner bezweifle aber, dass die Einarbeitung durch den Firmenin
haber selber erfolgen werde
(
S. 5
Ziff. 12).
Das Gesuch
Ausrichtung von
Einarbeitungszuschüsse
n
sei abgelehnt worden, da
diese nicht dazu verwendet werden dürften, um Betrieben wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen (S. 7 Mitte).
2.4
Der Beschwerdeführer brachte in
der Replik vor, er weise
es
zurück, dass der
Be
schwerdegegner ihn und die
Z._
GmbH als unehrenhaft handelnd quali
fizieren wolle
. Der Beschwerdegegner verwechsle
sodann
die
A._
GmbH und die
Z._
GmbH
(Urk. 8 S. 1).
2.5
Streitig und zu prüfen ist, ob im Hinblick auf die Anstellung des Beschwer
de
führers bei der
Z._
GmbH die Voraussetzungen für die Gewährung von Einarbeitungszuschüssen erfüllt sind.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer unterzeichnete am 25. Februar 2020 einen
Arbeitsvertrag mit der
Z._
GmbH (Urk. 3/4 S. 10-13).
Gemäss Arbeitsvertrag
ist er seit
dem
1. Mai 2020 in der Funktion als Küchenplaner, Verkaufsperson im Innen- und Aussendienst und für diverse Managementarbeiten angestellt (S. 10 Ziff. 1 und 2)
, wobei gemäss seinen Angaben der Vertragsbeginn aufgrund der Pandemie auf den 1. August
verschoben worden sei (Urk. 8 S. 4)
. Als Gehalt wurden Fr. 97'500.-- brutto pro Jahr in zwölf Teilzahlungen
zu je Fr. 8'125.-- brutto
sowie ein allfälliger freiwilliger Bonus vereinbart (S. 11 Ziff. 5).
3.2
Der Beschwerdeführer reichte
für die Tätigkeit als Verkaufsperson Küchen und Küchenapparate mit Zusatzfunktion als Stellvertreter des Geschäftsführers der
Z._
GmbH
den Stellenbeschreib und das Anforderungsprofil
ein
(Urk. 3/4 S. 1).
Das Anforderungsprofil für die Stelle wird umschrieben mit
«
Verkäufer
per
sönlichkeit, schnelle Auffassungsgabe, Organisationstalent, gute Umgangsfor
men,
überzeugend
»
(S. 1 unten).
3.3
Gemäss dem vorliegenden Einarbeitungsplan (Urk. 3/4 S
.
2
-
4) war die Einarbei
tung für die Zeit vom
1. Mai bis 31. Oktober 2020 vorgesehen.
3.4
Gemäss dem Zwischenzeugnis der
Y._
GmbH vom 2. März 2020 war der Beschwerdeführer seit dem 16. April 2018 als Reifengrosshändler bei dieser Arbeitgeberin angestellt (Urk. 6/6/1 S. 1). Die
Y._
GmbH kün
digte das Arbeitsverhältnis per 31. März 2020 (Urk. 2 S. 1 unten).
3.5
Nach den weiteren
Arbeitszeugnissen
war
der Beschwerdeführer vor der Anstel
lung
bei der
Y._
GmbH als Kundenbetreuer
bei der
Vermögensver
wal
tungsfirma
B._
AG
und zuvor
als Senior Private Banker
bei der
C._
SA
angestellt (Urk. 6/6/2-3).
4.
4.1
Gemäss der Rechtsprechung kann in grundsätzlicher Hinsicht bei einer im An
stellungszeitpunkt 62-jäh
r
igen versicherten Person die erschwerte Vermittlungs
fähigkeit auf Grund des Alters gegeben sein, wobei dies anhand der konkreten Situation im Einzelfall zu beurteilen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_363/2014 vom 23. September 2014 E. 52). Damit übereinstimmend soll gemäss
Rz
J5 der AVIG-Praxis AMM auf die Festlegung einer Altersgrenze verzichtet werden, da die individuelle Situation der versicherten Person in jedem Einzelfall massgebend
sei. Das Bundesgericht hat im Urteil 8C_363/2014 vom 23. September 2014 (E. 5.
2) selbst bei einer 62-jährigen versicherten Person eine erschwerte Vermittlungs
fähigkeit verneint, weil
diese aus eigener Kraft
bereits während der Kündigungs
frist eine neue Arbeitsstelle gefunden hat, die mit kurzer Unterbrechung an die verloren Stelle angeknüpft hat
. Eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt sein nicht notwendig gewesen, da die betreffende Person stets arbeitstätig und entsprechend im Arbeitsmarkt integriert gewesen sei. Damit fehle
es an einer
arbeitsmarktlichen
Indikation für die
Massnahme
.
4.2
Der Beschwerdeführer ist im
fortgeschrittenen Alter im Sinne von Art. 90 Abs. 1
lit
. a AVIV.
Gemäss der zitierten
Rechtsprechung des Bundesgerichts ist
für die Annahme einer erschwerten Vermittlungsfähigkeit
jedoch
nicht auf eine feste
Altersgrenze abzustellen.
Der
Beschwerdegegner
wies im angefochtenen Ent
scheid
zu Recht darauf hin
,
dass
es dem
Beschwerdeführer noch während der bis Ende März 2020 laufenden Kündigungsfrist
des letzten
Arbeitsverhältnis
ses
möglich
war,
eine neue Anstellung zu finden
(Urk. 2 S. 1 unten)
.
Nachdem er zuletzt
als Reifengrosshändler
gearbeitet hatte
,
wechselt
er
mit der neuen Anstellung als
Verkaufsperson Küchen und Küchenapparate
zudem
in eine neue
Branche
.
Da er innert kurzer Frist eine neue Anstellung
in einer anderen Branche
gefunden hat
,
kann
er
trotz eines Alters von fast 61 Jahren zum Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids nicht als
erschwert vermittelbar gelten.
Mit dem Beschwerdegegner ist davon auszugehen, dass die Verantwortlichen der
Z._
GmbH in
ihm
ein gewisses
Potential als Küchenplaner und Ver
käu
ferpersönlichkeit und für Managementaufgaben
sehen und er auch die übrigen
Kriterien des Anforderungsprofils
der Stelle
(vgl. vorstehend E.
3.2)
erfüllt (Urk.
3/4
S. 1).
Des Weiteren ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer während der Einarbeitungsphase zunächst einen verminderten Lohn
erhalten würde
, nachdem
von
Beginn der
Anstellung
an
ein
Jahreseinkommen von Fr. 97
'500.--
brutto
ver
einbart worden ist.
4.3
Zusammenfassend
gilt
der Beschwerdeführer nicht als erschwert vermittlungs
fähig
, und es ist nicht von einem verminderten Lohn auszugehen
. Es fehlt daher an der
arbeitsmarktlichen
Indikation für die Gewährung eines Einarbeitungs
zu
schusses.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 8. April 2020 erweist sich nach dem Gesagten als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.