Decision ID: 06655558-9f13-41d9-bda8-364fde0cda8f
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1968 geborene X._, Vater dreier Kinder, ohne Berufsausbil
dung, zuletzt selbständig erwerbend im Auto-Export-Handel und seit Juli 2006 von der Sozialhilfe abhängig, meldete sich im April 2011 unter Hinweis auf psy
chische Probleme bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 10/4). Nach medizinischen und beruflich-erwerblichen Abklärun
gen sowie nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach ihm die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügungen vom 3./11. Juli 2012 rückwirkend ab Oktober 2011 eine Viertelsrente der Invalidenversicherung zu (Urk. 10/34; Urk. 10/42-45; Urk. 10/48-50). Die dagegen am Sozialversiche
rungsgericht des Kantons Zürich erhobene Beschwerde (Urk. 10/54/3-10) wurde nach Androhung einer möglichen Schlechterstellung (reformatio in peius, vgl. Beschluss vom 27. November 2013, Urk. 10/56/1-6) mit Urteil IV.2012.00923 vom 29. Januar 2014 in dem Sinne gutgeheissen, dass die Sache zur Durchfüh
rung weiterer medizinischen Abklärungen an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde (Urk. 10/57/1-15).
1.2
Daraufhin stellte die IV-Stelle die Rentenleistungen per sofort ein (Mitteilung vom 27. März 2014, Urk. 10/62) und veranlasste die psychiatrische Expertise von Dr. med. Y._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. Oktober 2014 (Urk. 10/73/1-25, mit ergänzender Stellungnahme vom 14. Juni 2015, Urk. 10/107). Im weiteren Verlauf ersuchte
der Beschwerdeführer die
IV-Stelle
wiederholt um einen raschen Verfahrensabschluss
(Urk. 10/92/1, Urk. 10/120, Urk. 10/124, Urk. 10
/125).
Am 11. Mai 2016 erhob er bei der IV-Stelle Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzögerungsbeschwerde (Urk. 10/125). Die daraufhin am Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich erhobene
Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzögerungsbeschwerde
wurde
mit Urteil IV.
2016.00818
vom 2
9. November 2016
in dem Sinne gut
geheissen
, dass
die IV-Stelle angewiesen wurde
, das Verfahren umgehend mit den als notwendig erach
teten Schritten voranzutreiben, und hernach innert nützlicher Frist über den Leis
tungsanspruch de
s Beschwerdeführers zu verfügen (Urk. 10/140).
1.3
In der Folge veranlasste die IV-Stelle das psychiatrische Gutachten von PD Dr. med. Z._, A._, vom 5. Juli 2017 (Urk. 10/155/1-73, mit ergänzender Stellungnahme vom 1. September 2017, Urk. 10/164/1-7). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren, in dessen Rahmen der Beschwerdeführer eine Verschlechterung seines Gesundheitszustan
des geltend machte (Urk. 10/172, Urk. 10/176, Urk. 10/181, Urk. 10/183), wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren gestützt auf die internen Stellungnahmen ihres Rechtsdienstes (Urk. 10/171, Urk. 10/187/3) mit Verfügung vom 31. Januar 2018 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob X._ am 5. März 2018 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 31. Januar 2018 aufzuheben und ihm eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zurückzuweisen und die IV-Stelle anzuweisen, berufliche Massnahmen sowie einen rechtskonformen Einkommensvergleich durchzuführen, und hernach einen Leistungsentscheid zu verfügen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie
um Bestellung von Rechtsanwalt
Christoph Erdös zum unentgeltlichen Rechtsbeistand
(Urk. 1 S. 1 f.). Mit Be
schwerdeantwort vom 17. April 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 9), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 19. April 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit un
abhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren,
die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1).
Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
% besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
%
auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mi
ndestens 60 % auf eine Dreivier
telsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
%
auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG)
.
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin im Wesentli
chen, auf das psychiatrische Gutachten
vom
5.
Juli 2017
könne nicht abgestellt werden. Insbesondere seien der Schweregrad der gestellten Diagnosen und die daraus abgeleitete Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Anbetracht der Erwerbs
biographie und Ressourcen sowie des Aktivitätsniveaus des Beschwerdeführers nicht nachvollziehbar. Als Folge der allgemeinen Beweisregel, wonach die versi
cherte Person die Beweislast für das Bestehen eines Gesundheitsschadens trage, sei vor diesem Hintergrund davon auszugehen, dass sich der geklagte Gesund
heitsschaden nicht invalidisierend auswirke. Die reaktive Krise vor dem Hinter
grund des leistungsabweisenden Vorbescheids, welche zu einer stationären Be
handlung in der B._ geführt habe, sei einer ärztlichen Behandlung zugänglich und qualifiziere damit nicht als invalidisie
rende Beeinträchtigung (Urk. 2).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein, aufgrund der medi
zinischen Aktenlage sei das Vorliegen einer depressiven sowie posttraumatischen Belastungsstörung ausgewiesen. Ausserdem sei ihm seitens der beurteilenden Fachärzte einhellig seit 2011 eine 60 – 75%ige Erwerbsunfähigkeit attestiert wor
den. Sodann unterziehe er sich seit 2000 konsequent einer Behandlung. Vor die
sem Hintergrund habe er Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversiche
rung. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, um berufliche Eingliederungsmassnahmen durchzuführen und den genauen IV-Grad zu eruieren (Urk. 1 S. Ziff. 20 ff.).
3.
3.1
Die medizinische Aktenlage betreffend den Zeitraum vor der
erneuten psychiat
rischen
Begutachtung wurde im Gutachten vom
5. Juli 2017
zitiert (Urk. 10/155/1 ff.
). Auf die betreffenden Ausführungen wird verwiesen.
PD Dr. Z._ stellte folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit (Urk. 10/155/57):
-
Mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F32.2/F32.3)
-
DD: Mittelgradige bis schwere depressive Episode bei rezidivierender depressiver Störung (ICD-10: F33.2/F33.3)
-
Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10: F40.0)
-
Subsyndromal ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) nach Kriegserfahrungen
Der Beschwerdeführer sei als eines von elf Geschwistern bei seinen Eltern in ge
ordneten Verhältnissen im Libanon aufgewachsen. Die Eltern, Besitzer einer Orangenplantage, ermöglichten ihm den Besuch einer französischen Schule. Nach Abschluss derselben habe sich der Beschwerdeführer der Anti-Palästinensischen Milizarmee angeschlossen und sich von 1985 bis 1990 aktiv im Bürgerkrieg be
teiligt. Nach Ende des Krieges habe er sich weiterhin aktiv gegen die Hisbollah und Palästina engagiert, weshalb ihm die Eltern 1997 geraten hätten, das Land zu verlassen, um sich vor der Hisbollah in Sicherheit zu bringen. 1997 sei er in die Schweiz eingereist, wo sein Asylantrag abgewiesen worden sei. Nach der Hei
rat mit einer Schweizerin habe er die Aufenthaltsbewilligung B erhalten. Als er in die Schweiz gekommen sei, sei er gesund und fit gewesen. Er habe sich sicher gefühlt und keinerlei Ängste gehabt. Zunächst habe er als Transport- und Lager
mitarbeiter sowie Bücherkurier gearbeitet. 2003 habe er einen Auto-Export-Han
del gegründet, über welchen er für einen Landsmann aus dem Libanon Autos nach Afrika verkauft habe.
2005 habe er damit Fr. 80'000.-- verloren, wodurch er Konkurs gegangen sei. Seine Kollegen hätten ihn alle in der grössten Krise 2006 verlassen, keiner habe ihm geholfen. Nach dem Konkurs und den finanzi
ellen Sorgen seien 2006 Ängste, Panikattacken und Nervosität eingetreten. Im gleichen Jahr habe er wieder geheiratet, in der Hoffnung, seine Situation würde sich dadurch wieder etwas normalisieren. Da er jedoch keine Arbeit mehr gehabt habe, sei es ihm finanziell immer schlechter gegangen. Er habe sich nicht mehr alleine aus dem Haus gewagt, da er Angst gehabt habe, dass ihm etwas passieren würde, ihn zum Beispiel ein Herzinfarkt ereilen könne. Über seine Zeit im Krieg denke er weder nach noch habe er diesbezüglich Bilder im Kopf oder träume er davon. Im Gegenteil sei er stolz darauf, was er damals getan habe. Unkontrollier
bare Wutanfälle habe er schon vor 2006 gehabt, sie hätten jedoch in letzter Zeit zugenommen. Durch die Kontakte mit der Gemeinde C._ habe sich seine Gesundheit 2011 um fünfzig Prozent verschlechtert. Er sei wegen dem So
zialarbeiter der Gemeinde C._ verurteilt worden. Dieser habe ihn ka
putt machen wollen. Der Sozialarbeiter habe seine Frau aufgefordert, ihn zu ver
lassen und ihr dafür Geld angeboten. Er habe ihn mit seiner Familie absichtlich auf die Strasse stellen und ihm seine Kinder wegnehmen wollen. Daraufhin habe er ihm gedroht, wenn er ihm seine Kinder wegnehme, würde er ihn zerhacken. Danach sei sein Leben wohl zu Ende, aber er werde sein Leben nicht alleine be
enden. D
ie Vorfälle mit dem Sozialarbeiter von
C._
würden noch heute jeweils wie ein Film vor seinem inneren Auge ablauf
en. Er erinnere sich
an jedes Detail und jedes Wort
. Auch wenn er jetzt die Augen schliesse, sehe er die Gesichter aller Beteiligter
an
der Sitzung in der Gemeinde
C._
.
Er denke oft daran, wer ihm alles Böses angetan habe. Seit 2006 mache er sich solche Gedanken. Vorher sei er immer liebenswürdig gewesen und habe allen vertraut. Diese Gutmütigkeit sei missbraucht worden. Er frage sich immer wieder, weshalb es ausgerechnet ihn getroffen habe. Am Tag fühle er sich oft beobachtet und verfolgt. Er müsse sich dann jeweils umdrehen und sich vergewissern, dass ihn niemand verfolge und abstechen wolle. Die Angst, verfolgt zu werden, habe er fast täglich. Seit der Sache 2011, als die Polizei in seiner Wohnung gewesen sei, habe er Angst vor der Polizei. Er habe auch das Gefühl, alle Leute würden ihn komisch anschauen. Er sei von der Polizei auch observiert worden. Hätte er dies gewusst, hätte er sie angegriffen. Sie hätten jedoch nichts bei ihm gefunden und sich bei ihm entschuldigt. Dies habe er alles nur dem Sozialarbeiter von C._ zu verdanken [Anmerkung des Gerichts: Anfang 2012 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag des Sozialdienstes der Gemeinde C._ durch das Inspektorat des Sozialdepartements der Stadt Zürich wegen Verdachts auf nicht deklariertes Einkommen observiert. Im Herbst 2012 erhob die Staatsan
waltschaft Limmattal/Albis ein Strafverfahren wegen Betrugs, im Rahmen dessen am damaligen Wohnort des Beschwerdeführers eine polizeiliche Hausdurchsu
chung durchgeführt und diverse Gegenstände beschlagnahmt wurden. Mit Straf
befehl vom 19. März 2013 wurde der geständige Beschwerdeführer wegen Betru
ges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 des Strafgesetzbuches (StGB) zu einer bedingten Geldstrafe (teilweise als Zusatzstrafe) sowie zu einer Busse verurteilt, indem er vom 1. Januar 2007 bis zum 16. Juli 2012 im selbständig geführten Autohandel ein Erwerbseinkommen von insgesamt Fr. 3'600.-- erzielte und dieses bei gleich
zeitigem Bezug von Sozialhilfegeldern gegenüber dem Sozialdienst der Gemeinde C._ nicht deklarierte, vgl. von der IV-Stelle beigezogene Akten der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis, Urk. 10/103/1-436]. Heute sei es so, dass er jeweils warte und überlege, wann wohl die nächste Panikattacke käme. Die Angst überkomme ihn in verschiedenen Situationen, meist täglich. Er fange dann an zu schwitzen, bekomme Atemnot, Herzrasen und zittrige Knie. Er müsse dann jeweils tief Luft holen und hin und hergehen. Die Attacken dauerten ungefähr eine Mi
nute und mündeten im Gedanken, dass er jetzt sterben werde. Er könne auch nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, da er Angst davor habe, sich in solch geschlossenen Fahrzeugen aufzuhalten. Weiter könne er sich nicht in einem Restaurant aufhalten. Er gehe nur immer in den Gartenbereich. Wenn er einkaufe, müsse er manchmal fluchtartig das Geschäft verlassen. Er habe auch Angst vor dem Duschen bzw. vor dem Nacktsein. Er stelle sich vor, dass er dann ohnmächtig werden könnte und wie Leute dann reagierten. Vor Kälte habe er auch Angst, weshalb er dann nicht nach draussen gehe. Was jeweils der Auslöser sei für seine Angst, wisse er nicht. Er sei diesbezüglich auch beim Hausarzt gewesen. Dieser habe ihm Zoloft verschrieben, wodurch es jedoch nicht besser geworden sei. Ag
gressiv sei er erst seit 2006. Davor sei er immer ein ruhiger Mensch gewesen, der Konflikten aus dem Weg gegangen sei. Er sei an sich ein offener Mensch, der alle Menschen akzeptiere. Heute überkomme ihn eine grosse Wut und er verspüre den Drang, etwas oder jemanden zu schlagen. Er habe das Gefühl, die Leute würden denken, sie seien etwas Besseres und er fühle sich als kranken Menschen und Idioten behandelt. Wenn ihm jemand sage, was er zu tun habe, explodiere er sofort. Auch auf dem Sozialamt sei er jeweils durch diese Wut laut geworden und habe auch schon Sachen herumgeworfen. Bereits bei kleinen Äusserungen seitens des Sozialarbeiters explodiere er jeweils und werfe er diesem unanständige Worte an den Kopf. Er werde jeweils aggressiv, wenn ihm jemand sage, er müsse dieses oder jenes tun. Er wolle es daher gar nicht darauf ankommen lassen, da er be
fürchte auszuflippen und jemanden zu verletzen. Auf die Frage des Gutachters, weshalb er zu den Gutachtenterminen gekommen sei, obwohl er so schlecht to
leriere, wenn ihm jemand sage, was er zu tun habe, habe der Beschwerdeführer angefangen, laut über die Invalidenversicherung zu schimpfen. Weiter habe der Beschwerdeführer berichtet, er sei einmal in einer Tagesklinik gewesen. Die Ärztin habe an sich eine stationäre Unterbringung bevorzugt, da es ihm nach der Medi
kamentenumstellung zunächst sehr schlecht gegangen sei. Er habe dies jedoch nicht gemacht, da seine Frau Angst davor habe, allein zu schlafen. Zusätzlich zur Angst verspüre er auch eine andauernde Traurigkeit. Die Tatsache, dass er immer diese Ängste habe, mache ihn aggressiv. Zur Traurigkeit und Angst kämen noch Minderwertigkeitsgefühle. Ausserdem habe er aktuell etwa einmal in der Woche Alpträume. Früher habe er davon geträumt, sich mit mehreren Personen in einem alten Haus zu befinden, welche jeweils über ihn gelacht und ihm gesagt hätten, er sei jetzt tot. Heute träume er immer, ein Mann würde ihn erwürgen. In der Realität habe er es indes nie erlebt, dass ihn jemanden habe erwürgen wollen (Urk. 10/155/25 ff., Urk. 10/155/32 ff., Urk. 10/155/40 ff.).
In fremdanamnestischer Hinsicht führte ein Kollege des Beschwerdeführers aus, er würde den letzteren über eine Bekannte seit zweieinhalb Jahren kennen. Er (der Kollege) habe sich spontan entschlossen, dem damals wohnungssuchenden Beschwerdeführer eine von ihm besessene Wohnung zu überlassen. Der Be
schwerdeführer komme ihn praktisch täglich kurz in seinem Geschäft besuchen; man rede ein wenig und trinke Kaffee. Manchmal wirke dieser nervös, unzufrie
den und müde. Er scheine viele Probleme zu haben. Insgesamt wirke der Be
schwerdeführer in den letzten fünf Monaten ruhiger. Er habe diesem auch schon angeboten, für ihn «Autos zum Kauf zu suchen». Es komme durchaus vor, dass der Beschwerdeführer dann irgendwo ein zum Verkauf stehendes Auto sehe und ihn anrufe. Wenn er den Beschwerdeführer jedoch darum bitte, mehr Informati
onen wie etwa Ausweise und Fotos zu schicken, tue er dies nicht und «es bräche irgendwie ab» (vgl. ergänzende Stellungnahme vom 1. September 2017, Urk. 10/164/6).
Im Rahmen seiner Befundung stellte PD Dr. Z._ keine Störungen des Bewusstseins, der Auffassungsfähigkeit oder des Gedächtnisses fest. Subtile Kon
zentrationsstörungen würden im Zusammenhang mit Erleben von Ängsten auf
treten. Diese hätten den Gesprächsverlauf kaum beeinträchtigt. Die Untersuchung sei auch nicht von Merkfähigkeitsstörungen beeinträchtigt gewesen. Das Vorlie
gen von Flashbacks sei zu verneinen. Die anamnestisch permanente Beschäfti
gung mit negativen Gedanken sei als Grübeln zu interpretieren. Die negativen Gedanken würden sich um Leute vom Sozialamt und negative Erinnerungen in diesem Zusammenhang drehen, jedoch nie um Kriegserlebnisse. Weiter bestehe ein starkes Misstrauen, welches sich vor allem gegen Behörden, aber auch allge
mein gegen Mitmenschen richte. Während der Untersuchung habe der Beschwer
deführer sehr nervös gewirkt und praktisch ununterbrochen gezittert mit beiden Beinen. Affektiv habe er abwechselnd finster, gequält, nervös, wütend oder auf
gehellter gewirkt. Die Affekte seien mehrheitlich zum negativen Pol verschoben gewesen, auch wenn der Beschwerdeführer zwischendurch kurz gelächelt oder offen gelacht habe; bei der Frage nach dem Grund für seine damalige Einreise in die Schweiz habe der Beschwerdeführer kurz innegehalten und dann geantwortet, er sei Soldat gewesen. Daraufhin habe er kurz gelacht, als er etwas betreffend die damaligen Feinde berichtet habe. Anlässlich seinen Ausführungen, wonach er wegen unverhofften Panikattacken manchmal fluchtartig ein Geschäft verlassen müsse und er dies beim nächsten Mal damit entschuldige, dass es zu Hause einen Notfall gegeben habe, habe der Beschwerdeführer geschmunzelt. Beim Erzählen der Schwierigkeiten auf dem Sozialamt C._ sei der Beschwerdeführer stark erregt gewesen und das Zittern der Beine habe zugenommen.
Auch an an
deren Stellen des Gesprächs seien Wutgefühle deutlich spürbar gewesen. Die Aus
prägung der Alpträume sei als leicht zu beurteilen; der Beschwerdeführer habe weder übermässig schläfrig noch übermässig wachsam gewirkt. Es würden keine Vigilanzstörungen und auch keine Störungen der Vitalgefühle vorliegen. Sodann wirke der Beschwerdeführer diskret übergewichtig. Die Appetitsteigerung sei ver
mutlich primär Nebenwirkung der psychopharmakologischen Therapie. Weiter bestehe ein Libidoverlust, welcher indes keinen grossen Leidensdruck auszulösen scheine (Urk. 10/155/30 f., Urk. 10/155/39 f.).
PD Dr. Z._ kam zu Schluss, aufgrund der festgestellten leichtgradigen Konzentrationsstörung, der schwergradigen Störung der Affektqualitäten mit Ängstlichkeit, Freude- und Interesseverlust, Scham- und Insuffizienzgefühlen, Nervosität und Wut, der Schlafstörungen infolge leichtgradiger Alpträume, der leichtgradigen Störung der Psychomotorik mit motorischer Unruhe sowie des schwergradigen Grübelns bestehe eine mittel- bis schwergradige depressive Epi
sode. Weiter seien aufgrund der geschilderten Palpitationen, des Herzklopfens oder beschleunigten Herzschlags, des Schwitzens, des Zitterns der Beine, des Ge
fühls der Kurzatmigkeit oder Atemnot, der Derealisation und Angst zu sterben, der anhaltenden Besorgnis oder Sorgen über das Auftreten weiterer Panikatta
cken oder ihre Konsequenzen, der deutlich fehlangepassten Verhaltensänderung infolge der Attacken die Merkmale einer Panikstörung erfüllt. Die andauernde, unverhältnismässige Angst vor dem Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel sowie vor dem Aufenthalt in geschlossenen öffentlichen Räumen mit entsprechendem Vermeidungsverhalten erfüllten die Kriterien einer Agoraphobie. Mit den leicht
gradigen Alpträumen und Konzentrationsstörungen, dem schwergradigen Miss
trauen, der schwergradigen Störung der Affektqualitäten mit Nervosität und Wut sowie der mittelgradigen Störung der Impulskontrolle würden relevante posttrau
matische Symptome vorliegen, womit das Störungsbild einer posttraumatischen Belastungsstörung als subsyndromal erfüllt zu betrachten sei, nicht jedoch als Vollbild einer posttraumatischen Störung (Urk. 10/155/59 ff.).
Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers beurteilte PD Dr. Z._ nach Massgabe der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit der World Health Organisation (ICF, vgl. Urk. 10/155/43 ff.). Er kam zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in den Einzelfähigkeiten «Mehrfach
aufgaben übernehmen», «mit Stress und anderen psychischen Anforderungen umgehen» und «ein öffentliches, motorisiertes Verkehrsmittel benutzen» zwischen 75 und 100 % beeinträchtigt. In einem Beruf, in welchem diese drei Einzelfähig
keiten über die meiste Zeit eines Arbeitstages benötigt würden, sei der Beschwer
deführer daher zwischen 75 und 100 % eingeschränkt. In einem Beruf ohne Mehr
fachaufgaben, der mit wenig Stress und anderen psychischen Anforderungen ein
hergehe und wo die Benutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels nicht notwen
dig sei, sei die Arbeitsfähigkeit zu 60 bis 75 % eingeschränkt zufolge der in die
sem Ausmass beeinträchtigten Einzelfähigkeiten «sich komplexe Fertigkeiten an
eignen», «Aufmerksamkeit fokussieren», «komplexe Probleme lösen», «eine kom
plexe Aufgabe übernehmen», «allgemeine interpersonelle Interaktionen», «beson
dere interpersonelle Beziehungen» und «die tägliche Routine durchführen». In ei
ner Tätigkeit, in der auch diese Einzelfähigkeiten nicht oder nur wenig benötigt würden, würde sich die Einschränkung in den Einzelfähigkeiten «sich elementare Fertigkeiten aneignen», «eine einfache Aufgabe übernehmen», «sich in verschie
denen Umgebungen fortbewegen» und «Waren und Dienstleistungen des tägli
chen Bedarfs beschaffen» limitierend auswirken und womit die Arbeitsfähigkeit zu 25 bis 35 % eingeschränkt sei. Die Spannweite der Schätzung des Beeinträch
tigungsgrades sei für die meisten Einzelfähigkeiten indes relativ gross. Das heisse, die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei mit einem relativ grossen Unsicherheits
intervall behaftet. Zusammenfassend sei davon auszugehen, dass die Arbeitsun
fähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit zwischen 60 und 75 % betrage, zumal es vermutlich keine Tätigkeit gebe, in welchem nicht zumindest einige der stark be
einträchtigten Einzelfähigkeiten erforderlich seien. Schlussendlich müssten je
doch die Spezialisten für berufliche Wiedereingliederung der IV-Berufsberater darüber entscheiden. Vor Anfang 2006 habe kaum eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden. Gestützt auf die Beurteilung des damaligen psy
chiatrischen Behandlers sei die Arbeitsfähigkeit vermutlich vom 18. September 2007 bis 30. Juni 2008 zu 100% und ab dem 1. Juli 2008 um 50 % eingeschränkt gewesen. Allerdings sei diese Arbeitsfähigkeitsbeurteilung des damaligen Be
handlers zu wenig begründet worden. In den späteren Arztberichten sei der ef
fektive Grad der Arbeitsunfähigkeit nicht explizit ausgeführt worden oder infolge unregelmässiger Kontakte als nicht beurteilbar dokumentiert. Es sei daher nicht möglich, eine retrospektive Beurteilung mit genügendem Sicherheitsgrad abzu
geben (Urk. 10/155/66 f.; Urk. 10/164/5
)
.
3.2
Am 9. November 2017 liess sich der Beschwerdeführer in die B._ einweisen. Dem Austrittsbericht vom 13. November 2017 betreffend die stationäre Behandlung vom 9. bis 13. November 2017 sind folgende Diagnosen zu entnehmen (Urk. 10/183/1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen (ICD-10: F33.3), DD: psychotische Symptome im Rahmen der PTBS
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), DD: Persönlichkeits
veränderung nach Trauma
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F 40.01)
Der Eintritt sei
freiwillig
erfolgt
auf Zuweisung des behandelnden Arztes zur Kri
senintervention bei psy
chosozialer Belastungssituation. Der Beschwerdeführer
habe einen negativen IV-Bescheid bekommen und fühle sich von den Behörden gedemütigt und ausgelacht. Diese hätten ihn beobachtet
, wie er seine Kinder zum Spiel
platz bringe und mit dem Auto zum Einkaufen fahre, was als Argument für den negativen Bescheid gedient habe. Er habe den Gedanken, dass die IV ihn töten wolle, er sehe bisweilen keinen Ausweg mehr. Er höre gelegentlich kom
mentierende, abwertende Stimmen. Letzten Samstag sei er in der Wohnung „aus
gerastet", habe über 1000 Franken die Toilette her
untergespült und Gegenstände be
schädigt, nachdem er Briefe von der IV und Betreibungen bekommen habe. Die Frau habe ih
m
ein Temesta unter die Zunge gelegt, im Nachhinein habe er sich nicht an den Vorfall erinnern können. Er habe drei Kinder, denen er nicht zeigen wolle, dass er krank sei. Die Kinder seien alles für ihn und
Grund
zu leben.
S
eit 2008
bestehe eine
zunehme
nde psychiatrische Symptomatik.
Durc
h die Krisenin
tervention habe
sich
der Beschwerdeführer beruhigen können.
Spazierengehen, Atemübungen und Aromatherapie
hätten geholfen
, Spannungen abzubauen. Auch
seien
die kommentierenden Stimmen weniger
geworden. Die Gedanken an den Ablehnungsbescheid der IV-Behö
rde
würden ihn stark
belasteten.
Durch Ge
spräche habe sich der Beschwerdeführer
entlastet
gefühlt
.
Er habe auch berichtet, in Zukunft ins D._
gehen
zu wollen
, um sein soziales Netz zu stärken, da er sonst kaum Freu
nde ausserhalb der Familie habe.
Ausserdem
habe
er In
teresse
daran gezeigt, Atemü
bungen zu vertiefen.
Der Beschwerdeführer sei schliesslich
regulär am fünften Behandlungstag in gebessertem Zustand in die
vorbekannten Verhältnisse ausgetreten (Urk. 10/183/1 f.).
3.3
Am 30. November 2017 liess sich der Beschwerdeführer abermals in die B._ ein
weisen. Dem Austrittsbericht vom 21. Dezember 2017 betreffend die stationäre Behandlung vom 30. November 2017 bis 21. Dezember 2017 sind folgende Diag
nosen zu entnehmen (Urk. 10/155/183):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
(ICD-10: F33.2)
-
Posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10: F43.1)
-
Generalisierte Angststörung
(ICD-10: F41.1)
-
Abnorme Gewohnheit und Störung der Impulskontrolle, nicht näher be
zeichnet
(ICD-10: F63.9)
Der Beschwerdeführer sei bewusstseinsklar,
zu s
ämtlichen Qualitäten orientiert
und wirke im interpersonellen Kontakt verzweifelt und
hoffnungslos.
Es bestün
den l
eichte Störungen von Auffassung, Au
fmerksamkeit, Konzentrationsfähi
gkeit und der
mnesti
schen Funk
tionen. Sodann bestehe ein
Grübeln, eingeengt auf
den Konflikt mit der Invalidenversicherung
.
Der Beschwerdeführer
fühle sich durch die Behörden beobachtet, sehe die
se als Feind, der ihn bekämpfe. Er höre
kom
mentier
ende Stimmen, sei affektiv niedergeschlagen und
reduziert schwingu
ngs
fähig.
Die
Impulskontrolle erscheine
indes
nicht reduziert.
Der Beschwerdeführer
habe von der multi
modalen psychiatrischen Behandlung mit psychopharmakolo
gischen, ergo-,
arbeits- und bewegungstherapeuti
schen Ansätzen sowie der
sta
tionsspezifischen, psychody
namisch orientiert
en Gruppentherapie profitieren können. Insgesamt habe
sich eine Teilremission bezüglich der Zielsymptomatik mit weiterhin bestehender Anspannung, Ängsten sowie Vermeidungstendenzen und leichten,
aber insgesamt verbesserten dys
funktionalen Spannungsregulatio
nen als Residualsymptomatik
gezeigt
.
Nach der Zustandsstabilisierung sei der Be
schwerdeführer wieder entlassen worden
.
Weiterhin bestünden erhebliche psy
chosozial
e Belastungsfaktoren und ei
ne Tendenz zur Chronifizierung (Urk. 10/183/5).
4.
4.1
Die
psychiatrische
Expertise vom
5. Juli 2017
erging in Kenntnis und in Aus
eina
ndersetzung mit den Vorakten,
den geklagten Beschwerden
und fremdanam
nistischen Erhebungen
sowie gestützt auf di
e klinischen
Untersuchungen
vom 4. und 11. Mai 2017. PD Dr. Z._ hat seine Diagnosen und Schlussfol
gerungen ausführlich und differenziert begründet,
zu den Beurteilungen in den Vorakten
einlässlich
Stellung bezogen
(Urk. 10/155/60 ff.)
und – sowe
it Diskre
panzen bestanden – seine abwei
chende Einschätzung
plausibel
begründet (
Urk. 10/155/64
).
Im Übrigen erfolgen p
sychiatrische Explorationen von der
Na
tur der Sache her nicht ermes
sensfrei, weshalb verschiedene medizinisch-psy
chiatrische Interpreta
ti
onen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofe
rn der Experte lege artis vorge
gangen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
5.
März 200
9 in Sachen A., 8C_694/2008, E
. 5.1).
Mithin genügt
das
Gutachten den an eine be
weiskräftige Entscheidungsgrund
lage geste
llten Anforderungen grund
sätzlich (vgl. E. 1.7).
4.2
Strittig und zu prüfen bleibt die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, welche auch unter juristischen Gesichtspunkten zu beurteilen ist.
4.2.1
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeitsfähig
keits
ein
schätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen normativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, den rechtlich gefor
derten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychiatrischen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grund
sätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den nor
mativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der entspre
chend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserhebli
chen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in concreto ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Ein
schätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch An
dreas Traub, in: Ueli Kieser [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2016, S. 142
Ziff.
3.3.3), sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rech
nung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversi
cherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und er
hebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenanspre
chenden Pers
on auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3, 143 V 418 E. 6
).
4.2.2
PD Dr. Z._ kam zum Schluss, in einer – näher umschriebenen - opti
mal leidensangepassten Verweistätigkeit sei
die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerde
führers
zwi
schen 25 und 35 % eingeschränkt (Urk. 10/155/67). Dass er gleichzei
tig darüber mutmasste, auf dem ersten Arbeitsmarkt gebe es kaum eine solche Stelle, weshalb eher von einer Einschränkung von 60 bis 75 % auszugehen sei, ist unbeachtlich. So ist das
trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumut
bare
rweise erzielbare Einkommen
bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeits
markt zu ermitteln (
Art.
16 ATSG; BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis).
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 ATSG ist ein theoretischer und abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt und dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen (BGE 134 V 64 E. 4.2.1, BGE 110 V 273 E. 4b; vgl. auch BGE 141 V 351 E. 5.2, 141 V 343 E. 5.2). Er umschliesst einer
seits ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 E. 5.1 und 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.1, je mit Hinweisen).
Der ausgegli
chene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom
8.
Oktober 2015 E. 5.11 mit Hinweisen).
4.2.3
Gemäss Gutachten vom 5. Juli 2017 sind die einschlägigen Standardindikatoren im Rahmen der Beurteilung berücksichtigt worden (Urk. 10/155/71, vgl. auch Urk. 10/163). Demgegenüber lässt das Gutachten eine einlässliche Auseinander
setzung
mit den spezifischen normativen Vorgaben
vermissen. Vielmehr stützte PD Dr. Z._ seine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ausschliesslich auf die Ergebnisse des ICF-Ratings, wobei er ausserdem festhielt, seine Einschätzung sei mit einem relativ grossen Unsicherheitsintervall behaftet (Urk. Urk. 10/155/43 ff., Urk. 10/155/66 f., Urk. 10/164/4 f.). Vor diesem Hintergrund bedarf es einer er
gänzenden richterlichen Überprüfung der gutachterlich festgestellten Arbeitsfä
higkeit des Beschwerdeführers anhand der anzuwendenden Standardindikatoren (vgl. E. 4.2.2).
4.2.4
Aus den vorliegenden Akten erhellt hinreichend
, dass die Ausprägung der psy
chiatrischen diagnoserelevanten Befunde nicht stark ins Gewicht fällt.
Zunächst beurteilte PD Dr. Z._
folgende
arbeitsrelevanten Einzelfähigkeiten
des Beschwerdeführers im ICF-Ratingfragebogen als lediglich leicht eingeschränkt
im Umfang von 25-35 %: «sich elementare Fertigkeiten aneignen», «eine einfache Aufgabe übernehmen», «sich in verschiedenen Umgebungen fortbewegen», «Wa
ren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs beschaffen». Die meisten Fähig
keiten aus dem Bereich «Kommunikation», «Mobilität», «Selbstversorgung» und «Häusliches Leben» seien beim Beschwerdeführer nicht oder nur gering beein
trächtigt (Urk. 10/155/43 ff., Urk. 10/155/66). Ausserdem
wies
PD Dr. Z._
auf die erheblichen Ressourcen und das (berufliche) Potenzial des Be
schwerdeführers hin
. Konkret führte er aus, letzterer habe in seinem Leben bereits mehrfach schwierige Situationen wie Krieg, Flucht und Stellenverlust erfolgreich bewältigt (Urk. 10/155/66).
Erwähnenswert sind
auch
die gutachterlichen Hin
weise auf die Symptomatik teilweise verstärkende soziokulturelle Umstände und darauf, dass die im Alltag effektiv durchgeführten Tätigkeiten nicht dem entspre
chen, was dem Beschwerdeführe
r theoretisch noch zuzumuten wäre
(Urk. 10/155/65, Urk. 10/164/3)
.
Die psychischen Leiden entstanden nach Anga
ben des Beschwerdeführers ab 2006 vor dem Hintergrund psychosozialer Belas
tungsumstände, namentlich Konkurs des selbständig geführten Auto-Export-Handels 2005 und den daraus resultierenden finanziellen Sorgen (Urk. 10/155/25). Gleichzeitig gelang es ihm in den darauffolgenden Jahren, mit einer Landsfrau in zweiter Ehe eine Familie zu gründen. Im Zeitpunkt der psy
chiatrischen Begutachtung im Mai 2017 waren die Kinder acht, vier und zwei Jahre alt (Urk. 10/155/26). Sodann fungierte der Beschwerdeführer von 2007 bis 2012 als Mittelsmann im Autohandel, wobei er den Verkauf von mindestens 36 Fahrzeugen vermittelte. Damit bleibt ausser Zweifel, dass der Beschwerdeführer - ungeachtet der seit 2006 beklagten Leiden - über ein beachtliches Repertoire an arbeitsrelevanten Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen, namentlich Verhand
lungsgeschick, Kommunikationsfähigkeiten und zwischenmenschliches Gespür, verfügt. Daran ändert auch die Stellungnahme von PD Dr. Z._, wo
nach es nicht auszuschliessen sei, dass der Beschwerdeführer in geschäftlichen Kontakten seine psychische Befindlichkeit zu kaschieren versuchte (Urk. 10/155/72), nichts. So scheint dies dem Beschwerdeführer angesichts der 36 vermittelten Autoverkäufe jedenfalls erfolgreich gelungen zu sein, was wiederum das Vorliegen beachtlicher Ressourcen bestätigt. Die gutachterlichen Ausführun
gen, wonach es sich bei der Observation im Jahre 2012, anlässlich welcher der Beschwerdeführer augenscheinlich einen gesunden Eindruck erweckt habe, um eine wenig aussagekräftige Momentaufnahme handle (Urk. 10/155/72), erweist sich bereits angesichts des sechswöchigen Kontrollzeitraums als wenig stichhal
tig. Darüber hinaus wurde der Beschwerdeführer zu verschiedenen Tageszeiten observiert (vgl. Urk. 10/103/46). Zu einer sprunghaften Verschlechterung seines Gesundheitszustandes (nach eigenen Angaben um 50 %, Urk. 10/155/25) kam es 2011 im Kontext der beginnenden Ermittlungen betreffend das gegenüber den Sozialen Diensten der Gemeinde C._ nicht deklarierte Erwerbsein
kommen, mithin aus IV-fremden Gründen. Die sich angesichts der geschilderten Symptomschwere aufdrängenden Behandlungsmöglichkeiten hat der Beschwer
deführer – jedenfalls bis zur freiwilligen Einweisung im Nachgang des leistungs
abweisenden Vorbescheides (vgl. E. 3.2 f.) - nie in Anspruch genommen. Im Ge
genteil führte PD Dr. Z._ aus, die bisher wahrgenommene Behandlung beschränke
sich weitgehend auf eine supportive Therapie und Psychopharmako
therapie, ohne Psychotherapie im engeren Sinne.
Dass der Beschwerdeführer ge
mäss Einschätzung desselben aus soziokulturellen Beweggründen keine Psycho
therapie im engeren Sinne in Angriff nahm
(
Urk.
10/155/65)
, ist unter invaliden
versicherungsrechtlichen Gesichtspunkten irrelevant. Alsdann ist zu vermerken, dass der Beschwerdeführer den ganzen Tag ausser Haus verbringt, damit seine Kinder wegen seiner Arbeitslosigkeit nicht die Achtung vor ihm verlören (Urk. 10/155/39).
Dabei
geht er
«in der Natur relaxen»
und vollzieht er auch kör
perliche Aktivitäten (Spazieren im Wald) sowie Aktivitäten mit Anforderungen an die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit (längere Autofahrten, Urk. 10/155/26 f.)
. In sozialer Hinsicht ist festzuhalten
, dass der Beschwerdefüh
rer in stabilen, tragenden familiären Verhältnissen lebt
(
Urk.
10/155/66; vgl. auch
Urk.
10/155/26, wonach der Beschwerdeführer
nach eigenen Angaben
eine gute Frau und liebe Kinder
habe
; vgl.
auch
Austrittsbericht
e
der
B._
vom
13. Novem
ber 2017 und
2
1.
Dezember 2017, wonach
die Kinder für ihn alles seien und
der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben glücklich verheiratet sei,
Urk.
10/183/
1+
4)
. Ausserdem besuchte er
täglich
einen Freund, von
welchem
er
auch
wiederholt
Unterstützung
erfuhr (Wohnungs- und Jobangebot, Urk. 10/164/3).
Weiter hat der Beschwerdeführer
eine gute Beziehung zu seiner Mutter. Mit dieser tele
foniere er täglich. Zu einem – ebenfalls in der Schweiz wohnhaften - Bruder pflege
er
einen
sporadischen Kontakt.
Sodann weiss der Beschwerdeführer im
Zusammenhang mit den – ungefähr eine Minute dauernden - Angstattacken eine effektive Selbsthilfe anzuwenden (die Kinder halten und mit ihnen spielen, tief Luft holen, umhergehen,
Urk.
10/155/26,
Urk.
10/155/36).
Schliesslich reiste der Beschwerdeführer alljährlich in den Libanon, mithin ins ehemalige Kriegsgebiet, was offenbar jeweils ohne Schwierigkeiten verlief. Ge
genteiliges ist den Akten jedenfalls nicht zu entnehmen (vgl. Urk. 10/155/26). Vielmehr erklärte er gegenüber PD Dr. Z._ wiederholt, seine negativen Gedanken kreisten nie um Kriegserinnerungen. Sein Misstrauen und seine Wut richteten sich primär gegen die Behörden (Urk. 10/155/32 f.). Er habe weder Kriegsbilder im Kopf noch träume er davon. Im Gegenteil sei er stolz auf seine Kriegsdienste (Urk. 10/155/25, Urk. 10/155/24). Entsprechend
schloss PD Dr. Z._ d
as Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung ex
plizit
aus
(
Urk.
10/155/63).
Insgesamt ergeben sich damit auch unter einlässlicher Auseinandersetzung mit den normativen Vorgaben keine erheblichen funktionel
len Auswirkungen der medizinisch festgestellten Diagnosen. Mithin gibt die gut
achterlich festgestellte Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers im Umfang von 65 bis 75 % keinerlei Anlass zur richterlichen Korrektur.
4.2.5
Daran vermögen auch die freiwilligen Eintritte zur stationären Behandlung
im November 2017 nichts zu ändern. Zunächst
sind die
in den
zitierten
Austrittsbe
richten der B._
vom 13. November 2017 und 21. Dezember 2017
gestellten Di
agnosen in Anbetracht der erhobenen Befunde nicht nachvollziehbar. Dem Aus
trittsbericht vom 1
3.
November 2017 fehlt es gar gänzlich an objektiv erhobenen Befunden sowie
einer
Begründung der festgehaltenen Diagnosen
. Kommt
hinzu, dass die Austrittsberichte sowohl
eine Auseinandersetzung mit dem psychiatri
schen Gutachte
n vom 5. Juli 2017 als auch
Angaben zur Arbeitsfähigke
it des Beschwerdeführers vermissen lassen
. Ganz zu schweigen davon, dass eine psy
chische Dekompensation vor dem Hintergrund einer in Aussicht gestellten Ren
tenverweigerung unbeachtlich ist. Letzteres gilt umso mehr, als dass
jeweils
–
beim ersten Eintritt
bereits nach vier stationären Aufenthaltstagen - eine deutli
che Remission der psychischen Symptomatik erreicht werden konnte
(E. 3.2 f.)
.
4.3
Zusammenfassend ist mit dem im Sozialversich
erungsrecht massgebenden Be
weis
grad der überwiegenden Wahrschei
nlichkeit erstellt, dass es dem Beschwer
deführer jedenfalls seit Mai 2017
(Datum Exploration)
zuzumuten ist, einer
– nä
her umschriebenen – adaptierten
Erwerbstätigkeit im Umfang von
rund 70 %
nachzugehen. Auf
grund der vorliegenden medizini
schen Aktenlage ist retrospek
tiv keine daue
rhafte invalidisierende Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen und tragen
die Parteien
im Sozialversicherungsrecht in der Regel insofern eine Beweislast, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt,
die aus dem unbewiesen gebliebe
nen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 261 E. 3b).
PD Dr. Z._ hielt explizit fest, gestützt auf die vor
liegende medizinische Aktenlage sei retrospektive keine sichere Arbeitsfähigkeits
beurteilung möglich. Freilich vermag die von demselben – gestützt auf den wenig begründeten Bericht der damaligen Behandler vom 1. Juli 2011 (vgl. Urk. 10/13/6) - als Vermutung formulierte vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 18. September 2007 bis 30. Juni 2008 sowie 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 1. Juli 2008 (Urk. 10/155/ 67 f.) dem massgeblichen Beweismass der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nicht zu genügen. Kommt hinzu, dass der Beschwerde
führer jedenfalls im Zeitraum vom 1. Januar 2007 bis zum 16. Juli 2012 zumin
dest teilweise erwerbstätig war (vgl.
Strafbefehl vom 19. März 2013, 10/103/430 ff.). Ganz abgesehen davon bestünde bei der vorliegenden Anmeldung im April 2011 ohnehin frühestens ab dem 1. Oktober 2011 ein theoretischer Rentenan
spruch (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG).
5.
5.1
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art.
16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E.
10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E.
3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hy
pothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwert
e von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs.
2 IVG) eindeutig über- oder untersch
r
eitet (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_333/2013 vom 11.
Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
5.2
Der Beschwerdeführer hat seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Auto-Export Han
del nach eigenen Angaben 2005 aus wirtschaftlichen Gründen (Konkurs) aufge
geben. Seither bezog er Sozialhilfe. Da er über keine Berufsausbildung
verfügt, sind
Valideneinkommen un
d Invalideneinkommen
aufgrund desselben Tabellen
wertes
für Hilfstätigkeiten festzusetzen
.
Damit erübrigt sich ein ziffernmässiger Einkommensvergleich und es kann eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen vorgenommen werden (vgl. E. 5.1).
Daraus resultiert ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30 %. Allfälli
gen lohnmindernden Faktoren wie Nationalität oder Aufenthaltskategorie, man
gelnde Ausbildung sowie fehlende Berufserfahrung wären – soweit überhaupt invalidenversicherungsrechtlich relevant - sowohl beim hypothetischen Validen- als auch beim Invalideneinkommen im gleichen Masse Rechnung zu tragen, wo
mit sich ein (behinderungsbedingt oder anderweitig begründeter) Abzug beim Prozentvergleich naturgemäss erübrigt.
Der angefochtene Entscheid erweist sich als
rechtens, womit die Beschwerde
ab
zuweisen ist.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer bezieht Sozialhilfe (Urk. 8). Da auch die übrigen Voraus
setzungen gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht (GSVGer) zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gegeben sind, ist seinem Gesuch vom 5. März 2018 zu entsprechen und ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sowie in der Person von Rechtsanwalt Christoph Erdös ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen. Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der ihm erlas
senen Gerichtskosten sowie der Auslagen für die unentgeltliche Rechtsvertretung verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
6.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.3
Rechtsanwalt Christoph Erdös ist ermessensweise (§
7
Abs.
2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungs
gericht [GebV SVGer]
) mit Fr. 1‘900.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.