Decision ID: 93d43d9f-891f-4542-bc9e-a65486af9241
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 11. November 2013 (Eingangsstempel SVA 19. November
2013, IV-act. 4) wegen der gesundheitlichen Folgen eines Verkehrsunfalls vom 26. Mai
2012 (siehe hierzu den Rapport der Kantonspolizei des Kantons Thurgau vom 20. Juni
2012, fremd-act. 1-97 ff.) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-
Leistungen an. Die behandelnde Dr. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, Psychiatrische Tagesklinik C._, diagnostizierte im Bericht vom
29. November 2013 eine posttraumatische Belastungsstörung bei Status nach
Autounfall am 26. Mai 2012 mit HWS-Distorsion (ICD-10: F43.1) und eine mittelgradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11; IV-act. 13). Im Bericht
vom 11. April 2014 bescheinigte sie dem Versicherten ab 1. Mai 2014 eine steigerbare
20%ige Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als Gipser (IV-act. 30). Dr. med.
D._, Facharzt für Neurologie, berichtete am 3. Juli 2014, die vom Versicherten
geklagten Leiden hätten sich exazerbierend im Vergleich zur letzten Untersuchung vom
November 2013 gezeigt. Es würden sich keine Hinweise für eine neurologische
Ausfallsymptomatik, keine Paresen, keine radikulären Symptome und keine
Sensibilitätsstörungen finden lassen. Aufgrund der gesamten Befundkonstellation sei
von einem chronifizierten Schmerzsyndrom im Sinn einer somatoformen
Schmerzstörung auszugehen (IV-act. 44). Aus neurologischer Sicht sei der Versicherte
vollständig arbeitsfähig («AU 0 %»; Bericht vom 29. Juli 2014, IV-act. 45-2).
A.a.
Zur Abklärung von Ansprüchen aus einer Lebensversicherung erstattete Dr. med.
E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, der Versicherung F._ am
29. Oktober 2014 ein Gutachten über den Versicherten. Darin wurde eine mittelgradige
bis schwere agitierte depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10:
A.b.
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F32.11/F32.2) diagnostiziert. Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung
hätten nicht ausreichend festgestellt werden können. Für die Tätigkeit als Gipser
bescheinigte Dr. E._ dem Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Bezogen
auf zumutbare Tätigkeiten hielt sie ihn für höchstens zu 25 % arbeitsfähig (fremd-
act. 11-2 ff.). Der RAD-Arzt Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, vertrat in der Stellungnahme vom 8. Januar 2015 die Ansicht, die
Beurteilung von Dr. E._ erweise sich als überholt, habe der Versicherte doch bereits
ab November 2014 eine Pensumerhöhung an seinem bisherigen Arbeitsplatz geplant.
Inzwischen sei eine Besserung der depressiven Symptomatik festzustellen, die mit der
Pensumsteigerung vereinbar sei (IV-act. 59).
Am 24. Oktober 2014 erlitt der Versicherte als Fahrzeuglenker erneut einen
Auffahrunfall (siehe hierzu den im Entscheid des Versicherungsgerichts vom
15. November 2019, UV 2018/41, Buchstaben A.f wiedergegebenen Sachverhalt,
fremd-act. 284-4). Dr. D._ berichtete am 24. März 2015, der klinisch-neurologische
Untersuchungsbefund sei im Vergleich zur Voruntersuchung vom 1. Juli 2014
unverändert geblieben. Demgegenüber äussere der Versicherte, seit dem Unfall vom
24. Oktober 2014 seien die vorbestehenden Beschwerden viel schlimmer geworden
(fremd-act. 18-64).
A.c.
Im Auftrag der Suva wurde der Versicherte am 20. und 21. September 2016 in der
MEDAS Zentralschweiz, Luzern, bidisziplinär (rheumatologisch durch Dr. med. H._,
Facharzt für Rheumatologie, und psychiatrisch durch Dr. med. I._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie) begutachtet. Die MEDAS-Gutachter stellten folgende
Diagnosen: eine breitbasige Diskusprotrusion C5/6 mit degenerativen
Foraminalstenosen beidseits, Osteochondrose mit mediorechtslateraler Diskushernie
C6/7 und Stenosierung des Neuroforamens rechts, aktuell weitgehend
asymptomatisch; Hinterhauptkopfschmerzen, nicht durch zervikale Pathologie
erklärbar; eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10: F45.41); chronische, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) bei komplizierter, protrahierter Trauerreaktion
(ICD-10: F38.8); anamnestisch Karpaltunnelsyndrom rechts, derzeit asymptomatisch;
einen Status nach HWS-Distorsion Grad II durch Auffahrkollision am 26. Mai 2012,
keine objektivierbaren unfallbedingten strukturellen Läsionen; einen Verdacht auf
A.d.
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Polyneuropathie unklarer Ätiologie. Derzeit liessen sich keine unfallbedingten Schäden
am Bewegungsapparat objektivieren. Die degenerativen Veränderungen an der
Halswirbelsäule seien krankhafter Natur. Sie seien derzeit weitgehend asymptomatisch.
Die psychiatrischen Diagnosen seien überwiegend wahrscheinlich unfallbedingt. Die
unfallbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit betrage 50 % (MEDAS-Gutachten
vom 26. Oktober 2016, fremd-act. 57, insbesondere S. 30 ff.; zum psychiatrischen
Teilgutachten vom 26. September 2016 siehe fremd-act. 56; zur kritischen Würdigung
des psychiatrischen Gutachtensteils durch den RAD-Arzt Dr. G._ siehe die
Stellungnahme vom 8. Mai 2017, IV-act. 102, und zu den danach von der IV-Stelle
eingeholten ergänzenden Angaben von Dr. I._ vom 18. Mai 2017 siehe IV-act. 105).
Am 2. November 2016 erlitt der Versicherte als Fahrzeuglenker einen dritten
Auffahrunfall. Dabei habe er sich am Kopf angeschlagen (Schadenmeldung vom
7. November 2016, IV-act. 168-1, zum Polizeirapport vom 2. November 2016 siehe IV-
act. 168-11 ff.). Wegen einer Supraspinatussehnenläsion mit Bizepsinstabilität an der
rechten Schulter wurde am 4. Januar 2017 eine Schulterarthroskopie mit subacromialer
Dekompression, Bizepstenodese und plastischer Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette durchgeführt (siehe den Bericht von Dr. med. J._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 3. April
2017, fremd-act. 95).
A.e.
Die IV-Stelle erhielt am 20. April 2017 (Datum Dokumenteingang) die von der K._
Versicherungen AG in Auftrag gegebenen Ermittlungsberichte der L._ GmbH vom
20. Mai und 6. Juni 2015 über die im Zeitraum vom 6. bis 18. Mai und vom 30. Mai bis
1. Juni 2015 erfolgte Observation des Versicherten zu den Akten (IV-act. 99; zu den
Beweggründen, welche die Versicherungen K._ AG zu einer Observation des
Versicherten veranlassten, siehe deren Schreiben vom 31. Mai 2018, IV-act. 129).
A.f.
Dr. D._ schloss nach einer Untersuchung des Versicherten am 17. Oktober 2017
eine neurologische Erkrankung (weiterhin) aus (IV-act. 143-6 f.). Vom 2. bis
29. November 2017 befand sich der Versicherte zur stationären psychosomatischen
Behandlung in der Reha M._. Für die Dauer des Aufenthalts wurde ihm eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (Bericht vom 13. Dezember 2017, IV-act. 120-2 ff.). Auf
Zuweisung der behandelnden Dr. med. N._, Fachärztin für Psychiatrie und
A.g.
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Psychotherapie, wurde der Versicherte vom 8. Januar bis 19. Februar 2018 in der
Psychiatrie O._ in P._ stationär behandelt. Als Hauptdiagnose stellten die dort
behandelnden medizinischen Fachpersonen eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1). Eine posttraumatische
Belastungsstörung habe nicht festgestellt werden können. Aufgrund von
Bedrohungsäusserungen des Versicherten gegenüber Mitpatientinnen habe der Austritt
veranlasst werden müssen. Dem Versicherten wurde für die Dauer des Aufenthalts und
bei Austritt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (Austrittsbericht vom
20. Februar 2018, IV-act. 124).
Am 18. Oktober 2018 nahm die Ärztin der IV-Stelle, Dr. med. Q._, Fachärztin für
Neurologie, Stellung zum Observationsinhalt. Dieser sei auch aktuell relevant für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten, da der Verlauf der psychischen
Problematik bis heute im Wesentlichen unverändert geblieben sei. Aus dem Vergleich
zwischen den zeitnahen psychiatrischen Berichten und der Videodokumentation
würden sich grundsätzliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit bestimmter
anamnestischer Angaben und der Beschwerdepräsentation des Versicherten in
Untersuchungssituationen, insbesondere hinsichtlich der psychischen Problematik,
ergeben. Dr. Q._ empfahl eine erneute Begutachtung mit Berücksichtigung des
Observationsmaterials (IV-act. 134; siehe auch die Stellungnahme von Dr. Q._ vom
11. Oktober 2018, IV-act. 135).
A.h.
Im Bericht zur interdisziplinären Schmerzbehandlung vom 12. Februar 2019
gelangten die medizinischen Fachpersonen des Medizinischen Zentrums R._ zur
Einschätzung, dass der Versicherte wegen der Schwere der depressiven Störung und
der posttraumatischen Belastungsstörung für jegliche Tätigkeiten zu 100 %
arbeitsunfähig sei. Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation verneinten sie. Aus
orthopädisch-chirurgischer Sicht würden das Zervikalsyndrom zusammen mit dem
unbefriedigenden Zustand nach Schulteroperation nur leichte Belastungen der oberen
Extremitäten erlauben. Überkopfarbeit sei nicht zumutbar. In einer so angepassten
Tätigkeit könne der Versicherte aus rein somatischer Sicht mit Pausen noch ganztags
arbeiten (IV-act. 194).
A.i.
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Mit Entscheid vom 15. November 2019, UV 2018/41, wies das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Beschwerde des Versicherten gegen
den Einspracheentscheid der Suva vom 4. Mai 2018, worin die vorübergehenden
Leistungen auf den 1. August 2017 eingestellt und ein Anspruch auf Leistungen für
einen Dauerschaden (Rente und Integritätsentschädigung) verneint worden war, ab
(fremd-act. 284).
A.j.
Die IV-Stelle zeigte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 28. Januar 2020 an,
dass auf sein Leistungsbegehren nicht eingetreten werde, da er die von ihr geforderten
Unterlagen bzw. Angaben auch innert erstreckter Frist nicht eingereicht habe (IV-
act. 173). Dagegen erhob der Versicherte am 28. Februar 2020 Einwand und gab der
IV-Stelle die Namen und Adressen verschiedener behandelnder medizinischer
Fachpersonen bekannt (IV-act. 174), woraufhin die IV-Stelle von einem
Nichteintretensentscheid absah. Am 13. März 2020 erhielt sie den Bericht der Reha
M._ vom 20. Februar 2020 über die stationäre multimodale Behandlung des
Versicherten, welche vom 6. Januar bis 8. Februar 2020 stattgefunden habe. Im
Behandlungsverlauf sei die depressive Symptomatik teilweise remittiert. Für die Dauer
des Aufenthalts wurde dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt
(IV-act. 183-2 ff.).
A.k.
Dr. Q._ wiederholte am 29. Juli 2020 ihre Empfehlung nach einer weiteren
(psychiatrisch-orthopädischen) Begutachtung des Versicherten (Stellungnahme vom
29. Juli 2020, IV-act. 221). Der behandelnde Dr. med. S._, Facharzt für Chirurgie,
legte im Bericht vom 26. November 2020 dar, als Hauptbefund bestehe beim
Versicherten ein ausgeprägtes cervicocephales Syndrom mit Begleitschwindel und
stark eingeschränkter Kopfbeweglichkeit bei Status nach Trauma mit dreimaliger HWS-
Distorsion. Im Weiteren leide der Versicherte an deutlichen Schulterbeschwerden,
rechts betont beidseits, bei Status nach Schulteroperation rechts. Die
Schulteroperation habe keine Verbesserung gebracht. Im Gegenteil, der Versicherte
beklage zurzeit noch mehr Beschwerden als vor der Operation. Für die angestammte
Tätigkeit bescheinigte er dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Bezogen
auf eine leidensangepasste Tätigkeit sei der Versicherte «partiell arbeitsfähig». Um die
prozentuale Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten ermitteln zu können,
müsse ein funktioneller Leistungstest durchgeführt werden (IV-act. 233).
A.l.
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Am 15. Februar 2021 erstatteten die Sachverständigen der medexperts ag,
St. Gallen, Dr. med. T._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med.
U._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, und Dipl. Psych.
V._, Fachpsychologin für Neuropsychologie, ein interdisziplinäres (psychiatrisches,
orthopädisches und neuropsychologisches) Gutachten, dem Untersuchungen am
5. Januar und 1. Februar 2021 vorausgegangen waren. Als Diagnosen, denen sie einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimassen, erhoben sie: eine mässige Spondylose,
Osteochondrose und Uncovertebralarthrose HWK 6/7, eine moderate Spondylose,
Osteochondrose und Uncovertebralarthrose HWK 5/6 sowie eine diskrete Spondylose
und Osteochondrose HWK 4/5, ohne eine signifikante segmentale Instabilität (ICD-10:
M42.12); eine leichte Kraftverminderung für den Supraspinatus rechts bei Status nach
Schulterarthroskopie mit subacromialer Dekompression, Bizepstenodese und
plastischer Rekonstruktion der Rotatorenmanschette und eine AC-Gelenksarthrose
(ICD-10: M75.1, M19.01). Aus psychiatrischer und neuropsychologischer Sicht wurde
die Auffassung vertreten, aufgrund der nicht authentischen Beschwerdeschilderung
könne nicht auf die vom Versicherten angegebenen neurokognitiven und psychischen
Beschwerden bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgestellt werden. Aus
orthopädischer Sicht wurde dem Versicherten für die angestammte Tätigkeit eine
70%ige und für eine leidensangepasste Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
bescheinigt. Aus orthopädischer Sicht habe vom 26. Mai bis 31. Juli 2012 sowie vom
2. November 2016 bis 31. März 2017 aufgrund der Folgen der Unfälle vom 26. Mai
2012 bzw. 2. November 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Zusätzlich
sei von Arbeitsunfähigkeiten von 100 % «während Hospitalisationen» auszugehen (IV-
act. 263; insbesondere IV-act. 263-8 und -12 f.). Die IV-Ärztin W._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, hielt die gutachterliche Beurteilung für überzeugend.
Versicherungsmedizinisch sei aus psychiatrischer Sicht von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen (Stellungnahme vom 12. April 2021, IV-act. 269).
A.m.
Mit Vorbescheid vom 23. April 2021 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentengesuchs in Aussicht. Auf der Grundlage einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten ermittelte sie einen Invaliditätsgrad
von 11.65 % (IV-act. 270). Dagegen erhob der Versicherte am 25. Mai 2021 Einwand
und stellte den Antrag, sein Rentengesuch sei gutzuheissen. Er zeigte an, im Laufe des
A.n.
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B.
Juni 2021 noch weitere Ausführungen und Unterlagen zu übermitteln (IV-act. 274).
Nachdem die IV-Stelle die Frist für eine ergänzende Stellungnahme wiederholt erstreckt
und der Versicherte die in Aussicht gestellten Unterlagen nicht eingereicht hatte (IV-
act. 274 ff. und IV-act. 284; siehe auch die ELAR-Notiz vom 23. August 2021, IV-
act. 288), verfügte sie am 10. September 2021 die Abweisung des Rentengesuchs (IV-
act. 289).
Gegen die Verfügung vom 10. September 2021 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) am 12. Oktober 2021 Beschwerde und beantragte,
es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und der Anspruch auf eine «volle» IV-
Rente, eventualiter auf eine Teilrente gutzuheissen, subeventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass das
medexperts-Gutachten, insbesondere dessen psychiatrisches Teilgutachten und die
orthopädische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit für die Tätigkeit als Gipser, nicht
beweiskräftig sei. Zudem verneinte er, dass das Observationsmaterial hätte verwertet
werden dürfen. Hinsichtlich des von der Beschwerdegegnerin ermittelten
Invalideneinkommens rügte der Beschwerdeführer eine Verletzung der
Begründungspflicht (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 1. Dezember
2021 die Abweisung der Beschwerde. Sie vertrat darin im Wesentlichen die
Standpunkte, dass das Observationsmaterial verwertbar, das Gutachten der
medexperts ag beweiskräftig und die Bestimmung des Invalideneinkommens korrekt
erfolgt sei (act. G 5).
B.b.
Am 14. Dezember 2021 entsprach das Versicherungsgericht dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das
Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 8).
B.c.
Nach wiederholt erstreckter Frist reichte der Beschwerdeführer am 31. März 2022
eine Replik samt verschiedenen medizinischen Unterlagen ein (act. G 16.1 ff.; u.a. den
B.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
Bericht vom 21. Oktober 2021 über die am 15. Oktober 2021 vorgenommene
Operation [TAPP beidseits bei Rezidiv Leistenhernie beidseits] und von Dr. S._ vom
16. März 2022, worin im Rahmen der Diagnoseliste respektive der Zusammenfassung
u.a. eine Schulteroperation vom August 2021 und deutliche Schulterbeschwerden,
rechtsbetont bei Status nach Schulteroperation rechts, erwähnt wurden und eine
Tätigkeit des Beschwerdeführers für unzumutbar gehalten wurde, act. G 16.5). Er hielt
unverändert an der Beschwerde fest (act. G 16).
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom 17. Juni 2022 ihrerseits
unverändert an der beantragten Beschwerdeabweisung fest. Sie machte geltend, aus
den neu eingereichten medizinischen Unterlagen gehe keine vor Erlass der Verfügung
eingetretene wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands hervor. Aus ihrer
Sicht habe der Beschwerdeführer im Verwaltungsverfahren mangelhaft mitgewirkt, da
er die Schulteroperation und eine gesundheitliche Verschlechterung erst mit der Replik
vorbringe. Dies müsse sich bei der Verlegung der Kosten des Beschwerdeverfahrens
zu seinen Ungunsten auswirken. Zudem sei zu berücksichtigen, dass der
Beschwerdeführer seiner Substantiierungs- und Begründungspflicht nicht nachkomme
(act. G 20).
B.e.
Am 1. Januar 2022 traten die revidierten Fassungen der Bundesgesetze über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft. Die vorliegend angefochtene
Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des
intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE
144 V 210 E. 4.3.1) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des ATSG in der
bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des
Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2), in der sie nachfolgend
auch referenziert werden.
1.1.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2022&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=weiv+ivg&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-210%3Ade&number_of_ranks=0#page210 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2022&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=weiv+ivg&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-210%3Ade&number_of_ranks=0#page210
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Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG i.V.m.
Art. 28a Abs. 1 Satz 1 IVG).
1.3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
1.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/21
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Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a). Bei psychischen oder psychosomatischen Krankheitsbildern
steht zudem das Beweisproblem im Vordergrund, da sich die Beurteilung dieser
Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeiten – mangels
zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik – zwangsläufig zunächst auf die Angaben
der versicherten Person und deren Leidenspräsentation stützen und es an einer
eigentlichen davon unabhängigen, direkten Objektivierbarkeit fehlt. Deshalb ist die
umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der Leidensschilderung sowie
-präsentation für die möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler
Bedeutung (siehe etwa BGE 141 V 281). Um eine möglichst objektive, von der
Selbsteinschätzung der versicherten Person unabhängige, der tatsächlichen
Funktionsfähigkeit entsprechende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn von Art. 7
Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten (vgl. hierzu bzw. zur Massgeblichkeit des
tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens etwa das Urteil des Bundesgerichts vom
11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2), haben die medizinischen Fachpersonen nebst den
Erkenntnissen der eigenen Untersuchung deshalb nach Möglichkeit bei ihrer Expertise
sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei denen Beeinträchtigungen und Ressourcen
einer versicherten Person in Erscheinung treten. Dabei sich zeigende Umstände wie
etwa Inkonsistenzen, die auf krankheitsfremde Faktoren deuten oder ernsthafte Zweifel
am objektiven Umfang der geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigung begründen,
sind zu benennen. Geltend gemachte Beeinträchtigungen, die auf solchen
krankheitsfremden bzw. nicht krankheitswertigen Faktoren beruhen oder zweifelhaft
erscheinen, sind bei der Beurteilung des Gesundheitsschadens sowie der
Arbeitsfähigkeit auszuklammern. Denn massgebend für die Ermittlung der
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche Beeinträchtigungen, deren
Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen Gründen sehen die
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP, 3. vollständig überarbeitete
und ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine Stellungnahme zur
Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von
Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet eine
Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten
Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche
bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/21
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2.
In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob der Sachverhalt spruchreif abgeklärt wurde.
Die Beschwerdegegnerin geht gestützt auf das medexperts-Gutachten vom
15. Februar 2021 davon aus, dass eine psychisch und psychosomatisch bedingte
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nicht vorliege und auch rückwirkend nie
vorgelegen habe und dass der Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht bezogen
auf leidensangepasste Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig sei (IV-act. 289-4). Der
Beschwerdeführer hält diese Einschätzung aus verschiedenen Gründen für mangelhaft
respektive unzutreffend.
Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich
sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant
(Qualitätsleitlinien, S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person
zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten
und damit Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben
oder zum Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16; siehe zum
Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5. Juni 2020, IV 2018/124,
E. 3.1).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.6.
Zunächst ist der Auffassung des Beschwerdeführers nicht zu folgen, dass das vom
Haftpflichtversicherer eingeholte Observationsmaterial unverwertbar sei und von den
Sachverständigen der medexperts ag nicht hätte verwendet werden dürfen (act. G 1,
S. 8, und act. G 16, S. 3 f.).
2.1.
Das Bundesgericht hat in seinem Urteil BGE 143 I 377 im Wesentlichen erkannt,
dass anhand einer widerrechtlichen Observation gesammelte Materialien (und damit
auch die gestützt darauf ergangenen weiteren Beweise) grundsätzlich verwertbar sind,
es sei denn, bei einer Abwägung der tangierten öffentlichen und privaten Interessen
würden letztere überwiegen. Es hat die Frage offengelassen, ob auch bezüglich des
Observationsmaterials, das von interessierten Dritten – wie beispielsweise
Pensionskassen oder Haftpflichtversicherungen – beschafft wurde, von einer
ungenügenden gesetzlichen Grundlage und damit von einer Verletzung von Art. 8 der
2.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verwertbarkeit+%FCberwachung+%22haftpflichtversicherung%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-I-377%3Ade&number_of_ranks=0#page377
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Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101)
auszugehen sei. Hinsichtlich der Verwertung von derart gewonnenem Material durch
den Sozialversicherer gelte das in BGE 143 I 385 f. E. 5.1 Gesagte (so das Urteil des
Bundesgerichts vom 11. August 2021, 8C_213/2021, E. 4.2).
Vorliegend erfasste die von der Versicherung K._ AG in Auftrag gegebene
Überwachung die Zeiträume vom 6. bis 18. Mai 2015 und vom 30. Mai bis 1. Juni 2015,
wobei lediglich an einzelnen Tagen effektiv eine Observation erfolgte (IV-act. 99; zum
Bewegtbildmaterial siehe die Datenträger in act. G 5.3 ff.; zu den Gründen, welche die
Versicherung K._ AG an der Leidensdarstellung des Beschwerdeführers zweifeln
liessen und sie zum Observationsauftrag veranlasst haben, siehe IV-act. 129). Es
wurden lediglich Vorgänge im öffentlich einsehbaren Raum festgehalten, die keinen
engen Bezug zur Privatsphäre aufweisen. Im Hinblick auf die Intensität der
Überwachung ist die durchgeführte Observation als verhältnismässig zu bewerten.
Dem Eingriff in die Grundrechte des Beschwerdeführers steht ein gewichtiges
öffentliches Interesse an der Verhinderung eines Versicherungsmissbrauchs
gegenüber, das vorliegend als höher zu gewichten ist, womit die Verwertbarkeit des
Observationsmaterials zu bejahen ist. Das Observationsmaterial durfte daher von den
Sachverständigen der medexperts ag gesichtet und bei ihrer Würdigung miteinbezogen
werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. August 2021, 8C_213/2021, E. 4.4).
Der Beschwerdeführer beschränkt sich denn auch darauf, die Verwertbarkeit des
Observationsmaterials allgemein in Frage zu stellen, ohne näher auszuführen, unter
welchen konkreten Gesichtspunkten er die Voraussetzungen für eine Verwertbarkeit
nicht für gegeben hält. Ergänzend kann auf die zutreffenden Ausführungen der
Beschwerdegegnerin verwiesen werden (act. G 5, III. Rz 3).
2.3.
Entgegen der Sichtweise des Beschwerdeführers (act. G 1, S. 5 oben) begründet
der Umstand, dass der psychiatrische Gutachter keine Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit vorzunehmen vermochte, keine Zweifel an der Qualität des
psychiatrischen Teilgutachtens. Denn der psychiatrische Gutachter legte einlässlich
und sorgfältig begründet dar, dass aus psychiatrischer Sicht ein nicht authentisches
Beschwerdeverhalten vorliege (IV-act. 263-36) und zahlreiche Inkonsistenzen bestehen
würden (IV-act. 263-33 ff.). Solche wurden auch im Rahmen der neuropsychologischen
Begutachtung u.a. gestützt auf Beschwerdevalidierungstests überzeugend beschrieben
(IV-act. 265-5 f.; zur neuropsychologischen Diagnose einer nicht authentischen
neuropsychologischen Störung siehe IV-act. 265-3 unten). Damit brachten sowohl der
psychiatrische als auch die neuropsychologische Sachverständige nachvollziehbar
zum Ausdruck, dass ein psychisches und neuropsychologisches Krankheitsgeschehen
2.4.
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nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden konnte (siehe auch die
Aussage, aufgrund der nicht authentischen Beschwerdeschilderung könne weder auf
die neurokognitiven noch auf die angegebenen psychischen Beschwerden bei der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgestellt werden; IV-act. 263-13 oben). Da der
Beschwerdeführer dieses nicht authentische Verhalten seit Jahren gegenüber
medizinischen Sachverständigen aufrecht hält und nicht zu erwarten ist, dass er sich
bei weiteren medizinischen Untersuchungen anders präsentieren würde, sind von
weiteren Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Die damit verbundene
Beweislosigkeit geht zu Lasten des Beschwerdeführers. Folglich zog die IV-Ärztin
W._ zutreffend den Schluss, dass aus psychiatrischer und neuropsychologischer
Sicht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
auszugehen sei (IV-act. 269-4; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juli
2022, 8C_2/2022, E. 6.4). Zu ergänzen bleibt, dass aus den Akten mehrere Hinweise
hervorgehen, die auf eine im Vordergrund stehende Kränkung des Beschwerdeführers
und nicht auf einen psychischen Gesundheitsschaden im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG
hinweisen (in der psychotherapeutischen Behandlung werde eine «starke Kränkung»
aufgrund des Unfallgeschehnisses angegangen, IV-act. 29-2; zur leichten Kränkbarkeit
und dem schnell auftretenden Vermeidungsverhalten bei Intensivierung therapeutischer
Bemühungen siehe IV-act. 183-3 oben; zur Selbstdarstellung als gekränkten Menschen
siehe IV-act. 263-8 oben; zur gutachterlichen Beurteilung, dass eine starke Kränkung
im Vordergrund stehe, siehe auch IV-act. 263-32; zur Wut auf die Unfallverursacherin
siehe fremd-act. 11-11).
Der Beschwerdeführer hält des Weiteren die vom orthopädischen medexperts-
Gutachter für die Tätigkeit als Gipser bescheinigte 70%ige Arbeitsfähigkeit für abwegig
(act. G 1, S. 6 oben). Vorliegend kann offenbleiben, ob diese Einschätzung überzeugt.
Entscheidend für die Beurteilung der Resterwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers
bzw. das Invalideneinkommen ist vorliegend ohnehin die Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten, womit der Beschwerdeführer selbst aus einer höher
anzunehmenden Arbeitsunfähigkeit bezogen auf die angestammte Tätigkeit nichts zu
seinen Gunsten abzuleiten vermag.
2.5.
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Ausserdem kritisiert der Beschwerdeführer, die medexperts-Sachverständigen
hätten sich nicht mit den gegenteiligen medizinischen Berichten auseinandergesetzt
(act. G 1, S. 7 Mitte), und er hält eine Auseinandersetzung mit den erst mit der Replik
eingereichten medizinischen Berichten für notwendig (act. G 16, S. 3, und act.
G 16.1 ff.).
2.6.
Die Sachverständigen der medexperts ag berücksichtigten nicht nur die für ihre
Beurteilung massgebenden umfangreichen Akten (IV-act. 263-50 ff.), sondern setzten
sich damit inhaltlich auseinander und legten begründet dar, weshalb sie teilweise zu
abweichenden Schlüssen gelangten. Sie diskutierten die Vorakten detailliert und über
mehrere Seiten (IV-act. 263-9 ff. und IV-act. 263-33 ff.). Dabei überzeugt die
gutachterliche Begründung, dass die abweichenden medizinischen Beurteilungen ohne
Kenntnis des Observationsmaterials erfolgten und nicht auf einer Konsistenz- und
Ressourcenprüfung beruhten (zu deren herausragenden Bedeutung für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung siehe vorstehende E. 1.5).
2.6.1.
Was die mit der Replik eingereichten medizinischen Berichte anbelangt (act.
G 16.1 ff.), so wurden diese erst nach dem medexperts-Gutachten vom 15. Februar
2021 ausgestellt und beschlagen grösstenteils den erst danach eingetretenen
Sachverhalt. Sie vermögen deshalb von vornherein die retrospektive und für den
Zeitpunkt der Begutachtung vorgenommene Beurteilung der medexperts-
Sachverständigen nicht in Zweifel zu ziehen.
2.6.2.
Zu prüfen bleibt damit lediglich noch, ob sich der Sachverhalt, wie er sich nach
dem medexperts-Gutachten bis zum für die gerichtliche Beurteilung massgebenden
Zeitpunkt des Verfügungserlasses (10. September 2021; vgl. BGE 138 V 535 f. E. 2.2)
entwickelte, spruchreif erstellt ist. Die mit der Replik eingereichten Berichte, soweit sie
sich überhaupt zur Arbeitsfähigkeit äussern, beruhen nicht auf einer erforderlichen
Konsistenz- und Ressourcenprüfung. Insbesondere der Bericht von Dr. S._ vom
16. März 2022 (act. G 16.5), worin für jegliche Tätigkeiten eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wird, scheint auf einer unkritischen Übernahme der
Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers zu beruhen (zur anlässlich des vom
orthopädischen medexperts-Gutachter wahrgenommenen uneingeschränkten
Schulterbeweglichkeit beim Entkleiden siehe IV-act. 263-44 oben; zur fehlenden
Atrophie der Muskulatur der Rotatoren siehe IV-act. 263-46 unten). Zudem
berücksichtigte Dr. S._ auch die psychischen Leiden (act. G 16.5, S. 2 unten), ohne
über die entsprechende fachpsychiatrische Kompetenz zu verfügen. Zwar zählt er in
der umfangreichen Diagnoseliste eine von einem anderen Arzt im August 2021
2.6.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/21
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durchgeführte Schulteroperation auf. Allerdings legt Dr. S._ nicht schlüssig dar, dass
die Schulteroperation unglücklich verlief oder sonstwie aus objektiver somatischer
Sicht zu einer erheblichen und dauerhaften Verschlechterung der auf eine
leidensangepasste Tätigkeit bezogenen Arbeitsfähigkeit geführt hätte. Solche Hinweise
lassen sich weder den Ausführungen des rechtskundig vertretenen Beschwerdeführers
noch den übrigen danach ergangenen Berichten entnehmen. Auch ansonsten ergeben
sich aus den beiden Berichten von Dr. S._ keine nachvollziehbaren Befunde –
insbesondere auch nicht bezüglich des Schwankschwindels, für den Dr. S._ keine
Hinweise auf eine vestibuläre Ursache fand (act. G 16.5, S. 3 oben), oder des
cervicocephalen Syndroms –, welche vom orthopädischen medexperts-Gutachter
ausser Acht gelassen worden wären. Entscheidend ist weiter, dass sich dem Bericht
von Dr. S._ vom 16. März 2022 weder objektive Befunde noch objektiv
nachvollziehbare Funktionseinschränkungen entnehmen lassen, die auf einen dauerhaft
erheblich verschlechterten Gesundheitszustand bezogen auf eine leidensangepasste
Tätigkeit hinweisen und einen weiteren Abklärungsbedarf zu begründen vermögen.
Nichts anderes gilt mit Blick auf den Bericht von Dr. med. X._, Facharzt für
Neurologie, vom 5. November 2021 (act. G 16.3), worin ein EEG-Befund in den
Grenzen der Norm festgestellt wurde und keine neurologischen Ausfälle gefunden
werden konnten. Die von Dr. X._ beschriebene Verschlechterung stützt sich denn
auch nicht auf objektive Befunde, sondern auf die blossen Schmerzangaben des
Beschwerdeführers, dessen Klagen zum Schwankschwindel und eine deutlich
depressive Grundstimmung. Die wegen eines Rezidivs einer Leistenhernie beidseits am
21. Oktober 2021 offenbar komplikationslos durchgeführte Operation (act. G 16.2)
betrifft nicht mehr den für die gerichtliche Beurteilung massgebenden Sachverhalt bis
zum Verfügungserlass. Es ergeben sich daraus auch keine Hinweise für eine vor dem
Verfügungserlass eingetretene dauerhafte Verschlechterung des Gesundheitszustands
bzw. der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten. Schliesslich weist die
Beschwerdegegnerin zutreffend darauf hin (act. G 20, II. Rz 2), dass sich der Bericht
von Dr. med. Y._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, vom 24. Januar 2022 im
Wesentlichen in einer blossen Wiedergabe der Leidensangaben des
Beschwerdeführers aufgeht (act. G 16.4).
Der Beschwerdeführer wirft den medexperts-Sachverständigen zudem vor, völlig
unprofessionell und unempathisch gearbeitet zu haben und offensichtlich nur darauf
ausgerichtet gewesen zu sein, ein Gefälligkeitsgutachten zu Handen der
Beschwerdegegnerin zu verfassen (act. G 16, S. 5 f.). Es ergeben sich weder aus den
Ausführungen des Beschwerdeführers noch dem medexperts-Gutachten konkrete
Anhaltspunkte für ein voreingenommenes oder sonstwie sachfremdes Verhalten der
2.7.
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3.
Nachfolgend verbleibt die Prüfung des Invaliditätsgrads. Dabei ist das
medexperts-Sachverständigen. Dass sie die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers nicht vorbehaltlos übernommen, sondern diese einer durchwegs
objektiv gehaltenen eingehenden Konsistenz- und Ressourcenprüfung unterzogen
haben, gehört zum gutachterlichen Auftrag (siehe vorstehende E. 1.5) und stellt kein
empathieloses Verhalten dar. Dies gilt namentlich auch hinsichtlich der sachlich und
plausibel begründeten Aussagen zur Kranken- und Opferrolle des Beschwerdeführers
sowie zum psychoprotektiven Krankheitskonstrukt (IV-act. 263-13). Bei seinem Antrag
um Edition von Tonaufnahmen übersieht der Beschwerdeführer, dass Art. 44 Abs. 6
ATSG, auf den er sich sinngemäss zu beziehen scheint, erst am 1. Januar 2022 in Kraft
trat und die am 5. Januar und 1. Februar 2021 durchgeführte Begutachtung in der
medexperts ag (noch) nicht beschlägt. Ausserdem legt der Beschwerdeführer weder
dar noch ist erkennbar, dass anlässlich der medexperts-Begutachtung Tonaufnahmen
erstellt worden wären. Im Übrigen ist weder offenkundig noch konkret vom
Beschwerdeführer vorgebracht worden, dass die Wahrnehmungen der medexperts-
Sachverständigen, seine Leidensangaben während der Explorationen oder die
klinischen Befunderhebungen unvollständig wären.
Bei der Würdigung des medexperts-Gutachtens fällt weiter ins Gewicht, dass es
auf umfassenden interdisziplinären persönlichen Untersuchungen des
Beschwerdeführers, einer ausführlichen Auseinandersetzung mit den Vorakten und
einer schlüssigen Konsistenz- und Ressourcenbeurteilung beruht. Die von den
medexperts-Sachverständigen gezogenen Schlüsse leuchten ein. Objektiv relevante
Gesichtspunkte, die von ihnen übersehen worden wären, ergeben sich weder aus den
Ausführungen des Beschwerdeführers noch den übrigen Akten. Gestützt darauf ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass aus psychiatrischer und
neuropsychologischer Sicht keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorliegt und
dass aus orthopädischer Sicht grundsätzlich von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen ist. Lediglich vom 26. Mai bis
31. Juli 2012 sowie vom 2. November 2016 bis 31. März 2017 ist aus orthopädischer
Sicht von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Zusätzlich sei der
Beschwerdeführer während der Hospitalisationen zu 100 % arbeitsunfähig gewesen
(IV-act. 263-12). Diese erreichten indessen nie eine Dauer von mehr als 3 Monaten,
weshalb sie für den Rentenanspruch nicht von Bedeutung sind (Art. 88a Abs. 2 IVV;
siehe etwa zu den stationären Behandlungen vom 2. bis 29. November 2017 bzw. vom
8. Januar bis 19. Februar 2018 IV-act. 120-2 ff. bzw. IV-act. 124).
2.8.
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Valideneinkommen von Fr. 75'216.--, das am vom Beschwerdeführer als Gesunder
erzielten Verdienst anknüpft (IV-act. 289-4 unten; zum Auszug aus dem individuellen
Konto siehe IV-act. 9), zwischen den Parteien zu Recht unbestritten. Demgegenüber
bemängelt der Beschwerdeführer das von der Beschwerdegegnerin ermittelte
Invalideneinkommen.
Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und begründet
diesen Vorwurf damit, dass die Beschwerdegegnerin beim Invalideneinkommen einen
Betrag von Fr. 66'453.-- berücksichtigt habe (siehe hierzu IV-act. 289-4 unten), ohne
dass auch nur ansatzweise ausgeführt werde, wie dieses angebliche
Invalideneinkommen überhaupt ermittelt worden sei (act. G 1, S. 6 Mitte). Bereits im
Vorbescheid vom 23. April 2021 legte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
nachvollziehbar dar, dass zur Bemessung des Invalideneinkommens auf die
Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik abgestellt werde, die im Jahr 2014
für Hilfsarbeiter einen Durchschnittslohn von Fr. 66'453.-- ausweise (IV-act. 270-4).
Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt somit nicht vor. Zu ergänzen ist, dass für
die Ermittlung des Invalideneinkommens eine betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit
von 41.7 Wochenstunden und nicht der aus statistischen Gründen auf einer
40stündigen Arbeitswoche ermittelte Medianlohn massgeblich ist (vgl. etwa Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 8C_800/2017, E. 7, und Anhang 2:
Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe
2022), womit sich die Kritik des Beschwerdeführers an dieser Umrechnung (act. G 1,
S. 7) als unzutreffend erweist.
3.1.
Schliesslich beantragt der Beschwerdeführer, bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens sei ein Tabellenlohnabzug von 25 % (act. G 1, S. 7 oben) bzw.
von 20 bis 25 % (act. G 16, S. 6 Mitte) zu berücksichtigen. Vorliegend kann
offenbleiben, ob und bejahendenfalls in welchem Umfang ein Tabellenlohnabzug zu
gewähren ist. Denn selbst wenn der nach der Rechtsprechung zulässige Höchstabzug
von 25 % (BGE 126 V 75) gewährt würde, bliebe dies ohne Auswirkung auf den
Rentenanspruch. Im Fall einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit, wie sie vom
orthopädischen medexperts-Gutachter vorübergehend vom 26. Mai bis 31. Juli 2012
sowie vom 2. November 2016 bis 31. März 2017 bescheinigt wurde (siehe vorstehende
E. 2.8), besteht zwangsläufig kein Invalideneinkommen und ein Invaliditätsgrad von
100 %. Ausgehend von der für die übrige Zeit bescheinigten 100%igen Arbeitsfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten, würde bei Gewährung eines 25%igen
Tabellenlohnabzugs ein Invalideneinkommen von aufgerundet Fr. 49'840.--
(Fr. 66'453.-- x 0.75) und ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/21
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4.
aufgerundet 34 % ([Fr. 75'216.-- - Fr. 49'840.--] / Fr. 75'216.--) resultieren. Die
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 26. Mai bis 31. Juli 2012 sowie die anschliessend vom
orthopädischen medexperts-Gutachter für die angestammte Tätigkeit bescheinigte
30%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 263-47) führen dazu, dass das Wartejahr im Sinn
von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG bereits im Mai 2013 als bestanden zu betrachten ist. Da
sich der Beschwerdeführer jedoch erst am 11. November 2013 (IV-act. 4) zum
Leistungsbezug bei der Beschwerdegegnerin anmeldete, entsteht ein Rentenanspruch
frühestens sechs Monate danach (Art. 29 Abs. 1 IVG), d.h. im Mai 2014. Aufgrund der
bescheinigten vollständigen Arbeitsunfähigkeit vom 2. November 2016 bis 31. März
2017 bzw. des daraus resultierenden 100%igen Invaliditätsgrads hat der
Beschwerdeführer ab 1. November 2016 unter Berücksichtigung der dreimonatigen
Anpassungsfrist von Art. 88a Abs. 1 IVV bis 30. Juni 2017 einen Anspruch auf eine
ganze Rente. Zwar hatte der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Rentenbefristung das
55igste Altersjahr bereits vollendet (zum Datum der Geburt siehe IV-act. 4), womit
offenbleiben kann, ob die neuere Rechtsprechung des Bundesgerichts, dass zur
Bestimmung der massgebenden Altersgrenze auf den Verfügungserlass abzustellen
(amtlich zu publizierendes Urteil vom 27. Juni 2022, 8C_104/2021, E. 7.3),
gesetzeskonform ist und auf den Fall des Beschwerdeführers Anwendung findet. Es
ergeben sich jedoch vorliegend keine Umstände, dass er allein aufgrund der lediglich
5 Monate dauernden vollständigen Arbeitsunfähigkeit die Fähigkeit verloren hätte, sich
selbst einzugliedern bzw. die gegen die Zumutbarkeit der Selbsteingliederungspflicht
sprechen würden. Solche werden auch vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht.
Der Wiedereingliederung in eine Erwerbstätigkeit stand und steht denn auch
hauptsächlich das nicht authentische Krankheitsverhalten des Beschwerdeführers bzw.
dessen Krankheitsüberzeugung im Weg. Ein Eingliederungswille ist nicht erkennbar
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. August 2021, 8C_285/2021, E. 5.4.1).
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung vom
10. September 2021 aufzuheben und dem Beschwerdeführer befristet vom
1. November 2016 bis 30. Juni 2017 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung
und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
4.2.
bis
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