Decision ID: 131e155a-244b-4082-9a22-5aee99712980
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 12.05.2015 Art. 43 Abs. 1 ATSG. Abklärung des (medizinischen) Sachverhalts Betrachtet der Rechtsdienst einer IV-Stelle (entgegen der Einschätzung ihres RAD) ein medizinisches Gutachten als nicht überzeugend, kann er nicht ohne Beizug eines medizinischen Sachverständigen, d.h. ohne jeden medizinischen Sachverstand, selbst eine Diagnose stellen und gestützt auf diese Diagnose die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person bestimmen. Ein solches Vorgehen ist als willkürliche Verletzung des Art. 43 Abs. 1 ATSG zu qualifizieren (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Mai 2015, IV 2012/319).
Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und
Miriam Lendfers; Gerichtsschreiber Tobias Bolt
Entscheid vom 12. Mai 2015
in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Debora Bilgeri, Poststrasse 12, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 26. Januar 2009 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Im Gesuchsformular gab er unter anderem an, er habe keinen Beruf erlernt. Dr. med.
B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, teilte am 3./9. Februar 2009 mit (IV-act.
10), der Versicherte leide an einer Depression bei psychosozialer Überlastung
(zeitweise Zustandsbild mit agitiert-depressiver Symptomatik mit somatischem
Syndrom). Der Versicherte war wegen eines psychischen Ausnahmezustandes vom 8.
August bis 6. September 2008 hospitalisiert gewesen. Vom 9. Oktober bis 8. November
2008 hatte er sich zur psychosomatischen Rehabilitation in der Klinik Gais aufgehalten.
Dr. B._ betrachtete ihn als nicht arbeitsfähig. Die Firma C._ gab am 11. Februar
2009 an (IV-act. 15), sie beschäftige den Versicherten als Maler und Hilfsgipser. Ohne
den Gesundheitsschaden würde der Versicherte 63’000 Franken verdienen. Dr. med.
D._ vom RAD berichtete am 12. Mai 2009 über eine von ihm selbst vorgenommene
psychiatrische Abklärung (IV-act. 22). Er gab als Diagnose eine mittelschwere bis
schwere depressive Episode und einen Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung mit
vorwiegend abhängigen und psychasthenischen Zügen an. Seiner Ansicht nach war
der Versicherte nicht eingliederungsfähig; der Gesundheitszustand hatte sich noch
nicht stabilisiert. Dr. D._ führte weiter aus, die Stimmung des Versicherten sei schwer
depressiv gewesen. Das habe sich in zunehmenden Konzentrationsschwierigkeiten im
Gesprächsverlauf gezeigt. Der Versicherte habe zunehmend erschöpft gewirkt und es
sei immer öfter zu affektiven Einbrüchen gekommen. Deshalb habe das Gespräch nach
eineinhalb Stunden abgebrochen werden müssen. Der Versicherte habe über eine
Leere im Kopf und über häufig auftretende Selbstmordgedanken geklagt. Er sei affektiv
gehemmt, unsicher, ängstlich gewesen und habe in der Verdeutlichung eigener
Bedürfnisse wesentlich eingeschränkt gewirkt. Psychomotorisch sei der Versicherte
matt und im emotional-affektiven Ausdruck müde und resigniert gewesen. Sein Antrieb
sei vermindert gewesen. Von der Persönlichkeitsstruktur her hätten ausgeprägt
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gehemmte, selbstunsichere und selbstunwerte Gefühle bestanden. Dr. B._ teilte der
IV-Stelle am 11. Oktober 2009 mit (IV-act. 38), die Diagnose sei unverändert:
Mittelgradige, zeitweise agitierte depressive Episode mit somatischem Syndrom und
psychophysischer Erschöpfung. Der Versicherte sei am 24. April 2009 im Auftrag der
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG von Dr. med. Dr. phil. E._ begutachtet
worden. Er sollte eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent erreichen können. Der neu
behandelnde Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete
der IV-Stelle am 31. Oktober 2009 (IV-act. 39), er habe die folgenden Diagnosen
erhoben: Rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig ausgeprägt, bei
Verdacht auf eine vorbestehende Dysthymia (DD: Persönlichkeitsproblematik mit
abhängigen und emotional-instabilen Anteilen) und Status nach Suizidversuch durch
Tablettenintoxikation am 26. Juni 2009. Er gab einen Arbeitsunfähigkeitsgrad von 100
Prozent an. Am 10. März 2010 berichtete Dr. F._ (IV-act. 42), die depressive
Symptomatik sei weiterhin vorhanden. Die Schlafstörung, die massiven
Spannungszustände und die Selbstverletzungstendenzen hätten sich dagegen etwas
gebessert. Er empfahl eine Kontaktaufnahme durch die Eingliederungsberatung der IV-
Stelle. Diese versuchte in der Folge, ein Arbeitstraining zu organisieren, worauf Dr.
F._ am 15. Juni 2010 mitteilte, krankheitsbedingt sei aktuell kein Arbeitstraining
möglich (IV-act. 55–5). Am folgenden Tag berichtete Dr. F._ (IV-act. 57), kurz vor dem
Start des Arbeitstrainings sei es zu einer erneuten Verschlechterung und
Dekompensation der depressiven Störung mit verstärkten Symptomen, innerem
Rückzug, Verlangsamung im Denken, deprimierter Stimmungslage, Hoffnungslosigkeit,
Selbstzweifeln und lebensmüden Gedanken gekommen. Der Versicherte habe sich in
der Tagesklinik G._ gemeldet. Er sei nicht arbeitsfähig.
A.b Dr. med. H._, FMH Innere Medizin, gab am 28. Juni 2010 an (IV-act. 60), der
Versicherte leide auch an einer Makrophagenalveolitis bei Nikotinabusus. Die
Arbeitsunfähigkeit sei aber in erster Linie durch die psychische Erkrankung bedingt. Dr.
med. I._, Oberarzt der Tagesklinik G._, teilte am 8. Dezember 2010 mit (IV-act. 72),
die Diagnose laute: Mittelgradige depressive Episode und Probleme in der primären
Bezugsgruppe einschliesslich familiärer Umstände. Der Versicherte sei zu 100 Prozent
arbeitsunfähig. Dr. F._ gab am 10. April 2011 an (IV-act. 80), es sei im Verlauf
deutlicher geworden, dass die chronische depressive Symptomatik auf der Grundlage
einer ausgeprägten Persönlichkeitsproblematik mit emotional-instabilen und
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abhängigen Anteilen bestehe. Teilweise imponierten dissoziative Zustände, die zu einer
völligen Handlungsunfähigkeit führten. Es handle sich um einen komplexen
psychischen Gesundheitsschaden, der durch die psychosoziale Belastung verstärkt
werde. Der Versicherte sei immer noch zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Am 11. April
2011 berichtete Dr. I._ von der Klinik G._ (IV-act. 82), die folgenden Diagnosen
seien erhoben worden: Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-abhängigen,
anankastischen und impulsiven Zügen, mittelgradige depressive Episode und
Probleme in der primären Bezugsgruppe einschliesslich familiärer Umstände
(unselbständiger Verwandter, der häusliche Betreuung benötige). Dr. I._ führte weiter
aus, hinsichtlich der bestehenden Symptomatik mit Niedergeschlagenheit, Ratlosigkeit,
Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht, Perspektivenlosigkeit, ausgeprägten Schlafstörungen,
massiven Schuldgefühlen, starker innerer Anspannung mit der Phantasie,
dreinzuschlagen, und der Tendenz zu selbstschädigenden Handlungen mit suizidaler
Absicht habe sich im Behandlungsverlauf keine Besserung ergeben. Aufgrund der
beobachteten dauerhaften Verhaltensmuster mit beeinträchtigter Kognition,
ausgeprägten Störungen der Affektivität, der Impulskontrolle, der
Bedürfnisbefriedigung und der zwischenmenschlichen Beziehungen sei die Diagnose
einer kombinierten Persönlichkeitsstörung gestellt worden. Aufgrund der sehr rigiden
Denk- und Verhaltensmuster sei es nicht gelungen, eine Auseinandersetzung mit der
eigenen Person und den eigenen Problemen in Gang zu bringen. Der Versuch,
Überlegungen über mögliche eigene Perspektiven anzustellen, sei jeweils im Ansatz
verworfen worden und habe zu ohnmächtigem Verstummen geführt und eine hohe
innere Anspannung bewirkt. Ein Arbeitsversuch in einem klinikinternen geschützten
Rahmen sei nach einer Woche aufgrund einer geäusserten völligen Überforderung
abgebrochen worden. Dr. med. J._ vom RAD notierte am 17. November 2011 (IV-act.
94), aus rein somatischer Sicht seien dem Versicherten körperlich leichte Tätigkeiten
ohne Tragen mittelschwerer bis schwerer Gegenstände zumutbar. Er schlug eine
psychiatrische Begutachtung vor.
A.c Dr. med. K._, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, führte in seinem Gutachten
vom 20. Dezember 2011 aus (IV-act. 100), er habe folgende Diagnosen erhoben:
Selbstunsichere Persönlichkeit, histrionischer Ausdrucksmodus, Konversion und
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Verdeutlichung, Simulation, sexuelle Orientierungsstörung (als Ich-dyston empfunden)
und Anpassungsstörung mit mittelgradig depressiver Reaktion bei psychosozialer
Belastung. Dr. K._ gab weiter an, aus der Gesamtheit der psychischen
Gesundheitsstörungen resultiere eine Beeinträchtigung der Stimmung und des
Antriebs. Direkt oder indirekt beeinträchtigt seien die kognitiven Fähigkeiten und das
formale und das inhaltliche Denken. Beeinträchtigt sei die Wahrnehmung der eigenen
Person und erheblich beeinträchtigt seien die affektive Stabilität, die affektive
Resonanz und der affektive Ausdruck im zwischenmenschlichen Kontakt. Auf der
Fähigkeitsebene sei die Fähigkeit zur Selbstbehauptung im interpersonellen Kontext
anders als mit regressiven Mitteln erheblich beeinträchtigt. Beeinträchtigt seien die
Gruppenfähigkeit, die Kontaktfähigkeit, die Fähigkeit zur Gestaltung familiärer und
ausserfamiliärer Beziehungen, zur Anpassung an Regeln und Routinen und zur Planung
und Strukturierung, die Flexibilität und die Fähigkeit zur Umstellung und zum
Durchhalten. Teilweise beeinträchtigt sei die Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten.
Die Auswirkungen dieser Beeinträchtigungen seien auf der Ebene Teilhabe und
Partizipation sowie im Bereich der Arbeit und im ausserberuflichen Alltag erheblich.
Allerdings hätten sich Zweifel an der durchgehenden Plausibilität und Konsistenz der
vorgetragenen und multimodal demonstrierten Beschwerden und Einschränkungen
ergeben: Insbesondere bei der Testuntersuchung hätten sich sowohl in der
Verhaltensbeobachtung als auch in den speziellen Testuntersuchungen auf
Beschwerdevalidierung eindeutig Hinweise auf besondere Bemühungen um entweder
die besonders deutliche Darstellung multipler neurokognitiver Beeinträchtigungen oder
aber um deren Simulation gefunden. Das Ausmass dieser Bemühungen habe von der
Wahl der Ausdrucksmittel her weit über das üblicherweise bei der
Beschwerdeverdeutlichung oder bei der Simulation anzutreffende Spektrum
hinausgereicht. Ein nicht unerheblicher Teil der Bemühungen um Verdeutlichung oder
Vortäuschung von Symptomen müsse aber als „bewusstseinsfern“ und damit einer
Überwindung durch Willensanstrengung nicht oder nicht in einem relevanten Ausmass
zugänglich angesehen werden. Zweifel an der durchgehenden und vollständigen
Plausibilität der vorgetragenen Beeinträchtigungen hätten sich aus dem Hinweis auf
durchaus erhaltene Restressourcen und die Beobachtungen beim Hausbesuch durch
die Mitarbeiter der IV-Stelle ergeben. Diese Zweifel würden allerdings relativiert durch
die weitgehend kongruenten Beobachtungen in der medizinischen Aktenlage über
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mindestens drei Jahre hinweg. Es handle sich um einen bis auf weiteres stabilen
Gesundheitszustand. Der Beginn dieses stabilen Zustands könne auf Juli 2010
festgelegt werden. Die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten seien ausgeschöpft.
Mit einer fähigkeitsrelevanten Besserung des Gesundheitszustandes könne nicht vor
Ablauf von mindestens 18 Monaten nach der Begutachtung gerechnet werden. Ohne
die Hinweise auf die Bemühungen des Versicherten um die Verdeutlichung oder
Simulation von Beschwerden könnte angesichts der psychischen und psychiatrischen
Störungen von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Angesichts
der hinreichend sicheren Hinweise auf zumindest teilweise bewusstseinsnahe
Bemühungen um die Verdeutlichung oder Vortäuschung zumindest einzelner
Symptome müsse aber medizinisch-theoretisch von einer residualen beruflichen
Leistungsfähigkeit ausgegangen werden. Diese betrage in der angestammten Tätigkeit
als Maler näherungsweise 35 Prozent. Eine besser angepasste Verweistätigkeit mit
einer höheren beruflichen Leistungsfähigkeit könne nicht benannt werden. Für die
Periode Mitte 2008 bis Juli 2010 werde auf die Einschätzungen in den medizinischen
Akten verwiesen.
A.d Dr. J._ vom RAD hielt am 6. März 2012 fest (IV-act. 104), auf das Gutachten
könne abgestellt werden. Die Arbeitsunfähigkeit sei ab August 2008 anzunehmen. Der
zuständige Rechtsdienstmitarbeiter vertrat am 3. April 2012 die Auffassung (IV-
act. 107), der invalidisierende Charakter von psychiatrischen Diagnosen sei
ausgeschlossen oder stark zu relativieren, wenn die präsentierte Symptomatik auf einer
Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruhe. Eine psychosoziale Problematik
könne für sich allein keine Invalidität begründen. Eine depressive Reaktion sei nicht
invalidisierend, weil kein von depressiven Verstimmungszuständen klar
unterscheidbarer verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden vorliege.
Dr. K._ habe sich überwiegend auf psychiatrische Testungen abgestützt, die zum
Vornherein keine verwertbaren Erkenntnisse für eine Arbeitsfähigkeitsschätzung
lieferten. Deshalb sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
auszugehen. Mit einem Vorbescheid vom 20. April 2012 kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung seines Rentenbegehrens an, da er nicht invalid sei (IV-act.
111). Der Versicherte liess am 13. Juni 2012 insbesondere einwenden (IV-act. 120), es
bestehe ein Anspruch auf mindestens eine Dreiviertelsrente. Zusätzlich zur
psychischen Problematik müssten nämlich die Rücken-, Knie- und Herzbeschwerden
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berücksichtigt werden. Die psychische Beeinträchtigung habe eine lange
Vorgeschichte. Seit dem Jahr 2000 sei eine psychische Labilität zu erkennen gewesen.
Seit August 2008 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Es könne keine Rede
davon sein, dass nur ein depressiver Verstimmungszustand, ausgelöst und bestimmt
durch psychosoziale Faktoren, vorliege. Vielmehr lägen psychische Störungen von
Krankheitswert (erhebliche Depression, Persönlichkeitsstörung) vor, die sich klar von
depressiven Verstimmungszuständen unterscheiden liessen und die sich
verselbständigt hätten. Dem Aspekt der zumutbaren Willensanstrengung sei mit einer
Arbeitsunfähigkeit von 65 Prozent Genüge getan. Der zuständige Mitarbeiter des
Rechtsdienstes der IV-Stelle notierte am 16. Juli 2012 (IV-act. 121), ein von der
Simulation und der psychosozialen Problematik abschichtbarer Leidensdruck sei nicht
erkennbar. Dr. J._ hielt am 3. August 2012 fest (IV-act. 122), die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. K._ (35 Prozent) sei medizinisch plausibel. Sie
decke sich mit der jahrelangen Krankengeschichte. Mit einer Verfügung vom 6. August
2012 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 123).
B.
B.a Der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) liess am 3. September 2012
Beschwerde erheben (act. G 1) und die Zusprache mindestens einer Dreiviertelsrente
beantragen. Die Begründung entsprach weitgehend der Stellungnahme zum
Vorbescheid. Abschliessend wies der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers darauf
hin, dass das Invalideneinkommen einer vertieften Abklärung bedürfe, weil der
Beschwerdeführer aus somatischen Gründen nicht mehr im angestammten Beruf
arbeiten könne.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. November 2012 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte geltend, Dr. K._ habe keine
Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Im RAD-Bericht sei dieses Leiden nur als
Verdachtsdiagnose aufgeführt worden. Es könne gar keine Persönlichkeitsstörung
vorliegen, weil sich eine solche Störung im Kindes- und Jugendalter entwickle. Der
Beschwerdeführer habe aber ab dem 18. Altersjahr immer zu 100 Prozent einer
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Erwerbstätigkeit nachgehen könne. Demnach hätte eine allfällige
Persönlichkeitsstörung keine massgebliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gehabt.
Im Übrigen sei eine Persönlichkeitsstörung rechtsprechungsgemäss nicht per se
invalidisierend. Das Hauptproblem des Beschwerdeführers bestehe darin, dass er
durch die Kombination aus dem Vollpensum bei der Erwerbstätigkeit und der
Betreuung der invaliden Ehefrau und der beiden Kinder überfordert gewesen und
deshalb „ausgebrannt“ sei. Dabei handle es sich um psychosoziale Faktoren, die für
sich allein rechtsprechungsgemäss keine Invalidität bewirken könnten, solange keine
davon unabhängige psychische Störung vorliege. Die von Dr. K._ diagnostizierte
mittelgradige Depression sei keine solche Störung, weil sie kein von depressiven
Verstimmungszuständen klar zu unterscheidender verselbständigter
Gesundheitsschaden sei. Der Beschwerdeführer habe übertrieben und sogar simuliert,
so dass die diagnostizierte depressive Störung auf einem vom Bewusstsein
gesteuerten Verhalten beruhe. Demnach sei von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit auszugehen. Bei einem Tabellenlohnabzug von zehn Prozent resultiere
ein Invaliditätsgrad von 13 Prozent.
B.c Der (neue) Rechtsvertreter teilte am 11. Juni 2014 mit (act. G 9), der
Beschwerdeführer habe sich vom 28. April bis 24. Mai 2014 in der psychiatrischen
Klinik aufgehalten. Das Gericht bat die Allianz Versicherung, das in ihrem Auftrag
erstellte Gutachten von Dr. E._ zur Verfügung zu stellen (act. G 11). Dieser Bitte kam
die Allianz Versicherung am 16. Januar 2015 nach (act. G 12). Dr. E._ hatte am 16.
Mai 2009 berichtet (act. G 12.1), der Beschwerdeführer sei im Untersuchungsgang
kooperativ gewesen, er habe gut und offen mitgearbeitet. Der affektive Rapport sei
problemlos herstellbar gewesen. Der Beschwerdeführer habe kongruente,
glaubwürdige und plausible Angaben gemacht. Die Aktenlage, die
eigenanamnestischen Angaben und die gutachterlich psychopathologische
Befunderhebung seien hinsichtlich der Art und der Ausprägung der psychischen
Störung kongruent gewesen. Die depressionsspezifischen klinischen Skalierungen
hätten den Vorbefunden im Rahmen einer Erschöpfungsdepression entsprochen. Der
Beschwerdeführer sei mittelschwer depressiv agitiert gewesen. In ihrer Stellungnahme
vom 16. März 2015 führte die (neue) Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers aus (act.
G 20), Dr. E._ habe eine äusserst rudimentäre Einschätzung abgegeben. Diese
Einschätzung sei zudem im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung nicht
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mehr aktuell gewesen. Deshalb könne sie nicht entscheidrelevant sein. In den Akten
fehle eine zeitnahe Beurteilung des behandelnden Arztes. Deshalb reiche sie eine kurze
Einschätzung des seit September 2011 behandelnden Psychotherapeuten ein. Gemäss
dieser Einschätzung leide der Beschwerdeführer seit seiner Jugend an einer Störung
aus dem schizophrenen Formenkreis mit Ängsten, einer Neigung zu autoaggressivem
Verhalten und zu Suizidalität und mit akustischen Halluzinationen. Die Angaben des
behandelnden Psychotherapeuten zeigten unmissverständlich, dass die psychosoziale
Situation (Pflegebedürftigkeit der Ehefrau) nicht ursächlich für das Leiden sei. Sie
schmälere nur die Besserungsaussichten. Dasselbe gelte für die sozioökonomische
Situation. Der eidg. anerkannte Psychotherapeut L._ hatte der Rechtsvertreterin am
10. März 2015 angegeben (act. G 20.1), der Beschwerdeführer habe sich wiederholt in
einer stationären Behandlung befunden. Seit längerem bestehe ein schweres
depressives Zustandsbild (ICD-10 F32.3). Ausserdem leide der Beschwerdeführer seit
seiner Jugend an einer Störung aus dem schizophrenen Formenkreis (Verdacht auf
ICD-10 F20.0). Er sei auf eine psychopharmakologische Behandlung angewiesen und
vollständig arbeitsunfähig. Mit dem delegierenden Psychiater sei besprochen worden,
dass ein neuer Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin sinnvoll sei. Die
Beschwerdegegnerin liess sich dazu nicht vernehmen.

Erwägungen:
1.
1.1 Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer die Erwerbsfähigkeit weder durch
medizinische noch durch berufliche Eingliederungsmassnahmen verbessern kann und
wer nach Ablauf des sogenannten Wartejahres zu wenigstens 40 Prozent invalid ist
(Art. 28 Abs. 1 IVG). Gemäss Art. 16 ATSG wird zur Bestimmung des Invaliditätsgrades
das Erwerbseinkommen, das eine versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität
(gemeint: des Gesundheitsschadens) und nach der Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Erwerbstätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das diese versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Die Grundlage der Bemessung
des zumutbaren Invalideneinkommens einer versicherten Person, die nicht über eine
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qualifizierte Berufsausbildung verfügt und deshalb (i.d.R.) nicht umgeschult werden
kann, besteht in der Umschreibung der behinderungsadaptierten Hilfsarbeiten und in
der verbliebenen Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit.
1.2 Der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer in einer seinen somatischen Beeinträchtigungen bestmöglich
Rechnung tragenden Hilfsarbeit nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, weil
er die Symptome seiner psychischen Erkrankung, soweit sie nicht ohnehin bloss auf
einer Aggravation oder einer Simulation beruhten, durch eine zumutbare
Willensanstrengung überwinden könne. Im Übrigen handle es sich dabei nicht um eine
Krankheit, sondern nur um eine auf die psychosoziale Belastungssituation
zurückzuführende depressive Verstimmung, die zum Vornherein nicht geeignet sei, eine
(objektive) Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Damit hat der Rechtsdienst der
Beschwerdegegnerin nicht nur die von den verschiedenen medizinischen
Fachpersonen erhobenen Diagnosen mit den entsprechenden Symptomangaben als
nicht überwiegend wahrscheinlich betrachtet, sondern im Ergebnis selbst eine
medizinische Beurteilung abgegeben (bzw. eine Diagnose gestellt) und gestützt auf
diese Beurteilung eine eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung vorgenommen. So hat er das
Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung mit der medizinischen Begründung, dass sich
eine solche Störung im Kindes- oder Jugendalter hätte entwickeln müssen, was es
dem Beschwerdeführer nicht erlaubt hätte, ab seinem 18. Altersjahr vollständig
erwerbstätig zu sein, verneint. Weiter hat er festgehalten, dass der Beschwerdeführer
auch nicht an einer mittelgradigen oder schweren depressiven Störung, sondern nur an
einer durch die psychosoziale Belastung ausgelösten depressiven Verstimmung leide,
deren Auswirkungen auf die subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung ohne weiteres
durch eine zumutbare Willensanstrengung überwunden werden könnten. Die
Symptome für eine Persönlichkeitsstörung und für eine wenigstens mittelgradige
depressive Störung habe der Beschwerdeführer bloss simuliert oder zumindest die
vorhandenen Symptome stark übertrieben. Gestützt auf diese eigene medizinische
Beurteilung hat der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin angenommen, dass der
Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht an einer die
Arbeitsfähigkeit herabsetzenden Kombination aus einer Persönlichkeitsstörung und
einer mindestens mittelgradigen depressiven Störung leide, sondern – mit Ausnahme
einer depressiven Verstimmung – gesund sei. Zwar drängen sich tatsächlich Zweifel an
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der Richtigkeit der gestellten Diagnosen (vor allem der Schwere der Krankheiten) und
der Stärke der entsprechenden Symptome auf, weil der Sachverständige Dr. K._ auf
simulierende oder aggravatorische Aussagen des Beschwerdeführers hingewiesen hat,
welche das tatsächliche Zustandsbild verzerrt haben. Die eigenständige medizinische
Beurteilung und Diagnosestellung des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin ohne
Beizug einer medizinischen Fachperson und im Widerspruch zu den Angaben des
eigenen RAD – und damit auch die sich darauf stützende eigenständige
Arbeitsfähigkeitsschätzung – muss aber als willkürlich qualifiziert werden, weil sich der
Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin damit ohne den nötigen Sachverstand über die
Beurteilungen der Sachverständigen hinweg gesetzt hat, ohne hierfür eine
überzeugende Begründung liefern zu können.
1.3 Die korrekte Vorgehensweise hätte darin bestanden, weitere medizinische
Abklärungen vorzunehmen, um die Zweifel auszuräumen. Dass diese Zweifel an der
Richtigkeit der von Dr. K._ und anderen, behandelnden Ärzten gestellten Diagnosen
– zumindest aus der Sicht eines medizinischen Laien – im Ergebnis, aber mit einer ganz
anderen Begründung, doch berechtigt gewesen sind, ergibt sich aus den Angaben des
behandelnden Psychotherapeuten L._, laut denen der Beschwerdeführer an einer
Störung aus dem schizophrenen Formenkreis leidet, denn diese Diagnose findet sich in
den bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung erstellten medizinischen Berichten
nicht. Dass die in den ersten Jahren der psychiatrischen Behandlung einer Depression
und/oder einer Persönlichkeitsstörung festgestellten Symptome ihre eigentliche bzw.
ihre Hauptursache in einer schizophrenen Störung haben, lässt sich erfahrungsgemäss
in gewissen Fällen erst nach einer langdauernden (meist auch stationären) Therapie
feststellen. Im vorliegenden Fall erweist sich der medizinische Sachverhalt also nicht
nur im Hinblick auf den von Dr. K._ geäusserten Verdacht aggravierender (oder
teilweise auch simulierender) Aussagen des Beschwerdeführers, sondern vor allem
auch im Hinblick auf die eigentliche Ursache der Symptome als noch nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Da es sich
bei der Sachverhaltsermittlung um die ureigenste Aufgabe der Verwaltung handelt und
da das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht seiner Natur
nach als nachträgliche Verwaltungsrechtspflege (vgl. Fritz Gygi,
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., S. 30 ff.) zu qualifizieren ist, wird es bei einer
Verletzung der Pflicht der Verwaltung, den Sachverhalt ausreichend abzuklären, in aller
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Regel zu einer Rückweisung kommen müssen, damit die Verwaltung ihre Pflicht zur
Abklärung des Sachverhalts nachträglich doch noch erfüllen kann. Wer in einer solchen
Situation davon ausgeht, dass das kantonale Versicherungsgericht die Verletzung der
Untersuchungspflicht durch die Verwaltung regelmässig mittels eines medizinischen
Gerichtsgutachtens auszubügeln habe, unterstellt nämlich notwendigerweise, dass die
Verwaltung mit der Aufgabe, den Sachverhalt abzuklären, überfordert sei, was
offensichtlich nicht zutrifft. Im vorliegenden Fall muss die Sache zur weiteren Abklärung
der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, zur Durchführung des
Einkommensvergleichs und zur neuen Verfügung über das Rentenbegehren an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden.
2. Die Rückweisung zur weiteren Abklärung des Sachverhalts wird
rechtsprechungsgemäss als vollumfängliches Unterliegen der Beschwerdegegnerin
betrachtet. Dies hat zur Folge, dass die Beschwerdegegnerin die gesamten
Gerichtskosten zu tragen hat. Die Gerichtsgebühr beläuft sich praxisgemäss auf 600
Franken. Der Kostenvorschuss von 600 Franken wird dem Beschwerdeführer
zurückerstattet. Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin hat dem
Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten. Diese Entschädigung richtet
sich nach dem Vertretungsaufwand. Dieser ist als durchschnittlich zu werten, so dass
die Entschädigung praxisgemäss auf 3’500 Franken (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP