Decision ID: de9d3431-ed18-41a7-9049-213a3ac4d0a8
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfachen Diebstahl etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 12. November 2013 (DG130087)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 25. Sep-
tember 2013 ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (ND 2).
2. Von den Vorwürfen des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139
Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144
Abs. 1 StGB und des mehrfachen Hausfriedensbruches im Sinne von
Art. 186 StGB wird der Beschuldigte freigesprochen (HD, ND1).
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
256 Tage durch Haft erstanden sind, als Zusatzstrafe zum Urteil des Be-
zirksgerichts Weinfelden vom 9. Oktober 2012.
4. Die Strafe ist zu vollziehen.
5. Die Schadenersatzforderung der Privatklägerin 1 wird auf den Zivilweg ver-
wiesen.
6. Die Schadenersatzforderung der Privatklägerin 2 wird abgewiesen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 3 eine Genugtuung von
Fr. 1'500.– zu bezahlen zuzüglich 5 % Zins seit 14. Oktober 2012; im Übri-
gen wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 24. September 2013 be-
schlagnahmte Mobiltelefon Samsung Galaxy S II, IMEI-Nr. .. ohne SIM, wird
Frau D._ nach Rechtskraft dieses Entscheides herausgegeben.
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9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 6'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 9'134.20 Auslagen Vorverfahren
Fr. 2'331.40 Kosten unentgeltliche Rechtsverbeiständung
Fr. 14'846.65 amtl. Verteidigungskosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Verlangt keiner der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, er-
mässigt sich die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, werden zu
einem Viertel dem Beschuldigten auferlegt und zu drei Vierteln auf die
Staatskasse genommen. Von der Kostenauflage ausgenommen sind die
Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerschaft 3, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
11. (Mitteilungen)
12. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 105 S. 13)
1. Von der Rechtskraft der von E._, D._ und C._ nicht an-
gefochtenen Schuldsprüche sowie der gegen E._ ergangenen und
staatsanwaltschaftlich ebenfalls nicht angefochtenen Freisprüche sei
Kenntnis zu nehmen;
2. Der Beschuldigte C._ sei wegen mehrfachen Einbruchdiebstählen
– es handelt sich dabei um jenen vom 1. Juni 2012 in die Bahnhofstati-
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on F._/ZH (= Hauptdossier) und jenen vom 17./18. Juli 2012 in
das A._ B._ AG (= Nebendossier 1) – im Sinne der Anklage-
schrift vom 25. September 2013 schuldig zu sprechen;
3. Der Beschuldigte E._ sei mit 3 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen,
unter Anrechnung der bisher erstandenen Haft von 681 Tagen (bis zum
17.6.2014); ferner sei er mit einer Busse von Fr. 700.– zu bestrafen;
4. Dem Beschuldigten E._ sei der teilbedinge Strafvollzug zu verwei-
gern;
5. Die Beschuldigte D._ sei mit 3 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen,
unter Anrechnung der bisher erstandenen Haft von 177 Tagen;
6. Der Beschuldigten D._ sei der teilbedingte Vollzug der Freiheits-
strafe zu gewähren, wobei der unbedingt und der bedingt vollziehbare
Anteil auf je 1 1⁄2 Jahre festzusetzen sei, unter Ansetzung einer dreijäh-
rigen Probezeit;
7. Der Beschuldigte C._ sei mit einer Zusatzstrafe von 2 Jahren und
4 Monaten (= 28 Monate) zu den mit Urteil des BG Weinfelden vom 9.
Oktober 2012 ausgefällten 32 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen,
unter Anrechnung der erstandenen Haft von 385 (bis 21.3.2014; seither
im Vollzug früherer Urteile, bis dann in Haft in vorliegender Sache) Ta-
gen.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten C._:
(Urk. 106 S. 1)
1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 12. November 2013
(DG130087) sei zu bestätigen und der Beschuldigte entsprechend vom
Vorwurf des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB,
der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
und des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 freizu-
sprechen;
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betreffend den Vorwurf der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sei er im Sinne des erstinstanzlichen Ur-
teils schuldig zu sprechen.
2. Die vom Bezirksgericht Bülach mit Urteil vom 12. November 2013 aus-
gefällte Strafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe zum
Urteil des Bezirksgerichtes Weinfelden vom 09. Oktober 2012 sei zu
bestätigen. Ebenso seien die Kostenfolgen zu bestätigen.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten E._:
(Urk. 108 S. 1)
1. Der Beschuldigte E._ sei mit nicht mehr als 18 Monaten Freiheits-
strafe zu bestrafen, unter Anrechnung der Haft und des vorzeitigen
Strafvollzugs.
2. Dem Beschuldigten sei der teilbedingte Strafvollzug zu gewähren. Der
Vollzug der Freiheitsstrafe sei zur Hälfte aufzuschieben und zur Hälfte
zu vollziehen (bei einer 18-monatigen Freiheitsstrafe je im Umfang von
neun Monaten).
3. Dem Beschuldigten sei für den die Höhe der zu fällenden Freiheitsstra-
fe übersteigenden Teil des erlittenen vorzeitigen Strafvollzugs eine an-
gemessene Genugtuungsleistung zuzusprechen.
4. Alles unter Kosten zulasten der Gerichtskasse.
d) Der Verteidigung der Beschuldigten D._:
(Urk. 109 S. 2)
Das Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon vom 24. September 2013 gegen
D._ sei in allen Punkten zu bestätigen, und die diesbezüglichen Beru-
fungsanträge der Staatsanwaltschaft seien vollumfänglich abzuweisen.
Der Berufungsgegnerin seien keine Kosten aufzuerlegen.
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Am 12. November 2013 fällte die Vorinstanz das oben wiedergegebene Ur-
teil (Urk. 82). Es wurde den anwesenden Parteien im Anschluss an die Hauptver-
handlung mündlich eröffnet und im Dispositiv übergeben; an die Privatkläger wur-
de es versandt (Prot. I S. 20). Dagegen meldete die Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich (fortan: Staatsanwaltschaft) mit rechtzeitiger Eingabe vom
13. November 2013 (Poststempel: 14. November 2013) die Berufung an, die Pri-
vatklägerin 2 ebenso innert Frist mit Schreiben vom 22. November 2013 (Urk. 55;
Urk. 63 i.V.m. Art. 51 S. 2; Art. 399 Abs. 1 StPO). Das begründete Urteil ging der
Staatsanwaltschaft am 28. Januar 2014 zu (Urk. 81 S. 5), und sie reichte am
6. Februar 2014 fristgerecht die schriftliche Berufungserklärung ein (Urk. 85;
Art. 399 Abs. 3 StPO). Eine schriftliche Berufungserklärung der Privatklägerin 2,
die das begründete Urteil ebenfalls am 28. Januar 2014 in Empfang nahm
(Urk. 81 S. 3), ist nicht eingegangen.
1.2. Am 3. Februar 2014 gingen die Akten am Obergericht ein. Mit Präsidialver-
fügung vom 27. Februar 2014 wurde dem Beschuldigten und den Privatklägern
eine Kopie der Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft zugestellt, und es wur-
de ihnen Frist zur Anschlussberufung bzw. zum Antrag auf Nichteintreten auf die
Berufung angesetzt. Der Beschuldigte und die Privatklägerin 2 liessen innert Frist
den Verzicht auf Anschlussberufung erklären (Urk. 89; Urk. 98).
1.3. Mit Eingabe vom 18. März 2014 stellte die Staatsanwaltschaft den Antrag,
den Beschuldigten in Sicherheitshaft zu versetzen, nachdem dessen Untersu-
chungshaft in einem weiteren, zwischenzeitlich neu eröffneten Strafverfahren am
24. März 2014 ablaufe (Urk. 91 und 92/1-6). In der Folge ergab sich, dass beim
Amt für Justizvollzug (fortan: JuV) noch 161 durch den Beschuldigten aus frühe-
ren Strafen zu verbüssende Tage Freiheitsstrafe offen waren (Urk. 95). Mit Verfü-
gung des JuV vom 20. März 2014 wurde dem Beschuldigen die bedingte Entlas-
sung aus der Gesamtfreiheitsstrafe von 31 Monaten abzüglich 781 Tage bereits
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erstandenen Freiheitsentzugs (zur Berechnung vgl. Urk. 97 S. 1 f.) verweigert,
und er wurde auf den Zeitpunkt der Entlassung aus der Untersuchungshaft im
zwischenzeitlich eröffneten Strafverfahren, mithin per 24. März 2014 (Urk. 91
S. 4), in den Vollzug der Reststrafe von 161 Tagen versetzt (Urk. 97 S. 3). In der
Folge wurde hierorts auf den Antrag der Staatsanwaltschaft vom 18. März 2014
zufolge Gegenstandslosigkeit nicht eingetreten (Urk. 99).
1.4. Am 9. April 2014 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den
17. Juni 2014 vorgeladen. Nach dieser Verhandlung, zu welcher heute der Be-
schuldigte C._ sowie die im Prozess SB140047 Beschuldigten E._ und
D._ mit ihren jeweiligen Verteidigern erschienen sind, ist das Verfahren
spruchreif (Prot. II S. 5 ff.).
2. Prozessuales
2.1. Die Privatklägerin 2 hat nach ihrer Berufungsanmeldung vom 22. November
2013 keine schriftliche Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO
eingereicht. Auf ihre Berufung ist daher androhungsgemäss (vgl. Urk. 82 S. 40)
nicht einzutreten.
2.2. Unangefochten geblieben sind die Dispositivziffern 1 (Schuldspruch betref-
fend einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB), 5
(Verweisung der Schadenersatzforderung der Privatklägerin 1 auf den Zivilweg), 6
(Abweisung der Schadenersatzforderung der Privatklägerin 2), 7 (Verpflichtung
des Beschuldigten, dem Privatkläger 3 Fr. 1'500.– Genugtuung zuzüglich Zins zu
bezahlen), 8 (Herausgabe Mobiltelefon) und 9 (Kostenfestsetzung) des erstin-
stanzlichen Urteils. Dieses ist somit insoweit rechtskräftig, was mittels Beschluss
festzustellen ist.
2.3. Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Eingabe vom 6. Februar 2014
(Urk. 85 S. 2), das vorliegende Berufungsverfahren mit dem Berufungsverfahren
betreffend das Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon vom 24. September 2013 (Pro-
zessnummer SB140047-O) zu vereinigen. Mit letzterem Urteil sei die Beschuldig-
te D._ u.a. des Einbruchdiebstahls vom 1. Juni 2012 in die Bahnhofstation
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F._, mittäterschaftlich begangen mit dem Beschuldigten, schuldig gespro-
chen worden. Ebenso sei sie der Hehlerei und Geldwäscherei für die Entgegen-
nahme von Deliktsgut und den Umtausch von ...-Checks aus dem vom Beschul-
digten am 17./18. Juli 2012 begangenen Einbruchdiebstahl in das A._
B._ schuldig gesprochen worden. Dieser offensichtliche Widerspruch mache
es erforderlich, die beiden Berufungsverfahren zu vereinigen.
Es ist indessen kein überzeugender Grund ersichtlich, das vorliegende Verfahren
mit dem separat geführten Verfahren SB120047 gegen E._ und D._ zu
vereinigen. Der blosse Umstand, dass die Staatsanwaltschaft gegen den erstin-
stanzlich erfolgten Freispruch für C._ Berufung erhoben hat und der diesbe-
züglich relevante Sachverhalt auch im Verfahren gegen D._ zu beurteilen ist,
lässt eine Vereinigung der Verfahren nicht notwendig erscheinen. Dies umso we-
niger, als die Berufungsverhandlungen in beiden Verfahren parallel vor der erken-
nenden Kammer durchgeführt werden, wodurch widersprüchliche Urteile vermie-
den werden können. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Vereinigung der ge-
nannten Verfahren ist deshalb abzuweisen.
2.4. Sodann stellte die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 6. Februar 2014 den
Beweisergänzungsantrag (Urk. 85), dass Akten aus dem zwischenzeitlich neu er-
öffneten Strafverfahren gegen den Beschuldigten in die vorliegenden Verfahrens-
akten zu integrieren seien. Jenes neue Strafverfahren beziehe sich auf einen dem
Beschuldigten zur Last gelegten Einbruchdiebstahl in eine ...-Schule an der ...-
Strasse ... in Zürich ... vom 16./17. Juli 2012 und auf einen Einbruchdiebstahl
(wiederum) in das A._ B._ AG in Zürich 10 vom 21./23. Juli 2012. Die
diesen beiden Einbruchdiebstählen zugrunde liegenden Ermittlungen und Unter-
suchungshandlungen hätten Erkenntnisse erbracht, die auch die im vorliegenden
Berufungsverfahren zu prüfenden Einbrüche in die Bahnhofstation F._ und
das A._ B._ erhellen würden (vgl. Urk. 92/1-6 sowie Urk. 94/1-23). Fer-
ner stellte die Staatsanwaltschaft den Antrag, als weiteres Beweismittel die am
28. Januar 2014 durch G._ (Geschäftsführerin des A._s B._; vgl.
Urk. 63) eingereichte Werbetragtasche der SBB als Vergleichstasche (deutsche
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Fassung und französische Fassung) zu den Akten reichen zu können (Urk. 85
S. 3 f.).
Mit Schreiben vom 17. März 2014 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass im neuen
Strafverfahren hinsichtlich des Einbruchs in das A._ B._ eine Verfah-
renseinstellung erfolgen werde. Betreffend den Einbruch in die ...-Schule in Zü-
rich ... werde hingegen Anklage beim Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich er-
hoben werden (Urk. 94/1 S. 1 f.). Im Weiteren reichte die Staatsanwaltschaft zum
Vergleich ein Set Werbeplastiksäcke der SBB ein (französische und italienische
Fassung; vgl. Urk. 94/1 S. 3; Urk. 101).
Dem Beweisergänzungsantrag der Staatsanwaltschaft ist stattzugeben. Die ent-
sprechenden Unterlagen werden zu den Akten erhoben.
3. Sachverhalt
3.1. Der Beschuldigte bestreitet im Berufungsverfahren nach wie vor die beiden
ihm vorgeworfenen Einbruchdiebstähle in die Bahnhofstation F._ vom 1. Juni
2012 und in das A._ B._ vom 17./18. Juli 2012 (HD und ND 1). Es ist
daher im Folgenden zu klären, ob ihm diese beiden Sachverhalte rechtsgenügend
nachgewiesen werden können. Die Vorinstanz hat zutreffende Ausführungen zu
den Regeln der Beweiswürdigung gemacht, auf welche verwiesen werden kann
(Urk. 82 S. 6 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Anklagevorwürfe
3.2.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten im Hauptdossier (HD) vor,
aufgrund gemeinsamer Absprache und in gemeinsamem Zusammenwirken mit
D._ am Freitag, 1. Juni 2012, um ca. 02.11 Uhr einen Einbruchdiebstahl in
die Bahnhofstation F._ verübt, dabei Bargeld (Schweizer Franken, Euro, US-
Dollar) im Gesamtwert von Fr. 58'837.10 sowie ...-Checks im Wert von insgesamt
Fr. 8'650.– erbeutet und einen Sachschaden in der Höhe von Fr. 8'100.– verur-
sacht zu haben (Urk. 23).
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3.2.2. Unter Nebendossier 1 (ND 1) wird dem Beschuldigten vorgeworfen, in der
Nacht von Dienstag/Mittwoch, 17./18. Juli 2012, unter Hinterlassung eines Sach-
schadens an Türen und Schränken im Wert von ca. Fr. 6'320.– und ohne Berech-
tigung in die Räumlichkeiten des Reisebüros der Firma A._ B._ an der
...-Strasse ... in Zürich ... eingedrungen zu sein, um dort Bargeld im Gesamtwert
von ca. Fr. 28'253.30 und ...-Checks im Wert von rund Fr. 17'970.– zu entwenden
(HD Urk. 23).
3.3. Beweismittel
An Beweismitteln liegen die Aussagen des Beschuldigten und seiner angeblichen
Mittäterin D._ – seiner damaligen Freundin und heutigen Ex-Freundin – so-
wie diejenigen von D._s Freundin H._ vor. Ebenso dienen die Fotos, die
auf D._s Mobiltelefon sichergestellt werden konnten, als Beweismittel. Auf
die von der Staatsanwaltschaft eingereichten Unterlagen aus einem neuen, gegen
den Beschuldigten laufenden Verfahren ist an passender Stelle einzugehen.
3.4. Aussagen von D._
3.4.1. Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 6. Juni 2012 (Urk. 4/2), die sich
um den fingierten Raubüberfall vom 29. April 2012 zusammen mit E._ und
H._ im Bahnhof I._ drehte (vgl. Anklageschrift im Verfahren SB140047,
Anklagepunkt I.), wurde D._ auch auf den Einbruchdiebstahl in die Bahn-
hofstation F._ angesprochen, der am 1. Juni 2012 und somit nur fünf Tage
vor jener Befragung stattgefunden hatte. Sie erklärte, darüber am Vortag per Mail
orientiert worden zu sein. Es treffe zu, dass sie am Freitag, 1. Juni 2012, in
F._ gearbeitet habe (Urk. 4/2 S. 9 f.). Im Übrigen erklärte D._, sie arbei-
te seit Januar 2011 regelmässig am SBB-Schalter in I._. Sie sei dort zu 80 %
angestellt; die restlichen 20 % arbeite sie in der Region Zürich bei SBB-
Bahnhöfen als "Ablöserin", einfach gerade da, wo jemand fehle (Urk. 4/2 S. 2).
Sie habe nunmehr (drei Monate im Voraus) per Ende Juni 2012 gekündigt, da sie
mit ihrer Freundin H._ im September 2012 für sechs Wochen nach Ägypten
in die Ferien wolle. Für nachher suche sie eine neue Stelle im Personalwesen
(Urk. 4/2 S. 8; vgl. auch Urk. 4/5 S. 2).
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3.4.2. Am 14. August 2012 um 6.10 Uhr wurde D._ verhaftet und mit Verfü-
gung vom 15. August 2012 in Untersuchungshaft versetzt (SB140047, Urk. 23/1
und 23/6).
3.4.3. Auch anlässlich der polizeilichen Befragung vom 14. August 2012 (Urk. 4/3)
blieb D._ dabei, dass sie vom Einbruch in F._ eigentlich nichts wisse.
Sie habe zu 100 % nichts damit zu tun. Ihr Tresorschlüssel sei zu Hause gewesen
(Urk. 4/3 S. 17 ff.). Auf Frage erklärte sie, sie sei seit Anfang oder Mitte Mai 2012
mit C._ zusammen. Das genaue Datum, an welchem sie zusammengekom-
men seien, sei ihr nicht mehr so präsent. Jedenfalls habe sie C._ am 20. Ap-
ril 2012 (dem Tag des fingierten Raubüberfalls im Bahnhof I._) nicht getrof-
fen, da sie ihn damals noch gar nicht gekannt habe (Urk. 4/3 S. 13 f.).
3.4.4. Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 21. August 2012 erklärte
D._ mit Bezug auf den Einbruch in F._ wiederum, sie habe zwar Kennt-
nis von diesem Vorfall, selber habe sie aber nichts damit zu tun. Auch wenn sie
über den Schlüssel und den Code für den Zugang zum Stationsbüro am Bahnhof
F._ verfügt habe, seien diese mit Sicherheit nicht für den Einbruch verwendet
worden, da sich diese immer bei ihr befunden hätten (Urk. 4/6 S. 7). Dieselben
Aussagen wiederholte sie in der polizeilichen Befragung vom 4. September 2012
(Urk. 4/8 S. 8 f.).
3.4.5. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 9. November
2012 (Urk. 4/12) legte D._ schliesslich vorerst ein Geständnis betreffend den
fingierten Raubüberfall im Bahnhof I._ ab. Sie habe diesen zusammen mit
H._ und E._ begangen (diese beiden hatten schon einige Zeit vorher
Geständnisse abgelegt). Sie bereue dies. Der Grund, weshalb sie nicht früher ge-
standen habe, liege darin, dass sie befürchtet habe, bei einem Geständnis auch
in die Strafverfahren bezüglich F._ und A._ B._ involviert zu wer-
den. Mit diesen beiden habe sie aber nichts zu tun. Auch C._ habe mit
F._ und B._ nichts zu tun (Urk. 4/12 S. 2). Wenn sie gegenüber
H._ etwas Entsprechendes angedeutet habe, dann sei dies unzutreffend ge-
wesen bzw. dann habe sie ihre Freundin angelogen bzw. dann lüge H._
(Urk. 4/12 S. 8 ff.).
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3.4.6. In der polizeilichen Befragung vom 15. November 2012 (Urk. 4/13) gab
D._ schliesslich vorerst den Einbruch in den Bahnhof F._ vom 1. Juni
2012 zu, wobei sie diesen aber alleine verübt habe. Sie erklärte detailliert die Ab-
läufe und führte aus, damals unter erheblichem Kokaineinfluss gestanden zu sein
und nicht genau gewusst zu haben, was sie tue. Sie wisse auch nicht mehr, wie
hoch die Beute gewesen sei, da sie diese nie gezählt habe. Mit dem Einbruch ins
A._ B._ habe sie jedoch wirklich nichts zu tun. Sie wisse davon auch
nichts. Wenn sie gegenüber H._ etwas Entsprechendes angetönt habe (so
auch, dass sie mit C._ "zwei Sachen" gemacht habe), sei dies falsch gewe-
sen. Sie wisse nicht, ob der Beschuldigte den Einbruch ins A._ B._ ver-
übt habe. Sie glaube das nicht (Urk. 4/13 S. 2 ff.).
3.4.7. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit H._ (und E._) ei-
nen Tag später, mithin am 16. November 2012 (Urk. 4/14), erklärte D._ er-
neut, der Beschuldigte habe mit sämtlichen Vorgängen nichts zu tun. Vielmehr er-
klärte sie unvermittelt, sie selbst sei für die Vorfälle in I._, F._ und Zü-
rich-B._ verantwortlich. Wenn sie Aussagen gegenüber H._ betreffend
Deliktsgut und Beteiligung des Beschuldigten gemacht habe, träfen diese nicht zu
oder würden auf einer Verwechslung beruhen bzw. habe sie H._ teilweise
auch angelogen (Urk. 4/14 S. 10). Deswegen entspreche die Aussage H._' –
dass sie (D._) ihr (H._) gegenüber von "zwei Sachen" gesprochen ha-
be, die sie gemacht habe – doch der Wahrheit. Sie wolle indessen nicht vor
E._ und H._ Aussagen zu den Einbrüchen in F._ und B._ ma-
chen (Urk. 4/14 S. 10).
3.4.8. Im Anschluss an die Konfrontationseinvernahme mit H._ erklärte
D._ in einer separaten Einvernahme am 16. November 2012 (Urk. 4/15) er-
neut, sie habe den Einbruch in F._ "ganz allein" verübt. Vom Einbruch in Zü-
rich-B._ wisse sie zwar, sie sei aber nicht am Tatort selbst gewesen, sondern
habe in der Nähe gewartet. Sie habe damals sehr viele Drogen konsumiert (das
meiste Geld aus ihren Beuteanteilen sei in den Kokainkonsum geflossen), d.h.
konkret Kokain. Als sie einmal an der Langstrasse Drogen gekauft habe, sei sie
mit zwei Drogenabhängigen namens J._ und K._ in Kontakt gekommen.
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Sie hätten dann zu dritt den Einbruch in B._ begangen. Der Beschuldigte sei
an den fraglichen Vorgängen nicht beteiligt gewesen.
3.4.9. Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 28. November 2012 erklärte
D._ zunächst nochmals, der Einbruch in Zürich-B._ sei durch J._
und K._ verübt worden, während sie bei einem "Spunten" in der Nähe gewar-
tet habe (Urk. 4/16 S. 9 f.). Sie führte auch aus, ab Mitte Mai 2012 mit dem Kon-
sum von Kokain begonnen zu haben, zunächst nur an den Wochenenden. Es sei
aber mehr und mehr geworden, bis sie – H._, C._ und K._ –
schliesslich sicher für Fr. 3'000.– pro Abend konsumiert hätten. Mehrheitlich habe
sie mit K._ konsumiert, mit H._ nur einmal. Für Fr. 3'000.– habe sie je-
weils ca. 30 Gramm gekauft, evtl. auch etwas weniger. Daneben habe sie auch
Marihuana und Alkohol konsumiert (Urk. 4/16 S. 2 f.). Unmittelbar vor dem Ein-
bruch in B._ habe sie, auf den ganzen Abend verteilt, ca. vier bis fünf Linien
Kokain konsumiert, ihre beiden Mittäter K._ und J._ etwa gleich viel
(Urk. 4/16 S. 3). Im Verlauf der Einvernahme – nachdem ihr vorgehalten worden
war, dass anhand der RTI ihres Handys keine Kontakte zu Drogendealern hätten
ermittelt werden können, dass sie darüber hinaus zur Tatzeit in Winterthur gewe-
sen sein müsse, und dass falsche Anschuldigung ein Straftatbestand sei (vgl.
Urk. 4/16 S. 12 ff. und RTI-Anhang auf S. 24) – fragte sie schliesslich, ob sie ihre
Aussagen ändern könne. Sie führte dann aus, dass die vorher gemachten Aussa-
gen allesamt gelogen gewesen seien. Richtig sei, dass C._ den Einbruch in
B._ verübt habe. Sie sage dies erst jetzt, weil sie den Beschuldigten habe
schützen wollen. Sie wisse von seinen Problemen und wolle nicht, dass er noch
mehr Probleme bekomme. Zudem habe sie nicht als Verräterin dastehen wollen.
Tatsächlich sei sie während des Einbruchs des Beschuldigten in den Bahnhof
B._ zu Hause in Winterthur gewesen. Sie wisse, dass der Beschuldigte die-
sen Einbruch alleine verübt habe; jedenfalls habe er ihr dies zuvor so gesagt. Wie
er das machen werde, habe er ihr nicht gesagt. Von der Beute habe er ihr ein
paar Tage später bei ihm zu Hause die ...-Checks im Wert von Fr. 16'000.– sowie
Bargeld über ca. Fr. 6'000.– gegeben. Genau wisse sie es aber nicht mehr. Rich-
tig sei, dass sie Kokain konsumiert habe, aber nicht im geltend gemachten Aus-
mass. Insgesamt dürfte sie für ca. Fr. 6'000.– konsumiert haben, einmal mit
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H._ zusammen, ansonsten mit dem Beschuldigten und anderen Leuten, mit
denen sie jeweils zusammen gewesen sei. Sie habe das Kokain meistens von
unbekannten Dealern gekauft, wenn sie mit dem Beschuldigten unterwegs gewe-
sen sei. Beim Einbruch in F._ sei C._ hingegen nicht dabei gewesen;
diesen habe sie alleine verübt (Urk. 4/16 S. 14 ff.).
3.4.10. Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 11. Dezember
2012 (Urk. 4/17) bestätigte D._ ihren Aussagen betreffend den vom Be-
schuldigten verübten Einbruch ins A._ B._. Zudem gestand sie neu ein,
dem Beschuldigten die "Mittel" für den Einbruch in den Bahnhof F._ zur Ver-
fügung gestellt zu haben. Zum Einbruch in F._ sei es gekommen, als sie
dem Beschuldigten vom fingierten Raubüberfall in I._ erzählt und ihm gesagt
habe, dass sie auch für die Bahnhofstation F._ über Schlüssel zum Gebäude
und über den Code für den Tresor verfügen würde. Auf Frage, wer die Idee zu
diesem Einbruch gehabt habe, meinte sie, sie glaube, das sei schon sie gewesen.
Sie habe jedoch keine grossen Überredungskünste anwenden müssen, bis der
Beschuldigte einverstanden gewesen sei. Er sei dann jedenfalls in der fraglichen
Nacht nach F._ gegangen und habe dort den Einbruch verübt – alleine, sie
wüsste nichts davon, dass noch jemand beteiligt gewesen wäre. Sie sei derweil
zu Hause in Winterthur gewesen (Urk. 4/17 S. 2 f.). Wie er an den Tatort gelangte
und wie der Einbruch ablief, wisse sie jedoch nicht – darüber hätten sie nie detail-
liert gesprochen. Schlüssel und Code habe sie ihm wohl an ihrem letzten Arbeits-
tag in F._ übergeben, d.h. am 30. Mai 2012, bei ihm zu Hause. Ihren Anteil
an der Beute habe sie wiederum ein paar Tage später bei ihm zu Hause erhalten.
Auf Frage, wie sie nur einen Monat nach I._, woraus sie doch immerhin etwa
Fr. 23'000.– erhalten habe, auf die Idee gekommen sei, auch noch in F._
einzubrechen, meinte D._, sie könne das auch nicht erklären. Das Geld sei
eben schneller weg gewesen, als man denke. Beim Einbruch in F._ habe sie
etwa mit einem Beuteanteil von Fr. 30'000.– gerechnet; sie habe ja gewusst, wel-
cher Geldbetrag etwa im Tresor gewesen sei. Wie viel Beute der Beschuldigte
schliesslich gemacht habe, wisse sie nicht mehr. Sie habe alle ...-Checks erhal-
ten, weil der Beschuldigte diese ja gar nicht habe verwenden können. Sie habe
sie aber umtauschen können, was sie ja dann – in I._, wo sie bis Ende Juli
- 16 -
2012 gearbeitet habe – auch gemacht habe. Die Höhe von Fr. 8'650.– dürfte etwa
stimmen; dazu habe sie wohl nochmals soviel Bargeld in Noten bekommen. Sie
wisse wirklich nicht mehr, wie C._ ihren Beuteanteil festlegte bzw. was er
selber für sich behielt. Sie hätten dieses Geld später ja weitgehend auch zusam-
men ausgegeben und aufgebraucht – für Kleider, Schuhe, Auswärtsessen, Partys
(Urk. 4/17 S. 3 ff.). Sie habe auch noch Kolleginnen Geld gegeben sowie ihrem
Bruder, der ihr immer ausgeholfen habe. Zudem habe sie ihrem Vater etwas zu-
rückgegeben, der ihr die "Poltergruppe" bezahlt habe. Der Beschuldigte habe viel
für sich gekauft und die Familie und Kollegen unterstützt. Sie habe C._ ein-
fach die örtlichen Verhältnisse geschildert, d.h. wo er in das Gebäude hineinge-
hen solle, wo sich der Tresor befinde und wo und wie er den Code eingeben
müsse. D._ schilderte auch detailliert, was sie dem Beschuldigten gesagt
habe, u.a., dass für den Tresor möglicherweise eine nicht deaktivierbare Zeitsper-
re bestehe, die bei Öffnung der Tür zu einem Alarm führe, und auch, dass rund
um den Schalterraum ein Fenster sei, so dass von aussen ein guter Einblick in
diesen Raum bestehe (Urk. 4/17 S. 5 f.). C._ habe ihr gesagt, dass er die
Codetastatur beim Tresor und bei der Türe eingeschlagen habe; sie nehme an,
mit einem Hammer. D._ wurde gefragt, warum sie die Tat in der Befragung
vom 15. November 2012 (vgl. Urk. 4/13, Fragen 1-18) auf sich als Alleintäterin
genommen habe (Urk. 4/17 S. 7). Sie führte aus, sie habe vieles erfunden. Ferner
habe sie das, was sie dem Beschuldigten erklärt habe, als ihre Tat geschildert.
Sie habe aber C._ nicht aufgefordert, die Codetastaturen zu beschädigen. Er
habe ihr nachher hievon erzählt. Deswegen habe sie dies nachher auch als ihre
eigene Tat beschreiben können. Sie habe am 15. November 2012 bezüglich
F._ nicht die Wahrheit gesagt, weil sie C._ nicht habe verraten wollen.
Auf Frage, warum sie dann aber gleichentags C._ bezüglich B._ bereits
als Täter belastet habe, führte D._ aus, dass Herr L._ (der befragende
Polizist) ihr gesagt habe, dass sie nun zusammen an den Tatort in B._ gehen
würden. Dort könne sie ihm dann die örtlichen Verhältnisse schildern und ihm zei-
gen, wo sie die erfundenen J._ und K._ getroffen habe, wo sie draussen
auf sie gewartet habe etc. Das wäre ihr aber gar nicht möglich gewesen, und sie
hätte sich nur noch mehr in Schwierigkeiten gebracht. Deswegen habe sie dann
- 17 -
gesagt, dass C._ den ... Einbruch begangen habe. Sie wisse das so genau,
weil er es ihr vorher gesagt habe. Nachher habe er ihr dann auch die ...-Checks
aus diesem Einbruch gegeben. Auf Vorhalt, dass fraglich sei, ob sie an jenem
Abend tatsächlich zu Hause in Winterthur gewesen sei, weil sie ausgerechnet
damals das Natel ausgeschaltet habe, führte D._ aus, dass sie das gemacht
habe, weil C._ sie entsprechend instruiert habe. Er habe dies damit begrün-
det, dass so nicht eruiert werden könne, wo sie sich in jener Nacht aufgehalten
habe (Urk. 4/17 S. 7 ff.). Auf Frage, warum sie beim ... Einbruch eigentlich nicht
mitgegangen sei, antwortete D._, dass der Beschuldigte dies von ihr nicht
verlangt habe, und weil sie auch nicht diejenige sei, die persönlich einen Einbruch
begehe. Dem Schlussvorhalt des Leitenden Staatsanwalts, dass sie nun schon so
viel gelogen habe, dass er ihr diese Version nun auch nicht abnehme, entgegnete
D._, dass es für sie ja gar keinen Unterschied mache, ob sie bei diesem Ein-
bruch persönlich dabei gewesen sei oder nicht. Sie sei sich bewusst, dass sie im
Fall F._ Mittäterin von C._ sei (Urk. 4/17 S. 11).
3.4.11. Bei der Befragung vom 10. Januar 2013 (Urk. 4/18) blieb D._ bei ih-
ren Geständnissen betreffend die Tatausübungen in F._ und B._ durch
C._. Sie fügte an, dass sie für den Beschuldigten vom Eingang des Bahnhofs
B._ noch ein Video mit ihrem Handy gedreht habe. Den Code habe sie
C._ schriftlich überreicht. Ansonsten wisse sie nicht mehr, wann genau die
Instruktionsgespräche stattgefunden hätten; sie hätten sicher mehr als nur einmal
über diesen Einbruch gesprochen, und dies dort, wo sie gerade gewesen seien
(Urk. 4/18 S. 1 f.). Auf weiteres Befragen, warum sie selber beim Einbruch in
F._ nicht dabei gewesen sein wolle, führte D._ aus, der Grund sei, dass
C._ sie nicht hätte dabei haben wollen. Es sei nie die Rede davon gewesen,
dass sie bei diesem Einbruch aktiv mitmachen werde. Ein Mitmachen ihrerseits
sei auch vor dem Hintergrund, dass sie den Schlüssel und die Codes für die Tat
zur Verfügung gestellt habe und dies bei einem allfälligen Erwischtwerden offen-
kundig gewesen wäre, ausser Frage gestanden (Urk. 4/18 S. 7 f.).
- 18 -
3.4.12. Bei diesen Aussagen blieb D._ auch in der Schlusseinvernahme vom
5. Februar 2013 und der Ergänzung dazu vom 25. Februar 2013 (Urk. 4/19 und
4/20).
3.4.13. Am 6. Februar 2013, 16.30 Uhr, wurde D._ aus der Untersuchungs-
haft entlassen (SB140047, Urk. 37 S. 2). C._ wurde seinerseits am 1. März
2013 um 21.40 Uhr in ... Zürich, ...-Strasse (vor Kirche), verhaftet und in Unter-
suchungshaft versetzt (Urk. 17/14; Urk. 17/22). Er war zu diesem Zeitpunkt als
Beifahrer in einem Audi-Personenwagen unterwegs, in welchem auch D._
mitfuhr (Urk. 17/14 S. 2).
3.4.14. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. April 2013 bestätig-
te D._ in Anwesenheit des Beschuldigten nochmals ihre Aussagen betref-
fend dessen Taten in F._ und B._ (Urk. 2/4 S. 4 ff.). Zudem schilderte
sie ihr Verhältnis zum Beschuldigten. Sie habe diesen durch dessen Freund
E._ (den damaligen Freund von H._) kennengelernt. Sie wisse nicht,
wie sie heute ihr Verhältnis zu C._ bezeichnen solle. Zum Treffen am Ver-
haftstag des Beschuldigten sei es durch einen Anruf des Beschuldigten gekom-
men. Der Sinn des Treffens sei gewesen, sich wieder zu sehen. Sie hätten über
sich gesprochen, wie es ihnen beiden gehe und so. Es treffe zu, dass sie dem
Beschuldigten zu dessen Geburtstag am tt. April 2013 eine Geburtstagskarte in
die Haft habe zukommen lassen. Ebenso bestätigte D._ den Vorhalt des
Staatsanwalts, dass sie doch in ihrem eigenen Strafverfahren erklärt habe, dass
sie die Beziehung zum Beschuldigten als beendet betrachte und diese jedenfalls
nicht mehr aufrecht erhalten wolle. Zum Treffen sei es gleichwohl gekommen, weil
– so D._ – sie sich "anders entschieden" habe (Urk. 2/4 S. 2 f.). Auf Frage,
ob es ihr heute eigentlich Mühe mache, auszusagen, antwortete D._ mit "ja,
sicher"; "weil es so ist". Sie wies indessen den Vorhalt des Staatsanwalts zurück,
welcher den Eindruck hatte, dass ihr die Tränen ständig zuvorderst stehen wür-
den (Urk. 2/4 S. 4). Neu führte D._ an, dass sie dem Beschuldigten auch Fo-
tos des Tresors, des Büros, einfach vom Tatort in der Bahnhofstation F._ ge-
zeigt habe. Dies, damit er wisse, wie es am Tatort aussehe. Diese Fotos habe sie
gemacht, während sie dort in der Woche vor dem Einbruch gearbeitet habe. Sie
- 19 -
befänden sich auf ihrem alten Natel, welches beschlagnahmt worden sei. Sie ha-
be ihm auf den Fotos gezeigt, wo die Codes eingegeben werden mussten
(Urk. 2/4 S. 5 ff.) Sie sei von einer Beute von ca. Fr. 40'000.– ausgegangen.
C._ habe ihr zuvor gesagt, dass er diesen Einbruch in der folgenden Nacht
begehen würde. Später habe er ihr dann den Schlüssel wieder zurückgegeben.
Nach dem Einbruch habe sie ihn aber nicht gefragt, und sie hätten eigentlich nicht
gross darüber gesprochen. Es treffe zu, dass sie Bargeld von ca. Fr. 7'000.– bis
Fr. 8'000.– und ...-Checks im Wert von insgesamt Fr. 8'650.– erhalten habe.
Nach seinem eigenen Beuteanteil habe sie den Beschuldigten nicht gefragt; das,
was sie erhalten habe, habe ihr gereicht. Auf Frage, warum sie in der polizeilichen
Einvernahme vom 15. November 2012 den Einbruch in F._ auf sich selbst
genommen habe, erklärte D._, sie habe fälschlicherweise so ausgesagt, um
niemand anderen – das heisst C._ – beschuldigen zu müssen. Auch die
sonstigen früheren Falschaussagen (z.B. betreffend J._ und K._) habe
sie getätigt, um C._ nicht zu verraten. Sie habe ab dem 11. Dezember 2012
die Wahrheit gesagt, weil sie habe aus der Untersuchungshaft entlassen werden
wollen. Sie glaube, dass sie bezüglich der ... Beute einmal etwas zu H._ ge-
sagt habe; sie wisse aber nicht mehr, was genau. Auf Vorhalt von H._s Aus-
sage (wonach D._ ihr gesagt habe, die in ihrem Besitz befindlichen ...-
Checks über ca. Fr. 16'000.– stammten aus dem Einbruch in B._, und sie
hätten "zwei Sachen" gemacht) erwiderte D._, das stimme wahrscheinlich
schon. Ebenso richtig sei H._s Aussage, wonach sie jener erklärt habe, dass
C._ "B._ gemacht" habe (Urk. 2/4 S. 8 ff.).
3.4.15. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 13. Mai 2013 bestätigte
D._ in Anwesenheit von C._ ihre Aussagen vom 15. April 2013, mithin
die Taten des Beschuldigten in F._ und B._ (Urk. 2/7 S. 2 und 6 f.).
Wenn der Beschuldigte ausgesagt habe, dass sie ihn falsch beschuldige, so
stimme dies nicht (Urk. 2/7 S. 5 f.). Sie wisse hingegen nicht mehr, wer von ihnen
beiden die Idee zum Einbruchdiebstahl in B._ gehabt habe (Urk. 2/7 S. 4).
Auf Vorhalt, dass der Beschuldigte ihre angeblichen falschen Aussagen damit be-
gründe, dass sie eifersüchtig gewesen sei, weil er nicht wie E._ mit H._
24 Stunden mit ihr zusammen gewesen sei, erwiderte D._, dass es sie natür-
- 20 -
lich geärgert und "angeschissen" habe, dass er im Gegensatz zu E._ und
H._ nicht so viel Zeit mit ihr verbracht habe. Sie sei oft eifersüchtig und "häs-
sig" gewesen. Aber sie habe die Wahrheit gesagt. Es sei – auf entsprechenden
Vorhalt des Staatsanwalts – nicht so, dass sie ihn habe in die Pfanne hauen wol-
len, nachdem sie festgestellt habe, dass sein Interesse an einer Beziehung nicht
dasselbe gewesen sei wie dasjenige von E._ gegenüber H._ (Urk. 2/7
S. 6). Wenn C._ behaupte, dass sie am 15. April 2013 auch deshalb falsch
ausgesagt habe, weil sie aus der Untersuchungshaft habe entlassen werden wol-
len, so habe sie sicher aus der Haft entlassen werden wollen, aber deswegen ha-
be sie nicht falsch ausgesagt. Sie habe H._ gegenüber hingegen nicht ge-
sagt, dass sie (D._) "zwei Sachen" gemacht habe (Urk. 2/7 S. 8).
3.4.16. Mit Datum vom 4. Juni 2013 richtete sich D._ schriftlich an den
Staatsanwalt, um ihre Aussagen erneut zu ändern. Sie schrieb, sie habe den Ein-
bruchdiebstahl in F._ alleine begangen, und sie habe C._ falsch ange-
schuldigt. Dieser habe ihr auch die ...-Checks nicht gegeben. Und vom Einbruch-
diebstahl in B._ vom 17./18. Juli 2012 habe sie erst nach ihrer Verhaftung
(am 14. August 2012) erfahren (SB140047, Urk. 52/6.1). Der Staatsanwalt stellte
diese Eingabe D._s am 18. Juni 2013 ihrem Verteidiger zu (SB140047,
Urk. 52/6.2). Dieser teilte dem Staatsanwalt dann am 5. Juli 2013 mit, D._
würde ihre Eingabe vom 4. Juni 2013 als gegenstandslos erklären und an ihren
Belastungsaussagen doch wieder festhalten. Weitere fünf Tage später teilte der
Verteidiger indessen mit, D._ habe in ihrer Eingabe vom 4. Juni 2013 doch
die Wahrheit gesagt (SB140047, Urk. 52/6.3; vgl. auch Urk. 2/10 S. 3).
3.4.17. D._ bestätigte all dies in einer weiteren staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme am 7. August 2013 in Anwesenheit des Beschuldigten – ausser, dass
es nicht zutreffe, dass sie ihrem Verteidiger zwischenzeitlich gesagt habe, dass
sie an ihren Belastungsaussagen festhalte. Sie nehme somit auch heute ihre Be-
lastungen zurück; diese würden nicht stimmen. Auf Frage, warum sie sie dann zu
Protokoll gegeben habe, erwiderte D._, sie habe aus dem Gefängnis kom-
men wollen und selber nicht richtig gewusst, was sie hätte tun sollen. Sechs Mo-
nate im Gefängnis seien eine lange Zeit für sie gewesen. Ausserdem – so
- 21 -
D._ – habe sie den Staatsanwalt so verstanden, dass er ihr immer gesagt
habe, dass er ihr nicht glaube, dass sie das (alleine) gemacht habe, sondern dass
es der Beschuldigte gewesen sei. Auf Frage des Staatsanwalts, warum sie dann
ihre Belastungen C._s auch noch nach ihrer Entlassung am 15. April 2013
sowie am 13. Mai 2013 aufrecht erhalten habe, führte D._ aus, sie habe ge-
wollt, dass "das Ganze ein Ende" habe. Sie sei jetzt draussen, und es müsse wei-
tergehen für sie, sie habe diese Geschichte abschliessen wollen. Aber sie sei
nicht damit klargekommen, dass sie draussen und jemand anders "für sie" im Ge-
fängnis sei (Urk. 2/10 S. 3 f.). Sie sei nicht von jemandem unter Druck gesetzt
worden, ihre Belastungsaussagen zu widerrufen. Sie habe am Anfang mit dem
Vater und der Mutter des Beschuldigten Kontakt gehabt. Sie sei auch mal bei den
C._s zu Hause gewesen, wo neben Vater und Mutter auch ein Bruder anwe-
send gewesen sei. Aber diesen Kontakt habe sie dann abgebrochen, weil sie mit
all dem abschliessen wolle (Urk. 2/10 S. 4). Die ...-Checks über Fr. 16'000.–
stammten auch nicht von B._ oder I._, sondern von F._. Es sei
zwar schon so, dass sie H._, als jene vermutlich einige Tage nach dem
1. Juni 2012 (d.h. dem Einbruch in F._) diese ...-Checks über Fr. 16'000.–
gesehen habe, gesagt habe, dass diese aus einem Einbruch mit C._ in
B._ stammten. Sie könne sich daran heute zwar nicht mehr erinnern, bestrei-
te aber H._s Aussagen auch nicht. Auf Frage, wie sie denn auf B._ ge-
kommen sei, meinte sie, sie habe häufig mit B._ zu tun gehabt, nur schon
wegen dem Beschuldigten, der ja dort gewohnt habe. Sie sei fast täglich dort ge-
wesen. Deshalb sei sie auf B._ gekommen. Zu diesem Zeitpunkt sei in
B._ noch gar nicht eingebrochen worden – dass ein solcher Einbruch kurz
darauf erfolgt sei, sei ein "krasser Zufall" (SB140047, Urk. 52/6.1). Auf Vorhalt des
Staatsanwalts, dass er nicht verstehe, warum sie H._ damals angelogen ha-
be, sagte D._, sie verstehe das auch nicht. Sie habe keine Erklärung dafür.
Sie habe ihr nicht die Wahrheit sagen wollen (Urk. 2/10 S. 5 f.). Auf Vorhalt des
Staatsanwalts, wonach ihre Geschichte nicht aufgehe, weil in F._ nur ...-
Checks über ca. Fr. 4'060.– abhanden gekommen seien, während es in B._
solche im Wert von ca. Fr. 17'970.– gewesen seien, erwiderte D._, dass sie
das alles nicht wisse und sich an diese Beträge nicht erinnern könne. Alle würden
- 22 -
von Zahlen sprechen, aber sie habe von Anfang an gesagt, dass sie nicht wisse,
wie viel weggekommen sei. Einem weiteren Vorhalt des Staatsanwalts in Bezug
auf diese Ungereimtheiten wich D._ aus und sagte, sie könne nur sagen,
dass diese ...-Checks, auf die H._ sie angesprochen habe, aus dem Ein-
bruchdiebstahl in F._ stammen würden (Urk. 2/10 S. 6 f.). Auf Frage, warum
sie denn C._ bei H._ – aus ihrer Sicht – zu Unrecht beschuldigt habe,
führte D._ aus, sie habe nie gedacht, dass es so weit komme und das alles
auskomme. Zudem habe sie "nicht so viel überlegt". Der Staatsanwalt insistierte
und hielt D._ vor, dass H._ ihre beste Freundin gewesen sei und über-
haupt nicht ersichtlich sei, wieso sie ihr gegenüber ihren Freund zu Unrecht des
Einbruchdiebstahls hätte bezichtigen sollen. D._ antwortete, sie habe ihn
nicht beschuldigen wollen. Sie habe gar nicht so weit überlegt. "Es gibt für vieles
keinen Grund und gleichwohl spricht man" (Urk. 2/10 S. 7). Im weiteren Verlauf
der Einvernahme sagte D._ wiederum, sie denke schon, dass H._ die
Wahrheit gesagt habe und sie (D._) nicht falsch belasten wolle (Urk. 2/10
S. 8). Auch auf die elf Handy-Fotos der Bahnhofstation F._ angesprochen,
führte D._ aus, sie habe diese zwar gemacht und mit dem Gedanken ge-
spielt, ob sie C._ beiziehen solle für einen Einbruch in F._, oder ob sie
diesen alleine oder mit E._ begehen solle. Sie habe die Fotos C._ dann
aber nie gezeigt und diese, so glaube sie, am gleichen Abend wieder gelöscht
(Urk. 2/10 S. 9 f.). Anschliessend schilderte sie wiederum, wie sie den Einbruch in
F._ begangen haben wollte (Urk. 2/10 S. 10 f.). Ihr Handy sei währenddes-
sen ausgeschaltet bei ihr zu Hause gewesen (Urk. 2/10 S. 12).
3.4.18. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung hat D._ im Wesentli-
chen an ihren letzten Aussagen, mithin dem Widerruf des Geständnisses, festge-
halten (Prot. II S. 36 ff.). Auf Frage, warum sie denn – wenn sie behaupte,
C._ nur deshalb beschuldigt zu haben, um aus der Haft entlassen zu werden
– an ihrem Geständnis auch lange nach der Haftentlassung noch festgehalten
habe, wusste D._ keine Antwort (Prot. II S. 38). Auf weitere Frage, ob denn
H._ bei ihren sie (D._) belastenden Aussagen gelogen habe, führte
D._ zunächst einigermassen kryptisch aus: "Das weiss ich nicht. Dazu kann
ich nichts sagen" – um aber nachher sogleich anzufügen, dass ihre (H._s)
- 23 -
Aussagen doch falsch gewesen seien (Prot. II S. 38). Sie bestätigte wiederum,
nach der Haftentlassung Mitte März 2013 "ein bis zwei Mal" beim Vater von
C._ vorbeigegangen zu sein. Dies, obschon sie gar nicht gut mit ihm habe
kommunizieren können, da sie kein Albanisch spreche und er nicht gut Deutsch
(Prot. II S. 40). D._ bestätigte auch, dem Beschuldigten nach ihrer Freilas-
sung noch "einen Pullover, Kleider" im Gefängnis vorbeigebracht zu haben. Das
seien aber keine Geschenke gewesen; sie habe ihm einfach etwas vorbeige-
bracht. Heute hätten sie keinen Kontakt mehr (Prot. II S. 26).
3.5. Aussagen von H._
3.5.1. Im Gegensatz zu D._ gab H._ bereits in der staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme vom 5. September 2012 ihre Beteiligung am fingierten Raub-
überfall auf die Bahnhofstation I._ zu (Urk. 6/3 S. 2). Anlässlich dieser Ein-
vernahme gab sie erstmals zu Protokoll, dass sie von D._ einen ...-Check im
Wert von Fr. 100.– geschenkt erhalten habe, woraufhin ihre Freundin ihr in der
Stube in einer Sporttasche ...-Checks im Gesamtwert von Fr. 16'000.– gezeigt
habe; diesen Betrag habe D._ ausdrücklich erwähnt. Diese ...-Checks habe
D._ wiederum von ihrem Freund C._ geschenkt erhalten. Einige Zeit
zuvor habe ihr D._ vom Rundmail der SBB erzählt, in welchem über den
Einbruchdiebstahl in F._ berichtet wurde. Als sie (H._) die ...-Checks
gesehen habe, habe sie direkt einen Bezug zu diesem Rundmail hergestellt. Ihre
Frage an D._, ob sie mit dem Beschuldigten "etwas gemacht" habe, habe
diese bejaht. Jedoch habe D._ nicht ausdrücklich gesagt, dass das Diebes-
gut aus dem Einbruch in F._ stamme (Urk. 6/3 S. 11 f.). In derselben Einver-
nahme erklärte H._, dass sie ihrer Freundin einen anderen Partner ge-
wünscht hätte. Sie nehme schwer an, dass D._ dem Beschuldigten Schlüs-
sel und Tresorcodes von F._ übergeben habe. Sie nehme auch schwer an,
dass C._ diesen Einbruch dann alleine begangen habe. Dies, weil sie in
I._ ein Vorgehen wie in F._ – mithin einen einfachen Einbruchdiebstahl
– ja genau verworfen hätten; auch D._ habe das verworfen. Dies wäre ihnen
zu riskant gewesen, denn möglicherweise hätte man ja einen benutzten Schlüssel
genau identifizieren können. Und dann wäre klar gewesen, dass es jemand von
- 24 -
der Belegschaft habe sein müssen. Deshalb verstehe sie umso weniger, dass
D._ in F._ so hätte vorgehen können. Ihres Erachtens sei da C._
dahinter (Urk. 6/3 S. 14 ff.). Zum Schluss erklärte H._ auf Ergänzungsfrage
ihres Verteidigers, sie bereue sehr, was sie gemacht habe. Dies sei auch der
Grund, dass sie heute hinstehe und das anerkenne, was sie gemacht habe. In ei-
ner Protokollnotiz wurde dazu festgehalten: "Die Beschuldigte weint sehr"
(Urk. 6/3 S. 18).
3.5.2. In der polizeilichen Einvernahme vom 12. September 2012 und in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Oktober 2012 – dort in Anwesen-
heit von D._ und E._ – blieb H._ bei ihren Aussagen vom
5. September 2012 (Urk. 6/4 S. 12 ff.; Urk. 6/5 S. 13 ff.). Sie sagte im Übrigen, sie
schliesse "vollkommen aus", dass D._ seit der Bekanntschaft mit C._
Kokain konsumiere (Urk. 6/4 S. 14).
3.5.3. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 23. Oktober 2012 erweiterte
H._ ihre Aussagen aus eigenem Antrieb – und gemäss einer entsprechen-
den Protokollnotiz weinend – dahingehend, dass D._ ihr wortwörtlich gesagt
habe, die ...-Checks im Wert von Fr. 16'000.– würden aus dem Einbruch im
Bahnhof B._ stammen, und sie habe diese von ihrem Freund, C._, er-
halten. Im selben Gespräch habe D._ ihr gegenüber zugegeben, dass sie
"zwei Sachen" gemacht habe. Damit sei für sie, H._, klar gewesen, dass
D._ in die Vorfälle Bahnhöfe F._ und Zürich-B._ habe involviert
gewesen sein müssen. D._ habe dies ja alles gar nicht nötig gehabt; sie
könne einfach nicht begreifen, warum sie das gemacht habe. Das alles habe sie,
H._, schon in der Konfrontationseinvernahme bei Staatsanwalt Weder sagen
wollen. Sie habe aber nicht gekonnt, sie habe beim besten Willen nicht gekonnt
(Urk. 6/6 S. 12 f.).
3.5.4. Im Rahmen der polizeilichen Einvernahme vom 30. Oktober 2012 bestätigte
H._ ihre Aussagen vom 23. Oktober 2012, mithin, dass D._ ihr die
Sporttasche mit den ...-Checks im Wert von Fr. 16'000.– gezeigt und auf ihre
Frage, woher diese stammten, gesagt habe, dass C._ "B._ gemacht"
habe. Die Ortschaft B._ habe sie dabei explizit erwähnt. Auf Frage, warum
- 25 -
sie (H._) in der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 5. September 2012
nicht gesagt habe, dass die ...-Checks aus B._ stammten, erwiderte
H._, sie habe anfänglich versucht, die ...-Checks über Fr. 16'000.– mit dem
Einbruch in F._ zu verbinden. Das sei aber wegen der in I._ (gemeint
wohl doch eher F._; vgl. Urk. 6/18 S. 6 Antwort 29) gestohlenen Checkmen-
ge nicht gegangen. Sie habe ganz einfach nicht als Verräterin dastehen wollen
(Urk. 6/18 S. 5 ff.). Es dürfte so gewesen sein, dass D._ ihr die ...-Checks
über Fr. 16'000.– am Mittag des 19. Juli 2012 präsentiert habe (Urk. 6/18 S. 8).
3.5.5. In der Konfrontationseinvernahme mit D._ und E._ vom
16. November 2012 (Urk. 6/19) bestätigte H._ ihre letzteren Aussagen
nochmals. Sie führte aus, dass Staatsanwalt Weder sie in der letzten Konfrontati-
onseinvernahme vom 19. Oktober 2012 ja ziemlich konkret danach gefragt habe,
woher die ...-Checks, die sie im Besitz von D._ gesehen habe, gestammt
hätten. Sie habe ja damals gesagt, diese Checks würden aus dem Einbruch in
F._ stammen. Effektiv hätten sie aber aus dem Einbruch in B._ ge-
stammt. Der Grund für diese Falschaussage sei gewesen, dass sie damals
D._ nicht auch noch mit B._ habe in Zusammenhang bringen wollen. Es
sei ja damals immer nur von F._ die Rede gewesen, und deshalb habe sie
gedacht, dass sie diese ...-Checks auf F._ beziehe – obwohl sie eigentlich
gewusst habe, dass sie aus B._ stammten (Urk. 6/19 S. 3). Es treffe auch zu,
dass D._ ihr gesagt habe, dass sie "zwei Sachen" gemacht habe, was sie
auf F._ und B._ bezogen habe. Auf F._ deshalb, weil D._ sie
einmal auf das Rundmail der SBB betreffend F._ angesprochen habe; auf
B._ wegen des Hinweises von D._ in der gemeinsamen Wohnung, dass
sie die ...-Checks über Fr. 16'000.– von C._ erhalten habe und diese auch
aus dem ... Einbruch [in B._] stammten (Urk. 6/19 S. 6). Zuvor habe sie
D._ tatsächlich nicht mit B._ in Verbindung bringen wollen; diese sei
damals bereits genug "in der Scheisse" gewesen. Jetzt habe sie aber wirklich die
Wahrheit gesagt und wolle niemanden mehr zu Unrecht entlasten (Urk. 6/19 S. 6).
3.5.6. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. April 2013
bestätigte H._ ihre Aussagen vom 16. November 2012 nochmals. Sie bekräf-
- 26 -
tigte mithin, dass die ...-Checks von D._ in der Höhe von Fr. 16'000.– aus
Zürich-B._ gewesen seien, dass D._ diese vom Beschuldigten erhalten
habe und dass sie ihr (H._) gesagt habe, dass C._ B._ gemacht
habe. Auch bestätigte H._, dass D._ gesagt habe, sie habe "zwei Sa-
chen" gemacht, woraus sie geschlossen habe, es müsse sich dabei um F._
und Zürich-B._ gehandelt haben (Urk. 2/5).
3.6. Aussagen des Beschuldigten
3.6.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten im bisherigen Verfah-
ren zutreffend wiedergegeben, worauf vorab verwiesen werden kann (Urk. 82
S. 12 f.). Der Beschuldigte hat, sofern er Aussagen machte, die Einbruchsvorhalte
in F._ und B._ konstant bestritten. Auf Frage, warum ihn D._ der
Einbrüche bezichtige, erklärte er, dass vermutlich Eifersucht eine Rolle spiele;
D._ habe sich von ihm ausgenutzt gefühlt (Urk. 2/2 S. 8). D._ lüge; sie
sei wohl eifersüchtig, weil er sich nicht so oft gemeldet und nicht so oft mit ihr ab-
gemacht habe. Er habe ihr zu wenig Liebe gezeigt. Er sei – anders als E._
mit H._ – nicht 24 Stunden am Tag mit D._ zusammen gewesen. Sie
habe ihm ja eine Geburtstagskarte ins Gefängnis geschickt und ihm auch Sachen
gebracht. Er wisse nicht, was sie damit bezweckt habe. Zudem gehe er davon
aus, dass sie falsch ausgesagt habe, weil sie aus der Untersuchungshaft habe
entlassen werden wollen. Sie habe ein paar Mal ihre Aussagen geändert; es sei
ein "Gnusch", er verstehe nichts mehr (Urk. 2/6 S. 3). D._ sage widersprüch-
lich aus und vermöge sich an Sachen nicht mehr zu erinnern, an die man sich
doch erinnern könne. Wenn er etwas gemacht habe, dann stehe er auch dazu. So
habe er sich bis jetzt immer verhalten. Auf Vorhalt des Körperverletzungsvorwurfs
im Club M._ vom 14. Oktober 2012 (Anklagevorwurf ND 2) erklärte der Be-
schuldigte allerdings auch mehrfach, davon nichts zu wissen. Es sei auch schon
lange her. Er erinnere sich nicht an einen solchen Vorfall. Er sei kein Schlägertyp.
Wenn er im Club M._ eine Schlägerei gehabt hätte, würde er sich erinnern.
Aber es sei nicht so (Urk. 2/8 S. 2; Urk. 2/11 S. 2). Er habe D._ deshalb am
Verhaftstag getroffen, weil er ihr habe erklären wollen, dass es fertig sei zwischen
ihnen (Urk. 2/8 S. 2). Vor Vorinstanz blieb der Beschuldigte bei diesen Aussagen
- 27 -
(Prot. I S. 9). Am Anfang sei die Beziehung mit D._ gut gewesen. Sie habe
ihn aber zu fest kontrollieren wollen, sei eifersüchtig gewesen. Sie habe ihn zu
fest geliebt, "so fest geht gar nicht". Darum habe er die Beziehung beendet. Es
habe aber vor seiner Verhaftung keine Spannungen gegeben, und auch heute
bestünden keine Differenzen. Sie seien heute einfach Kollegen. Er könne sich
auch nicht erklären, warum sie ihn verschiedentlich belastet und dann ihre belas-
tenden Aussagen wieder widerrufen habe. Er erinnere sich nicht daran, ob ihm
seine Eltern erzählt hätten, dass D._ sie und einen seiner Brüder einmal be-
sucht habe. H._ habe ihn nie gemocht; sie hätten aber nie Spannungen ge-
habt (Prot. I S. 10 f.).
3.6.2. Im Berufungsverfahren wollte der Beschuldigte auf Vorhalt des Körperver-
letzungsvorwurfs im Club M._ nichts mehr sagen (Prot. II S. 27 f.). Sodann
blieb er dabei, dass er mit den Einbruchdiebstählen in die Bahnhofstation F._
vom 1. Juni 2012 und ins A._ B._ vom 17./18. Juli 2012 nichts zu tun
habe. In D._ sei er nicht verliebt gewesen. Er habe vor der Verhaftung von
D._ im Sinn gehabt, die Beziehung aufzulösen. Er habe ihr dies indes nicht
direkt gesagt, aber "Andeutungen" gemacht und sich weniger gemeldet. Es treffe
aber wohl zu, dass D._ zu diesem Zeitpunkt noch das Gefühl hatte, es sei
noch gut. Heute habe er mit D._ keinen Kontakt mehr, aber sie hätten auch
keinen Streit oder Differenzen (Prot. II S. 28 ff.). Auf Vorhalt, ob es zutreffe, dass
er D._ – wie diese in der Untersuchung erwähnte – aus dem ... Einbruch [in
B._] ...-Checks und Bargeld gegeben habe, erwiderte der Beschuldigte, da-
zu wolle er nichts sagen (Prot. II S. 31).
3.7. Weitere Beweismittel
Auf dem sichergestellten Mobiltelefon Samsung Galaxy S II (Urk. 10/7) von
D._ wurden elf Fotos aussortiert, welche sich auf die Bahnhofstation F._
als Tatort eines Einbruchdiebstahls beziehen. D._ wies in einigen Einver-
nahmen darauf hin, dass sie dem Beschuldigten anhand dieser Fotos den Tatort
beschrieben habe (z.B. Urk. 2/4 S. 5 f.; Fotos in Urk. 10/1).
- 28 -
3.8. Würdigung
3.8.1. D._ ist vom vorliegenden Strafverfahren indirekt betroffen und dürfte
daher ein – legitimes – Interesse haben, die Geschehnisse in einem für sie güns-
tigen Licht erscheinen zu lassen. Deshalb sind ihre Aussagen, soweit sie sich sel-
ber als unschuldig darstellt, mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen. Zu berück-
sichtigen ist sodann, dass der teilweise Widerruf ihres Geständnisses nur hin-
sichtlich der Hehlerei sowie der Geldwäscherei in Bezug auf die ...-Checks aus
dem A._ B._ (vgl. SB140047, Anklagevorwürfe IV. und V.) dazu führt,
dass sie sich selber aus der strafrechtlichen Verantwortlichkeit zieht. Hingegen
belastet sie sich betreffend den Einbruchdiebstahl in F._ noch mehr, indem
sie zuallerletzt ausführte, diesen alleine begangen zu haben. Auffällig ist, dass es
sich bei den widerrufenen Aussagen in erster Linie um die C._ belastenden
Depositionen handelt. Da D._ und C._ bis zu ihrer Verhaftung am
14. August 2012 ein Liebespaar waren (vgl. SB140047, Prot. I S. 71), sind ihre
C._ entlastenden Aussagen ebenfalls mit einer gewissen Vorsicht zu würdi-
gen.
3.8.2. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von H._ ist festzuhalten, dass diese
und D._ seit der Oberstufe beste Freundinnen sind (vgl. SB140047, Prot. I
S. 34 und S. 47). Aufgrund der freundschaftlichen Beziehung ist jedoch nicht von
dadurch beeinflussten Aussagen auszugehen, belastet doch H._ auch ihre
Freundin mit ihren Aussagen erheblich. Umgekehrt ist bei H._ aber auch kein
Interesse ersichtlich, D._ fälschlicherweise zu belasten. Somit spricht grund-
sätzlich nichts gegen ihre Glaubwürdigkeit. Es gilt jedoch zu beachten, dass
H._ in der Untersuchung betreffend Prozess-Nummer SB140047 lediglich als
Beschuldigte und somit weder als Auskunftsperson noch als Zeugin einvernom-
men wurde. Erst im vorliegenden, gegen C._ geführten Strafverfahren wurde
sie am 15. April 2013 als Auskunftsperson und damit unter der Strafdrohung der
Art. 303-305 StGB einvernommen, wobei sie in der damaligen Einvernahme die
wesentlichen, D._ und auch C._ belastenden Aussagen wiederholte.
3.8.3. In erster Linie ist jedoch nicht die prozessuale Stellung der Befragten mass-
gebend, sondern der materielle Gehalt ihrer Schilderungen. Nach herrschender
- 29 -
Lehre und Rechtsprechung ist auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen abzustellen.
Zu achten ist auf Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Unter-
treibungen, auf Widersprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinrei-
chenden Zahl von Realitätsmerkmalen und das Fehlen von Lügensignalen (Ben-
der, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81,
S. 53 ff.; Bender/Nack, Tatsachenfeststellung vor Gericht, München 2007,
3. Auflage, N 310 ff.; Hermanutz/Litzcke, Vernehmung in Theorie und Praxis,
Stuttgart/München/Hannover/Berlin/Weimar/Dresden 2009, 2. Auflage, S. 24 ff.
und S. 169 ff.).
3.8.4. In Bezug auf die Würdigung der Aussagen von H._ ist festzuhalten,
dass darin weder beachtliche Widersprüche noch konkrete Hinweise auf Lügen
ersichtlich sind. Nachvollziehbar und unter dem Einfluss von glaubhaften Emotio-
nen hat sie ausgesagt, wie ihr D._, nachdem ihr diese einen ...-Check über
Fr. 100.– geschenkt habe, in der gemeinsamen Stube die Sporttasche mit den
Checks im Wert von Fr. 16'000.– gezeigt habe, welche sie von C._ erhalten
habe, der B._ "gemacht habe". Verständlich ist auch H._s Erklärung da-
für, warum sie gegenüber dem Staatsanwalt, bei dem zunächst immer nur von
F._ die Rede gewesen sei, vorerst noch versucht hatte, die ...-Checks über
Fr. 16'000.– als "..." Checks zu verkaufen. Es ist leicht nachvollziehbar, dass sie
ihre schon in Schwierigkeiten steckende Freundin zunächst nicht weiter verraten
bzw. dass sie sie von einem weiteren Diebstahl fernhalten wollte. Dass die ...-
Checks über Fr. 16'000.– aber tatsächlich aus B._ stammen, deckt sich mit
dem Umstand, dass nur dort eine solche Menge an Checks gestohlen wurde.
Glaubhaft ist auch H._s Aussage mit den "zwei Sachen", die D._ ge-
macht habe, zumal D._ selber diese Aussage zuallermeist bzw. auch noch
ganz am Schluss, trotz der widerrufenen Beschuldigungen, gar nicht bestritt (vgl.
oben E. 3.4.17). Nachfolgend wird schliesslich sogleich aufzuzeigen sein, dass
H._s Schluss, es müsse sich bei den "zwei Sachen" um F._ und
B._ gehandelt haben, entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 82 S. 12) nicht
bloss auf irgendwelchen Spekulationen basierte, sondern dass ihr Eindruck – den
sie in Bezug auf F._ dadurch gewann, dass D._ sie einmal auf ein
Rundmail der SBB betreffend den Einbruch in F._ angesprochen habe – tat-
- 30 -
sächlich den Tatsachen entsprach. Es bestehen auch keine Hinweise, dass
H._ ihre Freundin zu Unrecht der Mitwirkung in F._ und B._ belas-
ten würde, zumal dies auch D._ – sogar nach dem finalen Rückzug ihres
Geständnisses – selber gar nicht behauptet (vgl. oben E. 3.4.16., Einvernahme
vom 7. August 2013: "Haben Sie den Eindruck, H._ wolle Sie falsch belas-
ten?" "Nein, das glaube ich nicht." – "Sagt sie [H._] Ihres Erachtens die
Wahrheit?" "Ich denke schon, dass sie die Wahrheit sagt"; Urk. 2/10 S. 8). Auch
heute hat D._ diesbezüglich wiederum sehr widersprüchlich ausgesagt (vgl.
oben E. 3.4.18. bzw. Prot. II S. 38). Auch zog D._ mit der sie stark belasten-
den H._ Mitte 2013, d.h. nach dem gesamten Untersuchungsverfahren, in
eine neue gemeinsame Wohnung (Prot. II S. 23). Auch dies spricht dafür, dass
H._ die Wahrheit gesagt hat; wäre bei einer Falschbezichtigung doch eher
die Kündigung der Freundschaft zu erwarten gewesen. Ins Leere zielen auch die
Ausführungen der Verteidigung, dass H._ C._ überhaupt nicht gemocht
bzw. sogar gehasst habe, weshalb ihre Aussagen mit höchster Vorsicht zu würdi-
gen seien (Urk. 106 S. 4) – hat H._ doch nicht primär C._, sondern vor
allem ihre Freundin belastet. Die Aussagen von H._ sind nach dem Gesag-
ten als glaubhaft zu werten.
3.8.5. Das Aussageverhalten von D._ wirft auf den ersten Blick ein schlech-
tes Licht auf die Glaubhaftigkeit ihrer Depositionen. Sie änderte ihre den Beschul-
digten zunächst begünstigenden Aussagen schrittweise bis ins Gegenteil, d.h. bis
zur vollumfänglichen Beschuldigung betreffend die Taten in F._ und B._
– und hernach wieder zurück. Zu beachten ist jedoch, dass sie vom
11. Dezember 2012 bis zum Widerruf ihrer den Beschuldigten belastenden Aus-
sagen am 4. Juni 2013 – und damit insbesondere auch während der beiden Kon-
frontationseinvernahmen mit C._ vom 15. April 2013 und vom 13. Mai 2013 –
ein halbes Jahr lang vollumfänglich geständig war bzw. den Beschuldigten im
Sinne der Anklageschrift belastete. Diese Aussagen sind denn auch als ihre zu-
verlässigsten zu werten, da sie mit den glaubhaften Aussagen von H._ über-
einstimmen und sich auch zu einem in sich stimmigen Ganzen fügen. Demge-
genüber stehen ihre anfänglichen Aussagen zugunsten des Beschuldigten bzw.
- 31 -
der Widerruf ihres Geständnisses, was alles – wie sogleich zu zeigen sein wird –
völlig unglaubhaft erscheint.
3.8.5.1. In Bezug auf den Diebstahl in F._ vom 1. Juni 2012 um ca. 2.11 Uhr
gab D._ anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 15. November 2012
eine sehr detaillierte Schilderung betreffend die – angeblich alleine ausgeführte –
Tat zu Protokoll (Urk. 4/13 S. 2). Detailreiche, konkrete Schilderungen sind zwar
grundsätzlich Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen. Bei näherer Betrachtung
ihrer Aussagen betreffend die Sachverhaltsversion "Alleintäterschaft" fällt aller-
dings auf, dass diverse Ungereimtheiten und Widersprüche auszumachen sind.
So gab D._ anlässlich der Einvernahme vom 15. November 2012 betreffend
Art und Zeit der Fahrt nach F._ zu Protokoll, am Donnerstag, 31. Mai 2012,
um ca. 22.00 Uhr mit dem Zug von Winterthur nach F._ gefahren zu sein. Im
Bereich der Bushaltestelle habe sie gewartet, bis niemand mehr zugegen gewe-
sen sei. Um ca. 2.00 Uhr habe sie sich dann zum Diensteingang begeben
(Urk. 4/13 S. 2). Demgegenüber führte sie in ihrem "Widerrufsschreiben" vom
4. Juni 2013 sowie anlässlich der Einvernahme vom 7. August 2013 aus, sie sei
gegen 1.00 Uhr mit einem Taxi von Winterthur nach F._ gefahren
(SB140047, Urk. 52/6/1; Urk. 2/10 S. 10). Auch in Bezug auf das Werkzeug, mit
welchem sie die entsprechenden Sachbeschädigungen am Tatort angerichtet ha-
be, machte sie unterschiedliche Angaben. Gemäss ihren Aussagen vom
15. November 2012 will sie die Eingabetastatur des Tresors sowie die Bediensta-
tion mit einem Hammer demoliert haben (Urk. 4/13 S. 2), wohingegen sie gemäss
ihren Angaben vom 4. Juni 2013 und vom 7. August 2013 die Beschädigungen
mit einem Schraubenzieher verursacht haben will (SB140047, Urk. 52/6/1;
Urk. 2/10 S. 10).
3.8.5.2. Im Weiteren fällt auf, dass D._ gewisse spezielle Details des Tatab-
laufs in F._ nicht mehr wiedergeben konnte. Gemäss Polizeirapport der Kan-
tonspolizei Zürich vom 10. August 2012 wurde der Kassenschrank sowohl innen
als auch aussen mit Feuerlöschschaum besprüht; gleiches passierte mit diversen
vor dem Kassenschrank liegenden Geldscheinbehältern (Urk. 1/1 S. 4). Zudem
geht aus dem Rapport hervor, dass an Bargeld nebst Schweizer Franken und Eu-
- 32 -
ros auch US-Dollars im Umfang von USD 3'158.– gestohlen wurden (Urk. 1/1
S. 7). In der Einvernahme vom 7. August 2013 gefragt, ob sie nebst dem Ein-
schlagen der Eingabetastatur des Tresors sowie des Alarmkastens noch weitere
Schäden verursacht habe, antwortete D._, die beiden Schlösser der Ein-
gangstür und der Tür zum Schalterraum, den Alarmkasten beim Tresor sowie
denjenigen beim Eingang kaputt gemacht zu haben. Ansonsten, so glaube sie,
habe sie nichts kaputt gemacht (Urk. 2/10 S. 11). Konkret auf das Einschäumen
des Kassenschrankes mittels Feuerlöscher angesprochen, führte sie aus, sie
könne sich nicht erinnern, dies gemacht zu haben. Sie sei damals in einem ande-
ren Film und "sicher unter Kokaineinfluss" gewesen (Urk. 2/10 S. 12). Auch in Be-
zug auf die entwendeten Währungen gab sie lediglich Schweizer Franken und Eu-
ros an. Sonst erinnere sie sich an keine Währungen. Konkret damit konfrontiert,
dass auch US-Dollars von über USD 3'000.– entwendet worden seien, meinte sie
dann, dies könne gut möglich sein (Urk. 2/10 S. 11).
3.8.5.3. Wie bereits erwähnt, sprechen Differenzen zwischen verschiedenen Aus-
sagen sowie Erinnerungslücken noch nicht automatisch für die Unwahrheit. Die
vorliegenden Widersprüche und Erinnerungslücken betreffen aber nicht irgend-
welche Nebensächlichkeiten, sondern markante Elemente wie das benutzte
Werkzeug, um Spuren zu verwischen und Beschädigungen anzurichten. Auch an
die entwendeten Währungen hätte D._ sich erinnern müssen. Schliesslich
behauptete sie, das erbeutete Bargeld für "Kleider, Schuhe, Taschen, Ferien,
Ausgang, alles möglich" ausgegeben zu haben (Urk. 2/10 S. 11) – also hätte sie
auch die US-Dollars vor dem Ausgeben in die hiesige Währung umtauschen
müssen, was im Gedächtnis hätte haften bleiben sollen. Ebenso ist merkwürdig,
dass D._ sich darin widerspricht, wie sie von zu Hause zum Tatort gelangte.
Soweit sie ihre Erinnerungslücken auf den Kokainkonsum zurückführt, ist festzu-
halten, dass sich aus dem Untersuchungsbericht des Instituts für Rechtsmedizin
vom 14. Dezember 2012 ergibt, dass ein nennenswerter Konsum von Kokain und
anderen Betäubungsmitteln im Zeitraum von ca. Mitte Mai bis Mitte August 2012
und von ca. Mitte August bis Mitte November 2012 ausgeschlossen werden kön-
ne (SB140047, Urk. 15/5 S. 3). Demzufolge stellen ihre Aussagen – zumindest
hinsichtlich des von ihr geltend gemachten Konsumausmasses – eine Lüge dar.
- 33 -
Die genannten Widersprüche und Erinnerungslücken lassen ihre diesbezüglichen
Aussagen unglaubhaft erscheinen und sprechen deutlich dafür, dass D._ am
Tatort in F._ nicht selber zugegen war.
3.8.5.4. Auf die Tatbeteiligung von C._ und damit auf den Wahrheitsgehalt
der von D._ im Zeitraum vom 11. Dezember 2012 bis 13. Mai 2013 gemach-
ten Aussagen deuten zudem die auf dem sichergestellten Handy "Samsung Ga-
laxy S II" von D._ vorhandenen Fotos von den Innenräumlichkeiten des
Bahnhofsgebäude F._ hin (vgl. SB140047, HD Urk. 52/7/1). Diese Fotos,
insbesondere diejenigen des Tresors und der Alarm-Code-Eingabestation, erge-
ben lediglich dann einen Sinn, wenn damit ein Zweittäter über die Beschaffenheit
der Räumlichkeiten bzw. des Tatorts orientiert werden sollte. D._ erklärte in
der Einvernahme vom 15. April 2013, C._ anhand der Fotos über den Tatort
orientiert zu haben (vgl. Urk. 2/4 S. 5 f.). Soweit sie diesbezüglich nach dem Wi-
derruf ihres Geständnisses (Urk. 2/10 S. 9 f.) sowie anlässlich der vorinstanzli-
chen Hauptverhandlung in ihrem eigenen Verfahren (SB140047, Prot. I S. 84)
vorbrachte, sie habe sich überlegt, C._ für den Einbruch in F._ anzufra-
gen und ihm die Fotos zu zeigen, was sie dann aber doch nicht getan habe, er-
scheint dies völlig unglaubhaft.
3.8.5.5. Des Weiteren fällt auf, dass H._ glaubhaft aussagte, D._ und
sie hätten bereits bezüglich des Einbruchdiebstahls in I._ erwogen, mit dem
Schlüssel und den Tresorcodes von D._ in den Bahnhof einzudringen. Diese
Idee hätten sie dann aber wieder verworfen, da sie geglaubt hätten, der Schlüssel
sei möglicherweise mit einem Chip bestückt, weshalb die Tat im Nachhinein ein-
fach via Chip-Auswertung hätte rekonstruiert werden können, wodurch sofort klar
gewesen wäre, dass es jemand von der Belegschaft habe sein müssen (vgl.
Urk. 6/3 S. 16). Vor diesem Hintergrund erscheint es seltsam, dass D._ dann
in F._ allein genau entgegen diesen Erwägungen gehandelt haben soll, ob-
wohl die Gefahren zuvor diskutiert worden waren. Dies ruft ebenfalls einige Skep-
sis an der Alleintäterschaft von D._ und ihrer Sachverhaltsdarstellung hervor
bzw. lässt wiederum den Einfluss von C._ naheliegend erscheinen.
- 34 -
3.8.5.6. Hinsichtlich des Diebstahls in B._ ist zu erwähnen, dass D._
auch nach dem Widerruf ihres Geständnisses nach wie vor zugab, H._ ge-
genüber gesagt zu haben, dass die ...-Checks aus dem Einbruchdiebstahl in
B._ stammen würden (Urk. 2/10 S. 5). Wenn sie nun aber neu ausführte,
dass sie die Ortschaft B._ rein zufällig – bevor dann dort tatsächlich der be-
sagte Einbruch passierte – erwähnte, weil sie dort häufig gewesen sei, und dass
sie überhaupt nie von einem Betrag von Fr. 16'000.– gesprochen habe, dann er-
scheint dies geradezu als absurd. Zum einen ist kein Grund ersichtlich – und auch
D._ selber konnte keinen nennen ("Ich habe keine Erklärung dafür, ich wollte
ihr nicht die Wahrheit sagen"; Urk. 2/10 S. 6) – weshalb sie ihre beste Freundin
anlügen und ihr irgendeine frei erfundene Geschichte auftischen sollte. Zum an-
deren ist es völlig unrealistisch, dass H._ von Anfang an von einem Betrag
von Fr. 16'000.– sprach – nota bene, ohne dass ihr gegenüber dieser Betrag er-
wähnt worden sei –, D._ ihr gegenüber wiederum grundlos erwähnte, die ...-
Checks würden aus B._ stammen, und dann später zufällig gerade dort ein
Einbruch verübt wurde, wobei ebenso zufällig ...-Checks im Wert von etwa dieser
Menge, nämlich Fr. 17'970.–, gestohlen wurden. Die finalen Aussagen von
D._ sind völlig unglaubhaft. Der Hinweis auf B._ führt augenscheinlich
nur dann zu einem schlüssigen Ergebnis, wenn er sich auf den tatsächlich am
17./18. Juli 2012 in B._ verübten Einbruchdiebstahl bezieht. Hinzu kommt,
dass die ...-Checks entgegen D._s Aussagen gar nicht aus dem Diebstahl in
F._ stammen können, da dort lediglich solche im Wert von ca. Fr. 8'650.–
entwendet wurden.
3.8.5.7. Auch D._s Erklärung, dass sie die C._ belastenden Aussagen
nur gemacht habe, um endlich aus der Untersuchungshaft herauszukommen, und
weil sie sich von ihm "verarscht" gefühlt habe, vermag nicht zu überzeugen. Ei-
nerseits wurde sie schliesslich erst im Februar 2013 aus der Untersuchungshaft
entlassen, obwohl sie diese Aussagen bereits am 11. Dezember 2012 gemacht
hatte und sodann nach ihrer Haftentlassung immerhin noch vier Monate lang bei
der C._ belastenden Version blieb. Andererseits liess D._ vor der Pfäffi-
ker Vorinstanz ausführen, ihr teilweise chaotisches Aussageverhalten sei auch mit
falschen Loyalitäten gegenüber ihrem Ex-Freund C._ und ihrer Freundin
- 35 -
H._ zu erklären, da sie keinesfalls als Verräterin bzw. "Weichei", das ihre
Freunde verpfeift, habe dastehen wollen (vgl. SB140047, Urk. 55 S. 5). Die Worte
"Verräterin" und "verpfeifen" ergeben aber lediglich dann einen Sinn, wenn
C._ tatsächlich in die vorliegenden Delikte involviert war.
3.8.5.8. Hinzu kommt, dass D._ gemäss eigenen Aussagen im Zeitpunkt ih-
rer Verhaftung sehr verliebt in C._ war (SB140047, Prot. I S. 71), während ih-
rer Untersuchungshaft keinen Kontakt zu ihm hatte, aber nach ihrer Haftentlas-
sung mit der Familie von C._ nach dessen Verhaftung am 1. März 2013 bis
ca. Mitte Mai 2013 Kontakt pflegte (SB140047, Prot. I S. 81). Interessant ist die
offenkundige Abschwächung dieses Kontakts seitens D._: Vor Bezirksgericht
Pfäffikon hatte sie noch ausgeführt, zwei oder drei Mal Kontakt zur Familie
C._ gehabt zu haben. Dieser Kontakt sei zustande gekommen, indem man
miteinander telefoniert habe. Einmal habe sie angerufen, und sicherlich einmal
habe C._s Vater angerufen (als sie dort gewesen sei, hätten sie Nummern
ausgetauscht). Der Kontakt habe erst etwa im Mai 2013 aufgehört, wobei der Va-
ter sie nochmals angerufen, sie aber nicht mehr abgenommen habe (Prot. I
S. 81 f.). In der heutigen Berufungsverhandlung führte D._ dann aus, dass
sie "ein bis zwei" Mal Kontakt zu Vater C._ gehabt habe, danach nicht mehr.
Auf Ergänzungsfrage des Staatsanwalts, ob dort auch über die Straftaten gespro-
chen worden sei, führte D._ aus, nein, sie habe ohnehin nicht gut mit Vater
C._ kommunizieren können, da sie kein Albanisch spreche und er nicht gut
Deutsch. Keinesfalls habe C._ Senior sie beeinflusst, ihre Belastungsaussa-
gen zurückzunehmen. Mitte März 2013 sei sie bei C._s vorbei gegangen,
seither hätten sie keinen Kontakt mehr gehabt (Prot. II S. 40 f.).
3.8.5.9. Betrachtet man alle diese Elemente zusammen, so ist offensichtlich, dass
D._ nach ihrer Verhaftung C._ zunächst lange Zeit aus Liebe schützen
wollte – was sie im Übrigen in der Einvernahme vom 28. November 2012 auch so
ausführte (Urk. 4/16 S. 15) –, sich dann schliesslich zur Wahrheit durchrang, aber
nach ihrer Haftentlassung aus welchen Gründen auch immer die C._ belas-
tenden Aussagen schliesslich am 4. Juni 2013 widerrief.
- 36 -
3.8.5.10. Die einzelnen Auslegungsmomente und Indizien ergeben somit bei einer
Gesamtbetrachtung ein Bild, das mit den von D._ während einem halben
Jahr gemachten Aussagen übereinstimmt. Diesem stimmigen Gesamtbild steht
der teilweise Widerruf ihres Geständnisses gegenüber, welcher durch Widersprü-
che gekennzeichnet ist und sich nicht zu einem logischen Ganzen zusammenfü-
gen lässt. Auf das Geständnis von D._ anlässlich der staatsanwaltschaftli-
chen Schlusseinvernahme vom 5. Februar 2013 (Urk. 4/19) kann deshalb abge-
stellt werden. Es bestehen somit keine erheblichen Zweifel daran, dass C._
den Einbruchdiebstahl in die Bahnhofstation F._ vom 1. Juni 2012 im Sinne
der Anklage nach Absprache und in gemeinsamem Zusammenwirken mit
D._, aber schliesslich alleine und unter Erlangung von Bargeld (CHF, Euro
und USD) über Fr. 58'837.10 sowie ...-Checks über Fr. 8'650.– beging, wobei er
einige Tage später D._ einen Teil der Beute (...-Checks über Fr. 8'650.– und
Bargeld zwischen Fr. 7'000.– und Fr. 8'000.–) übergab. Ebenso wenig bestehen
erheblichen Zweifel daran, dass C._ auch den Einbruch in das A._
B._ AG vom 17./18. Juli 2012 beging, um dort Bargeld im Wert von ca.
Fr. 28'253.30 und ...-Checks über Fr. 17'970.– zu entwenden, wovon er später
D._ wiederum einen Teil (Bargeld von ca. Fr. 6'000.– und ...-Checks von
Fr. 16'000.–) übergab.
3.8.6. Seitens der Staatsanwaltschaft wurden im Berufungsverfahren diverse Un-
terlagen aus einer neuen, gegen den Beschuldigten geführten Strafuntersuchung
zu den Akten gereicht (vgl. oben E. 2.4.). Davon haben die Fotos 5, 6 und 7 vom
18. Juli 2012, frühe Morgenstunden (Urk. 92/5 S. 1-3), schwach indizielle Wir-
kung: Sie zeigen N._ und C._ in seinem Schlafzimmer in der Wohnung
seiner Eltern an der ...-Strasse ... in Zürich ..., und sie zeigen eine gefüllte SBB-
Werbetragetasche und zwei dicke Notenbündel, letztere neben einer Schachtel
oder Truhe, die C._s Neffe für diesen gebastelt hatte (vgl. auch Urk. 105
S. 9 f.). Der Beschuldigte wollte heute zu all dem keine Stellung nehmen (Prot. II
S. 32 f.). Es ist durchaus wahrscheinlich, dass es sich dabei um die Beute aus
dem Einbruch ins A._ B._ vom 17./18. Juli 2012 handelte, und die Fotos
deuten darauf hin, dass der Beschuldigte mit diesem Einbruch, der nur kurz zuvor
stattgefunden hatte, etwas zu tun hatte. Unerheblich für die vorliegende Beweis-
- 37 -
würdigung ist, dass O._, der die Fotos geschossen hatte, diesen Einbruch
(und einen weiteren) in den betreffenden Einvernahmen als Einzeltäter auf sich
genommen hat (vgl. Urk. 105 S. 10 Mitte). Es wurden vorstehend genügend Be-
weise erörtert, die klar für eine Täterschaft von C._ sprechen. Auch, dass
unklar bleibt, ob bei diesem Einbruch noch weitere Beteiligte dabei waren (vgl. die
Verteidigung in Urk. 106 S. 5 ff. i.V.m. Prot. II S. 42 ff.), tut dem vorliegenden Be-
weisergebnis keinen Abbruch.
3.8.7. Der Vollständigkeit halber ist noch wie folgt auf C._s Aussagen einzu-
gehen: Seine Äusserungen blieben im Wesentlichen karg, da er sich weitgehend
darauf verlegte, die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen einfach zu bestreiten.
Es ist aber dennoch darauf hinzuweisen, dass seine Begründung dafür, weshalb
D._ ihn zu Unrecht beschuldige – weil sie eifersüchtig gewesen sei – nicht zu
überzeugen vermag. Wäre dem so gewesen und hätte D._ ihm zu Unrecht
schaden wollen, hätte sie ihm später kaum eine Geburtstagskarte ins Gefängnis
geschickt und ihm Sachen gebracht (vgl. oben E. 3.6.1.). Ebenso wenig auf Eifer-
sucht – sondern vielmehr auf nach wie vor bestehende positive Gefühle – deutet
hin, dass es D._ sichtlich Mühe bereitete, in Anwesenheit des Beschuldigten
zu seinen Ungunsten auszusagen, und dass sie – die einmal gesagt hatte, dass
sie die Beziehung zu C._ nicht mehr aufrecht erhalten würde – später aus-
führte, nicht zu wissen, wie sie ihr Verhältnis heute bezeichnen solle (vgl. oben
E. 3.4.14.). Es ist auch nicht einsichtig, warum D._ sich noch mit der Familie
des Beschuldigten traf, wenn sie ihm derart schlecht hätte gesinnt sein sollen (vgl.
oben E. 3.4.16.). Schliesslich bestehen auch deshalb Zweifel an C._s
Glaubwürdigkeit, weil er in der Untersuchung und vor Vorinstanz mehrfach erklärt
hatte, mit der Schlägerei im Club M._ (Anklageziffer III, ND 2) nichts zu tun
zu haben, den entsprechenden Schuldspruch aber nunmehr im Berufungsverfah-
ren explizit unangefochten liess.
3.8.8. Die eingeklagten Sachverhalte sind somit rechtsgenügend erstellt, weshalb
für die rechtliche Würdigung auf diese abzustellen ist.
- 38 -
4. Rechtliche Würdigung
Die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich würdigt die beiden Einbrüche des
Beschuldigten in rechtlicher Hinsicht als mehrfachen Diebstahl im Sinne von
Art. 139 Ziff. 1 StGB, mehrfache Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB und mehrfachen Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB (Urk. 23
S. 4). Diese rechtliche Würdigung ist zutreffend und wird vom Beschuldigten für
den Fall eines Schuldspruchs auch nicht bestritten (Urk. 106 S. 9, Einschub nach
Ziff. 20). Der Beschuldigte ist demnach überdies des mehrfachen Diebstahls im
Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von
Art. 144 Abs. 1 StGB sowie des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB schuldig zu sprechen.
5. Strafzumessung
5.1. Retrospektive Konkurrenz
5.1.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen
für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe
der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchst-
mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es
an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Hat
das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor er wegen
einer andern Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Wei-
se, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Handlun-
gen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Der Beschuldigte
ist im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB "verurteilt", wenn das Urteil in erster Instanz
verkündet ist, vorausgesetzt, es erwächst in Rechtskraft. Massgebend ist demzu-
folge der Verkündungszeitpunkt des ersten Urteils, nicht dessen Rechtskraft
(Trechsel/Affolter-Eijsten, in: Trechsel/Pieth (Hrsg.), Praxiskommentar zum
Schweizerischen Strafgesetzbuch, Zürich/St. Gallen 2013, N 13 zu Art. 49 StGB).
Absatz 2 von Art. 49 StGB ist vor dem Hintergrund von Absatz 1 zu lesen und
kommt nur bei gleichartigen Strafen zur Anwendung. Die Bildung einer Gesamt-
strafe – und mithin einer Zusatzstrafe – ist somit nur möglich, wenn mehrere
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Geldstrafen, mehrfache gemeinnützige Arbeit, mehrere Freiheitsstrafen oder
mehrere Bussen ausgesprochen werden (BGE 137 IV 57).
5.1.2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Weinfelden vom
9. Oktober 2012 wegen verschiedenster Delikte zu einer Freiheitsstrafe von
32 Monaten verurteilt, wobei deren Vollzug im Umfang von 18 Monaten unter An-
setzung einer Probezeit von 5 Jahren aufgeschoben wurde. Diese Verurteilung ist
in Rechtskraft erwachsen (vgl. Beizugsakten S1.2012.4 des Bezirksgerichts Wein-
felden bzw. SBR.2013.13 des Obergerichts des Kantons Thurgau [Nichteintreten],
Urk. 23). Das Urteil wurde am 9. Oktober 2012 gefällt, aber im Dispositiv erst am
15. Oktober 2012 versandt (vgl. genannte Beizugsakten Urk. 20 S. 7), weshalb es
frühestens per 16. Oktober 2012 als verkündet gilt. Damit gelten alle vom Be-
schuldigten vorliegend begangenen Taten, insbesondere auch die am 14. Okto-
ber 2012 verübte – bereits rechtskräftige – Körperverletzung, als zeitlich vor dem
Weinfelder Urteil begangen. Zudem wird heute, wie zu zeigen sein wird, eine
Freiheitsstrafe und damit die gleiche Strafart wie vor Bezirksgericht Weinfelden
auszusprechen sein. Es ist deshalb heute eine Zusatzstrafe zum Urteil des Be-
zirksgerichts Weinfelden vom 9. Oktober 2012 auszufällen.
5.1.3. Was das Vorgehen in Fällen von sogenannter retrospektiver Konkurrenz
angeht, so ist im späteren Urteil zunächst von einer hypothetischen Gesamtstrafe
für alle Delikte auszugehen. Von dieser ist die im früheren Urteil ausgesprochene
Strafe abzuziehen, woraus sich die Zusatzstrafe ergibt (BGE 6B_882/2008 vom
31. März 2009, E. 1.2 m.H.).
5.2. Strafrahmen
5.2.1. Hat jemand durch eine oder mehrere Handlungen mehrere Freiheitsstrafen
verwirkt, hat der Richter gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB zunächst die schwerste Tat
und unter Berücksichtigung aller Strafzumessungsgründe deren Strafe zu be-
stimmen und diese daraufhin angemessen zu erhöhen. Der Richter ist verpflich-
tet, diesen Strafzumessungsgrund mindestens straferhöhend zu berücksichtigen.
Er kann die Strafe überdies über den gesetzlichen Strafrahmen hinaus schärfen,
wobei er nach der ausdrücklichen Vorschrift des Art. 49 StGB einerseits das
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höchste Mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte überschreiten
darf und andererseits an das Höchstmass der Strafart gebunden ist.
5.2.2. Als schwerste Tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB gilt jene, die gemäss
abstrakter Strafdrohung des Gesetzes mit der höchsten Strafe bedroht ist
(BGE 116 IV 300, E. 2c/bb). Vorliegend ist deshalb vom ordentlichen Strafrahmen
des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB auszugehen. Dieser erstreckt
sich von Geldstrafe bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe. Strafschärfend zu berücksich-
tigen sind die Deliktsmehrheit sowie die mehrfache Tatbegehung. Weitere Straf-
schärfungs- oder Strafmilderungsgründe sind nicht ersichtlich. Gemäss aktueller
Bundesgerichtspraxis führen Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe entge-
gen den vorinstanzlichen Ausführungen (Urk. 82 S. 29) nicht (mehr) automatisch
zu einer Erweiterung des Strafrahmens. Der ordentliche Strafrahmen ist nur zu
verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betref-
fende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint
(BGE 136 IV 55 E. 5.8). Das ist vorliegend nicht der Fall. Für die auszufällende
Strafe ist deshalb von einem Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder
Geldstrafe (bis zu 360 Tagessätzen) auszugehen. Nachdem bereits feststeht,
dass heute eine Freiheitsstrafe auszufällen sein wird, bleibt die theoretisch mögli-
che Geldstrafe fortan ausser Betracht.
5.3. Allgemeine Regeln der Strafzumessung
5.3.1. Die Vorinstanz hat zu den allgemeinen Regeln der Strafzumessung bzw. zu
denjenigen der Tatkomponente zutreffende Ausführungen gemacht, auf welche
verwiesen werden kann (Urk. 82 S. 29 f.).
5.3.2. Ergänzend ist auszuführen, dass die aufgrund der Tatkomponente ermittel-
te Strafe dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Tä-
terkomponenten sowie wegen eines allfälligen blossen Versuchs im Sinne von
Art. 22 Abs. 1 StGB verändert werden kann (BGE 136 IV 55 ff., 62 f., m.w.H.). Zu
den Täterkomponenten (z.B. persönliche Verhältnisse, Vorstrafen, Leumund) ge-
hört auch das Nachtatverhalten eines Täters. Darunter fällt das Verhalten nach
der Tat sowie im Strafverfahren, wie zum Beispiel ein Geständnis, das kooperati-
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ve Verhalten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht
und Reue. Alle diese Elemente wirken strafmindernd (Wiprächtiger, in: Basler
Kommentar Strafrecht I, 2. Aufl., Basel 2007, N 129 ff. zu Art. 47, m.w.H; vgl.
auch Trechsel/Affolter-Eijsten, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Straf-
gesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 22 zu Art. 47).
Aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts ergibt sich, dass nur ein ausgespro-
chen positives Nachtatverhalten zu einer erheblichen Strafreduktion führen kann.
Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an und
aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach Vorhalt
entsprechender Beweise. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich allenfalls
aufdrängen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, weil
die Täterschaft ohnehin bereits überführt gewesen wäre. Bei umfangreichen und
prozessentscheidenden Geständnissen kann die Strafreduktion nach der bundes-
gerichtlichen Praxis hingegen bis zu einem Drittel betragen (BGE 121 IV 202 ff.,
205).
5.4. Konkrete Anwendung in Bezug auf den Beschuldigten
5.4.1. Die vom Bezirksgericht Weinfelden mit Urteil vom 9. Oktober 2012 beurteil-
ten 13 Taten des Beschuldigten, darunter wie heute auch mehrfacher Diebstahl
im Sinne von Art. 139 Abs. 1 StGB (vgl. genannte Beizugsakten, Urk. 23 S. 5),
können in der jenem Urteil angehängten Anklageschrift (a.a.O., AKS S. 3-9 bzw.
Ziff. 1.1.-1.13) nachgelesen werden. Sie wiegen insgesamt in etwa ähnlich schwer
wie die heute zu beurteilenden Taten. Es kann somit von den durch das Bezirks-
gericht Weinfelden beurteilten Delikten ausgegangen werden. Dabei kann den
dortigen zutreffenden Ausführungen zur Strafzumessung vollumfänglich gefolgt
werden (a.a.O., Urk. 23 S. 23-26), so dass von der dort ausgefällten Strafe von 32
Monaten Freiheitsstrafe als Einsatzstrafe auszugehen ist.
5.4.2. Einbruch in die Bahnhofstation F._ vom 1. Juni 2012
Zur Tatkomponente: Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte gezielt und planmässig vorging, indem er sich von D._ vor-
gängig über die örtlichen Verhältnisse im Bahnhofsgebäude orientieren und sich
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von ihr Schlüssel und Codes übergeben liess. Sein Tatbeitrag war dabei als Aus-
führender des Einbruchs – und auch mit Blick auf die Aufteilung der Beute (vgl.
sogleich) – deutlich grösser als jener von D._, die derweil zu Hause in Win-
terthur wartete. Der Beschuldigte erbeutete eine erhebliche Deliktssumme von
insgesamt knapp Fr. 70'000.–, wobei er später davon etwas über ca. Fr. 15'000.–,
mithin nur ca. 20 % der gesamten Beute und insbesondere die ...-Checks, die nur
D._ wieder einfach in Bargeld umtauschen konnte, an seine Freundin weiter-
gab. Er behielt somit ca. Fr. 55'000.– für sich. Er verursachte darüber hinaus
mutwillig einen nicht unerheblichen Sachschaden von über Fr. 8'000.–. In objekti-
ver Hinsicht muss das Verschulden des Beschuldigten als erheblich qualifiziert
werden. Eine Einsatzstrafe von rund 15 Monaten Freiheitsstrafe erscheint ange-
messen. Was die subjektive Tatschwere angeht, so beging der Beschuldigte die
Tat direktvorsätzlich und offensichtlich aus finanziellen Motiven, obwohl er sich
keineswegs in einer wirtschaftlichen Notlage befand (dazu sogleich). Das subjek-
tive Tatverschulden vermag das objektive Tatverschulden des Beschuldigten so-
mit nicht zu relativieren.
5.4.3. Einbruch in das A._ B._ AG vom 17./18. Juli 2012
Zur Tatkomponente: Hier ist im Rahmen der objektiven Tatschwere zu berück-
sichtigen, dass der Beschuldigte eine Beute von insgesamt über Fr. 45'000.–
(Bargeld von Fr. 28'253.30 und ...-Checks von ca. Fr. 17'970.–) machte, wovon er
seiner damaligen Freundin D._ wiederum fast die ganzen ...-Checks im Wert
von Fr. 16'000.– sowie Bargeld über ca. Fr. 6'000.– weitergab. Er behielt hier folg-
lich Bargeld von über Fr. 22'000.– und etwas weniges an ...-Checks für sich, was
wiederum einen ansehnlichen Deliktsbetrag darstellt. Erneut verursachte er einen
nicht unerheblichen Sachschaden an Türen und Schränken von über Fr. 6'000.–.
Das Verschulden wiegt keineswegs mehr leicht bis erheblich. Eine Einsatzstrafe
von rund 11 Monaten Freiheitsstrafe erscheint angemessen. Bei der subjektiven
Tatschwere gilt das Obgesagte, so dass das objektive Tatverschulden wiederum
nicht relativiert wird.
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5.4.4. Einfache Körperverletzung vom 14. Oktober 2012 im Club "M._"
Hier kann betreffend Tatkomponente vollumfänglich auf die zutreffenden Ausfüh-
rungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 82 S. 30 f.). Es ist somit von einem
leichten bis mittelschweren Verschulden auszugehen. Angemessen hierfür er-
scheint eine Einsatzstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe.
5.4.5. Täterkomponente
5.4.5.1. Die Vorinstanz hat zutreffende Ausführungen zum Vorleben und zu den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten gemacht, auf welche vorab verwie-
sen werden kann (Urk. 82 S. 31 f.). Ebenfalls verwiesen werden kann auf die
noch etwas weitergehenden Ausführungen des Bezirksgerichts Weinfelden
(a.a.O., Urk. 23 S. 24 f.). Heute hat der Beschuldigte ausgeführt, dass er sich
nunmehr seit dem 7. April 2014 im Gefängnis in Affoltern am Albis befinde. Er ha-
be nur unregelmässig Arbeit. Wenn er arbeite, erhalte er Fr. 16.– pro Tag. Seine
Eltern und die Familie würden ihn besuchen. Wenn dieses Strafverfahren einmal
beendet sei, wolle er mit seinem Bruder eine Reinigungsfirma eröffnen und dort
tätig sein. Der Bruder habe bereits eine solche Firma und deshalb Erfahrung in
diesem Bereich. Die Frage des Leitenden Staatsanwalts, wo er während seiner
Zeit auf der Flucht (bis zu seiner Verhaftung am 1. März 2013) gewesen sei, woll-
te der Beschuldigte nicht beantworten (Prot. II S. 9 ff.). Aus den persönlichen Ver-
hältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten
Faktoren.
5.4.5.2. Der Beschuldigte ist – aus der Warte, dass seine dritte im Strafregister
(vgl. Urk. 86) aufscheinende Weinfelder Strafe vom 9. Oktober 2012 heute Teil
der Strafzumessung bildet – zweifach vorbestraft, wozu wiederum auf die zutref-
fenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden kann (Urk. 82
S. 32). Die beiden Vorstrafen sind teilweise einschlägig, datieren aber aus den
Jahren 2005 und 2007 und liegen damit bereits länger zurück. Sie wirken sich
demnach in leichtem Masse straferhöhend aus. Das neue laufende Strafverfahren
(vgl. Beilagen Urk. 92 und 94) ist hingegen nicht zu berücksichtigen. Es gilt der
Grundsatz der Unschuldsvermutung. Auch das teilweise Delinquieren (Weinfelder
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Delikte) während laufender Probezeit des Urteils aus dem Jahr 2007 wurde be-
reits im Rahmen der Weinfelder Strafzumessung berücksichtigt (genannte Beizu-
gsakten, Urk. 23 S. 26). Negativ in Betracht fällt hingegen, dass der Beschuldigte
während des laufenden Weinfelder Verfahrens und kurz vor der dortigen Haupt-
verhandlung delinquierte.
5.4.5.3. Zum Nachtatverhalten des Beschuldigten: Betreffend die beiden Einbrü-
che war und ist er ungeständig (Prot. II S. 28), zur Körperverletzung im Club
M._ wollte er sich heute nicht mehr äussern (Prot. II S. 27 f.). Dementspre-
chend können dem Beschuldigten auch weder Reue noch Einsicht attestiert wer-
den. Das Nachtatverhalten wirkt sich demnach nicht zugunsten des Beschuldig-
ten, aber auch nicht zu seinen Ungunsten aus.
5.5. Gesamtwürdigung
Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der verschiedenen Delikte ist von den vorge-
nannten Einsatzstrafen auszugehen und zusätzlich die Täterkomponente in die
Waagschale zu legen:
5.5.1. Die Einsatzstrafe für den Einbruch in F._ beläuft sich auf rund 15 Mo-
nate Freiheitsstrafe. Punkto Täterkomponente fallen die beiden Vorstrafen sowie
das Delinquieren während laufendem Weinfelder Verfahren ins Gewicht, die eine
leichte Straferhöhung rechtfertigen. Entsprechend wäre der Beschuldigte mit einer
Freiheitsstrafe von rund 17 Monaten zu bestrafen.
5.5.2. Die Einsatzstrafe für den ... Einbruch [in B._] beläuft sich auf rund 11
Monate Freiheitsstrafe. Punkto Täterkomponente fallen wiederum die beiden Vor-
strafen sowie das Delinquieren während laufendem Weinfelder Verfahren ins Ge-
wicht, die eine leichte Straferhöhung rechtfertigen. Entsprechend wäre der Be-
schuldigte mit einer Freiheitsstrafe von rund 13 Monaten zu bestrafen.
5.5.3. Die Einsatzstrafe für die Körperverletzung im Club M._ beläuft sich auf
rund 6 Monate Freiheitsstrafe. Punkto Täterkomponente fallen auch hier die bei-
den Vorstrafen sowie das Delinquieren während laufendem Weinfelder Verfahren
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ins Gewicht, die eine leichte Straferhöhung rechtfertigen. Entsprechend wäre der
Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von rund 8 Monaten zu bestrafen.
5.6. Asperation
Die Einsatzstrafe für die Weinfelder Delikte von 32 Monaten Freiheitsstrafe ist
nicht linear, sondern gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB "angemessen" zu erhöhen (As-
perationsprinzip). Es ist mithin keine Kumulation am Platz (vgl. Trechsel/Affolter-
Eijsten, a.a.O., N 7 f. zu Art. 49 StGB). Es rechtfertigt sich, den Beschuldigten für
alle Delikte zusammen mit einer hypothetischen Gesamtstrafe von 60 Monaten
Freiheitsstrafe zu bestrafen.
5.7. Zusatzstrafe
Davon ist die im Weinfelder Urteil ausgesprochene Strafe von 32 Monaten Frei-
heitsstrafe abzuziehen. Entsprechend ist der Beschuldigte heute mit einer Zu-
satzstrafe von 28 Monaten Freiheitsstrafe zum Urteil des Bezirksgerichts Weinfel-
den vom 9. Oktober 2012 zu bestrafen.
5.8. Anrechenbare Haft
Der Beschuldigte sass im vorliegenden Verfahren vom 1. März 2013, 21.40 Uhr
(Urk. 17/14), bis zum 22. Dezember 2013 in Haft (Polizeiverhaft, Untersuchungs-
und Sicherheitshaft; vgl. Urk. 76, insb. Disp.-Ziff. 2), mithin während 297 Tagen,
welche ihm an die heute ausgefällte Zusatzstrafe anzurechnen sind (Art. 51
StGB).
Anschliessend sass er wegen des Verdachts betreffend den Einbruch in die ...-
Schule in Zürich ... in Untersuchungshaft (Urk. 76 S. 4 i.V.m. Urk. 75). Im An-
schluss daran (gemäss Ausführungen der Anklägerin seit dem 21. März 2014; vgl.
Urk. 105 S. 13 Ziff. 7, Einschub) wurde er in den Vollzug der Weinfelder Strafe
versetzt. Diese Zeiten in Gefangenschaft sind ihm somit nicht an die heutige Stra-
fe anzurechnen.
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6. Vollzug
Die Vorinstanz hat die gesetzlichen Grundlagen des Vollzuges zutreffend darge-
legt und daraus die richtigen Schlüsse gezogen (Urk. 82 S. 33 f.), die a fortiori
auch für den vorliegenden Fall gelten. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen
7.1. Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kosten-
aufstellung zu bestätigen und sind die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, mit
Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerschaft, dem Beschuldigten aufzuerlegen (Urk. 426
Abs. 1 und 4 StPO).
7.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft
dringt mit ihren Anträgen vollumfänglich durch; der Beschuldigte unterliegt vollum-
fänglich. Dementsprechend sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit
Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigen aufzuerle-
gen. Eine Kostenausscheidung zulasten der Privatklägerin 2, auf deren Berufung
nicht eingetreten wird, ist mangels Verursachung wesentlicher Kosten nicht am
Platz.