Decision ID: 56ea131c-3d6d-40cc-9876-3bd386083bd4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Schändung etc. (Rückweisung des Schweizerischen )
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom
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25. Januar 2018 (DG170233); Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 1. Februar 2019 (SB180176); Urteil des  Bundesgerichtes vom 17. Januar 2020 (6B_543/2019 und 6B_464/2019)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 24. August
2017 (Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB,
− des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG,
− der Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung im Sinne von Art. 119
Abs. 1 AuG in Verbindung mit Art. 74 Abs. 1 und 2 AuG,
− des Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG sowie
− der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a
BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 48 Monaten Freiheitsstrafe als Zusatzstra-
fe zum Strafbefehl vom 1. April 2017 (wovon bis und mit heute 297 Tage
durch Haft bzw. vorzeitigem Strafantritt erstanden sind) sowie mit einer Bus-
se von Fr. 100.–.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen und die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der
Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 1 Tag.
4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes
verwiesen.
5. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-
tem wird angeordnet.
6. Der Beschuldigte wird dem Grundsatze nach verpflichtet, der Privatklägerin
Schadenersatz aus dem Ereignis vom 19. März 2017 zu bezahlen.
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7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 20'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 19. März 2017 als Genugtuung zu bezahlen.
8. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
vom 20. April 2017 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und
der Kantonspolizei Zürich, Asservaten Triage, zur Vernichtung überlassen:
− 1 Duvetanzug blau; Asservat-Nr. A010'228'156
− 1 Textilausschnitt aus dem Duvetanzug; Asservat-Nr. A010'601'839
− 1 Fixleintuch violette; Asservat-Nr. A010'228'167
− 1 Textilausschnitt aus Fixleintuch; Asservat-Nr. A010'601'942
− 1 Textilausschnitt aus Fixleintuch; Asservat-Nr. A010'601'964
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 20. Ap-
ril 2017 beschlagnahmten Gegenstände werden der Privatklägerin (teilweise
zur allfälligen Weitergabe an deren Mitbewohner C._) nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Entscheides auf erstes Verlangen herausgegeben und
nach unbenutztem Ablauf einer dreimonatigen Frist von der Lagerbehörde
vernichtet:
− 1 Kopfkissenüberzug rosa/grün/blau (aus Zimmer C._); Asservat-
Nr. A010'228'190
− 1 Duvetbezug weiss mit Blumen (aus Zimmer C._); Asservat-Nr.
A010'228'203
− 1 schwarzes Unterleibchen; Asservat-Nr. A010'228'178
− 1 T-Shirt schwarz mit weissen Punkten; Asservat-Nr. A010'228'189
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Staat als Ersatz für nicht mehr vor-
handenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil Fr. 20.– zu bezahlen.
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11. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'800.– Gebühr Vorverfahren Fr. 4'722.30 Auslagen (Gutachten) Fr. 3'170.– Auslagen (Polizei) Fr. 20'677.60 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-
lich derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auf-
erlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse
genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung nach Art. 135 Abs. 4
StPO.
13. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen und Barauslagen
als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten mit Fr. 20'677.60 (inkl. Mehr-
wertsteuern) aus der Gerichtskasse entschädigt.
14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Ver-
fahren eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 11'320.20 (inkl. Mehrwert-
steuern) zu bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung:
(Urk. 111 S. 2 f.)
1. A._ sei vom Vorwurf der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB
freizusprechen.
2. Von einer Landesverweisung sei abzusehen.
3. Die Zivilansprüche von B._ seien abzuweisen; evtl. auf den Zivil-
weg zu verweisen.
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4. Die Kosten des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens – mit Ausnahme
derjenigen der amtlichen Verteidigung – seien A._ im Umfang von
CHF 2'500.– aufzuerlegen und im übrigen Umfang auf die Gerichts-
kasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens – mit Ausnahme derjenigen der
amtlichen Verteidigung – seien A._ zu einem Viertel aufzuerlegen
und im übrigen Umfang auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten
der amtlichen Verteidigung seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6. Von der Zusprechung einer Parteientschädigung an B._ sei abzu-
sehen.
7. A._ sei für den erstandenen Freiheitsentzug (411 Tage Überhaft)
eine angemessene Genugtuung zzgl. 5 % Zins seit 10. Juli 2018 (mitt-
lerer Verfall) aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
b) Der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(Urk. 116 S. 2)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 25. Januar 2018 sei zu be-
stätigen.
2. Dem Beschuldigten seien die Kosten, mit Ausnahme jener für die amt-
liche Verteidigung, aufzuerlegen.
c) Der Vertreterin der Privatklägerin B._:
(Urk. 119 S. 2)
Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 25. Januar
2018 umfassend zu bestätigen, wobei der Beschuldigte insbesondere auch
der Schändung gemäss Art. 191 StGB schuldig zu sprechen sei und (nebst
der Feststellung seiner grundsätzlichen Schadenersatzpflicht gegenüber der
Privatklägerin aus dem Schadensereignis vom 19. März 2017) der Beschul-
digte dementsprechend zu verpflichten sei, der Privatklägerin eine Genugtu-
ung von CHF 20'000 zuzüglich 5% Zins ab 19. März 2017 zu bezahlen;
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alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des
Beschuldigten.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. In Bezug auf den Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur
Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefoch-
tenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 64 S. 5 f.). Mit Urteil des Bezirksgerich-
tes Zürich, 10. Abteilung, vom 25. Januar 2018 wurde der Beschuldigte im Sinne
des eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositivs schuldig gesprochen und be-
straft (Urk. 64 S. 51). Gegen das gleichentags mündlich eröffnete Urteil liess der
Beschuldigte mit Eingabe vom 26. Januar 2018 fristgerecht Berufung erheben
(Urk. 56; Urk. 67). Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin verzichteten auf
Anschlussberufung (Urk. 70; Urk. 71 S. 2). Die Berufungsverhandlung fand am
1. Februar 2019 statt (Urk. 85 S. 6 ff.). Mit Urteil vom 1. Februar 2019 wurde der
Beschuldigte vom Vorwurf der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB freige-
sprochen. Die übrigen vor Vorinstanz ergangenen Schuldsprüche wurden bestä-
tigt. Der Beschuldigte wurde bestraft mit sechs Monaten Freiheitsstrafe als Zu-
satzstrafe zur mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. April 2017
ausgefällten Freiheitsstrafe sowie mit Fr. 100.– Busse, wobei festgestellt wurde,
dass die Freiheitsstrafe und die Busse bereits vollumfänglich durch Haft und vor-
zeitigen Strafvollzug erstanden sind. Dem Beschuldigten wurde eine Genugtuung
für Überhaft von Fr. 33'000.– zugesprochen. Die Privatklägerin wurde mit ihren
Zivilforderungen auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 86 S. 49 ff.).
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1.2. Gegen das Urteil vom 1. Februar 2019 liess der Beschuldigte mit Eingabe
vom 11. April 2019 Beschwerde in Strafsachen beim Schweizerischen Bundesge-
richt erheben (Urk. 94/2). Mit Eingabe vom 3. Mai 2019 liess auch die Privatkläge-
rin Beschwerde in Strafsachen erheben (Urk. 96/2). Die beiden Verfahren wurden
vom Bundesgericht vereinigt. Die Beschwerde der Privatklägerin (6B_543/2019)
wurde gutgeheissen. Die Beschwerde des Beschuldigten (6B_464/2019) wurde
teilweise gutgeheissen und im Übrigen abgewiesen, soweit darauf eingetreten
wurde. Das Urteil der hiesigen Kammer vom 1. Februar 2019 wurde aufgehoben
und die Sache zu neuem Entscheid zurückgewiesen (Urk. 103 S. 12).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 2. April 2020 wurde im Einverständnis mit den
Parteien das schriftliche Verfahren angeordnet und dem Beschuldigten Frist an-
gesetzt, um die Berufungsanträge zu stellen und zu begründen (Urk. 105/1-3;
Urk. 106). Mit Eingabe vom 28. Juli 2020 liess der Beschuldigte innert mehrfach
erstreckter Frist die Berufungsbegründung einreichen (Urk. 111). Mit Präsidialver-
fügung vom 11. August 2020 wurde die Eingabe des Beschuldigten der Privatklä-
gerin sowie der Staatsanwaltschaft zur Berufungsantwort sowie der Vorinstanz
zur freigestellten Stellungnahme zugestellt (Urk. 113). Die Vorinstanz verzichtete
auf Vernehmlassung (Urk. 115). Die Staatsanwaltschaft reichte mit Eingabe vom
1. September 2020 ihre Berufungsantwort ein (Urk. 116), die Privatklägerin innert
mehrfach erstreckter Frist am 19. Oktober 2020 (Urk. 119). Die Berufungsantwor-
ten wurden dem Beschuldigten zur freigestellten Stellungnahme übermittelt
(Urk. 121). Mit Eingabe vom 17. Dezember 2020 liess der Beschuldigte innert
mehrfach erstreckter Frist eine Stellungnahme einreichen (Urk. 126), welche der
Staatsanwaltschaft sowie der Privatklägerin zugestellt wurde (Urk. 128). Auf wei-
tere Stellungnahmen wurde verzichtet (Urk. 130; Urk. 131). Das Verfahren erweist
sich als spruchreif.
2. Prozessuales
2.1. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angele-
genheit zur neuen Beurteilung an das Berufungsgericht zurück, darf sich dieses
von Bundesrechts wegen nur noch mit denjenigen Punkten befassen, die das
Bundesgericht kassierte. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind in
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das neue Urteil zu übernehmen. Irrelevant ist, dass das Bundesgericht mit seinem
Rückweisungsentscheid formell in der Regel das ganze angefochtene Urteil auf-
hebt. Entscheidend ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle Tragweite des
bundesgerichtlichen Entscheids. Die neue Entscheidung der kantonalen Instanz
ist somit auf diejenige Thematik beschränkt, die sich aus den bundesgerichtlichen
Erwägungen als Gegenstand der neuen Beurteilung ergibt. Das Verfahren wird
nur insoweit neu in Gang gesetzt, als es notwendig ist, um den verbindlichen Er-
wägungen des Bundesgerichts Rechnung zu tragen (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1 mit
Hinweisen). Die übrigen Punkte sind rechtskräftig entschieden, auch wenn sie –
der Vollständigkeit halber – im Dispositiv des neuen Urteils wiederholt werden
(Urteil des Bundesgerichts 6B_280/2020 vom 17. Juni 2020 E. 1.2). Nach einem
Rückweisungsentscheid des Bundesgerichts sind sowohl dieses selbst als auch
die kantonalen Instanzen an die rechtliche Beurteilung gebunden, mit der die
Rückweisung begründet wurde. Wegen dieser Bindung der Gerichte ist es ihnen
wie auch den Parteien – abgesehen von allenfalls zulässigen Noven – verwehrt,
der Beurteilung des Rechtsstreits einen anderen als den bisherigen Sachverhalt
zu unterstellen oder die Sache unter rechtlichen Gesichtspunkten zu prüfen, die
im Rückweisungsentscheid abgelehnt oder überhaupt nicht in Erwägung gezogen
waren. Wie weit die Gerichte und die Parteien an die erste Entscheidung gebun-
den sind, ergibt sich aus der Begründung der Rückweisung, die sowohl den Rah-
men für die neuen Tatsachenfeststellungen als auch jenen für die neue rechtliche
Begründung vorgibt (Urteil des Bundesgerichts 6B_998/2019 vom 20. November
2020 E. 1.1; BGE 135 III 334 E. 2 und 2.1).
2.2. Im aufgehobenen Urteil der hiesigen Kammer vom 1. Februar 2019 wurde
festgestellt, dass das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Dispositivziffern 8 und
9 (Vernichtung bzw. Herausgabe beschlagnahmter Gegenstände) sowie 13 (Ent-
schädigung der amtlichen Verteidigung) nicht angefochten wurde und entspre-
chend in Rechtskraft erwachsen ist (Urk. 86 S. 49). Daran hat sich nichts geän-
dert. Entsprechend ist vorab mittels Beschluss festzustellen, dass die vorerwähn-
ten Dispositivziffern des vorinstanzlichen Urteils vom 25. Januar 2018 in Rechts-
kraft erwachsen sind.
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2.3. Der Beschuldigte beantragte mit der Beschwerde in Strafsachen, er sei voll-
umfänglich freizusprechen, von einer Bestrafung sei abzusehen und ihm sei eine
Genugtuung von Fr. 59'100.–, eventualiter von Fr. 33'000.–, je zuzüglich Zins, zu-
zusprechen (Urk. 94/2 S. 2; Urk. 103 S. 3). Die Privatklägerin beantragte, der Be-
schuldigte sei im Sinne des vorinstanzlichen Urteils vom 25. Januar 2018 zusätz-
lich der Schändung schuldig zu sprechen, des Landes zu verweisen und zu
Schadenersatz und Genugtuung zu verpflichten (Urk. 96/2 S. 2; Urk. 103 S. 3).
Die Beschwerde der Privatklägerin wurde vom Bundesgericht gutgeheissen
(Urk. 103 S. 12). Im vorliegenden Verfahren ist daher erneut über den Anklage-
vorwurf der Schändung zu befinden (vgl. dazu auch Urk. 103 S. 7). Auf die Be-
schwerde des Beschuldigten ist das Bundesgericht nicht eingetreten, soweit er
die vor Obergericht ergangenen Schuldsprüche anfocht (Urk. 103 S. 7 ff. und 9).
Diese Punkte sind deshalb abschliessend behandelt. Es bleibt somit bei den
Schuldsprüchen wegen rechtswidrigen Aufenthalts, Missachtung der Eingren-
zung, Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes. Die Schuldsprüche sind in das vorliegende Urteil zu
übernehmen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann diesbezüglich auf die
Erwägungen im aufgehobenen Urteil vom 1. Februar 2019 (Urk. 86 S. 7 ff.) sowie
die bundesgerichtlichen Erwägungen im Urteil vom 17. Januar 2020 verwiesen
werden (Urk. 103 S. 7 ff.). Soweit der Beschuldigte die Zusprechung von Zins für
die ihm zugesprochene Genugtuung beantragte, wurde seine Beschwerde vom
Bundesgericht gutgeheissen (Urk. 103 S. 10 f.). Darüber ist je nach Ergebnis be-
züglich des Vorwurfs der Schändung neu zu befinden (vgl. dazu Urk. 103 S. 11).
2.4. Im aufgehobenen Urteil vom 1. Februar 2019 kam die hiesige Kammer zum
Schluss, dass das vom Beschuldigten in einem früheren Verfahren erstellte (Ver-
gleichs-) DNA-Profil verwertet werden dürfe (Urk. 86 S. 7 ff.). Auf die vom Be-
schuldigten in diesem Punkt erhobene Beschwerde ist das Bundesgericht wie er-
wähnt nicht eingetreten (Urk. 103 S. 9). Das Bundesgericht hielt im Weiteren fest,
entscheidend sei, ob der Beizug der DNA-Vergleichsspur zum Zeitpunkt der Er-
mittlung in Anbetracht der in Frage stehenden Straftat angezeigt gewesen sei.
Dass der DNA-Abgleich aufgrund des Verdachts einer Schändung, mithin eines
Verbrechens, erfolgte, werde nicht bestritten. Angesichts dessen sowie der
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Schwere des Vorwurfs sei es nicht zu beanstanden, dass die Polizei die DNA-
Vergleichsspur des Beschuldigten zur Ermittlung des mutmasslichen Täters der
Schändung herangezogen habe (Urk. 103 S. 9 f.). Die Frage der Verwertbarkeit
des DNA-Profils des Beschuldigten wurde vom Bundesgericht damit abschlies-
send beurteilt, weshalb nicht nochmals darüber zu befinden ist.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz hat den Anklagevorwurf der Schändung korrekt wiedergege-
ben, worauf zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen verwiesen werden kann
(Urk. 64 S. 6 ff.). Ebenfalls korrekt zusammengefasst wurde der Standpunkt des
Beschuldigten zu diesem Anklagevorwurf (Urk. 64 S. 8), an dem er im Berufungs-
verfahren festhielt (Urk. 85 S. 19 ff.).
1.2. In einem Strafprozess sind an den Beweis von Täterschaft und Schuld hohe
Anforderungen zu stellen. Gemäss dem Grundsatz "in dubio pro reo" ist bis zum
gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass die einer strafbaren Hand-
lung beschuldigte Person unschuldig ist (Art. 10 Abs. 1 StPO). Dies bedeutet,
dass der verfolgende Staat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven
Tatbestandselemente nachzuweisen hat. Als Beweiswürdigungsregel besagt der
Grundsatz "in dubio pro reo", dass sich das (Straf-)Gericht nicht von einem für die
beschuldigte Person ungünstigen Sachverhalt überzeugt erklären darf, wenn bei
objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen,
ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 138 V 74 E. 7 mit Hinweisen).
Bedeutsam für die Wahrheitsfindung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussa-
ge, die durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf
ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des
Zeugen entspringen. Damit eine Aussage als zuverlässig gewürdigt werden kann,
ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realitätskriterien und umgekehrt
auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu überprüfen. Entscheidend ist, ob die
aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, ihrer intellektuellen
Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Er-
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lebnishintergrund machen könnte (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
6B_760/2016 vom 29. Juni 2017 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
1.3. Die Vorinstanz hat die relevanten Beweismittel korrekt aufgezählt (Urk. 64
S. 9). Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten wurde im vorinstanzli-
chen Urteil zutreffend erwogen, dass ihn keine Pflicht zu wahrheitsgemässer Aus-
sage trifft und er ein – grundsätzlich legitimes – Interesse daran haben dürfte, die
Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen (Urk. 64 S. 14 f.). In-
sofern ist grundsätzlich eine vorsichtige Würdigung seiner Depositionen ange-
bracht. Es liegen aber keine Anhaltspunkte vor, die von vornherein gegen seine
Glaubwürdigkeit sprechen würden. Dasselbe gilt für die Glaubwürdigkeit der Pri-
vatklägerin. Zwar kann ihr ein Interesse am Ausgang des Verfahrens nicht abge-
sprochen werden, zumal sie Zivilansprüche gestellt hat (Urk. 51 S. 1 f.). Diese In-
teressenlage darf bei der Würdigung ihrer Aussagen nicht ausser Acht gelassen
werden. Allein deshalb annehmen zu wollen, die Privatklägerin würde unzutref-
fende Angaben machen, erscheint jedoch nicht angezeigt. Im Übrigen ist ohnehin
festzuhalten, dass der allgemeinen Glaubwürdigkeit eines Zeugen respektive ei-
ner einvernommenen Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft
kaum mehr relevante Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die Wahr-
heitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkre-
ten Aussage (BGE 133 I 33 E. 4.3 mit Hinweisen). Dies gilt analog für die Aussa-
gen der befragten Zeugen.
2. Objektiver Tatbestand
2.1. Im Urteil vom 17. Januar 2020 führte das Bundesgericht in Bezug auf den
Anklagevorwurf der Schändung aus, die erkennende Kammer erwäge, es sei un-
bestritten, dass der Beschuldigte gemeinsam mit der Privatklägerin und deren
Kollegen am 19. März 2017 in ihrer Wohnung alkoholische Getränke sowie teil-
weise Betäubungsmittel konsumiert und dass der Beschuldigte anschliessend
dort übernachtet habe. Gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin und die
Spermaspuren in ihrem Vaginalbereich sowie auf dem Bettlaken sei sodann er-
stellt, dass es zwischen ihr und dem Beschuldigten zu Geschlechtsverkehr ge-
kommen sei, als sie sich in einem von Alkohol geförderten Tiefschlaf befunden
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habe. Das Bundesgericht hielt weiter fest, die erkennende Kammer gehe selbst
davon aus, dass es zum Geschlechtsverkehr zwischen dem Beschuldigten und
der Privatklägerin gekommen sei, als sich diese in einem alkoholinduzierten Tief-
schlaf befunden habe, mithin zum Widerstand unfähig gewesen sei. Vor diesem
Hintergrund sei ein sexueller Übergriff ohne Zustimmung der Privatklägerin erwie-
sen und nicht nachvollziehbar, wie die erkennende Kammer zum Schluss gelan-
gen könne, der Anklagesachverhalt sei nicht erstellt. Dies gelte umso mehr, als
sie die Aussagen der Privatklägerin selbst als stringent und mit den objektiven
Beweisen übereinstimmend erachte. Der objektive Tatbestand der Schändung sei
erfüllt. Die hiesige Kammer habe gestützt auf den von ihr selbst als erwiesen er-
achteten Sachverhalt die subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen zu prüfen
(Urk. 103 S. 5 und 7).
2.2. Im aufgehobenen Urteil vom 1. Februar 2019 kam die hiesige Kammer zum
Schluss, dass das Spurenbild mit der Darstellung der Privatklägerin übereinstim-
me, wonach der Beschuldigte in ihre Vagina eingedrungen sei (Urk. 86 S. 12).
Entgegen der Annahme des Bundesgerichts wurde jedoch keineswegs als erstellt
erachtet, dass es zum Geschlechtsverkehr kam, als sich die Privatklägerin in ei-
nem alkoholinduzierten Tiefschlaf befand und mithin zum Widerstand unfähig war.
Wie das Bundesgericht zu diesem Schluss kommen konnte, kann nicht nachvoll-
zogen werden, zumal im Urteil vom 17. Januar 2020 keine Belegstellen für diese
Feststellung aufgeführt werden. Im Weiteren trifft es auch nicht zu, dass die Aus-
sagen der Privatklägerin zur Tat selbst als stringent erachtet wurden, wie das
Bundesgericht ebenfalls fälschlicherweise annimmt (vgl. Urk. 103 S. 7). Im Ge-
genteil wurde im Urteil vom 1. Februar 2019 ausgeführt, dass die Darstellung der
Privatklägerin zahlreiche logische Inkonsistenzen aufweise. In der Gesamtbe-
trachtung würden daher erhebliche und unüberwindbare Zweifel an der Verwirkli-
chung des Anklagesachverhalts verbleiben (Urk. 86 S. 27). Entgegen der Ansicht
des Bundesgerichts erachtete die hiesige Kammer den objektiven Sachverhalt
daher nicht als erstellt. Nachdem das Bundesgericht im Urteil vom 17. Januar
2020 zum Schluss gekommen ist, dass der objektive Tatbestand der Schändung
erfüllt ist (Urk. 103 S. 7), ist die hiesige Kammer daran gebunden. Nachfolgend ist
deshalb lediglich noch zu prüfen, ob die subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen
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erfüllt sind. Davon gehen auch die Parteien aus (Urk. 111 S. 4; Urk. 116 S. 2;
Urk. 119 S. 3).
3. Subjektiver Tatbestand
3.1. Subjektiv erfordert der Tatbestand der Schändung Vorsatz, wobei Eventual-
vorsatz genügt. Die Formulierung «in Kenntnis ihres Zustandes» verdeutlicht den
Vorsatz und bringt zum Ausdruck, dass der Täter die Widerstandsunfähigkeit des
Opfers auch wahrgenommen haben muss (BSK StGB-MAIER, 4. Aufl. 2019, N 16
zu Art. 191). Eventualvorsätzlich handelt, wer zumindest ernsthaft für möglich
hält, dass das Opfer aufgrund seines physischen oder psychischen Zustandes
nicht in der Lage ist, sich gegen das sexuelle Ansinnen zur Wehr zu setzen, und
es trotzdem zu sexuellen Handlungen bestimmt. Sichere Kenntnis um die Wider-
standsunfähigkeit ist nicht erforderlich (Urteile des Bundesgerichts 6B_128/2012
vom 21. Juni 2012 E. 1.6.1 und 1.6.3 sowie 6B_316/2012 vom 1. November 2012
E. 3.1).
3.2. Die Verteidigung bringt in Bezug auf den subjektiven Tatbestand vor, zu
Gunsten des Beschuldigten müsse davon ausgegangen werden, dass die für ihn
in seinem damaligen Zustand wahrnehmbaren äusseren Umstände bei ihm sub-
jektiv zur Annahme geführt hätten, dass die Privatklägerin im Zeitpunkt des Ge-
schlechtsverkehrs nicht wehrlos gewesen sei. Das genaue Verhalten der Privat-
klägerin während der Tat sei nicht bekannt. Wie sie sich zu Beginn des Ge-
schlechtsverkehrs verhalten habe, sei für die subjektive Vorstellung des Beschul-
digten von zentraler Bedeutung. Bekannt sei lediglich, dass die Privatklägerin zu
diesem Zeitpunkt massiv alkoholisiert gewesen sei und unter Drogeneinfluss ge-
standen habe. Wie aktiv bzw. passiv ihr Verhalten gewesen sei, bleibe aber im
Unklaren. Weder die Privatklägerin noch der Beschuldigte hätten darüber Aus-
kunft geben können. Zu Gunsten des Beschuldigten müsse daher davon ausge-
gangen werden, dass das Verhalten der Privatklägerin ihn in seiner Vorstellung
bestärkt habe, dass sie nicht wehrlos gewesen sei (Urk. 111 S. 6 f.). Mit dieser
Argumentation weicht die Verteidigung von dem für die erkennende Kammer ver-
bindlichen Sachverhalt ab. Wie bereits erwähnt, hielt das Bundesgericht im Urteil
vom 17. Januar 2020 fest, dass es zum Geschlechtsverkehr zwischen dem Be-
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schuldigten und der Privatklägerin kam, als sich diese im alkoholinduzierten Tief-
schlaf befand. Dies gestützt auf objektive Beweise sowie auf Zeugenaussagen
zum erheblich alkoholisierten Zustand der Privatklägerin und deren Angaben,
dass sich der Beschuldigte in ihr befunden habe, als sie aufgewacht sei. Das
Bundesgericht hielt weiter fest, ein sexueller Übergriff ohne Zustimmung der Pri-
vatklägerin sei erwiesen und es sei nicht nachvollziehbar, wie die erkennende
Kammer zum Schluss gelangen könne, der Anklagesachverhalt sei nicht erstellt
(Urk. 103 S. 7). An diese bundesgerichtliche Feststellung ist das hiesige Gericht
gebunden. Gemäss Anklage zog der Beschuldigte der stark alkoholisierten und
daher tief schlafenden Privatklägerin die Unterhosen aus, und legte sich so auf
sie, dass er mit seinem Penis in ihre Vagina eindringen konnte, worauf er den
Geschlechtsverkehr mit ihr vollzog, bis sie dadurch erwachte (Urk. 29 S. 2 f.).
Damit bleibt kein Raum für die von der Verteidigung aufgestellte Hypothese, der
Beschuldigte habe aus dem Verhalten der Privatklägerin während der Tat – das
im Übrigen nicht näher dargelegt wird – annehmen können, dass diese nicht
wehrlos sei. Wenn der Beschuldigte weiter vorbringen lässt, er habe den Zustand
der Privatklägerin nicht erkannt, da er aufgrund seines vorgängigen Alkohol- und
Drogenkonsums eingeschränkt gewesen sei (Urk. 111 S. 6; Urk. 126 S. 3), ver-
mag dies nicht zu überzeugen. Zum Widerstand unfähig ist bereits eine schlafen-
de Person, weshalb sich das subjektive Wissen des Beschuldigten lediglich auf
den Schlaf der Privatklägerin beziehen musste (vgl. dazu Urteil des Bundesge-
richts 6B_128/2012 vom 21 Juni 2012 E. 1.6.3). In Bezug auf den Zustand des
Opfers genügt wie erwähnt Eventualvorsatz. Sichere Kenntnis um die Wider-
standsunfähigkeit ist nicht erforderlich. Gemäss erstelltem Sachverhalt lag die
Privatklägerin nach einer durchgemachten Nacht und vorgängigem massiven Al-
koholkonsum tiefschlafend in ihrem Bett, als sich der Beschuldigte in ihr Zimmer
begab (Urk. 86 S. 17 f.; Urk. 103 S. 5 und 7). Dieser Zustand war für Drittperso-
nen ohne Weiteres erkennbar. Der Beschuldigte muss die Wehrlosigkeit der Pri-
vatklägerin auch in dem von ihm geltend gemachten eingeschränkten Zustand
wahrgenommen haben. Zu bemerken, ob eine Person schläft, setzt äusserst ge-
ringe Anforderungen an die Wahrnehmungs- und Denkfähigkeit voraus. Um dies
zu erkennen, bedarf es auch keiner besonderen intellektuellen Fähigkeiten. Der
- 16 -
Einwand der Verteidigung, die Staatsanwaltschaft überschätze die generellen in-
tellektuellen Fähigkeiten des Beschuldigten massiv (Urk. 126 S. 3), ist deshalb
unerheblich. Der Beschuldigte muss es zumindest ernsthaft für möglich gehalten
haben, dass die Privatklägerin im Zeitpunkt, als er den Geschlechtsverkehr mit ihr
vollzog, schlief und deswegen nicht in der Lage war, sich gegen seine Handlun-
gen zur Wehr zu setzen.
3.3. Im Weiteren lässt der Beschuldigte vorbringen, die für ihn in seinem damali-
gen Zustand wahrnehmbaren äusseren Umstände hätten bei ihm subjektiv zur
Annahme geführt, dass der Geschlechtsverkehr von einem konkludenten Einver-
ständnis der Privatklägerin getragen gewesen sei (Urk. 111 S. 6 f.). Soweit dies-
bezüglich auf äussere Umstände nach der Tat verwiesen wird (Urk. 111 S. 6;
Urk. 126 S. 4), ist mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 116 S. 3 f.) festzuhalten, dass
der Beschuldigte daraus kein Einverständnis in ein bereits geschehenes Ereignis
ableiten kann. Der Verteidigung ist insofern beizupflichten, als sich aus dem
Nachtatverhalten des Beschuldigten Hinweise auf seine subjektive Vorstellung
über den Sachverhalt ergeben können (Urk. 126 S. 4). Entscheidend ist indes,
welche Vorstellung der Beschuldigte im Tatzeitpunkt hatte. Es ist evident, dass
lediglich Umstände vor bzw. während der Tat den Beschuldigten in seiner Auffas-
sung bestärkt haben können, die Privatklägerin sei mit dem Geschlechtsverkehr
einverstanden. Im Übrigen hielt das Bundesgericht im Urteil vom 17. Januar 2020
verbindlich fest, dass es für den Tatvorwurf nicht auf das Nachtatverhalten der
Beteiligten ankomme. Weiter wurde ausgeführt, dass weder die Höhe des vom
Beschuldigten eingegangenen Risikos, entdeckt zu werden, noch sein Verbleib in
der Wohnung nach dem Geschlechtsverkehr ihn entlasten könne (Urk. 103 S. 7).
Auf die diesbezüglichen Ausführungen der Verteidigung (Urk. 111 S. 6; Urk. 126
S. 3 f.) ist daher nicht näher einzugehen. In Bezug auf die von der Verteidigung
angeführten äusseren Umstände während der Tat hielt die Staatsanwaltschaft im
Weiteren zutreffend fest, es könne nicht ernsthaft davon ausgegangen werden,
dass die sich im Tiefschlaf befindende Privatklägerin irgendetwas getan hätte, das
den Beschuldigten hätte vermuten lassen können, der Geschlechtsverkehr sei
erwünscht (Urk. 116 S. 3).
- 17 -
3.4. Schliesslich bringt die Verteidigung vor, dass das Verhalten der Privatkläger-
in vor der Tat für die Vorstellung des Beschuldigten relevant gewesen sei. Das
gesamte Vortatverhalten der Privatklägerin weise darauf hin, dass der Beschul-
digte in Bezug auf ihren Willen zum Geschlechtsverkehr mit ihm einer allenfalls
unzutreffenden subjektiven Vorstellung unterlegen sein könnte (Urk. 111 S. 4 f.).
Der Argumentation der Verteidigung kann nicht gefolgt werden. Zunächst ist da-
ran zu erinnern, dass der Beschuldigte im Verfahren stets geltend machte, sich an
den Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin nicht erinnern zu können. Diesbe-
züglich kann auf die Erwägungen im Urteil vom 1. Februar 2019 verwiesen wer-
den (Urk. 86 S. 12 f.). Wenn der Beschuldigte nun vorbringen lässt, damals vom
konkludenten Einverständnis der Privatklägerin ausgegangen zu sein, erscheint
dies deshalb widersprüchlich. In Anbetracht der Tatumstände hatte der Beschul-
digte zudem keinerlei Anlass anzunehmen, dass die Privatklägerin mit seinen
Handlungen konkludent einverstanden ist. Dies gilt selbst bei Zugrundelegung der
von der Verteidigung behaupteten äusseren Umstände vor der Tat. Gemäss ver-
bindlich festgestelltem Sachverhalt vollzog der Beschuldigte den Geschlechtsver-
kehr, als sich die Privatklägerin im Tiefschlaf befand (Urk. 103 S. 7). Es ist nicht
ersichtlich, inwiefern er das Verhalten der Privatklägerin an diesem Abend als
Einwilligung in dieses Handeln hätte verstehen können. Die von ihm behauptete
Einladung, sich zusammen mit der Privatklägerin und ihren Freunden in ihre
Wohnung zu begeben (vgl. dazu die Verteidigung, Urk. 111 S. 5; Urk. 126 S. 3),
kann ihn jedenfalls nicht zu dieser Überzeugung geführt haben. Dass der Be-
schuldigte aufgrund der von ihm behaupteten Distanzlosigkeit der Privatklägerin
gegenüber Dritten sowie der Kontaktaufnahme zu D._ vom konkludenten
Einverständnis in den Geschlechtsverkehr mit ihm ausging, vermag ebenfalls
nicht zu überzeugen. Die Vertreterin der Privatklägerin wies zutreffend darauf hin,
dass mögliche Interaktionen der Privatklägerin mit anderen Personen keinen Be-
zug zum Beschuldigten und seiner Tathandlung aufweisen (Urk. 119 S. 5). Wenn
die Privatklägerin im Verlauf des Abends mit einem Mann intim wurde, bedeutete
dies selbstredend nicht, dass sie auch mit dem Beschuldigten Geschlechtsver-
kehr haben möchte. Dass der Beschuldigte solches angenommen hat, ist mit der
Vertreterin der Privatklägerin (Urk. 119 S. 5) als abwegig und als Schutzbehaup-
- 18 -
tung anzusehen. Dass die Privatklägerin alkoholisiert war (vgl. dazu Urk. 86 S. 17
f.), ändert nichts daran. Dies gilt auch dann, wenn der Beschuldigte der Ansicht
gewesen sein sollte, die Privatklägerin habe sich an diesem Abend aufreizend
oder freizügig verhalten. In diesem Zusammenhang ist zudem daran zu erinnern,
dass sich die Privatklägerin und der Beschuldigte gemäss der verbindlichen Fest-
stellung des Bundesgerichts während des Abends nicht näher gekommen waren
(Urk. 103 S. 7). Dass die subjektiven Vorstellungen eines Täters nicht mit der tat-
sächlich gegebenen Sachlage übereinstimmen, ist möglich. Vorliegend ergeben
sich aber weder aus den Vorbringen des Beschuldigten noch aus den Akten Um-
stände, aus denen er auf eine konkludenten Einwilligung der Privatklägerin hätte
schliessen können. Vor diesem Hintergrund erscheint es unglaubhaft, wenn sich
der Beschuldigte darauf beruft, einer unzutreffenden subjektiven Vorstellung un-
terlegen zu sein. Dem Beschuldigten ist daher vorzuwerfen, zumindest eventual-
vorsätzlich gehandelt zu haben.
3.5. Die von der Vorinstanz vorgenommene rechtliche Würdigung erweist sich
als zutreffend. Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind keine gege-
ben. Der angefochtene Schuldspruch wegen Schändung im Sinne von Art. 191
StGB ist daher zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Anwendbares Recht
Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) in Kraft getreten. Der Be-
schuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten des neuen Rechts
verübt. Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird ein Straftäter nach demjenigen Recht be-
urteilt, das bei Begehung der Tat in Kraft war. Das neue Recht ist indes anwend-
bar, wenn es für den Täter das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Die revidierten
Bestimmungen erweisen sich für den Beschuldigten nicht als milder. Sowohl nach
altem als auch nach neuem Recht ist eine Freiheitsstrafe auszufällen (vgl. dazu
nachfolgend Ziff. III.2). Demgemäss gelangt das vor dem 1. Januar 2018 geltende
Sanktionenrecht zur Anwendung.
- 19 -
2. Sanktionsart
2.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Die Bildung
einer Gesamtstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips ist nur möglich, wenn
das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Stra-
fen ausfällt (sog. konkrete Methode). Dass die anzuwendenden Strafbestimmun-
gen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (Urteil des Bundesge-
richts 6B_496/2020 vom 11. Januar 2021 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.2. Die Vorinstanz hat für alle zu beurteilenden Delikte – mit Ausnahme der
Übertretung – Freiheitsstrafen ausgefällt (Urk. 64 S. 51). Für die Schändung
kommt bereits angesichts der Höhe der ausgesprochenen Strafe keine Geldstrafe
mehr in Frage. Dass die Vorinstanz auch die weiteren Delikte mit Freiheitsstrafen
sanktioniert hat, ist nicht zu beanstanden. Hält das Gericht im Rahmen der Ge-
samtstrafenbildung für einzelne Delikte im konkret zu beurteilenden Fall unter Be-
achtung des Verhältnismässigkeitsprinzips eine Geldstrafe nicht mehr für schuld-
adäquat und zweckmässig, hindert aArt. 41 Abs. 1 StGB es nicht daran, auf Ein-
zelfreiheitsstrafen von weniger als sechs Monaten zu erkennen, wenn die daraus
zu bildende Gesamtstrafe sechs Monate übersteigt (BGE 144 IV 217 E. 4.3; vgl.
auch Urteile des Bundesgerichts 6B_436/2018 vom 24. September 2018 E. 1.2;
6B_523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.3). Vor dem Hintergrund der einschlä-
gigen Vorstrafen des Beschuldigten sowie seines renitenten und uneinsichtigen
Verhaltens erweist sich das Aussprechen einer Freiheitsstrafe schon allein aus
Gründen der präventiven Effizienz und der Zweckmässigkeit als erforderlich. Es
kann diesbezüglich auf die Erwägungen im Urteil der erkennenden Kammer vom
1. Februar 2019 verwiesen werden (Urk. 86 S. 34 f.). Im Rahmen der Revision
des Sanktionenrechts hat der Gesetzgeber am Vorrang der Geldstrafe festgehal-
ten (Urteil des Bundesgerichts 6B_483/2016 vom 30. April 2018 E. 3.6 mit Hin-
weisen). Gemäss Art. 41 Abs. 1 StGB kann das Gericht statt auf eine Geldstrafe
- 20 -
auf eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn eine solche geboten erscheint, um den
Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten oder ei-
ne Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann. Unter den dargelegten
Umständen besteht auch nach neuem Recht keine Veranlassung, einzelne der
heute zu beurteilenden Straftaten erneut mit einer Geldstrafe zu sanktionieren.
Angesichts der Hartnäckigkeit der Delinquenz des Beschuldigten und der Tatsa-
che, dass die bisher gegen ihn verhängten Sanktionen die ihnen zugedachte prä-
ventive Wirkung verfehlten, kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine
Geldstrafe, selbst wenn sie unbedingt ausgesprochen würde, die angestrebte
Wirkung zu erreichen vermag.
2.3. Für die Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes ist eine separate Busse
auszufällen.
3. Zusatzstrafe (Art. 49 Abs. 2 StGB)
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. April 2017 wurde der
Beschuldigte wegen Hinderung einer Amtshandlung sowie Missachtung einer Ein-
oder Ausgrenzung mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 40 Tagen sowie ei-
ner unbedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft (Urk. 18/7;
Urk. 104 = Urk. 134). Nachdem der Beschuldigte die hier zu beurteilenden Delikte
vor diesem Entscheid begangen hat und die Strafen der neu zu beurteilenden De-
likte und die Grundstrafe gleichartig sind, ist heute eine Zusatzstrafe zur mit Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. April 2017 ausgefällten Frei-
heitsstrafe auszusprechen. Liegen die Voraussetzungen für eine Zusatzstrafe vor,
setzt das Gericht zunächst eine hypothetische Gesamtstrafe fest. Es hat sich zu
fragen, welche Strafe es ausgesprochen hätte, wenn es sämtliche Delikte gleich-
zeitig beurteilt hätte. Dabei hat es nach den Grundsätzen von Art. 49 Abs. 1 StGB
zu verfahren. Das Ermessen des Gerichts beschränkt sich dabei auf die von ihm
vorzunehmende Asperation zwischen rechtskräftiger Grundstrafe und der für die
noch nicht beurteilten Taten auszusprechenden Strafe (BGE 142 IV 265 E. 2.3.3
ff.). Die für die vor der Verurteilung begangenen Delikte auszufällende Zusatzstra-
fe ergibt sich danach aus der Differenz der hypothetischen Gesamtstrafe und der
bereits ausgefällten Strafe.
- 21 -
4. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Strafzumessung umfassend und zutreffend
dargelegt. Auf die diesbezüglichen Ausführungen kann vorab verwiesen werden
(Urk. 64 S. 36). Als schwerstes Delikt ist Schändung mit Freiheitsstrafe bis zu
zehn Jahren oder Geldstrafe bedroht (Art. 191 StGB). Mit der Vorinstanz (Urk. 64
S. 35) sind keine ausserordentlichen Umstände gegeben, die ein Verlassen des
ordentlichen Strafrahmens als angezeigt erscheinen liessen.
5. Tatkomponenten
5.1. Schändung
Bei der objektiven Tatschwere der Schändung ist festzuhalten, dass der vom Be-
schuldigten vollzogene vaginale Geschlechtsverkehr – was die Intensität der
Handlung anbelangt – im oberen Bereich der von Art. 191 StGB erfassten Verhal-
tensweisen anzusiedeln ist. Im Rahmen der Tatbestandsvariante des Beischlafs
sind indes auch schwerwiegendere Verhaltensweisen denkbar. So war die Privat-
klägerin keiner physischen Gewalt ausgesetzt und hat durch den Übergriff keine
körperlichen Verletzungen erlitten (Urk. 11/3 S. 3 f.; vgl. auch Urk. 7/1 S. 9 f.).
Soweit die Verteidigung auf die kurze Dauer des Delikts verweist (Urk. 111 S. 7),
ist festzuhalten, dass der Geschlechtsverkehr so lange vollzogen wurde, bis die
Privatklägerin dadurch erwachte (vgl. dazu auch Urk. 103 S. 7). Gemäss ihren
Angaben musste die Privatklägerin den Beschuldigten zudem mehrfach von sich
wegstossen, bis er von ihr abliess (Urk. 7/1 S. 2 f.; Urk. 7/2 S. 7 und 18). Dass der
Übergriff nicht länger dauerte, ist damit nicht auf eine plötzliche Einsicht des Be-
schuldigten, sondern auf äussere Umstände zurückzuführen. Immerhin lässt sich
kein länger dauerndes Tatgeschehen erstellen. Der Beschuldigte hat die sich ihm
bietende Situation ausgenützt und sich rücksichtslos über das Selbstbestim-
mungsrecht der Privatklägerin hinweggesetzt. Es liegt ein schwerer Eingriff in ihre
sexuelle Integrität vor. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 111 S. 7) wirkt
sich das Verhalten der Privatklägerin nicht auf die Strafzumessung aus. Aus den
Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass sie sich an diesem Abend in
einer Weise verhalten hätte, die den Beschuldigten in seinem späteren Verhalten
hätte motivieren können. Zu verweisen ist auch an dieser Stelle auf die verbindli-
- 22 -
che Feststellung des Bundesgerichts, wonach sich die Privatklägerin und der Be-
schuldigte während des Abends nicht näher gekommen sind (Urk. 103 S. 7). Dass
die Widerstandsunfähigkeit der Privatklägerin nicht durch den Beschuldigten her-
vorgerufen wurde, vermag ihn entgegen der Vorinstanz (Urk. 64 S. 37) nicht zu
entlasten. Hätte der Beschuldigte die Privatklägerin zum Widerstand unfähig ge-
macht, wäre vielmehr der Tatbestand der Vergewaltigung zu prüfen gewesen. Mit
der Vorinstanz (Urk. 64 S. 37) ist jedoch zugunsten des Beschuldigten davon
auszugehen, dass die Tat spontan erfolgte und nicht von langer Hand geplant
war. Insgesamt ist die objektive Tatschwere als nicht mehr leicht zu bezeichnen.
In subjektiver Hinsicht ist mit Bezug auf die Widerstandsunfähigkeit der Privatklä-
gerin zumindest von Eventualvorsatz des Beschuldigten auszugehen (vgl. dazu
auch die Staatsanwaltschaft, Urk. 116 S. 4). Andere als egoistische Beweggründe
sind nicht ersichtlich. Das Verhalten des Beschuldigten war allein darauf ausge-
richtet, seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Zu seinen Gunsten ist anzu-
nehmen, dass der von ihm konsumierte Alkohol bzw. das zu sich genommene
Marihuana eine leicht enthemmende Wirkung auf ihn hatte. Mit der Verteidigung
(Urk. 111 S. 7) ist weiter davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte auch
durch die von ihm als locker und ungezwungen empfundene Atmosphäre zur Tat
beeinflussen liess. Im Ergebnis wirken sich die subjektiven Umstände leicht
strafmindernd aus. Angemessen erweist sich eine Freiheitsstrafe von rund
30 Monaten.
5.2. Weitere Delikte
Die im Urteil vom 1. Februar 2019 für die weiteren Delikte ausgesprochene Zu-
satzstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe (Urk. 86 S. 49) wurde vor Bundesgericht
nicht angefochten. Darauf ist heute nicht mehr zurückzukommen (vgl. dazu auch
die Verteidigung, Urk. 111 S. 8). Die Erwägungen zu den Tatkomponenten sind
nachfolgend nochmals wiederzugeben.
5.3. Missachtung der Eingrenzung
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigen, dass sich der
Beschuldigte am 19. März 2017 nach Zürich zum Club E._ im F._ und
danach zur Wohnung der Privatklägerin in der Nähe des G._-Platzes begab.
- 23 -
Er hielt sich damit in einiger Distanz zum zulässigen Bereich (Gemeindegebiet
H._) auf. Gemäss seinen Aussagen kam der Beschuldigte nach Zürich, um
hier Musik zu hören. Er habe danach wieder nach Hause gehen wollen (Urk. 6/2
S. 2; Urk. 6/5 S. 2 und 13). Damit hat der Beschuldigte einmal und bloss für kurze
Zeit gegen die Eingrenzung verstossen. Einen nachvollziehbaren Anlass für die
Missachtung der Eingrenzung hatte der Beschuldigte demgegenüber nicht, nach-
dem er sich allein deshalb nach Zürich begab, um hier Musik zu hören. Wie sich
aus der Verfügung des Migrationsamts Zürich vom 20. Oktober 2016 ergibt, soll
mit der Eingrenzung nicht nur die Anwesenheit des Beschuldigten mit Blick auf
den Vollzug der Wegweisung kontrolliert, sondern ihm auch bewusst gemacht
werden, dass er sich illegal in der Schweiz aufhält und nicht vorbehaltlos von den
mit der Anwesenheit verbundenen Freiheiten profitieren kann (Urk. 18/4 S. 2). Mit
seinem Verhalten bringt der Beschuldigte zum Ausdruck, dass er sich schlichtweg
nicht um den Entscheid des Migrationsamts kümmert. Insgesamt ist das Ver-
schulden als leicht einzustufen. Für die Missachtung der Eingrenzung rechtfertigt
sich eine Erhöhung der Einsatzstrafe um 45 Tage.
5.4. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz
Dem Beschuldigten ist Besitz sowie Verkauf von Marihuana anzulasten. Wie viel
Marihuana der Beschuldigte damals auf sich getragen hat, ist unklar. Angesichts
der Aussagen von I._ kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der
Beschuldigte lediglich eine kleine Menge Marihuana verkauft hat. I._ gab in
der Untersuchung an, der Beschuldigte habe ihm für die Fr. 20.– lediglich ganz
wenig Marihuana gegeben. Er habe sich deshalb auch bei ihm beschwert
(Urk. 8/8 S. 4 f.). Zu Gunsten des Beschuldigten ist weiter zu berücksichtigen,
dass die Initiative für die Verkaufshandlung von I._ ausging. Da der Beschul-
digte nicht geständig ist, bleibt das Motiv unklar. Es ist jedoch davon auszugehen,
dass es finanzieller Natur war. Die von der Vorinstanz für dieses Delikt vorge-
nommene Erhöhung von 10 Tagen (Urk. 64 S. 41) erweist sich als angemessen
und ist zu übernehmen.
- 24 -
5.5. Rechtswidriger Aufenthalt
Zur objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte während
rund zweieineinhalb Monaten rechtswidrig in der Schweiz aufgehalten hat. Die
Dauer des rechtswidrigen Aufenthalts ist damit vergleichsweise kurz. Dass der
Beschuldigte Anstalten getroffen hätte, um aus der Schweiz auszureisen bzw.
sich um die erforderlichen Ausreiseformalitäten zu bemühen, ergibt sich nicht aus
den Akten und wird auch von ihm nicht geltend gemacht. Ein nachvollziehbarer
Grund für dieses Verhalten ist nicht ersichtlich. Insgesamt erweist sich eine Erhö-
hung der Einsatzstrafe um 60 Tage als angemessen.
5.6. Fazit Tatkomponenten
Aufgrund der Tatkomponenten resultiert eine Einsatzstrafe von 33 Monaten und
25 Tagen.
6. Täterkomponenten
6.1. Der Beschuldigte machte in der Untersuchung und vor Vorinstanz nur weni-
ge Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen. Aus seinen Aussagen sowie
den Akten ergibt sich, dass er am tt. Oktober 1989 geboren wurde. In den Akten
wird der Beschuldigte als Bürger von J._ [Staat] geführt. Er behauptet aber,
aus K._ [Staat] zu stammen (Urk. 6/6 S. 6 f.; Urk. 23/1). Gemäss seinen An-
gaben besuchte der Beschuldigte in Afrika während acht Jahren die Schule. Er
sei gelernter Automechaniker und habe diese Arbeit während fünf Jahren ge-
macht (Urk. 6/5 S. 14). Vor seiner Verhaftung lebte der Beschuldigte in der Notun-
terkunft H._, wobei ihm pro Tag Fr. 8.– Nothilfe ausgerichtet wurden. Hinzu
kam ein unregelmässiger Verdienst aufgrund der Leistung von Arbeitseinsätzen.
Der Beschuldigte gab an, in keiner Beziehung zu sein und keine Kinder zu haben
(Urk. 6/5 S. 13 f.; Prot. I S. 12). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der
Beschuldigte aus, dass er in L._ in K._ geboren, aber bei seinem Stief-
vater im M._ [Staat] aufgewachsen sei. Entgegen früherer Depositionen gab
er an, nie die Schule besucht zu haben und weder Lesen noch Schreiben zu kön-
nen. Hingegen habe er eine Ausbildung zum Automechaniker absolviert, was 6
Jahre gedauert habe. Er habe sowohl im M._ als auch in N._ [Ort] in
- 25 -
J._ gearbeitet; zuletzt aber im M._, worauf er noch nach O._ [Ort]
gereist und sich längere Zeit dort aufgehalten habe. Bevor er im Jahr 2014
schliesslich in die Schweiz gelangt sei, habe er sich noch in Frankreich aufgehal-
ten. Er sei nicht mehr verheiratet, habe aber einen Sohn, wobei er dessen jetzi-
gen Aufenthaltsort nicht kenne. Er habe weder Vermögen noch Schulden (Urk. 85
S. 9 ff.). An den persönlichen und finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten
hat sich seit dem Urteil vom 1. Februar 2019 nichts geändert. Der Beschuldigte
lebt nach wie vor als abgewiesener Asylbewerber im Rückkehrzentrum H._
(Urk. 111 S. 4).
Im Werdegang und in den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten finden
sich keine strafzumessungsrelevanten Besonderheiten.
6.2. Der Beschuldigte ist mehrfach einschlägig vorbestraft. Im Zeitpunkt der Be-
gehung der vorliegend zu beurteilenden Taten war der Beschuldigte im Schweize-
rischen Strafregister mit vier Verurteilungen eingetragen (Urk. 104 = Urk. 134). Mit
Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 18. Juni 2015
wurde er wegen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz mit einer Geld-
strafe von 5 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse von Fr. 90.– bestraft.
Weiter wurde er mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittel-
land vom 17. August 2015 wegen rechtswidrigen Aufenthalts, Missachtung der
Ein- oder Ausgrenzung, Hinderung einer Amtshandlung sowie Vergehens gegen
das Betäubungsmittelgesetz mit einer Freiheitsstrafe von 70 Tagen sowie einer
Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft. Nachdem die neuen Delikte
in die mit Strafbefehl vom 18. Juni 2015 angesetzte Probezeit fielen, wurde der
Beschuldigte verwarnt. Dessen ungeachtet wurde der Beschuldigte wieder straf-
fällig. Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom
20. November 2015 wurde er wegen Hinderung einer Amtshandlung, rechtswidri-
gen Aufenthalts, Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung sowie Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes mit einer Freiheitsstrafe von 60 Tagen und einer Busse
von Fr. 100.– bestraft. Da diese Delikte wiederum während der Probezeit began-
gen wurden, wurde die mit Strafbefehl vom 18. Juni 2015 angesetzte Probezeit
um ein Jahr verlängert. Nachdem der Beschuldigte erneut während der Probezeit
- 26 -
delinquierte, wurde diese Strafe schliesslich mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Zürich-Limmat vom 22. Januar 2017 widerrufen. Für die neuen Delikte
(rechtswidriger Aufenthalt sowie Missachtung der Eingrenzung) wurde der Be-
schuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 30 Tagen bestraft. Die vorliegenden Straf-
taten beging der Beschuldigte nur kurz nach dieser Verurteilung. Es liegen wiede-
rum Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz und das Betäubungsmittelge-
setz vor. Mit der Begehung der Schändung hat der Beschuldigte zudem auch
schwerer delinquiert. Das Verhalten des Beschuldigten zeugt von beträchtlicher
Unbelehrbarkeit und Einsichtslosigkeit. Offenkundig vermochten ihn die bisher er-
gangenen Verurteilungen in keiner Weise zu beeindrucken. Insgesamt rechtfertigt
sich aufgrund des strafrechtlich relevanten Vorlebens des Beschuldigten eine
merkliche Straferhöhung.
6.3. Der Beschuldigte verhielt sich im vorliegenden Verfahren teilweise unkoope-
rativ und zeigte sich nur zum Teil geständig. Die teilweisen Eingeständnisse be-
schränkten sich auf Elemente des objektiven Sachverhaltes, welche aufgrund der
sich aus den vorhandenen Beweismitteln ergebenden erdrückenden Beweislast
offenkundig waren. Ein Bestreiten hätte wenig Sinn ergeben. Einsicht oder Reue
zeigte der Beschuldigte nicht. Das Nachtatverhalten schliesst somit eine Straf-
minderung aus, wirkt sich aber auch nicht zu seinen Ungunsten aus.
7. Fazit
Während sich der Werdegang des Beschuldigten und seine persönlichen Verhält-
nisse strafzumessungsneutral verhalten, sind seine Vorstrafen erheblich strafer-
höhend zu berücksichtigen. Die Straferhöhung zufolge Vorstrafen hat verhältnis-
mässig zu sein und darf nur einen Teil der Vorstrafe ausmachen, ansonsten eine
unzulässige Doppelbestrafung vorläge (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung,
2. Aufl. 2019, N 324 f.). Unter Berücksichtigung der dargelegten Umstände er-
weist sich für die neu zu beurteilenden Delikte eine Freiheitsstrafe von 36 Mona-
ten als angemessen. Wie bereits dargelegt, ist heute eine Zusatzstrafe zur mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. April 2017 ausgesproche-
nen Freiheitsstrafe zu fällen. In Anwendung des Asperationsprinzips erweist sich
für die neu zu beurteilenden Delikte sowie die bereits mit Strafbefehl der Staats-
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anwaltschaft Zürich-Sihl abgeurteilte Straftat (Missachtung der Eingrenzung) eine
hypothetische Gesamtstrafe von 37 Monaten Freiheitstrafe als angemessen. Da-
von sind die bereits mit Strafbefehl vom 1. April 2017 ausgesprochenen 40 Tage
Freiheitsstrafe abzuziehen. Damit ist der Beschuldigte heute mit einer Freiheits-
strafe von 35 Monaten und 20 Tagen zu bestrafen. Diese Bestrafung erfolgt als
Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. April
2017. Der Anrechnung der erstandenen Haft von 670 Tagen an die Strafe steht
nichts entgegen (Art. 51 StGB).
8. Übertretungsbusse
Die im Urteil vom 1. Februar 2019 für die Übertretung des Betäubungsmittelge-
setzes ausgesprochene Busse von Fr. 100.– und die dafür festgesetzte Ersatz-
freiheitsstrafe von einem Tag (Urk. 86 S. 49) wurden vor Bundesgericht nicht an-
gefochten. Darauf ist heute nicht mehr zurückzukommen (vgl. dazu auch die Ver-
teidigung, Urk. 111 S. 8).
9. Strafvollzug
Angesichts der Höhe der Freiheitsstrafe kommt in objektiver Hinsicht lediglich der
teilbedingte Vollzug in Frage. Hinsichtlich der strafrechtlichen Vorbelastung des
Beschuldigten kann auf vorstehende Ausführungen verwiesen werden (Ziff. III.2.
und 6.2.). An dieser Stelle ist nochmals festzuhalten, dass sich der mehrfach ein-
schlägig vorbestrafte Beschuldigte in der Vergangenheit weder von Strafuntersu-
chungen noch von diversen Verurteilungen von neuerlicher Delinquenz abhalten
liess. Eine Änderung in seinem Verhalten ist nicht ersichtlich. Es ist daher von ei-
ner ungünstigen Prognose auszugehen und die ausgefällte Freiheitsstrafe zu voll-
ziehen.
IV. Landesverweisung
1. Ausgangslage
Der Beschuldigte wird wegen Schändung im Sinne von Art. 191 StGB schuldig
gesprochen. Damit hat er eine Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB began-
- 28 -
gen und ist daher grundsätzlich obligatorisch für 5 bis 15 Jahre des Landes zu
verweisen. Das Gericht kann ausnahmsweise von einer Landesverweisung abse-
hen, wenn diese für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall bewir-
ken würde und die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber
den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht über-
wiegen (Art. 66a Abs. 2 StGB). Die Härtefallklausel ist restriktiv anzuwenden
(BGE 144 IV 332 E. 3.3.1).
2. Würdigung
Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschuldigte am 14. Oktober 2014 ein Asyl-
gesuch gestellt hat, das mit Entscheid des Staatssekretariats für Migration vom
24. März 2015 abgelehnt wurde. Der Beschuldigte wurde aus der Schweiz weg-
gewiesen, wobei eine Ausreisefrist bis 19. Mai 2015 angesetzt wurde. Der Ent-
scheid erwuchs am 27. April 2015 in Rechtskraft (Urk. 18/1; Beizugsakten der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 2017/10002330, Urk. 7/6). Seither hält sich der
Beschuldigte rechtswidrig im Lande auf. Dass er in der Schweiz sozial oder beruf-
lich integriert wäre, wurde seitens des Beschuldigten nicht geltend gemacht und
ergibt sich nicht aus den Akten. Vor seiner Verhaftung lebte der Beschuldigte im
Rückkehrzentrum H._, wobei ihm pro Tag Fr. 8.– Nothilfe ausgerichtet wur-
den. Er lebt nicht in einer Partnerschaft. Gemäss seinen Angaben an der Beru-
fungsverhandlung vom 1. Februar 2019 hat er einen Sohn, wobei er dessen jetzi-
gen Aufenthaltsort nicht kennt (Urk. 6/5 S. 13 f.; Prot. I S. 12; Urk. 85 S. 16). Seit
dem Urteil vom 1. Februar 2019 haben sich in den persönlichen und finanziellen
Verhältnissen des Beschuldigten keine Änderungen ergeben. Er lebt nach wie vor
als abgewiesener Asylbewerber im Rückkehrzentrum H._ (Urk. 111 S. 4).
Der Beschuldigte weist demnach weder soziale noch berufliche Verbindungen zur
Schweiz auf. Ein schwerer persönlicher Härtefall ist vor diesem Hintergrund nicht
ersichtlich und wurde im Übrigen auch von der Verteidigung nicht geltend ge-
macht. Die von der Vorinstanz festgelegte Dauer der Landesverweisung von
10 Jahren erscheint in Anbetracht des Verschuldens des Beschuldigten (vgl. dazu
Ziff. III.5.1.), seiner zahlreichen Vorstrafen sowie der mangelnden Verwurzelung
in der Schweiz angemessen und ist zu bestätigen.
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3. Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem
3.1. Eine Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) setzt voraus,
dass die Voraussetzungen von Art. 21 und 24 SIS-II-Verordnung erfüllt sind. Die
Ausschreibung wird eingegeben, wenn die Entscheidung nach Art. 24 Ziff. 1 SIS-
II-Verordnung auf die Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung oder die
nationale Sicherheit gestützt wird, welche die Anwesenheit des betreffenden Dritt-
staatsangehörigen im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats darstellt (Art. 24 Ziff. 2
Satz 1 SIS-II-Verordnung). Dies ist insbesondere bei einem Drittstaatsangehöri-
gen der Fall, der in einem Mitgliedstaat wegen einer Straftat verurteilt worden ist,
die mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist (Art. 24 Ziff. 2
lit. a SIS-II-Verordnung). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind die
Voraussetzungen von Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-II-Verordnung erfüllt, wenn für die
begangene Straftat im Gesetz eine Freiheitsstrafe im Höchstmass von einem Jahr
oder mehr vorgesehen ist. Unabhängig davon ist stets zu prüfen, ob von der be-
troffenen Person eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgeht.
Damit wird dem in Art. 21 SIS-II-Verordnung verankerten Verhältnismässigkeits-
prinzip Rechnung getragen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1178/2019 vom
10. März 2021 E. 4.3, 4.6 und 4.8 mit Hinweisen).
3.2. Der Beschuldigte wird heute wegen Straftaten verurteilt, die mit einer Frei-
heitsstrafe von einem Jahr oder mehr bedroht sind. Hinsichtlich seiner strafrechtli-
chen Vorbelastung kann auf obige Ausführungen verwiesen werden (Ziff. III.6.2.).
Der Beschuldigte ist sowohl in Bezug auf Ausländerdelikte als auch in Bezug auf
Betäubungsmitteldelikte einschlägig vorbestraft (Urk. 104 = Urk. 134). Er hat sich
in der Vergangenheit weder von Strafuntersuchungen noch von seinen diversen
Verurteilungen von neuerlicher Delinquenz abhalten lassen. Eine Änderung in
seinem Verhalten ist nicht ersichtlich. Vielmehr ist der Beschuldigte heute zusätz-
lich wegen eines schwerwiegenden Sexualdelikts zu verurteilen. Die Schwere der
Straftaten des Beschuldigten hat sich damit massiv gesteigert. Wie bereits darge-
legt, liegt ein schwerer Eingriff in die sexuelle Integrität der Privatklägerin vor. Ei-
ne Gefahr für die öffentliche Sicherheit ist vor diesem Hintergrund zu bejahen.
Dass die Ausschreibung der Landesverweisung im SIS zu einer unverhältnismäs-
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sigen Einschränkung der Bewegungsfreiheit des Beschuldigten führen würde,
wurde seitens der Verteidigung nicht behauptet und ist auch nicht ersichtlich. Die
Landesverweisung ist daher im Schengener Informationssystem auszuschreiben.
V. Ersatzforderung
Im Urteil der erkennenden Kammer vom 1. Februar 2019 wurde von einer Ersatz-
forderung abgesehen (Urk. 86 S. 50), was vor Bundesgericht nicht angefochten
wurde. Es kann deshalb auf die diesbezüglichen Erwägungen im Urteil vom
1. Februar 2019 verwiesen werden (Urk. 86 S. 44), welche nach wie vor Gültigkeit
haben.
VI. Zivilansprüche
1. Ausgangslage
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten dem Grundsatze nach verpflichtet, der Pri-
vatklägerin Schadenersatz aus dem Ereignis vom 19. März 2017 zu bezahlen.
Weiter hat sie den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 20'000.– zu-
züglich 5 % Zins ab 19. März 2017 als Genugtuung zu bezahlen (Urk. 64 S. 52).
Die Privatklägerin beantragt im Berufungsverfahren die Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils (Urk. 119 S. 2). Der Beschuldigte stellt angesichts des bean-
tragten Freispruchs den Antrag, die Zivilansprüche der Privatklägerin seien abzu-
weisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. 111 S. 2 und 8). Hin-
sichtlich der Voraussetzungen für die Geltendmachung von Schadenersatz- und
Genugtuungsansprüchen kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 64 S. 45 f.).
2. Schadenersatz
Nachdem der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Schändung zu bestätigen ist,
kann hinsichtlich der grundsätzlichen Verpflichtung des Beschuldigten zur Leis-
tung von Schadenersatz auf die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Ur-
teil verwiesen werden (Urk. 64 S. 47). Im Berufungsverfahren liess sich der Be-
schuldigte diesbezüglich denn auch nicht mehr substantiiert vernehmen. Es ist
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damit festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus dem
eingeklagten Ereignis vom 19. März 2017 dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Schadenersatzanspruches ist die
Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
3. Genugtuung
Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat Anspruch auf Leis-
tung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern die Schwere der Verletzung es
rechtfertigt und diese nicht anders wiedergutgemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1
OR). Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene immaterielle Unbill.
Bemessungskriterien sind vor allem die Art und Schwere der Verletzung, die In-
tensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, der
Grad des Verschuldens des Haftpflichtigen, ein allfälliges Selbstverschulden des
Geschädigten sowie die Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch die Zah-
lung eines Geldbetrags. Die Höhe der Summe, die als Abgeltung erlittener Unbill
in Frage kommt, lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen
(BGE 132 II 117 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Gemäss den verbindlichen Erwägungen
des Bundesgerichts kam es zum Geschlechtsverkehr zwischen dem Beschuldig-
ten und der Privatklägerin, als sich diese im Tiefschlaf befand (Urk. 103 S. 7). Der
vom Beschuldigten vorgenommenen sexuellen Handlung kommt damit eine hohe
Eingriffsintensität zu. Es liegt ein schwerer Eingriff in die sexuelle Integrität der
Privatklägerin vor. Daran ändert nichts, dass sich kein länger dauerndes Tatge-
schehen erstellen lässt. Gemäss den Angaben der Privatklägerin musste sie den
Beschuldigten zudem mehrfach von sich wegstossen, bis er von ihr abliess
(Urk. 7/1 S. 2 f.; Urk. 7/2 S. 7 und 18). Besonders schwerwiegende Begleitum-
stände wies der sexuelle Übergriff nicht auf. Die Privatklägerin war keiner physi-
schen Gewalt ausgesetzt und hat durch den Übergriff keine körperlichen Verlet-
zungen erlitten (Urk. 11/3 S. 3 f.; vgl. auch Urk. 7/1 S. 9 f.). Die Aussagen der Pri-
vatklägerin zu den Geschehnissen nach der Tat könnten fälschlicherweise dahin-
gehend interpretiert werden, dass sie den sexuellen Übergriff des Beschuldigten
gut verarbeitet und dieser keine nachhaltigen Folgen gezeitigt hat. Gemäss ihren
Angaben hat sie nach der Tat weiter geschlafen und weder die Polizei alarmiert
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noch sich an ihren im selben Zimmer schlafenden Kollegen, P._, gewandt
(Urk. 7/1 S. 2 f. und 10; Urk. 7/2 S. 7). Auch am nächsten Tag meldete sich die
Privatklägerin nicht bei der Polizei, sondern suchte nach Arbeitsschluss die
Q._ auf (Urk. 7/1 S. 9; Urk. 7/2 S. 12). Gemäss ihren Aussagen habe sie ei-
nen ärztlichen Check-up durchführen wollen (Urk. 7/1 S. 9). Bei der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme bestätigte sie, dass sie die Q._ aus gesundheitli-
chen Gründen aufgesucht habe (Urk. 7/2 S. 21). Gegenüber der Polizei erklärte
die Privatklägerin sodann, dass sie keine Angst vor dem Beschuldigten habe. Sie
finde, er sei ein Arschloch (Urk. 7/1 S. 10). In Bezug auf das Verhalten der Privat-
klägerin nach der Tat kann im Weiteren auf die Erwägungen im Urteil vom
1. Februar 2019 verwiesen werden (Urk. 86 S. 22 ff.). Aus den Ausführungen der
Vertreterin der Privatklägerin (Urk. 51 S. 5 ff.; Urk. 85 S. 28 ff.) sowie den vor Vo-
rinstanz und im Berufungsverfahren eingereichten Berichten (Urk. 52/1-2;
Urk. 120/1) geht jedoch klar hervor, dass die Privatklägerin durch die Ereignisse
stark belastet wurde, was in Anbetracht des Tatgeschehens nachvollziehbar und
glaubhaft ist. Angesichts der durch die Tat erlittenen psychischen Beeinträchti-
gungen musste sie sich auch für längerer Zeit in psychotherapeutische Behand-
lung begeben (Urk. 52/2; Urk. 120/1). Ihre Lebensumstände haben sich seither
wesentlich geändert (Urk. 82/2; Urk. 120/1). Soweit die Privatklägerin geltend ma-
chen lässt, dass der mit Urteil vom 1. Februar 2019 erfolgte Freispruch vom Vor-
wurf der Schändung zu einer Verschlechterung ihres physischen und psychischen
Befindens geführt habe, wobei als weitere massive Belastung die Corona-Krise
hinzugetreten sei (Urk. 119 S. 6 f.; Urk. 120/1), ist demgegenüber festzuhalten,
dass diese Umstände nicht dem Beschuldigten angelastet werden können. Der
Verteidigung ist daher darin zu folgen, dass dies keinen Einfluss auf die Höhe des
Genugtuungsanspruchs gegenüber dem Beschuldigten haben kann (Urk. 126
S. 5). Im Ergebnis erweist sich die von der Vorinstanz zugesprochene Genugtu-
ung von Fr. 20'000.– als überhöht. Angemessen erscheint eine Genugtuung in
der Höhe von Fr. 15'000.–. Der Beschuldigte ist deshalb zu verpflichten, der Pri-
vatklägerin Fr. 15'000.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 19. März 2017 als Genugtu-
ung zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
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VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens
Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 11) ist zu bestätigen. Aus-
gangsgemäss sind die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Ge-
richtsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, dem Be-
schuldigten aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung sind unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Kosten des Berufungsverfahrens
Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres Ob-
siegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem das Bundesgericht
das Urteil der erkennenden Kammer vom 1. Februar 2019 aufgehoben hat, sind
die Kosten für das Berufungsverfahren neu zu regeln. Mit dem heutigen Urteil
werden die vor Vorinstanz ergangenen Schuldsprüche vollumfänglich bestätigt.
Mit seiner Berufung erreicht der Beschuldigte indes eine Reduktion der Sanktion.
Zudem wird keine Ersatzforderung festgesetzt und die der Privatklägerin vor Vor-
instanz zugesprochene Genugtuung reduziert. Bei diesem Verfahrensausgang
rechtfertigt es sich, die Kosten des (ersten) Berufungsverfahrens SB180176, mit
Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, zu drei Vierteln dem Beschul-
digten aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die
Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang
von drei Vierteln vorzubehalten ist. Dass das Urteil vom 1. Februar 2019 vom
Bundesgericht aufgehoben und ein weiteres Verfahren nötig wurde, haben nicht
die Parteien zu vertreten. Demnach sind die Kosten für das (zweite) Berufungs-
verfahren SB200085, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Die amtliche Verteidigung ist gestützt auf die von
ihr eingereichten Honorarnoten (Urk. 112; Urk. 127) mit Fr. 3'515.– zu entschädi-
gen.
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3. Parteientschädigung
3.1. Die Privatklägerin beantragt, es sei ihr für das Vorverfahren und das erstin-
stanzliche Gerichtsverfahren – wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 64 S. 53) – eine
Prozessentschädigung von Fr. 11'320.20 zuzusprechen. Weiter beantragt sie für
das Berufungsverfahren SB180176 eine Prozessentschädigung von Fr. 5'425.70
und für das Berufungsverfahren SB200085 eine solche von Fr. 4'498.20 (Urk. 119
S. 7).
3.2. Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch
auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren,
wenn sie obsiegt (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Die Aufwendungen betreffen in ers-
ter Linie die Anwaltskosten, soweit diese durch die Beteiligung am Strafverfahren
selbst verursacht wurden und für die Wahrung der Interessen der Privatkläger-
schaft notwendig waren (BGE 139 IV 102 E. 4.1). Ein Obsiegen ist dann gegeben,
wenn die beschuldigte Person im Strafpunkt verurteilt wird und der Privatkläger-
schaft die geltend gemachte Zivilforderung zugesprochen wird (SCHMID/JOSITSCH,
StPO Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N 6 zu Art. 433). Die Regelung von
Art. 433 StPO gilt auch im Rechtsmittelverfahren (Art. 436 Abs. 1 StPO). Auch
wenn Art. 436 StPO diesbezüglich keine direkte Verweisungsnorm aufweist, rich-
tet sich die Norm hinsichtlich des Entschädigungsanspruches und der -pflicht
nach dem Grundsatz des Obsiegens bzw. Unterliegens, welcher in Art. 428 StPO
Niederschlag gefunden hat (BSK StPO-WEHRENBERG/FRANK, 2. Aufl. 2014, N 6 zu
Art. 436 mit Hinweisen).
3.3. Ausgangsgemäss hat die Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten An-
spruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Ver-
fahren. Die Vorinstanz sprach der Privatklägerin gestützt auf die geltend gemach-
ten Aufwendungen (Urk. 52/3) eine Prozessentschädigung von Fr. 11'320.20 für
das Vorverfahren und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren zu (Urk. 64 S. 53).
Diese Entschädigung erweist sich als angemessen und ist zu bestätigen. Im Beru-
fungsverfahren SB180176 machte die Privatklägerin Aufwendungen in der Höhe
von Fr. 2'560.35 geltend, wobei in der eingereichten Honorarnote für die Teilnah-
me an der Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung kein Zeitaufwand
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eingesetzt war (Urk. 82/3). Mit Eingabe vom 19. Oktober 2020 machte die Privat-
klägerin hierfür einen zusätzlichen Zeitaufwand von 10.10 Stunden sowie weitere
Barauslagen geltend (Urk. 119 S. 7). Der für die Teilnahme an der Berufungsver-
handlung vom 1. Februar 2019, inklusive Wegzeiten, geltend gemachte Aufwand
von 4.75 Stunden und die geltend gemachten Barauslagen von Fr. 34.50 sind
nicht zu beanstanden. Für die Nachbearbeitung erweist sich demgegenüber ein
Aufwand von einer Stunde als hinreichend (vgl. dazu auch die für das Berufungs-
verfahren SB200085 eingereichte Honorarnote, Urk. 120/2). Die Prozessentschä-
digung für das Berufungsverfahren SB180176 ist deshalb auf Fr. 4'207.65 festzu-
setzen. Der Beschuldigte ist damit zu verpflichten, der Privatklägerin für das Vor-
verfahren und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren sowie das Berufungsverfah-
ren SB180176 eine Prozessentschädigung von insgesamt Fr. 15'527.85 zu be-
zahlen. Für das Berufungsverfahren SB200085 ist die Privatklägerin aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen. Der Beschuldigte hat nicht zu vertreten, dass infolge
der Rückweisung durch das Bundesgericht ein weiteres Verfahren nötig wurde.
Die von der Privatklägerin geltend gemachten Aufwendungen in der Höhe von
Fr. 4'498.20 (Urk. 119 S. 7; Urk. 120/2) sind ausgewiesen und erweisen sich als
angemessen. Der Privatklägerin ist für das Berufungsverfahren SB200085 des-
halb eine Prozessentschädigung von Fr. 4'498.20 aus der Gerichtskasse zuzu-
sprechen.