Decision ID: 181f5092-4ced-5834-9524-52beae306f39
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Der A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der C._ GmbH als Geschäftsführer
angestellt und dadurch bei der B._ AG (nachfolgend: B._) gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als er am 23. Oktober 2020 (Datum gemäss
Dokumentenverzeichnis) durch seine Arbeitgeberin einen am 10. Oktober 2020
erlittenen Unfall melden liess (UV-act. G 3.1-1 unvollständig bei den Akten).
A.a.
Die Erstbehandlung hatte am 14. Oktober 2020 bei Dr. med. D._, Facharzt FMH
für Allgemeinmedizin, stattgefunden. Diesem gegenüber hatte der Beschwerdeführer
angegeben, am 10. Oktober 2020 beim Golfspielen einen rechtsseitigen Stich
bekommen und seither starke Schmerzen, auch nachts, zu haben. Dr. D._ hatte die
Befunde Eupnoe, reines Vesikuläratmen, sonorer Klopfschall über allen Lungenflügeln,
schmerzfreie Thoraxkompression und punktuelle Druckdolenzen in der
Medioklavikularlinie zwischen der 8. und 9. Rippe erhoben und eine Muskelzerrung
interkostal rechts diagnostiziert. Zur Behandlung hatte er dem Versicherten ein
entzündungshemmendes Schmerzmittel sowie eine Wärmecrème je für eine Woche
verschrieben und ihm vom 10. bis zum 18. Oktober 2020 eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert (UV-act. G 3.1-6).
A.b.
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Am 22. Oktober 2020 war der Versicherte wegen persistierender Schmerzen
rechts kostal (ventralseits) von Dr. med. E._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
behandelt worden. Anlässlich dieser Behandlung hatte Dr. E._ dem Versicherten eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 10. bis zum 31. Oktober 2020 bescheinigt (UV-act. G
3.1-7).
A.c.
Am 4. November 2020 machte der Versicherte in einem Fragebogen der B._
nähere Angaben zum Ereignis vom 10. Oktober 2020 (UV-act. G 3.1-9).
A.d.
Die B._ legte den Schadenfall ihrem Vertrauens- und Versicherungsarzt Dr. med.
F._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, zur Beurteilung der Leistungspflicht der
Versicherten vor. In seiner Beurteilung vom 10. November 2020 hielt dieser fest, dass
keine eindeutigen Befunde vorliegen würden, welche die Diagnose einer akuten
Muskelzerrung oder gar eines Muskelrisses ausreichend zu begründen vermöchten.
Die beklagten Beschwerden entsprächen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keiner
Listenverletzung (act. G 3.1-10).
A.e.
Am 12. November 2020 teilte die B._ dem Versicherten mit, es läge weder ein
Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne des Gesetzes vor, weshalb
es nicht möglich sei, für das gemeldete Ereignis vom 10. Oktober 2020 Leistungen aus
der Unfallversicherung zu erbringen (UV-act. G 3.1-11).
A.f.
Mit Schreiben vom 24. November 2020 teilte der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt H.R. Gantenbein, Buchs, mit, er sei mit der Leistungsablehnung nicht
einverstanden. Zur Begründung führte er an, dass der Fehlschlag beim Golfen
verbunden mit der Muskelzerrung sämtliche Voraussetzungen eines Unfalls erfülle (UV-
act. G 3.1-12).
A.g.
Am 1. Dezember 2020 forderte die B._ bei Dr. D._ den Bericht mit den
klinischen Befunden zur Diagnose der Muskelzerrung ein (UV-act. G 3.1-13). Nachdem
dieser am 7. Dezember 2020 mittgeteilt hatte, dass weder eine Röntgen- noch eine
Ultraschalluntersuchung durchgeführt worden sei (UV-act. G 3.1-15), legte die B._
den Schadenfall erneut ihrem Vertrauensarzt Dr. F._ zur Prüfung der Frage, ob sich
der Versicherte eine Listenverletzung zugezogen habe, vor. Am 10. Dezember 2020
teilte dieser mit, dem Bericht von Dr. D._ seien keine neuen Erkenntnisse zu
A.h.
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B.

Erwägungen
1.
entnehmen. Für einen Muskelriss oder eine -zerrung lägen keine ausreichenden
Befunde vor. Für unspezifische Thoraxbeschwerden gäbe es diverse Gründe/Ursachen
(UV-act. G 3.1-16).
Am 26. Januar 2021 verfügte die B._ ihre Leistungsablehnung (UV-act. G 3.1-18).A.i.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte durch Rechtsanwalt Gantenbein am
23. Februar 2021 Einsprache erheben. Zur Begründung führte er an, die
Voraussetzungen für die Ausrichtung von Versicherungsleistungen seien gegeben (UV-
act. G 3.1-20).
A.j.
Mit Einspracheentscheid vom 13. April 2021 wies die B._ die Einsprache ab (UV-
act. G 1.2).
A.k.
Gegen den Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), nach wie vor vertreten durch Rechtsanwalt Gantenbein, mit
Eingabe vom 10. Mai 2021 Beschwerde erheben. Darin wurde beantragt, der
angefochtene Einspracheentscheid vom 13. April 2021 sei aufzuheben und es sei
festzustellen, dass die B._ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) Taggelder für das
Ereignis vom 10. Oktober 2020 zu leisten habe, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt P. Philipp, Chur, die Abweisung der Beschwerde (act. G
3).
B.b.
In der Replik vom 13. Juli 2021 liess der Beschwerdeführer an seinem
Beschwerdeantrag festhalten (act. G 7).
B.c.
Mit Duplik vom 2. August 2021 liess die Beschwerdegegnerin ebenfalls an ihrem
Abweisungsantrag festhalten (act. G 9).
B.d.
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Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin in Bezug auf das Ereignis vom
10. Oktober 2020 zu Recht ihre Leistungspflicht verneint hat.
2.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt
nach Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach
sich gezogen hat (BGE 112 V 202 f. E. 1). Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn
er - nach einem objektiven Massstab - nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den
jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist (BGE 134 V 76 E. 4.1; André Nabold,
N 22 zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 32 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S. 31; BGE 134 V 76 E 4.1
und 129 V 404 E. 2.1; RKUV 2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b; je mit Hinweisen). Das für den
Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach
Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei
unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in
der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam „programmwidrig“ beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt
oder auszuführen versucht. Dass es tatsächlich zu einem Sturz kommt, wird mithin
nicht vorausgesetzt (BGE 130 V 118 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April
2014, 8C_783/2013, E. 4.2; je mit Hinweisen).
2.1.
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Bei einer Sportverletzung ist ohne besonderes Vorkommnis das Merkmal der
Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalls zu verneinen (BGE 130 V 118
E. 2.2 mit Hinweis). Hingegen ist bei sportlichen Tätigkeiten ein Unfall im Rechtssinn
dann anzunehmen, wenn die sportliche Übung anders verläuft als geplant (vgl. RKUV
1992 Nr. U 156 S. 258). Wenn sich das in einer sportlichen Übung inhärente Risiko
einer Verletzung verwirklicht, liegt kein derartiges Unfallereignis vor. Ein solches ist
auch dann zu verneinen, wenn die Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art der
Ausführung sich aber in der Spannweite des Üblichen bewegt (RKUV 2004 Nr. U 502 S.
185 E. 4.4).
2.2.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz
und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht
hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes
vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die
blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen
nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste
würdigen (BGE 144 V 429 f. E. 3.2, Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2020,
8C_563/2020, E. 2.3; je mit Hinweis, Locher/Gächter, a.a.O., § 70 N 58 f.).
2.3.
Die leistungsansprechende Person muss die einzelnen Umstände, die zu einem
Unfall geführt haben, nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Kommt sie dieser
Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche
Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig
erscheinen lassen, ist der Unfallversicherer nicht leistungspflichtig. Zur
Glaubhaftmachung eines Unfalls genügt es nicht, einen Gesundheitsschaden
nachzuweisen, der möglicherweise auf ein Unfallereignis zurückgehen könnte, sondern
es müssen über das konkrete Geschehen wahre, genaue und wenn möglich ins
Einzelne gehende Daten namhaft gemacht werden, aufgrund derer der Versicherer in
die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein Bild zu machen und diese in
objektiver Weise abzuklären. Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten
Person über den Unfallhergang wird in der Praxis auf die Beweismaxime abgestellt,
wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" kurze Zeit nach
dem Ereignis in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere
Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
2.4.
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3.
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Diese Beweisregel
kommt jedoch nur dann zur Anwendung, wenn der Sachverhalt nicht auf andere Weise
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt werden kann (zum
Ganzen BSK UVG-Hofer, N 9 ff. zu Art. 6; KOSS UVG-Nabold, N 9 ff. zu Art. 6; Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 29 mit Hinweisen; BGE 121 V 47 E. 2a mit Hinweisen).
Zu prüfen ist zunächst, ob das Ereignis vom 10. Oktober 2020 als Unfall zu
qualifizieren ist, und dabei insbesondere, ob im Sinn der Legaldefinition des Unfalls
gemäss Art. 4 ATSG von einem ungewöhnlichen äusseren Faktor gesprochen werden
kann.
3.1.
Der am 23. Oktober 2020 von der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers
eingereichte Unfallschein UVG ist unvollständig bei den Akten, dementsprechend
können daraus keine Angaben zum Ereignis vom 10. Oktober 2020 entnommen werden
(UV-act. G 3.1-1). Gemäss dem Arztzeugnis UVG vom 28. Oktober 2020 hat der
Beschwerdeführer gegenüber dem erstbehandelnden Arzt Dr. D._ angegeben, am
10. Oktober 2020 beim Golfspielen einen rechtsseitigen Stich bekommen und seither
starke Schmerzen, auch nachts, zu haben (UV-act. G 3.1-6). Mit diesen Angaben
übereinstimmend informierte Dr. D._ im Bericht vom 14. Oktober 2020 den
nachbehandelnden Arzt Dr. E._ über die Erstbehandlung des Beschwerdeführers
(UV-act. G 3.1-8). Dr. E._ gab im Bericht vom 28. Oktober 2020 über die Behandlung
vom 22. Oktober 2020 sodann an, dass der Beschwerdeführer gemäss den ihm
vorliegenden Informationen beim Golfspielen einen "Chlapf" verspürt habe und in der
Folge rechts starke Rippenschmerzen aufgetreten seien (UV-act. G 3.1-7). Nach
Eingang der Schadenmeldung UVG hat die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt mit
einem Fragebogen erhoben (UV-act. G 3.1-9). Darin schilderte der zu einer
ausführlichen, genauen Beschreibung des Unfallhergangs aufgeforderte
Beschwerdeführer am 4. November 2020, er habe beim Golfen einen sehr starken
Schmerz an der rechten Brustseite gespürt. Die Fragen, ob etwas Aussergewöhnliches
geschehen sei und ob es sich um eine alltägliche Handlung gehandelt habe, verneinte
er. Zur Frage, wann sich die Beschwerden erstmals bemerkbar gemacht hätten, gab
der Beschwerdeführer das Ereignisdatum, den 10. Oktober 2020, an (UV-act. G 3.1-9).
Die detaillierte Erhebung der tatsächlichen Verhältnisse erfolgt durch den
Unfallversicherer oft mittels Frageblättern. Im Vordergrund stehen entsprechend - wie
auch im konkreten Fall - Fragen betreffend die für die Leistungspflicht des
Unfallversicherers massgebenden Voraussetzungen bezüglich des Unfallgeschehens.
Sofern der Unfallversicherer die tatsächlichen Verhältnisse mittels Frageblättern
3.2.
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detailliert erhoben hat, ist er seiner Verpflichtung zur richtigen und vollständigen
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts grundsätzlich rechtsgenüglich
nachgekommen (Untersuchungsgrundsatz; vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a).
Der Fragebogen datiert vor dem die Leistungsablehnung ankündigendem Schreiben
vom 12. November 2020 (vgl. UV-act. G 3.1-9, 3.1-11). Eine Beeinflussung des
Beschwerdeführers durch nachträgliche Überlegungen versicherungsrechtlicher oder
anderer Art ist demnach nicht anzunehmen. Insgesamt stimmen die
Sachverhaltsschilderungen des Beschwerdeführers im Fragebogen mit den
Anamneseangaben in den Arztberichten von Dr. D._ überein (vgl. UV-act. G 3.1-6,
3.1-8, 3.1-9). Welche Körperbewegung während des besagten Golfspiels die geltend
gemachten Schmerzen verursachte, wird jedoch weder im Fragebogen noch in den
Anamneseangaben konkret beschrieben. In ihrem Leistungsabweisungsschreiben vom
12. November 2020 hält die Beschwerdegegnerin jedoch fest, der Schadenmeldung
UVG vom 23. Oktober 2020 sei zu entnehmen, dass es dem Beschwerdeführer am
10. Oktober 2020 "beim Abschlag mit Golfen einen Zwick" gegeben habe (UV-act. G
3.1-11). Im Einspracheentscheid vom 13. April 2021 sowie in der Beschwerdeantwort
vom 10. Juni 2021 führt die Beschwerdegegnerin denselben Sachverhalt auf (G 1.2, G
3). Es ist daher anzunehmen, dass in der Schadenmeldung UVG vom 23. Oktober 2020
ein "Abschlag" genannt wird und dass der Beschwerdeführer einen Abschlag beim
Golfen ausführte und dabei einen rechtsseitigen Stich verspürte. Da er sich zudem
weder gegen die Darstellung im Schreiben der Beschwerdegegnerin vom
12. November 2020 noch gegen jene im Einspracheentscheid gewehrt hat, erscheint es
vertretbar, auf den Beizug der Schadenmeldung zu verzichten.
Es ist eine Erfahrungstatsache, dass im alltäglichen Bewegungsablauf und
insbesondere bei sportlichen Betätigungen Dehnungen und ein gewisser Zug auf
Sehnen, Muskeln, Bänder und Gelenke nichts Aussergewöhnliches darstellen, sondern
die genannten Bestandteile des Körpers gerade ein normales und verletzungsfreies
Funktionieren im täglichen Leben, wozu Bewegungen und Drehungen der Arme und
des Oberkörpers und dergleichen gehören, gewährleisten. Allein aus den obigen
Ereignisschilderungen in der Erwägung 3.2 kann deshalb keine Ungewöhnlichkeit
abgeleitet werden (vgl. dazu Erwägung 2.1). Entsprechend verneinte der
Beschwerdeführer auch im Fragebogen vom 4. November 2020 die Frage, ob etwas
Aussergewöhnliches geschehen sei (vgl. UV-act. G 3.1-9). Die Frage, ob es sich um
eine alltägliche Handlung gehandelt habe, verneinte er zwar ebenfalls. Der
Aufforderung, bei Verneinung der Frage die Nichtalltäglichkeit zu beschreiben, kam der
Beschwerdeführer jedoch nicht nach, sodass nicht gesagt werden kann, wie er das
Nein genau versteht bzw. inwiefern es sich nicht um eine alltägliche Handlung
3.3.
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gehandelt hat. Möglich ist, dass er das Golfen selbst als "nicht alltägliche" oder als
"nicht häufig ausgeführte" Verrichtung bezeichnen wollte. Daraus lässt sich jedoch
auch nicht ohne Weiteres eine Ungewöhnlichkeit ableiten. Das Unfallbegriffsmerkmal
der Ungewöhnlichkeit wäre – wie in Erwägung 2.1 erwähnt – nur dann erfüllt, wenn der
Bewegungsablauf beim Golfabschlag zusätzlich durch eine unwillkürliche oder
unkoordinierte Bewegung gestört worden wäre, was beispielsweise dann zutreffen
würde, wenn der Beschwerdeführer gestürzt, ausgeglitten, mit dem Fuss umgeknickt
oder der Schwung zu tief angesetzt worden und der Schlägerkopf hart auf dem Boden
aufgeschlagen wäre (vgl. Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 40). Einen solchen
"Fehlschlag beim Golfen" brachte die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers
gegenüber der Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 24. November 2020 ins Spiel
(UV-act. G 3.1-12). In der Einsprache, in der Beschwerde, wie auch in der Replik wird
jedoch ein diesbezüglicher Sachverhalt nicht mehr aufgegriffen (vgl. UV-act. G 3.1-20,
G 1, G 7). Überdies erfolgte die Erwähnung des Fehlschlags im Nachgang der
angekündigten Leistungsablehnung vom 12. November 2020 (vgl. UV-act. G 3.1-11).
Eine Beeinflussung des Beschwerdeführers durch nachträgliche Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art ist daher nicht auszuschliessen (vgl. BGE
115 V 143 E. 8c; vgl. Erwägung 2.4). Überdies ist im Golfsport auch ein "Fehlschlag"
etwas durchaus Normales, das insbesondere weniger geübten Spielern nicht selten
widerfahren dürfte und daher nicht ohne Weiteres die Merkmale eines Unfalls im
Rechtssinne erfüllen würde (vgl. dazu den Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 20. Oktober 2005, UV 2004/18, E. 3b). Inwieweit, d.h. in
welcher Form und Intensität die Muskulatur oder eine Muskelgruppe des Oberkörpers
des Beschwerdeführers im Sinn einer klar abgegrenzten Belastungssituation beim
Abschlag eines Golfballs übermässig beansprucht wurden, wird konkret in keiner
Weise beschrieben. Im vorliegenden Sachverhalt kann damit keine für den Unfallbegriff
letztlich entscheidende Programmwidrigkeit erblickt werden, welche den Rahmen des
Normalen und Üblichen bei diesem Bewegungsablauf sprengen würde. Mit den obigen
Darlegungen soll nicht in Abrede gestellt werden, dass der beschriebene Vorgang vom
10. Oktober 2020 den Auslösefaktor für den plötzlich aufgetretenen Schmerz auf der
rechten Seite gebildet hat, doch handelte es sich bei diesem Schmerz eben um die
Wirkung eines programmkonformen Vorgangs, der für sich allein nicht für eine
Aussergewöhnlichkeit des äusseren Faktors spricht (BGE 134 V 79 f. E. 4.3.1, 122 V
233 E. 1, 121 V 38 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts vom 14. November 2019,
8C_545/2019, E. 9.1; RKUV 2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 31).
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4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Unfallbegriffsmerkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht erfüllt ist und das Ereignis vom 10. Oktober
2020 kein Unfall im Rechtsinne darstellt. Damit entfällt die Leistungspflicht des
Unfallversicherers gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 4 ATSG.
3.4.
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG (in Kraft seit 1. Januar 2017) erbringt die Versicherung
ihre Leistungen nicht nur bei einem Unfallereignis, sondern auch bei den folgenden,
abschliessend aufgelisteten Körperschädigungen (vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 42
zu Art. 6), sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen
sind: a. Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse;
d. Muskelrisse; e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen;
h. Trommelfellverletzungen. Mit Art. 6 Abs. 2 lit. a bis h UVG wird die gesetzliche
(Kausalitäts-)Vermutung statuiert, dass der Unfallversicherer bei erfüllter
Listendiagnose leistungspflichtig ist. Dieser kann sich aber von seiner Leistungspflicht
befreien, wenn er den Nachweis erbringt, dass die Körperschädigung vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (BGE 146 V 64 ff. E. 8.2.2; Evalotta
Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, das Beispiel des
Meniskusrisses, in: SZS 2018 S. 358; Markus Hüsler, Erste UVG-Revision: wichtigste
Änderungen und mögliche Probleme bei der Umsetzung, in: SZS 2017 S. 33). Der
Gegenbeweis der vorwiegend abnützungs- oder krankheitsbedingten Verursachung
beschlägt den natürlichen Kausalzusammenhang. Nur der rechtsgenügende Nachweis
eines vorwiegend degenerativ oder krankhaft verursachten Schadens, kann zu einer
Verneinung des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. der Leistungspflicht des
Unfallversicherers führen (Samuelsson, a.a.O., S. 358). Der (Gegen-)Beweis der
vorwiegend krankhaften oder degenerativen Pathogenese der Listendiagnose ist
erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50% auf Abnützung oder Erkrankung
beruht (BGE 146 V 64 E. 8.2.2.1 mit Hinweisen). Aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG
vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises ergibt sich allerdings auch nach der am
1. Januar 2017 in Kraft getretenen UVG-Revision die Notwendigkeit der Abgrenzung
der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von
der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit
letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit bleibt auch beim
Vorliegen einer Listendiagnose die Frage nach einem initialen erinnerlichen und
benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung als zeitlicher
Anknüpfungspunkt für Fragen der Versicherungsdeckung oder Zuständigkeit des
Unfallversicherers - relevant (zum Ganzen BGE 146 V 69 f. E. 8.6, Urteil des
4.1.
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Bundesgerichts vom 30. Oktober 2019, 8C_267/2019, E. 6; je mit Hinweisen). Zur
Feststellung der medizinischen Verhältnisse, konkret zur Beurteilung der Tatfrage, ob
eine Schädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, ist
die rechtsanwendende Behörde auf Unterlagen angewiesen, die ihr von Ärzten und
Ärztinnen zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 157 E. 1b mit zahlreichen
Hinweisen; vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 53 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art.
6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55; Samuelsson, a.a.O., S. 357 f.).
Die Frage nach einem initialen erinnerlichen und benennbaren Ereignis kann
insofern offenbleiben, als das Bundesgericht in seinem Entscheid vom 26. Oktober
2017, 8C_325/2017, E. 4.3, festhielt, beim Golfsport handle es sich bei gesamthafter
Betrachtung um eine Dauerbelastung ohne risikoreiche Belastungsspitzen. Immerhin
bestehe aber eine hohe Dauerbeanspruchung des Stütz- und Bewegungsapparats, die
spezifische orthopädische Probleme hervorrufen könne (Urteil des Bundesgerichts vom
26. Oktober 2017, 8C_325/2017, E. 4.3 mit Hinweisen). Namentlich beim Sport können
sogar (meist partielle) Muskelrisse auch infolge Koordinationsstörung, schlechter
Dosierung der Kraft, Verkrampfung, schlechtem Trainingszustand oder mangels
vorgängiger Aufwärmungsübungen auftreten (vgl. dazu Alfred Bühler, Die unfallähnliche
Körperschädigung, in: SZS 1996, S. 103 mit Hinweisen).
4.2.
Der erstbehandelnde Arzt Dr. D._ hatte am 14. Oktober 2020 die Befunde
Eupnoe, reines Vesikuläratmen, sonorer Klopfschall über allen Lungenflügeln,
schmerzfreie Thoraxkompression und punktuelle Druckdolenzen in der
Medioklavikularlinie zwischen der 8. und 9. Rippe erhoben (vgl. UV-act. G 3.1-6) und
klinisch keine Indikation für eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung gesehen (vgl.
UV-act. G 3.1-15). Als Diagnose hatte er eine Muskelzerrung interkostal rechts gestellt,
womit grundsätzlich eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 lit. e UVG vorliegt (vgl.
UV-act. G 3.1-6). Der Vertrauens- und Versicherungsarzt der Beschwerdegegnerin, Dr.
F._, ging demgegenüber in seinen Aktenbeurteilungen vom 10. November und 10.
Dezember 2020, auf welche sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht bei
ihrer Leistungsablehnung abstützte, davon aus, dass keine eindeutigen Befunde
vorlägen, welche die Diagnose einer Muskelzerrung bestätigen würden. Eine
unspezifische Druckdolenz interkostal zwischen der 8. und 9. Rippe in der
Medioklavikularlinie ohne Begleitverletzungen wie Schwellungen, Hämatom oder
bildgebende Befunde würde die Diagnose einer akuten Muskelzerrung oder gar eines
Muskelrisses nicht ausreichend begründen (UV-act. G 3.1-10, G 3.1-16). Unter
Bezugnahme auf medizinische Fachliteratur (vgl. UV-act. G 3.1-17) führte Dr. F._
sodann aus, dass es für unspezifische Thoraxbeschwerden multiple Gründe/Ursachen,
4.3.
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5.
wie beispielsweise Kostochondritis, Schmerzsyndrom der unteren Rippen,
Kostovertebralsyndrom ("eingeklemmter" interkostaler Nerv), funktionelle
Brustschmerzen oder somatoforme Störungen, gäbe. Dr. F._ beurteilte, dass eine
solche Ursache aufgrund der überlangen, medizinisch nicht nachvollziehbaren
Krankschreibung (richtig wohl: Attestierung der Arbeitsunfähigkeit) wahrscheinlicher als
eine veritable Muskelverletzung sei, und kam zum Schluss, dass die beklagten
Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keiner Listenverletzung
entsprächen (UV-act. G 3.1-10, G 3.1-16). Insofern stellt sich in Bezug auf die
Beurteilung des Vorliegens einer unfallähnlichen Körperschädigung im Sinn von Art. 6
Abs. 2 UVG speziell die Frage, inwieweit die von Dr. D._ gestellte Diagnose einer
Muskelzerrung überhaupt als rechtsgenüglich bewiesen zu betrachten ist.
Eine bestimmte Verletzung geht in der Regel mit verletzungsspezifischen
Symptomen bzw. typischen klinischen Befunden einher. Muskelverletzungen sind alle
auf eine unterschiedlich starke Überbelastung des Muskels zurückzuführen und
unterscheiden sich im Ausmass der Verletzung an einzelnen Muskelfasern oder an
ganzen Muskelfaserbündeln (vgl. Simone Waldt/Matthias Eiber/Klaus Wörtler,
Messverfahren und Klassifikation in der muskuloskelettalen Radiologie, 2011, S. 190 ff.
mit Hinweis). Eine Muskelverletzung entwickelt sich durch eine chronische oder akute
übermässige unphysiologische Bewegung, wie eine Überdehnung oder Drehung des
Muskels, oder durch eine fehlende Muskelkoordination bei Überdehnungen, Zerrungen
und Prellungen (zum Ganzen: Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Auflage 2017,
S. 1202; Waldt/Eiber/Wörtler, a.a.O., S. 190; Matthias Kieb/Olaf Lorbach/Martin
Engelhardt, Muskelverletzungen: Diagnostik und Behandlungen, in: Der Orthopäde
2010, 12/2010, S. 1098; Martina Feichter, Muskelzerrung, 10. Januar 2017, <https://
www.netdoktor.ch/krankheiten/muskelzerrung/>, abgerufen am 24. September 2021).
Gemäss der medizinischen Literatur wird eine schmerzhafte Muskelverhärtung als
geringste und ein Muskelriss als stärkste Muskelverletzung klassifiziert (vgl. Waldt/
Eiber/Wörtler, a.a.O., S. 191; Kieb/Lorbach/Engelhardt, a.a.O., S. 1104; je mit
Hinweisen). Beim Muskelriss (Ruptur) wird ein Muskel vollständig oder partiell
eingerissen oder zerrissen, die Kontinuität des Muskels ist unterbrochen.
Demgegenüber sind Muskelzerrungen auf geringe Muskelüberbelastungen
zurückzuführen, nur einzelne Muskelfasern reissen ein (Bühler, a.a.O., S. 103; Waldt/
Eiber/Wörtler, a.a.O., S. 190; Kieb/Lorbach/Engelhardt, a.a.O., S. 1098; Feichter,
a.a.O.). Muskelverletzungen werden in Sprint- und Sprungsportarten oft durch
traumatische, plötzlich exzessive oder chronische Überbelastungen hervorgerufen
5.1.
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(Kieb/Lorbach/Engelhadt, a.a.O., S. 1098 f. mit Hinweisen). Bei einer Muskelzerrung
kommt es zu krampfartigen, typischerweise langsam und kontinuierlich zunehmenden
ziehenden Schmerzen im betroffenen Muskel, welche mit einer Schwellung
einhergehen können (Feichter, a.a.O.; Kieb/Lorbach/Engelhadt, a.a.O., S. 1100). Die
Diagnosestellung einer Muskelverletzung erfolgt mit einer gründlichen Anamnese des
Verletzungsereignisses und klinisch durch Abtasten des betroffenen Muskels auf
Muskelhärte und Druckschmerzhaftigkeit sowie durch die Überprüfung der
Muskelfunktion mit und ohne Widerstand (Kieb/Lorbach/Engelhadt, a.a.O., S. 1100;
Feichter, a.a.O.). Das Dehnen und Anspannen des gezerrten Muskels führt zwar zu
Schmerzen und der betroffene Muskelbereich fühlt sich schmerzhaft angespannt an
(Feichter, a.a.O.), bei einer blossen Muskelzerrung ist die Muskelfunktion - anders als
bei einem Riss – jedoch nicht eingeschränkt (Kieb/Lorbach/Engelhadt a.a.O., S. 1104,
Feichter, a.a.O.). Zur Verifizierung der Verletzung und zur Diagnosestellung bietet sich
eine Ultraschall- oder MRI-Untersuchung und zum Ausschluss eines Muskeldefekts
eine Sonografie an (Kieb/Lorbach/Engelhadt, a.a.O., S. 1100; Pschyrembel, a.a.O., S.
1202). Bei einer Muskelzerrung lokalisiert sich die Verletzung typischerweise im
Muskelbauch. Da bei einer Muskelzerrung kein Gewebeschaden entsteht, gelangen alle
Muskelfasern intakt zur Darstellung, als typischer Befund lassen sich dennoch
ödematöse Veränderungen um die intakten Faserstrukturen abgrenzen (zum Ganzen
Waldt/Eiber/Wörtler, a.a.O., S. 190 f.).
Gemäss Arztzeugnis UVG hat Dr. D._ im Rahmen der Erstbehandlung klinisch
die für eine Muskelzerrung typischen Druckdolenzen erhoben. Auffällig ist hingegen,
dass er im Übrigen klinisch ausschliesslich vollkommen normale Befunde vermerkt
hatte. Obwohl für die Diagnosestellung – wie gesagt – die Muskelhärte sowie die
Muskelfunktion bestimmend sind, kann dem Arztzeugnis UVG nicht entnommen
werden, dass entsprechende Überprüfungen erfolgt sind (vgl. UV-act. G 3.1-6; Kieb/
Lorbach/Engelhadt, a.a.O., S. 1100). Ebenfalls nicht belegt ist, ob der Hergang des
Ereignisses und der Verletzungsmechanismus anamnestisch hinreichend erhoben
worden waren. Ein eigentlicher Verletzungsmechanismus - wie eine Verdrehung, eine
Überdehnung oder eine Prellung (vgl. Erwägung 5.1) - lässt sich der von Dr. D._
vermerkten Anamnese jedenfalls nicht entnehmen. Überdies ist – wie in Erwägung 3.3
festgestellt wurde – in Bezug auf den Golfabschlag vom 10. Oktober 2020 auch keine
Überdehnung oder Verdrehung nachgewiesen. Der Beschwerdeführer hatte gegenüber
Dr. D._ sodann ausschliesslich unspezifisch "starke Schmerzen" angegeben, die für
eine Muskelzerrung charakteristischen Schmerzen sind dem Arztbericht UVG hingegen
nicht zu entnehmen (vgl. UV-act. G 3.1-6). Eine Schwellung zeigte sich offenbar
ebenfalls nicht und Dr. D._ sah die Indikation für eine bildgebende Untersuchung
5.2.
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nicht als gegeben (vgl. UV-act. G 3.1-15). Nach dem Gesagten haben also ausser der
interkostalen Druckdolenz zwischen der 8. und 9. Rippe in der Medioklavikularlinie
keine typischen Befunde für eine Muskelzerrung vorgelegen. Aufgrund dieser
aktenkundigen Befundsituation überzeugt die gestellte Diagnose der Muskelzerrung
nicht. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (vgl. dazu BGE 135 V 470 f. E. 4.5, 125 V 353 E. 3cc; je mit Hinweisen). Es ist
damit nicht auszuschliessen, dass die Diagnose von Dr. D._ lediglich auf der
subjektiven, kurzen Ereignisschilderung bzw. den Angaben des Beschwerdeführers
basierte.
Die Tatsache, dass beim Golfabschlag der Muskel des Führungsarmes (Serratus
Anterior-Muskel), der breit gefächert am Brustkorb ansetzt, in allen Phasen des
Schwungs konstant aktiviert ist und dadurch einem höheren Verletzungsrisiko
unterliegt (vgl. Jan Schneider, Kleines ABC der Golfverletzungen, 30. August 2018,
<https://orthinform.de/patienteninformationen/kleines-abc-der-golfverletzungen>,
abgerufen am 24. September 2021), lässt die Diagnose einer Muskelzerrung ebenfalls
nicht überwiegend wahrscheinlich erscheinen. Die Druckdolenzen wurden von Dr.
D._ interkostal lokalisiert, der Serratus Anterior-Muskel setzt jedoch auf den Rippen
und nicht zwischen diesen an (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 1198). Beim Abschlag
handelt es sich zwar um einen dynamischen, gleichwohl aber in aller Regel sehr
harmonischen Bewegungsablauf. Durch die gleichförmige Schwungbewegung wären
typischerweise mehrere Muskelfächer betroffen, entsprechend wären an mehreren
Stellen Druckdolenzen zu erheben gewesen. Auch wenn der Oberkörper beim
Golfspielen stärker belastet wird als bei manch anderer, den Oberkörper belastenden
Alltagsaktivität, werden die einzelnen Muskelgruppen dabei nicht bis an die Grenzen
ihrer Leistungsfähigkeit angespannt (Schneider, a.a.O.). Daraus ergibt sich, dass beim
Golfen die Muskeln, wenn überhaupt, nur geringen Überbelastungen ausgesetzt sind.
Eine solche Verletzung dürfte demnach aus denselben Gründen, wie sie in Erwägung
5.2 in Bezug auf die Befundsituation dargelegt worden sind, ausser Betracht fallen.
5.3.
Der von Dr. F._ vertretene Standpunkt, dass die Diagnose einer Muskelzerrung
aufgrund der medizinisch nicht nachvollziehbaren Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
wenig wahrscheinlich sei, findet in der medizinischen Literatur eine eindeutige Stütze
(vgl. UV-act. G 3.1-10). So heilt eine Muskelzerrung im Allgemeinen innerhalb von drei
bis sechs Tagen aus (Kieb/Lorbach/Engelhadt, a.a.O., S. 1103, Waldt/Eiber/Wörtler,
a.a.O., S. 191, Feichter, a.a.O., vgl. dazu auch Urteil des Sozialversicherungsgerichts
des Kantons Zürich vom 15. August 2017, UV.2016.00071, E. 3.6 und 4.2). Dr. D._
5.4.
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hatte dem Beschwerdeführer sodann eine volle Arbeitsaufnahme ab dem 19. Oktober
2020 bescheinigt (UV-act. G 3.1-6). Knapp eine Woche nach der Erstbehandlung vom
14. Oktober 2020 begab sich der Beschwerdeführer am 22. Oktober 2020 aufgrund
persistierender kostaler Schmerzen (ventralseits) erneut in ärztliche Behandlung (vgl.
UV-act. G 3.1-7). Anlässlich dieser Behandlung hatte Dr. E._ neben den subjektiven
Angaben betreffend Schmerzen eine normale Lungenauskultation und ansonsten keine
auffälligen Befunde erhoben und dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit bis
zum 31. Oktober 2020 bescheinigt (vgl. UV-act. G 3.1-7). Auffällig ist, dass die
Schmerzen bei der Erstbehandlung noch interkostal, zwischen den Rippen, und im
Rahmen der Behandlung vom 22. Oktober 2020 nun kostal lokalisiert worden waren
(vgl. UV-act. G 3.1-6, 3.1-7). Dem Arztbericht über die Behandlung vom 22. Oktober
2020 sind überdies wenige Angaben zu entnehmen. So wurde zum Beispiel nicht
vermerkt, wie der Beschwerdeführer die Schmerzen konkret beschrieben hatte oder ob
durch die im Rahmen der Erstbehandlung verschriebenen Schmerzmittel und die
Wärmecrème eine Besserung der Beschwerden hatte herbeigeführt werden können.
Sodann hatte Dr. E._ auch nicht auf eine Ultraschall- oder MRI-Untersuchung
zurückgegriffen. Wie bereits erwähnt, sind solche gerade zur Objektivierung einer
Muskelzerrung geeignet, wurden aber offenbar von Dr. E._ dennoch medizinisch
nicht als indiziert betrachtet. Zusätzliche therapeutische Massnahmen lassen sich dem
Bericht ebenfalls nicht entnehmen. Am 4. November 2020 gab der Beschwerdeführer
im Fragebogen an, noch immer arbeitsunfähig zu sein (vgl. UV-act. G 3.1-9). Die
genauen funktionellen Einschränkungen, welche zu diesem Zeitpunkt noch bestanden
haben sollen, werden nicht dargetan, sodass die prolongierte Arbeitsunfähigkeit bis
zum 31. Oktober 2020, welche gemäss den Angaben des Beschwerdeführers
zusätzlich bis mindestens zum 10. November 2020 verlängert worden war, zumindest
im Zusammenhang mit einer Muskelzerrung nicht nachvollzogen werden könnte.
Insbesondere auch deshalb nicht, weil der Heilungsverlauf normalerweise mit einer
stetigen Abnahme der Beschwerden einhergeht.
Insgesamt lassen sich das Ereignis, die initiale Befundsituation und der weitere
Verlauf nicht zum Bild einer Muskelzerrung zusammenfügen. Für die geltend
gemachten und auch für die fortbestehenden Schmerzen bildet eine Muskelzerrung
keine nachvollziehbare Begründung. Die Beurteilung von Dr. F._, dass unspezifische
Druckdolenzen zwischen der 8. und 9. Rippe in der Medioklavikularlinie die Diagnose
einer Muskelzerrung nicht ausreichend begründen würden, ist vor dem Hintergrund der
Erwägungen nachvollziehbar und überzeugend. Das Vorliegen einer Muskelzerrung im
Sinne einer unfallähnlichen Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 lit. e UVG ist
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Eine
5.5.
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6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 13. April 2021
nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG). Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
7.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).