Decision ID: 5ad69b49-8c1d-4ccf-97ed-d099c3858de3
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Bundesanwaltschaft führt gegen A. und B. sowie gegen weitere  ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren, in dessen  sie am 6. und 8. März 2007 die privaten Räumlichkeiten der beiden Erstgenannten durchsuchen liess, wobei auf Einsprache der beiden  hin die sichergestellten Dokumente und elektronischen Daten  wurden. Das daraufhin von der Bundesanwaltschaft gestellte (zu jenem Zeitpunkt zum Entscheid verbleibende) Entsiegelungsgesuch hiess die I. Beschwerdekammer mit Entscheid BE.2007.4 und BE.2007.5 vom 5. September 2008 teilweise gut und ermächtigte die Bundesanwaltschaft u. a. und im Sinne der Erwägungen, die verbleibenden Inhalte der  Laufwerke nach Erfüllung der in E. 6.4 des Entscheides  Auflage zu durchsuchen (Ziff. 3 des Dispositivs). Zudem auferlegte sie A. und B. die Gerichtsgebühr von Fr. 7'500.-- unter solidarischer Haftbarkeit zur Bezahlung (Ziff. 4 des Dispositivs). Das Bundesgericht hiess eine  von der Bundesanwaltschaft erhobene Beschwerde teilweise gut und hob Dispositiv Ziffern 3 und 4 des angefochtenen  Entscheides auf. Es wies die I. Beschwerdekammer zudem an, die Triage (und nötigenfalls die Löschung) der fraglichen elektronischen Daten vorzunehmen und danach einen neuen Entscheid über die Zulässigkeit und den Umfang der Durchsuchung der sichergestellten Daten sowie über die Kosten des Entsiegelungsverfahrens zu fällen (Urteil des Bundesgerichts 1B_274/2008 vom 27. Januar 2009). Dabei führte das Bundesgericht im erwähnten Urteil u. a. aus, der Entsiegelungsrichter könne bei der Triage zwar nötigenfalls – etwa zur Systematisierung und Sichtung grosser  – geeignete technische Hilfsmittel, Experten und Hilfspersonen beiziehen, jedoch müsse die Triage und die allfällige Aussonderung von geheimnisgeschützten Daten im Entsiegelungsverfahren vom zuständigen Zwangsmassnahmengericht selbstverantwortlich wahrgenommen werden. Im Falle des Beizugs von spezialisierten Fachpersonen der  sei hierbei besondere Sorgfalt darauf zu verwenden, dass diese keine unzulässige Einsicht in geheimnisgeschützte Daten erhielten (Urteil des Bundesgerichts 1B_274/2008 vom 27. Januar 2009, E. 7).
B. In seiner Verfügung vom 27. Februar 2009 skizzierte der Präsident der
I. Beschwerdekammer das mögliche weitere Vorgehen und lud die Parteien ein, sich hierzu zu äussern (act. 4). Aufgrund der eingegangenen  (act. 5, 6 und 7) sowie aufgrund der technischen Hinweise der Bundeskriminalpolizei (act. 14) musste das beabsichtige weitere Vorgehen betreffend die Durchsuchung der elektronischen Daten daraufhin modifi-
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ziert werden. Der entsprechend angepasste modus operandi zur  der elektronischen Daten wurde den Parteien mittels Verfügung des Präsidenten der I. Beschwerdekammer vom 26. Juni 2009 bekannt  und die Bundeskriminalpolizei beauftragt, der I. Beschwerdekammer die Infrastruktur zur Durchsuchung der elektronischen Daten sowie weitere Unterstützungsleistungen zur Verfügung zu stellen (act. 16). Zu Beginn des Monats September 2009 lagen der I. Beschwerdekammer die notwendigen technischen Mittel sowie die notwendigen Instruktionen von Seiten der Bundeskriminalpolizei schliesslich vor.

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Die I. Beschwerdekammer durchsuchte die vorliegenden elektronischen
Daten mittels der Software ENCASE auf geheimnisgeschützte Inhalte (vgl. zu Inhalt und Umfang der geschützten Inhalte den Entscheid des  BE.2007.4 vom 23. Juli 2007, E. 4.4).
2. Bei der ersten Sichtung und Durchsuchung stellte sich heraus, dass ver-
schiedene der Laufwerke, deren Inhalt von der Gesuchstellerin  worden war, von den Gesuchsgegnern zur Datensicherung (sog. „backup“) verwendet worden waren, weshalb eine Vielzahl der sich auf den verschiedenen Laufwerken befindenden Computerdateien vollkommen identisch sind. Zur Erleichterung und Beschleunigung der Durchsuchung wurden deshalb sämtlichen Computerdateien sog. „hash values“ , was die systematische Auffindung und genaue Sortierung aller  Computerdateien ermöglichte. Mit dieser Vorgehensweise konnte zwar vermieden werden, dass über dieselbe Computerdatei mehrfach  werden musste; gleichzeitig machte sie aber die gemeinsame Durchsuchung einer jeweils spezifischen Auswahl (Filterfunktion nach ) aus allen sichergestellten Computerdateien erforderlich.
3. Sämtliche sichergestellten Computerdateien sind in einem mittels ENCASE
erstellten sog. „image“ enthalten, wobei der Inhalt des grössten Teils dieser Dateien auch mit Hilfe von ENCASE eingesehen werden kann. Im Hinblick auf die beabsichtigte Herausgabe aller nicht geheimnisgeschützten Daten an die Gesuchstellerin sind vorab sämtliche vorhandenen Computerdateien selektiert worden; eine Vielzahl von leeren Computerdateien (Grösse 0 KB) konnte hierbei nicht erfasst werden, was aber für die Strafverfolgungsbe-
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hörden insofern keinen Verlust bedeutet, als es sich bei den nicht erfassten ausnahmslos um Dateien ohne Inhalt handelt.
4. Im Anschluss daran wurden die bei der Durchsuchung identifizierten, ge-
heimnisgeschützte Inhalte aufweisenden Computerdateien deselektiert.
4.1 Diesbezüglich sind vorab sämtliche vorhandenen Textverarbeitungsdoku-
mente (insgesamt 41'446 Computerdateien der Dateitypen „doc“, „pdf“, „wpd“, „rtf“ und „txt“) durchsucht worden. Dabei konnte festgestellt werden, dass die in Anhang I („doc“) und Anhang II („pdf“) aufgelisteten  geheimnisgeschützte Inhalte aufweisen, weshalb sie im oben  Sinne deselektiert wurden.
4.2 Anschliessend wurden sämtliche vorhandenen Maildateien (insgesamt
99'441 Computerdateien der Dateitypen „pst“, „ost“, „dbx“, „idx“, „mbx“, „eml“, „msg“ und „nsf“) mit Hilfe von ENCASE oder – nach vorgängiger  – mit anderen geeigneten Hilfsmitteln durchsucht bzw. gesichtet. Diesbezüglich war festzustellen, dass die in Anhang III („msg“) und  IV („eml“) aufgelisteten Computerdateien geheimnisgeschützte  aufweisen, weshalb sie im oben erwähnten Sinne deselektiert wurden. Bei den acht vorhandenen Computerdateien des Dateityps „pst“ handelt es sich um komprimierte Mailarchive, welche eine Vielzahl einzelner E-Mailnachrichten beinhalten, die mit Hilfe von ENCASE jedoch nicht  werden können, weshalb sie zum jetzigen Zeitpunkt deselektiert wurden. Die Triage von deren Inhalt wird noch vorzunehmen sein und über deren Schicksal ist zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden. Der Inhalt der einzigen vorhandenen Computerdatei des Dateityps „nsf“ konnte mit Hilfe von ENCASE ebenfalls nicht eingesehen werden, weshalb sie zum jetzigen Zeitpunkt deselektiert wurde. Die Triage von deren Inhalt wird noch vorzunehmen sein und über deren Schicksal ist ebenfalls zu einem  Zeitpunkt zu entscheiden.
4.3 Die Durchsuchung sämtlicher sich auf den sichergestellten Laufwerken be-
findenden Bilddateien (insgesamt 277'554 Computerdateien der Dateitypen „art“, „bmp“, „gif“, „jpg“, „png“, „wmf“ und „tif“) ergab zwar, wie erwartet (act. 14), dass sich darunter vereinzelt auch eingescannte Dokumente , dass jedoch keines davon geheimnisgeschützte Inhalte aufweist.
4.4 Die Durchsuchung sämtlicher auf den sichergestellten Laufwerken vorhan-
denen Computerdateien des Dateityps „xls“ (mit Ausschluss derjenigen, die sich auf dem fast ausschliesslich Dateien dieses Typs beinhaltenden  HD Lacie 150GB befinden und wofür die Gesuchsgegner ihre Ein-
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sprache gegen die Durchsuchung bereits vorgängig zurückgezogen haben; BE.2007.4 und BE.2007.5, act. 47.3, 55 und 57) hat ergeben, dass der  1 mit Hilfe dieses Dateityps verschiedentlich Faxmitteilungen erstellt hatte, dass jedoch keine dieser Mitteilungen geheimnisgeschützte Inhalte aufweist.
4.5 Die Durchsuchung der sich auf den sichergestellten Laufwerken befinden-
den Archivdateien des Dateityps „zip“ ist mit Hilfe von ENCASE nur unter Inkaufnahme erheblicher Geschwindigkeitseinbussen möglich, weshalb sie zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls deselektiert wurden. Die Triage von deren Inhalt wird noch vorzunehmen sein und über deren Schicksal ist zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden.
4.6 Alle anderen sich auf den sichergestellten Laufwerken befindlichen Datei-
typen weisen keine von den Gesuchsgegnern oder ihren Anwälten erstellte und demnach potenziell geheimnisgeschützte Inhalte auf, weshalb auf  Durchsuchung durch die I. Beschwerdekammer verzichtet werden kann.
5. Die I. Beschwerdekammer hat vom sog. „image“, welches alle sicherge-
stellten Computerdateien beinhaltet, eine Kopie unter Ausschluss der  deselektierten (geheimnisgeschützte, leere oder noch zu ) Computerdateien erstellt (vgl. E. 4), welche sie – nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides – der Gesuchstellerin auf einem externen Laufwerk zur Verfügung stellen wird. Bezüglich der vorerst deselektierten, aber noch zu durchsuchenden Computerdateien (Dateitypen „zip“, „nsf“ und „pst“) wird die I. Beschwerdekammer die Durchsuchung vornehmen und in einem weiteren Entscheid über deren Schicksal befinden, wobei das Verfahren diesbezüglich unter den Verfahrensnummern BE.2010.4 und BE.2010.5 weiterzuführen sein wird.
6. Sämtliche Verfahrenskosten werden nach Abschluss aller Arbeiten be-
stimmt und verlegt.
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