Decision ID: 4d19e0c3-9bdd-4584-bc1a-4e5a1d957c3e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 28.06.2011 Art. 27 ATSG; Art. 53 Abs. 2 ATSG; Art. 8 Abs. 1 lit. f AVIG; Art. 15 Abs. 1 AVIG; Art. 95 AVIG Vermittlungsfähigkeit wegen geplantem Zivildiensteinsatz zu verneinen, da bereits bei der Anmeldung eine Disposition getroffen wurde. Der Personalberater ist jedoch seiner Beratungs- und Aufklärungspflicht nicht nachgekommen. Rückweisung zur Abklärung, wie der Beschwerdeführer sich verhalten und disponiert hätte, falls er vom Personalberater pflichtgemäss beraten und über seine Rechte und Pflichten aufgeklärt worden wäre (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Juni 2011, AVI 2010/105). Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Marie Löhrer, a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; a.o. Gerichtsschreiber David Zünd Entscheid vom 28. Juni 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Boris Züst, Bahnhofstrasse 14, 9430 St. Margrethen SG, gegen RAV Heerbrugg, Berneckstrasse 12, Postfach, 9435 Heerbrugg, Beschwerdegegner, vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen, betreffend Vermittlungsfähigkeit (zeitliche Einschränkung) Sachverhalt:
A.
A.a Der 1988 geborene A._ meldete sich per 2. Dezember 2009 zum Leistungsbezug
bei der Arbeitslosenversicherung an (act. G 5.1/A3, G5.1/A4). Am 19. Februar 2010 bot
ihn die Vollzugsstelle für den Zivildienst zum Zivildiensteinsatz im Alters- und
Pflegeheim B._ mit Arbeitsbeginn am 22. Februar 2010 und Dauer bis 24. September
2010 auf (act. G 5.1/B26). Die Abmeldung beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) Heerbrugg erfolgte per 21. Februar 2010 (act. G 5.1/B21). Für die Kantonale
Arbeitslosenkasse St. Gallen bestanden nachträglich Zweifel an der
Vermittlungsfähigkeit des Versicherten, weshalb sie den Fall am 19. März 2010 der
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kantonalen Amtsstelle bzw. dem RAV Heerbrugg zum Entscheid überwies (act. G 5.1/
B22).
A.b Mit Verfügung vom 7. Juli 2010 verneinte das RAV Heerbrugg die
Vermittlungsfähigkeit ab 2. Dezember 2009 und sprach dem Versicherten den
Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung ab (act. G5.1/A14).
A.c Am 3. September 2010 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom
7. Juli 2010. Die Verfügung sei aufzuheben und sein Anspruch auf Leistungen der
Arbeitslosenversicherung zu bejahen. Er machte geltend, er habe sich nach Abbruch
der Rekrutenschule per 3. November 2009 zwecks Wechsel in den Zivildienst bis zur
Anmeldung beim RAV in Heerbrugg am 2. Dezember 2010 selbständig um Arbeit im
engeren Verwandten- und Freundeskreis bemüht, leider jedoch ohne Erfolg. Weiter
habe er im Monat November 2009 noch eine Lohnauszahlung der C._ erhalten. Nach
der Anmeldung beim RAV Heerbrugg am 2. Dezember 2010 habe er sich bemüht, so
schnell wie möglich eine Arbeitsstelle zu finden. In Absprache mit seinem
Personalberater habe er sich zeitgleich um eine Zivildienststelle bemüht, wobei für ihn
zu jeder Zeit die Arbeitssuche auf dem Arbeitsmarkt an erster Stelle gestanden habe.
Die Anstellung im Alters- und Pflegeheim B._ habe sich sehr kurzfristig ergeben, und
es habe vor dem 19. Februar 2010 keine Anstellung im Alters- und Pflegeheim B._
bestanden (act. G 5.1/A17).
A.d Mit Einspracheentscheid vom 4. Oktober 2010 wies das RAV Heerbrugg die
Einsprache ab. Der Versicherte habe sich bereits vor seiner Anmeldung zum
Leistungsbezug bei der Arbeitslosenversicherung für die Absolvierung des Zivildienstes
angemeldet und somit um die Notwendigkeit gewusst, die Zivildienststelle innerhalb
kurzer Frist antreten zu müssen. Er habe somit sein weiteres Vorgehen bereits vor der
Anmeldung disponiert. Es sei nicht wahrscheinlich, dass ein Arbeitgeber den
Versicherten, aufgrund der kurzen Zeit, während der dieser ihm zur Verfügung
gestanden hätte, bei Beachtung der notwendigen Einarbeitungszeit, berücksichtigt
hätte. Dies gelte umso mehr, als sich der Versicherte ausschliesslich um qualifizierte
Tätigkeiten beworben habe, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen
Anstellung gering sei (act. G 5.1/A18).
B.
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B.a Gegen diesen Entscheid lässt der Versicherte am 5. November 2010 Beschwerde
erheben. Er lässt beantragen, der Einspracheentscheid vom 4. Oktober 2010 und die
Verfügung vom 7. Juli 2010 seien aufzuheben sowie die Angelegenheit im Sinne der

Erwägungen an den Beschwerdegegner zurückzuweisen. Eventualiter sei festzustellen,
dass er ab 2. Dezember 2009 bis und mit 17. Februar 2010 vermittlungsfähig im Sinne
des AVIG gewesen sei. Es wurde zudem die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung beantragt.
Der Rechtsvertreter führt aus, dass der erste Zivildiensteinsatz im ersten Kalenderjahr
nach dessen Zulassung geleistet werden müsse. Dies bedeute, dass der
Beschwerdeführer seinen ersten Einsatz von mindestens 26 Tagen ca. Mitte/Ende
November 2010 hätte absolvieren müssen. Dieser Einsatz hätte zudem sogar noch
hinausgeschoben werden können, falls der Beschwerdeführer bis dahin eine
Arbeitsstelle gefunden hätte und Ende 2010 vor der Wahl des Verlusts des
Arbeitsplatzes oder des Ableistens des Zivildienstes gestanden wäre.
Bei der Anmeldung beim RAV habe der Beschwerdeführer noch überhaupt keinen
Einsatz als Zivildienstleistender in Aussicht gehabt und daher eine normale Arbeitsstelle
gesucht. Er sei seinen Arbeitsbemühungen deshalb vollumfänglich nachgekommen.
Durch Zufall habe der Beschwerdeführer Mitte Januar 2010 davon erfahren, dass in der
Nachbargemeinde im Alters- und Pflegeheim B._ eine Aushilfsstelle zu vergeben sei.
Auf Nachfrage habe das Alters- und Pflegeheim B._ Interesse an einem
Zivildienstleistenden gezeigt, habe allerdings zuerst noch eine Bewilligung für dessen
Anstellung von Seiten des Bundes einholen müssen.
Der Beschwerdeführer sei in der Zeit bis zur Anerkennung des Alters- und Pflegeheim
B._ durch die Bundesstelle seinen Arbeitsbemühungen weiterhin nachgekommen, da
er ja nicht habe sicher sein können, ob das Alters- und Pflegeheim B._ den
Anforderungen an einen Einsatzbetrieb für Zivildienstleistende auch tatsächlich
genügen würde. Erst als die Anerkennung vorgelegen habe und einem
Zivildiensteinsatz im Alters- und Pflegeheim B._ nichts mehr im Weg gestanden sei,
habe er sich beim RAV abgemeldet.
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Von Dezember 2009 bis und mit Januar 2010 habe er ganz normal
Arbeitslosentaggelder ausbezahlt erhalten, und es sei nie davon die Rede gewesen,
dass er nicht vermittlungsfähig sei. Eine reine Ex-Post-Betrachtung sei mangelhaft.
Vom vom Beschwerdegegner erwähnten Bundesgerichtsentscheid unterscheide sich
sein Fall darin, dass der Beschwerdeführer in jenem Fall bereits zum Zeitpunkt der
Anmeldung bei der Arbeitslosenkasse die zu Vermittlungsunfähigkeit führenden
Dispositionen gekannt habe. Er habe jedoch bei der Anmeldung am 2. Dezember 2009
noch nicht gewusst, ob und wann er frühestens einen Zivildiensteinsatz würde leisten
können. Dies hätte genauso gut auch erst nach einem Jahr Arbeitslosigkeit oder
allenfalls sogar noch später der Fall sein können, und es sei daher nicht
nachvollziehbar, wenn dem Beschwerdeführer nun im Nachhinein vorgeworfen werde,
dass er im Februar 2010 eine Zivildienststelle habe antreten können (act. G 1).
B.b Am 26. November 2010 wurde das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung vom Beschwerdeführer zurückgezogen (act. G4).
B.c Mit verspätet eingereichter Beschwerdeantwort vom 20. Dezember 2010 beantragt
das Amt für Arbeit für den Beschwerdegegner die Abweisung der Beschwerde (act. G
5). Für die Klärung des Sachverhalts und die Begründung des Antrages wird auf den
angefochtenen Einspracheentscheid vom 4. Oktober 2010 verwiesen.
B.d Der Beschwerdeführer verzichtet auf eine Replik.
Erwägungen:
1.
1.1 Der vorliegende Sachverhalt ereignete sich vollständig vor Inkrafttreten der im
Zuge der 5. AVIG-Revision revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR
837.0). Die neuen Normen sind am 1. April 2011 in Kraft getreten. Entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln beurteilt sich der vorliegende Sachverhalt
nach den zum Zeitpunkt von dessen Verwirklichung anwendbaren Gesetzen und somit
auch nach den AVIG-Normen vor der 5. AVIG-Revision.
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1.2 Da im vorliegenden Fall bereits Arbeitslosenentschädigung ausbezahlt wurde,
womit die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers implizit bestätigt wurde,
konnte die Beschwerdegegnerin formell bloss im Rahmen einer Wiedererwägung
gemäss Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) darauf zurückkommen. Die für die
Wiedererwägung formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Voraussetzungen
gelten auch mit Bezug auf die Rückerstattung zu Unrecht bezogener Geldleistungen
der Arbeitslosenversicherung gemäss Art. 95 AVIG und finden ebenfalls Anwendung,
wenn die zur Rückforderung Anlass gebenden Leistungen formlos verfügt worden sind
(BGE 126 V 400; vgl. auch BGE 122 V 138 E. 2c, 272 E. 2, 368 E. 3, BGE 107 V 182 E.
2a in fine).
Eine Wiedererwägung ist nur möglich, wenn die Verfügung zweifellos unrichtig war und
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Eine zweifellose
Unrichtigkeit liegt nicht nur vor, wenn die in Wiedererwägung zu ziehende Verfügung
auf Grund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde, sondern auch,
wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Eine
gesetzwidrige Leistungszusprechung gilt regelmässig als zweifellos unrichtig (BGE 126
V 401; vgl. auch ARV 1996/97 Nr. 28, S. 158 E. 3c, BGE 103 V 128).
1.3 Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für einen Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung ist die Vermittlungsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 lit. f AVIG).
Vermittlungsfähigkeit liegt nach Art. 15 Abs. 1 AVIG vor, wenn die arbeitslose Person
bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an
Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Zur Vermittlungsfähigkeit gehört demnach
nicht nur die Arbeitsfähigkeit im objektiven Sinn, sondern subjektiv auch die
Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während
der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 123 V 216 E. 3 mit Hinweis). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts (bis 1. Januar 2007 Eidgenössisches
Versicherungsgericht [EVG]) liegt Vermittlungsunfähigkeit unter anderem vor, wenn eine
versicherte Person aus persönlichen oder familiären Gründen ihre Arbeitskraft nicht so
einsetzen kann oder will, wie es ein Arbeitgeber normalerweise verlangt. Sind einer
versicherten Person bei der Auswahl des Arbeitsplatzes so enge Grenzen gesetzt, dass
das Finden einer Stelle sehr ungewiss ist, muss Vermittlungsunfähigkeit angenommen
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werden. Der Grund für die Einschränkung spielt dabei keine Rolle (BGE 120 V 388 E.
3a).
1.4 In Rechtsprechung und Lehre ist die Vermittlungsfähigkeit in Fällen oft umstritten,
in denen Versicherte für mehrere Monate nicht verfügbar sind, weil sie beispielsweise
(Militär-)Dienst leisten, eine Ausbildung beginnen, ins Ausland reisen oder eine neue
Stelle antreten (vgl. THOMAS NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherung, in: SBVR XIV-
Meyer, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, S. 2259 f., Rz 266, Beispiele in Fn. 574).
Eine stellensuchende Person, die sich in vorbildlicher Weise um Arbeit bemüht und
schliesslich eine nicht unmittelbar freie Stelle findet, behält nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts i.d.R. ihren Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bis zum
Antritt der neuen Stelle (BGE 110 V 207 E. 1). Die Begründung dafür liegt insbesondere
darin, dass die stellensuchende Person, die aus eigenem Antrieb eine nicht sofort
verfügbare Stelle findet, für ihren Einsatz belohnt werden soll und nicht etwa dafür
bestraft werden darf, dass sie die Stelle nicht unmittelbar antreten kann. Es wäre ihr
nicht zumutbar, im Hinblick auf einen - theoretisch zwar möglichen, praktisch aber
wenig wahrscheinlichen - früheren Stellenantritt mit dem Abschluss des Arbeitsvertrags
zuzuwarten und dadurch das Risiko einer allenfalls noch längeren Arbeitslosigkeit auf
sich zu nehmen (BGE 110 V 207 E. 1). Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist
demgegenüber ein Versicherter, der bis zum Einrücken in den Militärdienst nur
während kurzer Zeit einsetzbar gewesen wäre, auf dem in Betracht fallenden
Arbeitsmarkt nicht vermittelbar. Dabei fällt wohl der Gedanke ins Gewicht, dass der
Militärdienstleistende zum Dienst verpflichtet ist und ohne seine Anstrengungen
zugeteilt wird. Das Bundesgericht anerkennt, dass das Ergebnis für den betroffenen
Arbeitslosen unbefriedigend sei, doch habe der Gesetzgeber allfällige Abhilfe zu
schaffen (Urteil des EVG C 455/99 vom 3. Oktober 2000, E. 2b; siehe auch Urteil des
EVG C147/05 vom 4. Oktober 2005, E. 2.2 f.). Wie der Militärdienst ist der Zivildienst
nicht freiwillig; vielmehr ist der Beschwerdeführer zur Leistung desselben verpflichtet
(vgl. Art. 1 Abs. 1; Art. 8 Abs. 1 des Zivildienstgesetzes [ZDG; SR 824.01]). Insofern ist
der Zivildienst mit dem Militärdienst vergleichbar, weshalb es sich nicht rechtfertigt,
von der Rechtsprechung zur fehlenden Vermittelbarkeit vor Militärdiensteinsätzen
abzuweichen (vgl. BGE 123 V 214 E. 5). Im Vergleich zum Militärdienstleistenden ist der
Zivildienstleistende in der zeitlichen Einteilung seiner Einsätze in der Regel freier und
kann diese weitgehend selbst planen (Art. 31a und 35 Abs. 1 der Verordnung über den
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zivilen Ersatzdienst [ZDV; SR 824.01]), weshalb es ihm unter Umständen möglich ist,
den Zivildiensteinsatz direkt anschliessend an die Aufgabe einer Arbeitsstelle (oder
Beendigung einer Aus- oder Weiterbildung) zu legen und so den Eintritt der
Arbeitslosigkeit an sich zu verhindern.
1.5 Nach Art. 27 ATSG sind die Sozialversicherungsträger und die
Durchführungsorgane gesetzlich verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereichs
die interessierten Personen über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären. Wird diese
Pflicht nicht oder ungenügend wahrgenommen, kommt dies einer falsch erteilten
Auskunft des Versicherungsträgers gleich, und der Versicherungsträger hat dafür nach
dem Vertrauensprinzip einzustehen. Es erfolgt in diesem Sinn eine Gleichstellung von
pflichtwidrig unterlassener Beratung mit aktiv erteilter Auskunft (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., 2009, N 27 zu Art. 27).
2.
Es ist zuerst zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung gemäss Art.
53 Abs. 2 ATSG erfüllt waren.
2.1 Für die Frage der zweifellosen Unrichtigkeit ist entscheidend, ob sich die
gesetzliche Anspruchsvoraussetzung der Vermittlungsfähigkeit klar verneinen lässt
(BGE 126 V 401; vgl. auch ARV 1996/97 S. 158 E. 3c/aa). Falls dies der Fall wäre,
würde eine gesetzwidrige Leistungszusprechung, was als zweifellos unrichtig gilt,
vorliegen. Die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung wären erfüllt, da eine
erhebliche Bedeutung bereits bei einer Korrektur im Rahmen von mehreren Hundert
Franken gegeben ist (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., 2009, N 33-34 zu Art. 53).
2.2 Vorliegend streitig und folglich zu beurteilen ist die Vermittlungsfähigkeit des
Beschwerdeführers zwischen dem 2. Dezember 2009 und dem 21. Februar 2010. Für
die darauf folgende Zeit des Zivildienstes besteht unbestrittenermassen kein Anspruch
auf Arbeitslosenentschädigung.
Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang geltend, dass er vom
Zeitpunkt Mitte Januar 2010, als er von der offenen Aushilfsstelle im Alters- und
Pflegeheim B._ sowie dem Interesse an einem Zivildienstleistenden erfahren habe,
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bis zum Zeitpunkt der Anerkennung der Zivildienststelle durch den Bund am 17.
Februar 2010 nicht habe sicher sein können, ob und wann er im besagten Alters- und
Pflegeheim B._ würde seinen Zivildiensteinsatz leisten können. Deshalb habe er sich
pflichtgemäss um Arbeit auf dem regulären Arbeitsmarkt bemüht und sei entgegen der
Auffassung des Beschwerdegegners jederzeit vermittlungsfähig gewesen.
2.3 Gemäss Art. 21 ZDG i.V.m. Art. 38 Abs. 1 ZDV muss der Zivildienstleistende den
ersten Einsatz von mindestens 26 Tagen Dauer innerhalb des auf den Eintritt der
Rechtskraft der Zulassung zum Zivildienst folgenden Kalenderjahres leisten, hat jedoch
zusätzlich gemäss Art. 46 Abs. 3 lit. c ZDV die Möglichkeit, ein Gesuch zu stellen, ein
amtlich angeordneter Zivildiensteinsatz sei zu verschieben, da er sonst seinen
Arbeitsplatz verlieren würde. Der Beschwerdeführer konnte also auch nach seiner
Zulassung zum Zivildienst davon ausgehen, dass ihn dieser bei der Arbeitssuche nicht
behindern sollte, da er weitgehend autonom bestimmen konnte, wann im folgenden
Kalenderjahr er den 26-tägigen Ersteinsatz leisten möchte. Er hätte also bei Aussicht
auf einen baldigen Stellenantritt den Zivildienst auch erst Mitte/Ende November 2010
planen können. Hätte dies bedeutet, dass er den Arbeitsplatz verlieren würde, hätte er
ein Gesuch um Verschiebung des Zivildiensteinsatzes stellen können. Allein durch den
Wechsel in den Zivildienst kann also nicht auf eine Vermittlungsunfähigkeit
geschlossen werden, da es auch als Kaufmann möglich sein sollte, eine auf maximal
11,5 Monate (Dezember 2009 bis Mitte November 2010) befristete Arbeitsstelle zu
finden. Indessen zeigen die Akten, dass beim Beschwerdeführer schon vor der
Anmeldung beim RAV die Absolvierung des Zivildienstes im Vordergrund stand.
2.4 Im Protokoll des ersten Beratungsgesprächs vom 11. Januar 2010 ist zum
aktuellen Stand folgendes festgehalten (act. G 5.1/A9): "Ausbildung bei C._
absolviert, danach konnte der Stes bis Beginn RS weiterbeschäftigt werden. RS hat am
26.10.2009 begonnen und wurde per 04.11.2009 abgebrochen. Stes muss nun
Zivildienst leisten. Er hat die Möglichkeit dies beim Altersheim B._ zu tätigen.
Voraussichtlicher Beginn anfangs Februar 2010. Stes gibt mir noch Bescheid. Im
Herbst 2010 will der Stes Studium in SG antreten. Zivildienst soll als Überbrückung
dienen." Bezüglich der Arbeitsbemühungen ist folgendes notiert: "Möglichkeit
Zivildienst zu leisten, wurde im November abgeklärt. B._ muss zuerst bei der
Zivildienst Administration eingetragen werden, dies dauert voraussichtlich ca 4
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Wochen. Stes kann wegen seiner Abklärungsarbeit im Nov keine Pab nachweisen.
Wird akzeptiert, keine Meldung an RD. Dez 09 i.O. bereits im DMS."
Aus dieser Gesprächsnotiz geht von Anfang an eindeutig hervor, dass beim
Beschwerdeführer nicht die Stellensuche auf dem Arbeitsmarkt im Vordergrund
gestanden ist, sondern die Absolvierung des Zivildienstes. Der Beschwerdeführer hat
denn auch bereits am 28. Dezember 2009 probeweise für den Einsatz im Zivildienst
gearbeitet, wie aus der Gesprächsnotiz des Amtes für Arbeit vom 8. Januar 2010 zu
entnehmen ist (act. G 5.1/B14). Dazu kommen quantitativ und qualitativ ungenügende
Arbeitsbemühungen. So erfolgten alle nachgewiesenen Arbeitsbemühungen bloss
telefonisch, im Dezember 2009 gar allesamt am gleichen Tag (16. Dezember 2009) und
im Januar 2010 innerhalb eines Zeitraums von bloss sechs Tagen. Zudem wurden die
Arbeitsbemühungen im Dezember 2009 erst in der Mitte des Monats und im Januar
2010 gar erst Ende des Monats unternommen (act. G 5.1/A7/A11). Darüber hinaus
bewarb sich der Beschwerdeführer ausschliesslich um Stellen als Bürokaufmann. Er
weitete die Arbeitssuche nicht auf temporäre Einsätze bzw. Hilfsarbeiten aus. Auch
wenn die Arbeitsbemühungen vom zuständigen Personalberater akzeptiert und nicht
beanstandet wurden (act. G 5.1/A7/ A9/A10/A11), zeigt das Verhalten des
Beschwerdeführers dennoch unzweifelhaft auf, dass er an einer Arbeitsgelegenheit bis
zum bevorstehenden Zivildiensteinsatz nicht interessiert war. Im Fokus lag eindeutig,
den Zivildienst baldmöglichst und somit noch vor Studienbeginn im Herbst 2010 zu
absolvieren. Es lag auch im Interesse des Beschwerdeführers, diesen Ersteinsatz so
früh wie möglich antreten zu können, denn je früher er den Zivildienst antrat, desto
länger hätte der Einsatz bis Studienbeginn dauern können. Es erscheint naheliegend,
dass der Beschwerdeführer daran interessiert gewesen ist, einen möglichst langen
Zivildiensteinsatz zu leisten, um einen grossen Teil seiner Dienstpflicht bei
Studienbeginn bereits geleistet zu haben. Seine Vermittlungsfähigkeit ist daher klar zu
verneinen.
2.5 Zu prüfen bleibt, ob das Verhalten des zuständigen Personalberaters beim
Beschwerdeführer ein zu schützendes Vertrauen geweckt hat, dass seine
Vermittlungsfähigkeit nicht in Frage gestellt wird, auch wenn er sich in erster Linie um
die Absolvierung des Zivildienstes kümmerte und keine ersthafte Arbeitssuche betrieb.
Zur Klärung eines Vertrauensschutztatbestandes ist die Streitsache an den
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Beschwerdegegner zurückzuweisen. Ist ein Vertrauensschutztatbestand gegeben, so
wäre der Beschwerdeführer so zu stellen, wie wenn seine Vermittlungsfähigkeit zu
bejahen wäre.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, der
Einspracheentscheid vom 4. Oktober 2010 aufzuheben und die Sache im Sinne der
Erwägungen zur Vornahme weiterer Abklärungen und allfälliger neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
3.3 Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Der Vertreter des Beschwerdeführers verzichtete
auf das Einreichen einer Kostennote. Nachdem der Beschwerdeführer im
Hauptstreitpunkt unterliegt, erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr.
1’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP