Decision ID: ab4427a7-7b38-4043-9a8c-7a3d219762d4
Year: 2022
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A. A. ist Grundeigentümer der Parzelle Nr. 0001, Gemeinde C. Die Parzelle liegt in der
Landwirtschaftszone und ist u.a. mit dem nicht landwirtschaftlich genutzten Wohnhaus
Assek. Nr. 0002 überbaut, welches vom Sohn von A. bewohnt wird. Die letzte rechtskräftige
amtliche Bewertung der Parzelle Nr. 0001 geht auf das Jahr 1993 zurück.
Auszug aus dem Geoportal GIS AR, Orthofoto mit amtlicher Vermessung, Juni 2022
B. Mit Urteil vom 25. April 2019 (act. 9.1) hob das Obergericht die damals angefochtene Grund-
stückschätzung vom 12. Dezember 2003 auf. Gleichzeitig wies es das Grundbuchamt an,
unverzüglich eine aktuelle Neuschätzung der Liegenschaft Parzelle Nr. 0001 anzuordnen.
Auf eine gegen dieses Urteil gerichtete Beschwerde trat das Bundesgericht am 11. Juni 2019
nicht ein (act. 9.3).
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C. Am 14. November 2019 eröffnete das Grundbuchamt C. folgende Grundstückschätzung für
die Parzelle Nr. 0001 (act. 9.4):
Verkehrswert: Fr. 258'000.--
Landwirtschaftl. Ertragswert: Fr. 17'000.--
Verkehrswert (VW)-Zuschläge Fr. 199'000.--
Ertragswert inkl. VW-Zuschläge: Fr. 216'000.--
Belastungsgrenze BGBB Fr. 189'000.--
D. Dagegen erhob A. mit Eingabe vom 11. Dezember 2019 (act. 9.5) Einsprache beim
Grundbuchamt C., welches diese zur Behandlung an die Grundstückschätzungsbehörde
weiterleitete.
E. Mit Entscheid vom 22. Januar 2021 (act. 9.10) wies die Grundstückschätzungsbehörde die
Einsprache ab.
F. Gegen den Einspracheentscheid erhob A. mit Eingabe vom 12. Februar 2021 (act. 9.11)
Rekurs beim Departement Finanzen.
G. Mit Entscheid vom 26. August 2021 (act. 2.2) wies das Departement Finanzen den Rekurs
ab.
H. Dagegen erhob A. (im Folgenden: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 25. September 2021
(act. 1) mit eingangs erwähnten Rechtsbegehren Beschwerde beim Obergericht.
I. Mit Eingaben vom 23. November 2021 (act. 6) und 24. November 2021 (act. 8) liessen sich
die Grundstückschätzungsbehörde (im Folgenden: verfügende Behörde) und das Departe-
ment Finanzen (im Folgenden: Vorinstanz) mit eingangs erwähnten Rechtsbegehren zur
Beschwerde vernehmen.
J. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 1. Dezember 2021 (act. 10) teilte die Verfahrenslei-
tung mit, dass von einer mündlichen Verhandlung abgesehen werde. Gleichzeitig wurde dem
Beschwerdeführer eine Frist von 20 Tagen gewährt, um schriftlich zu den Vernehmlassungen
Stellung zu nehmen (Replik). Dieser wurde darauf hingewiesen, dass angenommen werde,
es werde auf eine Replik verzichtet, wenn innert dieser Frist keine Replik eingehe.
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K. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2021 (act. 11) beantragte der Beschwerdeführer, die Frist
zur Replik bis zum 28. Februar 2022 zu erstrecken. Diese Erstreckung wurde am 15. Dezem-
ber 2021 mit dem Vermerk "Letztmals" gewährt.
L. Mit Eingabe vom 7. Januar 2022 (act. 12) ersuchte der Beschwerdeführer, ihm die Ver-
fahrensakten zur Einsicht zuzusenden. Die Akten wurden ihm am 14. Januar 2022 (act. 12)
in Kopie zugestellt.
M. Mit Schreiben vom 26. Februar 2022 (act. 14), eingegangen am 3. März 2022, beantragte
der Beschwerdeführer eine weitere Fristerstreckung zur Einreichung der Replik bis zum
15. März 2022. Die Verfahrensleitung teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
8. März 2022 (act. 15) mit, dass dem Fristerstreckungsgesuch nicht stattgegeben werde und
dass der Schriftenwechsel damit abgeschlossen sei.
N. Mit Schreiben vom 15. März 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein.
O. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
näher eingegangen.

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Die sachliche bzw. funktionale Zuständigkeit des Obergerichts
ergibt sich aus Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS
143.1) und Art. 25 Abs. 2 der Verordnung über die amtlichen Grundstückschätzungen (GSV,
bGS 621.21). Der Beschwerdeführer ist als Grundeigentümer der Parzelle Nr. 0001 und
Adressat des angefochtenen Rekursentscheids, mit dem seine Begehren abgewiesen
wurden, beschwert. Auf die Beschwerde ist unter folgendem Vorbehalt einzutreten: Nicht
einzutreten ist auf die bei den Vorinstanzen erhobenen Ausführungen und Rügen, an denen
der Beschwerdeführer zwar ausdrücklich festhält, aber diese nicht in der Beschwerdeschrift
selber vorträgt, sondern dafür auf die bei den Vorinstanzen eingereichten Eingaben verweist.
Nach der publizierten Praxis des Obergerichts (AR GVP 24/2012 Nr. 3586) bzw. ehemaligen
Verwaltungsgerichts (AR GVP 10/1998 Nr. 2168) genügt ein pauschaler Verweis auf frühere
Rechtsschriften der Begründungspflicht nicht. Es ist nicht Aufgabe des Gerichts, in früheren
Rechtsschriften nach allfälligen Rügen zu suchen. Nachfolgend wird deshalb einzig auf
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Rügen und Ausführungen eingetreten, welche in Auseinandersetzung mit dem angefochte-
nen Rekursentscheid vom 26. August 2021 in der Beschwerdebegründung selber enthalten
sind. Nur insofern ist die Begründungspflicht als Formerfordernis der Beschwerde erfüllt.
2. Der Beschwerdeführer hat am 15. März 2022 nach dem Abschluss des Schriftenwechsels
eine Stellungnahme (Replik) eingereicht, welche beim Obergericht am 16. März 2022 einge-
gangen ist. Wie in der Sachverhaltsfeststellung ausgeführt, wurde ihm am 15. Dezember
2021 eine grosszügige Fristerstreckung zur Einreichung der Replik von mehr als 6 Wochen
bis zum 28. Februar 2022 mit dem ausdrücklichen Vermerk "Letztmals" gewährt. Für die
Einreichung einer allfälligen Replik hatte der Beschwerdeführer damit insgesamt beinahe
3 Monate Zeit, womit seinem Antrag einer Mindestfrist von 60 Tagen entsprochen und ihm
sogar ausnahmsweise die Kopien der Vorakten zugestellt wurden (Rechtsbegehren 6).
Durch den Vermerk "Letztmals" wurde dem prozesserfahrenen Beschwerdeführer aufge-
zeigt, dass keine weiteren Fristerstreckungen gewährt würden. Dessen zweites Fristerstre-
ckungsgesuch vom 26. Februar 2022 ging zudem erst am 3. März 2022 und damit nach
Ablauf der gewährten Fristerstreckung ein, was in der Verantwortung des Beschwerdeführers
liegt. Da keine Säumnisgründe geltend gemacht werden und auch keine solche ersichtlich
sind (Art. 6 Abs. 2 VRPG) ist die Stellungnahme vom 15. März 2022 im Lichte der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung und herrschenden Lehre aus dem Recht zu weisen (Urteil des
Bundesgerichts 5A_280/2018 vom 21. September 2018 E. 4.1; WIEDERKEHR/PLÜSS, Praxis
des öffentlichen Verfahrensrechts, 2020, Rz. 3570). Dies gilt umso mehr, als dass die Replik
nicht dazu dienen kann, Anträge und Rügen vorzutragen, die bereits mit der Beschwerde
gestellt oder vorgebracht werden können (Urteil des Bundesgerichts 2C_1000 vom 19. Juni
2012 E. 2). Im Folgenden wird zunächst auf weitere Verfahrensanträge eingegangen.
3. Der Beschwerdeführer beantragt, persönlich angehört zu werden sowie eine Mediation. Der
Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 12 VRPG räumt
keinen Anspruch auf eine mündliche Anhörung ein (BGE 134 I 140 E. 5.3; 130 II 425 E. 2.1
= Pra 2005 Nr. 71). Art. 6 EMRK, welcher einen Anspruch auf eine öffentliche mündliche
Verhandlung gewährleistet, ist nicht anwendbar in Steuerverfahren, die nicht strafrechtlicher
Art sind (BGE 140 I 68 E. 9.2 = Pra 103/2014 Nr. 45; BGE 132 I 140 E. 2.1 = Pra 2007
Nr. 40), was somit auch bei der strittigen schätzungsweisen Bewertung einer Liegenschaft
der Fall ist. Im vorliegenden Fall sind zudem keine persönlichkeitsbezogenen Verhältnisse
zu beurteilen, d.h. der persönliche Eindruck des Beschwerdeführers ist für die Entscheid-
findung nicht von Bedeutung, womit eine mündliche Anhörung nicht als notwendig erscheint
(vgl. dazu BGE 142 I 188 E. 3.2 und 3.3). Weder aus dem Bundesrecht noch dem kantonalen
Recht lässt sich zudem ein Anspruch auf Mediation ableiten. Demzufolge ist dieser Antrag
abzuweisen.
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4.
4.1 Der Beschwerdeführer beantragt, ihm die gesamten Berechnungsformulare zu senden,
bestehend aus Form 360, Wohnhaus 8, Wohnhaus Detail, Verkehrslage etc., Wohnhaus
Berechnung, Scheune, Boden, Verkehrslage Betrieb, Wald sowie die vollständige
Mietwertstatistik AR 2021-2019 von allen Gemeinden. Im vorinstanzlichen Verfahren habe
er zusätzliche Auskünfte und Unterlagen eingefordert. Das Akteneinsichtsrecht und eine
abschliessende Stellungnahme seien vollständig verweigert worden.
4.2 Gemäss Art. 18 Abs. 3 GSV und Art. 2 Abs. 4 der Verordnung über das bäuerliche Boden-
recht (SR 211.412.110, VBB) wird über die Schätzung ein Protokoll erstellt. Dieses enthält
alle erforderlichen Angaben über die Bewertung des Grundstücks sowie die Berechnung der
Schätzwerte und nennt die Beteiligten. Ein solches Protokoll mit den erforderlichen Angaben
bildet Bestandteil der Verfahrensakten (act. 9.4.1) und wurde dem Beschwerdeführer zuge-
stellt. Wie die Vorinstanz und die verfügende Behörde vernehmlassungsweise zutreffend
ausführen, ergibt sich weder aus Bundesrecht noch kantonalem Recht ein Anspruch auf die
Zustellung von internen Berechnungsunterlagen. Im vorliegenden Fall wurden dem Be-
schwerdeführer im Einspracheverfahren von der verfügenden Behörde mit Schreiben vom
9. Dezember 2020 (act. 9.9) dennoch weitere Unterlagen zur Berechnung der Schätzung
zugestellt und ihm mehrmals ein persönliches Gespräch angeboten (act. 9.7). Der Beschwer-
deführer hätte es damit in der Hand gehabt, sich die nötigen Informationen im Einsprache-
verfahren zu verschaffen, indem er der Einladung der verfügenden Behörde gefolgt wäre.
Der Beschwerdeführer belegt diesbezüglich nicht, inwiefern ihn die mehrfach erwähnte "aus-
serordentliche Seuchenlage" bspw. von einer telefonischen Besprechung abhielt. Bei dieser
Sachlage kann sich der Beschwerdeführer nicht darüber beschweren, dass ihm Unterlagen
vorenthalten worden seien. Die Rüge wegen Verletzung des Akteneinsichtsrechts ist dem-
zufolge unbegründet.
4.3 Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung ausführt, wurde dem Beschwerdeführer die
Stellungnahme der verfügenden Behörde vom 5. März 2021 (act. 9.16) nicht zugestellt, was
auf einem Versehen beruhe. Da die Stellungnahme vom 5. März 2021 keine neuen und
erheblichen Gesichtspunkte aufgewiesen habe, sei auf einen weiteren Schriftenwechsel
verzichtet worden.
Mit der Vorinstanz ist darin übereinzugehen, dass die verfahrensleitende Behörde im
Rekursverfahren entscheiden kann, ob eine Eingabe zur Stellungnahme zugestellt wird.
Kann die Behörde davon ausgehen, dass die Eingabe am Ergebnis in materieller Hinsicht
nicht ändern vermag, kann sie den Schriftenwechsel schliessen (BGE 138 I 154 E. 2.3.2;
WIEDERKEHR/PLÜSS, a.a.O., Rz. 433). Nach Art. 13 Abs. 1 VRPG hätte der Abschluss des
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Schriftenwechsels dem Beschwerdeführer allerdings formell angezeigt werden und diesem
die Stellungnahme zumindest zur Kenntnisnahme unterbreitet werden müssen. Dass ihm
daraus irgendein Nachteil erwachsen wäre, legt er jedoch nicht dar und ist im Übrigen auch
nicht erkennbar. Dieser Verfahrensfehler wiegt daher nicht schwer und konnte im Beschwer-
deverfahren geheilt werden, da dem Beschwerdeführer vollumfängliche Akteneinsicht
gewährt wurde.
5. Bei der materiellen Beurteilung der hier vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Ober-
gerichts gemäss Art. 56 Abs. 1 VRPG darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid
hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen, wozu auch eine rechtsfehlerhafte
Ausübung des Ermessens zählt. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob die Vorinstanzen den
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt haben. Die Überprüfung der Angemes-
senheit ist dem Obergericht jedoch verwehrt (Art. 56 Abs. 1 VRPG e contrario). Eine im
Gesetz vorgesehene annäherungsweise Ermittlung des Sachverhalts durch Schätzung gilt
grundsätzlich auch als Ermessensfrage, weshalb die Kognition dementsprechend
beschränkt ist. Schätzungen können demzufolge durch das Obergericht nur überprüft
werden, soweit sie Elemente enthalten, die einer Überprüfung nach hinreichend sicher er-
kennbaren Massstäben zugänglich sind, insbesondere soweit es um die anwendbaren
Rechtsgrundlagen und Schätzungsmethoden geht (BGE 138 II 77 E. 6.3 ff., Urteil des Bun-
desgerichts 2C_556/2015 vom 13. Juni 2016 E. 2.2; MARKUS JOOS, in: Glaus/Honsell [Hrsg.],
Gebäudeversicherung, 2009, S. 408; MARCO DONATSCH, in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar
zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N. 64 zu § 50 VRG).
In Fragen, die besondere Fachkenntnisse und einschlägige Erfahrung voraussetzen, greift
das Obergericht nur dann korrigierend in die Beurteilung ein, wenn in einzelnen Bereichen
der Schätzung von unrichtigen Voraussetzungen ausgegangen worden ist oder wenn aus
der Verletzung von Schätzungsnormen oder allgemein anerkannten Schätzungsmethoden
ein gesamthaft unrichtiges Schätzungsergebnis resultiert (RUTH HERZOG, in: Herzog/Daum
[Hrsg.], Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, 2. Aufl.
2020, N. 17 zu Art. 80 VRPG).
5.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass der angewandte Marktwert Art. 108 und 27 BV widerspre-
che. Ein Mietzins von Fr. 900.-- sei eindeutig zu hoch. Auch das Berechnen mit einem Durch-
schnittspreis sei falsch. Diese Berechnungsart treibe die Mietpreise immer weiter in die Höhe.
Mit solchen Schätzungen werde es den einfachen Menschen verunmöglicht, Wohneigentum
zu besitzen. Es werde einfach geschrieben, die Minderwerte würden berücksichtigt, jedoch
lägen keine Formulare vor, die dies belegen würden. Im Vergleich zur gültigen Schätzung
seien der Ertragswert um 490 % und der Verkehrswert um 269 % höher, was in keiner Weise
stimmen und rechtens sein könne. So sei der Ertragswert inkl. Zuschlag in 10 Jahren bei
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Fr. 555'000.-- und der Verkehrswert bei Fr. 663'000.--. Nach der SBV Schätzungsabteilung
würden die Steigerungen knapp 14 % betragen. Damit gelte heute ein Ertragswert von
Fr. 95'000 und ein Verkehrswert von Fr. 110'000.--. Durch das Obergericht sei die Schätzung
aus dem Jahr 2003 aufgehoben worden, womit die neue Schätzung nicht noch wesentlich
höher sein könne. Die Praxis des Verkehrswertzuschlags werde nicht als rechtens erachtet.
5.2 Gemäss Art. 12 Abs. 1 GSV werden landwirtschaftliche Grundstücke nach den Bestimmun-
gen der Bundesgesetzgebung über das bäuerliche Bodenrecht bewertet. Die Bestimmungen
für die Schätzung des landwirtschaftlichen Ertragswerts (Schätzungsanleitung) sind im
Anhang der VBB geregelt. Dabei gelten u.a. folgende Grundsätze: Zusätzliche Wohnungen
zur Betriebsleiterwohnung werden nach nichtlandwirtschaftlichen Bestimmungen geschätzt
(Art. 2 Abs. 1 lit. a VBB). Die in der Schätzungsanleitung enthaltenen Bestimmungen und
Ansätze sind für die Schätzungsbehörden und Schätzungsexpertinnen und -experten
verbindlich (Art. 2 Abs. 2 VBB). Nach Kapitel 4.1 der Schätzungsanleitung vom 31. Januar
2018 (abrufbar unter: <https://www.swissmintshop.admin.ch/cshop_mimes_bbl/8C/8CDCD
4590EE41ED8A4F744D49064ACDD.pdf>, zuletzt besucht am 23. Juni 2022) werden
andere Wohnungen als die Betriebsleiterwohnung ausgehend vom auf dem ortsüblichen
Wohnungsmarkt effektiv erzielbaren Mietzins geschätzt. Dabei wird der langfristig erzielbare
Mietzins kapitalisiert. Es ist von Mietzinsen ohne Nebenkosten auszugehen. Auskünfte über
das örtliche Mietzinsniveau sind bei den Gemeindeverwaltungen oder auf entsprechenden
Immobilien-Plattformen erhältlich. Diese Werte sind jedoch je nach Lage, Lärm- und
Geruchsimmissionen sowie dem Ausbaustandard zu korrigieren. Die Höhe des Kapita-
lisierungssatzes bestimmt sich aus dem Basiszinssatz anerkannter Bewertungsnormen und
einem Zuschlag für Bewirtschaftungskosten. Zur Berücksichtigung der Bewirtschaftungs-
kosten wird der Kapitalisierungssatz in der Regel um 1% bis 3% höher angesetzt als der
Basiszinssatz. Die untere Grenze gilt für massive Neubauten (wirtschaftliches Gebäudealter
unter 30 Jahren) mit guter Ausbauqualität, die obere Grenze für ältere, leicht gebaute
Gebäude (wirtschaftliches Gebäudealter über 50 Jahren) mit schlechter Ausbauqualität
(Kapitel 4.6 der Schätzungsanleitung).
Diese Bestimmungen verpflichten die Schätzungsbehörden, sachgerechte Differenzierungen
bei der Bewertung von Liegenschaften vorzunehmen, soweit sich solche aufgrund der kon-
kreten Verhältnisse aufdrängen.
5.3 Die Vorinstanz und die verfügende Behörde haben im angefochtenen Entscheid und den
Vernehmlassungen nachvollziehbar dargelegt, dass bei der Schätzung des Grundstücks
Nr. 0001 nach der für die Schätzungsbehörden verbindlichen Schätzungsanleitung vorge-
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gangen wurde. So wurde zur Ermittlung des langfristig erzielbaren Mietzinses die Mietwert-
statistik Appenzell Ausserrhoden 2015 der Gemeinde C. herangezogen. Gemäss dieser
betrug der Mietwert für Einfamilienhäuser in den Jahren 2015 bis 2019 im Mittel Fr. 154.--
pro m2 (act. 9.9.2). Aufgrund der Wohnlage, Besonnung, öffentlicher Verkehr, Alter und
Ausbaustandard wurde der Mietwert auf Fr. 110.-- pro m2 reduziert. Durch die Multiplikation
der Hauptnutzfläche mit dem korrigiertem Mietwert ergibt sich eine Jahresmiete von
Fr. 10'800.--, was einem Mietzins von Fr. 900.-- pro Monat entspricht. Diese Bewertung ent-
spricht der verbindlichen Schätzungsanleitung. Dies gilt ebenso für die Festlegung des
Kapitalisierungssatzes (vgl. dazu S. 3 der Vernehmlassung der verfügenden Behörde vom
23. November 2021).
Der Beschwerdeführer verkennt im Weiteren, dass nach Art. 12 Abs. 2 GSV der Ertragswert
zwingend um Verkehrswertzuschläge für anders genutzte Teile des Grundstücks zu erhöhen
ist. Nach Erwägung 2.11 des angefochtenen Entscheids erfolgt die Verkehrswertberechnung
analog dem Kanton St. Gallen, wobei die Verkehrswertzuschläge abhängig vom Minderwert
in Prozent sind. Die Minderwerte wurden bei der Schätzung mit 30 % (Haus) und 40 % (Stall
und Remise) festgelegt, da alle Objekte in einem mittleren Zustand seien. Die Zuschläge sind
auf S. 19 der Anleitung des Kantons St. Gallen ersichtlich (abrufbar auf: <https://www.
gvsg.ch/fileadmin/downloadcenter/web/versichern/Richtlinien_und_Weisungen_Schaetzung
_V_1.00.pdf>, zuletzt besucht am 23. Juni 2022). Nur bei Abbruchobjekten wird kein Ver-
kehrswertzuschlag gemacht (vgl. dazu S. 3 der Vernehmlassung der verfügenden Behörde
vom 23. November 2021). Auch die Berechnung der Verkehrswertzuschläge erweist sich als
nachvollziehbar und ist mit keinen ersichtlichen Rechtsmängeln behaftet.
5.4 Die verfügende Behörde hat die Liegenschaft Nr. 0001 gemäss den geltenden Ermittlungs-
kriterien nach GSV, VBB und der Schätzungsanleitung bewertet. Es ist keine Verletzung von
Schätzungsnormen oder allgemein anerkannten Schätzungsmethoden ersichtlich, aus
welchen ein gesamthaft unrichtiges Schätzungsergebnis resultieren könnte. Aus der Be-
schwerde geht nicht hervor, inwiefern die Schätzung der Liegenschaft des Beschwerdefüh-
rers diesen Schätzungsanforderungen nicht genügt. Eine Überbewertung der Liegenschaft
des Beschwerdeführers ist damit zu verneinen, womit kein Verstoss gegen verfassungs-
mässige Rechte auszumachen ist. Damit gelangt das Obergericht zum Schluss, dass der
verfügenden Behörde keine fehlerhafte Grundstückschätzung vorgehalten werden kann.
Diese bewegt sich im Rahmen des zustehenden Ermessens, in welches das Obergericht
nicht eingreift.
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5.5 Da Schätzungen nach Art. 15 GSV durch die Grundstückschätzungsbehörde vorzunehmen
sind und die strittige Schätzung gemäss den verbindlichen und anerkannten Vorgaben durch-
geführt wurde, kann dem Antrag um eine externe Schätzung durch die B. Treuhand nicht
stattgegeben werden. Es wäre dem Beschwerdeführer freigestanden, die B. Treuhand
während der mehrjährigen Verfahrensdauer selbständig zu konsultieren und ein
Parteigutachten in Auftrag zu geben. Schlussendlich ist darauf hinzuweisen, dass das
Obergericht die Schätzung vom 12. Dezember 2003 mit Urteil vom 25. April 2019 nur auf-
grund der langen Verfahrensdauer und dem Umstand, dass die angefochtene Schätzung aus
dem Jahr 2003 längst überholt war, aufgehoben hat und nicht etwa, weil die Bewertung aus
dem Jahr 2003 als zu hoch eingestuft wurde. Vielmehr ist aufgrund der Sachlage davon aus-
zugehen, dass der Beschwerdeführer jahrzehntelang von einer zu tiefen Bewertung der
Liegenschaft Nr. 0001 profitiert hat, liegt die letzte rechtskräftige amtliche Bewertung der
Parzelle Nr. 0001 doch beinahe 30 Jahre zurück.
6. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird. Ge-
mäss Art. 19 Abs. 3 i.V.m. mit Art. 53 Abs. 1 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor Ober-
gericht gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder auf dessen
Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Dem Beschwerdeführer ist ausgangsgemäss eine Ent-
scheidgebühr aufzuerlegen, wobei eine Gebühr von Fr. 1‘500.-- als angemessen erscheint
(Art. 4a des Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen, bGS 233.2). Der Kosten-
vorschuss von Fr. 1‘500.-- ist anzurechnen. Auf die Zusprechung einer Parteientschädigung
besteht bei diesem Verfahrensausgang kein Anspruch (Art. 53 Abs. 3 VRPG).
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