Decision ID: c79273fa-d706-5290-8cce-7276d05c0c54
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A._ (geb. 1979) wohnte im Jahr 2014 in K._. Er war bei der X._ AG unselbständig
erwerbstätig und einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der sich damals in
Liquidation befindlichen Y._ GmbH. Für das Jahr 2014 deklarierte er Einkünfte aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit von CHF 17‘986. Unter dem Vermerk «Aufrechnung
geldwerte Leistungen (Provisionen) gemäss Meldung Y._ GmbH vom 14.4.16» erhöhte
das Steueramt die Einkünfte um CHF 159‘950 und veranlagte ihn am 20. April 2016 für
die Kantons- und Gemeindesteuern 2014 mit einem steuerbaren Einkommen von
CHF 173‘500 und ohne steuerbares Vermögen. Die direkte Bundessteuer 2014
veranlagte es mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 109‘900. Dagegen erhob
der Steuerpflichtige Einsprachen. Nachdem die Ermessensveranlagung der Y._ GmbH
mit einem steuerbaren Reingewinn von CHF 148‘750 (Umsatz CHF 159'000 abzüglich
anerkannte Aufwendungen von CHF 11'200) und einem steuerbaren Eigenkapital von
CHF 271‘890 am 16. Dezember 2016 rechtskräftig geworden war, wies das Kantonale
Steueramt die Einsprachen mit Entscheiden vom 26. Januar 2017 ab.
Dagegen erhob der Steuerpflichtige mit Eingabe vom 21. Februar 2017 (Datum des
Poststempels) Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission. Dieses
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hiess den Rekurs entsprechend dem Antrag des Kantonalen Steueramtes mit
Entscheid vom 12. September 2017 teilweise gut und reduzierte das steuerbare
Einkommen für die Kantons- und Gemeindesteuern 2014 auf CHF 91‘300. Die
Beschwerde wurde im gleichen Entscheid ebenfalls teilweise gutgeheissen und das
steuerbare Einkommen für die direkte Bundessteuer auf CHF 60‘500 verringert. Die
Aufrechnung betrug nunmehr CHF 77‘680.05 (bei der Y._ GmbH nicht anerkannte
Aufwendungen von CHF 75'000 zuzüglich Differenz zwischen verbuchten und
tatsächlichen Steuern von CHF 2'680).
B. A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe vom 10. Oktober 2017
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, der Entscheid der Vorinstanz
sei aufzuheben sowie die Aufrechnung von CHF 77‘680.05 auf CHF 0 zu korrigieren,
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. Im Übrigen
beantragte der Beschwerdeführer, es sei die Einhaltung der Beschwerdefrist
festzustellen. Am 7. November 2017 reichte der Beschwerdeführer ein Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege ein, welches mit Verfügung vom 9. November 2017
abgewiesen wurde. Die Vorinstanz beantragte mit Eingabe vom 5. Dezember 2017
unter Verweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der
Beschwerden. Das Kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete auf eine
Vernehmlassung und beantragte die Abweisung der Beschwerden. Die Eidgenössische
Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte) verzichtete stillschweigend auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Da die steuerrechtlichen Vorschriften des Bundes und der Kantone zur Veranlagung
des Einkommens hinsichtlich der Einkünfte und der Abzüge, soweit vorliegend
umstritten, vereinheitlicht sind, hat die Vorinstanz den Rekurs betreffend die Kantons-
und Gemeindesteuern 2014 einerseits und die Beschwerde betreffend die direkten
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Bundessteuern 2014 anderseits zu Recht im gleichen Urteil, aber mit getrennten
Dispositivziffern erledigt (BGE 135 II 260 E. 1.3). Ebenso ist es zulässig, dass das
Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen Akt entscheidet (vgl. BGer
2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2; VerwGE B 2014/222 und 223 vom
25. Februar 2016 E. 1; www.gerichte.sg.ch). Die Verfahren können dementsprechend
vereinigt und in einem einzigen Entscheid erledigt werden.
2. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2 der Verordnung
zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 145 des Gesetzes
über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Als im vorinstanzlichen Verfahren
unterlegener Steuerpflichtiger ist der Beschwerdeführer zur Erhebung der
Beschwerden legitimiert. Die Beschwerden gegen den am 19. September 2017
versandten Entscheid wurden mit Eingabe vom 10. Oktober 2017 (Poststempel:
12.10.2017) rechtzeitig erhoben und erfüllen formal und inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP;
Art. 145 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 und 2 DBG). Auf die Beschwerden ist
somit einzutreten.
Die Kognition des Verwaltungsgerichts ist auf Rechtsverletzungen beschränkt; die
beschwerdeführende Person kann sich sodann auch darauf berufen, die angefochtene
Verfügung oder der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder
unvollständig festgestellten Sachverhalt (Art. 61 VRP). Das Verwaltungsgericht ist im
Steuerrecht nicht an die Begehren der Verfahrensbeteiligten gebunden (Art. 196 Abs. 2
StG) und das Novenverbot im Sinne von Art. 61 Abs. 3 VRP gilt in diesem
Rechtsbereich nicht (vgl. VerwGE B 2007/218 vom 13. März 2008 E. 2.1, B 2012/266
vom 12. Februar 2014 E. 2.4.1 und B 2013/8 und 9 vom 12. Februar 2014 E. 4.1,
www.gerichte.sg.ch).
3. Der Beschwerdeführer rügt die Aufrechnung geldwerter Leistungen der Y._ GmbH
im Jahr 2014 an ihn in der Höhe von CHF 77‘680.05.
4.
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4.1. Gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. c StG sind Dividenden, Gewinnanteile,
Liquidationsüberschüsse und geldwerte Vorteile aus Beteiligungen aller Art
(einschliesslich Gratisaktien, Gratisnennwerterhöhungen und dergleichen), soweit sie
keine Rückzahlung von Grund- oder Stammkapital sowie von Einlagen, Aufgeldern und
Zuschüssen, die von den Inhabern der Beteiligungsrechte nach dem 31. Dezember
1996 geleistet worden sind, darstellen, steuerbar. Dasselbe gilt hinsichtlich der
Bundessteuern (Art. 20 Abs. 1 lit. c DBG). Als geldwerte Vorteile gelten neben den
offenen auch die verdeckten Gewinnausschüttungen. Verdeckte
Gewinnausschüttungen an den Beteiligungsinhaber liegen eigens dann vor, wenn
diesen keine oder keine genügenden Gegenleistungen gegenüberstehen und sie einem
an der Gesellschaft nicht beteiligten Dritten nicht oder nicht im gleichen Umfang
erbracht worden wären. Des Weiteren ist auch auf die – zutreffenden - rechtlichen
Ausführungen der Vorinstanz zu den geldwerten Leistungen und der verdeckten
Gewinnausschüttung (E. 2b f. des angefochtenen Entscheids) zu verweisen.
Anzustellen ist demnach ein Drittvergleich (sog. Prinzip des „dealing at arm’s length“),
bei dem alle konkreten Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen sind (Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N 142 zu Art. 20 DBG). Im
Übrigen ist es Sache der steuerpflichtigen Person eine begründete Vermutung der
Steuerbehörden zum Missverhältnis zwischen geldwerter Leistung und Gegenleistung
zu entkräften (BGer 2C_644/2013 vom 21. Oktober 2013 E. 3.2). Bei Beweislosigkeit
trägt folglich die Veranlagungsbehörde die Beweislast für die steuerbegründenden und
-erhöhenden, die steuerpflichtige Person jene für die steueraufhebenden und -
mindernden Tatsachen (BGE 142 II 488 E. 3.8).
4.2. Unbestritten sind die Einkünfte des Beschwerdeführers aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit von CHF 17‘986 sowie die Einnahmen, welche durch die Y._ GmbH
im Jahr 2014 generiert wurden. Bei Letztgenannten handelt es sich insgesamt um
CHF 159‘950 (act. 13/7/IIb). Schliesslich ergibt sich aus dem vorinstanzlichen
Entscheid sodann eine Aufrechnung der geldwerten Leistungen an die Einkünfte des
Beschwerdeführers (als natürliche Person) von CHF 77‘680.05 (act. 13/6/2). Ebenfalls
unbestritten respektive in Rechtskraft erwachsen ist die Ermessensveranlagung der
Y._ GmbH für das Jahr 2014. Dass der Beschwerdeführer eine Einsprache gegen
diese Ermessensveranlagung zurückgezogen hat, tut, wie im Folgenden zu zeigen ist,
nichts zur Sache.
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4.3. Vor Verwaltungsgericht vertritt der Beschwerdeführer die Auffassung, die
Aufrechnung der geldwerten Leistungen sei schon deshalb nicht rechtens, weil die
Veranlagungsbehörden bereits vor der rechtskräftigen Veranlagung der Y._ GmbH
eine Aufrechnung geltend machten, obwohl zu diesem Zeitpunkt nicht feststand,
welche geldwerten Leistungen überhaupt erbracht wurden (act. 1 S. 2 Ziff. 3). Die
Aufrechnung bestand in der Folge aus dem Umsatz der Y._ GmbH. Es würde einen
Widerspruch in sich bedeuten, wenn einerseits von steuerbarem Gewinn und in der
Folge von steuerbarem Eigenkapital bei der juristischen Person und anderseits einer
geldwerten Leistung im gleichen Umfang bei ihm ausgegangen werde.
4.4. Aus den Akten und den Ausführungen des Beschwerdeführers im vorliegenden
Beschwerdeverfahren ergeben sich indessen keinerlei Hinweise, wonach es sich bei
besagten, ihm zugerechneten, geldwerten Leistungen im Sinn von Art. 33 Abs. 1 lit. c
StG resp. Art. 20 Abs. 1 lit. c DBG nicht um solche handeln sollte. Mangels Einreichung
einer ordnungsgemässen Buchhaltung ist die Veranlagungsbehörde bei der Y._ GmbH
davon ausgegangen, dass die Erträge der Gesellschaft – abzüglich der anerkannten
Aufwände – dem Beschwerdeführer als einzigem Gesellschafter als verdeckte
Gewinnausschüttungen zugeflossen seien. Hinsichtlich der entsprechenden
Aufrechnung als geldwerte Leistung ist nun nicht ersichtlich, inwiefern die leistende
Kapitalgesellschaft (Y._ GmbH) für ihre Leistungen eine entsprechende Gegenleistung
erhielt; ebenso wenig, dass der Beteiligungsinhaber (Beschwerdeführer) dadurch
keinen Vorteil erlangte. Es ist auch nicht dargetan, dass die Leistung mit einem
sachgemässen Geschäftsgebaren vereinbar war, oder sie unter denselben Umständen
einer beteiligten Drittperson im gleichen Umfang gewährt worden wäre (Drittvergleich).
Die Aufrechnung geldwerter Leistungen zum einen sowie die Gewinn- und
Kapitalbesteuerung der Gesellschaft zum anderen führen in der Tat beim
Beschwerdeführer zu einer wirtschaftlichen Doppelbelastung. Soweit er diesen
Umstand rügt, ist er darauf hinzuweisen, dass die wirtschaftliche Doppelbelastung
grösstenteils systeminhärent ist (vgl. Zigerlig/Oertli/Hoffmann, Das St. Gallische
Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, Rz. III/10). Gemildert wird diese Doppelbelastung jedoch
dadurch, dass – im Bereich der Kantons- und Gemeindesteuern – ausgeschüttete
Gewinne von Kapitalunternehmen nur zur Hälfte des für das steuerbare
Gesamteinkommen anwendbaren Steuersatzes besteuert werden, sofern die
steuerpflichtige Person mit wenigstens 10% am Grund- oder Stammkapital beteiligt ist
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(Art. 50 Abs. 5 StG). Ähnliches gilt bzgl. der direkten Bundessteuer; im Vergleich zum
kantonalen Ansatz wird hier jedoch nicht der Steuersatz geändert, sondern die
besagten Gewinne nur in einem Umfang von 60% besteuert (Art. 20 Abs. 1 DBG). Die
von der Vorinstanz vorgenommene Aufrechnung von geldwerten Leistungen lässt sich
nun aber weder hinsichtlich deren Umfang noch deren Zulässigkeit beanstanden. Dass
der Beschwerdeführer nicht aufzeigen konnte, wohin die Einkünfte der Y._ GmbH
flossen, muss ihm angelastet werden. Darüber hinaus und aus dem Umstand, dass die
Aufrechnung aufgrund der steueramtlichen Meldungen (act. 13/7/IIe) vom April 2016 –
also noch vor der Ermessensveranlagung der Y._ GmbH vom 1. September 2016 –
erfolgte, vermag der Beschwerdeführer ebenfalls nichts zu Gunsten seiner Begehren
abzuleiten. Soweit die damalige Aufrechnung nicht der Veranlagung der Gesellschaft
entsprach, wurde diese während des Rekursverfahrens – im Rahmen der
Vernehmlassung des Beschwerdegegners (act. 11/6/2) – korrigiert und im
dazugehörenden Dispositiv des angefochtenen Entscheides vom 12. September 2017
angepasst. Für eine weitergehende Anpassung der Steuerfaktoren 2014 im Sinne der
Anträge des Beschwerdeführers besteht daher keinerlei Anlass.
5. Bei dieser Sachlage erweisen sich beide Beschwerden folglich als unbegründet und
sind dementsprechend abzuweisen.
6. (...).