Decision ID: f1d9abb6-2429-5b52-8358-ff818275e4fc
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war seit Juli 2007 als Produktionsmitarbeiterin bei der B._ AG tätig und
dadurch obligatorisch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen
die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Mit Schadenmeldung vom
16. Juni 2009 meldete die Arbeitgeberin der Suva eine Berufskrankheit wegen Allergien
auf diverse Stoffe (Suva-act. 1).
A.b Dr. med. C._, Facharzt für Pneumologie, Allergologie und Immunologie sowie für
Innere Medizin, hielt im Arztzeugnis vom 17. Juni 2009 fest, die Versicherte leide an
einer unkontrollierten arbeitsbezogenen Asthma- und Rhinitissymptomatik, einer
chronischen Rhinosinusitis sowie einer chronischen asthmatischen Bronchitis.
Aufgrund des klinischen Verlaufs könne eine Weiterarbeit in der Verpackungsabteilung
der Bäckerei nicht verantwortet werden. Für das Arbeiten mit Mehlen sei die
Versicherte vorerst ab dem 17. Juni 2009 zu 100% arbeitsunfähig (Suva-act. 2).
A.c In der Verlaufsbeurteilung vom 6. August 2009 hielt Dr. C._ fest, dass die
Ergänzungen der Allergieteste mit den Eigenmehlen im Scratch-Test eine stark positive
Sofortreaktion gezeigt hätten. Somit bestünde nicht nur anamnestisch eine
mehlbedingte Irritation der Atemwege, sondern es bestünden auch Hinweise für
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Sensibilisierungen vom Soforttyp auf Komponenten in den Vollkornbrotmehlen. Die
anhaltende irritative Komponente zeige sich anhand einer erneut zunehmenden
Rhinitissymptomatik bei Exposition gegenüber zu heissem Dampf während des
Hausputzes (Suva-act. 7).
A.d Suva-Ärztin Dr. med. D._, Fachärztin für Arbeitsmedizin, hielt in ihrer ärztlichen
Beurteilung vom 17. August 2009 fest, dass der klinische Verlauf mit strenger zeitlicher
Assoziation der Beschwerden mit der Tätigkeit in der Bäckerei sowie die aktuell
nachgewiesenen Sensibilisierungen auf Eigenmehlproben eine berufliche Verursachung
der Beschwerden überwiegend wahrscheinlich machten (Suva-act. 9).
A.e Mit Verfügung vom 9. Oktober 2009 erklärte die Suva die Versicherte rückwirkend
per 16. Juni 2009 als nicht geeignet für Arbeiten mit Exposition zu Getreidemehlstaub
(Suva-act. 14). Diese Nichteignungsverfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.f In der Folge wurde das Arbeitsverhältnis per 30. November 2009 aufgelöst (vgl.
Suva-act. 18). Die Suva richtete der Versicherten vom 1. Dezember 2009 bis 31. März
2010 ein Übergangstaggeld sowie vom 1. April 2010 bis 31. März 2014 eine
Übergangsentschädigung aus (vgl. die Schreiben vom 15. Oktober 2009 und vom 27.
April 2010, Suva-act. 16, 42).
A.g Im Februar 2010 begann die Versicherte eine Ausbildung zur Kauffrau im B-Profil
bei der E._, welche sie in der Folge aber offenbar nicht abschloss (vgl. den Bericht
über die berufliche Standortbestimmung vom 24. November 2009, Suva-act. 221 nach
Suva-act. 20, vgl. auch Suva-act. 89).
A.h Dr. C._ hielt in den Verlaufsberichten vom 20. Mai und 9. November 2010 fest,
dass die Versicherte wieder mit dem Rauchen angefangen habe. Im Verlauf zeige sich
nun ein Bild einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) Gold Stadium II bei
Status nach regelmässigem Nikotinabusus bis April 2009 und aktuell
Gelegenheitsrauchen während der Berufsweiterbildung (Suva-act. 46, 52).
A.i Suva-Ärztin Dr. D._ hielt in der ärztlichen Beurteilung vom 3. Januar 2011 fest,
dass nach Aufgabe der verursachenden Tätigkeit vom Vorzustand auszugehen und bei
Einhalten der Nichteignungsverfügung keine weitere negative Beeinflussung zu
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erwarten sei. Der Fall könne aus arbeitsmedizinischer Sicht abgeschlossen werden
(Suva-act. 54).
A.j Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen wies mit Verfügung vom 6. Januar 2011 das
Leistungsbegehren der Versicherten um berufliche Massnahmen ab (Suva-act. 57). Mit
Verfügung vom 10. Januar 2011 verneinte sie zudem einen Anspruch der Versicherten
auf eine Invalidenrente mit der Begründung, dass die Versicherte in einer
leidensadaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei (Suva-act. 56).
A.k Von August 2011 bis Ende Mai 2012 arbeitete die Versicherte als
Küchenmitarbeitende und Backgehilfin (vgl. Suva-act. 89). Ab dem Sommer 2012 war
sie in Teilzeitpensen im kaufmännischen Bereich sowie in der Seniorenbetreuung tätig
(vgl. Suva-act. 94, 98, 108).
A.l Mit Verfügung vom 2. Februar 2015 forderte die Suva von der Versicherten
Leistungen im Betrag von Fr. 2'619.00 zurück, da die Überprüfung der 4. und letzten
Rate der Übergangsentschädigung (Periode 1. April 2013 bis 31. März 2014) ergeben
habe, dass in diesem Umfang zu viel Leistungen ausgerichtet worden seien (Suva-act.
161).
A.m In ihrer ärztlichen Beurteilung vom 16. April 2015 nahm Suva-Ärztin Dr. D._
dahingehend Stellung, dass der Versicherten unter Einhaltung der Auflagen aus der
Nichteignungsverfügung unter Berücksichtigung allein der berufskrankheitsbedingten
Einschränkungen leichte bis mittelschwere Tätigkeiten vollzeitig zumutbar seien.
Expositionen zu atemwegreizenden Stoffen sollten vermieden werden (Suva-act. 171).
Gestützt darauf verneinte die Suva mit Verfügung vom 30. April 2015 einen Anspruch
der Versicherten auf eine Invalidenrente (Suva-act. 172).
A.n Die dagegen am 19. Mai 2015 erhobene und am 19. Juni 2015 ergänzte
Einsprache, in der neben der Zusprache einer Invalidenrente auch die Ausrichtung
einer Integritätsentschädigung beantragt wurde (Suva-act. 184, 191) wies die Suva mit
Entscheid vom 28. März 2017 betreffend Invalidenrente ab. Auf den Antrag um
Ausrichtung einer Integritätsentschädigung trat sie nicht ein (Suva-act. 211).
B.
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B.a Dagegen liess die Versicherte am 12. Mai 2017, vertreten durch Rechtsanwalt Dr.
iur. Karl Gehler, Rapperswil-Jona, Beschwerde erheben und beantragen, der
Einspracheentscheid vom 28. März 2017 sei aufzuheben und es sei ihr nach weiteren
Sachverhaltsabklärungen ab spätestens 30. April 2015 eine Invalidenrente
auszurichten, eventualiter sei die Streitsache zur weiteren Abklärung und Neuverfügung
zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin (act. G 1). Mit Beschwerdeergänzung vom 19. Juni 2017 liess die
Beschwerdeführerin an den Ausführungen der Beschwerdeschrift vom 12. Mai 2017
vollumfänglich festhalten (act. G 3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. August 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. act. G 7).
B.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
1.1 Zwischen den Parteien ist vorliegend umstritten, ob die Beschwerdeführerin
aufgrund einer anerkannten Berufskrankheit Anspruch auf eine Invalidenrente der
Unfallversicherung hat.
1.2 Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen
sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend steht eine im Jahr 2009 eingetretene
Berufskrankheit zur Debatte, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültigen
Bestimmungen Anwendung finden.
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1.3 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens
10% invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG; SR 830.1), hat sie gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG
Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Invalidenrente beträgt bei Vollinvalidität 80% des
versicherten Verdienstes; bei Teilinvalidität wird sie entsprechend gekürzt (Art. 20 Abs.
1 UVG).
1.4 Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Kausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Ereignis
zusammenhängen (RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.).
1.5 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a mit
Hinweis). Den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann
rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 465 E. 4 und BGE
125 V 351 E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die
rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer
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Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen – insbesondere
ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens – abschliessen (vgl. BGE 135 V 469 E.
4.3.2, mit Hinweisen).
2.
2.1 Als Berufskrankheiten gelten Krankheiten (Art. 3 ATSG), die bei der beruflichen
Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte
Arbeiten verursacht worden sind. Der Bundesrat erstellt die Liste dieser Stoffe und
Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkrankungen (Art. 9 Abs. 1 UVG, Anhang I UVV).
Nach der Rechtsprechung müssen der schädigende Listenstoff oder die
krankmachende Arbeit im gesamten Ursachenspektrum mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit einen Anteil von mehr als 50% ausmachen (BGE 119 V 200 E. 2a).
Als Berufskrankheiten gelten auch andere Krankheiten, von denen nachgewiesen wird,
dass sie ausschliesslich oder stark überwiegend durch die berufliche Tätigkeit
verursacht worden sind (Art. 9 Abs. 2 UVG). Dies ist praxisgemäss der Fall, wenn die
Berufskrankheit mindestens zu 75% durch die berufliche Tätigkeit verursacht wurde
(BGE 119 V 201 E. 2b). Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen
beruflicher Tätigkeit und Erkrankung vermag das Erfordernis dieses qualifizierten
Kausalzusammenhangs nicht zu begründen (Urteil des Bundesgerichts vom 7.
September 2011, 8C_465/2011, E. 7.2).
2.2 Vorliegend ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin an einer Berufskrankheit
gemäss Art. 9 UVG leidet und für alle Tätigkeiten mit Mehlstaubexposition zu 100%
arbeitsunfähig ist (vgl. die Nichteignungsverfügung vom 9. Oktober 2009; Suva-act.
14). Umstritten ist die berufskrankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin in adaptierten Tätigkeiten. Die Beschwerdegegnerin verneinte eine
solche insbesondere gestützt auf die Beurteilungen der Suva-Ärztin Dr. D._ (vgl.
Suva-act. 211, act. G5).
2.3 Dr. D._ hielt in ihrer ärztlichen Beurteilung vom 16. April 2015 in Würdigung der
pneumologischen Verkaufskontrollen des behandelnden Arztes Dr. C._ fest, dass
sich die Atemwegsbeschwerden der Beschwerdeführerin nach Ausscheiden aus der
auslösenden Tätigkeit zurückgebildet hätten und keine Behandlungsbedürftigkeit mehr
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bestanden habe. Die weiteren Erkrankungen der Beschwerdeführerin – eine COPD
nach Nikotinabusus und eine Adipositas per magna – würden zu einer geringen
körperlichen Leistungsfähigkeit beitragen, hätten aber keine berufliche Ursache. Unter
Einhaltung der Auflagen aus der Nichteignungsverfügung seien der
Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung allein der berufskrankheitsbedingten
Einschränkungen leichte bis mittelschwere Tätigkeiten vollzeitig zumutbar, wobei
Expositionen zu atemwegreizenden Stoffen vermieden werden sollten (Suva-act. 171).
In der Beurteilung vom 1. Februar 2016 hielt die Suva-Ärztin in Zusammenfassung des
aktenmässigen Verlaufs fest, dass die Beschwerdeführerin nach Ausscheiden aus der
Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin in einer Bäckerei zunächst auch ohne inhalative
Dauertherapie subjektiv von Seiten der Atemwege beschwerdefrei gewesen sei. Bei der
Beschwerdeführerin bestehe zudem eine chronisch obstruktive Ventilationsstörung
nach Nikotinabusus. Im Verlauf seien verschiedentlich Infekt-assoziierte
Exazerbationen der Atemwegsbeschwerden aufgetreten, insbesondere im Jahr 2012
bei erneuter Mehlstaubexposition während einer neunmonatigen Anstellung als
Backgehilfin. Nach Ausscheiden aus dieser Tätigkeit habe die wieder aufgenommene
inhalative Dauertherapie abermals beendet werden können. Aktuell werde wieder eine
inhalative Dauertherapie durchgeführt. Bei einem wegen erneuter asthmatischer
Beschwerden im Mai 2015 durchgeführten Pricktest habe sich nun eine stark positive
Reaktion auf Hausstaubmilben und positive Reaktionen auf verschiedene Pollen
gezeigt. Die derzeitig asthmatischen Beschwerden seien auf diese Sensibilisierungen
zurückzuführen. Bezüglich der überwiegend berufsbedingten Komponenten der
Atemwegsbeschwerden ergebe sich bei Einhalten der Auflagen der
Nichteignungsverfügung keine neue Situation (Suva-act. 204).
2.4 Gestützt auf diese schlüssigen, in Kenntnis des aktenmässigen Verlaufs und der
Berichte des behandelnden Arztes ergangenen Beurteilungen von Dr. D._ ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich das Asthma
bronchiale sowie die allergische Rhinitis bei fehlender Exposition gegenüber
atemwegreizenden Stoffen nicht manifestieren. Entsprechend ist die
Beschwerdeführerin hinsichtlich der als Berufskrankheit anerkannten
Gesundheitsstörungen in leichten bis mittelschweren Tätigkeiten ohne Exposition als
zu 100% arbeitsfähig zu erachten.
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2.5 Was die COPD betrifft, ist festzuhalten, dass diese vom behandelnden Arzt sowie
von der Suva-Kreisärztin ausschliesslich im Zusammenhang mit dem Nikotinkonsum
der Beschwerdeführerin gesehen wurde. Dr. C._ stellte im Rahmen der
Verlaufskontrolle vom Mai 2010 die Diagnose COPD Gold Stadium II bei Status nach
regelmässigem Nikotinabusus bis April 2009 und aktuell Gelegenheitsrauchen während
der Berufsweiterbildung. Er hielt fest, dass die Versicherte wieder mit dem Rauchen
angefangen habe und sich im Verlauf nun eine COPD ohne Asthmakomponente zeige
(Suva-act. 46). Im Juni 2012 hielt er fest, dass die Beschwerdeführerin nun anhaltend
Nichtraucherin sei und mittlerweile ganz ohne Medikamente und ohne Inhalationen
weder unter störendem Husten noch unter Atemnot leide (Suva-act. 97). Anlässlich der
Verlaufskontrolle im Februar 2013 berichtete Dr. C._, dass es im Dezember 2012 und
Januar 2013 zu rezidivierenden asthmatischen Bronchitisexazerbationen gekommen
sei. Die Versicherte rauche wieder und es bestehe eine zunehmende Adipositas bei
einem BMI von 44 (Suva-act. 132). Im Dezember 2014 gab Dr. C._ an, im Rahmen
der Abklärungen der von der Beschwerdeführerin angegebenen Tagesmüdigkeit habe
ein obstruktives Schlafapnoesyndrom ausgeschlossen werden können. Es bestehe
eine stabile COPD und gut kontrollierte Asthmakomponente. Bei anhaltender
Gewichtszunahme und einem BMI von 48 seien alle diätischen und Ausdauertrainings-
Massnahmen zur nachhaltigen Gewichtsreduktion konsequent umzusetzen (Suva-act.
166).
2.6 Auch Dr. D._ hielt bereits in den ärztlichen Beurteilungen vom Juni 2010 und
Januar 2011 fest, dass die COPD im GOLD Stadium II ohne Asthmakomponente ganz
überwiegend auf den chronischen Nikotinabusus zurückzuführen und nicht
berufsbedingt sei. Dass die berufsbedingten, über ein halbes Jahr bestehenden
asthmatischen Beschwerden zu der vorbestehenden, chronischen obstruktiven
Lungenerkrankung wesentlich beigetragen hätten, sei unwahrscheinlich. Somit sei
nach Aufgabe der verursachenden Tätigkeit vom Vorzustand auszugehen und bei
Einhalten der Nichteignungsverfügung keine weitere negative Beeinflussung zu
erwarten (Suva-act. 47, 54). In der Verlaufsbeurteilung vom April 2013 hielt Dr. Merz in
Würdigung der Kontrolle bei Dr. C._ fest, dass es bei einem BMI von 44 bei
gleichzeitig bestehender COPD nach langjährigem und nun wieder fortgesetztem
Nikotinabusus zu den diagnostizierten rezidivierenden asthmatischen
Bronchitisexazerbationen gekommen sei. Die Situation bezüglich der berufsbedingten
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Atembeschwerden sei unter Einhaltung der Auflagen der Nicheignungsverfügung stabil
(Suva-act. 141). Entsprechend kam Dr. D._ in ihren Beurteilungen vom April 2015
und Februar 2016 zum Schluss, dass die COPD nach Nikotinabusus und eine
Adipositas per magna wohl zu einer geringen körperlichen Leistungsfähigkeit beitragen
würden, jedoch keine berufliche Ursache hätten (vgl. vorstehende E. 2.2).
2.7 Zusammenfassend kann nach Lage der medizinischen Akten der Beweis, dass der
Mehlstaub mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (vgl. E. 2.1) für die COPD ursächlich
ist, nicht gelingen. Vielmehr ist es mindestens als gleich wahrscheinlich zu erachten,
dass der Nikotinkonsum der Beschwerdeführerin Ursache der COPD ist.
2.8 Doch selbst wenn eine berufliche Ursache der COPD beweisbar wäre, gelingt der
Beschwerdeführerin der Nachweis einer Einschränkung ihrer Arbeitsfähigkeit wegen
der COPD nicht. So lässt sich den vorliegenden Arztberichten nicht entnehmen, dass
die COPD in einer adaptierten (lufthygienischen) Tätigkeit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hätte. Die Ärzte haben keine entsprechenden
Befunde erhoben und insbesondere auch ein obstruktives Schlafapnoesyndrom als
mögliches Symptom einer COPD ausgeschlossen. Dass die – gut auf die Behandlung
ansprechende – COPD die Beschwerdeführerin in einer entsprechend angepassten
Tätigkeit in ihrer Arbeitsfähigkeit einschränkt, ergibt sich sodann weder aus den
Berichten über die ab Mai 2015 im Spital F._ durchgeführten pneumologischen
Verlaufskontrollen (vgl. Suva-act. 190, 200, 206) noch aus dem Bericht des Hausarztes
der Beschwerdeführerin, Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom 16. Juni
2015. Darin hatte dieser festgehalten, dass die Beschwerdeführerin seit 2009 wegen
des Asthmas verschiedenste schwere Krankheitsschübe gehabt habe, hochdosiert
Kortison und andere Antiasthmatika habe nehmen müssen und sich nur mässig habe
bewegen können. Diese Kombination habe dazu geführt, dass sich die
Beschwerdeführerin permanent erschöpft gefühlt habe und sich auch körperlich keinen
Anstrengungen mehr habe ausliefern können. Auch sei eine Zunahme des
Körpergewichts (aktuell 127 kg) erfolgt. Neben diesen Asthmazuständen mit
chronischer Erschöpfung habe die Beschwerdeführerin auch Probleme mit dem
rechten Kniegelenk (Arthrose), Schmerzen lumbal seit einem Sturz im Winter
2014/2015, Schmerzen im Handgelenk mit Verdacht auf Arthrose sowie
Schulterschmerzen (PHS) rechts mehr als links. Die Beschwerdeführerin sei sowohl im
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Büro als auch im Pflegebereich durch diese oben genannten Beschwerden nur zu 50%
verteilt über den Tag leistungsfähig (Suva-act. 192). Damit hat auch Dr. G._ nicht
explizit eine Arbeitsunfähigkeit infolge der COPD attestiert, sondern hat die
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin aufgrund der multiplen
berufskrankheitsfremden Faktoren als eingeschränkt erachtet.
2.9 Zusammenfassend ist gestützt auf die vorliegende Aktenlage von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in adaptierten Tätigkeiten ohne Exposition zu
atemwegreizenden Stoffen auszugehen. Angesichts der dargestellten Aktenlage sind
von weiteren medizinischen Abklärungen und insbesondere von einer weiteren
Beurteilung des COPD im Rahmen einer medizinischen Begutachtung keine neuen
Erkenntnisse zu erwarten. Damit ist entgegen dem Eventualantrag der
Beschwerdeführerin (act. G. 1) darauf zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung, vgl.
E. 1.5, vgl. BGE 122 V 162 E. 1d).
3.
Ausgehend von einer 100%igen Arbeitstätigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Hilfsarbeiterin (Produktionsmitarbeiterin in einer Backstube) im Validenfall und einer
Arbeitsfähigkeit von 100% für eine adaptierte Hilfsarbeitertätigkeit im Invalidenfall
erübrigt sich die Vornahme eines konkreten Einkommensvergleichs. Denn vor dem
Hintergrund dessen, dass die Beschwerdeführerin gemäss den vorliegenden Akten nie
überdurchschnittlich verdient hat und der von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene Tabellenlohnabzug von 5% nicht zu beanstanden ist, resultiert
offensichtlich kein rentenbegründender Mindestinvaliditätsgrad von 10%. Die
Beschwerdegegnerin hat damit einen Rentenanspruch zu Recht verneint.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).