Decision ID: 1c695da7-26dc-592d-8a34-02e9adbf05e0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin, eine syrische
Staatsangehörige kurdischer Ethnie, Ende 2014 respektive Anfang 2015
ihr Heimatland. Am 18. Oktober 2018 reiste sie mit ihrer Tochter, welche in
der Türkei geboren wurde, in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein
Asylgesuch.
Am 25. Oktober 2018 wurde die Beschwerdeführerin im Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) in D._ zur Person, zum Reiseweg und
summarisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]).
Am 27. Januar 2020 fand die Anhörung zu den Asylgründen statt.
B.
B.a Hinsichtlich ihrer Biographie legte die Beschwerdeführerin dar, sie
stamme aus dem Dorf E._ (Al Malikiya). Nach Abschluss ihrer Ma-
tura habe sie 2010 während rund einem Jahr an der Universität in
F._ (...) studiert und danach wegen des Ausbruchs des Krieges ab-
gebrochen. Am 1. August 2014 habe sie ihren Ehemann (D-2744/2020,
gleiche N-Nummer) geheiratet und habe bei ihren Schwiegereltern im Dorf
G._ (andere Schreibweise: (...) bei I._ gelebt.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vor, sie sei seit 2009 Mitglied der Kurdischen Demokrati-
schen Progressiven Partei des syrischen Kurdistans (PDPKS) gewesen.
Nach dem Studienabbruch bis zu ihrer Ausreise sei sie Mitglied der Partei
Peshwaro gewesen und habe eine Gruppe dieser Partei in I._ ge-
leitet. Sie habe unter anderem Zeitungen (Gulistan-Zeitung) verteilt und
Sitzungen abgehalten. Nachdem die Region I._ von Flugzeugen
beschossen worden sei, habe sie regelmässig an Demonstrationen in der-
selben Stadt teilgenommen. Zudem sei sie nebenbei Mitglied der Folklore-
gruppe der Partei gewesen. Im Februar 2014 sei sie vom politischen Si-
cherheitsdienst in I._ festgenommen und gezwungen worden, ein
Blanco-Dokument zu unterschreiben. Nach ungefähr einer Stunde habe
sie wieder nach Hause gehen können.
Ihr Ehemann, welcher wie sie selber Student gewesen sei, habe seinen
obligatorischen Militärdienst zuerst wegen dem Studium verschieben kön-
nen. Dennoch habe er – ungefähr fünf Monate nach ihrer Eheschliessung
respektive im November 2014 – ein Aufgebot zum Einzurücken, erhalten.
Kurz darauf sei er aus Syrien in der Türkei ausgereist. Nachdem Beamte
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der Sicherheitsbehörden zwei Mal nach ihm gesucht hätten, seien sie und
ihr zu diesem Zeitpunkt anwesender Schwiegervater verbal sowie körper-
lich bedroht worden. Zudem sei ihr damit gedroht worden, sie mitzuneh-
men, sollte sich ihr Ehemann nicht zum Militärdienst melden. In der Folge
habe ihr der Schwiegervater geraten, ebenfalls auszureisen.
Die Beschwerdeführerin legte ihre Identitätskarte, den Studentenausweis,
einen Zivilregisterauszug, das Familienbüchlein, verschiedene Fotos von
Teilnahmen an politischen Anlässen (in Syrien) sowie eine Parteibestäti-
gung zu den Akten.
Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin wird, soweit
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
C.
Mit Eingabe vom 28. April 2020 beantragte die Rechtsvertretung der Be-
schwerdeführerin die koordinierte Behandlung des vorliegenden Verfah-
rens mit demjenigen ihres Ehemannes, respektive eine Neueröffnung des
bereits eröffneten Entscheids des Ehemannes.
D.
Mit Verfügung vom 4. Mai 2020 – eröffnet am 5. Mai 2020 – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte ihr Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung. Der Vollzug der
Wegweisung wurde zugunsten einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzu-
mutbarkeit aufgeschoben.
E.
Die Beschwerdeführenden fochten mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin
vom 27. Mai 2020 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht
an und beantragten, das vorliegende Verfahren sei mit demjenigen des
Ehemannes, respektive Vaters der Beschwerdeführenden zu koordinieren.
Weiter sei der angefochtene Entscheid in den Dispositivziffern 1 bis 3 auf-
zuheben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsabklärung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Als Eventualbegehren wurde der Antrag ge-
stellt, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen sei Asyl in
der Schweiz zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchten die Be-
schwerdeführenden um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter bean-
tragten sie die Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin gemäss aArt. 110a Bst. a und Abs. 3 AsylG (SR 142.31).
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F.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Eliane Schmid wurde antragsgemäss als
amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Weiter wurde verfügt, dass das
vorliegende Verfahren mit dem Verfahren D-2744/2020 koordiniert zu be-
handeln sei. Gleichzeitig wurde das SEM eingeladen, eine Vernehmlas-
sung einzureichen.
G.
Die Vorinstanz nahm mit Eingabe vom 25. Juni 2020 Stellung zur Frage
der Koordination.
H.
Mit Eingabe vom 16. Juli 2020 replizierten die Beschwerdeführerenden
und reichten zusätzliche Beweismittel ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
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(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfol-
gend aufgezeigt wird, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.
4.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei beschrän-
ken sich die behördlichen Ermittlungen nicht nur auf jene Umstände, wel-
che die Betroffenen belasten, sondern haben auch die entlastenden Mo-
mente zu erfassen. Die Behörde hat alle sach- und entscheidwesentlichen
Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten. Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-
tenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheb-
lichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle ent-
scheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden,
oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachver-
haltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-
relevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Dies ist häufig dann der
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Fall, wenn die Vorinstanz gleichzeitig den Anspruch der Parteien auf recht-
liches Gehör verletzt hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.).
4.2 Der in Art. 32 VwVG konkretisierte Teilgehalt des mit Grundrechtsqua-
lität ausgestatteten Grundsatzes des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2
BV) verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, sich
zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG),
sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-
findung zu berücksichtigen. Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Be-
hörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn, ob sich
die Behörde tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien be-
fasst und auseinandergesetzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung
erkennen. Insgesamt muss der Entscheid so abgefasst sein, dass ihn der
Betroffene gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur möglich
ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über
die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Dabei kann sich
die Behörde in ihrer Argumentation zwar auf die für den Entscheid wesent-
lichen Gesichtspunkte beschränken; sie darf aber nur diejenigen Argu-
mente stillschweigend übergehen, die für den Entscheid erkennbarerweise
unbehelflich sind. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegun-
gen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21
E. 10.2 m.w.H.; PATRICK SUTTER, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER (HRSG.),
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2008,
Art. 32 Abs. 1 VwVG, Rz. 2).
4.3 Nach Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die
Pflicht (und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von
Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV auch das Recht) an der Feststellung
des Sachverhaltes mitzuwirken. Sofern die gesetzlichen Mitwirkungspflich-
ten durch die asylsuchende Person nicht verletzt worden sind, muss die
Behörde insbesondere dann weitere Abklärungen ins Auge fassen, wenn
aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden Person und der von ihr einge-
reichten oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am
Sachverhalt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von Am-
tes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50, E. 10.2; 2008/24,
E. 7.2.;2007/21, E. 11.1).
4.4 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-
spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff.
VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der
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Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-
zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-
hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung
berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-
schlagen muss (BVGE 2015/10 E. 3.3 m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz zweifelte am Wahrheitsgehalt der im Jahr 2013, respek-
tive 2014 geschilderten einmaligen Festnahme, anlässlich welcher die Be-
schwerdeführerin für ihre Freilassung ein Blanco-Dokument habe unter-
schreiben müssen. Ihre dazu ausgeführten Aussagen seien auch auf
Nachfrage hin substanzlos geblieben und würden nicht selbsterlebt wirken.
Zudem seien die Aussagen zur angeblichen sowie erzwungenen Unter-
schrift auf ein leeres Dokument stereotyp und konstruiert. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb die Behörden einen solch enormen Aufwand mit
ihrer angeblichen Festnahme hätten betreiben sollen, nur um sie lediglich
auf einem leeren Blatt unterschreiben zu lassen, zumal bei einer tatsächli-
chen Verfolgungsabsicht andere Möglichkeiten vorhanden gewesen sein
müssten, um gegen sie vorzugehen. Ferner habe sie zu ihrem Vorbringen,
nach ihrer Ausreise erneut gesucht worden zu sein, nichts Konkretes er-
zählen können. Auch wenn sie nicht persönlich dabei gewesen sei, wäre
zu erwarten gewesen, dass ihr ihre Verwandten die Vorfälle detailliert ge-
schildert hätten. Zudem sei in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass
nicht sie, sondern ihr Ehemann behördlich gesucht worden sei. Selbst
wenn sie bei diesen beiden Vorfällen mit den syrischen Behörden gestos-
sen und geschlagen worden sei, sei das notwendige Kriterium der Intensi-
tät einer erlittenen Massnahme nicht erfüllt und die Vorfälle somit nicht asyl-
relevant. Insgesamt habe sie nicht glaubhaft darzulegen vermögen, in ih-
rem Heimatland einer Verfolgung ausgesetzt gewesen zu sein. Die einge-
reichten Beweismittel seien nicht geeignet, eine solche zu belegen, da es
sich mehrheitlich um Identitätsdokumente handle. Sodann würden auch
die eingereichten Fotos sowie die Bestätigung ihrer Parteizugehörigkeit bei
der PDPKS (Sektion Schweiz) keine Verfolgung nachweisen. Schliesslich
seien ihre exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz lediglich minim. Ge-
mäss Rechtsprechung würden exilpolitische Aktivitäten von den syrischen
Behörden erst dann wahrgenommen, wenn sie exponiert seien, was vor-
liegend zu verneinen sei.
5.2 Die Beschwerdeführerin rügte in formeller Hinsicht die mangelnde Ko-
ordination des vorliegenden Verfahrens mit demjenigen ihres Ehemannes.
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Es bestehe ein enger persönlicher, sachlicher und rechtlicher Zusammen-
hang, weshalb die Verfahren koordiniert zu behandeln seien, eine lediglich
formelle Vereinigung und der Hinweis, die Verfahren würden gemeinsam
beurteilt, genüge nicht. Sodann sei der Sachverhalt weder vollständig noch
richtig abgeklärt worden, da die jeweiligen Aussagen der Eheleute weder
inhaltlich berücksichtigt, noch in der jeweiligen Verfügung gewürdigt wor-
den seien. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund stossend, als dass
die Vorbringen als unglaubhaft erachtet worden seien, obwohl die Eheleute
die Ereignisse aufgrund ihrer Aussagen hätten gegenseitig bestätigen kön-
nen. Zudem wäre es angebracht gewesen, eine allfällige Reflexverfolgung
der Beschwerdeführerin aufgrund ihres Ehemannes zu prüfen. Weiter sei
ihr Vorbringen, dass ihre gesamte Familie und insbesondere ihr Bruder,
welcher als anerkannter Flüchtling in der Schweiz lebe, im Heimatland po-
litisch aktiv gewesen und verfolgt worden seien, unberücksichtigt geblie-
ben.
In materieller Hinsicht wurde in der Beschwerdeschrift moniert, die Ausfüh-
rungen der Beschwerdeführerin zu ihren politischen Aktivitäten seien ent-
gegen der Argumentation der Vorinstanz, glaubhaft und detailliert ausge-
fallen. Mit ihren Schilderungen und den eingereichten Beweismitteln habe
sie überzeugend darlegen können, dass sie sich politisch sehr aktiv enga-
giert habe sowie lokal bekannt und nicht – wie von der Vorinstanz behaup-
tet – nur ein einfaches Mitglied der Partei gewesen sei. Des Weiteren falle
auf, dass sie ihre Verhaftung anlässlich der BzP und der Anhörung, bis auf
die zeitlich unterschiedliche Einordnung, identisch geschildert habe und
ihre Ausführungen hierzu mit denjenigen ihres Ehemannes übereinstim-
men würden. Sodann seien verschiedene Realkennzeichen vorhanden,
welche zusätzlich für die Glaubhaftigkeit ihrer Schilderungen sprechen
würden. Auch dem Vorhalt der Vorinstanz, sie habe nicht konkret darlegen
können, wie sie mehrfach nach ihrer Ausreise gesucht worden sei, könne
nicht gefolgt werden, zumal es schwierig sei, ihre in Syrien lebende Familie
zu kontaktieren, um Details dazu zu erfragen. In Anbetracht der gesamten
Umstände und ihrer politischen Aktivitäten müsse davon ausgegangen
werden, dass sie den syrischen Behörden als oppositionelle Person aufge-
fallen sei, dies auch unter dem Aspekt, dass sie sich zum heutigen Zeit-
punkt in der Schweiz weiterhin politisch engagiere. Ausserdem seien ihre
Familie und diejenige ihres Ehemannes politisch aktiv. Dieses Sachverhalt-
selement sei unberücksichtigt geblieben, obwohl einige der Familienange-
hörigen hätten flüchten und ihr Vater (aus politischen Gründen) verschwun-
den sei. Ihr Bruder sei in der Schweiz als Flüchtling anerkannt. Die von der
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Vorinstanz nicht bezweifelten Schwierigkeiten bezüglich der Wehrdienst-
verweigerung ihres Ehemannes seien als ungenügend intensiv qualifiziert
worden. Jedoch sei – unter Verweis auf verschiedene Auszüge von Berich-
ten der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH – insbesondere im Länder-
kontext von Syrien davon auszugehen, dass ihr auch unabhängig von ei-
nem eigenen politischen Profil unter diesen Umständen eine erhebliche
staatliche Verfolgung im Sinne einer Reflexverfolgung drohen könnte.
5.3 Die Vorinstanz führte zur bemängelten Koordination der beiden Verfah-
ren aus, beim Verfassen der Verfügung seien zwei verschiedene Organi-
sationseinheiten beteiligt gewesen, weil es sich beim Gesuch des Eheman-
nes der Beschwerdeführerin um ein neurechtliches und demjenigen der
Beschwerdeführerin um ein altrechtliches Verfahren gehandelt habe. Den-
noch hätten sich die zuständigen Mitarbeitenden untereinander abgespro-
chen und seien zum Schluss gekommen, dass die Vorbringen entweder
unglaubhaft oder nicht asylrelevant seien. Es sei weder aus den Protokol-
len noch aus der Beschwerdeschrift ersichtlich, dass Elemente vorliegen
würden, welche Auswirkungen auf den Entscheid des jeweiligen Ehepart-
ners gehabt und zu einem positiven Asylentscheid geführt hätten. Ausser-
dem seien die beiden Verfügungen zeitnah ergangen.
5.4 In der Replik wurde festgehalten, die Vorinstanz habe zwar angegeben,
die beiden Verfahren zu koordinieren, dies in inhaltlicher Hinsicht jedoch
weiterhin unterlassen und sei auf die von ihr aufgelisteten Widersprüche
nicht eingegangen. Ferner seien neue Beweismittel eingereicht worden.
Dabei handle es sich um eine Bestätigung der Partei der Beschwerdefüh-
rerin, aus welcher hervorgehe, dass sie Parteimitglied und politisch aktiv
gewesen sei. Zudem habe sie ein sie betreffendes Urteil aus dem Jahr
2015 eingereicht.
6.
6.1 Wie nachfolgend dargelegt, kommt das Bundesverwaltungsgericht vor-
liegend zum Schluss, dass der rechtserhebliche Sachverhalt ungenügend
erstellt wurde und die Vorinstanz es unterlassen hat, sich mit einer allfälli-
gen Reflexverfolgung aufgrund der Dienstverweigerung des Ehemannes
der Beschwerdeführerin auseinanderzusetzen.
6.2 Der Argumentation der Beschwerdeführerin, ihr Verfahren sei nicht mit
demjenigen ihres Ehemannes koordiniert worden, ist zuzustimmen, zumal
ihre unmittelbaren Fluchtgründe an diejenigen ihres Ehemannes geknüpft
sind, weshalb die jeweiligen Ausführungen zur vollständigen Erstellung des
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Sachverhalts miteinander hätten verglichen werden müssen. Die Tatsache,
dass die beiden Entscheide der Vorinstanz zeitnah ergangen sind, und, die
zuständigen Sachbearbeitenden sich untereinander abgesprochen hätten,
genügt nicht, um den jeweiligen Sachverhalt von solch eng miteinander
verbundenen Vorbringen vollständig erstellen zu können. Zwar wurde im
vorinstanzlichen Entscheid das behördliche Interesse am Ehemann in ei-
nem Satz erwähnt und dieses denn auch implizit als erstellt erachtet, je-
doch erfolgte keine tatsächliche Auseinandersetzung damit, ob der Be-
schwerdeführerin dadurch zukünftige Nachteile im Sinne des Asylgesetzes
entstehen könnten. Da ihre eigene Flucht unmittelbar mit der behördlichen
Suche nach ihrem Ehemann zusammenhängt, wäre es unabdingbar ge-
wesen, eine allfällige damit verbundene Reflexverfolgung zu prüfen, zumal
es im Hinblick auf den Länderkontext bekannt ist, dass Angehörige ver-
meintlicher oder wirklicher politischer Oppositioneller durch die syrischen
Behörden verfolgt werden können (vgl. BVGE 2015/3, E. 6.7.2; Urteil
D-2037/2016 vom 23. August 2018, E. 4.2.3f.). Zudem wäre es Aufgabe
der Vorinstanz gewesen, die jeweiligen Ausführungen der beiden Eheleute
im Sinne einer Glaubhaftigkeitsprüfung gründlicher miteinander zu verglei-
chen, was vorliegend unterlassen wurde.
6.3 In der vorinstanzlichen Verfügung erfolgte zwar eine kurze Auseinan-
dersetzung mit der einmaligen Festnahme der Beschwerdeführerin, jedoch
wurde unterlassen ihre politischen (mehrjährigen) Aktivitäten bei der
PDPKS zu würdigen. Dabei beschränkte sich die Vorinstanz lediglich da-
rauf, die eingereichten Fotos, auf welchen die Beschwerdeführerin bei po-
litischen Veranstaltungen im Heimatland zu sehen ist sowie die Schreiben
der Partei zu erwähnen, ohne sich mit ihren tatsächlichen Aktivitäten aus-
einanderzusetzen. Ferner fällt auf, dass der Beschwerdeführerin in diesem
Kontext auch keine Fragen zu ihrem Bruder (N [...]), welcher in der
Schweiz als Flüchtling anerkannt worden war, gestellt wurden.
7.
7.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-
lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden,
wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-
scheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Vorliegend liegt
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der Mangel in einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung und es recht-
fertigt sich eine Kassation der angefochtenen Verfügung. Im Übrigen bleibt
auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als das
Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet.
7.2 Nach dem Gesagten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass das vorliegende Verfahren an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen und mit demjenigen Verfahren des Ehemannes koordiniert zu beurtei-
len ist. Insbesondere wird sich die Vorinstanz auch mit der Frage nach ei-
ner allfälligen Reflexverfolgung aufgrund ihres Ehemannes auseinander-
zusetzen haben. Sodann wird die politische Vergangenheit der Beschwer-
deführerin ebenso näher zu beleuchten sein, wie die politischen Aktivitäten
respektive deren Auswirkungen ihrer Familie. Weiter wird auch das auf
Replikebene eingereichte Urteil vom 17. August 2015, gemäss welchem
die Beschwerdeführerin verurteilt worden war, zu berücksichtigen sein.
7.3 Die Beschwerde ist insofern gutzuheissen, als die vorinstanzliche Ver-
fügung aufzuheben und zur erneuten Beurteilung im Sinne der Erwägun-
gen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die
ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Da die
dem Gericht vorliegende Kostennote auch die Kosten für das Beschwer-
deverfahren des Ehemannes (gleiche N-Nummer) beinhaltet, werden die
Parteikosten hälftig den Beschwerdeführenden und hälftig dem Ehemann
zugesprochen. Die mit der Beschwerdeeingabe des Ehemannes einge-
reichte Kostennote vom 27. Mai 2020 weist einen Aufwand von Fr. 3'474.–
(14,66 Stunden à Fr. 236.95 [inkl. MwSt.]) und einen Pauschalbetrag für
die entstandenen Auslagen von Fr. 54.– auf. Die geltend gemachten Auf-
wendungen, welche nach dem Ergehen des Urteils anfallen (wie etwa
Kenntnisnahme und das Weiterleiten des Urteils, die persönliche Eröffnung
sowie das Abschliessen des Dossiers), werden praxisgemäss nicht vergü-
tet. Mit Eingabe des Ehemannes vom 24. Juli 2020 wurde die Kostennote
um einen weiteren Aufwand von Fr. 571.– (2,41 Stunden à Fr. 236.95) und
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Dolmetscherkosten von insgesamt Fr. 203.– ergänzt. Die Kosten belaufen
sich somit insgesamt auf Fr. 4'302.– (inklusive Auslagen und MwSt.), womit
dem Beschwerdeführer demnach Fr. 2’151.– (inklusive Auslagen und
MwSt.) auszurichten sind.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 13