Decision ID: 25fbc4df-c0e6-4054-814e-3330b1ad97a1
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1952 geborene
X._
war als Haushalt
sa
nge
stellte tätig und bei der Zürich Versicherung
s-Gesellschaft AG
obligatorisch
gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am 17. Januar 2013
einen Verkehrsunfall erlitt und sich dabei eine Schulterkontusion links, eine
Thorax
kontusion
links, ein stumpfes
Abdominaltrauma
, eine BWS-Distorsion, gering dislozierte laterale Rippenfrakturen der
1.
b
is 1
0.
Rippe links und eine minimal dislozierte Fraktur des
Manubrium
sterni
mit retrosternalem/prävaskulärem Hämatom zuzog (Urk. 9/ZM3
und Urk. 9/ZM4
).
Die
Zürich Versicherungs-Ge
sellschaft AG
kam für die Heilbehandlung auf und richtete Taggelder aus.
In der Folge liess sie die Versicherte
bei der
Y._
interdis
ziplinär
(rheumatologisch, neurologisch, psychiatrisch und orthopädisch) begut
achten (Expertise vom 26. Juni 2015, Urk. 9/ZM73).
Mit Verfügung vom 29. September 2015
stellte sie die Leistungen für Heilbehandlungen und Tag
gelder per 17. Januar 2014 ein und verneinte einen Anspruch auf eine
Integri
tätsentschädigung
(Urk. 9/Z205).
1.2
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 27. Oktober 2015 Einsprache
und beantragte unter anderem eine neue polydisziplinäre Begutachtung
(Urk. 9/Z225/1).
Im Rahmen des
Einspracheverfahrens
tätigte die Zürich
Versi
cherungs
-Gesellschaft AG weitere medizinische Abklärungen. Am 10. März 2016 teilte sie der
Versicherten
mit, dass eine erneute orthopädische Begutach
tung erforderlich sei, da der orthopädische Gutachter
in der Expertise
vom 26. Juni 2015 die fehlende Unfallkausalität mit dem Unfallmechanismus begründet habe, jedoch von einem falschen Unfallmechanismus ausgegangen sei. Als Gutachter wurde
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, vorgeschlagen (Urk. 9/Z261).
Mit Eingabe vom 12. April 2016 hielt die Versicherte an ihrem
e
inspracheweise
gestellten Antrag, eine neue
polydis
ziplinäre
Begutachtung durchzuführen, fest (Urk. 9/Z266/1). Diesen Antrag lehnte die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG mit Zwischenverfügung vom 9. Mai 2016 ab und ordnete ein monodisziplinäres Gutachten in der Disziplin Orthopädische Chirurgie
bei
Dr.
Z._
an (Urk. 9/Z276).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
8. Juni
2016
Beschwerde und beantragte,
es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben. Das
Y._
-Gut
achten sei aus dem Recht zu weisen und die Beschwerdegegnerin sei zu ver
pflichten, eine neue polydiszipli
näre Begutachtung durchzuführen
(Urk. 1 = Urk. 9/Z283)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 9. August 2016
beantragte
die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde
(Urk. 8).
Mit Verfügung vom
22. August 2016 wurde die Beschwer
deantwort der
Beschwerdeführer
in
zuge
stellt
und die
prozessualen Anträge
um
Durchführung eines zweiten
Schriften
wechsels
und
einer öffentlichen Verhandlung
wurden
abgewiesen (Urk. 10).
Mit Eingabe vom 15. September 2016 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellung
nahme ein (Urk. 11), welche der Beschwerdegegnerin am 16. September 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand bildet die Verfügung vom 9. Mai 2016, mit welcher die Beschwerdegegnerin an der monodisziplinären Begutachtung der Beschwerde
führerin in der Fachrichtung orthopädische
Chirurgie festgehalten und Dr.
Z._
als Gutachter vorgeschlagen hat (Urk. 2). Hierbei handelt es sich um eine Zwis
chenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art.
46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde ange
fochten werden kann.
1.
2.
Das Bundesgericht hat mit BGE 137 V 210
bei der Anordnung eines Gutachtens
die
Anfechtbarkeitsvoraussetzung
eines nicht wieder
gutzumachenden Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren
bejaht,
zumal
die nicht sachge
rechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tat
sächlichen Nachteil
bewirke
(
vgl.
BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7
mit Hinweisen
). Diese zur Invalidenversicherung ergangene Rechtsprechung findet auch im Bereich der Unfallversicherung Anwendung (BGE 138 V 318
E. 6.1
).
1.3
Somit ist auf d
ie vorliegende Beschwerde
einzutreten.
2.
2.1
Wird eine Begutachtung veranlasst un
d mittels Verfügung angeordnet, so
kann die versicherte Person mit Beschwerde an das kantonale Versicherungsgericht materielle Einwendungen
gegen eine Begutachtung an sich (etwa mit dem Ein
wand, es handle sich um eine unnötige
second
opinion
), gegen Art und Umfang der Begutachtung (beispielsweise betreffend die Auswahl der medizinischen Dis
ziplinen) oder gegen bezeichnete Sachverständige (etwa betreffend deren Fach
kompetenz) erheben. Weiter können formelle
Ausstandsgründe
gegen
Gut
achterpersonen
geltend gemacht werden
(vgl.
BGE 138 V 271 E. 1.1).
2.2
G
emäss dem in Art.
43
Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz sind die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt dem Versicherungsträger nach der Rechtsprechung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweck
mässigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den
Untersuchungs
grundsatz
ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den
Leistungsan
spruch
zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3. Auflage 2015,
Art. 43 N
20
)
. Die Untersuchungen sind einzustellen, wenn die Akten vollstän
dig sind, d.h. wenn die inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen, welche an die einzelnen Beweismittel gestellt werden, erfüllt sind und
ei
ne Würdigung dieser Beweismittel mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Sachverhalt ergibt. Es besteht insoweit kein Anspruch darauf, zusätzliche
second
opinions
einzuholen, und zwar weder seitens der versicher
ten Person noch s
eitens des Versicherungsträgers (
Kieser
, a.a.O., Art. 43 N 27).
2.3
Die Notwendigkeit der Anordnung eines weiteren Gutachtens ergibt sich
aus der Beantwortung der Frage, ob bereits bei den Akten liegende Gutachten die inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen an eine zu erstattende ärztli
che Expertise erfüllen. Dies hängt davon ab, ob sie für die
streitigen Belange
umfassend
sind,
auf allseitigen Untersuchungen beruhen
,
auch
die geklagten Beschwerden
berücksichtigen
, in Kenn
tnis der
Vorakten
(Anamnese)
abgegeben worden
sind
, in der
Beurteilung
der medizinischen
Zusammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchten
und die Schlussfolgerun
gen der medizinischen Experten
begründet sind
(
BGE 134 V 231 E. 5.1,
125
V
351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c
).
3.
3.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
gegen eine Begut
achtung in allen Fachdisziplinen und für eine Begutachtung allein der im Vor
dergrund stehenden Schulterbeschwerden spreche, dass die übrigen
Beschwer
debilder
von den
Y._
-Gutachtern schlüssig und nachvollziehbar beurteilt worden seien und insbesondere – anders als bei den Schulterbeschwerden – die Unfallkausalität nicht unter Hinweis auf einen falsch angenommenen
Unfallme
chanismus
verneint worden sei (Urk. 2 S. 5)
3.2
Die Beschwerdeführerin machte
demgegenüber
im Wesentlichen geltend,
die Art der Kollision sei für alle medizinischen Fachdisziplinen massgebend. Nicht nachzuvollziehen sei, weshalb sich die Art der Kollision und mithin die beim Unfall auf den Körper wirkenden Kräfte selektiv auf das orthopädische
Teilgut
achten
auswirk
en und die anderen Fachdisziplinen unberührt lassen sollten. Im
Y._
-Gutachten
fänden sich zudem
zahlreiche Aktenwidrigkeiten, Widersprü
che und
Unvollständigkeiten
, welche es nicht erlaubten
,
diesem volle Beweis
kraft zuzuerkennen
(Urk. 1
S.
7 ff.
).
3.3
Streitig und zu prüfen
ist, ob
eine erneute
interdisziplinäre
Begutachtung
notwen
dig ist
.
Unbestritten ist, dass ein neues orthopädisches Gutachten einzu
holen ist.
4.
4.1
Wie die Parteien übereinstimmend ausführen, wurde im Gutachten vom 26. Juni 2015 von einem frontalen Aufprall ausgegangen (vgl. Urk. 9/ZM73 S. 28), was jedoch nicht
mit den Akten
übereinstimmt
(vgl. Urk. 9/Z114)
. In Bezug auf
die Schulterschmerzen links wurde
die
Unfallkausalität aufgrund
des
fälschlicher
weise angenommenen Unfallmechanismus (Frontalkollision)
als nicht überwie
gend wahrscheinlich erachtet (Urk. 9/ZM73 S.
30 f.
).
Diesbezüglich kann auf das Gutachten nicht abgestellt werden.
Entgegen der Auffassung der
Besch
werdefüh
rerin
ist
der Unfallmechanismus – wenn überhaupt -
lediglich
hinsichtlich der orthopädischen
Beurteilung
von Relevanz
. So wurde er nur zur Verneinung der Unfallkausalität der
Schulterbe
schwerden
herangezogen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass
ohnehin
keine relevanten funktionellen Einschränkungen erkannt werden konnten und eine klare Diskrepanz zwischen dem subjektiven Leidensdruck und den objektivier
baren Befunden besteht (
vgl.
Urk. 9/ZM73 S. 34).
Aus neurologischer Sicht wurde im Gutachten festgehalten, dass sich keine Hinweise für eine relevante Schädigung zentraler oder peripherer Nervenstrukturen fänden
(Urk. 9/ZM73
S. 34). Aus psychiatrischer Sicht kommt das Gutachten zum Schluss, dass keine psychische Störung von Krankheitswert diagnostiziert werden könne (
Urk.
ZM73 S. 35). Inwiefern der fälschlicherweise angenommene
Unfallmecha
nismus
auf
die rheumatologische,
die neurologische und die psychiatrische Beurteilung
einen Einfluss haben soll, ist nicht ersichtlich.
4.2
Die Beschwerdeführerin
macht
weiter
geltend
, das Gutachten enthalte zahlrei
che Aktenwidrigkeiten, Widersprüche und Unvollständigkeiten (Urk. 1 S. 7). Ob
die Gutachter die Angaben der Beschwerdeführerin
nicht korrekt wiedergegeben haben
oder ob
die
Beschwerdeführer
in
allenfalls
selbst widersprüchliche Anga
ben machte, lässt sich indes
sen
im vorliegenden Verfahrensstadium
nicht eru
ieren. Jedenfalls handel
t es sich bei den von
der
Beschwerdeführer
in
vorge
brachten fehlerhaften Angaben (wie z.B.
ob die Beschwerdeführerin angestellte oder freischaffende Haushälterin
war
, vgl. Urk. 1 S.
10
) lediglich um solche, die für die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der
Arbeitsfähigkeit der
Beschwerd
eführerin
nicht relevant
sind. Selbst wenn den
Gutachter
n
solche Fehler
unterlaufen sein sollten, kann daraus keineswegs auf eine fehlerhafte medizinische Beurteilung geschlossen werden.
Dasselbe gilt für die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten angeblich tatsachenwidrigen Übersetzungen
(Urk. 1 S. 9
)
. Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführt
(Urk. 2 S. 2)
, bestehen im Übrigen keinerlei Anhaltspunkte
,
an der Qualifikation des
beigezo
genen
Dolmetschers zu zweifeln
(vgl. auch Urk. 9/Z234)
.
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin
vorbringt
, die sich aus den medizinischen Akten ergebende Diagnose einer HWS-Distorsion Grad II werde von den Gutachtern nicht aufgeführt
(Urk. 1 S. 13)
, ist darauf hinzuweisen, dass d
ie Gutachter
dies
bezüglich
ausdrücklich festhie
lten, dass im Dokumentationsbogen für
Erstkon
sultationen
noch die Diagnose einer HWS-Distorsion Grad II gestellt worden sei, diese dann aber in den nachfolgenden Berichten nicht mehr erwähnt worden sei
und keine Befunde an der Halswirbelsäule vermerkt worden seien
. Im Vorder
grund
gestanden
seien die thorakalen Beschwerden und die Schulter
schmerzen links
(Urk. 9/ZM73 S. 30).
4.4
Auch der nicht datierte Bericht von
Dr.
med.
A._
, Psychiatrie, Psychothera
pie FMH
(Urk. 3/7)
, vermag
das
Gutachten
nicht
in Frage zu stellen
beziehungsweise rechtfertigt keine erneute psychiatrische Begutachtung
.
Wegen der
unterschiedliche
n
Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des bestellten
fachmedizini
schen
Experten andererseits
ist es nicht geboten
, eine medizinische
Administra
tivexpertise
stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen
als die Experten
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_646/2014 vom 17. Dezember 2014, BGE 124 I 170 E. 4
)
.
4.5
Soweit die Beschwerdeführerin
geltend macht
, es sei eine polydisziplinäre Begut
achtung durchzuführen
, da sich eine
Chronifizierung
abzeichne
(Urk. 1 17), verkennt sie
, dass eine solche bereits durchgeführt worden ist.
4.6
Nach dem Gesagten erübrigt sich die
erneute
Anordnung einer
poly
disziplinären Begutachtung. Somit erweist sich die angefochtene Zwischenverfügung als rechtens und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.