Decision ID: 7752c359-4be1-465c-9625-ab62de8320e2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 5. Abteilung, vom 16. April 2015 (FE120529-L)
Massnahmebegehren Gesuchstellerin: (Urk. 66)
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"1. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der gesuchstellenden Partei für die
Dauer des Scheidungsverfahrens einen monatlichen, vorauszahlbaren  von CHF 1'500.– zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen.
2. ...
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Gesuchsgegners."
Modifiziertes Begehren: (Urk. 97, sinngemäss)
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, alles, was er über CHF 3'300.– verdient, bis zu einem maximalen Betrag von CHF 1'500.– an Kinderunterhaltsbeiträgen zu bezahlen.
Verfügung des Einzelgerichts der 5. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 16. April 2015:
(Urk. 2 S. 16)
"1. Der Gesuchsgegner wird in Abänderung der Verfügung vom 5. Juli 2012,  1, Vereinbarungsziffer 7a) im Sinne einer vorsorglichen Massnahme für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens verpflichtet, der Gesuchstellerin rückwirkend an den Unterhalt und die Erziehung des Kindes den folgenden monatlichen Unterhaltsbeitrag, zuzüglich allfälliger Familien-, Kinder- und/oder Ausbildungszulagen, zu bezahlen:
- CHF 1'500.– von 1. Juni 2014 bis und mit 30. September 2014,
- CHF 352.– seit 1. Oktober 2014 für die weitere Dauer des Scheidungs-
verfahrens.
Der Unterhaltsbeitrag ist an die Gesuchstellerin zahlbar und zwar monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats. Die  gelten über die Volljährigkeit hinaus, solange das Kind im Haushalt der Gesuchstellerin lebt, keine ordentliche Erstausbildung abgeschlossen hat und keine eigenen Ansprüche gegenüber dem Kläger stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
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2. Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen wird im Endentscheid befunden.
3. (Schriftliche Mitteilung)
4. (Berufung)"
Berufungsanträge:
der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin (Urk. 1 S. 2):
"1. Es sei die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom 16.04.2015, insbeson-
dere Ziffer 1, aufzuheben und der Berufungsbeklagte zu verpflichten, der  im Sinne einer vorsorglichen Massnahme rückwirkend und für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens an den Unterhalt und die  des Kindes einen monatlichen Unterhaltsbeitrag in der Höhe von CHF 1'500.–, zuzüglich allfälliger Kinder- und/oder Ausbildungszulagen seit dem 01.06.2014 zu bezahlen;
2. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8 % Mwst. zu Lasten des
Berufungsbeklagten."
des Gesuchstellers und Berufungsbeklagten (Urk. 8 S. 2):
"Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8 % MWSt) zulasten des .
Es sei festzustellen, dass die Berufungsschrift vom 30.4.2015 verspätet beim  Gericht eingetroffen ist, weshalb darauf nicht eingetreten werden kann."
Anschlussberufung:
"Es sei Ziff. 1 der Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom 16.4.2015 aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Verfügung vom 5. Juli 2012 immer noch volle Gültigkeit hat,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8 % MWST zu Lasten der ."
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Erwägungen:
A. Prozessgegenstand
Die Parteien haben am tt. April 2010 geheiratet. Sie haben eine gemeinsame Toch-
ter C._, geboren am tt.mm.2010. Seit dem 21. Juni 2012 stehen sie vor der
Vorinstanz in Scheidung. An diesem Tag haben sie auch eine Vereinbarung für die
Dauer des Scheidungsverfahrens geschlossen, worin sie u.a. beantragten, die el-
terliche Obhut über die Tochter der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin (fortan
Gesuchstellerin) zuzuteilen. Unter dem Titel „Kinderunterhalt“ verpflichtete sich der
Gesuchsteller und Berufungsbeklagte (fortan Gesuchsteller) lediglich, der Gesuch-
stellerin die Kinderzulage rückwirkend ab 1. April 2012 zu überweisen. Strittig ist
vorliegend, ob der Gesuchsteller per 1. Juni 2014 zur Bezahlung von Kinderunter-
haltsbeiträgen zu verpflichten sei.
B. Prozessgeschichte
1. Der Gesuchsteller hatte zunächst am 10. April 2012 ein Eheschutzbegehren
gestellt (Geschäfts-Nr. EE120141-L). Anlässlich der Vergleichsverhandlung
vom 21. Juni 2012 zog er das Gesuch zurück. Die Parteien reichten daraufhin
ein gemeinsames Scheidungsbegehren beim Bezirksgericht Zürich ein (Urk.
6/1) und unterzeichneten (am 21. Juni 2012) gleichzeitig eine Vereinbarung
über vorsorgliche Massnahmen für die Dauer des Scheidungsverfahrens. In
Ziffer 7 besagter Vereinbarung betreffend Kindesunterhaltsbeitrag wurde fest-
gehalten, dass sich der Gesuchsteller verpflichtet, der Gesuchstellerin rück-
wirkend per 1. April 2012 die Kinderzulage zu überweisen (Urk. 6/2). Mit Ver-
fügung vom 5. Juli 2012 wurde diese Vereinbarung durch die Vorinstanz ge-
nehmigt (Ur. 6/7).
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2. Am 13. November 2012 fanden die Anhörung zum Scheidungspunkt und eine
Einigungsverhandlung betreffend die Nebenfolgen der Scheidung statt
(Urk. 6/9; Prot. I S. 7 f.). Mit Verfügung vom 22. November 2012 wurde dem
Gesuchsteller die Rolle des Klägers und der Gesuchstellerin die Rolle der Be-
klagten zugeteilt (Urk. 14). Die Klagebegründung datiert vom 25. Januar 2013
(Urk. 19), die Klageantwort vom 16. April 2013 (Urk. 27). Nach Durchführung
eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 29; Replik vom 27. Juni 2013 [Urk. 35],
Duplik vom 7. Oktober 2013 [Urk. 44]) wurde am 8. Mai 2014 eine Instrukti-
onsverhandlung mit Parteivorträgen abgehalten (Urk. 6/55; Prot. I S. 14 ff.).
Mit Verfügung vom 20. Mai 2014 wurden die Parteien zur Einreichung diver-
ser zur Bezifferung des Kindesunterhalts notwendiger Unterlagen aufgefordert
(Urk. 6/65). Mit Eingabe vom 26. Mai 2014 stellte und begründete die Ge-
suchstellerin den eingangs zitierten Antrag zur Anordnung vorsorglicher Mas-
snahmen für die Dauer des Scheidungsverfahrens (Urk. 6/66). Am 30. Sep-
tember 2014 fand eine Verhandlung über vorsorgliche Massnahmen statt
(Urk. 6/78; Prot. I S. 26 ff.). Anlässlich dieser Verhandlung präzisierte die Ge-
suchstellerin ihren Antrag (Urk. 6/80), während der Gesuchsteller die Abwei-
sung des Gesuchs um Abänderung vorsorglicher Massnahmen beantragte
und begründete (Urk. 6/82). Mangels Einigung betreffend den strittigen Kin-
desunterhaltsbeitrag wurden die Parteien in der Folge aufgefordert, bis zum
5. November 2014 diverse Unterlagen einzureichen (Prot. I S. 36 f.). Zu den
je von der Gegenseite eingereichten Unterlagen bezog die Gesuchstellerin
unterm 15. Dezember 2014 und der Gesuchsteller unterm 31. Dezember
2014 Stellung (Urk. 6/97 und 6/100). Mit Verfügung vom 17. Februar 2015
wurde Rechtsanwältin lic. iur. Z._ als unentgeltliche Rechtsvertreterin der
Gesuchstellerin entlassen und der Gesuchstellerin Rechtsanwalt
lic. iur. X._ als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt (Urk. 103).
3. Am 16. April 2015 fällte die Vorderrichterin den eingangs wiedergegebenen
Entscheid (Urk. 6/105 bzw. Urk. 2).
4. Dagegen liess die Gesuchstellerin rechtzeitig (vgl. Urk. 6/106/1 und nachste-
hend) Berufung mit den eingangs erwähnten Anträgen erheben (Urk. 1). Mit
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Eingabe vom 10. Juni 2015 erstattete der Gesuchsteller fristwahrend (vgl.
Urk. 7) seine Berufungsantwort mit den eingangs zitierten Anträgen (Urk. 8).
Gemäss Beschluss der Kammer vom 15. Juli 2015 wurde die Berufungsant-
wortschrift der Gesuchstellerin zur Kenntnis gebracht. Auf die unzulässige
Anschlussberufung wurde nicht eingetreten und die Kosten für den Nichtein-
tretensentscheid (Fr. 250.–) wurden der Rechtsvertreterin des Gesuchstellers
auferlegt. Sodann wurde dem Gesuchsteller Frist angesetzt, um seine Lohn-
abrechnungen von November 2014 bis und mit heute sowie seinen Lohnaus-
weis 2014 und (falls bereits vorhanden) seine Steuererklärung 2014 einzu-
reichen (Urk. 11). Innert erstreckter Frist (Urk. 12) reichte der Gesuchsteller
mit Eingabe vom 10. August 2015 (Urk. 13) fristwahrend diverse Abrechnun-
gen der ... Arbeitslosenkasse vom Dezember 2014 bis Juni 2015 zu den Ak-
ten (Urk. 14/1). Der Lohnausweis 2014 wurde innert Notfrist bis 20. August
2015 (vgl. Urk. 13 S. 2) fristgerecht nachgereicht (Urk. 15; Urk. 16). Gemäss
Präsidialverfügung vom 24. August 2015 wurden diese neuen Unterlagen der
Gesuchstellerin zur Stellungnahme zugestellt (Urk. 17), welche sich dazu
rechtzeitig mit Eingabe vom 7. September 2015 äusserte (Urk. 19).
Mit Eingabe vom 3. September 2015 liess der Gesuchsteller um unverzügli-
chen Aufschub der Vollstreckbarkeit des angefochtenen Entscheides gestützt
auf Art. 315 Abs. 5 ZPO ersuchen (Urk. 18). Mit Präsidialverfügung vom
8. September 2015 wurde dieses Gesuch abgewiesen. Weiter wurde die Stel-
lungnahme der Gesuchstellerin vom 7. September 2015 samt Beilagen
(Urk. 19, Urk. 21/1, 2) dem Gesuchsteller zur Kenntnisnahme zugestellt
(Urk. 22). Mit Zuschrift vom 1. Oktober 2015 liess der Gesuchsteller diverse
neue Unterlagen zu seiner finanziellen Situation nachreichen (vgl. Urk. 23, 24
und 25/1-3). Diese Eingabe samt Beilagen wurde der Gesuchstellerin gemäss
Stempelverfügung vom 5. Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 23 S. 1;
Prot. II S. 7). Mit Eingabe vom 20. Oktober 2015 reichte der Gesuchsteller
Kontoauszüge der Monate Juli bis September 2015 zu den Akten (Urk. 27
und 28/1-3). Die Eingabe samt Beilagen wurde der Gesuchstellerin mit Stem-
pelverfügung vom 22. Oktober 2015 zur Kenntnisnahme zugestellt (Prot. II
S. 8). Mit Eingabe vom 3. November 2015 (Datum Poststempel) ersuchte die
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Gesuchstellerin unter Hinweis auf die - aufgrund des hängigen Verfahrens -
aktuell fehlende Möglichkeit der Alimentenbevorschussung um einen zeitna-
hen Entscheid (Urk. 31).
Das Verfahren ist nunmehr spruchreif.
C. Prozessuales
1. Zur Rechtzeitigkeit der Berufung ist auf die Erwägungen im Beschluss der
Kammer vom 15. Juli 2015 (Urk. 11 S. 2) zu verweisen.
2. Die Stellungnahmen der Parteien zu den je von der Gegenseite nachgereich-
ten Unterlagen vom 15. Dezember 2014 (samt Krankenkassenversicherungs-
police 2015: Urk. 6/97, 98) und 31. Dezember 2014 (Urk. 6/100) wurden der
jeweiligen Gegenpartei zwar nicht, wie zur Wahrung des rechtlichen Gehörs
erforderlich, vorgängig, sondern erst mit dem angefochtenen Endentscheid
vom 16. April 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 2 S. 10, Dispositivziffer 3).
Weil eine diesbezügliche Verletzung des sogenannten Replikrechts (vgl. BGE
133 I 98 E. 2) indes nicht gerügt wurde und die Parteien zudem im Rahmen
des Berufungsverfahrens (mit voller Kognition der Berufungsinstanz, vgl. Art.
310 ZPO) die Gelegenheit hatten, sich dazu zu äussern, gibt solches zu kei-
nen Weiterungen Anlass.
3. Betreffend die summarische Natur des vorliegenden Massnahme(berufungs)-
verfahrens und insbesondere das Erfordernis der blossen Glaubhaftmachung
der massgeblichen Tatsachen kann auf die zutreffenden Erwägungen im an-
gefochtenen Entscheid verwiesen werden. Ebenso bezüglich der in Kinderbe-
langen herrschenden Offizial- und uneingeschränkten Untersuchungsmaxime
(vgl. Urk. 2 S. 4 mit Hinweisen).
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D. Abänderung Kindesunterhaltsbeiträge
1. Die Gesuchstellerin verlangt die Abänderung der Vereinbarung über vorsorg-
liche Massnahmen der Parteien vom 21. Juni 2012 und begründet dies damit,
dass der Gesuchsteller seit Januar 2014 bei der Arbeitslosenkasse gemeldet
sei und monatlich Fr. 5'000.– netto ausbezahlt erhalte. Ab Juni 2014 könne er
wieder beim alten Arbeitgeber arbeiten, wo er, ausgehend von der Tatsache,
dass die Arbeitslosenkasse 80 % des versicherten Verdienstes auszahle,
Fr. 7'000.– verdienen werde. Zudem sei sie, die Gesuchstellerin, seit Januar
2014 bei der Arbeitslosenkasse gemeldet und erhalte monatlich bloss
Fr. 2'547.55. Der Gesuchsteller hielt entgegen, der Kasse sei bei der Berech-
nung seiner Taggelder wohl ein Fehler unterlaufen, weil diese über seinem
vorgängigen Lohn lägen. Zudem seien diese Taggelder nicht dauerhafter Na-
tur (Urk. 6/82 S. 3 f.).
2. Die Vorinstanz erwog, insgesamt lägen im Vergleich zur Ausgangslage an-
lässlich der Verhandlung vom 21. Juni 2012 veränderte Verhältnisse vor.
Zwar habe sich das monatliche Nettoeinkommen des Gesuchstellers ab
1. Oktober 2014 nur marginal verändert, hingegen habe sich sein Notbedarf
verringert. Bei bescheidenen Einkommens- und Bedarfsverhältnissen wirke
sich bereits eine geringe Veränderung aus. Auch bezüglich des Antritts von
neuen Arbeitsstellen durch beide Parteien bzw. des Erhalts der Arbeitslo-
senentschädigung könne vorliegend von einer dauerhaften Veränderung ge-
sprochen werden. In Abänderung der Vereinbarung setzte die erste Instanz
dann vom 1. Juni 2014 bis zum 30. September 2014 Kinderunterhaltsbeiträge
in der Höhe von Fr. 1'500.– und ab Oktober 2014 solche von Fr. 352.–, je zu-
züglich allfälliger Kinderzulagen, fest (Urk. 2 S. 15).
3.1. Im Rahmen ihrer Berufung kritisiert die Gesuchstellerin im Wesentlichen, dass
die Vorinstanz einzig auf eine Salärabrechnung vom Oktober 2014 abgestellt
habe, um das Einkommen des Gesuchstellers zu ermitteln. Bei einem
schwankenden Einkommen sei jedoch auf einen massgeblichen Durch-
schnittswert abzustellen. Mit Blick auf die Offizial- und Untersuchungsmaxime
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hätte die erste Instanz weitere Beweismittel einverlangen müssen. Zudem wä-
re dem Gesuchsteller ab Oktober 2014 ohnehin ein hypothetisches Einkom-
men von mindestens Fr. 5'000.– anzurechnen gewesen, nicht zuletzt nach-
dem die Arbeitslosenkasse von einem versicherten Verdienst von Fr. 7'780.–
ausgegangen sei. Die Kinderunterhaltsbeiträge seien daher auch ab Oktober
2014 unverändert auf Fr. 1'500.– pro Monat festzusetzen (Urk. 1 S. 3 ff.).
3.2. Demgegenüber hält der Gesuchsteller auch in seiner Berufungsantwort daran
fest, dass sich seine Verhältnisse nicht dauerhaft verändert hätten, insbeson-
dere habe bloss eine vorübergehende Arbeitslosigkeit vorgelegen. Die Vor-
instanz hätte das Abänderungsgesuch daher abweisen müssen. Zudem hätte
die Vorinstanz ohne Antrag auch keine rückwirkende Abänderung per Ge-
suchseinreichung verfügen dürfen. Die Vorinstanz übersehe dabei, dass er
während der ganzen Zeit des Ehescheidungsverfahrens regelmässig Abzah-
lungsbeiträge für die Gesuchstellerin wie für ihr Handy, die Kreditraten der
gemeinsamen Schulden sowie Steuern und weiteres bezahlt habe. Dafür ma-
che er Verrechnung geltend. Zudem hätten sich die Verhältnisse bei der Ge-
suchstellerin dauerhaft verbessert, da sie nunmehr eine 80 %-Stelle inne ha-
be, womit sie monatlich Fr. 3'551.20 netto verdiene. Im Rahmen eines Abän-
derungsverfahrens bestehe kein Raum für die Anrechnung eines hypotheti-
schen Einkommens. Überdies könne er aufgrund seiner Ausbildung und Be-
rufserfahrung mit Sicherheit kein Einkommen von Fr. 5'000.– netto verdienen.
Nach dem Besuch der Primarschule habe er während dreier Jahre die Real-
schule besucht. Eine Lehrstelle habe er danach zufolge schlechter Noten
nicht gefunden. Er sei daher bei der Firma D._ arbeiten gegangen und
habe dort während zweier Jahre eine Art Anlehre absolvieren können. Da-
nach habe er eine Stelle als Hauswart bei der E._ gefunden. Wegen
Schliessung dieser Firma habe er diese Arbeit jedoch nach einem Jahr wieder
aufgeben müssen. Danach sei das Militär gefolgt. Anschliessend habe er
während zweier Jahre als Autokurier gearbeitet. Beim Pannendienst des
F._ habe er insgesamt während sieben Jahre gearbeitet, bis ihm die
Stelle gekündigt worden sei. Sein Bruttoeinkommen habe sich zwischen
Fr. 4'000.– und Fr. 4'300.– bewegt. Zur hohen Arbeitslosenentschädigung sei
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es nur deshalb gekommen, weil er während ein paar Monaten die Temporär-
Tätigkeit an der Staumauer im Kanton G._ habe ausführen können. Lei-
der sei die Arbeit dort inzwischen beendet worden, so dass er keinen derarti-
gen Arbeitseinsatz mehr habe erhalten können (Urk. 8 S. 3 ff.). Per 2. Sep-
tember 2015 sei er ausgesteuert worden. Trotz intensivster Arbeitssuche ha-
be er bis jetzt keine neue Stelle antreten können, weshalb er sich beim Sozi-
alamt habe anmelden müssen (Urk. 13 und 18). Solches liess der Gesuch-
steller im Verlaufe des Berufungsverfahrens mit einer Unterstützungsbestäti-
gung des Sozialamtes vom 23. September 2015 untermauern. Ferner reichte
er mit Eingabe vom 1. Oktober 2015 neu einen befristeten, durch die Stadt
Zürich subventionierten Arbeitsvertrag vom 28. September 2015 betreffend
Arbeitsintegration zu den Akten (Urk. 23; Urk. 25/1, 3).
4.1. Eine Abänderung ist zulässig, wenn sich die Verhältnisse erheblich und dau-
erhaft verändert haben. Als Faustregel sind bei knappen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen bereits Veränderungen von 5 % als erheblich anzusehen (Art. 286
Abs. 2 ZGB; Summermatter, Zur Abänderung von Kinderalimenten, in:
FamPra.ch 2012 S. 38 ff., S. 53 ff. mit Hinweisen; auch Urk. 2 S. 6 f.).
Vorauszuschicken ist, dass die Parteien im Rahmen der Vereinbarung vom
21. Juni 2012 in Ziffer 7 betreffend den Kindesunterhalt einzig festhielten,
dass sich der Gesuchsteller verpflichte, die Kinderzulage rückwirkend per
1. April 2012 der Gesuchstellerin zu überweisen. Angesichts der von der Vor-
instanz festgestellten damaligen finanziellen Verhältnisse des Gesuchstellers
(vgl. Urk. 2 S. 8: Fr. 3'756.– Nettoeinkommen beim Pannendienst ... GmbH,
einschliesslich Kinderzulagen von Fr. 200.– [vgl. Urk. 6/1B/3/3, Lohnausweis
2011], und Fr. 3'714.– Bedarf bzw. Fr. 3'536.– [vgl. Urk. 6/1B/5 S. 4], ohne
Steuern und Abzahlung Hochzeit), welche unangefochten blieben, ist mit der
ersten Instanz davon auszugehen, dass mangels finanzieller Leistungsfähig-
keit des Gesuchstellers keine Kinderunterhaltsbeiträge festgelegt wurden, und
nicht etwa, weil solches am Widerstand des Gesuchstellers gescheitert wäre,
wie die Gesuchstellerin behaupten lässt (vgl. Urk. 2 S. 5). In Anbetracht der
bei Kinderbelangen herrschenden uneingeschränkten Untersuchungs- und
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Offizialmaxime (Art. 296 Abs. 1 und 3 und Art. 58 Abs. 2 ZPO) ist solches je-
doch ohnehin nicht von ausschlaggebender Bedeutung.
4.2. Einkommensverhältnisse der Parteien:
a) Einkommen des Gesuchstellers:
Die erste Instanz erwog, seit Dezember 2013 erhalte der Gesuchsteller eine
durchschnittliche Arbeitslosenentschädigung von monatlich Fr. 5'489.55 netto.
Mit der blossen Behauptung des Gesuchstellers, der Arbeitslosenkasse sei
bei der Berechnung der Arbeitslosenentschädigung ein Fehler unterlaufen,
gelinge ihm die Einrede der Glaubhaftmachung nicht, da er seine Behauptung
mit keinerlei Unterlagen untermauern könne. Zudem habe er an der Verhand-
lung betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 30. September 2014 zugege-
ben, den angeblichen Fehler bei der Arbeitslosenkasse nicht gemeldet zu ha-
ben. Per Oktober 2014 habe der Gesuchsteller sodann eine neue Arbeitsstel-
le als temporärer Werkstattmitarbeiter antreten können. Dort verdiene er
Fr. 3'701.– netto inklusive 13. Monatslohn, wobei die in diesem Monat geleis-
teten zirka 15 Überstunden nicht als Normalfall zu betrachten und entspre-
chend nicht in die Berechnung miteinzubeziehen seien (Urk. 2 S. 10 f.;
Urk. 6/90/2; Urk. 6/92/2).
Für die Erheblichkeit der Veränderung wird, wie erwähnt, verlangt, dass sie
von Dauer ist. Damit wird verhindert, dass auch bloss vorübergehende
Schwankungen Anlass zu neuem Rechtsstreit geben. Auch eine befristete
Veränderung kann durchaus erheblich sein. Als nicht mehr von kurzer Dauer
gilt praxisgemäss grundsätzlich eine Arbeitslosigkeit von mehr als vier Mona-
ten (Summermatter, a.a.O., S. 62 ff. mit Hinweisen). Vorliegend dauerte die
Arbeitslosigkeit des Gesuchstellers zunächst von Dezember 2013 bis Sep-
tember 2014 (Urk. 6/82 S. 2 f.; Prot. I S. 17 f.) und dann, wie sich nunmehr im
Berufungsverfahren herausstellte (vgl. Urk. 11 [Editionsbeschluss vom 15. Juli
2015]), nach einem Zwischenverdienst als temporärer Werkstattmitarbeiter,
wieder von Dezember 2014 bis und mit August 2015. Per 2. September 2015
wurde der Gesuchsteller ausgesteuert (vgl. Urk. 14/1; Urk. 18 S. 1 f.). Mit
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Blick auf die lange Arbeitslosigkeit liegt sicherlich eine dauerhafte Verände-
rung der Verhältnisse vor. Mit der Vorinstanz ist dabei von einer durchschnitt-
lichen Arbeitslosenentschädigung von monatlich Fr. 5'489.55 netto (ohne Kin-
derzulagen) bzw. gerundet Fr. 5'500.– netto auszugehen (vgl. Urk. 2 S. 10;
vgl. auch Urk. 14/1 und Urk. 16). Diese Taggelder stellen mit Blick auf den der
ursprünglichen Regelung der Parteien zugrundeliegenden Lohn des Gesuch-
stellers von Fr. 3'556.– (ohne Kinderzulagen) zweifelsohne eine wesentliche
Veränderung dar. Dass es sich bei den hohen Taggeldern um einen Fehler
der Kasse handeln sollte, machte der Gesuchsteller im Berufungsverfahren
zu Recht nicht mehr geltend. Mangels Belegen und allfälligen Korrekturbe-
strebungen und Rückforderungen seitens der Kasse wäre er damit denn auch
nicht zu hören. Das verhältnismässig hohe Taggeld dürfte vielmehr auf die gut
entlöhnte, nunmehr abgeschlossene Temporärarbeit für das ... Kraftwerk ...,
H._ (Prot. I S. 15, 33; Urk. 8 S. 5), zurückzuführen sein (vgl. dazu so-
gleich).
Im Oktober 2014 verdiente der Gesuchsteller im Rahmen eines Temporärein-
satzes zwar Fr. 3'701.– netto bzw. Fr. 4'332.85 netto einschliesslich der 15
geleisteten Überstunden (vgl. Urk. 2 S. 10 f.; Urk. 8/90/2 und Urk. 8/92/1-2).
Dabei handelte es sich jedoch lediglich um einen Zwischenverdienst, bezog
er doch per Dezember 2014 bereits wieder Arbeitslosentaggelder (vgl.
Urk. 14/1). Beim Zwischenverdienst bezahlt die Arbeitslosenkasse vorliegend
80 % des Verdienstausfalls (Differenz Zwischenverdienst und versicherter
Verdienst) als Kompensationszahlung (vgl. Art. 24 Abs. 1 und 3 AVIG i.V.m.
Art. 22 Abs. 1 AVIG). Insgesamt rechtfertigt es sich, betreffend die ganze re-
levante Zeitspanne von Juni 2014 (Zeitpunkt Abänderungsbegehren) bis und
mit August 2015 von einem Einkommen aus Arbeitslosentaggeldern von
durchschnittlich rund Fr. 5'500.– netto auszugehen. Damit hat sich das Ein-
kommen des Gesuchstellers gegenüber jenem im Zeitpunkt der Vereinbarung
vom 21. Juni 2012, als er beim Pannendienst ... GmbH Fr. 3'756.– netto (ein-
schliesslich Kinderzulagen) verdiente (vgl. Urk. 2 S. 8; Urk. 1 S. 5), massge-
blich erhöht.
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Ab September 2015 veränderte sich die Einkommenssituation des Gesuch-
stellers allerdings aufs Neue. So wurde er per 2. September 2015 ausgesteu-
ert und ist nunmehr offenbar von der Fürsorge abhängig (Urk. 14/1; Urk. 18
S. 2; Urk. 25/3 [echtes Novum im Sinne von Art. 317 Abs. 1 ZPO]). Es kann
dabei aber noch nicht von einer dauerhaften Verschlechterung die Rede sein,
zumal nicht davon auszugehen ist, dass der Gesuchsteller längere Zeit keine
Anstellung mehr finden wird. Im Gegenteil ist mit Blick auf die nach wie vor
günstige allgemeine Wirtschaftslage anzunehmen, dass der Gesuchsteller,
welcher noch jung, gesund, der deutschen Sprache mächtig und arbeitserfah-
ren ist, bei gutem Willen und entsprechend intensiven Stellensuchbemühun-
gen innert kürzester Zeit eine neue Anstellung wird finden können. Anderes
wurde in keiner Weise glaubhaft gemacht, geschweige denn hinreichend be-
legt, namentlich wurden nach wie vor keine vergeblichen intensiven Arbeits-
suchbemühungen dargetan. Dass der Gesuchsteller arbeitslos war und trotz
entsprechenden Bemühungen offenbar keine Stelle fand, ist im Übrigen noch
kein Beweis dafür, dass es ihm tatsächlich nicht möglich sein sollte, eine Er-
werbstätigkeit aufzunehmen (vgl. dazu auch BGE 137 III 118 E. 3.1). Es muss
daher seit September 2015 von einem freiwilligen und nicht beachtlichen Er-
werbsausfall bzw. mit Blick auf den Arbeitsintegrationsvertrag vom 28. Sep-
tember 2015 (vgl. Urk. 25/3 [echtes Novum im Sinne von Art. 317 Abs. 1
ZPO]), wonach der Gesuchsteller nunmehr für vier Wochen Fr. 2'666.– netto
für ein 75 %-Pensum verdient, von einer nicht beachtlichen Reduktion der
Einkünfte ausgegangen werden (vgl. dazu auch BGE 126 IV 131 E. 3a). Es
liegen Kinderunterhaltsbeiträge im Streit, wobei hier die Anforderungen an die
Ausschöpfung der eigenen Erwerbskraft des leistungspflichtigen Gesuchstel-
lers besonders hoch sind. Somit ist dem Gesuchsteller ab September 2015
ein hypothetisches Einkommen anzurechnen.
Die Gesuchstellerin geht von einem erzielbaren Einkommen in der Höhe von
mindestens Fr. 5'000.– netto aus (Urk. 1 S. 5 f.). Der Gesuchsteller lässt sol-
ches bestreiten. Aufgrund seines Alters, seiner Ausbildung und Berufserfah-
rung sei es ihm nicht möglich, ein solches Einkommen zu verdienen (Urk. 8
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S. 5 f.). Vor Vorinstanz führte er aus, wesentlich mehr als Fr. 4'000.– netto
könne er nicht verdienen (Urk. 6/82 S. 3).
Der Gesuchsteller absolvierte offenbar keine Berufsausbildung, sondern le-
diglich eine zweijährige Anlehre bei einer Firma in der Autobranche (Urk. 8
S. 6). Entgegen der Gesuchstellerin kann daher auch nicht einfach von einem
Referenzbruttojahreseinkommen für Handwerks- und verwandte Berufe in der
Höhe von Fr. 70'200.– ausgegangen werden, weil der Gesuchsteller keinen
solchen Beruf erlernte. Es wäre eher von einer (männlichen) Hilfsarbeitskraft
auszugehen (vgl. Urk. 1 S. 6; Urk. 4/3: Fr. 63'300.– Jahresbruttoerwerbsein-
kommen). Das anrechenbare Einkommen ist jedoch konkreter zu ermitteln.
Beim Pannendienst des F._ war der Gesuchsteller während sieben Jah-
ren tätig und verdiente zwischen Fr. 4'000.– und Fr. 4'300.– brutto bzw.
Fr. 3'756.– netto (Urk. 2 S. ; Urk. 1 S. 5; Urk. 6/27 Ziff. 5; Urk. 6/13/9;
Urk. 6/13/10 [Lohnausweis 2011]). Als temporärer Werkstattmitarbeiter ver-
diente er, wie erwähnt, im Oktober 2014 Fr. 3'701.– netto bzw. Fr. 4'332.85
netto einschliesslich der 15 Überstunden (vgl. Urk. 2 S. 10 f.; Urk. 8/90/2 und
Urk. 8/92/2). Zwar ging die Arbeitslosenkasse von einem versicherten Ver-
dienst von Fr. 7'780.– brutto aus (vgl. Urk. 6/77/2 und Urk. 14/1), allerdings
handelte es sich dabei, wie bereits erwähnt, in der Tat um eine einmalig gut
entlöhnte Temporärarbeit bei der ... Kraftwerk ..., H._, wo der Gesuch-
steller als Hilfsmonteur (B) angestellt war und diverse Schichtzulagen (für
Nachtarbeit, Untertagsarbeit etc.) ausbezahlt erhielt (vgl. Urk. 6/60/1;
Urk. 6/77/1/1-6; Urk. 6/77/4). Die dortige Arbeit ist jedoch beendet (Prot. I
S. 15, 18). Ein Verdienst in dieser Grössenordnung kann dem Gesuchsteller
zurzeit nicht (mehr) angerechnet werden.
- 15 -
Der Gesuchsteller deponierte bei der Vorinstanz, er suche eine Stelle als
Fahrzeugmechaniker oder als Elektriker (Prot. I S. 20). Diesbezüglich kann
das Salarium (www.lohnrechner.bfs.admin.ch) herbeigezogen werden. Hier
müssen im Internet mindestens 6 obligatorische Kriterien angegeben werden.
Weitere Angaben sind freiwillig. Wenn keine Kategorie ausgewählt wird, ver-
wendet das Salarium den häufigsten Wert, der in der Erhebung für diese
Branche beobachtet wurde.
Konkret ist von folgenden Kriterien auszugehen:
Branche: 45. Handel, Instandhaltung und Reparatur von Motorfahrzeugen Region: Zürich (ZH) Tätigkeit: 12. Maschinen einrichten, bedienen, unterhalten Anforderungsniveau: Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt Stellung: Ohne Kaderfunktion Arbeitszeit (Stunden): 42 Ausbildung: Ohne abgeschlossene Berufsausbildung Alter: 31 Dienstjahre: 0 (in der gesuchten Unternehmung) Unternehmensgrösse: 50 und mehr Beschäftigte (häufigster Wert Salari-
um) Aufenthaltsstatus: Schweiz Sonderzahlungen: Nein Stunden /Monatslohn: Monatslohn
Bei Anwendung dieser Kriterien resultiert ein Medianbruttolohn (einschliess-
lich Anteil 13. Monatslohn) für Männer von Fr. 5'053.–. Unter Berücksichti-
gung der Sozialabzüge und eines BVG-Abzuges rechtfertigt es sich somit,
dem Gesuchsteller ein hypothetisches Einkommen von rund Fr. 4'400.– netto
anzurechnen. Ein Einkommen in dieser Grössenordnung könnte der Gesuch-
steller im Übrigen auch als Hilfsarbeiter in der Maschinenindustrie oder als
Bauarbeiter mit Fachkenntnissen (B) bzw. als Bau- und Hilfsarbeiter ohne
Fachkenntnisse (C) erzielen (vgl. Mühlhauser, Das Lohnbuch 2014, S. 152
und 154: Fr. 5'025.– brutto zuzüglich 13. Monatslohn, und S. 190 f.:
Fr. 4'978.– brutto bzw. Fr. 4'477.– brutto, je zuzüglich 13. Monatslohn).
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Vor diesem Hintergrund ist somit auch ab September 2015 nach wie vor von
einer massgeblichen Veränderung gegenüber dem Zeitpunkt der Vereinba-
rung vom 21. Juni 2012 sowie auch gegenüber der Zeit der Arbeitslosigkeit
auszugehen.
Gelangt man zum Schluss, dass ein Abänderungsgrund vorhanden ist, so ist
die gesamte Unterhaltsberechnung für beide Ehegatten neu durchzuführen,
wobei die aktuellen Einkommen und Notbedarfspositionen einzusetzen sind.
Eine Neuberechnung der Unterhaltsbeiträge muss erfolgen, da bei einer Än-
derung verschiedener Faktoren nicht von vorneherein fest steht, ob sich die
verschiedenen Änderungen gegenseitig aufheben (Bachmann, Die Regelung
des Getrenntlebens nach Art. 176 und Art. 179 ZGB sowie nach zürcheri-
schem Verfahrensrecht, Diss. St. Gallen 1995, S. 227 mit weiteren Hinweisen;
ZR 80 Nr. 52). Die Neuberechnung hat sich indes an den Wertungen zu orien-
tieren, die dem ursprünglichen Entscheid zugrunde lagen. Andernfalls würde
die Abänderung zu einer Wiedererwägung des formell rechtskräftigen Ent-
scheids führen, was nicht angehen kann.
b) Einkommen der Gesuchstellerin:
Die erste Instanz ging von Arbeitslosentaggeldern der Gesuchstellerin in der
Höhe von monatlich Fr. 2'785.– netto aus und ab Oktober 2014 vom tatsäch-
lich als Verkaufsberaterin in der Schmuckfirma I._ AG im 80 %-Pensum
erzielten Monatseinkommen von Fr. 3'570.– netto (einschliesslich Anteil 13.
Monatslohn, ohne Kinderzulagen; Urk. 2 S. 9 mit Hinweisen).
Der Gesuchsteller kritisiert solches im Berufungsverfahren nicht (Urk. 8 S. 6).
Die Gesuchstellerin macht neu geltend, die Sozialabzüge hätten sich von
8.24 % auf 8.39 % erhöht und die BVG Prämie von Fr. 100.– auf Fr. 111.30,
damit betrage ihr monatliches Nettoeinkommen Fr. 3'551.20, was sie mit
Lohnabrechnungen von November 2014 bis März 2015 untermauern will
(Urk. 1 S. 6; Urk. 4/4/1-6). Damit ist sie jedoch im Berufungsverfahren nicht
mehr zu hören, weil diese Vorbringen bis zur vorinstanzlichen Urteilsberatung
- 17 -
(Datum der erstinstanzlichen Urteilsberatung: 16. April 2015, Prot. I S. 39 und
Urk. 2, vgl. Entscheid der Kammer vom 23. April 2014, Prozess-Nr.
LC130013, E. 2.2) hätten vorgebracht werden können und müssen (vgl.
Art. 229 Abs. 3 ZPO). Die geringe Lohndifferenz von lediglich Fr. 18.80 ist al-
lerdings ohnehin nicht von entscheidender Bedeutung.
Im Zeitpunkt der Vereinbarung vom 21. Juni 2012 betrug das Einkommen der
Gesuchstellerin als Detailhandelsfachfrau bei J._ unangefochtenermas-
sen zirka Fr. 3'485.– netto (einschliesslich 13. Monatslohn, ohne Kinderzula-
gen; Urk. 2 S. 8 mit Hinweis). Die Einkommensverhältnisse der Gesuchstelle-
rin haben sich somit zufolge ihrer Arbeitslosigkeit massgeblich verschlechtert.
Ab Oktober 2014 liegt jedoch keine wesentliche Veränderung mehr vor.
Nach der neusten Rechtsprechung ist allerdings in Abweichung von der lang-
jährigen Praxis der Zürcher Gerichte eine Kinder- oder Ausbildungszulage
vom Bedarf des unterhaltsberechtigten Kindes abzuziehen oder beim Ein-
kommen des obhutsberechtigten Elternteils hinzuzurechnen. Werden die Kos-
ten der Kinder vollumfänglich beim Bedarf berücksichtigt, sind konsequenter-
weise die für genau diese Kosten bestimmten Sozialleistungen auch beim
Einkommen zu berücksichtigen (und nicht zusätzlich zu den Unterhaltsbeiträ-
gen zu bezahlen; Maier, Die konkrete Berechnung von Unterhaltsbeiträgen im
Familienrecht, dargestellt anhand der Praxis der Zürcher Gerichte seit Inkraft-
setzung der neuen ZPO, FamPra.ch 02/2014 S. 330 mit Hinweisen). Anläss-
lich der vorinstanzlichen Massnahmenverhandlung vom 30. September 2014
deponierte die Gesuchstellerin, sie habe die direkte Ausbezahlung der Kin-
derzulagen an sich selbst beantragt, womit sich der Gesuchsteller einverstan-
den erklärte (Prot. I S. 33). Ab Oktober 2014 erhielt der Gesuchsteller denn
auch keine Kinderzulagen mehr ausbezahlt (Urk. 6/92/2/1-3; Urk. 14/1, wobei
die im Dezember 2014 ausbezahlte Kinderzulage über Fr. 212.– zurückgefor-
dert wurde).
Es ist daher ab Oktober 2014 von einem Einkommen der Gesuchstellerin von
Fr. 3'770.– auszugehen (Fr. 3'570.– zuzüglich Fr. 200.– Kinderzulagen, vgl.
auch Urk. 4/4/3 und 4/4/5).
- 18 -
4.3. Bedarfe der Parteien
a) Bedarf Gesuchsteller
Die Vorderrichterin berechnete den Bedarf des Gesuchstellers mit Fr. 3'349.–
(Urk. 2 S. 11 ff.).
Dabei wurden Wohnkosten von Fr. 1'580.– für eine 2 1⁄2-Zimmerwohnung in
Zürich ... berücksichtigt (Urk. 2 S. 11 f.). Die Gesuchstellerin macht neu gel-
tend, falls es sich vorliegend nach Einschätzung des Gerichts um einen Man-
kofall handeln sollte, seien diese Wohnkosten zu hoch. Der Gesuchsteller hät-
te sich eine günstigere Wohnung zu einem maximalen Mietzins von
Fr. 1'300.– zu suchen (Urk. 1 S. 8). Der Gesuchsteller hält entgegen, seine
Wohnkosten könnten nicht gesenkt werden, weil er infolge der von der Ge-
genseite verursachten Betreibungen sowie seines ausländisch klingenden
Namens keine neue Wohnung werde finden können. Abgesehen davon seien
auch die Wohnkosten der Gesuchstellerin zu hoch (Urk. 8 S. 6). Bereits der
Vereinbarung vom 21. Juni 2012 lag wohl ein Mietzins des Gesuchstellers in
der Höhe von Fr. 1'500.– zugrunde. Ein solcher wurde von der Gegenseite
damals denn auch anerkannt (Urk. 6/1B/5 S. 4; Urk. 6/1B/19 S. 8). Sodann
liess die Gesuchstellerin, damals noch vertreten durch Rechtsanwältin
Z._, im vorinstanzlichen Massnahmenverfahren den Mietzins des Ge-
suchstellers in der Höhe von Fr. 1'580.– ausdrücklich anerkennen (Prot. I S.
26 ff., 33, 37; Urk. 6/80 S. 3). Und schliesslich handelt es sich bei der neuen
Bestreitung des Mietzinses durch die Gesuchstellerin ohnehin um ein verspä-
tetes Novum (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Es bleibt somit beim von der Vorinstanz
veranschlagten Mietzins des Gesuchstellers, der denn auch nicht geradezu
unangemessen hoch erscheint.
- 19 -
Der Gesuchsteller kritisiert, dass es nicht angehe, keine Steuern in die Be-
darfsberechnung aufzunehmen. Er sei für die gemeinsamen Steuern 2011 be-
trieben und gepfändet worden. Das Steuererlassgesuch sei abgewiesen wor-
den und er sei daran, Abzahlungen an die Steuerschuld zu bezahlen
(Urk. 8 S. 6 f.).
In Mankofällen (die Existenzminima der Parteien können durch deren Ein-
kommen nicht gedeckt werden) werden in den Notbedarfen praxisgemäss
keine Beträge für die laufenden Steuern berücksichtigt (BGer 5A_332/2013,
E. 4.1). Solches war auch bei der Vereinbarung vom 21. Juni 2012 nicht der
Fall (Urk. 6/1B/5 S. 4; Urk. 6/1B/19 S. 8; Urk. 2 S. 8). Wie darzutun sein wird,
resultiert vorliegend lediglich in der zweiten Phase (Oktober 2014 bis und mit
August 2015) ein Überschuss, ansonsten liegt ein Mankofall vor. Verbleibt
von den Einkünften der Ehegatten nach Deckung der familienrechtlichen Exis-
tenzminima der Ehegatten ein Überschuss, so ist er vorab für Steuerzahlun-
gen zu verwenden (BGer 5A_302/2011, E. 6.3.1). Die mutmasslichen Steuern
sind dabei pflichtgemäss zu schätzen. Vorliegend rechtfertigt es sich, den
Parteien je Fr. 300.– für die laufenden Steuern im Bedarf anzurechnen.
Vor Verteilung des verbleibenden Überschusses in der Höhe von Fr. 241.–
wären Schulden zu berücksichtigen, sofern der zahlungspflichtige Ehegatte
nachweist, dass es sich um gemeinsame Schulden handelt oder solche, die
den Lebensunterhalt beider Ehegatten betreffen oder betroffen haben, und er
schon vor Aufhebung des gemeinsamen Haushalts regelmässige Zahlungen
zur Schuldentilgung vorgenommen hat (Six, Eheschutz, Ein Handbuch für die
Praxis, 2. A., Edition Weblaw, Bern 2014, S. 151, N 2.166 mit weiteren Hin-
weisen; vgl. auch Urk. 2 S. 13 f.). Ihre gemeinsamen Steuern 2011 haben die
Parteien bislang anscheinend nicht bezahlt (vgl. Urk. 6/52/6; Urk. 10/1-4;
Urk. 6/84). Monatliche Abzahlungen wurden seitens des Gesuchstellers zwar
behauptet und beziffert (vgl. Urk. 6/82 S. 3 i.V.m. Urk. 6/76 S. 3-5: Fr. 480.–
GE Money Bank, Fr. 140.– Abzahlungen Handy Gesuchstellerin, Fr. 140.–
Abzahlung Handy Gesuchsteller, Fr. 200.– Rate Privatkredit für Steuern;
Prot. I S. 20, 34), jedoch ist einzig ein aktueller Zahlungsbeleg betreffend zwei
- 20 -
Zahlungen über Fr. 480.90 an die GE Money Bank vom 1. und 30. Juli 2015
aktenkundig (Urk. 29/1; vgl. Urk. 6/76 S. 4; Urk. 6/77/5, 7; Urk. 6/13/5-6;
Urk. 29/1-3). Regelmässige Zahlungen werden damit nicht belegt. Betreffend
diese Kreditraten ist zudem strittig, ob es sich dabei um die Tilgung gemein-
samer Schulden handelt (vgl. Prot. I S. 21). Offenbar haben nämlich beide
Parteien je einen Kredit für die Hochzeit und die Ferien aufgenommen und
sind verschuldet (vgl. Prot. I S. 21 f., 34; Urk. 6/57/8-9; Urk. 6/28/9, 10). Vor
diesem Hintergrund rechtfertigt es sich nicht, im Bedarf des Gesuchstellers
(vor der Überschussverteilung) Abzahlungsverpflichtungen zu berücksichti-
gen. Beide Parteien sind betreffend die Tilgung ihrer Schulden auf ihren
Überschussanteil zu verweisen.
Weitere vorinstanzliche Bedarfspositionen wurden nicht substantiiert bestrit-
ten (vgl. Urk. 8 S. 6 unten; Urk. 1 S. 8), weshalb es zusammengefasst bei ei-
nem Bedarf des Gesuchstellers von Fr. 3'349.– bzw. Fr. 3'649.– (Oktober
2014 bis August 2015) bleibt.
b) Bedarf Gesuchstellerin
Die erste Instanz setzte den Bedarf der Gesuchstellerin auf Fr. 5'080.15 fest
(Urk. 2 S. 11 ff.).
Die Gesuchstellerin macht eine Veränderung/Erhöhung der Krankenkassen-
beiträge für sich selbst (von Fr. 350.– auf Fr. 408.80) und die Tochter (von
Fr. 50.– auf Fr. 75.–) geltend (Urk. 1 S. 7; Urk. 6/98; Urk. 4/5). Die Vor-instanz
ging gestützt auf einen Versicherungsausweis der K._ vom 28. Oktober
2014 von den Prämien der Grundversicherung für die Gesuchstellerin
(Fr. 408.80) und die Tochter C._ (Fr. 94.80.–) aus, reduzierte diese Be-
träge dann aber im Hinblick auf den Anspruch der Gesuchstellerin auf Prämi-
enverbilligung und die diesbezüglich geäusserten Absichten der Gesuchstel-
lerin, eine solche zu beantragen (vgl. Urk. 2 S. 12; Urk. 6/98). Solches wurde
im Berufungsverfahren nicht kritisiert. Es bleibt daher bei den von der Vo-
rinstanz veranschlagten (reduzierten) Prämien. Dass die Tochter offenbar per
1. Januar 2015 zur L._ wechselte und dort eine tiefere Prämie als bei der
- 21 -
K._ bezahlt (vgl. Urk. 4/5: Fr. 69.80 statt Fr. 94.80 [Urk. 6/98]) ändert
nichts, weil diese Prämie immer noch höher ist, als die von der Vorinstanz
unangefochtenermassen veranschlagte reduzierte Prämie.
Die erste Instanz brachte der Gesuchstellerin unter dem Titel "Kinderbetreu-
ungskosten" Fr. 921.60 in Anschlag, welche sich aus monatlichen Kinderbe-
treuungskosten von Fr. 720.– sowie Hortkosten (recte: Krippenkosten) in der
Höhe von Fr. 201.60 zusammensetzten (Urk. 2 S. 12 f.; Urk. 6/80 und
Urk. 6/67/7). Im Berufungsverfahren macht die Gesuchstellerin neu unter Bei-
lage einer Elternbeitragsabrechnung Kinderkrippe ... vom 6. März 2015 eine
Erhöhung der Krippenkosten auf Fr. 294.15 geltend, womit sich die gesamten
Kinderbetreuungskosten nunmehr auf Fr. 1'014.15 beliefen (Urk. 1 S. 8, Urk.
4/6). Auch dabei handelt es sich um ein nicht mehr zulässiges Novum, weil
die Elternbeitragsberechnung vom 6. März 2015 datiert (Urk. 4/6) und damit
bei zumutbarer Sorgfalt noch vor der Urteilsfällung der Vorinstanz am 16. Ap-
ril 2015 im vorinstanzlichen Verfahren hätte vorgebracht werden können und
müssen (Art. 317 Abs. 1 ZPO, Art. 229 Abs. 3 ZPO). Es bleibt daher bei den
erstinstanzlich angerechneten Kinderbetreuungskosten. Mit Blick auf die pau-
schale Bestreitung des Gesuchstellers (vgl. Urk. 8 S. 6) ist dabei festzuhalten,
dass die Gesuchstellerin vor Vorinstanz genügend glaubhaft darzutun ver-
mochte, aufgrund ihrer Arbeitszeiten für die Betreuung der Tochter nebst der
Krippenlösung an vier Wochentagen (vgl. Urk. 6/67/7) zusätzlich noch eine
Tagesmutter (vier Abende und zwei Samstage monatlich) zu benötigen (vgl.
Urk. 6/80 und Urk. 6/81/5; Prot. I S. 27, 30 f.).
Wie erwähnt sind auch der Gesuchstellerin in der 2. Phase (Oktober 2014 bis
August 2015) für laufende Steuern Fr. 300.– im Bedarf in Anrechnung zu
bringen.
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Resümiert beläuft sich der Bedarf der Gesuchstellerin somit auf Fr. 5'080.–
und in der 2. Phase auf Fr. 5'380.–, zumal weitere vorinstanzliche Bedarfspo-
sitionen nicht substantiiert bestritten wurden (vgl. Urk. 8 S. 6 unten; Urk. 1
S. 7 f.).
4.4. Unterhaltsberechnung
Juni 2014 bis Sept. 2014
Okt. 2014 bis Aug. 2015
ab Sept. 2015
Einkommen GSin Fr. 2'785 Fr. 3'770 Fr. 3'770 Einkommen GS Fr. 5'500 Fr. 5'500 Fr. 4'400 Gesamteinkommen Fr. 8'285 Fr. 9'270 Fr. 8'170 Bedarf GSin Fr. 5'080 Fr. 5'380 Fr. 5'080 Bedarf GS Fr. 3'349 Fr. 3'649 Fr. 3'349 Gesamtbedarf Fr. 8'429 Fr. 9'029 Fr. 8'429 Freibetrag/Manko -Fr. 144 Fr. 241 -Fr. 259
Das Manko geht jeweils zulasten der Gesuchstellerin, weil dem Gesuchsteller
sein Existenzminimum zu belassen ist. Der Freibetrag ist zu zwei Dritteln der
Gesuchstellerin mit der Tochter (Fr. 160.–) und zu einem Drittel dem Gesuch-
steller zuzuweisen. Die möglichen Unterhaltsbeiträge in den drei verschiede-
nen Zeitphasen belaufen sich somit auf Fr. 2'151.–, Fr. 1'770.– und
Fr. 1'051.–.
Die durch die Vorinstanz festgesetzten Kinderunterhaltsbeiträge in der Höhe
von Fr. 1'500.– monatlich von Juni 2014 bis 30. September 2014 (Urk. 2
S. 16, Dispositivziffer 1) wurden nicht angefochten (Urk. 1 S. 2; Urk. 8 S. 2
[unzulässige Anschlussberufung des Gesuchstellers, vgl. Urk. 11]) und erwei-
sen sich durchaus als angemessen (vgl. auch Durchschnittlicher Unterhalts-
bedarf für Kinder [ohne Pflegeplatzkosten] per 1. Januar 2015 des Amtes für
Jugend und Berufsberatung: Fr. 2'025.– abzüglich Fr. 725.– für Pflege und
Erziehung, welche die Gesuchstellerin in natura erbringt). Angesichts der an-
wendbaren Offizial- und Untersuchungsmaxime ist im Übrigen auch nicht zu
beanstanden, dass die erste Instanz die Kinderunterhaltsbeiträge rückwirkend
ab der Gesuchseinreichung abänderte (vgl. Urk. 2 S. 6; Urk. 8 S. 4). Ange-
sichts der Leistungsfähigkeit des Gesuchstellers rechtfertigt es sich, in dies-
bezüglicher Gutheissung der Berufung, auch von Oktober 2014 bis August
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2015 Kinderunterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 1'500.– pro Monat festzu-
legen. Ab September 2015 ist der Gesuchsteller noch in der Lage, Kinderun-
terhaltsbeiträge in der Höhe von rund Fr. 1'050.– zu bezahlen.
Soweit der Gesuchsteller Verrechnung mit den durch ihn während des gan-
zen Scheidungsverfahrens (angeblich) für die Gesuchstellerin geleisteten Ab-
zahlungsbeiträgen, wie für ihr Handy, die Kreditraten der (vorgeblich) gemein-
samen Schulden sowie Steuern und weiteres, geltend machen will (vgl. Urk. 8
S. 4 sowie Urk. 6/82 S. 3 i.V.m. Urk. 6/35 S. 5; Prot. I S. 28, 34), ist er damit
nicht zu hören. Diesbezüglich gilt das Verrechnungsverbot gemäss Art. 125
Ziffer 2 OR. Ausserdem wurden keine aktuellen Zahlungsbelege vorgelegt
(vgl. Urk. 6/13/5-6; Urk. 6/77/5, 7). Zudem zahlte er die Handykosten der Ge-
suchstellerin (Fr. 140.– pro Monat) offenbar nur bis Juni 2013 (Urk. 6/13/19;
Urk. 6/19 S. 5; Urk. 6/35 S. 5). Vorliegend stehen jedoch Kinderunterhaltsbei-
träge ab Juni 2014 im Streit.
E. Unentgeltliche Rechtspflege
Im Berufungsverfahren liessen beide Parteien um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Rechtsvertretung ersuchen, der Gesuchsteller al-
lerdings erst im Rahmen seiner Noveneingabe vom 3. September 2015
(Urk. S. 2; Urk. 18 S. 2; vgl. auch Urk. 11 S. 3 f.).
Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie nicht
über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichts-
los erscheint (Art. 117 ZPO). Ausserdem kann ihr eine unentgeltliche Rechts-
vertretung bestellt werden, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig
erscheint, insbesondere wenn auch die Gegenpartei anwaltlich vertreten ist
(Art. 188 Abs. 1 lit. c ZPO).
Die fehlende Aussichtslosigkeit ihrer Prozessstandpunkte ist bei beiden Par-
teien zu bejahen. Sodann kann - mit Blick auf die Einkommens- und Bedarfs-
verhältnisse sowie die Verschuldung - auch von der Mittellosigkeit beider Par-
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teien ausgegangen werden. Überdies waren sie beide auf anwaltlichen Bei-
stand angewiesen.
Somit ist der Gesuchstellerin im Berufungsverfahren die unentgeltliche Pro-
zessführung zu bewilligen und in der Person von Rechtsanwalt lic. iur.
X._ ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen.
Grundsätzlich wird unentgeltliche Rechtspflege ab dem Zeitpunkt bewilligt, in
welchem das Gesuch gestellt worden ist. Dabei können Anwaltskosten, die im
Zusammenhang mit einer gleichzeitig eingereichten Rechtsschrift entstanden
sind, berücksichtigt werden (vgl. BGE 122 I 203 E. 2c). Ausnahmsweise kann
die unentgeltliche Rechtspflege rückwirkend gewährt werden (Art. 119 Abs. 4
ZPO). Vorliegend wurde solches weder beantragt noch sind Gründe auszu-
machen, welche eine rückwirkende Gewährung insbesondere der unentgeltli-
chen Rechtsvertretung indizierten (vgl. Urk. 18 passim). Im Gegenteil hätte
der Gesuchsteller sein Armenrechtsgesuch längst (im Rahmen der Beru-
fungsantwort) stellen können und müssen. Dem Gesuchsteller ist somit im
Berufungsverfahren die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und per
3. September 2015 (Urk. 18) Rechtsanwältin lic. iur. Y._ als unentgeltli-
che Rechtsbeiständin zu bestellen.
F. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss sind die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu regeln (Art.
106 Abs. 1 und 2 ZPO). Mit Blick auf die festzulegenden Unterhaltsbeiträge
und davon ausgehend, dass diese Regelung insgesamt 24 Monate Geltung
haben dürfte (Juni 2014 bis Ende Mai 2016), rechtfertigt es sich, die Verfah-
renskosten dem Gesuchsteller zu rund 80 % und der Gesuchstellerin zu 20 %
aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sind die
Verfahrenskosten jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter
Vorbehalt der Nachzahlungspflicht (Art. 123 ZPO).
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Entsprechend ist der Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchstellerin für
das Berufungsverfahren eine auf 60 % reduzierte Parteientschädigung in der
Höhe von Fr. 1'800.– zu bezahlen (Fr. 3'000.– = volle PE, vgl. § 5 Abs. 1, § 6
Abs. 1, § 9, § 11 Abs. 1 und 2, § 13 Abs. 1 AnwGebV).
Weil auch der Gesuchsteller im Armenrecht prozessiert und mit Blick auf sei-
ne Schulden davon ausgegangen werden muss, dass die Parteientschädi-
gung voraussichtlich nicht einbringlich ist, rechtfertigt es sich dabei, dem un-
entgeltlichen Rechtsvertreter der Gesuchstellerin die Parteientschädigung di-
rekt aus der Gerichtskasse zuzusprechen unter Legalzession des Anspruchs
auf den Kanton (Art. 122 Abs. 2 ZPO).