Decision ID: c45a4ed9-e4ae-430b-81fa-c56515d67bc3
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Brandstiftung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, Jugendgericht, vom tt.mm.2012 (...)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt vom 17. Oktober 2011 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 21).
Entscheid der Vorinstanz: (Urk. 47 S. 59 f.)
"Das Jugendgericht erkennt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB,
− der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB.
2. Es wird eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG angeordnet.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsentzug, wovon 1 Tag durch
Untersuchungshaft erstanden ist.
4. Der Vollzug des Freiheitsentzugs wird im Umfang von 4 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 1 Jahr festgesetzt. Im Übrigen wird der Freiheitsentzug vollzogen,
abzüglich 1 Tag, der durch Untersuchungshaft erstanden ist.
5. Für die Dauer der Probezeit wird der Beschuldigte durch den zuständigen
Sozialarbeiter der Jugendanwaltschaft begleitet.
6. Der Vollzug des Freiheitsentzugs wird nicht zu Gunsten der ambulanten Massnahme
aufgeschoben.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Schadenersatz im Um-
fang von Fr. 679.85 zu bezahlen.
8. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin C._, vertreten durch C1._,
wird auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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9. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin D._, vertreten durch D1._,
wird auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 500.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. Auslagen Untersuchung
Fr. 4'553.30 amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt, aber im
Fr. 300.– übersteigenden Betrag abgeschrieben.
12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe
der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit separatem Entscheid entschieden.
13. (Mitteilung)
14. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) der Verteidigung des Beschuldigten:
(mündlich und schriftlich; Urk. 49 S. 2, Urk. 67 S. 1)
1. Das Urteil des Jugendgerichts Zürich vom tt.mm.2012, Geschäfts-Nr.
..., sei vollumfänglich, soweit nicht untenstehend von der Anfechtung
ausgenommen, aufzuheben und der Beschuldigte sei freizusprechen.
2. Eventualiter, sofern der Beschuldigte ganz oder teilweise schuldig
gesprochen wird, sei die ambulante Behandlung im Sinne von Ziff. 2
des Dispositivs anzuordnen (keine Anfechtung von Ziff. 2).
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3. Subeventualiter, sofern eine bedingte Freiheitsstrafe ausgesprochen
wird, sei eine Begleitung durch den zuständigen Sozialarbeiter der
Jugendanwaltschaft im Sinne von Ziff. 5 des Dispositivs anzuordnen
(keine Anfechtung von Ziff. 5).
4. Subeventualiter, sofern eine unbedingte Freiheitsstrafe ausgesprochen
wird, sei der Vollzug zugunsten der ambulanten Behandlung gemäss
Ziff. 2 oder einer anderen Massnahme aufzuschieben.
5. Subsubeventualiter sei die Strafe so auszusprechen, dass sie resp. der
unbedingte Teil der Strafe durch persönliche Leistung im Sinne von
Art. 23 oder Art. 26 des Jugendstrafgesetzes verbüsst werden kann
und es sei die persönliche Leistung anzuordnen.
6. Die Ziffern 8 und 9 des Dispositivs werden nicht angefochten.
7. Eventualiter, sofern eine Kostenauflage an den Beschuldigten erfolgt,
sei diese im Sinne von Ziff. 11 des Dispositivs abzuschreiben (keine
Anfechtung von Ziff. 11).
8. Subsubsubeventualiter hinsichtlich Ziff. 5, sofern eine zu vollziehende
Freiheitsstrafe ausgefällt wird, die weder aufgeschoben wird noch
durch persönliche Leistung vollzogen werden kann, sei der Vollzug
durch Halbgefangenschaft mit Fussfesseln zu Hause anzuordnen.
Alles unter Kosten - und Entschädigungsfolge zulasten der Staatskasse.
Änderungen und Präzisierungen der Anträge bleiben vorbehalten.
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b) Der Oberjugendanwaltschaft:
(mündlich und schriftlich; Urk. 68 S. 1)
1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten in
angemessener Höhe aufzuerlegen.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1.1 Mit eingangs im Dispositiv zitierten Urteil des Jugendgerichts Zürich wurde
der Beschuldigte am tt.mm.2012 der Brandstiftung, der versuchten einfachen
Körperverletzung sowie des Hausfriedensbruchs schuldig gesprochen und mit
einem Freiheitsentzug von 6 Monaten bestraft. Der Vollzug des Freiheitsentzugs
wurde im Umfang von 4 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 1 Jahr
festgesetzt. Weiter wurde eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14
Abs. 1 JStG angeordnet, wobei der Vollzug des Freiheitsentzugs zu deren
Gunsten nicht aufgeschoben wurde. Der Beschuldigte wurde sodann zur Leistung
von Schadenersatz an den Privatkläger B._ in Höhe von Fr. 679.85 verpflich-
tet. Die Schadenersatzbegehren der weiteren Privatklägerinnen (C._ sowie
D._) wurden auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Schliesslich wurden
die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens dem Beschuldig-
ten auferlegt, aber im Fr. 300.– übersteigenden Betrag abgeschrieben. Die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung wurden unter Hinweis auf eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Staatskasse genommen.
1.2 Gegen das dem Beschuldigten mündlich eröffnete und im Dispositiv über-
gebene Urteil (Prot. I S. 13) liess der Beschuldigte innert Frist Berufung erheben
(Urk. 41). Nach Zustellung des begründeten Entscheides reichte die Verteidigung
sodann ebenfalls fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 43; Urk. 46/6;
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Urk. 49). Nach Eingang der Akten am Obergericht wurde den Privatklägern sowie
der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich Frist angesetzt, um sich der
Berufung anzuschliessen oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu
beantragen. Während die Oberjugendanwaltschaft darauf verzichtete, sich der
Berufung anzuschliessen (Urk. 55), liessen sich die Privatkläger resp. Privatkläge-
rinnen innert Frist nicht vernehmen. Beweisanträge wurden bis anhin keine
gestellt. Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der Verteidiger den Antrag,
das Verfahren zur ergänzenden Untersuchung zwecks Befragung von Zeugen,
eines neutralen Brandexperten, eines neutralen DNA-Experten sowie zur
ergänzenden Vergleichsauswertung der DNA-Spuren an die Untersuchungs-
behörde zurückzuweisen (Urk. 67 S. 2).
2.1 Die Berufung richtet sich gegen den vorinstanzlichen Schuldspruch und die
Sanktion. Nicht angefochten ist indes
- der Verweis der Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen D._
sowie C._ auf den Weg des Zivilprozesses (Dispositivziffern 8. und
9.) sowie das gutgeheissene Schadenersatzbegehren des Privatklägers
B._ (Dispositivziffer 7).
- wie auch die Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 10.).
2.2 Es ist daher vorab festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem
Umfang bereits in Rechtskraft erwachsen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO). Auf diese
Punkte ist im Folgenden nicht mehr weiter einzugehen.
3. Nachfolgend wird verschiedentlich auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz zu verweisen sein. Dies geschieht jeweils in Anwendung von Art. 82
Abs. 4 StPO, ohne dass dies jedes Mal speziell angefügt wird.
4. Die Verteidigung hat schon vor Vorinstanz ausgeführt, die Anklageschrift
genüge den Anforderung des Anklageprinzips nicht. So sei bezüglich der Brand-
stiftung in der Anklage kein Hinweis auf das Motiv zu finden und der subjektive
Tatbestand nur rudimentär und ungenügend genau beschrieben. Weiter sei die
diesbezügliche Zeitangabe "zwischen 22.30 Uhr und 23.15 Uhr" zu lange und
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ungenügend genau (Urk. 36 S. 26 f.; Urk. 67 S. 4 f.). Auch bezüglich des Haus-
friedensbruchs sei zu wenig präzise umschrieben, wie lange und zu welchem
Zweck sich der Beschuldigte im Bahnhof E._ aufgehalten habe. Ebenso ste-
he nichts über den subjektiven Tatbestand und über den Zweck des Aufenthaltes
(Urk. 36 S. 29). Schlussendlich genüge auch die Umschreibung des Sachver-
haltes der Körperverletzung weder im objektiven noch im subjektiven Tatbestand
für eine Verurteilung. Individuelle Angaben darüber, weshalb die Anklageschrift
von eventualvorsätzlichem Versuch der Körperverletzung ausgehe, würden fehlen
(Urk. 36 S. 26-31).
4.1 Grundsätzlich kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 7 f. Ziff. 1., S. 44
Ziff. 1., S. 46 f. Ziff. 1). Nachfolgendes ist lediglich ergänzender Natur.
4.2 Der Anklagegrundsatz dient dem Schutz der Verteidigungsrechte der an-
geklagten Person und konkretisiert insofern das Prinzip der Gehörsgewährung
(Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 EMRK; BGE 120 IV 348 E. 2b). Nach diesem
Grundsatz bestimmt die Anklage das Prozessthema. Gegenstand des gerichtli-
chen Verfahrens können mithin nur Sachverhalte sein, die der beschuldigten
Person in der Anklageschrift vorgeworfen werden. Diese muss die Person des
Beschuldigten sowie die ihm zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so
präzise umschreiben, dass die Vorwürfe im objektiven und subjektiven Bereich
genügend konkretisiert sind (Umgrenzungsfunktion). An diese Anklage ist das
Gericht gebunden. Die Anklage fixiert somit das Verfahrens- und Urteilsthema
(Immutabilitätsprinzip). Zum anderen vermittelt sie der beschuldigten Person die
für die Durchführung des Verfahrens und die Verteidigung notwendigen Informati-
onen (Informationsfunktion). Sie dient insofern dem Schutz der Verteidigungs-
rechte des Beschuldigten (Niggli, Heimgartner in: BSK Strafprozessordnung,
Basel 2011, N32 ff zu Art. 9 StPO, sowie [zur Rechtsprechung vor Inkrafttreten
der schweizerischen StPO] Urteil des Bundesgerichts 6B.294/2008 vom 1. Sep-
tember 2008 E. 4.3, jeweils mit weiteren Hinweisen).
Der zeitlichen Fixierung des Sachverhaltes kommt im Lichte des Rechts auf
Ermöglichung einer effektiven Verteidigung eine wesentliche Bedeutung zu. Aus
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Sicht des Beschuldigten ist daher festzuhalten, dass eine schrankenlose Öffnung
des Zeitfensters in der Anklage nicht angeht. Ungeachtet allfälliger objektiver
Schwierigkeiten bei der Abklärung des Sachverhaltes gibt es eine Grenze,
jenseits welcher nicht mehr von einer genügend bestimmten Anklage gesprochen
werden kann. Dem Beschuldigten ist nicht zuzumuten, im Hinblick auf eine in zeit-
licher Hinsicht völlig unbestimmte Anklage konkrete Ausführungen dazu zu
machen, wo er sich während der in Frage stehenden Zeitspanne befunden habe
bzw. weshalb er für diese Zeitspanne als Täter nicht in Frage komme. Eine Wider-
legung des Anklagevorwurfes ist nur möglich, wenn der in Frage stehende Sach-
verhalt auch einer mehr oder weniger begrenzten bzw. eben "möglichst genauen"
Zeitspanne zugeordnet werden kann (vgl. hierzu ZR 104 Nr. 31). Ungenauigkeiten
in den Zeitangaben sind solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die
beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen können, welches Verhalten
ihr vorgeworfen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B.294/2008 vom 1. September
2008 E. 4.4). Allgemein gilt, je gravierender die Vorwürfe, desto höher die Anfor-
derungen an das Akkusationsprinzip (Urteil des Bundesgerichts 6B_333/2007
vom 7. Februar 2008, E. 2.1.4).
4.2.1 Die Anklagebehörde war aufgrund des Untersuchungsergebnisses nicht in
der Lage, dem Ausbruch des Feuers eine exakte Uhrzeit zuzuordnen. In zeitlicher
Hinsicht ist die Anklage indes keineswegs völlig unbestimmt, der Zeitpunkt wurde
so weit wie möglich eingegrenzt. Die in der Anklageschrift genannte Zeitspanne,
innert welcher der Brand gelegt wurde, beträgt lediglich 45 Minuten. Der Beschul-
digte war jedenfalls in der Lage, konkrete Ausführungen dazu zu machen, wo er
sich während der fraglichen 45 Minuten befand. Dies zeigt sich auch darin, dass
er anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme fähig war zu berichten, wann
er beim ...zentrum ankam sowie mit wem, wo und wie er die Zeit verbracht habe
(Urk. 1/12 S. 2 ff.). Das Recht auf Ermöglichung einer effektiven Verteidigung
wurde somit keineswegs verletzt.
Auch hinsichtlich des subjektiven Bereiches ist der Anklagevorhalt der Brand-
stiftung genügend genau umschrieben. Wie bereits die Vorinstanz festhielt
(Urk. 47 S. 8), geht aus der Anklageschrift klar hervor, dass dem Beschuldigten
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vorgeworfen wird, gewusst zu haben, dass sein Verhalten den tatbestandsmässi-
gen Erfolg verursacht und er letzteren wollte bzw. diesen zumindest in Kauf
nahm. Sowohl die Wissens- als auch die Willenskomponente des subjektiven
Tatbestandes wurden folglich genügend umschrieben. Nach herrschender Lehre
und Praxis genügt im übrigen - wie dies bereits die Vorinstanz anführte (Urk. 47
S. 7 f.) - die Angabe, dass der Täter vorsätzlich die inkriminierte Tat begangen hat
(Heimgarnter/Niggli in: BSK Schweizerisches Strafprozessrecht, a.a.O., N 33 zu
Art. 325). Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs.1 StGB erfordert sodann zur
Erfüllung des Tatbestandes nebst dem (Eventual-) Vorsatz keine weiteren subjek-
tiven Unrechtselemente (Weder in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Kommen-
tar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, Zürich 2010, 18. Aufl., N 7 ff. zu
Art. 221 StGB). Das Motiv oder eine allenfalls weitergehende Absicht des
Beschuldigten ist deshalb in der Anklageschrift nicht aufzuführen (a.a.O., N 34 zu
Art. 325; so auch die Vorinstanz Urk. 47 S. 7 f.).
4.2.2 Auch aus der Anklageschrift betreffend die versuchte einfache Körper-
verletzung geht klar hervor, dass dem Beschuldigten vorgeworfen wird, gewusst
zu haben, dass sein Verhalten den tatbestandsmässigen Erfolg verursachen kann
und er letzteren wollte bzw. diesen zumindest in Kauf nahm (Anklageschrift
Urk. 21 S. 3 f.: "Der Angeschuldigte handelte im Wissen darum, dass Faustschläge und Fusstritte ins Gesicht zu Verletzungen führen können (...) und nahm dies zumindest in
Kauf"). Die Wissens- wie auch die Willenskomponente des subjektiven Tat-
bestandes wurden folglich genügend umschrieben. Im übrigen kann auf die zu-
treffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden
(Urk. 47 S. 44 Ziff. 1.2.).
4.2.3 Bezüglich des in der Anklageschrift unerwähnt gebliebenen subjektiven
Tatbestands des Hausfriedensbruchs wird im angefochtenen Entscheid festge-
halten, dass die Umschreibung des subjektiven Tatbestandes vorliegend nicht
notwendig sei, da der betreffende Tatbestand nur als Vorsatzdelikt erfüllbar und
der Hinweis auf den gesetzlichen Straftatbestand erfolgt sei. Auch die fehlende
Angabe des Aufenthaltszwecks sei vorliegend nicht zu beanstanden (Urk. 47
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S. 46 f. Ziff. C. 1.). Die Vorinstanz stützt sich hierbei auf den Bundesgerichtsent-
scheid von 28. November 1994 (BGE 120 IV 348 S. 356).
Entgegen dem vorerwähnten Bundesgerichtsentscheids hält Heimgarnter/Niggli
(in: BSK Schweizerisches Strafprozessrecht, a.a.O., N 33 zu Art. 325) dafür, dass
der subjektive Tatbestand in der Anklageschrift Erwähnung finden muss, wobei
die grundsätzliche Angabe genügt, dass der Täter vorsätzlich die inkriminierte Tat
begangen hat.
Vorliegend wird der subjektive Tatbestand des Hausfriedensbruchs in der Ankla-
geschrift mit keinem Wort erwähnt. Konkret kann ihr nicht entnommen werden, ob
der Beschuldigte über das gegenüber ihm ausgesprochene Hausverbot über-
haupt in Kenntnis gesetzt wurde. Es gilt aber auch zu bedenken, dass der
Hausfriedensbruch nur bei vorsätzlicher Begehung strafbar ist und mit dem
Umschreiben des objektiven Tatbestands in der Anklage dem Beschuldigten
bereits implizit eine vorsätzliche Begehung vorgehalten wird. Das gegen den
Beschuldigten ausgesprochene Hausverbot ist mit einem Datum versehen und
folglich genügend präzisiert, ebenso Ort und Datum des Hausfriedensbruchs. Die
vor Vorinstanz vorgebrachte Rüge, es sei zu wenig präzise umschrieben, wie
lange und weshalb sich der Beschuldigte am Bahnhof E._ befunden habe, ist
bei konkreter Betrachtung des Vorfalls unbegründet, auch wenn nicht zu ver-
kennen ist, dass die Anklagebehörde die Dauer des behaupteten rechtswidrigen
Aufenthaltes in die Anklageschrift hätte aufnehmen sollen. Für den Beschuldigten
bestanden zudem zu keinem Zeitpunkt Zweifel darüber, welches Verhalten ihm
vorgeworfen wurde, zumal es sich vorliegend weder um einen diffizilen noch
gravierenden Vorwurf handelt. Ausserdem wird nachfolgend zu zeigen sein
(Ziff. II. C.), dass es dem Beschuldigten gelingt, sich in Bezug auf den Vorwurf
des Hausfriedensbruchs wirksam zu verteidigen und den ihm vorgeworfenen
Sachverhalt zu widerlegen. Die Ungenauigkeit in der Zeitangabe ("über eine
längere Zeitdauer") ist folglich nicht von Bedeutung.
4.3 Die Anklagschrift vermittelt dem Beschuldigten die für die Durchführung
des Verfahrens und die Verteidigung notwendigen Informationen. Die Verteidi-
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gungsrechte des Beschuldigten wurden keineswegs eingeschränkt, weshalb von
einer Verletzung des Anklageprinzips nicht die Rede sein kann.
5. Der Beschuldigte lässt wie bereits vor Vorinstanz beanstanden (Urk. 67
S. 5 ff.), dass die zweite polizeiliche Einvernahme vom 18. Juni 2010 (Urk. 1/13)
nicht als Beweismittel verwertbar sei, da der Beschuldigte nicht verteidigt ge-
wesen sei, obwohl es sich um einen Fall notwendiger Verteidigung gehandelt
habe.
5.1 Die Vorinstanz hielt korrekt fest, dass gemäss Art. 47 Abs. 2 JStPO Verfah-
renshandlungen, die vor Inkrafttreten der neuen JStPO durchgeführt worden sind
(was vorliegend der Fall ist), ihre Gültigkeit behalten. Auf die zutreffenden Ausfüh-
rungen zu Theorie und Praxis hinsichtlich der Voraussetzungen einer notwendi-
gen Verteidigung nach StPO/ZH kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen
auf den vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden. Insbesondere wird zu-
treffend festgehalten, dass bei polizeilichen Einvernahmen im Ermittlungsver-
fahren im damaligen zürcherischen Verfahrensrecht kein generelles Teilnahme-
recht der Verteidigung bestand. Voraussetzung war indes, dass der Unter-
suchungsbeamte im Falle der notwendigen Verteidigung den Beschuldigten
unverzüglich zu einer Erklärung darüber zu veranlassen hatte, ob er selber einen
Verteidiger wählen oder sich einen solchen von Amtes wegen bestellen lassen
will (Urk. 47 S. 27-29).
5.2 Mit der Vorinstanz lag ein Fall notwendiger Verteidigung nach Art. 40
Abs. 2 lit. a des damals geltenden Jugendstrafgesetzes (aJStG; SR 311.11) vor,
zumal die Polizei im Zeitpunkt der Einvernahme bereits in Richtung Brandstiftung
gemäss Art. 221 StGB ermittelte. Der Beschuldigte wurde indes sowohl in seiner
Einvernahme als Auskunftsperson als auch als Beschuldigter nicht nur auf sein
Aussageverweigerungsrecht, sondern auch auf das Recht, jederzeit eine Ver-
teidigung bestellen zu können, hingewiesen (Urk. 1/12 S. 1; Urk. 1/13 S. 1). Der
Beschuldigte war sich entgegen den Ausführungen seines Verteidigers (Urk. 36
S. 14; Urk.) der Bedeutung dieser Hinweise zu Beginn der polizeilichen Einver-
nahme sehr wohl bewusst: Er wurde bereits einmal aufgrund einer weiteren
Untersuchung anwaltlich verbeiständet (vgl. Urk. 16/4/2). Seine Aussagen in der
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zweiten polizeilichen Einvernahme wurden ihm sodann jeweils in Anwesenheit
seines Verteidigers anlässlich der jugendanwaltschaftlichen Einvernahme vom
21. Dezember 2010 sowie vor Vorinstanz vorgehalten (Urk. 4/1 S. 5 ff.; Urk. 35
S. 11 ff.).
5.3 Dass die zweite polizeiliche Einvernahme somit ohne Anwesenheit eines
Verteidigers durchgeführt wurde, entsprach trotz Vorliegen eines Falles der
notwendigen Verteidigung dem damals geltenden Verfahrensrecht (§ 17
Abs. 2 StPO/ZH; vgl. auch Art. 448 Abs. 2 StPO). Aufgrund des gesetzeskonfor-
men Hinweises auf sein Aussageverweigerungsrecht zu Beginn der Einvernahme,
verstösst die sodann gleichwohl ohne Anwesenheit des Verteidigers mit dem
Beschuldigten durchgeführte Einvernahme auch nicht gegen den Grundsatz des
"fair trial" (ZR 99/2000 Nr. 65, S. 183). Die Aussagen des Beschuldigten sind ent-
sprechend verwertbar.
II.Schuldpunkt
A. Brandstiftung
1. Im angefochtenen Entscheid wird vorab der dem Beschuldigten vorge-
worfene Sachverhalt korrekt zusammengefasst und die bei den Akten liegenden
Beweise angeführt. Sodann wird zutreffend festgehalten, dass der Beschuldigte
nie persönlich und in Anwesenheit seines Verteidigers mit den Aussagen von
F._ und G._ (Urk. 1/11; Urk. 1/14) konfrontiert worden sei, weshalb die-
se lediglich zu Gunsten des Beschuldigten verwertbar seien (Urk. 47 S. 6 und 9
Ziff. II. A. und A.3.). In der Folge wurden die Aussagen des Beschuldigten, der
Polizisten H._ und I._ sowie diejenigen von F._, G._ und
J._ korrekt wiedergegeben (Urk. 47 S. 10-26 Ziff. II. A. 3.3.-3.10.). Hierauf
kann zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden.
2. Der Beschuldigte lässt wie bereits vor Vorinstanz beanstanden, sein
Geständnis anlässlich der zweiten polizeilichen Einvernahme vom 18. Juni 2010
(Urk. 1/3) sei wahrheitswidrig und ernötigt worden (Urk. 36 S. 15; Urk. 67 S. 6 ff.;
Urk. 64 S. 17 ff.).
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2.1 Die Vorinstanz hat dazu ausführlich und überzeugend Stellung genommen
(Urk. 47 S. 29 ff.). Zutreffend wurde ausgeführt, dass der Beschuldigte die seitens
der Polizisten I._ und H._ angeblich ausgesprochenen Drohungen nicht
konstant wiedergebe und auffällig sei, dass der Umfang der Aussagen in Bezug
auf die Drohungen sehr beschränkt sei und die Schilderungen detailarm seien
(Urk. 47 S. 31 f., mit Verweis auf Urk. 4/1 S. 4-6 sowie Urk. 34 S. 10). Die Aus-
sage des Beschuldigten vor der Anklagebehörde, er wisse nicht mehr, was der
Polizist gesagt habe, was er machen müsse, damit er nachhause gehen könne, er
habe es vergessen (Urk. 4/1 S. 5), überzeugt angesichts der geltend gemachten
Intensität der Drohung nicht. Die Argumentation seitens der Verteidigung, der
Beschuldigte habe dem Druck der Polizisten nachgegeben, da er davon ausge-
gangen sei, dass die Auswertung der DNA-Spuren seine Unschuld dann schon
beweisen würde (Urk. 36 S. 16; Urk.), wird vom Beschuldigten selbst nie erwähnt.
Dass er sich nicht derart leicht einschüchtern lässt, zeigt sich - wie die Anklage-
behörde vor Vorinstanz zutreffend argumentierte (Urk. 35 S. 4) - auch darin, dass
der Beschuldigte drei Tage nach der Einvernahme anlässlich einer polizeilichen
Befragung im Zusammenhang mit einem Raubüberfall sehr wohl seine Unschuld
beteuern konnte, dies obwohl er zuvor verhaftet worden war (Urk. 15/1/19
beispielsweise Frage 15, Urk. 15/2/1/4). Die Argumentation der Verteidigung vor
Vorinstanz, der Beschuldigte sei davon ausgegangen, dass er, wenn er nicht über
das Wochenende im Gefängnis bleiben wolle, eine Verteidigung nicht verlangen
könne, da er (der Verteidiger) an einem Freitag gegen Abend vermutlich nicht
sofort hätte kommen können (Urk. 36 S. 14; Urk. 67 S. 6 f.), überzeugt keines-
wegs. Zum einen werden diese Bedenken seitens des Beschuldigten mit keinem
Wort erwähnt, zum anderen wurde letzterer weder in der Nacht noch am
Wochenende einvernommen, sondern an einem Freitagnachmittag, wobei die
zweite Einvernahme bereits um 14.17 Uhr begann (Urk. 1/13 S. 1). Es mutet
lebensfremd an, dass ein Jugendlicher in der geltend gemachten Bedrängnis
Skrupel gehabt hätte, seinen Verteidiger an einem Freitagnachmittag zu kontak-
tieren, insbesondere wenn er von der Polizei darauf hingewiesen wurde.
2.2 Die Vorinstanz befasste sich sodann mit dem Vorhalt, dass dem Beschul-
digten anlässlich dieser zweiten polizeilichen Einvernahme die Details vorgesagt
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worden seien, und er die Frage lediglich mit 'Ja' und 'Nein' beantwortet habe und
hielt nach der Aussagenanalyse zutreffend fest, dass die Widersprüchlichkeit der
Aussagen betreffend die Protokollierung hervorsticht, weshalb die Version des
Beschuldigten aus diesen Gründen wenig überzeugend erscheinen: Auf die im
vorinstanzlichen Entscheid sorgfältig aufgeführten Erwägungen zu den Unge-
reimtheiten kann zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich verwiesen
werden (Urk. 47 S. 33). Bezeichnend hierfür sind die Aussagen des
Beschuldigten betreffend der ihm unbekannten Flüssigkeit in der Blechdose:
Während seine Aussage vor Polizei dahingehend protokolliert wurde, es habe in
der Blechdose eine ihm unbekannte Flüssigkeit gehabt, die wie Sprit gerochen
habe. Er kenne sich nicht damit aus, habe aber aufgrund des Geruchs gewusst,
dass es sich um brennbare Flüssigkeit handle (Urk. 1/13 S. 3 Frage 12 und 13),
gab er vor der Anklagebehörde zu Protokoll, die Polizisten hätten ihm das mit
dem Sprit vorgesagt. Er habe einfach mit 'ja' geantwortet. Das mit dem Riechen
habe er aus der Schreinerei, das rieche fast alles gleich (Urk. 4/1 S. 6). Es mutet
realitätsfremd an, dass man ein erzwungenes Geständnis mit solches Details
bereichert. Vor Vorinstanz bestreitet er sodann gänzlich, das mit dem Riechen
gesagt zu haben. Er habe zu Frage 12 und 13 der polizeilichen Einvernahme
(Urk. 1/13) jeweils nur 'ja' gesagt (Urk. 36 S. 13). Ein solches Aussageverhalten
überzeugt keineswegs.
2.3 Demgegenüber stehen die Aussagen des einvernehmenden Polizisten
I._. Zur Glaubhaftigkeit der Aussagen hielt die Vorinstanz fest, dass er die
Vorkommnisse detailreich und widerspruchsfrei schildere (Urk. 47 S. 34). Dem ist
beizupflichten: Die Beschreibung des Polizisten der Gemütsbewegung des
Beschuldigten ist derart charakteristisch, wie sie nur von demjenigen zu erwarten
ist, der den Vorfall selber miterlebt hat. So beschrieb er nicht nur die Nervosität
und Angst des Beschuldigten (Urk. 4/3 S. 3: "Er hat dann auf den Boden geschaut, etwas vor sich ihn gesprochen, leise. Ich habe ihn dann gefragt, was er genau sage.
Darauf hat er mich angeschaut. Ich habe ihm gesagt, was denn los sei, er sage nicht die
Wahrheit, er wirke sehr nervös. Er hat geantwortet, das weiss ich noch genau, ob, wenn
er etwas damit zu tun habe, er ins Gefängnis müsse. (...) Dann hat er mit gesagt, ja, er
gäbe zu, die Brandstiftung alleine begangen zu haben. Gleichzeitig hat er erwähnt, er
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habe extrem Angst vor dem Vater, was jetzt passieren würde, er wolle auf keinen Fall ins
Gefängnis kommen."), sondern auch dessen Erleichterung am Schluss der Einver-
nahme (Urk. 4/3 S. 3: "Am Schluss war er erleichtert, die einzige Angst war der Vater, ich sagte ihm zu, mit seinem Vater zu sprechen und ihn beruhigen zu suchen und
schlimmstenfalls mit nach Hause gehen und mit dem Vater sprechen. Das wollte er aber
nicht.").
Bezeichnend ist zudem, wie dies bereits die Vorinstanz ausführte (Urk. 47
S. 34 f.), dass der einvernehmende Polizist freimütig über den Inhalt des
Gesprächs zwischen den beiden Einvernahmen informierte, dies obwohl daraus
hervorgeht, dass er doch beharrlich auf ein Geständnis des Beschuldigten hin-
arbeitete, ohne dies indes zu protokollieren (Urk. 4/3 S. 3: "Dann kam die Aussage: 'Ich will nicht ins Gefängnis.' Ich sagte ihm, jetzt machen wie eine 2. Einvernahme, ich
wolle wissen, was vorgefallen sei, ob er mir noch etwas zu sagen habe. Noch bevor wir
angefangen haben, habe ich ihn gefragt, ob er mit der Brandstiftung etwas zu tun gehabt
habe. Es kam wieder die Frage, ob er dann ins Gefängnis müsse, wenn er es zugebe.
Dann habe ich ihm geantwortet, falls er mit der Brandstiftung etwas zu tun gehabt habe
oder es gemacht habe, würde mir kein Grund einfallen, ihn in Haft zu nehmen, ich wolle
jetzt schon vor dem Start der 2. Einvernahme wissen, was genau vorgefallen sei. Dann
hat er mit gesagt, ja, er gäbe zu, die Brandstiftung alleine begangen zu haben").
Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid zur Glaubhaftigkeit
der Aussagen von I._ kann vollumfänglich verwiesen werden. Die aus-
führlichen Stellungnahmen zu den seitens des Beschuldigten diesbezüglich
erhobenen Beanstandungen sind überzeugend und bedürfen keinerlei Ergänzun-
gen (Urk. 47 S. 34-36 Ziff. 4.2.6.).
2.4 Dass sich Polizist H._ nicht mehr an die Einvernahme erinnern kann,
ist durchaus glaubhaft. So macht er geltend, jährlich bei 50 bis 80 Brandfällen
auszurücken. Weiter komme es durchaus vor, dass Einvernahmen in Anwesen-
heit des Büronachbarn durchgeführt würden. Wie die Vorinstanz zutreffend fest-
stellte, ist vor dem Hintergrund, dass er nicht für den Fall verantwortlich gewesen
ist und zwischen dem Vorfall und seiner Befragung etwa sieben Monate verstri-
chen sind, nachvollziehbar, dass er sich daran nicht mehr zu erinnern vermochte.
- 16 -
Zutreffend wird weiter festgehalten, dass entgegen den Ausführungen der Vertei-
digung, nicht ersichtlich sei, weshalb die Beschwerde des Vaters des Beschuldig-
ten bei Jugendanwalt Kramer bzw. bei Polizist I._ einen bleibenden Eindruck
beim nicht in den Fall involvierten H._ bewirkt haben soll (Urk. 47 S. 36 f. Ziff.
4.2.7.). Insgesamt sind die Aussagen glaubhaft, wobei aus ihnen weder etwas
zugunsten noch zulasten des Beschuldigten abgeleitet werden kann.
2.5 Insgesamt überzeugen die glaubhaften Aussagen von I._. Berücksich-
tigt man zudem, dass der Beschuldigte bezüglich der ausgesprochenen Drohun-
gen und hinsichtlich der Art und Weise, wie seine Aussagen protokolliert worden
seien nicht konstant, teilweise widersprüchlich und unschlüssig aussagte, ver-
bleiben keine Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen des einvernehmenden
Polizisten, auch keine theoretischen.
2.6 Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zum Beweiserhebungsverbot
kann auf den vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 47 S. 37
Ziff. 4.3.). Die Vorinstanz hat dazu ausführlich und überzeugend Stellung ge-
nommen. Zu bemerken bleibt lediglich folgendes: Der Beschuldigte wurde
telefonisch zur Befragung als Auskunftsperson vorgeladen und blieb dem Termin
unentschuldigt fern (Urk. 1/12; S. 1; Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/3 S. 2). Wenn sich der
zuständige Polizist sodann erneut bei der vorgeladenen Person meldet und ihn
sinngemäss auf § 49 Abs. 1 Ziff. 1 StPO/ZH (Möglichkeit der polizeilichen Vor-
führung bei unentschuldigtem Fernbleiben auf eine Vorladung) aufmerksam
macht, entspricht dies dem gesetzmässigen Vorgehen und kann keinesfalls als
unzulässige Drohung gewertet werden. Im übrigen ist der Vorinstanz beizupflich-
ten, wenn sie festhält, dass die auf Nachfrage des Beschuldigten seitens des
Polizisten geäusserten Bemerkungen zur Untersuchungshaft nicht als Drohungen
zu werten sind, sondern vielmehr als Information betreffend den weiteren Verlauf
der Untersuchung.
2.7 Die zweite polizeiliche Einvernahme wurde somit weder falsch protokolliert
noch wurden die Aussagen des Beschuldigten mit unzulässigen Mitteln erwirkt.
Die Aussagen sind folglich verwertbar.
- 17 -
3.1 Sodann würdigte die Vorinstanz die bei den Akten liegenden Beweise und
kam zusammengefasst zum Schluss, dass sich das Geständnis des Beschuldig-
ten als schlüssig und nachvollziehbar erweise. Zudem füge es sich nahtlos in das
restliche Untersuchungsergebnis ein, weshalb der objektive Sachverhalt rechts-
genügend erstellt sei (Urk. 47 S. 41 f. Ziff. 5.3.). Von einem 16-Jährigen sei zu-
dem zu erwarten, dass er sich der Möglichkeit bewusst sei, dass sich ein mit einer
brennbaren Flüssigkeit getränkter Fenstersims zu einem grösseren Brand aus-
weiten könnte, wenn man sie anzündet. Er habe folglich zumindest in Kauf
genommen, dass sich mehr als nur der Fenstersims entzündet.
3.2 Anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme gab der einvernehmende
Polizist dem Beschuldigten hinsichtlich des Ausbruchs des Feuers folgende
Informationen bekannt: Das Feuer sei im Bereich des ersten und zweiten Stock-
werkes in der Holz-Aussenfassade im Bereich des Haustreppenaufganges aus-
gebrochen. Es würde der Verdacht bestehen, dass sich eine oder mehrere
Personen, welche sich am Fest aufgehalten hätten, den Brand an der Aussen-
fassade der K._ initiiert haben dürften. Weiter wird der Putzschrank aus Me-
tall im zweiten Stock und die sich darin befindlichen Putzmittel erwähnt
(Urk. 1/12 S. 5 ff.). Dem Beschuldigten wurden somit die Eckdaten der Tat an-
lässlich der ersten polizeilichen Einvernahme preisgegeben. Entscheidend ist
nun, wie präzise der Beschuldigte das Ereignis sodann schildern kann: Er führt
Details an, welche er - entgegen der Verteidigung (Urk. 36 S. 24, Urk. 67 S. 11) -
nicht bereits aus der ersten polizeilichen Einvernahme kennen konnte. Hier kann
zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen im
vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 47 S. 38 f.). Nachfolgendes
dient lediglich der Verdeutlichung:
Dass der Beschuldigte nicht wie geltend gemacht ein wahrheitswidriges Geständ-
nis zu Protokoll gab, zeigt sich unter anderem darin, dass er die Brandstiftung
betreffend unwesentliche Vorkommnisse detailgetreu beschreibt. Beispielsweise
habe er (neben der Blechdose) auch das Putzmittel aus dem Schrank
genommen, dieses aber einfach auf den Boden geworfen. Sodann beschreibt er
die quadratische Form der Blechdose und wie er diese nach getaner Arbeit auf
- 18 -
den Fenstersims runter geworfen habe. Die Blechdose konnte er sodann auch
exakt beschreiben (Urk. 1/12 S. 3: Sie hatte eine quadratische Form. Ich denke sie war weiss-rot-farben. Die hatte einen weissen Deckel aus Plastik, welchen man
abschrauben konnte [...]). Er führte auch aus, dass er die Flüssigkeit nicht einfach
auf den Fenstersims geleert habe, sondern vermochte sich daran zu erinnern, in
welche Ecke des Fenstersimses er diese geleert habe. Solche Details würden bei
einer Lüge unerwähnt bleiben. Weiter beschreibt er, wie er nach dem ersten
Brandherd noch einen zweiten entzündet habe, wobei sich das Vorgehen vom
ersten unterscheidet: Er leerte die Flüssigkeit auf die Holzfassade (nicht auf den
Sims) und zündete diese sodann an. Diese Aussagen stimmen mit den Ergebnis-
sen der Brandermittler überein (vgl. Fotodokumentation und Polizeirapport:
Urk. 1/9 S. 6 f. resp. Urk. 1/2 S. 16). Dies obwohl der einvernehmende Polizist
anlässlich der ersten Einvernahme weder erwähnte, dass die brennbare Flüssig-
keit in die linke Ecke des Fenstersims geleert noch, dass zwei Brandherde gelegt
worden waren (Urk.1/12).
3.3 Der Beschuldigte gab zu Protokoll, dass er gewusst habe, dass es sich um
eine brennbare Flüssigkeit gehandelt habe. Er habe diese dann auf den Fenster-
sims geleert und mit seinem Feuerzeug angezündet (Urk. 1/13 S. 1 f. Frage 2).
Auch die Holzfassade habe er mit seinem Feuerzeug angezündet, nachdem er
diese mit der brennbaren Flüssigkeit übergossen habe. Seinen Aussagen zu
Folge sei er neugierig gewesen, wie die Flüssigkeit brennen würde und habe dies
deshalb an zwei Stellen ausprobiert (Urk. 1/13 S. 4 Frage 21). Zudem habe er
angenommen, dass diese Flüssigkeit sehr gut brennen würde (Urk. 1/13 S. 5
Frage 28).
3.4 Insgesamt bleiben keine Zweifel daran, dass das Geständnis des Beschul-
digten auch der Wahrheit entspricht. Der Sachverhalt hinsichtlich des Anklage-
vorwurfs der Brandstiftung (Urk. 21 S. 2) ist anklagegemäss erstellt.
4. Zur rechtlichen Würdigung wurde vor Vorinstanz argumentiert, dass sich
weder ein schlüssiges Bild hinsichtlich des subjektiven Tatbestandes noch hin-
sichtlich des Motivs ergebe (Urk. 36 S. 15). Der Beschuldigte habe keineswegs
beabsichtigt, das Haus anzuzünden (Urk. 36 S. 36).
- 19 -
4.1 Vorab ist festzuhalten, dass ein Motiv für die Erfüllung des subjektiven
Sachverhalts nicht erforderlich ist (vgl. vorstehend Ziff. I. 4.2.1.). Weiter ist nicht
erforderlich, dass der Beschuldigte das ganze Haus abbrennen wollte; es reicht
das Wissen und Wollen einer Feuersbrunst, d.h. das Wissen darum, dass der
Brand sich in solcher Stärke entfacht, dass er vom Urheber nicht mehr bezwun-
gen werden kann (vgl. Weder in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., N 3
zu Art. 221). Wer im Wissen darum, dass es sich um eine brennbare Flüssigkeit
handelt (vgl. vorstehend Ziff. II. A. 3.3), diese auf einer brennbaren Aussen-
fassade eines Hauses ausleert und anzündet, dies gleich an zwei übereinander-
liegenden Stellen, der nimmt wohl auch bei jugendlichem Alter eine Feuersbrunst
nicht bloss in Kauf, sondern will diese. Nachdem die Anklagebehörde aber auch
die Möglichkeit eines Eventualvorsatzes offen liess und die Vorinstanz davon
ausging, hat es im Berufungsverfahren damit sein Bewenden (Art. 391 Abs. 2
StPO).
4.2 Die rechtliche Würdigung der Anklagebehörde ist somit zutreffend. Da
weder Rechtsfertigungs- noch Schuldausschlussgründe ersichtlich sind, ist der
Beschuldigte der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
B. Versuchte Körperverletzung
1.1 Der Beschuldigte ist geständig, dem Privatkläger einen Faustschlag und
zwei Fusstritte ins Gesicht verpasst zu haben (Urk. 4/1 S. 2, Urk. 4/5 S. 4; Urk. 34
S. 6 f.; Urk. 64 S. 11). Er lässt jedoch ausführen, er habe keineswegs die Absicht
gehabt, eine einfache Körperverletzung zu verursachen; er habe sich in dieser
Hinsicht im Griff gehabt (Urk. 36 S. 30; Urk. 64 S. 11).
1.2 Grundsätzlich kann auf die diesbezüglichen zutreffenden Ausführungen
und Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden, welche voll-
umfänglich zu bestätigen sind (Urk. 47 S. 44 - 46). Nachfolgendes ist lediglich
ergänzender Natur:
- 20 -
1.3 Wenn ausgeführt wird, der Beschuldigte sei schon aufgrund seiner intensi-
ven fussballerischen Aktivitäten genug geübt, um die Intensität von Fusstritten
abzuschätzen und sei fähig gewesen, seinen Körper und insbesondere seine
Füsse gezielt, genau und dosiert anzuwenden (Urk. 36 S. 30 f.; Urk. 67 S. 22),
sind das Mutmassungen der Verteidigung: dies wird weder vom Beschuldigten
explizit erwähnt noch geht das aus seinen Aussagen hervor:
Anlässlich beider jugendanwaltschaftlichen Einvernahmen gab der Beschuldigte
zu Protokoll, dass er "mega hässig" war resp. "die Kontrolle verloren habe"
(Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/5 S. 4). Während er anlässlich der ersten Einvernahme noch
zu Protokoll gab, er wisse, was passieren könne, wenn man jemanden an den
Kopf trete, dies könne zu schweren Verletzungen führen, aber er habe im
Moment, als er ihn getreten habe, nicht daran gedacht, gab er anlässlich der
Schlusseinvernahme leicht abgeschwächt zu Protokoll, er habe schon gewusst,
wie fest er dreinschlage, er habe ja nicht fest dreingeschlagen. Anlässlich der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung zeigt er sich sodann geständig. Auch heute
bestätigte der Beschuldigte, den Privatkläger B._ mit der Faust ins
Gesicht geschlagen und mit dem Fuss gegen den Kopf getreten zu haben. Er
habe überreagiert und sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt (Urk. 64 S. 11). Mit
der Vorinstanz ist es realitätsfern, dass ein "mega hässiger", sich nicht mehr unter
Kontrolle habender 16-Jähriger seinem Gegner gezielte, genaue und dosierte
Faust- und Fusstritte verabreicht. Selbst wenn dem so gewesen wäre, bleibt zu
bemerken, dass schon leichte Schläge und Fusstritte ins Gesicht, insbesondere in
die sensible Mund- und Augen-Gegend zu schwerer wiegenden Verletzungen
führen können.
Dass es bei Faust- und Fusstritten zu weitaus schwerwiegenderen Verletzungen
kommen kann, als es im vorliegenden Fall gekommen ist, wusste der Beschuldig-
te sodann aufgrund seiner einschlägigen Vorgeschichte. Am 25. Januar 2009
schlug der Beschuldigte ein Opfer zuerst mit der Faust ins Gesicht und anschlies-
send mit einem Fusskick an den Kopf, wovon letzterer eine Platzwunde mit
Knochenabsplitterung am linken Auge sowie eine Hirnerschütterung erlitt
(Urk. 16/2/1 S. 2; Urk. 16/2/5 S. 3). Trotzdem ging er in derselben Manier auf ein
- 21 -
nächstes Opfer los, womit er eine solche Verletzung erneut zumindest in Kauf
nahm.
1.4 Der Sachverhalt betreffend Anklagevorhalt der versuchten Körper-
verletzung (Urk. 21 S. 3 f.) ist folglich erstellt.
2. Die rechtliche Würdigung der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt sowie der
Vorinstanz ist zutreffend. Rechtsfertigungs- und Schuldausschlussgründe sind
keine ersichtlich. Der Beschuldigte ist demnach anklagegemäss der versuchten
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
C. Hausfriedensbruch
1.1 Der Beschuldigte führte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, er sei
um 18.00 Uhr mit dem Zug von L._ her kommend im Bahnhof E._ an-
gekommen. Er sei ausgestiegen, durch den Bahnhof gelaufen und habe sich im
M._ etwas zu essen geholt. Sodann habe er den M._ wieder verlassen,
den Burger gegessen und sich wieder zurück in den Bahnhof begeben, wo er auf
die S... habe gehen wollen, welche um ca. 18.20 Uhr fahre. Im Bahnhof habe er
einen Kollegen getroffen, welchem er "Hallo" gesagt habe. Er sei nur ein bis zwei
Minuten bei diesem Kollegen gestanden, als er kontrolliert worden sei (Urk. 64
S. 12 ff.). Diese Angaben decken sich mit den Aussagen des Beschuldigten bei
der Polizei (act. 3/4 N 2 f.) und vor Vorinstanz (act. 34 S. 17). Die Aussagen des
Beschuldigten sind konstant und geben ein nachvollziehbares Szenario wieder.
Der Beschuldigte bestreitet insbesondere auch nicht, sich bereits um 18.00 Uhr
im Bahnhof E._ aufgehalten zu haben, schildert dann aber glaubhaft, diesen
verlassen und sich nur für eine sehr kurze Zeit mit einem Kollegen unterhalten zu
haben.
1.2 Der Beschuldigte fand sich folglich um ca. 18.00 Uhr im Bahnhof E._
ein und wurde gegen 18.15 Uhr von der Polizei aufgrund des Verdachts des
Hausfriedensbruchs kontrolliert. Als er von der Polizei kontrolliert wurde, befand
er sich mit einem Kollegen am N._ (Urk. 3/1 S. 2). Nach seiner Ankunft um
- 22 -
18.00 Uhr verliess er den Bahnhof jedoch wieder, um sich im M._ etwas zu
kaufen. Er musste also in diesem kurzen Zeitraum von 15 Minuten den Bahnhof
verlassen, im M._ etwas bestellen und bezahlen, den M._ wieder ver-
lassen, und sich zum N._ begeben. Dass er sich dann, als er kontrolliert
wurde, bereits über eine längere Zeitdauer im Bahnhof E._ aufhielt, als für
eine mit dem Eisenbahnverkehr in Zusammenhang stehenden Tätigkeit notwen-
dig gewesen wäre, erscheint in Anbetracht des geschilderten Ablaufs unrealis-
tisch. Es ist daher von der Sachdarstellung des Beschuldigten auszugehen.
1.3 Der Anklagesachverhalt des Hausfriedensbruchs (Urk. 21 S. 4) kann somit
nicht erstellt werden und der Beschuldigte ist vom Vorwurf des Hausfriedens-
bruchs i.S.v. Art. 186 StGB freizusprechen. Erfolgt aufgrund der materiellen
Prüfung ein Freispruch, kann letztlich die Frage offen gelassen werden, ob beim
Hausfriedensbruch infolge zu offener Formulierung des Zeitfaktors das Anklage-
prinzip verletzt wurde.
III.Sanktion
1. Im Falle eines Schuldspruchs wird die Bestätigung der Anordnung einer
ambulanten Massnahme beantragt (Urk. 49 S. 2). Auf die zutreffenden Aus-
führungen im vorinstanzlichen Entscheid hinsichtlich der Schutzmassnahmen
kann folglich verwiesen werden (Urk. 47 S. 48 ff. Ziff. III. A.). Es ist entsprechend
eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG anzuordnen.
2. Bezüglich des relevanten Strafrahmens sowie der theoretischen
Strafzumessungsgrundlagen kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf
die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 53 f.). Ergänzend
ist anzufügen, dass in den meisten Fällen Strafschärfungs- und Strafmilderungs-
gründe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen sind. Nur in
Ausnahmefällen führen diese dazu, dass der ordentliche Strafrahmen verlassen
werden muss. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sich die Strafe ohnehin am
unteren oder oberen Rand des ordentlichen Strafrahmens bewegen würde bzw.
deren Ausmass besonders stark ins Gewicht fällt (Urteil des Bundesgerichtes
- 23 -
6B_611/2010 vom 26. April 2011 E. 4 unter Hinweis auf BGE 136 IV 55;
Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kommen-
tar, 18. Auflage, Zürich 2010, N 4 zu Art. 48a i.V.m. N 6 zu Art. 49 StGB). Die
Deliktsmehrheit ist folglich innerhalb des Strafrahmens zu berücksichtigen. Bei
der einfachen Körperverletzung blieb es beim Versuch im Sinne von Art. 22 StGB.
Auch dies ist innerhalb des ordentlichen Strafrahmens strafmindernd zu berück-
sichtigen, was jedoch mit Blick aufs Jugendstrafrecht nur bedingt anwendbar ist,
zumal der untere Strafrahmen resp. die mildeste Sanktion der Verweis im Sinne
von Art. 24 JStG darstellt. Der abstrakte Strafrahmen reicht vorliegend somit vom
Verweis bis zu einem Freiheitsentzug von einem Jahr (Art. 25 Abs. 1 JStG) als
schwerste Sanktion.
3. Im vorinstanzlichen Entscheid werden hinsichtlich der Brandstiftung sodann
zutreffende Strafzumessungskriterien erwähnt, jedoch teilweise nicht korrekt zur
objektiven resp. subjektiven Seite der Tatschwere zugeordnet.
3.1 Unter dem Titel des objektiven Tatverschuldens ist die Schwere der Ver-
letzung oder das Mass der Gefährdung des geschützten Rechtsgut zu berück-
sichtigen. Weiter ist die Verwerflichkeit des täterischen Handelns zu beurteilen.
Darunter ist alles zu verstehen, was die Tat begleitet oder sie sonst prägt, das
heisst z.B. die Tatmodalitäten wie Ort, Zeit, Dauer, Mittel und Art, womit auch die
kriminelle Energie angesprochen ist, die der Täter aufwenden musste (Wiprächti-
ger in: BSK Strafrecht I, 2. Aufl. Basel 2007, N 69-87 zu Art. 47). Zur subjektiven
Seite gehört vor allem die Intensität des verbrecherischen Willens, die Freiheit
des Täters, sich für das Recht und gegen das Unrecht zu entscheiden. Es stellt
sich somit die Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzu-
rechnen ist. Dazu gehören etwa die Frage der Zurechnungs- beziehungsweise
Schuldfähigkeit: Wer in seiner Einsichts- und/oder Handlungsfähigkeit beein-
trächtigt ist, den trifft letztlich ein geringerer subjektiver Tatvorwurf (Wiprächtiger
in: BSK Strafrecht I, a.a.O. N 88 -91 zu Art. 47).
3.2 Dass der Beschuldigte grossen Schaden anrichtete, zeigt sich nicht nur
aufgrund der hohen Schadenssumme, welche sich auf rund Fr. 350'000.– beläuft.
Ein Blick in die Fotodokumentation der Kantonspolizei Zürich reicht aus, um das
- 24 -
Ausmass des Schadens zu erfassen; sie zeigt eine vollständig zerstörte Aussen-
fassade des ...zentrums (Urk. 1/9). Bedenklich ist indes insbesondere die Tatsa-
che, dass der Beschuldigte ein Feuer an der Fassade eines Gebäudes entfachte,
in welchem sich zwei Festgemeinschaften befanden, unter ihnen auch seine
Freunde oder zumindest Bekannte. Zwar hatte der Beschuldigte die brennbare
Flüssigkeit nicht ans Fest mitgenommen, sondern entnahm diese einem dort ste-
henden Putzschrank. Die Tat war mithin nicht von langer Hand geplant. Doch
wenn ein Täter im Wissen darum, dass sich Menschen im Gebäude befinden,
Feuer an dessen Fassade legt - und dies nicht etwa 'nur' an einer Stelle, sondern
gleich an zwei Stellen -, ist von einer erheblichen kriminellen Energie auszuge-
hen. Sein Vorgehen zeugt von erschreckender Gleichgültigkeit gegenüber frem-
den Rechtsgütern, insbesondere auch der Sicherheit und Gesundheit seiner dort
anwesenden Freunde und Bekannten. Nach Beurteilung der objektiven Tatkom-
ponente ist das Verschulden des Täters im mittleren Bereich anzusiedeln.
3.3 In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass das Verschulden eines Täters,
der eine Tat vorsätzlich begeht, wesentlich schwerer zu werten ist, als das Ver-
schulden eines Täters, der "bloss" fahrlässig oder mit Eventualvorsatz handelt.
Dies ist beim Verschulden zu berücksichtigen, wiegt dieses doch dann geringer
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Januar 2004,
Erw. II. 7.5.; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2.A., Bern 2006,
S. 185 f. N 25 ff. und Hans Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 89 zu
Art. 47 StGB). Der Beschuldigte hat die Tat eventualvorsätzlich begangen, dies ist
ihm leicht verschuldensmindernd anzurechnen (vgl. vorstehend Ziff. II. A. 4.1).
Ebenfalls ist davon auszugehen, dass die Hemmschwelle des Beschuldigten
durch den Alkoholkonsum etwas herabgesetzt war. Dies relativiert das objektive
Tatverschulden leicht. Ein Motiv, welches verschuldensmindernd berücksichtigt
werden könnte, ist nicht ersichtlich: Anlässlich seines Geständnisses machte er
geltend, aus Langeweile gehandelt zu haben, er sei neugierig gewesen, was
passieren würde (Urk. 1/13 S. 2). Insgesamt wird das objektive Tatverschulden
durch die subjektive Tatschwere somit nur leicht relativiert.
- 25 -
3.4 Nach Beurteilung der objektiven und subjektiven Seite ist das Verschulden
mit der Vorinstanz als erheblich zu qualifizieren. Dies entspricht einer Einsatz-
strafe für die gesamte Tatschwere von rund 5 Monaten Freiheitsentzug.
4. Straferhöhung aufgrund der Deliktsmehrheit
4.1 Die Einsatzstrafe ist unter Berücksichtigung des Asperationsprinzipes
wegen Deliktsmehrheit angemessen zu erhöhen.
4.1.1 Hinsichtlich des Tatverschuldens der versuchten Körperverletzung kann
auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 47
S. 54). Führt man sich vor Augen, dass der Beschuldigte dem Geschädigten vor-
erst mit der Faust ins Gesicht schlug und sodann zweimal mit dem Fuss ins
Gesicht kickte, muss die Vorgehensweise des Beschuldigten als brutal bezeichnet
werden. Sein Verhalten war darauf gerichtet, dem Geschädigten Verletzungen im
sensiblen Bereich des Kopfes zuzufügen. Gemäss Polizeirapport sei vor Ort am
Kiefer des Geschädigten nur eine schwache Rötung erkennbar gewesen (Urk. 2/1
S. 3). Er ist somit glimpflich davon gekommen, doch die Art und Weise wie der
Beschuldigte den Geschädigten angriff, war ohne Weiteres geeignet, schwer-
wiegendere Verletzungen herbeizuführen. In Ergänzung zum vorinstanzlichen
Urteil ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die Tat eventualvorsätzlich
beging (vgl. vorstehend Ziff. II. B. 1.3), was ihm leicht verschuldensmindernd
anzurechnen ist. Auch der Versuch führt von Gesetzes wegen zu einer Minderung
der Strafe (Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB). Vorliegend ist dies jedoch nur
minim strafmindernd zu berücksichtigen: Dass es letztlich nur bei einem Versuch
zu einer einfachen Körperverletzung blieb, ist wohl dem Zufall zuzuschreiben;
dies kann dem Beschuldigten nicht weitergehend positiv veranschlagt werden.
Insgesamt ist trotz des eventualvorsätzlichen Vorgehens und Versuchs die
Qualifikation des Verschuldens als nicht mehr leicht falladäquat und zu be-
stätigen.
4.2 Die Tatmehrheit führt vorliegend zu einer leichten Erhöhung der vorge-
nannten Einsatzstrafe.
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5.1 Zum Vorleben des Beschuldigten kann einerseits auf die Untersuchungsak-
ten und andererseits auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwie-
sen werden (Urk. 47 S. 49 ff.). Aktualisierend liegen ein Bericht von O._ von
der P1._ AG (Urk 60), eine Standortbestimmung der P2._ vom
25. September 2012 (Urk. 61), ein Bericht der Sozialpädagogik und Ausbildung
der P2._ für die Zeit vom Februar 2011 bis September 2012 (Urk. 62)
sowie ein Bildungsbericht vom 16. Januar 2012 (Urk. 63) bei den Akten. Diese
zeichnen durchwegs ein unerfreuliches Bild der Entwicklungen beim Beschuldig-
ten. Auffallend sind insbesondere seine zahlreichen Fehlzeiten und die Unfähig-
keit, getroffene Abmachungen einzuhalten. Es deute gemäss O._ alles auf
einen Abbruch der Ausbildung hin (Urk. 60 S. 1). Anlässlich der Berufungsver-
handlung wurde ausgeführt, der Beschuldigte habe sich im Fussball eine Verlet-
zung zugezogen und daher oft gefehlt. Dies werde sich nun ändern. Das sei
alles auch in der Zeit gewesen, als er alleine zu Hause gewesen sei (Urk. 64 S. 2
ff.). Eine positive Veränderung der familiären Situation des Beschuldigten ist nicht
ersichtlich. Mit der Vorinstanz sind daher die problematischen familiären Ver-
hältnisse strafmindernd zu berücksichtigen (Urk. 47 S. 55; vgl. hierzu auch
Wiprächtiger in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N96 zu Art. 47).
5.2 Im Widerspruch zur Vorinstanz (Urk. 47 S. 55 f.) und mit der Verteidigung
(Urk. 67 S. 25) ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten die Erziehungsverfügung
vom 11. Mai 2010 der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt, mit welcher der Beschul-
digte unter anderem wegen Raubes und einfacher Körperverletzung schuldig ge-
sprochen wurde (Urk. 7/3), am Tag, als er die Körperverletzung zum Nachteil von
B._ beging, das heisst am 12. Mai 2010, mit grösster Wahrscheinlichkeit
noch nicht zugestellt worden war. Dass jedoch bei der Jugendanwaltschaft ein
Untersuchungsverfahren gegen ihn eröffnet worden war und eine Schutzmass-
nahme lief, musste der Beschuldigte zweifelsfrei wissen. Er beging gleichwohl
wiederum ein Gewaltdelikt und zwar - wie unter Ziff. II. B. 1.3 erwähnt - in der-
selben Art und Weise, was von erheblicher Uneinsichtigkeit zeugt. Ein weiteres
Zeugnis seiner Unbelehrbarkeit ist sodann die Tatsache, dass er die Brandstiftung
während des Vollzugs der persönlichen Leistung beging (Urk. 16/7/2). Dies alles
ist stark straferhöhend zu berücksichtigen.
- 27 -
5.3 Bei der Strafzumessung ist auch das Nachtatverhalten eines Täters mit zu
berücksichtigen. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren
(vgl. dazu: Wiprächtiger in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N 109 Absatz 2 zu Art. 47
StGB). Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der Auf-
klärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken strafmindernd
(Wiprächtiger in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N 130 f. zu Art. 47 StGB).
Bezüglich der versuchten Körperverletzung ist der Beschuldigte geständig, was
ihm jedoch nur leicht strafmindernd anzurechnen ist. Mit der Vorinstanz ist auch
das Geständnis in Bezug auf die Brandstiftung strafmindernd zu berücksichtigen;
aufgrund des Widerrufs jedoch nur im leichten Ausmasse.
Einsicht und aufrichtige Reue kann der Beschuldigte hinsichtlich der versuchten
Körperverletzung nicht für sich reklamieren. Bis zur vorinstanzlichen Hauptver-
handlung hatte er sich beim Opfer nicht entschuldigt, wobei er in Aussicht stellte,
dies nachzuholen (Urk. 34 S. 7). Zwar hat sich der Beschuldigte nunmehr in
einem Schreiben beim Opfer entschuldigt und ihm den entstandenen Schaden er-
setzt (Urk. 66/1 und 66/2), aufrichtige Reue lässt sich aus dem Entschuldigungs-
schreiben jedoch nur bedingt ableiten (Urk. 66/1: "Ich wollte dich nicht wirklich  (...)."; "Deine Provokationen nehme ich dir übel, aber es ist auch klar, dass ich
darauf nicht mit Schlägen reagieren darf."). Die Schadensdeckung erfolgte erst am
Tag der Berufungsverhandlung (Urk. 66/2) und dürfte auch prozesstaktisch
motiviert gewesen sein.
6.1 Die nach der Tatkomponente festgesetzte Einsatzstrafe von fünf Monaten
ist aufgrund der Deliktsmehrheit zu erhöhen. Bei den Täterkomponenten über-
wiegen die negativen Faktoren die positiven leicht.
Wie die Vorinstanz korrekt anführte, kommt aufgrund der Schwere und der Anzahl
der zu beurteilenden Taten vorliegend kein Verweis oder Busse in Betracht. Mit
einer persönlichen Leistung wurde der Beschuldigte wie erwähnt bereits bestraft
(act. 7/3), wobei er während deren Vollzug erneut delinquierte. Vorliegend kommt
deswegen lediglich ein Freiheitsentzug in Frage. Die vor Vorinstanz ausgefällte
- 28 -
Strafe in Höhe von sechs Monaten erscheint den Taten und dem Verschulden des
Beschuldigten angemessen und ist zu bestätigen.
6.2 An diese Dauer ist die Untersuchungshaft von 1 Tage anzurechnen
(Art. 51StGB).
7. Die Verteidigung beantragt eventualiter den bedingten Vollzug des Frei-
heitsentzuges.
7.1 Bezüglich der Voraussetzungen des bedingten oder teilbedingten Strafvoll-
zuges kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf die Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 57).
7.2 Angesichts der auszufällenden Strafe von sechs Monaten Freiheitsentzug
ist die Voraussetzung für die Gewährung des bedingten oder teilbedingten Voll-
zugs in objektiver Hinsicht erfüllt (Art. 35 JStG).
7.3 In subjektiver Hinsicht ist für die Gewährung des bedingten oder teilbeding-
ten Strafvollzuges das Fehlen einer ungünstigen Legalprognose erforderlich. Mit
den Worten der Vorinstanz scheint in Bezug auf die versuchte Körperverletzung
dem Beschuldigten das Verständnis für deren Unrechtsgehalt abzugehen. Er liess
sich durch die Verletzungen, welche er seinem ersten Opfer am 25. Januar 2009
zugefügt hatte (Urk. 16/2/1-9; Urk. 7/3 S. 3), nicht beeindrucken. Trotz der darauf-
folgenden Untersuchung und der Erziehungsverfügung vom 11. Mai 2010, ging er
nach demselben Verhaltensmuster auf ein weiteres Opfer los. Bereits zweimal vor
der heute zu beurteilenden Brandstiftung kam der Beschuldigte aufgrund von
'Spielereien' mit Feuer mit dem Gesetz in Konflikt (Urk. 14; Urk. 18). Bezeichnend
für seine Uneinsichtigkeit ist sodann, dass er die Brandstiftung während eines
Zeitraums beging, als er persönliche Leistung aufgrund der vorgenannten
Erziehungsverfügung leistete (Urk. 16/7/2). Eine gute Legalprognose kann ihm
somit nicht gestellt werden.
Seit den vorliegend zu beurteilenden Vergehen hat sich der Beschuldigte indes
wohl verhalten. Allerdings sind die Entwicklungen in seiner beruflichen Laufbahn
wenig erfreulich. Es deutet alles auf einen Abbruch der Ausbildung hin (Urk. 60
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S. 1). Da es aber insbesondere den Schutz des Jugendlichen zu verfolgen gilt
sowie erzieherische Überlegungen im Vordergrund stehen (Art. 2 JStG) und die
Entwicklung des Beschuldigten nicht durch einen übermässig langen Freiheits-
entzug gehemmt werden soll, ist die Strafe teilbedingt auszusprechen. Es ist zu
erwarten, dass die Warnwirkung des Teilaufschubes vorliegend angesichts des
gleichzeitig angeordneten Teilvollzuges für die Zukunft des Beschuldigten
bessere Bewährungsaussichten erlaubt.
7.4 Ist für die Bemessung des vollziehbaren Teils der Strafe das Verschulden
des Erwachsenen massgeblich, so stehen bei Jugendlichen hauptsächlich erzie-
herische Überlegungen im Vordergrund (Gürber/Hug/Schläfli in: BSK Strafrecht-I,
a.a.O., N 6 zu Art. 35 JStG). Der Beschuldigte befand sich bis anhin noch nie im
Freiheitsentzug. Vorliegend kann deshalb davon ausgegangen werden, dass
eine kurze unbedingte Phase eine nachhaltige Warnung sein wird und so eine
erzieherische Wirkung erzielen kann, weshalb es sich rechtfertigt, den vollzieh-
baren Teil auf zwei Monate festzusetzen. Im Umfang von vier Monaten ist der
Freiheitsentzug aufzuschieben und die Probezeit auf ein Jahr festzusetzen. Die
Anordnung der Vorinstanz, dass in Anwendung von Art. 35 Abs. 2 in Verbindung
mit Art. 29 Abs. 3 JStG der Beschuldigte für die Dauer der Probezeit durch den
zuständigen Sozialarbeiter der Jugendanwaltschaft zu begleiten ist, kann nicht
bestätigt werden. Davon ausgehend, dass es – entsprechend dem Verweis in
Art. 35 JStG – die Meinung des Gesetzgebers war, dass diese Begleitung
während der Probezeit einer bedingt aufgeschobenen Sanktion zwingend
anzuordnen ist, fällt die Bestimmung der geeigneten Person gemäss Art. 29
Abs. 3 JStG nicht in die Kompetenz des Gerichtes, weshalb eine entsprechende
Anordnung nicht erlassen werden kann.
7.5 Der Freiheitsentzug ist vorliegend nicht zugunsten der ambulanten Mass-
nahme im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG aufzuschieben; letztere lässt sich auch
ohne den Therapiezweck zu gefährden vollzugsbegleitend durchführen.
7.6. Für ein Electronic monitoring anstelle des Freiheitsentzuges besteht im
Kanton Zürich zur Zeit keine gesetzliche Grundlage.
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IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Verfahrensausgang ist die Kostenauferlegung der Vorinstanz
zu bestätigen (Dispositivziffern 11. und 12.).
2. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte beinahe vollumfänglich,
weshalb ihm die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der amtlichen
Verteidigung, grundsätzlich aufzuerlegen sind (Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m.
Art. 428 Abs. 1 StPO). Im Verfahren gegen Jugendliche ist jedoch bei
Bemessung, Auflage und Bezug der Verfahrenskosten den Verhältnissen und
dem Fortkommen des Jugendlichen Rechnung zu tragen (Jositsch et al., a.a.O.,
S. 143). Der Beschuldigte befindet sich zurzeit in der Ausbildung. Er verfügt nur
über ein geringes Einkommen (Lehrlingslohn). Die Schadenersatzforderungen
werden den Beschuldigten finanziell schon erheblich belasten. Da nicht davon
auszugehen ist, dass sich die finanzielle Lage des Beschuldigten in absehbarer
Zeit ändern wird, und das Überbinden weiterer hoher Kosten der spezialpräven-
tiven Zielsetzung des Jugendstrafrechts zuwiderlaufen würde, rechtfertigt es sich,
die Kosten des Berufungsverfahrens auf lediglich Fr. 500.– festzusetzen und dem
Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einst-
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei der Beschuldigte auf das Nach-
forderungsrecht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO hinzuweisen ist.