Decision ID: 1bb74529-17ff-45d7-af8e-cdcc4a876bd2
Year: 2000
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Der Grosse Gemeinderat der Stadt Illnau-Effretikon beschloss am 30. Januar 1997 eine Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO). Dabei blieb versehentlich unbemerkt, dass die Zonengrenze im Kernzonenplan im Bereich eines Grundstücks nicht mit dem Zonenplan 1:5'000 übereinstimmte; gemäss Letzterem liegt eine Teilfläche davon in der Kernzone, während gemäss Ersterem diese Fläche in der Landwirtschaftszone liegt. Nachdem das mit der Revision beauftragte Planungsbüro nach Abschluss des Planfestsetzungsverfahrens im Parlament die Divergenz entdeckt hatte, wurde die Zonengrenze im Kernzonenplan
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jener im Zonenplan 1:5'000 angepasst und die Nutzungsplanung in dieser bereinigten Fassung publiziert.
II. Am 22. Juni 1999 reichten
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, Eigentümer eines in der Umgebung liegenden Grundstücks, beim Bezirksrat Pfäffikon eine Beschwerde sowie eine Aufsichtsbeschwerde mit verschiedenen Anträgen ein, welche im Wesentlichen darauf abzielen, den Kernzonenplan
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erneut und in einem korrekten Verfahren festzusetzen und den Festsetzungsbeschluss wiederum mit Ansetzung einer Rechtsmittelfrist zu publizieren. Sie ergänzten diese Eingaben am 16. August 1999.
Der Bezirksrat Pfäffikon beschloss am 15. Dezember 1999, die Rechtsmittel zu vereinigen (Disp. Ziff. 1), auf die Gemeindeschwerde nicht einzutreten (Disp. Ziff. 2) und der Aufsichtsbeschwerde im Sinn der Erwägungen keine Folge zu geben (Disp. Ziff. 3); als zulässiges Rechtsmittel gegen Disp. Ziff. 2 wurde der Rekurs an den Regierungsrat angegeben (Disp. Ziff. 5). Der Bezirksrat bejahte seine Zuständigkeit zur Behandlung der eingereichten Gemeindebeschwerde nach § 151 des Gemeindegesesetzes vom 6. Juni 1926 (in der Fassung vom 4. September 1983; GemeindeG), weil im Wesentlichen formelle Mängel bei der kommunalen Planfestsetzung gerügt würden, weshalb die Zuständigkeit der Baurekurskommission entfalle (E. I/2). Er betrachtete jedoch die Gemeindebeschwerde als verspätet (E. I/4). Bei der Beurteilung der Aufsichtsbeschwerde kam er zum Schluss, dass der ursprüngliche Grenzverlauf im Kernzonenplan als blosser Schreibfehler zu qualifizieren sei, d.h. auf einem Versehen beruhe, welches formlos habe berichtigt werden dürfen. Durch diese nachträgliche Berichtigung sei der in der Bau- und Zonenordnung zum Ausdruck kommende Wille des Gesetzgebers kartographisch richtig dargestellt worden. Weil somit durch die nachträgliche formlose Berichtigung weder Rechtsnormen verletzt noch öffentliche oder private Interessen tangiert worden seien, bestehe kein Anlass zur Anordnung aufsichtsrechtlicher Massnahmen (E. II/1-7).
III. Mit Eingabe vom 7. Januar 2000 ersuchte
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die Baurekurskommission III um Wiederherstellung der Rekursfrist zur Anfechtung des Beschlusses des Grossen Gemeinderats Illnau-Effretikon vom 30. Januar 1997 betreffend Revision der BZO. Zur Begründung brachte er vor, erst aufgrund des bezirksrätlichen Beschlusses vom 15. Dezember 1999, der ihm während der Gerichtsferien zugestellt worden sei und den er am 31. Dezember 1999 gelesen habe, habe er Kenntnis vom fehlerhaften Gemeinderatsbeschluss und der stillschweigenden Planänderung erhalten. Wenn er deswegen die Frist zur Anfechtung des Festsetzungsbeschlusses verpasst habe, so dürfe ihm dies nicht als grobe Nachlässigkeit angelastet werden.

Die Baurekurskommission III beschloss am 2. Februar 2000, auf das Fristwiederherstellungsgesuch nicht einzutreten. Die Rekurskosten von Fr. 770.-, wovon Fr. 500.- Spruchgebühr, Fr. 238.- Schreibgebühren und Fr. 32.- übrige Kanzleikosten, wurden dem Gesuchsteller auferlegt. Aus den Erwägungen: Gemäss § 12 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (in der Fassung vom 8. Juni 1997; VRG) könne eine versäumte Frist wiederhergestellt werden, wenn dem Säumigen keine grobe Nachlässigkeit zur Last falle und er innert 10 Tagen nach Wegfall des Hinderungsgrundes ein Wiederherstellungsgesuch einreiche. Die Frist von 10 Tagen zur Einreichung des Gesuchs sei hier mit der der Post am 7. Januar 2000 übergebenen Eingabe nicht gewahrt worden, weil der Beschluss des Bezirksrats Pfäffikon dem Gesuchsteller bereits am 20. Dezember 1999 zugestellt worden sei; dass er ihn erst am 31. Dezember 1999 gelesen habe, sei unbehelflich. Dem Gesuch könnte überdies auch aus anderen Gründen nicht entsprochen werden. Wenn nämlich der Gesuchsteller, wie er sinngemäss geltend mache, den Anfechtungsgrund erst nach Ablauf der Rekursfrist erkannt habe, so könne dies nicht zur Wiederherstellung der Rekursfrist führen, da er weder durch persönliche Gründe (wie etwa Handlungsunfähigkeit oder qualifizierte Unabkömmlichkeit) noch durch äussere Umstände (wie etwa Unfall) an der Fristwahrung gehindert worden sei. Die von ihm geltend gemachte Neuentdeckung einer rechtserheblichen Tatsache sei allenfalls ein Revisiongrund, sofern er den Mangel nicht hätte früher erkennen und deswegen mit dem ordentlichen Rechtsmittel geltend machen können. Ein solcher Revisionsgrund sei mittels eines Revisionsgesuchs bei der hierfür zuständigen Instanz – jene, die den zu revidierenden Entscheid gefällt habe – vorzubringen. Habe der Gesuchsteller dagegen den Mangel erst nach Ablauf der Rekursfrist festgestellt oder feststellen können, so liege darin ebenso wenig wie ein Revisionsgrund ein Fristwiederherstellungsgrund.
III. Mit Beschwerde vom 4. März 2000 beantragte
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dem Verwaltungsgericht, den Nichteintretensbeschluss der Baurekurskommission III aufzuheben und die Sache an diese Behörde mit der Anweisung zurückzuweisen, auf das Fristwiederherstellungsgesuch einzutreten (1); die Kostenauflage der Baurekurskommission sei jedenfalls aufzuheben und Letztere anzuweisen, die Verfahrenskosten neu festzusetzen; eventuell habe das Verwaltungsgericht selber die Rekurskosten in reduzierter Höhe festzusetzen (2); die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien dem Staat aufzuerlegen (3). Zur Begründung brachte er vor, die Auffassung der Baurekurskommission III, im vorliegenden Fall habe die Frist von 10 Tagen zur Einreichung des Wiederherstellungsgesuchs gemäss § 12 Abs. 2 VRG bereits mit der Zustellung des Bezirksratsbeschlusses am 20. Dezember 1999 bzw. am Tag danach zu laufen begonnen, sei nicht haltbar. Sie unterstelle dem Beschwerdeführer, allein schon deswegen pflichtwidrig gehandelt zu haben, weil er den Bezirksratsbeschluss nicht unmittelbar nach dessen Zustellung gelesen habe. Weil der Beschluss des Bezirksrats Pfäffikon vom 15. Dezember 1999 infolge der dagegen beim Regierungsrat erhobenen Beschwerde noch nicht rechtskräftig sei, komme sodann eine Revision des Gemeinderatsbeschlusses vom 30. Januar 1997 ohnehin noch nicht in Betracht; solange das dortige Beschwerdeverfahren pendent sei, bleibe zudem auch offen, ob dem Beschwerdeführer der von ihm gerügte Mangel des Planfestsetzungsbeschlusses schon früher hätte bekannt sein müssen.
Die Baurekurskommission III beantragte Abweisung des Rekurses. Der als Mitbeteiligter einbezogene Eigentümer des streitbetroffenen Grundstücks liess sich nicht vernehmen. Das Verwaltungsgericht zog vom Regierungsrat bzw. von der mit der Instruktion der dort eingereichten Beschwerde befassten Amtsstelle verschiedene Unterlagen (Eingaben an den Bezirksrat vom 16. August 1999; Rekurs an den Regierungsrat vom 10. Januar 2000) bei.
Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. Angefochten ist ein Beschluss der Baurekurskommission III vom 2. Februar 2000, womit diese auf das Gesuch des Beschwerdeführers vom 7. Januar 2000 um Wiederherstellung der Rekursfrist zur Anfechtung des am 7. März 1997 publizierten Beschlusses des Grossen Gemeinderats Illnau-Effretikon vom 30. Januar 1997 nicht eingetreten ist. Das Verwaltungsgericht ist daher zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde nach § 41 VRG sachlich und funktionell zuständig. Der Sache nach geht es um eine Streitigkeit betreffend die Festsetzung der kommunalen Nutzungsplanung, welche auch bei einer materiellen Beurteilung nicht unmittelbar mit einem Streitwert verbunden wäre; zum Entscheid über die Beschwerde berufen ist daher nach § 38 VRG die Kammer.
2. a) Gemäss § 12 Abs. 2 VRG kann eine versäumte Frist wiederhergestellt werden, wenn dem Säumigen keine grobe Nachlässigkeit zur Last fällt und er innert zehn Tagen nach Wegfall des Grundes, der die Einhaltung der Frist verhindert hat, ein Gesuch um Wiederherstellung einreicht (Satz 1). Wird die Wiederherstellung gewährt, so beträgt die Frist zur Nachholung der versäumten Rechtshandlung zehn Tage (Satz 2). Zuständig zur Behandlung des Wiederherstellungsgesuchs ist jene Behörde, die bei Gewährung der Fristwiederherstellung über die nachgeholte Rechtshandlung zu befinden hat, bezüglich der Wiederherstellung einer Rechtsmittelfrist also die für die Behandlung des betreffenden Rechtsmittels zuständige Behörde (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 12 N. 24). – Laut § 86a lit. b VRG kann die Revision rechtskräftiger Anordnungen von Verwaltungsbehörden, Rekurskommission und Verwaltungsgericht von den am Verfahren Beteiligten verlangt werden, wenn diese neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel auffinden, die sie im früheren Verfahren nicht beibringen konnten (zum letztgenannten Erfordernis vgl. auch § 86b Abs. 1 VRG). Zuständig zur Behandlung eines Revisionsgesuchs ist grundsätzlich jene Behörde, die den zu revidierenden Entscheid getroffen hat (Kölz/Bosshart/Röhl, § 86b N. 5 ff.).
Zur Begründung seines von der Baurekurskommission III als verspätet beurteilten Fristwiederherstellungsgesuchs vom 7. Januar 2000 hat der Beschwerdeführer ausgeführt, erst aufgrund der Erwägungen im Beschluss des Bezirksrats Pfäffikon vom 15. Dezember 1999 habe er wissen können, "dass die zu beanstandenden Pläne bereits 1997 hätten angefochten werden müssen". Die Einhaltung der 1997 laufenden (Rekurs-)frist sei ihm nicht möglich gewesen, weil er damals "keine Kenntnis vom fehlerhaften Gemeinderatsbeschluss und der stillschweigenden Planänderung" gehabt habe.
Vorab stellt sich im Hinblick auf die Zuständigkeit die weder vom Beschwerdeführer noch von der Baurekurskommission aufgeworfene Frage, mit welchem Rechtsmittel oder Rechtsbehelf der Mangel geltend zu machen ist, der den Beschwerdeführer zu seinem Gesuch um Wiederherstellung der Rekursfrist zur Anfechtung des Beschlusses des Grossen Gemeinderats Illnau-Effretikon veranlasst hat. Nach eigener Darstellung des Beschwerdeführers handelt es sich dabei um den Mangel, den der Bezirksrat Pfäffikon im Rahmen der von ihm behandelten Aufsichtsbeschwerde als ein blosses, der formlosen Berichtigung zugängliches Versehen qualifiziert hat.
b) Der Bezirksrat hat seine eigene Zuständigkeit zur Behandlung des Rekurses vom 22. Juni/16. August 1999 mit der Begründung bejaht, mit diesem Rekurs würden im Wesentlichen formelle Mängel geltend gemacht, weshalb die grundsätzlich in Bau- und Planungssachen gegebene Zuständigkeit der Baurekurskommisison entfalle. Träfe diese Beurteilung der Zuständigkeit zu, so wäre der Bezirksrat auch zuständig für die Behandlung eines Gesuchs um Wiederherstellung der Rekursfrist; der nunmehr mit Beschwerde angefochtene Beschluss der Baurekurskommission III, womit diese auf das Fristwiederherstellungsgesuch wegen Verspätung nicht eingetreten ist, wäre im Ergebnis schon aus diesem anderen Grund (Unzuständigkeit der Baurekurskommission) zu bestätigen.