Decision ID: c7dad689-e0a8-479f-9ba0-c8febb3bae68
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972, war vom
1.
November 2006 bis zum 3
0.
April 2009 im Rang eines
Director
bei der
Y._
AG angestellt und arbeitete
im Bereich
Global
Wealth
Management & Business Banking zunächst im Team Products & Services Financ
ial Instruments Data und per 1.
September 2008 im Team Products & Marketing COO CPI-
Pr
oduct
Data Initiatives
(
Urk.
2/4,
Urk.
2/6). Als Mitarbeiterin der
Y._
AG war sie bei der Pensionskasse der
Y._
vorsorgeversichert.
Aufgrund
einer Restrukturierung mit Stellenabbau wurde das Arbeitsverhältnis von der Arbeitgeberin
am 8. Juli 2008
per 3
1.
Januar 2009
aufgelöst, wobei
X._
eine Abgangsentschädigu
ng in der Höhe von Fr. 36‘565.
zugesprochen
wurde (
Urk.
2/8).
Wegen Krankheit verlängerte sich das Arbeitsverhältnis in der Folge bis zum 3
0.
April 200
9.
Ab dem
1.
Mai 2009 bezog die Versicherte
bei eine
r Vermittlungsfähigkeit von 100
%
Taggelder der Arbeitslosenversicherung und war damit bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG
vorsorgeversichert (Urk.
2/13).
Wegen Rückenschmerzen, Konzentrations
schwäche, sprachlicher Dysfunktion sowie psychischen Problemen
meldete sich die Versicherte
am 2
7.
Juli 2010
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsb
ezug an (Urk.
2/10).
Mit Verfügung vom
6.
November 2012 sprach die IV-Stelle für Versicherte
im Ausland
X._
basierend auf einem Invaliditätsgrad
von 50
%
mit Wirkung ab dem 1.
Januar 2011 eine halbe Invalidenrente zu (
Urk.
2/11). Die dagegen von der Versicherten erhobene Beschwerde wies
en
das Bundesverwaltungsgerich
t mit Urteil vom 2
0.
Mai 2014
(
Urk.
2/12)
und das Bundesgericht mit Urteil vom 1
6.
Oktober 2014 (
Urk.
22/
56) ab
. Die Pensionskasse der
Y._
stellte sich in der Folge auf den Standpunkt, dass sie keine Invalidenleistungen zu erbringen habe, da die massgebliche Arbeitsunfähigkeit nicht während dem Versicherungsverhältnis eingetreten sei (
Urk.
2/14).
2.
Am 1
1.
Mai 2015 erhob
X._
durch Rechtsanwalt Sebastian Lorentz Klage gegen die Pensionskasse der
Y._
(Beklagte 1)
und die Stiftung Auffangeinrichtung BVG
(Beklagte 2)
mit folgendem Rechts
begehren (
Urk.
1 S.
2):
„1.
Es sei die Beklagte 1 zur Ausrichtung d
er obligatorischen und reglemen
tari
schen Leistungen zuzüglich eines Verzugszinses von 5
%
ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum zu verpflichten.
2.
Eventualiter sei die Beklagte 2 zur Ausrichtung der obligatorischen und reglementarischen Leistungen zuzüglich eines Verzugszinse
s
von 5
%
ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum zu verpflichten.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.“
Mit Klageantwort vom 1
0.
September 2015 stellte die Beklagte 2 durch Advoka
tin Gertrud Baud den Antrag, es sei die Beklagte 1 zur Ausrichtung der obliga
torischen und reglementarischen Leistungen zu verpflichten (
Urk.
12). Die Beklagte 1 schloss durch
Dr.
Z._
mit Klageantwort vom 2
0.
Oktober 2015 auf Abweisung der Klage (
Urk.
15/2). Die Klägerin verzichtet
e
am 1
9.
Januar 2016 auf Replik (
Urk.
26), was den Beklagten am 2
5.
Januar 2016 mitgeteilt wurde (Urk. 27).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden von der
jenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher der Ansprecher bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, angeschlossen war (Art. 23
lit
. a
des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG]
). Die Leistungspflicht setzt einen engen sachlichen und zeitli
chen Zusammenhang zwischen der während der Dauer des
Vorsorge
verhältnis
ses
(einschliesslich der Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestande
nen Arbeitsunfähigkeit (Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bis
he
rigen Beruf von zumindest 20 Prozent; BGE 136 V 65 E. 3.1 S. 68; 134 V 20 E. 3.2.2 S. 23; SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143 E. 2.3 mit Hinweisen, 9C_127/2008) und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus (BGE 130 V 270 E. 4.1 S. 275).
1.2
Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Ar
beitsunfähigkeit geführt hat, im Wesentlichen der gleiche ist wie derjenige, auf welchem die Erwerbsunfähigkeit beruht (BGE 134 V 20 E. 3.2 S. 22).
1.3
Die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die ver
sicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Inva
lidität geführt hat, nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig war. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognos
ti
sche Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versi
cherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit ver
anlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umstän
den zählen auch die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tre
tenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass ein Versicherter über längere Zeit
hinweg als voll vermittlungsfähiger Stellensuchender Taggelder der Ar
beitslo
sen
versicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche Bedeu
tung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Mit Be
zug auf die Dauer der den zeitlichen Konnex unterbrechenden Arbeitsfähigkeit kann die Regel von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV) als Richtschnur gelten. Nac
h dieser Bestimmung ist eine
anspruchsbeein
fluss
ende
Verbesserung der Erwerbs
fähigkeit in jedem Fall zu be
rücksichtigen, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussicht
lich weiterhin an
dauern wird. Bestand während mindestens drei Monaten wieder
volle Arbeits
fähigkeit und erschien gestützt darauf eine dauerhafte Wiederer
langung der Erwerbsfähigkeit als objektiv wahrscheinlich, stellt dies ein gewich
tiges Indiz für eine Unterbrechung des zeitlichen Zusam
menhangs dar. Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als
dreimonatige Tätigkeit als Ein
gliederungsve
rsuch zu werten ist oder massge
blich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wi
edereingliederung unwahr
schein
lich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 S. 22 mit Hinweisen).
Diese Grundsätze gelten sinngemäss auch, wenn eine Vorsorgeeinrichtung ihre
Leistungspflicht mit der Begründung vern
einen will, eine berufsvorsorgerecht
lic
h bedeutsame Arbeitsunfähigkeit habe ber
eits vor Beginn des
Vorsorgeverhält
nis
s
es
bestanden und ohne wesentliche Unterbrechung bis zum Beginn der
Ver
si
cherungsdeckung
angedauert (Urteil 9C_273/2012 vom 20. November 2012 E.
4.1.2
mit Hinweis).
1.4
Es wird zwar in der Regel, aber nicht in jedem Fall
,
zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit zum
rechtsgenüglichen
Nachweis einer
berufsvorsorgerechtlich relevanten Einb
usse an funktionellem Leistungsvermö
gen
verlangt (vgl. Bundesgerichtsurteile 8C_195/2009 vom 2. September 2009 E. 5 und
9C_96/2008 vom 1
1.
Juni 2008 E.
3.2.2). Immerhin reichen nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jahren rück
wirkend festgelegte medizini
sch-theoretische Arbeitsunfähig
keit nicht aus (Bun
des
gerichtsurteil 9C_368/2008 vom 11.
September 2008 E. 2 mit Hinwei
sen). Die
gesundheitliche Beeinträchtigung muss sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben; die Einbusse an funktionellem Leistungsver
mögen muss mit anderen Worten arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten sein, etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte aus dem Rahmen fallende
gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle (SVR 2008 BVG Nr. 34 S.
143 [9C_127/200
8 E.
2.3]; SVR 2008 IV Nr. 11 S.
32 [I 687/06 E.
5.1];
Bundesge
richtsurteil
9C_362/2012 vom
6.
Juni 2012 E. 5.2.1 mit Hinweis).
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht au
f eine Rente der Invalidenversi
cherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG er
gibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 271 E. 2a, 120 V 108 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund ei
ner gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 311 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 4 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die
Vorsorgeein
richtung
bzw. das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts in Sachen R. vom 23. Februar 2010, 9C_49/2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(Art. 73
ter
IVV) einbezogen und ihr die
Rentenverfü
gung
formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts in Sachen S. vom 16. Juni 20
10, 9C_81/2010, E. 3.1, mit Hin
weisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) zu. Unterbleibt ein solc
hes Einbeziehen der Vorsorgeein
richtungen
, ist die IV-rechtliche Festset
zung de
s Invaliditätsgrades (grundsätz
lich,
mass
lich
und zeitlich) berufsvorsor
gerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 273 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar wa
r (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
2.1.1
Die Klägerin bezog ab dem
1.
Mai 2009 Taggelder der Arbeitslosenversicherung bei einer Vermittlungsfähigkeit von 1
00
%
(
Urk.
22/6/18).
Dr.
med.
A._
, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitatio
n
,
bescheinigte ihr gegenüber der
Unia
Arbeitslosenkasse am 2
8.
Juli 2010 für die Zeit vom 25.
Mai bis zum 3
1.
Juli 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 1
00
%
und ab dem 1.
August 2010 von 0
%
. Die Klägerin könne keine körperlich belastenden Tätigkeiten (Heben/Tragen von mehr als 5 kg, Arbeiten gebückt oder über Kopf) mehr ausüben (
Urk.
22/5/19).
2.1.2
Im
zu Händen der Invalidenversicherung erstellten
Arztb
ericht vom 15.
September 2010 (
Urk.
22/9) hielt
Dr.
A._
fest, es bestünden bei der Klä
gerin sich zuneh
mend
chronifizierende
weichteil
rheumatische/
überlastungsbe
dingte
Beschwerden der oberen Körperhälfte, ein
Status nach Verletzung am Kleinfinger rechts (Einklemmtrauma an Türe) im August 2003 mit anschliessend 6-facher operativer Behandlung bei Status nach Schaftfraktur der proximalen Phalanx DIG V rechts sowie ein
lumbo-radikuläres
Schmerzsyndrom rechts bei Diskushernie L5/S1 paramedian rechts.
Die Klägerin sei vom 2
5.
Mai bis zum 3
0.
Juni 2010 zu 100
%
arbeitsunfähig
gewesen
. Ab dem 1. August 2010 sei sie
zu 50
%
arbeitsfähig für körperlich nicht belastende Tätigkeiten, wobei ab dem
1.
Januar 2011 mit einer vollen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne. Eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten liege nicht vor.
2.2
Gemäss dem Arbeitgeberbericht der
Y._
AG vom 2
0.
August 2010 (
Urk.
22/6/1-5) wurde das Arbeitsverhältnis mit der K
lägerin wegen Restrukturierungs
massnahmen mit Stellenabbau aufgelöst.
Die Klägerin sei jeweils wegen desselben Gesundheitsschadens vom
1.
bis zum 19. Februar 2008 zu 50
%
, vom 2
0.
bis zum 2
4.
Februar 2008 zu 100
%
, vom 2
5.
Februar bis zum 3
0.
Mai 2008 zu 20
%
und vom 2
0.
Oktober bis zum 31. Dezember 2008 zu 40
%
arbeitsunfähig gewesen.
2.3
Laut dem Arztbericht von
Dr.
med.
B._
, FMH Neurologie und Prof.
Dr.
phil.
C._
, Neuropsychologin, vom 3
1.
Mai 2010 (
Urk.
22/7)
ist
die Klägerin eine emotional labile, diskret autistische und pedantisch arbeitende Person, welche eine Konzentrationsschwäche, eine sprachliche Dysfunktion mit diskreter Schreib- und Leseschwäche sowie
ein vermindertes sprachliches
Kon
zeptdenken
, eine nichtverbal betonte Gedächtnisschwäche und eine verminderte kogniti
ve Flexibilität aufweist. Diese
Teilleistungsschwächen, welche sich als Aufmerksamkeits-Syndrom mit legasthenischem Syndrom umschreiben liessen, seien unter Berüc
ksichtigung der Anamnese mit
einer frühkindlich erworbenen zerebralen Dysfunktion vereinbar.
Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Klägerin auf
grund ihrer deutlich verminderten Stressresistenz nicht arbeitsfähig.
Im Bericht an die IV-Stelle vom
2.
August 2010 (
Urk.
22/8) attestierte
Dr.
B._
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem 2
0.
Mai 2010 bis auf Weiteres.
2.4
Gemäss dem Arztbericht von
Dr.
med.
D._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
4.
Oktober 2010 (
Urk.
22/10)
bestehen bei der Klägerin rezidivierende depressive Störungen, gegenwärtig mittelgradige Episode, ein
Aspergersyndrom
(ICD-10 F84.5, klinisch einer Persönlichkeitsstörung F6 ent
sprechend) sowie eine
Dyslexie
(ICD-10 F81.0).
Die
Klägerin
sei seit Beginn der Behandlung am 24. Ju
ni 2010 zu 100
%
arbeitsunfähig, sowohl in ihrer ange
stammten Tätigkeit als Bankmitarbeiterin als auch in jeder anderen Tätigkeit.
Es liege eine komplexe psychiatrische Situation vor, indem die Klägerin schon seit der Adoleszenz im Sinne einer Persönlichkeitsstörung psychisch auffällig sei.
Sie habe sich schon seit mehreren Jahren in einem Dauerzustand psychischer Not befunden, mit Erschöpfung, emotionalen Krisen. Ab Anfang 2008 habe die psychische und physische Dekompensation heftiger eingesetzt, zuerst mit wie
derkehrenden somatischen Problemen, dann mit Erschöpfung, Depression und Rückzug.
Die Klägerin müsse sich nach einer Rehabilitationsphase beruflich neu
orientieren und neu beginnen. Eine rasche Gesundung und Rückkehr ins Erwerbsleben werde nicht möglich sein. Eine längerfristige Prognose sei schwierig. Die Klägerin verfüge über Ressourcen und berufliche Erfahrung, so dass die Wiederaufnahme einer angepassten Tätigkeit möglich scheine.
2.5
Gemäss dem polydisziplinären medizinischen Gutachten der MEDAS
E._
vom 1
3.
September 2011 (
Urk.
22/12) bestehen bei der Klägerin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
(1.)
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0) seit 2009 und ein
(2.)
Asperger
-Syndrom (ICD-10 F84.5) mit
Dyslexie
(ICD-10 F81.0
)
und
Dysgraphie
(IDD-10 F82.1) seit Kindheit sowie ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
(3.)
residuelles
S
1-
Syndrom rechts nach Diskushernie L5/S1 paramedian rechts (Erstdiagn
ose April 2010; ICD-10 M54.16) und ein (4.)
myofasciales
Schmerzsyndrom, Schultergürtel und obere Extremität rechts mit/bei Status nach Kleinfingerverletzung rechte Hand und wiederholter operativer Behandlung (ICD-10 M79.1) seit 200
8.
Auf der psychischen Ebene bestünden Beeinträchtigungen im kognitiven Bereich, in den emotionalen Funktionen, in den sozialen Interaktionen. Auf der somatischen Ebene bestünden Beeinträchtigungen aufgrund der abgelaufenen
Diskusherniation
L5/S1,
leichtgradige
n
Diskopathie
L4/5 und dem
residuellen
S1-Syndrom rechts. Die Belastbarkeit des Achsenorgans sei limitiert, bezogen auf das Arbeitsleben resultierten daraus qualitative Einschränkungen der Restarbeitsfähigkeit.
Im sozialen Bereich sei
die Klägerin durch die Entwicklungsstörung (
Asperger
-Syn
drom) in der sozialen Kontaktgestaltung und der sozialen Integration und Kommunikation beeinträchtigt. Si
e verstärkten sich wechsel
weise mit Rückzug und Passivität im Rahmen der depressiven Episode. Die Klägerin sei durch Anforderungen an Umstellungsfähigkeit und Flexibilität überfordert. Wechsel
n
von Anforderungen und neuen Fragestellungen sei sie nicht gewachsen, es resultierten Erschöpfung und depressive Symptomatik.
Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit könne die Klägerin maximal in einem 50%-Pensum an vier Arbeits
stunden pro Tag ausüben. In qualitativer Hinsicht erleide sie dabei keine Ein
schränkung. Was den Beginn der Arbeitsunfähigkeit anbelange, so sei eine Arbeitsunfähigkeit ab dem 2
0.
Mai 2010 (an anderer Stelle 2
5.
Mai 2010) dokumentiert. Die UNIA-Arbeitslosenkasse habe Taggeld bis zum 2
3.
Mai 2010 geleistet, ab dem
1.
August 2010 habe laut behandelnder Rheumatologin wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestanden. Die jetzigen Untersuchungen zeigten, dass die Klägerin überwiegend wahrscheinlich seit dem Verlust ihre
s
Arbeits
platzes durch die depressive Symptomatik eingeschränkt sei und bereits vorher den Anforderungen der letzten Tätigkeit aufgrund des
Asperger
-Syndroms nur eingeschränkt gewachsen gewesen sei. Es sei plausibel, dass seit April 2009 (Beendigung des Arbeitsverhältnisses), die jetzt festgestellten Einschränkungen
für die angestammte Tätigkeit Geltung gehabt hätten, d.h. eine 50%ige Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der Komorbidität von depressiver Epi
sode und
Asperger
-Syndrom. Mit Manifestation der Diskushernie im April 2010 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis einschliesslich Juli 2010 bestanden. Danach wieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für jede Art von Tätigkei
ten. Ab dem
1.
Januar 2011 liege die Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten bei 60
%
und in der angestammten Tätigkeit bei 50
%
.
Mit einer relevanten Besse
rung sei nicht zu rechnen.
3.
3.1
Die Klägerin lässt zur Begründung ihrer Klage ausführen, es sei in medizinischer Hinsicht klar erstellt, dass sie schon vor dem 3
0.
April 2009 unter den Diagno
sen gelitten habe, welche schliesslich zur Invalidität geführt hätten.
Selbst wenn keine echtzeitlichen Berichte
eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit in diesem Zeitraum dokumenti
eren könnten, sei doch mit über
wiegender Wahrscheinlich
keit erstellt, dass die massgebliche Arbeitsunfähigkeit per 30. April 2009 oder früher eingetreten sei. Daraus folge die
Leistungspflicht der Beklagten
1.
Sollte aber davon ausgegangen w
erden, der Eintritt der Arbeits
unfähigkeit falle nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in die Zeit des
Versicherungsverhältnis
ses
mit der Beklagten 1, müsse zumindest als erstellt betrachtet werden, dass die massgebliche Arbeitsunfähigkeit im Zeitraum vom
1.
Mai 2009 bis zum 3
0.
April 2011 eingetrete
n sei. Dies führe zur Leistungs
pflicht der Beklagten 2 (
Urk.
1 S. 6).
3.2
Die Beklagte 1 liess ausführen, das Arbeitsverhältnis mit der Klägerin sei aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst worden, und sie sei bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu 100
%
arbeitsfähig gewesen. Die Klägerin habe sich denn auch erst mehr als ein Jahr danach bei
der Invaliden
versicherung ange
meldet und bei voller Vermittlungsfähig
keit Taggelder der Arbeitslosen
versi
cherung bezogen. Medizinische Behandlungen seien erst ab Mai 2010 doku
mentiert und es sei der Klägerin dementsprechend auch erst ab diesem Zeit
punkt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Im Jahr 2008 sei die Klägerin einzig wegen den Folgen ihres Unfalles mit der Hand arbeits
unfähig gewesen. Diese Beeinträchtigungen hätten nicht zur Invalidität geführt. Ab Anfang 2009 bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses am 30. April 2009 seien keine Arbeitsunfähigkeiten mehr vorhanden gewesen. Die rückwirkenden Angaben in den Arztberichten stellten reine Mutmassungen dar. Das Arbeits
zeugnis der
Y._
widerspreche der Annahme, dass die Klägerin auf
grund des
Asperger
-Syndroms den Anforde
rungen nur eingeschränkt gewach
sen gewesen
sei. Sollte tatsächlich die Auffassung bestehen, die Klägerin sei aufgrund der vorbestehenden Erkrankung von Anfang an mit ihren Aufgaben überfordert gewesen, so hätte die massgebende Einschränkung schon vor Beginn des
Versi
cherungsverhältnisses
mit der Beklagten 1 bestanden. Der Eintritt der Arbeits
unfähigkeit sei im MEDAS-Gutachten willkürlich auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses am 3
0.
April 2009 festgelegt worden. Es sei nicht beachtet worden, dass die Klägerin bei der Arbeitslosenversicherung zu 100
%
als
ver
mittelbar
gegolten habe und erst ein Jahr später psychiatrisch behandelt worden sei. Ein Stellenverlust verursache häufig für kurze Zeit psychische Probleme, diese seien in der Regel aber vorübergehend und nicht invalidisierend. Hätte die Klägerin b
ereits im Jahr 2009 eine
behand
lungsbedürftige
Depression gehabt, hätte sie kaum ein ganzes Jahr bis zum Aufsuchen eines Psychiaters gewartet. Insgesamt sei nicht ausgewiesen, dass die massgebliche Arbeitsunfähigkeit der Klä
gerin während dem Versicherungs
verhältnis mit der Beklagten 1 eingetreten s
ei, weshalb sie keine Invaliden
leistungen zu erbringen habe.
3.3
Die Beklagte 2 liess
geltend machen, es sei i
m Rahmen des IV-Verfahrens festgestellt worden, dass die massgebliche Arbeitsunfähigkeit der Klägerin am 3
0.
April 2009 eingetreten sei.
In jener Zeit sei die Klägerin bei der Beklagten 1 versichert gewesen. Da klare medizinische Aussagen vorhanden seien, schade es ausnahmsweise nicht, dass keine echtzeitlichen Arztberichte vorlägen. Die Beklagte 1 habe Invalidenleistungen zu erbringen, wogegen die Beklagte 2 nicht leistungspflichtig sei (
Urk.
12 S. 6 f.).
4.
4.1
Es gilt
vorab
zu prüfen, ob im vorliegenden berufsvorsorgerechtlichen Verfah
ren eine Bindungswirkung an
die Verfügung der IV-Stelle für Versicherte
i
m Ausland vom
6.
November 2012 (Urk. 22/35) besteht, mit welcher der Klägerin mit Wirkung ab dem
1.
Januar 2011 basierend auf einem Invaliditätsgrad von
50
% eine
halbe
Invalidenrente zugesprochen worden ist.
Die Verfügung wurde der Beklagten
1 eröffnet
und sie ist auch ins
Vorbescheidverfahren
einbezogen worden (
Urk.
22/17,
Urk.
22/23)
.
Nachdem sich d
ie
Klägerin
im
Juli
20
10
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet hatte (Urk.
22/4
), ein Rent
enanspruch somit frühes
tens per
Januar 2011
ent
stehen konnte (Art. 29 Abs. 1 IVG), war die IV-Stelle einzig verpflichtet zu prüfen, ob das Erfordernis einer durchschnittlich 40%igen Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG)
im Zeitpunkt des
frühest
mögli
chen Rentenbeginns erfüllt war. Eine Notwendigkeit, eine frühere Eröffnung des Wartejahrs zu prüfen, bestand nicht.
Eine Bindungs
wir
kung des IV-Entscheides entfällt damit.
4.2
Die IV-Stelle stützte ihre
Leistungszusprache
in erster Linie auf das Gutachten der MEDAS
E._
vom 1
3.
September 2011 (
Urk.
22/12).
Dieses attestiert der Klägerin eine primär psychisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
, was al
s nachvollziehbar erscheint und
von den Parteien
auch
nicht in Frage gestellt wird.
Z
u prüfen
ist
, ob
die zur Invalidität führende psychisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit währen
d der
Versicherungs
de
ckung
mit der Beklagten 1 oder der Beklagten 2 entstanden ist.
4.3
Es
liegt keine echtzeitliche ärztliche
Bestätigung vor
, dass mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
AG per 3
0.
April 2009 eine Arbeitsunfähigkeit für diese Tätigkeit eingetreten wäre. Der Stellenverlust dürfte zwar tatsächlich eine erhebliche psychische Belastung
bedeutet
haben, die rück
wirkend getroffene Annahme,
diese
sei
am letzten Tag des Arbeitsverhält
nisses derart manifest geworden
, dass ab diesem Datum eine wesentliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden ha
be
, erscheint aber als spekulativ.
Die Klägerin befand sich zu jenem Zeitpunkt nicht in psychiatrischer Behand
lung und sie bezog ab dem
1.
Mai 2009 Taggelder der Arbeitslosenversicherung bei einer Ve
rmittlungsfähigkeit von 100
%
.
Es trat jedoch in der Folge eine Verschlechter
ung des Gesundheitszustandes und der damit verbundenen Arbeitsfähigkeit der Klägerin ein. Im Mai 2010 hat
sie
sich in ärztliche Behandlung begeben und es ist ab dem 2
0.
Mai 2010 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dokumentiert.
Ab einem
früheren Zeitpunkt ist dagegen keine
dauerhafte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit ausgewiesen.
Die massgebende Arbeitsunfähigkeit de
r
Kläger
in
ist am
2
0.
Mai 2010 und damit während der Versicherungszeit bei der Beklagten
2
eingetreten.
Der Rentenbeginn ist damit auf den
1.
Mai 2011 festzusetzen (vgl.
Art.
26
Abs.
1 BVG;
BGE 140 V 470).
4.4
Nach dem Gesagten ergibt sich,
dass die Beklagte 2 zu verpflichten ist, der Klägerin ab
1.
Mai 2011 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 50
%
die obligatorischen und reglementarischen Invalidenleistungen auszurichten. Die Klage gegen die Beklagte 1
ist
abzuweisen
.
Da sich der Rentenanspruch aufgrund der Aktenlage nicht genau beziffern lässt und auch das Klagebegehren nicht auf einen bestimmten Betrag lautet, ist die vorliegende Klage gegen die Beklagte
2
gemäss ständiger Praxis bloss in dem Sinne gutzuheissen, dass die Leistungspflicht der Beklagten
2
, der
Invaliditäts
grad
und der Rentenbeginn am 1.
Mai
2011 festzustellen, die genaue ziffern
mässige Berechnung der einzelnen
Rente
nbetreffnisse
hingegen der
leis
tungs
pflichtigen
Vorsorgeeinrichtung zu überlassen ist, wogegen im Streitfalle wie
derum eine Klage zulässig wäre (vgl. BGE 129 V 450).
5.
Der Kläger beantragte die Ausrichtung von Verzugszinsen ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum in Höhe von 5
%
(
Urk.
1). Auf Invalidenleistungen sind
Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich
Art.
105
Abs.
1 des Obligationenrechts (OR) anwendbar ist (BGE 119 V 131). Danach ist der Verzugszins vom Tage der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet, das heisst vorliegend ab dem
1
1.
Mai
201
5.
Der Zinssatz beträgt 5
%
, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119
V
131). Das ab
1.
Januar 2014 gültige Vorsorgereglement der Beklagten legt in
Art.
34 den von der Stiftung geschuldeten Verzugszins auf die Höhe des
BVG-Zinses
fest
(
http://www.chaeis.net/fileadmin/CHAEIS_SYNC/Internet/BVG_ALV/BVG_ALV_Reglemente/D_Allgemeine_Bestimmungen_2014.pdf
)
. Der BVG-Mindestzins betrug für die Zeit vom
1.
Januar 2014 bis 3
1.
Dezember 2015 1,75
%
und seit dem
1.
Januar 2016 1,25
%
(
Art.
15
Abs.
2 BVG in Verbindung mit
Art.
12 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVV 2]). Die Beklagte
2
ist daher zu verpflichten, de
r
K
läger
in
Verzugszinsen auf den bis dahin
fällig gewordenen
Rentenbetreffnissen
ab
1
1.
Mai 2015
und auf den seither fällig gewordenen
Rentenbetreffnissen
ab dem jeweiligen
Fällig
keitsdatum
in Höhe von 1,75
%
in der Zeit bis 3
1.
Dezember 2015 und von 1,25
%
ab
1.
Januar 2016 auszurichten.
6.
6.1
Ausgangsgemäss ist die Beklagte
2
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu verpflichten, der anwaltlich vertretenen Klägerin eine Prozessentschädigung zu entrichten, wobei ein Betrag von
Fr. 2‘
0
00.--
als angemessen erscheint.
6.2
Der Beklagten
1
steht in ihrer Funktion als Trägerin der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung zu (§ 34 Abs. 2
GSVGer
; vgl. statt vieler: BGE 128 V 124 E. 5b).