Decision ID: f9681753-bda6-4bda-ab58-3cb44455b317
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den schweizerischen Führerausweis seit 1968. Gestützt auf ein
verkehrsmedizinisches Gutachten, worin die Fahreignung von X wegen episodenhaften
Alkoholüberkonsums sowie Verdachts auf eine psychische Erkrankung nicht
abschliessend positiv beurteilt werden konnte, verfügte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung Administrativmassnahmen
(nachfolgend: Strassenverkehrsamt), am 20. Juni 2008 einen vorsorglichen
Führerausweisentzug. Gleichzeitig wurde X auf die Empfehlungen der
Verkehrsmedizinerin hingewiesen, wonach sie vor einer abschliessenden Beurteilung
verschiedene Bedingungen zu erfüllen habe, unter anderem den Nachweis einer
mindestens sechsmonatigen fachärztlich-psychiatrischen Betreuung, die Durchführung
von regelmässigen augenärztlichen Kontrollen und die Einhaltung einer
Alkoholabstinenz. Der von X dagegen erhobene Rekurs wurde mit Entscheid des
Abteilungspräsidenten der Verwaltungsrekurskommission vom 8. August 2008
abgewiesen (Proz.Nr. IV-2008/84).
B.- Gestützt auf das verkehrsmedizinische Gutachten vom 23. Februar 2010 hob das
Strassenverkehrsamt den vorsorglichen Führerausweisentzug am 11. März 2010 auf
und versah den Führerausweis von X mit Auflagen (regelmässige psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung, regelmässige hausärztliche und augenärztliche
Kontrollen mit Verlaufsbeurteilung des Alkoholkonsums durch CDT-Kontrollen alle zwei
Monate sowie halbjährliche Berichte der betreuenden Stellen).
C.- Mit Schreiben vom 25. Oktober 2012 ersuchte X um Aufhebung der Auflagen. Am
13. März 2013 unterzog sie sich einer verkehrsmedizinischen Untersuchung zur
Feststellung der Fahreignung. Im Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin am
Kantonsspital St. Gallen, Abteilung Verkehrsmedizin (nachfolgend: IRM), vom 23. April
2013 kam der Verkehrsmediziner zum Schluss, es bestehe derzeit aufgrund eines
Alkoholmissbrauchs wegen einer psychiatrischen Erkrankung mit aktuell instabilem
Verlauf keine Fahreignung. In der Folge entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis mit Verfügung vom 29. April 2013 vorsorglich und verbot ihr das Führen
von Motorfahrzeugen aller Kategorien. Der dagegen erhobene Rekurs wurde mit
Entscheid des Abteilungspräsidenten der Verwaltungsrekurskommission vom 20.
August 2013 abgewiesen (Proz.Nr. IV-2013/74).
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Am 22. Juli 2013 lenkte X ein Fahrzeug trotz Führerausweisentzugs, wofür sie mit
Strafbefehl des Untersuchungsamtes A vom 2. September 2013 zu einer bedingten
Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je Fr. 50.– und zu einer Busse von Fr. 500.– verurteilt
wurde.
D.- Mit Verfügung vom 5. November 2013 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG aus medizinischen Gründen bei
einer Sperrfrist von drei Monaten auf unbestimmte Zeit. Als Bedingung für die
Aufhebung des Entzugs wurde eine regelmässige fachärztliche psychiatrische Kontrolle
und Behandlung inkl. Protokollierung der Medikamentenspiegel, eine kontrollierte
Alkoholabstinenz samt Haaranalysen gemäss Info-Blatt sowie eine zusätzliche
Haaranalyse auf Benzodiazepine alle sechs Monate verlangt. Einem allfälligen Rekurs
wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
E.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 5. November 2013 erhob X
durch ihren Vertreter am 20. November 2013 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt verzichtete mit Schreiben vom 27.
Februar 2014 auf eine Vernehmlassung. Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Mit Verfügung vom 17. Februar 2014 wies der Abteilungspräsident das Gesuch um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab, wobei die Kosten jener Verfügung bei der
Hauptsache blieben.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 20. November 2013 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
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2.- Im Rekurs wird geltend gemacht, aus dem verkehrsmedizinischen Gutachten vom
23. April 2013 könne nicht auf eine mangelnde Fahreignung geschlossen werden. Wie
es sich damit verhält, ist im Folgenden zu prüfen.
a) Die Rekurrentin bringt im Wesentlichen vor, sie besitze den Führerausweis seit 45
Jahren und habe einen unbescholtenen Leumund. Insbesondere habe sie sich noch nie
wegen Suchtmittelkonsums im Strassenverkehr strafbar gemacht. Im Jahr 2008 sei ihr
der Führerausweis ohne relevanten Vorfall vorsorglich entzogen worden. Die
behandelnde Psychiaterin habe gestützt auf eigene psychiatrische Abklärungen sowie
auf Laborbefunde wiederholt attestiert, dass keine Suchterkrankung vorliege. Eine
psychiatrische Diagnose sei von ihr nie gestellt worden. Die Rekurrentin habe keiner
Abstinenzauflage unterstanden und die CDT-Kontrollen seien durchwegs negativ
ausgefallen; desgleichen die augenärztlichen Befunde. Bei der am 13. März 2013
entnommenen Haarprobe sei nach Abzug der Messunsicherheit von 25% von einem
Ergebnis von 44 pg/mg auszugehen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei
ein Ethylglucuronid(EtG)-Wert von 45 pg/mg (bzw. 66 pg/mg) kein ausreichender Grund
für einen objektiven Befund eines verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs. Ein solcher
Befund liege nur dann vor, wenn der Proband zwischen seinem Alkoholkonsum und
einem verantwortungsvollen Verhalten im Strassenverkehr nicht ausreichend zu
differenzieren vermöge bzw. die nahe liegende Gefahr bestehe, dass er im akuten
Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnehme. Es müsse insbesondere
dargetan sein, dass er seine Neigung zu übermässigem Alkoholgenuss durch den
eigenen Willen nicht zu überwinden oder kontrollieren vermöge und dadurch mehr als
jede andere Person der Gefahr ausgesetzt sei, sich in einem Zustand an das Steuer
eines Fahrzeugs zu setzen, der das sichere Fahren nicht mehr gewährleiste. Die
Rekurrentin habe sich noch nie in angetrunkenem Zustand hinter das Steuer gesetzt
oder auch nur Äusserungen in diese Richtung gemacht. Entgegen der Ansicht der
Vorinstanz sei das angebliche Fehlen einer Krankheitseinsicht und das angebliche
Bagatellisieren der Trinkgewohnheiten gerade kein logisch und rechtlich zulässiges
Argument. Vielmehr handle es sich um ein zirkelschlüssiges Scheinargument, wovon
auch das Bundesgericht ausgehe. Bei der Rekurrentin sei weder ein bestimmtes
Trinkverhalten beweisrechtlich erstellt noch sei eine konkrete "Krankheit"
beweisrechtlich schlüssig erhoben. Andere medizinische Ursachen als die Haarprobe
seien vorliegend nicht durchgeführt worden. Der schwere Eingriff eines
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Sicherungsentzugs setze sorgfältige verkehrsmedizinische Abklärungen voraus, welche
auch eine eingehende Prüfung der persönlichen Verhältnisse, die gründliche
Aufarbeitung der Trunkenheitsfahrten, eine spezifische Alkoholanamnese sowie eine
umfassende medizinische körperliche Untersuchung voraussetze. Eine solche
Untersuchung sei vorliegend nicht erfolgt. Eine mangelnde Fahreignung dürfe nicht
leichthin angenommen werden. Die Vorinstanz unterstelle der Rekurrentin in der
angefochtenen Verfügung eine jahrelange psychische Erkrankung. Es werde dazu
jedoch weder eine sichere fachärztliche Diagnose erwähnt noch dargelegt, dass und
weshalb sich die angebliche jahrelange psychiatrische Erkrankung auf die Fahreignung
auswirke. Es liege kein entsprechendes fachärztliches psychiatrisches Gutachten vor
und es werde jeweils nur eine Verdachtsdiagnose geäussert. Aus willkürlich
zusammengestellten Versatzstücken würden der Rekurrentin im Gutachten zudem
angebliche krankhafte Wahnideen unterstellt. Trotz fehlender Beweise sei diese
felsenfest davon überzeugt, dass ihr Sohn und ihr geschiedener Mann ihre Papageien
vergiftet hätten. Um welche Beweise sich der Gutachter bemüht habe, werde nicht
angegeben. Tatsache sei, dass die Rekurrentin Papageien gehalten habe, die von
ihrem inzwischen geschiedenen Mann gegen ihren Willen weggebracht worden seien.
Dass die Tiere anschliessend getötet worden seien, habe sie von ihrer
Schwiegertochter erfahren. Hinweise auf suchtrelevante Laborbefunde gebe es in den
Akten keine. Als einziger Grund für die Durchführung von Haaranalysen auf
Benzodiazepine werde die Ausbildung der Rekurrentin als Ärztin genannt, wodurch sie
problemlos Benzodiazepine beziehen könne. Dieser Schluss sei geradezu
diskriminierend und persönlichkeitsverletzend. Ein aktueller Laborbefund bestätige,
dass die Rekurrentin keine Benzodiazepine konsumiere. Was das Gesichtsfeld angehe,
werde sie regelmässig vom Augenarzt Dr. B untersucht. Sämtliche Befunde seien
unauffällig ausgefallen. Den erforderlichen Gesichtsfeldtest habe sie mittlerweile
durchführen lassen. Es bestehe keine wesentliche Einschränkung. Aus all diesen
Gründen bestehe kein Anlass für einen Sicherungsentzug.
b) Der Führerausweis muss entzogen werden, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). In diesen Fällen
dient der Entzug des Ausweises der Sicherung des Verkehrs vor ungeeigneten
Fahrzeugführern und wird daher als Sicherungsentzug bezeichnet. Ein solcher Entzug
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wird grundsätzlich auf unbestimmte Zeit ausgesprochen (Art. 16d Abs. 1 SVG).
Bestehen Zweifel an der körperlichen oder psychischen Fahreignung eines
Fahrzeugführers, sind medizinische, psychologische oder psychiatrische Abklärungen
vorzunehmen (Art. 11b Abs. 1 lit. a und b der Verordnung über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt: VZV).
Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis entzogen, wenn
ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein
Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG). Darunter fallen alle in
Betracht kommenden medizinischen und psychischen Gründe (Botschaft zur Änderung
des SVG vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491, nachfolgend: Botschaft).
Grundsätzlich müssen die medizinischen Mindestanforderungen – bezogen auf die
jeweilige Führerausweiskategorie – gemäss Anhang 1 VZV erfüllt sein (Art. 25 Abs. 3
lit. a SVG, Art. 7 Abs. 1 VZV). Für die dritte medizinische Gruppe (u.a. mit den
Führerausweiskategorien A und B) heisst dies unter anderem, dass der Betreffende
keine schweren Nervenkrankheiten, keine Geisteskrankheiten von Bedeutung, keinen
Schwachsinn, keine Psychopathien, keine periodischen Bewusstseinstrübungen oder -
verluste und keine Gleichgewichtsstörungen haben darf (vgl. Anhang 1 zur VZV). In der
Literatur werden als die Fahreignung verhindernde, psychische Krankheiten solche
bezeichnet, deren Symptome direkten Einfluss auf die Fahreignung haben, indem es zu
Bewusstseinstrübungen, Halluzinationen, Verwirrung oder psychotischen Ideen kommt
(R. Schaffhauser, Grundriss des Strassenverkehrsrechts, Bd. III, Bern 1995, N 2096).
Die Voraussetzung zum sicheren Führen von Motorfahrzeugen dürfte für alle
Kategorien bei schizophrenen Erkrankungen, insbesondere wenn sie mit Wahn,
Sinnestäuschungen, Denk- und Verhaltensstörungen einhergehen, grundsätzlich nicht
gegeben sein (vgl. V. Dittmann, Psychische Störungen und Fahreignung, in: Stöckli/
Werro [Hrsg.], Strassenverkehrsrechtstagung 2006, Bern 2006, S. 112 f.).
Der Führerausweis wird einer Person ebenfalls auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn
sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b
SVG), wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit
(Botschaft S. 4491). Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene
Person regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird
und sie diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen
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nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Der
Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff
der Alkoholabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber
jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt, können demnach vom Führen eines
Motorfahrzeugs ferngehalten werden (BGE 129 II 82 E. 4.1 mit Hinweis; vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007 E. 2.1).
Da ein Sicherungsentzug stark in den Persönlichkeitsbereich eingreift, ist eine genaue
Abklärung der persönlichen Verhältnisse des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes
wegen vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen
richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen
Ermessen der Entzugsbehörde (vgl. BGE 129 II 82 E. 2.2). Die Beweismittel und damit
auch das verkehrsmedizinische Gutachten unterliegen der freien richterlichen
Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). Die Vorinstanz
trägt die Beweislast für das Vorliegen der fehlenden Fahreignung beim
Sicherungsentzug. Beim Sicherungsentzug aus medizinischen Gründen ist ein
ärztliches Gutachten, das die Fahruntauglichkeit beweist, erforderlich.
c) Die Vorinstanz geht in der angefochtenen Verfügung von einer mangelnden
Fahreignung aus medizinischen Gründen aus. Sie stützt sich dabei auf das
verkehrsmedizinische Gutachten des IRM vom 23. April 2013 (act. 9/48 ff.). Die
Untersuchung der Rekurrentin fand am 13. März 2013 statt. Gestützt auf die
Vorgeschichte, die Angaben der Untersuchten, die Resultate der Laboruntersuchung
und die Fremdauskünfte kam der Gutachter zum Schluss, bei der Rekurrentin bestehe
aus verkehrsmedizinischer Sicht aufgrund eines Alkoholmissbrauchs wegen einer
psychiatrischen Erkrankung mit derzeit instabilem Verlauf keine Fahreignung. Während
des Untersuchungsgesprächs habe die Probandin psychisch auffällig gewirkt, ihr
Verhalten sei unruhig, angespannt, logorrhoisch und ideenflüchtig gewesen. Auch auf
spezifisch gestellte Fragen habe sie völlig am Thema vorbeigeredet. Teilweise seien
ihre Argumente und Erklärungen schwierig nachzuvollziehen gewesen und hätten
eigenlogisch gewirkt. Im Gespräch hätten sich zudem Hinweise auf das Vorliegen von
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Wahnideen ergeben. In der Gesamtschau ergebe sich der dringende Verdacht, dass
erneut eine verkehrsrelevante psychische Erkrankung, z.B. eine manisch-depressive
Erkrankung vorliegen könnte. Die in den Haaren festgestellte EtG-Konzentration
spreche für einen regelmässigen und übermässigen Alkoholkonsum innerhalb der
letzten drei Monate vor der Probenentnahme. Zu den Eigenangaben der Rekurrentin,
wonach sie nur noch dreimal pro Woche ein Glas Prosecco trinke, bestehe eine
erhebliche Diskrepanz, was als Bagatellisieren der Trinkgewohnheiten, fehlende
Offenheit sowie mangelnde Problemeinsicht interpretiert werden müsse. Sie habe auch
berichtet, dass die laborchemischen Abstinenzkontrollen immer gut gewesen seien,
was im Widerspruch zu den erhöhten Parametern MCV bzw. MCV und GGT im
November 2011 und 2012 stehe. Diese Befunde würden dafür sprechen, dass die
Rekurrentin den festgestellten Alkoholkonsum seit längerer Zeit betreibe. Besonders
kritisch sei zu werten, dass sie im Wissen um die anstehende verkehrsmedizinische
Untersuchung nicht in der Lage gewesen sei, wenigstens kurzfristig auf den Konsum
von Alkohol zu verzichten, und dass sie sowohl den übermässigen Alkoholkonsum als
auch die psychische Krankheit verleugne und jegliche Problematik negiere. Aus den
Akten gehe hervor, dass sie seit mehreren Jahren wiederholt psychiatrisch behandelt
worden und dabei die Diagnose einer bipolaren Störung gestellt worden sei, weshalb
die Ärzte die Durchführung einer psychiatrischen Behandlung und die Einnahme des
Medikaments Lamotrigin empfohlen hätten. Da bei der Rekurrentin keine
Krankheitseinsicht bestehe, habe sie seit einem Jahr auf die Behandlung verzichtet,
was von besonderer Bedeutung sei. Die psychiatrische Erkrankung führe offensichtlich
zu starken Spannungszuständen und Schlafstörungen. Es sei davon auszugehen, dass
sie mit der Einnahme von Alkohol ihre Beschwerden behandle. Da die Einnahme von
Alkohol offenbar durch die zugrunde liegende psychische Erkrankung ungünstig
beeinflusst werde, müsse die Grunderkrankung aus verkehrsmedizinischer Sicht
zwingend therapiert werden. Aufgrund der Gefahr einer Suchtverlagerung dürfe die
Rekurrentin zudem keine suchterzeugenden zentralwirksamen Medikamente
(Benzodiazepine) einnehmen. Als Ärztin könne sie solche Medikamente problemlos
beziehen, weshalb die Abstinenz mittels Haaranalyse überprüft werden müsse.
d) Der Verkehrsmediziner sprach der Rekurrentin die Fahreignung aus medizinischen
Gründen und nicht wegen Vorliegens einer Trunksucht im Sinn des
Strassenverkehrsrechts ab. Er diagnostizierte bei ihr zwar einen Alkoholmissbrauch;
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dieser sei jedoch die Folge einer psychischen Erkrankung. Im Folgenden ist daher nicht
zu prüfen, ob bei der Rekurrentin gestützt auf deren Angaben, die Haaranalyse und die
Akten eine Trunksucht nach Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG vorliegt, sondern ob sie an einer
psychischen Krankheit leidet, aufgrund derer sie nicht in der Lage ist, Motorfahrzeuge
im Strassenverkehr sicher zu führen.
In seiner Beurteilung äussert der Verkehrsmediziner den dringenden Verdacht, dass bei
der Rekurrentin erneut eine verkehrsrelevante psychische Erkrankung, z.B. eine
manisch-depressive Erkrankung, vorliegen könnte. Später erwähnt er, aus den Akten
gehe hervor, dass die Probandin seit mehreren Jahren wiederholt psychiatrisch
behandelt und dabei die Diagnose einer bipolaren Störung (Manie) gestellt worden sei.
Eine aufgrund eigener Exploration zustande gekommene Diagnose stellt der Gutachter
damit nicht. Auch in den Akten findet sich kein ausführlicher aktueller psychiatrischer
Bericht, woraus nachvollziehbar hervorgeht, dass die Rekurrentin an einer bipolaren
Störung leidet. Selbst wenn ein solcher vorhanden wäre, fehlt es an einer schlüssigen
Beschreibung der Auswirkungen der psychischen Erkrankung auf die Fahreignung der
Rekurrentin. Wie der Verkehrsmediziner zum Schluss gelangte, dass die psychische
Erkrankung der Rekurrentin "offensichtlich zu starken Spannungszuständen und
Schlafstörungen" führe, welche die Rekurrentin mit der Einnahme von Alkohol
"behandle", bzw. dass die Einnahme von Alkohol offenbar durch die zugrunde liegende
psychische Erkrankung ungünstig beeinflusst werde, lässt sich dem Gutachten für
einen medizinischen Laien nicht nachvollziehbar entnehmen. Auch wenn das Verhalten
anlässlich des Untersuchs vom 13. März 2013 auffällig war – die Rekurrentin
protestierte zunächst lautstark gegen die Haaranalyse, stimmte der Untersuchung nach
einem Telefongespräch mit ihrem Lebenspartner missmutig zu, äusserte mehrmals ihre
Meinung und verfiel während der Haarprobenentnahme in massive Heulkrämpfe,
strampelte mit den Beinen und stampfte kräftig auf den Boden – und die Angaben zum
Trinkverhalten nicht mit dem Ergebnis der Haaranalyse übereinstimmten, reicht dies
noch nicht. Unbeantwortet bleibt im Gutachten sodann die Frage, wie gross die Gefahr
einzuschätzen ist, dass die Rekurrentin künftig alkoholisiert am Strassenverkehr
teilnimmt, bzw. ob sie aufgrund einer psychischen Erkrankung in der Lage ist,
Alkoholkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu trennen. Bis anhin wurde die
Rekurrentin noch nie angehalten, als sie in alkoholisiertem Zustand ein Fahrzeug
lenkte. Da die Auswirkungen der psychischen Problematik nicht konkret ausgeführt
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wurden und ein Alkoholkonsum mit verkehrsrelevanter Bedeutung nicht festgestellt
wurde, kann keine abschliessende Feststellung über ein Zusammenwirken zwischen
psychischer Erkrankung und Alkoholkonsum getroffen werden. Eine entsprechende
psychiatrische Diagnose, die Auswirkungen einer solchen auf den Alkoholkonsum und
die Fahreignung der Rekurrentin sowie eine allfällige Suchtverlagerung auf
zentralwirksame Medikamente sind von einem Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie zu beurteilen. Hinzu kommt, dass das Gutachten nicht vollständig ist.
Die verkehrsmedizinische Untersuchung konnte aufgrund des Verhaltens der
Rekurrentin nicht zu Ende geführt werden. Eine körperliche Untersuchung sowie eine
Blutentnahme waren damals nicht möglich und müssen nun deshalb nachgeholt
werden. Die Rekurrentin ist jedoch darauf hinzuweisen, dass eine erneute
Verweigerung der Untersuchung sich nachteilig auf die Beurteilung der Fahreignung
auswirken kann.
e) Zusammenfassend vermag das verkehrsmedizinische Gutachten vom 23. April 2013
den Nachweis, dass die Rekurrentin an einer die Fahreignung ausschliessenden
psychischen Erkrankung leidet, nicht zu erbringen. Der Rekurs ist folglich gutzuheissen
und die angefochtene Verfügung vom 5. November 2013 ist aufzuheben. Trotz
Aufhebung des angefochtenen Entscheids, der sich auf ein mangelhaftes Gutachten
stützt, bestehen weiterhin Zweifel an der Fahreignung der Rekurrentin. Angesichts der
langen Dauer des Verfahrens – die medizinische Beurteilung fand Mitte März 2013 und
damit vor über einem Jahr statt und die Rekurrentin ist mittlerweile wieder in
psychiatrischer Behandlung – rechtfertigt es sich, eine aktuelle Neubeurteilung
vorzunehmen. Es ist deshalb ein umfassendes verkehrsmedizinisches Gutachten
inklusive psychiatrischer Beurteilung zu erstellen, das sich insbesondere auch zur
Wechselwirkung zwischen psychischer Erkrankung und Alkoholkonsum der
Rekurrentin sowie zur Verkehrsrelevanz des Alkoholkonsums äussert.
Das Fehlen eines solchen Gutachtens rechtfertigt grundsätzlich die Rückweisung der
Streitsache an die Vorinstanz, da andernfalls im Ergebnis der Rechtsweg verkürzt
würde. Die Streitsache ist daher zu weiteren Abklärungen (Einholung eines neuen
verkehrsmedizinischen Gutachtens inkl. psychiatrischer Beurteilung) und neuem
Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Vorinstanz wird zudem zu prüfen
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haben, ob der Führerausweis der Rekurrentin für die Dauer des Verfahrens vorsorglich
zu entziehen ist.
3.- a) Die amtlichen Kosten sind den Beteiligten nach Massgabe ihres Obsiegens und
Unterliegens aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). In der Hauptsache ist die Vorinstanz
unterlegen, auf der anderen Seite wurde das Begehren der Rekurrentin um Gewährung
der aufschiebenden Wirkung abgewiesen. Diesem Verfahrensausgang entsprechend
sind die amtlichen Kosten zu fünf Sechsteln dem Staat und zu einem Sechstel der
Rekurrentin aufzuerlegen. Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 1'800.–
(vgl. Art. 7 Ziff. 111 und 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist bis zum Betrag von Fr. 300.– zu verrechnen und im
Restbetrag von Fr. 1'200.– der Rekurrentin zurückzuerstatten.
b) Bei diesem Verfahrensausgang hat die Rekurrentin Anspruch auf anteilmässige
Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP;
GVP 1983 Nr. 56; vgl. Leuenberger/Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht,
Bern 2010, Rz. 10.36 ff.), soweit diese aufgrund der Rechts- und Sachlage als
notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Entsprechend sind der
Rekurrentin zwei Drittel einer vollen Entschädigung zuzusprechen. Im Rekursverfahren
war der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine
Kostennote eingereicht. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das
Honorar als Pauschale ausgerichtet; der Rahmen liegt zwischen Fr. 1'000.– und
Fr. 12'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75; abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Angesichts der komplexen Fragen im
Zusammenhang mit der Würdigung des Gutachtens und des sich daraus ergebenden
anwaltlichen Aufwands erscheint ein pauschales Honorar von Fr. 2'100.– (Barauslagen
und Mehrwertsteuer inbegriffen, Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO) als angemessen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend ist die Rekurrentin im Umfang von zwei Dritteln
einer vollen Entschädigung, d.h. mit Fr. 1'400.– zu entschädigen; kostenpflichtig ist der
Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).