Decision ID: 9e993377-5e9d-4164-8594-d17b03d2ac0a
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a M._ meldete sich am 31. März 2003 zum Bezug von IV-Leistungen an und
beantragte namentlich Berufsberatung und Umschulung auf eine neue Tätigkeit. Sie sei
ausgebildete Krankenschwester und habe in den 90er-Jahren Weiterbildungen zur
Gesundheitsberaterin und zur Operationsschwester absolviert. Seit Juli 2002 leide sie
an Rücken- bzw. Bandscheibenproblemen (act. G 6.1). Im Arztbericht vom 11. Juli
2003 diagnostizierte Dr. med. A._, Allgemeine Medizin FMH, bei der Versicherten
unter Beilage eines Berichts der Radiologie Stephanshorn vom 23. Januar 2003 eine
Lumboischialgie chronisch va. rechts sowie einen Zustand nach protrahierter
Pertussisinfektion. In der angestammten Tätigkeit als Operationsschwester sei die
Versicherte vom 7. Januar bis 25. Februar 2003 zu 100% arbeitsunfähig gewesen; seit
26. Februar 2003 betrage die Arbeitsunfähigkeit in dieser Tätigkeit 50%. Eine leichte
körperliche Tätigkeit mit vorwiegend sitzenden und wechselnden Positionen wäre ihr
während sechs bis acht Stunden pro Tag zumutbar (act. G 6.9).
A.b In der Folge erteilte die IV-Stelle der Versicherten Kostengutsprache für eine
Umschulung zur technischen Kauffrau mit eidg. Fachausweis (vgl. act. G 6.22, 6.46
und 6.76). Diese Ausbildung konnte die Versicherte nicht mittels Berufsprüfung 2005
erfolgreich abschliessen (act. G 6.85). Vom 1. Dezember 2004 bis 3. Juli 2007 war die
Versicherte (bis 30. September 2005 als Praktikantin, act. G 6.69 und 6.87) in einem
50%-Pensum bei der B._bank tätig (vgl. act. G 6.71 und 6.149-8). In diesem
Zusammenhang erteilte die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 24.
November 2005 Kostengutsprache für die Weiterführung der Umschulung im Rahmen
des Lehrgangs für bankfachliche Branchenkunde (FLBRAK; act. G 6.90). Die
zugehörige Prüfung hat die Versicherte in der Folge nicht absolviert (vgl. act. G.
6.160-4).
A.c Im Arztbericht vom 14. Dezember 2005 führte Dr. A._ aus, die Tätigkeit bei der
B._bank sei der Versicherten (nur) im Umfang von drei bis vier Stunden pro Tag
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zumutbar, wobei eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe. Eine leichte körperliche
Tätigkeit mit wechselnder Körperposition wäre ihr während vier bis fünf Stunden täglich
zuzumuten (act. G 6.99). Auf Anfrage der IV-Stelle empfahl der Regionale Ärztliche
Dienst der Invalidenversicherung (RAD) am 22. Dezember 2005 eine rheumatologische/
orthopädische RAD-Untersuchung (act. G 6.104). Diese Untersuchung konnte in der
Folge wegen personeller Engpässe im RAD nicht durchgeführt werden (act. G 6.113).
Stattdessen wurde die Versicherte am 10. Oktober 2006 durch Dr. med. C._, FMH
Physikalische Medizin, untersucht und begutachtet. Er gelangte zum Schluss, die
Versicherte könne keine stark belastende Tätigkeit wie Krankenschwester mehr
ausüben. Die Arbeitsunfähigkeit für eine belastende Tätigkeit bestehe seit Januar 2003.
Für eine körperlich weniger belastende Tätigkeit mit Wechselbelastung sei die
Versicherte zu über 50% arbeitsfähig. Aktuell arbeite sie zu 50% bei der B._bank am
PC, was für ihre Rückenbeschwerden nicht gerade günstig sei. Wenn sie eine
geeignete Arbeit hätte, wäre die Arbeitsfähigkeit sicher weiter zu steigern. Ein
definitiver Invaliditätsgrad (wohl: Arbeitsunfähigkeitsgrad) könne im Moment nicht
festgelegt werden, da das Rehabilitationspotenzial der Versicherten nicht ausgeschöpft
sei. Er empfehle einen stationären Aufenthalt für mindestens vier Wochen, um eine
intensive muskuläre Rehabilitation durchzuführen und Copingstrategien zu entwickeln.
Allenfalls könne auch eine psychologische oder psychiatrische Untersuchung
durchgeführt werden, um abzuklären, ob gewisse Erlebnisse ebenfalls eine
arbeitsbeeinträchtigende Auswirkung hätten. Er sei der Meinung, dass nach erfolgreich
durchgeführter Rehabilitation die Arbeitsfähigkeit an einem ergonomisch besseren
Arbeitsplatz mit besserer Möglichkeit von Wechselbelastung weiter, wahrscheinlich bis
über 80% gesteigert werden könne (act. G 6.122). In der Folge begab sich die
Versicherte vom 4. bis 30. Januar 2007 zur stationären Behandlung in die Klinik F._.
Im Entlassungsbericht vom 6. Februar 2007 hielten die Ärzte zusammenfassend fest,
die Therapieziele hinsichtlich der Wirbelsäulen- und der Gelenkfunktion seien zum Teil
erreicht worden. Weiter führten sie aus: "Sie [die Versicherte] wurde bis 11.01.2007 als
arbeitsunfähig entlassen, ab 12.01.2007 ist sie weiterhin 50% arbeitsfähig" (act. G
6.133-11 ff.).
A.d Im Verlaufsbericht vom 27. Februar 2007 gab Dr. A._ an, der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verschlechtert. Ihre Schmerzen hätten
zugenommen und die Bewegungseinschränkungen hätten sich verstärkt. Die bisherige
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Tätigkeit sei ihr noch zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar, wobei eine verminderte
Leistungsfähigkeit bestehe. In einer adaptierten Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit
ca. 25% in Teilzeit (act. G 6.133). Auf Nachfrage der IV-Stelle empfahl der RAD in
seiner Stellungnahme vom 6. März 2007 eine MEDAS-Begutachtung (act. G 6.134).
A.e Die Begutachtung (internistisch, psychiatrisch und rheumatologisch) erfolgte am
7. November 2007 in der Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) in Basel. Im
Gutachten vom 21. Januar 2008 wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt: 1. Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22);
2. ein chronisches cervico-cephales Schmerzsyndrom (ICD-10: M53.0) mit/bei
radiomorphologisch Kyphosierung C2 bis C5, leichtgradiger Dehydrierung C3/4,
flachbogiger linksforaminaler Diskushernie C3/4 mit möglicher bewegungsabhängiger
Kompromittierung Nervenwurzel C4 links, ausgeprägter reaktiver Myogelose der
Suboccipital, Trapezius, Levator scapulae, Rhomboideus maior sowie minor
Muskulatur bds. rechtsbetont bei allgemeiner muskulärer Dekonditionierung und
muskulärer Dysbalance, Schulterprotraktionsfehlstellung bds., betonter thorakaler
Kyphosierung; 3. ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechtsbetont
(ICD-10: M54.5) mit/bei radiomorphologisch erosiver Osteochondrose Grad II zwischen
L4/5 mit mässiger bilateraler Spondylarthrose, spondylarthrotisch bedingter Einengung
im Neuroforamen L4/5 bds. ohne Hinweis für Nervenwurzelkompression weder L4
noch L5, DD: intermittierendem sensiblem radikulärem Ausfallsyndrom L4/5 rechts
(ICD-10: M54.4), reaktiver Myogelose der lumbalen und paravertebralen Muskulatur
rechtsbetont bei allgemeiner Abschwächung der abdominellen und
rückenstabilisierenden Muskelgruppen; 4. eine Fussfehlstatik (deutliche Knick-
Senkfüsse bds. linksbetont; ICD-10: Q66.8) sowie 5. eine leichte Hypermobilität
(ICD-10: M35.7). Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die
Gutachter 1. eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54); 2. ein metabolisches
Syndrom (ICD-10: E88.9) mit/bei Adipositas, BMI 38.6 kg/m (ICD-10: E66.0), arterieller
Hypertonie (ED 2003; ICD-10: I10) und anamnestisch Hypercholesterinämie (ICD-10:
E78.0) sowie 3. einen Status nach protrahiert verlaufendem Pertussis-Infekt im Juni
2002 (ICD-10: A37.0z). In der angestammten Tätigkeit als diplomierte
Operationsschwester bzw. Krankenschwester bestehe seit 7. November 2003 eine
volle Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich leichte, angepasste Tätigkeiten bestehe eine
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zumutbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 70%, ganztägig realisierbar (act. G
6.149).
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 11. April 2008 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass sie keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (act. G 6.163).
Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Werner Bodenmann,
am 12. Juni 2008 Einwand und beantragte die Zusprache mindestens einer halben
Invalidenrente. Es seien weitere medizinische Abklärungen hinsichtlich des
Arbeitsfähigkeitsgrads aus neurologischer und psychiatrischer Sicht in Auftrag zu
geben. Zur Begründung führte der Vertreter im Wesentlichen aus, die Versicherte sei im
September 2007 durch das Schweizer Paraplegiker Zentrum begutachtet worden. Es
seien neurologische Abklärungen angezeigt. Der psychische Gesundheitszustand der
Versicherten habe sich weiter verschlechtert. Es habe eine psychosomatische Therapie
bei Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, eingeleitet
werden müssen. Des Weiteren sei der Einkommensvergleich nicht korrekt durchgeführt
worden (act. G 6.171).
B.b In der Folge legte die IV-Stelle den Einwand der Versicherten dem RAD zur
Stellungnahme vor. Dieser hielt am 21. Juli 2008 fest, es seien keine weiteren
Abklärungen angezeigt (act. G 6.173). Mit Verfügung vom 22. Juli 2008 wies die IV-
Stelle einen Rentenanspruch der Versicherten ab, wobei sie einen Invaliditätsgrad von
34% ermittelte (act. G 6.174).
C.
C.a Mit Eingabe vom 12. September 2008 erhebt der Vertreter der Versicherten
Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom 22. Juli 2008 sei aufzuheben. Der
Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% zuzusprechen. Es seien weitere medizinische Abklärungen
hinsichtlich des Arbeitsfähigkeitsgrads der Beschwerdeführerin aus neurologischer und
psychiatrischer Sicht in Auftrag zu geben. Zur Begründung macht er im Wesentlichen
geltend, das ABI-Gutachten sei nicht nachvollziehbar. Dr. D._ halte die
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Beschwerdeführerin für 100% arbeitsunfähig. Ihr Gesundheitszustand habe sich seit
der Begutachtung durch das ABI verschlechtert. Im Bericht des Paraplegiker Zentrums
sei neurologischerseits die Abklärung einer Polyneuropathie bzw. auch deren möglicher
Ursachen für notwendig erachtet worden. Der von der Beschwerdegegnerin angestellte
Einkommensvergleich sei nicht korrekt (act. G 1). Am 25. November 2008 reicht der
Vertreter der Beschwerdeführerin einen Bericht des Psychiatrischen Zentrums vom 24.
November 2008 ein (act. G 4.1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im
Wesentlichen aus, das ABI-Gutachten entspreche den Anforderungen der
Rechtsprechung. Die Einschätzungen der behandelnden Ärzte vermöchten am
Gutachten keine Zweifel zu wecken. Der Einkommensvergleich sei nicht zu
beanstanden (act. G 6).
C.c Mit Replik vom 3. Februar 2009 hält der Vertreter der Beschwerdeführerin an
seinen Anträgen fest. Unter Berufung auf neue ärztliche Berichte macht er geltend, der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich weiter verschlechtert (act. G
10).
C.d Mit Duplik vom 4. März 2009 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest
und verzichtet auf weitere Ausführungen (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E.
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1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 22. Juli
2008, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten
Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und
aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch
nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1).
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der
für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
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Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des streitigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dies
bedeutet nicht, dass Parteigutachten durch den Umstand allein, dass sie von einer
Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wurden, ohne weiteres minder
beweiskräftig sind. Denn auch sie können nützliche Äusserungen zum medizinischen
Sachverhalt enthalten. Daraus folgt wiederum nicht, dass sie den gleichen Rang wie ein
vom Gericht oder vom Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht
eingeholtes Gutachten besitzen. Relevant werden sie nur, wenn ihre Aussagen die
Auffassungen und Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachtens in
rechtserheblichen Fragen derart zu erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen
wäre (BGE 125 V 351 E. 3c). Was Berichte von Hausärzten angeht, muss die
Erfahrungstatsache mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher dazu neigen, zu Gunsten
ihrer Patienten auszusagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Bei der Abschätzung des
Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen
allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht
vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden
Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich
einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung
durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen
Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch
tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
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fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 175 E. 4) nicht zu, ein Administrativ-
oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung
aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai
2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen).
3.
3.1 In medizinischer Hinsicht ist zu prüfen, ob das ABI-Gutachten vom 21. Januar
2008 (act. G 6.149) eine taugliche Grundlage zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin darstellt, was diese bestreitet.
3.2 In erster Linie bemängelt die Beschwerdeführerin das psychiatrische
Teilgutachten. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf den Bericht von Dr. D._
vom 28. April 2008 (act. G 1.2). Dieser Bericht widerspreche dem psychiatrischen
Teilgutachten des ABI insofern, als Dr. D._ von einer langdauernden psychosozialen
Belastungssituation ausgehe und zudem festhalte, dass eine Psychopharmakatherapie
stattgefunden habe. Es müsse vor diesem Hintergrund davon ausgegangen werden,
dass die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in ihrer Arbeitsfähigkeit weit
mehr eingeschränkt sei als die ABI-Gutachter angenommen hätten. Das ABI-Gutachten
gehe von einem falschen Sachverhalt aus, wenn ausgeführt werde, die
Beschwerdeführerin erhalte keine antidepressive Therapie. Sodann sei das ABI-
Gutachten auch angesichts der persönlichen Situation und des bekannten familiären
Hintergrunds der Beschwerdeführerin nicht nachvollziehbar.
Diese Argumente vermögen nicht zu überzeugen. Zum einen handelt es sich beim
besagten Bericht von Dr. D._ lediglich um einen zu Handen der E._ Versicherungen
ausgefüllten Fragenbogen, der nur sehr rudimentäre Angaben enthält. Zum anderen
setzt er sich mit keinem Wort mit dem ABI-Gutachten auseinander. Was die Therapie
mit Antidepressiva anbelangt, stützen sich die Ausführungen des ABI-Psychiaters,
wonach gegenwärtig keine solche stattfinde, auf die von der Beschwerdeführerin
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gemachten Angaben (vgl. act. G 6.149-10). Sie begründete dies mit einer
Gewichtszunahme von 10 kg innerhalb von sechs Wochen unter der Behandlung mit
Citalopram und Tirmin. Dem Bericht von Dr. D._ kann in diesem Zusammenhang
nicht entnommen werden, ob die Beschwerdeführerin während der gesamten
Behandlungsdauer bei ihm mit Antidepressiva therapiert wurde, oder ob die
(Wieder)Aufnahme einer antidepressiven Therapie auf Empfehlung des ABI-Psychiaters
(vgl. act. G 6.149-23) erfolgt ist. Letztlich dürfte dies für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit durch das ABI jedoch ohnehin nicht von Belang gewesen sein, darf
doch von der Einnahme von Medikamenten nicht ohne Weiteres auf eine Verbesserung
der Arbeitsfähigkeit geschlossen werden. Unter diesen Umständen kann nicht gesagt
werden, das ABI sei von einem falschen Sachverhalt ausgegangen. Darüber hinaus hat
sich das ABI - entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin - auch mit ihrer
persönlichen Situation und ihrem familiären Hintergrund auseinandergesetzt. So ist der
ABI-Psychiater insbesondere auf die von der Beschwerdeführerin geklagten
Beschwerden, auf ihre Kindheit, ihre berufliche Situation sowie auf den Suizidversuch
ihrer Mutter und den Suizid ihres Schwagers eingegangen. Diese Gegebenheiten
wurden im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung berücksichtigt. Schliesslich
bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin nach der Begutachtung durch das ABI bis zum Bericht von Dr.
D._ verschlechtert hat. So klagte die Beschwerdeführerin bei Dr. D._ im Grossen
und Ganzen über dieselben Beschwerden wie anlässlich der Begutachtung durch das
ABI. Insofern handelt es sich beim Bericht von Dr. D._ um eine abweichende
Beurteilung desselben Sachverhalts, die nicht geeignet ist, Zweifel am Ergebnis der
Begutachtung zu wecken.
3.3 Soweit die Beschwerdeführerin die psychiatrische Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
unter Hinweis auf den Bericht der Klinik F._ vom 6. Februar 2007 (act. G 6.133-11 ff.)
anzweifelt, kann dem ebenfalls nicht gefolgt werden. Die Gutachter haben sich
ausdrücklich mit diesem Bericht auseinandergesetzt. Sie führten diesbezüglich aus, in
besagtem Bericht seien nebst somatischen Diagnosen akzentuierte
Persönlichkeitszüge festgehalten und aufgrund aller Diagnosen eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit abgeleitet worden. Aus psychiatrischer Sicht handle es sich bei
akzentuierten Persönlichkeitszügen nicht um eine Diagnose mit Krankheitswert,
aufgrund der eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden könne. Daher
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habe damals (Februar 2007) aus rein psychiatrischer Sicht noch keine
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Gegen die Diagnose einer eigentlichen
Persönlichkeitsstörung spreche neben dem Fehlen genügend ausgeprägter
spezifischer Symptome die bis vor der Arbeitsniederlegung gute berufliche und private
Sozialisation. Aufgrund der Anamnese sowie der aktuellen Untersuchungsbefunde leide
die Beschwerdeführerin seit Juli 2007 an einer mittelgradigen depressiven
Verstimmung und Ängsten, aufgrund derer eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit
von 30% abgeleitet werden könne (act. G 6.149-22 f.).
3.4 Weiter macht die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Berichte von Dr. A._
vom 25. Juni 2008 (act. G 6.175) und Dr. med. G._, Facharzt für Innere Medizin und
Rheumatologie, vom 22. Juli 2008 (act. G 1.3) eine Verschlechterung ihres psychischen
Gesundheitszustands geltend. Abgesehen davon, dass weder Dr. A._ noch Dr. G._
die fachliche Kompetenz zur Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin zukommt, ergeben sich aus den angerufenen Berichten keine
Anhaltspunkte dafür, dass sich deren psychischer Gesundheitszustand seit der ABI-
Begutachtung verschlechtert hätte. Bei besagtem Bericht von Dr. A._ handelt es sich
um das Formular E 213. Die dort angegebenen Beschwerden stimmen mit der bei der
Begutachtung angegebenen Beschwerden überein. Zwar gab Dr. A._ eine
"Verschlechterung seit 6 Monaten" an, doch begründete er diese nicht weiter;
insbesondere geht aus dem Formular nicht hervor, ob er dabei auf den psychischen
oder physischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin Bezug nahm. Auch Dr.
G._ hat in psychiatrischer Hinsicht im Vergleich mit dem ABI-Gutachten keine neuen
Befunde erhoben, äusserte er doch (ebenfalls) den Verdacht auf Depression und
Angstkrankheit. Ob diesbezüglich eine Arbeitsunfähigkeit bestehe, müsse vom
Psychiater festgelegt werden.
Es bestehen damit keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der psychische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Begutachtung durch das ABI bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung verschlechtert hat. Die Beschwerdeführerin
hat im Beschwerdeverfahren weitere medizinische Unterlagen eingereicht, die eine
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands belegen sollen. Darauf kann vorliegend
allerdings nicht eingegangen werden, da sich diese Berichte auf die Zeit nach dem
Erlass der angefochtenen Verfügung beziehen und damit nicht mehr Gegenstand des
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vorliegend zu beurteilenden Sachverhalts bilden. Es steht der Beschwerdeführerin
jedoch frei, sich gestützt auf diese neuen Berichte erneut bei der Beschwerdegegnerin
zum Leistungsbezug anzumelden.
3.5 In somatischer Hinsicht bringt die Beschwerdeführerin vor, im Bericht des
Paraplegiker Zentrums vom 29. Oktober 2007 (act. G 6.171-9 ff.) sei
neurologischerseits die Abklärung einer Polyneuropathie bzw. auch deren möglicher
Ursachen für nötig befunden worden. Dr. G._ habe in seinem Bericht vom 22. Juli
2008 (act. G 1.3) erwähnt, dass für ihn die von der Beschwerdeführerin angegebenen
Sensibilitätsstörungen unklar seien und er nicht habe herausfinden können, inwieweit
Abklärungen betreffend die Polyneuropathie durchgeführt worden seien. Die
Beschwerdeführerin verlangt diesbezüglich weitere Abklärungen.
Das ABI-Gutachten ist ohne Kenntnis des Berichts des Paraplegiker Zentrums
ergangen. Zwar haben sich die Gutachter um die Einholung des Berichts bemüht, doch
war dieser damals offenbar noch nicht verfügbar (vgl. act. G 6.149-14). Weitere
diesbezügliche Abklärungen erscheinen dennoch nicht angezeigt, geht doch aus dem
Bericht hervor, dass Zusatzabklärungen allein mit Blick auf eine entsprechende
Therapie für nötig erachtet wurden (act. G 6.171-9 f.). Das ABI hat die von der
Beschwerdeführerin geklagten Sensibilitätsstörungen berücksichtigt (vgl. act. G
6.149-7/9/15/18/19) und der Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht eine
20%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
3.6 Zusammengefasst bleibt damit festzuhalten, dass für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf das ABI-Gutachten vom 21. Januar 2008
abgestellt werden kann. Entsprechend ist die Beschwerdeführerin für körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten zu 70% arbeitsfähig.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt damit die Bemessung des Invaliditätsgrads der
Beschwerdeführerin.
4.2 In der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad
anhand eines Einkommensvergleichs ermittelt. Für das Valideneinkommen hat sie auf
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den von der Beschwerdeführerin zuletzt erzielten Lohn als Operationsschwester (80%-
Pensum) abgestellt und diesen auf das Jahr 2008 aufgerechnet, was ein
Valideneinkommen von Fr. 71'830.-- ergab. Für das Invalideneinkommen hat sie für
das Jahr 2008 ein Einkommen als technische Kauffrau (70%-Pensum) von Fr. 47'750.--
ermittelt. Dies ergab einen Invaliditätsgrad von (gerundet) 34% (act. G 6.161).
4.3 Die Beschwerdeführerin bemängelt diesen Einkommensvergleich. Das
Valideneinkommen sei auf der Basis eines 100%-Pensums als Operationsschwester zu
bemessen. Beim Invalideneinkommen sei nicht berücksichtigt worden, dass eine
administrative Tätigkeit längeres Sitzen voraussetze. Dies sei ihr aufgrund ihrer
körperlichen Beschwerden jedoch nicht möglich.
4.4 Es ist an sich unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall nach
wie vor der Tätigkeit als Operationsschwester nachgehen würde. Unklar ist jedoch, in
welchem Pensum sie diese Tätigkeit ausüben würde. Zwar arbeitete sie an ihrer letzten
Stelle zu 80%, doch geht aus den Akten hervor, dass sie an ihrer früheren Stelle
während mehr als drei Jahren zu 100% tätig war (act. G 6.11). Auch in der
Umschulungsphase absolvierte sie faktisch ein 100%-Pensum, indem sie je zu 50%
bei der B._bank tätig war und zur Schule ging bzw. sich auf die Prüfung vorbereitete.
Es kann also nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall nach wie vor zu 80% erwerbstätig wäre, zumal
sie an ihrer letzten Stelle nur ein Jahr lang tätig war und darüber hinaus gegenüber der
Beschwerdegegnerin erklärt hatte, sie wäre auf einen vollen Verdienst angewiesen,
nachdem ihr Ehemann nach einem missglückten Versuch als
Selbstständigerwerbender nun erheblich weniger verdiene (act. G 6.10 und 6.119). Die
Beschwerdegegnerin hat diesbezüglich keine Abklärungen getroffen. Dies wäre jedoch
notwendig gewesen, da die Invaliditätsbemessung bei Teilerwerbstätigen grundsätzlich
nicht durch einen Einkommensvergleich sondern anhand der gemischten Methode zu
ermitteln ist. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, aus welchen Gründen die
Beschwerdeführerin bei ihrer letzten Stelle als Operationsschwester "nur noch" zu 80%
tätig war und ob sie im Gesundheitsfall nach wie vor in diesem Pensum tätig wäre. Die
Sache ist daher zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Sie wird zu prüfen haben, ob die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall einer
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Falls dem nicht so ein sollte, wird sie
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abzuklären haben, aus welchem Grund von einer Pensumsreduktion auszugehen ist
bzw. ob ein Anwendungsfall der gemischten Methode vorliegt oder ob der
Invaliditätsgrad dennoch anhand eines Einkommensvergleichs (ausgehend von dem im
Gesundheitsfall hypothetisch absolvierten Arbeitspensums) ermittelt werden kann.
Gestützt auf die Ergebnisse der Abklärungen wird sie den Invaliditätsgrad neu zu
ermitteln haben.
4.5 Was das Invalideneinkommen anbelangt, so kann der von der
Beschwerdegegnerin hierfür ermittelte Betrag von Fr. 47'750.-- nicht im Detail
nachvollzogen werden. Die diesbezüglichen Abklärungen der Beschwerdegegnerin
bestehen offenbar im Wesentlichen in einem Telefonat mit der Schulleiterin des
Bildungszentrums BVS St. Gallen am 4. April 2007 (richtig wohl: 2008). Darin soll diese
ausgeführt haben, die Beschwerdeführerin habe ihre Ausbildung zur technischen
Kauffrau mit dem internen Abschluss erfolgreich abgeschlossen. Mit diesem Abschluss
sei es ihr möglich, in der freien Wirtschaft eine Anstellung zu finden. Aufgrund der
Vorbildung der Beschwerdeführerin wäre es denkbar, bei einer Krankenkasse oder
einem Pharmaunternehmen eine solche administrative Tätigkeit zu finden. Mit dem
internen Abschluss könne sie ein Einkommen im Bereich von Fr. 5'000.-- bis 5'500.--
erzielen (act. G 6.159). Gestützt auf diese Angaben lässt sich das Invalideneinkommen
der Beschwerdeführerin jedoch nicht zuverlässig ermitteln, geht doch aus der
betreffenden Aktennotiz nicht hervor, ob die Schulleiterin von den
gesundheitsbedingten Einschränkungen der Beschwerdeführerin wusste. Sodann sind
für die Ermittlung des Invalideneinkommens bei Fehlen eines tatsächlich erzielten
Erwerbseinkommens grundsätzlich die LSE-Tabellenlöhne heranzuziehen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 8. Juni 2008, 9C_231/2008 E. 3.3). Aus den Akten ist nicht
ersichtlich, welche Umschulung die Beschwerdeführerin nun effektiv erreicht bzw. was
für einen Abschluss sie erzielt hat. Zudem war es der Beschwerdegegnerin im
Verwaltungsverfahren offenbar nicht klar, ob es sich bei der Tätigkeit als Kauffrau um
eine adaptierte Tätigkeit handelt oder nicht; der RAD hat diese Frage unter Hinweis
darauf, dass es sich dabei nicht um eine medizinische Frage handle, am 31. Januar
2008 nicht beantwortet (act. G 6.150). In der Folge ist die Beschwerdegegnerin
dennoch, ohne weitere Abklärungen vorzunehmen, davon ausgegangen, dass es sich
bei der Tätigkeit als Kauffrau um eine adaptierte Tätigkeit handelt. Dies vermag nicht zu
überzeugen. Die Beschwerdeführerin bringt in diesem Zusammenhang zu Recht vor,
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eine administrative Tätigkeit setze längeres Sitzen voraus. Gerade dies sei ihr jedoch
aufgrund ihrer körperlichen Beschwerden, insbesondere ihres Rückenleidens nicht
möglich. Eine Aussendiensttätigkeit dürfte unter Umständen aufgrund der psychischen
Beschwerden nicht ohne Weiteres zumutbar sein (act. G 1). Die Sache ist daher auch
aus diesem Grund an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird abzuklären
haben, über welche Ausbildung die Beschwerdeführerin effektiv verfügt und ob
entsprechende Tätigkeiten mit den gesundheitlichen Einschränkungen der
Beschwerdeführerin vereinbar sind. Gestützt auf die Ergebnisse dieser Abklärungen
wird sie das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin neu zu ermitteln haben.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die angefochtene
Verfügung vom 22. Juli 2008 ist aufzuheben, und die Sache ist zur weiteren Abklärung
und neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.--
erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dementsprechend ist
der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
bis
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