Decision ID: cd4e6938-e29f-47b9-8c9d-1398bbea5a96
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964
, Inhaber
des Ei
nzelunternehmens Z._
,
ist der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als
Selbständigerwerbender
angeschlossen.
Am 2
9.
März 2020 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte
bei der Aus
gleichskass
e zum Bezug einer Erwerbsersatz
entschädigu
ng (Betriebseinstellung)
gestützt auf die Ver
ordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusam
menhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Veror
dn
ung Erwerbsausfall) an (
Urk.
6/30
; vgl. auch die darauffolgenden Anmeldungen zum Leistungsbezug wegen wesentlicher Einschränkung d
er Erwerbstätigkeit, Urk.
6/49-50
,
Urk.
6/54,
Urk.
6/57,
Urk.
6/62,
Urk.
6/69
,
Urk.
6/71
,
Urk.
6/76,
Urk.
6/83
und
Urk.
6/88
).
Die Ausgleichskasse richtete de
m Versicherten vom 17.
März
bis zum
1
6.
September 2020
,
vom
1.
bis zum 3
0.
November 2020,
vom 1
9.
Dezember 2020
bis zum
2
8.
Februar 2021, vom
1.
April bis zum
3
0.
Juni 2021 und vom
1.
bis zum 3
1.
August 2021
eine auf
einem Tagesansatz von Fr.
172.--
beruhende Corona-Erwerbsersatzentschädigung aus (
Urk.
6/40-42,
Urk.
6/44-46,
Urk.
6/48,
Urk.
6/
53,
Urk.
6/55,
Urk.
6/59,
Urk.
6/67
,
Urk.
6/70
,
Urk.
6/72,
Urk.
6/77
und
Urk.
6/85
).
Am
4.
Januar 2022
(Eingangsdatum)
machte der
Versicherte
einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung wegen erheblicher Umsatzeinbusse für
Dezem
ber
2021
geltend (
Urk.
6/92
).
Mit Verfügung vom
1
3.
Januar
2022
ver
neinte die Ausgleichskasse einen en
tsprechenden Anspruch (
Urk.
6/93
). Dage
gen erhob der Versicherte am 2
8.
J
anuar 2022 Einsprache (
Urk.
6/95
), welche die Ausgl
eichskasse mit Entscheid vom 2
0.
April 2022 abwies (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
2
3.
Mai 2022 Beschwerde und beantragte, es
sei der
angefocht
ene Entscheid vom 2
0.
April 2022
aufzuheben und
es sei
ihm für den Monat Dezember 2021 Corona-Erwerbsersatzentschädigung auszurichten
(
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Bes
chwerdeantwort vom 2
1.
Juni 2022 die
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5
), was dem Beschwerdefüh
rer
am 24
.
Juni 2022
angezeigt wurde (
Urk.
7
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Ver
ordnun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar dro
hen
den schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat
–
nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützten
–
am 2
0.
März 2020 die Covid-19
Verordnung Erwerbsausfall. Die Verordnung wurde rückwirkend per 1
7.
März
2020 in Kraft gesetzt (
Art.
11
Abs.
1 und 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall vom 2
0.
März 2020). Mit dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grund
lagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epide
mie vom 2
5.
September 2020 (Covid-19-Gesetz) wurde rückwirkend per 1
7.
Sep
tem
ber 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung Erwerb
sausfall geschaffen (
Art.
15 in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
3 Covid-19-Gesetz). Seit ihrem Inkrafttreten per 1
7.
März 2020 wurde die Covid-19-Ver
ordnung Erwerb
sausfall vom Bundesrat mehrfach geändert.
1.2
Gestützt auf Art. 7
EpG
erliess der Bundesrat unter anderem die Covid-19-Ver
ordnung 2, welche vom 13. März bis 22. Juni 2020 in Kraft war. Sie ordnete Massnahmen gegenüber der Bevölkerung, Organisationen und Insti
tutionen sowie den Kantonen zur Verminderung des Übertragungsrisikos und zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19) an (Art. 1 Abs. 1 dieser Verordnung). Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Covid-19-Verordnung 2 in der ab 17. März 2020 gültig gewesenen Version war es verboten, öffentliche oder private Veranstaltungen durchzuführen. Ferner empfahl der Bundesrat den Arbeitenden, wo möglich, Homeoffice zu machen (vgl. die Medienmitteilung des Bundesrates vom 13. März 2020). In der Folge beschloss der Bundesrat am 27. Mai 2020
eine weit
gehende Lock
er
ung der noch geltenden Massnahmen zur Bekämpfung de
s
Corona
virus
per 6. Juni 2020. U
nter der Bedingung, dass für alle Einrichtungen und Ver
an
stal
tungen Schutz
konzepte vorhanden sind (Art. 6d
Abs.
1 Covid-19-Ver
ord
nung 2 in der ab
6.
Juni 2020 gültig gewesenen Version),
waren Veran
stal
tungen mit bis zu 300 Personen wieder erlaubt. Die Homeoffice-Empfehlung blieb beste
hen
(vgl. die Medien
mitteilung des Bundesrates vom 2
7.
Mai 2020).
Nach einer Zunahme der Ansteckungen mit dem
Coronavirus
im Herbst und Winter 2020 wurden weitere Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
beschlossen. Mit der Änderung der Verordnung über Massnahmen in der be
son
deren Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung besondere Lage) vom
19. Oktober
2020 (
aufgehoben mit
Art.
30 Covid-19-Ver
ord
nung besondere Lage vom 2
3.
Juni 2021
)
wurde die Empfehlung, die Arbeits
pflichten von zu Hause aus zu erfüllen, in Art. 10 Abs. 3 dieser Verordnung aufgenommen. Bei Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen hatte neben der Erhe
bung der Kontaktdaten eine Unterteilung in Sektoren mit höchstens 100 Per
so
nen zu erfolgen (Art. 6 Abs. 1 der Covid-19-Verordnung besondere Lage). Ab 18. Januar 2021 galt eine Homeoffice-Pflicht (Art.
10
Abs.
3 der Covid-19-Ver
ordnung besondere Lage in der seit 1
8.
Januar 2021 geltenden Version
, vgl.
auch
Medienmitteilung des Bundes
rates vom 1
3.
Januar 2021).
Ausserdem wur
de mit Art. 6
Abs. 1
der Covid-19-Verordnung beson
dere Lage die Durch
führung von Veranstaltungen mit wenigen Ausnahmen wieder
verbo
ten. Erst per 19. April 2021 konnten Veran
stal
tungen mit Publikum mit Ein
schränkungen wieder statt
finden. Die maximale Besucherzahl wurde draussen auf 100 Personen und drin
nen auf 50 Personen beschränkt (Art. 6 Abs. 1
bis
lit
. a der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 19. April 2021 geltenden Ver
sion). Am 31. Mai 2021 erfolgte ein weiterer Öffnungsschritt und die Homeoffice-Pflicht wurde für jene Betriebe, die wieder
holt testeten, in eine Homeoffice-Emp
fehlung umgewandelt (Art. 10 Abs. 3
bis
der Covid-19-Verord
nung besondere Lage in der ab 31. Mai 2021 geltenden Fassung; vgl. auch Medien
mit
tei
lung des Bun
desrates vom 26. Mai 2021).
Weiter beschloss der Bundesrat in seiner Sitzung vom 2
6. Mai 2021,
wann und in welcher Form Grossveran
stal
tungen wieder statt
finden
konn
ten.
Demnach
waren mit einer Bewilligung der zuständigen kan
tonalen Behörde
ab
1.
Juli 2021 Grossveran
staltungen mit bis zu 1000 Per
sonen
wieder zulässig (Art. 6a Abs. 1 Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 27. Mai 2021 gültig gewesenen Version). Per 26. Juni 2021 wurde sodann die Pflicht einge
führt, ein Schutz
kon
zept zu erarbeiten und um
zusetzen. Zusätz
lich bestand ab diesem Zeitpunkt bei Gross
veranstaltungen die Zerti
fi
kats
pflicht für alle Per
so
nen ab 16 Jahren (Art. 17 der Covid-19-Ver
ord
nung beson
dere Lage in der ab 26. Juni 2021 gültig gewesenen Version). Hingegen wurde die Home
office-Pflicht aufgehoben (vgl. Art. 10 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 26. Juni 2021 geltenden Fassung; vgl. auch Medienmitteilung des Bundesrates vom 23. Juni 2021). Die Zertifikatspflicht wurde per 13. September 2021 auf alle Veranstaltungen in Innenräumen ausge
weitet (vgl. Medienmittei
lung des Bun
desrates vom 8. September 2021; zu den Ausnahmen vgl. den am 13. September
2021 in Kraft getretenen Art. 14a der Covid-19-Verordnung
besondere Lage). Ab 20. Dezember
2021 wurden die Massnahmen abermals verschärft. Zu
Veranstal
tungen im Innern
hatten
nur noch geimpfte und genesene Personen (2G
-Regel
)
Zugang
. Ausserdem wurde die Homeoffice-Pflicht
wieder eingeführt
(Art. 14 und Art. 25 Abs. 5 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 20. Dezember
2021 geltenden Fassung, vgl. auch Medien
mitteilung vom 17. De
zember 2021). Schliesslich wurden die Homeoffice-Pflicht per 3. Februar
2022 (vgl. Art. 25 Abs. 5 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 3. Februar 2022 gel
tenden Fassung; vgl. auch Medienmitteilung des Bundesrates vom 2. Februar 2022) und die Zertifikats
pflicht per 17. Februar
2022 (vgl. Medi
enmitteilung des Bundesrats vom 16. Februar 2022) wieder aufgehoben.
1.3
I
n zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 130 V 445 E. 1.2.1).
Für zeitlich offene Dauersachverhalte bedeutet dies, dass sie
grundsätzlich
nach den jeweils geltenden rechtlichen Grundlagen zu beurteilen sind
(BGE 148 V 162 E. 3.2.1)
.
Weiter stellt das Sozialver
siche
rungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Vorliegend streitig
ist der Anspruch des Beschwerdeführers
auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung
für
Dezember
20
2
1.
Anwendbar sind daher die im Dezember 2021
gültigen Bestimmungen, welche nachfolgend in der entsprechen
den Fassung zitiert werden.
1.4
Laut
Art.
1 der Covid-19-Verordnung Erwerbsa
usfall
sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) auf die Entschädigungen gemäss dieser Verordnung anwendbar, soweit die nach
stehenden Bestimmungen nicht aus
drück
lich eine Abweichung vom ATSG vor
sehen. Nach
Art.
8
Abs.
5 der Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfa
ll
wird die Ent
schä
di
gung im formlosen Verfahren nach Artikel 51 ATSG festgesetzt. Dies gilt in Abweichung von Artikel 49 Absatz 1 ATSG auch für erhebliche Entschädigun
gen
.
1.5
1.5.1
Nach Art. 2 Abs. 3 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall sind
Selbständiger
werbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG und Perso
nen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obliga
to
rische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) unter der Voraussetzung von Absatz 1
bis
Buchstabe c anspruchsberechtigt, wenn sie:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
b.
einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden.
1.5.2
G
emäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Ve
rordnung Erwerbsausfall
sind
Selbständig
erwerbende
im Sinne von
Art.
12 ATSG, die nicht
unter Absatz
3 fallen
, anspruchs
berechtigt wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c.
sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung gilt sinn
ge
mäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraus
setzung proportional zu deren Dauer.
Die Erwerbstätigkeit gilt als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine
Umsatz
ein
busse von mindestens 3
0 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen monat
li
chen Um
satz der Jahre 2015–2019 vorliegt.
Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durchschnitt der entsprechenden Erwerbsdauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufge
nom
men haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatz
einbusse von min
destens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von mindes
tens drei Monaten vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Umsätzen (
Art.
2
Abs.
3
ter
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass
selbständigerwerbende
Personen, die aufgrund kantonaler oder auf Bundesebene beschlossener Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
ihre Erwerbstätig
keit erheblich einschränken müssten, Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzent
schädigung hätten. Eine Umsatzeinbusse allein begründe keinen Anspruch auf eine Erwerbsersatzentschädigung. Der Zusammenhang zwischen der Geschäfts
tätigkeit des Beschwerdef
ührers und den im Dezember 2021
in Kraft gewesenen Massnahmen könne nicht hergestellt oder nachvollzogen werden (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend,
dass am 2
5.
August 2021, als der Bundesrat die Ausgleichskassen dazu angehalten habe,
das
Augenmerk
besonders
auf die Gründe für die geltend gemachten
erheblichen
Einschränkun
gen der Erwerbstätigkeit zu richten
,
zwar
kaum noch behördliche
Corona-
M
ass
nahmen in Kraft gewesen
seien
.
Im
Herbst 2021
seien die Fallzahlen aber wieder
stark
angestiegen
und ab
dem
6.
Dezember
2021 habe
wieder
eine dringliche Homeoffice-Empfehlung und ab dem 1
7.
Dezember
2021 eine Homeoffice-Pflicht gegolten.
Der Beschwerdeführer führe sein
Coiffeurges
chäft
mitten in der Stadt A._
. Die meisten seiner Kundinnen würden in der Stadt arbeiten und in der Agglomeration wohnen.
Während der Arbeit im
Homeoffice
hätten sie den Weg in die Stadt
nicht auf sich genommen
, um zum Coiffeur zu gehen. Zudem habe eine gute Frisur während der Arbeit im Homeoffice an Bedeutung verloren.
In der
Freizeit habe man die sozialen Kontakte und Aktivitäten beschränkt.
Die hohen Fallzahlen hätten sodann
auch zur Folge gehabt, dass ein grosser Teil der Bevölkerung zeitweise in Quarantäne oder Isolation
gewesen sei
.
Aus diesen Gründen hätten
viele
Kundinnen
die bereits ve
reinbarten Termine abgesagt oder
keine neuen
Termine
vereinbart. Der
unbestrittene Erwerbsausfall im Dezem
ber
2021
sei
nicht auf eine generell schlechte Auftragslage zurückzu
führen, sondern Folge der behördlichen Massnahmen im Zusammen
hang mit der Bekämpfung der Covid-19-P
andemie (
Urk.
1
S. 3 f.
).
3.
3.1
Im Anmeldeformular zum Bezug von Corona-Erwerbsersatzentschädigung vom
4.
Januar 2022 (Eingangsdatum) hat der Beschwerdeführer
angegeben, dass er in
den Jahren 2015 bis 2019 einen
monatlic
hen Durchschnittsumsatz von Fr.
10'474.-- erzielt ha
be. Im
Dezember
2021
habe er
einen Umsatz von Fr.
4'349.--
erwirtschaftet, wesh
alb eine Umsatzeinbusse von 58,4
8
%
resultiere (
Urk.
6/92). Diese Umsatzeinbusse ist unbestritten und
kann als ausgewiesen gel
ten.
3.2
In
Rz
. 1040.2 des Kreisschreibens über die Entschädigung zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (KS CE) wird ausgeführt, dass ab dem 1.
September
2021, in Anbetracht der Aufhebung des generellen Veranstaltungs
verbotes und des Fehlens des erforderlichen Nachweises nach
Rz
. 1037 ff. (Anspruch infolge eines geltenden Veranstaltungsverbotes oder infolge Nicht
genehmigung der Veranstaltung aufgrund von Massnahmen zur Bekä
mpfung des
Coronavirus
),
Selbständigerwerbende
, die aufgrund von Massnahmen zur Be
kämp
fung des
Coronavirus
einen Erwerbsausfall erlitten,
Anspruch auf Corona-
Erwerbsersatz infolge massgebender Einschränkung der Erwerbstätigkeit geltend machen könnten. Diese Randziffer wurde mit der Version 19 des KS CE (gültig ab 17. September
2021, vgl. dazu das Vorwort zur
Version 19) eingefügt, nachdem
im Vorwort zur Version 18 festgehal
ten worden war, dass es aktuell kaum noch
behördliche Einschränkungen gebe. Deshalb müssten die Ausgleichs
kassen ihr Augenmerk besonders au
f die Gründe richten, welche
die Versicherten für eine erhebliche Einschränkung geltend machten. Diese Gründe müssten im Zusammenhang mit den Massnahmen zur Bekämp
fung des
Coronavirus
stehen.
Im
September, Oktober und November 2021
waren
– nebst der Zertifikatspflicht
–
kaum
noch behördliche
Corona-Massnahmen
in Kraft
. Infolge
der starken Zu
nah
me der Infektionen
galt
ab dem
6.
Dezember
2021
aber
insbesondere
wie
der eine dringliche Homeoffice-Empfehlung
u
nd ab
dem 2
0.
Dezember
2021
erneut eine Homeoffice-Pflicht
(vgl.
Medienmitteilungen
des Bundesrates vom
3.
und
1
7.
Dezember
2021 und
E. 1.2
).
Im Weiteren
war
en infizierte Personen
und Kontaktpersonen
im D
ezember 2021
verpflichtet, sich grundsätzlich für zehn
Tage
in
I
solation bzw. Quarantäne zu begeben
(
vgl.
Art.
7
ff.
der
Covid-19-Ver
ordnung besondere Lage
).
Der
Beschwerdeführer
erklärte
in
nachvollziehbarer Weise, dass
seine Kundinnen infolge der verschärften Massna
hmen betreffend Homeoffice und
der starken Zunahme der Infektionen
viele
Termine abgesagt oder keine
neuen
Termine vereinbart hätten
. Plausibel erscheint auch sein Vor
bringen,
dass
eine gute Frisur während der Arbeit im Homeoffice an Bedeutung verloren hat
te
.
Vor diesem Hintergrund ist
deshalb davon
aus
zugeh
en, dass die
Corona-Massnahmen des Bundes im Dezember 2021 ein
en wesentlichen
Grund für
die Umsatzein
b
usse des Beschwerdeführers darstellten
.
Damit ist ein An
spruch auf
eine
Corona-Erwerbsersatzentschädigung ausgewiesen.
4.
Die Sache ist demnach zur Berech
nung der Erwerbsersatz
entschädigung gemäss Art. 2 Abs. 3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerb
sausfall für den
Monat Dezember 2021
an die Beschwe
rdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollstän
diges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädi
gung hat
.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1
und 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
unter Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigke
it des Prozesses auf Fr. 800.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.