Decision ID: db09c97c-7a41-5289-9040-a9b3bfcb54d5
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis für die Fahrzeugkategorien B und BE sowie die
Unterkategorien D1 und D1E seit dem [Datum]. Für die Fahrzeugkategorie A ist er seit
dem 1. April 2003 fahrberechtigt. Wegen Führens eines Motorfahrzeugs in
angetrunkenem Zustand mit einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration (BAK) von
mindestens 1,56 Gewichtspromille wurde X mit Verfügung des Strassenverkehrsamts
des Kantons St. Gallen vom 14. September 2015 der Führerausweis für drei Monate
entzogen. Diese Administrativmassnahme wurde vom 22. Juli bis 21. Oktober 2015
vollzogen.
B.- Am 14. September 2019 wurde X von der Stadtpolizei St. Gallen anlässlich einer
Verkehrskontrolle in St. Gallen um 1.13 Uhr angehalten. Eine Atemalkoholprobe ergab
einen Wert von 0,54 mg/l. Der Führerausweis wurde wegen Fahrens in fahrunfähigen
Zustand auf der Stelle abgenommen. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts St.
Gallen vom 25. September 2019 wurde X wegen Führens eines Motorfahrzeugs in
fahrunfähigem Zustand zu einer unbedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je
Fr. Z.– verurteilt. Dagegen erhob er Einsprache, worauf die Staatsanwältin den
Tagessatz auf Fr. Y.– reduzierte. In den übrigen Punkten gab es keine Änderungen. Der
neue Strafbefehl vom 20. Januar 2020 erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Am 20. September 2019 eröffnete das Strassenverkehrsamt ein
Administrativmassnahmeverfahren gegen X, kündigte einen Führerausweisentzug für
mindestens zwölf Monate an und gewährte gleichzeitig das rechtliche Gehör. Innert
Frist ging keine Stellungnahme ein. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2019 entzog das
Strassenverkehrsamt den Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von 15 Monaten.
Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 5. November 2019 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) mit dem Rechtsbegehren,
es sei die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und der Führerausweis sei für
12 Monate zu entziehen. Die Vorinstanz verzichtete am 26. November 2019 auf eine
Vernehmlassung.
Nach dem Rekurseingang schickte das Strassenverkehrsamt dem Rekurrenten den
Führerausweis am 7. November 2019 zurück, worauf dieser den Führerausweis
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umgehend ans Strassenverkehrsamt zurücksandte. Er wies darauf hin, dass er die
Mindestdauer anerkenne, weshalb diese zu vollziehen sei.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sach-entscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 5. November 2019 wurde rechtzeitig eingereicht. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Bestandteile einer schweren
Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
3.- a) In tatsächlicher Hinsicht wird im Rekurs nicht bestritten, dass der Rekurrent am
14. September 2019 mit einer qualifizierten Atemalkoholkonzentration (0,54 mg/l) ein
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Fahrzeug lenkte und damit eine schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG beging.
b) Strittig ist, wie lange der Führerausweis des Rekurrenten aufgrund des Vorfalls vom
14. September 2019 zu entziehen ist. Die Vorinstanz ist von der gesetzlich
vorgeschriebenen minimalen Entzugsdauer von 12 Monaten abgewichen und hat dem
Rekurrent den Führerausweis für die Dauer von 15 Monaten entzogen. Zur Begründung
wird in der angefochtenen Verfügung ausgeführt, dass der Rekurrent innerhalb von vier
Jahren mit einer Atemalkoholkonzentration von deutlich mehr als 0,4 mg/l einschlägig
rückfällig geworden sei. Dies lasse auf ein hohes Mass an Uneinsichtigkeit schliessen.
Es sei keine Stellungnahme eingereicht und keine berufliche Angewiesenheit auf den
Führerausweis geltend gemacht worden oder aus den Akten ersichtlich. Würden die
Beurteilungskriterien nach Art. 16 Abs. 3 SVG berücksichtigt, sei ein
Führerausweisentzug für die Dauer von 15 Monaten angemessen.
c) Der Rekurrent bringt dagegen vor, dass die Mindestentzugsdauer von Art. 16c
Abs. 2 lit. c SVG bei einer geringen Grenzüberschreitung der qualifizierten
Alkoholkonzentration praxisgemäss nicht überschritten werde. Zu berücksichtigen sei
weiter, dass er bereits bei der Einvernahme vom 14. September 2019 zu Protokoll
gegeben habe, dass er, bevor er ins Auto eingestiegen sei, einen Alkoholtest mit einem
von seinem Kollegen gekauften Alkoholtestgerät durchgeführt habe; gemäss diesem
Gerät hätte er noch nach Hause fahren können. Der Rekurrent hätte sich im Wissen um
den erhöhten Wert niemals ans Steuer gesetzt. Da er zuerst einen Test gemacht habe,
komme vorliegend nur eine fahrlässige Tatbegehung in Frage. Dieser Umstand sei bei
der Bemessung des Verschuldens angemessen zu berücksichtigen. Der Rekurrent
macht zusätzlich geltend, dass er als selbständiger Rechtsanwalt auf den
Führerausweis angewiesen und von einem Führerausweisentzug stärker betroffen sei
als andere. Ein Entzug über die Mindestdauer hinaus sei unverhältnismässig. Die letzte
Widerhandlung gegen das SVG liege bereits über vier Jahre zurück. Die Rückfallfrist
nach Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG sei gerade noch knapp nicht abgelaufen. Aufgrund des
leicht getrübten Leumunds sei ein Entzug von 15 Monaten nicht gerechtfertigt.
4.- a) Nach Strassenverkehrsdelikten befindet das Strafgericht über die strafrechtlichen
Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse) und die Verwaltungsbehörde in einem
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separaten Verfahren über die Administrativmassnahmen (insbesondere
Führerausweisentzug, Verwarnung). Die Zweispurigkeit des Verfahrens ist zulässig,
kann aber – bei fehlender Koordination – dazu führen, dass derselbe Lebensvorgang zu
voneinander abweichenden Sachverhaltsfeststellungen von Verwaltungs- und
Justizbehörden führt und die erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und rechtlich
beurteilt werden. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, hat die Verwaltungsbehörde
gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit ihrer
Verfügung zuzuwarten, bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt. Denn das
Strafverfahren bietet durch die verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, die
umfassenderen persönlichen und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie die
weiterreichenden prozessualen Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis
der Sachverhaltsermittlung näher bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht
durchwegs derselben Formstrenge unterliegenden Verwaltungsverfahren. Massgeblich
ist also grundsätzlich der Sachverhalt, der im Strafverfahren festgestellt wurde. Nach
konstanter Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde bei der Verfügung über die
Massnahme von den tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters nur abweichen,
wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem Strafrichter
unbekannt waren, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der Strafrichter bei
der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen abgeklärt,
namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat. In der rechtlichen
Würdigung des Sachverhalts – insbesondere auch des Verschuldens – ist die
Verwaltungsbehörde demgegenüber frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt stark
von der Würdigung von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, weil er etwa
den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 E. 2.2).
b) Der Rekurrent beanstandete in seinem Rekurs vom 5. November 2019, dass das
Administrativmassnahmeverfahren vor Abschluss des Strafverfahrens erfolgt sei.
Vorliegend wurde das Führerausweisentzugsverfahren tatsächlich vor Abschluss des
Strafverfahrens eingeleitet und so entgegen dem Grundsatz, das Strafurteil
abzuwarten, eine Administrativmassnahme verfügt. Der Rekurrent kann daraus jedoch
nichts zu seinen Gunsten ableiten; insbesondere war die Trunkenheitsfahrt an sich
nicht bestritten, ebensowenig die gemessene Atemalkoholkonzentration. Nach der
Einsprache gegen den Strafbefehl vom 25. September 2019 wurde von der
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Staatsanwaltschaft am 23. Januar 2020 ein neuer Strafbefehl erlassen (act. 17). Dieser
ist unterdessen unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
c) Im Strafverfahren wurde der Rekurrent mit Strafbefehl vom 23. Januar 2020 wegen
Führen eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. a
SVG zu einer unbedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je Fr. Y.– verurteilt. Aus
dem summarisch begründeten Strafbefehl geht hervor, dass der Rekurrent am
14. September 2019 um 1.13 Uhr einen Personenwagen in St. Gallen mit einer
Atemalkoholkonzentration von mindestens 0,54 mg/l fuhr. Es wurde ihm vorgeworfen,
dass er aufgrund der hohen Atemalkoholkonzentration und der damit zwingend
verbundenen Trunkenheitssymptome nicht daran zweifeln konnte, den
Alkoholgrenzwert von 0,4 mg/l überschritten zu haben. Es besteht kein Anlass, im
Administrativmassnahmeverfahren von dem im Strafbefehl festgestellten Sachverhalt
abzuweichen. Im Übrigen hat der Beschuldigte die Verteidigungsrechte sowie allfällige
Rechtsmittelmöglichkeiten bereits im Strafverfahren wahrzunehmen, wenn er weiss
oder annehmen muss, dass gegen ihn ein Führerausweisentzugsverfahren
durchgeführt wird (BGer 6A.86/2006 vom 28. März 2007, E. 2).
5.- a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen (Art. 16 Abs. 3 SVG). Die
Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Diese beträgt gemäss
Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG nach einer schweren Widerhandlung mindestens 12 Monate,
wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis einmal wegen einer schweren
oder zweimal wegen mittelschwerer Widerhandlungen entzogen war.
b) Dem Rekurrenten war der Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung vom
22. Juli 2015 bis 21. Oktober 2015 für drei Monate entzogen (act. 12/23), weil er am
22. Juli 2015 in angetrunkenen Zustand mit einer BAK von mindestens 1,56
Gewichtspromille ein Motorfahrzeug geführt hatte (act. 12/3 f.). Die vorliegend zu
beurteilende schwere Widerhandlung vom 14. September 2019 geschah innerhalb der
fünfjährigen Frist gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG; die Bewährungsfrist dauerte vom
22. Oktober 2015 bis 21. Oktober 2020. Somit ist der Führerausweis des Rekurrenten
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zwingend für die Mindestentzugsdauer von 12 Monaten zu entziehen. Zu prüfen bleibt,
ob Umstände gegeben sind, die eine Erhöhung der Entzugsdauer auf 15 Monate
rechtfertigen.
c) Bei der Beurteilung der Entzugsdauer von 15 Monaten ist zu berücksichtigen, dass
der Rekurrent beim Rückfall nach Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG mit einer qualifizierten
Atemalkoholkonzentration von 0,54 mg/l ein Motorfahrzeug führte. Generell gilt, dass je
höher die Atemalkohol- bzw. die Blutalkoholkonzentration einer Person ist, desto höher
auch die relative Wahrscheinlichkeit, dass beim Führen eines Fahrzeugs ein
Verkehrsunfall verursacht wird (BSK SVG-Rütsche, Basel 2018, Art. 16 N 105). Bei der
Bemessung der Entzugsdauer nach Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG kommt den Behörden
oberhalb der Mindestentzugsdauer Ermessen zu. Das Verschulden wiegt umso
schwerer je höher dieser Wert ist. Die Überschreitung des Grenzwerts um 0,14 mg/l
kann nicht mehr als unbeachtlich angesehen werden, weshalb die diesbezügliche
Erhöhung von drei Monaten noch verhältnismässig erscheint. Zu beachten ist weiter,
dass das Strassenverkehrsamt gemäss einer internen Richtlinie schematische Regeln
bei einem Rückfall gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG aufgestellt hat. Bestehen im
Einzelfall keine relevanten Umstände, die massnahmemindernd zu berücksichtigen
sind, geht das Strassenverkehrsamt bei der entsprechenden Alkoholkonzentration des
Rekurrenten unter Beachtung des Rückfalls im 4. Jahr von einer Entzugsdauer von
15 Monaten aus. Solche Schematisierungen binden das Gericht nicht und dürfen nicht
ohne Prüfung des Einzelfalls angewendet werden; sie können aber helfen, eine gewisse
Rechtsgleichheit bei Führerausweisentzügen zu gewährleisten. Nachfolgend ist zu
beurteilen, ob massnahmemindernde Umstände vorliegen, die eine Reduktion der
Entzugsdauer rechtfertigen.
d) Das Vorbringen des Rekurrenten, sich auf einen privaten Alkoholtest verlassen zu
haben, kann bei der Beurteilung der Entzugsdauer nicht berücksichtigt werden.
Massgeblich ist der im Strafverfahren festgestellte Sachverhalt. Aus dem Strafbefehl
vom 23. Januar 2020 geht klar hervor, dass der Rekurrent nicht daran zweifeln konnte,
den Alkoholgrenzwert überschritten zu haben. An dieser Einschätzung ist auch im
vorliegenden Administrativmassnahmeverfahren festzuhalten.
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e) Im Weiteren bringt der Rekurrent vor, dass der Führerausweisentzug für ihn eine
existenzielle Gefahr darstelle. Als selbständiger Rechtsanwalt, welcher hauptsächlich
im ...recht tätig sei, müsse er oft zu ... fahren und sei deshalb auf ein Fahrzeug
angewiesen. Er vertrete die Interessen von Klienten aus der ganzen Schweiz, weshalb
er auch nach A, B etc. fahren müsse. Es bestehe eine berufliche Notwendigkeit,
weshalb ein Entzug über die Mindestdauer hinaus als völlig unverhältnismässig
erachtet werde.
Fahrzeuglenker, die berufsmässig auf den Einsatz eines Motorfahrzeugs angewiesen
sind, werden wegen der grösseren Massnahmeempfindlichkeit in der Regel schon
durch eine kürzere Entzugsdauer wirksam von weiteren Widerhandlungen abgehalten.
Einem solchen Lenker soll der Führerausweis deshalb weniger lange entzogen werden
als einem, der sein Fahrzeug beruflich nicht benötigt, selbst wenn beide
Fahrzeuglenker das gleiche Verschulden trifft (vgl. dazu BGE 123 II 572 E. 2c). Ebenso
ist die berufliche Notwendigkeit zu bejahen, wenn die Unmöglichkeit, ein Fahrzeug zu
führen, einen solchen Einkommensverlust oder so beachtliche Kosten verursachen
würde, dass diese Massnahme offensichtlich als unverhältnismässig erscheint.
Dagegen liegt keine massgebliche berufliche Notwendigkeit vor, wenn der
Führerausweisentzug die Ausübung eines Berufes lediglich erschwert, selbst wenn
damit ernsthafte Unannehmlichkeiten und Gewinnausfälle verbunden sind (vgl. dazu
Praxis 1990 Nr. 150). Ein Fahrzeugführer kann aber auch erhöht sanktionsempfindlich
sein, ohne dass geradezu eine berufliche Notwendigkeit vorliegt. Deshalb ist bei der
Beurteilung der beruflichen Angewiesenheit eines Fahrzeuglenkers auf den
Führerausweis dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen. Die
Reduktion der Entzugsdauer bemisst sich danach, in welchem Mass der
Fahrzeugführer infolge beruflicher Angewiesenheit stärker als der normale Fahrer von
der Massnahme betroffen ist (BGE 123 II 572 E. 2c).
Der Rekurrent ist kein Berufschauffeur, der sein Einkommen mit dem Erbringen von
Fahrdiensten erzielt und für den ein Führerausweisentzug ein materielles
Berufsausübungsverbot bedeutet. Er arbeitet als selbständiger Rechtsanwalt. Eine
berufliche Notwendigkeit, über einen Führerausweis zu verfügen, ist vorliegend nicht
ersichtlich. Ein Führerausweisentzug kann für den Rekurrenten mit Unannehmlichkeiten
verbunden sein, für die Tätigkeit als Rechtsanwalt bedeutet ein Führerausweisentzug
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jedoch nicht, dass er diesen Beruf nicht mehr ausüben kann. Es besteht auch keine
erhöhte Sanktionsempfindlichkeit im Verhältnis zu einem anderen Fahrer, der den
Führerausweis beruflich ebenfalls nicht benötigt. Ob er, wie im Rekurs vorgetragen,
hauptsächlich im Bereich des ...rechts tätig ist, ist unklar. Jedenfalls wird dieses
Rechtsgebiet bei seinen Tätigkeitsschwerpunkten nicht erwähnt (vgl. www...).
Insgesamt besteht keine erhöhte Sanktionsempfindlichkeit beim Rekurrenten, weshalb
die berufliche Tätigkeit nicht massnahmemindernd berücksichtigt werden kann.
f) Im Weiteren bringt der Rekurrent vor, die Fünfjahresfrist gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c
SVG, in der eine schwere Widerhandlung begangen werden müsse, damit die
Mindestentzugsdauer 12 Monate betrage, sei beinahe abgelaufen. Deshalb sei ein
Führerausweisentzug über der Mindestentzugsdauer von 12 Monaten nicht
gerechtfertigt.
Zu beachten ist, dass der massgebliche Zeitpunkt für die Berechnung der
Fünfjahresfrist nach Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG bei einem Ausweisentzug der Tag ist, an
dem die Massnahme endet (Weissenberger, a.a.O., Art. 16c N 46). Diese Rückfall- oder
Bewährungsfrist beginnt am Tag nach dem Ablauf des Führerausweisentzugs zu
laufen; denn bewähren kann sich nur, wer fahrberechtigt ist. Der dreimonatige
Warnungsentzug gemäss Verfügung vom 14. September 2015 dauerte bis 21. Oktober
2015. Folglich begann die fünfjährige Rückfall- oder Bewährungsfrist am 22. Oktober
2015 zu laufen. Die hier zu beurteilende schwere Widerhandlung vom 14. September
2019 fand somit über ein Jahr vor Ende der fünfjährigen Bewährungsfrist statt. Es kann
deshalb nicht gesagt werden, die entsprechende Frist sei kurz vor dem Ablauf
gewesen. Ob sich massnahmemindernd auswirkt, wenn sich die neuerliche
Widerhandlung knapp vor dem Ende der fünfjährigen Bewährungsfrist zuträgt, kann
offenbleiben, denn hier fehlt es bereits an der zeitlichen Nähe zum Fristablauf.
g) Zusammengefasst erweist sich der von der Vorinstanz ausgesprochene
Warnungsentzug von 15 Monaten als verhältnismässig und ist nicht zu beanstanden.
Der Rekurs ist somit abzuweisen.
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
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angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen.
Entscheid auf dem Zirkulationsweg (Art. 58 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 3
VRP und Art. 8 Abs. 1 lit. b des Reglements über den Geschäftsgang der
Verwaltungsrekurskommission, sGS 941.223):
1. Der Rekurs wird abgewiesen.
2. Der Rekurrent hat die amtlichen Kosten von Fr. 1'200.– zu bezahlen, unter
Verrechnung des Kostenvorschusses in gleicher Höhe.
bis
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2021-09-19T01:11:12+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen