Decision ID: 860aa7c0-69ce-4632-9e6b-772d8a58b22e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961, gelernte
Coiffeuse
und bis Oktober 2010 als Service
angestellt
e
in einem Restaurant tätig, meldete sich unter Angabe von Hüft- und Rückenbeschwerden am 2
7.
Februar 2011 zum Bezug von Leistungen (Umschu
lung) der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinischen und beruflichen Verhältnisse ab. Mit Mitteilung vom
5.
Juli 2011 verneinte sie die Notwendigkeit von beruf
lichen Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
7/20) und sprach mit Verfügung vom 1
3.
Juni 2012 ab September 2011 bis Januar 2012 eine befristete ganze Rente und ab Februar 2012 eine unbefristete halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 57
%
zu (
Urk.
7/48,
Urk.
7/49 und
Urk.
7/50).
Am
9.
Juli 2014 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass sich ihr Gesund
heitszustand verschlechtert und dadurch ihre Arbeitssituation geändert habe (
Urk.
7/54). Die IV-Stelle stellte mit Vorbescheid vom 2
0.
Mai 2015 die Abwei
sung des Gesuchs um Erhöhung der Invalidenrente
in Aussicht (
Urk.
7/74) und
hielt
hieran
m
it Verfügung vom
7.
Dezember 2015
(
Urk.
7/83) fest. Die da
gegen erhobene Beschwerde vom 1
4.
Januar 2016 (
Urk.
7/84/3
) wurde mit Urt
eil des hiesigen Gerichts vom 1
3.
März
20
17 (Prozess Nr. IV.2016.00062 [
Urk.
7/92
]) in dem Sinne gutgeheissen, dass die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde. Die IV-Stelle aktualisierte die medizinische Aktenlage, indem sie Berichte bei den behandelnden Ä
rzten
anforderte
(
Urk.
7/97,
7/101/6, 7/102
, 7/103)
,
ein
en
Auszug aus dem Individuellen Konto beizog
(
Urk.
7/104
)
und Angaben beim Arbeitg
eber
einholte
(
Urk.
7/105)
. Mit Vorbe
scheid vom 2
6.
April
2018 (
Urk.
7/107
)
stellte sie die Abweisung
des Auftrags auf
eine höhere
I
nvalidenrente in Aussicht. Nachdem dagegen
Einwand
erhoben wo
rde
n
war
(
Urk.
7/113
), weitere
medizinische
Berichte
ein
gega
ngen
waren
(vgl.
Urk.
7/118, 7/119, 7/120, 7/123, 7/124)
und
die IV-Stelle
d
ie Unterlagen ihrem regionalen ä
rztlichen Dienst
(RAD)
zur Stellungnahme vorgelegt
hatte
(
Urk.
7/126/4)
,
wies
sie
das Begehren
mit Verfügung vom
2
7.
November 2018 (
Urk.
2) ab
.
2.
Dag
egen erhob die
Versicherte am 1
0.
Januar 2019
Beschwerde mit dem Rechts
begehren (
Urk.
1 S. 2),
es sei ihr ab Juli 2014 eine ganze sowie ab
1.
April 2016 zumindest eine Dreiviertelrente zuzusprechen.
Die IV-Stelle schloss mit Be
schwer
deantwort
vom 1
8.
Februar 2019 (
Urk.
6
) auf A
bweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführer
in
am
1
9.
Februar 2019
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
chenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
%
auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mi
ndestens 60
%
auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
%
auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheits
zustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Ge
sundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgaben
be
reich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hin
sicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beur
teilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss
Art.
88
bis
Abs.
1 lit. a der
Verordnung
über die Invalidenversicherung, IVV erfolgt die Erhöhung der Renten, der
Hilflosenentschädigungen
und der Assistenzbeiträge frühestens, sofern der Versicherte die Revision verlangt, von dem Monat an, in dem das Revisionsbegehren gestellt wurde.
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
mit Hinweis). In solchen Fällen sind jedoch an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche
rungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
neh
men (BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Begehrens um eine höh
ere als die
bisherige
halbe
R
ente damit, dass
aus medizinischer Sicht die Ausü
bung einer körperlich leichten angepassten Tätigkeit weiterhin zu 50
%
möglich und zumutbar sei und die Arbeitsfähigkeit von 50
%
wegen
vermehrtem
Pau
senbedarf auch in einem 100
%
Zeitpensum realisiert werden könne.
Als
zumut
bares
Belastungsprofil gelte
, keine Arbeiten mit
regelmässige
n
Hebe- und Tra
ge
be
lastungen über 5 kg, keine
Arbeiten auf Leitern und Gerüsten,
kein häufiges Treppensteigen, keine Tätigkeiten in
wirbelsäulenbelastende
n Zwangshaltungen,
im Bücken, Hocken, Kauern, Knien
sowi
e
keine
Überkopfarbeiten und Arbeiten in weiter Armvorhaltepositionen sowie
keine Tätigkeiten
mit belastenden Zwang
s
haltungen für die linke Schulter.
Zu vermeiden seien auch a
ndau
ernde Vibra
tions
belastungen,
Nässe- und Kält
eexpositionen
.
Aufgrund
der
Schulteroperat
ionen vom 2
1.
Oktober 2015 habe
bis am 3.
Dezem
ber 2015
und aufgrund
einer
weiteren Schulteroperation
vom 26.
Oktober 2016 bis am 2
3.
Januar 2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die Unterbre
chungen hätten jedoch nicht mehr als drei Monate gedauert und seien als tem
po
räre Gesundheitsverschlechterung nicht rententangierend.
Aufgrund
des
erneu
ten Eingriff
es an der Schulter links vom 5.
Juni
2018
habe
bis
1.
November 2018 eine vorübergehende volle
Arbeitsunfähigkeit bestanden. A
nschliessend sei für eine optimal angepasste, rücken- und
schulterschonende Tätigkeit wieder
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
(
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber brachte die Besc
hwerdeführerin vor (
Urk. 1.
S. 7
f.), der Gesund
heitsschaden
zeige
sich
seit Juni 2012
deutlich verschlechtert
, wobei die Ver
änderungen beide Schultern, die Lendenwirbelsäule, die linke Hüfte, die Finger und Zehen
betreffe
n würden
sowie vorübe
rgeh
end auch die Psyche betroffen hätt
e
n
. Alle behandelnden Ärzte
hätten
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 70 % auch in einer leidensangepassten Tätigkeit
attestiert
und seien der Mei
nung
gewesen
, dass sie in ihrer aktuellen
Erwerbstätigkeit
,
die sie
am
1.
Novem
ber
2014 als Betreuungsassistentin in einer Schule
aufgenommenen
habe,
best
mög
lichst
eingegliedert sei.
Die Beschwerdegegnerin
habe auf die Beurteilung ihres RAD abgestellt, welcher keine persönliche Untersuchung durchgeführt habe
. D
essen von
den
behan
deln
den Ärzten abweichende Beurteilung
sei
einzig aufgrund der Akten
erfolgt und
d
abei
seien
die
Berichte von
Dr.
Z._
vom 2
2.
Mai 2018,
Dr.
A._
vom 2
5.
Juli
2018,
Dr.
Y._
vom
6.
Ju
li 2018 und von
Dr.
B._
vom 1.
Novem
ber 2018
nicht
zur Stellungnahme vor
gelegt
worden
. Der RAD erkläre auch
nicht, weshalb
mit der
aktuellen
Tätigkeit als Betreuungsassistentin beim Schulamt mit einem Beschäftigu
ngsgrad von 30
%
sie
ihre
Restarbeitsfähigkeit ni
cht voll
ständig
ausschöpfe
und
begründe
auch nicht, weshalb
die behandelnden
Ärzte eine zu tiefe Restarbeitsfähigkeit attestier
t
hätten
(S. 8). Dass die Tätigkeit an der Schule eine angepasste Tätigkeit sei, bestätige auch
ihr
Vorgesetzte
r
, sei doch im Stellenbeschrieb
von Ende November 2018 festgehalten
worden
, dass sie nur im pädagogischen Bereich, nicht aber im hauswirtschaftlichen Bereich eingesetzt
werde
und die Arbeitgeberin die betrieblichen Abläufe
den
gesundheitlichen Ein
schränkungen
der Beschwerdeführerin
angepasst habe (S. 9 f.).
Ausgehend von einem Invalideneinkommen von
Fr.
13'750.
-- (im Jahre 2015)
bzw. von einem solchen von
Fr.
20'618.
-- (
im Jahre 2016
)
gemäss
dem
IK
-Auszug und einem
Valideneinkommen
von
Fr.
63'956.50 resultiere ein Invaliditätsgrad von 79
%
bzw. von 68
%
und damit stehe
ihr
ab Juli 2014 eine gan
ze Rente sowie
ab
1.
April 2016, dies heisse nach einer Wartefrist von drei
Monaten, eine
Drei
viertelsrente
zu (S. 11).
3.
Das Begehren um Rentenerhöhung «Verschlechterungs-Gesuch» vom
9.
Juli 2014 begründete die Beschwerdeführerin damit, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert und
sich
dadurch die Arbeitssituation verändert habe (
Urk.
7/54). Da
bei ist aktenkundig, dass ihr die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Angestellte bei der
C._
AG per 3
0.
November 2013 gekündigt w
o
rde
n war
(
vgl.
Urk.
7/55/3
Ziff.
6 und
Urk.
7/64)
.
E
ine
Rente
nerhöhung
fällt
frühestens im Zeit
punkt
des
Revisionsbegehren
s
in Betracht
(E. 1.4 hiervor)
. M
it Bezug auf die atte
stierten Arbeitsunfähigkeiten
sind
deshalb
im vorliegenden Verfahren
die Arzt
berichte
und die attestierten Arbeitsunfähigkeiten
ab Juli 2014
zu beachten, während die weiter zurückliegende
medizinische Aktenlage
nicht
relevant ist
.
3.1
Am
8.
Juli 2014 berichteten die Ärzte der
D._
Klinik (
Urk.
7/63/48-49),
b
ei der
Beschwerdeführerin bestehe
eine De Novo-Skoliose, welche eine deutliche Progredienz
aufweise. Im Prinzip bestehe
bei deutlicher Einsc
hränkung der Lebens
qualität und
konservativ nicht adäquat therapierbar
en Schmerzen die Indi
kation zur
Aufri
chtungsspon
dylodese
. In diesem Fall handle es sich um einen grösseren
chirurgischen Eingriff mit Instrumentation wahrscheinlich L1 bis auf da
s Kreuzbein
einschliesslich ventraler Abstützung
.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH,
hielt
im Bericht zu Händen der IV-Stelle vom 2
0.
August 2014
(
Urk.
7/63/1-5)
die folgenden Diagnosen
fest (
Ziff.
1.1
)
:
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Labrumläsion und Partialruptur der
Glutäus
-Minimus-Sehne links Erst
diag
nose April 2010
, operiert am 1
0.
Juni 2010
-
Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit degenerativer Lum
bal
skoliose L2 - L5 bestehend seit mindestens 10 Jahren
-
Regredientes
zervikospondylogenes
bis
radukuläres
Reizsyndrom C5/C6 und C4/C5 mit beidseitiger
foraminaler
Einengung linksbetont
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Osteoporose Erstdiagnose 2013
Die
Ärztin führte aus
(
Ziff.
1.4)
, die
Beschwerdeführerin sei
wegen lumbalen und zervikalen Wirbelsäule
nbeschwerden
seit vielen Jahren in der
D._
K
lin
ik in Behandlung. W
egen
Hüftbeschwerden links
sei
dort
im Jahr 2010
auch eine Operation erfolgt
.
In
der
D._
K
lin
ik
sei sie mehrmals
zur
Beurteilung gewesen
und habe
mehrfach Infiltrationen sowohl lumbal wie zervikal erhalten.
Aktuell
klage sie weiterhin über chronische Rückenbeschwerden vor allem lum
bal, zudem über
radikuläre
Kribbelbeschwerden und Schmerzen in beiden Armen und in beiden Oberschenkeln. Bei schwerer degenerativer Skoliose sei allenfalls eine
Spondylodese
der ganzen LWS geplant.
Aufgrund ihrer schweren Rückenbeschwerden sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage
,
einen körperlich anstrengenden Beruf wie als Serviceangestellte oder als
Coiffeuse
auszuüben. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Eine flexibel wählbare Tätigkeit von maximal zwei Stunden pro Tag könne sie ausüben, wie zum Beispiel ein bis zwei Coiffeure
K
undinnen pro Tag
(
Ziff.
1.7)
.
3.3
Im Bericht der
D._
Klinik vom
9.
September 2014
(
Urk.
7/68)
wies
Dr.
med.
E._
, leite
nder Arzt manuelle und
interven
t
ionelle
Rheumatolo
gie
,
darauf h
in
(
Ziff.
1.4)
, d
ie Beschwerdeführerin habe zu Beginn der Behandlung stärkste
cervicospondylogene
bis
radikuläre
Schmerzen bei deutlichen Segmentdege
nera
tionen auf Niveau C4/5 und C5/6 mit deutlicher Einengung beidseitig der
Neu
roforamina
linksbetont beklagt
.
Infiltrations- und Physiotherapien hätten eine
Regredie
nz
dieser Beschwerden gebracht.
Gleichzeitig
seien
aber
immer wieder Rücken- und
Hüftschmerzen aufg
etreten und am 1
0.
Juni
2010
sei die linke Hüfte operiert worden, wobei die
Operation nicht den
gewünschten Erfolg
gezeigt habe
und
bis heute belastungsabhängige Rücken- und
Hüftbeschwerden
persistierten
.
Die Beschwerdeführerin sei in der körperlichen Belastbarkeit vor allem durch ihr Rücken-/Hüftleiden stark eingeschränkt, weshalb mittelschwere bis schwere Arbeiten nicht möglich seien
(
Ziff.
1.7)
. Bei kör
pergerechter Arbeit, das heisse
an das Leiden adaptierte Arbeit
,
sei eine 30 bis 50%ige Arbeitsfähigkeit realistisch
(
Ziff.
1.8)
.
3.4
Am
6.
November 2014
(
Urk.
7/69)
wies
pract
. med.
F._
, Ärztin für Psy
cho
somatik und Psychotherapie
, auf die ambulante Behandlung seit 1
8.
Juli 2014 hin. Die Beschwerdeführerin sei von der Hausärztin wegen Erschöpfungs
de
pres
sion und Angst vor einer völligen psychophysischen Dekompensation zugewiesen worden.
Sie
leide
an
Unruhezuständen im Zusammenhang mit einem Partnerkon
flikt mit ihrem Ehemann und seiner Unberechenbark
eit, sei belastet durch den Verl
ust ihres letzten Arbeitsplatzes wegen ihrer somatischen Erkrankungen und aufgrund vieler erfolgloser Bewerbungen. Die Beschwerdeführerin sei vorgealtert, habe sehr starke Schmerzen aufgrund ihrer Gelenkprobleme
,
beider Hüftgelenke und Wirbelsäulenschmerzen
(
Ziff.
1.4)
. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit bestehe eine Erschöpfungsdepression anamnestisch seit einem Jahr
bestehend
(
Ziff.
1.1)
. Es wurde ein
e
Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit 1
8.
Juli 2014 attestiert
(
Ziff.
1.6)
.
3.5
Im Bericht der
D._
Klinik vom 1
3.
November 2014 (
Urk.
7/84
/19-20) wurden die folgende
n
Diagnosen aufgeführt:
-
Sonographisch
Synovitiden
zwe
iten Grades MCP IV und V rechte
Hand
-
Differentialdiagnostisch: mechanisch, entzündlich
-
Symptomatische AC-Gelenksarthrose rechts
-
Sonographisch
intakte
Rotatorenmanschette
, keine Bursitis, im
Sulcus
lie
gende, proximal leichtgradig verdickte
Bicepssehne
mit
peritendinöser
Flüssigkeitskollektion (1
3.
November 2014)
-
Lumbospondylogenes Syndrom beidseits, momentan eher linksbetont
-
Degenerative Lumbalskoliose
Cobbwinkel
23° gemessen L2 bis L5
-
Verdacht auf Drehgleiten L3/4
-
Labrumläsion und Partialruptur der Glutaeus
minimus
Sehne links
-
Operation
fecit
am 1
0.
Juni 20
10
-
Regredientes
cervico-spondylogenes
bis
radikuläres
Reizsyndrom C5 und C6
[mit]
-
deutlichen Segmentdegenerationen C4/5, C5/6 und beidseitiger
foraminaler
Einengung linksbetont
-
Isolierte Osteoporose über dem Wirbelkörper L2
-
Osteop
enie
der Wirbelsäule, der Hüfte, normale
Knochendichte über dem
Vorderarm
-
DEXA 3
1.
Mai 2013: T-Score: LWS Total -1.
7,
LWK 2 -
3, 3
Hüfte rechts
Total 1.1, Neck -1.
2, linker Unterarm 0,8
-
Risikofaktoren: Wiederholte Steroidinjektionen an der Wirbelsäule,
Nikotinkonsum, frühe Menopause mit 42 Jahren
-
Therapie:
Prolia
seit dem 3
1.
Mai
2013
Der zuständige Arzt führte aus, gemäss Anamnese und aktueller
sonografischer
Untersuchung ergäben sich gewisse Hinweise für eine entzündlich rheumatische Erkrankung, weswegen er eine serologische Antikörperbestimmung in Auftrag gegeben habe.
3
.6
3.
6
.1
Dr.
med.
B._
, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, führt
e
im Be
richt vom
9.
Juni 2015 aus (
Urk.
7/77), er behandle die Beschwerdeführerin seit
dem
2
0.
März 201
5.
Seit über einem Jahr bestünden Schulterschmerzen rechts mit schmerzhaft eingeschränktem Bewegungsumfang. Kernspintomo
graphisch, kon
ventionell und radiologisch
sei eine
Omarthrose
sowie eine
gelenkseitige Partialruptur der
Supraspinatussehne
nachgewiesen. Die Prognose sei offen. Es
wäre möglich, dass sich die
Omarthrose
während Jahren ruhig verhalte oder dass die Beschwerden
dekompensierten
.
3.6
.2
Im Operationsbericht
vom
2
1.
Oktober 2015
über
die am
gleichen Tag
durch
ge
führte Schulterarthroskopie rechts
,
Synovektomie
,
Débridement
des
Limbus
glenoi
dalis
, Tenotomie
der
lange
n
Bizepssehne
,
Kapsulotomie
,
Bursektomie
und
Acromioplastik
hielt
Dr.
B._
fest
(
Urk.
7/80),
es bestehe
eine beschwerdehafte konzentrische
Omarthrose
mit noch recht gut erhaltener Beweglichkeit und intak
t
er
Rotatorenmanschette
. Aufgrund
des Alters der Beschwerdeführerin habe man sich vorerst für einen gelenkserhaltenden Therapieversuch mittels einer Schulter
arthroskopie entschieden.
3.6
.3
Im Bericht vom 2
1.
Januar 2016 (
Urk.
7/85/2-3) wies
Dr.
B._
darauf hin, nach wie vor bestehe eine erhebliche Einschränkung der Schulterfunktion rechts. Es sei ein Jahr postoperativ abzuwarten und bei persistierenden Beschwerden und be
kannter konzentrischer
Omarthrose
wäre dann die Indikation zur Implantation einer anatomischen
Schulterarthroplastik
zu stellen.
3.6.4
Im Operationsbericht über die am 2
6.
Oktober 2016
(
Urk.
3/3)
erfolgte Implan
tation einer anatomischen
Schulterarthroplastik
rechts Typ
Arthrex
Eclipse
h
ielt
Dr.
B._
fest, b
ei zunehmenden Beschwerden bei konzentrischer
Omarthrose
der rechten Schulter und bei einem Status nach Schulterarthroskopie vor einem Jah
r ohne wesentliche Verbesserung
sowie bei kernspintomographisch gesicherten Knorpelschäden mit teils
eburnisiertem
Knochen sei
die
Indikation zur anato
mischen
Schulterarthroplastik
gegeben.
3.6.5
Anlässlich der Konsultation
drei Monate postoperativ führte der Arzt
im Bericht vom 2
3.
Januar 2017
aus
(
Urk.
7/103/16-17)
, subjektiv sei die Beschwerde
füh
rerin mit dem Verlauf zufrieden. Die Schulter sei reizlos und der Bewegungs
um
fang bei fixierter
Scapula
Abduktion 50° und Rotation jeweils 30°. Die Kraft
verhältnisse seien gut und die Weichteile noch etwas verhärtet. Der Verlauf sei zeitgerecht, die Beweglichkeit etwas rückständig.
3.7
Prof.
Dr.
med.
H._
von
der Rheuma
Clinic
G._
wies
im
Bericht vom 26.
Januar 2017 darauf hin
(
Urk.
7/103/14-15),
es bestehe eine l
eicht derbe Gelenkkapsel MCP II und III rechts bei guter Funktio
n und ohne
Synovitis
. Lumbal
zeige sich eine kurzbogige star
ke Sko
l
iose mit Muskelhart
spann und eingeschränkter Beweglichkeit.
Die
HWS
sei vermindert beweglich besonders
in Rotation, gegenwärtig
aber
ohne Schmerzen und d
ie
Zehengelenke
seien
frei.
Die Röntgenbilder der Hände und Füsse zeigten praktisch normale Verhältnisse und es ergäben sich insbesondere keine entzündlic
hen Hinweise und
keine Verkal
kungen. Lediglich diskrete Veränderungen zeigten sich an den Endgelenken sowie an den proximalen
Interphalangealgelenke
n
im Sinne von initialen Arth
rosen.
Das Röntgen der LWS zeig
e die bekannte Skoliose mit degenerativen Verände
rungen, insbesondere aber ein Drehgleiten L3/4, welches für die Schmerzen entscheidend sein dürfte. Die Hüftgelenke seien radiologisch unauffällig.
Die Beschwerden im Bereich der Finger und Füsse seien auf eine Früharthrose zurück
zuführen. Für eine entzündliche Affektion bestünden keine Hinweise. Insbeson
dere seien auch im Ultraschall keine
synovitischen
Hinweise erkenntlich.
3.
8
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Orthopädie und
Traumatologie
,
berichtete am 17.
Juli 2017 (
Urk.
7/102/4-5), d
as durchgeführte
Arthro-MR
der linken Hüfte zeige eine
langstreckige
Ablösung des Labrum
acetabulare
im
anterosuperioren
Bereich. Es bestehe nur eine sehr leichte Abnützungsveränderung im Sinne von einer leichten Knorpelausdünnung
acetabulär
und es zeige sich eine
Inser
tions
tendinopathie
der
Gluteus
medius
und
minimus
Sehne am Trochanter
major
links,
die
möglicherweise auch Ausdruck einer intraart
ikulären Pathologie
sei
. Die d
eutlich degenerative
n
Veränderungen der
skoliotischen
LWS
seien eine zusätz
lich
mögliche Alternativpathologie
für die
Schmerzauslösung im Bereich der linken Hüfte.
Sollten die Beschwerden im Ber
eich der linken Hüfte durch eine
Infil
tration nicht beeinflusst werden, so wäre
die intraartikuläre Pathologie
(Labrumläsion) al
s Ätiologie oder zumindest Teilätiologie der Beschwerden nach
gewiesen und in
diesem Falle wäre die Indi
kation zur Hüftarthroskopie mit
Refixation
oder allenfalls auch Resektion des abgelösten Labrums zu stellen.
3
.9
Dr.
med.
Z._
, FMH Allgemeine Innere Medizin, hielt im Verlaufsbericht zu Händen der Beschwerdegegnerin
vom
6.
Februar 2018 (
Urk.
7/103/1-7)
fest,
die Beschwerdeführerin leide einerseits unter einer sehr schweren degenerativen Skoliose mit
Osteochondrosen
L2-S1 mit rezidivierenden
radikulären
Beschwer
den. Anderseits unter Hüftbeschwerden bei
einer Labrumläsion und Partialru
ptur d
er Glutaeus
minimus
Sehne links
sowie unter einem
cervicospondylogenen
und
radikulären
Reizsyndrom C4-C
6.
Weiter leide sie
an
einer Polyarthrose, einerseits der kleinen Gelenke, Finger und Füsse, anderseits
an
einer schweren
Omarthrose
der rechten Schulter (
Ziff.
2.1). Die Beschwerdeführerin könne maximal zwei bis drei Stunden am Stück arbeiten, dies auch nur in einer wechselbelastenden Tätig
keit
,
ohne längeres Stehen oder Sitzen. Gewichte könne sie nur 2-3
kg heben
(
Ziff.
2.2). Sie arbeite zu 30
%
als Angestellte in einem Schülerhort der
J._
. Dort könne sie wechselbelastend vor allem als Pausenaufsicht und bei der Essensausgabe mithelfen. Sie arbeitet maximal drei Stunden am Stück. Mehr arbeiten könne sie sicher nicht und auch keine schwereren Arbeiten mehr aus
führen (
Ziff.
3.1).
3.10
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für
Interventionelle
Sch
merztherapie, berichtete am 18.
Juni 2018 (
Urk.
7/119
), aufgrund der linkskonvexen Lumbalskoliose bestehe
eine Fehlstatik, die über die Jahre zugenommen habe. Zusätzlich werde
rheuma
tologischerseits
eine Osteoporose behandelt. Trotz der deutlichen Einschrän
kungen sei die Beschwerdeführerin bemüht
,
ihre vorhandene Restarbeitsfähigkeit zu erhalten. Aktuell erscheine hier aber das Maximum der Leistungsfähigkeit bei 30
%
erreicht und eine Steigerung sei nicht vorstellbar beziehungsweise eine Besserung nicht zu erwarten.
3.11
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für
interventionelle
Schmerztherapie
,
schrieb am 25.
Juli 2018 an die Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/120), die Beschwerdeführerin arbeite in einem Kinderhort zu 30
%
. Aufgrund der körperlichen Einschrän
kungen, vor allem ausgehend von der Wirbelsäule,
einer
bestehenden Ruptur der langen
Bicepssehne
sowie einer bereits erfolgten
Arthroplastik
der rechten Schulter
sowie einem Status nach Hüft-TP links sei der Beschwerdeführerin die Tätigkeit nur eingeschränkt zumutbar. Einschränkungen bestünden beim langen Stehen und Gehen, Bücken, langdauernden statischen Positionen, Heben und Tragen auf und über der Horizontalen, Heben und Tragen von bereits geringen Gewichten. Aktuell sei aufgrund der Ruptur der langen
Bicepssehne
auch das Tragen von 5 kg fraglich möglich. Auch krafterfordernde manuelle Tätigkeiten seien aufgrund der
Rizarthrose
rechts eingeschränkt zumutbar. Bei der genannten Arbeitstätigkeit handelt es sich aus Sicht
der Ärztin
um eine optimal den Be
hinderungen angepasste Tätigkeit und eine Steigerung des A
r
beitspensums
sei unrealistisch und nicht zumutbar.
3.12
Im Operationsbericht vom
5.
September 2018
(
Urk.
7/
124)
erwähnte
Dr.
B._
eine symptomatische instabile SLAP-Läsion der Schulter links nach
einer
Ellen
bogen
kontusion am 1
8.
Februar 201
8.
Auf der Gegenseite sei bereits eine anatomische
Schulter
a
rthroplastik
implantiert
worden
und somit
seien
auch links Knorpel
schäden zu erwarten
gewesen
,
die
kernspintomografisch aber nicht sichtbar
gewesen
seien.
Anlässlich der Schulterarthroskopie links
seien
eine diskrete kraniale Partialläsion
der
Subscapularissehne
Lafosse
1
, ein i
ntaktes mediales
Pulley
, ein
e
intakte Bizeps
longus
-Sehne,
ein Defekt des lateralen
Pulley
s
, eine gelenksseitige
Partialruptur der
anterolat
eralen
Supraspinatussehne
Typ
Ellman
sichtbar
. Der
Infraspinatus
sei intakt
,
der
Recessus
axillaris
zeige sich
mit vielen
freien
chondra
l
en
Gelenkkörpern und a
m
Humeruskopf
zeige
sich ein
e gross
flächige
Chondrolyse
mit
komp
lett freiliegendem
subchondralem
Knochen
über eine Zirkumferenz, welche
zirka die H
älfte des
Humeruskopfes
ausmache
. Auch am
Glenoid
bestünden
3.
bis
4.
gradige
Knorpelschäden und d
ann
ergebe sich
der
Nachweis
einer
instabilen SLAP-Läsion Typ II
. Es wurde
eine erste
klinische Verlaufskontrolle zirka zehn Tage
postoperativ
vorgesehen
und
anschliessend
e Kontrollen
nach Bedarf
.
S
ollten im Verlauf weiterhin Beschwerden
persistieren, wäre die Indikation zur anatomischen
Schulterarthroplastik
(links) gegeben. D
ie
Rotato
ren
manschette
sei sicher
suffizient.
3.13
Im Bericht vom
1.
November 2018 (
Urk.
7/123) führte
Dr.
B._
aus, so wie die mitbehandelnden Ärzte
,
Dr.
Y._
,
Dr.
K._
und
Dr.
A._
sei
auch
er der Meinung, dass eine Restarbeitsfähigkeit von 30
%
realistisch und angemessen sei. Diese Restarbeitsfähigkeit sei bedingt durch die diversen körperlichen Einschrän
kungen
,
an
welchen die Beschwerdeführerin leide. Eine Steigerung der Arbeits
fähigkeit sei se
ines Erachtens kaum möglich, so
dass er empfehle, diese Arbeits
fähigkeit von 30
%
als definitiv einzustufen.
3.14
RAD
-Arzt
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie
, führte in seiner Aktenbeurteilung vom
9.
und 1
2.
November 2018 aus (
Urk.
7/126/4),
gemäss Stellenbeschrieb des Schulamts seien folgende Aufgaben zu erfüllen: Hauswirtschaftliche Aufgaben, Reinigung von Küche und deren Ein
richtung, Bestellun
gen Putzmaterial, Lebensmittele
inkauf und Zubereitung der Mahlzeit unter Einhaltung Verpflegungsrichtlinien, der Sicherheits- und Hygie
ne
vorschriften. Allgemeine Unterhalts- und Aufräumaufgaben/ Entsorgungen, Pflege und Unterhalt des Spiel- und Beschäftigungsmaterials. Selbstständiger Einkauf und Zubereitung von Mahlzeiten, Hauswirtschaftliche Aufgaben, u.a. Reinigung von Küche und Mobiliar. Dies alles seien Aufgaben, die sowohl die Schultern, als auch den Rücken belasteten. Die behandelnden Ärzte sähen dafür noch eine Restarbeitsfähigkeit von 30
%
. Es sei nachvollziehbar, dass die Be
schwerdeführerin ohne rücken- und schulterbelastende Tätigkeiten eine höhere Leistungsfähigkeit habe, also in einer optimal angepassten Tätigkeit ohne rücken- und schulterbelastende
Arbeitsanteile.
Es
sei in bisheriger Tätigkeit als Serviceangestellte weiterhin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. In der allenfalls teilangepassten Tätigkeit als schulische Betreuungsassistenz betrage die
Arbeitsunfähigkeit sei
t
November 2014
70
%
. Für
angepasste
Tätigkeit gemäss Belastungsprofil
(vgl. Stellungnahme des RAD vom 1
6.
März 2018 [
Urk.
7/106/3-5]) bestehe w
eiterhin
eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit. Wegen
des
erhöhten
Pausenbedarfs sollten die 50
%
in einem
100
%
Zeitpensum realisiert werden können.
Von Oktober 2015 bis Oktober 2017 habe
wegen der Schulterproblematik rechts
und vom
5.
Juni bis
1.
November 2018
wegen der Schulterproblematik links
ein
e
100%
ige
Arbeitsunfähigkeit
be
standen
.
3.15
Anlässlich der geplanten Verlaufskontrolle drei Monate postoperativ nach
der Schulterarthroskopie links
hielt
Dr.
B._
im Bericht vom
6.
Dezember 2018 (
Urk.
3/4) fest,
i
nitial
habe
sich e
i
n sehr erfreulicher Verlauf
gezeigt
. In
letzter Zeit
bestünden jedoch
wieder deut
lich zunehmende Beschwerden an der
linke
n
Schulter
.
Intraoperativ
seien damals ja grossflächige 4.
gradige
Knorpelschäden sowohl am
Humeruskopf
wie auch am
Glenoid
dokumentiert worden.
Die aktive und passive Beweglichkeit am linken Arm sei gut erhalten aber
endgradig
schmerz
haft und es bestehe eine
Druckdolenz
über der Gelenkkapsel. Leider
trä
ten
nach dieser gelenkerhaltenden Operation im September 2018 bereits wieder
inflamma
torische
Beschwerden auf
und primär
entschliesse
man sich f
ür eine Infiltration
.
4.
4.1
Gemäss
den medizinischen
Akten leidet
die Beschwerdeführerin
einerseits
an
progredienten
skoliotischen
Veränderungen an der Wirbelsäule
. Dabei wurde a
ufgrund nicht adäquat therapierbarer Schmerzen mittels konservativer Mass
nah
men
bereits im Juli 2014
die
Indikation zu einem grösseren chirurgischen Eingriff mittels einer
Aufrichtungsspondylodese
gestellt
(E. 3.1
und E. 3.2
)
.
Von einer solchen operativen Intervention wurde aber bis
anhin
abgesehen und
die
Beschwerden
an der Wirbelsäule
mit
tels
Infiltrations- und Physiotherapien
be
handelt
(E. 3.3 und 3.5)
.
Anderseits
sind
Hüft-
und Schulterbeschwerden bekannt, welche
bereits
zu
operativen
Eingriffen
geführt haben. So die Operation vom 1
0.
Juni 2010 Hüft
e
links,
vom
2
1.
Oktober 2015
und 2
6.
Oktober 201
6
Schulter rechts
und
am
5.
September 2018
Schulter links
(vgl. E. 3.2, E. 3.6.2, E. 3.6.4,
E.
3.12).
Unter
sucht wurden auch Beschwerden im Bereich der Finger und Zehen
(Füsse)
, welche im Zusammenhang mit einer Früharthrose ohne entzündliche Affektion gesehen wurden (E. 3.7).
Ab Juli 2014 stand die Beschwerdeführerin sodann wegen einer Erschöpfungsdepression
aufgrund belastender Umstände (Partnerkonflikt, Arbeitsplatzverlust)
vorübergehend in ambulanter psychia
tri
scher
Behandlung (E. 3.4).
4.
2
In erwerblicher Hinsicht ist aktenkundig
, dass der Beschwerdeführerin ihre An
stellung im Service bei der
C._
AG, welche sie vom
1.
Oktober 2012 bis 3
0.
November 2013 ausgeübt hatte,
durch den Arbeitgeber
aus wirtschaftlichen Gründen
gekündigt wurde
(
Urk.
7/
64
Ziff.
2.1 und
Ziff.
2.2
).
Dabei entsprach
der Beschäftigungsgrad
aufgrund der
da
bei
durchschnittlich 85.5
geleisteten
Arbeits
stunden
pro Monat einem Arbeitspensum
von
rund
43
%
(vgl.
Ziff.
12)
.
Im Weiteren bezog die Beschwerdeführerin b
ei einer
Vermittlungsfähigkeit von 50
%
ab
2.
Dezember 2013
Taggeldleistungen der Arbeitslosenversicherung (vgl.
Urk.
7/61
f.
).
Die Anstellung als pädagogische Betreuungsassistentin beim Schul
amt der
J._
trat sie
per
1.
November 2014
in
einem
Pensum
von 20
% (
8.4 h/wöchentlich;
Urk.
7/71
) an und ab
1.
Januar 2016
wurde dieses
auf 30
%
(12.6
h/wöchentlich,
Urk.
7/105/4)
erhöht.
Dabei
wurden durch die Arbeitgeberin
zahlreiche krankheitsbedingte Abwesenheiten
vermerkt
(vgl.
Urk.
7/105/11).
Gemäss der im Verfahren eingereichten Stellenbeschreibung für pädagogische Assistenz präzisierte die Arbeitgeberin sodann, dass die Beschwerdeführerin
im
h
auswirtschaftlichen Bereich keine Aufgaben
mehr
ausführen könne
. Ausserdem hielt sie fest, dass
aufgrund der eingeschränkten Einsatzfähigkeit sie die Be
schwerdeführerin nicht mehr einstellen
würden, d
ie betrieblichen Abläufe
jedoch
so angepasst
worden
seien
, dass trotz körperlicher Einschränkungen die Be
schwer
deführerin eine gute Unterstützung im Alltag sei (
Urk.
3/6 S. 2 ff. vgl. auch
Urk.
7/105/12-14).
4.3
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sind sich die Ärzte darin einig, dass
der Be
schwerdeführerin
aufgrund der somatischen
Beeinträchtigungen eine Tätigkeit im Servicebereich (Gastronomie) nicht mehr zumutbar ist (
vgl. E. 3.14
Abs.
2
).
Diffe
renzen bestehen
hingegen
in der Beurteilung der Rest
arbeitsfähi
gkeit in ange
passter
Tätigkeit und
ob der Beschwerdeführerin, welche neben dem Bezug einer halben Rente der Invalidenversicherung ein Erwerbspensum von 30
%
ausübt,
die Verwertung
ein
es höheren
Arbeitspensum
s
zumutbar ist.
D
ie behandelnden Ärzte
erachteten dabei
im September 2014
noch eine
an die
Rücken- und Hüftbe
schwerden
angepasste Tätigkeit
von 30 bis 50
%
als realistisch
(E. 3.3). Später als die Beschwerdeführerin ab
November 2014 bei
m Schulamt
eine 20%ige Erwerbs
tätigkeit aufgenommen hatte, welche ab
Januar 2016
auf
30
%
erhöht wurde,
einigten sie sich
dahingehend, dass mit dieser Tätigkeit die Restarbeitsfähigkeit bestm
öglich ausgeschöpft sei (E. 3.9,
E.
3.10,
E.
3.11 vgl. auch E. 3.13
).
Dr.
L._
vom RAD
erachtete hingegen
in seiner Aktenbeurteilung die von den Behandlern attestierte
Restarbeitsfähigkeit von 30
%
entsprechend dem tatsächlich ausge
übte
n Erwerbspensum als zu tief. Er
begründete dies damit
, dass
die
ausgeübte Tätigkeit gemäss
Stellenbeschrieb
Schulte
rn
und
Rücken belast
en
de Tätigkeiten
enthalte
, sodass in einer
optimal angepassten Tätigkeit
eine höhere Leistungs
fähigkeit
bestehe
.
4.4
Die medizinische Stellungnahme des RAD erscheint für
den Rechtsanwender ni
cht ohne W
eiteres plausibel. Ins Gewicht fällt
einerseits
, dass der RAD die Beschwer
defü
hrerin nicht untersucht hat und
er dementsprechend seine
Einschätzung
auch nicht auf eigene Untersuchungsbefunde
a
bstützen
kann
. Anderseits liegen auch
keine
medizinischen Berichte vor
, welc
he im massgebenden Zeitraum (ab
Juli 2014
, vgl. E. 3 hiervor
)
die
vom RAD
attestierte
Restarbei
tsfähigkeit
von
50
%
bestätigen
können
. Es mag
zwar zutreffen, dass
sich die behandelnden Ärzte über die
Bedeutung des Begriffs
«
ange
passte Tätigkeit»
, so der RAD,
nicht im Klaren waren (vgl.
Urk.
7/126/4)
.
D
enn
eine eingehendere Auseinandersetzung
mit dem zumutbaren Belastungsprofil
und dem Stellenprofil
der beim Schulamt
ausge
übten Tätigkeit
ist den Berichten
der Behandler
nicht zu entnehmen
.
Auf ihre
eher pauschale Einschätzung
,
ein höheres als das ausgeübte 30%ige
Arbeits
pensum sei kaum möglich, kann damit auch nicht abgestellt werden.
Im Verfahren hielt d
ie Beschwerdeführerin
der Stellungnahme des RAD zudem
entgegen, dass ihre Arbeitgeberin die Stelle ihren Beschwerden
bereits
angepasst habe und sie entsprechende körperliche belastende Tätigkeiten nicht
«mehr» aus
übe (
Urk.
1 S. 10). Mit diesem Vorbringen und den
eingereichten Unterlagen (
Urk.
3/6)
hat sich die Beschwerdegegnerin
jedoch
nicht auseinandergesetzt (vgl.
Urk.
6).
Insgesamt
bestehen
da
mit
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des RAD-Berichts
und es
kann
dar
auf nicht abgestellt werden (zum Beweiswert vgl. E. 1.3 hiervor). Die Fragestellung nach
der Restarbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
lässt sich auch nicht zuverlässig anhand der übrigen Facharztberichte beantworten.
Letztlich leidet die angefochtene Verfügung aber auch an einem offensichtlichen Begründungsmangel, nachdem
in der angefochtenen Verfügung zwar eine «volle Arbeitsunfähigkeit»
vom
5.
Juni bis
1.
November 2018
fest
gehalten
(vgl.
Urk.
2 S. 3 oben)
,
jedoch nicht erklärt wurde, weshalb dies nicht zumindest zu einer befristeten Rentenerhöhung geführt hat.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen
,
besonder
s
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
; vgl. auch BGE 139 V 99 E. 1.1 und 137 V 210 E. 4.4.1.4
).
5.2
Vorliegend erweist sich der medizinische Sachverhalt in Bezug auf die Beurtei
lung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in somatischer Hinsicht im Verfügungszeitpunkt aber auch im Verlauf seit Juli 2014 als ungenügend abge
klärt (vorstehend E. 4.3 und E. 4.4).
Der angefochtene Entscheid ist daher aufzuheben und zur entsprechenden medi
zinischen Abklärung
mit
anschliessender
rechtsgenüglich
begründeter
Neuver
fügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6
.
6
.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 - 1'000 Franken fest
zulegen und vorliegend auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen.
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu ver
pflich
ten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung (in
klu
sive Barauslagen und Mehrw
ertsteuer) in der Höhe von
Fr.
2‘
3
0
0.
-- zu bezahlen.