Decision ID: d731cb97-0d75-4417-9ca7-f14b4961b10d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1963 geborene
X._
war seit dem 1. Mai 2006 als Anlageberaterin bei der
Y._
beschäftigt und damit gegen die Folgen von Unfällen bei der CSS
Versicherung AG versichert, als sie am 23. Juli 2012 bei einem Fahrrad
sturz
ein
schweres
Schädelhirntrauma erlitt (
Urk.
7/3 und Urk.
7/1)
und
hernach
b
is Ende Februar 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig
war
(Urk.
7/44)
.
In der Folge nahm sie ihre Arbeit
unter langsamer
Pensums
teige
rung
wieder auf
; ab dem 1. September 2013 führte sie ein Pensum von 50
%
aus
(Urk. 7/137)
.
Am 1. Januar 2014 ging das Arbeitsverhältnis auf die
Z._
über
(
Urk.
7/161).
Di
e CSS Versicherung AG kam für Taggeld und Heilbehandlungskosten auf
, wobei die Schadenserledigung administrativ durch die
Schweizerische
Unfall
versicherungsanstalt
(
SUVA
)
geführt wird.
Per 31. März 2015 wurde das Arbeitsverhältnis mit der
Z._
aufgelöst (
Urk.
7/218).
1.2
Die SUVA
beabsichtigte in der Folge
,
ein
interdisziplinäre
s
Gutachten in den Fachrichtungen Neurologie, Neuro
psychologie und Ophthalmologie in Auftrag zu geben.
Sie gab
X._
mit Schreiben vom
18. September 2015
die
vorgesehenen Gutachter
(Neurologie, Schwergewicht und Federführung
:
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Neurologie,
B._
; Neuropsychologie
:
Prof.
C._
,
Institut für Neuropsychologische Diagnostik und Bildgebung der Klinik
D._
,
E._
; Ophthalmologie
:
Dr.
med.
Gerber
F._
,
Facharzt Oph
thalmologie,
G._
)
bekannt und räumte
ihr
im selben Schreiben die Gelegenheit
ein
,
zur
Notwendigkeit der
Begutachtung an sich, zu den vorgeschlagenen
Be
gutachtungsstellen
und
zum beigelegten Fragenkatalog mit Sachverhalt Stel
lung
zu nehmen
(
Urk.
7/252)
.
Mit Schreiben vom
29.
September 2015 nahm die Versicherte diese Gelegenheit wahr (
Urk.
7/256). Sie
verlangte
im Wesentlichen
den Einbezug weiterer Fachrichtungen und
wünschte Anpassungen beim Fra
genkatalog
.
Zudem beantragte sie, es seien Fremdanamnesen einzuholen und bei der Gutachtensorganisation auf ihre stark eingeschränkte Belastbarkeit Rücksicht zu nehmen.
Schliesslich stellte sie Zusatzfragen.
Mit Mitteilung vom 10.
November 2015 räumte die SUVA der Versicherten die Gelegenheit
ein
,
zum modifizierten
Entwurf des
Gutachtensau
f
trag
s
unter Einbezug einer psychiatri
schen Begutachtung durch Dr.
med.
H._
,
Psychiatrie und Psychotherapie,
I._
,
Stellung zu nehmen (
Urk.
7/
258-
259).
Auf Einwand der Versicherten hin (
Urk.
7/265)
nahm
die SUVA
hernach
Anpassungen
bei der
Sachverhalt
sschil
derung
vor
und setzte
ihr
erneut eine Frist für eine Stellungnahme an
(
Urk.
7/266). Mit Email vom 11.
Dezember 2015
beantragte die Versicherte eine Fristverlängerung, da sie sich
anwaltlich vertreten lassen
wolle
(
Urk.
7/268).
Mit Einwand vom
18.
Januar 2016
(
Urk.
7/272) rügte die
Anwältin
von
X._
namentlich die
Wahl des federführenden Hauptgutachters
Dr.
A._
(S. 1)
und
beantragte, dass auch das neurologische Teilgutachten in der Klinik
D._
durchgeführt werde
n solle
(S. 9). Zudem erhob sie Einwände
zum Fragenkatalog
(
S. 10 ff.
).
Mit
Zwischenverfügung
vom 1.
Februar 2016 hielt die CSS Versi
cherungen AG an der Begutachtung durch
Dr.
A._
und
am Fragenkatalog
fest (
Urk.
2).
2.
Gegen die Zwischenverfügung vom 1. Februar 2016 (
Urk.
2)
liess die
Versi
cherte am 29. Februar 2016 Beschwerde
erheben und folgendes Rechtsbegehren stellen
(
Urk.
1 S. 2)
:
„Es sei die Verfügung vom 1. Februar 2016 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, dem Vorschlag der Einholung des neurologischen Gutachtens in der Klinik
D._
Folge zu leisten; eventualiter
ist
die Sache an die Beschwerdegegnerin mit der
Weisung zurückzuweisen, das
poli
disziplinäre
Gutachten in einer der folgenden Reha
bilitationskliniken, wenn möglich stationär durchzuführen:
Rehaklinik N
._
Rehaklinik
P._
Kantonsspital
Q._
Unive
rsitätsspital
R._
, resp.
S._
In formeller Hinsicht be
antrage ich,
die Beschwerdegegnerin anzuweisen, in ihrer Verfügung den rechtskonformen Rechtsträger gemäss Handelsregist
erauszug vollstän
dig zu nennen;
unter Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.“
Die CSS Versicherungen AG schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 21. April 2016 (
Urk.
6) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 26. April 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdeführerin beantragte in formeller Hinsicht, die
Beschwerdegegne
rin
sei anzuweisen, in ihrer Verfügung den rechtskonformen Rechtsträger ge
mäss Handelsregisterauszug zu nennen
(
Urk.
1 S. 2)
. Tatsächlich
können
sich
bei
Versicherungsträgern,
die zu einer Gruppe gehören
,
Unklarheiten betreffend die zuständige Rechtspersönlichkeit ergeben
. Vorliegend
geht
aus der Verfü
gung vom 1. Februar 2016 (
Urk.
2)
allerdings
ohne
Weiteres
hervor
, dass diese von der CSS Versicherung AG
erlassen wurde (vgl. die Firma auf Seite 2 vor den Unterschriften). Nicht beanstandet wird von der Beschwerdeführerin
die Zusammenarbeit
zwischen der CSS Versicherung AG als Versicherungsträger und der SUVA als Schadensbearbeiter, weshalb
kein Anlass für diesbezügliche
Weiterungen besteht
.
2
.
2
.1
Mit BGE 137 V 210 hat das Bundesgericht im Zusammenhang mit der Einho
lung von Administrativ- und Gerichtsgutachten bei Medizinischen
Abklärungs
stellen
(MEDAS) die bisherige Rechtsprechung, wonach der Anordnung einer Begutachtung durch den Sozialversicherer kein Verfügungscharakter zukommt (BGE 132 V 93), geändert und festgehalten, dass die (bei fehlendem Konsens zu treffende) Anordnung einer Expertise in die Form einer Zwischenverfügung zu kleiden sei, welche dem Verfügungsbegriff gemäss Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren
(
VwVG
)
entspreche und die beim kantonalen Versicherungsgericht (bzw. Bundesverwaltungsgericht) anfechtbar sei (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6 und 3.4.2.7). Beschwerdeweise geltend gemacht werden könn
ten materielle Einwendungen (etwa des Inhalts, es handle sich um eine unnötige
second
opinion
), solche gegen Art oder Umfang der Begutachtung (beispiels
weise betreffend die Auswahl der medizinischen Disziplinen) oder gegen be
zeichnete Sachverständige (etwa betreffend deren Fachkompetenz). Weiter könnten formelle
Ausstandsgründe
gegen Gutachterpersonen geltend gemacht werden (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Diese zur Invalidenversicherung ergangene Rechtsprechung findet, soweit sie vorliegend zitiert wurde, auch im Bereich der Unfallversicherung Anwendung (BGE 138 V 318 E. 6.1.3-4).
Im Bereich der Invalidenversicherung hat die Vergabe von Aufträgen für
polydis
ziplinäre
Gutachten fortan nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen (BGE
137 V 210 E. 3.1). Ob und gegebenenfalls inwieweit dies für das System der Unfallversicherung gilt, hat das Bundesgericht
nicht entschieden
(vgl. BGE 138 V 318 E. 6.1.1).
2
.2
Im Verwaltungsverfahren müssen Personen, die Entscheidungen über Rechte und Pflichten treffen oder vorzubereiten haben, darunter auch Sachverständige, in den Ausstand treten, wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse haben oder aus andere Gründen in der Sache befangen sein könnten (
Art. 10
VwVG
und
Art. 36
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts,
ATSG
,
sowie statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_599/2014 vom 18. Dezember 2015 mit zahlreichen Hinweisen).
Gemäss Art. 44
ATSG
kann die versicherte Person einen Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und Gegenvorschläge machen. Zum einen werden von den triftigen Gründen die eigentlichen gesetzlichen
Ausstandsgründe
(vgl. Art. 10
VwVG
und Art. 36 Abs. 1 ATSG) erfasst; zum andern zählen auch weitere As
pekte - etwa die fehlende Sachkenntnis - zu den triftigen Gründen (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3
. Auflage, Zürich 20
15
,
Rz
38
zu Art. 44; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 6.4 f.).
3
.
3
.1
Die Beschwerdeführerin
wandte sich
in ihrer Beschwerde
(
Urk.
1) gegen die Wahl des federführenden Gutachters
Dr.
A._
(S. 4 Ziff. 3). Sie warf der SUVA eine ergebnisorientierte Gutachtenszuteilung vor (Ziff. 8 ff.). Die Anwältin der Beschwerdeführerin berichtete von ihren bisherigen
Praxise
rfahrungen mit dem Gutachter
Dr.
A._
(Ziff.
9 f.)
. Sie
stellte die These auf, dass eine Begutachtung durch
Dr.
A._
nicht ergebnisoffen sei, weshalb
dieser Experte
die
von der Rechtsprechung entwickelten
(insbesondere laut BGE 137 V 210) und in Art. 44 ATSG statuierten Voraussetzungen
eines Sachverständigen
nicht erfülle (Ziff. 14). Die Beschwerdeführerin beantragte zum Beweis der ergebnisorientierten
Gutachterzuteilung
sowie der Befangenheit von
Dr.
A._
die Edition
statisti
scher Zahlen zur Gutachtensvergabe durch die Beschwerdegegnerin respektive durch die SUVA (Ziff. 27 f.).
Sie machte zudem geltend, es sei nicht nachvoll
ziehbar, weshalb sie trotz eingeschränkter Mobilität förmlich durch die Deutschschweiz gejagt werde, obwohl sie auf diesen Umstand hingewiesen und darum gebeten habe, an einem Ort begutachtet zu werden (Ziff. 28).
Überdies
rügte sie sinngemäss, dass
kein
ernsthafter
Einigungsversuch erfolgt
sei
(Ziff. 28 S. 11 und Ziff. 38).
Im Weiteren bemängelte die Beschwerdeführerin auch den Fragenkatalog im Gutachtensauftrag (Ziff. 42 ff.).
3
.2
Die Beschwerdegegnerin
hatte in der
Zwischenverfügung vom 1. Februar 2016 (
Urk.
2)
an ihrem Fragenkatalog sowie der Begutachtung durch
Dr.
A._
festge
halten und sich auf den Standpunkt gestellt, es seien keine
triftigen formellen beziehungsweise gesetzlichen
Ausstandsgründe
vorgebracht worden.
In der Beschwerdeantwort vom 21. April 2016 führte die Beschwerdegegnerin aus,
zentraler Grund für den Einbezug von
Dr.
A._
sei seine fachliche Kompe
tenz und seine Erfahrung als Gutachter. Beides werde von der Beschwerdefüh
rerin zu Recht nicht bestritten. Dass
Dr.
A._
von der SUVA kontinuierlich als Gutachter eingesetzt werde, spreche nicht gegen, sondern für dessen Qualität, werde doch die Qualität der Gutachter von der SUVA-Clearing Stelle regelmäs
sig evaluiert und würden die erstatteten Gutachten anhand standardisierten Kriterien einer Review durch SUVA-Fachärzte unterzogen (Urk.
6 S. 3 Ad Ziff. 8 und 9).
Die
regelmässige Berücksichtigung eines bestimmten Gutachters sowie die Anzahl der in Auftrag gegebenen Gutachten und das damit generierte Ein
kommen
stellten
nach gefestigter Rechtsprechung keinen
Ausstandsgrund
dar. Da die praktizierte Gutachtervergabe weder gegen das Gesetz noch gegen die Rechtsprechung im Bereich der Unfallversicherung verstosse, sei die Kritik
an
der Gutachterzuteilung ohne Zufallsprinzip rein
appellatorisch
und damit unbe
achtlich (S. 4 Ad Ziff. 13 bis 16).
Schliesslich
hielt die Beschwerdegegnerin
an den G
utachterfragen 1 bis 3 fest
(S. 6 Ad Ziff. 42, 43, 45 und 46).
3
.3.
Auf die
weiteren
Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
4
.
4
.
1
Vorwegzuschicken ist,
dass die Beschwerdegegnerin
den
laut Bundesgericht auch im Bereich der Unfallversicherung massgebenden Vorgaben zu den
Ver
fahrens-, Gehörs- und Partizipationsrechte
n
der Versicherten
bei der
Gutach
tensvergabe
hinreichend
nachkommen ist
.
Die SUVA
gab
der
Beschwerdeführe
rin vorgängig die Gutachterpersonen
und den Fragenkatalog
bekannt und räumte ihr (mehrmals) Gelegenheit ein,
sich hierzu zu äussern
(vgl.
Urk.
7/266,
Urk.
7/252,
Urk.
7/259 und
Urk.
7/271
).
Auch liess
die SUVA
die Vorschläge der Beschwerdeführerin nicht unberücksichtigt
. Sie erweiterte den
Gutachtensauf
trag
auf deren Ersuchen
hin
um eine zusätzliche
psy
chiatrische Begutachtung
.
Zudem übernahm sie auch die Zusatzfragen der Beschwerdeführerin i
n den
mo
difizierten Gutachten
s
auftrag
(vgl.
Urk.
7/256 und
Urk.
7/259)
.
Den (erst im Laufe des Einigungsverfahrens) erhobenen Einwänden
gegen den Gutachter
Dr.
A._
sowie gegen einen Teil der Gutachterfragen
gab die
Beschwerdegeg
nerin
indes nicht statt
.
Entsprechend
den höchstrichterlichen Vorgaben
ordnete
sie
die
Begutachtung
deshalb
durch eine anfechtbare Zwischenverfügung
an (Urk.
2).
Nicht gefordert
wurde
vom
Bundesgericht bislang
, dass auch
im Bereich der Unfallversicherung bei polydisziplinären Gutachten eine Gutachtensvergabe
nach dem Zufallsprinzip erfolgen muss,
weshalb
schliesslich
auch die
direkte Gutachtens
zuteilung
an sich nicht zu beanstanden
ist
.
4
.2
In der Hauptsache
wandte
die Beschwerdeführerin ein, die Begutachtung durch
Dr.
A._
sei nicht ergebnisoffen. Bei allen durch die Rechtsanwältin der Be
schwerdeführerin analysierten „zig“ Gutachten sei dasselbe Ergebnis herausge
kommen: keine Leistungspflicht der SUVA (
Urk.
1 Ziff. 10).
Die Rechtsanwältin der Beschwerdeführerin beanstandete im Weiteren auch die Qualität der ihr be
kannten Gutachten
von
Dr.
A._
und berichtete überdies von
durch die Begut
achtung
retraumatisierten
Versicherten (
Urk.
1 Ziff. 9 f.).
Zur Massgeblichkeit der
gestalt
gelagerter Vorhalte
hat sich das Bundesgericht
in der Vergangenheit
bereits öfters und
in einem jüngeren
Entscheid, aus dessen Erwägungen
auch
die Beschwerdeführerin zitiert
e
(
Urk.
1 Ziff. 17 ff.),
erneut
ge
äussert
(Urteil des Bundesgerichts 8C_599/2014 vom 18. Dezember 2015 E. 6)
.
Rechtsprechungsgemäss kann eine Befangenheit einer sachverständigen Person grundsätzlich nicht mittels der Schilderung einzelner angeblich negativer Er
fahrungen anderer versicherter Personen mit dieser Gutachtensperson in fr
ühe
ren Fällen begründet werden
(E. 6.2 mit Hinweisen)
.
Das gilt auch für die vorliegenden wenig
konkreten Vorhalte
. So ist nicht klar, weshalb sich Versicherte bei der Begutachtung durch
Dr.
A._
„menschenver
achtend“ (
Urk.
1 Ziff. 9) behandelt gefühlt hätten.
Sollte es indes anlässlich der Begutachtung
der
Beschwerdeführerin zu einem unangemessenen Vorgehen kommen, wäre solches im konkreten Fall zu rügen und könnte durchaus die Nichtverwertbarkeit des Gutachtens zur Folge haben.
Die aus
Sicht
der Anwältin geschilderte mangelhafte Qualität der von ihr analysierten
„zig“
Gutachten lässt
ebenfalls
keine verallgemeinernden Schlüsse zu
, zumal sie
auch nicht
geltend macht
e
,
diese
hätten vor Gericht keinen Bestand gehabt.
Ob das Gutachten und die vom Gutachter attestierte
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
sowie dessen Überlegungen zu
r
Kausalität zu
überzeugen
vermögen
,
wird
die Beschwerdegegnerin und im Beschwerdefall das Gericht
im Rahmen der
Beweiswürdigung zu prüfen
haben
.
4.3
Im bereits zitierten Entscheid erwog das Bundesgericht indes, dass es in Fällen, in denen
substanziiert
dargetan werde, wie sich aus der (angeblichen) Fehlleis
tung eines Experten in früheren Fällen auf eine Befangenheit dieses Experten im konkreten Fall schliessen liesse (Urteil des Bundesgerichts 8C_599/2014 vom 18. Dezember 2015 E. 6.2 mit Hinweisen),
nicht völlig ausgeschlossen sei,
dass der (Anscheins-)Beweis
für die behauptete
systematische Voreingenommenheit eines Experten mittels verlässlicher Statistiken über die Gutachtenstätigkeit ge
führt werden könne (E. 6.5)
. In diesem Sinn
beantragte die Beschwerdeführerin
zur Untermauerung
der geltend gemachten
Befangenheit von
Dr.
A._
die Edi
tion
von
Angaben
aus der Gutachtenstatistik
bei der
Clearing-Stelle der SUVA
. Sie verlangte die Edition
von genau bezeichnetem Zahlenmaterial
betreffend die Gutachtensvergabe
n
an Dr.
A._
sowie andere neurologische
Gutachtensauf
träge
(
Urk.
1
S. 9 f.).
Zunächst ist
festzuhalten
, dass
das Bundesgericht im
zitierten
Entscheid zwar in Erwägung zog, dass es denkbar wäre
,
den Anschein der Befangenheit mit sta
tis
tis
chen Daten zu führen, die Massgeblichkeit
der angerufenen
Daten dann aber
doch
verneinte (E. 6.6).
Ein Anspruch
auf
Edition solcher Statistiken im Prozess
lässt
sich aus diesem Entscheid auf jeden Fall nicht ableiten, wenn auch das Bedürfnis nach
Erhebung und
Offenlegung
statistischer Daten zur
Gutach
tens
v
ergabe
durch die Verwaltung
, wie
etwa
vom
Bundesamt für Sozialversi
cherungen (
BSV
)
mit dem
SuisseME
D
@
P-Reporting
in Angriff genommen
, nachvollziehbar ist
.
In diesem Sinn kann offen bleiben, ob
die verlangten Daten von der SUVA überhaupt erhoben werden (vgl.
Urk.
6 S. 4 f. Ad Ziff. 27)
.
So
weit die Beschwerdeführerin die Datenoffenlegung mittels Bundesgesetz
es
über das Öffent
lichkeitsprinzip der Verwaltung
(Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ)
durchset
zen möchte
(vgl.
Urk.
1 Ziff. 30)
, wird
sie
den dort vorgesehenen Weg zu be
schreiten haben.
Überdies
liesse
sich
mit der von der Beschwerdeführerin geforderten
Datenbereit
stellung
der angestrebte Beweis der ergebnisorientierten Begutach
tung
auch
nicht
erbringen
,
verlangte
sie doch nur in Bezug auf Dr.
A._
Anga
ben
betreffend die
Anzahl der
Fälle
, in denen eine natürliche
Kausalität bezie
hungsweise
ein
status
quo sine/ante
ab
12 Monaten
bejaht beziehungsweise verneint wurden
(
Urk.
1 Ziff. 27)
.
Ohne Vergleichsdaten sind
aber
die Daten ei
nes einzelnen Gutachters
von v
ornher
e
in uninteressant (vgl. das vorerwähnte Urteil des Bundesgerichts 8C_599/2014 vom 18. Dezember 2015 E.
6.6).
4
.
4
Unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Abhängigkeit führen nach gefestig
ter Rechtsprechung
auch
der regelmässige
Beizug
eines Gutachters oder einer Begutachtungsinstitution durch den Versicherungsträger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen für sich allein genommen nicht zum Ausstand (BGE 137 V 210 E. 1.3.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_113/2012 vom 14. Mä
rz 2012 E. 2.1 und
8C_702/2
011 vom 8. Februar 2012 E. 5.1
)
.
4
.5
Betreffend den Einwand der e
ingeschränkte
n
Mobilität
(
Urk.
1 Ziff. 28) ist
mit Blick auf die aktenkundigen Aktivitäten der
Beschwerdeführerin
(vgl. etwa
Urk.
7/234)
nicht ersichtlich, dass
ihr
die
Anreise von
J
._
nach
Wattwil
, Us
ter,
Zürich und Basel
nicht m
öglich und zumutbar sein soll
, zumal
ihr
im Fall einer Begleitung durch den Lebenspartner
de
r
Ersatz der
Spesen
auslagen
ange
boten wurde
(
Urk.
7/271).
5
.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Bereich der Invalidenversi
cherung hat die Verwaltung über die
Zusatzfragen der versicherten Pers
on mit
tels Verfügung zu befinden
. Will die versicherte Person dagegen Beschwerde er
heben, hat sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil nachzuweisen (
BGE 141 V 330
).
Die rechtssuchende Person hat diesen Nachteil darzulegen und er ist vom Gericht als
Eintretensvoraussetzung
zu prüfen (E. 8.2). Für das Verfah
ren im Bereich der Unfallversicherung ist nichts Abweichendes vorzusehen, zu
mal sowohl im Abklärungsverfahren der Invalidenversicherung wie auch in demjenigen der Unfallversicherung grundsätzlich dieselben
Verfahrensbestim
mungen
gelten (vgl. Art. 1
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversiche
rung, UVG; in Verbindung mit Art. 43-49 ATSG).
Die Beschwerdeführerin äusserte sich beschwerdeweise nicht zur Frage des
nicht
wiedergutzumachenden
Nachteils, weshalb die
Eintretensvoraussetzung
kaum erfüllt sind. Immerhin bleibt in Bezug auf die Rügen betreffend den Fra
genkatalog (
Urk.
1
Ziff.
42 ff.) zu bemerken, dass diesen nicht gefolgt werden kann.
Nicht zu beanstanden ist die Frage 1 nach apparativ-bildgebend objek
ti
vierbaren, organisch nachweisbare
n Befunden. Hierzu kann auf die zutreffenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin verwiesen werden (
Urk.
6 Ad
Ziff.
42).
Die Frage 3
zu
den unfallfremden Gesundheitsschäden ist nicht in verpönter Weise suggestiv formuliert, zumal sie auch als Anschlussfrage an die Frage 2
betreffend die
unfallbedingten
Gesundheitsschäden zu lesen ist
.
Die
von der Versicherten beantragte
Ergänzung der Frage 4a
(Ist von weiteren medizini
schen Behandlungsmassnahmen [...] eine namhafte Steigerung [...] der Arbeits
fähigkeit [...] zu erwarten?)
mag die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung zwar nicht mit der gewünschten
Deutlichkeit akzeptiert haben, mit den Aus
führungen in der Beschwerdeantwort (
Urk.
6 Ad
Ziff.
44)
, wonach die Ergän
zungsfrage (betreffend vorgeschlagene Behandlungsmassnahmen) dem Gutach
ter unterbreitet werde,
ist allerdings auch dieser Punkt geklärt. Dasselbe muss sinngemäss für die
beantragte
Ergänzung der Frage 6 in Bezug auf das kogni
tive Belastbarkeitsprofil gelten (vgl.
Urk.
1
Ziff.
44).
6
.
Zusammenfassend liegen
weder
Anhaltspunkte vor,
die
den Anschein der Befan
genheit von
Dr.
A._
zu begründen vermögen noch stehen anderweitige
triftige Gründe einer Begutachtung
der Beschwerdeführerin
durch
Dr.
A._
ent
gegen.
Demgemäss ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit der ange
fochtenen Zwischenverfügung vom
1.
Februar 2016 (
Urk.
2) an der Begut
achtung durch
Dr.
A._
sowie durch die übrigen von ihr
vorgeschlagenen Gut
achter
festhielt. Der Entscheid betreffend Gutachterwahl bleibt – auch wenn die Versicherten Vorschläge machen können – bei der Verwaltung.
Ebensowenig
ist das Festhalten an den Gutachterfragen
– mit den anerkannten Ergänzungen –
zu beanstanden
, soweit auf
die
entsprechenden Vorbringen einzutreten ist
.
Demgemäss ist die Beschwerde abzuweisen.