Decision ID: 185f6e9e-d0da-4eb1-87d2-dc0705d6c671
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Der Gesundheitsrat des Kantons St. Gallen erteilte Dr. A._ am 19. September 1996
eine für den ganzen Kanton gültige unbefristete Bewilligung zur selbständigen
Berufsausübung als Zahnarzt. Nachdem ihm das Gesundheitsdepartement (GD) im
Rahmen eines Disziplinarverfahrens die Berufsausübungsbewilligung mit Verfügung
vom 27. November 2012 vorsorglich entzogen hatte, wies es am 11. November 2013
sein Gesuch um Erteilung einer (neuen) Berufsausübungsbewilligung mangels
Vertrauenswürdigkeit ab und trat auf das Begehren um Wiedererwägung des
vorsorglichen Bewilligungsentzugs nicht ein. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
Mit Verfügung vom 10. November 2015 wies das GD ein Ausstandbegehren von Dr.
A._ gegen den Verfahrensleiter B._ (Ziff. 1) sowie ein Gesuch um Einsicht in die nicht
zu den Akten genommenen Patientenbeschwerden ab (Ziff. 2). Es stellte ferner fest,
dass die Vertrauenswürdigkeit von Dr. A._ nicht gegeben und seine berufliche Eignung
nachhaltig in Frage gestellt sei (Ziff. 3). Im Weiteren trat es auf die Gesuche um
Wiedererwägung der Verfügungen vom 27. November 2012 und vom 11. November
2013 nicht ein (Ziff. 4 f.) und büsste Dr. A._ disziplinarisch mit CHF 10‘000 (act. G 11.1
Beilage 3 [act. 369]). Hiergegen erhob Dr. A._ durch seinen Rechtsvertreter,
Rechtsanwalt PD Dr. Peter Reetz, Küsnacht, Beschwerde beim Verwaltungsgericht
(Verfahren B 2015/307). Mit Entscheid vom 24. August 2017 hiess das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2015/307 gut, soweit darauf einzutreten oder
das Verfahren nicht gegenstandslos geworden war.
b. Am 1. Dezember 2015 hatte der Rechtsvertreter von Dr. A._ bei der
Anklagekammer des Kantons St. Gallen Strafanzeige gegen C._, ehemaliger
Generalsekretär des GD, und D._, ehemaliger Leiter Rechtsdienst des GD, mit jeweils
der Begründung erhoben, diese hätten in einem Interview gegenüber der E._-Zeitung
schützenswerte Personendaten von Dr. A._ offenbart und damit das Amtsgeheimnis
verletzt (act. G 11.1 Beilage 5 [act. 378.1]). Die Departementsvorsteherin des GD
bestätigte am 1. Juli 2016, dass sie die beiden ehemaligen Mitarbeiter im Jahr 2012
mündlich ermächtigt habe, sich gegenüber der E._-Zeitung zu der dem GD im
Zusammenhang mit Dr. A._ vorgeworfenen Untätigkeit zu äussern. Auf die dagegen
am 25. Juli 2016 erhobene Beschwerde trat das Verwaltungsgericht mit Entscheid B
2016/173 vom 18. April 2018 nicht ein.
c. Am 2. Juni 2017 hatte Dr. A._, unter Berufung auf das kantonale Datenschutzgesetz
(DSG; sGS 142.1) ein Gesuch um vollständige Akteneinsicht sowie um
Auskunftserteilung mit Bezug auf die Akten des Disziplinarverfahrens und die
Berichterstattung in der E._-Zeitung (veröffentlicht am 28. Juni 2012) gestellt. Mit
Schreiben vom 7. Juni 2017 teilte ihm das GD mit, die Zuständigkeit betreffend das
erwähnte Verfahren sei aufgrund der Beschwerdeerhebung auf das Verwaltungsgericht
des Kantons St. Gallen (Verfahren B 2015/307) übergegangen. Für die strafrechtlichen
Abklärungen sei die Staatsanwaltschaft zuständig. Mit Beschwerde vom 3. Juli 2017 (B
2017/131) stellte Rechtsanwalt Reetz für Dr. A._ das Rechtsbegehren, es sei das GD
anzuweisen, das Akteneinsichtsgesuch vom 2. Juni 2017 zu bearbeiten und dem
Beschwerdeführer die gewünschte Akteneinsicht zu erteilen. Mit Entscheid vom
6. November 2017 hiess das Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2017/131 gut und
wies die Sache zur Prüfung und Verfügung der Akteneinsicht an die Vorinstanz zurück.
Am 7. Dezember 2017 verfügte das GD im Zusammenhang mit einem weiteren Gesuch
von Dr. A._ um Feststellung des Bewilligungsstatus, auf seinen Antrag nach Edition
der GD-actoren 162 f. des Disziplinarverfahrens (Patientenbeschwerden) werde unter
Verweis auf E. 15.3.3 des Verwaltungsgerichtsentscheids vom 24. August 2017 (B
2015/307) im Rahmen des Vollstreckungsverfahrens nicht eingetreten. Jedoch sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
festzuhalten, dass angesichts der E. 2.5 im Verwaltungsgerichtsentscheid vom
6. November 2017 (B 2017/131) die Sache der bisher nicht edierten
Patientenbeschwerden im Zusammenhang mit der Erledigung des Gesuchs vom
2. Juni 2017 erneut zu prüfen sein werde (Ziff. 2). Mit Verfügung vom 4. Mai 2018
eröffnete das GD Dr. A._, ihm werde über seinen Rechtsvertreter PD Dr. Reetz
Einsicht in die nicht bearbeiteten Patientenanzeigen (GD-act. 162 f.) gewährt; dies ohne
Anonymisierung oder inhaltliche Einschränkungen. Die Akteneinsicht wurde unter der
Auflage bewilligt, dass der Rechtsvertreter seinem Mandanten die Dokumente nicht
aushändigen und ihm keine Auskünfte geben dürfe, welche zur Identifizierung von
Aufsichtsanzeigern führen könnten. Der Rechtsvertreter dürfe seinen Mandanten
ausschliesslich über Umfang, Form und Inhalt der Patientenanzeigen orientieren
(Ziff. 2). Das GD werde nach erfolgter Akteneinsicht den Aufsichtsanzeigern die sie
betreffenden Unterlagen zurückgeben (Ziff. 3). Die gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde B 2018/126 hiess das Verwaltungsgericht, soweit es darauf eintrat, mit
Entscheid vom 10. Februar 2019 in dem Sinn teilweise gut, als es die
Kostenauferlegung für den Verfügungserlass aufhob und Vorinstanz anwies, dem
Beschwerdeführer den von ihm für das Verwaltungsverfahren geleisteten
Kostenvorschuss von CHF 1'500 zurückzuerstatten. Im Übrigen wurde die Beschwerde
abgewiesen.
d. Mit Schreiben vom 23. November 2017 hatte das GD das Gesuch um Akteneinsicht
und Auskunftserteilung vom 2. Juni 2017 beantwortet (act. G 11.1 Beilage 9 [act. 538]).
Hierauf schrieb das Verwaltungsgericht eine in diesem Zusammenhang eingereichte
Rechtsverweigerungsbeschwerde von Dr. A._ mit Entscheid B 2017/156 vom
24. November 2017 als gegenstandslos geworden ab. Am 28. November 2017
beantwortete das GD die Fragen, welche unter anderem Gegenstand des VerwGE B
2017/131 gebildet hatten (act. G 11.1 Beilage 12 [act. 539]). Mit Eingabe vom
14. Dezember 2017 legte der Rechtsvertreter von Dr. A._ eine Liste fehlender Akten
vor (act. G 11.1 Beilage 13 [act. 546]). Mit Schreiben vom 22. Dezember 2017 (act. G
11/548) und 8. Januar 2018 (act. G 11.1 Beilage 15 [act. 551]) äusserte sich das GD zur
Frage der Vervollständigung der Akten und wies darauf hin, dass die Prüfung der E-
Mails des ehemaligen Leiters Rechtsdienst noch mehr Zeit in Anspruch nehme. In den
Eingaben vom 29. und 30. Januar 2018 stellte Dr. A._ weitere Anträge betreffend die
Vervollständigung der Akten (act. G 11.1 Beilage 17 [act. 564.1 f.]). Zu einem weiteren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schreiben seines Rechtsvertreters vom 31. Januar 2018 (act. G 11.1 Beilage 16 [act.
563]) nahm das GD am 9. Februar 2018 Stellung (act. G 11.1 Beilage 17 [act. 564]). Mit
Schreiben vom 20. Februar 2018 präzisierte der Rechtsvertreter die von seinem
Mandanten am 29./30. Januar 2018 gestellten Anträge und verlangte eine
Beantwortung derselben (act. G 11.1 Beilage 18 [act. 565]). Hierzu äusserte sich das
GD mit Schreiben vom 1. März 2018 (act. G 11.1 Beilage 19 [act. 568]).
e. Nach einer weiteren umfangreichen Korrespondenz (vgl. act. G 11.1 Beilagen 20-31
[act. 572, 574, 581, 582, 583, 586-591]) verfügte das GD am 19. Dezember 2018 (act.
G 2/2) folgendes: Auf die Anträge, welche sich auf die im Disziplinarverfahren nicht
verwendeten Patientenanzeigen beziehen würden (Beschwerdeverfahren B 2018/126),
werde nicht eingetreten (Ziff. 1). Soweit Dr. A._ eine Ausforschung von GD-
Mitarbeitenden beabsichtige, werde der entsprechende Antrag nicht an die Hand
genommen (Ziff. 2). Es werde festgehalten, dass das GD das Gesuch vom 2. Juni 2017
und seine Ergänzungen vollständig beantwortet habe, soweit die Daten tatsächlich
vorhanden und die Anträge zulässig seien (Ziff. 3). Es werde festgestellt, dass die für
das Disziplinarverfahren relevanten Akten zum Dossier genommen worden seien. Der
Vorwurf der Unvollständigkeit der Akten sei unzutreffend (Ziff. 4). Der Antrag auf
Eröffnung eines Beweisverfahrens mit Befragungen und schriftlichen Anfragen zur
Rekonstruktion von nicht aktenkundigen Ereignissen werde abgewiesen (Ziff. 5). Dr.
A._ werde Einsicht in folgende Akten uneingeschränkt gewährt: Anhänge 4-9, 12 f.,
24, 26 f., 29, 39-45, 47, 49-52, 55, 58-62, 64, 66, 67, 69-78, 80, 82, 84, 87, 89, 91-93,
95, 101, 103, 116, 121-133 (act. G 11.2 und 11.3) sowie Akten F._ 1-9 und B._ 1 und
2 (act. G 11.4; Ziff. 6). Die in der Verfügung (E. 7.7) als vertraulich eingestuften Akten
würden zum Schutz von Drittpersonen nicht herausgegeben. Dr. A._ erhalte durch
diese Verfügung Auskünfte über den Inhalt dieser vertraulichen Akten (Ziff. 7). Die in der
Verfügung (E. 7.8) zitierten verwaltungsinternen Akten würden nicht herausgegeben.
Das ausnahmsweise bestehende Auskunftsrecht werde durch die Wiedergabe der
entsprechenden Inhalte in E. 7.9 der Verfügung gewährleistet (Ziff. 8). Dr. A._ werde
eine Entscheidgebühr von CHF 1500 auferlegt (Ziff. 9).
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
a. Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Reetz für Dr. A._ am 16. Januar 2019
Beschwerde (act. G 1) mit den Rechtsbegehren, die Dispositivziffern 1-5 sowie 7-9 der
Verfügung seien aufzuheben (Ziff. 1). Das GD sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer
sämtliche ihn betreffenden und/oder im Zusammenhang mit dem Disziplinarverfahren
stehenden E-Mails samt Anhängen (insbesondere die in Ordner 2 [erster Teil E-Mails
von D._ bzw. G._], Ordner 3 [zweiter Teil E-Mails von D._ und G._] und Ordner 4
[Kontakt von F._ bzw. B._ mit der E._-Zeitung]) zuzustellen (Ziff. 2). Das GD sei
anzuweisen, die noch nicht (vollständig) beantworteten Auskunftsbegehren mit
Befragungen oder schriftlichen Anfragen zur Rekonstruktion von nicht aktenkundigen
Ereignissen zu bearbeiten (Ziff. 3). Es seien die E-Mails samt Anhänge gemäss
Rechtsbegehren Nr. 2 des Revisionsverfahrens D-16-6006 beizufügen (Ziff. 4). Es sei
die aufschiebende Wirkung der Beschwerde auf den angefochtenen Teil der Verfügung
zu beschränken und die Dispositivziffer 6 der Verfügung rechtskräftig zu erklären (Ziff.
5).
b. Mit Schreiben vom 18. Januar 2019 bestätigte der Abteilungspräsident des
Verwaltungsgerichts Dispositivziffer 6 der Verfügung vom 19. Dezember 2018 als
rechtskräftig (act. G 4). In der Beschwerdeergänzung vom 20. Februar 2019 bestätigte
und begründete der Rechtsvertreter die gestellten Rechtsbegehren (act. G 5).
c. In der Vernehmlassung vom 2. April 2019 beantragte die Vorinstanz, die Beschwerde
sei unter Kostenfolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei (act. G 10). Hierzu
äusserte sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in der Eingabe vom 26. April
2019 und bestätigte seinen Standpunkt (act. G 13).
d. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden

Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, VRP; sGS 951.1). Der
Beschwerdeführer ist zur Beschwerde berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 16. Januar 2019 (act. G 1) entspricht in
Verbindung mit der Beschwerdeergänzung vom 20. Februar 2019 (act. G 5) zeitlich,
formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 47 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1. Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet die Bearbeitung des Gesuchs
des Beschwerdeführers vom 2. Juni 2017 mit Auskunfts- und Einsichtsbegehren bzw.
Fragen zur Berichterstattung in der "E._-Zeitung" im Juni 2012 (act. G 11.1 Beilage 8
[act. 484]; G 11.1 Beilage 6) sowie weitere von ihm in diesem Zusammenhang gestellte
Anträge. Streitig ist, ob die Fragen/Anträge von der Vorinstanz zureichend beantwortet/
behandelt wurden. Nicht streitig bzw. nicht angefochten ist Dispositivziffer 6 der
angefochtenen Verfügung (act. G 1 S. 7); diesbezüglich wurde mit Verfügung vom
18. Januar 2019 die Teilrechtskraft erklärt (act. G 4). Versehentlich nicht in
Dispositivziffer 6 aufgenommen wurde - wie der Beschwerdeführer zu Recht festhält
(act. G 5 S. 3) - das als "unbedenklich zur Herausgabe" klassifizierte E-Mail gemäss
Anhang 118 (act. G 11.3). Nachdem die Teilrechtskraft in diesem Verfahren eintrat und
bestätigt worden war (act. G 4) und eine Berichtigung (Art. 93 VRP) im
Zuständigkeitsbereich der Vorinstanz liegt, ist eine solche im verwaltungsgerichtlichen
Verfahren formell indes nicht möglich.
Das Gesuch des Beschwerdeführers vom 2. Juni 2017 betrifft folgende Unterlagen und
Sachverhalte:
1. Protokolle der ihn betreffenden „Interviews“ der E._-Zeitung (H._) mit C._ und
D._ oder (bei fehlender Protokollierung) Auskunftserteilung über Zeitpunkt, Ort,
Teilnehmer und Themen der „Interviews“.
2. Protokolle hinsichtlich der Besprechung zwischen H._ und dem GD betreffend
Vorbereitung der Artikelserie der E._-Zeitung.
3. Protokoll der im Artikel der E._-Zeitung vom 28. Juni 2012 (act. G 2.3) erwähnten
Sitzung mit einem Zahnarzt oder (falls es an einem Protokoll fehlt) Auskunftserteilung
über Zeitpunkt, Ort, Themen und getätigte Äusserungen.
septies
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4. Akten betreffend die im vorerwähnten Zeitungsartikel angeführten zehn Fälle von
„A._-Patienten“.
5. Ergebnis einer allfälligen Befragung der Teilnehmer der im erwähnten Zeitungsartikel
erwähnten Sitzung durch C._.
6. Zustellung von Unterlagen betreffend den im erwähnten Zeitungsartikel angeführten
Briefwechsel.
7. Zustellung einer von D._ im erwähnten Zeitungsartikel angeführten „Beschwerde im
Zusammenhang mit Dr. A._ im Frühjahr 2010“.
8. Mitteilung, auf welcher Rechtsgrundlage der Aufruf von C._ im erwähnten
Zeitungsartikel (Meldung an das GD durch geschädigte Patienten, um diese beraten zu
können) beruht.
9. Mitteilung, von welchen im erwähnten Zeitungsartikel angeführten „neun Fällen vor
und einem Fall nach 2007“ D._ Kenntnis gehabt habe und welchen Inhalts diese
gewesen seien.
10. Frage, ob das GD eine Liste mit angeblichen Patientenbeschwerden (act. G 7/162 f.
[B 2015/307]) der E._-Zeitung übergeben, mitgeteilt oder bestätigt habe bzw. ob H._
Einsicht in die Patientenbeschwerden erhalten habe.
2.2. Als wichtiger Teilaspekt des Grundsatzes des fairen Verfahrens (Art. 29 Abs. 1 der
Schweizerischen Bundesverfassung [BV], SR 101) ist der Anspruch auf rechtliches
Gehör in Art. 29 Abs. 2 BV verankert worden (BGE 133 I 100 E. 4.5; 129 I 85 E. 4.1). Er
garantiert als prozessorientiertes Mitwirkungsrecht das Recht der Verfahrensparteien
auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der
Entscheidfindung (BGE 126 V 130 E. 2b). Die Ausübung von prozessualen
Mitwirkungsrechten, insbesondere des Beweisführungsrechts, setzt die Möglichkeit
einer Akteneinsichtnahme voraus, welche ihrerseits auf einer Aktenführungspflicht der
Verwaltung beruht (BGE 132 II 485 E. 3.2; 130 II 473 E. 4.1). Es entspricht einem aus
dem Anspruch auf rechtliches Gehör abgeleiteten allgemeinen Verfahrensgrundsatz,
dass entscheidrelevante Tatsachen und Ergebnisse schriftlich zu protokollieren sind.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Aktenf%FChrungspflicht+schriftlich&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-100%3Ade&number_of_ranks=0#page100 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Aktenf%FChrungspflicht+schriftlich&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-I-85%3Ade&number_of_ranks=0#page85 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Aktenf%FChrungspflicht+schriftlich&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-V-130%3Ade&number_of_ranks=0#page130 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Aktenf%FChrungspflicht+schriftlich&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-II-485%3Ade&number_of_ranks=0#page485 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Aktenf%FChrungspflicht+schriftlich&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Umfang der Protokollierungspflicht hat sich an ihrem Zweck - der Garantie der
prozessorientierten Mitwirkungsrechte der Parteien - auszurichten und hängt von den
konkreten Umständen des Einzelfalls ab (BGer 2C_632/2013 vom 8. Juli 2014 E. 4.1
und 4.2 mit Hinweis auf BGE 130 II 473 E. 4.2; 124 V 389 E. 3). Ferner sind Unterlagen,
die massgeblich sein können, von Beginn weg in chronologischer Reihenfolge
abzulegen. Bei Vorliegen eines Gesuchs um Akteneinsicht und spätestens im Zeitpunkt
des Entscheids ist das Dossier zudem durchgehend zu paginieren (BGer 8C_319/2010
vom 15. Dezember 2010 E. 2.2.2). In der Regel ist auch ein Aktenverzeichnis zu
erstellen, welches eine chronologische Auflistung sämtlicher in einem Verfahren
gemachter Eingaben enthält (BGer 2C_327/2010 vom 19. Mai 2011 E. 3.2).
Das Datenschutzgesetz regelt gemäss Art. 2 Abs. 1 DSG die Bearbeitung von
Personendaten durch öffentliche Organe. Nach Art. 2 Abs. 2 lit. c DSG ist das DSG
unter anderem in hängigen Verfahren der Zivil-, Straf- und gerichtlichen
Verwaltungsrechtspflege nicht anwendbar. Die vorliegende Beschwerde stützt sich
jedoch auf datenschutzrechtliche Einsichts- und Auskunftsansprüche betreffend das
abgeschlossene Disziplinarverfahren D-12-6012. Das Einsichtsgesuch wurde m.a.W.
nicht in einem hängigen Straf- oder Verwaltungsgerichtsverfahren gestellt. Auf das
(abgeschlossene) Verwaltungsverfahren (Disziplinarverfahren) ist das DSG anwendbar.
Nach Art. 17 DSG erteilt das öffentliche Organ der betroffenen Person auf Gesuch und
gegen Ausweis über die Identität Auskunft, welche Personendaten über sie bearbeitet
werden. Die Auskunft erfolgt in der Regel schriftlich (Abs. 1). Es gewährt auf Verlangen
der betroffenen Person Einsicht in die Personendaten (Abs. 2). Bei Personendaten
handelt es sich um Angaben, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare Person
beziehen (Art. 1 Abs. 1 lit. a DSG). Nach Art. 18 DSG lehnt das öffentliche Organ
Auskunft und Einsicht ab, schränkt sie ein oder verbindet sie mit Auflagen, soweit
öffentliche oder schutzwürdige private Interessen Dritter überwiegen.
2.3. Das Gesuch des Beschwerdeführers vom 2. Juni 2017 (act. G 11.1 Beilage 8 [act.
484]) bezieht sich auf Angaben, die ihn selbst betreffen bzw. auf Daten, die im Sinn von
Art. 17 Abs. 1 DSG „über ihn bearbeitet“ werden. Ein Einsichtsrecht nach Art. 17 Abs. 2
DSG ist somit grundsätzlich zu bejahen. Dies ungeachtet des Umstands, dass das
erstinstanzliche Verwaltungsverfahren, auf welches sich der Informationsanspruch
bezieht, bereits abgeschlossen ist. Das datenschutzrechtliche Auskunfts- und
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Aktenf%FChrungspflicht+schriftlich&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Aktenf%FChrungspflicht+schriftlich&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-V-389%3Ade&number_of_ranks=0#page389
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einsichtsrecht ist m.a.W. nicht befristet und kann auch ausserhalb eines
Verwaltungsverfahrens geltend gemacht werden (vgl. zum Datenschutzgesetz des
Bundes Rosenthal/Jöhri, Handkommentar zum Datenschutzgesetz, Rz. 4 und 5 zu
Art. 8 DSG). In VerwGE B 2017/131 a.a.O. (E. 2.5) wurde die Vorinstanz angewiesen,
bei der Bearbeitung des Gesuchs vom 2. Juni 2017 die Frage zu klären, ob einer
Herausgabe der Patientenbeschwerden wichtige öffentliche oder schutzwürdige private
Interessen Dritter entgegenstehen bzw. ob von einer Gefährdung von Drittpersonen
durch den Beschwerdeführer auszugehen ist. Was den Einwand der Vorinstanz betrifft,
dass der Beschwerdeführer mit seinem Gesuch Beweismittel in Bezug auf
Sachverhalte beschaffen wolle, welche Gegenstand des hängigen Strafverfahrens
gegen die ehemaligen GD-Mitarbeiter D._ und C._ seien (act. G 2/2 S. 10 f.), ist
festzuhalten, dass gestützt auf die von ihr angeführten Akten das Motiv einer
Datenbeschaffung ausschliesslich im Hinblick auf das hängige Strafverfahren (vgl.
hierzu BGE 139 V 492 E. 3.2 und 140 V 464 E. 4.2) vorliegend nicht als belegt gelten
kann. Vielmehr wurden vom Beschwerdeführer weitere Gründe (insbesondere, um
Gewissheit darüber zu erhalten, was sich im Disziplinarverfahren, welches eine
mehrjährige Blockade in der beruflichen Tätigkeit zur Folge hatte, genau zugetragen
hat; vgl. act. G 5 S. 4 Rz. 9 und Rz. 39) für das datenschutzrechtliche Gesuch glaubhaft
dargetan. Die Vorinstanz behandelte das Gesuch im Nachgang zum Entscheid B
2017/131 denn auch materiell und erliess die im vorliegenden Verfahren angefochtene
Verfügung.
2.4. In der angefochtenen Verfügung legte die Vorinstanz unter anderem dar, der
Beschwerdeführer versuche, mit einer Ausdehnung des Gegenstands des
abgeschlossenen Disziplinarverfahrens die nicht substantiierten Vermutungen in der
Strafanzeige vom 1. Dezember 2015 (gegen den ehemaligen Leiter Rechtsdienst und
den ehemaligen Generalsekretär des GD) zu untermauern. Die Unterstellung, wonach
Mitarbeitende des GD aus eigener Initiative Presseartikel verfasst hätten, um den
Beschwerdeführer zu diskreditieren, erweise sich in Anbetracht der Aktenlage als
unzutreffend. Die Behauptung, wonach eine Besprechung zwischen den ehemaligen
Mitarbeitenden des GD und der E._-Zeitung vor Beginn der Artikelserie stattgefunden
habe (Fragen 1 und 2), finde keine Anhaltspunkte in den Akten. Ein Protokoll der von
der Wochenzeitung erwähnten Sitzung aus dem Jahr 2005 (act. G 11.1 Beilage 6 [act.
134]) sei dem heutigen Rechtsdienst nicht bekannt. Das GD sei nach der Aktenlage
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
heute nicht imstand, Auskünfte zu Zeitpunkt, Ort, Teilnehmer und Themen der
angeblichen Sitzung von 2005 zu erteilen (zu Frage 3). Ob anlässlich der Sitzung
Unterlagen eingereicht worden seien, lasse sich gestützt auf die Akten nicht eruieren.
Sollten damals Patientenfälle vorgestellt worden sein, sei davon auszugehen, dass sie
sich unter den nicht zu den Akten des Disziplinarverfahrens genommenen
Patientenanzeigen befänden; diese seien Gegenstand des Verfahrens B 2018/126 (zu
Frage 4). Die Frage, ob die damaligen Sitzungsteilnehmer in das Disziplinarverfahren
einbezogen worden seien, sei zu verneinen. Im Disziplinarverfahren sei weder vom
Beschwerdeführer eine Befragung der möglichen Sitzungsteilnehmer beantragt noch
vom GD von Amtes wegen abgenommen worden (zu Frage 5). Es liege nahe, dass es
sich bei den von der Wochenzeitung erwähnten Unterlagen um Teile der im
Disziplinarverfahren nicht verwendeten Patientenanzeigen handeln dürfte (zu Frage 6).
Es sei nicht Aufgabe des GD zu eruieren, was die ehemaligen Mitarbeiter des GD
(Leiter Rechtsdienst und Generalsekretär) in Passagen des Interviews hätten sagen
wollen. Die "Beschwerde im Zusammenhang mit Dr. A._ im Frühjahr 2010" dürfte die
Aufsichtsanzeige von T.W. vom 14. April 2010 (GD-act. 84.1) sein. Diese sei dem
Beschwerdeführer bekannt (zu Frage 7). Die anderen Fälle gehörten zu den im
Disziplinarverfahren nicht verwendeten Patientenanzeigen (zu Frage 9). Die
Aufforderung des ehemaligen Generalsekretärs, sich bei der Aufsichtsbehörde zu
melden, könne nur bedeuten, dass die Betroffenen die angebliche Unzufriedenheit mit
einer Behandlung durch den Beschwerdeführer bekannt machen sollten, damit das GD
seine gesetzliche Aufgabe erfüllen könne (zu Frage 8). Haltlos sei die Vermutung des
Beschwerdeführers, dass GD-Mitarbeiter zuhanden der E._-Zeitung eine Liste mit
Namen von 50 Personen (act. G 11.1 Beilage 6 [act. G 146] offenbart hätten, damit die
Wochenzeitung diese als Personen darstellen könne, welche sich von sich aus an die
Presse gewandt hätten. Die Wochenzeitung habe im Schreiben vom 16. Januar 2017
(act. G 11.1 Beilage 7 [act. G 443.1, 443.3]) festgehalten, dass sie selbst die Liste
erstellt und dem GD zugestellt habe. Es gebe zudem keine Hinweise dafür, dass die
Wochenzeitung Einsicht in die im Disziplinarverfahren nicht verwendeten
Patientenanzeigen erhalten habe (zu Frage 10). Mit der Beantwortung der Fragen am
28. November 2017 (act. G 11.1 Beilage 12 [act. 539]) habe das GD dem Entscheid B
2017/131 vollumfänglich Folge geleistet (act. G 2/2 S. 6-10).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Beschwerdeführer gebe dem Entscheid B 2017/131 eine Tragweite, welche er
nicht habe und stelle zusätzliche Anträge, die nicht datenschutzkonform seien. Ein
Editionsantrag, welcher in der Hoffnung gestellt werde, auf weitere Beweismittel zu
stossen (fishing expedition; Beweisausforschung; vgl. act. G 11.1 Beilage 13 [act. 546
Rz. 2) und Beilage 24 [act. 581 Rz. 2 und 6]) sei unzulässig. Als rechtsmissbräuchlich
könnten datenschutzwidrige Zwecke gelten, etwa die Ausforschung und die
Beweismittelbeschaffung, um die eigene Rechtsstellung in einem Verfahren zu stärken.
Das Auskunftsrecht nach Art. 17 Abs. 1 DSG wolle nicht die Beweismittelbeschaffung
erleichtern oder in ein laufendes Verfahren eingreifen (BGE 138 III 425 E. 5.5). Wären
entsprechend dem Antrag des Beschwerdeführers ehemalige GD-Mitarbeitende über
nicht aktenkundige Ereignisse zu befragen und "diesbezügliche fehlende Akten" zum
Disziplinarverfahren zu nehmen (act. G 11.1 Beilage 13 [546 Rz. 2-4]), ginge dies über
das Recht auf Erteilung von Auskünften über tatsächlich verfügbare Daten hinaus. Die
Auskunfterteilung gegenüber der Wochenzeitung im Jahr 2012 könnten nicht
Beweisgegenstand eines abgeschlossenen Disziplinarverfahrens sein. Es bestehe
keine Pflicht, den Realakt eines Interviews amtlich zu protokollieren. Nicht erstellte
Protokolle könnten dem Beschwerdeführer auch nicht zugestellt werden. Bei vielen
Anträgen des Beschwerdeführers handle es sich im Grunde um Gesuche um
Überprüfung des Verhaltens von GD-Mitarbeitenden. Die als Auskunftsbegehren
verkleideten, nicht fundierten Aufsichtsanzeigen gegen GD-Mitarbeitende seien nicht
an die Hand zu nehmen. Der Beschwerdeführer werde hiermit über die
Nichtbehandlung der Aufsichtsanzeige(n) in Kenntnis gesetzt. Im Weiteren fehle es
auch an einem Protokoll zu der vom Beschwerdeführer erwähnten "Sitzung mit einem
Zahnarzt" im Jahr 2005 (act. G 11.1 Beilage 13 [act. G 546 Rz. 3]). Dies rechtfertige
keine Revision des abgeschlossenen Disziplinarverfahrens. Die im Schreiben vom 27.
Juni 2018 sinngemäss vertretene Ansicht, dass eine neue Begründung der früheren
Entscheide des abgeschlossenen Disziplinarverfahrens Gegenstand eines
datenschutzrechtlichen Verfahrens sein könne, treffe nicht zu. Der Antrag auf
Zustellung der Korrespondenz zwischen dem Beschwerdeführer und der E._-Zeitung
(act. G 11.1 Beilage 13 [act. 546 Rz. 8]) könne lediglich als Unterstellung einer
Überwachung von Privaten durch das GD verstanden werden. Ebenfalls erwarte der
Beschwerdeführer, dass ihm das GD angebliche Akten beschaffen solle, die sich bei
der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) befänden (act. G 11.1 Beilage 17
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
[act. 564 Ziff. 3]). Auf die trölerisch anmutenden und sinnlosen Fragen sei das GD aus
pragmatischen Gründen in mehreren Schreiben eingegangen (act. G 11.1 Beilage 15
[act. 551 II.3-6, Beilage 17 [act. 564] und Beilage 19 [act. 568]), obwohl sie nicht mit
dem legitimen Anliegen, Kenntnis über die bearbeiteten Personendaten zu erhalten,
zusammenhängen würden. Die Anträge auf Zustellung von Korrespondenzen von GD-
Mitarbeitenden (act. G 11.1 Beilage 13 [act. 546] Rz. 8], Beilage 24 [act. 581 Rz. 8]), auf
Prüfung sämtlicher digitaler Korrespondenz von B._ der Jahre 2012 bis 2018 (act. G
11.1 Beilage 16 [act. 563 Rz. 3] und Beilage 20 [act. 572 Rz. 3]) sowie des ehemaligen
Kantonszahnarztes (act. G 11.1 Beilage 24 [act. 581 Rz. 4]) würden den Grundsatz
verkennen, wonach sich eine Edition auf bestimmt zu bezeichnende Aktenstücke
beziehen müsse. Ein Antrag auf Vorlage der vollständigen E-Mail Korrespondenz stelle
eine unzulässige Beweisausforschung dar (act. G 2/2 S. 11-15).
Hinsichtlich der Rüge der Unvollständigkeit der Akten (act. G 11.1 Beilage 20 [act. 572
Rz. 6 f.], Beilage 13 [act. 546 Rz. 3] und Beilage 24 [act. 581 Rz. 5 und 12 f.]) hielt die
Vorinstanz fest, über die tatsächlich vorhandenen Akten sei bereits Auskunft erteilt
worden. Mit dem Anspruch, alle möglichen Ereignisse dokumentieren zu lassen,
verkenne der Beschwerdeführer, dass in aufsichtsrechtlichen Verfahren kein
eigentliches Beweisverfahren durchzuführen und nicht jede Schlussfolgerung zu
belegen sei. Entscheidend sei, dass die Medizinalperson im Disziplinarverfahren
Gelegenheit erhalte, zu allen Vorwürfen Stellung zu nehmen (BGer 2P.231/2006 vom
10. Januar 2007 E. 8.3). Das Auskunftsrecht beziehe sich nur auf Akten, nicht auf alle
Datenbearbeitungen im Lauf des Verfahrens. Schlichtes Verwaltungshandeln müsse
nicht dokumentiert werden (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht,
4. Aufl. 2014, Rz. 8 zu § 38). Es sei rechtskonform, dass die üblichen Gespräche
zwischen der Departementsvorsteherin, dem Leiter Rechtsdienst und den
Mitarbeitenden nicht dokumentiert würden. Dies gelte auch für informelle
Besprechungen, welche keine Rechtsfolgen zeitigen würden. Der Beschwerdeführer
könne im Weiteren keine Auskünfte über Patientenanzeigen erhalten (VerwGE B
2015/307 und B 2018/126). Die Rüge der Unvollständigkeit der Akten beruhe auf
Vermutungen, auf einer realitätsfremden Vorstellung der Dokumentationspflicht und auf
der nicht nachgewiesenen Bezichtigung einer angeblichen Urkundenfälschung (act. G
2/2 S. 15-17).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bei der teilweise ausserhalb des Disziplinarverfahrens angelegten E-Mail-
Korrespondenz gehe es entweder um disziplinarisch nicht relevante Informationen oder
um zur Sicherheit der Informationsquellen nicht bearbeitete Auskünfte. Auch sei eine
Überprüfung der E-Mail-Korrespondenz von ausgetretenen Mitarbeitern nicht möglich,
da Postfach-Daten gelöscht und weder im Exchange-Server noch im Backup
vorhanden seien. Dass gewisse E-Mails dennoch vorhanden seien, sei auf den
Umstand zurückzuführen, dass gegen den ehemaligen Leiter Rechtsdienst und den
ehemaligen Generalsekretär Strafanzeige erhoben worden sei. Am 9. Februar 2018
habe das GD dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass die E-Mails aus dem Postfach
des ehemaligen Leiters Rechtsdienst in einem Archiv aufbewahrt und reproduziert
werden könnten (act. G 11.1 Beilage 17 [act. 564]). Dieses E-Mail-Archiv (Ordner 2 und
3; act. G 11.2 f.) sei anhand der Kategorien "nicht dazugehörend" (roter Reiter),
"unbedenklich zur Herausgabe (ohne Markierung), "vertraulich" (blauer Reiter) und
"verwaltungsinterne Akten" (gelber Reiter) klassifiziert worden. Die Sichtung der E-
Mails bestätige die Feststellung in VerwGE B 2015/307 a.a.O., wonach die vom
Beschwerdeführer verlangten Unterlagen weder entscheidnotwendig gewesen seien
noch der Akteneinsicht des Disziplinarverfahrens unterstanden hätten. Als "nicht
dazugehörend" eingestuft worden seien die Anhänge 1, 2, 3, 11, 14 f., 17, 63, 65, 104,
106-108, 110, 112-115, 119 (act. G 11.2 f.). "Unbedenklich zur Herausgabe" seien die
E-Mails, deren Offenlegung keine Interessen von Dritten tangieren würden (Anhänge 4,
12 f., 18-21, 24, 26 f., 29, 39-45, 47, 49-52, 55, 58-60, 64, 66, 70-74, 76, 80, 82, 84, 89,
92, 122-133; act. G 11.2 f.). Dazu gehöre die Korrespondenz des Beschwerdeführers
mit dem Rechtsdienst des GD. In einen Teil der Korrespondenz des GD mit der
Wochenzeitung sei ohne Einschränkung Einsicht zu gewähren (vgl. Kategorisierung in
act. G 11.3). Sodann sei unter anderem die Korrespondenz zwischen der
Wochenzeitung und dem amtierenden Leiter Rechtsdienst (act. G 11.4) vollständig
herauszugeben. Die Klassierung "vertraulich" soll Drittpersonen vor Anfeindungen und
Retaliationen des Beschwerdeführers schützen. Den Interessen des
Beschwerdeführers werde dadurch Rechnung getragen, dass das Thema der als
"vertraulich" klassierten Korrespondenz in der Verfügung (E. 7.7) bekanntgegeben
werde. Soweit eine verwaltungsinterne Akte als zusätzliche Bearbeitung von
persönlichen Daten des Beschwerdeführers einzustufen sei, sei die punktuelle
Auskunft, die ihn betreffe, offenzulegen, wenn keine gegensätzlichen Interessen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorlägen. Bestünden wie vorliegend konkrete Anhaltspunkte, dass Drittpersonen bei
Offenlegung rechtswidrige Beeinträchtigungen von Seiten des Beschwerdeführers
drohen würden, rechtfertige sich eine Einschränkung des Akteneinsichtsrechts. Sein
Einwand, dass die Interessenabwägung nur in Bezug auf die Daten von Patienten
vorzunehmen sei (act. G 11.1 Beilage 24 [act. 581 Rz. 17]), verkenne, dass
Auskunftspersonen und Fachpersonen auch ein schutzwürdiges Interesse hätten,
aufgrund ihrer Auskünfte zuhanden der Aufsichtsbehörde keine Nachteile erleiden zu
müssen. Lege der Beschwerdeführer seine Interessen an einer Bekanntgabe nicht dar,
müsse gestützt auf die Akten im Sinn der Drittinteressen entschieden (und eine
Aktenherausgabe verweigert) werden (act. G 2/2 S. 17-26).
2.5. Der Beschwerdeführer wendet ein, dass die Sachverhaltsdarstellungen der
Vorinstanz in zahlreichen Punkten unzutreffend seien. Er habe Einsichts- und
Auskunftsbegehren nach DSG gestellt und nicht Aufsichtsanzeigen gegen
Mitarbeitende eingereicht. Absurd sei sodann die Behauptung, dass der
Beschwerdeführer mit seinem Gesuch vom 2. Juni 2017 Abklärungen durch die
Vorinstanz anstrebe, um die durch ihn erhobenen bzw. angekündigten Strafanzeigen zu
untermauern. Im Weiteren seien die Ausführungen der Vorinstanz zu den E-Mail-
Postfächern von ehemaligen Mitarbeitern widersprüchlich. Es mute seltsam an, dass
einerseits von ehemaligen Mitarbeitenden keine Postfach-Daten mehr vorhanden
sollten, anderseits aber die E-Mails aus dem damaligen Postfach des ehemaligen
Leiters Rechtsdienst unverändert in einem E-Mail-Archiv aufbewahrt würden. Der
Beschwerdeführer hält zu Dispositivziffer 1 der angefochtenen Verfügung
beschwerdeweise fest, soweit seine Anträge nicht bereits vom Beschwerdeverfahren B
2018/126 erfasst würden, werde um vollständige Bearbeitung der entsprechenden
Anträge ersucht. Die Vorinstanz habe sich in der angefochtenen Verfügung mehrfach
auf als "vertraulich" bezeichnete, dem Beschwerdeführer nicht zugestellte Unterlagen
abgestützt. Dies stelle eine krasse Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.
Dispositivziffer 2 der Verfügung sei unklar. Soweit mit "Ausforschung der
Mitarbeitenden" die Einsichts- und Auskunftsbegehren des Beschwerdeführers
gemeint seien, die sich auf den Umgang mit Daten des Beschwerdeführers durch GD-
Mitarbeiter bezögen, bestehe ein Anspruch auf Behandlung des Begehrens. Es werde
bestritten, dass die in E. 5.7 der angefochtenen Verfügung genannten Fragen trölerisch
und datenschutzwidrig seien. Da im Zusammenhang mit dem jahrelangen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Disziplinarverfahren noch eine Vielzahl von Unklarheiten bestünden, versuche der
Beschwerdeführer, mit seinen Auskunftsbegehren Licht ins Dunkel zu bringen; dies sei
legitim. Für die Feststellungen gemäss den Dispositivziffern 3 und 4 der Verfügung
fehle es an einem Feststellungsinteresse der Vorinstanz. Die Feststellungen
entsprächen auch nicht den Tatsachen. Mit den E. 3.2-3.6 der angefochtenen
Verfügung vermöge die Vorinstanz die Auskunfts- und Einsichtsbegehren vom 2. Juni
2017 nicht vollständig zu beantworten. Hinsichtlich Dispositivziffer 5 führt der
Beschwerdeführer aus, dass Auskünfte beispielsweise aufgrund von Anfragen an
(aktuelle oder ehemalige) Mitarbeiter zu erteilen seien, wenn eine Auskunftserteilung
aufgrund der Akten nicht möglich sei. Dies gebiete bereits ein Verhalten nach Treu und
Glauben, zumal die Vorinstanz aus einer eigenen Pflichtverletzung (Pflicht zur
vollständigen Aktenführung) keine Rechte für sich ableiten könne. Die in Dispositivziffer
7 aufgestellte Behauptung sei unzutreffend. Es gebe keine Gründe, dem
Beschwerdeführer die Einsicht in die entsprechenden Dokumente oder deren
Herausgabe zu verweigern. Stelle die Vorinstanz bei der Klassifizierung der
zusammengetragenen E-Mails und der Bearbeitung der Auskunftsbegehren auf die
nicht erteilte Einwilligung der angeblich betroffenen Drittperson (Art. 11 Abs. 1 lit. b
DSG) ab, so erweise sich das als nicht gesetzeskonform (Art. 17 und 18 DSG).
Entsprechend werde um Zustellung sämtlicher den Beschwerdeführer betreffenden
und/oder im Zusammenhang mit dem Disziplinarverfahren stehenden E-Mails samt
Anhängen ersucht. Ein überwiegendes Interesse an der Geheimhaltung sei bei Gefahr
blosser Unannehmlichkeiten zu verneinen. Bei keinem Vorkommnis habe sich der
Beschwerdeführer in irgendeiner Weise unangebracht oder unangemessen gegenüber
Drittpersonen verhalten. Zudem verkenne das GD, dass in VerwGE B 2015/307 gerade
keine Einschränkung der Vertrauenswürdigkeit festgestellt worden sei. Sodann stütze
sich die Vorinstanz auf eine Beurteilung mit einer angeblichen Fachperson ab, gemäss
welcher eine Persönlichkeitsstruktur mit akzentuierten Persönlichkeitszügen den
Beschwerdeführer unberechenbar mache. Die Vorinstanz unterstelle dem
Beschwerdeführer gestützt auf diese Vermutung eine angebliche Unberechenbarkeit,
ohne ihm jemals das rechtliche Gehör gewährt zu haben. Dieses Vorgehen sei an
Willkür kaum zu überbieten. Sodann stelle der Umstand, dass der Beschwerdeführer
Strafanzeigen gegen Mitarbeiter der Vorinstanz habe erheben lassen, seine
Vertrauenswürdigkeit nicht in Frage. Blosse (unbegründete) Zweifel, dass sich der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer gegenüber Dritten ungebührlich/unrechtmässig verhalten könnte,
würden nicht ausreichen, um sein Akteneinsichtsrecht zu beschränken. Überwiegende
Interessen Dritter seien nicht erkennbar. Sodann habe die Vorinstanz den Anspruch
des Beschwerdeführers auf vollständige Aktenführung verletzt. Sie sei in der Pflicht,
klare Verhältnisse zu schaffen und die entsprechenden Akten beizuschaffen, wozu sie
bei ehemaligen Mitarbeitenden nachzufragen habe. Im vorliegenden Verfahren seien
ordnerweise neue Akten zum Vorschein gekommen, welche einen Bezug zum
Disziplinarverfahren aufweisen würden (act. G 2/2 S. 4). Im Weiteren klassifiziere die
Vorinstanz (in Dispositivziffer 8) Akten als "verwaltungsintern", die vom Recht des
Beschwerdeführers auf Einsicht bzw. Herausgabe klar mitumfasst seien. Sodann seien
dem Beschwerdeführer keine Kosten zu auferlegen; Dispositivziffer 9 der Verfügung
verletze den Anspruch auf unentgeltliche Behandlung des Gesuchs um Auskunft/
Einsicht und sei dementsprechend aufzuheben (act. G 1, 5 und 13).
3.
3.1. Hinsichtlich der im vorinstanzlichen Entscheid vorgenommenen Klassifizierung der
Akten (E-Mail-Archiv; act. G 11.2 f.) anhand der Kategorien "nicht dazugehörend" (roter
Reiter), "unbedenklich zur Herausgabe (ohne Markierung), "vertraulich" (blauer Reiter)
und "verwaltungsinterne Akten" (gelber Reiter) ist vorab festzuhalten, dass diese sich
grundsätzlich auf sachliche Kriterien stützt. Als "nicht dazugehörend" stuft die
Vorinstanz Unterlagen (E-Mails) ein, die weder entscheidnotwendig waren noch der
Akteneinsicht des Disziplinarverfahrens unterstanden (Anhänge 1, 2, 3, 11, 14 f., 17, 63,
65, 104, 106-108, 110, 112-115, 119 (act. G 11.2 f.). Als "unbedenklich zur
Herausgabe" werden die E-Mails eingestuft, deren Offenlegung keine Interessen von
Dritten tangieren. Mit der Klassierung "vertraulich" wird gemäss Verfügung eine
Bekanntgabe unterbunden, um Drittpersonen vor allfälligen negativen Reaktionen des
Beschwerdeführers zu schützen.
Bereits in VerwGE B 2015/307 vom 24. August 2017 (www.gerichte.sg.ch) legte das
Verwaltungsgericht dar, dass die Konfrontation mit gegenteiligen Auffassungen oder
kritischen Fragen emotionale Reaktionen beim Beschwerdeführer ausgelöst habe, die
seine Vertrauenswürdigkeit herabsetzen würden (VerwGE B 2015/307, a.a.O., E. 6.3
mit Hinweisen). Zur Akteneinsicht in die bisher nicht offengelegten 15
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Patientenbeschwerden hatte das Gericht festgehalten, die Vorinstanz habe die
Patientenbeschwerden weder zur Begründung der Verfügung vom 11. November 2013
(Bewilligungsverfahren) noch zur Begründung der dort angefochtenen Verfügung
verwendet, weshalb sie im vorinstanzlichen Verfahren auch - als für den Entscheid
nicht wesentliche Beweismittel - ausser Betracht gefallen seien und dementsprechend
auch nicht der Akteneinsicht unterstanden hätten. Im Beschwerdeverfahren habe sich
die Prüfung der streitigen Aspekte ebenfalls nicht auf die vorerwähnten Aktenstücke
gestützt, weshalb es sich rechtfertige, diese nicht der Akteneinsicht des
Beschwerdeführers persönlich zu unterstellen. Seinem Rechtsvertreter sei im
Beschwerdeverfahren eine entsprechende Einsichtsmöglichkeit eingeräumt worden,
von welcher dieser jedoch keinen Gebrauch gemacht habe (VerwGE B 2015/307,
a.a.O., E. 15.3.3). In VerwGE B 2018/126 bestätigte das Verwaltungsgericht die
Rechtmässigkeit der Nichtbekanntgabe der erwähnten Patientenbeschwerden an den
Beschwerdeführer bzw. den Schluss der Vorinstanz, wonach die Haltung des
Beschwerdeführers gegenüber Patientenschutzorganisationen, Nachbehandlern,
Berufskollegen, Gutachtern und öffentlichen Angestellten seine Reaktion bei Einsicht in
die Patientenanzeigen als nicht voraussehbar habe erscheinen lassen. Sodann sei das
Interesse des Beschwerdeführers an der Offenlegung der Patientenbeschwerden
insofern herabgesetzt, als die Patientenbeschwerden zu einem erheblichen Teil
verjährte und/oder nachträglich nicht beweisbare Sachverhalte bzw. nicht belegbare
Kausalitäten betreffen dürften. Sein Interesse an einer Bekanntgabe sei auch deshalb
vermindert, weil die betreffenden Daten nicht zu seinen Lasten verwendet worden seien
und dies auch künftig nicht beabsichtigt sei (VerwGE B 2018/126 a.a.O. E. 3.1). Die
direkte Zustellung der Patientenbeschwerden an den Beschwerdeführer (selber) in
anonymisierter Form könnte den gewollten Schutz der Identität der Patienten nicht
zureichend gewährleisten, zumal sich aus dem Inhalt der Anzeigen auf die Identität der
Patienten schliessen liesse. Die Gewährung der Einsicht an seinen Rechtsvertreter
ohne Anonymisierung und inhaltliche Einschränkung, aber unter der Auflage, dem
Beschwerdeführer die Dokumente nicht auszuhändigen, trage dessen Interessen
insofern zureichend Rechnung, als der Rechtsvertreter ihn über den wesentlichen Inhalt
der Patientenbeschwerden orientieren könne. Hinzu komme, dass die Beschwerden
gemäss Zusicherung der Vorinstanz nach Gewährung der Akteneinsicht an die
Patienten "zurückgegeben" werden sollen (Dispositiv-Ziffer 3 der dort angefochtenen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verfügung). Dies bedeute im Ergebnis, dass die Aufsichtsanzeiger über die
Nichtbearbeitung ihrer Anzeigen in Kenntnis gesetzt würden, womit eine künftige
Bearbeitung der Patientendaten durch die Vorinstanz ausser Betracht falle. In den
laufenden Akten des Beschwerdeführers würden die Patientenbeschwerden
dementsprechend - wie bereits bis anhin - nicht in Erscheinung treten, selbst wenn sie
- was hier indes nicht weiter zu untersuchen sei - archivrechtlich aufzubewahren sein
sollten (vgl. Art. 10 des Gesetzes über die Aktenführung und Archivierung, sGS 147.1;
act. G 2 Beilage 4). Für eine Datenberichtigung bzw. einen Nachweis, dass die
Anzeiger gar nicht Patienten des Beschwerdeführers gewesen seien, wie ihn der
Beschwerdeführer leisten wolle, fehle es damit an einem sachlichen Anlass, zumal -
nach Gewährung der Akteneinsicht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers und
"Rückgabe" der betreffenden Akten an die Aufsichtsanzeiger - das Vorhandensein von
unrichtigen Akten (im Sinn von Art. 20 DSG) bei der Vorinstanz in diesem
Zusammenhang nicht mehr zur Diskussion stehen werde (VerwGE B 2018/126 a.a.O.,
E. 3.2). - Diese Ausführungen haben auch im vorliegenden Verfahren Gültigkeit. Die
Dispositivziffer 1 der angefochtenen Verfügung (Nichteintreten auf Editionsbegehren
betreffend Patientenbeschwerden) erweist sich von daher als folgerichtig und lässt sich
dementsprechend nicht beanstanden.
3.2. In der angefochtenen Verfügung wies die Vorinstanz den Antrag auf Eröffnung
eines Beweisverfahrens mit Befragungen oder schriftlichen Anfragen zur Rekonstruktion
von nicht aktenkundigen Ereignissen ab (act. G 2/2 Dispositivziffer 5). Diesen Antrag
wiederholt der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren im Rechtsbegehren 3 (vgl.
act. G 1 Rz. 27, G 5 Rz. 42 ff.). Hierzu ist vorweg festzuhalten, dass sich der
datenschutzrechtliche Einsichtsanspruch auf tatsächlich vorhandene und bearbeitete
Daten bezieht. Die betroffene Person hat Anspruch auf Auskunft über die Bearbeitung
von (bereits bestehenden) Daten, welche sie betreffen (Art. 17 DSG). Die Bearbeitung
umfasst nach dem klaren Gesetzeswortlaut augenscheinlich nicht die Herstellung von
noch nicht bestehenden Daten (Art. 17 i.V.m. Art. 1 lit. e DSG). Ein Verfahren nach Art.
17 DSG lässt sich auch nicht dafür verwenden, eine allfällige Verletzung der
Aktenführungspflicht in einem rechtskräftig abgeschlossenen Verwaltungsverfahren zu
rügen und eine nachträgliche Datenaufarbeitung bzw. -herstellung im Nachhinein zu
verlangen. Dies umso weniger, als das abgeschlossene Disziplinarverfahren dadurch
im Ergebnis wieder aufgenommen würde; hierfür bestünde weder sachlicher Anlass
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
noch rechtliche Legitimation (vgl. Art. 81 VRP), zumal in dem das Disziplinarverfahren
abschliessenden VerwGE B 2015/307 a.a.O. zugunsten des Beschwerdeführers
entschieden wurde. Zur Frage des Beschwerdeführers, welche Unterlagen anlässlich
der Sitzung im Jahr 2005 durch wen eingereicht worden seien (act. G 5 Rz 25 f.), hielt
die Vorinstanz klar fest, dass es an einem Protokoll zur "Sitzung mit einem Zahnarzt
aus Eschenbach" im Jahr 2005 fehle (act. G 2/2 S. 12 unten). Wenn somit der
Gesprächsinhalt nicht schriftlich festgehalten wurde, kann er auch nicht vorgelegt
werden. Er ist wie dargelegt auch nicht im Nachhinein in einem Verfahren nach Art. 17
DSG "aufzuarbeiten", selbst wenn im abgeschlossenen früheren Verfahren die
Aktenführungspflicht verletzt worden sein sollte.
3.3. Sodann ist streitig, ob sich die Vorinstanz für die Verweigerung der Offenlegung
der von ihr - zusätzlich zu den erwähnten Patientenbeschwerden - als "vertraulich"
bezeichneten Daten zu Recht auf eine Bekanntgabe entgegenstehende schutzwürdige
private Interessen Dritter (Art. 18 DSG) berief (act. G 2/2 Dispositivziffer 7). Im
angefochtenen Entscheid legte die Vorinstanz den Inhalt der von ihr als "vertraulich"
bezeichneten Daten im Einzelnen dar (act. G 2/2 S. 20-23 E. 7.7). Vor dem Hintergrund,
dass einzelne Auskunftspersonen explizit um vertrauliche Behandlung ihrer Angaben
ersuchten, bejahte die Vorinstanz eine Weitergabe entgegenstehende schutzwürdige
private Interessen Dritter im Sinn von Art. 18 DSG und hielt überdies fest, dass die
Informationen für die Entscheidfindung im Disziplinarverfahren weder weiter verfolgt
noch für die Entscheid berücksichtigt worden seien (vgl. act. 2/2 E. 7.7.1 und 7.7.5).
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 5 Rz. 54 unten und Rz. 67)
stützte sie sich im Ergebnis somit nicht auf den Umstand der fehlenden (hier nicht
notwendigen) Einwilligung der Dritten (Art. 11 Abs. 1 lit. b DSG) zur Datenweitergabe,
sondern auf deren privates schutzwürdiges Interesse an der Nichtbekanntgabe. Das
Ersuchen einzelner Personen (Anzeiger/Informanten) um vertrauliche Behandlung
erscheint nachvollziehbar und macht mithin ihr Interesse an der Nichtbekanntgabe
deutlich. Überdies ist ganz allgemein ein privates Interesse von Personen an der
Nichtpreisgabe ihrer Identität zu bejahen, wenn sie der Vorinstanz Sachverhalte
melden, bei denen aus ihrer Sicht Unstimmigkeiten/Mängel bestehen. Eine Preisgabe
der Identität dürfte für viele Anzeiger Anlass bilden, auf eine Meldung zu verzichten. Als
Folge davon könnte die Vorinstanz ihre Aufgabe als Aufsichtsbehörde nur noch
eingeschränkt wahrnehmen. Mit Blick auf diese Umstände und die Feststellung in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VerwGE B 2018/126, wonach hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit des Verhaltens des
Beschwerdeführers sein aktenkundiger Umgang mit Mitarbeitern des GD und
Berufskollegen nicht ausser Betracht bleiben könne und die Konfrontation mit
gegenteiligen Auffassungen oder kritischen Fragen emotionale Reaktionen bei ihm
ausgelöst habe (VerwGE B 2018/126 a.a.O. E. 3.1 mit Hinweis auf VerwGE B 2015/307,
a.a.O., E. 6.3 mit Hinweisen), erweist sich die Nichtbekanntgabe von Anzeigern/
Informanten als zureichend begründet. Der zusätzlichen Begründung, wonach die in E.
7.7 dargelegten Informationen (Anhänge 28, 38, 79, 88, 90, 98, 99, 100 [act. G 11.2 f.])
für die Entscheidfindung im Disziplinarverfahren, d.h. für die Verfügungsbegründung
und insbesondere für den Beschwerdeentscheid B 2015/307, nicht verwendet wurden
und somit auch nicht der Akteneinsicht unterstanden, bedarf es hier nicht; sie wäre in
einem DSG-Verfahren für sich allein auch nicht stichhaltig. Es ist mithin kein konkreter
Anlass dargetan, aufgrund dessen die Nichtbekanntgabe der in Dispositivziffer 7 als
"vertraulich" bezeichneten Akten zu beanstanden wäre. Eine Gehörsverletzung (act. G
5 Rz. 29-32) steht hier dementsprechend nicht zur Diskussion.
3.4.
3.4.1. Soweit der verwaltungsinterne Meinungsbildungsprozess von der Vorinstanz
teilweise nicht schriftlich festgehalten wurde, liegt darin für sich allein noch kein
Rechtsmangel: Zwar besteht spiegelbildlich zum Akteneinsichtsrecht des
Beschwerdeführers eine Aktenführungspflicht der Verwaltung. Daraus kann jedoch kein
verfahrensrechtlicher Anspruch auf Einsicht in rein interne Akten (Mitberichte,
Hilfsbelege, Notizen, Anträge u.a) abgeleitet werden, die dem behördeninternen
Meinungsbildungsprozess dienen und denen kein Beweischarakter zukommt (BGE 125
II 473 E. 4a S. 474; Pra 1997 Nr. 20 E. 2; BGE 129 II 497 E. 2.2). Die Klassierung eines
Aktenstücks als "verwaltungsintern" richtet sich nach dessen objektiver Bedeutung für
den Entscheid (vgl. BGer 1C_159/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 4.3). Wenn der
betroffenen Person das Akteneinsichtsrecht im Bereich verwaltungsinterner
Meinungsbildung nicht zukommt (vgl. BGer 2C_389/2012 vom 12. November 2012 E.
4.4.4), kann auch nicht verlangt werden, dass jeder Gedanke, der innerhalb der
Behörde angestellt wird, aktenmässig dokumentiert wird, zumal diesbezüglich ohnehin
kein Akteneinsichtsrecht bestünde. Ist daher der interne Meinungsbildungsprozess der
Vorinstanz - einschliesslich amtsinterne Telefonate und informelle Besprechungen -
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Aktenf%FChrungspflicht+schriftlich&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Aktenf%FChrungspflicht+schriftlich&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-473%3Ade&number_of_ranks=0#page473
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht aktenmässig dokumentiert, so kann ihr daraus kein Vorwurf erwachsen. Dies gilt
umso mehr, als dem Beschwerdeführer die massgebenden und für die Beurteilung der
Verwaltung entscheidenden Akten im Disziplinarverfahren vorlagen (vgl. dazu auch
BGer I 988/06 vom 28. März 2007, E. 3.3). Eine nachträgliche Protokollierung von
Realakten der Vorinstanz (Interviews, interne Gespräche) fällt von daher zum
Vornherein ausser Betracht.
3.4.2. Soweit den vorliegend zur Diskussion stehenden E-Mails ausschliesslich für die
amtsinterne Meinungsbildung eine Bedeutung zukommt - wie dies bei
Mitteilungsentwürfen (Anhänge 22, 81, 83, 85, 102, 117 [act. G 11.2 f.]), bei interner
Weiterleitung von dem Beschwerdeführer bekannter Korrespondenz (Anhänge 25,
30-33, 35 [act. G 11.2 f.]), interner Klärung von Fragen aus dem Rechnungswesen
(Anhänge 16, 34, 46, 48, 53 f., 56 f. [act. G 11.2 f.]) und internem Austausch zwischen
Mitarbeitenden (Anhänge 23, 68, 105, 111, 119 f., 134 f. [act. G 11.2 f.]) der Fall ist -
unterstellte sie die Vorinstanz zu Recht nicht der Akteneinsicht. Indessen unterliegen
auch amtsinterne Akten insofern der Einsicht, als sie eine Bearbeitung von Daten
beinhaltet, die den Beschwerdeführer betreffen (vgl. Art. 17 Abs. 1 DSG: "...
Personendaten über sie...") und der Offenlegung keine öffentlichen oder
schutzwürdigen privaten Interessen Dritter (Art. 18 DSG) entgegenstehen (vgl. dazu
BGE 125 II 473 E. 4b). Die ihr vom DSG eingeräumten Rechte (vgl. Art. 17-23 DSG)
muss die betroffene Person auch bezüglich interner, im Verwaltungsverfahren nicht
ohne Weiteres zugänglicher Akten ausüben können; dies namentlich dann, wenn
besonders schützenswerte Daten (z.B. medizinische Befunde oder Daten über
disziplinarische Verfahren; Art. 1 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 und 4 DSG) in Frage stehen.
3.4.3. Im angefochtenen Entscheid begründete die Vorinstanz (neben den in E. 3.3
bereits erwähnten) weitere Sachverhalte, in denen sie entgegenstehende Interessen im
Sinn von Art. 18 DSG bejahte (vgl. act. G 2/2 S. 23-25 E. 7.9). Die E-Mail-
Korrespondenz Sicherheitsbeauftragter/medizinische Fachperson/früherer Leiter
Rechtsdienst vom Juni 2014 (Anhang 10 [act. G 11.2]) würdigte sie als vertraulich mit
dem Hinweis, dass der Beschwerdeführer der Fachperson die summarische
Einschätzung seiner Persönlichkeit ("Persönlichkeitsstruktur mit akzentuierten
Persönlichkeitszügen") übelnehmen könnte (act. G 2/2 S. 24). Hierzu ist festzuhalten,
dass die Stellungnahme für das vorliegende Verfahren inhaltlich nicht beweistauglich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erscheint, zumal die Fachperson ihre Schlussfolgerungen in Form einer
Vermutungsdiagnose mit diversen Vorbehalten äusserte (vgl. Anhang 10 [act. G 11.2 S.
29]: "...lassen die Vermutung zu...keine klaren Hinweise... Diese Einschätzung müsste
bei Bedarf ... verifiziert werden.") und der Beschwerdeführer sich dazu überdies nicht
äussern konnte. Wenn die Vorinstanz gestützt auf die Stellungnahme eine
Unberechenbarkeit des Beschwerdeführers herleitet bzw. zu belegen versucht (vgl. act.
G 2/2 E. 7.10), ohne ihm das rechtliche Gehör gewährt zu haben, so rügt sein
Rechtsvertreter dies zu Recht als willkürlich (act. G 5 Rz. 60). Die Stellungnahme der
Fachperson fand zwar für die Begründung des Disziplinarentscheids oder einer
anderen Verfügung betreffend den Beschwerdeführer keine Verwendung, sondern
wurde offenbar eingeholt, um (amtsinterne) Sicherheitsbedenken im persönlichen
Kontakt mit dem Beschwerdeführer abzuklären bzw. auszuräumen (vgl. act. G 2/2
E. 7.9.2). Indes unterliegen, wie erwähnt (vorstehende E. 3.4.2), auch amtsinterne Akten
insofern der Einsicht, als darin (medizinische) Daten betreffend den Beschwerdeführer
bearbeitet wurden und der Offenlegung keine öffentlichen oder schutzwürdigen
privaten Interessen Dritter (Art. 18 DSG) entgegenstehen (vgl. BGE 125 II 473 E. 4b).
Ein überwiegendes privates Interesse der Fachperson, dass ihre vorläufige bzw. mit
Vorbehalten versehene (Akten-)Beurteilung dem Beschwerdeführer nicht vorgelegt
wird, kann nicht einzig mit Hinweis auf allfällige negative Reaktionen von Seiten des
Beschwerdeführers (Übelnehmen der summarischen Einschätzung) bejaht werden.
Andere Geheimhaltungsinteressen der Fachperson wurden weder geltend gemacht
noch sind solche aus den Akten ersichtlich. Von daher wurde zu Unrecht keine
Akteneinsicht in die Stellungnahme der Fachperson gewährt. Eine Zitierung des
Wortlauts der Stellungnahme in der angefochtenen Verfügung, ohne namentliche
Nennung der Fachperson, ist nicht geeignet, die Akteneinsicht zu ersetzen.
3.4.4. Das in E. 7.9.4 der angefochtenen Verfügung (act. G 2/2) erwähnte Aktenstück
(E-Mail in act. 11.4 [Ordner 4 am Schluss]) wurde nicht von der Akteneinsicht
ausgenommen. Den Antrag auf Herausgabe des gesamten E-Mail-Verkehrs B._/
ehemaliger Kantonszahnarzt betreffend das Disziplinarverfahren des
Beschwerdeführers (act. G 11.1 Beilage 20 S. 2) lehnte die Vorinstanz jedoch mit
Hinweis darauf ab, dass es sich dabei um verwaltungsinterne Kommunikation zwischen
GD-Mitarbeitern handle und der ehemalige Kantonszahnarzt darin keine fachlichen
Beurteilungen der durch den Beschwerdeführer vorgenommenen Behandlungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
abgegeben habe (act. G 2/2 E. 7.9.4). Die Vorinstanz stellt nicht in Frage, dass die als
verwaltungsintern bezeichneten E-Mails sich auf den Beschwerdeführer beziehen und
zudem auch tatsächlich vorhanden/verfügbar sind. Dieser ist daher grundsätzlich
berechtigt, Einsicht in diese E-Mails zu erhalten. Die Vorinstanz wird daher zu prüfen
haben, ob der Offenlegung der E-Mails betreffend das Disziplinarverfahren des
Beschwerdeführers Verweigerungsgründe im Sinn von Art. 18 DSG entgegenstehen.
3.4.5. Die weitere Feststellung der Vorinstanz, wonach die Ankündigung von
Strafanzeigen gegen "beinahe alle" Mitarbeitenden des GD durch den
Beschwerdeführer (E-Mail vom 6. Juli 2016, act. G 11.1 Beilage 5) und sein Versuch,
von der Wochenzeitung die Anerkennung der Fälschung der Patientenbeschwerden
bestätigt zu erhalten (act. G 11.4/2 [Ordner 4]), Anhaltspunkte für konkrete
Anfeindungen und rechtswidrige Beeinträchtigungen darstellen, welche eine
Einschränkung des Akteneinsichtsrechts zum Schutz von Auskunftspersonen
rechtfertigten (act. G 2/2 S. 25 E. 7.10), braucht unter den geschilderten
Gegebenheiten nicht mehr im Einzelnen untersucht zu werden. Festzuhalten ist
immerhin, dass der letztgenannte Vorhalt (Versuch, von der Wochenzeitung die
Anerkennung der Fälschung der Patientenbeschwerden bestätigt zu erhalten) anhand
der dem Gericht vorliegenden Akten nicht als belegt gelten kann: Im E-Mail vom
24. Februar 2017 unterbreitete die Wochenzeitung dem Beschwerdeführer eine Art
Vergleichsangebot ("es waere denkbar dass wir uns einigen"; act. G 11.4/2 [Ordner 4]).
Die Behauptung der Vorinstanz, wonach der Beschwerdeführer die Wochenzeitung
unter Druck gesetzt habe, damit diese aktenwidrig eine Fälschung der Liste mit den 50
Aufsichtsanzeigern bestätige (act. G 2/2 E. 7.10), lässt sich anhand des erwähnten E-
Mail nicht belegen. Jedenfalls werden darin Mitarbeiter des GD nicht der Fälschung
bezichtigt. Auch eine Druckausübung durch den Beschwerdeführer gegenüber der
Wochenzeitung, um eine Erklärung zu erhalten, lässt sich daraus nicht entnehmen.
Sodann lassen die Ankündigung von Strafanzeigen gegenüber GD-Mitarbeitern für sich
allein nicht den Schluss auf drohende Anfeindungen bzw. rechtswidrige
Beeinträchtigungen von Seiten des Beschwerdeführers zu (vgl. auch VerwGE B
2015/307 a.a.O. E. 6.3 zweiter Satz).
3.5. In Dispositivziffer 2 der angefochtenen Verfügung statuierte die Vorinstanz eine
"Nichtanhandnahme" des Antrags des Beschwerdeführers, soweit er damit eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausforschung von Mitarbeitern beabsichtige. Die Frage, ob der Beschwerdeführer - wie
die Vorinstanz vermutet - mit seinen Akteneinsichts- und Auskunftsbegehren eine
"Ausforschung" von GD-Mitarbeitern beabsichtigte oder nicht, braucht insofern nicht
geklärt zu werden, als die erwähnte Dispositivziffer im vorliegenden Kontext keine
eigenständige Rechtswirkung zukommen kann. Vielmehr erscheint sie als ein blosses,
in die Form einer Verfügungsdispositivziffer gekleidetes Begründungselement.
Letzteres wird insbesondere aufgrund des aus Dispositivziffer 2 sich ergebenden
Umkehrschlusses deutlich, wonach der Antrag des Beschwerdeführers an die Hand zu
nehmen ist, soweit eine Ausforschung nicht beabsichtigt ist. Von daher fehlt der
Dispositivziffer ein abgrenzbarer Inhalt. Undefiniert blieb auch, unter welchen
Voraussetzungen von "Ausforschung" auszugehen wäre und welche Rechtsfolgen
daran zu knüpfen wären. Von daher ist der Beschwerdeführer durch Dispositivziffer 2
auch nicht unmittelbar beschwert, zumal eine "Ausforschung" - was auch immer
darunter zu verstehen ist - als nicht belegt gelten kann. Offen bleiben kann vor diesem
Hintergrund die Frage, ob die verfügte "Nichtanhandnahme" als Nichteintreten oder
Abweisung zu verstehen wäre. Dispositivziffer 2 der angefochtenen Verfügung ist
dementsprechend aufzuheben.
3.6. Der Erlass einer Feststellungsverfügung über den Bestand, Nichtbestand oder
Umfang öffentlich-rechtlicher Rechte und Pflichten setzt ein besonderes
Feststellungsinteresse voraus, welches bejaht wird, wenn ein rechtliches oder
tatsächliches, aktuelles Interesse am Erlass eines Feststellungsentscheides dargetan
ist und wenn der Entscheid Rechtsfolgen und nicht theoretische Rechtsfragen zum
Gegenstand hat. Die Interessen dürfen sodann nicht dadurch gewahrt sein, dass
alsbald eine gestaltende Verfügung erlassen werden kann (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 560; BGE 137 II 199 E. 6.5.1). In den Dispositivziffern 3 und 4 hielt bzw. stellte die
Vorinstanz fest, dass das Gesuch um Auskunftserteilung vom 2. Juni 2017 vollständig
beantwortet worden sei und die für das Disziplinarverfahren relevanten Akten zum
Dossier genommen worden seien (act. G 2/2 S. 28). Mit diesen beiden Feststellungen
bezweckte sie, die konkreten Gegebenheiten festzulegen, um künftige
Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden und Rechtssicherheit zu gewährleisten (vgl. act. G
10 S. 2 f.). Hierzu ist festzuhalten, dass sich damit ein Feststellungsinteresse insofern
nicht begründen lässt, als mit den Dispositivziffern 1, 5, 6, 7 und 8 der angefochtenen
Verfügung sowie mit dem vorliegend zu erlassenden Entscheid betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Akteneinsicht und Auskunft die Frage der vollständigen Beantwortung des Gesuchs
bzw. Offenlegung der für das Disziplinarverfahren relevanten Akten inhaltlich
(gestaltend) beantwortet wird. Zusätzlicher Feststellungen bedarf es hier nicht. Die
Feststellungen treffen zudem materiell insofern nicht zu, als die Vorinstanz wie
dargelegt das Einsichts- bzw. Auskunftsgesuch nicht vollständig beantwortete. Von
daher lassen sich die Dispositivziffern 3 und 4 der angefochtenen Verfügung nicht
aufrechterhalten.
4. Die Behandlung eines Gesuchs um Auskunft und Einsicht ist nach Art. 19 DSG in
der Regel unentgeltlich. Das öffentliche Organ erlässt gemäss Art. 23 DSG eine
Verfügung, wenn es ein Gesuch der betroffenen Person abweist. Vorliegend
begründete die Vorinstanz die streitige Kostenauferlegung von CHF 1'500 mit Hinweis
auf den ausserordentlichen Aufwand, mit dem Vorliegen von Rechtsmissbrauch,
"Ausforschungsmotiven" und DSG-fremden Interessen sowie der Erforderlichkeit des
Erlasses einer beschwerdefähigen Verfügung (act. G 2/2 S. 27). Diese Gegebenheiten
vermögen jedoch, da sie - wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt - im
Wesentlichen nicht als nachgewiesen gelten können, keine Ausnahme von der Regel
der Unentgeltlichkeit der Gesuchsbehandlung gemäss Art. 19 DSG zu begründen.
Vielmehr ist der entstandene Aufwand insofern auch der Vorinstanz zuzuschreiben, als
sie nachträglich zusätzliche, das Disziplinarverfahren tangierende Akten vorlegte.
Zudem ist festzuhalten, dass in Verfahren betreffend Auskunft und Akteneinsicht relativ
häufig ein das Verwaltungsverfahren abschliessender Erlass einer Verfügung
erforderlich sein dürfte, wenn - wie vorliegend der Fall - dem Ersuchen nicht vollständig
entsprochen wird. Die (grundsätzlich kostenlose) Behandlung eines Gesuchs im Sinn
von Art. 19 DSG umfasst mithin sowohl für den Gesuchsteller positive als auch
abschlägige Bescheide (mit und ohne Verfügung). Die von der Vorinstanz zur
Begründung der Kostenauferlegung angeführte allgemeine Norm des VRP (Art. 94 VRP)
kommt aufgrund der Spezialregelung von Art. 19 DSG nicht zur Anwendung. Soweit ein
besonders grosser Aufwand, wie er etwa gemäss Art. 8 Abs. 5 DSG des Bundes zur
Kostenauferlegung führen kann (vgl. Beat Rudin a.a.O., S. 113), bejaht würde, könnte
unter den konkreten Gegebenheiten nicht ausschliesslich dem Beschwerdeführer
angelastet werden. Ziff. 9 der angefochtenen Verfügung ist daher aufzuheben. Der im
vorinstanzlichen Verfahren geleistete Kostenvorschuss von CHF 1'500 ist dem
Beschwerdeführer von der Vorinstanz somit zurückzuerstatten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
5.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die Dispositivziffern 2-4 sowie 8 und 9 der angefochtenen Verfügung aufzuheben.
Die Sache ist an die Vorinstanz zur Prüfung zurückzuweisen, ob der Offenlegung des
E-Mailverkehrs B._/ehemaliger Kantonszahnarzt K._ betreffend das
Disziplinarverfahren des Beschwerdeführers Verweigerungsgründe im Sinn von Art. 18
DSG entgegenstehen (vgl. vorstehende E. 3.4.4).
5.2. In Streitigkeiten hat grundsätzlich jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Ausgehend von
einem hälftigen Obsiegen des Beschwerdeführers, sind die amtlichen Kosten
grundsätzlich dem Beschwerdeführer und der Vorinstanz je zur Hälfte zu auferlegen.
Kosten, die ein Beteiligter, sein Rechtsbeistand oder sein Vertreter durch Trölerei oder
anderes ungehöriges Verhalten oder durch Verletzung wesentlicher
Verfahrensvorschriften veranlasst, gehen zu seinen Lasten (Art. 95 Abs. 2 Satz 1 VRP).
Der Umstand, dass nachträglich weitere zum abgeschlossenen Disziplinarverfahren
gehörende Akten bekannt bzw. durch die Vorinstanz vorgelegt wurden, belegt eine
Verletzung der Aktenführungspflicht. Dieser Umstand rechtfertigt es, der Vorinstanz die
amtlichen Kosten dieses Verfahrens nach dem Verursacherprinzip aufzuerlegen.
Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12); auf die Erhebung wird verzichtet (Art. 95 Abs.
3 VRP). Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von CHF 2'500 wird
ihm zurückerstattet.
5.3. Ausseramtliche Kosten sind dem Beschwerdeführer weder für das
Beschwerdeverfahren noch für das vorinstanzliche Verfahren zu entschädigen, da er
nicht mehrheitlich obsiegt hat. Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP; Cavelti/Vögeli,
a.a.O., Rz. 829); sie stellte auch keinen entsprechenden Antrag.