Decision ID: db2d6925-f92b-44cd-95a3-b676820b2499
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die 1961 geborene, als Hausfrau tätige Beschwerdeführerin meldete sich
am 25. Januar 2013 wegen eines Krebsleidens bei der Beschwerdegegne-
rin zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung
(IV) an. Die Beschwerdegegnerin holte medizinische Akten ein und veran-
lasste unter anderem eine Abklärung an Ort und Stelle betreffend die Ein-
schränkung der Leistungsfähigkeit im Haushaltsbereich. Mit Verfügung
vom 19. Februar 2015 sprach sie der Beschwerdeführerin eine befristete
halbe Rente für die Zeit vom 1. Juli 2013 bis zum 30. April 2014 zu. In teil-
weiser Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde hob das Versi-
cherungsgericht mit Urteil VBE.2015.195 vom 12. August 2015 die Verfü-
gung auf und wies die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Be-
schwerdegegnerin zurück.
1.2.
In der Folge veranlasste die Beschwerdegegnerin eine Begutachtung. Ge-
stützt auf das polydisziplinäre Gutachten des Universitätsspitals Basel,
asim Begutachtung (asim), vom 22. Dezember 2016 (mit Beantwortung der
Ergänzungsfragen vom 3. August 2017) und die Abklärung an Ort und
Stelle vom 8. Februar 2018 sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwer-
deführerin mit Verfügung vom 1. April 2019 ab 1. Mai 2014 eine Viertels-
rente zu. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Versicherungsge-
richt mit Urteil VBE.2019.303 vom 20. Januar 2020 teilweise gut, hob die
Verfügung auf und wies die Sache zu weiteren Abklärungen an die Be-
schwerdegegnerin zurück.
1.3.
In der Folge liess diese die Beschwerdeführerin polydisziplinär durch die
Swiss Medical Assessment- and Business Center AG (SMAB), Bern, be-
gutachten. Gestützt auf das am 26. Februar 2021 erstattete Gutachten und
die ergänzende Stellungnahme der Gutachter vom 30. August 2021 ver-
neinte die Beschwerdegegnerin – nach durchgeführtem Vorbescheidver-
fahren – mit Verfügung vom 7. März 2022 einen Rentenanspruch der Be-
schwerdeführerin.
2.
2.1.
Am 7. April 2022 erhob die Beschwerdeführerin dagegen fristgerecht Be-
schwerde und beantragte Folgendes:
"1. In Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung der IV-Stelle Aargau vom 7. März 2022 aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine halbe Rente ab 1. Juli 2013 zuzusprechen.
- 3 -
2. Eventualiter sei die Verfügung der IV-Stelle Aargau vom 7. März 2022 aufzuheben und die IV-Stelle anzuweisen, eine Haushaltsabklärung durchzuführen.
3. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewäh-
ren und es sei die unterzeichnende Anwältin als unentgeltliche  einzusetzen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. MwSt)."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 13. Mai 2022 beantragte die Beschwerdegegne-
rin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 19. Mai 2022 wurde der Be-
schwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und zu ihrer un-
entgeltlichen Vertreterin wurde lic. iur. Alexandra Meichssner, Rechtsan-
wältin, Frick, ernannt.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
2.
2.1.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung vom
7. März 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 185) in medizinischer Hin-
sicht auf das polydisziplinäre SMAB-Gutachten vom 26. Februar 2021 mit
den Fachdisziplinen Orthopädie, Allgemeine Innere Medizin, Onkologie
und Psychiatrie (VB 166) sowie die ergänzende gutachterliche Stellung-
nahme vom 30. August 2021 (VB 173).
2.2.
Die SMAB-Gutachter stellten in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (letzte
Tätigkeit; VB 166.1 S. 8):
"1. Chronische Schmerzen des rechten Schultergelenkes im Sinne eines Impingement-Syndroms bei röntgenologisch nachgewiesener  calcarea
2. Fortgeschrittene Gonarthrose links, ohne signifikante Bewegungsein-
schränkung, ohne signifikante Instabilität, ohne seitendifferente 
- 4 -
3. Fortgeschrittene Gonarthrose rechts, signifikante , ohne signifikante Instabilität"
Die Gutachter führten aus, auf orthopädisch-traumatologischem Fachge-
biet betrage die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Hausfrau 80 %; in einer
optimal angepassten Tätigkeit betrage diese 100 %. Aus onkologischer
Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, sie betrage in der
Tätigkeit als Hausfrau wie auch in einer leidensangepassten Tätigkeit
100 %. Ebenso bestehe aus internistischer Sicht keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei keine Diagnose zu "verge-
ben". Der Beschwerdevortrag der Versicherten sei vage gewesen und habe
aufgesetzt gewirkt. Sie habe in zwei verschiedenen Beschwerdevalidie-
rungsverfahren signifikant schlecht abgeschnitten. Die Ressourcen der
Versicherten seien aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt, eine Ar-
beitsunfähigkeit lasse sich aus psychiatrischer Sicht nicht begründen
(VB 166.1 S. 10).
Die Gutachter führten weiter aus, in zeitlicher Hinsicht dürfte für die Tätig-
keit als Hausfrau in der Zeit der Akutbehandlung des Brustkrebses von Ja-
nuar bis Mai 2012, unter Annahme einer Rekonvaleszenzzeit von zwei Mo-
naten bis Juli 2012, eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % gegeben gewesen
sein. Damals hätten sicher schon die degenerativen Veränderungen in der
Halswirbelsäule und die Beschwerden beider Schultergelenke sowie die
degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule vorgelegen. Im wei-
teren Verlauf seien dann die weiteren Diagnosen hinzugetreten, wobei das
gutachterlich beschriebene Belastungsprofil nicht weiter eingeschränkt
werde, da sich klinisch keine weiteren Einschränkungen objektivieren lies-
sen. Ob eine wesentliche Fatigue durch die antihormonelle Therapie fort-
bestehend gewesen sei, könne retrospektiv nicht sicher beurteilt werden.
Diese dürfte jedoch im niedrigen Bereich von maximal 10 % gelegen ha-
ben. Seit Absetzen der antihormonellen Therapie sei davon auszugehen,
dass die Leistungsfähigkeit der aktuellen Bewertung entspreche und eine
signifikante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus onkologischer Sicht
nicht mehr zu attestieren sei. Aus psychiatrischer Sicht lasse sich eine re-
levante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch für die Vergangenheit
nicht begründen; ob es möglicherweise im Anschluss an die Tumorerkran-
kung passager zu einer depressiven Entwicklung gekommen sei, die zu
einer passageren Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt habe, sei ret-
rospektiv auch vor dem Hintergrund der negativen Antwortverzerrung nicht
sicher zu beurteilen (VB 166.1 S. 12).
2.3.
In der Stellungnahme vom 30. August 2021 nahmen die Gutachter ergän-
zend zum retrospektiven Verlauf der Arbeitsfähigkeit Stellung. Sie führten
zusammenfassend aus, aus gesamtmedizinischer Sicht sei der Arbeitsun-
fähigkeitsverlauf im Haushalt ab Juli 2012 bis aktuell wie folgt "zu beziffern":
- 5 -
Ab Juli 2012 bis 25. April 2017 zu 20 bis 30 %, vom 25. April bis 30. Juni
2017 aufgrund des Knies zu 100 %, vom 1. Juli bis am 1. Oktober 2017
aufgrund des Knies zu 50 %, vom 23. August bis am 23. Oktober 2017 auf-
grund des Unterarmes zu 70 % und ab dem 1. November 2017 zu 20 bis
30 % (VB 173 S. 2).
3.
3.1.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, bei den psychiatrischen und onko-
logischen SMAB-Teilgutachten handle es sich um unzulässige second
opinion-Beurteilungen (Beschwerde, Ziff. 10).
3.2.
Im Nachgang an das Rückweisungsurteil des Versicherungsgerichts
VBE.2019.303 vom 20. Januar 2020 zeigte die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 29. Juli 2020 die vorgesehene Ein-
holung eines polydisziplinären Gutachtens unter Abklärung des Arbeitsun-
fähigkeitsverlaufs explizit ab 2. Februar 2012 an (VB 155). Der Beschwer-
deführerin wurde eine Fristerstreckung gewährt, um allfällige Ergänzungen
bezüglich der vorgesehenen Begutachtung anzubringen (VB 156). Mit Mit-
teilung vom 6. November 2020 wurde die Beschwerdeführerin sodann über
die konkrete Durchführung der Begutachtung orientiert (VB 163). Die gut-
achterlichen Untersuchungen fanden schliesslich im Januar 2021 statt
(VB 166.1 S. 3). Die Beschwerdeführerin stellte diese Begutachtung bis zu
deren Durchführung in keiner Weise in Frage. Nicht einmal im Einwand-
schreiben vom 9. Dezember 2021 – wobei die Beschwerdeführerin nach
dortigen Angaben bereits anwaltlich vertreten war (VB 181 S. 2 unten;
vgl. demgegenüber die am 11. März 2022 unterzeichnete Vollmacht
[VB 186]) – beanstandete die Beschwerdeführerin die Begutachtung in for-
meller Hinsicht (VB 181).
Die bundesgerichtliche Rechtsprechung verlangt gestützt auf den auch für
Private geltenden Grundsatz von Treu und Glauben und das Verbot des
Rechtsmissbrauchs (Art. 5 Abs. 3 BV), dass verfahrensrechtliche Einwen-
dungen so früh wie möglich, das heisst nach Kenntnisnahme eines Man-
gels bei erster Gelegenheit, vorzubringen sind. Es verstösst gegen Treu
und Glauben, Mängel dieser Art erst in einem späteren Verfahrensstadium
oder sogar erst in einem nachfolgenden Verfahren geltend zu machen,
wenn der Einwand schon vorher hätte festgestellt und gerügt werden kön-
nen. Wer sich auf das Verfahren einlässt, ohne einen Verfahrensmangel
bei erster Gelegenheit vorzubringen, verwirkt in der Regel den Anspruch
auf spätere Anrufung der vermeintlich verletzten Verfahrensvorschrift
(BGE 143 V 66 E. 4.3 S. 69 f. mit Hinweisen). Es kann nicht angehen, dass
eine versicherte Person gegen medizinische Abklärungen nicht opponiert,
bis sie Kenntnis von der Beurteilung des/der Experten erhält und damit die
Rüge vermutungsweise nur dann erhebt, wenn sie mit der Beurteilung nicht
- 6 -
einverstanden ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_768/2018 vom
21. Februar 2019 E. 5.2.1 und 9C_174/2020 vom 2. November 2020
E. 6.2.2). Dies gilt auch für anwaltlich nicht vertretene beschwerdeführende
Personen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_445/2016 vom 7. Februar
2017 E. 5.2). Die vorliegend erst im Beschwerdeverfahren vorgebrachte
Rüge erweist sich somit klar als verspätet.
In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob auf das SMAB-Gutachten abge-
stellt werden kann.
4.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134
V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
5.
5.1.
Die Beschwerdeführerin wurde im Rahmen der polydisziplinären SMAB-
Begutachtung fachärztlich umfassend und in Kenntnis der Vorakten
(VB 166.2) sowie unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden
(VB 166.3 S. 2 ff.; VB 166.4 S. 2 ff.; VB 166.5 S. 2 ff.; VB 166.6 S. 2 ff.) un-
tersucht. Das Gutachten beruht auf allseitigen Untersuchungen der betei-
ligten medizinischen Fachrichtungen und bezieht die entsprechenden Teil-
gutachten mit ein (VB 166.3 S. 5 ff., S. 19 ff; VB 166.4 S. 5 ff.; VB 166.5
S. 5 ff.; VB 166.6 S. 5 ff.; VB 166.1 S. 5 ff.). Es wurde eine Laboruntersu-
chung (Blutanalyse) durchgeführt (VB 166.7). Die Beurteilung der medizi-
nischen Situation sowie die fachärztlichen Schlussfolgerungen sind nach-
vollziehbar begründet (VB 166.3 S. 12 ff.; VB 166.4 S. 8 ff.; VB 166.5
S. 8 ff.; VB 166.6 S. 8 ff.; VB 166.1 S. 5 ff.). Das Gutachten (und die ergän-
zende Stellungnahme vom 30. August 2021, VB 173) wird den von der
Rechtsprechung formulierten Anforderungen an eine beweiskräftige medi-
zinische Stellungnahme demnach gerecht (vgl. E. 4.), wovon im Übrigen
auch der Regionale Ärztliche Dienst in der Stellungnahme vom 15. Februar
- 7 -
2022 ausging (VB 184 S. 3). Das Gutachten ist somit grundsätzlich geeig-
net, den Beweis für den anspruchserheblichen medizinischen Sachverhalt
zu erbringen.
5.2.
5.2.1.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, auf das Gutachten könne aus ver-
schiedenen Gründen nicht abgestellt werden.
Sie rügt vorab, der psychiatrische SMAB-Gutachter habe sich nicht mit den
Einschätzungen und der Diagnostik anderer in den Fall involvierten Psy-
chiaterinnen und Psychiater auseinandergesetzt (Beschwerde, Ziff. 17 f.).
5.2.2.
Der psychiatrische SMAB-Gutachter Dr. med. B., Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, stellte bei der Beschwerdeführerin keine psychiat-
rische Diagnose. Er begründete dies damit, dass der Beschwerdevortrag
der Versicherten vage und aufgesetzt gewirkt habe und ihr eine detailreiche
Schilderung nicht möglich gewesen sei. Die Einschränkungen, welche die
Versicherte angegeben habe, hätten nicht verifiziert werden können. Es
seien deshalb zwei unterschiedliche Beschwerdevalidierungsverfahren an-
gewendet worden, von denen eines sprachungebunden gewesen sei. In
beiden habe die Versicherte unabhängig voneinander ein Ergebnis erzielt,
das – laut Testmanual – für das zielgerichtete Vortäuschen einer nicht vor-
handenen Symptomatik spreche. Somit sei gesamthaft betrachtet von einer
nicht authentischen Beschwerdeschilderung auszugehen (VB 166.6 S. 9).
Eine Einschränkung der Fähigkeiten und Ressourcen der Versicherten
lasse sich aus psychiatrischer Sicht weder aktuell noch für die Vergangen-
heit begründen (VB 166.6 S. 10 f.).
Betreffend den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in retrospek-
tiver Hinsicht nahm Dr. med. B. zu den Vorakten kurz Stellung und führte
aus, er könne die gestellten psychiatrischen Diagnosen nicht nachvollzie-
hen. Ihm war dabei insbesondere auch die Einschätzung der psychiatri-
schen asim-Gutachterin Dr. med. C., Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, im Gutachten vom 22. Dezember 2016 und in der er-
gänzenden Stellungnahme vom 3. August 2017 bekannt. Dr. med. B.
begründete seine von der Einschätzung von Dr. med. C. abweichende
Beurteilung damit, dass es im asim-Gutachten an einer spezifischen
Beschwerdevalidierung gefehlt habe (VB 166.6 S. 9). Rechtspre-
chungsgemäss sind zwar die Gutachter für die Vollständigkeit und die fach-
liche Güte ihrer Expertise letztverantwortlich (BGE 139 V 349 E. 3.3
S. 352 f.), worunter auch die Wahl der Untersuchungsmethoden fällt
(vgl. dazu etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_367/2019 vom 6. August
2019 E. 4.3.2; 8C_794/2018 vom 15. Februar 2019 E. 4.2, je mit Hinwei-
sen). Im vorliegenden Fall enthielt allerdings bereits das asim-Gutachten
- 8 -
Hinweise auf eine nicht authentische Beschwerdeschilderung der Be-
schwerdeführerin: So wurde darin festgehalten, es sei auffallend, dass die
Versicherte keinen Verlauf der Beschwerden habe angeben können, und
dass die Angaben zu ihrer Befindlichkeit eher vage und stichwortartig ge-
wesen seien (VB 102.4 S. 10). Weiter wurde im Rahmen der Konsistenz-
prüfung unter anderem vermerkt, im Verhältnis zum hohen Leidensdruck
sei die Inanspruchnahme der psychiatrischen Behandlung eher gering
(VB 102.4 S. 12). Vor diesem Hintergrund erscheint es nachvollziehbar,
dass Dr. med. B. die Schlussfolgerungen der asim-Gutachterin nicht teilte.
In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass die
psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei
erfolgen kann und dem begutachtenden Psychiater deshalb praktisch im-
mer einen gewissen Spielraum eröffnet, innerhalb dessen verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu res-
pektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteile des
Bundesgerichts 9C_494/2018 vom 6. November 2018; 8C_100/2013 vom
28. Mai 2013 E. 4.2.2 mit Hinweisen). Dass der psychiatrische SMAB-Gut-
achter nicht lege artis vorgegangen sei, wird zu Recht nicht geltend ge-
macht. Die von Dr. med. B. vorgenommene aktuelle und retrospektive
Einschätzung des psychiatrischen Gesundheitszustands der Beschwerde-
führerin erfolgte somit schlüssig und nachvollziehbar, womit darauf abzu-
stellen ist.
5.3.
5.3.1.
Die Beschwerdeführerin rügt weiter, die Gutachter hätten ihre Ein-
schätzung nicht begründet, dass die Fatigue – bedingt durch die antihor-
monelle Therapie – zu einer im niedrigen Bereich von maximal 10 % lie-
genden Einschränkung geführt habe. Ausserdem habe sich der onkologi-
sche SMAB-Gutachter nicht mit der Einschätzung des onkologischen asim-
Gutachters auseinandergesetzt (Beschwerde, Ziff. 13 ff.).
5.3.2.
Der onkologische SMAB-Gutachter Dr. med. D., Facharzt für Allgemeine
Innere Medizin und Hämatologie, führte aus, die Behandlung der
Tumorerkrankung sei 2012 in kurativer Intention erfolgt. Bei regelmässigen
Nachsorgeuntersuchungen bestehe seither eine Tumorfreiheit, was einem
günstigen Therapieverlauf entspreche. Die Prognose sei insgesamt nicht
ungünstig (VB 166.5 S. 7). Er ergänzte, dass in der Zeit der Akutbehand-
lung von Januar bis Mai 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % gegeben
gewesen sein dürfte, die – unter Annahme einer Rekonvaleszenzzeit von
zwei Monaten – bis Juli 2012 gedauert habe. Im Anschluss dürfte keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr bestanden haben. Ob eine we-
sentliche Fatigue durch die antihormonelle Therapie fortbestanden habe,
könne retrospektiv nicht sicher beurteilt werden. Diese dürfte jedoch im
- 9 -
niedrigen Bereich von maximal 10 % gelegen haben. Seit Absetzen der an-
tihormonellen Therapie im Oktober 2020 sei davon auszugehen, dass die
Leistungsfähigkeit der aktuellen Bewertung entspreche und eine Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit aus onkologischer Sicht nicht mehr zu at-
testieren sei (VB 166.5 S. 10).
Die Einschätzung von Dr. med. D. deckt sich dabei weitgehend mit der
Einschätzung des onkologischen asim-Gutachters, der die geklagten post-
menopausalen Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu-
mindest teilweise durch die antihormonelle Therapie ("Tamoxifen") erklärt
sah, auch wenn er deswegen keine relevante Einschränkung der Arbeits-
fähigkeit als Hausfrau attestierte (VB 102.6 S. 4 f.). Nachdem sich die bei-
den onkologischen Teilgutachten weitgehend entsprechen, ist nicht zu be-
anstanden, dass sich der SMAB-Gutachter nicht vertiefter mit dem asim-
Gutachten auseinandersetzte. Weiter wies Dr. med. D. darauf hin, dass
sich eine Fatigue-Symptomatik aus onkologischer Sicht nicht trennen lasse
von einer Fatigue-Symptomatik aufgrund der chronischen Schmerzen und
der psychischen Problematik, "die jedoch eher in diesem Bereich zu
suchen [sei]" (VB 166.5 S. 7). Der psychiatrische Gutachter konnte al-
lerdings aufgrund der nicht authentischen Beschwerdeschilderung und der
Ergebnisse der Beschwerdevalidierungsverfahren keine Einschränkungen
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin feststellen, was – wie bereits
ausgeführt (vgl. E. 5.2.) – nachvollziehbar ist.
5.4.
5.4.1.
Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die SMAB-Gutachter hätten
sich in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung damit begnügt, erfolgte
Eingriffe und Untersuchungen aufzuzählen. Eine differenzierte Auseinan-
dersetzung mit den Schmerzangaben der Beschwerdeführerin habe nicht
stattgefunden, obwohl eine Schmerzstörung im Raum stehe. Ausserdem
seien die von der Beschwerdeführerin beklagten Schmerzen am Handge-
lenk nicht erwähnt worden (Beschwerde, Ziff. 11 f.).
5.4.2.
Die Beschwerdeführerin wurde im Rahmen der gutachterlichen Untersu-
chungen zu ihren Beschwerden befragt. Dabei gab sie jeweils an, unter
Schmerzen zu leiden (vgl. für das orthopädisch-/traumatologische Gutach-
ten, VB 166.3 S. 2 f.; für das internistische Gutachten, VB 166.4 S. 2 und
für das onkologische Gutachten, VB 166.5 S. 2). Die von der Beschwerde-
führerin angegebenen Schmerzen waren den Gutachtern somit bekannt.
Der orthopädische Gutachter untersuchte die Beschwerdeführerin nach der
Befragung umfassend, wobei er auch die Handgelenke berücksichtigte
(VB 166.3 S. 6 ff.). Er erachtete die von der Beschwerdeführerin angege-
benen muskuloskelettalen Schmerzen jedoch als nicht nachvollziehbar, da
die Funktionsuntersuchungen als überwiegend positiv zu bewerten und im
- 10 -
Wesentlichen als altersentsprechend anzugeben seien (VB 166.3 S. 13),
was auch für das linke Handgelenk gelte (vgl. VB 166.3 S. 12). Der psy-
chiatrische Gutachter nahm des Weiteren zur Frage nach dem Vorliegen
einer Schmerzstörung Stellung, erachtete eine solche allerdings als nicht
bestehend (VB 166.6 S. 13). Damit fand im SMAB-Gutachten sowohl in so-
matischer wie auch in psychiatrischer Hinsicht eine genügende Auseinan-
dersetzung mit den Schmerzangaben der Beschwerdeführerin statt.
5.5.
Zusammenfassend ist somit auf die Arbeitsfähigkeitseinschätzung gemäss
SMAB-Gutachten vom 26. Februar 2021 (VB 166) und ergänzender Stel-
lungnahme vom 30. August 2021 (VB 173) abzustellen.
6.
6.1.
Gemäss verbindlichem Rückweisungsurteil des Versicherungsgerichts
VBE.2019.303 vom 20. Januar 2020 ist die Beschwerdeführerin als Nicht-
erwerbstätige zu qualifizieren, womit der Invaliditätsgrad nach der Methode
des Betätigungsvergleichs zu bestimmen ist (vgl. dortige E. 5, S. 5 ff.
[VB 137]). Rechtsprechungsgemäss wird die Einschränkung im Haushalt
üblicherweise anhand einer Abklärung an Ort und Stelle ermittelt
(vgl. Art. 69 Abs. 2 zweiter Satz IVV).
Die Beschwerdegegnerin liess letztmals im Jahr 2018 bei der Beschwerde-
führerin eine Abklärung an Ort und Stelle durchführen (VB 123). Im aktuel-
len Verfahren schätzte sich die Beschwerdeführerin nach eigenen Anga-
ben gegenüber den SMAB-Gutachtern als arbeitsunfähig für jegliche Tätig-
keiten ein und gab an, sich invalide und schwer krank zu fühlen (VB 166.1
S. 10). Bei dieser Sachlage erweist sich der Verzicht auf eine erneute Ab-
klärung vor Ort und das Abstellen auf eine medizinische Zumutbarkeitsbe-
urteilung für die Invaliditätsschätzung gemäss Rechtsprechung als korrekt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_404/2007 vom 4. August 2008 E. 4.3).
Damit entspricht der IV-Grad der im SMAB-Gutachten der Beschwerdefüh-
rerin attestierten Arbeitsunfähigkeit.
6.2.
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 25. Januar 2013 zum Leistungs-
bezug an (VB 4). Frühestmöglicher Rentenbeginn ist somit der 1. Juli 2013
(Art. 29 Abs. 1 IVG). Voraussetzung für einen Rentenanspruch ist, dass
das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG erfüllt ist und – gegebenen-
falls – danach ein rentenbegründender Invaliditätsgrad besteht, d.h. dass
die Beschwerdeführerin während eines Jahres ohne wesentlichen Unter-
bruch durchschnittlich zu mindestens 40 % arbeitsunfähig und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid war (Art. 28 Abs. 1 IVG). Ein we-
sentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1
- 11 -
lit. b IVG liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinan-
derfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29ter IVV).
Zur Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ergibt sich aus dem SMAB-
Gutachten und der ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom
30. August 2021 Folgendes: Die Arbeitsunfähigkeit betrug von Januar bis
Juli 2012 100 % (VB 166.1 S. 12), ab Juli 2012 bis zum 25. April 2017
20 bis 30 %, vom 25. April bis zum 30. Juni 2017 100 %, vom 1. Juli bis
zum 22. August 2017 50 %, vom 23. August bis zum 23. Oktober 2017
70 % und ab dem 1. November 2017 wiederum 20 bis 30 % (VB 173 S. 2).
Aus diesen Angaben folgt, dass bei der Beschwerdeführerin ab Januar
2012 während eines Jahres eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40 % ohne wesentlichen Unterbruch vorlag. Damit hat die Be-
schwerdeführerin das Wartejahr im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG zu-
rückgelegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_412/2017 vom 5. Oktober
2017 E. 4.3). Im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns am 1. Juli
2013 betrug der Invaliditätsgrad – entsprechend der attestierten Arbeitsun-
fähigkeit – somit 25 % (Mittelwert der attestierten 20 bis 30%igen Arbeits-
unfähigkeit, vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_782/2019 vom 15. April
2020 E. 2.2 mit Hinweisen), womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente
entstand.
Per 25. April 2017 erhöhte sich der Arbeitsunfähigkeitsgrad der Beschwer-
deführerin auf 100 %, betrug daraufhin ab dem 1. Juli 2017 50 % und ab
dem 23. August 2017 70 %. Ab dem 1. November 2017 lag wiederum eine
Arbeitsunfähigkeit von 20 bis 30 % vor (vgl. VB 173 S. 2). Da die Wirkung
der Erfüllung der Wartezeit zeitlich indes nicht unbeschränkt anhält (vgl. Ur-
teile des Bundesgerichts 9C_677/2012 vom 3. Juli 2013 E. 2.3 und
9C_942/2015 vom 18. Februar 2016 E. 3.3.3; BGE 142 V 547 E. 3.1 S. 550
mit Hinweisen), hat die Beschwerdeführerin ab dem Zeitpunkt der
Verschlechterung per 25. April 2017 das Wartejahr erneut zu durchlaufen.
Nach Ablauf dieses Jahres im April 2018 lag die gutachterlich attestierte
Arbeitsunfähigkeit wiederum bei lediglich 25 % (Mittelwert der attes-
tierten 20 bis 30%igen Arbeitsunfähigkeit, vgl. Urteil des Bundesge-
richts 9C_782/2019 vom 15. April 2020 E. 2.2 mit Hinweisen), womit die
Beschwerdeführerin weiterhin keinen Anspruch auf eine IV-Rente hatte
bzw. hat.
7.
7.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
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Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Da dieser die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-
merken.
7.3.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61
lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-
alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf
Parteientschädigung zu. Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin wird das an-
gemessene Honorar – wobei bei dessen Festsetzung zu berücksichtigen
ist, dass sie gemäss den Akten bereits im Vorbescheidverfahren involviert
war (VB 181 S. 2 unten) – nach Eintritt der Rechtskraft des versicherungs-
gerichtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein (Art. 122
Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG).
7.4.
Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der
die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-
gemerkten Gerichtskosten sowie der der Rechtsvertreterin ausgerichteten
Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.