Decision ID: 88ff8bab-dc24-4448-ab98-a88e278042a8
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1979, war seit
1.
Mai 2014 bei der
Y._
GmbH als
Storenmonteur
beschäftigt und über diese bei der Suva obligatorisch unfallver
sichert, als
er sich am 2
5.
April 2017
ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, ein akutes lokales zervikales Schmerzsyndrom und eine Kontusion des rechten Zeigefingers
zuzog
(
Urk.
8/1;
Urk.
8/
2
/2-4
S. 1
Ziff.
1-3
).
Die Suva stellte die von ihr erbrachten Versicherungsleistungen mit Verfügung vom 2
8.
Dezember 2017 per 3
1.
Dezember 2017 ein (
Urk.
8/66). Die dagegen am
9.
Januar 2018 erhobene und am 2
9.
Juni 2018 ergänzte Einsprache
(
Urk.
8/69/4-7
,
Urk.
8/87)
wies sie mit
Einspracheentscheid
vom
7.
August
2018
ab (
Urk.
8/89 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
7.
August 2018
erhob der Versicherte am 1
3.
September 2018 Beschwerde und beantragte (
Urk.
1 S. 2), dieser sei auf
zu
he
ben und es seien ihm weiterhin die Versicherungsleistungen (insbesondere Tag
gel
der und Heilungskosten) auszurichten (
Ziff.
1), eventuell sei die Sache zu weite
ren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Ziff.
2).
Die Suva beantragte mit
Beschwerdeantwort vom 1
9.
Oktober
2018 (
Urk.
7)
die A
b
weisung
der Beschwerde.
Am 1
7.
Mai 2019 nahm die Beschwerdegegnerin zu vom Beschwerdeführer ein
ge
reichten weiteren Akten (
Urk.
10/1-7) Stellung (
Urk.
12), was dem Beschwerde
führer am 2
0.
Mai 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
14).
3.
Am
4.
Februar 2019 wurde ein Rückfall am 3
0.
Januar 2019 gemeldet
(
Urk.
13/1),
wobei aus
dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 1
3.
Februar
2019 (
Urk.
10/4) und
dem am 3
0.
April 2019 vom Beschwerdeführer ausgefüllten Frage
bogen (
Urk.
13/20/2-3) hervorgeht, dass es sich dabei um ein neues Ereignis handelte (vgl.
Ziff.
3-6).
Mit Verfügung vom
9.
Mai 2019 stellte die Suva die in diesem Zusammenhang bis dahin gewährten Leistungen per 1
3.
März 2019 ein (
Urk.
13/28 =
Urk.
13/29/2-4 =
Urk.
13/30/2-4 =
Urk.
13/32/6-8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammen
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um
schreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesund
heit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten
Per
son beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werd
en kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Ge
sund
heitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als
Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenom
men
wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle ander
seits und schliesslich der
dazwischen liegende
mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.4
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen
(BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
):
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit.
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58).
Ander
seits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu be
rücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Da
mit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die mögli
cher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten
(BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442
S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus, aus näher dargelegten Gründen (S. 6 ff.) lägen keine durch den Unfall verur
sachten strukturellen Läsionen vor (S. 9
Ziff.
3a/
gg
), mithin beruhten die vom Beschwerdeführer noch geklagten Beschwerden nicht auf einem unfallbedingten objektivierbaren Substrat (S. 10
Ziff.
3b). Die Adäquanz eines allfälligen Kausal
zusammenhangs sei gemäss der Praxis zu psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) zu beurteilen (S. 11 f.
Ziff.
5), dies (gemäss BGE 134 V 109 E. 6.1) im Zeit
punkt, in welchem von der Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerich
teten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden könne (S. 12
Ziff.
6a
). Betreffend die Fingerverletzung sei dies spätestens am
7.
September 2017 und betreffend die Beeinträchtigungen der Halswirbelsäule (HWS) spätestens mit Eintritt des Status quo sine am 2
5.
Oktober 2017 der Fall gewesen (S. 13
Ziff.
6b). Das Unfallereignis sei aus näher darge
legten Gründen als mittelschwer zu qualifizieren (S. 14 f. Ziff.
7b) und keines de
r
massgebenden Adäquanzkriterien sei erfüllt (S. 15 f.
Ziff.
7c).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), weil die Behandlung der Unfallfolgen verschleppt worden
sei, habe noch keine Heilung bewirkt werden können. Nach der Konsultation eines neuen Facharztes
sei
klar geworden
, dass eine Intensivierung und insbesondere eine stationäre Reha
bilitation notwendig seien, um die Unfallbeschwerden konsequent und nach
haltig lindern zu können (S. 2
Ziff.
3, S. 4
Ziff.
4). Dass die Adäquanz gemäss der Praxis zu psychischen Unfallfolgen geprüft werde, sei nicht zu beanstanden (S. 5
Ziff.
5). Beanstandet werde jedoch, dass die Adäquanz geprüft werde, ohne verlässliche Beurteilungen über den psychischen Ges
undheitszustand zu besitzen (S. 5
Ziff.
6). Auch sei die Adäquanz verfrüht beurteilt worden, leide er doch noch immer unter den unfallbedingten HWS-Beschwerden, auch wenn diese nicht organisch nach
weisbar seien (S. 6
Ziff.
7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die erfolgte Leistungseinstellung rechtens ist.
Das Ereignis vom 3
0.
Januar 2019 ist nicht Gegenstand des vorliegenden Ver
fah
rens (vgl.
Urk.
12 S. 1
Ziff.
1).
3.
3.1
Laut Polizeirapport vom 2
6.
April 2017 (
Urk.
8/18/6-15) war der Beschwerde
führer am 2
5.
April 2017 an einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppierungen beteiligt (S. 1).
Laut Austrittsbericht vom 2
7.
April 2017 (
Urk.
8/2-4) war er
vom 2
5.
bis 2
6.
April 2017 in der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals
Z._
hospitalisiert
und es wurden
die
folgenden, hier verkürzt angeführten Diagnosen gestellt (S. 1):
-
leichtes Schädel-Hirn-Trauma
vom 2
5.
April 2017
-
akutes lokales zervikales Schmerzsyndrom
am 2
5.
April 2017
-
Kontusion
Zeigefinger rechts am 2
5.
April 2017
-
bekannte nicht näher bezeichnete Angst- und Panikstörung, Erstdiagose (ED) 2013
-
bekannte
bifrontale
chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp, ED 2011
-
sekundäre
Enuresis
, ED 2005
-
erektile Dysfunktion, ED 2005
-
rezidivierende Lumbalgien, ED 2002
Die Bildgebung vom 25./2
6.
April 2017 (
Urk.
8/11
-14)
ergab keine Hinweise auf akute
Traumafolgen
(S. 2 unten).
Ein MRI des Schädels und der HWS vom
8.
Mai 2017 ergab keinen Nachweis einer intrakraniellen Blutung oder einer Fraktur der Halswirbelkörper (
Urk.
8/35).
3.2
Dr.
A._
,
Facharzt für Chirurgie, berichte
te
am 1
0.
Mai 2017 über am
3.
und 1
0.
Mai 2017 erfolgte Konsultationen und nannte als
Diag
-
nosen
ein HWS-Schleudertrauma Stadium II mit degenerativen Veränderungen
HWK 4-7, einen Bandscheibenvorfall ohne Tangierung des
Myelon
und eine
Fazetten
ge
lenksarthrose
(
Urk.
8/4).
Am 2
3.
Mai 2017 operierte
Dr.
A._
den rechten Zeigefinger (
Urk.
8/22/2).
Ein
MRI
der
HWS
vom 1
5.
Juni
2017
ergab keine Befundänderung gegenüber dem
8.
Mai 2017
(
Urk.
8/32)
.
Im Bericht vo
m 2
5.
Jul
i 2017 (
Urk.
8/34) führte
Dr.
A._
unter anderem aus, trotz intensiver Physiotherapie und analgetischer medikamentöser Therapie habe der Patient immer noch Beschwerden im Bereich der HWS. Da er zusätzlich psychisch auffallend sei, habe er ihn einer Psychiaterin überwiesen (S. 1 unten).
3.3
Dr.
B._
, Fachärztin für Neurologie,
berichtete am
2
7.
Juni
2017
über ihre Untersuchungen vom 1
0.
Juni und 1
1.
Juli 2017
(
Urk.
8/40/2-4)
. Als
Diagnosen nannte sie ein HWS-Schleudertrauma und leichtes Schädel-Hirn-Trau
ma am 2
5.
April 2017 sowie einen seit Geburt bestehenden Nystagmus (S.
1). Wegen der
residuellen
Beschwerden nach dem HWS-Schleudertrauma habe sie
dem Patienten
empfohlen, eine antidepressive Therapie zu starten, was er im Moment noch nicht möchte (S. 3 oben).
3.4
Dr.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom
8.
August 2017 über die am 2
0.
Juli 2017 erfolgte Konsultation (
Urk.
8/39) aus, aus ihrer Sicht handle es sich um die typischen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1), bei welcher zur Be
handlung neben kognitiver Verhaltenstherapie ein näher bezeichnetes Medika
ment
das
Mittel der Wahl darstelle (S. 2 Mitte).
3.5
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.2) führte in seinem Bericht vom
9.
September 2017
(
Urk.
8/50) aus, die letzte Konsultation sei am
7.
September 2017 erfolgt (S.
1 Mitte
).
Der Patient berichte, dass er immer noch sehr starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Bereich des rechten Zeigefingers habe, wie auch Beschwerden im Bereich der HWS und psychische Beschwerden (S. 2 oben). Die subjektiven und objektiven Befunde stünden nicht immer in Einklang (S. 2 Mitte).
3.6
Dr.
D._
, Fachärztin für Neurologie, berichtete am
3.
Oktober 2017 über ihre gleichentags erfolgte Abklärung (
Urk.
8/53
). Sie nannte die fol
gen
den, hier verkürzt angeführten Diagnosen (S. 1 f.):
-
cervicobrachiales
Reizsyndrom beidseits bei Diskushernie C6/7,
breitbasig
, etwas rechtsprävalent, Diskushernie C5/6
mediolateral
beidseits
-
Radikulopathie
C7 rechts, akute
Denervationszeichen
3.7
Am 1
0.
Oktober 2017 führte Kreisarzt
Dr.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, in Beant
wor
tung der ihm unterbreiteten Fragen aus,
an der rechten Hand lägen
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 2
5.
April 2017 zurück
zuführende
strukturelle Läsionen vor, an der Wirbelsäule und am Becken nicht, den
n
CT und MRI vom 25./2
6.
April 2017 zeigten keine frischen Weichteil- oder Knochenverletzungen (
Urk.
8/51 S. 2
Ziff.
1). Der Heilverlauf bezüglich der orga
nischen Unfallfolgen sei beendet (
Urk.
8/51 S. 2
Ziff.
2).
3.8
Dr.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
lo
gie des Bewegungsapparates, führte im Bericht vom 2
4.
Oktober 2017 über seine
am 2
0.
September 2017 erfolgte Untersuchung (
Urk.
8/58) unter anderem aus, es sollte eine Stabilisierungsgymnastik an die Hand genommen werden, um den Be
fund möglichst durch Ruhigstellung und muskuläre Stabilisation zu kompen
sieren, bis die natürliche Schrumpfung das Beschwerdebild nachhaltig verbessern
könne (S. 2 unten).
3.9
Am 1
6.
Januar 2018 erstattete Kreisarzt
Dr.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, eine ärztliche Beurteilung (
Urk.
8/72). Er nannte folgende Diagnosen (S. 3 oben):
-
leichtes Schädel-Hirn-Trauma 2
5.
April 2017
-
zervikales Schmerzsyndrom 2
5.
April 2017
-
subkutaner Strecksehnenausriss D. II rechts 2
5.
April 2017
-
posttraumatische Belastungsstörung
Als unfallfremde Diagnosen nannte er (S. 3 oben):
-
Facettengelenk
s
arthrosen Halswirbelkörper (HWK) 4-6
-
chronische Kopfschmerzen
-
sekundäre
Enuresis
-
erektile Dysfunktion
-
rezidivierende Lumbalgien
Er
führte aus,
am 2
5.
April
2017
sei es unfallabhängig zu einem Riss der Streck
sehne des zweiten Fingers der rechten Hand gekommen. In der Bildgebung nach
dem Unfallereignis hätten der Schädel und die Wirbelsäule umfangreich begut
achtet werden können; unfallabhängige strukturelle Schädigungen seien in den
Radiologiebefunden
nicht zu finden. Insbesondere bestünden keine strukturellen
Läsionen der HWS. Weichteilverletzungen sowie Knochenverletzungen seien mittels
CT und MRI ausgeschlossen worden. Die seit dem Unfallereignis besteh
enden, erstmalig am
3.
Mai 2017 dokumentierten Beschwerden der Halswirbel
säule seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bei vorliegenden degenerati
ven Veränderungen der HWS durch eine Kontusion/Distorsion der HWS während des Unfallereignisses eingetreten. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei es während des Unfallereignisses, bei dem der Versicherte von einer anderen Person in den Würgegriff genommen worden sei, zu einer
geringgradigen
Kontusion / Distorsion der HWS und im Verlauf sei es zu einer vorübergehenden Ver
schlimmerung eines bereits zuvor bestehenden degenerativen Zustandes der HWS gekommen. Hierbei müsse es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um ein Bagatelltrauma gehandelt haben, da die Bildgebung zeitnah nach dem Unfall weder Weichteilverletzungen noch Knochenverletzungen der Halswirbelsäule ge
zeigt habe. Der Status quo sine wäre bei dieser Art von Trauma und vorbe
steh
enden degenerativen Veränderungen der HWS spätestens 6 Monate nach Unfall
er
eignis anzunehmen, also spätestens am 2
5.
Oktober 2017 (S. 3 Mitte). Durch die Kontusion / Distorsion der bereits degenerativ veränderten Halswirbelsäule sei es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer bis dreimonatigen verlängerten Schmerzsymptomatik im Bereich der HWS gekommen (S. 4 oben).
3.10
Dr.
C._
(vorstehend E.
3.4)
führte in ihrem Bericht vom 1
5.
März
2018 (
Urk.
8/77) unter anderem aus, der Beschwerdeführer leide noch immer zeitweise unter das Ereignis vom 2
5.
April 2017 betreffenden Intrusionen, er schlafe aber besser und arbeite, wenn es gehe, zu 50
%
in der eigenen Firma (S. 2 oben).
3.11
Dr.
H._
, Facharzt für Neurochirurgie, nannte in seinem Be
richt vom 1
4.
Juni 2018 über die gleichentags erfolgte Konsultation (
Urk.
8/86
=
Urk.
3 =
Urk.
10/1
)
folgende Diagnose (S. 1 Mitte):
-
cranio-cervikales
Beschleunigungstrauma mit
chronifizierten
Nacken
schmerzen (Quebec-Klassifikation Grad II-III)
Er führte aus, aus seiner Sicht handle es sich um ein maximal
chronifiziertes
zervikales Beschleunigungstrauma, hervorgerufen durch die erhebliche Gewalt
einwirkung auf die HWS. In der Akutphase sei aus
s
einer Sicht die Behandlung etwas verschleppt worden. Die zusätzlich bestehenden degenerativen HWS-Ver
änderungen hätten jedoch mit der aktuellen Problematik wenig zu tun. Aufgrund des
chronifizierten
Zustandsbildes bleibe aus
s
einer Sicht nur eine multimodale
Behandlungsstrategie aus Manual- und Physiotherapie, kombiniert mit Psycho
therapie zur Erlernung von Coping-Strategien. Nach nun rund einjährigen nicht einschlagenden konservativen Therapien sollte man daher den Patienten statio
när im Rahmen eines schmerztherapeutischen Konzeptes behandeln (S. 2 Mitte).
3.12
Im Bericht über eine am 3
0.
April 201
9 erfolgte Konsultation in der p
sychia
trischen K
linik
I._
(
Urk.
10/6) wurde unter anderem ausgeführt, in der rund einstündigen Exploration hätten sich keine Hinweise auf eine wahnhafte Störung, eine paranoide Symptomatik, Dissoziationen, eine PTBS oder ein der Problematik zugrundeliegende
s
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) gezeigt (S. 3 Mitte). Falls mittels körperlicher Untersuchungen alle möglichen Ursachen der Beschwerden des Patienten ausgeschlossen sein sollten, bestehe der Verdacht auf eine anhaltende Schmerzstörung (ICD-10 F45.4; S. 4 oben).
4.
4.1
Die Rechtsprechung umschreibt den Begriff der organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge - als Differenzierungsmerkmal für das Erfordernis einer Adäquanz
prüfung - wie folgt: Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reprodu
zierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparati
ven/
bild
gebenden Abklärungen bestätigt wurden und die
hiebei
angewendeten Untersu
chungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (BGE 138 V 248 E. 5.1).
Würde auf Ergebnisse klinischer Untersuchungen abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht, das eine Adäquanzprüfung als nicht erforderlich erscheinen liesse. Auch aus dem Vorliegen von Schmerzen kann noch nicht auf organisch (hinreichend) nachweisbare Unfallfolgen geschlossen werden, weil sich die Feststellung von Schmerzen einer wissenschaftlichen Beweisführung
entzieht
(Urteil des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom 1
8.
September 2018 E. 4.1.1
).
4.2
Gemäss de
r
kreisärztlichen Beurteilung
vom
Januar 2018
(vorstehend E. 3.9) hat das Unfallereignis keine bildgebend dokumentierten Weichteil- oder Knochen
verletzungen bewirkt, es liegen keine unfallbedingten strukturellen Schädigungen vor. Dokumentiert sind, auch von behandelnder Seite, ausschliesslich vom Be
schwerdeführer geklagte, als persistierend geschilderte Nackenbeschwerden. Dass diese organisch nicht nachweisbar sind, wurde denn auch in der Beschwerde nicht in Abrede gestellt (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
7).
4.3
Damit steht fest, dass zu prüfen ist, ob diese Beschwerden
wie auch
allfällige psychische Beeinträchtigungen in adäquatem Kausalzusammenhang mit dem
erlittenen Unfall stehen. Das Anhalten der genannten Beeinträchtigungen lässt nicht darauf schliessen, die Adäquanzprüfung erfolge verfrüht. Diese ist im Ge
gen
teil geradezu geboten, denn
das Fortbestehen oder der Wegfall einer Leis
tungspflicht hängt ge
rade
davon ab, ob die Adäquanz bejaht oder verneint wird.
Ebenso ist für den Zeitpunkt der Adäquanzprüfung nicht von Belang, um welche einzelnen psychischen Beeinträchtigungen es sich handelt, dient die
se
doch der Beantwortung der Frage, ob auf die
psychischen Beeinträchtigungen
bezogen
überhaupt eine Leistungspflicht besteht, wobei die Rechtsprechung auf die Schwere
des Unfallereignisses (vorstehend E. 1.3) und die praxisgemässen massgebenden - sich auf somatische Aspekte beziehende - Kriterien (vorstehend E. 1.4) abstellt, und
nicht auf die Ausprägung der psychischen Beeinträchtigungen.
4.4
Nach dem Gesagten ist der Zeitpunkt der Adäquanzprüfung nicht zu bean
stan
den. Gleiches gilt für die Einordnung des Unfallereignisses im mittleren Bereich.
Was die einzelnen Kriterien - zu denen beschwerdeweise nichts ausgeführt wurde - anbelangt, ist mit der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2 S.
15 f.) festzuhalten, dass besonders dramatische Begleitumstände
zu verneinen sind und der Unfall objek
tiv betrachtet auch nicht als besonders eindrücklich bezeichnet werden kann. Die erlittenen Verletzungen (vorstehend E. 3.1)
si
nd
nicht
als
schwer
oder von be
son
derer Art
zu bezeichnen
, konnten doch intrakranielle Verletzungen
und Verletz
ungen der HWS ausgeschlossen werden und
waren
die initialen
neurologischen U
ntersuchungen stets unauffällig. Auch kann
nicht gesagt werden, dass diese
Ge
sundheitsschädigungen
erfahrungsgemäss
geeignet wären, psychische Fehlent
wicklungen auszulösen.
Es
finden sich
auch
keine Anhaltspunkte für eine ärzt
liche Fehlbehandlung, einen schwierigen Heilungsverlauf
oder erhebliche Komp
li
kationen, wobei die Behandlung der psychischen Beschwerden
nicht in die Prü
fung dieser
Kriterien miteinzubeziehen ist.
Auch das Kriterium der
u
nge
wöhnlich lang dauernden ärztlichen Behandlung ist
nicht erfüllt, bezieht sich doch der diesbezügliche Hinweis des Beschwerdeführers auf
die Folgen psychischer
bezieh
ungsweise
organisch nicht ausgewiesener
Beschwerden
. Mangels objektivier
ba
ren organischen Substrats der noch geklagten Beschwerden
ist auch
das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen zu verneinen.
Gleiches gilt für die attestierte Arbeitsunfähigkeit.
Somit ist keines der massgebenden Kriterien erfüllt und die Adäquanz des Kausal
zusammenhangs zwischen dem Unfall im April 2017 und allfälligen Ende 2017 noch geklagten Beschwerden ist zu verneinen.
4.5
Aus diesem Grund ist die Beschwerdegegnerin ab
1.
Januar 2018 nicht mehr leistungspflichtig. Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.