Decision ID: b1cb016e-4038-4361-90a9-6cc344b37184
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 11./12. Februar 2008 wegen eines seit 2000 bestehenden
und 2007 operativ behandelten Rückenleidens zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine Rente. Er habe keinen Beruf
erlernt. 1994 war er in die Schweiz gekommen (IV-act. 2). Gemäss IK-Auszug (IV-act. 8)
war er ab 1994 vereinzelt kurz angestellt gewesen, verschiedentlich bei Temporärbüros
und in Arbeitslosenprojekten, ausserdem bezog er zeitweise
Arbeitslosenentschädigung. - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung hielt am 20. Februar 2008 (IV-act. 6) fest, Hausarzt Dr. med.
B._, FMH Innere Medizin, habe telefonisch erklärt, er kenne den Versicherten seit
2005. Schwere körperliche Tätigkeiten seien für diesen wegen des Rückenleidens nicht
mehr geeignet. Für leichte Tätigkeiten sei er (nach einer Rückenoperation vom
Dezember 2007) seit vier Wochen (wieder) arbeitsfähig. Ab März 2008 sollte eine
berufliche Eingliederung möglich sein. Im IV-Arztbericht vom 23. März 2008 (IV-act. 19)
gab Dr. B._ an, der Versicherte leide an einer lumbalen Diskushernie L5/S1 links mit
Osteochondrose, einem St. n. erweiterter interlaminärer Fenestrierung L5/S1 links,
Sequestro- und Nucleotomie am 15.11.07, und psychophysischer Erschöpfung bei
psycho-sozialer Belastungssituation seit Februar 2005. Der Versicherte sei vom
15. November 2007 bis 13. Januar 2008 voll arbeitsunfähig gewesen und sei seither zu
40 bis 50 % arbeitsunfähig. Nach einer Einarbeitungszeit von einem Monat bis zwei
Monaten sollte eine Arbeit im Sitzen und in Wechselbelastung mit nur leichter
Gewichtsbelastung und ohne Hektik voll zumutbar sein. - Nach einer
arbeitsmedizinischen RAD-Untersuchung vom 8. April 2008 berichtete der betreffende
RAD-Arzt am 21. April 2008 (IV-act. 24), der Versicherte wünsche nicht berufliche
A.a.
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B.
Eingliederung (im Übrigen auch nicht Vorstellung beim Sozialamt oder Tätigkeit im
zweiten Arbeitsmarkt), sondern eine Rente.
In ihrem Gutachten vom 22. April 2009 (IV-act. 44) stellte die Klinik C._ fest, als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen (verkürzt wiedergegeben,
erstens) seit ca. 2000 ein leichteres chronisches Fazettensyndrom L5/S1 und (zweitens)
seit 2005 eine neurasthenische Störung vor. Ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit seien eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine
Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional instabilen Zügen, rezidivierende
Knieschmerzen beidseits unklarer Ätiologie, Schulterschmerzen links unklarer Ätiologie
und Adipositas. Eine psychiatrische Erkrankung im engeren Sinn, welche per se die
Arbeitsfähigkeit grundsätzlich in Frage stellen würde, liege nicht vor. Die psychiatrische
Einschränkung ergebe sich am ehesten aus der dysfunktionalen Krankheitsbewältigung
mit Selbstlimitierung, Schonhaltung und Neigung zu kategorischer Ablehnung der
Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit (Fixierung auf die Rentnerrolle) sowie dem
subjektiven Insuffizienzerleben (eines niedrigen energetischen Niveaus, Stimmungstiefs
und kognitiv-mnestischer Defizite); Letzteres scheine fixiert und einer kritischen
Hinterfragung nicht mehr zugänglich. Zusätzlich spielten auch Persönlichkeitsfaktoren
wie eine gewisse Instabilität eine hinderliche Rolle. Für körperlich schwerere Arbeiten
wie solche auf dem Bau sei der Versicherte nicht arbeitsfähig. Für körperlich leichte
Arbeiten sei ihm ab 14. Januar 2008 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert
gewesen. Eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit der Möglichkeit von
Wechselbelastung (und ohne länger dauernde Arbeiten mit vorgeneigtem Stehen oder
Sitzen und in gehaltenen Positionen) könne er ganztags voll ausüben. - Die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen wies einen
Rentenanspruch mit Verfügung vom 6. Juli 2009 (IV-act. 54) ab.
A.b.
Am 8. August 2011 (IV-act. 55) meldete sich der Versicherte erneut an. Es habe
eine zweite Operation stattgefunden. - Die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital
St. Gallen hatte am 1. Juli 2011 (IV-act. 56) bescheinigt, dass der Versicherte seit
29. Juni 2011 hospitalisiert und noch bis 10. August 2011 arbeitsunfähig sei. - Bei
einem CT (vom 16. Juni 2011) und einem MRI (vom 17. Juni 2011) der Wirbelsäule
B.a.
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hatten sich unter anderem eine neue Bandscheibenhernie LWK4/5 paramedian links
mit rezessaler Kompression der Nervenwurzel L5 links (IV-act. 57-4) sowie ein partieller
Diskuskollaps (IV-act. 57-3) und eine Rezidivdiskushernie LWK5/SWK1 links mit
Kompression der Nervenwurzel S1 links (IV-act. 57-4), ausserdem ein Morbus Baastrup
LWK4-SWK1 und eine Raumforderung der Leberlappensegmente V und VI (IV-
act. 57-3) gezeigt. - Das Psychiatrische Zentrum D._ (Dr. med. E._, Psychiatrie und
Psychotherapie) hatte am 18. Juli 2011 (IV-act. 57-7) attestiert, der Versicherte sei aus
psychiatrischer Sicht im Monat Juli 2011 nur zu 50 % arbeitsfähig. Es sei eine
Belastungserprobung im geschützten Rahmen zu empfehlen, um die Fähigkeiten zu
evaluieren. - Dr. med. F._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, gab dem RAD am
15. August 2011 (IV-act. 59) telefonisch an, es bestünden beim Versicherten eine
depressive Verstimmung und ein chronisches Lumbovertebralsyndrom. Leichte,
rückenschonende körperliche Arbeiten sollten nach abgeschlossener postoperativer
Rehabilitation wieder möglich sein. - Das Psychiatrische Zentrum D._ gab dem RAD
am 18. August/5. September 2011 (IV-act. 60, 63) an, es handle sich bei den Leiden
des Versicherten um eine Anpassungsstörung mit paranoiden und narzisstischen Ideen
und dysphorischer Gereiztheit und eine Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional
instabilen Zügen. Seit Anfang April 2011 habe er viermal in Behandlung gestanden.
Wegen Auffälligkeiten im Kontaktverhalten sei er bis 30. April 2011 voll arbeitsunfähig
gewesen und sei seither als Hilfsarbeiter zu 50 % arbeitsunfähig. Die Arbeitsfähigkeit
sei steigerungsfähig. - Die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen teilte
Dr. F._ am 8. September 2011 (IV-act. 64) mit, eine MRT-Diagnostik der LWS habe
eine persistierende Kompression der linken Nervenwurzel S1 bei erneuter Rezidivhernie
gezeigt. Empfohlen werde eine stationäre Neurorehabilitation, bei ausbleibendem
Erfolg eine erneute Dekompression.
Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle erklärte dem Versicherten am 21. Oktober
2011 (IV-act. 67), berufliche Eingliederungsmassnahmen seien zurzeit nicht möglich.
B.b.
Dr. F._ gab im IV-Verlaufsbericht vom 12. Januar 2012 (IV-act. 71) an, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich verschlechtert. Es seien ihm wegen
der progredienten Rückenbeschwerden, die sich durch die mehrmaligen Operationen
(15. November 2007, 30. Juni und 8. Dezember 2011) kaum verbessert hätten, keine
Tätigkeiten zumutbar. Am 26. April 2012 (IV-act. 74) gab er bekannt, der Versicherte sei
B.c.
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am 21. Dezember 2011 letztmals von ihm behandelt worden. - Auch das Psychiatrische
Zentrum D._ teilte am 30. Mai 2012 (IV-act. 77) telefonisch mit, der Versicherte sei
seit einem Jahr nicht mehr in Behandlung. - Dr. med. G._, Allgemeine Innere Medizin
FMH, erklärte im IV-Arztbericht vom 1. Juni 2012 (IV-act. 78), der Versicherte stehe seit
4. Januar 2012 in seiner Behandlung; er habe zu ihm gewechselt, weil seine
[Verwandte] ebenfalls bei ihm sei. Es lägen eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung mit emotional instabilen Zügen und ein wechselhaftes
lumbovertebrales Schmerzsyndrom vor. Der Versicherte sei in den ganzen Monaten
Februar 2011 und April 2011 aus psychiatrischer Sicht voll arbeitsunfähig gewesen und
sei ausserdem vom 30. November 2011 bis 11. Januar 2012 wegen des Status nach
Operation voll arbeitsunfähig gewesen. Im Vergleich zum Beklagen von starken
Schmerzen seien kaum objektive Befunde zu erheben. Der Versicherte sei zu 50 %
arbeitsunfähig. Bei der objektiven körperlichen Situation könne eine leichte Arbeit
sofort aufgenommen werden. Starke Einschränkungen bestünden aufgrund der
psychischen Situation. Starke Depressionen und Lustlosigkeit beherrschten das ganze
Krankheitsbild. Es finde eine psychiatrische Therapie im Psychiatrischen Zentrum D._
statt. - Auf Anfrage erklärte der Versicherte am 16. Juli 2012 (IV-act. 85), er sei nicht in
psychiatrischer Behandlung. - Der RAD hielt am 2. August 2012 (IV-act. 87) fest, von
April bis Juli 2011 sei der Versicherte viermal in psychiatrischer Behandlung gewesen,
dann habe er diese abgebrochen. Er sei ab sofort als voll arbeitsfähig zu betrachten.
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei nicht
nachvollziehbar.
Nach einem Vorbescheid vom 25. September 2012 (IV-act. 90 f.) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Gesuch des
Versicherten um berufliche Massnahmen mit Verfügung vom 12. November 2012 (IV-
act. 94) ab.
B.d.
Am 5. Februar 2013 (IV-act. 97 f.) kündigte sie seinem damaligen Rechtsvertreter
an, auch den Rentenanspruch abzuweisen. Am 12. März 2013 (IV-act. 100) wandte die
Procap für den Versicherten daraufhin ein, ein Therapieabbruch bedeute nicht, dass
keine psychische Erkrankung bestehe. Seit Januar 2013 sei die Behandlung ausserdem
wieder aufgenommen worden. Sie ergänzte am 25. April 2013 (IV-act. 105), es sei nicht
auszuschliessen, dass die psychische Erkrankung einen relevanten Einfluss auf die
B.e.
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Arbeitsfähigkeit habe. Im beigelegten Bericht vom 5. April 2013 (IV-act. 105-2 f.) hatte
das Psychiatrische Zentrum D._ erklärt, der Versicherte stehe mit Unterbruch seit
6. Dezember 2012 in Behandlung. Er leide an einer Somatisierungsstörung, einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom, und einer Akzentuierung von Persönlichkeitszügen. Eine
Abklärung der Leistungsfähigkeit und berufliche Massnahmen (Belastbarkeitstraining
und/oder Arbeitstraining) in geschütztem Rahmen seien zu empfehlen. Der berichtende
und behandelnde Arzt (Dr. E._) erklärte, er habe die Arbeitsunfähigkeit ab 1. Mai 2011
auf 50 % geschätzt. - Im IV-Arztbericht vom 3. Juli 2013 (IV-act. 108) hielt das
Psychiatrische Zentrum D._ fest, die Behandlung habe ab 6. Dezember 2010
stattgefunden. Es bestünden beim Versicherten Probleme bei Auffassung,
Aufmerksamkeit, Konzentration und wegen schnell kränkbaren und impulsiven
Verhaltens. Bei der Arbeit sei er schnell überfordert. Seine [Verwandte] sei wegen Angst
und Depressionen voll berentet. Die Arbeitsfähigkeit betrage seit 1. Mai 2011 50 %.
Im Gutachten vom 23. März 2014 (IV-act. 119; basierend auf einer orthopädischen
Befragung und Untersuchung vom November 2013 und einer psychiatrischen
Exploration von Mitte Februar 2014) hielten Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, und Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, aufgrund einer Konsensbeurteilung
(IV-act. 119-39 ff.) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: (erstens)
ein chronisches Lumbovertebralsyndrom bei spondylarthrotischen Veränderungen L5/
S1 und lumbaler Diskushernie L5/S1 links mit Osteochondrose und (zweitens) eine
Tendinopathie der Achillessehne rechts. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
seien akzentuierte Persönlichkeitszüge mit emotional instabilen, paranoiden und
narzisstischen Elementen (DD: kombinierte Persönlichkeitsstörung), eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, Neurasthenie, Adipositas und Knick-Senk-Füsse
beidseits. In körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten sei der Versicherte nicht mehr
arbeitsfähig, und zwar etwa seit Anfang Juni 2011. Adaptierte - verschiedenen
erwähnten Kriterien (unter somatischen und psychiatrischen Aspekten) entsprechende
- Tätigkeiten seien dem Versicherten (bidisziplinär betrachtet) zu gut 75 % zumutbar.
Die Reduktion ergebe sich aus einem Bedarf an zusätzlichen betriebsunüblichen
Pausen von höchstens zwei Stunden pro Tag infolge der verminderten Belastbarkeit
B.f.
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des Achsenskeletts. Unter psychiatrischem Aspekt als solchem liege dagegen keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor. Zum Beginn und einem allfälligen Verlauf der
Arbeitsunfähigkeit wurde unter anderem dargelegt, es erscheine gerechtfertigt, die
genannte Arbeitsfähigkeit von 75 % ab Mitte Februar 2014 anzunehmen. Im Übrigen
sei aus psychiatrischer Sicht eine stufenweise Eingliederung des Versicherten mit
verständnisvoller Begleitung empfehlenswert.
Mit Vorbescheid vom 30. Mai 2014 (IV-act. 123 f.) wurde der Procap in Aussicht
gestellt, das Rentengesuch des Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 25 %
abzuweisen. - Der Versicherte wandte am 27. Juni 2014 (IV-act. 125) ein, es sei ihm
höchstens eine Arbeitsfähigkeit von 50 % möglich. In diesem Rahmen sei er zu einer
Eingliederung bereit und ersuche um Unterstützung bei der Arbeitsintegration. Das
Gutachten halte er für nicht objektiv. Als J._ werde er laufend diskriminiert und es
zeige sich, dass die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle sich ebenfalls gegen ihn stelle.
- Im Auftrag des Versicherten berichtete Dr. G._ am 7. Juli 2014 (IV-act. 127), dieser
sei vom 30. November 2011 bis 30. August 2013 wegen des Status nach Diskushernie
krankgeschrieben gewesen. Bei der letzten neurochirurgischen Kontrolle vom Oktober
2013 sei keine wesentliche Veränderung festgestellt und keine ausgedehnte Prüfung
der residuellen funktionellen Leistungsfähigkeit vorgenommen worden. Der Versicherte
erhalte keine Medikamente und sei auch nicht krankgeschrieben. Eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung unter psychiatrischem Aspekt sei bei dem ihn wegen des
depressiven Syndroms und der psychophysischen Erschöpfung betreuenden
Psychiater einzuholen. In einem beigelegten Bericht vom 31. Oktober 2013 (IV-
act. 127-6) hatte die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen festgehalten,
der Versicherte habe eine konkrete Aussage zur residuellen funktionellen
Leistungsfähigkeit gewünscht. Eine solche Aussage lasse sich, wie wiederholend
festzustellen sei, jedoch nur nach fundierter Prüfung machen; es müsste diesbezüglich
eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit in die Wege geleitet werden. - Mit
Verfügung vom 23. Juli 2014 (IV-act. 128) wies die Sozialversicherungsanstalt/ IV-Stelle
des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch um eine Rente ab. Der Invaliditätsgrad
betrage 25 %. - Eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde hiess das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 15. August 2017 (IV-act. 153) teilweise

gut wies die Sache zu ergänzenden Abklärungen im Sinn der Erwägungen an die
B.g.
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Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle zurück. Für den Begutachtungszeitpunkt sei bei
der gegebenen Aktenlage auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des bidisziplinären
Gutachtens vom 23. März 2014 einer orthopädisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von
knapp 25 % abzustellen. Der Sachverhalt vor der Begutachtung dagegen sei
ergänzend abklärungsbedürftig. Der Verlauf der orthopädisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit lasse sich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststellen. Im
Einzelnen wurde unter anderem festgehalten, wie sich dem Gutachten vom 23. März
2014 (IV-act. 119-16) entnehmen lasse, habe die Klinik für Neurochirurgie am
Kantonsspital St. Gallen dem Versicherten offenbar für die Zeit ab 29. Juni 2011 eine
volle Arbeitsunfähigkeit attestiert, und zwar eine solche bis 1. Juni 2012. In einem
Bericht vom 11. April 2013 (ebenfalls erwähnt im Gutachten von März 2014, IV-
act. 119-13) sei die Klinik damals von einer vollen Arbeitsfähigkeit des Versicherten für
eine adaptierte Tätigkeit ausgegangen. Das Schmerzzentrum am Kantonsspital
St. Gallen sei zudem gemäss dem Gutachten (IV-act. 119-14) in einem Bericht vom
3. Juli 2013 zum Schluss gekommen, dass "tatsächlich ein therapiebedürftiges
radikuläres Reizsyndrom" vorliege. Alle drei Berichte seien nicht aktenkundig. An einer
Feststellung langdauernder psychiatrisch bedingter Arbeitsunfähigkeit von 50 % (von
Mai 2011 bis Februar 2014) bestünden ebenfalls namhafte Zweifel.
In der Folge forderte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle bei der Klinik für
Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen einen Bericht "vom 11. März 2013" und
einen Bericht, in welchem dem Versicherten für die Zeit vom 29. Juni 2011 bis 1. Juni
2012 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei, an (IV-act. 157). Vom
Schmerzzentrum am Kantonsspital St. Gallen holte es den Bericht vom 3. Juli 2013 ein
(IV-act. 158). - Die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen reichte drei
Berichte ein. In einem Bericht vom 27. Juni 2011 (IV-act. 161) hatte sie festgehalten, die
Prüfung der funktionellen Leistungsfähigkeit des Versicherten vor einem Jahr [somit
2010] habe eine volle Arbeitsfähigkeit ergeben. Es bestünden vorbekannte Schäden
(Hypoästhesie im distalen S1-Segement linksseitig und erloschener ASR gleichenorts)
und es sei eine MRI-Untersuchung der LWS vorgesehen. - In einem Bericht vom
6. Dezember 2012 (IV-act. 162) hatte die Klinik für Neurochirurgie erklärt, es liege eine
doch stabile erträgliche Schmerzsituation vor, weshalb der Versicherte einem Eingriff
ablehnend gegenüberstehe. Mit Ausnahme einer Hypästhesie im distalen L5- und S1-
B.h.
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Dermatom der linken Seite hätten sich keine neurologischen Defizite gezeigt. Als
bildgebendes Korrelat zu den beklagten Rückenbeschwerden habe sich in der MRT-
Untersuchung der LWS eine Osteochondrose der untersten beiden lumbalen
Bewegungssegmente gezeigt. - Und im Bericht vom 11. April 2013 (IV-act. 163)
schliesslich hatte die Klinik festgehalten, für eine adaptierte Tätigkeit sei dem
Versicherten eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert worden. - Das Schmerzzentrum am
Kantonsspital St. Gallen hatte im eingereichten Bericht vom 3. Juli 2013 (IV-act. 165)
festgehalten, es liege ein chronifiziertes Schmerzsyndrom Gerbershagen Stadium II, bei
St. n. dreimaliger Voroperation bei bekannter Osteochondrose der unteren LWS vor. Es
sollte unter anderem eine erneute Infiltrationsbehandlung stattfinden. Der Versicherte
sei dazu aber nur bereit, wenn ihm die Erstattung der Selbstbehaltskosten garantiert
würde. Eine medikamentöse Behandlung des neuropathischen Schmerzes wünsche
der Versicherte nicht.
Der RAD setzte sich mit der (ergänzten) Aktenlage auseinander und hielt am
16. November 2017 (IV-act. 166) fest, der Versicherte sei in einer körperlich
anspruchsvollen Tätigkeit ab Juni 2011 voll arbeitsunfähig. In einer adaptierten
Tätigkeit hingegen sei er vom 29. Juni 2011 bis zum 3. Oktober 2011 und erneut vom
30. November 2011 bis 8. März 2012 voll arbeitsunfähig gewesen. Anschliessend (ab
9. März 2012) sei er bis zum 18. November 2012 zu 25 % arbeitsunfähig gewesen.
Vom 19. November 2012 bis zum 30. Juni 2013 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
bestanden. Seither liege die Arbeitsunfähigkeit von 25 % vor. Der RAD wies des
Weiteren darauf hin, dass es im Gutachten viele Passagen gebe, die eine
offensichtliche Verdeutlichungstendenz des Versicherten aufzeigten. Beim
orthopädischen Gutachter habe er ständig die Sitzposition geändert und sei
aufgestanden, während er bei der psychiatrischen Begutachtung ungezwungen im
angebotenen Sessel gesessen habe. Ausserdem sei verschiedentlich von einer nicht
zur geschilderten Schwere der Beschwerden passenden mangelhaften
Inanspruchnahme medizinischer Behandlungsmöglichkeiten berichtet worden.
B.i.
Mit Vorbescheid vom 23. Januar 2018 (IV-act. 175) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, den Anspruch auf
eine Invalidenrente abzulehnen. Die Arbeitsunfähigkeit, die von 19. November 2012 bis
30. Juni 2013 bestanden habe, sei nicht geeignet, eine Invalidität und einen
B.j.
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C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas für den
Betroffenen am 14. März 2018 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beantragt, diesem sei für die Zeit bis zur Begutachtung eine
vorübergehende ganze Rente zuzusprechen, ausserdem sei ihm die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Die Aktenlage sei unvollständig.
Dr. B._ habe zwei beigelegte Berichte eingereicht. Auch vom zurzeit behandelnden
Hausarzt seien Akten anzufordern. Die Beschwerdegegnerin habe das in Verletzung
des Untersuchungsgrundsatzes unterlassen, ebenso wie das Einholen von Akten von
Dr. L._, bei dem sich der Beschwerdeführer am Kantonsspital St. Gallen in
psychiatrischer Behandlung befunden habe und der nun in _ arbeite. Des Weiteren
seien Berichte zu den Behandlungen einzuholen, in denen sich der Versicherte
befunden habe, darunter solche zu der ambulanten psychiatrischen Behandlung am
Kantonsspital St. Gallen. Die Arbeitsunfähigkeit aus dem Zeitraum vom 19. November
2012 bis 30. Juni 2013 sei nicht nach den Kriterien für pathogenetisch-ätiologisch
Rentenanspruch zu begründen. Der Invaliditätsgrad betrage 25 % (Valideneinkommen
Fr. 66'453.--, Invalideneinkommen Fr. 49'840.--). - Der Versicherte wandte bei
persönlicher Vorsprache vom 9. Februar 2018 (IV-act. 176) unter Einreichung eines
Arztberichts von Dr. med. K._, Facharzt für Neurochirurgie, vom 17. Oktober 2017
(IV-act. 177) ein, er beantrage eine nochmalige Prüfung des Entscheids und die
Zusprache einer Rente. Dr. K._ hatte erklärt, es bestünden beim Versicherten eine
chronische Lumbago, eine Osteochondrose L5/S1, geringer ausgeprägt L4/5, ein Z. n.
dreimaligen Bandscheibenoperationen und ein Z. n. Achillessehnenoperation. Im
Vergleich zu den MRI-Aufnahmen von Ende 2012 habe die Bandscheibe L5/S1 gemäss
einem MRI der LWS vom November 2016 noch etwas an Höhe verloren. Er empfehle
als therapeutischen und zum Teil diagnostischen Schritt Facettengelenksinfiltrationen. -
Der RAD hielt am 12. Februar 2018 (IV-act. 178) dafür, die neue MRI-Aufnahme vom
November 2016 zeige mit Ausnahme eines leichten Höhenverlusts der Bandscheibe
L5/S1 einen mit dem Befund vom November 2012 identischen Zustand. Die
Unterschiede in der Reklination (neu 10° statt früher 5°) und im Finger-Boden-Abstand
(neu 30 cm statt früher 57 cm) sprächen für eine leicht verbesserte Beweglichkeit der
LWS (bzw. der Wirbelsäule). - Mit Verfügung vom 12. Februar 2018 (IV-act. 179) wies
die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen den Rentenanspruch
des Versicherten ab.
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unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage zu
beurteilen, da sie orthopädisch und psychiatrisch begründet worden sei. Er (der
Rechtsvertreter) werde die Akten innert anzusetzender Frist ergänzen. - Dr. med.
M._, Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie FMH, hatte Dr. B._ am
16. Februar 2018 von dunkel pigmentierten Veränderungen _ beidseits beim
Beschwerdeführer berichtet, die jedoch infolge _ Ursache nicht mit Lasertherapie
behandelbar sei. - Dr. med. N._, Plastisch-rekonstruktive und Aesthetische Chirurgie
FMH, hatte einem Vertrauensarzt am 18. Mai 2011 ein Kostengutsprachegesuch für
eine Liposuction des Doppelkinns des Beschwerdeführers unterbreitet, die dessen
Selbstwertgefühl steigern könnte. - Innert erstreckter Frist ist kein weiterer
medizinischer Bericht eingereicht worden.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 10. Juli 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Am 29. Juni 2012 sei ein Wartejahr mit einer
durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % abgelaufen, doch habe
kein Rentenanspruch bestanden, weil damals eine Arbeitsunfähigkeit von 25 %
bestanden habe und der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit entspreche.
Zu prüfen sei, ob die vom RAD festgestellte Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus
psychiatrischen Gründen während der Zeit vom 19. November 2012 bis 30. Juni 2013
einen befristeten Rentenanspruch zu begründen vermöge. Eine länger dauernde,
ununterbrochene invalidisierende Gesundheitsschädigung sei beim Beschwerdeführer
in der Zeit vor der Begutachtung aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislastverteilung zu seinen
Ungunsten auswirke. Denn die Ausführungen der Gutachterin der Psychiatrie würden
nicht darauf schliessen lassen, dass sich der psychische Zustand des
Beschwerdeführers im Verlauf der im Dezember 2012 wieder aufgenommenen
ambulanten psychiatrischen Behandlung im Psychiatriezentrum und nach deren
Beendigung am 31. Mai 2013 bis zur Exploration im Februar 2014 relevant verbessert
haben könnte. Deshalb handle es sich bei den abweichenden Beurteilungen des
behandelnden Arztes (des Psychiatrischen Zentrums) und der Gutachterin um eine
andere Beurteilung eines in psychiatrischer Hinsicht im Wesentlichen unveränderten
Zustandsbildes. Selbst wenn anzunehmen wäre, der psychische Zustand des
Beschwerdeführers hätte sich aufgrund der ambulanten Behandlung bis zum
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Begutachtungszeitpunkt erheblich verbessert, würde das keinen befristeten
Rentenanspruch begründen. Denn eine Erwerbsunfähigkeit liege nach Art. 7 Abs. 1
ATSG erst vor, wenn sich die versicherte Person einer zumutbaren Behandlung und
Eingliederung unterzogen habe. In Übereinstimmung damit sehe Art. 28 Abs. 1 lit. a
IVG vor, dass ein Rentenanspruch erst entstehe, wenn die Erwerbsfähigkeit nicht durch
zumutbare - medizinische oder berufliche - Eingliederungsmassnahmen
wiederhergestellt, erhalten oder verbessert werden könne. Eine Arbeitsunfähigkeit
vermöge somit so lange keine Invalidität zu begründen, als die andauernde
medizinische Behandlung eingliederungsrelevant sei, d.h. wenn (wohl: solange) nach
Abschluss der therapeutischen Massnahmen eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu
erwarten sei. Sollte sich die Arbeitsfähigkeit beim Beschwerdeführer dank der
psychiatrischen Therapie relevant verbessert haben, wäre die vom behandelnden Arzt
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % also nicht geeignet, eine Invalidität und damit
einen Rentenanspruch zu begründen.
E.
Am 13. Juli 2018 ist dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen worden.
F.
Mit Replik vom 13. August 2018 hält der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers daran
fest, dass die Verfügung in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ergangen sei.
Wenn ihre Berichte zu wenig aussagekräftig seien, habe die Beschwerdegegnerin vor
einer Berufung auf Beweislosigkeit die vom Beschwerdeführer aufgesuchten Ärzte zu
befragen, beispielsweise Dr. L._. Der Beschwerdeführer habe in der fraglichen Zeit in
diversen Behandlungen gestanden und sei wiederholt operiert worden. Es könne nach
wie vor nicht von überwindbaren Beschwerden die Rede sein. Daher sei auf die
Beurteilung des RAD, wonach eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers von 50 % bestanden habe, abzustellen, zumal die juristische
Beurteilung des Rechtsdienstes nicht an die Stelle der medizinischen treten könne. Der
Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 3. Juli 2013, wonach sich der
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Beschwerdeführer diversen Therapiemanagements unterzogen habe, zeige erstens,
dass er alles unternommen habe, damit es ihm besser gehe, und zweitens, dass sein
Gesundheitszustand besser geworden sei. Die gegenteilige Annahme der
Beschwerdegegnerin sei nicht begründet worden und treffe nicht zu. Die Auffassung,
für die Gewährung einer Rente müsse quasi der definitive Zustand vorliegen, stehe
weder im Einklang mit dem IVG noch mit der gesetzgeberischen Absicht. Das IVG
kenne im Unterschied zum UVG keine Bestimmung, wonach die Rente gewährt werde,
wenn der sogenannte definitive Zustand eingetreten sei. Die temporäre Rente sei
ausserdem möglich und sie werde auch immer wieder zugesprochen mit der Auflage,
dass Massnahmen zur Verbesserung der medizinischen Situation ergriffen würden. Die
Beschwerdegegnerin sei daher vor einer Rentenablehnung zu Abklärungen zu
verpflichten. Andernfalls habe sie sich, solange sie keine exaktere Begründung finde,
der RAD-Beurteilung mit einer vorübergehenden Rente anzuschliessen.
G.
Die Beschwerdegegnerin hat am 28. August 2018 an ihrem Antrag festgehalten und im
Übrigen auf die Erstattung einer Duplik verzichtet.
Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 12. Februar 2018, mit welcher die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers abwies. Zu
beurteilen war eine Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 8. August 2011 nach
einer früheren formell rechtskräftigen Abweisung vom 6. Juli 2009. Sein Rechtsvertreter
beantragt für ihn die Zusprache einer vorübergehenden ganzen Rente für die Zeit bis
zur Begutachtung.
2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/23
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3.
Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers waren im
Verfahren der Neuanmeldung durch eine bidisziplinäre orthopädische und
psychiatrische Begutachtung durch die Dres. H._ und I._ abgeklärt worden.
Gemäss dem Gutachten vom 23. März 2014 (vgl. IV-act. 119) war er wegen eines
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
Art. 8 Abs. 1 ATSG umschreibt Invalidität als die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Nach Art. 49 IVG hat der Entscheid über die Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen (Art. 28 Abs. 1 lit. a) spätestens zwölf Monate nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG zu erfolgen. Ein
wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit im Sinn von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG liegt
vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll
arbeitsfähig war (Art. 29 IVV; Bundesgerichtsentscheide vom 16. Februar 2018,
8C_633/2017 E. 3.4, und vom 10. August 2016, 9C_289/2016 E. 3.2). Nach Art. 29
Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Die
Schaffung dieser Bestimmung hat keine Veränderung des (nämlich in Art. 4 IVG und
Art. 28 IVG geregelten) Zeitpunkts des Eintritts des Versicherungsfalls mit sich gebracht
(vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 14. Dezember 2015, 9C_655/2015 E. 4; Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Oktober 2015, IV 2013/52
E. 1.2).
2.3.
ter
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chronischen Lumbovertebralsyndroms bei spondylarthrotischen Veränderungen L5/S1
und lumbaler Diskushernie L5/S1 links mit Osteochondrose und einer Tendinopathie
der Achillessehne rechts in einer körperlich anspruchsvollen Tätigkeit damals nicht
mehr, in adaptierten Tätigkeiten aber zu gut 75 % arbeitsfähig. Eine Arbeitsunfähigkeit
aus psychiatrischen Gründen bestand nicht. Wie im Gerichtsentscheid vom 15. August
2017 dargelegt, sind sowohl die orthopädische wie die psychiatrische
Arbeitsfähigkeitsschätzung für den Begutachtungszeitpunkt (und den damaligen
Beurteilungszeitraum bis zum 23. Juli 2014) überzeugend, so dass darauf abzustellen
ist.
4.
Für die davor liegende Zeit erschien eine gutachterliche Feststellung, wonach aus
somatischer Sicht von Juni 2011 bis Juni 2012 eine unveränderte, anhaltende
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von 50 % oder wonach jedenfalls in diesem
Zeitraum in keiner (d.h. zumindest keiner längerfristigen) Phase eine die gutachterlich
angegebene psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 50 % überschreitende
Arbeitsunfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten vorgelegen habe, nicht ohne weiteres
nachvollziehbar und nicht überzeugend (vgl. Entscheid vom 15. August 2017 E. 3.5.5).
4.1.
In orthopädischer Hinsicht lässt sich nun erneut festhalten, dass der
Beschwerdeführer am 30. Juni 2011 (ein zweites Mal an L5/S1 und ausserdem an L4/
L5) operiert worden war. Vom 29. Juni 2011 bis 4. Juli 2011 war er hospitalisiert
gewesen. Die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen hatte ihm am 1. Juli
2011 (IV-act. 56) eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 10. August 2011 bescheinigt. Am
8. September 2011 (IV-act. 64) hatte eine persistierende Kompression der linken
Nervenwurzel S1 bei erneuter Rezidivhernie lumbosakral links festgestellt werden
müssen. Am 8. Dezember 2011 erfolgte eine weitere Operation an L5/S1; der
Beschwerdeführer blieb vom 30. November 2011 bis 13. Dezember 2011 im
Kantonsspital St. Gallen hospitalisiert (IV-act. 78-2). Am 11. Januar 2012 (IV-act. 78-6)
hatte die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen erklärt, der
Beschwerdeführer habe sich frei und ohne antalgisches Bewegungsmuster bewegt.
Weiterhin hätten sich keine motorischen Defizite eruieren lassen. Die Behandlung
könne abgeschlossen werden. Dr. G._ hatte am 1. Juni 2012 (IV-act. 78) unter
Beilage dieses Berichts der Klinik für Neurochirurgie angegeben, der Beschwerdeführer
sei wegen des Status nach Operation vom 30. November 2011 bis zum 11. Januar
2012 voll arbeitsunfähig gewesen (IV-act. 78-3). Weitere Berichte sind von dieser Klinik
nach der - nunmehr ergänzten - Aktenlage bis zum 6. Dezember 2012 nicht erhältlich
zu machen gewesen; namentlich wurde kein Bericht eingereicht, in welchem die Klinik
4.2.
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dem Beschwerdeführer für die gesamte Zeit vom 29. Juni 2011 bis 1. Juni 2012 eine
volle Arbeitsunfähigkeit attestiert hätte. Der entsprechende Hinweis (im Gutachten vom
März 2014) lässt sich daher nicht bestätigen. Am 1. Juni 2012 hatte Dr. G._ seinen
Arztbericht abgegeben. Er hatte erwähnt, dass bei der neurologischen Kontrolle vom
Januar 2012 eine regelrechte Situation bei Status nach Operation mit subjektiv starken
Schmerzen gefunden worden sei (IV-act. 78-2) und (sc. bei seiner letzten
hausärztlichen Kontrolle vom 29. Mai 2012, IV-act. 78-2) kaum objektive Befunde zu
erheben gewesen seien (IV-act. 78-3). Beim Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 50 %
hatte Dr. G._ erwähnt, aufgrund der objektiven körperlichen Situation könne eine
leichte Arbeit sofort aufgenommen werden, starke Einschränkungen bestünden
aufgrund der psychischen Situation (IV-act. 78-3). - Da von einer neurochirurgischen
Beurteilung voller Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für die Zeit vom
12. Januar 2012 bis 1. Juni 2012 unter diesen Umständen nicht auszugehen ist,
rechtfertigt es sich, anhand der Aktenlage (namentlich der Angaben der Klinik für
Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom 11. Januar 2012, von Dr. G._ vom
1. Juli 2012 und des orthopädischen Teils des Gutachtens vom März 2014) nunmehr
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf zu schliessen, dass somatisch betrachtet
bereits ab Januar 2012 für adaptierte Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers von (knapp) 25 % vorlag. Wenn Dr. G._ nachträglich am 7. Juli
2014 (IV-act. 127-1) von einer Krankschreibung vom 30. November 2011 bis sogar
30. August 2013 wegen des Status nach Diskushernie L4/L5 berichtete, ohne eine
objektive Verschlechterung zu beschreiben, vermag das hieran mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nichts zu ändern. Im Bericht vom 6. Dezember 2012 hatte die Klinik
für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen keine Arbeitsunfähigkeitsschätzung
abgegeben. Sie hatte aber auf eine doch stabile erträgliche Schmerzsituation
hingewiesen. Weiterhin hatten danach keine neurologischen Defizite bestanden. Im
nunmehr aktenkundigen Bericht vom 11. April 2013 (IV-act. 163) schliesslich hatte die
Klinik festgehalten, für eine adaptierte Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer eine volle
Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Auf seinen Wunsch sei er an der Schmerzklinik
angemeldet worden. Jenes Schmerzzentrum am Kantonsspital St. Gallen hatte am
3. Juli 2013 keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung abgegeben. Es hatte unter
anderem eine erneute Infiltrationsbehandlung befürwortet und festgehalten, der
Beschwerdeführer sei dazu aber nur bereit, wenn ihm die Erstattung der
Selbstbehaltskosten garantiert werde. Eine medikamentöse Behandlung des
neuropathischen Schmerzes habe er nicht gewünscht.
Zusammenfassend lässt sich unter somatischem Gesichtspunkt demnach
rückblickend (für die Zeit vor dem Gutachten vom 23. März 2014) mit überwiegender
4.3.
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5.
Wahrscheinlichkeit annehmen, dass der Beschwerdeführer vom 29. Juni 2011 zum
11. Januar 2012 auch in einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsunfähig war: Nach der
Operation vom 30. Juni 2011 war ihm bis zum 10. August 2011 eine solche
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Rund einen Monat nach diesem Termin hatte
allerdings eine Nervenwurzelkompression persistiert und am 8. Dezember 2011 war
diese nochmals operativ angegangen worden, womit eine neue postoperative
Arbeitsunfähigkeit bis zu dem genannten Tag (11. Januar 2012) bestand. Ein
Unterbruch vom 4. Oktober 2011 bis 29. November 2011 - wie vom RAD angenommen
- erscheint anhand dieser dargelegten Aktenlage nicht überwiegend wahrscheinlich.
Selbst wenn mit dem RAD (unter Mitwirkung eines Facharztes für Rheumatologie) nicht
nur von einer Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bis zum 11. Januar 2012,
sondern von einer solchen für drei postoperative Monate, also noch bis zum 8. März
2012 (IV-act. 166-3), auszugehen wäre, bliebe das ohne Relevanz (vgl. unten E. 6.2).
Unter dem psychiatrischen Gesichtspunkt ergeben sich, wie bereits im Entscheid
vom 15. August 2017 festgehalten, an einer retrospektiven Feststellung lang (für die
Zeit ab Mai 2011 bis spätestens Mitte Februar 2014) dauernder psychiatrisch bedingter
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von 50 % gemäss dem Gutachten vom
23. März 2014 namhafte Zweifel, weil in diesem Gutachten von einem im Vergleich zum
Vorgutachten vom 22. April 2009 weitgehend unveränderten Gesundheitszustand (IV-
act. 119-36; mit weitgehend identischen Funktionseinschränkungen und
diagnostischen Schlussfolgerungen) berichtet wurde. Bei beiden Begutachtungen
(2009 und 2014) war keine relevante Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers aus
psychiatrischen Gründen festzustellen gewesen. Die Abweichung der früheren
Arbeitsfähigkeitsschätzungen des psychiatrisch behandelnden Zentrums zur eigenen
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist im Gutachten von 2014 nicht anhand von erhobenen
Befunden nachvollziehbar gemacht worden.
5.1.
Zwischenzeitlich hat nun zusätzlich der RAD den psychiatrischen Sachverhalt in
der strittigen zurückliegenden Zeit anhand der medizinischen Akten beurteilt.
5.2.
Der betreffende RAD-Arzt - ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie -
hielt am 16. November 2017 (IV-act. 166-3) dafür, aus versicherungsmedizinischer
Sicht lasse sich zum einen für die Zeit vom 1. Mai 2011 bis 18. August 2011 eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % in (angestammter und) adaptierter Tätigkeit
nachvollziehen. Im April 2011 habe die Behandlung begonnen und am 18. Juli 2011 sei
sie abgebrochen worden (IV-act. 166-3). Die bei der nachfolgenden anerkannten
5.2.1.
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Arbeitsunfähigkeitsphase dargelegte Begründung des RAD (unten E. 5.2.2) lässt darauf
schliessen, dass der Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf einen Monat nach Aufnahme
der Behandlung (bzw. erster Konsultation vom April 2011) und das Ende auf einen
Monat nach deren Ende (bzw. nach letzter Konsultation vom 18. Juli 2011) angesetzt
worden ist. Im Ausmass der Arbeitsunfähigkeit hat sich der RAD nach der Aktenlage
auf die Angaben des Psychiatrischen Zentrums D._ vom 18. August 2011 (IV-act. 60)
gestützt. Es war vom behandelnden Zentrum damals (nebst einer vollen
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bis 30. April 2011) weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % angegeben worden, die aber reduzierbar sei.
Zum andern erachtete der RAD-Arzt in der Stellungnahme vom 16. November
2017 (IV-act. 166-3) eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von 50 % während
einer weiteren Zeitspanne vom 19. November 2012 bis 30. Juni 2013 als
nachvollziehbar. Es ist davon auszugehen, dass er das Datum des Beginns dieser
Arbeitsunfähigkeitsphase des Beschwerdeführers damit auf einen Monat vor dessen
Aufnahme der Behandlung (bzw. der ersten Konsultation am 19. Dezember 2012), das
Datum des Endes der Phase auf einen Monat nach der letzten Konsultation (vom
31. Mai 2013; vgl. IV-act. 166-3) gesetzt hat. Nach dieser Zeit, also ab 1. Juli 2013,
habe versicherungsmedizinisch betrachtet keine psychiatrisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden (IV-act. 166-3). Denn für diese Zeit genüge die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachtens vom 23. März 2014 den formalen
Ansprüchen an eine von einem behandelnden Arzt attestierbare Arbeitsunfähigkeit
nicht. Eine Arbeitsunfähigkeit könne nämlich höchstens innerhalb des Zeitraums von je
vier Wochen vor und nach einer Konsultation erfolgen (IV-act. 166-3).
5.2.2.
Die Aktenbeurteilung des RAD hat sich demnach zunächst am Kriterium orientiert,
für welchen Zeitrahmen in einem Arztzeugnis in der Regel zuverlässig
Arbeitsunfähigkeit attestiert werden kann. Dieses Kriterium mag sachgerecht
erscheinen, kann allerdings nicht - jedenfalls nicht für sich allein - genügen (vgl.
E. 5.5 ff.).
5.3.
Des Weiteren hat sich der RAD bei der Begründung des von ihm angenommenen,
anerkannten Beginns einer ersten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers am 1. Mai
2011 nicht damit auseinandergesetzt, dass diesem in den Berichten des
Psychiatrischen Zentrums D._ für die Zeit ab 1. Mai 2011 mit 50 % eine
geringfügigere Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde als in der Zeit zuvor. Vor diesem
Zeitpunkt hatte gemäss dem behandelnden Zentrum (bei nicht bezeichnetem Beginn)
nämlich eine vollständige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers aus
psychiatrischen Gründen vorgelegen. Die Festlegung des Beginns dieser ersten
5.4.
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Arbeitsunfähigkeitsphase zum Zeitpunkt einen Monat nach Behandlungsbeginn (vom
April 2011), also auf den 1. Mai 2011, erscheint im Übrigen nicht ohne weiteres
nachvollziehbar. Im Unterschied dazu wurde der Beginn des zweiten Zeitraums auf
einen Monat vor der Konsultation bzw. dem Behandlungsbeginn festgelegt, was sich
besser erklären lässt.
Eine ausreichende Beurteilung einer psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit hat
sich aber in erster Linie an der Befundlage zu orientieren. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen sind namentlich einer Prüfung anhand der
Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 zu unterziehen. Denn gemäss BGE 143 V
418 E. 7.1 f. ist grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) für
sämtliche psychischen Erkrankungen nach diesem strukturierten Beweisverfahren
vorzugehen. Dabei geht es um die Frage, ob die funktionellen Auswirkungen
medizinisch im Licht der normativen Vorgaben widerspruchsfrei und schlüssig mit
(zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Der Beweis für eine
lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit ist nur dann
erbracht, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer
umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild für eine Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) zeigt (vgl. BGE 145 V 361 E. 3.2.2).
5.5.
Der Umstand allein, dass im April 2011 und erneut im Dezember 2012 eine
psychiatrische Behandlung des Beschwerdeführers aufgenommen wurde, vermag eine
intermittierende Verschlechterung seines Gesundheitszustands mit der Folge des
Eintretens einer relevanten psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (im Vergleich zur
Begutachtung von 2009) vorliegend noch nicht überwiegend wahrscheinlich zu
machen. Denn bei der Begutachtung von 2009 waren eine neurasthenische Störung
mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit sowie eine die Arbeitsfähigkeit nicht tangierende
anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine Persönlichkeitsakzentuierung mit
emotional instabilen Zügen gefunden worden. Aus psychiatrischen Gründen hatte einer
Aufnahme von Hilfsarbeitstätigkeiten nichts im Weg gestanden (vgl. IV-act. 46-15). Das
Psychiatrische Zentrum D._ erklärte seinerseits am 18. August 2011, es lägen beim
Beschwerdeführer eine Anpassungsstörung mit paranoiden und narzisstischen Ideen
und dysphorischer Gereiztheit und eine Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional
instabilen Zügen vor, und es erwähnte Auffälligkeiten in seinem Kontaktverhalten. Auf
eine namhafte Verschlechterung deuten weder die andere diagnostische Einordnung
noch die genannten Befunde hin. Schon 2009 waren im Rahmen der
Persönlichkeitsakzentuierung gewisse Störungen in der sozialen Interaktion,
5.6.
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insbesondere aufgrund eines leicht reizbaren, oft vorwurfsvollen Interaktionsstils (vgl.
IV-act. 46-13), bekannt gewesen.
Im Bericht vom 5. April 2013 (und im Bericht vom 3. Juli 2013) gab das
behandelnde Psychiatrische Zentrum D._ als Diagnosen neu an, der
Beschwerdeführer leide an einer Somatisierungsstörung, einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom,
und einer Akzentuierung von Persönlichkeitszügen. Wie dem Arztbericht vom 3. Juli
2013 zu entnehmen ist, wurde festgehalten, es bestünden bei ihm Probleme bei
Auffassung, Aufmerksamkeit, Konzentration und wegen schnell kränkbaren und
impulsiven Verhaltens. Bei der Arbeit sei er schnell überfordert. Die Befunde (IV-
act. 108-2) erscheinen wiederum nicht neu (vgl. dazu IV-act. 46-11). Es wurde
ausserdem von einem ausgeprägten sozialen Rückzug und einer Chronifizierung des
Leidens berichtet (IV-act. 108-2). Da das Zentrum das Attest der Arbeitsunfähigkeit
allerdings unverändert auf den Zeitraum ab 1. Mai 2011 zurückbezog, ist eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
im Vergleich zu Mai 2011 gemäss seiner Beurteilung nicht anzunehmen.
5.7.
Auch aus dem Hinweis auf eine stattgefundene Chronifizierung der psychiatrischen
Erkrankung des Beschwerdeführers, der sich im Bericht des Psychiatrischen Zentrums
(vom 3. Juli 2013, IV-act. 108-2; vgl. auch schon IV-act. 105-3) findet, ist nicht zu
schliessen, dass es inzwischen zu einer relevanten Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers gekommen wäre. Denn noch im Gutachten vom 23. März 2014
- nach weiterem Zeitablauf - war wie erwähnt (wie bereits 2009) keine
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen festzustellen gewesen, obwohl der
Befund wiederum diverse Beeinträchtigungen aufwies (etwa einen unruhigen Antrieb,
teilweise ungesteuertes Ausdrucksverhalten, teilweise abweisendes Kontaktverhalten,
vgl. IV-act. 119).
5.8.
Ausdrücklich auseinandergesetzt hat sich der RAD am 16. November 2017 (zwar
nicht mit den verschiedenen Befundlagen, aber) mit dem bei den Standardindikatoren
zu berücksichtigenden Aspekt der allfälligen Inkonsistenzen. Er wies auf viele (im
Gutachten von März 2014 vorhandene) Anhaltspunkte für eine offensichtliche
Verdeutlichungstendenz des Beschwerdeführers und für eine nicht mit der beklagten
Schwere des Leidens korrelierende Inanspruchnahme der Behandlung hin (vgl. IV-
act. 166-4). Zum ersten lässt sich bestätigen, dass bei der psychiatrischen
Begutachtung 2014 Hinweise auf Symptomverdeutlichung und teilweise
widersprüchliche Angaben festgestellt wurden (vgl. IV-act. 119-36). Schon bei der
Begutachtung von 2009 war im Übrigen ein deutlich selbstlimitierendes Verhalten
5.9.
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6.
festgestellt worden und die Konsistenz bei den Tests des Beschwerdeführers war
mässig gewesen (vgl. IV-act. 44-4). Auch in der zweiten Hinsicht ist der Beurteilung des
RAD zum psychiatrischen Sachverhalt zu folgen. So wurde aktenkundig, dass der
Beschwerdeführer nur wenig oder gar keine Schmerzmittel einsetze (vgl. IV-act. 78-2 f.,
IV-act. 127-1 und IV-act. 165). Mit dem Abstellen auf die Konsultationszeiten (oben
E. 5.2.1 f.) hat der RAD in die Würdigung einbezogen, dass die psychiatrische
Behandlung lange Zeit (vom 18. Juli 2011 bis 19. Dezember 2012) unterbrochen
worden ist. Zu berücksichtigen ist bei den Standardindikatoren unter anderem
ausserdem, dass beim Beschwerdeführer eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung und eine Neurasthenie mit akzentuierten Persönlichkeitszügen
zusammenfallen, was als Erschwernis zu bewerten ist. Insgesamt ist indessen nicht
von einer für die Arbeitsfähigkeit relevanten Beeinträchtigung auszugehen. Im
Gutachten vom 23. März 2014 (das wie das Vorgutachten noch vor dem erwähnten
BGE 141 V 281 vom 3. Juni 2015 erstellt worden war und sich mit den sogenannten
Foerster'schen Kriterien gemäss BGE 130 V 352 befasst hatte, womit der Beweiswert
aber nicht per se verloren geht, vgl. Bundesgerichtsurteil vom 18. Mai 2017,
8C_842/2016 E. 5.2.1), hatte sich die Gutachterin der Psychiatrie (wie bereits im
Entscheid vom 15. August 2017 E. 3.3.3 festgehalten) in überzeugender Weise mit dem
Schweregrad der psychiatrischen Symptomatik des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt. Dieser war auch nicht damals so geartet, dass die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers für eine ganztägige Tätigkeit eingeschränkt worden wäre.
Die Arbeitsunfähigkeiten des Beschwerdeführers von 50 % aus psychiatrischen
Gründen, die der RAD retrospektiv während den oben erwähnten beiden zeitlichen
Phasen als versicherungsmedizinisch nachvollziehbar bezeichnete, sind in Anbetracht
der dargelegten Würdigung der Befundlage - namentlich bei Abwesenheit von
anzunehmenden relevanten Veränderungen im Zeitablauf - und aufgrund der vom RAD
gleichzeitig abgegebenen Beurteilung der Gesichtspunkte der Konsistenz und der
Behandlung insgesamt nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt.
5.10.
Zusammenfassend ergibt sich für den Sachverhalt in der Zeit vor dem Gutachten
vom 23. März 2014 demnach eine volle Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für
adaptierte Tätigkeiten für die Dauer vom 29. Juni 2011 bis zum 11. Januar 2012 aus
somatischen Gründen, danach eine solche von knapp 25 %. Im Gutachten vom März
2014 war eine volle Arbeitsfähigkeit unter psychiatrischem Aspekt "spätestens" ab dem
14. Februar 2014 festgelegt worden (vgl. IV-act. 119-37). Nach dem oben Dargelegten
6.1.
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7.
ist (bei durch den RAD ergänzter medizinischer Beurteilung der Konsistenz) davon
auszugehen, dass eine längere relevante Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen
Gründen auch vor der Begutachtung vom Februar 2014 nicht bestand.
Ein Rentenanspruch entstand bei dieser Sachlage nicht. Wie in einem
Feststellungsblatt vom 3. Januar 2018 (IV-act. 169-3) zu Recht dargelegt wurde, lag bei
Ablauf einer möglichen Wartezeit im Juni 2012 angesichts der knapp 25 %
betragenden Arbeitsunfähigkeit (und nicht überdurchschnittlichem Valideneinkommen)
ein hierfür nicht ausreichender Grad an Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität vor.
6.2.
Für die Beurteilung sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse massgebend,
wie sie sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verwaltungsverfügung
entwickelt haben (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1), vorliegend also jene bis zum
12. Februar 2018.
7.1.
Aus jüngerer Zeit wurde ein Arztbericht von Dr. K._ vom 17. Oktober 2017 (IV-
act. 177) eingereicht. Danach bestehen beim Beschwerdeführer eine chronische
Lumbago, eine Osteochondrose L5/S1, geringer ausgeprägt L4/5, ein Z. n. dreimaligen
Bandscheibenoperationen und ein Z. n. Achillessehnenoperation. Im Vergleich zu den
MRI-Aufnahmen von Ende 2012 habe die Bandscheibe L5/S1 gemäss einem MRI der
LWS vom November 2016 noch etwas an Höhe verloren. Der RAD bestätigte diese
Veränderung in seiner Stellungnahme vom 12. Februar 2018 (IV-act. 178) und erklärte,
mit Ausnahme des leichten Höhenverlusts der Bandscheibe L5/S1 zeige die neue MRI-
Aufnahme vom November 2016 einen mit dem Befund vom November 2012 (vgl. dazu
IV-act. 119-23) identischen Zustand. Nach der Beurteilung des RAD sprachen die
klinisch erhobenen Unterschiede in der Reklination (neu 10° statt früher 5°) und im
Finger-Boden-Abstand (neu 30 cm statt früher 57 cm) zudem für eine leicht verbesserte
Beweglichkeit der LWS (bzw. der Wirbelsäule) des Beschwerdeführers. Der Befund von
Dr. K._ beschreibe zusammenfassend eine verbesserte Beweglichkeit der
Wirbelsäule. Das erscheint überzeugend. Des Weiteren wurden Berichte von Dr. N._
(von Mai 2011) und von Dr. M._ (vom Februar 2018) eingereicht, welche indessen
ebenfalls nicht geeignet sind, eine Änderung an den obigen Darlegungen oder eine
relevante Veränderung des Sachverhalts innerhalb des vorliegenden
Beurteilungszeitraums anzunehmen. Anlass zu Ergänzungen der Abklärung besteht
nicht. Von ihnen könnte nunmehr keine massgebliche zusätzliche Erkenntnis mehr
erwartet werden.
7.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/23
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8.