Decision ID: 16b1a07f-43bb-49d2-82e9-b40d392d11ed
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
fahrlässige Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 11. Dezember 2014 (GG140170)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 10. Juli 2014 (Urk. 28)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 43)
"Der Einzelrichter erkennt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125
Abs. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der vorsätzlichen Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 30 Abs. 2 SVG wird die Beschuldigte freige-
sprochen.
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 500.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre angesetzt.
5. Die sichergestellten Gegenstände aus dem Fahrzeug des Privatklägers (Sicherheitsgurt, ...,
und vier Glühlampen, ..., ..., ..., ...) werden dem Privatkläger auf erstes Verlangen nach Ein-
tritt der Rechtskraft herausgegeben, ansonsten spätestens bei Ablauf der Lagerfrist am 31.
Dezember 2015 vernichtet.
6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Schadenersatz von
Fr. 1'031.15 zu bezahlen.
7. Im Übrigen wird festgestellt, dass die Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger B._
aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur ge-
nauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatz- sowie Genugtuungs-anspruches wird
der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 688.75 Auslagen Untersuchung
Fr. 4'644.70 unentgeltliche Rechtsvertretung Privatkläger Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen
der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers, werden der Beschuldigten aufer-
legt.
10. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger für die erbetene Vertretung eine
Prozessentschädigung von Fr. 3'642.55 (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
11. (Mitteilungen.)
12. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge:
a) der Verteidigung der Beschuldigten (Urk. 65):
1. Vom erfolgten Rückzug des Strafantrages des Privatklägers sei Vormerk zu
nehmen;
2. Die Beschuldigte sei vom Vorwurf einer Verkehrsregelverletzung freizu-
sprechen;
3. Eventualiter für den Fall eines Schuldspruchs wegen mangelnder Aufmerk-
samkeit und/oder Nichtbeherrschen des Fahrzeuges im Zusammenhang mit
Art. 90 Abs. 1 SVG sei die Beschuldigte mit einer Busse von Fr. 1'000.– zu
bestrafen,
unter Belassung des erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsdisposi-
tivs und unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das zweitinstanzliche
Verfahren zu Lasten der Staatskasse.
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b) der Staatsanwaltschaft (Urk. 49 S. 1, schriftlich):
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Mit Urteil vom 11. Dezember 2014 sprach das Bezirksgericht Zürich,
4. Abteilung Einzelgericht, die Beschuldigte A._ schuldig der
fahrlässigen (einfachen) Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB.
Freigesprochen wurde sie vom Vorwurf der vorsätzlichen Übertretung des
Strassenverkehrsgesetzes (betreffend die ungenügende Sicherung ihres Hundes
im Fussraum des Beifahrersitzes). Die Beschuldigte wurde bestraft mit einer
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 500.–, wobei ihr der bedingte Strafvollzug
bei einer Probezeit von zwei Jahren gewährt wurde. Des Weiteren wurde
entschieden, verschiedene sichergestellte Gegenstände aus dem Fahrzeug des
Privatklägers B._ diesem auf erstes Verlangen nach Eintritt der Rechtskraft
herauszugeben, ansonsten die Gegenstände spätestens bei Ablauf der Lagerfrist
am 31. Dezember 2015 vernichtet würden. Die Beschuldigte wurde verpflichtet,
dem Privatkläger Schadenersatz von Fr. 1'031.15 zu bezahlen, und es wurde
festgestellt, dass die Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig sei, wobei der
Privatkläger zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatz- und
Genugtuungsanspruches auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen wurde.
Letztlich wurden die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens,
einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers
im Vorverfahren im Betrag von Fr. 4'644.70, der Beschuldigten auferlegt und die
Beschuldigte wurde verpflichtet, dem Privatkläger für die erbetene Vertretung im
Hauptverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 3'642.55 (inkl. Mehrwert-
steuer) zu bezahlen (Urk. 43, insb. S. 18 f.).
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2. Gegen das am 11. Dezember 2014 mündlich eröffnete Urteil liess die
Beschuldigte mit Schreiben vom 15. Dezember 2014 fristgerecht Berufung
anmelden (Prot. I S. 12, Urk. 39). Mit Eingabe vom 5. März 2015 reichte die
Verteidigung rechtzeitig die Berufungserklärung ein, wobei insbesondere der
Schuldspruch, die Sanktion und die Regelung der Zivilansprüche sowie die
Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen angefochten wurden (Urk. 42/2,
Urk. 45). Beweisanträge stellte die Verteidigung keine (vgl. Urk. 45). Mit Präsidial-
verfügung vom 9. März 2015 wurde die Berufungserklärung dem Privatkläger
sowie der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl zugestellt, und es wurde ihnen Frist
angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben werde, oder um
begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 47). Fristge-
recht erklärte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, auf Anschluss-
berufung zu verzichten, und beantragte, das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen
(Urk. 48, Urk. 49). Der Privatkläger liess mit Eingabe vom 27. März 2015 innert
Frist mitteilen, keine Anschlussberufung zu erheben (Urk. 48, Urk. 50). Mit Ein-
gabe vom 1. April 2015 liess die Beschuldigte dem Gericht Angaben zu ihren
finanziellen Verhältnissen sowie die Steuererklärung 2013 (ohne Hilfsblätter)
einreichen (Urk. 52, Urk. 54/1+2).
3. Am 10. April 2015 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den
27. Mai 2015 vorgeladen (Urk. 55). Dazu erschien die Beschuldigte in Begleitung
ihres erbetenen Verteidigers (Prot. II S. 4 ff.).
II. Prozessuales / Umfang der Berufung
1.1 Am 22. September 2012 stellte der Privatkläger rechtzeitig den für die Beur-
teilung der eingeklagten fahrlässigen einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 125 StGB erforderliche Strafantrag (Urk. 2). Am 26. Mai 2015, mithin am Tag
vor der Berufungsverhandlung, liess der Privatkläger diesen Strafantrag zurück-
ziehen (Urk. 60).
1.2 Beim Strafantrag im Sinne von Art. 30 ff. StGB handelt es sich um eine
Prozessvoraussetzung. Der Rückzug eines Strafantrags ist so lange möglich, als
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die zweite kantonale Instanz ihr Urteil noch nicht eröffnet hat (Art. 33 Abs. 1
StGB). Aufgrund des rechtzeitigen Rückzug des Strafantrags durch die vorliegend
antragsberechtigte Person im Sinne von Art. 30 Abs. 1 StGB ist somit eine der
Prozessvoraussetzungen hinsichtlich des Verfahrens betreffend fahrlässige
Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB weggefallen. Das diesbezügliche
Verfahren ist deshalb in Anwendung von Art. 403 Abs. 1 lit. c StPO in Verbindung
mit Art. 379 StPO sowie Art. 329 Abs. 1 lit. b und Abs. 4 StPO einzustellen.
1.3 Über die einfache Körperverletzung hinaus umschreibt die Anklageschrift
der Staatsanwaltschaft jedoch auch eine Verletzung der Verkehrsregeln, indem
der Beschuldigten vorgeworfen wird, dass sie mangels genügender Aufmerksam-
keit zu spät bemerkt habe, dass der vor ihr fahrende Personenwagen des Privat-
klägers habe abbremsen müssen, worauf sie mit diesem kollidiert sei, was im
Übrigen voraussehbar und vermeidbar gewesen sei (Urk. 28). Auch der
Verteidiger vertrat die Ansicht, dass im vorliegenden Verfahren noch zu beurteilen
sei, ob sich die Beschuldigte einer solchen Verkehrsregelverletzung schuldig
gemacht habe oder nicht (Prot. II S. 6; Urk. 65 S. 1 und S. 8).
1.4 Wird ein Strafverfahren eingestellt, werden die in Zusammenhang mit dem
Strafverfahren anhängig gemachten Zivilklagen auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen (Art. 126 Abs. 2 lit. a StPO). In Anwendung dieses Grundsatzes sind
auch vorliegend die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Privat-
klägers auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen, zumal B._ im noch
verbleibenden Verfahren betreffend Verkehrsregelverletzung nicht mehr als Ge-
schädigter bzw. Privatkläger betrachtet werden kann.
2. Vom Vorwurf der Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 30 Abs. 2 SVG (Dispositivziffer 2;
ungenügende Sicherung des Hundes im Fussraum des Beifahrersitzes) wurde die
Beschuldigte durch die Vorinstanz freigesprochen. Dieser Freispruch wurde mit
der vorliegenden Berufung nicht angefochten (Urk. 45 S. 2; Urk. 65) und ist somit
bereits in Rechtskraft erwachsen. Ebenfalls als rechtskräftig zu erachten ist ferner
die Herausgabe verschiedener Gegenstände aus dem Auto des Privatklägers
(Dispositivziffer 5; vgl. Prot. II S. 7). Somit ist vorab festzustellen, dass das Urteil
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des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung Einzelgericht, vom 11. Dezember 2014
bezüglich der Dispositivziffern 2 und 5 in Rechtskraft erwachsen ist. Ebenfalls
nicht angefochten wurde im Übrigen die vorinstanzliche Kostenfestsetzung
gemäss Dispositivziffer 8 (Prot. II S. 8).
III. Schuldpunkt
A. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten A._ wird zusammengefasst nunmehr noch
vorgeworfen, am 7. September 2012, ca. 13.50 Uhr, auf der Autobahn A3 in
Richtung Zürich bei Kilometer 1.810 in 8002 Zürich, mit ihrem Personenwagen mit
dem vor ihr fahrenden Fahrzeug des Geschädigten B._ kollidiert zu sein, weil
sie infolge ungenügender Aufmerksamkeit zu spät bemerkt habe, dass der Ge-
schädigte habe abbremsen müssen. Dieser Hergang sei für die
Beschuldigte vorhersehbar und die Kollision vermeidbar gewesen, wenn die
Beschuldigte der Verkehrssituation jederzeit die notwendige Aufmerksamkeit
gewidmet hätte (Urk. 28).
B. Standpunkt der Beschuldigten
Die Beschuldigte stellt nicht in Abrede, mit dem Fahrzeug des Geschädigten
kollidiert zu sein. Sie macht jedoch geltend, der Geschädigte habe im Zeitpunkt
der Kollision nicht nur die Geschwindigkeit verlangsamt, sondern er sei auf der
Fahrbahn ohne ersichtlichen Grund komplett stillgestanden (Urk. 3 S. 2 ff., Urk. 4
S. 2 und S. 4; Prot. I S. 6; Urk. 64 S. 4 ff.).
C. Sachverhalt
1. Mit der Vorinstanz (Urk. 43 S. 6) sind der Zeitpunkt und die Örtlichkeit der
Kollision (in der leichten Linkskurve auf die Sihlhochstrasse hinauf) sowie die
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Schäden an den beteiligten Fahrzeugen gestützt auf die Aussagen der Kollisions-
beteiligten sowie die Fotodokumentation der Kantonspolizei Zürich ausgewiesen.
2. Das Einzelgericht hat sich zunächst zutreffend zu den Grundsätzen der
Beweiswürdigung sowie zur spezifischen Glaubwürdigkeit der Beschuldigten
sowie des Geschädigten geäussert (Urk. 43 S. 4-6). Darauf kann zwecks Ver-
meidung von Wiederholungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Mit Bezug auf die Situation unmittelbar vor der Kollision ist strittig, ob der
Geschädigte sein Fahrzeug – wie die Beschuldigte behauptet – bis zum Stillstand
abgebremst oder ob er seine Geschwindigkeit lediglich reduziert hatte. Die Vor-
instanz ist in Würdigung der Aussagen des Geschädigten und der Beschuldigten
zum Schluss gelangt, die widerspruchsfreien, nachvollziehbaren und zurück-
haltenden Ausführungen des Geschädigten seien überzeugend, zumal ein grund-
loses Stillstehen eines Fahrzeuges mitten auf der Autobahn bereits an sich
aussergewöhnlich wäre und im vorliegenden Fall keine Anhaltspunkte dafür
bestünden, dass ein komplettes Abbremsen, beispielsweise aus technischen
Gründen, notwendig gewesen wäre (Urk. 43 S. 6 f.). Die vorinstanzlichen Aus-
führungen vermögen grundsätzlich zu überzeugen (Art. 82 Abs. 4 StGB). Die
nachfolgenden Erwägungen sind vor allem zusammenfassender, teilweise auch
ergänzender Natur. In einzelnen Punkten sind die Ausführungen der Vorinstanz
indes zu korrigieren.
3.1. Mit der Vorinstanz ist zunächst zu konstatieren, dass der Geschädigte
wenige Tage nach dem Unfallereignis bei der Polizei und rund ein Jahr später bei
der Staatsanwaltschaft konstant schilderte, seit dem Üetlibergtunnel mit 75 km/h
bzw. 80 km/h hinter einem Audi gefahren zu sein, der dann ohne einen für ihn
– den Geschädigten – erkennbaren Grund gebremst habe, so dass er ebenfalls
(auf ca. 55 bis 65 km/h bzw. 60 bis 70 km/h) habe abbremsen müssen, wobei er
aber erst nach der Kollision zum Stillstand gekommen sei (Urk. 5 S. 1-3 und S. 5,
Urk. 6 S. 3 f. und S. 5). Die Depositionen der Beschuldigten bei der Staatsanwalt-
schaft rund ein bzw. zwei Jahre nach dem Ereignis sowie ihre Aussagen
anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung sind wohl – was die Situation vor
der Kollision anbelangt – ebenfalls gleichlautend. Demgemäss hätten sich vor
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dem Geschädigten bzw. dessen VW Golf zwei bzw. drei Fahrzeuge gelöst, mithin
sei die Distanz zwischen dem Geschädigten und den Fahrzeugen immer grösser
geworden, wobei sie in diesem Moment realisiert habe, dass der Geschädigte
sein Fahrzeug zum Stillstand gebracht habe, woraufhin sie voll auf die Bremse
gestanden sei. Vom Gefühl her sei es für sie gewesen, wie wenn sie in eine
Mauer gefahren wäre, und nicht, wie wenn sie in ein fahrendes Auto gefahren
wäre. Sie habe beim VW Golf weder Bremslichter noch Pannenblinker gesehen
(Urk. 3 S. 2 f. und S. 4; Urk. 4 S. 2 und S. 4; Urk. 64 S. 4 ff.). Die Vor-instanz hat
in ihren Erwägungen darauf hingewiesen, dass sich die Beschuldigte am Unfallort
gegenüber der Polizei betreffend die Frage, ob das Fahrzeug des Geschädigten
im Zeitpunkt der Kollision tatsächlich stand oder sehr langsam fuhr, unsicher zeig-
te (Urk. 43 S. 6; vgl. Urk. 1 S. 5). Ein relevanter Widerspruch zu ihren späteren
Aussagen, gemäss welchen sie konstant angab, sicher zu sein, dass das Fahr-
zeug des Geschädigten im Zeitpunkt der Kollision komplett stillstand, ist darin
jedoch nicht zu erblicken, zumal ein Widerspruch zwischen Aussagen in formellen
Einvernahmen und solchen, welche relativ informell in einem Polizeirapport fest-
gehalten werden, ohnehin nicht zu Lasten der Beschuldigten verwendet werden
darf.
3.2 Die Aussagen des Geschädigten wurden durch die Vorinstanz als wider-
spruchsfrei, nachvollziehbar, zurückhaltend und überzeugend bezeichnet (Urk. 43
S. 7). Der Verteidiger der Beschuldigten erachtete die Aussagen des Geschädig-
ten demgegenüber als nicht überzeugend. Wenn der Geschädigte sage, er habe
die Sicherheitsgurten getragen und den Kopf am Lenkrad angeschlagen, so
scheine dies bei einem funktionierenden Sicherheitsgurt nicht möglich. Zudem
habe der Geschädigte festgehalten, dass es ihn bei der Kollision als erstes nach
vorne bewegt habe, was schon in physikalischer Hinsicht nicht möglich sei
(Urk. 65 S. 5 f.). Zur Frage betreffend den Sicherheitsgurt hält ein Kurzbericht des
Forensischen Instituts Zürich vom 30. September 2012 fest, dass aufgrund des
Spurenbildes davon ausgegangen werde, dass der Geschädigte den Sicherheits-
gurt im Kollisionszeitpunkt getragen habe. Es handle sich aber um ein ausserge-
wöhnliches Spurenbild, zu dessen abschliessender Beurteilung in einem Gutach-
ten der Unfallablauf rekonstruiert werden müsste (Urk. 9 S. 4). Dass die
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Vorinstanz ohne eine solche weiterführende Begutachtung des Sicherheitsgurts
davon ausging, dass der Geschädigte den Sicherheitsgurt im Zeitpunkt der
Kollision getragen hat, wie dieser es selbst stets geltend machte (Urk. 5 S. 3 f.,
Urk. 6 S. 4), erscheint aufgrund der konkreten Umstände nachvollziehbar und ist
nicht zu beanstanden, zumal die Frage, ob die Beschuldigte ihr Fahrzeug zufolge
mangelnder Aufmerksamkeit nicht rechtzeitig abgebremst und somit die Kollision
verursacht hat, unabhängig davon beantwortet werden kann, ob der Geschädigte
den Sicherheitsgurt getragen hat oder nicht. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass
der Bericht des Forensischen Instituts Zürich auch festhält, dass der Gurtstraffer
des Sicherheitsgurtes nicht ausgelöst worden ist (Urk. 9 S. 3). Wenn der Geschä-
digte den Autositz derart positioniert hatte, dass sich sein Kopf in der Nähe des
Lenkrads befand, ist es durchaus denkbar, dass er in Folge der Kollision mit
seinem Kopf an das Lenkrad gestossen ist. Dies ist nicht derart aussergewöhnlich
und undenkbar, wie es der Verteidiger glaubhaft machen will. Dass ein solcher
Zusammenstoss keine Prellmarke oder anderweitige Spuren am Kopf des
Geschädigten hinterlassen hat, kann damit in Zusammenhang stehen, dass der
Aufprall des Kopfes auf das Lenkrad nicht besonders heftig ausgefallen ist. Wenn
der Verteidiger im Übrigen festhält, dass die Mitarbeiter des Forensischen Instituts
Zürich nicht gewusst hätten, dass der Geschädigte geltend gemacht hat, dass er
seinen Kopf am Lenkrad angestossen habe (Urk. 65 S. 7 f.), so ist festzuhalten,
dass dies nichts ändert, zumal aufgrund der vorliegenden Umstände nicht zu
erwarten ist, dass ein solcher Ablauf, bei entsprechendem Wissen der Mitarbeiter
des Instituts, ausgeschlossen worden wäre bzw. dass deren Kurzbericht anders
ausgefallen wäre, wenn sie von diesem Umstand gewusst hätten. Dass der
Geschädigte – entgegen seiner Aussagen (vgl. Urk. 5 S. 4) – aufgrund der
Kollision als erstes in den Sitz seines Fahrzeuges gedrückt und erst dann nach
vorne geschleudert worden ist, ist allerdings zutreffend. Die gegenteilige Aussage
des Geschädigten erscheint aber trotzdem nachvollziehbar, da die erste
Bewegung nach hinten ja gerade durch den Autositz aufgefangen wird, sodass es
nicht abwegig erscheint, wenn ein Fahrer die entsprechende Gegenbewegung
nach vorn als hauptsächliche Bewegung wahrnimmt. Entgegen der Verteidigung
lassen sich in den Aussagen des Geschädigten insoweit keine relevanten Wider-
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sprüche auffinden, die an der Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen zweifeln
lassen würden.
3.3 Was die Aussagen der Beschuldigten betrifft, kann festgestellt werden, dass
sich diese ebenfalls als inhaltlich konstant und widerspruchsfrei erwiesen haben.
Bereits aufgrund der Analyse ihrer früheren Aussagen gegenüber der Polizei und
der Staatsanwaltschaft, aber vor allem aufgrund ihrer Einvernahme in der
Berufungsverhandlung, ist dem Gericht jedoch aufgefallen, dass die Beschuldigte
ihre Aussagen im vorliegenden Verfahren äusserst bestimmt und betont zu
Protokoll gab (sog. Bestimmtheits- bzw. Betonungssignal), was teilweise den
Eindruck eines stereotypen und verinnerlichten, ja geradezu eingeübten
Aussageverhaltens entstehen liess. Wiederholt äusserte sie während des
Verfahrens formelhaft gleichbleibende Aussagen ("Er stand.", "Links war die Spur
blockiert.", "Ich ging voll auf die Bremsen.", "Der Aufprall war wie auf eine
Mauer.", "Es hatte so wenig Verkehr, dass ich nicht mit einem stehenden Auto
rechnen musste" etc.; vgl. Urk. 3 S. 2 ff.; Urk. 4 S. ff.; Urk. 64 S. 4 ff.). Diese
Bestimmtheit und Vehemenz zeigte sich auch darin, dass die Beschuldigte auf
wiederholtes Nachfragen nicht einräumen konnte, dass sie die Verkehrssituation
falsch eingeschätzt hat (Urk. 64 S. 11), obwohl selbst ihr Verteidiger dies
konstatierte (Prot. II. S. 9). Ihr Aussageverhalten hinterliess den Eindruck, dass
sie ihre aussergewöhnliche Autofahrerkarriere und ihren langjährigen unfallfreien
automobilistischen Leumund, nicht zuletzt auch in Hinblick auf ihre militärisch
erlangten Kenntnisse (vgl. Urk. 64 S. 3), mit besonderer Vehemenz zu verteidigen
suchte.
3.4. Mit der Vorinstanz ist sodann – entgegen der Aussagen der Beschuldigten –
in der Tat kein plausibler Grund ersichtlich, weshalb der Geschädigte sein Fahr-
zeug bis zum Stillstand hätte abbremsen sollen. Der Verteidiger wies in seinen
Ausführungen anlässlich der Berufungsverhandlung darauf hin, dass der Geschä-
digte während des Verfahrens konstant ausgesagt habe, dass er im Zeitpunkt der
Kollision noch am bremsen gewesen sei. Um zu erklären, weshalb die Beschul-
digte keine Bremslichter gesehen haben könnte, habe die Vorinstanz fest-
gehalten, dass der Geschädigte im Zeitpunkt der Kollision wohl bereits wieder am
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fahren gewesen sei. Diese Würdigung der Vorinstanz lasse sich aber mit den
konstanten Aussagen des Geschädigten nicht vereinbaren (Urk. 65 S. 2 f.). Diese
Kritik des Verteidigers am vorinstanzlichen Entscheid ist berechtigt. Jedoch muss
gleichzeitig angemerkt werden, dass es diverse Gründe dafür geben kann, dass
die Beschuldigte keine Bremslichter am Fahrzeug des Geschädigten gesehen
hat. Es ist beispielsweise denkbar, dass die Beschuldigte diese schlicht nicht
wahrgenommen hat oder dass der Bremsvorgang – entgegen den Aussagen des
Geschädigten – im Zeitpunkt der Kollision doch bereits wieder abgeschlossen
war. Um in dem vom Geschädigten gefahrenen Geschwindigkeitsbereich von
ca. 75-80 km/h ein Abbremsen um ca. 20-30 km/h zu erreichen, genügt nämlich
erfahrungsgemäss ein kurzes Berühren des Bremspedals. In diesem Sinne gab
der Geschädigte grundsätzlich nachvollziehbar zu Protokoll, er habe normal
gebremst, es sei kein starkes Bremsen gewesen (Urk. 6 S. 6). Daher wäre es
ohne Weiteres auch erklärbar, dass die Beschuldigte die – mutmasslich wohl
eben doch nur kurz aufleuchtenden – Bremslichter (zumindest das rechte sowie
das dritte, höhergesetzte mittige Bremslicht funktionierten, vgl. Urk. 9 S. 3 und
S. 4 sowie Urk. 1 S. 6) nicht wahrnahm.
3.5. Wenn die Beschuldigte festhält, sie habe keine Bremslichter am Fahrzeug
des Geschädigten gesehen und dessen Fahrzeug habe auf der Strasse still-
gestanden, so müsste sich das Fahrzeug bereits im vollständigen Stillstand
befunden haben, als die Beschuldigte dieses erstmals erblickt hat. Die Beschul-
digte erwähnte in der Einvernahme vom 20. August 2013 zunächst, aufgrund der
leichten Linkskurve seien die Sichtverhältnisse nicht so gut, man sehe nicht so
weit ["(...), dass die Sichtverhältnisse wegen der Linkskurve nicht weit sind",
Urk. 3 S. 2]. Im weiteren Verlauf der Befragung und nach Einsicht in die Unfall-
skizze (wohl gemeint: Fotbogen in Urk. 8) sowie auf Vorhalt ihrer Aussage
gegenüber der Polizei, den VW Golf ca. 60 Meter vor dem Aufprall erstmals
wahrgenommen zu haben, gab die Beschuldigte indes zu Protokoll, sie habe
weiter als 80 Meter, sie habe 'bis nach vorne gesehen' (Urk. 3 S. 5). In der Tat ist
die Sicht von der rechten Spur aus, auf welcher sich die Kollision ereignete, auf
eine sehr weite Distanz frei (vgl. Fotos in Urk. 8 S. 1 und S. 2). Bei dieser Aus-
gangslage ist – aufmerksame Fahrweise vorausgesetzt – bei den damals herr-
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schenden optimalen Sichtverhältnissen und der aufgrund der Linksneigung des
Fahrbahnverlaufs gegebenen Perspektive kein Grund erkennbar, weshalb die
Beschuldigte das Fahrzeug des Geschädigten nicht rechtzeitig hätte wahrnehmen
können, selbst wenn es ihren Aussagen gemäss vollumfänglich stillgestanden
hätte. Bei rechtzeitigem Wahrnehmen des Fahrzeuges des Geschädigten wäre
der Beschuldigten aufgrund ihrer – mutmasslich nicht übersetzten – Geschwin-
digkeit auch noch genügend Zeit geblieben, um ihr Fahrzeug vollständig zum
Stillstand zu bringen, ohne mit dem Fahrzeug des Geschädigten zu kollidieren.
3.6. Zusammengefasst ist grundsätzlich davon auszugehen, dass das Fahrzeug
des Geschädigten im Zeitpunkt der Kollision anklagegemäss in Bewegung war,
zumal – mit der Vorinstanz – keinerlei Grund dafür ersichtlich ist, dass es still
stand. Selbst wenn man aber mit den Aussagen der Beschuldigten davon
ausgehen würde, dass das Fahrzeug des Geschädigten im Zeitpunkt der Kollision
– bzw. bereits als die Beschuldigte es erstmals erblickte – komplett still stand,
hätte die Beschuldigte als versierte Fahrzeuglenkerin jederzeit damit rechnen
müssen, dass ein Auto auf der Fahrbahn stehen kann und hätte dieses – bei
genügender Aufmerksamkeit – auch rechtzeitig wahrnehmen können. Es ist nicht
als derart aussergewöhnlich zu erachten, dass ein Fahrzeug auf einer Fahrbahn
steht, kann es doch im Strassenverkehr aufgrund technischer Schwierigkeiten mit
dem Fahrzeug oder zufolge gesundheitlicher Probleme des Fahrers durchaus
vorkommen, dass ein Fahrzeug mitten auf der Fahrbahn zu stehen kommt – dies
selbst auf einer Autobahn. Aufgrund des vorliegend gegebenen Blickfeldes der
Beschuldigten und der von ihr gefahrenen Geschwindigkeit hätte sie ohne
Weiteres bremsen können, wenn sie – bei genügender Aufmerksamkeit –
rechtzeitig wahrgenommen hätte, dass das Auto des Geschädigten still steht.
Dabei ist nicht relevant, ob die Beschuldigte am Fahrzeug des Geschädigten
Bremslichter wahrgenommen hat oder nicht.
4. In diesem Sinne ist der noch zur Beurteilung stehende Sachverhalt im Sinne
der Anklage erstellt.
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D. Rechtliche Würdigung
1.1 Gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG wird mit Busse bestraft, wer Verkehrsregeln des
SVG oder der Vollziehungsvorschriften des Bundesrates verletzt. Gemäss Art. 31
Abs. 1 SVG muss der Führer eines Fahrzeugs dieses ständig so beherrschen,
dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Zudem muss er der Strasse
und dem Verkehr die erforderliche Aufmerksamkeit zuwenden (Art. 3 Abs. 1
VRV). Das Fahrzeug zu beherrschen bedeutet, jederzeit in der Lage zu sein, auf
die erforderliche Weise auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede Gefahr ohne
Zeitverlust zweckmässig zu reagieren (BGE 120 IV 63 E. 2a). Das allgemeine
Mass an Aufmerksamkeit, welches der Fahrzeugführer nach Art. 31 Abs. 1 SVG
in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 VRV der Strasse und dem Verkehr zuzuwenden
hat, richtet sich dabei nach den gesamten Umständen, namentlich der Verkehrs-
dichte, den örtlichen Verhältnissen, der Zeit, der Sicht und den voraussehbaren
Gefahrenquellen (BGE 127 II 302 E. 3c; BGE 122 IV 225 E. 2b; BGE 120 IV 63
E. 2a; BGE 116 IV 230 E. 2; BGE 103 IV 101 E. 2b und c). Die Übertretung von
Verkehrsregeln des Strassenverkehrsgesetzes ist dabei auch bei fahrlässiger
Begehung strafbar (Art. 100 Ziff. 1 StGB, Art. 333 Abs. 7 StGB).
1.2 Indem der Beschuldigten durch den in der Anklageschrift umschriebenen
Sachverhalt ein Nichtbeherrschen des Fahrzeugs zufolge mangelnder
Aufmerksamkeit vorgeworfen wird, wird ihr ein Fahrlässigkeitsdelikt zur Last
gelegt. Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger
Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist
die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach
den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist
(Art. 12 Abs. 3 StGB). Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten,
bestimmt sich das Mass der dabei zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach
diesen Vorschriften. Fehlen solche, kann auf Regeln privater oder halbprivater
Vereinigungen oder auf allgemeine Rechtsgrundsätze, wie etwa den allgemeinen
Gefahrensatz, abgestellt werden (BGE 135 IV 56 E. 2.1; 134 IV 193 E. 7.2; 127 IV
62 E. 2d, je mit Hinweisen).
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2.1 Die Vorinstanz zog zur Begründung ihres Entscheides Art. 32 Abs. 1 SVG
und Art. 4 Abs. 1 VRV heran, gemäss welchen Normen die Geschwindigkeit eines
Fahrzeugs stets den Umständen und insbesondere den Sichtverhältnissen
anzupassen ist, wobei der Fahrzeuglenker nur so schnell fahren darf, dass er
innerhalb der überblickbaren Strecke anhalten kann. Indes wirft die Anklage-
behörde der Beschuldigten mangelnde Aufmerksamkeit bezüglich der anderen
Verkehrsteilnehmer im Sinne von Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV vor
(Urk. 28 S. 2).
2.2 Vorliegend ist von einer mangelnden Aufmerksamkeit der Beschuldigten
auszugehen und nicht davon, dass sie ihre Geschwindigkeit nicht den konkreten
Verhältnissen angepasst hat. Dafür, dass die Beschuldigte mit einer nicht
angepassten Geschwindigkeit gefahren sein könnte, bestehen nämlich keine
Anhaltspunkte. Zudem stehen weder die körperliche noch die geistige Befähigung
der Beschuldigten noch sonstige die Beschuldigte als Fahrzeugführerin
behindernde Faktoren in Frage. Jedoch ist festzuhalten, dass die Beschuldigte im
Vorfeld der Kollision aufgrund der langgezogenen Linkskurve, der geringen Ver-
kehrsdichte und der auch im Übrigen idealen Strassen- und Verkehrsverhältnisse
über einen weiten Einblick in den vor ihr liegenden Strassenabschnitt verfügte.
Die Beschuldigte hätte somit das Fahrzeug des Geschädigten aufgrund der
konkreten Umstände schon von Weitem sehen können und auch müssen, womit
ihr genügend Zeit geblieben wäre, um ihr Fahrzeug ohne Verursachung
einer Kollision zum Stillstand zu bringen. Die Kollision ereignete sich mit anderen
Worten am Ende einer langgezogenen Linkskurve auf der rechten Spur einer
Autobahn, wobei auf jenem Abschnitt bei den herrschenden guten Sicht-
verhältnissen bei Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h
auf Sichtdistanz angehalten werden kann (vgl. hierzu auch die Fotos in Urk. 8;
davon scheint aufgrund ihrer Distanzangaben auch die Beschuldigte auszugehen,
vgl. Urk. 3 S. 5). Nachdem die Beschuldigte – wie bereits erwähnt – keine
äusseren oder persönlichen (gesundheitlichen) Einflüsse geltend macht, welche
ihre Aufmerksamkeit zu jenem Zeitpunkt hätten einschränken können und auch
anderweitig keine solchen Einflüsse ersichtlich sind, sowie nachdem nicht davon
auszugehen ist, dass die Beschuldigte mit einer nicht an die konkreten
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Verhältnisse angepassten Geschwindigkeit unterwegs gewesen ist, kommt für ihr
zu spätes Abbremsen lediglich eine Unaufmerksamkeit in Betracht. Indem sie ihre
Aufmerksamkeit nur unzureichend dem Verkehr (vor ihr) widmete, liess sie sich
ein Nichtbeherrschen des Fahrzeuges zufolge mangelnder Aufmerksamkeit
zuschulden kommen. Dabei war für die Beschuldigte voraussehbar, dass ihre
Unaufmerksamkeit zu einer Kollision führen kann. Hätte sie ihr Augenmerk
vollständig bzw. ausreichend auf den Strassenverkehr (vor ihr) gerichtet, hätte sie
genügend bremsen und die Kollision verhindern können.
3. Im Übrigen gibt die rechtliche Würdigung zu keinen weiteren Bemerkungen
Anlass. Insbesondere anerkennt auch die Verteidigung diese rechtliche
Würdigung, für den Eventualfall, dass der Sachverhalt – wie vorliegend – erstellt
werden kann (Urk. 65 S. 8 f.)
4. Die Beschuldigte ist somit der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV
schuldig zu sprechen.
IV. Sanktion
A. Strafrahmen/Allgemeine Grundsätze der Strafzumessung
Vorliegend ist – aufgrund des Rückzugs des Strafantrags betreffend fahrlässige
Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB durch den Geschädigten –
noch eine Übertretung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV zu beurteilen. Der
Strafrahmen einer solchen Verkehrsregelverletzung beträgt Busse bis
Fr. 10'000.– (Art. 106 Abs. 1 StGB). Im Übrigen hat die Vorinstanz, unter zu-
treffender Verneinung von Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründen, die
Grundsätze der Strafzumessung korrekt dargelegt (Urk. 43 S. 13 f. und S. 15);
zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann auf diese Erwägungen verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
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B. Umsetzung auf den konkreten Fall
1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist in Berücksichtigung der konkreten
Verletzungen des Geschädigten (vgl. Urk. 17/4 und 17/6) sowie in Anbetracht der
durch die Kantonspolizei Zürich erstellten Fotodokumentation (Urk. 8) fest-
zuhalten, dass die Kollision der beiden Fahrzeuge nicht übermässig heftig aus-
gefallen ist.
2. In subjektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz (Urk. 43 S. 14 f.) bezüglich der
fahrlässigen Handlungsweise von einer lediglich kurz andauernden Unaufmerk-
samkeit auszugehen, wie sie jedermann – auch einer militärisch geschulten
Fahrerin mit grosser Fahrpraxis – passieren kann. Der Geschädigte hat für die
Beschuldigte überraschend abgebremst, was sie wegen dieser kurzen Unauf-
merksamkeit nicht sofort realisierte. Als die Beschuldigte jedoch bemerkte, dass
der Geschädigte sein Fahrzeug abgebremst hat, hat sie umgehend eine Voll-
bremsung eingeleitet. Ihr Verschulden ist insgesamt als leicht einzustufen. Als
hypothetische Einsatzstrafe erscheint eine Busse in Höhe von Fr. 400.– ange-
messen.
3. Was die Täterkomponente anbelangt, ergibt sich zu den persönlichen Ver-
hältnissen der Beschuldigten, dass sie im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Haupt-
verhandlung noch in der von ihren Eltern gegründeten Gesellschaft, welche im
Bereich Immobilien tätig ist, gearbeitet hat. Anlässlich der Berufungsverhandlung
gab die Beschuldigte nun zu Protokoll, dass sie ihr Amt als Verwaltungsrätin in
der von ihren Eltern gegründeten Gesellschaft niedergelegt habe und nicht mehr
erwerbstätig sei. Die Beschuldigte ist verwitwet und hat zwei erwachsene Töchter.
Ihr jährliches steuerbares Einkommen unterliegt zufolge steuerlicher Aufrechnung
von Liegenschaftsaufwand grossen Schwankungen. Im Jahre 2013 erzielte sie –
ohne Erträge aus der Liegenschaftsvermietung – ein jährliches Einkommen (inkl.
AHV-Rente und Erträge aus beweglichem Vermögen) von rund Fr. 210'000.–. Die
Höhe der Erträge aus der Liegenschaftsvermietung konnte die Beschuldigte nicht
beziffern. Zudem konnte sie auch keine aktualisierten Angaben zu ihrem übrigen
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Einkommen machen (Urk.64 S. 2). Ihr steuerbares Nettovermögen beziffert sich
auf ca. Fr. 19,5 Mio. Ihre Wohnkosten belaufen sich auf jährlich ca. Fr. 34'000.–
und ihre Krankenkassenkosten auf monatlich ca. Fr. 600.–. Die Beschuldigte hat
keine Unterhaltsverpflichtungen. Sie weist keine Vorstrafen auf. Wegen des vor-
liegend zu beurteilenden Vorfalles wurde ihr während eines Monats der Führe-
rausweis entzogen (Urk. 4 S. 5 f., Urk. 23/8, Urk. 44, Urk. 54/2; Prot. I S. 5 Urk. 64
S. 1 ff.).
4. Insgesamt erweist sich in Anbetracht der sehr guten finanziellen Verhältnis-
se der Beschuldigten eine Busse von Fr. 1'000.– ihrem Verschulden und den
übrigen Umständen angemessen. Für den Fall, dass die Beschuldigte die Busse
schuldhaft nicht bezahlt, ist festzuhalten, dass an Stelle der Busse eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 10 Tagen tritt.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Allgemeines
1. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird.
Bei einem Freispruch können der beschuldigten Person die Verfahrenskosten
ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die
Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat
(Art. 426 Abs. 1 und Abs. 2 StPO).
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
B. Kostenauflage
1. Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kostendispositiv zu bestätigen.
Dies wurde auch durch den Verteidiger der Beschuldigten anerkannt (Urk. 65).
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2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen. Im Berufungsverfahren unterliegt die Beschuldigte mit ihren Anträgen
vollumfänglich. Sie hat deshalb auch die Kosten des Berufungsverfahrens zu
tragen. Soweit der Verteidiger darauf verweist, dass gemäss Pra 104 (2015)
Nr. 52 im Falle einer – im Vergleich zur Vorinstanz – minderen rechtlichen Qualifi-
kation im Rechtsmittelverfahren die Kosten nicht der beschuldigten Person aufzu-
erlegen seien (Urk. 65 S. 9), ist er darauf hinzuweisen, dass die mindere
rechtliche Qualifikation vorliegend einzig durch den Rückzug des Strafantrages
des Privatklägers begründet wurde, wobei dieser Rückzug als ein Entgegen-
kommen des Privat-klägers zu werten ist. Es rechtfertigt sich folglich keinesfalls,
die Kosten des Berufungsverfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen.
C. Entschädigungen
1. Die durch die Vorinstanz festgesetzte Prozessentschädigung von
Fr. 3'642.55 (inkl. Mehrwertsteuer) für den erbetenen Vertreter des Privatklägers,
welcher von ihm nach dem Widerruf der unentgeltlichen Rechtsbeistandschaft im
März 2014 mandatiert wurde, erscheint dem notwendigen Zeitaufwand und der
Verantwortung des Falles angemessen (Urk. 43 S. 18; Art. 82 Abs. 4 StPO) und
ist im Berufungsverfahren zu bestätigen. Ebenfalls aufzulegen sind der Beschul-
digten die im Untersuchungsverfahren entstandenen Kosten der unentgeltlichen
Rechtsvertretung des Privatklägers.
2. Für das Berufungsverfahren ist die Beschuldigte zu verpflichten, dem Privat-
kläger eine Prozessentschädigung von Fr. 2'836.60 zu bezahlen.
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