Decision ID: b0e25a7e-db86-5085-8683-804c1265c355
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Poltera, Hadwigstrasse 6a, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
R._ (Jg. 1951) meldete sich am 21. November 2006 zum Bezug von IV-Leistungen
an. Sie gab dabei u.a. an, sie habe in ihrem Herkunftsland den Beruf einer Erd- und
Minenbautechnikerin erlernt. Zuletzt sei sie als Filialleiterin einer chemischen Reinigung
tätig gewesen. Dr. med. A._ berichtete am 5. Dezember 2006, die Versicherte leide
an einem chronisch rezidivierenden Lumbovertebralsyndrom. Ausserdem lägen ein
Status nach Diskushernie C6/7 rechts im Jahr 2000, konservativ behandelt, und nach
BWK 12-Fraktur 2005 vor. Zur Arbeitsfähigkeit wolle er sich nicht äussern, da die
Versicherte seit Jahren durch den Rheumatologen Dr. med. B._ behandelt werde. Dr.
med. B._ berichtete am 13. Dezember 2006, er habe folgende Diagnosen erhoben:
panvertebrales Schmerzsyndrom bei Fehlhaltung der Wirbelsäule, Status nach
konservativ behandelter Diskushernie C6/7 rechts bestehend seit 2000 und BWK 12-
Fraktur bestehend seit November 2005, Meniskusläsion links medial lateral bestehend
seit Frühjahr 2006 und Belastungsschmerzen in den Ellbogengelenken bestehend seit
Sommer 2006. Die Versicherte klage über anhaltende Schmerzen im Bereich des
thorakalen Übergangs unabhängig von der Körperstellung. Sie könne nicht mehr als
eine halbe Stunde sitzen, stehen oder gehen. Bei jeder Belastung nähmen die
Schmerzen zu. Das Bücken nach vorn gehe sehr schlecht. Häufig komme es zu
Ausstrahlungen bis in den Oberschenkel links und rechts. Wegen der
Belastungsschmerzen im linken Kniegelenk sei die Versicherte bei einem Spezialisten
angemeldet. Zeitweise bestünden Ellbogenbeschwerden bds., weshalb keine Lasten
über 2-3 kg getragen werden könnten. Die Versicherte komme immer wieder zur
Physiotherapie. Ausserdem nehme sie Tilur bei Bedarf. In einer adaptierten Tätigkeit
könnte die Versicherte drei bis vier Stunden täglich arbeiten. In der freien Wirtschaft
finde die Versicherte nach der bisherigen Erfahrung keine Arbeit mehr. Sie sei auch
dem aktuellen Arbeitsrhythmus nicht mehr gewachsen. Sie müsse entweder voll
berentet oder in einer geschützten Werkstatt eingesetzt werden. Gemäss einer
Arbeitgeberbescheinigung der C._ AG vom 1. April 2004 hatte die Versicherte bei
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einem Pensum von 34 Std. (Normalarbeitszeit im Betrieb 45 Std.) im Jahr 2002 Fr.
33'366.- und im Jahr 2003 Fr. 36'768.- verdient.
B.
Dr. med. D._ vom RAD beantragte am 20. Februar 2007 eine rheumatologische RAD-
Untersuchung. Diese Untersuchung erfolgte am 5. Juni 2007. Im Bericht vom 22. Juni
2007 führte Dr. med. E._ aus, die letzte längere Anstellung der Versicherten sei
diejenige bei der C._ AG gewesen. Gemäss den Angaben der Versicherten sei es die
einzige Aussenstelle des Unternehmens gewesen, welche die Reinigung nicht vor Ort
durchgeführt habe. Die Versicherte habe die Kleider entgegen genommen und nach
D._ zur Reinigung gesandt. Nach der Rücklieferung von D._ habe die Versicherte
die Kleider für das Aushändigen an die Kunden vorbereitet (Überziehen mit Plastik).
Ausserdem habe sie Hemden gebügelt. Die Tätigkeit sei demnach ganztags stehend
mit Tragen von leichten Gewichten und repetitiven Überkopfarbeiten gewesen. Die
Versicherte nehme fix abends ein Tilur retard 90 mg ein, tagsüber je nach Bedarf
nochmals ein bis zwei Dosen. Ausserdem benutze sie Assan Gel für die Muskulatur. Dr.
med. E._ gab folgende Diagnose an: chronisches zerviko-thorako-
lumbospondylogenes Syndrom (Fehlform und Fehlhaltung der Wirbelsäule, erhebliche
muskuläre Dysbalance, segmentale Dysfunktionen, Insuffizienz der
rumpfstabilisierenden Muskulatur, Dekonditionierung, BWK 12-Impressionsfraktur
11/2005, St. n. konservativ behandelter Diskushernie C6/7 im Jahr 2000) und – ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit – Inkontinenz, Hallux valgus links, generalisierter
Lichen ruber planus (in Remission), St. n. Teilmeniskektomie, medialer
Meniskusschaden des linken Knies (konservative Therapie) und Adipositas (BMI 30,5).
Er führte weiter aus, die Angaben der Versicherten während der Abklärung seien stets
glaubhaft und nachvollziehbar, präzis und konsistent gewesen. Bei der Untersuchung
seien keine Anzeichen einer Symptomausweitung vorhanden gewesen. Der relevante
Gesundheitsschaden sei im Achsenskelett, insbesondere im Bereich der LWS
lokalisiert gewesen. Rein deskriptiv habe ein chronisches zerviko-thorako-
lumbospondylogenes Syndrom bds. vorgelegen. An klinischen Befunden seien eine
erhebliche Fehlform und Fehlhaltung der Wirbelsäule und eine erhebliche muskuläre
Dysbalance im Schultergürtel-, LWS- und Beckenbereich zu erkennen gewesen.
Multiple Triggerpunkte im Schultergürtel, an den Beckenkämmen bds. und des M.
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piriformis insbesondere links seien objektivierbar gewesen. Ausserdem seien klare
Zeichen der segmentalen Dysfunktion im Bereich der ehemaligen Diskushernie C6/7
und im Bereich der unteren Wirbelsäule erkennbar gewesen. Die Insuffizienz der
rumpfstabilisierenden Muskulatur bzw. die Dekonditionierung sei offenkundig gewesen.
Die Kompressionsfraktur von BWK 12 habe die muskuläre Dysbalance und die
Dekonditionierung verstärkt. Aus diesen Gründen sei die statische und dynamische
Belastbarkeit des Achsenskeletts und des Rumpfs signifikant eingeschränkt gewesen.
Zumutbar seien ausschliesslich leichte Tätigkeiten in Wechselhaltung. Die generellen
Funktionsfähigkeiten bei leichten Tätigkeiten seien um 40% eingeschränkt. Die
vorgesehenen beiden Operationen hätten keinen wesentlichen Einfluss auf die
adaptierte Arbeitsfähigkeit. Die Ellbogenbeschwerden seien spondylogener Natur
(Ausstrahlungen von HWS und Schultergürtel). Anlässlich der Untersuchung seien
keinerlei Zeichen einer depressiven Symptomatik zu erkennen gewesen. Zu 60%
zumutbar sei eine adaptierte Tätigkeit mit leichter Wechselbelastung und handhaben
von Gewichten bis 10 kg mit vorwiegend gehender und abwechslungsweise sitzender
Körperposition. Zu vermeiden seien repetitive Tätigkeiten, Stereotypien, rein stehende
Tätigkeiten und Zwangspositionen. Die Arbeitsunfähigkeit von 40% bestehe seit der
BWK-Fraktur im November 2005.
C.
Die Arbeitslosenkasse teilte der IV-Stelle am 7. Dezember 2007 telephonisch mit, dass
die Versicherte für eine Vollzeitstelle gemeldet gewesen sei. Anlässlich einer Abklärung
an Ort und Stelle gab die Versicherte an, sie sei aufgrund ihrer veränderten
Lebenssituation (Trennung vom langjährigen Lebenspartner, deutlich geringerer
Hilfsbedarf des invaliden Sohnes) auf eine 100%ige Erwerbstätigkeit angewiesen. Die
Abklärungsperson hielt dazu fest, die Versicherte habe die Gründe für eine vollzeitliche
Erwerbstätigkeit glaubwürdig und nachvollziehbar erklärt. Zudem sei sie ja auch beim
RAV für eine Vollzeitstelle gemeldet gewesen. Deshalb sei die Versicherte als
vollerwerbstätig zu qualifizieren. In der Folge ermittelte die IV-Stelle den Invaliditätsgrad
der Versicherten, indem sie den zuletzt in der chemischen Reinigung erzielten Lohn der
Nominallohnentwicklung anpasste. Daraus resultierte ein Valideneinkommen von Fr.
50'466.-. Die IV-Stelle betrachtete die zuletzt ausgeübte Erwerbstätigkeit als
behinderungsadaptiert, weshalb sie 60% des Valideneinkommens, also Fr. 30'280.- als
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zumutbares Invalideneinkommen berücksichtigte. Daraus resultierte ein Invaliditätsgrad
von 40%. Mit einem Vorbescheid vom 19. März 2008 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass sie beabsichtige, rückwirkend ab November 2006 eine
Viertelsrente auszurichten. Die Versicherte wandte am 15. April 2008 ein, ihr
Gesundheitszustand erlaube ihr keine beschwerdefreien Bewegungen. Sie sei 24 Std.
am Tag darauf konzentriert, sich nicht anzustrengen und keine falschen Bewegungen
zu machen, um einigermassen schmerzfrei und ohne Medikamente und Therapien
durch den Tag zu kommen. Sie würde eine Arbeit zu 60% keine zwei Tage durchhalten.
Das Heben von Lasten von 10 kg sei utopisch und beruhe auf einer fehlerhaften
Wiedergabe ihrer Aussage gegenüber dem abklärenden Arzt. Die Haushaltbesorgung
sei eine enorme Anstrengung. Eine zusätzliche Belastung durch eine Erwerbstätigkeit
wäre nicht auszuhalten. Dr. med. B._ hatte der Versicherten am 9. April 2008
mitgeteilt, dass sich an seiner Einschätzung nichts geändert habe. Mit einer Verfügung
vom 17. Juli 2008 sprach die IV-Stelle der Versicherten rückwirkend ab November 2006
eine Viertelsrente zu.
D.
Die Versicherte liess am 27. August 2008 Beschwerde erheben. Ihr Rechtsvertreter
stellte den Antrag, die IV-Stelle sei anzuweisen, ein medizinisches Gutachten mit einer
EFL in Auftrag zu geben und berufliche Massnahmen zu prüfen und anzuordnen.
Ausserdem sei mindestens eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Begründung machte
der Rechtsvertreter der Versicherten insbesondere geltend, es sei nicht
nachvollziehbar, wie der RAD auf die Zahl von 60% komme. Zudem habe sich der RAD
nicht mit der abweichenden Auffassung von Dr. med. B._ auseinandergesetzt, er
habe keine Untersuchung der funktionellen Leistungsfähigkeit vorgenommen, er habe
übersehen, dass die Beschwerden im Tagesablauf zunähmen und er habe die
konkreten Arbeitsumstände an der letzten Arbeitsstelle bei einer chemischen Reinigung
zu wenig berücksichtigt. Bei der Kleiderreinigung müsse eine vornüber geneigte
Haltung eingenommen werden und es müsse über Schulterhöhe gearbeitet werden.
Das Gewichtslimit der Versicherten liege bei 5 kg. Bei dieser Arbeit müssten zudem oft
Zwangshaltungen eingenommen und repetitive Tätigkeiten ausgeübt werden. Nur
durch eine EFL könne die Arbeitsfähigkeit in einer Reinigungsfirma präzis eingeschätzt
werden. Bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens hätte ein zusätzlicher
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Abzug von 20% erfolgen müssen, weil die Versicherte nun nicht mehr als Leiterin einer
Textilfirma arbeiten könne und weil nur noch eine Teilzeitbeschäftigung möglich sei.
Zudem werde es immer wieder Arbeitsunfähigkeitstage geben. Die IV-Stelle hätte nicht
über das Rentenbegehren entscheiden dürfen, ohne vorgängig berufliche Massnahmen
geprüft zu haben. Die Versicherte wäre bereit, bei beruflichen Massnahmen
mitzuarbeiten.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 27. Oktober 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, der RAD-Gutachter habe die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um
40% plausibel begründet. Diese Einschränkung sei aufgrund der Diagnose und der
erhobenen Befunde nachvollziehbar. Dr. med. B._ habe sich bei seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung erheblich von der subjektiven Krankheitsüberzeugung der
Versicherten beeinflussen lassen. Deshalb habe für den RAD-Gutachter keine
Veranlassung bestanden, sich mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. B._
auseinanderzusetzen. Das Valideneinkommen belaufe sich auf Fr. 49'974.-. Bei der
Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens sei vom statistischen
Durchschnittslohn von Fr. 50'278.- auszugehen. Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von
40% und einem zusätzlichen Abzug von 10% (gesundheitsbedingte Absenzen,
Ruhepausen, aber kein Teilzeitnachteil) betrage das zumutbare Invalideneinkommen Fr.
26'986.-. Das ergebe einen Invaliditätsgrad von 46%. Die Versicherte habe keinen
Anspruch auf eine Umschulung, weil sie aufgrund ihres Alters nicht über die
Ressourcen verfüge, die für das Nachholen einer Berufsausbildung notwendig seien.
Zudem würde das Alter die Ausübung des neuen Berufs gar nicht mehr zulassen. Eine
Arbeitsvermittlung sei nicht sinnvoll, weil die Versicherte keinen festen Willen zur
Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit erkennen lasse.

Erwägungen:
1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie wird in der Regel durch einen
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Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Ausnahmsweise bestimmt sich die
Invalidität einer erwachsenen Person gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 1
IVG nach der Unmöglichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen, wenn
dieser Person nicht zugemutet werden kann, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies
gilt auch für Personen, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben in einem
Aufgabenbereich tätig sind (Art. 28a Abs. 3 IVG). Gemäss Art. 27bis IVV erfolgt in jenen
Fällen nur ein Einkommensvergleich, in denen anzunehmen ist, dass die
teilerwerbstätige Person ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre.
In ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und
gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den
Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen
Verhaltensweise der versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dabei
abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren
berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen ausschlaggebend sein.
Abzustellen sei auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie
sich bis zum massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V
150). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hält sich seit dem
Bundesgerichtsurteil vom 6. August 2007 (I 126/07) – entgegen seiner eigenen
Rechtsauffassung - an diese Methode, dies entgegen einer früheren Praxis, die auf
eine objektive Zumutbarkeit im fiktiven "Gesundheitsfall" abstellte (vgl. statt vieler das
Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. November 2008, IV
2007/332). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weist immer wieder
darauf hin, dass die entsprechenden Angaben in den Berichten über die
Haushaltabklärungen nur dann zu überzeugen vermögen, wenn sowohl die
Fragestellung als auch die Antwort protokolliert worden ist, wenn davon ausgegangen
werden kann, dass die befragte versicherte Person sich in die hypothetische Situation
ohne den Gesundheitsschaden hat versetzen können und wenn die Angaben
insgesamt plausibel sind. Im Abklärungsbericht vom 10. Januar 2008 findet sich nur ein
rudimentäres Protokoll dieses Teils der Befragung. Immerhin ist im letzten Teil des
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Berichts wiedergegeben worden, welche Gründe die Beschwerdeführerin für die
hypothetische Aufnahme einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit im "Gesundheitsfall"
angegeben hat, nämlich die Trennung vom langjährigen Lebenspartner und der
reduzierte Bedarf des invaliden Sohnes nach Hilfe. Allerdings hat die Abklärungsperson
es unterlassen, den Zeitpunkt dieser Veränderung zu ermitteln oder zumindest zu
protokollieren, obwohl eine Rentenzusprache rückwirkend in die Vergangenheit zur
Diskussion gestanden hat. Immerhin kann angesichts dieser plausiblen Gründe davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin sich tatsächlich ausreichend in die
hypothetische Situation ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung hat hineinversetzen
können. Die beiden angegebenen Umstände sprechen tatsächlich für die objektive
Möglichkeit der Beschwerdeführerin, im hypothetischen "Gesundheitsfall" einer
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Dass die Beschwerdeführerin
tatsächlich eine vollzeitliche Tätigkeit aufgenommen hätte, ergibt sich aus der
Tatsache, dass sie trotz des Gesundheitsschadens versucht hat, durch die Vermittlung
des RAV eine Vollzeitstelle zu finden. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin
Leistungen der Sozialhilfe bezieht. Unter diesen Umständen erweist sich die Annahme
einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit im hypothetischen "Gesundheitsfall" als die
plausibelste Variante. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin somit zu
Recht Im Hinblick auf die zu wählende Methode der Invaliditätsbemessung als
hypothetisch vollerwerbstätig qualifiziert. Die Invalidität der Beschwerdeführerin ist
deshalb anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin hat gemäss ihren eigenen Angaben den Beruf einer Erd-
und Minenbautechnikerin erlernt. Ob sie diesen Beruf je ausgeübt hat, ist nicht
bekannt. Das ist auch nicht relevant, denn nach ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr
1981 hat sie diesen Beruf jedenfalls nicht ausgeübt. Die bekannten Arbeitsstellen
waren solche für eine Hilfskraft. Das gilt auch für die letzte reguläre Tätigkeit, nämlich
diejenige für die C._ AG. Im Anmeldeformular hat sich die Beschwerdeführerin zwar
als Filialleiterin bezeichnet. Tatsächlich hat sie aber nur eine Ablage der C._ AG
geführt. Sie hat gemäss der Auflistung im Schlusszeugnis vom 31. März 2004 kein
Personal geführt und auch keine andere Aufgabe erfüllt, die über die Anforderungen an
eine Hilfsarbeit hinausgegangen wäre. Dementsprechend ist ihr auch nur ein Lohn für
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eine Hilfsarbeit ausgerichtet worden. Die Validenkarriere der Beschwerdeführerin ist
somit diejenige einer Hilfsarbeiterin. Die C._ AG hat der Beschwerdeführerin
gekündigt, weil es aufgrund einer Umstrukturierung keinen Arbeitsplatz für die
Beschwerdeführerin mehr gegeben hat. Dies schliesst es aus, die Validenkarriere an
dem bis 31. März 2004 innegehabten Arbeitsplatz auszurichten. Die Validenkarriere
muss vielmehr anhand eines fiktiven durchschnittlichen Arbeitsplatzes für eine
Hilfsarbeiterin mit den beruflichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Kenntnissen der
Beschwerdeführerin definiert werden. Da die Beschwerdeführerin in keiner Art und
Weise aus der Masse der Hilfsarbeiterinnen herausragt, ist das Valideneinkommen
anhand des Zentralwerts der Löhne von Hilfsarbeiterinnen aller Branchen gemäss der
Tabelle TA1 der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung
zu bemessen.
2.2 Die Beschwerdegegnerin hat auch die zumutbare Invalidenkarriere anhand der
letzten regulären Tätigkeit bei der C._ AG definiert, weil es sich dabei um eine
behinderungsadaptierte Tätigkeit gehandelt habe. Die Beschwerdeführerin hat dies
bestritten, weil zu schwere Gewichte hätten gehoben werden müssen, weil ungünstige
Körperhaltungen hätten eingenommen werden müssen usw. Die Frage, ob es sich um
eine behinderungsadaptierte Tätigkeit gehandelt habe, kann entgegen der Auffassung
der Parteien unbeantwortet bleiben, denn der Wegfall des entsprechenden
Arbeitsplatzes bei der C._ AG schliesst nicht nur die Ausrichtung der Validenkarriere,
sondern auch die Ausrichtung der zumutbaren Invalidenkarriere auf diesen Arbeitsplatz
aus. Massgebend ist deshalb ein fiktiver Arbeitsplatz, der allen Anforderungen seitens
der Gesundheitsbeeinträchtigung gerecht wird. Dr. med. E._ hat diese
Anforderungen in seinem Bericht vom 22. Juni 2007 folgendermassen beschrieben:
leichte wechselbelastende Tätigkeit mit Handhaben von Gewichten bis 10 kg mit
vorwiegend gehender und abwechslungsweise sitzender Körperposition ohne repetitive
Tätigkeiten, ohne Stereotypien, ohne Zwangspositionen und keine rein stehende
Tätigkeit. Die Beschwerdeführerin hat am 15. April 2008 eingewendet, ihr
Gesundheitszustand erlaube ihr kaum beschwerdefreie Bewegungen. Sie sei ständig
darauf konzentriert, sich nicht anzustrengen und keine falsche Bewegung auszuführen,
um einigermassen schmerzfrei und ohne Medikamente durch den Tag zu kommen. Das
Heben von Gewichten von 10 kg sei utopisch. Ob die Beschwerdeführerin nun
Gewichte bis 10 kg oder nur bis 5 kg heben kann, wie ihr Rechtsvertreter behauptet, ist
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irrelevant, denn der allgemeine und ausgeglichene Markt für Hilfsarbeiten bietet auch
adaptierte Arbeitsplätze, an denen nur allerleichteste Gewichte gehoben werden
müssen und an denen auch alle anderen krankheitsbedingten Einschränkungen der
Beschwerdeführerin keine Rolle spielen. Die Ausführungen in der Beschwerde richten
sich weitgehend nicht gegen die Umschreibung der behinderungsadaptierten Tätigkeit
im Bericht von Dr. med. E._, sondern gegen die Annahme der Beschwerdegegnerin,
bei der Tätigkeit für die C._ AG habe es sich um eine adaptierte Tätigkeit gehandelt.
Da sich die zumutbare Invalidenkarriere nicht nach dieser Tätigkeit richtet, kann die
Frage nach ihrer Geeignetheit aber unbeantwortet bleiben. Die Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) ist keineswegs jenes "Wundermittel" der
Abklärung, für welches sie der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu halten
scheint. Die Aussagekraft einer EFL hängt nämlich entscheidend davon ab, dass der
Explorand uneingeschränkt mitarbeitet. Tut er das nicht, vermag die EFL keine
überzeugende Arbeitsunfähigkeitsschätzung zu liefern. Erfahrungsgemäss versuchen
viele Exploranden, während der EFL ihre subjektive Krankheits- und
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu beweisen, was meist anhand von Inkonsistenzen
und Übertreibungen erkannt werden kann, aber eine überzeugende
Arbeitsunfähigkeitsschätzung ausschliesst. Aufgrund der Selbstdarstellung der
Beschwerdeführerin in der Stellungnahme vom 15. April 2008 zum Vorbescheid ist
davon auszugehen, dass auch die Beschwerdeführerin ihre Krankheitsüberzeugung
demonstriert und damit eine valable EFL verhindert hätte. Von einer EFL ist deshalb mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit kein weiterer Aufschluss über die Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin zu erwarten. Entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters
der Beschwerdeführerin kann erfahrungsgemäss auch ohne eine EFL eine
überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung erfolgen. Das Ergebnis einer klinischen und
bildgebenden Untersuchung reicht in aller Regel aus, um die verbliebene
Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person mit der nötigen Genauigkeit überwiegend
wahrscheinlich zu bestimmen. Das trifft grundsätzlich auch für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. E._ zu. Da es sich naturgemäss nur um eine
Schätzung handeln kann, ist es nicht möglich, den Arbeitsfähigkeitsgrad strikte
herzuleiten und zu belegen. Es ist aber immerhin möglich, den behinderungsbedingten
zusätzlichen Erholungsbedarf, die behinderungsbedingte Verlangsamung des
Arbeitstempos oder der vorzeitigen Ermüdung ausreichend genau einzuschätzen.
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Trotzdem liegt keine überzeugende Arbeitsunfähigkeitsschätzung vor. Im Bericht von
Dr. med. E._ vom 22. Juni 2007 fehlt nämlich eine Auseinandersetzung mit der Frage,
ob durch eine bessere schmerzbekämpfende Medikation die Arbeitsfähigkeit erhalten
werden könnte. Ebenfalls nicht geprüft hat Dr. med. E._ die Compliance der
Beschwerdeführerin. In der Stellungnahme vom 15. April 2008 zum Vorbescheid hat die
Beschwerdeführerin nämlich geltend gemacht, sie wolle möglichst ohne Medikamente
durch den Tag kommen. Das weckt den Verdacht, dass die Beschwerdeführerin das
verschriebene Schmerzmittel nicht oder nicht konsequent genug eingenommen hat
und dass dies bei der Untersuchung durch Dr. med. E._ zu einer Bewertung der
Schmerz- und damit der Arbeitsfähigkeitssituation geführt hat, die allzu pessimistisch
ausgefallen ist. Solange die Möglichkeit, die Schmerzen durch Medikamente
auszuschalten/zu lindern und die Arbeitsunfähigkeit damit zu senken, nicht
nachgewiesenermassen bis zur Zumutbarkeitsgrenze ausgeschöpft ist, liegt keine
Arbeitsfähigkeitsschätzung vor, die eine Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zulässt. Dies zwingt im vorliegenden Fall dazu, die Sache zur
weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Trotzdem sei noch
darauf hingewiesen, dass die Schätzung von Dr. med. B._ nicht zu überzeugen
vermag, da sie nicht nur auf die Gesundheitsbeeinträchtigung bezogen ist, sondern
auch den weiteren sozialen und ökonomischen Umständen Rechnung trägt, obwohl
diese als sogenannte "IV-fremde" Umstände ausser Betracht bleiben müssten.
3.
Die Invaliditätsbemessung setzt gemäss Art. 8 Abs. 1 i.V.m. Art. 16 ATSG voraus, dass
vorgängig alle in Frage kommenden zumutbaren Eingliederungsmassnahmen
durchgeführt worden sind. Daraus folgt, dass erst dann ein Invalidenrentenanspruch
entstehen kann, wenn die Eingliederungspflicht erfüllt ist. Es gilt der Grundsatz der
'Eingliederung vor Rente' (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., Vorbemerkungen N.
47). Die angefochtene Verfügung und auch die Akten der Beschwerdegegnerin
enthalten keinen Hinweis darauf, dass die Beschwerdegegnerin vor der
Rentenzusprache eine allfällige berufliche Eingliederungsmöglichkeit geprüft und
verneint hätte, um so dem Grundsatz der 'Eingliederung vor Rente' Rechnung zu
tragen. Grundsätzlich würde dieses Versäumnis allein schon die Rechtswidrigkeit der
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angefochtenen Verfügung bewirken. Da die angefochtene Verfügung bereits aus einem
anderen Grund aufzuheben ist, kann die Prüfung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten im Rahmen des Verwaltungsverfahrens, das die
Beschwerdegegnerin als Folge der Rückweisung eröffnen wird, nachgeholt werden. Die
Beschwerdegegnerin hat in der Beschwerdeantwort zu Recht daraus aufmerksam
gemacht, dass eine Umschulung in einen qualifizierten Beruf zur Überwindung der
durch eine allfällige Teilarbeitsunfähigkeit bewirkten Einkommenseinbusse allein schon
am Alter der Beschwerdeführerin scheitern würde, weil die verbleibende erwerbliche
Aktivitätsdauer zu kurz wäre. Eine Umschulung müsste also in einer kurzen Ausbildung
bestehen. Ob damit allerdings die Möglichkeit geschaffen würde, einen höheren Lohn
pro Arbeitszeiteinheit zu erreichen, um so die durch eine allfällige Arbeitsunfähigkeit
bewirkte Erwerbseinbusse in einem relevanten Ausmass kompensieren zu können, ist
zu bezweifeln. Trotzdem wird die Beschwerdegegnerin eine berufliche Eingliederung zu
prüfen haben, wobei die (fehlende) Motivation der Beschwerdeführerin nicht
ausschlaggebend sein kann, weil es sich um eine nach Art. 21 Abs. 4 ATSG
sanktionierbare Eingliederungspflicht handelt. Die Arbeitsvermittlung gemäss Art. 18
Abs. 1 IVG fällt nicht unter den Grundsatz der 'Eingliederung vor Rente' und damit auch
nicht unter die allgemeine Schadenminderungspflicht. Es handelt sich um einen reinen
Leistungsanspruch, denn die erfolgreiche Vermittlung einer adaptierten Arbeitsstelle
beeinflusst weder die Invalidenkarriere noch das zumutbare Invalideneinkommen, weil
es nur um die Überwindung der Arbeitslosigkeit und nicht um die Überwindung der
Invalidität geht. Deshalb bezieht sich die Arbeitsvermittlung auch nicht auf den
allgemeinen und ausgeglichenen, sondern auf den realen und aktuellen Arbeitsmarkt.
Der Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung hat nicht Gegenstand der angefochtenen
Verfügung gebildet und bildet deshalb auch nicht Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens. Er wird aber Gegenstand eines Verwaltungsverfahrens bilden,
das die Beschwerdegegnerin wird eröffnen müssen, wenn die Beschwerdeführerin auf
dem in der Beschwerde behaupteten Eingliederungswillen beharrt.
4.
Gemäss diesen Erwägungen ist die Verfügung vom 17. Juli 2008 aufzuheben und die
Sache ist zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Praxisgemäss ist dieser Verfahrensausgang in bezug auf die Kosten als
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vollumfängliches Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten. Die Beschwerdeführerin
hat deshalb einen Anspruch auf den vollumfänglichen Ersatz ihrer Vertretungskosten.
Diese bemessen sich gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses. Da es sich in bezug auf das zweitgenannte
Kriterium um einen deutlich unterdurchschnittlichen Fall handelt, rechtfertigt sich eine
Parteientschädigung von Fr. 2800.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer). Die
vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin hat für die amtlichen Kosten
aufzukommen. Diese bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1
IVG). Auch diesbezüglich erweist sich das Verfahren als unterdurchschnittlich. Die
Gerichtsgebühr ist deshalb auf Fr. 450.- festzusetzen. Der geleistete Vorschuss von Fr.
600.- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG