Decision ID: d341c5e2-8a10-453b-88c4-c375feb002fb
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene
X._
meldete sich
am 2
7.
Februar 2001 unter Hin
weis auf ein erblindetes Auge erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug beziehungsweise für berufliche Massnahmen an (
Urk.
6/5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und verneinte mit Verfügung vom
1.
März 2001 (
Urk.
6/32) den Anspruch auf berufliche Massnahmen.
Am 3
0.
Juli 2003
(Urk. 6/37)
meldete sich die Versicherte erneut unter Hinweis auf ihr blindes rechtes Auge zum Leistungsbezug an. Nach Einholung diverser medizinischer Unterlagen verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1.
März 2004
den Leis
tungsanspruch (
Urk.
6/46
)
und wies die dagegen erhobene Einsprache am 1
7.
Mai 2004 ab (
Urk.
6/56).
1.2
Am 1
0.
Oktober 2011 (
Urk.
6/62) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
ihr erblindetes rechtes Auge, eine Endokarditis sowie zwei Hirnschläge erneut zum Leistungsbezug an.
Die IV-Stelle holte daraufhin verschiedene Arztberichte ein und verfügte am 2
0.
Februar 2012 (
Urk.
6/78) nach durchgeführtem Vorbe
scheidverfahren, dass auf das neue Leistungsbegehren nicht eingetreten werde. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
9.
September 2013 (
Urk.
6/83, Verfahrensnummer IV.2012.00340)
ab
.
1.3
Am 2
3.
Oktober 2017 (
Urk.
6/86) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf starke Depressionen, eine 100%ige Sehbehinderung auf dem rechten Auge sowie eine mittelschwere bis schwere
Endokarditis
erneut zum Leistungsbezug an.
Die IV-Stelle tätigte wiederum medizinische Abklärungen und liess die Versicherte polydisziplinär begutachten (
interdisziplinäre
s
Gutachten des
Y._
)
vom 1
5.
Juli 2019;
Urk.
6/121). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/128 und
Urk.
6/138) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
5.
Mai 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
5.
Juni 2020 (
Urk.
1) Beschwerde und bean
tragte
insbesondere
, die Verfügung vom
5.
Mai 2020 sei aufzuheben, ihr sei mit Wirkung ab
1.
April 2018 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen und eventua
liter sei die Sache zwecks weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie bis zum Vorlie
gen des externen Gutachtens
der
Z._
die Sistierung des Verfahrens
. Schliesslich ersuchte sie um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und
um
die Bestellung
des Unterzeichnenden als
unentgeltlichen Rechtsvertret
er
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 18. August 2020 (Urk. 5) die Abweisung der
Beschwerde und des Sistierungsantrags.
Mit Verfügung vom 1. September 2020 (Urk. 8) wies das hiesige Gericht das Sistierungsgesuch und den Antrag um einen zweiten Schriftenwechsel der Beschwerdeführerin ab.
Mit Eingabe («Replik») vom 2
8.
September 2020 (
Urk.
9) hielt die Beschwerdeführerin an den gestellten Anträgen fest und reichte ein psychiatrisches Gutachten
der
Z._
vom 2
2.
Juli 2020 (
Urk.
10) ein.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 23. Oktober 2020 (
Urk.
12) auf eine entsprechende Stellungnahme.
Mit Beschluss vom 2
8.
April 2021 teilte das hiesige Gericht den Parteien mit, dass es aufgrund der medizinischen Aktenlage angezeigt
erscheine
, ein psychiatrisches Obergutachten einzuholen und bewilligte
der Beschwerdeführerin
die unent
geltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (
Urk.
14)
. Mit Beschluss vom 1
8.
Juni 2021 wurde ein Gutachten
bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
B._
,
C._
, angeordnet (
Urk.
17-
18), welches am
7.
März 2022 erstattet wurde (
Urk.
27).
M
it Verfügung vom 1
0.
März 2022
wurde das Gutachten
den Parteien zugestellt mit Möglichkeit zur Stellungnahme (
Urk.
28)
. D
ie Beschwerdeführerin
reichte
am 28.
März 2022 (
Urk.
30) und die Beschwerdegegnerin am 2
6.
April 2022 (
Urk.
31-32) eine Stellungnahme ein. Diese wurden den Parteien
je
mit Verfügung vom
28.
April 2022 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
34).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021
gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
4
Ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person (BGE 133 V 454 E. 7.1). Dazu gehört namentlich der Gesundheitszustand. Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unter
schiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 1
4.
Dezember 2016 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
D
as Hinzutreten einer neuen Diagnose stellt nicht per se einen Revisionsgrund dar, weil damit das quantitative Element der (erheblichen) Gesundheitsver
schlechterung nicht zwingend ausgewiesen ist (BGE 141 V 9 E. 5.2 mit Hinwei
sen). Massgebend ist einzig, ob bzw. in welchem Ausmass – unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie – den medizinischen Akten eine Verschlechterung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit im relevanten Zeitraum entnommen werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom
25. Januar 2018 E. 9 und 9C_799/2016 vom 2
1.
März 2017 E. 5.2.1 mit weiteren Hinweisen).
1.
5
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
5.
Mai 2020 (
Urk.
2) damit, dass aufgrund der medizinischen Abklä
rungen bei der Beschwerdeführerin keine Diagnosen beständen, welche ihre Arbeitsfähigkeit einschränken würden. Psychiatrisch liege mit dem Arztbericht der
D._
vom 1
8.
Dezember 2019 am ehesten eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts vor. Die im
Einwandverfahren
geltend gemachten Diagnosen seien allesamt im Gutachten berücksichtigt worden. Das Gutachten sei zudem
schlüssig und nachvollziehbar.
Mit
S
tellungnahme
vom 2
6.
April 2022
(
Urk.
31) äusserte sich die Beschwerde
gegnerin zum Gerichtsgutachten der
B._
vom
7.
März 202
2.
Dieses
sei
dem regional
en
ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme aus fachärztlicher Sicht vorgelegt
worden
. Dieser komme zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin von der Gutachterstelle nur unzureichend exploriert worden sei und keine eigentliche Persönlichkeitsbeurteilung vorgenommen worden sei.
D
ie unklare kognitive Ein
schränkung nach F07.8 hätte in einer polydisziplinären somatischen Begutach
tung eingeordnet werden müssen (S. 1). Zudem sei die festgestellte Symptomver
deutlichung nicht weiter kritisch
hinsichtlich der Indikatorenprüfung beurteilt worden.
Es könne demnach für die Leistungsbeurteilung nicht auf das Gutachten abgestellt werden. Es wurde beantragt, dass die Kosten für die ungenügende Expertise der Gerichtskasse aufzuerlegen seien (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
dass die involvierten Fachärzte zum Schluss gekommen seien, dass bei inzwi
schen ausgebrannter Sucht die zugrundeliegende Persönlichkeitsstörung nu
n
deutlicher zum Ausdruck komme. Deshalb komme, wenn überhaupt, lediglich eine Teilzeittätigkeit im geschützten Rahmen von 20 bis 40
%
in Frage (S. 6).
In der Vergangenheit sei das Leistun
g
sbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen worden, weil angeblich das Suchtgeschehen im Vordergrund gestanden sei und damals iv-rechtlich nicht relevant gewesen sei. Seinerzeit sei indes – anders als heute – kein zusätzliches psychisches Leiden aktenkundig gewesen, so dass die Beschwerdegegnerin auf die W
iederanmeldung vom 24.
Oktober 2017 zu Recht eingetreten sei (S. 7).
Vorliegend sei zu berücksichtigen, dass
die Beschwerdefüh
rerin
an einer Mehrzahl verschiedener gesundheitlicher Einschränkungen leide, welche bisher teilweise zu wenig beziehungsweise gar nicht berücksichtigt oder aber zumindest falsch eingeschätzt worden seien.
Dass die Gutachter ihre jewei
ligen Diagnosen für sich alleine jeweils als ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit erachtet hätten, bedeute nicht, dass sie insgesamt in ihrer Leistungs
fähigkeit aufgrund des Zusammenspiels einer Vielzahl von gesundheitlichen Beschwerden nicht entscheidend eingeschränkt sei (S. 12 f.).
Es fehle der angefochtenen Verfügung vom
5.
Mai 2020 an den erforderlichen aussagekräf
tigen medizinischen Unterlagen, mit welche
n
sich eine Abweisung begründen lasse. Der Sachverhalt sei bislang eindeutig zu wenig abgeklärt worden, um ohne Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes über den aktuellen Gesundheits
zustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und Eingliederungs
fähigkeit befinden zu können. Es würden klare Anhaltspunkte vorliegen, dass ihre gesundheitliche Beeinträchtigung bisher deutlich unterschätzt worden sei und dass sich ihre Gesundheit auch noch weiter verschlechtern dürfte, so dass sie Anspruch auf eine Invalidenrente habe. Die Beschwerdegegnerin habe also gege
benenfalls zusätzliche Abklärungen anzuordnen respektive Beurteilungen vorzu
nehmen und das noch ausstehende externe Gutachten der
Z._
sei zu berücksich
tigen (S. 14 f.).
Mit Eingabe vom 2
8.
September 2020 (
Urk.
9) machte die Beschwerdeführerin zudem geltend,
dass gemäss gutachterlicher Einschätzung (
Z._
) bei ihr aufgrund ihrer schwerwiegenden gesundheitlichen Einschränkungen für sämtliche beruf
liche Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt eine volle Arbeitsunfähigkeit
bestehe
. Allenfalls sei eine Anstellung von maximal 20
%
an einem geschützten Arbeitsplatz denkbar (S. 3 f.).
Das Gutachten der
Z._
überzeuge hinsichtlich der Herleitung der Diagnosen, der festgestellten Auswirkungen auf die Leistungs
fähigkeit, der fachärztlichen Begründung und der Schlussfolgerungen. Es würden mehr als bloss konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der bei der
Y._
eingeholten externen
Expertise bestehen. Die Schlussfolgerungen des
Y._
-Gutachtens würden durch das Gutachten der
Z._
vielmehr widerlegt werden. Gleichzeitig bestätige es im Ergebnis die verschiedenen in den IV-Akten enthal
tenen fachärztlichen Beurteilungen, welche ebenfalls von keiner Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt ausgegangen seien
(S. 5).
Im Rahmen der Stellungnahme vom 2
8.
März 2022 (
Urk.
30) führte die Beschwer
deführerin aus,
dass das Gerichtsgutachten der
B._
vom
7.
März 2022 beweis
kräftig sei. Es
bestätige
, dass das
Y._
-Gutachten demgegenüber offensichtlich ungenügend sei
;
es könne
daher
keine Berücksichtigung finden, weshalb es aus dem Recht zu weisen sei (S. 2). Die Auffassung der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung, wonach angeblich keine Diagnosen mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit beständen, erweise sich mit Blick auf die (beweis
kräftige) medizinische Aktenlage als unrichtig und sei durch das psychiatrische Gutachten der
B._
widerlegt worden. Der Gutachter komme zum Schluss, dass seit April 2017 keine Arbeitsfähigkeit auf dem gesamten, ausgeglichenen ersten Arbeitsmarkt bestehe. Somit sei im vorliegenden Fall auf die sorgfältig und korrekt durchgeführte, umfassende Beurteilung der
B._
abzustellen, weshalb rückwirkend ab
1.
April 2018 Anspruch auf eine ganze unbefristete Invaliden
rente bestehe (S. 3-4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist eine rentenrelevante Veränderung des Gesundheitszu
stands der Beschwerdeführerin bis zum Erlass der angefochtenen Verf
ügung vom 5. Mai 2020 (Urk. 2) und die daraus resultierende Arbeitsfähigkeit.
Vergleichs
basis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet
die rechtskräftige Verfügung vom
1.
März 2004
(
Urk.
6/46
)
, welche auf einer
materiellen Prüfung des Renten
anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung beruhte
(vgl. vorstehende E. 1.3)
.
3.
3.1
Im
interdisziplinären
Y._
-
Gutachten
(
Urk.
6/121) in den Fachdisziplinen allge
meine innere Medizin, Neurologie und Psychiatrie
wurden
keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
(S. 6)
.
Im p
sychiatrischen Teilgut
achten von
Dr.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom
2.
April 2019,
nannte dieser als psychiatrische Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine Polytoxikomanie
.
Zudem
liege seit November 2004 eine «Somatoforme autonome Funktionsstörung betreffend Herz und Kreislaufsystem (Herzneurose) ICD-10 45.30» vor
(S. 65).
Das Ausmass dieser Störung könne man aber kaum als «schwere Krankheit» bezeichnen im Sinne der Versicherungsmedi
zin (S. 66). Bei der primären, schweren Polytoxikomanie liege unter Abstraktion von
Alkohol- und Drogenwirkung keine andere dauerhafte Arbeitsunfähigkeit vor (S. 77). Es liege keine IV-relevante dauerhafte, auf einer Krankheit beruhende Arbeitsunfähigkeit vor (S. 70). In Beantwortung der Rückfragen der Beschwerde
gegnerin
(
Urk.
6/124)
führt
e
Dr.
E._
im B
ericht vom 11.
September 2019
(
Urk.
6/126)
aus, es bestehe keine Arbeitsunfähigkeit aufgrund des Suchtgesche
hens. Es beständen kaum von den Drogen hervorgerufene Symptome. Die Befunde in B
ezug
auf das Suchtgeschehen seien nicht mehr schwer ausgeprägt. Es
habe
klinisch keine erhebliche Drogenwirkung beobachtet werden
können
(S.
2).
3.2
A
m 2
2.
Juli 2020 (
Urk.
10)
wurde das von
der
Gemeinde F._
bei der
Z._
in Auftrag gegebene
fachpsychiatrische Gutachten
erstattet
.
Die Gutachter
stütz
t
en sich dabei auf die ihnen überlassenen Akten (S. 1),
die
Angaben d
er Beschwerdeführerin (S. 19 ff.
) und die während der Exploration vom 2
6.
Mai, 1
6.
Juni und
2.
Juli 2020 erhobenen Befunde (S. 32 ff.). Es wurden folgende Diagnosen gestellt: (S. 36)
-
F61 kombinierte Persönlichkeitsstörung mit asthenischen, ängstlich-vermei
denden und emotional-instabilen Anteilen
-
F19.7 Psychische und Verhaltensstörung durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer
psychotroper
Substanzen
: Restzustand, Residuale Störung von Affekt, Persönlichkeit und Verhalten
-
F11.2 Psychische und Verhaltensstörung durch Opioide: Abhängigkeits
syndrom unter aktueller Substitution mit 60mg Methadon/Tag
-
F12.2 Psychische und Verhaltensstörung durch Cannabinoide: Abhängigkeits
syndrom
-
F13.2 Psychische und Verhaltensstörung
en
durch Sedative oder Hypnotik
a
: Abhängigkeitssyndrom von Diazepam (Valium®)
-
F15.2 psychische und Verhaltensstörung
en
durch andere Stimulanzien, ein
schliesslich Koffein: Abhängigkeitssyndrom von Koffein, Aufnahme von circa 450 mg Koffein/Tag über Energy Drinks
-
F17.2 Psychische und Verhaltensstörung
en
durch Tabak: Abhängigkeitssyn
drom
Die Beschwerdeführerin sei emotional instabil mit einer deutlichen Impulskon
trollstörung, sowie enthemmten Anteilen. Dies erscheine massgeblich durch die bestehende kombinierte Persönlichkeitsstörung bedingt, anteilig liege aber auch eine Beeinträchtigung von Verhalten und Affekt durch schwere Substanzabhän
gigkeiten in der Vergangenheit vor (S. 45)
. Die Belastbarkeit und Funktionsfähig
keit der Explorandin
seien
durch die
kombinierte Persönlichkeitsstörung und den Restzustand einer schweren multiplen Substanzabhängigkeit deutlich herabge
setzt (S. 47). Die Beschwerdeführerin besitze deutlich ausgeprägte ängstlich-vermeidende, dependente und emotional-instabile Anteile. Sie zeige eine stark
herabgesetzte
Stress
r
esilienz
und häufig aggressiv-impulsives Verhalten. Zudem sei ihre Belastbarkeit aus multiplen Gründen deutlich herabgesetzt mit rascher Ermüdung, eingeschränkten kognitiven Kapazitäten un
d Konzentrationsschwie
rigkeiten. Es
erscheine maximal eine 20%ige Anstellung im geschütz
t
en Rahmen möglich
, wobei von einer deutlichen Leistungseinschränkung auszugehen sei
(S.
48).
Die Gutachter
attestierten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
auf dem ersten Arbeitsmarkt (S
.
47).
3.
3
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, FMH,
erstattet
e
am
7.
März 2022 ein monodisziplinäres psychiatrisches Gutachten im Auftrag des Gerichts (
Urk.
27)
. Er stützte sich dabei auf die ihm überlassenen Akten (S. 35 ff.), die Angaben der Beschwerdeführerin (S. 5 ff.) sowie die während der Exploration vom
7.
Dezember 2021 (S. 3) erhobene
n
Befunde (S. 12 ff.) und nannte die folgen
den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 18 ff.):
-
Spezifische Persönlichkeitsstörung ICD-10 F6
-
k
ombinierte Persönlichkeitsstörung ICD-10 F 61.0
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
Typus ICD-10 F60.31
-
Abhängigkeitserkrankung
-
Opiatabh
ä
ngigkeit ICD-10 F11.22
-
Langjähriger
regelmässiger Heroinkonsum vom 1
8.
Bis
2
9.
Lebens
jahr
-
aktuell unter Methadonsubstitution mit Beikonsum (
Diaphin
®
,
Heroin) peroral und nasal
-
Kokainabhängigkeit ICD-10 F14.20
-
Langjähriger Kokainkonsum vom 1
8.
b
is 3
3.
Lebensjahr
-
Abstinent seit 2004 nach bakterieller Herzklappenentzündung mit septischen Embolien
-
Can
n
abis
-
DD Abhängigkeit oder schädlicher Gebrauch ICD-10 F12.25/
F12.1
-
Benzodiazepinabhängigkeit
ICD-10 F13.22 (langjährig), aktuell medi
zinisch substituiert mit 75
mg
Diazepam/d. Bereits vor 2017 tägliche Einnahme von mindestens 40
mg.
-
Panikstörung ICD-10 F41.0 (Erstdiagnose 2017, erstes Auftreten 2014)
-
Unklare kognitive Einschränkungen ICD-10 F07.8 (=
Sonstige organische
Per
sönlichkeits
- und Verhaltensstörung aufgrund einer Schädigung des Gehirns)
-
DD im Rahmen der hochdosierten
Benzodiazepineinnahme
-
DD somatisch bedingt bei chronischer H
e
p
a
titis und/oder im Rahmen der 2004 dokumentierten Schädigung des Gehirns durch die 2004 nachgewiesenen akuten und subakuten Ischämien und der am 5.11.2004 neu nachgewiesenen 11
mm grossen
ab
s
zessbedingte
n
Läsion. Weitere mögliche transient ischämische Attacke 2020 (nicht abgeklärt).
Der Gutachter führte
aus, die Abhängigkeitserkrankung persistiere über das Jahr
2017 hinaus. Die Opiatabhängigkeit sei aktuell methadonsubstituiert. Es bestehe zudem ein
Heroinbeikonsum
. Bezüglich der Kokainabhängigkeit sei die Beschwerdeführerin abstinent.
Hinsichtlich
des Cannabis-Konsums liege mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Abhängigkeitserkrankung vor (S. 21).
Betreffend
die
Persönlichkeitsstörung
erwähnte der Gutachter
, dass sich die Entwicklung der
Abhängigkeitserkrankung und der Persönlichkeitsstörung überlappten.
Der Konsum von Cannabis habe in der frühen Pubertät begonnen, in der die Persön
lichkeitsentwicklung noch nicht abgeschlossen
gewesen
sei. Ein chronischer Substanzkonsum beeinflusse die Persönlichkeitsentwicklung relevant (S. 21).
Es würden charakteristische und dauerhafte innere Erfahrungs- und Verhaltens
muster vorliegen, die von der kulturell erwarteten Norm abweichen würden.
Die Abweichungen seie
n
in einem Ausmass ausgeprägt,
dass das resultierende Ver
halten in vielen Situationen unflexibel, unangepasst und unzweckmässig sei. Die Abweichung könne durch die Suchterkrankung alleine nicht erklärt werden. Die Diagnosekriterien für die spezifische Persönlichkeitsstörung seien erfüllt (S. 22).
Seit 2017 sei die Beschwerdeführerin in psychiatrischer Behandlung. Die Opiat- und
Benzodiazepinsubstitution
würden weitergeführt. Es finde eine stützende psychosozial-psychiatrische Behandlung statt (S. 24)
. Die Befunde der Persön
lichkeitsstörung seie
n
stark ausgeprägt. Es bestehe eine durchgängige Problema
tik mit der Impulskontrolle. Dies führe zusammen mit der Panikstörung zu einem zunehmenden sozialen Rückzug. Die Störung wirke sich stark auf die Fähigkeit aus, Beziehungen zu gestalten (S. 24). Zudem sei es durch die Suchterk
r
ankung zu körperlichen Schädigungen gekommen. In den testpsychologischen Zusatz
untersuchungen fänden sich Hinweise für kognitive B
eeinträchtigungen
. Die Parallelentwicklung der Suchterkrankung, der Anorexie und der Persönlichkeits
störung
hätten sich stark gegenseitig beeinflusst (S. 25).
Es liege sowohl beruflich wie auch privat ein deutlicher Rückzug vor. Das Leben sei durch das Vermeiden von belastenden und angstauslösenden Triggern
geprägt
. Aufgrund der Chroni
fizierung
des Störungsbildes
und der Interaktion der verschiedenen Diagnosen sei
die Beschwerdeführerin
auch nicht mehr in der Lage, gegen diese Krankheit anzukämpfen
(S. 26)
.
Der Gutachter kommt zum Schluss, dass seit April 2017 vor dem Hintergrund der chronifizierten langjährigen Suchterkrankung mit substituierter Opiatabhängig
keit und hochdosiert substituierter, schwerer Benzodiazepin-Abhängigkeit
sowie
vor dem Hintergrund einer langjährigen Persönlichkeitsstörung mit zunehmender Angstsymptomatik keine Arbeitsfähigkeit bestehe
(S. 27).
3.4
In
der
RAD-Stellungnahme von
Dr.
G._
, Facharzt P
sychiatrie
/ Psychothera
pie, vom 2
6.
April 2022 (
Urk.
32)
zum
Gutachten von Dr
.
A._
wurde im Wesentlichen ausgeführt
, dass die Panikattacken nicht objektiviert seien (S
.
1)
. Weiter sei die Begründung des Gutachters, weshalb
er
eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziere
, nur begrenzt nachvollziehbar
(S. 2). Betreffend Indikatoren
prüfung
erwähnt
Dr.
A._
, dass trotz durch den Gutachter festgestellten Inkonsistenzen dieser die Konsistenz als gut bezeichne und er keine kritische Beurteilung des G
esamtbildes
vorgenommen habe.
Es sei auch keine neurolo
gische oder neuropsychologische Testung durchgeführt worden.
Eine Begründung bezüglich der vom Gutachter postulierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit fehle
(S. 3)
.
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
4.
2
Nach den Richtlinien zur Beweiswürdigung weicht das Gericht praxisgemäss nicht ohne zwingende Gründe von Gerichtsgutachten ab (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 135 V 465 E. 4.4). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder,
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätz
liche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Ober
expertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
; Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2020 vom 3. November 2020 E. 4).
4.3
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden einge
treten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinrei
chende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung
in BGE 145 V 215
E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit
BGE 145 V 215
dahingehend, dass
–
fachärztlich einwandfrei diagnostizierten
–
Abhängigkeits
syndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Releva
nz abgesprochen werden kann (E.
5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E.
6).
Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängigkeits
syndrome (E. 6.2).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitserkrankungen
–
wie auch bei anderen psychischen Störungen
–
oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und sozio
kulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhän
gigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3).
4.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4
.
5
Vorliegend bestehen keine Gründe, von der Beurteilung im Gerichtsgutachten abzuweichen.
Das monodisziplinäre psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.3
;
Urk.
27
)
erfüllt die
rechtsprechungs
gemässen Anforderungen an den Beweiswert einer ärztlichen
Expertise (vgl. vorstehend E. 4
.
1
) vollumfäng
lich.
Es
ist in Kenntnis der Vorakten ergangen (S.
35
ff.),
setzt sich mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigung auseinander
(S. 8 ff.)
, berück
sichtigt die geklagten Beschwerden
(S. 5 ff.)
sowie sämtliche ärztliche
n
Unter
suchungsberichte
(S. 29 ff.)
. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge sowie in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält
als
nachvollziehbar begründete Schlussfolgerung
,
dass bei der Beschwerdeführerin seit April 2017 keine Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer behinderungsangepassten Tätigkeit besteht (S. 27).
Es kann demnach grundsätzlich darauf abgestellt werden.
4.6
Darüber hinaus hat sich der Gerichtsgutachter mit dem polydisziplinären
Y._
-Gutachten
, insbesondere dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr.
E._
(
Urk.
6/121)
,
auseinandergesetzt und ist schlüssig auf die Differenzen eingegan
gen (
Urk.
27 S. 29-31). So
führte er
aus, dass Dr.
E._
zur Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Suchterkrankung keine Stellung nahm.
Ferner beurteilte er d
ie Einordnung der Benzodiazepin-Einnahme
mit Hinweis auf die
damals vorhandenen Akten
als
falsch. Der dokumentierte Umstand einer hoch dosierten und regelmässigen Einnahme
werde
im Gutachten nicht gewürdigt und auch diagnostisch nicht korrekt gefasst (S. 29-30). Bei einem dauerhaften Benzodiazepin
-
Konsum von mindestens 40 mg pro Tag
könne
nicht, wie das von
Dr.
E._
in der Stellungnahme zur Beantwortung der Rückfragen der Beschwerdegegnerin erfolgte (
Urk.
6/126),
davon ausgegangen werden
,
dass keine von den Drogen hervorgerufene Symptome vorliegen würden (
Urk.
27 S.
30). Die Würdigung der Lebensereignisse und der frühen dysfunktionalen Muster mit emotionaler Vernachlässigung und frühem Cannabiskonsum in der Früh
pubertät
würden
einseitig auf eine primäre Suchterkrankung zurückgeführt und
differenzialdiagnostisch nicht differenziert als Folgeerkrankung einer Persönlich
keitsproblematik diskutiert (S. 31).
Der Gerichtsgutachter zeigte damit plausibel auf, dass d
adurch auch die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Frage gestellt werden
muss
(S. 30).
Auch
das von der
Wohngemeinde
eingeholte
p
sychiatrische Gutachten der
Z._
(
Urk.
10) wurde vom Gerichtsgutachter gewürdigt
. So
zeigte er auf, dass
die
Herleitung
der Diagnosekriterien der Persönlichkeitsstörung nachvollziehbar
ist
, der Längsschnittverlauft adäquat gewürdigt
wurde
und
auch
die Herleitung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar
ist
(
Urk.
27 S. 31-32).
4.7
Der G
erichtsg
utachter hat sich
sodann
–
wie nachfolgend
zu zeigen ist
–
mit seiner B
eurteilung
auch
an die
massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehal
ten und das Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin in Berücksichti
gung der einschlägigen Indikatoren (vgl.
vorstehend
E
.
4.3) eingeschätzt.
4.
7
.1
So wurde bezüglich
Komplex «Gesundheitsschädigung» respektive
«
Ausprägung der
d
iagnoserelevanten Befunde
»
erwähnt, dass die Befunde der Persönlich
keitsstörung stark ausgeprägt vorhanden sind. Es besteh
e
eine durchgängige Prob
le
ma
tik in der Impulskontrolle. Es
liessen
sich Hinweise für kognitive Beein
träch
tigung finden (
Urk.
27
S. 24-25).
De
r
Gutachter
legte für die diagnostische Einordnung der Persönlichkeitsstörung nachvollziehbar dar, dass bei der Beschwer
deführerin deutliche Anhaltspunkte für eine Symptomentwicklung auf der Persönlichkeitsebene bereits vor der Pubertät bestehen.
Er führte aus, dass
charakteristische und dauerhafte innere Erfahrungs- und Verhaltensmuster vor
lägen
, die von der kulturell erwarteten Norm abweichen
würden
.
Er zeigte auf, dass sich d
ie Beschwerdeführerin
häufig hilflos
fühlt
und
sie
ihre Emotionen nicht steuern
kann.
Der Gutachter beschrieb eine deutlich beeinträchtigte
Affektivität im Rahmen der Impulskontrolle. Auch in Beziehungen komm
e
es zu impulsiven Handlungen.
Der Gutachter zeigte damit, dass d
ie
Abweichungen
in einem Ausmass ausgeprägt
sind
, dass das resultierende Verhalten in vielen per
sönlichen und sozialen Situationen unflexibel, unangepasst und unzweckmässig ist. Die Abweichung ist stabil sowie von langer
Dauer
. Sie kann
nachvollziehbar
erweise
auch nicht durch die
Suchterkrankung alleine erklärt werden. Die Art und Weise der Selbstverletzung geh
e laut Gerichtsgutachter
über das Mass hinaus, wie es bei Suchterkrankungen ohne komorbide Persönlichkeitsstörungen gesehen wird.
Die Kriterien der Borderline-Störung
sah der Gutachter
aufgrund der Akten und Anamnese erfüllt (S.
21-
22). Anhand des Mini-ICF-Rating
s
für Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchtigungen
bei psychischen Erkrankungen (Mini-ICF-APP)
stellte der Gutachter
in diversen Bereiche schwere Einschränkungen fest (S.
27
28).
Bezüglich «Behandlungs- und Eingliederungserfolg –oder Resistenz»
sei
zu berücksichtigen, dass bis 1994 aus medizinischer Sicht die Therapie der Abhän
gigkeit im Vordergrund stand, wobei eine mehrmonatige stationäre Behandlung in der Psychiatrischen Klinik Rheinau stattfand (S. 25)
.
Die Beschwerdeführerin
sei
sei
t
ihrem frühen Erwachsenenalter
durchgehend mit Methadon opiatsubsti
tuiert (S. 12, 20). Seit 2017 besteh
e
eine kontinuierliche Behandlung in den inte
grierten Psychiatrischen Diensten Winterthur mit primär stützende
r
sozial-psychiatrischer Behandlung, die in zweiwöchentlichen Abständen in Anspruch genommen
werde
(S. 22, 24-25). Die Persönlichkeitsstörung
sei
als komorbid zur Sucht
erkrankung zu sehen (S. 22). So führt der Gutachter auch aus, dass die Parallelentwicklung der Suchterkrankung, der Anorexie und der Persönlichkeits
störung sich gegenseitig stark beeinflusst
hätten
(S. 25).
Der Krankheitsverlauf der Persönlichkeitsstörung
sei
chronifiziert. Die Beschwerdeführerin
sei
nicht mehr in der Lage, die aktuellen Muster mit ihrem Willen durchbrechen zu können (S. 29).
4.
7
.2
Hinsichtlich des Komplex
es
«Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persön
liche Ressourcen)
verweist
der Gutachter
in nachvollziehbarer Weise
auf die
Per
sönlichkeitsdiagnose und die Erhebungen
des
Mini-ICF APP, wonach bei der Beschwerdeführerin in den meisten Bereichen schwere Einschränkungen bestehen (S. 25, 27 f.)
.
4.
7
.3
Bezüglich
Komplex «soziale Kontext»
kann
de
m Gutachten entnommen werden, dass die aktuelle, nun drei Jahre dauernde Beziehung mit einem alkoholkranken Mann als stabilisierend erlebt wird. Zudem kann die Beschwerdeführerin trotz Platzierung des Sohnes nach dem 1
4.
Lebensjahr den Kontakt mit i
hm aufrecht
erhalten (S. 26). Neben ihrem Partner hat sie noch einen guten Freund (S. 10).
4.
7
.4
Betreffend die Kategorie «Konsistenz», ist festzuhalten, dass
vom Gutachter
hin
sichtlich
«gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen» schlüssig dargelegt
wurde
, dass sowohl beruflich wie auch privat ein deutlicher Rückzug vorliegt. Das Leben der Beschwerde
führerin ist durch das Vermeiden von belastenden und angstauslösenden Triggern
geprägt
. Die kognitiven Einschränkungen zeigen sich
laut Gutachter
in den privaten Kontexten (S. 26). Schaut man sich den Tagesablauf der Beschwerde
führerin an, so sind diese Ausführungen nachvollziehbar. Demnach verbringt sie den Tag bis 11:00 Uhr im Bett. Danach
sieht
sie
fern
(S.
11). Tagsüber dös
t
sie regelmässig (S. 16). Gänge ausser Haus kann sie nur mit hohen Benzodiazepin-Dosen bewältigen (S. 28). Sobald sie ausser Haus geht, hat sie massive Angstzu
stände und
kommt
in Panikattacken hinein (S. 7)
.
Auch der «behandlungs- und eingliederungsanamnetisch ausgewiesene Leidensdruck» wurde vom Gutachter bejaht. Die Angsts
t
örung, die
Persönlichkeitsstörung und die Suchterkrankung
würden
zu einem starken sozialen Rückzug
führen
, der mitbegründe, dass die Beschwerdeführerin konfrontative Behandlungen und
reintegrative
Massnahmen weitgehend vermeidet.
Aufgrund der Chronifizierung des Störungsbildes und der Interaktionen der verschiedenen Diagnosen
sei
die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Lage, gegen diese Krankheit anzukämpfen (S. 26).
4.
8
Die Vorbringen des RAD
(
Urk.
32)
mögen nichts an der Beweiskraft des
Gerichts
g
utachtens
zu ändern.
Die Herleitung der Diagnose der Persönlichkeitsstörung
und der
Panikstörung
wurde über mehrer
e
Seite
n
, auch unter Würdigung fremd
anamnetischer Angaben des behandelnden
Psychiaters
(
Urk.
27
S. 18), gestellt (S.
19-23)
.
Zur
Behauptung des RAD, wonach dazu das
«
strukturierte Interview SKID II
»
hätte durchgeführt werden müssen, ist zu
berücksichtigen
, dass den Gutach
tern bei der Wahl der Untersuchungsmethoden wie auch bei der Auswahl der vorzunehmenden fachärztlichen Abklärungen
ein weiter Ermessensspielraum zukommt (Urteil de
s Bundesgerichts 8C_136/2021 E.
6.1.2 mit Hinweise).
Wie der Gutachter ausführte, wurde auf das
klinische Interview verzichtet, da d
ie anam
netischen und fremdanamnetischen Angaben genüg
t
en, um die Diagnose zu stellen (S. 17).
Weiter wird vom RAD die Indikatorenprüfung des G
erichtsg
utachters gerügt
, da
der Gutachter
gewisse Symptomschilderungen als verdeutlich
t
beurteilt habe
, er
aber
dennoch die Konsistenz als gut beurteilt habe und somit keine kritische Würdigung erfolgt sei
(
Urk.
32 S. 3)
. Das trifft gemäss Aktenlage nicht zu. So kann dem G
erichtsguta
chten entnommen werden, dass
gewisse
Inkonsistenzen vorlagen. Es wurde von der Beschwerdeführerin der Beikonsum und der Umstand, dass
ihr
Sohn letztes Jahr zwei Monate bei ihr gewohnt habe, verschwiegen.
Dies
wurde vom Gutachter jedoch dahingehend gewürdigt, dass Erzählungen auch bei gesunden Menschen nicht frei von Inkonsistenzen sind, bei der Beschwerde
führerin kognitive Einschränkungen und eine langjährige Sozialisation in einem Mil
ieu vorliegen, die
im Kontext der illegalen Drogen dazu führt, gewisse Themen zu verschweigen (
Urk.
27
S. 26). Der Gutachter würdigt diese Inkonsistenzen schliess
lich
nachvollziehbar
als im Gesamtkontext
erklärbar und ohne Relevanz
. Auch wenn gewisse Symptomschilderungen
damit
verdeutlich
t
wirkten, so sind die Leistungseinschränkungen jedoch
im Einklang mit der gutachterlichen Ein
schätzung
rein leidensbedingt erklärbar.
Schliesslich ist auch der Einwand, wonach der Gutachter
trotz somatisch festge
stellten Abklärungsbedarf
s
auf solche Abklärungen
verzichtet habe
(Urk.
32)
, nicht zielführend. Es liegt auf der Hand, dass
sich
bei einer bereits aus
rein
psy
chiatrischer
Sicht vollständigen Arbeitsunfähigkeit
weitere medizinische Abklä
rungen aus somatischer Sicht erübrigen.
4.9
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Gerichtsgutachter
(
Urk.
27)
bei seiner Beurteilung
ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt
hat
, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und
seine
versicherungsmedizi
nische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage erfolgt
ist
.
Seine
Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE
141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Die von der Rechtsprechu
ng zu prüfende Frage, ob sich der
Gutachter an die massgebenden normativen Rahmen
bedin
gungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlä
gigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindi
katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachwei
sen
.
Gestützt auf das beweiskräftige Gutachten besteht bei der Beschwerdeführerin demnach seit April 2017 keine Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht erge
ben sich keine Gründe, zwischen der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin und einer leidensangepassten Tätigkeit zu unterscheiden
(
Urk.
27 S. 27
)
.
Dies stellt eine wesentliche gesundheitliche Verschlechterung gegenüber den Verhältnissen dar, wie sie sich gemäss
Verfügung
vom
1.
März 2004 (
Urk.
6/4
6
)
zeigten
.
Damals hatte einzig eine Problematik im Rahmen der
Politoxikomanie
bestanden (
Urk.
6/54).
Damit ist ein Revisionsgrund gegeben und der Rentenanspruch umfassend neu zu prüfen
(vgl. vorstehend E. 1.3
)
.
5.
Auf der Grundlage obiger Erkenntnisse sind die erwerblichen Auswirkungen zu prüfen.
Da bei der Beschwerdeführerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin als auch in einer leidens
angepassten Tätigkeit vorliegt, kann auf die Vornahme eines
detaillierten
Ein
kommensvergleichs verzichtet werden. Somit entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit von 100 %.
Sechs Monate nach der Neuanmeldung (
Art.
29
Abs.
1 IVG)
besteht daher bei der Beschwerdeführerin ab
1.
April 2018 bei einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
und einem Invaliditätsgrad von 100
%
Anspruch auf eine ganze Rente.
Das führt zur Gutheissung der Beschwerde.
6.
6.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Die Gerichtskosten
sind
auf
Fr.
10
00.-- fest
zusetzen
und entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin als unterliegende Partei auf
zuer
legen
.
6.2
In Bezug auf die Frage nach der Kostentragung des psychiatrischen Gerichtsgut
achtens von
Dr.
A._
vom 7
.
März 2022 (vgl. vorstehend E.
3.3
; Honorarnote
Urk.
33) in der Höhe von
Fr.
7'457.95
ist festzuhalten, dass die gerichtlichen Abklärungskosten der Verwaltung auferlegt werden können, wenn ein Zusam
menhang zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen, besteht (BGE 139 V 496 E.
4.4). Dies ist unter anderem der Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (B
GE 140 V 70 E. 6.1; BGE 139 V 469 E. 4.4 mit Hinweise
). Nach der Rechtsprechung holt die kantonale Beschwerdeinstanz in der Regel ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen medizinischen Sachverhalt für
gutachterlich
abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig
ist (BGE 137 V 210 E.
4.4.1.4).
Nach Einsicht in die Rechtsschriften der Parteien sowie die medizinischen Unter
lagen, insbesondere das psychiatrische Gutachten sowie die ergänzende Stellung
nahme von
Dr.
E._
, gelangte das hiesige Gericht mit Beschluss vom
2
8.
April
2021 (
Urk.
14
) zur Auffassung, dass ein psychiatrisches G
utachten einzuholen ist. Auch d
e
r Gerichtsgutachter
gelangte überzeugend zum Schluss, dass das Gutach
ten von
Dr.
E._
vom
2.
April 2019
sowie seine ergänzende Stellungnahme vom
11. September 2019 (vgl. vorstehend
e
E. 3.1
)
aus medizinischer Sicht
einige gravierende M
ängel aufweisen
(vgl. vorstehende E.
4.6
)
.
Darüber hinaus
wurde das Gutachten vor der Rechtsprechungsänderung betreffend Suchterkrankungen
(vgl. vorstehend
e
E.
4.3)
erstattet, weshalb sich keine Indikatorenprüfung mit Einbezug der funktionellen Auswirkungen der Suchterkrankung findet (vgl. etwa S. 68 des Gutachtens, wonach unter Abstraktion von Alkohol- oder Drogenwir
kung keine
andere dauerhafte Arbeitsunfähigkeit verursachende Krankheit vor
liege
) und eine solche auch gestützt auf
die nachträgliche Stellungnahm
e nicht möglich ist (vgl. vorstehende E. 4.6
). Deshalb kann
auf die darin gestellten Diag
nosen sowie die Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt wer
den
. Für die Beurteilung
des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin stellte das hiesige Gericht sodann auf das Gerichtsgutachten ab. Damit sind die rechtspre
chungsgemässen Anforderungen erfüllt, welche es rechtfertigen, der Beschwer
degegnerin die Kosten für das Gerichtsgutachten in der Höhe von insgesamt
Fr.
7'457.95
zu überbinden.
6.3
Nach
Art.
61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozes
ses bemessen.
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Prozessentschädigung ermessens
weise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Krite
rien hat die Beschwerdegegnerin
dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführe
rin eine Prozessentschädigung
in der Höhe von
Fr.
3'600.
-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.