Decision ID: 02845697-e3ac-4b71-8a07-624a824ba443
Year: 2020
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

A. Sachverhaltsübersicht
a. E._ AG
1. Am 5. November 2004 wurde die E._ Holding AG (nunmehr E._ AG) als Auf-
fanggesellschaft eines konkursiten Unternehmens gegründet.
Ende 2006 hatte die E._ AG die Gewinnzone noch nicht erreicht. Wegen Überschuldung
drohte die Benachrichtigung des Richters durch den Verwaltungsrat gemäss Art. 725 Abs. 2
OR, was aufgrund eines von F._ erklärten Rangrücktritts für ein Aktionärsdarlehen in der
Höhe von Fr. 4'900'000.− vermieden werden konnte. An der ausserordentlichen Generalver-
sammlung vom 18. Februar 2008 wurde beschlossen, das Aktienkapital von Fr. 500'000.− auf
Null herabzusetzen und anschliessend im ordentlichen Kapitalerhöhungsverfahren durch Ver-
rechnung im Umfang von Fr. 500'000.− 500 voll liberierte Namenaktien zu Fr. 1'000.− auszuge-
ben. Das Bundesgericht hob mit Urteil vom 13. Februar 2012 die Beschlüsse der Generalver-
sammlung vom 18. Februar 2008 bezüglich Kapitalherabsetzung und Wiedererhöhung rückwir-
kend auf.
2. Die E._ AG wies per 31. Dezember 2012 ein Eigenkapital von minus
Fr. 1'027'564.41 auf und war damit überschuldet.
Im Revisionsbericht vom 26. August 2013 für das Geschäftsjahr 2012 wurde darauf aufmerksam
gemacht, dass die E._ AG im Sinne von Art. 725 Abs. 2 OR überschuldet ist, zufolge
Rangrücktritts von Gläubigern der Gesellschaft im Betrag von Fr. 2'740'040.− der Verwaltungs-
rat von der Benachrichtigung des Richters abgesehen hat, und die Aktionärin D._ für
diverse Positionen eine Garantieerklärung bis zum 30. Juni 2014 abgegeben hat
(act. SD4.01.01.055 ff.).
Am 7. Oktober 2013 erfolgte die Einladung zur ordentlichen Generalversammlung der E._
AG vom 11. November 2013. Ein Traktandum beinhaltete eine Kapitalherabsetzung mit an-
schliessender Wiedererhöhung zwecks Sanierung (act. SD4 01.20.008 ff.).
Die Generalversammlung beschloss am 11. November 2013, das Aktienkapitel von
Fr. 500'000.− auf Null herabzusetzen und anschliessend im Rahmen einer ordentlichen Kapi-
talerhöhung durch Ausgabe von zehn neuen Namenaktien zu je Fr. 100'000.− auf neu
Fr. 1'000'000.− zu erhöhen. Zudem bestimmte sie, dass das neue Aktienkapital voll und entwe-
der in bar oder durch Verrechnung zu liberieren ist (act. AA 40.04.006 ff.).
A._ übte sein Bezugsrecht aus und liberierte das Aktienkapital für die gezeichnete Namen-
aktie von Fr. 100'000.− vollständig in bar. D._ übte ebenfalls ihre Bezugsrechte aus und
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht
zeichnete überdies eine Aktie, für die das Bezugsrecht nicht ausgeübt wurde. Das Aktienkapital
für die neun von ihr gezeichneten Namenaktien von total Fr. 900'000.− liberierte sie durch Teil-
verrechnung einer gegenüber der Gesellschaft bestehenden Darlehensforderung, die mit einem
Rangrücktritt versehen war (act. AA 40.04.011 f.; AA 40.04.020 ff.). Der Verwaltungsrat erstellte
den Kapitalerhöhungsbericht vom 20. Dezember 2013. Die Revisionsstelle prüfte diesen glei-
chentags und erkannte, dass dieser in Übereinstimmung mit Art. 652e OR vollständig und richtig
sei (act. AA 40.04.011 f.).
3. Am 30. Januar 2018 wurde über die E._ AG der Konkurs eröffnet und am 27. Sep-
tember 2019 wurde sie in Anwendung von Art. 159 Abs. 5 lit. a aHRegV von Amtes wegen
gelöscht.
b. Beteiligungsverhältnisse
Die Aktionärsverhältnisse (stimm- und kapitalmässige Beteiligungsquoten) gestalteten sich bei
der E._ AG vom 13. Februar 2012 bis zum Jahr 2018 wie folgt (act. AA 40.04.036 ff., SD4
01.01.115 ff.):
Aktionäre 13.02.2012–
18.08.2013
19.08.2013–
26.12.2013
27.12.2013–
01.10.2015
ab 02.10.2015
F._ 75 % 0 % 0 % 0 %
D._ 5 % 80 % 90 % 0 %
A._ 10 % 10 % 10 % 10 %
G._ Holding AG 0 % 0 % 0 % 90 %
sonstige 10 % 10 % 0 % 0 %
c. Aktienverkauf und Forderungszession von D._ an die G._ Holding AG
Mit Kaufvertrag vom 2. Oktober 2015 erwarb die G._ Holding AG von D._ neun Na-
menaktien der E._ AG für einen „symbolischen Franken“. Gleichzeitig trat D._ ihre
gegenüber der E._ AG bestehenden Aktionärsdarlehen im Umfang von Fr. 1'868'796.59
an die G._ Holding AG ab. Zudem vereinbarten die Parteien, dass das von D._ der
E._ AG in Höhe von Fr. 500'000.− gewährte Darlehen unter bestimmten Bedingungen in
jährlichen Tranchen von je maximal Fr. 100'000.− von der E._ AG respektive ihrer Rechts-
nachfolgerin zurückzuzahlen ist (act. AA 40.05.014 ff.; AA 20.30.470).
d. Mitgliedschaft im Verwaltungsrat von F._, C._ und B._
F._ war bei der E._ AG seit deren Gründung bis zum 30. August 2013 Verwaltungsrat.
Vom 15. Juni 2010 bis zum 29. Juni 2011 war F._ einziges Mitglied des Verwaltungsrats
der E._ AG. C._ war bei der E._ AG vom 30. Juni 2011 bis zum 6. November
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht
2015 Verwaltungsrat. B._ war ab dem 6. November 2015 bis zur Liquidation der Gesell-
schaft einziges Mitglied des Verwaltungsrats der E._ AG (act. AA 40.01.001 ff.).
B. Verfahrensgang
a. Am 7. Juni 2018 übernahm die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung
WK, das von der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis gegen B._ geführte Strafverfahren
wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten etc. (act. AA 90.01.008).
Am 8. November 2018 erstattete A._ bei der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft Straf-
anzeige gegen B._, C._ und D._ wegen Betrugs, Urkundenfälschung, ungetreuer
Geschäftsbesorgung und betrügerischem Konkurs. Daraufhin eröffnete die Staatsanwaltschaft
Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, am 20. November 2018 eine Strafuntersuchung gegen
„Verantwortliche der E._ AG“ wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung etc. (act. AA
98.01.001). Am 18. April 2019 dehnte sie die Strafuntersuchung auf B._ wegen ungetreuer
Geschäftsbesorgung etc. aus (act. AA 98.01.002).
Am 30. Oktober 2019 trennte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, das
Verfahren gegen B._ in Bezug auf die Vernachlässigung von Unterhaltspflichten, die mehr-
fache Drohung, die Beschimpfung und die Nötigung von den übrigen Verfahren gegen B._
ab (act. AA 98.01.003).
b. Mit Teileinstellungsverfügung vom 9. Januar 2020 bestimmte die Staatsanwaltschaft
Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, Folgendes:
„1. Die Strafverfahren gegen die Verantwortlichen der E._ AG wegen Betrug (Art. 146
Abs. 1 StGB), mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 StGB) und
Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) werden in Anwendung von Art. 319 Abs. 1
lit. a StPO eingestellt.
2. Die Strafverfahren gegen B._ wegen Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB), mehrfacher
ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 StGB), betrügerischem Konkurs
(Art. 163 Ziff. 1 StGB), ev. Misswirtschaft (Art. 165 Ziff. 1 StGB), Widerhandlung gegen
das BVG (Art. 76 Abs. 3 BVG) und mehrfacher Widerhandlung gegen das SVG (Art.
97 Abs. 1 lit. b SVG) werden in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO eingestellt.
3. A._ wird nur bezüglich der Verfahren wegen Betruges und Urkundenfälschung zu
dessen Nachteil gemäss den Ziffern 3.1 bis 3.9 der Einstellungsbegründung als Privat-
kläger zugelassen.
4. Die Zivilklage von A._ wird auf den Zivilweg verwiesen.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht
5. Die Beweisanträge der Privatklägerschaft (Einvernahme von Rechtsanwalt H._
als Auskunftsperson, nochmalige Einvernahme von L._ als Zeugin, Einvernahme
von I._ als Zeugin) werden in Anwendung von Art. 318 Abs. 2 StPO abgewiesen.
6. Die Kosten des Verfahrens gegen die Verantwortlichen der E._ AG in der Höhe
von CHF 9'112.20 gehen zu Lasten des Staates.
7. Die Kosten des Verfahrens gegen B._ für die eingestellten Verfahrensteile (Unter-
suchungskosten CHF 8'760.90 zzgl. Einstellungsverfügung CHF 750.00 = CHF
9'510.90) gehen im Umfang von CHF 5'706.55 zulasten des Staates und – gestützt auf
Art. 426 Abs. 2 StPO – im Umfang von CHF 3'804.35 zulasten von B._. Dem Be-
schuldigten wird gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO eine Entschädigung für Reisekos-
ten in Höhe von CHF 1'470.00 zugesprochen. Diese Entschädigung wird in Anwendung
von Art. 442 Abs. 4 StPO mit den ihm auferlegten Verfahrenskosten von CHF 3'804.35
verrechnet. lm Ergebnis hat B._ Verfahrenskosten von CHF 2'334.35 an den Kan-
ton Basel-Landschaft zu entrichten.
8. Der amtlichen Verteidigung, Advokat Dieter Roth, wird gemäss Art. 135 StPO eine Ent-
schädigung von CHF 3'513.80 zugesprochen.
9. B._ wird gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO verpflichtet, sobald es seine wirtschaft-
liche Situation erlaubt, dem Kanton Basel-Landschaft die für die amtliche Verteidigung
geleisteten Entschädigungen im Umfang von CHF 1'405.50 zurückzuzahlen und dem
Verteidiger die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Hono-
rar zu erstatten.
10. (...)
11. (...)“
c. Gegen diese Verfügung erhob A._ (fortan: Beschwerdeführer) am 16. Januar
2020 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, Beschwerde mit den Anträ-
gen:
1. Die Dispositiv-Ziffern 1, 3 und 5 der Teileinstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft
vom 9. Januar 2020 seien aufzuheben.
2. Die Staatsanwaltschaft sei anzuweisen, ein Strafverfahren gegen C._ und
D._ zu eröffnen sowie weitere Abklärungen vorzunehmen, um anschliessend eine
Anklage zu erheben oder eine erneute Einstellungsverfügung zu erlassen.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht
3. Der Beschwerdeführer sei nicht nur bezüglich der Verfahren wegen Betrugs und Ur-
kundenfälschung, sondern auch bezüglich ungetreuer Geschäftsbesorgung als Privat-
kläger zuzulassen.
4. Dem Beschwerdeführer sei bei Gutheissung der Beschwerde eine Parteientschädi-
gung zuzusprechen.
d. Mit Präsidialverfügung vom 21. Januar 2020 wurde die Staatsanwaltschaft Basel-Land-
schaft ersucht, dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht – unter Angabe der
jeweiligen vollständigen Personalien – bis zum 3. Februar 2020 mitzuteilen, wann und in wel-
chem Sachverhaltskomplex (WK1 2017 2._, WK1 17 3._, WK1 18 4._, WK1 18 5._,
WK1 18 6._, WK1 18 7._, WK1 18 8._, WK1 19 9._) sie konkret gegen welche Person
ein Strafverfahren wegen Betrugs (Art. 146 Abs. 1 StGB), mehrfacher ungetreuer Geschäftsbe-
sorgung (Art. 158 Ziff. 1 StGB) und Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) eröffnet und mit
Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung vom 9. Januar 2020 eingestellt hat.
e. Die Staatsanwaltschaft führte in ihrer Stellungnahme vom 3. Februar 2020 aus, mit
Verfügung vom 7. Juni 2018 habe sie das von der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis gegen
B._ eröffnete Strafverfahren wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten etc. über-
nommen. Mit Verfügung vom 18. April 2019 sei das Verfahren gegen B._ auf den Tatbe-
stand der ungetreuen Geschäftsbesorgung etc. formell ausgedehnt worden. Mit Verfügung vom
20. November 2018 sei gegen die Verantwortlichen der E._ AG ein Verfahren wegen un-
getreuer Geschäftsbesorgung etc. formell eröffnet worden. Da der Untersuchungsfokus auf
sämtliche in Frage kommenden Personen ausgeweitet worden sei, sei das Verfahren – nebst
B._ – gegen die Verantwortlichen der E._ AG und nicht nur gegen die in der Anzeige
namentlich genannten C._ und D._ eröffnet worden. Entsprechend sei die Teileinstel-
lung ausnahmsweise gegen die Verantwortlichen der E._ AG und B._ erfolgt. Auf-
grund der Komplexität des gesamten Verfahrens mit 19 Teilverfahren (davon 15 eingestellte)
und 13 Tatbeständen sei darauf verzichtet worden, sämtliche Verfahrenseröffnungen und -
ausdehnungen in formellen Verfügungen abzubilden. Die jeweiligen (faktischen) Verfahrenser-
öffnungen gingen jedoch aus den in Ziffer 3.1–3.15 der angefochtenen Verfügung vom 9. Januar
2020 dargestellten Teilsachverhalten eindeutig hervor. Die nicht eingestellten Teilverfahren
seien mittels Anklageerhebung gegen B._ abgeschlossen worden. Weiterhin anhängig sei
das Verfahren WK1 19 10._ gegen B._ wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten
etc., welches mit Verfügung vom 30. Oktober 2019 von den übrigen Verfahren abgetrennt wor-
den sei.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht
f. B._ begehrte mit Stellungnahme vom 17. Februar 2020 die kostenfällige Abweisung
der Beschwerde, soweit diese ihn betreffe, und im Falle des Unterliegens die Erteilung der amt-
lichen Verteidigung im Beschwerdeverfahren.
g. Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Stellungnahme vom 17. Februar 2020 die Abwei-
sung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
h. Mit Präsidialverfügung vom 19. Februar 2020 wurde festgestellt, dass C._ und
D._ keine Stellungnahme eingereicht haben.

Erwägungen
I. PROZESSUALES
A. Eintreten
1. Eine Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft kann bei der Dreierkammer des
Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, mit Beschwerde angefochten werden (Art. 322 Abs. 2
StPO, Art. 396 Abs. 1 StPO und § 15 Abs. 2 EG StPO). Die Beschwerde gegen schriftlich oder
mündlich eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwer-
deinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Die Person oder die Behörde, die das Rechts-
mittel ergreift, hat dabei genau anzugeben, welche Punkte des Entscheids sie anficht, welche
Gründe einen anderen Entscheid nahe legen und welche Beweismittel sie anruft (Art. 396 Abs.
1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 lit. b und lit. c StPO). In der schriftlichen Beschwerdebegründung hat sie
mittels eindeutiger Verweisungen auf die vorinstanzlichen Erwägungen schlüssig darzulegen,
weshalb sie den angefochtenen Entscheid als fehlerhaft erachtet und die Gründe zu nennen,
die einen anderen Entscheid nahe legen (GUIDON, Basler Kommentar, Strafprozessordnung, 2.
Aufl. 2014, Art. 396 N 9c; CALAME, Commentaire Romand, Code de procédure pénale suisse,
2. Aufl. 2019, Art. 385 N 21; BGer 6B_1273/2019 vom 11. März 2020 E. 2.4.3).
2.1 Zur Beschwerde legitimiert sind die Parteien, sofern sie ein rechtlich geschütztes Inte-
resse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Art. 382 Abs. 1
StPO). Partei ist namentlich die Privatklägerschaft (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Als Privatkläger-
schaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf-
oder Zivilklägerin zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Als geschädigte Person gilt die Person,
die durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO).
Unmittelbar verletzt und geschädigt im Sinne von Art. 115 StPO ist, wer Träger des durch die
verletzte Strafnorm geschützten oder zumindest mitgeschützten Rechtsgutes ist (BGE 143 IV
77 E. 2.2).
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht
Die beschwerdeführende Partei muss die Tatsachen darlegen, aus denen sich namentlich ihre
Beschwerdeberechtigung ergeben soll, sofern dies nicht offensichtlich ist (BGE 141 IV 289
E. 1.3; BGer 1B_324/2016 vom 12. September 2016, E. 3.1 in fine).
2.2 Der Beschwerdeführer hat sich bereits im Rahmen seiner Strafanzeige als Privatkläger
konstituiert. Im Folgenden bleibt somit zu untersuchen, ob und inwiefern der Beschwerdeführer
durch die von ihm zur Anzeige gebrachten Straftaten in eigenen Rechten unmittelbar verletzt
worden ist bzw. ob er diese Straftaten betreffend überhaupt als Geschädigter im Sinne von
Art. 115 Abs. 1 StPO gilt. Danach bestimmt sich das Vorliegen bzw. der Umfang seiner Legiti-
mation zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde.
2.2.1 Der Tatbestand des Betrugs schützt das Vermögen. (Unmittelbar) Geschädigter ist so-
mit derjenige, der durch den Betrug in seinem Vermögen geschädigt wird (vgl. MÄDER/ NIGGLI,
Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2018, Art. 146 N 11). Sollten sich vorliegend die vom
Beschwerdeführer erhobenen Betrugsvorwürfe als zutreffend erweisen, wäre er fraglos als un-
mittelbar geschädigt anzusehen. Damit kann ihm diesbezüglich die Eigenschaft als Geschädig-
ter im Sinne von Art. 115 Abs. 1 StPO zuerkannt werden.
2.2.2 Die Tatbestände des Urkundenstrafrechts schützen in erster Linie das besondere Ver-
trauen der Allgemeinheit in die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Rechtsverkehrs mit Urkunden
(BGE 140 IV 155 E. 3.3.3; 137 IV 167 E. 2.3.1; 132 IV 12 E. 8.1). Neben der Allgemeinheit
schützt der Tatbestand der Urkundenfälschung auch private Interessen des Einzelnen, soweit
sich das Fälschungsdelikt auf die Benachteiligung einer bestimmten Person richtet (BGE 140
IV 155 E. 3.3.3; 119 Ia 342 E. 2b). Sollte die behauptete Manipulation der Jahresrechnung 2013
zutreffen, wäre der Beschwerdeführer als Aktionär der E._ AG und damit Adressat dieser
Jahresrechnung unmittelbar in seinen Rechten berührt, weshalb ihm diesbezüglich die Stellung
eines Geschädigten zukommt.
2.2.3 Der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung schützt bei juristischen Personen
das Gesellschaftsvermögen. Nach der gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichts wird
bei Vermögensdelikten zum Nachteil des Gesellschaftsvermögens die juristische Person unmit-
telbar verletzt, während der Gesellschafter nur mittelbar betroffen ist und nicht als Geschädigter
nach Art. 115 Abs. 1 StPO gilt (BGE 141 IV 380 E. 2.3.3; 140 IV 155 E. 3.3.1). Demnach ist der
Beschwerdeführer als Aktionär der E._ AG durch die angezeigte ungetreue Geschäftsbe-
sorgung nicht unmittelbar berührt. Er kann sich folglich diesbezüglich nicht als Privatkläger kon-
stituieren und ist daher in diesem Punkt auch nicht zur Beschwerdeführung legitimiert.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht
2.3 Dem Gesagten zufolge kommt dem Beschwerdeführer bezüglich der Tatbestände des
Betrugs und der Urkundenfälschung Parteistellung zu. Insoweit geben die übrigen Beschwer-
devoraussetzungen keinen Anlass zu Bemerkungen und sind erfüllt. Auf die Beschwerde kann
folglich in dieser Hinsicht eingetreten werden. Betreffend den Tatbestand der ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung kommt dem Beschwerdeführer hingegen keine Parteistellung zu, weshalb in-
sofern auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
B. Keine Zulassung als Privatkläger betr. die ungetreue Geschäftsbesorgung
Wie bereits dargelegt, kann sich der Beschwerdeführer in Bezug auf die ungetreue Geschäfts-
besorgung nicht als Privatkläger konstituieren. Infolgedessen erweist sich der Antrag des Be-
schwerdeführers, er sei bezüglich ungetreuer Geschäftsbesorgung als Privatkläger zuzulassen,
als unbegründet und ist deshalb abzuweisen.
C. Formelles zum Rubrum und zum Dispositiv des Beschwerdeobjekts
1. In der Teileinstellungsverfügung vom 9. Januar 2020 werden im Rubrum unter dem
Randtitel „Beschuldigte Personen“ unter anderem „Verantwortliche der E._ AG“ aufgeführt.
Diese Bezeichnung entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben. Gemäss Art. 81 Abs. 2 lit. c
StPO muss die Einleitung einer verfahrenserledigenden Verfügung „eine genügende Bezeich-
nung der Parteien“ enthalten. Dies ist insbesondere mit Blick auf die Rechtskraftwirkung der
Einstellungsverfügung von Bedeutung. Die Parteien sind so zu bezeichnen, dass über ihre Iden-
tität kein Zweifel besteht. Die Parteien müssen daher namentlich unter Angabe ihrer vollständi-
gen Personalien genannt werden (vgl. STOHNER, Basler Kommentar, Strafprozessordnung,
a.a.O., Art. 81 N 5). Vorliegend ist nicht ersichtlich, welche namentlichen Personen unter dem
Begriff „Verantwortliche der E._ AG“ zu verstehen sind. Diese unklare Parteibezeichnung
genügt daher den Anforderungen von Art. 81 Abs. 2 lit. c StPO nicht.
2. Das Dispositiv ist ein zentrales Element einer Einstellungsverfügung. In ihm kommt das
Ergebnis der Anordnung zum Ausdruck, und es bestimmt allein den Umfang der Rechtskraft
des Entscheids (vgl. STOHNER, a.a.O., Art. 81 N 19). Das Dispositiv muss daher aus sich heraus
verständlich sein. Betrifft eine Anordnung im Dispositiv mehrere Personen, so ist diese so zu
formulieren, dass ohne Zweifel feststeht, wen diese betrifft. Somit ist die Verwendung der un-
klaren Bezeichnung „Verantwortliche der E._ AG“ im Dispositiv der in Frage stehenden
Teileinstellungsverfügung unzureichend.
3. Nachdem im vorliegenden Verfahren nunmehr alle betroffenen Personen namentlich ge-
nannt werden und, wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird, die angefochtene Dispositiv-Ziffer
1 der Teileinstellungsverfügung vom 9. Januar 2020, in welcher der Terminus „Verantwortliche
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht
der E._ AG“ verwendet wird, ohnehin aufzuheben ist, erübrigt sich eine entsprechende
Berichtigung dieser Verfügung.
II. EINSTELLUNG DES STRAFVERFAHRENS
A. Allgemeines
AA. Einstellungsvoraussetzungen
Gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfah-
rens, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt. Der Entscheid hat sich
nach dem Grundsatz „in dubio pro duriore“ zu richten. Danach darf eine Einstellung durch die
Staatsanwaltschaft grundsätzlich nur bei klarer Straflosigkeit angeordnet werden. Hingegen ist,
sofern die Erledigung mit einem Strafbefehl nicht in Frage kommt, Anklage zu erheben, wenn
eine Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch. Ist ein Freispruch genauso
wahrscheinlich wie eine Verurteilung, drängt sich in der Regel, insbesondere bei schweren De-
likten, eine Anklageerhebung auf. Bei zweifelhafter Beweis- oder Rechtslage hat nicht die
Staatsanwaltschaft über die Stichhaltigkeit des strafrechtlichen Vorwurfs zu entscheiden, son-
dern das zur materiellen Beurteilung zuständige Gericht. Der Grundsatz, dass im Zweifel nicht
eingestellt werden darf, ist auch bei der Überprüfung von Einstellungsverfügungen zu beachten
(BGE 143 IV 241 E. 2.2.1; 138 IV 186 E. 4.1; 138 IV 86 E. 4.1.1).
AB. Betrug
1.1 Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betrugs schuldig, wer in der Absicht, sich
oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unter-
drückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den
Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Ver-
mögen schädigt. Der Tatbestand des Betrugs zeichnet sich als „Beziehungsdelikt“ dadurch aus,
dass der Täter das Opfer durch motivierende, kommunikative Einwirkung dazu veranlasst, sich
selbst durch die Vornahme einer Vermögensverfügung zugunsten des Täters oder eines Dritten
zu schädigen. Angriffsmittel des Betrugs ist die arglistige, d.h. die mit einer gewissen Raffinesse
oder Durchtriebenheit vorgenommene Täuschung (BGE 135 IV 76 E. 5.1 f.; BGer 6B_150/2017
vom 11. Januar 2018 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 144 IV 52).
1.2 Das Erfordernis der Arglist ist erfüllt, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude errich-
tet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient. Einfache falsche Angaben gelten
als arglistig, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht
zumutbar ist, oder wenn der Täter das Opfer von der möglichen Überprüfung abhält oder er
nach den Umständen voraussieht, dass dieses die Überprüfung der Angaben aufgrund eines
besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. Die Täuschung ist nicht arglistig, wenn
das Täuschungsopfer den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte vermeiden
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht
können. Wie es sich damit verhält, beurteilt sich unter Berücksichtigung der jeweiligen Lage und
Schutzbedürftigkeit des Täuschungsopfers im Einzelfall. Dabei wird einerseits auf besonders
schutzbedürftige Opfer Rücksicht genommen und andererseits die allenfalls vorhandene beson-
dere Fachkenntnis und Geschäftserfahrung in Rechnung gestellt. Der Tatbestand erfordert in-
des in keinem Fall, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle
erdenklichen Vorkehren zu seinem Schutz trifft. Arglist scheidet nur aus, wenn das Opfer leicht-
fertig die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet, so dass das täuschende Ver-
halten des Täters in den Hintergrund tritt. Die zum Ausschluss der Strafbarkeit des Täuschen-
den führende Opferverantwortung wird von der Rechtsprechung nur in Ausnahmefällen ange-
nommen (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2; 135 IV 76 E. 5.2; 128 IV 18 E. 3a).
1.3 Der Tatbestand des Betrugs setzt eine irrtumsbedingte Vermögensverfügung des Ge-
täuschten voraus, wodurch dieser sich selbst bzw. das seiner tatsächlichen Verfügung unterlie-
gende Vermögen eines Dritten unmittelbar schädigt (BGE 128 IV 255 E. 2e/aa; 126 IV 113
E. 3a). Ein Vermögensschaden liegt vor, wenn das Vermögen des Täuschungsopfers nach Vor-
nahme der irrtumsbedingten Vermögensverfügung in seinem Gesamtwert – durch Verringerung
der Aktiven oder Vermehrung der Passiven – tatsächlich vermindert ist (BGE 134 IV 210 E. 5.3;
BGer 6B_480/2018 vom 13. September 2019 E. 1.1.2). Massgebend für den Zeitpunkt der
Schädigung – und die Vollendung des Betrugs – ist das Verpflichtungsgeschäft. Eine bloss vo-
rübergehende Schädigung genügt. Späterer Ersatz schliesst Betrug mithin nicht aus; selbst eine
vertragsgemässe Rückzahlung kann die schon beim Vertragsabschluss eingetretene Vermö-
gensverminderung nicht ungeschehen machen (BGE 123 IV 17 E. 3d; 122 II 422 E. 3b/aa; 120
IV 122 E. 6b/bb; 102 IV 84 E. 4; BGer 6B_150/2017 vom 11. Januar 2018 E. 3.3, nicht publ. in:
BGE 144 IV 52).
2. Der subjektive Tatbestand von Art. 146 Abs. 2 StGB verlangt Vorsatz und Handeln in
unrechtmässiger Bereicherungsabsicht. Der Vorsatz muss sich auf die Verwirklichung sämtli-
cher objektiver Tatbestandsmerkmale richten. Eventualvorsatz genügt (BGer 6B_341/2019 vom
21. Februar 2020 E. 1.3.2; 6B_777/2017 vom 8. Februar 2018 E. 2.6.1; 6B_1160/2014 vom
19. August 2015 E. 7.8.1).
AC. Urkundenfälschung
1.1 Den Tatbestand der Urkundenfälschung nach Art. 251 Ziff. 1 StGB erfüllt unter ande-
rem, wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder
sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen (Abs. 1), eine Urkunde
fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur
Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig
beurkundet oder beurkunden lässt (Abs. 2).
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht
1.2 Die Falschbeurkundung betrifft die Errichtung einer echten, aber unwahren Urkunde,
bei der der wirkliche und der in der Urkunde enthaltene Sachverhalt nicht übereinstimmen. Die
Falschbeurkundung erfordert eine qualifizierte schriftliche Lüge. Eine solche wird nur angenom-
men, wenn dem Schriftstück eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt und der Adressat ihm da-
her ein besonderes Vertrauen entgegenbringt (BGE 142 IV 119 E. 2.1; 138 IV 130 E. 2.1).
Die kaufmännische Buchführung und ihre Bestandteile (Belege, Bücher, Buchhaltungsauszüge
über Einzelkonten, Bilanzen oder Erfolgsrechnungen) sind kraft Gesetzes (Art. 957 ff. OR) be-
stimmt und geeignet, Tatsachen von rechtlich erheblicher Bedeutung zu beweisen. Eine falsche
Buchung erfüllt den Tatbestand der Falschbeurkundung, wenn sie ein falsches Gesamtbild der
Buchführung zeichnet und dabei Buchungsvorschriften und -grundsätze verletzt, die errichtet
worden sind, um die Wahrheit der Erklärung zu gewährleisten. Solche Grundsätze werden in
den gesetzlichen Bestimmungen über die ordnungsgemässe Rechnungslegung in Art. 958a ff.
OR (Art. 958 ff., 662a ff. aOR) aufgestellt, die den Inhalt bestimmter Schriftstücke näher festle-
gen (BGE 141 IV 369 E. 7.1).
2. Subjektiv wird hinsichtlich aller objektiven Tatbestandsmerkmale Vorsatz verlangt, wo-
bei Eventualvorsatz genügt (BGE 138 IV 130 E. 3.2.1). Zudem muss der Täter in der Absicht
handeln, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder einem
andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen (BGE 141 IV 369 E. 7.4; 138 IV 130
E. 3.2.4).
B. Die angefochtenen Punkte der Teileinstellungsverfügung vom 9. Januar 2020
BA. Sanierung der E._ AG
a. Standpunkt der Vorinstanz und des Beschwerdeführers
1. Die Staatsanwaltschaft erwog insbesondere, der Beschwerdeführer sei im Vorfeld sei-
ner Barliberierung von Fr. 100'000.− der neuen Aktien der E._ AG mehrfach darüber infor-
miert worden, dass die Kapitalerhöhung auch mittels Verrechnung erfolgen könne. Eine Täu-
schung oder Täuschungsabsicht könne in dieser Hinsicht folglich nicht vorgelegen haben. Aus-
serdem sei anlässlich der Generalversammlung vom 11. November 2013 auf Antrag des Ver-
waltungsrats beschlossen worden, die gesetzlichen Reserven von Fr. 1'500'000.− in freie Re-
serven umzuwandeln und anschliessend die freien Reserven mit dem Bilanzverlust zu verrech-
nen. Dieser Beschluss habe jedoch nicht umgesetzt werden können, da gemäss der Vorschrift
von Art. 671b OR die Umwandlung von Aufwertungsreserven in freie Reserven unzulässig sei.
Die Ungültigkeit des Beschlusses scheine aufgrund eines Versehens verkannt worden zu sein.
Im Übrigen sei trotz der unterbliebenen Umsetzung des genannten Beschlusses nach der
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht
Durchführung der übrigen Sanierungsmassnahmen bei der E._ AG weder eine Überschul-
dung noch ein hälftiger Kapitalverlust nach Art. 725 Abs. 1 OR vorhanden gewesen. Insgesamt
bestünden keinerlei Hinweise darauf, dass der Verwaltungsrat den unzulässigen Antrag auf
Umwandlung der gesetzlichen Reserven in freie Reserven und deren anschliessende Verrech-
nung mit dem Bilanzverlust vorsätzlich und in Täuschungsabsicht gestellt habe, um die Aktio-
näre zur Annahme der Sanierungsbeschlüsse – und insbesondere zur Kapitaleinzahlung – zu
motivieren. Es fehle somit an einer Täuschung, jedenfalls zumindest an einer Täuschungsab-
sicht. Folgerichtig habe kein Tatverdacht erhärtet werden können, weshalb das Verfahren in
Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO einzustellen sei.
2. Der Beschwerdeführer macht demgegenüber im Wesentlichen geltend, der Verwal-
tungsrat habe zwar erwähnt, dass bei der mit Einladung zur Generalversammlung der E._
AG vom 11. November 2013 vorgeschlagenen „Harmonikasanierung“ das Aktienkapital nach
Herabsetzung auf Null entweder durch Bareinlage oder durch Verrechnung wieder aufgestockt
werde. Er habe allerdings in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass die Darlehen von
D._, welche mit einer Rangrücktrittserklärung versehen gewesen seien, wirtschaftlich dem
Aktienkapital gleichgekommen und daher nicht verrechenbar gewesen seien. An der erwähnten
Generalversammlung sei nämlich der Eindruck erweckt worden, die Gesellschaft brauche neue
Geldmittel und werde nach der Sanierung über zusätzliches Kapital von Fr. 1'000'000.− verfü-
gen. Hätte er gewusst, dass D._ keinen Rappen in die Hand nehmen werde, sondern nur
ihre Darlehensforderungen durch Verrechnung um Fr. 900'000.− reduzieren werde, hätte er der
Sanierung nicht zugestimmt und die Fr. 100'000.− im Rahmen der Kapitalerhöhung nicht geleis-
tet. D._ bzw. ihrem Advokaten Dr. H._ oder dem Geschäftsführer C._ sei die
Pflicht zugekommen, ihn über die von D._ beabsichtigte Liberierung der neuen Aktien
durch Verrechnung zu orientieren. Die Staatsanwaltschaft hätte die entsprechenden Personen
befragen müssen, ob der Beschwerdeführer darüber informiert worden sei, dass D._ ledig-
lich eine Verrechnungsliberierung beabsichtigt habe. Nur wenn der Beweis erbracht wäre, dass
der Beschwerdeführer über diese Absicht klar im Bild gewesen sei oder hätte sein müssen,
könnte davon ausgegangen werden, dass keine Täuschung vorgelegen sei. Durch die angebli-
che Sanierung sei die Überschuldung der Gesellschaft nicht beseitigt worden. Dies sei wohl
auch Advokat Dr. H._ und dem Geschäftsführer C._ bewusst gewesen. Darum sei es
wohl Teil des Sanierungskonzepts gewesen, auch die gesetzlichen Reserven von
Fr. 1'500'000.− in freie Reserven umzuwandeln und anschliessend mit dem Bilanzverlust zu
verrechnen. Es treffe nicht zu, dass C._ und Dr. H._ erst nach der Generalversamm-
lung gemerkt hätten, dass dies gar nicht zulässig gewesen sei, denn der Beschwerdeführer
habe bereits an der Generalversammlung diesem Ansinnen widersprochen.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht
b. Würdigung
1.1 Bei der Kapitalherabsetzung vom 11. November 2013 wurden 500 Namenaktien zu
Fr. 1'000.− im Sinne von Art. 735 OR auf Null reduziert. Gleichzeitig wurden bei der ordentlichen
Kapitalerhöhung vom 20. Dezember 2013 auf neu Fr. 1'000'000.− zehn voll liberierte Namen-
aktien zu Fr. 100'000.− ausgegeben. D._ liberierte das Aktienkapital für die neun von ihr
gezeichneten Namenaktien von total Fr. 900'000.− durch Teilverrechnung einer gegenüber der
Gesellschaft bestehenden Darlehensforderung, die mit einem Rangrücktritt versehen war. Bei
einer Kapitalerhöhung zwecks Sanierung können mit einem Rangrücktritt behaftete Forderun-
gen zur Liberierung von Aktienkapital durch Verrechnung verwendet werden, da mit deren Ver-
rechnung der Substanzwert der Gesellschaft – durch Verminderung der Verbindlichkeiten der
Gesellschaft – erhöht wird (ZINDEL/ISLER, Basler Kommentar, Obligationenrecht II, 5. Aufl. 2016,
Art. 652c N 4a).
1.2
1.2.1 In der Einladung zur Generalversammlung der E._ AG vom 11. November 2013
beantragte C._ im Namen des Verwaltungsrats eine Erhöhung des Aktienkapitals um
Fr. 1'000'000.− in bar oder durch Verrechnung (act. SD4 01.20.008 ff.). Die Generalversamm-
lung der E._ AG stimmte in Anwesenheit des Beschwerdeführers der Kapitalerhöhung in
bar oder durch Verrechnung zu (act. SD4 01.20.011 ff.). Vorliegend wird weder konkret darge-
legt noch sind irgendwelche Anzeichen ersichtlich, dass anlässlich der Generalversammlung
der Eindruck erweckt worden sein könnte, dass die Gesellschaft nach der Durchführung der
Sanierung über zusätzliche Geldmittel im Umfang der Kapitalerhöhung verfügen wird. Schliess-
lich bestätigte der Beschwerdeführer in dem am 16. November 2013 von ihm unterschriebenen
Aktienzeichnungsschein, Kenntnis davon zu haben, dass gemäss dem Beschluss der General-
versammlung vom 11. November 2013 das neue Aktienkapital entweder in bar oder durch Ver-
rechnung zu liberieren ist (act. AA 40.04.022 f.). Unter diesen Umständen fehlen jegliche An-
haltspunkte für eine relevante Täuschung des Beschwerdeführers über die Möglichkeit der Ver-
rechnungsliberierung der neuen Aktien im Rahmen des Kapitalerhöhungsverfahrens bei der
E._ AG. Es ist somit nicht ersichtlich, dass dem Beschwerdeführer vorgetäuscht worden
ist, eine Liberierung der neuen Aktien durch Verrechnung sei ausgeschlossen.
1.2.2 Hätte der Beschwerdeführer tatsächlich infolge eines Irrtums angenommen, dass die
mit einem Rangrücktritt versehenen Darlehen von D._ wirtschaftlich Aktienkapital darstell-
ten und daher nicht für eine Liberierung durch Verrechnung verwendet werden könnten, müsste
zumindest eine Arglistigkeit des Vorgehens von C._ und D._ verneint werden. Es fehlt
diesbezüglich an qualifiziert falschen Angaben von C._ und D._, bedienten sie sich
doch weder besonderer Machenschaften noch errichteten sie ein ganzes Lügengebäude. Mit
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht
der Verrechnungsliberierung wurde lediglich ein in der Praxis gängiges Instrument bei Kapital-
erhöhungen zu Sanierungszwecken angewendet (CRAMER, Zürcher Kommentar, Obligationen-
recht, 2. Aufl. 2016, Art. 634a N 33). Der Beschwerdeführer hätte auf jeden Fall einen Irrtum
betreffend die Zulässigkeit der Verrechnungsliberierung mit einem gebotenen Mindestmass an
Aufmerksamkeit vermeiden können. Damit fehlt es am Merkmal der Arglist.
1.2.3 Anhaltspunkte, die auf einen Täuschungswillen von C._ und D._ bei der Ka-
pitalerhöhung betreffend die Zulässigkeit der Verrechnungsliberierung schliessen liessen, zeigt
der Beschwerdeführer weder auf noch sind solche ersichtlich.
1.3
1.3.1 Die Einladung zur Generalversammlung der E._ AG vom 11. November 2013 ent-
hielt weiter das Traktandum „Auflösung der gesetzlichen Reserven und Beschlussfassung über
die Verwendung des Bilanzgewinnes“. Der Verwaltungsrat beantragte damit die Auflösung der
gesetzlichen Reserven und deren Umbuchung in die freien Reserven; anschliessend waren die
freien Reserven vollständig mit dem Bilanzverlust zu verrechnen und der noch vorhandene Bi-
lanzverlust auf die neue Rechnung vorzutragen (act. SD4 01.020.009). Diesen Antrag geneh-
migte die Generalversammlung (act. AA 40.20.010). In einem Memorandum vom 29. Januar
2014 zuhanden des Verwaltungsrats der E._ AG hielt Advokat Dr. H._ fest, dass es
sich bei den gesetzlichen Reserven um Aufwertungsreserven handle, deren Umwandlung in
freie Reserven unzulässig und der Beschluss der Generalversammlung diesbezüglich folglich
nichtig sei (act. AA 40.04.027). Gemäss Art. 671b OR ist die Umwandlung der Aufwertungsre-
serven von Fr. 1'500'000.− in freie Reserven unzulässig und der Generalversammlungsbe-
schluss in diesem Punkt aufgrund von Art. 706b Ziff. 3 OR nichtig.
1.3.2 Sind bei der Ausgabe von Aktien in Emissionsprospekten oder ähnlichen Mitteilungen
unrichtige, irreführende oder den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechende Angaben
gemacht oder verbreitet worden, so haftet nach Art. 752 aOR jeder, der absichtlich oder fahr-
lässig dabei mitgewirkt hat, den Erwerbern der Titel für den dadurch verursachten Schaden. Es
fragt sich zwar, ob die Einladung zur Generalversammlung vom 11. November 2013, in der die
Umwandlung der gesetzlichen in freie Reserven als ein Mittel zur Beseitigung des Bilanzverlus-
tes dargestellt wurde, eine „ähnliche Mitteilung“ im Sinne dieser Bestimmung bildet, welcher der
Charakter einer Garantiefunktion zukommen könnte (vgl. BGE 120 IV 122). Vorliegend macht
der Beschwerdeführer jedoch in der Beschwerde selbst geltend, C._ und Advokat Dr.
H._ sei die Unzulässigkeit der Umwandlung der Aufwertungsreserven von Fr. 1'500'000.−
in freie Reserven nicht erst nach der Generalversammlung bekannt gewesen, da er bereits an
der Generalversammlung diesem Ansinnen widersprochen habe. Damit hatte der Beschwerde-
führer schon zum Zeitpunkt der Generalversammlung begründeten Anlass, die Durchführbarkeit
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht
der besagten Umwandlung von Reserven kritisch zu hinterfragen und sich mit einem Mindest-
mass an Aufmerksamkeit zu schützen. Unter diesen Umständen scheint das Kriterium der Arg-
list klarerweise nicht gegeben.
1.3.3 Ausserdem fehlt es in casu am Tatbestandsmerkmal des Schadens. Der Beschwerde-
führer wendete für die Liberierung einer neuen Namenaktie der E._ AG Fr. 100'000.− auf.
Obgleich die Umwandlung der Aufwertungsreserven in freie Reserven nicht durchgeführt wer-
den konnte, wurde die Namenaktie des Beschwerdeführers dadurch nicht in ihrem Wert herab-
gesetzt. Zum einen änderte das Unterbleiben der Umbuchung der Reserven nichts am Eigen-
kapital der Gesellschaft. Zum anderen konnte allein durch die übrigen Sanierungsmassnahmen
die Überschuldung sowie der hälftige Kapitalverlust nach Art. 725 Abs. 1 OR bei der E._
AG beseitigt werden und damit die Fortsetzung der Geschäftstätigkeit gewährleistet werden.
1.3.4 Im Weiteren bestehen keinerlei Hinweise darauf, dass der Verwaltungsrat den Antrag
auf Umwandlung der Aufwertungsreserven in freie Reserven vorsätzlich und in Täuschungsab-
sicht stellte, um die Aktionäre zur Annahme der Sanierungsbeschlüsse – und insbesondere zur
Kapitaleinzahlung – zu motivieren. C._ bekundete bei der Einvernahme vom 20. Juni 2019,
der Verwaltungsrat sei anlässlich der Generalversammlung vom 11. November 2013 noch von
der Zulässigkeit der Umbuchung der Aufwertungsreserve in freie Reserven ausgegangen
(act. AA 20.01.055). Objektive Anhaltspunkte, welche auf eine positive Kenntnis des Verwal-
tungsrats bereits im Zeitpunkt der Generalversammlung schliessen lassen würden, sind sodann
nicht ersichtlich. Weitere erfolgsversprechenden Abklärungen sind keine erkennbar. Demnach
fehlt es an jeglichen Hinweisen, dass C._ schon im Vorfeld der Kapitalerhöhung um die
Unzulässigkeit der Umbuchung der fraglichen Reserven wusste. Mithin gebricht es an einem
anklagegenügenden Verdacht auf ein vorsätzliches Handeln und eine Täuschungsabsicht bei
C._.
1.4 Dem Gesagten zufolge fehlt es im Zusammenhang mit der Sanierung der E._ AG
an einem für die Eröffnung einer Untersuchung gemäss Art. 324 Abs. 1 StPO notwendigen hin-
reichenden Verdacht für einen (versuchten) Betrug. Die Staatsanwaltschaft hat somit das Ver-
fahren in dieser Hinsicht in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO richtigerweise eingestellt.
Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.
BB. Bilanzmanipulation
a. Standpunkt der Vorinstanz und des Beschwerdeführers
1. Die Staatsanwaltschaft führte hauptsächlich aus, entgegen der Auffassung des Be-
schwerdeführers sei die Bilanz der E._ AG per 31. Dezember 2013 nicht manipuliert. An-
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht
lässlich der Generalversammlung vom 30. Juni 2014, an welcher der Beschwerdeführer anwe-
send gewesen sei, seien der Revisionsbericht vom 14. Februar 2014 sowie die (geprüfte) Jah-
resrechnung 2013 der Gesellschaft aufgelegen. Abweichungen zwischen dieser geprüften Jah-
resrechnung und der Saldobilanz seien nicht zu erkennen, zumal beide identische Eigenkapita-
lien (Fr. 1'231'781.87) und Jahresgewinne (Fr. 1'497'346.28) auswiesen. Somit habe der Tat-
verdacht der Urkundenfälschung nicht erhärtet werden können, weshalb das Verfahren in An-
wendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO einzustellen sei.
2. Der Beschwerdeführer entgegnet insbesondere, die Geschäftsleitung und der Verwal-
tungsrat der E._ AG seien im Einverständnis von D._ und ihrem Berater Advokat
Dr. H._ im Zusammenhang mit der angeblichen Sanierung nicht davor zurückgeschreckt,
die Bilanzen der E._ AG nach ihren Bedürfnissen zu manipulieren. In der ihm vorgelegten
Bilanz per 31. Dezember 2013 würden ein Umlaufvermögen von zirka Fr. 5'900'000.−, ein An-
lagevermögen von zirka Fr. 3'500'000.− und Aktiven von total zirka Fr. 9'500'000.− ausgewie-
sen. Erst nach dem Konkurs der E._ AG habe er aufgrund von Buchhaltungsunterlagen
entdeckt, dass sich die Vermögenslage der E._ AG für den genannten Stichtag ganz an-
ders präsentiert habe. Danach hätten nämlich das Umlaufvermögen Fr. 3'700'000.−, das Anla-
gevermögen Fr. 3'500'000.− und die Gesamtaktiven Fr. 7'200'000.− betragen. Wie die Staats-
anwaltschaft zum Schluss gelange, der Tatverdacht der Bilanzmanipulationen sei nicht gege-
ben, sei nicht ersichtlich.
b. Würdigung
1. Wie die Buchführung zu erfolgen hat, wird durch das Obligationenrecht geregelt. Ge-
mäss Art. 957 Abs. 1 aOR sollen mit der Buchführung die Vermögenslage des Geschäfts und
die mit dem Geschäftsbetrieb zusammenhängenden Schuld- und Forderungsverhältnisse sowie
die Betriebsergebnisse der einzelnen Geschäftsjahre festgestellt werden können. Dasselbe be-
stimmt Art. 662a Abs. 1 aOR für die Jahresrechnung bei der Aktiengesellschaft, die so aufge-
stellt werden muss, dass die Vermögens- und Ertragslage der Gesellschaft möglichst zuverläs-
sig beurteilt werden kann. Nach Art. 662a Abs. 2 Ziff. 6 aOR erfolgt die ordnungsmässige Rech-
nungslegung insbesondere nach dem Grundsatz der Unzulässigkeit der Verrechnung von Akti-
ven und Passiven sowie von Aufwand und Ertrag (sog. Saldierungsverbot). Weder Aufwand und
Ertrag noch Aktiven und Passiven dürfen miteinander verrechnet (Bruttoprinzip) und dann nur
der daraus resultierende Saldo links oder rechts in der Erfolgsrechnung bzw. der Bilanz einge-
tragen werden. Das Saldierungsverbot ist von grosser Strenge (BAUEN/BERNET, Schweizer Ak-
tiengesellschaft, Aktienrecht - Fusionsrecht - Börsenrecht - Steuerrecht, 2007, S. 126). Am
1. Januar 2013 sind die revidierten Bestimmungen über das Rechnungslegungsrecht mit einer
zweijährigen Übergangsfrist in Kraft getreten (Art. 2 Abs. 1 der Übergangsbestimmungen der
Änderung vom 23. Dezember 2011). Dass die E._ AG von der Möglichkeit auf vorzeitige
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht
Anwendung des neuen Rechts Gebrauch machte, ist nicht ersichtlich. Jedenfalls kann festge-
halten werden, dass auch nach neuem Recht die dargestellten Grundsätze des alten Rechts
ebenso zur Anwendung kommen würden (vgl. Art. 957a OR).
2.1 Gemäss dem Protokoll der Generalversammlung der E._ AG vom 30. Juni 2014
lag die Jahresrechnung 2013 („externe Jahresrechnung 2013“; act. SD4 01.01.062 f.) bei der
Gesellschaft auf. Von dieser Jahresrechnung hatte der Beschwerdeführer spätestens im Zeit-
punkt der genannten Generalversammlung Kenntnis. Erst nach dem Konkurs der E._ AG
entdeckte er in deren Buchhaltungsunterlagen die interne Version der Jahresrechnung 2013
(„interne Jahresrechnung 2013“, act. SD4 01.01.66 ff.). Die Bilanz der E._ AG präsentiert
sich nach diesen beiden Versionen der Jahresrechnung 2013 verkürzt wie folgt:
Externe Jahres-
rechnung
Interne Jahres-
rechnung
Aktiven 31.12.2013 31.12.2013
Fr. Fr.
Flüssige Mittel 894'881.25 -1'105'118.75
Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen
3'803'045.01 3'803'045.01
Kaution 5'500.00
Andere Forderungen 144.88 144.88
Vorauszahlungen an Lieferanten 455'000.00 455'000.00
Vorräte und angefangene Arbeiten 745'000.00 745'000.00
Vorauszahlungen
-185'184.90
Aktive Rechnungsabgrenzung 8'798.20 8'798.20
Umlaufvermögen 5'906'869.34 3'727'184.44
Sachanlagen 3'486'000.00 3'486'000.00
Finanzanlagen 5'500.00
Anlagevermögen 3'491'500.00 3'486'000.00
Total Aktiven 9'398'369.34 7'213'184.44
Passiven
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen
2'330'530.38 2'330'530.38
Andere Verbindlichkeiten 213'373.15 213'373.15
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht
Vorauszahlungen 185'184.90
Bankschulden 2'000'000.00
Grundpfandgesicherte Hypothekarschulden 1'480'000.00 1'480'000.00
Langfristige Darlehen Aktionär 411'446.00 411'446.00
Langfristige Darlehen Aktionär mit Rang-
rücktritt
812'475.59 812'475.59
Rückstellungen 100'000.00 100'000.00
Passive Rechnungsabgrenzung 633'577.45 633'577.45
Fremdkapital 8'166'587.47 5'981'402.57
Aktienkapital 1'000'000.00 1'000'000.00
Gesetzliche Reserven (Aufwertungsreser-
ven)
1'262'000.00 1'262'000.00
Bilanzverlust -1'030'218.13 -1'030'218.13
Eigenkapital 1'231'781.87 1'231'781.87
Total Passiven 9'398'369.34 7'213'184.44
2.2 Die Staatsanwaltschaft hält zutreffend fest, dass die externe und interne Version der
Jahresrechnung beide identische Eigenkapitalien und Jahresgewinne ausweisen. Die An-
nahme, dass deswegen der Verdacht einer Urkundenfälschung ausgeschlossen sei, greift je-
doch zu kurz. Eine Aktiengesellschaft muss nämlich in der Jahresrechnung nicht nur das Eigen-
kapital und den Jahresgewinn, sondern insbesondere auch die Aktiven und Passiven korrekt
ausweisen. Vorliegend ergibt sich indessen trotz unterschiedlicher Beträge der Aktiven und Pas-
siven kein hinreichender Verdacht auf Urkundenfälschung.
Der Unterschied zwischen der externen und der internen Version der Jahresrechnung gründet
darin, dass bei der Erstellung der externen Bilanz in Beachtung des Saldierungsverbots nach-
folgende Anpassungen vorgenommen wurden: Der Festkostenvorschuss bei der R._bank
wurde statt wie in der internen Bilanz unter den Aktiven mit Fr. -2'000'000.− in der externen
Bilanz zutreffend unter den Passiven mit Fr. 2'000'000.− ausgewiesen. Ebenso wurden Voraus-
zahlungen statt wie in der internen Bilanz unter den Aktiven mit Fr. - 185'184.90 in der externen
Bilanz korrekt unter den Passiven mit Fr. 185'184.90 aufgeführt. Zudem wurde eine Kaution bei
der Oberzolldirektion statt wie in der internen Bilanz unter dem Umlaufvermögen mit Fr. 5'500.−
in der externen Bilanz zutreffend unter dem Anlagevermögen mit dem gleichen Betrag ausge-
wiesen. Beim Erstellen der externen Bilanz wurden somit zwingende Änderungen vorgenom-
men und damit eine den massgebenden Buchführungsgrundsätzen entsprechende Bilanz er-
richtet. Demnach besteht kein relevanter Verdacht, dass die dem Beschwerdeführer vorgelegte
externe Jahresrechnung 2013 unrichtig war. Infolgedessen ist die Einstellung des Verfahrens
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht
durch die Staatsanwaltschaft in diesem Punkt in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO zu
schützen. Die Beschwerde ist somit insofern abzuweisen.
BC. Verbindlichkeiten gegenüber der E._ GmbH
a. Standpunkt der Vorinstanz und Beschwerdeführers
1. Die Staatsanwaltschaft erwog im Wesentlichen, D._ habe am 9. August 2013 eine
befristete Garantie für die der E._ AG gegen die deutsche E._ GmbH zustehenden
Forderungen abgegeben. Der Garantiefall sei in der Folge im Umfang von Fr. 381'872.69 ein-
getreten. Im Geschäftsjahr 2014 habe D._ der E._ AG zwei ungesicherte Darlehen in
Höhe von insgesamt Fr. 1'200'000.− gewährt. Da sich die E._ AG im Zeitpunkt der Gewäh-
rung dieser Darlehen in einer ernsthaften finanziellen Schieflage befunden habe, hätten diese
faktisch à fond perdu-Beiträge dargestellt. Es sei deshalb davon auszugehen, dass D._
dadurch ihre Verpflichtungen aus der Garantie erfüllt habe. Daher könne auch nicht gesagt wer-
den, dem Beschwerdeführer sei anlässlich der Kapitalerhöhung eine Garantie zur Absicherung
von Altlasten im Zusammenhang mit dem Konkurs der E._ GmbH lediglich vorgetäuscht
worden. Demzufolge lasse sich der Tatverdacht des Betrugs nicht erhärten, weshalb das Ver-
fahren in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO einzustellen sei.
2. Der Beschwerdeführer wendet dagegen unter anderem ein, anlässlich der Generalver-
sammlung vom 11. November 2013 sei ihm die Auskunft erteilt worden, dass keine Verbindlich-
keiten der E._ AG gegenüber der konkursiten E._ GmbH bestünden, und falls doch
solche zum Vorschein kommen sollten, entsprechende Garantieerklärungen von D._ vor-
lägen. Mit keiner Silbe sei indes erwähnt worden, dass diese Garantieerklärungen an Bedingun-
gen geknüpft und befristet gewesen seien. Die verantwortlichen Personen der E._ AG hät-
ten ihn getäuscht, weil letztlich noch Verbindlichkeiten gegenüber der deutschen E._
GmbH in Höhe von über EUR 300'000.− bezahlt worden seien. Auf jeden Fall könne zumindest
nicht zweifelsfrei davon ausgegangen werden, er sei nicht getäuscht worden. Entgegen der
Auffassung der Staatsanwaltschaft könne nicht angenommen werden, D._ sei ihren Ga-
rantieverpflichtungen indirekt durch Kapitaleinschüsse nachgekommen.
b. Würdigung
1. Am 9. August 2013 gab D._ im Zusammenhang mit dem Konkurs der E._
GmbH für bestimmte Positionen in der Jahresrechnung 2012 der E._ AG (Bürgschaft
J._, Darlehen an die E._ GmbH, Lieferantenverpflichtungen K._, Baugarantien,
Vorauszahlungsgarantien) eine befristete Garantieerklärung bis zum 30. Juni 2014 ab. Damit
sicherte D._ gegenüber der E._ AG zu, dass die Positionen werthaltig sind bzw. sie
für die Eventualverbindlichkeiten zum Eurogegenwert einstehen werde (act. AA 40.35.003,
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht
AA 40.72.003 f.). Im Revisionsbericht vom 26. August 2013 wurde auf diese befristete Garan-
tieerklärung ausdrücklich hingewiesen (act. AA 40.35.003). C._ erklärte anlässlich der Ge-
neralversammlung vom 11. November 2013, dass die E._ AG und die E._ GmbH
keine gemeinsamen geschäftlichen Aktivitäten gehabt hätten. Es bestünden jedoch noch Altlas-
ten, die auf die Personalunion von F._ in beiden Gesellschaften zurückzuführen seien.
Diese Positionen würden durch eine Garantieerklärung von D._ abgesichert (act. SD4
01.20.012). Am 21. Februar 2014 verlängerte D._ in Bezug auf die Bürgschaft J._,
Baugarantien und Vorauszahlungsgarantien ihre Garantieerklärung bis zum 30. Juni 2015
(act. AA 40.40.006). Bei der E._ AG wurden in der Jahresrechnung 2013 die Lieferanten-
verpflichtungen K._ in Höhe von Fr. 58'899.05 sowie das Darlehen an die E._ GmbH
in Höhe von Fr. 218'351.10 über den ausserordentlichen Aufwand 2013 ausgebucht. In der Jah-
resrechnung 2014 der genannten Gesellschaft wurde das Projekt J._ in Höhe von
Fr. 141'478.35 über den ausserordentlichen Aufwand 2014 ausgebucht (act. AA 40.72.010).
Aufgrund dieser erfolgswirksamen Belastungen in den Jahresrechnungen 2013 und 2014 folgt,
dass im Umfang von insgesamt Fr. 418'728.50 bzw. dem entsprechenden Eurogegenwert der
Garantiefall eingetreten ist.
2. Entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft erfüllte D._ ihre Verpflichtungen aus
der der E._ AG gewährten Garantien nicht. Mit den Garantieerklärungen vom 9. August
2013 bzw. 21. Februar 2014 verpflichtete sich D._, einen allfälligen Verlust der E._
AG im Zusammenhang mit den betreffenden, oben genannten Geschäften zu übernehmen. Ihre
aufgrund der eingetretenen Garantiefälle entstandenen Schuldverpflichtungen konnte D._
durch eine entsprechende Geldzahlung befreiend tilgen. Durch die von ihr der E._ AG ge-
währten Darlehen vom 18. Juni 2014 und vom 20. Oktober 2014 (act. AA 40.70.002 ff.) erlangte
D._ eine Forderung gegenüber der E._ AG auf Rückzahlung des Darlehens. Vorlie-
gend tut der Beschwerdeführer weder dar noch ist ersichtlich, dass D._ diese Forderung
mit der Gegenforderung der E._ AG im Zusammenhang mit den Garantien verrechnete.
D._ befriedigte folglich ihre Verpflichtungen aus den Garantieerklärungen nicht. Auch bei
einer wirtschaftlichen Betrachtung kann nicht davon ausgegangen werden, D._ sei mit den
Darlehen an die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende E._ AG ihren Verpflichtun-
gen aus den Garantieerklärungen nachgekommen. Ihre Ansprüche auf Rückzahlung der Darle-
hen waren zwar im Moment der Darlehensgewährungen herabgesetzt. Es bestand jedoch die
Möglichkeit, dass D._ bei einer günstigen Entwicklung bei der E._ AG dereinst die
Forderung auf Rückzahlung der Darlehen in vollem Umfang hätte erhältlich machen können.
Mit der Ausrichtung dieser Darlehen tilgte somit D._ (auch bei wirtschaftlichen Betrachtung)
offenkundig ihre Verpflichtungen aus den Garantieerklärungen nicht. Demzufolge erweist sich
die Annahme der Vorinstanz, wonach kein Verdacht auf pflichtwidrige Unterlassung der Inan-
spruchnahme der Garantieerklärungen von D._ gegeben sei, als nicht stichhaltig. Wegen
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht
der nicht ersichtlichen Erfüllung der Verpflichtungen aus den Garantieerklärungen besteht viel-
mehr der Verdacht, dass C._ und D._ dem Beschwerdeführer die besagte Garantie-
erklärung im Rahmen der Kapitalerhöhung bei der E._ AG im Jahr 2013 lediglich vorge-
täuscht haben könnten. Bei dieser Ausgangslage darf keine Einstellung erfolgen. Die Be-
schwerde ist folglich bezüglich des Tatvorwurfs des Verschweigens von (Eventual-)Verbindlich-
keiten und der pflichtwidrigen Nichtinanspruchnahme einer Garantieerklärung von D._ (Zif-
fer 3.5 der Erwägungen der Teileinstellungsverfügung vom 9. Januar 2020) gutzuheissen.
BD. Arbeitsverhältnis von D._
a. Standpunkt der Vorinstanz und des Beschwerdeführers
1. Die Staatsanwaltschaft führte zusammenfassend aus, gemäss dem Arbeitsvertrag vom
20. November 2013 sei D._ von der E._ AG per 1. Januar 2014 mit einem Jahreslohn
von Fr. 60'000.− als „Verwaltungsangestellte mit Aufsichts- und Kontrollaufgaben“ angestellt
worden. Ihre Aufgabe habe insbesondere sowohl die Teilnahme an Verwaltungsratssitzungen,
an Geschäftsleitungssitzungen sowie an Strategie- und Geschäftsleitungsmeetings als auch
den Besuch von Kunden umfasst. Auf den 1. Januar 2016 sei ihr Lohn auf Fr. 100'000.− pro
Jahr erhöht worden. Den Aussagen von C._, L._, M._ und B._ lasse sich
entnehmen, dass D._ – nebst administrativen Belangen – vor allem für die Kundenpflege
und -akquise sowie für die (für die E._ AG existenzielle) Pflege der Bankbeziehungen zu-
ständig und auch tätig gewesen sei. Überdies seien aufgrund des Verwaltungsratsprotokolls der
E._ AG vom 20. August 2014 Bemühungen von D._ bei der Kreditbeschaffung er-
sichtlich. Weiter lasse sich daraus entnehmen, dass D._ auch in der Abteilung „S._ “
tätig gewesen sei. Ferner sei die Lohnerhöhung per 1. Januar 2016 erst erfolgt, nachdem
D._ ihre Mehrheitsbeteiligung an der E._ AG an die G._ Holding AG verkauft
habe. Eine Einflussnahme von D._ als Mehrheitsaktionärin auf die E._ AG im Zusam-
menhang mit dieser Lohnerhöhung sei folglich ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund sei
davon auszugehen, dass D._ als Arbeitnehmerin eine angemessene Gegenleistung für
ihren Jahreslohn von Fr. 100'000.− erbracht habe. Schliesslich bestünden keine stichhaltigen
Hinweise dafür, dass die Lohnzahlungen an D._ im Jahr 2016 verdeckte Kaufpreiszahlun-
gen für den Aktienverkauf von D._ an die G._ Holding AG vom 2. Oktober 2015 dar-
stellen könnten. Nach alledem könne der Verdacht einer Scheinanstellung von D._ nicht
erhärtet werden. Eine Pflichtverletzung oder ein Schaden sei nicht zu erkennen oder zumindest
nicht nachweisbar, weshalb das Verfahren wegen Betrugs in Anwendung von Art. 319 Abs. 1
lit. a StPO einzustellen sei.
2. Der Beschwerdeführer macht demgegenüber unter anderem geltend, die Lohnzahlun-
gen der E._ AG an D._ stellten verdeckte Kapitalbezüge aus dem Vermögen der Ge-
sellschaft dar. Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass D._ tatsächlich bei der
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht
E._ AG Arbeitsleistungen erbracht habe, welche die Salärbezüge von Fr. 60'000.− bzw.
Fr. 100'000.− pro Jahr rechtfertigten. Sie stütze sich dabei aber lediglich auf Aussagen von in-
volvierten und betroffenen Personen, die alles Interesse daran hätten, den Eindruck zu erwe-
cken, dass es sich nicht lediglich um eine fiktive Anstellung gehandelt habe. Auch die Buchhal-
terin L._, welche zwar kein eigenes Interesse an der Sache habe, sei bemüht gewesen,
D._ so gut wie möglich in Schutz zu nehmen. Die Aussage von L._, dass D._ das
Protokoll für die Geschäftsleitung geführt habe, stimme aber nicht. Solche Protokolle lägen über-
haupt nicht vor und seien wohl gar nie erstellt worden. Die Tatsache, dass D._ ab und zu
oder vielleicht sogar regelmässig an Gesprächen mit Banken teilgenommen habe, könne so-
dann nicht als Arbeitstätigkeit zugunsten der Gesellschaft bezeichnet werden. Viel eher habe
D._ bei solchen Gesprächen ihre Eigeninteressen als Mehrheitsaktionärin wahrgenom-
men. Solche gelegentlichen Teilnahmen an Bankgesprächen als Arbeitstätigkeit zu bezeichnen,
sei verfehlt. Verantwortlich für derartige Bankgespräche sei ohnehin ganz klar der Geschäfts-
führer gewesen. Es sei offensichtlich, dass D._ lediglich fiktiv angestellt gewesen sei. Im
Übrigen dürfte es sich in Bezug auf die Zeit nach dem Verkauf der Mehrheitsbeteiligung von
D._ an B._ (recte: G._ Holding AG) für „einen symbolischen Franken“ um eine
indirekte Zahlung eines Kaufpreises gehandelt haben. Im Lichte all dessen seien zumindest
Zweifel an einer effektiven Arbeitstätigkeit von D._ bei der E._ AG angebracht, wes-
halb ein Gericht über diese Sache zu befinden habe.
b. Würdigung
1. D._ wurde mit Arbeitsvertrag vom 20. November 2013 von der E._ AG per
1. Januar 2014 mit einem Jahreslohn von Fr. 60'000.− als „Verwaltungsangestellte mit Auf-
sichts- und Kontrollaufgaben“ angestellt. Gemäss diesem Vertrag beinhaltete ihre Tätigkeit ins-
besondere sowohl die Teilnahme an Verwaltungsratssitzungen, an Geschäftsleitungssitzungen
sowie an Strategie- und Geschäftsleitungsmeetings als auch den Besuch von Kunden. Mit ei-
nem seitens der E._ AG von B._ unterzeichneten Nachtrag zum genannten Arbeits-
vertrag wurde ihr Lohn mit Wirkung ab dem 1. Januar 2016 auf Fr. 100'000.− pro Jahr erhöht
(act. AA 40.80.002 ff.).
2. Nachfolgend ist zu prüfen, ob ein Verdacht gegeben ist, dass die Entlöhnung von
D._ bei der E._ AG eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellen könnte und damit
allenfalls unzulässige Kapitalbezüge von D._ aus dem Vermögen der E._ AG vorlie-
gen.
2.1 Eine Vermögensdisposition, die als (verdeckte) Gewinnausschüttung (an den Verwal-
tungsrat beziehungsweise an den Alleinaktionär) zu qualifizieren ist, ist pflichtwidrig, wenn sie
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht
im Widerspruch zu zwingenden aktienrechtlichen Bestimmungen steht, die den Schutz des Ge-
sellschaftsvermögens bezwecken (BGE 141 IV 104 E. 3.2). Eine verdeckte Gewinnausschüt-
tung liegt gemäss Art. 678 Abs. 2 OR vor, wenn Leistungen der Gesellschaft an Aktionäre, Mit-
glieder des Verwaltungsrats oder diesen nahestehende Personen zur Gegenleistung und zur
wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft in einem offensichtlichen Missverhältnis stehen (VON DER
CRONE, Aktienrecht, 2014, § 9 N 38 ff.). Durch diesen recht strengen Massstab an die Annahme
einer verdeckten Gewinnausschüttung soll eine kleinliche Nachrechnerei verhindert und der
Entscheid von Einzelfällen im weiten Grenzfeld erleichtert werden (Botschaft, BBl 1983 II 897
Ziff. 326 zu Art. 678 E-OR). Das Missverhältnis zur Gegenleistung der Gesellschaft (wie auch
zu deren wirtschaftlichen Lage) muss offensichtlich sein. Das Missverhältnis ist offensichtlich,
wenn es jedermann, der gerecht und billig denkt und die konkreten Verhältnisse vernünftig be-
urteilt, in die Augen fällt, weil es einer vernünftigen wirtschaftlichen Begründung entbehrt. Durch
diese Voraussetzung wollte der Gesetzgeber sicherstellen, dass den Gesellschaften die Aus-
übung des geschäftsmässigen Ermessens überlassen bleibt (BGE 140 III 602 E. 8.2). Demnach
ist die Anwendung von Art. 678 Abs. 2 OR restriktiv zu handhaben.
2.2 Der Beschwerdeführer zieht zunächst die Glaubwürdigkeit von C._, M._ und
B._ in Zweifel, indem er geltend macht, die Vorinstanz habe auf Aussagen von involvierten
Personen abgestellt, die alles Interesse daran hätten, das Arbeitsverhältnis von D._ bei der
E._ AG als nicht fiktiv darzustellen. Der Beschwerdeführer verkennt dabei, dass der allge-
meinen Glaubwürdigkeit einer einvernommenen Person im Sinne einer dauerhaften personalen
Eigenschaft gegenüber der Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische
Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen
Angaben einem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen, für die Wahrheitsfindung nur
untergeordnete Bedeutung zukommt (vgl. BGE 133 I 33 E. 4.3). Massgebend ist somit vielmehr
die Glaubhaftigkeit der Aussagen. Der Beschwerdeführer legt jedoch keinerlei Gründe dar, wel-
che gegen die Glaubhaftigkeit der Depositionen der genannten Personen sprechen würden.
Überdies ist das Vorbringen des Beschwerdeführers, L._ habe wahrheitswidrig ausgesagt,
D._ habe bei der E._ AG das Protokoll für die Geschäftsleitung geführt, nicht geeignet,
die staatsanwaltschaftliche Erkenntnis in Frage zu stellen. Anlässlich der Einvernahme vom 16.
Juli 2019 nannte L._ als Grund für die Anstellung von D._ bei der E._ AG unter
anderem die Protokollführung. Ergänzend führte sie aus, D._ habe bei der E._ AG
das Protokoll für die Geschäftsleitung geführt (act. AA 20.01.075). Es trifft zwar zu, dass
D._ bei den Sitzungen der Geschäftsleitung nicht als Protokollführerin amtete (act. AA
40.22.014 ff.); sie führte jedoch bei den Verwaltungsratssitzungen der E._ AG das Protokoll
(act. AA 40.21.072 ff.). Allein diese kleinere Ungenauigkeit in ihren Angaben lässt die Depositi-
onen von L._ nicht als grundsätzlich unglaubhaft dastehen. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers kann auch nicht gesagt werden, L._ habe sich bemüht, D._ nicht
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht
zu belasten. Insgesamt sind keine Gründe ersichtlich, die grundsätzliche Zweifel an ihren Aus-
sagen aufkommen lassen würden. Vor dem Hintergrund des Dargestellten ist nicht zu bean-
standen, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund der Depositionen von C._, M._,
B._ und D._ davon ausging, dass D._ bei der E._ AG administrative Tätig-
keiten ausübte und schwergewichtig in der Kundenpflege und -akquise sowie der Pflege von
Bankbeziehungen tätig war. Ausserdem steht aufgrund der vorhandenen Akten fest, dass
D._ bei der E._ AG bei Verwaltungsratssitzungen das Protokoll führte und an Sitzun-
gen der Geschäftsleitung teilnahm. Weiter ist der Einwand des Beschwerdeführers zurückzu-
weisen, wonach die Bemühungen von D._ zur Kreditbeschaffung für die E._ AG keine
Arbeitstätigkeit dargestellt habe. Gewiss lag es auch im Interesse von D._ als Mehrheits-
aktionärin, dass die E._ AG von den Banken die nötigen Kredite erhielt. All die Bemühun-
gen und Tätigkeiten von D._ für die Erlangung von Bankkrediten stellen aber sehr wohl
relevante Arbeitsleistungen zugunsten der E._ AG dar. Ferner bleibt festzuhalten, dass
D._ auch in der Abteilung „S._“ tätig war (act. AA 40.21.070). Im Lichte des Ausge-
führten besteht kein Grund zur Annahme, dass die Entlöhnung von D._ nicht der von ihr
ausgeübten Tätigkeit und Position bei der E._ AG entsprochen hat. Es kann daher keine
Rede von einem offensichtlichen Missverhältnis zwischen ihrer Tätigkeit und ihrer Entlöhnung
die Rede sein. Ein Verdacht auf eine verdeckte Gewinnausschüttung an D._ lässt sich
somit nicht ausmachen.
2.3 Nachdem D._ ihre Mehrheitsbeteiligung an der E._ AG per 1. September
2015 verkauft hatte, war D._ bei der E._ AG keine nahestehende Person mehr. Eine
verdeckte Gewinnausschüttung fällt deshalb ab diesem Zeitpunkt ausser Betracht. Auch kann
die Entlöhnung von D._ nach dem genannten Verkauf ihrer Aktien nicht als verdeckte Kauf-
preiszahlung gewertet werden. Die G._ Holding AG erwarb zwar die Aktien von D._
an der E._ AG lediglich für einen symbolischen Franken. Die finanziellen Verhältnisse der
E._ AG waren jedoch nicht zum Besten bestellt. Vorliegend tut der Beschwerdeführer we-
der konkret dar noch ist ersichtlich, dass dieser Kaufpreis nicht marktkonform gewesen wäre.
Somit ist kein Grund erkennbar, dass die G._ Holding AG zusätzliche Kaufpreiszahlungen
an D._ in Form von Lohnausschüttungen erbracht haben könnte und die betreffende Ent-
löhnung als verdeckte Kaufpreiszahlung anzusehen wäre.
2.4 Aufgrund des Dargestellten deutet nichts auf ein strafbares Verhalten im Zusammen-
hang mit der Anstellung von D._ bei der E._ AG hin. Das Verfahren ist folglich in dieser
Hinsicht zu Recht eingestellt worden. Die Beschwerde ist in diesem Punkt daher abzuweisen.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht
BE. Private Nutzung des Jeep Grand Cherokee
a. Standpunkt der Vorinstanz und des Beschwerdeführers
1. Die Staatsanwaltschaft erwog im Wesentlichen, F._ sei nach dessen Ausscheiden
aus dem Verwaltungsrat der E._ AG per 30. August 2013 ein von der Letzteren geleaster
Jeep Grand Cherokee bis Ende 2014 zur Verfügung gestellt worden. Die von der Gesellschaft
im Geschäftsjahr 2014 mutmasslich bezahlten Fahrzeugkosten beliefen sich auf schätzungs-
weise Fr. 16'000.−. Der Buchhalterin L._ sei gemäss ihren Aussagen nicht bekannt, ob
F._ dieses Fahrzeug nach dessen Ausscheiden benutzt und ob er hierfür eine Gegenleis-
tung erbracht habe. Aufgrund der nicht vorhandenen Buchhaltung (Kontoblätter) 2014 lasse sich
auch nicht nachweisen, ob die Fahrzeugkosten tatsächlich aufwandmässig von der E._ AG
getragen worden seien. Selbst wenn dieses Fahrzeug auf Veranlassung von D._ gegen-
leistungslos an F._ zur Nutzung überlassen worden wäre, sei weder eine Schädigung noch
eine Schädigungs- oder Bereicherungsabsicht von D._ erkennbar, zumal diese kurz nach
dem Abschluss des genannten Abtretungsvertrags durch einen Forderungsverzicht von Fr.
1'027'564.− und die Gewährung von Darlehen von rund Fr. 1'200'000.− im Jahr 2014 faktisch à
fonds perdu-Beiträge in Millionenhöhe an die Gesellschaft geleistet habe. Somit habe sich kein
Tatverdacht erhärtet, weshalb das Verfahren in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO ein-
zustellen sei.
2. Der Beschwerdeführer wendet dagegen zusammengefasst ein, D._ habe am
19. August 2013 im Rahmen ihrer Scheidung von F._ vertraglich dem Letzteren das Fir-
menfahrzeug Jeep Grand Cherokee überlassen. Nachdem D._ keinerlei formelle Funktion
bei der E._AG gehabt habe und der „Anstellungsvertrag“ mit Arbeitsbeginn erst per 1. Ja-
nuar 2014 geschlossen worden sei, sei D._ jedenfalls nicht berechtigt gewesen, am 19.
August 2013 über das Firmenvermögen der E._ AG zu verfügen. Obwohl der Vertrag in
Bezug auf die Überlassung dieses Fahrzeugs an F._ somit offenkundig unverbindlich ge-
wesen sei, habe sie dafür gesorgt, dass die von ihr gegenüber ihrem Ex-Ehemann zugesagten
Leistungen von der Gesellschaft auch vollzogen worden seien. Dies zeige, dass D._ die
Firma offensichtlich als ihr Eigentum betrachtet habe und dies vom Geschäftsführer auch so
respektiert worden sei. Demnach erweise sich die Annahme der Staatsanwaltschaft, die
E._AG sei durch die Überlassung des Jeep Grand Cherokee nicht geschädigt worden und
es sei keine Bereicherungsabsicht von D._ ersichtlich, als unzutreffend. Denn die E._
AG sei geschädigt worden, indem D._ Verpflichtungen gegenüber ihrem Ex-Ehemann im
Zusammenhang mit ihrer Scheidung mit Leistungen seitens der E._ AG erfüllt habe. Weil
D._ ihre Verpflichtungen nicht aus ihrem eigenen Vermögen erbracht habe, sei sie auch
bereichert worden. Es seien mindestens entsprechende Zweifel vorhanden, weshalb ein Gericht
über diesen Vorgang zu entscheiden habe.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht
b. Würdigung
Im Rahmen der Regelung der Scheidungsfolgen vereinbarten F._ und D._ mit Abtre-
tungsvereinbarung vom 19. August 2013, dass F._ seine 375 Aktien der E._ AG an
D._ überträgt und aus dem Verwaltungsrat der Gesellschaft austritt. Zudem wurde in dieser
Übereinkunft bestimmt, dass F._ das von der E._ AG geleaste Auto (Jeep Grand
Cherokee, Kontrollschild BL 1._) bis Ende 2014 zur Verfügung gestellt wird, und die Ge-
sellschaft die Leasingkosten, die Versicherungen sowie die Motorfahrzeugsteuer bezahlt
(act. SD4 01.01.115 f.). In der Folge trat F._ am 30. August 2013 als Verwaltungsrat der
E._ AG zurück. Aus den Saldobilanzen 2013 und 2014 ist sodann ersichtlich, dass die
E._ AG beachtliche Leasingkosten für Fahrzeuge bezahlte (act. AA 40.42.009, AA
40.47.04). Die Buchhalterin L._ gab zudem in der Einvernahme vom 16. Juli 2019 zu Pro-
tokoll, dass die E._ AG die Leasinggebühren für den Jeep Grand Cherokee für den Zeit-
raum vom August 2012 bis Januar 2015 beglich (act. AA 20.01.085 f.). Demzufolge scheint die
E._ AG erhebliche Aufwendungen für diesen Jeep Grand Cherokee in der fraglichen Zeit
getätigt zu haben. Aus den Saldobilanzen 2013 und 2014 ergeben sich keine Hinweise darauf,
dass die E._ AG für die Nutzung des Jeep Grand Cherokee durch F._ entschädigt
worden wäre (act. AA 40.42.006, AA 40.47.003). Überdies ist zu beachten, dass aufgrund von
Art. 962 Abs. 1 aOR bzw. Art. 958f Abs. 1 OR Buchungsbelege während zehn Jahren aufbe-
wahrt werden müssen. Sollte F._ tatsächlich der E._ AG eine finanzielle Gegenleis-
tung für die Nutzung des Jeep Grand Cherokee bezahlt haben, müssten sich entsprechende
Buchungsbelege auffinden lassen. Sofern die E._ AG ihre Unterlagen nur unvollständig
aufbewahrt hat, könnte die Staatsanwaltschaft bei den zuständigen Banken die betreffenden
Kontoauszüge edieren lassen. Ferner könnte auch F._ selbst zu dieser Sache befragt wer-
den. Lassen sich keine stichhaltigen Beweismittel für das Erbringen einer Gegenleistung für die
Nutzung des Jeep Grand Cherokee an die E._ AG finden, würde dies zumindest einen
hinreichenden Tatverdacht dafür begründen, dass F._ das Fahrzeug nutzte, ohne dass die
E._ AG hierfür entschädigt wurde. Weil D._ die Nutzung dieses Fahrzeugs durch
F._ offenkundig durch die genannte Abtretungsvereinbarung und ihre Stellung als Mehr-
heitsaktionärin bei der E._ AG veranlasste, müsste weiter davon ausgegangen werden,
dass sie aus dem Vermögen der E._ AG eine verdeckte Gewinnausschüttung an F._
bewirkte. Selbstredend müsste folglich bei D._ auch eine Schädigungs- und Bereiche-
rungsabsicht geprüft werden. Daran vermag entgegen der Auffassung der Vorinstanz nichts
daran zu ändern, dass D._ am 11. November 2013 auf eine Forderung gegen die E._
AG in Höhe von Fr. 1'027'564.− verzichtete (act. AA 40.20.010, AA 40.40.005) sowie dass
D._ der E._ AG am 18. Juni 2014 ein Darlehen von EUR 150'000.− und am 20. Okto-
ber 2014 ein solches von Fr. 1'000'000.− gewährte (act. AA 40.70.002; AA 40.70.003 f.).
D._ verrechnete nämlich die Forderung gegen die E._ AG auf Rückzahlung des Dar-
lehens nicht mit der Gegenforderung der E._ AG wegen der Nutzung des Jeep Grand
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht
Cherokee. Damit befriedigte sie die E._ AG nicht für den Gebrauch dieser Fahrzeuge durch
F._. Unter Würdigung der gesamten Umstände ergibt sich folgerichtig ein hinreichender
Verdacht, dass sich D._ wegen Zurverfügungstellung des Jeep Grand Cherokee an
F._ auf Kosten der E._ AG strafbar gemacht haben könnte. Überdies könnte es durch-
aus sein, dass sich der Verwaltungsrat C._ am Vorgehen beteiligte und ihm deshalb auch
ein strafbares Verhalten vorzuwerfen wäre. Die Einstellung verstösst daher gegen den Grund-
satz „in dubio pro duriore“. Die Beschwerde ist deshalb bezüglich des Tatvorwurfs der privaten
Nutzung des Jeep Grand Cherokee zulasten der E._ AG (Ziffer 3.7 der Erwägungen der
Teileinstellungsverfügung vom 9. Januar 2020) gutzuheissen.
BF. Bauprojekt „N._“
a. Standpunkt der Vorinstanz und des Beschwerdeführers
1. Die Staatsanwaltschaft führte im Wesentlichen aus, gemäss Aussage von C._
habe es sich beim Unternehmen „N._“ um ein Bauprojekt von F._ in O._ gehan-
delt, bei welchem die E._ AG die Bauabdichtungen, die Zahlungsabwicklung und die Bau-
abrechnungen vorgenommen habe. Dieses Projekt habe aus Sicht der E._ AG rentiert, die
Bauleistungen der E._ AG seien zu wettbewerbsfähigen Preisen erbracht worden, und es
habe keine Begünstigung von F._ zulasten der E._ AG gegeben. L._ habe aus-
gesagt, dass das Bauprojekt „N._“ der E._ AG zu vorübergehenden Liquiditätsüber-
schüssen verholfen habe. Angaben zu Projektverlusten oder sonstigen Unregelmässigkeiten
zum Nachteil der E._ AG habe sie keine gemacht. Somit habe sich der vage Anfangsver-
dacht nicht erhärtet, weshalb das Verfahren in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO ein-
zustellen sei.
2. Der Beschwerdeführer trägt demgegenüber zusammengefasst vor, der Gesellschafts-
zweck der E._ AG habe im Erstellen von hinterlüfteten Fassaden bestanden. Der Bau des
Mehrfamilienhauses in O._ sei jedoch ausserhalb dieses Zwecks gelegen. Obwohl in der
Buchhaltung für das Projekt ein eigenes Konto eröffnet worden sei, sei dieses in den ihm vor-
gelegten Bilanzen und an den Generalversammlungen nie erwähnt worden. Gerade da die
E._ AG sämtliche Aufwendungen für die Realisierung dieses Bauprojekts getragen, und
F._ sogar noch Beratungshonorare bezahlt habe, stelle sich die Frage, weshalb an den
Generalversammlungen nie darüber gesprochen worden sei. Entgegen der Ansicht der Staats-
anwaltschaft könne nicht allein gestützt auf eine Aussage des mitbeschuldigten Geschäftsfüh-
rers C._ angenommen werden, es habe sich dabei um ein gewinnbringendes Vorhaben
gehandelt. Die Abwicklung dieses Bauprojekts von F._, dem damaligen Geschäftsführer
und Ehemann der Mehrheitsaktionärin, begründe den Verdacht, dass rein private Interessen
verfolgt worden seien. Hätte das Projekt rentabel realisiert werden können, so hätte nämlich
F._ den Bau wohl in eigener Regie erstellt.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht
b. Würdigung
1.1 In O._ wurde am N._weg 2 ein Mehrfamilienhaus mit Stockwerkeigentums-
wohnungen gebaut. Im Zusammenhang mit diesem Bauprojekt wurden bei der E._ AG in
den Erfolgsrechnungen 2011–2013 folgende Erträge und Aufwendungen erfolgswirksam ver-
bucht (act. AA 40.33.339, AA 40.33.394 ff., AA 40.37.001 ff., AA 40.38.504 ff., AA 40.42.001 ff.):
Geschäftsjahr Ertrag
N._weg O._
[Kto. 3466]
(in Franken)
Ware/FL
N._weg O._
[Kto. 4419]
(in Franken)
Verwaltungsaufwand
N._weg O._
[Kto. 6560]
(in Franken)
2011 1'554'527.80 876'870.30 330'642.10
2012 2'559'440.80 2'215'304.25 107'096.10
2013 48'465.75 274'192.02 -595.50
Die erste Aufwendung wurde am 30. April 2011 und der erste Ertrag am 8. Juni 2011 verbucht
(act. AA 40.33.339, AA 40.33.504). Daraus folgt, dass mit dem Bauvorhaben „N._“ spätes-
tens Ende April 2011 begonnen wurde.
1.2 Überdies ist aus den Buchhaltungsunterlagen ersichtlich, dass die E._ AG der
P._ AG unter dem Titel „Verwaltungsaufwand“ im Geschäftsjahr 2011 total Fr. 323'164.95
und im Geschäftsjahr 2012 total Fr. 205'060.55 vergütete (act. AA 40.33.504, AA 40.38.519).
Fest steht sodann, dass die P._ AG in Höhe von Fr. 100'000.− zu viel Honorare fakturierte
(act. AA 40.38.519, SD4 01.01.097). Somit folgt, dass die P._ AG von der E._ AG
Honorare von insgesamt Fr. 428'225.50 beanspruchte. Eigentümer der P._ AG und deren
einziger Verwaltungsrat war F._.
2.1 C._ bekundete anlässlich der Einvernahme vom 20. Juni 2019 durch die Staats-
anwaltschaft, F._ sei beim Bauprojekt „N._“ Liegenschaftseigentümer gewesen. Die
E._ AG habe bei diesem Projekt die Bauabdichtungen angebracht und die Bauabrechnun-
gen im Zusammenhang mit den Wohnungsverkäufen erstellt. Die Zahlungsabwicklung beim
Bau der Liegenschaft und beim Verkauf der Wohnungen sei ebenfalls über die E._ AG
erfolgt (act. AA 20.01.055). L._ gab bei der Befragung vom 16. Juli 2019 zu Protokoll, das
Land, auf dem das Bauprojekt „N._“ erstellt worden sei, habe F._ gehört. Dieser habe
sie zirka in den Jahren 2014/2015 gefragt, ob sie die Debitoren- und Kreditorenabrechnungen
für dieses Projekt separat von jenen der E._ AG vornehmen könne. Die Buchhaltung für
das Bauprojekt „N._“ sei in der Folge zwar mit dem gleichen Programm und Computer wie
jene der E._ AG, jedoch getrennt von jener der Letzteren erstellt worden (act. AA
20.01.084).
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht
2.2 Die Aussage von L._, wonach F._ in den Jahren 2014/2015 mit dem Ansin-
nen um Abwicklung der Debitoren- und Kreditorenabrechnungen an sie gelangt sei, ist in zeitli-
cher Hinsicht offenkundig nicht korrekt. Weil mit dem Bauprojekt „N._“ bereits spätestens
Ende April 2011 begonnen wurde, musste sich nämlich F._ diesbezüglich längst vor die-
sem Zeitpunkt an L._ gewendet haben.
3.1 Vorliegend springt bei der Betrachtung des Bauprojekts „N._“ ins Auge, dass sich
die P._ AG Honorare in Höhe von total Fr. 428'225.50 von der E._ AG vergüten liess.
In der Strafuntersuchung ist bislang nicht konkret ermittelt worden, ob und aus welchem Rechts-
grund die P._ AG diese Honorare überhaupt beanspruchte. C._ erklärte anlässlich der
Einvernahme vom 20. Juni 2019 durch die Staatsanwaltschaft, nicht mehr zu wissen, wofür die
E._ AG diese Honorare an die P._ AG bezahlte (act. AA 20.01.055). Fest steht so-
dann, dass das Bauprojekt „N._“ durch das Architekturbüro Q._ Architektur AG reali-
siert wurde und bei der E._ AG entsprechende Architektenhonorare im Buchhaltungskonto
„Ware/FL N._weg O._“ belastet wurden (act. AA 40.33.394 ff., AA 40.38.398 ff., SD4
01.01.098 ff.). Mithin erscheint es als ausgeschlossen, dass mit den Zahlungen im Umfang von
Fr. 428'225.50 Architekturhonorare vergütet wurden.
3.2 Vorliegend ist denkbar, dass die E._ AG beim Bauprojekt „N._“ als Treuhän-
derin im eigenen Namen, aber für Rechnung und auf Risiko des Treugebers F._ handelte
(vgl. FELLMANN, Berner Kommentar, Obligationenrecht, Bd. VI/2/4, 1992, Art. 394 N 57). Es
könnte daher sein, dass es sich bei den Vergütungen von Fr. 428'225.50 um den von der
E._ AG treuhänderisch für F._ erzielten Gewinn aus dem Bauprojekt „N._“ han-
delte, welchen F._ an die P._ AG auszahlen liess.
Die Annahme eines solchen Treuhandverhältnisses würde aber voraussetzen, dass F._
und die E._ AG bereits vor der Ausführung des Bauprojekts „N._“ einen Treuhandver-
trag abgeschlossen haben. Ob dies tatsächlich der Fall ist, lässt sich jedoch aufgrund des bis-
herigen Ermittlungsstands nicht zuverlässig beurteilen. So wurde bislang noch nicht abgeklärt,
ob ein Treuhandvertrag geschlossen worden ist. Die Buchführung bei der E._ AG indiziert
sodann das Bestehen eines Treuhandverhältnisses nicht. So wird weder in den Bilanzen 2011–
2013 das Bauprojekt „N._“ als Treugut ausgewiesen, noch wird in den Anhängen ein ent-
sprechendes Treuhandverhältnis genannt. Dies schliesst indes das Vorliegen eines solchen
nicht per se aus, da der Treuhänder in den Bilanzen das Treuhandverhältnis nicht zwingend
offenlegen muss (vgl. Schweizer Handbuch der Wirtschaftsprüfung, Band I, 2009, S. 530). Über-
dies wurden C._ und L._ insbesondere nicht dazu befragt, ob sich F._ bereits vor
Beginn der Zusammenarbeit mit der E._ AG verpflichtete, das Risiko aus dem Bauprojekt
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht
„N._“ zu tragen, was eine Grundvoraussetzung für die Annahme eines Treuhandverhält-
nisses bilden würde. Ferner wurde der mit der fraglichen Angelegenheit befasst gewesene
F._ nicht einvernommen.
3.3 Selbst wenn F._ bereits vor Beginn des Bauprojekts „N._“ mit der E._
AG einen Treuhandvertrag geschlossen hätte, wäre überdies zu bedenken, dass der Abschluss
dieses Vertrags mutmasslich zu einer Zeit erfolgte, als er deren einziger Verwaltungsrat war
(15. Juni 2010 – 29. Juni 2011), und er damit für beide Vertragsparteien gehandelt hätte. Mit
Blick auf ein solches Selbstkontrahieren kann sich eine dem Insichgeschäft innewohnende In-
teressenkollision ergeben, die zur Ungültigkeit des betreffenden Geschäfts führen kann (vgl.
BGE 144 III 388 E. 5.1; 127 III 332 E. 2; BGer 6B_731/2019 vom 18. November 2019 E. 1.3.2).
Bei einem Insichgeschäft über Fr. 1'000.− muss der Vertrag aufgrund von Art. 718b OR überdies
schriftlich abgefasst werden. Das Bundesgericht hat offengelassen und in der Lehre ist umstrit-
ten, welche Konsequenzen die Nichteinhaltung des in Art. 718b OR vorgesehenen Schriftlich-
keitserfordernisses nach sich zieht (BGer 4A_545/2019 vom 13. Februar 2020 E. 5.2.4). Nach
dem gegenwärtigen Stand des Verfahrens kann jedenfalls nicht festgestellt werden, ob ein all-
fälliges Insichgeschäft rechtsgültig genehmigt worden wäre.
3.4 Dem Gesagten zufolge ist aufgrund der bisherigen Abklärungen in den Strafuntersu-
chungen nicht konkret ersichtlich, ob die P._ AG einen gültigen Rechtsanspruch auf den
ihr von der E._ AG ausgerichteten Betrag von total Fr. 428'225.50 hatte oder nicht. Dem-
gemäss erweist sich die Begründung der Vorinstanz für die Einstellung des Verfahrens, wonach
es im Zusammenhang mit dem Bauprojekt „N._“ keine Begünstigung zum Nachteil der
E._ AG oder sonstige Unregelmässigkeiten gegeben habe, als nicht tragfähig. Diese Ein-
stellung kann angesichts des Grundsatzes „in dubio pro duriore“ keinen Bestand haben. Nach
dem gegenwärtigen Stand des Verfahrens besteht durchaus der begründete Verdacht, dass im
Zusammenhang mit dem Bauprojekt „N._“ private Interessen auf Kosten der E._ AG
verfolgt worden sein könnten.
3.5 Der Beschwerdeführer machte in der Strafanzeige vom 8. November 2018 überdies
geltend, obwohl für das Projekt „N._weg“ in der Buchhaltung ein eigenes Konto geführt
worden sei und dafür Beträge in Millionenhöhe bezahlt worden seien, sei davon in den an den
Generalversammlungen vorgelegten Bilanzen nichts ersichtlich und auch in den Geschäftsbe-
richten nichts erwähnt worden. In der angefochtenen Verfügung äusserte sich die Staatsanwalt-
schaft nicht zu diesem Vorbringen, weshalb sie insoweit ihrer Begründungspflicht nach Art. 81
Abs. 3 lit. b StPO nicht nachgekommen ist. Die Sache ist in dieser Hinsicht bereits aus diesem
Grund an die Vorinstanz zurückzuweisen. In diesem Zusammenhang sei weiter darauf hinge-
wiesen, dass aufgrund von Art. 663 Abs. 1 aOR in der Erfolgsrechnung betriebliche und be-
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht
triebsfremde sowie ausserordentliche Erträge und Aufwendungen ausgewiesen werden müs-
sen. Es fragt sich, ob indem die beachtlichen, nicht zur ordentlichen Geschäftstätigkeit gehö-
renden Erträge und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Bauprojekt „N._“ in den
dem Beschwerdeführer vorgelegten Jahresrechnungen nicht gesondert ausgewiesen wurden,
nicht ein zu positives Bild der regulären Betriebstätigkeit der E._ AG vorgegeben wurde.
3.6 Entsprechend des Ausgeführten steht fest, dass bezüglich des Bauprojekts „N._“
die Einstellung des Strafverfahrens zu Unrecht erfolgte. Die Beschwerde ist folglich bezüglich
des Tatvorwurfs des Verlustprojekts „N._“ zum Nachteil der E._ AG (Ziffer 3.8 der
Erwägungen der Teileinstellungsverfügung vom 9. Januar 2020) gutzuheissen.
BG. Anwaltsrechnungen
a. Standpunkt der Vorinstanz und des Beschwerdeführers
1. Die Staatsanwaltschaft erwog insbesondere, die Honorarrechnungen der Anwaltskanz-
lei H._ AG für die Geschäftsjahre 2013 bis 2015 seien allesamt an die E._ AG adres-
siert und beträfen anwaltliche Beratungstätigkeit im Zusammenhang mit der E._ AG. Hin-
weise auf die Belastung von privaten Anwaltskosten von D._ bei der E._ AG seien
nicht ersichtlich.
2. Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber zusammengefasst vor, D._ habe
sich bereichert, indem sie die Kosten für private Rechtsberatungen im Zusammenhang mit ihrer
Mehrheitsbeteiligung an der E._ AG durch die Letztere habe bezahlen lassen. Entgegen
der Auffassung der Staatsanwaltschaft könnten die Vergütungen an die Anwaltskanzlei H._
AG allein aufgrund der Adressierung und des Tätigkeitsbeschriebs der betreffenden Honorar-
rechnungen nicht als Aufwand der E._ AG angesehen werden. Die Beschreibung der an-
waltlichen Bemühungen sei wohl so formuliert worden, dass sie als Beratungen für die E._
AG erschienen. Zumindest wäre es angebracht gewesen, D._ oder Advokat Dr. H._
zu befragen, ob irgendeine Rechnung von D._ direkt bezahlt worden sei.
b. Würdigung
Vorliegend legt der Beschwerdeführer weder konkret dar noch ist ersichtlich, dass D._ pri-
vate Rechtsberatungskosten über die E._ AG abgerechnet haben könnte. Die zur Diskus-
sion stehenden Honorarnoten der H._ AG aus den Jahren 2013–2015 sind allesamt an die
E._ AG adressiert, und die darin aufgeführten anwaltlichen Tätigkeiten bilden geschäfts-
mässig begründeten Aufwand. Die fakturierten Beratungsleistungen stehen überdies in einem
unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit konkreten Geschäftsvorgängen bei der E._
AG. Es ist daher nicht erkennbar, dass zusätzliche Ermittlungen erfolgsversprechend verlaufen
würden. Eine Einvernahme von D._ oder von Advokat Dr. H._ ist daher entbehrlich
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht
(vgl. Art. 139 Abs. 2 StPO und Art. 318 Abs. 2 StPO). Demnach lässt sich kein hinreichender
Verdacht auf ein strafbares Verhalten von D._ oder C._ erkennen. Die Beschwerde
ist mithin in Bezug auf diesen Punkt abzuweisen.
BH. Ergebnis
Zusammenfassend liegen die Voraussetzungen für eine Einstellung des Strafverfahrens in Be-
zug auf die Punkte „Verbindlichkeiten gegenüber der E._ GmbH“, „Private Nutzung des
Jeep Grand Cherokee“ und „Bauprojekt ‚N._‘“ nicht vor. Infolgedessen ist in Anwendung
von Art. 397 Abs. 2 StPO in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die angefochtene Teilein-
stellungsverfügung vom 9. Januar 2020 in den Dispositiv-Ziffern 1 und 5 aufzuheben und die
Staatanwaltschaft anzuweisen, die Untersuchung diesbezüglich fortzusetzen. Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
III. KOSTEN- UND ENTSCHÄDIGUNGSFOLGEN
A. Kosten
1. Die Beschlussgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren ist in Anbetracht der Bedeu-
tung der Streitsache, der Schwierigkeit des Falles sowie des Arbeits- und Zeitaufwands auf
Fr. 4'500.− zu veranschlagen (§ 13 Abs. 1 i.V.m. § 3 Abs. 1 GebT). Zudem sind Auslagen von
pauschal Fr. 100.− zu erheben (§ 3 Abs. 6 GebT).
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsie-
gens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht ein-
getreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschwerde-
führer ist insofern unterliegend, als die Verweigerung der Zulassung als Privatkläger hinsichtlich
des Vorwurfs der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie die Einstellung der Untersuchung in
Bezug auf die Punkte „Sanierung der E._ AG“, „Bilanzmanipulation“, „Arbeitsverhältnis von
D._“ und „Anwaltsrechnungen“ geschützt werden. Demgegenüber dringt er mit der Be-
schwerde insoweit durch, als die Einstellung des Verfahrens hinsichtlich der Punkte „Verbind-
lichkeiten gegenüber der E._ GmbH“, „Private Nutzung des Jeep Grand Cherokee“ und
„Bauprojekt ‚N._‘“ aufgehoben wird. Dies rechtfertigt es, die Kosten des zweitinstanzlichen
Verfahrens zu 60 %, ausmachend Fr. 2'760.−, dem Beschwerdeführer auferlegen und zu 40 %,
ausmachend Fr. 1'840.−, auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 und 4 StPO). Die dem
Beschwerdeführer auferlegten Kosten sind mit der von ihm erbrachten Sicherheitsleistung von
Fr. 750.− zu verrechnen. Somit hat der Beschwerdeführer noch Fr. 2'010.− zu bezahlen.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht
B. Entschädigung
1. Soweit der Beschwerdeführer unterliegt, hat er keinen Anspruch auf eine Parteikosten-
entschädigung. In dem Umfang, als er mit seiner Beschwerde obsiegt, steht ihm gemäss
Art. 436 Abs. 3 StPO eine Parteientschädigung aus der Staatskasse zu (BGer 6B_1389/2016
vom 16. Oktober 2017 E. 2.5.2). Da der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im kantonsge-
richtlichen Verfahren keine Honorarnote eingereicht hat, ist dessen Entschädigung von Amtes
wegen nach Ermessen festzusetzen (§ 18 Abs. 1 TO). Entsprechend dem notwendigen Zeitauf-
wand und den erforderlichen Auslagen erachtet das Kantonsgericht ein Honorar von Fr. 3'231.−
(inkl. Auslagen und Fr. 231.− MWST) für angemessen. Davon sind dem Beschwerdeführer nach
Massgabe seines Obsiegens 40 %, ausmachend Fr. 1‘292.40 (inkl. Auslagen und Fr. 92.40
MWST), aus der Staatskasse auszurichten.
2. Nachdem B._ keinen Antrag auf Entschädigung für den Fall seines Obsiegens ge-
stellt und auch auf eine inhaltliche Stellungnahme verzichtet hat, ist ihm keine Entschädigung
zuzusprechen. Da sich C._ und D._ im Verfahren überhaupt nicht geäussert haben,
ist ihnen ebenfalls keine Entschädigung auszurichten.