Decision ID: f89a082d-315a-42df-8302-101bb8f9b912
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1972, ist gelernte Verkäuferin für Farben, Lacke und Zubehör sowie gelernte Topfpflanzen- und Schnittblumengärtnerin (
Urk.
9/3/2-3) und absolvierte zudem eine Ausbildung zur
Dipl.
Verkaufsfachfrau
Y._
(
Urk.
9/4/8).
Vom 1. Juli 2003 bis zum 30. September 2005 war sie als Tierpfle
gerin im
Z._
angestellt (Urk. 9/2
Ziff. 1, Ziff. 5). Am 16. August 2005 meldete sie sich wegen einer Erschöpfungsdepression bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug (b
erufliche Massnahmen) an (Urk. 9/5
Ziff. 7.2, Ziff. 7.8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
gewähr
te der Versicherten Kostengutsprache für eine Umschulung als
Arbeitsagogin
(
Urk.
9/22)
, welche die Versicherte erfolgreich abschloss (
Urk.
9/69).
Mit Verfügung vom
7.
Oktober 2010 (
Urk.
9/69) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch der Versicherten. Die dagegen am
3.
November 2010 erhobene Beschwerde (
Urk.
9/99/3-12) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
3.
Januar 2012 ab (
Urk.
9/101; Prozess Nr. IV.2010.01058).
1.2
Am
1
5.
November 2012 (
Urk.
9/104)
meldete sich die Versicherte
unter Beilage eines Arztberichtes (
Urk.
9/109)
wieder bei der IV-Stelle an
.
Diese gewährte Arbeitsvermittlung (
Urk.
9/126) und unterstützte einen Arbeitsversuch (
Urk.
9/153;
Urk.
9/164
), welcher am 1
4.
Juli 2014 abgeschlossen wurde (
Urk.
9/179).
Die Versicherte machte am 1
5.
September 2014 erneut eine Verschlechterung geltend (
Urk.
9/190;
Urk.
9/189).
Mit Vorbescheid vom
3.
Oktober
2014 (Urk.
9/192
) stellte die IV-Stelle ein Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in Aus
sicht, wogegen die Versicherte am
3.
November
2014
(Urk.
9/196;
Urk.
9/198
)
Einwände erhob. Am
1
4.
November
2014 lehnte die IV-Stelle ein Eintreten auf die Neu
anmeldung ab (Urk.
9/201
= Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
4.
November 2014 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
2.
Dezember 2014 Beschwerde und beantragte deren Aufhebung sowie die
Zusprache
einer
Dreiviertelsrente
, eventuell die Einholung eines
neuropsychiat
rischen
/neuropsychologischen Gutachtens (
Urk.
1 S. 1). Am 1
7.
Dezember 2014 (
Urk.
5) reichte sie einen
weiteren
Arztbericht ein (
Urk.
6). Die
Beschwerdegeg
nerin
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
8) die Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
3.
Februar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.3
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger
Leistungsverweige
rung
immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten, d. h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE
109 V 108 E. 2a, 264 E. 3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung ge
rade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachver
halts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen
Tatsachenspek
trum
glaubwürdig dartut
. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständ
lich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.4
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anfor
derungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E.
2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Be
handlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Ein
tretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Nichteintretensentscheid
damit, dass die Beschwerdeführerin eine wesentliche Verschlechterung nicht glaubhaft dar
ge
legt habe. Es liege lediglich eine andere Beurteil
ung desselben Sachverhaltes vor
(Urk.
2 S. 1
).
Seit der letzten rechtskräftigen Beurteilung habe sich der medizinische Sachverhalt nicht wesentlich geändert (
Urk.
8).
2.2
Die Beschwerde
führ
erin brachte dagegen in ihrer Beschwerde vor, dass im Ver
gleich zum Sachverhalt, wie er sich anlässlich des Urteils des hiesigen Gerichts präsentiert habe, nun eine Verschlechterung eingetreten sei. Sie leide heute an psyc
hiatrischen und somatischen Krankheiten
, welche sich auf die Arbeitsfähig
keit auswirkten. Der Arbeitsversuch sei aus gesundheitlichen Gründen geschei
tert, sie könne maximal noch 40
%
, aber nicht
mehr
als
Agogin
, arbeiten (
Urk.
1 S. 4 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdegegnerin auf
grund der ihr im
Ver
fügungszeitpunkt
vorliegenden Beurteilungen zu Recht an
ge
nommen hat, eine Veränderung sei nicht glaubhaft gemacht worden, oder ob sie auf das Gesuch hätte eintreten müssen.
Die von der Beschwerdeführerin beantragte
Zusprache
einer Rente
(
Urk.
1 S. 2)
ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
3.
3.1
Im Zeitpunkt der letzten leistungsverneinenden Verfügung vom
7.
Oktober
2010
und dem diese bestätigenden Gerichtsurteil vom 1
3.
Januar 2012
stellte sich der medizinische Sachverhalt wie folgt dar.
Dr. med.
A._
,
Facharzt für
A
llgemeine
Innere
Medizin
, diagnos
tizierte mit Berich
t vom 19. September 2005 (Urk. 9/9
/3-6) ein chronisches
thorakovertebrales
und zervikales Schmerzsyndrom bei Skoliose sowie ein neu
ras
theni
sches Syndrom mit wiederholter beruflicher Überforderung bei sehr gewissen
hafter Persönlichkeit, Versagensängsten und depressiven Episoden (
lit
. A). Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei besserungsfähig. Eine psycho
therapeutische oder pharmakologische Behandlung lehne sie derzeit ab (
lit
. C). In der bisherigen Berufstätigkeit sei ein Pensum von 80 %, in einer
behinde
rungsangepassten
Tätigkeit (wechselbelastend, körperlich leicht und mit wenig Leistungsdruck) sei ein P
ensum von 100 % zumutbar (Urk. 9/9
/3).
3.2
Mit Beri
cht vom 9. November 2009 (Urk. 9/61
/7-9) wiederholte Dr.
A._
die bereits gestellte Diagnose (Ziff. 1.1) und führte aus, die Beschwerdeführerin sei somatisch dank der durchgeführten Umschulung zur
Arbeitsagogin
einiger
massen kompensiert. Mitte September 2009 seien erneut Zeichen einer psychi
schen Dekompensation aufgetreten, namentlich im Hinblick auf den
Ausbil
dungsabschluss
Ende dieses Jahres. Immerhin sei es ihr gelungen, eine 50%-Stelle als Bäckereiverkäuferin zu übernehmen und diese Aufgabe bisher zu versehen (Ziff. 1.4). Die Beschwerdeführerin suche aktuell einen
Psychothera
pieplatz
und habe eine medikamentöse Behandlung begonnen. Eine volle Arbeitsfähigkeit sei trotz der in somatischer Hinsicht sinnvollen Umschulung aus psychischen Gründen längerfristig fraglich. Ein Einsatz als
Arbeitsagogin
sei weiterhin sinnvoll, aber wahrscheinlich nicht mit voller Belastbarkeit. Die Einschränkungen liessen sich möglicherweise mittels Psychotherapie vermin
dern (Ziff. 1.5-8).
3.3
Dr. phil.
B._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, diag
n
o
stizierte mit Be
richt vom 19. April 2010 (Urk. 9/81
) rezidivierende depressi
ve Episoden (ICD-10 F33.1) und
dysthyme
Persönlichkeitszüge. Die bisherige
Berufs
laufbahn
der Beschwerdeführerin sei gemäss ihrer Schilderungen von Überforderungsgefühlen geprägt. Sie werde immer wieder von Ängsten und Gedanken verfolgt, „es nicht mehr zu schaffen“. Unklarheiten stürzten sie in panikartige Zustände und führten zu starker innerer Unruhe und Verzweiflung. Sie leide unter grosser Müdigkeit, was bei vermehrten beruflichen Anforderun
gen noch präsenter werde. Die Beschwerdeführerin sei eine sehr pflichtbewusste Frau, die versuche, die ihr aufgetragenen Aufgaben möglichst gut zu erfüllen, und die sehr rasch unter Druck gerate. Es sei ihr nicht möglich, ein volles Arbeitspensum auszufüllen; ihre Belastbarkeit sei deutlich reduziert. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei starker beruflicher Belas
tung immer wieder unter depressiven Episoden leiden werde (S. 1 f.).
3.4
Dr. med.
C._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, Regio
naler Ärztlicher Dienst (RAD),
nahm
am 27. April 2010
eine psychiatrische Standortbestimmung vor
und hielt gleichentags fest, die Beschwerdeführerin sei seit 1. Januar 2005 zu 20 % und vom 1. Oktober 2009 bis 31. März 2010 zu 50 % in der Arbeitsfähig
keit eingeschränkt gewesen, dies in der bisherigen Funktion als Verkäuferin in einer Bäckerei und Mitarbeiterin in einem Café mit zwei Untergebenen. Die Beschwerdeführerin neige dazu, sich zu überfordern, um nicht als „minderwer
tig“ zu gelten, und gerate deshalb regelmässig in eine Überforderung, die in der Vergangenheit zu häufigen Arbeitsabbrüchen geführt habe. In der aktuellen, vom 1. April bis Oktober 2010 befristeten Cafétätigkeit arbeite sie zwischen 18 und 28 Stunden pro Woche, komme aber bei 28 Stun
den schnell an ihre Leis
tungsgrenze. Deshalb wähle sie die Arbeitstätigkeit so, dass sie realistisch auch über längere Zeit erhalten werden könne. Seit dieser aktuellen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60 %, die in den nächsten Monaten wohl nicht anhaltend gesteigert werden dürfte. Aus
versicherungsme
dizinischer
Sicht könne keine grundlegende psychiatrische Diagnose gestellt werden.
Eventuell lägen Persönlichkeitszüge vor, die zu narzisstisch gefärbter Überforderung
führten. Eher massgebend seien aber körperliche Mängel mit
Wirbelsäulenfehl
form
u
nd körperlicher Schwäche (Urk. 9/84
/5).
3.5
Dr. phil.
B._
wiederholte mit Beric
ht vom 8. September 2010 (Urk. 9/93
/4-5) die bereits gestellte Diagnose der rezidivierenden depressiven Episoden und der neurasthenischen Persönlichkeitszüge (S. 1). Die Beschwer
deführerin versuche derzeit eine 60%-Stelle im Café zu halten, wobei sich gezeigt habe, dass ihr dieses Arbeitspensum zu
viel sei, vor allem, wenn viele Gäste da seien oder wenige Mitarbeiter. Dann steige ihre Angst, dass ihr alles über den Kopf
wachsen könne, ihr Schlafbedürfnis steige noch mehr, ebenfalls die innere Unruhe und diffuse Angstgefühle. An sämtlichen Arbeitsstellen habe die Beschwerdeführerin an Überforderungsgefühlen gelitten. Sobald das
Arbeits
pensum
und die Verantwortung zu hoch
seien
, reagiere sie mit einer depressiven Symptomatik und könne ihren Arbeitsplatz nicht halten. Aufgrund der deutlich reduzierten Belastbarkeit scheine die Arbeitsfähigkeit bei maximal 50 % zu liegen. Zudem sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, als
Arbeitsagogin
eine Stelle auszufüllen, in der sie für mehrere Personen verant
wortlich
sei
und wo die Aufgaben zu komplex
seien
(S. 2).
3.6
Dr.
C._
hielt am 1. Oktober 20
10 (Urk. 9/95/2 unten f.
) fest, Dr. phil.
B._
beschreibe keine ihre Diagnose begründende Psychopathologie. Anläss
lich der Untersuchung vom 27. April 2010 habe keine depressive Störung festgestellt werden können, hingegen hätten sich mögliche narzisstische
Per
sön
lichkeits
züge
gezeigt. Ergänzend dazu könnten auch mögliche zwanghafte Züge attes
tiert werden. Ein psychischer Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe sich nicht gezeigt.
Aus somatischer Sicht bestehe die Einschränkung der körperli
chen Konstitution und der Wirbelsäulenfehlform, worauf die Teil-Arbeitsfähig
keit von 60 %
gründe. Diese Zahl sei zusammen mit der Beschwerdeführerin auf
grund ihrer eigenen Angaben eruiert worden.
3.7
Gestützt auf diese medizinischen Unterlagen erachtete das hiesige Gericht die Beschwerdeführerin - da keine psychiatrische Fachdiagnose gestellt wurde - als aus somatischen Gründen zu mindestens 60
%
arbeitsfähig in der umgeschulten Tätigkeit als
Agogin
und hielt fest, es seien keine Gründe ersichtlich, dass es der Beschwerdeführerin nach ihrer Umschulung sozial-praktisch nicht zumutbar wäre, in dieser Tätigkeit ein substantielles Pensum auszuüben (E. 4.3). Bei einem Invaliditätsgrad von 38
%
wurde ein Rentenanspruch verneint (E. 5.7).
4.
4.1
Dem neuen Leistungsgesuch lagen folgende Berichte zugrunde.
Dr.
A._
(
vorstehend E. 3.1)
berichtete am 1
4.
Januar 2013 (
Urk.
9/109) und stelle folgende Diagnosen:
neurasthenisches Syndrom
mit wiederholter beruflicher Überforderung, Versagensängsten, depressiven Episoden
chronisches
thorakovertebrales
Schmerzsyndrom bei idiopathischer Sko
liose L1/2 linkskonvex
rezidivierender
epigastrischer
Druck, wahrscheinlich funktionelle Dyspep
sie
Status nach antibiotischer Behandlung einer Borreliose-Infektion im Sep
tember 2011
Vitamin B12-Mangel, substituiert
grenzwertiger Eisenmangel, aktuell substituiert
Seit September 2012 zeige sich eine zunehmende Erschöpfungstendenz. Gerade weil die Beschwerdeführerin motiviert und leistungsbereit sei, müsse mit erneuter Dekompensation gerechnet werden. Qualitativ sei die Umschulung zur
Agogin
ein Erfolg gewesen, da die Beschwerdeführerin sich gut für diese Tätig
keit eigne. Längerfristig solle jedoch ermöglicht werden, dass sie nur noch ein Pensum
von 50-60%
in dieser Funktion ausüben müsse.
4.2
Mit Bericht vom
6.
März 2013 (
Urk.
9/116) diagnostizierte
D._
,
Psychotherapeutin,
Spital
E._
, eine leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0), bestehend seit 2
8.
Januar 2013, sowie eine Anpassungsstörung infolge von Mobbing am Arbeitsplatz (ICD-10 F43.2), dies infolge einer stark ausge
prägten Skoliose, welche die mögliche Arbeitsintensität begrenze. Die Beschwer
deführerin habe auf Empfehlung des Hausarztes um eine Reduktion ihres Pensums von 70 auf 50
%
gebeten (S. 1). Die bisherige Tätigkeit sei im Umfang von 50
%
zumutbar (S. 2).
4.3
Dr.
A._
berichtete am 2
4.
April 2013 zuhanden der Taggeldversicherung der Beschwerdeführerin (
Urk.
9/134) und diagnostizierte ein neurasthenisches Syndrom mit wiederholter beruflicher Überforderung, Versagensängsten und depressiven Episoden sowie ein chronisches
thorakovertebrales
Schmerzsyn
drom
bei idiopathischer Skoliose (
Ziff.
1). Sie sei deswegen seit 2
9.
Januar bis mindestens Ende Mai 2013 voll arbeitsunfähig (
Ziff.
8).
4.4
Vom 2
2.
Juli bis 3
1.
August 2013 hielt sich die Beschwerdeführerin stationär in der Klinik
F._
auf. Mit Austrittsbericht vom
2.
Oktober 2013 (
Urk.
9/147/10-14) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
Probleme mit Bezug auf die Berufstätigkeit (ICD-10 Z56.7)
chronisches
thorakovertebrales
Schmerzsyndrom bei Skoliose L1/2
links
konvex
Während des stationären Aufenthaltes habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Die weitere Einschätzung erfolge durch die weiterbehandelnden Ärzte (S. 4).
4.5
Psychotherapeutin
D._
(vorstehend E. 4.2) hielt mit Bericht vom
7.
Oktober 2013 (
Urk.
7/148) fest, die Beschwerdeführerin leide an einer rezidi
vierenden
depressiven Störung, mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1;
Ziff.
1.4). Es könne ab
1.
November 2013 mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätig
keit zu 40
%
und ab März zu 50-60
%
gerechnet werden (
Ziff.
1.8).
4.6
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Medizin und Psycho
somatik, diagnostizierte mit Bericht vom 1
4.
Oktober 2013 (
Urk.
9/147/5-9) eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), seit mindestens 15 Jahren, sowie ein chronisches
thorakovertebrales
Schmerzsyn
drom
seit der Lehre als Gärtnerin (
Ziff.
1.1). Für die angestammte Tätigkei
t als Gärtnerin und
Agogin
sei d
ie
Beschwerdeführerin
voraussichtlich bis Ende 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig. Bei entsprechender Unterstützung könne sie wieder in den ersten Arbeitsmarkt eintreten, bei optimalen Bedingungen zu 60
%
. Aktuell sei sie unter besten Bedingungen zu 50
%
arbeitsfähig. (
Ziff.
1.4, 1.6-7). Mög
licherweise müsse eine Rente in Betracht gezogen werden, da sich die
Gesamt
situation
verschlechtert habe (
Ziff.
1.11).
4.7
Die Ärzte der Klinik
F._
wiederholten in ihrem Bericht vom
1
5.
Oktober 2013 die bereits gestellte Diagnose (vgl. vorstehend E. 4.4) und hielten fest, dass sich die Beschwerdeführerin bei der Arbeit wiederholt überfordert gefühlt habe und von Vorgesetzten nicht verstanden worden sei. Es bestehe eine depressive Symptomatik mit Rückenschmerzen (
Ziff.
1.7). Die bisherige Tätigkeit sei noch zumutbar, mit einem probeweisen Einstieg in einem Pensum von 50
%
(
Ziff.
1.7).
4.8
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Pharmazeutische Medizin, berichtete am
4.
Dezember 2013 zuhanden der
Tag
geldversicherung
und diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, aktuell eine mittelgradige Episode (IDC-10 F33.1), die erst teilweise remittiert sei. Das Krankheitsbild sei vor dem Hintergrund einer kombinierten
Persönlich
keitsstörung
(ICD-10 F61.0) zu sehen, vorwiegend gekennzeichnet durch ängst
lich/vermeidende, abhängig/asthenische und depressive Charakterelemente. Man könne davon ausgehen, dass die Persönlichkeitsstörung seit der Jugend und dem jüngeren Erwachsenenalter bestehe. Zur Vervollständigung der
nervenärzt
lichen
Diagnostik sollte eine neurologische Mituntersuchung, eventuell auch eine neuropsychologische Untersuchung durchgeführt werden (S. 4).
Die der Versicherten, die zuletzt als
Arbeitsagogin
in einer Stiftung angestellt gewesen sei, bescheinigte Arbeitsunfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht bis
lang angemessen gewesen. In Anbetracht der gesamten Konstellation sei bisher weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Aufgrund der
Persönlich
keitsstörung
sei die Versicherte nicht in der Lage,
ihre Beschwerden und Symp
tome in genügendem Mass willentlich zu überwinden. Es sei ein
Belastbarkeits
training
zu empfehlen, in dessen Rahmen sich sehr schnell zeigen würde, ob sie überhaupt in der Lage sei, ein solches zu absolvieren und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wieder teilweise Fuss fassen zu können (S. 4).
Die Prognose einer Persönlichkeitsstörung sei nicht genau vorhersagbar. Im Falle der Versicherten sei allerdings von einem
chronifizierten
Beschwerde- und Krankheitsverlauf auszugehen, weshalb zumindest vorläufig von einer dauer
haften (Teil-) Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (S. 4).
4.9
Dr.
G._
(vorstehend E. 4.6)
führte mit Bericht vom 1
5.
September 2014 (
Urk.
9/187) aus
, es seien intensive Versuche unternommen worden, um die Beschwerdeführerin wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Leider habe sich dieses Unterfangen schwieriger gezeigt als angenommen, da die Be
schwerdeführerin psychisch weniger belastbar sei als erhofft. Dies zeige sich in der Beurteilung durch
Dr.
H._
(S. 1). Die Dauerproblematik des Rückens halte unverändert an.
Dass der Arbeitsversuch im Spital
I._
nach Ansicht der Beschwerdegegnerin gut verlaufen sei, könne nicht nachvollzogen werden, denn die Beschwerdeführerin habe der Herausforderung nicht standhalten können, sei oft krank gewesen und habe sich nur mit Ach und Krach durch das 50%-Pen
sum schleppen können. Nach der Arbeit sei sie jeweils völlig erschöpft und aus
gelaugt gewesen. Die Belastung habe zudem zu Suizidgedanken geführt, weil sie sehr angepasst sei und Fremdforderungen unbedingt genügen wolle. Ein Einsatz als
Agogin
sei nicht mehr möglich, ausser bei möglicherweise stark angepassten Bedingungen des Arbeitsplatzes (S. 2).
4.10
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens erging ein weiterer medizinischer Bericht
von
Dr.
G._
(Urk.
6
).
Da
im vorliegenden Verfahren aber lediglich zu beurteilen ist, ob in Würdigung der damals verfügbaren Unterlagen das Nicht
ei
n
treten durch die Beschwerdegegnerin gerechtfertigt war oder nicht, ist auf diesen späteren Bericht hier nicht weiter einzugehen.
5
.
5
.1
Mit dem
Beweismass
des Glaubhaftmachens
im Sinne des Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV
sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die
Tatsa
chen
änderung
muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtser
heb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130
V 64 ff. E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine
Sachverhalts
änderung
, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) In
va
liden
ren
te sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als rich
tig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom 5. Juni 2013 E. 2.3 mit Hin
wei
sen auf 8C_1009/2010 vom 7. April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 28. Feb
ruar 2012 E. 3.3.2).
5
.2
Im Vergleich zu der dem Urteil vom 1
3.
Januar 2012 zugrunde
liegenden Sach
lage
wurde nun durch
Dr.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
mit Bericht vom
4.
Dezember 2013 eine psychiatrische Diagnose, nämlich
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, vor dem Hintergrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
, gestellt
. Insbesondere aufgrund dieser Persönlichkeitsstörung kann ein möglicher invalidisierender Charakter der mittelgradigen depressive Episode nicht von vornherein verneint werden, wies
Dr.
H._
doch darauf hin, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Persönlichkeitsstörung nicht in der Lage sei, ihre Beschwerden und Symp
tome in genügendem Mass willentlich zu überwinden.
Dr.
H._
empfahl zudem eine neurologische, eventuell eine neuropsychologische Untersuchung zur Ver
vollständigung der Diagnose (vgl. vorstehend
E. 4.8). Bereits früher hatte RAD-Psychiater
Dr.
C._
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin zur
Selbstüber
forderung
neige und deshalb regelmässig Arbeitsabbrüche stattgefunden hätten; er vermutete bereits damals einen Einfluss der Persönlichkeitszüge der Beschwerdeführerin (vgl. vorstehend E. 3.4).
5
.3
Dass eine Verschlechterung nicht ausgeschlossen werden kann, ergibt sich auch daraus, dass die Beschwerdeführerin trotz erfolgreicher Umschulung und wie
derholten Arbeitsbemühungen ihre Arbeitsfähigkeit nicht steigern konnte, son
dern im Gegenteil die behandelnden Ärzte seit der letzten materiellen Prüfung nun von einer maximalen Restarbeitsfähigkeit von 40 bis 50
%
ausgingen.
Dies könnte angesichts
des Umstands, dass die frühere gerichtliche Rentenprüfung
einen
nur knapp nicht anspruchsbegründenden
Invaliditätsgrad von 38
%
ergab (vgl. vorstehend E. 3.7), anspruchsbeeinflussende Auswirkungen haben, sollte es sich bei näherer Prüfung erhärten. Zudem brachte d
as von
Dr.
H._
empfoh
lene Belastbarkeitstraining die Beschwerdeführerin gemäss Schilderung von
Dr.
G._
aus medizinischer Sicht
an die Grenzen ihrer Möglichkeiten (v
gl. vorstehend E. 4.9). Das Training mündete nicht in eine Festanstellung, die Ein
gliederung der Beschwerdeführerin ist somit misslungen (vgl.
Urk.
9/180 S. 1).
Ob dies auf medizinische Gründe zurückzuführen ist, kann nicht ausgeschlossen werden, wurde aber nicht ab
ge
klärt
. Es reicht nicht aus, zur Beurteilung des Misserfolgs einzig auf die Angaben der den Arbeitsversuch betreuenden Vor
gesetzten abzustellen, wie dies nach Lage der Akten offenbar geschehen ist (vgl.
Urk.
9/180 S. 16), denn es ist Aufgabe des Arztes oder der Ärztin,
den Gesund
heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4).
Dabei wird auch zu beurteilen sein
, inwieweit psychoso
ziale, mit dem Lebenspartner zusammenhängende
Faktoren
(vgl.
Urk.
9/151 und
Urk.
9/180 S. 16
)
einen Einfluss auf die
Krankheit und die
Arbeitsfähigke
it der Beschwerdeführerin haben.
5
.4
Nach dem Gesagten bestehen Anhaltspunkte für eine mögliche
versiche
rungs
me
dizinisch
rele
vante Verschlechterung.
Die Beschwerdegegnerin ist somit auf die Neuanmeldung zu Un
recht nicht ein
ge
treten, weshalb die Beschwerde
gut
zuheissen
und die Sache zur materiellen Beurteilung an die Vorinstanz zurück
zuweisen ist.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) und auf insgesamt Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). In Anwendung dieser Kriterien und beim
praxisge
mäss
anwendbaren
Stunden
ansatz
von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwert
steuer) ist die Parteientsch
ädigung vorliegend auf Fr. 2‘000
.-- (inkl. Mehrwert
steuer und Barauslagen) festzusetzen und
ausgangsgemäss
der
Beschwerdegeg
nerin
aufzuerlegen.