Decision ID: 434c5b7b-5ee8-4aa3-b36f-0cdeb01a9dcb
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
Mit Schreiben vom 16. Februar 2021 erstattete das Regionale Betreibungs-
amt R. bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Strafanzeige gegen C.
wegen Urkundenfälschung. Mit Bezugnahme auf die Anzeige des
Regionalen Betreibungsamts R. wandte sich der Beschwerdeführer mit
Schreiben vom 10. März 2021 und 9. Juli 2021 an die Staatsanwaltschaft
Lenzburg-Aarau und erklärte, am Verfahren gegen C. als Privat- bzw.
Zivilkläger teilnehmen zu wollen, da ihm durch die "mutmassliche
Strafsache" eine Schadenssumme von Fr. 30'000.00 entstanden sei. Mit
Schreiben an die Kantonspolizei Aargau vom 8. September 2021
konkretisierte er, dass die Forderung gegenüber C. und der Beschuldigten
aus einem Mietverhältnis stamme, welches unter Verwendung zweier
gefälschter Betreibungsauszüge zustande gekommen sei.
2.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verfügte am 9. März 2022 die
Nichtanhandnahme der Strafsache gegen die Beschuldigte.
Die Nichtanhandnahme wurde am 17. März 2022 durch die Oberstaats-
anwaltschaft des Kantons Aargau genehmigt.
3.
3.1.
Gegen diese ihm am 22. März 2022 zugestellte Nichtanhandnahme-
verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 1. April 2022
Beschwerde bei der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts
des Kantons Aargau und stellte folgende Anträge:
" 1.
Die Nichtanhandnahmeverfügung vom 9. März 2022 der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau im Verfahren Nr. ST.2021.5140 in Sachen  B., [...], sei aufzuheben.
2. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau sei anzuweisen, ein Strafverfahren zu eröffnen.
3. Unter gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen."
3.2.
Mit Beschwerdeantwort vom 26. April 2022 beantragte die Staatsan-
waltschaft Lenzburg-Aarau die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
- 3 -
3.3.
Mit Eingabe vom 26. April 2022 verzichtete die Beschuldigte auf eine
Beschwerdeantwort.
3.4.
Mit Eingabe vom 10. Mai 2022 nahm der Beschwerdeführer zur
Beschwerdeantwort der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Stellung.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft sind gemäss
Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 und Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO von
den Parteien mit Beschwerde anfechtbar. Nachdem vorliegend keine
Beschwerdeausschlussgründe im Sinne von Art. 394 StPO bestehen, ist
die Beschwerde zulässig.
1.2.
1.2.1.
Geschädigte Personen (Art. 115 Abs. 1 StPO), welche ausdrücklich
erklären, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen,
gelten als Privatklägerschaft (Art. 118 Abs. 1 StPO) und besitzen damit von
Gesetzes wegen Parteistellung (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO).
1.2.2.
Als geschädigte Person gilt die Person, die durch die Straftat in ihren
Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Im
Zusammenhang mit Strafnormen, die nicht primär Individualrechtsgüter
schützen, gelten praxisgemäss nur diejenigen Personen als Geschädigte,
die durch die darin umschriebenen Tatbestände in ihren Rechten
beeinträchtigt werden, sofern diese Beeinträchtigung unmittelbare Folge
der tatbestandsmässigen Handlung ist (BGE 140 IV 155 E. 3.2; BGE 139
IV 78 E. 3.3.3; BGE 138 IV 258 E. 2.2 und 2.3; je mit Hinweisen).
Die Tatbestände des Urkundenstrafrechts dienen nach der heute
überwiegenden Rechtsauffassung in Lehre und Rechtsprechung dem
Schutz von Sicherheit und Zuverlässigkeit des Rechtsverkehrs mit
Urkunden. Sie bezwecken in erster Linie den Schutz der Allgemeinheit.
Geschütztes Rechtsgut der Urkundendelikte ist das besondere Vertrauen,
welches von den Teilnehmern am Rechtsverkehr einer Urkunde als
Beweismittel entgegengebracht wird (Urteil des Bundesgerichts
6B_968/2018 vom 8. April 2019 E. 2.2.1; BGE 140 IV 155 E. 3.3.3 mit
Hinweisen).
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2016&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-IV-155%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page155 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2016&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-IV-78%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page78 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2016&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-IV-78%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page78 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2016&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-IV-258%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page258
- 4 -
Neben der Allgemeinheit schützt der Tatbestand der Urkundenfälschung
auch private Interessen des Einzelnen, soweit das Fälschungsdelikt sich
auf die Benachteiligung einer bestimmten Person richtet. Dies ist
namentlich der Fall, wenn das Urkundendelikt auf die Verfolgung eines
weitergehenden, wirtschaftlichen Zwecks abzielt und insofern als blosse
Vorbereitungshandlung eines schädigenden Vermögensdelikts erscheint
(BGE 140 IV 155 E. 3.3.3 mit Hinweisen; vgl. auch MAZZUCCHELLI/POSTIZZI,
in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014,
N. 73 zu Art. 115 StPO). Dabei schützt der Tatbestand den Einzelnen
davor, durch Scheinerklärungen oder qualifiziert unrichtige Erklärungen
getäuscht und dadurch zu nachteiligen rechtserheblichen Dispositionen
veranlasst zu werden (vgl. BOOG, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl.
2019, N. 6 zu Vor Art. 251 StGB mit Hinweisen; vgl. zum Ganzen: Urteil
des Bundesgerichts 6B_917/2015 vom 23. Februar 2016 E. 3.1).
Der Schutz der Strafbestimmung erfasst jedenfalls im Kontext der
Urkundenfälschung i.e.S. regelmässig nur diejenigen Teilnehmenden am
Rechtsverkehr, denen gegenüber die falsche oder unwahre Urkunde
gebraucht wird oder gebraucht werden soll, und die gestützt hierauf
nachteilige rechtserhebliche Entscheidungen treffen könnten (Urteil des
Bundesgerichts 6B_968/2018 vom 8. April 2019 E. 2.2.1 mit Hinweisen).
1.2.3.
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie bzw. ihr Ex-Freund C. habe die
gefälschten Betreibungsregisterauszüge bei der D. AG eingereicht, um
damit vom Beschwerdeführer als Vermieter den Zuschlag zu der
Mietwohnung am X-Weg in Q. zu erhalten. Der Beschwerdeführer ist durch
das der Beschuldigten vorgeworfene Delikt unmittelbar in seinen Rechten
betroffen und gilt damit als Geschädigter im Sinne von Art. 115 Abs. 1
StPO. Der Beschwerdeführer ist, selbst wenn er noch keine
Konstituierungserklärung i.S.v. Art. 118 Abs. 1 StPO abgegeben hat – aus
den Unterlagen geht nur eine Erklärung betreffend das Verfahren gegen C.
hervor – für dieses Beschwerdeverfahren in Beachtung der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 118 Abs. 4 StPO als Partei
i.S.v. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO zu betrachten. Dementsprechend ist er
berechtigt, die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft
Lenzburg-Aarau vom 9. März 2022 mit Beschwerde anzufechten (Art. 310
Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 und Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO).
1.3.
Die Voraussetzungen für ein Eintreten auf die Beschwerde sind erfüllt und
geben zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass (vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m.
Art. 385 Abs. 1 StPO). Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde
ist somit einzutreten.
- 5 -
2.
Die Staatsanwaltschaft eröffnet insbesondere dann eine Untersuchung,
wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei, aus der Straf-
anzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender Tatver-
dacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Ein hinreichender Tatverdacht
setzt voraus, dass die erforderlichen Hinweise auf eine strafbare Handlung
konkreter Natur sind. Konkret ist der Tatverdacht dann, wenn eine gewisse
Wahrscheinlichkeit für eine strafrechtliche Verurteilung der beschuldigten
Person spricht. Die Gesamtheit der tatsächlichen Hinweise muss die
plausible Prognose zulassen, dass die beschuldigte Person mit einiger
Wahrscheinlichkeit verurteilt wird. Diese Prognose geht über die
allgemeine theoretische Möglichkeit hinaus. Ein blosser Anfangsverdacht,
d.h. eine geringe Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung aufgrund vager
tatsächlicher Anhaltspunkte (z.B. ungenaue Schilderungen einer anzeige-
erstattenden Person), genügt nicht (LANDSHUT/BOSSHARD, in:
Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweize-
rischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 25 f. zu Art. 309 StPO).
Sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass
die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeu-
tig nicht erfüllt sind, verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtanhandnahme
(Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO). Die Frage, ob ein Strafverfahren über eine
Nichtanhandnahme erledigt werden kann, beurteilt sich nach dem aus dem
Legalitätsprinzip abgeleiteten Grundsatz "in dubio pro duriore" ("im Zweifel
für das Härtere"; Urteil des Bundesgerichts 6B_1095/2015 vom 8. März
2016 E. 2.1 mit Hinweisen). Danach darf die Nichtanhandnahme gestützt
auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nur in sachverhaltsmässig und rechtlich
klaren Fällen ergehen, so bei offensichtlicher Straflosigkeit, wenn der
Sachverhalt mit Sicherheit nicht unter einen Straftatbestand fällt, oder bei
eindeutig fehlenden Prozessvoraussetzungen. Im Zweifelsfall, wenn die
Nichtanhandnahmegründe nicht mit absoluter Sicherheit gegeben sind,
muss das Verfahren eröffnet werden (Urteil des Bundesgerichts
6B_151/2019 vom 17. April 2019 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.
3.1.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führt in der angefochtenen
Verfügung aus, das Regionale Betreibungsamt R. habe bei der
Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Strafanzeige gegen C. erhoben, da
dieser den eigenen Betreibungsregisterauszug gefälscht und diesen der D.
AG vorgelegt haben soll. Der gefälschte Betreibungsregisterauszug von C.
vom 14. Januar 2019 habe zwei Seiten umfasst und lediglich einen
Verlustschein in Höhe von Fr. 336.10 aufgewiesen, wogegen der korrekte
Betreibungsregisterauszug von C. vom 23. August 2021 vier Seiten
umfasst habe mit Verlustscheinen im Gesamtbetrag von Fr. 42'297.50. Der
gefälschte Betreibungsregisterauszug der Beschuldigten vom
- 6 -
14. Januar 2019 habe eine Seite umfasst und keine Betreibungen oder
Verlustscheine aufgewiesen, wogegen der korrekte
Betreibungsregisterauszug der Beschuldigten vom 24. August 2021 vier
Seiten umfasst habe mit Verlustscheinen im Gesamtbetrag von
Fr. 19'925.36. C. habe anlässlich der Einvernahme bei der Kantonspolizei
Aargau am 1. Dezember 2021 ausgesagt, dass alles, was die Wohnung
betroffen habe, die Beschuldigte gemacht habe; er habe den gefälschten
Betreibungsregisterauszug nicht eingereicht. Er wisse nicht, woher der
gefälschte Betreibungsregisterauszug stamme; er habe ihn noch nie
gesehen. Er habe keine Urkunde gefälscht. Anlässlich der Einvernahme
vom 1. Dezember 2021 bei der Kantonspolizei Aargau habe die
Beschuldigte ausgesagt, dass sie nicht mehr wisse, ob sie vor Mietbeginn
ihren Betreibungsregisterauszug dem Vermieter habe zukommen lassen
müssen. Sie habe keine Ahnung, woher der gefälschte Betreibungs-
registerauszug stamme; sie habe ihn noch nie gesehen. Die Dokumente
hätten sie und C. eingereicht. Sie habe die Betreibungsregisterauszüge
nicht gefälscht und eingereicht. Abklärungen der Kantonspolizei Aargau
hätten sodann ergeben, dass die D. AG den Eingang der
Betreibungsregisterauszüge nicht zurückverfolgen könne. Der
Beschuldigten könne somit nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden,
dass sie die Betreibungsregisterauszüge gefälscht habe oder habe
fälschen lassen und diese der D. AG eingereicht habe.
3.2.
Dagegen bringt der Beschwerdeführer in der Beschwerde im Wesentlichen
vor, er habe der Beschuldigten und C. eine Wohnung in Q. vermietet. Bei
der Vermittlung der Wohnung sei er von D. AG unterstützt worden. Diese
habe im Vorfeld die Bonität der Beschuldigten und von C. überprüft. Die am
23. August 2021 ausgestellten Betreibungsregisterauszüge zeigten, dass
bereits im Januar 2019 mehr als ein bzw. kein Eintrag im
Betreibungsregister von C. bzw. der Beschuldigten vorhanden gewesen
seien. Die Einträge seien daher nicht erst zwischen Januar 2019 und
August 2021 hinzugekommen, weshalb die Betreibungsregisterauszüge
vom 14. Januar 2019 offensichtlich gefälscht seien. Die Aussagen der
Beschuldigten und von C. seien widersprüchlich und die Aussage von C.,
nichts mit den eingereichten Dokumenten zu tun gehabt zu haben,
erscheine wenig glaubhaft. Allein die Beschuldigte und C. hätten ein
Interesse daran gehabt, die Betreibungsregisterauszüge zu fälschen, da
sie sich damit einen Vorteil, nämlich den Zuschlag für eine Wohnung,
hätten versprechen können. Letztlich gehe aus den Vorakten nicht hervor,
welche Abklärungen die Kantonspolizei Aargau im Zusammenhang mit D.
AG vorgenommen habe. Einzig im Polizeirapport vom 18. Dezember 2021
sei festgehalten, "Die Firma D. AG kann den Eingang der
Beitreibungsregisterauszüge nicht zurückverfolgen". Es habe offensichtlich
weder eine förmliche amtliche Erkundigung noch eine Einvernahme der
damals zuständigen Person der D. AG, E., stattgefunden. Aus der
- 7 -
beigelegten Verzichtserklärung des Beschwerdeführers gegenüber D. AG
vom 24. Januar 2019 (Beschwerdebeilage 3) gehe hervor, dass der D. AG
die beiden gefälschten Betreibungsregisterauszüge vom 14. Januar 2019
vorgelegen seien. Es deute praktisch alles darauf hin, dass das Verhalten
der Beschuldigten strafrechtlich relevant sei bzw. dies nicht mit Sicherheit
ausgeschlossen werden könne. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau
habe mit der angefochtenen Verfügung den Grundsatz "in dubio pro
duriore" verletzt.
3.3.
Dem hält die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau in der Beschwerde-
antwort entgegen, dass sowohl der Beschwerdeführer als auch die
Beschuldigte und C. detailliert einvernommen worden seien. Zutreffend sei,
dass nur die Beschuldigte und C. ein Interesse an der Einreichung der
gefälschten Betreibungsauszüge gehabt hätten. Die D. AG könne jedoch
nicht zurückverfolgen, wer diese Betreibungsauszüge eingereicht habe.
Daran ändere sich nichts, auch wenn man die damals verantwortliche
Person der D. AG einvernommen hätte. Es könne weder der Beschuldigten
noch C. vorgeworfen werden, dass sie/er die Betreibungsregisterauszüge
gefälscht oder die gefälschten Betreibungsregisterauszüge eingereicht
hätten. Es sei auch nicht ersichtlich, wie dies weiter ermittelt werden könne,
da bereits alle Parteien detailliert befragt worden seien. Auch wenn alle
Parteien noch einmal befragt oder miteinander konfrontiert würden, würde
der Nachweis nicht erbracht werden können, da die Beschuldigte und C.
die Aussage verweigern dürften und keiner Wahrheitspflicht unterlägen.
3.4.
Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Replik, dass die
Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau nicht in Abrede stelle, dass der D. AG
im Januar 2019 gefälschte Betreibungsregisterauszüge eingereicht worden
seien. Es werde auch eingeräumt, dass ausschliesslich die Beschuldigte
und C. ein Interesse daran gehabt hätten, die Betreibungsregisterauszüge
zu fälschen bzw. fälschen zu lassen und der D. AG einzureichen. Die
Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau mache überdies keinen Hehl daraus,
dass der vorliegende Sachverhalt strafbar sei. Damit stehe ohne weiteres
fest, dass der Entschluss, keine weiteren Sachverhaltsabklärungen
vorzunehmen, offensichtlich den Grundsatz "in dubio pro duriore" verletze.
Eine Gesprächsnotiz, E-Mail oder ähnliches, die aufzeige, wer sich wann
und wie bei der D. AG erkundigt habe, fehle in den Akten. Es erscheine
nicht ausgeschlossen, dass bei der D. AG nie nachgefragt worden sei. Es
sei unwahrscheinlich, dass ein professionelles Unternehmen wie die D. AG
nicht nachvollziehen könne, wie Betreibungsregisterauszüge und sonstige
Unterlagen in ihre Hände gelangten. Den Strafverfolgungsbehörden sei der
Name der damals zuständigen Person bei der D. AG, E., bekannt. Die
Strafverfolgungsbehörden seien Stand heute nicht sämtlichen
bedeutsamen Tatsachen nachgegangen und es stünden insbesondere
- 8 -
Erkundigungen und Befragungen aus. Es liege ein Verstoss gegen den
Untersuchungsgrundsatz vor.
4.
4.1.
Urkundenfälschung begeht, wer in der Absicht, jemanden am Vermögen
oder an anderen Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen
unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, eine Urkunde fälscht oder
verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern
zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich
erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt, oder aber
eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht (Art. 251 Ziff. 1 StGB).
Urkunden sind u.a. Schriften, die bestimmt und geeignet sind, eine
Tatsache von rechtlicher Bedeutung zu beweisen (Art. 110 Abs. 4 StGB).
Nach der Rechtsprechung kommt dem Betreibungsregisterauszug
Urkundencharakter zu (Urteil des Bundesgerichts 6S.74/2006 vom 3. Juli
2006 E. 4.1). Die Urkundenfälschung im engeren Sinne erfasst das
Herstellen einer unechten Urkunde. Eine Urkunde ist unecht, wenn deren
wirklicher Urheber nicht mit dem aus ihr ersichtlichen Aussteller
übereinstimmt bzw. wenn sie den Anschein erweckt, sie rühre von einem
anderen als ihrem tatsächlichen Urheber her. Verfälschen ist das
eigenmächtige Abändern des gedanklichen Inhalts einer von einem
anderen verurkundeten Erklärung. Der Gebrauch der unechten Urkunde
bedeutet, dass diese der zu täuschenden Person zugänglich gemacht wird,
wobei die blosse Möglichkeit zur Kenntnisnahme genügt (Urteil des
Bundesgerichts 6B_600/2016 vom 1. Dezember 2016 E. 2.3.2).
4.2.
Vorliegend ist unbestritten, dass die Betreibungsregisterauszüge, datiert
vom 14. Januar 2019 unwahr sind. Dies bestätigten die Beschuldigte und
C. anlässlich der Einvernahme (Einvernahme der Beschuldigten vom
1. Dezember 2021, act. 109/Frage 22; Einvernahme von C. vom
1. Dezember 2021, act. 102/Frage 25, act. 103/Frage 33). Die unwahren
Betreibungsregisterauszüge vom 14. Januar 2019 stellen grundsätzlich
unechte bzw. gefälschte Urkunden i.S.v. Art. 251 StGB dar. Die
Beschuldigte und C. bestreiten allerdings beide, die
Beitreibungsregisterauszüge der D. AG eingereicht zu haben und erklären,
sie hätten diese noch nie gesehen (Einvernahme der Beschuldigten vom
1. Dezember 2021, act. 110/Frage 25; Einvernahme von C. vom
1. Dezember 2021, act. 102/Frage 26).
4.3.
4.3.1.
In der Verzichtserklärung vom 24. Januar 2019 (Beschwerdebeilage 3)
bestätigte der Beschwerdeführer gegenüber der D. AG den Erhalt der
- 9 -
Betreibungsregisterauszüge. Es lässt sich daraus weiter entnehmen, dass
es sich um Betreibungsregisterauszüge datiert vom 14. Januar 2019
handelt und dass (einzig) bei C. ein Eintrag besteht. Diese Angaben
stimmen mit denjenigen in den gefälschten Auszügen überein, weshalb
davon auszugehen ist, dass der D. AG tatsächlich die gefälschten Auszüge
eingereicht wurden.
4.3.2.
Dem Anmeldeformular der D. AG für die Mietliegenschaft
(Beschwerdebeilage 2) ist zu entnehmen, dass diesem zwingend ein
aktueller Betreibungsregisterauszug beizulegen ist. Das Anmeldeformular
wurde mit Datum vom 22. Januar 2019 durch die Beschuldigte sowie C.
ausgefüllt und unterzeichnet, womit ohne Weiteres davon auszugehen ist,
dass beide über die Notwendigkeit, der Anmeldung einen
Betreibungsregisterauszug beizufügen, in Kenntnis waren, abgesehen
davon, dass allgemein bekannt ist, dass Vermieter vor Abschluss eines
Mietvertrages in aller Regel einen Auszug aus dem Betreibungsregister
verlangen. Die gefälschten Auszüge führen die Beschuldigte und C. als
Adressaten auf, was belegt, dass die Auszüge datiert vom 14. Januar 2019
direkt von der Beschuldigten bzw. C. beim Amt – also nicht online über eine
Plattform – bestellt und ihnen folglich auch direkt zugestellt oder
abgegeben wurden. Dies passt zur Aussage der Beschuldigten, wonach
sie zur Gemeinde gehe, wenn sie einen Betreibungsregisterauszug
brauche (act. 110/Frage 23). Ausgehend davon, dass die
Betreibungsämter korrekte Auszüge ausstellen und dass die Auszüge vom
14. Januar 2019 direkt der Beschuldigten bzw. C. zugestellt oder
ausgehändigt wurden, bleiben einzig die Beschuldigte und/oder C., welche
die Auszüge gefälscht und der D. AG eingereicht haben könnten. Die
Beschuldigte gab anlässlich ihrer Einvernahme vom 1. Dezember 2021
auch an, dass sie und C. die Dokumente eingereicht hätten (act. 110/Frage
31).
4.3.3.
Nach dem Gesagten bestehen erhebliche Anhaltspunkte dafür, dass die
Beschuldigte und/oder C. die gefälschten Betreibungsregisterauszüge
eingereicht haben könnten. Angesichts der zahlreichen Betreibungen und
Verlustscheine liegt das Interesse an einer Fälschung auch auf der Hand,
wäre der Mietvertrag wohl kaum zustande gekommen, hätte der
Beschwerdeführer die echten Betreibungsregisterauszüge erhalten. Mithin
ist es nicht ausgeschlossen, dass sich die Beschuldigte und C. einen
unrechtmässigen Vorteil verschaffen wollten, bzw. liegen durchaus Indizien
für ein strafbares Handeln der Beschuldigten und C. vor. Es fehlt sodann
an einem alternativen Szenario.
- 10 -
4.4.
Dem Beschwerdeführer ist schliesslich beizupflichten, dass aus den
Untersuchungsakten keine Dokumentation über die Ermittlungen der
Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau bei der D. AG zu finden sind. Im
Polizeirapport der Kantonspolizei Aargau vom 18. Dezember 2021 ist unter
Punkt 5 "Allgemein" festgehalten: "Die Firma D. AG kann den Eingang der
Betreibungsregisterauszüge nicht zurückverfolgen" (act. 65). Es ergibt sich
aus den Unterlagen allerdings nicht, welche Ermittlungen in diesem
Zusammenhang vorgenommen wurden bzw. weshalb diese Aussage
offenbar ohne Weiteres als stimmig hingenommen wurde. Dem
Anmeldeformular der D. AG (Beschwerdebeilage 2) ist zudem zu
entnehmen, dass die Korrespondenz über den Stand der Anmeldung mit
den Mietinteressenten ausschliesslich per E-Mail erfolgt. Demnach
müssten bei der D. AG weitere Korrespondenz mit der Beschuldigten
und/oder C. und damit weitere Anhaltspunkte im Zusammenhang mit der
Einreichung der Betreibungsregisterauszüge zu finden sein. Bei der D. AG
handelt es sich um eine professionelle Immobilienmaklerin. Es ist daher zu
erwarten, dass entsprechend Dossiers geführt und auch selbst nach
Abschluss des Mandats aufbewahrt werden. Im Polizeirapport vom
18. Dezember 2021 ist weiter festgehalten: "Zudem dürfte das
Betreibungsamt R. nur Kenntnis vom manipulierten Betreibungsauszug
von C., [...] haben". Offensichtlich haben beim Regionalen Betreibungsamt
R. keinerlei Ermittlungen stattgefunden. Damit ist nicht geklärt, wer am 14.
Januar 2019 die Betreibungsregisterauszüge bestellt hat bzw. ob diese
tatsächlich, wie aufgrund der Adressierung zu vermuten ist, von der
Beschuldigten bzw. C. bestellt und mit welchem Inhalt die Auszüge
verschickt bzw. ausgehändigt wurden.
4.5.
Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass nicht mit hinreichender
Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass ein strafbares Verhalten der
Beschuldigten vorliegt. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass die
Beschuldigte zusammen mit C. die Betreibungsregisterauszüge gefälscht
und der D. AG eingereicht hat, zumal eine andere Täterschaft nicht
ersichtlich ist. Diesem Verdacht ist daher sorgfältig nachzugehen und kann
es in Nachachtung von Art. 6 StPO nicht sein Bewenden im Bestreiten der
beiden Beschuldigten haben. Drängen sich weitere Ermittlungen auf, kann
nicht von einem sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fall ausgegangen
werden, weshalb eine Nichtanhandnahme diesbezüglich nicht erfolgen
kann. Folglich ist die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft
Lenzburg-Aarau vom 9. März 2022 aufzuheben.
5.
5.1.
Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechts-
mittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Hebt
- 11 -
die Rechtsmittelinstanz einen Entscheid auf und weist sie die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück, so trägt der Kanton die
Kosten des Rechtsmittelverfahrens und, nach Ermessen der Rechtsmittel-
instanz, jene der Vorinstanz (Art. 428 Abs. 4 StPO). Diese letztgenannte
Bestimmung bezieht sich insbesondere auf kassatorische Entscheide über
Beschwerden gemäss Art. 397 Abs. 2 StPO (THOMAS DOMEISEN, in: Basler
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 25 zu
Art. 428 StPO).
Ausgangsgemäss sind die Kosten des vorliegenden Beschwerde-
verfahrens somit auf die Staatskasse zu nehmen.
5.2.
Der Anspruch des Beschwerdeführers auf angemessene Entschädigung
für notwendige Aufwendungen richtet sich nach Art. 433 StPO und hängt
vom Ausgang des Strafverfahrens ab. Es ist deshalb zurzeit nicht möglich,
die Entschädigung für das vorliegende Beschwerdeverfahren festzulegen.
Das Beschwerdeverfahren wird im Rahmen der Regelung der
Entschädigung im Endentscheid zu berücksichtigen sein (Art. 421 Abs. 1
StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_531/2012 vom 27. November
2012 E. 3).