Decision ID: 7c8dbfb9-bc12-4212-95c2-5ebb6362030b
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Sozialamt der Stadt St. Gallen, Brühlgasse 1, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a L._, geboren 1950, meldete sich am 16. Dezember 1997 zum Bezug von IV-
Leistungen an. Er leide an einem immer wiederkehrenden Tumor im Kopf und an
Angstzuständen. Er sei dadurch psychisch und physisch beeinträchtigt. Zudem
bestünden teilweise Alkoholprobleme (act. G 8.1/2.1 ff.). Der behandelnde Arzt, Dr.
med. A._, Innere Medizin FMH, diagnostizierte im Arztbericht vom 10. März 1998
einen anamnestisch chronisch-rezidivierenden Aethyl-Abusus und ein pleomorphes
Adenom Parotis links, Erst-Operation mit Resektion 1978, Parotisektomie links 1988
bei Erst-Rezidiv, Nachresektion vom Zweit-Rezidiv-Knoten 9/97. Dr. A._ attestierte
dem Versicherten für die Dauer vom 13. April bis 31. Mai 1993 und vom 2. September
bis 5. Oktober 1997 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Gesundheitszustand sei
stationär (act. G 8.1/6.1).
A.b Mit Verfügung vom 19. Februar 1998 wurde das Leistungsbegehren des
Versicherten abgelehnt, da es ihm weiterhin zumutbar sei, in seinem Beruf als Koch
ohne wesentliche Einschränkung erwerbstätig zu sein (act. G 8.1/12).
B.
B.a Am 6. Juli 2005 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-Leistungen
an. Er leide an Rückenbeschwerden und an einem tumorartigen Gewächs im Bereich
des linken Ohrs bzw. der linken Gesichtshälfte (act. G 8.1/13.1 ff.). Im Arztbericht vom
29. Juli 2005 diagnostizierte Dr. A._ mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein
anamnestisch chronisch-rezidivierender Aethylabusus, ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom bei ausgeprägter Torsionsskoliose sowie ein Benzodiazepine-
Abusus. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei das pleomorphe Adenom Parotis
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links, ein Knietrauma links Juli 1999 sowie ein Status nach Schädel-Hirn-Trauma nach
Sturz vom 24. Dezember 2004 mit Felsenbein-Längsfraktur links und kleinem
Subduralhämatom rechts temporal. Der Gesundheitszustand des Versicherten sei
stationär. Die Prognose sei insgesamt eher schlecht (act. G 8.1/22.1 f.). Die bisherige
Tätigkeit als Hilfsarbeiter/Tierpfleger (act. G 8.1/22.1) sei dem Versicherten in einem
zeitlichen Rahmen von 4 bis 5 Stunden pro Tag zumutbar. In körperlich leichten
Hilfsarbeiten bestehe je nach Tätigkeit eine 50 bis 70%ige Arbeitsfähigkeit. Diese
Tätigkeiten seien in einem zeitlichen Rahmen von 4 bis 6 Stunden pro Tag zumutbar.
Es bestehe in diesem Pensum keine verminderte Leistungsfähigkeit, wobei dies je nach
beruflicher Tätigkeit differenziert beurteilt werden müsse (act. G 8.1/22.16 f.). Auf
Nachfrage der IV-Stelle, weshalb in angepassten Hilfstätigkeiten nicht eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bestehe, gab Dr. med. A._ an, dass wegen der schweren
Torsionsskoliose mit entsprechenden Wirbelsäulenschmerzen auch für angepasste
Hilfstätigkeiten eine eingeschränkte (50 bis 70%ige) Arbeitsfähigkeit bestehe (act. G
8.1/30).
B.b Die Ärzte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) Dres. B._ und C._
berichteten in der Stellungnahme vom 7. November 2005, dass aus rein orthopädischer
Sicht die für die bisherige Tätigkeit attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit verständlich
sei. Auch bei einer adaptierten Tätigkeit dürfe nicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden, da der Rücken deutlich vermindert belastbar sei und immer
wieder betriebsunübliche Pausen eingelegt werden müssten. In einer
wechselbelastenden Tätigkeit mit der Möglichkeit des Wechselns zwischen Sitzen,
Stehen und Gehen, ohne die Notwendigkeit von Zwangspositionen der Wirbelsäule
sowie ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
70%. Die Arbeitsfähigkeit könne durch eine Entzugsbehandlung nicht gesteigert
werden (act. G 8.1/34.1 f.).
B.c Im Verlaufsbericht vom 31. Juli 2006 gab Dr. med. A._ an, dass sich der
Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert habe. Mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit diagnostizierte Dr. med. A._ im Vergleich zur bisherigen Diagnose
zusätzlich einen Status nach Reoperation eines pleomorphen Adenomes der Parotis
links vom 1. September 2005, eine postoperativ relativ lange persistierende Facialis-
Parese bis Januar 2006, aktuell klinisch rezidivfrei, und einen Status nach
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Interphalangeal-Luxation des linken Daumens vom Januar 2006, eine Interphalangeal-
Arthrodese vom 20. März 2006 bei veralteter und nicht mehr reponierbarer Luxation.
Bezüglich des zuletzt operierten pleomorphen Adenoms bestehe bislang klinisch eine
Rezidiv-Freiheit. Die postoperative Facialisparese mit Verunmöglichung des
Lidschlusses links habe sich bis Ende Januar 2006 weitgehend zurückgebildet. Von
Seiten des linken Daumens bestünden grössere Probleme (act. G 8.1/51.1). Der
erlernte Beruf als Koch sei dem Versicherten in einem zeitlichen Rahmen von 4 bis 5
Stunden pro Tag zumutbar. Die Arthrodese des linken Daumens bewirke eine
zusätzlich verminderte Leistungsfähigkeit von 20%. In körperlich leichten Hilfsarbeiten
bestehe je nach Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit "zwischen 50 und 70%, d.h. 4 – 6
Stunden pro Tag". Aufgrund der Daumen-Arthrodese bestehe in diesem zeitlichen
Rahmen eine verminderte Leistungsfähigkeit, abhängig von der ausgeführten Tätigkeit
(act. G 8.1/51.17).
B.d In der internen Stellungnahme des RAD vom 24. November 2006 führte Dr. B._
aus, dass die von Dr. A._ beurteilte "Verschlechterung" nicht nachvollziehbar sei und
versicherungsmedizinisch keine Relevanz habe. Es sei bezüglich einer
leidensadaptierten Tätigkeit von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (act.
G 8.1/56.1).
B.e In den Vorbescheiden vom 29. und 30. November 2006 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Ablehnung seines Antrages auf eine Invalidenrente (act. G 8.1/62) und
auf berufliche Massnahmen (act. G 8.1/63) in Aussicht. Am 22. Januar 2007 verfügte
die IV-Stelle die Leistungsablehnung (act. G 8.1/64 und 65).
C.
C.a Gegen die Verfügung betreffend die Ablehnung eines Rentenanspruchs richtet sich
die am 22. Februar 2007 erhobene Beschwerde. Der Beschwerdeführer beantragt unter
Kosten- und Entschädigungsfolge die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und
die Zusprache von mindestens einer halben Rente. Eventualiter sei die Angelegenheit
zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der Beschwerdeführer
bringt vor, er sei allein schon aufgrund der Rückenbeschwerden zu 50%
arbeitsunfähig. Hinzu kämen noch ein beschränkt funktionsfähiger Daumen und
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schwere psychische Probleme aufgrund des Gesichtstumors. Die von der
Beschwerdegegnerin berücksichtigte 30%ige Arbeitsunfähigkeit sei daher
unrealistisch. Der Beschwerdeführer rügt weiter, dass die durch den Gesichtstumor
verursachte psychische Belastung nicht abgeklärt und bei der Bemessung des
Invaliditätsgrades nicht berücksichtigt worden sei. Er sei einerseits durch die immer
wiederkehrenden Operationen und die Angst vor weiteren Knoten und andererseits
durch die Folgebeschwerden (Gesichtslähmungen, Augenprobleme) stark belastet (act.
G 1.1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 3. Mai 2007 die
Abweisung der Beschwerde. Sie macht geltend, dass eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen nicht nachvollziehbar sei. Eine
entsprechende Abklärung sei daher nicht angezeigt. Sodann habe die Tumor-
Problematik nur dann einen vorübergehenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, wenn
der Tumor, wie dies alle acht bis zehn Jahre nötig werde, operativ bekämpft werde. Der
Alkohol- und Benzodiazepine-Abusus sei als nicht invalidisierend zu betrachten. Als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stünden das chronische
Lumbovertebralsyndrom sowie die Folgen der operativ sanierten Interphalangeal-
Luxation im Vordergrund. Gestützt auf die internen Stellungnahmen des RAD sei
diesbezüglich von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
auszugehen. Der Einkommensvergleich sei korrekt erfolgt. Die Vornahme eines
"Leidensabzuges" sei nicht gerechtfertigt (act. G 8).
C.c Am 4. Mai 2007 bewilligte das Versicherungsgericht das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten) für
das vorliegende Beschwerdeverfahren (act. G 10).
C.d Replicando führt der Beschwerdeführer aus, dass in Nachachtung der
Untersuchungsmaxime die psychische Belastung durch die Beschwerdegegnerin
abzuklären gewesen wäre. Rechtserhebliche Vorbringen dürften nicht einfach mit der
Bemerkung abgetan werden, sie seien nicht belegt worden. Die dauernde
gesundheitliche Bedrohung durch den Tumor wirke dauerhaft belastend und nicht nur
im Zusammenhang mit Operationen am Tumor. Die psychische Situation habe sich in
den letzten Monaten noch verschlechtert. Er werde mit einem Antidepressivum
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behandelt. Beim linken Daumen bestehe weiterhin eine relevante Beeinträchtigung.
Auch hier habe es die Beschwerdegegnerin versäumt, die verbleibende Einschränkung
abzuklären. Die Umschreibung einer adaptierten Tätigkeit sei überdies nicht genüglich
erfolgt (act. G 15). Mit der Replik vom 8. Juni 2007 reicht der Beschwerdeführer ein
ärztliches Zeugnis von Dr. A._ vom 4. Juni 2007 ein. Darin berichtet Dr. A._, dass
sich die psychische Situation innerhalb der letzten Monate verschlechtert habe, indem
der Beschwerdeführer in eine depressive Episode geraten sei und derzeit mit einem
Antidepressivum behandelt werden müsse. Im Weiteren mache sich der Zustand nach
Interphalangeal-Arthrodese am linken Daumen in zunehmendem Masse störend
bemerkbar, da die Volar-Flexion nicht mehr möglich sei. Der Beschwerdeführer
vermöge deshalb bestimmte feinmotorische Greifbewegungen nicht mehr
durchzuführen (act. G 15.1).
C.e Auf die Einreichung einer Duplik wird verzichtet (act. G 17).

Erwägungen:
1. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet ausschliesslich die
Rentenfrage. Die Verfügung vom 22. Januar 2007 betreffend den Anspruch auf
berufliche Massnahmen ist mangels Beschwerdeerhebung in Rechtskraft erwachsen.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).
2.2 Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem
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Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art.
28 Abs. 1 IVG in der bis 1. Januar 2008 geltenden Fassung).
2.2.1 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in
Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen).
2.2.2 Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt
und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs;
BGE 130 V 349 E. 3.4.2 mit Hinweisen). Für den Einkommensvergleich sind die
Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs
massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage
zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis
zum Verfügungserlass respektive bis zum Einspracheentscheid zu berücksichtigen sind
(BGE 128 V 174).
2.3 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, wird eine
neue Anmeldung nach Art. 87 Abs. 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3 erfüllt sind.
Danach ist von der versicherten Person im Gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der
Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Die
Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditätsgrad
erheblichen Tatsachen eingetreten sein könnte, beurteilt sich durch den Vergleich des
Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ersten Ablehnungsverfügung (bzw. bei mehreren
Ablehnungen seit der letzten unangefochten gebliebenen Ablehnung des
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Leistungsgesuchs) bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen
Verfügung (BGE 130 V 73 E. 3.1). Tritt die Verwaltung nach geglückter
Glaubhaftmachung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell
abzuklären und zu prüfen, ob nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu
bejahen sei (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 20. April 2005 i.S.
M., I 797/2004, E. 1.2).
2.4 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht
uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE
125 V 195 E. 2 mit Hinweisen). Die behördliche und richterliche Abklärungspflicht
umfasst nicht unbesehen alles, was von einer Partei behauptet wird. Vielmehr bezieht
sie sich auf den im Rahmen des streitigen Rechtsverhältnisses (Streitgegenstand)
rechtserheblichen Sachverhalt. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren
Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden
ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen
oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass
besteht (BGE 110 V 53 E. 4a in fine).
3. Die Verwaltung ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers eingetreten.
Aufgrund der medizinischen Aktenlage ist erstellt und von den Parteien unbestritten,
dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der ersten
rentenabweisenden Verfügung vom 22. Mai 1998 (act. G 8.1/11) erheblich
verschlechtert hat. Umstritten ist, ob nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität
vorliegt.
3.1 Die Beschwerdegegnerin stützt die von ihr vorgenommene Berechnung des
Invaliditätsgrades auf die internen RAD-Stellungnahmen vom 7. November 2005 (act.
G 8.1/34.1 f.) und 24. November 2006 (act. G 8.1/56). Darin wurde für eine adaptierte
Tätigkeit (wechselbelastend zwischen Sitzen, Stehen und Gehen, ohne
Zwangshaltungen der Wirbelsäule, ohne Belastung des linken Daumens und Heben
und Tragen von Gewichten bis 10 kg) eine Arbeitsfähigkeit von 70% geschätzt.
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3.2 Bei den genannten Stellungnahmen des RAD handelt es sich um Berichte im Sinne
von Art. 49 Abs. 3 IVV (in der bis Ende 2007 gültigen Fassung). Berichte nach Art. 49
Abs. 3 IVV sind weder medizinische Gutachten im Sinne von Art. 44 ATSG noch
Untersuchungsberichte gemäss Art. 49 Abs. 2 IVV (in der bis Ende 2007 gültigen
Fassung). Ihre Funktion besteht darin, den medizinischen Sachverhalt
zusammenzufassen und zu würdigen. Dazu gehört auch, bei sich widersprechenden
medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine
oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung
vorzunehmen sei. Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht
nicht verwehrt, gestützt auf im Wesentlichen oder sogar ausschliesslich von einem
Versicherungsträger intern eingeholte medizinische Unterlagen zu entscheiden. In
solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem
Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen
sind. Eine fehlende fachspezifische Qualifikation stellt ein Indiz gegen die
Zuverlässigkeit und damit den Beweiswert eines ärztlichen Berichts dar (Urteil des
Bundesgerichts vom 16. November 2007 i.S. B., 9C_341/2007, E. 4.1 mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts vom 20. November 2007 i.S. P., I 142/07, E. 3.4).
3.3 Die RAD-Stellungnahmen und die darin formulierte Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
vermögen nicht zu überzeugen. Denn der RAD schätzte die Arbeitsfähigkeit ohne
eigene klinische Untersuchung. Nicht nachvollziehbar ist namentlich auch, auf welcher
Grundlage der RAD die Hebe- und Traglimite von 10 kg bestimmt hat. Darüber hinaus
sind die RAD-Stellungnahmen – insbesondere diejenige vom 24. November 2006 –
entsprechend ihrer Funktion als verwaltungsinterne Entscheidungshilfe derart kurz
ausgefallen, dass sie den von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an
Arztberichte nicht zu genügen vermögen (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a f.). Die Verneinung
einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes durch den Allgemeinmediziner Dr.
B._ in der RAD-Stellungnahme vom 24. November 2006 (act. G 8.1/56) vermag
ebenfalls wenig zu überzeugen. Er verneint jegliche gesundheitliche Verschlechterung
infolge der Daumenluxation links vom Januar 2006, da Dr. A._ berichte, dass der
Zustand des linken Daumens seit der am 20. März 2006 durchgeführten Arthrodese im
Vergleich zur Zeit, als der Beschwerdeführer "während Wochen mit einem dorsal
luxierten Daumen herumlief", sich verbessert habe (act. G 8.1/51.1). Dr. B._ übersieht
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bei seiner Argumentation, dass die von Dr. A._ ermittelte Verschlechterung vor allem
daher rührt, dass sich trotz der Arthrodese vom März 2006 nicht wieder derjenige
Zustand des linken Daumens habe herstellen lassen, wie er vor der Luxation vom
Januar 2006 bestand.
3.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die RAD-Stellungnahmen für die Frage
der beim Beschwerdeführer verbliebenen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
nicht genügend aussagekräftig sind. Es kann aber auch gestützt auf die ärztlichen
Berichte von Dr. A._ nicht abschliessend darüber befunden werden, in welchem
Ausmass der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tätigkeit arbeitsfähig ist.
Denn Dr. A._ fehlt namentlich bezüglich der Beurteilung der Daumenluxation sowie
des Lumbovertebralsyndroms die erforderliche fachärztliche Qualifikation. Es findet
sich somit in den gesamten Akten keine auf eigenen Untersuchungen beruhende, in
Kenntnis der wesentlichen medizinischen Unterlagen ergangene interdisziplinäre
fachärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Weitere medizinische Abklärungen sind
daher unumgänglich. Gestützt auf die ärztliche Stellungnahme von Dr. A._ vom
4. Juni 2007, worin er über eine Verschlechterung der medizinischen Situation
innerhalb der letzten Monate sowie über eine depressive Phase berichtet (act. G 15.1)
sowie den Alkoholproblemen des Beschwerdeführers bestehen Anhaltspunkte für ein
psychisches Leiden, welches durch einen Psychiater näher abzuklären sein wird.
4.
Zusammenfassend kann gestützt auf die medizinischen Akten nicht abschliessend
beurteilt werden, ob, inwiefern und in welchem Umfang die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer leidensangepassten Tätigkeit eingeschränkt ist. Die
angefochtene Verfügung vom 22. Januar 2007 ist daher aufzuheben und die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine interdisziplinäre
Begutachtung zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit
einhole. Das interdisziplinäre Gutachten hat insbesondere Auskunft darüber zu geben,
welchen Anforderungen die leidensangepasste Tätigkeit genügen muss, welche
konkreten Tätigkeiten als behinderungsangepasst einzustufen sind und in welchem
Umfang und unter welchen Bedingungen dem Beschwerdeführer eine solche Tätigkeit
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zumutbar ist. Hernach hat die Beschwerdegegnerin über den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers erneut zu befinden.
5.
Was die Bestimmung des Invalideneinkommens anbelangt, so vermag die pauschale
Verneinung eines zusätzlichen Abzuges durch die Beschwerdegegnerin nicht zu
überzeugen (vgl. act. G 8, S. 4, Ziffer 8). Denn namentlich aufgrund einer allfälligen
Teilzeitanstellung, des erhöhten Krankheitsrisikos, des erhöhten "betriebsunüblichen"
zusätzlichen Pausenbedarfes (act. G 8.1/34.1) sowie des fortgeschrittenen Alters des
Beschwerdeführers bestehen zumindest Anhaltspunkte für einen zusätzlichen Abzug
vom Invalideneinkommen. Die Frage, ob und in welchem Umfang Faktoren beim
Beschwerdeführer vorliegen, die einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen, wird die
Beschwerdegegnerin in Nachachtung der ihr diesbezüglich obliegenden
Begründungspflicht (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Mai 2007 i.S. K., I 305/06,
E. 4.1) nach Durchführung der interdisziplinären Begutachtung zu beantworten haben.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 22. Januar 2007 aufzuheben und die
Sache ist zur Anordnung eines interdisziplinären Gutachtens im Sinne der Erwägungen
und zu entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 E. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Da sie gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. b des st. gallischen
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der Sozialversicherungsanstalt und damit Teil
einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt ist, kommt Art. 95 Abs. 3 VRP
(Befreiung von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten) nicht zur Anwendung (vgl.
Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen –
bis
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dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., 2003, Rz 792). Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG hat eine obsiegende beschwerdeführende
Person einen Anspruch auf den Ersatz ihrer Parteikosten. Im Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. März 2008, EL 2007/37, E. 4.2,
hat das Versicherungsgericht eingehend dargelegt, dass auch im Falle einer Vertretung
durch einen beim Sozialamt fest angestellten Rechtsanwalt bei Obsiegen eine
Parteientschädigung durch die unterliegende Beschwerdegegnerin zu entrichten ist
(vgl. auch das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
11. Dezember 2007, IV 2006/147). Die Parteientschädigung bemisst sich nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g
Satz 2 ATSG). In analoger Anwendung der Praxis beispielsweise zu den
Parteientschädigungsansprüchen bei einer Vertretung durch die Procap ist von einem
Kostenansatz auszugehen, der demjenigen eines freiberuflich tätigen Rechtsanwalts
entspricht (wobei allerdings keine Mehrwertsteuer anfällt). Die Parteientschädigung
wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach
der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. Im vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3'000.-- als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht