Decision ID: c9c80fa0-8109-5f09-9832-8fea0863bf0f
Year: 2020
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 13. Dezember 2018 auferlegte der Gemeinderat der Einwohnergemeinde (EG) Diessbach b. Büren A._ und B._ einen Betrag von Fr. 3'027.50 für Geldforderungen betreffend die Lieferung elektrischer Energie und die Netznutzung inkl. Abgaben.
B.
Gegen diese Verfügung erhoben A._ und B._ am 14.  2019 Beschwerde beim Regierungsstatthalteramt (RSA) Seeland. Dieses hiess die Beschwerde mit Entscheid vom 15. Mai 2019 gut und hob die angefochtene Verfügung auf. Es begründete seinen Entscheid mit der mangelnden Verfügungskompetenz der EG Diessbach b. Büren.
C.
Dagegen hat die EG Diessbach b. Büren am 17. Juni 2019  erhoben mit folgenden Rechtsbegehren:
«Der Entscheid des Regierungsstatthalteramtes Seeland vom 15. Mai 2019 sei aufzuheben und es sei die Verfügung der  Diessbach b. Büren vom 13. Dezember 2018 zu bestätigen.
Eventuell sei der Entscheid des Regierungsstatthalteramtes Seeland vom 15. Mai 2019 aufzuheben und es sei der Forderungsbetrag der Einwohnergemeinde Diessbach gegenüber den Beschwerdegegnern für Stromlieferung und Netznutzung für den Zeitraum vom 1. Januar 2018 bis zum 27. September 2018 auf Fr. 2'667.50 festzusetzen.
Subeventuell sei der Entscheid des Regierungsstatthalteramtes  vom 15. Mai 2019 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Unter den gesetzlichen Kostenfolgen.»
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25.02.2020, Nr. 100.2019.207U, Seite 3
Mit Beschwerdeantwort vom 14. August 2019 beantragen A._ und B._ sinngemäss, die Beschwerde sei abzuweisen. Das RSA  schliesst mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2019 ebenfalls auf  der Beschwerde.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig. Die Gemeinde hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind  (Art. 81 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).
1.3 Der vorliegende Entscheid fällt mit Blick auf den Streitwert von unter Fr. 20'000.-- in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 1 des  vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2.
Zu klären ist, ob die Beschwerdeführerin befugt war, in der vorliegenden Streitsache eine Verfügung zu erlassen.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25.02.2020, Nr. 100.2019.207U, Seite 4
2.1 Das RSA Seeland geht davon aus, dass die Stromlieferung Sache der jeweiligen Netzbetreiberinnen und -betreiber bzw. des zuständigen Energieversorgungsunternehmens ist, weshalb die Gemeinde nicht  war, über die strittige Geldforderung eine Verfügung zu erlassen (angefochtener Entscheid E. 9). Die Beschwerdeführerin macht hingegen geltend, sie selber sei Betreiberin ihres Elektrizitätsversorgungsnetzes und habe gestützt auf ihr Reglement über die allgemeinen Bedingungen für den Netzanschluss, die Netznutzung und die Lieferung elektrischer Energie vom 12. Mai 2009 (Energiereglement) die geschuldeten Abgaben für den Strom im Bestreitungsfall durch Verfügung festzulegen. Für die  erscheint die Zuständigkeit der Gemeinde unklar.
2.2 Gemäss Art. 7a Abs. 1 und 2 des alten kantonalen Energiegesetzes vom 14. Mai 1981 (aEnG; GS 1981 S. 115, BAG 95-73) war die  mit leitungsgebundener Energie eine öffentliche Aufgabe der  (BVR 2018 S. 259 E. 2.2). Das neue Kantonale Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1) weist die Aufgabe der Versorgung mit leitungsgebundener Energie nicht mehr generell den Gemeinden zu. Vielmehr sind Planung, Bau, Unterhalt und Finanzierung des  Sache der zuständigen Energieversorgungsunternehmen (Art. 18 Abs. 1 KEnG). Die Netzbetreiberinnen und -betreiber sind aufgrund von Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 23. März 2007 über die  (Stromversorgungsgesetz, StromVG; SR 734.7) verpflichtet, in ihrem Netzgebiet alle Endverbraucherinnen und -verbraucher innerhalb der Bauzone und ganzjährig bewohnte Liegenschaften und Siedlungen  der Bauzone sowie alle Elektrizitätserzeugerinnen und -erzeuger an das Elektrizitätsnetz anzuschliessen. Es besteht damit von  wegen ein Rechtsanspruch auf Anschluss an das Elektrizitätsnetz (Jäger/Scheidegger, in Kratz/Merker/Tami/Rechsteiner/Föhse [Hrsg.],  zum Energierecht, Band I, 2016 [nachfolgend: Kommentar , Band I], S. 1248 f. N. 26 f.; Peter M. Keller, Umwelt- und , in Müller/Feller [Hrsg.], Bernisches Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2013, S. 593 ff. [nachfolgend: Umwelt- und Energierecht], S. 628 N. 90). Den festen Endverbraucherinnen und -verbrauchern, d.h. den Haushalten und den anderen Endverbraucherinnen und -verbrauchern mit einem  von weniger als 100 MWh pro Verbrauchsstätte (Art. 6 Abs. 2
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25.02.2020, Nr. 100.2019.207U, Seite 5
StromVG), wie auch den Endverbraucherinnen und -verbrauchern, die auf einen Netzzugang verzichten, räumt Art. 6 Abs. 1 StromVG zudem einen Rechtsanspruch auf Lieferung der gewünschten Menge an Elektrizität ein (Leitner/Rothenfluh, Kommentar Energierecht, Band I, S. 1279 N. 13 f.). Die Betreiberinnen und Betreiber der Verteilnetze sind verpflichtet, ihnen jederzeit die gewünschte Menge an Elektrizität mit der erforderlichen  und zu angemessenen Tarifen zu liefern (BGE 142 II 451 E. 4.5.3, 137 I 120 E. 5.3; zum Ganzen Botschaft des Bundesrats zur Änderung des Elektrizitätsgesetzes und zum Stromversorgungsgesetz, in BBl 2005 S. 1611 ff., 1644 f.). Für andere leitungsgebundene Energie (Fernwärme, Fernkälte und Gas) besteht hingegen auch im bernischen kantonalen Recht keine allgemeine gesetzliche Lieferungspflicht mehr (Peter M. Keller, Umwelt- und Energierecht, S. 628 N. 91 f.; zum Ganzen BVR 2018 S. 259 E. 2.3).
2.3 In Frage steht die Belieferung der Beschwerdegegnerschaft als feste Endverbrauchende im Rahmen der Grundversorgung mit Strom. Die Grundversorgung mit Strom zeichnet sich durch den Rechtsanspruch der Bezügerinnen und Bezüger auf Anschluss an das Elektrizitätsnetz und die Lieferungspflicht der zuständigen Netzbetreiberinnen und -betreiber aus (E. 2.2 hievor). In der Regel haben die festen Endverbraucherinnen und -verbraucher auch keine Möglichkeit, Strom von jemand anderem zu  (BGE 141 II 141 E. 4.4; BGer 2C_339/2017 vom 24.5.2018 E. 1.2.3). Die Rahmenbedingungen des Rechtsverhältnisses sind damit zu  Teilen durch das öffentliche Recht des Bundes geordnet (BVR 2018 S. 259 E. 2.5.4). Es liegt damit eine verwaltungsrechtliche Streitsache vor (BVR 2018 S. 259 E. 2.6; BGE 144 III 111 E. 5.1 S. 114 oben mit ). Davon gehen auch alle Verfahrensbeteiligten aus.
2.4 Die Gemeinde bringt zu Recht vor, dass sie entgegen der  des RSA Seeland Netzbetreiberin ist: Die Kantone bezeichnen die Netzgebiete der auf ihrem Gebiet tätigen Netzbetreiber (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 StromVG). Im Kanton Bern erfolgte die Bezeichnung der Netzgebiete gemäss den bisherigen Betriebsverhältnissen am Elektrizitätsnetz (Art. 3 Abs. 2 der inzwischen ausser Kraft getretenen Einführungsverordnung zum Stromversorgungsgesetz vom 19. November 2008 [EV StromVG; BAG 09-
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25.02.2020, Nr. 100.2019.207U, Seite 6
1]) und deren Zuteilung zum Netzbetrieb an die bisherigen Netzbetreiber (Art. 4 Abs. 1 Satz 1 EV StromVG). Das damalige Amt für  und Energie des Kantons Bern (AUE; heute: Amt für Umwelt und Energie) teilte gestützt auf Art. 5 Abs. 1 Satz 1 EV StromVG mit Verfügung vom 3. September 2012 (Beschwerdebeilage 5) der Beschwerdeführerin das Gebiet der Gemeinde Diessbach b. Büren als Netzgebiet der  7 zu (Niederspannungsebene zur Versorgung der Haushalte; <www.swissgrid.ch˃, Rubriken «Netzbetrieb/Stromnetz/Netzebenen»). Das AUE führt gemäss Art. 11 der Kantonalen Energieverordnung vom 26. Oktober 2011 (KEnV; BSG 741.111) einen öffentlichen Kataster der Netzgebiete, aus dem ersichtlich ist, welchen Netzbetreiberinnen und - die Gebiete zugeteilt sind und wer in diesen Gebieten das  am Netz hat (einsehbar unter <www.geo.apps.be.ch˃, Rubriken «/Kataster der Netzgebiete»). Im kantonalen Kataster der Netzgebiete ist das Gemeindegebiet von Diessbach b. Büren auf der Netzebene 7 nach wie vor der Beschwerdeführerin zugeteilt. Damit steht fest, dass die Beschwerdegegnerschaft ihre Grundversorgung mit Strom von der EG Diessbach b. Büren bezieht bzw. diese ihre Stromlieferantin ist.
2.5 Gemäss Art. 61 des Gemeindegesetzes vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11) erfüllen die Gemeinden die ihnen übertragenen und die selbstgewählten Aufgaben (Abs. 1). Gemeindeaufgaben können alle  sein, die nicht ausschliesslich vom Bund, vom Kanton oder von anderen Organisationen erfüllt werden (Abs. 2). Die Gemeinden  selbstgewählte Aufgaben durch einen Erlass oder einen Beschluss des zuständigen Gemeindeorgans (Art. 62 GG; zum Ganzen vgl. Art. 56 f. des Organisationsreglements der EG Diessbach b. Büren vom 3. Juni 2014). Mit dem Erlass ihres Energiereglements hat die Beschwerdeführerin die Stromversorgung auf ihrem Gemeindegebiet zur Gemeindeaufgabe erklärt. Gemäss Art. 49 Abs. 1 VRPG regelt die zuständige Behörde -rechtliche Rechtsverhältnisse von Amtes wegen oder auf Gesuch hin mit einer Verfügung, es sei denn, das Gesetz sehe etwas anderes vor oder verweise zur Streiterledigung auf den Klageweg (sog. Vorrang der ). Daraus ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin entgegen der  des RSA Seeland zuständig ist, über die strittigen  betreffend die Lieferung elektrischer Energie und die Netznutzung inkl.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25.02.2020, Nr. 100.2019.207U, Seite 7