Decision ID: 43424c15-a129-43cc-9444-1afafd0ff49c
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Vergewaltigung etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 16. Mai 2011 (DG100643)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 16. Dezember 2010
(Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,
− des versuchten strafbaren Schwangerschaftsabbruchs im Sinne von
Art. 118 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 123 Ziff. 2 Abs. 4 StGB und
Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB sowie
− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 187
Tage durch Haft erstanden sind, sowie einer Busse von Fr. 1'000.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate, abzüg-
lich 187 Tage, die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzo-
gen. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
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5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 5'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 8. September 2009 als Genugtuung zu bezahlen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 3'680.05 Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. 15'914.05 amtliche Verteidigung
Fr. 9'841.70 unentgeltliche Privatklägerinvertretung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens sowie der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin B._ werden dem Beschul-
digten auferlegt, aber definitiv abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(HD Urk. 115 S. 1)
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 16. Mai
2011 vollumfänglich aufzuheben.
2. Es sei der Beschuldigte von den Vorwürfen der Vergewaltigung, der
Drohung, der mehrfachen Tätlichkeit, des versuchten strafbaren
Schwangerschaftsabbruches und der versuchten einfachen Körperver-
letzung frei zu sprechen.
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3. Es seien die gesamten Verfahrenskosten inklusive derjenigen der amt-
lichen Verteidigung der Staatskasse zu überbinden.
4. Es sei dem Beschuldigten für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren
eine angemessene Prozessentschädigung sowie eine Genugtuung von
Fr. 200.– pro Hafttag aus der Staatskasse auszurichten.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(HD Urk. 103; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Privatklägerschaft:
(HD Urk. 113 S. 4)
1. Es sei die Berufung abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden
kann.
2. Die Kosten seien dem Appellanten aufzuerlegen.
3. Der Rechtsbeistand der Geschädigten sei aus der Gerichtskasse zu
entschädigen und die Kosten dem Appellanten aufzuerlegen.
_

Erwägungen:
I.
1. Das Bezirksgericht Zürich, 4. Abteilung, sprach den Beschuldigten am
16. Mai 2011 anklagegemäss der Vergewaltigung, des versuchten strafbaren
Schwangerschaftsabbruchs, der versuchten einfachen Körperverletzung, der
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Drohung sowie der mehrfachen Tätlichkeiten schuldig. Der Beschuldigte wurde zu
30 Monaten Freiheitsstrafe sowie einer Busse von Fr. 1'000.– verurteilt, wobei der
Vollzug von 24 Monaten Freiheitsstrafe bedingt aufgeschoben und festgestellt
wurde, dass der zu vollziehende Rest der Strafe (6 Monate) bereits durch Unter-
suchungshaft erstanden sei. Dieses Urteil wurde im Anschluss an die bezirksge-
richtliche Hauptverhandlung mündlich eröffnet und im Dispositiv an die Parteiver-
treter ausgehändigt (Prot. I S. 11).
2. Innert der gesetzlichen Frist von 10 Tagen wurde keine Berufung ange-
meldet. Nachdem das begründete Urteil am 12. August 2011 dem damaligen amt-
lichen Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. Z._, zugestellt
worden war (HD Urk. 58/3), reichte dieser beim Obergericht (an sich fristgerecht)
am 14. August 2011 eine Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO
ein (HD Urk. 63).
Mit Eingabe vom 1. September 2011 (HD Urk. 64; Urk. 65/1) legitimierte sich
Rechtsanwältin lic. iur. X._ als neue Verteidigerin des Beschuldigten. Sie er-
neuerte die Berufungserklärung, stellte einen Beweisantrag und ersuchte um Be-
stellung als amtliche Verteidigerin des Beschuldigten. Mit Präsidialverfügung vom
22. September 2011 wurde Rechtsanwalt lic. iur. Z._ als amtlicher Verteidi-
ger des Beschuldigten entlassen und Rechtsanwältin lic. iur. X._ als neue
amtliche Verteidigerin bestellt. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist im
Sinne von Art. 94 Abs. 2 StPO angesetzt, um ein allfälliges Gesuch um Wieder-
herstellung der Frist zur Anmeldung der Berufung bei der Vorinstanz einzureichen
(HD Urk. 66).
Mit Eingabe vom 23. September 2011 stellte der Beschuldigte ein Gesuch
um Wiederherstellung der Berufungsanmeldungsfrist (HD Urk. 68). Dieses wurde
von der Vorinstanz mit Beschluss vom 25. Oktober 2011 gutgeheissen (HD
Urk. 79 = HD Urk. 81).
3. Mit Präsidialverfügung vom 7. November 2011 wurde der Staatsanwalt-
schaft sowie der Privatklägerin Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erhe-
ben oder Nichteintreten zu beantragen (HD Urk. 83). In der Folge verzichtete so-
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wohl die Staatsanwaltschaft als auch die Privatklägerin auf Anschlussberufung
(HD Urk. 85; HD Urk. 88). Die Privatklägerin liess indes den Antrag stellen, dass
auf die Berufung des Beschuldigten nicht einzutreten sei (HD Urk. 88 S. 1 und HD
Urk. 113 S. 1; dazu unten Ziff. II.1.).
4. In Gutheissung des Beweisantrags der amtlichen Verteidigerin vom
1. September 2011 wurde ein ärztliches Gutachten betreffend die Erektionsfähig-
keit des Beschuldigten eingeholt (vgl. HD Urk. 64, 93, 96, 97 und 98). Das durch
Dr. med. C._ erstellte Aktengutachten vom 28. März 2012 liegt als HD
Urk. 100 in den Akten.
5. Mit Eingabe vom 31. August 2012 stellte die Verteidigung die Beweisan-
träge, die Privatklägerin sei anlässlich der Berufungsverhandlung erneut einzu-
vernehmen und es sei ein Glaubhaftigkeitsgutachten über sie zu erstellen. Zudem
seien die Tante und der Onkel der Privatklägerin zu den Ereignissen vom
19. September 2012 [recte: 18. September 2010] einzuvernehmen (HD Urk. 105).
Diese Beweisanträge wurden mit Präsidialverfügung vom 19. September 2012
einstweilen abgewiesen (HD Urk. 109). Mit Eingabe vom 11. September 2012
reichte die Verteidigung zudem ein Gutachten der D._ AG bezüglich des Ge-
sundheitszustands des Beschuldigten ein, welches zu den Akten genommen wur-
de (HD Urk. 106/1-2).
6. Die Verteidigung hielt anlässlich der Berufungsverhandlung an ihren Be-
weisanträgen fest und stellte den weiteren Beweisantrag, es sei die in ihrem Plä-
doyer in N 15 genannte Filmsequenz zu visionieren (HD Urk. 115 S. 14; Prot. II
S. 12).
II.
1. Der Vertreter der Privatklägerin stellte den Antrag, dass auf die Berufung
des Beschuldigten nicht einzutreten sei (HD Urk. 88 S. 1; HD Urk. 113 S. 1). Er
macht (sinngemäss und zusammengefasst) geltend, die Berufung sei verspätet
im Sinne von Art. 403 Abs. 1 lit a StPO und begründet dies damit, es sei davon
auszugehen, dass der Beschuldigte bei Ablauf der Berufungsanmeldungsfrist
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noch keinen Willen gehabt habe, Berufung einzulegen. Erst als ihm aufgrund des
Schreibens des Bundesamtes für Migration vom 19. August 2011 bewusst gewor-
den sei, dass er bei einer Verurteilung das Land zu verlassen haben dürfte, habe
der Beschuldigte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um doch noch eine Berufung
anmelden zu können. Dabei sei ihm sein vormaliger Verteidiger zu Hilfe gekom-
men mit seiner Behauptung, er habe die Berufungsanmeldung per A-Post ver-
schickt. Es sei deshalb daran festzuhalten, dass jedenfalls "nicht ohne Befragung
des vormaligen Verteidigers [...] von einer rechtzeitigen Berufung ausgegangen"
werden könne (HD Urk. 88 mit Verweis auf HD Urk. 77).
Den Ausführungen des Rechtsvertreters der Privatklägerin kann nicht ge-
folgt werden. Dieser bringt nichts vor, was er nicht schon im Rahmen des Wieder-
herstellungsverfahrens der Berufungsanmeldungsfrist vor Vorinstanz dargetan
hatte. Die Vorinstanz verwarf mit Beschluss vom 25. Oktober 2011 seine Argu-
mentation mit überzeugender Begründung (HD Urk. 81). Insbesondere hielt sie zu
Recht fest, dass das E-Mail des Beschuldigten vom 16. Mai 2011 an seinen vor-
maligen Verteidiger zeige, dass der Beschuldigte den Entschluss zur Berufung
nicht erst nach Erhalt des Schreibens des Bundesamtes für Migration, sondern
bereits am Tag der mündlichen Urteilseröffnung gefasst habe (HD Urk. 81 S. 5
und 7). Überzeugend hat sie auch ausgeführt, dass nicht nachvollziehbar sei,
dass der vormalige Verteidiger dem Beschuldigten einen Gefallen habe tun wol-
len, zumal das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen bereits gestört gewesen sei
(a.a.O. S. 6). Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht die Frist zur Berufungsanmel-
dung wiederhergestellt und vorgemerkt, dass die Berufung durch den Beschuldig-
ten erfolgt ist. Inwiefern eine Befragung des vormaligen Verteidigers an diesem
Resultat etwas zu ändern vermöchte, ist nicht ersichtlich, zumal dieser auch zu-
handen der Berufungsakten schriftlich bestätigt hatte, dass der Beschuldigte in-
nert der Berufungsanmeldungsfrist auf einer Berufung bestanden habe (HD Urk.
73). Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass auch die Berufungserklärung
des Beschuldigten vom 1. September 2011 (HD Urk. 64) fristgerecht erfolgt ist
(vgl. HD Urk. 82).
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Die Berufungsanmeldung und -erklärung des Beschuldigten sind demnach
nicht verspätet oder unzulässig im Sinne von Art. 403 Abs. 1 lit.a StPO. Auch wei-
tere Eintretenshindernisse gemäss Art. 403 StPO sind nicht ersichtlich und wer-
den im Übrigen von der Privatklägerin auch nicht geltend gemacht. Auf die Beru-
fung des Beschuldigten ist deshalb einzutreten.
2. Vor Vorinstanz machte der damalige Verteidiger geltend, dass der erste
Absatz in Anklagepunkt I.1. der Anklageschrift vom 16. Dezember 2010 (betref-
fend den Vorwurf der mehrfachen Tätlichkeiten) dem Anklageprinzip nicht genü-
ge, weil die zeitlichen Angaben nicht präzise seien (HD Urk. 46 S. 4). Die Vor-
instanz hat diesen Vorwurf mit zutreffender Begründung entkräftet, weshalb zur
Vermeidung unnötiger Wiederholungen darauf verwiesen werden kann (Art. 82
Abs. 4 StPO; Urk. 62 S. 6 f. Ziff. 3).
Weiter hat die Vorinstanz zu Recht mehrere kleinere Berichtigungen an der
Anklageschrift vorgenommen, worauf wiederum zu verweisen ist (HD Urk. 62
S. 7 f.).
III.
1. Der Beschuldigte bestritt in der Untersuchung, anlässlich der erstinstanz-
lichen Hauptverhandlung und auch heute die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.
Sämtliche eingeklagten Vorwürfe – mehrfache Tätlichkeiten gemäss Ankla-
geziffer I.1., versuchte einfache Körperverletzung, eventualiter Tätlichkeit, sowie
versuchter Schwangerschaftsabbruch gemäss Anklageziffer I.2., Drohung ge-
mäss Anklageziffer I.3. und Vergewaltigung gemäss Anklageziffer II. – beruhen im
Wesentlichen auf den Aussagen der Privatklägerin, weshalb es angezeigt ist, die-
se gesamthaft einer Beweiswürdigung zu unterziehen.
2. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten, der Privatklägerin
und einer weiteren Zeugin (Dr. med. E._) sowie die im Wahrnehmungsbe-
richt vom 12. Dezember 2009 festgehaltenen Beobachtungen der Polizeibeamtin
F._ ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb zur Vermeidung un-
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nötiger Wiederholungen darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; HD
Urk. 62 S. 12-28 und S. 30-46). Anzufügen ist an dieser Stelle, dass entgegen der
Auffassung der Verteidigung zur Erstellung eines Wahrnehmungsberichts zu einer
Einvernahme keine besonderen Fähigkeiten erforderlich sind bzw. dass eine er-
fahrene Polizeibeamtin durchaus in der Lage ist, einen solchen zu erstellen (HD
Urk. 115 S. 37 f.).
3. Da der Beschuldigte nicht geständig ist, muss die Anklagebehörde nach
der allgemeinen und insbesondere auch in Art. 6 Ziff. 2 EMRK statuierten Un-
schuldsvermutung in allen eingeklagten Punkten die Schuld des Angeklagten
bzw. die eine Strafe begründenden Tatsachen dartun und nachweisen. Wie viel-
fach bei Sexualdelikten und Delikten häuslicher Gewalt stehen sich auch hier die
Aussagen des Beschuldigten den Aussagen der Geschädigten bzw. Privatkläge-
rin gegenüber. Bei dieser Situation ist der Sachverhalt aufgrund der Untersu-
chungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein-
gültigen Beweisregeln zu erstellen. Es ist nachfolgend zu prüfen, ob aufgrund der
in der Strafuntersuchung erhobenen Beweise mit rechtsgenügender Sicherheit
erstellt werden kann, dass der Beschuldigte die ihm zur Last gelegten Delikte be-
gangen hat. Ein Schuldspruch setzt nicht absolute Gewissheit voraus, denn eine
solche lässt sich – insbesondere bei einem nichtgeständigen Beschuldigten –
kaum je erreichen; es genügt für eine Verurteilung vielmehr, wenn die richterli-
chen Überlegungen auf einem verstandesmässig einleuchtenden Schluss beru-
hen und auch vom unbefangenen Beobachter nachvollzogen werden können. An
die Beweise sind prinzipiell hohe Anforderungen zu stellen.
Bei der Beweiswürdigung ist zunächst zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte, als direkt in das vorliegende Verfahren Involvierter, ein – durchaus le-
gitimes – Interesse daran haben dürfte, die Geschehnisse in einem für ihn günsti-
gen Licht darzustellen. Seine Aussagen sind demnach mit einer gewissen Vor-
sicht zu würdigen. Auch die Privatklägerin hat als Verfahrensbeteiligte ein gewis-
ses Interesse am Ausgang des Verfahrens, weshalb auch ihre Aussagen mit der
gebotenen Zurückhaltung zu würdigen sind.
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In erster Linie massgebend ist aber nicht die prozessuale Stellung der Aus-
sagenden, sondern der materielle Gehalt der Aussagen. Die Überzeugungskraft
einer Aussage hängt vorwiegend von deren inneren Gehalt ab, verbunden mit der
Art und Weise, wie die fragliche Person ihre Angaben vorträgt (Hauser/Schweri,
Schweizerisches Strafprozessrecht, 4. Auflage, Basel 1999, § 54 N 5). Es darf
demgemäss nicht einfach auf die Persönlichkeit und die allgemeine Glaubwürdig-
keit der aussagenden Person abgestellt werden, auch wenn diesen Gesichts-
punkten eine gewisse Bedeutung zukommt. Massgeblich ist aber vielmehr die
Aussagenanalyse, d.h. die kritische Würdigung der konkreten einzelnen Aussa-
gen. Zu ihrer zuverlässigen Beurteilung ist die Aussage insbesondere auf das
Vorhandensein von Realitätskriterien und das Fehlen von Lügensignalen zu über-
prüfen (Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen,
SJZ 81 (1985) S. 53 ff.; Bender/Nack, Tatsachenfestestellungen vor Gericht,
Band I, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, 2. Auflage, München 1995, S. 62 ff.).
Die wichtigsten Realitätskriterien sind innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit
in der Darstellung des Geschehnisablaufes, konkrete und anschauliche Wieder-
gabe des Erlebnisses sowie eine Schilderung des Vorfalles in so charakteristi-
scher Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selber
miterlebt hat (Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit Berücksichti-
gung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). Andererseits sind auch allfällige
Phantasie- und Lügensignale zu berücksichtigen. Als Indizien für falsche Aussa-
gen gelten Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen,
Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen Anschul-
digungen, Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von mehreren
Einvernahmen, unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten sowie
gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen. Fehlen Realitätskrite-
rien oder finden sich Lügensignale, so gilt dies als Indiz für eine Falschaussage.
4. Die Verteidigung macht geltend, die Aussagen der Privatklägerin, welche
sie als Zeugin machte, seien nicht verwertbar, da sie als Auskunftsperson hätte
einvernommen werden sollen (HD Urk. 115 S. 3 ff.). Massgebend ist dazu § 149a
StPO/ZH, welcher zum Zeitpunkt der Einvernahme in Kraft war. Dessen Ziffer 4
besagt, dass statt als Zeuge als Auskunftsperson einvernommen wird, wer vom
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Beschuldigten ausdrücklich bezichtigt wird, ihn im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1
StGB falsch angeschuldigt zu haben. Schon gemäss Wortlaut des Gesetzes hat
diese Anschuldigung ausdrücklich und nicht bloss andeutungsweise oder sinn-
gemäss zu erfolgen. Dabei ist davon auszugehen, dass eine Strafanzeige einge-
reicht und ein Verfahren eröffnet wird. Wenn das Verfahren eingestellt oder der
Vorwurf durch Freispruch beseitigt wird, kann die Person wiederum als Zeuge
einvernommen werden (vgl. Schmid, Strafprozessrecht, 4. Auflage, N 659g und h
mit Verweis auf Fn 206). Die Bestreitung der Vorwürfe reichte somit unter der Gel-
tung der Zürcher Strafprozessordnung nicht aus, um statt als Zeuge als Aus-
kunftsperson befragt zu werden. Der Beschuldigte hat hingegen nie eine Strafan-
zeige gegen die Privatklägerin wegen falscher Anschuldigung gestellt. Auch die
blosse Absicht dazu genügt nicht, weshalb sich weitere Abklärungen dazu erübri-
gen (HD Urk. 115 S. 4). Da nie ein Verfahren gegen die Privatklägerin wegen fal-
scher Anschuldigung eröffnet wurde, wurde sie formell korrekt als Zeugin befragt.
Ihre Aussagen sind verwertbar.
4.1. In Würdigung der Aussagen der Privatklägerin ist festzuhalten, dass
diese die eingeklagten Geschehnisse im Kerngehalt konstant schilderte, ihre Dar-
stellung insgesamt hinreichend detailliert ausgefallen ist und geschlossen wirkt.
Ihre konkrete und anschauliche Wiedergabe der Erlebnisse lässt auf tatsächlich
Erlebtes schliessen.
a) Beispielhaft sei etwa auf ihre Schilderung des Vorfalls vom 18. Septem-
ber 2009 (Anklageziffer I.2. und I.3.) hingewiesen. Anlässlich der polizeilichen Be-
fragung vom 19. September 2009 gab sie an, dass sie das Essen vorbereitet ha-
be und der Beschuldigte am Computer gewesen sei, als er sich aufgeregt habe,
weil er gemeint habe, dass sie telefoniert habe. Er habe sie dann mit der flachen
Hand ins Gesicht geschlagen und anschliessend beide Handgelenke festgehal-
ten. Danach habe er ihr mit der Hand den Mund zugehalten, damit sie nicht
schreien könne, und habe sie gleichzeitig mit einer Tasche gegen den Bauch ge-
schlagen. Er habe dann gesagt, dass er das Messer nehmen und sie und das
Kind umbringen würde, wenn sie die Polizei anrufen würde. Danach habe er sie in
das Badezimmer geschleppt und den Kopf unter das kalte Wasser gehalten, da-
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mit sie nicht weine (Urk. 4 S. 3). Anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 19. No-
vember 2009 sagte sie bestätigend und präzisierend aus, dass sie in der Küche
und der Beschuldigte "im Internet" gewesen sei. Aufgrund einer Auseinanderset-
zung über das Telefonieren habe er angefangen, in der Küche auf sie einzuschla-
gen. Er habe ihr die Handgelenke verdreht und dann eine Ohrfeige gegeben. Da-
nach habe sie geweint, ihm das Essen fertig gekocht und ihm serviert. Nach dem
Essen habe er sie erneut geschlagen. Danach sei sie ins Wohnzimmer gegangen
und habe fernsehen wollen. Dort habe er sie nochmals geschlagen. Er habe ihr
den Mund zugehalten, damit die Nachbarn nichts hören würden, und habe sie be-
schimpft. Dann habe er sie mit einer Tasche auf den Bauch geschlagen. Er habe
ihr (u.a.) auch gesagt, dass falls die Polizei kommen würde, er sie mit dem Mes-
ser umbringen würde und weiter, dass es gut wäre, wenn sie das Kind verlieren
würde. Nachdem er sie beim Wohnzimmer beim Fernsehen geschlagen habe,
habe er eine Frau in ... [Staat] angerufen und am Telefon gelacht, während sie
geweint habe. Da sie geweint habe, habe er sie ins Badezimmer gebracht, wo er
ihr kaltes Wasser auf Kopf und Gesicht geleert habe (HD Urk. 6 S. 3 f., 5 und 6).
Die Privatklägerin machte demnach nicht bloss direkt auf das Beweisthema
gerichtete Aussagen. Vielmehr erzählte sie lebensnah, wie sich der Vorfall "etap-
penweise" während des Zubereitens und nach Verzehr des Abendessens in Kü-
che und Wohnzimmer abgespielt hatte, und bettet diesen damit in einen anschau-
lichen und realistischen Ablauf. Es handelt sich deshalb hier um Schilderungen in
so charakteristischer Weise, wie sie nur von einer Person zu erwarten sind, die
diesen Vorfall selber erlebt hat. Auch etwa ihre Angabe, dass der Beschuldigte –
wie er das [im Zusammenhang mit den Tätlichkeiten gemäss Anklagepunkt I.1.]
oft getan habe (vgl. HD Urk. 4 Nr. 35, Urk. 6 S. 7 oben) – ihr zum Schluss den
Kopf unter den kalten Wasserstrahl gehalten habe, damit sie aufhöre zu weinen
bzw. die Nachbarn nichts hören würden, wirkt authentisch; ein solches nicht nahe-
liegendes, eher ausgefallenes Detail kann man kaum erfinden (vgl. nachstehend
Ziff. 4.5).
Im Übrigen fällt zwar auf, dass die Privatklägerin anlässlich der Zeugenein-
vernahme vom 19. November 2009 tendenziell detailreicher ausgesagt hat, als
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am 19. September 2009, unmittelbar nach dem Vorfall. Dennoch spricht dieser
Umstand nicht gegen die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin. Vielmehr lässt er
sich plausibel damit erklären, dass erst in der Zeugeneinvernahme detaillierter
und beharrlicher nachgefragt wurde. In der am Spitalbett durchgeführten polizeili-
chen Befragung vom 19. September 2009 (HD Urk. 4: "Notrapport") wurde auf
Nachfragen weitgehend verzichtet, was damit zurückgeführt werden kann, dass
auf den noch labilen Zustand der Privatklägerin im Zusammenhang mit ihrer
Schwangerschaft Rücksicht genommen werden musste. Wie die Vorinstanz nicht
nur im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 18. September 2009, sondern gene-
rell zutreffend festgehalten hat (Urk. 62 S. 47 Ziff. 2.2), zeigt sich anhand einzel-
ner Protokollstellen immer wieder, dass diese während des gesamten Untersu-
chungsverfahrens Mühe hatte, die erlebten Ereignisse zu schildern, und nähere
Angaben kaum je von sich, sondern erst auf Nachfragen der Untersuchungsbe-
hörde machte (vgl. z.B. auch noch ihre Aussage vom 10. Februar 2010, in HD
Urk. 10 S. 3: "Ich kann keine Angaben machen, es ist aber möglich, dass ich auf
ihre Fragen antworte"). Hinzu kommt – worauf im Zusammenhang mit dem Vor-
wurf der Vergewaltigung zurück zu kommen sein wird (unten Ziff. 4.3.) – dass sich
die Privatklägerin anfänglich schämte, über das Vorgefallene zu sprechen und
erst der geschützte Aufenthalt im Frauenhaus und Gespräche mit Vertrauensper-
sonen ihr Mut und Vertrauen gaben, sich zu öffnen. Aus diesen Gründen spre-
chen die relativ knappen Erstaussagen der Privatklägerin nicht gegen die Glaub-
haftigkeit ihrer Gesamtdarstellung.
b) Auch die Aussagen der Privatklägerin betreffend den Vorfall vom 7. oder
8. September 2009 (Anklageziffer II; Vorwurf der Vergewaltigung) erscheinen au-
thentisch und realistisch. Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 12. Dezem-
ber 2009 gab sie an (Urk. 8, zusammengefasst), sie sei von einem drei- oder vier-
tägigen Besuch bei ihrem Onkel zurückgekommen, als ihr Ehemann sie am
Bahnhof G._ abgeholt habe. Auf dem Nachhauseweg habe er sie gefragt, ob
sie zu Abend gegessen habe. Ihr Mann habe sich auf dem Weg einen Kebab ge-
kauft, sie habe keinen gewollt. Die Frau des Onkels habe ihr ein Sandwich mitge-
geben. Zu Hause angekommen habe sie sich umgezogen, der Beschuldigte habe
TV geschaut. Was sie danach getan habe, wisse sie nicht mehr, vielleicht sei sie
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in die Küche gegangen, habe die Teller gewaschen und nachher die Stube aufge-
räumt. An etwas allerdings erinnere sie sich genau: Sie habe von ihrem Onkel
Vorhänge mitbekommen. Sie habe deshalb die Vorhänge aus der Stube im
Schlafzimmer montiert und diejenigen ihres Onkels in der Stube. Nachher sei es
passiert. Er sei in ihr Zimmer gekommen. Er habe sie gefragt, ob sie mit ihm die-
ses tue (worunter sie Sex verstanden habe). Sie habe "nein" gesagt. Der Be-
schuldigte habe sie dann am rechten oder linken Arm mit Gewalt ins kleine Zim-
mer gezogen, in welchem sich eine Matratze ohne Bettgestell auf dem Boden be-
finde. Er habe sie auf die Matratze gestossen. Sie habe auf dem Rücken gelegen.
Sie habe "nein, nein" gesagt, worauf er angefangen habe, sie mit der flachen
Hand ins Gesicht zu schlagen. Er habe gesagt, dass er sie vergewaltigen werde.
Als sie zu weinen angefangen habe, habe er seine Hand auf ihren Mund gelegt,
damit die Nachbarn nichts hören würden. Das kleine Zimmer gehe zum Hausein-
gang hinaus, weshalb die Nachbarn nicht so viel hören würden. Danach habe er
ihr langes Kleid bis ungefähr auf die Höhe des Halses hinaufgeschoben. Er habe
ihr den Büstenhalter geöffnet, aber nicht abgezogen. Die Unterhosen habe er ihr
abgezogen. Er selber habe alles bis auf sein Unterhemd abgezogen. Sie habe
"nein, nein, nein" gesagt, aber er sei stark. Dann habe er angefangen; sie habe
geweint. Erst nach einer Unterbrechung der Einvernahme und auf Nachfrage sag-
te sie aus, er sei mit seinem Glied vaginal in sie eingedrungen. Es sei ihr nicht ge-
lungen, sich zu wehren. Nachdem er einen Samenerguss gehabt habe, habe er
gesagt, wenn er etwas wolle, dann mache er das mit Gewalt, auch wenn sie nein
sage. Danach sei er gegangen. Sie habe sich nicht gut gefühlt und habe geweint.
Sie habe ihr Kleid nach unten gezogen und sei dann irgendwann eingeschlafen.
Bei der Staatsanwaltschaft gab die Privatklägerin am 11. März 2010 als Zeugin zu
Protokoll, sie habe anlässlich der polizeilichen Einvernahme die Wahrheit gesagt
und bestätigte in der Folge ihre Aussagen in allen wesentlichen Punkten
(Urk. 11).
Die Privatklägerin schilderte den Vorfall konkret, detailliert und anschaulich.
Die Aussagen stimmen inhaltlich untereinander im Wesentlichen überein (zu den
von der Verteidigung geltend gemachten Widersprüchen bzw. Einwänden vgl.
nachstehend Ziff. 4.4. und 4.5.). Die Privatklägerin blieb auch anlässlich ihrer
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Zeugeneinvernahme bei ihren Anschuldigungen und fügte keine weiteren Vorwür-
fe hinzu. Andererseits schwächte sie ihre Vorwürfe auch nicht ab. Auch zu diesem
Anklagepunkt enthält ihre Schilderung nebensächliche Elemente, die nicht erfun-
den wirken. So etwa die Schilderung, dass der Beschuldigte auf dem Nachhau-
seweg für sich einen Kebab gekauft habe, derweil sie keinen gewollt habe, nach-
dem die Frau ihres Onkels ihr ein Sandwich mitgegeben habe. Auch das lebens-
nahe Detail, dass sie kurz vor dem Übergriff des Beschuldigten noch die Vorhän-
ge des Onkels aufgehängt habe, spricht aufgrund seiner Ungewöhnlichkeit gegen
eine erfundene Geschichte.
4.2. Auffallend ist weiter ihr differenziertes und zurückhaltendes Aussage-
verhalten. Die Privatklägerin neigt nicht zu Übertreibungen und belastet den Be-
schuldigten auch nicht unnötig. So gab sie etwa bezüglich der Vorfälle gemäss
Anklageziffer I. an, dass der Beschuldigte sie jeweils nur mit der flachen Hand
gegen ihren Kopf geschlagen habe, aber nicht auch noch anders tätlich geworden
sei (HD Urk. 4, Antworten auf Fragen Nr. 5, 11 und 35; Urk. 6 S. 6 f.). Auch gab
sie an, dass der Beschuldigte ihr zwar "viel", bzw. "eigentlich täglich" gedroht ha-
be, verneinte aber, dass er sie auch schon vor dem 18. September 2009 mit dem
Tod bedroht habe (HD Urk. 6 S. 6 und 7). Auch ihre Aussage, dass der Beschul-
digte sie im Bad um Entschuldigung gebeten habe (HD Urk. 6 S. 8), zeigt, dass
sie um eine sachliche Darstellung bemüht war. Als weiteres Beispiel kann ihre
Aussage erwähnt werden, wonach der Beschuldigte als erster ein Kind gewollt
habe und am Anfang [über ihre Schwangerschaft] froh gewesen sei, es nun aber
nicht mehr wolle (a.a.O. Nr. 25). Auch in Bezug auf den Vorwurf der Vergewalti-
gung vermied es die Privatklägerin, den Beschuldigten übermässig zu belasten.
So verneinte sie (implizit), dass sie während dem Vorfall Schmerzen gehabt habe
und gab an, dass sie einfach sehr aufgeregt gewesen sei (HD Urk. 8 Antwort auf
Frage Nr. 8). Weiter sagte sie aus, dass sie während des Vorfalls nicht körperlich
verletzt worden sei; vielleicht sei sie im Gesicht etwas gerötet von den Schlägen
gewesen, mehr nicht (HD Urk. 11 S.10). Sie habe nach der Vergewaltigung nicht
geblutet (a.a.O. S. 11). Auch bezüglich dieses Vorfalls gab sie an, dass es sich
bei den (der Vergewaltigung vorausgehenden) Schlägen um Ohrfeigen mit der
flachen Hand gehandelt habe (a.a.O. S. 5; HD Urk. 8 S. 6 Antwort auf Frage Nr.
- 17 -
33). Die Privatklägerin gab weiter an, dass es das erste Mal gewesen sei, dass
der Beschuldigte sie gegen ihren Willen zu Sex oder sexuellen Handlungen ge-
zwungen habe (HD Urk. 11 S. 8). Dies sind alles starke Indizien für den Wahr-
heitsgehalt ihrer Aussagen.
Aufgrund des zurückhaltenden und differenzierten Aussageverhaltens der
Privatklägerin vermögen auch die Ausführungen der (vormaligen) Verteidigung
nicht zu überzeugen, wonach die Privatklägerin den Beschuldigten aus Hass und
Rache falsch angeschuldigt habe, weil dieser sich kurz vor der Geburt des ge-
meinsamen Kindes zur Trennung und zur Verheiratung mit einer anderen Frau
entschlossen habe, und wonach sie mit der Anzettelung des vorliegenden Straf-
verfahren in die Rolle des Opfers habe schlüpfen wollen, um durch eine Verurtei-
lung des Beschuldigten ihr Aufenthaltsrecht zu sichern (HD Urk. 46 S. 5). Mit der
Vorinstanz (HD Urk. 62 S. 47 und 57) ist festzuhalten, dass eine solche Durch-
triebenheit der Privatklägerin – die von der Polizeibeamtin F._ in ihrem
Wahrnehmungsbericht vom 12. Dezember 2009 als unsicher und angespannt auf-
tretende Person beschrieben wird, welche nur mit grossen Schwierigkeiten über
sexuelle Inhalte zu sprechen in der Lage war (HD Urk. 18) – einerseits schon gar
nicht zugetraut werden kann. Andererseits wären erfahrungsgemäss wohl massi-
vere und jedenfalls nicht derart differenzierte Vorwürfe zu erwarten gewesen,
müsste davon ausgegangen werden, dass die Privatklägerin die Anschuldigungen
lediglich erfunden hätte, um sich am Beschuldigten wegen seiner Fremdbezie-
hung zu rächen.
Überzeugend hat die Vorinstanz auch darauf hingewiesen, dass der Privat-
klägerin zum Versuch der Sicherung ihres Aufenthaltsrechts – wenn das ihr Plan
gewesen wäre – schon wesentlich einfachere, mit weit geringerem Aufwand ver-
bundene legale Möglichkeiten zur Verfügung gestanden wären (wie beispielswei-
se das Aufsuchen einer Beratungsstelle für Migrantinnen). Die Verteidigung warf
das Argument der Sicherung des Aufenthaltsrechts anlässlich der Berufungsver-
handlung wieder auf und wies auf einen Bundesgerichtsentscheid vom
4. November 2009 hin, welcher gemäss ihren Ausführungen im Zusammenhang
mit der Verlängerung von Aufenthaltsbewilligungen besage, dass "das Ausmass
- 18 -
der ehelichen Gewalt derart intensiv sein muss, dass die physische oder psychi-
sche Integrität des Opfers im Fall der Aufrechterhaltung der ehelichen Gemein-
schaft schwer beeinträchtigt würde" (HD Urk. 115 S. 7). Die Verteidigung macht
sinngemäss geltend, dass die Privatklägerin nach Kenntnis dieses Bundesge-
richtsentscheids die Vergewaltigung konstruiert habe, um sich das Aufenthalts-
recht in der Schweiz zu sichern. Sie verweist dabei auf einen Artikel der Zeitung
... vom tt. November 2009, welcher den Entscheid auch einer breiten Öffentlich-
keit zugänglich gemacht habe (HD Urk. 115 S. 7 ff. und S. 30 f.). Besagtem Bun-
desgerichtsentscheid (BGE 136 II 1) lässt sich dieser Inhalt indessen nicht ent-
nehmen. So wird darin festgehalten, dass eheliche (häusliche) Gewalt einerseits
und die starke Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im Herkunftsland
andererseits ihrem Ausmass und den Gesamtumständen entsprechend je für sich
einen wichtigen persönlichen Grund für einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
darstellen können. Liegen beide Umstände gleichzeitig vor, ist die Aufrechterhal-
tung des Aufenthaltsrechts des Ehegatten und der Kinder geboten (Erw. 5.3). Zur
häuslichen Gewalt wird nur festgehalten, dass diese "une certaine intensité", eine
gewisse Intensität, erreichen muss. Im entsprechenden Bundesgerichtsentscheid
hatte eine Ehefrau ihren Mann angeschrien und ihm eine einzige Ohrfeige gege-
ben. Diesem Vorfall häuslicher Gewalt wurde die für die Verlängerung des Auf-
enthalts erforderliche Intensität abgesprochen. Diese Situation ist jedoch nicht
vergleichbar mit der vorliegenden, wo vor dem erhobenen Vergewaltigungsvor-
wurf durch die Privatklägerin bereits wiederholte Tätlichkeiten, eine Todesdrohung
und ein versuchter Schwangerschaftsabbruch angezeigt wurden (HD Urk. 1 und
2). Aus dem genannten Bundesgerichtsentscheid zu schliessen, dass zusätzlich
zu den erhobenen Vorwürfen zwingend noch weitere – gravierendere – dazu-
kommen müssten, um das Aufenthaltsrecht zu sichern, verfängt nicht. Wenn dies
der Plan der Privatklägerin gewesen wäre, hätte sie die Vergewaltigung nicht so
zurückhaltend geschildert. Viel einfacher wäre es für die Privatklägerin gewesen,
darzulegen, dass die Reintegration in ihrem Heimatland stark gefährdet sei und
dadurch die Kombination der Kriterien zur Sicherung des Aufenthaltsrechts zu er-
reichen, um gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sicher ihren weite-
ren Aufenthalt in der Schweiz zu garantieren.
- 19 -
4.3. Freilich stellt sich auch unabhängig vom Aufenthaltsrecht der Privatklä-
gerin die Frage, weshalb diese die Vergewaltigung nicht schon von Anfang an,
d.h. in den Einvernahmen vom 19. September 2009 und vom 19. November 2009
erwähnte, sondern erst in der polizeilichen Befragung vom 12. Dezember 2009
zur Sprache brachte. Die Privatklägerin erklärte am 12. Dezember 2009 ihr Ver-
halten damit, dass sie sich geschämt habe, über diese Sachen zu sprechen. Als
die Polizeibeamten zu ihr nach Hause gekommen seien, seien zwei davon Män-
ner gewesen. In H._ [Staat] würden sie solche Vorfälle nicht anzeigen. Erst
hier in der Schweiz habe sie gehört, dass die Leute über Sex und solche Sachen
sprechen würden, und dies erst lernen müssen. In H._ spreche man nicht
über Sex; sie habe nie in ihrem Leben jemanden über solche Sachen sprechen
hören. Als der Dolmetscher sie das letzte Mal gefragt habe, ob es zu sexuellen
Vorfällen gekommen sei, habe sie dies verneint. Sie habe selbst mit ihrem Mann
noch nie über sexuelle Dinge gesprochen. Erst später habe sie mit ihrer Vertrau-
ensperson Frau I._ darüber sprechen können (Urk. 8 S. 9, Antworten auf
Fragen Nr. 62 f.). In der Folge musste die erste Zeugeneinvernahme vom
1. Februar 2010 abgebrochen und verschoben werden, weil die Privatklägerin
(erneut) erklärte, dass sie vor einem männlichen Dolmetscher keine Aussagen
machen könne (HD Urk. 10 S. 3). In der zweiten Zeugeneinvernahme vom
11. März 2010 gab sie auf die entsprechende Frage wiederum an, dass sie des-
halb nicht schon von Anfang an habe geltend machen können, vom Beschuldig-
ten vergewaltigt worden zu sein, weil es für sie schwierig gewesen sei, darüber zu
sprechen, und weil auch ein männlicher Dolmetscher anwesend gewesen sei, sie
aber nicht mit einem Mann über "so etwas" sprechen könne (Urk. 11 S. 9).
Diese Erklärungen der Privatklägerin sind glaubhaft. Es ist zum Einen
durchaus plausibel und nachvollziehbar, dass sie erst durch den Aufenthalt im
Frauenhaus und in Gesprächen mit Vertrauenspersonen den Mut und das Ver-
trauen fasste, um sich zu öffnen, zumal es der allgemeinen Lebenserfahrung ent-
spricht, dass auch in der westlichen Kultur Opfer von Sexualstraftaten oftmals aus
Scham von einer Strafanzeige Abstand nehmen bzw. sie eine Retraumatisierung
befürchten. Zum andern waren tatsächlich sowohl an der Befragung vom
10. September 2009 als auch an der Einvernahme vom 19. November 2009 Män-
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ner anwesend; im ersten Fall der befragende Polizeibeamte (Urk. 4 S. 6) und im
zweiten Fall der einvernehmende juristische Sekretär sowie der Dolmetscher
(Urk. 6 S. 1). Dass die Privatklägerin vor männlichen Befragern nicht über sexuel-
le Inhalte sprechen konnte, erscheint keineswegs realitätsfern; und zwar nicht erst
aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes. Dieser Umstand hätte erfahrungsge-
mäss auch für manch andere Frau ein Hindernis sein können. Gerade deshalb
statuiert denn auch die Strafprozessordnung, dass die Befragung von Opfern von
Sexualdelikten auf deren Verlangen von einer Person des gleichen Geschlechts
durchzuführen und grundsätzlich auch für die Übersetzung eine Person des glei-
chen Geschlechts beizuziehen ist (Art. 153 Abs. 1 StPO; Art. 68 Abs. 4 StPO).
Aus dem Wahrnehmungsbericht der Polizeibeamtin F._ vom 12. Dezember
2009 (HD Urk. 18) geht sodann eindrücklich hervor, dass es die Privatklägerin
selbst noch in einer Befragungssituation, in der ausschliesslich Frauen (inklusive
ihrer Vertrauensperson I._) anwesend waren, sehr grosse Anstrengung und
Überwindung kostete, um über sexuelle Inhalte im Allgemeinen und über das,
was ihr widerfahren war, im Speziellen zu sprechen. Es spricht deshalb nicht ge-
gen die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin bzw. die Glaubhaftigkeit ihrer Aussa-
gen, dass sie die Vergewaltigung erst im Verlaufe des Verfahrens und nur vor
Frauen zur Sprache brachte.
4.4. Der vormalige Verteidiger des Beschuldigten brachte an der erstinstanz-
lichen Verhandlung eine Reihe von Einwendungen vor, weshalb den Aussagen
der Privatklägerin kein Glauben geschenkt werden könne (HD Urk. 46). Die Vor-
instanz hat sich mit diesen Vorbringen ausführlich auseinandergesetzt und sie al-
lesamt überzeugend entkräftet. Es kann deshalb – soweit auf die Argumentation
der Verteidigung nicht schon in den vorstehenden Erwägungen eingegangen
wurde – vorab auf die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (HD Urk. 62 S. 46-57). Die wesentlichen Punkte zusammenfassend und
stellenweise ergänzend ist das Folgende festzuhalten:
a) Bezüglich des Vorwurfs der mehrfachen Tätlichkeiten (Anklageziffer I.1.,
1. Abschnitt) führte die Vorinstanz zutreffend aus, dass zwischen der Aussage der
Privatklägerin vor der Polizei, der Beschuldigte habe sie, angefangen "ein/zwei
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Monate" nach der Heirat, "ca. wöchentlich" geschlagen (HD Urk. 4 S. 5) und ihrer
Aussage vor der Staatsanwaltschaft, er habe sie "schon vom ersten Monat an"
nach der Heirat "viele Male" geschlagen HD Urk. 6 S. 6) kein Widerspruch (in zeit-
licher Hinsicht) auszumachen ist. Mit beiden Sätzen drückte die Privatklägerin
unmissverständlich aus, dass der Beschuldigte schon kurz nach der Heirat in ho-
her Regelmässigkeit gegen sie tätlich wurde.
Auch in Bezug auf ein angebliches "Haare reissen" ist kein die Glaubwürdig-
keit der Privatklägerin in Frage stellender Widerspruch zu erkennen. Vor der Poli-
zei gab die Privatklägerin an, dass der Beschuldigte sie an den Haaren ziehe, und
fügte unmittelbar an, dass er ihr den Kopf unter das kalte Wasser ziehe (Urk. 4, S.
5, Antwort auf Frage 35). Der Vorinstanz ist zu folgen, dass die Privatklägerin mit
diesen zwei Sätzen offenbar umschreiben wollte, wie der Beschuldigte jeweils ih-
ren Kopf unter das Wasser hielt, ohne dass dem 'An den Haaren ziehen' eine ei-
genständige Bedeutung zukommen sollte. Vor der Staatsanwaltschaft bestätigte
die Privatklägerin diesen Sachverhalt mit den Worten, der Beschuldigte habe ihr
oft das Gesicht unter den Wasserhahn gedrückt (HD Urk. 6 S. 7). Der darauf fol-
gende Vorhalt "Und was ist mit dem Reissen an den Haaren", wie sie das bei der
Polizei gesagt habe, ist vom einvernehmenden juristischen Sekretär schon
sprachlich nicht korrekt formuliert worden, sprach die Privatklägerin doch nie von
Haare reissen. Zudem ist dieser Vorhalt auch missverständlich, ist er doch bei
unbefangener Lesart in erster Linie so zu verstehen, als hätte der Beschuldigte
sie nicht 'nur' geohrfeigt und ihren Kopf unter das Wasser gehalten, sondern sie
darüber hinaus bisweilen auch – im Sinne eigenständiger Tätlichkeiten – an den
Haaren gerissen. Die Antwort der Privatklägerin, dass sie sich an eine solche
Aussage nicht erinnern könne, und sie möglicherweise von der Dolmetscherin
falsch verstanden worden sei, welcher sie (lediglich) gesagt habe, dass der Be-
schuldigte ihr den Kopf unter das Wasser gehalten habe, erscheint deshalb nur
konsequent.
Auch die Angaben der Privatklägerin betreffend Drohungen des Beschuldig-
ten sind keineswegs widersprüchlich. Vielmehr geht aus ihren Aussagen stimmig
und nachvollziehbar hervor, dass der Beschuldigte ihr gegenüber zwar regelmäs-
- 22 -
sig und häufig drohend aufgetreten sei (und sie dies [lediglich] manchmal ernst
genommen habe), er aber sie (und ihr ungeborenes Kind) erst und einzig am
18. September 2009 mit dem Tode bedroht habe, was sie ernst genommen und
weswegen sie Todesangst gehabt habe (HD Urk. 6 S. 6 und 7).
b) Hinsichtlich des Vorfalls vom 18. September 2009 (Anklageziffern I.1.,
zweiter Abschnitt, I.2. und I.3.) führte die Vorinstanz zutreffend aus, dass die Pri-
vatklägerin anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 19. November 2009 sehr
wohl von drei Schlägen (Ohrfeigen) und dass diese in Küche und Wohnzimmer
stattgefunden hätten, gesprochen hatte (HD Urk. 6 S. 3; vgl. HD Urk. 62 S. 49 f.
Ziff. II.D.2.6). Nicht zu übersehen ist allerdings auch, dass sie im weiteren Verlauf
der Zeugeneinvernahme, wie schon vor der Polizei, nur einen Schlag ins Gesicht
erwähnte und als zweiten Schlag den Schlag auf den Bauch bezeichnete (HD
Urk. 6 S. 4 und 6; Urk. 4 S. 3). Ein die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin in Frage
stellender Widerspruch ist in dieser Unstimmigkeit aber noch nicht zu erblicken.
Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Privatklägerin die Ohrfeigen zusammen-
gefasst als eine erste und den späteren Schlag in den Bauch als eine zweite Pha-
se des Vorfalls erlebte und schilderte (vgl. z.B. HD Urk. 6 S. 3: "In der Küche fing
er an, auf mich einzuschlagen"). Weiter hat die Vorinstanz zu Recht festgehalten,
dass auch die Abweichung in den Aussagen der Privatklägerin betreffend die Ab-
folge des Schlagens mit der Tasche und des Mundzuhaltens eine bedeutungslose
Differenz darstellt. Eine tätliche Auseinandersetzung stellt ein äusserst dynami-
sches Geschehen dar, weshalb von einem Opfer retrospektiv nicht eine in allen
Details übereinstimmende Schilderung erwartet werden kann. Vielmehr ist es so,
dass einzelne kleinere Ungenauigkeiten und Abweichungen im Verlaufe mehrerer
Befragungen als Realkennzeichen zu werten sind, währenddessen eine völlige
Widerspruchlosigkeit ein Hinweis auf ein einstudiertes Lügenkonstrukt darstellen
könnte.
Dass sich die Privatklägerin hinsichtlich der exakten Zeit des Eintreffens der
Polizei irrte (welches entgegen ihren Angaben nicht erst zwischen 23.00 und
00.00 Uhr, sondern schon um 22.15 Uhr erfolgte), spricht ebenfalls nicht gegen
ihre Glaubwürdigkeit, handelte es sich doch um eine Angabe aus der Erinnerung.
- 23 -
Dass sie sich demgegenüber die Zeit davor (zwischen 19.00/19.30 und
20.00/20.30 Uhr) relativ genau merken konnte, steht dazu auch nicht im Wider-
spruch. Vielmehr erscheint dies aufgrund ihrer anschaulichen Erklärung, dass
man im Ramadan zu dieser Zeit oft auf die Uhr schaue, um zu wissen, wann man
beten und wann man essen soll (HD Urk. 6 S. 4), sehr glaubhaft.
Entgegen den Ausführungen des vormaligen Verteidigers war sodann die
Schwangerschaft der Privatklägerin gemäss den Aussagen von Dr. med. E._
nicht von Anfang an (d.h. im Sinne von durchgehend), sondern nur am Anfang
sehr schwierig und verlief ab Mai 2009 ohne weitere Komplikationen (vgl. HD Urk.
14 S. 4). Zu folgen ist der Vorinstanz deshalb auch darin, dass aus den Ausfüh-
rungen der Privatklägerin betreffend ihre Schmerzen und aus dem Zusammen-
hang mit ihrer Einlieferung ins Spital und den dort festgestellten Vorwehen (Kon-
traktionen; vgl. HD Urk. 2 S. 4) zu schliessen ist, dass der Beschuldigte den
Schlag mit der Tasche gegen den Bauch der Privatklägerin mit einiger Kraft aus-
geführt hatte (vgl. dazu auch unten Ziff. IV.).
Weiter hat die Vorinstanz in Bezug auf die eingeklagte Drohung (Anklagezif-
fer I.3.) überzeugend ausgeführt, dass der Umstand, dass die Privatklägerin vor
der Staatsanwaltschaft lediglich die Todesdrohung des Beschuldigten gegen sich
selbst und die Todesdrohung gegen das Kind in ihrem Leib nicht mehr ausdrück-
lich wiederholte, kein erheblicher Widerspruch darstellt und deshalb nicht gegen
die Glaubhaftigkeit ihrer Gesamtdarstellung spricht. Dasselbe gilt hinsichtlich ihrer
Aussage "Manchmal nehme ich es ernst". Wie bereits ausgeführt geht aus dem
Kontext klar hervor, dass sie sich mit diesem Satz auf die alltäglichen Drohungen
des Beschuldigten und nicht auf die Todesdrohungen vom 18. September 2009
bezog, welche von ihr sehr ernst genommen wurden.
Bezüglich ihres Wissensstandes betreffend den Anruf ihres Onkels bei der
Polizei sagte die Privatklägerin (zusammengefasst) aus, dass ihr Onkel sie am
Abend des 18. September 2009 angerufen habe. Als er gehört habe, dass sie
geweint habe, habe er die Polizei angerufen, was sie zu jener Zeit aber noch nicht
gewusst habe (HD Urk. 6 S. 8 f.). Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat,
geht aus diesen Aussagen stimmig hervor, dass die Privatklägerin erst im Nach-
- 24 -
hinein erfuhr, dass der Onkel die Polizei benachrichtigt hatte. Die Argumentation
der vormaligen Verteidigung (HD Urk. 46 S. 14 f.), welche auch heute vorgebracht
wurde (HD Urk. 115 S. 21 und S. 19), wonach diese Aussagen der Privatklägerin
verraten würden, dass der Vorfall vom 18. September 2009 von der Privatklägerin
und ihrem Clan fabriziert worden sei, entbehrt jeglicher konkreter Anhaltspunkte
und vermag deshalb nicht zu überzeugen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass all-
fällige Einvernahmen des Onkels und der Tante der Privatklägerin von besonde-
rem Erkenntniswert für die Beweisführung sein würden. Dass der Onkel der Pri-
vatklägerin aufgrund seines Telefonats mit ihr die Polizei verständigte, steht fest.
Es ist nicht davon auszugehen, dass zugunsten des Beschuldigten neue Aussa-
gen gemacht würden. Somit ist der Beweisantrag der Verteidigung, es seien On-
kel und Tante der Privatklägerin einzuvernehmen, abzuweisen.
Wie die Vorinstanz weiter zutreffend ausgeführt hat, widerspricht sich die
Privatklägerin auch nicht in ihren Äusserungen betreffend die Fremdbeziehung
des Beschuldigten. Dass sie ihrer Ärztin Dr. med. E._ am 16. September
2009 schilderte, der Beschuldigte scheine sich seit einiger Zeit mit einer anderen
Frau zu treffen (HD Urk. 14 S. 5), steht nicht im Widerspruch zu ihrer Aussage,
sie habe erst am 19. September 2009 [recte: 18. September 2009] von dieser
neuen Frau erfahren (HD Urk. 14 S. 5), als der Beschuldigte diese lachend ange-
rufen habe, während sie geweint habe (vgl. HD Urk. 6 S. 3 und 7 f.). Vielmehr
äusserte die Privatklägerin gegenüber ihrer Ärztin eine blosse Vermutung, welche
erst während des Vorfalls vom 18. September 2009 zur Gewissheit wurde. In die-
sen Zusammenhang passen auch die Aussagen der Privatklägerin, wonach der
Beschuldigte ihr schon des Öfteren gesagt habe, dass er ein zweites Mal heiraten
wolle, wobei sie nicht gewusst habe, dass er mit einer Frau in telefonischer Ver-
bindung stehe, und gedacht habe, er spreche einfach so vor sich hin, weil er ge-
wusst habe, dass sie eifersüchtig sei. Erst als sie gesehen habe, dass er tatsäch-
lich mit einer Frau gesprochen habe, sei sie schockiert gewesen (HD Urk. 6 S. 8).
Die Aussagen der Privatklägerin sind somit auch in diesem Punkt stimmig, nach-
vollziehbar und plausibel.
- 25 -
4.5. Die Verteidigung brachte anlässlich der Berufungsverhandlung weitere
Argumente vor:
a) So macht die Verteidigung geltend, der ... Satellitensender ... [des Staa-
tes J._] habe am 15. September 2009 die 25. Episode der erfolgreichen Se-
rie "..." ausgestrahlt. Darin habe der Protagonist mit seiner Ehefrau gestritten, wo-
rauf diese ins Badezimmer geflüchtet sei. Er sei ihr unter Drohgebärden gefolgt
und man habe Schreie gehört, die auf Schläge hindeuteten. Fünf Minuten später
sei eine Spitalszene gefolgt, worin eine Ärztin der geschlagenen Ehefrau mitge-
teilt habe, sie habe ihr ungeborenes Kind durch die Schläge des Ehemannes ver-
loren. Der Auslöser sei gewesen, dass die Ehefrau verbotene Medikamente bzw.
Drogen in der Tasche ihres Mannes gefunden habe, obwohl er zuvor in der ...
wegen Medikamentenmissbrauchs in Behandlung gewesen sei. In der
26. Episode habe sich der Protagonist weinend bei seiner Ehefrau entschuldigt
und um Vergebung gebeten. Die Privatklägerin habe sich die Ereignisse vom
19. September 2009 [recte: 18. September 2009] nach dem Drehbuch ihrer Lieb-
lingsserie zusammengedichtet (HD Urk. 115 S. 14 f.). Die Verteidigung beantragte
anlässlich der Berufungsverhandlung, diesen Ausschnitt der Serie zu visionieren.
Dieser Beweisantrag wurde abgewiesen mit der Begründung, dass die Ausfüh-
rungen der Verteidigung zum Inhalt des Filmausschnitts ohne weiteres als zutref-
fend erachtet werden können (vgl. Prot. II S. 13).
Indessen gibt es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Privatklägerin die
betreffende Episode der Serie vor dem Vorfall gesehen hat oder dafür, dass diese
sie veranlasst haben sollte, sich eine Geschichte auszudenken und ihren Ehe-
mann zu Unrecht zu beschuldigen. Selbst wenn sie die Folge gesehen hätte, ist
zu berücksichtigen, dass in solchen Serien immer wieder in Variationen Geschich-
ten über Beziehungskrisen abgehandelt werden. Zudem bestehen wesentliche
Unterschiede der Sendung zum vorliegenden Fall. So insbesondere, dass die Pri-
vatklägerin angibt, der Beschuldigte habe sie mit einer Damenhandtasche ge-
schlagen – ein sehr ungewöhnliches Mittel, welches in der Serie nicht vorkam und
auch ansonsten nicht naheliegend ist – und andererseits der Streit auf einer völlig
anderen Grundlage basierte.
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b) Weiter macht die Verteidigung geltend, es sei nicht nachvollziehbar, wes-
halb der Beschuldigte die sich bereits im Schlafzimmer befindende Privatklägerin
in das kleine Zimmer gezogen habe, um sie zu vergewaltigen. Das kleine Zimmer
befinde sich am weitesten von der Eingangstüre weg, sei jedoch am exponiertes-
ten, da es ein Fenster ohne Läden habe und zur einen Seite an die Nachbars-
wohnung grenze (HD Urk. 115 S. 24). Zudem könne man es vom Lift aus sehen
(Prot. II S. 13).
Den Ausführungen der Verteidigung zur räumlichen Aufteilung der Wohnung
kann ohne weiteres gefolgt werden, ein Augenschein erübrigt sich somit (vgl. HD
Urk. 115 S. 24). Wenn die Privatklägerin den Beschuldigten hätte falsch beschul-
digten wollen, wäre es jedoch leichter gewesen, ihn zu beschuldigen, sie direkt im
Schlafzimmer vergewaltigt zu haben. Gerade weil es unsinnig ist, sie in ein ande-
res Zimmer zu bringen, wirkt ihre Erzählung besonders glaubhaft. Die Vorbringen
der Verteidigung vermögen die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin
nicht zu beeinträchtigen.
c) Schliesslich bringt die Verteidigung vor, es sei gut möglich, dass es am
besagten 9. September 2009 [recte: 7. oder 8. September 2009] zu Geschlechts-
verkehr zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin gekommen sei, wel-
cher jedoch einvernehmlich gewesen sei (HD Urk. 115 S. 25 und 26). Dies er-
scheint schon aufgrund der Aussagen des Beschuldigten selbst als lebensfremd,
gab dieser doch übereinstimmend mit der Privatklägerin an, sie hätten am besag-
ten Abend darüber diskutiert, dass er eine andere Frau kennengelernt habe (HD
Urk. 9 S. 4). Die Indizien (Aussagen zu Berührungen des Beschuldigten und zur
Stellung), welche die Verteidigung für den einvernehmlichen Geschlechtsverkehr
anführt, entbehren jeglicher Grundlage (HD Urk. 115 S. 26). Dass die Privatkläge-
rin keine Rückenverletzungen hatte, wie dies die Verteidigung geltend macht (HD
Urk. 115 S. 25), spricht sodann nicht gegen ihre Version. Wenn man rücklings auf
eine Matratze gestossen wird, dämpft diese den Fall, so dass dabei nicht zwin-
gend Verletzungsspuren entstehen müssen.
- 27 -
4.6. Nur zu Abrundung des Beweiswürdigung ist schliesslich festzuhalten,
dass für die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin auch spricht, dass ihre Darstellung
(punktuell) durch das übrige Beweisergebnis gestützt wird.
a) So gab Frau Dr. med. E._ – welche die Privatklägerin wegen ihrer
Schwangerschaft vom 15. April 2009 bis zum 16. September 2009 betreute – in
ihrer Zeugeneinvernahme vom 11. November 2010 an, dass ihr die Privatklägerin
anlässlich eines Termins vom 16. September 2009 von Gewalt in der Ehe erzählt
habe. Sie habe über Schwierigkeiten mit ihrem Ehemann berichtet und gesagt,
dass der Beschuldigte ihr eine Ohrfeige gegeben und das rechte Handgelenk
verdreht habe. Die Zeugin E._ führte weiter aus, sie habe in den Unterlagen
festgehalten, dass die Privatklägerin seit zwei Wochen Schwierigkeiten mit dem
Ehemann habe, welcher sich mit einer anderen Frau zu treffen scheine und zur
Privatklägerin böse sei (HD Urk. 14 S. 4 und 5).
Ein Grund, weshalb die Zeugin – welche sich bei ihren Aussagen auf ihre
Notizen in der Patientenakte stützte (HD Urk. 16 S. 2, vgl. auch HD Urk. 15 S. 5)
– nicht die Wahrheit gesagt haben könnte, ist nicht ersichtlich. Ihre Aussagen stel-
len deshalb ein weiteres Indiz dafür dar, dass die Belastungen der Privatklägerin
(in diesem Fall bezüglich Anklageziffer I.2, erster Abschnitt) nicht erfunden sind.
Die Annahme, die Privatklägerin habe ihrer Ärztin im Hinblick auf eine geplante
falsche Anschuldigung des Beschuldigten vor den Strafbehörden fälschlicher-
weise von Gewalt in der Ehe berichtet, erscheint auf jeden Fall abwegig. Auch
dass die Privatklägerin anlässlich des Termins vom 16. September 2009 nur von
einer Ohrfeige berichtete, spricht nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
im Strafverfahren. Vielmehr ist nicht auszuschliessen, dass sie sich ihrer Ärztin
gegenüber deshalb nicht weiter öffnete, weil sie sich vom Beschuldigten kontrol-
liert und überwacht gefühlt haben mag: Gemäss seiner eigenen, von der Zeugin
E._ nicht widersprochenen Darstellung telefonierte dieser am 16. September
2009 – dem einzigen Arzttermin, an dem die Privatklägerin nicht vom Beschuldig-
ten begleitet wurde (HD Urk. 14 S. 3) – während des Arzttermins auf das Natel
der Privatklägerin, um mit der Ärztin zu sprechen und ihr mitzuteilen, dass seine
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Ehefrau psychisch eine sehr schwierige Phase durchlebe (vgl. HD Urk. 46 S. 3;
Urk. 14 S. 2 f.; Urk. 16 S. 1 f.).
b) Bezüglich des Vorfalls gemäss den Anklageziffern I.1., zweiter Abschnitt,
und I.2. geht sodann aus den Akten hervor, dass die Polizei anlässlich ihrer Inter-
vention vom 18. September 2009, um ca. 22.15 Uhr, eine leichte Rötung an der
rechten Stirnseite der Privatklägerin festgestellt hatte (HD Urk. 1 S. 3). Zudem
seien einige Druckstellen am linken Handgelenk sowie am linken Arm zu sehen
gewesen und seien ihre Haare und ihr Kopftuch nass gewesen (a.a.O. S. 4). Auch
wenn die Rötung an der rechten Stirnseite auf der dem Polizeirapport vom
19. September 2009 beigehefteten Fotographie aufgrund ihrer schlechten
Druckqualität kaum zu erkennen ist, gibt es keinen Grund, an den in diesem
Amtsbericht festgehaltenen Wahrnehmungen des Polizeibeamten K._ zu
zweifeln. Aus dem Austrittsbericht des ...spitals G._ vom 2. Dezember 2009
geht sodann hervor, dass bei der Eintrittsuntersuchung vom 18. September 2009
keine Hämatome oder sonstige äusserliche Verletzungen der Privatklägerin fest-
gestellt wurden, sich jedoch unregelmässige Wehen zeigten und die Privatkläge-
rin deshalb zur weiteren Überwachung bis zum 22. September 2009 hospitalisiert
werden musste (HD Urk. 20/6 S. 1).
Diese sachlichen Wahrnehmungen unabhängiger Drittpersonen stimmen im
Wesentlichen mit den von der Privatklägerin geschilderten Verletzungen und Fol-
gen des Vorfalls vom 18. September 2009 überein (HD Urk. 4 S. 4, Antwort auf
Frage Nr. 13; Urk. 6 S. 5) und stellen deshalb ein weiteres Indiz für die Richtigkeit
ihrer Gesamtdarstellung dar.
Die Verteidigung macht geltend, die Privatklägerin hätte sich aufgrund der in
... [Region] weit verbreiteten Latem-Tradition selbst ins Gesicht geschlagen (HD
Urk. 115 S. 17). Selbst wenn dies stimmen würde, erklärt es die Druckstellen am
linken Handgelenk und Arm nicht. Wenn die Privatklägerin derart dreist wäre und
die Vorfälle nur erfunden hätte, wie dies die Verteidigung beschreibt, würde es
naheliegen, wenn sich die Privatklägerin erheblichere Verletzungen zugefügt hät-
te, um den Beschuldigten zu belasten und nicht nur ganz geringfügige, wie sie im
Polizeirapport enthalten sind. Die Ausführungen der Verteidigung zur Latem-
- 29 -
Tradition vermögen deshalb nicht zu überzeugen. Zudem behauptet die Verteidi-
gung, der Beschuldigte habe der Privatklägerin damals das Gesicht gewaschen,
weil sie als Reaktion auf die Trennungsankündigung hysterisch geworden war
und stark geweint habe (HD Urk. 115 S. 17). Dies erklärt nicht, weshalb auch das
Kopftuch der Privatklägerin nass gewesen ist. Der Umstand, dass das Kopftuch
nass war, deckt sich mit den Aussagen der Privatklägerin und ist ein Indiz für die
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
5. An der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin vermögen die
Depositionen des Beschuldigten nichts zu ändern:
a) Wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, fällt am Aussageverhalten
des Beschuldigten insbesondere auf, dass er dazu neigte, nicht einfach die
Schuld von sich zu weisen, sondern diese auf die Privatklägerin zu wälzen. Ge-
mäss seinen Antworten auf die Vorhalte betreffend Anklageziffer I soll sie es ge-
wesen sein, welche sich nach der Heirat geändert und ihn ohne Respekt bzw. wie
Dreck behandelt habe (HD Urk. 5 S. 1 und 4). Weiter soll sie in der Vergangenheit
zu ihm gesagt haben, dass sie das Kind nicht wolle bzw. es töten wolle (a.a.O. S.
5) und soll sie am 18. September 2009 in der Küche beim Kartoffelschälen mit ei-
nem Messer herum gefuchtelt haben, so dass er sie gefragt habe, ob sie ihn töten
wolle, worauf sie nicht geantwortet habe (a.a.O. S. 6). Konfrontiert mit dem Vor-
wurf der Vergewaltigung gemäss Anklageziffer II stellte der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin so dar, als sei sie es gewesen, welche ihn sexuell überfordert habe.
So gab er an, dass die Privatklägerin zu ihm nur lieb gewesen sei, wenn sie im
sexuellen Bereich etwas von ihm gewollt habe und er daraufhin im Bett gut gewe-
sen sei (HD Urk. 9 S. 4). In den letzten Wochen habe er aber getrennt schlafen
wollen. Wenn sie dann jeweils Lust gehabt habe, sei sie in sein Zimmer gekom-
men. Er habe sie aber nicht mehr zufriedenstellen können und das Problem ge-
habt, dass er jeweils zu früh gekommen sei (a.a.O. S. 2). Wenn er wieder einmal
zu schnell gewesen sei, sei sie eher böse auf ihn gewesen und habe sich ihm ge-
genüber entsprechend verhalten (a.a.O. S. 4). Diese Ausführungen des Beschul-
digten wirken konstruiert. Schuldzuweisungen wären nicht nötig, um die Sachdar-
stellung der Privatklägerin zu bestreiten. Eine solche Umkehrung sämtlicher ge-
- 30 -
gen ihn erhobenen Vorwürfe ist ein starkes Indiz für unwahre Aussagen und ver-
mindert entsprechend die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten.
Nicht zu überzeugen vermag der Beschuldigte auch damit, dass er die Pri-
vatklägerin generell als die dominante Person in der Ehe darstellen will, welche
ihn unter Druck gesetzt habe (HD Urk. 13 S. 11 und Urk. 49 S. 7). Vielmehr hat
die Vorinstanz überzeugend festgehalten, dass vor dem kulturellen Hintergrund
der Eheleute, in Anbetracht des relativ jungen Alters sowie der Unerfahrenheit der
sich erst seit kurzem in der Schweiz aufhaltenden Privatklägerin und auch auf-
grund der Ausführungen der Zeugin E._ – wonach der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin zu fast allen Arztterminen begleitete und die Initiative zu Fragen über
die Schwangerschaft oft bei ihm lag (HD Urk. 14 S. 3) – davon auszugehen ist,
dass der Beschuldigte die bestimmende Person in der Beziehung war. Bezeich-
nenderweise führte der Beschuldigte denn auch nie näher aus, worin der Druck
bzw. die Dominanz der Privatklägerin konkret bestanden habe. Vielmehr gab er
bloss pauschal und vage an, dass er in der luftleeren Ehe nicht mehr habe atmen
können, und deshalb im Kontakt zu einer anderen Frau Sauerstoff gesucht habe.
Seinen Worten nach hat er diesen Sauerstoff gebraucht, um damit nicht nur die
Ehe, sondern gar das Leben weiterführen zu können (HD Urk. 13 S. 11 und Urk.
49 S. 6 f.). Es erscheint offensichtlich, dass der Beschuldigte mit diesen floskel-
haften und übertreibenden Ausführungen in erster Linie die Schuld für seine Auf-
nahme einer Fremdbeziehung der Privatklägerin zuschieben will.
b) Gegen die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten sprechen weiter seine
Ausführungen betreffend die Gutachterin. Dass diese ihn bei der Erstellung des
Gutachtens unter Druck gesetzt und ihm gedroht haben soll, die Untersuchungs-
haft werde verlängert, wenn er nicht kooperiere, (weshalb er aus Angst einfach
das gesagt habe, was er gerade im Kopf gehabt habe; HD Urk. 13 S. 9) erscheint
völlig abwegig, wie die Vorinstanz mit überzeugender Begründung dargetan hat
(HD Urk. 62 S. 59). Es zeigt sich hier einmal mehr, dass er einfach die Verantwor-
tung für sein Handeln auf andere abzuschieben versucht.
c) Aufgrund des vorstehend dargelegten Aussageverhaltens des Beschul-
digten, das geprägt ist von Pauschalisierungen, Vermeidung von konkreten Schil-
- 31 -
derungen und von Schuldzuweisungen, ist die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
erheblich eingeschränkt.
6. In seinem Aktengutachten vom 28. März 2012 zur Frage der Erektionsfä-
higkeit des Beschuldigten führte der Gutachter, Dr. med. C._, zusammenge-
fasst das Folgende aus: Aus ärztlicher Sicht sei darauf hinzuweisen, dass die Ur-
sachen für Erektionsstörungen mannigfaltig sein könnten, worunter neben ver-
schiedenen seelischen Ursachen und gewissen Nebenwirkungen von Medika-
menten eine Reihe von körperlichen Erkrankungen fallen würden, wobei sich aus
den vorliegenden Akten aus gutachterlicher Sicht keine Anhaltspunkte für die An-
nahme einer körperlichen Ursache ergeben würden. Weiter sei zu betonen, dass
eine Erektionsstörung – gerade wenn seelische Gründe der Auslöser seien – je-
derzeit auftreten könne, und selbst eine ausführliche ärztliche Untersuchung kei-
nerlei Aussagen über die Erektionsfähigkeit zu einem früheren Zeitpunkt erlaube,
weshalb auf eine Untersuchung des Beschuldigten verzichtet worden sei. Der
Umstand allein, dass ein Mann nur einen Hoden habe, habe für die Erektionsfä-
higkeit bzw. -schnelligkeit keinen Einfluss. Sehr wohl denkbar sei es aber, dass
bei einem Mann mit nur einem Hoden eine psychische Belastung entstehen kön-
ne, welche die Fähigkeit zur Erektion beeinflusse. Aufgrund der eigenen Aussa-
gen des Beschuldigten [in der Strafuntersuchung] könnte angesichts eines offen-
sichtlich zeitweise auftretenden zu raschen Samenergusses allenfalls eine dem-
zufolge auch wieder rascher eintretende Erschlaffung des männlichen Gliedes
eintreten, wobei aber zu betonen sei, dass es sich hierbei lediglich um eine Mög-
lichkeit handle, die in concreto keineswegs zwingend vorliegen müsse (HD Urk.
100).
Vor dem Hintergrund dieses Gutachtens ist demnach keineswegs in Frage
gestellt, dass der Beschuldigte in der Lage war, so wie eingeklagt, mit seinem
Penis vaginal in die Privatklägerin einzudringen und den Beischlaf bis zum Sa-
menerguss zu vollziehen. Vielmehr ist – aufgrund der vom Gutachter berücksich-
tigten, nicht widerlegbaren Behauptung des Beschuldigten, wonach er beim Sex
mit der Privatklägerin zeitweise das Problem gehabt habe, dass er zu früh ge-
kommen sei (HD Urk. 9 S. 2) – höchstens davon auszugehen, dass die Beischlaf-
- 32 -
phase eher kurz gedauert hat. Dies ändert aber nichts daran, dass ohne rechtser-
hebliche Zweifel davon auszugehen ist, dass sich die Vergewaltigung so wie ein-
geklagt zugetragen hat.
7. Aus der Beweiswürdigung ergibt sich somit das Fazit, dass die Aussagen
der Privatklägerin glaubhaft und plausibel erscheinen, durch das übrige Beweis-
ergebnis der Untersuchung gestützt und durch das Gutachten vom 28. März 2012
nicht in Frage gestellt werden, derweil die Aussagen des Beschuldigten als
Schutzbehauptungen zu werten sind. Auf die Darstellung der Privatklägerin kann
somit abgestellt werden. Da sie bereits wiederholt einvernommen wurde und wie
oben dargestellt klare Aussagen machte, ist - entgegen dem Antrag der Verteidi-
gung - von einer erneuten Einvernahme der Privatklägerin abzusehen. Entgegen
dem Antrag der Verteidigung ist auch kein Glaubhaftigkeitsgutachten einzuholen.
Die Verteidigung verkennt, dass die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen
primär Sache der Gerichte ist, dem Gericht bei der Beantwortung der Frage, ob
aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalles der Beizug eines Sachver-
ständigen zur Glaubhaftigkeitsbegutachtung notwendig ist oder nicht, ein Ermes-
sensspielraum zusteht und auf Begutachtungen nur bei besonderen Umständen
zurückzugreifen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_181/2012 vom 10. Juli 2012 mit
Verweis auf BGE 129 IV 179 E. 2.4;). Solche Umstände sind vorliegend weder
substantiiert dargetan noch ersichtlich. Insbesondere ist nicht erkennbar, dass
z.B. der Entwicklungsstand, die geistige Verfassung oder die Qualität der Aussa-
gen der Privatklägerin Besonderheiten aufweisen würden, welche eine Glaubhaf-
tigkeitsbegutachtung aufdrängten.
Sämtliche eingeklagten Sachverhalte sind demzufolge – mit den bereits er-
wähnten, von der Vorinstanz vorgenommenen kleineren Korrekturen (vgl. vorste-
hend Ziff. II.2.) – als rechtsgenügend erstellt zu betrachten.
IV.
1. Die rechtliche Würdigung der erstellten Sachverhalte durch die Vo-
rinstanz ist zutreffend.
https://www.swisslex.ch/AssetDetail.mvc/Show?assetGuid=b4163f72-4855-4df0-9c00-f9e31e435a08#cons_2_4
- 33 -
Festzuhalten ist, dass die Vorinstanz insbesondere auch zutreffend vom
Vorliegen eines versuchten Schwangerschaftsabbruch im Sinne von Art. 118
Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB ausgegangen ist. Sie hat dies
nicht näher ausgeführt, weshalb ergänzend das Folgende auszuführen ist: Aus
den glaubhaften Aussagen der Privatklägerin geht hervor, dass der Beschuldigte
die in der 27. Woche schwangere Privatklägerin mit einer rund 40 cm grossen und
rund 2 bis 3 Kilogramm schweren Tasche auf deren Bauch schlug und sie dies
stark schmerzte. Dabei oder unmittelbar darauf hielt er ihr den Mund zu, damit ihr
Schreien und Weinen aufgrund der Schmerzen nicht hörbar sein sollten (HD Urk.
4 S. 3, Antwort auf Frage Nr. 5; Urk. 6 S. 5). Als er sie daraufhin gewaltsam ins
Bad brachte und ihren Kopf unter den Wasserstrahl hielt, verspürte sie das Ge-
fühl, vor lauter Bauchschmerzen und Weinen nicht mehr atmen zu können (HD
Urk. 6 S. 5). In der Folge musste sie gemäss Austrittsbericht des ...spitals
G._ wegen aus dem Schlag resultierender anhaltender Bauchschmerzen
notfallmässig in das Spitals eingeliefert werden. Bei der Eintrittuntersuchung zeig-
ten sich zwar keine Hämatome oder sonstige äusserliche Verletzungen; indes
wurden unregelmässige Wehen festgestellt, weshalb die Privatklägerin zur Über-
wachung bis zum 22. September 2009 hospitalisiert bleiben musste (HD Urk.
20/6).
Aufgrund all dieser Umstände steht fest, dass der Beschuldigte den Schlag
gegen den Bauch der Privatklägerin gezielt und mit einiger Kraft ausführte. Nicht
ernsthaft gezweifelt werden kann weiter, dass der Beschuldigte wusste, dass ein
solch gezielter, mit einiger Kraft ausgeführter Schlag gegen den Unterleib einer
schwangeren Frau den Tod des Kindes im Mutterleib herbei führen kann. Zwar
reicht das Wissen um die Möglichkeit des Erfolgseintritts allein zur Annahme ei-
nes Eventualvorsatzes nicht aus. Erforderlich ist zudem die Inkaufnahme dieses
Erfolgs, wobei es nicht gegen Bundesrecht verstösst, aus dem Wissen um das
Risiko unter Berücksichtigung der Umstände auf Inkaufnahme zu schliessen
(BGE 125 IV 242 E. 3 f.). Zu diesen Umständen gehört im vorliegenden Fall in
erster Linie, dass der Beschuldigte den Schlag absichtlich mit einiger Kraft und
gezielt auf den Bauch ausführte. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte gemäss
den glaubhaften Aussagen der Privatklägerin nicht nur mehrmals im Vorfeld der
- 34 -
Auseinandersetzung vom 18. September 2009 (HD Urk. 4 S. 5, Antwort auf Frage
Nr. 25; Urk. 6 S. 7), sondern gerade auch im unmittelbaren Zusammenhang mit
dem Schlag mit der Tasche gesagt hatte, dass es gut wäre, wenn sie das Kind
verlieren würde (HD Urk. 6 S. 3 und 7). Auch seine Drohung, sie und das Kind zu
töten, falls sie die Polizei benachrichtigen sollte, äusserte er in unmittelbarem Zu-
sammenhang mit dem Schlag mit der Tasche (HD Urk. 4 S. 3; Urk. 6 S. 6 oben).
Dass die Wahrscheinlichkeit eines Aborts bei einem Schlag von dieser Heftigkeit
objektiv keineswegs vernachlässigbar gering ist, ist daraus zu schliessen, dass
die Privatklägerin trotz fehlender erkennbarer äusserer Verletzungen mehrere Ta-
ge zur Überwachung hospitalisiert werden musste. Vor dem Hintergrund all dieser
Umstände bleibt kein Raum für die Annahme, dass der Beschuldigte im Sinne
bewusster Fahrlässigkeit darauf vertrauen konnte, dass ein Abort ausbleiben
würde. Vielmehr nahm er den Tod des Kindes zumindest in Kauf. Selbst wenn er
gehofft haben sollte, dass sich der Erfolg nicht verwirklichen werde, würde dies
nur bedeuten, dass ihm dieser unerwünscht war, was Eventualvorsatz gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht ausschliesst (BGE 6S.6/2004 vom
27. April 2004, E. 4.5).
2. Zusammengefasst ist der Beschuldigte demnach der Vergewaltigung im
Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, des versuchten strafbaren Schwangerschaftsab-
bruchs im Sinne von Art. 118 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 123 Ziff. 2 Abs. 4 StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB, der
Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2
lit. a StGB sowie der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
in Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB schuldig zu sprechen.
V.
1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt und die allgemei-
nen Grundsätze und Regeln der Strafzumessung zutreffend dargelegt. Auch hat
sie die hier massgeblichen Faktoren, namentlich die in Frage kommenden Straf-
schärfungs-, -erhöhungs-, -milderungs- und -minderungsgründe grundsätzlich zu-
- 35 -
treffend genannt und gewürdigt. Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen kann
deshalb vorab auf die entsprechenden Ausführungen in den vorinstanzlichen Er-
wägungen verwiesen werden (Urk. 62, S. 63-65 f.).
2. Das Tatverschulden des Beschuldigten wiegt insgesamt keineswegs
leicht. Bezüglich der Vergewaltigung ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die
sexuelle, physische und psychische Integrität der Privatklägerin auf hemmungslo-
se Art verletzte, um seinen sexuellen Trieb zu befriedigen und damit ausschliess-
lich aus egoistischen Gründen. Rücksichtslos nutzte er aus, dass die Privatkläge-
rin sich ihm (insbesondere) aufgrund der weit fortgeschrittenen Schwangerschaft
nicht gross widersetzten konnte. Es ist deshalb hier nur leicht verschuldensmin-
dernd zu beachten, dass er keine besondere Gewalt angewendet hat. Von gros-
ser Rücksichtslosigkeit und erheblicher Gefühlsrohheit zeugt auch das Verhalten
des Beschuldigten anlässlich des Vorfalls vom 18. September 2009. Der Be-
schuldigte schlug der hochschwangeren Privatklägerin aus nichtigem Anlass erst
mit der flachen Hand ins Gesicht und darauf mit einer Damenhandtasche gegen
den Bauch. Er nahm damit zumindest in Kauf, einen Abort auszulösen und die
Privatklägern erheblich zu verletzen. Immerhin ist hier spürbar verschuldensmin-
dernd zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte lediglich einen einzelnen Schlag
auf den Bauch ausführte und dafür zwar einige, immerhin aber nicht massive
Kraft aufwendete und danach von weiterer Gewalt absah. Er strebte somit den Er-
folg des Schwangerschaftsabbruchs und der erheblichen Verletzung der Privat-
klägerin nicht mit allerletzter Konsequenz an und dieser blieb auch aus. Hinzu
kommt hingegen, dass er die Privatklägerin mit dem Tode und dem Tod des Kin-
des im Mutterleib bedrohte, womit er sie in grosse Angst und Schrecken versetz-
te. Schliesslich sind die regelmässigen Tätlichkeiten während der Ehe keinesfalls
zu bagatellisieren. Der Beschuldigte schlug die Privatklägerin schon kurz nach der
Hochzeit und über mehr als fünf Monate hinweg fast im Wochenrhythmus mit der
flachen Hand ins Gesicht. Er griff somit systematisch zu Gewalt, um seine Macht-
position und seinen Willen durchzusetzen bzw. seine Ehefrau gefügig zu machen,
womit er sie erheblich demütigte und erniedrigte.
- 36 -
3. Gemäss den Feststellungen der Gutachterin Dr. med. et lic. phil. L._
kann beim Beschuldigten - allenfalls basierend auf dessen verweigerter Mitwir-
kung anlässlich der Begutachtung - keine psychische Störung diagnostiziert wer-
den. Ebenfalls sind - allenfalls wiederum mangels Mitwirkung bei der Begutach-
tung - keine gegebenenfalls vorhandenen psychischen Folgeschäden von Ge-
fängnis und Folter sowie Folgen des Autounfalls erkennbar und waren auch keine
kognitiven Störungen auszumachen (HD Urk. 20/17). In den Akten sind keine
Hinweise darauf ersichtlich, dass der Beschuldigte sich mit der Person der Gut-
achterin nicht einverstanden erklärt hätte oder das Gutachten nicht fachgerecht
erstellt worden ist, wie dies die Verteidigung geltend macht (HD Urk. 115
S. 35 ff.). Auch dem durch die Verteidigung eingereichten Gutachten in Zusam-
menhang mit der Abklärung einer IV-Rente sind keine Hinweise auf eine post-
traumatische Belastungsstörung zu entnehmen (HD Urk. 106/2). Es ist deshalb
von der vollen Schuldfähigkeit des Beschuldigten auszugehen.
4. Die Deliktsmehrheit und die mehrfache Tatbegehung fallen in erhebli-
chem Masse straferhöhend ist Gewicht.
5. Bezüglich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann im Sin-
ne von Art. 82 Abs. 4 StGB vorab auf die vorinstanzlichen Verhältnisse verwiesen
werden (HD Urk. 61 S. 66-68). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der
Beschuldigte ergänzend aus, dass er mittlerweile von der Privatklägerin geschie-
den sei (HD Urk. 112 S. 4). Aus der Biographie des Beschuldigten lassen sich
keine strafzumessungsrelevanten Kriterien ableiten.
Die Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten wirkt sich nach neuerer Recht-
sprechung des Bundesgerichts nicht strafmindernd aus (BGE 136 IV 1).
Aus dem Nachtatverhalten des Beschuldigten lassen sich weder straferhö-
hende noch strafmindernde Faktoren ableiten.
6. In Würdigung der massgeblichen Strafzumessungsgründe erscheint die
von der Vorinstanz ausgefällte Freiheitsstrafe von 30 Monaten keinesfalls zu
hoch. Der Ausfällung einer höheren Strafe steht das Verschlechterungsverbot
- 37 -
entgegen. An diese Strafe sind 187 Tage erstandene Haft anzurechnen (Art. 51
StGB). Bezüglich der Übertretungen erweist sich die vorinstanzlich verhängte
Busse von Fr. 1'000.– (samt der Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen für den Fall
der schuldhaften Nichtbezahlung) als angemessen. Die vorinstanzlich festgesetz-
te Strafe ist deshalb zu übernehmen.
VI.
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten mit zutreffender Begründung den teil-
bedingten Strafvollzug im Sinne von Art. 43 Abs. 1 StGB gewährt. Der Vollzug
wurde im Umfang von 6 Monaten angeordnet und im Übrigen (24 Monate) unter
Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben. Die vorinstanzliche Rege-
lung ist zu übernehmen.
VII.
Weiter hat die Vorinstanz die Voraussetzungen für die Zusprechung von
Schadenersatz- und Genugtuungsansprüchen im Strafprozess zutreffend darge-
legt und der Privatklägerin zu Recht die von ihr verlangte Genugtuung von
Fr. 5'000.-- zuzüglich 5 % Zins ab 8. September 2009 zugesprochen. Auch dieser
Entscheid ist zu bestätigen. Zur Begründung kann auf die zutreffenden Erwägun-
gen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (HD Urk. 61 S. 70-72).
VIII.
Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffern
6 und 7) zu bestätigen. Sodann sind dem Beschuldigten auch die Kosten des Be-
rufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, aufzuerlegen. Die Kosten der amtli-
chen Verteidigung für das Berufungsverfahren sind, unter Vorbehalt von Art. 135
Abs. 4 StPO, auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der unentgeltlichen
Verbeiständung der Privatklägerin sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, da sich
- 38 -
der Beschuldigte nicht in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet
(Art. 426 Abs. 4 StPO).