Decision ID: 5e683c4b-e574-40fd-82e5-0fe30fb15ba9
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1957 geborene
X._
ist gelernter Kaufmann und betrieb ab 1979 sein eigenes CD/Schallplatten-Verkaufsgeschäft (
Urk.
2/7/3). Am 25. Juli 1996 erlitt er mit dem Fahrrad einen Verkehrsunfall mit Kontusion der Halswirbelsäule (HWS), des
Acromioclavicular
-Gelenks (AC-Gelenkes) links und des Thorax links (
Urk.
2/7/1/2). Am 18. März 2002 meldete
er
sich unter Hinweis auf Schulter-, Arm-, Nacken- und Wirbelprobleme sowie Schwindelanfälle bei der
Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug (Rente) an (
Urk.
2/7/3). Die
IV-Stelle
tätigte beruflich-erwerbliche sowie medizinische Abklärungen. Mit Verfügung vom 17. Januar 2005 wies
sie
das Rentenbegehren des Versicherten mangels Erwerbseinbusse ab (
Urk.
2/7/25).
Am 13. November 2008 meldete sich der Versicherte erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
2/7/36). Die IV-Stelle nahm in der Folge beruflich-erwerbliche (
Urk.
2/7/40,
Urk.
2/7/43) sowie medizinische Abklärungen vor, in deren Rahmen sie unter anderem ein Gutachten bei der MEDAS
Y._
einholte (Gutachten vom 30. September 2009,
Urk.
2/7/53). Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
2/7/57;
Urk.
2/7/59
und
Urk.
2/7/64) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. Dezember 2010 einen Rentenan
spruch des Versicherten (
Urk.
2/7/78). Die vom Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
2/7/87/3-13) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 26. März 2012 ab (
Urk.
2/7/98).
1.2
Am 12. Dezember 2013 meldete sich der Versicherte wiederum bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
2/7/101). Die IV-Stelle trat auf die Neuanmeldung ein und gab beim Zentrum
Z._
ein Gutachten in Auf
trag (
Urk.
2/7/111). Nachdem die gutachterlichen Untersuchungen Ende Mai / Anfang Juni 2014 stattgefunden hatte
n
, wurde das Gutachten
am 26. August 2014 erstattet (
Urk.
2/7/116). Am 10. September 2014 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass er am 26. Juni 2014 einen Trümmer
bruch am rechten Arm erlitten habe (
Urk.
2/7/117). Die IV-Stelle holte daraufhin einen Bericht
des behandelnden Orthopäden ein
(
Urk.
2/7/118). Am 1
2. Januar 2015 setzte der Versi
cherte die IV-Stelle darüber in Kenntnis, dass er am 14. Oktober 2014 einen V
er
kehrsunfall erlitten habe (
Urk.
2/7/120). Die IV-Stelle zog in der Folge weitere ärztliche Berichte bei (
Urk.
2/7/121,
Urk.
2/7/130, Urk. 2/7/123,
Urk.
2/7/132
,
Urk.
2/7/137
,
Urk.
2/7/138
und
Urk.
2/7/140) und ordnet
e eine medizi
nische Verlaufs-Untersuchung beim
Z._
an (
Urk.
2/7/147).
Der Versicherte ersuchte die IV-Stelle, wenn überhaupt, bei einer anderen Insti
tution als
des
Z._
– oder
der
MEDAS
Y._
- eine Untersuchung durchführen zu lassen (
Urk.
2/7/148). Nach Rücksprache mit ihr
em Ärztlichen Dienst (vgl. Urk.
2/7/149) holte die IV-Stelle weitere ärztliche Berichte ein (
Urk.
2/7/150, Urk.
2/7/151
,
Urk.
2/7/155,
Urk.
2/7/156). Nach Eingang der Berichte gab die IV-Stelle beim
Z._
das Verlaufs-Gutachten in Auftrag (Urk.
2/7/158
und
Urk.
2/7/161). Dieses wurde
am 20. Juli 2016 erstattet (
Urk.
2/7/175). Die IV-Stelle stellte daraufhin mit Vorbescheid vom 4. August 2016 in Aussicht, dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Juni 2015 eine ganze Rente auszurichten (
Urk.
2/7/183). Gleichzeitig auferlegte sie dem Versicherten, sich in stationäre psychiatrische Behandlung zu begeben (
Urk.
2/7/181). Der Ver
sicherte setzte die IV-Stelle in der Folge darüber in Kenntnis, dass er bei Dr.
A._
, Fachärztin für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, eine psychiatrische Behandlung aufnehme (
Urk.
2/7/192). Am 28. November 2016 erliess die IV-Stelle einen neuen Vorbescheid, mit welchem sie die Abwei
sung des Rentenbegehrens in Aussicht stellte (
Urk.
2/7/210). Als Begründung gab sie im Wesentlichen an, dass aus rechtlicher Sicht ke
ine psychiatrische Diagnose vor
liege, die nach durchgeführter Therapie Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit habe. Dagegen erhob der Versicherte Einwand (
Urk.
2/7/211 und
Urk.
2/7/221). Mit Verfügung vom 31. Januar 2
017 wies die IV-Stelle das Leis
tungsbegehren ab (
Urk.
2/7/226 = Urk.
2/
2).
2.
2.1
Dagegen liess der Versicherte am 1. März 2017
Beschwerde erheben und die Aus
richtung einer ganzen Rente ab 1. Juni 2015 beantragen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention sowie um Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 2/1). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 20. April 2017 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 2/6), was dem Beschwerdeführer am 25. April 2017 unter dem Hinweis, dass das Gericht die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels nicht als erforderlich erachte, zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 2/8). Am 12. Oktober 2017 (Urk. 2/12) reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr.
A._
und
B._
ein (Urk. 2/13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellung
nahme dazu (Urk. 2/15), worüber der Beschwerdeführer in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 2/16). Am 23. Oktober 2018 (Urk. 2/18) zeigte der Beschwerdeführer an, dass er auf die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung verzichte. Mit Urteil vom
9.
November 2018
(Prozess Nr.
IV.2017.00261)
wies das hiesige Gericht die Beschwerde
mit der Begründung, de
r Gesundheitszustand des Beschw
erdeführ
ers habe sich nicht wesentlich verändert,
ab (
Urk.
2/19).
2.2
Dagegen erhob Beschwerdeführer am 1
0.
Januar 2019 beim Bundesgericht Beschwerde und beantragte, es sei ihm rückwirkend ab
1.
Juni 2015 eine ganze Invalidenrente zu gewähren. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurück
zuweisen, damit diese entweder auf der Grundlage des polydisziplinären
Z._
-Gutachtens vom 2
0.
Juli 2016 über den Anspruch auf eine Rente neu urteil
e
oder vorab ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten einhol
e
und anschliessend über seinen Anspruch auf eine Rente neu
entscheide
(
Urk.
2/21). Mit Urteil vom 14.
Juni 2019 hiess das Bundesgericht die Beschwerde teilweise gut. Es hob den Entscheid des hiesigen Gerichts vom
9.
November 2018 auf und wies die Sache mit der Feststellung, dass ein Revisionsgrund gegeben sei
,
ans hiesige Gericht zurück, damit der
Invaliditätsgrad auf der Grund
l
a
ge eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschät
zungen ermittelt wird (
Urk.
2/22 =
Urk.
1).
2.3
Mit Eingabe vom
2.
September 2019
(
Urk.
1)
beantragte der Beschwerdeführer, es sei ihm rückwirkend ab
1.
Juni 2015 eine ganze Invalidenrente mit Verzugszinsen zu gewähren und es seien die im Verfahren vor Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich (IV.2017.00261) angefallenen und dem Gericht eingereichten Rechtsvertretungskosten (inkl. Barauslagen und
MWSt
) von Fr. 7'164.90 sowie die neu anfallenden Rechtsvertretungskosten zu ersetzen und die durch das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich ihm auferlegten Verfahrenskosten von Fr. 800.
zurückzuerstatten. Am 1
5.
Oktober 2019 liess sich die Beschwer
degegnerin zur Eingabe des Beschwerdeführers vom
2.
September 2019 verneh
men (
Urk.
7)
, was dem Beschwerdeführer am 1
6.
Oktober 2019 angezeigt wurde (
Urk.
8)
. Am 2
1.
Oktober 2019 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Eingabe ein, mit welcher er – unter anderem – beantragte, die Eingabe der Beschwerde
gegnerin vom 1
5.
Oktober 2019 sei aus dem Recht zu weisen
,
weil das Fristerstre
ckungsgesuch verspätet gestellt worden sei
(
Urk.
9). Diese Eingabe des Beschwer
deführers wurde am 2
2.
Oktober 2019 der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis
nahme
zugestellt (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Steht bei einer Neuanmeldung fest, dass sich der Gesundheitszustand der versi
cherten Person seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung verändert hat, gilt es zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen.
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts, ATSG
) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die
es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
-
ben
, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141
V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines
rentenbe
-
gründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
-
wirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
.
2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
3
.
3
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der mass
geblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
2
.
2
.1
Die
Z._
-Gutachter hielten in ihrem Guta
chten vom 26. August 2014 (Urk.
2/7/116) fest, es bestünden keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
2/7/116/76). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie: chronifiziertes posttraumatisches
zervikozephales
und –brachiales Schmerzsyndrom linksbetont
,
chr
onische Schulterschmerzen links,
chronisches
lumbospondyloge
nes
Schmerzsyndrom rechtsbetont,
begin
nende medial betonte Gona
rthrose rechts Grad
Kellgren
II, c
hronische
Epicondy
lopathia
humeroradial
is rechts,
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
Unter Berücksichtigung der Foerster-Kriterien sei aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festzustellen (
Urk.
2/7/116/85). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Inhaber und Geschäftsführer eines Schallplatten- und CD-Ladens sei der Beschwerdeführer unveränd
ert zu 100 % arbeitsfähig (Urk.
2/7/116/87).
2.
2
Im Verlaufsgutachten vom 20. Juli 2016 (
Urk.
2/7/175) nannten die
Z._
-Gutachter als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
2/7/175/79):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
-
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22)
-
dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4)
-
endgradige Bewegungseinschränkung des rechten Schultergelenks bei Outlet-
Impingement
mit/bei
-
Status nach subkapitaler
Humeruskopffraktur
rechts am 26. Juni 2014
-
Status nach Osteosynthese mit einem intramedullären Nagel am 27. Juni 2014
-
Humeruskopfhochstand
um 5 mm
-
Glenohumeralarthrose
mit einer
Chondropathie
Grad I-II nach
Kellgren
-
AC-Gelenksarthrose mit einer Chondropathie Grad II nach
Kellgren
-
chronisches
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom mit/bei
-
beginnender
Osteochondrose
betont C3/C4, C4/C5 sowie C6/C7
-
fortgeschrittener
Osteochondrose
im Segment C5/C6 mit Höhenminde
rung des Zwischenwirbelfachs bei kernspintomographisch nachgewie
sener
breitbasiger
dorsomedianer
Diskusprotrusion
-
positivem Baastrup-Phänomen im Bereich C5 bis C7
-
rein sensibler Ausfallsymptomatik Dermatom C6 links
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei
-
fortgeschrittener
Osteochondrose
im Bereich der Segmente L3/L4, L4/L5 und L5/S1
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter an (
Urk.
2/7/175/79-80):
-
beginnende Omarthrose links mit/bei
-
Chondropathie
Kellgren
Grad I
-
begleitender Arthrose des AC-Gelenks
-
Status nach Traumatisierung des linken AC-Gelenks (
Tossy
Grad I) nach Kontusion am 25. Juli 1996
-
beginnende medial betonte Gonarthrose rechts
Kellgren
Grad II mit/bei:
-
Status nach arthroskopischer Entfernung eines zystischen Ganglions am rechten Knie im Februar 2011
-
Alopecia universalis, Erstdiagnose im Januar 2015 mit/bei
-
generalisiertem Pruritus
-
Sicca-Symptomatik
-
Status nach hochdosierter Kortisontherapie
-
Status nach Laser-
Retinopexie
wegen zweier Risse am rechten Auge im Juli 2015 mit/bei:
-
erhaltenem
Visus
beidseits
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben, Aufgabe des eigenen Geschäfts aus gesundheitlichen Gründen 2009 (ICD-10 Z56)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf die wirtschaftliche Lage, seit Geschäftsauf
gabe kein eigenes Einkommen (ICD-10 Z59)
Unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Beschwerdefüh
rer aus somatischer Sicht in der biomechanischen Funktion seines rechten Schul
tergelenks sowie der HWS limitiert. Für eine mehr als gelegentlich mittelschwere körperliche Arbeit sei er nicht mehr arbeitsfähig. Hingegen sei er in einer leidens
adaptierten, körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren, wechselbelasten
den, optimal angepassten Tätigkeit mit einem vollen Pensum quantitativ zu 80 % arbeitsfähig. Die Einschränkung von 20 % ergebe sich aufgrund der reduzierten Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit, der Notwendigkeit vermehrter Pausen sowie der reduzierten Arbeitsschnelligkeit. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Inhaber eines Tonträgergeschäfts mit Verkauf von CD und Langspielplatten könne durchaus als adaptiert angesehen werden. Die generalisierte Alopezie sei zwar kosmetisch
störend, aber nicht arbeitsrelevant. Die im Neurostatus objekti
vierte Hypästhesie im Bereich des linken Armes, welche gut mit dem Dermatom C6 zu vereinbaren sei, sei nicht von Relevanz für die Arbeitsfähigkeit. Hingegen bestehe jetzt beim Beschwerdeführer eine schwerwiegende und sehr komplexe Psychopathologie, welche aktuell keine Arbeitsfähigkeit mehr zulasse. Aus psy
chiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer deswegen aktuell zu 100 % arbeits
unfähig, wobei sein Zustand unbehandelt sei und demzufolge als instabil gelte. Durch eine adäquate, zuerst stationäre, psychosomatisch ausgerichtete Therapie sei zumindest mit der Wiedererlangung einer Teilarbeitsfähigkeit zu rechnen (
Urk.
2/7/175/91-92).
2.
3
Mit Bericht vom 1
3.
Juli 2017 bestätigten Dr.
A._
und
B._
(Urk.
2/
13), dass der Beschwerdeführer seit dem 16. August 2016 intermittierend the
rapeutische Sitzungen bei
B._
wahrgenommen habe. Diese hätten zu keiner Verbesserung seiner körperlichen Beschwerden geführt, weshalb Bio- und Neurofeedbacksitzungen veranlasst worden seien.
3.
Das Bundesgericht hielt
mit
Urteil vom 1
4.
Juni 2019 (
Urk.
1) fest, dass das
Z._
-V
erlaufsgutachten vom 2
0.
Juli 2016 zumindest in Bezug auf die hier
ent
-
schei
dende Frage nach einer erheblichen Veränderung
des Gesundheitszustandes den Anforderungen
an die Beweiskraft genügt (E. 4.
2
). Ein Revisionsgrund sei ausge
wiesen. Da ein Revisionsgrund gegeben sei, sei der
Invaliditätsgrad auf der Grund
l
a
ge eines richtig und
v
ollständig festgestellten Sachverhalts und ohne Bin
dung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln (E. 4.4).
4.
4.1
Da der Beschwerdeführer an verschiedenen psychischen Erkrankungen leidet, ist
s
eine Leistungsfähigkeit im Rahmen eines strukturieren Beweisverfahrens zu prü
fen
(vgl. E. 1.3)
.
Das Verlaufsgutachten vom 20. Juli 2016 datiert zwar noch vor der mit BGE 143 V 418 und BGE 143 V 409 geänderten Rechtsprechung (vgl.
E.
1.3.1), es werden jedoch die Fragen gemäss IV-Rundschreiben Nr. 339 vom 9. September 2015 beantwortet, mit welchem den IV-Stellen der im Hinblick auf eine Prüfung anhand der Standardindikatoren massgebende Fragekatalog vorge
geben wurde.
4.2
4.2.1
Bezüglich des Komplexes «Gesundheitsschädigung» respektive des Indikators «Ausprägung der diagnoserelevanten B
ef
unde» ist festzuhalten, dass
die
Z._
-Gutachter
aus psychiatrischer Sicht
eine chronische Schmerzstörung mit
somati
schen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine Neurasthenie
(ICD-10 F48.0), eine Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion
ge
-
mischt (ICD-10 F43.22) sowie eine dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4) diagnosti
zierten.
Insgesamt sind betreffend sämtliche Diagnosen die relevanten Befunde als ausgeprägt zu qualifizieren. So zeigte sich der
B
eschwerdeführer
anlässlich der
Z._
-Begutachtung leide
nd
mit subdepressiver Stimmung. Seine Gedanken kreisten inhaltlich um die Schmerzsymptomatik, er wirkte ängstlich und sorgen
voll (hypochondrische Ängste) hinsichtlich seiner Körperfunktionen, denen er sich hilflos ausgeliefert fühlt. Im Vordergrund standen dissoziative Phänomene.
Der Beschwerdeführer klagte
über
vermehrte Müdigkeit auch nac
h geistigen Anstrengungen, eine
abnehmende Arbeitsleistung und Effektivität bei der Bewäl
tigung der täglichen Aufgaben, ein
e Konzentrationsschwäche, eine körperliche
Schwäche und Erschöpfung nach geringer Anstrengung. Weiter berichtete
er
von muskulären und anderen Schmerzen, Schwindelgefühlen, Kopfschmerzen und einer allgemeinen Unsicherheit.
Schmerzbeding
t
leidet er
zudem
an
Schlafstörun
gen. Im Rahmen der dissoziativen Bewegungsstörung treten beim Beschwerde
führer jeweils partielle
(
teilweise auch vollständige
)
Lähmungen auf, die mit schwachen oder
langsamen Bewegungen verbunden
sind. So berichtete
er
, dass er unzählige Male die Treppe hin
u
ntergestürzt sei
und sich teilweise auch verletzt
ha
be
. Im Sommer 2015 war der
Beschwerdefüh
-
rer
– nach seinen Angaben – wäh
rend drei Stunden unfähig
,
ohne Hilfe zu stehen oder zu gehen
(
Urk.
2/7/175/75-77)
.
Hinsichtlich des Indikators
«
Behandlungs- und Eingl
iederungserfolg oder –
re
-
sistenz
»
ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
bis zur Begutachtung
Anfang 2016
keine psychiatrische Hilfe in Anspruch
nahm
(vgl.
Urk.
2/7/175/92
;
Urk.
2/7/175/69
)
und auch keine Medikamente regelmässig
einnahm
(Urk.
2/7/175/70;
Urk.
2/7/175/75)
. Erst nachdem i
h
m von der Beschwerdegeg
nerin auferlegt worden war, sich in (stationäre) psychiatrische Behandlung zu begeben (
Urk.
2/7/181)
,
nahm er am 1
6.
August 2016 bei
Dr.
A._
eine psychi
atrische Behandlung auf.
Dass diese vorerst ambulant statt stationär erfolgte, ist nicht zu beanstanden (vgl. Urk. 2/7/199 f.).
Wie dem Bericht von
Dr.
A._
und
B._
vom 13.
Juli 2017 zu entnehmen ist, konnte in den ersten elf Monaten der Therapie keine Verbesserung erzielt werden (E. 2.
3
). Angesichts der relativ k
urzen Behandlungsdauer kann jedoch - noch - nicht von einer Behand
lungsresistenz ausgegangen werden.
Im Rahmen des Aspekts «Komorbiditäten» sind nebst Begleiterkrankungen mit eigenständiger invalidisierender Bedeutung (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3) sämt
liche
Störungen, welchen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung bei
zumessen ist, in die Würdigung miteinzubeziehen
(vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1)
. Neben den psychischen Beschwerden bestehen
folgende
somatischen Beschwer
den mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: endgradige Bewegungsein
schränkung des rechten Schultergelenks bei Outlet-
Impingement
,
chronisches
zervikobrachiales
und chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom. Dane
ben leidet
der Beschwerdeführer
auch
an einer
beginnende
n Omarthrose links, einer
beginnende
n
medial betonte
n
Gonarthrose rechts
Kellgren
Grad II
und eine
r
Alopecia universalis, Erstdiagnose im Januar 2015
(vgl. E. 2.2). Wie dem
Z._
-Gutachten vom 2
0.
Juli 2016 zu ent
n
e
hmen ist, bestehen zwischen den verschie
denen Diagnosen in Bezug auf die funktionellen Auswirkungen in allen Lebens
bereichen erhebliche Wechselwirkungen. Durch die Summe seiner
psy
-
chischen
Störungen, die sich gegenseitig beeinflussen, ist der Beschwer
deführer auch nicht in der Lage
, mit
seinen somatischen Beschwerden
adäquat umzugehen
(
Urk.
2/7/175/99)
. Die Komorbiditäten bzw. die Wechselwirkungen der Summe der psychischen Störungen wirken sich
somit
erheblich ressourcenhemmend aus.
Zum Komplex «Persönlichkeit»
ist festzuhalten, dass weder eine Persönlichkeits
akzentuierung noch eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert w
urde
(vgl.
Urk.
2/7/175/77
, E. 2.2
). Auch ansonsten
liegen
keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Persö
nlichkeit des Beschwerdeführers,
welcher über eine abgeschlossene KV-Lehre und eine Berufsmatura
verfügt
(vgl. 2/7/3/5)
,
sich
ressourcenhemmen
den
au
s
wirkt
.
Im Rahmen des Komplexes «sozialer Kontext»
gilt es zu berücksichtigen,
dass
der Beschwerdeführer seit seiner Geschäftsaufgabe über kein Einkommen mehr ver
fügt und finanziell von seiner Lebenspartnerin abhängig ist (
Urk.
2/7/175/97). D
er Beschwerdeführer
hat
sich zuletzt von seinen Bekannten zurückgezogen
(Urk.
2/7/175/70)
.
Er leidet unter dem Verlust der sozialen Kontakte, die er früher sowohl im Geschäft wie auch privat mit Freunden gepflegt habe (Urk. 2/7/175/98).
E
r
lebt aber weiterhin mit seiner Partnerin zusammen
(Urk.
2/7/175/96)
.
Der «
soziale Kontext
»
enthält somit
neben negativen Faktoren insbesondere mit der Beziehung zur Lebenspartnerin auch gewisse
bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
4.2.
2
In der Kategorie
«
Konsistenz
»
zielt der Indikator
«
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
»
auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb einerseits und in den sons
tigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) andererseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur gel
tend
gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1). Aus dem vom Beschwerdeführer geschilderten Tagesablauf ergeben sich als einzige Akti
vitäten Spazieren,
ein
wenig
Lesen und die Erledigung einiger administrativer Tätigkeiten (vgl. Urk. 2/7/175/71).
Manchmal benötige er einen ganzen Vormit
tag, um am Nachmittag einen kleinen Spaziergang machen zu können (
Urk. 2/7/175/7
6).
Seine früheren Aktivitäten wie Konzertbesuch
e
übt er praktisch nicht
mehr
aus (
Urk.
2/7/175/70
und
Urk.
2/7/175/101
). Die vom Beschwerdefü
h
r
er geschilderten Tätigkeiten stehen
somit
im Einklang mit den von ihm geklagten Einschränkungen.
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bis zur Begutachtung Anfang 2016 praktisch keine psychiatrische Hilfe in Anspruch
genommen hat
(
Urk.
2/7/175/102
, Urk.
2/7/175/69
). Daraus lässt sich jedoch nicht auf einen fehlenden Leidensdruck schliessen, hatte
er
doch ein aus
schliesslich soma
tisches Krankheitskonzept (Urk.
2/7/175/93).
Nach der Begut
achtung, welche die Ursache der Beschwerden – hauptsächlich – psychischen Ursachen zuordnete,
nahm
der Beschwerdeführer
psychiatrische Hilfe in Anspruch (vgl. E. 2.
3
).
Betreffend die
somatische
n
Beschwerden nahm der Beschwerdeführer
bereits zuvor
Hilfe von Fachpersonen, insbesondere Physio- und Ergotherapie
,
in Anspruch (
Urk.
2/7/175/69). Medikamente
nahm
er
hinge
gen
nur in geringem Umfang ein (
Urk.
2/7/175/70). Behandlungs- und eingliede
rungsanamnestisch ist nach dem Gesagten ein gewisser, jedoch kein besonders starker Leidensdruck ausgewiesen.
4.3
Bei der gesamthaften Würdigung der massgeblichen Indikatoren gilt es zu
berücksichtigen
, dass
er Beschwerdeführer insbesondere aufgrund seiner Persön
lichkeit und seiner intakten Beziehung mit seiner Partnerin über
gewisse
Ressour
cen verfügt.
D
ie Komorbiditäten und die Wechselwirkung
zwischen den verschie
denen
psychischen Erkrankungen
wirken sich jedoch
erheblich auf
seine
Ressour
cen
aus, was auch von den
Z._
-Gutachtern bestätigt wird
, halten diese doch ausdrücklich fest, dass
die
Ressourcen
des Beschwerdeführers
«
aufgeb
raucht» seien
(Urk.
2/7/175/97). In Anbetracht dieser erheblichen Einschränkung und der Tatsache, dass keine Hinweise auf Inkonsistenzen bestehen (
Urk.
2/7/175/101)
,
hält die Einschätzung der Sachverständigen, wonach der
Beschwerdeführer
voll
ständig a
rbeitsunfähig
ist
, einer Überprüfung anhand der normativen Vorgaben der Rechtsprechung stand. Es ist daher
von einer vollständigen Arbeitsunfähig
keit des Beschwerdeführers in sämtlichen Tätigkeiten auszugehen.
5.
D
a
die 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall vom 2
6.
Juni 2014 besteht (
Urk.
2/7/175/102), hat der Beschwerdeführer
– wie von ihm beantragt -
ab dem
1.
Juni 2015 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung.
Sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachge
kommen ist, werden die Sozialversicherungen für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig (
Art.
26
Abs.
2 ATSG).
Da der Beschwerdeführer seiner Mitwirkungspflicht nachgekommen ist, hat er Anspruch auf Verzugszin
s
en. Dies gilt für alle Rentenbetreffnisse, welche nicht innerhalb von
24 Monaten ab ihrer Fälligkeit
ausgerichtet werden.
Der Satz für den Ver
zugszins beträgt 5
%
im Jahr
(
Art.
7
Abs.
1
der Verordnung über den Allgemei
nen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSV)
. Die
Beschwerdegegnerin wird den exakten Verzugszinsbetrag
festzusetzen haben
.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens entfällt das Interesse des Beschwerdeführers am prozessualen Antrag (
Urk.
9), wonach die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 1
5.
Oktober 2019 (
Urk.
7) aus dem Recht zu weisen sei, zumal der Inhalt der Stellungnahme nicht darüber hinausgeht, was von Amtes wegen zu beachten und anzuwenden ist.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.
anzusetz
en. A
usgangsgemäss sind die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Hinsichtlich seines Antrages (
Urk.
4), es seien ihm
die
mit Urteil vom
9.
November 2018 im Verfahren IV.2017.00261 auferlegten Gerichtskosten in Höhe von Fr. 800.
--
zurückzuerstatten, ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass das genannte Urteil vom Bundesgericht mit Urteil vom 1
4.
Juni 2019 (
Urk.
1) aufgehoben wurde.
Die mit
Urteil vom
9.
November 2018
auferlegten Kosten
sind daher
nie in Rechtskraft erwachsen und entsprechend auch nie in Rechnung gestellt beziehungsweise bezahlt w
o
rden.
Es besteht daher kein Anlass für eine Rückerstattung.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten.
Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Rechtsanwalt
Dr.
Peter beantragte mit Eingabe vom
2.
September 2019 (
Urk.
4) für das mit Urteil vom
9.
November 2018 abgeschlossene Verfahren IV.2017.00261 eine Entschäd
igung in Höhe von Fr. 7'164.90
(vgl. auch Urk.
2/10)
. Zusätzlich macht er für das vorliegende Verfahren IV.2019.00507 einen Aufwand von 9,1 Stunden und Barauslagen von Fr. 76.45 geltend, was einen Entschädigungsanspruch in Höhe von Fr. 2'826.55 ergebe (
Urk.
11). Insge
samt beantragt Rechtsanwalt
Dr.
Peter f
ür die vorliegende Streitigkeit somit
eine Entschädigung in Höhe von Fr.
9'991.45 (Fr. 7'164.90 + Fr. 2'826.55). Eine Ent
schädigung in Höhe von Fr. 9'991.45 erweist sich der Streitsache nicht
als
ange
messen.
Im Verfahren IV.2017.00261 verfasste Rechtsanwalt
Dr.
Peter die Beschwerde (
Urk.
2/1). Am 1
2.
Oktober 2017 reichte
er
den
Bericht von
Dr.
A._
und
B._
vom 1
3.
Juli 2017 ein (
Urk.
2/
12 und
Urk.
2/
13).
Am
2
3.
Oktober 2018 teilte er zudem mit, dass der Beschwerdeführer auf die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung verzichte
(
Urk.
2/18)
.
Für das Verfassen der Beschwerde inklusive Aktenstudium scheint ein zeitlicher Aufwand von 12 Stun
den angemessen. Für die beiden Eingaben vom 1
2.
Oktober 2017 und vom 23.
Oktober
2018
sowie d
ie
damit verbundenen Kontakte mit dem Beschwerde
führer
erweist sich ein zeitlicher Aufwand von
je 0,75
Stunden als angemessen
. Unter Berücksichtigung der Zeit für die Instruktion
von 1,5 Stunden
und
für
das Studium des Urteils vom
9.
November 2018
von einer Stunde
er
gibt
dies
für das Verfahren IV.2017.00261
insgesamt
ein
en
zeitlichen
Aufwand von 16 Stunden.
Im vorliegenden Verfahren
(IV.2019.00507)
reichte Rechtsanwalt
Dr.
Peter zwei Eingaben ein (Urk.
4 und
Urk.
9). Für diese Eingaben sowie für das Studium des heutigen Urteils erscheint ein zeitlicher Aufwand von 2,5 Stunden als angemes
sen. Insgesamt
er
gibt
sich
somit für das gesamte Verfahren
vor dem hiesigen Gericht
ein zeitlicher Aufwand
von 18,5 Stunden
.
Unter Berücksichtigung der B
a
rauslagen von Fr. 272.60 (Fr. 76.45 [
Urk.
11] +
Fr.
196.15 [
Urk.
2/10]) und der Mehrwertsteuer
von 8
%
für die bis am 31. Dezember 2017 getätigten Aufwendungen und von 7,7
%
für die Aufwen
dungen ab
1.
Januar 2018
resultiert bei einem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 220.-- eine Entschädigung in Höhe von Fr. 4'6
87
.-- ([
14,25 x Fr. 220.-- x 1,08 [zeitlicher Aufwand bis 3
1.
Dezember 2017] + 4,25 x Fr. 220.
x 1,077 [zeitlicher Aufwand ab
1.
Januar 2018] + Fr. 196.15 x 1,08 [Barauslagen bis 3
1.
Dezember 2017] +
Fr.
76.45 x 1,077 [Barauslagen ab
1.
Januar 2018])
.