Decision ID: df8fec0a-9452-5108-bdca-10877ecd7949
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 15. Mai 2014 bei der Gemeinde Lenk ein
Baugesuch ein für die Überdeckung eines bestehenden Parkplatzes auf Parzelle Lenk
Grundbuchblatt Nr. J._. Die Parzelle liegt in der Wohnzone W2a an der
N._Strasse 53 in der Gemeinde Lenk. Gegen das Bauvorhaben erhoben die
Beschwerdeführer 4 und 5 Einsprache.
2. Mit Eingabe vom 23. September 2014 ergänzte der Beschwerdegegner sein Projekt
und reichte für das Unterschreiten des Strassenabstands ein Ausnahmegesuch nach
Art. 81 SG1 ein. Das Vorhaben und die Ausnahme wurden am 2. und 9. Oktober 2014 im
Simmentaler Anzeiger publiziert. Dagegen erhoben die Beschwerdeführer 4 und 5 und die
Beschwerdeführenden 1 bis 3 je separat Einsprache. Mit Bauentscheid vom 23. Dezember
2014 erteilte die Gemeinde Lenk für das Vorhaben die Bau- und für das Unterschreiten des
Strassenabstands die Ausnahmebewilligung.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden 1 bis 3 am 21. Januar 2015 und die
Beschwerdeführer 4 und 5 am 23. Januar 2015 je zwei separate Beschwerden bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Verweigerung bzw. die Aufhebung des Bauentscheids vom 23. Dezember 2014 und die
Erteilung des Bauabschlags. Zusammengefasst machen sie geltend, die Voraussetzungen
für die Erteilung der Ausnahmebewilligung seien nicht erfüllt und das Vorhaben störe das
Ortsbild.
1 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
3
4. Der Beschwerdegegner beantragt sowohl in seiner Beschwerdeantwort vom 4. März
2015 als auch in den Schlussbemerkungen vom 17. Juni 2015 die Abweisung der beiden
Beschwerden. In den Schlussbemerkungen beantragte er, es sei eine erleichterte
Ausnahmebewilligung gestützt auf Art. 81 Abs. 2 SG in Verbindung mit Art. 28 BauG zu
erteilen. Ohne einen Antrag zu stellen erachtet die Gemeinde Lenk in ihrer Stellungnahme
vom 12. Februar 2015 die Beschwerden als unbegründet.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Vorinstanz die Vorakten ein. Danach führte es im
Beisein der Parteien einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Zusätzlich
holte es bei der Gemeinde die Baugesuchsakten der bereits bewilligten Autounterstände
und die Baugesuchsakten des bewilligten Einfamilienhauses auf der Bauparzelle Nr.
J._ ein. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins
zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen. Davon machten der
Beschwerdegegner und die Beschwerdeführer 4 und 5 Gebrauch. Die
Beschwerdeführenden 1 bis 3 reichten keine Schlussbemerkungen ein. Die Gemeinde
teilte mit Eingabe vom 2. Juni 2015 mit, sie habe keine weiteren Bemerkungen
anzubringen. Auf die vorhandenen Akten, Rechtsschriften sowie auf das Ergebnis des
Augenscheins wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
4
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführenden 1 bis 3 und die Beschwerdeführer 4 und 5 sind Nachbarn. Deren
Einsprachen wurden im vorinstanzlichen Verfahren abgewiesen. Sie sind durch den vor-
instanzlichen Bauentscheid beschwert und zur Beschwerdeführung legitimiert. Die
Beschwerdeführenden 1 bis 3 haben ihre Beschwerde innert der 10-tägigen Nachfrist
verbessert. Alle Mitglieder der einfachen Gesellschaft L._ haben die Beschwerde
eigenhändig unterschrieben. Auf die form- und fristgerecht eingereichten Beschwerden ist
einzutreten.
2. Rechtliche Qualifikation der Strasse
a) Umstritten ist, ob die Zufahrtsstrasse zu den Gebäuden N._Strasse Nr. 55
bis 67 eine öffentliche Detailerschliessungsstrasse oder eine reine Privatstrasse ist. Das
hat Einfluss auf die massgeblichen Abstände. Stellt die fragliche Zufahrt eine öffentliche
Strasse dar, so ist gemäss Art. 80 Abs. 1 SG und Art. 10 GBR4 grundsätzlich ein
Strassenabstand von 3.60 m zu wahren. Demgegenüber bestehen für Privatstrassen keine
strassenbaurechtlichen Abstandsvorschriften. Es kann so nahe an die Strasse gebaut
werden, als es der reglementskonforme Grenzabstand zur Nachbarparzelle bzw. zur
Strassenparzelle (falls diese ausgemarcht ist) zulässt.5
b) Der Beschwerdegegner stellt sich in den Schlussbemerkungen auf den Standpunkt,
es handle sich um eine reine Privatstrasse. Privatstrassen würden erst als öffentliche
Strasse gelten, wenn sie dem Gemeingebrauch gewidmet sind. Die Widmung sei hier erst
mit Verfügung der Gemeinde am 10. März 2015 erfolgt. Die Gemeinde habe deshalb auch
nie ein Ausnahmegesuch zur Unterschreitung des Strassenabstandes verlangt. Die
Beschwerdeführer 4 und 5 vertreten hingegen die Ansicht, die Detailerschliessungsstrasse
"K._" sei bereits seit Ende 2009, spätestens seit 16. Juli 2010 fertig gestellt und
auf diesen Zeitpunkt gemäss Art. 109 Abs. 2 BauG von Gesetzes wegen an die Gemeinde
übergegangen, auch wenn im Grundbuch noch private Grundeigentümer eingetragen
4 Baureglement der Gemeinde Lenk vom 17. September 1996, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumplanung am 12. April 1999 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 12 N. 17
5
seien. Die Beschwerdeführenden 1 bis 3 sind der Meinung, die fragliche Strasse sei
ebenfalls von Gesetzes wegen zu Eigentum und Unterhalt an die Gemeinde
übergegangen. In ihrer Eingabe vom 11. Mai 2015 erklärte die Gemeinde, ihres Erachtens
habe die Übernahme der Detailerschliessung K._-N._Strasse keinen
Einfluss auf das Verfahren und sei nicht Gegenstand der erteilten Baubewilligung.
c) Bei der Erschliessungsstrasse "K._" handelt es sich offensichtlich um eine
Detailerschliessungsstrasse im Sinn von Art. 106 Abs. 2 Bst. b BauG. Die Strasse
erschliesst über zehn Baugrundstücke. Detailerschliessungsstrassen gehen nach Art. 109
Abs. 2 BauG nach ihrer ordnungsmässigen Erstellung von Gesetzes wegen an die
Gemeinde zu Eigentum und Unterhalt über und gelten nach Art. 13 Abs. 2 SG als dem
Gemeingebrauch gewidmet. Diese Regelung gilt seit dem Inkrafttreten von Art. 78 BauG
19706. Sie ist zwingend und findet unabhängig vom Verhalten und dem Willen der Parteien
Anwendung.7 Erschliessungsanlagen, die vor Januar 1971 durch Private erstellt worden
waren, gingen demgegenüber nicht auf die Gemeinde über und sind auch unter neuem
Recht im Eigentum der betreffenden Privaten verblieben.8
d) Vorliegend war die Detailerschliessungsstrasse "K._" wohl ursprünglich als
Privatstrasse erstellt worden. Dies erklärt, dass sie nach dem Grundbuch im Eigentum der
betreffenden Privaten steht. Am Augenschein erläuterte Herr P._, er realisierte mit
seiner ortsansässigen Firma die Überbauung "K._", die fragliche
Detailerschliessungsstrasse bestehe seit ca. 20 bis 30 Jahren.9 Diese Aussage deckt sich
mit den öffentlich zugänglichen Luftbildern des Bundesamts für Landestopografie
swisstopo.10 Danach ist die Strasse auf den Luftbildern erst ab dem Jahr 1980 erkennbar.
Es steht damit fest, dass die Detailerschliessungsstrasse "K._" nach dem
Inkrafttreten von Art. 78 BauG 1970 erstellt wurde. Den Akten lässt sich zudem
entnehmen, dass die Strasse später geteert und spätestens im Jahr 2010, nachdem der
Asphaltfeinbelag eingebaut wurde, ordnungsgemäss fertiggestellt wurde.11 Ab diesem
Zeitpunkt ist die Erschliessungsstrasse "K._" unabhängig vom Verhalten der
6 Baugesetz vom 7. Juni 1970 (BauG 1970) 7 VGE 2010/10 vom 10. Juni 2010, E. 3.4 8 BVR 2008 S. 332 E. 4.7; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 109-110 N. 3 9 Vgl. Augenschein Protokoll vom 20. April 2015, S. 6, Votum P_ (zweiter Absatz) 10 Abrufbar unter www.map.geo.admin.ch Menu Luftbilder 11 Vgl. Beilagen 1 und 2 zur Eingabe vom 1. Mai 2015 der Beschwerdeführenden 1 bis 3
http://www.map.geo.admin.ch
6
betroffenen Parteien zu Eigentum und Unterhalt an die Gemeinde übergegangen und gilt
als dem Gemeingebrauch gewidmet. Im Übrigen geht aus einem Protokoll der
Baukommission der Gemeinde Lenk vom 17. November 2009 hervor, dass sie die
Erschliessung K._-N._Strasse mindestens seit fünf Jahren als
Detailerschliessungsstrasse qualifiziert.12
e) Zusammengefasst steht damit fest, dass es sich bei der fraglichen
Erschliessungsstrasse "K._" um eine Privatstrasse im Gemeingebrauch handelt
und sie als öffentliche Strasse gilt (Art. 9 SG). Entgegen der Auffassung des
Beschwerdegegners gelangen somit die strassenbaurechtlichen Abstandsvorschriften
gemäss Art. 80 f. SG und Art. 10 GBR zur Anwendung. Die von der Gemeinde mit
Verfügung vom 3. März 2015 verfügte Widmung ändert daran nichts. Sie hat nur
deklaratorische Bedeutung. Im vorliegenden Fall hat die Gemeinde die
Erschliessungsstrasse "K._" zu Recht als öffentliche Strasse behandelt.
3. Strassenabstand
a) Gegenüber öffentlichen Strassen sind die strassenbaurechtlichen
Abstandsvorschriften einzuhalten. Soweit das zuständige Gemeinwesen in
Nutzungsplänen oder in der Gesetzgebung nichts anderes festlegt, gilt für Bauten und
Anlagen an Gemeindestrassen ein Abstand von 3.60 m ab Fahrbahnrand (Art. 80 Abs. 1
Bst. b SG). Das Gemeindebaureglement der Gemeinde Lenk verlangt bei Strassen der
Detailerschliessung grundsätzlich einen Bauabstand von 3.60 m (Art. 10 GBR). Wie aus
der Erwägung 2 folgt, handelt es sich bei der fraglichen Zufahrtsstrasse um eine öffentliche
Detailerschliessungsstrasse. Gegenüber der Detailerschliessungsstrasse "K._" ist
somit grundsätzlich ein Abstand von 3.60 m einzuhalten.
b) Ende August 2012 bewilligte die Gemeinde Lenk den Neubau des Chalets des
Beschwerdegegners. Mitbewilligt sind nach dem Situations- und den Projektplänen13 zwei
Autoabstellplätze parallel zur Erschliessungsstrasse "K._". Der Beschwerdegegner
beabsichtigt nun, einen der bewilligten und heute bestehenden Autoabstellplätze im
12 Vgl. Protokollauszug der Baukommission, 23. Sitzung vom 17. November 2009 in den Baugesuchsakten Nr. 4.301/10 (Baugesuchs Nr. 10019-11) der Gemeinde Lenk 13 Vgl. Baugesuchsakten Nr. 4.301/12 (Baugesuchs-Nr. 10187-12) der Gemeinde Lenk
7
Grenzbereich der noch unbebauten Parzelle Nr. Q._ zu überdachen. Das
Glasdach des Unterstands wird von einer Stahlkonstruktion (drei Stützen und fünf
Dachträgern) getragen. Es ist vorgesehen, die Stahlstützen direkt auf die bestehende
Stützmauer aufzuschrauben. Das Glas-Pultdach hat eine Länge von 5.62 m und ist
zwischen 2.78 m und 2.38 m breit. Die Konstruktionshöhe des offenen Unterstands beträgt
südseitig 2.91 m und nordseitig 2.46 m. Vorliegend ist unbestritten, dass das Dach des
Unterstands 1.70 m in den Strassenabstand ragt. Die Baute erfordert daher eine
Ausnahmebewilligung.
c) Ausnahmen von den gesetzlichen Strassenabständen kann das zuständige
Gemeinwesen bewilligen, wenn besondere Verhältnisse, insbesondere des Ortsbildes, es
rechtfertigen und wenn dadurch weder öffentliche Interessen noch wesentliche
nachbarliche Interessen beeinträchtigt werden. Für Kleinbauten gilt Art. 28 BauG (Art. 81
Abs. 1 und 2 SG).
d) Vorliegend hat der Beschwerdegegner bei der Bauverwaltung der Gemeinde Lenk
ein Ausnahmegesuch für das Unterschreiten des Strassenabstands nach Art. 10 GBR und
Art. 81 SG eingereicht. Die Gemeinde hat die Ausnahme publiziert und in den Erwägungen
das Vorliegen von besonderen Verhältnissen im Sinn von Art. 81 Abs. 1 SG bejaht und die
Ausnahmebewilligung erteilt.
Die Beschwerdeführenden 4 und 5 bringen vor, ein objektiver Ausnahmegrund nach Art. 81
SG liege nicht vor. Auch seien hier die Voraussetzungen nach Art. 28 BauG (erleichterte
Ausnahmebewilligung) nicht massgeblich, weil die Bauherrschaft im Baugesuchsverfahren
um keine Ausnahme nach Art. 28 BauG ersucht habe. Dieser Auffassung kann aus
mehreren Gründen nicht gefolgt werden: Im vorinstanzlichen Verfahren hat der
Beschwerdegegner eine Ausnahme nach Art. 81 SG und Art. 10 GBR beantragt.
Mitumfasst ist in diesem Antrag sowohl eine erleichterte Ausnahme nach Art. 81 Abs. 2 SG
und Art. 28 BauG wie auch eine Ausnahme nach Art. 81 Abs. 1 SG und Art. 26 BauG.
Hinzu kommt, dass sich der Beschwerdegegner in seiner Beschwerdeantwort und den
Schlussbemerkungen auf den Standpunkt stellt, er habe nicht eine Ausnahmebewilligung
nach Art. 26 BauG, sondern eine erleichterte Ausnahmebewilligung nach Art. 81 Abs. 2 SG
in Verbindung mit Art. 28 BauG beantragt. Er bringt auch vor, beim geplanten Unterstand
handle es sich um eine kleine und leicht entfernbare Baute. Zudem würden gegen die
erleichterte Ausnahmebewilligung weder öffentliche noch private Interessen sprechen.
8
e) Nach dem Gesagten geht hier – anders als die Beschwerdeführer 4 und 5 meinen –
das Thema der erleichterten Ausnahmebewilligung nicht über den Streitgegenstand
hinaus. Die BVE ist berechtigt, im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob die
Voraussetzungen der erleichterten Ausnahmebewilligung nach Art. 28 BauG erfüllt sind.
Darüber hinaus könnte die BVE den angefochtenen Entscheid gestützt auf Art. 40 Abs. 3
BauG ohnehin frei prüfen.
f) Gemäss Art. 28 BauG kann die Gemeinde die Erstellung kleiner und leicht
entfernbarer Bauten und Anlagen in Abweichung von Bauvorschriften, namentlich auch von
Baulinien, auf Zusehen hin bewilligen, wenn der Bauherr ein genügendes Interesse
nachweist und weder öffentliche noch nachbarliche Interessen beeinträchtigt werden. Die
Erteilung einer solchen Ausnahmebewilligung auf Zusehen hin setzt nicht besondere
Verhältnisse, sondern lediglich ein genügendes Interesse der Bauherrschaft voraus. Sie
kann nur für kleine und leicht entfernbare Bauten erteilt werden. Als solche gelten Bauten,
deren Entfernung ohne grösseren Aufwand und ohne erhebliche Nachteile möglich ist. Als
klein gelten Bauten, welche die Dimensionen gemäss Art. 12 Abs. 3 NBRD14 nicht
wesentlich überschreiten. Das Erfordernis der leichten Entfernbarkeit ist sowohl technisch
wie auch funktionell zu verstehen. Technisch leicht entfernbar sind Bauten, die ohne
besonderen Aufwand beseitigt werden können, also nicht fest mit dem Boden verbunden
sind, und solche, deren Fundament nötigenfalls ohne Schwierigkeiten beseitigt oder ohne
Nachteile im Boden belassen werden können. Funktionell leicht entfernbar sind Bauten und
Bauteile, die für die bestimmungsgemässe Nutzung der Liegenschaft entbehrlich sind oder
ohne erheblichen Nachteil für diese Nutzung vorschriftskonform gestaltet werden können.
Die beiden Kriterien "klein" und "leicht entfernbar" müssen kumulativ erfüllt sein. Beispiele
für kleine und leicht entfernbare Bauten sind Gartenhäuschen, Kioske oder
Einzelgaragen.15
g) Der umstrittene Unterstand erfüllt die Kriterien von Kleinbauten im Sinn von Art. 28
BauG: Er übersteigt die Dimensionen gemäss Art. 12 NBRD nicht. Seine Grundfläche
beträgt knapp 15 m2 und er ist lediglich 2.91 m hoch. Er lässt sich ohne grossen Aufwand
und Nachteile wieder entfernen, da die drei Stützen direkt auf der bestehenden Brüstung
14 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Normalbaureglement (NBRD; BSG 723.13) 15 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 28 N. 2 f.
9
aufgeschraubt werden.16 Separate Betonfundamente für die Verankerung der Baute sind
nicht nötig. Auch ist der Unterstand für die bestimmungsgemässe Nutzung der
bestehenden Liegenschaft entbehrlich.
h) Ebenfalls ist hier das genügende Interesse des Beschwerdegegners zu bejahen. Es
entspricht einem allgemeinen Bedürfnis, ein Fahrzeug an einem vor der Witterung
geschützten Ort parkieren zu können. Zu berücksichtigen ist auch, dass entlang der Detail-
erschliessungsstrasse "K._" bereits zwei vergleichbare Autounterstände bewilligt
wurden, wovon einer bereits erstellt worden ist. Angesichts der Geringfügigkeit des
Vorhabens würde hier die strikte Einhaltung der Strassenabstandsvorschrift für den
Beschwerdegegner als eine übertriebene Strenge erscheinen.
Der Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung des Strassenabstands stehen zudem
weder öffentliche noch nachbarliche Interessen entgegen: Aus der Erwägung 4 folgt, dass
das Vorhaben ortsbildverträglich ist. Auch beeinträchtigt das Vorhaben weder die Strasse
noch sind die Sichtweiten ein Problem. Bei der fraglichen Detailerschliessungsstrasse
handelt es sich um eine schmale Stichstrasse mit Wendeplatz. Sie wird hauptsächlich von
den Bewohnern der Zweitwohnungen benutzt. Folglich ist auf diesem Strassenabschnitt
von einem sehr geringen Verkehrsaufkommen auszugehen. Der Autounterstand befindet
sich ausserdem kurz vor dem Wendeplatz. Es ist zu erwarten, dass bei diesen
Verhältnissen im Schritttempo gefahren wird. Das Unterschreiten des Strassenabstands
kann somit aus verkehrstechnischer Sicht als unproblematisch betrachtet werden. Auch ist
nicht ersichtlich und wird von den Beschwerdeführenden 1 bis 3 nicht näher dargelegt,
inwieweit sich der Autounterstand negativ auf den gegenüberliegenden Wendeplatz für die
Feuerwehr auswirken könnte. Dazu ist zu bemerkten, dass der projektierte Autounterstand
nicht direkt gegenüber dem Wendeplatz liegt, wie die Fotos vom Augenschein zeigen.17
Zudem besteht zwischen dem auskargenden Glasdach und dem Fahrbahnrand nach wie
vor ein freier seitlicher Raum von 1.90 m. Dazu kommt, dass hier keine Bauteile, wie
Abstützungen oder Wände im Strassenabstand stehen. Die Erreichbarkeit der dahinter
liegenden Bauten wird durch das Vorhaben nicht erschwert. Zu Recht machen die
Beschwerdeführenden 1 bis 3 auch nicht geltend, die Brandbekämpfung sei nicht mehr
gewährleistet. Unbegründet sind schliesslich die Befürchtungen der Beschwerdeführer 4
und 5, der Autounterstand verursache eine störende Blendung. Der Beschwerdegegner hat
16 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 20. April 2015, Votum Beschwerdegegner S. 4 und S. 10 17 Vgl. Foto Nr. 8 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 20. April 2015
10
mehrmals betont, er habe auf dem Dach des geplanten Unterstands nie eine
Fotovoltaikanlage projektiert und er werde auf dem Unterstand auch in Zukunft keine
Fotovoltaikanlage errichten. Eine störende Blendung vom Dach des Autounterstands ist
unter diesen Umständen nicht zu erwarten. Hinzu kommt, dass der Beschwerdegegner mit
einem Installationsverbot in Form einer Dienstbarkeit einverstanden wäre.18
i) Nach dem Gesagten kann für den geplanten Autounterstand eine
Ausnahmebewilligung gestützt auf Art. 81 Abs. 2 SG in Verbindung mit Art. 28 BauG erteilt
werden. Das Dispositiv des angefochtenen Bauentscheids, in welchem der formelle
Entscheid über die verlangte Ausnahmebewilligung ohnehin fehlt (vgl. Art. 36 Abs. 3 Bst. a
BewD19), wird entsprechend angepasst. Die Ausnahmebewilligung wird nur auf Zusehen
hin erteilt und kann jederzeit entschädigungslos widerrufen werden. Bei diesem Ausgang
des Verfahrens erübrigt es sich zu prüfen, ob die Voraussetzungen einer
Ausnahmebewilligung nach Art. 81 Abs. 1 SG (besondere Verhältnisse) erfüllt wären und
die bisherige "Lenker Praxis" einer Rechtskontrolle standhalten würde. Die
Beschwerdeführenden vermögen mit ihrer Kritik zur Ausnahmebewilligung somit nichts zu
ihren Gunsten abzuleiten. Anzumerken ist schliesslich, dass die Baubewilligungen der zwei
Autounterstände auf den Parzellen Nr. R._ und Nr. O._ in Rechtskraft
erwachsen sind und nicht zum Gegenstand dieses Verfahrens gemacht werden können.
4. Ästhetik
a) Die Beschwerdeführer 4 und 5 sind der Ansicht, der geplante Autounterstand störe
das Ortsbild. Sie beantragen den Beizug der OLK. Die Gemeinde ist hingegen der
Auffassung, die kommunalen Gestaltungsvorschiften seien eingehalten und es sei nicht
nötig, die OLK beizuziehen. Auch der Beschwerdegegner ist der Meinung, der Unterstand
in Stahl-Glas-Konstruktion verletze die kommunale Gestaltungsvorschrift von Art. 21 GBR
nicht.
b) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften,
Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt
die "ästhetische Generalklausel" im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar.
18 Vgl. Schreiben vom 8. Mai 2015 des Beschwerdegegners 19 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
11
Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.20
Das Baureglement der Gemeinde Lenk enthält insbesondere folgende Bestimmung zur
Gestaltung von Bauten und Anlagen: "Art. 21 GBR 1 Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen mit den bestehenden Bauten und deren
Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht. Die Beurteilung dieser Gesamtwirkung richtet sich nach der
bestehenden, bei Vorliegen einer genügend detaillierten Planung nach der zukünftigen Umgebung.
2 Bei der Beurteilung, ob eine gute Gesamtwirkung entsteht, ist insbesondere auf die folgenden Elemente
einzugehen.
- Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen eines Gebäudes; das herkömmliche
zweigeschossige Simmentaler-Haus gilt als Beurteilungsgrundlage; [...]
- Material und Farbe [...]"
Diese Bestimmung geht weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihr kommt daher selbständige
Bedeutung zu.
c) Der Begriff "gute Gesamtwirkung" stellt einen unbestimmten kommunalen
Gesetzesbegriff dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen
Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten
Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute
Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen
Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass
das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder
Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren
hat.21
20 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.°9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen 21 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1
12
d) Bezüglich der äusseren Gestaltung hat die Gemeinde im angefochtenen Entscheid
festgehalten, bei der Beurteilung der Gesamtwirkung sei besonders auf den Standort,
Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen eines Gebäudes zu achten. An der
Erschliessungsstrasse "K._" seien bereits zwei gleiche Carports bewilligt worden.
Der Autounterstand werde in einer Metallkonstruktion mit anthrazitfarbenem Stahl-Glas-
Dach erstellt. Die Ausführung des Unterstands sei bewusst in einer Stahl-Glaskonstruktion
gewählt; die Baute wirke so filigran.
e) Vorliegend erweist sich die Würdigung des Vorhabens durch die Gemeinde gestützt
auf die am Augenschein gewonnenen Eindrücke als plausibel und nachvollziehbar. Der
Autounterstand soll in der Überbauung "K._" realisiert werden. Die Überbauung
liegt oberhalb der Lenk in relativ steilem Gelände (Hangneigung zwischen 35° und 40°).
Sie ist ca. 1.50 km vom Dorfzentrum entfernt und befindet sich an der westlich exponierten
Talseite oberhalb eines schmalen Waldgürtels in einem optisch unsensiblen Umfeld. Die
Bebauung ist geprägt von neuen Chalets-Bauten, die unter- und oberhalb der
Erschliessungsstrasse aufgereiht sind. Dabei fällt auf, dass die Bebauung oberhalb der
Erschliessungsstrasse lockerer und durchlässiger wirkt, da zwischen den einzelnen
Chalets grössere Gebäudeabstände gewählt wurden. Charakteristisch ist, dass die
Chalets-Bauten unterhalb der Strasse von oben her durch parallel zur
Erschliessungsstrasse angeordnete Parkplätze erschlossen sind. Am Augenschein wurde
festgestellt, dass auf der Parzelle Nr. O._ (N._Strasse 47) bereits ein
offener Autounterstand in Stahlkonstruktion und Glasdach gebaut wurde. Diesen
Autounterstand bewilligte die Gemeinde Lenk anfangs 2011.22 Aktenkundig ist zudem, dass
die Gemeinde auf der Parzelle Nr. R._ (N._Strasse 39) im Juli 2012 einen
weiteren vergleichbaren Autounterstand mit Glasdach bewilligte.23
Am Augenschein zeigte sich weiter, dass der projektierte Autounterstand für den
Betrachter von den Standorten 5 und 7 aus nur punktuell und vom Standort 6 aus gar nicht
einsehbar ist. Von den Standorten 2, 3 und 4 war der Autounterstand zwar gut sichtbar,
weil er die Dächer der Chalets-Bauten unterhalb der Erschliessungsstrasse überragt.24
Dies wirkt sich aber auf das Gesamtbild der Überbauung "K._" nicht negativ aus.
Mit der gewählten Materialisierung und durch die geringfügigen Dimensionen wirkt der
22 Vgl. Baugesuchsakten Nr. 4.301/10 (Baugesuchs-Nr. 10019-11) der Gemeinde Lenk 23 Vgl. Baugesuchsakten Nr. 4.301/12 (Baugesuchs-Nr. 10174-12) der Gemeinde Lenk 24 Vgl. Fotos Nr. 5, 13 und 15 in der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 20. April 2015
13
geplante Unterstand von den Standorten 2, 3 und 4 aus schlicht und unauffällig. Er tritt für
den Betrachter optisch nicht störend in Erscheinung. Besondere Beachtung kommt dabei
dem Standort 4 zu. Von diesem Standort wirkt die Überbauung "K._" als Einheit,
wie die Fotos Nr. 15 und Nr. 18 illustrieren.25 Die Fotos Nr. 15 und Nr. 18 zeigen, dass der
geplante Autounterstand von hier aus (Standort 4) die Dächer der unteren Chalets-Bauten
nur geringfügig überragt. Durch die anthrazitfarbene und offene Stahlkonstruktion mit
Glasdach kann die Weitenwirkung zusätzlich gebrochen und in Bezug auf die Umgebung
eine vertretbare und gute Lösung erreicht werden. Damit trägt der Beschwerdegegner den
kommunalen Gestaltungsvorschriften genügend Rechnung. Das Vorhaben entspricht somit
dem Mittelmass der Umgebung, zumal bereits ein vergleichbarer Unterstand in der
näheren Umgebung existiert. Vom öffentlichen Raum aus, zu welchem die Standorte 2, 3,
4, 5 und 6 zählen, ist der geplante Unterstand somit unter dem Aspekt des
Ortsbildschutzes unproblematisch. Da sich der Standort 7 auf einem privaten Grundstück
befindet, ist er für die Beurteilung nicht relevant. Der geplante Unterstand verletzt demnach
die Vorschrift von Art. 21 GBR nicht. Für die Beschwerdeführer 4 und 5, die direkt oberhalb
des Autounterstands wohnen, ist der geplante Unterstand zwar gut sichtbar. Die Aussicht,
die man von einem privaten Gebäude oder Garten aus geniesst, ist aber kein Gut, das
durch Ästhetikvorschriften geschützt wird. Schutzobjekt des Ortsbild- und
Landschaftsschutzes ist der Aussenraum, soweit er von einem allgemein begangenen
Standort aus als Einheit wirkt und als solcher erfassbar ist. Auch ist die Befürchtung der
Beschwerdeführer 4 und 5, auf dem Dach des Autounterstandes würde später eine
Fotovoltaikanlage errichtet, unbegründet (vgl. Erwägung 3 h). Unter dem Aspekt des
Ortsbildschutzes ist das projektierte Vorhaben, wie die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid zu Recht feststellte, nicht zu beanstanden. Auch in diesem Punkt ist die
Beschwerde der Beschwerdeführer 4 und 5 unbegründet.
e) Die BVE stellt den Sachverhalt im Rahmen des Verfahrensgegenstands von Amtes
wegen fest. Dabei bestimmt sie Art und Umfang der Ermittlungen der rechtserheblichen
Sachumstände, ohne dass sie an die Beweisanträge der Parteien gebunden ist (Art. 18
Abs. 1 und 2 VRPG26). Ihr steht bei der Erhebung und Abnahme von Beweisen ein weiter
Ermessensspielraum zu.27 Im vorliegenden Fall steht eine Kleinbaute in einem optisch
unsensiblen Umfeld zur Diskussion. Die BVE hat einen Augenschein durchgeführt und sich
25 Vgl. Fotodokumentation als Beilage zum Augenscheinprotokoll vom 20. April 2015 26 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 27 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 18 N. 8 mit Hinweisen
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von den örtlichen Verhältnisse einen eigenen Eindruck verschafft. Der Sachverhalt ist
damit genügend abgeklärt. Die BVE ist in der Lage, die ästhetische Einschätzung der
Gemeinde einer Plausibilitätsprüfung zu unterziehen. Ein Beizug der OLK ist unter diesen
Umständen nicht nötig. Gegen den Beizug der OLK sprechen ausserdem
verfahrensökonomische Gründe. Damit stossen die Beschwerdeführer 4 und 5 mit ihrer
Kritik, die Abklärung der Ortsbildbeeinträchtigung sei fachlich nicht untermauert, ins Leere.
Der Beweisantrag der Beschwerdeführer 4 und 5, es sei die OLK beizuziehen, wird
abgewiesen.
5. Zusammenfassung und Kosten
a) Aus den Erwägungen folgt, dass es sich bei der fraglichen Detailerschliessung
"K._-N._Strasse" um eine Privatstrasse im Gemeingebrauch handelt. Es
sind die strassenbaurechtlichen Abstandsvorschriften anwendbar. Da das Dach des
Bauvorhabens den vorgeschriebenen Abstand von 3.60 m um 1.70 m unterschreitet,
bedarf es einer Ausnahmebewilligung. Diese kann nach Art. 81 Abs. 2 SG in Verbindung
mit Art. 28 BauG unter erleichterten Bedingungen erteilt werden. Beim Autounterstand
handelt es sich um eine Kleinbaute im Sinn von Art. 28 BauG. Das genügende Interesse
des Beschwerdegegners kann vorliegend bejaht werden. Zudem sprechen weder
öffentliche noch nachbarliche Interessen gegen das geplante Vorhaben. Auch ist der
Einwand, das Ortsbild würde durch den Bau des Autounterstandes erheblich gestört,
unbegründet.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens gelten die Beschwerdeführenden als
unterliegend. Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die
Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die gesamte Pauschalgebühr kann zudem
angemessen erhöht werden, wenn mehrere Parteien gemeinsam Beschwerde führen (Art.
20 Abs. 2 GebV28). Werden in einem einzigen Entscheid mehrere Beschwerden beurteilt,
so kann die Pauschalgebühr für die einzelnen Beschwerdeführer angemessen reduziert
werden (Art. 21 Abs. 3 GebV). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 2'100.00. Für
28 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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den Augenschein vom 16. April 2015 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine
zusätzliche Gebühr von Fr. 300.00 erhoben. Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 2'400.00. Es rechtfertigt sich hier, die
Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 2'400.00 den Beschwerdeführenden 1 bis 3 und den
Beschwerdeführern 4 und 5 zu gleichen Teilen, ausmachend Fr. 1'200.00, zur Bezahlung
aufzuerlegen.
c) Im gleichen Verhältnis haben die Beschwerdeführenden 1 bis 3 und die
Beschwerdeführer 4 und 5 dem Beschwerdegegner die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108
Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung
anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV29 beträgt das
Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro
Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der
Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG30). Die vom Anwalt des Beschwerdegegners
eingereichte Kostennote beträgt Fr. 5'154.15. Im vorliegenden Fall ist der gebotene
Zeitaufwand als unterdurchschnittlich zu werten. Auf die Durchführung eines aufwändigen
Beweisverfahrens wurde verzichtet. Angesichts der Baukosten (gemäss Baugesuch rund
Fr. 27'000.00) und den umstrittenen Rechtsfragen sind auch die Bedeutung der Streitsache
und die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als unterdurchschnittlich einzustufen.
Daher wird das Honorar auf Fr. 3'500.00 gekürzt. Die Beschwerdeführenden 1 bis 3 und
die Beschwerdeführer 4 und 5 haben dem Beschwerdegegner die Parteikosten von Fr.
3'926.45 (Honorar Fr. 3'500.00, Auslagen Fr. 146.45 und Mehrwertsteuer Fr. 280.00) je zu
gleichen Teilen, ausmachend Fr. 1'963.20, zu ersetzen.