Decision ID: d5fecdbc-84b1-4a51-a46f-fda233276a9c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, war von April 1999 bis Dezember 2008 in leitender Stellung
(Head HR IT Shared Services)
bei
Y._
tätig
, wobei der letzte effektive Arbeitstag der 1
9.
Dezember 2007 war (
Urk.
7/9)
. Am 1
0.
April 2009 (
Urk.
7/2) meldete sie sich wegen psychischen Problemen und Rückenbeschwerden bei der Invalidenversicherung an.
Ab
1.
April 2010 war
sie
bei der
Z._
als Director HR Operations tätig (
Urk.
7/26).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/22;
Urk.
7/25;
Urk.
7/31)
sprach
sie
der Versicherten
mit Ver
fügung vom
9.
Mai 2011
eine ganze Rente ab Oktober 2009 und eine Viertels
rente ab April 2010 zu
(
Urk.
7/38)
.
Diese Verfügung erwuchs unange
fochten in Rechtskraft.
Im Jahr 2012 erfolgte eine Rentenrevision (
Urk.
7/50). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/55) hob die IV-Stelle die bislang ausgerichtete Rente mit Verfügung vom
9.
April 2013 auf (
Urk.
7/56). Auch diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Per 3
0.
Juni 2014 verlor die Versicherte ihre Anstellung bei der
Z._
, wobei der letzte Arbeitstag der 2
3.
August 2013 war (
Urk.
7/86/2).
Am 1
3.
November 2014 (
Urk.
7/80) machte die Versicherte eine Verschlechterung geltend.
Die IV-Stelle trat auf das Gesuch ein und tätigte erneut erwerbliche und medizinische Abklärungen.
Sodann veranlasste sie eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten
bei der
A._
, deren Gutachten am
3.
Februar 2016 erstattet wurde (
Urk.
7/193).
Am 1
7.
März 2016 (
Urk.
7/211) teilte die Versicherte mit, dass sie ab
1.
März 2016 eine neue Tätigkeit aufgenommen habe.
Am 1
8.
Mai 2016 nahmen die Gutachter ergänzend Stellung (
Urk.
7/241). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/243;
Urk.
7/251) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 3
0.
Sep
tember 2016 einen Leistungsanspruch der Versicherten (
Urk.
7/256 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 3
0.
September 2016 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 3
1.
Oktober 2016 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Entscheides, Zusprache der gesetzlichen Leistungen, insbe
sondere einer Rente, eventuell Veranlassung eines Gerichtsgutachtens, sub
eventuell Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung. Weiter sei
Dr.
med.
B._
,
A._
, aufgrund Befangenheit gemäss
Art.
6
Ziff.
1 EMRK in den Ausstand zu setzen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwer
de
antwort vom 1
5.
Dezember 2016 beantragte
die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Am 2
2.
Dezember 2016 (
Urk.
8) reichte die Beschwerdeführerin weitere medizinische Unterlagen (
Urk.
9/1-2) und am
9.
Januar 2017 (
Urk.
10) weitere berufliche Unterlagen (
Urk.
11/1-2)
ein
. Am 1
7.
Januar 2017 (
Urk.
12) beantragte sie, dass die Kosten für ein von ihr veranlasstes Gutachten von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen seien.
Am 2
3.
Mai 2017 wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2) eine öffentliche Haupt
verhandlung durchgeführt (Pro
tokoll S. 3-11; Plädoyernotizen
Urk.
17). Am 2
0.
Juni 2017 (
Urk.
18) reichte die Beschwerdegegnerin eine medizinische Stellungnahme (
Urk.
19) ein, wozu sich die Beschwerdeführerin am 2
7.
Juli 2017 (
Urk.
24) äusserte und weitere Unterlagen (
Urk.
25/1-2) einreichte. Mit Verfügung vom
4.
September 2017 (
Urk.
27) nahm das Gericht in Aussicht, einen aktuellen Arbeitgeberbericht einzuholen
, und gewährte der Beschwerde
führerin dazu das rechtliche Gehör
.
Diese
äusserte sich
mit Eingabe
vom
2.
Oktober 2017 (
Urk.
29) und reichte berufliche Unterlagen ein (
Urk.
30/1
9), aufgrund derer das Gericht von weiteren Abklärungen absah (Verfügung vom 1
9.
Oktober 2017;
Urk.
31). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf Stellungnahme zu den Eingaben de
r Beschwerdeführerin (
Urk.
32).
Sodann wurde den Parteien mit Verfügung vom
4.
Januar 2018 (
Urk.
33) das rechtliche Gehör betreffend die geänderte Praxis des Bundesgerichts zur Beurteilung des Anspruchs auf eine IV-Rente bei psychischen Leiden gewährt. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme (
Urk.
36). Die Beschwerdeführerin äusserte sich am
6.
März 2018 (
Urk.
37) und reichte weitere berufliche Unterlagen zu den Akten (
Urk.
38/1-2). Diese Eingaben wurden den Parteien am
8.
März 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
39).
3.
Über die Beschwerde vom
1
6.
März 2016
betreffend Übergangsleistungen (Prozess Nr. IV.2016.00347)
wurde
mit Urteil vom heutigen Datum ebenfalls entschieden.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 %
invalid (
Art.
8 ATSG)
sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beur
teilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Renten
anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hin
weisen).
1.4
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbs
ein
kommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. De
zember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. No
vember 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der ver
sicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt:
Es sei auf das polydisziplinäre Gutachten abzustellen.
Das rheuma
tologische Gutachten von
Dr.
C._
sei den Gutachtern der
A._
vorgelegt worden. Der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich aufgrund der Belastungen durch
ihre
Kündigung und die Erkrankung ihrer Tochter vorübergehend verschlechtert. Unterdessen habe sich der Gesundheitszustand durch die Behandlung und das Wegfallen dieser Belastungsfaktoren wieder verbessert; dies zeig
t
e
n
das Gutachten und der Umstand, dass sie eine neue Tätigkeit aufgenommen habe.
In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
, somit bestehe ein IV-Grad von maximal 10
%
.
Es seien sämtliche Akten berücksichtigt worden (S. 1-2).
Anlässlich der öffentlichen Hauptverhandlung hielt die Beschwerdegegnerin in ihrer Duplik fest, dass für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in erster Linie die funktionellen Einschränkungen und nicht die radiologischen Befunde als solche massgeblich seien. Bezüglich des nachträglich eingereichten Gutachtens von
Dr.
D._
sei festzuhalten, dass dieses lediglich eine andere Ein
schätzung des gleichen Sachverhaltes
darstelle
. Betreffend die darin attestierte volle Arbeitsunfähigkeit in einem Kader-Job sei anzumerken, dass dies nicht überzeugend sei, da auch ein sogenannter Topjob zum grossen Teil Büro
tätigkeiten umfasse (Protokoll S. 5).
2.2
Die Beschwerdeführerin vertritt folgenden Standpunkt (
Urk.
1):
Dr.
B._
sei aufgrund Befangenheit in den Ausstand zu setzen, da er am Begutachtungstag zusätzliche Akten erhalten, aber nicht berücksichtigt habe. Diesbezüglich hätte die Beschwerdegegnerin eine Zwischenverfügung erlassen müssen, was sie jedoch nicht getan habe. Es handle sich um eine Rechtsverweigerung, welche von Amtes wegen festzustellen sei. Weiter seien Akten vernichtet worden (S. 4 ff.). Auf das Gutachten der
A._
könne aus näher dargelegten Gründen nicht abgestellt werden. Insbesondere sei die Arbeits
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bei
Y._
und
Z._
viel zu hoch veranschlagt worden. Es fehle eine konkrete Auseinandersetzung mit der bisherigen Tätigkeit. Es habe sich um Kaderjobs gehandelt, welche physi
s
ch und psychisch sehr anspruchsvoll seien und wo man viel reisen und regelmässig schwer
e
Koffer tragen müssen. Dies
sei mit ihrer schweren Skoliose
und
ihrer
Rückenproblematik nicht vereinbar. Die
aktuelle
Tätigkeit bei der
E._
könne damit nicht verglichen werden (S. 13 f
f
.).
An dieser Argumentation hielt die Beschwerdeführerin anlässlich der
öffentlichen Haupt
verhandlung replizierend fest (vgl. Protokoll S. 1-5, Plädoyernotizen;
Urk.
17).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin und damit zusammenhängend die Frage, ob sich ihr Gesundheitszustand seit Erlass der rentenaufhebenden
Verfügung vo
m
9.
April 2013 (
Urk.
7/56) anspruchsrelevant verändert hat (vgl. vorstehend E.
1.
3
).
3.
3.1
Vor Erlass der rentenaufhebenden Verfügung vom
9.
April 2013 bestand folgende
medizinische
Aktenlage:
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, bei der die Beschwerdeführerin seit April 2008 in Behandlung
stand
, stellte im von der Beschwerdeführerin am
8.
Oktober 2012 unterzeichneten Revisionsformular (
Urk.
7/50) keine psychiatrischen Diagnosen und führte aus, die Beschwerde
führerin sei in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig. Sie hielt fest, es sei eine Restsymptomatik nach schwerer Depression vorhanden. Bei gleicher Funktion wie
bei der früheren bei
Y._
würde die Arbeitsfähigkeit dadurch eingeschränkt sein (
Ziff.
5).
3.2
Dr.
F._
diagnostizierte mit Bericht vom 1
8.
Januar 2013 (
Urk.
7/52) eine depressive Residualsymptomatik nach schwerer Depression (ICD-10 F32.9) sowie „Depression sicher seit 23.4.2008, genauer Beginn bei Hausärztin erfragen“ (
Ziff.
1.1). In der angestammten Tätigkeit als Managerin im oberen Kader sei die Beschwerdeführerin seit 2
3.
April 2008 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Die Arbeit in Bereich Human Resources in einer Pharmafirma sei voll möglich, entspreche aber in den Leistungsansprüchen nicht der Tätigkeit bei
Y._
. Die behinderungsangepasste Tätigkeit sei zu einem vollen Pensum bei niedrigerem Verdienst und geringerer Leistungsanforderung seit April 2010 möglich (
Ziff.
1.7).
3.3
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Arbeitsmedizin und für Allgemeine Innere Medizin,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt am 1
3.
Februar 2013 (
Urk.
7/53/3) fest, es sei eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ausge
wiesen. Die seit der Kindheit bestehende Skoliose sei aus arbeits
medizinischer Sicht für eine Bürotätigkeit mit ergonomischer Arbeitsplatz
anpassung nicht leistungsmindernd. Das
von
Dr.
F._
beschriebene Burn
out in der Bürotätigkeit als Managerin im oberen Kader von
Y._
bilde keinen dauer
haften Gesund
heitsschaden und könne die Leistungsfähigkeit nicht längerfristig einschränken.
Ab Januar 2013 sei von voller Leistungsfähigkeit in einer Bürotätigkeit au
s
zugehen.
3.4
Gestützt auf diese medizinische Aktenlage verfügte die Beschwerdegegnerin am
9.
April 2013 die Aufhebung der bisherigen Rente (
Urk.
7/56).
4.
4.1
Per 3
0.
Juni 2014 verlor die Versicherte ihre Anstellung bei der
Z._
, wobei der letzte Arbeitstag der 2
3.
August 2013 war (
Urk.
7/86
Ziff. 2.1 und 2.3
).
Dr.
F._
stellte mit zuhanden der Taggeldversicherung erstellte
m
Bericht vom 1
2.
März 2014 (
Urk.
7/72/8-10) folgende Diagnose (S. 2):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.02) mit
-
mittelschwere
r
bis schwere
r
Depression mit Schlafstörungen, schweren Arbeits-, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen (ICD-10 F32.11-21)
Der
Behandlungsbeginn dieser Episode sei am 2
3.
August 2013, am Tag der Kündigung, erfolgt. Vorher habe ab 2
4.
März 2008, nach der Kündigung durch
Y._
, eine Behandlung stattgefunden. Die Kündigung durch
Z._
sei auf eine für die Patientin sehr erniedrigende Weise erfolgt. Sie habe ihr gesamtes Wertesystem in Frage gestellt gesehen, habe Angst gehabt, sich nicht mehr getraut, ihre Arbeitskollegen zu kontaktieren, die thorakalen Schmerzen hätten sich verstärkt, es seien schwere Schlafstörungen und Derealisations
erlebnisse sowie Desorientierung, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit aufge
treten (S. 1). Die zu Beginn vorhandene posttraumatische Belastungs
störung habe sich
in der Folge noch verstärkt. Deshalb sei die Arbeitsun
fähigkeit erst ab Dezember 2013 voll zutage getreten und sei ab dann attestiert worden (S. 1 unten f.). Die Beschwerdeführerin sei für alle Tätigkeiten zu 100
%
arbeits
unfähig (S. 2).
4.2
Vom
5.
bis 1
7.
Mai 2014 hielt sich die Beschwerdeführerin zur stationären Rehabilitation in der Klinik
H._
auf. Mit Austrittsbericht vom 2
5.
Juni 2014 (
Urk.
7/155/8-9) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
Panvertebralsyndrom mit und bei
-
sternocostaler Überlastungsproblematik
-
schwerer Fehlform der Wirbelsäule (Kyphoskoliose)
-
Status nach Hemivertebrektomie mit 12 Jahren
-
Keratokonjunktivitis sicca
-
psychophysische Belastungssituation
Hinsichtlich der Rückenbeschwerden habe die Beschwerdeführerin deutliche Fortschritte mit Verbesserung von Bewegungsumfang und Belastbarkeit erzielen
können. Die Schmerzsituation habe sich deutlich gebessert, vor allem nachts und im Liegen bestünden kaum mehr Beschwerden (S. 1 unten).
4.3
Am 1
6.
Oktober 2014 (
Urk.
7/84/3-5) berichtete
Dr.
F._
erneut zuhanden der Tag
geldversicherung und ergänzte die bereits gestellte Diagnose um Derealisations
zustände mit Störung des räumlichen Orientierungssinnes (S. 2).
Dr.
F._
hielt fest, es bestehe auch eine grosse Belastung durch die Tochter, die drogenabhängig sei und weitere psychiatrische Diagnosen habe (S. 1). Die Beschwerdeführerin sei auch in einer angepassten Tätigkeit weiterhin
voll arbeitsunfähig. Körperlich sei sie trotz erheblicher Beeinträchtigung durch ihre Skoliose und viele Schmerzen in ihrem Arbeitsbereich praktisch nicht beeinträchtigt, viel Reisen sollte jedoch vermieden werden (S. 3).
4.4
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Hausärztin der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
7/2
Ziff.
6.7),
nannte
mit Bericht vom 3
0.
Dezember 2014
als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere Skoliose und verwies ansonsten für alle Beurteilungen auf
Dr.
F._
(
Urk.
7/93).
4.5
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am
6.
Februar 2015
unter Berücksichtigung der Akten und nach Unter
suchung der Beschwerdeführerin
ein Gutachten zuhanden der Taggeld
versicherung (
Urk.
7/101/1-21).
Er nannte folgende Diagnosen (S. 17):
-
Anpassungsstörung mit Beeinträchtigung von anderen Gefühlen - Ärger, Anspannung, Depression, Sorgen u.a. (ICD-10 F43.23) mit und bei
-
Status nach Arbeitsplatzkonflikt
-
prädisponierenden Persönlichkeitszügen
-
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0) mit und bei
-
multiplen psycho-sozialen Belastungsfaktoren
-
Störung durch Hypnotika und Benzodiazepine, schädlicher Ge
brauch/Ab
hängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.1)
Es lägen folgende psychosoziale Gründe vor, die in unterschiedlicher Weise und in unterschiedlichem Ausmass das Krankheitsgeschehen und den Krankheits
verlauf beeinflussten: Arbeitsplatzverlust, psychische Erkrankung der Tochter, fehlendes soziales Umfeld, Existenzsorgen (S. 19). Die Berichte von
Dr.
F._
wiesen einige Ungereimtheiten auf. Auffällig sei, dass zweimal eine plötzliche schwere depressive Episode nach jeweils erfolgter Kündigung ein
getreten sei
und die Wiedergenesung zeitnah mi
t dem Finden einer neuen Stelle gestanden habe
. Auch die multiplen psycho-sozialen Einfluss- und Stressfaktoren
–
allein
erziehende Mutter einer psychisch kranken Tochter bei 100%iger Berufstätigkeit in einer Kaderposition, Vorgeschichte bei
Y._
, Weiterbildung auf uni
versitärem Niveau, stattgehabter Hausbau - auf das Krankheitsgeschehen würden in den Berichten von
Dr.
F._
kaum berücksichtigt
(S. 15 unten f.)
.
Dies heisse nicht, das
s
bei der Versicherten nach der erfolgten Kündigung nicht auch ein depressives Erleben vorhanden gewesen sei. Die Einordung als Anpassungsstörung sei allerdings zunächst ausreichend. Während der Unter
suchung selbst hätten jedoch psychopathologisch die Beeinträchtigung der Wachheit, der Konzentration und des formalen Gedankengangs im Vordergrund gestanden. Dies sei am ehesten auf den Gebrauch von Benzodiazepinen und Hypnotika zurückzuführen (S. 16).
Versicherungspsychiatrisch problematisch sei, das
s
von der Beschwerdeführerin nahezu ausschliesslich Selbstangaben zu den Beschwerden und dem Aktivitäts
niveau vorlägen, die zudem teilweise widersprüchlich seien. So wäre bei einer schweren depressiven Episode eine Reise nach Portugal nicht möglich, auch das Führen eines Kraftfahrzeuges sei bei den angegebenen Orientierungs-, Kon
zentrations- und Gedächtnisstörungen bei erhöhter Müdigkeit zu hinterfragen, das gleiche gelte für die Stellensuche via Headhunter. Angesichts der Schwere der genannten Diagnose wäre eher eine stationä
r
-psychiatrische Behandlung als ein Rehabilitationsaufenthalt zur Linderung von Rücken
beschwerden (vgl.
Urk.
7/84/10) zu erwarten gewesen. Gänzlich weit hergeholt sei die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung; weder seien ein entsprechendes Trauma - eine Kündigung genüge nicht - noch die entsprechenden psycho
pathologischen Befunde ausgewiesen (S. 16).
Eine höhere Arbeitsunfähigkeit sei nicht zu plausibilisieren. Medizinisch-theoretisch könne spätestens per
1.
März 2015 in der bisherigen Tätigkeit als HR-Managerin eine volle Arbeitsfähigkeit angenommen werden. Der Benzodiazepin- und Hypnotikakonsum spreche nicht dagegen,
zumal die Beschwerdeführerin anscheinend auch in der Vergangenheit trotz Konsum eine Arbeitsleistung von 100
%
während Jahren habe erbringen können. Eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit August 2013 sei versicherungspsychiatrisch nicht plausibel (S. 20).
4.6
Dr.
F._
stellte mit Bericht vom
2.
März 2015 (
Urk.
7/96) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
schwere Depression (ICD-10 F32.21)
-
Agoraphobie (ICD-10 F40)
-
Depersonalisationserlebnisse
-
s
chwere Skoliose mit Wirbeldysplasie und Dauerschmerzen
Dr.
F._
wiederholte im Wesentlichen die bereits in den früheren Berichten (vgl. vorstehend E. 4.1-2) gemachten Angaben. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Chefin Human Resources einer internationalen Firma sei die Beschwerdeführerin seit Dezember 2013 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6).
4.
7
Am 2
4.
März 2015 nahm
Dr.
J._
ergänzend Stellung (
Urk.
7/101/22-24) und hielt fest, ab dem 3
0.
Juni 2014 sei eine versicherungspsychiatrisch begründbare Arbeitsunfähigkeit unter Würdigung der Akten, der Angaben der Beschwerdeführerin und der erhobenen Befunde nicht mehr zu plausibilisieren.
4.
8
Dr.
F._
nahm im Auftrag des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin am
1.
Juli 2015 Stellung zum Gutachten von
Dr.
J._
(
Urk.
7/118) und hielt fest,
Dr.
J._
habe nicht über alle Akten verfügt. Weiter habe er sich weder bei ihr noch bei
Dr.
I._
erkundigt, es seien keine Testungen und Labor
untersuchungen durchgeführt worden, die somatische Erkrankung und die dadurch notwendige, ebenfalls Müdigkeit verursachende Medikation seien nicht berücksichtigt worden (S. 2 unten f.). Obwohl
Dr.
J._
viele der zu prüfen
den Fähigkeiten als „nicht beurteilbar“ bezeichnet habe, gehe er von voller Arbeits
fähigkeit aus. Die Müdigkeit der Beschwerdeführerin sei auf den Umstand zurückzuführen gewesen, dass sie in der Nacht vor der Untersuchung durch
Dr.
J._
kaum geschlafen habe (S. 5). Die Beschwerdeführerin sei zur Zeit nicht arbeitsfähig (S. 6).
4.9
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Rheumatologie, bei dem die Beschwerdeführerin seit
1.
Juli 2015 in Behandlung steht (
Ziff.
1.2)
,
stellte mit Bericht vom 1
1.
November 2015 (
Urk.
7/155/1-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
-
Verdacht auf sensomotorisches lumboradikuläres Syndrom L5 rechts
-
Status nach zwei Operationen in der Kindheit
-
aktuell Degeneration und schwere Stenosen L3/4 und Segmentin
sta
bilität
-
Verdacht auf depressive Entwicklung, differentialdiagnostisch: Burnout, 2013
Gegenwärtig werde mit Akupunktur und Bewegungstherapien behandelt. Die Prognose sei aktuell eher besser. In der angestammten Tätigkeit im Manag
e
ment und der Direktion
sei die Beschwerdeführerin seit etwa März 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig. Sie könne nicht länger sitzen, sei nicht belastbar (
Ziff.
1.5-1.7).
4.10
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei dem die Beschwerdeführerin seit
1.
Juli 2015 in Behandlung steht (
Ziff.
1.2), stellte mit
Bericht vom
2
6.
November 2015 (
Urk.
7/165) anlässlich der gleichen
tags erfolgten Kontrolle (vgl.
Ziff.
1.2) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Aus
prägung (ICD-10 F32.1)
-
vordiagnostiziert mässig ausgeprägte chronische neurogene Schädigungszeichen der L4/L5 versorgten Muskulatur rechts
-
schwere rechtsseitige spinale Impulsleitungsstörung bei: Syringomyelie des thorakalen Myelons
-
subfusionelle Degeneration und Stenose L3/4mit schwerer Stenose L3/4 und Segmentinstabilität
-
Zustand nach Operation der Kyphoseskoliose im Kindesalter
-
postoperative Syringomyelie untere BWS
-
kongenitale Kyphoseskoliose mit nicht segmentierte
n
Vertebrae Th10
Th12
Dr.
L._
hielt fest, aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin jetzt wohl für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Personaldirektorin zu 50
%
arbeitsfähig. Sie brauche jedoch aufgrund der Konzentrationsstörungen und der verminderten Leistungsfähigkeit noch deutlich mehr Pausen. Durch eine Wieder
aufnahme der Tätigkeit sei sicherlich im weiteren Verlauf eine schritt
weise Erhöhung der Arbeitsfähigkeit und auch der Konzentration zu erwarten. Dieser Zustand sei jedoch sehr stark von der somatischen Seite abhängig. Es sei sinnvoll, zunächst mit 30
%
zu beginnen (
Ziff.
1.7).
4.11
Dr.
med.
C._
, Facharzt
für Rheumatologie und Rehabilitation
,
unter
suchte die Beschwerdeführerin am 2
5.
November 2015, worüber er am 1
1.
De
zember 2015 berichtete (
Urk.
7/207).
Die Beschwerdeführerin berichte, als Folge ihrer Beschwerden sei sie kaum mehr in der Lage, ihr Haus zu verlassen (S. 3 oben).
Dr.
C._
hielt fest, e
s sei ab Ende 2013 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit eingetreten, teils aus psychiatrischen, teils aus orthopädischen Gründen. Er selbst habe die Patientin vom 2
7.
Juni 2011 bis 2
9.
April 2015 nicht gesehen. Anfangs 2015 seien neue Beschwerden mit diffuser Sensibilitäts
störung, Kraftverlust und Parästhesien aufgetreten und es sei eine Spinal
kanalstenose auf Höhe L3/4, eine foraminale Problematik L5/S1 rechts und eine Syringomyelie aufgetreten. Im zeitlichen Ablauf habe sich die radikuläre Ausfallsymptomatik etwas erholt, hingegen dürften die Pyramiden
zeichen progredient sein (S. 3 unten f.).
Dr.
C._
stellte folgende Diagnosen (S. 4):
-
lumbal und zervikal betontes Panvertebralsyndrom mit und bei
-
kongenitaler Fehlform der Wirbelsäule (Kyphoskoliose)
-
Status nach Wirbelsäulenoperation in Portugal im 1
0.
Lebensjahr mit anschliessender mehrmonatiger Paraplegie
-
sekundär-subfusioneller Stenose L3/4
-
mässig ausgeprägter chronischer neurogener Schädigung der L4 und L5 versorgten Muskulatur rechts zufolge Stenoseproblematik L5/S1
-
schwerer rechtsseitiger spinaler Impulsleitungsstörung bei Syringomyelie des thorakalen Myelons
Ein auswärtiger Arbeitsplatz sei der Beschwerdeführerin wegen ihrer mehr
fachen Behinderungen nicht mehr zumutbar. Die Einschränkung zu Hause ergebe sich aus der Tatsache, dass sie wegen lumbalen Nackenbeschwerden mit Ausstrahlung ins rechte Bein
nicht länger als fünfzehn bis maximal 30 Minuten sitzen könne
. Eine stehende Arbeit, zum Beispiel mit S
tehpult, sei ebenfalls nicht möglich wegen der Unsicherheit im rechten Bein und den rasch progre
dienten Schmerzen (S. 4 unten f.). Die Beschwerdeführerin sei als Folge ihrer Wirbelsäulenerkrankung seit dem
1.
November 2013 in ihrer Arbeits
fähig
keit eingeschränkt
(S. 5 unten). Ihre Situation habe sich erheblich ver
schlechtert. Im Moment bestehe keine realistische Möglichkeit, die rheuma
tologisch-ortho
pädische Situation zu verbessern. Daraus ergebe sich auch, dass in absehbarer Zeit nicht mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne (S. 6).
4.12
Die Ärzte der
A._
erstatteten ihr polydisziplinäres Gut
achten am
3.
Februar 2016 unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer internistischen, neurologischen, ortho
pä
dischen und psychiatris
chen Untersuchung (
Urk.
7/193) und stellten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 53):
-
Funktionseinschränkung der Wirbelsäule bei ausgeprägter Kyphoskoliose
Folgende Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 53):
-
rezidivierende depressive Störung, derzeitig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
postoperative thorakale Syrinxbildung mit Reflexsteigerung an den unteren Extremitäten
-
minime senso-motorische radikuläre Symptomatik L5 rechts bei degenerativer Foraminalstenose L5/S1 rechts
-
Hallux valgus beidseits
-
arterielle Hypertonie
-
Übergewicht
-
atopische Diathese mit trockenen Augen und Lidekzem
Die Beschwerdeführerin
habe
anlässlich der Begutachtung mit
geteilt
, sie beur
teile ihre Chancen, erneut eine Führungsposition im Personalwesen eines
grösse
ren Unternehmens bekleiden zu können, skeptisch, dies aufgrund der allgemein hohen Anforderungen insbesondere hinsichtlich der Stressresistenz und Fähigkeit zum Multitasking (S. 8
Ziff.
2.8). Ihre Psyche sei derzeit einiger
massen stabil (S. 9
Ziff.
2.12).
Die letzte Tätigkeit bei der
Z._
sei mit viel Reisetätigkeit verbunden gewesen.
Mit ihren jetzigen Beschwerden könne sie sich gar keine berufliche Tätigkeit vorstellen, sie hoffe jedoch auf Besserung, um irgendwann wieder mit einem kleinen Pensum beginnend zu arbeiten (S. 16
Ziff.
7.7-
2.8).
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Neurologie,
führte
in seinem Teilgutachten
aus, es bestehe eine beidseitige Reflexsteigerung an den Beinen, welche für eine Schädigung der langen Rückenmarksbahnen im Rahmen der postoperativen thorakalen Syrinxbildung spreche. Zusätzlich bestehe eine radikuläre Symptomatik mit inkompletter L5-Symptomatik rechts, welche die leichte Fuss- und Zehenheberparese und die begleitenden Sensibilitätsstörungen (derzeit ohne akute Wurzelkompressionssymptomatik) erkläre. Ursächlich sei diesbezüglich die bildgebend im April 2015 dargestellte Foraminalstenose L5/S1 heranzuziehen. Im damaligen Befund sei bereits eine mögliche Irritation der Wurzel L5 rechts beschrieben worden. Die Schmerzen seien dadurch erklärbar, sollten jedoch medikamentös ausreichend beherrschbar sein. Die Ausfall
symp
to
matik sei ausgesprochen bland
. So sei das Gangbild flüssig, sicher und hinkfrei. Die Beschwerdeführerin könne sogar ohne Angaben von Schmerzen auf einem Bein hüpfen und es bestünden auch keine akuten Wurzel
kompressionen im klinischen Neurostatus (S. 20-21
Ziff.
5
).
Die letzte Tätigkeit im Personal-Management mit gewissen Freiheiten in der Zeiteinteilung und im Körper
positionswechsel entspreche im Wesentlichen bereits einer angepassten, rücken
gerechten Tätigkeit, so dass keine Arbeitsunfähigkeit aus neurologischen Grün
den attestiert werden könne (S. 21
Ziff.
6.1).
Dr.
med.
M._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates,
hielt
in seinem Teilgutachten
fest, anlässlich der Untersuchung sei der kyphoskoliosebedingte verkürzte Rumpf der Beschwer
de
führerin aufgefallen. Es liege ein erheblicher Kyphoseknick am Brust-Lendenübergang vor. Dieser sei entsprechend den am Untersuchungstag vorgelegten Röntgenbildern knöchern versteift, so dass eine Progredienz diesbezüglich nicht mehr zu erwarten sei. Die Kyphoskoliose sei weitestgehend fixiert; die noch mögliche Mobilität der Wirbelsäule finde im mittleren und oberen Brust- und Halswirbelsäulenbereich sowie im unteren Lendenwirbel
säulenbereich
statt. Naturgemäss sei das Seitneigen und Rotieren des Rumpfes als Ganzes erheblich eingeschränkt. Eine typische vertebragene Nervenwurzel
reizsymptomatik sei am Untersuchungstag bis auf die Sensibilitätsminderung
am rechten Fussaussenrand nicht feststellbar gewesen. Es liege allenfalls eine minimale Fussheberschwäche rechts vor, wobei der Beschwerdeführerin jedoch der Zehenspitzen- und Fersengang problemlos möglich seien
(S. 31 f.).
Zeitweise trete bei längerem Sitzen eine ausstrahlende Schmerzsymptomatik ins rechte Gesäss auf. Unzumutbar seien Tätigkeiten mit häufigem schweren Heben, Tragen und Bewegen von Lasten sowie Tätigkeiten mit Zwangshaltung für die Wirbelsäule und Heben und Tragen von Lasten von mehr als 5 kg, ebenso Tätigkeiten mit ununterbrochenem Sitzen (S. 32). Die bisherigen vielfältigen Arbeitsunfähigkeitszeiten seien fast ausschliesslich auf eine depressive Symptomatik zurückzuführen gewesen (S. 33).
Zur bisherigen beruflichen Tätigkeit befragt, habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass es ihr durchaus möglich gewesen sei, die Körperstellung vom Sitzen zum Stehen (Stehpult) und auch zum Umhergehen zu wechseln. Allerdings habe es sich in ihrer führenden Position nicht geziemt,
die
Körper
haltung den entsprechenden Beschwerden anzupassen, weshalb sie
„
über die Schmerzen hinaus" gearbeitet habe.
Dr.
M._
hielt dazu fest, dass es sich dabei um keine körperlich belastende Tätigkeit
gehandelt
habe.
Aus ortho
pädischer Sicht sei die angestammte
Tätigkeit
leidensangepasst und
habe Anforderungen gestellt, wie sie überwiegend auch im normalen Lebensalltag bewältigt werden müssten und nach Angaben der Beschwerdeführerin auch bewältigt werden
könnten, wenngleich mit Entwicklung von Schmerz
empfindungen im Verlauf des Tages. Die Tätigkeit im Büro dürfte kaum messbar beeinträchtigt sein, sehe man von der Entwicklung der Kreuzschmerzen nach längerem Sitzen ab. Dies berücksichtigt, betrage die Arbeitsfähigkeit 90
%
(S.
34).
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt fest (S. 47 unten f.), es ergäben sich aus Anamnese und Befund die Diagnose einer derzeit remittierten rezidivierenden depressiven Störung. Es sei spätestens ab Dezember 2015 eine weitgehend vollständige Remission anzunehmen. So sprächen die anamnestischen Angaben dafür, dass seit diesem Zeitpunkt die Fähig
keit sich zu freuen und die affektive Schwingungsfähigkeit gebessert seien. Insofern sei davon auszugehen, dass seit dem 2
6.
November 2015 (dem letzten Befund des Behandlers) eine eindrückliche Besserung eingetreten sei. Im Zeitpunkt der Begutachtung fehle eine gedrückte Stimmung, eine Antriebsver
minderung, eine Appetitstörung, eine Verminderung des Selbstwertgefühls und die diagnostischen Kriterien einer Depression seien nicht mehr nachweisbar. Auffällig sei, dass die Beschwerdeführerin eine Behinderung präsentiere, die nicht im Einklang mit Verhaltensbeobachtungen und klinischen Befunden stehe und daher nicht plausibel sei. Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe Hin
weise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeein
trächtigungen ergeben, nämlich Diskrepanzen zwischen massiven subjektiven Beschwerden und der erkennbaren psychischen Beeinträchtigung in der Untersuchungs
situation, zwischen schwerer subjektiver Beeinträchtigung und dem weitgehend intakten psychosozialen Funktionsniveau bei der Alltags
bewältigung sowie
eine
Inkonsistenz zwischen subjektiver Beschwerdeschilderung und den objektiven Befunden (S. 50).
Dass der behandelnde Psychiater auch weiterhin noch eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
bis Februar 2016 bescheinige, könne anhand der aktuellen psychiatri
schen Begutachtung nicht nachvollzogen werden. Da Aggravations
hinweise bestünden, lasse sich die Arbeitsfähigkeit nicht ausschliesslich psychiatrisch begründen (S. 52).
Im interdisziplinären Konsens kamen die Gutachter zum Schluss, dass ab Dezember 2015 aus orthopädischen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit von 90
%
in der angestammten Tätigkeit bestehe. Orthopädisch, neurologisch und allgemeininternistisch sei keine versicherungsmedizinisch relevante Änderung eingetreten. Aus psychiatrischer Sicht sei ab April 2010 eine Besserung eingetreten. Im Mai 2014 sei es zu einer erneuten depressiven Episode gekommen mit voller Arbeitsunfähigkeit. Ab November 2015 habe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
und ab Dezember 2015 von 100
%
bestanden (S. 56
Ziff.
3.1 und
Ziff.
4).
4.13
Auf entsprechende Nachfrage durch die Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
7/237)
nahmen
Dr.
B._
und
Dr.
M._
am 1
8.
Mai 2016 (
Urk.
7/241) wie folgt Stellung: Das rheumatologische Gutachten von
Dr.
C._
vom 1
1.
Dezember 2015 habe anlässlich der Begutachtung nicht vorgelegen.
Dr.
C._
habe die Beschwerdeführerin nach vierjähriger Absenz Ende April 2015 wieder gesehen, attestiere jedoch gleichwohl eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
vom
4.
Juni 2014 bis 1
1.
Januar 201
5.
Bezogen auf diesen Zeitraum fänden sich in seinem Gutachten keine aussagekräftigen Befunde. Nicht nachvollziehbar sei die ab dem 2
9.
März 2015 auf angeblich 0
%
reduzierte Arbeitsfähigkeit. Weiter weiche der recht knapp gehaltene Untersuchungsbefund von
Dr.
C._
im Wesentlichen nicht von demjenigen ab, der anlässlich der Begutachtung erhoben worden sei. Allerdings
habe
weder eine massgebliche Beinschwäche noch eine Gang- oder Standunsicherheit oder eine erkennbare schmerzbedingte Beeinträchtigung
bestanden
. Die abschliessende Beurteilung durch
Dr.
C._
beziehe sich allein auf subjektive Angaben der Beschwerdeführerin. Zu korrigieren sei jedoch, dass im orthopädischen Teilgutachten die Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
während des Aufenthaltes in
H._
vom
5.
Mai 2014 bis 1
7.
Mai 2014 nicht berücksichtigt worden sei (S. 2 f.).
Aus den nachträglich beigebrachten Arbeitsanforderungen an den letzten beiden Stellen gingen hohe Ansprüche an die intellektuellen, kommunikativen und organisatorischen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin hervor. Anforde
rungen hinsichtlich körperlicher Belastung würden ausdrücklich nicht gestellt. Es handle sich definitionsgemäss um eine körperlich sehr
leichte Tätigkeit mit ange
sichts der gehobenen Position im weitesten Sinne frei wählbarer Wechse
l
belastung. Eine zusätzliche, über die festgelegte hinausgehende Einschränkung lasse sich nicht begründen (S. 3).
4.14
Auf Veranlassung der Beschwerdeführerin erstattete
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates, am 2
0.
Dezember
2016 ein Gutachten (
Urk.
9/1) und führt
e
aus, die Beschwerdeführerin leide an einer Fehlform der Wirbelsäule; sie zeige das Vollbild einer dekompensierten Skoliose
. Weiter sei aufgrund der Syrinx
und deren Symptomatik eine ausgeprägte Schwächung der L4- und L5
ver
sorgten Muskulatur im rechten Bein aufgetreten, welche nun s
eit gut zwei Jahren persistiere.
Die aktuelle radiologische Dokumentation der Wirbel
säule zeige eindeutig die grossbogige rechtskonvexe Kyphoskoliose thora
kolumbal mit Gibbus auf Höhe Th9 bis Th11, eine mittelschw
ere Foramenstenose Th8 bis Th12 sowie
eine schwere Foramenstenose Th9/10 und Th10 rechts. Es finde sich zusätzlich eine Erweiterung des Zentralkanals, eine Hydromyelie oder eben eine Syrinx von Höhe Th6 nach kaudal reichend bis Höhe Th10/11 mit Binnensepten innerhalb des erweiterten Zentralkanals (S. 16).
Zusätzlich bestehe eine mittelschwere Spinalkanalstenose L3/4 sowie eine bilaterale Recessusstenose L3/4 und eine breitbasige Diskusprotrusion L5/S1 mit schwerer Foramenstenose rechts. Eine differenzierte radiologische Beurteilung der dekompensierten Skoliose zeige, dass
von 2011 bis 2016 das Lot Th1/S1 im Wesentlichen keine Progredienz erfahren habe. Eine leichte Progredienz sei aber aufgrund des Kleinerwerdens der Beschwerdeführerin
doch gegeben. Demzu
folge sei am Auftreten der Ausfälle im rechten Bein nicht die Skoliose mass
geblich, sondern die Hydromyelie beziehungsweise die durch die Syrinx ausge
löste Lähmung. Dass diese komplexe Situation durch die Ärzte der Medas
O._
in keiner Weise erfasst worden sei, zeig
t
e
n
die dort erhobenen Befunde und die gezogenen Schlussfolgerungen. Der Neurologe der Medas
O._
habe die Diagnose der schweren rechtsseitigen spinalen Impuls
leitungsstörung bei Syringomyelie des thorakalen Myelons nicht erwähnt. Weiter habe der
Orthopäde einen Beckengeradestand erwähnt, obwohl klar ein Beckenschiefstand bestehe (S. 17).
Dr.
D._
stellte folgende Diagnosen (S. 18):
-
anamnestisch mässig ausgeprägte chronische neurogene Schädigungs
zeichen in der L4- und L5-versorgten Muskulatur rechts mit und bei
-
schwerer rechtsseitiger spinaler Impulsleitungsstörung bei Syringo
myelie des thorakalen Myelons
-
dekompensierter kongenitaler Kyphoskoliose mit nicht segmentierten Wirbeln Th10 bis Th12 mit/bei Gibbus auf Höhe Th9/Th11 mit breitbasiger Diskusprotrusion L5/S1 mit schwerer
Foramenstenose rechts
Die von der Beschwerdeführerin heute absolut präzise angegebenen belastungs
abhängigen Beschwerden in der Wirbelsäule und im rechten Bein fänden mit dieser Diagnose ein entsprechendes Korrelat, bildgebend wie neurologisch. Die Beschwerdeführerin sei heute knapp fähig, einem normalen Bürojob nachzu
gehen. Sie könne den bisherigen Kader-Job mit langen Sitzungen, perma
nenten Reisen, Schleppen von Koffern, Laptops und Reisetaschen nicht mehr ausüben. Diese Arbeit habe die Syringomyelie mit der progredienten Zunahme der Skoliose symptomatisch werden lassen (S. 18 f.). Die Verschlechterung sei spätestens im Dezember
2013 eingetreten (S. 20 unten).
4.15
Dipl. med.
P._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie
,
RAD,
hielt zum Guta
chten von
Dr.
D._
am 1
5.
Juni 2017 (
Urk.
19) fest, dieser äussere sich fachfremd zur neurologischen Begutachtung und mache eine angebliche Verschlechterung der Lähmung des rechten Beines aufgrund der Syrinx im Rückenmark geltend. Aus neurolo
gischer Sicht müsse festgehalten werden, dass das neurologische Teilgutachten der Medas
O._
aus versicherungs
medi
zinischer Sicht nicht zu beanstanden sei. Die bestehende Syringomyelie könne im Zusammenhang mit der Skoliose gesehen werden, das heisse
,
sie sei
ange
boren. Darauf weise auch das
Q._
hin. Möglich sei auch eine postoperative Komplikation. Trotz allem sei die Beschwerdeführerin des
wegen jahrelang nicht beein
trächtigt gewesen
; es hätten nach Rückgang der postoperativen Lähmungen keine anderen dauerhaften Symptome (Lähmungen, Sensibilitäts
störungen etc.) vorgelegen. In Anbetracht der diskreten neurolo
gischen Auf
fälligkeit sei der verminderten Reizleitung in der Medas-Begut
achtung kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen worden.
Die psychische Überlagerung werde zudem von
Dr.
D._
vollkommen aus
geblendet. Im orthopädischen Befund werde zudem über keine Parese der Fussmuskulatur rechts berichtet, diese müsse sich somit verbessert haben
(S. 1 f.)
.
Dr.
med.
R._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, RAD, hielt
am 1
6.
Juni 2017 (
Urk.
19) fest, das Gutachten von
Dr.
D._
sei nicht plausibel. Er postuliere eine Verschlechterung mit Dekompensation der Skoliose trotz radiologisch fehlender Progredienz der Skoliose. Der erhobene Befund könne per se weder eine Dekompensation noch eine Verschlechterung aufzeigen.
Dr.
D._
mache die Syringomyelie für die neuen Ausfälle am rechten Bein verantwortlich, wofür sich jedoch bei fehlender Progredienz der Skoliose kein Korrelat biete. Die spinale Impulsleitungsstörung habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon postoperativ in den 70er Jahren vorgelegen, da damals ein Jahr lang Paraplegie bestanden habe (S. 2).
4.16
Mit Bericht vom 1
4.
Juli 2017
(
Urk.
25/2)
wiederholte
Dr.
D._
die bereits gemachten Angaben (vgl. vorstehend E. 4.14) und hielt fest,
dass eine ausgeprägte Skoliose auch zu verstärkten Verschleisserscheinungen an der Wirbelsäule führe. Dann könnten sich insbesondere nach langem Stehen und Gehen Rückenschmerzen einstellen. Bei sehr weit fortgeschrittener Skoliose sei es sogar möglich, dass die Verformung der Wirbelsäule und des Brustkorbs die Funktion von lebenswichtigen Organen wie Herz oder Lunge störe. Die Beschwerdeführerin leide an einer massiven Skoliose mit einem Cobb-Winkel von 49 bis 51 Grad und zusätzlich an einer Syringomyelie, welche sich im rechten Bein bemerkbar mache, sowie an einer aus dem Lot geratenen kongenitalen Kyphoskoliose mit schwerer Foramenstenose rechts. Es sei abzuraten, in den anges
tammten Beruf zurückzugehen (
Ziff.
4.1).
5.
5.1
Bei der Stellungnahme von
Dr.
D._
vom 1
1.
Juli 2017 (
Urk.
25/1) handelt es sich um eine Replik zur Stellungnahme der beiden RAD-Ärzte (vorstehend E. 4.15) und nicht um einen Arztbericht
mit Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
(vgl. vorstehend E. 1
.
5
), weshalb vorliegend nicht weiter darauf einzugehen ist.
5.2
Die ursprüngliche Rentenzusprache erfolgte im Jahr 2011 (
Urk.
7/38) aufgrund von psychischen Problemen (schwer
e
bis mittelgradige depressive Episode; vgl.
Urk.
7/3 f.).
Die Rentenaufhebung erfolgte, da ab Januar 2013 die volle Leistungsfähigkeit in einer Bürotätigkeit wiederhergestellt war (vgl.
Urk.
7/53/3). Angesichts des Umstands, dass die Beschwerdeführerin ab
1.
April 2010 in einem Pensum von 100
%
bei der
Z._
tätig
war
(
Urk.
7/26) und dort - entgegen ihrer früheren Darstellung (vgl.
Urk.
7/25) - eine, wie sie nachträglich beschrieb, anspruchsvolle Kadertätigkeit mit vielen Reisen
ausübte (
vgl.
Urk.
7/193 S. 16
Ziff.
2.6; Protokoll S. 7 f.), ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer vollständigen Remission der psychischen
Beschwerden bereits im Jahr 2010 auszugehen.
Dass
Dr.
F._
im Oktober 2012 (vgl. vorstehend E. 3.1) festhielt, die depressive Restsymptomatik schränke die Arbeitsfähigkeit bei gleicher Funktion wie derjenigen bei
Y._
ein, ist deshalb nicht glaubhaft, ebenso ihre Annahme, wonach die Beschwer
de
führerin in der angestammten Tätigkeit als Managerin im oberen Kader zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Die Feststellung von
Dr.
F._
, wonach die Arbeit im Bereich Human Resources in einer Pharmafirma - gemeint war
Z._
- zwar voll möglich sei, aber nicht den Leistungsansprüchen der Tätigkeit bei
Y._
entspreche, kann nur auf klar unzutreffende Angaben der Beschwer
de
führerin zurückgeführt werden. Deren Tätigkeit bei
Z._
entsprach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit derjenigen bei
Y._
. Damit war die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit voll arbeitsfähig und es lag keine Invalidität mehr vor, zumal ihr Einkommen wieder weitgehend dem
jenigen bei
Y._
entsprach (vgl. IK-Auszug;
Urk.
7/6
und
Urk.
7/83; sowie
Urk.
7/80/5
Ziff.
5.4). Aus somatischer Sicht lagen keine Einschränkungen vor.
5.3
In der Folge verlor die Beschwerdeführerin ihre Anstellung
bei der
Z._
per 3
0.
Juni 2014, wobei der letzte Arbeitstag der 2
3.
August 2013 war (
Urk.
7/86/2). Wie bereits bei
Y._
(vgl.
Urk.
7/9/9) waren nicht gesund
heitliche Gründe für den Stellenverlust verantwortlich (vgl.
Urk.
7/63/2).
Dr.
F._
diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsstörung (vgl. vor
stehend E. 4.1), welche sie auf die Kündigung zurückführte. Dies vermag nicht zu überzeugen.
Eine posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS)
entsteht als verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses (kurz oder lang anhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervor
rufen würde. Hierzu gehören eine durch Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastrophe, eine Kampfhandlung, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder selbst Opfer von Folterung, Terrorismus, Vergewaltigung oder a
nderen Verbrechen zu sein
(Dilling/Mombour/Schmidt
,
Hrsg., Internationale Klassifikation psychischer Störungen; ICD-10 Kapitel V (F) Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S. 207 f.).
Eine Kündigung kann nicht mit einem solchen Trauma gleichgesetzt werden.
Dass
Dr.
F._
dennoch eine PTBS diagnostizierte, setzt den Beweiswert ihrer Berichte (vgl.
vorstehend E. 4.1, 4.3, 4.6 und 4.8) entscheidend herab.
Darin stufte
Dr.
F._
psychosoziale Faktoren (Kündigung, Belastung durch die drogen
abhängige Tochter
) als krankheitswertig ein
, ohne eine psychische Störung schlüssig feststellen zu können.
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen –
jedoch
in jedem Fall ein medizi
nisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt
wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich fest
gestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit ver
gleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invali
di
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008
vom 23. März 2009 E. 2).
5.4
Diese psychosozialen Faktoren strich
Dr.
J._
in seinem Gutachten (vgl.
vorstehend E.
4.5) nachvollziehbar heraus und zeigte auch
auf
, dass zweimal eine plötzliche depressive Episode nach jeweils erfolgter Kündigung eingetreten war und die Wiedergenesung zeitnah mit dem Finden einer neuen Stelle eintrat. Dies entspricht der psychosozialen Genese der psychischen Beein
trächtigung der Beschwerdeführerin
.
Dies folgt nicht zuletzt aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin die bisher bei der
Z._
innegehabte Stelle nicht aus gesundheitlichen Gründen verlor, der Behandlungsbeginn bei
Dr.
F._
aber am 2
3.
August 2013, dem Tag der Kündigung, erfolgte.
Dr.
J._
legte schlüssig dar, dass eine Anpassungsstörung vorlag und keine schwere depressive Episode
. Bei einer Anpassungsstörung handelt es sich grundsätzlich für sich allein
nicht
um ein
invalidisierendes Leiden (
vgl. dazu die Urteile des Bundesgerichts
9C_4/2013 vom 1
9.
Dezember 2013, 8C_1055/2010 vom 1
7.
Febr. 2011, 9C_408/2010, 8C_322/2010).
Dr.
J._
ging von voller Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin ab 3
0.
Juni 2014 aus, erachtete jedoch aus versicherungspsychiatrischer Sicht eine volle krankheitsbedingte Arbeitsun
fähigkeit seit August 2013 als nicht plausibel. Dem ist zu folgen; die Arbeits
unfähigkeit ist, wie dargelegt, im Wesentlichen auf psychosoziale Faktoren
zurückzuführen, welche - wie die vorübergehende Anpassungsstörung - aus invaliden
versicherungsrechtlicher Sicht unbeachtlich sind.
5.5
Dr.
L._
ging am 2
6.
November 2015 nach gleichentags durchgeführter Kontrolle der Beschwerdeführerin (vorstehend E. 4.10) davon aus, dass in psychischer Hinsicht eine gegenwärtig mittelgradig ausgeprägte depressive Episode vorliege, welche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin habe; es bestehe in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
und es sei sinnvoll, wenn die Beschwerdeführerin erst mit 30
%
beginne. Hierbei fällt auf, dass die Beschwerdeführerin am gleichen Tag, an dem die Kontrolle bei
Dr.
L._
stattfand, den Arbeitsvertrag mit der
E._
als Abteilungsleiterin Service Center HR
Administration
für ein Pensum von 100
%
ab
1.
März 2016 unterzeichnete (vgl.
Urk.
11/1). Nach Lage der Akten informierte sie
Dr.
L._
darüber nicht, ansonsten er diesen Umstand in seine Beurteilung hätte
mit
einbeziehen müssen.
5.6
Anlässlich der am 2
6.
und 2
7.
Januar 2016 durchgeführten Begutachtung bei der
A._
hielt die Beschwerdeführerin fest, sie könne sich mit ihren jetzigen Beschwerden gar keine berufliche Tätigkeit vorstellen, sie hoffe jedoch auf Besserung, um irgendwann wieder mit einem kleinen Pensum beginnend zu arbeiten (vgl. vorstehend E. 4.12). Zu diesem Zeitpunkt war jedoch bereits klar, dass sie am
1.
März 2016 eine neue Vollzeitstelle im angestammten Bereich antreten
würde
. Offenkundig teilte sie diesen Umstand den Gutachtern nicht mit, was nur auf bewusste versicherungstechnische Über
legungen zurückgeführt werden kann. Angesichts dieses Versäumnisses mutet es seltsam an, dass sie dem neurologischen Gutachter Befangenheit vorwirft, weil ihm der Bericht von
Dr.
C._
(vorstehend E. 4.11) nicht vorlag, zumal er dazu nachträglich Stellung nahm (vgl. vorstehend E. 4.13).
Vielmehr bestätigt sich im Lichte dieser Situation die Schlüssigkeit der Begutachtung, wie nachfolgen
d
zu zeigen ist.
5.7
Das Gutachten der
A._
erging unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung der notwendigen Unter
suchungen. Die Schlussfolgerungen wurden nachvollziehbar begründet und dargelegt. Es vermag damit den praxisgemässen Anforderungen an eine medizi
nische Expertise zu genügen, weshalb darauf abgestellt werden kann.
Dr.
B._
stellte eine beidseitige Reflexsteigerung an den Beinen fest, welche für eine Schädigung der langen Rückenmarksbahnen im Rahmen der postope
rativen thorakalen Syrinxbildung spreche. Zusätzlich erhob er eine radikuläre Symptomatik, welche die leichte Fuss- und Zehenheberparese und die begleiten
den Sensibilitätsstörungen erkläre. Er hielt fest, dass die Schmerzen dadurch erklärbar, aber auch medikamentös beherrschbar seien, und dass die Aus
fallsymptomatik ausgesprochen bland sei. Dies
stimmt mit dem Umstand überein
,
dass die Beschwerdeführerin
ihren im August 2015 gestellten Antrag auf Umbau ihres Autos (Umrüstung von Gas- und Bremspedal;
Urk.
7/127-128) am 2
1.
Januar 2016 zurückzog
, da sie dank des Einsatzes von Therapien und Medikamenten wieder in der Lage sei, Auto zu fahren
(vgl.
Urk.
7/188)
. Dennoch hielt sie
anläs
slich der Begutachtung fest
, sie könne nicht mehr
länger
Auto fahren (S. 16 des Gutachtens),
und sie habe Schwierigkeiten, die Pedale zu bedienen (S. 9 Mitte).
Dr.
B._
stellte ein flüssiges, sicheres und hinkfreies Gangbild fest, und die Beschwerdeführerin war sogar fähig, ohne Angaben von Schmerzen auf einem Bein zu hüpfen. Im klinischen Neurostatus waren keine Wurzelkompressionen feststellbar.
Dr.
B._
stellte
aufgrund dieser Befunde
aus neurologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkei
t in der letzten Tätigkeit fest, was zu überzeugen vermag.
Aus orthopädischer Sicht stellte
Dr.
M._
aufgrund der Skoliose und Kyphose der Beschwerdeführerin eine naturgemässe Einschränkung in der Beweglichkeit fest
,
und es trete zeitweise bei längerem Sitzen eine ausstrahlende Schmerz
symptomatik ins rechte Gesäss auf, was sich auf das Belastungsprofil auswirke. Unzumutbar
seien Tätigkeiten mit häufigem schweren Heben, Tragen und Bewegen von Lasten sowie Tätigkeiten mit Zwangshaltung für die Wirbelsäule und Heben und Tragen von Lasten von mehr als 5 kg, ebenso Tätigkeiten mit ununterbrochenem Sitzen.
Dr.
M._
erachtete die bisherige Tätigkeit trotz diese
s
Belastungsprofil
s
als angepasst, da es der Beschwerdeführerin durchaus möglich gewesen sei, die Körperstellung zu verändern.
Dr.
M._
trug der im Verlauf des Tages einsetzenden Schmerzentwicklung mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 10
%
Rechnung.
Dr.
N._
stellte ab Dezember 2015 eine weitgehende Remission der psychischen Beschwerden fest; es sei seit dem 2
6.
November 2015, dem letzten Befund des Behandlers, eine eindrückliche Besserung eingetreten. Dies
ist
angesichts der an diesem Tag erfolgten Arbeitsvertragsunterzeichung
ohne Weiteres nachvollziehbar
.
Dr.
N._
fiel auf, dass die Beschwerdeführerin eine Behinderung präsentiere, die nicht im Einklang mit Verhaltens
beobachtungen und klinischen Befunden stehe und daher nicht plausibel sei. Er stellte Diskrepanzen zwischen massiven subjektiven Beschwerden und der erkennbaren psychischen Beeinträchtigung fest, ebenso zwischen schwerer psychischer Beeinträchtigung und dem weitgehend intakten psychosozialen Funktionsniveau bei der Alltagsbewältigung
.
Z
udem sah er Inkonsistenzen zwischen subjektiver Beschwerdeschilderung und den objektiven Befunden.
Dr.
N._
ging von Aggravationshinweisen aus, was angesichts des vor
stehend
Gesagten (vgl. vorstehend E. 5.6). schlüssig ist
, verschwieg die Beschwer
deführerin doch die auf den
1.
März 2016 vorgesehene Arbeits
aufnahme
.
In der Konsensbesprechung erachteten die Gutachter die Beschwerdeführerin ab Dezember 2015 in der angestammten Tätigkeit aus orthopädischen Gründen als zu
1
0
%
eingeschränkt. Orthopädisch, neurologisch und internistisch sei keine Veränderung eingetreten. Aus psychiatrischer Sicht sei es im Mai 2014 zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit gekommen, ab November 2015 habe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
und ab Dezember 2015 von 100
%
bestanden.
Während der orthopädischen Beurteilung gefolgt werden kann, lässt sich dies hinsichtlich der
attestierten
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen zwischen Mai 2014 und November 2015 aufgrund des vorstehend Gesagten (vgl.
5.3-5.5) nicht bejahen; vielmehr ist aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht mit überwiegender Wah
rscheinlichkeit keine psychisch bedingte
Arbeits
un
fähigkeit ausgewiesen.
Angesichts des Umstands, dass vom psychiatrischen Gutachter Aggravationshinweise festgestellt wurden und die Beschwerde
führerin kurz nach der Begutachtung eine Vollzeitstelle im angestammten Beruf antrat, ist kein strukturiertes Beweisverfahren zur Beurteilung des tatsächlichen Leistungsvermögens (
BGE 143 V 418
) vorzunehmen. Ein solches
erübrigt sich rechtsprechungsgemäss, wenn Ausschlussgründe vorliegen, etwa wenn die Leistungseinschränkung überwiegend auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht, welche die Annahme einer gesundheitlichen Beein
trächtigung von vornherein ausschliessen (BGE 141 V 281 E. 2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2
015 vom 29. Januar 2016 E. 4.1).
Somit ist in somatischer Hinsicht eine geringe Verschlechterung im Umfang von 10
%
eingetreten.
5.8
An dieser Einschätzung vermögen die Berichte der behandelnden Ärzte nichts zu ändern. So erachtete
Dr.
K._
die Beschwerdeführerin als seit März 2013 in der angestammten Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt
noch
in einem vollen Pensum bei der
Z._
tätig
und
zu 100
%
arbeitsfähig
war
.
Gegenüber
Dr.
C._
(vgl. vorstehend E. 4.11) b
erichtete
die Beschwerde
führerin
, als Folge ihrer Beschwerden kaum mehr das Haus verlassen zu können.
Dr.
C._
hielt fest, ein auswärtiger Arbeitsplatz sei der Beschwerde
führerin nicht mehr zumutbar. Diese Feststellungen traf
Dr.
C._
aufgrund seiner Untersuchung vom 2
5.
November 2015, mithin einen Tag
,
bevor
die Beschwerdeführerin
den Arbeits
vertrag mit der
E._
unter
zeichnet hatte
, weshalb sich weitere Ausführungen zu diesem Bericht erübrigen.
Dr.
D._
führte in seinem Gutachten (vgl. vorstehend E. 4.14) ver
schiedene Befunde auf, stützte sich aber soweit ersichtlich hinsichtlich der Beurteilung der Auswirkungen dieser Befunde auf die anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin. So hielt er fest, dass seit zwei Jahren eine ausgeprägte Schwächung der Muskulatur im rechten Bein persistiere, setzte sich aber nicht mit dem Umstand auseinander, dass die Beschwerdeführerin in Zusammenhang mit dem Autoumbau diesbezüglich selbst von einer Besserung ausgegangen war. Ebenfalls äusserte sich
Dr.
D._
nicht zu den anlässlich der Medas-Begutachtung festgestellten geringen somatischen Einschränkungen, sondern beschränkte sich im Wesentlichen auf die Auflistung der unbestrittenermassen bestehenden Veränderungen der Wirbelsäule, ohne nachvollziehbar und schlüssig deren Folgen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit darzulegen.
Invalidenversicherungsrechtlich sind
jedoch
nicht die Diagnosen und deren Anzahl entscheidend, sondern die Auswirkungen der gesund
heitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit (BGE 136 V 279 E.3.2.1 S. 281 mit Hinweis auf BGE 127 V 294).
Diesbezüglich beschrieb der ortho
pädische Medas-Gutachter ein Belastungsprofil, welches
Dr.
D._
in der angestammten Tätigkeit gerade als nicht erfüllbar bet
rachtete (dazu nach
folgend E. 5.9 f.
). Das Gutachten von
Dr.
D._
ist jedoch nicht geeignet, die Beurteilung durch die Medas-Gutachter zu entkräften.
5.9
Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass seit der rentenaufhebenden Verfügung vom
9.
April
2013
in psychischer Hinsicht keine, jedoch in somatischer Hinsicht ein
e geringfügige Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit
eingetreten ist. Es stellt sich die Frage, ob dies versicherungsrechtlich relevant ist.
Gemäss orthopädischem Medas-Gutachten
sind der Beschwerdeführerin
Tätig
keiten mit häufigem schweren Heben, Tragen und Bewegen von Lasten sowie Tätigkeiten mit Zwangshaltung für die Wirbelsäule und Heben und Tragen von Lasten von mehr als 5 kg, ebenso Tätigkeiten mit ununter
brochenem Sitzen
nicht mehr zumutbar.
Dr.
M._
erachtete die bisherige Tätigkeit als leidens
angepasst. Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie habe durchaus ihre Körper
stellung verändern, ein Stehpult ver
wenden und umher
gehen können. Aber es habe sich in ihrer Stellung nicht
„
geziemt"
, seine Körper
haltung anzu
passen (vgl. vorstehend E. 4.12). Anlässlich der Haupt
verhandlung hielt sie fest, in ihrer früheren Anstellung habe sie keine Zeit für Pausen oder Essen gehabt, es habe Zeitdruck geherrscht und sie habe viel reisen müssen, wobei nicht immer ein Stehpult vorhanden gewesen sei. Es habe viele Sitzungen von acht, neun Stunden am Stück gegeben, wo man nicht aufstehen und den Rücken
habe
entspannen könne
n
, und es sei auch nicht so, dass alle sitzen und eine Person stehen könne (Protokoll S. 7). Es handle sich bei der
E._
um eine
internationale Firma mit weltweit 33'000 Mitarbeitern (S. 10). Sie sei für die gesamte Schweiz zuständig, das seien 9'400 oder 9'600 Mitarbeiter (S.
6).
5.10
Die Beschwerdeführerin hat bislang, von April 1999 bis Dezember 2008, in leitender Stellung bei
Y._
gearbeitet (
Urk.
7/9), sowie von
1.
April 2010 bis 3
0.
Juni 2014 bei
Z._
, ebenfalls in leitender Stellung. Trotz seit der Kindheit bestehender Rückenproblematik war sie fähig, diese anspruchsvollen Tätigkeiten jahrelang auszuüben. Beide Anstellungen verlor sie nicht aus gesundheitlichen Gründen, weshalb der Wechsel
in
die heutige, geringer entlöhnte und nach ihrer Darstellung weniger anspruchsvolle Tätigkeit bei der
E._
nicht auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen ist. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie, wäre ihr die Stelle bei
Z._
nicht gekündigt worden, diese weiterhin ausgeübt hätte. Auch ist nicht auszu
schliessen, dass die
„
geringere" Tätigkeit
bei der
E._
aufgenommen wurde, weil der Stellenmarkt für höhere Kadertätigkeiten wie die bisherigen vergleichsweise klein ist (vgl. Protokoll S. 9)
, weshalb die Beschwerdeführerin möglicherweise auch aus IV-fremden Gründen keine vergleichbare Stelle mehr gefunden hätte
.
Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass sie die Anstellung bei
Z._
gegenüber der Invalidenversicherung
tatsachenwidrig
als im Vergleich zu ihrer Tätigkeit bei
Y._
deutlich unter ihren Qualifikationen und viel weniger anspruchvoll beschrieb (vgl.
Urk.
7/
25)
,
und auch
aktuell ihre Tätigkeit bei der
E._
als gegenüber der letzten Tätigkeit bei
Z._
erneut als
viel weniger
anspruchsvoll darstellte. Dies erschwert die Beurteilung der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit
und schliesst nicht aus, dass die Beschwerdeführerin diesbezüglich situativ unterschiedliche Angaben macht
.
Wie es sich damit verhält, kann jedoch offen bleiben.
Denn w
enngleich nachvollziehbar ist, dass das idealerweise einzuhaltende Belastungsprofil dem Reisen
und Kofferschleppen
(wobei technische Hi
l
fsmittel, die Inanspruchnahme von Hilfe
bis hin zum Personentransport durch den Flughafen sowie
Flugreisen in der Business Class im Rahmen der Schadenminderungspflicht als zumutbar erscheinen)
und langen Sitzungen
nicht immer zu entsprechen vermag, stehen somit doch
wesentliche andere,
nicht gesundheitliche Faktoren im Vordergrund
, nämlich
gewisse
Gepflogenheiten der Geschäftswelt
, in der sich die Beschwerdeführerin bewegte. Solche allein können
keine Invalidität verursachen
:
Dass es bei Sitzungen und allge
mein im höheren Kader
unüblich ist,
„
Schwäche zu zeigen",
hat grundsätzlich
nicht
die Invalidenversicherung zu verantworten.
5.11
Invalidität
(
Art.
4
Abs.
1 IVG)
ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Dem Begriff der Invalidität liege
n folgende Kriterien zugrunde: G
esundheitliche Beeinträchtigung (medizinisches Element), Auswirkungen auf die Fähigkeit,
erwerblich oder im Aufgabenbereich tätig zu sein (wirtschaftliches Element im weiteren Sinne), Zusammenhang zwischen dem medizinischen und dem wirtschaftlichen Element sowie Dauer der Beeinträchtigung (zeitliches Element; Kieser, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl. 2015
,
N
7
zu
Art.
8
ATSG
).
Art.
8 IVG bezieht sich auf die in
Art.
7 ATSG definierte Erwerbsunfähigkeit:
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Abs.
1). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Der Unterschied zwischen Erwerbsunfähigkeit und Invalidität liegt in einem zeitlichen Kriterium. Nur diejenige Erwerbsunfähigkeit, die voraussichtlich bleibt oder längere Zeit dauert, gilt als Invalidität (Kieser, a.a.O.,
N
11 zu
Art.
8 ATSG).
Art.
7 ATSG thematisiert nicht eine tatsächliche Erwerbseinbusse, sondern den Verlust von Erwerbsmöglichkeiten.
5.12
Bezugspunkt der Erwerbsunfähigkeit ist der allgemeine Arbeitsmarkt. Das Invaliden
versicherungsgesetz versichert
demnach Erwerbsunfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, nicht Berufsunfähigkeit im Sinne der Unfähigkeit, den bisherigen Beruf weiterhin auszuüben. Der Begriff der Berufsinvalidität ist dem IVG fremd. Die fehlende Versicherung von Berufsinvalidität führt überall dort zur Verneinung der Invalidenrentenberechtigung,
wo
es der versicherten Person gelingt, in einer der gesundheitlichen Beeinträchtigung angepassten zumutbaren (Verweis-) Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014, Rz 9 zu
Art.
4 IVG).
Vorliegend verhält es sich so, dass die Beschwerdeführerin weiterhin ihren ange
stammten Beruf als Head HR ausübt. Zwar bestehen Unterschiede
in Bezug auf Reisen und Hektik. Es handelt sich jedoch ebenfalls um eine körperlich grundsätzlich leichte Tätigkeit mit grosser
Verantwortung und Führungs
auf
gaben
(vgl. vorstehend E. 5.9)
, mithin um die angestammte Tätigkeit
. Einziger Unterschied ist, soweit ersichtlich, die geringere Hektik, Reisetätigkeit und Sitzungsfrequenz und -dauer
.
Die Argumentation der Beschwerdeführerin zielt somit auf eine Berufsinvalidität ab, welche, wie dargelegt, nicht versichert ist. Nachdem
kein
rechtsgenüglicher, überwiegend wahrscheinlicher
Zusammen
hang zwischen dem
Verlust der bisherigen Stellen beziehungsweise der geringer
ent
löhnten Arbeit bei der
E._
und der ge
sundheitlichen Beein
trächtigung besteht, ist eine Invalidität zu verneinen.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin beantragte, es sei
Dr.
B._
in den Ausstand zu setzen (
Urk.
1 S. 2).
Nach der Rechtsprechung gelten für medizinische Sachverständige grund
sätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vor
gesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vor
liegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1; SVR 2013 IV Nr. 35 S. 105, Urteil des Bundesgerichts 9C_689/2012 E. 2.2; vgl. auch BGE 137 V 210 E. 2.1.3).
So kann das Expertenverhalten während der Exploration objektiv den Anschein von Befangenheit erwecken. Zu denken ist etwa an Äusserungen, welche die Glaubhaftigkeit der Angaben des Exploranden oder der Explorandin zum Gesundheitszustand und zur Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit von vornherein mehr oder weniger offen verneinen, an abschätzige Bemerkungen persönlicher Natur oder unter Umständen an die Art und Weise, wie die Untersuchung durchgeführt wird. Die Objektivität der Beurteilung steht auch in Frage, wenn die begutachtende Person von weitgehend sachfremden Kriterien auf Aspekte des Gesundheitszustandes schliesst, welche für die zumutbare Arbeitsfähigkeit von Bedeutung sind. Schliesslich kann die Abfassung einer medizinischen Expertise in beleidigendem Ton oder sonst auf unsachliche Art und Weise objektiv Zweifel an der Unvoreingenommenheit der sach
ver
ständigen Person wecken (Urteil des Bundesgerichts 8C_665/2015 vom 21. Januar 2016 E.
4.1
).
6.2
Vorliegend ist keiner der genannten Ausstandsgründe ersichtlich. Das anlässlich der Begutachtung fehlende Aktenstück wurde nachträglich von
Dr.
B._
gewürdigt und in die Beurteilung mit einbezogen (vgl. vorstehend E.
4.13
). Der Antrag ist abzuweisen.
6.3
Das Gutachten von
Dr.
D._
war zur Klärung des Sachverhalts nicht notwendig, weshalb eine Kostenübernahme (
Urk.
12) ausser Betracht fällt.
7.
Der angefochtene Entscheid ist rechtens.
Auf weitere Abklärungen kann in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), ermessensweise auf
Fr.
1'0
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.