Decision ID: 6be19cb9-b2c1-4d32-bda4-d50caef20f45
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Politische Gemeinde Gommiswald schrieb am 31. März 2014 die
Wasserbau-, Tiefbau- und Strassenbauarbeiten für die Offenlegung des Dorfbaches
und den Ausbau der Rietwiesstrasse im offenen Verfahren aus. Der Beizug von
Subunternehmern und Angebote von Arbeitsgemeinschaften waren zulässig (Ziffern 3.5
und 3.6 der Ausschreibung, act. 8/1), wobei Unternehmen ein Angebot allein oder als
Mitglied einer – einzigen – Arbeitsgemeinschaft einreichen durften; als Subunternehmer
durften sie an mehreren Angeboten teilnehmen (Ziffer 224 R 920 der besonderen
Bestimmungen, act. 2/3). Die Zuschlagskriterien (Preis [60 Prozent], Qualität und
Erfahrung [34 Prozent, mit den Unterkriterien Erfahrung Anbieter 8 Prozent, Erfahrung
Fach- und Führungskompetenz 12 Prozent, Darstellung der Projektrisiken 9 Prozent,
Baulogistik 5 Prozent] sowie Ausbildung [6 Prozent]) und der Massstab für die
Bewertung der Angebote je Kriterium und Unterkriterium mit den Noten 0 bis 4 wurden
bekannt gegeben (Ziffer 224.100 der besonderen Bestimmungen).
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B. Innert der bis 2. Mai 2014 laufenden Eingabefrist gingen sechs Angebote von
sechs Anbietern ein, unter anderem jene der Bernet Bau AG und der Toneatti AG Bilten
sowie dasjenige einer Arbeitsgemeinschaft unter der Federführung der De Zanet AG,
Kaltbrunn. Die Politische Gemeinde Gommiswald vergab die Arbeiten am 15. Mai 2014
an die Toneatti AG Bilten, welche als mögliche Subunternehmerin für Pflästerungen
und Belagsarbeiten die De Zanet AG nannte, zum Preis von CHF 902'877.05 (CHF
255'263.70 Offenlegung Dorfbach, CHF 734'733.10 Ausbau Rietwiesstrasse, abzüglich
fünf Prozent Rabatt CHF 49'499.85 und vier Prozent Skonto CHF 37'619.90, ohne
Abzüge von 1,3 Prozent für "Bauwasser und Energie", "nicht eruierbare Schäden" und
"Bauwesenversicherung", ohne Mehrwertsteuer; act. 8/7 Register 3).
C. Die Bernet Bau AG (Beschwerdeführerin) erhob mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 26. Mai 2014 gegen die Zuschlagsverfügung des Gemeinderates
der Politischen Gemeinde Gommiswald (Vorinstanz) vom 15. Mai 2014 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, es seien unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihr die Wasserbau-,
Tiefbau- und Strassenbauarbeiten für die Offenlegung des Dorfbaches und den Ausbau
der Rietwiesstrasse zu vergeben. Das von der Beschwerdeführerin gleichzeitig gestellte
Gesuch, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, hiess der
Präsident des Verwaltungsgerichts mangels gegenteiliger Anträge der Vorinstanz und
der Toneatti AG Bilten (Beschwerdegegnerin) am 5. Juni 2014 gut; die Kosten der
Verfügung, die unangefochten rechtskräftig wurde, beliess er bei der Hauptsache
Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin beantragten mit Vernehmlassung vom 18.
Juni 2014 beziehungsweise vom 24. Juni 2014 die Abweisung der Beschwerde unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Beschwerdeführerin nahm dazu am 17. Juli
2014 Stellung. Nachdem ihr teilweise Einsicht in das Angebot der Beschwerdegegnerin
gewährt worden war, ergänzte sie ihre Stellungnahme am 18. September 2014.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,

in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung
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1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 5 Abs.
2 des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über das öffentliche
Beschaffungswesen; sGS 841.1, EGöB). Die Beschwerdeführerin, die beim Zuschlag
nicht berücksichtigt wurde, ist zur Beschwerde legitimiert; die Beschwerde wurde
fristgerecht erhoben und erfüllt die Anforderungen in formeller und inhaltlicher Hinsicht
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art 15 Abs. 3 der Interkantonalen
Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen, sGS 841.32, IVöB). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des Zuschlags an die
Beschwerdegegnerin. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, die
Beschwerdegegnerin erfülle die notwendigen Eignungskriterien nicht, weil sie nicht im
Strassenbau tätig sei und für diese Arbeiten, deren Anteil bei 75 Prozent des Volumens
liege, als Subunternehmerin die De Zanet AG beiziehe, welche ihrerseits als
federführendes Mitglied einer Arbeitsgemeinschaft als Anbieterin auftrete. Sei die
Zulässigkeit der gleichzeitigen Teilnahme als Anbieter und als Subunternehmer unklar,
sei Ziffer 224 R 920 der besonderen Bestimmungen aufgrund der Unklarheitenregel zu
Ungunsten der Vorinstanz und zu Gunsten der Beschwerdeführerin auszulegen.
2.1. Gemäss Art. 13 Abs. 1 Ingress und lit. d IVöB gewährleisten die kantonalen
Ausführungsbestimmungen ein Verfahren zur Überprüfung der Eignung der
Anbieterinnen und Anbieter nach objektiven und überprüfbaren Kriterien. Art. 6 Abs. 1
EGöB ermächtigt die Regierung zur Regelung der Grundsätze und Verfahren des
öffentlichen Beschaffungswesens. Gemäss Art. 8 Abs. 1 der Verordnung über das
öffentliche Beschaffungswesen (sGS 841.11, VöB) legt der Auftraggeber im Rahmen
der Ausschreibung fest, welche Eignungskriterien der Anbieter erfüllen und welche
Nachweise er erbringen muss. Gemäss Art. 12 Abs. 1 Ingress und lit. a VöB kann der
Auftraggeber einen Anbieter vom Vergabeverfahren ausschliessen sowie den Zuschlag
widerrufen, wenn der Anbieter die Eignungskriterien nicht erfüllt
Die besonderen Bestimmungen zur unangefochten rechtskräftig gewordenen
Ausschreibung vom 31. März 2014 regeln bei den Eignungskriterien die Anforderungen,
die Arbeitsgemeinschaften und Unternehmen, welche zur Erfüllung des Auftrags
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Subunternehmer beiziehen, erfüllen müssen. Arbeitsgemeinschaften haben jene
Unternehmung als federführend zu bestimmen, die den Hauptanteil der Arbeiten
ausführt (Ziffer 260.200). Jeder Anbieter kann allein oder als Mitglied einer
Arbeitsgemeinschaft ein Angebot einreichen. Die Bewerbung als Mitglied in mehr als
einer Arbeitsgemeinschaft ist nicht zulässig. Die Teilnahme als Subunternehmer bei
mehreren einzelnen Anbietern und/oder Arbeitsgemeinschaften ist möglich (vgl. Ziffer
224 R 920). Ob eine gleichzeitige Teilnahme als Anbieter und als Subunternehmer
möglich ist, ist nicht ausdrücklich geregelt.
2.2. Die Beschwerdegegnerin betreibt gemäss Eintrag im Handelsregister eine
Bauunternehmung. Für den Bereich Strassenbau hat sie in ihrer Offerte zwei
Referenzobjekte angegeben, nämlich den Bau der Zufahrtsstrasse zur neuen
Taminabrücke samt Werkleitungen, Brücken, Viadukten und Stützmauern, sowie den
Neubau der Linthbrücke Näfels-Mollis. Das Volumen der Strassenbauarbeiten betrug
beim ersten Objekt 2,05 (von 9,7) Millionen, beim zweiten Objekt 0,6 (von 5,3) Millionen
Franken. Die Vorinstanz hat bei der Beurteilung der Eignung der Beschwerdegegnerin
auf diese Referenzen abgestellt. Ob und inwieweit die Beschwerdegegnerin die
Strassenbauarbeiten selbst ausgeführt hat, kann ihren Angaben und der
Dokumentation nicht entnommen werden (act. 8/7 Register 1). In der
Beschwerdevernehmlassung erläutert sie dazu, sie habe – wie es branchenüblich sei
und auch von der Beschwerdeführerin, die keine eigene Belagseinbaumaschine habe,
gehandhabt werde – lediglich für die Belagsarbeiten "Belagsfirmen" hinzugezogen.
Gemäss dem Organigramm zur Offerte tritt die Beschwerdegegnerin als
Auftragnehmerin auf; die De Zanet AG, Kaltbrunn, kommt als eine von zwei "z. Bsp."
erwähnten Subunternehmerinnen für "Abschlüsse und Belag" in Frage (act. 8/7
Register 6). Der Kostenzusammenstellung kann entnommen werden, dass vom
gesamten Auftragsvolumen von brutto CHF 989'996.80 auf die Positionen
Pflästerungen und Abschlüsse (NPK 222) CHF 36'945 und Belagsarbeiten (NPK 223)
CHF 132'756, zusammen CHF 169'701 oder 17,14 Prozent entfallen (act. 8/7 Register
3, Seite 1).
In den Offerten sowohl der Beschwerdegegnerin als auch der Beschwerdeführerin
werden die gesamten Kosten entsprechend den Vorgaben in der Ausschreibung auf
die Offenlegung des Dorfbaches einerseits und die Sanierung der Rietwiesstrasse
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anderseits aufgeteilt. In beiden Offerten ergibt sich ein Verhältnis von rund 25 Prozent
Bach zu 75 Prozent Strasse (act. 8/7 Register 2 letzte Seite; act. 8/3 Register 1 letzte
Seite). Diese Aufteilung bedeutet nicht, dass 75 Prozent des Auftragsvolumens als
Strassenbau im technischen Sinn zu gelten haben. Mit Blick auf die Referenzobjekte,
das Organigramm und die Kostenzusammenstellung der Beschwerdegegnerin kann
daraus ebenso wenig geschlossen werden, dass deren Subunternehmerin sämtliche
der Sanierung der Rietwiesstrasse zugerechneten Arbeiten erledigt. Unter diesen
Umständen erweist sich der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin
habe mit dem möglichen Beizug der De Zanet AG, Kaltbrunn, als Subunternehmerin
fehlende Erfahrung im Strassenbau kompensiert, als unbegründet. Angesichts der
Aussagekraft des Angebots der Beschwerdegegnerin erübrigt sich die Anordnung der
von der Beschwerdeführerin beantragten Expertise. Im Übrigen sieht auch die
Beschwerdeführerin in ihrer Offerte zumindest für die Pflästerungen, welche einen
Anteil von rund vier Prozent (NPK 222 CHF 40'082) am Auftragsvolumen (brutto CHF
981'811.75) ausmachen (act. 8/3 Register 1), den Beizug von Subunternehmern vor
(act. 8/3 Register 7 Seite 2).
Schliesslich rechtfertigt auch der Umstand, dass die De Zanet AG, Kaltbrunn, im
Vergabeverfahren einerseits als federführendes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft, die
sie zusammen mit der KIBAG bildete, und anderseits als – mögliche –
Subunternehmerin der Beschwerdegegnerin auftrat, nicht den Ausschluss des
Angebots der Beschwerdegegnerin. Die besonderen Bestimmungen zur Ausschreibung
regeln die Zulässigkeit der Teilnahme als Anbieter und als Subunternehmer
unterschiedlich. Während eine Unternehmung auf der Ebene als Anbieterin lediglich
einmal – sei es allein, sei es als Mitglied einer Arbeitsgemeinschaft – in Erscheinung
treten kann, kann ein Unternehmen auf der Ebene der Subunternehmer mehrfach
auftreten. Ob sich das gleiche Unternehmen sowohl als Anbieterin als auch als
Subunternehmerin beteiligen kann, regeln die besonderen Bestimmungen nicht
ausdrücklich. Sie schliessen dies insbesondere nicht ausdrücklich aus (Ziffer 224 R 920
der besonderen Bestimmungen zur Ausschreibung).
Die Beschwerdeführerin beruft sich zur Auslegung der Klausel auf die
Unklarheitenregel. Diese dient dazu, Unklarheiten im Rechtsverhältnis zwischen dem
Verfasser vorformulierter Vertragsbedingungen einerseits und dessen Vertragspartner
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anderseits, die sich aus mehrdeutigen Klauseln ergeben, zu Lasten des Verfassers zu
beseitigen (vgl. BGer 5C.271/2004 vom 12. Juli 2005 E. 2 mit Hinweisen auf BGE 122
III 118 E. 2a, 124 III 155 E. 1b). Sie ist mithin nicht auf die Konstellation in
Vergabeangelegenheiten zugeschnitten, wo sich Zuschlagsempfänger einerseits und
nicht berücksichtigte Bewerber anderseits mit gegenläufigen Interessen über die
Auslegung von Ausschreibungsbestimmungen, die nicht sie selbst verfasst haben,
uneinig sind. Ziffer 224 R 920 der besonderen Bestimmungen kann deshalb nicht unter
Hinweis auf die Unklarheitenregel zugunsten der Beschwerdeführerin und damit
zulasten der Beschwerdegegnerin ausgelegt werden.
Der Umstand, dass Ziffer 224 R 920 die Zulässigkeit – und insbesondere die
Unzulässigkeit – der Teilnahme am Vergabefahren sehr eingehend regelt, deutet darauf
hin, dass zulässig ist, was nicht ausdrücklich ausgeschlossen wird. Im Übrigen bringt
auch die Beschwerdeführerin keine Gründe vor, welche einen solchen Ausschluss
sachlich – insbesondere zum Schutz der Chancengleichheit der Anbieter und eines
wirksamen Wettbewerbs – rechtfertigen könnten. Im Gegenteil führt der Umstand, dass
ein Unternehmen als Anbieter auftritt, dazu, dass die Vergabebehörde
weiterreichendere Kenntnisse über das Unternehmen erlangt, als wenn dieses lediglich
als Subunternehmer auftritt. In der konkreten Konstellation kann auch nicht gesagt
werden, die De Zanet AG, Kaltbrunn, habe mit der möglichen untergeordneten
Beteiligung als Subunternehmerin im Angebot der Beschwerdegegnerin die
Ausschreibungsregeln umgangen und sei zweimal als Anbieterin aufgetreten. Ihre
mögliche Beteiligung als Subunternehmerin der Beschwerdegegnerin beschränkt sich
auf einen Anteil von weniger als zwanzig Prozent des Gesamtvolumens des Auftrags.
3. In der Stellungnahme vom 18. September 2014 bringt die Beschwerdeführerin
zusätzliche Gründe vor, aus denen die Beschwerde gutzuheissen sei. Lediglich die
Beschwerdeführerin habe wie verlangt (RZ 252.110 Register 3) die "vollständig
ausgefüllte Originalversion des Leistungsverzeichnisses in Papierform" eingereicht, so
dass alle anderen Bewerber ausgeschlossen werden müssten (dazu nachfolgend
Erwägung 3.1). Sodann hätte das Angebot der Beschwerdegegnerin bei den Kriterien
"Erfahrung Anbieter" und "Erfahrung und Referenzen vorgesehenes Kaderpersonal"
nicht mit je vier Punkten, sondern höchstens mit je einem Punkt bewertet werden
dürfen (dazu nachfolgend Erwägung 3.2).
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3.1. Nach Art. 12 Abs. 1 Ingress und lit. h VöB kann vom Verfahren
ausgeschlossen werden, wer wesentliche Formvorschriften des Vergabeverfahrens
verletzt. Die "Kann-"Vorschrift räumt dem Auftraggeber einen Spielraum bezüglich der
Frage ein, ob ein Anbieter im Einzelfall vom Verfahren ausgeschlossen werden soll. Das
Ermessen ist jedoch pflichtgemäss auszuüben und insbesondere ist dem
Rechtsgleichheitsgebot, dem Verhältnismässigkeitsprinzip und der Pflicht zur Wahrung
der öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen. Ausserdem sind Sinn und Zweck der
gesetzlichen Ordnung zu beachten. Ein wirksamer Wettbewerb als wesentliche
Zielsetzung einer jeden Submission gebietet, bei der Kontrolle der
Bewerbungsunterlagen nicht zu kleinlich vorzugehen (vgl. GVP 2002 Nr. 33).
Zwar trifft zu, dass das von der Beschwerdegegnerin ausgefüllte und in Papierform
eingereichte Leistungsverzeichnis hinsichtlich der graphischen Darstellung –
Schriftgrösse, Spaltenbreiten, Seitenumbrüche – von jenem der Beschwerdeführerin
und damit von der Originalversion abweicht. Das von der Vorinstanz beauftragte
Ingenieurunternehmen stellte in der Vergabeempfehlung denn auch fest, die
Beschwerdeführerin habe als einzige das Leistungsverzeichnis im Original abgegeben.
Die Beschwerdegegnerin habe jedoch bestätigt, dass die Positionstexte nicht
abgeändert worden seien und im Fall eines Widerspruchs das Original-
Leistungsverzeichnis gelte. Das Fehlen des Original-Leistungsverzeichnisses wurde als
"nicht relevant" beurteilt (Ziffer 2.1.1 der Vergabeempfehlung, act. 8/8). Ein Vergleich
der Verzeichnisse zeigt, dass jenes der Beschwerdegegnerin – anders als das Original
– in den Abschnitten zu den Bedingungen jeweils zusätzlich die Ziffer 100 mit dem
Hinweis, dass bei Kurzleistungsverzeichnissen der Volltext im NPK massgeblich sei,
enthält. Die Umschreibungen der Positionen decken sich im Übrigen – bis und mit
Druckfehler (NPK 237, Ziffer 031.240: "Spiessungen") – mit jenen in der Originalversion
der Beschwerdeführerin. Abgesehen davon ist unbestritten, dass das
Leistungsverzeichnis der Beschwerdegegnerin sämtliche Positionen umfasst und
vollständig ist. Die Beschwerdegegnerin lässt zudem – bei Abweichungen in den
Umschreibungen – die Originalversion gegen sich gelten. Wenn die Vorinstanz das
Angebot der Beschwerdegegnerin unter diesen Umständen nicht ausgeschlossen hat,
hat sie sich nicht nur im Rahmen ihres Ermessens bewegt, sondern vielmehr auch eine
Verletzung des Verbots des überspitzten Formalismus, wie es sich aus Art. 29 Abs. 1
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) ergibt,
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vermieden (vgl. dazu Galli/Moser/Lang/Steiner, Praxis des öffentlichen
Beschaffungsrechts, 3. Aufl. 2013, Rz. 446 ff.).
3.2. Gemäss Art. 34 Abs. 2 Ingress und lit. b und k VöB sind Qualität und
Erfahrung zulässige Kriterien für die Ermittlung des wirtschaftlich günstigsten
Angebots. In der Bewertung und Benotung kommt der Vergabebehörde ein weiter
Ermessensspielraum zu. Sie darf aber auch nicht willkürlich entscheiden, sondern hat
ihr Ermessen pflichtgemäss zu betätigen. Dabei ist sie insbesondere an den
Gleichbehandlungsgrundsatz und das Diskriminierungsverbot gebunden. Solange sich
die Vergabebehörde jedoch beim Zuschlag von sachlichen und vernünftigen
Überlegungen leiten liess, hat das Verwaltungsgericht den Entscheidungsspielraum zu
respektieren, und eine Korrektur ist ihm verwehrt (vgl. VerwGE B 2012/54 vom 3. Juli
2012 E. 3.1 mit Hinweis, www.gerichte.sg.ch).
Nach Ziffer 224.100 der besonderen Bestimmungen zur Ausschreibung wird jedes
Angebot hinsichtlich jedes Zuschlagskriteriums und –unterkriteriums mit einer Note
zwischen 0 und 4 bewertet. Die Vorinstanz hat die Noten in den besonderen
Bestimmungen in allgemeiner Weise bezogen auf die Erfüllung der Kriterien (Note 3
"gute Erfüllung", Note 4 "sehr gute Erfüllung") und bezogen auf die Angaben und die
Ausführung (Note 3 "Anforderungen mehrheitlich erfüllt / spezifischer Bezug
vorhanden, jedoch knapp gehaltene Umschreibungen / kleine unwesentliche Lücken",
Note 4 "vollständig erfüllte Anforderungen / detaillierte und spezifische
Beschreibungen / innovative Lösungen und Ansätze / durchstudierte Beschreibungen
und Unterlagen / keine Lücken") umschrieben. Sodann hat das mit der Erarbeitung der
Vergabeempfehlung betraute Ingenieur- und Architekturbüro die Umschreibung für die
einzelnen Kriterien und –unterkriterien konkretisiert. Die Note 4 wurde für die
Unterkriterien "Erfahrung Anbieter (Bauunternehmung oder ARGE)" und "Erfahrung und
Referenzen vorgesehenes Kaderpersonal" bei "drei Erfahrungen / Referenzen mit
ähnlichen Bauprojekten" vergeben (act. 8/8 Seiten 13-18).
Die Beschwerdeführerin beanstandet die Bewertung ihres eigenen Angebots bezüglich
der beiden Unterkriterien mit je der Note 3 nicht. Hingegen macht sie geltend, das
Angebot der Beschwerdegegnerin hätte nicht je mit der Note 4 bewertet dürfen. Die
Beschwerdegegnerin hat drei vergleichbare Referenzobjekte der letzten zehn Jahre,
http://www.gerichte.sg.ch
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davon zwei aus dem Bereich Strassenbau mit einem Volumen der Strassenbauarbeiten
von 2.05 und 0.6 Millionen Franken und eines aus dem Bereich Wasserbau mit einem
Volumen von insgesamt 5.2 Millionen Franken bezeichnet. Die Bewertung mit der
Maximalnote liegt im Bereich des zulässigen Ermessens der Vorinstanz, zumal – wie in
Erwägung 2.2 festgestellt – der Beizug von Subunternehmern zulässig ist und die
Beschwerdegegnerin entsprechend ihrer Organisation einen solchen Beizug lediglich
für die Pflästerungen und Abschluss- sowie die Belagsarbeiten vorsieht. Die
Referenzangaben zum vorgesehenen Bauführer und zum vorgesehenen Polier
umfassen ebenfalls je drei Objekte mit Bausummen zwischen 1.5 und 50 Millionen
Franken. In den Beilagen werden der berufliche Werdegang und die Objekte, bei denen
die beiden Personen mitgewirkt haben, ausführlich und detailliert beschrieben. Auch
bei dieser Benotung hat die Vorinstanz ihr Ermessen nicht rechtsfehlerhaft ausgeübt.
4. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Dem
Verfahrensausgang entsprechend – die Beschwerde ist abzuweisen und dem Gesuch
um Gewährung der aufschiebenden Wirkung war mangels Gegenanträgen ohne
materielle Prüfung zu entsprechen – sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Für
die Zwischenverfügung vom 5. Juni 2014, welche mit keiner materiellen Prüfung des
Gesuchs verbunden war, erscheint eine – reduzierte – Entscheidgebühr von CHF 500,
für den Entscheid in der Hauptsache eine Entscheidgebühr von CHF 4'400
angemessen (Art. 7 Ziffern 211 und 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Die Gebühren sind mit dem Kostenvorschuss der Beschwerdeführerin von CHF 5'400
zu verrechnen. CHF 500 sind ihr zurückzuerstatten.
Beschwerdegegnerin und Vorinstanz stellen ihren Antrag auf Abweisung der
Beschwerde unter Entschädigungsfolge. Politischen Gemeinden kommt, insbesondere
soweit sie als verfügendes Gemeinwesen auftreten, kein Anspruch auf die
Entschädigung ausseramtlicher Kosten zu (vgl. Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 829). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin hat keine Kostennote eingereicht. Eine
Entschädigung von CHF 4'000 inklusive Barauslagen ohne Mehrwertsteuer – die
Beschwerdegegnerin ist selbst mehrwertsteuerpflichtig – erscheint angemessen (Art. 6,
22 Abs. 1 Ingress und lit. b, 28bis Abs. 1 und 29 der Honorarordnung für
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Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75). Entschädigungspflichtig ist die
Beschwerdeführerin (Art. 98 und 98bis VRP).