Decision ID: 8b7dfff3-47f4-4230-bf44-62709734b853
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nichteintreten auf neues Leistungsgesuch
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Oktober 2008 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV; IV-act. 2). Von 1988 bis 2003 arbeitete sie als Küchenhilfe
im Spital B._. Danach war sie bis und mit Februar 2008 als Raumpflegerin in einer
Reinigungsfirma angestellt. Zuletzt arbeitete sie als Küchenhilfe im Alterszentrum C._
in einem Pensum von 80% (IV-act. 2, 24). Am 18. Mai 2008 rutschte die Versicherte am
Arbeitsplatz auf nassem Boden aus und verletzte sich dabei die rechte Schulter. In der
Folge zeigten sich zunehmend bewegungsabhängige Schmerzen. Mittels MRI konnte
eine komplette Ruptur der Suprasipnatussehne mit Retraktion der rupturierten Anteile
rechts festgestellt werden. Am 16. Juni 2008 wurde eine Refixation der
Supraspinatussehne im Kantonsspital St. Gallen durchgeführt (IV-act. 39-2). Das
Arbeitsverhältnis wurde seitens der Arbeitgeberin noch während der Probezeit per 20.
Juni 2008 gekündigt, weil die Versicherte nach dem Unfall nicht mehr in der Lage
gewesen war, ihre Arbeit wieder aufzunehmen (IV-act. 21, 24).
A.b Im Auftrag der Unfallversicherung wurde die Versicherte am 5. Dezember 2008 im
Kantonsspital Graubünden von Dr. med. D._, Leitender Arzt Allgemeine- und
Unfallchirurgie, Zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, begutachtet (act. G 4.2). Im
Gutachten vom 5. Dezember 2008 stellte Dr. D._ folgende Diagnosen: Post
traumatische, ausgedehnte Ruptur der Supraspinatussehne Schulter rechts und Zu
stand nach Arthroskopie und partiell arthroskopisch geführter Rotatorenmanschetten
refixation am 16.06.2008; Kleine Re-Ruptur der Supraspinatussehne; Anhaltende
diffuse Schmerzsymptomatik an der rechten Schulter, HWS und Schultergürtel mit
Ausstrahlung in die gesamte Wirbelsäule und das linke Bein, DD: Symptomausweitung
im Rahmen einer somatoformen Schmerzstörung, Algodystrophie, Fibromyalgie. In der
bisherigen Arbeitstätigkeit als Küchengehilfin sei die Versicherte aktuell zu 100%
arbeitsunfähig. Unter Berücksichtigung der reduzierten Belastbarkeit des rechten
Armes könne sie im Rahmen von 80% eine Leistung erbringen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.c Am 2. März 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Voraus
setzungen zur Gewährung von beruflichen Massnahmen nicht erfüllt seien. Die Ver
sicherte fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig (IV-act. 48).
A.d Mit Vorbescheid vom 29. Juli 2009 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, sie
gedenke, den Anspruch auf eine Invalidenrente abzulehnen. Aufgrund der Unterlagen
bestehe in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit weiterhin eine 80%-ige
Arbeitsfähigkeit. Es sei der Versicherten deshalb möglich, weiterhin mindestens
dasselbe Jahreseinkommen zu erzielen wie bisher (IV-act. 63). Mit Verfügung vom
18. September 2009 lehnte die IV-Stelle den Rentenanspruch gemäss Vorbescheid ab
(IV-act. 66). Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
B.a Anfang August 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum IV-Leistungsbezug
an (IV-act. 68). In der Folge teilte die IV-Stelle der Versicherten am 25. August 2010
mit, sie benötige weitere Unterlagen, damit sie das neue Rentengesuch prüfen könne
(IV-act. 73). Am 31. August 2010 reichte der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. E._,
Innere Medizin FMH spez. Blutkrankheiten, der IV-Stelle ein ärztliches Zeugnis nach.
Der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit Behandlungsbeginn (18. März
2010) in keiner Art und Weise gebessert. Die Beschwerden im Bereich der Schulter
rechts hätten in der Zwischenzeit noch zugenommen. Die Versicherte sei deshalb im
Kantonsspital St. Gallen und im Swica Gesundheitszentrum in Wil (richtig: St. Gallen)
kontrolliert worden. Aufgrund der Beschwerden sei sie seit 1. April 2010 zu 100%
arbeitsunfähig (IV-act. 74). Dem Arztzeugnis legte er die Berichte des Kantonsspitals
St. Gallen vom 7. Juni 2010 und 9. Juli 2010 bei (IV-act. 74-2 ff.). Diverse weitere
Berichte des Kantonsspitals St. Gallen gingen bei der IV-Stelle am 3. September 2010
ein (IV-act. 75-1 ff.)
B.b Nach Sichtung der Akten verneinte der Regionalärztliche Dienst der IV-Stelle
(RAD) eine relevante Veränderung des rechtserheblichen Sachverhalts seit der
Verfügung vom 18. September 2009 (IV-act. 76).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.c Mit Vorbescheid vom 10. Dezember 2010 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
an, sie gedenke, auf das Leistungsgesuch nicht einzutreten (act. 80). Am 2. Februar
2011 liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, Einwand
erheben (IV-act. 84). Mit Verfügung vom 6. April 2011 trat die IV-Stelle wie angekündigt
auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (IV-act. 87).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller in
Vertretung der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 25. Mai 2011. Die Verfügung
sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin auf
zuheben. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, auf das Leistungsbegehren ein
zutreten und den Leistungsanspruch materiell zu prüfen. Zudem sei der Beschwerde
führerin die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewähren
(act. G 1). Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, es sei
ohne weiteres eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation glaubhaft gemacht
worden. Dr. E._ habe im Zeugnis vom 31. August 2010 festgehalten, dass die Be
schwerden im Bereich der Schulter rechts in der Zwischenzeit zugenommen hätten.
Sodann sei im Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 9. Juli 2010 eine
Beschwerdepersistenz bei Frozen Shoulder rechts sowie eine persistierende
Schmerzsymptomatik Schulter rechts diagnostiziert worden. Weiter sei in diesem
Bericht festgehalten worden, dass die Beschwerden seit dem Austritt eher schlimmer
geworden seien. Bereits vor Erlass der ersten Verfügung sei im Bericht des Swica
Gesundheitszentrums vom 13. Januar 2009 festgehalten worden, dass der
Beschwerdeführerin eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu ca. 50% möglich seien
sollte. Hinzu komme, dass Dr. E._ gemäss Zeugnis vom 10. Januar 2011 eine
antidepressive Therapie eingeleitet und die Beschwerdeführerin an Dr. med. I._, FMH
Psychiatrie, weiterverwiesen habe. Dr. E._ habe die Verdachtsdiagnose einer
histrionischen Persönlichkeit sowie auf eine depressive Phase bei psychosozialen
Problemen gestellt. Es müsse daher davon ausgegangen werden, dass bei der
Beschwerdeführerin aus psychischer Sicht eine Einschränkung im
Arbeitsfähigkeitsgrad vorliege.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen
vor, der von der Beschwerdegegnerin erwähnte Bericht des Swica
Gesundheitszentrums vom 13. Januar 2009 habe bereits vor Erlass der ersten
Verfügung vom 18. September 2009 vorgelegen. Eine Veränderung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin könne daher aus diesem Bericht nicht
abgeleitet werden. Sodann ergäbe sich auch aus dem Bericht des Kantonsspitals St.
Gallen keine Verschlechterung des Gesundheitszustands. Dasselbe gelte für die
Arztzeugnisse von Dr. E._. Es würden sich sodann keine Hinweise ergeben, dass die
Beschwerdeführerin neu an einer invalidisierenden psychischen Erkrankung leide,
zumal Dr. E._ nicht fachärztlich qualifiziert sei, ein solches Leiden zu diagnostizieren.
Eine psychische Gesundheitsschädigung sowie die daraus abgeleitete Arbeitsfähigkeit
müsse zwingend von einem Psychiater festgestellt werden. Zudem sei es eine
Erfahrungstatsache, dass die behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen
Stellung zugunsten ihrer Patienten aussagen würden.
C.c Am 27. Juni 2011 bewilligte die Abteilungspräsidentin das Gesuch um unentgelt
liche Rechtspflege (act. G 7).
C.d Mit Replik vom 18. August 2011 lässt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
sowie der Begründung der Beschwerde festhalten (act. G 8). Ergänzend führt sie aus,
es möge zwar sein, dass der Bericht des Gesundheitszentrums Swica (vom 13. Januar
2009) bereits vor Erlass der ersten Ablehnungsverfügung vom 18. September 2009 vor
gelegen habe. Tatsache sei allerdings, dass die Kombination der verschiedenen sich in
den Akten befindenden Berichte sowie insbesondere der Umstand, dass Dr. E._ die
Beschwerdeführerin zwischenzeitlich an einen Psychiater verwiesen habe, deutlich
erstelle, dass eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands zumindest
eingetreten sein könnte. In diesem Verfahrensstadium genüge bereits die Glaubhaft
machung einer Verschlechterung des Gesundheitszustands, welche hier offensichtlich
vorliege.
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 23. August 2011 auf eine Duplik und ver
wies auf ihre Beschwerdeantwort (act. G 10).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.f Am 25. September 2012 reicht die Beschwerdeführerin dem Gericht einen
weiteren Arztbericht von Dr. E._ sowie den Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom
24. Februar 2012 betreffend eines chronischen Handekzems ein (act. G 13). Die Be
schwerdegegnerin verzichtet sinngemäss auf eine Stellungnahme (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2012 ist der erste Teil der 6. Revision der Invalidenversicherung in Kraft
getreten. In zeitlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Be
urteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen
Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V 467 E. 1,
126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat die angefochtene
Verfügung am 6. April 2011 und somit vor Inkrafttreten der IV-Revision 6a erlassen. Die
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen im vorliegenden Fall ohnehin keine materiell-
rechtlichen Folgen, weshalb nachfolgend die zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses
anwendbaren Bestimmungen wiedergegeben werden.
2.
2.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrads verweigert, so
wird gemäss Art. 87 Abs. 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs. 3 erfüllt sind. Nach jener Bestimmung muss in einem Revisionsgesuch glaubhaft
gemacht werden, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch er
heblichen Weise geändert hat. Durch diese Eintretensvoraussetzung soll verhindert
werden, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher
begründeten Rentengesuchen befassen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichtes vom
2. November 2011, 8C_624/2011, E. 4.3.1, mit Hinweis). Eine erstmalige Renten
zusprache aufgrund einer Neuanmeldung nach vorangegangener Ablehnung eines
Rentengesuchs gemäss Art. 87 Abs. 4 IVV in Verbindung mit Abs. 3 dieser Bestimmung
setzt voraus, dass seit der letzten rechtskräftigen Verfügung, die auf einer materiellen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Prüfung des Anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung
und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 E. 5, 130 V 71
E. 3.2.3), eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, welche zu
einem höheren Invaliditätsgrad führt, der nunmehr einen Rentenanspruch begründet
(BGE 133 V 108 E. 5).
2.2 Unter Glaubhaftmachen im Sinn von Art. 87 Abs. 3 IVV ist nicht der Beweis nach
dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die Beweisanforderungen sind vielmehr dergestalt
herabgesetzt, als es genügt, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen
Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch
mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass sich bei eingehender Abklärung die
behauptete Sachverhaltsänderung nicht erstellen lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
vom 8. Juli 2011, 9C_236/2011, E. 2.1.1, mit Hinweisen). Bei der Prüfung der
Eintretensvoraussetzung der glaubhaft gemachten Sachverhaltsänderung
berücksichtigt die Verwaltung - oder im Beschwerdefall das Gericht -, ob die frühere
Verfügung nur kürzere oder schon längere Zeit zurückliegt. Sie wird dementsprechend
an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen (SVR 2003
IV Nr. 25 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes vom 22. Januar 2008,
9C_688/2007 E. 2.2).
2.3 Aufgrund des klaren Wortlauts des Art. 87 Abs. 3 IVV ("Im Gesuch ist glaubhaft zu
machen") steht fest, dass eine versicherte Person, die sich nach einer früheren
Leistungsverweigerung bei der IV-Stelle neu anmeldet und - wie hier - eine Rente ver
langt, die "Glaubhaftmachungslast" (im Sinne einer Beweisführungslast) trägt. Sie muss
also jene Indizien beschaffen und der IV-Stelle vorlegen, mit denen sie ihre Behauptung
einer anspruchserheblichen Gesundheitsverschlechterung glaubhaft machen will. Sie
kann sich nicht darauf beschränken, eine solche Veränderung zu behaupten. In diesem
Verfahrensstadium gilt demnach der Untersuchungsgrundsatz atypischerweise nicht.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin stützt sich im Wesentlichen auf die Berichte von
Dr. E._ sowie die im Rahmen der erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gereichten Berichte des Kantonspitals St. Gallen. Dr. E._ führte im ärztlichen Zeugnis
vom 31. August 2010 aus, die Beschwerden im Bereich der Schulter hätten seit
Behandlungsbeginn am 18. März 2010 zugenommen. Die Beschwerdeführerin sei seit
1. April 2010 zu 100% arbeitsunfähig. Zur Begründung verwies er auf zwei Berichte des
Kantonsspitals St. Gallen vom 7. Juni 2010 und 9. Juli 2010 sowie einen Bericht des
Swica Gesundheitszentrums St. Gallen vom 29. November 2009 (IV-act. 74-1 ff.).
3.1.1 Nachdem am 7. August 2009 eine zweite
Rotatorenmanschettenrekonstruktion und Bicepssehnentenodese rechts im
Kantonsspital St. Gallen durchgeführt worden war (IV-act. 70), berichtete Dr. med.
F._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Swica Gesundheitszentrum St. Gallen, am 29. November 2009
über die Untersuchung vom 23. November 2009 (act. G 4.2). Aktuell bestünden
Dauerschmerzen im Bereich der rechten Schulter, im dorsalen, lateralen und ventralen
Bereich. Sodann bestehe eine Schmerzausstrahlung zur rechten Halsseite sowie zum
rechten Ohr. Die Bewegung sei deutlich eingeschränkt, maximal zur Schulterhöhe. Von
der Umgebung der Beschwerdeführerin sei eine psychische Auffälligkeit im Sinn von
Ungeduld, Aggression und lauter Sprechweise bemerkt worden. Sie selbst habe
Konzentrationsstörungen bemerkt. Dr. F._ führte weiter aus, dass die subjektiv
beklagten Beschwerden nur teilweise objektiviert werden könnten. Festzustellen sei,
dass die Rotatorenemanschette zweimal auf operativem Weg rekonstruiert worden sei,
sodass die strukturellen Voraussetzungen für die Schulterfunktion wieder gegeben
seien. Die umfassend geklagten Beschwerden in Form von Schmerzen, Lokalisation
der Schmerzen im Halsbereich hinter dem rechten Ohr, teilweise im Bereich des linken
Ohrs seien nicht vollumfänglich nachvollziehbar bzw. nicht auf die ehemalige
Schulterverletzung und den postoperativen Zustand zurückzuführen. Aufgrund der
Rekonstruierung der anatomischen Strukturen der Rotatorenmanschette sei mit einer
namhaften Besserung der Gesundheitsschädigung zu rechnen. Die verbliebene
Schmerzsymptomatik sowie die Bewegungseinschränkung seien
medikophysikalischen Massnahmen gut zugänglich. Es sei konsequente
Physiotherapie zu empfehlen. Die umfangreiche Schmerzindikation bedürfe einer
kritischen Überprüfung. Darüber hinaus sei eine psychiatrische Mitbetreuung
angezeigt. Die Tätigkeit als Küchengehilfin sei der Beschwerdeführerin nicht zumutbar.
Leidensadaptierte Tätigkeiten seien vollschichtig zumutbar. Diese würden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vordergründig Arbeitsausführungen mit dem linken Arm betreffen. Der rechte Arm
könne zumindest als Zudienhand eingesetzt werden. Gewichtslimite auf dieser Basis
sei 10 - 12.5 kg. Arbeiten bimanuell über Schulter- und Kopfhöhe seien zu vermeiden.
Die Beschwerdeführerin sei derzeit als funktionell Einarmige der dominanten Hand links
mit der Zusatzdienfunktion zu betrachten. Mit dieser Einschränkung sei ein volles
Pensum möglich.
3.1.2 In den Berichten der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals
vom 7. Juni 2010 und 9. Juli 2010 wurden folgende Diagnosen genannt: Beschwerde
persistenz bei Frozen Schulter rechts; persistierende Schmerzsymptomatik Schulter
rechts mit/bei: Status nach AC-Gelenksinfiltration und subacromialer Infiltration Januar
2010, Status nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion und Bicepssehnentenodese
rechts vom 07.08.2009 bei Rezidiv Supraspinatussehnenruptur und Luxation der
langen Bicepssehne rechte Schulter, Status nach arthroskopischer Refixation der
Supraspinatussehne rechts vom 16.06.2008, Status nach traumatischer Ruptur vom
17.05.2008 (IV-act. 74-2 ff.). Die Beschwerdeführerin habe sich bei persistierenden
Schmerzen im Bereich der rechten Schulter im Notfall vorgestellt. Vor 10 Monaten sei
eine Refixation der Supraspinatussehne durchgeführt worden. Seitdem habe sie starke
Schmerzen im Bereich der rechten Schulter und eine zunehmende Schultersteife. Die
Infiltration im Januar 2010 hätte keinen Erfolg gebracht. Eine Schmerzexazerbation in
den letzten Wochen habe nicht stattgefunden. Bildgebend stellte sich ein normales
Alignement dar. Eine Luxation oder ein Hinweis auf eine frische ossäre Läsion habe
nicht festgestellt werden können. Die Analgesie sei ausgebaut worden. Unter der
verbesserten Analgesie solle sie forciert Physiotherapie betreiben (IV.-act. 74-4).
Anlässlich der Nachkontrolle vom 8. Juli 2010 habe die Beschwerdeführerin
unveränderte Schmerzen angegeben. Diese seien seit dem Austritt eher schlimmer
geworden (IV-act. 74-2).
3.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin vermögen die vorgenannten
Berichte betreffend die somatischen Beschwerden keine erhebliche Verschlechterung
ihres Gesundheitszustands seit der abweisenden Verfügung vom 19. September 2009
glaubhaft zu machen. Bereits anlässlich der Begutachtung durch Dr. D._ vom
5. Dezember 2008 wurde ein diffuses Schmerzbild im Bereich der gesamten rechten
Schulter, des gesamten Schultergürtels sowie der gesamten Halswirbelsäule fest
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gestellt. Ebenfalls wurde festgehalten, dass der rechte Arm aufgrund der Schmerz
symptomatik nur in normaler Arbeitshöhe für leichte Zudienfunktionen des linken Arms
genützt werden könne (act. G 4.2). Auch Dr. med. G._, Arzt für Allgemeine Medizin,
Gesundheitszentrum St. Gallen, führte im Bericht vom 13. Januar 2009 aus, die
Beschwerdeführerin klage über therapieresistente Schulterschmerzen mit Ausstrahlung
in den Nacken, Kopfbereich und auch die gesamte übrige Wirbelsäule. Aufgrund der
Schmerzsymptomatik könne der rechte Arm nur in normaler Arbeitshöhe für leichte
Zudienfunktionen des linken Armes und ganz leichte manuelle Tätigkeiten in normaler
Arbeitshöhe genützt werden (IV-act. 67-2). Einen im Wesentlichen übereinstimmenden
Befund schilderte Dr. med. H._, Oberarzt, Klinik für Orthopädische Chirurgie,
Kantonsspital St. Gallen, im Bericht vom 11. Juni 2009 (IV-act. 59-1 ff.). Sodann liefern
auch die übrigen nach der erstmaligen Rentenablehnung erstellten medizinischen
Akten über die umfangreichen Untersuchungen und Behandlungen im Kantonsspital
St. Gallen keine Hinweise, die auf eine erhebliche Verschlechterung der somatischen
Beschwerden deuten. Die Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen berichteten am 5. November 2009 über einen zufrieden
stellenden Verlauf nach operativer Versorgung der rechten Schulter vom 7. August
2009 mit leichter Verbesserung der Beweglichkeit (IV-act. 75-53). Sodann wurden in
den weiteren Berichten weiterhin im Wesentlichen unveränderte Diagnosen gestellt
(vgl. IV-act. 75-1 ff.), wobei die geltend gemachten Beschwerden bzw. der klinische
Befund nicht eindeutig erklärt werden konnten (IV-act. 75-10).
3.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin eine erhebliche
Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustands nicht glaubhaft machen
konnte.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt, ob rechtsgenügliche Anhaltspunkte für eine erhebliche Ver
schlechterung des gesundheitlichen Zustands aus psychischen Gründen vorliegen.
4.2 Im Vorbescheidverfahren reichte die Beschwerdeführerin das ärztliche Zeugnis
von Dr. E._ vom 10. Januar 2011 ein. Darin führt Dr. E._ aus, die Beschwerde
führerin sei in eine regelrechte Depression gerutscht. Es sei eine antidepressive
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Therapie eingeleitet worden (IV-act. 85). Mit der Beschwerde reichte die Beschwerde
führerin dem Gericht die Überweisung an den Psychiater Dr. I._ vom 15. April 2011
ein. Dr. E._ nannte folgende Diagnosen: Depressive Phase bei psychosozialen
Problemen und bei Status nach Schultertrauma rechts 05/2008 mit zweimaliger
Operation 2008/2009; Verdacht auf histrionische Persönlichkeit. Die Beschwerde
führerin könne sich nicht damit abfinden, dass ihr Rentenbegehren abgelehnt worden
sei. Ihre vorbestehende Depression sei natürlich verstärkt worden und sie wünsche
jetzt eine Therapie bei einem Facharzt (act. G 1.2). Am 25. September 2012 reichte die
Beschwerdeführerin dem Gericht ein weiteres ärztliches Zeugnis von Dr. E._ vom
21. September 2012 ein. Bezüglich des Krankheitsverlaufs seit dem letzten Bericht
vom 10. Januar 2011 könne er keine Besserung attestieren. Die Beschwerdeführerin
sei weiterhin depressiv, brauche entsprechende Medikation und regelmässige
Gesprächstherapie in seiner Praxis. Sie sei auch bei Dr. I._ in psychiatrischer
Behandlung (act. G 13.1).
4.3 Vorab ist festzuhalten, dass die Frage, ob die Beschwerdeführerin eine erhebliche
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands aufgrund einer psychischen Beein
trächtigung glaubhaft machen konnte, mit denjenigen medizinischen Unterlagen zu
prüfen ist, die sie mit der Neuanmeldung oder während des Verfahrens der Eintretens
prüfung der Beschwerdegegnerin eingereicht hat. Art. 87 Abs. 4 IVV überträgt der sich
nach einer rechtskräftigen Abweisung neu anmeldenden versicherten Person die
Glaubhaftmachungslast. Die sich neu anmeldende Person kann sich also nicht darauf
beschränken, eine nachträgliche erhebliche Erhöhung ihres Invaliditätsgrads zu
behaupten und es dann der IV-Stelle unter Berufung auf den Untersuchungsgrundsatz
überlassen, herauszufinden, ob diese Behauptung glaubhaft sei oder nicht. Vielmehr
muss sie selbst der IV-Stelle Arztzeugnisse u.ä. vorlegen, welche die behauptete
nachträgliche erhebliche Veränderung des Sachverhalts als glaubhaft erscheinen
lassen. Unterlässt die versicherte Person die Glaubhaftmachung der behaupteten
Veränderung oder vermögen die der IV-Stelle zugestellten Belege die behauptete
Veränderung nicht glaubhaft zu machen, so tritt die IV-Stelle nicht auf die
Neuanmeldung ein. Diese Nichteintretensverfügung entspricht Art. 87 Abs. 4 IVV und
ist deshalb rechtmässig. Würde man nun das Novenrecht im Beschwerdeverfahren so
auslegen, dass die Glaubhaftmachung durch neue Belege im Beschwerdeverfahren
nachgeholt werden könnte, müsste eine rechtmässige Nichteintretensverfügung als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
rechtswidrig aufgehoben und durch den Entscheid ersetzt werden, auf die
Neuanmeldung einzutreten. Das kann das Novenrecht im Beschwerdeverfahren nicht
leisten, denn Streitgegenstand ist die Frage, ob die IV-Stelle gestützt auf die ihr
vorgelegten Belege zu Recht nicht auf die Neuanmeldung eingetreten sei. Als Noven
können in einem solchen Beschwerdeverfahren somit höchstens Belege zugelassen
werden, die der Klärung der Frage nach der Glaubhaftmachung bereits vor der IV-Stelle
dienen. Nicht zugelassen sind Belege, die direkt der Glaubhaftmachung der
behaupteten nachträglichen erheblichen Sachverhaltsveränderung gegenüber dem
Versicherungsgericht dienen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 8. Juni 2010, IV 2008/445, E. 2). Die von der Beschwerdeführerin dem
Versicherungsgericht im Beschwerdeverfahren eingereichten Akten von Dr. E._ vom
15. April 2011 und vom 21. September 2012, die der Beschwerdegegnerin nicht
vorgelegen haben, sind deshalb aus dem Recht zu weisen, weil sie nur der Nachholung
der Glaubhaftmachung der behaupteten nachträglichen erheblichen Verschlechterung
des Gesundheitszustands dienen können.
4.4 Die abweisende Verfügung vom 18. September 2009 beruhte in medizinischer
Hinsicht auf den somatischen Beschwerden im Zusammenhang mit der rechten
Schulter. Zwar hatten Dr. D._ und Dr. G._ mit den Symptomausweitungen im
Rahmen einer somatoformen Schmerzstörung sowie der Fibromyalgie Diagnosen
gestellt, die rechtsprechungsgemäss unter die Kategorie der psychischen Leiden, bzw.
im Fall der Fibromyalgie unter ein Leiden mit überwiegender psychosomatischer
Komponente, fallen (BGE 132 V 65 ff. E. 3.3 [= Praxis 2007 Nr. 38 S. 232 ff.] mit
Hinweisen). Hinweise für eine eigentliche Depression lagen damals indessen nicht vor.
Offensichtlich wurde auch die von der ambulanten Schmerzklinik des Kantonsspitals
St. Gallen im Januar 2009 veranlasste teilweise antidepressive Medikation mit Remeron
nicht zur Behandlung einer Depression, sondern im Rahmen einer
Entspannungsmedikation eingesetzt (vgl. Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 13.
Januar 2009, act. G 4.2). Dass weitere Ursachen für die Beschwerden in Frage
kommen könnten, erwähnte zwar Dr. D._ bereits im Rahmen der ersten
Rentenprüfung; welche möglichen Ursachen er dabei in Betracht zog, führte er
indessen nicht weiter aus (vgl. Bericht von Dr. D._ vom 5. Dezember 2008, act. G
4.2). Erst im Bericht von Dr. F._ vom 29. November 2009 wurde eine psychiatrische
Mitbetreuung empfohlen (act. G 4.2). Dass die Beschwerdeführerin an einer Depression
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
leide und damit eine Verschlechterung des psychischen Zustands eingetreten sei, die
auch medikamentös behandelt werden müsse, wird erstmals explizit im ärztlichen
Zeugnis von Dr. E._ vom 10. Januar 2011 erwähnt (IV-act. 85). In der Stellungnahme
vom 31. März 2011 führte die Ärztin des RAD aus, die von Dr. E._ geltend gemachte
Verschlechterung des psychischen Zustands müsse offensichtlich nach August 2010
eingetreten sein. Die Verschlechterung sei in seinem Zeugnis vom 31. August 2010
noch nicht erwähnt worden. Es sei diesbezüglich festzuhalten, dass die Diagnose der
Depression nicht fachärztlich gestellt worden sei und es sich mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit um eine leichtgradige depressive Episode handle, da offenbar auch
keine fachärztliche Behandlung habe eingeleitet werden müssen. Eine solche de
pressive Episode sei meistens eine temporäre Erscheinung ohne anhaltende und
relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und durchaus behandelbar (IV-act. 86-3).
Die RAD-Ärztin hat nicht geltend gemacht, es sei keine Veränderung des Gesund
heitszustands eingetreten. Vielmehr verneint sie die Auswirkung der geltend gemachten
Depression auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Im Ergebnis hat sie damit
bereits eine materielle Prüfung vorgenommen. Im Rahmen der Eintretensfrage muss
jedoch noch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststehen, dass der ver
änderte Gesundheitszustand sich auch tatsächlich auf die Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin auswirkt. Vielmehr genügt es schon, wenn wenigstens gewisse
Anhaltspunkte für die Sachverhaltsveränderung bestehen. Indem die
Beschwerdegegnerin das Eintreten auf das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin
faktisch von einer bereits nachweislich feststehenden invalidisierenden psychischen
Erkrankung abhängig machen will (vgl. act. G 4, S. 4), stellt sie an die
Glaubhaftmachung eine überhöhte Anforderung und setzt damit das Mass für die
Glaubhaftmachung zu hoch an. Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustands nach der erstmaligen Rentenprüfung ergeben sich
vorliegend aus der Empfehlung einer psychiatrischen Mitbetreuung von Dr. F._ sowie
aus der von Dr. E._ im Januar 2011 festgestellten Depression. Eine Verschlechterung
des Gesundheitszustands der Beschwerdegegnerin erscheint damit glaubhaft. Unter
diesen Umständen hätte die Beschwerdegegnerin auf das Leistungsgesuch eintreten
müssen. Ob sich die geltend gemachte Depression - allenfalls im Zusammenhang mit
der somatoformen Schmerzstörung sowie der Fibromyalgie - unter Berücksichtigung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der entsprechenden Rechtsprechung invalidisierend auswirkt, wird materiell zu prüfen
sein.
5.
5.1 Die Beschwerde ist gemäss den vorstehenden Erwägungen gutzuheissen. Unter
Aufhebung der Verfügung vom 6. April 2011 ist die Sache zur materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs und zur anschliessenden Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- er
scheint angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt. Da sie gemäss Art. 3 Abs. 1
lit. b des st. gallischen Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der Sozialversicherungs
anstalt und damit Teil einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt ist, kommt
Art. 95 Abs. 3 VRP (Befreiung von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten) nicht
zur Anwendung (vgl. Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl.,
2003, Rz 792). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
zu bezahlen.
5.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat bei diesem Verfahrensausgang
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung bemisst sich gemäss
Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses. Da lediglich das Eintreten zu überprüfen war, erweist sich eine Partei
entschädigung von Fr. 2'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als ange
messen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP