Decision ID: 3263c1fa-2a88-4ec9-81ac-de4f5db01299
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte gemeinsam mit ihrer Mutter (Beschwerde-
verfahren D-4332/2020) und ihrer Schwester (Beschwerdeverfahren
D-4338/2020) am 6. Januar 2016 in der Schweiz um Asyl nach.
A.a Am 21. Januar 2016 wurde die Beschwerdeführerin vom SEM zu ihrer
Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Fluchtgründen befragt
(BzP) und am 3. September 2019 einlässlich zu ihren Asylgründen ange-
hört. Sie brachte im Wesentlichen vor, sie sei iranische Staatsangehörige
und stamme aus B._. Sie habe (...) studiert und seit (...) als (...)
gearbeitet. Ihr Vater sei beim "(...) (...)" in der (...) tätig gewesen. Er habe
(...) und sich dafür eingesetzt, dass die Fälle schwächer gestellter Perso-
nen schnell bearbeitet würden. (...) sei er nach einem Sturz aus dem (...)
am Arbeitsplatz verstorben. Ihre Mutter habe ihr immer gesagt, er sei ver-
unfallt, in einem Zeitungsartikel habe es hingegen geheissen, er habe sich
das Leben genommen. Da ihr daran gelegen gewesen sei, die Hinter-
gründe zu erfahren, habe sie am (...) 1394 ([...] 2015) bei Gericht respek-
tive der Staatsanwaltschaft mit "Der ungeklärte und verdächtige Tod mei-
nes Vaters" betitelter Eingabe darum ersucht, die Todesumstände noch-
mals untersuchen zu lassen, und gebeten, dass ihr in Vertretung ihrer Fa-
milie Einsicht in das gerichtsmedizinische Dossier gewährt werde. Sie habe
eine Vollmacht ihrer Mutter und Geschwister vorgelegt, die ihr eigentlich für
eine Erbschaftsangelegenheit ausgestellt worden sei. Ihr Vater habe als
(...) ein Grundstück erhalten, welches auf ihre Mutter übertragen worden
sei, aber da diese Sache nie richtig abgewickelt worden sei, gehöre das
Land immer noch dem Staat.
Als sie am (...) 1394 ([...] 2015) nach einer Sitzung bei (...) das Gebäude
verlassen habe, sei ein Mann mit einem (...) in der Hand auf sie zugekom-
men und habe gesagt, dass er sich in einer (...) von ihr (...) lassen möchte.
Da er ihr weitere Dokumente habe zeigen wollen, die er im Auto gehabt
habe, habe sie ihn zum Wagen begleitet und als er angeboten habe, sie
nach Hause zu fahren, sei sie hinten eingestiegen. Während sie in die Un-
terlagen vertieft gewesen sei, sei unterwegs eine Frau zugestiegen. Diese
habe ihr unvermittelt in den Bauch geschlagen, die Augen mit einem Tuch
verbunden, die Hände gefesselt und den Mund zugeklebt. Nachdem das
Auto angehalten habe, sei sie von der Frau in einen Keller und später über
eine Treppe in einen Raum gebracht worden. Dort sei sie von einem Mann
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aufgefordert worden, die Klage betreffend den Tod ihres Vaters zurückzu-
ziehen. Der Mann habe gesagt, dass ihr Vater getötet worden sei, weil er
Kenntnis von Dingen gehabt habe, die sie nun auch wissen wolle. Sie sei
drei Tage lang festgehalten und mehrmals von dem besagten Mann be-
schimpft und mit dem Tod bedroht worden. Sie habe in dem Gebäude
fürchterliche Schreie von anderen Menschen gehört. Die Frau habe sie im-
mer wieder geschlagen und überall angefasst. Auch der Mann sei in der
zweiten Nacht in ihre Zelle gekommen und habe sie angefasst. Als sie
schliesslich auf Geheiss hin zwei Dokumente – ein leeres Blatt und ein mit
"Einwilligung" betiteltes Schreiben mit dem Satz "Ich ziehe meine Be-
schwerde zurück" – unterschrieben habe, sei sie am vierten Tag, einem
Freitag, freigelassen worden. Sie sei im Westen B._ ausgesetzt
worden und anschliessend mit einem Taxi nach Hause gefahren. Am fol-
genden Sonntag habe sie die frühere Kollegin ihres Vaters, die ihr zuvor
Informationen zum Vater gegeben habe, angerufen und ihr vom Erlebten
berichtet. Tags darauf habe sie einen anonymen Anruf erhalten mit der er-
neuten Aufforderung, der Sache nicht nachzugehen, und der Drohung,
dass gegen sie und C._ ein Dossier eröffnet worden sei wegen des
Vorwurfs, eine intime Beziehung zu führen. C._ sei ein verheirateter
(...), für den sie am Tag der Entführung bei (...) einen Termin gehabt habe,
und sie habe damals dessen Unterlagen in ihrer Tasche gehabt. Durch die-
sen Anruf habe sie realisiert, dass ihre Telefonate abgehört würden. Erst
jetzt habe die Mutter mit ihr über den Tod des Vaters gesprochen. So habe
sie erfahren, dass es am Todestag einen Leitungswechsel am Arbeitsplatz
des Vaters gegeben habe und er aus Protest in seinem Büro geblieben sei.
Eine Zeugin habe gesehen, wie ihr Vater aus dem Fenster geschubst und
so zum Schweigen gebracht worden sei. Ihre Mutter habe damals eine Be-
schwerde eingereicht, aber der Ermittler habe ihr gesagt, dass bei der Lei-
che Tabletten gefunden worden seien, und ihr geraten, die Sache auf sich
beruhen zu lassen, da es gefährlich sei, sich mit der Regierung anzulegen.
Am Tag nach dem Anruf sei sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester zu
einem Verwandten nach D._ gegangen. Nachdem sie dort aber er-
neut einen anonymen Anruf erhalten habe, bei dem sie und ihre Familie
mit dem Tod bedroht worden seien, hätten sie sich zur Ausreise entschlos-
sen. Am (...) 2015 hätten sie den Iran mit gefälschten Pässen verlassen.
Den echten Pass habe sie zuhause gelassen. Von der Schweiz aus habe
sie eine Arbeitskollegin telefonisch gebeten, den Pass in ihrer Wohnung zu
holen. Die Kollegin habe ihr dann aber mitgeteilt, dass die Wohnung in ei-
nem fürchterlichen Zustand gewesen sei, sie dort keine Dokumente gefun-
den und den Schlüssel danach dem Besitzer der Wohnung gegeben habe.
Sie vermute, dass der Vermieter ihr Hab und Gut weggeworfen habe, um
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die Wohnung neu zu vermieten. Die Shenasname habe sie im Büro aufbe-
wahrt, weil sie diese für die Nachforschungen zu ihrem Vater benötigt habe.
Sie habe sich nach der Freilassung nicht an die iranischen Behörden ge-
wendet. Sie wisse zwar nicht, von wem genau sie festgehalten worden sei,
aber diese Leute müssten gute Beziehungen zu den Behörden haben,
nachdem sie unmittelbar nach der Eingabe betreffend den Tod ihres Vaters
entführt worden sei. Wenn man Schwierigkeiten mit der Regierung habe,
erhalte man von niemandem Hilfe. Sie befürchte, bei einer Rückkehr in den
Iran getötet zu werden, so wie es ihr angedroht worden sei. Ob gegen sie
und C._ tatsächlich ein Dossier eröffnet worden sei, wisse sie nicht.
Sie leide nach dem Erlebten unter (...) und (...).
A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten
des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle und eingereich-
ten Beweismittel (Identitätskarte, Geburtsurkunde, Führerausweis, Studen-
tenausweise, Berufsausweis, Zeitungsartikel zum Tod des Vaters, Grund-
stückbesitzurkunde, Quittung für Grundstücksanzahlung, Heiratsurkunde
der Eltern, Erbschein, Kopie Anzeige betreffend Untersuchung des Todes
des Vaters) verwiesen (vgl. vorinstanzliche Akten A8, A18 und A22).
B.
B.a Am 21. Februar 2020 ersuchte das SEM die Schweizer Botschaft in
Teheran um Abklärungen. Der Botschaftsbericht datiert vom 5. April 2020.
B.b Mit Schreiben vom 3. Juni 2020 brachte das SEM der Beschwerdefüh-
rerin den wesentlichen Inhalt seiner Anfrage und des Botschaftsberichts
zur Kenntnis. Demnach sei die Echtheit des Artikels zum Todesfall bestätigt
worden. Für die Wiederaufnahme des Verfahrens wäre das Kassationsge-
richt, nicht die Staatsanwaltschaft zuständig. In der Anzeige der Beschwer-
deführerin sei weder die Nummer des alten noch des neuen Gerichtsver-
fahrens ersichtlich. Die auf dem Dokument genannte Nummer könne nicht
verifiziert werden. Es sei nicht bekannt, bei welchem Gericht das Verfahren
betreffend eine Affäre der Beschwerdeführerin mit C._ anhängig
gemacht worden sei. Ein solcher Fall hätte nur auf Beschwerde einer ge-
schädigten Partei oder auf Bericht der Moralpolizei hin eröffnet werden
können.
Das SEM gewährte der Beschwerdeführerin dazu das rechtliche Gehör.
B.c Die Beschwerdeführerin erklärte in ihrer Stellungnahme vom 10. Juli
2020 im Wesentlichen, dass nach dem Tod des Vaters nicht ein formelles
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Verfahren eröffnet worden sei, welches aufgrund ihrer Anzeige wiederauf-
genommen worden sei. Ihre Mutter habe damals nur den Todesschein und
die Erlaubnis zur Beerdigung unterzeichnen müssen. Dies sei ein Verwal-
tungsakt und keine strafprozessuale Erledigung des Todesfalls gewesen.
Mit ihrer Anzeige habe sie nun bei der Staatsanwaltschaft eine Verdachts-
meldung betreffend den unnatürlichen Tod ihres Vaters eingereicht und
diese Behörde sei dafür zuständig gewesen, dieser Sache nachzugehen.
Bei der aufgeführten Nummer handle es sich um die Nummer der besagten
verwaltungstechnischen Abwicklung des Todesfalls. Sie habe nicht gesagt,
dass bezüglich der Sache mit C._ ein förmliches Verfahren eröffnet
worden sei. Es sei dabei darum gegangen, sie einzuschüchtern, zumal
eine aussereheliche Beziehung gravierende Konsequenzen haben könnte.
Die Moralpolizei arbeite eng mit dem Geheimdienst zusammen. Das Re-
gime habe damit rechnen müssen, dass sie sich als (...) abgesichert habe
und ihr Tod weite Kreise ziehen könnte. Ein Sittlichkeitsdelikt hätte aber zu
Gefängnis sowie dem Entzug des (...) und damit dem Verlust ihrer Lebens-
perspektive führen können. So in die Enge getrieben, habe sie keine an-
dere Option gesehen, als ins Ausland zu flüchten.
C.
C.a Mit Verfügung vom 29. Juli 2020 – eröffnet am 30. Juli 2020 – stellte
das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung
aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Vorbringen der Be-
schwerdeführerin vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG (SR 142.31) nicht zu genügen. Es werde nicht
in Abrede gestellt, dass sie bei den iranischen Behörden die besagte Klage
betreffend die Abklärung der Umstände des Todes ihres Vaters eingereicht
habe. Nebst ihrer Mutmassung seien den Akten aber keine Anhaltspunkte
zu entnehmen, dass es sich bei ihrer Festhaltung und der nachfolgenden
telefonischen Bedrohung um eine Verfolgung seitens der iranischen Be-
hörden gehandelt habe. Es sei von einer Verfolgung durch Dritte auszuge-
hen. Selbst wenn es sich bei den Verfolgern um Staatsangestellte respek-
tive ehemalige Arbeitsgefährten des Vaters der Beschwerdeführerin ge-
handelt haben sollte, sei nicht ersichtlich, dass es sich um eine formelle
behördliche Verfolgung gehandelt habe, womit ein Fehlverhalten einzelner
Beamten nicht auszuschliessen wäre. Kein Staat sei in der Lage, die Si-
cherheit seiner Bürgerinnen und Bürger bei Bedrohung oder gar Übergrif-
fen durch Drittpersonen vollumfänglich zu gewährleisten. Daraus könne
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aber nicht geschlossen werden, dass das Ersuchen um staatlichen Schutz
von vornherein nutzlos sei respektive der Staat seiner Schutzpflicht nicht
nachkommen würde. Der Iran verfüge über funktionierende und wirksame
Polizei- und Justizorgane und es lägen keine Hinweise vor, wonach dieser
Staat Übergriffe dulde oder stütze. Es sei von dessen grundsätzlicher
Schutzfähigkeit und -willigkeit auszugehen. Der Beschwerdeführerin sei es
zuzumuten, sich bei Übergriffen der geschilderten Art an die zuständigen
iranischen Behörden zu wenden und um Schutz nachzusuchen. Ebenso
sei es ihr bei Untätigbleiben einzelner Beamter zuzumuten, sich, wenn nö-
tig mit Hilfe eines (...), an übergeordnete Behörden zu wenden und ihre
Rechte einzufordern. Sie sei damit nicht auf den Schutz der Schweiz an-
gewiesen. Da der Zeitungsartikel zum Tod des Vaters und die von der Be-
schwerdeführerin diesbezüglich bei den iranischen Behörden eingereichte
Klage keinen anderen Sachverhalt zugrunde legen würden, vermöchten
diese Dokumente an der festgestellten Schutzfähigkeit und -willigkeit des
Heimatstaats nichts zu ändern. Betreffend die Androhung eines Verfahrens
wegen einer angeblichen Affäre mit C._ habe die Botschaftsabklä-
rung ergeben, dass ein solches nur auf Beschwerde einer geschädigten
Partei oder auf Bericht der Moralpolizei hin, aber nicht von unbeteiligten
Dritten eröffnet werden könnte. Auch die in diesem Zusammenhang ge-
machten Ausführungen der Beschwerdeführerin vermöchten daher die
Schlussfolgerung der fehlenden Schutzbedürftigkeit nicht umzustossen.
Schliesslich könne den Akten nicht entnommen werden, dass sie Schritte
zur Erlangung des Grundstücks, welches dem Vater vom Staat zugeteilt
worden sei, vorgenommen habe. Zudem sei dieses Vorbringen nicht kau-
sal zu ihrer Ausreise aus dem Iran.
Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Die Be-
schwerdeführerin sei jung und habe als (...) gearbeitet. Nachdem sie im-
mer in B._ gelebt habe, sei dort von einem sozialen Beziehungs-
netz auszugehen. Auch seien Tanten und Onkel weiterhin im Iran wohnhaft.
Es sei somit davon auszugehen, dass sie in der Lage sein werde, ihren
Lebensunterhalt und ihre Wohnsituation zu sichern respektive die nötige
Unterstützung hierfür zu finden. Die (...) Beschwerden, die nicht mit medi-
zinischen Unterlagen belegt worden seien, seien im Iran behandelbar. Es
stehe der Beschwerdeführerin zudem frei, medizinische Rückkehrhilfe zu
beantragen.
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D.
D.a Mit Eingabe vom 31. August 2020 erhob die Beschwerdeführerin durch
den rubrizierten Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt, worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Gewäh-
rung des Asyls, eventualiter um Gewährung der vorläufigen Aufnahme we-
gen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ersucht wurde. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht wurde zudem – unter Verweis auf eine Fürsorge-
abhängigkeitsbestätigung vom 19. August 2020 – um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung ersucht.
D.b Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, das SEM sei
fälschlicherweise davon ausgegangen, dass sie seitens nichtstaatlicher
Drittpersonen verfolgt worden sei. Sie habe detailliert über das Erlebte be-
richtet und ihre Mutter habe deckungsgleiche Aussagen gemacht. Ihr Vater
habe als Angestellter in der (...) eines (...) Einfluss auf die zeitliche Bear-
beitung der Dossiers gehabt. Als (...) ein neuer (...) eingesetzt worden sei,
sei es zu einer folgenschweren Eskalation gekommen. Ihr Vater habe den
neuen (...) abgelehnt, da er diesen offenbar für korrupt gehalten habe, und
sich geweigert, an der Einsetzungsfeier teilzunehmen. Weil man offenbar
habe verhindern wollen, dass es in der Mitarbeiterschaft zu einem Aufruhr
kommen könnte, sei er kurzerhand aus dem Fenster gestossen worden.
Der Sturz sei durch den Zeitungsartikel dokumentiert. Zur Vortäuschung
eines Suizids seien ihm tot am Boden liegend Medikamente in die Tasche
gesteckt worden. Für ihre Mutter sei klar gewesen, dass es sich nicht um
einen Suizid gehandelt habe, aber der untersuchende Beamte habe sie
dazu bewegt, die Sache auf sich bewenden zu lassen. Ihre Mutter habe
sich dazu verpflichten müssen, über die Todesumstände Stillschweigen zu
bewahren, und im Gegenzug eine Witwenrente erhalten, die Hinterbliebe-
nen bei einem Suizid eigentlich nicht zustehen würde. Sie sei durch ihre
Mutter denn auch stets im Glauben gelassen worden, ihren Vater durch
einen Unfall verloren zu haben. Als (...) habe ihr Vater einen Grund-
stücksanteil erhalten, der nach dessen Tod auf ihre Mutter übergegangen
sei. Als sie (...) studiert habe, habe die Mutter ihr die damit in Zusammen-
hang stehenden Belange überlassen. So habe sie Kontakt zu einer Frau
erhalten, die ihren Vater gekannt habe, und in Erfahrung gebracht, was
damals wirklich geschehen sei. In der Folge habe sie sich entschlossen,
die Wiederaufnahme der Ermittlungen zum Tod ihres Vaters zu verlangen,
und dadurch Einblick in das entsprechende Dossier zu erhalten. Das SEM
halte ihr entgegen, dass sie als (...) in der Lage gewesen wäre, sich an die
im Iran existierenden Behörden zu wenden. Genau dies habe sie auch ge-
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dacht, als sie prozessual aktiv geworden sei. Es sei ihr zwar bewusst ge-
wesen, dass das Vorgehen heikel sei, aber sie sei jung und voller Taten-
drang gewesen und habe für ihren Vater Gerechtigkeit erwirken wollen.
Nachdem der Vorfall schon viele Jahre zurückgelegen habe, habe sie auch
nicht gedacht, dass dieser noch für jemanden anderen als ihre Familie von
Bedeutung sein würde. Aber sie habe sich getäuscht, wie ihre Entführung,
Misshandlung und Bedrohung mit dem Tod gezeigt habe. Das SEM ver-
kenne die Situation, wenn es ihr vorhalte, sie hätte sich ob des Vorgefalle-
nen an die staatlichen Behörden wenden können, habe doch gerade die
Tatsache, dass sie sich zwecks Aufklärung des Todes ihres Vaters an die
Behörden gewendet habe, zu ihrer Verfolgung geführt. Wie hätte sie da
behördlichen Schutz erwarten können? Natürlich gebe es im Iran verschie-
dene staatliche Institutionen, die einen gewissen Anschein von Rechts-
staatlichkeit erwecken würden, aber diese seien überlagert von einem rigi-
den theokratischen Mullah-Regiment. Sie verweise hierzu auf einen Artikel
des Islamwissenschaftlers Wilfried Buchta vom 10. Januar 2020 ("Macht-
konstante Theokratie: Iran nach 1979"). Es sei lebensfremd, von einer Per-
son, die ein geheimdienstliches Verhör mit Misshandlung und Drohung er-
lebt habe, zu erwarten, sie könnte bei einem Polizeiposten staatlichen
Schutz beanspruchen. Ein Beamter, der ihr in einer solchen Situation
Schutz bieten würde, würde sich selbst einer Gefahr aussetzen. Es habe
sich nicht um eine private Verfolgung und auch nicht um ein Fehlverhalten
einzelner Beamter gehandelt, sondern um eine geheimpolizeiliche Ahn-
dung ihres Anliegens, die staatlich abgesegnete Tötung ihres Vaters, deren
Vertuschung offenbar nach wie vor als systemrelevant erachtet worden sei,
wieder aufs Tapet zu bringen. Sie sei von einer staatlichen Geheimpolizei
festgehalten worden. Sie habe ihre Peiniger beschreiben können, wobei es
in der Natur einer geheimpolizeilichen Verfolgung liege, dass sie keine nä-
heren Angaben zu den Personalien der betreffenden Personen sowie de-
ren Stellung und Funktion innerhalb einer bestimmten Behördeninstitution
habe machen können. Die Geheimpolizei arbeite typischerweise ohne be-
schriftete Uniform oder Beamtenkleidung. Nachdem sie nach der Heimkehr
mit einer Bekannten telefoniert habe, habe sie kurz darauf einen Anruf der
Geheimpolizei erhalten. Dies zeige, dass sie telefonisch überwacht worden
sei, was wiederum für eine staatliche Verfolgung spreche. Ihr Ansinnen, die
Vertuschung des Fenstersturzes ihres Vaters nochmals aufzurollen, müsse
von einem Entscheidungsträger als nicht tolerierbar eingestuft worden sei,
unabhängig davon, ob dieser bereits mit dem Fenstersturz oder dessen
Vertuschung etwas zu tun gehabt habe. Man habe sie mundtot machen
wollen, weil die Ermordung eines Familienvaters und gewissenhaften (...)
ein ungünstiges Licht auf das Mullah-System werfen würde. Hinsichtlich
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der Methode, eine unliebsame Person durch einen Fenstersturz zu besei-
tigen, verweise sie auf einen Zeitungsartikel vom 20. Juni 2020 betreffend
den Tod eines iranischen Richters. Möglich sei auch, dass man sie davon
habe abhalten wollen, noch frecher gegen das System auf den Plan zu
treten. Jedenfalls sei von geheimpolizeilicher Seite entschieden worden,
sie zum Rückzug ihrer Eingabe zu bewegen. Die Botschaftsabklärung
habe nichts ergeben, was die Glaubhaftigkeit ihrer Ausführungen in Frage
stellen würde. Es sei zu erwarten gewesen, dass sich die Vorkommnisse
nicht prozessual hätten bestätigen lassen, habe sie ihre Eingabe ja er-
zwungenermassen zurückziehen müssen. Was das Verfahren gegen sie
wegen eines unsittlichen Verhältnisses mit einem verheirateten Mann be-
treffe, sei ihr telefonisch beschieden worden, dass ein Dossier eröffnet wor-
den sei, aber offenbar sei dies noch nicht geschehen. Dass sie in den Jah-
ren zuvor nach zwei Besuchen bei ihrem in der Schweiz lebenden Bruder
in den Iran zurückgekehrt sei und dort als (...) die Perspektive für eine ge-
sicherte Existenz gehabt habe, zeige ebenfalls auf, dass die Flucht durch
die geschilderten Vorkommnisse ausgelöst worden sein müsse. Der end-
gültige Auslöser für die Flucht sei der zweite Anruf gewesen, bei dem ihr
gedroht worden sei, dass sie sowie ihre Mutter und ihre Schwester vernich-
tet würden. Sollte die Flüchtlingseigenschaft verneint werden, sei zumin-
dest der Wegweisungsvollzug als unzumutbar zu erachten. Die Menschen-
rechtslage im Iran sei prekär und sie verfüge weder über Vermögen noch
ein Einkommen. Die Mutter habe das geerbte Vermögen zur Finanzierung
der Flucht verwendet.
E.
Am 1. September 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Oktober 2020 stellte die Instruktionsrich-
terin fest, dass die Beschwerdeführerin den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten dürfe. Sie hiess die Gesuche um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung gut und ordnete der
Beschwerdeführerin den rubrizierten Rechtsvertreter als unentgeltlichen
Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlas-
sung zur Beschwerde ein.
G.
In seiner Vernehmlassung vom 28. Oktober 2020 beantragte das SEM die
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Abweisung der Beschwerde. Diese enthalte keine neuen erheblichen Tat-
sachen oder Beweismittel, welche eine Änderung seines Standpunkts
rechtfertigen könnten. Die Instruktionsrichterin stellte der Beschwerdefüh-
rerin die Vernehmlassung am 4. November 2020 zur Kenntnisnahme zu.
H.
Mit Eingabe vom 30. März 2021 reichte der Rechtsvertreter der Beschwer-
deführerin seine Kostennote zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen
konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Mass-
geblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im
Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu
dienen, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern be-
zweckt, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4
E. 5.4), wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestan-
dene begründete Furcht vor Verfolgung auf eine andauernde Gefährdung
hinweisen können (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.6, 2008/34 E. 7.1 und 2008/12
E. 5.2.).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine
Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-
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tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-
ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2).
4.
4.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
dass die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Fluchtgründe die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu begründen vermöch-
ten. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass dieser Einschätzung im Ergebnis nicht beizupflichten ist (vgl.
die nachfolgenden Ausführungen).
4.2 Das SEM hat die Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin
nicht bestritten, wonach die als (...) tätige Beschwerdeführerin im Jahr
2015 Nachforschungen zum Tod ihres im Jahr (...) am Arbeitsplatz verstor-
benen Vaters gemacht habe und deswegen entführt, zum Rückzug ihres
bei den iranischen Behörden eingereichten Antrags um nochmalige Unter-
suchung der Todesursache und um Einsicht in die gerichtsmedizinischen
Akten gezwungen und nach der erfolgten Freilassung telefonisch mit dem
Tod bedroht worden sei. Auch das Bundesverwaltungsgericht gelangt auf-
grund der Aktenlage zum Schluss, dass keine Veranlassung besteht, die
besagte Darstellung in Abrede zu stellen. Die Gründe, welche für die Rich-
tigkeit der von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Sachverhaltsdar-
stellung sprechen, überwiegen. Ihre Schilderungen weisen keine erhebli-
chen Widersprüche und Ungereimtheiten auf. Die Angaben vermitteln auch
in Gegenüberstellung mit den Ausführungen ihrer Mutter in deren Verfah-
ren ein stimmiges Bild und vermögen insgesamt betrachtet in einem für die
Glaubhaftigkeit genügenden Mass zu überzeugen. Mithin ist aufgrund der
Aktenlage mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
der Vater der Beschwerdeführerin am Arbeitsplatz zu Tode gekommen ist
und die Beschwerdeführerin entführt, festgehalten und nach der Freilas-
sung telefonisch bedroht worden ist, nachdem sie bei den iranischen Be-
hörden um Abklärung der Ursache des Todes ihres Vaters und um Einsicht
in die entsprechenden gerichtsmedizinischen Akten ersucht hatte.
Das SEM sprach den fluchtauslösenden Verfolgungsmassnahmen aber
die asylrechtliche Relevanz gemäss Art. 3 AsylG ab, weil es davon aus-
ging, dass die Beschwerdeführerin nicht von staatlicher Seite, sondern von
Drittpersonen entführt und nach der Freilassung weiter bedroht worden sei,
und diesbezüglich vom Schutzwillen und der Schutzfähigkeit der irani-
schen Behörden auszugehen sei. Es erscheint entgegen der Einschätzung
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des SEM jedoch unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin nur kurze
Zeit nachdem sie den besagten Antrag um Abklärung der Todesursache
und um Einsicht in die rechtsmedizinischen Akten bei den iranischen Be-
hörden gestellt hat, von irgendwelchen Drittpersonen entführt worden sein
sollte. Nachdem die Beschwerdeführerin am (...) 2015 nach einem berufli-
chen Termin bei (...) vor dem (...) abgepasst, während der Festhaltung von
den Entführern zum Rückzug ihres Antrags gezwungen und bei den nach
der Freilassung erfolgten telefonischen Drohungen erneut zur Unterlas-
sung entsprechender Nachforschungen aufgefordert worden sei, kann
kaum daran gezweifelt werden, dass die von ihr angestrebte Aufklärung
der Umstände, die zum Tod ihres Vaters, der als (...) bei seinem Arbeitge-
ber – mithin dem iranischen Staat – in Ungnade gefallen sei, der Auslöser
für die Verfolgung gewesen ist. Gesamthaft betrachtet spricht die Verfol-
gungssituation (Tochter eines bei einem Fenstersturz am Arbeitsplatz zu
Tode gekommenen Staatsangestellten, Entführung durch mehrere Perso-
nen wenige Tage nach der Eingabe des Gesuchs um Abklärung der Todes-
umstände bei den iranischen Behörden, während der Festhaltung Befra-
gung/Bedrohung durch mehrere Personen, erzwungener Rückzug des Ge-
suchs, nach der Freilassung Überwachung und telefonische Bedrohung)
auch nicht für ein Fehlverhalten einzelner Beamter aufgrund eines eigenen
Interesses. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die von der Beschwer-
deführerin erlittenen Verfolgungsmassnahmen, welche eine asylrechtlich
relevante Intensität aufweisen, den iranischen Behörden zuzurechnen
sind. Diese zielten darauf ab, Kritik am Regime zu unterbinden, und sind
damit letztlich als politisch motiviert zu qualifizieren. Die Beschwerdeführe-
rin erfüllte damit im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus dem Iran die Flüchtlings-
eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG.
Zwar kann die Gewährung des Asyls nicht dazu dienen, einen Ausgleich
für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern bezweckt, Schutz vor künf-
tiger Verfolgung zu gewähren. Jedoch kann erlittene Verfolgung oder im
Zeitpunkt der Ausreise bestandene begründete Furcht vor Verfolgung auf
eine andauernde Gefährdung der betreffenden Person hinweisen (vgl.
BVGE 2009/51 E. 4.2.5). Die Beurteilung einer begründeten Furcht vor
künftiger Verfolgung hat einerseits aufgrund einer objektivierten Betrach-
tungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der betroffenen
Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichba-
ren Fällen zu ergänzen. Wer bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt
war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl.
BVGE 2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2). Die Nachforschungen der Be-
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schwerdeführerin zu den Umständen des Todes des Vaters und ihr diesbe-
zügliches Gesuch um Abklärungen bei den iranischen Behörden im Jahr
2015 haben trotz der grossen zeitlichen Distanz zum Todesfall zu den be-
sagten Verfolgungsmassnahmen asylbeachtlichen Ausmasses seitens der
iranischen Behörden geführt. Zudem ist davon auszugehen, dass es bei
einer Rückkehr der Beschwerdeführerin zwangsläufig bei der Einreise zu
Kontakt mit den heimatlichen Behörden kommen würde. Die angesichts
des Erlebten nachvollziehbare Furcht der Beschwerdeführerin vor weiteren
flüchtlingsrechtlich relevanten behördlichen Übergriffen, müsste sie nach
der illegalen Ausreise und dem mehrjährigen Aufenthalt im Ausland in den
Iran zurückkehren, ist deshalb auch objektiv als begründet im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG zu erachten. Dabei ist insbesondere von Bedeutung,
dass die behördlichen Massnahmen nach der Freilassung der Beschwer-
deführerin – obschon sie den Rückzug der Beschwerde unterzeichnet
hatte – noch nicht beendet waren. Vielmehr sah sie sich mit zwei Drohan-
rufen konfrontiert und ihre Wohnung ist offenbar nach ihrem Weggang
durchsucht worden. Der Umstand, dass die Botschaftsabklärung kein offi-
ziell eingeleitetes Verfahren gegen die Beschwerdeführerin ergab, erweist
sich nicht als entscheidend, da es gerade informelle Verfolgungsmassnah-
men waren, welche die Beschwerdeführerin bereits erlitten hatte.
4.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt. Konkrete Hinweise auf
das Vorliegen von Asylausschlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG ge-
hen aus den Akten nicht hervor. Ihr ist daher in der Schweiz Asyl zu ge-
währen.
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefochtene
Verfügung ist aufzuheben und das SEM anzuweisen, die Beschwerdefüh-
rerin gemäss Art. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen und ihr in der
Schweiz Asyl zu gewähren.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
6.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in
Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr
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im Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren notwendigerweise er-
wachsenen Parteikosten zuzusprechen. Seitens der Rechtsvertretung
wurde mit Eingabe vom 30. März 2021 eine Kostennote eingereicht. Der
Rechtsvertreter machte darin einen zeitlichen Aufwand von 7.25 Stunden,
einen Stundenansatz von Fr. 220.– und Barauslagen von Fr. 40.30 gel-
tend, was angemessen erscheint. Zudem wies er auf die Mehrwertsteuer-
pflicht hin. Der Beschwerdeführerin ist somit zulasten des SEM eine Par-
teientschädigung von insgesamt (gerundet) Fr. 1761.– zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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