Decision ID: 34391495-8dad-516e-8956-afd086f5edd9
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Y._
, geboren 1947, war ab
1979 Präsident des Verwaltungsrates
und Geschäftsführer
der
Z._
AG
(Urk. 9/3
, Urk. 9/11
Ziff.
5.4
).
Das Personal der Z._ AG
war im Rahmen
der
Business Personenversicherung
mit Vertragsbeginn ab 1. Januar 2006
gemäss dem
Bundesgesetz über den Vers
icherungsvertrag (VVG) bei der Zürich
Versicherungs-Gesellschaft
AG
(nachfolgend
:
Zürich)
unter anderem
gegen
Kranken-
Lohnausfall
kollektiv
taggeld
versichert
(vgl.
die ab 1. Januar 2007 gültige
Po
lice der Business Personenversicherung
vom 8. Oktober 2006
mit den zugehörigen Vertragsbedingungen, Urk.
2/4).
Für das Personal mit mehr als 8 Wochenstunden, das gemäss Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) unter die obligatorische Versicherung fällt (Personengruppe 1), war ein
Taggeld von 100
%
des Verdienstes
ab dem 31. Tag bis zum 730. Tag
vereinbart (Urk. 2/4 S. 5 unten).
Per 1. Januar 2007 wurde der Vertrag angepasst (vgl.
die am
7. Februar 2007
unterzeichnete Offerte
, Urk. 9/1, sowie die ab 1. Januar 2007 gültige
Police
der Business Personenversicherung
vom
15. Februar 2007
mit den
zugehörigen
[unveränderten]
Vertragsbedingungen
,
Urk. 25/3)
. Die für die Personengruppe 1 vorgesehenen Leistungen im Krankheitsfall wurden nicht geän
dert (Urk. 25/3 S. 5 unten).
1.2
Anlässlich
der
am 28. August 2009 durchgeführten ausserordentlichen Gene
ral
versammlung der
Z._ AG
, an welcher
Y._
als Präsident und seine Ehefrau
,
X._
,
als
(
einziges
weiteres
) Mitglied des Verwaltungsrates
(vgl. Urk. 9/3)
teilnahmen,
wurde
unter anderem die Auflösung und Liquidation der Gesellschaft beschlossen und
Y._
als Liquidator gewähl
t (vgl. öf
fentliche Urkunde
des Notariats
A._
vom 28. August 2009, Urk. 2/5). Seit
Anfang
Oktober 2009 wird die Firma mit dem Zusatz „in Liquidation“ im Handelsregister geführt (vgl. Urk. 9/3).
Am 10. Januar 2011 verstarb
Y._
(vgl. Urk. 2/2)
.
1.3
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, bei welcher sich
Y._
am 3. November 2009 unter Hinweis auf eine Demenzerkrankung
sowie einen Herzinfarkt
zum Leistungsbezug angemeldet hatte (Urk. 9/11
Ziff.
6.2),
richtete vom 1. Juni 2010 bis 31. Januar 2011 eine ganze Invaliden
rente aus (Verfügung vom 1
2.
Mai 2011, Urk. 9/14).
2.
2.1
Am 27.
Juni 2012 erhob
X._
Klage gegen die
Zürich
und beantragte, diese sei zu verpflichten, ihr ab 15. Juli 2009 bis 10. Januar 2011 Taggeldleistungen
aus dem Vertrag mit der
Z._ AG
im Betrage von Fr. 133‘797.50 zu bezahlen, zuzüglich Zins von 5
%
ab mittlerem Verfall, unter Anrechnung der IV-Rentenleistungen ab 1. Juni 2010 (Urk. 1 S. 2). Mit Klageantwort vom 6. No
vember 2012 (Urk. 8)
schloss die
Beklagte
auf Abweisung der Klage.
2.2
Mit Gerichtsverfügung vom 15. November 2012 (Urk. 11) wurden die Akten der
Eidgenössischen
Invalidenversicherung in Sachen
Y._
(Urk. 13/1-61) beigezogen.
Mit Replik vom 24. Januar 2013 (Urk. 16) hielt die Klägerin an ihren Rechtsbegehren fest. Die Beklagte beantragte mit Duplik vom
2.
April 2013 (Urk. 21) weiterhin die Abweisung der Klage, was der Klägerin am 5. April 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 23).
2.3
Am 25. Februar 2014 (Urk. 24) reichte die Beklagte auf Ersuchen des Gerichts hin die vollständige Kopie der Beilage 2 zur Klageantwort
(Police vom
15. Februar 2007 inklusive Informationsblatt für Kollektivversicherte)
ein, welche als Urk. 25/2-3 zu den Akten genommen wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesge
setz über die Krankenversicherung (KVG) unterstehen nach Art. 12
Abs.
3 KVG dem
VVG
. Die Kantone können ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für solche Streitigkeiten zuständig ist (Art. 7 der Schw
eizeri
schen Zivilprozessordnung,
ZPO). Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozialversicherungsgericht (
§
2
Abs.
2 lit. b des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht, GSVGer). Das Verfahren richtet sich nach Art. 244 bis 247 ZPO (einfaches Verfahren; Art. 243
Abs.
2 lit. f ZPO). Die Klage wird direkt beim Gericht anhängig gemacht (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist gegeben
(vgl. Urk. 2/4 S. 24
Ziff.
193
)
.
1.2
Y._
war
als
Arbeitnehmer der
Z._ AG
im Rahmen der von seiner Arbeitgeberin mit der Beklagten abgeschlossenen Kollektivversicherung gegen Kranken-Lohnausfall taggeldversichert
.
Art. 87 VVG sieht vor, dass derjenigen Person aus der kollektiven Unfall- oder Krankenversicherung, zu deren Gunsten die Versicherung abgeschlossen worden ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungsrecht gegen den Versicherer zusteht.
Mit dem Tod von
Y._
ist
sein
Forderungsrecht gegen die Beklagte auf die Klägerin als Alleinerbin (vgl. Erb
schein vom 11. März 2011, Urk. 2/2) übergegangen
(Art. 560
Abs.
2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB)
.
Die
Aktivlegitimation
der Klägerin ist daher zu bejahen
, was
im Übrigen
unbestritten ist.
2.
2.1
Die Klägerin begründete ihre Klage damit, dass
Y._
im Laufe des Jahres 2009 an einer stetig zunehmenden Demenzerkrankung gelitten
habe
und spä
testens
ab 15. Juni 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei
(Urk. 1 S. 3
Ziff.
6
).
Die offizielle Geschäftsauflösung der
Z._ AG
sei erst an der Ge
neralversammlung vom 28. Augu
st 2009 beschlossen worden.
Die Liquidation sei bis heute noch nicht erledigt.
Die
Gesellschaft sei im Handelsregister nicht gelöscht und bestehe weiter als
Z._ AG
in Liq. Damit bestehe auch der Versicherungsvertrag mangels Kündigung durch die Beklagte nach wie vor. Die Arbeitsunfähigkeit von
Y._
sei somit in jedem Fall vor der Geschäfts
auflösung eingetreten. Selbst wenn die Firma bereits im Juni 2009 aufgelöst worden wäre, wie dies von der Beklagten geltend gemacht werde
(vgl. Urk. 1 S. 3
Ziff.
7)
, sei eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit während der Ge
schäftstätigkeit gegeben, da mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus
gegangen werden müsse, dass eine relevante Einschränkung der geistigen Ge
sundheit beziehungsweise Arbeitsfähigkeit von
Y._
spätestens im Ja
nuar 2009, wenn nicht sogar im Jahr 2008, begonnen habe (Urk. 1 S. 7 f.
Ziff.
19 lit. a).
Der versicherte Verdienst
sei
- aus näher dargelegten Gründen -
auf Fr. 89‘605.-- festzulegen
(Urk. 1 S. 6
Ziff.
16)
. Bei einem Taggeld von Fr. 245.50 (Fr. 89‘605.-- ÷ 365 Tage) resultiere für die Zeit vom 15. Juli 2009 bis 10. Januar 2011
somit
ein Taggeldanspruch von Fr. 133‘797.50 (545 Tage x Fr. 245.50
; Urk. 1 S. 7
Ziff.
17
)
.
2.2
Dagegen vertrat die Beklagte die Auffassung
,
Y._
habe
spätestens ab Mitte 2008 die Schliessung seines Betriebes sowie seine frühzeitige Pensionie
rung geplant und in diesem Zeitpunkt mit der Umsetzung dieser Pläne begon
nen. Aufgrund frühzeitiger Pensionierung per Ende März 2009 habe er seine Tätigkeit als Angestellter der
Z._ AG
beendet und ab diesem Zeitpunkt auch keinen Lohnanspruch mehr gegenüber der
Z._ AG
gehabt. Die Been
digung der Arbeitstätigkeit und die Schliessung des Betriebes seien somit nicht im
Zusammenhang mit der sich Mitte 2009 allmählich manifestierenden Demenzerkrankung gestanden. Mit der Beendigung der Arbeitstätigkeit für die
Z._ AG
habe der Versicherungsschutz von
Y._
durch die zwischen der
Z._ AG
und ihr
(der Beklagten)
abgeschlossenen Kollektivversicherung
spätestens am 30. April 2009
geendet. Abgesehen davon habe im Juni 2009 noch nicht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit von
Y._
gesprochen werden können (Urk. 8 S. 8
Ziff.
25
, Urk. 8 S. 9
Ziff.
29
).
Sollte dennoch von ihrer Leistungspflicht ausgegangen werden, seien
aufgrund der Ausgestaltung der Versicherung als Schadensversicherung
insbesondere die Leistungen der IV über Fr. 18‘280.-- und die Leistungen der Pensionskasse, insgesamt
Fr. 38‘266.--, vom versic
herten Taggeld abzuziehen, wobei als versicherter Verdienst der UVG-Lohn und der Überschusslohn zu gelten hätten. Des W
eiteren wäre zu be
rück
sichtigen, das
s aufgrund der vorhandenen Dokumentation der Zeitpunkt und insbesondere auch der Umfang der Arbeitsunfähigkeit nicht rechtsge
nüglich bestimmbar seien (Urk. 8 S. 9 f.
Ziff.
27 - 30).
2.3
Dem hielt die Klägerin
in ihrer Replik
entgegen,
Y._
habe nicht die Ab
sicht gehabt, sich frühzeitig pensionieren zu lassen.
E
r sei alleiniger Geschäfts
führer ohne Mitarbeitende gewesen.
Ab 2009 sei der Umsatz der
Z._ AG
krankheitsbedingt drastisch zurückgegangen.
Y._
habe noch keine AHV-Rente bezogen. Um überhaupt überleben zu können, habe er sich das BVG-Kapital frühzeitig auszahlen lassen. Die Demenz sei zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten gewesen (Urk. 16 S. 3
Ziff.
5). Ohne die Krankheit und den daraus resultierenden Rückgang des Umsatzes hätte
Y._
seine Firma nicht aufgegeben. Mangels Kündigung sei der Kollektivvertrag heute noch in Kraft (Urk. 16 S. 4
Ziff.
13).
2.4
In ihrer Duplik hielt die Beklagte daran fest, dass sie mangels Versicherungsdeckung und mangels rechtsgenügenden Nachweises der Arbeitsunfähigkeit keine Leistungspflicht treffe (Urk. 21 S. 9).
2.5
Streitig und zu prüfen ist somit, ob d
ie
Kläger
in
in der Zeit
vom 15. Juli 2009 bis 10. Januar 2011
Anspruch auf Leistungen aus
der von der
Z._ AG
mit der Beklagten zu Gunsten von
Y._
abgeschlossenen
Ko
llektivtaggeld
versicherung hat.
3.
3.1
Streitigkeiten aus den Zusatzversicherungen gemäss VVG sind dem Privatrecht zuzuordnen (BGE 124 III 46 E. 1a). Das Schweizerische Obligationenrecht (OR)
gilt immer subsidiär, wenn das VVG, das hinsichtlich des Versicherungsvertrages zahlreiche vom OR abweichende oder dieses ergänzende Bestimmungen enthält, eine Frage nicht regelt (vgl.
Art.
100
Abs.
1 VVG).
3.2
Gemäss
Art.
8 des Zivilgesetzbuches (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein eine
r behaupteten Tatsache zu bewei
sen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die Beweislast für die rechtsaufhebenden beziehungsweise rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des An
spruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet
. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungsrecht die anspruchsbegründenden Tatsachen lediglich mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erwiesen sein (BGE 130 III 321 E. 3.1 und 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tatsachen (
Die
Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Bundesgerichts vom 2
2.
November 1990]).
3.3
Das grundsätzlich anwendbare VVG enthält ausser in Art. 87 VVG keine spezifi
schen Bestimmungen zum
Krankentaggeld. Es sind deshalb
die vertragli
chen Vereinbarungen der Parteien
zu berücksichtigen
.
Für die
zur Diskussion stehende Taggeldversicherung
sind
die ab 1. Januar 2007 gültige Police vom 15. Februar 2007
samt
den zugehörigen
Allge
meinen
Vertragsbedingungen
(AVB) und die diese ergänzenden Vertragsbedin
gungen
(VB
) zur Kranken-Lohnausfallversicherung nach
VVG (
Urk. 25
/3
) mass
gebend
.
3.4
Gemäs
s
Ziff.
133
der
A
VB
erstreckt sich
die Versicherung auf die Folgen von
Unfällen und/oder
Krankheiten, welche die versicherten Personen während der Dauer des Versicherungsschutzes erleiden.
Ziff.
91 der VB definiert als Krankheit im Sinne der Versicherung jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist un
d die eine medizinische Untersuchung oder Be
handlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat. Arbeitsunfähig
keit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf zumutbare Arbeit zu leisten (
Ziff.
101 Satz 1 der VB). Gemäss
Ziff.
107 der VB bezahlt die
Beklagte
für die Dauer der nachgewiesenen Arbeitsunfähig
keit, frühestens nach Ablauf der in der Police festgesetzten Wartefrist, den ver
einbarten Prozentsatz des versicherten Verdienstes. Vorausbescheinigungen der Arbeitsunfähigkeit werden längstens für einen Monat anerkannt (
Ziff.
108 der VB).
Gemäss
Ziff.
123 Satz 1 VB bezahlt die
Beklagte
bei teilweiser Arbeitsunfähig
keit das Taggeld entsprechend dem Grad der Arbeitsunfähigkeit. Eine Arbeits
unfähigkeit von weniger als 25
%
gibt keinen Anspruch auf Leistungen (
Ziff.
124 der VB).
Nachdem es sich bei der vorliegend in Frage stehenden Taggeldversicherung um eine Schadensversicherung handelt (Urk.
25/3
S. 5 unten),
gewährt die
Beklagte
gemäss
Ziff.
135 der AVB
die versicherte Leistung bei Eintritt des versicherten Ereignisses und nur bei Nachweis eines durch das versicherte Ereignis verur
sachten
Schadens.
3.5
Ziff.
143 ff. der AVB regeln die Dauer des Versicherungsschutzes für die einzel
nen versicherten Arbeitnehmer.
Gemäss
Ziff.
145 der AVB endet der Versiche
rungsschutz mit dem 30. Tag nach dem Tage, an dem der Anspruch auf min
destens den halben Lohn aufhört. Als Lohn im Sinne dieser Bestimmung gelten der AHV-Lohn (ohne Gratifikationen, Erfolgsbeteiligungen, Abgangsentschädigungen und ähnliche) sowie Lohnersatzleistungen wie Taggelder der UVG-, In
validen- und Militärversicherung, sowie
von Unfall- und Krankenversicherun
gen (
Ziff.
146 der AVB).
4.
4.1
Betreffend den Gesundheitszeitstand und die Arbeitsfähigkeit von
Y._
präsentiert sich die medizinische Aktenlage im Wesentlichen wie folgt:
4.2
In der Zeit vom 29. Juli bis 16. September 2009 wurde
Y._
auf Veranlassung seines
Hausarzt
es
an drei Terminen in
der
psychiatrischen Klinik
B._
abgeklärt
. In ihrem Beric
ht vom 7. Oktober 2009 (Urk. 9/9
/9
-16) nannten
Dr.
C._
, Oberärztin,
Dr.
med.
D._
, Leitender Arzt, und lic. phil.
E._
, Psychologin, als Diagnosen unter ande
rem eine leichtgradige Demenz, wahrschein
l
i
c
h vom M
ischtyp (vaskulär und Alz
heimer) sowie eine koronare Drei-Asterkrankung mit Status nach
Percutane
ous coronary intervention
(PCI)
und Stent am 28. November 2007
und erneut PCI im
mittleren
Ramus interventricularis anterior
(
RIVA
) am 18. Januar 2008
(
S. 1
unten). Nebst Empfehlungen betreffend die Medikation rieten die Ärzte
Y._
zu einem multimodalen, kognitiven Training für Personen mit leichten Gedächtnisstörungen, einerseits zur Stärkung vorhandener Fähigkeiten, andererseits zur Förderung einer akzeptierenden Haltung im Umgang mit kog
nitiven Schwächen (S. 3 oben).
4.3
Am 13. November 2009 berichtete
Dr.
med.
F._
,
Allgemeinmedizin FMH, welcher
Y._
seit dem Jahr 2007 hausärztlich betreute,
zu Handen der
Beklagten (
Urk.
9/12). Er führte aus, derzeit werde eine Therapie mit Reminyl zur Beeinflussung der Demenz eingeschlichen (
Ziff.
3). Es sei für ihn sehr schwierig, in dieser speziellen Situation, in der
Y._
seine Berufstätigkeit auf eigene Initiative eingestellt habe,
im Nachhinein zu entscheiden
, in welchem Ausmass dies durch eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit
bedingt
gewe
sen sein solle. Aufgrund seiner fachlichen Möglichkeiten sei es ihm nicht mög
lich, zu entscheiden,
in welchem Umfang
und ab welchem Datum die demenzi
elle Erkrankung
zur Arbeitsunfähigkeit beigetragen habe (
Ziff.
5).
Am
7.
Dezember 2009
(
Urk.
9/9 S. 2-8)
berichtete
Dr.
F._
zu Handen der IV-Stelle
,
Y._
in den letzten Monaten vor allem regulär zur aktiven Sekundärprophylaxe bei verschiedenen kardiovaskulären Risikofaktoren und be
stehender koronarer Herzerkrankung gesehen
zu haben
.
Nach einer ambulanten Herzrehabilitation habe die Arbeitsfähigkeit im Verlauf des Jahres 2008 lang
sam gesteigert werden können;
ab 11. Februar 2008
habe er
eine 75%ige, ab 1. April 2008 eine 50%ige und ab 1. Mai 2008 eine 25%i
ge Arbeitsunfähigkeit bestätigt
. Ab 1. Juli 2008 habe keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden.
Y._
habe dann berichtet, er könne nun sein normales Pensum wieder aus
führen, wobei er seine Tätigkeit als selbständig Erwerbender ohnehin „zurück
fahre“, da er eine Frühpensionierung plane.
Y._
habe in der Folge im Verlauf des Jahres 2009 seine selbständige Berufstätigkeit vollständig aufgege
ben, wobei seine Ehefrau ihn (
Dr.
F._
) ebenfalls im Verlauf des Jahres 2009 auf eine einsetzende demenzielle Entwicklung hingewiesen habe, sodass er
Y._
am 5. Juli 2009 zu einer Abklärung an die
Klinik B._
überwiesen habe (
Ziff.
1.4). Aufgrund des geschilderten Ablaufs mit einem Patienten, der seine selbständige Berufstätigkeit selbständig aufgebe, sei es ihm nicht möglich, im Nachhinein zu beziffern, ab wann und zu wie viel Prozent auf Grund der demenziellen Entwicklung eine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Diesbezüg
lich seien die behandelnden Fachärzte oder ein Gutachter zu befragen (
Ziff.
1.6). Inwiefern und in welchem Ausmass die bisherige Berufstätigkeit durch die aktu
ell leichtgradige Demenzerkrankung eingeschränkt sei, könne er nicht beziffern. Zumindest eine teilweise Berufstätigkeit wäre aus medizinischer Sicht sicher noch zumutbar (
Ziff.
1.7).
4.
4
In ihrem Bericht vom 17. Januar 2010 zu Handen der IV-Stelle (
Urk.
2/10) gab
Dr.
C._
,
psychiatrische Klinik B._
,
an,
Y._
zuletzt am 16. September 2009 untersucht zu haben (
Ziff.
1.2). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie
eine leichtgradige Demenz vom Mischtyp
(
Ziff.
1.1). In
der
Tätigkeit
als
selbständig Erwerbender in der digitalen Bildbearbeitung attestierte
Dr.
C._
dem Y._
ab 15. Juni 2009
eine voll
e
Arbeitsunfähigkeit
(
Ziff.
1.6). Eine berufliche Tätigkeit erachtete sie als nicht mehr möglich (
Ziff.
1.7).
4.5
Am 16. August 2010 erstattete
Dr.
F._
einen weiteren Bericht („Auszug aus der Krankengeschichte“) zu Handen der Beklagten (
Urk.
2/11).
Er führte aus, am 13. Januar 2009 habe
Y._
erstmals einen Termin versäumt, der dann am 20. Januar 2009 nachgeholt worden sei. Anlässlich der nächsten Routinenkontrolle am 24. März 2009 sei
Y._
von seiner
Ehefrau begleitet wor
den, welche in der Sprechstunde ausgiebig von einer zunehmenden Vergesslich
keit ihres Ehemannes berichtet habe.
Als erste Massnahme habe er
Y._
dazu angehalten, ein regelmässiges Gedächtnistraining durchzuführen. Am 3. Juni 2009 habe die Ehefrau telefonisch über zunehmende kognitive Defi
zite ih
res Ehemannes berichtet. Sie habe angegeben, dass er
kaum mehr lese und auch beim Manövrieren mit dem eigenen Auto zunehmend Probleme bekunde, sodass immer mehr Kratzer im Lack aufträten.
Es bestehe auch ein allgemeines Desin
teresse. Aufgrund dieser Rückmeldung
habe er
Y._
am 5. Juni 2009 in die
Klinik B._
überwiesen
(S. 3 unten). Am 13. Oktober 2009 sei die Be
sprechung des Berichts der
Klinik B._
erf
olgt und eine Behandlung mit Remi
nyl eingeleitet worden. Am 28. Oktober 2009 sei d
ie nächste Nachkontrolle durchgeführt worden
,
anlässlich welcher
die erfolgte Geschäftsauflösung disku
tiert worden sei. Dabei habe insbesondere die Ehefrau vorgebracht, dass die kognitiven Defizite schon sehr lange bestanden hätten, aber durch ihn (
Dr.
F._
) und alle anderen betreuenden Ärzte nicht erkannt worden seien. Aufgrund der nun aber auch fachärztlich dokumentierten Demenzerkrankung habe er
Y._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 1. Juni 2009 bestätigt (S. 4 Mitte).
5.
5.1
Eine Arbeitsunfähigkeit zufolge der demenziellen Erkrankung von
Y._
wurde
ärztlicherseits ab Juni 2009 attestiert, wobei
Dr.
C._
, welche
Y._
im Juli 2009 erstmals gesehen hatte, von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ab 15. Juni 2009 und
der Hausarzt
Dr.
F._
(rückblickend) von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ab 1. Juni 2009 (vgl. vorstehend E. 4.4-5) ausgingen.
Für die Zeit davor
sind
keine
demenzbedingten
Arbeitsunfähigkeit
en
beschein
igt. Dass bereits vor Juni 2009 eine anspruchsbegründende Arbeitsunfähigkeit von
min
destens
25
%
(vgl.
Ziff.
124 der VB)
bestanden hat
, ist
nicht
erwiesen.
Gestützt auf die
medizinischen Berichte
kann
daher
bei
Y._
frühestens ab
1.
Juni 2009 von einer
sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden Gesundheitsbeeinträchtigung
und damit von
durch die in Frage stehende
Kollektivver
sicherung gedeckte
Krankheit im Sinne von
Ziff.
91 der VB
ausgegangen wer
den.
Die Invalidenversicherung sprach ihm denn auch Leistungen ab 1. Juni 2010 – nach Ablauf des Wartejahres- zu.
Nachdem die Klägerin
- unter Berücksichtigung der vertraglich vereinbarten Wartefrist (
Urk.
25/3 S. 5 unten) - Taggeldleistungen ab 15. Juli 2009
fordert und sich
die in Frage stehende kollektive Krankentaggeldversicherung gemäss
Ziff.
133 der AVB nur auf die Folgen von Krankheiten erstreckt, welche die versicherte Person während der Dauer des Versicherungsschutzes erleiden, ist vorab zu prüfen, ob
die Arbeitsunfähigkeit von
Y._
a
b
15. Juni 2009 noch durch die Kollektivversicherung gedeckt war. Diese Frage stellt sich unab
hängig von der Frage des (Fort)Bestehens des Vertrages zwischen der
Z._ AG
und der Beklagten, worauf die Beklagte zutreffend hingewiesen hat (
Urk.
8 S. 13
Ziff.
46,
Urk.
21 S. 5
Ziff.
16).
5.2
Ausweislich der medizinischen Akten litt
Y._
an einer koronaren H
erzer
krankung
, welche im November 2007 und im Januar 2008 zwei operative Eingriffe
nach sich zog (vgl. vorstehend E. 4.2)
. Im Juli 2008
- mithin zu einem Zeitpunkt, als ein demenzielles Geschehen noch nicht zur Diskussion stand -
gab
Y._
seinem Hausarzt
gegenüber
an, dass er seine Tätigkeit als
selbständig Erwerbender
reduziere
, da er eine Frühpensionierung plane
(vgl. vorstehend E. 4.3)
.
Diesen Plan umsetzend informierte
Y._
seine
Pensionskasse, die
O._
Pensionskasse (nachfolgend:
O._
),
m
it Schreiben vom 1
2.
Januar 2009
mit dem Betreff „Frühzeitige Pensionierung“ (
Urk.
9/6)
dahin
gehend
, dass er sich auf den Sommer 2009 pensionieren lassen wolle und er seinen Betrieb schliesse.
Gleichzeitig ersuchte er die
O._
um Auszahlung seines BVG-Kapitals.
Gemäss den handschriftlichen Bemerkungen auf dem Schreiben vom 1
2.
Januar 2009 wurde anlässlich eines am 20. Januar 2009
geführten Telefongesprächs mit der
O._
die frühzeitige Pensionierung per 31. März 2009 und die Auflösung des Vertrags vereinbart.
Zu bemerken ist, dass eine demenzielle Entwicklung zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der regelmässigen Kontrollen beim Hausarzt
Dr.
F._
kein Thema war. Aus der
von
Dr.
F._
geführten
Krankengeschichte (vorstehend E. 4.5) geht hervor, dass die Klägerin dem Hausarzt gegenüber erstmals im März 2009 von einer zunehmenden Vergesslichkeit von
Y._
berichtete.
Mit Schreiben vom 5. Februar 2009 (
Urk.
9/7) teilte di
e
O._
der
Z._ AG
mit, dass für
Y._
infolge vorzeitiger Pensionierung per 31. März 2009 die versicherte Altersleistung fällig werde. Auf dem undatierten Antwortformular (
Urk.
9/8), welches am 10. Februar 2009 bei der
O._
einging, bestätigten
Y._
und die Klägerin, die einmalige Auszahlung des Alterskapitals mit Fälligkeit am 1. April 2009 zu wünschen.
Dass das Kapital ausbezahlt wurde, ist unbestritten (vgl.
Urk.
16 S. 3 oben).
5.3
Gemäss Art. 13
Abs.
1 lit. a des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, und Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) haben Männer
Ansp
ruch auf Altersleistungen, wenn sie
das 65
. Altersjahr zurückgelegt haben. Art. 13
Abs.
2 BVG bestimmt, dass die regle
mentarischen Besti
mmungen der Vorsorgeeinrichtung
abweichend
davon vorsehen
können
, dass der Anspruch auf Altersleistungen mit der Beendigung
der Erwerbstätigkeit entsteht.
Entsprechend s
ieht
Art. 12
Abs.
2 des ab 1. Januar 2009 gü
ltigen Kassenreglements der O._
vor, dass eine vorzeitige Pensionierung frühestens ab Vollendung des 58. Altersjah
res möglich ist, sofern das Arbeitsverhältnis beendet wird.
Der Bezug von Altersleistungen zufolge vorzeitiger Pensionierung bedingt somit die Beendigung der Erwerbstätigkeit. Nachdem
Y._
bei der
O._
die vorzeitige Pensionierung per 31. März 2009
mitgeteilt
hat und die
O._
eine solche bestätigte, indem sie die Fälligkeit der Altersleistungen per 1. April 2009 feststellte
und diese auszahlte
,
war
Y._
spätestens ab Ende März 2009 nicht mehr als Arbeitnehmer für die
Z._ AG
tätig und das Arbeitsverhält
nis zwischen ihm und der
Z._ AG
somit
spätestens auf d
iesen Zeitpunkt hin beendet
. U
nerheblich
sind dabei die Gründe, welche
Y._
dazu be
wegten, s
ich das BVG-Kapital frühzeitig auszahlen zu lassen.
Damit aber
hatte
Y._
ab
April 2009
keinen Lohnanspruch mehr, w
es
halb
der Versicherungsschutz der in Frage stehenden kollektiven Kranken-Taggeldversicherung
für
Y._
gestützt auf
Ziff.
145 der AVB
(vgl. vorste
hend E. 3.5)
am 3
0.
April 2009 endet
e.
Für die
Folgen der
ab
1
5.
Juni 2009
geltend gemachten
krankheitsbedingte
n
Arbeitsunfähigkeit hat die Beklagte da
her nicht mehr einzustehen.
Damit
erübrigen sich
auch
weitergehende Erwä
gungen
zur Frage, ob die ab 1
5.
Juni 2009 geltend gemachte volle Arbeitsunfä
higkeit als rechtsgenüglich ausgewiesen gelten kann.
5.4
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Versicherungsschutz
für
Y._
am 3
0.
April 2009 endete, weshalb für die Zeit vom 1
5.
Juli 2009 bis 1
0.
Januar 2011 kein
Anspruch auf Krankentaggelder der Beklagten
best
eht
.
Die Klage ist daher abzuweisen.
6.
6.1
Nach der zu altArt. 47
Abs.
3 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) ergange
nen, weiterhin gültigen höchstrichterlichen Rechtsprechung hat der ob
siegende Versicherungsträger Anspruch auf eine Parteientschädigung, falls er durch einen externen Anwalt vertreten ist (Urteil des Bundesgerichtes 4A_194/2010 vom 1
7.
November 2010, E. 2.2.1, nicht publiziert in: BGE 137 III 47; Urteil des Bundesgerichts 5C.244/2000 vom
9.
Januar 2001, E. 5 mit Hin
weisen).
6.2
Antragsgemäss hat die
Kläger
in
der obsiegenden
,
durch eine externe Anwältin vertretenen Beklagten
gemäss
§
34 GSVGer die Parteikosten zu ersetzen, wobei sich die g
erichtlich festzusetzende
Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses un
d dem Mass des Obsiegens
, je
doch ohne Rücksicht auf den Streitwert
bemisst
. Angemessen ist eine Prozessentschädigung von
Fr.
3
'
2
00.-- (inklus
ive Spesen und Mehrwertsteuer).