Decision ID: 499033e1-8c29-56aa-8b9b-bb1e06decb95
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._ (geb. 1959) wohnt in A._ und arbeitet bei der M._ in B._. In der
Steuererklärung 2016 deklarierte er Fahrkosten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte mit
dem privaten Motorfahrzeug von CHF 12'267 (29'920 km à CHF 0.41). Die
Veranlagungsbehörde veranlagte X._ am 29. August 2017 für die Kantons- und
Gemeindessteuern 2016 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 103'000 und
einem steuerbaren Vermögen von CHF 280'000 und für die direkte Bundessteuer 2016
mit einem steuerbaren Vermögen von CHF 104'500. Für die Fahrkosten liess sie
insbesondere lediglich Beträge von CHF 3'655 bei der Kantons- und Gemeindesteuer
und von CHF 3'000 bei der direkten Bundessteuer zum Abzug zu. Das kantonale
Steueramt wies die vom Steuerpflichtigen gegen diese Veranlagung erhobene
Einsprache mit Entscheid vom 14. November 2017 ab. Dagegen erhob X._ Rekurs
und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission, welche mit Entscheid vom
23. April 2018 die Rechtsmittel ebenfalls abwies.
B. X._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 25. April 2018 versandten Entscheid
der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe vom 14. Mai 2018
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Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, ihm
seien im vorinstanzlichen Verfahren keine Kosten aufzuerlegen und dementsprechend
die Kostenvorschüsse von je CHF 600 zurückzuerstatten. Weiter seien ihm die im
Zusammenhang mit dem vorinstanzlichen Verfahren angefallenen Kosten für
Rechtsberatung von CHF 196.65 und die eingeschriebenen Eingaben von 4 x CHF 6.30
zu entschädigen. Nachdem der Beschwerdeführer aufgefordert worden war, für das
Beschwerdeverfahren einen Kostenvorschuss von CHF 1'500 zu leisten, erklärte er mit
Eingabe vom 24. Mai 2018, persönlich überbracht am 25. Mai 2018, nunmehr nebst
den Verfahrenskosten den angefochtenen Entscheid auch in der Hauptsache beurteilt
haben zu wollen.
Mit Vernehmlassung vom 13. Juni 2018 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das
kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete am 20. Juni 2018 ausdrücklich
und die Eidgenössische Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte) stillschweigend auf
eine Vernehmlassung. Mit Eingabe vom 26. Juli 2018 nahm der Beschwerdeführer zur
Eingabe der Vorinstanz Stellung.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seines Begehrens sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. [...]
2. [...]
3. Der Beschwerdeführer bestreitet grundsätzlich nicht, dass der Abzug von
Fahrkosten für den Weg zwischen Wohn- und Arbeitsort seit dem 1. Januar 2016
sowohl im Recht der direkten Bundessteuer als auch im kantonalen Recht limitiert ist.
Anstelle von Wiederholungen kann daher auf die zutreffenden rechtlichen
Ausführungen der Vorinstanz zum Berufskostenabzug verwiesen werden (E. 3 und 3a
des angefochtenen Entscheids). Der Beschwerdeführer macht jedoch gestützt auf sein
Vertrauen in die Ausführungen in der Wegleitung 2016 geltend, da es der
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Beschwerdegegner versäumt habe, diese an die neue Gesetzeslage anzupassen, sei
der in der Steuererklärung 2016 deklarierte Abzug für die Berufskosten zu akzeptieren.
3.1. Der in Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(SR 101, BV) verankerte Grundsatz von Treu und Glauben statuiert ein Verbot
widersprüchlichen Verhaltens und verleiht einer Person Anspruch auf Schutz des
berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte
Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden. Die Voraussetzung für eine
Berufung auf Vertrauensschutz, die unter bestimmten Voraussetzungen eine vom
materiellen Recht abweichende Behandlung der Rechtsuchenden gebieten kann, ist
erfüllt 1. wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte
Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die Erteilung der betreffenden Auskunft
zuständig war oder wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus zureichenden
Gründen als zuständig betrachten durfte; 3. wenn die Person die Unrichtigkeit der
Auskunft nicht ohne weiteres erkennen konnte; 4. wenn sie im Vertrauen auf die
Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil
rückgängig gemacht werden können, und 5. wenn die gesetzliche Ordnung seit der
Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat (BGE 143 V 341 E. 5.2.1; vgl. auch
Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 624, 667 ff.).
Bei einer Kollision zwischen Gesetzmässigkeitsprinzip und Vertrauensschutzprinzip hat
dieses nach allgemeinem Verwaltungsrecht grundsätzlich zurückzutreten: Das Gesetz
ist demokratisch legitimiert, es gewährleistet Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit.
Zudem liegt die Verwirklichung des Gesetzes im öffentlichen Interesse. Der Grundsatz
von Treu und Glauben gilt zwar insbesondere (auch) im Steuerrecht. Wenn aber schon
im allgemeinen Verwaltungsrecht eine Präferenz für die Gesetzmässigkeit herrscht, ist
das Vertrauensprinzip im Steuerrecht umso zurückhaltender heranzuziehen (BGer
2C_334/2014 vom 9. Juli 2015 E. 2.5.3 mit zahlreichen Hinweisen).
3.2. Die gesetzliche Regelung in Art. 39 Abs. 1 lit. a StG und Art. 26 Abs. 1 lit. a DBG,
wonach die Kosten für die Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätten auf einen
Maximalbetrag limitiert sind, ist klar. Die Gesetzesbestimmungen traten, nachdem die
entsprechenden Änderungen in der Volksabstimmung vom 15. November 2015
angenommen worden waren, per 1. Januar 2016 in Kraft. Den vorinstanzlichen
Ausführungen kann insofern nicht gefolgt werden, als dass ein klarer Hinweis auf die
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Limitierung im Formular 4 fehle: Am Ende von Ziffer 1 ist in fetten Lettern
"Zwischentotal Ziffern 1.1 – 1.3, max. Fr. 3'655 (siehe Wegleitung)" vermerkt (vgl.
act. 13/6/1.04). Demnach erweist sich bereits das Formular 4 hinsichtlich der
Limitierung der Fahrkostenabzugs als klar. Aber auch aus der Wegleitung zur
Steuererklärung 2016 kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten.
Zunächst geht aus der Kurzübersicht der Wegleitung klar hervor, dass die
Gesamtkosten für die Fahrt zur Arbeit (öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad,
Privatfahrzeug) max. CHF 3'655 betragen (S. 2 der Wegleitung 2016). Auf Seite 10 der
Wegleitung wird sodann mit einem roten Pfeil und dem Vermerk "NEU" darauf
hingewiesen, dass ab dem Jahr 2016 der Maximalabzug für die Fahrt zur Arbeit auf die
Höhe der Kosten eines Generalabonnements 2. Klasse für Erwachsene für ein Jahr
begrenzt sei, welche im Jahr 2016 CHF 3'655 betragen würden. Das Vorliegen einer
unrichtigen behördlichen Auskunft des Beschwerdegegners hinsichtlich des
Fahrkostenabzugs für die Steuerperiode 2016 ist daher zu verneinen.
3.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer nicht auf den
Grundsatz von Treu und Glauben berufen kann. Die Vorinstanz hat daher die
Rechtsmittel gegen den Einspracheentscheid des Beschwerdegegners zu Recht
abgewiesen. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich ausserdem, dass die
vorinstanzliche Kostenverlegung nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde gegen den
angefochtenen Entscheid vom 23. April 2018 ist demnach abzuweisen.
4. [...]