Decision ID: 363f7173-07f3-512d-8103-a348948b682b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 10. November 2016 unter ihrem
damaligen Namen B._ (vgl. dazu IV-act. 104; IV-act. 106-2) über ihren
Krankentaggeldversicherer bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an.
Seit Juli 2009 war sie in einem Pensum von 60 % als Gastronomiemitarbeiterin im
Restaurant C._ angestellt (IV-act. 3-4, IV-act. 10). Als gesundheitliche
Beeinträchtigungen nannte sie eine Polymyalgie und psychische Belastungen (IV-
act. 3; IV-act. 4). Erstere war ihr von Dr. med. D._, Fachärztin für Rheumatologie,
diagnostiziert worden (Berichte vom 14. August 2015, IV-act. 19-21 f.). Eine
Vorabklärung in der Klinik Valens hatte zusätzlich die Diagnosen eines chronischen
zervikobrachialen Syndroms bei multiplen degenerativen Veränderungen der HWS,
muskulärer Dysbalance und Fehlhaltung sowie einer Anpassungsstörung (ICD-10:
F43.21; DD Dysthymie) bei eigenanamnestischen Hinweisen auf rezidivierende
Stimmungseinbrüche in Zusammenhang mit verschiedenen, teilweise sehr belastenden
Life-Events (Sterbeprozess der Eltern, Sterbebegleitung einer Freundin/ Kollegin,
schwere Essstörung der älteren Tochter, geschiedene dysfunktionale Ehe,
problematische Beziehung zum aktuellen langjährigen Lebenspartner, chronifiziertes
Schmerzsyndrom) ergeben (Bericht Klinik Valens vom 7. November 2016, IV-act. 8;
Bericht psychosomatischer Dienst Klinik Valens vom 31. Oktober 2016, IV-act. 9).
A.a.
Vom 9. bis 30. Januar 2017 absolvierte die Versicherte eine ambulante
Rehabilitation in der Klinik Valens (je fünf Mal wöchentlich Physio-, Wasser- und
A.b.
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medizinische Trainigstherapie [MTT]). Zusätzlich zu den bestehenden Diagnosen wurde
ein Verdacht auf eine sekundäre Fibromyalgie erhoben und psychiatrisch eine
Dysthymie (ICD-10: F34.1) diagnostiziert. Aufgrund einer ergonomischen Testung
wurde der Versicherten empfohlen, ihr Arbeitspensum auf halbe Tage aufzuteilen und
ihr ab 1. Februar 2017 eine 50%ige, ab 1. März 2017 eine 60%ige, ab 17. April eine
70%ige und ab 1. Mai 2017 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, ausgehend vom bisherigen
60 %-Pensum, attestiert (Bericht Klinik Valens, Dr. med. E._, Facharzt für
Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 6. Februar 2017, IV-act. 25; Bericht
Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 9. Februar 2017, IV-
act. 52-8 ff.; Arztzeugnis Dr. E._ vom 13. März 2017, IV-act. 34-2). Mit Mitteilung vom
10. April 2017 sprach die IV-Stelle der Versicherten Massnahmen zum
Arbeitsplatzerhalt zu (IV-act. 38).
Med. pract. G._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, schrieb die Versicherte
ab dem 12. Juni 2017 zu 50 % und ab dem 15. Juni 2017 zu 100 % arbeitsunfähig
(Arztzeugnisse vom 17. Juni 2017, IV-act. 41, und vom 28. Juni 2017, IV-act. 46-6). Die
Arbeitgeberin sprach der Versicherten am 7. Juli 2017 eine Änderungskündigung aus
und bot ihr eine Weiterbeschäftigung im H._ im Stundenlohn an (IV-act. 46-1). Mit
Schreiben vom 26. Juli 2017 teilte die Versicherte der Arbeitgeberin mit, aufgrund ihrer
gesundheitlichen Situation sei aktuell zu ungewiss, ob sie ab 1. Oktober 2017 eine
Teilerwerbstätigkeit aufnehmen könne (IV-act. 49).
A.c.
Der Krankentaggeldversicherer liess die Versicherte durch Dr. med. I._,
Fachärztin für Orthopädie u. Traumatologie des Bewegungsapparates, sowie durch
Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie,
begutachten (Gutachten vom 2. August 2017, Fremdakten, act. 2-4 ff., und vom
8. August 2017, Fremdakten, act. 2-21 ff.). Die orthopädische Gutachterin
diagnostizierte einen schlechten Allgemein- und Ernährungszustand (BMI unter 20),
chronisch rezidivierende Beschwerden der Wirbelsäule bei Fehlstatik,
Haltungsinsuffizienz, muskulärem Hartspann und verschmächtigter Rumpfmuskulatur
sowie bei radiologisch deutlichen degenerativen Veränderungen der unteren HWS ohne
nervenwurzelbezogenes Defizit und beidseits verkürzter lschiokruralmuskulatur, eine
Epikondylitis humeri ulnaris rechts (bei Rechtshändigkeit), einen beginnenden Morbus
Dupuytren links sowie abklärungsbedürftige Funktionsschmerzen der linken Hüfte
A.d.
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(Fremdakten, act. 2-16). Sie hielt fest, mittelschwere und schwere Tätigkeiten wie die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit in Küche und Restaurant könne die Versicherte nicht mehr
verrichten. Für körperlich sehr leichte und leichte Tätigkeiten aus bevorzugt
wechselnder Ausgangslage bestehe ab sofort eine volle Arbeitsfähigkeit (Fremdakten,
act. 2-17). Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte als
Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichtgradige
depressive Episode, DD Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10:
F32.0/F42.2) und als solche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41),
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von
ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73.1 ) sowie psychische und
Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychischen und
Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10: F10.10). Darüber
hinaus erhob er den Verdacht auf einen analgetika-induzierten Kopfschmerz
(Fremdakten, act. 2-57, 63 f.). Weiter legte er dar, die Konsistenzprüfung habe
Hinweise auf nicht in geklagtem Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen
ergeben (Fremdakten, act. 2-65). In der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit in einem
Pensum von 25 Stunden pro Woche sei die Versicherte zu 20 % arbeitsunfähig. In
einer optimal angepassten Tätigkeit sei sie bezogen auf dieses Pensum in ihrer
Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (Fremdakten, act. 2-67, 70 f.).
Dr. med. K._, Facharzt für Rheumatologie, behandelte die Versicherte ab
29. August 2017. Er führte im Wesentlichen aus, die Versicherte habe vom 1. bis
11. September 2017 ein sehr detailliertes Schmerzprotokoll geführt. Im Vordergrund
stehe eine chronische Schmerzkrankheit mit somatischen und psychischen Faktoren
bzw. eine somatoforme Schmerzstörung. Das Vorliegen einer ursächlichen
entzündlichen Grunderkrankung könne nicht festgestellt werden, insbesondere bestehe
kein polymyalgiformes Syndrom. Er diagnostizierte ein chronisches cervicovertebrales
bis -spondylogenes Syndrom bei multiplen degenerativen Veränderungen der HWS
und segmentaler Dysfunktion der mittleren/unteren HWS, muskulärer Dysbalance und
Fehlhaltung, eine PHS tendinopathica der Supraspinatussehne bds., rechtsbetont, eine
Epicondylopathia humeri ulnaris rechts, eine Migräne und eine leichte Dupuytren'sche
Kontraktur Dig IV links. Sodann äusserte er sich zur Verdachtsdiagnose Fibromyalgie.
A.e.
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Dazu hielt er fest, dass sich die Situation im Vergleich zum Vorbefunder (Dr. E._,
Klinik Valens) wesentlich verändert habe. Weder im widespread pain index (WPI), noch
im symptom severity scale score (SSSc) könnten aktuell Punktezahlen erreicht werden,
welche für das Vorliegen eines Fibromyalgiesyndroms sprechen würden. Er schrieb die
Versicherte bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig für die Tätigkeit als
Restaurantangestellte bei C._ (Bericht vom 12. September 2017, IV-act. 53-4 f.;
Arztbericht vom 10. Oktober 2017, IV-act. 51).
Der Eingliederungsberater schloss den Fall am 25. September 2017 wegen
anhaltender 100%iger Arbeitsunfähigkeit bzw. instabilen Gesundheitszustands ab
(Assessment- und Verlaufsprotokoll, IV-act. 50). Der RAD-Arzt Dr. L._, Facharzt für
Innere Medizin, nahm am 30. Oktober 2017 Stellung zu den medizinischen Unterlagen,
die Begutachtung im Auftrag der Swica vom 27. Juli 2017 erfülle die
Qualitätsanforderungen nur teilweise. Die Ergebnisse seien (jedoch) in etwa
nachvollziehbar. Die Versicherte fühle sich nicht in der Lage zu irgendeiner
Erwerbstätigkeit (IV-act. 55). Die IV-Stelle wies das Gesuch um berufliche Massnahmen
mit Mitteilung vom 10. November 2017 ab (IV-act. 58) und gewährte der Versicherten
mit Vorbescheid vom 20. November 2017 das rechtliche Gehör zur vorgesehenen
Abweisung des Rentenbegehrens. Zur Begründung führte die IV-Stelle im Wesentlichen
aus, dass die Versicherte als Teilerwerbstätige zu qualifizieren sei und zwar zu 60% im
Erwerb und zu 40% im Haushalt. In einer adaptierten Tätigkeit könne sie zu 100%
arbeiten, weshalb sie keine Erwerbseinbusse erleide. Im Haushalt lägen ebenfalls keine
iv-relevanten Einschränkungen vor (IV-act. 60).
A.f.
Mit Einwand vom 30. Januar 2018 reichte die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. R. Braun, Berichte von med. pract. G._ vom 19. Januar 2018
(IV-act. 68-3 ff.) und von ihrer Shiatsu-Therapeutin N._ vom 19. Januar 2018 (IV-
act. 68-5 ff.) ein. Der Rechtsvertreter führte aus, die Schmerzen seien glaubhaft und
schlug eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) und ein Coaching vor.
Im Einwand machte er unter anderem geltend, dem Gutachten der Dres. I._ und
J._ fehle es an einer Konsensbeurteilung und der Anwendung des strukturierten
Beweisverfahrens (IV-act. 68-1 ff.). Daraufhin schlug der RAD-Arzt Dr. L._ am
16. März 2018 eine Haushaltsabklärung an Ort und Stelle und anschliessend eine
polydisziplinäre Begutachtung vor (IV-act. 77).
A.g.
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Die Haushaltsabklärung vom 31. Mai 2018 (Bericht vom 12. Juni 2018, IV-act. 81)
ergab im Haushalt eine von der Versicherten geltend gemachten Einschränkung von
insgesamt 36 %. Die Abklärungsperson konnte die Glaubwürdigkeit der Angaben der
Versicherten nicht einschätzen und verwies zur Überprüfung der medizinischen
Plausibilität auf eine medizinische Expertise (IV-act. 81-10).
A.h.
Dr. K._ attestierte der Versicherten ab 4. April 2018 eine Arbeitsfähigkeit von
25 % in im Wesentlichen leichten, Schulter, Oberkörper und Handgelenke nicht
belastenden Tätigkeiten (Arztzeugnisse vom 3. April 2018, IV-act. 72-8 und vom
22. Mai 2018, IV-act. 77; Verlaufsbericht vom 2. Juni 2018, IV-act. 84). Dr. med. E._,
Facharzt für Psychiatrie/Psychotherapie, führte im Arztbericht vom 25. August 2018
aus, die Versicherte sei seit 16. Juni 2017 bei ihm in Behandlung. Eine damals
diagnostizierte mittelgradige depressive Episode bzw. Störung sei unter Medikation
gegenwärtig remittiert. Zusätzlich bestehe eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41). Gegenwärtig konsultiere die
Versicherte sie monatlich bis alle sechs Wochen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
derzeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, wobei aber die psychische
Konstitution belastungsanfällig sei (IV-act. 88).
A.i.
Die IV-Stelle beauftragte die Swiss Medical Assessment- and Business-Center
(SMAB) AG mit der polydisziplinären Begutachtung (Gutachten vom 20. März 2019;
Dr. med. O._, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Orthopädische Rheumatologie [D]; Dr. med. P._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, Untersuchungen vom 4. und 13. Februar 2019; IV-
act. 98). Die orthopädische Gutachterin diagnostizierte ein Zervikobrachialsyndrom
beidseits ohne radikuläre Reizung. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine
Osteopenie, eine geringgradige Arthrose des rechten Akromioklavikulargelenkes und
Bursitis subacromialis/subdeltoidea rechts, eine Chondrokalzinose im rechten
Kniegelenk, eine initiale Coxarthrose links sowie ein Morbus Dupuytren D IV links
(Stadium 0; IV-act. 98-36). Sie schätzte die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in ihrer
bisherigen Tätigkeit als Gastronomiemitarbeiterin als ab Dezember 2015 aufgehoben
ein. In einer leidensangepassten, körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit
ohne Zwangshaltungen der Halswirbelsäule und häufigen Überkopfarbeiten bestehe
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 98-38 ff.). Der psychiatrische Gutachter erhob
A.j.
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als Gesundheitsschäden ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4), psychologische Faktoren
und Verhaltensfaktoren bei anderenorts klassifizierten Krankheiten (ICD-10: F56) sowie
einen gefährlichen Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.81; IV-act. 98-55). Zum Verlauf
der Arbeitsfähigkeit hielt er fest, ab Juni 2017 habe bei mittelgradiger depressiver
Symptomatik eine Arbeitsfähigkeit von nur noch 30 % bestanden. Ab ca. Mitte Juli
2017 habe nur noch eine leichtgradige depressive Symptomatik vorgelegen mit einer
Arbeitsfähigkeit von 50 %. Seit September 2017 betrage die Arbeitsfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit 100 % (IV-act. 98-57 f.).
Der RAD-Arzt Dr. L._ befand am 10. April 2019, auf das Gutachten könne
abgestellt werden (IV-act. 99), worauf die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid
vom 12. April 2019 erneut eine rentenabweisende Verfügung in Aussicht stellte. Sie
stützte sich dabei auf das Gutachten und die darin attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit. Die in der Haushaltsabklärung festgestellte
Einschränkung von 36 % habe sich gutachterlich nicht objektivieren lassen. Somit
würden weder im Erwerb noch im Haushalt relevante Einschränkungen vorliegen (IV-
act. 103). Mit Einwand vom 27. Juni 2019 liess die Versicherte durch ihren
Rechtsvertreter geltend machen, obwohl bei ihr rheumatische Beschwerden im
Vordergrund stünden, fehle ein rheumatologisches Teilgutachten. Das psychiatrische
Gutachten gehe nicht weiter auf die Schmerzproblematik ein, weshalb die
Anforderungen des strukturierten Beweisverfahrens nicht erfüllt seien. Die
Einschätzung einer gänzlichen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit in der
Gastronomie sei widersprüchlich zur fehlenden Einschränkung im Haushalt, da sich die
Tätigkeiten ähnlich seien. Sie habe eine 40 %-Stelle in einer Spitalcafeteria gefunden,
womit sie ihre Leistungsgrenze erreiche. Sodann hätten Dr. med. Q._, Fachärztin für
Dermatologie und Venerologie, eine Prurigo simplex subacuta (Bericht vom 19. Juni
2019, IV-act. 111-4) und Dr. med. R._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und
Rheumatologie, eine Fibromyalgie diagnostiziert (nachgereichter Bericht vom 8. Juli
2019, IV-act. 113; zum Ganzen IV-act. 111-1 ff.). Dem RAD-Arzt Dr. L._ wurde am
5. September von Dr. Q._ mitgeteilt, die Prurigo habe keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 114). In der RAD-Stellungnahme vom 5. August 2019 führte er
aus, die Gutachterin Dr. O._ verfüge über eine fachärztliche rheumatologische
A.k.
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B.
Qualifikation. Im Haushalt stehe der Versicherten wesentlich mehr Zeit für kurze
Pausen zur Verfügung als im hektischen Gastronomiebetrieb und das Aktivitätsniveau
könne selbstgestaltend geplant werden. Der Bericht von Dr. R._ vermöge gegenüber
den bisherigen rheumatologischen Einschätzungen keine neuen Aspekte aufzuzeigen.
Die von Dr. R._ diagnostizierte Fibromyalgie und die Prurigo zeitigten keine
langfristige Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 116).
Gestützt auf das Gutachten der SMAB AG und die Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr. L._ wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 21. August 2019
ab (IV-act. 116).
A.l.
Gegen die Verfügung vom 21. August 2019 lässt die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. M. Braun, am 9. September
2019 Beschwerde erheben. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und es sei ihr eine Rente
zuzusprechen. Zur Begründung wird angeführt, das Gutachten der SMAB AG, auf
welches sich die angefochtene Verfügung stütze, sei nicht umfassend, insbesondere
weil es kein rheumatologisches Teilgutachten enthalte, ein solches aber in Auftrag
gegeben worden sei. Bemängelt werde nicht die fehlende Fachkompetenz der
Gutachterin, sondern dass sie sich auf eine orthopädisch-traumatologische
Begutachtung beschränkt habe. Eine rheumatologische Untersuchung und Beurteilung
habe nicht stattgefunden. Dies wiege umso schwerer, als bei ihr rheumatische
Beschwerden im Vordergrund stünden und habe wohl auch dazu geführt, dass auch
das psychiatrische Teilgutachten nicht weiter auf die Schmerzproblematik eingehe. Die
Anforderungen an das bundesgerichtlich vorgegebene strukturierte Beweisverfahren
seien damit bei Weitem nicht erfüllt. Der psychiatrische Gutachter beschäftige sich
ausführlich mit dem Alkoholkonsum, in dessen Zusammenhang weder gesundheitliche
Probleme noch Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestünden. Auch habe der
Gutachter nicht erwähnt, dass sie bei der Untersuchung wegen der Nackenschmerzen
eine Tablette habe einnehmen müssen. Die im Gutachten aufgeführte Medikation
stimme nicht. Die unterschiedliche Einschränkung in Gastronomie und Haushalt sei
widersprüchlich. Allfällige Pausen bei der Haushaltstätigkeit seien bei der Einschätzung
B.a.
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der Arbeitsfähigkeit gerade nicht berücksichtigt worden. Auf das Gutachten könne
nicht abgestellt werden. Vielmehr sei von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
sowohl in einer adaptierten Tätigkeit als auch im Haushalt auszugehen. Gemäss
Dr. R._ betrage diese 60 % (vgl. Arztzeugnis vom 19. August 2019, act. G 1.2).
Schliesslich sei ihr ein Tabellenlohnabzug zu gewähren, weil gemäss Gutachten nur gut
strukturierte Tätigkeiten ohne erhöhte Anforderungen an die Belastbarkeit und ohne
besonderen Zeitdruck möglich seien (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 3. Dezember 2019 beantragt die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Im Wesentlichen
begründet sie ihren Antrag damit, die Beschwerdeführerin übersehe, dass von Seiten
der behandelnden Ärzte keine entzündliche rheumatologische Grunderkrankung habe
festgestellt werden können. Die Gutachterin verfüge über einen in Deutschland
anerkannten Facharzttitel in orthopädischer Rheumatologie, womit sich ihre
Fachkompetenz auch auf rheumatologische Leiden erstrecke. Zu den massgeblichen
Indikatoren seien dem psychiatrischen Teilgutachten und der bidisziplinären
Konsensbeurteilung Angaben zu entnehmen. Schliesslich sei es Sache der Gutachter
zu beurteilen, welche fachärztlichen Abklärungen vorzunehmen seien. Die
Ausführungen der orthopädischen Gutachterin seien nachvollziehbar und die
Einschätzung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit beruhe auf einer eingehenden klinischen
Untersuchung und leuchte aufgrund der objektiv erhobenen Befunde sowie unter
Berücksichtigung der gesamten Aktenlage und der von der Beschwerdeführerin
gemachten Angaben ein. In Übereinstimmung mit der orthopädischen Gutachterin
habe Dr. R._ keine entzündliche rheumatologische Erkrankung festgestellt. Da sie
nicht aufgezeigt habe, inwiefern sich das Beschwerdebild der Fibromyalgie funktionelle
Folgen habe, begründe die vom SMAB-Gutachten abweichende Diagnosestellung
noch keine Zweifel am Gutachten. Der psychiatrische Gutachter habe sich eingehend
mit der Schmerzproblematik befasst. Das psychiatrische Teilgutachten erfülle die von
der Rechtsprechung gestellten Anforderungen. Bezüglich der Angaben zur Medikation
sei weder dargetan noch erkennbar, inwiefern sich die behaupteten Mängel auf die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ausgewirkt haben sollten. Im Unterschied zur
Tätigkeit in der Gastronomie seien im Haushalt keine Tätigkeiten zu verrichten, welche
mit dem orthopädischen Belastungsprofil nicht in Einklang zu bringen seien. Es sei
B.b.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
insofern nachvollziehbar, dass die Gutachterin das Belastungsprofil der bisherigen
Tätigkeit als nicht mehr zumutbar erachtet und die von der Beschwerdeführerin im
Haushalt geltend gemachten Einschränkungen als nicht plausibel gewürdigt habe. Die
Arbeitsunfähigkeiten von Juni bis Mitte Juli 2017 und während des ambulanten
Rehabilitationsaufenthaltes in der Klinik Valens seien mangels längerer Dauer nicht
rentenbegründend. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt biete ein hinreichend breites
Spektrum an zumutbaren gut strukturierten Verweistätigkeiten ohne besonderen
Zeitdruck oder erhöhte Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit. Mithin seien
keine ausserordentlichen Umstände ersichtlich, die einen leidensbedingten Abzug
begründen könnten (act. G 4).
Mit Replik vom 16. Januar 2020 macht die Beschwerdeführerin geltend, es habe
keine rheumatologische Untersuchung und Beurteilung stattgefunden, obwohl die
behandelnden Ärzte die rheumatologische Diagnose einer Fibromyalgie gestellt hätten.
Der gemäss dem psychiatrischen Gutachter vorhandene organmedizinische
Hintergrund der Schmerzen sei nicht abgeklärt worden. Gerade die
Schmerzproblematik habe zur Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
geführt. Das Gutachten sei damit nicht vollständig. Nachvollziehbare Ausführungen zu
den massgeblichen Standardindikatoren seien weder dem psychiatrischen
Teilgutachten noch der bidisziplinären Konsensbeurteilung zu entnehmen. Die
Hautproblematik sei nach wie vor aktuell. Der Widerspruch zwischen der
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und der fehlenden Einschränkung im
Haushalt sei durch die Beschwerdeantwort nicht aufgelöst worden. Die
Haushalttätigkeit entspreche nicht dem aus orthopädischer Sicht zumutbaren
Belastungsprofil. Gemäss Dr. R._ sei die Beschwerdeführerin nach wie vor zu 60 %
arbeitsunfähig (Arztzeugnisse vom 19. November 2019, act. G 6.2, und vom 7. Januar
2020, act. G 6.3).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 24. Januar 2020 auf eine Duplik (act. G 8).B.d.
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Erwägungen
1.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 289 E. 3.2;
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016, 8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist
zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden objektiviert werden können und sich
auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 427 E. 6). Für
somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren
mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429 E. 7.2;
BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S. 298, E. 4.2). Der Beweis für eine lang andauernde
und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
1.2.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a);
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c).
1.3.
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Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG).
1.4.
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im
Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität
nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig (und
ist ihnen die Aufnahme einer Vollerwerbstätigkeit nicht zumutbar; Art. 8 Abs. 3 ATSG),
so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem
Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb
des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich
festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3
IVG).
1.5.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
1.6.
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2.
Strittig und zu prüfen ist, ob auf das SMAB-Gutachten vom 20. März 2019 abgestellt
werden kann. Die Beschwerdeführerin erachtet das Gutachten als unvollständig. Sie
moniert unter anderem, dass kein rheumatologisches Teilgutachten durchgeführt, zu
wenig auf die Schmerzproblematik eingegangen sowie das Fibromyalgiesyndrom nicht
berücksichtigt worden sei. Zudem erfülle es nicht die rechtlichen Anforderungen an das
strukturierte Beweisverfahren.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107).
1.7.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.8.
Die somatische Gutachterin verfügt nach eigenen Angeben über einen Facharzttitel
in Orthopädie und eine Zusatzweiterbildung in orthopädischer Rheumatologie (IV-
act. 98-42). Nach den einschlägigen Spezialisierungsvorgaben (vgl. https://
approbatio.de/facharztausbildung/zusatz-weiterbildung-orthopaedische-
rheumatologie/, abgerufen am 27. Mai 2021) muss sie zur Diagnostik und Therapie von
degenerativen, entzündlichen und stoffwechselbedingten rheumatischen Krankheiten
der Bewegungsorgane einschliesslich der interdisziplinären Zusammenarbeit bei
komplexen rheumatischen Erkrankungen befähigt sein, weshalb ihre fachliche
Qualifikation als Gutachterin im vorliegenden Verfahren fraglos als gegeben zu
betrachten ist. Im Übrigen bilden chronische Beschwerden des Bewegungsapparates
sowohl Gegenstand der orthopädischen als auch der rheumatologischen
Begutachtung (Urteile des Bundesgerichts vom 4. Oktober 2017, 9C_474/2017, E. 4.2,
mit weiteren Verweisen, und vom 21. September 2010, 9C_203/2010, E. 4.1), weshalb
nicht zu beanstanden ist, wenn lediglich eine rheumatologische Begutachtung erfolgt.
2.1.
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Des Weiteren weist die Beschwerdegegnerin zu Recht daraufhin, dass die Frage, ob
und gegebenenfalls welche fachärztlichen Untersuchungen notwendig sind, um eine
Diagnose zu stellen, nicht in den Kompetenzbereich des Rechtsanwenders fällt,
sondern ausschliesslich in jenen des begutachtenden Arztes (Urteil des Bundesgerichts
vom 15. Februar 2019, 8C_794/2018, E. 4.2).
Die somatische Gutachterin diagnostizierte ein Zervikobrachialsyndrom, eine
Osteopenie, eine geringgradige Arthrose des rechten Akromioklavikulargelenkes, eine
Chondrikalzinose im rechten Kniegelenk, eine initiale Coxarthrose links sowie ein
Morbus Dupuytren D IV links (Stadium 0; IV-act. 98-36) und hielt fest, anhand der
aktuell erhobenen klinischen und radiologischen Untersuchungsbefunde seien die von
der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden nur zu einem geringen Anteil
nachvollziehbar (IV-act. 98-37, 38). Im klinischen Befund erhob sie unter anderem eine
gering eingeschränkte aktive Seitwärts- und Vorwärtsbewegung des linken
Schultergelenkes sowie eine eingeschränkte aktive und passive Beweglichkeit des
rechten Schultergelenkes. Die Beschwerdeführerin gab Schmerzen an bei der
Seitwärts- und Vorwärtsbewegung im Bereich des Humerus und bei der
Aussenrotation beider Arme und einen Druckschmerz über dem Epicondylus humeri
radialis und dem Gelenkspalt beidseits bei negativen Provokationstests auf eine
Epicondylitis, Schmerzen im rechten Handgelenk bei Druck auf den dorsalen und
palmaren Gelenkspalt sowie beim Abspreizen des linken Daumens, Klopf- und
Druckschmerz über den Dornfortsätzen des 3. bis 11. Brustwirbelkörpers sowie über
den Dornfortsätzen von LWK 4 - SWK 1 und den Facettengelenken LWK 4/5 beidseits,
Schmerzen bei der Seitneigung des Oberkörpers nach rechts und links über dem
rechten und linken Facettengelenk LWK 5/SWK 1, Schmerzen über dem lumbosakralen
Übergang bei der Rotation des Oberkörpers nach beiden Seiten, im linken Hüftgelenk
bei dessen Untersuchung, Druckschmerzen über dem linken Iliosakralgelenk sowie
Schmerzen in beiden Hüftgelenken beim Senken des Fussaussenrandes beidseits und
Schmerzen im rechten Sprunggelenk bei der Vorführung der Gangvarianten (IV-
act. 98-32 f.).
2.2.
Hinsichtlich der nicht bildgebend oder klinisch objektivierbaren Schmerzen schloss
die Gutachterin das Vorliegen einer Polymyalgia rheumatica aus, da für diese Diagnose
"kein Anhalt" bestehe (IV-act. 98-38). Diese Diagnose war in den Berichten von
Dr. D._ vom 14. August 2015 (IV-act. 19-21 f.) und der Klinik Valens vom 6. Februar
2017
(IV-act. 25-1 f.) aufgeführt worden, wobei zunächst unter Spiricort eine deutliche
Besserung der Beschwerden beschrieben worden war (Bericht Dr. D._ vom
2.3.
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14. August 2015, IV-act. 19-21 f.). Dr. K._ hielt im Arztbericht vom 10. Oktober 2017
fest, einen eigentlichen entzündlichen Schmerzcharakter betreffend die
Schultergelenke beidseits habe er nicht finden können. Das Vorliegen einer
ursächlichen entzündlichen Grunderkrankung könne nicht festgestellt werden,
insbesondere bestehe kein polymyalgiformes Syndrom (IV-act. 51). Nachdem Dr. R._
gemäss Bericht vom 8. Juli 2019 keine humorale Entzündungskonstellation feststellen
konnte und auf eine fehlende (längerfristige) Besserung der Beschwerden unter
Spiricort hinwies (IV-act. 113), erscheint nachvollziehbar, dass im Zeitpunkt der
Begutachtung (Februar 2019) keine beeinträchtigende Polymyalgie und damit keine
rheumatologische Grunderkrankung mehr vorlag. Auch ansonsten konnte die
Gutachterin im orthopädisch-traumatologischen Untersuchungsbefund keine
Auffälligkeiten erheben und lediglich feststellen, dass die zahlreichen Schmerzangaben
der Beschwerdeführerin neuroanatomisch nicht nachvollziehbar sind (IV-act. 98-35).
Sie liess Röntgenaufnahmen für die Hals- und Lendenwirbelsäule, für die
Beckenübersicht und das Hüftgelenk sowie das Knie- und Schultergelenk erstellen (IV-
act. 98-34). Dabei zeigte sich einzig eine im Vergleich zu den Voraufnahmen im Jahr
2016 gering progrediente mässige, degenerative Veränderung von HWK 5-7.
Ansonsten waren die radiologischen Befunde altersentsprechend.
2.4.
Hinsichtlich des von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Leidens
Fibromyalgie ist den vorliegenden Akten zu entnehmen, dass bei der
Beschwerdeführerin in der Klinik Valens bei einem WPI von 16/19 und einem SSSc von
6/12 Punkten der Verdacht auf ein Fibromyalgiesyndrom geäussert wurde (Bericht vom
6. Februar 2017, IV-act. 25-1 f.). Dr. K._ verneinte diesen gemäss Bericht vom
10. Oktober 2017 bei einem WPI von 5/16 und einem SSSc von 5/12 (IV-act. 51).
Dr. R._ hingegen befand das Fibromyalgiesyndrom gemäss Bericht vom 8. Juli 2019
bei einem WPI von 17/19 und einem SSSc von 12/12 vollständig bestätigt (IV-act. 113).
2.4.1.
Für die Bestimmung der Arbeitsfähigkeit ist nicht die Diagnose massgebend,
sondern die vorhandenen – objektivierten oder plausibilisierten –
Funktionseinschränkungen (Urteile des Bundesgerichts vom 23. November 2020,
9C_524/2020, E. 5.1 mit weiteren Verweisen und vom 4. Oktober 2017, 9C_474/2017,
E. 4.1). Insbesondere ist die Fibromyalgie einer Schmerzstörung insofern gleichgestellt,
als beide Leiden nach dem strukturierten Beweisverfahren zu beurteilen sind (Urteil
vom 16. Februar 2017, 9C_688/2016, E. 3.5). Schliesslich ist die diagnostische
Zuordnung (auch) von der medizinischen Fachrichtung abhängig: Während der
2.4.2.
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Rheumatologe eine Fibromyalgie diagnostiziert, diagnostiziert die Psychiaterin eine
somatoforme Schmerzstörung (P. Henningsen, Probleme und offene Fragen in der
Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen
Körperbeschwerdesyndromen, in: SZS 06/2014, S. 515 f.). Dem Gesagten zufolge ist
daher ausschliesslich zu prüfen, ob die Gutachter die geltend gemachten Beschwerden
auf ihre Objektivierbarkeit hin geprüft und gegebenenfalls als funktionelle
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt haben.
Die somatische Gutachterin äusserte sich nicht zur Fibromyalgie-Diagnose, wohl
auch, weil der behandelnde Rheumatologe Dr. K._ die Verdachtsdiagnose nicht
bestätigten konnte (IV-act. 51) und ihr der Bericht von Dr. R._ vom 24. Juni 2019
noch nicht vorlag. Sie hat jedoch die funktionellen Einschränkungen anhand des
üblichen orthopädischen bzw. rheumatologischen Untersuchungsschemas erhoben
(vgl. E. 2.2) und im Befund insbesondere die druckschmerzhaften Körperstellen
angegeben. Der psychiatrische Gutachter legte dar, im Vordergrund des
Beschwerdeerlebens stünden für die Beschwerdeführerin Schmerzen am
Bewegungsapparat. Diese hätten durchaus einen organmedizinischen Hintergrund.
Darüber hinaus sei bei deutlichen psychologischen Belastungsfaktoren
(Arbeitslosigkeit, finanzielle Situation, in der Vergangenheit Konflikte zwischen ihrem
Partner und ihren Kindern) aber auch von einer psychogenen Überlagerung
auszugehen. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) liege nicht
vor, da es an emotionalen Konflikten und/oder psychosozialen Belastungsfaktoren
fehle, die sowohl für die Entstehung als auch den Verlauf die Hauptursache darstellten.
Eine psychogene Schmerzüberlagerung unterhalb des Schweregrades einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) entspreche hier am
ehesten der Diagnose Psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts
klassifizierten Krankheiten (ICD-10: F54). Weiter diagnostizierte der psychiatrische
Experte einen sich auf die Arbeitsfähigkeit nicht auswirkenden gefährlichen Gebrauch
von Alkohol (ICD-10: F10.81; IV-act. 98-55 ff.).
2.5.
Die Beschwerdeführerin beschrieb als vorherrschende Beschwerden vor allem in
wechselnder Intensität auftretende Schmerzen in den Gelenken (v.a. Handgelenke,
Fussgelenke, Knie), im Schulter-Nackenbereich und im lumbalen Rücken (IV-
act. 98-27, 48). Soweit sie fibromyalgietypische Beschwerden aufweist – chronische
Müdigkeit, generalisierte Tendomyopathie mit chronischen Muskelschmerzen
(vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl., Berlin 2017, S. 578 f.) – sind
diese nicht dominierend. Die von Dr. R._ aufgeführte Diagnostik (WPI und SSSc)
beruht zudem massgeblich auf subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin. Insoweit
2.6.
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erscheint die diagnostische Erfassung der psychosomatischen Beschwerden als
"Schmerzstörung" im weiteren Sinne plausibel. Ebenfalls nachvollziehbar ist, dass
keine somatoforme Schmerzstörung vorliegt, die diagnoseinhärent einen hohen
funktionellen Schweregrad aufweist. Schliesslich attestiert Dr. R._ aufgrund der
Diagnose keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, obwohl sie darauf hinweist, dass
der behandelnde Rheumatologe Dr. K._ sich darauf beschränke, die
Arbeitsunfähigkeit anzupassen. Zusammenfassend sind die organisch nicht erklärbaren
Schmerzen demnach durch die psychiatrische Beurteilung vollumfänglich erfasst.
Die Einschränkungen somatischer und psychosomatischer Natur sind – wie
dargelegt – nicht schwergradig. Dies ergibt sich aus der bundesgerichtlich verlangten
Prüfung der Standardindikatoren. Gemäss dem psychiatrischen Gutachten sind
Auffassung, Konzentration und kognitive Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt (IV-
act. 98-52). In der rund vier Monate nach der Begutachtung erhobenen Anamnese von
Dr. R._ werden ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und fehlende
Belastbarkeit angegeben (IV-act. 113-1). Dies deckt sich jedoch nicht mit der
gutachterlichen Anamneseerhebung, weshalb anzunehmen ist, dass es sich um
subjektive, nicht als längerdauernd ausgewiesene Beschwerden handelt. Die
Beschwerdeführerin erlebte viele sehr belastende lebensgeschichtliche Ereignisse
(Alkoholproblem des Vaters, mehrere schwere Krankheitsfälle im familiären Umfeld und
Freundeskreis), welche nach ihren Angaben jeweils zu depressiven Einbrüchen geführt
hätten (Bericht Klinik Valens vom 31. Oktober 2016, IV-act. 9; IV-act. 98-29; IV-
act. 98-48 f., 50). Es werden gute familiäre und weniger intensive Kontakte zu einigen
Kolleginnen berichtet (IV-act. 98-50). Die Persönlichkeit wird als leicht unsicher im
Sinne einer Persönlichkeitsvariante beschrieben (IV-act. 98-52 f., 56). Als Aktivitäten
nennt die Beschwerdeführerin leichte Hausarbeit, lange Spaziergänge mit ihrem
Partner, Gesellschaftsspiele, Rätsel und Fernsehen (IV-act. 98-29, 51). Als Ressourcen
werden ein stabiler familiärer Hintergrund und langjährige berufliche Erfahrungen
erwähnt (IV-act. 98-57). Belastend wirkten der fehlende Arbeitsplatz und die schwierige
finanzielle Situation (IV-act. 98-57), wobei sie gemäss ihren eigenen Angaben von ihrem
langjährigen Lebenspartner unterstützt wird (IV-act. 81-4). Die Beschwerdeführerin
macht eine Shiatsu-Therapie, zweimal wöchentlich medizinische Trainingstherapie, hat
alle drei bis vier Wochen eine psychotherapeutische Konsultation und alle fünf bis
sechs Wochen einen Termin beim Rheumatologen (IV-act. 29 f., 51). Zur Konsistenz
führen die Gutachter aus, die Beschwerdeführerin fühle sich lediglich zu einer Tätigkeit
im Rahmen von 30 % in der Lage, was diskrepant sei zum Aktivitätsniveau im Freizeit-
und Haushaltsbereich. Sie gebe an, den Haushalt grösstenteils selbst zu versorgen und
mehrere Stunden spazieren zu gehen. Anhand der objektivierbaren Befunde seien die
2.7.
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geklagten Beschwerden nur zu einem kleinen Teil nachvollziehbar, jedoch hätten keine
Hinweise auf Verdeutlichungstendenzen oder Aggravation bestanden (IV-act. 98-9).
Die massgebenden Indikatoren wurden im Gutachten damit erörtert und der
Vorwurf der Beschwerdeführerin folglich entkräftet. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin fand auch die von ihr eingenommene Medikation Eingang ins
Gutachten (IV-act. 98-49). Der Spiegel des Antidepressivums Duloxetin lag im
Referenzbereich (IV-act. 98-53). Auch der Einwand der Beschwerdeführerin, dass sich
der Gutachter ausführlich mit dem angeblich gefährlichen Gebrauch von Alkohol
beschäftigt anstatt mit der Schmerzproblematik, verfängt nicht. Wie der RAD-Arzt in
seiner Stellungnahme vom 5. August 2019 korrekterweise festhält, war es die Pflicht
des Gutachters, sich auch mit den Alkoholkonsumgewohnheiten der
Beschwerdeführerin auseinanderzusetzen und damit die Anamnese vollständig zu
erheben (IV-act. 115). Der gefährliche Gebrauch von Alkohol ist vorliegend nicht
relevant in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit (Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit; IV-act. 98-55) und die Thematik wurde deshalb lediglich kurz
abgehandelt. Die Beschwerdeführerin scheint aber in diesem Zusammenhang zu
übersehen, dass Alkohol depressive Symptome induzieren und/oder verstärken kann
(IV-act. 98-56), weshalb der Gutachter diesen Befund zu Recht erhoben hat. Im
Übrigen entspricht die vom psychiatrischen Gutachter attestierte volle Arbeitsfähigkeit
auch der Einschätzung des zuletzt behandelnden Psychiaters Dr. E._ (Arztbericht
vom 25. August 2018; IV-act. 88), da die rezidivierende depressive Störung zu dieser
Zeit remittiert war. Demnach besteht im psychiatrischen Bereich keine Diskrepanz in
der Arbeitsfähigkeitsschätzung.
2.8.
Weiter verweist die Beschwerdeführerin auf einen Bericht von Dr. med. Q._,
Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, vom 19. Juni 2019, gemäss welchem sie
an eine Prurigo simplex subacuta leidet (IV-act. 111-4; act. G 6.1). Diese
Hauterkrankung wirkt sich allerdings unter optimaler Behandlung nicht auf die
Arbeitsfähigkeit aus (Rückfrage des RAD-Arztes an die Behandlerin; IV-act. 114, sowie
Stellungnahme des RAD-Arztes vom 5. August 2019; IV-act. 115).
2.9.
Zusammenfassend erfüllt das bidisziplinäre Gutachten vom 20. März 2019 die
rechtlichen Anforderungen, insbesondere auch hinsichtlich des strukturierten
Beweisverfahrens. Es ist somit mit den Gutachtern davon auszugehen, dass seit
Dezember 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und
seit September 2017 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten vorliegt
(IV-act. 98-9).
2.10.
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3.
An dieser Einschätzung vermag auch der Einwand der Beschwerdeführerin nichts
zu ändern, wonach ein Widerspruch vorliege, wenn die bisherige Tätigkeit als
Gastronomiemitarbeiterin ihr nicht mehr möglich sei, sie aber im Haushalt nicht
eingeschränkt sein soll. Denn die Tätigkeit als Gastronomiemitarbeitern sei der
Haushaltstätigkeit nicht unähnlich. Dabei verkennt die Beschwerdeführerin, dass sie im
Haushalt ihre Zeit frei einteilen und ihr Aktivitätsniveau selbst bestimmen kann – ganz
im Gegensatz zu ihrer bisherigen Tätigkeit als Gastronomiemitarbeiterin, bei welcher
sie beispielsweise Kunden nicht hätte warten lassen können und zeitliche Vorgaben zu
erfüllen hatte. Im Übrigen ist sie auf den Grundsatz hinzuweisen, dass einer
versicherten Person im Rahmen der Schadenminderungspflicht Massnahmen
zuzumuten sind, die ein vernünftiger Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde,
wenn er keinerlei Entschädigung zu erwarten hätte. Für die im Haushalt tätigen
Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die
Auswirkungen der Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen
eine möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltarbeiten
ermöglichen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse
Haushaltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so
muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von
Familienangehörigen in Anspruch nehmen (BGE 133 V 504 E. 4.2, Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Januar 2020, 8C_748/2019, E. 5.3). Tatsächlich scheint die
Beschwerdeführerin bereits solche Massnahmen ergriffen zu haben, so teilt sie
beispielsweise das Staubsaugen in Etappen auf und hat sich für die Erledigung der
Einkäufe einen Einkaufswagen angeschafft. Für die Fensterreinigung kann sie auf die
Unterstützung ihrer Schwester zählen und Getränke befördert ihr Lebenspartner in die
Wohnung (IV-act. 81-6). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin schränken die
beispielsweise beim Staubsaugen eingelegten Pausen die Arbeitsfähigkeit allerdings
nicht ein, sondern sind durch die freie Zeiteinteilung der Haushaltstätigkeiten zu
kompensieren.
2.11.
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 10. November 2016 zum Leistungsbezug
an, womit ein allfälliger Rentenanspruch frühestens ab 1. Mai 2017 besteht (Art. 29
Abs. 1 und 3 IVG). Unbestritten ist die Qualifikation der Beschwerdeführerin als
Teilerwerbstätige. Sie wäre zu 58 % im Erwerb und zu 42 % im Haushalt tätig (IV-act.
81-4).
3.1.
Gemäss Angaben der Arbeitgeberin hätte die Beschwerdeführerin ab 1. Januar
2016 ein Einkommen von 13 x Fr. 2'425.-- (= Fr. 31'525.--) erzielt (IV-act. 10-7, 15). Das
3.2.
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Pensum von 25 Stunden bei einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 43 Stunden (IV-
act. 10-3) entspricht rund 60 %. Aufgerechnet auf ein Pensum von 100 % ergibt sich
ein Jahreseinkommen von Fr. 52'542.--. Für die Bemessung des Invalideneinkommens
ist vom Tabellenlohn gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für
Statistik (BFS), Kompetenzniveau 1, Frauen, 2016 auszugehen, der Fr. 54'581.--
beträgt (Informationsstelle AHV/IV, IV 2019, 10. Aufl., Bern 2019, Anhang 2). Die
Beschwerdegegnerin passte im Einkommensvergleich das Invalideneinkommen zu
Recht ans leicht unterdurchschnittliche Valideneinkommen an (IV-act. 100).
Grundsätzlich kann damit ein sogenannter Prozentvergleich vorgenommen werden. Ein
solcher bietet sich an, wenn Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom
gleichen Tabellenlohn berechnet werden können. Deren genaue Ermittlung erübrigt
sich: Der Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, dies unter
Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1 mit Hinweisen). Der Beschwerdegegnerin ist
zuzustimmen, dass die im Gutachten aufgeführten Adaptionskriterien – körperlich
leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen der Halswirbelsäule und
ohne häufige Überkopfarbeiten (IV-act. 98-38) sowie gut strukturierte Tätigkeiten ohne
erhöhte Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit und ohne besonderen
Zeitdruck (IV-act. 98-57) – den von der Beschwerdeführerin geforderten Leidensabzug
nicht zu begründen vermögen, da der Tabellenlohn eine Vielzahl von leichten
Tätigkeiten, welche das vorliegend umschriebene Belastungsprofil berücksichtigen,
umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 19. September 2019, 8C_82/2019, E. 6.3.2).
Allerdings muss darauf auch nicht weiter eingegangen werden, da die
Beschwerdeführerin bei der gutachterlich attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit selbst beim Höchstabzug von 25 % vom
Invalideneinkommen nicht einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad erreichen würde
(Teil-Invaliditätsgrad im Erwerb: 25 % x 58 % = 14,5 %). Im Haushalt übernahm die
Abklärungsperson die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Einschränkung
von 36 %, hielt jedoch fest, es sei im Rahmen einer medizinischen Expertise zu prüfen,
ob dies medizinisch plausibel sei (Abklärungsbericht vom 31. Mai 2018, IV-act. 81-10).
Die Gutachter sahen im Haushalt keine objektivierbaren Einschränkungen (IV-
act. 98-10). In Anbetracht der Adaptionskriterien sowie der in E. 2.9 erwähnten
Schadenminderungspflicht erscheint dies nachvollziehbar. Hingegen würde auch unter
Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Einschränkung
im Haushalt von 36 % gewichtet mit dem Anteil im Haushalt von 42 % kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad (Teil-Invaliditätsgrad Haushalt von 15 %)
entstehen. Folglich verneinte die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Rentenanspruch.
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4.