Decision ID: ba8959e7-77d8-5dac-80ce-96dc107a6d6d
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
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A./ H. L., geboren 1965, wohnhaft in U., Staatsangehörige der Volksrepublik China, und
A. V., geboren 1946, Schweizer Bürger, heirateten am 24. Juli 2003 in Guiyang
(Volksrepublik China). H. L. hat aus einer früheren Ehe eine Tochter, Y. Y., geboren am
1991. Anfang August 2003 ersuchte H. L. um Erteilung von Visa für sich und ihre
Tochter. Das Ausländeramt ermächtigte am 12. Februar 2004 die Schweizer Vertretung
in China, H. L. ein Visum zu erteilen. Am 18. Februar 2004 ersuchte A. V. um Erteilung
von Aufenthaltsbewilligungen für seine Ehefrau und deren Tochter. Am 20. April 2004
reiste H. L. ohne ihre Tochter in die Schweiz ein. Gestützt auf die Ehe erteilte ihr das
Ausländeramt am 8. Juni 2004 eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim
Ehemann.
B./ Mit Verfügung vom 12. November 2004 wies das Ausländeramt das Gesuch um
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung für Y. Y. ab. Zur Begründung wurde im
wesentlichen vorgebracht, Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte
und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK) gewähre keinen absoluten Anspruch
auf Familiennachzug. H. L. verfüge lediglich über eine Jahresaufenthaltsbewilligung,
welche nicht als gefestigtes Anwesenheitsrecht gelte. Gestützt auf Art. 39 der
eidgenössischen Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR 823.21,
abgekürzt BVO) und in Anwendung der Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für
Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) müsste die nicht erwerbstätige H. L. für den
Familiennachzug ihrer Tochter über ein Nettoerwerbseinkommen von Fr. 4'137.70
verfügen. Auch ihr Ehemann, A. V., verfüge mit der IV-Rente und dem
Zusatzeinkommen aus seiner Tätigkeit bei der Firma B. (CH) GmbH, in U., nicht über
das für den Unterhalt der Familie erforderliche Einkommen. Bei einem Zuzug von Y. Y.
bestehe somit die Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit.
C./ Gegen diese Verfügung erhob H. L. durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom
25. November 2004 Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement und beantragte, die
Verfügung vom 12. November 2004 sei aufzuheben und das Gesuch um
Familiennachzug gutzuheissen, eventualiter sei das Gesuch zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung machte sie im wesentlichen geltend, ihr
Ehemann habe im Jahr 2004 aus seiner Tätigkeit bei der B. (CH) GmbH bereits ein
Einkommen von Fr. 12'000.-- erzielt. Als Geschäftsführer könne er jederzeit mehr
Geldmittel aus der Firma beziehen. Dies habe sich jedoch aufgrund seines bisherigen
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Lebensstandards nicht aufgedrängt. Zusammen mit ihrem Ehemann sei sie in der Lage,
für das Kind zu sorgen. Eine konkrete Gefahr für fortgesetzte und erhebliche
Fürsorgeabhängigkeit bestehe nicht. Weder die geltend gemachten familiären
Umstände wie der Vorrang der familiären Beziehung noch ihre Chancen für eine
Berufstätigkeit seien gewürdigt worden. Der beantragte Beweis betreffend
Integrationsbemühungen (Amtsbericht der regionalen Beratungsstelle) sei ebenso
wenig eingeholt worden wie der beantragte Amtsbericht der Schweizer Vertretung in
China bezüglich der Tochter in China. Im Heimatland bestünden keine alternativen
Betreuungsmöglichkeiten, die dem Kindeswohl besser entsprächen. Mit der
Nichtzulassung des Kindes werde die Entfremdung gefördert und eine Spaltung der
Familie herbeigeführt.
Mit Entscheid vom 18. April 2005 wies das Justiz- und Polizeidepartement den Rekurs
ab. Zur Begründung führte es im wesentlichen aus, dass das Einkommen der
Ehegatten nicht ausreiche, um einen angemessenen Unterhalt der Familie
sicherzustellen. Weil das vom Ehemann geführte Unternehmen für das Geschäftsjahr
2004 einen Verlust ausweise, könne der Ehemann den Unterhalt seiner Familie auch
nicht wie geltend gemacht aus dem geschäftlichen Gewinn finanzieren. Dies gelte
umso mehr, als bei der Berechnung des Existenzminimums die finanziellen
Aufwendungen für Selbstbehalte und Franchisen, Zahnarztkosten, Steuern, Urlaub und
Erholung, Hausrat- und Haftpflichtversicherung sowie die Kosten für die von der
Rekurrentin besuchte Sprachschule noch nicht berücksichtigt worden seien. Es
bestehe deshalb eine konkrete Gefahr der erheblichen Sozialhilfeabhängigkeit. Zudem
sei die Verweigerung des Familiennachzugs nach den gesamten Umständen
verhältnismässig. Die Rekurrentin habe bis zu ihrer Einreise in die Schweiz in China
gelebt, weshalb ihr eine Rückkehr zuzumuten sei. Die Eheleute hätten in Anbetracht
ihrer finanziellen Verhältnisse nicht mit einer Familienzusammenführung rechnen
dürfen. Auch wenn die Trennung Mutter und Kind belaste, bestehe die Gefahr einer
fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit, weshalb das öffentliche Interesse
an einer Verweigerung des Familiennachzugs das private Interesse an einer
Familienzusammenführung überwiege.
D./ Mit Eingaben vom 2. und 30. Mai 2005 erhob H. L. durch ihren Rechtsvertreter
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragt, der Entscheid der Vorinstanz
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vom 18. April 2005 sei aufzuheben und ihr Gesuch gutzuheissen, eventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Justiz- und Polizeidepartement beantragt in seiner Vernehmlassung die Abweisung
der Beschwerde unter Kostenfolgen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Eingaben vom 2. und 30. Mai 2005
entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs.
1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde
ist einzutreten.
2./ Vorab macht die Beschwerdeführerin geltend, die Vorinstanzen hätten es abgelehnt,
die beantragten Beweise über die vorrangigen Aspekte der familiären Beziehung und
die finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes
abzunehmen. Damit hätten die Instanzen ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
a) Im Verwaltungsverfahren gilt grundsätzlich die Untersuchungsmaxime. Die
Verwaltungsbehörden haben den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen
richtig und vollständig zu ermitteln und die Beweise zu erheben. Dieser Grundsatz gilt
nicht nur für die Verwaltungsbehörden, sondern auch im Verwaltungsjustizverfahren
(vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 589 mit Hinweis). Es sind indessen lediglich die von den Beteiligten angebotenen
und leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsachen abzunehmen, wenn zur
Wahrung des öffentlichen Interesses keine besonderen Erhebungen notwendig sind
(Art. 12 Abs. 2 sowie Art. 50 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 VRP). Die
Untersuchungsmaxime wird sodann durch die Mitwirkungspflicht der Parteien
relativiert. Diese greift namentlich dann, wenn eine Partei ein Verfahren durch eigenes
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Begehren einleitet oder darin eigene Rechte geltend macht, und insbesondere für
Tatsachen, die eine Partei besser kennt als die Behörde und welche diese ohne ihre
Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben kann (vgl. Häfelin/
Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Zürich 2002, Rz. 1630; BGE 124 II 365).
Sind die durch den Untersuchungsgrundsatz gebotenen Beweise erhoben worden,
erfolgt die Beweiswürdigung. Ziel ist die Feststellung des im Streitfall relevanten
Sachverhalts. Das Verwaltungsverfahren ist bestimmt vom Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Dies bedeutet nicht, dass die entscheidende Instanz völlig frei wäre
in der Festlegung des Sachverhalts oder diesen gar willkürlich festlegen dürfte. Der
Entscheid darüber, ob sich der Sachverhalt so oder anders zugetragen hat, ist vielmehr
auf vernünftige, nachvollziehbare Gründe abzustützen. Freie Beweiswürdigung
bedeutet sodann, dass die Bewertung der einzelnen Beweismittel nicht starren Regeln
folgt. Die Gewichtung der einzelnen Beweismittel soll sich aus ihrer inneren Qualität,
d.h. aus der anzunehmenden Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, ergeben und nicht
durch deren äussere Eigenart (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 616 mit Hinweisen).
Im Rahmen des rechtlichen Gehörs steht den Betroffenen grundsätzlich das Recht zu,
Beweisanträge zu stellen, verbunden mit dem Anspruch, dass die beantragten Beweise
auch abgenommen werden, es sei denn, diese betreffen nicht den erheblichen
Sachverhalt, sie seien offensichtlich nicht geeignet, über die streitige Tatsache Beweis
zu erbringen, der Richter habe aufgrund der abgenommenen Beweise seine
Überzeugung bereits gebildet oder wenn von vornherein gewiss ist, dass der
angebotene Beweis keine Klärung herbeizuführen vermag (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 988 mit Hinweisen).
b) Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Vorinstanzen hätten es abgelehnt, die von ihr
beantragten Beweise abzunehmen. So hätten insbesondere der Amtsbericht der
regionalen Beratungsstelle betreffend ihre Integrationsbemühungen und
Arbeitsfähigkeit sowie ein Bericht der Schweizer Vertretung in China betreffend die
Frage der alternativen Betreuungsmöglichkeiten der Tochter beigezogen werden
müssen. Ersterer hätte, gemäss Auffassung der Beschwerdeführerin, deshalb eingeholt
werden müssen, weil der Bericht detaillierteren Aufschluss über die finanzielle Situation
der Eheleute zugelassen hätte. Nun bedeutet aber der Umstand, dass die
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Beschwerdeführerin einen Sprachkurs besucht, sich um Integration bemüht und
arbeitswillig ist, nicht, dass sie konkret Aussichten auf eine Erwerbstätigkeit und somit
auf ein regelmässiges Einkommen hat. Bestünde eine derartige konkrete Aussicht auf
eine Erwerbstätigkeit, so wäre es der Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer oben
beschriebenen Mitwirkungspflichten sowie des für sie leichteren Zugangs zu solchen
Beweisen zuzumuten, entsprechende Dokumente wie bspw. einen Arbeitsvertrag oder
eine schriftliche Zusage des zukünftigen Arbeitgebers mit Angaben über Gehalt sowie
Art und Umfang der Tätigkeit beizubringen. Die Vorinstanz hat das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführerin nicht verletzt, indem sie auf die Einholung eines Amtsberichts bei
der regionalen Beratungsstelle verzichtet hat, und auch im Verfahren vor
Verwaltungsgericht erübrigen sich entsprechende Erhebungen.
Im weiteren konnte und kann auch auf die Einholung des beantragten Berichts der
Schweizer Vertretung in China zu alternativen Betreuungsmöglichkeiten verzichtet
werden. Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich lediglich vor, dass die
Unterbringung ihrer Tochter bei der Familie L. B. in Guiyang nicht ideal sei, weil ihre
Tochter durch den Umzug in einen anderen Bezirk aus ihrem vertrauten Umfeld
herausgerissen worden sei. Andere Gründe, die gegen die Unterbringung bei der
Familie L. B. sprechen würden, werden nicht geltend gemacht. Unter diesen
Umständen ist nicht ersichtlich, worüber mit dem beantragten Bericht Klarheit
geschaffen werden soll. Im übrigen ist die Vorinstanz bei ihrem Entscheid auch ohne
Abnahme der beantragten Beweismittel mit der Beschwerdeführerin davon
ausgegangen, dass eine vorrangige Mutter-Tochter-Beziehung besteht.
c) Zusammenfassend steht somit fest, dass sich der Einwand der Gehörsverletzung als
unbegründet erweist.
3./ In materiellrechtlicher Hinsicht ist die Rechtmässigkeit der Abweisung des
Nachzugsgesuchs zu prüfen.
a) aa) Nach Art. 17 Abs. 2 Satz 3 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) haben ledige Kinder von
Ausländern, die in der Schweiz niedergelassen sind, Anspruch auf Einbezug in die
Niederlassungsbewilligung ihrer Eltern, wenn sie mit diesen zusammenwohnen und
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noch nicht achtzehn Jahre alt sind. Zweck des Familiennachzugs ist es, das familiäre
Zusammenleben zu ermöglichen. Verlangt wird ausdrücklich, dass die Kinder mit ihren
Eltern (Plural) zusammenwohnen werden. Die Nachzugsregelung ist somit auf Familien
zugeschnitten, bei denen die (leiblichen) Eltern einen gemeinsamen Haushalt führen
(vgl. BGE 129 II 14). Unterschieden wird deshalb zwischen zusammenlebenden und
getrennt lebenden Eltern. Hält sich der eine Elternteil in der Schweiz, der andere aber
im Ausland auf, kann es nicht um die Zusammenführung einer Gesamtfamilie gehen. In
solchen Fällen entspricht es dem Gesetzestext nicht, einen bedingungslosen Anspruch
auf Nachzug der Kinder anzunehmen (vgl. BGE 129 II 15 mit Hinweis auf BGE 125 II
586). Ein Nachzugsrecht setzt in diesem Fall voraus, dass eine vorrangige Bindung des
Kindes zum in der Schweiz lebenden Elternteil nachgewiesen ist und besonders
stichhaltige familiäre Gründe, zum Beispiel die Änderung der Betreuungsmöglichkeiten,
dieses Vorgehen rechtfertigen (vgl. BGE 129 II 15 mit Hinweis auf BGE 126 II 329 E. 2a
und 3b). Ferner hat das Bundesgericht darauf hingewiesen, dass es nicht genügt, dass
im Verhältnis zwischen Kindern und ihren Eltern eine vorrangige Beziehung der Kinder
zum in der Schweiz wohnenden Elternteil besteht; die Bewilligung des
Familiennachzugs setzt zusätzlich voraus, dass er sich zu deren Pflege notwendig
erweisen muss (vgl. BGE 125 II 588 f. mit Hinweisen). Die Verweigerung einer
Bewilligung lässt sich jedenfalls dann nicht beanstanden, wenn die Familientrennung
freiwillig herbeigeführt worden ist, für die Änderung der bisherigen Verhältnisse keine
überwiegenden familiären Interessen bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als
zwingend erweist und die Fortführung und Pflege der bisherigen familiären
Beziehungen nicht behördlich verhindert wird (vgl. BGE 129 II 15 mit Hinweis auf BGE
124 II 366 f.). Die Bewilligung des Nachzugs liegt also im Ermessen der zuständigen
Behörde (Art. 4 ANAG in Verbindung mit Art. 38 und 39 BVO).
bb) Dieses behördliche Ermessen wird dann eingeschränkt, wenn ein Anspruch auf
Familiennachzug aus Art. 8 EMRK abgeleitet werden kann: Verfügt der in der Schweiz
wohnhafte Familienangehörige über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht (d.h.
wenigstens einen festen Rechtsanspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung) und liegt eine
intakte und tatsächlich gelebte Beziehung zu nahen Verwandten vor, so kann die
Verweigerung der Einreise oder des Aufenthalts bzw. die Wegweisung einen Eingriff in
das Familienleben darstellen, wenn die Rechtfertigungsvoraussetzungen von Art. 8 Ziff.
2 EMRK nicht erfüllt sind (BGE 125 II 639 f.). Finanzielle Bedenken unter dem
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Gesichtspunkt von Art. 4 ANAG in Verbindung mit Art. 38 und 39 Abs. 1 lit. c BVO
genügen nicht für die Abweisung eines Gesuchs um Familiennachzug gestützt auf Art.
8 EMRK. Vielmehr muss konkret die Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen
Fürsorgeabhängigkeit gegeben sein (BGE 125 II 641 mit Hinweisen).
cc) Das Verwaltungsgericht übt lediglich eine Rechtskontrolle aus (Art. 61 Abs. 1 und 2
VRP). Im Streitfall kann somit nur geprüft werden, ob die Verwaltung ihr Ermessen
überschritten oder missbraucht hat und damit rechtswidrig handelte, als sie die
Bewilligung des Familiennachzugs verweigerte. Das Verwaltungsgericht hat den
Ermessensspielraum der Verwaltung zu respektieren, wenn diese bei ihrem Entscheid
von sachlichen und vernünftigen Überlegungen ausging, die im Einklang mit Sinn und
Zweck des Gesetzes stehen (vgl. GVP 1998 Nr. 22 und 1996 Nr. 9 mit Hinweisen).
b) aa) Die Vorinstanz geht zutreffend davon aus, dass vorliegend die Mutter-Kind-
Beziehung vorrangig und deshalb im Grundsatz ein Rechtsanspruch auf
Familiennachzug gestützt auf Art. 8 EMRK gegeben ist. Aufgrund des ermittelten
Finanzierungsbedarfs für den Unterhalt und der effektiv vorhandenen Mittel kommt sie
jedoch zum Schluss, dass eine konkrete Gefahr einer erheblichen und fortgesetzten
Fürsorgeabhängigkeit bestehe.
bb) Der finanzielle Bedarf der Beschwerdeführerin, ihres Ehemannes und ihrer Tochter
wurde anhand der SKOS-Richtlinien ermittelt, wobei ein Betrag von Fr. 4'137.70
resultierte. Die Berechnung der nötigen finanziellen Mittel anhand der SKOS-Richtlinien
setzt sich aus einem Fixbetrag und individuell-variablen Beträgen wie Mietzins,
Kreditschulden, Steuern etc. zusammen, wobei von einer gewissen Schematisierung
ausgegangen wird (vgl. Zanga/Guhl, Familiennachzug ausländischer Personen in die
Schweiz mit Berücksichtigung der Praxis im Kanton St. Gallen, in: AJP 2001 S. 6). Bei
diesen Richtlinien handelt es sich zwar lediglich um Empfehlungen, doch werden sie in
der Praxis für die Ausrichtung von Fürsorgeleistungen herangezogen. Deshalb sind sie
auch ein taugliches Mittel, um als Berechnungsgrundlage beim Familiennachzug für die
Beurteilung der genügenden finanziellen Mittel für den Lebensunterhalt der Familie
nach Art. 39 Abs. 1 lit. c BVO zu dienen (vgl. Klaus, Familiennachzug im
Ausländerrecht, in: Schiess Rütimann [Hrsg.], Schweizerisches Ausländerrecht in
Bewegung?, Zürich 2003, S. 82 mit weiteren Hinweisen). Damit kann auch auf die
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Einholung des von der Beschwerdeführerin als Beweis beantragten Amtsberichts der
Gemeinde U. zur Frage der finanziellen Bedürftigkeit der Familie verzichtet werden.
cc) Die Beschwerdeführerin selbst erzielt kein Einkommen und hat nach wie vor keine
konkreten und absehbaren Aussichten auf eine Erwerbstätigkeit. Auf die im Verfahren
vor Verwaltungsgericht in diesem Zusammenhang beantragte Zeugeneinvernahme von
R. R. ist zu verzichten, da auch seitens der R.'s Hausbäckerei AG, .
unbestrittenermassen kein konkretes Stellenangebot an die Beschwerdeführerin
vorliegt. Der Ehemann der Beschwerdeführerin bezieht monatlich eine Invaliditätsrente
von Fr. 2'009.--. Bis vor kurzem erzielte er aus seiner Tätigkeit bei der B. (CH) GmbH
zudem ein jährliches Einkommen zwischen Fr. 6'000.-- und 12'000.--. Zusammen mit
der Invaliditätsrente ergibt sich damit bestenfalls ein monatliches Einkommen der
Eheleute von Fr. 3'009.--. Somit resultiert ein durchschnittlicher Fehlbetrag von
mindestens Fr. 1'000.-- pro Monat. Der Einwand der Beschwerdeführerin, dass es
ihrem Ehemann als Geschäftsführer und Gesellschafter der B. (CH) GmbH möglich sei,
wesentlich mehr finanzielle Mittel aus dieser Gesellschaft zu ziehen, erweist sich als
nicht stichhaltig. So kann dem Handelsregister entnommen werden, dass die B. (CH)
GmbH mit Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 6. Juli 2005 aufgelöst
worden ist. Mithin steht der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann nur gerade noch
die Invalidenrente in Höhe von Fr. 2'009.-- zur Bestreitung des Lebensunterhalts zur
Verfügung, und der Fehlbetrag bei einem Nachzug der Tochter würde sich gar auf rund
Fr. 2'000.-- belaufen. Die Hinweise der Beschwerdeführerin auf die teilweise
geschäftsmässige Nutzung der Wohnung und Massnahmen zur Steueroptimierung sind
hinfällig. Auf Grund der gegenwärtigen Verhältnisse ist mit der Vorinstanz davon
auszugehen, dass der Nachzug der Tochter der Beschwerdeführerin finanziell nicht nur
bedenklich wäre, sondern die konkrete Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen
Fürsorgeabhängigkeit der Familie mit sich bringen würde. Dies rechtfertigt
entsprechend der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Abweisung
des Gesuchs um Familiennachzug ungeachtet des Anspruchs aus Art. 8 EMRK.
dd) Zu prüfen ist schliesslich die Verhältnismässigkeit der Verweigerung des
Familiennachzugs. Dabei fällt zunächst in Betracht, dass die Beschwerdeführerin ihre
Tochter im Heimatland zurückgelassen hat, ohne dass sie aufgrund ihrer finanziellen
Situation davon ausgehen konnte, dass der Nachzug der Tochter gewährt werden
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würde. Im weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Tochter gegenwärtig bei einer
Pflegefamilie in ihrer Heimatstadt untergebracht ist. Gegen diese Betreuungslösung
wird lediglich eingewendet, dass die Tochter durch den Umzug in einen anderen Bezirk
aus ihrem vertrauten Umfeld herausgerissen worden sei. Diesem Vorbringen ist
entgegenzuhalten, dass sich die Tochter nach mehr als einem Jahr in ihrem neuen
Umfeld eingelebt haben dürfte. Eine Umsiedelung in die Schweiz würde für Y. Y. einen
eigentlichen Kulturwechsel bedeuten, der ungleich schwerer zu verkraften wäre als der
Umzug innerhalb der gleichen Stadt. Wesentlich ist sodann, dass seitens der
Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht wird, die Tochter werde in ihrer
Pflegefamilie nicht angemessen betreut oder eine weitere Betreuung sei nicht mehr
möglich. Unter diesen Umständen erweist sich die Verweigerung des Nachzugs für Y.
Y. als verhältnismässig, auch wenn nicht in Abrede gestellt wird, dass die Trennung für
Mutter und Tochter belastend ist.
c) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass in der Verweigerung des
Familiennachzugs keine Rechtsverletzung erblickt werden kann. Bei einem Nachzug
bestünde die Gefahr der erheblichen Fürsorgeabhängigkeit, und der Verbleib der
Tochter in China erweist sich als verhältnismässig. Die Beschwerde ist als unbegründet
abzuweisen.
4./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht