Decision ID: 155bd55e-83bb-4302-8c60-356011d93cc4
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a D._, Jahrgang 1967, meldete sich im Februar 2004 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an. Sie machte geltend, an Rückenproblemen mit
Auswirkungen auf die Beine und einem Erschöpfungszustand zu leiden (IV-act. 1). Vom
7. bis 27. Januar 2004 hielt sich die Versicherte stationär in der Klinik Valens auf. Im
Austrittsbericht vom 16. Februar 2004 finden sich die Diagnosen des
lumbovertebrogenen bis lumbospondylogenen rechtsseitigen Schmerzsyndroms mit
beginnender Osteochondrose Diskus Höhe LWK5/S1 und der Migräne.
Wechselbelastende Arbeit mit Hantieren von Lasten bis maximal zehn Kilogramm
(selten) sollte zu mindestens 50% möglich sein. Damit sollte die Versicherte die von ihr
ausgeführte Arbeit in einem Restaurant im bisherigen Pensum von 25% bewältigen
können (IV-act. 7-6). Dr. med. A._, Fachärztin FMH für Allgemeine Medizin und Innere
Medizin, stellte in ihrem Arztbericht vom 19. Februar 2004 zusätzlich zu den Diagnosen
des Lumbovertebralsyndroms und der Migräne jene der Depression. Betreffend
Arbeitsfähigkeitsschätzung verwies sie auf den Bericht der Klinik Valens (IV-act. 7-1 bis
7-4). Dr. med. B._, Oberarzt Rheumatologie der Klinik Valens, und Dr. med. E._,
Abteilungsärztin, bestätigten den Austrittsbericht am 8. März 2004 (IV-act. 10).
A.b Am 23. November 2004 führte die IV-Stelle eine Haushaltabklärung bei der
Versicherten durch. Gemäss Abklärungsbericht vom 18. Januar 2005 würde die
Versicherte seit mindestens zwei Jahren aus finanzieller Notwendigkeit einer vollen
Erwerbstätigkeit nachgehen (IV-act. 25-9). Dr. med. C._, Facharzt FMH für Innere
Medizin, hielt in seinem Arztbericht vom 28. Dezember 2004 fest, mit den Aussagen
gemäss Austrittsbericht der Klinik Valens vom 16. Februar 2004 übereinzustimmen (IV-
act. 23-1 bis 23-4). Nach Rücksprache mit dem zuständigen Arzt des IV-internen
Regionalen Ärztlichen Diensts (RAD) gab die IV-Stelle bei der Ärztlichen
Begutachtungsinstitut GmbH Basel (ABI) eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag.
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Das Gutachten vom 15. Februar 2006 nennt keine Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss seien insbesondere ein chronisches, unspezifisches
multilokuläres Schmerzsyndrom, eine chronische rechtsbetonte Zervikobrachialgie mit
zervikozephalem Schmerzsyndrom, ein chronisches, unspezifisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom rechtsbetont und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. In
der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in einem Hotelbetrieb sei die Beschwerdeführerin voll
arbeitsfähig. Zu vermeiden sei jedoch eine fixierte Arbeitsposition, wechselbelastende
Arbeit sei vorzuziehen. Das repetitive Heben und Tragen von Lasten über zehn
Kilogramm sei zu vermeiden. Auch Arbeiten mit der Notwendigkeit von repetitiven
Überkopftätigkeiten würden nicht als sinnvoll erscheinen (IV-act. 36).
A.c Die IV-Stelle verfügte am 3. April 2006 die Abweisung des Begehrens um
Ausrichtung einer IV-Rente mit dem Hinweis, die Versicherte sei voll arbeitsfähig (IV-
act. 40). Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter in Vertretung
der Versicherten am 3. Mai 2006 Einsprache. Er beantragte die Aufhebung der
Verfügung und die Zusprache mindestens einer halben Rente. Eventualiter seien
weitere medizinische Abklärungen durchzuführen. Das ABI-Gutachten stehe in
diametralem Widerspruch zur Beurteilung der Klinik Valens. Mit dieser Beurteilung
setze sich das ABI-Gutachten jedoch nicht einmal ansatzweise auseinander, wodurch
sich das Gutachten als unvollständig erweise (IV-act. 44).
A.d Nach erneuter Rückfrage beim RAD wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) in Vertretung der IV-Stelle die
Einsprache am 27. September 2006 ab. Das ABI-Gutachten sei in sich schlüssig und
medizinisch nachvollziehbar. Gemäss einer Stellungnahme des RAD vom 14. Juni 2006
seien die Vorbefunde ausreichend gewürdigt und das Gutachten korrekt erstellt
worden. Im Gutachten sei gleich mehrmals eine kritische Würdigung der Einschätzung
von Valens erfolgt. Die IV-Stelle habe sich für die Beurteilung des Falles auf das ABI-
Gutachten stützen dürfen (act. G 1.1.1).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die Beschwerde des Rechtsvertreters der
Versicherten vom 23. Oktober 2006. Er beantragt die Aufhebung des
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Einspracheentscheids. Der Beschwerdeführerin sei mindestens eine halbe Rente
zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Ein medizinischer Sachverständiger
habe sich mit den abweichenden Meinungsäusserungen anderer Ärzte
auseinanderzusetzen und darzulegen, weshalb sie nicht zutreffen würden. Unterbleibe
eine solche Auseinandersetzung, vermöge ein Gutachten, auch wenn es fachlich noch
so kompetent sei, nur bedingt zu überzeugen, da Zweifel bestehen blieben. Der
Beweiswert sei also reduziert. Konkret bestehe für die ABI-Gutachter ein
Begründungszwang für ihre vom Bericht der Klinik Valens abweichende Beurteilung.
Die Auseinandersetzung mit der abweichenden Fachmeinung fehle jedoch. Der Hinweis
im ABI-Gutachten, die Beurteilung Valens lasse sich aus rheumatologischer Sicht nicht
aufrecht erhalten, werde nicht begründet, zumal Valens eben nicht einfach "nur diskret
fassbare Befunde" festgestellt habe. Eine kritische Würdigung des Berichts Valens sei
nicht ersichtlich (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Schreiben vom 31. Oktober 2006 die

Abweisung der Beschwerde, verweist zur Begründung auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid und verzichtet auf eine weitergehende Stellungnahme (act. G 3).
Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
des streitigen Einspracheentscheids vom 27. September 2006 eingetretenen
Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind im vorliegenden Verfahren
die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
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2.1 Streitig ist vorliegend die Rentenberechtigung der Beschwerdeführerin. Zu
überprüfen ist dabei insbesondere die medizinische Abklärung des Sachverhalts.
2.2 Unter Invalidität wird bei als Gesunde voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.3 War eine versicherte Person vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
nicht erwerbstätig und war ihr auch nicht zuzumuten, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen, gilt gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, als Invalidität. Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke wird durch Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2007
gültig gewesenen Fassung gefüllt: Es ist darauf abzustellen, in welchem Mass die
betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche
Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische
Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
aArt. 28 Abs. 2 IVG regelt die so genannte gemischte Methode der
Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil im
Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen "gemischten" Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
bis
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Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.
Ist bei einer Person, die nur zum Teil erwerbstätig ist, anzunehmen, dass sie im
Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden vollzeitlich
erwerbstätig wäre, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den
Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 IVV).
2.4 Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor,
so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% auf eine Viertelsrente (aArt. 28 Abs. 1 IVG).
2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
2.6 Im vorliegenden Fall liefern die Klinik Valens und das ABI selbstständige ärztliche
Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Dr. A._ und Dr. C._
übernahmen die im Austrittsbericht vom 16. Februar 2004 geäusserte Einschätzung der
Klinik Valens (vgl. IV-act. 7-3, 7-4 sowie 23-3, 23-4). Der Austrittsbericht verweist auf
eine deutlich reduzierte Belastbarkeit der Beschwerdeführerin, die nicht allein durch die
Funktionsstörung der LWS erklärt werden könne. Im Job Match habe aufgrund der
Selbstlimitierung das physische funktionelle Leistungsmaximum nicht beobachtet
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werden können. Aufgrund der erreichten Testresultate könne man aber davon
ausgehen, dass eine wechselbelastende Arbeit mit Hantieren von Lasten bis maximal
zehn Kilogramm (selten) mindestens zu 50% möglich sein sollte. Während im
Austrittsbericht festgehalten wurde, dass sich bei Austritt eine allgemeine
Konditionsverbesserung und HWS-Beweglichkeitszunahme gezeigt habe, ist dem
"Austrittsbericht der Physiotherapie Rheumatologie" vom 29. Januar 2004 zu
entnehmen, dass kein Trainingseffekt zu beobachten gewesen sei, weil die
Beschwerdeführerin die Übungen wegen Schmerzen habe abbrechen müssen. Weiter
hält jener Bericht fest, die Beschwerdeführerin habe ein deutlich erhöhtes
Schmerzempfinden und Angst vor Schmerzen (IV-act. 7-9).
2.7 Das ABI-Gutachten erging in Kenntnis der medizinischen Vorakten, insbesondere
auch des Berichts der Klinik Valens vom 16. Februar 2004, der im Gutachten
auszugsweise wiedergegeben wurde (IV-act. 36-4, 36-5). Gemäss rheumatologischer
Teilbegutachtung von Dr. med. F._ habe sich die Untersuchung der Wirbelsäule als
schwierig gestaltet, da bereits geringe Bewegungen der LWS, BWS wie auch HWS mit
einer sofortigen massiven Schmerzexazerbation einhergegangen seien. Diese subjektiv
im Moment invalidisierenden Schmerzen seien aber unter Ablenkung oder beim
Fortführen des Status innert Sekunden wieder völlig regredient gewesen. Es imponiere
ein multilokuläres Schmerzsyndrom, ohne dass objektiv ein wesentlicher somatischer
Kern für diese anhaltende und zunehmend chronifizierte Beschwerdesymptomatik
festgestellt werden könne. Seine eigenen Untersuchungen, so Dr. Weber, würden sich
dementsprechend mit den in der Aktenlage beschriebenen Befunden decken. Der ABI-
Teilgutachter Dr. med. G._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, sieht
auf dem Hintergrund der psychosozialen Belastungssituation die psychische
Überlagerung der geklagten Beschwerden und diagnostiziert eine geringgradig
ausgeprägte somatoforme Schmerzstörung, die er als vollständig überwindbar
betrachtet. Dr. G._ weist darauf hin, die Beschwerdeführerin sei überzeugt, erst
wieder gesund sein zu müssen, bevor sie wieder arbeiten könne. Er erwähnt einen
sekundären Krankheitsgewinn. In der Gesamtbeurteilung wird die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auf 100% geschätzt. Die von der Klinik Valens geschätzte
Arbeitsfähigkeit von mindestens 50% sei bei insgesamt nur diskret fassbaren
pathologischen Befunden am Bewegungsapparat für eine leichte bis mittelschwer
wechselbelastende Tätigkeit aus rheumatologischer Sicht nicht aufrecht zu erhalten.
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Unter kritischer Würdigung der vorliegenden gesamten Berichte, insbesondere auch
des Berichts von Valens, und aufgrund der durchgeführten fachärztlichen externen
Abklärungen könne keine relevante Arbeitsunfähigkeit postuliert werden (IV-act. 36).
3.
3.1 Die Arbeitsfähigkeit, die der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens und
damit der Bemessung des Invaliditätsgrades zugrunde zu legen ist, definiert sich u.a.
auch unter Berücksichtigung der allgemeinen Schadenminderungspflicht. Das
bedeutet, dass nicht auf die subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der
versicherten Person, sondern darauf abgestellt werden muss, in welchem Ausmass die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit objektiv nicht mehr möglich und zumutbar ist. In
Erfüllung der Schadenminderungspflicht muss die versicherte Person allen guten Willen
aufbringen, um die objektiv verbliebene Arbeitsfähigkeit so weit als möglich in einer
Erwerbstätigkeit zu verwerten. Dieser Pflicht zu einer möglichen und zumutbaren
Willensanstrengung ist bei der Bemessung der Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen,
d.h. die massgebende Arbeitsfähigkeit entspricht jener Leistungsfähigkeit am
Arbeitsplatz, die eine versicherte Person aufweisen würde, wenn sie sich unter
Aufbietung allen guten Willens bemühen und einsetzen würde. Die Fähigkeit, die
Schmerzen und die Begleiterscheinungen einer Depression oder einer somatoformen
Schmerzstörung zu überwinden und die Arbeit soweit als möglich wieder
aufzunehmen, hängt von den Ressourcen ab, über die eine Person verfügt, um ihren
Willen zu beeinflussen. Da sich diese Ressourcen nicht im Einzelfall messen lassen,
muss ein allgemeiner Massstab angelegt werden (Renato Marelli, Nicht können oder
nicht wollen? Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei somatoformen Störungen, typische
Schwierigkeiten und ihre Überwindung, SZS 2007, S. 331). Bei leichten bis
mittelschweren depressiven Episoden, bei somatoformen Schmerzstörungen usw. ist
von der grundsätzlichen Fähigkeit zu einer Willensanstrengung auszugehen, die eine
Überwindung der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung erlaubt. Eine Ausnahme
von dieser Vermutung ist dann gegeben, wenn "eine mitwirkende, psychisch
ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und
Dauer vorliegt oder andere qualifizierte, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte
Kriterien vorliegen ..." (Marelli, a.a.O., S. 333; vgl. auch den im Internet veröffentlichten
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Entscheid IV 2006/199 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
15. Januar 2008, Erw. 3.4).
3.2 Vorliegend gingen die ABI-Gutachter davon aus, dass es der Beschwerdeführerin
zumutbar sei, ihre Schmerzen gänzlich zu überwinden. Sie erkannten keine
Komorbidität von der erforderlichen Intensität und Ausprägung, die eine Überwindung
der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung (teilweise) verhindern würde. Das ABI-
Gutachten berücksichtigt die geklagten Beschwerden, beruht auf allseitigen
Untersuchungen, ist umfassend und in seinen Schlussfolgerungen nachvollziehbar.
Unbestrittenermassen wurde das Gutachten in Kenntnis der Vorakten abgegeben. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin kritisiert, die Gutachter setzten sich nicht mit
den abweichenden Meinungsäusserungen der Ärzte der Klinik Valens auseinander.
Tatsächlich findet sich im ABI-Gutachten keine ausformulierte kritische Analyse des
Austrittsberichts Valens. Obschon eine solche Analyse wünschenswert wäre, muss die
Auseinandersetzung mit den Vorakten nach den zitierten Vorgaben des Bundesgerichts
an den Beweiswert von Gutachten nicht detailliert im Gutachten selbst erfolgen. Die
Gutachter führten immerhin aus, die diskreten fassbaren pathologischen Befunde am
Bewegungsapparat würden die von der Klinik Valens knapp zwei Jahre zuvor
geschätzte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit nicht aufrecht erhalten lassen. Auch
wenn nicht detailliert beschrieben, ist nicht davon auszugehen, dass die Gutachter den
Bericht Valens vom 16. Februar 2004 nicht oder nur oberflächlich gewürdigt hätten. Zu
beachten ist, dass der Austrittsbericht Valens in seiner Beurteilung knapp ist und sich
die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht ohne weiteres nachvollziehen lässt. Auch hier
wurde auf ungenügende objektivierbare Befunde hingewiesen. Das physische
funktionelle Leistungsmaximum habe im Job Match aufgrund der Selbstlimitierung
nicht beobachtet werden können. Mit dieser Aussage relativieren die Ärzte der Klinik
Valens ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung stark. Der Hinweis, aufgrund der erreichten
Testresultate könne man davon ausgehen, dass eine wechselbelastende Arbeit
mindestens zu 50% möglich sein sollte, ist demnach vage und wird nur relativiert
vorgebracht. Die Formulierung "mindestens zu 50%" schliesst nicht aus, dass auch
eine höhere Arbeitsfähigkeit möglich wäre. Weder im Austrittsbericht vom 16. Februar
2004 noch im Arztbericht vom 8. März 2004 zeigen die Ärzte der Klinik Valens
nachvollziehbar auf, wie sie zu ihrer Schätzung gelangen. Die Erläuterungen gemäss
Beiblatt zum Arztbericht beruhen offenbar weitestgehend auf den subjektiven Angaben
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der Beschwerdeführerin (IV-act. 10-3 und 10-4). Die Beurteilung der Klinik Valens
bezieht sich im Übrigen auf den stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin bis
27. Januar 2004, ist also knapp zwei Jahre älter als die Abklärung durch das ABI am
18. Januar 2006. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wurde im Bericht
Valens vom 8. März 2004 zudem als stationär bis besserungsfähig bezeichnet (IV-
act. 10-2). Die Berichte der Klinik Valens beinhalten insgesamt keinerlei Aspekte, die
von den ABI-Gutachtern unberücksichtigt geblieben wären. Die Tatsache, dass die
Gutachter sich nicht ausführlicher zur Einschätzung der Klinik Valens äusserten, lässt
keinen begründeten, nicht zu überwindenden Zweifel an der Zuverlässigkeit des
Gutachtens zu. Die gesamte medizinische Aktenlage vermag den Beweiswert des ABI-
Gutachtens nicht zu schmälern.
4.
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin nach der Haushaltabklärung vom
23. November 2004 zu Recht als voll Erwerbstätige qualifiziert. Die Familie erhält keine
Ergänzungsleistungen zur IV-Rente des Ehemanns der Beschwerdeführerin und wird
vom Sozialamt unterstützt (IV-act. 25-2 Ziff. 2e; 36-5 Ziff. 3.2.2). Schon allein aus
finanziellen Gründen erscheint es als überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin als Gesunde vollzeitlich arbeiten würde. Damit hat die
Beschwerdegegnerin zur Invaliditätsbemessung zu Recht die allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs angewendet. Da die Beschwerdeführerin keine Ausbildung
absolvierte und stets über ein tiefes Einkommen verfügte (IV-act. 6), weist sie bei voller
Arbeitsfähigkeit in einer optimal adaptierten Tätigkeit keine anspruchsbegründende
Invalidität auf.
5.
5.1 Aufgrund der obenstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom
27. September 2006 nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Gemäss den Schlussbestimmungen des IVG zur Änderung vom 16. Dezember
2005, in Kraft seit 1. Juli 2006, gilt für die am 1. Juli 2006 bei der IV hängigen
Einsprachen das bisherige Recht (lit. b der Schlussbestimmungen). Somit gelangt
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Art. 69 Abs. 1 IVG zur Kostenpflicht von Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen im kantonalen Gerichtsverfahren nicht zur
Anwendung. Gerichtskosten sind demnach keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG