Decision ID: 8c94a4a3-bf41-4887-aad9-cb68ce6a7124
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, ist seit 1988 bei der AG als Gärtner-Polier / Vorarbeiter und seit dem 1
2.
Juli 2004 in einer Organisations- und
Überwachungs-Funktion tätig (
Urk.
6/10
Ziff.
1, 5 und 7). Er
meldete sich am 1
5.
November 2005 bei der
Invalidenversicherung
zum
Leis
tungsbezug
an (
Urk.
6/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
m
it Verfügung vom 1
2.
März 2009 einen Rentenanspruch (
Urk.
6/44). Das hiesige Gericht hob diese Verfügung mit Urteil vom 2
5.
Oktober 2010
im Verfahren
Nr. IV.2009.00429
auf und wies die Sache zu ergänzenden Abklärungen zurück (
Urk.
6/53
).
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge
ein handchirurgisches
Gutachten
, das am
7.
Juni 2011
erstattet wurde
(
Urk.
6/58), ein
. D
er Beschwerdeführer reicht
e
ein von ihm veranlasstes und am
1
6.
Januar 2013
erstattetes
Gutachten (
Urk.
6/97) ein. Da
rauf hin ordnet
e
die IV-Stelle mit Verfügung vom
5.
Februar 2014 eine
poly
dis
zi
plinäre
Begutachtung bei
der medizinischen Abklärungsstelle (
Medas
)
Z._
an (
Urk.
6/148). Das angerufene hiesige Gericht wies die dagegen erhobene Be
schwerde mit Urteil vom 2
1.
Oktober 2014
im Verfahre
n
Nr. IV.2014.00284
(
Urk.
6/179
)
ab
.
Aus noch darzulegenden Gründen wurde der
Begutachtungs
auftrag
schliesslich storniert (
Urk.
6/204 S. 13 oben). Nach durchgeführtem Vor
bescheidverfahren (
Urk.
6/206 =
Urk.
6/207,
Urk.
6/208) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom
5.
Oktober 2016 einen Rentenanspruch (
Urk.
6/214 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
6.
November 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom
5.
Oktober 2016 (
Urk.
2) und beantragte (
Urk.
1 S. 2), diese sei aufzuheben (
Ziff.
1), das in Auftrag gegebene Gutachten sei abzuschliessen und mindestens im Bereich Psychiatrie sei eine Verlaufsbegutachtung vorzunehmen (
Ziff.
2), eventuell sei ihm eine Rente zuzusprechen (
Ziff.
3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Dezember 2016 (
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde.
Der Beschwerdeführer reichte mit der Replik vom
7.
April 2017 (
Urk.
11) weitere Arztberichte
(
Urk.
12/1-2,
Urk.
12/5)
ein. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 2
2.
Mai 2017 auf Duplik (
Urk.
15), was dem Beschwerdeführer am 2
4.
Mai 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die massgebenden rechtlichen Grundlagen sind im Urteil von 2010 (
Urk.
6/53) dargelegt worden. Darauf wird verwiesen.
2.
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, dem Beschwerdeführer sei eine angepasste Tätigkeit zu 100
%
zumutbar, und er
mittel
te einen Invaliditätsgrad von 33
%
(
Urk.
2 S.
2
).
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, die vor
handenen ärztlichen Beurteilungen seien aus näher dargelegten Gründen nicht ausreichend, weshalb auf sie nicht abgestellt werden könne (
Urk.
1).
3.
3.1
Am
7.
Juni 2011 erstatteten
Dr.
A._
, Leitender Arzt, und
Dr.
med.
B._
, Oberarzt i.V., Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie,
C._
, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/58). Sie nannten folgende Diagnosen (
Ziff.
1):
-
Os
scaphoideum
bipartitum
mit SNAC
Wrist
Grad III
-
(
skapho-trapezio-trapezoidal
= Handwurzel-)
STT-Arthrose
-
Pisotriquetralarthrose
-
radiocarpale und
midcarpale
Arthrose (
luno-capital
).
Die Gutachter führten aus, die bisherige Tätigkeit als Gärtner/Vorarbeiter/Polier sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar, er könne diese körperlich nicht mehr ausführen. Die Arbeitsfähigkeit in diesem Bereich betrage maximal 20
%
.
Dies aufgrund der vorhandenen Einschränkung der Kraft, der Schmerzen und der
kontinuierlichen Verschlechterung des Gelenkzustandes über die Jahre (
Ziff.
2). Betriebsintern sei das Tätigkeitsprofil bereits seit 2004 kontinuierlich angepasst
worden. Der Beschwerdeführer habe beispielsweise vermehrt administrative Tätig
keiten, Bauleitungsaufgaben und Messarbeiten übernehmen können. Zudem seie
n strukturelle Änderungen zur Verbesserung seiner Arbeitsfähigkeit (Anpassung der Fahrzeuge mit Einführung von Fusssteuerungen) erfolgt. In angepasster Tätigkeit sei der Beschwerdeführer zu 50
%
arbeitsfähig (
Ziff.
3).
Im Verlauf bestehe seit dem Jahr 2004 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Die physische Belastbarkeit habe sich im Laufe der Jahre sicherlich weiter ver
schlechtert, so dass körperlich im angestammten Beruf maximal eine Arbeits
fähigkeit von 20
%
beziehungsweise eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
bestehe. In angepasster Tätigkeit betrage diese gesamthaft 50
%
(
Ziff.
4).
Sicherlich notwendig sei eine weitere Reduktion der körperlichen Belastung, eine
Verlagerung des Arbeitsfeldes ins Büro und lediglich Durchführung leichter körperlicher Tätigkeiten mit Reduktion des Arbeitspensums sowie verlängerten Erholungspausen. Dies werde durch den Betrieb teilweise bereits gewährleistet.
Trotz zeitlich 100%iger Anwesenheit sei der Beschwerdeführer maximal zu 50
%
Leistungserbringung fähig, im angestammten Anstellungsverhältnis zu maximal 20
%
(
Ziff.
6).
3.
2
In
einer
Stellungnahme vom
1.
Juli 2011 (
Urk.
6/166/22-32 S. 3 f.
) führte RAD-Ärztin
Dr.
med.
D._
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für
Arbeitsmedizin
,
aus,
dass aus näher dargelegten Gründen auf die Schlussfolgerungen der Ärzte des
C._
nicht abgestellt werden könne.
Die bis
he
rige Tätigkeit mit Belastung der rechten Hand sei dem Beschwerdeführer unzu
mutbar. Optimal leidensangepasste, organisatorische und administrative Tätig
kei
ten (entsprechend dem Tätigkeitsprofil gemäss dem Bericht des
C._
) seien zumutbar (S. 4 oben).
3.3
Am 1
6.
Januar 2013 erstattete
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie,
ein Gutachten im Auftrag des Beschwerdeführers (
Urk.
6/97). Er nannte folgende Diagnosen (S. 8
f.
Ziff.
4):
Status nach jugendlicher
Scaphoidfraktur
rechts mit
Pseudarthrose
-
mit konsekutiver Fehlstellung des
os
lunatum
(DISI-Fehlstellung)
-
mit konsekutiver Arthrose im STT-Gelenk,
mid-carpal
(
luno-capital
) und
radiocarpal
mit
Styloid
-Abschliff
-
neuropathische Schmerzen (
Nervus
radialis
), Verdacht auf beginnendes CRPS
-
Sensibilitätsstörungen
Dig
. I
-V rechts (ohne
Dermatom
-Zuweisung).
Der Gutachter führte aus, in der angestammten Tätigkeit als Landschafts-Gärtner bestehe eine bleibende Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. In einer für die rechte Hand angepassten Tätigkeit schätze er die verbleibende Arbeitsfähigkeit auf maximal 50
%
. Soweit ersichtlich seien betriebsintern sämtliche An
passung
en, welche möglich seien, durchgeführt worden. An der jetzigen Stelle sei der Beschwerdeführer optimal eingegliedert, da die Arbeitgeberin in ausser
ordentlichem Ausmass Rücksicht auf die starken Beeinträchtigungen nehme (S.
11 f.
Ziff.
6.2). Angepasst seien überwiegend einhändige, leichte Arbeiten mit der
adominanten
linken Hand mit vereinzeltem, nicht anhaltendem oder repetitivem Einsatz der rechten Hand als Hilfshand beziehungsweise
Zudiener
hand
(S.
12 Mitte). Selbst als Einarmiger, mit ganztägigem Einsatz der unver
sehrten linken,
adominanten
Hand und ausschliesslich unbelastetem Einsatz der geschädigten rechten Hand als
Zudienerhand
, werde mit einer Einschränkung
der Leistung zu rechnen sein, dadurch, dass unweigerlich Anspannungskräfte oder beispielsweise Vibrationen auf die rechte Hand übertragen würden und an dieser Schmerzschübe provozierten. Beispielsweise führten Vibrationen des
Bagger
gehäuses
trotz Fussbedienung des (umgebauten) Baggers zu unvermeid
baren (evozierten) Schmerzen im rechten Arm, obwohl die rechte Hand nur als Haltehand zur Sicherung des Körpergleichgewichts eingesetzt werde. Bei jeder Tätigkeit ohne Gebrauch der rechten Hand kämen unvermeidbare, sogenannte spontane Schmerzschübe hinzu, welche in unregelmässigem Rhythmus Pausen aufzwingen würden, sodass bei optimalen Bedingungen mit einer maximalen Leistungs-/Arbeitsfähigkeit von etwa 70
%
gerechnet werden könnte
, k
einesfalls aber mit 100
%
(S. 13 oben).
3.4
In ihrer Stellungnahme vom 1
5.
Mai 2013 (
Urk.
6/166/22-32
S. 4 f.) führten die RAD-Ärztinnen
Dr.
D._
und med. pract. Heidrun
F._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, aus, aus arbeitsmedizinischer Sicht sei nach wie vor von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in der bishe
rigen Tätigkeit auszugehen. Gestützt auf das Gutachten aus dem Jahr 2011 sei
seit 2004 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und ab dem Gutachtendatum von
einer Arbeitsunfähigkeit von 80
%
in der bisherigen Tätigkeit auszugehen.
Nicht gefolgt werden könne der Einschätzung des Gutachtens betreffend Arbeits
fähigkeit in optimal leidensangepassten Tätigkeiten. Diese sei seit jeher auf
100
%
zu schätzen. Es gäbe aus arbeitsmedizinischer Sicht keinen Grund, wes
hal
b dem ungelernten Beschwerdeführer mit lediglich lädiertem rechtem Hand
ge
lenk körperlich leichte Tätigkeiten, das heisse optimal leidensangepasste, or
ga
ni
satorische und administrative Tätigkeiten (gemäss dem von den Ärzten des
C._
formulierten Belastungsprofils) nicht vollschichtig zumutbar sein sollten.
3.5
Am 2
9.
Juni
2013 berichtete Prof.
Dr.
G._
, Fachärztin für
Allge
meine
Innere Medizin, (
Urk.
6/105), welche den Beschwerdeführer seit November 2010 hausärztlich betreut (
Ziff.
1.2). Sie nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1
.1
):
-
Handgelenksarthrose bei
os
scaphoide
um
bipartus
rechts seit 1998
-
linkskonvexe Skoliose bei
Hemivertebra
Th4 links, bestehend seit 1981
-
Zervikobrachialgie
rechts bei Fehlhaltung, bestehend seit 2013
-
depressive Episoden (ICD-10 F32.1), bestehend seit 2009
-
beginnende Gonarthrose beidseits, bestehend seit 2012
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit attestierte Prof.
G._
dem Beschwer
deführer eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 1
5.
Januar bis 2
8.
Februar 2013
und eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
ab dem
1.
März 2013 (
Ziff.
1.6). Bei Ver
meidung körperlich anstrengender Arbeit sei die bisherige Tätigkeit dem Be
schwerdeführer noch im Umfang von 40
%
bis 60
%
zumutbar. Dabei bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer im Umfang von 50
%
zumutbar bei einer zeitlichen Prä
senz von 80
%
bis 100
%
(
Ziff.
1.7).
3.6
In der Folge nahm die Beschwerdegegnerin ein
e
polydisziplinäre Begutachtung im
Z._
in Aussicht (
Urk.
6/139), woran sie nach Einwänden des Beschwer
de
führers mit Zwischenverfügung vom
5.
Februar 2014 festhielt (
Urk.
6/148). Die vom Beschwerdeführer dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Ge
richt mit Urteil vom
2
1.
Oktober 2014 im Verfahren Nr. IV.2014.00284 ab (
Urk.
6/179).
4.
4.1
Am 1
6.
Januar 2015 teilte das
Z._
dem Beschwerdeführer
mit, an welchen Daten (im April 2015) mit welchen Ärzten Termine für
i
hn vorgesehen seien (
Urk.
6/187).
Am
1.
April 2015 teilte das
Z._
der Beschwerdegegnerin mit, der Beschwer
de
führer sei nicht zur Begutachtung erschienen. Er sei am Vortag noch tele
fo
nisch an den Termin erinnert worden; dabei habe er mitgeteilt, dass er arbei
ten müsse und nicht zur Begutachtung kommen könne (
Urk.
6/189).
Am
8.
Januar 2016 teilte das
Z._
dem Beschwerdeführer mit,
es seien am
1.
,
1
1.
und 2
2.
April
2016 Termine
bei den einzelnen Gutachtern
vorgesehen (
Urk.
6/197).
4.2
Am 2
1.
Januar 2016 wurde über die am 1
9.
Januar 2016 erfolgte Konsultation in der Sprechstunde Handchirurgie des
C._
berichtet
(
Urk.
6/199/4-5)
. Dabei wurden folgende Diagnosen genannt (S. 1):
Os
scaphoideum
bipartitum
mint SNAC-
Wrist
Grad 2 Handgelenk rechts
-
STT-Arthrose
-
Pisotriquetral
-Arthrose
Anamnestisch wurde unter anderem ausgeführt, aktuell arbeite der Beschwerde
führer zu 100
%
mit einer Handgelenkmanschette und sei bei der Arbeit durch die Schmerzen zunehmend eingeschränkt (S. 1 unten).
In der Beurteilung wurde unter anderem ausgeführt, die degenerativen
Gelenk
ver
änderungen
hätten sich im Vergleich zu den radiologischen Untersuchungen 2011 nicht verschlechtert. Indiziert wäre möglicherweise ein
Handgelenks
arthrodese
, was
dem Tragen
einer Handgelenkmanschette vergleichbar sei. Da der Patient jedoch nur bei der Arbeit eine Handgelenkmanschette trage und
ausserhalb der Arbeit ohne Schmerzen und ohne Handgelenkmanschette gut lebe, möchte er nach wie vor kein operatives Vorgehen (S. 2 oben).
4.3
Prof.
G._
nannte in ihrem Bericht vom
2
.
April 2016 (
Urk.
6/199/1-3)
folgende Diagnosen (
Ziff.
1.2):
-
Handgelenksarthrose bei Os
scaphoideum
rechts, seit 1992
-
linkskonvexe Skoliose bei
Hemivertebra
Th4, seit 2013
-
Depression, seit 2010
Die bisherige Tätigkeit (Polier / Gartenbauarbeiter) könne zu 50
%
ausgeübt werden (8 h / Tag, 50
%
Leistungsfähigkeit), eine angepasste Tätigkeit wie bei
spiels
weise Taxifahrer / Chauffeur zu 100
%
(
Ziff.
2.1).
4.4
RAD-Ärztin med. pract.
F._
gab am 1
6.
April 2016 eine Beurteilung aufgrund der Akten ab (
Urk.
6/204 S. 11 ff.).
Sie führte unter anderem aus, zusammengefasst sei die Situation seit Jahren unverändert. Aus
versiche
rungs
medizinischer
Sicht sei durch das geplante Gutachten keine wesentliche neue Information zu erwarten. Dem Wunsch der Rechtsvertretung des Beschwerde
führers, auf das Gutachten zu verzichten, könne daher gefolgt werden (S. 12 oben).
In der bisherigen Tätigkeit als Gartenbauer/Polier betrage die Arbeitsunfähigkeit 50
%
, in angepasster Tätigkeit gemäss Belastungsprofil betrage sie 0
%
(S.
12 unten).
Daraufhin stornierte die Beschwerdegegnerin den Begutachtungsauftrag am 1
8.
April 2016 (
Urk.
6/200).
4.5
Am 2
3.
November 2016 fand eine Konsultation in der Hand-Sprechstunde der Universitätsklinik
H._
statt, worüber - in einer korrigierten Fassung (vgl.
Urk.
12/1) - am 1
0.
Februar 2017 berichtet wurde (
Urk.
12/2).
Als Diagnosen wurden genannt (S. 1 Mitte):
-
SNAC-
Wrist
Grad III bei
-
Pseudarthrose
des
Skaphoids
mit DISI-Fehlstellung
-
Zervikobrachialgie
rechts
-
linkskonvexe Skoliose hochthorakal
-
chronisch hyperplastische Laryngitis
-
Nikotinabusus
-
arterielle Hypertonie
-
depressiv-aggressive Entwicklung
Manuelle Tätigkeiten, wie sie im Gartenbau üblicherweise erforderlich seien,
könnten vom Patienten schon seit mehreren Jahren nicht mehr ausgeübt werde
n.
Seitens des Arbeitgebers werde versucht, ihn für leichte oder administrative Tätigkeiten einzusetzen. Das Optimierungspotential hinsichtlich
Arbeitsplatzge
stal
tung
im Betrieb sei ausgeschöpft. Damit und in der jetzigen Situation könne der Patient aufgrund der Einschränkungen und Schmerzen seines rechten Hand
gelenkes bei einer ganztägigen Anwesenheit lediglich eine 50%ige Leistung erbringen (S. 1).
4.6
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie, dem der Beschwerdeführer seit 1999 bekannt ist (vgl.
Urk.
6/11/5)
,
teilte am 1
4.
März 2017 mit, er habe eine komplette
Denervation
(Durchtrennung der
Schmerz
nerven
) am rechten Handgelenk durchgeführt. Der Eingriff und die postope
rative Phase seien problemlos verlaufen (
Urk.
12/3)
4.7
Am
6.
April 2017 erstattete
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie, eine Aktenbeurteilung im Auftrag des Beschwerdeführers (
Urk.
12/5).
Die aktuelle Tätigkeit könne auch mit optimaler Anpassung der Baumaschine und mit möglichst weitgehender Rücksichtnahme in anderen Tätigkeiten nicht wirklich einhändig ausgeführt werden. Aus näher dargelegten Gründen betrage diesbezüglich die Arbeitsfähigkeit 25
%
(S. 3).
Theoretisch wäre der Patient in
einer
bestmöglichen angepassten Tätigkeit, die keinerlei Handeinsatz erfordere, weitgehend arbeitsfähig, wobei wegen der rezi
di
vierend auftretenden Ruheschmerzen und
der daraus resultierenden Ermü
dungs
erscheinungen Pausen zugestanden werden müssten, die zu einer Reduk
tion der Leistungsfähigkeit von mindestens 25
%
führen würden. Somit betrage diesbezüglich die Arbeitsfähigkeit 75
%
(S. 3 f.).
Die bestmögliche angepasste Tätigkeit wäre eine rein intellektuelle Tätigkeit ohne Einsatz der Hände, auch ohne Bedienung einer Computertastatur und ohne Schreiben von Hand. Leichtere manuelle Tätigkeiten wie Büroarbeiten, Arbeiten am PC, Autofahren, usw., die in der Regel ohne besondere Kraftaufwendungen abliefen, könnten durch das Erfordernis, das Handgelenk in einer bestimmten Position zu stabilisieren, ebenfalls starke Schmerzen verursachen und seien des
halb höchstens im Sinne einer Arbeitsfähigkeit von 25
%
zumutbar (S. 4 Mitte).
Schliesslich führte
Dr.
J._
aus, es handle sich um einen ungebildeten, mangelhaft Deutsch sprechenden Handwerker, weshalb es seines Erachtens unfair wäre, als Massstab für die Beurteilung eine rein intellektuelle Tätigkeit anzunehmen (S. 4).
5.
5.1
Im Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) vom 1
5.
Januar 2016 (
Urk.
6/198) wurden dem Beschwerdeführer folgende Einkommen (in Fr.) eingetragen:
2003
84‘500
2004
69‘615
2005
52‘753
2006
69‘246
2007
86‘560
2008
82‘888
2009
92‘950
2010
92‘950
2011
92‘950
2012
92‘950
2013
92‘950
2014
94‘344
5.2
Am 1
3.
Juli 2016 nahm der Arbeitgeber des Beschwerdeführers Stellung (
Urk.
6/211/2-3) und führte unter anderem aus, warum dieser im April 2015 nicht zur Begutachtung gegangen sei, könne er nicht mehr nachvollziehen. Seines Erachtens sei es nicht wie von ihn angeführt die Arbeit gewesen, sondern eher seine schlechte psychische Verfassung (S. 1 Mitte).
Die Tätigkeit, für die er den Beschwerdeführer angestellt habe und die
dies
er während vieler Jahre ausgeübt habe, könne er nicht mehr ausüben, da sie zu schwer sei beziehungsweise mit der Zeit zu Beschwerden und Schmerzen in der rechten Hand führe. Auch in den angepassten Tätigkeiten
habe er gewisse Ein
schränkungen. Durch den Umbau der Baumaschine habe eine gute An
pass
ung erzielt werden können. Das habe er mit ‚gut angepasst‘ gemeint, mehr sei in seinem Betrieb nicht möglich. Der Beschwerdeführer bringe aber bei weitem keine 100%ige Leistung und er führe nur noch
Zudienerarbeiten
aus (S. 1).
Der Lohn sei nach wie vor nicht gerechtfertigt, aber er fühle sich dem Be
schwerdeführer gegenüber bis heute verpflichtet. Er habe einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Firma geleistet und arbeite seit mehr 20 Jahren für ihn. Zudem sei er ein Einzelfall in der Firma, ein weiterer solcher Fall wäre nicht trag
bar (S. 1 unten).
Er müsse darauf hinweisen, dass infolge der psychischen Probleme, die der Be
schwerdeführer seit Jahren in wechselndem Ausmass habe, die Zusammenarbeit mit ihm sehr schwierig sei (S. 2 oben).
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin gelangte im Jahr 2013 aufgrund der damals vorlie
gen
den Berichte zum Schluss, es sei eine polydisziplinäre Begutachtung erforder
lich
,
was das hiesige Gericht - nachdem der Beschwerdeführer opponiert hatte - mit Urteil vom 2
1.
Oktober 2014 bestätigte (vorstehend E. 3.6).
Die Begutachtung verzögerte sich, weil der Beschwerdeführer die im April 2015 vorgesehenen Termine versäumte, so dass
neue Termine erst für
April 2016
fest
gesetzt werden konnten (vorstehend E. 4.1)
.
Zwei Arztberichte (vom Januar und April 2016) führten die RAD-Ärztin zum Schluss, die Situation sei seit Jahren unverändert und vom in Auftrag gegebenen Gutachten seien keine wesentlichen
neuen Informationen zu erwarten, worauf der Gutachtensauftrag
storniert wurde
(vorstehend E. 4.4), dies offensichtlich ohne zu berücksichtigen, dass die Gut
achter von drei vorgesehenen Untersuchungsterminen (vorstehend E. 4.1) schon deren zwei genutzt hatten.
6.2
Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist schwer nachvollziehbar. 2013 kam sie aufgrund der damaligen Aktenlage zum Schluss, eine polydisziplinäre Be
gut
achtung sei erforderlich, was das hiesige Gericht 2014 bestätigte. Davon ging sie auch im Januar 2016 noch aus, wie der zu diesem Zeitpunkt erneuerte Begutachtungsauftrag zeigt. Im April 2016, nachdem zwei zusätzliche
Arzt
berichte
eingegangen waren, hielt sie sodann eine Begutachtung nicht mehr für
erforderlich. Die neuen Berichte vermittelten allerdings keineswegs neue Er
kennt
nisse, sondern führten die Beschwerdegegnerin im Gegenteil zum Schluss, die Situation sei seit Jahren unverändert. Der im und ab April 2016 eingenommene Standpunkt, eine polydisziplinäre Begutachtung sei nicht erforderlich, erweist sich damit als nicht hinreichend begründet.
Vielmehr ist eine solche nach wie vor angezeigt. In diesem Sinne ist deshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zu ergänzender Abklärung an die
Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.3
Im Zeitpunkt, in welchem die Beschwerdegegnerin den Begutachtungsauftrag stornierte, hatten drei von vier Gutachtern den Beschwerdeführer bereits unter
sucht. Es drängt sich deshalb auf, daran so weit als möglich anzuknüpfen, und der Beschwerdegegnerin ist folgendes Vorgehen zu empfehlen:
a)
Einholen aktueller Berichte von behandelnder Seite
b)
Reaktivieren des Begutachtungsauftrags beim
Z._
c)
Dokumentieren der Gutachter mit den seit 2016 erstatteten
Arztbe
rich
te
n
, verbunden mit der Anfrage, ob ihres Erachtens eine weitere persön
liche Untersuchung erforderlich sei
d)
Aufgebot des Beschwerdeführers zu den noch erforderlichen Untersu
chungen durch das
Z._
e)
Gutachten
Z._
Nach Eingang des Gutachtens wird die Beschwerdegegnerin ausgehend von der attestierten Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in angepasster Tätigkeit die Invaliditätsbemessung vornehmen können. Dabei wird zu beachten sein, dass das vo
m
Beschwerdeführer effektiv erzielte Einkommen
deklarierterweise
eine erhebliche Soziallohnkomponente enthält (vorstehend E. 5.2).
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Der obsiegende und anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf
eine Prozessentschädigung, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- ermessensweise auf
Fr.
2‘700.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wert
steuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.