Decision ID: bef4b2dc-24b8-5eba-91c1-e5e2d0527acd
Year: 2020
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 19. Dezember 2018 reichte die B._ AG ein Baugesuch ein für den Abbruch des bestehenden Einfamilienhauses mit Schopf und Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Einstellhalle auf der in der Wohnzone W3 liegenden Parzelle Zollikofen Gbbl. Nr. 1_. Gegen dieses  hat unter anderen A._ Einsprache erhoben. Am 20. Juni 2019 erteilte die Einwohnergemeinde (EG) Zollikofen die Baubewilligung und wies die Einsprachen ab.
B.
Dagegen erhob A._ am 25. Juli 2019 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE; heute: Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern [BVD]). Mit Entscheid vom 4.  2019 wies die BVE die Beschwerde ab.
C.
Gegen diesen Entscheid hat A._ am 4. Dezember 2019  erhoben. Er beantragt, der angefochtene  sei aufzuheben und dem Bauvorhaben sei der Bauabschlag zu erteilen. Eventuell sei das Verfahren zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 03.04.2020, Nr. 100.2019.402U, Seite 3
Die B._ AG beantragt mit Beschwerdeantwort vom 8. Januar 2020, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die EG Zollikofen und die BVE beantragen mit Beschwerdeantwort vom 6. Januar 2020 bzw. Vernehmlassung vom 30. Dezember 2019 je die .

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid  berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind eingehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die  ist einzutreten.
1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).
2.
2.1 Der Abstand zwischen dem geplanten Mehrfamilienhaus und der Grundstücksgrenze beträgt im Norden zwischen 7,5 m und 7,86 m, im Westen zwischen 5 m und 5,16 m und im Süden, gegenüber der Parzelle des Beschwerdeführers, zwischen 5,09 m und 6,54 m. Im Osten hält das geplante Gebäude einen Abstand von 5,63 m bis 17,65 m zur  ein; zum Fahrbahnrand der ...strasse besteht ein Abstand von mindestens 7,6 m (vgl. Umgebungsplan vom 19.12.2018, in act. 6B1).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 03.04.2020, Nr. 100.2019.402U, Seite 4
Der Beschwerdeführer ist der Meinung, das Bauvorhaben müsse gegen Süden den grossen Grenzabstand einhalten. Er macht geltend, das Baureglement der EG Zollikofen vom 26. November 2017 (BR) verstosse gegen übergeordnetes Recht, indem es die Bauherrschaft anstelle der Baupolizeibehörde die besonnte Längsseite bestimmen lasse.
2.2 Für die gegenüber Nachbargrundstücken einzuhaltenden  sind die Vorschriften der Gemeinden massgebend (Art. 12 Abs. 2 des Baugesetzes vom 9. Juni 1985 [BauG; BSG 721.0]). Soweit die  einen baurechtlich wesentlichen Sachverhalt nicht oder nur  ordnet, gilt grundsätzlich das Dekret vom 10. Februar 1970 über das Normalbaureglement (NBRD; BSG 723.13) als ergänzendes Recht (Art. 70 Abs. 3 BauG; Art. 1 Abs. 2 NBRD). Die EG Zollikofen hat für die Wohnzone W3 einen kleinen Grenzabstand von 5 m und einen grossen Grenzabstand von 11 m festgelegt (Art. 6 Abs. 1 BR). Der grosse Grenzabstand wird rechtwinklig auf der besonnten Längsseite des Gebäudes gemessen ( 1 Ziff. 1.1 Abs. 1 BR). Ist die besonnte Längsseite nicht eindeutig , bestimmt die Bauherrschaft, von welcher Fassade – die  ausgenommen – der grosse Grenzabstand gemessen wird. Die besonnte Längsseite gilt als nicht bestimmbar, wenn keine Seite mehr als 10 Prozent länger ist oder die Längsseiten ost-west-orientiert sind ( 1 Ziff. 1.1 Abs. 2 BR). Damit hat die EG Zollikofen die einzuhaltenden Grenzabstände lückenlos geregelt; Art. 12 Abs. 1 NBRD, auf den sich der Beschwerdeführer sinngemäss beruft, ist nicht anwendbar. Abweichendes lässt sich auch den vom Beschwerdeführer zitierten Literaturstellen nicht entnehmen (vgl. Zaugg/Ludwig, Kommentar zum bernischen BauG, Band I/II, 4. Aufl. 2013/2017, Art. 12 N. 8, Art. 70 N. 15). Wie die  1 zutreffend ausführt, stimmt die Regelung der EG  im Übrigen wörtlich mit jener im Musterbaureglement des Amtes für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) überein (vgl.  zu Art. 212 sowie Anhang A1 Art. 123 Abs. 2 des , Stand 1.4.2017, einsehbar unter: <www.jgk.be.ch>, Rubriken «Raumplanung», «Arbeitshilfen [AHOP]», «Musterbaureglement [MBR]»). Dass die kommunale Regelung anderweitig gegen übergeordnetes Recht verstossen sollte, ist weder geltend gemacht noch ersichtlich.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 03.04.2020, Nr. 100.2019.402U, Seite 5
2.3 Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass die kleinen  eingehalten sind und die Beschwerdegegnerin 1 den grossen Grenzabstand von der Ostfassade aus messen durfte (angefochtener  E. 2 f.). Dass der Grenzabstand gegenüber einer Strasse durch den Strassenabstand ersetzt wird, ergibt sich aus Art. 12 Abs. 3 BauG (BVR 2010 S. 507 E. 2.2.2). Soweit die Gemeinde nichts anderes festlegt, beträgt der Strassenabstand gegenüber einer Gemeindestrasse 3,6 m ab Fahrbahnrand (Art. 80 Abs. 1 Bst. b des Strassengesetzes vom 4. Juni 2008 [SG; BSG 732.11]). Die ...strasse ist im Anhang 2 des BR nicht farbig dargestellt, so dass ihr gegenüber der Strassenabstand von 3,6 m gemäss Art. 80 Abs. 1 Bst. b SG einzuhalten ist (Art. 7 Abs. 9 und Anhang 2 BR). Dieser gilt auch für besonnte Längsseiten von Neubauten; er ist hier ebenfalls eingehalten (vorne E. 2.1). Inwiefern trotz eingehaltener Strassen- und Grenzabstände die nachbarliche Privatsphäre unzulässig gestört werden sollte, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht näher . Die BVE hat diese Rechtslage zutreffend dargestellt und ist –  erforderlich – auf die Einwände des Beschwerdeführers eingegangen. Der ihr gegenüber erhobene Vorwurf der Gehörsverletzung ist nicht  (vgl. zur Begründungstiefe statt vieler BGE 143 III 65 E. 5.2; BVR 2016 S. 402 E. 6.2); die im Eventualstandpunkt verlangte  an die Vorinstanz erübrigt sich.
2.4 Nichts anderes gilt, soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die vorgesehenen Abstände verunmöglichten es Blaulichtorganisationen –  der Feuerwehr –, «von allen Seiten an die Gebäude ». Die massgeblichen Abstandsvorschriften sind – wie ausgeführt – eingehalten, d.h. auch einem damit verfolgten Interesse der Feuerpolizei ist Rechnung getragen. Die Bauparzelle grenzt im Übrigen – wie die  des Beschwerdeführers – an die ...strasse und ist für die Feuerwehr ohne Weiteres erreichbar. Der Fachbericht Brandschutz enthält denn auch keine Beanstandungen (Akten EG Zollikofen pag. 3).
2.5 Auf den Einwand des Beschwerdeführers, der Baugrund sei  (Beschwerde S. 5), ist nicht weiter einzugehen. Da der  nicht darlegt und auch nicht ersichtlich ist, inwiefern die vor-
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 03.04.2020, Nr. 100.2019.402U, Seite 6
instanzlichen Erwägungen rechtsfehlerhaft sein sollen, kann auf diese  werden (angefochtener Entscheid E. 4).
3.
3.1 Nach dem Gesagten hält der angefochtene Entscheid der  stand. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist abzuweisen. Das Verwaltungsgericht beurteilt solche Rechtsmittel in Zweierbesetzung (Art. 56 Abs. 3 des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
3.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende  die Verfahrenskosten zu tragen und der anwaltlich  Beschwerdegegnerin 1 die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG).