Decision ID: b0653f12-5019-51e3-9e0e-46d222514e65
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Politische Gemeinde Benken führte zwecks Einholung von Angeboten für
Baumeisterarbeiten zur Erweiterung der Abwasserreinigungsanlage Benken ein
Einladungsverfahren durch. Innert der angesetzten Frist bis zum 23. Januar 2012
reichten fünf Anbieter eine Offerte ein. Mit Verfügung vom 1. Februar 2012 erteilte die
Politische Gemeinde Benken den Zuschlag an die Bauunternehmung Hofstetter AG,
Benken, zu einem Preis von Fr. 217'244.30.
B./ Mit Eingabe vom 13. Februar 2012 liess die Rüesch Bau AG, Weesen, Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit folgenden Anträgen erheben:
"1. Der Vergabeentscheid des Gemeinderates Benken sei aufzuheben.
2. Es sei der Beschwerdeführerin als der wirtschaftlich günstigsten Anbieterin der
Zuschlag zu erteilen.
3. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
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4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Vorinstanz respektive
der Beschwerdegegnerin."
Die Politische Gemeinde Benken teilte mit Eingabe vom 20. Februar 2012 mit, dem
Begehren um aufschiebende Wirkung könne stattgegeben werden, sofern der allfällige
Entscheid innert angemessener Frist zu erwarten sei. Die Bauunternehmung Hofstetter
AG liess sich zum Begehren um aufschiebende Wirkung nicht vernehmen.
Der Präsident des Verwaltungsgerichts erteilte der Beschwerde mit Verfügung vom
21. Februar 2012 die aufschiebende Wirkung, untersagte der Politischen Gemeinde
Benken einstweilen den Vertragsschluss und lud die Politische Gemeinde Benken
sowie die Bauunternehmung Hofstetter AG ein, innert einer Frist bis 5. März 2012
materiell zur Beschwerde Stellung zu nehmen.
Die Politische Gemeinde Benken erstattete am 1. März 2012 die Beschwerdeantwort.
Sie liess die Abweisung der Beschwerde beantragen. Die Bauunternehmung Hofstetter
AG liess sich nicht vernehmen.
Am 6. März 2012 wurde der Rüesch Bau AG die Vernehmlassung der Politischen
Gemeinde Benken zugestellt. Gleichzeitig wurde ihr eine Frist von vierzehn Tagen
eingeräumt, um zu den in der Vernehmlassung allfällig vorgebrachten neuen
tatsächlichen und rechtlichen Argumenten eine ergänzende Stellungnahme
einzureichen. Die Rüesch Bau AG liess sich mit Eingabe vom 12. März 2012 ergänzend
vernehmen.
Die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen werden, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen dargelegt und
gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
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2. Nach Art. 16 Abs. 1 IVöB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen,
einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens (lit. a), sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. b)
gerügt werden. Aufgrund von Abs. 2 der gleichen Bestimmung kann hingegen
Unangemessenheit nicht geltend gemacht werden. Diese Regelung entspricht der
Vorschrift von Art. 61 VRP.
Aus Art. 16 IVöB leitet das Verwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung ab, dass
die Beschwerdeinstanz nicht von Amtes wegen eine angefochtene Verfügung auf
allfällige Sachverhaltsmängel oder Rechtswidrigkeiten überprüfen muss, sondern die
Beschwerdeführerin im Einzelnen darzulegen hat, inwiefern die Verfügung mangelhaft
sein soll. Die Beschwerdeführerin muss also dartun, in welchen Punkten die
angefochtene Verfügung auf einem unrichtigen oder unvollständig festgestellten
Sachverhalt beruht oder Rechtsnormen unrichtig oder in Überschreitung bzw.
Missbrauch des Ermessens angewendet wurden (vgl. dazu GVP 1999 Nr. 37 mit
Hinweisen).
2.1. Die Beschwerdeführerin bringt in der Beschwerde vor, in den
Ausschreibungsunterlagen sei als Zuschlagskriterium einzig der Preis mit einer
Gewichtung von 100% genannt. Da sie das gün-stigste Angebot eingereicht habe, sei
ihr der Zuschlag zu erteilen. Nach Meinung der Vorinstanz erweisen sich die Angebote
der Beschwerdeführerin und Beschwerdegegnerin demgegenüber als gleichwertig; die
spezifischen Baustellenkenntnisse der Beschwerdegegnerin hätten den Ausschlag zu
ihren Gunsten gegeben.
2.2. Gemäss Art. 34 Abs. 1 VöB ist der Zuschlag an das wirtschaftlich günstigste
Angebot zu erteilen. Bei der Wirtschaftlichkeit können neben dem Preis weitere
Kriterien berücksichtigt werden. Art. 34 Abs. 2 VöB enthält eine nicht abschliessende
Liste von Zuschlagskriterien; genannt werden etwa Preis, Qualität und Erfahrung. In
Abs. 3 von Art. 34 VöB wird sodann bestimmt, dass die Kriterien mit allfälligen
Unterkriterien im Rahmen der Ausschreibung in der Reihenfolge ihrer Bedeutung oder
mit ihrer Gewichtung bekannt zu geben sind.
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Die erfolgte Festlegung der massgeblichen Zuschlagskriterien mitsamt Gewichtung für
die Bestimmung des wirtschaftlich günstigsten Angebots ist für die Vergabeinstanz
verbindlich. Insoweit ist das Ermessen, das der Vergabeinstanz bei der Bestimmung
des auszuwählenden Angebots zukommt, beschränkt. So widerspricht es
beispielsweise Art. 34 Abs. 3 VöB und dem Grundsatz der Transparenz im
Vergabeverfahren, wenn die Vergabeinstanz in die Bewertung einen Gesichtspunkt
einfliessen lässt, der sich nicht aus den vorgängig publizierten Zuschlagskriterien ergibt
(vgl. Galli/Moser/Lang/Clerc, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 2. Auflage,
Zürich 2007, Rz. 531 mit Hinweisen). Anders verhält es sich allenfalls dann, wenn den
Anbietenden die Änderung der Zuschlagskriterien noch vor der Angebotseinreichung
mitgeteilt wurde und sie somit ihr Angebot im Hinblick auf diese (geänderten)
Zuschlagskriterien einreichen konnten.
2.3. Vorliegend wird in den Ausschreibungsunterlagen als Zuschlagskriterium einzig der
Preis mit einer Gewichtung von 100% genannt. Aufgrund der entsprechenden
Festlegung verblieb der Vorinstanz bei der Beurteilung der eingegangenen Angebote
kein Ermessenspielraum mehr. Sie war vielmehr gehalten, den Zuschlag an das
günstigste Angebot zu vergeben. Daran ändert auch nichts, dass der Vergabeinstanz
zugestanden wird, zwischen gleichwertigen Angeboten nach ihrem pflichtgemässen
Ermessen zu wählen (vgl. Galli/Moser/Lang/Clerc, a.a.O., Rz. 518). Denn hier lagen die
Angebote der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin nach erfolgter
Bewertung anhand der bekannt gegebenen Zuschlagskriterien nicht gleichauf.
Dasjenige der Beschwerdeführerin ist günstiger, wenn auch nur geringfügig.
Gleichwohl erhielt die Beschwerdegegnerin mit ihrem um rund Fr. 850.-- höheren
Angebot den Zuschlag. Dies widerspricht Art. 34 Abs. 3 VöB und dem Grundsatz der
Transparenz im Vergabeverfahren. Es liegt zudem eine Ermessensüberschreitung vor,
zumal die Vorinstanz Ermessen in einem Bereich ausgeübt hat, in dem ihr gar kein
Ermessen mehr verblieb. Der angefochtene Entscheid ist deshalb aufzuheben.
2.4. Gemäss Art. 18 Abs. 1 IVöB kann die Beschwerdeinstanz bei einer Aufhebung der
Zuschlagsverfügung in der Sache selbst entscheiden oder diese an die Vergabeinstanz
mit oder ohne verbindliche Anordnungen zurückweisen. Das Verwaltungsgericht
entscheidet in der Regel nicht selbst, sondern weist die Angelegenheit an die
Vergabeinstanz zurück. Dies liegt darin begründet, dass die Vergabeinstanz bei der
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Bewertung der Angebote regelmässig über einen Ermessensspielraum verfügt.
Vorliegend kommt jedoch für den Zuschlag nur die Beschwerdeführerin in Frage, da sie
das günstigste Angebot eingereicht hat. Es ist deshalb der Beschwerdeführerin der
Zuschlag zu erteilen.
3. Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Vorinstanz aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 3000.-- (inklusive Kosten der Zwischenverfügung vom 21.
Februar 2012) ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Auf die Erhebung der amtlichen Kosten wird nicht verzichtet (Art. 95 Abs. 3
VRP). Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 3'000.--
zurückzuerstatten.
Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 98 Abs. 1 und
Art. 98bis VRP). Ihr Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die
Entschädigung nach Ermessen festzusetzen ist (Art. 6 der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO). Eine Entschädigung
von Fr. 2'000.-- für das Haupt- und Zwischenverfahren ist angemessen (Art. 22 Abs. 1
lit. b HonO).
Demnach hat das Verwaltungsgericht