Decision ID: 5a0d9489-68ce-43d9-9409-887298a98a07
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. A._ hatte seinen Wohnsitz in Chur, bis er sich und seine Familie per
1. Juli 2019 von der Gemeinde abmeldete. Im Fragebogen der Abteilung
Finanzen und Steuern der Stadt Chur gab er an, definitiv ins Ausland zu
ziehen, ohne die Absicht wieder nach Chur zurückzukehren. Als
Wegzugsadresse vermerkte er X._. Die Einwohnerdienste der Stadt
Chur bestätigten die Abmeldung gleichentags (act. C.9).
2. Die Abteilung Finanzen und Steuern der Stadt Chur erteilte der
Steuerverwaltung des Kantons Graubünden (nachfolgend: KSTV GR) am
17. Juli 2019 eine "Vollmacht in Sachen A._", mit welcher die
Steuerverwaltung der Stadt Chur die KSTV GR zum Bezug der Gemeinde-
und Kirchensteuern ab der Steuerperiode 2003 sowie zur Vornahme
weiterer Sicherstellungs- und Inkassomassnahmen in Sachen A._
ermächtigte (act. C.11).
3. Die KSTV GR erliess gleichentags (am 17. Juli 2019) eine
Sicherstellungsverfügung betreffend Steuerforderungen in Sachen A._
und verlangte von Letzterem, er habe eine Sicherheit zur Deckung
folgender Forderungen zu leisten (act. C.10):
Einkommenssteuer Bund 2005 CHF 12'700'000.00
Einkommenssteuer Bund 2006 CHF 1'300'000.00
Einkommenssteuer Bund 2007 CHF 470'000.00
Einkommenssteuer Bund 2008 CHF 1'110'000.00
Einkommenssteuer Bund 2019 CHF 25'000.00
Einkommens- und Vermögenssteuer Kanton 2005 CHF 15'100'000.00
Einkommens- und Vermögenssteuer Kanton 2006 CHF 1'025'000.00
Einkommens- und Vermögenssteuer Kanton 2007 CHF 565'000.00
Einkommens- und Vermögenssteuer Kanton 2008 CHF 1'050'000.00
Einkommens- und Vermögenssteuer Kanton 2019 CHF 370'000.00
Einkommens- und Vermögenssteuer 2005 CHF 14'335'000.00
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Gemeinde / Kirchensteuer
Einkommens- und Vermögenssteuer 2006 CHF 930'000.00 Gemeinde / Kirchensteuer
Einkommens- und Vermögenssteuer 2007 CHF 465'000.00 Gemeinde / Kirchensteuer
Einkommens- und Vermögenssteuer 2008 CHF 1'060'000.00 Gemeinde / Kirchensteuer
Einkommens- und Vermögenssteuer 2019 CHF 365'000.00 Gemeinde / Kirchensteuer
Total (inkl. Zinsen und Kosten) CHF 50'870'000.00
Als Gläubiger führte die KSTV GR die Schweizerische Eidgenossenschaft,
den Kanton Graubünden und die Stadt Chur auf, wobei sie alle drei
vertreten würde. Die Sicherheit sei in Geld, hypothekarisch, durch
Hinterlegung sicherer, marktgängiger Wertschriften oder durch Bürgschaft
zu leisten und habe innert zehn Tagen zu erfolgen. Zur Begründung gab sie
an, der Einzug der Forderungen scheine gefährdet; der Wohnsitz des
Schuldners befinde sich im Ausland.
4. A._ hat am 16. August 2019 mit Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden die Aufhebung dieser
Sicherstellungsverfügung unter Kosten- und Entschädigungsfolge
beantragen lassen (act. A.1).
Begründend führt er in formeller Hinsicht zunächst ins Feld, es sei fraglich,
ob die Delegation des Steuerbezugs bzw. des Erlasses einer
Sicherstellungsverfügung von der Stadt Chur an die KSTV GR überhaupt
zulässig sei. Dies werde bestritten.
Materiell bringt der Beschwerdeführer vor, er habe sein Hauptsteuerdomizil
in der Stadt Chur gehabt, bis er sich per 30. Juni 2019 mit seiner Familie
nach X._ abgemeldet habe. Er habe eine Zustelladresse sowohl für
Steuerverfügungen als auch für allfällige Inkassomassnahmen benannt. Die
KSTV GR habe die neue Wohnsituation zum Anlass genommen, die
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angefochtene Sicherstellung zu verfügen. Der Beschwerdeführer habe
seine wirtschaftlichen Aktivitäten und sein Vermögen mittels verschiedener
Gesellschaften strukturiert. Durch Umstrukturierungen sei im Jahr 2019
eine Vereinfachung und gleichzeitig eine Anpassung an die verschiedenen
internationalen Engagements erfolgt (act. B.8 und B.9). Der
Beschwerdeführer habe für die Umstrukturierungen bei den zuständigen
Steuerbehörden Vorbescheide (Steuerrulings) eingeholt (vgl. act. B.10),
damit Einigkeit über die steuerlichen Folgen der geplanten Schritte
herrsche. Abgesehen von den Beteiligungsrechten verfüge er über keine
nennenswerten Vermögenswerte. Die übrigen Aktiven der Ehegatten
würden aus dem Wertschriftenverzeichnis der Steuererklärung für das Jahr
2017 hervorgehen. Sie würden rund CHF 7 Mio. betragen und
Nominalwerte bzw. Verkehrswerte darstellen (vgl. act. B.11). Bei Schulden
von rund CHF 14.5 Mio. resultiere ein steuerbares Vermögen von CHF 0.
In der Steuerrechnung für das Jahr 2019 der Stadt Chur werde hingegen
ein Vermögen von CHF 200 Mio. angeführt (vgl. act. B.12), was darauf
schliessen lasse, dass die Steuerbehörden seiner Beteiligung an der
B._ AG, Chur, diesen Wert beimessen würden.
Am 27./28. März 2013 habe der Beschwerdeführer mit der Eidgenössischen
Steuerverwaltung, der KSTV GR, der Steuerverwaltung der Stadt Chur
sowie der Steuerverwaltung des Kantons Zürich einen
Sicherungshinterlegungsvertrag (act. B.13 = act. C.1) betreffend sämtliche
Aktien der B._ AG zur Sicherung von etwaigen Steuerschulden und
allfälligen Bussen des Beschwerdeführers sowie der ehemaligen C._
AG [spätere D._ AG, welche inzwischen aus dem Handelsregister
gelöscht wurde] und E._ AG [inzwischen ebenfalls aus dem
Handelsregister gelöscht] für die Steuerperioden 2003 bis 2008
abgeschlossen. Dabei habe die KSTV GR massgebenden Einfluss auf den
Wortlaut gehabt. Hintergrund sei gewesen, dass die Abteilung
Strafuntersuchungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (nachfolgend:
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ASU) ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung geführt
und in diesem Zusammenhang im Jahr 2010 Vermögenswerte des
Beschwerdeführers und von verschiedenen durch ihn gehaltenen
Gesellschaften beschlagnahmt sowie Grundbuchsperren über die
Liegenschaften der ehemaligen F._ AG [welche durch die heutige
G._ AG (als Rechtsnachfolgerin unter anderem der E._ AG) sowie
durch die B._ AG übernommen wurde] gelegt habe, wobei die ASU
ursprünglich ein Haftungssubstrat in der Höhe von ca. CHF 151 Mio. als
notwendig erachtet habe. Der Beschwerdeführer habe gegen die
Beschlagnahmungen und Grundbuchsperren erfolgreich Beschwerde beim
Bundesstrafgericht geführt; der Betrag sei gerichtlich massiv nach unten
korrigiert worden. Die Grundbuchsperren hätten im Markt und bei den
Banken für Verunsicherung gesorgt und seien daher zeitnah durch eine
Solidarbürgschaft der damaligen F._ AG abgelöst worden. Die
Bürgschaft habe im Anhang zur Jahresrechnung offengelegt werden
müssen, was den Geschäftsverkehr mit den Banken weiterhin erschwert
habe. In längeren Verhandlungen sei es gelungen, den vorerwähnten
Sicherungshinterlegungsvertrag betreffend Sicherstellung der relevanten
Steuern abzuschliessen. Mit dem Zustandekommen dieses Vertrages
hätten die Steuerbehörden die Sicherheiten akzeptiert. Der Wert der mit
Pfandrecht hinterlegten Aktien der B._ AG betrage ein Vielfaches der
hier sicherzustellenden Steuern. Die Aktien seien bei Rechtsanwalt Dr. iur.
H._ hinterlegt. Als zusätzliche Sicherheit habe die B._ AG zudem
gemäss separatem Escrow-Vertrag die ihr gehörenden Aktien an der
I._ AG und letztere ihrerseits sodann die in ihrem Eigentum stehenden
Aktien an der ehemaligen K._ AG [welche heute der G._ AG
entspricht], hinterlegt. Der Beschwerdeführer habe somit wertmässig den
wesentlichen Teil seines gesamten Vermögens den Steuerbehörden von
Bund, der Kantone Graubünden und Zürich sowie der Stadt Chur als
Sicherheit verpfändet. Die Verträge seien auf unbeschränkte Dauer
geschlossen worden und noch heute in Kraft. Sie könnten durch den
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Beschwerdeführer nicht einseitig abgeändert werden. Sämtliche
Sicherheiten stünden den involvierten Steuerbehörden weiterhin zur
Deckung ihrer Forderungen zur Verfügung. Die Pfandverwertung dürfe
gemäss Sicherungshinterlegungsvertrag einzig erfolgen, wenn eine im
Vertrag erwähnte Forderung nach Eintritt der Rechtskraft nicht innert Frist
bezahlt werde. Es seien indes keine von der hier angefochtenen
Sicherstellungsverfügung betroffenen Steuerperioden rechtskräftig
veranlagt. Die Veranlagungsverfügungen für die Steuerperioden 2006 bis
2008 seien erst kürzlich versandt worden und würden noch angefochten
werden; das Beschwerdeverfahren zur Steuerveranlagung des Jahres 2005
sei noch hängig.
Der Beschwerdeführer habe dafür gesorgt, dass mit der Umstrukturierung
seiner Unternehmen im Jahr 2019 der Sicherungshinterlegungsvertrag
nicht verletzt würde. Die Aktien der B._ AG seien nach wie vor
vollumfänglich beim Aufbewahrer zu Gunsten der involvierten
Steuerbehörden als Faustpfand hinterlegt und auch wertmässig ergebe sich
durch die Neustrukturierung der Gruppe keine Änderung. Eine
entsprechende Bestätigung der betroffenen Parteien liege vor. Die KSTV
GR habe im unterzeichneten Ruling vom 18. April 2019 ausdrücklich auf ein
Bestätigungsschreiben der Anwälte des Beschwerdeführers von der Bär &
Karrer AG vom 2. April 2019 Bezug genommen, welches dies bestätige. Die
M._ S.à.r.l., Luxemburg, als heutige Eigentümerin der Aktien habe sich
gegenüber den Steuerbehörden auch zur Weitergeltung bekannt. Ferner
hätten die Steuerbehörden, welche Parteien des
Sicherungshinterlegungsvertrags seien, der Umstrukturierung mittels
Rulings ohne Vorbehalte und in voller Kenntnis des gesamten
rechtserheblichen Sachverhalts zugestimmt.
Was das Steuerjahr 2019 betreffe, seien die Steuerbeträge gemessen am
Gesamtbetrag relativ bescheiden. Der Beschwerdeführer habe von der
Stadt Chur zwei provisorische Steuerrechnungen (eine pro Halbjahr) im
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Umfang von je CHF 181'342.00 erhalten. Die erste davon habe er –
entsprechend der halbjährigen Dauer seines Wohnsitzes in Chur im Jahr
2019 (pro rata) – bereits beglichen. Zudem habe er die KSTV GR durch
Rechtsanwalt Dr. iur. H._ um Zustellung der noch fehlenden
Rechnungen betreffend die Bundes- und Kantonssteuern ersuchen lassen.
Er werde auch diese Rechnungen nach Erhalt umgehend begleichen. Im
Bestreitungsfall biete er Rechtsanwalt Dr. iur. H._ als Zeuge an.
Zusammenfassend ergebe sich, dass der Wohnsitzwechsel Mitte 2019 mit
Vorliegen des Sicherungshinterlegungsvertrags die Vollstreckung der
Steuerforderungen überhaupt nicht gefährde. Es liege weder eine konkrete
noch eine abstrakte Gefährdung einer Steuerforderung vor. Die
angefochtene Sicherstellungsverfügung erfülle daher die gesetzlichen
Voraussetzungen nicht. Zudem bestehe auch für das Jahr 2019 infolge
Bezahlung der provisorischen Steuerrechnung der Stadt Chur bzw.
angebotener Zahlung an die KSTV GR betreffend die direkte Bundessteuer
und Kantonssteuern kein Sicherstellungsbedürfnis. Das Verhalten der
Steuerbehörden (mithin der Erlass der Sicherstellungsverfügung vor dem
Hintergrund des Sicherungshinterlegungsvertrags) verstosse gegen das
Prinzip von Treu und Glauben und sei willkürlich. Es liege ferner kein
öffentliches Interesse vor und das Verhältnismässigkeitsprinzip sei
offensichtlich verletzt. Mit der Prosequierung der Sicherstellungsverfügung
resp. des gestützt darauf erwirkten Arrestes bestehe das erhebliche Risiko,
dem Beschwerdeführer ohne Notwendigkeit die finanzielle Existenz zu
entziehen.
Die vormalige Instruktionsrichterin hat die Beschwerde mit Verfügung vom
21. August 2019 (act. E.1) der KSTV GR zur Kenntnis zugestellt, verbunden
mit der Möglichkeit sich vernehmen zu lassen. Gleichzeitig hat sie die Stadt
Chur zur Teilnahme am Verfahren eingeladen und ihr als Beigeladene
dieselben Rechte wie den Hauptparteien zugestanden.
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5. Am 4. September 2019 hat die KSTV GR mit Hinweis auf die verschiedenen
parallelen Verfahren zwischen ihr und dem Beschwerdeführer die
Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis Ende 2019 beantragt und
ausgeführt, der Beschwerdeführer habe diesem Antrag per E-Mail
zugestimmt (act. E.2 mit Beilage).
Mit Verfügung vom 6. September 2019 (act. E.3) hat die vormalige
Instruktionsrichterin diesem Antrag stattgegeben und das Verfahren bis
zum 31. Dezember 2019 sistiert.
6. Die Instruktionsrichterin hat die KSTV GR mit Verfügung vom 3. Januar
2020 dazu aufgefordert, zum weiteren Vorgehen Stellung zu nehmen
(act. E.4). Die KSTV GR hat das Gericht daraufhin ersucht, ihr eine Frist zur
Einreichung einer Vernehmlassung anzusetzen (act. E.5), zumal sie an der
angefochtenen Sicherstellungsverfügung festhalte. Dieses Schreiben ist
am 16. Januar 2020 dem Beschwerdeführer zur Kenntnis zugestellt worden
(act. E.6).
7. Mit Verfügung vom 16. Januar 2020 hat die Instruktionsrichterin der KSTV
GR und der Stadt Chur eine Frist zur Einreichung einer Vernehmlassung
bis zum 14. Februar 2020 angesetzt (act. E.7).
8. Die KSTV GR hat ihre Stellungnahme am 14. Februar 2020 eingereicht (act.
A.2) und die kostenfällige Abweisung der Beschwerde beantragt.
Sie bringt vorab vor, die Delegation der Stadt Chur an sie sei gültig. Im
Weiteren führt sie aus, die sichergestellten Steuern seien tatsächlich
gefährdet. Der Beschwerdeführer habe seinen Wohnsitz ins Ausland
verlegt, was alleine schon ausreiche, um eine Sicherstellung zu
rechtfertigen. Die Bezahlung der geschuldeten Steuern erscheine aber
auch aus weiteren Gründen als gefährdet. Die Gefährdung könne sich dabei
objektiv aus den gesamten Umständen ergeben. Es liege zudem keine
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genügende Sicherstellung durch den Beschwerdeführer vor, welche die
zwingenden gesetzlichen Anforderungen erfülle. Die Behauptung, dass das
durch den Sicherungshinterlegungsvertrag eingeräumte Faustpfand den
strittigen Betrag bei Weitem decke, sei ungenügend substanziiert. Die
hinterlegten Aktien seien nicht marktgängig. Aus der Bilanz per 31.
Dezember 2012 ergebe sich ferner ein deutlich negatives Eigenkapital resp.
eine Überschuldung. Die Werthaltigkeit könne daher mindestens für die in
Rede stehenden Steuerschulden keinesfalls als genügend qualifiziert
werden. Dazu komme, dass eine Verwertung der Aktien nicht möglich sei,
solange die Steuern der fraglichen Steuerperioden nicht rechtskräftig
veranlagt seien, was noch nicht der Fall sei – anders als bei den
Steuerperioden 2003 und 2004, bei denen die KSTV GR die Betreibung auf
Pfandverwertung eingeleitet habe und sich damit an den
Sicherungshinterlegungsvertrag gehalten habe. Die KSTV GR habe für die
hier sichergestellten Beträge auch keinen Rechtsöffnungstitel, weshalb
vorliegend eine Betreibung auf Pfandverwertung nicht in Frage komme. Das
Vorgehen der KSTV GR könne nicht als treuwidrig oder willkürlich
angesehen werden.
Der Erlass der Sicherstellungsverfügung würde sich aber auch aus weiteren
Gründen rechtfertigen lassen. Insbesondere bestehe die Gefahr, dass die
hinterlegten Aktien, welche per se nicht als genügende Sicherstellung
gölten, aus zwei Gründen keine (genügende) Sicherheit darstellen würden.
Einerseits seien betreffend die verschiedenen Unternehmen des
Beschwerdeführers mehrere Umstrukturierungsschritte geplant, wovon
einer bereits rückwirkend per 1. Januar 2019 umgesetzt worden sei. Diese
Umstrukturierungen würden alle den Sicherungshinterlegungsvertrag
verletzen, zumal verschiedene (ausländische) Gesellschaften zwischen
den Beschwerdeführer und die B._ AG geschaltet worden seien.
Vertreter des Beschwerdeführers hätten die Absicht mitgeteilt,
verschiedene weitere Fusionen durchzuführen; als Folge davon würde es
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die Gesellschaften, deren Aktien gemäss Sicherungshinterlegungs- und
Escrow-Vertrag hinterlegt worden seien, nicht mehr geben, sodass die
KSTV GR keine Sicherheiten mehr hätte. Andererseits könnten neben den
erwähnten Umstrukturierungen die als Sicherheit hinterlegten Aktien auch
durch eine Aushöhlung wertlos werden und damit den Bezug der Steuern
gefährden. Dies sei etwa der Fall, wenn der Beschwerdeführer
entsprechende Ausschüttungen vornehmen würde. Die Sicherstellung sei
daher auch vor diesem Hintergrund nötig gewesen.
Entgegen den Beteuerungen des Beschwerdeführers seien ferner die
provisorischen Rechnungen für die Bundes- und Kantonssteuern des
Jahres 2019 bis heute nicht beglichen. Eine Sicherstellungsverfügung sei
somit auch mit Bezug auf die Steuerperiode 2019 gerechtfertigt gewesen.
Abschliessend sei zu betonen, dass die "finanzielle Existenz" des
Beschwerdeführers keinesfalls "vernichtet" würde. Die Sicherheiten würden
zur Tilgung von Steuerverbindlichkeiten nur herangezogen, soweit solche
Verbindlichkeiten bestünden und die Ausstände nicht anderweitig erhältlich
gemacht werden könnten. Zudem bleibe auch unter der angefochtenen
Sicherstellungsverfügung die Möglichkeit des Beschwerdeführers gewahrt,
auf die Geschäftspolitik der B._ AG Einfluss zu nehmen. Diese werde
auch tatsächlich wahrgenommen, wie bspw. die vom Beschwerdeführer
selbst ins Feld geführte Umstrukturierung beweise.
Die Instruktionsrichterin hat diese Stellungnahme am 18. Februar 2020 dem
Beschwerdeführer zugestellt, mit der Möglichkeit, bis zum 2. März 2020
eine Replik einzureichen (act. E.8). Letztere Frist ist auf Gesuch des
Beschwerdeführers vom 20. Februar 2020 (act. E.9) antragsgemäss bis
zum 31. März 2020 erstreckt worden (act. E.10).
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9. Der Beschwerdeführer hat am 31. März 2020 seine Replik eingereicht, mit
der er im Wesentlichen an den in der Beschwerde gestellten Begehren und
geltend gemachten Ausführungen festhält (act. A.3).
Er lässt vorbringen, die KSTV GR habe bestätigt, dass er die ihm
zugestellten provisorischen Steuerrechnungen für die Jahre 2009 bis 2018
sowie jene der Stadt Chur für das Jahr 2019 bezahlt habe. Sämtliche
Steuern der Jahre 2003 bis 2008 habe er besichert. Zusätzlich habe er in
der Zwischenzeit auch die provisorischen Steuerrechnungen von Kanton
und Bund für das Jahr 2019, die er erst am 27. Januar 2020 erhalten habe,
im Betrag von total CHF 184'089.00 bzw. CHF 11'806.00 beglichen
(Replikbeilagen 2-4, act. B.19-B.21). Das ergebe sich auch aus einer
Übersicht der Steuerforderungen der KSTV GR vom 26. März 2020
(Replikbeilage 6, act. B.23). Ebenso saldiert seien je eine Rechnung der
Stadt Chur und der Gemeinde Y._ für das Jahr 2019 (Replikbeilagen
1, 5 und 7, act. B.18, B.22 und B.24). Eine weitere Rechnung der Stadt
Z._ sei inzwischen storniert, da sie irrtümlich ausgelöst worden sei
(Replikbeilage 8, act. B.25). Es sei störend, dass die KSTV GR suggeriere,
der Beschwerdeführer halte seine Versprechungen nicht. Das Verhalten der
KSTV GR erscheine als untauglicher Versuch, ihn in einem schlechten Licht
erscheinen zu lassen, um eine sachlich nicht zu begründende
Sicherstellungsverfügung zu begründen.
Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, die Sicherstellung stelle einen
Arrestbefehl dar und könne materiell ruinös sein. Ihm werde durch die
angefochtene Verfügung die Erwerbs- und Lebensgrundlage entzogen. Es
nütze ihm nichts, wenn er dereinst den Gegenwert der versilberten Aktien
abzüglich allfälliger rechtskräftig veranlagter Steuerforderungen
ausgehändigt erhalte.
Es treffe zudem nicht zu, dass der ausländische Wohnsitz für sich allein
betrachtet als Voraussetzung für den Erlass einer Sicherstellungsverfügung
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genüge. Die Berufung auf diesen Sicherstellungsgrund in einem Fall ohne
das Vorhandensein einer Gefährdung des Steuerbezugs verstosse gegen
den Grundsatz von Treu und Glauben und sei rechtsmissbräuchlich. Das
Kernziel der Ermöglichung der Zwangsvollstreckung trotz ausländischem
Wohnsitz sei beim Beschwerdeführer ganz offensichtlich erfüllt. Die
verlangte Sicherstellung sei abgesehen davon ohnehin unnötig, weil der
Steuerbezug in der Schweiz zufolge der Pfandbestellung sichergestellt sei,
genau gleich wie dies bei einem weiterbestehenden schweizerischen
Wohnsitz des Beschwerdeführers der Fall gewesen wäre. Bei
pfandgesicherten Steuerforderungen bestehe seitens der Steuerbehörden
kein Sicherungsbedürfnis mehr, da diese durch Einleitung der Betreibung
auf Pfandverwertung auf den ihnen vorbehaltenen Vermögenswert greifen
könnten. Dem Einwand der KSTV GR, die verpfändeten Aktien der B._
AG seien nicht marktgängig, entgegnet der Beschwerdeführer, die
Steuerbehörden seien gesetzlich befugt, anderweitige Sicherheiten als die
in den Art. 169 DBG und Art. 158 StG/GR genannten entgegenzunehmen,
so wie es die KSTV GR in der Vereinbarung mit ihm im Jahr 2013 getan
habe.
Am 16./17. Dezember 2019 sei zudem eine weitere Vereinbarung zwischen
der KSTV GR, auch als Vertreterin der Eidgenössischen Steuerverwaltung
und der Stadt Chur, und dem Beschwerdeführer unterzeichnet worden
(Replikbeilage 9, act. B.26). Diese Vereinbarung habe die in Betreibung
gesetzten Steuerforderungen für die Steuerperioden 2003 und 2004 und
den Umgang mit den 200 hinterlegten Aktien der B._ AG zum
Gegenstand und stütze sich ausdrücklich auf den
Sicherungshinterlegungsvertrag vom 27./28. März 2013. Sie bestätige und
präzisiere unter anderem das bereits gemäss
Sicherungshinterlegungsvertrag geregelte Verfahren für den Fall, dass die
KSTV GR zur Stellung eines Verwertungsbegehrens befugt werden sollte.
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Mit dem Sicherungshinterlegungsvertrag habe der Beschwerdeführer
faktisch sein gesamtes Vermögen verpfändet und das Pfand sei bei einem
neutralen Aufbewahrer hinterlegt. Ein Mehr an Sicherheit sei im
vorliegenden Fall objektiv nicht möglich. Mit der zusätzlich anbegehrten
Sicherstellung erlange die KSTV GR somit im Vergleich zum
vorbestehenden Faustpfand und zum vertraglich geregelten Verfahren
wirtschaftlich keinerlei Vorteile. Sie erreiche damit bloss, dass sie den
Beschwerdeführer als Bürger in den Ruin treibe, was ganz offensichtlich
unmöglich dem gesetzgeberischen Willen entsprechen könne; das
Vorgehen der KSTV GR sei krass rechtsmissbräuchlich.
Den Verweis der KSTV GR auf die Bilanz der B._ AG per 31.
Dezember 2012 hält der Beschwerdeführer für verfehlt: Es stelle eine
vereinfachte, unzulässige Art dar, eine Bilanz zu betrachten, die abgesehen
davon bereits sieben Jahre alt sei. Er verzichte ausdrücklich darauf, sich
zur aktuellen finanziellen Situation der Gesellschaft zu äussern.
Bezüglich der Umstrukturierungen hält der Beschwerdeführer fest, diese
seien durchaus kompatibel mit dem Sicherungshinterlegungsvertrag und
würden keinerlei Gefährdung der Steuerforderungen mit sich bringen. Der
Sicherungshinterlegungsvertrag verunmögliche die Übertragung von Aktien
vom Beschwerdeführer an von ihm beherrschte Gesellschaften nicht,
sofern letztere ebenfalls durch den Sicherungshinterlegungsvertrag
gebunden seien und das Pfandrecht und somit die Sicherheit auch weiterhin
aufrecht erhalten bleibe. Diese Voraussetzungen seien gegeben: Der
Beschwerdeführer habe im Jahr 2019 die Aktien an eine von ihm zu 100%
indirekt gehaltene und kontrollierte Gesellschaft (die M._ S.à.r.l.)
übertragen. Mit Unterzeichnung des Rulings zur Übertragung vom 18. April
2019 habe die KSTV GR die Zulässigkeit der Umstrukturierung in
Einhaltung des Sicherungshinterlegungsvertrags bestätigt. Die zweite
Phase der Umstrukturierung (geplante Verschmelzung der oberen
Gesellschaften B._ AG, I._ AG und G._ AG) werde vorläufig
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nicht vollzogen, da die KSTV GR diesbezüglich Vorbehalte angemeldet
habe. Jede weitere Umstrukturierung würde nur erfolgen, nachdem diese
mit den Steuerbehörden besprochen worden und, soweit notwendig, auch
der Sicherungshinterlegungsvertrag angepasst worden sei, damit die
bestehende Sicherheit nicht geschmälert werde oder wegfalle. Es bestehe
schliesslich auch keine Gefahr, dass die mit den Aktien geleistete Sicherheit
durch Ausschüttungen ausgehöhlt werde, denn diese könnten gemäss
Sicherungshinterlegungsvertrag und Escrow-Vertrag eben gerade nicht
vorgenommen werden.
Die Instruktionsrichterin hat die Replik am 1. April 2020 der KSTV GR
zugestellt und ihr die Möglichkeit zur Einreichung einer Duplik eingeräumt
(act. E.11).
10. Mit Schreiben vom 8. April 2020 (act. A.4) hat der Beschwerdeführer eine
undatierte und nicht unterzeichnete Tabelle der Steuerbeträge, Zahlungen
und Ausstände (ohne Verzugszins) für die Jahre 2003 bis 2019 (act. B.28)
nachgereicht und angegeben, es handle sich um die Saldoübersicht der
Stadt Chur. Das Schreiben ist am 9. April 2020 der KSTV GR samt Beilage
zur Kenntnis zugestellt worden (act. E.12).
11. Am 29. April 2020 hat die KSTV GR ihre Duplik eingereicht (act. A.5). Sie
hält darin ebenfalls im Wesentlichen an den Ausführungen in der
Vernehmlassung vom 14. Februar 2020 fest.
Zusätzlich führt sie aus, dass die Vereinbarung vom 16./17. Dezember 2019
(Duplikbeilage 3, act. C.17 = act. B.26) im Zusammenhang mit dem
Arrestbefehl zum Vollzug der angefochtenen Sicherstellungsverfügung
stehe (Duplikbeilagen 1-2, act. C.15-C.16). Dieser sei, wie die
Sicherstellungsverfügung selbst, am 17. Juli 2019 erlassen worden. Darin
habe die KSTV GR unter anderem beantragt, die Überschüsse aus der
ebenfalls am 17. Juli 2019 eingeleiteten Betreibung auf Pfandverwertung
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(Pfand: Aktien der B._ AG) mit Arrest zu belegen. In Ziff. 3 der neuen
Vereinbarung sei nun festgehalten worden, dass die Gläubiger das
Eigentum der M._ S.à.r.l. an den Aktien der B._ AG für das
Arrestverfahren anerkennen würden. Die KSTV GR habe dies dem
Betreibungs- und Konkursamt Plessur mit Schreiben vom 23. Dezember
2019 (Duplikbeilage 4, act. C.18) unter Beilage der erwähnten Vereinbarung
mitgeteilt. Die erwähnten Überschüsse an den Aktien der B._ AG seien
daraufhin mit Schreiben des Betreibungs- und Konkursamts Plessur vom 9.
Januar 2020 per sofort aus dem Arrest entlassen worden (Duplikbeilage 5,
act. C.19). Insofern treffe die Behauptung des Beschwerdeführers nicht zu,
dass sein gesamtes Vermögen versilbert und ihm dadurch die Erwerbs- und
Lebensgrundlage entzogen werde.
Bezüglich der Auslegung des Sicherungshinterlegungsvertrags sei dem
Beschwerdeführer ebenfalls zu widersprechen: Mit dem Vertrag habe eben
genau ausgeschlossen werden sollen, dass die Aktien vom
Beschwerdeführer veräussert, übertragen oder zu einer weiteren
Besicherung herangezogen würden. Nach dem klaren Wortlaut des
Vertrags habe das Eigentum an den Aktien beim Hinterleger bzw.
Beschwerdeführer bleiben und die Aktien von ihm direkt gehalten werden
sollen. Diese vertraglichen Verpflichtungen habe er mit der Übertragung der
Aktien auf die luxemburgische M._ S.à.r.l. klar verletzt.
Weiter sei zu präzisieren, dass sich die KSTV GR mit der Unterzeichnung
eines Rulings lediglich mit der darin aufgezeigten steuerlichen Würdigung
bzw. den aufgezeigten Steuerfolgen einverstanden erkläre. Hingegen
könne und müsse die KSTV GR nicht mit der eigentlichen Transaktion (hier:
mit der Umstrukturierung an sich) einverstanden sein. Diese könne
unabhängig von der Unterzeichnung des Rulings erfolgen und von der
KSTV GR nicht verhindert werden, sollte sie damit nicht einverstanden sein.
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Zusammenfassend liege ein Sicherstellungsgrund vor bzw. die Gefährdung
der Steuerforderungen sei zumindest glaubhaft gemacht worden. Unter
Würdigung sämtlicher Umstände sei die Sicherstellungsverfügung zu Recht
ergangen. Folglich erweise sich die Beschwerde als unbegründet und sei
abzuweisen.
Die Instruktionsrichterin hat die Duplik mit Schreiben vom 30. April 2020
dem Beschwerdeführer zur Kenntnis zugestellt und ihm eine
Stellungnahme innert Frist freigestellt sowie ihn eingeladen, die Kostennote
mit allfälliger Honorarvereinbarung einzureichen (act. E.13).
12. Mit Stellungnahme vom 11. Mai 2020 (act. A.6) macht der
Beschwerdeführer geltend, die KSTV GR anerkenne das Dritteigentum an
den Aktien der B._ AG ausdrücklich. Das Faustpfand zu ihren Gunsten
bestehe weiterhin vollumfänglich. Aus der Arrestvollzugsurkunde vom 18.
Juli 2019 gehe hervor, dass der Schätzungswert der insgesamt
verarrestierten Gegenstände (und somit der Gesamtwert der
Sicherstellung) total CHF 63'276.00 betrage. Das Ergebnis des
vorliegenden Verfahrens und der gestützt darauf erfolgten Arrestlegung
könne somit höchstens in diesem Betrag bestehen. Der Beschwerdeführer
habe diese Summe im September 2019 beim Betreibungs- und Konkursamt
Plessur in bar hinterlegt, um die verarrestierten Objekte zu ersetzen.
Gestützt darauf seien die verarrestierten Objekte freigegeben worden.
Der Beschwerdeführer habe der KSTV GR angeboten, zur Erledigung des
Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht das Betreibungs- und Konkursamt
Plessur anzuweisen, mit dem Dahinfallen des verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahrens den obgenannten Betrag von CHF 63'276.00 nicht
zurück an ihn, sondern an die KSTV GR als Akonto für die allfälligen
Steuerforderungen der Jahre 2005-2008 zu überweisen. Die KSTV GR
habe dieses Angebot ohne jegliche Begründung ausgeschlagen (vgl.
Beilage 1, act. B.29).
- 17 -
In Bezug auf die Zustimmung der KSTV GR zur beabsichtigten
Umstrukturierung sei festzuhalten, dass sie nicht nur das Ruling
gegengezeichnet und somit ihr Einverständnis zur steuerlichen Würdigung
dargelegt habe. Sie habe auch auf das Schreiben von der Bär & Karrer AG
vom 2. April 2019 verwiesen, in welchem zum einen ausgeführt werde, dass
der erste Teil der Umstrukturierung (Übertragung der Aktien) den
Sicherungshinterlegungsvertrag nicht verletze, und zum anderen, dass der
zweite Teil der Umstrukturierung nur umgesetzt werden könne, wenn der
Sicherungshinterlegungsvertrag angepasst werde (da dieser Teil der
Umstrukturierung den Vertrag verletzen würde). Er werde vorderhand
darauf verzichten, diesen Teil umzusetzen. Der Verweis auf dieses
Schreiben wäre unnötig gewesen, wenn die KSTV GR damit nicht ihre
Zustimmung hätte ausdrücken bzw. zum Ausdruck habe bringen wollen,
dass sie den Sicherungshinterlegungsvertrag gleich auslege. Es würde im
Übrigen der schweizweiten Ruling-Praxis klar widersprechen, wenn die
KSTV GR ein Ruling genehmigen würde, ohne allfälllige, aus ihrer Sicht mit
dem Fall direkt zusammenhängende Unstimmigkeiten zu berücksichtigen.
Die Verweigerung der Zustimmung zu einem Ruling sei ein probates Mittel,
widersprüchliches Verhalten der anfragenden Partei zu verweigern.
Auch diese Stellungnahme ist der KSTV GR am 12. Mai 2020 mit Frist zur
freigestellten Stellungnahme zugestellt worden (act. E.14).
13. Die KSTV GR hat mit Schreiben vom 20. Mai 2020 (act. A.7) auf eine
Quadruplik verzichtet. Im gleichen Schreiben hat sie hinsichtlich einer
allfälligen Parteientschädigung ausgeführt, der geltend gemachte Aufwand
von 178.75 Stunden sei massiv zu hoch und klar nicht notwendig. Nach
ihrer Auffassung sei zudem fraglich, ob ein Interessenwertzuschlag in der
Höhe des Honorars noch verhältnismässig sei.
Dieses Schreiben ist am 25. Mai 2020 dem Beschwerdeführer zur
Kenntnisnahme übermittelt worden (act. E.15).
- 18 -
14. Auf die angefochtene Sicherstellungsverfügung sowie auf die
Begründungen in den Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Sicherstellungsverfügungen in Steuersachen können mit Beschwerde beim
Verwaltungsgericht als einzige kantonale Beschwerdeinstanz angefochten
werden, und zwar sowohl soweit diese die direkte Bundessteuer (Art. 169
Abs. 3 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14.
Dezember 1990 [DBG; SR 642.11] in Verbindung mit Art. 104 Abs. 3 DBG
und Art. 166 Abs. 3 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden vom
8. Juni 1986 [BR 720.000], nachfolgend mit StG/GR abgekürzt), als auch
die Kantonssteuern (Art. 158 Abs. 3 StG/GR) oder Gemeinde- und
Kirchensteuern betreffen (Art. 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Gemeinde-
und Kirchensteuern vom 31. August 2006 [GKStG; BR 720.200] in
Verbindung mit Art. 158 Abs. 3 StG/GR). Im vorliegend zu beurteilenden
Fall ist das Verwaltungsgericht sachlich und örtlich für die Beurteilung der
Beschwerde zuständig. Der Beschwerdeführer ist als Adressat der
angefochtenen Verfügung beschwert und damit zur Beschwerdeerhebung
legitimiert. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist demnach grundsätzlich einzutreten.
1.2. Das Verwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich in Dreierbesetzung
(Art. 43 Abs. 1 VRG). In Fünferbesetzung befindet das Gericht bei
Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung (Art. 43 Abs. 2 lit. c VRG) und
auf Anordnung der Vorsitzenden (Art. 43 Abs. 2 lit. d VRG).
Zuständig ist hier die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts (siehe Art. 6 lit. d,
e und f der Verordnung über die Organisation des Verwaltungsgerichts vom
5. Dezember 2008 [VGV; BR 173.300]). Der Streitwert beträgt rund CHF 50
Mio. Die Frage der Zulässigkeit der Delegation des Steuerbezugs und damit
- 19 -
einhergehend der Sicherstellung stellt eine Frage von grundsätzlicher
Bedeutung dar, die im Entscheid des Verwaltungsgerichts PVG 2018 Nr. 17
explizit offengelassen wurde. Aus diesem Grund hat die Vorsitzende eine
Fünferbesetzung angeordnet. Da ein Verwaltungsrichter im Ausstand ist, ist
ein Mitglied des Kantonsgerichts als Ersatzrichter beizuziehen (Art. 19
Abs. 2 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 16. Juni 2010 [GOG;
BR 173.000]).
2. Der Streitgegenstand des vorliegenden Falles betrifft einerseits die Frage,
ob die gesetzlichen Voraussetzungen für den Erlass einer
Sicherstellungsverfügung erfüllt sind und damit die angefochtene
Sicherstellungsverfügung vom 17. Juli 2019 betreffend die
Steuerforderungen des Bundes, des Kantons Graubünden und der Stadt
Chur für die Steuerperioden 2005-2008 und 2019 gegenüber dem
Beschwerdeführer rechtmässig erging. Andererseits ist nachstehend auch
der Umfang der angefochtenen Sicherstellungsverfügung zu prüfen. Soweit
hingegen in der Replik der Bezug von Steuern anderer Gemeinden als
derjenigen der Stadt Chur thematisiert wird und der Beschwerdeführer die
KSTV GR darum ersucht, ihm die entsprechenden, noch nicht beglichenen
provisorischen Gemeindesteuerrechnungen zuzustellen, ist darauf nicht
einzutreten, da sich diese Vorbringen ausserhalb des Streitgegenstands
bewegen.
3. In formeller Hinsicht ist zunächst zu prüfen, ob die Delegation des Bezugs
der Gemeinde- und Kirchensteuern ab der Steuerperiode 2003 sowie des
Erlasses einer Sicherstellungsverfügung mittels Vollmacht von der Stadt
Chur an die KSTV GR rechtmässig ist. Mit anderen Worten ist zu beurteilen,
ob die KSTV GR für die Stadt Chur die Sicherstellung der Gemeindesteuern
und katholischen Kirchensteuern auf das Einkommen und Vermögen des
Beschwerdeführers im Umfang von insgesamt CHF 17'155'000.00 verfügen
durfte.
- 20 -
3.1. Der Beschwerdeführer verweist diesbezüglich auf das Urteil des
Verwaltungsgerichts A 17 40 vom 6. Dezember 2017 (publiziert als PVG
2018 Nr. 17). Das streitberufene Gericht habe festgehalten, dass sowohl
der Bezug der Gemeindesteuern als auch eine allfällige Sicherstellung
derselben der jeweils zuständigen Gemeinde und nicht der KSTV GR
obliege (E. 6.b). Ob eine Delegation wie die hier zur Diskussion stehende
in Anbetracht von Art. 4 Abs. 4 GKStG überhaupt zulässig sei, werde
bezweifelt. Die Frage sei im zitierten Urteil offengelassen worden. Er
bestreite die Zulässigkeit einer solchen Delegation ausdrücklich.
Die KSTV GR stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass nach
dem Gemeindegesetz des Kantons Graubünden vom 17. Oktober 2017
(GG; BR 175.050) eine Delegation zulässig sei. Dieses erlaube
ausdrücklich, Gemeindeaufgaben an Dritte zu delegieren, was
insbesondere durch Erlass oder Vertrag erfolgen könne. Die von der Stadt
Chur mit Vollmacht an die KSTV GR delegierte Kompetenz zur
Sicherstellung von Steuerforderungen sei damit nicht zu beanstanden. Aus
der vom Beschwerdeführer angesprochenen Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichts könne e contrario abgeleitet werden, dass bei einer
Delegation von der Gemeinde an den Kanton eine
Sicherstellungsverfügung auch für die Gemeindesteuern möglich sei.
Folglich habe die KSTV GR die umstrittene Sicherstellungsverfügung nicht
nur für den Bund und den Kanton, sondern auch für die Stadt Chur erlassen
dürfen.
3.2. Das Verwaltungsgericht hat im erwähnten Entscheid (Urteil des
Verwaltungsgerichts A 17 40 vom 6. Dezember 2017 E. 6.b = PVG 2018
Nr. 17; vgl. auch das Urteil des Verwaltungsgerichts A 18 52 vom 19. März
2019 E. 2.3) gestützt auf Art. 4 Abs. 4 GKStG festgehalten, dass sowohl der
Bezug der Gemeindesteuern und Kirchensteuern als auch eine allfällige
Sicherung derselben grundsätzlich der zuständigen Gemeinde obliegt und
die KSTV GR von sich aus solche Steuern weder einziehen noch hierfür
- 21 -
Sicherstellung verfügen darf. Die Frage, ob eine Delegation des Bezugs von
der Gemeinde auf den Kanton möglich ist und bejahendenfalls, ob dies
auch für den Erlass einer Sicherstellungsverfügung gilt, wurde im
entsprechenden Entscheid allerdings mit der Begründung offengelassen,
dass "hierfür zumindest eine Vereinbarung zwischen dem Kanton und der
entsprechenden Gemeinde bzw. eine Delegation des Steuerbezugs von der
Gemeinde an den Kanton erforderlich wäre und die [KSTV GR] im [dort zu
beurteilenden Fall] weder eine entsprechende Vereinbarung noch eine
Delegation und auch sonst keine Unterlagen dazu eingereicht" hatte. Im
vorliegenden Fall liegt nun aber gerade diese Konstellation vor, weshalb es
hinsichtlich der Delegationsfrage einer Klärung bedarf.
3.3. Dabei ist vorab festzustellen, dass die einschlägigen Steuererlasse für die
Frage der Zulässigkeit einer solchen Delegation keine ausdrückliche
Regelung vorsehen. Auf dem Weg der Auslegung ist daher zu ermitteln, ob
das Fehlen einer ausdrücklichen Regelung im Gesetz ein qualifiziertes
Schweigen darstellt, d.h. ob der Gesetzgeber mit Erlass des GKStG oder
des StG/GR die Möglichkeit einer Delegation des Steuerbezugs und – damit
einhergehend – des Erlasses einer Sicherstellungsverfügung bewusst
verneinen wollte (vgl. BGE 142 IV 29 E. 3.1 und BGE 141 IV 298 E. 1.3).
Dazu ist nach den Regeln der Gesetzesauslegung vorzugehen (siehe
hierzu bspw. BGE 142 V 402 E. 4).
3.4. Im vorerwähnten Entscheid PVG 2018 Nr. 17 hatte das Verwaltungsgericht
erwogen, der Gesetzeswortlaut von Art. 4 Abs. 4 GKStG sei klar. Dies gilt
es allerdings zu präzisieren. In der Tat wollte der Gesetzgeber im GKStG
festhalten, dass für den Bezug der Gemeinde- und Kirchensteuern weiterhin
die Gemeinde zuständig sein soll. Das ergibt sich auch aus der Botschaft
(siehe Botschaft der Regierung an den Grossen Rat zum Erlass eines
kantonalen Gesetzes über die Gemeinde- und Kirchensteuern, Heft Nr.
3/2006-2007 S. 181 ff., S. 184 und S. 211 f. zu Art. 4 GKStG). Wie
nachfolgend aufzuzeigen sein wird, ging es dem Gesetzgeber dabei aber
- 22 -
nicht etwa darum, eine absolute, unverrückbare Kompetenzzuordnung
aufzustellen, die eine Delegation ausschliesst. Vielmehr sollte damit an der
grundsätzlichen Zuständigkeitsverteilung gegenüber der früheren
Rechtslage nichts geändert, sondern diese positivrechtlich klarer geregelt
werden. Insofern ist der Wortlaut der genannten Bestimmung zwar in dem
Sinne klar, als dass Art. 4 Abs. 4 GKStG den Bezug der Gemeinde- und
Kirchensteuern – wie unter vorbestehendem Recht – in der grundsätzlichen
Zuständigkeit der Gemeinde belässt. Die Norm macht aber keine Aussage
darüber, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Delegation dieser
Aufgabe zulässig ist. In diesem Sinne ist denn auch der oben zitierte
Entscheid dieses Gerichts zu verstehen: Im zweiten Teil der E. 6.b von PVG
2018 Nr. 17 wurde die Frage ausdrücklich offengelassen, ob eine
Delegation möglich sei. Der Wortlaut des GKStG, wie auch jener des
StG/GR, geben also auf die sich hier stellende Frage keine direkte Antwort
und schliessen die Zulässigkeit einer Delegation im beschriebenen Sinne
jedenfalls nicht aus.
3.5. Ähnliches ist bezüglich der Systematik und der historischen Entwicklung
des bündnerischen Steuerrechts festzustellen. Das StG/GR sieht als
wichtigster kantonaler Steuererlass vor, dass die direkte Bundessteuer und
die kantonalen Einkommens- und Vermögenssteuern von der KSTV GR
erhoben werden (Art. 1 StG/GR, Art. 165 Abs. 1 StG/GR und Art. 166 Abs.
1 StG/GR). Es ermächtigt die KSTV GR zudem, bei Gefährdung der
genannten Steuerforderungen deren Sicherstellung zu verfügen (Art. 158
StG/GR). Die Steuererhebung der politischen Gemeinden sowie der
Landeskirchen und deren Kirchgemeinden wird hingegen seit dem
1. Januar 2007 durch das zu diesem Zeitpunkt in Kraft getretene GKStG
geregelt (Art. 1 Abs. 1 GKStG), wobei gemäss Art. 1 Abs. 2 GKStG bei
fehlender abweichender Regelung das StG/GR sinngemäss Anwendung
findet, was für die vorliegend interessierende Steuersicherung zutrifft. Der
Bezug der direkten Steuern der Gemeinden fällt grundsätzlich in die
- 23 -
Zuständigkeit derselben (Art. 4 Abs. 4 GKStG). Dies gilt insbesondere für
die Einkommens- und Vermögenssteuern. Das GKStG erklärt jedoch
punktuell auch den Kanton für die Veranlagung und den Steuerbezug für
zuständig (bspw. betreffend die Aufwandsteuer [Art. 4 Abs. 5 GKStG], deren
Vollzug der KSTV GR obliegt [Art. 165 Abs. 2 StG/GR]). Umgekehrt darf die
KSTV GR gemäss StG/GR die Gemeinden mit dem Bezug der Steuern
[gemeint: direkte Bundessteuer und kantonale Einkommens- und
Vermögenssteuer] betrauen (Art. 169 Abs. 1 lit. b StG/GR). Die Gemeinde
kann im Einvernehmen mit der KSTV GR bei der Veranlagung der
Einkommens- und Vermögenssteuern mitarbeiten, wobei der Umfang der
Mitarbeit auf Antrag der Gemeinde durch die KSTV GR festgelegt wird (Art.
170 Abs. 1 und 2 StG/GR). Hinzu kommt, dass der Grosse Rat am 12.
Februar 2019 eine Gesetzesnovelle verabschiedet hat, welche die
Verflechtung von Zuständigkeiten im Steuerbereich noch intensiviert (siehe
Botschaft der Regierung an den Grossen Rat zur Teilrevision des StG/GR
und des GKStG [Erbschafts- und Schenkungssteuer], Heft Nr. 7/2018/2019
S. 613 ff.). Gemäss dem neuen, am 1. Januar 2021 in Kraft tretenden Art.
21 Abs. 6 GKStG sollen nicht mehr nur die Veranlagung und der Bezug der
kantonalen, sondern neu auch der kommunalen Erbschafts- und
Schenkungssteuern durch die KSTV GR erfolgen. Aus dem Vorerwähnten
erhellt, dass der Gesetzgeber die Zuständigkeiten im Steuersystem
Graubünden nicht starr verteilt hat, sondern durchaus Raum für gewisse
Delegationen bietet.
3.6. Nicht zuletzt ist auch der Sinn und Zweck der Bestimmungen zu
berücksichtigen. Wie ausgeführt, war das Ziel des Grossen Rates mit dem
Erlass des GKStG und insbesondere von Art. 4 Abs. 4 GKStG primär eine
klare Zuständigkeitsverteilung für den Normalfall vorzusehen. Dafür, dass
er dabei gleichzeitig – im Sinne eines qualifizierten Schweigens –
verhindern wollte, dass die Gemeinden im Einzelfall und unter bestimmten
Voraussetzungen gewisse Aufgaben an die KSTV GR delegieren können,
- 24 -
gibt es in den Materialien keinerlei Indizien. Nach dem Gesagten ist
vielmehr vom Gegenteil auszugehen. So legt insbesondere die tief
verwobene Aufgabenverteilung den Schluss nahe, dass der Steuerbezug –
und damit einhergehend auch die Steuersicherung – von einer Gemeinde
an den Kanton (bzw. an die KSTV GR) delegiert werden dürfen. Die
Möglichkeit der Delegation dieser Gemeindeaufgabe ist zudem auch
Ausdruck der kommunalen Entscheidbefugnis, welche gerade durch Art. 4
GKStG sichergestellt werden soll. Die Zuständigkeit für eine staatliche
Aufgabe umfasst denn auch die Möglichkeit, diese zu delegieren. Dies ist
Ausfluss der Organisationsautonomie.
3.7. Für die Zulässigkeit einer Delegation spricht ad abundantiam auch die von
der KSTV GR angesprochene Regelung im GG und die
Verfassungsordnung im Kanton Graubünden. Gemäss Art. 50 Abs. 1 GG
haben Gemeinden ihre Aufgaben grundsätzlich selber zu erfüllen, sind aber
laut Art. 50 Abs. 2 GG befugt, ihre Aufgaben durch Erlass oder Vertrag an
Dritte zu übertragen. Dabei kommt in der Praxis der (öffentlich-rechtliche)
Vertrag (bspw. in Form einer Leistungsvereinbarung) am häufigsten zur
Anwendung. Es ist Ausdruck der verfassungsmässig garantierten
Organisationsfreiheit als Teilaspekt der Gemeindeautonomie, dass die
Gemeinden die Art und Weise der Aufgabenerfüllung selber festlegen
können (vgl. Art. 65 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Graubünden vom
18. Mai/14. September 2003 [BR 110.100]). Freilich dürfen bestimmte
Kernaufgaben – darunter etwa die Genehmigung des Budgets, gewisse
Bereiche der Gesetzgebung oder die Aufsicht über Dritte – nicht auf einen
externen Dritten übertragen werden und müssen unmittelbar durch die
Gemeinde selber erfüllt werden. Für die hier in Diskussion stehende
Delegation lässt sich hingegen keine solche Schranke aus der Verfassung
und Gesetzgebung ableiten (vgl. zum Ganzen die Botschaft der Regierung
an den Grossen Rat zur Totalrevision des Gemeindegesetzes, Heft Nr.
3/2017-2018, S. 248 ff. zu Art. 50 GG).
- 25 -
3.8. Vor diesem Hintergrund ist die im vorliegenden Fall umstrittene Delegation
zu beurteilen. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass die
eingereichte Vollmacht die Art und den Umfang der zu delegierenden
Aufgabe klar vorgibt: Die KSTV GR soll den Bezug der Gemeinde- und
Kirchensteuern ab der Steuerperiode 2003 sowie weitere Sicherstellungs-
und Inkassomassnahmen in Sachen des Beschwerdeführers übernehmen.
Die Beauftragte ist ebenfalls klar, denn es betrifft die KSTV GR als Amt der
kantonalen Verwaltung (vgl. Art. 11 und Anhang 1 der Regierungs- und
Verwaltungsorganisationsverordnung vom 24. Oktober 2006 [RVOV;
BR170.310]). Es handelt sich hier mithin um eine Delegation von einer
(kommunal zuständigen) Steuerbehörde (vgl. Art. 12 des Steuergesetzes
der Stadt Chur vom 8. November 2007 [Churer Rechtsbuch 511]) an eine
andere (kantonal zuständige). Die delegierte Aufgabe bleibt also auch nach
der Delegation einer staatlichen Institution vorbehalten, die im selben
Aufgabenbereich tätig ist und die nötige Erfahrung und Sicherheit für eine
kompetente und rechtskonforme Erledigung bietet. Die kommunale
Steuerbehörde hat vorliegend auf eine Gefährdung der Gemeinde- und
Kirchensteuern geschlossen – wie die KSTV GR dies für die Bundes- und
Kantonssteuern gemacht hat – und in Anbetracht der Parallelität der
Einschätzungen, des Sachverhalts und grösstenteils auch der
anzuwendenden Bestimmungen entschieden, für diesen spezifischen Fall
die kantonale Steuerbehörde mit der Sicherung der Steuerforderungen ab
dem Jahr 2003 zu betrauen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die
Einkommens- und Vermögenssteuern der Gemeinde und Landeskirchen
bzw. Kirchengemeinden in Prozenten der einfachen Kantonssteuer
erhoben werden (Art. 4 Abs. 1 GKStG und Art. 24 Abs. 1 GKStG; siehe auch
Art. 3 des Steuergesetzes der Stadt Chur) und dass sie – zumindest was
die Steuersicherung anbetrifft – dem gleichen Verfahrensrecht unterstellt
sind. Damit sind insbesondere der Rechtsmittelweg samt Fristen und die
formellen Anforderungen identisch (Art. 1 Abs. 2 GKStG in Verbindung mit
- 26 -
Art. 158 StG/GR), sodass der Beschwerdeführer keiner Rechte verlustig
geht.
3.9. Zusammenfassend ergibt sich in Präzisierung der Rechtsprechung, dass
eine Delegation des Bezugs bzw. der Sicherstellung von Gemeinde- und
Kirchensteuern von einer kommunalen Steuerbehörde an die KSTV GR bei
Vorliegen einer genügenden Übertragungsgrundlage zulässig und
insbesondere mit Art. 4 Abs. 4 GKStG vereinbar ist. Diesbezüglich liegt aus
den dargelegten Gründen kein qualifiziertes Schweigen vor. Im hier zu
beurteilenden Fall stellt die von der Stadt Chur an die KSTV GR ausgestellte
Ermächtigung zum Bezug der Gemeinde- und Kirchensteuern ab der
Steuerperiode 2003 sowie zur Vornahme weiterer Sicherstellungs- und
Inkassomassnahmen in Sachen A._ eine genügende
Übertragungsgrundlage dar, sodass die KSTV GR im Rahmen der ihr
rechtmässig übertragenen Aufgaben handelte, als sie
Sicherungsmassnahmen auch für die Gemeinde- und Kirchensteuern der
Stadt Chur erlassen hat. Die angefochtene Sicherstellungsverfügung hält
unter diesem Aspekt der nicht näher substanziierten Kritik des
Beschwerdeführers stand.
4. Gemäss Art. 169 Abs. 1 DBG und Art. 158 Abs. 1 und 2 StG/GR, die
inhaltlich praktisch deckungsgleich sind, kann die kantonale
Steuerverwaltung von der steuerpflichtigen Person eine Sicherheitsleistung
verlangen, wenn diese keinen Wohnsitz in der Schweiz hat oder die
Bezahlung der von ihr geschuldeten Steuer als gefährdet erscheint. Die
Sicherstellung kann jederzeit verlangt werden; sowohl vor Eintritt der
Fälligkeit der Steuerforderung als auch vor der Veranlagung. Die
Sicherstellungsverfügung hat den sicherzustellenden Betrag anzugeben
und ist sofort vollstreckbar. Sie hat im Betreibungsverfahren die gleichen
Wirkungen wie ein vollstreckbares Gerichtsurteil und stellt somit einen
definitiven Rechtsöffnungstitel im Sinne von Art. 80 des Bundesgesetzes
über Schuldbetreibung und Konkurs vom 11. April 1889 (SR 281.1) dar. Sie
- 27 -
gilt zudem als Arrestbefehl nach Art. 274 SchKG; dagegen ist eine
Einsprache nach Art. 278 SchKG nicht zulässig (Art. 170 Abs. 1 und 2
DBG).
4.1. Nach Lehre und Rechtsprechung setzt die Sicherstellungsverfügung im
Sinne von Art. 169 Abs. 1 DBG und Art. 158 Abs. 1 und 2 StG/GR zum
einen voraus, dass es sich bei der Schuldnerin der Sicherheitsleistung um
eine steuerpflichtige Person handelt, was bedeutet, dass die betroffene
natürliche oder juristische Person im betreffenden Zeitpunkt oder Zeitraum
der unbeschränkten oder beschränkten Steuerpflicht gegenüber dem
sicherstellenden Gemeinwesen unterliegen muss (für die direkte
Bundessteuer siehe Art. 3 ff. DBG und Art. 50 f. DBG; für die
Kantonssteuern siehe Art. 6 ff. StG/GR und Art. 74 ff. StG/GR). Zum
anderen muss es sich um eine geschuldete Steuer handeln, also um eine
Steuerforderung, deren Bestand zumindest wahrscheinlich ist. Bezüglich
der Höhe ist es bereits ausreichend, wenn der Betrag einer Prima-facie-
Würdigung standhält, mithin also nicht offensichtlich übersetzt erscheint,
steht doch der Steuerbehörde hinsichtlich der Bemessung der
Steuerfaktoren ein gewisses Tatbestandsermessen zu. Zudem ist weder
notwendig, dass die Steuer definitiv veranlagt wurde, noch, dass sie fällig
ist oder gar dass sie in Rechnung gestellt wurde, zumal die Sicherstellung
eine vom materiellen Veranlagungsverfahren unabhängige vorsorgliche
Massnahme darstellt (BGE 134 II 349 E. 1.4). Auch Bussen nach Art. 174
DBG stellen in diesem Sinne Steuerschulden dar, da gemäss Art. 185 Abs.
1 DBG diese Beträge nach den Art. 160 DBG und Art. 163-172 DBG zu
beziehen sind. Dasselbe gilt auch für Bussen nach Art. 173 StG/GR (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 2A.380/2001 vom 12. März 2002). Ebenso
können auf diesem Weg auch die Kosten der Vollstreckung gesichert
werden (PETER LOCHER, Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer – III. Teil – Art. 102-222 DBG, Basel 2015, N 22 zu Art. 169
DBG; PIERRE CURCHOD, in: Commentaire romand sur l'impôt fédéral direct,
- 28 -
2. Aufl., Basel 2017, N 3 zu Art. 169 DBG). Schliesslich muss ein
Sicherstellungsgrund vorliegen, die Steuerforderung muss mithin gefährdet
sein (siehe zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 2C_669/2016 und
2C_670/2016 vom 8. Dezember 2016 E. 2.1 und 2.2 mit Hinweisen; vgl.
auch die beiden Urteile des Bundesgerichts 2A.324/2005 und 2A.325/2005
vom 30. November 2005 E. 3.1).
4.2. Für sich allein betrachtet ist die Sicherstellungsverfügung eine einfache
Aufforderung an die steuerpflichtige Person, Sicherheit zu leisten. Erst in
zweiter Linie gilt die Verfügung kraft Gesetz als Arrestbefehl zur
Durchsetzung der verlangten Sicherheitsleistung. Bei der
Sicherstellungsverfügung handelt es sich sodann um eine reine
Massnahme der Steuersicherung, mit welcher Sicherheit nicht nur für fällige
Steuerforderungen verlangt werden kann, sondern auch für nur
provisorische Steuerforderungen, sofern deren Bestand hinreichend
wahrscheinlich ist. Insofern stellt die Sicherstellungsverfügung die
Steuerschuld resolutiv bedingt fest. Voraussetzung der Massnahme ist
regelmässig, dass die Bezahlung der Steuer gefährdet ist.
Sicherstellungsverfügungen stellen vorsorgliche und damit rein
provisorische Massnahmen des öffentlichen Rechts dar (BGE 134 II 349 E.
1.2), die sich insbesondere bei mutmasslichen Steuerforderungen in keiner
Art und Weise auf den Bestand und die Höhe der Steuerforderung
auswirken. Sie fallen dahin, wenn und soweit im ordentlichen Verfahren
festgestellt wird, dass die Forderung nicht oder nicht im angenommenen
Umfang besteht. Die Sicherung von Steuerforderungen kann unabhängig
von ihrem Veranlagungszustand erfolgen. Die Funktion der
Sicherstellungsverfügung besteht darin, mit einer behördlichen Massnahme
dem Gemeinwesen für einen scheinbar gefährdeten Steueranspruch
Sicherheit zu verschaffen. Mit Erlass einer Sicherstellungsverfügung soll
dafür gesorgt werden, dass der mutmassliche Steueranspruch bei Eintritt
der Fälligkeit, respektive dem Vorliegen eines rechtskräftigen
- 29 -
Steuerentscheids, auch tatsächlich bezogen werden kann (siehe zum
Ganzen HANS FREY, in: ZWEIFEL/BEUSCH [Hrsg.], Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht – Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer [nachfolgend: Kommentar], 3. Auflage, Basel 2017, N 2 zu
Art. 169 DBG mit Hinweisen).
4.3. Da begriffsnotwendig Gefahr im Verzug liegt, muss die Sicherstellung rasch
angeordnet werden können. Sie ist aber auch jederzeit abzuändern oder
aufzuheben, wenn die Umstände eine andere Beurteilung nahelegen. Die
gebotene Raschheit des abgaberechtlichen Sicherstellungsverfahrens hat
Auswirkungen auf das Beweismass. Die Praxis verlangt nur, aber immerhin,
dass die rechtserheblichen Sachumstände (steuerpflichtige Person,
geschuldete Steuer, Sicherstellungsgrund) glaubhaft gemacht sind (siehe
das bereits erwähnte Urteil des Bundesgerichts 2C_669/2016 und
2C_670/2016 vom 8. Dezember 2016 E. 2.3.2 mit weiteren Hinweisen).
Glaubhaft gemacht ist eine Tatsache bereits dann, wenn gewisse Elemente
für deren Vorhandensein sprechen, selbst wenn das Gericht noch mit der
Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte (siehe
unter vielen BGE 140 III 610 E. 4.1 mit weiteren Verweisen, insbesondere
auf BGE 130 III 321 E. 3; vgl. auch BGE 133 III 81 E. 4.2.2). Die
Steuerbehörde muss – im Gegensatz zum früheren Recht (siehe Art. 118
Abs. 1 des Bundesratsbeschlusses über die Erhebung einer direkten
Bundessteuer vom 9. Dezember 1940 [BdBSt]) – nicht mehr ein subjektives
steuergefährdendes Verhalten der steuerpflichtigen Person, sondern nur
noch eine objektive Gefährdung des Steuerbezugs nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Massgebend für die Glaubhaftmachung sind
die gesamten Umstände (HANS FREY, Kommentar, N 14 zu Art. 169 DBG).
Schliesslich ist festzuhalten, dass sich die sachliche Überprüfung im
Rahmen eines Rechtsmittels gegen eine Sicherstellungsverfügung auf die
Frage beschränkt, ob die gesetzlichen Voraussetzungen zum Erlass einer
Sicherstellungsverfügung erfüllt sind. Der Prüfungsumfang beschränkt sich
- 30 -
durch die Erforderlichkeit der Raschheit des Verfahrens auf eine
summarische Prüfung, ob der Anspruch unter den glaubhaft gemachten
tatsächlichen Voraussetzungen Bestand hat. Die Rechtsmittelinstanzen
beschränken sich deshalb bei der Überprüfung einer
Sicherstellungsverfügung auf eine Prima-facie-Würdigung der tatsächlichen
Verhältnisse (vgl. unter vielen das Urteil des Bundesgerichts 2C_689/2019
vom 15. August 2019 E. 3.2, mit Hinweis auf das bereits mehrfach zitierte
Urteil des Bundesgerichts 2C_669/2016 und 2C_670/2016 E. 2.3.2 und
2.3.3).
4.4. Hinsichtlich Beweisregeln sei schliesslich daran erinnert, dass dieses
Verfahren ein öffentlich-rechtliches ist und der Untersuchungsgrundsatz gilt
(Art. 11 Abs. 1 VRG). Das Gericht erhebt die notwendigen Beweise von
Amtes wegen, wobei es nicht an Begehren zur Ermittlung des Sachverhalts
gebunden ist (Art. 11 Abs. 3 VRG). Speziell erwähnt sei dabei, dass die am
Verfahren Beteiligten gesetzlich verpflichtet sind, an der Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts mitzuwirken (Art. 11 Abs. 2 VRG). Dies gilt
auch im Steuerrecht, darunter namentlich im Beschwerdeverfahren gegen
Sicherstellungsverfügungen. Die steuerpflichtige Person hat im Rahmen
ihrer Mitwirkungspflicht diejenigen Tatsachen und Beweismittel zu nennen,
welche nur ihr bekannt sein können und über die einzig sie Bescheid weiss.
Es liegt somit am Beschwerdeführer, über den Zeitpunkt oder die genauen
Umstände der von ihm behaupteten Tatsachen zur fehlenden Gefährdung
oder Besteuerungsgrundlage Aufschluss zu geben (siehe zum Ganzen
HANS FREY, Sicherstellungsverfügung und Arrestbefehl im Gesetz über die
direkte Bundessteuer [DBG; nachfolgend: Sicherstellungsverfügung],
Zürich/Basel/Genf 2009, S. 163 f. mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Wirkt er nicht mit oder bleiben Tatsachen im Dunkeln, welche für die
Beurteilung des Sicherstellungsgrundes oder der sicherzustellenden
Steuerforderung erheblich sind, so hat er die von der KSTV GR glaubhaft
gemachten Tatsachen gegen sich gelten zu lassen (vgl. FELIX
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RICHNER/WALTER FREI/STEFAN KAUFMANN/HANS ULRICH MEUTER,
Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., Zürich 2016, N 37 zu Art. 169 DBG).
4.5. Mit Blick auf die Sicherstellungsgründe sehen das DBG und das StG/GR
zwei Gefährdungstatbestände vor, die zur Sicherstellung Anlass geben
können. Zum einen kann Sicherstellung verlangt werden, wenn die
steuerpflichtige Person keinen Wohnsitz in der Schweiz hat. Dieser sog.
besondere Gefährdungsgrund wird damit begründet, dass ein öffentlich-
rechtlicher Anspruch des Bundes, eines Kantons oder einer Gemeinde
international nicht durchsetzbar ist (FELIX RICHNER/WALTER FREI/STEFAN
KAUFMANN/HANS ULRICH MEUTER, a.a.O., N 8 zu Art. 169 DBG; vgl. auch das
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich SR.2000.00020 vom
10. Januar 2001 E.1 und HANS FREY, Sicherstellungsverfügung, S. 136 f.).
Der zweite allgemeine und abstrakte Tatbestand der Zahlungsgefährdung
bildet die Gesetzesgrundlage für all jene Fälle, in denen die Bezahlung der
Steuern aus anderen Gründen als gefährdet erscheint. Dies ist
insbesondere dann der Fall, wenn die steuerpflichtige Person ihre Tätigkeit
so gestaltet, dass sie sich durch die Verlagerung von Vermögenswerten ins
Ausland der Besteuerung entziehen kann, wenn sie die Bestandteile ihres
Einkommens und ihres Vermögens systematisch vor den Steuerbehörden
verbirgt, wenn sie Immobilien in leicht realisierbare und übertragbare
Vermögenswerte umwandelt oder wenn sie Teile ihres Vermögens
verschwinden lässt (siehe zum Ganzen das Urteil des Bundesgerichts
2A.611/2006 und 2A.612/2006 vom 18. April 2007 E. 4.1 mit zahlreichen
Hinweisen).
5. Im zu beurteilenden Fall ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer bis zu
seiner Abmeldung und dem Wegzug ins Ausland unbeschränkt in der
Schweiz steuerpflichtig war. Ebenso wenig wird der Bestand der
sicherzustellenden Steuerforderungen grundsätzlich in Frage gestellt.
Uneins sind sich die KSTV GR und der Beschwerdeführer aber über die
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Höhe der geschuldeten Steuern (vgl. nachstehende E. 5.1) und über den
Sicherstellungsgrund (vgl. nachstehende E. 5.2 ff.).
5.1. In Bezug auf die Höhe der in der Sicherstellungsverfügung aufgelisteten
Steuerforderungen ist zunächst festzuhalten, dass die einzelnen Beträge
nicht substanziiert bestritten wurden und dem Gericht nach einer Prima-
facie-Würdigung – mit Ausnahme derjenigen für das Steuerjahr 2019, wie
nachfolgend aufgezeigt – nicht als offensichtlich übersetzt erscheinen,
sodass die Sicherstellungsverfügung diesbezüglich standhält.
5.1.1. Bei den Steuern des Jahres 2019 hat sich eine Änderung ergeben, die auf
die belegte Begleichung verschiedener provisorischer Steuerrechnungen
durch den Beschwerdeführer zurückzuführen ist. Gemäss aktualisierter
Übersicht der Ausstände der KSTV GR vom 26. März 2020 (Replikbeilage
6, act. B.23) resultieren sowohl für die Bundes- als auch für die
Kantonssteuern keine offenen Beträge mehr für jenes Jahr. Der
Beschwerdeführer hat laut jenem Dokument die entsprechenden
provisorischen Steuerrechnungen für das erste Halbjahr 2019 in Höhe von
CHF 11'806.00 betreffend Einkommenssteuern des Bundes (act. B.21) und
von CHF 184'027.00 betreffend Einkommens- und Vermögenssteuern des
Kantons Graubünden (act. B.19) bezahlt. Die Begleichung der
provisorischen Rechnungen der Stadt Chur für jene Periode in Höhe von
insgesamt CHF 182'278.00, bestehend aus einer ersten Rechnung über
CHF 181'342.00 (act. B.12 und B.17) und einer korrigierten zweiten
Rechnung über einen zusätzlichen Betrag von CHF 936.00 (act. B.22), ist
ebenfalls belegt (vgl. auch act. C.8 der KSTV GR und die vom
Beschwerdeführer nach der Replik noch separat eingereichte undatierte
und nicht unterzeichnete Übersicht der Ausstände in act. B.28). In diesem
Umfang wurde demnach im Sinne von Art. 169 Abs. 2 DBG bzw. Art. 158
Abs. 2bis StG/GR Sicherstellung in Geld geleistet, was zur teilweisen
Abschreibung des Verfahrens infolge Anerkennung führt, da die
Sicherstellungsverfügung insoweit erfüllt wurde.
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5.1.2. Der Beschwerdeführer hat zudem die provisorische Rechnung betreffend
die kantonale Vermögenssteuer für das zweite Halbjahr 2019 über
CHF 62.00 (act. B.20) bezahlt. Aus dieser Rechnung ergibt sich gleichzeitig,
dass die KSTV GR für jene Periode von einem steuerbaren Einkommen des
Beschwerdeführers von CHF 0 ausgeht, womit für diese Zeit voraussichtlich
auch weder eine Bundessteuer noch eine kommunale Einkommenssteuer
im Kanton Graubünden mehr anfallen wird. Da die kantonale
Vermögenssteuer in der Höhe von CHF 62.00 ausserdem offenbar
aufgrund eines in der Gemeinde Y._ liegenden Grundstücks
geschuldet war (vgl. Replikbeilage 1, act. B.18), wird für die Stadt Chur auch
keine kommunale Vermögenssteuer mehr anfallen. In Bezug auf das zweite
Halbjahr 2019 erweist sich der sicherzustellende Betrag somit als zu hoch
und muss in teilweiser Gutheissung der Beschwerde gekürzt werden.
5.1.3. Aus diesen Gründen werden die sicherzustellenden Beträge für das
Steuerjahr 2019 für Bund, Kanton, Gemeinde und Kirche je auf CHF 0
herabgesetzt. Die sicherzustellende Gesamtsumme reduziert sich somit –
insbesondere auch aufgrund der getätigten Zahlungen und damit der
Anerkennung – von insgesamt CHF 50'870'000.00 auf CHF 50'110'000.00.
Damit wird auch die in der Beschwerde gestellte Beweisofferte des
Beschwerdeführers, im Bestreitungsfall Dr. iur. H._ als Zeugen
anzuhören, hinfällig.
5.2. Mit Blick auf den Sicherstellungsgrund ist, wie ausgeführt, bereits dem
Gesetzeswortlaut zu entnehmen, dass das Fehlen eines schweizerischen
Wohnsitzes als Voraussetzung für die Sicherstellung genügt. Dieser
Sicherstellungsgrund erfordert die Darlegung des Umstands, dass der
Steuerschuldner in der Schweiz über keinen Wohnsitz (mehr) verfügt. Der
Hinweis auf den fehlenden Wohnsitz reicht für sich alleine schon als
Sicherstellungsgrund aus, ohne dass die Gefährdung der geschuldeten
Steuer noch besonders dargetan werden müsste. Ob eine
Steuerbezugsgefährdung vorliegt, muss anhand der konkreten Umstände
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gewürdigt werden (HANS FREY, Sicherstellungsverfügung, S. 87; HANS
FREY, Kommentar, N 100 zu Art. 169 DBG; beide mit Verweis auf das Urteil
des Bundesgerichts 2A.442/2003 vom 12. Mai 2004 E. 3.4).
5.2.1. Die KSTV GR begründet die Sicherstellungsverfügung in erster Linie damit,
dass sich der Wohnsitz des Beschwerdeführers im Ausland befinde, was
unbestritten ist. So verlegte der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz per
1. Juli 2019 von Chur nach X._.
5.2.2. Trotz der Verlegung seines Wohnsitzes ins Ausland bestreitet der
Beschwerdeführer das Vorliegen einer Steuergefährdung. Er beruft sich auf
den Sicherungshinterlegungsvertrag, welcher am 27./28. März 2013 zwischen ihm und der Eidgenössischen Steuerverwaltung, der KSTV GR,
der Steuerverwaltung der Stadt Chur und dem Kantonalen Steueramt
Zürich abgeschlossen wurde. Die Steuerbehörden könnten dank des
bestehenden Sicherungshinterlegungsvertrags aus dem Jahr 2013 die
Zwangsvollstreckung (Betreibung auf Pfandverwertung) gegen den
Beschwerdeführer mit Wohnsitz im Ausland bei Bedarf genauso gut
verwirklichen, wie wenn der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz in der
Schweiz beibehalten hätte. Damit sei der Beweis erbracht, dass keine
Steuergefährdung bestehe. Die Voraussetzungen der Sicherstellung seien
damit nicht gegeben; die Sicherstellung sei rechtswidrig angeordnet
worden.
5.3. Wie erwähnt, muss die Gefährdung der Abgabeforderung nach dem
Gesetzeswortlaut, wonach die Bezahlung der Steuerschuld als gefährdet
erscheinen muss, lediglich glaubhaft gemacht werden (HANS FREY,
Sicherstellungsverfügung, S. 169). Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob die
Gefährdung des Steuerbezugs trotz fehlendem Wohnsitz des
Beschwerdeführers in der Schweiz aufgrund des
Sicherungshinterlegungsvertrages nicht als glaubhaft erscheint resp. ob
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das Vorliegen des Sicherungshinterlegungsvertrages die Steuergefährdung
dahinfallen lässt.
5.3.1. Die KSTV GR bringt hierzu vorab folgendes vor: Werde der Steuerpflichtige
zur Sicherstellung angehalten, müsse diese in Geld, durch Hinterlegung
sicherer, marktgängiger Wertschriften, mittels Grundpfand oder durch
Bürgschaft geleistet werden (Art. 158 Abs. 2bis StG/GR und Art. 169 Abs. 2
DBG – wobei das DBG das Grundpfand als mögliche Art der Sicherstellung
nicht zulasse). Nach Auffassung der KSTV GR handelt es sich bei den
gemäss dem Sicherungshinterlegungsvertrag verpfändeten Aktien der
B._ AG nicht um marktgängige Wertschriften. Es sei daher von
vornherein unzutreffend zu behaupten, aufgrund des
Sicherungshinterlegungsvertrages bestehe kein Sicherungsbedürfnis
mehr. Trotz des Sicherungshinterlegungsvertrages liege keine genügende
Sicherstellung durch den Beschwerdeführer vor, welche die zwingenden
Anforderungen von Art. 158 Abs. 2bis StG/GR und Art. 169 Abs. 2 DBG
erfülle.
5.3.2. Unter Wertschriften werden Wertpapiere verstanden, in welchen
Gesellschaftsanteile, Anlagefonds sowie marktgängige Forderungen
verbrieft werden, wie etwa Aktien, Anleihens- und Kassaobligationen,
Anlagefondsanteile und Optionen (HANS FREY, Sicherstellungsverfügung,
S. 151). Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts fallen die gemäss
Sicherungshinterlegungsvertrag verpfändeten Aktien der B._ AG unter
den Begriff der Wertschriften. Somit bleibt zu prüfen, ob diese auch
marktgängig und sicher i.S.v. Art. 169 Abs. 2 DBG und Art. 158 Abs. 2bis
StG/GR sind.
Marktgängige Wertschriften sind Wertpapiere oder Forderungen, die
entweder börslich, ausserbörslich oder sonst wie an einem liquiden Markt
verkauft werden können. Sie unterliegen begrifflich einer sich ändernden
Marktwertberechnung und sind deshalb nur sehr bedingt sicher. So besteht
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selbst bei Aktienpapieren die Möglichkeit, dass ihr Marktwert unter den
eigentlichen Nennwert sinkt. Welche Wertschriften "sicher" und gleichzeitig
"marktgängig" sind, ist im Einzelfall zu entscheiden. Als Pfand i.S.v. Art. 169
Abs. 2 DBG geeignet sind gemäss HANS FREY Obligationen und kotierte
Aktienpapiere; solche Wertschriften seien marktgängig. Mit Wertpapieren
könne Sicherheit nur geleistet werden in der Höhe des Kurswertes
abzüglich eines Abschlages (HANS FREY, Sicherstellungsverfügung,
S. 151 f.). Auch PETER LOCHER hält fest, dass marktgängige Wertschriften
Obligationen oder kotierte Aktien seien, wobei deren Kurswert nur mit einem
Einschlag an den sicherzustellenden Betrag angerechnet werde (PETER
LOCHER, a.a.O., N 42 zu Art. 169 DBG).
5.3.3. Bei den gemäss Sicherungshinterlegungsvertrag verpfändeten Aktien der
B._ AG handelt es sich nicht um (börsen-)kotierte Aktien. Gestützt auf
die Ausführungen in der vorstehenden E. 5.3.2 dürfte es sich bei den Aktien
der B._ AG somit nicht um "sichere und marktgängige" Wertschriften
handeln. Der KSTV GR ist also insofern zu folgen, als der
Sicherstellungsvertrag die Voraussetzungen von Art. 158 Abs. 2bis StG/GR
und Art. 169 Abs. 2 DBG nicht erfüllt. Dies allein schliesst allerdings noch
nicht aus, dass der Sicherungshinterlegungsvertrag die Steuergefährdung
dahinfallen lassen könnte (vgl. nachstehende E. 6.1 ff.).
6.1. Art. 169 Abs. 1 DBG stellt eine sogenannte "Kann-Vorschrift" dar. Der
Steuerverwaltung kommt somit ein gewisser Ermessensspielraum im Sinne
eines Entschliessungs- und Auswahlermessens zu. Sie entscheidet
einerseits, ob im konkreten Einzelfall der Erlass einer
Sicherstellungsverfügung angebracht ist. Andererseits ist bei der
Sicherstellung der Steuerforderung unter mehreren Massnahmen die
Geeignete auszuwählen. Schliesslich bestimmt die Steuerbezugsbehörde
den Umfang der Sicherheitsleistung. Dieses Rechtsfolgeermessen ist stets
pflichtgemäss anzuwenden und hat insbesondere das
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Verhältnismässigkeitsprinzip zu befolgen (HANS FREY,
Sicherstellungsverfügung, S. 185 f. mit weiteren Hinweisen).
Die gegen einen Steuer- oder Zahlungspflichtigen erlassene
Sicherstellungsverfügung muss also verhältnismässig sein. Grundsätzlich
gilt, dass sich die Bezugsbehörde keines strengeren Zwangsmittels
bedienen soll, als es die Umstände verlangen. Zu prüfen ist bei der Frage
der Verhältnismässigkeit, ob nicht eine andere Sicherungsmassnahme den
gleichen Zweck erfüllen würde und damit genügend und verhältnismässig
wäre. Verletzt würde der Verhältnismässigkeitsgrundsatz namentlich, wenn
eine mildere Form der Sicherstellung möglich wäre, indem der
Zahlungspflichtige etwa freiwillig Sicherheiten, wie Bürgschaften,
Bankgarantien oder Sperrkonten etc., im verlangten Umfang offeriert.
Übergibt der Steuerpflichtige schon vor Erlass der
Sicherstellungsverfügung Sicherheiten, welche von denen nach Art. 169
Abs. 2 DBG abweichen, ist zu prüfen, ob eine Sicherstellungsverfügung den
konkreten Umständen wirklich angemessen ist (HANS FREY,
Sicherstellungsverfügung, S. 186 mit weiteren Hinweisen).
6.2. Unbestritten ist, dass am 27./28. März 2013 ein Vertrag zwischen dem
Beschwerdeführer (Hinterleger / Schuldner 1), Rechtsanwalt Dr. iur.
H._ (Aufbewahrer) und der Eidgenössischen Steuerverwaltung, der
KSTV GR, der Steuerverwaltung der Stadt Chur und dem Kantonalen
Steueramt Zürich (Gläubigerinnen) betreffend die Sicherungshinterlegung
sämtlicher Aktien der B._ AG für etwaige Steuerschulden und allfällige
Bussen des Beschwerdeführers (Schuldner 1), der C._ AG
(Schuldnerin 2) und der E._ AG (Schuldnerin 3) abgeschlossen wurde.
In Ziff. 1 des Sicherungshinterlegungsvertrages wird dessen Gegenstand
wie folgt umschrieben: "Gegenstand dieses Vertrages ist die
Sicherungshinterlegung der Aktien beim Aufbewahrer zur Sicherstellung
aller im Steuerverfahren von den Gläubigerinnen geltend gemachten
gegenwärtigen und künftigen Forderungen [...] zuzüglich Verzugszinsen,
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Kosten und allfälliger Bussen bezüglich den Steuerperioden 2003 bis und
mit 2008. Die vollzogene Sicherungshinterlegung begründet ein Pfandrecht
der Gläubigerinnen an den Aktien." Es stellt sich also die Frage, ob vor
diesem Hintergrund eine Sicherstellungsverfügung tatsächlich angemessen
ist.
6.3. Die B._ AG ist eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht,
die über ein Aktienkapital von CHF 200'000.00 verfügt, welches voll liberiert
und in 200 vinkulierte Namenaktien zu je CHF 1'000.00 Nennwert eingeteilt
ist (siehe Handelsregister, _#>, zuletzt besucht am 16. Juni 2020). Der
Beschwerdeführer macht geltend, dass das durch den
Sicherungshinterlegungsvertrag eingeräumte Faustpfand die in Rede
stehenden mutmasslichen Steuerforderungen von über CHF 50 Mio. bei
Weitem decke. Wie die KSTV GR allerdings zu Recht festhält, ist diese
Behauptung nicht hinreichend substanziiert. Die Berechnung des
Verkehrswerts von nichtkotierten Wertpapieren verlangt in der Regel die
Jahresrechnung der zu bewertenden Gesellschaft (Schweizerische
Steuerkonferenz, Wegleitung zur Bewertung von Wertpapieren ohne
Kurswert für die Vermögenssteuer, Kreisschreiben Nr. 28 vom
28. August 2008 Rz. 4); eine aktuelle Jahresrechnung der B._ AG
wurde vom Beschwerdeführer allerdings nicht ins Recht gelegt. Statt
dessen ergibt sich aus der Bilanz der B._ AG per 31. Dezember 2012
ein deutlich negatives Eigenkapital resp. eine Überschuldung und der
Beschwerdeführer hat in der Replik ausdrücklich darauf verzichtet, sich zur
aktuellen finanziellen Situation der Gesellschaft zu äussern. Vielmehr weist
er lediglich daraufhin, dass die KSTV GR und die Stadt Chur in ihren
provisorischen Steuerrechnungen jeweils ein Vermögen von CHF 200 Mio.
in Rechnung gestellt habe, welches faktisch nur bzw. zu einem
wesentlichen Teil aus den Aktien der B._ AG bestehe. Dies trifft
allerdings nicht zu: Zwar ist den provisorischen Steuerrechnungen
betreffend die Steuerperiode 2019 zu entnehmen, dass beim
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Beschwerdeführer ein satzbestimmendes Vermögen von CHF 200 Mio.
veranlagt wurde (vgl. Replikbeilagen 2, 3 und 5, act. B.19, B.20 und B.22;
Beschwerdebeilage 12, act. B.12). Woraus sich dieses Vermögen
zusammensetzt, ist allerdings nicht ersichtlich und ergibt sich auch nicht aus
dem – unvollständigen – Wertschriften- und Guthabenverzeichnis der
Steuererklärung 2017. Diesem ist vielmehr zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer die Aktien der B._ AG (zum damaligen Zeitpunkt)
zu einem Steuerwert von nur gerade CHF 3 Mio. deklarierte (vgl.
Beschwerdebeilage 11, act. B.11). Dass der (aktuelle) Wert der Aktien der
B._ AG die in Rede stehenden mutmasslichen Steuerforderungen von
über CHF 50 Mio. bei Weitem decken soll, ist somit nicht plausibel. Nur weil
gemäss Beilage 1 zum Sicherungshinterlegungsvertrag mutmassliche
Steuerforderungen in der Höhe von insgesamt CHF 173.5 Mio. aufgeführt
sind, bedeutet dies nicht, dass die hinterlegten Aktien auch heute noch
diesen Wert aufweisen. Schliesslich gilt es darauf hinzuweisen, dass die
hinterlegten Aktien der B._ AG nicht nur der Sicherstellung der von der
KSTV GR sowie der Steuerverwaltung der Stadt Chur gegenüber dem
Beschwerdeführer geltend gemachten Forderungen bezüglich den
Steuerperioden 2003 bis und mit 2008 dienen, sondern auch der
Sicherstellung der von der Eidgenössischen Steuerverwaltung und dem
kantonalen Steueramt Zürich geltend gemachten Forderungen gegenüber
der ehemaligen C._ AG und der ehemaligen E._ AG, heutige
G._ AG (vgl. Ziff. 1 des Sicherungshinterlegungsvertrages vom
27./28. März 2013).
6.4. Im Ergebnis ist somit festzuhalten, dass bei der hier gebotenen Prima-facie-
Würdigung der Sicherungswert der Aktien der B._ AG nicht
hinreichend ausgewiesen ist (vgl. HANS FREY, Sicherstellungsverfügung,
S. 191 f.). Wie die KSTV GR zu Recht festhält, kann die Werthaltigkeit des
Faustpfands für die in Rede stehenden Steuerschulden nicht als genügend
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qualifiziert werden. Die Sicherstellungsverfügung ist somit trotz des
Sicherungshinterlegungsvertrags angemessen.
An diesem Ergebnis vermag auch Ziff. 4.3 des
Sicherungshinterlegungsvertrages nichts zu ändern, wonach sich der
Hinterleger verpflichtet, keine Rechtsgeschäfte oder Handlungen
vorzunehmen oder solchen zuzustimmen, durch welche der Zweck der
Sicherungshinterlegung vereitelt oder beeinträchtigt oder der Wert der von
ihm sicherungshalber hinterlegten Aktien beeinträchtigt wird. Zwar
hinterlegte die B._ AG zur Absicherung dieser (und weiterer)
Verhaltensweisen sämtliche in ihrem unbeschränkten Eigentum stehenden
Aktien an der I._ AG und die I._ AG hinterlegte ihrerseits
sämtliche in ihrem unbeschränkten Eigentum stehenden Aktien an der
K._ AG (vgl. Ziff. 4.5 des Sicherungshinterlegungsvertrages und den
separaten Escrow-Vertrag). Auch die Aktien der I._ AG und der
K._ AG sind allerdings nicht (börsen-)kotiert und deren Sicherungswert
ist nicht hinreichend ausgewiesen.
7. Nach dem Gesagten ist folglich festzuhalten, dass die Gefährdung des
Steuerbezugs aufgrund des fehlenden Wohnsitzes des Beschwerdeführers
in der Schweiz als glaubhaft erscheint und das Vorliegen des
Sicherungshinterlegungsvertrages (samt separatem Escrow-Vertrag) die
Steuergefährdung nicht dahinfallen lässt. Vor diesem Hintergrund laufen
auch die übrigen Rügen des Beschwerdeführers ins Leere. Nach
Auffassung des streitberufenen Gerichts leuchtet nicht ein, weshalb die
KSTV GR mit dem Erlass der Sicherstellungsverfügung gegen das Prinzip
von Treu und Glauben verstossen und willkürlich sowie missbräuchlich
gehandelt haben soll. Zum einen verlegte der Beschwerdeführer seinen
Wohnsitz erst nach dem Abschluss des Sicherungshinterlegungsvertrags
ins Ausland. Zum anderen erscheint der Steuerbezug – wie vorstehend
dargelegt – trotz Vorliegen des Sicherungshinterlegungsvertrages als
gefährdet. Im Übrigen ist nicht ersichtlich, inwiefern sich die KSTV GR mit
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dem Erlass der Sicherstellungsverfügung – insbesondere unter
Berücksichtigung der Vereinbarung zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft, dem Kanton Graubünden, der Stadt Chur, dem
Beschwerdeführer und der M._ S.à.r.l. vom 16./17. Dezember 2019
und der damit verbundenen Entlassung sämtlicher Überschüsse aus der
am 17. Juli 2019 eingeleiteten Betreibung auf Pfandverwertung (mit den
Aktien der B._ AG als Pfandgegenstand gemäss
Sicherungshinterlegungsvertrag) aus dem Arrest – über den
Sicherungshinterlegungsvertrag hinweggesetzt haben soll. Schliesslich
liegt auch ein öffentliches Interesse am Handeln der KSTV GR bzw. am
Erlass der Sicherstellungsverfügung durch die KSTV GR vor, da der
Sicherungshinterlegungsvertrag die Steuergefährdung – wie vorstehend
dargelegt – eben gerade nicht dahinfallen lässt.
8. Prima facie besteht somit nach wie vor eine Steuergefährdung, während
Bestand und Umfang der Steuerschuld nicht substanziiert bestritten sowie
aktenmässig belegt sind. Damit ist die Beschwerde lediglich teilweise
gutzuheissen und die angefochtene Sicherstellungsverfügung nur insoweit
aufzuheben, als sie die Leistung einer Sicherheit für die Steuerforderungen
von Bund, des Kantons Graubünden und der Stadt Chur für die zweite
Hälfte des Jahres 2019 verlangt. Das Verfahren wird zudem im Umfang der
für die erste Hälfte des Jahres 2019 in Geld geleisteten Sicherstellung
infolge Anerkennung als gegenstandslos geworden abgeschrieben. Der
sicherzustellende Betrag beläuft sich insgesamt noch auf
CHF 50'110'000.00 (inkl. Zinsen und Kosten). Im Übrigen wird die
Beschwerde abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
9. Daraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführer im Resultat nur hinsichtlich
der Höhe der eingeforderten Sicherstellung für die zweite Hälfte des Jahres
2019 durchdringt und somit lediglich in einem untergeordneten Punkt
obsiegt, der überdies betragsmässig verhältnismässig klein erscheint
(CHF 760'000.00 des Streitwerts von CHF 50'870'000.00, was rund 1.5%
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entspricht). Für den Teil, der infolge Bezahlung der Steuerforderungen als
gegenstandslos geworden abzuschreiben ist, gilt der Beschwerdeführer als
unterliegend, da er in diesem Sinne die Sicherstellungsforderungen
anerkannt hat (vgl. sinngemäss Art. 106 Abs. 1 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [Zivilprozessordnung, ZPO;
SR 272]). Bei diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich daher,
dem Beschwerdeführer die Verfahrenskosten ganz zu auferlegen und ihm
entsprechend auch keine Parteientschädigung zuzusprechen. Der KSTV
GR ist ebenso wenig eine Parteientschädigung auszurichten, zumal sie in
ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegt und keine ausserordentliche
Situation ein Abweichen der gesetzlichen Regelung rechtfertigt (Art. 78 Abs.
2 VRG). Die Staatsgebühr wird in Anwendung von Art. 75 Abs. 2 VRG unter
Berücksichtigung des ausserordentlichen Umfangs und der Schwierigkeit
der Sache sowie des Interesses und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers auf CHF 20'000.00 festgesetzt.