Decision ID: b7ed8e9d-d986-4600-936c-fb1556dfaf21
Year: 2008
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. Mit Verfügung vom 21. Februar 2008 (Urk. 2) wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das von A._ gestellte Begehren um Kostenübernahme von ambulanter Physiotherapie mit der Begründung ab, es handle sich dabei um eine Langzeitbehandlung des Leidens an sich und stehe nicht in Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Nr. 390, weshalb die Behandlung von der Invalidenversicherung nicht übernommen werden könne.
2. Dagegen liess die Versicherte durch Helsana-advocare mit Eingabe vom 31. März 2008 Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei für die beantragte ambulante Physiotherapie Kostengutsprache zu erteilen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren medizinischen Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 6. Juni 2008 (Urk. 9 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 10/1-168) ersuchte die Beschwerdegegnerin um Abweisung der Beschwerde.
Nachdem die Beschwerdeführerin am 6. August 2008 die Replik, in welcher sie an den gestellten Anträgen festhielt (Urk. 14), erstattet und die ärztliche Stellungnahme von Dr. med. C._, Spezialarzt für Kinder und Jugendliche, vom 29. Juli 2008 (Urk. 15/3) hatte auflegen lassen, beantragte die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 26. August 2008 (Urk. 18) die Abschreibung des Verfahrens wegen Gegenstandslosigkeit. Die Einsicht in den neu aufgelegten Bericht des Kinderarztes Dr. C._ und eine darauf erfolgte Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin an einem Stickler-Syndrom leide, welches unter das Geburtsgebrechen Nr. 485 zu zählen sei, weshalb die beantragten Physiotherapien für zwei Jahre übernommen werden könnten. Mit Verfügung vom 25. August 2008 hatte die Beschwerdegegnerin daher die angefochtene Verfügung vom 21. Februar 2008 wiedererwägungsweise aufgehoben und Kostengutsprache für die Behandlung des Stickler-Syndroms im Rahmen des Geburtsgebrechens Nr. 485 sowie der ärztlich verordneten Behandlungsgeräte in einfacher und zweckmässiger Ausführung bis "_" 20.. (Erreichung des 20. Altersjahres) erteilt (Urk. 19/2). Am 26. August 2008 meldete sie der Beschwerdeführerin, dass die Kosten für die ambulante Physiotherapie nach ärztlicher Verordnung im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Nr. 485 vom 1. September 2007 bis zum 31. August 2009 übernommen würden (Urk. 19/1).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 53 Abs. 3 ATSG kann der Versicherungsträger eine Verfügung oder einen Einspracheentscheid, gegen die Beschwerde erhoben wurde, so lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Die neue Verfügung oder der neue Einspracheentscheid beendet den Streit insoweit, als damit den Anträgen der versicherten Person entsprochen wird (ZAK 1989 S. 563 Erw. 2a, vgl. auch ZAK 1989 S. 310).
Wird der Erlass eines neuen Entscheides lediglich in Aussicht gestellt oder ergeht die Wiedererwägungsverfügung nach der Beschwerdeantwort, so liegt seitens der Verwaltung ein Antrag vor, wie zu entscheiden sei. Eine Erledigung des Verfahrens zufolge Gegenstandslosigkeit fällt ausser Betracht. Vielmehr ist materiell in der Sache zu entscheiden.
2. Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid, die angefochtene Verfügung vom 21. Februar 2008 aufzuheben, insbesondere auf den Bericht von Dr. C._ vom 29. Juli 2008. Daraus erhellt, dass die Beschwerdeführerin an einem Stickler-Syndrom leidet, welches unter anderem mit einer - entgegen der ursprünglichen Annahme der Beschwerdegegnerin (Urk. 9 S. 3) - angeborenen Skoliose einhergeht (Urk. 15/3). Gemäss Stellungnahme des RAD rechtfertigt sich nunmehr die Kostenübernahme der Physiotherapie im Rahmen des Geburtsgebrechen Nr. 485, welchem das Stickler-Syndrom zuzuordnen sei (Urk. 19/3).
Da die Beschwerdegegnerin nun ebenfalls davon ausgeht, dass die Skoliose der Beschwerdeführerin angeboren ist und die Kosten der Physiotherapie daher von der Invalidenversicherung zu übernehmen sind, liegen übereinstimmende Parteianträge vor (Urk. 1 S. 2, Urk. 14 S. 2), die der Akten- und Rechtslage entsprechen. Das führt zur Gutheissung der Beschwerde.
3. Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in der seit 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Versicherungsleistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden unabhängig vom Streitwert, nach dem Verfahrensaufwand im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Ausgangsgemäss sind die Kosten im Betrag von Fr. 400.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, und sie ist zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung auszurichten (Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht; GSVGer). Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 800.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.