Decision ID: 2514703c-e4de-4814-84a5-490789703472
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959, meldete sic
h am 2
4.
August 2013 wegen eines
Herzinfarkt
s
, Bluthochdruck und Prostatakrebs bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und liess den Versicherten polydiszi
plinär begutachten (Gutachten vom 1
4.
April 2015;
Urk.
6/37/1-32). Dieser ver
anlasste
zudem
eine eigene psychiatrische Begutachtung (Gutachten vom 2
1.
Juni
2016;
Urk.
6/71). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/158-160;
Urk.
6/163) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom
4.
März 2021 ab Dezember 2014 eine
Viertelsrente
, ab März 2015 eine ganze Rente und ab Juni 2015 eine halbe Rente zu (
Urk.
6/168 und
Urk.
6/167 =
Urk.
2).
2.
Am
9.
April 2021 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
4.
März 2021 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung und die
Zusprache
einer ganzen Rente spätestens ab Februar 2014, eventualiter die Veranlassung eines polydisziplinären Gutachtens (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Mai 2021 (
Urk.
5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
4.
Mai 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d;
Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflag
e 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31
). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE
131
V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streitge
gen
ständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer ab
gestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Verfügungen
gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundesge
richts 8C_489/2009 vom 23. Okt
ober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1.4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a der Verordnung über die Invali
den
v
ersicherung,
IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinwei
sen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein
getreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revi
sions
grund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl.
BGE
125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Eine Arbeitsunfähigkeit sei seit
dem
2
8.
März 2013 ausgewiesen und das Wartejahr könne mit einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit eröffnet werden.
Vom
2
9.
Dezember 2013 bis 2
8.
Dezember 2014 liege zum ersten Mal eine durch
schnittliche Arbeits
unfähigkeit von 40
%
während des
Wartejahr
s
vor, welches somit ab dem 2
9.
Dezember 2013 beginne. Der Beschwerdeführer sei in der ange
stammten Tätigkeit, die einer angepassten Tätigkeit entspreche, ab Ablauf Warte
jahr infolge des Prostatakarzinoms zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Drei Mona
te nach der Operation sei noch von einer 20%igen Minderung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Im Jahr 2014 sei es zu einem Tumorrezidiv gekommen, welches zunächst eine volle und dann eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bewirkt habe. Ab Februar 2015 habe sich der Gesundheitszustand wieder deutlich verbessert, so dass ab Juni 2015 Anspruch auf eine halbe Rente bestanden habe. Es bestehe aus
somatischen Gründen ein Rentenanspruch. Aus psychiatrischer Sicht seien keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen (
Urk.
2 Verfü
gungsteil 2 S. 1). Aufgrund der Durchschnittsberechnung der Arbeitsunfähigkeit erhalte er die ersten drei Monate eine
Viertelsrente
(
Urk.
2 Verfügungsteil 2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte geltend (
Urk.
1), aus näher dargelegten Gründen sei die angestammte Tätigkeit nicht mit einer angepassten gleichzusetzen. Weiter sei die IV-Anmeldung am 2
4.
August 2013 und damit verspätet erfolgt, weshalb der Anspruch seit spätestens
1.
Februar 2014 bestehe (S. 18 unten f.). Weiter sei er aus psychischen Gründen zu 100
%
erwerbsunfähig, weshalb er Anspruch auf eine ganze Rente habe (S. 20). Das
Valideneinkommen
sei auf
Fr.
134'249.55 festzusetzen und das Invalideneinkommen auf
Fr.
73'382.80, weshalb sich - bei Annahme einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
- ein IV-Grad von 73
%
ergebe (S.
21).
Weiter sei seine Restarbeitsfähigkeit aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und des massiven Gesundheitsschadens nicht mehr verwertbar (S. 22).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Die Ärzte
der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie am Uni
versitätsspital Y._
diagnostizierten mit Bericht vom
4.
Dezember
1997
(
Urk.
6/9/11) einen Hörsturz rechts mit Ertaubung (S.1). Der Patient sei nach fünf Tagen Inhalationstherapie mit leider fehlender Hörverbesserung nach Hause ent
lassen worden (S. 2).
3.2
Im Bericht des Spitals Z._
vom 2
7.
Dezember 2011 (
Urk.
6/9/10) wurde festgehalten, gut zwei Monate nach kaum dislozierter
Humeruskopffraktur
links nehme der Beschwerdeführer keine Schmerzmittel mehr. Der Arm könne im täglichen Leben für viele Tätigkeiten eingesetzt werden. In Anbetracht der Tatsache, dass zwischenzeitlich noch ein Myokardinfarkt aufgetreten sei, sei die aktuelle Situation durchaus zeitgerecht nach dieser Verletzung und die Physiotherapie sei weiterzuführen.
3.3
Dr.
med. A._
, Facharzt für Operative Urologie, diagnostizierte mit Be
richt vom 2
9.
Oktober 2013 (
Urk.
6/7) einen Status nach radikaler
Prostektomie
bei
Adenokarzinom
der Prostata am 2
8.
März 201
3.
Postoperativ bestehe eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit bis
7.
Juni 201
3. Dr.
A._
wies auf eine schwerste Depression hin (
Ziff.
1.1). Aus urologischer Sicht sei der Beschwerdeführer seit Juli 2013 arbeitsfähig (
Ziff.
1.6).
3.4
Dr.
med. B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte mit Bericht vom 1
8.
November 2013 (
Urk.
6/9/1-5) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
depressive Entwicklung
-
koronare und
hypertensive
Herzkrankheit,
Nicht-ST-Strecken-Elevations
myokardinfark
t (
NSTEMI
)
am 1
1.
November 2011
-
Status nach radikaler
Prostektomie
am 2
8.
März 2013
-
Status nach
Humeruskopffraktur
-
Hörsturz 1997
Zur Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
B._
fest, der Beschwerdeführer sei seit Jahren arbeitslos (
Ziff.
1.6). Rein sitzende Tätigkeiten seien zumutbar (
Urk.
6/9/4).
3.5
Dr.
med. C._
, Facharzt
für Allgemeine Innere Medizin, und
lic
. phil. D._
stellten mit Bericht vom
8.
Februar 2014 (
Urk.
6/10) folgende Diagnosen (S. 1):
-
schizoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.1)
-
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
-
damit verbundene rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1)
-
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z.73.0)
-
Herauslösung aus dem Elternhaus in der Kindheit (ICD-10 Z61.1)
-
Heimerziehung (ICD-10 Z62.2)
Seit April 2013 bestehe eine schwere Depression. Die Symptomatik habe zu Beginn der Therapie eine latente Suizidalität umfasst. Bis heute bestehe eine An
triebslosigkeit, ein Verlust sämtlicher Motivation und Zuversicht, ein emotionaler und sozialer Rückzug
und
die Aufgabe sämtlicher Hobbies und Betätigungen. Die männliche Identität
des Beschwerdeführers
sei gebrochen, er fühle sich als Lebenspartner nutzlos und unbrauchbar, habe aus kleinstem Anlass emotionale Ausbrüche
und leide an
Schlafprobleme
n und dem
Verlust jeder Hoffnung, je wieder arbeiten zu können (S. 2).
3.6
Dr.
med. E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Medizinische Onkologie, diagnostizierte mit Bericht vom 1
6.
Dezember 2014 (
Urk.
6/18/1-5) im Wesentlichen eine Tumorstreuung nach Prostatakarzinom bei radikaler
Pros
tek
tomie
(
Ziff.
1.1) und hielt fest, es erfolge eine Bestrahlung mit zusätzlicher Hormontherapie ab Oktober 2014 (
Ziff.
1.5). Als Projektleiter sei der Beschwer
deführer ab Oktober 2014 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6).
Es bestehe eine reak
tive Depression, die sich auf die Arbeit auswirke (
Ziff.
1.7). Rein sitzende Tätig
keiten seien zumutbar (
Urk.
6/18/5).
3.7
Die Ärzte der
Medas
-Abklärungsstelle
F._
stellten in ihrem am 1
4.
April 2015
(
Urk.
6/37/1-32)
nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer internistischen, psy
chiatrischen, orthopädischen, urologischen, kardiologischen, onkologischen und
otorhinolaryngologischen
Untersuchung folgende
,
hier
etwas
verkürzt wiederge
ge
bene Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 28
Ziff.
5.1
):
-
regional fortgeschrittenes Prostatakarzinom
-
Zustand nach radikaler Prostataresektion am 2
8.
März 2013
-
Oktober 2014 PSA-Anstieg und Nachweise einer Lymphknoten
meta
stase links
-
ab Oktober 2014 Androgen-
Depletionstherapie
-
Dezember 2014 Bestrahlung
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
koronare 1-Gefäss-Erkrankung und
hypertensive
Kardiopathie
-
Status nach NSTEMI und nach Notfall-PTCA Stent im Dezember 2011 auf Mauritius
-
linksventrale Hypertrophie, gute systolische LV-Pumpfunktion
-
eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit in der Fahrrad-Ergo
metrie
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren
-
pantonale Schwerhörigkeit rechts
-
Tinnitus rechts
-
mittelgradig kompensiert
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 28
Ziff.
5.2):
-
metabolisches Syndrom
-
arterielle Hypertonie
-
Adipositas
-
Dyslipidämie
-
Hyperurikämie
-
Verdacht auf Schlafapnoe-Syndrom (Differentialdiagnose: Adipositas-Hypoventilationssyndrom)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge
-
chronisch intermittierende Schulterbeschwerden der
adominanten
linken Seite
-
Status nach konservativ behandelter proximaler
Humerusfraktur
2011
-
kein
höhergradiges
funktionelles Defizit
-
chronisches
radikuläres
Reizsyndrom C6 links
-
chronische Hüftschmerzen links
-
radiologisch beginnende
Coxarthrose
-
anamnestisch Status nach konservativ behandelten Frakturen an Fersen
bein und Knöchel links sowie Wadenbein rechts vor dreissig Jahren
-
leichte
normochrome
normozytäre
Anämie
-
leichte Hepatopathie unklarer Ätiologie (differentialdiagnostisch im Rahmen einer nicht alkoholischen
Steatohepatopathie
)
In der Konsensbeurteilung führten die Gutachter
zur Frage der Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in angepassten Tätigkeiten
aus, die angestammte Tätig
keit des Beschwerdeführers liege im kaufmännischen Bereich, wo er zuletzt als Projektleiter und Wirtschaftsinformatiker tätig gewesen sei. Aus internistischer, kardiologischer und orthopädischer Sicht könne in dieser Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden.
Aus psychiatrischer Sicht könne aktuell eine leichte Episode einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer konsekutiven Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
diagnostiziert werden. Im Vordergrund stehe aber die Diagnose eines regional fortgeschrittenen Prostatakarzinoms.
Zur Zeit
führe der Beschwerdeführer eine Hormonbehandlung durch, welche zu einer drastischen Reduktion des
Androgenspiegels
führe und mit grosser Wahrscheinlichkeit für
seine
vermehrte Müdigkeit und für die Stim
mungsschwankungen zusätzlich zur psychiatrischen Diagnose verantwortlich sei. Aus onkologischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
bis zum Abschluss der Hormontherapie im April 2015, wobei anschliessend eine über Wochen bis Monate dauernde Zeitperiode folgen werde, in welcher der Hormonspiegel wieder ansteige und auch mit einer Verbesserung der Arbeits
fähigkeit zu rechnen sei (S. 29 unten f.). Aus kardiologischer Sicht bestehe bei koronarer 1-Ast-Erkrankung lediglich eine Einschränkung in dem Sinne, dass dem Exploranden körperlich schwere Tätigkeiten nicht zumutbar seien. Aus
otor
hino
laryngologischer
Sicht seien dem Beschwerdeführer aufgrund der pantonalen Schwerhörigkeit rechts und des mittelgradig kompensierten Tinnitus rechts keine Tätigkeiten zumutbar, welche unter erhöhtem
Störlärm
ausgeübt werden müssten oder ein intaktes Richtungshören voraussetzten. Zudem bestehe für sämtliche Tätigkeiten aus
otorhinolaryngologischer
Sicht eine Einschränkung der Leis
tungs
fähigkeit von 10
%
. Insgesamt bestehe in der angestammten Tätigkeit der
zeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Die leichten Leistungseinbussen aus ORL-ärztlicher und psychiatrischer Sicht wirkten sich derzeit beim hohen vorge
ge
benen Pausenbedarf aus onkologischer Sicht nicht zusätzlich aus. Körperlich schwere Tätigkeiten, solche mit höheren Anforderungen an das Gehör oder mit erhöhtem Umgebungslärm seien nicht zumutbar (S. 30).
Zum Verlauf wurde festgehalten, es sei davon auszugehen, dass vom Zeitpunkt der radikalen
Prostatektomie
am 2
8.
März bis zum
7.
Juni 2013 aus urologischer Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten bestanden habe. Seither habe wohl durchgehend eine zumindest 20%ige Einschränkung der Arbeits
fähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestanden. Von Oktober 2014 bis Februar 2015 sei der Beschwerdeführer aus onkologischer Sicht voll arbeitsun
fähig gewesen. Ab Gutachtenszeitpunkt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Prospektiv
sei nach Absetzen der Antihormontherapie im April 2015 ab Juli 2015 von einer Arbeitsunfähigkeit von
40
%
, ab Oktober 2015 von 30
%
und ab Januar 2016 von 20
%
auszugehen. Dies unter der Voraussetzung, dass die Komor
bi
ditäten unverändert blieben und die Grunderkrankung nicht fortgeschritten sei (S. 30).
Der psychiatrische Teilgutachter hielt fest, gemäss den Angaben des Beschwer
deführers nehme er etwa 3-4 Tabletten
Temesta
monatlich ein
. S
onstige Psy
chopharmaka, insbesondere Antidepressiva, würden nicht eingesetzt (S. 10 unten).
Es seien verschiedene Ressourcen festzustellen. So sei der Beschwerdeführer in der Lage, ein Auto zu lenken, und sei somit konzentrationsfähig und ver
kehrstauglich.
Er lese regelmässig Bücher, unterhalte seinen Haushalt und treffe sich zum Jassen und im Sommer zum Tennis spielen. Jährlich verreise er nach Mauritius (S. 13 unten). Die heute festgestellte Arbeitsunfähigkeit dürfte im April 2013 mit dem Beginn der Behandlung bei
lic
. phil.
D._
eingesetzt haben. Was die von
diesem genannte schizoide Persönlichkeitsstörung
angehe, sei eher von akzentuierten Persönlichkeitszügen zu sprechen. Der Beschwerdeführer habe zwar in seiner Jugend Merkmale einer auffälligen Persönlichkeitsvariante mit sozial unangepasstem Verhalten gezeigt, jedoch könne später die Dauerhaftigkeit des devianten Verhaltens nicht mehr nachgewiesen werden. Insbesondere habe
sich der Beschwerdeführer während 30 Jahren sehr gut integrieren können (S. 14).
Der onkologische Teilgutachter hielt fest, der Besch
werdeführer sei ab Januar 2013
bis zirka drei Monate nach der Operation, also bis etwa Mitte Juli 2013, zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Danach habe ab Oktober 2014 bis zirka Februar 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, danach eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 24
Ziff.
4.5.6).
3.8
Dr.
med. G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), erachtete die Schlussfolgerungen des Gutachtens in ihrer Stellungnahme vom 2
8.
April 2015 (
Urk.
6/45/4 unten f.) als plausibel und hielt fest, vom 2
8.
März bis zum
7.
Juni 2013 werde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in sämtlichen Tätigkeiten ausgewiesen, danach eine solche von 20
%
. Ab
Oktober 2014 bis Februar 2015 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestan
den. Ab Ende April 2015 respektive Mai
2015 werde wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
ausgewiesen.
3.9
Dr.
med. H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 2
1.
Juni 2016 im Auftrag der Rechtsschutzversicherung des Beschwerde
füh
rers ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
6/71)
,
und
stellte folgende Diagnosen (S.
21
f.
):
-
mittelgradige bis schwere depressive Episode im Rahmen einer rezidi
vie
renden depressiven Störung (ICD-10 F33, F33.1 und F.33.2)
-
Status nach unklarer Belastungsstörung (ICD-10 F43.0) im Rahmen aussergewöhnlicher körperlicher und psychischer Belastungen aufgrund
schwerwiegender Erkrankungen (Myokardinfarkt, metastasierendes Prosta
ta
karzinom, Impotenz, Gynäkomastie)
-
Verdacht auf schizoide Persönlichkeitsstruktur (ICD-10 F60.1), differen
tial
diagnostisch komplexe posttraumatische
Belastungsstörung
–
gleich
bedeutend mit einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung - nach körperlicher Misshandlung und emotionaler Vernachlässigung im Kindes- und Jugendalter
-
Verdacht auf iatrogene
Benzodiazepinabhängigkeit
im Rahmen einer Dauerbehandlung mit
Triazolam
-
Status nach schädlichem Gebrauch von Alkohol
Depressive Episoden seien in aller Regel durch pharmakologische und psychothe
rapeutische Interventionen gut behandelbar, hätten somit eine gute Prognose und begründeten isoliert betrachtet keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähig
keit (S. 22 unten). Der Verdacht auf
eine
iatrogene
Benzodiazepinabhängigkeit
im Rahmen einer Dauerbehandlung mit
Triazolam
sowie ein Status nach oder möglicherweise ein reaktivierter schädlicher Gebrauch von Alkohol wirkten sich insofern (indirekt) auf die Arbeitsfähigkeit aus, als dass sie den Heilverlauf des depressiven Syndroms verzögerten oder verunmöglichten. Der Verdacht auf eine schizoide Persönlichkeitsstruktur sowie eine differentialdiagnostisch in Betracht zu ziehende komplexe posttraumatische Belastungsstörung nach körperlicher Miss
handlung und emotionaler Vernachlässigung im Kindes- und Jugendalter wirkten sich bei erhaltenen Kompensationsmechanismen nicht auf die Arbeits
fähigkeit aus. Träten indessen wie vorliegend bedeutsame Lebensereignisse (schwerwiegende Erkrankung)
dazu, erschöpften sich diese Kompensations
me
cha
nismen rasch, wodurch es in der Regel vorübergehend oder dauerhaft zum Verlust der Arbeitsfähigkeit komme (S. 23).
Der Beginn der depressiven Symptomatik könne aufgrund der Angaben des Explo
randen sowie aufgrund der Aktenlage der Zeit nach dem Myokardinfarkt zugeordnet werden.
Das gehäufte Auftreten depressiver Symptome nach durch
gemachtem Myokardinfarkt sei bestens bekannt, ebenso die gehäuften depres
siven Auslenkungen nach Diagnosen bösartiger Erkrankungen. Potenzprobleme oder eine Gynäkomastie, welche sich wie im vorliegenden Fall aufgrund von operativen Eingriffen oder Hormonbehandlungen schwer oder gar nicht befrie
digend behandeln liessen, führten bei Männern häufig zu depressiven Sympto
men. Aufgrund dieser Konstellation müsse auch bei konsequenter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung mit einem protrahierten Verlauf der depres
siven Episode gerechnet werden. Beim Exploranden sei derzeit keine Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit als projektleitender Wirtschaftsin
for
matiker gegeben. Die Schwere des aktuellen depressiven Geschehens lasse zudem auch keine andere Verweistätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu (S. 23).
Be
zugnehmend auf das Aktivitäts- und Partizipationsvermögen des Exploranden sei derzeit auch keine Tätigkeit in beschützendem Rahmen möglich. Die derzeit emp
fohlene Aktivität müsse vorerst auf therapeutische Zwecke begrenzt bleiben, zum Beispiel in einer Tagesklinik (S. 24 oben).
Die im F._
-Gutachten gestellte Verdachtsdiagnose einer leichtgradigen depressi
ven Episode im Rahmen einer rezidivierenden Störung könne nicht bestätigt werden. Der Schweregrad stelle sich derzeit deutlich anders dar. Zudem lasse sich
die anamnestische Aufarbeitung der Persönlichkeitsstruktur des Exploranden n
icht mit einer Persönlichkeitsakzentuierung erklären. Aufgrund aller vorhandenen Informationen inklusive Fremdauskünften müsse tatsächlich mit hoher Wahr
schein
lichkeit von einer (schizoiden) Persönlichkeitsstörung ausgegangen werden (S. 24).
Es sei von einem mehrjährigen Verlauf auszugehen; das depressive Syndrom habe sich bereits 2013 entwickelt. Dabei sei es allenfalls zu einer vorübergehenden und partiellen Remission (nach der stationären Behandlung) gekommen, eine länger
fristige Remission sei nie erreicht worden. Allerdings müsse korrekterweise ange
fügt werden, dass seit 2013 nicht sämtliche verfügbare
n
therapeutische
n
Mög
lich
keiten ausgeschöpft worden seien (S. 25). Der soziale Rückzug sei aktuell als mittel-
bis
schwergradig
einzustufen und liege teilweise in der schizoiden Persön
lichkeit des Beschwerdeführers begründet. Es lasse sich zwar aufgrund der kör
perlichen Beeinträchtigungen ein deutlicher und über den
Habitualzustand
des Exploranden hinausg
ehender sozialer Rückzug erkenn
en, dieser zeige sich jedoch nicht in allen
Belangen des Lebens. Weiter sei
e
n
die therapeutischen Massnahmen
nicht ausgeschöpft
. Insbesondere sei er psychopharmakologisch derzeit unbe
handelt, was beim vorliegenden Ausprägungsgrad der depressiven Symptomatik dringend empfohlen sei (S. 26). In der Mehrzahl gleichgearteter Fälle könne innert drei bis vier Monaten konsequenter psychiatrisch-psychotherapeutischer Bemü
hungen mit einer Besserung des depressiven Syndroms gerechnet werden (S. 28).
3.10
Zu diesem Gutachten hielt
Dr.
G._
, RAD, am 2
9.
Juli 2016 (
Urk.
6/74/4-5) fest, es könne aus Sicht des RAD als nachvollziehbar beurteilt und nicht ausser Acht gelassen werden. Es sei überwiegend wahrscheinlich, dass eine Tätigkeit mit höheren Ansprüchen an die Belastbarkeit und mit Multitasking nicht mehr den Möglichkeiten des Beschwerdeführers entspreche und er auf eine angepasste Tätigkeit angewiesen sein werde. Es seien eine Abstinenz, ein Entzug und eine fachärztliche psychologische Behandlung zu verlangen, womit bei gutem Verlauf eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
und eventuell mehr erwartet werden könne.
3.11
Lic
. phil.
D._
und
Dr.
med. I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führten am
3.
Juli 2017 (
Urk.
6/88) aus, die engmaschige ambu
lante Betreuung diene unter anderem dazu, stationäre Aufenthalte abzuwenden. Antidepressive Medikamente hätten aufgrund von nicht tolerierbaren Neben
wir
kungen abgesetzt werden müssen,
Remeron
wegen einer massiven Gewichts
zu
nahme. Zudem habe der Beschwerdeführer zahlreiche somatische Medikamente und eine Hormontherapie, was erschwerend dazukomme. Die therapeutischen Optionen seien ausgeschöpft (S. 1).
3.12
Dr.
med. J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Fach
arzt für Neurologie, RAD, hielt am 1
3.
März 2017 (
Urk.
6/95/2-4) fest, in der bis
herigen Tätigkeit als Projektleiter sei der Beschwerdeführer von März bis Juni 2013 zu 100
%
, von Juli 2013 bis September 2014 zu 20
%
, von Oktober 2014 bis Februar 2015 zu 100
%
, von März 2015 bis Mai 2016 zu 50
%
und ab Juni 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig (gewesen). In angepasster Tätigkeit bestehe derzeit keine Arbeitsfähigkeit, da therapeutische Massnahmen im Vordergrund stünden. Der Gesundheitszustand habe sich seit der Begutachtung durch
das F._
im März 2015 verschlechtert (
Urk.
6/95/3).
3.13
Dr.
I._
hielt mit Schreiben vom
7.
Februar 2018 (
Urk.
6/101) fest, aus näher dargelegten Gründen bestehe sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit (S. 2).
3.14
Lic
. phil.
D._
erachtete den Beschwerdeführer in seinem undatierten Bericht vom Sommer 2018 (
Urk.
6/117; vgl.
Urk.
6/116) in jeder Tätigkeit als zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
2.1). Die Behandlung finde
alle zwei Wochen
statt (
Ziff.
3.1).
Die grösste Einschränkung und Belastung
stelle
der seit 5 Jahren dauernde Ver
fahrensprozess um die Invalidität dar (
Ziff.
3.3). Eventuell bestehe eine Belast
barkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung
,
wenn die Rentenfrage ent
schieden sei (
Ziff.
4.2).
3.15
Auf entsprechende Anfrage durch die Beschwerdegegnerin hielt
Dr.
med. K._
, Facharzt für Plastische und Wiederherstellungschirurgie, am 2
8.
Februar 2018 (
Urk.
6/129) fest, die beidseitige Mastektomie sei am 1
1.
Januar 2018 erfolgt. Die Operation sei erfolgreich gewesen, der Beschwerdeführer habe keine Schmerzen mehr. Eine optimal angepasste Tätigkeit sei seit 2018 möglich.
3.16
Dr.
med. L._
, Facharzt für Medizinische Onkologie, Allergologie und Klinische Immunologie sowie für Allgemeine Innere Medizin, hielt am 2
4.
Okto
ber 2019 (
Urk.
6/141) fest, die Behandlung der schmerzhaften Gynäkomastie stehe in keinem Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit des Patienten. Eine Hormontherapie finde im Augenblick nicht statt.
3.17
Dr.
med. M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, RAD, führte am 1
1.
September 2020 (
Urk.
6/156/10-11) aus, im Gutachten von
Dr.
H._
sei es paradoxal, gleichzeitig eine mittelgradige bis schwere Episode zu diagnostizieren, denn die ICD-10 Kriterien grenzten die Schweregrade eindeutig ab. Weiter sei anhand der dort genannten psychopathologischen Be
funde objektiv ein leichter Schweregrad zu diagnostizieren. Die Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung werde nicht hergeleitet und sei wenig plausibel, zumal der Beschwerdeführer sozialen Aktivitäten nachgehe. Weiter erscheine die Diagnose einer Persönlichkeitsakzentuierung aus näher ge
nannten Gründen als plausibler. Ein Laborstatus zum Nachweis des Verdachtes auf eine
Ben
zodiazepinabhängigkeit
und eines
Status nach schädlichem Ge
brauch von Alkohol sei nicht erhoben worden; Entzugssymptome seien während der etwa 2.5 - stündigen Untersuchung im psychopathologischen Befund nicht festgestellt worden. Aufgrund fehlender Herleitung könne diese Diagn
ose nicht nachvollzogen werden.
In der Gesamtschau sei das Gutachten von
Dr.
H._
nicht verwertbar.
Dennoch sei es vom RAD als nachvollziehbar beurteilt worden. Eine objektive Beurteilung, ob - wie von den Behandlern postuliert - die anti
depressive Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ausgeschöpft sei, sei nicht möglich, zumal unbekannt sei, welche Medikamente eingeführt worden seien, wie lange die Medikation gedauert habe und welche Nebenwirkungen genau aufge
treten seien. Eine spezifische Interaktionsanalyse der Medikamente sei unabding
bar, werde aber von
lic
. phil.
D._
und
Dr.
I._
nicht dargelegt.
Es werde empfohlen, auf das F._
-Gutachten abzustellen, womit aus psychiatrischer Sicht aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung, leichte Episode, überwie
gend
wahrscheinlich seit März 2013 und auf Dauer eine 20%ige Arbeitsun
fähig
keit bestehe.
3.18
Aus somatischer Sicht hielt
dipl.-
med.
N._
, Fachärztin für Allge
meine Innere Medizin, RAD, am 1
1.
September 2020 (
Urk.
6/156/12-13) fest, der Gesundheitszustand sei diesbezüglich stabil. Die Wahrscheinlichkeit eines Rezi
divs des Prostatakarzinoms sei hoch. Bezüglich der angestammten Tätigkeit als IT-Projektleiter bestünden folgende Einschränkungen: keine schweren körper
lichen Tätigkeiten infolge der koronaren Herzerkrankung
, ständiger Harndrang,
Hitzewallungen, Antriebsminderung, Müdigkeit, Impotenz, Verlust der Libido. Keine Tätigkeiten, welche ein normales Hörvermögen voraussetzen. Es seien ver
mehrte Ruhepausen erforderlich bei Einschränkung des Hörvermögens und Tinni
tus. Die bisherige Tätigkeit sei angepasst. In diesen Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 2
8.
März bis
7.
Juni 2013, von 20
%
vom
8.
Juni 2013 bis auf weiteres, von 100
%
ab Oktober 2014 bis Februar 2015 und von 50
%
ab März 2015 bis Februar 201
7.
Es liege ein Gesundheitsschaden vor, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke. Die Einschränkungen seien durch das Prostatakarzinom begründet. Drei Monate nach der Operation sei noch von einer 20%igen Minderung der Arbeits
fähigkeit auszugehen. 2014 sei es zu einem Tumorrezidiv gekommen, welches zunächst eine 100%ige, später eine 50%igen Arbeitsunfähigkeit bewirkt habe. Aus onkologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit zumindest während der Hormon
therapie um 50
%
vermindert gewesen, diese sei im Februar 2017 beendet worden
. Aufgrund des Hörsturzes
bestehe eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit um 10
%
. Aus allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht und aus orthopädischer sowie aus kardiologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt. Die halbe Rente könne aufgrund der somatischen Erkrankungen unbefristet ausge
richtet werden.
4.
4.1
Eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit war echtzeitlich erstmals nach der
Pros
tektomie
Ende März 2013 ausgewiesen.
Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.3) hielt
am 2
9.
Oktober 2013
fest, der Beschwerdeführer sei vo
m
2
8.
März bis
7.
Juni 2013 vollständig arbeitsunfähig gewesen. Ab Juli 2013 sei er aus urologischer Sicht wieder vollständig arbeitsfähig.
Dr.
B._
(v
gl. vorstehend E. 3.4) nahm im November 2013 keine verbindliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor, son
dern hielt lediglich fest, der Beschwerdeführer sei seit Jahren arbeitslos und es seien rein sitzende Tätigkeiten zumutbar.
Dr.
C._
und
lic
. phil.
D._
gingen im
Februar 2014 davon aus, dass seit April 2013 eine schwere Depression bestehe, wobei sie weder Angaben zur Arbeitsfähigkeit noch zur Art der Therapie machten und auffällt, dass die Diagnose einer schweren Depression - die min
destens eine medikamentöse, eher aber eine stationäre Behandlung vermuten liesse - in der Auflistung der Diagnosen nicht erscheint.
Die stationäre Behand
lung fand
erst
vom 2
7.
November bis 2
1.
Dezember 2013 statt (vgl. Bericht vom 1
0.
Januar 2014,
Urk.
6/37/33-34),
wo über eine sehr gute Stabilisierung unter
Remeron
berichtet wurde und der Beschwerdeführer
in einem deutlich gebes
ser
ten körperlichen wie auch psychischen Allgemeinzustand hatte entlassen werden können.
In somatischer Hinsicht kam es
sodann
zu einem Tumorrezidiv, dessen Behandlung ab Oktober 2014 zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit
als Projektleiter
führte (vgl. vorstehend E. 3.6).
Angesichts dieser eher
dürftigen
echtzeitlichen
Aktenlage ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin das Wartejahr ab Dezember 2013 eröffnete.
4.2
4.2.1
Das F._
-Gutachten wurde unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung umfassender Abklärungen erstattet und vermag grundsätzlich den Anforderungen an den Beweiswert einer medizinischen Exper
tise (vgl. vorstehend E. 1.5) zu genügen.
Darin kamen die Gutachter zum Schluss, es stehe die Diagnose eines regional fortgeschrittenen Prostatakarzinoms im Vor
dergrund, dessen Behandlung sich einschränkend auswirke. Aus onkologischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
bis zum Ab
schluss der Hormontherapie im April 2015, anschliessend sei mit einem Anstieg der Hormonwerte und parallel dazu mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Die Gutachter gingen in Übereinstimmung mit
Dr.
E._
(vgl. vor
stehend E. 3.6) davon aus, dass ab Oktober 2014 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Diese habe bis Februar 2015 gedauert. Ab Absetzen der Hormon
therapie
beziehungsweise zum Gutachtenszeitpunkt im April 2015 sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen. Die Gutachter unterschieden dabei nicht zwischen der angestammten und einer angepassten Tätigkeit, sondern sahen lediglich eine kardiologische Einschränkung
bezüglich schweren Tätigkeiten und
aus
otorhinolaryngologischer
Sicht bezüglich solchen mit erhöhtem
Störlärm
oder bei intaktem Richtungshören.
4.2.2
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine leichte depressive Episode, welche eine Einschränkung von 20
%
verursache, die sich jedoch aufgrund des hohen Pausen
bedarfs aus onkologischer Sicht nicht zusätzlich auswirke.
Dazu ist Folgendes festzuhalten:
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische,
lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E.
4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell be
weis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE
141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4.2.3
Zur Kategorie «funktioneller Schweregrad» ist zum Komplex «Gesundheits
schädi
gung» festzuhalten, dass die Ausprägung der diagnoserelevanten
psychiatrischen
Befunde anlässlich der Begutachtung eher gering war (vgl. S. 12
Ziff.
4.1.2 des Gutachtens). So bestand zwar eine deutliche Zurückhaltung im Affekt, jedoch war eine Modulation der Affekte möglich. Es bestand ein lediglich leicht bedrückter Affekt ohne Hinweise für eine vitale Traurigkeit oder eine erhebliche Antriebs
störung. Zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder einer entsprechenden Resistenz ist festzuhalten, dass
keine konsequente Behandlung
erfolgte
. Eine Ein
gliederung
stand
aufgrund des volatilen somatischen Gesundheitszustandes nicht im Vordergrund. Eine Behandlung der psychischen Beeinträchtigung fand soweit ersichtlich mittels Gesprächstherapie statt, jedoch erfolgte keine medikamentöse antidepressive Behandlung, einzig die Einnahme von
Temesta
bei Bedarf, wobei auch dieser mit
3-4 Tabletten monatlich sehr
gering erscheint (vgl.
S.
10
Ziff.
4.1.1.2 des Gutachtens). Als Komorbidität ist insbesondere die
Krebserkran
kung
zu nennen.
Zum
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagn
ostik, persönliche Resso
ur
cen) ist festzuhalten, dass der psychiatrische Gutachter nachvollziehbar darlegte, weshalb
keine Persönlichkeitsstörung, sondern eher eine Persönlichkeitsakzen
tuierung vorliegt (vgl. vorstehend E. 3.7). Eine schizoide Persönlichkeitsstörung lässt sich tatsächlich nur schwer mit der erfolgreichen Berufskarriere des Be
schwerdeführers vereinbaren. Zudem wurde diese Diagnose von
Dr.
C._
und
lic
. phil.
D._
in keiner Weise begründet. Als Ressourcen wurden Lesen, Jassen, Tennis, jährliche Reisen nach Mauritius, Verkehrstauglichkeit, Konzentra
tionsfähigkeit und die selbständige Haushaltführung genannt (vgl. vorstehend E.
3.7). Zum
Komple
x «Sozialer Kontext» sind Kontakte zur WG-Partnerin,
zu
einer
Jassgruppe
und ein
em
Tennispartner zu nennen (vgl. S. 11 oben des Gut
achtens).
Der beweisrechtlich entscheidende verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz zeigt, dass keine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen besteht
, ansonsten der Beschwerdeführer nicht fähig wäre, einen Langstreckenflug zu bewältigen, sich beim Tennis sportlich zu betätigen und einen regelmässigen Tagesablauf mit Haushalten, Kochen, Lesen und Spazieren einzuhalten (vgl. S. 12 oben des Gutachtens). Am stärksten fällt
der Umstand, dass abgesehen von einer wöchentlichen Gesprächstherapie - welche
nicht durch einen Facharzt für Psychiatrie durchgeführt wird - keine antide
pressive medikamentöse oder (teil-) stationäre Behandlung stattfindet, ins Ge
wicht. Gegenüber
Dr.
H._
hielt der Beschwerdefüh
rer fest, er habe die von seinem
Hausarzt verschriebenen Antidepressiva nach zwei Tagen wegen uner
wünschten Nebenwirkungen (Übelkeit, Schwindel) wieder abgesetzt (vgl.
Urk.
6/71
S. 9 oben).
Dass er jedoch von einer konsequenten Therapie
deutlich
profitieren könnte, zeigte sich an der stationären
und medikamentösen
Behandlung i
m Jahr 2013 (vgl.
Urk.
6/37/33-34) und wurde auch von
Dr.
H._
bestätigt (vgl. vor
stehend E. 3.9). Ein
behandlungs- und eingliederungsana
mnestisch ausgewie
se
ner Leidensdruck muss damit verneint werden.
In Würdigung all dieser Kriterien ist demnach der Einschätzung einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
, welche sich nicht additiv zu der Arbeitsunfähigkeit aus somatischen Gründen auswirkt, zu folgen.
4.3
Das Gutachten von
Dr.
H._
vermag dieses Resultat nicht in Zweifel zu ziehen. Diesbezüglich kann auf die zutreffende Kritik durch
Dr.
M._
verwiesen werden (vgl. vorstehend E.
3.17). Es kann zudem nicht ausser Acht gelassen werden, dass das Gutachten von
Dr.
H._
zeitlich
nach Erlass des Vorbescheids vom 2
2.
September 2015 (
Urk.
6/47) und zudem im Auftrag der Rechtsschutzversicherung des Beschwerdeführers erging. Insbesondere aber ist im
Lichte der vorgenannten Beweiskriterien bei psychischen Beeinträchtigungen zu betonen, dass
Dr.
H._
mehrfach auf die gute Behandelb
arkeit von Depressio
nen hinwies
und festhielt, dass depressive Episoden isoliert betrachtet keine dau
erhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründeten. Zwar legte
Dr.
H._
nachvollziehbar dar, dass die Struktur der Persönlichkeit sich bei erhaltenen Kom
pensationsmechanismen nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, bei Hinzu
treten von bedeutsamen Lebensereignissen sich diese jedoch erschöpfen und zum Verlust der Arbeitsfähigkeit führen könnten.
Auch
dass nach einem Herzinfarkt und einer Diagnose bösartiger Erkrankungen depressive Symptome auftreten können
,
ist nachvollziehbar. Solche würden aber eine - vorliegend zumutbare - intensive umfassende psychiatrische Behandlung vermuten lassen, die gerade nicht stattfindet, was sich wie dargelegt beweisrechtlich entscheidend auswirkt. Dies stellte im Ergebnis auch
Dr.
H._
fest, wenn
er darlegte, dass seit 2013 nicht sämtliche verfügbaren therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden und in der Mehrzahl gleichartiger Fälle innert drei bis vier Monaten mit einer Besserung gerechnet werden könne (vgl. vorstehend E. 3.9).
Verlauf und Ausgang von Therapien stellen wichtige Schweregradindikatoren dar. Es ist Aufgabe des medizinischen Sachverständigen, nachvollziehbar aufzuzeigen, weshalb trotz (leichter bis) mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungseinschränkungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_590/20
17 vom 15. Februar 2018 E. 5.1), was
Dr.
H._
nicht gelang.
4.4
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vor
ge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung
ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage
, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen ge
halten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen
anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen.
Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang an
dauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Bezugnehmend auf diese Rechtsprechung kann der Einschätzung von
Dr.
G._
(vgl. vorstehend E. 3.10)
, welche fachfremd das Gutachten von
Dr.
H._
als nachvollziehbar erachtet
e
, nicht gefolgt werden, zumal sie ihre Beurteilung nicht weiter begrün
dete.
4.5
Als Zwischenresultat ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ab Ende des Wartejahrs im Dezember 2014 bis März 2015 in jeder Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig war. Ab April 2015 war von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen, was ab Juli 2015 zu berücksichtigen ist
(
Art. 88a Abs. 1 IVV
).
4.6
Die seither ergangenen Berichte von
Dr.
I._
und
lic
. phil.
D._
(vgl.
vorstehend E. 3.11, 3.13 und 3.14) können zur Frage der Arbeitsfähigkeit des Be
schwerdeführers aus psychiatrischer Sicht nichts
Entscheidwesentliches
beitra
gen,
da sie den Anforderungen an den Beweiswert eines Arztberichtes (vgl. vor
stehend E.
1.5) nicht zu genügen vermögen. Zudem hat das Gericht
der Erfah
rungstat
sache Rechnung zu tragen, dass nicht nur allgemeinpraktizierende Haus
ärzte, sondern auch behandelnde Spezialärzte im Hinblick auf ihre auftragsrecht
liche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aus
sagen (vgl.
BGE 125 V 353
E
. 3b/cc mit Hinweisen).
Dies zeigt sich exemplarisch an der Aussage von
Dr.
I._
, wonach die therapeutischen Optionen ausgeschöpft seien und die engmaschige ambulante Betreuung dazu diene, stationäre Aufent
halte abzuwenden (vgl. vorstehend E. 3.11). Es fragt sich, ob hier der thera
peu
tische Auftrag überhaupt noch wahrgenommen
oder vor allem der Patient in seiner Krankheit bestärkt
wird
, zumal
Dr.
H._
dringend den Einbezug ergän
zender therapeutischer Interventionen im Sinne einer Pharmakotherapie und einer
teilstationären Behandlung im Rahmen eines tagesklinischen Angebots empfahl (
Urk.
6/71 S. 26 unten)
. Dass
lic
. phil.
D._
zudem
die psychische Belastung auf den Rentenprozess zurückführte und eine Belastbarkeit für eine Wiedereingliederung erst als möglich erachtete, wenn die Rentenfrage entschie
den sei
(vgl. vorstehend E.
3.14)
, lässt sich mit einer fachgerechten Beurteilung, welche auch den Fokus auf eine Genesung nicht aus den Augen
lässt
, nicht ver
einbaren.
4.7
Die Hormontherapie wurde im Februar 2017 beendet (vgl.
Urk.
6/119 S. 2). Mit de
r Beschwerdegegnerin und der F._
-Einschätzung folgend bestand somit min
destens bis zu diesem Zeitpunkt eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Die zwischen
zeitlich durchgeführte Mastektomie führte nicht zu einer
dauerhaften
Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.15-3.16).
Gemäss Beurteilung durch
dipl
.
-med.
N._
besteht trotz Abschluss der Hormontherapie aufgrund der somatischen Erkrankung weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Hierzu ist festzuhalten, dass nach Lage der Akten aktuell weder onkologisch, noch ortho
pädisch, noch kardiologisch, urologisch oder
otorhinolaryngologisch
eine Arbeit
s
un
fähigkeit ausgewiesen ist.
Weshalb
dipl.-med.
N._
von ständigem Harn
drang, Hitzewallungen und Müdigkeit ausging, obwohl die Hormontherapie seit Februar 2017 beendet war, wurde nicht erklärt. Ebenso ist nicht ersichtlich, in
wiefern Impotenz und
Libidoverlust
Auswirkungen auf
das
Belastungsprofil
des Beschwerdeführers
haben (vgl. vorstehend E. 3.18).
In Gesamtwürdigung der medizinischen Umstände ist jedoch nicht zu beanstanden, dass die Beschwer
de
gegnerin
dennoch
von einer andauernden Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ausging.
4.8
Somit ergibt sich folgender Verlauf: Volle Arbeitsunfähigkeit von Dezember 2014 bis
März
2015 u
nd 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab
April beziehungsweise Jul
i 2015,
jeweils in der angestammten und jeder anderen angepassten Tätigkeit.
Damit ist
im April 2015
eine anspruchsrelevante Verbesserung eingetreten.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Restarbeitsfähigkeit aufgrund seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr verwerten zu können (vgl. vorstehend E. 2.2).
Das
trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_118/2015 vom 9.
Juli 2015 E. 2.1 mit Hinweis).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumut
bar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leis
tungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungs
aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhan
de
ne
Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder An
wend
barkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE
138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Gemäss BGE 138 V 457 richtet sich der Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird,
nach dem Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbs
tätig
kei
t (E. 3.3).
Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Er
werbs
tätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben
(BGE 143 V 431 E. 4.5.
1; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.4).
5.2
Vorliegend nahm die Beschwerdegegnerin jahrelange Abklärungen vor, weshalb die medizinischen Unterlagen erst im Oktober 2019 mit dem Bericht von
Dr.
L._
betreffend die Folgen der Mastektomie und den Stand der Hor
montherapie (vgl. vorstehend E. 3.16). vollständig waren und eine zuverlässige Sachverhaltsdarstellung erlaubten. Zu diesem Zeitpunkt war der im Oktober 1959 geborene Beschwerdeführer 60 Jahre alt. Würde man auf die Stellungnahme von
dipl.-med.
N._
vom September 2020 (vgl. vorstehend E. 3.18) abstellen, wäre der Beschwerdeführer knapp 61 Jahre alt gewesen.
5.3
Das Bundesgericht hat in neuerer Zeit die
Verwertbarkeit
der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit von über 60-jährigen Versicherten in folgenden Fällen bejaht:
- Urteil 9C_797/2019 vom 6. Januar 2020 E. 5: 61 1⁄2-jähriger Versicherter, der leidensangepasste Erwerbstätigkeiten (in körperlicher Hinsicht leicht, ohne über
wiegendes Gehen) uneingeschränkt auszuüben vermag.
- Urteil 9C_693/2019 vom 18. Dezember 2019 E. 4: 60-jähriger Versicherter, verfügt sowohl über eine abgeschlossene Ausbildung als auch über Erfahrung in leichte(
re
)n Arbeiten, die er in einer ihm zumutbaren leidensangepassten Tätigkeit nutzen kann. Aktivitätsdauer von vier Jahren und sieben Monaten. Diese Aktivi
täts
dauer reiche
grundsätzlich - auch bei einer Restarbeitsfähigkeit von 50 % - aus, um eine neue einfache Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich einzuarbeiten und die Arbeit auszuüben.
- Urteil 9C_574/2019 vom 16. Oktober 2019 E. 2.4: 60 3/4-jährige Beschwer
de
führerin, ging nach ihrem Unfall vom 1. April 2013 invaliditätsbedingt keiner Erwerbstätigkeit mehr nach, war aber in leidensangepassten Verweisungstätig
keiten nicht mehr eingeschränkt und zeitlich voll disponibel. Zudem arbeitete sie schon in unterschiedlichsten Berufen. Auch wenn sie diesbezüglich für eine an
gepasste Tätigkeit keine spezifischen Fertigkeiten nutzbar machen kann, zeug
t
en die seinerzeitigen Berufserfahrungen dennoch von einer gewissen Umstellungs
fähigkeit der Versicherten im Erwerbsleben.
- Urteil 8C_892/2017 vom 23. August 2018 (= SVR 2019 IV Nr. 7): gut 62-jähriger Barpianist ohne formelle Ausbildung, verbleibende Aktivitätsdauer im Beurtei
lungs
zeitpunkt knapp 3 Jahre, Rest-Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit 80 %.
- Urteil 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 4.1: Restaktivitätsdauer im Zeit
punkt des Gutachtens noch mindestens 3 1⁄4 Jahre.
Verneint wurde die
Verwertbarkeit
vom Bundesgericht in neuerer Zeit in fol
gen
den Fällen:
- Urteil 9C_766/2019 vom 11. September 2020, E. 4.2 ff.: Versicherte ist - selbst
unter Berücksichtigung von Nischenarbeitsplätzen - nicht in der Lage, die ihr ver
bliebene Arbeitsfähigkeit von 20 % - längerfristig - wirtschaftlich zu verwer
ten.
- Urteil 9C_644/2019 vom 20. Januar 2020, E. 4.3: 59-jährige Versicherte mit ausgeprägter
arbeitsmarktlicher
Desintegration.
- Urteil 9C_183/2017 vom 30. Oktober 2017, E. 5.2.3 und E. 6: Die Versicherte wäre bei einer Rückweisung zwecks Anordnung von
Eingliederungsmassnahmen
deutlich über 62-jährig gewesen, mit klar weniger als zwei Jahren bis zum
Erreichen des AHV-Pensions
alter
s, weshalb die bisher ausgerichtete ganze Rente nicht herabgesetzt oder aufgehoben wurde.
- Urteil 9C_416/2016 vom 14. Oktober 2016 E. 3.1 und E. 5:
Alter
62.5 Jahre, Restaktivitätsdauer eineinhalb Jahre. Die Versicherte hatte keinen Beruf erlernt. Sie arbeitete seit 2005 als Montagemitarbeiterin am
Fliessband
, was ihr aus ge
sundheitlichen Gründen nicht mehr zugemutet werden konnte.
Alter
sbedingt und aufgrund minimaler (Aus-) Bildung wurde von einer geringen Anpassungs
fähig
keit an eine neue Tätigkeit ausgegangen.
Insgesamt ist zu konstatieren, dass «die Nicht
verwertbarkeit
der Restarbeitsfähig
keit aufgrund fortgeschrittenen
Alter
s in der Rechtsprechung in der Regel eine
Ausnahme bleibt» (Marco
Weiss
,
Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit aufgrund
vorgerückten
Alter
s - Rechtsprechungstendenzen, SZS 2018, S. 630 ff., S. 640).
5.
4
Der
Beschwerdeführer war im
mass
gebenden
Zeitpunkt 61 Jahre alt
; es verblieben ihm
somit
noch vier Jahre bis zum Eintritt ins AHV-Renten
alter
.
Bei Berück
sich
tigung der unverändert bestehenden Einschränkungen des Gehörs und der Unzu
mutbarkeit körperlich schwerer Tätigkeiten sowie der
gemäss
dipl.-med.
N._
notwendigen vermehrten Ruhepausen
(vgl. vorstehend E. 3.18) und einer Arbeits
fähigkeit von 50
%
erscheint eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
auch bei der langen (anfangs jedoch nicht krankheitsbedingten) Abwesenheit vom Arbeitsmarkt
noch nicht als ausgeschlossen; diese reicht aus,
um eine neue ein
fache Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich einzuarbeiten und die Arbeit auszu
üben.
Hinzu kommt die kaufmännische Erfahrung des Beschwerdeführers. Auf davon zu unterscheidende lohnmindernde Faktoren ist nachfolgend einzugehen.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE
130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 144 I 103 E. 5.3, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen
sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2;
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
6.3
Von Dezember 2014 bis
März
2015 bestand eine volle Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit und damit ein Invaliditätsgrad von 100
%
(vgl. vorstehend
E. 4.5).
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypo
the
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
den
ein
kommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
Im Rahmen von Revisionsverfahren ist der Zeitpunkt der Anpassung des Ren
ten
anspruchs massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_486/2019 vom 18. Septem
ber 2019 E. 7.4).
6.4
Die Beschwerdegegnerin ermittelte das
Valideneinkommen
für das für die Ren
tenherabsetzung
massgebliche
Jahr 2015
gestützt auf die LSE, da der Beschwer
deführer vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung arbeitslos war, und
errechnete
ein hypothetisches
Valideneinkommen
von
Fr.
129‘
394.10
(vgl.
Urk.
6/4
4
; Lohn nach Abschluss der Fachhochschule
), was vom Beschwerdeführer grundsätzlich nicht bestritten wurde (vgl.
Urk.
1 S. 21
Ziff.
6.7.2).
6.5
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.6
Der Beschwerdeführer hat zwischenzeitlich keine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Die Beschwerdegegnerin ermittelte gestützt auf die LSE für das Jahr 2015 ein
hypothetisches Invalideneinkommen von
Fr.
64
‘697.05, mithin 50
%
des
Validen
einkommens
, da auch die angestammte Tätigkeit als zumutbar gilt (
Urk.
6/44).
6.7
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allen
falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persön
liche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebens
alter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeits
fähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber ni
cht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht über
steigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invaliden
einkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemä
ss BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137
V
71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwer
deinstanz den Abzug gesam
thaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgericht
s
9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6.8
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsweise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berück
sich
tigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realistischerweise
noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die
Ge
genstand des Abzugs vom Tabellenlohn bildende
Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage ver
glichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohnein
busse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_297/2018 vom 6. Juli 2018 E. 3.5
).
Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts
8C_725/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 4.4.1 mit Hinweis).
Ob das Merkmal «Alter» einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt, ist jeweils unter Berücksichtigung aller konkreter Ums
tände des Einzelfalls zu prüfen.
Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), wo sich ein fortgeschrittenes Alter nicht zwingend lohnsenkend auswirken muss. Hilfsarbeiten werden auf dem massge
benden ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt (
BGE 146 V 16 E. 7.2.1 mit Hinweisen).
Der Umstand, dass
die Stellensuche
altersbedingt erschwert sein mag, fällt als
invaliditätsfremder Faktor
ausser Betracht
(Urteil des Bundesgerichts
8C_296/2020 vom 25. November 2020 E. 6.3.2 mit Hinweisen).
Nach der neueren Praxis des Bundesgerichts ist ein Abzug bei Männern wegen Teilzeitbeschäftigung nicht mehr automatisch vorzunehmen. Ob sich eine ent
sprechende Reduktion rechtfertigt, ist stets mit Blick auf den konkreten Beschäfti
gungsgrad und die jeweils aktuellen Werte zu beurteilen (Urteil des Bundesge
richts 8C_561/2018 vom 4. März 2019 E. 4.3.1
)
.
6.9
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Kriterien ist aufgrund des Alters des Beschwerdeführers, der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und der Teilzeit
be
schäftigung, die im kaufmännischen Bereich, den die Beschwerdegegnerin mit dem Prozentvergleich als
massgebend
erachtete,
möglicherweise bei Männern
seltener zu finden sein
könnte
, ein Abzug von 10
%
zu gewähren. Damit resultiert ein hypothetisches Invalideneinkommen in Höhe von rund
Fr.
58‘227.-- und ein Invaliditätsgrad von gerundet 55
%
, womit die Reduktion auf eine halbe Rente nicht zu beanstanden ist.
6.10
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwe
rdeführer von Dezem
ber 2014 bis Juni
2015 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
An
spruch auf eine ganze und ab Jul
i 2015 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat.
Dies führt zur Änderung des angefochtenen Entscheides und zur teilweisen Gut
heissung der Beschwerde.
7.
7.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- a
nzusetzen. Da der Beschwerdeführer lediglich in geringem Umfang (ganze Rente statt
Viertels
ren
te
von Dezember 2014 bis Juni
2015) obsiegt und im Wesentlichen unterliegt, sind sie
ausgangsgemäss
ihm
aufzuerlegen.
7.2
Das geringe Obsiegen rechtfertigt keine Prozessentschädigung.