Decision ID: 7c93f5e9-6195-50db-b755-5d40e3e8a7ed
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a Der 1952 geborene M._ war ab 2. April 2003 bei der A._ als
Betriebsschlosser tätig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten
versichert. Am 31. Mai 2006 liess er der Suva eine Berufskrankheit melden und gab an,
unter Atembeschwerden zu leiden (Suva-act. 1). Zuvor hatte der Versicherte Dr. med.
B._, Spezialarzt FMH für Oto-, Rhino-, Laryngologie, konsultiert. Dieser hatte beim
Versicherten gemäss Bericht vom 20. März 2006 eine massive Rhinopharyngitis sicca,
eine chronische Laryngitis sowie eine Nasenseptumdeviation diagnostiziert (Suva-act.
2). Am 3. April 2006 hatte der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. C._, sodann
bestätigt, er habe dem Versicherten empfohlen, den Arbeitsplatz aus medizinischen
Gründen zu kündigen. Er leide unter einer massiven Entzündung des Nasen-
Rachenraums und die Exposition trockener, warmer und verschmutzter Luft führe
regelmässig zu einer massiven Verschlechterung seiner Probleme (Suva-act. 3). Mit
Schreiben vom 29. April 2006 war Dr. C._ mit der Darstellung an Dr. med. D._,
Abteilung Arbeitsmedizin der Suva, gelangt, der Versicherte sei bei seiner Tätigkeit
häufig Kunststoffstaub ausgesetzt. Er gebe an, dass die Exposition seine Beschwerden
verschlimmere. Es stelle sich die Frage, ob dies stimme (Suva-act. 3).
A.b Am 19. Juni 2006 behandelte Dr. B._ die beidseitige Nasenseptumdeviation des
Versicherten sowie eine zusätzliche beidseitige Muschelhyperplasie operativ mit einer
Septumplastik und einer Mucotomie (Suva-act. 32/5, 32/6). Mit ärztlichem Zeugnis vom
12. August 2006 attestierte Dr. C._ dem Versicherten ab 8. Mai 2006 eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres (Suva-act. 7). Mit Schreiben vom 15. Februar 2007
legte Dr. C._ der Suva eine Aufstellung betreffend die beim Versicherten seit dem
Jahr 2004 durchgeführten Heilbehandlungen vor (Suva-act. 38), worauf diese die
aufgeführten Kliniken bzw. Spitäler um Zustellung der jeweiligen medizinischen
Unterlagen ersuchte (Suva-act. 39-42, 45/1). Laut Bericht des Departements Innere
Medizin, Pneumologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 19. April 2005 war
der Versicherte dort vom 6. bis 13. April 2004 hospitalisiert. Als Diagnosen wurden ein
Morbus Basedow und der Verdacht auf eine akute Bronchitis gestellt (Suva-act. 48/1).
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Am 16. und 23. März 2007 besuchte Dr. D._ die A._ und kam in seiner Beurteilung
vom 29. März 2007 zum Schluss, es ergäben sich keine genügenden Hinweise für eine
Berufskrankheit oder eine durch die beruflichen Einflüsse richtunggebend
verschlechterte vorbestehende Krankheit. Gegen eine Berufskrankheit spreche vor
allem auch der Umstand, dass trotz Arbeitsaussetzung seit Mai 2006 keine
entscheidende Besserung der rhinopharyngitischen Beschwerden eingetreten sei. Die
während längerer Zeit wegen mangelnder Therapiedisziplin ungenügend suprimierte
Hyperthyreose als Folge des Morbus Basedow habe zudem die
Schleimhautempfindlichkeit durch Austrocknen und Infektabwehrstörung erheblich
verstärkt (Suva-act. 49).
A.c Mit Verfügung vom 26. April 2007 lehnte es die Suva ab, Leistungen für eine
Berufskrankheit zu erbringen (Suva-act. 55).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic.
iur. E. Koller, St. Gallen, Einsprache (Suva-act. 56).
B.b Nachdem Dr. D._ mit Schreiben vom 19. Juni 2007 zu den Standpunkten des
Rechtsvertreters des Versicherten Stellung genommen hatte (Suva-act. 59), wies die
Suva die Einsprache des Versicherten mit Entscheid vom 29. Oktober 2007 ab (Suva-
act. 63).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob M._ mit Eingabe vom 29. November
2007 Beschwerde mit dem Antrag, die Beschwerde sei zur Kenntnis zu nehmen und
sein Schadenfall sei nochmals zu überprüfen. Die Ausführungen von Dr. D._ würden
nicht der Wahrheit entsprechen. So habe er nicht nur kurzzeitig in der Produktion
gearbeitet. Eine Abzughaube sei erst errichtet worden, nachdem seine Krankheit
aufgetreten sei und er seinen Vorgesetzten mitgeteilt habe, dass es nicht in Ordnung
sei, ohne Abzughaube arbeiten zu müssen. Eine Staubmaske habe es nie gegeben. Es
entspreche ausserdem nicht der Wahrheit, dass es ihm nach Aufgabe der Arbeit bei
der A._ nicht besser gegangen sei. Die Arbeit habe er nicht eigenmächtig, sondern
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auf Empfehlung der Ärzte aufgegeben. Dr. D._ habe sodann gar keine Kontrolle
seines Arbeitsplatzes durchgeführt, sondern habe die ganze Zeit in der Kantine
gesessen. Mit der Arbeitgeberin habe er ohne seine Anwesenheit gesprochen. M._
reichte schliesslich zusätzliche Unterlagen ein.
C.b Am 16. Januar 2008 verfasste Dr. D._ eine ärztliche Beurteilung zur Frage einer
beruflichen Auslösung der gesundheitlichen Probleme des Versicherten, insbesondere
der Affektionen im Bereich der oberen Luftwege und der Überfunktion der Schilddrüse
als Folge seiner Tätigkeit bei der E._ (Suva-act. 68).
C.c In der Beschwerdeantwort vom 18. Februar 2008 beantragte die Suva Abweisung
der Beschwerde.
C.d Mit Replik vom 10. März 2008 hielt der Beschwerdeführer unverändert an seinem
Antrag und seinen Standpunkten fest. Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung
einer Duplik verzichtet.
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob der beim Beschwerdeführer am 4. Oktober
2005 von der Klinik für Nuklearmedizin des KSSG diagnostizierte Morbus Basedow
(Suva-act. 43) sowie die von Dr. B._ am 20. März 2006 diagnostizierten Affektionen
im Bereich der oberen Luftwege, insbesondere die Rhinopharyngitis sicca (Suva-act.
2), Berufskrankheiten im Sinne des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) darstellen und somit eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
auslösen.
2.
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2.1 Gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG gelten Krankheiten, die bei der beruflichen Tätigkeit
ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten
verursacht worden sind, als Berufskrankheiten. Verlangt wird ein
Kausalzusammenhang zwischen der verursachenden Arbeit einerseits und der
Berufskrankheit andererseits. Er ist insofern ein qualifizierter, als der Listenstoff oder
die Arbeit mindestens 50% aller mitwirkenden Ursachen ausmachen müssen. Ob dies
im Einzelfall so ist, muss mit hinreichender Wahrscheinlichkeit dargetan werden
(Alexandra Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich/
Basel/Genf 2003, S. 83, mit weiteren Hinweisen). Der Bundesrat hat gestützt auf die in
Art. 9 Abs. 1 UVG enthaltene Kompetenzdelegation im Anhang 1 zur Verordnung über
die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) eine Liste der schädigenden Stoffe und der
arbeitsbedingten Erkrankungen erstellt. Es ist unbestritten, dass beim
Beschwerdeführer keine arbeitsbedingte Erkrankung gemäss Anhang 1 zur UVV in
Frage steht. Aus den Akten geht sodann hervor, dass der Beschwerdeführer während
seiner Arbeit als Betriebsschlosser bei der A._ - eines Produktionsbetriebs für
extrudierte Kunststoffprofile - zeitweise in der Produktion bzw. an einer Maschine für
die Extrusion von glasfaserverstärkten Leitersprossen und Holmen arbeitete. Dabei
entstanden thermische Zersetzungsprodukte des Bindemittels der Glasfaserstränge
aus Polyethylen und Polypropylen unter Rauchentwicklung. Ferner wurde für
Reinigungszwecke ein Granulat mit Polyacrylaten verwendet, das einen
charakteristischen lästigen Geruch verbreitete (Suva-act. 11, 49/3). Mit den genannten
Stoffen stehen jedoch unbestrittenermassen auch keine schädigenden Stoffe gemäss
Anhang 1 zur UVV in Frage, womit der Beschwerdeführer keine Ansprüche aus
Berufskrankheit im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG ableiten kann.
2.2 Als Berufskrankheiten gelten jedoch auch andere Krankheiten, von denen
nachgewiesen ist, dass sie ausschliesslich oder stark überwiegend durch berufliche
Tätigkeit verursacht worden sind (Art. 9 Abs. 2 UVG). Diese Generalklausel bezweckt,
allfällige Lücken zu schliessen, wenn die bundesrätliche Liste entweder einen
schädigenden Stoff, der eine Krankheit verursachte, oder eine Krankheit, die durch die
Arbeit verursacht wurde, nicht aufführt. Die Voraussetzung des "ausschliesslichen oder
stark überwiegenden" Zusammenhangs gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG ist erfüllt, wenn die
Berufskrankheit mindestens zu 75% durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden
ist (BGE 119 V 201 E. 2b). Die Leistungspflicht für eine Berufskrankheit gemäss der
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Generalklausel von Art. 9 Abs. 2 UVG bedeutet nicht, dass der Unfallversicherer für
jede Krankheit aufzukommen hat, die während der Arbeit aufgetreten ist. Die
Anerkennung von Beschwerden im Rahmen dieser Generalklausel ist - entsprechend
der in BGE 114 V 111 f. E. 3c aufgrund der Materialien eingehend dargelegten
legislatorischen Absicht, die Grenze zwischen krankenversicherungsrechtlicher
Krankheit und unfallversicherungsrechtlicher Berufskrankheit nicht zu verwässern - an
relativ strenge Beweisanforderungen gebunden. Verlangt wird, dass der Versicherte für
eine gewisse Dauer einem typischen Berufsrisiko ausgesetzt ist. Die einmalige
gesundheitliche Schädigung, die gleichzeitig mit der Berufsausübung eintritt, genügt
nicht. Für die Beurteilung der Exposition (oder Arbeitsdauer) ist die gesamte
Berufstätigkeit zu berücksichtigen (vgl. BGE 126 V 190 E. 2b mit Hinweisen).
2.3 Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) ist die
Voraussetzung einer zu mindestens 75 % durch eine berufliche Tätigkeit verursachten
Krankheit erfüllt, wenn nachgewiesen ist, dass die Häufigkeit des Auftretens der
Krankheit in einer bestimmten Berufsgruppe mindestens viermal höher ist als in der
Bevölkerung im allgemeinen (BGE 116 V 136 E. 5c; RKUV 1999 Nr. U 326 S. 109 E. 2,
119 Nr. U 273 S. 178 E. 3; Jean-Maurice Frésard, L'assurance-accidents obligatoire, in:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, 1998, Rz. 49). Gemäss Frésard (a.a.O.) hat
diese Praxis zur Folge, dass nur in wenigen Fällen eine Berufskrankheit gestützt auf die
Generalklausel von Art. 9 Abs. 2 UVG anerkannt werden kann. Bereits Maurer wies
darauf hin, dass das Erfordernis der stark überwiegenden Ursache streng sei, weshalb
es nur in seltenen Fällen erfüllt sein werde. Die Generalklausel werde daher in der
Praxis als "Auffangnetz" eine eher bescheidene Rolle spielen (Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1989, S. 222).
2.4 Der Verursachung einer Krankheit durch Listenstoffe/Listenarbeiten (Art. 9 Abs. 1
UVG) oder durch die berufliche Tätigkeit (Art. 9 Abs. 2; Generalklausel) ist die dadurch
bewirkte Verschlimmerung einer vorbestandenen Krankheit gleichgestellt (Urteil der
I. sozialrechtlichen Abteilung vom 30. Oktober 2007 [U 416/06] i/S L., E. 4.1; BGE 117
V 358 f.).
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2.5 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über die
Rechte und Pflichten so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden zusätzlich Abklärungen stets vorzunehmen oder zu veranlassen,
wenn hierzu auf Grund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten
ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Th. Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, S. 443 f.; vgl. Art. 43 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Die Verwaltung bzw. das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Sie haben ihren Entscheid,
sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten
Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Die Verwaltung bzw. der Richter
haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 125 V 195 E. 2 mit
Hinweisen).
2.6 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Die Grundsätze zum Beweiswert
ärztlicher Berichte und Gutachten, insbesondere betreffend Berichte von Hausärzten
und Ärzten, die für die weitere, fachärztliche Behandlung aufgesucht werden (BGE 125
V 352 E.3), wurden im Einspracheentscheid vom 29. Oktober 2007 zutreffend
dargelegt. Darauf kann verwiesen werden.
3.
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Die ärztliche Beurteilung der Abteilung Versicherungsmedizin der Suva vom 16. Januar
2008, verfasst von Dr. D._ (Suva-act. 68), wurde von der Beschwerdegegnerin
während des laufenden Beschwerdeverfahrens, das heisst pendente lite, eingeholt.
Grundsätzlich kommt der Beschwerde an das kantonale Versicherungsgericht als
ordentliches Rechtsmittel Devolutiveffekt zu; die Behandlung der Sache geht also mit
Einreichung der Beschwerde auf die Beschwerdeinstanz über. Insoweit ist es dem
Versicherungsträger grundsätzlich verwehrt, nach Einreichung der Beschwerde weitere
oder zusätzliche Abklärungen vorzunehmen; nach der Rechtsprechung sind lediglich
punktuelle Abklärungen (wie z.B. Einholen von Bestätigungen oder Rückfragen)
zugelassen (vgl. BGE 127 V 232 f.; U. Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, Art. 61
Rz. 65). Die zentrale und umfassende ärztliche Beurteilung von Dr. D._ hinsichtlich
der Frage, ob beim Beschwerdeführer von einer Berufskrankheit auszugehen sei, stellt
diejenige vom 29. März 2007 (Suva-act. 49) dar. In der ärztlichen Beurteilung vom 16.
Januar 2008 nahm Dr. D._ demgegenüber einzig Stellung zu den vom
Beschwerdeführer gegen ihn beschwerdeweise erhobenen Einwänden hinsichtlich
einer mangelhaften Sachverhaltsabklärung sowie den vom Beschwerdeführer
zusammen mit der Beschwerde eingereichten Dokumenten. Die fragliche ärztliche
Beurteilung kann damit als punktuelle Abklärung bzw. Rückfrage bezeichnet werden,
die zulässig war und keiner Missachtung des Devolutiveffekts gleichkommt. Der
Beschwerdeführer konnte sich sodann nachträglich zur ärztlichen Beurteilung von Dr.
D._ im Rahmen des vom Versicherungsgericht angeordneten zweiten
Schriftenwechsels äussern, womit auch dem Anspruch auf rechtliches Gehör Genüge
getan ist (vgl. dazu Urteil des EVG vom 29. April 2003 i/S B., E. 1.3 [I 679/02]). Die
ärztliche Beurteilung von Dr. D._ vom 16. Januar 2008 kann demzufolge
formellrechtlich berücksichtigt werden.
4.
In tatsächlicher Hinsicht ist den Akten in Bezug auf den Krankheitsverlauf des
Beschwerdeführers sowie dessen Arbeitsumstände bei der A._ unbestrittenermassen
zu entnehmen, dass im November 2003 in der Produktionshalle der A._ eine
Versuchsanlage für die Extrusion von glasfaserverstärkten Leitersprossen und Holmen
installiert wurde. Im Dezember 2003 bzw. in der 50. Woche 2003 führte der
Beschwerdeführer an der fraglichen Anlage während zehn Stunden Versuche mit
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Glasfaserverschmelzung durch. Dabei wurden die 180 von einem Spindelbaum
abgerollten, mit Polyethylen ummantelten Glasfaserstränge in der offenen Flamme bei
etwa 400°C neben dem Extruder verschmolzen, wobei das Polyethylen unter
Rauchentwicklung verglühte. Der zusammengeschmolzene Strang musste mit einer
Trennscheibe zugespitzt und in die Führungsöse eingeführt werden, wobei
glasfaserhaltiger Staub entstand. Ebenfalls im Dezember 2003 bzw. in der 51. Woche
2003 führte der Beschwerdeführer während insgesamt sechs Stunden
Produktionsversuche durch, wobei der verschmolzene Strang mit extrudiertem Luran
für die Produktion von Leitersprossen und Holmen ummantelt wurde. Das Extrudieren
und Ummanteln war nicht mit nennenswerten Immissionen verbunden. Anschliessend
wurde der Extruder mit einem Reinigungsgranulat, u.a. bestehend aus Polyacrylaten,
gereinigt, wobei sich jeweils der für Polyacrylate, wie bereits erwähnt, typische, häufig
als lästig empfundene Geruch entwickelte (Suva-act. 14, 34/2, 49). Am 4. Januar 2004
stellte sich der Beschwerdeführer mit Husten, Atemproblemen, Kopf- und
Augenschmerzen, Schluckbeschwerden sowie Schnupfen im Notfall des Kantonalen
Spitals Rorschach vor (Suva-act. 45). In der ersten Januarwoche 2004 war der
Beschwerdeführer krankgeschrieben. In der zweiten Januarwoche 2004 nahm er seine
Tätigkeit wieder auf, wobei er erst im Februar 2004, während 45.3 Stunden, wieder in
der Produktion (andere Bereiche: Mechanik, Unterhalt) tätig war. Während anfänglich
an der Extrusionsanlage ohne Abzugsvorrichtung gearbeitet worden war und auch
diverse Mitarbeiter wegen Atembeschwerden reklamiert hatten, wurde durch den
Beschwerdeführer Ende Mai/Anfangs Juni 2004 eine Abzugshaube installiert. In der 24.
bis 26. Juniwoche 2004 half der Beschwerdeführer abermals während insgesamt 25
Stunden in der Produktion mit (Suva-act. 14, 34/3, 49). Im Oktober 2004, Februar und
Juli 2005 sowie im Januar 2006 arbeitete der Beschwerdeführer sodann während 22,
79 und 33 bzw. 40 Stunden in der Produktion (Suva-act. 34/3-5, 49). Seit Auftreten der
rhinopharyngitischen Beschwerden arbeitete der Beschwerdeführer mit einer zur
Verfügung gestellten Schutzmaske (Suva-act. 5, 49). Ab der zweiten Märzhälfte 2005
war der Beschwerdeführer abermals wegen Krankheit arbeitsunfähig gewesen. Vom 6.
bis 13. April 2005 hatte er sich stationär im Departement Innere Medizin, Pneumologie
des KSSG aufgehalten, wo die Diagnose eines Morbus Basedow sowie die
Verdachtsdiagnose einer akuten Bronchitis gestellt worden war (Suva-act. 48). Ab der
zweiten Maiwoche 2005 hatte der Beschwerdeführer seine Arbeit wieder
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aufgenommen. Ab Juli 2005 war wiederum eine mehrmonatige Arbeitsunfähigkeit
aufgrund der Schilddrüsenerkrankung erfolgt (14, 34/4, 43). Die rhinopharyngitischen
Beschwerden hatten in der Folge offenbar einen wellenförmigen Verlauf gezeigt. Sie
verstärkten sich bei Staub und Rauch bei der Arbeit, aber auch bei anderen
unspezifischen Reizen (Suva-act. 49). Im März 2006 ergab die fachärztliche Abklärung
durch Dr. B._ eine massive Rhinopharyngitis sicca sowie eine chronische Laryngitis
(Suva-act. 2). Am 5. Mai 2006 setzte der Beschwerdeführer seine Arbeit aus. Per 31.
Juli 2006 kündigte er das Arbeitsverhältnis mit der A._ (Suva-act. 34/5).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer leidet, wie bereits erwähnt, unter einem fachärztlich
bestätigten Morbus Basedow (Suva-act. 43, 48). Beim Morbus Basedow handelt es
sich um eine Autoimmunkrankheit (http://www.morbusbasedow.de/
Morbus_Basedow_Bain.htm; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Aufl., Berlin/
New York 2002, S. 159 und 1660 f., Das MSD Manual, 6. Aufl., München/Jena 2000, S.
101). Der Morbus Basedow vermag damit laut Feststellung von Dr. D._ keinen
beruflichen Zusammenhang zu haben (Suva-act. 50). Die Ursachen des Morbus
Basedow sind denn auch genetische Faktoren, Infektionen als mögliche Ursache,
psychische und hormonelle Einflüsse sowie Umweltfaktoren. Letztere können latente
Virusinfektionen, Arzneimittel oder Gewebeschäden sein, wie sie durch UV-Licht-
Exposition auftreten (Das MSD Manual, a.a.O., S. 1287; http://www.basedow.ch/?
rub=1012&dom=1).
5.2 Im weiteren stellt sich die Frage, ob in Bezug auf die Rhinopharyngitis ein
beruflicher Zusammenhang in Betracht zu ziehen ist. Laut Dr. D._ liegen keine
genügenden Hinweise für eine Berufskrankheit bzw. eine mindestens 75%-ige
Verursachung der Krankheit durch die berufliche Tätigkeit oder eine entsprechend
durch die beruflichen Einflüsse dauerhaft und richtungsweisend verschlechterte
vorbestandene Krankheit vor. In seinen ärztlichen Beurteilungen vom 29. März 2007
(Suva-act. 49) und 16. Januar 2008 (Suva-act. 68) legt er die massgebenden, gegen
eine Berufskrankheit bzw. eine Verschlimmerung einer vorbestandenen Krankheit
sprechenden Tatsachen und Argumente dar. Verlauf und Befunde würden für eine
Rhinopharyngitis sicca bei konstitutioneller Schleimhautschwäche, gestörte
http://www.morbusbasedow.de/Morbus_Basedow_Bain.htm http://www.morbusbasedow.de/Morbus_Basedow_Bain.htm http://www.basedow.ch/?rub=1012&dom=1 http://www.basedow.ch/?rub=1012&dom=1
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anatomische Verhältnisse im Bereich der Nase und Vorschädigung durch
Zigarettenrauch sprechen. Durch die Einwirkungen beim Probelauf der
Extrusionsanlage für glasfaserverstärkte Sprossen und Holmen sei die Rhinopharyngitis
möglicherweise manifest geworden, aufgrund der anamnestischen Angaben habe aber
ein Infekt während den festtagsbedingten Ferien 03/04 die Symptomatik ausgelöst. Die
Rhinopharyngitis tendiere meist zu einer Chronifizierung. In Betracht zu ziehen seien
eine toxisch-irritative oder eine allergische Rhinitis mit Chronifizierung. Für ein
allergisches Geschehen hätten sich nie Hinweise ergeben. Eine toxisch-irritative
Rhinitis heile nach Aussetzen der schädigenden Einflüsse rasch ab. In diesem Falle
würden während oder unmittelbar nach der Exposition streng arbeitskorrelierte
Rhinitisbeschwerden auftreten, meist begleitet von Brennen und Tränen der Augen,
Bindehautrötungen und Asthmasymptomen. Ohne Exposition würden sie spätestens
nach 12 Stunden spontan abklingen. Beim Beschwerdeführer sei die Symptomatik erst
exazerbiert als bereits eine wirksame Absaugung installiert gewesen sei und er eine
geeignete Schutzmaske verwendet habe und zudem nur noch sporadisch die
gefährdende Tätigkeit ausgeübt habe. Ein erster Schub habe sich ohne zeitliche
Korrelation zur Bedienung der speziellen Extrusionsanlage bei der Exazerbation des
Morbus Basedow gezeigt, die zu einer klinischen Abklärung geführt habe, und ein
zweiter Schub im Frühjahr 2006, der die fachärztliche Abklärung (durch Dr. B._) zur
Folge gehabt habe. Ein Asthma könne mit der im konkreten Fall unauffälligen
Lungenfunktion weitgehend ausgeschlossen werden. Der Beschwerdeführer sei im
übrigen zum weit überwiegenden Teil seiner Arbeitszeit wie die übrigen 19 Angestellten
exponiert gewesen, die sich zwar vor der Installation der Absauganlage über den
lästigen Geruch beschwert hätten, bei denen aber weder gesundheitliche Störungen
aufgetreten noch deswegen ärztliche Behandlungen notwendig geworden seien.
Während der Versuchsphase, d.h. bis Juni 2004, seien die Grenzwerte für Staub und
thermische Zersetzungsprodukte vermutlich kurzzeitig überschritten worden. Für die
restliche Zeit ergäben sich jedoch aus den Abklärungen keine Hinweise für eine
unzulässig hohe Belastung, wie auch die Beschwerdefreiheit der Mitarbeiter beweise.
Gegen eine Berufskrankheit spreche vor allem auch der Umstand, dass trotz
Arbeitsaussetzung seit Mai 2006 keine entscheidende Besserung der
rhinopharyngitischen Beschwerden eingetreten sei. Die während längerer Zeit wegen
mangelnder Therapiedisziplin ungenügend suprimierte Hyperthyreose als Folge des
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Morbus Basedow habe zudem die Schleimhautempfindlichkeit durch Austrocknen und
Infektabwehrstörung erheblich verstärkt (Suva-act. 49, 68).
5.3 Zu den ärztlichen Beurteilungen von Dr. D._ ist zu sagen, dass sie auf einer
eingehenden Abklärung der Arbeitsumstände beruhen, eine mit diesen, aber auch mit
den medizinischen Fakten und dem Krankheitsverlauf getätigte sorgfältige
Auseinandersetzung umfassen, schlüssig begründet und ohne weiteres nachvollziehbar
sind, und damit entgegen der nachfolgend zu behandelnden Argumente des
Beschwerdeführers als überzeugende Grundlage für die Verneinung der beruflichen
Auslösung der Rhinopharyngitis sicca dienen. - Der Beschwerdeführer hält zunächst
dagegen, nicht nur kurzfristig am fraglichen Arbeitsplatz gearbeitet zu haben. Er sei für
die Entwicklung der Produktion zuständig gewesen. Den Akten liegt eine von der A._
geführte Arbeitseinteilungsliste des Beschwerdeführers im Bereich "Produktion" für die
Jahre 2003 bis 2006 mit seinen konkret gearbeiteten Stunden bei. Die Anerkennung
von Beschwerden als Berufskrankheit setzt, wie bereits erwähnt, voraus, dass die
versicherte Person für eine gewisse Dauer einem typischen Berufsrisiko ausgesetzt
war. Bis zum erstmaligen Auftreten der rhinopharyngitischen Beschwerden war jedoch
der Beschwerdeführer sehr wohl erst kurzzeitig (an zwei Tagen während insgesamt 16
Stunden) den fraglichen thermischen Zersetzungsprodukten ausgesetzt gewesen. Dr.
D._ weist ausserdem zutreffenderweise darauf hin, dass gemäss
Arbeitseinteilungslisten zwischen den weiteren einzelnen, eindeutig als konzentriert zu
bezeichnenden Arbeitseinsätzen in der Produktionshalle, immer wieder längere
Arbeitsphasen in anderen Bereichen der Arbeitgeberin und damit lange Intervalle ohne
Exposition zu den angeschuldigten Noxen folgten. Gegen eine berufliche Verursachung
der rhinopharyngitischen Beschwerden spricht sodann die Tatsache, dass die
entsprechenden Krankheitsphasen - diejenige von Weihnachten/Neujahr 03/04, bei
welcher eine gewisse zeitliche Nähe nicht von vornherein verneint werden kann, einmal
ausgenommen - zeitlich nie mit einer Expositionsphase korrelieren und überhaupt
weniger Krankheitsphasen als Expositionsphasen vorliegen. Die Arbeitsabsenz im
März/April/Mai 2005 erfolgte im übrigen aufgrund der Schilddrüsenerkrankung. Zwar ist
es nachvollziehbar, dass auf die Expositionsphase in der Produktionshalle im
Dezember 03 die Rhinopharyngitis sicca erstmals manifest geworden ist. Es ist
indessen zwischen der Auslösung und der Verursachung der Rhinopharyngitis sicca zu
unterscheiden. Der Umstand, dass eine Krankheit durch berufliche Tätigkeiten
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ausgelöst worden ist, heisst nicht ohne weiteres, dass dieses Leiden im Sinn von Art. 9
Abs. 2 UVG ausschliesslich oder stark überwiegend auch dadurch verursacht worden
ist. Vielmehr kann eine vorbestandene krankhafte Veränderung (bei konstitutioneller
Schleimhautschwäche, gestörten anatomischen Verhältnissen im Bereich der Nase und
Vorschädigung durch Zigarettenrauch) durch eine berufliche Entwicklung lediglich
aktualisiert werden. Massgebend ist schliesslich, dass die rhinopharyngitischen
Beschwerden trotz Installation einer Abzugshaube und Tragen einer Schutzmaske
auftraten und bei den weiteren Mitarbeitern der A._ anschliessend keinerlei
Beschwerden mehr auftraten. Das Argument von Dr. D._, gegen eine Berufskrankheit
spreche vor allem auch der Umstand, dass trotz Arbeitsaussetzung seit Mai 2006 keine
entscheidende Besserung der rhinopharyngitischen Beschwerden eingetreten sei,
spricht letztlich ebenfalls überzeugend gegen das Vorliegen einer Berufskrankheit und
ist, entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers, sachverhaltsmässig - wie von Dr.
D._ in der ärztlichen Beurteilung vom 16. Januar 2008 (Suva-act. 68; vgl.
insbesondere auch Suva-act. 14) zutreffend dargelegt - ausgewiesen.
6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Rhinopharyngitis sicca des
Beschwerdeführers angesichts der obigen Umstände nicht mit hinreichender
Wahrscheinlichkeit zu 75% durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden ist und
daher keine Berufskrankheit im Sinn von Art. 9 Abs. 2 UVG darstellt. Das Gericht hat
keine Veranlassung von den Beurteilungen von Dr. D._ vom 29. März 2007 und 16.
Januar 2008 abzuweichen oder weitere Untersuchungen betreffend die hier streitige
Frage anzustellen. Es bestehen insbesondere auch keine konkreten Anhaltspunkte,
dass die Abklärung der konkreten Arbeitsumstände durch Dr. D._ vom 16. sowie 23.
März 2007 regelwidrig oder unvollständig durchgeführt worden wäre. Im übrigen
vermag der entsprechende Einwand des Beschwerdeführers an den in Ziff. 5.3
dargelegten Umständen nichts zu ändern. Der angefochtene Einspracheentscheid vom
29. Oktober 2007 (Suva-act. 63) ist somit nicht zu beanstanden und die dagegen
erhobene Beschwerde ist abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61
lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG