Decision ID: f38761d9-f5b2-5c87-9019-4b4c66c0ee2e
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Rekurrent,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Marcel Köppel, Grossfeldstrasse 45,
7320 Sargans,
gegen
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons
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St.Galler Gerichte
St. Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
Entschädigung und Genugtuung (Straftat)
Sachverhalt:
A.
A.a K._, Jahrgang 1981, zog sich am 7. Februar 2000 als Mitfahrer eines
Kleinbusses in Z._ bei einem Unfall erhebliche Verletzungen zu (Querschnittslähmung
und schwerste Verbrennungen). Rechtsanwalt Dr. iur. Marcel Köppel reichte am
7. Januar 2002 in Vertretung des Geschädigten beim Sicherheits- und
Justizdepartement (SJD; bis 31. Dezember 2007 Justiz- und Polizeidepartement)
vorsorglich ein Gesuch um Entschädigung und Genugtuung gemäss OHG ein. Weil das
Verfahren und die Verhandlungen in Z._ noch nicht abgeschlossen waren, wurde das
Verfahren sistiert und die Sistierung mehrmals verlängert. Im Rahmen einer
Besprechung vom 5. Juni 2007 einigten sich der Rechtsvertreter des Geschädigten
und das SJD, dass zunächst vorfrageweise entschieden würde, ob eine Straftat im
Sinn des OHG vorliege. In seiner Stellungnahme vom 19. Juni 2007 hielt der
Rechtsvertreter fest, die objektiven Tatbestandsmerkmale der fahrlässigen
Körperverletzung seien erfüllt, es liege rechtswidriges Handeln vor und
Rechtfertigungsgründe seien nicht vorhanden. Eine Straftat sei mithin zu bejahen
(act. G 3.11).
A.b Mit Verfügung vom 26. Februar 2008 wies das SJD das Entschädigungs- und
Genugtuungsbegehren ab. Ausgewiesen sei, dass der Gesuchsteller durch den Unfall
vom 7. Februar 2000 in seiner körperlichen Integrität unmittelbar erheblich und dauernd
beeinträchtigt worden sei. Ferner ergebe sich aus verschiedenen Korrespondenzen,
dass er von der staatlichen Z._ Haftpflichtversicherung auf Schweizer Verhältnisse
umgerechnet nur ungenügende Leistungen erhalten habe. Näher zu prüfen bleibe, ob
der Gesuchsteller durch den Unfall Opfer einer Straftat im Sinn des OHG geworden sei.
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Eine technische Ursache des Unfalls erscheine als ausgeschlossen. Die
Strassenverhältnisse seien gemäss Polizeirapport gut gewesen. Ein offensichtliches
Fehlverhalten des Fahrers sei ebenfalls nicht ersichtlich. So sei das in Z._ gegen ihn
eingeleitete Strafverfahren eingestellt worden. Auch andere beim Fahrer liegende
Gründe (Ohnmacht, Blendung durch andere Fahrzeuge etc.) seien nicht bekannt.
Schliesslich könne auch aus den Leistungen der beiden Z._nischen Versicherungen
nicht rechtsgenüglich auf ein menschliches Fehlverhalten geschlossen werden, da die
bescheidenen Summen angesichts der schweren Verletzungen aus Kulanz erbracht
sein könnten. Hingegen sei ein aussergewöhnlich starker unerwarteter Windstoss
mehrfach als mögliche Unfallursache genannt worden. Der Fahrer sei jedoch nicht
ortskundig gewesen und habe daher nicht mit einer solchen Naturgewalt rechnen
müssen. Eine genauere Abklärung der Unfallursache erscheine sowohl aus zeitlichen
als auch aus örtlichen Gründen aussichtslos. Damit sei der Unfall nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen
(act. G 3).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich der Rekurs des Rechtsvertreters des
Rekurrenten vom 10. März 2008. Er beantragt die Aufhebung der Verfügung. Es sei
festzustellen, dass es sich beim Vorfall vom 7. Februar 2000 um eine Straftat im Sinne
des OHG handle. Die Sache sei zur Weiterbehandlung, d.h. zur korrekten
betragsmässigen Festlegung der Entschädigung und der Genugtuung, an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei dem Rekurrenten zur Einreichung der
Unterlagen zur konkreten betragsmässigen Festlegung der Entschädigung und der
Genugtuung eine angemessene Nachfrist zu setzen, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Der Unfall hänge mit dem Verhalten des Fahrzeuglenkers sehr
wohl zusammen, auch wenn die Strafuntersuchung nicht den strikten Beweis dafür
erbracht habe, dass dieses Verhalten fehlerhaft gewesen sei. Entgegen der Auffassung
der Vorinstanz sei für das Bejahen einer Straftat im Sinne des OHG nicht
vorausgesetzt, dass ein Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf menschliches
(Fehl-)Verhalten zurückzuführen sei. In der Rechtslehre sei unbestritten, dass
Strassenverkehrsunfälle nach der bestehenden Ordnung unter das OHG fallen würden
und dass schuldhaftes Verhalten des Täters dabei nicht erforderlich sei. Praktisch jeder
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Verkehrsunfall mit Verletzungsfolgen falle in den Anwendungsbereich des OHG, sofern
nicht ein ausschliesslicher Selbstunfall vorliege. Ein solcher sei im Fall des Rekurrenten
nicht gegeben. Die Rechtswidrigkeit einer Handlung entfalle nur, wenn ein
Rechtfertigungsgrund vorliege. Daraus ergebe sich, dass eine Straftat nach dem
Verständnis des OHG nicht zwingend voraussetze, dass ein Unfall mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf menschliches (Fehl-)Verhalten zurückzuführen sei. Es müsse
genügen, dass menschliches Verhalten mit im Spiel gewesen sei und dieses wenn
auch nicht nachweislich, so doch mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit als
Ursache in Betracht falle. Höhere Gewalt trete als Unfallursache doch deutlich in den
Hintergrund, ein Fahrfehler sei als naheliegendste Unfallversion anzunehmen. Die
objektiven Tatbestandsmerkmale einer fahrlässigen Körperverletzung im Sinne des
Strafgesetzbuchs seien somit zu bejahen. Weiter sei infolge des Unfalls die Gesundheit
des Rekurrenten verletzt worden, sodass auch die Rechtswidrigkeit zu bejahen sei.
Rechtfertigungsgründe würden fehlen. Deshalb sei eine Straftat im Sinne von Art. 2
Abs. 1 OHG zu bejahen (act. G 1).
B.b In der Vernehmlassung vom 3. April 2008 beantragt die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses unter Kostenfolgen und verweist zur Begründung auf die tatsächlichen
und rechtlichen Ausführungen in der angefochtenen Verfügung, an denen sie
ausdrücklich festhält (act. G 3).

Erwägungen:
1.
Die angefochtene Verfügung stützt sich auf das Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer
von Straftaten (OHG; SR 312.5). Verfügungen des zuständigen Departements über
Entschädigungs- und Genugtuungsbegehren nach OHG können beim
Versicherungsgericht innert 14 Tagen angefochten werden (Art. 49 des
Strafprozessgesetzes [sGS 962.1] i.V.m. Art. 47 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1]). Da der vorliegende Rekurs rechtzeitig beim
Versicherungsgericht eingereicht wurde, ist darauf einzutreten.
2.
bis
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2.1 Wird eine Person, die das Schweizer Bürgerrecht oder Wohnsitz in der Schweiz
hat, im Ausland Opfer einer Straftat, kann sie nach Art. 11 Abs. 3 OHG in ihrem
Wohnsitzkanton eine Entschädigung oder eine Genugtuung verlangen, wenn sie nicht
von einem ausländischen Staat eine genügende Leistung erhält. Hilfe nach diesem
Gesetz erhält jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, sexuellen oder
psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt wurde, unabhängig davon, ob der
Täter ermittelt wurde und ob er sich schuldhaft verhalten hat (Art. 2 Abs. 1 OHG). Das
Opfer hat Anspruch auf eine Entschädigung für den durch die Straftat erlittenen
Schaden, wenn seine EL-rechtlich anrechenbaren Einnahmen das Vierfache des
massgebenden Höchstbetrages für den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 3b Abs. 1
lit. a des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) vom 19. März 1965 in der bis Ende 2007
gültigen Fassung (bzw. Art. 10 Abs. 1 lit. a des seit 1. Januar 2008 in Kraft stehenden
neuen ELG vom 6. Oktober 2006) nicht übersteigen. Massgebend sind die
voraussichtlichen Einnahmen nach der Straftat (Art. 12 Abs. 1 OHG). Dem Opfer kann
unabhängig von seinem Einkommen eine Genugtuung ausgerichtet werden, wenn es
schwer betroffen ist und besondere Umstände es rechtfertigen (Art. 12 Abs. 2 OHG).
Der Begriff der Straftat ist im OHG grundsätzlich gleich wie im Strafgesetzbuch. Man
versteht darunter ein tatbestandsmässiges und rechtswidriges Verhalten; eine
schuldhafte Tatbegehung ist jedoch ausdrücklich nicht vorausgesetzt (vgl. Art. 2 Abs. 1
OHG; BGE 122 II 320 Erw. 3b m.w.H.). In einem neueren Urteil bestätigte das
Bundesgericht seine Rechtsprechung, wonach die Tatbestandsmässigkeit nicht nur
den objektiven, sondern auch den subjektiven Tatbestand einer Straftat zu umfassen
hat, also auch vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln vorausgesetzt wird (BGE 134 II
33 Erw. 5.4).
2.2 Im vorliegenden Verfahren steht fest, dass der Rekurrent am 7. Februar 2000 in
Z._ bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wurde. Die Invalidenversicherung (IV)
finanzierte dem fortan querschnittsgelähmten Versicherten eine Umschulung zum
Technischen Kaufmann, die er im Sommer 2004 abschloss. Die Unfallversicherung (UV)
sprach ihm am 29. Oktober 2004 ab 1. November 2004 bei einer Erwerbsunfähigkeit
von 63% eine Invalidenrente und eine Entschädigung für Hilflosigkeit leichten Grades
sowie eine Integritätsentschädigung zu (act. G 3.7a). Die IV verfügte am 13. Juli 2005
eine Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 63% rückwirkend ab 1. August
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2004 (act. G 3.9a). Die Betriebshaftpflicht-Versicherung des Fussballclubs St. Gallen
verweigerte eine Kostengutsprache unter Hinweis auf ihre Versicherungsbedingungen,
die ihre Haftpflicht bei Unfallverursachung durch den Betrieb eines Motorfahrzeugs
ausschliesse (act. G 3.13b).
2.3 Streitig und zu prüfen ist, ob der Rekurrent am 7. Februar 2000 Opfer einer
Straftat geworden ist. Gemäss Lehre und Rechtsprechung ist für die Entschädigungs-
und Genugtuungsansprüche nach OHG kein strikter Nachweis einer Straftat
erforderlich. Vielmehr ist die Frage des Vorliegens einer Straftat und damit der
Opfereigenschaft in Anlehnung an das Sozialversicherungsrecht mit dem dort
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beantworten (vgl.
Gomm/Zehntner, Kommentar zum Opferhilfegesetz, Bern 2005, Art. 16 Rz. 19; Eva
Weishaupt, Finanzielle Ansprüche nach Opferhilfegesetz, in: SJZ 98 [2002] Nr. 13
S. 325 Fn. 35; Urteil OH.2002.0005 des Sozialversicherungsgerichts des Kantons
Zürich vom 18. Juni 2003, Erw. 5.5). Das Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit muss insbesondere von der Glaubhaftmachung abgegrenzt werden.
Glaubhaftmachen umschreibt oftmals das Beweismass, das im Rahmen von
vorläufigen, zumeist mit Beweismittelbeschränkungen getroffenen Entscheiden gilt.
Unterschiedlich ist zudem der jeweils geforderte Grad an Wahrscheinlichkeit. Glaubhaft
gemacht ist eine Tatsache schon dann, wenn für deren Vorhandensein gewisse
Elemente sprechen, selbst wenn das Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass
sie sich nicht verwirklicht haben könnte. Demgegenüber sind die Anforderungen beim
Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit höher: Die Möglichkeit, dass es
sich auch anders verhalten könnte, schliesst die überwiegende Wahrscheinlichkeit
zwar nicht aus, darf aber für die betreffende Tatsache weder eine massgebende Rolle
spielen noch vernünftigerweise in Betracht fallen (BGE 130 III 325 Erw. 3.3 m.w.H.).
2.4 Nach Art. 16 Abs. 2 OHG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen
fest. Die Verwaltung und im Rekursfall das Gericht haben entsprechend von Amtes
wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat
in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 Erw. 1a m.w.H.). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn der Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Opferhilfeprozess tragen mithin die Parteien eine Beweislast
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insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 Erw. 3b m.w.H.).
3.
3.1 Vorliegend ist also zu prüfen, ob ein tatbestandsmässiges und rechtswidriges
Verhalten zur schweren Körperverletzung des Rekurrenten geführt hat. Art. 122 des
Strafgesetzbuchs (StGB; SR 311.0) ist nur bei vorsätzlich begangenen Delikte
anwendbar und ist daher vorliegend auszuschliessen. In Frage kommt hingegen die
fahrlässige Körperverletzung gemäss Art. 125 StGB.
3.2 Unter dem Begriff des Tatbestands werden die rechtlichen Voraussetzungen
verstanden, unter denen ein Sachverhalt strafrechtlich bedeutsam ist. Der Tatbestand
im engeren Sinn besteht in der Umschreibung des verbotenen Verhaltens, auf das sich
eine Strafdrohung bezieht. Widerspricht das Verhalten dem strafrechtlich sanktionierten
Verbot oder Gebot, so ist es tatbestandsmässig. Eine Unterscheidung zwischen
objektivem und subjektivem Tatbestand ist beim fahrlässigen Handlungsdelikt wenig
sachgerecht, da sich der Verwirklichungswille des Fahrlässigkeitstäters nicht auf den
strafrechtlich relevanten Erfolg richtet (BSK-Strafrecht I, 2. Aufl., Basel 2007, Jenny
Guido, Art. 12 Rz. 70). Kern des Fahrlässigkeitsdelikts ist die pflichtwidrige
Unvorsichtigkeit, die Verletzung einer Sorgfaltspflicht (vgl. Art. 12 Abs. 3 StGB in der
seit 1. Januar 2007 in Kraft stehenden Fassung). Art. 12 Abs. 3 StGB ist inhaltlich
identisch mit dem im Zeitpunkt des Unfalls in Kraft gestandenen Art. 18 Abs. 3 StGB.
3.3 Gehört der Eintritt eines Verletzungserfolgs zur Verwirklichung des Tatbestands,
so setzt der Vorwurf des fahrlässigen Verhaltens voraus, dass der Täter ihn verursacht
oder mitverursacht hat, sein Handeln pflichtwidrig unvorsichtig war und der Erfolg sich
als Auswirkung gerade der durch den Sorgfaltsmangel geschaffenen Gefahr darstellt.
In der neueren Lehre ist praktisch unbestritten, dass die den Kern der
Fahrlässigkeitshaftung bildende Verletzung einer Sorgfaltspflicht bereits das
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tatbestandsmässige Unrecht kennzeichnet und nicht erst ein Element oder eine Form
der Schuld (m.w.H. Jenny, a.a.O., Art. 12 Rz. 69). Die Tatbestandsmässigkeit bei der
fahrlässigen Deliktsbegehung setzt mehr voraus als die blosse adäquat kausale
Verursachung eines Erfolgs. Verboten sein kann nur das Eingehen von Gefahren, die
ein zulässiges, durch die je geltenden Sorgfaltsanforderungen festgelegtes Mass
überschreiten. Das Handlungsunrecht fahrlässigen Verhaltens kommt erst durch die
Schaffung eines unerlaubten Risikos zustande (Jenny, a.a.O., Art. 12 Rz. 78). Zu den
Grundvoraussetzungen sorgfaltswidrigen Handelns gehören einerseits die
Voraussehbarkeit des Erfolgs und andererseits dessen Vermeidbarkeit, entweder durch
das Ergreifen von Vorkehrungen, die das Risiko seiner Verwirklichung ausschliessen
bzw. auf das erlaubte Mass reduzieren, oder – falls dies nicht möglich ist – durch das
Unterlassen der gefährlichen Handlung. Die Vermeidbarkeit folgt oft, aber nicht
zwangsläufig aus der Vorhersehbarkeit. Nicht der Fall ist dies namentlich bei plötzlich
auftretenden Gefahren. Platzt etwa in voller Fahrt ein Autoreifen, so droht ein Unfall, der
zwar vorhersehbar, aber nicht vermeidbar ist (Jenny, a.a.O., Art. 12 Rz. 79). Zur
Beuteilung der Vermeidbarkeit wird ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und
geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre.
Dabei genügt es nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für die Zurechnung
des Erfolgs, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad der
Wahrscheinlichkeit oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ursache
des Erfolgs bildete (m.w.H. BGE 130 IV 7, Erw. 3.2).
3.4 Für fahrlässige Tatbegehung kann zudem nur haften, wer nach seinen
persönlichen Verhältnissen (individuelle Kenntnisse und Fähigkeiten) imstande
gewesen wäre, mit grösserer Sorgfalt vorzugehen, als er es getan hat. Die gebotene
Individualisierung berührt gemäss der herrschenden Lehre stets die
Tatbestandsmässigkeit mit der Folge, dass derjenige, der die Gefahr des
Erfolgseintritts weder erkennen noch ihn verhindern konnte, nicht erst unter dem
Gesichtspunkt der fehlenden Schuld entlastet wird, sondern schon gar kein Delikt
begeht (m.w.H. Jenny, a.a.O., Art. 12 Rz. 81). Gemäss Art. 12 Abs. 3 StGB ist stets die
"nach den Umständen gebotene" Vorsicht aufzuwenden. Der Inhalt der Sorgfaltspflicht
kann somit letztlich erst mit Blick auf die konkrete Gefahrenlage präzisiert werden
(Jenny, a.a.O., Art. 12 Rz. 88).
4.
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4.1 Im vorliegenden Fall kommt als Täter nur der Fahrer des verunfallten Kleinbusses
in Frage. Der Unfall erfolgte unbestrittenermassen nicht unter Drittbeteiligung. Der
Polizeibeamte, der als erster am Unfallort eintraf, hielt in seinem Bericht vom 7. Februar
2000 fest, das Fahrzeug sei von der Strasse abgekommen und habe sich
überschlagen. Verletzte seien am Strassenrand gelegen. Der Lenker könne sich nach
seiner Behauptung nicht erinnern, was geschehen sei (act. G 3.11a, S. 11). Es habe
helles Tageslicht geherrscht. Der Strassenbelag habe aus Bitumen bestanden und sei
trocken gewesen. Der Lenker habe einen nüchternen, aber geschockten Eindruck
gemacht (S. 13). Bei den Untersuchungsakten finden sich mehrere Bescheinigungen
von Insassen des Unfallfahrzeugs, die unterschriftlich bestätigten, bis zum Unfall
geschlafen zu haben und deshalb nicht beschreiben zu können, was geschehen sei,
ausser dass das Wetter gut und die Strasse geteert und trocken gewesen sei. Das
Strassenstück, auf dem der Unfall geschehen sei, sei leicht aufwärts gegangen, die
Strasse sei breit und gerade gewesen (act. G 3.11b). Der Fahrer des Unfallwagens
bestätigte, das Wetter sei sehr windig, aber ansonsten gut gewesen, die Sicht sei gut
gewesen, der Südostwind habe in Böen geblasen. Das Fahrzeug sei abrupt und
plötzlich ausgebrochen und habe auf die linke Strassenseite geschwenkt, über den
Strassenrand hinweg in die Rinne neben der Strasse, "where the vehicle rolled several
times". Er habe versucht, das Fahrzeug unter Kontrolle zu bringen, bevor es die
asphaltierte Strasse verlassen habe, aber es habe auf seine Versuche nicht reagiert.
Über die exakte Unfallursache sei er unsicher. Als denkbare Ursachen nannte er eine
Reifenpanne bei einem der Vorderreifen ("a blow out in a front tire") oder als Alternative
eine besonders starke Windböe. Es seien ihnen keine Fahrzeuge entgegen gekommen.
Sein Fahrzeug sei das zweitletzte von vier Fahrzeugen einer Kolonne gewesen. Es habe
etwa eine Geschwindigkeit von 80 km/h gehabt (act. G 3.11b). Bei den Akten findet
sich eine Bestätigung des Fahrers des Minibusses, der hinter dem verunfallten
gefahren war. Jener Fahrer war ebenfalls ein Begleiter des Fussballclubs. Er habe den
vor ihm fahrenden Bus ausbrechen und fast sofort die Strasse verlassen sehen. Wegen
der abrupten Weise, in der das Fahrzeug ausgebrochen sei, könne er nur annehmen,
es sei ein Reifen geplatzt oder es habe eine plötzliche starke Windböe gegeben
(act. G 3.11b).
4.2 Der in Z._ vom Rekurrenten beigezogene Anwalt hielt in einem Schreiben vom
13. Juni 2000 fest, ein unabhängiger Spezialist habe den Unfall untersucht und am
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Wagen keinen offensichtlichen Mangel oder eine Fehlkonstruktion bemerkt. Das
Fahrzeug sei noch neu gewesen. Der Wind habe am Unfalltag gemäss den Zeugen
tatsächlich extrem stark geweht und sei böenhaft gewesen. Die Strecke sei bekannt für
solche Böen, die öfters Wagen von der Strasse wehen würden. Inwiefern der Fahrer
des Fahrzeugs fahrlässig gewesen sei, sei schwierig zu beurteilen, da weder er noch
die Insassen sich an etwas Konkretes erinnern könnten (act. G 13a).
4.3 Fest steht, dass der Unfall sowohl natürlich als auch adäquat kausal für die
schwere Körperverletzung des Rekurrenten ist. Zu prüfen ist jedoch, ob dem Fahrer ein
pflichtwidrig unvorsichtiges Verhalten vorgeworfen werden kann. Zwar ist durchaus
denkbar, dass ein Fehlverhalten des Fahrers direkt zum Unfall führte, indem er
beispielsweise zufolge einer Unaufmerksamkeit oder eines Sekundenschlafs von der
Fahrbahn geriet. Ebenso möglich wäre jedoch, dass eine aussergewöhnlich starke
Windböe oder ein geplatzter Reifen den Unfall verursachten. Der Rechtsvertreter des
Rekurrenten anerkennt in der Rekursschrift, ein Fehlverhalten des Fahrers habe sich
durch die polizeilichen Untersuchungen in Z._ offensichtlich nicht erhärten lassen
(act. G 1, Ziff. III/1b). Der diesbezügliche Sachverhalt kann nicht hinreichend geklärt
werden. Dem Fahrer kann jedenfalls keine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit
nachgewiesen werden. Ein allfälliger Verdacht, er wäre übermässige Gefahren
eingegangen, lässt sich nicht erhärten. Als mögliche Ursache des Unfalls wurde ein
Reifenproblem erwähnt. Näheres über den Zustand zumindest des linken Vorderreifens
ist den Akten nicht zu entnehmen. Im Inspektionsbericht vom 5. April 2000 wurde dazu
lediglich festgehalten, der Reifen habe nicht untersucht werden können, weil er für
Tests weggesandt worden sei (act. G 3.11b). Bei einer Reifenpanne wäre zwar die
Voraussehbarkeit des Unfalls allenfalls zu bejahen. Dennoch wäre sorgfaltswidriges
Handeln zu verneinen, weil es an der Vermeidbarkeit des Erfolgseintritts fehlen würde,
zumal der Fahrer mit der recht hohen Geschwindigkeit von 80 km/h unterwegs war und
er nicht etwa hätte Vorkehrungen treffen können, um ein Platzen des Reifens –
möglicherweise wegen eines auf der Fahrbahn liegenden spitzigen Gegenstands – zu
verhindern. Hätte eine plötzlich auftretende heftige Windböe den Unfall verursacht, so
wäre es ebenfalls kaum möglich, dem Fahrer eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit
nachzuweisen bzw. eine solche überwiegend wahrscheinlich als gegeben zu
betrachten. Zwar wäre es dem Fahrer allenfalls möglich gewesen, seinen Fahrstil –
insbesondere die Geschwindigkeit – den Umständen besser anzupassen; ob er eine
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vom böenartigen Wind ausgehende mögliche Gefahr samt deren Ausmass jedoch hätte
voraussehen müssen, ist zweifelhaft. Im Rahmen seiner persönlichen Verhältnisse
verfügte er womöglich nicht über hinreichende Kenntnisse der Gefahr durch Wind in
der Unfallgegend, war er schliesslich nicht ortskundig.
4.4 Lediglich ein von aussen nicht begünstigtes Fehlverhalten des Fahrers wie
Unaufmerksamkeit wäre somit als tatbestandsmässige Handlung denkbar. Da ein
solches jedoch gemäss den polizeilichen Ermittlungen vor Ort offenbar nicht als
wahrscheinlicher betrachtet werden konnte als etwa der Einfluss einer Windböe, ist der
erforderliche Beweisgrad nicht erfüllt. Das Gericht hat ernsthaft damit zu rechnen, dass
sich der Unfall auch ohne ein relevantes Fehlverhalten des Fahrers zugetragen haben
könnte. Da das in Z._ gegen den Fahrer eingeleitete Strafverfahren eingestellt wurde,
ist davon auszugehen, dass es nicht möglich war, durch weitere
Sachverhaltsabklärungen die Unfallursache zu belegen. Dies bestätigte auch der den
Rekurrenten in Z._ vertretende Rechtsanwalt (act. 3.13a). Mangels des Nachweises
einer pflichtwidrigen Unvorsichtigkeit bzw. weil eine solche zwar als möglich erscheint,
nicht aber als überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen werden konnte, ist die
Tatbestandsmässigkeit in Bezug auf Art. 125 StGB also nicht gegeben. Entsprechend
scheitert ein Anspruch auf Leistungen gemäss OHG am Vorliegen einer Straftat.
4.5 Die vom Rechtsvertreter des Rekurrenten zitierten Lehrmeinungen zur Frage,
wann Verkehrsunfälle unter das Opferhilfegesetz fallen, vermögen an dieser Beurteilung
nichts zu ändern. Auch Gomm und Zehntner gehen in ihrem Kommentar zum OHG
davon aus, dass die (objektive und subjektive) Tatbestandsmässigkeit bei der
schädigenden Handlung gegeben sein muss, damit überhaupt von einer Straftat
ausgegangen werden kann – dies auch in Bezug auf Strassenverkehrsunfälle (Gomm/
Zehntner, a.a.O., Art. 2 Rz. 3 ff., Art. 14 Rz. 8). Aus der Abhandlung von Koller kann
ebenfalls nichts anderes geschlossen werden, da auch er tatbestandsmässiges und
rechtswidriges Handeln als notwendig erachtet (Koller Thomas, Das Opferhilfegesetz:
Auswirkungen auf das Strassenverkehrsrecht, in: AJP 5/96, S. 581). Ohne
Tatbestandsmässigkeit ist mangels eines begangenen Delikts auch die
Rechtswidrigkeit ausgeschlossen.
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4.6 Die Vorinstanz mutmasst, die bescheidenen Summen, die von den Z._nischen
Versicherungen bezahlt worden seien, könnten aus Kulanz erbracht worden sein.
Selbst wenn es sich nicht so verhalten würde und die Versicherungen zur Zahlung
verpflichtet gewesen wären, liesse dies keine strafrechtlichen Schlüsse zu. Die
haftpflichtrechtliche Seite des Falles ist für die vorliegende Beurteilung nicht relevant.
Auch wenn der Fahrer des Unfallwagens den Straftatbestand der fahrlässigen
Körperverletzung nicht erfüllt, sagt dies über seine allfällige haftpflichtrechtliche
Verantwortlichkeit nichts aus (vgl. z.B. die Beweislastverteilung gemäss Art. 59 Abs. 1
des Strassenverkehrsgesetzes [SVG; SR 741.01]). Um Ansprüche aus OHG
durchsetzen zu können, ist jedoch das Vorliegen einer Straftat erforderlich.
5.
5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs gegen die Verfügung vom
26. Februar 2008 abzuweisen. Die angefochtene Verfügung ist nicht zu beanstanden.
5.2 Da das Verfahren betreffend Entschädigung und Genugtuung aus OHG
(einschliesslich Rechtsmittelverfahren) von Bundesrechts wegen kostenlos ist (Art. 16
Abs. 1 OHG; BGE 125 II 265 Erw. 3b), sind keine Gerichtskosten zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG