Decision ID: 59c72f95-47a9-48e7-8bd9-d0fd0ab6483a
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 15.02.2019 Art. 87 IVV. Art. 53 Abs. 2 ATSG. Neuanmeldung zum Bezug einer Invalidenrente. Glaubhaftmachung einer relevanten Sachverhaltsveränderung. Wiedererwägungsgesuch betreffend berufliche Massnahmen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Februar 2019, IV 2017/136 und IV 2017/221).
Entscheid vom 15. Februar 2019
Besetzung
Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-
Studerus Gerichtsschreiber Tobias Bolt
Geschäftsnr.
IV 2017/136, IV 2017/221
Parteien
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Monika Brenner,
Paradiesstrasse 4, 9030 Abtwil SG,
gegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
berufliche Massnahmen und Rente
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 2012 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum
Polymechaniker absolviert. Seit September 2008 sei er arbeitslos. Seit einem im Mai
2008 erlittenen Arbeitsunfall leide er an Beschwerden in der rechten Schulter. Der
orthopädische Chirurg Dr. med. B._ hatte im November 2011 berichtet (IV-act. 12–1),
der Versicherte leide an einem Status nach einer arthroskopischen subacromialen
Dekompression rechts im Juli 2011. Bei der aktuellen Untersuchung hätten sich ein
freier Nackengriff und ein kompletter Schürzengriff bei L1 gezeigt. Die
Kraftrekompensation sei noch nicht vollständig abgeschlossen. Das Muskelzentrum
des Kantonsspitals St. Gallen hatte im Mai 2011 festgehalten (IV-act. 12–6 f.), es
bestehe ein Verdacht auf einen Status nach einer Plexusneuritis des Armplexus rechts
im Jahr 2008. Die Anamnese sei typisch, bei eingeschränkten
Untersuchungsmöglichkeiten habe ein allfälliger Axonschaden elektrophysiologisch
nicht sicher nachgewiesen werden können. Die aktuell angegebenen Schmerzen seien
eher orthopädisch bedingt. Am 5. Juli 2012 führte Dr. med. C._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD) eine persönliche Untersuchung des Versicherten
durch. In seinem Bericht vom 10. Juli 2012 führte er aus (IV-act. 13), bei der
Untersuchung seien teilweise Inkonsistenzen aufgefallen. Der rheumatologische Befund
sei unauffällig gewesen. Diagnostisch liege eine Belastungsinsuffizienz der rechten
dominanten Schulter für körperlich anspruchsvolle Aufgaben vor, die durch eine
funktionelle Schonhaltung respektive im Rahmen einer somatoformen Schmerzstörung
bedingt sei. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinisches Gutachtenzentrum
Region St. Gallen GmbH am 8. Februar 2013 ein orthopädisch-psychiatrisches
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gutachten (IV-act. 35). Der orthopädische Sachverständige hielt fest, der objektive
klinische Befund sei weitgehend unauffällig gewesen. Der Versicherte leide an einem
leichten „Rest-Impingement“ bei einer geringgradig aktivierten
Acromioclaviculargelenksarthrose und bei einer Tendinose der Supraspinatussehne
nach einer arthroskopischen subacromialen Dekompression rechts. Die
Einsatzfähigkeit des rechten Arms sei deshalb etwas eingeschränkt. Als Dreher
bestehe seit Februar 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 25 Prozent, da diese Tätigkeit
einen repetitiven Einsatz des rechten Arms erfordere. Eine ideal leidensadaptierte
Tätigkeit sei dem Versicherten uneingeschränkt zumutbar. Der psychiatrische
Sachverständige führte aus, der Versicherte habe von Juli 2009 bis Juli 2011 an
Anpassungsstörungen mit einer längeren depressiven Reaktion gelitten. Aktuell lägen
akzentuierte Persönlichkeitszüge, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und
eine morbide Adipositas vor, die sich aber nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten.
Aus rein psychiatrischer Sicht sei der Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. In der
Zeit von Juli 2009 bis Juli 2011 sei er zu 75 Prozent arbeitsfähig gewesen. Der RAD-
Arzt Dr. med. D._ notierte im März 2013 (IV-act. 36), das psychiatrische Teilgutachten
leide an gewissen Mängeln: Die Diagnose der akzentuierten Persönlichkeitszüge sei
nicht nachvollziehbar hergeleitet worden und die Kriterien für die Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung seien nicht erfüllt. Trotzdem könne auf
das Gutachten abgestellt und von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten ausgegangen werden. Mit einer Verfügung vom 18.
November 2013 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche Massnahmen ab, wobei
sie insbesondere einen Anspruch auf eine Umschulung verneinte (IV-act. 48). Mit einer
weiteren Verfügung vom 7. Februar 2014 wies sie auch das Rentenbegehren ab (IV-act.
52).
A.b Im Mai 2014 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act.
53). Auf der ersten Seite des Anmeldeformulars vermerkte er handschriftlich:
„Wiedererwägung Entscheid vom 18. November 2013“. Die Kliniken Valens hatten in
einem Austrittsbericht vom 11. April 2014 betreffend eine stationäre Behandlung in der
Zeit vom 10. März 2014 bis zum 11. April 2014 festgehalten (IV-act. 55), der Versicherte
leide an einer Periarthropathia humero-scapularis rechts (neuropathisch und nozizeptiv
gemischt), an einer rezidivierenden depressiven Symptomatik und an einer Bronchitis.
Bei den Tests zur Beurteilung der arbeitsbezogenen körperlichen Leistungsfähigkeit sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Leistungsbereitschaft des Versicherten mässig gewesen; er habe eine Tendenz zur
Selbstlimitierung gezeigt. In der Therapie habe er sich zielorientiert gezeigt. Er habe
seine Kraft und Leistung stetig steigern können. Ihm könne eine Bürotätigkeit
zugemutet werden. Der ursprünglich erlernte Beruf als Polymechaniker sei dagegen
nicht mehr zumutbar. Das relevante Problem sei die Funktionsstörung des rechten
Schultergürtels. Zudem bestehe eine allgemeine Dekonditionierung. Nachdem ein
RAD-Arzt am 7. Juni 2014 festgehalten hatte, dass sich der Gesundheitszustand des
Versicherten ab April 2014 relevant verändert habe, weil dieser seinen erlernten Beruf
nicht mehr ausüben könne, trat die IV-Stelle auf die Neuanmeldung zum Rentenbezug
ein (vgl. IV-act. 60–3). Mit einer Mitteilung vom 13. Juni 2014 wies die IV-Stelle den
Versicherten darauf hin, dass sie auf sein gegen die Verfügung vom 18. November
2013 gerichtetes Wiedererwägungsgesuch nicht eintrete (IV-act. 64). Mit einer
Mitteilung gleichen Datums gewährte sie dem Versicherten allerdings eine
Berufsberatung (IV-act. 63). Ein Eingliederungsverantwortlicher der IV-Stelle notierte im
Dezember 2014 (IV-act. 79), der Versicherte habe sich offen für eine berufliche
Integration gezeigt. Während einer Schnupperphase in einem Ausbildungsbetrieb für
Konstrukteure habe sich der Versicherte sehr stark eingeschränkt gezeigt; er habe die
Leistungsanforderungen kaum erfüllen können. Die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei
als nicht verwertbar qualifiziert worden. Um dem Versicherten trotzdem eine
Perspektive zu verschaffen, sei ein Besichtigungstermin bei der E._ vereinbart
worden. Nach der Besichtigung habe der Versicherte mitgeteilt, dass es zu keiner
beruflichen Abklärung kommen werde, da er sich aktuell in einer körperlich schlechten
Verfassung befinde, die auch zu einer psychischen Belastung führe. Die
Psychotherapeutin Dr. rer. nat. F._ vom Schmerzzentrum des Kantonsspitals St.
Gallen berichtete im Januar 2015 (IV-act. 84), der Versicherte leide an einer
depressiven Störung mit einer gegenwärtig leichtgradigen Ausprägung vor dem
Hintergrund von chronifizierten Schulterschmerzen, einer Adipositas und einer seit
etwa sechs Jahren bestehenden Arbeitslosigkeit. Mit einer Mitteilung vom 25.
September 2015 ordnete die IV-Stelle eine dreimonatige berufliche Abklärung im G._
an (IV-act. 102). In seinem Abschlussbericht vom 25. November 2015 hielt G._ fest
(IV-act. 103), die Resultate des Assessment seien überzeugend. Der Versicherte habe
die Genauigkeitsstandards und die zeitlichen Anforderungen durchgehend erfüllt.
Allerdings habe er die Präsenzzeit nicht auf mehr als drei Stunden pro Tag steigern
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
können, weshalb er die für eine Umschulung notwendige Präsenzzeit nicht habe
erreichen können. Die durchschnittliche Leistungsfähigkeit habe bei 80 Prozent
gelegen.
A.c Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das medizinische Zentrum Römerhof (MZR) am
22. Dezember 2016 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 130). Die fallführende
internistische Sachverständige hielt fest, während der Anamneseerhebung habe der
Versicherte mit demonstrativem Leidensdruck und Schonhaltung des rechten Arms
während 60 Minuten auf dem Sprechzimmerstuhl gesessen. Dann habe er um eine
zehnminütige Pause gebeten, in der er 50mg Tramal eingenommen habe.
Anschliessend habe er nochmals 25 Minuten auf dem Sprechzimmerstuhl gesessen,
wieder mit demonstriertem Leidensdruck und demonstrierter Schonhaltung sowie
schmerzverzerrtem Gesicht. Bereits beim Abholen aus dem Wartebereich habe er
gestöhnt und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die rechte Schulter gefasst. Das
Ausziehen sei speditiv unter Schonbewegung des rechten Arms erfolgt. Der Versicherte
habe sich problemlos von der Rücken- in die Bauch- und zurück in die Rückenlage
drehen können. Den Schürzengriff habe er problemlos durchführen können. Auch der
Nackengriff sei trotz einer deutlichen Schonhaltung des rechten Arms durchführbar
gewesen. Der maximale Oberarmumfang rechts sei grösser als jener links gewesen.
Bei der Lungenperkussion habe der Versicherte einen Schmerz über der rechten
Schulterregion angegeben. Die gesamte dorsale und ventrale Schulterregion rechts sei
bei leichtester Berührung als massiv schmerzhaft angegeben worden. Der Versicherte
sei deutlich zusammengezuckt und habe die Schulter zurückgezogen. Darin sei ein
Widerspruch zum beschwerdefreien Drehen von der Rücken- in die Bauch- und zurück
in die Rückenlage zu erblicken. Als der Versicherte aufgefordert worden sei, die
Medikamente zu präsentieren, habe er zuerst versucht, diese mit einer demonstrativen
Schonhaltung des rechten Arms aus dem Rucksack zu holen. Als das nicht geklappt
habe, habe er mithilfe der rechten Hand den Rucksack mühelos auf die Oberschenkel
gehoben und die Packung aus dem Rucksack herausgenommen. Die bei der
Lungenperkussion angegebenen Schmerzen seien als übertrieben dargestellt
empfunden worden. Die während der Untersuchung demonstrierte
Bewegungseinschränkung habe auch in einer deutlichen Diskrepanz zur Aussage
gestanden, dass der Versicherte drei- bis fünfmal pro Woche schwimmen gehe und
dort mühelos Delphin, Crawl und Brustschwimmen durchführe. Die während der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Begutachtung erhobenen Medikamentenspiegel seien nicht vereinbar gewesen mit den
vom Versicherten gemachten Angaben zur Einnahme. Der rheumatologische
Sachverständige führte aus, der objektive Untersuchungsbefund sei weitgehend
unauffällig gewesen. Bei der Untersuchung seien diverse Diskrepanzen aufgefallen: In
Bauchlage habe der Versicherte beide Oberarme problemlos über der Liege hängen
lassen können; auf eine entsprechende Aufforderung hin habe der Versicherte den Arm
nur bis 40° abduzieren können, was dem Daumen-vertebra prominens-Abstand von
0cm in der Untersuchung widerspreche; die isometrisch resistiven Testbefunde seien
unauffällig gewesen; die rohe Kraft sei seitengleich symmetrisch gewesen; ein
Impingement habe nicht festgestellt werden können. Nach einem Toilettengang habe
der Sachverständige den Versicherten zufällig beim Zähneputzen beobachten können,
wobei dieser den rechten Arm und die rechte Hand unauffällig genutzt habe. Beim
Abholen aus dem Wartezimmer sei der Versicherte damit beschäftigt gewesen, mit der
rechten oberen Extremität einen Gegenstand in seinem Rucksack zu versorgen, der auf
der Bank positioniert gewesen sei. Dabei sei eine Armabduktion von gegen 90° zu
beobachten gewesen. Zusammenfassend könne aus rheumatologischer Sicht keine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Die
neuropsychologische Sachverständige hielt fest, die Untersuchungsbefunde seien
unauffällig gewesen. Der psychiatrische Sachverständige führte aus, der Versicherte
leide an einem Status nach einer depressiven Anpassungsstörung und an einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren; beides wirke
sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte
uneingeschränkt arbeitsfähig. Nach einer Konsensbesprechung hielten die
Sachverständigen fest, unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei
der Versicherte aus polydisziplinärer Sicht mindestens seit dem Datum der
Begutachtung zu 100 Prozent arbeitsfähig auf dem primären Arbeitsmarkt. Der RAD-
Arzt Dr. med. H._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 131).
A.d Mit einem Vorbescheid vom 13. Januar 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie die Abweisung seines Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen
vorsehe, da er an keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung leide, die eine
Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf bewirke (IV-act. 134). Dagegen liess dieser am 16.
Februar 2017 einwenden (IV-act. 135), er sei mit dem vorgesehenen Entscheid nicht
einverstanden. Er beantrage aus prozessökonomischen Gründen, dass mit dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entscheid zugewartet werde, bis der Entscheid in Bezug auf eine allfällige
Invalidenrente gefällt sei. Mit einer Verfügung vom 2. März 2017 wies die IV-Stelle das
Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 136). Mit einem Vorbescheid vom 10.
März 2017 teilte sie dem Versicherten mit, dass sie die Abweisung des
Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-
act. 140). Dagegen liess der Versicherte am 2. Mai 2017 einwenden (IV-act. 142), er sei
mit dem vorgesehenen Entscheid nicht einverstanden. Er beantrage die Zusprache
mindestens einer Dreiviertelsrente und die Gewährung von beruflichen Massnahmen.
Zur Begründung liess er geltend machen, gemäss dem Austrittsbericht der Kliniken
Valens sei ihm die erlernte Tätigkeit als Polymechaniker nicht mehr zumutbar. Eine
leidensadaptierte Tätigkeit sei ihm nur zu 50 Prozent zumutbar. Der Invaliditätsgrad
betrage folglich mindestens 60 Prozent. Mit einer Verfügung vom 4. Mai 2017 wies die
IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 144).
B.
B.a Bereits am 5. März 2017 hatte der Versicherte (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 2. März 2017
betreffend berufliche Massnahmen erheben lassen (IV 2017/136, act. G 1). Seine
Rechtsvertreterin hatte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Gewährung
von beruflichen Massnahmen und die Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis zur
Einreichung einer Beschwerde gegen die zu erwartende Verfügung betreffend
Rentenanspruch beantragt. Zur Begründung hatte sie ausgeführt, die Annahme einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für den erlernten Beruf sei unzutreffend. Die IV-
Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe offensichtlich entscheidende
Gesichtspunkte ausser Acht gelassen.
B.b Mit einer verfahrensleitenden Verfügung vom 11. April 2017 war das
Beschwerdeverfahren IV 2017/136 sistiert worden (IV 2017/136, act. G 2).
B.c Am 6. Juni 2017 liess der Beschwerdeführer eine Beschwerde gegen die
Verfügung vom 4. Mai 2017 betreffend Rente erheben (IV 2017/221, act. G 1). Seine
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Vereinigung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens mit dem Beschwerdeverfahren IV
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2017/136, die Gewährung von beruflichen Massnahmen und die Zusprache einer Rente
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent. Zur Begründung führte sie aus,
die Beschwerdegegnerin sei zu Unrecht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
ausgegangen.
B.d Mit einer verfahrensleitenden Verfügung vom 20. Juni 2017 wurde die Sistierung
des Beschwerdeverfahrens IV 2017/136 aufgehoben, und die beiden
Beschwerdeverfahren IV 2017/136 und IV 2017/221 wurden vereinigt (IV 2017/221, act.
G 3).
B.e Am 5. März 2018 liess der Beschwerdeführer ergänzend geltend machen (IV
2017/221, act. G 12), im Gutachten vom 22. Dezember 2016 sei fälschlicherweise die
Schlaf- und Erschöpfungssituation des Beschwerdeführers völlig ausser Acht gelassen
worden. Die Einnahme von Tramadol könne die Bedienung von Maschinen
ausschliessen. Der Beschwerdeführer stecke in einem Teufelskreis: Zum einen bereite
ihm seine Schulter so grosse Schmerzen, dass er diese nach nur wenigen Stunden
Arbeit nicht mehr aushalte. Zum andern versuche er, seine Medikation auf einem so
tiefen Niveau zu halten wie nur möglich, um sich nicht die Möglichkeit einer
Erwerbstätigkeit zu verbauen. Schliesslich bleibe ihm aber doch nichts anderes übrig,
als sich durch die Einnahme eines schmerzlindernden Mittels zumindest einige
Stunden Schlaf zu verschaffen. Das Gutachten des MZR erweise sich jedenfalls
schlicht als falsch.
B.f Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. April 2018 die Abweisung der
Beschwerden (IV 2016/221, act. G 14). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten
des MZR sei in jeder Hinsicht überzeugend. Die Schlafprobleme des
Beschwerdeführers seien den Sachverständigen bekannt gewesen. Die im Rahmen der
Begutachtung untersuchten Blutproben hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer
weder das Antidepressivum noch das Schmerzmittel in der von ihm geltend gemachten
Dosis eingenommen habe. Bei der Begutachtung seien noch weitere Diskrepanzen
aufgefallen
B.g Am 25. September 2018 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen festhalten
(IV 2017/221, act. G 24). Er liess eventualiter die Einholung eines Obergutachtens und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
subeventualiter die Einholung eines Ergänzungsgutachtens beantragen. Die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (IV 2017/221, act. G 25 f.).

Erwägungen
1.
Die Vereinigung der beiden Beschwerdeverfahren IV 2017/136 und IV 2017/221 hat nur
eine verfahrensökonomische Wirkung: Der (weitere) Schriftenwechsel hat gemeinsam
geführt werden können und die beiden Urteile können in einem Entscheiddokument
eröffnet werden. Die beiden Streitgegenstände bleiben dagegen weiterhin unabhängig
voneinander bestehen; sie verschmelzen nicht zu einem einzigen Streitgegenstand.
Das bedeutet, dass es dem Beschwerdeführer etwa frei steht, nur eines der beiden im
vorliegenden Entscheiddokument enthaltenen Urteile anzufechten und das andere
unangefochten formell rechtskräftig werden zu lassen. Diesem Umstand Rechnung
tragend werden die beiden Streitgegenstände in den Erwägungen und im Dispositiv
soweit möglich getrennt voneinander behandelt. Da im Zusammenhang mit einem
Rentenanspruch eine Eingliederungspflicht bestehen könnte, was für den Anspruch auf
berufliche Massnahmen relevant wäre, wird in den Erwägungen zuerst auf den
Rentenanspruch eingegangen.
2.
Nach einer Abweisung eines früheren Rentenbegehrens wird eine neue Anmeldung
gemäss dem Art. 87 Abs. 3 IVV nur geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft
machen kann, dass sich der für die Bestimmung des Invaliditätsgrades massgebende
Sachverhalt in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Die
Beschwerdegegnerin hat ein erstes Rentenbegehren des Beschwerdeführers mit einer
Verfügung vom 7. Februar 2014 abgewiesen. Bereits im Mai 2014 hat sich der
Beschwerdeführer erneut zum Leistungsbezug angemeldet. Zusammen mit dem
ausgefüllten Anmeldeformular hat er einen Austrittsbericht der Kliniken Valens vom 11.
April 2014 eingereicht, in dem (abgesehen von einer vorübergehenden Bronchitis) keine
Gesundheitsbeeinträchtigung erwähnt gewesen ist, die erst nach dem 7. Februar 2014
aufgetreten wäre oder die sich nach dem 7. Februar 2014 verschlimmert hätte. Ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
RAD-Arzt hat zwar am 7. Juni 2014 notiert, dass eine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers eingetreten sei, da dieser nun nicht
mehr als Polymechaniker arbeiten könne. Aber diese Schlussfolgerung hat sich nur auf
eine Angabe der Kliniken Valens gestützt, die nicht etwa mit neuen – nach dem 7.
Februar 2014 aufgetretenen – Befunden, sondern mit der damals schon altbekannten
Schulterschädigung begründet worden war. Im Austrittsbericht der Kliniken Valens vom
11. April 2014 finden sich keine Angaben, die die erhebliche Abweichung der
Arbeitsfähigkeitsschätzung für den erlernten Beruf von jener der Sachverständigen der
MGSG GmbH erklären könnten. Den behandelnden Ärzten der Kliniken Valens ist das
Gutachten der MGSG GmbH offenbar auch gar nicht bekannt gewesen. Damit enthält
der Austrittsbericht der Kliniken Valens vom 11. April 2014 keinen Hinweis, mit dem
eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers seit
dem 7. Februar 2014 hätte glaubhaft gemacht werden können. So hat denn auch ein
Eingliederungsverantwortlicher der IV-Stelle bereits am 13. Juni 2014 festgehalten,
dass es dem Beschwerdeführer (entgegen des Arbeitsunfähigkeitsattestes im
Austrittsbericht der Kliniken Valens vom 11. April 2014) möglich wäre, im erlernten
Beruf zu arbeiten. Anstatt den RAD-Arzt erneut um eine eingehende Prüfung der
Eintretensvoraussetzungen zu ersuchen, hat die Beschwerdegegnerin aber ohne
weiteres (definitiv) das Rentenverfahren eröffnet. Damit hat sie gegen den Art. 87 Abs.
3 IVV verstossen. Nun könnte zwar eingewendet werden, dass dies im vorliegenden
Fall nicht weiter von Bedeutung sei, weil das Eintreten auf die Neuanmeldung ja im
Interesse des Beschwerdeführers gelegen habe. Einem solchen Einwand wäre
entgegen zu halten, dass die Beschwerdegegnerin dem Legalitätsprinzip und dem
Gleichbehandlungsgebot verpflichtet ist. Das Legalitätsprinzip verbietet ein Abweichen
von den einschlägigen Gesetzes- oder (gesetzmässigen) Verordnungsbestimmungen,
und zwar sowohl zulasten als auch zugunsten der versicherten Person. Eine „Kulanz“
ist dem Sozialversicherungsrecht – und dem Verwaltungsrecht überhaupt – fremd. Das
Gleichbehandlungsgebot zwingt die Sozialversicherungsträger, alle Versicherten und
alle Einzelfälle nach Massgabe ihrer Gleichheit gleich zu behandeln. Liegt in einem
konkreten Einzelfall kein sachlicher Grund für eine Ungleichbehandlung vor, muss der
konkrete Einzelfall genau gleich wie die andern vergleichbaren Fälle behandelt werden.
Ein Eintreten auf eine Neuanmeldung ohne Glaubhaftmachung einer relevanten
Sachverhaltsveränderung mag für die betroffene Person zwar positiv sein, aber es
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verletzt das Gleichbehandlungsgebot, weil es all jene Personen benachteiligt, auf deren
Neuanmeldung mangels Glaubhaftmachung einer relevanten Sachverhaltsveränderung
nicht eingetreten wird. Folglich kann im vorliegenden Fall nicht darüber hinweggesehen
werden, dass das Eintreten auf die Neuanmeldung zum Rentenbezug im Mai 2014
rechtswidrig gewesen ist. Die angefochtene Verfügung vom 4. Mai 2017, mit der die
Beschwerdegegnerin das (neue) Rentenbegehren des Versicherten abgewiesen hat, ist
deshalb aufzuheben und durch den Entscheid zu ersetzen, nicht auf die Neuanmeldung
vom Mai 2014 einzutreten. Das schliesst naturgemäss eine gerichtliche Prüfung eines
allfälligen Rentenanspruchs aus. Darin ist keine reformatio in peius zu erblicken, weil
der Beschwerdeführer mit dem Nichteintretensentscheid nicht schlechter gestellt wird
als durch die verfügte materielle Abweisung seines Rentenbegehrens. Bei einer
allfälligen späteren Neuanmeldung könnte sich die Korrektur tendenziell sogar eher
zugunsten des Beschwerdeführers auswirken, weil der Vergleichszeitraum, für den er
eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft machen müsste, dadurch länger
würde.
3.
3.1 Hinsichtlich eines allfälligen Anspruchs auf berufliche Massnahmen hat sich der
Beschwerdeführer nicht erneut zum Leistungsbezug angemeldet. Vielmehr hat er
diesbezüglich um eine Wiedererwägung der abweisenden Verfügung vom 18.
November 2013 ersucht. Laut dem Art. 53 Abs. 2 ATSG kann ein Versicherungsträger
auf eine formell rechtskräftige Verfügung zurückkommen, wenn diese zweifellos
unrichtig ist und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Das
Bundesgericht leitet aus dem Wortlaut („kann“) ein schrankenloses Ermessen des
Versicherungsträgers bezüglich der Frage ab, ob er auf ein Wiedererwägungsgesuch
eintreten will. Dieser bundesgerichtlichen Praxis folgend hat die Beschwerdegegnerin
vorliegend mit einer Mitteilung vom 13. Juni 2014 erklärt, dass sie nicht auf das
Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers eintreten werde. Noch am selben
Tag hat sie allerdings eine weitere Mitteilung erlassen, mit der sie dem
Beschwerdeführer eine Berufsberatung gewährt hat. Also muss die
Beschwerdegegnerin – entgegen ihrer Nichteintretensmitteilung vom 13. Juni 2014 –
doch auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers eingetreten sein.
Dieses Eintreten muss sich auf sämtliche in Frage kommenden beruflichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Massnahmen erstreckt haben, denn die explizit erwähnte Berufsberatung stellt
typischerweise die erste berufliche Massnahme in der Reihe Berufsberatung –
Umschulung – Arbeitsvermittlung dar. Das widersprüchliche Verhalten der
Beschwerdegegnerin lässt sich retrospektiv nur mit einem Widerruf des
Nichteintretensentscheides verbunden mit einem umfassenden Eintreten auf das sich
auf alle in Frage kommenden beruflichen Massnahmen beziehende
Wiedererwägungsgesuch interpretieren.
3.2 Eine invalide oder von einer Invalidität bedrohte versicherte Person hat laut dem
Art. 8 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese
notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen zu erhalten oder
zu verbessern, und wenn die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen
Massnahmen erfüllt sind. Der Beschwerdeführer ist ein ausgebildeter Polymechaniker.
Die behandelnden Ärzte der Klinken Valens haben zwar angegeben, dass er diesen
Beruf nicht mehr ausüben könne, aber das haben sie hauptsächlich mit einer
Dekonditionierung und mit den Ergebnissen aus der ergonomischen Testung
begründet. Bei der Dekonditionierung handelt es sich um eine ohne weiteres
überwindbare Gesundheitsbeeinträchtigung und die Ergebnisse der ergonomischen
Testung sind nicht hinreichend aussagekräftig, weil sich in den Akten zahlreiche
Hinweise auf eine Selbstlimitierung und Beschwerdeverdeutlichung finden, die die
Testergebnisse überwiegend wahrscheinlich verfälscht haben. Die Sachverständigen
der MGSG GmbH haben die erlernte Tätigkeit als zu 75 Prozent zumutbar qualifiziert;
die Sachverständigen des MZR haben sie sogar als uneingeschränkt zumutbar
erachtet. Das Gutachten der MGSG GmbH ist so kurz gehalten, dass die
Schlussfolgerungen der Sachverständigen – zumindest aus der Sicht eines
medizinischen Laien - nicht vollständig nachvollziehbar und überzeugend sind, weshalb
gewisse Zweifel an deren Zuverlässigkeit bestehen. Das Gutachten des MZR enthält
dagegen eine ausführliche Schilderung der Klagen des Beschwerdeführers und der
objektiven klinischen Befunde sowie eine eingehende Auseinandersetzung mit diesen
subjektiven Klagen, den objektiven Befunden und den Angaben in den medizinischen
Vorakten. Der rheumatologische Sachverständige des MZR hat anhand von mehreren
Beispielen anschaulich aufgezeigt, dass die Beweglichkeit und die Belastbarkeit der
rechten Schulter des Beschwerdeführers weit besser als von diesem angegeben
beziehungsweise demonstriert sind. Auch die internistische Sachverständige hat auf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Diskrepanzen und auf eine teilweise unauffällige Funktion der rechten Schulter
hingewiesen. Zudem ist bei einer Blutuntersuchung festgestellt worden, dass der
Beschwerdeführer wohl wesentlich weniger Medikamente eingenommen hat, als er
angegeben hat. Der psychiatrische Sachverständige konnte keine Auffälligkeiten
feststellen. Die neuropsychologische Testung hat eine uneingeschränkte kognitive
Funktionsfähigkeit bestätigt. Die Sachverständigen haben ihre Diagnosestellung und
ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugend anhand der von ihnen umfassend
erhobenen objektiven klinischen Befunde begründet. Entgegen der Behauptung der
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers besteht kein Grund zur Annahme, dass die
Sachverständigen eine relevante Gesundheitsbeeinträchtigung über-sehen hätten.
Weder im Gutachten selbst noch in den übrigen Akten finden sich Hinweise, die Zweifel
an der Überzeugungskraft des Gutachtens des MZR wecken würden. Folglich steht
gestützt auf das Gutachten des MZR mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer in seinem
erlernten Beruf weiterhin uneingeschränkt arbeitsfähig ist. Er ist deshalb weder invalid
noch von einer Invalidität bedroht, das heisst es fehlt bereits die grundlegendste
Voraussetzung für die Gewährung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Damit
erweist sich die ursprüngliche Verfügung vom 18. November 2013, mit der die
Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche
Massnahmen verneint hat, nicht als zweifellos unrichtig im Sinne des Art. 53 Abs. 2
ATSG, weshalb die Beschwerdegegnerin das Wiedererwägungsgesuch zu Recht
abgewiesen hat. Die angefochtene Verfügung vom 2. März 2017 ist also rechtmässig,
weshalb die dagegen erhobene Beschwerde (IV 2017/136) abzuweisen ist. Im Sinne
eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass bei einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf offensichtlich keine rentenspezifische
Invalidität bestehen kann.
4.
Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen ist trotz der Korrektur der
angefochtenen Verfügung vom 4. Mai 2017 (IV 2017/221) von einem vollständigen
Unterliegen des Beschwerdeführers auszugehen, denn im Ergebnis besteht aus der
Sicht des Beschwerdeführers kein wesentlicher Unterschied zwischen einer Abweisung
seines Rentenbegehrens und dem Nichteintreten auf die Neuanmeldung: Die Korrektur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verschafft ihm keinen relevanten Vorteil, der es rechtfertigen würde, hinsichtlich der
Kosten- und Entschädigungsfolgen auch nur von einem teilweise Obsiegen
auszugehen. Praxisgemäss wären die Gerichtskosten in den beiden
Beschwerdeverfahren IV 2017/136 und IV 2017/221 auf je 600 Franken festzusetzen.
Infolge der Vereinigung der beiden Beschwerdeverfahren hat der Gesamtaufwand aber
tiefer gehalten werden können, was es rechtfertigt, die Gerichtskosten auf je 400
Franken festzusetzen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung wird
der Beschwerdeführer von der Pflicht zur Bezahlung der Gerichtskosten befreit. Der
erforderliche Vertretungsaufwand der unentgeltlichen Rechtsbeiständin des
Beschwerdeführers ist insgesamt als deutlich unterdurchschnittlich zu qualifizieren,
weil die Akten in den beiden Beschwerdeverfahren weitgehend identisch gewesen sind
und weil deren Umfang insgesamt auch eher gering gewesen ist. Die Entschädigung ist
deshalb deutlich tiefer als die durchschnittliche praxisgemässe Entschädigung für die
Vertretung in zwei Beschwerdeverfahren anzusetzen. Sie wird deshalb auf 80 Prozent
von je 1’750 Franken festgesetzt, das heisst auf je 1’400 Franken pro
Beschwerdeverfahren. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten,
wird der Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur
Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).