Decision ID: e7bacf3f-255e-514e-92d4-eae09c0112d8
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X., geb. 1980, ist Staatsangehöriger von Serbien (Kosovo). Er reiste am 26.
November 1994 im Rahmen des Familiennachzugs zusammen mit seiner Mutter und
seiner Schwester zu seinem Vater ein. In der Folge wurde ihm eine
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erteilt.
Am 22. Mai 2001 heiratete X. in seinem Heimatstaat seine Landsfrau V. Diese lebt seit
17. Oktober 2002 bei ihrem Ehemann in der Schweiz. Die Eheleute haben einen
gemeinsamen Sohn (geb. 4. Juli 2004). Ehefrau und Sohn verfügen ebenfalls über
Jahresaufenthaltsbewilligungen.
Am 8. März 2004 wurde X. wegen Verdachts der Gehilfenschaft zur vorsätzlichen
Tötung verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt.
Am 13. Januar 2005 ersuchte X. um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und
Erteilung der Niederlassungsbewilligung.
Mit Urteil vom 19. Januar 2006 sprach das Bezirksgericht Bremgarten X. der
Gehilfenschaft zu vorsätzlicher Tötung schuldig und verurteilte ihn zu vier Jahren
Zuchthaus und acht Jahren Landesverweisung. Der Vollzug der Landesverweisung
wurde aufgeschoben und eine Probezeit von fünf Jahren angesetzt.
Am 6. November 2006 wurde X. nach Verbüssung von zwei Dritteln der
Zuchthausstrafe bedingt entlassen.
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Mit Verfügung vom 7. Dezember 2006 wies das Ausländeramt die Gesuche von X. um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Erteilung der Niederlassungs-bewilligung
ab. Zur Begründung wurde angeführt, der Gesuchsteller habe Widerrufs- bzw.
Ausweisungsgründe gesetzt und zu schweren Klagen Anlass gegeben.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob der Betroffene durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 22. Dezember 2006 Rekurs beim Justiz- und
Polizeidepartement.
Das Obergericht des Kantons Aargau wies mit Urteil vom 15. Februar 2007 die von den
Zivilklägern erhobene Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Bremgarten ab.
Mit Verfügung vom 9. Januar 2007 widerrief das Ausländeramt die
Aufenthaltsbewilligungen der Ehefrau und des Sohnes von X. Gegen diese Verfügung
erhoben die Betroffenen Rekurs. Das Rekursverfahren ist noch pendent.
Das Justiz- und Polizeidepartement wies den Rekurs von X. gegen die Verweigerung
der Niederlassungsbewilligung und die Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung mit Entscheid vom 30. Mai 2007 ab.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. Juni 2007 erhob X. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 30. Mai 2007 sowie die
Verfügung des Ausländeramts vom 7. Dezember 2006 seien aufzuheben und es sei die
Jahresaufenthaltsbewilligung zu verlängern bzw. die Niederlassungsbewilligung zu
erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im
wesentlichen vorgebracht, aufgrund der einmaligen Delinquenz sei das persönliche
Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz höher zu werten als das
öffentliche Interesse an dessen Fernhaltung. Auf die einzelnen Vorbringen in der
Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen näher
eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 19. Juni 2007 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 15. Juni 2007
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2. Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die Behörde im Rahmen der gesetzlichen
Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen über die
Bewilligung von Aufenthalt oder Niederlassung.
2.1. Der Beschwerdeführer ist bzw. war Inhaber einer Jahresaufenthaltsbewilligung.
Diese wurde letztmals am 18. Dezember 2003 bis zum 24. Februar 2005 verlängert. Zu
prüfen ist im vorliegenden Fall, inwiefern die Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung auf einer Ueberschreitung bzw. einem Missbrauch des
Ermessens beruht und damit rechtswidrig ist. Der Beschwerdeführer hat als
Jahresaufenthalter keinen Rechtsanspruch auf Erteilung oder Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, zumal auch die Ehefrau und das minderjährige Kind lediglich
über Jahresaufenthaltsbewilligungen verfügen. Die Erteilung bzw. Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung stand somit im Ermessen des Ausländeramts bzw. der
Vorinstanz. Dem Verwaltungsgericht ist es verwehrt, Entscheide der
Verwaltungsbehörden im Bereich der Ermessensausübung zu überprüfen (Art. 61 Abs.
1 und 2 VRP). Es kann nur prüfen, ob die Verwaltungsbehörden ihr Ermessen
überschritten oder missbraucht haben, als sie die Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung verweigerten (vgl. statt vieler GVP 1996 Nr. 9 und 1998 Nr. 71).
Dabei ist auf weitere Beweiserhebungen zu verzichten, da der Sachverhalt aus den
Akten hinreichend ersichtlich ist und weitere Beweise keine entscheidwesentlichen
Tatsachen hervorbringen könnten (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 988).
2.2. Nach Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden,
wenn das Verhalten des Ausländers Anlass zu schweren Klagen gibt. Sodann können
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insbesondere auch Ausweisungsgründe nach Art. 10 Abs. 1 lit. a bis d ANAG einen
Widerruf bzw. eine Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
rechtfertigen. Beim Entscheid über die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung sind
die bei der Ausweisung massgebenden Kriterien analog anzuwenden (GVP 1996 Nr. 9
mit Hinweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens, die Dauer der
Anwesenheit in der Schweiz und die dem Ausländer und seiner Familie drohenden
Nachteile zu berücksichtigen (BGE 125 II 523; Art. 16 Abs. 3 der
Vollziehungsverordnung zum ANAG, SR 142.201).
2.3. Fest steht, dass der Beschwerdeführer wegen Gehilfenschaft zu vorsätzlicher
Tötung mit vier Jahren Zuchthaus bestraft wurde. Diese Verurteilung stellt einen
Ausweisungsgrund nach Art. 10 Abs. 1 lit. a und b ANAG dar und begründet ein
gewichtiges öffentliches Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers.
Der Beschwerdeführer macht geltend, in der Regel sei bei einer einmaligen Straftat von
einer Ausweisung abzusehen, namentlich bei einer Person, die sich schon längere Zeit
in der Schweiz aufhalte.
Je länger ein Ausländer in der Schweiz gelebt hat, desto strengere Anforderungen sind
an die Gründe für eine Ausweisung zu stellen. Dabei ist zu berücksichtigen, in welchem
Alter sich der Ausländer in der Schweiz niedergelassen hat. Selbst bei Ausländern der
zweiten Generation ist aber eine Ausweisung grundsätzlich zulässig. Sie kommt
namentlich dann in Betracht, wenn der Ausländer besonders schwere Gewalt-, Sexual-
oder Betäubungsmitteldelikte begangen und wenn er wiederholt delinquiert hat.
Personen, die ausgesprochen lange in der Schweiz gelebt haben, dürfen in der Regel
zwar nicht schon wegen einer einzelnen Straftat ausgewiesen werden, selbst wenn
diese ernsthafter Natur ist. Vielmehr ist eine Ausweisung grundsätzlich erst bei
wiederholten Straftaten von einigem Gewicht angebracht. Unter Berücksichtigung aller
entscheidenden Umstände kann zwar auch eine einzelne Verurteilung wegen einer
besonders schwerwiegenden Straftat zur Ausweisung führen, doch ist diese bei sehr
langer Anwesenheit in der Regel erst anzuordnen, wenn eine sich zusehends
verschlechternde Situation vorliegt, d.h. wenn der Ausländer, statt sich zu bessern, mit
der deliktischen Tätigkeit fortfährt und sich namentlich immer schwerere Straftaten
zuschulden kommen lässt (vgl. BGE 2A.571/2005 vom 17. Januar 2006 mit Hinweisen,
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unter anderem auf BGE 130 II 190). Diese Grundsätze gelten bei Niedergelassenen
bzw. Ausländern mit einem Rechtsanspruch auf Aufenthalt. Bei Jahresaufenthaltern,
die keinen Rechtsanspruch auf Verbleib in der Schweiz haben, darf eine Verweigerung
des weiteren Aufenthalts bereits bei Verurteilungen von weniger als zwei Jahren
Freiheitsstrafe angeordnet werden (vgl. statt vieler GVP 1998 Nr. 71). Im übrigen wurde
der Beschwerdeführer im Jahr 2002 wegen SVG-Delikten mit Fr. 1'000.-- gebüsst. Die
Verurteilung durch das Bezirksgericht Bremgarten betraf also nicht eine erstmalige
Straftat.
2.4. Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die
fremdenpolizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafrichter verhängte Strafe (BGE
129 II 260). Soweit der Beschwerdeführer Ausführungen zu seinem Verschulden macht,
ist grundsätzlich auf das vom Obergericht des Kantons Aargau ausdrücklich bestätigte
Strafmass von vier Jahren Zuchthaus abzustellen. Das Verschulden des
Beschwerdeführers wiegt sehr schwer. Er beschaffte eine Pistole und verkaufte sie
einer Frau, von der er wusste, dass sie mit der Waffe ihren Ehemann töten wollte. Auch
instruierte er die Käuferin in der Benützung der Pistole. Diese Straftat stellt ein
schwerwiegendes Delikt dar, welches in fremdenpolizeilicher Hinsicht ein sehr
gewichtiges öffentliches Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers
begründet. Daran vermag der Umstand nichts zu ändern, dass der Strafrichter die
Landesverweisung bedingt ausgesprochen hat (vgl. BGE 122 II 435).
Der Beschwerdeführer lebt seit 26. November 1994 in der Schweiz. Der bisherige
Aufenthalt in der Schweiz beträgt somit knapp dreizehn Jahre. In Anbetracht des Alters
des Beschwerdeführers kann zwar von einem länger dauernden Aufenthalt in der
Schweiz ausgegangen werden, der zu seinen Gunsten zu berücksichtigen ist.
Allerdings dauerte der bisherige Aufenthalt nicht derart lange, dass der
Beschwerdeführer wie ein Ausländer der zweiten Generation zu behandeln ist.
Der Beschwerdeführer ist verheiratet und hat einen dreijährigen Sohn. Die
Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung stellt zweifellos einen
erheblichen Eingriff in seine familiären Verhältnisse dar. Allerdings ist zu
berücksichtigen, dass das Ausländeramt die Aufenthaltsbewilligungen der Ehefrau und
des Kindes widerrufen hat, da aufgrund der Verweigerung des weiteren Aufenthalts des
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Beschwerdeführers das Zusammenleben der Eheleute und damit die gesetzliche
Voraussetzung für die im Rahmen des Familiennachzugs gewährte
Aufenthaltsberechtigung nicht mehr gegeben ist. Die Rückkehr nach Kosovo ist für den
Beschwerdeführer nicht mit überdurchschnittlichen Schwierigkeiten verbunden. Wie
die Vorinstanz zutreffend festhält, heiratete der Beschwerdeführer eine Landsfrau und
reiste regelmässig nach Kosovo. Der Umstand, dass seine Eltern in der Schweiz leben,
kann bei der Interessenabwägung nicht in besonderem Masse zu seinen Gunsten
berücksichtigt werden. Auch sein Verhalten als Arbeitnehmer fällt angesichts der
schwerwiegenden Delinquenz nur unbedeutend ins Gewicht, selbst wenn davon
auszugehen ist, dass er sich im Gegen- satz zu früher als Arbeitnehmer nunmehr
bewährt. Sein Einwand, er sei der Gefahr der Blutrache ausgesetzt, ist nicht stichhaltig,
da er in der Schweiz vor allfälligen Rachehandlungen nicht wesentlich sicherer wäre als
in Kosovo.
2.5. Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die
Ermessensbetätigung der Vorinstanz nicht zu beanstanden ist und vollumfänglich auf
die zutreffenden und ausführlichen Erwägungen im angefochtenen Entscheid
verwiesen werden kann (E. 5). Aufgrund der Verurteilung wegen Gehilfenschaft zu
vorsätzlicher Tötung zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren ist in der Verweigerung
der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung trotz des relativ lange dauernden
Aufenthalts in der Schweiz und des erheblichen Eingriffs in die familiären Verhältnisse
ungeachtet des Bestehens von persönlichen Beziehungen zu Verwandten in der
Schweiz und des Verhaltens als Arbeitnehmer kein Missbrauch und keine
Ueberschreitung des Ermessens zu erblicken. Folglich ist die Beschwerde gegen die
Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung als unbegründet
abzuweisen.
2.6. Inwiefern die Verweigerung der Niederlassungsbewilligung rechtswidrig ist, wird in
der Beschwerde nicht begründet, weshalb in diesem Punkt auf das Rechtsmittel nicht
einzutreten ist. Aufgrund der schwerwiegenden Delinquenz bzw. des Vorliegenes von
Ausweisungsgründen ist die Verweigerung der Niederlassungsbewilligung rechtmässig.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
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Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 381 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).