Decision ID: 3e8cee55-d8fa-5e47-8cb5-745ed7f2aa5b
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
W._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kaspar Noser, Marktstrasse 2, Postfach,
8853 Lachen SZ,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a W._ meldete sich am 30. Juni 2006 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (Rente; act. G 4.1/1). Zu diesem Zeitpunkt war er noch zu 80
% (bis Ende 2005: 100 %) bei der A._ als Kundenbetreuer im Innendienst angestellt
(act. G 4.1/8). Mit Bericht vom 23. August 2006 diagnostizierte der Hausarzt Dr. med.
B._, FMH Allgemeine Medizin, einen Diabetes mellitus Typ I mit/bei autonomer und
kardialer autonomer Neuropathie, Magenfunktionsstörung, verminderter
Hypoglykämiewahrnehmung, diabetischer Nephropathie, Polyneuropathie sowie
Retinopathie mit Status nach Lasertherapie. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit gab Dr. B._ ein mittelschweres depressives Zustandsbild,
Hypertonie, Adipositas, Dyslipidämie sowie chronische Hüftschmerzen an. Der
Versicherte sei ab 4. September 2006 bis auf weiteres zu 50 % arbeitsunfähig (act. G
4.1/15).
Mit Arztbericht vom 10. November 2006 diagnostizierte sodann Dr. med. C._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eine organische depressive Störung
(F06.32) auf dem Boden des Diabetes mellitus sowie eine organische Persönlichkeits-
und Verhaltensstörung mit kognitiver Beeinträchtigung auf dem Boden des oben
erwähnten Leidens (F07.9). Die Arbeitsunfähigkeit bezifferte er auf 100 % ab
23. September 2006 bis auf weiteres (act. G 4.1/23). Beide Ärzte erachteten sowohl die
angestammte als auch eine andere Tätigkeit als nicht mehr zumutbar. In der Folge
veranlasste die IV-Stelle St. Gallen eine polydisziplinäre Begutachtung durch die
Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel (ABI).
A.b In ihrem Gutachten vom 2. November 2007 stellte die ABI nach einer
internistischen, neurologischen und psychiatrischen Untersuchung die Diagnosen (mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) eines Diabetes mellitus Typ I (Erstdiagnose 1959; E10)
mit/bei Therapie mit Insulin (Pumpenbehandlung seit 2004), diabetischer Retinopathie
(H36.0; Status nach Lasertherapie), diabetischer Nephropathie (anamnestisch; N08.3),
rezidivierenden Bewusstseinsstörungen und -verlusten im Rahmen einer
Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung (R40.2, E16.0), aktuell remittiert, einer
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vorwiegend sensiblen und autonomen Polyneuropathie (G63.2) bei
gastroösophagealem Reflux, kardialer autonomer Neuropathie und erektiler
Dysfunktion. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit stellte die ABI
ein inkomplettes metabolisches Syndrom sowie eine Coxarthrose beidseits (M16.9)
fest. In der angestammten Tätigkeit sei der Versicherte zu 50 % arbeitsfähig, wobei
sich lediglich die neurologische Komponente auswirke, während in psychiatrischer
Hinsicht keine Befunde vorlägen, die sich einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit
auswirkten. Ebenso habe die Coxarthrose keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Für
leicht bis kurzzeitig mittelschwer körperlich belastende Tätigkeiten, die ohne Zeitdruck
und unter Berücksichtigung der diabetesbedingten Einschränkungen ausgeübt werden
könnten, sei der Versicherte vollschichtig arbeitsfähig. Dabei bestehe jedoch eine um
20 % verminderte Leistungsfähigkeit (act. G 4.1/38.17).
A.c Nach Rücksprache mit dem RAD Ostschweiz stellte die IV-Stelle St. Gallen dem
Versicherten die Zusprache einer halben Rente, basierend auf einem
Valideneinkommen von Fr. 94'888.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 47'444.--,
beginnend am 1. März 2007 in Aussicht (Vorbescheid vom 13. März 2008; act. G
4.1/57). Im Einwand vom 28. April 2008 bemängelte der Versicherte nebst der
fehlenden Berücksichtigung eines Leidensabzugs beim Invalideneinkommen die
unvollständige medizinische Sachverhaltsfeststellung durch das ABI-Gutachten.
Namentlich sei nicht berücksichtigt worden, dass der Versicherte bedingt durch den
Diabetes mellitus auch Probleme mit seinem rechten Auge habe und sein Gesichtsfeld
beeinträchtigt sei. Da sich das ABI-Gutachten mit dieser Problematik nicht befasse, sei
eine ergänzende fachärztliche Abklärung vorzunehmen. Im Weiteren sei der Versicherte
in psychiatrischer Behandlung. Dr. C._ habe ihm eine Anpassungsstörung mit
vorwiegend depressiver Symptomatik attestiert. Überdies habe er eine ausgeprägte
kognitive Beeinträchtigung mit zunehmender Vergesslichkeit und Aufmerksamkeits-
und Konzentrationsstörungen festgehalten. Diesen Feststellungen widerspreche das
Gutachten auf der ganzen Linie, indem das Gutachten von einer Rückbildung der
psychischen Störung nach Besserung der Hypoglykämien ausgehe und infolgedessen
weder eine psychiatrische Diagnose noch eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
festgestellt habe. Im Weiteren wird die kurze Dauer der psychiatrischen Exploration von
lediglich eineinviertel Stunden bemängelt. Demgegenüber sei Dr. C._ besser in der
Lage, die psychiatrische Problematik zu diagnostizieren und deren Auswirkung auf die
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Arbeitsunfähigkeit zu beurteilen, habe er doch den Versicherten mehrmals gesehen.
Wenn sich die Einschätzung des behandelnden Psychiaters und jene des Gutachtens
diametral widersprächen, sei der Sachverhalt nicht ausreichend geklärt. Dies sei
vorliegend der Fall, weshalb eine psychiatrische Oberbegutachtung geboten sei.
Ebenso sei die Problematik der Coxarthrose im Gutachten nur gestreift worden. Es
treffe nicht zu, dass diese keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Auch dazu sei
ein Gutachten einzuholen. Der Versicherte habe sich sodann am 18. und 27. Februar
2008 durch Dr. med. D._, Neurologie FMH, untersuchen lassen. Dieser Bericht
behandle die neurologische Problematik einlässlicher als das Gutachten. Dr. D._
gehe davon aus, dass der Versicherte auf Grund der komplexen Symptomatik seitens
des Diabetes mellitus mit multiplen Sekundärkomplikationen und den dargestellten
Befunden sowohl körperlich als auch kognitiv eingeschränkt leistungsfähig sei.
Insbesondere sei von einer raschen Überforderung in Stresssituationen, erhöhter
Fehleranfälligkeit und Dekompensation auszugehen, weshalb der Versicherte auf dem
freien Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar sei. Die ABI-Feststellung, wonach der
Versicherte für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ganztägig mit einer
Leistungseinbusse von 20 % arbeitsfähig sei, sei damit nicht gerechtfertigt. Sollte nicht
auf die Ausführungen Dr. D._ abgestellt werden, werde eine ergänzende
neurologische/neuro-psychologische Begutachtung beantragt (act. G 4.1/62).
A.d Mit Verfügung vom 5. August 2008 sprach die IV-Stelle St. Gallen dem Versicherten
wie angekündigt eine halbe Rente zu, beginnend am 1. März 2007 (act. G 4.1/69).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 15.
September 2008 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Weiter
sei die Sache zur Neufestsetzung des IV-Grades und zur Neuberechnung der Rente an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ausserdem beantragt der Rechtsvertreter
eine mündliche Verhandlung. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, die im
Einwand vorgebrachten Anträge zu weiteren Sachverhaltsabklärungen seien
unberücksichtigt geblieben. Dies verletze die Pflicht gemäss Art. 42 ATSG, den
rechtserheblichen Sachverhalt umfassend abzuklären. Die Beschwerdegegnerin habe
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sich zu Unrecht mit den im Einwand vorgebrachten Anträgen auf weitere
ophtalmologische, psychiatrische sowie neurologische Abklärungen nicht
auseinandergesetzt, was eine Rechtsverweigerung darstelle. Weiter wird geltend
gemacht, der Beschwerdeführer leide an einer Schlafapnoe. Dieses Syndrom und die
sich daraus ergebenden Folgen wirkten sich zusätzlich nachteilig auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus. Zusammenfassend hätte sich die
Beschwerdegegnerin nicht mit dem ABI-Gutachten begnügen dürfen. Vielmehr hätte
sie zusätzliche Abklärungen im Sinn von Art. 43 ATSG vornehmen müssen. Erst dann
hätte die noch zumutbare Restarbeitsfähigkeit zuverlässig, auf Grund gesicherter
Erkenntnisse, ermittelt werden können. Schliesslich wird neu das Valideneinkommen
von Fr. 94'888.-- beanstandet. Im IK sei das Jahreseinkommen 2004 mit Fr. 96'520.--
und das Jahreseinkommen 2005 mit Fr. 96'884.-- aufgeführt. Dies ergebe ein
Durchschnittseinkommen von Fr. 96'703.-- bzw. - bei zusätzlicher Berücksichtigung
der Essenspauschale für die Kantine von Fr. 2'500.-- - ein solches von Fr. 99'203.--.
Zudem sei auch das Invalideneinkommen von Fr. 47'444.--, mithin von fast Fr. 4'000.--
pro Monat, realitätsfremd. Ein 56-Jähriger, der in seiner Arbeitsfähigkeit
gesundheitsbedingt stark eingeschränkt sei, verdiene überproportional weniger. Es sei
demnach nicht korrekt, das behinderungsbedingte Einkommen der Hälfte des
Einkommens ohne Behinderung gleichzusetzen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 28. November 2008 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Auf das ABI-Gutachten könne abgestellt werden. Der
Beschwerdeführer rüge zu Unrecht, das Gutachten habe sich nicht mit der
Augenproblematik auseinandergesetzt. Der Bericht des Augenarztes Dr. med. E._ mit
den Diagnosen diabetische Retinopathie, Myopie, Astigmatismus, Presbyopie, grosses
hormonymes Skotom links sei dem ABI vorgelegen. Die Gutachter hätten damit von
der Augenproblematik Kenntnis gehabt und ihr Rechnung getragen. Der Coxarthrose
habe die ABI sodann keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen. Entgegen
der Ansicht des Beschwerdeführers stelle der Bericht von Dr. F._ vom 7. Dezember
2007 diese Beurteilung nicht in Frage, spreche Dr. F._ doch nur von einer leichten
Coxarthrose und davon, dass der Hüftbefund seit den Voraufnahmen vom März 2006
nicht zugenommen habe. Im Weiteren habe sich der psychiatrische Sachverständige
der ABI mit den Ausführungen Dr. C._ auseinandergesetzt. Er sei jedoch davon
ausgegangen, dass sich die psychischen Störungen zurückgebildet hätten, nachdem
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sich die Hypoglykämie gebessert habe. Bei der Begutachtung habe der
Beschwerdeführer eine gute Wahrnehmungsfähigkeit der Hypoglykämien gezeigt. Dr.
C._ bringe somit keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte vor, die im Rahmen der
psychiatrischen Untersuchung unberücksichtigt geblieben seien. Schliesslich bestehe
auch keine wesentliche Diskrepanz zwischen den neurologischen Ausführungen Dr.
D._ und des Gutachtens. Wie dieses habe auch Dr. D._ Bewusstseinsstörungen im
Rahmen der Hypoglykämien sowie eine sensibel betonte Polyneuropathie, jedoch
keine fokal-neurologischen Ausfälle festgestellt. Schliesslich könne auch den
Ausführungen Dr. G._ vom 30. April 2008 nicht entnommen werden, dass das von
ihm diagnostizierte schwere positionsabhängige obstruktive Schlaf-Apnoe Syndrom
geeignet sei, das erwerbliche Leistungsvermögen zu schmälern. Die Einwände des
Beschwerdeführers vermöchten die Beweiskraft des ABI-Gutachtens nicht zu
erschüttern, weshalb darauf abzustellen sei. Die Beschwerdegegnerin sei zu Recht von
einer 80 %-igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen. Für das
Valideneinkommen sei vom zuletzt erzielten Einkommen auszugehen. Dieses habe im
Jahr 2005 Fr. 96'884.-- betragen. Zu vergleichen sei dieses mit einem
Invalideneinkommen von Fr. 46'711.-- (TA 1, Niveau 4, 41,6 Wochenstunden, 80 %).
Hier sei der erhöhte Pausenbedarf bereits berücksichtigt, weshalb kein zusätzlicher
Leidensabzug anfalle. Der Invaliditätsgrad betrage somit 52 %, weshalb die
angefochtene Verfügung im Ergebnis richtig sei (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 3. Februar 2009 macht der Rechtsvertreter einerseits geltend, beim
Valideneinkommen sei auch die vergünstigte Kantinenverpflegung zu berücksichtigen.
Dafür habe der Beschwerdeführer eine Jahrespauschale von Fr. 2'500.-- erhalten.
Weiter sei die Hypoglykämiegefahr zu wenig berücksichtigt worden. Damit müsse
jederzeit gerechnet werden, was sich stark auf die Resterwerbsfähigkeit auswirke (act.
G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 10).
B.d Anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 29. April 2010 hält der Rechtsvertreter
an seinen Beweisanträgen fest. Die Beschwerdegegnerin habe die vorhandenen
Beweismittel nicht sachlich beurteilt und sie habe den rechtserheblichen Sachverhalt
pflichtwidrigerweise nicht umfassend abgeklärt, besonders durch die Ablehnung von
ausdrücklich beantragten Beweiserhebungen ohne nähere Begründung. Das MEDAS-
Gutachten sei von einer Internistin und Allgemeinmedizinerin, einem Psychiater und
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einem Neurologen erstellt worden. Keiner dieser Ärzte sei Diabetologe, und es könne
dem Gutachten nicht entnommen werden, dass einer dieser Ärzte Fachkenntnis in
Bezug auf das Problem der Hypoglykämie hätte. Dies sei ein Mangel und lasse das
Gutachten nicht als abschliessendes vollwertiges Beweismittel erscheinen. Die
Hypoglykämien hätten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, in einem Ausmass das
gegen 100 % tendiere. Das Gutachten stehe in erheblichem Widerspruch zum Bericht
von Dr. D._, die aus neurologischer/neuropsychologischer Sicht nur von einer 50 %-
igen Arbeitsfähigkeit in einem geschützten Rahmen ausgehe. Diesbezüglich sei der
Sachverhalt nicht abschliessend geklärt.
Eine wesentliche Divergenz bestehe in der psychiatrischen Beurteilung. Das Gutachten
gehe von keiner nennenswerten psychischen Beeinträchtigung aus. Demgegenüber
habe der behandelnde Facharzt Dr. C._ Beeinträchtigungen diagnostiziert, die sich
sehr wohl negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Auch hier sei somit der
Sachverhalt nicht abschliessend und verbindlich festgestellt.
Schliesslich sei der rechtserhebliche Sachverhalt auch mit Bezug auf die Coxarthrose
nicht ausreichend und abschliessend geklärt, besonders wenn man noch
berücksichtige, dass sich die Coxarthrose seit der Begutachtung durch die MEDAS vor
bald drei Jahren akzentuiert habe, weshalb der Bericht von Dr. F._ vom 7. Dezember
2007 nicht mehr aktuell sei. Zusammenfassend könne das MEDAS-Gutachten nicht als
ausschlaggebendes Beweismittel angesehen werden, zumal Facharztberichte in
psychiatrischer und neurologischer/neuropsychologischer Hinsicht vorlägen, die
berücksichtigt werden müssten. Schliesslich fehle es bei der MEDAS-Stelle an der
erforderlichen Unabhängigkeit, wie einem Aufsatz in der soeben erschienenen
Zeitschrift "plädoyer" 2/2010, S. 10 entnommen werden könne.

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
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Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 5.
August 2008 ergangen. Dennoch ist ein Sachverhalt zu beurteilen, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen
Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen
und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur
4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006
[I 428/04] E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine
materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich der Invaliditätsbemessung
keine substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen
Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008 geltenden
Bestimmungen wiedergegeben.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
der Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn er
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40%
auf eine Viertelsrente.
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
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Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der
Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das
Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 E. 2a
in fine, BGE 122 V 161 E. 1c). Daraus folgt indessen nicht, dass eine solche Expertise
den gleichen Rang besitzt wie ein vom Gericht oder von der IV-Stelle nach Massgabe
des anwendbaren Verfahrensrechts eingeholtes Gutachten. Trotz dieser beschränkten
Bedeutung verpflichtet es aber das Gericht, wie jede substantiiert vorgetragene
Einwendung gegen eine solche Expertise, den von der Rechtsprechung aufgestellten
Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend zu prüfen, ob es in rechtserheblichen
Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder von der IV-
Stelle förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon
abzuweichen ist (AHI 2001 S. 112, 115).
3.
3.1 Vorliegend stellte die Beschwerdegegnerin auf das ABI-Gutachten vom 2.
November 2007 ab. Der Beschwerdeführer rügt diese medizinische Grundlage in
verschiedener Hinsicht als mangelhaft. In formeller Hinsicht macht er geltend, die
Beschwerdegegnerin sei nicht auf seine im Einwandverfahren vorgebrachten Rügen
eingegangen. Tatsächlich erscheint die Begründung in der angefochtenen Verfügung
als formelhaft, indem sie eine konkrete Auseinandersetzung mit den vorgebrachten
Einwänden vermissen lässt. Nachdem der Beschwerdeführer jedoch nicht die
Aufhebung der Verfügung aus formellen Gründen verlangt, und auch anlässlich der
mündlichen Verhandlung das Gewicht vor allem auf die materielle Seite legt, ist von
einer Rückweisung aus formellen Gründen abzusehen. In gleicher Weise kann der an
der mündlichen Verhandlung erhobene formelle Einwand gegen die
Begutachtungsstelle offen gelassen werden, da - wie zu zeigen ist - ohnehin eine
ergänzende Abklärung bei einer neuen Abklärungsstelle durchzuführen sein wird.
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3.2 Mit dem Beschwerdeführer ist festzustellen, dass die Grunderkrankung des
Beschwerdeführers bisher nicht fachärztlich diabetologisch/endokrinologisch
begutachtet worden ist. So erscheinen denn die zahlreichen gesundheitlichen
Einschränkungen als Folgen des Diabetes mellitus Typ I. Soweit ein psychiatrischer
Befund vorliegt, ist dieser unbestritten auf die Grunderkrankung zurückzuführen. So
ging etwa Dr. C._ von einer organischen depressiven (F06.32) und
Persönlichkeitsstörung (F07.9) aus (act. G 4.1/23.1); allerdings hat der psychiatrische
Gutachter das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung in überzeugender Weise
ausgeschlossen, indem er ausführt, dass dafür das Element des deutlich veränderten
emotionalen Verhaltens fehle, das durch Stimmungsschwankungen mit
ungerechtfertigter Fröhlichkeit (Euphorie, Witzelsucht), Reizbarkeit, Wut, Aggression
aber auch Apathie und Impulsstörungen mit Äusserung von Bedürfnissen ohne
Berücksichtigung der Konsequenzen sowie kognitiven Störungen in Form von
Misstrauen oder paranoidem Denken gekennzeichnet sei (act. G 4.1/38.13). Dieser
Auffassung scheint sich Dr. C._ insoweit angeschlossen zu haben, als er im
Arztbericht vom 27. April 2010 die Persönlichkeitsstörung nur noch differenzial-
diagnostisch anführt (act. G 17.3). In neurologischer Hinsicht gehen sowohl der
Gutachter Dr. Strub als auch die Fachärztin Dr. D._ von rezidivierenden
Bewusstseinsstörungen im Rahmen von Hypoglykämien (Hypoglykämie-
Wahrnehmungsstörungen [E10.01]) sowie von einer vorwiegend sensiblen und
autonomen Polyneuropathie bei Diabetes mellitus Typ I [E10.40]) aus. Dr. D._
diagnostizierte zusätzlich mit den Hypoglykämien assoziierte epileptische Anfälle sowie
eine eingeschränkte kognitive Belastbarkeit und einen Verdacht auf ein
Schlafapnoesyndrom (act. G 4.1/60.2). Unbestrittenermassen beruhen diese Diagnosen
auf dem Vorhandensein des Diabetes mellitus als Grunderkrankung (vgl. auch Bericht
Dr. D._ vom 21. März 2008, act. G 4.1/60.2, wonach der Beschwerdeführer auf
Grund der multiplen Sekundärkomplikationen sowohl körperlich als auch kognitiv
eingeschränkt leistungsfähig sei [act. G 4.1/60.3]). Die Hypoglykämien werden denn
auch vom Beschwerdeführer als besonders beeinträchtigend beschrieben. Anlässlich
der mündlichen Verhandlung gab der Beschwerdeführer zwar an, dass die Zahl der
Anfälle zurückgegangen sei, führte dies aber darauf zurück, dass er die im
psychiatrischen Teilgutachten noch beschriebenen Aktivitäten mehrheitlich eingestellt
habe. So fahre er nicht mehr Rad, da er mehrmals gestürzt sei. Auch das Hobby Malen
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habe er eingestellt. Er habe bei der Migros-Clubschule Hausverbot erhalten, seit er im
Malkurs einen Hypoglykämieanfall erlitten habe und notfallmässig habe behandelt
werden müssen. Er traue sich ohne Begleitung kaum mehr auf die Strasse. Aus diesem
Grund habe ihn auch die Ehefrau zu dieser Verhandlung begleiten müssen. Weiter
macht der Beschwerdeführer ophtalmologische Beschwerden geltend, indem er unter
einer diabetischen Retinopathie bei Status nach Lasertherapie leide. Zwar wurde diese
Diagnose auch von den Gutachtern gestellt. Eine eigentliche Auseinandersetzung mit
der Problematik fand allerdings nicht statt, gingen die Gutachter doch im Wesentlichen
von einem abgeschlossenen Geschehen aus. Eine ophtalmologische
Fachbegutachtung fand ohnehin nicht statt. Anlässlich der mündlichen Verhandlung
führte der Beschwerdeführer dazu aus, die Laserbehandlung sei momentan
abgeschlossen, bei Bedarf wären allerdings erneute Eingriffe notwendig. Bei einem
Hypoglykämieanfall sehe er ausserdem nur unscharf oder - etwa beim Lesen - doppelt.
Mithin wurden im Gutachten im Wesentlichen die neurologischen und psychiatrischen
Folgen der Grunderkrankung untersucht, nicht jedoch diese selbst. Insofern genügt das
Gutachten nicht zur ordnungsgemässen Abklärung des Sachverhalts, zumal sich der
Verlauf während der langen Verfahrensdauer eher verschlechtert haben dürfte (vgl. die
- vorliegend in zeitlicher Hinsicht allerdings nicht massgeblichen - Berichte der
behandelnden Ärzte [Dres. B._ und C._ sowie Dr. med. H._, FMH
Endokrinologie-Diabetologie] vom April 2010, die der Rechtsvertreter anlässlich der
mündlichen Verhandlung eingereicht hat). Dies ist nachzuholen und die Streitsache ist
zur diabetologischen/endokrinologischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Ob allenfalls weitere Zusatzabklärungen vorzunehmen sind
(ophtalmologisch, pneumologisch, neurologisch, psychiatrisch), sowie die Abstimmung
mit den Resultaten des ABI-Gutachtens (Schätzung der Gesamtarbeitsfähigkeit) ist
dabei der neuen Abklärungsstelle zu überlassen. Gleichzeitig wird der Verlauf des
Gesundheitszustandes zu erfassen sein.
4.
4.1 In erwerblicher Hinsicht ist sodann der Einkommensvergleich umstritten. In der
angefochtenen Verfügung ging die Beschwerdegegnerin von einem Valideneinkommen
von Fr. 94'888.-- aus. Dabei berücksichtigte sie das zuletzt erzielte Einkommen als
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Kundenbetreuer Innendienst (100 %, 2005) und die Teuerung bis 2007. Im
vorliegenden Verfahren stützt sie sich auf den IK-Auszug für das Jahr 2005 und damit
auf ein Einkommen von Fr. 96'884.--. Der Beschwerdeführer verlangt in der
Beschwerde die Berücksichtigung eines Einkommens von Fr. 96'703.-- (Durchschnitt
2004 und 2005) bzw. unter Anrechnung der Essenspauschale von Fr. 2'500.-- ein
solches von Fr. 99'203.--. Wie sich aus dem IK-Auszug ergibt, erzielte der
Beschwerdeführer im Jahr 2005, als letztem Jahr mit voller Erwerbstätigkeit,
tatsächlich ein Einkommen von Fr. 96'884.-- (act. G 4.1/6.3). Dieser Wert liegt nur
geringfügig höher als der Lohn von Fr. 96'820.-- gemäss Lohnbuchhaltung für das Jahr
2005 (act. G 4.1/8.5). Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Essenspauschale
ist jedoch weder aus dem IK noch aus der Lohnbuchhaltung ersichtlich. Auch gab der
Beschwerdeführer zunächst an, es handle sich um eine Pauschale von Fr. 2'500.--. In
der Replik vom 3. Februar 2009 machte er dann geltend, die Kantinenverpflegung
einschliesslich Getränke sei für die Hälfte des Preises, der üblicherweise zu bezahlen
gewesen wäre, abgegeben worden. An der mündlichen Verhandlung führte der
Beschwerdeführer dazu aus, die Arbeitgeberin habe eine Kantinenverpflegung zur
Verfügung gestellt, weshalb er bei der Steuerdeklaration keinen Abzug für auswärtige
Verpflegung habe vornehmen können. Bei Auswärtsterminen habe er Spesenersatz
erhalten (vgl. auch Lohnabrechnungen, act. G 4.1/8.5 ff.). Die Arbeitgeberin selber
bestätigte, dass dem Beschwerdeführer eine vergünstigte Kantinenverpflegung zur
Verfügung gestanden habe (act. G 8.1). Mithin stellt die Kantinenverpflegung mangels
Unentgeltlichkeit keinen Naturallohn dar und gehört damit nicht zum massgebenden
Lohn (vgl. Art. 5 Abs. 2 AHVG sowie Art. 7 lit. f AHVV und Art. 11 AHVV). Der von der
Beschwerdegegnerin eingesetzte Wert ist somit nicht zu beanstanden und das
Valideneinkommen auf Fr. 96'884.-- festzulegen.
4.2 Nachdem der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht noch nicht vollständig
abgeklärt ist, und sich daraus noch eine Änderung der Resterwerbsfähigkeit ergeben
könnte, kann das Invalideneinkommen und damit der Invaliditätsgrad im jetzigen
Verfahren noch nicht festgesetzt werden.
5.
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5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 5. August 2008 gutzuheissen und die Streitsache zwecks Einholung
eines diabetologischen/endokrinologischen Gutachtens (vgl. E. 3.3) und
anschliessender neuen Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- für das
Beschwerdeverfahren einschliesslich mündlicher Verhandlung erscheint als
angemessen. Beim vorliegenden Verfahrensausgang (vollständiges Obsiegen des
Beschwerdeführers [vgl. BGE 132 V 215 E. 6.2]) ist die Gerichtsgebühr der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers machte einen Zeitaufwand von 21,5 Stunden geltend,
zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer. Demgegenüber ist vorliegend von einem
durchschnittlichen Aufwand und einer durchschnittlichen Bedeutung der Streitsache
auszugehen. Unter Berücksichtigung der Teilnahme an der mündlichen Verhandlung
erscheint damit - wie in gleichartigen Fällen üblich - eine Entschädigung von Fr.
4'250.-- (inkl. Bar-auslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht