Decision ID: 3596eef6-2346-5f7e-a67e-fe9310fc268d
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und Y wohnen in Vilters und haben zwei Kinder (Jahrgänge 1995 und 1997). X ist
zudem Vater eines weiteren Sohnes aus einer früheren Beziehung namens A, geb.
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24. Februar 1987. Dieser lebt bei seiner Mutter in I und studiert an der Universität Bern.
In der Steuererklärung 2006 deklarierten X und Y ein steuerbares Einkommen von
Fr. 65'728.-- und ein steuerbares Vermögen von Fr. 5'463.--. Das kantonale Steueramt
nahm in der Folge einige Korrekturen vor – unter anderem wurden die deklarierten
Unterhaltsbeiträge für den volljährigen Sohn A von Fr. 10'260.-- nicht zum Abzug
zugelassen – und veranlagte die Steuerpflichtigen für die direkte Bundessteuer 2006
mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 79'200.--.
B.- Mit Schreiben vom 16. Mai 2008 erhob X gegen diese Veranlagung Einsprache mit
dem sinngemässen Antrag um Gewährung des Kinderabzugs für A. Mit Entscheid vom
23. April 2009 wies das kantonale Steueramt die Einsprache ab.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhoben X und Y mit Eingabe vom 27. Mai
2009 Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen
Antrag, ihnen sei der Kinderabzug für A zu gewähren.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 19. August 2009 die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdebeteiligte hat stillschweigend auf
Einreichung einer Vernehmlassung verzichtet.
Auf die von den Parteien zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen
sowie die Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 27. Mai 2009 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR
642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
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2.- Umstritten ist die Gewährung des Kinderabzugs für den mündigen Sohn A.
a) Die Beschwerdeführer machen geltend, die individuellen Kosten des
Unterhaltsbedarfs des unterstützten Kindes könnten keinesfalls durch
Durchschnittspauschalen ersetzt werden. Weitere Kosten von Fr. 780.-- pro Monat
seien übersetzt. Die Kosten für die Ernährung von pauschal Fr. 335.-- und die Kosten
für die auswärtige Verpflegung von Fr. 2'600.-- dürften nicht gleichzeitig eingesetzt
werden.
Die Vorinstanz hält entgegen, der Beschwerdeführer habe im Einspracheverfahren eine
Aufstellung über den Unterhaltsbedarf sowie die Ausbildungskosten des erwachsenen
Sohnes eingereicht. Darin werde der gesamte Unterhalt mit Fr. 15'600.-- beziffert,
zusammengesetzt aus Ausbildungskosten von Fr. 6'100.-- und übrigen
Lebenshaltungskosten von Fr. 9'500.--. Dieser Betrag entspreche jedoch nicht dem,
was ein 19-jähriger zum Leben brauche, weshalb für die Ermittlung der Kinderkosten
die Tabelle des Amtes für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich
heranzuziehen seien. Unter die darin erwähnten und mit Fr. 780.-- bezifferten Kosten
würden Auslagen für Körper- und Gesundheitspflege, Telefon, Versicherungen,
Krankenkasse und Sackgeld fallen. Für die Verpflegung zu Hause sei gemäss dieser
Tabelle ein Betrag von Fr. 340.-- berücksichtigt. Bei der Position für auswärtige
Verpflegung handle es sich um Mehrkosten gegenüber der Verpflegung zu Hause.
b) Von den Einkünften werden die Unterhaltsbeiträge an den geschiedenen, gerichtlich
oder tatsächlich getrennt lebenden Ehegatten sowie die Unterhaltsbeiträge an einen
Elternteil für die unter dessen elterlicher Gewalt stehenden Kinder, nicht jedoch
Leistungen in Erfüllung anderer familienrechtlicher Unterhalts- und
Unterstützungspflichten abgezogen (Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG). Nach Art. 213 Abs. 1
DBG in Verbindung mit Art. 7 lit. a der Verordnung über den Ausgleich der Folgen der
kalten Progression für die natürlichen Personen bei der direkten Bundessteuer
(Verordnung über die kalte Progression, SR 642.119.2, abgekürzt: VKP) werden vom
Einkommen für jedes minderjährige oder in der beruflichen Ausbildung stehende Kind,
für dessen Unterhalt der Steuerpflichtige sorgt (lit. a) und für jede erwerbsunfähige oder
beschränkt erwerbsfähige Person, an deren Unterhalt der Steuerpflichtige mindestens
in der Höhe des Abzugs beiträgt (lit. b), Fr. 6'100.-- abgezogen. Der Abzug nach lit. b
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kann nicht beansprucht werden für Kinder, für die ein Abzug nach lit. a gewährt wird.
Die Sozialabzüge werden nach den Verhältnissen am Ende der Steuerperiode oder der
Steuerpflicht festgesetzt (Art. 213 Abs. 2 DBG).
Im Gegensatz zur Regelung des Kinderabzugs im kantonalen Steuerrecht, nach
welchem der Steuerpflichtige für den Unterhalt des Kindes "zur Hauptsache"
aufkommen muss, konkretisiert das Recht der direkten Bundessteuer das Ausmass der
Unterhaltsleistungen nicht weiter. Bei Minderjährigen ist die Voraussetzung erfüllt,
wenn sie unter der elterlichen Sorge des Steuerpflichtigen stehen. Bei mündigen
Kindern kann der Sozialabzug beansprucht werden, wenn die Beiträge des
Steuerpflichtigen (auf Jahresbasis berechnet) mindestens den Betrag des
Kinderabzugs erreichen. Vorausgesetzt wird also nicht, dass der Steuerpflichtige für
den ganzen (oder auch nur hauptsächlichen) Unterhalt sorgt (vgl. Agner/Jung/
Steinmann, Kommentar zum Gesetz über die direkte Bundessteuer, Zürich 1995, N 2
zu Art. 35 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar DBG, 2. Aufl. 2009,
N 42 zu Art. 213 DBG). Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn der Steuerpflichtige für
den Unterhalt der in Ausbildung stehenden Kinder durch deren unmittelbare Betreuung
im gemeinsamen Haushalt sorgt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.406/2001 vom
23. Januar 2002, publiziert in: StE 2002 B 29.3 Nr. 18, E. 2b). Tragen getrennt
besteuerte Eltern den Unterhalt mündiger Kinder in Ausbildung gemeinsam und
überschreitet jeder der Beiträge die Höhe des Abzuges, sind nach der dargelegten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Voraussetzungen für die Gewährung des
Kinderabzuges gemäss Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG bei beiden Eltern erfüllt. Die doppelte
Gewährung des Kinderabzuges würde jedoch die getrennt gegenüber den gemeinsam
besteuerten Eltern offenkundig bevorzugen. Nach Ansicht der Eidgenössischen
Steuerverwaltung, welche vom Bundesgericht als mit dem Gesetzeswortlaut in
Einklang stehend eingestuft wurde (StE 2002 B 29.3 Nr. 18, E. 2d, bestätigt in BGE 133
II 305 = Pra 2008 Nr. 39, E. 6.8), ist in dieser Situation dem Alimenten zahlenden
Elternteil der Unterstützungsabzug nach Art. 213 Abs. 1 lit. b DBG zu gewähren,
während der beherbergende Elternteil den Kinderabzug nach Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG
in Anspruch nehmen darf (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 44 zu Art. 213
DBG mit Hinweisen).
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c) Unbestritten ist, dass der volljährigen Sohn des Beschwerdeführers im Jahr 2006,
insbesondere auch noch am 31. Dezember 2006, ein Studium absolvierte und sich
damit in Ausbildung befand. Er wohnte bei der Mutter in I/BE und verfügte über keine
eigenen Einkünfte. Er war somit unterstützungsbedürftig. Der Beschwerdeführer
bezahlte für seinen Sohn monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 855.--. In der
Steuererklärung 2006 machte er einen Abzug für Unterhaltsbeiträge von Fr. 10'260.--
geltend. Da der Sohn jedoch in jenem Jahr bereits volljährig war, kommt ein Abzug der
geleisteten Unterhaltsbeiträge nach Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG nicht mehr in Frage. Mit
Fr. 10'260.-- pro Jahr erbrachte er jedoch Leistungen, die den Unterstützungsabzug
von Fr. 6'100.-- deutlich übertrafen. Der im Kanton Bern lebenden Mutter wurde
gemäss Akten der Kinderabzug gewährt. Die Gewährung des Kinderabzugs für einen
erwachsenen Sohn bei der geschiedenen Ehefrau ist für die Veranlagung des
Beschwerdeführers jedoch nicht in dem Sinn bindend, dass ihm bei Erfüllung der
Voraussetzungen von Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG der Kinderabzug deswegen nicht
gewährt werden könnte. Da jedoch in Anwendung der vom Bundesgericht gebilligten
Praxis der Eidgenössischen Steuerverwaltung dem Beschwerdeführer ohnehin der
Unterstützungsabzug nach Art. 213 Abs. 1 lit. b DBG, der ebenfalls Fr. 6'100.-- beträgt,
zusteht, kann offen bleiben, ob dem Beschwerdeführer den Kinderabzug nach Art. 213
Abs. 1 lit. a DBG zu gewähren wäre.
d) Nach Art. 33 Abs. 1 lit. g DBG in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 und Art. 6
Abs. 2 VKP werden von den Einkünften die Einlagen, Prämien und Beiträge für die
Lebens-, die Kranken- und die nicht obligatorische Unfallversicherung sowie die Zinsen
von Sparkapitalien des Steuerpflichtigen und der von ihm unterhaltenen Personen bis
zum Gesamtbetrag von Fr. 1'700.--, wobei sich die Abzüge für jedes Kind und jede
unterstützungsbedürftige Person, für die der Steuerpflichtige einen Abzug nach Art. 35
Abs. 1 lit. a oder b DBG geltend machen kann, um Fr. 700.-- erhöht. Da jener Person,
welche den Kinderabzug oder den Unterstützungsabzug geltend machen kann, auch
der zusätzliche Versicherungsabzug zusteht (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
a.a.O., N 131 zu Art. 33 DBG), führt der zulässige doppelte Sozialabzug für volljährige
Kinder in Ausbildung auch zur Berücksichtigung des zusätzlichen Versicherungsabzugs
bei beiden Elternteilen. Zwar handelt es sich beim Versicherungsabzug
steuersystematisch nicht um einen Sozialabzug, sondern um einen allgemeinen Abzug,
der nachgewiesenen tatsächlichen Ausgaben des Steuerpflichtigen Rechnung trägt
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(vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 6 zu Art. 33 DBG). Indessen dienen
Sozialabzüge wie allgemeine Abzüge der Realisierung des subjektiven Nettoprinzips,
d.h. beide Formen sollen die Brücke zwischen dem Gesamtreineinkommen und dem
um bestimmte, dem notwendigen Existenzbedarf zuzuschreibende Aufwendungen
bereinigten Einkommen schlagen (vgl. Baumgartner, a.a.O., N 1 zu Art. 35 DBG).
Insgesamt ist damit das steuerbare Einkommen für 2006 um Fr. 6'800.-- auf
Fr. 72'400.-- herabzusetzen.
e) Zusammenfassend ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene
Einsprache-Entscheid der Vorinstanz vom 23. April 2009 aufzuheben. Die
Beschwerdeführer sind für die direkte Bundessteuer 2006 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 72'400.-- zu veranlagen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend trägt der Staat die amtlichen Kosten
(Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen (vgl. Art.
144 Abs. 5 DGB in Verbindung mit Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Die
Finanzverwaltung ist anzuweisen, den Beschwerdeführern den geleisteten
Kostenvorschuss von Fr. 500.-- zurückzuerstatten.