Decision ID: 4bf3e103-302f-4a7d-b08c-891abd2afda0
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich 1993 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an, nachdem er sich am 23. September 1992 bei einem
Arbeitsunfall an zwei Fingern der linken Hand schwer verletzt hatte. Die IV-Stelle sprach
ihm mit Verfügung vom 30. März 1995 ab 1. November 1993 eine halbe Invalidenrente
zu. Am 30. Januar 1998 verfügte die IV-Stelle die Renteneinstellung ex nunc. Einen
dagegen gerichteten Rekurs wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit
Entscheid vom 30. Mai 2000 (IV 1998/40) ab.
B.
B.a Im Mai 2002 meldete sich der Versicherte erneut zum IV-Leistungsbezug an. Mit
Verfügung vom 20. Januar 2003 verweigerte die IV-Stelle ihm eine Invalidenrente,
widerrief diese Verfügung jedoch nach erfolgter Einsprache am 14. März 2003 und
veranlasste weitere Abklärungen, unter anderem eine Begutachtung in der Klinik Gais
bei Dr. med. B._ und Dr. med. C._ (Gutachten vom 28. Juli 2004, IV-act. 144) und
eine handchirurgische und psychiatrische Abklärung in der Rehaklinik Bellikon
(Gutachten vom 27. Februar 2006, IV-act. 174). Mit Verfügung vom 2. Mai 2006
verneinte die IV-Stelle erneut einen Rentenanspruch, woran sie mit
Einspracheentscheid vom 9. Oktober 2006 festhielt. Das Versicherungsgericht hiess
die dagegen erhobene Beschwerde am 16. Mai 2007 teilweise gut, sprach dem
Versicherten basierend auf einem Invaliditätsgrad von 44% eine Viertelsrente zu und
wies die Sache zur Festsetzung von Rentenbeginn und Rentenhöhe an die IV-Stelle
zurück (IV 2006/233; IV-act. 206). Das Bundesgericht hob diesen Entscheid am
28. Februar 2008 auf und wies die Sache zur weiteren psychiatrischen Abklärung an
die IV-Stelle zurück (8C_394/2007; IV-act. 212).
B.b Die IV-Stelle beauftragte daraufhin Dr. med. D._ mit der psychiatrischen
Begutachtung des Versicherten. Dieser gelangte im Gutachten vom 26. Juni 2008 zur
Diagnose eines anhaltenden dysphorischen und leicht depressiven Zustandsbilds seit
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Ende 1994, wodurch er die Arbeitsfähigkeit um 30% eingeschränkt schätzte (IV-
act. 220). Mit Verfügung vom 11. Dezember 2008 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren wiederum ab (IV-act. 230). Das Versicherungsgericht hob diese
Verfügung mit Entscheid IV 2009/26 vom 24. Februar 2011 auf, betrachtete das
Gutachten D._ als nicht beweiskräftig und wies die Sache zur weiteren
psychiatrischen Abklärung an die IV-Stelle zurück (IV-act. 244).
B.c Am 9. August 2011 (Versand erst am 19. April 2012; IV-act. 255-34 f.) erstatteten
Prof. Dr. E._, leitender Arzt Versicherungsmedizin, Facharzt Psychiatrie und
Psychotherapie sowie Neurologie, und Dr. med. F._, stellvertretende Leiterin
Versicherungsmedizin, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, von der Forensisch-
Psychiatrischen Klinik der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) im
Auftrag der IV-Stelle ein weiteres psychiatrisches Gutachten. Sie nannten die
Diagnosen andauernde Persönlichkeitsänderung und anamnestisch dysphorisch-
depressives Syndrom. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte auf dem freien
Arbeitsmarkt derzeit nicht arbeitsfähig (IV-act. 255). Der zuständige Arzt des IV-internen
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) hielt am 22. August 2012 fest, die
Schlussfolgerungen des Gutachtens könnten vorbehaltlos übernommen werden (IV-
act. 259-2). Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. G._, wandte sich mit Schreiben
vom 29. August 2012 an die IV-Stelle, berichtete von in den vergangenen Monaten
progredienter Depression des Versicherten, empfahl einen von der IV zu
unterstützenden Arbeitsversuch mit Pensum von 30-50% und bat um möglichst
raschen Entscheid (IV-act. 260). Der Rechtsdienst der IV-Stelle kam am 11. Dezember
2012 zum Schluss, in rechtlicher Hinsicht bestehe kein Raum für die Annahme einer
psychisch bedingten (teilweisen) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 262).
Daraufhin kündigte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 16. Januar 2013 die erneute
Ablehnung des Rentenbegehrens an (IV-act. 267). Dr. G._ wandte sich mit Schreiben
vom 31. Januar 2013 erneut an die IV-Stelle und bat eindringlich um nochmalige
Überprüfung der Angelegenheit (IV-act. 268). Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann
nahm in Vertretung des Versicherten am 21. Februar 2013 Stellung zum Vorbescheid
und beantragte die Ausrichtung einer Invalidenrente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70% (IV-act. 271). Nach erneuter Rückfrage beim
Rechtsdienst (vgl. IV-act. 273) verfügte die IV-Stelle am 5. März 2013 bei einem
Invaliditätsgrad von 0% die Rentenabweisung (act. G 1.1).
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C.
C.a Gegen die Verfügung vom 5. März 2013 richtet sich die von Rechtsanwalt
Bodenmann für den Versicherten am 17. April 2013 erhobene Beschwerde, in der unter
Kosten- und Entschädigungsfolge wiederum die Ausrichtung einer auf einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70% basierenden Rente sowie die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege beantragt werden. Die Beschwerdegegnerin habe
willkürlich nicht genügend berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer an der linken
Hand offensichtlich schwer verletzt worden sei und diese nur noch eingeschränkt
einsetzen könne. Die Verletzung habe einen nachhaltigen Einfluss auf das
Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. In Bezug auf die von
der Beschwerdegegnerin angewandte sog. Überwindbarkeitspraxis vertritt der
Beschwerdeführer die Auffassung, dass das Kriterium des mehrjährigen chronifizierten
Krankheitsverlaufs mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger
dauernde Rückbildung erfüllt sei. Betreffend das Kriterium des sozialen Rückzugs hält
der Rechtsvertreter fest, der Beschwerdeführer stosse nicht nur Dritte, sondern sogar
seine nächsten Angehörigen von sich und lebe in einer eigentlichen sozialen Isolierung.
Auch einen primären Krankheitsgewinn erachtet der Rechtsvertreter als gegeben.
Dasselbe gilt für das Kriterium des Scheiterns einer konsequent durchgeführten
ambulanten oder stationären Behandlung trotz kooperativer Haltung der versicherten
Person. Diesbezüglich verweist der Rechtsvertreter auf die konstante Behandlung
durch den Hausarzt. Dass keine psychiatrische Behandlung durchgeführt werde, liege
an der fehlenden Kostendeckung durch die Krankenversicherung sowie daran, dass
eine Behandlungsperson gefunden werden müsste, mit der der Versicherte in seiner
Muttersprache kommunizieren könnte. Der Hausarzt habe den Versicherten auch mit
Antidepressiva behandelt. Im UPK-Gutachten werde im Weiteren festgehalten, dass
der Beschwerdeführer nicht über genügend psychische Ressourcen verfüge, die es
ihm erlauben würden, mit seinen Schmerzen umzugehen, und er objektiv derzeit nicht
in der Lage sei, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen bzw. er einem freien Arbeitsmarkt
nicht zumutbar sei (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2013
die Abweisung der Beschwerde. Gestützt auf das vom Bundesgericht in somatischer
Hinsicht nicht bemängelte Gutachten der Rehaklinik Bellikon habe aus somatischer
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Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in leidensangepassten Tätig
keiten bestanden. Es sei weder ersichtlich noch werde geltend gemacht, dass sich das
somatische Zustandsbild seither relevant verändert habe. Die Diagnose
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom stelle für sich allein keinen
invalidisierenden Gesundheitsschaden im Rechtssinn dar. Die Diagnose "anamnestisch
dysphorisch-depressives Syndrom" werde laut Gutachten damit begründet, dass die in
den psychiatrischen Vorgutachten gestellten Diagnosen im Begutachtungszeitpunkt
am ehesten als Vorläufer-Stadien des inzwischen chronifizierten, in der Persönlichkeit
verwurzelten Zustandsbilds zu verstehen seien und völlig in diesem aufgingen. Daraus
erhelle, dass mit dieser Diagnose keine eigenständige erhebliche psychische
Komorbidität vorliegen könne. Die übrigen rechtsprechungsgemäss relevanten Kriterien
seien nicht hinreichend gehäuft und ausgeprägt erfüllt, um insgesamt den rechtlichen
Schluss auf eine invalidisierende Gesundheitsschädigung zu gestatten. Die erwerbliche
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erachtet die
Beschwerdegegnerin als gegeben. Das Valideneinkommen belaufe sich (nach
Parallelisierung um 7.2% wegen Unterdurchschnittlichkeit) auf Fr. 53'654.-, das
Invalideneinkommen nach Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 10% auf
Fr. 51'307.-. Der Einkommensvergleich ergebe einen nicht rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von rund 4% (act. G 8).
C.c In der Replik vom 1. Juli 2013 (act. G 12) und der Duplik vom 5. Juli 2013 (act. G
14) liessen die Parteien an ihren jeweiligen Anträgen gemäss Beschwerde bzw.
Beschwerdeantwort festhalten.

Erwägungen:
1.
Streitig und vorliegend zu überprüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente, basierend auf der IV-Anmeldung vom Mai 2002, die noch immer nicht
rechtskräftig beurteilt wurde.
2.
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2.1 Betreffend die rechtlichen Grundlagen der Invaliditätsbemessung ist auf die in
dieser Sache bereits ergangenen Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen IV 2006/233 vom 16. Mai 2007 und IV 2009/26 vom 24. Februar 2011 zu
verweisen.
2.2 Die im Entscheid IV 2009/26 dargestellte übergangsrechtliche Situation (vgl. dortige
E. 1) hat im Grundsatz auch nach Inkrafttreten der IV-Revision 6a (per 1. Januar 2012)
zu gelten. Für die Invaliditätsbemessung beinhalten die seit 2002 (IV-Anmeldung des
Beschwerdeführers) in Kraft getretenen Gesetzesrevisionen jedoch keine substantiellen
Änderungen. Betreffend den allfälligen Rentenbeginn ist die gesetzliche Situation vor
Inkrafttreten der diesbezüglich eine Änderung beinhaltenden 5. IV-Revision (per
1. Januar 2008) massgebend. Betreffend Rentenhöhe kommt für die Zeit vor 2004
gegebenenfalls die Regelung vor Inkrafttreten der 4. IV-Revision (per 1. Januar 2004)
zur Anwendung.
3.
Mit Blick auf die somatischen Einschränkungen des Beschwerdeführers besteht
zwischen den Parteien Einigkeit darüber, dass sich seit dem Gutachten der Rehaklinik
Bellikon vom 27. Februar 2006 (IV-act. 174) in Bezug auf die dortige Definition der
behinderungsangepassten Tätigkeiten keine relevanten Veränderungen ergeben haben
(vgl. den entsprechenden Hinweis in der Replik, S. 3 Ziff. 3). Die damaligen Gutachter
hielten leichte Arbeit ganztags für zumutbar, sofern die linke Hand nur als Hilfshand
benötigt werde (detailliert dazu S. 40 des Gutachtens). Das Bestehen einer
verminderten Leistungsfähigkeit verneinten sie. Der Beschwerdeführer lässt nun rügen,
die angefochtene Verfügung überzeuge schon deshalb nicht, weil die
Beschwerdegegnerin offensichtlich verkenne, dass der Beschwerdeführer keine leichte,
sondern eine schwere Verletzung erlitten habe, die einen nachhaltigen Einfluss auf das
Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit habe. Zwar trifft es zu, dass die Problematik
der linken Hand, die gemäss den Akten den Ausgangspunkt der aktuellen schwierigen
Gesamtsituation des Beschwerdeführers bildet, in der der angefochtenen Verfügung
zugrunde liegenden Argumentation der Beschwerdegegnerin gänzlich in den
Hintergrund getreten ist. Dennoch ergibt sich ein allfälliger Leistungsanspruch des
Beschwerdeführers anerkannter- und nach Lage der Akten zutreffendermassen einzig
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aus einer die Arbeitsfähigkeit möglicherweise einschränkenden psychiatrischen
Problematik. Dass die Beschwerdegegnerin ihre Begründung der
Leistungsverweigerung weitestgehend darauf beschränkte, kann ihr folglich nicht zum
Vorwurf gemacht werden.
4.
Im "versicherungspsychiatrischen Obergutachten" der UPK vom 9. August 2011 wird
insbesondere die Diagnose der andauernden Persönlichkeitsänderung gestellt. Bei
einlässlicher und gut nachvollziehbarer Würdigung halten die Gutachter fest, in diesem
Fall sei ein äusserst ungünstiger versicherungsmedizinischer Verlauf zu konstatieren.
Ein Unfall im jungen Erwachsenenalter (19_ war der Versicherte 2_-jährig) habe primär
zu einer körperlichen Behinderung geführt, wobei die funktionelle Beeinträchtigung weit
über das (somatisch-) medizinisch Begründbare hinausgehe. Ein Krankheitskonzept
und Ausdrucksverhalten, das möglicherweise kulturassoziiert und vor dem Hintergrund
subjektiven Rollenversagens zu verstehen sei, begünstige ein infantil-unreif-
unselbständiges Selbstkonzept und Copingverhalten. Dies möge durch eine völlig
dysfunktionale Verführung zu passiver Anspruchshaltung angesichts der Angebote des
Sozialversicherungssystems mitgefördert und initial – und damit in einer äusserst
sensiblen Phase der Persönlichkeitsausreifung – noch flexibel und reversibel gewesen
sein. Das zunehmend auf ein "Leben im Rentenverfahren" eingeengte Verhalten mit
u.a. Dekonditionierung und Selbstlimitierung sowie das innere Erleben des Versicherten
hätten sich in dem 20-jährigen Verlauf zu in der Persönlichkeit verwurzelten
Charakterzügen entwickelt, denen inzwischen fraglos Krankheitswert zukomme.
Explizit sei festzuhalten, dass die schwere und komplexe Diagnose einer
Persönlichkeitsänderung zum aktuellen Zeitpunkt zu stellen sei, aber mit sehr hoher
Wahrscheinlichkeit in den ersten Jahren dieses Verfahrens, wohl auch 2005/2006, noch
nicht und vor allem nicht in dieser Schwere bestanden habe (S. 29 f.). Die Gutachter
attestieren eine volle Arbeitsunfähigkeit. Diese ergebe sich aus schwergradigen
Veränderungen der Selbstwahrnehmung, der Beziehungen zu anderen bzw. der
eigenen Rollenzuschreibung in der Gesellschaft und sich daraus ergebender
Ansprüche an diese, in Kombination mit affektiven Symptomen wie dysphorische
Gereiztheit und – bei seit zwei Jahrzehnten weitestgehend ausgebliebener Übung –
inzwischen tatsächlich eingebüssten sozialen Fertigkeiten im Verbund mit Scham
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(glaubhaft wegen der Behinderung an der Hand), wahrscheinlich auch im
Zusammenhang mit subjektivem Rollenversagen, und möglicherweise Trauer (mehr als
Depression) im Rückblick auf das erlittene Trauma und im weiteren Verlauf "verpasstes
Leben" (S. 31). Seitens des RAD wurde das Gutachten nicht beanstandet. Die
Schlussfolgerungen könnten vorbehaltlos übernommen werden, so der zuständige Arzt
in seiner Stellungnahme vom 22. August 2012 (IV-act. 259-2). Das Gutachten erscheint
in sich stimmig und plausibel, die Schlussfolgerungen sind begründet und gut
nachvollziehbar. Die genannte Diagnose und die Befunde sowie die daraus von den
Gutachtern gezogenen Schlussfolgerungen werden von den Parteien denn auch nicht
bestritten. Umstritten sind jedoch die Auswirkungen der psychischen Problematik auf
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Somit ist nachfolgend die Frage zu prüfen,
ob die gutachterlich bescheinigte, psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
invalidenversicherungsrechtlich relevant ist.
5.
5.1 Im Grundsatzentscheid BGE 130 V 352 hat das Bundesgericht festgestellt, dass
eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung allein in der Regel keine
lang dauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im
Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG zu bewirken vermöge. In späteren Entscheiden formulierte
das Bundesgericht, es bestehe eine Vermutung, wonach die somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung
überwindbar seien (BGE 131 V 50, BGE 132 V 71). In BGE 130 V 352 E. 2.2.3 hält es
weiter fest, dass ein Abweichen von diesem Grundsatz ausnahmsweise in jenen Fällen
in Betracht komme, in denen die festgestellte somatoforme Schmerzstörung nach
Einschätzung des Arztes eine derartige Schwere aufweise, dass der versicherten
Person die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei
objektiver Betrachtung sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder dies für die
Gesellschaft gar untragbar sei. Das Bundesgericht führt weiter aus: "Die – nur in
Ausnahmefällen anzunehmende – Unzumutbarkeit einer willentlichen
Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt jedenfalls
das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von
erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein
anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien voraus. So
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sprechen unter Umständen (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen und
mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne längerfristige Remission, (2) ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen
Belangen des Lebens, (3) ein verfestigter therapeutisch nicht mehr angehbarer
innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung oder schliesslich (4) unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz
konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlungsbemühungen
(auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der
versicherten Person für die ausnahmsweise Unüberwindlichkeit der somatoformen
Schmerzstörung" (BGE 130 V 352 E.2.2.3). Die in der Aufzählung (1) bis (4) genannten
Kriterien wurden vom deutschen Psychiater Klaus Foerster entwickelt und fanden als
sog. Foerster-Kriterien Eingang in die Rechtsprechung.
5.2 Die Überwindbarkeitspraxis stösst seit BGE 130 V 352 auf anhaltende Kritik von
juristischer ebenso wie von medizinischer Seite (dazu etwa mit vielen Hinweisen auf
Meinungen beider Fachgebiete Jörg Jeger, Tatfrage oder Rechtsfrage?
Abgrenzungsprobleme zwischen Medizin und Recht bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in der Invalidenversicherung. Ein Diskussionsbeitrag aus der Sicht
eines Mediziners, in: SZS 2011 431-457 sowie 2011 580-607; Hans-Jakob Mosimann,
Perspektiven der Überwindbarkeit, in: SZS 2014 185-215; Peter Henningsen, Probleme
und offene Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit
funktionellen Körperbeschwerdesyndromen, in: SZS 2014 499-546). So wird etwa die
Eignung der Foerster-Kriterien zur Beurteilung der Zumutbarkeit in Frage gestellt sowie
vor deren (allzu) starrer Handhabung gewarnt. Das Bundesgericht hat vorgebrachte
Kritikpunkte bisher als nicht stichhaltig bezeichnet und von einer Änderung oder
Anpassung seiner Praxis abgesehen (vgl. etwa die Urteile 9C_776/2010 vom
20. Dezember 2011 m.w.H. sowie 8C_167/2012 vom 15. Juni 2012 E. 6.2).
5.3 Die Beschwerdegegnerin hat in der Beschwerdeantwort zutreffend darauf
hingewiesen, dass das Bundesgericht die sog. Überwindbarkeitspraxis von der
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung neben vielen weiteren Beschwerdebildern
auch auf die "Persönlichkeitsänderung bei andauerndem Schmerzsyndrom (ICD-10
F62.80)" ausgedehnt hat (vgl. Bundesgerichtsurteil 8C_167/2012 vom 15. Juni 2012 E.
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6.1). Eine Begründung, weshalb auch auf dieses Leiden die Überwindbarkeitspraxis
Anwendung finden soll, enthält der von der Beschwerdegegnerin zitierte Entscheid (wie
soweit ersichtlich auch andere Entscheide) allerdings nicht. Vorliegend ist zudem nicht
eindeutig, ob die diagnostizierte, die Arbeitsunfähigkeit begründende
Persönlichkeitsänderung überhaupt unter diese Praxis fällt. Gemäss ICD-10 ist die
Ziffer F62.8, "sonstige andauernde Persönlichkeitsänderungen" unterteilt in F62.80
"andauernden Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom" und
F62.88 "sonstige andauernde Persönlichkeitsänderungen". Im UPK-Gutachten wird
lediglich die Ziffer F62.8 ohne nähere Spezifikation genannt. In Bezug auf die linke
Hand äusserte der Beschwerdeführer in der Begutachtung zwar ständige, betreffend
Arm bis Hinterkopf "manchmal" ausstrahlende Schmerzen (S. 16). Ob dies die
Diagnose F62.80, also die Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom,
zulässt oder ob von einer "sonstigen andauernden Persönlichkeitsänderung" (F62.88)
auszugehen ist, ist eine medizinische Frage. Wie sich der Begründung im Gutachten
entnehmen lässt, fusst die Persönlichkeitsänderung zentral auf dem noch immer nicht
beendeten, seit 20 Jahren offenen Streit um Versicherungsleistungen durch alle
Instanzen, also offenbar nicht primär auf dem Schmerzempfinden des
Beschwerdeführers. Die "Schmerzstörungspraxis" bzw. die Frage, ob der versicherten
Person die Willensanstrengung zur Schmerzüberwindung möglich ist, scheint
vorliegend also nicht recht zu passen. Die UPK-Gutachter selbst sind offenbar nicht
von einem Fall einer "schmerzstörungsähnlichen Problematik" (sog. PÄUSBONOG-
Leiden) ausgegangen. Das Obergutachten wurde von Prof. Dr. E._ und Dr. F._
verfasst. Bei beiden handelt es sich um erfahrene medizinische Administrativgutachter.
Sie gehörten zum Autorenteam der im Februar 2012 verabschiedeten
"Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten in der Eidgenössischen
Invalidenversicherung", die das Bundesamt für Sozialversicherungen in Auftrag
gegeben hat und die unter der Federführung der Schweizerischen Gesellschaft für
Psychiatrie und Psychotherapie SGPP erstellt wurden. Die Überwindbarkeitspraxis des
Bundesgerichts und die damit verbundenen Herausforderungen der
Rechtsanwendenden bei der Würdigung psychiatrischer Gutachten sind ihnen also
bestens vertraut. Dass sie vorliegend im Gutachten entgegen der Empfehlung in den
Qualitätsleitlinien (vgl. Anhang 2, S. 23) keine expliziten Angaben zum Vorliegen der
sog. Foerster-Kriterien gemacht haben, lässt vermuten, dass sie nicht davon
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ausgegangen sind, dass die von ihnen diagnostizierte Krankheit in den
Anwendungsbereich der Überwindbarkeitspraxis fällt. Wendet man die
Überwindbarkeitspraxis vorliegend nicht an, so ist ohne Weiteres auf das Gutachten
abzustellen und auch aus juristischer Sicht von einer vollen Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers auszugehen.
5.4 Geht man hingegen mit der Beschwerdegegnerin davon aus, dass die
Überwindbarkeitspraxis auch vorliegend zur Anwendung gelangt, ergibt sich folgendes:
5.4.1 Dem UPK-Gutachten lässt sich keine eigentliche eigenständige psychische
Komorbidität von erheblicher Schwere, Dauer und Ausprägung entnehmen. Im
Zusammenhang mit dem unter Hinweis auf die Anamnese erwähnten dysphorisch-
depressiven Syndrom hielten die Gutachter fest, die in den Vorgutachten gestellten
Diagnosen seien aktuell am ehesten als Vorläufer-Stadien des inzwischen
chronifizierten, in der Persönlichkeit verwurzelten Zustandsbilds zu verstehen und
gingen völlig in diesem auf (S. 30). Die zusätzlichen Kriterien müssten folglich
rechtsprechungsgemäss besonders ausgeprägt gegeben sein, damit dennoch von
einer Unüberwindbarkeit des Leidens ausgegangen werden könnte (z.B. Urteil
9C_234/2013 vom 14. Oktober 2013 E. 5. 2 m.H.).
5.4.2 Das Kriterium der chronischen körperlichen Begleiterkrankungen und des
mehrjährigen Krankheitsverlaufs bei unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne längerfristige Remission ist als erfüllt zu betrachten. Wie sich dem Gutachten der
Rehaklinik Bellikon vom 27. Februar 2006 entnehmen lässt, sind in Bezug auf die linke
Hand nach wie vor Diagnosen zu stellen; es handelt sich um eine chronische
Problematik. Die diesbezüglichen Einschränkungen gehen auf den Unfall von 1992
zurück, sodass jedenfalls von einem mehrjährigen Verlauf zu sprechen ist, während
welchem die Symptomatik nicht regredient war bzw. es zu keiner Remission kam. Die
psychische Fehlentwicklung weist unterdessen ebenfalls bereits einen mehrjährigen
Verlauf ohne erkennbare Remission auf. Die Beschwerdegegnerin hält zwar dafür, dass
dieses Kriterium wegen der somatischerseits uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit nicht
erfüllt sei, und verweist diesbezüglich auf den Bundesgerichtsentscheid 8C_145/2013
vom 1. Mai 2013 E. 5.6.1. Diesem Entscheid sowie – soweit ersichtlich – der übrigen
Praxis lässt sich jedoch keine Begründung dafür entnehmen, weshalb dieses Kriterium
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zwingend an eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
gebunden sein sollte. Ein solcher Grund ist denn auch nicht auszumachen. Folglich ist
darauf nicht näher einzugehen.
5.4.3 Ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens ist gestützt auf
das UPK-Gutachten sowie weitere medizinische Akten zu bejahen. Die
Beschwerdegegnerin hält zwar dafür, der Rückzug betreffe nicht alle Belange des
Lebens, erklärt diese Ansicht aber nicht näher. Im Gutachten wurde festgehalten, der
Beschwerdeführer sei fast den ganzen Tag zuhause und ungeduldig mit seiner Frau
und den Kindern. Er habe diese auch schon geschlagen (gemäss der psychiatrischen
Abklärung in Bellikon schlug er die Ehefrau gelegentlich im Affekt; IV-act. 174-44), er
schreie fast jeden Tag herum. Die Kinder hielten nun stärkere Distanz zu ihm (S. 16).
Bei der psychiatrischen Abklärung in Bellikon vom 21. März 2005 war festgehalten
worden, der Beschwerdeführer möge nicht spazieren gehen, weil er dort Leute treffen
könnte, mit denen er allenfalls in Streit geraten würde. Er möge nicht in Gesellschaft
sein, wo alle fröhlich seien, miteinander redeten, Arbeit hätten, über Geld verfügten, all
das habe er nicht. Es war bereits damals festgehalten worden, dass kaum soziale
Kontakte beständen (IV-act. 174-45). Von Fahrten mit dem Fahrrad oder Training der
Kinder, die Dr. D._ im Gutachten vom 26. Juni 2008 noch erwähnt hatte (IV-
act. 220-3), war im Rahmen der UPK-Begutachtung keine Rede mehr, vielmehr von
"weitestgehender Inaktivität im Alltag" und deutlichem sozialem Rückzug (S. 22), wobei
die Schilderungen des Beschwerdeführers als "sehr authentisch und glaubhaft"
bezeichnet wurden (S. 33).
5.4.4 Die übrigen Kriterien sind zumindest als teilweise erfüllt zu betrachten. Der
innerseelische Verlauf ist klarerweise verfestigt, und nach der langjährigen komplexen
Entwicklung ist – auch bei von den UPK-Gutachtern bejahter Psychotherapie-
Indikation – wenigstens fraglich, inwiefern dieser bei den vorhandenen intellektuellen
Ressourcen therapeutisch noch beeinflusst werden kann; der Beschwerdeführer wird
in den medizinischen Akten etwa als einfach strukturiert und undifferenziert
beschrieben (vgl. das Gutachten der Klinik Gais, IV-act. 144 S. 3). Dass die
Konfliktbewältigung missglückt ist, ist offenkundig; als psychisch entlastend dürfte die
vom Beschwerdeführer eingenommene Rolle als Opfer im nicht enden wollenden Streit
um Versicherungsleistungen dennoch empfunden worden sein. Die
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Behandlungsergebnisse sind trotz Behandlungsbemühungen unbefriedigend (wenn
auch diese Bemühungen noch optimiert werden könnten), an der Motivation des
Beschwerdeführers wurde im UPK-Gutachten nicht gezweifelt. Dass die
Eigenanstrengung des Beschwerdeführers wohl nur teilweise bejaht werden kann,
dürfte zentral am konkreten Krankheitsbild liegen und damit Teil des eigentlichen
Problems bilden. Insofern kann dieser Aspekt des Kriteriums nicht schablonenhaft
angewendet und stereotyp als nicht erfüllt betrachtet werden.
5.5 Die Foerster-Kriterien sind folglich hinreichend ausgeprägt erfüllt, sodass von der
Unüberwindbarkeit des Leidens auszugehen ist. Insgesamt kann der gutachterlichen
Beurteilung nicht entnommen werden, dass der Beschwerdeführer über Ressourcen
verfügt, die eine Überwindung der psychisch bedingten Krankheitsfolgen erlauben. Das
Bundesgericht hat jüngst wiederum mehrfach betont, dass dem Schluss auf eine
erhebliche Arbeitsunfähigkeit durch MEDAS-Ärzte, die ihre Begutachtung lege artis und
unter Berücksichtigung der normativen Vorgaben vornahmen, aus rechtlicher Sicht zu
folgen sei, sofern die rechtsanwendende Stelle nicht konkrete, fallgebundene
Gesichtspunkte zu nennen vermöge, die im Rahmen der Folgenabschätzung eine im
Vergleich zum medizinisch-psychiatrischen Sachverständigen abweichende
Ermessensausübung gebieteten (Urteile 9C_369/2014 vom 19. November 2014 E. 5;
9C_358/2014 vom 21. November 2014 E. 5; vgl. auch Urteile 9C_522/2014 vom
24. Oktober 2014 E. 2.4; 9C_217/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3.2). Das ist hier nicht
der Fall. Mithin ist die festgestellte volle Arbeitsunfähigkeit auch bei dieser Prämisse
invalidenversicherungsrechtlich relevant.
6.
6.1 Den UPK-Gutachtern fiel es nachvollziehbar schwer, den Verlauf der
Arbeitsunfähigkeit retrospektiv zu rekonstruieren. Sie gingen davon aus, dass zum
Zeitpunkt des Unfalls 1992 und (eventuell nach einer kurzen Anpassungsphase) in der
ersten Zeit danach volle Arbeitsfähigkeit bestand, die sich seither, im Verlauf der letzten
ca. 20 Jahre, vermutlich phasenweise fluktuierend, aber letztlich stetig auf derzeit 0%
verschlechtert hat. Sie bezeichneten es als wahrscheinlich, dass die Einschätzungen
der psychiatrischen Gutachter aus den Jahren 2004 und 2005/2006 für diese Phasen
zutreffend waren. Unter Berücksichtigung des Krankheitsbilds gingen sie davon aus,
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dass die Verschlechterung seither im Prinzip kontinuierlich, wenn auch wahrscheinlich
mit Fluktuationen, erfolgt sei; eine abrupte Stufendynamik sei weniger wahrscheinlich
(S. 33).
6.2 Gemäss dem Gutachten der Klinik Gais, Dr. B._ und Dr. C._, war der
Beschwerdeführer bei der Begutachtung vom 24. Juni 2004 zu 50% arbeitsfähig und
zusätzlich im Ausmass von 20% vermindert leistungsfähig (IV-act. 144-5). Dr. H._
von der Rehaklinik Bellikon hielt diese Einschätzung bezugnehmend auf seine
Untersuchung des Beschwerdeführers vom 21. März 2005 für zu hoch und attestierte
eine Einschränkung von etwa 30%. Er blieb dabei jedoch vage; dies sei eine Frage, die
über die Beurteilungsmöglichkeiten der Medizin hinausgehe. Die grobe Schätzung im
Bereich von 30% könne je nach Angepasstheit der Tätigkeit an die interpersonellen
Kriterien variieren (IV-act. 174-49, 174-36). Dr. D._ untersuchte den
Beschwerdeführer am 6. Juni 2008, schloss sich in seiner Beurteilung Dr. H._ an und
schrieb von einer Leistungsminderung von 30%. Diese Einschränkung bestehe seit
dem Wiedereinstieg in die Arbeit nach dem Unfall Ende 1994 (IV-act. 220-5). Zwar
wurden die Einschätzungen von Dr. B._ und Dr. C._ sowie von Dr. H._ und
Dr. D._ in den jeweiligen Gerichtsurteilen als nicht restlos beweiskräftig beurteilt und
Rentenzusprachen gestützt darauf als nicht möglich betrachtet. Das UPK-Gutachten
kann die Unklarheiten betreffend die retrospektive Beurteilung nicht vollumfänglich
ausräumen. Gestützt auf die dort vorgenommene, an sich plausible Beurteilung des
groben Verlaufs ist eine massgebende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30% erst
ab Datum der Begutachtung durch Dr. B._/Dr. C._ als überwiegend wahrscheinlich
ausgewiesen zu betrachten. Dass bereits zu jenem Zeitpunkt eine Arbeitsunfähigkeit
von 50% mit zusätzlich um 20% reduzierter Leistungsfähigkeit bestanden haben soll,
ist zwar nicht ausgeschlossen, insgesamt aber nicht hinreichend plausibel bzw. nicht
überwiegend wahrscheinlich. Die kontinuierliche weitere Reduktion der Arbeitsfähigkeit
von 70% bei Begutachtung durch Dr. D._ (30% Leistungsminderung entspricht im
Ergebnis einer Arbeitsfähigkeit von 70%, ganztags verwertbar) auf 0% bei
Begutachtung durch Prof. E._ und Dr. F._ kann zeitlich nicht näher verortet
werden. In beweisrechtlicher Hinsicht rechtsgenüglich ausgewiesen ist damit lediglich
eine Arbeitsunfähigkeit von 30% ab 24. Juni 2004 (Datum Begutachtung Dr. B._/
Dr. C._) und von 100% ab 9. August 2011 (Datum UPK-Begutachtung). Betreffend
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eine höhere Arbeitsunfähigkeit vor August 2011 liegt Beweislosigkeit vor, deren Folgen
der Beschwerdeführer zu tragen hat.
7.
7.1 Der im Entscheid IV 2006/233 vorgenommene Einkommensvergleich
(Valideneinkommen Fr. 57'008.-, Invalideneinkommen Fr. 31'924.-, letzteres unter
Anerkennung einer Arbeitsfähigkeit von 70% und eines Abzugs vom Tabellenlohn von
20%; beide Vergleichseinkommen auf der Basis des Jahres 2002) erscheint nach wie
vor sachgerecht. Dies ergibt einen Invaliditätsgrad von 44%. Im Einzelnen wird auf die
entsprechende Begründung in jenem Entscheid verwiesen (E. 5). Da selbst bei nicht
vollständiger Heraufsetzung des unterdurchschnittlichen Valideneinkommens (vgl. die
entsprechenden Hinweise zur Parallelisierung in der Beschwerdeantwort, S. 6 f.) ein
Invaliditätsgrad von über 40% resultieren würde, braucht auf die Frage, ob bzw. auf
welchen Zeitpunkt hin die Praxisänderung des Bundesgerichts im Zusammenhang mit
der Parallelisierung bzw. die Einführung eines "Erheblichkeitsgrenzwerts" von 5% (vgl.
BGE 134 V 322, 135 V 297 E. 6.1) aus übergangsrechtlicher Sicht auf den vorliegenden
Fall Anwendung zu finden hat, nicht näher eingegangen zu werden. Im Übrigen besteht
entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin keine Veranlassung, vom ursprünglich
im Entscheid IV 2006/233 festgesetzten Tabellenlohnabzug von 20% abzurücken. Die
äusserst lange Absenz vom Arbeitsmarkt stellt einen ganz erheblichen
Konkurrenznachteil des Beschwerdeführers dar; bereits dieser hätte ihn in der Zeit, für
die der Tabellenlohnabzug rentenrelevant im Invaliditätsgrad Niederschlag findet (2004
bis 2011), gezwungen, seine verbleibende Arbeitskraft zu einem deutlich unter den
Tabellenlöhnen liegenden Einkommen anzubieten. Zu berücksichtigen ist zudem, dass
er vor dem Unfall 1992 kaum über Arbeitserfahrung verfügt hatte; auch dies hätte sich
im realistischerweise erzielbaren Einkommen wiedergespiegelt. Folglich hat es beim
Tabellenlohnabzug von 20% sein Bewenden.
7.2 Betreffend Rentenbeginn ist mit Blick auf das Datum der Anmeldung des
Beschwerdeführers (Mai 2002) das Recht anwendbar, wie es vor Inkrafttreten der
Änderungen der 5. IV-Revision bestanden hatte. Die Frist von 6 Monaten nach
Geldendmachung des Anspruchs gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG in der seit 2008 geltenden
Fassung findet somit keine Anwendung. Das Wartejahr (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG in
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der vor 2008 in Kraft gestandenen Fassung) begann folglich am 24. Juni 2004 (Datum
Begutachtung in der Klinik Gais) zu laufen und war am 23. Juni 2005 beendet.
Entsprechend hat der Beschwerdeführer ab 1. Juni 2005 (vgl. Art. 29 Abs. 2 IVG in der
damals geltenden Fassung) bei einem Invaliditätsgrad von 44% Anspruch auf eine
Viertelsrente (Art. 28 Abs. 1 IVG in der seit Inkrafttreten der 4. IVG-Revision 2004
geltenden Fassung).
7.3 Per 9. August 2011 (Datum Begutachtung UPK) ist der Beweis der Erhöhung der
Arbeitsunfähigkeit auf 100% erbracht. In Anwendung von Art. 88a Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) hat der
Beschwerdeführer folglich ab 1. November 2011 bei einem Invaliditätsgrad von 100%
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
8.
Gemäss UPK-Gutachten ist neben einer zu initiierenden fachärztlichen integriert
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, bzw. als sozialpsychiatrischer Teil
von dieser, eine Integration in eine therapeutisch geführte, tagesstrukturierende
Beschäftigung (z.B. Ergotherapie) oder spätestens im Verlauf in eine geschützte
Werkstätte nicht nur möglich, sondern dringend anzuraten. Die Gutachter empfahlen
eine Verlaufsbegutachtung nach ca. 18 Monaten (S. 32 des Gutachtens). Eine
eigentliche berufliche Eingliederung wurde folglich nicht als unmittelbar möglich
betrachtet, sodass die Rentenzusprache zu erfolgen hat, ohne dass dadurch der
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" verletzt würde. Auch wenn ausserhalb des
Anfechtungsgegenstands des aktuellen Verfahrens liegend, ist dennoch festzuhalten,
dass die unverzügliche Anhandnahme der empfohlenen Massnahmen und
gegebenenfalls die anschliessende Durchführung einer Rentenrevision angezeigt
erscheinen.
9.
9.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
Verfügung vom 5. März 2013 dahingehend gutzuheissen, als dem Beschwerdeführer
ab 1. Juni 2005 eine Viertelsrente und ab 1. November 2011 eine ganze Rente
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zuzusprechen ist. Die Angelegenheit ist zur Rentenberechnung und -ausrichtung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
9.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich, sodass
ihr als nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten befreiter selbstständiger
öffentlich-rechtlicher Anstalt die Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist.
9.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
ungekürzte Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1).
Angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
9.4 Das bereits bewilligte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird bei diesem
Verfahrensausgang gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP