Decision ID: 163bc54a-9228-4bd2-885b-0eae3b259b5a
Year: 2016
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2013 Amtliche Einschätzung vom 19. No-
vember 2015 wurden die Rekurrenten mit einem im Kanton Basel-Landschaft steuerbaren Ein-
kommen von Fr. 215‘548.-- bzw. Vermögen von Fr. 40‘000.-- amtlich eingeschätzt.
2. Mit Eingabe vom 13. Dezember 2015 erhoben die Pflichtigen Einsprache, reichten
Lohnausweise nach und wiesen darauf hin, dass es ihnen infolge Krankheit und Spitalaufent-
halten bisher nicht möglich gewesen sei, die gewünschten Unterlagen zu erstellen. Dass die
Veranlagung offensichtlich unrichtig sei, ergebe sich aus den Lohnausweisen. Die Ein-
sprachebegründung samt Steuererklärung mit Unterlagen werde man bis zum 31. Januar 2016
nachreichen.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 6. Januar 2016 trat die Steuerverwaltung nicht auf die
Einsprache ein. Zur Begründung führte sie aus, innerhalb der Rechtsmittelfrist sei keine Steuer-
erklärung eingereicht worden.
4. Mit Eingabe vom 31. Januar 2016 erhoben die Pflichtigen mit dem sinngemässen Be-
gehren, die amtliche Einschätzung sei aufzuheben und die Angelegenheit zur neuen Veranla-
gung an die Steuerverwaltung zurückzuweisen, Rekurs. Zur Begründung machten sie geltend,
die Einsprache sei mit den Krankheitsperioden und Spitalaufenthalten sowie den Lohnauswei-
sen dokumentiert worden. Mit letzteren habe man aufgezeigt, dass die Einkünfte weit unter der
amtlichen Einschätzung gelegen seien. Da einige Unterlagen gefehlt hätten, habe man die Ein-
reichungsfrist für die Gesamtsteuererklärung verpasst. Die Steuererklärung mit allen erforderli-
chen Unterlagen sei aber, wie versprochen, inzwischen eingereicht worden. Seit Juni 2014 sei
der Ehemann ganz oder teilweise krankgeschrieben gewesen. Ab Oktober 2015 habe er mit
mässigem Erfolg versucht, teilweise wieder erwerbstätig zu sein.
5. Mit Vernehmlassung vom 12. April 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung
des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, auch wenn man den Gesundheitszustand des
Rekurrenten bzw. die damit verbundene teilweise Arbeitsunfähigkeit entsprechend würdigen
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würde, ändere dies nichts an der Tatsache, dass es dem Pflichtigen zumutbar gewesen wäre,
dass er bzw. die Ehefrau im Rahmen ihrer Beistandspflicht die Steuererklärung ausgefüllt hätte
oder aber eine Drittperson mit dieser Aufgabe betraut worden wäre. Da bei Einsprachen gegen
Ermessensveranlagungen der Unrichtigkeitsnachweis umfassend und innert der Einsprachefrist
zu führen sei, hätten die mit Schreiben vom 13. Dezember 2015 eingereichten Lohnausweise
nicht ausgereicht. Entsprechend sei man zu Recht nicht auf die Einsprache eingetreten.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest.

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen
und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stel-
lenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Ist die Vorinstanz wie vorliegend auf eine Einsprache nicht eingetreten, hat das Steuer-
gericht praxisgemäss lediglich zu prüfen, ob dieser Nichteintretensentscheid zu Recht erfolgt
ist. Deshalb sind nur solche Rügen zu berücksichtigen, die sich auf die Eintretensfrage bezie-
hen. Ausgeschlossen von der richterlichen Prüfung bleiben jene Rügen, welche die materielle
Seite betreffen. Kommt das Gericht zum Schluss, dass auf die Einsprache hätte eingetreten
werden müssen, ist der Rekurs gutzuheissen und der Fall zur materiellen Beurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Andernfalls muss der Rekurs abgewiesen und der vorinstanzliche
Entscheid bestätigt werden (Entscheid des Steuergerichts [StGE] Nr. 44/2008 vom 30. Mai
2008, E. 2, www.bl.ch/steuergericht).
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3. Gemäss § 106 Abs. 1 und 2 StG wird der Steuerpflichtige, wenn er innerhalb der festge-
setzten Nachfrist und Mahnung die Steuererklärung nicht einreicht oder vervollständigt, von
Amtes wegen eingeschätzt.
a) Eine amtliche Einschätzung kann der Steuerpflichtige gemäss § 106 StG nur
wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache gegen die amtliche Einschät-
zung ist gemäss § 122 Abs. 1 und 2 StG innert der Einsprachefrist von 30 Tagen zu begründen
und muss allfällige Beweismittel nennen (sog. Unrichtigkeitsnachweis). Diese von § 122 Abs. 2
StG geforderte Begründung der Einsprache gegen eine amtliche Veranlagung stellt nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Prozessvoraussetzung dar, deren Fehlen zur Folge
hat, dass auf die Einsprache nicht eingetreten werden kann (vgl. Entscheid des Bundesgerichts
[BGE] 2C_579/2008 vom 29. April 2009, E. 2.1 mit weiteren Hinweisen, publ. in: Steuerent-
scheid [StE] 8-9/2009, B. 95.1 Nr. 14). Die genannten erhöhten prozessualen Anforderungen
finden ihre Erklärung in der besonderen Natur der Ermessensveranlagung. Da die Steuerbe-
hörde mangels genügender Unterlagen nicht alle Steuerfaktoren genau ermitteln kann, muss
sie diese schätzen. Dabei hat sie notwendigerweise auf Annahmen und Vermutungen abzustel-
len. Weil eine Ermessenseinschätzung somit naturgemäss eine gewisse Unschärfe aufweist, ist
die Möglichkeit sie anzufechten entsprechend eingeschränkt. Der Steuerpflichtige kann sie nur
wegen offensichtlicher Unrichtigkeit in Frage stellen. Er hat nachzuweisen, dass die Ermes-
sensveranlagung den tatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht. Mittels umfassendem Un-
richtigkeitsnachweis hat er die bisher vorhandene Ungewissheit bezüglich des Sachverhalts zu
beseitigen, blosse Teilnachweise genügen nicht. In der Begründung der Einsprache ist daher
der Sachverhalt in substantiierter Weise darzulegen und es sind die Beweismittel für diese
Sachverhaltsdarstellung zu nennen. Es reicht nicht aus, die Einschätzung bloss in pauschaler
Weise zu bestreiten oder lediglich einzelne Positionen der Einschätzung als zu hoch zu be-
zeichnen. Vielmehr wird der Steuerpflichtige, der seine Mitwirkungspflichten im Veranlagungs-
verfahren nicht erfüllt und dadurch eine Ermessensveranlagung bewirkt hat, in der Regel die
versäumten Mitwirkungshandlungen nachholen, also eine bisher nicht vorgelegte Steuererklä-
rung nachträglich einreichen müssen, um die Einsprache genügend zu begründen (BGE
2C_579/2008, a.a.O., E. 2.1 mit weiteren Hinweisen).
b) Das Bundesgericht hat seine frühere, nicht immer einheitliche, Rechtsprechung
in dem Sinne verdeutlich, als dass die erwähnten gesetzlichen Bestimmungen nicht vorschrei-
ben, dass eine Einsprache gegen eine Ermessenseinschätzung wegen versäumter Mitwir-
kungshandlungen nur gültig ist, wenn damit gleichzeitig das Versäumte nachgeholt wird. Nach
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der neueren Rechtsprechung ist daher das Nachreichen einer bisher nicht vorgelegten Steuer-
erklärung nicht Gültigkeitsvoraussetzung der Einsprache (BGE 2C_579/2008, a.a.O., E. 2.2 mit
weiteren Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lebt die Untersuchungs-
pflicht der Steuerbehörde wieder auf, wenn die Ungewissheit des Sachverhalts, die zur ermes-
sensweisen Einschätzung geführt hat, durch den Steuerpflichtigen beseitigt worden ist (BGE
2C_579/2008, a.a.O., E. 2.4).
c) Die vorstehend zitierte Bundesgerichtspraxis wurde zwischenzeitlich präzisiert.
So wurde in BGE 2C_307/2013 vom 28. Juni 2013 festgehalten, dass es nicht genüge, auf die
Steuerklärung zu verweisen, die nachgereicht werde und als Beweismittel diene, wenn die
Steuerklärung nach Ablauf der Einsprachefrist nachgereicht werde. Vielmehr hätten die Pflichti-
gen gegen die ihnen obliegenden Pflichten der Begründung und Beweisnennung verstossen
(vgl. E. 2.2). Auch Laien müsse bewusst sein, dass sie sich nicht darauf beschränken könnten,
die amtliche Veranlagung innert der Einsprachefrist mit pauschalen und gänzlich unbegründe-
ten bzw. unbelegt gebliebenen Behauptungen in Zweifel zu ziehen (vgl. E. 2.3.1). Auch aus
dem bereits zitierten BGE 2C_579/2008 könnten die Steuerpflichtigen nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Das Bundesgericht stelle dort zwar klar, dass die offensichtliche Unrichtigkeit der Er-
messensveranlagung auch ohne Nachreichen der Steuererklärung dargetan werden könne. In
jenem Fall belege der Pflichtige indes seine Behauptung, er habe ein Einkommen von Fr. 0.--,
mit der Jahresrechnung. Diese habe er der Einsprache beigefügt, welche somit rechtzeitig und
genügend begründet gewesen sei. Im Gegensatz dazu sei hier eine hinreichende Begründung
bzw. eine auch nur ansatzweise substantiierte Darlegung erst der verspätet eingereichten
Steuerklärung zu entnehmen gewesen (vgl. E. 2.3.2). Weiter wurde in BGE 2C_714/2013,
2C_716/2013 vom 3. September 2014 klargestellt, dass, wie bei der Steuerklärung, die Ermes-
sensveranlagung auf einer Gesamtbetrachtung der Einkommens- und Vermögenssituation ba-
siere. Mit dem Einreichen lediglich eines Lohnausweises könne diese nicht umfassend darge-
stellt und somit auch nicht substantiiert begründet werden (vgl. E. 2.2).
d) Vorliegend hat die amtliche Veranlagung ihre Ursache darin, dass die Rekurren-
ten trotz mit A-Post Plus-Sendung versandter letzter Mahnung vom 13. Mai 2015 die in Frage
stehende Steuererklärung innert der gesetzten Frist bis 31. Mai 2015 nicht eingereicht haben.
Die den Rekurrenten mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2013 Amtliche Einschätzung