Decision ID: 7444f7d4-addf-4dd8-9610-31a71b202322
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1961
,
verheiratet
,
verfügt über
keinen erlernten Beruf (Urk. 8/8 S. 3-4
)
.
Die Versicherte
kündigte ihre
letzte Stelle
als Mitarbeiterin Rei
nigung bei der
Y._
auf den 31.
Mai
2012
(vgl. Urk.
8
/
7/2
).
Unter
Hinweis auf
Knie- und Rückenarthrose
meldete
sich die Versicher
te am
6
.
Juni
201
2
bei der Invalidenversicherung
an
(Urk.
8
/
8
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle,
wies
gestützt auf ein internistisch-rheumatologisches und psychiatrisches
Gutachtens von Dr. med. und Dr. sc. nat. ETH
Z._
, Innere Medizin FMZ, spez. Rheumaerkrankungen,
und
von Dr. med.
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Chefarzt
B._
(Expertise vom 8. Februar 2013,
Urk.
8/28/1-29; Expertise und interdisziplinäre Zusammenfassung vom 18. Feb
ruar 2013,
Urk.
8/30)
,
bei einem Invaliditätsgrad von 4 %
das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 20. Juni 2013 (Urk. 8/47)
ab
.
Die
da
gegen erhobene Be
schwerde
(Urk. 8/51/3-9)
wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 21. Mai 2014 (Urk. 8/54) abgewiesen
(Prozess IV.2013.00670)
.
1.2
Am
8
. September 201
5
meldete
sich die Versicherte unter Hinweis auf
eine psy
chi
sche
Erkrankung
sowie
Verschlimmerung der Knieleiden
erneut bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8
/
64
). Die IV-Stelle tätigte Ab
klärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht und holte das
polydis
ziplinäre
Gut
achten
des
C._
vom
17
.
März 2016
(Urk.
8
/
80
) ein.
Mit Vorbescheid vom
12
.
Mai
201
6
(Urk.
8
/
8
3) stellte die IV-Stelle
der Versicherten die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht und
verfügte
,
nach
deren
Einwand vom 12. Juli 2016 (Urk. 8/94)
,
am
10
.
August
2016 (Urk. 2) in diesem Sinne.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
2
. September 2016 Beschwerde (Urk. 1) mit den Anträgen, es sei die Verfügung der
IV-Stelle
vom
10
.
August
2016 aufzuhe
ben und diese zu verpflichten, ihr
die gesetzlichen Leistungen, insbesondere
eine
ganze
Invalidenrente
zu gewähren; eventualiter sei ein polydisziplinäres medizi
nisches Gutachten e
inzuholen. Zudem sei
ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und Rechtsanwältin
Regula
Aeschlimann
Wirz
, Küs
nacht, als un
entgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen
.
Die IV-Stelle beantragte am
5
. Oktober 2016 die Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
)
,
was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 7. November 2016 (Urk. 9) zur Kenntnis
gebracht
wurde.
Am 16. März 2017 informierte die Be
schwerdeführerin das Gericht, das ihrem Ehemann Zusatzleistungen in der Höhe von
Fr.
49'942.-- nachbezahlt worden seien (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im Beschwerdeverfah
ren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch rele
vante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatri
sche Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fachärztlich fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hinweis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete ihre leistungsabweisende
Verfügung vom
10
.
August
2016 (Urk. 2)
damit,
gestützt auf das Gutachten
des
C._
vom 17. März 2016 (Urk. 8/80)
sei
bei
der Be
schwerdeführerin
von einer
80%igen Ar
beitsfähigkeit in einer
– näher beschriebenen -
angepassten Tätigkeit auszugehen.
Diese sei ihr n
ach
dreimonatiger Erholungszeit nach einer am 10. Mai 2016 durchgeführten Knieoperation
zumutbar (Urk. 2 S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde vom 2. September 2016 (Urk. 1)
zusammengefasst
auf
den Standpunkt, dass
ihre psychische Situation eine Arbeitstätigkeit
nicht zulasse und die psychischen Beschwerden aufgrund fehlender intellektueller Fähigkeiten nur begrenzt therapierbar seien (
Ziff
. 15)
. Zudem kritisierte sie das Gutachten des
C._
in verschiedener Hinsicht
(
Ziff. 5-10
)
und rügte die fehlende Ressourcenprüfung (Ziff. 11)
.
2.3
Umstritten ist vorliegend, ob der Beschwerdeführerin
nach der Neuanmeldung aufgrund einer
allfälligen
Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes
nunmehr
eine Invaliditätsrente zusteht.
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserheb
liche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräf
tige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den er
werblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152).
Vorliegend
sind die aktu
ellen gesundheitlichen Verhältnisse zu vergleichen mit denjenigen, wie sie sich im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 2
3.
Juli 2013 (
Urk.
8/51/3-9) ge
zeigt haben.
Dabei ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin bezüglich ihrer angestamm
ten Tätigkeit aufgrund
ihrer
somatischen Leiden
in ihrer angestammten Tätigkeit zurzeit
zu 100 % arbeitsunfähig
ist
(vgl.
Urk. 1 und
Urk.
2 S.
1
). Dies steht im Einklang mit der Rechts- und Aktenlage
(vgl. Urk. 8/80 S. 43)
. Umstritten und zu prüfen
ist
, inwiefern und in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin in einer
angepassten Tätigkeit
arbeitsfähig ist und,
ob ihr
allenfalls
eine Invalidenrente zusteht.
3.
3.1
Die ursprüngliche
rentenabweisende Verfügung
vom
20. Juni 2013 (Urk. 8/47)
basierte im Wesentlichen auf
der
bidisziplinäre
n
Expertise
von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
; diese
umfasst
e das internistisch-rheumatologische Gutachten von Dr.
Z._
vom 8. Februar 2013 (Urk.
8/2
8
) sowie das psychiatrische Gutach
ten von Dr.
A._
vom 18. Februar
2013
(Urk.
8/30
) mit interdisziplinärer Zu
sammenfassung
von
beiden Fachärzten
(
Urk.
8/31).
3.2
Dr.
Z._
nannte
in
ihrem
internistisch-rheumatologischen
Gutachten vom
8
.
Februar
20
13
(Urk.
8
/
28
S.
23
) folgende Diagnose
mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit
:
-
Knieschmerzen beidseits bei
-
Rechts: aktivierter medial betonter Pan-Gonarthrose
-
Links: kongenitaler Patella
bipartita
und
Pangonar
th
rose
und aktivier
te
r
Retropatellar-Arthrose (Röntgen und Szintigraphie 01/2013)
Zudem nannte sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 23):
-
Ausgedehnte chronische Schmerzen
-
Adipositas Grad II
-
Vitamin D-Mangel (21
nmol
/l)
-
Subklinische Hypothyreose (Erstdiagnose 05/2009)
-
Hypercholesterinämie (6
nmol
/l)
3.3
Im psychiatrischen Gutachten von Dr.
A._
vom 18. Februar 2013 (Urk. 8/3
0
) wurden folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (S. 6):
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Akzentuierung der ängstlich-abhängigen Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
3.
4
Das hiesige Gericht erwog hierzu im Urteil vom 21
.
Mai 2014
, dass das
bidis
ziplinäre
Gutachten von Dr.
Z._
und Dr.
A._
sämtliche Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage erfülle
(Urk. 8/54 E. 4.1)
.
Der im Gutachten ausführlich wiedergegebene Psychostatus
habe
in kei
ner Weise auf ein schweres affektives Leiden – wie
es
Dr.
D._
diagnostiziert
e
– hingewiesen. Auch habe d
er
psychiatrische Gutachter das Vorliegen einer Per
sönlichkeitsstörung unter Hinweis auf den unauffälligen Lebenslauf der Be
schwerdeführerin nachvollziehbar verneinen können.
Hinsichtlich der geklagten Rückenbeschwerden
sei
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erstellt (E. 4.6).
Das Gericht ging davon aus,
dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tä
tigkeit als Reinigungsangestellte seit April 2012 zwar nicht mehr zumutbar war, für eine leidensangepasste leichte (knieschonende) Tätigkeit dagegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestand (E. 4.8).
4.
Die
rentenabweisende Verfügung
vo
m
10
.
August
201
6 (Urk. 2)
beruhte auf nachstehenden medizinischen
Unterlagen
.
4.1
Hausarzt Prof. Dr. med.
E._
, Facharzt für Anästhesie FMH,
bei welchem sich die Beschwerdeführerin seit 29. November 2008 in Behandlung
befand
(vgl. Urk. 8/14/1-4 S. 1),
berichtet
e
am 22. September 2014 (Urk.
8/63/2), dass bei der Beschwerdeführerin seit Jahre
n
diverse
Be
schwerden bestünden
, ohne allfällig erhobene Befunde anzugeben.
4.2
Dr. med.
D._
,
Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
der
die Beschwer
deführerin seit
2
0
.
Februar
20
13
behandelt
(
Urk.
8/51/20)
,
nannte in seinem Be
richt vom 1
2.
Juni
201
5
(Urk. 8/63/
8-10
)
folgende Diagnosen (S. 2)
:
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Mittelgradige bis schwere depressive Störung (ICD-10 F32.11, F32.2)
-
Chronifiziertes
Schmerzsyndrom bei bekannter Gonarthrose beidseits
Dr.
D._
berichtete, dass die Beschwerdeführerin vor 8 Jahren während der Ar
beit
einen Einbruch
erlebt habe. Danach habe sie Angst bekommen und ihre Ar
beit nur in Anwesenheit einer Drittperson verrichten können
.
Auch zu Hause fühle sie sich unsicher und sei nicht im
Stande
, alleine zu bleiben. Gleichzeit
ig mit der Angststörung reagier
e die
Beschwerdeführerin
mit intensiven depressiven
Symptomen.
Weiter
führte Dr.
D._
aus,
dass
eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe.
Die Be
schwerdeführerin könne weder
die
bisherige noch eine andere Tätigkeit ausüben (S. 2).
Es sei
mit langer Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (S. 2 f.).
4.3
Nach am 2. Juni 2015
(vgl. Urk. 8/63/5)
in der
F._
erfolgter Knie-Total
prothesen-Implantation rechts berichtete Dr. med.
G._
, Oberarzt Orthopädie Untere Extremitäten
F._
,
in seinem Konsultationsbericht vom 14. Juli 2015 (Urk. 8/63/11), dass die Beschwerdeführerin mit dem Resultat sehr zufrieden sei und die Schmerzen deutlich zurückgegangen seien.
Zudem führte er
aus, dass bezüglich der linken Seite ebenfalls eine
mässiggradige
Varusgon
arthrose
bestehe, welche aufgrund der rechtsseitigen Entlastung mehr Schmerzen verursache. Mittelfristig sei auf der linken Seite sicherlich ebenfalls eine
Knieen
doprothese
notwendig.
4.4
Gestützt auf die Ergebnisse ihrer
internistischen,
rheumatologischen
und psychi
atrischen
Untersuchung stellten die
C._
-Gutachter
Dr. med.
H._
,
Fach
arzt
Allgemeine
Innere Medizin,
D
r. med.
I._
,
Facharzt Rheumatologie, und Dr. med.
J._
, Facharzt Psychiatrie
und Psychotherapie
,
in ihrer Expertise vom
17
.
März 2016
(Urk. 6/
80
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (S.
40
):
-
Generalisierte Angststörung
-
Leichte depressive Episode mit hypochondrischen Zügen
-
Pangonarthrose
beidseits
-
Status nach Implantation einer Knietotalprothese rechts am 2. Juni 2015
-
aktuell aktivierte Arthrose links mit klinisch Ergussbildung
-
Diskodegenerative Veränderung Lendenwirbelkörper
(LWK)
2/3 mit leichter
Olisthesis
gemäss Magnetresonanztomographie Lendenwirbelsäule vom 17. September 2015
Zudem stellten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
, die auf eigenen Erhebungen fussen
(S.
41
):
-
Radiologisch beginnende
Coxarthrose
links (Röntgen 17. September 2015)
-
Adipositas Grad II-III (BMI 40 kg/m
2
, Bauchumfang 114 cm, BMI am 1. Okto
ber 2008 38 kg/m
2
)
-
Arterielle Hypertonie, zurzeit medikamentös behandelt
-
Status nach
Cholezystektomie
April 2015
In ihrer medizinischen Gesamtbeurteilung führten die beteiligten Spe
zialärzte
aus,
für die Beschwerdeführerin
im Vordergrund st
ünden
ein
multilokuläres
, im Grunde genommen ubiquitäres
Schmerzsyndrom, ein d
epressives Syndrom sowie Ängste.
Anlässlich der Abklärungen hätten bereits früher erhobene Befunde be
stätigt werden müssen.
Au
s rheumatologischer Sicht stehe
die Gonarthrose im Vordergrund. Die
Beschwerdeführerin habe
über eine
Schmerzabnahme
nach der Implantation der
Knietotalendoprothese
berichtet
. Auf der linken Seite besteh
e
radiologisch ebenfalls eine fortgeschrittene
Arthrose. Klinisch finde sich aktuell auch ein leichter Erguss im Sinne einer Aktivierung
.
Eine eigentliche Ent
lastung durch den
Stockgebrauch
werde bei variablen Gangbildern
nicht durchgeführt
(S. 41)
.
Zusätzlich im Sinne einer mo
rphologischen Veränderung finde
sich bild
gebend noch eine
Diskopathie
auf Höhe
Lendenwirbelknochen 2/3,
die jedoch kein relev
antes klinisches Korrelat finde. Das ubiquitäre Schmerzsyndrom
könne
aus rheumatologischer Sicht nicht erklärt werde
n. Es finde
sich
dazu keine soma
tische Grundlage
(S. 41 f.)
.
Im psychiatrischen Status zeigten
sich vage, wenig präzise Ang
aben bei flüssigem Sprachduktus.
D
ie
Beschwerdeführerin zeige
eine gewisse
Sthenizität
,
es fänden sich
keine Hinweise auf kognitive oder mnestische
Störungen. Deutlich
feststell
bar
seien hypochondri
sche Züge, eine grosse Besorgtheit mit erheblichem
Lei
densdruck mit Überzeugung
,
schwer erkrankt zu sein
,
und entsprechend ausge
prägtem
regressivem Verhalten
, wie auch
d
eutliche Ängstlichkeit/Besorgtheit im Affektiven
;
objektivierbar
sei
hier
eine
leichte
Hera
bmodulierung
der Stimmungs
lage ins Deprimierte, daneben eine erhebliche
Affektlabilität mit rezidivierendem Weinen.
I
nsgesamt
wirke die Beschwerdeführerin
nervös und ängstlich. Dennoch
stünden die
objektivierbare
n
Befunde in einer
gewissen Diskrepanz zu den sub
jektiv beklagten Beeinträchtigungen
.
Insgesamt
könne
von
einer leichten depres
siven Episode ausgegangen werden. Diese
werde überla
gert durch die
bereits be
kannte generalisierte Angststörung, welche aber ebenfalls nicht schwer
ausge
prägt erschein
e
. Darüber hinaus
klage die Beschwerdeführerin
über multiple Schmerzen am ganzen Körper
, welche aber
nicht die Kriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
erfüllen würden
.
Differentialdiagnostisch müsse eine
Dekonditionierung
aufgrund des sozialen Rückzuges mit Flucht in den Kran
kenstand einerseits, andererseits auch die Diagnose einer Entwicklung körperli
cher Symptome aus psychischen Gründen erwogen werden.
Insgesamt besteh
e
aus psychia
t
rischer Sicht sicherlich eine Erkrankung mit Krankheitswert, die zu
einem erheblich regressiven, teils durch das familiäre Umfeld auch unterstützten Verhalten
geführt
habe (S. 42)
.
Bezüglich Konsistenzprüfung stellten die Fachärzte des
C._
fest, dass die Be
schwerdeführerin eine ganz erhebliche analgetische Medikation einnehme. Die diesbezüglich durchgeführten Laborkontrollen hätten ergeben, dass mindestens zum Zeitpunkt der Untersuchung Zweifel daran bestünden, ob die Beschwerde
führerin die verordnete Medikation auch regelmässig einnehme
,
s
eien doch die meisten Medikamente im Blut nicht nachweisbar gewesen. Es bestehe diesbezüg
lich eine klare Diskrepanz zwischen den Angaben der Beschwerdeführerin und den entsprechenden Befunden. Eine Mal-Compliance müsse angenommen wer
den. Dasselbe gelte für die Benutzung der beiden Amerikanerstöcke, welche je
denfalls von der Beschwerdeführerin nicht adäquat für ein entsprechendes
Schmerzsyndrom eingesetzt würden. Schliesslich seien ihre Angaben ihre ver
schiedenen Beschwerden betreffend auch recht unspezifisch und vage. Es könne auch der von ihr geschilderte Tageslauf ohne jede ausserhäusliche Tätigkeit (mit Ausnahme einzelner Spaziergänge und Arztbesuche) nicht ohne weiteres nach
vollzogen werden. Insgesamt seien sie im Rahmen der Konsenskonferenz unter Würdigung dieser Diskrepanzen der Ansicht, dass eine gewisse bewusstseinsnahe Schilderung der Beschwerden möglich sei (S. 42 f.).
Zur Arbeitsfähigkeit
führten
die
Gutachter
des
C._
aus
,
die
bisherige Tätigkeit als Reinigerin sei
der Beschwerdeführerin
unter Berücksichtigung
der
Einschrän
kungen nicht mehr zumutbar. In e
iner den körperlichen Leiden ada
ptierten Tä
tigkeit s
ei sie
zu 80
% arbeitsfähig. Es bestehe ein reduziertes Rendement auf
grund der psychischen Leiden. Die Verminderung des Rendements ergebe sich neben dem affektiven Leiden auch aus dem Schmerzerleben der Beschwerdefüh
rerin, entsprechend werde bei körperlich belastender Tätigkeit das Rendement et
was höher vermindert sein, als bei körperlich leichter Tätigkeit (S. 43).
Weiter
legten die Gutachter dar, dass eine
Veränderung
des Gesundheitszustandes seit der letzten Verfügung vom 20. Juni 2013
eingetreten sei.
Neu zum Vorgut
achten vom
8.
Februar
2013
seien
die Knieoperation und die
Diskopathie
auf Höhe
Lendenwirbelknochen
2/3 zu nennen, welche unterdessen radiologisch do
kumentiert worden
seien.
Entsprechend dem klinischen Befund
werde
hier
eine gewisse Einschränkung
bezüglich der
B
elastbarkeit attestiert. Ansonsten
bestün
den
keine Veränderungen zur
Vorbeurteilung respektive seit
Juni
201
3.
Aus psy
chiatrischer Sicht
sei
auf die weiter fortgeschrittene
Chronifizierung
hinzuweisen.
Im Übrigen entsp
re
che
der heutige psychopathologische Befund im Wesentlichen
demjenigen der Begutachtung durch Dr.
A._
.
Im
Rahmen der Knieoperation vom 2.
Juni 201
5
habe ein
e
vollschichtige Arbeits
un
fähigkeit für drei bis sechs Monate bestanden. Theoretisch wäre eine teilzeitliche Erwerbstätigkeit etwa ab dem vierten Monat postoperativ möglich gewesen; genau Angaben könnten nicht gemacht werden
(S. 44 f.).
4.5
Dr. med.
K._
, Facharzt für
orthopädische Chirurgie
, regionalärztlicher Dienst (RAD),
schloss sich in seiner
auf die Akten gestützten
Stellungnahme vom
15
.
April
201
6 (Urk. 8
/
82 S.
4)
der
Diagnose
und
der
Einschätzung
bezüglich
Ar
beitsfähigkeit
den
C._
-Gutachter
n
(vorstehend E. 4.4)
an.
Weitere medizinische Abklärungen erschienen
ihm
nicht erforderlich
.
Durch die Dokumentation auf Höhe LWK 2/3 und die Knieoperation werde eine gewisse Belastbarkeitsein
schränkung attestiert. Ansonsten bestehe keine Veränderung zur Vorbeurteilung.
Aus psychiatrischer Sicht werde auf die fortgeschrittene
Chronifizierung
verwie
sen und eine Rendement-Vermind
er
ung von 20
%
in ad
aptierter Tätigkeit attes
tiert
(S. 5).
4.6
Dr.
D._
bestätigte
in seinem
im
Einwandverfahren
eingereichten
Bericht vom
11
.
Juli
201
6
(Urk. 8/
95
/1-2
)
die bereits früher (vorstehend E. 4.2) gestellten
Di
agnosen (S. 1 f.
)
und nannte darüber hinaus eine p
osttraumatische Belastungs
störung (ICD-10 F43.1)
.
In Kenntnis des
C._
-Gutachtens hielt er fest, b
ei der Beschwerdeführerin bestehe nach wie vor eine schwere depressive Episode. Diese äussere
sich in depressiver Verstimmung, innerer Anspannung, Lustlosigkeit, Antriebsverminderung, inten
siven Ängsten, Einengung des Denkens und starke
r
Störung der kognitiven Funk
tionen sowie enorm ausgeprägtem sozialem Rückzug. Diese Symptome seien nicht nur
subjektiv,
sondern objektiv feststellbar. Das Bild einer Depression
mi
sche
sich mit den Symptomen einer posttraumatischen
Belastungsstörung. Im Gutachten
des
C._
werde
auch erwähnt, dass die
Beschwerdeführerin
aus poli
tischen
Gründen Bosnien verlassen habe. Es
sei
Tatsache, dass sie mit den Kindern
habe flüchten müssen
und deswegen während des Krieges in Kroatien
gewesen sei
. Zu erwähnen
sei
, dass gleichzeitig auch
in Kroatien Kriegsverhältnisse ge
herrscht
hätten
, was für
sie
die ganze Zeit
über
belastend
gewesen sei
, insbeson
dere weil ihr Haus in Bosnien zerstört
worden sei
.
Der
Einbruch in den Kinder
garten
bedeute
eine
Retraumatisi
erung
. Deswegen
habe
dieses Ereignis
solch
schwere Folgen
.
Die Beschwerdeführerin leide
immer noch unter zwanghaften negativen Erinnerungen,
werde
von Albträumen heimgesucht,
fühle
sich überall bedroht,
könne
sogar nicht nur auf der
Strasse,
sondern auch zu Hause nicht
alleine sein.
Dazu
bestünden
auch starke körperliche Beschwerden, welche an
dauernde intensive
Schmerzen auslös
t
en und
sie
in ihrer Beweglichkeit sehr be
einträchtig
t
en. Es
handle
sich um
zum Teil
psychisch,
zum Teil
körperlich verur
sachte Schmerzen. Diese wirk
t
en sich
sehr stark auf ihren psychischen Zustand aus.
Aus die
sem Grund
finde er, dass
die Beschwerdeführerin
aus gesundheitli
chen Gründen
zu
100
%
arbeitsunfähig
sei
(S. 1)
.
4.7
Dr. med.
L._
, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, nannte in ihrem
zuhanden der Beschwerdeführerin verfassten
Bericht
vom 12. Juli 2016 (Urk. 8/95/3)
folgende Diagnose:
-
Gonarthrose beidseits, Status nach Totalprothese rechts
-
Coxarthrose
links
-
Arterielle Hypertonie
-
Substituierte Hypothyreose
-
Depression mit Angststörung
Zudem führte sie aus, aufgrund des Rheumaleidens mit Kniearthrosen beidseits und Status nach Totalprothese rechts sei die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Lage, Arbeiten mit langem Stehen oder Gehen auszuüben, aber auch sitzende Arbeit über
längere Zeit sei ihr nicht zumutbar. Ihre Einschränkung schätz
t
e Dr.
L._
auf
50
%. Die Totalprothese des Kniegelenkes führe zwar zur deutli
chen Besserung der Schmerzen und Reduktion der täglichen Analgetika, die Mo
bilität und Belastbarkeit habe sich aber nicht wesentlich verändert. Die Beschwer
den seien recht glaubhaft und auch radiologisch bewiesen, wobei eine somato
forme Schmerzstörung sicherlich nicht vorliege.
5.
Sowohl die Fachärzte des
C._
(vorstehend E. 4.4) als auch der RAD-Arzt Dr.
K._
(vorstehend E. 4.5) kamen zum
einleuchtend begründeten
Schluss, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der ursprünglich ren
tenabweisenden Verfügung vom 20. Juni 2013 verändert hat.
Davon ist
unbe
strittenermassen
auszugehen.
Im Folgenden ist daher zu überprüfen, ob der
In
validitätsgrad
aufgrund des
verschlechterten
Gesundheitszustandes
seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung
eine
Veränderung erfahren hat
.
6.
6.1
Das
polydisziplinäre
Gutachten
des
C._
vom 17. März 2016 (E. 4.4
)
beruht auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen, wurde in Kenntnis der und
nach
Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet, berücksichtigt die geklagten Be
schwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerde
führerin auseinander. Die Gutachter haben die medizinischen Zustände und Zusammen
hänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolge
rungen nachvollziehbar be
gründet.
Damit entspricht es den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweis
kräftiges Gutachten (
vorstehend E. 1.6
).
6.
2
Die von
Dr.
L._
genannten
Diagnose
n
(E. 4.7) deck
en
sich mit
jenen
des
C._
-Gutachten
s
(E. 4.4). Sie
bescheinigte
–
im Unterschied zum
C._
-Gutachten
–
ohne weitere Begründung
eine
Einschränkung aufgrund des Rheumaleidens mit Kniearthrose von 50
%.
Damit
brachte
Dr.
L._
keine Aspekte vor,
die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind
. Namentlich setzte sie sich nicht mit der abweichenden gutachterlichen Beurteilung auseinander, so dass
ihr
Bericht nicht geeignet
ist
, Zweifel am Gutachten zu erwecken.
6.3
6.3
.1
Dr.
D._
diagnostizierte
aus
psychiatrischer Sicht
– in Abweichung vom
C._
-Gutachten (E. 4.4)
–
in seinen Berichten vom 12. Juni 2015 (E. 4.2) und vom 11. Juli 2016 (E. 4.6) eine mittelgradige bis schwere depressive Störung, eine Pa
nikstörung und ein
chronifiziertes
Schmerzsyndrom sowie im Bericht vom 11. Juli 2016 zudem eine posttraumatische Belastungsstörung.
6.3.2
Die von
Dr.
D._
im Zusammenhang mit dem depressiven Geschehen beschrie
benen Befunde (E. 4.2 und E. 4.6)
berücksichtigte
der begutachtende Psychiater (
Urk.
8/80 S. 36 f.), beurteilte deren Schwere jedoch zurückhaltender als der Be
handler.
Dr.
D._
sprach bereits im Bericht vom
2.
Juli 2013 von einer mittel
gradigen bis schweren depressiven Störung (Urk. 8/51/21), was der im Rahmen der ursprünglichen Leistungsprüfung begutachtende
Dr.
A._
(vorstehend
E. 3.3) nicht bestätigte. Das Gericht stellte auf
Dr.
A._
ab (Urk. 8/54 E. 4.4) und auch der Psychiater des
C._
erachtete dessen Beurteilung weiterhin als zutref
fend (vorstehend E. 4.4).
Dr.
D._
zeigte nicht auf, inwiefern diese Einschätzung nicht (mehr) zutreffend sein sollte, weshalb seine Diagnose in Bezug auf die Schwere der Depression das Gutachten nicht entkräftet, zumal letztlich nicht diese, sondern deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ausschlaggebend ist.
6.3.3
Zudem befand
Dr.
D._
, dass sich das Bild der Depression mit den Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) mische (vorstehend E. 4.6), woraus sich hinsichtlich der Schwere der Depression nichts Schlüssiges ableiten lässt. Insofern er die Schwere des psychischen Zustandsbildes mit der Flucht aus Bosnien beziehungsweise der
Retraumatisierung
durch den Einbruch im Kinder
garten vor acht Jahren untermauerte, ist zu bemerken, dass er bereits im Bericht vom
2.
Juli 2013 eine PTBS anführte (Urk. 8/51/21). Das Gericht erachtete im Urteil vom 21. Mai 2014 das Vorliegen dieser Störung indes nicht als erstellt (Urk. 8/54/10), wovon mangels Anhaltspunkten für Änderungen weiterhin aus
zugehen ist, zumal
Dr.
D._
selbst diese Diagnose am 1
2.
Juni 2015 nicht mehr stellte (vorstehend E. 4.2). Weshalb er am 1
1.
Juli 2016 (vorstehend E. 4.6) unter Bezugnahme auf zurückliegende Ereignisse auf seine Beurteilung zurückkam, legte er nicht dar. Im Hinblick auf die PTBS hat es daher beim bereits im Urteil vom 21. Mai 2014 Gesagten sein Bewenden. Dies gilt umso mehr, als der begut
achtende Psychiater die entsprechenden Kriterien ausdrücklich nicht als erfüllt erachtete (
Urk.
8/70 S. 37).
6.3
.
4
Das
wesentliche Kennzeichen für eine Panikstörung sind wiederkehrende schwere Angstattacken, die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Um
stände beschränken und deshalb auch nicht vorhersehbar sind. Typische Symp
tome sind plötzlicher Beginn mit Herzklopfen, Brustschmerzen, Erstickungsge
fühle, Schwindel und Entfremdungsgefühle.
Eine eindeutige Diagnose ist nur bei mehreren schweren vegetativen Angstanfällen zu stellen, die innerhalb eines Zeitraums von etwa einem Monat aufgetreten sind,
1.
in Situationen, in denen keine objektive Gefahr besteht;
2.
wenn die Angstanfälle nicht auf bekannte oder vorhersagbare Situationen begrenzt sind;
3.
zwischen den Attacken müssen weit
gehend angstfreie Zeiträume liegen
(vgl. diagnostische Leitlinien für eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome in
Dilling
/
Mambour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychi
scher Störungen: ICD-10 Kapitel V [F]: Klinisch diagnostische
Leitlinien, 10.
Aufl. 2015, S.
196 f.)
.
Zur Panikstörung
brachte
Dr.
D._
in seinen Berichten vom 12. Juni 2015
ledig
lich vor (
E. 4.2
S.
1), dass die Beschwerdeführerin seit dem Einbruch im Kinder
garten ihre Arbeit nur in Anwesenheit einer Drittperson verrichten
könne und in Panik gerate, wenn sie alleine sei
,
und sich auch zuhause nur sicher fühle, wenn ihr Mann anwesend
sei
. Damit sind jedoch die Angstanfälle auf bekannte oder zumindest vorhersehbare Situationen begrenzt und entsprechen demnach nicht den Kriterien gemäss ICD-10 einer Panikstörung.
Typische Symptome beschrieb er keine.
So kamen denn auch die Fachärzte des
C._
zum Schluss, dass
(lediglich)
eine generalisierte Angststörung vorliege (
vgl. E. 4.4). Dem kann gefolgt werden.
6.
3
.5
Dr.
D._
begründete das
chronifizierte
Schmerzsyndrom mit den depressiven Symptomen und Angstsymptomen sowie den starken körperlich verursachten Schmerzen, welche sich stark auf den psychischen Zustand der Beschwerdefüh
rerin auswirkten (vgl. E. 4.2 und E. 4.6). Die Gutachter des
C._
kamen hingegen zum Schluss, dass
eine a
nhaltende somatoforme
Schmerzstörung
ebenfalls nicht vorliege
(Urk. 8/80 S. 45).
Dr.
D._
setzte sich damit in keiner Weise auseinan
der, weshalb
sich folglich
k
eine vom Gutachten des
C._
abweichende Beurtei
lung
aufdräng
t
(E. 1.7
).
6.
4
Die Beschwerdeführerin kritisierte das
C._
-Gutachten (Urk. 8/80) in ihrer Be
schwerde (Urk. 1) in verschiedener Hinsicht.
6.4
.1
Sie
brachte
vor, dass der dem Gutachten
zugrunde
liegende Sachverhalte
durch die Gutachter
unvollständig abgeklärt worden sei.
Im Weiteren sei
en
Fremd
anamnese
n unabdingbar
(S. 5-7)
.
Dem ist zu entgegnen, dass
bezüglich
der psychiatrischen Begutachtung dem Facharzt bezüglich der Wahl der Untersuchungsme
thode ein weiter Ermessens
spiel
raum zukommt und es nicht zwingend notwen
dig ist, dass er fremdanam
nesti
sche Angaben einholt (Urteil des Bun
desgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E.
4.2.3). Gleiches gilt bezüglich des Vorwurfs der mangelnden Rücksprache mit dem behandelnden Psychiater
Dr.
D._
respektive dem Ehemann
. Die Akten
von Dr.
D._
waren
Dr.
J._
bekannt
und die Gutachter haben sich – wie gesagt – umfassend damit auseinandergesetzt
(
vgl. Urk. 8
/
80 S. 6, S. 9, S. 10, S. 34-38
)
.
Insoweit die Beschwerdeführerin ungenügende anamnestische Erhebungen rügte, in Anbetracht der nicht mehr
erinnerlichen
Umstände grössere Gedächtnislücken in den Raum stellte und eine neurologische und neuropsychologische Abklärung forderte (
Urk.
1 S. 8), ist ihr zu entgegen zu halten, dass keiner der mit ihr be
fassten Ärzte, auch nicht die behandelnden Fachärzte, entsprechende Beschwer
den thematisierten, so dass die Beschwerdegegnerin zu Recht von weiteren Erhe
bungen Umgang genommen hat.
6.4
.2
Im
Weit
e
ren
brachte die
Beschwerdeführerin vor, dass die
C._
-Gu
tachter eine falsche Diagnose ge
stellt und nicht nachvollziehbare Korrekturen der Diagnosen in der Konsenskonferenz vorgenommen hätten (S. 7-9).
Das Gutachten des
C._
vom 1
7.
März 2016 (E. 4.4)
und damit auch das darin enthaltende psychiatrisch
e
Teilgutachten
entspr
echen
de
n
bundesgerichtlichen Anforderungen an eine medizinische Expertise (vgl.
E.
6.1).
Die Gutachter haben den Sachverhalt umfassend abgeklärt und die Diagnosen schlüssig begründet (vgl. E. 6.3).
Anzeichen auf
fehlende Therapiemöglichkeiten
aufgrund der
intel
lektuellen
Fähigkeiten,
der fehlenden Introspektionsfähigkeit und der wenig aus
geprägten Symbolisierungsfähigkeit
der Beschwerdefü
hrerin finden sich
aus ärzt
licher Sicht nicht.
Die Argumentation der Beschwerdeführerin betreffend nicht nachvollziehbare Korrekturen der Diagnosen in der Konsenskonferenz geht fehlt.
Denn es liegt in der Natur der Konsensfindung der Gutachter der verschiedenen Fachrichtungen, dass sie ihre Erkenntnisse zusammenführen und die Diagnostik gegebenenfalls im Lichte der Gesamtbeurteilung anpassen.
6.4
.3
Ferner
brachte die Beschwerdeführerin vor, dass die Gutachter
des
C._
nicht erkannt hätten, dass für die Beurteilung ihrer Arbeitsfähigkeit
eine Ressourcen
prüfung
notwendig sei, aber keine solche
vorgenommen hätten
(S. 9)
.
Dabei über
sieht die Beschwerdeführerin, dass die Gutachter durchaus eine Konsistenzprü
fung vorgenommen haben und zum Schluss gelangt sind, dass eine gewisse be
wusstseinsnahe Schilderung der Beschwerde
n
möglich sei (Urk. 8/80 S. 42-43).
Bei der Resso
urcenprüfung anhand der Standard
indikatoren handelt es sich um eine
von der Rechtsprechung entwickelte Rechtsfigur zum Zweck, die vom be
gutachtenden Mediziner festgehaltenen
Befunde auf ihre Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit zu prüfen
(BGE 140
V
193 E.
3.1 und 3.2)
. Eine Ressourcenprüfung hat daher
vorab der
Rechtsanwender
vorzunehmen
.
Hervorzuheben ist
zudem
, dass gemäss altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert verlieren
(Urteil des Bundesgerichts 9C_46/2018 vom 2
8.
Februar 2018 E. 3.2.1.2).
6.
4
.4
Überdies
bringt die Beschwerdeführerin vor, dass das Belastungsprofil aufgrund des
C._
-
Gutachten
s
nicht vollständig sei
(S.
10). Es ist
zwar zutreffend
, dass
das Vermeiden von
längere
m
Sitzen, Gehen oder Stehen
durch
das
von den Gutach
tern des
C._
beschriebenen Belastungsprofil nicht erwähnt ist.
Die
entsprechen
den
Einschränkungen
formulierte
Dr.
L._
im Bericht
vom 12.
Juli
2016 (
E. 4.7
)
und
wurden letztlich
in der leistungsabweisenden Verfügung vom 10. Au
gust 2016
berücksichtigt (Urk. 2 S. 2)
.
6.5
Nach dem Gesagten
kann auf das
C._
-Gutachten
vom 17. März 2016 (E. 4.4) und
die
darauf beruhende
RAD-ärztliche
Einschätzung von Dr.
K._
vom 15. April 2016 (E. 4.5
) ergänzt um die Einschränkungen gemäss Bericht von
Dr.
L._
vom
12. Juni 2016
(E. 6.4.4
)
abgestellt werden
. Es ist somit
ab dem Gutachtenszeitpunkt vom 17. März 2016
von einer
80%igen
Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
in einer
angepassten,
körperlich
wechselbelastenden
leichten Tätigkeit
bis 10
kg
Gewichtsbelastung
,
ohne Lendenwirbelsäulen-Zwangshal
tung, ohne kniebelastende Körperhaltungen sowie
ohne langes Sitzen, Stehen und
Gehen
auszugehen
.
Von de
r im Eventualstandpunkt be
antragten
neuerlichen Begutachtung
sind keine
entscheidwesentlichen
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu ver
zichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d).
Die Frage, ob der aus medizinischer Sicht bescheinigten Arbeitsunfähigkeit von 20
%
angesichts der (auch) psychischen Leiden aufgrund der Ressourcenprüfung invalidisierende Wirkung zuzuschreiben ist, kann in Anbetracht des Ergebnisses der Invaliditätsbemessung (nachfolgend E. 7)
offen gelassen
werden.
6.6
Im Zusammenhang mit der Implantation der
Knieendoprothese
am
2.
Juni 2015 bescheinigten die
C._
-Gutachter eine Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit für die Dauer von drei bis sechs Monaten, wobei etwa vier Monate nach der Operation eine teilzeitliche Erwerbstätigkeit wieder zumutbar war (vorstehend E. 4.4). Frag
lich bleibt, ob während dieser befristeten Erwerbsunfähigkeit von 100
%
ein Ren
tenanspruch entstanden ist.
Im Juni 2013 lag - n
ach Ablauf der Wartezeit
-
ein rentenausschliessender
Inva
liditätsgrad
v
or (
Urk.
8/47,
Urk.
8/54), so dass
der Rentenanspruch damals
nicht entstanden war.
Die Beschwerdeführerin meldete sich am
8.
September 2015 neu zum Leistungs
bezug an (
Urk.
8/64). Vor Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Anspruchs, konnte von vornherein kein Rentenanspruch entstehen (
Art.
29
Abs.
1 IVG). Vier Monate nach der Operation, also Anfang Oktober 2015, erlangte die Beschwerdeführerin wieder eine (Teil-)Arbeitsfähigkeit in einer leidensange
passten Tätigkeit. Damit ist bereits während der Wartefrist eine gesundheitliche Verbesserung eingetreten, weshalb bei deren Ablauf im Januar 2016 kein Ren
tenanspruch entstanden war.
7.
7.1
Für die Bemessung des
Valideneinkommens
ist entscheidend, was die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Ermittlung des
Valideneinkommens
muss so konkret wie möglich erfolgen. Da die bisherige Tätigkeit erfahrungsgemäss fort
gesetzt worden wäre, ist in der Regel vom letzten Lohn auszugehen, der vor Ein
tritt der Gesundheitsschädigung erzielt wurde. Dieses Gehalt ist
,
wenn nötig
,
der Teuerung und der realen Einkommensentwickl
ung anzupassen (BGE 135 V 58 E.
3.1
).
Die
Beschwerdeführerin
arbeitete zuletzt als Mitarbeiterin Reinigung bei der
Y._
und bei der
M._
und erzielte dort
2012 ein Bruttoe
inkommen von
Fr.
11’159
.--
(Urk. 8/77/
2-
3
)
.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Bemessung des Validen
-
einkommens
aufgrund der längeren Arbeitslosigkeit der Beschwerdeführerin
– zu ihren Guns
ten -
auf die vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohn
strukturerhebungen
(LSE) ab (
LSE 2014,
Tabelle
TA
1
, Ziffer
Total
; Lohn für Hilfs
arbeiten [Zentralwert]
), berücksichtigte die Nominallohnentwicklung sowie die betriebsübliche Arbeitszeit und
ermittelte ein
Valideneinkommen
von
Fr.
54'874.25
(
Fr.
4'300.--
/ 40 x 41
.
7
x 12
Monate
/
1.010
%
x
1.010
%;
vgl.
Urk. 2 und Urk. 8/81).
Dieses Vorgehen gibt
grundsätzlich
zu keinen Bemer
kungen Anlass und wurde von der Beschwerdeführerin denn auch nicht gerügt (vgl. Urk. 1).
Allerdings ist
die Tabelle
T1.2.10 Nominallohnindex, Frauen 2011-2016
, zu verwenden, so dass ein
massgebendes
Valideneinkommen
von Fr.
54'520.--
resultiert
(
Fr.
4'300.--
/ 40 x 41
.
7 Stunden
x 12
Monate
/
103
.
6
[Index 2014]
x
105.0
[Index 2016]
)
.
7.2
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen ge
geben, namentlich, weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsscha
dens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit auf
genommen hat, so können nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss LSE herangezogen werden (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Die Beschwerdeführerin ging seit
2013
keiner Arbeit mehr nach, weshalb auf die Tabellenlöhne gemäss LSE abzustellen ist
.
Rechtsprechungsgemäss sind daher
die Löhne für Frauen (LSE 201
4
TA1
, Kompetenzniveau 1
) in einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art
heranzuziehen,
so dass - angepasst an die Nominallohnentwicklung von Indexstand
103
.
6
(2014) auf Indexs
tand
105.0
(2016; vgl.
Tabelle T1.2.10 Nom
inallohnindex, Frauen 2011-2016
)
sowie an die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2016 (vgl. Tabelle
T 03.02.03.01.04.01 Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen)
und unter Berücksichtigung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
- ein Invalidene
inkommen von Fr.
43'616.
--
resultiert
(Fr.
4'300.
--
x 12 /
103
.
6
x
105.0
/ 40 x 41.7
x 0
.
8
).
Von
der Beschwerdeführerin
zu Recht nicht beanstandet
wurde, dass
kein
lei
densbedingter Abzug
auf de
m
Tabellenlohn erfolgte
. Nach ständiger Rechtspre
chung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6).
Ein solcher
nicht ersichtlich und wurde
auch
nicht geltend gemacht
(Urk. 1)
, weshalb
es dabei sein Bewenden hat
.
7.3
Nach dem Gesagten steht dem
Valideneinkommen
von Fr. 54'520.-- (E. 7.1) ein zumutbares Invalideneinkommen von
Fr.
43'616.-- (E. 7.2) gegenüber. Damit re
sultiert
für die Zeit ab Oktober 2015
ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 20
%.
D
emnach
ist
die
Beschwerde
daher
abzuweisen.
8
.
Das Gericht entzieht die unentgeltliche Rechtspflege, wenn der Anspruch nicht mehr besteht
(§ 28
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]
in Verbindung mit
Art.
120
der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO]
; vgl. auch zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 9C_827/2017 vom
7.
Mai 2018 E. 3.1.2).
Wenn der Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege nicht mehr besteht, erfolgt der Entzug grundsätzlich für künftige Prozesshandlungen (ex
nunc
et pro
futuro
). Dass ein Entzug der unentgeltlichen
Rechtspflege grundsätzlich nur mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
erfolgen soll, folgt auch aus dem Vertrauensschutz. Der rückwirkende Entzug (ex
tunc
) greift nur ausnahmsweise,
etwa,
weil die Partei falsche oder unvollständige Angaben zu ihren finanziellen Verhältnissen gemacht hat oder sich sonst mutwillig, irre
führend, täuschend oder rechtsmissbräuchlich verhalten hat (Urteil des Bundes
gerichts 4D_19/2016 vom 11. April 2016 E. 4.5 mit Hinweisen).
Mit
Verfügung vom 7. November 2016 (Urk. 9)
wurde der Beschwerdeführerin
die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ihr Rechtsanwältin Regula
Aeschli
mann
Wirz, Küsnacht, als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt
,
basierend
auf der dannzuma
l ausgewiesenen prozessualen Bedürftigkeit
, dies
mit dem Hinweis
auf
die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
G
SVGer
.
Mit Eingabe vom 16. März 2017 (Urk. 12) teilte die Rechtsvertreterin mit, dass der Beschwerdefüh
rerin und
ihrem
Ehemann eine Summe von Fr. 49'942.-- nachbezahlt worden sei.
Damit ist die Beschwerdeführerin nicht mehr
als
bedürftig
anzusehen
und hat
dementsprechend
keinen Anspruch
mehr
auf unentgeltliche Rechtspflege.
Die
Be
schwerdeführerin
hat keine
falsche
n
oder unvollständige
n
Angaben zu ihren fi
nanziellen Verhältnissen gemacht oder sich sonst mutwillig, irreführend, täu
schend oder rechtsmissbräuchlich verhalten
,
sondern vielmehr den Vermögens
zufluss dem Gericht gemeldet. Daher ist
die unentgeltliche Prozess
pflege
ex
nunc
et pro
futuro
zu entziehen.
9
.
9
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
800.-- anzusetzen.
E
ntsprechend de
m Verfahrensausgang
sind sie
der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.
9.2
Nach
Art.
61
lit
. a ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person An
spruch auf
Ersatz der Parteikosten
.
Gemäss
§
34
Abs.
3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialver
sicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der von
Rechtsanwältin
Regula
Aeschlimann
Wirz mit Eingabe 14. März 2017 (Urk. 11) geltend gemachte Aufwand von 16 Stunden ist der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen
.
Angesichts der zu studierenden 100 Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, de
r etwa 11
-
seitigen Rechtsschrift
, de
r
Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unent
geltliche
Rechtsverbeiständung
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von
Rechtsanwältin
Regula
Aeschlimann
Wirz bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich
Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'400
.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
9.3
Im Falle des Entzugs besteht der Entschädigungsanspruch des unentgeltlichen Rechtsvertreters bis zum Entscheid über den Entzug grundsätzlich gegenüber der Staatskasse. Im Umfang der bezahlten Entschädigung hat der Staat einen Rück
forderungsanspruch gegenüber der unentgeltlich vertretenen Partei (Madeleine
Randacher
, N 14 zu
§
16 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
, in: Christian Zünd / Brigitte Pfiffner
Rauber
, Hrsg.,
GSVGer
Kommentar,
2.
Auflage, Zürich 2009; mit Hinweis auf ZR 96 Nr. 50 S. 129 ff.). D
er
unentgelt
liche
n
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Regula
Aeschli
mann
Wirz,
sind
demnach
ihre Aufwendungen
im
Umfang
ihrer Aufwendungen
von Fr.
2
'
4
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
; vgl. vorstehend E. 9.2
) aus der Gerichtskasse
zu entschädigen.
9
.4
Gemäss
§
16 Abs. 4
GSVGer
ist eine Partei, welcher die unentgeltliche Rechts
pflege gewährt wurde
,
zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist. Der
Beschwerdeführerin und
ihrem
Ehemann
wurde
vom Amt für Zusatzleis
tungen eine Summe von
Fr.
49'942.
--
nachbezahlt
(Urk. 12).
D
amit ist sie in der Lage
,
die
aus der Gerichtskasse geleistete Entschädigung ihrer Rechtsvertreterin im Umfang von Fr.
2
'
4
00.
--
dem Gericht zurückzuerstatten
.
Das Gericht
beschliesst
:
Der
Beschwerdeführerin
wird die mit Verfügung vom
7.
November 2016 erteilte
unent
geltliche Rechtsvertretung und unentgeltliche Prozessführung
entzogen,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
abgewiesen.
2.
Die Gerichtsk
osten von
Fr.
800.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt
. Rechnung und Einzahlungsschein werden den Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
D
ie
unentgeltliche
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Regula Aeschlimann Wirz, Küsnacht,
wird
mit Fr.
2
'
4
00
.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus
der Gerichtskasse entschädigt.
4
.
Die
Beschwerdeführer
in
wird verpflichtet, der Gerichtskasse die
der
unentgeltlichen Rechtsvertreter
in
zugesprochene Entschädigung von
Fr.
2
’
4
00
.
-- zu
rückzuerstatten
.
5
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Regula
Aeschlimann
Wirz
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
6
.