Decision ID: a0a19c9e-0d7e-4c1f-b53f-c3f528fcbfbf
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1978
, Staatsangehörige
r der Bundesrepublik Deutsch
land (
Urk.
15/1/3)
, reiste am
2
8.
Juni 2010
in die Schweiz ein und meldete sich
am
5.
August 2010
der
Stadt
Y._
zur Aufnahme im
Einwoh
nerregister
an (Urk.
15/1/2
)
. Der
Stadt
Y._
übergab der Versicherte
ein Formular E 101, Bescheinigung über die anzuwendenden Rechtsvorschriften der
Verwaltungs
kommission
der Europäischen Gemeinschaften für die soziale Sicherheit der Wan
d
erarbeitnehmer, worin
dem Versicherten vom
zust
ändigen deutsche
n
Trä
ger
bestätigt wurde
, dass er
für die Zeit vom 2
8.
Juni 2010 bis 3
1.
Dezember 2010 als Entsandter im Sinne von
Art.
14
Ziff.
1
lit
. a der
Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 1
4.
Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der so
zi
alen Sicherheit auf Arbeitneh
mer und Selbstständige sowie deren Familiena
n
gehörige, die innerhalb der Ge
meinschaft zu- und abwandern (SR 0.831.109.268.1;
kurz: VO 1408/71)
,
den Rechtsvorschiften der Bundesrepublik
Deutschland unterliege
(Urk. 15/1/3)
. Am 1
0.
September 2010 überwies die Stadt
Y._
,
Städtische Gesundheitsdienste
,
die Sache an die
Gesundheits
direktion
des Kan
tons Zürich zu
r
Prüfung als Gesuch um Ausnahme von der
Kranken
ver
siche
rungspflicht
(Urk. 15/1/1). Mit Verfügung vom
5.
November 2010 (
Urk.
15/2)
befreite die Gesundheitsdirektion den Versicherten für die Zeit vom 2
8.
Juni bis 3
1.
Dezember 2010 von der Krankenversicherungspflicht.
1.2
Im Februar 2011 reichte der Versicherte der Stadt
Y._
ein von seiner Arbeit
geberin in der Bundesrepublik Deutschland ausgefülltes Formular E 102, Ver
längerung der Entsendung der Verwaltungskommission der Europäischen Ge
meinschaften für die soziale Sicherheit der Wanderarbeitnehmer, für eine Ver
längerung der Entsendung für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2011 ein (
Urk.
15/3/3).
Am
6.
Mai 2011 (
Urk.
15/4) befreite die Gesundheitsd
irektion des Kantons Zürich den Versicherten für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2011 von der Krankenversicherungspflicht (
Urk.
15/4).
1.3
Am
2.
Februar (
Urk.
12/2), am
6.
(
Urk
12/3) und am 2
9.
März 2012 (
Urk.
12/4) forderte die Stadt
Y._
den Versicherten auf,
ihr
einen Versicherungsnachweis
einer schweizerischen Krankenversicherung
zukommen zu lassen
b
eziehungs
weise
ihr
einen anerkannten Befreiungsgrund von der
Kranken
versicherungs
pflicht
mitzuteilen. Nachdem der Versicherte diesen Aufforderungen nicht nach
gekommen war, wies die Stadt
Y._
den Versicherten mit Verfügung vom
4.
Mai
2012 (
Urk.
12/5) mit Wirkung ab
1.
Juni 2012 der
Sanitas
Krankenversi
che
rung zu. Dagegen erhob der Versicherte am 2
3.
Mai 2012 Einsprache (
Urk.
12/6/1).
Mit der Einsprache reichte der Versicherte ein Schreiben der
Deutschen
Verbindungsstelle Kranken
versicherung - Ausland
(DVKA)
vom
7.
Ma
i 2012
betreffend Abschluss einer Ausnahmevereinbarung
(
Urk.
12/6/2)
ein
.
Mit Schreiben vom
8.
Juni 2012 (Urk. 12/7) teilte die Stadt
Y._
dem Versicherten mit, dass die amtliche Zuteilung zur
Sanitas
Krankenversicherung bis zu einer
allfälligen rückwirkenden Befreiung von der
Krankenversi
che
rungspflicht
be
stehen
bleibe,
und überwies die Sache an die
Gesund
heitsdirektion
des Kantons
Zürich zu
r
Prüfung als Gesuch um Befreiung von der
Krankenver
siche
rungs
pflich
t
.
1.4
Mit Schreiben vom 1
3.
Dezember 2012
(
Urk.
15/6) teilte
die
Gesundheitsdirek
tion
des Kantons Zürich
dem
Versicherten
mit, dass zur Prüfung eine
r
Verlän
gerung der Befreiung von der Krankenversicherungspflicht ein von seiner Ar
beit
geberin in der Bundesrepublik Deutschland oder dem zuständigen deutschen Träger aus
gefülltes Formular E 101 erforderlich sei, und forderte ihn auf, ein solches ein
zureichen. Mit Verfügung vom 3
0.
August 2013 (
Urk.
15/7) wies die
Gesund
heits
direktion
des Kantons Zürich
das Gesuch des Versicherten um Ver
längerung der Befreiung von der
Krankenversicherungs
pflicht
ab und ver
pflichtete den Versi
cher
ten, bis spätestens 3
0.
November 2013 bei einer aner
kannten schweize
ri
schen Krankenversicherung eine
Kranken
pflege
versicherung
abzuschliessen und der Wohngemeinde einen
Versicherungs
nachweis
zukom
men zu lassen
. Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen (vgl.
Urk.
15/8).
Mit Entscheid vom
1.
Dezember 2014 (
Urk.
12/10 =
Urk.
2)
wies die Stadt
Y._
die Einsprache des Versicherten vom 2
3.
Mai 2012 (
Urk.
12/6/1) gegen die Ver
fügung vom
4.
Mai 2012 (
Urk.
12/5) ab.
1.5
Mit Schreiben vom
7.
Mai 2012 (Urk
.
18/1) schlug die
DVKA
dem (schweizeri
schen) Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) den Abschluss einer
Ausnah
me
vereinbarung
für den Versicherten für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2012 im Sinne von
Art.
17 VO 1408/71 vor. Mit Schreiben vom 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
1
8/2) teilte das BSV der
DVKA mit, dass der Versicherte weiterhin den Rechtsvorschriften über die Soziale Sicherheit des Entsendestaates unterstellt bleibe und bestätigte eine Befreiung des Versicherten von den schweizerischen Rechtsvorschriften über Soziale Sicherheit für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2012.
Mit Schreiben vom
6.
Mai 2014 (Urk
.
18/3) schlug die DVKA dem BSV den Ab
schluss einer Ausnahmevereinbarung für den Versicherten für die Zeit vom
1.
Januar 2013 bis 3
1.
Dezember 2015 im Sinne von
Art.
16
Abs.
1 der Ver
ordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäi
schen Parlaments und des Rates vom 2
9.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (VO 883/2004
)
vor. Mit Schreiben vom
5.
Juni 2014 (
Urk. 18/4) teilte das BSV
der
DVKA mit, dass der Versicherte weiterhin den Rechtsvorschriften über die Soziale Sicherheit des Entsendestaates unterstellt bleibe und bestätigte eine Be
freiung des Versicherten von den schweizerischen Rechtsvorschriften über Sozi
ale Sicherheit für die Zeit vom
1.
Januar 2013 bis 3
1.
Dezember 2015.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
1.
Dezember 2014 (
Urk.
2)
erhob
der Ver
sicherte am 23. Dezember 2
014 (Urk. 1) Beschwerde, welche
er am 31. Januar 2015 (Urk. 6) ergänzte
. Darin
beantragte
er
sinngemäss,
der angefochtene Ent
scheid
sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass er in der Bundesrepublik Deutschland krankenversichert sei. Mit
Beschwerde
ant
wort
vom
2
3.
Februar 2015
(Urk.
11
) beantragte die
Stadt
Y._
die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom
6.
März 2015 (
Urk.
13
) wurden die den Beschwerdeführer betreffenden Akten des BSV (
Urk.
18/0-4) und der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich (
Urk.
15/1-10) beigezogen. Die Parteien liessen sich dazu inner
halb der ihnen eingeräumten Frist (
Urk.
19) nicht vernehmen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Juni 2002 ist das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweize
ri
schen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und
ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Fre
izügigkeit (
Freizügigkeitsab
kom
men
;
FZA) in Kraft getreten.
Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage des Art. 8 des FZA ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II („Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit") FZA in Verbindung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragspar
teien untereinander insbesondere die
VO
883/2004 und die Verordnung (EG) Nr.
987/2009 (VO 987/2009) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 oder gleichwertige Vorschriften an. Die beiden genannten
ge
meinschaftsrechtlichen
Verordnungen sind für die Schweiz durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom 31. März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit per 1. April 2012 in Kraft getreten (AS 2012 2345; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_455/2011 vom 4. Mai 2012 E. 2.1).
1.2
In zeitlicher Hinsicht
sind
das FZA
und die für die Schweiz am
1.
April 2012 in Kraft getretenen VO 883/2004, welche die VO 1408/71 ersetzt hat, sowie die VO
987/2009, welche die Ver
ordnung (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 21. März 1972
über die Durchfüh
rung der VO 1408/71 (VO 574/72) ersetzt hat, anzuwen
den,
da
vorliegend die Frage nach der Krankenversicherungspflicht des Be
schwer
deführers in der Zeit ab
1.
Juni 2012 und daher für einen Zeitraum
nach Ink
rafttreten des FZA
und der VO 883/2004 sowie der VO 987/2009 im Streite steht (vgl.
die Übergangsbestimmungen von
Art.
87 VO 883/2004 und
das
Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2012 E. 51.2).
1.3
In
persön
li
cher Hinsicht
sind das FZA und die VO 883/2004
anwendbar, da
der Beschwerdeführer
Staatsangehörige
r
der Bundesrepublik Deutschland und damit Staatsangehörige
r
eines Mit
gliedstaates ist, für welche
n
die Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitglied
staaten im Sinne von Art. 2 Abs. 1
der VO 883/2004
gelten. Ebenfalls gegeben ist die sachliche Anwendbarkeit, da sich der Geltungsbereich der
VO 883/2004
unter anderem auf Leistungen bei Krank
heit und Mutterschaft bezieht (Art.
3 Abs. 1
lit
. a VO 883/2004
).
1.4
Die VO 883/2004
, welche
unter anderem für Rechtsvor
schriften über Zweige der
sozialen Sicherheit, die Leistungen bei Krankheit und Mutterschaft betreffen,
gilt
, enthält
in Kapitel 1 des Titels III besondere Vor
s
chriften für diese
Leis
tungs
art
.
Der
Titel II
VO 883/2004 (Art. 11-16)
enthält
allgemeine
Kollisionsre
geln
zur Bestimmung der anzuwendenden
Rechtsvorschriften. Dabei
legt
Art. 11 Abs. 1
VO 883/2004 den kollisionsrechtlichen Grundsatz der Einheitlichkeit der an
wend
baren Rechtsvorschriften in dem Sinne fest, dass für jede betroffene Person die Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaates massgebend sind (BGE 138 V 258 E.
4.2
mit Hinweis). Ausnahmen vorbehalten, gilt für
Arbeitneh
mende
das
Be
schäftigungslandprinzip
(Art. 11 Abs. 3
lit
. a der VO 883/2004 und Art. 13 Abs. 2
lit
. a der
VO
1408/71; BGE 136 V 244 E. 3.2.1 S. 247).
1.5
Der eine Sonderregelung enthaltende
Art.
12
Abs.
1
VO 883/2004
sieht das Fol
gende vor: „Eine Person, die in einem Mitgliedstaat für Rechnung eines Arbeit
gebers, der gewöhnlich dort tätig ist, eine Beschäftigung ausübt und die von diesem Arbeitgeber in einen anderen Mitgliedstaat entsandt wird, um dort eine Arbeit für dessen Rechnung auszuführen, unterliegt weiterhin den Rechtsvor
schriften des ersten Mitgliedstaats, sofern die voraussichtliche Dauer dieser Ar
beit vierundzwanzig Monate nicht überschreitet und diese Person nicht eine an
dere Person ablöst.“
Die Frage, ob eine Person als ordentliche oder entsandte Arbeitnehmerin zu gel
ten hat und mithin welchen Rechtsvorschriften sie unterliegt, stellt sich nicht erst im Zeitpunkt des Eintritts eines Versicherungsfalles, sondern bereits wenn
es darum geht festzustellen, welcher Versicherungsträger zuständig ist, Prämien zu erheben.
Die Entsendung setzt definitionsgemäss das Weiterbestehen der Un
terstellung unter die Rechtsvorschriften des Ursprungslandes voraus. Die Person, die normalerweise eine Erwerbstätigkeit in einem Mitgliedstaat ausübt, und die von ihrem Arbeitgeber in das Gebiet eines anderen Mitgliedstaates entsandt wird, unterliegt weiterhin den Rechtsvorschriften des ersten Mitglied
staates. Der Begriff Entsendung geht davon aus, dass der Arbeitnehmer unmit
telbar vor der Entsendung dem System der Sozialen Sicherheit dieses Staates unterstellt war (
BGE 134 V 428
E. 10.4)
.
1.6
Art.
16
Abs.
1 VO 883/2004, welcher eine Ausnahmeregelung zur Regelung der Bestimmung des anwendbaren Rechts von
Art.
11 bis
Art.
15
der Verordnung enthält, schreibt das Folgende vor: „
Zwei oder mehr Mitgliedstaaten, die zu
stän
digen Behörden dieser Mitgliedstaaten oder die
von diesen Behörden be
zeich
ne
ten Einrichtungen können im gemeinsamen Einvernehmen Ausnahmen
von den Artikeln 11 bis 15 im Interesse bestimmter Personen oder
Personen
gruppen
vor
sehen
“
.
Art.
18
VO 987/2009 sieht zum Verfahren
zur Durchführung von
Art.
16 VO 883/2004 Folgendes vor: „
Ein Antrag des Arbeitgebers oder der betreffenden Person auf Ausnahme von den Artikeln 11
bis 15 der Grundv
er
o
rdnung ist bei der zuständigen Behörde oder der Stelle zu stellen, die von
der zuständigen Be
hörde des Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften der Arbeitnehmer oder die
betreffende Person zu unterliegen wünscht, bezeichnet wurde; solche Anträge sind, wann immer
dies möglich ist, im Voraus zu stellen
“.
1.7
Die
Art.
11 bis 15
VO 883/2004
enthalten ein relativ starres System von
Kolli
sionsnormen
, das nicht immer und in allen Fällen den Bedürfnissen grenzüber
schreitender Tätigkeiten in einem Gemeinsamen Markt ausreichend Rechnung trägt. Diese relative Starrheit des Systems schlägt sich etwa in den auch mit 24
Monaten ohne Verlängerungsmöglichkeit noch kurzen
Entsendungshöchstfris
ten
nieder. Hierbei kann
Art.
16 herangezogen werden, der die Vereinbarung von Ausnahmen zulässt. Einer Vereinbarung nach
Art.
16 bedarf es etwa, wenn von vornherein absehbar ist, dass die Tätigkeit in einem anderen Mitgliedstaat 24 Monate übersteigen wird. Einer solchen Vereinbarung bedarf es auch, wenn zu
nächst an eine kurzfristige Entsendung gedacht worden ist, sich aber hernach her
ausstellt, dass die Tätigkeit den nach
Art.
12 der Verordnung höchstzulässi
gen Zeitraum von vierundzwanzig Monaten übersteigt.
Art.
16
der Verordnung
soll nicht faktisch die Möglichkeit einer Rechtswahl einräumen, sondern für Fälle,
in denen trotz längeren Aufenthalts in einem anderen Mitgliedstaat der Schwer
punkt des Beschäftigungs
-
verhältnisses weiterhin im Entsendestaat ver
bleibt,
eine sachgerechte Zuordnung ermöglichen.
Als
Partner einer derartigen Verein
barung
nennt
Art.
16 der Verordnung
die Mitgliedstaaten, die zuständi
gen Be
hör
den dieser Staaten und die von diesen Behörden bezeichneten Stellen. Zu
ständige Behörde ist nach
Art.
l
lit
. m
VO 883/2004 in
jedem Mitgliedstaat der Minister, die Minister
oder eine entsprechende andere Behörde, die im ge
samten Gebiet des betreffenden Mitgliedstaats
oder eines Teils davon für die Systeme der sozialen Sicherheit zuständig ist.
Für die Schweiz ist dies das
BSV
.
1.8
Bei den Vereinbarung
en
gemäss
Art.
16 VO 883/2004 handelt es sich um
Ver
ein
barungen
zwischen Mitgliedstaaten
, denen ein völkerrechtlicher Charakter zu
kommt.
Art.
16
der Verordnung
sieht solche Vereinbarungen im Interesse be
stimmter Personengruppen oder bestimmter
Personen vor, die unter den per
sön
li
chen Geltungsbereich der Verordnung fallen. Soweit es aber um einzelne Per
sonen geht, also etwa um
die Verlängerung der Entsendungsfrist für Arbeit
nehmer eines bestimmten Unternehmens, werden
die Vereinbarungen auf An
trag des Arbeitgebers
beziehungsweise des
Arbeitnehmers abgeschlossen. Die Ver
einbarung nach dieser Vorschrift kann auch dahin gehen, bei Versetzungen die Fortgeltung
der Rechtsvorschriften des bisherigen Staates zu vereinbaren, auch wenn sich inzwischen Wohnort
und Beschäftigungsort in dem
anderen Mitgliedstaat befinden.
Der bisherige Staat bleibt damit weiter der zuständige Staat.
Nach der Rechtsprechung haben die Mitgliedstaaten die Möglichkeit, die Anwendung
der Rechtsvorschriften eines dieser Mitgliedstaaten auch mit rück
wirkender Kraft zu beschließen
.
Mit einer Vereinbarung nach
Art.
16
d
er Ver
ord
nung
kann
indes
nur die Anwendbarkeit der Rechtsvorschriften
eines Mitglied
staates über soziale Sicherheit insgesamt vereinbart werden. Die Ver
einba
rung einer
Anwendbarkeit nur einzelner Bereiche des jeweiligen
mitglied
staat
lic
h
en
Systems, also etwa nur
der Krankenversicherung
,
ist nicht möglich (
Heinz-Diet
rich
Steinmeyer
in: Maximilian Fuchs [Hrsg.], Europäisches Sozial
recht,
6.
Aufl., Ba
den-Baden Basel Wien 2013, Art.
16 VO 883/2004 N 7 ff.)
2.
2.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer, welcher am 2
8.
Juni 2010
in die Schweiz ein
ge
reist ist
(Urk.
15/1/2
)
, der Beschwerdegegnerin ein Formular E 101
übergab, welches
bestätigt
e
, dass er für die Zeit vom 2
8.
Juni 2010 bis 3
1.
Dezember 2010 als Entsandter im Sinne von
Art.
14
Ziff.
1
lit
. a VO
1408/71
weiterhin den Rechtsvorschiften der Bundes
republik Deutschland unterl
ie
g
e (Urk. 15/1/3).
In der Folge befreite ihn die Gesundheitsdirektion mit Verfügung vom
5.
November 2010 (
Urk.
15/2) für die Zeit vom 2
8.
Juni bis 3
1.
Dezember 2010 von der Krankenversicherungspflicht. Im Februar 2011
er
suchte
der Beschwer
deführer die Beschwerdegegnerin um eine Verlängerung der Entsendung für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2011 (
Urk.
15/3/3), worauf ihn die
Ge
sundheitsdirektion
des Kantons Zürich am
6.
Mai 2011 für die
Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2011 erneut von der
Kranken
versi
che
rungs
pflicht
in der Schweiz
befreite (
Urk.
15/4).
2.2
In der Folge gelangte der Beschwerdeführer beziehungsweise seine deutsche Ar
beitgeberin
an die DVKA, welche dem BSV am
7.
Mai 2012
den Abschluss einer Ausnahmevereinbarung für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2012 im Sinne
von Art. 17 VO 1408/71
vorschlug (
Urk.
18/1).
Das
BSV
stimmte
am 2
9.
Mai 2012 einer Befrei
ung des Beschwerdeführers von den schweizerischen Rechtsvorschriften über Soziale Sicherheit
im Sinne von
Art.
17 VO 1408/71
für
die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2012 zu (Urk. 18/2).
Am
6.
Mai 2014 schlug
die
DVKA dem BSV
erneut den
Abschluss einer Ausnahmevereinbarung für die Zeit vom
1.
Januar 2013 bis 3
1.
Dezember 2015 im Sinne von
Art.
16
Abs.
1
VO
883/2004
vor
(
Urk.
18/3)
, worauf das BSV am
5.
Juni 2014 eine
r
Be
freiung des Versicherten von den schweizerischen Rechtsvorschriften über Soziale
Sicher
heit für die Zeit vom
1.
Ja
nuar 2013 bis 3
1.
Dezember 2015 zustimmte
(
Urk.
18/4)
.
2.3
Nach Gesagtem steht daher fest, dass der Beschwerdeführer vorerst für die Zeit vom 2
8.
Juni 2010 bis 3
1.
Dezember 2011 als Entsandter im Sinne von
Art.
14
Abs.
1
lit
. a VO 1408/71 von der Gesundheitsdirektion des Kantons
Zürich von
der Krankenversicherungspflicht in der Schweiz befreit wurde, und dass er an
schliessend
für die Zeit vom
1.
Januar 2012 bis 3
1.
Dezember 2015 durch die
Ausnahmevereinbarungen, welche das BSV und die DVKA am
7.
B
ezieh
ungs
weise 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
18/1-2) und am
6.
Mai beziehungsweise am
5.
Juni 2014
(Urk. 18/3-4) vereinbarten,
im Sinne von
Art.
17 VO 1408/71 beziehungs
weise von
Art.
16
Abs.
1 VO 883/2004 von
der Anwendbarkeit der
schweize
ri
schen Rechtsvorschriften über Soziale Sicherheit
ausgenommen wurde. Demzu
folge unterstand der Beschwerdeführer
, welcher
im
streitigen
Zeit
raum
ab
1.
Juni
2012
von der Anwendbarkeit der schweizerischen Rechts
vorschriften über Sozia
le
Sicherheit ausgenommen war,
auch
nicht der
Kran
kenversicherungs
pflicht
in der
Schweiz.
2.4
Daran ändert nichts, dass die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich mit der
in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 3
0.
August 2013 (
Urk.
15/7)
das Ge
such des
Beschwerdeführers
um Befreiung
von der
Kranken
versicherungs
pflicht
in der Schweiz für die Zeit ab
1.
Januar 2012
abwies. Denn mit den zwischen dem BSV und der DVKA geschlossenen Vereinbarungen, bei welchen es sich um völkerrechtliche Verträge handelt, wurde vereinbart, dass auf
den
Beschwerde
führer die gesamten schweizerischen Rechtsvorschriften über soziale Sicherheit während der Zeit vom
1.
Januar 2012 bis 3
1.
Dezember 2015
keine Anwendung
finden, und dass auf den
Beschwerdeführer während dieses Zeit
raums
die Rechts
vorschriften über soziale Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland Anwen
dung
f
i
nden
.
Diesbezüglich gilt
es
des Weiteren
zu beach
ten, dass
bei einem
(
echten
)
Normkonflikt zwischen Bundes- und Völkerrecht nach der Rechtsprechung grund
sätzlich die völkerrechtliche Verpflichtung der Schweiz vor
geht
(BGE 13
8 II 524 E. 5.1 mit Hinweisen), und dass gemäss
Art.
5
Abs.
4 der Bundesver
fassung (BV) Bund und Kantone das Völkerrecht zu be
achten ha
ben.
Aus diesen Gründen kommt den
zwischen dem BSV und der DVKA geschlossenen
, den Be
schwerdeführer betreffenden
Vereinbarungen im Vergleich zur Verfügung der
Ge
sundheitsdirektion
des Kantons Zürich vom 3
0.
August 2013 (
Urk.
15/7)
vor
lie
gend
daher Vorrang zu.
2.5
Da der Beschwerdeführer durch die zwischen dem
BSV und
der
DVKA
geschlos
sene
n
Ausnahmevereinbarung
en
vom
7.
und
2
9.
Mai 2012 (Urk. 18/1-2)
für die Zeit vom
1.
Januar 2011 bis 3
1.
Dezember 2012
beziehungsweise
durch dieje
ni
ge
vom
6.
Mai
und
5.
Juni 2014 (Urk. 18/3-4) für die Zeit vom
1.
Januar 2012 bis 3
1.
Dezember 2015 von der Anwendbarkeit der schweizerischen Rechtsvor
schriften über Soziale Sicherheit
ausgenommen
beziehungsweise
befreit war
und
somit
den Rechtsvorschriften über Soziale Sicherheit der Bundesrepu
blik Deutsch
land unterstellt war
,
und da
er
daher der Krankenversicherungspflicht in der Schweiz nicht unterstellt war, bestand keine Grundlage für eine amtliche Zu
teilung des Beschwerdeführers
zu
einem Krankenversicherer in der Schweiz
durch die Beschwerdegegnerin
.
3.
Die Beschwerdegegnerin war
demzufolge
nicht berechtigt, den Beschwerdefüh
rer
per
1.
Juni 2012 der
Sanitas
Krankenver
sicherung zuzuteilen, weshalb der an
ge
fochtene, die Verfügung vom
4.
Mai 2012 (
Urk.
12/5) bestätigende
Ein
spra
che
ent
scheid
vom
1.
Dezember 2014 (
Urk.
2) in Gutheissung der Be
schwerde er
satz
los aufzuheben ist.