Decision ID: 844abf19-f616-57ef-be5d-e3b2089f3951
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1981 geborene
X._
ist Mutter dreier Kinder (Jahrgang 2004, 2007 und 2011; vergleiche zum Sachverhalt im Folgenden Urteil des Sozialversiche
rungsgerichts IV.2009.01078 vom 2
6.
September 2011,
Urk.
5/91). Nach ihrer Ausbildung zur hauswirtschaftlichen Angestellten war sie von Dezember 2000 bis Ende Februar 2008 als Customer Service
Representative
bei der
A._
AG angestellt, ab November 2005 im Umfang von 16 Stunden pro Woche.
Am 2
8.
November 2006 hatte sie sich wegen Rückenproblemen aufgrund einer angeborenen Skoliose zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an
gemeldet und eine Rente beantragt. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinischen und erwerblichen Verhältnisse ab und verfügte am
4.
Dezember 2007 mangels Ablaufs der einjährigen Wartezeit die Ablehnung des Rentengesuchs.
Am
5.
Juni 2008 liess die Versicherte ein neues Leistungsgesuch einreichen
. Die
IV-Stelle nahm daraufhin ergänzende medizinische und erwerbliche Abklärungen vor.
Mit Verfügung vom
6.
Oktober 2009 verneinte si
e
bei
einem Invaliditätsgrad von 32
%
einen Rentenanspruch der Versicherten.
In teilweiser Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde und Aufhebung der Verfügung vom
6.
Oktober 2009 sprach das Sozialversicherungsgericht
der Versicherten mit
Urteil
IV.2009.01078 vom 2
6.
September 2011 (
Urk.
5/91)
bei einem I
nvaliditätsgr
ad von rund 41
%
ab
1.
Juni 2008 eine
Viertelsrente
zu, wobei es die Versicherte als Teilerwerbstätige mit einem jeweiligen 50%igen Erwerbs- und Haushaltsanteil qualifizierte.
Mit Schreiben vom 1
3.
Dezember 2011 auferlegte die IV-Stelle
der
Versicherte
eine
Schadenminderungspflicht in Sinne einer ärztlich geführten Gewichtsreduk
tion und ärztlich überwachten Physiotherapie sowie
aqua
fit (
Urk.
5/95)
.
1.2
Im Rahmen des am 2
4.
März 2013 eingeleiteten Revisionsverfahrens (
Urk.
5/111) nahm die IV-Stelle in medizinischer
und
erwerblicher
Hinsicht
weitere
Abklärun
gen vor
und
holte
dabei
i
nfolge Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
am
1.
Mai 2014
durch die Versicherte im Teilpensum als
Hilfsverkäuferin
bei der
B._
AG
den
entsprechenden
Arbeitgeberbericht vom
1.
Juli
2015
(
Urk.
5/143) sowie
, zur Prüfung der Qualifikation und der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit im Haushalt,
den Haushaltsabklärungsbericht vom 1
7.
Septem
ber 2015 ein (
Urk.
5/146). Gestützt darauf
respektive ausgehend von einem 40%igen Erwerbs
-
und einem 60%igen Haushalt
s
anteil
hob
sie
die
Viertelsrente
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
5/149
-150,
Urk.
5/
155)
mit
der
an
die
Adresse der
(vertretenen)
Versicherten
zugestellten
Verfügung vom 3
0.
November 2015
(
Urk.
2/1) per Ende des der Zustellung
der Verfügung
folgen
den Monats auf,
und entzog
der Beschwerde
die aufschiebende Wirkung
.
2.
Gegen die
der Rechtsvertreterin am
2
1.
Oktober 2016 zugestellte (
Urk.
2/2
)
Ver
fügung
vom 3
0.
November 2015
liess die Versicherte
am 1
9.
November 2016 Beschwerde erheben (
Urk.
1) mit dem Antrag, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
sei
ihr weiterhin eine
Viertelsrente
auszurichten; eventualiter sei
die Sache
zur neuen Beurteilung
an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Die IV-Stelle
be
antragte
in ihrer Vernehmlassung vom
1
2.
Januar 2017,
wegen Verspätung sei
auf die Beschwerde nicht einzutreten (
Urk.
4). In der Replik vom 2
6.
April 2017
(
Urk.
10)
und
der
Duplik vom
2.
Juni 2017 (
Urk.
12) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Gemäss den Akten steht fest und ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin die
Verfügung vom 3
0.
November 2015 (
Urk.
2/1) an die
Adresse der Beschwer
deführerin versandt hat, obwohl diese vertreten war
(
Urk.
5/151)
. Dies stellt einen
Eröffnungsmangel dar, da sich aus dem Wortlaut
des
Einwand
rückzugs
vom
2
4.
November
2015
durch die Rechtsvertreterin mit der Bitte um
«Zustellung der entsprechenden Verfügung zu
Handen
unserer
Mandanten»
(
Urk.
5/155
) kein Widerruf der Vollmacht (
Art.
37
Abs.
3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) respektive
kein
Verzicht auf
die
Zu
stellung der Verfügung an die Rechtsvertreterin ab
leiten lässt
. Zudem ist
die tat
sächliche Zustellung der
uneingeschrieben
an die Adresse der Beschwerdeführe
rin versandten
Verfügung nicht nachweisbar, wofür die Beschwerdegegnerin die Beweislast trägt.
Deren
Auffassung,
dass
die Beschwerdeführerin gegen Treu und Glauben verstossen habe, indem sie sich trotz
der
(unbestrittenen) faktischen Ren
teneinstellung
seit
Januar 2016 erst im Oktober 2016 an ihre Rechtsvertreterin gewandt hat,
kann nicht gefolgt werden. Entgegen der Meinung der Beschwerde
gegnerin musste die Beschwerdeführerin aus dem Vorbescheid vom 1
7.
Septem
ber 2015 (
Urk.
5/149), mit dem die Rentenaufhebung in Aussicht gestellt worden war, und dem Umstand, dass die Rente ab Januar 2016 nicht mehr ausbezahlt wurde, nicht zwingend schliessen, dass über den Rentenanspruch bereits verfügt
worden sei.
Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin bis Oktober 2016 zuge
wartet hat im Vertrauen, dass
sich
die Rechtsvertreterin nach Erhalt der Verfü
gung mit ihr in Verbindung setze, verstösst daher nicht gegen Treu und Glauben.
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2
.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise - bei Versicherten, die vor der Be
einträchtigung ihrer Gesundheit nicht erwerbstätig waren - die Unmöglichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Die Inva
lidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliede
rung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2
.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensver
gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben im Aufgabenbe
reich tätig sind, wird die Invaliditä
t für diese Tätigkeit nach Art.
28a
Abs.
2 IVG
fest
gelegt. Danach wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstä
tigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzu
legen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invali
ditätsbemessung).
2
.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder auf
gehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die ge
eignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen. Insbe
sondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeu
tung; dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Ange
wöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Hingegen ist die lediglich unter
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich. Liegt in diesem Sinne ein Revi
sionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 133 V 108, Urteil des Bundesgerichts 9C_522/2
0
15 vom 2
3.
Februar 2016 E. 2, mit Hinweisen).
2
.5
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Ge
sichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungs
me
thode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungs
ver
gleich, ge
mischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesund
heitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Aus
mass der Erwerbstätigkeit der versi
cherten Person im Gesundheitsfall zuge
mutet wer
den könnte, sondern in wel
chem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbs
tätig wäre (
Art.
27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV
). Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeits
gerechte Bemessung des Invaliditätsgrades (
BGE
133 V
504 E.
3.3 mit Hin
weisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und
die Vorbringen
der versicherten Person nach Mass
gabe der
allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypo
the
ti
sche Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbs
tätig
keit ist der im Sozialversiche
rungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegen
den Wahrscheinlichkeit erforder
lich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
2
.6
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des
Art.
69
Abs.
2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der ge
sundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar (Urteil
des Bundesgerichts
9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86). Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltführung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Aus
nahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer versi
cherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berück
sichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen de
tailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 E. 4 betreffend Ab
klärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthal
tenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmass
lichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesge
richts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
2
.7
Bei der Bemessung der Invalidität von im Haushalt tätigen Versicherten ist die Schadenminderungspflicht von erheblicher Relevanz. Nach der Rechtsprechung
ist dabei vom Grundsatz auszugehen, dass einem Leistungsansprecher im Rahmen
der Schadenminderungspflicht Massnahmen zuzumuten sind, die ein vernünf
ti
ger Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Ent
schä
di
gung zu erwarten hätte. Für die im Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die Auswirkungen der Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine
mög
lichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltarbeiten ermög
lichen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haus
haltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Fami
lien
angehörigen in Anspruch nehmen
(BGE 133 V 504 E. 4.2
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_729/2009 vom 3
0.
Novem
ber 2009 E. 4.1-3).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine
Viertelsrente
hat. Hierzu ist zu klären, ob sich der Invaliditätsgrad seit der
ge
richtlich abgeänderten
Verfügung vom 6.
Oktober 2009 – mit welcher der Versi
cherten aufgrund des Urteils des Sozialversicherungsgerichts IV.2009.01078 vom 2
6
.
September 2011 (
Urk.
5/91) ab 1.
Juni 2008 eine
Viertelsrente
zugesprochen worden war – bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
November 2015 (
Urk.
2/1)
in
einem
Ausmass verändert hat
, das nunmehr die Aufhebung der Invalidenrente rechtfertigt.
3.2
Die Beschwerdegegnerin
brachte
in der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
November 2015
(
Urk.
2/1)
vor
, ausgehend von einem 40%igen Erwerbsanteil und einem 60%igen Haushalt
s
anteil,
dem als
Hilfsv
erkäuferin
erzielten Erwerbs
einkommen,
den
Teilinvaliditätsgraden
im Haushalt
s
bereich von 5,85
%
und
im
Erwerbsbereich von 12,84
%
resultiere ein
I
nvaliditätsgrad von rund 19
%
. Die
Viertelsrente
werde
per Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats auf
gehoben
.
3.3
Dagegen
stellt sich
die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 1
9.
Novem
ber 2016 (
Urk.
1) und
in der
Replik vom 2
6.
April 2017 (
Urk.
10) im Wesentlichen auf den Standpunkt,
wie bei der ursprünglich
en
(gerichtlich abgeänderten) Ver
fügung sei
weiterhin von einem
anteilsmässigen
50%ige
n
Erwerbs- und Haus
haltsbereich
sowie, aufgrund des unveränderten
Gesundheitszustand
s,
weiterhin
von einer Einschränkung
im Haushalt
von 13,5
%
auszugehen. Aufgrund der «Di
Trizio
»-Rechtsprechung könne die Rentenaufhebung
nicht
mit der gemischte
n
Methode begründet werden. Zudem schöpfe sie ihre Restarbeitsfähigkeit als
Ver
käuferin
über das verlangte Mass hinaus aus, wesh
a
lb nicht darauf abgestellt
werden könne.
Eventualiter sei
die
Viertelsrente
bis
Ende November 2016 auszu
richten, da die Verfügung erst im Oktober 2016 zugestellt worden sei.
4.
4.1
D
er Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
hat sich
im massgebenden Zeit
raum nicht wesentlich
verändert, was unb
estritten ist. Zu prüfen bleibt
, ob auf den Haushaltsabklärungsbericht vom 1
7.
September 2015 abgestellt werden
kann (E. 4.2),
ob
ein Revisionsgrund vorliegt
und ob und gegebenenfalls wie sich die
«Di
T
r
izio
»-Rechtsprechung
auf den vorliegenden Fall auswirkt
(E. 4.3).
4.2
Der von der Beschwerdegegnerin veranlasste Haushalt
s
abklärungsbericht
vom 1
7.
September 2015 (
Urk.
5/146)
erfüllt
formell die
von der Rechtsprechung formulierten Anforderungen
(vgl. E. 2
.6 vorstehend)
. So wurde der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst, die bei der Beschwerdeführerin zuhause war und somit Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen hatte. Ihre Beurteilung erfolgte gestützt auf ihre umfassenden Abklärungen der häuslichen Verhältnisse sowie unter Berücksichtigung der Angaben der Beschwerdeführerin. Des Weiteren wurde der
Haushalt
s
abklärungsbericht
hinreichend sorgfältig und detailliert abge
fasst.
Dies gilt insbesondere
auch bezüglich der
Beurteilung
, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einer Erwerbstätigkeit nachginge, sowie hinsichtlich
der festgestell
t
en
Ei
nschrän
kung im Haushalt von 9
,75
%
.
Der Einwand der Beschwerdeführerin, infolge des unverändert gebliebenen Gesundheitszustand
s sei
im Haushalt weiterhin wie bei der ursprünglichen Verfügung von einer Einschränkung von 13,5
%
auszugehen
(dazu Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom 2
9.
September 2011,
Urk.
5
/91 E. 6.2 und 6.5; Haushaltsabkläru
ngsbericht vom 2
7.
November 2008
,
Urk.
5/68)
verfängt nicht. Einerseits haben sich mit der Geburt des dritten Kindes im Jahr 2011 und mit dem Älterwerden der Kinder die tatsächlichen Verhältnisse geän
dert, indem die grösseren Kinder beispielsweise beim Kochen und beim Wäsche
zusammenlegen mithelfen, andererseits hat sich die Beschwerdeführerin an ihre Einschränkungen angepasst und den Alltag bestmöglich organisiert (vgl.
Urk.
5/146). Da die Beschwerdeführerin sodann keine konkreten und substanti
ierten Einwände vorbringt, ist auf den Haushaltsabklärungsbericht vom 1
7.
September 2015 abzustellen. Dies gilt auch hinsichtlich der vorgenommenen Aufteilung von 60
%
Haushaltsführung und 40
%
Erwerbstätigkeit. Die Beschwerdeführerin erklärte gegenüber der Abklärungsperson nach reiflicher Über
legung und im Wissen um die Wichtigkeit dieser Frage, dass sie bei guter Ge
sundheit höchsten zu 40
%
erwerbstätig wäre. Sie begründete dies nachvollzieh
bar und verständlich damit, dass die Kinder ihre Präsenz und
Unterstützung be
nötigen, und dass das Einkommen des Ehemannes eine Teilerwerbstätigkeit in diesem Rahmen zuliesse (
Urk.
5/146/3).
Damit liegt eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen und folglich ein Revisionsgrund im Sinne der zu
Art.
17 ATSG ergangenen Rechtsprechung vor. Es hat daher eine umfassende Neuüberprüfung des Rentenanspruchs der Be
schwerdeführerin ohne Bindung an frühere Beurteilungen zu erfolgen (BGE 141 V 9 E. 2.3).
4.3
Auch soweit die Beschwerdeführerin auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Sachen Di
Trizio
gegen die Schweiz vom
2.
Februar 2016 (Nr. 7186/09) verweist, kann ihr nicht gefolgt werden. Im dazu ergangenen Revisionsurteil BGE 143 I 50 hielt das Bundesgericht ausdrücklich fest, als Verletzung von
Art.
14 in Verbindung mit
Art.
8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) sei nur zu betrachten, wenn die von der ver
sicherten Person getroffenen, in den Schutzbereich des
Art.
8 EMRK fallenden Dispositionen die einzige Grundlage des Statuswechsels bilden und aus der Änderung der Invaliditätsbemessungsmethode (Anwendbarkeit der gemischten statt der Einkommensvergleichsmethode) die revisionsweise Aufhebung der Invalidenrente resultiere (BGE 143 I 50 E. 4.1).
D
ie blosse Veränderung der Tätigkeitsanteile einer
bereits bei der Renten
zusprechung
teilerwerbstätig
gewesen
en Person
von je
50
%
zu neu einem 40%igen Erwerbs- und
einem
60%igen Haushaltsanteil
stellt keinen
Anwendungsfall der «Di
Trizio
»-Rechtsprechung dar
(vgl. BGE 143 I 50, 143 I 60 und zur Publikation bestimmte Urteile des Bundesgerichts 9C_752/2016 vom 6. September 2017 E. 4.4 ff. und 8C_429/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 4.5).
Die ang
efochtene Ver
fügung ist am 3
0.
November 2015
und somit vor dem Inkrafttreten der Verord
nungsänderung am 1. Januar 2018
betreffend das neue Berechnungsmodell
(Art. 28a
Abs.
3
IVG
und
Art.
27
bis
Absatz 2–4
IVV
vom 1.
Dezember 2017)
er
gangen, weshalb
die neuen Bestimmungen
noch nicht zur Anwendung ge
langen
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_462/2017 vom 30.
Januar 2017 E. 5.3
).
5.
5.1
Somit
ist
die Bemessung der Invalidität weiterhin nach dem Berechnungsmodell der gemischten Methode vorzunehmen. Nach dieser Methode ermittelte die Be
schwerdegegnerin für das Jahr 2015 (dem Zeitpunkt einer möglichen Rentenauf
hebung) im Rahmen der gemischten Methode einen Invaliditätsgrad von gerundet
19
%
Dagegen
bringt
die Versicherte
vor,
das neue Erwerbseinkommen als
Hilfs
verkäuferin
habe sie nur dem sehr sozialen Engagement der
Arbeitgeberin zu verdanken, und
sie schöpfe dabei ihre Resterwerbsfähigkeit über das verlang
te Mass hinaus aus
, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne.
5.2
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3;
1
35 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
5.3
Gemäss den eigenen klaren Angaben der Versicherten anlässlich der Haushalts
abklärung vom 2
5.
August 2015 handelt es sich bei der seit
1.
Mai 2014 im
Teil
p
ensum ausgeübten Tätigkeit als
Hilfsverkäuferin
um ein
optimal angepasstes
Arbeitsverhältnis, mit welchem sie «in jeder Hinsicht» glücklich sei (
Urk.
5/146
Ziff.
2.3).
Dabei entspricht der Lohn
der Versicherten gemäss der Beweisaussage der Arbeitgeberin vom
1.
Juli 2015 (
Urk.
5/143)
der
en
Arbeitsleistung
.
Zudem ist
davon auszugehen, dass
die Versicherte
bei dieser Tätigkeit ihre
verbliebene
Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise ausschöpft.
Somit hat die Beschwerdegeg
nerin beim Invalideneinkommen zu
R
echt auf das tatsächlich erzielte Erwerbs
einkommen abgestellt, hat doch
die Beschwerdeführerin weder die
ihr
bekannte
(
Urk.
5/152
) Beweisaussage der Arbeitgeberin
konkret
bestritten, noch
substanti
iert dargelegt, dass sie dabei
ihre zumutbare Arbeitsfähigkeit überschreiten würde
.
Das
Letztere
würde auch ihren
oben
erwähnten Angaben bei der Haus
haltsabklärung vom 2
5.
August 2015
widersprechen.
Im Übrigen blieb die Ermittlung des Invaliditätsgrads von 19
%
von der Versi
cher
ten unbestritten, und ist
mangels Anhaltspunkten für Berechnungsfehler zu bestätigen.
Die Aufhebung der
Viertelsrente
ist somit rechtens.
6.
6.1
Streitig und zu prüfen bleibt, ob die Rentenaufhebung per
1.
Januar 2016 oder erst, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, per Ende November 2016 zu er
folgen hat.
6.
2
Die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente erfolgt im Normalfall frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verf
ügung folgenden Monats an (Art.
88
bis
Abs. 2
lit
. a IVV). Hingegen erfolgt die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente rückwirkend ab
Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung
,
wenn
der Bezüger der ihm nach Art. 77 IVV zumut
baren Meldepflicht nicht nach
ge
kommen ist, unab
hängig davon, ob die Verletzung der Meldep
flicht ein Grund für die Weiteraus
richtung der Leistung war (Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV).
Nach Art. 77 IVV haben d
ie berechtigte Person
oder
ihr
gesetzlicher Vertreter sowie Behörden oder Dritte, denen
die Leistung zukommt,
jede für den Leistungs
an
spruch wesentliche Änderung,
namentlich eine solche des Gesundheits
zustan
des, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit
sowie der persön
lichen und
gegebenen
falls der wirtschaftlichen Verhältnisse
der versicherten Person
unver
züglich der
IV
Stelle anzuzeigen.
Zur Annahme einer Melde
pflichtverletzung genügt auch nur ein leichtes Verschulden (
Kieser
,
ATSG
-Kommentar,
3.
Aufl., Zürich 2015
Art.
31
Rz
14).
6.
3
Der Einwand der Beschwerdeführerin, dass sich der Zeitpunkt der Rentenaufhe
bung nach Art.
88
bis
Abs. 2
lit
. a IVV
berechne (erster
Tag des zweiten der Zu
stellung der Verf
ügung folgenden Monats) und nicht nach (Art.
88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV (rückwirkend ab
Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung
bei Verletzung der Meldepflicht nach
Art. 77 IVV), ist unbegründet.
Aufgrund der Aktenlage hat die Versichert
e
ihre Meldepflicht nach
Art.
77 IVV im massgebenden Zeitraum mehrmals verletzt, unterliess sie es doch,
die Geburt ihres dritten Kindes am 1
8.
April 2011
(
Urk.
5/98)
oder
die
Aufnahme
ihrer
Erwerbstätigkeit
am
1.
Mai 201
4
der Beschwerdegegnerin
kor
rekt zu melden.
Da
bei ist zu beachten, dass es sich bei der Meldung um eine
einmalige
Erklärung gegenüber der Verwaltung handelt, welche unverzüglich nach Eintritt der Ände
rung zu erfolgen hat und
welche
von
einer versicherten Person
persönlich zu erfüllen
ist (SVR 1995 IV NR. 58 S
. 167).
W
ie
jedoch
bereits die Beschwerde
g
egnerin in ihrem der Versicherten bekannten (
Urk.
5/152) Feststellungsblatt vom 1
7.
September 2015 betreffend die Rentenrevision
festgestellt hat (
Urk.
5/148/6)
, liegen bezüglich dieser beiden Ereignisse keine korrekten Meldungen der Versi
cherten vor.
Rechtfertigungsgründe
dafür
, weshalb sie
die
beiden einschneiden
den
Veränderungen ihrer tatsächlichen Verhältnisse der Beschwerdegegnerin
nicht unverzüglich gemeldet hat, brachte
sie
nicht vor.
Das
bei den Verletzungen der Meldepflicht
vorausgesetzte bloss leichte Verschulden
der Versicherten
sind
daher ohne Weiteres
zu bejahen.
Somit ist
die
Viertelsrente
nicht
bis Ende November 2016 auszurichten, stützt sich doch bereits die Rentenaufhebung pe
r Ende 2015
zugunsten der
Versicherten
auf
Art.
88
bis
Abs. 2
lit
. a IVV
.
7.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
8
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
800
.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegen
den Beschwerdeführerin aufzuerlegen.