Decision ID: b1a24be1-9257-565d-8076-b5fb7502128d
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1965, verfügt über eine Ausbildung als Elektromonteur und bezog nach dem Verlust einer Stelle bei der
Y._
im Oktober 1999 zeitweise Arbeitslosenentschädigung, zeitweise erzielte er temporäre Einkünfte. Nachdem er von August 2001 bis September 2002 in einem Arbeitsverhältnis mit der
Z._
gestanden hatte, bezog er ab Oktober 2002 wieder
Ar
beitslosenentschädigung
, bis er im Mai 2004 bei der
A._
eine Vollzeitstelle in der Zaunmontage annahm. Diese Stelle wurde ihm per Ende 2004 gekündigt (Auszug aus dem Individuellen Konto vom 7. De
zember 2006, Urk. 5
/9; Angaben vom 6. Dezember 2006 im Fragebogen für den Arbeitgeber sowie Kündigungsschreiben vom 23. November 2004, Urk.
5
/8).
In der Folge befand
sich
X._
von Anfang Februar bis Anfang März 2006 in der
B._
in stationärer Behandlung
(
Bericht der
B._
vom 5. Januar 2007,
Urk.
5
/10),
wurde anschliessend von Anfang März bis Mitte Juli 2006 im
C._
ambulant behandelt
(
Bericht des
C._
vom 12. März 2007,
Urk. 5/13) und führte die Behandlung danach bei Dr.
med.
D._
, Spezialarzt für Psychiat
rie und Psychotherapie, fort (Bericht von
Dr.
D._
vom
10. Januar 2007, Urk. 5/11).
1.2
Am 23. November 2006 meldete
sich
X._
bei
der Invalidenversicherung zu
m Leistungsbezug an (Urk. 5
/5).
D
ie
Sozi
alversicherungsanstalt
des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, holte
die
Berichte der behandelnden medizinischen Fachper
sonen und des Arbeitsgebers ein
. Gestützt auf eine Stellungnahme der
RAD-Ärztin Dr.
med.
E._
vom
17.
April 2007
(
Urk
.
5/14/
3)
verfügte
die IV
Stelle
daraufhin
am 20.
Juni
2007 die
Abweisung
des
Leistungsbegehrens
mit
der
Begründung
,
es
sei zur
Z
eit keine Invalidität ausgewiesen, da ein labiles, therapiefähiges Krankheitsgeschehen vorliege, dessen allfällige invalidisierende Auswirkungen erst nach Durchlaufen der notwendigen
Mass
nahmen
geprüft werden könnten (Urk. 7/20).
Auf die Beschwerde
von
X._
hin befand
es
das Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom
28. September 2007 als unzuläs
sig, das Leistungsbegehren
einzig unter dem Hinweis auf die Therapierbarkeit des Leidens
des Versicherten
abzuweisen
oder
von der Anspruchsprüfung über
haupt abzusehen, solange sich der
Versicherte
den verlangten Be
handlu
ngen noch nicht unterzogen habe
. Dementsprechend wies das Gericht die Sache an die IV-Stelle zurück, damit sie im Sinne der Erwägungen über die An
sprüche des Versicherten
neu befinde (Urk.
5
/25
; Prozess Nr. IV.2007.01015
).
1.3
Die IV-Stelle holte aufgrund des Urteils vom 28. September 2007 die weitere Stellungnahme
von
Dr.
E._
vom 22. Januar 2008 ein
(Urk. 5/30
/
2
-3
) und sprach dem Versicherten in der Folge
mit Verfügung vom 12. Juni 2008 ab
dem 1. August 2006 eine halbe R
ente auf der Basis eines Invali
ditätsgrad
es von 58 % zu (Urk. 5/54 und Urk. 5/40).
Der Versicherte focht die Verfügung wiede
rum beim Sozialversicherungsgericht an, und dieses hob sie mit Urteil vom
29. September 2009 auf und
verpflichtete
die IV-Stelle zur Veranlassung einer
psy
chiatrischen Begutachtung
(
Urk.
5/64; Prozess Nr.
IV.2008.00745).
1.4
In Nachachtung des Urteils vom 29. September 2009
liess
die IV-Stelle durch
Dr.
med
.
F._
, Spezialarzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, das Gutach
ten vom 25. September 2010 erstellen (
Urk.
5/70).
M
it Schreiben vom
19.
Oktober 2010 teilte sie dem Versicherten mit,
gemäss
dem Gutachten könne seine Erwerbsfähigkeit mit einer mindestens dreimonatigen stationären
Ent
zugsbehandlung
verbessert werden, und forderte ihn dazu auf, sich einer sol
chen Behandlung zu unterziehen. Bis dahin werde das Abklärungsverfahren sistiert, und sollte er die entsprechende Behandlung nicht durchführen, werde sein Rentenanspruch
wegen Verletzung der Schadenminderungspflicht
so beur
teilt, wie wenn die
Massnahme
stattgefunden hätte
(
Urk.
5/78).
X._
hielt sich daraufhin vom 3. bis zum 20. Januar 2011 in der
B._
auf (Austrittsbericht vom
26. Januar 2011, Urk.
5/84). Am 29. Juli 2011 erstellte
Dr.
F._
im
Auftrag der IV-Stelle ein Verlaufsgutachten (
Urk.
5/93); die Zusatzfragen der IV-Stelle vom 9. August 2011 (
Urk.
5/94) konnte er jedoch
infolge Erkrankung nicht mehr beantworten (Schreiben der Praxis vom 16. November 201
1,
Urk.
5/95). Nach Rücksprache
mit dem RAD-Arzt
Dr.
med.
G._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie (vgl.
Urk.
5/96), eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten mit Vor
bescheid vom 16. Januar 2012, dass sie sein Leistungsbegehren abzuweisen gedenke, da er der auferlegten Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen sei und seine Arbeitsunfähigkeit
gemäss
der B
eurteilung im Gutachten von
Dr.
F._
vor allem im Abhängigkeitsverhalten begründet sei (
Urk.
5/97). Nach Kenntnisnahme der Einwendungen des Versiche
rten vom 13. Februar 2012 (Urk.
5/99)
entschied
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 21. Februar 2012 im Sinne ihres Vorbescheids und verneinte den Anspruch von
X._
auf Leistungen der Invalidenvers
icherung (
Urk.
2 =
Urk.
5/100).
2.
Gegen die Verfügung vom 21. Februar 2012
erhob
X._
mit
Eingabe vom 15. März 2012 erneut Beschwerde mit dem Antrag auf Zusprechung einer Invalidenrente (
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss
in der Beschwerdeantwort vom
9.
Mai 2012 auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
4). Der Versicherte hielt in der Replik vom 13. Juni 2012 an seinen Standpunkten fest, namentlich daran, dass er seiner Schadenminderungspflicht genügt habe (
Urk.
8). Die IV-Stelle ver
zichtete mit Eingabe vom
2.
Juli 2012 auf di
e Erstattung einer Duplik (Urk.
10).
Am 2
2.
Dezember 2012 beschloss das Gericht,
im
H._
ein psychiatrisches Gutachten erstellen zu lassen (
Urk.
13). Nachdem die Parteien innert der angesetzten Frist keine Ergänzun
gsfragen formuliert hatten und zur Person der vorgesehenen Gutachterin,
Dr.
med.
I._
,
Spezialärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (vgl. das Schreiben des
H._
vom 19. März 2013,
Urk.
18)
,
keine Einwendungen geltend gemachten hatten, erteilte das Gericht mit Beschluss vom 21. Mai 2013 den Gutach
tensauftrag (
Urk.
22 und
Urk.
23).
Am
6. Dezember 2013 erstattete
Dr.
I._
das Gutachten (
Urk.
29).
X._
liess
die Frist zur Stellungnahme dazu un
benützt verstreichen; die IV-Stelle beantragte mit Eingabe vo
m 26. Februar 2014, die Beschwer
de sei gutzuheissen (
Urk.
32)
,
und berief sich auf eine Stel
lungnahme des RAD-Arztes
Dr.
med.
J._
, Spezialarzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie
, vom 25.
Februar 2014 (
Urk.
33). Die Ein
gabe und die
ärztliche
Stellungnahme wurden
X._
mit Brief vom 1
2.
Mä
rz 2
014 zur Kenntnis gebracht (Urk.
34).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit; sie kann nach Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Die Invalidität gilt als eingetre
ten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Erwerbsunfähig
keit ist nach Art. 7 ATSG der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
chenen Arbeitsmarkt.
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er
in
validenversicherungsrechtlich
erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychi
scher, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesge
richts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2). Dabei ist das
ganze
für die Alko
holsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tra
gen ist (Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom 5. November 2002 E. 3.2, und I 390/01 vom 19. Juni 2002 E. 2b).
1.2
Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (ab dem 1. Januar 2008: Art. 28 Abs. 2 IVG) haben Versi
cherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 IVG beziehungsweise ab dem 1. Januar 2008 mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Inva
lidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
1.3
Der Rentenanspruch entsteht nach Art. 29 Abs. 1 IVG in der bis Ende 2007 gül
tig gewesenen Fassung (ab dem 1. Januar 2008: Art. 28 Abs. 1
lit
. a und
lit
. b IVG)
frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person mindestens zu 40 % bleibend erwerbsunfähig geworden ist (
lit
. a) oder während eines Jahres ohne wesentlichen
Unter
bruch
durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsun
fähig gewesen war (
lit
. b). Zusätzlich kann er ab dem 1. Januar 2008 nicht vor Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG entstehen.
1.4
Nach dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente", wie er in Art. 28 Abs. 1
lit
. a IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung ausdrücklich festgeschrieben worden ist, aber schon vorher gegolten hat, kann vor der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen eine Rente nur gewährt werden, wenn die versi
cherte Person wegen ihres Gesundheitszustandes (noch) nicht
eingliederungsfä
hig
ist (Urteil des Bundesgerichts in Sachen O. vom 29. Juni 2009, 9C_186/2009, E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 121 V 190 E. 4a und c). Dabei ist rechtsprechungsgemäss jedoch dort, wo eine versicherte Person aufgrund ärztlicher Beurteilung arbeitsunfähig ist, wo aber gleichzeitig ange
nommen wird, dass nach durchgeführter erfolgreicher Eingliederung wieder eine deutlich bessere Arbeitsfähigkeit erreichbar sein sollte, der Anspruch auf eine Rente für die zurückliegende Zeit so lange nicht ausgeschlossen, als die bestehende Erwerbsunfähigkeit nicht oder noch nicht mit geeigneten Einglie
derungsmassnahmen tatsächlich behoben oder in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verringert werden konnte, wobei dies auch für Massnahmen der Selbsteingliederung gilt, solange solche noch nicht durchgeführt worden sind und noch keine Aufforderung zur Mitwirkung im Sinne von Art. 21 Abs. 4 ATSG (beziehungsweise der bis Ende Dezember 2002 in Kraft gestandenen Re
gelung in Art. 31 IVG) ergangen ist (Urteil des
Bundesgerichts
in Sachen S. vom 31. März 2006, I 291/05, E. 3.2 mit Hinweis auf AHI 1997 S. 41).
1.5
Für die Beurteilung von Rechtsfragen, denen medizinische Sachverhalte zu
grunde liegen, ist das Gericht auf Angaben und Unterlagen von medizinischen Fachpersonen, namentlich von Ärztinnen und Ärzten, angewiesen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist nach höchstrichterlicher Praxis ent
scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseiti
gen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V 35
1 E
. 3a).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der me
d
i
zinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fach
kenntnisse der Gerichts
barkeit zur Verfügung zu stel
len, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfas
sen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die
Gerichtsex
per
tise
widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingehol
tes
Obergutach
ten
in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abwei
chende Beurteilung kann ferner ge
rechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Mei
nungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als trif
tig genug erschei
nen, die Schlüssigkeit des
Gerichtsgutach
tens
in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer
Ober
expertise
für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des
Gerichtsgut
achtens
abweichende Schluss
folgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
2.
2.1
Im Urteil vom
29. September 2009
erwog
das Gericht, es bestünden deutliche Hinweise darauf, dass die Alkohol- und Medikamen
ten
abhängigkeit des Be
schwerdef
ührers nicht ein reines Suchtge
schehen im Sinne der Rechtsprechung sei, sondern die Ausprägung eines anspruchsrelevanten Ge
sundheitsschadens habe, denn die
B._
, das
C._
und
Dr.
D._
hätten
darin übereingestimmt, dass
der Beschwerdeführer
neben dem diagnostizierten Alkoholabhängigkeitssyndrom und einer Störung durch schädlichen Gebrauch von Medikamenten
auch an einer (weiteren) psychischen Beeinträchtigung mit Krankheitswert leide.
Das Gericht führte weiter aus, d
ie vorhandenen medizinischen Angaben erlaubten
allerdings
keine genügend prä
zise Beurteilung des Ausmasses und des Charakters der gesundheitlich
en
Ein
schränkungen,
da
die Angaben in diagnostischer Hinsicht nicht ganz deckungs
gleich seien und sich aus ihnen entgegen der Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr
.
E._
nicht
zweifelsfrei ableiten lasse, dass der Beschwerdeführer sowohl für die angestammte als auch für andere angepasste Tätigkeiten zu 50 % arbeitsfä
hig sei
. Im Besonderen
mache die
Arbeitsfähig
keitsbeurteilung
von Dr
.
D._
im Bericht vom 10. Januar 2007 (
Urk.
5/11)
nicht
deutlich
,
ob
d
er
Arzt
mit der
behinderungs
angepassten
Tätigkeit, für die er den Beschwerdeführer als
zu 50 % arbeitsfähig bezeichnet habe
, über
haupt eine Tätigkeit auf dem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt im Auge
gehabt habe und nicht vielmehr
eine Arbeit in einem geschützten Rah
men, denn er habe andernorts festgehalten
, eine
Arbeitsfähigkeit als Elektromonteur "im Ersten Arbeitsmarkt (auch Teilzeit)" erachte er als nicht ge
geben
(
Urk.
5/64 E. 2.2 und E. 2.3)
.
Dementsprechend hielt das Gericht es für angezeigt, eine psychiatrische Begut
achtung des Beschwerdeführers durchzuführen, die sich sowohl zu den Diag
nosen, zu den Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit, zur Art und zum Aus
mass der noch zumutbaren Tätigkeiten und zu den therapeutischen Möglich
keiten äussere
(
Urk.
5/64 E. 2.3).
2.2
Dr
.
F._
,
den
die Beschwerdegegnerin
mit der gerichtlich angeordneten Begut
achtung betraute, gelangte in seinem Gutachten vom 25. September 2010 zum Schluss, im Vordergrund stünden Abhängigkeitssyndrome durch Alkohol und Benzodiazepine mit ständigem Substanzgebrauch (Codes F10.24 und F13.24
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorga
nisation, ICD-10
), und eine weiterführende Diagnostik könne lediglich im Laufe einer langfristigen stationären Entzugs- und Rehabilitationsbehandlung, welche dringend indiziert und zumutbar sei,
vorgenommen
werden (
Urk.
5/70/34-35)
.
Aufgrund dieser Beurteilung wies die Beschwerdegegnerin den Beschwerdefüh
rer
zur Durchführung einer
solchen Behandlung an (
Urk.
5/78
), was dessen Auf
enthalt in
der
B._
vom 3. bis zum 20. Januar 2011
zur Folge hatte
.
Im
Austrittsbericht vom 26. Januar 2011
hielt die Klinik fest, der Beschwerdeführer habe den Alkoholentzug ohne körperliche
Entzugssymp
tome
und damit ohne pharmakologische Unterstützung durchlaufen können, wogegen der Abbau der Benzodiazepine nich
t habe erfolgen können. Des Wei
teren habe sich die klinische Symptomatik einer leichten depressiven Episode gezeigt, und es be
s
tehe nach Rücksprache mit dem langjährigen ambulanten
Behandler
immer noch der Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung, wobei eine
nähere
Testung wegen mangelnder Mitarbeit des Beschwerdeführers nicht habe erfolgen können (
Urk.
5/84).
Zum Prozedere führte die Klinik aus, von einer weitergehenden teilstationären Behandlung würde der Beschwerdeführer zur Zeit nicht profitieren können, weshalb ihm eine ambulante Weiterbehandlung bei
Dr
.
D._
empfohlen worden und
er
in gegenseitigem Einvernehmen in die bisherigen Wohnverhältnisse entlassen worden sei (
Urk.
5/84/4).
In der Folge musste die Verlaufsbegutachtung durch
Dr.
F._
gemäss dessen Bericht vom 29. Juli 2011 nach fünf M
inuten abgebrochen werden (Urk.
5/93/1+7);
Dr.
F._
hielt aber daran fest, dass mit grosser Wahrschein
lichkeit die diagnostizierten Abhängigkeitssyndrome im Vordergrund stünden und eine langfristige stationäre
Ent
zugsbehandlung indiziert sei (
Urk.
5/93/9-10).
2.3
Dr.
F._
setzte
sich im Gutachten vom 25. September 2010 nicht
näher
mit der
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung auseinander, obwohl
Dr.
D._
diese Diagnose anlässlich eines fremdanamnestischen Telefongesprächs genannt hatte
(vgl.
Urk.
5/70/24). Es fehlt i
m Gutachten
von
Dr.
F._
auch eine Diskussion der
vom Gericht genannten
Hinweise darauf, dass die Alkohol- und
Medika
mentenabh
ängigkeit
des Beschwerdeführers
nicht ein reines Suchtgeschehen
im Sinne der Rechtsprechung sei
, sondern die Ausprägung eines
anspruchsrele
vanten
Ge
sundheitsschadens ha
be
(vgl. die Ausführungen dazu im Urteil vom 29.
Se
ptember 2009,
Urk.
5/64 E. 2.2 und E. 2.3). Des Weiteren nahm
Dr.
F._
im Verlaufsbericht vom 29. Juli 2011 keine Stellung zum Umstand, dass der Beschwerdeführer die stationäre Behandlung in der
B._
ge
mäss deren Austrittsbericht nicht
von sich aus abgebrochen hatte, sondern dass die Klinik selbst
die Weiterführung
eine
r
stationäre
n
oder
teilstati
onäre
n
Behandlung
als nicht mehr erfolgversprechend beurteilt und eine am
bulante Weiterbehandlung empf
ohlen hatte. Schliesslich
konnte
Dr.
F._
krankheitsbedingt die Zusatzfragen der Beschwerdegegnerin nicht mehr beant
worten (vgl.
Urk.
5/95).
Diese verschiedenen Umstände bewogen das Gericht zur
Einholung eines
Gerichts
gutachtens
.
2.4
Dem Gutachten von
Dr.
I._
liegt ein eingehendes Studium aller
Vorakten
zugrunde (
Urk.
29 S. 4-13), sodann befragte
Dr.
I._
den Beschwerdeführer unter
Beizug
eines Dolmetschers zu seiner Lebensgeschichte, zur schulischen und beruflichen Entwicklung und zur Krankheitsentwicklung einschliesslich der aktuellen Beschwerden und zur aktuellen sozialen Situation
(
Urk.
29 S. 13-15)
,
und ferner
holte
Dr.
I._
Fremdauskünfte
im
K._
ein, wo der Beschwerdeführer aktuell in ambulanter psychiatrischer Behandlung stand
(
Urk.
29 S. 15 f.). Anschliessend beschrieb
Dr
.
I._
detailliert die erho
benen Befunde (
Urk.
29 S. 16-18),
begründete ihre Diagnosen
ausführlich (
Urk.
29 S. 18-20) und
legte mit differenzierter Begründung unter Berücksichti
gung sämtlicher Informationsquellen dar, wie sie zu ihren Schlussfolgerungen hinsichtlich der Therapierbarkeit und der Arbeitsfähigkeit gelangt
war
(
Urk.
29 S. 20-23). Schliesslich beantwortete
Dr.
I._
die vom Gericht gestellten Fra
gen lückenlos und einleuchtend und nahm insbesondere Bezug auf die medizi
nischen Beurteilungen i
n den
Vorakten
(
Urk.
29 S. 24-26
).
Auf das Gutachten von
Dr.
I._
kann daher abgestellt werden, was die Beschwerdegegnerin
mit dem Hinweis auf die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
J._
(
Urk.
33)
ausdrücklich anerkennt (
Urk.
32)
.
2.5
Der Beschwerdegegnerin und
Dr.
J._
ist auch darin zu folgen, dass sich aus dem Gerichtsgutachten von
Dr.
I._
für die Zeit ab August 2005 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für Tätigkeiten im Ersten Arbeitsmarkt ergibt.
Dr
.
I._
stellt
e die Diagnose einer emotional
instabilen
Persönlichkeitsstö
rung
vom impulsiven Typ (ICD-10 F60.30) und leitete die Diagnose mit einläss
licher Darstellung der massgebenden Kriterien her (
Urk.
29 S. 18). Ausserdem konstatierte sie eine
dysphorisch
-gereizte Grundstimmung, hielt es
aber
für eher unwahrscheinlich, dass jemals ein schwer depressives Zustandsbild vorgelegen habe (
Urk.
29 S. 21
). Hingegen diagnostizierte Dr.
I._
zusätzlich
eine Stö
rung durch Alk
ohol, schädlicher Gebrauch (ICD
10 F10.1), eine Störung durch Sedativa,
schädlicher Gebrauch (ICD-10 F
13.1) und eine Störung durch
Cannabioide
, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F12.1), begründete
jedoch
ein
leuchtend, dass bei diesen drei Störungen die Kriterien für ein
Abhängigkeits
syndrom
nicht erfüllt seien, sondern der Konsum höchstwahrscheinlich als Selbstmedikation im Rahmen der affektiven Labilität und Impulskontrollstörung zur Regulation erfolge (
Urk.
29 S. 19 f.
und S. 22
).
Die Diagnosen sind in ihrer Herleitung plausibel, un
d dementsprechend leuchtet
ein, dass nicht ein isoliertes
Suchtgeschehen vorliegt, sondern der schädliche Substanzgebrauch im Sinne der zitierten Rechtsprechung die Folge einer anderen, krankheitswertigen
Gesundheitsstörung
ist. Ebenfalls einleuchtend ist unter diesen Umständen die Beurteilung von Dr.
I._
, dass keine
Indikation für eine stationäre
Suchtbe
handlung
bestehe
,
weil
eine solche Behandlung keine
deutliche Verbe
sserung der (beeinträchtigenden) Persönlichkeitsstruktur bewirken würde
und wegen dieser Persönlichkeitsstruktur auch schwer umsetzbar wäre
(vgl.
Urk.
29
S. 25
f.
). Damit
liegt k
eine Verletzung der Schadenminderungspflicht
vor
, wie die Beschwerdegegnerin sie dem Beschwerdeführer vorgehalten ha
tte.
Sodann
führte
Dr
.
I._
aus,
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei zum aktuellen Zeitpunkt in Bezug auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu 100
%
eingeschränkt. Dies sei begründet in den schweren interaktionellen Defiziten des Beschwerdeführers, wodurch es kaum möglich sei, diesen in
ein
Arbeitsteam zu integrieren (
Urk.
29 S. 23 und S. 25). Die psychische Symptomatik sei während der Arbeit für die
Y._
exazerbiert
und für die Zeit danach sei von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen, was sich durch den häufigen Arbeitsplatzwechsel objektivieren lasse. Seit 2002 habe das Ausmass der Arbeitsfähigkeit kontinuierlich abgenommen, und seit 2005 sei der Beschwer
deführer keiner Arbeit mehr nachgegangen, was zu einer
Chronifizierung
der Symptomatik und zur aktuellen 100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt habe (
Urk.
29 S. 2
4 f.
).
Um längerfristig eine Verbesserung des psychischen Befindens und eventuell der Arbeitsfähigkeit zu erreichen, empfehle sich eine weiterfüh
rende ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung und die Etablierung einer zu Beginn niederschwelligen Tagesstruktur (
Urk.
29
S. 23 und S. 26). Aus die
sen Ausführungen ergibt sich
, dass der Beschwerdeführer, wie von
Dr.
J._
festgehalten (
Urk.
33 S. 2), ab August 2005 bis zur Begutach
tung durch Dr.
I._
-
und somit auch ohne Weiteres bis zum massgebenden Zeitpunkt der Verfügung vom 21. Februar 2012
-
nicht arbeits- und
eingliede
rungsfähig
im allgemeinen Arbeitsmarkt war. Entsp
rechend den Darlegungen von Dr.
I._
ist zudem wahrscheinlich, dass die Beeinträchtigung in der Arbeitsfähigkeit
bereits vor August 2005 einsetzte.
Dennoch ist es gerechtfer
tigt, erst ab August 2005 von einer massgebenden - und zudem 100%igen - Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Denn der Beschwerdeführer hatte
immerhin von Mai 2004 bis zum Jahresende eine Vollzeitstelle inne
, bei welcher
der Arbeitge
ber keine Einschränkungen beobachten konnte (
Urk.
5/8/4)
,
u
nd im Juni/Juli 2005
bekleidete er
nochmals eine Arbeitsstelle (vgl. den Auszug aus dem Indi
vi
duellen Konto in
Urk.
5/9).
2.6
Der Beschwerdeführer hat damit nach Ablauf de
s Wartejahres im Sinne von Art.
29
Abs.
1
lit
. b IVG ab dem
1.
August 2006 Anspruch auf eine ganze Rente.
Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 2
1.
Februar 2012 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben, und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. August 2006 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
3.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Beschwerdegegnerin kosten
pflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) und in Anbetracht der notwendig gewesenen gerichtlichen Begutachtung auf Fr. 1'000.-- festzusetzen.