Decision ID: 9442ddac-b519-5801-9257-d98b1c23b2be
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
K._, ist seit dem 30. September 2005 in der politischen Gemeinde F._ angemeldet.
Zusammen mit seiner Mutter S._ lebt er in einer 3,5-Zimmer-Wohnung. Nach einem
Umbau wurde der Mietzins per 1. April 2013 um CHF 170 auf CHF 1'710 erhöht und
nochmals per 1. Juli 2013 um CHF 110 auf CHF 1'820 (act. 7/5/19). Im Zeitraum vom
März bis Dezember 2013 und vom Juli 2014 bis August 2017 bezog seine Mutter für
sich und ihn finanzielle Sozialhilfe. Im Sozialhilfebudget wurde lediglich der maximale
Mietzinsansatz der politischen Gemeinde F._ in der Höhe von CHF 1'450 pro Monat
als Wohnkosten angerechnet. Der Differenzbetrag zum tatsächlichen Mietzins wurde
von den Grosseltern mütterlicherseits übernommen und als
Verwandtschaftsunterstützung berücksichtigt.
A.a.
Am 24. Juli 2018 stellte K._ ein eigenes Gesuch um Ausrichtung von
Sozialhilfeleistungen (act. 7/5/37). Er musste aus gesundheitlichen Gründen seine
Erstausbildung als Landschaftsgärtner abbrechen und erhielt seitdem Krankentaggeld.
Das Leistungsbegehren um eine erstmalige berufliche Ausbildung bei der
A.b.
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Invalidenversicherung (IV) wurde mit Mitteilung vom 26. Juli 2018 vorerst abgelehnt
(act. 7/5/13). Ab August 2018 besuchte er den Vorkurs an der Kunstschule F._ (act.
7/5/4). Da K._ im 2018 volljährig wurde, erstellte das Sozialamt für ihn und seine
Mutter je separat ein Unterstützungsbudget. Mit Verfügung vom 5. Oktober 2018
gewährte das Sozialamt K._ ab 1. September 2018 finanzielle Sozialhilfeleistungen.
Das Sozialamt wies darauf hin, dass er mit seiner Mutter in einer zu teuren Wohnung
lebe. Gemäss den Richtlinien der politischen Gemeinde F._ könne für einen Zwei-
Personen-Haushalt höchstens ein Mietzins von CHF 1'300 pro Monat bzw. ein
Mietanteil von CHF 650 angerechnet werden. Ab sofort, gültig ab 1. November 2018,
werde dieser kommunale Höchstmietzinssatz im Sozialhilfebudget angerechnet. Die
bereits ausbezahlten Mieten für die Monate September und Oktober 2018 habe er in
gutem Glauben erhalten und müsse sie nicht zurückerstatten (act. 7/5/36).
Gegen die Verfügung vom 5. Oktober 2018 reichte K._, vertreten durch seine Mutter
S._, beim Stadtrat F._ Rekurs ein. Er machte im Wesentlichen geltend, dass es ihm
aufgrund seines instabilen psychischen Gesundheitszustandes und den
gesundheitlichen Beschwerden seiner Mutter nicht möglich sei, in eine günstigere
Wohnung umzuziehen. Dazu verwies er auf die beigelegten Arztberichte (act. 7/5/1).
A.c.
Mit Verfügung vom 5. Dezember 2018 stellte das Sozialamt die
Unterstützungsleistungen für K._ per 30. November 2018 nach Regelung der Zahlung
der Unterhaltsbeiträge durch den Vater aufgrund eines Einnahmeüberschusses ein (act.
7/5/35).
A.d.
Der Stadtrat F._ wies den Rekurs mit Beschluss vom 18. Februar 2019 ab. Er führte in
seinem Beschluss im Wesentlichen aus, dass K._ und S._ von Anfang an gewusst
hätten, dass ihnen nicht der effektive Mietzins, sondern nur der gemäss den
kommunalen Richtlinien festgelegte Höchstansatz angerechnet werde. Sie hätten
daher nicht davon ausgehen können, dass ihnen entgegen der früheren Bemessung
der Sozialhilfe künftig höhere Mietkosten angerechnet würden. Damit seien die geltend
gemachten gesundheitlichen Beschwerden für die Beurteilung nicht von Belang. Eine
Überprüfung der konkreten Umstände müsse nur dann erfolgen, wenn das Sozialamt
zunächst einen zu hohen Mietzins akzeptiert habe und dann einen Umzug in eine
billigere Wohnung verlange (act. 7/5/1). Den dagegen erhobenen Rekurs wies das
Departement des Innern mit Entscheid vom 13. Februar 2020 ab (act. 7/5/18).
A.e.
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B.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer
ist als Adressat des angefochtenen Entscheides zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den
Entscheid der Vorinstanz wurde mit Eingabe vom 26. Februar 2020 rechtzeitig erhoben
und erfüllt formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
Am 26. Februar 2020 erhob K._ (Beschwerdeführer), vertreten durch seine Mutter
S._, beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Entscheid des Departements
des Innern (Vorinstanz) vom 13. Februar 2020. Er stellte den Antrag auf Aufhebung des
Entscheids der Vorinstanz und Übernahme der gesamten Wohnkosten in der Höhe von
CHF 1'820 pro Monat. Zudem beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege, da er nicht für die Gerichtskosten aufkommen könne.
B.a.
Mit Schreiben vom 28. Februar 2020 hiess der Abteilungspräsident des
Verwaltungsgerichts die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne der Befreiung von
Gerichtskosten gut.
B.b.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 19. März 2020 auf Abweisung der
Beschwerde und verwies im Wesentlichen auf die Ausführungen im angefochtenen
Entscheid. Mit den zusätzlich beigebrachten Unterlagen und den vorgebrachten
Argumenten vermöge der Beschwerdeführer die Zumutbarkeit, in einer den
Mietzinsrichtlinien für einen Zweipersonen-Haushalt entsprechenden Wohnung leben
zu können, nicht zu entkräften. Die politische Gemeinde F._ (Beschwerdegegnerin),
vertreten durch den Stadtrat, stellte in ihrer Eingabe vom 2. April 2020 ebenfalls den
Antrag auf Abweisung der Beschwerde.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
B.c.
bis
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Es wird ein separates Beschwerdeverfahren B 2020/31 für die Mutter und zugleich
Vertreterin des Beschwerdeführers geführt. Streitgegenstand bildet wie im
vorliegenden Verfahren die Höhe der anrechenbaren Mietkosten im Sozialhilfebudget,
wobei vorliegend nur der Zeitraum September bis November 2018 strittig ist. Ab dem
Zeitpunkt der Volljährigkeit des Beschwerdeführers bilden er und seine Mutter jedoch
je eine eigene Unterstützungseinheit, weshalb sowohl das Rekurs- als auch das
Beschwerdeverfahren separat geführt wurden bzw. werden.
2.
Nach Art. 2 Abs. 1 des Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1, SHG) bezweckt persönliche
Sozialhilfe, der Hilfebedürftigkeit vorzubeugen, deren Folgen nach Möglichkeit zu
beseitigen oder zu mildern und die Selbsthilfe der Hilfebedürftigen zu fördern. Wer für
seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln
aufkommen kann, hat Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe (Art. 9 SHG). Diese umfasst
Geld- und Naturalleistungen sowie Kostengutsprachen (Art. 10 Abs. 2 SHG). Die
finanzielle Sozialhilfe deckt das soziale Existenzminimum unter Berücksichtigung der
Lebenssituation der hilfebedürftigen Person. Sie wird so bemessen, dass die
hilfebedürftige Person die laufenden Bedürfnisse für den Lebensunterhalt aus eigenen
Mitteln decken kann (Art. 11 Abs. 1 SHG). Zur materiellen Grundsicherung gehören der
Grundbedarf für den Lebensunterhalt, die Wohnkosten und die medizinische
Grundversorgung. Es sind die effektiven Mietkosten samt den mietrechtlich
anerkannten Nebenkosten zu übernehmen (G. Wizent, Sozialhilferecht, Zürich/
St. Gallen 2020, Rz. 497). Allerdings besteht kein Anspruch auf eine beliebige
Wohnung/Unterkunft. Anzurechnen ist der Wohnungsmietzins, soweit dieser im
ortsüblichen Rahmen ist. Angesichts des regional und kommunal unterschiedlichen
Mietzinsniveaus wird empfohlen, nach Haushaltgrösse abgestufte Obergrenzen für die
Wohnkosten festzulegen, die periodisch überprüft werden (vgl. G. Wizent, a.a.O., Rz.
499 ff., BGer 8D_1/2015 vom 31. August 2015 E. 5.3.2, SKOS-Richtlinien, Kapitel B.
3-1). Die erlassenen Mietzinsrichtlinien dürfen jedoch nicht dazu dienen, den Zu- oder
Wegzug von wirtschaftlich schwachen Personen zu steuern. Entsprechend ist auf eine
fachlich begründete Berechnungsmethode abzustellen, die gestützt auf Daten des
lokalen und aktuellen Wohnungsangebotes angewendet wird. Bis zur definierten
Obergrenze sind die Kosten zu übernehmen (SKOS-Richtlinien, Kapitel B.3-1). In der
für den Kanton St. Gallen massgebenden KOS-Praxishilfe wurde die Empfehlung
abgegeben, Richtlinien über die ortsüblichen Wohnungskosten abgestuft auf Ein- und
Mehrpersonenhaushalte zu erlassen und die Höchstansätze für die verschiedenen
2.1.
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Haushaltsgrössen gestützt auf den Wohnungsmarkt bzw. das Mietzinsniveau in der
Gemeinde festzulegen. Die Mietzins-Höchstansätze (inkl. Nebenkosten) sollen sich in
folgendem Rahmen bewegen: Einpersonenhaushalt CHF 700 bis 900,
Zweipersonenhaushalt CHF 900 bis CHF 1'100 und Dreipersonenhaushalt CHF 1'100
bis CHF 1'300 (KOS-Praxishilfe, Kapitel B.3.1). Die politische Gemeinde F._ setzte für
einen Zweipersonenhaushalt als Mietzinsrichtwert einen maximalen monatlichen Betrag
von CHF 1'300, also CHF 650 pro Person, fest (www. ... unter: Politik und Verwaltung/
Publikationen/Merkblatt Sozialhilfe Wohnkosten und Grundbedarf). Die Einhaltung der
kommunalen Mietzinsmaxima dient primär der Gleichstellung aller Personen, die
Sozialhilfe empfangen (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.
2019.00531 vom 31. Oktober 2019 E. 2.3).
Gemäss Kapitel B.4 der SKOS-Richtlinien gelten in der Sozialhilfe Menschen zwischen
dem vollendeten 18. und dem vollendeten 25. Altersjahr als "junge Erwachsene". Junge
Erwachsene sollen durch materielle Unterstützung nicht bessergestellt werden als nicht
unterstützte junge Leute mit niedrigem Einkommen. Von jungen Erwachsenen ohne
abgeschlossene Erstausbildung wird erwartet, dass sie bei ihren Eltern wohnen, sofern
keine unüberbrückbaren Konflikte bestehen. Junge Erwachsene, die im Haushalt der
Eltern oder in anderen familienähnlichen Gemeinschaften wohnen, werden nach den
Prinzipien für Wohn- und Lebensgemeinschaften unterstützt. Die anteilsmässigen
Wohnkosten werden bei jungen Erwachsenen, die im Haushalt der Eltern leben, nur
dann angerechnet, wenn den Eltern die Übernahme der vollen Wohnkosten nach den
gesamten Umständen (persönliche Beziehung, finanzielle Verhältnisse) nicht zugemutet
werden kann. Das Führen eines eigenen Haushaltes wird nur in Ausnahmefällen
finanziert (vgl. Wizent, a.a.O., Rz. 918 ff.).
Richtlinien wenden sich an die Durchführungsstellen und sind für das Gericht nicht
verbindlich. Diese soll es bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine
dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren
gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Ein Gericht soll daher nicht ohne triftigen Grund
von Richtlinien abweichen, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der
rechtlichen Vorgaben darstellen (BGE 133 V 587 E. 6.1, BGer 8D_1/2015 vom
31. August 2015 E. 5.3.3).
2.2.
Nach Art. 12b Abs. 1 SHG kann die Ausrichtung der finanziellen Sozialhilfe mit
Bedingungen und Auflagen verbunden werden, die sich auf die zweckmässige
2.3.
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Verwendung der Leistungen beziehen (lit. a) oder geeignet sind, die Hilfebedürftigkeit
zu beseitigen oder zu mildern (lit. b). Unzulässig sind allerdings unverhältnismässige
oder sachfremde Auflagen oder Bedingungen, welche sich nicht auf die
Sozialhilfegesetzgebung abstützen und nicht fürsorgerischen Zwecken dienen bzw.
nicht geeignet sind, die konkrete Situation im Hinblick auf eine Ablösung von der
Sozialhilfe zu verbessern. Mit den Nebenbestimmungen soll ein aus der Sicht der
Sozialhilfebehörde erwünschtes Verhalten der unterstützten Person erreicht werden
(vgl. VerwGE B 2019/117 vom 18. Dezember 2019 E. 3.4, B 2015/110 und B 2015/120
vom 7. Februar 2018 E. 2.4 und E. 2.5.1, B 2015/134 vom 27. September 2016
E. 2.3.1; F. Wolffers, Grundriss des Sozialhilferechts, 2. Aufl. 1999, S. 111 f., U. Vogel,
Rechtsbeziehungen: Rechte und Pflichten der unterstützten Person und der Organe
der Sozialhilfe, in: C. Häfeli [Hrsg.], a.a.O., S. 183 f.; vgl. auch BGE 131 I 166 E. 4.4 f.).
Das heisst, die Weisung muss geeignet sein, das im öffentlichen Interesse angestrebte
Ziel zu erreichen (Zwecktauglichkeit der Massnahme), sie muss im Hinblick auf das im
öffentlichen Interesse angestrebte Ziel erforderlich (Notwendigkeit des
geringstmöglichen Eingriffes) und schliesslich zumutbar sein, das heisst, in einem
vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die den Privaten auferlegt werden,
und durch ein das private Interesse überwiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt
sein. In Bezug auf die Wohnkosten bedeutet dies, dass bei stark überhöhten
Mietzinsen höhere Anforderungen an die Gründe, die gegen den Wohnungswechsel
sprechen, zu stellen sind (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7. Aufl. 2016, Rz. 514 ff., 522, 527 ff., 555 ff.; Urteile des Verwaltungsgerichts des
Kantons Zürich VB.2019.00531 vom 31. Oktober 2019 E. 2.4 und VB.2018.00305 vom
13. September 2018 E. 2.2).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine Auflage, sich eine den kommunalen
Mietzinsrichtlinien entsprechende Wohnung zu suchen, zulässig. Überhöhte
Wohnkosten sind nur so lange zu übernehmen, bis eine zumutbare günstigere Lösung
zur Verfügung steht, wobei die Sozialhilfeorgane die Aufgabe haben, die
Sozialhilfebezüger bei der Suche nach günstigem Wohnraum aktiv zu unterstützen
(BGer 8D_1/2015 vom 31. August 2015 E. 5.3.4, 8C_805/2014 vom 27. Februar 2015
E. 4.1). Bevor der Umzug in eine günstigere Wohnung verlangt wird, ist die Situation im
Einzelnen genau zu prüfen. Insbesondere sind die folgenden Punkte bei einem
Entscheid zu berücksichtigen: Die Grösse und Zusammensetzung der Familie, die
allfällige Verwurzelung an einem bestimmten Ort, das Alter und die Gesundheit der
betroffenen Person sowie der Grad der sozialen Integration (BGer 8C_302/2018 vom
15. März 2019 E. 3.1.1, C. Hänzi, Leistungen der Sozialhilfe in den Kantonen, in:
2.4.
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C. Häfeli [Hrsg.], Das Schweizerische Sozialhilferecht, Luzern 2008, S. 122, Wizent,
a.a.O., Rz. 503, SKOS-Richtlinien, Kapitel B.3-2). Weigert sich die Person, trotz
Vorliegens zumutbarer Umstände eine günstigere Wohnung zu suchen oder in eine
effektiv verfügbare und zumutbare günstigere Wohnung umzuziehen, dann dürfen die
anrechenbaren Wohnkosten auf jenen Betrag reduziert werden, der für die günstigere
Wohnung aufzuwenden wäre (vgl. C. Hänzi, a.a.O., S. 122, SKOS-Richtlinien, Kapitel B.
3-3: Missachten der Auflage).
Von dieser Situation zu unterscheiden ist jener Fall, in dem eine hilfsbedürftige Person
bereits wirtschaftliche Hilfe bezieht und eigenmächtig und freiwillig eine für sie
zumutbare Wohnung verlässt, um in eine andere teurere Unterkunft einzuziehen. Unter
diesen Umständen ist somit grundsätzlich nicht zu beanstanden, wenn das Sozialamt
den Unterstützungsbetrag um die Differenz zwischen der aktuell bewohnten teureren
Wohnung und der zuletzt bewohnten günstigeren und zumutbaren Unterkunft nicht
erhöht. Die Einhaltung des für eine Kürzung vorgesehenen Verfahrens ist deshalb für
die Ablehnung eines Gesuchs um Übernahme der teureren Mietkosten nicht
gesetzliche Voraussetzung. Denn ein solches Handeln der hilfsbedürftigen Person ist
als rechtsmissbräuchlich einzustufen (vgl. VerwGE B 2007/154 vom 5. November 2007
E. 3.3, Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.2018.00547 vom 27.
November 2018 E. 2.3.4 und VB.2005.00020 vom 6. April 2005 E. 3.2, bestätigt durch
BGer 2P.143/2005 vom 3. Juni 2005 E. 2.2.1). Demgegenüber kann nach einem
längeren Unterbruch der Sozialhilfe bei erneuter Unterstützung nicht ohne Weiteres an
eine alte Weisung angeknüpft und eine sofortige Kürzung der Wohnkosten
vorgenommen werden. Vielmehr ist zu berücksichtigen, welche Anordnungen das
Sozialamt bezüglich der Wohnkosten während der Dauer der früheren Unterstützung
getroffen hat (C. Hänzi, a.a.O., S. 124, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Zürich VB.2002.00127 vom 4. Juni 2002 E. 3a).
2.5.
Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, dass das Sozialamt vom Beschwerdeführer
nicht mittels anfechtbarer Verfügung den Umzug in eine billigere Wohnung verlangt
habe. Er habe als junger Erwachsener ohne abgeschlossene Ausbildung aber
grundsätzlich bei seiner Mutter zu wohnen, welche ebenfalls Sozialhilfe beziehe.
Mieterin der Wohnung sei einzig seine Mutter. Damit hänge seine Wohnsituation von
jener der Mutter ab. Dieser sei bereits aus früherer Unterstützung bekannt gewesen,
dass das Sozialamt die Mietkosten nur bis zur Maximalhöhe der kommunalen
Richtlinien übernehme. Bei einer durchgehenden Unterstützung wären bei der
2.6.
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Unterstützungsberechnung denn auch nicht vorübergehend die tatsächlichen
Mietkosten berücksichtigt worden. Somit wären auch im Budget des volljährigen
Beschwerdeführers die Mietkosten ab Unterstützungsbeginn nur in diesem Umfang
berücksichtigt worden. Die vorgebrachte Begründung der Unzumutbarkeit eines
Wohnungswechsels aus gesundheitlichen Gründen sei bereits im Rekursverfahren der
Mutter geprüft worden. Den eingereichten medizinischen Unterlagen sei bezüglich
Zumutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit eines Umzugs nichts zu entnehmen. Das
nachgereichte ärztliche Zeugnis des Hausarztes des Beschwerdeführers komme
mangels nachvollziehbarer Begründung kein Beweiswert zu, sondern sei als
Parteivorbringen zu werten. Auch der Umstand, dass die Grosseltern im gleichen
Mehrfamilienhaus wohnen und seine Mutter bei seiner Betreuung unterstützen würden
wie auch, dass der Hausarzt nahe sei, könne nicht zu seinen Gunsten gewertet werden.
Das Sozialamt habe daher bis zur Beendigung der Unterstützung des
Beschwerdeführers bei den Mietkosten den gemäss den kommunalen
Mietzinsrichtlinien maximal anrechenbaren hälftigen Anteil eines Zweipersonen-
Haushalts im Sozialhilfebudget berücksichtigen dürfen.
Dagegen stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass, bevor ein Umzug
verlangt werden könne, die Situation im Einzelfall zu prüfen sei. Dabei sei auch die
Gesundheit der betroffenen Person zu berücksichtigen. Er sei auf ein stabiles Umfeld –
und damit sei auch die Wohnsituation gemeint – angewiesen. Für den weiteren Verlauf
seiner Erkrankung sei dies sehr wichtig. Bei Bedarf würden seine Akten der
Invalidenversicherung (IV) und diejenigen seiner Mutter zur Verfügung gestellt. Ihm
gehe es auch dank der stabilen Wohn- und Lebenssituation so gut, dass er seit
Februar 2020 an einer beruflichen IV-Massnahme teilnehme. Im April und Juni 2019
habe sich die Mutter wegen Unfallfolgen am Daumen rechts sowie der Schulter links
operieren lassen müssen. Diese sei immer noch zu 100% krankgeschrieben und es
würden weitere medizinische Untersuchungen folgen, auch im psychiatrischen Bereich.
Das Knie seiner Mutter sei unter Belastung sehr schmerzhaft, ihr Daumen sei seit der
Operation eingeschränkt und auch ihre im Juni 2019 operierte Schulter sei noch nicht
ausgeheilt. Sie könne nur unter Schmerzen Lasten heben. Es sei sehr wichtig, dass sie
weiterhin in der stabilen Wohnsituation bleiben könnten.
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer zusammen mit seiner Mutter
(Zweipersonen-Haushalt) in einer 3,5-Zimmerwohnung in der Gemeinde F._ – in einer
gemäss Kenntnis des Gerichts gehobenen Wohngegend – lebt. Ab der Volljährigkeit
des Beschwerdeführers bilden er und seine Mutter je eine eigene Unterstützungseinheit
2.7.
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(vgl. Verfahren B 2020/31). Der monatliche Mietzins für die Wohnung beträgt
CHF 1'820 (Erhöhung nach Umbau per 1. April 2013 um CHF 170 auf CHF 1'710 und
per 1. Juli 2013 auf CHF 1'820, act. Vorinstanz 7/5/24 ff.). Gemäss den aktuellen
Richtlinien der politischen Gemeinde F._ wurde der Mietzinsrichtwert für einen
Zweipersonen-Haushalt auf einen maximalen Betrag von CHF 1'300 pro Monat, also
CHF 650 pro Person, festgesetzt. Der Beschwerdeführer lebt damit in einer Wohnung
mit einem monatlichen Mietzins, welcher über dem für das Sozialhilfebudget
massgebenden Höchstmietzins liegt. In der Verfügung vom 5. Oktober 2018 hielt das
Sozialamt unter anderem fest, der Beschwerdeführer müsse die bereits ausbezahlten
effektiven Mieten in der Höhe von CHF 910 für die Monate September und Oktober
2018 wegen Gutgläubigkeit nicht zurückerstatten (act. Vorinstanz 7/5/36). Per
30. November 2018 stellte das Sozialamt die Unterstützungsleistungen ein (Verfügung
vom 5. Dezember 2018, act. Vorinstanz 7/35). Vorliegend ist damit formell die Höhe der
anzurechnenden Mietkosten für die Monate September bis November 2018 strittig,
materiell jedoch einzig für den Monat November 2018.
Im vorliegenden Fall gelangte das Sozialamt zum Schluss, dass die tatsächlichen
Mietkosten von CHF 1'820 überhöht sind. Anschliessend hätte es die Zumutbarkeit
eines Umzugs in eine günstigere Wohnung prüfen müssen (massgebende Punkte:
Grösse und Zusammensetzung der Familie, die allfällige Verwurzelung an einem
bestimmten Ort, das Alter und die Gesundheit der betroffenen Person sowie der Grad
der sozialen Integration, vgl. SKOS-Richtlinien, Kapitel B.3-2, KOS-Praxishilfe, Kapitel
B.3, S. 64). Dies unterliess das Sozialamt jedoch, obwohl die Vertreterin des
Beschwerdeführers bereits mit Schreiben vom 27. Juni 2014 wie auch im Rahmen der
Abklärungen nach der Gesuchseinreichung im Juli 2018 auf die Unzumutbarkeit eines
Wohnungswechsels aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen aufmerksam machte.
Sofern das Sozialamt einen Wohnungswechsel für zumutbar hält, hat es die betroffene
Person gestützt auf Art. 12b Abs. 1 SHG mittels Auflage aufzufordern, sich innert
angemessener Frist eine günstigere Wohnung zu suchen mit der Androhung der
Mietzinskürzung. Zwar wies das Sozialamt die Vertreterin des Beschwerdeführers in
Gesprächen auf die zu teure Wohnung hin (interne Notizen), jedoch erteilte es der
Vertreterin des Beschwerdeführers weder im Rahmen der erstmaligen Zusprache noch
bei der Wiederanmeldung die Auflage, sich eine günstigere Wohnung zu suchen (siehe
dazu ausführlicher VerwGE B 2020/31 vom 5. Oktober 2020, E. 2.8).
2.8.
Von diesem Auflageverfahren bzw. auf eine Übergangsfrist zur Anrechnung des
2.9.
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3.
Mietzinses gemäss den kommunalen Richtlinien anstelle des überhöhten Mietzinses
kann nur verzichtet werden, wenn sich die betroffene Person rechtsmissbräuchlich
verhalten hat (vgl. Wizent, a.a.O., Rz. 502). In diesem Sinne vertritt die
Beschwerdegegnerin die Ansicht, es habe von Anfang an keine Anrechnung des
überhöhten Mietzinses zu erfolgen, wenn die betroffene Person bereits in der
Vergangenheit durch die Sozialhilfe unterstützt worden sei. Der Beschwerdeführer habe
durch die Verfahren der Vertreterin davon Kenntnis gehabt, dass die Wohnungskosten
lediglich im Rahmen der jeweiligen Mietzinsrichtlinien übernommen werden können.
Zwar rechnete das Sozialamt im Sozialhilfebudget der Vertreterin lediglich Wohnkosten
im Rahmen der jeweiligen Mietzinsrichtlinien an. Die Vertreterin wurde jedoch nur in
Gesprächen auf den Umstand der zu teuren Wohnung und damit eines notwendigen
Wohnungswechsels hingewiesen. Eine Auflage zur Wohnungssuche wurde seitens des
Sozialamtes nie verfügt. Hinzu kommt, dass sich vorliegend die Verhältnisse mit den
neuen kommunalen Mietzinsrichtlinien (monatlicher Höchstansatz beträgt CHF 1'300
anstatt vorher CHF 1'450) und den vom Beschwerdeführer geltend gemachten
gesundheitlichen Einschränkungen hinsichtlich eines Wohnungswechsels geändert
hatten. Ein treuwidriges Verhalten kann dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen
werden, wenn er weder vor noch spätestens mit Beginn des Sozialhilfebezugs in eine
günstigere Wohnung zog. Folglich durfte das Sozialamt ohne Durchführung des
Auflageverfahrens und damit ohne Gewähren einer angemessenen Frist zur Suche
einer günstigeren Wohnung nicht bereits mit Verfügungserlass lediglich den Mietzins
gemäss den kommunalen Richtlinien und nicht den tatsächlichen Mietzins des
Beschwerdeführers im Sozialhilfebudget anrechnen. Dementsprechend hat das
Sozialamt im strittigen Monat November 2018 Wohnkosten von CHF 910 gemäss dem
Sozialhilfebudget vom 12. September 2018, welches ab dem 1. September 2018
Gültigkeit hatte, zu übernehmen (act. Vorinstanz 7/5/38). Die Beschwerde ist damit
gutzuheissen und der angefochtene Entscheid vom 13. Februar 2020 aufzuheben.
Aufgrund des Obsiegens des Beschwerdeführers sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens von der Beschwerdegegnerin zu tragen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'000 erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 222
der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist aufgrund der
überwiegend finanziellen Interessen nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
3.1.
Bei Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen über die amtlichen
3.2.
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