Decision ID: 5cce94ef-008c-4a63-9e81-d3a13c745b4b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Inhaltsverzeichnis
Rechtsbegehren .................................................................................................. 4
A. Sachverhaltsübersicht ................................................................................. 5 a. Parteien und ihre Stellung .............................................................................. 5 b. Prozessgegenstand ........................................................................................ 5
B. Prozessverlauf .............................................................................................. 6
1. Formelles ...................................................................................................... 7
2. Noven ............................................................................................................ 7 2.1. Ausgangslage ................................................................................................. 7 2.2. Rechtliche Grundlagen ................................................................................... 7 2.3. Eingabe der Klägerin vom 8. Juni 2020 zu Dupliknoven (act. 50) .................. 9 2.4. Eingabe der Klägerin vom 28. September 2020 (act. 52) ............................... 9 2.5. Eingabe der Klägerin vom 8. Oktober 2020 (act. 59, act. 60) ....................... 10
3. Passivlegitimation ...................................................................................... 11 3.1. Parteistandpunkte ........................................................................................ 11 3.2. Rechtliche Grundlagen ................................................................................. 12 3.3. Würdigung .................................................................................................... 13
4. Absichtliche Täuschung ............................................................................ 15
4.1. Anfechtungsobjekt ..................................................................................... 15
4.2. Genehmigung ............................................................................................. 15 4.2.1. Parteistandpunkte ...................................................................................... 15 4.2.2. Unbestrittener Sachverhalt ........................................................................ 16 4.2.3. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 16 4.2.4. Würdigung ................................................................................................. 17
4.3. Wegbedingung durch Gewährleistungsausschluss ............................... 18
4.4. Täuschungshandlung ................................................................................ 18 4.4.1. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 18 4.4.2. Unbestrittener Sachverhalt ........................................................................ 20 4.4.3. Vorbemerkung zum Behauptungsfundament ............................................ 21 4.4.4. Leistung ..................................................................................................... 22 4.4.5. Kosten ....................................................................................................... 25 4.4.6. Q._ ................................................. Fehler! Textmarke nicht definiert. 4.4.7. Testanlage AC._ ................................................................................ 31 4.4.8. Produktions- und Auftragslage .................................................................. 34 4.4.9. Unternehmensbewertung .......................................................................... 36 4.4.10. Verschraubungskonstruktion ................................................................... 38 4.4.11. ...-Preis .................................................................................................... 39
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4.5. Täuschungsabsicht .................................................................................... 40 4.5.1. Parteistandpunkte ...................................................................................... 40 4.5.2. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 41 4.5.3. Würdigung ................................................................................................. 41
4.6. Irrtum ........................................................................................................... 42 4.6.1. Parteistandpunkte ...................................................................................... 42 4.6.2. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 43 4.6.3. Würdigung ................................................................................................. 43
4.7. Kausalzusammenhang............................................................................... 46 4.7.1. Parteibehauptungen .................................................................................. 46 4.7.2. Rechtliche Grundlagen .............................................................................. 47 4.7.3. Würdigung ................................................................................................. 47
5. Zusammenfassung ..................................................................................... 58
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen ......................................................... 59 6.1. Gerichtskosten ............................................................................................. 59 6.2. Parteientschädigungen ................................................................................. 59
Urteilsdispositiv ................................................................................................. 60
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Rechtsbegehren: (act. 1)
" 1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin einen Betrag von CHF 5'000'000 zuzüglich Zins von 5% ab dem 22. Oktober 2018 zu bezahlen.
2. Es sei im Umfang gemäss Ziffer 1 der Rechtsvorschlag in der  Nr. 1 des Betreibungsamtes Zürich 8 zu beseitigen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der Beklagten."
Geändertes Rechtsbegehren: (act. 31)
" 1.1 Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin einen Betrag von CHF 5'000'000 zuzüglich Zins von 5% ab dem 22. Oktober 2018 zu bezahlen.
1.2. Eventualiter: Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin  Betrag von CHF 5'000'000 zuzüglich Zins von 5% ab dem 22. Oktober 2018 Zug um Zug gegen die Erteilung einer  bezüglich 10'000 Namenaktien der B._ AG, ... [], mit einem Nennwert von je CHF 1.00 zu Gunsten von Herrn C._, ... [Adresse], zu bezahlen.
2. Es sei im Umfang von CHF 5'000'000 zuzüglich Zins von 5% ab dem 22. Oktober 2018 der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 1 des Betreibungsamtes Zürich 8 zu beseitigen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu Lasten der Beklagten."
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Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in D._. Sie bezweckt den
Kauf, den Verkauf, das Halten und die Verwaltung beweglichen oder unbewegli-
chen Vermögens. Die Klägerin wird durch E._ als einziger Verwaltungsrat
vertreten (act. 1 Rz. 20).
Die Beklagte ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich. Im Zeitpunkt des hier
relevanten Vertragsschlusses am 10. Oktober 2018 verfügte sie über sechs Ver-
waltungsräte, wovon C._, F._ und G._ die Geschäftsleitung bilde-
ten und über eine Kollektivunterschrift zu zweien verfügten. Die übrigen damali-
gen Verwaltungsratsmitglieder (H._, I._, J._) waren nicht zeich-
nungsberechtigt (act. 1 Rz. 21). Die Beklagte bezweckt die Entwicklung und For-
schung sowie die Herstellung und den Verkauf von ... sowie die Erbringung von
Beratungs- und Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit diesen Tätigkei-
ten (act. 1 Rz. 22, act. 3/2). Das Kernprodukt der Beklagten ist ein PVT-Kollektor,
d.h. ein photovoltaisch-thermischer Solarkollektor, der im Gegensatz zu rein pho-
tovoltaischen Anlagen nicht nur elektrische Energie, sondern auch nutzbare
Wärme gewinnt (act. 13 Rz. 2.2).
b. Prozessgegenstand
Mit Vertrag vom 10. Oktober 2018 erwarb die Klägerin von C._ 10'000 Aktien
(entspricht 10 %) der Beklagten zu einem Preis von CHF 10'000.– und verpflichte-
te sich gleichzeitig, eine Zahlung von CHF 4'990'000.– an die Beklagte als Kapi-
taleinlage zu leisten (act. 1 Rz. 39, act. 3/3). Am 11. und 25. Januar 2019 hat die
Klägerin den Vertrag aufgrund von Willensmängeln angefochten (act. 3/4 und
3/5). Mit der vorliegenden Klage verlangt sie die Rückerstattung der geleisteten
Zahlungen mit der Begründung, sie sei von der Beklagten bzw. deren Geschäfts-
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leitung absichtlich getäuscht worden (act. 1 Rz. 11). Namentlich hätten diverse
falsche Angaben der Geschäftsleitung in einer Präsentation vom 11. September
2018 zum Vertragsschluss geführt (act. 1 Rz. 1). Die Beklagte bestreitet das Vor-
liegen sämtlicher Voraussetzungen einer absichtlichen Täuschung (act. 39
Rz. 3.1.3).
B. Prozessverlauf
Am 17. Mai 2019 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin die Klage mit dem
vorstehend zitierten Rechtsbegehren ein (act. 1). Den ihr auferlegten Gerichtskos-
tenvorschuss leistete sie fristgerecht (act. 4 und 6). Im Sommer 2019 und Früh-
jahr 2020 wurde gegen die Verwaltungsratsmitglieder der Beklagten, C._,
F._ und G._, Strafanzeige eingereicht. Das Strafverfahren ist pendent
(act. 39 Rz. 2.1.1). Mit Eingabe vom 28. August 2019 stellte die Staatsanwalt-
schaft Zürich-Limmat ein Auskunftsbegehren gemäss Art. 195 Abs. 1 StPO
(act. 9). Nach entsprechender Fristansetzung nahmen die Parteien am 10. und
12. September 2019 zum Auskunftsbegehren Stellung (act. 10, 15 und 16). Mit
Schreiben vom 13. September 2019 wurde das Auskunftsbegehren beantwortet
(act. 17). Die Klageantwort datiert vom 5. September 2019 (act. 13). Am 26. No-
vember 2019 fand eine Vergleichsverhandlung statt, welche zu keiner Einigung
führte (Prot. S. 8 f.). Mit Verfügung vom 10. Dezember 2019 wurde ein zweiter
Schriftenwechsel angeordnet und von der Klägerin ein zusätzlicher Gerichtskos-
tenvorschuss eingeholt (act. 24 und 26). Die Replik datiert vom 28. Februar 2020
(act. 31). Am 23. April 2020 reichte die Klägerin eine Noveneingabe ein (act. 35).
Die Erstattung der Duplik erfolgte am 15. Mai 2020 (act. 39) und wurde mit einer
Eingabe vom 19. Mai 2020 ergänzt (act. 41). Ein Antrag der Klägerin betreffend
Fristansetzung zur Stellungnahme zu Dupliknoven wurde unter Hinweis auf das
ohnehin bestehende Replikrecht abgewiesen (act. 46 und 48). Am 8. Juni 2020
nahm die Klägerin zu Dupliknoven Stellung (act. 50). Am 28. September 2020
folgte eine weitere Noveneingabe der Klägerin (act. 52). Die Beklagte äusserte
sich hierzu am 2. Oktober 2020 (act. 56). Am 8. Oktober 2020 reichte die Klägerin
eine weitere Noveneingabe ein (act. 59). Danach folgten keine weiteren Einga-
ben. Mit Verfügung vom 12. April 2021 wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu
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erklären, ob auf die Durchführung einer Hauptverhandlung verzichtet werde
(act. 63). Beide Parteien haben auf die Durchführung einer Hauptverhandlung
verzichtet (act. 65 f.). Der Prozess ist spruchreif (Art. 236 Abs. 1 ZPO).

Erwägungen
1. Formelles
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts wird nicht bestritten
und ist gegeben (act. 1 Rz. 15 ff., act.13 Rz. 1.2; Art. 17 ZPO; Art. 6 Abs. 2 ZPO
i.V.m. § 44 lit. b GOG). Die übrigen Prozessvoraussetzungen sind ebenfalls er-
füllt, weshalb auf die Klage einzutreten ist (Art. 59 Abs. 1 und 2 ZPO).
2. Noven
2.1. Ausgangslage
Parallel zum vorliegenden Zivilverfahren hat (unter anderem) die Klägerin eine
Strafanzeige gegen drei Verwaltungsräte der Beklagten eingereicht, welche zur
Einleitung eines Strafverfahrens wegen Betrugs etc. durch die Staatsanwaltschaft
III geführt hat (act. 31 Rz. 5 ff.). Mit ihrer Noveneingabe vom 28. September 2020
hat die Klägerin nach Abschluss des Schriftenwechsels vier diesem Strafverfah-
ren entstammenden Protokolle von polizeilichen bzw. staatsanwaltschaftlichen
Einvernahmen von C._, G._, F._ und K._ eingereicht und ihre
Behauptungen damit weiter untermauert (act. 52, act. 53/3-6).
2.2. Rechtliche Grundlagen
Nach dem zweiten Schriftenwechsel treten Novenrechtsschranken ein. Neue Tat-
sachen und Beweismittel können nur noch nach den Voraussetzungen von
Art. 229 Abs. 1 ZPO in den Prozess eingebracht werden. In Abs. 1 lit. a und b
wird zwischen echten und unechten Noven unterschieden. Nach der Definition
des Gesetzes handelt es sich um echte Noven, wenn sie erst nach Abschluss des
Schriftenwechsels oder nach der letzten Instruktionsverhandlung entstanden oder
gefunden worden sind. Unechte Noven liegen vor, wenn sie in diesem Zeitpunkt
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bereits vorhanden waren, aber trotz zumutbarer Sorgfalt nicht vorher vorgebracht
werden konnten. Unabhängig von dieser begrifflichen Unterscheidung liegt das
massgebliche Kriterium für die Zulässigkeit von Noven in der Entschuldbarkeit der
Verspätung: Sind Tatsachen oder Beweismittel erst nach Abschluss des Schrif-
tenwechsels oder nach der letzten Instruktionsverhandlung entstanden (lit. a, ers-
te Variante), war ein früheres Vorbringen objektiv nicht möglich und ist die Ver-
spätung damit per se entschuldbar. Entsprechendes gilt hinsichtlich der in lit. a
ebenfalls erwähnten erst nachträglich gefundenen Tatsachen oder Beweismittel,
soweit ihr früheres Auffinden objektiv nicht möglich gewesen ist. Im Übrigen be-
stimmt sich bei bereits früher entstandenen, aber erst nachträglich gefundenen
Noven deren Zulässigkeit nach lit. b. Waren Tatsachen oder Beweismittel bereits
vor Abschluss des Schriftenwechsels bzw. vor der letzten Instruktionsverhandlung
vorhanden, ist die Verspätung entschuldbar, wenn sie trotz zumutbarer Sorgfalt
nicht vorgebracht werden konnten. Dies ist der Fall, wenn – zumindest für die be-
treffende Partei – ein gangbarer Weg fehlte, die Tatsachen oder Beweismittel auf-
zufinden bzw. zu beschaffen und in den Prozess einzubringen. Unzulässig ist
demgegenüber neues Vorbringen, wenn die Tatsachen oder Beweismittel der
Partei zugänglich waren, aber absichtlich oder aus Nachlässigkeit bisher nicht in
den Prozess eingeführt worden sind. Die erforderliche Sorgfalt bestimmt sich
nach einem objektiven Massstab. Abzustellen ist auf ein durchschnittliches Mass
an Sorgfalt und Umsicht, wie es von jeder Prozesspartei erwartet werden darf und
muss, wobei im Zivilprozess im Allgemeinen eher grössere Anforderungen an die
Sorgfalt zu stellen sind als im aussergerichtlichen Verkehr. Nach Entstehung oder
Entdeckung der neuen Tatsachen und Beweismittel bzw. nach Wegfall des Hinde-
rungsgrundes müssen die Noven in der Hauptverhandlung unverzüglich bzw. so-
fort vorgebracht werden. Unbegründetes Zuwarten führt zur Verwirkung des No-
venrechts (PAHUD, in: DIKE-Kommentar zur ZPO, 2. Auflage 2016, N 11 ff. zu
Art. 229).
Es obliegt derjenigen Partei, welche das Novenrecht beansprucht, substantiiert
darzutun, dass die Zulässigkeitsvoraussetzungen von Art. 229 Abs. 1 ZPO in zeit-
licher und inhaltlicher Hinsicht erfüllt sind. Sie hat daher auszuführen, inwiefern
die Verspätung entschuldbar ist, und insbesondere, warum ein früheres Vorbrin-
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gen nicht möglich war, und worin die von ihr unternommenen Anstrengungen be-
standen haben sollen (SCHMID, Das Verfahren vor Handelsgericht: aktuelle pro-
zessuale Probleme, in: ZZZ 42/2017, S. 129, 156 f.). Als unzulässig befundene
nachträgliche Vorbringen sind nicht zu berücksichtigen, gleichwohl aber zu den
Akten zu nehmen (PAHUD, a.a.O., N 24 zu Art. 229).
2.3. Eingabe der Klägerin vom 8. Juni 2020 zu Dupliknoven (act. 50)
Mit dieser Eingabe nach Abschluss des Schriftenwechsels nimmt die Klägerin zu
diversen angeblich neuen Vorbringen in der Duplik Stellung. Im Wesentlichen
bringt sie in dieser Eingabe nichts vor, was nicht bereits in ihren Rechtsschriften
enthalten ist.
2.4. Eingabe der Klägerin vom 28. September 2020 (act. 52)
Parallel zum vorliegenden Zivilverfahren hat (unter anderem) die Klägerin eine
Strafanzeige gegen drei Verwaltungsräte der Beklagten eingereicht, welche zur
Einleitung eines Strafverfahrens wegen Betrugs etc. durch die Staatsanwaltschaft
III geführt hat (act. 31 Rz. 5 ff.). Mit ihrer Noveneingabe vom 28. September 2020
hat die Klägerin nach Abschluss des Schriftenwechsels vier diesem Strafverfah-
ren entstammende Protokolle von polizeilichen bzw. staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahmen von C._, G._, F._ sowie K._ eingereicht, um ihre
Behauptungen weiter zu untermauern (act. 52, act. 53/3-6).
Die genannten Einvernahmen fanden am 20., 21. und 22. Oktober 2019 statt, die
schriftlichen Protokolle wurden unmittelbar im Anschluss an die Einvernahmen er-
stellt. Damit handelt es sich um bereits vor Abschluss des Schriftenwechsels ent-
standene Tatsachen. Es stellt sich daher die Frage, ob das verspätete Einbringen
der Protokolle durch die Klägerin entschuldbar war, mithin, ob es ihr überhaupt
möglich war, die Protokolle vor Abschluss des Schriftenwechsels einzureichen.
Die Parteien eines Strafverfahrens können spätestens nach der ersten Einver-
nahme der beschuldigten Person und der Erhebung der übrigen wichtigsten Be-
weise durch die Staatsanwaltschaft die Akten des Strafverfahrens einsehen
(Art. 101 Abs. 1 StPO).
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Die Klägerin hat sich im Strafverfahren als Privatklägerin konstituiert. Der Zeit-
punkt der Konstituierung ist unklar. Jedenfalls war sie bereits als Privatklägerin
konstituiert, als E._ am 3. März 2020 durch die Polizei als Auskunftsperson
einvernommen wurde. Dies ergibt sich aus dem entsprechenden Protokoll
(act. 40/2). Gemäss gesetzlicher Vorschrift müsste die Klägerin spätestens ab
diesem Zeitpunkt die Möglichkeit gehabt haben, die Akten des Strafverfahrens
und damit auch die Einvernahmeprotokolle einzusehen. Die Klägerin macht in ih-
rer Noveneingabe keine Ausführungen dazu, weshalb es ihr trotz ihres ab Konsti-
tution als Privatklägerin grundsätzlich bestehenden Akteneinsichtsrechts nicht
möglich gewesen sein sollte, in den Protokollen allenfalls enthaltene Noven zu ei-
nem früheren Zeitpunkt in den Prozess einzubringen. In ihrer Noveneingabe führt
sie lediglich aus, dass ihr die Einvernahmen am 18. September 2020 und
22. September 2020 von der Staatsanwaltschaft zugestellt wurden, ohne zu erklä-
ren, weshalb sie von ihrem Akteneinsichtsrecht nicht schon vorher Gebrauch ge-
macht hat (act. 52 Rz. 3). Damit kam sie ihrer Pflicht zur substantiierten Begrün-
dung der Zulässigkeit der Noven nicht nach. Auch nachdem die Beklagte mit Ein-
gabe vom 2. Oktober 2020 die Zulässigkeit der neuen Vorbringen explizit bestrit-
ten hat, kam die Klägerin ihrer Begründungs- und Substantiierungspflicht im Hin-
blick auf die Eingabe vom 28. September 2020 nicht nach (act. 56 Rz. 2.1 ff.). Die
mit der Eingabe vom 28. September 2020 eingereichten Einvernahmen und sich
darauf stützende neue Vorbringen sind daher im vorliegenden Verfahren nicht zu
berücksichtigen.
2.5. Eingabe der Klägerin vom 8. Oktober 2020 (act. 59, act. 60)
Am 8. Oktober 2020 reichte die Klägerin ein Protokoll der am 24. September 2020
durchgeführten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme von K._ als Zeugen
ein. Die begleitende Eingabe enthielt lediglich den Hinweis, dass es sich um eine
Noveneingabe handle. Eine weitergehende Begründung der Zulässigkeit der Ein-
reichung dieses neuen Beweismittels enthält die Eingabe nicht. Da die Klägerin
auch mit dieser Eingabe ihrer Pflicht zur substantiierten Begründung der Zuläs-
sigkeit der Noven nicht nachgekommen ist, ist das Beweismittel zwar zu den Ak-
ten zu nehmen, im vorliegenden Verfahren aber nicht zu berücksichtigen. Selbst
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wenn man von der Zulässigkeit der Einbringung des Novums ausgehen würde,
müsste darauf nicht eingegangen werden, da es die Klägerin unterlassen hat, das
neue Beweismittel im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit konkre-
ten Behauptungen zu verbinden (BGE 4A_381/2016 E. 3.1.2.).
3. Passivlegitimation
3.1. Parteistandpunkte
Die Beklagte bestreitet ihre Passivlegitimation. Zum Einen macht sie geltend, mit
dem Aktienkaufvertrag habe die Klägerin 10'000 Aktien von C._ erworben,
welchem sie dafür einen Kaufpreis von CHF 10'000.– schulde. Als Zahlstelle sei
zwar das Konto der Beklagten definiert worden, jedoch sei der Kaufpreis ins Ver-
mögen von C._ geflossen. Daher sei die Beklagte mindestens im Umfang
von CHF 10'000.– nicht passivlegitimiert (act. 13 Rz. 4.2.1). Zum Anderen macht
die Beklagte geltend, dass die Klägerin nicht einfach gegen die Beklagte auf die
Rückerstattung ihrer Leistung klagen könne. Da das Synallagma des unverbindli-
chen Vertrages nachwirke, könne sie die eigene Leistung nur Zug um Zug gegen
Rückgabe des Empfangenen, namentlich der ihr von C._ übertragenen Ak-
tien, zurückverlangen. Die entsprechende Einrede (Art. 82 OR) erhebe die Be-
klagte explizit. Die Klägerin hätte ihre Klage sowohl gegen die Beklagte als auch
gegen C._ richten müssen (act. 13 Rz. 5.2.2.1 ff., act. 39 Rz. 4.3).
Die Klägerin erachtet die Beklagte im vollen Forderungsumfang als passivlegiti-
miert, da der gesamte Betrag von CHF 5 Mio. gemäss vertraglicher Vereinbarung
der Beklagten überwiesen worden sei (act. 31 Rz. 24). Sie bestreitet das Vorlie-
gen eines synallagmatischen Vertrages, weshalb die Rückabwicklung nicht Zug
um Zug vorzunehmen sei (act. 31 Rz. 14). Sodann bestreitet sie das Vorliegen ei-
ner notwendigen, passiven Streitgenossenschaft, weshalb es in ihrer Dispositi-
onsfreiheit liege, als Eventualbegehren die Zahlung von CHF 5 Mio. Zug um Zug
gegen Rückzession der Aktien an C._ zu beantragen, ohne diesen ins Ver-
fahren einzubeziehen (act. 31 Rz. 21 ff.).
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3.2. Rechtliche Grundlagen
Zur Rückabwicklung von Verträgen wegen Willensmangels hielt das Bundesge-
richt folgendes fest: "Unabhängig davon, ob der so genannten Anfechtungs- oder der so  Ungültigkeitstheorie gefolgt wird, ist Rechtsfolge der begründeten Geltendmachung des Willensmangels grundsätzlich das Dahinfallen des Vertrags ex tunc. Bereits erbrachte Leistungen sind zurückzuerstatten. Dabei sind nach herkömmlicher Ansicht die Grundsätze der Vindikation  und der ungerechtfertigten Bereicherung anderseits anwendbar. In der Lehre wird zudem mit guten Gründen die Auffassung vertreten, nicht nur im Falle des verzugsbedingten Rücktritts vom Vertrag, sondern auch bei dessen Unverbindlichkeit wegen Willensmängeln sei von einem  Rückabwicklungsverhältnis auszugehen, welches auf dem ursprünglichen formalen Konsens gründe. Insoweit bleibt der Vertragsschluss trotz berechtigter Anfechtung nicht bedeutungslos. Dies zeigt sich etwa darin, dass die Rückerstattung empfangener Leistungen trotz Ungültigkeit des  in Beachtung dessen Synallagmas Zug um Zug zu erfolgen hat" (BGE 129 IIII 320, E. 7.1.1, m.w.H. insb. auf SCHMIDLIN, in: BK OR, 2. Aufl. 2013, N. 101 zu Art. 31).
Insbesondere SCHMIDLIN spricht sich für die Annahme eines Rückabwicklungsver-
hältnisses aus und verweist unter anderem auf BGE 83 II 18. Darin erwog das
Bundesgericht, dass die ursprüngliche Verknüpfung und Abhängigkeit der Leis-
tungen auch in der Phase der Wiederherstellung des früheren Zustandes, also bei
der Rückerstattung, zu beachten sei. Diese führe zur Verpflichtung zur Rücker-
stattung der Leistungen Zug um Zug. In BGE 137 III 243 lehnte das Bundesge-
richt die Annahme eines vertraglichen Liquidationsverhältnisses ab.
Bei der notwendigen Streitgenossenschaft müssen mehrere Personen gemein-
sam als Kläger oder gemeinsam als Beklagte auftreten, da das streitige Rechts-
verhältnis nur allen Streitgenossen gegenüber einheitlich festgestellt werden
kann. Inwiefern eine gemeinsame Prozessführung als notwendige Streitgenossen
erforderlich ist, beurteilt sich in erster Linie nach dem anwendbaren materiellen
Recht. In Fällen einer notwendigen Streitgenossenschaft sind mehrere Personen
an einem Rechtsverhältnis beteiligt, über das nur mit Wirkung für alle entschieden
werden kann. Es besteht keine allgemeine Regelung, die bestimmt, in welchen
Fällen eine notwendige Streitgenossenschaft gebildet werden muss. Vielmehr fin-
den sich die relevanten Bestimmungen im materiellen Bundesrecht verteilt. Ihnen
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gemeinsam ist der Normzweck, dass das streitige Rechtsverhältnis allen Streitge-
nossen gegenüber einheitlich festgestellt werden muss. Im Weiteren bestehen
Konstellationen, in denen die Notwendigkeit einer einheitlichen Entscheidung für
alle betroffenen Personen sich nicht aus dem materiellen Recht, sondern aus der
Natur der Sache ergibt (BALZ/ZUBER, in: Berner Kommentar zum Obligationen-
recht, 2012, N 7 ff. zu Art. 70).
Ob ein Fall der Streitgenossenschaft vorliegt, ist eine prozessuale Frage und von
Amtes wegen zu prüfen. Ob alle und die richtigen Streitgenossen als Parteien am
Verfahren beteiligt sind, beschlägt die Aktiv- oder Passiv-, das heisst die Sachle-
gitimation. Werden im Falle einer notwendigen Streitgenossenschaft nicht alle
Verpflichteten zusammen ins Recht gefasst bzw. gehen nicht alle Berechtigten
gemeinsam vor, fehlt es an der notwendigen Aktiv- bzw. Passivlegitimation und
die Klage ist abzuweisen (Balz/Zuber, a.a.O., N 33 zu Art. 70).
3.3. Würdigung
Am streitgegenständlichen "Aktienkaufvertrag" vom 10. Oktober 2018 sind unbe-
strittenermassen drei Parteien beteiligt, nämlich C._, die Beklagte und die
Klägerin. Es handelt sich nicht um einen klassischen Aktienkaufvertrag zwischen
zwei Parteien, sondern um eine Art Beteiligungsvertrag, dessen Zweck die Zur-
verfügungstellung von Kapital gegen die Beteiligung am Erfolg durch Aktiener-
werb ist. Da die Beklagte im Vertrag selber keine Leistung zu erbringen hat, stellt
sich die Frage, ob ein reines Austauschverhältnis vorliegt. Fest steht, dass sowohl
die Leistung von CHF 10'000.– an C._ als auch die Leistung von
CHF 4'990'000.– mit der Übertragung der Aktien der Beklagten im Sinne einer
Abhängigkeit verknüpft ist. Etwas anderes behauptet auch die Klägerin nicht. In
ihrer Replik schreibt sie explizit, dass die an die Beklagte geleistete Zahlung die
Gegenleistung für die Übertragung der Aktien sei (act. 31 Rz. 13). Mit der Unver-
bindlichkeit des vorliegenden Vertrages sind nicht nur die beiden Zahlungen
rechtlich grundlos erfolgt, sondern auch die Übertragung der Aktien. Zur Wieder-
herstellung des ursprünglichen Zustandes müssen Rückleistungen in alle Rich-
tungen erfolgen. Im ursprünglichen Rechtsbegehren der Klägerin fehlt ein ent-
sprechendes Begehren, was allein – folgt man der Ansicht des Bundesgerichts in
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BGE 83 II 18, E. 7 – noch nicht problematisch wäre, da ein Rechtsbegehren auf
unbedingte Leistung auch beschränkt zugesprochen werden darf, sei es nur teil-
weise, sei es unter einer Modalität. Vorliegend könnte aber keine Rückübertra-
gung der Aktien Zug um Zug mit der Zahlung angeordnet werden, da die Person,
welche die Aktien aufgrund des dahingefallenen Vertrages übertragen hat, nicht
ins Verfahren einbezogen wurde und ihr die Rückübertragung nicht ohne vorgän-
gige Beteiligung am Verfahren aufgezwungen werden kann. Für die von der Klä-
gerin angestrebte Rückabwicklung des Vertrages hätte sie sowohl die Beklagte
als auch C._ einklagen müssen. Dieser Schluss würde sich umso mehr auf-
drängen, wenn man von einem vertraglichen Rückabwicklungsverhältnis ausge-
hen würde, dessen Zweck darin besteht, die endgültige Güterzuordnung in Refe-
renz an den Mangel nach der Mechanik des ursprünglichen Vertrages, aber mit
umgekehrten Vorzeichen herbeizuführen (vgl. HUGUENIN, Obligationenrecht, All-
gemeiner und Besonderer Teil, 2019, N 583). Um eine saubere und wider-
spruchsfreie Rückabwicklung des streitgegenständlichen Vertragsverhältnisses zu
gewährleisten, erscheint die Annahme eines vertraglichen Rückabwicklungsver-
hältnisses vorliegend als sinnvoll. Es steht ausser Frage, dass bei Annahme eines
solchen Rückabwicklungsverhältnisses alle am ursprünglichen Vertrag beteiligten
Parteien einbezogen werden müssen und keine Selektion getroffen werden kann.
Die prozessuale Konsequenz ist die Annahme einer notwendigen passiven Streit-
genossenschaft zwischen C._ und der Beklagten. Entgegen dem Einwand
der Klägerin beschränkt sich die Annahme einer notwendigen Streitgenossen-
schaft nicht auf Gestaltungsklagen. Entscheidend ist vielmehr, dass die drei Ver-
tragsparteien vorliegend an einem Rechtsverhältnis beteiligt sind, über das nur
mit Wirkung für alle entschieden werden kann. Da die Leistungen im vorstehen-
den Sinne miteinander verknüpft sind, kann die Rückabwicklung nicht auf einzel-
ne Leistungen bzw. Vertragsparteien beschränkt werden. Da sich sowohl das ur-
sprüngliche wie auch das modifizierte Rechtsbegehren nur gegen die Beklagte
richtet, wurden nicht alle Beteiligten ins Recht gefasst, weshalb die Klage bereits
mangels Passivlegitimation abzuweisen ist.
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Selbst wenn man in dieser Frage zu einem anderen Schluss kommen würde,
würde sich im Ergebnis nichts ändern, wie nachfolgend zu zeigen sein wird.
4. Absichtliche Täuschung
Ist ein Vertragschliessender durch absichtliche Täuschung seitens des andern
zum Vertragsabschluss verleitet worden, ist der Vertrag für ihn auch dann nicht
verbindlich, wenn der erregte Irrtum kein wesentlicher war (Art. 28 Abs. 1 OR).
Die Berufung auf Art. 28 OR setzt eine Täuschungshandlung voraus, die absicht-
lich ist, in pflichtwidriger Weise erfolgte und beim Anfechtenden einen Irrtum her-
vorgerufen hat (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, in: BSK OR I, 7. Aufl., N 2a zu
Art. 28).
4.1. Anfechtungsobjekt
Es ist unbestritten, dass die Klägerin mit Schreiben vom 11. und 25. Januar 2019
den "Aktienkaufvertrag" vom 10. Oktober 2018 (act. 3/3) aufgrund von Willens-
mängeln und Täuschungen angefochten hat und sich auf die Unverbindlichkeit
dieses Vertrages berief (act. 1 Rz. 11). Dem Vertrag ging ein Vorvertrag voraus,
welcher bereits am 11. September 2018 geschlossen wurde (act. 3/17). Darin
verpflichteten sich die Parteien zum Abschluss eines Kaufvertrages mit bestimm-
ten zentralen Punkten. Selbst wenn die Eckwerte des Vorvertrages unverändert in
den Aktienkaufvertrag eingeflossen sind, ist es nicht der Vorvertrag, dessen Un-
verbindlichkeit zu prüfen ist, sondern der am 10. Oktober 2018 geschlossene Ak-
tienkaufvertrag. Anfechtungsobjekt ist allein der Vertrag vom 10. Oktober 2018.
Sämtliche Voraussetzungen der Täuschung müssen hinsichtlich dieses Zeitpunk-
tes gegeben sein.
4.2. Genehmigung
4.2.1. Parteistandpunkte
Die Beklagte ist der Ansicht, die Klägerin habe den Vertrag durch ihr Verhalten im
Vorfeld der Verwaltungsratssitzung vom 4. Februar 2019 genehmigt (act. 13
Rz. 3.27.6). Sie stützt sich insbesondere auf eine E-Mail vom 23. Januar 2019
- 16 -
(act. 3/44). Einen weiteren Nachweis der Genehmigung erblickt sie im Verhalten
der Klägerin im Zusammenhang mit dem von der Beklagten in Auftrag gegebenen
Gutachten der L._. Sie stützt sich dabei insbesondere auf die E-Mail vom
11. März 2019 (act. 3/55). Es sei nicht ersichtlich, aus welchem Rechtsgrund die
Klägerin solche Unterlagen einfordern könnte, wenn nicht gestützt auf die beste-
hende Vertragsbeziehung (act. 13 Rz. 3.29.10). Die Klägerin bestreitet eine Ge-
nehmigung des Vertrages (act. 31 Rz. 536).
4.2.2. Unbestrittener Sachverhalt
Am 23. Januar 2019 schrieb E._ F._ eine E-Mail mit folgendem Inhalt:
"Ich habe mir eingetragen, dass am 4.2.2019 eine ordentliche VR-Sitzung stattfindet. Leider habe ich bis zum heutigen Zeitpunkt weder eine Einladung noch eine Traktandenliste erhalten. Am 12.12.2018 hast Du und die übrigen Verwaltungsräte mir zugesichert, dass ich an der ersten  2019 in den Verwaltungsrat gewählt werde. Dies als Vollzug einer Bedingung im  über den Erwerb von 10 % der B._-Aktien durch die A._. Ich vertraue darauf, dass Verträge und Zusagen eingehalten werden." (act. 3/44). Am 11. März 2019 forderte E._ F._ sodann per E-Mail auf, ihm sämtliche Ergebnisse und den Auf-
tragstext eines von der Beklagten bei der L._ eingeholten Gutachtens zuzu-
stellen (act. 3/55).
4.2.3. Rechtliche Grundlagen
Die Anfechtung wegen eines Willensmangels muss binnen Jahresfrist erfolgen.
Im Fall einer Täuschung beginnt die Frist mit der Kenntnis der Täuschungshand-
lung, andernfalls der Vertrag als genehmigt gilt (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, in:
BSK OR I, 7. Aufl. 2019, N 11 f. und 20 zu Art. 31 OR). Eine Genehmigung kann
schon während der Jahresfrist angenommen werden, wenn der Anfechtungsbe-
rechtigte durch positive Handlungen oder durch ausdrückliche Willenserklärung
deutlich zu verstehen gibt, dass er sich mit dem mangelhaften Vertrag abgefun-
den hat. Eine Genehmigung ist selbst nach einer Berufung auf Unverbindlichkeit
noch möglich, wenn die Gegenpartei einverstanden ist, dass der Vertrag aufrecht
bleibt. In jedem Fall setzt die Genehmigung sichere Kenntnis des Willensmangels
voraus. Unbestimmte, nicht näher belegte Zweifel genügen nicht. Im Falle der
- 17 -
Täuschung ist neben der Entdeckung des Irrtums zudem die Erkenntnis erforder-
lich, dass der Mangel durch absichtliche falsche Vorspiegelungen verursacht wor-
den ist. Wo eine ausdrückliche Erklärung fehlt, darf angesichts der Tragweite des
Rechtsverzichts, der in einer Genehmigung liegt, namentlich bei einer absichtli-
chen Täuschung, nicht leichthin auf vorbehaltsloses Einverständnis geschlossen
werden. Ob eine bestimmte Handlung des Anfechtungsberechtigten als eindeuti-
ger Ausdruck einer Genehmigung zu verstehen sei, beurteilt sich nach den
Grundsätzen der Vertrauenstheorie (BGE 108 II 102 E. 2a, m.w.H.).
4.2.4. Würdigung
Der Beklagten ist darin zuzustimmen, dass insbesondere die E-Mail von E._
vom 23. Januar 2019 mit der nur wenige Tage zuvor erklärten Anfechtung des
Vertrages wegen absichtlicher Täuschung nicht vereinbar ist. Zwar äussert
E._ darin keine ausdrückliche Genehmigung des Vertrags in Kenntnis und im
Bewusstsein der Tatsache, dass die Klägerin bei dessen Abschluss einer Täu-
schung erlegen sei. Nachdem die Klägerin im Schreiben vom 11. Januar 2019 je-
doch eingehend und deutlich die Anfechtung des Vertrages wegen eines Wil-
lensmangels erklärt hat, kann das Bestehen von E._ auf einer Einladung zur
auf den 4. Februar 2019 terminierten ordentlichen Verwaltungsratssitzung, einer
Zusendung der Traktandenliste und insbesondere auf einer Wahl in den Verwal-
tungsrat nicht anders verstanden werden, als dass er namens der Klägerin auch
weiterhin am Kaufvertrag festhalten will. Dies gilt umso mehr, als sich E._
ausdrücklich auf den "Vollzug einer Bedingung im Kaufvertrag" beruft und über-
dies festhält, er vertraue darauf, "dass Verträge und Zusagen eingehalten wer-
den". Es ist offensichtlich, dass er sich mit dieser Äusserung von einer Anfechtung
des Vertrages wegen Willensmängeln distanziert und im Gegenteil die Beklagte
auf dem abgeschlossenen Vertrag behaften will.
Daran ändert nichts, dass die Klägerin mit Schreiben ihres Rechtsvertreters vom
25. Januar 2019 an die Beklagte und die Verwaltungsräte F._, G._ und
C._ umgehend klargestellt hat, dass sie an einer umfassenden Anfechtung
infolge Willensmängeln festhalte und das Schreiben von E._ keine Geneh-
migung darstelle (act. 3/5). Denn entgegen den Ausführungen des klägerischen
- 18 -
Rechtsvertreters hat sich E._ gerade nicht auf die Zeit bis zur Rückabwick-
lung des Vertrages bezogen, sondern vorbehaltlos dessen Einhaltung verlangt.
Anhaltspunkte dafür, dass diese Erklärung ihrerseits wieder auf einem Willens-
mangel beruht, liegen nicht vor, so dass nicht ersichtlich ist, was die Klägerin be-
rechtigen könnte, auf die erfolgte Genehmigung zurück zu kommen. Unter diesen
Umständen braucht auf die von den Beklagten zusätzlich als Genehmigungs-
handlung bezeichnete E-Mail vom 11. März 2019 nicht mehr eingegangen zu
werden. Die Klage ist auch zufolge Genehmigung des geltend gemachten Wil-
lensmangels abzuweisen.
Selbst wenn man auch in dieser Frage zu einem anderen Schluss kommen wür-
de, würde sich im Ergebnis nichts ändern, wie nachfolgend zu zeigen sein wird.
4.3. Wegbedingung durch Gewährleistungsausschluss
In Ziffer 4 des Vertrages vom 10. Oktober 2019 wird die Gewährleistung betref-
fend Aktienkauf geregelt. Darin sichert der Verkäufer einerseits zu, dass er in sei-
ner Verfügungsbefugnis über die Aktien nicht beschränkt ist, diese in seinem al-
leinigen und unbeschwerten Eigentum stehen und er keine Zustimmung der Mit-
aktionäre für die Abtretung der Aktien benötigt. Andererseits gewährleistet der
Verkäufer die Rechtsbeständigkeit der Patente für die Hybride Solaranlage. Dar-
über hinaus wird in Ziffer 4.3 jede weitergehende Gewährleistung wegbedungen
(act. 3/3 S. 3). Diese Wegbedingung der Gewährleistung schliesst die Berufung
auf absichtliche Täuschung nicht aus (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, in: BSK OR I,
7. Aufl. 2019, N 25 zu Art. 28, m.w.H.). Die vorliegend behauptete absichtliche
Täuschung wird demnach vom vertraglichen Gewährleistungsausschluss nicht er-
fasst.
4.4. Täuschungshandlung
4.4.1. Rechtliche Grundlagen
Ein täuschendes Verhalten besteht in der Vorspiegelung falscher Tatsachen oder
im Verschweigen vorhandener Tatsachen. Die täuschende Handlung muss sich
auf Tatsachen beziehen, d.h. auf objektiv feststellbare Zustände oder Ereignisse
- 19 -
tatsächlicher oder rechtlicher Art. Subjektive Werturteile und Meinungsäusserun-
gen fallen nicht darunter, es sei denn, sie knüpfen an Tatsachen an. Tatsachen
können sowohl äussere als auch innere Umstände sein. Eine Täuschung über
künftige Tatsachen ist möglich, soweit diese als vorweggenommenes Faktum
dargestellt werden. Die Täuschung kann durch positive Handlungen erfolgen, z.B.
Behauptungen in mündlichen oder schriftlichen Mitteilungen, wie auch konkludent.
Für die Würdigung der Behauptung ist dabei nach dem Vertrauensprinzip auf den
Verkehrskreis des Getäuschten abzustellen. Der Vorspiegelung falscher Tatsa-
chen ist das Unterdrücken wahrer Tatsachen gleichzustellen, insbesondere durch
positive Behauptung des Gegenteils. Tatsachenverschweigung stellt nur dann ei-
ne Täuschung dar, wenn eine Aufklärungspflicht besteht. Eine solche kann sich
aus besonderer gesetzlicher Vorschrift oder aus Vertrag ergeben oder wenn eine
Mitteilung nach Treu und Glauben und den herrschenden Anschauungen geboten
ist (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, a.a.O., N 3 ff. zu Art. 28).
Tatsachen, von denen jedermann weiss oder wissen müsste, dass sie von Natur
aus risikobehaftet, spekulativ und daher ungewiss sind, entziehen sich grundsätz-
lich der Täuschung. Lässt sich jemand auf die Überredungen und Überredungs-
künste seines Partners ein, so täuscht er sich im Grund nicht über Tatsachen und
deren Risiken, sondern über das Vertrauen, das er in seinen Partner und dessen
Angaben hegte. Sein Vertrauen galt der Person und deren Risikoeinschätzung.
Dies trifft vor allem dann zu, wenn sich der in seinen Erwartungen Enttäuschte
selbst gar nicht richtig und objektiv um die Tatsachen gekümmert hat (SCHMIDLIN,
in: BK OR, 2. Auflage 2013, N 64 zu Art. 28).
Die Täuschung ist von der blossen Anpreisung abzugrenzen. Anpreisung und
Täuschung unterscheiden sich durch die Art und Weise, wie die zum Vertrag mo-
tivierenden Tatsachen dargestellt werden. Der Täuschende fälscht oder unter-
drückt wahre Tatsachen, um den Getäuschten absichtlich irrezuführen. Das An-
preisen begnügt sich mit dem Hervorheben vertragsgünstiger Eigenschaften und
dem Zurückstellen ungünstiger Eigenschaften. Der Gegensatz zwischen Täu-
schung und Anpreisung lässt sich am deutlichsten an der unterschiedlichen Wir-
kung der beiden Verhaltensweisen verdeutlichen. Für die Täuschung sind die
- 20 -
vorgespiegelten falschen Tatsachen conditio sine qua non des Vertragsabschlus-
ses. Ein solches Kausalverhältnis liegt bei der Anpreisung nicht vor, denn die An-
preisung beeinflusst zwar den Abschlusswillen des Vertragspartners, schaltet die-
sen aber nicht aus (SCHMIDLIN, a.a.O., N 81 ff. zu Art. 28).
4.4.2. Unbestrittener Sachverhalt
H._, selber Investor und seit 20. Juni 2018 Verwaltungsrat der Beklagten,
suchte für die Beklagte Grossinvestoren. In diesem Zusammenhang nahm er im
Sommer 2018 mit der Klägerin Kontakt auf (act. 1 Rz. 24 f., act. 31 Rz. 205,
act. 39 Rz. 4.30.3). Nachdem die Klägerin selber Interesse an einer Investition
geäussert hatte, organisierte H._ ein Treffen mit der Geschäftsleitung der
Beklagten am 11. September 2018 in den Geschäftsräumen von E._ in
M._ (act. 13 Rz. 3.7.3). An diesem Treffen nahmen auf Seiten der Klägerin
E._ und N._ als dessen rechtlicher Berater teil. Seitens der Beklagten
waren deren Verwaltungsräte C._, F._ und H._ anwesend (act. 1
Rz. 26 f.). Anlässlich des Treffens hielt C._ eine PowerPoint gestützte Prä-
sentation zum PVT-Kollektor der Beklagten (act. 31 Rz. 220). In der Präsentation
wurden die in act. 14/59 enthaltenen Folien gezeigt. Noch am selben Tag schlos-
sen die Klägerin, C._ und die Beklagte einen schriftlichen Vorvertrag zum
Erwerb von Aktien an der Beklagten (act. 31 Rz. 245, act. 3/17). Am 10. Oktober
2018 vollzogen die Parteien den Vorvertrag mit dem Abschluss einer als Aktien-
kaufvertrag bezeichneten Vereinbarung. Darin verpflichtete sich C._, der
Klägerin 10'000 Namensaktien der Beklagten zu einem Nennwert von CHF 1.00
zu verkaufen. Die Klägerin verpflichtete sich im Gegenzug, C._
CHF 10'000.– als Kaufpreis zu entrichten und der Beklagten CHF 4'990'000.– als
Kapitalanlage zu leisten. Die Auszahlung des Gesamtbetrages von
CHF 5'000'000.– erfolgte am 22. Oktober 2018 auf das Bankkonto der Beklagten
(act. 1 Rz. 39, act. 31 Rz. 256).
Auslöser für die Überzeugung der Klägerin, dass sie getäuscht worden war, wa-
ren Äusserungen von K._ gegenüber H._. K._ ist ein ehemaliger
Studienkollege von C._ und seit 2016 bei der Beklagten als technischer Ent-
wickler angestellt (act. 13 Rz. 3.2.6 f.). Ende 2016 bauten C._ und K._
- 21 -
den ersten PVT-Kollektor zusammen (act. 13 Rz. 3.2.10). Das Verhältnis zwi-
schen C._ und K._ verschlechterte sich in der Folge. K._ kritisierte
die Geschäftsführung der Beklagten und von C._ im Speziellen. Die Ausei-
nandersetzung führte schliesslich dazu, dass K._ am 20. Dezember 2018
das Arbeitsverhältnis kündigte. Die Vorwürfe von K._ fanden zu grossen Tei-
len auch Eingang in die Klageschrift (act. 1 Rz. 54 ff., act. 13 Rz. 3.23.4,
act. 14/129).
4.4.3. Vorbemerkung zum Behauptungsfundament
In der Klagebegründung bezeichnet die Klägerin die Aussagen in der Präsentati-
on vom 11. September 2018 in M._ als Täuschungshandlung und kon-
zentriert sich auf die Auseinandersetzung mit diesen Aussagen (z.B. act. 1
Rz. 108.1). In der Replik erweitert sie ihre Tatsachenbehauptungen zudem um
sehr ausführliche Schilderungen von Umständen, die sich im Vorfeld dieser In-
formationsveranstaltung abgespielt haben sollen. Namentlich führt sie im Detail
aus, wie es zur ersten Investition von H._ in die Beklagte gekommen und wie
dieser ebenfalls von der Beklagten getäuscht worden sein soll (act. 31 Rz. 108
ff.). Sodann legt die Klägerin dar, wie sich die Beziehung von H._ zur Beklag-
ten weiter entwickelt hat, wie H._ nach Investoren suchte und mit E._
ins Gespräch kam (act. 31 Rz. 205 ff.). Weiter enthält die Replik eine ausführliche
Darstellung der Ereignisse nach Abschluss des Kaufvertrages durch die Klägerin
(act. 31 Rz. 256 ff.). In der Replik unterteilt die Klägerin ihre Sachverhaltsdarstel-
lung neu in drei "Täuschungsphasen". Was genau die Klägerin aus den zusätzli-
chen Sachverhaltselementen, insbesondere aus dem behaupteten Verhalten der
Beklagten gegenüber H._, für den vorliegenden Fall ableiten will, bleibt un-
klar. Die Klägerin stellt auch keine konkreten Behauptungen dazu auf, welche
Handlungen von H._ die Klägerin getäuscht haben sollen. Es ist daher davon
auszugehen, dass die Klägerin nach wie vor den Standpunkt vertritt, dass die von
C._ anlässlich der Präsentation vom 11. September 2018 gemachten Aus-
sagen die massgebliche Täuschungshandlung waren. Dies ergibt sich zumindest
teilweise auch explizit aus der Replik (z.B. act. 31 Rz. 651). Die Äusserungen in
der Präsentation beschreibt die Klägerin zum Teil sehr ausführlich und repetitiv,
- 22 -
wobei nicht immer leicht festzustellen ist, welche der behaupteten Aussagen ihrer
Meinung nach falsche Tatsachen enthalten (z.B. act. 1 Rz. 27-34 und act. 31
Rz. 220-245). In der Klageschrift verwendete sie gar die unsubstantiierte Formu-
lierung "Dass beinahe alle Aussagen von Herrn C._ vom 11. September 2018 unzutreffend waren (...)" (act. 1 Rz. 8). Die von der Klägerin erkennbar als falsch beurteilten Aussagen werden nachfolgend unter entsprechenden Stichworten zusammenge-
fasst und gewürdigt (Erw. 4.4.4.– 4.4.11.).
Die Beklagte vertritt vorwiegend die Ansicht, dass die in der Präsentation ge-
machten Aussagen wahr sind. Die Vorwürfe von K._ bezeichnet sie als un-
gerechtfertigte Verleumdungen. In einzelnen Fällen bestreitet sie, dass die Aus-
sagen in der behaupteten Form überhaupt gemacht wurden. Die konkreten Be-
streitungen der Beklagten werden nachfolgend im Zusammenhang mit den ein-
zelnen Vorwürfen wiedergegeben.
4.4.4. Leistung
4.4.4.1. Parteibehauptungen
Die Klägerin behauptet, C._ habe in der Präsentation gesagt, der revolutio-
näre PVT-Kollektor der Beklagten erzeuge im Vergleich zu einem herkömmlichen
PV-Kollektor 400% mehr Leistung, was einem fünffach so hohen Wirkungsgrad im
Vergleich zu herkömmlichen PV-Kollektoren entspreche. Der Gesamtwirkungs-
grad von 73% könne voll genutzt werden (insb. act. 1 Rz. 3, 8.2. und 28). Diese
Angaben seien falsch. Der Wirkungsgrad des PVT-Kollektors der Beklagten be-
trage auf ein Jahr gesehen lediglich das 2.4-fache im Vergleich zu einem her-
kömmlichen PV-Kollektor (act. 31 Rz. 214). Berechnungen von K._, wonach
der Jahreswirkungsgrad nur bei 2 bis 2.5 liege, hätten sich im Bericht des
O._ bestätigt (act. 31 Rz. 282 f.). Für Investoren sei entscheidend, wie der
Gesamtenergieertrag während allen vier Jahreszeiten ausfalle und nicht wie hoch
der Ertrag an einem einzigen Tag oder in einem kurzen Moment sein könne
(act. 31 Rz. 350). Zum Beweis der Unrichtigkeit der Aussagen zum Wirkungsgrad
stützt sich die Klägerin auf einen Bericht sowie ein Schreiben des O._ in
- 23 -
P._ (act. 3/56 und 3/59), die Sachverhaltsdarstellung von K._ (act. 3/35)
und die als Beweis offerierte Zeugenaussage von K._.
Es ist unbestritten, dass C._ die behaupteten Aussagen zur Leistung ge-
macht hat. Die Beklagte erachtet diese Aussagen als wahr. Sie stützt sich dabei
im Wesentlichen auf einen Messbericht des Q._ vom 9. August 2018 (act.
3/37).
4.4.4.2. Würdigung
Die behaupteten Aussagen zur Leistung ergeben sich im Wesentlichen aus den
Folien der PowerPoint-Präsentation, welche unbestrittenermassen so gezeigt
wurden (act. 14/59). Teil der Präsentation war auch ein Auszug aus dem Messbe-
richt des Q._ (act. 3/37 S. 37, act. 14/59 S. 9). Um die beanstandeten Werte
nachvollziehen zu können, ist vorauszuschicken, dass der Wirkungsgrad das
Verhältnis von Nutzenergie zu zugeführter Energie bzw. von Nutzleistung zu zu-
geführter Leistung beschreibt. Beim Hybridkollektor der Beklagten ergibt sich der
Wirkungsgrad gemäss Angaben der Beklagten einerseits aus dem elektrischen
Wirkungsgrad der Photovoltaikmodule und anderseits aus dem thermischen Wir-
kungsgrad des Kollektors. Dies wird von der Klägerin nicht bestritten. Der elektri-
sche Wirkungsgrad des PVT-Kollektors der Beklagten ergibt sich gemäss unbe-
strittenen Aussagen der Beklagten aus den Herstellerangaben und beläuft sich
auf 17% (act. 39 Rz. 3.2.3.3). Den behaupteten thermischen Wirkungsgrad von
55 % entnimmt die Beklagte der Tabelle 5.5.3 des Berichts des Q._s vom
9. August 2018 (act. 3/37 S. 37). Dort sind für verschiedene Messungen verschie-
dene thermische Wirkungsgrade aufgeführt. In einer dieser Messungen wurde ein
Wirkungsgrad von 0.539 ermittelt, was rund 55 % entspricht. Zusammengezählt
ergibt dies einen Gesamtwirkungsgrad von 72 %. In ihrer Stellungnahme zu Dup-
liknoven stellt die Klägerin denn auch nicht in Abrede, dass der behauptete Ge-
samtwirkungsgrad von 73 % gemessen wurde (act. 50 Rz. 10). Die Klägerin
scheint die Angabe des Wirkungsgrades von 73 % vor allem deshalb als täu-
schend zu erachten, weil der fragliche Wert unter Laborbedingungen und nicht in
einem Feldtest erreicht wurde. Für Investoren sei der Gesamtenergieertrag in al-
len vier Jahreszeiten relevant (act. 50 Rz. 10). Dass auch der unter realen Bedin-
- 24 -
gungen zu erzielende Energieertrag über das ganze Jahr von Interesse ist, ist
nicht zu bezweifeln. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Aussage von
C._ zur Leistung des beklagtischen PVT-Moduls nicht falsch war, da die
Messungen tatsächlich gemacht wurden. Die Präsentation stützt sich hier eindeu-
tig auf die Messungen des Q._s, die Folien sind entsprechend auch mit
"Q._ Leistungsbestimmung" betitelt und enthalten Auszüge aus dem Bericht des Q._s. Dass es sich dabei um Messungen unter Laborbedingungen handelt,
ergibt sich nicht zuletzt auch aus Folie 6 der Präsentation, welche die Versuchs-
anordnung fotografisch darstellt. Nichts impliziert, dass die Resultate in einem
Feldversuch unter realen Bedingungen über ein ganzes Jahr hinaus gewonnen
wurden. Es ist auch nicht derart abwegig, wie es die Klägerin darstellt, mit Labor-
werten zu arbeiten. Dies gilt insbesondere in einem frühen Stadium der Entwick-
lung einer technischen Anlage. Laborwerte können ein Bild davon vermitteln,
wozu die Anlage grundsätzlich in der Lage ist, und sie vereinfachen die Ver-
gleichbarkeit mit anderen Anlagen. Vor diesem Hintergrund können die Angaben
der Beklagten zum Wirkungsgrad auch nicht mit jenen von K._ (act. 3/35
S. 8) und des O._s (act. 3/56) verglichen werden, da sich diese explizit auf
Jahreswirkungsgrade beziehen.
Sollte ein Laborversuch vielversprechend ausfallen, so ist es nachvollziehbar und
legitim, dass das positive Ergebnis hervorgehoben wird. Vor dem Hintergrund,
dass der Wirkungsgrad einer PVT-Anlage von einer Vielzahl von Faktoren beein-
flusst wird und in einem Test über einen längeren Zeitraum und unter realen Be-
dingungen anders ausfallen könnte, könnte man die Aussage über die Leistung
des Kollektors der Beklagten allenfalls als verkürzend bezeichnen. Dies ist im vor-
liegenden Kontext jedoch nicht problematisch. Die gesamte Präsentation hatte
anpreisenden Charakter. Es ging nicht darum, sämtliche technischen Einzelheiten
des Kollektors, der Prüfverfahren und dessen Vor- und Nachteile im Detail zu er-
örtern. Vielmehr lassen die unbestrittenen Inhalte der Präsentation darauf schlies-
sen, dass es das Ziel war, die Beklagte und ihr Produkt in einem möglichst guten
Licht erscheinen zu lassen und die Vorteile und die besten Ergebnisse hervorzu-
heben. Der anpreisende Charakter widerspiegelt sich denn auch in der Wortwahl,
indem mit eindeutig wertenden Begriffen wie "Neuheit", "revolutionär", "preiswert",
- 25 -
"Schlüssel zum Erfolg" operiert wird. Verkürzende Aussagen sind in diesem Umfeld zu erwarten.
Die Klägerin beanstandet ferner die – soweit ersichtlich unbestritten gebliebene –
Aussage, dass der Wirkungsgrad "voll genutzt" werden könne, ohne darzulegen,
inwiefern diese Aussage falsch ist. Act. 31 Rz. 264 ff. lässt vermuten, dass die
Klägerin darauf anspielt, dass die in Form von Wärme gewonnene Energie in den
Sommermonaten zufolge geringeren Heizbedarfs nicht vollständig genutzt werden
kann. Bekanntlich ist der Bedarf an Wärme im Sommer geringer, zumindest was
übliche Haushalte betrifft. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Wärme ge-
nutzt werden könnte, wenn im konkreten Fall ein entsprechender Bedarf besteht.
Ebenfalls denkbar ist die Speicherung von Wärme mithilfe von entsprechenden
Anlagen. Die Aussage zur Leistung ist demnach nicht falsch, sondern auch hier
höchstens im Sinne einer Anpreisung verkürzt.
4.4.5. Kosten
4.4.5.1. Parteibehauptungen
Die Klägerin behauptet sodann, C._ habe in der Präsentation erklärt, dass
die Mehrkosten im Vergleich zu einem herkömmlichen PV-Kollektor bei ca. 30%
lägen (insb. act. 1 Rz. 3, 8.2 und 28). Diese Angabe sei ohne Kostenkalkulation
aufgestellt worden und sei falsch. Die Beklagte habe unterschlagen, dass (im Ge-
gensatz zu einem herkömmlichen PV-Kollektor, act. 31 Rz. 342) zusätzlich zu den
PVT-Modulen erhebliche Mehrkosten für weitere notwendige Anlagen und deren
Installation anfielen, die den PVT-Kollektor unwirtschaftlich machen würden. In
Bezug auf die Unrichtigkeit der Darstellung der Kosten beruft sich die Klägerin auf
einen Bericht der R._ GmbH (act. 3/57) sowie auf die Sachverhaltsdarstel-
lung von K._ (act. 3/35) und dessen Zeugenaussage. Dass eine PVT-Anlage
massive Mehrkosten nach sich ziehe, zeige sich auch in der Berechnung der
Mehrkosten für die Überbauung in S._ durch die T._ AG (act. 31
Rz. 288, act. 32/72). Überdies habe die Geschäftsleitung in act. 3/47 selber ein-
gestanden, dass die Angabe von 30 % Mehrkosten aus dem Hut gezaubert wor-
den sei (act. 1 Rz. 80.7).
- 26 -
Die Beklagte bestreitet, dass die Aussage "nur geringe Mehrkosten von ca. 30 %"
an der Präsentation gemacht worden sei (act. 13 Rz. 4.1.7.2). Vielmehr seien auf
S. 16 der Präsentationsunterlagen nur die geschätzten Einkaufs- und Produkti-
onskosten für ein herkömmliches PV-Panel einerseits und die beiden von der Be-
klagten entwickelten PVT-Panele U._ (ohne Treibhauseffekt) und V._
(mit Treibhauseffekt) andererseits einzeln aufgelistet und einander gegenüberge-
stellt worden. Um die Vergleichbarkeit zu ermöglichen, seien lediglich die für die
Panele geschätzten Kosten verglichen worden. Mehr sei am Treffen vom 11. Sep-
tember 2018 nicht gesagt worden (act. 39 Rz. 3.2.4.1).
4.4.5.2. Würdigung
Die Klägerin beruft sich zunächst auf die Präsentationsunterlagen. Diesen kann
die behauptete Aussage, wonach die Mehrkosten für den von der Beklagten ent-
wickelten PVT-Kollektor mit fünffachem Wirkungsgrad im Vergleich zu einem her-
kömmlichen PV-Kollektor bei ca. 30 % lägen, bei genauerem Hinsehen gar nicht
entnommen werden. Auf Seite 16 der Präsentationsunterlagen sind drei verschie-
dene Kollektormodelle aufgeführt. Die beiden B._-Kollektoren sind dabei in
Einzelteile zerlegt dargestellt und mit Preisen pro Einzelteil versehen. Für jedes
Kollektormodell ist eine Summe angegeben:
... [Bild aus der Präsentation]
Die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass es sich bei diesen Sum-
men um Einkaufs- und Produktionskosten handelt. Vergleicht man die aufgeführ-
ten Beträge, ergibt sich, dass die Kosten des B._-Moduls V._, für wel-
ches der hier umstrittene Gesamtwirkungsgrad von 73% angegeben wird, mit
CHF 161.– rund 53 % höher sind als die Kosten für das Standard Modul W._
mit CHF 105.–. Für ein anderes als U._ bezeichnetes Kollektormodell wer-
den Kosten von CH 142.– angegeben. Damit wären die Kosten dieses Moduls
etwa um 35 % höher als jene des Standard Moduls W._. Für dieses Modell
würde demnach die Behauptung "ca. 30 % Mehrkosten" zutreffen, allerdings er-
zielt dieses Modul einen Gesamtwirkungsgrad von nur 20 % und stützt die kläge-
rische Darstellung nicht.
- 27 -
Sodann werden in der Darstellung klarerweise nur die Kosten der einzelnen Mo-
dule verglichen und nicht etwa die Gesamtkosten einer ganzen Anlage. Die Dar-
stellung impliziert auch nicht, dass gar eine abschliessende Wirtschaftlichkeitsbe-
rechnung vorgenommen wurde. Es entsteht sogar der Eindruck, dass nur reine
Materialkosten für die einzelnen Komponenten und nicht einmal Fertigungskosten
in das Kostentotal eingeflossen sind. Insgesamt ist die in den Präsentationsunter-
lagen enthaltene Kostenaufstellung derart knapp und lückenhaft, dass – gerade
für die geschäftserfahrenen Adressaten der Präsentation – klar sein musste, dass
sie höchstens eine grobe Kostenschätzung oder ein Kostenziel beinhalten kann
und schon gar keine abschliessende Gesamtrechnung darstellt.
Auch das Dokument "Stellungnahme der Geschäftsleitung zu den Behauptungen
im Schreiben von Herrn RA Dr. AA._ vom 11.01.2019" (act. 3/47) vermag
nicht zu beweisen, dass die behauptete Äusserung betreffend 30 % Mehrkosten
in der behaupteten Form an der Veranstaltung vom 11. September 2018 gemacht
wurde. Sowohl die entsprechenden Fragen von Dr. AA._ (act. 3/46 Ziff. 4.6,
4.7 und 4.8) als auch die Antwort der Geschäftsleitung sind sehr offen formuliert
und beziehen sich weder auf Aussagen an der Präsentation vom 11. September
2018 noch auf ein bestimmtes Kollektormodell, und haben daher keine Beweis-
kraft in Bezug auf die klägerische Behauptung.
Ferner beruft sich die Klägerin auf eine Aktennotiz, welche vom Investor N._
während der Präsentation geschrieben worden sein soll (act. 3/12). Die Beklagte
bestreitet, dass die Aktennotiz den Ausführungen von C._ an der Präsentati-
on vom 11. September 2018 entspricht (act. 13 Rz. 4.5.2.2). Entgegen der An-
sicht der Klägerin lässt die stichwortartige und schlecht lesbare handschriftliche
Notiz keine Schlüsse darauf zu, ob die behauptete Aussage an der Präsentation
tatsächlich so gemacht wurde. Es kann nicht zuverlässig verifiziert werden, wer
diese Notiz wann geschrieben hat und ob diese Person die Ausführungen erstens
richtig verstanden und zweitens korrekt aufgeschrieben hat. Bereits jetzt kann
vorweggenommen werden, dass auch die offerierten Zeugenaussagen von
H._, N._ und E._ diesbezüglich keinen Erkenntnisgewinn bringen
würden. Aufgrund dessen, dass sie bzw. die von ihnen vertretenen Gesellschaf-
- 28 -
ten sich allesamt mit der Beklagten bzw. deren Organe wegen angefochtener In-
vestitionsentscheide in Rechtsstreiten befinden, haben sie ein offenkundiges Inte-
resse am Prozessausgang. Dieser Umstand schmälert den Beweiswert der zu
erwartenden Bestätigung der behaupteten Aussage so stark, dass erhebliche
Zweifel bestehen bleiben würden, ob die Aussage tatsächlich so gemacht wurde.
Somit gelingt der Beweis dafür nicht, dass C._ in der Präsentation die Mehr-
kosten der PVT-Anlage mit den beklagtischen Modulen im Sinne einer definitiven
und vollständigen Mehrkostenberechnung auf 30 % beziffert hat.
4.4.6. Q._
4.4.6.1. Parteibehauptungen
Weiter behauptet die Klägerin, dass C._ in der Präsentation gesagt habe,
das Q._ habe die Leistungsfähigkeit und die Funktionsweise des 36-Zellen-
PVT-Kollektors vorzertifiziert. Das Institut habe dabei bestätigt, dass der PVT-
Kollektor einen fünffach so hohen Wirkungsgrad wie ein herkömmlicher PV-
Kollektor aufweise (act. 31 Rz. 230). C._ habe in diesem Zusammenhang
zwar darauf hingewiesen, dass die Zertifizierung dieses Kollektors mittels einer
Langzeitstudie durch das Q._ noch ausstehend sei, aber aufgrund der Vor-
zertifizierung nur eine Formsache und unproblematisch sei (act. 31 Rz. 234). Die
Klägerin ist der Ansicht, im Messbericht des Q._ sei nirgends von einem Ge-
samtwirkungsgrad von 73 % die Rede. Die Messungen des Instituts seien viel-
mehr nur Momentaufnahmen unter idealen Laborbedingungen. Unter realen Be-
dingungen würde dieser Wert nie erreicht (act. 31 Rz. 232). Da nur Werte unter
Laborbedingungen gemessen und vereinzelte Aspekte geprüft worden seien, lie-
ge auch keine Vorzertifizierung vor. Das als Formsache bezeichnete in Aussicht
gestellte Zertifizierungsverfahren sei nie eingeleitet worden. Stattdessen habe die
Beklagte einen Strategiewechsel vorgenommen und mitgeteilt, dass auf eine Zer-
tifizierung verzichtet werde (act. 31 Rz. 259).
Die Beklagte bestreitet nicht, dass die behaupteten Aussagen an der Präsentation
gemacht wurden. Sie stellt sich auf den Standpunkt, die Aussagen seien richtig,
- 29 -
da das Q._ den Gesamtwirkungsgrad von 73 % bestätigt habe. Die Leis-
tungsmessung des Instituts sei in der Präsentation korrekt wiedergegeben worden
(act. 39 Rz. 3.2.3.3). Dass ein Strategiewechsel zugunsten des 72-Zellen-Moduls
stattgefunden hat, bestreitet die Beklagte nicht. Sie macht diesbezüglich geltend,
dass E._ in den Entscheid eingebunden gewesen sei, und beruft sich auf das
Besprechungsprotokoll des Workshops vom 5./6. November 2018 (act. 39
Rz. 4.6.12, act. 3/29). Die Klägerin bestreitet, dass in diesem Workshop etwas
beschlossen wurde (act. 31 Rz. 466). Sie macht geltend, C._ habe den
Workshop-Teilnehmern lediglich die Entscheidung mitgeteilt, den Fokus auf das
72-Zellen-Modul zu verlegen (act. 1 Rz. 46 f.).
4.4.6.2. Würdigung
Das Q._ erstellte mit Datum vom 8. August 2018 einen Messbericht mit dem
Titel "..., Standortbestimmung zum PVT-Kollektorkonzept" (act. 3/37). Dessen erklärtes Ziel ist es, das PVT-Kollektorkonzept der Beklagten zu bewerten. Als Bewertungspa-
rameter werden dabei die Eignung zur Solar Keymark Zertifizierung sowie IEC-
Zertifizierung des PVT-Kollektors durch ausgesuchte Qualitäts- und Dauerhaftig-
keitstests und Leitungsprüfungen aus dem Spektrum der genannten Zertifizie-
rungsverfahren genannt (act. 3/37 S. 7). Getestet wurde ein Kollektor der Beklag-
ten, welcher nicht näher bezeichnet wird, dessen Aufbau jedoch beschrieben wird
(act. 3/37 S. 8). Das getestete Photovoltaikmodul enthält unbestrittenermassen 36
Zellen (act. 3/37 S. 11). Wie bereits ausgeführt, hat das Q._ die dem be-
haupteten Wirkungsgrad von rund 73 % zugrundeliegenden Werte bei diesem
Modul tatsächlich gemessen, weshalb die Aussage, dass der Gesamtwirkungs-
grad von 73 % vom Q._ bestätigt worden sei, nicht falsch, sondern höchs-
tens verkürzt ist, zumal das Q._ mehrere Messungen mit unterschiedlichen
Leistungswerten vorgenommen hat (vgl. Erw. 4.4.4.2.). Dass im Rahmen einer
Präsentation wie der vorliegenden das beste Messergebnis hervorgehoben wird,
liegt im Bereich der erlaubten Anpreisung.
Überdies liegt ein weiterer Bericht des gleichen Instituts mit dem Titel " ..., Qualitätsprüfungen an PVT-Kollektoren" vom 24. September 2018 vor (act. 3/38). Dabei wurden an drei PVT-Kollektoren der Beklagten verschiedene Belastungs-
- 30 -
prüfungen durchgeführt (act. 3/38 S. 6 f.). Die Beklagte ist der Meinung, mit die-
sen beiden Berichten des Q._s liege eine Vorzertifizierung vor, was die Klä-
gerin zumindest teilweise zu bestreiten scheint (z.B. act. 1 Rz. 8). Die Klägerin
legt aber nicht dar, was ihrer Meinung nach unter einer Vorzertifizierung im vorlie-
genden Zusammenhang zu verstehen wäre. Eine entsprechend substantiierte
Behauptung wäre aber notwendig, um zu beurteilen, ob die vorliegenden Berichte
bereits eine Vorzertifizierung darstellen oder nicht. Ebenso legt die Klägerin nicht
dar, welche Schritte nach einer Vorzertifizierung noch notwendig wären, um eine
Zertifizierung zu erlangen. Daher kann auch nicht beurteilt werden, ob die be-
hauptete Aussage, dass die Zertifizierung nur noch Formsache sei, falsch ist.
Teilweise scheint die Klägerin aber auch zu beanstanden, dass die Beklagte mit
dem Begriff der Vorzertifizierung einen Terminus verwendet habe, den es gar
nicht gibt (z.B. act. 31 Rz. 251). Tatsächlich findet sich dieser Begriff in den Be-
richten selber nicht. Es könnte sich um eine inoffizielle Bezeichnung dieser, der
eigentlichen Zertifizierung vorangehenden Prüfungen handeln. Immerhin soll ge-
mäss Bericht vom 9. August 2018 die Eignung des PVT-Kollektorkonzepts der
Beklagten zur Solar Keymark Zertifizierung und zur IEC-Zertifizierung durch ver-
schiedene Tests aus diesen Zertifizierungsverfahren beurteilt werden (act. 3/37
S. 7). Demnach besteht durchaus ein Bezug dieser Berichte zu einer möglichen
Zertifizierung, und eine Interpretation als Vorstufe der Zertifizierung ist nicht gänz-
lich aus der Luft gegriffen. Die Verwendung des Begriffs Vorzertifizierung kann
demnach nicht als falsch bezeichnet werden.
Es ist unbestritten, dass es in der Folge aufgrund eines Strategiewechsels nicht
zur Zertifizierung der in den beiden Berichten geprüften 36-Zellen-Kollektoren ge-
kommen ist (act. 13 Rz. 4.11.4). Gemäss Angaben der Beklagten wurde in einem
Workshop am 5./6. November 2018 entschieden, dass der 36-Zellen-Kollektor auf
dem Stand der Vorzertifizierung belassen werden soll, während der 72-Zellen-
Kollektor vorzertifiziert und anschliessend zertifiziert werden soll, da dieser in der
Produktion günstiger sei (act. 13 Rz. 3.13.7, 3.20.8). Im Besprechungsprotokoll
des Workshops wird Folgendes festgehalten (act. 3/29 S. 6):
- 31 -
"Produktpriorisierung: - Das 36er-Modul soll nicht zertifiziert werden. Trotzdem kann/soll es an Interessenten verkauft
werden, wenn diese die Vorzertifizierung akzeptieren. - Der Fokus liegt auf dem effizienteren 72-er Modul. - Vorzertifizierung durch Hr. AB._ (bis Jan. 2019) - Vorzertifizierung durch Q._ (bis Feb. 2019) Zertifizierung durch Q._ Es wurden keine Einträge für das Inhaltsverzeichnis gefunden. (bis Okt. 2019)"
Die Klägerin behauptet nicht, dieser Strategiewechsel sei bereits vor Vertrags-
schluss festgestanden und von der Beklagten verheimlicht worden. Ob darüber
anlässlich des Workshops entschieden wurde und von wem, ergibt sich nicht aus
dem Besprechungsprotokoll. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass erst nach
Vertragsschluss ein Strategiewechsel zugunsten des Moduls mit 72 Zellen statt-
gefunden hat und dies im Workshop vom 5./6. November 2018 zumindest thema-
tisiert wurde. Bei der Beklagten handelt es sich um ein Start-up-Unternehmen (so
explizit act. 3/3 Präambel), dessen Kernprodukt sich noch im Entwicklungsstadi-
um befindet. Anpassungen der Strategie aufgrund von neuen Erkenntnissen hin-
sichtlich Produktion und Produktionskosten sind in diesem Stadium normal und
aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung zu erwarten. Bei der vorliegenden
Anpassung wurde ausserdem kein gänzlich neues Produkt ins Spiel gebracht;
vielmehr wurde der Fokus von einem Produkt der Palette auf ein anderes gerich-
tet, wobei sich dieses nur durch die Anzahl der verwendeten Zellen unterscheidet.
Die Idee und der Funktionsmechanismus blieben dieselben. Ein derartiger Strate-
giewechsel nach erfolgtem Investment indiziert unter den konkreten Umständen
keine Täuschungshandlung. Dass sich im Übrigen auch die Klägerin von diesem
Strategiewechsel nicht überrascht zeigte, wird im Zusammenhang mit dem Irrtum
und der Kausalität erörtert (vgl. Erw. 4.6.3. und Erw. 4.7.4.7.).
4.4.7. Testanlage AC._
4.4.7.1. Parteibehauptungen
Sodann behauptet die Klägerin, C._ habe in der Präsentation ausgeführt,
dass eine seit 2017 laufende Langzeitstudie in einer Testanlage in AC._ stö-
- 32 -
rungsfrei verlaufen sei und hervorragende Messdaten ergeben habe. Die Lang-
zeitstudie in AC._ bestätige die vom Q._ gemessenen Zahlen und die
Funktion des PVT-Kollektors. Überdies zeige die Testanlage, dass der Wirkungs-
grad von 73 % voll genutzt werden könne (act. 31 Rz. 235 f.). Diese Aussagen
seien falsch, da in der Testanlage in AC._ mangels der hierfür nötigen Infra-
struktur überhaupt keine Messdaten erhoben worden seien. Der Kollektor, den
das Q._ geprüft habe, sei auch nicht auf der Testanlage installiert gewesen,
sondern nur eine Vorläuferversion (act. 31 Rz. 274, act. 32/111). Der Betrieb der
Testanlage sei darüber hinaus auch nicht störungsfrei verlaufen. Bei mehreren
der installierten PVT-Kollektoren habe die Dichtung versagt und Wasser sei aus-
gelaufen, weshalb die Solarpumpe mindestens eine Woche trocken gelaufen sei.
Ausserdem sei eine der Glasscheiben zersprungen. Ferner habe sich beim Be-
trieb der PVT-Kollektoren immer wieder Luft angesammelt, welche die Energie-
übertragung vom Solarspeicher zum Heizungsspeicher verhindert habe
(act. 31/277 ff.). Als Beweis für ihre Behauptungen stützt sich die Klägerin auf die
schriftlichen Unterlagen zur Präsentation (act.14/59), die Aktennotiz von N._
(act. 3/12), die schriftliche Sachverhaltsdarstellung von K._ (act. 3/35) und
die Stellungnahme der Geschäftsleitung (act. 3/47). Weiter offeriert sie als Beweis
die Zeugenaussagen von K._, H._, N._ und E._.
Die Beklagte bestreitet nicht, dass in AC._ keine Langzeitmessungen an den
36-Zellen-Kollektoren vorgenommen worden waren. Solche seien in der Präsen-
tation auch nicht erwähnt oder versprochen worden. Vielmehr sei die Testanlage
in AC._ erläutert worden, wo verschiedene Kollektortypen und Betriebssys-
teme auf ihre Funktion getestet und mit vor Ort erhobenen momentanen Mess-
werten geprüft worden seien (act. 13 Rz. 4.1.6.2). Im Juni 2018 seien auf der Tes-
tanlage in AC._ fünf Stück des 36-Zellen-Kollektors zur Prüfung der Ther-
mohydraulik des Batchsystems installiert worden, jedoch nicht zum Zweck von
Langzeitmessungen (act. 13 Rz. 4.1.11.5). Die Beklagte beruft sich diesbezüglich
auf die schriftlichen Unterlagen zur Präsentation (act. 14/59) und die Aktennotiz
von N._ (act. 3/12). Dass in AC._ die behaupteten Probleme aufgetre-
ten sind, bestreitet die Beklagte – soweit ersichtlich – nicht. Sie bezeichnet diese
Probleme im Wesentlichen als durch externe Faktoren verursachte Materialschä-
- 33 -
den, wie sie bei jeder Testanlage vorkämen und nichts mit der Kollektor-
Entwicklung der Beklagten zu tun hätten (act. 13 Rz. 3.3.2 ff.).
4.4.7.2. Würdigung
Die von der Klägerin zum Beweis offerierten schriftlichen Unterlagen zur Präsen-
tation enthalten zur Testanlage AC._ nur diese Folie:
... [Abbildung der Folie, die ein Foto der Testanlage aus der Luft zeigt]
Dieser sehr knapp gehaltenen Folie kann lediglich die Existenz einer Testanlage
in AC._ entnommen werden. Es ist nicht ersichtlich, welche Modelle wie lan-
ge und hinsichtlich welcher Faktoren getestet wurden. Die Aussage, dass jenes
Modul, welches auch Gegenstand der Berichte des Q._ ist, hier im Rahmen
einer Langzeitstudie getestet wurde, kann den schriftlichen Präsentationsunterla-
gen jedenfalls nicht entnommen werden, auch dann nicht, wenn die gesamten
Präsentationsunterlagen im Sinne eines Gesamteindrucks einbezogen werden.
Auch das Attribut "störungsfreier Betrieb seit April 2017" impliziert keine Langzeit-
studie. Die als Beweis angebotene Aktennotiz von N._ bestätigt zwar die
Aussage, wonach in AC._ eine Langzeitstudie durchgeführt worden sei. An-
dererseits weist die Beklagte zu Recht darauf hin, dass dieselbe Notiz im Zu-
sammenhang mit der Zertifizierung auf das Fehlen einer Langzeitstudie hinweist
und sich insofern widerspricht (act. 3/12). Hinzu kommt, dass der Beweiswert der
Aktennotiz aus bereits dargelegten Gründen ohnehin sehr gering ist (vgl. Erw.
4.4.5.2.). Entgegen der Darstellung der Klägerin hat die Geschäftsleitung der Be-
klagten auch in der Stellungnahme vom 29. Januar 2019 nicht eingeräumt, dass
in der Präsentation tatsachenwidrig von einer Langzeitstudie in AC._ gespro-
chen wurde. Darin hat sie vielmehr festgehalten, dass es kein funktionierendes
Monitoring mittels Daten-Fernübertragung gegeben habe, mit der Testanlage aber
dennoch bestimmte Funktionen hätten getestet werden können. Die Testmodule,
welche zwecks Vorzertifizierung beim Q._ gewesen seien, seien nur deshalb
auf der Testanlage installiert worden, um zu testen, ob der Batch-Betrieb für die-
- 34 -
sen Typ gut funktioniere. Eine aussagekräftige Testreihe mit Erfassung aller Da-
ten hätte technische Anpassungen der Anlage erfordert (act. 3/47 S. 8 ff.). Auch
die als Beweis offerierten Zeugenaussagen von H._, N._ und E._
könnten die Behauptung der Klägerin nicht beweisen, da die Aussagen dieser
Personen aufgrund ihrer offenkundigen eigenen Interessen am Prozessausgang
erhebliche Zweifel an der Richtigkeit ihrer Aussagen begründen würden (vgl. Erw.
4.4.5.2.). Eine Einvernahme von K._ erübrigt sich bereits deshalb, weil er an
der Präsentation nicht anwesend war. Damit bleibt die Behauptung zur Langzeit-
studie in der Testanlage AC._ unbewiesen. Es bleibt die Frage, ob die unbe-
strittenermassen in der Testanlage AC._ aufgetretenen Probleme die Formu-
lierung "störungsfreier Betrieb" noch erlauben oder ob damit bereits eine falsche
Aussage vorliegt. Die Klägerin stellt nicht in Abrede, dass die Probleme auf exter-
ne Fehler zurückzuführen sind, z.B. Materialfehler (act. 31 Rz. 280 f.). Sie ist den-
noch der Meinung, dass diese Probleme den Investoren gegenüber hätten er-
wähnt werden müssen (act. 31 Rz. 598). Störung ist ein weiter Begriff. Im vorlie-
genden Kontext (Produkt im Entwicklungsstadium, komplexe Testanlage) kann
kaum jedes auftretende Problem als Störung betrachtet werden, welche potentiel-
len Investoren mitgeteilt werden müsste. Insbesondere, wenn es sich um Proble-
me handelt, welche nicht von der Beklagten zu verantworten sind und nicht die
Funktionsfähigkeit des eigentlichen Produkts betreffen und leicht zu beheben
sind, scheint es vertretbar, solche Probleme im Rahmen einer Präsentation vor
Investoren nicht explizit zu thematisieren und von einem störungsfreien Betrieb zu
sprechen. Die Aussagen zur Testanlage AC._ sind demnach nicht als täu-
schend einzustufen.
4.4.8. Produktions- und Auftragslage
4.4.8.1. Parteibehauptungen
Weiter behauptet die Klägerin, C._ habe in der Präsentation ausgeführt, für
die Produktion bestehe eine Kooperation mit der AD._ GmbH in AE._
(D) und die Produktion sei bereits angelaufen. Die Produktionskapazität der
AD._ GmbH von bis zu 20'000 Solarpanels könne man sofort abrufen. Es lä-
gen bereits Bestellungen der AF._ sowie im Zusammenhang mit einer
- 35 -
Wohnanlage in S._ vor. Mit dem AG._ Spital Zürich stünden Vertrags-
abschlüsse unmittelbar bevor (act. 1 Rz. 32, act. 31 Rz. 238, 577). Die Klägerin
beruft sich auf die schriftlichen Unterlagen der Präsentation (act. 14/59), die Notiz
von N._ (act. 3/12) und offeriert darüber hinaus H._, N._ und
E._ als Zeugen. In ihrer Replik vom 28. Februar 2020 erachtet die Klägerin
die Aussage betreffend Produktion insofern als unwahr, als die Produktion bis
heute nicht angelaufen sei (act. 31 Rz. 161, 450). Auf die behaupteten Aussagen
zur Auftragslage (AG._, AF._) geht die Klägerin nicht weiter ein und
macht auch nicht deren Unwahrheit geltend. Sie scheint daraus keine Täuschung
abzuleiten, weshalb hier nicht weiter darauf einzugehen ist.
Die Beklagte bestreitet, dass in der Präsentation gesagt worden sei, dass die
Produktion laufe und 2019 20'000 Paneele produziert werden sollten. Sie beruft
sich vor allem auf die Aussagen von E._ in der polizeilichen Einvernahme
(act. 39 Rz. 3.2.6.1 f.). In der Klageantwort führt sie aus, dass die Produktion der
PVT-Kollektoren "in diesem Monat" (also im September 2019) angelaufen sei
(act. 13 Rz. 2.13). Im Übrigen werde aus den Ereignissen nach Vertragsschluss
deutlich, dass viele Fragen der Produktion, insbesondere des Produktionspartners
und des Produktionsortes, noch offen gewesen seien, wobei E._ aktiv an den
entsprechenden Abklärungen und Diskussionen beteiligt gewesen sei (act. 39
Rz. 3.2.6.5 ff.).
4.4.8.2. Würdigung
Es scheint unbestritten zu sein, dass zumindest bis im September 2019 die Pro-
duktion der PVT-Kollektoren der Beklagten nicht gestartet ist. Die Aussage, dass
die Produktion laufe und 2019 20'000 Paneele produziert werden sollen, findet
sich in den schriftlichen Unterlagen nicht. Die Handnotizen von N._ enthalten
zwar einige Stichworte hierzu, welche sich mit den klägerischen Behauptungen
decken. Aus bereits dargelegten Gründen (vgl. Erw. 4.4.5.2.) erbringen diese No-
tizen keinen hinreichenden Beweis für das in der Präsentation Gesagte. Auch von
den offerierten Zeugeneinvernahmen kann aus bereits genannten Gründen kein
verlässlicher Beweis erwartet werden (vgl. Erw. 4.4.5.2.). Hingegen ist der Be-
klagten darin zuzustimmen, dass die klägerische Behauptung den Aussagen von
- 36 -
E._ in der polizeilichen Einvernahme widerspricht. Dort hat er nämlich ausge-
führt: "Ich war mir des Risikos einer solchen Investition bewusst. Aussage C._: Alle Risiken sind raus, es muss nur noch produziert werden. Es blieb nur noch das Risiko, dass die Produktion nicht funktioniert." (act. 40/2 Frage 190). Darüber hinaus hat die Klägerin sogar  an anderer Stelle ausgeführt "Herr C._ erklärte, [...] AH._ sei sogar der , dass das Unternehmen, sobald dereinst eine eigene Produktion vorliege, mit CHF 500  bewerten werden könnte." (act. 31 Rz. 239). Diese Aussage widerspricht der , C._ habe behauptet, die Produktion laufe schon. Damit gelingt der
Klägerin der Beweis der Aussage bezüglich der laufenden Produktion nicht. Dass
die Klägerin auch nicht davon ausgegangen ist, dass die Produktion schon ange-
laufen ist bzw. dass dieser Umstand für ihr Investment gar nicht von Bedeutung
war, wird unter den Titeln Irrtum und Kausalzusammenhang näher erörtert (Erw.
4.6.4 und Erw. 4.7.4.7).
4.4.9. Unternehmensbewertung
4.4.9.1. Parteibehauptungen
Schliesslich behauptet die Klägerin, C._ habe in der Präsentation gesagt,
aufgrund der störungsfreien Langzeitstudie in AC._ mit sensationellen Mess-
daten und der Vorzertifizierung durch das Q._ sei eine Unternehmensbewer-
tung von CHF 50 Mio. angebracht. Das Risiko sei "raus". Auch die AI._ gehe
von einer Bewertung in dieser Höhe aus. AH._ sei sogar der Ansicht, dass
das Unternehmen, sobald eine eigene Produktion vorliege, mit CHF 500 Mio. be-
wertet werden könnte. Mit einem Gewinn sei bereits im Jahr 2019 zu rechnen
(act. 31 Rz. 239). Diese Aussagen erachtet die Klägerin insofern als falsch, als
H._ im Dezember 2018 von K._ erfahren habe, dass es nie eine Bewer-
tung der Beklagten mit 50 Mio. durch die AI._ gegeben habe. Vielmehr habe
die AI._ die Beklagte noch vor dem Jahr 2018 auf CHF 1 Mio. geschätzt
(act. 31 Rz. 240). Es handle sich um eine Fantasie-Bewertung (act. 1 Rz. 10). Als
Beweis beruft sich die Klägerin im Wesentlichen auf die Präsentationsunterlagen
(act. 14/59), die Aktennotiz von N._ (act. 3/12), die (zu edierenden) Unter-
nehmensbewertungen der B._ AG durch die AI._, die offerierte Zeugen-
aussage von K._ sowie die Sachverhaltsdarstellung von K._ vom 9. Ja-
- 37 -
nuar 2019 (act. 3/35). Die Beklagte bestreitet die Behauptungen bezüglich Unter-
nehmensbewertung (act. 13 Rz. 4.5.1.1 und Rz. 4.5.6).
4.4.9.2. Würdigung
Den Präsentationsunterlagen sind keine Aussagen zur Unternehmensbewertung
zu entnehmen. Die Aktennotiz von N._ enthält Stichworte hierzu, welche sich
mit den klägerischen Behauptungen decken. Aus bereits dargelegten Gründen,
eignen sich diese Notizen aber nicht als Beweis dafür, was genau in der Präsen-
tation gesagt wurde (Erw. 4.4.5.2.). Dasselbe gilt für die angebotenen Zeugen-
aussagen. Es ist zudem fraglich, ob die Aussage über einen Unternehmenswert
eines Start-up Unternehmens wie es die Beklagte ist, überhaupt täuschend sein
kann. Im Gegensatz zur Bewertung etablierter Unternehmen fehlen bei Jungun-
ternehmen und bei vielen unternehmerischen Projekten repräsentative Vergan-
genheitszahlen als Basis zur Herleitung prospektiver Daten. Hinzu kommen hohe
Risiken eines Fehlschlags, Sensitivität gegenüber Änderungen der Marktbedin-
gungen, das Fehlen marktfähiger Produkte und personelle Unsicherheiten (vgl.
GANTENBEIN/FORRER, in: Der Schweizer Treuhänder, ST 11/11 S. 915, Bewertung
unter Unsicherheit). Die Bewertung eines solchen Unternehmens ist daher stark
mit Unsicherheiten behaftet und von Erwartungen und Prognosen geprägt, wes-
halb schwerlich darüber getäuscht werden kann. In der Duplik führt die Beklagte
zudem aus, dass die Grundlage der Unternehmensbewertung ein Dokument mit
der Überschrift "..." vom 9. Mai 2017 gewesen sei. Darin hätten die Unterneh-
mensberater AJ._ und AK._ (ehemaliger AI._-Mitarbeiter) Umsatz-
und Gewinnprognosen getroffen (act. 39 Rz. 4.36.8). Dies blieb unbestritten. Im
besagten Dokument wird immerhin ein "Terminal Value" von "48'225'309" festge-
halten (act. 40/45). Vor diesem Hintergrund wäre die Aussage, wonach eine Un-
ternehmensbewertung von 50 Mio. vorliege, selbst wenn sie so gemacht wurde,
nicht gänzlich falsch.
- 38 -
4.4.10. Verschraubungskonstruktion
4.4.10.1. Parteibehauptungen
Ferner erblickt die Klägerin eine Täuschungshandlung darin, dass C._ Prob-
leme mit der Verschraubungskonstruktion verschwiegen habe. Der PVT-Kollektor
der Beklagten sehe eine Verschraubung der Glasscheiben vor. Diese Verschrau-
bung funktioniere nicht. Für eine Verschraubung müssten Löcher in die Glas-
scheiben gebohrt werden, was ein grosses Risiko für Glasbrüche beinhalte
(act. 31 Rz. 330, 337, 289 ff.). K._ habe die Konstruktion durch das
AL._ (AL._) prüfen lassen. Dieses habe mitgeteilt, dass die Verschrau-
bungskonstruktion fragwürdig sei. C._ habe in der Folge das AL._ be-
auftragt, eine Simulation des Bauteils durchzuführen. Das AL._ habe aber
mitgeteilt, dass eine derartige Berechnung nicht durchgeführt werden könne, weil:
"Bei unseren, speziell für die Glasindustrie erstellten FEM-Simulationsprogrammen, sind die , welche am Bau gültig sind, hinterlegt. Weist eine Konstruktion Merkmale auf, welche aus Sicherheitsgründen nicht zulässig sind, verweigert das Programm die Berechnung. So wird , dass fehlerhafte oder aus sicherheitstechnischen Gründen nicht zulässige Bauteile berechnet werden können." C._ habe K._ untersagt, die problematische  mit den Investoren zu besprechen oder diese darüber zu in-
formieren (act. 31 Rz. 292). Die Klägerin beruft sich auf die Sachverhaltsdarstel-
lung von K._ (act. 32/35), K._ als Zeugen sowie AM._ vom
AL._ als Zeugen.
Die Beklagte bestreitet Probleme im Zusammenhang mit der Verschraubung. Die
von K._ favorisierte Alternative des Klebens sei in wissenschaftlichen Publi-
kationen bereits vor längerer Zeit als problematisch erkannt worden, weshalb sich
entsprechende Technologien nicht durchgesetzt hätten (act. 13 Rz. 4.10.5).
4.4.10.2. Würdigung
Es ist unbestritten, dass der Kollektor der Beklagten auf einer Verschraubung der
Panele basiert (act. 13 Rz. 3.2.5). Dies ergibt sich auch aus der Patentschrift
(act. 14/2, S. 2). Die Klägerin erachtet dies als irrelevant. Relevant sei, dass die
- 39 -
Verschraubung nicht funktioniere (act. 31 Rz. 330). Die Ausführungen des
AL._ in act. 31 Rz. 290 werden von der Beklagten nicht bestritten. Allerdings
gelingt damit der Nachweis nicht, dass die Verschraubungskonstruktion nicht
funktioniert. Der AL._ Mitarbeiter bezeichnete die Konstruktion lediglich als
"sehr fragwürdig". Dass sie nicht funktioniert, kann daraus nicht abgeleitet wer-
den. Aus der Ablehnung des AL._ eine Simulation durchzuführen, kann
ebenfalls nicht fehlende Funktionalität abgeleitet werden. Sie impliziert zwar, dass
die Konstruktion Merkmale aufweist, welche deren Sicherheit beeinträchtigen
könnten. Welches diese Merkmale sind, geht aus den Behauptungen jedoch nicht
hervor. Selbst wenn die offerierte Zeugeneinvernahme ein Problem mit Sicher-
heitsnormen bestätigen würde, bedeutet dies nicht auch fehlende Funktionalität.
Von einer entsprechenden Einvernahme ist daher abzusehen, da damit die be-
hauptete fehlende Funktionalität nicht bewiesen werden könnte. Der Sachver-
haltsdarstellung von K._ – sei es in schriftlicher Form oder anlässlich der of-
ferierten Zeugeneinvernahme – fehlt es aufgrund der vorliegenden Konstellation
an Verlässlichkeit. K._s Glaubwürdigkeit ist stark eingeschränkt, da er auf-
grund der persönlichen Auseinandersetzung mit C._ gegenüber diesem bzw.
der Beklagten offenkundig negativ eingestellt ist, was sehr deutlich aus seinem
Schreiben an den Bruder von C._ hervorgeht (act. 40/47). Somit gelang es
der Klägerin nicht hinreichend darzulegen, dass die gewählte Verschraubungs-
technik die Funktionalität in einer Weise beeinträchtigen würde, die eine aktive In-
formation der Investoren erfordern würde.
4.4.11. ...-Preis
4.4.11.1. Parteibehauptungen
Die Klägerin behauptet schliesslich, C._ habe in der Präsentation gesagt,
dass er ein erfolgreicher Erfinder sei, der den ... ...-Peis gewonnen habe (act. 31
Rz. 220). Dies treffe nicht zu. Es gebe nicht "einen" ... ...-Preis. Im Jahr 2012 sei-
en von der AN._ ...-Preise vergeben worden. C._ bzw. die AO._
GmbH habe keinen davon erhalten, wie sich der ...-Preispublikation 2012 ent-
nehmen lasse. C._ werde einzig auf Seite ... unter dem Projekt "... ", für  die AP._ einen ...-Preis erhalten habe, als eine von sechs am Projekt
- 40 -
beteiligten Personen genannt. Der Beitrag zum Gesamtprojekt habe ferner in der
Schichtspeichertechnologie bestanden, die C._ nicht einmal selbst entwickelt
habe (act. 31 Rz. 294 ff., act. 32/43).
Die Beklagte macht geltend, C._ habe sich nicht als "der" Gewinner des ...
...-Preises ausgegeben, sondern darauf hingewiesen, dass er diesen zusammen
mit AQ._ und AR._ gewonnen habe. Der ...-Preis werde in den Katego-
rien B und C jeweils für verschiedene Bauprojekte verliehen und die an deren Re-
alisierung Beteiligten dürften sich dann damit berühmen (act. 39 Rz. 4.14.4).
4.4.11.2. Würdigung
Es ist demnach unbestritten, dass die Vergabe des ...-Preises in der Präsentation
erwähnt wurde. Unbestritten ist auch, dass 2012 der Schweizer ...-Preis in der " ..." unter anderem für das Projekt "AP._ ..." verliehen wurde, wo unter "Beteiligte Personen" die für die Konzeptplanung mit Schichtspeichertechnologie  AO._ GmbH und deren Gesellschafter C._ aufgeführt wer-
den. Dies ergibt sich aus act. 40/31 S. 76. Ob C._ den ...-Preis für sich allein
beansprucht oder auf die Mitgewinner hingewiesen hat, kann anhand der angebo-
tenen Beweismittel nicht ermittelt werden. Die Klägerin beruft sich als Beweis al-
lein auf Zeugenaussagen von H._, E._ und N._. Aus bereits darge-
legten Gründen (Erw. 4.4.5.2.) kann vorweggenommen werden, dass deren Aus-
sagen allein zum Nachweis der Aussage nicht ausreichen. Selbst wenn man da-
von ausgehen würde, dass C._ in der Präsentation gesagt hat, er habe den
...-Preis erhalten, wäre dies lediglich eine Halbwahrheit, welche im Bereich der er-
laubten Anpreisung anzusiedeln und nicht als Täuschungshandlung zu qualifizie-
ren wäre.
4.5. Täuschungsabsicht
4.5.1. Parteistandpunkte
Die Klägerin behauptet, die Beklagte habe von sämtlichen behaupteten Täu-
schungen Kenntnis gehabt. Dies ergebe sich aus den zahlreichen Eingeständnis-
sen der Beklagten und den zahlreichen Ermahnungen von K._ an C._,
- 41 -
dass er die Investoren mittels falscher Informationen in die Irre führe (act. 1
Rz. 109 f.). Die Klägerin beruft sich auf act. 3/47 und act. 3/35. Eine Täuschungs-
absicht wird von der Beklagten bestritten (act. 13 Rz. 5.2.4.4).
4.5.2. Rechtliche Grundlagen
Die Täuschung muss absichtlich erfolgen, wobei es genügt, wenn der Täuschen-
de zumindest in Kauf nimmt, dass der hervorgerufene Irrtum den anderen zum
Vertragsschluss verleitet. Dieser dolus eventualis muss sich sowohl auf die Täu-
schungshandlung, die Irrtumserregung und die dadurch erfolgende Willensbeein-
flussung erstrecken. Besteht die Täuschung in der Behauptung einer unwahren
Tatsache, ist die Täuschungsabsicht bereits dann zu bejahen, wenn jemand auf
Geratewohl unrichtige Angaben macht, d.h. zwar nicht weiss, dass seine Informa-
tion falsch ist, aber damit rechnet, dass es sich um eine Falschinformation han-
deln könnte, und damit in Kauf nimmt, dass sein Vertragspartner dadurch in die Ir-
re geleitet wird. Fahrlässige Falschangaben sind keine Täuschungshandlung
(SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, a.a.O., N. 11 f. zu Art. 28).
4.5.3. Würdigung
Wären die Angaben in der Präsentation erwiesenermassen unrichtig, wäre dies
ein Indiz für eine Täuschungsabsicht. Wie dargelegt waren die Angaben aber
nicht falsch, sondern allenfalls ungenau, verkürzt und anpreisend. Entgegen der
Ansicht der Klägerin kann der Stellungnahme der Geschäftsleitung in act. 3/47
kein Eingeständnis einer Täuschungsabsicht entnommen werden. Vielmehr weist
die Geschäftsleitung darin eine absichtliche Täuschung von sich. Bei act. 3/35
handelt es sich um ein von K._ verfasstes Dokument, worin er zahlreiche
Vorwürfe gegen C._ erhebt, unter anderem jenen der absichtlichen Täu-
schung der Investoren. Bei diesem Dokument handelt es sich um blosse Behaup-
tungen von K._, einem ehemaligen Angestellten der Beklagten. Das einst
freundschaftliche Verhältnis zwischen K._ und C._ ist aus nicht restlos
geklärten Gründen offensichtlich zerrüttet. Dies geht nicht nur aus dem Dokument
in act. 3/35, sondern auch aus dem Schreiben von K._ in act. 40/47 deutlich
- 42 -
hervor. Unter diesen Umständen ist das Dokument von K._ als Beweismittel
nicht geeignet. Damit fehlt es auch am Nachweis einer Täuschungsabsicht.
4.6. Irrtum
4.6.1. Parteistandpunkte
Die Klägerin behauptet, E._ hätte C._ aufgrund seines überzeugenden
Auftretens und seinen Aussagen über vergangene Erfolge vertraut. Dasselbe gel-
te für H._ und N._. Da keiner der Genannten über einen technischen
Hintergrund verfüge, hätten sie sich auf die vermeintliche technische Expertise
von C._ und das fachliche Renommee des Q._ s verlassen (act. 31
Rz. 237). Als Folge sei die Klägerin irrigerweise von folgenden Tatsachen ausge-
gangen (act. 1 Rz. 6, 35, 112, act. 31 Rz. 25, 95):
- Die Beklagte verfügt über einen PVT-Kollektor, dessen Entwicklung schon
sehr weit fortgeschritten ist. Dieser wurde in einer Langzeitstudie in
AC._ getestet.
- Die dabei erhobenen Messdaten sowie die Vorzertifizierung durch das
Q._ haben bestätigt, dass der PVT-Kollektor der Beklagten fünffach so
viel nutzbare Energie wie ein herkömmlicher PV-Kollektor erzeugt.
- Dem fünffach höheren Energieertrag stehen nur geringe Mehrkosten von ca.
30% gegenüber.
- Die Vorzertifizierung im Q._ und die störungsfreie Langzeitstudie des
PVT-Kollektors auf der Testanlage in AC._ haben belegt, dass der
PVT-Kollektor der Beklagten ein fertig entwickeltes, funktionierendes Pro-
dukt ist. Die (Voll-)Zertifizierung des PVT-Kollektors durch das Institut ist nur
noch Formsache und der Zertifizierungsprozess wird baldmöglichst eingelei-
tet.
- Die Produktion läuft und im Jahr 2019 sollen 20'000 Paneele produziert wer-
den.
Die Beklagte bestreitet, dass sich die Klägerin beim Abschluss des Aktienkaufver-
trages am 10. Oktober 2018 in Bezug auf diese Gegebenheiten in einem Irrtum
- 43 -
befunden hat. Als Grund nennt sie unter anderem, dass E._ in diesem Zeit-
punkt schon während fast eines Monats in die Geschäftsführung der Beklagten
involviert war (act. 13 Rz. 4.1.5.3 und act. 13 Rz. 5.2.4.2).
4.6.2. Rechtliche Grundlagen
Durch die Täuschung muss auf Seiten des Getäuschten ein Irrtum hervorgerufen
oder aufrechterhalten werden. Dieser wird regelmässig ein Motivirrtum sein, was
unter Art. 28 OR ausreicht; im Unterschied zu Art. 23 OR wird die Wesentlichkeit
des hervorgerufenen Irrtums nicht vorausgesetzt (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS,
a.a.O., N. 13 ff. zu Art. 28). Der Irrtum ist eine Vorstellung über einen Sachverhalt,
die nicht der wirklichen Sachlage entspricht (SCHMIDLIN, a.a.O., N 4 zu Art. 24).
4.6.3. Würdigung
Die Vorstellung über einen Sachverhalt ist eine innere Tatsache und als solche
mit gewissen Beweisschwierigkeiten behaftet. Bei der Ermittlung von inneren Tat-
sachen erlangen regelmässig äussere Umstände Bedeutung, welche Schlüsse
auf innere Tatsachen zulassen. Hätte C._ an der Präsentation erwiesener-
massen unrichtige Tatsachen behauptet, bestünde Anlass zur Annahme, dass
dadurch auch ein entsprechender Irrtum erzeugt wurde. Nachdem jedoch, wie
dargelegt, keine unrichtigen Ausführungen gemacht wurden, kann daraus nicht
ohne weiteres auf einen Irrtum geschlossen werden. Überdies lassen auch die
weiteren äusseren Umstände des Vertragsschlusses darauf schliessen, dass die
Ausführungen in der Präsentation vom 11. September 2018 nicht zu falschen
Vorstellungen bei der Klägerin geführt haben. Dies betrifft insbesondere die (im-
plizite) Behauptung der Klägerin, sie sei davon ausgegangen, dass die Beklagte
kein Start-up Unternehmen mehr sei und die Produktion bereits etabliert sei. Im
unmittelbar nach der Präsentation geschlossenen Vorvertrag wurde folgende
Formulierung gewählt: "[Die Beklagte] beschäftigt sich mit der Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Hybrid-Sonnenkollektoren (das "Produkt"). Der Verkäufer soll ein funktionstüchtiges Modell entwickelt haben (...)." (act. 3/17). Der am 10. Oktober 2018 geschlossene Hauptvertrag enthält sodann abgesehen von der bereits erwähnten Bezeichnung
der Beklagten als "Start up Gesellschaft" in der Präambel, folgende Formulierun-
- 44 -
gen: "Die Käuferin möchte der Gesellschaft Kapital für den Aufbau ihres Unternehmens zur  stellen und durch den Erwerb einer Beteiligung an dieser an deren Erfolg beteiligt sein." und "Jegliche weitergehende Gewährleistung wird wegbedungen. Die Käuferin ist sich insbesondere des Risikos einer Beteiligung an einer im Aufbau befindlichen Gesellschaft bewusst." (act. 3/3).  Formulierungen implizieren, dass der Klägerin bereits bei Vertragsschluss be-
wusst war, dass sich das Unternehmen der Beklagten noch im Aufbau befand, es
sich mithin um ein Start-up-Unternehmen handelte. Ebenso widerspiegelt die zi-
tierte Formulierung im Vorvertrag eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf die
Existenz und die Funktionsfähigkeit des Produkts. Dass dieses Bewusstsein die
Klägerin nicht am Investment hinderte, wird im Zusammenhang mit dem Kausal-
zusammenhang näher erörtert (Erw. 4.7.4.5.).
Zur Beurteilung, ob ein Irrtum vorlag, ist zwar allein die Vorstellung bzw. das Be-
wusstsein der irrenden Person im Zeitpunkt des Vertragsschlusses relevant.
Äussere Umstände vor und nach Vertragsschluss, namentlich ihr Verhalten, kön-
nen jedoch Hinweise auf diese Vorstellung bzw. das Bewusstsein geben. Gewis-
se in der Präsentation thematisierte Sachverhalte wurden im Zeitraum zwischen
Vertragsschluss und Vertragsanfechtung zum Gesprächsgegenstand. Namentlich
wurden anlässlich eines Workshops vom 5./6. November 2018, woran unter ande-
rem C._, F._, H._ und E._ teilnahmen, diverse Themen be-
sprochen, vor allem auch Fragen der Produktion. Aus dem inhaltlich unbestritte-
nen Besprechungsprotokoll dieses Workshops ergibt sich, dass nun Abklärungen
und Analysen betreffend Produktionsgesellschaften und Produktionsstätten an-
hand bestimmter Kriterien vorzunehmen waren. E._ selber wurde mit dies-
bezüglichen Abklärungen betraut (act. 3/29 S. 4 f.). Im Anschluss an den Work-
shop wurde die Diskussion über Produktionspartner und -standorte per E-Mail
fortgeführt, wobei sich auch E._ ausdrücklich äusserte (act. 3/30,
act. 14/108). Nichts in dieser Diskussion deutet darauf hin, dass E._ in die-
sem Zeitpunkt davon ausging, dass die Produktion bereits läuft. Träfe die Be-
hauptung der Klägerin zu, wäre zu erwarten gewesen, dass E._ angesichts
der noch ungeklärten grundsätzlichen Fragen zur Produktion in irgendeiner Form
interveniert oder sich wenigstens überrascht gezeigt hätte.
- 45 -
Das Besprechungsprotokoll des Workshops gibt auch Aufschluss über das Be-
wusstsein von E._ in Bezug auf die Produktpalette der Beklagten. Nament-
lich wird darin festgehalten, dass die Beklagte über einen PVT-Kollektor mit 36
oder 72 Zellen in zwei Ausführungen (U._ und V._) verfügt, wobei nur
der Kollektor mit 72 Zellen zertifiziert werden soll (act. 3/29 S. 6). Auch hier deutet
nichts im Besprechungsprotokoll oder in der folgenden Diskussion darauf hin,
dass E._ davon ausging, dass die Beklagte über einen PVT-Kollektor ver-
fügt, welcher bereits voll entwickelt ist.
Insbesondere der auf den Workshop folgende E-Mail-Verkehr lässt auch Schlüsse
auf die Vorstellungen von E._ bezüglich der Kosten zu. Bemerkenswert ist
insbesondere, dass C._ in seiner unter anderem an E._ adressierten E-
Mail vom 8. November 2018 schrieb: "Wir haben die erfreuliche Nachricht, welche auch vom Q._ bestätigt ist, dass wir rund 400 % mehr Energie aus einem PV Modul rausholen. Nur, die Realität ist auch, dass wir Stand heute mit einer Produktion in D._ mit AD._ PV , mit unseren Kollektoren 400 % teurer sein werden (...). Wie abgemacht müssen wir mit der Produktion D._ starten, aber nur meine Vision, dass wir mit nur 30-50% mehr Aufwand 400% mehr Energie offerieren, wird uns den grossen, schnellen und einfachen Erfolg bringen. Ich will  sagen, dass wir keine Sekunde mehr mit dem Start der Massenproduktion verlieren dürfen,  die anderen schneller sind als wir. Ohne diese Massenproduktion mit den günstigen  sind wir nicht die Firma, die wir sein möchten. Aus diesem Grund ist für mich die Prüfung und Aufgleisung Massenproduktion auch an oberster Priorität und wir sollten keine Zeit mehr verlieren. Ich habe mir nochmals die Variante AS._ [osteuropäischer Staat] durch den Kopf gehen . (...)" (act. 3/30). Damit wird deutlich, dass die Kosten des Kollektors stark mit (noch ungeklärten) Fragen der Produktion zusammenhängen und die Äusserun-
gen zu den Kosten in der Präsentation vom 11. September 2018 vielmehr eine
Zielsetzung als das Ergebnis einer effektiven Kostenberechnung waren. Hätte
E._ die Ausführungen zu den Kosten anders verstanden, wäre mit einer ent-
sprechenden Reaktion auf die E-Mail von C._ zu rechnen gewesen. In seiner
umgehend verfassten Antwort nimmt er jedoch auf die Kosten mit keinem Wort
Bezug und konzentriert sich vielmehr darauf, seine Ablehnung des Produktions-
standortes AS._ deutlich zu machen. Auch hier deutet nichts auf einen Irrtum
hin (act. 14/108).
- 46 -
Insgesamt sprechen die Umstände somit gegen die Darstellung, wonach die Aus-
führungen in der Präsentation gänzlich falsche Vorstellungen bei der Klägerin
hervorgerufen haben.
4.7. Kausalzusammenhang
4.7.1. Parteibehauptungen
Die Klägerin behauptet, die täuschenden Angaben von C._ in der Präsenta-
tion seien von entscheidender Bedeutung gewesen und hätten die Grundlage für
ihren Investitionsentscheid gebildet (act. 13 Rz. 99, act. 31 Rz. 99 und 308). Jeder
der dargelegten Irrtümer sei für die Abgabe der Willenserklärung zum Abschluss
des Aktienkaufvertrages vom 10. Oktober 2018 einzeln kausal gewesen (act. 1
Rz. 115). Es ist nicht ganz klar, woraus die Klägerin im Einzelnen die Kausalität
der Aussagen an dieser Präsentation ableitet und auf welche Beweise sie sich
stützt. In der Klageschrift scheint sie allgemein den Standpunkt zu vertreten, dass
beim Erwerb der Aktien einer Gesellschaft, die ein neues Produkt auf den Markt
bringt, Aussagen in der Art der Vorliegenden per se kausal für den Investitions-
entscheid sind (act. 1 Rz. 115). In der Replik begründet sie die Annahme der
Kausalität weiter damit, dass die Vertragsverhandlungen (auch laut Aussagen der
Beklagten) bis am 10. Oktober 2018 andauerten, sich sehr intensiv gestalteten
und ein Investitionsentscheid daher nicht schon früher getroffen worden sein kann
(act. 31 Rz. 83 ff.).
Die Beklagte bestreitet, dass die in der Präsentation vom 11. September 2018
gemachten Aussagen ursächlich für den Kaufentschluss der Klägerin gewesen
sind. Diesen habe die Klägerin gestützt auf die von H._ erhaltenen Informati-
onen schon im Juli 2018 gefasst. Die Präsentation habe lediglich dem persönli-
chen Kennenlernen gedient und sei nur insofern für die Klägerin von Bedeutung
gewesen, als sie bei dieser Gelegenheit versucht habe, ihren vereinbarten Anteil
auf 20% zu erhöhen (act. 13 Rz. 3.7.2, 3.7.14, 4.1.5.1, 5.1.3, 5.2.4.5).
- 47 -
4.7.2. Rechtliche Grundlagen
Die Täuschung muss für die Abgabe der Willenserklärung kausal gewesen sein.
Daran fehlt es, wenn der Getäuschte den wahren Sachverhalt erkannt hat oder
wenn er die Willenserklärung auch bei dessen Kenntnis abgegeben hätte, aber
auch dann, wenn er sich mit der irrtumsbehafteten Tatsache gar nicht auseinan-
dergesetzt hat. Kausalität ist zu bejahen, wenn der Getäuschte die Willenserklä-
rung gar nicht oder jedenfalls nicht in dieser Weise abgegeben hätte. Ein allenfalls
fahrlässiges Verhalten des Getäuschten lässt die Kausalität zwischen Täu-
schungshandlung und Irrtum nicht entfallen; der Täuschende kann also nicht ein-
wenden, der Getäuschte hätte durch Nachforschungen die Täuschung erkennen
können (SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, a.a.O., N. 14 f. zu Art. 28). Die Beweislast für
sämtliche Voraussetzungen von Art. 28 OR liegt beim Getäuschten. Der Kausal-
zusammenhang zwischen Täuschung und Irrtum bzw. Vertragsschluss wird i.d.R.
vermutet, wobei dem Täuschenden der Gegenbeweis offensteht (SCHWEN-
ZER/FOUNTOULAKIS, a.a.O., N. 26 zu Art. 28).
4.7.3. Würdigung
Als innere Tatsachen sind die Gründe für den Kaufentschluss der Klägerin indirekt
durch äussere Umstände zu beweisen (LEU, in: DIKE Kommentar zur ZPO, 2.
Auflage 2016, N 49 zu Art. 150). Die äusseren Umstände lassen vorliegend da-
rauf schliessen, dass die Aussagen in der Präsentation nicht kausal waren für den
Vertragsschluss. Auf die einzelnen Umstände wird nachfolgend näher eingegan-
gen.
4.7.3.1. Sachverstand von E._
E._ ist ein erfahrener und auf Transaktionen der vorliegenden Art speziali-
sierter Finanzfachmann. Nebst seinem Verwaltungsratsmandat bei der Klägerin
verfügt er über ein solches bei der AT._ AG, einer Vermögensverwaltungs-
gesellschaft mit Sitz in M._, welche im Bereich der Vermögensverwaltung für
private und institutionelle Kunden tätig ist, wobei der Fokus in der Anlagepolitik
auf Direktanlagen kombiniert mit aktiven und passiven Investments liegt (act. 13
- 48 -
Rz. 3.1.2.5, act. 39 Rz. 3.3.1.2). Überdies wurde E._ vorliegend in rechtlicher
Hinsicht von N._ beraten. Dieser ist ein auf Transaktionen der vorliegenden
Art spezialisierter Wirtschaftsanwalt (act. 13 Rz. 3.7.3. f.) Diese Umstände wurden
von der Klägerin nicht substantiiert bestritten (act. 31 Rz. 326, 404).
Bereits vor diesem Hintergrund ist die Sachverhaltsdarstellung der Klägerin zur
Kausalität schwer vorstellbar. Es widerspricht der allgemeinen Lebenserfahrung,
dass ein erfahrener Finanzfachmann, der überdies von einem auf Transaktionen
spezialisierten Wirtschaftsanwalt beraten wird, geradezu blind auf die anpreisen-
den Aussagen der Verwaltungsräte eines Start-Up Unternehmens in einer einzi-
gen Präsentation vertraut und sich gestützt darauf bereits wenige Stunden später
verpflichtet, ein Investment in Millionenhöhe in das Unternehmen zu tätigen. Viel-
mehr wäre zu erwarten gewesen, dass im Vorfeld einer solchen Investition Abklä-
rungen getätigt werden. Gerade wenn das Kernprodukt des Start-Up Unterneh-
mens als "revolutionäre" Anlage in dem sich rasant entwickelnden und komplexen
Gebiet der Photovoltaik angepriesen wird, scheint das Einholen von objektivierba-
ren Unterlagen und der Beizug eines eigenen Sachverständigen unumgänglich,
um die Risiken einer Investition abschätzen zu können. Wenn schon keine eige-
nen Abklärungen getroffen werden, bliebe noch die Möglichkeit, sich auf die Risi-
koeinschätzung einer Vertrauensperson zu verlassen, welche sich bereits mit
dem Unternehmen befasst hat. Im vorliegenden Fall deuten viele Umstände auf
Letzteres hin, wie nachfolgend zu zeigen ist.
4.7.3.2. Informationsstand von H._
Es ist unbestritten, dass der Vertreter der Klägerin, E._, von H._ im
Sommer 2018 auf die Beklagte aufmerksam gemacht wurde (act. 1 Rz. 24). Die
Klägerin zeichnet auch bezüglich H._ das Bild eines unkritischen Investors,
welcher sich allein gestützt auf rudimentäre Angaben der Beklagten für ein In-
vestment entschieden hat. H._ sei ausschliesslich von C._ und F._
sowie von G._ informiert und mit falschen, selektiven und irreführenden In-
formationen und Dokumenten dokumentiert worden (act. 31 Rz. 29 und Rz. 80).
Diese Darstellung findet keine Stütze in den eingereichten Beweismitteln, wie
nachfolgenden zu zeigen ist.
- 49 -
H._ war in verschiedene Bauprojekte involviert und prüfte für diese die Instal-
lation von PVT-Kollektoren der Beklagten, so auch im November 2017 für eine
Überbauung in S._ (SG). C._ stellte ihm Informationen zu und wies da-
rauf hin, dass, um einen Richtpreis und den Energieertrag zusammenstellen zu
können, weitere Unterlagen zu Dachaufsicht, Heizbedarf, Standort Technikräume,
Anzahl Wohneinheiten pro Gebäude, Anzahl Quadratmeter der vorgesehenen
PV-Anlage nötig seien (act. 14/31 und act. 14/32). Mit E-Mail vom 19. Dezember
2017 erbat H._ von C._ eine genauere Erklärung der PV-Anlage, worauf
sie sich zu einem Treffen in AC._ verabredeten (act. 14/32). Trotz Wider-
ständen seitens bereits in das Projekt involvierter Architekten und Ingenieure ent-
schied sich H._ für die Installation eines Hybridkollektors der Beklagten. Im
Zusammenhang mit der Überbauung in S._ wurde sogar eine konkrete Be-
rechnung der durch die Projektänderung mit den PVT-Kollektoren anfallenden
Mehrkosten für zusätzliche Leitungen bzw. Installationen angestellt (act. 31
Rz. 152, act. 32/72). Die am 25. September 2018 ermittelten Mehrkosten erörterte
H._ in der Folge mit C._ (act. 31 Rz. 155, act. 32/73).
In Bezug auf ein Projekt in Spanien ist ein aufschlussreicher E-Mail-Verkehr zwi-
schen H._ und dessen Mitarbeiter AU._ aktenkundig. Letzterer teilte da-
rin H._ Ende Dezember 2017 seine Ergebnisse von Recherchen zum Thema
"Solaranlagen in Spanien, Weiterverkauf von Strom" mit. Zum Einsatz von Hyb-
ridzellen schrieb AU._: "Die AV._-Hybridzellen erzeugen sowohl Wärme- als auch elektrische Energie. Laut dem Teaser von AV._ ist dabei der Anteil der Wärmeenergie (70 %) ein Vielfaches der elektrischen Energie (15 %). 15 % Wirkungsgrad für die Erzeugung elektrischer Energie ist ein normaler Wert aktueller Photovoltaikmodule, eine insgesamt höhere  wird durch zusätzliche Gewinnung von Wärmeenergie erreicht. Solche Hybridzellen kommen in erster Linie zum Einsatz wenn für die thermische Energie auch ein entsprechender Wärmebedarf vorhanden ist, z.B. für Heizung und Warmwasser, oder für industrielle Prozesse. In Deutschland oder der Schweiz wäre auch eine Einspeisung ins Fernwärmenetz denkbar. In Spanien gibt es nur sehr wenige Fernwärmenetze und es wäre zu prüfen, ob eine Einspeisung im jeweiligen Fall erlaubt wäre und zu welchen Vergütungen. Man müsste also bei jedem Standort für eine Anlage prüfen ob sich der Mehraufwand (höhere Kosten für Hybridmodule und aufwendigere Installation) durch den zusätzlichen Gewinn von Wärmeenergie und deren Verwendung lohnt. Wenn der Schwerpunkt auf
- 50 -
der Erzeugung elektrischer Energie liegt, haben Hybridkollektoren den Nachteil (ich kann nicht  inwiefern dass bei den Kollektoren von AV._ auch der Fall ist), dass aufgrund der  oft die Erzeugung elektrischer Energie sinkt." H._ bat AU._, weiter zu recherchieren, und teilte mit, dass er das Produkt noch von einem Experten prü-
fen lassen werde (act. 14/34). Anfangs Januar 2018 schrieb AU._, dass es
gut wäre, "genauere Angaben zum Wirkungsgrad zu haben, auch bei unterschiedlichen  (Aufstellung, Orientierung, Ertrag in Abhängigkeit der einfallenden Strahlenenergie, , etc.)". Überdies wies er erneut darauf hin, dass viele Hybridkollektoren den Nachteil haben, dass der Wirkungsgrad der Stromproduktion bei höheren Tempe-
raturen sinkt. Im spanischen Klima habe man im Sommer oftmals das Problem,
dass die an den Kollektoren erzeugte Wärmeenergie nicht mehr an die Wärme-
speicher abgegeben werden könne, und die Kollektoren so nicht mehr ausrei-
chend gekühlt werden könnten. Es sei daher wichtig zu wissen, ob und inwiefern
diese Thematik für den AV._-Kollektor auch relevant sei. Schliesslich teilte er
noch mit, dass es gut wäre, einen groben Preis für die Kollektoren zu haben, um
die Wirtschaftlichkeit einschätzen zu können und Vergleiche mit anderen Hybrid-
kollektoren anzustellen. Er stellte zudem Überlegungen zu geeigneten Einsatzor-
ten des Kollektors der Beklagten an und führte in diesem Zusammenhang an,
dass er davon ausgehe, dass der Kollektor der Beklagten teurer sei als reine Pho-
tovoltaikmodule, und man für die erzeugte Wärmeenergie oft keine Verwendung
haben werde. H._ konfrontierte C._ mit diesen Hinweisen und forderte
weitere Unterlagen an (act. 14/34 S. 2, act. 14/37). C._ leitete H._ einen
"Abschlussbericht ... ...-Systeme mit maximiertem Gesamtertrag" erstellt von Fachleuten der AW._ GmbH & Co. KG und des Q._ und einen Schlussbericht "... " erstellt von Fachleuten des O._ (act. 14/38, 14/39, 14/40) weiter. Diese Berichte befassen sich mit PVT-Kollektoren und enthalten detaillierte tech-
nische Informationen. In der Folge wurden von AU._ und C._ weitere
technische Fragen direkt erörtert und H._ nahm per "Cc" an diesem Aus-
tausch teil. Unter anderem wurde auch ein Hybridkollektor eines anderen Unter-
nehmens thematisiert. C._ erörterte die technischen Nachteile dieses Kon-
kurrenzproduktes und die Vorteile des Produkts der Beklagten und beschrieb
dessen Preis/Leistung so: "1 ... = 170 Fr.; 1 Hybridmodul AV._ 300 W Strom + 900 W
- 51 -
Thermie = 300 Fr. (Ziel für Verkaufspreis)" (act. 14/41, 14/42, 14/43, 14/44). Mit E-Mail vom 2. Februar 2018 bat AU._ von C._ um ein Datenblatt mit Informati-
onen oder Diagrammen zu den Erträgen der AV._ Kollektoren bei unter-
schiedlichen Bedingungen. C._ wies in seiner Antwort darauf hin, dass das
Datenblatt mit Erträgen bei unterschiedlichen Bedingungen derzeit durch das
Q._ erstellt werde (act. 14/45, 14/46).
Seit H._ – ab dem 20. Juni 2018 – Verwaltungsrat der Beklagten war, hatte
er überdies auch Zugang zu innerbetrieblichen Informationen. So wurden ihm am
20. August 2018 auch die per E-Mail versandten Gedanken zur Zukunft der Be-
klagten von C._ insbesondere betreffend die nächsten Schritte in den Berei-
chen Produktion, Personal, Marketing, Finanzen etc. zuteil (act. 14/56b). Am
22. August 2018 versandte F._ den Zwischenbericht des Q._ unter an-
derem an H._ mit dem Kommentar, dass der Testbericht ergeben habe, dass
das Panel Typ 3 12.7 % Strom und 61.0 % Wärme liefern bei idealer Einstrah-
lung, zusammen würden also 73.7 % der Einstrahlung als nutzbare Energie ins
System abgegeben (act. 14/57). H._ war auch direkt eingebunden in wichtige
geschäftliche Entscheidungen, z.B. Fragen der Produktion (vgl. act. 14/93) und
die Gestaltung der Website (act. 40/25, act. 40/26). Gerade das von H._ er-
stellte Dokument "Hybridkollektor B._ – Zielsetzung und Markenentwicklung"
vom 28. Juni 2018, das als Grundlage für die Website dienen sollte, zeigt, dass
H._ mit dem Produkt der Beklagten sehr vertraut war, und zwar auch in
technischer Hinsicht. So hielt er unter dem Titel Produkt fest "Die Verknüpfung beider Technologien ist nun erstmals gelungen: Mit dem B._ Hybridkollektor können jetzt die Vorteile aus beiden Bereichen der Energiegewinnung in einem Modul genutzt werden. Gutachten des Q._ bestätigen die hervorragende Effizienz des B._ Hybridkollektors: je qm : JPV: 160 W/m2 (entspricht einem klassischen 250 W PV-Modul) zusätzlich ST: 630 W/m2. Bei ungeschmälerter PV-Leistung wird also zusätzlich Wärme gewonnen. Die Herstellung verbraucht zudem relativ wenig graue Energie, da zum einen nur ein Modul gebaut werden muss, zum anderen auf den umlaufenden Rahmen verzichtet wird. Der B._ Hybridkollektor kann zu Recht als  Revolution bezeichnet werden."
- 52 -
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass sich H._ entgegen der Darstel-
lung der Klägerin keinesfalls nur auf die Äusserungen der Beklagten verliess,
sondern sich eigeninitiativ umfassende Informationen zum Produkt beschaffte und
sich auch in technischer Hinsicht beraten und das Produkt durch einen Experten
prüfen liess. H._ erhielt praxisbezogene Informationen, welche eine Beurtei-
lung des Produkts der Beklagten im Speziellen und PVT-Kollektoren im Allgemei-
nen hinsichtlich ihrer technischen und wirtschaftlichen Vor- und Nachteile ermög-
lichten. Dabei waren durchaus auch kritische Stimmen und Einwände hervorge-
treten, welche interessanterweise gerade im vorliegenden Verfahren umstrittene
Punkte beschlagen. Genannt sei der Umstand, dass der Wirkungsgrad von diver-
sen Bedingungen abhängt, für eine PVT-Anlage Mehrkosten für zusätzliche Infra-
struktur anfallen und unter Umständen gar keine Möglichkeit für die Nutzung der
gewonnenen Wärmeenergie besteht.
4.7.3.3. Fehlende eigene Auseinandersetzung und Vertrauen in H._
Die Klägerin räumt ein, dass H._ E._ die von C._ und F._ er-
haltenen Vorinformationen weitergab (act. 31 Rz. 80). E._ habe den Kauf-
entscheid am 11. September 2018 jedoch erst getroffen, nachdem diese Vorin-
formationen in der Präsentation nicht nur bestätigt, sondern um weitere spektaku-
läre Zusatzinformationen ergänzt worden seien (act. 31 Rz. 29). E._ bestätig-
te in der polizeilichen Befragung im Rahmen des Strafverfahrens, dass er von
H._ viele Informationen in Bezug auf die Beklagte bzw. deren Produkte er-
halten hatte (act. 40/2 Frage 56 ff.). Er habe die "Eckdaten" gekannt, z.B. den
vier- bis fünffachen Wirkungsgrad und dass es Prüfungen und Patente gab
(act. 40/2 Frage 62).
Es ist unbestritten, dass E._ im Vorfeld der Investition keine eigenen Abklä-
rungen vornahm oder vornehmen liess. Dies bestätigte er auch in seiner polizeili-
chen Einvernahme: Er habe keine weiteren eigenen Abklärungen mit Bezug zur
Beklagten bzw. deren Produkt vorgenommen, er habe ja von einem Menschen,
zu dem er Vertrauen habe, viel gehört (act. 40/2 Frage 66). Auf die Frage, wes-
halb er an der Präsentation keine (eigenen) Notizen gemacht habe, führte er aus:
"Weil ich das Wesentliche schon vorher wusste und mir bestätigt worden war". (act. 40/2 Frage
- 53 -
100). Demnach steht fest, dass E._ bereits vor dem 11. September 2018 In-
formationen zur Beklagten und deren Produkt von H._ erhielt. Der genaue
Kenntnisstand von E._ kann nicht ermittelt werden, da nicht dokumentiert ist,
welche Informationen H._ an ihn weitergab und sich E._ diesbezüglich
auch in seiner polizeilichen Einvernahme nur vage äusserte. Wie vorstehend erör-
tert, verfügte H._ über weit mehr als die von C._ erhaltenen "Vorinfor-
mationen" oder "Eckwerte". Aufgrund des Vertrauensverhältnisses zwischen den
beiden Investoren wäre zumindest zu erwarten gewesen, dass H._ seine In-
formationen grosszügig mit E._ teilt. Im Mindesten ist davon auszugehen,
dass an der Präsentation lediglich bestätigt wurde, was E._ schon bekannt
war. Dies spricht gegen die kausale Bedeutung der an der Präsentation gemach-
ten Aussagen für den klägerischen Investitionsentscheid. Ihre Behauptung, dass
an der Präsentation zusätzliche "spektakuläre Aussagen" gemacht worden seien,
substantiiert die Klägerin nicht weiter und nennt auch keine Beweise. Die Behaup-
tung bleibt demnach haltlos. Überdies machte E._ keinen Hehl daraus, dass
er vor der Investition keine eigenen Abklärungen in Bezug auf die Beklagte oder
deren Produkt tätigte. Er forderte keine weiteren Informationen ein und involvierte
auch keine Sachverständigen. Vielmehr verliess er sich bewusst auf die Angaben
von H._, welchen er nach eigenen Angaben seit 20 Jahren kennt, zu wel-
chem er eine freundschaftliche Beziehung pflegt und welchem er vertraute. Ur-
sächlich für die klägerische Investition war damit vielmehr das Vertrauen von
E._ zu H._ und nicht die Aussagen in der Präsentation.
4.7.3.4. Verhandlungen vor dem 11. September 2018
Wie die Beklagte zutreffend darlegt, führte die Beklagte bereits im August 2018
Verhandlungen mit E._, bzw. der Klägerin (act. 13 Rz. 3.6.15, act. 31
Rz. 205 ff. und Rz. 215). Dies ergibt sich aus dem Protokoll der Sitzung des Ver-
waltungsrates des Beklagten Nr. 16/2018 vom 30. August 2018. Unter dem Titel
Finanzen wurde darin Folgendes festgehalten: "Verhandlungen mit einem neuen Investor laufen. Der Preis pro Aktie wird CHF 500 betragen. Bei 10 % Aktien ergäbe dies nochmals einen Betrag von CHF 5,0 Mio." (act. 3/40). Dass es sich bei diesem neuen Investor um die Klägerin handelt, wurde nicht bestritten. Ebenso blieb der Inhalt der protokollierten
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Feststellung unbestritten (act. 31 Rz. 400, act. 1 Rz. 72). Der Kontakt zwischen
der Klägerin und der Beklagten ging demnach bereits im August 2018 über einen
blossen Informationsaustausch hinaus. Es handelte sich um Vertragsverhandlun-
gen, welche dem Protokolleintrag nach bereits so weit gediehen waren, dass der
Preis pro Aktie und der Gesamtbetrag des Investments schon festgelegt werden
konnten. Dieser fortgeschrittene Stand der Vertragsverhandlungen im August
2018 spricht gegen die kausale Bedeutung der Äusserungen in der Präsentation
vom 11. September 2018.
4.7.3.5. Vorvertrag vom 11. September 2018
Nach der Präsentation trennten sich die Vertreter der Beklagten (C._,
F._ und H._) einerseits sowie E._ und N._ andererseits. Ers-
tere verabschiedeten sich zum Mittagessen. Letztere zogen sich zurück – sie be-
fanden sich ja in den Geschäftsräumen von E._ (act. 13 Rz. 3.7.9). Nach
diesem Unterbruch schlossen die Klägerin und C._ vor Ort einen Vorvertrag
über den Aktienkauf und die Investition (act. 3/17). Der Vorvertrag wurde unstrittig
von E._ und N._ entworfen. Es handelt es sich um eine schriftlich aus-
formulierte und sauber redigierte Vereinbarung, worin sich die Parteien unwider-
ruflich zum Abschluss eines Kaufvertrages über "10 % des Aktienkapitals an der B._ AG zum Nominalwert" und über die Leistung eines "Zuschuss[es] auf Reserve aus  in die Gesellschaft in der Höhe der Differenz aus CHF 5'000'000.00 abzüglich des Totals der Nominalwerte von 10 % des Aktienkapitals" verpflichteten. In weiteren Klauseln wird unter anderem die Einräumung einer Kaufoption für weitere Aktien, die Stellung eines
Verwaltungsratsmitglieds durch die Klägerin und die Gewährleistung der Beklag-
ten in Bezug auf Patente geregelt. Insbesondere die Regelung der Kaufoptionen
ist von gewisser Komplexität, so dass es schwer vorstellbar ist, dass dieser Vor-
vertrag erst in der Mittagspause ausgearbeitet wurde, wie es die Klägerin dar-
stellt. Unabhängig davon beleuchtet der Vorvertrag die Interessen, Ziele und die
Einstellung der Klägerin zur Beklagten. Zunächst fällt folgender Satz in der Prä-
ambel auf: "Diese (die Beklagte) beschäftigt sich mit der Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Hybrid-Sonnenkollektoren (das "Produkt"). Der Verkäufer soll ein funktionstüchtiges Modell entwickelt haben und B._ AG sich die Patentrechte daran gesichert haben." (act. 3/17 S. 2).
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Diese Formulierung impliziert eine gewisse Vorsicht, gar Skepsis gegenüber dem
Produkt und den Patenten. Wäre die Klägerin – wie sie behauptet, aufgrund der
Präsentation – der festen Überzeugung gewesen, dass ein funktionstüchtiges
Modell vorliegt, hätte keine solche Formulierung gewählt werden müssen. Trotz
dieser Unsicherheit verpflichtete sich die Klägerin, in die Beklagte zu investieren,
und sicherte sich sogar eine Kaufoption auf weitere Anteile. Den offenbar beste-
henden Unsicherheiten wurde insofern Rechnung getragen, als C._ in Ziffer
5 des Vorvertrages gewährleistet, dass die für das Produkt notwendigen Patente
zu Recht und ohne Verletzung von fremden Rechten erlangt wurden, weltweit gül-
tig angemeldet, akzeptiert, eingetragen wirksam und unbelastet sind, und die Be-
klagte deren alleinige Eigentümerin ist. Dies lässt darauf schliessen, dass der Be-
stand der Patente für die Klägerin im Hinblick auf den Vertragsschluss von be-
sonderer Bedeutung war und sie in diesem Punkt nicht bereit war, ohne weiteres
auf das Wort der Beklagten bzw. deren Vertreter zu vertrauen. Die Unsicherheit in
Bezug auf die Funktionsfähigkeit des Produkts fand hingegen keinen Nieder-
schlag in einer absichernden Regelung. Dasselbe gilt für die weiteren Tatsachen,
über welche die Klägerin an der Präsentation getäuscht worden sein will. Dies
lässt darauf schliessen, dass diese Umstände für die Klägerin keine ausschlag-
gebende Bedeutung im Hinblick auf den Investitionsentscheid hatten. Sollten die
beanstandeten Äusserungen an der Präsentation zum Produkt oder dem Unter-
nehmen für die Klägerin tatsächlich derart grosse Bedeutung gehabt haben, dass
sie sogar kausal für den Investitionsentscheid waren, wäre zu erwarten gewesen,
dass diese ebenfalls – wie die Regelung der Patent-Frage – als Zusicherung, Be-
dingung oder Gewährleistung Eingang in den Vorvertrag gefunden hätten.
4.7.3.6. Aktienkaufvertrag vom 10. Oktober 2018
Auf den Abschluss des Vorvertrages folgten Vertragsverhandlungen zwischen
den Parteien zwecks Abschluss des Hauptvertrages (act. 13 Rz. 3.8.8 ff. und
Rz. 3.8.18 ff.). Die Vertragsverhandlungen sind in den act. 3/19-21 und act. 14/64-
66 sowie act. 14/72-90 im Detail dokumentiert. Schwergewichtig ging es dabei um
den Inhalt des Aktionärsbindungsvertrages, wobei die Lockerung oder gar Aufhe-
bung desselben ein zentrales Anliegen der Klägerin war (vgl. die unbestrittene
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Behauptung in act. 13 Rz. 3.8.21). Dieser Punkt wurde eingehend und kontrovers
diskutiert. Daneben trat in den Verhandlungen die Rechtsbeständigkeit der Paten-
te als für die Klägerin wichtige Vertragsgrundlage hervor. Weitere das Produkt be-
treffende Aspekte, insbesondere solche, welche die Klägerin im vorliegenden Ver-
fahren als kausale Vertragsgrundlage bezeichnet, kamen auch in diesen Ver-
handlungen nicht zur Sprache.
Die von der Klägerin heute als kausal für ihren Investitionsentscheid dargestellten
Umstände fanden denn auch keinen Niederschlag in der definitiven Version des
Vertrages (act. 3/3). In dessen Präambel wird die Beklagte als "Start up-Gesellschaft, welche die Entwicklung und Forschung sowie die Herstellung und den Verkauf von alternativen Energiesystemen (...) bezweckt" bezeichnet. Weiter wird folgendes festgehalten "Die Käuferin möchte der Gesellschaft Kapital für den Aufbau ihres Unternehmens zur Verfügung stellen (...)". Unter dem Titel Gewährleistung betr. Aktienkauf findet sich erneut eine  in Bezug auf die Patente sowie zusätzlich in Bezug auf die Verfü-
gungsbefugnis über die Aktien. Weitere Gewährleistungen, z.B. in Bezug auf be-
stimmte Eigenschaften des Produkts, finden sich auch in diesem Vertrag nicht. Im
Gegenteil: In Ziffer 4.3 des Vertrages wird jede weitergehende Gewährleistung
wegbedungen und festgestellt: "Die Käuferin ist sich insbesondere des Risikos einer  an einer im Aufbau befindlichen Gesellschaft bewusst.". Die erwähnten Passagen  einerseits deutlich, dass sich die Klägerin bewusst war, in ein Unternehmen
zu investieren, welches sich im Aufbau befindet, und nicht etwa davon ausging,
dass das "Risiko raus" ist (act. 1 Rz. 9). Andererseits zeigen sie, dass die  in der Präsentation – im Gegensatz zum Bestand der Patente – für die
Beklagte auch bei Abschluss des Hauptvertrages keinen derart hohen Stellenwert
einnahmen, dass sie für den Investitionsentscheid kausal gewesen wären, an-
dernfalls sie in den Vertrag Eingang gefunden hätten.
4.7.3.7. Verhalten der Klägerin nach Vertragsschluss
Bei verschiedenen angeblichen Falschaussagen in der Präsentation deckt sich
das Verhalten der Klägerin nach Vertragsschluss nicht mit der behaupteten kau-
salen Bedeutung für ihren Investitionsentscheid. Sollte einer Aussage tatsächlich
eine kausale Bedeutung zukommen, wäre zu erwarten, dass die Adressaten so-
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fort nach Bekanntwerden der Unrichtigkeit reagieren würden, sei es mit Protest,
Rückfragen, Hinweisen, Ermahnungen oder dergleichen.
Aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang das Besprechungsprotokoll des
Workshops vom 5./6. November 2018 und der unmittelbar auf den Workshop fol-
gende E-Mail-Verkehr, woran auch E._ beteiligt war (act. 3/30, act.14/108,
act. 3/31, act. 40/17 - 40/22). Wie bereits im Zusammenhang mit dem Irrtum dar-
gelegt, belegen diese Dokumente, dass anfangs November 2018 die Produktion
noch nicht angelaufen war und vielmehr noch grundlegende Fragen zu klären wa-
ren, namentlich zur Produktionsstrategie, allfälligen Produktionspartnern und Pro-
duktionsstandorten. Insbesondere wurde in diesem Zeitpunkt geprüft, ob die Be-
klagte die PV-Module allenfalls selber produzieren könnte und ob eine Zusam-
menarbeit mit dem Unternehmen BA._ eine sinnvolle Alternative zur
AD._ GmbH sein könnte. Auch der Produktionsstandort wurde eingehend
erörtert. E._ brachte sich in diese Diskussion aktiv ein, ohne mit einem Wort
zu beanstanden, dass noch gar keine Produktion vorlag. Nichts deutet in der Dis-
kussion darauf hin, dass der Produktionsstatus für den Investitionsentscheid der
Klägerin relevant war. Wie bereits in Bezug auf den Irrtum ausgeführt, ist der nach
dem Workshop geführte E-Mail-Verkehr auch im Hinblick auf die angebliche Re-
levanz der Aussagen zu den Kosten interessant. C._ wies mit E-Mail vom
8. November 2018 klar darauf hin, dass die Höhe der Kosten von der Produkti-
onsstrategie abhängig sei und bezeichnete die Mehrkosten von 30-50% als seine
Vision, welche nur auf dem Weg einer Massenproduktion mit günstigen Herstell-
kosten erlangt werden könne (act. 3/30). Wären die Mehrkosten von 30% für die
Klägerin tatsächlich von kausaler Bedeutung für die Investition gewesen, wäre
nach dieser E-Mail von C._ Widerstand zu erwarten gewesen. Die Antwort
von E._ bezog sich aber mit keinem Wort auf die Mehrkosten, sondern aus-
schliesslich auf den Produktionsstandort (act. 14/104). Dies spricht gegen einen
Kausalzusammenhang zwischen den Ausführungen zu den Mehrkosten in der
Präsentation und dem Vertragsschluss. Die Ereignisse rund um den Workshop
vom 5./6. November 2018 geben auch Hinweise in Bezug auf den beanstandeten
Strategiewechsel: Es ist unbestritten, dass sowohl H._ als auch E._
Teilnehmer des Workshops vom 5./6. November 2018 waren. Demnach waren sie
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beim fraglichen Strategiewechsel involviert oder wurden zumindest im Detail dar-
über orientiert. Gewisse in diesem Workshop besprochene Fragen führten in der
Folge durchaus zu intensiven Diskussionen, insbesondere zwischen C._ und
E._ (vgl. act. 3/30, act. 14/108, act. 3/31). Diese betrafen jedoch nur die Fra-
ge des Produktionsstandortes und nicht etwa den Strategiewechsel zugunsten
des 72-Zellen-Moduls. Hätte die Klägerin die Priorisierung des 36-Zellen-Moduls
im Hinblick auf ihr Investment als notwendige Bedingung betrachtet, wäre spätes-
tens im auf den Workshop folgenden E-Mail-Verkehr Widerstand zu erwarten ge-
wesen.
4.7.3.8. Schlussfolgerung
Der Klägerin gelingt es nicht, nachzuweisen, dass die beanstandeten von
C._ in der Präsentation vom 11. September 2018 gemachten Ausführungen
für ihren Investitionsentscheid kausal waren. Sämtliche vorstehend dargelegten
äusseren Umstände, namentlich der Sachverstand des klägerischen Organs
E._, die Kenntnisse von dessen Vertrauensperson H._, die fehlende ei-
gene Auseinandersetzung mit den angeblich irrtumsbehafteten Tatsachen, die
Vertragsverhandlungen und schliesslich die ausformulierten Verträge lassen viel-
mehr darauf schliessen, dass die Aussagen von C._ in der Präsentation kei-
nen kausalen Beitrag zum Kaufentschluss der Klägerin geleistet haben.
5. Zusammenfassung
Die Klage ist aus verschiedenen Gründen abzuweisen. Zunächst erfordern Be-
sonderheiten des angefochtenen Vertragsverhältnisses den Einbezug aller am
Vertrag Beteiligten in das vorliegende Verfahren. Die Klägerin hat ihre Klage nur
gegen die Beklagte gerichtet, nicht aber gegen C._, den ursprünglichen Ei-
gentümer der Aktien. Wegen fehlender Passivlegitimation ist die Klage daher ab-
zuweisen. Sodann sind die Voraussetzungen von Art. 28 OR nicht erfüllt. Zum ei-
nen ist von einer nachträglichen Genehmigung auszugehen. Zum anderen waren
die von C._ in der Präsentation vom 11. September 2018 gemachten Aussa-
gen nicht falsch. Sie waren allenfalls verkürzend und unpräzise. Dies ist dem Um-
stand geschuldet, dass die Aussagen vor allem anpreisenden Charakter hatten.
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Überdies ist aufgrund der äusseren Umstände nicht davon auszugehen, dass die
Klägerin sich aufgrund der Aussagen in dieser Präsentation zum Abschluss des
angefochtenen Vertrages vom 10. Oktober 2018 entschlossen hat. Vielmehr ist
anzunehmen, dass sich die Klägerin bei ihrer Investition in die Beklagte von Emp-
fehlungen und Informationen von H._, einer Vertrauensperson des klägeri-
schen Verwaltungsrates E._, hat leiten lassen. Auch aus diesem Grund ist
die Klage abzuweisen.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Gerichtskosten
Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des
Obergerichts (GebV OG) und richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert bzw.
nach dem tatsächlichen Streitinteresse, dem Zeitaufwand des Gerichts sowie der
Schwierigkeit des Falles. Vorliegend beträgt der Streitwert CHF 5'000'000.–. Un-
ter Berücksichtigung von § 4 Abs. 1 und 2 GebV OG ist eine volle Gerichtsgebühr,
entsprechend aufgerundet CHF 71'000.–, geschuldet. Ausgangsgemäss sind die
Gerichtskosten der Klägerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Klägerin
leistete in Anwendung von Art. 98 ZPO einen Vorschuss für die Gerichtskosten.
Die Gerichtskosten sind aus diesem Vorschuss zu beziehen.
6.2. Parteientschädigungen
Die Parteientschädigung für die Kosten der berufsmässigen Vertretung ist nach
der Verordnung über die Anwaltsgebühren zu bemessen. Grundlage ist auch hier
der Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Die Grundgebühr ist mit der Begrün-
dung bzw. Beantwortung der Klage verdient (§ 11 Abs. 1 und 2 AnwGebV). Sie
beträgt vorliegend CHF 68'900.–. Hinzu kommen Zuschläge gemäss § 11 Abs. 2
AnwGebV für die Teilnahme an der Vergleichsverhandlung, die Erstattung der
Duplik sowie das Verfassen einer kurzen Stellungnahme (act. 56) zu den beiden
nach dem Schriftenwechsel eingegangenen Eingaben der Klägerin (act. 50 und
52). Ausgangsgemäss ist der Beklagten eine Parteientschädigung von 135 % der
Grundgebühr zuzusprechen (entspricht rund CHF 93'000.–).
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Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 71'000.–.
3. Die Kosten werden der Klägerin auferlegt, und aus dem von ihr geleisteten
Kostenvorschuss bezogen.
4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von
CHF 93'000.– zu bezahlen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt CHF 5'000'000.–.