Decision ID: fe15276b-af86-5c3a-a508-81fe3d59b512
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X lenkte am 25. Juli 2009 ein Motorrad ohne gültigen Führerausweis, weshalb ihm
das Strassenverkehrsamt das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien,
Unterkategorien und Spezialkategorien am 25. September 2009 für die Dauer von fünf
Monaten (bis 24. Dezember 2009) untersagte. Am 8. November 2010 erwarb er den
Führerausweis der Kategorie B auf Probe. Dieser wurde X mit Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 31. März 2011 für die Dauer von 12 Monaten (bis
13. Februar 2012) entzogen, weil er am 14. Februar 2011 ein Motorfahrzeug unter
Drogeneinfluss gelenkt hatte. Diese Widerhandlung hatte zudem eine Verlängerung der
Probezeit um ein Jahr zur Folge. Am 2. Oktober 2013 war X mit einem Personenwagen
unterwegs, als er von der Kantonspolizei St. Gallen angehalten und kontrolliert wurde.
Die Polizisten fanden im Fahrzeug ein leeres, nach Cannabis riechendes Minigrip-
Säckchen. Da X auf entsprechende Befragung zu Protokoll gab, in der Vergangenheit
verschiedene Drogen gekauft und konsumiert zu haben, entzog das
Strassenverkehrsamt den Führerausweis am 23. Oktober 2013 vorsorglich, und das
Untersuchungsamt Altstätten sprach X mit Strafbefehl vom 5. November 2013 der
mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes durch Erwerb, Besitz und
Konsum von Marihuana, Kokain und Amphetaminen schuldig; er wurde mit einer Busse
von Fr. 200.– bestraft. Mit Zwischenverfügung vom 29. Januar 2014 ordnete das
Strassenverkehrsamt eine verkehrsmedizinische Untersuchung beim Institut für
Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital St. Gallen an. Im Gutachten vom 23. Mai 2014
wurde die Fahreignung von X wegen eines verkehrsrelevanten Drogenmissbrauchs mit
Suchtgefährdung verneint. Gestützt darauf entzog das Strassenverkehrsamt den
Führerausweis mit Verfügung vom 3. Juli 2014 auf unbestimmte Zeit. Den dagegen
erhobenen Rekurs hiess die Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen
(VRK) mit Entscheid vom 8. Januar 2015 teilweise gut (VRKE IV-2014/100). Der
Führerausweis wurde X am 21. Januar 2015 unter der Auflage einer ärztlich
kontrollierten Drogenabstinenz wiedererteilt. Am 3. August 2015 hob das
Strassenverkehrsamt die Auflagen auf.
B.- Am 4. Januar 2018 war X mit einem Personenwagen in St. Gallen unterwegs, als er
von einer Patrouille der Stadtpolizei angehalten wurde. Die Polizei hielt ihm vor, ein
Stoppsignal überfahren zu haben. Bei der Kontrolle des Fahrzeugs fand sie zwei kleine
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Minigrip-Säckchen mit geringen Rückständen unbekannter Substanzen. Da die
Polizisten X als fahrunfähig einstuften, wurde der Führerausweis vorläufig
abgenommen und eine Blut- und Urinprobe beim IRM St. Gallen angeordnet. Die
Auswertung ergab einen Tetrahydrocannabinol(THC)-Gehalt vom 3,6 μg und eine
Amphetaminkonzentration von 21 μg jeweils pro Liter Blut. Der Gutachter führte aus,
unter Berücksichtigung des jeweiligen Vertrauensbereichs liege die THC-Konzentration
oberhalb des Grenzwerts von 1,5 μg/L, ab welchem die Fahrunfähigkeit als erstellt
gelte, der Amphetamingehalt demgegenüber unter dem Grenzwert von 15 μg/L. Das
Strassenverkehrsamt erhielt Kenntnis vom Vorfall und entzog X den Führerausweis mit
Verfügung vom 29. Januar 2018 vorsorglich ab sofort. Am 5. Februar 2018 ordnete es
zudem eine verkehrsmedizinische und eine verkehrspsychologische Untersuchung an.
Diese fielen für X belastend aus. Im Bericht vom 25. August 2018 verneinte Dr.phil.
Martin Keller, Fachpsychologe für Neuro- und Verkehrspsychologie FSP, St. Gallen, die
Fahreignung wegen charakterlicher Defizite. Am 17. September 2018 bestätigte das
IRM St. Gallen diese Einschätzung aus verkehrsmedizinischer Sicht, wobei es zur
Begründung im Wesentlichen auf das verkehrspsychologische Gutachten verwies.
Gestützt auf dieses Gutachten entzog das Strassenverkehrsamt den Führerausweis mit
Verfügung vom 26. Oktober 2018 für unbestimmte Zeit. Es ordnete zudem eine
Sperrfrist von drei Monaten an (4. Januar bis 3. April 2018). Die Wiedererteilung des
Führerausweises wurde von einer Verkehrstherapie (mindestens sechs bis acht
Sitzungen), einer Drogenabstinenz und einer die Fahreignung bestätigenden
verkehrsmedizinischen und -psychologischen Kontrolluntersuchung abhängig
gemacht. Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen und der
Antrag auf Entschädigung der Parteikosten abgelehnt.
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 26. Oktober 2018 liess X am
12. November 2018 durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission (VRK) erheben. Er stellte folgende Anträge:
"1. Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Angelegenheit sei zu
neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Hierbei
sei der vorsorgliche Führerausweisentzug bis zur Dauer der neuen Hauptverfügung
der
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Vorinstanz aufzuheben und es sei dem Rekurrenten der Führerausweis wieder zu
erteilen.
2. Eventualiter sei von einem Sicherungsentzug (Führerausweisentzug auf
unbestimmte
Zeit) abzusehen und es sei nach rechtskräftigem Abschluss des Strafverfahrens
ST.2017.6233 (Vorfall vom 4.1.2018) über einen Warnungsentzug des
Führerausweises
zu entscheiden. Gleichzeitig sei dem Rekurrenten der Führerausweis sofort wieder
unbelastet zu erteilen.
3. Subeventualiter sei von einem Sicherungsentzug (Führerausweisentzug auf
unbestimmte
Zeit) abzusehen und es sei ein Warnungsentzug für 3 Monate auszusprechen.
4. Subsubeventualiter sei dem Rekurrenten der Führerausweis mit folgenden Auflagen
wieder zu erteilen:
- Mindestens 6 - 8 Stunden umfassend und problembezogene Verkehrs-/
Psychotherapie
(über einen Zeitraum 2 - 3 Monaten)
- Nach stattgefundener Verkehrs-/Psychotherapie: Verkehrspsychologische
Kontrolluntersuchung
5. Subsubsubeventualiter sei dem Rekurrenten der Führerausweis mit folgenden
Auflagen
wieder zu erteilen:
- Mindestens 6 - 8 Stunden umfassend und problembezogene Verkehrs-/
Psychotherapie
(über einen Zeitraum 2 - 3 Monaten)
- Nach stattgefundener Verkehrs-/Psychotherapie: Verkehrspsychologische
Kontrolluntersuchung
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- Nachweis einer Cannabisabstinenz mittels monatlichen Urinproben auf Cannabis
für
die Dauer von maximal 6 Monaten
- Weiterführung der Fachtherapie, umfassend einen Zeitraum von maximal 6
Monaten
- Ein Hausarzt-Bericht (inkl. Cannabis-Up-Resultate) sowie ein Fachtherapie-
Verlaufsbericht müssen zur Abstinenzkontrolle (im Dezember 2018) mitgebracht
werden.
6. Es sei festzustellen, dass das Rechtsverzögerungsverbot verletzt wurde.
7. Dem Rekurrenten sei eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'600.40 für
das Verfahren vor der Vorinstanz zuzusprechen.
8. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates."
In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, Dr.phil. Martin Keller sei anzuweisen,
die elektronische Aufzeichnung des am 28. Juni 2018 durchgeführten
verkehrspsychologischen Interviews bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens
aufzubewahren und diese zu editieren. Auf Anfrage teilte der Fachpsychologe dem
Gericht mit, die Tonbandaufnahme sei Ende September 2018 gelöscht worden.
Am 23. November 2018 reichte der Rechtsvertreter innert erstreckter Frist eine
umfangreiche Rekursergänzung samt Beilagen ein. Die Vorinstanz verzichtete mit
Schreiben vom 6. Dezember 2018 auf eine Stellungnahme zum Rekurs. Am
7. Dezember 2018 und 8. Januar 2019 reichte der Rechtsvertreter weitere
Stellungnahmen und eine Honorarnote ein. Am 1. März 2019 stellte er dem Gericht
zudem einen die Drogenabstinenz bestätigenden Bericht des IRM St. Gallen (Kontrolle
vom 31. Januar 2019) zu und am 8. März 2019 eine "Bestätigung der Durchführung
einer sechs Sitzungen umfassenden Intervention zur Wiederherstellung der
charakterlichen Fahreignung" von Urs Wagner, Fachpsychologe für Psychiatrie,
Altstätten.
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Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 12. November 2018 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der
Rekursergänzung vom 23. November 2018 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
b) Der Rekurrent macht eine Verletzung des Rechtsverzögerungsverbots geltend.
Gemäss Art. 29 Abs. 1 BV hat jede Person in Verfahren vor Gerichts- und
Verwaltungsbehörden Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf
Beurteilung innert angemessener Frist. Im Einzelnen rügt der Rekurrent Verzögerungen
im Zusammenhang mit der Auswertung der abgenommenen Blut- und Urinproben.
Zudem wirft er der Vorinstanz vor, sie sei untätig geblieben und habe dem Gutachter
insbesondere keine Frist angesetzt, obwohl dieser zu viel Zeit benötigt habe, um das
Gutachten zu erstellen. Ungerechtfertigte Verzögerungen im vorinstanzlichen Verfahren
hätten mit der Rechtsverweigerungsbeschwerde gemäss Art. 88 ff. VRP gerügt werden
müssen, was der Rekurrent, soweit aus den Akten ersichtlich, nicht getan hat. Gemäss
Art. 88 Abs. 2 lit. a VRP hätte er insbesondere geltend machen können, dass eine
Behörde sich weigere, eine vorgeschriebene Amtshandlung vorzunehmen oder sie
ungerechtfertigt verzögere. Über Beschwerden gegen untere Verwaltungsbehörden des
Staates entscheidet gemäss Art. 89 Abs. 1 lit. b VRP das zuständige Departement und
nicht die VRK. Da es hier nicht um einen strafähnlichen Warnungsentzug, sondern um
einen Sicherungsentzug geht, der ausschliesslich dem Schutz der Verkehrssicherheit
dient, ist darüber hinaus nicht klar, welches Interesse der Rekurrent an der Feststellung
einer Rechtsverzögerung hätte. Namentlich dauert ein Sicherungsentzug nur so lange,
bis der Betroffene den Nachweis erbringen kann, dass der Fahreignungsmangel
beseitigt ist. Auf das Feststellungsbegehren hinsichtlich einer Rechtsverzögerung kann
die VRK deshalb nicht eintreten (vgl. Entscheid der VRK [VRKE] IV-2010/23 vom
bis
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19. August 2010 E. 3, im Internet abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Im Übrigen ist
auf den Rekurs einzutreten.
2.- In formeller Hinsicht rügt der Rekurrent mehrere Verletzungen seines Anspruchs auf
rechtliches Gehör.
a) Der in Art. 29 Abs. 2 BV (SR 101) verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör ist das
Recht des Privaten, in einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten
Verfahren mit seinen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten
und zu den für die Entscheidfindung wesentlichen Punkten vorgängig Stellung nehmen
zu können. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung
und stellt andrerseits zugleich ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der
Parteien dar. Der Grundsatz verlangt, dass die Behörde die Vorbringen der vom
Entscheid oder der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört,
prüft und berücksichtigt und ihren Entscheid oder ihre Verfügung vor diesem
Hintergrund begründet. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der
Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller
Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat
leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2;
G. Steinmann, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem
Entscheid oder einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen
seinem Antrag entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass
er den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE
133 III 439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1071).
b) Im Rekurs wird zunächst gerügt, die Tonaufzeichnung des verkehrspsychologischen
Interviews sei widerrechtlich gelöscht worden. Damit sei das Recht auf Akteneinsicht
verletzt und ein erheblicher Entlastungsbeweis beseitigt worden.
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Der Verkehrspsychologe begutachtete den Rekurrenten am 28. Juni 2018 und leitete
den Bericht am 25. August 2018 ans IRM St. Gallen weiter, das die
verkehrsmedizinische Untersuchung vornahm und sein Gutachten der Vorinstanz
zusammen mit demjenigen des Verkehrspsychologen zustellte; die Berichte gingen am
24. September 2018 bei der Vorinstanz ein. Gleichentags wurde dem Rekurrenten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Administrativmassnahme (Führerausweisentzug auf
unbestimmte Zeit) gewährt, und am 27. September 2018 stellte die Vorinstanz dem
Rechtsvertreter die Verfahrensakten (act. 1 bis 54) zu. Aus diesem zeitlichen Ablauf ist
ersichtlich, dass sich die Vorinstanz entgegen den Vorbringen des Rekurrenten kein
rechtsverzögerndes Verhalten zu Schulden kommen liess. Im Gegenteil stellte sie die
Verfahrensakten umgehend zu, sodass der Rekurrent bereits vor Ende September
2018 hätte feststellen können, dass die Tonaufnahme nicht bei den Akten lag. Im
verkehrspsychologischen Gutachten wurde das Einverständnis des Rekurrenten mit
der elektronischen Aufzeichnung des Interviews vermerkt und ausdrücklich
festgehalten, die Aufnahme werde nach drei Monaten überspielt (act. 13/536). Dass
diese Frist erst nach Fertigstellung des Gutachtens hätte zu laufen beginnen sollen,
geht aus dieser Formulierung nicht hervor. Angesichts der grossen Bedeutung, die der
Rekurrent der Tonaufnahme beimass, hätte er sich nach Erhalt der Akten genauer
informieren müssen. Darauf ist indes nicht weiter einzugehen, da die Tonaufzeichnung
im vorliegenden Verfahren ohnehin kein eigentliches Beweismittel darstellt. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich um ein Hilfsmittel des
Sachverständigen für die Erstellung des Gutachtens, das mit schriftlichen
Aufzeichnungen, bspw. über Testergebnisse oder andere Befunde, vergleichbar ist.
Aus Art. 29 Abs. 2 BV ergibt sich kein unbedingtes Recht des Rekurrenten auf
Offenlegung dieser Arbeitsunterlagen (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1P.
544/2003 vom 12. November 2003 E. 5.3 mit Hinweisen). Eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör ist nicht dargetan.
c) Weiter bringt der Rekurrent vor, die Vorinstanz habe ihm zwar das rechtliche Gehör
zur Administrativmassnahme gewährt, sich jedoch nicht zu den Bedingungen für die
Wiedererteilung des Führerausweises geäussert. Zudem sei er weder über die Dauer
noch über den Beginn der Sperrfrist informiert worden.
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Die Vorinstanz gewährte dem Rekurrenten das rechtliche Gehör zum vorgesehenen
Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit mit Schreiben vom 24. September 2018
(act. 13/549). Darin wies sie ausdrücklich auf die beiden Gutachten hin und empfahl
dem Rekurrenten, sich ab sofort an die Empfehlungen der Gutachter zu halten. Damit
war abschätzbar, welche Bedingungen die Vorinstanz für die Wiedererteilung ins Auge
fassen könnte, nämlich den Nachweis der Behebung des Fahreignungsmangels
gemäss Art. 17 Abs. 3 SVG. Durch den Verweis auf Art. 16d Abs. 2 SVG musste dem
anwaltlich vertretenen Rekurrenten zudem klar sein, dass nach einer schweren
Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. c SVG (Fahren unter dem Einfluss von
Betäubungsmitteln) von Gesetzes wegen eine Sperrfrist von mindestens drei Monaten
(Abs. 2 lit. a) anzuordnen ist. Wann diese Frist zu laufen beginnt, ist eine Frage der
Vollstreckung und folglich nicht Gegenstand des Erkenntnisverfahrens (vgl. Entscheid
des Verwaltungsgerichts [VerwGE] B 2019/31 vom 30. April 2019). Auch in diesem
Punkt ist keine Gehörsverletzung ersichtlich.
d) Im Weiteren macht der Rekurrent geltend, es seien den Gutachtern nicht alle
notwendigen Akten zur Verfügung gestellt worden, weshalb Art. 185 Abs. 3 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, abgekürzt: ZPO) verletzt worden sei.
Ein Indiz dafür bilde der Umstand, dass seine Ausführungen in den Eingaben an die
Vorinstanz, die VRK und das Verwaltungsgericht – insbesondere über das
Konsumverhalten – nicht mit einem Wort berücksichtigt worden seien. Der Rekurrent
verkennt, dass die Vorinstanz zu entscheiden hatte, welche Aktenstücke der
sachverständigen Person vorzulegen waren. Dem Sachverständigen ist grundsätzlich
Einsicht in die Akten zu gewähren, soweit dies zur Ausführung seines Auftrags
erforderlich ist (vgl. BSK ZPO-A. Dolge, 3. Aufl. 2017, Art. 185 N 3). Soweit aus den
Akten ersichtlich, hatten die Gutachter Einsicht in sämtliche vorinstanzlichen Akten
(act. 13/534 und 535). Dass sie frühere Ausführungen des Rekurrenten in den Berichten
nicht zitierten, heisst nicht, dass sie diese nicht zur Kenntnis nahmen; sie hatten für die
Gutachter vielmehr keine Bedeutung. Diesbezüglich liegt ebenfalls keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs vor.
e) Der Rekurrent bringt zudem vor, die Vorinstanz habe nicht mitgeteilt, welcher Arzt
die Begutachtung durchführen werde. Gegen die Zwischenverfügung vom 5. Februar
2018, mit der die Untersuchungen beim IRM St. Gallen angeordnet wurde, ergriff der
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Rekurrent jedoch kein Rechtsmittel, weshalb er diesbezüglich nun nicht im Nachhinein
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend machen kann.
f) Soweit im Rekurs mehrfach vorgebracht wird, in der angefochtenen Verfügung sei
auf verschiedene Einwände nicht eingegangen worden, ist darauf hinzuweisen, dass
sich die Vorinstanz auf die aus ihrer Sicht wesentlichen Punkte beschränken durfte.
Welche diese für die Vorinstanz waren, musste dem Rekurrenten klar sein, da in der
angefochtenen Verfügung ausdrücklich festgehalten wurde, es werde nur auf die
relevanten Punkte eingegangen. Die Begründung wurde zudem so abgefasst, dass sich
der Rekurrent über die Tragweite der Verfügung Rechenschaft geben und diese in
voller Kenntnis der Sache und mit ausführlicher Begründung bei der VRK anfechten
konnte.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht einen Führerausweisentzug für
unbestimmte Zeit anordnete.
a) Ausgangspunkt des vorliegenden Verfahrens bildete der Vorfall vom 4. Januar 2018,
wobei dem Rekurrenten von der Vorinstanz vorgeworfen wird, an diesem Tag ein
Fahrzeug unter dem Einfluss von Drogen gelenkt zu haben. Gemäss forensisch-
toxikologischem Gutachten des IRM St. Gallen vom 23. Januar 2018 ergab die Analyse
der gleichentags beim Rekurrenten abgenommenen Blutprobe einen THC-Gehalt von
3,6 μg/L Blut. Dieser Wert lag deutlich – und nicht minim, wie in der Rekursergänzung
ausgeführt wurde (act. 5 S. 12 Ziff. 6.4) – über demjenigen von 1,5 μg/L, der die Grenze
zur Fahrunfähigkeit bildet. Von Letzterem ist von Gesetzes wegen bereits bei einer
minimalen Überschreitung des Grenzwertes auszugehen (Art. 2 Abs. 2 und 2 der
Verkehrszulassungsverordnung [SR 741.51, abgekürzt: VZV] und Art. 34 lit. a der
Verordnung des ASTRA zur Strassenverkehrskontrollverordnung [SR 741.013.1,
abgekürzt: VSKV-ASTRA]). Dass sich der Rekurrent fahrfähig fühlte, wie er angab,
spielt keine Rolle. Vielmehr nahm er aufgrund des Drogenkonsums eine Fahrunfähigkeit
zumindest in Kauf. Für das Vorbringen, die Messung könne falsch gewesen sein,
ergeben sich keine hinreichenden Verdachtsmomente. Insbesondere lässt sich aus der
negativ ausgefallenen Haaranalyse vom 19. Juni 2018 diesbezüglich nichts ableiten.
Mit der Haaranalyse können zudem keine Angaben zu einem allfälligen
Cannabiskonsum gemacht werden; dazu dienen die Blut- und Urinproben (vgl. z.B.
bis
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act. 13/35, 528 f.). Damals wurde ein Haarsegment von fünf Zentimetern untersucht,
was bei einem durchschnittlichen monatlichen Haarwachstum von einem Zentimeter
für eine Abstinenz ab Mitte Januar 2018 spricht. In tatsächlicher Hinsicht ist folglich
davon auszugehen, dass der Rekurrent am 4. Januar 2018 ein Fahrzeug unter dem
Einfluss von Drogen lenkte, zumal er dies anlässlich der Untersuchung auch nicht
bestritt. Gegenüber dem Gutachter gab er an, er habe sich auch gefragt, ob er wohl
nüchtern sei und zuerst den Zug nehmen solle. Dass er im Umgang mit Cannabis
unerfahren sei, stimmt nicht. So hatte er etwa bereits im Jahr 2011 ein Motorfahrzeug
unter (erheblichem) Cannabiseinfluss gelenkt. Der damals ermittelte THC-Carbonsäure-
Wert von 46 μg/L (act. 13/35) sprach zudem für einen mehr als nur gelegentlichen
Konsum (VRKE IV-2018/155 vom 23. Mai 2019 E. 3d/bb, in: www.gerichte.sg.ch).
Anlässlich der verkehrsmedizinischen Untersuchung beim IRM St. Gallen vom 6. März
2014 gab er zu Protokoll, die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung einer Fahrt unter
dem Einfluss von Drogen sei gleich Null. Falls er überhaupt wieder kiffe, werde er das
Fahrzeug drei bis vier Tage stehen lassen (act. 13/189). Diese Zusicherung hielt er am
4. Januar 2018 offensichtlich nicht ein, weshalb die Untersuchung gerechtfertigt war,
unabhängig vom Ergebnis der Strafuntersuchung. Der Rekurrent opponierte denn auch
nicht dagegen.
b) Die Vorinstanz stützte ihre Verfügung auf das verkehrsmedizinische Fachgutachten
des IRM St. Gallen vom 17. September 2018. Dieses führte anlässlich der
Untersuchung vom 19. Juni 2018 immunchemische Urin- und Blutuntersuchungen
durch, die beide zugunsten des Rekurrenten ausfielen. Die Proben wurden namentlich
negativ auf Cannabis, Amphetamine und Ethylglucuronid (EtG) getestet (act. 13/528).
Zudem wurden ein Haarsegment von 5 cm ab Kopfhaut auf EtG und zwei von je 2,5 cm
(0-2,5 cm und 2,5-5 cm ab Haut) auf EtG untersucht. Es konnten weder EtG noch
Opiate, Substitutionsmedikamente, Kokain oder Stimulantien nachgewiesen werden
(act. 13/528 f.). Im Gutachten vom 17. September 2018 beantwortete die Fachärztin die
Frage, ob eine Drogenabhängigkeit bzw. ein verkehrsrelevanter Drogenmissbrauch
bestehe, wodurch zu erwarten sei, dass der Rekurrent mehr als jede andere Person
gefährdet sei, ein Motorfahrzeug unter Drogeneinfluss zu lenken, wie folgt: "Bei
gesamthafter Betrachtung ist bei Herrn X von einem zumindest phasenweisen
stattgehabten Drogenmissbrauch, namentlich die Substanzen Cannabis, Cocain,
Amphetamin und MDMA betreffend, auszugehen, welcher teilweise mit den FuD-
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Ereignissen auch klar verkehrsrelevante Bedeutung erlangt hat. Zwischenzeitlich
besteht jedoch eine fachtherapeutische betreute und haaranalytisch über die letzten
6 Monate vor der verkehrsmedizinischen Untersuchung nachvollziehbare
Drogenabstinenz, resp. seit Februar 2018 mittels monatlichen Urinproben
nachvollziehbare Cannabisabstinenz. Demgegenüber lautet die aktuelle
verkehrspsychologische Beurteilung noch negativ, weswegen wir nicht umhin kommen,
die Fahreignung von Herrn X derzeit noch nicht befürworten zu können" (act. 13/532).
Diese Antwort lässt darauf schliessen, dass die Gutachterin die Fahreignung aus
verkehrsmedizinischer Sicht unter Auflagen grundsätzlich befürwortete und einzig
gestützt auf das verkehrspsychologische Gutachten eine gegenteilige Empfehlung
abgab. Es ist deshalb nicht ersichtlich, inwiefern dem Rekurrenten weitere Abklärungen
zu früheren Konsummustern hätten nützen können, zumal der Verkehrsmediziner keine
Drogensucht feststellte, sondern lediglich einen phasenweisen, teilweise
verkehrsrelevanten Drogenmissbrauch. Ebenso erübrigen sich weitere Abklärungen zu
den durchgeführten verkehrsmedizinischen Tests, die für den Rekurrenten positiv
ausfielen und für eine Fahreignung sprachen. Die in diesem Zusammenhang gestellten
Beweisanträge sind daher abzuweisen. Da dem verkehrspsychologischen Gutachten
entscheidende Bedeutung zukommt, ist nachfolgend zu untersuchen, ob dieses
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der psychologischen
Zusammenhänge und der psychologischen Situation einleuchtet und die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a).
c) aa) Ein Gutachten dient dazu, dem Gericht das für die Entscheidung über bestimmte
Tatsachen erforderliche Fachwissen zu vermitteln. Diesem Anspruch muss das
Gutachten in formeller wie materieller Hinsicht gerecht werden. In materieller Hinsicht
muss das Gutachten vollständig, klar und schlüssig sein. Vollständigkeit bedeutet,
dass nicht nur die gestellten Fragen vollständig zu beantworten sind. Die verwendeten
Akten und übrigen Quellen müssen angegeben und die durchgeführten
Beweiserhebungen sowie beigezogenen Hilfspersonen vollständig offengelegt werden.
Die Darlegung der Grundlagen und Befunde sowie die daraus gezogenen
Schlussfolgerungen müssen vollständig sein. Die Schlüssigkeit ist für den Beweiswert
eines Gutachtens ausschlaggebend. Die Schlussfolgerungen des Sachverständigen
müssen nach den Gesetzen der Logik anhand der Begründung überzeugend und
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widerspruchsfrei nachvollzogen werden können. Auf ein unklares oder nicht
schlüssiges Gutachten darf das Gericht nicht abstellen. Wenn auch zusätzliche
Erläuterungen keine Klarheit bringen, ist nötigenfalls ein Obergutachten durch eine
andere sachverständige Person in Auftrag zu geben (vgl. BSK ZPO-Dolge, a.a.O.,
Art. 183 N 7 ff.).
bb) Der erfahrene Fachpsychologe für Neuro- und Verkehrspsychologie FSP stützte
sich im Gutachten vom 25. August 2018 auf das Aktendossier der Vorinstanz, das
Interview mit dem Rekurrenten anlässlich der Untersuchung vom 28. Juni 2018 und die
Ergebnisse der verkehrspsychologischen Tests. Die zur Beurteilung der charakterlichen
Fahreignung relevanten Aspekte wurden auf Seite 9 des Gutachtens stichwortartig
zusammengefasst. Als positiv wurden gewertet: kooperatives Verhalten, teilweise
kritische Selbstwahrnehmung, vorhandene Einsicht, teilweise unauffällige
Fragebogenergebnisse, mehrheitlich genügende Testergebnisse und keine Neigung zu
sozial erwünschtem Antwortverhalten. Negativ fielen ins Gewicht: Problembewusstsein
(unzureichende Motivkenntnis), fehlende oder inadäquate Kompensationsstrategien,
ungenügendes Wissen über die Wirkung von Drogen auf die Fahrfähigkeit, Tendenz zur
Externalisierung, ungenügendes Erkennen der intrapsychischen Gründe und
rückfallrelevante Einstellungsmerkmale (bspw. eingeschränktes Risikobewusstsein).
Unter "Einsicht" wurde sodann ausgeführt, der Rekurrent sehe sein Fehlverhalten
grundsätzlich ein. Nach der letzten verkehrsmedizinischen Untersuchung habe er den
Drogenkonsum beendet und die medizinischen Auflagen bis zu deren Aufhebung
eingehalten. Aus verkehrspsychologischer Sicht beurteilte der Gutachter das
Leistungsverhalten des Rekurrenten am Testgerät, insbesondere die Fehlerkontrolle,
die Offenheit im Gespräch und im Fragebogen, als mehrheitlich positiv. Dieser sei
grundsätzlich einsichtig, keine Drogen mehr zu konsumieren. Er habe nach der ersten
verkehrsmedizinischen Untersuchung einige Zeit drogenfrei gelebt und die Auflagen
eingehalten, so auch in jüngster Zeit. Grössere Schwierigkeiten bereite das Erkennen
der Ursachen und der Hintergründe des erneuten Fehlverhaltens. Der Rekurrent
vermute, dass ihn das soziale Umfeld und die Freundin erneut zum Drogenkonsum
verleitet habe. Es ergebe sich eine klare Tendenz zur "Fremdattribuierung". Die
intrapsychischen Gründe für den erneuten Drogenkonsum seien dem Rekurrenten zu
wenig klar. Es sei ihm trotz früherer Suchtberatung nicht gelungen, Autofahren und
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Drogenkonsum zu trennen. Deshalb sei die Fahreignung aus charakterlichen Gründen
zurzeit nicht gegeben.
cc) Der Rekurrent brachte zusammengefasst vor, der Verkehrspsychologe habe keinen
einzigen Fremdbericht gewürdigt (Bericht der Suchtberatung Oberes Rheintal,
Altstätten, vom 12. Juni 2018, Bericht der Sozialen Fachstellen SDM, Heerbrugg, vom
12. Juni 2015, Zeugnisse des Hausarztes vom 16. Juni 2018 und Dr.med. W, Z,
Abstinenzkontrollberichte von Dr.med. F, Y, vom 22. April 2015); deshalb seien die
Ausführungen in den Berichten der Sozialen Fachstellen und der Suchtberatung zu
Motiven, Risikobereitschaft, Ursachen und Hintergründen nicht berücksichtigt worden.
Zudem sei das soziale Umfeld nicht analysiert und auf eine Befragung von Personen
aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld verzichtet und damit ausser Acht
gelassen worden, dass vom Umfeld eine starke protektive Wirkung ausgehe, die die
negativen Faktoren überwiege. Insbesondere wäre bei einer solchen Analyse erkennbar
geworden, dass die Trennung von der früheren Freundin lange zurückliege und dass
dies der wesentliche Grund für den erneuten Konsum gewesen sei. Dieser
Einflussfaktor sei nach der Trennung weggefallen. Im Weiteren seien das
Konsumverhalten und die -gründe nicht umfassend abgeklärt und dargelegt worden.
Die Gefahr, dass er unter dem Einfluss von Drogen ein Fahrzeug lenken würde, setze
eine Drogensucht voraus. Indem der Gutachter die Fahreignung einzig gestützt auf die
behaupteten Probleme beim Erkennen der Ursachen und Hintergründe verneint habe,
habe er eine willkürliche Abwägung vorgenommen. Zudem sei nicht begründet worden,
inwiefern die Gefahr bestehe, dass er (der Rekurrent) sich künftig in fahrunfähigem
Zustand ans Steuer setzen könnte. Hinzu komme, dass die Resultate der Leistungstest
nicht nachvollziehbar offengelegt worden seien. Diese stünden in einem nicht
nachvollziehbaren Widerspruch zur Schlussfolgerung des Gutachters, da sich eine
Drogenproblematik auf die Leistungsfähigkeit auswirke.
dd) Aus dem verkehrspsychologischen Gutachten ergibt sich, dass früher sanktionierte
Ereignisse nicht ausschlaggebend waren für die Einschätzung des
Verkehrspsychologen, weshalb der Vorwurf, die erlassenen Strafbefehle seien zu
Unrecht nicht beigezogen worden, fehl geht. Vielmehr gelangte der Gutachter aufgrund
des Gesprächs anlässlich der Untersuchung vom 28. Juni 2018 zum Schluss, der
Rekurrent zeige aktuell eine Tendenz, die Ursachen seines Handelns zu externalisieren.
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Diese Einschätzung lässt sich anhand des Interviewprotokolls nachvollziehen. So führte
der Rekurrent gegenüber dem Gutachter das soziale Umfeld als Grund für den
erneuten Drogenkonsum an (act. 13/539). Dasselbe brachte er auch im Rekurs vor. Das
soziale Umfeld, insbesondere seine Ex-Freundin, sei ausschlaggebend für den Konsum
gewesen, was jedoch nicht für eine Externalisierung spreche, sondern ganz einfach die
Wahrheit sei (act. 5 S. 32). Da er sich von seiner Freundin getrennt habe, sei dieser
Einflussfaktor nun weggefallen (act. 5 S. 20). Es fällt auf, dass der Rekurrent bereits im
Jahr 2015, vor Aufhebung der Auflagen, ähnlich argumentierte. Im Beratungsbericht
der SDM, Heerbrugg, wurde hinsichtlich des Problembewusstseins festgehalten, der
Rekurrent realisiere, dass er anstelle des Drogenkonsums andere Erfahrungen machen
wolle. Auch habe er sich von seinem früheren Freundeskreis distanziert und verbringe
viel mehr Zeit mit seiner Freundin, die keine Drogen nehme (act. 6/5). Offensichtlich
gelang es nicht, diesen Vorsatz umzusetzen und der Rekurrent tendiert auch drei Jahre
später immer noch dazu, die Ursache für seinen Konsum im nahen Umfeld zu suchen.
Gegenüber der Suchtberatung Oberes Rheintal gab er im Jahr 2018 an, sein
Drogenkonsum habe mit dem falschen Kollegenkreis zu tun gehabt. Er habe
dazugehören wollen und sich auf diese Weise angepasst. Dies habe sich nun geändert.
Er lebe in einem anderen Umfeld und meide die früheren Kollegen. Die
Suchtberatungsstelle äusserte sich nicht zum Problembewusstsein des Rekurrenten,
sondern hielt lediglich zusammenfassend fest, die Wiedererteilung des
Führerausweises werde unterstützt (act. 6/4). Vor diesem Hintergrund ist die
Beurteilung des Verkehrspsychologen, es bereite dem Rekurrenten Schwierigkeiten,
Ursachen und Hintergründe des Fehlverhaltens zu erkennen, nachvollziehbar. Das
positive Leistungsverhalten am Testgerät steht dazu nicht im Widerspruch. Die
durchgeführten Tests betrafen im Wesentlichen die reaktive Belastbarkeit, die
Aufmerksamkeit, die Reaktionsgeschwindigkeit und die figurative Umstellfähigkeit
(act. 13/545 ff.).
Beim Rekurrenten geht es jedoch nicht um solche Leistungsaspekte. Vielmehr stellt
sich die Frage, ob er in Zukunft Gewähr dafür bietet, den Drogenkonsum von der
Teilnahme am Strassenverkehr zu trennen. Dies scheint mit Blick auf die
automobilistische Vergangenheit des Rekurrenten fraglich, auch wenn seit dem
14. Februar 2011 "nur" zwei Drogenfahrten aktenkundig sind. Die Zeitdauer ist indes zu
relativieren, da dem Rekurrenten der Führerausweis während etwas mehr als zwei
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Jahren entzogen war und er während weiterer sechs Monate eine kontrollierte
Abstinenz einzuhalten hatte. Knapp zwei Jahre nach dem Wegfall der Auflagen wurde
dem Rekurrenten erneut eine Fahrt unter dem Einfluss von Drogen nachgewiesen. Die
Feststellung des Gutachters, es sei dem Rekurrenten trotz fachtherapeutischer
Betreuung nicht gelungen, Autofahren und Drogenkonsum zu trennen, ist folglich
schlüssig. Auf die beantragten Ergänzungsfragen an den Gutachter kann deshalb
verzichtet werden. Weder ist ersichtlich, weshalb weitere Abklärungen zu den
Beweggründen des Konsums hätten gemacht werden müssen, wie der Rekurrent
moniert, noch wozu diese Informationen hätten dienen sollen. Ein Sicherungsentzug ist
bei fehlender Fahreignung anzuordnen, und zwar unabhängig davon, ob ein
Verschulden vorliegt oder nicht (vgl. BGer 1C_339/2016 vom 7. November 2016 E. 3.2;
Ph. Weissenberger, a.a.O., Art. 16d SVG N 8). Aus diesem Grund musste sich die
Vorinstanz auch nicht im Detail mit den früheren Widerhandlungen auseinandersetzen.
Der Vorfall vom 4. Januar 2018 lässt darauf schliessen, dass der Rekurrent weder aus
der ersten Drogenfahrt vom 14. Februar 2011 noch aus den fachtherapeutischen
Gesprächen und dem lange dauernden Führerausweisentzug die notwendigen Lehren
ziehen konnte. Die Schlussfolgerung des Gutachters, es bestehe ein charakterlicher
Mangel, erweist sich demnach als plausibel. Dabei ist zu berücksichtigen, dass beim
Rekurrenten keine Drogenabhängigkeit diagnostiziert wurde und die fragliche Fahrt
vom 4. Januar 2018 somit keine Folge des Suchtdrucks war. Entsprechend wurde die
Widerhandlung von der Vorinstanz zu Recht nicht unter dem Gesichtspunkt der
Drogensucht nach Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG gewürdigt, sondern nach Art. 16d Abs. 1
lit. c SVG, wonach der Lernfahr- oder Führerausweis auf unbestimmte Zeit zu
entziehen ist, wenn eine Person auf Grund ihres bisherigen Verhaltens nicht Gewähr
bieten kann, dass sie künftig beim Führen eines Motorfahrzeuges die Vorschriften
beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen wird. Der von der Vorinstanz
angeordnete Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit ist demnach nicht zu
beanstanden. Zu prüfen bleibt nachfolgend, ob die Bedingungen für die
Wiedererteilung verhältnismässig sind.
4.- Der auf unbestimmte Zeit entzogene Lernfahr- oder Führerausweis kann bedingt
und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte
Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des Mangels
nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG).
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Die Gutachter empfahlen eine verkehrspsychologische Therapie von sechs bis acht
Stunden, die Weiterführung der Fachtherapie und die Weiterführung der kontrollierten
Abstinenz. Über die Fahreignung sollte später gestützt auf ein verkehrsmedizinisches
Aktengutachten und eine verkehrspsychologische Kontrolluntersuchung entschieden
werden.
Die Vorinstanz machte die Wiedererteilung des Führerausweises in der Verfügung vom
26. Oktober 2018 von einer positiv lautenden verkehrspsychologischen und -
medizinischen Untersuchung, einer Drogenabstinenz (inklusive Suchtfachstelle) und
einer Verkehrstherapie mit mindestens sechs Sitzungen abhängig. Weitere Vorgaben
zur Abstinenzkontrolle machte sie nicht. Der Führerausweisentzug ist demnach
aufzuheben, sobald die Verkehrstherapie abgeschlossen ist – was gestützt auf den
fachärztlichen Bericht vom 6. März 2019 (act. 24) mittlerweile der Fall sein dürfte – und
die Resultate einer positiv lautenden verkehrspsychologischen Untersuchung vorliegen.
Mangels anderer Vorgaben muss eine einmalige Abstinenzkontrolle genügen;
namentlich wurden keine regelmässigen Urinkontrollen angeordnet. Weshalb zusätzlich
eine weitere komplette verkehrsmedizinische Untersuchung durchgeführt werden soll,
erschliesst sich weder aus den fachärztlichen Gutachten noch aus der angefochtenen
Verfügung. Da beim Rekurrenten keine medizinischen Defizite festgestellt wurden,
namentlich keine Drogensucht, ist die Notwendigkeit nicht dargetan. In medizinischer
Hinsicht scheint deshalb eine Abstinenzkontrolle ausreichend. Die Ergebnisse können
in Form eines verkehrsmedizinischen Berichts mitgeteilt werden. Die Ziffer 6 der
Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 26. Oktober 2018 ist dahingehend zu
ändern, dass für die Wiedererteilung des Führerausweises keine umfassende
verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung notwendig ist, sondern lediglich ein
verkehrsmedizinischer Bericht zur Abstinenzkontrolle. Im Übrigen waren die
Bedingungen entgegen den Vorbringen im Rekurs offensichtlich verständlich formuliert.
Andernfalls hätte der Rekurrent nicht ohne weitere Rückfragen bei der Vorinstanz die
therapeutische Unterstützung der Suchtberatung (act. 6/4) und des Fachpsychologen
beansprucht (act. 24), wobei gemäss der angefochtenen Verfügung kein Bericht der
Suchtberatung erforderlich ist.
5.- Die Vorinstanz verfügte zusätzlich eine Sperrfrist von drei Monaten mit Vollzug vom
4. Januar bis 3. April 2018. Eine solche Sperrfrist ist anzuordnen, wenn ein
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Führerausweisentzug nach Art. 16d Abs. 1 SVG an die Stelle eines Warnungsentzugs
gemäss Art. 16a bis c SVG tritt (vgl. Art. 16d Abs. 2 SVG). Die Vorinstanz warf dem
Rekurrenten vor, am 4. Januar 2018 ein Motorfahrzeug unter Drogeneinfluss gelenkt
und ein Stoppsignal missachtet zu haben. Wegen dieser schweren Widerhandlung sei
der Führerausweis für mindestens drei Monate zu entziehen (Art. 16c Abs. lit. a SVG).
Der Entzug des Führerausweises zu Warnzwecken ist ein Entscheid über die
Stichhaltigkeit einer strafrechtlichen Anklage im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 der Konvention
zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt: EMRK),
weshalb diese Administrativmassnahme ein strafrechtlich vorwerfbares schuldhaftes
Verhalten voraussetzt (vgl. BGE 121 II 22; BGer 1C_339/2016 vom 7. November 2016
E. 3.2). Da noch kein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt, hatte die Vorinstanz im
Verfügungszeitpunkt keine Kenntnis von der strafrechtlichen Beurteilung des Vorfalls
vom 4. Januar 2018. Zur Vermeidung widersprüchlicher Entscheide hätte sie deshalb
das Administrativmassnahmeverfahren hinsichtlich der Sperrfrist sistieren müssen,
zumal dies vom Rekurrenten ausdrücklich beantragt wurde (act. 13/559). Zudem
ordnete die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung nicht nur die Sperrfrist von drei
Monaten an, sondern auch den Vollzugszeitpunkt (4. Januar 2018 bis 3. April 2018).
Damit vermischte sie unzulässigerweise das Erkenntnis- und das
Vollstreckungsverfahren (vgl. dazu ausführlich VRKE IV-2019/11 vom 25. April 2019
E. 3, in: www.gerichte.sg.ch). Die Ziffer 2 der Verfügung der Vorinstanz vom
26. Oktober 2018 (Sperrfrist) ist somit aufzuheben. Darüber wird die Vorinstanz nach
Vorliegen des Strafurteils allenfalls neu zu verfügen haben.
6.- Der Rekurrent beantragt weiter, ihm sei für das vorinstanzliche Verfahren eine
Parteientschädigung von Fr. 5'640.40 zuzusprechen.
Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP bestimmt, dass in erstinstanzlichen Verfahren in der Regel
keine ausseramtlichen Kosten zugesprochen werden. Eine ausseramtliche
Entschädigung ist im erstinstanzlichen Verfahren jedoch dann gerechtfertigt, wenn das
Verfahren willkürlich eröffnet wurde oder wenn für die Betroffenen durch die Eröffnung
des Verfahrens zur Wahrung ihrer Rechte der Beizug eines Anwalts unbedingt
erforderlich ist (VRKE IV-2013/82 vom 25. September 2013, in: www.gerichte.sg.ch;
GVP 1987 Nr. 46). Die Frage, wann eine fachkundige rechtliche Vertretung notwendig
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ist, ist in sachgemässer Analogie zur Praxis bei der Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung zu beantworten. Es ist folglich insbesondere auf die
Schwierigkeit der sich im Verfahren stellenden Fragen, die Rechtskenntnisse der
Beteiligten, die Bedeutung der Streitsache für die Betroffenen und auf eine allfällige
Rechtsvertretung der Gegenpartei abzustellen (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach
st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 156 f.).
Für eine willkürliche Verfahrenseröffnung ergeben sich vorliegend keine Anhaltspunkte.
Der Rekurrent arbeitete als Automechaniker in der Werkstatt seines Vaters, zog jedoch
in Betracht, anfangs 2019 nach La Gomera zu ziehen, um dort in einem Burn-out-
Zentrum zu arbeiten (act. 13/526). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern der Rekurrent durch
den Sicherungsentzug härter getroffen wurde, als jeder andere, der von Berufs wegen
nicht auf ein Motorfahrzeug angewiesen ist. Eine erhöhte Sanktionsempfindlichkeit ist
nicht dargetan. Im vorinstanzlichen Verfahren stellten sich zudem keine komplexen
Fragen, wie im Rekurs geltend gemacht wird. Es ging im Wesentlichen nur darum, die
beiden Gutachten zu würdigen, wobei das verkehrsmedizinische nicht zuungunsten
des Rekurrenten ausgefallen ist. Somit hatte der Rekurrent einzig die Schlussfolgerung
der fehlenden Fahreignung im verkehrspsychologischen Gutachten zu bestreiten, was
keine detaillierte Auseinandersetzung mit sämtlichen Vorakten bedingte. Denn der
Gutachter begründete seine Einschätzung im Wesentlichen mit der aktuellen
Unfähigkeit des Rekurrenten, die Ursachen seines Fehlverhaltens zu erkennen, wobei
er sich nachvollziehbar auf Erkenntnisse aus dem Gespräch anlässlich der
Begutachtung stützte. Dass frühere Vorfälle und Administrativmassnahmen nach einem
neuen Vorfall im Hinblick auf eine allfällige Anordnung eines Sicherungsentzugs eine
Rolle spielen, bedeutet nicht, dass sämtliche damaligen Ereignisse nochmals neu
überprüft werden müssen. In der Rekursergänzung werden die einzelnen Vorfälle,
welche rechtskräftig erledigt sind, regelmässig bagatellisiert. Dass die entsprechenden
Verfügungen nichtig und deshalb in jedem Verfahrensstadium unbeachtlich seien, wird
vom Rekurrenten zu Recht nicht vorgebracht. Dem Rekurrenten wäre es auch ohne
Anwalt möglich gewesen, im vorinstanzlichen Verfahren geltend zu machen, der
Verkehrspsychologe habe falsche Schlüsse aus seinen Aussagen gezogen. Die
Notwendigkeit des Beizugs eines Rechtsanwaltes im erstinstanzlichen
Administrativmassnahmeverfahren war unter Würdigung sämtlicher Umstände nicht
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gegeben, zumal auch der Anspruch auf rechtliches Gehör nicht verletzt wurde.
Dementsprechend ist der Rekurs in diesem Punkt ebenfalls abzuweisen.
7.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs teilweise gutzuheissen ist. Die
Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung vom 26. Oktober 2018 (Sperrfrist) ist aufzuheben
und die Sache zu allfälliger neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die
Vorinstanz zurückzuweisen. In Ziffer 6 ist anstelle der verkehrsmedizinischen
Kontrolluntersuchung ein verkehrsmedizinischer Bericht zur Abstinenzkontrolle als
Bedingung für die Aufhebung des Sicherungsentzugs anzuordnen; im Übrigen ist der
Rekurs abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die Kosten zu drei Vierteln dem Rekurrenten und einem Viertel dem
Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.–
erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist damit zu verrechnen.
Ein Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten besteht aufgrund der
diesbezüglich präjudizierend wirkenden Verlegung der amtlichen Kosten von drei
Vierteln zulasten des Rekurrenten nicht (Art. 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der
Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004,
S. 183).