Decision ID: 2facd980-9763-4e85-b12f-798f4ea1e47d
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte sexuelle Nötigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 11. Februar 2016
(DG150022)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. Sep-
tember 2015 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 27).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der qualifizierten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 189 Abs. 3 StGB
- der versuchten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren, wovon
84 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
21. September 2015 beschlagnahmte Klappmesser (A007'504'576) wird
eingezogen und vernichtet.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus
den eingeklagten Ereignissen dem Grundsatz nach vollumfänglich schaden-
ersatzpflichtig ist. Es wird vorgemerkt, dass sich die Privatklägerin die Gel-
tendmachung von Schadenersatzforderungen vorbehält.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin als Genugtuung
Fr. 15'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 2. September 2014 zu bezahlen.
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 6'000.– Auslagen Vorverfahren
Fr. 16'310.– Auslagen (Gutachten)
- 3 -
Fr. 21'162.90 Entschädigung des amtlichen Verteidigers (inkl.
Fr. 760.30 Barauslagen und inkl. MwSt.)
Fr. 8'537.10 Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung
der Privatklägerin (inkl. Fr. 681.90 Barauslagen und inkl. MwSt.)
7. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens, mit Aus-
nahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Rechtsvertretung der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsver-
tretung der Privatklägerin werden einstweilen auf die Staatskasse genom-
men. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 83 S. 2)
1. Der Appellant sei von jeglicher Schuld und Strafe freizusprechen;
2. der Appellant sei für seine Überhaft von 84 Tagen angemessem mit
CHF 8'500.00 zu entschädigen;
3. eventualiter sei der Appellant wegen einfacher sexueller Nötigung i.S.v.
Art. 189 Abs. 1 StGB zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Mona-
ten unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren zu verurteilen;
4. die erstandene Untersuchungshaft sei dabei anzurechnen, wobei da-
von Vermerk zu nehmen sei, dass sich der Appellant vom 25.09.2014
bis 17.12.2014 in Haft befand;
5. die Kosten der Strafuntersuchung sowie der amtlichen Verteidigung
seien auf die Staatskasse zu nehmen;
- 4 -
6. alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8% Mwst. zu
Lasten des Staates;
7. die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sei abzuweisen.
b) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 85 S. 1)
1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Ziffer 2 des Dispositives des Urteils der Vorinstanz vom 11. Februar
2016 sei aufzuheben und der Beschuldigte sei mit 6 1⁄2 Jahren Frei-
heitsstrafe zu betrafen. Gegen die Anrechnung der Untersuchungshaft
von 84 Tagen wird kein Einwand erhoben.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzu-
erlegen.
c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 74)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
- 5 -

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 11. Februar 2016 wurde der Be-
schuldigte der qualifizierten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 189 Abs. 3 StGB sowie der versuchten sexuellen Nö-
tigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren, unter Anrech-
nung von 84 Tagen Haft, bestraft. Im Weitern wurde festgestellt, dass er gegen-
über der Privatklägerin dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, und er
wurde verpflichtet, ihr eine Genugtuung von Fr. 15'000.-- zuzüglich Zinsen von
5% ab 2. September 2014 (Deliktsdatum) zu bezahlen (Urk. 67).
2. Gegen dieses Urteil hat der Beschuldigte rechtzeitig Berufung angemeldet
(Urk. 61) sowie am 15. April 2016 Berufung erklärt (Urk. 68). In seiner Berufungs-
erklärung ficht er den Schuldspruch in beiden Fällen an und beantragt einen voll-
umfänglichen Freispruch mit entsprechenden Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Eventualiter sei eine deutlich tiefere, teilbedingte Strafe auszufällen. Zufolge des
Freispruchs seien die Ziffer 4 des Urteildispositivs (Feststellung der grundsätzli-
chen Schadenersatzpflicht des Beschuldigten), Ziffer 5 (Genugtuung) und Ziffer 7
(Kostenfolge) mitangefochten. Im Eventualstandpunkt werde indes gegen diese
Ziffern sowie Ziffer 8 (Kostenübernahme der amtlichen Verteidigung) nicht oppo-
niert (Urk. 67). Beweisanträge wurden keine gestellt.
3. Mit Eingabe vom 11. Mai 2016 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine
Berufungserklärung (Urk. 70), weshalb auf ihre Berufung nicht einzutreten ist
(Art. 403 Abs. 1 lit. a StPO). Sie erhob indessen am 16. Juni 2016 Anschlussberu-
fung in Bezug auf Ziffer 2 (Bemessung der Strafe) des vorinstanzlichen Urteils
und beantragte eine Bestrafung mit 6 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe (Urk. 73).
4. Die Vertreterin der Privatklägerin erhob innert der ihr mit Präsidialverfügung
vom 2. Juni 2016 angesetzten Frist keine Anschlussberufung, wünschte jedoch,
- 6 -
dass die Privatklägerin nicht in Gegenwart des Beschuldigten und durch eine Per-
son gleichen Geschlechts einvernommen werde und die Öffentlichkeit mit Aus-
nahme der Medienvertreter von der Verhandlung auszuschliessen sei (Urk. 74). In
der Folge wurde die Geschädigtenvertreterin darauf hingewiesen, dass die Verfü-
gung der Vorinstanz vom 12. November 2015, mit welcher die Öffentlichkeit aus-
geschlossen worden war, nach wie vor Geltung habe (Urk. 75).
5. Gemäss Art. 402 StPO i. V. m. Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des ange-
fochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Da die Berufung die Zif-
fern 1, 2, 4, 5, 7 und 8 des Urteilsdispositivs betrifft, blieben die Ziffern 3 (Einzie-
hung und Vernichtung des Klappmessers) und 6 (Kostenaufstellung) unangefoch-
ten. Es ist daher vorab mit Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil
diesbezüglich in Rechtskraft erwachsen ist. Im Übrigen ist das Urteil im Sinne von
Art. 398 Abs. 2 StPO umfassend zu prüfen.
6. In der Folge wurden die Parteien auf den 21. April 2017 zur Berufungsver-
handlung vorgeladen (Urk. 78). Zu dieser erschienen der Beschuldigte in Beglei-
tung seiner Verteidigung sowie Staatsanwalt lic. iur. P. Gossner als Vertreter der
Anklagebehörde (Prot. II S. 4). Die Privatklägerin verzichtete auf Teilnahme
(Urk. 81).
II. Prozessuales
1. Die Verteidigung rügt wie bereits vor erster Instanz bezüglich des zweiten
Vorwurfs der versuchten sexuellen Nötigung eine Verletzung des Anklageprinzips
(vgl. Urk. 83 S. 7). Die Angabe des Tatzeitpunkts sei nicht hinreichend konkret,
weshalb eine angemessene Verteidigung nicht möglich sei. Insbesondere hätten
dadurch nicht sämtliche Verteidigungsmittel zur Entlastung des Beschuldigten,
namentlich die Auswertung einer allfälligen Videoaufnahme, ergriffen werden
können.
2. Die Vorinstanz hat sich zu diesem Vorwurf eingehend geäussert. Es ist, um
Wiederholungen zu vermeiden, gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO auf ihre zutref-
- 7 -
fenden rechtlichen und tatsächlichen Ausführungen zu verweisen (Urk. 67 S. 28).
Zu ergänzen bleibt, dass in der Anklage die massgeblichen objektiven und sub-
jektiven Sachverhaltselemente der versuchten sexuellen Nötigung hinreichend
umschrieben werden und der Tatvorwurf nach Ort und Zeit aufgrund der Aussa-
gen der Privatklägerin so genau als möglich eingegrenzt wurde. Es wird zudem
ein einmaliger Vorfall eingeklagt. Aufgrund der gesamten Sachverhaltsdarstellung
ist für die Verfahrensbeteiligten klar, was dem Beschuldigten vorgeworfen wird
und dieser konnte sich in der Untersuchung zum konkreten Vorwurf wiederholt
äussern (Prot. I S. 21, Urk. 7/1 S. 10, Urk. 7/3 S. 4, Urk. 7/6 S. 11). Die zeitlich
ungenaue Eingrenzung mag grundsätzlich die Abklärung von Geschehnissen er-
schweren. Dies gilt gleichermassen für entlastende wie belastende Umstände und
ändert nichts daran, dass die Straftat dem Beschuldigten bei einer Verurteilung
nachgewiesen werden muss. Der Umstand, dass ein theoretisch möglicher Ent-
lastungsbeweis nicht erhoben werden konnte, führt nicht zu einer unzulässigen
Einschränkung der Verteidigungsrechte. An der Hauptverhandlung vor Vorinstanz
sagte der Beschuldigte ferner aus, er glaube, er habe die Privatklägerin das letzte
Mal vor dem Vorfall vom 2. September 2014 in C._ beim Parkplatz gesehen,
sie habe ihm geschrieben. Er könne sich an den Grund des Treffens nicht mehr
genau erinnern, sie hätten zusammen geredet, die Privatklägerin sei aus irgend-
einem Grund wütend geworden und aus dem Auto gestiegen. Dies sei oberhalb
seines Fitnessstudios beim Bahnhof C._ gewesen (Prot. I S. 21 f.). Seinen
Aussagen zufolge war ihm durchaus bekannt, auf welchen Vorfall sich der Vor-
wurf bezieht und auf welchem Parkplatz er sich zugtragen haben soll. Es wäre
daher dem Verteidiger zumutbar gewesen, anhand des Wissens des Beschuldig-
ten den Parkplatz sowie eine allfällige Videoüberwachung abzuklären oder kon-
krete Anträge im Vorverfahren zu stellen. Sein Vorwurf, es sei durch den in zeitli-
cher und örtlicher Hinsicht allgemein umschriebenen Anklagesachverhalt das An-
klageprinzip verletzt worden, kann daher nicht bejaht werden.
- 8 -
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird zusammenfassend vorgeworfen, die Geschädigte
A._ (Privatklägerin) am 2. September 2014, um ca. 21.00 Uhr in seinem Auto
auf einem Parkplatz in D._ gezwungen zu haben, ihn oral zu befriedigen,
wobei er ihr ein offenes Klappmesser an die Gurgel gehalten und ihr verbal ge-
droht habe, sie "runter zu stechen", sofern sie nicht tue, was er von ihr wolle. An-
schliessend habe er ihren Kopf immer wieder heftig zu seinem entblössten Ge-
schlechtsteil hinuntergedrückt, obwohl die Privatklägerin versucht habe, den Kopf
wegzuziehen. Als die Privatklägerin einmal ihren Kopf habe wegziehen können,
habe der Beschuldigte erneut die Schneideseite des Messers an deren Gurgel
gehalten und erklärt, er meine es ernst und er werde zustechen, wenn sie aufhö-
re. Da sich die Privatklägerin gefürchtet habe, habe sie ihn weiterhin, insgesamt
etwa 30 Minuten, oral befriedigt. Dabei habe der Beschuldigte sie über den Klei-
dern am Rücken und zwischen ihren Beinen sowie unter dem T-Shirt am Rücken
berührt und habe versucht, seine Hand unter deren Hosen zu führen, was jedoch
aufgrund der Gegenwehr nicht gelungen sei. Während dieser Zeit sei der Perso-
nenwagen verriegelt gewesen.
Zudem wird ihm vorgeworfen, zu einem früheren Zeitpunkt, ca. zwischen
September 2013 und Februar 2014 in einem Fahrzeug auf einem Parkplatz beim
Bahnhof Zürich-C._ den Kopf der Privatklägerin heftig gegen sein entblöss-
tes Geschlechtsteil gedrückt zu haben, damit sie ihn oral befriedige. Aufgrund der
heftigen Gegenwehr habe er jedoch von ihr abgelassen.
2. Der Beschuldigte hat die beiden Vorwürfe im Kernpunkt des erzwungenen
bzw. versuchten oralen Verkehrs sowohl im Vorverfahren als auch vor Vorinstanz
und anlässlich der Berufungsverhandlung bestritten und verlangt einen vollständi-
gen Freispruch (Prot. I S. 18 ff., Urk. 7/1 und 7/3-7, Prot. II S. 6 und 13 ). Er räum-
te lediglich ein, die Privatklägerin am 2. September 2014 am Bahnhof D._
getroffen zu haben, mit ihr zunächst zum Parkplatz beim E._ und dann zu je-
nem an der ...strasse in D._ gefahren zu sein. Dort habe er die Privatklägerin
auf den Mund küssen wollen, sie habe ihn aber weggestossen (u.a. Urk. 56 S. 8).
- 9 -
Es ist daher im Nachfolgenden zu prüfen, ob die beiden angeklagten Sachverhal-
te erstellt werden können.
3. Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei beiden Vorwürfen, wie die Vorinstanz
zutreffend festhielt (Urk. 67 S. 4 f.), entscheidend auf die belastenden Aussagen
der Privatklägerin (Urk. 8/1 und 8/2) sowie bezüglich der qualifizierten sexuellen
Nötigung zusätzlich auf die Aussagen der Zeuginnen F._, G._ und
H._, welchen gegenüber die Privatklägerin noch am gleichen Tag bzw. am
nächsten Morgen das Vorgefallene geschildert habe. Die Aussagen der Privatklä-
gerin seien detailliert, stimmig und glaubhaft. Diese würden zusätzlich durch die
ebenfalls glaubhaften Angaben von F._ gestützt, wonach die Privatklägerin
am Abend des 2. Septembers 2014 aufgelöst und am Boden zerstört nach Hause
gekommen sei und heftig geweint habe. Überdies würde die Schilderung der Pri-
vatklägerin durch die Angaben der Zeugin G._ erhärtet, welcher sie ebenfalls
noch am selben Abend telefoniert, den Vorfall erzählt und dabei heftig geweint
habe. Schliesslich habe die Privatklägerin nach glaubhaften Aussagen der Zeugin
H._ das Geschehene am nächsten Tag weinend erzählt. Ihr gegenüber habe
sie insbesondere auch den ersten Vorfall erwähnt. Es sei nicht denkbar, dass sie
die Gefühlsausbrüche nur vorspiele und die beiden Vorwürfe erfunden habe. Auf-
fallend sei weiter, dass die Privatklägerin im Verlaufe der Untersuchung ihre Vor-
würfe gegenüber dem Beschuldigten nicht erhöht habe. Es liessen sich keine
Übertreibungen finden und die Privatklägerin stelle den Beschuldigten nicht
durchwegs negativ dar. Demgegenüber seien seine Aussagen wenig überzeu-
gend. Insbesondere sei seine Version, die Privatklägerin sei wegen seinen Bezie-
hungen zu Freundinnen eifersüchtig gewesen und es sei deshalb zum Streit ge-
kommen, nicht glaubhaft (Urk. 54).
4. Die Verteidigung bringt zusammenfassend vor, der Sachverhalt vom 2. Sep-
tember 2014 lasse sich aufgrund der vorhandenen Beweismittel nicht erstellen,
zumal direkte, unbefangene Zeugen fehlten. Die Privatklägerin habe sich gegen-
über dem Beschuldigten stets widersprüchlich verhalten. Es sei bei früheren Tref-
fen der beiden ausserhalb einer gemeinsamen Freundschaft zu Küssen, sexuel-
len Kontakten und ein- bis zweimal zu Geschlechtsverkehr gekommen. Die Pri-
- 10 -
vatklägerin habe daher damit rechnen müssen, dass es auch diesmal wieder zu
Küssen käme, habe sie doch verneint, aktuell einen Freund zu haben. Sie komme
aus schwierigen Verhältnissen, habe dem Beschuldigten dessen berufliche Situa-
tion missgönnt und sei eifersüchtig gewesen. Sie habe bereits ihrer Mutter ge-
genüber einmal sexuelle Vorwürfe, angeblich deren Freund betreffend, erhoben.
Diese habe ihr auch nicht geglaubt. Insgesamt bestünden Zweifel an der Glaub-
würdigkeit der Privatklägerin. Ihre Aussagen seien zudem widersprüchlich, na-
mentlich die Aussagen, wer die Initiative zum Treffen ergriffen habe. Überdies
seien die Angaben anfänglich sehr vage gewesen, habe sie doch gegenüber der
Zeugin F._ nicht konkret geschildert, was vorgefallen sei, sondern sei erst
am nächsten Morgen gegenüber der Zeugin H._ konkret geworden. Die
Zeugin H._ habe die Vorwürfe zum Messer nicht bestätigt. Hätte der Be-
schuldigte die Privatklägerin so mit dem Messer bedroht, wie die Privatklägerin es
geschildert habe, hätten zudem äusserliche Anzeichen darauf hinweisen müssen.
Die Privatklägerin habe zwar angegeben, dass Rötungen an ihrem Hals sichtbar
gewesen seien. Sie habe es aber unterlassen, diese zu fotografieren. Darüber
hinaus hätten solche Merkmale F._, welche der Privatklägerin an diesem
Abend die Türe geöffnet habe, auffallen müssen. Dass es diesbezüglich an Be-
weisen fehle, dürfe nicht zum Nachteil des Beschuldigten gewertet werden. Die
Angaben des Beschuldigten zum Geschehen im Auto seien schlüssig. Danach
hätten sie zunächst über das Geschäft, Freunde, Familie und Ferien gesprochen,
er habe ihr das Messer gezeigt und es habe sich dann ein Streit über gemeinsa-
me Freundinnen entfacht. Es sei zu vermuten, dass die Privatklägerin wegen sei-
ner guten Noten in der Schule und seinen Beziehungen zu den Freundinnen ei-
nen Hass auf ihn gehabt habe und sich rächen wollte. Es bestünden daher erheb-
liche Zweifel, ob sich der Sachverhalt wie angeklagt abgespielt habe, weshalb der
Beschuldigte nach dem Grundsatz in dubio pro reo freizusprechen sei.
Was den zweiten Vorwurf der versuchten sexuellen Nötigung betreffe, lasse
sich dieser aufgrund der sehr vagen Angaben der Privatklägerin und mangels
weiterer Beweismittel ohnehin nicht zweifelsfrei erstellen. Der Beschuldigte sei
auch diesbezüglich freizusprechen (Urk. 56 und 83).
- 11 -
5. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Verfahrensbeteiligten korrekt wieder-
gegeben (Urk. 67 S. 4 ff.), worauf, um Wiederholungen zu vermeiden, verwiesen
werden kann. Diese werden im Folgenden daher nur insoweit dargestellt, als dies
im Einzelnen von besonderer Relevanz ist. Auch ihre rechtlichen Überlegungen
zur Beweiswürdigung sind korrekt und es kann ebenfalls darauf verwiesen wer-
den (Urk. 67 S. 9). Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, ist vorliegend bei der
Beweiswürdigung zu prüfen, ob eine bewusste Falschaussage der Privatklägerin
in Frage kommen könnte. Denn es ist auszuschliessen, dass sie Verhaltenswei-
sen des Beschuldigten im Sinne der von ihr erhobenen Vorwürfe falsch verstan-
den haben könnte oder ihn in dieser Art unbewusst falsch bezichtigte. Dabei ist
neben der Analyse der Aussagen der Beteiligten bezüglich Realkriterien und Lü-
gensignalen auch ein mögliches Motiv für eine Falschbezichtigung und die intel-
lektuelle Leistungsfähigkeit bei der Privatklägerin zu prüfen. Weiter ist von Belang,
dass bei der Beurteilung des Wahrheitsgehalts von Schilderungen der Erstaussa-
ge der betroffenen Person aus gedächtnispsychologischer Sicht eine entschei-
dende Bedeutung zukommt.
6.1. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme der Privatklägerin vom 28. Ok-
tober 2014 wurde dem Verteidiger deren polizeiliche Einvernahme vom 16. Sep-
tember 2014 vorgelegt und ihm Gelegenheit geboten, Ergänzungsfragen zu stel-
len (Urk. 8/2 S. 21). Seine Teilnahmerechte gemäss Art. 147 StPO wurden daher
im Nachhinein vollumfänglich gewahrt, weshalb die Aussagen der Privatklägerin
in der polizeilichen Einvernahme auch zu Lasten des Beschuldigten verwertet
werden können.
6.2. Vorab fällt bei der kritischen Würdigung der Aussagen der Privatklägerin in
befragungstechnischer Hinsicht auf, dass sie weder in der polizeilichen noch in
der untersuchungsrichterlichen Einvernahme in den massgeblichen Sachver-
haltspunkten aufgefordert wurde, frei die Geschehnisse zu schildern, sondern ihr
oft konkrete Fragen gestellt wurden. Im Bereich der sexuellen Vorwürfe handelte
es sich teilweise um geschlossene Fragen, welche die Privatklägerin mit Ja oder
Nein oder mit sehr knappen Angaben beantworten konnte. Diese Umstände er-
schweren erfahrungsgemäss die Beurteilung der Authentizität der Aussagen, las-
- 12 -
sen jedoch anderseits nicht den Schluss zu, die Privatklägerin habe die Unwahr-
heit gesagt.
6.3. Die belastenden Aussagen der Privatklägerin in den beiden Einvernahmen
im Vorverfahren sind konstant und die Privatklägerin bestätigte ihre Vorwürfe
nach rund eineinhalb Jahren in der Hauptverhandlung vor Vorinstanz am 4. Feb-
ruar 2016 ausdrücklich (Urk. 53 S. 5 ff.). Ihre Schilderung zum Vorgehen des Be-
schuldigten weist keine Widersprüchlichkeiten auf, sondern sie berichtete stets
gleich, dass der Beschuldigte ihren Kopf mit der Hand zum entblössten Penis ge-
führt habe, sie ihn oral habe befriedigen müssen, wobei er sie zunächst verbal
bedroht habe, es gelte ernst und er werde sie stechen, wenn sie nicht tue was er
wolle, und er ihr das Messer an die Gurgel gehalten habe. Ebenso schilderte sie
ohne Abweichungen, dass sie sich wiederholt dagegen gewehrt und versucht ha-
be, den Kopf zurückzunehmen, der Beschuldigte indessen ihr immer wieder den
Kopf hinunter gedrückt habe. Gleichlautend erweisen sich ihre Ausführungen zum
Vorgeschehen, dass sie sich auf einem Parkplatz beim Bahnhof D._ getrof-
fen hätten, sie dann in den Wagen des Beschuldigten eingestiegen sei, er auf
dem Parkplatz beim E._ in D._ zunächst angehalten, dann aber zu ei-
nem Parkfeld an der ...strasse gefahren sei, an welcher Stelle sich dann der Vor-
fall ereignet habe (Prot. S. 7 ff., Urk. 8/1 und 8/2). Es fällt auf, dass die Privatklä-
gerin in ihrer Schilderung auch Einzelheiten inhaltlich übereinstimmend ausführte,
nämlich, dass sie ihm zuerst nicht getraut habe und nicht habe einsteigen wollen,
er sie jedoch beschwichtigt habe und sie ihm dann geglaubt habe (Urk. 8/1 S. 3,
8/2 S. 7), dass sie beim Parkplatz beim E._ die Türe geöffnet habe, weil sie
sich unsicher gefühlt habe (Prot. I S. 8, Urk. 8/1 S. 4 und 8/2 S. 7), und dass sie
nach dem Oralverkehr zunächst das Fahrzeug nicht habe verlassen können, weil
es noch verriegelt gewesen sei (Urk. 8/1 S. 7, 8/2 S. 13). Dabei wählte sie jeweils
nicht gleichlautende Formulierungen, weshalb die Wiederholungen nicht stereotyp
und auswendig gelernt wirken.
Ihre Schilderung wirkt im Ablauf nachvollziehbar und plausibel. So enthalten
ihre Ausführungen, wonach der Beschuldigte vom eher oft frequentierten Park-
platz beim E._ habe wegfahren wollen und zu einem Parkplatz bei einer am
- 13 -
Abend verlassenen Geschäftsliegenschaft gefahren sei, in Anbetracht des Vor-
geworfenen eine innere Logik. Überdies ist ihre Darstellung nachvollziehbar, dass
der Beschuldigte ein Messer verwendete, um seinem Ansinnen Nachdruck zu ver-
leihen und zum Erfolg zu führen, nachdem es der Privatklägerin beim früheren
Vorfall gelungen sein soll, sich erfolgreich gegen den Oralverkehr zu wehren.
Dass die gemäss Aussagen der Privatklägerin vom Messereinsatz stammende
Rötung an ihrem Hals nicht fotografisch dokumentiert und von der als Zeugin be-
fragten F._ nicht erwähnt wurde, ändert daran nichts, zumal eine Rötung re-
lativ rasch wieder verschwinden kann. Die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Pri-
vatklägerin wird dadurch unterstützt, dass sich der erste Vorfall der versuchten
sexuellen Nötigung nahtlos in die Gesamtdarstellung einfügt, zumal die Privatklä-
gerin zu einem wesentlichen Teil argumentiert, sie habe sich am 2. September
2014 mit dem Beschuldigten eingelassen und sei mit dem persönlichen Treffen
einverstanden gewesen, weil er ihr gesagt habe, er wolle sich für den ersten Vor-
fall ernsthaft entschuldigen (Urk. 8/1 S. 3, Urk. 8/2 S. 6).
Innere Widersprüche, die sich auf den Kern des Geschehens beziehen, sind
nicht ersichtlich. Der einzige augenfällige Widerspruch betrifft die Kontaktaufnah-
me am 2. September 2014. Zwar sagt die Privatklägerin noch konstant aus, sie
beide hätten vor dem 2. September 2014 einige Zeit keinen Kontakt mehr gehabt
(Prot. I S. 5, Urk. 8/1 S. 2 f., Urk. 8/2 S. 5). Während sie jedoch im Vorverfahren
erklärte, sie habe am besagten Tag den Kontakt mit dem Beschuldigten per Han-
dy aufgenommen (Urk. 8/1 S. 3 f., 8/2 S. 5), gab sie an der Hauptverhandlung vor
Vorinstanz abweichend an, zuerst habe ihr der Beschuldigte geschrieben (Prot. I
S. 5). Die Privatklägerin hat jedoch durchwegs gleich erklärt, es sei der Beschul-
digte gewesen, der sie am 2. September 2014 unbedingt persönlich habe treffen
wollen, wogegen sie sich anfänglich gesträubt habe (Prot. I S. 6, Urk. 8/21 S. 3;
Urk. 8/2 S. 6). Im Gegensatz zur Frage, wer das persönliche Treffen initiierte, be-
trifft die Kontaktaufnahme im Gesamtvorwurf einen eher unwesentlichen Teil,
weshalb dieser Widerspruch, wie dies die Vorinstanz zu Recht erwog, die Glaub-
haftigkeit ihrer übrigen Ausführungen nicht ernsthaft in Zweifel zieht.
- 14 -
Was die Aussagen zum sexuellen Vorgang betrifft, schilderte die Privatklä-
gerin diesen so konkret, dass hinreichend klar wird, was sich ihrer Auffassung
nach abgespielt hat. Dass sie sich an gewisse Details (wie Beschaffenheit des
Penis, Samenerguss) nicht erinnerte und den sexuellen Vorgang nicht mit weite-
ren Einzelheiten ausschmückte, lässt sich nachvollziehbar dadurch erklären, dass
sie sich in einem Schreckzustand befunden haben dürfte und es Opfern sexueller
Gewalt erfahrungsgemäss schwer fällt, über für sie schlimme Erinnerungen zu
sprechen. Die Privatklägerin wirkt ehrlich, wenn sie erklärt, es sei ihr peinlich dar-
über zu sprechen (Urk. 8/1 S. 4). Ihre Ausführungen zu den sexuellen Vorwürfen
erfahren, wie die Vorinstanz ebenfalls feststellte, im Verlaufe des Verfahrens kei-
ne Steigerung, sondern beziehen sich bis zum Schluss auf den bereits bei der
Anzeige am 3. September 2014 der Polizei gegenüber geäusserten erzwungenen
Oralverkehr vom 2. September 2014 und den früheren versuchten Oralverkehr
(Urk. 1 S. 3 und 4).
Auffallend ist weiter, dass die Privatklägerin den Beschuldigten nicht über-
mässig belastete und beispielsweise die Fragen verneinte, ob er neben dem
Oralverkehr noch weitere sexuelle Handlungen erzwungen habe oder versucht
habe, sie auszuziehen oder ihre Hosen zu öffnen (Urk. 8/1 S. 8). Ferner gestand
sie ihm zu, dass er durchaus auch lieb sein könne (Urk. 8/2 S. 8). Im Gegenzug
räumte sie eigene Fehler ein und erklärte, sie habe nach ihrer Beziehung zum
Beschuldigten noch sexuelle Kontakte mit ihm gehabt, was sie jedoch lieber sein
gelassen hätte (Urk. 8/1 S. 2). Ihr Aussagen wirken daher ehrlich und ergeben
nicht den Eindruck, dass sie den Beschuldigten unbedingt in ein schlechtes Licht
rücken will.
Die Einvernahme der Privatklägerin wenige Tage nach dem Vorfall war
überdies von Emotionen begleitet. Es wurde im Protokolls vermerkt, dass sie be-
reits zu Beginn der Einvernahme weinte (Urk. 8/1 S. 1). Ebenso erweist sich ihre
Darstellung, wonach sie nach dem Vorfall geweint habe und es ihr auch am
nächsten Tag so schlecht gegangen sei, dass sie sich von der Arbeit habe ab-
melden müssen (Urk. 8/1 S. 8), als realitätsnahe Reaktion und selbst erlebt. Diese
- 15 -
Behauptungen werden überdies durch die Zeuginnen G._ und F._
glaubhaft bestätigt (Urk. 9/4 und 9/5).
6.4. Zusammenfassend erfüllen die Aussagen der Privatklägerin zahlreiche Rea-
litätskriterien, sind in sich stimmig, detailreich, nachvollziehbar und enthalten kei-
ne Strukturbrüche im Geschehensablauf. Deutliche Lügensignale lassen sich
nicht finden. Im Endergebnis ist daher der ausführlichen und sorgfältigen Würdi-
gung der Vorinstanz (Urk. 67 S. 11 - 27 und 29) vollumfänglich zuzustimmen. Die
Aussagen der Privatklägerin erweisen sich als glaubhaft.
7.1. Der Beschuldigte hat in der Untersuchung, vor Vorinstanz sowie vor Beru-
fungsinstanz die Vorwürfe konstant bestritten (Prot. I S. 29 ff., Urk. 7/1 S. 2, 7/3
S. 2, 7/6 S. 2, 4 und 11, Prot. II S. 6 und 13). Seine Bestreitungen wirken indes
pauschal und wenig gehaltvoll, weshalb diese alleine aufgrund der Konstanz nicht
als glaubhaft eingestuft werden können. Ferner fällt auf, dass er die äusseren un-
verfänglichen Umstände, d.h. Ort und Zeitpunkt des persönlichen Treffens und
das Anfahren von verschiedenen Parkplätzen, übereinstimmend mit der Privat-
klägerin schilderte, jedoch intime oder sexuelle Handlungen abstreitet, obwohl es
auch nach seinen Aussagen durchaus zu sexuellen Kontakten mit der Privatklä-
gerin ausserhalb ihrer Beziehung gekommen sei (Urk. 7/1 S. 5, Prot. II S. 13). Der
Beschuldigte erwähnte in seiner ersten Einvernahme vom 25. September 2014
zunächst nicht, dass sie sich im Auto geküsst hätten, sondern führte erst auf die
konkrete Frage aus, ob er die Privatklägerin geküsst habe, das könne sein, er er-
innere sich nicht gut (Urk. 7/1 S. 7). Erst nach rund einem Jahr vermochte er sich
zu erinnern, es sei ein ganz normaler Kuss auf den Mund, kein Zungenkuss ge-
wesen. Die Initiative sei von ihm aus gegangen. Die Privatklägerin habe anfangs
nichts gemacht, ihn dann aber weggeschubst und gesagt, er solle aufhören, wo-
rauf er okay gesagt habe (Urk. 7/6 S. 4). Nach Angaben des Beschuldigten blieb
es damit maximal bei diesem Kuss. Die Ausführungen des Verteidigers, wonach
es am 2. September 2014 zu einvernehmlichen Sexualkontakten zwischen den
beiden gekommen sei (Urk. 56 S. 14 f.), finden daher in den Akten, namentlich
den Aussagen des Beschuldigten, keinerlei Stütze und müssen als unbehelfliche
Verteidigungstaktik gewertet werden.
- 16 -
7.2. Bei genauerer Betrachtung der Aussagen des Beschuldigten erweisen sich
seine Schilderungen in seiner polizeilichen Einvernahme vom 25. September
2014 in verschiedener Hinsicht als oberflächlich, wenig nachvollziehbar und kon-
struiert. So bleibt nach seinen Angaben bereits unklar, weshalb er die Privatkläge-
rin damals persönlich treffen wollte. Er führte dazu bloss aus, dass er der Privat-
klägerin ein WhatsApp geschrieben habe und sie habe treffen wollen. Er sei dann
nach D._ gegangen, wo sie abgemacht hätten und dann hätten sie über die
Ferien, Familie etc. gesprochen (Urk. 7/1 S. 2 und 3). Auch in der Haft-
Einvernahme vom 25. September 2014 vermochte er keine plausible Erklärung
für ein persönliches Treffen anzugeben. Darin bestätigte er, dass er der Privatklä-
gerin wegen eines Treffens geschrieben habe und damit die Initiative zum Treffen
von ihm ausging. Sie hätten dann über die Schule oder die Ferien gesprochen
und er habe ihr das Messer aus den Ferien gezeigt (Urk. 7/3 S. 2). Es wirkt wenig
überzeugend, dass sich der in der Stadt Zürich wohnende, damals in ... im Zür-
cher Unterland arbeitende Beschuldigte nach D._ im Zürcher Oberland be-
geben haben soll, um mit der Privatklägerin persönlich über Alltägliches zu spre-
chen. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass sich die beiden seit einiger
Zeit nicht mehr gesehen haben, keinen persönlichen Kontakt mehr gepflegt haben
und sich nichts ereignet zu haben scheint, was eine Intensivierung der Beziehung
erklären könnte. Ein Austausch über Alltägliches findet unter jungen Personen im
Übrigen erfahrungsgemäss über WhatsApp oder vergleichbare Chats statt. In der
gleichen Einvernahme erwähnte er zum Grund des persönlichen Treffens abwei-
chend, er habe eine SMS einer Kollegin der Privatklägerin erhalten und er habe
sie gefragt, "wer die sei und so" (Urk. 7/3 S. 2). Weder konkretisierte er, was in
dieser SMS stand, noch weshalb diese ein Treffen erforderlich machte. Aufgrund
seiner dürftigen Angaben bleibt der Grund des Treffens damit eher diffus.
Ebenso wirken seine Behauptungen zum Streit im Auto wenig überzeugend,
auffallend oberflächlich und emotionslos. Gemäss seinen Aussagen hätten sie
über die Ferien etc. gesprochen, dann habe er ihr ein Messer gezeigt und nach
drei Minuten hätten sie wegen einer Kollegin oder so gestritten, wobei sie ihn und
dann er sie angeflucht habe. Er habe das Messer einfach so in der Hand gehal-
ten. Er habe ihr gesagt, sie solle einfach weggehen und sie sei dann gegangen
- 17 -
(Urk. 7/1 S. 2). Diese pauschalen Aussagen ermöglichen keine genauere Vorstel-
lung über den Inhalt sowie den Verlauf des Streits. In den Einvernahmen vom
25. September 2014 und vom 4. Februar 2015 erzählte der Beschuldigte die Vor-
gänge, wie es zum Streit gekommen sein soll, ebenso ohne nähere Angaben und
es bleibt verschwommen, was den Streit ausgelöst haben könnte und was im
Rahmen des Streits konkret gesagt worden sein soll (Urk. 7/3 S. 2 f., 7/6 S. 4).
7.3. Aus der Schilderung in seiner ersten Einvernahme ergeben sich weitere Un-
gereimtheiten, die sich auch durch seine Ausführungen in den nachfolgenden
Einvernahmen nicht auflösen lassen. Unter anderem führte der Beschuldigte aus,
er habe sich einige Tage nach dem Vorfall bei der Privatklägerin entschuldigen
und ihr ein WhatsApp schreiben wollen, sie habe ihn aber blockiert und auf seine
Nachricht im Chat ... nicht antworten wollen. Er habe ihr geschrieben, dass es
ihm schlecht gehe, und habe gedacht, dass eine Anzeige am Laufen sei (Urk. 7/1
S. 2). Nach dem von ihm dargestellten harmlosen Ablauf im Auto bleibt unerfind-
lich, weshalb er in dieser Situation mit einer Anzeige der Privatklägerin rechnen
sollte, haben sich die Parteien seinen Angaben zufolge verbal gestritten und be-
hielt er das Messer einfach in der Hand. Hingegen leuchtet seine Angst, die Pri-
vatklägerin könne die Polizei informiert haben, nach deren Version ein.
Seine im Widerspruch zu den Angaben der Privatklägerin stehenden Aus-
führungen zum Messer bleiben ebenfalls vage und wenig nachvollziehbar. Da-
nach habe er habe das Messer noch vor dem Kuss offen der Privatklägerin zum
Ansehen gegeben, dann zugemacht und es weiterhin ganz kurz, ein paar Sekun-
den, in der Hand gehalten, dann hingelegt und habe es später nach dem Kuss,
als es zum Streit gekommen sei, auch in der Hand gehalten (Urk. 7/6 S. 6). Diese
Verstrickungen ergeben wenig Sinn und wirken erfunden. Darüber hinaus beste-
hen keinerlei Anhaltspunkte dafür, weshalb sich die Privatklägerin für das Messer
des Beschuldigten interessiert haben könnte.
In der Einvernahme vom 4. Februar 2015 machte der Beschuldigte im Wi-
derspruch zu den früheren Aussagen zur Kontaktaufnahme erstmals geltend, die
Privatklägerin habe ihm zuerst geschrieben (Urk. 7/6 S. 2 und 4). Aus seinen Aus-
führungen geht jedoch in keiner Weise hervor, weshalb ihn diese hätte persönlich
- 18 -
treffen wollen, blieb er doch bei seinen Aussagen, sie hätten zunächst ganz nor-
mal über das Geschäft und ihre Familie und damit über Alltägliches sprechen wol-
len (Urk. 7/6 S. 2 und 5). Auch in dieser Einvernahme fällt auf, dass seine Antwor-
ten zu konkreten Fragen oft dürftig und teilweise nichtssagend ausfielen. So ant-
wortete er beispielsweise auf die Frage zum Parkplatzwechsel, sie hätten einfach
nicht in D._ miteinander sprechen wollen. Einer inneren Logik entbehrt ferner
seine Ausführung, er habe den Parkplatz beim E._ in D._ verlassen wol-
len, um an einen Aussichtspunkt zu fahren (Urk. 7/6 S. 2), fuhr er doch in der Fol-
ge eingestandenermassen (Urk. 7/6 S.3) zum Parkplatz an der ...strasse in
D._ und nicht an einen Aussichtspunkt (Urk. 2).
7.4. Zusammenfassend ist der sorgfältigen Einschätzung der Vorinstanz vollum-
fänglich zuzustimmen, wonach sich die Darstellung des Beschuldigten als unge-
nau, widersprüchlich, wenig plausibel und teilweise realitätsfremd erweist (Urk. 67
S. 23 ff.). Seine Angaben sind insbesondere in den Kernpunkten, dem Grund des
Treffens und den Vorgängen im Auto, auffallend detailarm, oberflächlich und nicht
schlüssig. Seine Antworten fielen oft knapp oder ausweichend aus und erwecken
den Eindruck, er versuche, das Vorgefallene zu vertuschen oder von Fragen ab-
zulenken, indem er seine Aussagen mit belanglosen Angaben verwässerte oder
die Privatklägerin in ein schlechtes Licht zu rücken versucht. Seine Aussagen
vermögen daher nicht zu überzeugen.
8.1. Den glaubhaften Aussagen der Privatklägerin stehen damit zunächst die
nicht überzeugenden Ausführungen des Beschuldigten gegenüber. Ihre Darstel-
lung wird nun durch die Aussagen der Zeuginnen H._, G._ und
F._, die alle unter der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB einver-
nommen wurden, weiter gestützt (Urk. 9/2, 9/4 und 9/5). Bei der Zeugin H._
handelt es sich um eine Begleitperson des I._. Da sie nicht die eigentliche
Bezugsperson der Privatklägerin war (Urk. 9/2 S. 3), besteht kein Grund an ihrer
Glaubwürdigkeit ernsthaft zu zweifeln. Die Zeugin bestätigte, dass ihr die Privat-
klägerin am nächsten Morgen die Vorwürfe geschildert habe, und wies darauf hin,
dass sie am gleichen Tag ein Protokoll über die Angaben der Privatklägerin
(Urk. 9/3) verfasst habe. Dieses Protokoll entspricht im Ablauf vollumfänglich den
- 19 -
Schilderungen der Privatklägerin in deren polizeilicher Einvernahme. Nach Anga-
ben der Zeugin H._ erwähnte die Privatklägerin bereits damals auf den ers-
ten Blick nebensächliche Einzelheiten, wie die Privatklägerin habe beim Parkplatz
beim E._ die Türe geöffnet, weil sie sich so sicherer gefühlt habe. Ebenso
bestätigte die Zeugin die nachvollziehbaren Emotionen der Privatklägerin. Es sei
dieser sehr schwer gefallen, über den Vorfall zu sprechen, sie habe die ganze
Zeit geweint und habe grosse Angst vor dem Beschuldigten gehabt (Urk. 9/2 S. 5
und 9/3). Stimmig ist ferner der Umstand, dass sich die Privatklägerin der weibli-
chen Zeugin und nicht ihrer männlichen Bezugsperson, J._, anvertraute.
8.2. Die Zeuginnen G._ und F._ waren im Zeitpunkt der Einvernahme
Freundinnen der Privatklägerin, wobei die Zeugin G._ auch mit dem Be-
schuldigten gut bekannt war (Urk. 9/4 S. 2 f., Urk. 9/5 S. 3). Hinweise, dass sie
einseitig zugunsten der Privatklägerin ausgesagt hätten, ergeben sich aufgrund
ihres Aussageverhaltens nicht. Ihre Angaben wirken sachlich und Anzeichen für
Übertreibungen fehlen. Beide haben ausdrücklich bestätigt, dass die Privatkläge-
rin am fraglichen Abend heftig geweint und Angst gehabt habe (Urk. 9/4 S. 4,
Urk. 9/5 S. 5). Ebenfalls sagten beide aus, dass die Privatklägerin erzählt habe,
sie sei ins Auto des Beschuldigten gestiegen, habe nicht mehr aussteigen können
und "etwas Sexuelles" (Urk. 9/5 S. 5) bzw. etwa Grusiges machen bzw. "ihm habe
blasen" (Urk. 9/4 S. 5) müssen. Damit werden die von der Privatklägerin erhobe-
nen Vorwürfe zum 2. September 2014 weiter erhärtet.
8.3. Die Glaubhaftigkeit der Angaben der Privatklägerin wird ferner durch ihr
Nachtatverhalten untermauert. So zeigte sie ein für Opfer sexueller Gewalt übli-
ches Verhalten, indem sie sich zuerst gegenüber einer engen Vertrauensperson,
ihrer Freundin G._, öffnete, und sich am nächsten Morgen an eine weibliche
Begleitperson im Wohnheim wandte. Bezeichnenderweise brachte nicht die Pri-
vatklägerin sondern H._ das Strafverfahren ins Rollen, indem sie den ersten
Kontakt zur Polizei herstellte (Urk. 1). Gerade dieser Umstand spricht deutlich da-
gegen, dass sich die Privatklägerin am Beschuldigten rächen wollte. Ein nachvoll-
ziehbares Motiv für eine Rache lässt sich ebensowenig anhand der Angaben des
Beschuldigten erkennen. Nach glaubhaften Aussagen beider bestand zwischen
- 20 -
den Parteien im September 2014 nur mehr eine lose Beziehung und sie haben
sich einige Zeit nicht mehr getroffen. Nach Angaben des Beschuldigten seien sie
2010 oder 2011 und Ende 2013 etwa einen Monat lang ein Paar gewesen und er
habe sie seit dem Streit in Zürich-C._ nicht mehr gesehen (Prot. I S. 21 f.,
Urk. 7/1 S. 5). Es ist unter diesen Umständen nicht nachvollziehbar, dass die Pri-
vatklägerin neun Monate später emotional mit dem Beschuldigten derart verbun-
den gewesen sein soll, dass seine, im Übrigen nicht näher beschriebenen Kontak-
te zu ihren Freundinnen sie in so hohem Mass hätten verletzen können und sie
sich dadurch so hintergangen fühlte, dass sie sich mit einer falschen Anschuldi-
gung beim Beschuldigten rächte und den damit verbundenen Aufwand einer Stra-
funtersuchung sowie die Risiken der eigenen Straffälligkeit zufolge einer
Falschanschuldigung in Kauf nahm. Ebenso wenig vermag das Motiv, sie sei auf
seine Berufslehre in ... oder auf seine besseren Noten neidisch gewesen, zu
überzeugen. Die Privatklägerin erhielt ihre Absage in ... bereits eineinhalb Jahre
zuvor (Urk. 7/1 S.10) und wollte eher eine Lehre im Bereich Kleinkindererziehung
absolvieren (Urk. 9/4 S. 6, Urk. 9/5 S. 6). Das vom Beschuldigten angeführte Mo-
tiv für eine Falschbeschuldigung scheint reichlich realitätsfremd und konstruiert.
8.4. Die Annahme einer bewussten Falschaussage wird daher weder durch die
Aussagen der Beteiligten noch durch konkrete äussere Umstände gestützt. Auch
wenn letztlich ein Lügengebäude nie vollkommen ausgeschlossen werden kann,
so erweist sich vorliegend doch als unvorstellbar, dass die Privatklägerin in der
Lage gewesen wäre, nach dem angeblichen Streit mit dem Beschuldigten innert
kürzester Zeit eine so geschickte, komplexe Version mit zwei sich gegenseitig be-
dingenden Vorwürfen zurecht zu legen und die von den Zeuginnen wahrgenom-
menen Gefühlsausbrüche zu simulieren. Mangels plausiblem Rachemotiv der Pri-
vatklägerin kann nach Würdigung der Beweislage eine falsche Anschuldigung
weitestgehend ausgeschlossen werden.
8.5. Es bestehen daher keine mehr als theoretischen Zweifel daran, dass der in
der Anklage vorgeworfene, unter Einsatz des Messers erzwungene Oralverkehr
am 2. September 2014 gemäss den Schilderungen der Privatklägerin stattgefun-
den hat. Was die Dauer des Übergriffs betrifft, kann den Erwägungen der Vor-
- 21 -
instanz zugestimmt werden. Es ist daher zu Gunsten des Beschuldigten als mög-
lich zu erachten, dass der Übergriff kürzer als die von der Privatklägerin empfun-
denen 30 Minuten gedauert hat (Urk. 67 S. 27). Damit sind die wesentlichen Ele-
mente des Sachverhalts in der Anklage erstellt.
8.6. Die hohe Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin sowie das fehlen-
de Rachemotiv gilt auch für den früheren Vorfall der versuchten sexuellen Nöti-
gung im Zeitraum zwischen September 2013 und Februar 2014 beim Bahnhof Zü-
rich-C._. Der Beschuldigte räumte in der polizeilichen Befragung ein, die Pri-
vatklägerin am besagten Ort zwei bis dreimal im Januar bzw. Februar 2014 ge-
troffen zu haben und bestätigte diese Aussagen im Wesentlichen in der Einver-
nahme vom 4. Februar 2015, bestritt jedoch die versuchte sexuelle Nötigung
(Urk. 7/6 S. 7 und 11). An der Hauptverhandlung vor Vorinstanz gab er erstmals
an, dass es an besagter Örtlichkeit im Auto ebenfalls zu einem Streit gekommen
sei (Prot. I S. 21 f.). Seinen Bestreitungen stehen die konstanten und glaubhaften
Aussagen der Privatklägerin gegenüber. Der von ihr bereits bei der ersten polizei-
lichen Anhörung anlässlich der Tatbestandsaufnahme (Urk. 1 S. 2) geschilderte
Vorfall ergibt in sich ein stimmiges Bild und erklärt ihr späteres Verhalten, sich
nach einiger Zeit und nach einem gewissen Sträuben mit dem Beschuldigten ge-
troffen zu haben, weil sie angenommen habe, er meine es ernst und wolle sich
bei ihr für den ersten Vorfall entschuldigen. Ihre Darstellung enthält ferner keine
Anzeichen von Übertreibungen, ging das Ganze doch glimpflich aus. Dieser
harmlose Ausgang erklärt, weshalb sie diesen Vorfall zunächst für sich behielt
und sich erst nach dem zweiten schlimmeren Vorfall an ihr vertraute Personen
wandte. Es besteht kein Grund zur Annahme, die Privatklägerin habe sich ent-
schieden, in diesem Punkt eine Falschaussage zu machen. Es kann diesbezüg-
lich vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 67 S. 27 ff.). Der Sachverhalt bezüglich der versuchten sexuellen
Nötigung ist daher ebenfalls erstellt.
- 22 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Staatsanwaltschaft hat die Tat vom 2. September 2017 als qualifizierte
sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 189
Abs. 3 StGB und den früheren Vorfall als versuchte sexuelle Nötigung im Sinne
von Art. 189 Abs. 1 StGB qualifiziert (Urk. 27). Dieser Beurteilung hat sich die Vo-
rinstanz in ihrem Urteil angeschlossen (Urk. 67).
2. Die Verteidigung rügt, das Verhalten vom 2. September 2014 erfülle den
Tatbestand der qualifizierten sexuellen Nötigung nicht. Zur Erfüllung des Tatbe-
standes der sexuellen Nötigung müsse der Täter einen Widerstand des Opfers
überwinden. Das Opfer müsse sich wehren, soweit ihm nach der Lage der Dinge
Widerstand möglich und zumutbar sei. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin
nicht konstant am Kopf festgehalten. Der Privatklägerin sei es deshalb möglich
und zumutbar gewesen, sich in Richtung Beifahrertür zu lehnen und den Einwir-
kungsversuchen des Beschuldigten zu entgehen. Ausserdem sei es ihr jederzeit
möglich gewesen, die Beifahrertüre zu öffnen und auszusteigen. Selbst wenn die
Türe verriegelt gewesen wäre, hätte sie aussteigen können, da sich eine Zentral-
verriegelung stets aus dem Innern des Autos öffnen lasse (Urk. 83 S. 3). Darüber
hinaus habe der Beschuldigte das Messer nicht als gefährlichen Gegenstand
verwendet. Es habe für die Privatklägerin keine objektive Gefahr durch das Mes-
ser bestanden, weil dieses gar nicht zur Ausübung des Delikts verwendet worden
sei. Alleine die Tatsache, dass sich das Messer im Fahrzeug befunden habe, füh-
re nicht zu einer qualifizierten Begehung (Urk. 56 S. 15 ff., Urk. 83 S. 4 f.).
3. Die Vorinstanz hat sich unter dem Titel Strafzumessung zu den rechtlichen
Anforderungen der qualifizierten Nötigung geäussert. Auf diese zutreffenden Er-
wägungen ist vorab zu verweisen (Urk. 67 S. 30 ff.). Für die Qualifikation als ge-
fährlicher Gegenstand ist entscheidend, dass die konkrete Art und Weise der
Verwendung die Gefahr einer schweren Schädigung mit sich bringt. Durch die
Verwendung muss grundsätzlich ein konkretes und nahes Risiko einer Tötung
oder einer schweren Körperverletzung geschaffen werden. Gemäss Rechtspre-
chung genügt zur Bejahung des qualifizierten Tatbestandes, wenn der gefährliche
Gegenstand zur Bedrohung des Opfers verwendet wird. Das Bundesgericht er-
- 23 -
wog, dass durch das Halten eines Messers in den Händen in Kombination mit der
wiederholten Bedrohung und der Todesangst die geforderte Intensität für die qua-
lifizierte Begehungsform der sexuellen Nötigung erfüllt sei (Urteil des Bundesge-
richts vom 3. November 2009, 6B_678/2009 mit Hinweisen).
4. Die Rügen der Verteidigung basieren auf der Argumentation, dass der in der
Anklage umschriebene Einsatz des Messers nicht erwiesen sei. Es ist jedoch er-
stellt, dass der Beschuldigte der Privatklägerin das Messer zweimal an die Gurgel
hielt, verbunden mit der Drohung, er werde sie runter stechen, wenn sie nicht tue,
was er wolle, und sie dadurch zum Oralverkehr zwang. Nachdem der Sachverhalt
anklagegemäss erstellt ist, wird der Argumentation der Verteidigung das Funda-
ment entzogen. Der Beschuldigte hat mit der konkreten Verwendung des Messers
sowie den verbalen Drohungen der Privatklägerin in Aussicht gestellt, sie bei
Weigerung erheblich zu verletzen. Dadurch, dass er ihr das Messer unmittelbar
an den Hals hielt, hat er deutlich manifestiert, dass er dieses nötigenfalls als
Stich- oder Schnittwaffe gebraucht. Damit hat er das Messer als gefährlichen Ge-
genstand im Sinne der Rechtsprechung verwendet. Zudem steht ausser Frage,
dass es der Privatklägerin unter diesen Umständen nicht zumutbar war, einen
Versuch zu unternehmen, das Auto zu verlassen oder sonstige Abwehrhandlun-
gen vorzunehmen, selbst wenn der Beschuldigte sie nicht konstant am Kopf fest-
hielt. Auch der von der Verteidigung bestrittene subjektive Tatbestand (Urk. 83
S. 6 f.) kann vor diesem Hintergrund nicht ernsthaft in Zweifel gezogen werden.
Die rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde und die Vorinstanz zur Tat
vom 2. September 2014 ist daher korrekt.
5. Der rechtlichen Würdigung der Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz für
den zweiten Vorwurf beim Bahnhof Zürich-C._, begangen zwischen Septem-
ber 2013 bis Februar 2014, kann ebenfalls gefolgt werden. Aufgrund des Einwan-
des der Verteidigung (Urk. 83 S. 7 f.) ist lediglich zu ergänzen, dass der Beschul-
digte dadurch, dass er den Kopf der Privatklägerin in Richtung seines Ge-
schlechtsteils drückte, die Schwelle zum Versuch überschritt. Sein Vorhaben
scheiterte am Widerstand der Privatklägerin. Wäre die Privatklägerin zu schwach
gewesen, hätte heute ein vollendetes Delikt zur Diskussion gestanden.
- 24 -
6. Da keine Rechtfertigungsgründe und keine Schuldausschlussgründe beste-
hen, ist der Beschuldigte der qualifizierten sexuellen Nötigung im Sinne von
Art. 189 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 189 Abs. 3 StGB sowie der versuch-
ten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
V. Strafe
1. Die Verteidigung rügt, dass aufgrund der gesamten Umstände eine deutlich
tiefere, teilbedingte Strafe auszusprechen sei. Das Verschulden wiege aufgrund
des unklaren Motivs und der Involviertheit der Privatklägerin nicht derart schwer
(Urk. 68, Urk. 83 S. 10 ff.).
2. Die Staatsanwaltschaft argumentierte demgegenüber, es könne der Ein-
schätzung der Vorinstanz nicht gefolgt werden, wonach der erzwungene Oralver-
kehr in einem unteren Schweregrad anzusiedeln sei. Dieser sei hinsichtlich der
Schwere dem Geschlechtsverkehr etwa gleichzusetzen. Die Privatklägerin sei
dadurch am 2. September 2014 in ihren persönlichen Verhältnissen massiv ver-
letzt worden, zumal bereits zuvor ein Versuch stattgefunden habe. Auch geringfü-
gige sexuelle Handlungen könnten im Übrigen entgegen der Auffassung der Vo-
rinstanz unter den qualifizierten Tatbestand fallen, wenn das Vorgehen besonders
grausam sei. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Bestrafung mit 6 1⁄2 Jahren
Freiheitsstrafe (Urk. 73 und 85).
3. Die Vorinstanz erwog, dass bezüglich der objektiven Tatkomponente der
qualifizierten sexuellen Nötigung das Verschulden des Beschuldigten eigentlich
nicht leicht wiege, habe er doch die Privatklägerin mit seinem Vorgehen zutiefst
verängstigt und tief gedemütigt. Zudem würden solche Taten regelmässig ein
schweres Trauma beim Opfer auslösen (Urk. 67 S. 32). Anderseits sei ein beson-
ders gefährlicher Messereinsatz nicht bewiesen und die Tat habe allenfalls erheb-
lich weniger als 30 Minuten gedauert. Zudem könne angenommen werden, dass
der Beschuldigte die Privatklägerin nicht habe verletzen wollen, sondern das
- 25 -
Messer nur als Nötigungsmittel eingesetzt habe. Im Vergleich zu andern Fällen
sexueller Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sei von einem mittleren bis
schweren Verschulden zu sprechen. Trotzdem seien auch weit schlimmere sowie
Wiederholungstaten vorstellbar. Im Gesamtvergleich sei die vorliegende Tat in ei-
nem unteren Schweregrad des qualifizierten Tatbestands von Art. 189 Abs. 3
StGB zu verorten, da der Beschuldigte der Privatklägerin keine körperlichen
Schmerzen zugefügt habe (Urk. 67 S. 33). Im Rahmen der persönlichen Täter-
komponente berücksichtigte die Vorinstanz insbesondere das junge Alter des Be-
schuldigten, die Erschwernisse in seiner Jugend sowie seine im Gutachten vom
1. Juni 2015 festgestellte Unreife und emotional instabile Persönlichkeit (Urk. 67
S. 34).
4.1. Die Vorinstanz ist bei der Bestimmung der konkreten Strafe grundsätzlich
methodische korrekt vorgegangen und es kann auf ihre zutreffenden rechtlichen
Überlegungen zunächst verwiesen werden (Urk. 67 S. 30 ff.). Auch auf ihre um-
fassenden konkreten Überlegungen zur Strafzumessung kann unter Vorbehalt der
nachfolgenden Erwägungen grundsätzlich verwiesen werden.
4.2. Die schwerste Tat stellt vorliegend die qualifizierte sexuelle Nötigung dar.
Der Strafrahmen dieses Tatbestandes reicht von Freiheitsstrafe nicht unter drei
Jahren bis zu 20 Jahren (Art. 189 Abs. 3 StGB in Verbindung mit Art. 40 StGB).
Bei der objektiven Tatschwere der qualifizierten sexuellen Nötigung ist den Erwä-
gungen der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass der Oralverkehr unter die bei-
schlafähnlichen Handlungen fällt und gemäss Rechtsprechung des Bundesge-
richts bezüglich des Unrechtsgehalts einer Vergewaltigung nahekommt. Gemäss
Bundesgericht sei die Strafe unter Berücksichtigung der gesamten Umstände
nicht wesentlich tiefer anzusetzen, als bei einer Vergewaltigung unter denselben
Umständen (BGE 132 IV 126). Vorliegend hat der Beschuldigte die Privatklägerin
erwiesenermassen während ca. 15 bis 30 Minuten und damit über einen nicht un-
erheblichen Zeitraum zum Oralverkehr gezwungen. Dabei setzte sich die Privat-
klägerin wiederholt zu Wehr, worauf der Beschuldigte jeweils körperlichen Zwang
anwendete und sie zweimal verbal sowie mit dem Messer bedrohte. Es handelt
sich daher objektiv betrachtet um keinen leichten Fall der sexuellen Nötigung,
- 26 -
sondern einen massiven Eingriff in die sexuelle Integrität der Privatklägerin. Aller-
dings ist im Rahmen der qualifizierten Begehung nach Art. 189 Abs. 3 StGB zu
berücksichtigen, dass der qualifizierte Tatbestand vorliegend allein aufgrund der
Verwendung eines gefährlichen Gegenstands zur Anwendung gelangt und der
Beschuldigte darüber hinaus nicht "grausam" handelte. Konkret fällt bei der objek-
tiven Tatschwere in Betracht, dass der Beschuldigte der Privatklägerin unverhofft
die Klinge eines spitzen Messers zweimal unmittelbar an den Hals hielt und sie
gleichzeitig verbal mit dem Zustechen bedrohte, sollte sie seinem Ansinnen nicht
folgen. Beim Hals bzw. der Gurgel handelt es sich bekanntermassen um eine
äusserst sensible Körperstelle, deren Verletzung mit einem Messer leicht lebens-
gefährliche Folgen haben kann. Die derart vorgenommene Bedrohung mit mögli-
chen lebensgefährlichen Verletzungen ist im Rahmen der Verwendung eines ge-
fährlichen Gegenstands im Sinne von Art. 189 Abs. 3 StGB allerdings als noch
leicht einzustufen. Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin am 2. September 2014 zum persönlichen Treffen lockte, indem er ihr
in Aussicht stellte, sich für den ersten Vorfall der versuchten Nötigung zu ent-
schuldigen. Damit erweckte er bei ihr gezielt Vertrauen und die Hoffnung, er wolle
das ihr zugefügte Unrecht wieder gutmachen. Durch seine erneute Tat hat er ihr
Vertrauen in schmerzlicher Weise missbraucht und ihren guten Glauben ausge-
nützt. Die Privatklägerin war ihm zudem dadurch ausgeliefert, dass der Beschul-
digte auf einem Parkfeld bei einer am Abend verlassenen Liegenschaft anhielt
und keine Person auf das Geschehene aufmerksam werden konnte. Sein plan-
mässiges Verhalten manifestiert daher eine erhebliche Rücksichtlosigkeit, Nieder-
trächtigkeit und Gemeinheit. Sein objektives Tatverschulden bezüglich der qualifi-
zierten sexuellen Nötigung wiegt daher insgesamt nicht mehr leicht.
4.3. Beim subjektiven Tatverschulden ist direkter Vorsatz anzunehmen. Es ging
dem Beschuldigten darum, seine sexuellen Triebe und Machtgelüste zu befriedi-
gen, ungeachtet der damit einhergehenden psychischen und persönlichen Verlet-
zungen der Privatklägerin. Weiter ist ihm anzulasten, dass er die Tat geplant ha-
ben musste und die Privatklägerin bewusst in eine Falle lockte, wobei auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden kann (Urk. 67 S. 32 un-
ten).
- 27 -
4.4. Insgesamt ist das Tatverschulden für die Tat vom 2. September 2014 als
nicht mehr leicht einzustufen. Aufgrund des Strafrahmens von mindestens drei
Jahren erweist sich dafür eine Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren als angemessen.
4.5. Diese Einsatzstrafe ist aufgrund der versuchten sexuellen Nötigung unter
Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1
StGB). Bezüglich der Tatkomponente der versuchten sexuellen Nötigung kann
wiederum auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 67 S. 35). Bei der objektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Be-
schuldigte versuchte, die Privatklägerin zum Oralverkehr zu zwingen. Wesentlich
strafmindernd ist zu berücksichtigen, dass es beim Versuch blieb. Da detaillierte
Aussagen der Verfahrensbeteiligten zum Vorgeschehen fehlen und die Angaben
der Privatklägerin zum Tathergang knapp ausfielen, lässt sich keine weitergehen-
de zuverlässige Einschätzung des Verschuldens vornehmen. Es bestehen insbe-
sondere keine Anzeichen für ein geplantes Vorgehen des Beschuldigten. Es ist zu
seinen Gunsten anzunehmen, dass seine Tat einer spontanen, unkontrollierten
Regung oder Phantasie entsprang. Das objektive Tatverschulden kann daher als
noch leicht beurteilt werden.
4.6. Subjektiv handelte der Beschuldigte auch beim ersten Vorfall mit direktem
Vorsatz.
4.7. Insgesamt erweist sich das Tatverschulden bezüglich der versuchten sexu-
ellen Nötigung als noch leicht. In Anbetracht des Strafrahmens von Geldstrafe
oder Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren erweist es sich als angemessen die Ein-
satzstrafe von 4 1⁄2 Jahren um 3⁄4 Jahre auf 5 1⁄4 Jahre zu erhöhen.
4.8. Was die persönlichen Verhältnisse sowie das Nachtatverhalten des Be-
schuldigten betrifft, kann, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die grundsätzlich
ausführlichen und sorgfältigen Überlegungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen
werden (Urk. 67 S. 34 ff.). Zu Recht hat die Vorinstanz das zur Tatzeit noch sehr
junge Alter von 18 und 19 Jahren sowie die Unreife und instabile Persönlichkeit
wesentlich strafmindernd berücksichtigt. Der Gutachter hat festgestellt, dass beim
Beschuldigten darüber hinaus keinerlei Anzeichen auf eine Persönlichkeitsstörung
- 28 -
vorliegen und von einer Einschränkung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit
nicht die Rede sein könne (Urk. 20/7 S. 38 ff.). Die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten in seiner Kindheit und Jugend erweisen sich insgesamt nicht als
derart schwer, dass diese zusätzlich strafmindernd zu berücksichtigen wären. Der
Lernschwäche des Beschuldigten wurde in der Kindheit durch die Einschulung in
eine heilpädagogischen Einrichtung Rechnung getragen und er erhielt später die
Möglichkeit, eine Berufslehre als Restaurationsangestellter zu absolvieren. Auf-
grund der Täterkomponenten, vor allem des jungen Alters sowie der Unreife und
der instabilen Persönlichkeit, rechtfertigt es sich, die Einsatzstrafe um ein 1 1⁄4
Jahre auf 4 Jahre zu reduzieren.
5. Der Anrechnung der vom Beschuldigten erstandenen Untersuchungshaft
von 84 Tagen steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
VI. Schadenersatz und Genugtuung
1. Der Beschuldigte hat das Urteil der Vorinstanz bezüglich des Schadenersat-
zes und der zugesprochenen Genugtuung ausdrücklich nur im Falle eines Frei-
spruchs angefochten (Urk. 68 S. 2). Nachdem ein Schuldspruch ergeht, gelten die
Ziffern 4 und 5 des Urteildispositivs damit als unangefochten.
2. Der Vollständigkeit halber bleibt zu erwähnen, dass die Vorinstanz die rele-
vanten rechtlichen Grundlagen korrekt aufgeführt und die konkreten tatsächlichen
Umstände vollständig und sorgfältig gewürdigt hat (Urk. 67 S. 37). Ihre Ausfüh-
rungen zum Rahmen der Genugtuung bei Vergewaltigungen erweisen sich auch
im Lichte der neusten Gerichtspraxis als zutreffend. Ihren Erwägungen kann da-
her gefolgt werden und die zugesprochene Genugtuung von Fr. 15'000.-- erweist
sich als angemessen. Auch die Feststellung, dass der Beschuldigte gegenüber
der Privatklägerin dem Grundsatze nach aus den eingeklagten Ereignissen scha-
denersatzpflichtig wird, ist nicht zu beanstanden.
- 29 -
VII. Kosten und Entschädigung
1. Der Beschuldigte dringt mit seiner Berufung nicht durch. Zwar unterliegt
auch die Staatsanwaltschaft mit ihrer Anschlussberufung, doch handelt es sich
bei der Bestätigung der von der Vorinstanz ausgefällten Strafe um einen Ermes-
sensentscheid, der sich nicht auf die Kostenauflage auswirken kann, zumal dem
Gericht durch die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft kaum Mehraufwand
entstanden ist. Die Kosten des Vorverfahrens sowie des erstinstanzlichen und
des Berufungsverfahrens sind somit dem Beschuldigten aufzuerlegen, mit Aus-
nahme der Kosten für die amtliche Verteidigung im Betrag von Fr. 11'600.-- (inkl.
Mehrwertsteuer; vgl. Urk. 80/2 und Urk. 83 S. 13), wobei keine Gründe ersichtlich
sind, vom Vorbehalt der Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO abzusehen
(Art. 428 Abs. 1 und 3 StPO in Verbindung mit Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin im Be-
trag von Fr. 208.85 (inkl. Mehrwertsteuer; vgl. Urk. 79/2) sind aufgrund der knap-
pen finanziellen Verhältnisse des Beschuldigte auf die Gerichtskasse zu nehmen
(Art. 426 Abs. 4 StPO).