Decision ID: ed16508c-0a8e-58f2-ba71-fb9c0912b840
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Rufener, Anwaltskanzlei schmuckipartner,
Marktgasse 3, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilflosenentschädigung für Minderjährige / Intensivpflegezuschlag
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde im Juli 2007 geboren. Am 4. Dezember 2007 erlitt er einen
Auffahrunfall, in dessen Folge er 3 Tage lang erbrochen und hohes Fieber gehabt habe.
Es sei ein posttraumatischer Schock diagnostiziert worden (act. G 4.22; vgl. auch act.
G 4.7). Der Vater meldete den Versicherten am 27. März 2011 zum Bezug von
Hilflosenentschädigung für Minderjährige an, da dieser bei verschiedenen
Verrichtungen auf Hilfe Dritter angewiesen sei. Er müsse auch immer überwacht
werden, da er kein Schmerzempfinden besitze (act. G 4.1). Die behandelnde Dr. med.
B._, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendmedizin, diagnostizierte im Bericht vom
14. Juni 2011 einen deutlichen Entwicklungsrückstand vor allem sprachlich expressiv,
eine Hyperaktivität, Verhaltensauffälligkeiten, Dysmorphie-Zeichen sowie einen Status
nach einmaligem generalisiertem Anfall im Jahr 2010 bei einem auffälligen EEG sowie
pathologischem MRI, am ehesten genetischer Ursache. Die vom Vater des
Versicherten vorgenommenen Angaben über die Hilflosigkeit würden mit den ärztlichen
Feststellungen übereinstimmen (act. G 4.5).
A.b Im Abschlussbericht des Heilpädagogischen Diensts C._ vom 1. Juli 2011
betreffend die vom 23. Februar 2010 bis 31. Juli 2011 stattgefundene Früherziehung
führte die Früherzieherin aus, der Versicherte sei ein herziger Junge, der für die Eltern
viel Betreuung und Aufwand erfordere. Er sei in allen Bereichen der Entwicklung
"extrem zurückgeblieben". Seine Fortschritte seien sehr langsam (act. G 4.13).
A.c Die IV-Stelle nahm am 25. Januar 2012 eine Abklärung an Ort und Stelle vor. Im
Bericht vom 16. Februar 2012 gab die Abklärungsperson an, der Versicherte weise den
Entwicklungsstand eines ungefähr einjährigen Kinds auf und sei im Vergleich zu einem
gleichaltrigen gesunden Kind in den Bereichen Essen, Verrichten der Notdurft sowie
An-/Auskleiden auf vermehrte Hilfe angewiesen. Die Zeiten betreffend einen allfälligen
Anspruch auf einen zusätzlichen Intensivpflegezuschlag seien nicht ermittelt worden,
da die verlangten mindestens 4 Stunden Mehraufwand nicht ausgewiesen seien (act.
G 4.22). In Würdigung der Aktenlage kam der RAD zum Schluss, die medizinischen
Zusprachekriterien für eine Hilflosenentschädigung wegen leichter Hilflosigkeit seien
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erfüllt (Stellungnahme vom 15. März 2012, act. G 4.26). Mit Vorbescheid vom 16. März
2012 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, für die Dauer vom 1. Januar
2011 bis 30. September 2013 (Revision) eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit
leichten Grades zuzusprechen. Solange der Versicherte zu Hause wohnhaft sei,
betrage der Tagesansatz Fr. 15.40 (act. G 4.27). Dagegen erhob der Versicherte,
vertreten durch Rechtsanwalt A. Rufener, am 8. Mai 2012 Einwand, worin er die
Zusprache einer Hilflosenentschädigung mittleren Grades sowie eines
Intensivpflegezuschlags beantragte (act. G 4.36). Am 29. Mai 2012 verfügte die IV-
Stelle entsprechend dem Vorbescheid (act. G 4.37).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 29. Mai 2012 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 2. Juli 2012. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen -
mindestens eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades sowie ein
Intensivpflegezuschlag - auszurichten. Zur Begründung bringt der Rechtsvertreter vor,
der Beschwerdeführer weise gemäss Abklärungsbericht der Beschwerdegegnerin vom
16. Februar 2012 den Entwicklungsstand eines ungefähr einjährigen Kinds auf. Es liege
auf der Hand, dass der Mehrbetreuungsaufwand eines einjährigen gegenüber einem
ordentlich entwickelten fünfjährigen Kind, das bereits im ersten Kindergartenjahr sei,
mindestens vier Stunden täglich betrage. Der Beschwerdeführer könne sich weder an-
noch auskleiden; kenne nicht die Bedeutung der Kleider; sei nicht in der Lage, ohne
Hilfe zu essen; das Trinken sei ihm nur mit Trinkhilfe möglich; trage noch Windeln;
könne sich nicht waschen und ohne Hilfe keine sozialen Kontakte mit Gleichaltrigen
pflegen (act. G 1).
B.b Der zuständige Fachbereich nahm am 20. August 2012 Stellung zur Beschwerde
und hielt am bisher vertretenen Standpunkt fest (act. G 4.45). In der
Beschwerdeantwort vom 24. September 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Eine erhebliche Dritthilfe bei der Körperpflege könne erst
ab dem 6. Altersjahr Berücksichtigung finden. Betreffend die Fortbewegung und die
Pflege der sozialen Kontakte sei ein krankheitsbedingter Mehraufwand im Vergleich zu
gleichaltrigen gesunden Kindern nicht ausgewiesen. Hinsichtlich des Anspruchs auf
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einen Intensivpflegezuschlag habe der Fachbereich in der Stellungnahme vom
20. August 2012 dargelegt, dass selbst bei grosszügiger Berechnung ein Mehraufwand
von lediglich knapp zwei Stunden resultiere (act. G 4).
B.c In der Replik hält der Beschwerdeführer an den Beschwerdeanträgen fest.
Ergänzend wird um die Durchführung einer mündlichen Verhandlung ersucht, da sich
die geschilderten Einschränkungen nicht anhand der Akten beurteilen liessen. Ferner
sei durch einen unabhängigen Sachverständigen der tägliche Pflegeaufwand zu
beurteilen (act. G 11).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 13).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Hilflosenentschädigung für Minderjährige sowie einen Intensivpflegezuschlag
umstritten.
2.
2.1 Versicherte, die hilflos sind, haben Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
(Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).
Als hilflos gilt, wer wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Für die Annahme von Hilflosigkeit in
einer mehrere Teilfunktionen umfassenden Lebensverrichtung genügt es, wenn die
versicherte Person in Bezug auf eine dieser Funktionen regelmässig in erheblicher
Weise auf (direkte oder indirekte) Dritthilfe angewiesen ist. Eine blosse Erschwerung
oder verlangsamte Vornahme von Lebensverrichtungen vermag nicht bereits eine
Hilflosigkeit zu begründen (Urteil des Bundesgerichts vom 22. August 2012,
9C_373/2012, E. 4.2 mit Hinweisen). Bei der Bemessung der Hilflosigkeit ist zwischen
schwerer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit zu unterscheiden (Art. 42 Abs. 2 IVG;
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Art. 37 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]); zur
Bestimmung des Hilflosigkeitsgrades sind nach der Rechtsprechung (BGE 121 V 90
E. 3a) die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend: Ankleiden,
Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichten der
Notdurft; Fortbewegung (im oder ausser Haus) und Kontaktaufnahme (BGE 127 V 97
E. 3c, 125 V 303 E. 4a).
2.2 Die Hilflosigkeit gilt als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist.
Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden
Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 IVV). Gemäss Art. 37
Abs. 2 IVV gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der
Abgabe von Hilfsmitteln: a. in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (was
rechtsprechungsgemäss erfüllt ist, wenn eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens
4 alltäglichen Lebensverrichtungen besteht; BGE 121 V 90 E. 3b und Urteil des
Bundesgerichts vom 5. März 2009, 8C_912/2008, E. 3.2.1); b. in mindestens zwei
alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c. in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter und
überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinn von Art. 38 IVV, welche
volljährigen Personen vorbehalten ist, angewiesen ist. Die Hilflosigkeit gilt als leicht,
wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln (Art. 37 Abs. 3 IVV): a. in
mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise
auf die Hilfe Dritter angewiesen ist; b. einer dauernden persönlichen Überwachung
bedarf; c. einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders
aufwendigen Pflege bedarf; d. wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines
schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher
Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder e. dauernd auf
lebenspraktische Begleitung im Sinn von Art. 38 IVV angewiesen ist. Bei Minderjährigen
ist nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu
nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (Art. 37 Abs. 4
IVV).
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2.3 Das Ausmass der persönlichen Hilflosigkeit ist für die Höhe der
Hilflosenentschädigung massgebend. Die monatliche Entschädigung beträgt bei
schwerer Hilflosigkeit 80%, bei mittelschwerer Hilflosigkeit 50% und bei leichter
Hilflosigkeit 20% des Höchstbetrags der Altersrente nach Art. 34 Abs. 3 und 5 des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10);
die Entschädigung für minderjährige Versicherte berechnet sich pro Tag (Art. 42
Abs. 1 IVG).
2.4 Gemäss Art. 42 Abs. 3 IVG wird die Hilflosenentschädigung für Minderjährige, die
zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, um einen Intensivpflegezuschlag erhöht;
dieser Zuschlag wird nicht gewährt bei einem Aufenthalt im Heim. Der monatliche
Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsbedingten Betreuungsaufwand von
mindestens acht Stunden pro Tag 60%, bei einem solchen von mindestens sechs
Stunden pro Tag 40% und bei einem solchen von mindestens vier Stunden pro Tag
20% des Höchstbetrags der Altersrente nach Art. 34 Abs. 3 und 5 des Bundesgesetzes
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10). Der Zuschlag
berechnet sich pro Tag. Der Bundesrat regelt im Übrigen die Einzelheiten. Gestützt auf
diese Delegationsnorm hat der Verordnungsgeber in Art. 39 Abs. 1 IVV festgehalten,
eine intensive Betreuung liege bei Minderjährigen vor, wenn diese im
Tagesdurchschnitt infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von
mindestens vier Stunden benötigen. Anrechenbar als Betreuung ist der Mehrbedarf an
Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen
gleichen Alters. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete
medizinische Massnahmen, die durch medizinische Hilfspersonen vorgenommen
werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Art. 39 Abs. 2 IVV).
2.5 Zur Beurteilung der Frage, ob eine versicherte Person zufolge beeinträchtigter
Gesundheit hilflos ist, ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen
medizinischer Fachperson und Verwaltung erforderlich. Erstere hat anzugeben,
inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch
das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle weitere
Abklärungen vornehmen. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen
oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die
medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Des Weiteren sind
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die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende
Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich
muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden
persönlichen Überwachung und der Pflege sein. Schliesslich hat er in
Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. März 2012, 9C_428/2011, E. 2 mit Hinweisen). Diese
Rechtsprechung gilt entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem
Aspekt des Intensivpflegezuschlags (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juli 2012,
8C_756/2011, E. 3.2).
3.
Bei der Würdigung des Abklärungsberichts entstehen vorab Zweifel, ob dieser auf einer
medizinisch hinreichend untersuchten Grundlage beruht.
3.1 So finden sich keine medizinischen Einschätzungen bezüglich des vom Vater des
Beschwerdeführers vorgebrachten (act. G 4.4-4 f.) und von Dr. B._ bestätigten (act.
G 4.5) fehlenden Schmerzempfindens. Dies erscheint umso weniger nachvollziehbar,
als die zuständige Früherzieherin von einer Körperwahrnehmungsstörung sprach (act.
G 4.13) und der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im Schreiben vom 24. Januar
2012 u.a. auf die Person des behandelnden Kinderneurologen hinwies (act. G 4.17).
Gerade mit Blick auf die vorliegend u.a. interessierenden Fragen nach der
Überwachungsbedürftigkeit - und damit verbunden nach der Fähigkeit des
Beschwerdeführers zur Gefahrenerkennung und -einschätzung - sowie der Pflege der
sozialen Kontakte durfte die neurologische Situation nicht ungeklärt bleiben. Des
Weiteren bedarf die Aussage des Vaters des Beschwerdeführers, dieser lebe "in seiner
eigenen Welt" (act. G 4.4-6) einer medizinischen Einordnung. Mit diesem Hintergrund
und dem Hinweis der Früherzieherin, der Beschwerdeführer sei "in allen Bereichen der
Entwicklung extrem zurückgeblieben" (act. G 4.13-2), lässt sich im Übrigen die Angabe
der Abklärungsperson nicht vereinbaren, es lägen kognitiv keine Defizite vor (act.
G 4.22-1), zumal unklar bleibt, worauf sie diese - nicht in den Vorakten enthaltene -
Erkenntnis stützte. Dieser Umstand erweckt den Eindruck, dass die Abklärungsperson
nicht den gesamten relevanten medizinischen Umständen Rechnung getragen hat.
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3.2 Hinzu kommt, dass auch hinsichtlich der Atemprobleme und der Behandlung mit
einem Inhalationsgerät (vgl. hierzu act. G 4.22-7) keinerlei medizinische Erkenntnisse
aus den Akten gewonnen werden können, womit sich namentlich die Frage nach dem
Aufwand für therapeutische Massnahmen nicht rechtsgenüglich beantworten lässt. Der
Einsatz des Inhalationsgeräts wurde denn auch gar nie näher "thematisiert" (act.
G 4.45). Auch dieser für die Hilfsbedürftigkeit allenfalls wesentliche Aspekt erweist sich
damit als noch medizinisch abklärungsbedürftig.
3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der medizinische Sachverhalt hinsichtlich der
Frage nach der Hilfsbedürftigkeit als nicht genügend abgeklärt, weshalb es an den
erforderlichen Grundlagen für die Beurteilung der Ansprüche auf eine
Hilflosenentschädigung und einen Intensivpflegezuschlag fehlt. Hinsichtlich des
Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung ist zu bemerken, dass ein
invaliditätsbedingter Bedarf an wesentlicher Dritthilfe in den Bereichen An- und
Auskleiden, Essen sowie Verrichten der Notdurft unbestritten ist. Was die Aspekte der
Fortbewegung bzw. der Pflege gesellschaftlicher Kontakte und der Körperpflege
anbelangt, so besteht vorliegend kein Anlass, von dem im KSIH vertretenen Grundsatz
abzuweichen, wonach ein invaliditätsbedingter wesentlicher Bedarf an Dritthilfe erst mit
sechs Jahren angerechnet werden kann (Anhang III, S. 185 f.). Abklärungsbedürftig ist
jedoch auch hier die Frage des Bedarfs einer dauernden und erheblichen
Überwachung. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
sie zunächst den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung
des gesamten Leidensbilds, insbesondere neurologisch/neuropädiatrisch, abkläre und
hernach erneut eine Abklärung an Ort und Stelle zur Beurteilung der Hilfsbedürftigkeit
durchführe sowie neu über die Ansprüche auf Hilflosenentschädigung und
Intensivpflegezuschlag verfüge. Da sich die Sache als noch nicht spruchreif erweist
und sie an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer insbesondere auch
medizinischer Abklärungen zurückzuweisen ist, erübrigt sich die Durchführung der vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragten mündlichen Verhandlung (act.
G 11, S. 1).
3.4 Der Vollständigkeit halber ist hinsichtlich der neuen Abklärung an Ort und Stelle
darauf hinzuweisen, dass die im Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung (KSIH; in der vorliegend ab 1. Januar 2012 gültigen Fassung)
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enthaltenen Richtlinien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit bei
Minderjährigen "Orientierungswerte" enthalten, "die nicht in jedem Fall absolut
anzuwenden sind". In diesem Sinn sind die Richtlinien flexibel zu handhaben (KSIH,
Anhang III, S. 183). Insbesondere fällt bei Erethismus (gesteigerte Erregbarkeit und
Aktivität mit Bewegungsunruhe; vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,
260. Auflage, Berlin 2004, S. 519) und ähnlichen Zuständen eine persönliche
Überwachungsbedürftigkeit bereits vor dem 6. Altersjahr in Betracht (KSIH, S. 187). Ob
ein solcher bzw. gleichgearteter Zustand beim Beschwerdeführer tatsächlich vorliegt,
wofür Hinweise in den Akten bestehen (vgl. vorstehende E. 3.1), und welche
Auswirkung ihm hinsichtlich der Hilfs- bzw. Überwachungsbedürftigkeit zukommt, wird
sich erst im Rahmen der noch vorzunehmenden medizinischen Abklärungen zeigen.
Schliesslich wird die zu beauftragende Abklärungsperson zu beachten haben, dass
bezüglich der Hilfsbedürftigkeit trotz der im Anhang III KSIH geregelten Richtwerte
allein massgebend ist, ob gegenüber gesunden Kindern gleichen Alters tatsächlich ein
Mehraufwand besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2012, 9C_428/2011,
E. 3.4 mit Hinweis darauf, dass sich dieser Grundsatz auch aus dem KSIH ergebe).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 29. Mai 2012 in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung im
Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
bis
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Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom
29. Mai 2012 aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung im Sinn der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
2. Die Beschwerdegegnerin bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von
Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
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2021-09-19T12:08:16+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen