Decision ID: 1b53d40b-1df9-4965-9cf5-326b57afcde0
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 24. November 2008 erstmals zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie hatte sich am 28. November 2007 beim
Treppensteigen infolge eines Fehltritts das Knie rechts verdreht. Dabei hatte sie sich
einen Hinterhornlappenriss im medialen Meniskus rechts zugezogen. Am 18. Februar
2008 war eine arthroskopische Hinterhornteilresektion mit Knorpeldébridement des
medialen Femurkondylus und der Trochlea rechts durchgeführt worden (vgl. IV-act.
9-7, 17-25 f., Fremdakten 4 f.). Der behandelnde Arzt der Klinik B._ hatte am 23.
Oktober 2008 über eine kombinierte Restmeniskus-Läsion medial Knie rechts mit
medialbetonter beginnender Gonarthrose und eine leichte depressive Reaktion
berichtet. Als Raumpflegerin sei die Versicherte weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig (IV-
act. 9-3 f.).
A.a.
Vom 11. März bis 1. Mai 2009 war die Versicherte in ambulanter psychiatrischer
Behandlung in der C._ AG. Der zuständige Oberarzt berichtete am 17. Mai 2009
unter anderem über eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10: F32.11; IV-act. 23-20 f.).
A.b.
Eine Röntgenuntersuchung vom 7. Mai 2009 hatte eine fortgeschrittene mediale
Gonarthrose sowie Binnensignalstörungen des Meniskuscorpus und des Hinterhorns
ergeben (IV-act. 23-19). Dr. med. D._, Neurologie FMH, Spital E._, berichtete am
30. Juni 2009 über ein unspezifisches Kopfschmerz-Syndrom (Differentialdiagnose:
somatoformes Schmerzsyndrom bei Depression; IV-act. 23-8 f.). Ein am 9. Juni 2009
durchgeführtes CT des Schädels war unauffällig gewesen (IV-act. 23-11).
A.c.
Am 21. August 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es seien derzeit keine
Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 28).
A.d.
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Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva), welche als
Unfallversicherung für die Folgen des Unfalls vom 28. November 2007 aufgekommen
war (vgl. Fremdakten 84), sprach der Versicherten mit Verfügung vom 11. Dezember
2009 ab 1. Dezember 2009 eine Rente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 10 % und eine
Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 20 % zu
(Fremdakten 87). Die von der Versicherten dagegen erhobene Einsprache (vgl.
Fremdakten 92) hiess die Suva mit Entscheid vom 12. Februar 2010 insofern gut, als
sie ihr mit Wirkung ab 1. Dezember 2009 eine Rente basierend auf einer
Erwerbsunfähigkeit von 11 % zusprach. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab
(Fremdakten 97, eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wies das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ab; vgl. Fremdakten 103, 111, 124 f.).
A.e.
Am 30. Dezember 2009 hatte die Versicherte durch einen Fehltritt beim Gehen ein
Valgisationstrauma am linken Knie erlitten. Dr. med. F._, Orthopädische Chirurgie
FMH, Klinik G._, hatte eine Kapselbandzerrung diagnostiziert und eine funktionelle/
konservative Therapie eingeleitet (IV-act. 33-7).
A.f.
Wegen einer Cephalgie rechts temporal befand sich die Versicherte vom 27. bis
30. Juni 2010 sowie vom 27. Juli bis 4. August 2010 stationär im Spital E._. Die dort
zuständigen Ärztinnen berichteten am 14. August 2010 über einen Analgetika-
induzierten Kopfschmerz, ein Ulcus duodeni (Erstdiagnose Juni 2010), eine depressive
Entwicklung und eine beginnende femoropatellar-betonte Gonarthrose beidseits (IV-
act. 87-3 ff., 90-3 ff.).
A.g.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte im Mai 2011 durch Ärzte der Medas
Ostschweiz bidisziplinär (orthopädisch, psychiatrisch) abgeklärt. Diese listeten in ihrem
Gutachten vom 21. Juli 2011 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine rezidivierende depressive Störung, beginnende chronifizierte Symptomatik in
leicht- bis mittelgradiger Ausprägung (ICD-10: F33.8), akzentuierte Persönlichkeitszüge
mit histrionischen Anteilen (ICD-10: Z73.1), beidseitige Knieschmerzen und ein
cervicolumbales Schmerzsyndrom auf. Die angestammte Tätigkeit als
Reinigungsfachfrau sei ihr nicht mehr zumutbar. Aus somatischer Sicht sei eine
adaptierte Tätigkeit zu 100 % möglich, aus psychiatrischer Sicht bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 30 bis 40 % (IV-act. 58).
A.h.
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Mit Verfügung vom 4. November 2011 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren bei
einem Invaliditätsgrad von 33 % ab (IV-act. 65).
A.i.
Die mittlerweile anwaltlich vertretene Versicherte reichte am 3. Februar 2012 beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen eine Beschwerde ein und machte geltend,
die IV-Stelle habe ihre nach der Verfügung vom 4. November 2011 zugesandten
Schreiben und Arztberichte (vgl. IV-act. 67, 73, 77 ff.) in rechtswidriger Weise als
Neuanmeldung entgegengenommen (vgl. IV-act. 74), statt diese zuständigkeitshalber
als Beschwerde an das Versicherungsgericht weiterzuleiten. Sie bitte daher um
Entgegennahme der Beschwerde und beantrage die Zusprache einer ganzen
Invalidenrente (IV-act. 95; vgl. Beschwerdeergänzung, IV-act. 105-7 ff.). Mit Entscheid
vom 26. Februar 2015 trat das Versicherungsgericht auf die als verspätet betrachtete
Beschwerde nicht ein (IV-act. 122). Das Bundesgericht hiess die dagegen von der
Versicherten erhobene Beschwerde (vgl. IV-act. 125) mit Entscheid vom 21. September
2015 gut und wies die Sache zur materiellen Behandlung an das Versicherungsgericht
zurück (IV-act. 128). Dieses wies die Beschwerde mit Entscheid vom 27. Oktober 2015
ab (IV-act. 132). Die dagegen von der Versicherten erhobene Beschwerde (vgl. IV-act.
135) wies das Bundesgericht mit Entscheid vom 7. April 2016 ab (IV-act. 136).
A.j.
Wegen einer Schmerzexazerbation hatte sich die Versicherte vom 6. bis 14.
Oktober 2013 im Spital E._ befunden, wo am 11. Oktober 2013 eine
Kniearthroskopie links durchgeführt worden war (IV-act. 117-3 ff., 224-75 f.). Ab 17.
Oktober 2013 war die Versicherte in Behandlung bei Dr. phil. H._, Fachpsychologin
FSP, gewesen. Diese hatte in ihrem Bericht vom 24. April 2014 als Diagnosen eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), eine andauernde Persönlichkeitsänderung
nach Extrembelastungen (ICD-10: F62.0), Albträume (ICD-10: F51-5), psychologische
Faktoren und Verhaltensfaktoren bei diversen somatischen Beschwerden (ICD-10: F54)
sowie den Verlust des Arbeitsplatzes und Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z65) festgehalten.
Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte auch langfristig im ersten Arbeitsmarkt
kaum mehr arbeitsfähig sein werde (IV-act. 120).
A.k.
Mit Schreiben vom 18. und 21. Juli 2016 sowie 2. August 2016 reichte die
Versicherte der IV-Stelle Berichte von Dr. med. I._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH,
A.l.
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von Dr. phil. H._ sowie von Dr. med. J._, Fachärztin für Neurologie FMH, ein und
ersuchte um Fortsetzung des während der Gerichtsverfahren sistierten (vgl. IV-act. 94,
102) Neuanmeldungsverfahrens (IV-act. 143 ff.). RAD-Ärztin Dr. med. K._ befand am
15. August 2016, im Vergleich zur Medas Begutachtung vom Juli 2011 lasse sich keine
substantielle Veränderung des Gesundheitszustandes feststellen (IV-act. 149). Gestützt
darauf stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 18. August 2016 das
Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in Aussicht (IV-act. 151). Dagegen erhob die
Versicherte Einwand (IV-act. 155; vgl. zur Begründung des Einwands und zum
Einreichen weiterer Arztberichte, IV-act. 157 ff.). Nach Einholen einer weiteren
Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr. K._ (vgl. IV-act. 160) trat die IV-Stelle mit
Verfügung vom 4. Januar 2017 nicht auf das Leistungsbegehren ein (IV-act. 161). Mit
Entscheid vom 19. März 2018 hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
die angefochtene Verfügung vom 4. Januar 2017 in Gutheissung der von der
Versicherten erhobenen Beschwerde (vgl. IV-act. 163) auf und wies die Sache zur
Durchführung des Verwaltungsverfahrens an die IV-Stelle zurück (IV-act. 190).
Für den Fall, dass das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die
Beschwerde gegen die Verfügung vom 4. Januar 2017 nicht gutheissen und ihr keine
ganze Invalidenrente zusprechen würde, hatte die Versicherte am 6. Februar 2017 bei
der IV-Stelle ein neues Gesuch um Ausrichtung von Leistungen bzw. ein
Revisionsgesuch gestellt (IV-act. 162).
A.m.
Am 27. Februar 2017 war der Versicherten in der Klinik G._ eine
Knietotalprothese rechts eingesetzt worden (vgl. IV-act. 175-1 ff., 207-17 f.). Vom 4. bis
31. März 2017 hatte sie sich sodann stationär im Rehazentrum L._ befunden (IV-act.
175-4 f., 207-25 ff.). Vom 4. bis 22. Dezember 2018 war die Versicherte zudem
stationär in der Rehaklinik M._ (IV-act. 224-77 ff.).
A.n.
Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. IV-act. 208) wurde die Versicherte im Dezember 2018
und Januar 2019 durch Ärzte der Medas Interlaken GmbH polydisziplinär (internistisch,
orthopädisch, psychiatrisch) abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 17. April 2019 listeten
diese als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine chronifizierte
mittelgradige Depression (ICD-10: F32.1), akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
histrionischen Anteilen (ICD-10: Z73.1), eine anhaltende Schmerzstörung (ICD-10:
A.o.
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B.
F45.4), ein chronisches Ganzkörper-Schmerzsyndrom mit Diskrepanz zwischen den
somatischen Befunden und den erlebten Schmerzen (ICD-10: M79.00), eine Adipositas
(ICD-10: E66.-), eine Varus-Arthrose der oberen Sprunggelenke (OSG) beidseits
(ICD-10: M19.07) und einen Status nach Knietotalprothesen-Implantation rechts auf.
Als Reinigungsmitarbeiterin bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, in einer
adaptierten Tätigkeit eine solche von 50 % seit dem Gutachtenszeitpunkt (IV-act. 224).
Die zuständigen RAD-Ärzte befanden, das Gutachten entspreche im Wesentlichen den
geltenden versicherungsmedizinischen Kriterien (vgl. IV-act. 239 f., 242).
Dr. phil. H._ attestierte der Versicherten am 23. September 2019 weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % (IV-act. 235-2 ff.)
A.p.
Mit Vorbescheid vom 3. Dezember 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, da eine erhebliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes seit der letzten rechtskräftigen Verfügung nicht
rechtsgenüglich feststehe und aus juristischer Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit auszugehen sei (IV-act. 245).
A.q.
Dagegen erhob die Versicherte am 17. Dezember 2019 Einwand (IV-act. 247; vgl.
auch IV-act. 254, 257).
A.r.
Am 18. Mai 2020 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-act.
259).
A.s.
Nachdem die Versicherte der Suva einen Rückfall gemeldet und diese
entsprechende Versicherungsleistungen - insbesondere die Prothesenversorgung des
Knies rechts - übernommen hatte (vgl. Fremdakten 164, 167), erhöhte die Suva die
Integritätsentschädigung mit Verfügung vom 12. Juni 2019 von 20 % auf 30 %. Den
Anspruch auf eine Invalidenrente prüfte sie bei gleichbleibendem Zumutbarkeitsprofil
nicht erneut (Fremdakten 240). Die von der Versicherten dagegen erhobene Einsprache
wies die Suva mit Entscheid vom 22. Juni 2020 ab (Fremdakten 241).
A.t.
Gegen die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 18.
Mai 2020 hatte die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 18. Juni 2020
B.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der von der
Beschwerdeführerin wieder angemeldete Rentenanspruch (vgl. IV-act. 67, 95, 143).
Beschwerde erhoben. Sie hatte darin beantragt, die Verfügung sei aufzuheben und es
seien ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Rente, zu erbringen.
Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten zu erstellen. Subeventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. In
verfahrensmässiger Hinsicht hatte sie beantragt, es sei ein zweiter Schriftenwechsel
sowie eine öffentliche Verhandlung durchzuführen. Weiter sei ihr die unentgeltliche
Rechtspflege zu bewilligen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). Sie
hatte unter anderem einen Bericht der Klinik N._ vom 24. Februar 2020 eingereicht
(act. G1.3).
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 11. August 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G7).
B.b.
Mit Replik vom 17. September 2020 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest (act. G12).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin liess die Frist zur Einreichung einer Duplik unbenützt
ablaufen (act. G13, G16).
B.d.
Die Verfahrensleitung wies das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche
Rechtspflege und -verbeiständung am 7. Oktober 2020 ab (act. G15).
B.e.
Am 7. Dezember 2020 reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht der Klinik
N._ vom 30. November 2020 ein (act. G17, G17.1).
B.f.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach
1.1.
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zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50 % vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % auf eine Viertelsrente.
Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss, BGE 117 V 282 E. 4.a).
1.2.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
1.3.
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2.
Als Erstes ist die Frage zu klären, ob die medizinische Situation und die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich abgeklärt wurden. Die angefochtene
Verfügung der Beschwerdegegnerin beruht vorwiegend auf den Stellungnahmen ihres
Rechtsdienstes vom 26. November 2019 und 18. Mai 2020 (vgl. IV-act. 242, 258).
Dieser wich aus rechtlichen Gründen von der Beurteilung der Medas-Gutachter vom
24. April 2019 ab (IV-act. 224). Die Beschwerdeführerin kritisiert dieses Vorgehen und
verweist insbesondere auf die Einschätzungen der Medas-Gutachter und von Dr. phil.
H._ (act. G1). Die Beschwerdegegnerin stellt sich unter anderem auf den Standpunkt,
es sei keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten und die
Revisionsvoraussetzungen seien damit nicht erfüllt. Wie sich nachfolgend ergibt, kann
offenbleiben, ob bei der vorliegenden Neuanmeldung die Revisionsvoraussetzungen
von Art. 17 ATSG analog zu prüfen sind. Ebenfalls offenbleiben kann der umstrittene
Zeitpunkt der Neuanmeldung bzw. des frühestmöglichen Rentenbeginns (vgl. act. G1,
G7, G12). Dies, zumal eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes und ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad erst ab dem Zeitpunkt der psychiatrischen
Medas-Teilbegutachtung im Dezember 2018 rechtsgenüglich nachgewiesen sind.
3.
Vorerst ist die Entwicklung des somatischen Gesundheitszustandes zu prüfen.
In ihrer rentenabweisenden Verfügung vom 4. November 2011 stützte sich die
Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das Gutachten der
Medas Ostschweiz vom 21. Juli 2011 (IV-act. 58, 65). Die dort abklärenden Ärzte hatten
in somatischer Hinsicht als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
beidseitige Knieschmerzen und ein cervicolumbales Schmerzsyndrom aufgelistet. Die
angestammte Tätigkeit als Reinigungsfachfrau sei der Beschwerdeführerin nicht mehr
zumutbar. Aus somatischer Sicht sei eine adaptierte Tätigkeit (körperlich leicht,
wechselbelastend, ohne Kniezwangspositionen, ohne Hocken, ohne Heben schwerer
Gegenstände von mehr als 10 kg, ohne repetitives Leiter- und Treppensteigen)
hingegen zu 100 % möglich (IV-act. 58).
3.1.
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Infolge der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin und des
Rückweisungsentscheids des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19.
März 2018 (vgl. IV-act. 190) veranlasste die Beschwerdegegnerin eine Begutachtung
bei der Medas Interlaken GmbH (vgl. Gutachten vom 24. April 2019; IV-act. 224).
3.2.
Der internistische Teilgutachter Dr. med. O._, Facharzt FMH Allgemeine Innere
Medizin, hielt als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
Ganzkörperschmerzsyndrom mit Diskrepanz zwischen den somatischen Befunden und
den erlebten Schmerzen und fehlender Verbesserung durch invasive Behandlungen
oder operative Eingriffe, degenerative Gelenksveränderungen der Halswirbelsäule
(HWS), der Lendenwirbelsäule (LWS), der AC-Gelenke beidseits, des
Daumengrundgelenks rechts, der DIP-Gelenke der Zeigefinger beidseits, der
Kniegelenke beidseits, der OSG beidseits und der Metatarsophalangeal-Gelenke I
beidseits sowie eine Adipositas fest (IV-act. 224-61). Es bestünden diverse
Diskrepanzen, unter anderem zwischen den Bagatell-Traumata an den Knien und den
invalidisierenden Beschwerden. Zudem bestehe eine Inkonsistenz beim Gehen mit
Krücken, ohne diese wirklich zu gebrauchen. Widersprüchlich seien auch die
Schulterbeweglichkeit und der Umfang der Kopfrotation in unterschiedlichen
Untersuchungssituationen. Gegenwärtig seien die körperlichen Fähigkeiten massiv
eingeschränkt, was aus somatischer Sicht aber nicht vollständig erklärbar sei.
Ressourcen schienen keine mehr vorhanden zu sein, obschon das soziale Umfeld die
Beschwerdeführerin sehr stütze. Aus rein allgemein-internistischer Sicht - ohne
Berücksichtigung der Beschwerden am Bewegungsapparat - könne keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden (IV-act. 224-63).
3.2.1.
In Übereinstimmung damit führten die orthopädischen Teilgutachter Dr. med.
P._ und Dr. med. Q._, beide Fachärzte FMH Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, aus, die Beschwerdeführerin leide unter
einer Varusgonarthrose OSG beidseits, einem Status nach
Knietotalprothesenimplantation rechts am 27. Februar 2017 und temporär einer
Tendinitis calcarea Schulter links, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Auch sie
hielten fest, es bestehe seit Jahren eine Diskrepanz zwischen den objektiven
somatischen, gelenkspezifischen Befunden sowie der Einschränkung und dem
Leidensdruck der Beschwerdeführerin. Alle ambulanten und stationären Massnahmen
hätten nur unzureichende Erfolge gezeigt. Auch durch eine rheumatologische
Abklärung habe keine systemische Erkrankung diagnostiziert werden können. Auf
Grundlage der objektiven Befunde sei daher von orthopädischer Seite die
Arbeitsfähigkeit auch nur geringgradig eingeschränkt. In der zuletzt ausgeübten
3.2.2.
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4.
Weiter zu prüfen ist der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
Verlauf.
Tätigkeit (Reinigungskraft) bestehe sicher seit der Implantation der Knieprothese eine
Arbeitsfähigkeit von 50 %. In einer adaptierten Tätigkeit (keine Zwangspositionen mit
Knien oder Kauern, kein unebenes Gelände, wechselbelastende Tätigkeit, kein Heben
von mehr als 10 kg, vorübergehend keine Überkopfarbeiten bei Tendinitis calcarea
links) bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Der zeitliche Verlauf dieser
Arbeitsfähigkeit sei bezüglich der Knie gleichbleibend, für die OSG Arthrosen ebenfalls
gleichbleibend, gegebenenfalls temporär verschlechternd. Die Beschwerden der
Schultern, der HWS und LWS seien möglicherweise verbessernd (IV-act. 224-126 ff.).
Insgesamt ist damit davon auszugehen, dass sich bei den somatischen
Beschwerden seit der Verfügung vom 4. November 2011 keine anhaltende relevante
Veränderung in Bezug auf die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ergeben hat. Der
Beschwerdeführerin wurde zwar aufgrund der leicht fortgeschrittenen Arthrose am 27.
Februar 2017 eine Knietotalprothese rechts eingesetzt und es traten weitere
degenerative Veränderungen am Bewegungsapparat auf (vgl. IV-act. 175-1 ff., 224-5).
Die Beschwerdeführerin war jedoch gemäss der überzeugenden Beurteilung der
somatischen Medas-Gutachter weiterhin in der Lage, eine adaptierte Tätigkeit in einem
Pensum von 100 % auszuüben (IV-act. 224).
3.3.
Der psychiatrische Teilgutachter der Medas Ostschweiz, Dr. med. R._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt in seinem Gutachten vom 21. Juli 2011 als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive
Störung, beginnende chronifizierte Symptomatik in leicht- bis mittelgradiger
Ausprägung (ICD-10: F33.8), sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen
Anteilen (ICD-10: Z73.1) fest. In der angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft wie
auch in einer adaptierten Tätigkeit sei derzeit eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 30 bis 40
% ausgewiesen. Ideal adaptiert seien einfache Tätigkeiten, die keine besonders hohen
Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz, die Konzentrationsfähigkeit und
die Ausdauer stellten (IV-act. 58-20). Nach einer entsprechenden Stellungnahme von
RAD-Ärztin Dr. K._ (vgl. IV-act. 59) ging die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung
vom 4. November 2011 von einer Arbeitsunfähigkeit von 35 % in einer adaptierten
Tätigkeit aus und errechnete einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 33
% (IV-act. 65).
4.1.
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4.2.
Der psychiatrische Teilgutachter der Medas Interlaken GmbH, PD Dr. med.
S._, befand am 22. Januar 2019, die Beschwerdeführerin habe eine depressive
Symptomatik entwickelt, welche inzwischen chronifiziert und von mittelgradigem
Schweregrad sei. Zudem bestehe eine anhaltende Schmerzstörung, da die Schmerzen
der Beschwerdeführerin nicht durch die somatischen Befunde erklärbar seien. Es
zeigten sich histrionische Züge in der Persönlichkeit. Die Beschwerdeführerin habe
Schwierigkeiten im täglichen Leben, könne Dinge wie Haushalt, Kochen und Putzen
nicht mehr alleine und selbständig durchführen. Sie habe sich über die Jahre vom
sozialen Leben weitgehend zurückgezogen. Eine Ressource seien ihre Familie und ihre
Kinder, welche sie stark unterstützten. Die Angaben der Beschwerdeführerin seien
konsistent und plausibel nachvollziehbar. Die mittelgradige depressive Symptomatik
bestehe wohl seit Jahren in etwa gleicher Ausprägung. Die beklagten Beschwerden
seien inzwischen im Rahmen einer anhaltenden Schmerzstörung zu erklären. Derzeit
bestehe aus psychiatrischer Sicht in der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 60 %. Es sei schwierig, die Arbeitsfähigkeit seit 2011
vom Verlauf her zu beurteilen. Er gehe jedoch davon aus, dass sich die Arbeitsfähigkeit
langsam, schrittweise weiter reduziert habe (IV-act. 224-93 ff.). Im interdisziplinären
Konsens attestierten die Gutachter der Medas Interlaken der Beschwerdeführerin in
einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Durch die chronifizierte
Depression und die anhaltende Schmerzstörung habe sich die Arbeits- und
Leistungsfähigkeit seit dem August 2011 (Medas-Gutachten St. Gallen) leicht
verschlechtert. Sie könnten retrospektiv nicht beurteilen, wann diese Verschlechterung
eingetreten sei, weshalb ihre Beurteilung ab dem Gutachtenszeitpunkt, mithin ab dem
24. April 2019, gelte (vgl. IV-act. 224-9).
4.2.1.
RAD-Ärztin Dr. K._ befand am 23. Mai 2019, das polydisziplinäre Gutachten
der Medas Interlaken sei umfassend sowie sorgfältig erstellt und konstatiere insgesamt
eine leichte Verschlechterung und weitere Chronifizierung der vorbestehenden Leiden
unter anhaltender körperlicher Schonung und unzureichender psychiatrischer Therapie.
Die Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit sei dementsprechend etwas tiefer
ausgefallen als im Vorgutachten von 2011. PD Dr. S._ nenne Therapieoptionen zur
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit. In der Diskussion der Belastungsfaktoren und
Ressourcen stünden die langjährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, das Alter und die
mangelnde Berufsbildung sowie der soziale Rückzug bei chronifiziertem Leiden den
lediglich geringen körperlichen Einschränkungen, dem guten familiären Rückhalt und
dem sekundären Krankheitsgewinn durch die vollständige Entlastung von
4.2.2.
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Haushaltsaufgaben gegenüber. Auch die Konsistenzprüfung werfe Fragen auf. Zur
Festlegung des weiteren Vorgehens (Rückfragen, Therapieauflagen) schlage sie eine
interdisziplinäre Besprechung gemeinsam mit dem Rechtsdienst und einem RAD-
Psychiater vor (IV-act. 239). Dieses Gespräch fand am 18. November 2019 statt. Eine
Mitarbeiterin der Beschwerdegegnerin hielt als Besprechungsergebnis fest, aus Sicht
des RAD entspreche das Gutachten im Wesentlichen den geltenden
versicherungsmedizinischen Kriterien. Auflagen seien nicht zielführend. Aus juristischer
Sicht werde die vorliegende Sachlage hinsichtlich der normativen Indikatoren noch
überprüft (IV-act. 240). Demnach liegen keine ärztlichen Beurteilungen vor, welche das
Gutachten der Medas Interlaken, insbesondere das Teilgutachten von PD Dr. S._, in
Frage stellen würden. Die behandelnde Dr. phil. H._ attestierte der
Beschwerdeführerin zwar wiederholt eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für sämtliche
Tätigkeiten. Sie begründete jedoch nicht, weshalb der Beschwerdeführerin gar keine
Arbeit mehr zumutbar sein soll, und äusserte sich nicht zu allfälligen Adaptionskriterien
(vgl. IV-act. 120, 145, 235). Der Bericht von Dr. H._ vom 23. September 2019 steht
insofern im Einklang mit der Beurteilung von PD Dr. S._, als auch diesem eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu entnehmen ist (IV-act. 235).
Ein Mitarbeiter des Rechtsdiensts der Beschwerdegegnerin führte am 26.
November 2019 aus, es stehe nicht rechtsgenüglich fest, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der letzten rechtskräftigen Verfügung
vom 4. November 2011 erheblich verschlechtert habe. Der von PD Dr. S._ erhobene
psychiatrische Befund weiche nicht wesentlich von demjenigen im psychiatrischen
Teilgutachten der Medas Ostschweiz vom 21. Juli 2011 ab (IV-act. 242). Es sind jedoch
insofern Veränderungen erkennbar, als Dr. R._ einen geordneten und kohärenten
formalen Gedankengang festgehalten hatte, PD Dr. S._ diesen jedoch als auf die
Schmerzen und Beschwerden eingeengt beschrieb. Die Grundstimmung war nicht
mehr wie von Dr. R._ festgestellt nur leicht bedrückt, sondern gedrückt und
niedergeschlagen. Zudem berichtete PD Dr. S._ im Gegensatz zu Dr. R._ über
Zukunftsängste und passive Suizidgedanken (IV-act. 58-31, 224-91). Der Mitarbeiter
des Rechtsdiensts führte weiter aus, es falle auf, dass PD Dr. S._ bei der Befundung
teilweise unkritisch auf die Angaben der Beschwerdeführerin abgestellt habe (IV-act.
242). Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass sich ein psychiatrischer Befund immer
in einem gewissen Ausmass auf die Angaben des Patienten abstützt. Zudem führte PD
Dr. S._ testdiagnostische Verfahren durch und verwendete das Beck Depressions-
Inventar II, die Hamilton Depressions-Skala und das Mini-ICF zur Überprüfung seiner
Diagnosen (IV-act. 224-83, 224-92). Der Mitarbeiter des Rechtsdienstes der
4.2.3.
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Beschwerdegegnerin schlussfolgerte, PD Dr. S._ habe lediglich den seit der
Verfügung von 2011 gleichen Gesundheitszustand etwas pessimistischer beurteilt als
der damalige psychiatrische Medas-Teilgutachter Dr. R._. Die Annahme von PD Dr.
S._, dass sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin seit 2011 allmählich
verschlechtert habe, sei auch nicht damit in Einklang zu bringen, dass sich die
Beschwerdeführerin nie (teil-)stationär oder fachpsychiatrisch habe behandeln lassen.
Diese würde mit grosser Wahrscheinlichkeit eine entsprechende Behandlung in
Anspruch nehmen, wenn sie tatsächlich an deutlichen psychischen Beschwerden litte
(IV-act. 242). Die fehlende stationäre Behandlung spricht aber nicht per se gegen eine
relevante psychische Beeinträchtigung, dies insbesondere angesichts der von PD Dr.
S._ erhobenen deutlichen psychischen Beschwerdesymptomatik (IV-act. 224). Die
Beschwerdeführerin befindet sich seit 17. Oktober 2013 in Behandlung bei Dr. phil.
H._ (vgl. IV-act. 120, 145, 235). Diese ist zwar keine Psychiaterin, sondern
Fachpsychologin, hilft aber der Beschwerdeführerin dennoch, mit ihren psychischen
Beschwerden umzugehen und diese zu lindern. Sie spricht zudem die Muttersprache
der Beschwerdeführerin, was für die psychiatrische bzw. psychologische Behandlung
derselben infolge mangelhafter Kenntnisse der deutschen Sprache unerlässlich
erscheint (vgl. IV-act. 145). Auch die Tatsache, dass der Spiegel des der
Beschwerdeführerin verordneten Psychopharmakums Escitalopram anlässlich der
Begutachtung durch die Medas Interlaken deutlich unter dem therapeutischen Bereich
lag (vgl. IV-act. 224-59, 224-81), spricht entgegen der Ansicht des
Rechtsdienstmitarbeiters der Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 242) nicht grundsätzlich
gegen eine massgebliche psychische Beschwerdesymptomatik bzw. einen fehlenden
Leidensdruck. Die wohl ungenügende Compliance könnte auch mit den eher
bescheidenen intellektuellen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin zusammenhängen.
Der Mitarbeiter des Rechtsdienstes führte weiter aus, die Motivation der
Beschwerdeführerin für eine berufliche Eingliederung sei bisher nie gegeben gewesen,
was gegen ein konsistentes Beschwerdebild spreche. Die Beschwerdeführerin sei
zudem nicht sozial isoliert, sondern lebe mit ihrem Ehegatten und drei ihrer Kinder
zusammen, was eine Ressource darstelle. Der im Gutachten der Medas Interlaken
erwähnte soziale Rückzug der Beschwerdeführerin sei daher zu relativieren. Im Übrigen
erfahre die Beschwerdeführerin durch ihre geltend gemachte, aber nicht objektivierbare
Schmerzsymptomatik im Zusammenspiel mit dem relativ zurückgezogenen Leben
einen (nicht invalidisierenden) erheblichen sekundären Krankheitsgewinn, indem sie
nicht mehr arbeiten müsse und auch im Haushalt durch die Familienmitglieder entlastet
werde. Daran habe sich seit dem Gutachten von Dr. R._ nichts geändert. Demnach
4.2.4.
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sei gestützt auf das strukturierte Beweisverfahren im Sinne von BGE 141 V 284 nicht zu
belegen, dass die Beschwerdeführerin an einer ausgeprägten, invalidisierenden
psychiatrischen Erkrankung leide. Die somatische Befundlage sei ebenfalls relativ
unproblematisch, weil die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit voll
arbeitsfähig sei. Es liege somit keine invalidisierende körperliche Komorbidität vor.
Demnach sei aus juristischer Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit auszugehen (IV-act. 242, vgl. auch IV-act. 258). Es ist zwar korrekt, dass die
Beschwerdeführerin mit ihrer Familie zusammenlebt und von dieser unterstützt wird.
PD Dr. S._ hat dies auch als Ressource erkannt (IV-act. 224-93). Die
Beschwerdeführerin gab gegenüber PD Dr. S._ jedoch an, sie habe früher viele
Freunde gehabt, gegenwärtig aber nicht mehr. Sie habe insgesamt keine
nennenswerten Interessen mehr und lebe sehr zurückgezogen (IV-act. 224-88). Aus
dem Gutachten ergibt sich zudem, dass die Beschwerdeführerin sich mehrheitlich in
der Wohnung aufhält und kaum irgendwelchen Aktivitäten nachgeht, auch nicht
innerhalb der Wohnung (IV-act. 224-85). Es ist damit durchaus von einem
massgeblichen sozialen Rückzug auszugehen. Zudem erscheint die
Beschwerdeführerin in sämtlichen Lebensbereichen gleichermassen eingeschränkt (IV-
act. 224-84 ff., 224-92). Entsprechend der überzeugenden Ausführungen von PD Dr.
S._ waren die Angaben und Beschwerden der Beschwerdeführerin konsistent und
plausibel nachvollziehbar (IV-act. 224-94). Es rechtfertigt sich daher nicht, rein gestützt
auf juristische Überlegungen von der Beurteilung von PD Dr. S._ abzuweichen und
von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % auszugehen. Dies auch mit Blick auf die bereits
im Jahr 2011 von Dr. R._ attestierte Arbeitsunfähigkeit von 30 bis 40 % (vgl. IV-act.
58-34) und die von PD Dr. S._ beschriebene Verschlechterung der Beschwerden.
Wie die Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt (act. G1), widerspricht das Vorgehen
der Beschwerdegegnerin zudem der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach
eine losgelöste Parallelüberprüfung der subjektiven ärztlichen Einschätzung durch den
Rechtsanwender nicht zulässig ist (BGE 141 V 281, E. 5.2.3).
Insgesamt ist damit von einer leichten Verschlechterung der psychischen
Beschwerden im Vergleich zum Zeitpunkt der Verfügung vom 4. November 2011
auszugehen. Seit der Begutachtung durch PD Dr. S._ vom 20. Dezember 2018 liegt
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % in einer
adaptierten Tätigkeit vor (IV-act. 224-9 f.). Für den Zeitraum davor ist entsprechend
dem Gutachten der Medas Ostschweiz vom 21. Juli 2011 und der Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 4. November 2011 von einer Arbeitsunfähigkeit von 35 % in
einer adaptierten Tätigkeit auszugehen (IV-act. 58, 65). Eine darüberhinausgehende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist bis zur Begutachtung durch PD Dr. S._ nicht
4.3.
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5.
Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer adaptierten Tätigkeit ist
nachfolgend der Invaliditätsgrad zu bestimmen.
rechtsgenüglich nachgewiesen. Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist eine Voraussetzung
für einen Rentenanspruch, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen
ist. Dieses sogenannte Wartejahr ist vorliegend per 1. Dezember 2018 erfüllt, zumal die
Beschwerdeführerin gemäss der interdisziplinären Beurteilung der Gutachter der
Medas Interlaken GmbH in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin
seit mindestens 2011 zu 100 % arbeitsunfähig war (vgl. IV-act. 224-9). Die Parteien
sind sich - wie erwähnt - uneinig, wann die Neuanmeldung zum Rentenbezug erfolgte.
Als späteste mögliche Zeitpunkte fallen der 18. Juli 2016 oder der 6. Februar 2017 in
Betracht (act. G1, G7, G12, IV-act. 143, 162, 258). Unabhängig davon, welches
tatsächlich der späteste Zeitpunkt wäre, war die sechsmonatige Frist nach Anmeldung
im Sinne von Art. 29 Abs. 1 IVG bei Erfüllung des Wartejahres per 1. Dezember 2018
jedenfalls bereits abgelaufen. Im Folgenden ist daher ein Rentenanspruch ab 1.
Dezember 2018 zu prüfen.
Die Beschwerdeführerin war vor Eintritt ihres Gesundheitsschadens bis im Jahr
2007 als Hilfsarbeiterin in der Raumpflege tätig (vgl. IV-act. 9-16 f., 15). Es ist ihr
zumutbar, im Ausmass ihrer verbliebenen Arbeitsfähigkeit von 50 % erneut einer
Hilfsarbeit nachzugehen. Es muss sich nun aber um eine der Behinderung optimal
angepasste Hilfsarbeit handeln, damit die verbleibende Arbeitsfähigkeit - der
allgemeinen Schadenminderungspflicht Rechnung tragend - bestmöglich verwertet
werden kann. Wenn in Art. 6 Satz 1 ATSG von der durch eine
Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten Einschränkung bei der Fähigkeit, im bisherigen
Beruf zumutbare Arbeit zu leisten, die Rede ist, so kann damit im Zusammenhang mit
der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens der Beschwerdeführerin also
nur die Arbeitsunfähigkeit in einer behinderungsadaptierten Hilfsarbeit gemeint sein
(vgl. Urteile des Versicherungsgerichts vom 17. August 2012, IV 2010/400, E. 1.1 und
vom 22. Januar 2020, IV 2019/245, E. 3.1). Es rechtfertigt sich damit die Vornahme
eines Prozentvergleichs.
5.1.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Tätigkeiten behindert sind, im
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden
Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen
5.2.
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6.
Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass
weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter,
Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen hielt in seinem die Beschwerdeführerin betreffenden Entscheid vom 27. Oktober
2015 (IV 2015/322, E. 3.2) fest, ein Tabellenlohnabzug rechtfertige sich nicht (IV-act.
132). Selbst wenn aber trotz der seither im Wesentlichen gleich gebliebenen relevanten
Voraussetzungen davon ausgegangen würde, dass die Beschwerdeführerin aufgrund
ihrer qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (keine Zwangspositionen mit
Knien oder Kauern, kein unebenes Gelände, wechselbelastende Tätigkeit, kein Heben
von mehr als 10 kg, im Zeitpunkt der Begutachtung durch die Medas Interlaken
vorübergehend keine Überkopfarbeiten bei bestehender Tendinitis calcarea links; vgl.
E. 3.2.2, IV-act. 224-128) im Vergleich zu voll leistungsfähigen Arbeitnehmerinnen
lohnmässig benachteiligt wäre und mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen
müsste (vgl. zum Ganzen Philipp Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/
Miriam Lendfers [Hrsg.]: Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.), wäre
kein Tabellenlohnabzug von mehr als 10 % angebracht.
Ausgehend von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten und unter Berücksichtigung eines 10%igen Tabellenlohnabzugs ergibt sich
im Rahmen eines Prozentvergleichs ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von 55 %
(50 % + [10 % von 50 %]). Die Beschwerdeführerin hat daher ab 1. Dezember 2018
einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
5.3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
Verfügung vom 18. Mai 2020 (IV-act. 259) gutzuheissen und der Beschwerdeführerin
ab 1. Dezember 2018 eine halbe Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Berechnung,
Verfügung und Auszahlung der Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Ausgangsgemäss
hat die Beschwerdegegnerin die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
6.2.
bis
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7.
Die Beschwerdeführerin beantragte im vorliegenden Verfahren eine öffentliche
Verhandlung (act. G 1). Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kann jedoch von
einer ausdrücklich beantragten öffentlichen Verhandlung abgesehen werden, wenn das
kantonale Gericht aufgrund der Akten zum Schluss gelangt, dass dem materiellen
Rechtsbegehren der bezüglich der Verhandlung Antrag stellenden Partei zu
entsprechen ist (BGE 136 I 281, E. 1 mit Hinweis auf BGE 122 V 57 f. E. 3b/ee; Urteil
des Bundesgerichts vom 6. Januar 2021, 8C_495/2020, E. 2.2; vgl. zum Ganzen: SVR
2017 UV Nr. 30 S. 99, 8C_723/2016, E. 2.3 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin
beantrage die Zusprache gesetzlicher Leistungen, insbesondere einer Rente. Diesem
Antrag wird vorliegend stattgegeben, weshalb auf die Durchführung der mündlichen
Verhandlung verzichtet werden kann.