Decision ID: 6cf6d7da-0108-4b10-9f00-b0bbd462b152
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 29. Dezember 2003 zum Bezug von IV-Rentenleistungen an
(IV-act. 4). Am 25. September 2004 erlitt die Versicherte einen Verkehrsunfall (siehe
hierzu IV-act. 39). Der erstbehandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, berichtete am 10. November 2004, dass sich die Versicherte dabei
eine Schulterprellung rechts, eine Prellung der mittleren BWS und des rechten
Unterschenkels lateral zugezogen habe. Radiologisch hätten keine Frakturen
bestanden (IV-act. 24-5).
A.a.
Am 9. Oktober, 29. November und 11. Dezember 2006 wurde die Versicherte im
Auftrag des für die Folgen des Unfallereignisses vom 25. September 2004
leistungspflichtigen Haftpflichtversicherers (unter Mitwirkung der IV-Stelle, IV-act. 58)
an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich psychiatrisch, neuropsychologisch und
neurologisch durch Prof. Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, begutachtet (vgl. Gutachten vom 8. Mai 2007, fremd-act. 4-2 ff.). Am
22. August 2007 wurde sie im Universitätsspital Zürich rheumatologisch von
Prof. Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie,
begutachtet (rheumatologisches Teilgutachten vom 27. August 2007, fremd-
act. 4-18 ff.). Prof. C._ diagnostizierte eine Anpassungsstörung, eine längere
depressive Reaktion (ICD-10: F43.21), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4) sowie eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische
Funktionsstörung, vorwiegend der Aufmerksamkeit. Er bescheinigte der Versicherten
A.b.
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«derzeit» für sämtliche Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Mittels adäquater
Psychotherapie könne die Arbeitsfähigkeit schrittweise erhöht werden (Gutachten vom
8. Mai 2007, fremd-act. 4-16 f.). Prof. D._ stellte die Diagnosen eines
(wahrscheinlichen) Thoracic Outlet-Syndroms, von nackenbetonten
Wirbelsäulenbeschwerden ohne klinisches Korrelat sowie eines Status nach
wahrscheinlicher Distorsion der Halswirbelsäule bei Status nach Autounfall. Ferner
übernahm er die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung aus dem
Gutachten der Universitätsklinik Zürich vom 8. Mai 2007. Die Versicherte sei für
leichtere bis mittelschwere Arbeit, insbesondere auch für ihre angestammte Tätigkeit
als Fabrikarbeiterin, zu 100 % arbeitsfähig (fremd-act. 4-35 f. und fremd-act. 4-43 f.).
Aus der Sicht des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) überzeugte das
Gutachten von Prof. C._ versicherungsmedizinisch «nicht vollständig» (IV-act. 70). In
der Folge hatte die IV-Stelle zunächst weitere Abklärungen vorgenommen, bevor sie
sich am 15. Oktober 2008 ein polydisziplinäres (internistisches, psychiatrisches und
neurologisches) Gutachten der Sachverständigen der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH erstatten liess. Diese diagnostizierten als Leiden mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches zervikovertebrales und
thorakovertebrales Syndrom (ICD-10: M54.2/M54.6). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden ein multilokuläres Schmerzsyndrom ohne neurologisches
Korrelat (ICD-10: R52.9), eine funktionelle sensomotorische Armlähmung rechts
(ICD-10: F44.4), eine Schmerzverarbeitungsstörung bzw. Symptomausweitung (ICD-10:
F54) sowie ein chronischer Nikotinabusus (ICD-10: F17.1). Insgesamt bestehe für
körperlich leichte oder mittelschwer belastende Tätigkeiten eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit. Arbeiten mit den Armen über der Horizontalen oder körperlich schwer
belastende Tätigkeiten seien der Versicherten nicht mehr zumutbar. Die Gutachter
gingen davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit in körperlich schwer belastenden
Tätigkeiten mindestens seit dem 25. September 2004 aufgehoben sei (IV-act. 91).
Gestützt auf diese Arbeitsfähigkeitsbeurteilung wies die IV-Stelle das Rentengesuch
der Versicherten mit Verfügung vom 16. Februar 2009 bei einem ermittelten
Invaliditätsgrad von 0 % ab (IV-act. 103). Die dagegen erhobene Beschwerde vom
20. März 2009 (IV-act. 104-2 ff.) hiess das Versicherungsgericht mit Entscheid vom
3. März 2011, IV 2009/102, teilweise gut. Es hob die angefochtene Verfügung auf und
A.c.
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wies die Sache zur Einholung eines psychiatrischen Obergutachtens an die IV-Stelle
zurück (siehe hierzu sowie zum bis dahin eingetretenen massgeblichen Sachverhalt IV-
act. 115).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 29. November 2011 durch die
Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK Basel; med. pract. E._, Fachärztin
u.a. für Psychiatrie und Psychotherapie, und Prof. Dr. med. F._, Facharzt u.a. für
Psychiatrie und Psychotherapie) begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4), eine Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom
(ICD-10: F62.80) und eine mittelgradige Panikstörung (ICD-10: F41.0). Sie
bescheinigten der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche
Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt (psychiatrisches Gutachten vom 2. März 2012,
IV-act. 146). Der RAD-Arzt med. pract. G._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, schloss sich aus versicherungsmedizinischer Sicht der gutachterlichen
Beurteilung an (Stellungnahme vom 17. April 2012, IV-act. 147). Der
Rechtsdienstmitarbeitende der IV-Stelle vertrat den Standpunkt, es bestehe aus
rechtlicher Sicht kein Raum für die Annahme einer psychisch bedingten Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit (Stellungnahme vom 20. April 2012, IV-act. 148). Daraufhin wies die
IV-Stelle das Leistungsgesuch der Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 24. Mai 2012, IV-act. 154; Einwand vom
29. Juni 2012, IV-act. 155) mit Verfügung vom 29. August 2012 ab (IV-act. 156). Die
Verfügung blieb unangefochten.
A.d.
Am 30. März 2015 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei
der IV-Stelle an. Sie brachte vor, ihre Leiden hätten sich verschlimmert (IV-act. 166;
zum am 21. April 2015 ausgefüllten amtlichen Formular siehe IV-act. 172) und reichte
einen Bericht des seit September 2011 (IV-act. 172-6) behandelnden Dr. med. H._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 24. Juli 2014 ein. Darin führte
er aus, die Versicherte leide unter vermehrten Schlafstörungen und Schmerzen (IV-
act. 168). Mit Vorbescheid vom 12. Mai 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass auf ihr neues Leistungsbegehren mangels glaubhaft gemachter
Sachverhaltsänderung nicht eingetreten werde (IV-act. 181). Dagegen erhob die
Versicherte am 15. Juni 2015 Einwand und vertrat den Standpunkt, dass sie die
A.e.
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Revisionsgründe glaubhaft gemacht habe (IV-act. 184). In der ergänzenden
Begründung vom 15. Juli 2015 beantragte sie, dass die IV-Stelle auf ihren
Nichteintretensentscheid zurückzukommen und in Nachachtung der geänderten Praxis
des Bundesgerichts (BGE 141 V 281) eine Rente bis ins Jahr 2002 zurück basierend
auf einem Invaliditätsgrad von 100 % zuzusprechen habe (IV-act. 186). Am
25. September 2015 verfügte die IV-Stelle, auf das Leistungsbegehren werde nicht
eingetreten. Sie hielt daran fest, dass die Versicherte nicht glaubhaft dargelegt habe,
dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert
hätten. Die Praxisänderung des Bundesgerichts vermöge kein Wiedereintreten auf
rechtskräftig entschiedene Verfügungen zu begründen (IV-act. 187). Dagegen erhob die
Versicherte am 28. Oktober 2015 Beschwerde (IV-act. 189-2 ff.; zur mit der Replik vom
22. März 2016 eingereichten Stellungnahme von Dr. H._ vom 21. Januar 2016 siehe
IV-act. 197), die das Versicherungsgericht teilweise guthiess. Es hob im Entscheid vom
30. Oktober 2017, IV 2015/360, die Verfügung vom 22. März 2016 auf und wies die
Sache zur materiellen Prüfung des Rentenanspruchs an die IV-Stelle zurück. Auf den
Antrag der Versicherten um Wiedererwägung der Verfügung vom 29. August 2012 trat
das Versicherungsgericht mangels Anfechtungsgegenstands nicht ein (IV-act. 200).
Dr. med. I._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 1. März 2018,
der Gesundheitszustand der Versicherten sei, seitdem er im April 2011 deren
Behandlung übernommen habe, stationär (IV-act. 207). Im Verlaufsbericht vom
20. März 2018 gab Dr. H._ an, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich
seit dem 24. November 2011 verschlechtert. Nach weiteren 6 Jahren der
Chronifizierung zeige sich nunmehr ein weiter verschlechtertes Zustandsbild in allen
Lebensbereichen wie Haushalt, Freizeit und sozialen Aktivitäten (IV-act. 210). Die RAD-
Ärztin Dr. med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt zur
Beurteilung des komplexen Falls mit somatoformer Schmerzstörung eine bidisziplinäre
(psychiatrisch-rheumatologische) Begutachtung für erforderlich, unter
Berücksichtigung des neuen Beweisverfahrens zur Abklärung psychosomatischer
Leiden (Stellungnahme vom 26. April 2018, IV-act. 215). Mit Zwischenverfügung vom
11. Oktober 2018 ordnete die IV-Stelle eine bidisziplinäre Begutachtung durch Dr. med.
L._, Facharzt u.a. für Rheumatologie, und Dr. med. K._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, medexperts ag, an (IV-act. 234). Die dagegen erhobene
A.f.
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St.Galler Gerichte
Beschwerde wies das Versicherungsgericht ab (Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 18. April 2019, IV 2018/381, IV-act. 255; das Bundesgericht trat auf die dagegen
gerichtete Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit Urteil vom 9. Juli
2019, 9C_378/2019, nicht ein; IV-act. 259).
Die IV-Stelle holte in der Folge weitere Verlaufsberichte bei den behandelnden
Ärzten ein (Verlaufsbericht von Dr. I._ vom 29. August 2019, worin ein stationärer
Gesundheitszustand festgehalten wurde, IV-act. 264, und von Dr. H._ vom
10. September 2019, worin er ausführte, auf niedrigem Niveau sei der
Gesundheitszustand stabil, IV-act. 265), bevor sie auf Antrag der Versicherten am
6. Dezember 2019 eine erneute Zwischenverfügung über die Begutachtung durch die
Dres. K._ und L._, medexperts ag, erliess (IV-act. 284; zum Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 7. Juli 2020, IV 2020/18, worin auf die dagegen erhobene
Beschwerde vom 23. Januar 2020, IV-act. 285-2 ff., nicht eingetreten wurde, siehe IV-
act. 293).
A.g.
Am 4. Februar 2021 wurde die Versicherte durch die Dres. K._ und L._
begutachtet. Im bidisziplinären Gutachten vom 21. April 2021 stellten sie folgende
Diagnosen, denen sie einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimassen: eine
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.8); eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4); eine Agoraphobie mit
Panikstörung (ICD-10: F40.01); ein multilokuläres Schmerzsyndrom ohne erklärendes
somatisches Korrelat und eine funktionelle sensomotorische Beeinträchtigung von Arm
und Hand rechts (IV-act. 303-5). Dr. L._ gelangte zur Auffassung, dass sich
rheumatologisch bzw. somatisch im Vergleich zur medizinischen Aktenlage, die der
Verfügung vom 29. August 2012 zugrunde gelegen habe, keine wesentlichen
Veränderungen des Gesundheitszustands ergeben hätten. Für eine körperlich schwer
bis mittelschwer belastende Tätigkeit bescheinigte Dr. L._ eine 100%ige und für eine
leidensangepasste leichte, zum Teil sitzende Tätigkeit eine höchstens 30%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 303-30 f.). Aus psychiatrischer Sicht verneinte Dr. K._
ebenfalls eine Veränderung des Gesundheitszustands seit 2012. Er bescheinigte
sowohl für die angestammte als auch eine leidensangepasste Tätigkeit eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 303-6). Die RAD-Ärztin Dr. J._ hielt die
A.h.
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B.
gutachterliche Beurteilung der Dres. L._ und K._ für überzeugend (Stellungnahme
vom 18. Mai 2021, IV-act. 304).
Mit Vorbescheid vom 2. Juli 2021 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht,
ihr mit Wirkung ab 1. September 2015 (6 Monate nach Einreichung der
Wiederanmeldung) eine ganze Rente zuzusprechen (IV-act. 307). Im Einwand vom
31. August 2021 beantragte die Versicherte die Zusprache einer ganzen Rente
rückwirkend ab 12. Februar 2003. Zudem seien ihr auch die «Kindeszulagen» (richtig:
Kinderrenten) für ihre _ Kinder zuzusprechen. Eventualiter seien die Z. Stiftung, sowie
die Personalvorsorgeeinrichtung der Y._ als zuständige Pensionskasse beizuladen
(IV-act. 311). Am 22. Dezember 2021 verfügte die IV-Stelle die Zusprache einer ganzen
Rente (samt Kinderrenten und Verzugszinsen) mit Wirkung ab 1. September 2015 (IV-
act. 315).
A.i.
Gegen die Verfügung vom 22. Dezember 2021 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 1. Februar 2022. Darin beantragt die Beschwerdeführerin deren
Aufhebung und die Zusprache einer ganzen Rente basierend auf einem 100%igen
Invaliditätsgrad rückwirkend ab 12. Februar 2003. Es sei die Beschwerdegegnerin
anzuweisen, die SELA Stiftung als zuständige Pensionskasse beizuladen; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vor, die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der Verfügung vom
29. August 2012, worin ihr erstes Rentengesuch abgewiesen worden war, seien erfüllt.
Die damalige Abweisung sei zweifellos unrichtig gewesen. Selbst wenn die
Wiedererwägungsvoraussetzungen als nicht erfüllt zu betrachten wären, so müsse die
Verfügung vom 29. August 2012 in prozessuale Revision gezogen werden, da das
bidisziplinäre Gutachten der medexperts ag als neues Beweismittel anzusehen sei.
Schliesslich vertritt die Beschwerdeführerin den Standpunkt, dass die
Beschwerdegegnerin mit ihrer erst ab 1. September 2015 ausgerichteten Rente im
Umfang der Rentenbetreffnisse zwischen 2003 und 2014 ungerechtfertigt bereichert
sei, was eine Verletzung eines allgemeinen Rechtsgrundsatzes darstelle (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 25. März 2022
die Abweisung der Beschwerde und es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
B.b.
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Erwägungen
1.
Zunächst ist der Anfechtungsgegenstand des Beschwerdeverfahrens zu bestimmen.
keinen Rentenanspruch habe. Sie macht im Wesentlichen geltend, dass die
Voraussetzungen für ein Zurückkommen oder eine Anpassung der in Rechtskraft
erwachsenen Verfügung vom 29. August 2012 nicht erfüllt seien. Insbesondere liege
keine Sachverhaltsänderung vor, die eine Revision dieser Verfügung im Sinn einer
Anpassung zuliesse. Daran ändere die zwischenzeitlich ergangene Änderung der
bundesgerichtlichen Überwindbarkeitspraxis nichts. Bei richtiger Betrachtung bestehe
kein Rentenanspruch (act. G 4).
In der Replik vom 13. Juni 2022 hält die Beschwerdeführerin unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin teilt am 20. Juni 2022 den Verzicht auf eine Duplik mit
und hält an dem in der Beschwerdeantwort gestellten Antrag und dessen Begründung
unverändert fest (act. G 10).
B.d.
In der angefochtenen Verfügung vom 22. Dezember 2021 wurde das neuerliche
Rentengesuch der Beschwerdeführerin vom 30. März 2015 (IV-act. 166) zu Recht und
entsprechend der Formulierung im dortigen Betreff («IV-Neuanmeldung») als
Neuanmeldung geprüft und dementsprechend der Rentenbeginn nach Art. 29 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) festgesetzt.
Demgegenüber war sich die Beschwerdegegnerin offenbar nicht bewusst, dass bei
einer Neuanmeldung bzw. Wiederanmeldung nach rechtskräftig abgewiesenem
Rentengesuch nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Regeln der Revision
nach Art. 17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1; in der bis 31. Dezember 2021 gültigen,
vorliegend anwendbaren Fassung; siehe zur intertemporalen Rechtsanwendung
bezüglich der am 1. Januar 2022 in Kraft getretenen IVG- und ATSG-Revision das
Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2) analog
Anwendung finden und dass die geänderte Rechtsprechung zu den somatoformen
Schmerzstörungen für sich allein keinen Neuanmeldungs- bzw. Revisionsgrund
darstellt (BGE 141 V 585), sprach sie doch bei von ihr ausdrücklich in der
1.1.
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2.
Nachfolgend ist die Frage zu prüfen, ob auf die frühere, in Rechtskraft erwachsene
Verfügung vom 29. August 2012 (IV-act. 156), worin das damals zu beurteilende
(erstmalige) Rentengesuch der Beschwerdeführerin abgewiesen worden war, im
Rahmen einer prozessualen Revision oder einer Wiedererwägung zurückzukommen ist.
Verfügungsbegründung verneinter Sachverhaltsänderung eine Rente zu (siehe
Verfügungsteil 2, IV-act. 312: Nachdem das Bundesgericht die Praxis zur Beurteilung
psychosomatischer Leiden geändert habe und seit der letzten Verfügung keine
Veränderung des Gesundheitszustands anzunehmen sei, beginne der Rentenanspruch
6 Monate nach Eingang der Anmeldung, d.h. per 1. September 2015).
Ebenfalls Gegenstand der angefochtenen Verfügung bilden die im Einwand vom
31. August 2021 gestellten Gesuche um Wiedererwägung und prozessuale Revision
der Verfügung vom 29. August 2012 (IV-act. 311-8 ff.). Auf diese Anträge trat die
Beschwerdegegnerin ein, gelangte jedoch zur Auffassung, dass weder die
Voraussetzungen für eine Wiedererwägung noch diejenigen für eine prozessuale
Revision erfüllt seien (IV-act. 312-2 oben). Demnach bilden auch die Abweisung der
Gesuche um eine Wiedererwägung und eine prozessuale Revision
Anfechtungsgegenstand.
1.2.
Offenbleiben kann die Frage, ob der nicht näher begründete Antrag um Beiladung
der Z._ Stiftung in das Verwaltungsverfahren (act. G 1, S. 2 Mitte) Gegenstand der
angefochtenen Verfügung bildet. Zwar stellte die Beschwerdeführerin diesen Antrag
bereits im Einwand vom 31. August 2021 (IV-act. 311-2), die Beschwerdegegnerin
setzte sich damit in der angefochtenen Verfügung jedoch nicht auseinander und es
bleibt unklar, ob sie den Beiladungsantrag anhand nahm. Selbst wenn der
Beiladungsantrag Anfechtungsgegenstand bilden sollte, wäre darauf im
Beschwerdeverfahren nicht einzutreten. Denn die Beschwerdeführerin legt weder dar
noch ist ersichtlich, dass sie im Fall der Abweisung des Beiladungsantrags durch die
Beschwerdegegnerin beschwert wäre, ist doch eine liechtensteinische
Vorsorgeeinrichtung nicht an einen Entscheid einer schweizerischen IV-Stelle
gebunden (siehe Art. 8a Abs. 2a des Gesetzes des Fürstentums Liechtenstein über die
betriebliche Personalvorsorge [BPVG; LR 831.40]; Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen, IV 2008/226, E. 1.2).
1.3.
Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide in (prozessuale) Revision gezogen werden, wenn die versicherte
2.1.
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Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen
entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war.
Die Beschwerdeführerin vertritt den Standpunkt, das Gutachten der
Sachverständigen der medexperts ag vom 21. April 2021 stelle ein rechtlich relevantes
neues Beweismittel im Sinn von Art. 53 Abs. 1 ATSG dar, denn es beweise, dass der
Sachverhalt, der für die Verfügung vom 29. August 2012 massgeblich gewesen sei,
falsch erstellt worden sei. Damit habe die Verfügung vom 29. August 2012
nachgewiesenermassen der materiellen Wahrheit widersprochen, weshalb das
Gutachten als volles Beweismittel und Revisionsgrund zu gelten habe (act. G 1, Rz 42).
2.1.1.
Im Rahmen von Art. 53 Abs. 1 ATSG sind Tatsachen neu, wenn sie sich bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung verwirklicht haben, jedoch der gesuchstellenden
Person trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen
ferner erheblich sein, d.h. sie müssen geeignet sein, die tatbestandliche Grundlage des
zur Revision beantragten Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher
Würdigung zu einer anderen Entscheidung zu führen. Neue Beweismittel haben
entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen
oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt
gewesen, aber zum Nachteil der gesuchstellenden Person unbewiesen geblieben sind.
Erheblich ist ein Beweismittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Urteil
geführt, falls das Gericht bzw. die Verwaltung im Hauptverfahren davon Kenntnis
gehabt hätte. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der
Sachverhaltswürdigung, sondern der Sachverhaltsfeststellung dient. Es bedarf dazu
neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv
mangelhaft erscheinen lassen (BGE 143 V 107 f. E. 2.3 mit Hinweisen). Die
Beschwerdeführerin legt weder konkret dar noch ist ersichtlich, dass sich aus dem
medexperts-Gutachten im Vergleich zur medizinischen Aktenlage, wie sie der
Verfügung vom 29. August 2012 zugrunde lag, neue Tatsachen bzw. neue
Sachverhaltsfeststellungen ergeben, die bereits damals bestanden hätten, aber ihr trotz
hinreichender Sorgfalt nicht bekannt gewesen wären. Hinzu kommt, dass die
Sachverständigen der medexperts ag namentlich die Beurteilung der UPK-
Sachverständigen nicht in Zweifel zogen bzw. keinen Anlass für eine (rückwirkende)
Korrektur erblickten (IV-act. 303-18 oben, worin Dr. K._ vielmehr ausführte, die
Diagnosen imponierten aus aktueller gutachterlicher Sicht schlüssig hergeleitet; siehe
auch IV-act. 303-8). Die Abweisung des erstmaligen Rentengesuchs erfolgte denn auch
nicht wegen Fehlens einer (aus rein medizinischer Sicht schlüssig) bescheinigten
Arbeitsunfähigkeit, sondern allein wegen deren abweichenden rechtlichen Würdigung
2.1.2.
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unter der damaligen Bundesgerichtspraxis, wie die Beschwerdeführerin selbst
zutreffend vorbringt (act. G 8, Rz 3; siehe auch deren Ausführungen zur früheren
medizinischen Aktenlage in act. G 1, Rz 47 f.). Die Verfügung vom 29. August 2012
leidet somit nicht an einer für die prozessuale Revision erforderlichen anfänglichen
tatsächlichen Unrichtigkeit (vgl. Thomas Flückiger, in: Ghislaine Frésar-Fellay/Barbara
Klett/Susanne Leuzinger, Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des
Sozialversicherungsrechts, 2020, N 18 zu Art. 53). Die Abweisung des Gesuchs um
prozessuale Revision erfolgte zu Recht.
Die von der Beschwerdeführerin ebenfalls geltend gemachte (act. G 1, Rz 35 ff.)
Wiedererwägung einer rechtskräftigen Verfügung setzt voraus, dass diese zweifellos
unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG).
Massgebend für die Beurteilung einer Unrichtigkeit sind die damalige Sach- und
Rechtslage. Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen
Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinn der Würdigung des
Sachverhalts, insbesondere bei einer klaren Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes. Zweifellose Unrichtigkeit meint dabei, dass kein
vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügung
möglich, also einzig dieser Schluss denkbar ist (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts
vom 10. Februar 2021, 9C_317/2020, vom E. 2.2).
2.2.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (act. G 1, Rz 37 ff.) begründet
die mit BGE 141 V 281 vorgenommene Praxisänderung keinen
Wiedererwägungsgrund, war doch im Zeitpunkt des Verfügungserlasses (29. August
2012) noch die damalige Praxis nach BGE 130 V 352 massgebend. Die
Beschwerdeführerin legt weder dar noch ist erkennbar, dass die Beschwerdegegnerin
die damalige Praxis – aus damaliger Sicht – zweifellos unrichtig angewandt hätte (siehe
insbesondere die einlässliche Begründung des Rechtsdienstmitarbeiters in der
Stellungnahme vom 20. April 2012, IV-act. 148). Dem Standpunkt der
Beschwerdeführerin, dass aus der Praxisänderung nach BGE 141 V 281 auf eine
zweifellose Unrichtigkeit der früheren Praxis nach BGE 130 V 354 zu schliessen sei
(act. G 8, Rz 8 ff.), kann ebenfalls nicht beigepflichtet werden. Eine Praxisänderung
setzt nämlich keine im Sinn von Art. 53 Abs. 2 ATSG qualifizierte Unrichtigkeit der
bisherigen Praxis voraus. Es genügt, wenn die neue Lösung besserer Erkenntnis der
ratio legis, veränderten äusseren Verhältnissen oder gewandelten
Rechtsanschauungen entspricht (BGE 138 III 361 E. 6.1) und sie einem allfälligen
Interesse an der Weiterführung einer auch langjährigen Praxis vorgeht (BGE 141 V 294
E. 3.5). BGE 141 V 281 lassen sich keine Umstände entnehmen, welche die
2.2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/17
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3.
Zu prüfen bleibt, ob der Entscheid über das neuerliche Rentengesuch korrekt erfolgte.
ursprüngliche Praxis (im Zeitpunkt der Verfügung vom 29. August 2012) als zweifellos
unrichtig erscheinen lassen (BGE 141 V 585 E. 5.4, worin ein Wiedererwägungsgrund
explizit verneint worden war).
Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ist ebenfalls zu verneinen, durfte
die Beschwerdegegnerin den damaligen Sachverhalt aufgrund des UPK-Gutachtens
vom 2. März 2012 (IV-act. 146; zu dessen nachvollziehbaren Würdigung durch den
RAD siehe die Stellungnahme vom 17. April 2012, IV-act. 147) – zumindest in
vertretbarer Weise – als spruchreif abgeklärt betrachten. Die Beschwerdeführerin
vertritt im Übrigen ebenfalls die Auffassung, dass der Sachverhalt aus rein
medizinischer Sicht mit dem UPK-Gutachten spruchreif abgeklärt worden war (act.
G 1, Rz 47, und act. G 8, Rz 3; zur damit zu vereinbarenden Würdigung durch die
Sachverständigen der medexperts ag siehe IV-act. 303-8 am Schluss).
2.2.2.
Soweit die Beschwerdeführerin zur Begründung einer zweifellosen Unrichtigkeit
vorbringt, bei der Verfügung vom 29. August 2012 seien ihre Ansprüche auf rechtliches
Gehör und auf ein faires Verfahren verletzt worden (act. G 1, Rz 43 ff., insbesondere
Rz 48), kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin konnte sich im
früheren Verwaltungsverfahren umfassend äussern. Eine Beeinträchtigung ihrer
Verfahrensrechte ist nicht ersichtlich und es stand ihr auch frei, die Verfügung vom
29. August 2012 anzufechten. Dem damaligen Rechtsvertreter wurden denn auch mit
Blick auf eine allfällige Anfechtung die Akteneinsicht gewährt (IV-act. 157 f.).
2.2.3.
Das weitere Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass die Beschwerdegegnerin
im Umfang der Rentenbetreffnisse zwischen 2003 bis 2014 ungerechtfertigt bereichert
sei (act. G 1, Rz 51), lässt ausser Acht, dass die Abweisung des erstmaligen
Rentengesuchs auf einer in Rechtskraft erwachsenen Verfügung und der erst auf den
1. September 2015 angeordnete Rentenbeginn Folge der konstitutiven Wirkung der
Wiederanmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG) ist. Die Verneinung eines Rentenanspruchs vor
dem 1. September 2015 erfolgt daher nicht ohne Rechtsgrund.
2.2.4.
Wie bereits erwähnt (siehe vorstehende E. 1.1 und BGE 141 V 588 E. 5.3 am
Schluss), setzt die bundesgerichtliche Rechtsprechung für eine Rentenzusprache nach
einer rechtskräftigen Abweisung eines früheren Rentengesuchs eine Änderung der
tatsächlichen Verhältnisse voraus. Die geänderte Rechtsprechung zu den
3.1.
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somatoformen Schmerstörungen (BGE 141 V 281) stellt für sich allein keinen
Neuanmeldungs- bzw. Revisionsgrund dar (BGE 141 V 585).
Anlass zur Rentenrevision nach Art. 17 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in
den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung (bzw. Abweisung) der Rente, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustands
revidierbar. Weiter sind auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand
veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung.
Dazu gehört etwa die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung
oder Anpassung an die Behinderung. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche
Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im
revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
19. August 2022, 8C_190/2022, E. 2.3.1).
3.2.
Für die Frage, ob die vorliegende somatoforme Schmerzstörung aus medizinisch-
psychiatrischer Sicht als invalidisierend im rechtlichen Sinne anzuerkennen sei, prüfte
die Beschwerdegegnerin für die Verfügung vom 29. August 2012 noch die als Foerster-
Kriterien bekannt gewordenen Umstände (vgl. IV-act. 148-2 f.), wie sie das
Bundesgericht in seiner früheren Rechtsprechung (Überwindbarkeitspraxis)
herangezogen hatte (chronische körperliche Begleiterkrankungen und mehrjähriger
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne
längerfristige Remission; ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des
Lebens; verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer
an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung;
unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter
und/oder stationärer Behandlungsbemühungen und gescheiterte
Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der
versicherten Person; vgl. zum Ganzen BGE 130 V 352 E. 2.2.3). Mit der neuen
Rechtsprechung erfolgte nicht eine Änderung der Voraussetzungen für den
Leistungsanspruch, sondern die Schaffung neuer Standardindikatoren für dessen
Beurteilung und eines strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahrens (BGE 141 V
281 E. 3.6 und E. 6). Das neue strukturierte Beweisverfahren orientiert sich an den
Indikatoren "funktioneller Schweregrad" mit den Komplexen
"Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde,
Behandlungserfolg oder -resistenz, Eingliederungserfolg oder -resistenz, Komorbidität),
"Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen) und "sozialer
Kontext" und "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, gleichmässige
3.3.
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Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen sowie
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck). Die
Indikatorenprüfung muss stets den Umständen des Einzelfalls gerecht werden. Es
handelt sich nicht um eine "abhakbare Checkliste" (BGE 141 V 281 E. 4.1.1 und
E. 4.1.3 ff.).
Vorliegend ist vorab festzuhalten, dass das medexperts-Gutachten die Kriterien
der Rechtsprechung erfüllt und somit voll beweiskräftig ist, was von den Parteien denn
auch nicht bestritten ist. Gemäss diesem Gutachten hat sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin unbestrittenermassen nicht wesentlich verändert,
insbesondere geht das Gutachten unverändert und in Übereinstimmung mit dem UPK-
Gutachten von einer somatoformen Schmerzstörung und einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit aus. Zu prüfen ist jedoch zusätzlich, ob und inwiefern sich der
Sachverhalt unter dem Aspekt der früheren Foerster-Kriterien bzw. heutigen
Standardindikatoren verändert hat. Denn für die Frage, ob eine somatoforme
Schmerzstörung invalidisierend ist, sind die früheren Foerster-Kriterien bzw. heutigen
Standardindikatoren von entscheidender Bedeutung. Deren Veränderung bzw. spätere
Erfüllung stellt daher ebenfalls einen Revisionsgrund dar. Es handelt sich dabei um eine
auf die medizinischen Festlegungen gestützte Prüfung der rechtlich zu beurteilenden
Kriterien bzw. Indikatoren, welche nicht von den medizinischen Sachverständigen,
sondern der Verwaltung bzw. im Beschwerdefall dem Gericht vorzunehmen ist.
3.4.
Im hier interessierenden Zeitraum (ab September 2015, vgl. hierzu E. 1.1
vorstehend) leidet die Beschwerdeführerin gegenüber dem mit Verfügung vom
29. August 2012 beurteilten Sachverhalt unter zusätzlichen Aktivitäts- und
Partizipationsbeeinträchtigungen. So wurde erstmals von Dr. K._ ausdrücklich eine
erhebliche Beeinträchtigung der Anpassung an Regeln und Routinen beschrieben (IV-
act. 303-6 und IV-act. 303-21). Daneben beschrieb Dr. K._ insbesondere auch eine
Beeinträchtigung der Kontakt-, Mobilitäts- und Verkehrsfähigkeit, zumal die
Beschwerdeführerin in der Aufrechterhaltung von Kontakten limitiert erschien, Kontakte
ausserhalb ihrer Familie weitestgehend verloren hat und Reisen bzw. das Verlassen der
Wohnung allgemein und besonders allein vermeidet (vgl. IV-act. 303-12, 303-14,
303-21 und 303-27). Die Probleme mit dem Ehemann haben zugenommen (vgl.
diesbezüglich auch den Arztbericht von Dr. H._ vom 21. Januar 2016, IV-act. 197-3
[Die Tatsache ihrer Einschränkungen im Alltag hätten zwischenzeitlich zu einer
veritablen Ehekrise geführt, da der Ehemann nicht mehr bereit sei, so viel zu
übernehmen], sowie IV-act. 303-12 [es gebe viel Streit] und 303-21 [Die Beziehung zum
Ehemann imponiere mässig bis erheblich beeinträchtigt durch ihre gesundheitliche
3.5.
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Situation und damit verbundener Probleme, sodass Konflikte häufig seien]). Während
die Beschwerdeführerin im Jahr 2012 noch viele Bekannte hatte, die oft zu Besuch
kamen, unter anderem zwei Nachbarinnen, zu denen ein guter Kontakt bestand (vgl. IV-
act. 146-12), was von der Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 29. August 2012
als Ressource gewertet wurde (vgl. IV-act. 156-3), besteht für den vorliegend
interessierenden Zeitraum kein soziales Netz als verwertbare Ressource mehr (vgl.
hierzu auch IV-act. 189-20), sondern vielmehr ein ausgeprägter sozialer Rückzug.
Gegenüber dem früheren Verfahren, wo Verdeutlichungstendenzen in Betracht
gezogen wurden (vgl. IV-act. 146-16), bestehen aktuell keine Zweifel an der Konsistenz
der Angaben der Beschwerdeführerin mehr (vgl. IV-act. 303-6 und 303-20).
Während für die Verfügung vom 29. August 2012 noch bloss von einem gewissen
sozialen Rückzug ausgegangen wurde (vgl. IV-act. 156-3), liegt neu ein Rückzug in
allen Lebensbereichen vor. Die Beschwerdeführerin hat nur noch zu ihren Kindern und
ihrem Ehemann regelmässig Kontakt und die Beziehung zu ihrem Ehemann hat sich
deutlich verschlechtert (vgl. hierzu insbesondere IV-act. 197, 210-3, 303-12 und
303-21). Das Kriterium der unbefriedigenden Behandlungsergebnisse trotz konsequent
durchgeführter Behandlungsbemühungen wurde im Jahr 2012 verneint (vgl. IV-
act. 156-3). Inzwischen sind die Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft, ohne dass es zu
einer Besserung gekommen wäre (eine psychiatrische Begleitung sei weiterhin indiziert,
wenngleich davon keine wesentliche Verbesserung erwartet werden könne/auch
medikamentös bestehe wenig Potential für Behandlungsdurchbrüche/die Compliance
sei gegeben; vgl. IV-act. 303-7 und 303-20). Dr. H._ beschrieb denn auch in seinem
Bericht vom 20. März 2018, trotz durchgehender Kooperation in der Therapie und der
Tatsache, dass ein Grossteil der Symptomatik bereits bei der letzten Begutachtung im
November 2011 beschrieben worden sei, zeige sich bei der Beschwerdeführerin nach
nunmehr weiteren sechs Jahren der Chronifizierung ein weiter verschlechtertes
Zustandsbild in allen Lebensbereichen (Haushalt/Freizeit/soziale Aktivitäten; IV-
act. 210-3). Anlässlich der UPK-Begutachtung wurde ein Arbeitsversuch im
geschützten Rahmen für ca. 30 % als aus therapeutischer Sicht zumutbar und sinnvoll
angesehen, um gegebenenfalls therapeutisch eine gewisse Tagesstruktur und
Förderung des Selbstwertgefühls zu erreichen und dadurch die Beschwerdeführerin zu
motivieren, wieder sukzessive wenigstens Teilbereiche ihrer Aufgaben im Familienleben
zu übernehmen (IV-act. 146-24). Im medexperts-Gutachten wird ein solcher
Arbeitsversuch hingegen nicht mehr erwähnt, sondern vielmehr festgehalten, in naher
Zukunft sei beruflich kein Eingliederungspotential erfolgsversprechend umsetzbar (IV-
act. 303, insbesondere 303-7).
3.6.
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