Decision ID: 33bbdc3a-4e12-5198-b4a6-589f2fdaa411
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1968 geborene X._ ist seit dem 14. September 2006 als Reini
gungsangestellte für die Y._ AG tätig, dies zunächst in einem 80 - 90 %-Pensum, seit April 2014 zu 45 %. Am 25. November 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf eine psychische Überbelastung bei der
Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/1
und Urk. 11/10
). Die
Sozial
versi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte medizinische
und er
werbliche Abklärungen und liess die Versicherte insbesondere rheumatologisch und psychiatrisch begutachten (Expertise
n
vom 2
0.
Oktober 2015;
Urk.
11/
27-30). Nach
durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(Urk. 11/32) wies sie das Rentenbegehren mit Verfügung vom
5.
Januar 2016
(Urk. 2
) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
8.
Januar 2016 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die Verfügung vom
5.
Januar 2016 sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlich geschuldeten Leistungen nach IVG, zumindest aber eine halbe Rente zuzusprechen. Zudem beantragte sie, es sei ihr die unentgeltliche Rechtsverbeiständung und die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Am
1.
März 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
3.
März 2016 (
Urk.
12) zur Kenntnis gebracht wurde.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreivier
telsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom
5. Januar 2016
(Urk. 2) damit, dass
weder aus somatischer noch aus psychiat
rischer Sicht eine langandauernde Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei. Die Ausübung der bisherigen wie auch jeglicher anderer Tätigkeit, welche dem Alter und der Bildung der
Beschwerdeführerin
entspreche, sei uneingeschränkt zumutbar.
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
auf das Teilgutachten von Dr. Z._ könne nicht abgestellt werden. Es sei zu vermuten, dass Dr. Z._ ausschliesslich von Gutachtensaufträgen der Beschwerdegegnerin lebe. Aufgrund dieser wirtschaftlichen Abhängigkeit sei das verfassungsmässige Recht auf Unabhängigkeit des Gutachters nicht ge
wahrt. Im Übrigen sei das Gutachten – aus näher dargelegten Gründen - auch inhaltlich nicht nachvollziehbar. Statt auf das Gutachten sei auf die vorliegenden medizinischen Berichte abzustützen, allenfalls sei ein Gerichts
gutachten einzuholen. Dasselbe gelte für das Teilgutachten von Prof. Dr. A._.
3.
3.1
In ihrem Bericht vom 1
8.
Januar 2015 (
Urk.
11/9) hielt die behandelnde Haus
ärztin Dr. med.
B._
, FMH Innere Medizin, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Depressives Zustandsbild
-
Somatisch: Belastung durch rezidivierende Schmerzen, chronische lumbora
dikuläre Schmerzen rechts mehr als links, enorale Schleimhautlä
sion
Dazu führte sie aus, dass die Beschwerdeführerin durchschnittlich zu knapp 50
%
arbeitsfähig sei. Eine Erhöhung sei denkbar durch Unterstützung sei
tens der Beschwerdegegnerin. Seit Frühjahr 2014 gebe es eine zunehmende familiäre Belastung.
3.2
Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
C._
stellte in ihrem Bericht vom 3
0.
Januar 2015 (
Urk.
11/11) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung; aktuell leichte bis mittelgradig schwere depressive Störung (ICD-10 F33.0)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Schwere chronische psychosoziale Belastungssituation (ICD-10 Z60, Z63, Z73)
Dazu hielt sie fest, dass die Beschwerdeführerin seit dem 3
1.
Juli 2014 bei ihr in psychiatrischer Therapie sei, dies aktuell mit Gesprächen circa alle zwei Monate. Zurzeit nehme
sie
keine psychopharmakologische Medikation ein. Erstmals sei es 2002 im Zusammenhang mit einer Eskalation der Konflikte mit der Verwandtschaft zu einem „Nervenzusammenbruch“ gekommen. Ende März 2014 sei eine dramatische Notfallsectio bei einer ihrer Töchter erforder
lich gewesen. Wegen anschliessenden Komplikationen im Sinne von schwe
ren rezidivierenden Infekten habe die Beschwerdeführerin während zweier Monate um deren Leben bangen müssen. In diesem Zusammenhang habe es eine deutliche Verschlechterung ihres psychischen Zustandes gegeben.
Sie
habe daher anfänglich zu 100
%
und seit ungefähr Mitte 2014 zu 50
%
krankgeschrieben werden müssen. Seither gebe es eine langsame Zustands
verbesserung. Es bestehe eine vollständige Remission der anfänglich vorlie
genden posttraumatischen Belastungsstörung DD Anpassungsstörung. Zurzeit sei die Beschwerdeführerin nur ungefähr zu 50 % leistungsfähig.
3.3
.1
Die von der Beschwerdegegnerin beauftragten Gutachter Prof.
Dr.
med.
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH und Neurologie FMH, und Dr. med.
Dr.
sc. nat. ETH
Z._
, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen, verneinten in ihren Expertisen vom 2
0.
Oktober 2015 (
Urk.
11/27
[Bidisziplinäre Zusammenfassung]
,
Urk.
11/28
[Psychiatri
sches Fachgutachten]
und
Urk.
11/30
[Internistisch-rheumatologisches Gut
achten]
) das Vorliegen von Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit und führten
(zusammengefasst)
folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
Psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizier
ten Krankheiten (ICD-10 F54)
-
Leichte depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.01)
-
Rezidivierende orale Aphtosis
-
ohne Hinweise für einen M. Behcet
3.3.2
Prof.
Dr. A._
(Urk. 11/28)
hielt dazu fest, dass die Beschwerdeführerin in der
D._
nahe der syrischen Grenze geboren worden sei. Aufgrund
ihrer
arabischen Muttersprache habe sie einer politisch verfolgten Minderheit an
gehört. Sie sei in wirtschaftlich kargen Verhältnissen aufgewachsen. Sie habe heute noch Verwandte in der
D._
, zu denen sie aber wegen innerfamiliärer Streitigkeiten seit drei Jahren keinen Kontakt mehr habe. Die Beschwerde
führerin habe nie eine Schule besucht und sei Analphabetin. Sie sei 1998 mit ihre
r
Familie
in die Schweiz eingereist, wo
s
i
e
Flüchtlingsstatus erhalten h
abe
. Sie habe nur noch zu einem Bruder Kontakt, welcher in der
D._
lebe. Die Herkunftsfamilie sei insgesamt sehr zerstritten, was die Beschwer
deführerin sehr belaste. Sie sei im Alter von 15 Jahren durch ihre Eltern ver
heiratet worden; mit 1
6
Jahren ha
be
sie das erste von acht Kindern geboren. Vor fünf Jahren sei ihr Ehemann zusammen mit einem Sohn verhaftet und zu Unrecht beschuldigt worden, den Bruder des Ehemannes ermordet zu ha
ben. Während der Sohn nach 24 Stunden wieder auf freien Fuss gesetzt wor
den sei, sei der Ehemann wochenlang im Gefängnis gewesen. Davon habe er sich psychisch nur schwer und nach langer Therapie erholt. Zurzeit arbeite er in einem 20 - 30
%
-Pensum. Zwei Söhne seien noch im Haushalt der Be
schwerdeführerin lebend, einer davon arbeite bei
E._
, der andere sei arbeitslos.
Die
Beschwerdeführerin habe vor allem mit Familienmitgliedern Kontakt, treffe sich allerdings auch regelmässig mit zwei Kolleginnen in ei
nem Kaffee (
Urk.
11/28/17-20).
Sie
gebe an, viele familiäre Probleme zu ha
ben. So habe ihre Mutter sie emotional sehr verletzt, als sie die Beziehung zur Beschwerdeführerin komplett abgebrochen habe, weil diese ihr kein Geld mehr geschickt habe. Einer ihrer Söhne beschimpfe sie, was sie ebenfalls sehr verletze. Zu ihrem Ehemann habe sie noch nie ein gutes Verhältnis gehabt. Es bestehe seit vielen Jahren ein chronischer Ehekonflikt. Die Ehesituation habe sich allerdings nach der Verhaftung des Ehemannes im Jahre 2009 er
heblich verschärft. Ihr Ehemann sei nach der Entlassung aus dem Gefängnis psychisch auffällig und noch hässiger zu ihr geworden. Sie leide seit über
10 Jahren an episodischen Rückenschmerzen. Diese hätten sich ab Ende März 2014 verschlechtert und es bestünden nun chronische Schmerzen. Vorausge
gangen sei, dass eine ihrer Töchter eine Notfallsectio gehabt habe, bei wel
cher diese und ihr Kind fast gestorben wären. Zwar gehe es der Tochter nun wieder besser, jedoch sei die Verlustangst nach den zuvor geschehenen Be
lastungen für sie zu viel gewesen. Sie habe nun Ängste, dass die Tochter bei einer weiteren Schwangerschaft versterben könnte. Seither bestünden anhal
tende Schmerzen, welche sich unter körperlicher Belastung verstärken wür
den (Urk. 11/28/21-23). Die Beschwerdeführerin sei seit Sommer 2014 in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Die Frequenz der fachärztlichen Besuche betrage ein bis zweimalig im Monat. Ihr Sohn komme zu den Ge
sprächen mit, um zu übersetzen (
Urk.
11/28/25).
Von der Beschwerdeführerin würden keine subjektive Lustlosigkeit sowie kein genereller Interessensverlust und keine Freudlosigkeit angegeben. Aller
dings werde eine Erschöpfung beklagt. Es bestehe kein sozialer Rückzug. Der Antrieb wirke im Untersuch nicht vermindert. Bei der Begutachtung hätten Klagen über psychosoziale Probleme ganz im Vordergrund
der
Beschwerden gestanden. Zudem hätten seit ungefähr eineinhalb Jahren anhaltende chro
nische Rückenschmerzen im Vordergrund der subjektiven Befindlichkeit ge
standen. Aktuell hätten sich psychopathologisch leichtgradige depressive und ängstliche affektive Symptome im Sinne einer Erschöpfungsdepression erhe
ben lassen, welche die diagnostischen Kriterien einer depressiven Episode, gegenwärtig leichtgradig mit somatischem Syndrom gemäss ICD-10 F 32.01 erfüllen würden. Für die Diagnosestellung einer rezidivierenden depressiven Episode fehle der Nachweis früherer Episoden oder einer Krankheitsdauer von über zwei Jahren. Die Symptome einer posttraumatischen Belastungs
störung hätten nicht mehr bestanden. Das Fehlen einer typischen Symptom
ausweitung, die deutliche Abhängigkeit der Schmerzintensität von körperli
cher Belastung, die relativ hohe Schmerzvariabilität und insbesondere das Fehlen einer subjektiven Schmerzintensivierung durch psychosoziale und emotionale Faktoren sprächen eindeutig gegen die Diagnose einer somato
formen Schmerzstörung. Zudem sei das Verhalten der Beschwerdeführerin mit Leistungswilli
gkeit, fehlender fear avoidance
sowie fehlender katastro
phisierender Schmerzverarbeitung nicht typisch für diese Diagnose. Diagnos
tisch müsse die Diskrepanz der subjektiv/objektiven Schmerzwahrnehmung als eine psychische Verstärkung im Sinne einer Störung nach ICD-10 F54 - Psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizier
ten Krankheiten - eingruppiert werden (
Urk.
11/28/28 und Urk. 11/28/31 f.). Prof.
Dr. A._
hielt abschliessend fest, er sehe vor allem
eine
unzu
reichende therapeutische Hilfestellung (ungenügende Analgesie, fehlende multimodale schmerztherapeutische Ansätze) als das derzeitige Problem, um eine volle berufliche Wiedereingliederung zu erzielen. Es sei davon auszuge
ben, dass
eine solche
unter adäquater Behandlung rasch zu erzielen sei. Psy
chosoziale Faktoren würden das psychopathologische Bild in erheblichem Masse mitbeeinflussen. Unter Abzug dieser psychosozialen Anteile lägen keine psychiatrischen Störungsbilder mit handicapierenden Fähigkeitsstörun
gen vor, die geeignet wären
,
eine mittel- und langfristige Ar
beits
[un]-
fähigkeit von 20
%
und mehr zu begründen. Seit der Antragsstel
lung hätten solche auch nie vorgelegen (Urk. 11/28/37 f.).
3.3.3
Dr. Z._
(Urk. 11/30)
führte aus, dass die Prüfung der Beweglichkeit des Bewegungsapparates durch Gegenspannung erschwert worden sei. Alle drei Wirbelsäulenabschnitte (HWS, BWS und LWS) seien normal beweglich. Radi
kuläre Zeichen seien nicht vorhanden. Der Lasègue sei beidseits normal. Die MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule (04/2015) habe keine wesentlichen Befunde ergeben. Insbesondere seien keine Diskushernie, keine Spinalkanal- oder Foraminalstenose und vor allem keine neurale Kompression sichtbar. Alle drei von der Beschwerdeführerin angegebenen Medikamente seien in ihrem Blut nachweisbar, allerdings alle drei unterhalb des therapeutischen Bereichs. Bei der Beschwerdeführerin bestünden keine strukturellen Verän
derungen. Ihre Beschwerden könnten durch die Befunde nicht erklärt werden (
Urk.
11/30/25). Da
Dr. F._
und
Dr. B._
in ihren Berichten keine Ab
grenzung der Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der somatischen und der psychiatrischen Diagnosen machen würden, könne sie dazu keine Stellung nehmen (
Urk.
11/30/28).
Zusammenfassend hielten
beide
Gutachter fest, dass weder eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit bestehe noch eine lang andauernde Arbeitsunfä
higkeit je bestanden habe. Die Beschwerdeführerin könne sämtliche Tätig
keiten uneingeschränkt ausüben, die Frauen ihres Alters üblicherweise ma
chen könnten (
Urk.
11/27).
4.
4.
1
Das bidisziplinäre Gutachten von Prof.
Dr. A._
und
Dr. Z._
vom 2
0.
Oktober 2015 (E. 3.3 hievor) beruht auf den erforderlichen psychiatri
schen und
internistisch-
rheumatologischen Untersuchungen, ist für die strei
tigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinanderset
zung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt. Die Gutachter legten die medi
zinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander.
Prof. Dr. A._ wies insbesondere auf erhebliche psychosoziale Belastungs
faktoren (Flucht aus der Heimat, Konflikte mit der Herkunftsfami
lie und einem Sohn sowie chronische Ehekonflikte, fehlende Schul- und Be
rufsausbildung, psychische Beschwerden des Ehemannes, viele arbeitslose Angehörige, schwierige finanzielle Verhältnisse, Furcht um die Tochter und deren Kind aufgrund einer sehr schweren Geburt) hin, welche bei der Begut
achtung
ganz im Vordergrund
der
Beschwerden
gestanden haben. Er führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit der Notfallsectio ihrer Tochter unter anhaltenden Rückenschmerzen leide. Weiter legte er dar, weshalb die Diag
nose einer depressiven Episode gegenwärtig leichtgradig zu stellen ist,
eine
posttraumatische
Belastungsstörung
jedoch nicht mehr vorliegt
.
Schliesslich begründete er ausführlich, weshalb keine somatoforme
Schmerzstörung
zu diagnostizieren ist, sondern die
psychische Verstärkung im Sinne einer Stö
rung nach ICD-10 F54 - Psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten - eingruppiert werden
muss.
Dr. Z._ zeigte auf, dass die
MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule
vom 28. April 2015
keine wesentlichen Befunde ergeben
hatte und dass die geschilderten Beschwerden d
urch die Befunde nicht erklärt werden
konnten. Zudem führte sie aus, weshalb sie zu den in den Arztberichten von Dr. B._ und Dr. F._ festgehaltenen Arbeitsunfähigkeiten keine Stellung nehmen konnte.
Die Gutachter gelangten sodann zum begründeten und für das Gericht nach
vollziehbaren Schluss, dass weder in der angestammten noch in einer ange
passten Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht bezie
hungsweise im rentenrelevanten Zeitraum je bestanden hat. Das Gutachten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine be
weiskräftige medizinische Entschei
dungsgrundlage (vgl. E. 1.3 hie
vor).
4.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend, Dr. Z._ habe sich mit den ärztli
chen Berichten nicht auseinandergesetzt. Dazu ist festzuhalten, dass Dr. Z._ zu Recht darauf hinwies, dass Dr. F._
und
Dr. B._
in ihren Berichten
(Urk. 11/9, Urk. 11/12/20 f. und Urk. 11/17) in Bezug auf die von ihnen festgehaltene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
keine Abgren
zung
zwischen den
somatischen und de
n
psychiatrischen Diagnosen
gemacht haben. Dr. Z._ war es deshalb – korrekterweise - nicht möglich, sich diesbezüglich eingehender mit den genannten Berichten auseinanderzuset
zen. Dr. B._ und Dr. F._ wiesen zudem beide auf teilweise massive psychosoziale Belastungsfaktoren hin. Ob sie diese bei der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit für die Belange der Invalidenversicherung ausklammerten, wird aus ihren Berichten nicht ersichtlich, sodass darauf ohnehin nicht ab
gestellt werden kann. Aufgrund der erheblichen psychosozialen Belastungs
faktoren machen auch der nach Angaben der Beschwerdeführerin vergebli
che Versuch, ihr Arbeitspensum zu steigern (Urk. 1 S. 5), eine invalidenversi
cherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
nicht über
wiegend wahrscheinlich. Dasselbe gilt für die Einsc
hätzung der Arbeitgeberin (Urk.
3/3), dass die Beschwerdeführerin lediglich zu 50
%
arbeitsfähig sei.
Im Übrigen setzte sich Dr. Z._ entgegen den Vorbringen der Beschwerde
führerin mit den Befunden im MRI der Lendenwirbelsäule vom 28. April 2015 auseinander und hielt dazu fest, dass darauf weder eine
Dis
kushernie
, noch eine
Spinalkanal- oder Foraminalstenose
und auch keine neurale Kompression sichtbar sind (E. 3.3.3 hievor). Dass sie daraus schloss, dass die Untersuchung keine wesentlichen Befunde ergeben hat, ist damit
nachvollziehbar. Der Ansicht der Beschwerdeführerin, das MRI lasse den Schluss zu, dass die festgestellten strukturellen Veränderungen zu den ge
klagten lumbalen Beschwerden führen würden, kann
jedenfalls
nicht gefolgt werden. Die Einwendungen
der Beschwerdeführerin ändern so
mit an der Be
weiskraft des rheumatologischen Teilgutachtens nichts.
4.3
Die Beschwerdeführerin kritisierte am psychiatrischen Gutachten unter ande
rem, dass Prof. Dr. A._ nicht mit ihrer behandelnden Psychiaterin Rücksprache gehalten habe. Dazu ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführe
rin im Zeitpunkt der Begutachtung erst seit knapp einem Jahr in psychiatri
scher Behandlung war, wohingegen sich die psychischen Beschwerden nach ihren Angaben schon seit Jahren hinziehen. Im Zeitpunkt des Berichts
von
Dr. C._
a
m 3
0.
Januar 2015 (E. 3.2
hievor) fan
den zudem lediglich circa alle zwei Monate Gespräche statt. Ausserdem ist dem Bericht bereits eine ausführliche Anamnese zu entnehmen. In Anbetracht dieser Tatsachen ist nicht ersichtlich, welche zusätzlichen und für das zu erstellende Gutachten relevanten Erkenntnisse Prof. Dr. A._ aus einer – im Übrigen in dessen fachlichem Ermessen liegenden - Rücksprache mit der behandelnden Psy
chiaterin hätte gewinnen können.
Zur weiteren Kritik der Beschwerdeführerin an der Diagnosestellung von Prof. Dr. A._ ist festzuhalten, dass dieser ausführlich und für das Ge
richt nachvollziehbar begründete, weshalb die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung vorliegend nicht bestätigt werden kann. Auf die von ihm gestellte Diagnose von p
sychologische
n
Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten
ist deshalb abzustellen. Nicht ersicht
lich beziehungsweise nicht verständlich ist, weshalb sich Prof. Dr. A._ nicht auf das beweiskräftige rheumatologische Gutachten hätte berufen sollen. Prof. Dr. A._ führte zudem aus, dass sich Symptome einer
Erschöpfungsde
pression erheben
liessen
, welche die diagnostischen Kriterien einer depressi
ven Episode
erfüllen. Dass am Schluss seines Gutachtens lediglich die Diag
nose einer depressiven Episode aufgeführt wurde, ist damit nicht zu bean
standen.
Schliesslich machte die Beschwerdeführerin geltend, Prof. Dr. A._ sei von der von ihm festgehaltenen vollen Arbeitsfähigkeit selbst nicht über
zeugt. Bei der Beschwerdeführerin besteht jedoch, wie bereits dargelegt, eine erhebliche psychosoziale Belastungssituation, welche
medizinisch die Diag
nose einer leichten bis mittelschweren Depression
, aber
rechtlich keine Inva
lidität zu begründen vermag. Es besteht damit kein Widerspruch, wenn Prof. Dr. A._ einerseits ausführte, unter Abzug der
psychosozialen Anteile
sei die Beschwerdeführerin (aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht) voll ar
beitsfähig und andererseits (aus medizinischer Sicht) eine Intensivierung der Therapien empfahl, um eine volle berufliche Wiedereingliederung zu erzielen. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen folglich nichts an der Be
weiskraft des psychiatrischen Teilgutachtens zu ändern.
4.4
Die Beschwerdeführerin wies auf eine grosse wirtschaftliche Abhängigkeit von
Dr. Z._
und Prof.
Dr. A._
von der
Beschwerdegegnerin
hin. Aufgrund dieser Abhängigkeit sei das verfassungsmässige Recht auf Unab
hängigkeit des Gutachters nicht gewährt, weshalb die Expertisen der Gut
achter aus dem Recht zu weisen seien.
Eine wirtschaftliche Abhängigkeit ist jedoch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts für sich allein kein Ausstandsgrund (BGE 138 V 271 E. 2.2.2). Das Bundesgericht hat diesen Grundsatz auch für mono- und bidisziplinäre Gutachten explizit bestätigt (BGE 139 V 349 E. 5.2.2.1) und hat in weiteren, jüngst ergangenen Urteilen daran festgehalten (Urteile 8C_599/20
14 vom 18. Dezember 2015 E. 3.2,
8C_467/2014 vom 29. Mai 2015 E. 4
und 8C_354/2016 vom 25. Oktober 2016 E. 5.2
, je mit Hinweisen). Unter diesen Umständen erlaubt die eingereichte Aufstellung zur Anzahl Gutachtensauf
träge pro Gutachter in den Jahren 2012-2014 (Urk. 3/4) nicht den Schluss auf eine Befangenheit von
Dr. Z._
oder Prof.
Dr. A._
, auch wenn ihre dominierenden Stellungen augenfällig sind. Hinweise auf eine persönli
che Befangenheit der beurteilenden Gutachter sind vorliegend nicht ersicht
lich und hat die Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Ebenso wenig liegen Anhaltspunkte dafür vor, die bidisziplinäre Expertise sei nicht lege artis durchgeführt worden.
Auf das bidisziplinäre Gutachten ist damit abzustellen. Von zusätzlichen Abklärungen, wie von der
Beschwerdeführerin
gefordert,
sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
verzichtet wird.
4.
5
Zusammenfassend ist
auf das bidisziplinäre Gutachten von Prof. Dr. A._ und Dr. Z._ abzustellen, gemäss welchem
die Beschwer
deführerin sowohl in ihrer angestammten als auch in einer angepassten Tä
tigkeit voll arbeitsfähig
ist
. Die Beschwerdegegnerin hat
den
Leistungsan
spruch
der Beschwerdeführerin
damit zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) sind auf
Fr.
700.-- festzuset
zen und entsprechend dessen Ausgang der Beschwerdeführerin auf
zuerlegen.
5.2
Mit ihrer Beschwerde vom 28. Januar 2016 ersuchte die Beschwerdeführerin jedoch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 1).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115). Als bedürftig gilt eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhalts nicht in der Lage ist, die Prozess- und Anwaltskosten zu bestreiten, wobei die Einkommens- wie die Vermögensverhältnisse beider Ehegatten zu berücksichtigen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_617/2009 vom 15. Januar 2010 E. 6.2.1 mit Hinwei
sen). Grundsätzlich obliegt es der gesuchstellenden Person, ihre Einkom
mens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzustellen und soweit wie möglich auch zu belegen (BGE 120 Ia 179 E. 3a).
5.3
Mit Verfügung vom 2. Februar 2016 (Urk. 5) forderte das hiesige Gericht die Beschwerdeführerin auf, das Formular zur Abklärung der prozessualen Be
dürftigkeit vollständig
ausgefüllt und unter Beilage sämtlicher Belege zur
aktuellen
finanziellen Situation einzureichen
. Bezüglich der einzureichenden Belege wurde auf Ziff. 12 des Formulars verwiesen, gemäss welcher unter anderem Belege zu sämtlichen Einkünften (Arbeitsvertrag, Lohnausweise, Lohnabrechnungen), zum Bestand und zur regelmässigen Bezahlung aller geltend gemachten Auslagenpositionen sowie zu allen Vermögenspositionen und die letzte unterzeichnete Steuererklärung und Steuereinschätzung mit einzureichen sind. Der Beschwerdeführerin wurde dabei ausdrücklich ange
droht, dass bei ungenügender Substantiierung oder fehlenden oder ungenü
genden Belegen zur finanziellen Situation davon ausgegangen wird, dass keine prozessuale Bedürftigkeit besteht. Die Beschwerdeführerin reichte nebst dem ausgefüllten Formular (Urk. 8) lediglich die Lohnabrechnungen von sich und ihrem Ehemann vom Monat Januar 2016, eine Übersicht über die mo
natlich anfallenden Krankenversicherungsprämien und den Mietvertrag ein (Urk. 9/1-4). Aufgrund dieser Unterlagen allein kann aber nicht rechtsgenü
gend auf eine Bedürftigkeit geschlossen werden. Denn es fehlen relevante Belege zur Beurteilung respektive Verifizierung der Vermögenssituation wie Steuererklärungen, weitere Lohnabrechnungen oder Lohnausweise und Bankauszüge. Unter diesen Umständen kann dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mangels hinreichender Substantiierung der Bedürftigkeit nicht stattgegeben werden (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_173/2016 vom 17. Mai 2016 E. 5).