Decision ID: 75c5298f-de81-58d9-bbd4-69f3b6a25f98
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben seinen Heimatstaat
am 11. Februar 2020 verliess, gleichentags legal über den Flughafen
B._ in die Schweiz einreiste und um Asyl nachsuchte,
dass der Beschwerdeführer am 17. Februar 2020 die ihm zugewiesene
Rechtsvertretung bevollmächtigte,
dass am 18. Februar 2020 die Personalienaufnahme (PA) stattfand,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung am 22. April 2020 gel-
tend machte, seit er im Jahr 2000 aus C._ ausgewiesen worden
sei, abnorme Sachen passiert seien,
dass er vor 20 Jahren, nach dem Genuss von mit einem (...) versetzten
(...), einen Ausschlag am ganzen Körper ([...]) und seit er im Jahr 2014 in
einer (...) von (...) gestochen worden sei, (...) sowie (...) habe,
dass er in der Slowakei in medizinischer Behandlung gewesen sei; die
Ärzte ihm jedoch nicht hätten helfen können und nichts begreifen würden,
dass er toxische Medikamente erhalten habe, welche zu (...)krämpfen ge-
führt hätten,
dass er weiter geltend machte, er habe in D._ in einer Institution
gewohnt, wo er mit einem Gerät durch die Mauer gefoltert worden sei,
dass er von seinem Land nicht unterstützt werde, was ein politisches Prob-
lem sei,
dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 29. April 2020 das rechtli-
che Gehör zum ablehnenden Entscheidentwurf gewährte und der Be-
schwerdeführer am folgenden Tag dazu Stellung nahm,
dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 4. Mai 2020 auf das Asylgesuch
nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz verfügte und den Vollzug
anordnete, gleichzeitig händigte sie dem Beschwerdeführer die editions-
pflichtigen Akten aus,
dass die dem Beschwerdeführer zugewiesene Rechtsvertretung ihr Man-
dat am 5. Mai 2020 niederlegte,
E-2448/2020
Seite 3
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Mai 2020 gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und sinnge-
mäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entschei-
det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass die Vorinstanz zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus-
führte, das Hauptvorbringen des Beschwerdeführers beziehe sich auf me-
dizinische Probleme und nicht auf ein in Art. 3 AsylG genanntes Motiv,
E-2448/2020
Seite 4
dass seine Ausführungen, wonach das politische System und die Gesund-
heitsversorgung in der Slowakei ungenügend seien, ebenfalls asylrechtlich
nicht beachtlich seien,
dass er ferner keinen nachvollziehbaren Grund für angebliche Folterungen
durch die Mauer habe nennen können,
dass vorab festzustellen ist, dass die Vorinstanz einen Nichteintretensent-
scheid gefällt, indes in den Erwägungen die Vorbringen des Beschwerde-
führers materiell geprüft hat, weshalb die Verfügung im Ergebnis als Ableh-
nung des Asylgesuchs zu qualifizieren ist,
dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1
AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG),
dass der Bundesrat die Slowakei mit Beschluss vom 25. Juni 2003 als "safe
country" im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet hat, woraus
sich die gesetzliche Regelvermutung ergibt, dass keine asylrelevante
staatliche Verfolgung stattfinde und Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung
gewährleistet ist,
dass es sich hierbei um eine relative Verfolgungssicherheit handelt, welche
im Einzelfall auf Grund konkreter und substantiierter Hinweise umgestos-
sen werden kann,
dass der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe ausführt, seine
Krankheit gehe auf eine (...) zurück, die Ärzte ihm nicht helfen könnten
oder wollten, weshalb er am Leben bedroht sei,
dass er damit nichts vorbringt, was geeignet wäre, die Einschätzung der
Vorinstanz umzustossen, zumal seinen Ausführungen kein Verfolgungs-
motiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG entnommen werden kann,
dass die Vorinstanz demnach das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu
Recht abgelehnt hat,
E-2448/2020
Seite 5
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 44 AsylG) und der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen verfügt, weshalb die Wegweisung zu Recht angeordnet wurde (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.),
dass die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen
Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der
Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]),
dass beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),
dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung dieser mass-
geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da es
dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in
Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoule-
ment im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet,
dass sodann keine Anhaltspunkte für eine in der Slowakei drohende men-
schenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind,
E-2448/2020
Seite 6
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar
erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG),
dass gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG ferner die Vermutung besteht, dass
eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist,
dass die allgemeine Lage in der Slowakei nicht auf eine konkrete Gefähr-
dung im Falle einer Rückkehr schliessen lässt und die Slowakei zudem als
«safe country» gilt,
dass der heute (...)-jährige Beschwerdeführer in der Slowakei mit seiner
(...) und deren Familie über ein Beziehungsnetz verfügt, eine Rente in der
Höhe von (...) Euro erhalten und als Rentner temporäre Einsätze zur Auf-
besserung seiner finanziellen Verhältnisse geleistet hat, mithin nicht davon
auszugehen ist, er werde bei einer Rückkehr in eine finanzielle Notlage
geraten,
dass eine Behandlung der diagnostizierten (...), (...) und (...) ohne Weite-
res in der Slowakei möglich ist, zumal der Beschwerdeführer dort bereits
in Behandlung war und Medikamente erhalten hat,
dass eine im Heimat- oder Herkunftsstaat nicht dem schweizerischen Stan-
dard entsprechende medizinische Behandlung nicht zur Unzumutbarkeit
des Vollzugs der Wegweisung führt (BVGE 2009/2 E. 9.3.2 m.w.H.),
dass der Beschwerdeführer die Möglichkeit hat, medizinische Rückkehr-
hilfe beim SEM zu beantragen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der
Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]),
dass der Vollzug der Wegweisung demnach zumutbar ist,
dass der Beschwerdeführer über gültige Reiseausweise (Pass und Identi-
tätskarte) verfügt, womit der Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat
auch möglich ist (Art. 83 Abs. 2 AIG),
dass schliesslich auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen, handelt es sich dabei – wenn überhaupt – um ein tempo-
räres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten
durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der
Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in der Slowakei angepasst wird (vgl.
E-2448/2020
Seite 7
Entscheidung und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] Nr. 14 E. 8d und e sowie Urteil des BVGer D-4796/2019 vom
27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.),
dass der Vollzug der Wegweisung demnach zulässig, zumutbar und mög-
lich ist, womit die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme ausser Betracht
fällt (Art. 83 Abs. 1–4 AIG),
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch
sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 Asyl), weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen sind (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
E-2448/2020
Seite 8