Decision ID: 7e3f4516-db7e-4e3c-afcd-cd7518ff637a
Year: 2012
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt habe der Schulleiter des Beschwerdegegners 1 am 8. August 2011
beiliegende E-Mail zukommen lassen. Diese habe keinen Eingang in die dem
Verwaltungsgericht zugestellten Verfahrensakten gefunden. Die
Beschwerdeführerin nahm sodann mit Eingabe vom 7. November 2011 Stellung
zur Stellungnahme betreffend Skitag vom 11. März 2011 des Schulvorstehers
zuhanden des Schulrats ... und vertiefte darin erneut ihren bereits dargelegten
Standpunkt in vorliegender Angelegenheit.
11. Mit Eingabe vom 21. November 2011 nahm die Beschwerdeführerin noch zu
der E-Mail vom 8. August 2011 des Schulleiters an ... vom EKUD Stellung, von
welcher sie am 8. November 2011 Kenntnis genommen habe und worin der
damalige Vorgang bezüglich der Frage, weshalb die Schülerinnen wieder
hinaufgestiegen seien noch einmal zusammengefasst gewesen sei, nämlich:
Die Lehrer hätten auf ihrer Talfahrt auf der Piste nach ... die Schülerin ...
angetroffen. Diese sei alleine unterwegs nach ... gewesen und habe zur
Gruppe von ... gehört. Auf die Frage der Lehrpersonen, wo die anderen seien,
habe sie gesagt, diese seien auf dem Weg nach ... Darauf hätten die Lehrer sie
aufgefordert, jemand aus der Gruppe solle sie anrufen (Handy) und sie zur
Umkehr auffordern. Worauf diese dann bis zu den Lehrern aufgestiegen und
anschliessend nach ... hinunter gefahren seien. Die Beschwerdeführerin rügt
diesbezüglich, ihr hätte im vorinstanzlichen Verfahren Gelegenheit gegeben
werden müssen, zu diesem Aktenstück Stellung zu nehmen. Es handle sich
hier nicht um eine interne Akte, welche bloss dem internen Meinungsbild
gedient habe. Das gelte umso mehr, als dieses Aktenstück eine unwahre
Behauptung zum Inhalt habe. Diese Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör könne nicht im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren geheilt
werden, da das Verwaltungsgericht nicht die gleiche Kognition habe wie die
Vorinstanz. Die Ausführungen des Schulleiters in diesem Dokument seien nicht
richtig. Der Schulleiter sei gar nicht dabei gewesen. ... habe nicht gesagt, dass
die anderen nach ... unterwegs seien. Tatsächlich seien sie dies auch nicht
gewesen. Wie es sich genau verhalten habe, gehe aus der
Sachverhaltsschilderung der Beschwerdeführerin in der Beschwerde an das
Departement und in jener an das Verwaltungsgericht hervor. Wenn dieser
Darstellung kein Glaube geschenkt werde, müsse der Sachverhalt vertieft
abgeklärt werden. Die ganze Auseinandersetzung drehe sich um die Frage, ob
die Schülerinnen und Schüler nach ... unterwegs gewesen seien oder nicht.
Diese Frage dürfe nicht einfach mit ein paar Floskeln übergangen werden.
Wenn die Lehrer gegenüber den Schülern am Skitag derart engmaschige
Anweisungen hätten geben wollen, wie sie dies nun darstellten, hätten sie den
Abschlusstreff des Skitages nicht oben bei der Bergstation fixieren dürfen,
sondern unten im Dorf, etwa bei der Talstation. Bei dieser Planung hätten sich
die Lehrer dann (vor den Schülern) bei der Talstation einfinden müssen, wo sie
dann die Kontrolle über die Anwesenheit aller Schüler hätten durchführen
können. Jedoch hätten die Lehrer aber im Dorf keinen Treffpunkt mehr
festgelegt.
12. Am 23. November 2011 verzichtete der Beschwerdegegner 1 auf eine weitere
Stellungnahme zu den neuerlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin und
verwies auf seine bereits gemachten Ausführungen.
13. Der Beschwerdegegner 2 machte ebenfalls am 23. November 2011 Gebrauch
von der Möglichkeit zur Stellungnahme hinsichtlich der E-Mail vom 8. August
2011 und hielt fest, die Beschwerdeführerin erkenne darin nicht die
Präzisierung des Sachverhalts. Die vom Schulleiter gemachte Aussage sei in
Rücksprache mit den am Skitag anwesenden Lehrpersonen erteilt worden.
Aufgrund des Weiterzugs der Streitsache an das Verwaltungsgericht hätten die
beteiligten Lehrpersonen eine schriftliche Stellungnahme, datiert vom 4.
Oktober 2011, erstellt. Deren Inhalt sei allen Beteiligten bekannt gewesen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften sowie im
angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der
Entscheid des Erziehungs-, Kultur-, und Umweltschutzdepartement
Graubünden (EKUD) vom 11. August 2011, mitgeteilt am 12. August 2011.
Streitig und zu prüfen ist, ob die disziplinarrechtliche Bestrafung der
Beschwerdeführerin zu Recht erfolgte.
2. In formeller Hinsicht gilt es vorweg die geltend gemachte Verletzung des
rechtlichen Gehörs bzw. des daraus fliessenden Anspruchs auf Akteneinsicht
im Zusammenhang mit der E-Mail vom 8. August 2011 zu prüfen.
a) Der sowohl durch Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) als auch durch Art. 16 f. des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Graubünden (VRG; BR 370.100)
gewährleistete Anspruch auf rechtliches Gehör dient der Sachaufklärung und
garantiert dem von einem Entscheid Betroffenen ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht im Verfahren, soweit dies Einfluss auf seine Rechtsstellung
haben kann. Die Gehörsgarantie ist somit ein verfassungsmässig geschütztes
Individualrecht, hat also den Charakter eines selbständigen Grundrechts
(Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. Zürich 2010, N
1673 f.). Der Betroffene soll sich vor Erlass des Entscheides zur Sache
äussern, erhebliche Beweise beibringen, Einsicht in die Akten nehmen und an
der Erhebung von Beweisen mitwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis äussern können, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu
beeinflussen (BGE 122 I 53 E. 4a mit Hinweisen). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung bezieht sich das aus diesem Anspruch fliessende Recht auf
Akteneinsicht grundsätzlich auf sämtliche verfahrensbezogenen Akten, die nicht
ausschliesslich für die interne Meinungsbildung bestimmt sind und denen kein
Beweischarakter zukommt (BGE 132 II 485 E. 3; 125 II 473 E. 4a mit
Hinweisen). Nicht erforderlich ist, dass die Akten den Entscheid in der Sache
tatsächlich beeinflussen können. Eine Verweigerung der Einsichtnahme in die
Akten kann denn auch nicht mit der Begründung erfolgen, die betreffenden
Dokumente seien für den Verfahrensausgang belanglos. Vielmehr muss es
dem Betroffenen selber überlassen sein, die Relevanz der Akten zu beurteilen
(BGE 132 V 387 E. 3.2). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung müssen
die Beteiligten folglich, um die Möglichkeit zu haben ein Akteneinsichtsgesuch
zu stellen, über den Beizug neuer entscheidrelevanter Akten informiert werden.
Dies gilt jedenfalls für Akten, die sie nicht kennen und auch nicht kennen
können (BGE 132 V 387 E. 6.2 mit Hinweisen; vgl. zum Ganzen: Urteil des
Bundesgerichts 1C_88/2011 vom 15. Juni 2011 E. 3.4 mit Hinweisen).
Ebenfalls nicht massgebend für die Gewährung oder Verweigerung der
Akteneinsicht darf nicht bloss die Bezeichnung als internes Dokument sein.
Vielmehr ist entscheidend, ob die Unterlagen Sachverhaltsfeststellungen
beinhalten oder Beweischarakter aufweisen. Können die Akten für den
Ausgang des Verfahrens wesentlich sein, so ist die Einsicht zu gewähren
(Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1691a mit Hinweisen). Verfügungen oder
Entscheide, die unter Missachtung des rechtlichen Gehörs ergangen sind, sind
nach der Praxis des Verwaltungsgerichtes in der Regel aufzuheben und zur
Durchführung eines ordnungsgemässen Verwaltungsverfahrens an die
Verwaltungsbehörden zurückzuweisen (statt vieler: PVG 1996 Nr. 107; 1987 Nr.
85). Wenn es sich jedoch aus verfahrensökonomischen Gründen geradezu
aufdrängt, ist die Heilung einer allfälligen Gehörsverletzung im
Rechtsmittelverfahren zuzulassen (vgl. PVG 1996 Nr. 107). Nach der
Rechtsprechung kann ein Verfahrensmangel geheilt werden, wenn die
Kognition der urteilenden Instanz nicht eingeschränkt ist und den
Beschwerdeführern daraus auch kein Nachteil erwächst. Eine Heilung ist
ausgeschlossen, wenn es sich um eine besonders schwerwiegende Verletzung
der Parteirechte handelt, und sie soll die Ausnahme bleiben (BGE 134 I 335 E.
3.1; 126 I 72 E. 2 mit Hinweisen; PVG 2008 Nr. 1; vgl. zum Ganzen: Urteil des
Verwaltungsgerichts R 10 55 vom 2. September 2010 E. 2).
b) Die Beschwerdeführerin rügt die Verletzung des rechtlichen Gehörs, indem sich
die E-Mail vom 8. August 2011 vom Schulleiter vom EKUD nicht bei den
Verfahrensakten befunden habe und ihr insbesondere im vorinstanzlichen
Verfahren nicht die Möglichkeit eingeräumt worden sei, dazu Stellung zu
nehmen. Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, beim Inhalt dieses
Aktenstücks handle es sich um eine unwahre Behauptung, wonach ... allein
unterwegs gewesen sei und diese den Lehrern gesagt habe, die anderen
Mitglieder der Guppe seien auf dem Weg nach ...
c) Vorliegend wurde in der Stellungnahme der Schulleitung und des Schulrates
vom 7. Juni 2011 festgehalten, die Lehrer hätten dargelegt, dass ... alleine
gefahren sei, wo die Lehrerschaft sie gesehen habe. Der Rest der Gruppe, sei
Richtung ... unterwegs gewesen und habe wieder hochlaufen müssen. Die
besagte E-Mail vom 8. August 2011 hält dazu Folgendes fest:
„(...) Die Lehrer haben auf ihrer Talfahrt auf der Piste nach ... die Schülerin ...
angetroffen. Diese war alleine unterwegs nach ... und gehörte zu der Gruppe
mit ... Auf die Frage der LP, wo die anderen seien, sagte sie, diese seien auf
dem Weg nach ... Darauf haben die Lehrer ... aufgefordert, jemand aus der
Gruppe anzurufen (Handy) und sie zur Umkehr aufzufordern. Worauf diese
dann bis zu den Lehrern aufgestiegen und anschliessend nach ...
hinuntergefahren sind. (...)“
Im Entscheid des EKUD vom 11. August 2011, mitgeteilt am 12. August 2011,
wurde festgehalten „dass gemäss Auskunft des Schulleiters die Lehrpersonen
im Rahmen der Kontrolle auf der Talabfahrt diese Mitschülerin antrafen und
durch diese den restlichen Teil der Gruppe inklusive ... übers Natel zur Umkehr
und der anschliessenden korrekten Abfahrt bewogen“. Gestützt auf die
dargelegten Aktenstücke gelangt das Gericht zur Überzeugung, dass es sich
bei der besagten E-Mail vom 8. August 2011 – wie vom Beschwerdegegner 2
geltend gemacht – lediglich um eine Präzisierung des Sachverhaltes handelt.
Die Rüge der Beschwerdeführerin ist somit unbegründet. Selbst wenn
vorliegend der aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessende Anspruch
auf Akteneinsicht verletzt wäre, wäre die Verletzung des rechtlichen Gehörs
jedenfalls nicht schwerwiegend und im vorliegenden Verfahren geheilt worden.
Eine ausnahmsweise nachträgliche Heilung des rechtlichen Gehörs lässt sich
vorliegend ohnehin rechtfertigen, zumal dem Verwaltungsgericht volle Kognition
zukommt (Art. 51 Abs. 1 VRG; vgl. nachstehend E. 3), mithin eine umfassende
Prüfung der Sach- und Rechtslage möglich ist. Eine Rückweisung würde daher
nur zu einem formalisierten Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen
führen, weshalb davon im konkreten Fall abgesehen wird (BGE 116 V 187
E. 3d).
d) Zusammenfassend kann demnach festgehalten werden, dass sich der Einwand
der Beschwerdeführerin, das rechtliche Gehör sei verletzt, als unbegründet
erweist. Selbst wenn eine Gehörsverletzung in casu zu bejahen wäre, so würde
diese mit dem hier vorliegenden Beschwerdeverfahren geheilt.
3. a) Sämtliche Schülerinnen und Schüler der öffentlichen Schulen und Kindergärten
der Gemeinde ... sind der Disziplinarordnung der Schulen der Gemeinde
(Disziplinarordnung) unterstellt (Art. 1 Disziplinarordnung). Gemäss Art. 5 der
Disziplinarordnung haben die Schülerinnen und Schüler in Bezug auf die
Disziplinarordnung die Anordnungen von Lehrpersonen, Schulleitung und
Schulrat zu befolgen. Gegen Verstösse kann sodann durch die Lehrperson als
Strafe und Massnahme unter anderem eine Strafarbeit zu Hause oder im
Schularrest bis zu drei Stunden ausgesprochen werden (Art. 19 lit. a
Disziplinarordnung).
b) Vorliegend umstritten sind nicht die unter Erwägung 3a dargelegten rechtlichen
Grundlagen oder das Verfahren, sondern die Frage, ob die Beschwerdeführerin
anlässlich des Skitages vom 11. März 2011 eine Disziplinwidrigkeit begangen
hat. Unbestritten und nachgewiesen ist, dass die Schülerinnen und Schüler in
einem Informationsblatt zum Skitag vorgängig darüber ins Bild gesetzt worden
waren, dass am Skitag in den gemeldeten Gruppen gefahren werden müsse,
und dass die einzelnen Gruppen den ganzen Tag zusammen bleiben müssten.
Ebenfalls unbestritten und nachgewiesen ist, dass sich die Schülerinnen und
Schüler für die Besammlung am Schluss zwischen 15.00 und 15.15 Uhr bei der
Bergstation melden mussten. Unbestritten ist auch, dass die Gruppe um die
Beschwerdeführerin dieser Pflicht nachgekommen ist, und dass die Gruppe dort
mündlich orientiert worden ist, dass sie (die Gruppe) gemeinsam nach ...
abfahren müsse. Die Anweisung der Lehrerschaft, die Talabfahrt nach ... zu
wählen, war durch Sicherheitsgründe motiviert und damit nachvollziehbar,
zumal die andere Abfahrt wegen der geringen Schneedecke ein Unfallrisiko
barg. Damit kann festgehalten werden, dass die Vorgaben der Lehrerschaft für
die Heimfahrt – geschlossene Talabfahrt nach ... – der Beschwerdeführerin und
ihren Gruppenmitgliedern klar waren.
c) Für die vorliegend zu klärende Frage, ob die Beschwerdeführerin eine
Disziplinwidrigkeit begangen hat, ist massgebend, ob sich die Gruppe um die
Beschwerdeführerin an die klaren Vorgaben der Lehrerschaft zur Abfahrt nach
... gehalten hat. Nicht im Vordergrund steht dabei die Frage, ob die
Beschwerdeführerin und drei ihrer Begleiterinnen und Begleiter bewusst die
Heimfahrt nach ... angetreten waren. Massgebend für die hier vorzunehmende
Beurteilung ist vielmehr die Tatsache, dass diese Gruppe eben nicht wie
angewiesen geschlossen fuhr, sondern bei der entscheidenden Abzweigung
gerade keine genügende Verbindung hatte. Genau solche Situationen galt es
aber mit der Weisung des geschlossenen Fahrens zu vermeiden. Es kann
daher offen gelassen werden, ob die vier betroffenen Schülerinnen und Schüler
bewusst den Heimweg nach ... angetreten waren oder nicht. Dafür spricht die
zweifellos vorhandene Ortskunde aller Gruppenmitglieder. Selbst wenn aber die
Darstellung der Beschwerdeführerin – versehentliche Routenwahl – zutrifft, so
hätte dies vermieden werden können, wenn die Gruppe auch auf der Heimfahrt
tatsächlich zusammen gefahren wäre. Eine Disziplinwidrigkeit ist aufgrund der
gemachten Ausführungen zu bejahen, so dass die Strafe von 11/2 Stunden
Nachsitzen gerechtfertigt und begründet ist. Die Beschwerde ist folglich
abzuweisen.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf Art.
73 Abs. 1 VRG der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Aufgrund der Tatsache,
dass die Beschwerdegegner lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegt
haben, ist ihnen keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 78 Abs. 2 VRG).