Decision ID: 5e20fd6b-7265-4e7d-81d4-28c966c31678
Year: 2010
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
Seit März 2002 wirkte A, jetzt auch Diakon mit "Missio canonica" vom Generalvikariat für die Kantone Zürich und Glarus, in der Katholischen Kirchgemeinde X gemäss Verfügung der dortigen Kirchenpflege vom 14. Dezember 2007 zu damals Fr. 11'007.50 Bruttomonatslohn (Anteil am 13. eingeschlossen) als Gemeindeleiter. Dieses (öffentlichrechtliche) Arbeitsverhältnis beruht auf der Anstellungsordnung der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich vom 22. März 2007 (AO; siehe daselbst § 6) "sowie den massgebenden berufsbezogenen Bestimmungen und Vollzugserlassen" unter anderem vom 15. Mai 2007 für Priester und Diakone. Wie zuvor mehrfach angekündigt, entliess die Kirchenpflege A mit ihm gleichentags übergebenem Schreiben vom 21. Juni 2010 per Ende September 2010 und stellte ihn mit einem solchen vom 6. Juli 2010 ab 16. – später verschoben auf den 30. – nämlichen Monats bei Lohnfortzahlung frei.
II.
Unter dem 13. Juli 2010 liess A hiergegen beim Bezirksrat Z rekurrieren und anbegehren, Kündigung sowie Freistellung "als ungültig zu erklären und aufzuheben"; zugleich wurde darum ersucht, "die Kirchenpflege im Sinne einer einstweiligen, sofort zu erlassenden Verfügung anzuweisen, den Rekurrenten im bisherigen Aufgabenkreis mindestens für die Dauer des Rekursverfahrens [...] weiter zu beschäftigen und insbesondere keine Vollzugshandlung bezüglich [...] Freistellungsverfügung zu erbringen". Eine Präsidialverfügung vom 16. Juli 2010 wies nebst anderen Anordnungen das Gesuch um "Erlass einer einstweiligen Verfügung" ab (Dispositiv-Ziff. II).
III.
A liess beim Verwaltungsgericht am 26. Juli 2010 Beschwerde führen mit dem Antrag, unter Entschädigungsfolge zu Lasten der Römisch-katholischen Kirchenpflege X Dispositiv-Ziff. II der Verfügung vom 16. Juli 2010 aufzuheben, dem beim Bezirksrat Z hängigen Rekurs sowie der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu verleihen und "die Kirchenpflege im Sinne einer einstweiligen sofort zu erlassenen Verfügung anzuweisen, den Beschwerdeführer im bisherigen Aufgabenkreis mindestens für die Dauer des Rekursverfahrens [...] weiter zu beschäftigen und insbesondere keine Vollzugshandlungen bezüglich [...] Freistellungsverfügung vorzunehmen".
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Juli 2010 ist das Gesetz über die Anpassung des kantonalen Verwaltungsverfahrensrechts in Kraft getreten; es revidierte namentlich das Verwaltungsrechtspflegegesetz vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2) stark (OS 65, 390 ff., 394–405 und 437). Nach den intertemporalen Prinzipien findet neues Prozessrecht sofort Anwendung und richtet sich die Zuständigkeit einer Rechtspflegebehörde nach dem Zeitpunkt, wo diese angerufen wird (vgl. RB 2004 Nr. 8); das spielt hier keine Rolle, weil das folglich massgebliche aktuelle Verfahrensrecht gegenüber dem abgelösten für das vorliegende Geschäft inhaltlich nichts geändert hat (siehe zum Ganzen auch VGr, 6. Juli 2010, PB.2010.00019, E. 1, www.vgrzh.ch).
2.
Wenn wie hier weder einem Fall grundsätzliche Bedeutung eignet noch der Regierungsrat als Vorinstanz gewirkt hat, erledigt kraft a§ 38 (OS 54, 268 ff., 273 f. und 290) bzw. § 38b Abs. 1 lit. c und Abs. 2 f. VRG gerichtsintern der Einzelrichter unter anderem Rechtsmittel erstens mit einem Streitwert, der zweitens Fr. 20'000.- nicht übersteigt. So verhält es sich vorliegend. Die angefochtene Verfügung stellt einen gemäss a§ 80c (OS 54, 277 und 290) in Verbindung mit a§ 48 (GS I 337 ff., 353) bzw. § 41 Abs. 3 in Verbindung mit § 19a VRG das Rekursverfahren nicht abschliessenden Zwischenentscheid dar. Nach neuerer verwaltungsgerichtlicher Praxis eignet dem Rechtsmittel gegen einen Zwischenentscheid analog Art. 51 Abs. 1 lit. c des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) der Streitwert der Hauptsache (RB 2008 Nr. 27; VGr, 6. Juli 2010, PB.2010.00019, E. 2.1 Abs. 1, www.vgrzh.ch).
Als Hauptsache erscheint hier die mit dem Rekurs angefochtene Entlassung. Bei Auseinandersetzungen während andauernden Anstellungsverhältnisses oder um dessen Auflösung gelten als Streitwert die kontroversen Bruttobesoldungsansprüche bis zur nach Anrufen des Verwaltungsgerichts nächstmöglichen Beendigung dieses Verhältnisses aus Sicht der anfechtenden Partei (Andreas Keiser, Das neue Personalrecht – eine Herausforderung für die Zürcher Gemeinden, ZBl 102/2001 S. 561 ff., 572; VGr, 6. Juli 2010, PB.2010.00019, E. 2.1 Abs. 2, www.vgrzh.ch). Die Beschwerde stammt aus dem Vormonat, sodass der Beschwerdeführer laut § 15 AO und Ziff. 7 der Bestimmungen für Priester und Diakone damals hätte auf das Ende der anschliessenden drei Monate, also auf 31. Oktober 2010 kündigen dürfen. Deshalb gilt ein Monatslohn als strittig. Das kann die Schwelle von Fr. 20'000.- nicht überschreiten (zum Ganzen oben I–III).
Vor Erledigung des Rechtsmittels braucht es keine Weiterungen (a§ 80c [OS 54, 277] in Verbindung mit a§ 56 Abs. 2 f. [GS I 354] bzw. § 57 Abs. 1 VRG [dazu ABl 2009, 801 ff., 972]). Mit dem heutigen Entscheid verliert das Gesuch, der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu verleihen, seinen Gegenstand (vgl. VGr, 6. Juli 2010, PB.2010.00019, E. 2.2, www.vgrzh.ch; Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 55 N. 8).
3.
Das Verwaltungsgericht prüft nach (a§ 80c in Verbindung mit) § 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 VRG seine Zuständigkeit als solches von Amtes wegen. Diese ist gemäss a§ 74 Abs. 1 und Abs. 3 e contrario (OS 54, 276, und OS 62, 482 ff., 496) bzw. §§ 41 Abs. 1 f. und 42–44 e contrario in Verbindung mit §§ 19 Abs. 1 lit. a sowie Abs. 3 Satz 1, 19a Abs. 1 und 19b Abs. 2 lit. c VRG gegeben bei Beschwerden gegen einen hier noch zu fällenden erstinstanzlichen bzw. bezirksrätlichen Rekursentscheid über (personalrechtliche) Anordnungen und also auch gegen einen demselben wie gegenwärtig vorausgehenden Zwischenentscheid (vgl. oben II; a§ 80c in Verbindung mit a§ 43 Abs. 3 e contrario [OS 54, 274 f. ] bzw. § 44 Abs. 3 e contrario VRG; Kölz/Bosshart/Röhl, § 43 N. 55, § 48 N. 20).
Zu den restlichen, mehrheitlich ebenfalls erfüllt erscheinenden Eintretensbedingungen ist vorab einzuschränken, dass dem Beschwerdeführer die Legitimation gemäss a§ 80c in Verbindung mit § 70 und a§ 21 lit. a (OS 54, 272) bzw. § 49 in Verbindung mit § 21 Abs. 1 VRG fehlt, Interessen der beschwerdegegnerischen Gemeinde geltend zu machen, wie er es aber tut (Kölz/Bosshart/Röhl, § 21 N. 22; VGr, 23. März 2006, VB.2005.00599, E. 1.2 Abs. 2, www.vgrzh.ch; dazu ferner [Art. 117 in Verbindung mit] Art. 111 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 89 Abs. 1 lit. b f. BGG). Im Übrigen lässt sich das Rechtsmittel nach a§ 80c in Verbindung mit a§ 48 Abs. 2 (GS I 353) bzw. § 41 Abs. 3 in Verbindung mit § 19a Abs. 2 VRG sowie Art. 93 Abs. 1 BGG nur an die Hand nehmen, wenn der angefochtene Zwischenentscheid für den Beschwerdeführer einen später voraussichtlich nicht mehr behebbaren Nachteil zeitigt bzw. ein solcher droht oder die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid bewirken und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde. Letztere Alternative kommt hier offenkundig nicht in Frage.
Was den irreparablen Nachteil anbelangt, bejaht ihn zwar die Praxis bei Entscheiden über den Suspensiveffekt regelmässig; sie verneint ihn aber im Personalrecht prinzipiell, wenn es um Kündigung oder auch bloss Freistellung geht (RB 2008 Nr. 28; VGr, 10. März 2010, PB.2009.00045, E. 2.3, www.vgrzh.ch). Nun bringt der Beschwerdeführer vor, würden Kündigung und Freistellung "sofort vollstreckbar", entstehe für seinen bereits beeinträchtigten Ruf ein zusätzlicher Schaden, der sich später aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr beheben lasse. Wie es sich damit verhalte, darf freilich offen bleiben. Denn es zeigt sich sogleich, dass die Beschwerde bei einem Eintreten auf sie jedenfalls abzuweisen ist.
4.
Der hier anwendbare § 16 Abs. 4 AO – so auch der Beschwerdeführer – lautet wörtlich übereinstimmend mit § 18 Abs. 3 Satz 1 des (kantonalen) Personalgesetzes vom 27. September 1998 (LS 177.10):
"Erweist sich die Kündigung als missbräuchlich oder sachlich nicht gerechtfertigt und wird der oder die Angestellte nicht wieder eingestellt, so bemisst sich die Entschädigung nach den Bestimmungen des Obligationenrechts über die missbräuchliche Kündigung."
Es ist davon auszugehen, dass die nachgebildete kirchliche Norm das Gleiche bedeute wie die weltliche und also nach gefestigter Praxis – vorbehältlich aufsichtsrechtlicher Anordnung einer Weiterbeschäftigung – keinen Anspruch auf Aufhebung der Kündigung und Wiedereinstellung verleihe, sondern angelehnt an das obligationenrechtliche Konzept nur einen solchen auf Entschädigung (VGr, 11. April 2001, PB.2001.00008, E. 3, und 21. Juli 2010, PB.2010.00012, E. 17.2, beides unter www.vgrzh.ch). Letzteres verkennt der Beschwerdeführer mit seinem Rekursantrag zur Hauptsache noch, vor Verwaltungsgericht jedoch möglicherweise nicht mehr (vgl. oben II).
4.1
Gemäss a§ 25 VRG (GS I 346 f.) kam dem Rekurs aufschiebende Wirkung zu, wenn angefochtene Anordnung oder Rechtsmittelbehörde nicht aus besonderen Gründen etwas anderes bestimmten (Kölz/Bosshart/Röhl, § 25 N. 13 und 23). Die aufschiebende Wirkung soll verhindern, dass der vorzeitige Vollzug einer Anordnung rechtliche und tatsächliche Präjudizien schaffe, welche den Entscheid in der Hauptsache vorwegnehmen oder das Rechtsmittel illusorisch machen (Kölz/Bosshart/Röhl, § 25 N. 2).
Das Verwaltungsgericht führte hierzu aus, diesen Zweck erreiche die aufschiebende Wirkung bei einer vielleicht rechtswidrigen, aber wie vorliegend irreversiblen Kündigung von vornherein nicht (11. April 2001, PB.2001.00008, E. 4 Abs. 2, www.vgrzh.ch, auch zum Folgenden). Dann hielte die aufschiebende Wirkung der Rekursinstanz eine Entscheidungsmöglichkeit offen, über die jene aufgrund des materiellen Rechts nicht verfüge. Ein solch unsinniges Ergebnis rechtfertige den Entzug der aufschiebenden Wirkung ohne Weiteres. Deshalb habe für die personalrechtlichen Verfahren vor Verwaltungsgericht, das gemäss a§ 80 Abs. 2 VRG (OS 54, 277) ebenso wenig eine Kündigung aufheben (, sondern nur deren Rechtswidrigkeit feststellen und dafür eine Entschädigung bestimmen) dürfe, bereits a§ 80 Abs. 1 VRG die aufschiebende Wirkung von Rechtsmitteln ausgeschlossen. Es wäre zudem mit Blick auf die in Frage stehenden Interessen stossend, wenn ein Rekursverfahren bewirkte, dass währenddessen das Arbeitsverhältnis andauerte, obwohl die Rechtsmittelbehörde eine Fortsetzung desselben nicht anordnen könne; der Entzug der aufschiebenden Wirkung erweise sich damit auch als verhältnismässig (vgl. Kölz/Bosshart/Röhl, § 25 N. 14).
Das Verwaltungsgericht fuhr fort, eine andere Betrachtungsweise rechtfertigte sich eventuell dann, wenn die Kündigungsverfügung an Mängeln litte, welche diese als nichtig erscheinen liessen (a.a.O., E. 4 Abs. 3). Tatsächlich hat das Verwaltungsgericht inzwischen entschieden, a§ 80 Abs. 2 VRG auferlege ihm in einem solchen Fall keine Beschränkung (RB 2008 Nr. 102; 18. November 2009, PB.2009.00027, E. 2.2.3, www.vgrzh.ch).
4.2
Zu oben 4.1 bleibt zu ergänzen, dass a§ 80 VRG neben Kündigungen auch Freistellungen beschlug (VGr, 7. April 2004, PB.2004.00003, E. 3 Abs. 3, mit Hinweis, www.vgrzh.ch). Dann liess sich aber für die wie hier mit einer Kündigung verbundene Freistellung ebenso ein besonderer Grund für den Entzug der aufschiebenden Wirkung und dessen Verhältnismässigkeit bejahen.
Die Beschränkungen des a§ 80 VRG für Personalrechtsstreitigkeiten gelten nach §§ 55 und 63 Abs. 3 in Verbindung mit §§ 25 Abs. 2 lit. a und 27a Abs. 1 VRG vor Verwaltungsgericht weiter sowie neu auch im Rekursverfahren, wobei (§ 55 in Verbindung mit) § 25 Abs. 3 VRG aus besonderen Gründen das Verleihen aufschiebender Wirkung vorsieht (ABl 2009, 886 f., 964, 966, 972 f.). Nur dann, wenn das anwendbare Personalrecht anders als hier eine Weiterbeschäftigung erlaubt, hat allein der Rekurs gemäss § 25 Abs. 4 in Verbindung mit Abs. 1 und Abs. 2 lit. a VRG grundsätzlich aufschiebende Wirkung und kann die
Rekurs
behörde kraft 27a Abs. 2 VRG eine Weiterbeschäftigung anordnen (Prot. KR 2007–11, S. 10227 ff., 10240 f. und 10245 f., sowie 160. Sitzung, 22. März 2010, S. 6 ff., 9 f.).