Decision ID: 317d169b-918e-4f5b-bf60-a5f1ce8cb1b7
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970,
verlor aufgrund eines Arbeitsunfalles vom 11. November 1999 drei Finger (II-IV) seiner rechten Hand (Urk. 8/1-2).
Im März 2000 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte berufliche und medizinische Unterlagen ein, zog Akten des Unfallversicherers bei und gewährte dem Versicherten berufliche Massnahmen
in Form einer Umschulung
(Urk. 8/18). Mit Mitteilung vom 19. Februar 2002 hielt die IV-Stelle fest, der Versicherte sei nach erfolgreicher Umschulung
renten
ausschliessend
eingegliedert, weshalb des Leistungsgesuch als erledigt abge
schrieben werde (Urk. 8/26).
Mit Verfügung vom 15. September 2003 sprach ihm der Unfallversicherer eine Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 14 % sowie eine
Integritätsent
schädigung
zu (Urk. 8/27).
1.2
Am 12. August 2009 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle an (Urk. 8/36).
Die IV-Stelle zog wiederum Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 8/41)
,
holte Arztberichte (Urk. 8/51, Urk. 8/60, Urk. 8/68-69
, Urk. 8/105, Urk. 8/
108
) ein
und gewährte dem Versicherten Arbeitsvermittlung (Urk. 8/86, Urk. 8/98)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/111, Urk. 8/118) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 9. Februar 2012 einen Rentenan
spruch (Urk. 8/120 = Urk. 2).
Zwischenzeitlich erhöhte der Unfallversicherer die Invalidenrente auf 37 % ab 1. März 2007 (Verfügung vom 24. November 2009, Urk. 8/52).
2.
Gegen die Verfügung vom 9. Februar 2012 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 14. März 2012 Beschwerde und beantragte, diese sei aufzuheben und ihm sei mit Wirkung ab Februar 2010 eine
Dreiviertelsrente
oder eventuell eine halbe Rente auszurichten (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2012 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 19. Juni 2012 zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig wurde antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) das Gesuch um unentgeltli
che Prozessführung bewilligt (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Beschwerdeführer machte in formeller Hinsicht geltend, die
Beschwerdegeg
nerin
habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie in der an
gefochtenen Verfügung ihre Begründungspflicht nicht wahrgenommen habe (
Urk.
1 S. 5 Ziff. 2).
1.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, d.h. eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwägungen (Art. 49
Abs.
3 Satz 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenen
falls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Ent
scheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
1.3
Nach der Rechtsprechung kann eine - nicht besonders schwerwiegende - Verlet
zung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die be
troffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
S. 437). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Ge
hörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalisti
schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390 mit Hinweis).
1.4
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom
3
.
Januar 2012
(Urk.
8/118
) Ein
wand gegen den Vorbescheid vom
1
3. Oktober 2011
.
Darin führte er insbeson
dere aus, es lägen Berichte vom 9. Dezember 2009 und 7. Juli 2010 der
Y._
vor,
in
welchen
ihm
in einer angepassten Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von
50 %
(mit der Möglichkeit, das Pensum zu steigern) attestiert worden sei
. Seit diesen Berichten seien durch die Beschwerdegegnerin keine weiteren Abklärungen erfolgt und es sei auch keine
Veränderung des medizinischen Sachverhalts eingetreten. Gestützt auf die medizinischen Akten sei somit von einer Restarbeitsfähigkeit von 50 % mit der Möglichkeit einer
Pensumssteigerung
auszugehen (S. 3 unten).
In der strittigen Verfügung
erklärte die Beschwerdegegnerin
,
der Regionale Ärztliche Dienst habe sich mit den medizinischen Akten auseinander gesetzt und zu Letzt am 12. August 2010 eine Stellungnahme zum medizinischen Sach
verhalt abgegeben. Seither seien keine weiteren medizinischen Befunde einge
gangen, welche einer weiteren Würdigung oder allenfalls weitere Abklärung
en
bedurft hätten (Urk. 2 S. 2)
.
Es kann offen bleiben, o
b
d
ie
Beschwerdegegnerin
damit ihrer
Begründungs
pflicht
nachkam
. Denn selbst wenn eine Verletzung des rechtlichen Gehörs be
jaht würde, wäre diese i
m Interesse der Verfahrensökonomie sowie aufgrund des Umstandes, dass der Beschwerdeführer keinen Rückweisungsantrag infolge Verletzung des rechtlichen Gehörs gestellt hat und sich die Parteien im
Be
schwerdeverfahren
umfassend äussern konnten (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
S. 437; BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390 mit Hinweis), als geheilt zu betrachten.
2.
2.1
Die den Invaliditätsgrad und dessen Bemessung betreffenden rechtlichen Grundlagen (Art. 28 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG; Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSG) sind im angefochtenen Entscheid zutreffend wiedergegeben (Urk. 2 S. 1). Darauf kann, mit den nachfolgenden Ergänzungen, verwiesen werden.
2.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der a
ngefochtenen Verfügung
davon aus,
dem Beschwerdeführer sei die angestammte Tätigkeit als Elektromonteur nicht mehr zumutbar. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei ihm jedoch zu 80 % zumutbar
. Da
bei
ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 38 % (Urk. 2 S. 2). Daran hielt sie in ihrer Beschwerdeantwort fest (Urk. 7).
3.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1),
gestützt auf die Berichte der
Y._
sei eine medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit von 50 % ausgewiesen (S. 5 Ziff. 3). Unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 20 % ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 69 %, weshalb ab Mai 2010 eine
Dreiviertelsrente
auszurichten sei (S. 5 f. Ziff. 5 f.). Sodann sei selbst unter der Annahme einer Restarbeitsfähigkeit von 80 % - unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges - bei einem Invaliditätsgrad von 51 % ein Rentenanspruch ausgewiesen (S. 6 Ziff. 7).
3.3
Streitig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin
das Rentenbegehren
vom 12
. August 2009 zu Recht ab
wies
und einen
Rentenanspruch verneinte.
Es
ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Elektromonteur zu 100 % arbeitsunfähig ist.
4.
4.1
Aus dem
Bericht
von Kreisarzt
Z._
, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie, vom 10. August 2009 (Urk. 8/41/9-14) geht hervor, dass der Beschwerdeführer beim Unfall im Jahr 1999 die mittleren drei Finger der rechten Hand und einen Teil der dazugehörigen Mittelhand verlor (S. 3).
Daher
, so
Z._
,
könne
d
er
Beschwerdeführer
mit der rechten Hand
nur noch Gewicht
e von wenigen 100 g halten und
die Geschicklichkeit des Spitzgriffes
sei
beeinträchtigt
. Starke auf die rechte Hand wirkende Schläge und Vibrationen sowie lang
dauernde Exposition zu Temperaturen unterhalb von
5-10° Celsius seien zu vermeiden. Zur Bedienung von Tastaturen könne nur der Daumen eingesetzt werden. Ein ganztägiger Arbeitseinsatz sei zumutbar (S. 4).
4.2
Vom 28. Juli bis 11. September 2009 war der Beschwerdeführer in stationärer und danach bis 6. November 2009 in teilstationärer Behandlung in der
Y._
(Austrittsbericht vom 9. Dezember 2009, Urk. 8/68/9-12)
.
Unter einer starken psychosozialen Belastungssituation habe sich eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) und eine soziale Phobie (ICD-10 F40.1) entwickelt, wobei es unter medikamentöser Behandlung und therapeuti
scher Unterstützung zu einer vollständigen Remission des depressiven Syn
droms und
„
unter Exposition
“
zu einer
weitestgehenden
Rückbildung der Pho
bie
gekommen sei
(S. 1 sowie S. 3 unten).
Gemäss
Beurteilung vom 7. Oktober 2009
zu
Handen
der Beschwerdegegnerin attestierten die
Ärzte der
Y._
dem Beschwerdeführer eine
100%
ige Arbeitsunfähigkeit
, wobei langfristig eine Wie
derherstellung der Arbeitsfähigkeit von zirka 50 % zu erwarten sei
. Hierfür seien insbesondere handwerkliche Einschränkungen, aber auch „seelische Vul
nerabilität“ ursächlich
(Urk. 8/51
/1
).
Im weiteren Verlauf habe
sich der Gesundheitszustand
weiter
gebessert (
Bericht vom 2. Februar 2010
, Urk. 8/60; Bericht vom
7. Juli 2010
,
Urk. 8/69). Es liege noch ein leichtes depressives Syndrom (ICD-10 F32.0) vor. Der Beschwerdefüh
rer sei in einer an seine körperlichen Einschränkung durch die Teilamputation der rechten Hand angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig, wobei mit einer Steigerung auf bis zu 80 % zu rechnen sei (Urk. 8/60/1, Urk. 8/69/1).
4.3
Der den Beschwerdeführer seit dem 19. Febr
uar 2010 behandelnde Psychiater
A._
, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
diagnostizierte mit Bericht vom 9. Juli 2010
(Urk. 8/68/1-6)
eine seit Juli 2009 bestehende schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) sowie eine soziale Phobie (ICD-10 F40.1
, bestehend seit 2008
)
. In der bisherigen Arbeitstätigkeit als Elektromonteur sei er seit dem Unfall zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2 Ziff. 1.6).
In e
ine
r
angepasste
n
Tätigkeit
sei er bis zu 100 % arbeitsfähig, „abhängig von Umschulung/Arbeitsintegration“ (S. 3 Ziff. 1.9). Insbesondere sei er in der
derzeitige
n
Tätigkeit als Webdesigner an der
B._
„bald
bis zu 100 % arbeitsfähig“
(
Beiblatt Urk. 8/68/5
).
4.4
In der
Stellungnahme
vom 12. August 2010 vom
C._
führte
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, aus, aufgrund der vorliegenden Berichte sei für die Zeit vom 28. Juli bis 6. November 2009 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten auszugehen. Danach sei er für an seine Behinderung durch die teilamputierte Hand adaptierte Tätigkeiten zu 80 % arbeitsfähig, wobei eine weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit möglich sei (Urk.
8/79/4-5
).
4.5
Vom 26. Juli bis 22. September 2010 wurde der Beschwerdeführer ein zweites Mal in der
Y._
teilstationär (mit ambulanter Nachbehandlung bis 7. Oktober 2010) behandelt (Bericht vom 1. April 2011, Urk. 8/108). Der Eintritt sei auf
grund der Zunahme der depressiven Symptomatik vor dem Hintergrund einer psychosozialen Belastungsreaktion (Konflikte in der Wohneinrichtung sowie Sorgen um die berufliche Zukunft) erfolgt (S. 2 unten). Die Ärzte diagnostizier
ten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depres
sive Episode (ICD-10 F33.1) sowie eine soziale Phobie (S. 1). Aufgrund des po
sitiven Verlaufs habe die teilstationäre Behandlung reduziert werden können und der Beschwerdeführer habe begleitend seine beruflichen Verpflichtungen wahrnehmen können. Der Austritt sei auf eigenen Wunsch bei stabilem Zustand erfolgt (S. 3).
4.6
Mit Stellungnahme vom 1. Februar 2012 hielt der
C._
an seiner letzten Beurteilung
fest
(Urk.
8/119/2
).
5.
5.1
Es ist unbestritten und gestützt auf die Akten ausgewiesen, dass der
Be
-
schwerdeführer
aus somatischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist (vgl. E. 4.1). Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund seiner psychischen Beeinträchtigungen sei er
in einer angepassten Tä
tigkeit
lediglich zu 50 % arbeitsfähig, ist
Folgendes auszuführen:
5.2
Die Ärzte der
Y._
attestierten dem Beschwerdeführer anfänglich zwar eine Ar
beitsunfähigkeit von 50 %.
Sie führten dazu jedoch aus, dass die Einschränkun
gen hauptsächlich körperlicher Art seien, mit psychischen Einschränkungen sei nur in geringem Umfang zu rechnen (Urk. 8/51/4 Ziff. 1.12). Diese Beurteilung stützt sich demnach vorwiegend auf somatische Einschränkungen, wofür die Ärzte der
Y._
nicht spezialisiert sind. Zudem geht aus dem weiteren Verlauf und den dazu vorhandenen Berichten hervor, dass sich der psychische Zustand gebessert hat
, wobei
es zu einer weitgehenden Rückbildung der Phobie kam und
noch eine leichte depressive Episode diagnostiziert werden konnte
. Die Arbeits
fähigkeit könne bis 80 % gesteigert werden
(vgl. E. 4.2).
A._
erachtete den Beschwerdeführer gar bis zu 100 % arbeitsfähig (vgl. E. 4.
3).
5.3
Soweit die Ärzte der
Y._
schliesslich
anlässlich
der zweiten
teilstationären
Be
handlung von Juli bis September 2010 eine mittelgradige depressive Episode di
agnostizierten, bleibt dies ohne invalidenversicherungsrechtliche Auswirkung. Denn
leichte bis mittelschwere depressive Episoden sind definitionsgemäss vo
rübergehender Natur und als labile psychische Leiden nur ausnahmsweise inva
lidisierend und reichen nicht aus, um einen invalidisierenden
Gesundheitsscha
den
zu bewirken (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 138/06 vom 21. Dezember 2006, E. 4.2
; Urteil 9C_712/2011 E. 3.4.1
).
Die Behandlung des Beschwerdefüh
rers konnte schliesslich auch nach rund zwei Monaten beendet werden (vgl. E. 4.5).
Im Übrigen kann dem Verlaufsprotokoll zur Eingliederungsberatung vom 6. Januar 2011 entnommen werden, dass sich der Beschwerdeführer nicht mehr
in
psychiatrischer Behandlung befindet, was ebenfalls für eine
n stabilen psychischen Gesundheitszustand
spricht.
5.4
Nachdem die Ärzte der
Y._
lediglich von geringen Einschränkungen ausgehen, der den Beschwerdeführer früher behandelnde Psychiater gar eine 100 %
ige
Arbeitsfähigkeit attestierte, sich der Beschwerdeführer nicht mehr in psychiatrischer Behandlung befindet und
gemäss bundes
gerichtliche
r
Rechtsprechung leichte bis mittelgradige depressive Episoden
keine
invalidisierende
n
Gesundheitsschäden
darstellen
, ist vorliegend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen.
Im Übrigen ist es mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vereinbar, von der medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung
so
zialversicherungsrechtlicher
Aspekte abzuweichen (vgl. BGE 130 V 352 E. 3.3
S. 358 f.).
6.
6.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen dieser Einschränkungen vorzunehmen.
6.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel
am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teu
erung und der realen
Einkommens
ent
wicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt wor
den wäre. Ausnahmen müssen mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit er
stellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen).
6.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bun
desamt für Statistik periodisch
herausgegebenen Lohnstrukturer
hebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wir
d praxisgemäss auf die stan
dar
disierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genan
nten Zentralwert (Median) auszu
geh
en ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt
es ausserdem zu be
rück
sichtigen, dass ihr generell eine Arbeitsz
eit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, wes
halb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende
betriebsüb
liche
Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
6.5
Der Beschwerdeführer ist gelernter
Elektromonteur
. Vor dem Unfall im Novem
ber 1999 war er bei der
E._
als
Elektromonteur
tätig und erzielte einen Jahresverdienst (1999) von Fr. 68‘272.-- (
Urk. 8/7,
Urk. 8/101/2).
Unter Einbezug der Nominallohnentwicklung von
0.3 %, 1.6 %, 2.0 %, 1.6 %, 1.4 %, 0.4 %, 0.8 %, 1.8 %, 1.9 %, 2.2 %
und
0.7 %
in den Jahren 2000 bis 2010
(Die Volkswirtschaft 6-
20
05 S. 83
sowie 1/2-2012 S. 95 jeweils
Tab. B10.2
lit
.
I
) er
höht sich das
Valideneinkommen
fü
r das Jahr 2010 auf Fr. 78
‘
989.-- (Fr. 68‘272.--
x
1.003 x 1.016 x 1.
02
0 x 1.016 x 1.014 x 1.004 x 1.008 x 1.018 x 1.019 x 1.022 x 1.007
).
6.6
Zur Bestimmung des Invalideneinkommens zog die Beschwerdegegnerin den
Zentralwert der Löhne für einfache und repetitive Tätigkeiten (
Anforderungsni
veau
4) heran, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wurde. Demnach ergibt sich gestützt auf die Tabelle A1 der LSE 2010
und
einer durchschnittli
chen betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahre 2010 von 41.6
Stun
den (Die Volkswirtschaft 1/2-2012 S. 94 Tab. B9.2 Total)
bei
einer Arbeitsfä
hig
keit
von
10
0
% ein Invalideneinkommen von rund Fr.
61‘165.--
(Fr. 4‘901.-- x 12 Monate ÷ 40 Stunden x 41.
6
Stunden
).
6.
7
Aus der Gegenüberstellung von
Valideneinkommen
(Fr. 78‘989.--) und Invalideneinkommen (Fr.
61‘
165.--
) resultiert eine Einbusse von Fr.
17
'
824
.-- und damit ein Invaliditätsgrad von
22
.5
7
% und
auf
gerundet
23
%.
Selbst unter Berücksichtigung des vom Beschwerdeführer geltend gemachten leidensbedingten Abzuges von 20 % würde kein rentenbegründender
Invalidi
tätsgrad
(Invalideneinkommen Fr. 48‘932.-- [
Fr. 61‘165.--
x 0.8],
Invaliditäts
grad
38
%
) resultieren, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
6.8
Zusammenfassend verneinte die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch
im Ergebnis
zu Recht, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen, unter Hin
weis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgerichts (
GSVGer
), auf die Gerichtskasse zu nehmen.