Decision ID: fc743961-3e73-4aea-b051-b27c7e6aea81
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-
scher Ethnie, reiste am 24. April 2022 in die Schweiz ein und suchte glei-
chentags um Asyl nach. Daraufhin wurde er dem Bundesasylzentrum
B._ zugewiesen. Am 29. April 2022 bevollmächtigte er die ihm zu-
gewiesene Rechtsvertretung. Am 17. Mai 2022 fand in Anwesenheit seiner
Rechtsvertreterin die Erstbefragung UMA (unbegleitete minderjährige Asyl-
suchende) statt (EB; Protokoll in den SEM-Akten (...) [in der Folge: A] 14).
Am 29. Juni 2022 wurde der Beschwerdeführer in Anwesenheit einer Ver-
tretung seiner Rechtsvertreterin zu seinen Asylgründen angehört (Anhö-
rung; Protokoll in den SEM-Akten A18).
B.
Am 6. Juli 2022 wurde der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein
Entwurf des Asylentscheids zur Stellungnahme unterbreitet. Gleichentags
reichte sie ihre Stellungnahme ein.
C.
Mit Verfügung vom 8. Juli 2022 (gleichentags eröffnet) verneinte die Vor-
instanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz und dem
Schengen-Raum an. Gleichzeitig verfügte sie infolge der Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs seine vorläufige Aufnahme in der Schweiz.
D.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
5. August 2022 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragt, die Verfügung sei in den Dispositivziffern 1-3 aufzuheben und das
SEM anzuweisen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers an-
zuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur
rechtsgenüglichen Begründung sowie zur vollständigen und richtigen
Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung inklusive Verzicht auf Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Behandlung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM im Sinne von Art. 5 VwVG.
Dabei entscheidet das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel und
auch vorliegend endgültig; eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt
nicht vor (vgl. Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Entsprechend kön-
nen mit der Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens gerügt werden sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des Sachverhalts.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Vom Beschwerdeführer wird im Sinne eines Eventualantrages die
Rückweisung der Sache zur rechtsgenüglichen Begründung sowie zur voll-
ständigen und richtigen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz bean-
tragt. Die Vorinstanz habe die Untersuchungspflicht verletzt, indem sie sich
nicht in erster Linie zur Asylrelvanz der Vorbringen des Beschwerdeführers
geäussert, sondern vielmehr zunächst eine Glaubhaftigkeitsprüfung vorge-
nommen habe. Dieses Vorgehen sei veraltet und abzulehnen, zumal dann
zunächst auschliesslich nach unglaubhaften Elementen gesucht werde,
bevor der Sachverhalt vollständig erstellt worden sei. Auch würden nur die-
jenigen Beweismittel gewürdigt, die dem Beschwerdeführer zum Nachteil
ausgelegt werden könnten. Der Entscheid des SEM erschöpfe sich sodann
über weite Teile in Plausibilitätsbehauptungen, die nicht von naturwissen-
schaftlichen Erkenntnissen gestützt werden könnten. Diese Argumentation
verletze die Begründungspflicht und widerspreche auch der geltenden
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts. Hinzu komme, dass sich
der Beschwerdeführer bei der UMA EB schlecht gefühlt habe und sich nicht
gut habe konzentrieren können.
4.2 Zunächst ist festzustellen, dass sich aus dem Protokoll der UMA EB
keine konkreten Anhaltspunkte darauf ergeben, dass sich der Beschwer-
deführer in einer Situation befunden hätte, welche es ihm aufgrund seiner
psychischen Verfassung verunmöglicht hätte, den Fragen zu folgen oder
die geltend gemachten Asylgründe vorzutragen, zu deren Darlegung er be-
reits dort ausführlich Gelegenheit erhielt. Auf entsprechende Beeinträchti-
gungen machte weder er noch die anwesende Rechtsvertreterin die Vo-
rinstanz aufmerksam. Auch lässt sich aus dem Protokoll nicht schliessen,
dass die Atmosphäre schlecht gewesen oder die befragende SEM-Mitar-
beiterin ihn daran gehindert hätte, die aus seiner Sicht entscheidenden
Asylgründe zu schildern (vgl. hierzu A14 Ziff. 7.01). Die ihm zu seinen Ge-
suchsgründen gestellten Fragen beantwortete er und er hielt abschlies-
send fest, er habe alle Asylgründe und Vorfälle darlegen können (ebd. Ziff.
7.02 sowie ZIff. 7.03) beziehungsweise, dass er keine weiteren Bemerkun-
gen mehr habe (ebd. Ziff. 9.01). Er liess sodann ausdrücklich – sowohl zu
Beginn als auch am Ende der Befragung – festhalten, dass er alles, was
die Dolmetscherin gesagt habe, verstanden habe (ebd. Vorbemerkungen
Bst. h und Ziff. 9.02). Zwar gibt er am Ende der Befragung an, es gehe ihm
schlecht, schlechter sogar als damals als er von den Taliban gefoltert wor-
den sei. Er führt dies darauf zurück, dass er nicht wisse, was mit seiner
Familie passiere (ebd. Ziff. 9.01). Auch seine Emotionen (weinen; ebd. Ziff.
7.01) stehen offensichtlich in Zusammenhang mit der Trennung von seiner
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Familie und den Sorgen um ihr Wohlergehen. Auch aus dem Protokoll der
Anhörung ergeben sich keine formellen Fehler oder Hinweise darauf, dass
weitere rechtserhebliche Sachumstände offengeblieben wären. Der Be-
schwerdeführer gab an, es gebe keine Neuigkeiten. Was passiert sei, habe
er schon erzählt (A18 F9) und er erhielt die Gelegenheit, seine Ausreise-
gründe nochmals ausführlich darzulegen; nach seinen Schilderungen er-
klärte er ausdrücklich, es gebe keine anderen Gründe (ebd. F41-43). Auch
wurde ihm immer wieder erklärt, dass er seine Vorbringen detaillierter oder
die jeweiligen Umstände genau schildern solle (z.B. ebd. F45 ff.). Ebenso
wurde er aufgefordert, genauer zu erklären, wie er belästigt und gefoltert
beziehungsweise wie ihm Gewalt angetan worden sei (z.B. ebd. F74, F76).
Dass es ihm besonders Mühe gemacht habe, dies zu schildern, wie in der
Beschwerde eingewandt wird, geht nicht ansatzweise aus dem Protokoll
hervor und es ist nicht ersichtlich, weshalb sich das SEM hätte veranlasst
sehen sollen, ein Gutachten einzuholen oder diesbezüglich weitere Abklä-
rungen zu tätigen. Abschliessend erklärte der Beschwerdeführer dann
auch ausdrücklich, das heutige Gespräch sei «gut – sehr gut» gewesen
(ebd. F138). Die Einwände in der Stellungnahme (A 20) wurden sodann
vom SEM zur Kenntnis genommen und in der angefochtenen Verfügung
ausführlich gewürdigt. Der Einwand, das SEM habe überhaupt zu Unrecht
die Vorbringen des Beschwerdeführers auf ihre Glaubhaftigkeit hin geprüft,
vielmehr wäre es gehalten gewesen, nur deren Asylrelevanz zu beachten
ist nicht nachvollziehbar. Zur Erstellung des rechtserheblichen Sachverhal-
tes ist diese Prüfung vielmehr unerlässlich. Schliesslich ist auch nicht er-
kennbar, dass das SEM einseitig nur Umstände gewürdigt hätten, die zu
Lasten des Beschwerdeführers ausfallen.
4.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz das Asylver-
fahren gesetzeskonform durchgeführt und insbesondere auch die für UMA
geltenden Verfahrensvorschriften beachtet hat. Der Sachverhalt erweist
sich als vollständig erstellt und das SEM ist auch seiner Begründungspflicht
in jeder Hinsicht nachgekommen. Inwiefern die Glaubhaftigkeitsprüfung in-
haltlich zutreffend ausgefallen ist, ist Gegenstand der nachfolgenden ma-
teriellen Prüfung. Der Antrag, die Sache sei zur vollständigen und richtigen
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur rechtsgenügli-
chen Begründung an das SEM zurückzuweisen ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Im Rahmen der UMA EB und der Anhörung zu seinen Asylgründen
bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er sei mit seinen sechs
jüngeren Geschwistern und seinen Eltern ein einem Dorf im Distrikt
C._ in der Provinz D._ aufgewachsen. Seit seinem (...) Le-
bensjahr habe er in einem (...)laden in C._ gearbeitet; die Schule
habe er nie besuchen können. Ungefähr einmal wöchentlich sei er mit sei-
ner Rikscha in die Hauptstadt des Nachbardistrikts E._ gefahren,
um dort ebenfalls seine Waren anzubieten. Auf dem Rückweg habe er des
Öfteren unentgeltlich Fahrgäste, einmal dann zwei ihm unbekannte Män-
ner mitgenommen. An einem Strassen-Checkpoint der Armee in F._
seien sie angehalten und die beiden Unbekannten seien dortbehalten wor-
den. Er hingegen habe nach einer kurzen Befragung weiterfahren können.
Später habe sich herausgestellt, dass es sich bei den beiden um Taliban
gehandelt habe. Gemäss seinen Angaben bei der UMA EB sei er im An-
schluss daran nach Hause gefahren. Am folgenden Tag hätten ihn dort Mit-
glieder der Taliban aufgesucht und ihm Vorwürfe gemacht, weil er seine
beiden Fahrgäste an die Behörden verraten habe. Am Tag darauf seien sie
erneut gekommen und hätten ihn gewaltsam mitgenommen. Bei der Anhö-
rung erklärte er diesbezüglich, er sei nach der Befragung am Checkpoint
nach C._ und anschliessend in sein Elternhaus zurückgekehrt. Am
nächsten Tag habe er wie üblich im (...)laden gearbeitet. Tags darauf seien
abends Mitglieder der Taliban bei ihm zu Hause erschienen und hätten ihn
aufgefordert, zu ihrem Stützpunkt mitzukommen. Dieser Aufforderung
habe er Folge geleistet, weil sie bewaffnet gewesen sei. In einem Auto sei
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er zu einem Stützpunkt in der Nähe seines Heimatdorfes gebracht worden,
wo ihn die Taliban zusammen mit ungefähr 200 anderen Gefangenen fest-
gehalten, verhört und misshandelt hätten. Sie hätten ein Geständnis hin-
sichtlich seiner Zusammenarbeit mit dem afghanischen Staat und dem Ver-
rat der beiden Fahrgäste an die Behörden verlangt. Nach zwanzig Tagen
sei der Stützpunkt von afghanischen Sicherheitskräften angegriffen und er
zusammen mit den übrigen Gefangenen befreit worden. Die Taliban hätten
sich kurz darauf bei seinem Vater gemeldet und verlangt, dass er ihn aus-
liefere. Auf Anraten seines Vaters habe er sich jedoch zu diesem Zeitpunkt
bereits bei seiner Tante versteckt und sei schliesslich aus Afghanistan aus-
gereist.
Für die detaillierte Begründung wird auf die Akten verwiesen.
6.2 Die Vorinstanz begründet die ablehnende Verfügung mit der Unglaub-
haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers. Der im Rahmen der UMA
EB als auch der Anhörung äusserst linear vorgetragene freie Bericht zu
den Asylvorbringen deute auf einen zwar gut vorbereiteten, letztlich aber
auswendig gelernten Sachverhalt hin. Auch seien seine Aussagen ober-
flächlich und berichthaft geblieben, obwohl er mehrfach aufgefordert wor-
den sei, einzelne Begebenheiten detailliert zu schildern oder zu präzisie-
ren. Nicht nur die Beschreibung seiner Fahrt mit den beiden mutmasslichen
Mitgliedern der Taliban, sondern auch jene der Mitnahme in seinem Eltern-
haus oder diejenige seiner zwanzigtägigen Gefangenschaft sei substanz-
arm ausgefallen. Insbesondere die angeblich täglich erlittenen Folterungen
während der Gefangenschaft habe er oberflächlich und kaum erlebnisge-
prägt geschildert.
Hinzu komme, dass er sich zu wesentlichen Punkten widersprüchlich ge-
äussert habe. Seine Erklärung wonach die Widersprüche auf Missver-
ständnissen zwischen ihm und der bei der UMA EB Dolmetscherin beruh-
ten überzeuge nicht, zumal er dort angegeben habe, diese vollkommen zu
verstehen und auch bei der Rückübersetzung keine entsprechende Anmer-
kung gemacht habe.
Entgegen dem Einwand in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf
handle es sich beim erkannten Widerspruch sehr wohl um einen zentralen,
wenn der Beschwerdeführer einmal von zwei Besuchen der Taliban be-
richte und einmal nur von einem Besuch.
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Für weitere Details in der Begründung wird auf die angefochtene Verfügung
verwiesen.
6.3 In der Beschwerdeschrift wird in materieller Hinsicht – wie zuvor bereits
in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf – insbesondere eingewandt,
das SEM stütze sich zu Ungunsten des Beschwerdeführers hauptsächlich
auf Plausibilitätselemente und verkenne die verschiedenen Realkennzei-
chen, wie etwa die Wiedergabe von Gesprächen in direkter Rede oder aber
auch die emotionalen Reaktionen. Er habe seine Schilderungen im We-
sentlichen widerspruchsfrei und substantiiert dargelegt. Hinsichtlich des
Widerspruchs sei es einerseits nicht ein wesentlicher, hinzu komme ande-
rerseits, dass durchaus möglich sei, dass es zwischen ihm und der Dol-
metscherin zu Missverständnissen gekommen sei.
7.
7.1 Die Vorinstanz legt ausführlich und mit zutreffender Begründung dar,
weshalb der Beschwerdeführer die geltend gemachte Sachdarstellung
nicht glaubhaft machen konnte. Auf ihre in allen Punkten zutreffende Argu-
mente kann verwiesen werden.
Mit seinem erneuten Einwand in der Beschwerdeschrift, wonach es sich
bei dem von der Vorinstanz aufgezeigten Widerspruch nicht um einen sol-
chen in einem zentralen Vorbringen handle, und es nicht abwegig sei, dass
der Beschwerdeführer und die dolmetschende Person sich diesbezüglich
falsch verstanden hätten, vermag er nichts zu bewirken. Hinsichtlich den
angeblichen Missverständnissen kann auf das unter E. 4.2 Gesagte ver-
wiesen werden. Es kann auch nicht ernsthaft bestritten werden, dass es
sich beim Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei wegen angeblichen
Verrats in den Fokus der Taliban geraden und deswegen auch von ihnen
festgenommen worden um ein zentrales Element seiner Ausreise- respek-
tive Asylgründe handelt. Er erklärte zur Mitnahme an der EB UMA, bei ih-
rem ersten Besuch hätten ihm die Taliban vorgeworfen die beiden Fahr-
gäste absichtlich verraten zu haben. Als sie ihn das zweite Mal zu Hause
aufgesucht hätten, hätten sie ihn gewaltsam mitgenommen (A14 Ziff. 7.01).
Demgegenüber gab er bei der Anhörung zu Protokoll, die Angehörigen der
Taliban hätten an die Tür geklopft, er habe «Hallo» gesagt und gesehen,
dass sie bewaffnet gewesen seien. Deshalb habe er ihrer Aufforderung, mit
ihnen auf den Stützpunkt zu kommen, Folge geleistet. Er habe «Okay» ge-
sagt und sei mit ihnen mitgegangen; weitere Fragen habe er ihnen nicht
gestellt (A18 F112-F115). Völlig zu Recht kam das SEM sodann zum
Schluss, es sei wesentlich, ob er ein- oder zweimal besucht worden sei.
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Diese Unstimmigkeiten sind zentral, weder angebliche Missverständnisse
zwischen dem Beschwerdeführer und der Dolmetscherin noch durch die
geltend gemachte fehlende Bildung oder das junge Alter erklärbar.
Das Gericht stellt hingegen nicht in Abrede, dass sich der Beschwerdefüh-
rer um seine Familie sorgt. Auch die von ihm bei der UMA gezeigten Emo-
tionen standen in direkten Zusammenhang mit seiner Familie. So weinte
er beide Male, als er seinen Vater erwähnte. Aber auch, als er erklärte, er
leide unter der Ungewissheit, wie es seiner Familie gehe; bisher habe im-
mer er sich um alles gekümmert (vgl. zum Ganzen A14 Ziff. 7.01). Die ge-
zeigten Emotionen sind damit aber gleichzeitig auch nicht als Realkennzei-
chen in Bezug auf seine Asylvorbringen zu werten.
7.2 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz mit Recht und
mit zutreffender Begründung die Vorbringen des Beschwerdeführers als
unglaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG qualifziert hat. Es erübrigt sich, auf
weitere Einwände in der Beschwerde einzugehen, da sie an dieser
Schlussfolgerung nichts zu ändern vermögen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art.
65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vor-
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stehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Ent-
sprechend dem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Angesichts
der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers ist jedoch gestützt auf Art. 6
Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2)
auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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