Decision ID: fedcb19c-b6a9-489f-bca6-7cb681a6205d
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1987, wurden mit Sekretariatsbeschlusses des IV-Sekreta
riats der Ausgleichskasse des Kantons Zürich vom 10. September 1993 zur Be
handlung ihres Geburtsgebrechens Nr. 426 (angeborene Schwachsichtigkeit) am rechten Auge medizinische Massnahmen zugesprochen (Urk. 10/6). Am 3. April 2006 mel
dete sie sich bei der Eidgenössischen Invali
denver
siche
rung erneut zum Leistungs
bezug an (Urk. 10/1). Die Sozialver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nach
folgend: IV-Stelle), wies das Leistungsbegehren mit Ver
fügung vom 27. September 2006 ab (Urk. 10/10). Von Juni 2007 bis April 2008 absolvierte die Versicherte, welche über keine Ausbildung verfügt (Urk. 10/1/2, Urk. 10/26/1), ein Praktikum im Service (Urk. 10/21/2, Urk. 10/26/5)
Am 14. Januar 2008 hatte sich die Versicherte wegen psychischer Beschwer
den bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 10/14). Vom 3. Novem
ber 2008 bis 30. Januar 2009 absolvierte die Ver
sicherte im Rahmen von beruflichen Massnahmen ein Arbeitstraining in der Y._ Stiftung (Urk. 10/29, Urk. 10/31) und ab Februar 2009 eine IV-Anlehre Hauswirtschaft, welche sie vorzeitig per Ende Juli 2009 vor Umwandlung der Anlehre in eine Ausbildung als Hauswirtschaftspraktikerin abbrach (Urk. 10/44, Urk. 10/53-54, Urk. 10/60/1). Mit Verfügung vom 30. November 2009 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von 30 % (Urk. 10/70).
1.2
Am 20. August 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 10/76). Vom 23. August 2010 bis Mitte März 2011 war sie stundenweise als Reini
gungskraft tätig (Urk. 10/144/2, Urk. 10/176/7). Vom 14. März bis 9. Sep
tem
ber 2011 fand im Auftrag der IV-Stelle ein Aufbautraining der Koordi
nationsstelle für Arbeits
projekte Z._ statt (Urk. 10/90, Urk. 10/97, Urk. 10/113). Ein im An
schluss begonnenes Praktikum in einem Nähstudio in einem 50%igen Pensum brach die Versicherte per Ende Oktober 2011 ab (Urk. 10/117/1). Mit Verfügung vom 13. September 2012 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab September 2011 eine Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 60 % zu (Urk. 10/130, Urk. 10/138).
1.3
Anfang 2015 eröffnete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren (Urk. 10/145). Gestützt auf die Berichte von Dr. med. A._, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom 30. Juni 2015 (Urk. 10/156) und des Ambulatoriums für Er
wachsene B._ vom 11. August 2015 (Urk. 10/158) teilte die IV-Stelle der Ver
sicherten am 25. September 2015 mit, dass sie weiterhin Anspruch auf eine (Dreiviertels-)Rente habe (Urk. 10/160).
Mit Schreiben vom 21. Dezember 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zur Klärung der Leistungsansprüche eine psychiatrische Begutachtung not
wendig sei (Urk. 10/167). Die IV-Stelle holte daraufhin das Gutachten von Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17.
August
2016 ein (Urk. 10/175). Gestützt darauf kündigte sie mit Vorbescheid vom 23. September 2016 die Einstellung der bisherigen Dreiviertelsrente an (Urk. 10/178). Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 7. Oktober 2016, ergänzt mit Schreiben vom 11. November 2016, Einwände (Urk. 10/179, Urk. 10/182). Mit Verfügung vom 28. November 2016 hob die IV-Stelle die bisherige Dreiviertelsrente auf Ende des der Zustellung fol
genden Monats auf und entzog einer Beschwerde dagegen die aufschie
bende Wirkung (Urk. 2 S. 1).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 13. Januar 2016 (richtig: 2017) Be
schwerde und beantragte, die Verfügung der IV-Stelle vom 28. November 2016 sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine Rente auszurichten sowie, das Gutachten vom 17.
August
2016 sei aus dem Recht zu weisen; eventualiter sei ein Obergutachten durch einen vorgeschlagenen Gutachter anzuordnen; sub
eventualiter sei das Verfahren zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht bean
tragte die Beschwerdeführerin, es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder
herzustellen und es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sowie
Rec
htsanwältin
Corinne Schoch, Zürich, als unentgeltliche Rechtsver
treterin zu bestellen (Urk. 1 S. 2). Mit der Beschwerde reichte die Beschwerde
führerin die Berichte der
Akutstation für Erwachsene 2 des
B._
vom 28. Dezem
ber 2016 (Urk. 3/3b) und des Ambulatoriums für Erwachsene des
B._
vom 9. Januar 2017 (Urk. 3/3a)
ein. Die Beschwerdegegnerin schloss in der
Be
schwerdeantwort vom 24. Februar 2017 auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 9 S. 1). Mit Verfügung vom 14. April 2017 wurde das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen und der Beschwerde
führerin wurde die unentgeltliche Prozessführung gewährt sowie
Rec
htsanwältin
Corinne Schoch, Zürich, als unentgeltliche Rechtsver
treterin für dieses Verfahren bestellt (Urk. 11 S. 6). In der Replik vom 26. April 2017 hielt die Beschwerde
führerin an ihren Anträgen fest (Urk. 12 S. 2). Mit Eingabe vom 28. April 2017 (Urk. 13) reichte die Beschwerdeführerin den Bericht von Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 27. April 2017 ein (Urk. 14). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 10. Mai 2017 auf eine Duplik (Urk. 16). Mit Verfügung vom 16. Januar 2018 wurde den Parteien Gele
genheit gegeben, zur Rechtsprechungsänderung des Bundesgerichts gemäss BGE 143 V 409 und 143 V 418 Stellung zu nehmen (Urk. 20 S. 2). Die Be
schwerde
gegnerin nahm dazu mit Eingabe vom 8. Februar 2018 (Urk. 23), die Beschwerdeführerin unter Beilage des Berichts von Dr. D._ vom 26. Januar 2018 (Urk. 26/11/1) mit Eingabe vom 2. März 2018 Stellung (Urk. 25).
Auf die Ausführungen der Parteien und die weiteren eingereichten Unter
lagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
gesetzes über den Allge
m
ei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Er
werbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechts
prechung; vgl. BGE 143 V 409 E.
4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Dabei bedarf
es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren
. Die
Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsun
fähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Ver
bindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu be
stimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch
führung der medizi
nischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Validen
einkommen). Der Ein
kommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Inva
liditäts
grad be
stimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
5
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge
ho
ben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Än
de
rung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invali
di
tätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszu
standes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswir
kungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Augu
st 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beur
teilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Ge
sund
heitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revi
sionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invalidität
s
be
messung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der rentenaufhebenden Verfügung vom 28.
No
vember
2016 auf den Standpunkt, es sei gestützt auf das Gutachten von Dr. C._ vom 17.
August
2016 (Urk. 10/175) davon auszugehen, dass kein lang
andauernder Gesundheitsschaden und keine
Arbeitsunfähigkeit
in körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten mehr vorliege, zumal keine psychiatrische Diagnose mehr habe gestellt werden können. Dies lasse sich auch aus der Be
urteilung der durchgeführten Integrationsmassnahme schliessen, welche von einer Arbeitsleistung von über 70 % ausgehe (Urk. 2 S. 1 f.).
In der Stellungnahme zur geänderten Rechtsprechung gemäss BGE 143 V 418 brachte die
Beschwerdegegnerin
vor, da im Gutachten vom 17.
August
2016 kein psy
chisches Leiden diagnostiziert worden sei und an der gutachterlichen Beur
teilung nicht zu zweifeln sei, habe die Rechtsprechungsänderung keinerlei Ein
fluss auf den vorliegenden Fall (Urk. 23).
2.2
Die
Beschwerdeführer
in wendet dagegen ein, die
Beschwerde
gegnerin
habe mit ihrer Beurteilung das rechtliche Gehör, die Untersuchungs- beziehungsweise Offi
zialmaxime, die rechtlichen Vorgaben und das Willkür
verbot verletzt. So hätte sie bei den behandelnden Ärzten aktualisierte Beur
teilungen einfordern und rechts
entsprechend würdigen müssen, als ihr der Klinikeintritt beim B._ im No
vember 2016 bekannt geworden sei. Sie würde sich zudem in unkritischer Weise auf das Gutachten vom 17.
August
2016 stützen. Dies obschon das Gutachten zur Evaluierung einer Schizophrenie und Persön
lichkeits
stö
rung auf unklarer Be
fundlage ohne eine genügende Einbettung in den klinischen Kontext basiere. Namentlich seien die Verwendung von Beschwerdevalidierungstests (BVT) wie den struk
turierten Frage
bogen simulierter Symptome (SFSS) wissenschaftlich mangelhaft validiert und umstritten. Zudem sei das Gutachten inhaltlich mangel
haft, habe unwahre Behauptungen und feh
lerhafte Diag
nosen aufgestellt. Das Gutach
ten sei daher aus dem Recht zu weisen. Mit den Berichten der behan
delnden Ärzte des B._ vom 28. Dezember 2016 und vom 7. Januar 2017 würden zudem fach
ärztliche Beur
teilungen und Diagnosen vorliegen, welche das Gutachten vom 17. August 2016 grundlegend in Frage stellen würden, was weder im Gutachten noch in der angefochtenen Ver
fügung angemessen berücksichtigt worden sei. Auch dem Bericht von Dr. D._ sei zu entnehmen, dass eine para
noide Schizophrenie mit unvoll
ständiger Remission (ICD-10 F20.04) und/oder eine Angst- und Panikstörung (ICD-10 F40.01) vorliege. Die Dekom
pensation im Zusammenhang mit der ange
kündigten Rentenstreichung demon
striere ferner, dass sie aufgrund der be
stehenden Erkrankungen keinerlei zu
sätzliche Belastun
gen zu prästieren ver
möge, wie dies gesunde und erwerbsfähige Menschen ver
mögen würden (Urk. 1 S. 2 f., Urk. 12 S. 2 ff.).
Zur geänderten Rechtsprechung gemäss BGE 143 V 418 führte die
Be
schwerde
führerin
des Weiteren aus, das Gutachten von Dr. C._ sei nicht im Sinne der aktuellen Rechtsprechung erstellt worden. Daher bestehe vermutlich keine um
fassend geklärte Sachlage, weshalb vorerst ein beweiswertiges Gutachten zu ver
anlassen sei und sodann unter Berücksichtigung der Beschwerdebilder Schizo
phrenie und Angst- bzw. Panikstörung fallkonkret zu entscheiden wäre, wie weit
gehend das strukturierte Beweisverfahren durchzuführen sei. Eine Be
urteilung anhand des strukturierten, indikatorengerichteten Rasters würde mit den vor
liegenden Arztberichten jedenfalls ergeben, dass eine
Arbeitsfähigkeit
aktuell und bis auf weiteres nicht gegeben sei (Urk. 25 S. 2 ff.).
2.3
Es ist strittig und zu prüfen,
ob
die Beschwerdegegnerin zu Recht die bis
herige Dreiviertelsrente per Ende Dezember 2016 aufgehoben hat.
Es ist hierzu zu klären, ob und inwiefern s
ich der Invaliditätsgrad seit
der Ver
fügung vom 13. September 2012 (Urk. 10/130, Urk. 10/138)
bis zum Erlass
der ange
fochtenen Ver
fü
gung vom
28. November 2016 (Urk. 2) in rentener
heb
lichem
Ausmass ver
ändert hat. Die angefoch
tene Ver
fügung bildet da
bei recht
sp
re
chungsgemäss die zeit
liche Grenze der richter
lichen Über
prüfungs
be
fugnis (BGE 132 V 220 E. 3.1.1,
122 V 77 E. 2b, Urteil des Bundes
ge
richts
8C_76/2009 vom 19. Mai 2009 E. 2, je mit Hin
weis).
Die von der Beschwerdeführerin in diesem Verfahren eingereichten Berichte der
Akutstation für Erwachsene 2 des
B._
vom 28. Dezem
ber 2016 (Urk. 3/3b) und des
B._
vom 9. Januar 2017
(Urk.
3/3a)
wurden zwar nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 28. No
vember 2016 (Urk. 2) erstellt. Jedoch betreffen sie einen Sachverhalt vor diesem Zeitpunkt, weshalb sie in diesem Verfahren beachtlich sind. Die Berichte von Dr. D._ vom 27. April 2017 (Urk. 14) und vom 26. Januar 2018 (Urk. 26/11/1) betreffen dagegen hauptsächlich die ambulante Behandlung der Beschwerde
führerin durch Dr. D._ ab dem 12. Januar 2017, weshalb sie für dieses Verfahren lediglich insofern beachtlich sind, als sie Rückschlüsse auf den Sachverhalt des Überprüfungszeitraums bis am 28. November 2016 (Urk. 2) erlauben.
3.
3.1
Bei der Zusprache der bisherigen Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 60 % ab September 2011 (Ver
fügung vom 13. September 2012; Urk. 10/130, Urk. 10/138) war die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie (unvoll
ständige Re
mission; ICD-10 F20.04) massgeblich (Urk. 10/122/2, Urk. 10/130). Laut dem Fest
stellungsblatt der Beschwerdegegnerin vom 11. Juni 2012 (Urk. 10/122) erfolgte dies gestützt auf die Stellungnahme von med. pract. E._, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie vom Regionalen Ärzt
lichen Dienst (RAD) vom 10. Januar 2012
. Diese war zum Schluss gekommen, dass aufgrund des Arztberichts der B._ vom 12.
De
zember
2011 davon auszugehen sei, bei der
Beschwerdeführerin
bestehe seit 2007 eine 60 bis 70%ige
Arbeitsun
fähigkeit
respektive eine 30 bis 40%ige Arbeits
fähigkeit in einer leidensangepassten Hilfstätigkeit mit angenehmem Arbeits
klima und grundsätz
lichem Wohlwollen gegenüber der
Beschwerdeführerin
, vor
zugsweise bei einem Arbeitgeber mit Erfahrung im Umgang mit Menschen mit ihrer Erkrankung (Urk. 10/122/2).
Gemäss dem Bericht der B._ vom 12.
Dezember
2011 litt die
Be
schwerdeführerin
an einer paranoiden Schizo
phrenie mit unvollständiger Remission (ICD-10 F20.04) seit 2007. Die Symptome bei schizophrenem Residuum (Minussymptome) im Sinne von Kon
taktstörung (eine reduzierte Fähigkeit, soziale Kontakte aufzunehmen und zu unterhalten), Verflachung der Affekte (verminderte Fähigkeit zum gefühls
mässigen Mit
schwingen) seien weiterhin vorhanden. Ausdauer und Belastbarkeit seien daher immer noch sehr vermindert. Es bestehe weiterhin auch eine erhöhte Kränk
barkeit, erhöhtes Misstrauen und Unsicherheit über die eigene Identität, was zu deutlichem subjektivem Leiden und deutlicher Einschränkung der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit führe. Die
Beschwerdeführerin
sei seit 2007 zirka zu 60 bis 70 % arbeitsunfähig. Im Verlauf seien bisherige Versuche, die
Be
schwerdeführerin
durch Integrationsprogramme wieder einzugliedern, ge
schei
tert, was die Chronifizierung der Symptomatik in der letzten Zeit gefördert haben dürfte. Während der Monate September/Oktober 2011 habe sie ihre Leistung bei der Z._ und im Nähstudio zu 50 % in einer Kombination geleistet. Ende Oktober 2011 habe sie die Arbeit im Nähstudio abgebrochen, kurz darauf auch jene in der Z._. An beiden Arbeitsorten habe sie sich überfordert gefühlt (Urk. 10/117/1-3).
Von
dieser
medizinischen
Sachlage
ist als Vergleichsbasis auszugehen.
3.2
3.2.1
In dem nach der Eröffnung des Revisionsverfahrens (Urk. 10/145) einge
holten Verlaufsbericht des Ambulatoriums des B._ vom 11. August 2015 wurde aus
geführt, dass weiterhin eine inkomplette Remission der paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.0) mit leicht schwankendem Verlauf bei grundsätzlich stationärem Gesundheits
zustand vorliege. Seit einem halben Jahr würden sich deutliche Stabi
li
sierungs
tendenzen zeigen. Die Beschwerdeführerin wirke weniger ange
spannt. Dennoch seien weiterhin schon kleine Probleme, etwa ein gut geplanter Umzug, der erst in mehreren Monaten stattfinde, eine grosse aktuelle Belastung für sie, die zu vermehrten Befürchtungen und Ängsten führe. Aufgrund der psychischen Störung sei wie bisher zu 100 % keine berufliche Tätigkeit mög
lich und es bestehe eine 100%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Es seien die Umstellungs
fähigkeit und die Flexibilität deutlich sowie die Durch
halte
fähig
keit etwas herab
gesetzt. Ausserdem bestünden ausgeprägte Unsicher
heiten im Be
reich der Ent
scheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie deutliche Un
sicher
heiten be
züglich der Selbstbehauptungsfähigkeit (Urk. 10/158).
3.2.2
Dr. C._ führte im psychiatrischen Gutachten vom 17. August 2016 (Urk. 10/175),
auf das sich die Be
schwerdegegnerin im angefochtenen Ent
scheid stützte (Urk. 2 S. 1), aus, die Beschwerdeführerin habe Beobachtungsgefühle und Stimmen geschildert, die sie indirekt höre, ohne sich dazugehörig zu fühlen (Urk. 10/175/38), welche in der (einmaligen) Untersuchungssituation nicht hätten objektiviert werden können. Auch habe in der Untersuchungssituation kein Kriterium der Schizophrenie überzeugend dargestellt oder befundet werden kön
nen. Die Beschwerdeführerin habe überwiegend zielge
richtet auf das gutach
terliche Gespräch gewirkt und die geschilderte Symp
tomatik könne auch Teil einer sozialphobischen Komponente sein (Urk. 10/175/48). Dr. C._ kam schliesslich zum Schluss, dass aufgrund der festgestellten Aggravation in Kom
bination mit auftretenden Inkonsistenzen zum Begutachtungszeitpunkt (am 2. März 2016, Urk. 10/175/1) eine vorbeschriebene paranoide Schizophrenie de
finitions
gemäss überwiegend wahrscheinlich nicht vor
gelegen habe. Vielmehr seien die psychotischen Phänomene, die 2007 aufgetreten seien, einer akuten polymorphen psychotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie (ICD-10 F23.1) zuzuordnen, möglicherweise auch aufgrund von Cannabiskonsum und/oder kombiniertem Alkoholkonsum. Dies deshalb, weil bereits im Arztbericht von Dr. med. F._ (vom B._ vom 29. Oktober) 2010 (Urk. 10/84) keine psychotischen Phänomene im Sinne von Sinnestäuschungen oder wahnhaften Elementen mehr im psychi
schen Befund aufgeführt worden seien. Gegen die Diagnose einer sozialen Phobie würden sodann die Erkenntnisse bei
spielsweise aus der Integrations
massnahme (der KAP) Trampolin sprechen, wo sehr wahr
scheinlich eine soziale Phobie beziehungsweise soziale Ängste mit we
sentlicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht hätten vorliegen können. Sonst wären die Orga
nisation und Betreuer nicht davon ausge
gangen, die Arbeitsleistung in einem Teamumfeld auf über 70 % erhöhen zu können (Urk. 10/175/64-65). Ab Anfang 2008 müsse von einer grundsätzlich 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit verstärkten Pausen, haupt
sächlich Rou
tinetätigkeiten, Aussprachemöglichkeit mit den Vorgesetzten und ohne Nacht
dienste ausgegangen werden. Die psychischen Befunde der Vor
be
handler würden auf eine Remission der psychotischen Symptomatik schliessen und keine Arbeits
unfähigkeit rechtfertigen. Die Arbeitsfähigkeit hätte nach der psychotischen Episode 2007 monatlich um 10 % ansteigend bis zu 100 % ge
steigert werden können (Urk. 10/175/75-77).
3.2.3
Bezüglich der Zeit nach der Begutachtung durch Dr. C._ ist dem Bericht der
Akut
psychiatrie für Erwachsene
des
B._ vom 28. Dezem
ber 2016 (Urk.
3/3b
) zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vom 9. bis 30. No
vember 2016 auf der Akutstation stationär behandelt worden sei. Es hab sich um einen freiwilligen Eintritt zur Krisenintervention auf Initiative des sozialen Umfeldes hin gehandelt. Bei Eintritt sie das Zustandsbild durch ein ängstlich-paranoides Syndrom mit Aufmerksamkeits- und Gedächtnis
schwierigkeiten, starkem sozialem Rückzug und starkem Vermeidungsverhalten gekennzeichnet gewesen. Seit einem Monat seien zunehmend soziale und Existenzängste, Panik
attacken, sozialer Rückzug, Beeinträchtigungsideen, Aufmerksamkeits- und Ge
dächtnis
schwierig
keiten auf
getreten. Das seit dem Jugendalter bestehende psychische Zustandsbild mit sozialen Ängsten, Verfolgungs- und Beein
träch
tigungsideen habe sich Anfang 2016 im Zusammenhang mit der Über
prüfung der IV-Rente ver
schlechtert. Als Diagnosen seien eine Agoraphobie mit Panikstörung und aus
geprägtem Ver
meidungsverhalten (ICD-10 F40.10) und eine sekundäre soziale Phobie (ICD-10 F40.1) gestellt worden. Anamnestisch sei zudem eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0) zu erwähnen, die Kriterien für diese Diag
nose hätten sie indes als nicht erfüllt angesehen. Die gestellten Diagnosen seien nicht ab
schliessend und es werde einen längeren Beobach
tungszeitraum empfohlen. Hinweise auf Drogen hätten sich keine gefunden. Aktuelle bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 3/3b).
Gemäss dem Bericht
vom 9. Januar 2017
der B._, wo die Beschwerdeführerin seit 2007 behandelt werde, be
steht trotz intensiver Therapie weiterhin eine Negativsymptomatik mit Kon
zen
trationsproblemen, Erschöpfbarkeit, Antriebsminderung, Affektverflachung und Ratlosigkeit bei inkompletter Remission der paranoiden Schizophrenie. Die Diag
nose eines schizophrenen Residuums (ICD-10 F20.5) sei ihrerseits unbe
stritten. Im Beobachtungszeitraum habe sich bei der Beschwerdeführerin se
kundär eine Agora
phobie mit Panikstörung entwickelt. Ein Alkohol- und Drogen
konsum sei nicht bekannt und sei nie ein Thema gewesen. Nach allmählicher leichter Bes
serung des psychischen Zustandsbildes unter Wegfall von Stress und Belastung sowie bei geringer sozialer Interaktion sei es aktuell erneut zu einer psychischen Dekompensation im Zusammenhang mit der Überprüfung und Streichung der IV-Rente gekommen. Hierbei seien häufige Panikattacken, starke soziale und agora
phobische Ängste mit Vermeidungsverhalten, teils zwanghaftes Sorgenmachen bis hin zu Katastrophendenken, Insuffizienzgefühle, Beziehungs-, Verfolgungs- und Beeinträchtigungsideen, Affektverflachung und Verstärkung der Kon
zen
tra
tionsprobleme aufgetreten. Simulative Tendenzen in der Beschwerde
schil
derung hätten sich weder im Verlauf noch in den unterschiedlichen Belastungs
situa
tionen gezeigt. Die Beschwerdeführerin habe sich in der Symptom
präsentation authentisch gezeigt und auch nach Zusammenschau aller Befunde seien die geschilderten Beschwerden hinreichend plausibel und im Rahmen des zugrun
deliegenden Krankheitsmodelles erklärbar. Der Verdacht der Aggravation, also der bewussten, absichtlichen und zielgerichteten Verstärkung der vorhandenen Symptome, könne nicht bestätigt werden und in der Testpsychologie werde keine hinreichende Beweisführung gesehen. Dass in der gutachterlichen Situation eine Verdeutlichung stattgefunden habe, welche in einer einmaligen Sitzung schwer von einer Aggravation abzugrenzen sei, sei durchaus anzunehmen, zumal die Beschwerdeführerin immer wieder paradoxe Affekte (leichte Parathymie) zeige. Es sei von einer Leistungsfähigkeit von 60 bis 70 % bei einem Pensum von maxi
mal 30 bis 40 % im freien Arbeitsmarkt auszugehen. Der Aufbau der Arbeits
tätigkeit solle schrittweise über einen Arbeitsversuch in einer Tätigkeit mit wohl
wollendem Arbeitsklima mit wenig Leistungsdruck erfolgen, um zu testen, ob die Beschwerdeführerin den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes tatsäch
lich gerecht werden könne. Zur genauen Quantifizierung werde eine Poten
zial
ab
klärung empfohlen (Urk.
3/3a)
.
4.
4.1
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin kann vor dem Hintergrund dieser Aktenlage auf das psychiatrische Gutachten von Dr. C._ vom 17. August 2016 nicht als Grundlage für eine Ren
tenrevision und Aufhebung der Rente per Januar 2017 abgestellt werden.
Denn die Einschätzung von Dr. C._ entspricht im Wesentlichen einer rück
wirkenden Neubeurteilung des psychischen Gesundheits
zustandes ab 2007 und weist keine eigentliche erhebliche Verbesserung (oder Verschlech
terung) des Ge
sundheits
zu
standes seit der Rentenzusprache mit Verfügung vom 13. Sep
tember 2012 (Urk. 10/130, Urk. 10/138) im Sinne eines Revisionsgrundes (Art. 17 Abs. 1 ATSG) aus. So ver
neinte Dr. C._ das Vorliegen einer paranoide Schizo
phrenie auch rück
wirkend und führte aus, dass diese nie vorgelegen habe, sondern lediglich eine akute polymorphe psychotische Störung mit Symp
tomen einer Schizo
phrenie (ICD-10 F23.1) im Sinne einer vorübergehenden psycho
tischen Phase im Jahr 2007 (Urk. 10/175/48, Urk. 10/175/58-59, Urk. 10/175/64-65). Dement
sprechend erachtete er rück
wirkend und durchgehend bereits ab 2008 bis zum Begutachtungszeitpunkt eine 100%ige Arbeits
fähig
keit als zu
mutbar (Urk. 10/175/75).
Eine Aufhebung der Rente gestützt auf das Gutachten von Dr. C._ wäre damit nur mit sub
stituierter Begründung (vgl. dazu
Urteil
des Bundesgerichts
8C_634/2017 vom 20. Februar 2018
E. 5.3 mit Hinweisen) möglich. Hierzu besteht jedoch keine Grundlage. Die in den Jahren nach der Neuanmeldung vom 20. August 2010 (Urk. 10/76) zuständigen Ärzte hatten im Jahr 2011 auf eine paranoide Schizo
phrenie im Aus
mass einer unvoll
ständigen Re
mission (ICD-10 F20.04) mit einer zirka 60 bis 70%igen Arbeitsun
fähigkeit ge
schlossen (Urk. 10/117/2-3), was Grundlage für die rechtskräftige erstmalige Rentenzu
sprache ab September 2011 bildete. Dass die Be
schwerde
geg
nerin bei der Renten
zusprache im September 2012 darauf abgestellt hatte (Urk. 10/130), war bei da
maliger Aktenlage indes vertretbar und zumindest nicht
zweifellos un
richtig im
wiedererwägungsrechtlichen Sinn
(
Art. 53 Abs. 2 ATSG; vgl.
BGE
125 V 383 E.
3
;
Urteile
des Bundesgerichts
9C_62
1/2010 vom 22. Dezember 2010 E. 2.2 und I
222/0
2 vom 19. Dezember 2002 E. 3.2). Dies auch mit Blick darauf, dass die Leistungs
fähigkeit der Be
schwerdeführerin während eines Aufbautrainings
von März bis September 2011 im Rahmen der beruf
lichen Mass
nahme (Urk. 10/114-115) mit 5 x 3,5 Stunden pro Woche im ge
stützten Rahmen des Z._ gemäss dem Schlussbericht der Z._ vom 14. September 2011 auf
grund der psy
chischen Ver
fassung und der schwierigen familiären Situation nicht hatte ge
steigert werden können (Urk. 10/113/3).
Dr. C._ - und mit ihm die Beschwerdegegnerin (Urk. 2 S. 2) - ging diesbezüglich fälsch
licherweise davon aus, es habe sich während der Inte
gra
tions
massnahme in der Z._ gezeigt, dass die Be
schwerde
führerin in der Lage sei, bis zu einem Pensum von 70 % in der Pro
duk
tion zu arbeiten und dass ihr gemäss dem Schlussbericht der Z._ eine höhere Arbeits
leistung zugetraut worden sei (Urk. 10/175/63-65). Gemäss dem Schluss
bericht der Z._ vom 14. September 2011 war die Be
schwerde
führerin jedoch lediglich in der Lage, bei einer Präsenzzeit von 5 x 3,5 Stunden pro Woche, mithin in einem Arbeitspensum von 42 %, im gestützten Rahmen des Z._ eine reduzierte Leistung von 50 bis 70 % zu zeigen, was ins
gesamt einer Arbeitsfähigkeit von rund 25 % entspricht. Da die Steigerung des Arbeits
pensums nicht erreicht wurde, wurde die Integrationsmassnahme nicht mehr weitergeführt (Urk. 10/113). Auch ist dem Schluss
bericht eine Aussage darüber, dass der Beschwerdeführerin von den Be
treuern im Jahr 2011 mehr zu
ge
traut worden wäre, nicht zu ent
nehmen.
Eine Bestätigung des ange
foch
tenen Ent
scheides mit sub
stituierter Begründung (vgl. dazu
Urteil
des Bun
desgerichts
8C_634/2017 vom 20. Februar 2018
E. 5.3 mit Hinweisen) fällt in diesem Verfahren daher ausser Betracht und wurde von der Beschwerde
gegnerin denn auch nicht geltend macht.
4.2
4.2.1
Hinzu kommt, dass Dr. C._ seine Schlussfolgerungen im Gutachten vom 17. August 2016 auf der Grundlage weiterer falscher Annahmen zog und/oder diese nicht nachvollziehbar begrün
dete.
So ging der Gutachter fälsch
licherweise von einer unauffälligen psychia
trischen Familienanamnese aus (Urk. 10/175/41), obschon aus dem Aus
tritts
bericht der Klinik G._ der B._ vom 27. September 2007 hervorging, dass die Mutter an einer schizoaffektiven Störung und der Vater an einer Per
sön
lich
keitsstörung mit narzisstisch instabilen Zügen leide (Urk. 10/19/11; vgl. auch Bericht des gemein
depsychiatrischen Zentrums des B._ vom 29. Januar 2008 Ziff. 6.3, Urk. 10/20/6). Dieser Bericht hatte dem Gutachter vorgelegen (Urk. 10/175/29). Dies hätte bei der ätiologischen Beurteilung der strittigen psychia
trischen Diagnosen, der Beurteilung der psychosozialen Ein
flüsse und der sozialen Res
sourcen ins Gewicht fallen können.
Falsch ist des Weiteren die Annahme von Dr. C._, die Beschwerdeführerin habe eine zweijährige Coiffeurlehre absolviert. Auf seine Schlussfolgerungen, dass damals daher ein po
sitives Aktivitätenniveau bestanden habe (Urk. 10/175/73) und dass die Beschwerdeführerin im Kunden
kontakt - auch aktuell weiterhin - Ressourcen habe, die mobilisierbar seien (Urk. 10/175/64), kann daher nicht ab
gestellt werden. Auch ist im Gutachten nicht vermerkt (Urk. 10/175/41, Urk. 10/175/59, Urk. 10/175/63), dass die Beschwerde
führerin die Sekundar
schule zwei Monate vor Ende aufgrund von Konflikten mit Klassenkameraden abgebrochen hat und dass sie keine Ausbildung absolviert hat (Urk. 10/20/4, Urk. 10/33/3-4).
Ferner führte Dr. C._ aus, es würden Hinweise aus Arztberichten, zum Beispiel (aus dem Jahr) 2007, bestehen, dass unregelmässig Cannabis und Alkohol kon
sumiert worden sei. Cannabis könne psychotische Episoden auslösen, so auch
im vorliegenden Fall (Urk. 10/175/56, Urk. 10/175/59, Urk. 10/175/65). Diese Feststellung ist insofern nicht ganz korrekt, als lediglich in einem einzigen Be
richt, nämlich im Austrittbericht der Klinik G._ des B._ vom 27. Sep
tember 2007 erwähnt worden war, dass ein unregelmässiger Gebrauch von Alkohol und Cannabis gegeben sei (Urk. 10/19/11). In diesem Bericht war die Diagnose des Verdachts auf eine akute polymorphe (differentialdiagnostisch: organische) Psychose (ICD-10 F23.0) gestellt worden, wobei auf die näheren Umstände ihres Auftretens nicht eingegangen wurde (Urk. 10/19/9). Ob diese Psychose tatsächlich durch den Konsum von Cannabis ausgelöst wurde, ist daher nicht erwiesen. Im darauf
folgenden Bericht des ge
meinde
psychiatrischen Zen
trums des B._ vom 29. Ja
nuar 2008 - und auch in den folgenden Arzt
berichten der behandelnden Ärzte - war ein Substanzengebrauch zudem bereits kein Thema mehr und in der Folge wurde die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.09) unabhängig davon gestellt (Urk. 10/20/3). Im Übrigen schliesst eine durch den Konsum von Cannabis ausgelöste Psychose das anschliessende Auf
treten einer Schizophrenie bei bestehender Vulnerabilität und prädispo
nierenden Faktoren, die von Dr. C._ nicht ganz respektive teilweise falsch erfasst wurden, nicht aus.
Wie Dr. D._ im Bericht vom 27. April 2017 überzeugend ausführte (Urk. 14 S. 3), ist die von Dr. C._ gestellte Diagnose einer akuten polymorphen psycho
tischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie (ICD-10 F23.1) zudem nicht nach
vollziehbar. Denn dazu hätte die schizophrene Symptomatik gemäss ICD-10 nicht länger als einen Monat andauern dürfen, danach wäre die Diagnose in Schizo
phrenie (ICD-10 F20) zu ändern gewesen (vgl. Dilling, Mombour, Schmidt, ICD-10, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Auflage 2015, S. 147).
Die unstrittig im August 2007 aufgetretene
schizophrene
Symp
tomatik wurde jedoch auch noch im Bericht des Gemeindepsychiatrischen Zentrums des
B._
vom 29. Januar 2008 im Sinne einer Negativsymptomatik bei medikamentöser Behandlung und mit der Diagnose einer paranoiden Schizophrenie mit unklarem Verlauf (ICD-10 F20.09) aufgeführt (Urk. 10/20/3).
Das
Vorliegen der Diagnose einer Schizophrenie unter dem Titel "Gutachterliche Beurteilung" verneinte Dr. C._ dagegen ohne nachvollziehbare Begründung, indem er ohne erkennbaren Bezug ausführte, "wie zuvor ersichtlich" habe kein Kriterium der Schizophrenie in der Untersuchungs
situation überzeugend darge
stellt oder befundet werden können. Der Befund wurde indes lediglich mit all
ge
meiner, mit Kreuzen ausgefüllter Tabelle und die Krite
rien der Schizophrenie wurden durch Abbildung der gesamten ICD-10-Ausfüh
rungen der F20.0 bis F20.3-Diag
nosen wiedergegeben, ohne dass der Gutachter im Einzelnen aus
führte, was mit "zuvor er
sichtlich" gemeint sei (Urk. 10/175/42-48).
Des Weiteren verneinte Dr. C._ die Diagnose einer sozialen Phobie ohne über
zeugende Begründung mit dem Hinweis auf die Umstände in der Integra
tions
massnahme der Z._. Dabei nahm er - wie hiervor erläutert - fälsch
licherweise an, die Organisatoren und Betreuer seien davon ausgegangen, dass die Arbeitsleistung in einem Teamumfeld über 70 % erhöht werden könne (Urk. 10/175/65). Dem Bericht der Z._ vom 14. September 2011 sind zudem durchaus Hinweise auf Ängste zu entnehmen. So wurde aufgeführt, dass die Beschwerdeführerin sehr kontrolliert gewirkt habe und versucht habe, mög
lichst keine Fehler zu machen. Die Zuständige vom B._ habe bestätigt, dass die Beschwerdeführerin stetig von der Angst begleitet werde. Ihr Verhalten gegen
über Vorgesetzten sei fast schon überkorrekt gewesen. Wenn sie Fragen ge
habt habe, habe sie diese eher zurückgehalten aus Angst, jemanden zu stören (Urk. 10/113/1-2). Im Übrigen hielt Dr. C._ im Gutachten selbst fest, dass
die von der Beschwerdeführerin beschriebene Symptomatik von Beobachtungs
gefühlen und -ängsten Teil einer sozialphobischen Komponente sein könnte
(Urk. 10/175/48).
4.2.2
Die im Gutachten vom 17. August 2016 aufgeführte Aggravation der Be
schwerdedarstellung sodann hatte Dr. C._ mittels Selbstbeurteilungstest SFSS (Strukturierter Fragebogen Simulierter Symp
tome) in der Untersuchung vom 2. März 2016 ermittelt. Die Selbstbeurteilung habe bedeutsame negative Antwort
verzerrungen gezeigt (Urk. 10/175/50-51). Dr. C._ schloss bereits auf-
grund dieser Ergebnisse des SFSS-Tests auf eine schwere Aggravation (Urk. 10/175/53-54), was dem Testergebnis jedoch eine zu hohe Bedeutung in der psychiatrischen Gesamtbeurteilung zu
misst. Denn der Einsatz eines solchen Selbstbeurteilungstests kann in be
gründeten Einzelfällen bestenfalls lediglich einen Baustein in der um
fassenden Gesamt
beur
teilung liefern (vgl. Stellung
nahme der Deutschen Gesell
schaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nerven
heilkunde [DGPPN], Stel
lungnahme Nr. 3 / 28. Januar 2011; Urk. 3/7 S. 3). Wie zudem aus der an der Universität Bremen angenommenen Dissertation "Diagnostik der Beschwerden
validität von psychischen Störungen in der sozialmedizinischen Begutachtung" (Januar 2015;
https://elib.suub.uni-bremen.de/edocs/00104647-1.pdf
) her
vor
geht, fehlen im deutschsprachigen Raum Studien, die insbesondere den Einsatz des SFSS in Kontexten ausser
halb der Forensik beleuchten. Ergebnisse der Dis
sertations-Studie wür
den darauf hinweisen, dass der SFSS möglicherweise nicht geeignet sei, um negative Antwortverzerrungen in der sozialmedizinischen Be
gutachtung zu erfassen und auch andere Studien würden Hinweise darauf geben, dass der SFSS wenig spezifisch hinsichtlich der Diagnostik von negativen Ant
wort
ver
zerrungen sei sowie vermutlich das Auftreten von simulativen Ten
denzen überschätze (S. 81 f.). Die Ursachen sowie Erklärungen für negative Antwort
ver
zerrungen beziehungs
weise Simulationen oder Aggravationen seien vielfältig. Nicht zwangsläufig bewusste Täuschungen würden eine Verzerrung bewirken, sondern auch Erkrankungen, Hinweise der Gutachter oder eine zugrundeliegende Motivation (S. 88).
Dem Ergebnis der SFSS-Testung der Beschwerdeführerin kommt daher entgegen der Gewichtung im Gutachten von Dr. C._ keine ent
scheidende Bedeutung zu, zumal Dr. C._ nicht besprochen hat, ob die negativen Antwortverzerrungen ganz oder teilweise auf die psychische Störung zurückzuführen sein könnte. Dies gilt umso mehr, als sowohl die behandelnden Ärzte des Ambulatoriums für Erwachsene der B._ als auch Dr. D._ darauf hinwiesen, dass die Be
schwerdeführerin immer wieder paradoxe Affekte im Sinne einer leichten Parathymie (affektive Inadäquatheit) zeige (Urk. 3/3a S. 3, Urk. 14 S. 2).
Ausserdem kann aus dem Testergebnis im Jahr 2016 nicht auch verlässlich rückwirkend für die Zeit ab 2008 auf Aggravation geschlossen werden, zumal die Be
schwerde
führerin in dieser Zeit stets in regelmässiger psychiatrischer Be
handlung war und weder von den dama
ligen Ärzten noch von den Organen der beruflichen Mass
nahmen Hinweise auf Aggra
vation oder Selbstlimitierungen festgehalten worden waren.
4.2.3
Die von Dr. C._ in seinem Gutachten grundsätzlich zu Recht auf Inkonsistenzen geprüften Um
stände, welche er an zwei Stellen des Gutachtens unter
schiedlich aufführte (Urk. 10/175/54-56 [unter dem Titel I. Gesundheitsschaden], Urk. 10/175/68-70 [unter dem Titel V. Konsistenz]), sind sodann nur teilweise nach
voll
ziehbar. So führte er mit Bezug auf das Kriterium der üblichen zeitlichen Entwicklung von Krankheitsfolgen aus, es müsse aufgrund der Informationen über die Symptomatik von einer im Jahr 2007 zeitlich begrenzten psychotischen Episode ausgegangen werden. Eine überdauernde Schizo
phrenie erscheine über
wiegend unwahrscheinlich (Urk. 10/175/69-70). Dies stellt jedoch nicht eine Inkonsistenz in der Krankheitsentwicklung, sondern eine neue psychiatrische Beurteilung dar. Auch hat Dr. C._ hierzu die von den behandelnden Ärzten im Verlauf klassifizierte Diagnose nach ICD-10 F20.04 einer un
vollstän
digen Re
mission der paranoiden Schizophrenie mit verbleibender Negativ
symptomatik und teilweiser Arbeits
fähigkeit (Urk. 10/117/2-3) nicht diskutiert. Auch bei der weiteren Frage einer Inkonsistenz in der psychopathologischen Befun
dung richtete sich die Betrachtung von Dr. C._ hauptsächlich auf die Aspekte Wahn und Sinnestäuschungen (Urk. 10/175/55, Urk. 10/175/68), wogegen die Diag
nosekriterien einer Schizophrenie nach ICD-10 F20.04 viele weitere mögliche Symptome beinhalten.
Zur Begründung einer Inkonsistenz hinsichtlich der dokumentierten Be
schwerde
entwicklung führte Dr. C._ die Einschätzung der behandelnden Ärzte gemäss dem Verlaufsbericht des Ambulatoriums für Erwach
sene des B._ vom 11. August 2015 (Urk. 10/158) an. Seine Ausführungen betreffen indes nicht die Frage der Inkonsistenz bezüglich Anamnese/Beschwerdeschilderung (in der Untersuchung) und der doku
men
tierten Beschwerdeentwicklung gemäss der vorhandenen Aktenlage, sondern stellen lediglich eine kritische Besprechung dieses Berichtes dar. Dieser kann zudem nicht gänzlich gefolgt werden. So bezeichnet Dr. C._ die im Bericht beschriebenen verstärkten Ängste im Zusammenhang mit einem Umzug als häufiger auftretendes allgemeines Phänomen, welches nicht einer
remittierten Schizophrenie oder psychotischen Episode zuzuordnen sei (Urk. 10/175/55). Im B._-Bericht wurde jedoch erklärt, dass weiterhin bereits kleinere Probleme eine grosse Belastung für die Beschwerdeführerin darstellen würden, die zu vermehrten Befürchtungen und Ängsten führen würden. Beispiels
weise hätten die Ängste betreffend einen gut geplanten, in mehreren Monaten stattfindenden Umzug ein Ausmass angenommen, das einem augen
blicklich stattfindenden, ungeplanten Problem-Umzug entspreche (Urk. 10/158/1). Die B._-Ärzte beschreiben damit Ängste und eine Einschränkung der Belastbarkeit, welche den normalen Rahmen im Sinne eines "häufiger auftretenden allgemeinen Phänomens" gerade überschreiten. Auch trifft es nicht zu, was Dr. C._ aus
führte, dass ein positives Profil bezüglich Spontanaktivität, Fähig
keiten zur familiären und intimen Beziehungen sowie der Gruppenfähigkeit beschrieben worden sei (Urk. 10/175/55). Es wurde im B._-Verlaufsbericht vom 11. August 2015 lediglich festgehalten, dass Selbstpflege, Spontan-Aktivitäten, die Fähigkeit zu familiären und intimen Beziehungen nicht herabgesetzt seien. Die Gruppen
fähigkeit wurde lediglich als teilweise und im Rahmen der beschriebenen Ein
schränkungen vorhanden bezeichnet, mithin im Rahmen der 100%igen Arbeits
unfähigkeit mit deutlich herabgesetzter Flexibilität und Um
stellungs
fähigkeit, ausgeprägten Unsicherheiten im Bereich Entscheidungs- und Urteils
fähigkeit, etwas herabge
setzter Durchhaltefähigkeit und deutlichen Un
sicher
heiten in der Selbstbehauptungsfähigkeit (Urk. 10/158/3).
Die Aussage von Dr. C._, eine vor
beschriebene paranoide Schizophrenie habe aufgrund der festgestellten Aggravation in Kom
bination mit auftretenden Inkon
sistenzen definitionsgemäss nicht vor
gelegen (Urk. 10/175/64), vermag ange
sichts dieser Ungereimtheiten nicht zu überzeugen.
4.2.4
Dr. C._ ist zumindest insofern zuzustimmen, als die im Bericht vom 11. August 2015 von den B._-Ärzten attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 10/158/3) in diesem Ausmass nicht nachvollziehbar ist. Denn in diesem Verlaufsbericht wurde bei leicht schwan
kendem Verlauf der unvollständigen Remission der diag
nostizierten paranoiden Schizophrenie eine deutliche Stabilisierungstendenz seit einem halben Jahr bei ansonsten stationärem Gesundheitszustand festgehalten (Urk. 10/158/1). Dies bedeutet, dass zumindest keine Verschlechterung der Leistungs
fähigkeit bis Mitte 2015 stattfand, wobei im letzten Bericht des B._ vom 12. Dezember 2011 noch eine 30-40%ige Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt attestiert worden war (Urk. 10/117/3), weshalb eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit fraglich erscheint. Des Weiteren korre
liert das im Gutachten beschriebene Aktivitätsniveau (Urk. 10/175/55, Urk. 10/175/69) mit regel
mässigen Sportaktivitäten, Führung des Haushaltes und Ferien
reisen ins Ausland mit der Familie (Urk. 10/175/61-62) sowie die im Bericht des B._ vom 11. August 2015 auf
geführte Fähigkeit, Regeln und Routinen bei nicht zu grosser Belastung weit
gehend einhalten zu können (Urk. 10/1583), nicht mit einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit oder einer schweren Schizophrenie. Darin ist aller
dings keine Inkonsistenz bezüglich Anamnese/Be
schwerdeschilderung und der doku
men
tierten Be
schwerdeent
wicklung gemäss der vorhandenen Aktenlage zu sehen, sondern lediglich eine nicht nachvoll
ziehbar begründete ärztliche Ein
schätzung der Arbeitsunfähigkeit.
Dies schliesst jedoch nicht aus, dass eine Restsymp
tomatik der Erkrankung die Leistungs
fähigkeit bezogen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt beeinträchtigt.
Angesichts der weiteren Aktenlage betreffend den Gesund
heits
zustand nach der Begutach
tung, mithin nach dem 2. März 2016 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung im November 2016, ist eine anhaltende, stabile Besserung des Gesund
heitszustandes insbesondere auf den Zeitpunkt der Rentenaufhebung hin jedenfalls nicht erwiesen (vgl. E. 5 hernach).
4.3
Im Gutachten von Dr. C._ wurde schliesslich weder erwähnt noch be
rück
sichtigt (Urk. 10/175/40), dass die Beschwerdeführerin an einem Geburts
ge
brechen mit erheb
licher Sicht
ein
schränkung am rechten Auge leidet (Urk. 10/6). In der Anmeldung zum Leistungsbezug vom 3. April 2006 hatte die Beschwerde
führerin dazu angegeben, sie sei in einem Taxi geboren worden und sei seither auf dem rechten Auge blind (Urk. 10/1/3). Zur allfälligen aktuellen Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit durch diese gesund
heitliche Be
einträchtigung hat die Be
schwerdegegnerin denn auch keine aktuellen soma
tisch-medi
zinischen Ab
klärun
gen vorge
nommen.
4.4
Insgesamt stellt das Gutachten von Dr. C._ vom 17. August 2016 nach dem Gesagten keine beweis
k
räftige ärztliche Entscheidungsgrundlage dar, weshalb darauf nicht abzustellen ist und der Nachweis einer erheblichen Ver
besserung der Leistungsfähigkeit damit nicht erbracht ist. Auch die weiteren ärztlichen Berichte, welche nach der Begutachtung im März 2016 erstellt wurden, lassen nicht auf eine anhaltende erhebliche Besserung des Gesundheitszustandes schlies
sen.
5.
5.1
Vielmehr enthalten die Berichte der
Akut
psychiatrie für Erwach
sene
des
B._ vom 28. Dezem
ber 2016 (Urk.
3/3b
) und des B._ vom 9. Januar 2017 (Urk. 3/3a) Hinweise auf eine erhebliche Instabilität des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Zeit nach der Begutachtung am 2. März 2016 (Urk. 10/175/1). Insbesondere ist auf den Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 28. November 2016 (Urk. 2) hin aufgrund der stationären Behandlung der Beschwerdeführerin auf der akut
psychiatrischen Station für Erwachsene 2 der B._ vom 9. bis 30. No
vember 2016 (Urk. 3/3b S. 1) eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit in jeglicher Tätigkeit aus
ge
wiesen. Des Weiteren wurde auch für die Zeit nach dem Austritt aus der Akutklinik am 30. November 2016 eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit mit der Empfehlung zur Auf
nahme einer Teil
zeitarbeit jedoch erst nach deutlicher Verbesserung des Zustandsbildes attestiert (Urk. 3/3b S. 3).
5.2
Der von der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vorge
brachte Ein
wand, die in diesen Berichten beschriebene psychische Dekom
pen
sation sei als Folge von psychosozialen Belastungsfaktoren unbeachtlich, da sie im Zusam
menhang mit der Überprüfung/Streichung der IV-Rente stehe (Urk. 9 S. 2), ändern nichts daran, dass damit jedenfalls keine erhebliche Besserung des Ge
sundheitszustandes ausgewiesen ist. Ob die in den Berichten beschriebene Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes (Urk. 3/3a-b) einen (ansonsten bisher nicht erwiesenen) Rentenrevisionsgrund darstellt, braucht hier nicht geklärt zu werden. Denn aufgrund von Art. 88a Abs. 2 IVV könnte dies gegebenenfalls frühestens nach drei Monaten zu einer Erhöhung der bisherigen Dreiviertelsrente führen, mithin nach dem hier massgeblichen Über
prüfungszeitraum (BGE 132 V 220 E. 3.1.1).
Auch die Beurteilung, ob, inwiefern und ab wann nach Austritt der Be
schwerde
führerin aus der Akutstation am 30. November 2016 (Urk. 3/3b S. 1) wiederum eine Verbesserung des Gesund
heitszustandes mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eingetreten sei, fällt ausserhalb den Überprüfungszeitraum dieses Ver
fahrens und ist hier daher offen zu lassen. Jedenfalls wären dabei auch die Berichte von Dr. D._ vom 27. April 2017 (Urk. 14) vom 26. Januar 2018 (Urk. 26/11/1) und allfällige Ein
schrän
kungen zufolge der angeborenen Schwach
sichtigkeit
am rechten Auge (Urk. 10/6)
zu beachten.
5.3
Nach dem Gesagten ist abschliessend festzuhalten, dass das Eintreten einer Besserung des Gesundheits
zustandes per Ende November 2016 nicht erwiesen ist.
Die mit Verfügung vom 28. November 2016 (Urk. 2) erlassene Rentenaufhebung ist daher nicht zu bestätigen, weshalb die Verfügung in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben ist.
6.
6.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung
von Versicherungsleistungen. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Ge
richtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG) und ermessensweise auf Fr. 8
00.-- anzu
set
zen
sowie au
sgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzu
erle
gen
6.2
Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin de
r Beschwerdeführerin
, Rechtsanwältin
Corinne Schoch,
steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61 lit. g
ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungs
gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen sowie unter
Berücksichtigung der Honorarnote vom
19. März 2018 (Urk. 28/1-4
) fest
zusetzen ist.
In der Honorarnote ist ein Aufwand vom 15. Dezember 2016 bis 2. März 2018 von
total
36 Stunden und 5 Minuten (respektive 2'165 Minuten) zu Fr. 220.-- pro Stunde sowie von Fr. 339.40 Spesen (inklusive Kopien) mit einem Gesamtbetrag von Fr. 8'804.10 (inklusive Mehrwertsteuer)
aufgeführt (Urk.
28/1-4
).
Dieser Betrag ist unter Berücksichtigung der massgeblichen, hiervor genannten Kriterien bei Weitem zu hoch und im Folgenden wie folgt zu kürzen:
Für das Abfassen der 19-seitigen Beschwerdeschrift (Urk. 1) wurde inklusive Akten
studium, Abklärungen und Besprechung mit der Mandantin ein Zeit
aufwand von insgesamt 1'240 Minuten respektive 20,65 Stunden eingesetzt (Aufwand vom 15. Dezember 2016 bis 17. Januar 2017), was der Sache nicht angemessen ist. Der Aktenumfang ist zwar nicht gering, jedoch auch nicht besonders gross. Auch ist keine ausserordentliche Besonderheit in der Schwierig
keit des Prozesses und der Bedeutung der Streitsache auszumachen. Für den Aufwand bis zum 17. Januar 2017 wird daher ein Zeitaufwand von 10 Stunden à Fr. 220.-- berücksichtigt.
Für die Zeit vom 26. Januar bis 17. März 2017 wurde ein Aufwand von insgesamt einer Stunde und 25 Minuten im Zusammenhang mit dem Nachweis der prozessualen Bedürftigkeit und der Entgegennahme von zwei Gerichtsver
fügungen geltend gemacht, was angemessen erscheint.
Betreffend die Zeit vom 10. April bis 16. Mai 2017 wurden eine 2,5-seitige Replik vom 26. April 2017 (Urk. 12) und mit separatem zweizeiligem Begleitschreiben ein Arztbericht (Urk. 13-14) eingereicht, ausserdem wurden das Schreiben der Gegenpartei zu deren Verzicht auf Duplik und zwei Verfügungen ent
gegen
genommen (Urk. 15-17). In diesem Zusammenhang wurde ein Aufwand von insgesamt 220 Minuten respektive 3 Stunden 40 Minuten geltend gemacht, was für die nicht umfangreichen Leistungen zu hoch ist und auf angemessene 2,5 Stunden zu kürzen ist.
Mit Verfügung vom 16. Januar 2018 wurde die Parteien zur Stellungnahme zur neuen Rechtsprechung aufgefordert (Urk. 20). Diesbezüglich wurde ebenfalls ein zu hoher Aufwand für zwei Fristerstreckungsgesuche (Urk. 22, Urk. 24) und eine 13-seitige Stellung
nahme (Urk. 25) mit Beilagen (Urk. 26/1-3) von insgesamt 620 Minuten respektive 10 Stunden 20 Minuten geltend gemacht. Dies ist auf ange
messene 4 Stunden zu kürzen.
Insgesamt ist damit ein Zeitaufwand von gerundet 18 Stunden à Fr. 220.--, mithin Fr. 3'960.-- zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer zu vergüten.
Die geltend gemachten Spesen respektive Barauslagen von Fr. 339.40 sind unge
wöhnlich hoch und daher auf Fr. 150.-- zu kürzen, zumal die Akten jeweils kostenlos in Kopie von der IV-Stelle bezogen werden können und die Anzahl Eingaben ans Gericht im üblichen Rahmen lagen.
Die Prozessentschädigung ist dementsprechend auf Fr. 4'436.15 festzusetzen und be
rechnet sich wie folgt:
Fr. 3'960.-- + Fr. 150.-- = Fr. 4'110.--
+ MwSt 8 % für 14 Stunden (2016 und 2017) plus Barauslagen auf Fr. 3'230.-- (Fr. 3'080.-- + Fr. 150.--) = Fr. 258.40
+ MwSt 7,7 % für 4 Stunden (2018) auf Fr. 880.-- = Fr. 67.75