Decision ID: 4764851a-f45f-4666-9626-befc1dd33b39
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978, war ab Juli 2012 als „Agent 24h
Contact
Center“ bei der
Y._
(Arbeitsort Zürich) angestellt und bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana) gegen die Folgen
von Unfällen ver
sichert. Am 4.
Februar 2013 verlor er kurz vor sechs Uhr am Morgen auf vereister Strasse die Herrschaft über den von ihm gelenkten Personenwagen und prallte in eine Strassenlaterne (vgl. Unfallmeldung vom
5.
Februar 2013 und den am 13.
Februar 2013 ausgefüllten Fragebogen zum Verkehrsunfall;
Urk.
9/K1-2). Dabei zog er sich eine Fissur am Sternum und am zweiten Lendenwirbelkörper (LWK) eine Deckplattenimpressionsfraktur zu. Die Behandlung der Unfallfolgen erfolgte notfallmässig und zog einen stationären Spitalaufenthalt bis zum 8. Feb
ruar 2013 nach sich (vgl. Austrittsbericht des
Z._
vom 8. Februar 2013 und Arztzeugnis vom 1
9.
Februar 2013;
Urk.
10/M
1-
2). Die Helsana kam für die Kosten der Heilbehandlung auf und sie richtete für die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit Taggeldleistungen aus.
Zum Heilungsverlauf holte die Helsana Berichte und Stellungnahmen der behan
delnden Ärzte (insbesondere PD
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie) und ihres Vertrauensarztes (Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates) e
in (
Urk.
10/M4-6,
Urk.
10/M10-14
).
Am 1
1.
März 2014 erliess die Helsana eine Verfügung, mit der sie die Taggeld-leistungen und die ärztliche Heilbehandlung per
1.
A
pril 2014 einstellte (Urk. 9/K20
). Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 2
5.
März 2014 Einsprache (
Urk.
9/K21
). Diese wies die Helsana
nach Einholung weiter ärztlicher Stellungnahmen (vgl.
Urk.
10/M15-18)
mit
Einspracheentscheid
vo
m 8. Oktober 2014 ab (
Urk.
9/K28
).
In Gutheissung der vom Versicherten dagegen erhobene
n
Beschwerde stellte das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil UV.2014.00252 vom 2
0.
Juni 2016 fest
, dass
ab
1.
April 2014
weiterhin
Anspruch a
uf Taggeld
leistun
gen und Heilbe
handlung bestehe und die Helsana ü
ber den Fallabschluss und die her
nach gegebenenfalls zu gewähren
den Leistungen nach Vornahme der noch erforderlichen Schritte im Sinne
der Erwägungen
erneut zu entscheiden habe
(Urk. 9/K48).
2.
Die Helsa
na nahm in der Folge die Einholung eines ärztlichen Gutachtens in Aus
sicht
. Sowohl b
ei der Wahl der Gutachterstelle, der Be
gutachtungsstelle
C._
,
als auch bei der Formulierung der Fragen an die medizinischen Experten fanden
Anliegen und
Vorschläge sowohl des Versicherten als auch der
im
parallel
laufenden
IV-Verfahren zuständigen Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Berück
sichtigung (
vgl. u.a.
Urk.
9/K82 f.,
Urk.
9/K88,
Urk.
9/K94). Das Gutac
hten erstatteten die Ärzte der Begutachtungsstelle
C._
am 3
1.
Dezember 2017 (Urk. 10/M29
/1-4
).
Zu die
sem Gutachten nahm der Versicherte am
9.
Januar 2018 Stellung (Urk.
9/K113), woraufhin die Helsana eine ergänzende Frage an den psychiatrischen Experten
stellte
(Urk. 9/K114), die dieser am 2
6.
Januar 2018 beantwortete (Urk. 10/M30).
Am
1
7.
April 2018
verfügte die Helsana ab dem 1.
April 2014 bis zum
3
1.
März 2015
eine
N
achzahlung
von Taggeldern für eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
.
Einen Anspruch auf
darüber
hinausgehende
Leistungen, insbesondere eine Rente oder eine Integritätsentschädigung, verneinte sie (Urk. 9/K116). Die vom Ver
sicherten dagegen erhobene Einsprache (Urk. 9/K120) wies die Helsana mit
Ein
spracheentscheid
vom 1
7.
August 2018 ab (Urk. 2 =
Urk.
9/K131).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten. Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung stan
den, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechts
erhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangs
bestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistun
gen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufs
krankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangs
bestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
4.
Februar 2013
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2
.1
Gemäss
Art. 10 Abs. 1
UVG
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mä
ssige Behandlung der Unfall
fol
gen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu
und die Versicherung kommt für die Kosten der Heilbehandlung auf (
Art.
10 UVG)
.
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der ver
sicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschl
ossen
sind (vgl.
Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2.
Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Begrif
fes „
namhaft" in Art.
19 Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art.
10 Abs.
1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen
–
wie etwa einer Badekur
–
zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versi
cherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE
134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_6
39/2014 vom 2. Dezember 2014 E.
3).
2
.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3
.
3
.
1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der Verfügung vom 1
7.
April 2018 und
im
angefochtenen
Einspracheentscheid
auf den Standpunkt, aufgrund der ergän
zen
den Abklärungen
,
die gemäss
dem Urteil des Sozialversicherungsgericht
s
UV.2014.00252 vom 2
0.
Juni 2016
erforderlich gewesen seien, könne der Fallab
schluss per Ende März 2015 vorgenommen werden. Aus somatischer Sicht
sei
ab dem
1.
April 2015 der medizinische Endzustand eingetreten und es bestehe keine messbare Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit mehr. Sodann bestehe kein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den
weiterhin
geklag
ten Beschwerden. Der Taggeldanspruch ende am 3
1.
März 2015 und ebenso der Anspruch auf Heilbehandlung. Weitergehende Geldleistungen (Rente und Integ
ritätsentschädigung) seien keine geschuldet. Die Voraussetzung
en hierfür seien nicht erfüllt (Urk. 2 S.
8 ff.,
Urk.
9/K116 S. 1 f.).
3
.2
Der Beschwerdeführer macht geltend,
die Schlussfolgerungen der Beschwerde
gegnerin seien verfehlt. Der adäquate Kausalzusammenhang
dürfe erst geprüft werden, wenn der Endzustand erreicht sei.
Im
C._
-Gutachten sei nur kursorisch und ohne Bezugnahme auf abweichende ärztliche Beurteilungen festgehalten worden, die somatischen Unfallfolgen seien bereits wenige Monate nach dem Unfall abgeheilt gewesen. Dies stehe im Widerspruch zu den übrigen ärztlichen Beurteilungen, auf die auch i
m Rückweisungsurteil
des Sozialversicherungs
ge
richts
UV.2014.00252 vom 2
0.
Juni 2016
mit der Feststellung Bezug genommen worden sei, es bestehe nach wie vor eine unfallkausale Arbeits
unfähigkeit von 50 % und es seien noch nicht alle in Frage kommen Abklärungs- und Behand
lungsoptionen ausgeschöpft worden.
Da nach wie vor somatische Unfallfolgen im Vordergrund stünden sei sodann die Prüfung der Adäquanz nach der soge
nannten Psycho-Praxis nicht gerechtfertigt. Im Übrigen könne auch hinsichtlich der psychischen Beschwerden nach wie vor mit einer Besserung gerechnet werden. Schliesslich sei die Adäquanzprüfung zu Unrecht ausgehend von einem mittelschweren Ereignis im Grenzbereich zu den leichten
Unfällen erfolgt (Urk. 1 S. 3 ff.).
4
.
Im Rückweisungsurteil UV.2014.00252 vom 2
0.
Juni 2016
(Urk. 9/K48)
stellte das
Sozialversicherungsgericht
fest, der Fallabschluss sei verfrüht erfolgt.
Bei Erlass des
Einspracheentscheides
habe
noch nicht mit der erforde
rlichen Gewissheit aus
geschlossen werden können
, dass bezüglich der unfallbedingten Rücken
verlet
zung
von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besseru
ng des Gesundheitszustandes mehr
erwartet werden
könne.
A
us ortho
pädischer Sicht
habe
nach wie vor eine objektive Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit vor
ge
legen
.
Es
seien
noch nicht alle Therapie- und Behandlungs
optionen ausgeschöpft
oder
abschliessend evaluiert worden und es
sei
noch offen, in welchem Ausmass und in welcher Zeit sich die Arbeitsfähigkeit in wesentlichem Umfang wiederher
stellen
lasse
oder in welchem Umfang gegebenenfalls mit einer Erwerbsunfähig
keit gerechnet werden
müsse (E.
4.7)
.
5
.
5
.1
Der orthopädische
C._
-
Gutachter
Dr.
D._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, nannte als Diagnose eine in diskreter Keilwirbel
stellung verheilte und initial stabile Deckplatten
impressionsfraktur LWK2, eine nicht-
dislozierte Fraktur im oberen Drittel des Corpus
sterni
sowie
eine
Spondy
lolyse
L5 ohne
Olisthese
(Urk. 10
/M
29/3 S. 6) und
führte aus, es bestehe ein
chronifiziertes
Schmerzsyndrom, das aus
somatischer Sicht nicht zu erklä
ren sei. Das Ereignis vom
4.
Februar 2014 habe zu e
iner relativ harmlosen Deckplatten
impressionsfraktur geführt,
die korrekt erkannt und ebenso korrekt behandelt und nachkontrolliert worden sei. Die Entlassung
aus der stationären Behandlung nach wenigen Tage
n
sei nicht verfrüht
gewesen
. Ungewöhnlich sei
allerdings
die völlige Unselbständigkeit des Beschwerdeführers in
den folgenden Monaten zu Hause
. Es habe eine massive Selbstlimitierung stattgefunden, die durch den Bruch alleine nicht erklärt werden könne. Die Kontrollen hätten gezeigt, dass diese stets stabil geblieben sei.
Retrospektiv sei diese nach spätestens drei Monaten als voll abgeheilt zu betrachten. Durch die Selbstlimitierung sei es in der Folge zu einer massiven
Dekonditionierung
und zur Ausbildung chronischer Schmerzen gekom
men
(Urk. 10
/M29/3 S. 7).
Der
i
nterdisziplinären Beurteilung
zufolge, an
der
nebst
Dr.
D._
auch
der psychiatrische Experte
Prof.
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und der
internistische Experte
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Innere Medizin,
teilnahm
en (
Urk.
10
/M29/1 S. 22
)
,
bestand
aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht in der
bisherigen
Tätigkeit als Callcenter-Agent
spätestens sechs Monate nach dem Unfall
wieder eine vollständige Arbeitsfähig
keit
(Urk. 10
/M29/1 S. 10 ff. Ziff. 6
f.)
.
5
.2
Die wirbelsäulenchirurgische Beurteilung durch
Dr.
D._
fiel
insgesamt
kurz aus (Urk.
10
/M29/3 S. 7), was der Beschwerdeführer als mangelhaft einstuft. Der Umfang einer ärztlichen Beurteilung allein steht bei der Beweiswürdigung nicht im Vordergrund. In erster Linie massgebend sind die inhaltliche Aussagekraft und die Schlüssigkeit einer Expertenbeurteilung. In dieser Hinsicht
zeigen
sich
aber
tatsächlich Mängel.
Die den
Experten
zur Verfügung
stehenden
Vorakten
sind
im Gutachten aufge
führt
(Urk.
10
/M29/4), allerdings erschliesst s
ich aus den Darlegungen von Dr.
D._
nicht, welche
davon
er
tatsächlich
in seine Beurteilung einbezogen hat.
Dieser Mangel ist umso gravierender, als
Dr.
D._
in seiner Beurteilung
von
d
en Darlegungen
seiner Fachkollegen,
die den Verlauf bis ins Jahr 2016 wieder
ge
ge
ben
haben
und auf
die im Rückweisung
surteil UV.2014.00252 vom
2
0.
Juni
2016
Bezug genommen wurde
,
erheblich abwich. Er
hätte darlegen
müssen, weswegen die
im Urteil als überzeugend gewichteten ärztlichen
Beurteilung
en, gemäss denen
noch kein Endzustand
vorlag, effektiv nicht zutreffen
, sondern
bereits sechs
Monate nach dem Unfall
vom 4.
Februar 2013
von einer
folgenlosen
Abheil
ung der somatischen Unfallschäden auszugehen ist
.
Seine
Beurteilung hätte der Gutachter unter Bezugnahme auf den dokumentierten Verlauf erläutern müssen.
Insbesondere hätte
Dr.
D._
die aktuell erhobenen Befunde mit den dokumentierten Vor
befunden vergleichen müssen. Allein die
Erh
ebung der aktuellen Befunde und gestützt darauf
der Rückschluss auf den
gesundheitlichen
Verlauf anhand medizinische
r
Erfahrungswerte
erweist sich
angesichts des
tatsächlich
bis zur Begutachtung
dokumentierten Verlaufs
als unzureichend.
Gleichwohl sah sich die
Beschwerdegegnerin
, anders als bei Aspekten zum psychischen Zustand
(vgl. Urk. 9/K114, Urk. 10/M30)
,
zu keiner Nachfrage ver
anlasst.
Nicht beantwortet hat
Dr.
D._
ferner
, in welchem Ausmass sich der Beschwer
deführer einer Kräftigungstherapie und a
nderer
medizinische
r
Massnahmen
unterzogen hat, die aus ärztlicher Sicht angezeigt
sind, und o
ffen geblieben ist
auch
, ob ein operatives Vorgehen
erforderlich
ist. Auch diese Aspekt
e wurden im Rückweisungsurteil U
V.2014.00252 vom 2
0.
Juni 2016 als bedeutsam beurteilt.
Sie
fanden
in
die
dem Gutachter vorgelegten Fragen
allerdings
nicht
Eingang
(vgl.
Urk.
10/M29/1 S. 9 ff.).
Eine abschliessende Beurteilung
des
Heilungsver
lauf
s
der somatischen Unfallfolgen
und des Verlaufs der
Arbeits
un
fähigkeit
ist in der gegebenen Situation nicht möglich.
Zu welchem Zeitpunkt der Fall abge
schlossen werden k
ann, bleibt
damit
ebenfalls
weiterhin offen.
Anzufügen ist, dass anlässlich der
C._
-Begutachtung aus internistischer Sicht keine Auffälligkeiten erhoben werden konnten (vgl.
Urk.
10/M29/1 S. 7 f.). Beeinträchtigungen dieser Art im Zusammenhang mit dem Unfall waren
indess
en
zu keinem Ze
itpunkt
Gegenstand des Verfahrens
, weswegen auf diesen Aspekt nicht weiter einzugehen ist.
6
.
6
.1
Der
psychiatrische
Gutachter
Dr.
E._
hielt fest
, es müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer bereits
praetraumatisch
psychische
Auffällig
keiten entwickelt habe, namentlich abhängige und ängstliche Persönlich
keits
züge auf der Basis einer gut erkennbaren ängstlichen Grundhaltung und möglicher
weise auch schon depressive Symptome. Vor dem Hintergrund verschiedener belastender biografischer Ereignisse sei diese Annahme zulässig. Indessen seien verlässliche Schlussfolgerungen nicht möglich, da damals keine ärztliche Behand
lung in Anspruch genommen worden sei. Zur Krankheitsentwicklung nach dem Unfall vom
2.
Februar 2013 führte
Dr.
E._
aus,
ab Juni 2013 seien erste Diskrepanzen zwischen den objektiven somatischen Befunden und den subjektiven Angaben aufgefallen. Ab Anfang 2014 sodann sei eine mittel- bis
schwergradige
depressive Episode aufgetreten, die in der Folge behandelt worden sei. In der Folge sei dem Beschwerdeführer eine
berufliche
Reintegration im angestammten Beruf als
Mitarbeiter
in einem Callce
nter mit einem Pensum von 50
%
gelungen und die depressiven Symptome seien
deutlich
zurückgegangen
.
Verblieben sei eine diskrete gemischte Symptomatik mit ängstlichen und depres
siven Anteilen.
Es rechtfertige sich vor diesem Hintergrund die Diagnose Angst und depressive Störung gemischt zu stellen (ICD-10 F41.2). Hinzu komme ein somatoformes Symptombild. Dieses sei aber
nicht
derart ausgeprägt, dass vom Vollbild einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(
ICD-10 F
45.4)
ausge
gangen werden könnte.
Immerhin
lasse sich
eine
entsprechende
Verdachts
diag
nose
stellen
(Urk. 10/M29/2 S. 24 ff.)
.
6
.2
Die psychiatrische Abklärung im Rahmen der
C._
-Begutachtung wurde vom Beschwerdeführer nicht
kritisier
t (vgl.
Urk.
1 S. 6
Rz
10 f.) und s
ie erweist sich
als nachvollziehbar und schlüssig. Es liegt ein Symptombild
mit
prae
- und post
traumatischen Anteile
n
vor. Zu letzterem gehören insbesondere auch die
soma
tischen
Beschwerden, soweit diese organisch nicht objektivierbar sind.
Das psychische Leiden ist
da
mit zumindest teil
weise Folge des Unfalles vom 4.
Feb
ruar 2013, weswegen die natürliche Kausalität gegeben ist. Ausgehend von einem grundsätzlich besserungsfähigen Zustand kamen die Gutachter in der Gesamt
beurteilung zum Schluss, das psychische Leiden bewirke eine insgesamt raschere Ermüdbarkeit, was
bis Mitte März 2015
eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50
%
und ab dann eine Einschränkung von 20
% zur Folge
gehabt habe respektive noch immer
habe (Urk. 10/M29/1 S. 19
, Urk.
10/M30
S. 1-2
).
Von der zuletzt attestierten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
aufgrund des psychischen Leidens
ging
auch der Beschwerdeführer aus (Urk. 1 S. 6
Rz
10).
7
.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Auswirkunge
n
der somatischen Unfallfol
gen, das heisst
der Heilungsverlauf und allfällige bleibende Restfolgen
,
weiterhin nicht im erforderlichen Umfang abgeklärt
sind
.
Fest steht, dass eine Teilremission erfolgt ist und der Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Agent in einem Callcenter bei einem neuen Arbeitgeber
in einem Pensum
von 50
%
wieder
auf
genommen hat (vgl.
Urk.
10/M29/2 S. 5 f. u. S. 17
)
. Eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bis Mitte März 2015 wurde gutachterlich attestiert,
weswegen
die Auszah
lung der Taggelder
bis Ende
März 2015 auf
dieser Basis
erfolgte
.
Allerdings bezieht sich die betreffend
e
Einschätzung in erster Linie auf die Folgen der somatisch nicht erklärbaren Beeinträchtigungen.
O
ffen
ist
aber
, ob
und in welchem Umfang
mit Blick auf die somatischen Unfallfolgen
über die
erfolgte
Terminierung hinaus Anspruch
auf Taggelder und auch Heilbehandlung
besteht
und zu welchem Zeitpunkt der Fallabschluss
mit Prüfung des Anspruchs auf weitergehende Leistungen (Rente, Integritätsentschädigung)
effektiv
vorgenom
men werden kann
.
Hierfür sind weiter
e
Abklärungen zum Verlauf der soma
tischen Unfallfolgen erforderlich.
Zu diesem Zweck ist die Sache an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen
(
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht,
GSVGer
).
Aufgrund des noch offenen Zeitpunktes für den Fallab
schluss hat zum jetzigen Zeitpunkt eine Prüfung der Adäquanz in Bezug auf
die psychischen Unfallfolgen zu unterbleiben (
Urteil
des Bundes
gerichts 8C_779/2013 vom 3
0.
Dezember 2013 E. 3
). Auf die von der
Beschwerde
führerin
dazu geäusserten Einwände - sie kann
sich der Adäquanzprüfung durch die Beschwerdegegnerin
weder grundsätzlich noch
inhaltlich anschliessen (Urk. 1
S. 5
Ziff.
5 u.
S. 6 f.
Rz
12)
- wird
beim
Fallabschluss einzugehen
sein
.
Je nach Ausgang der Adäquanzprüfung unter Berücksichtigung der erhobenen Einwände ist
auch
eine Verlaufsbeurteilung im Zusammenhang mit den psychischen Unfallfolgen angezeigt.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne gut
zuheissen, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
aufzuheben und die Sache
ein weiteres Mal
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese im Sinne der Erwägungen verfahre und über den Leistungsanspruch erneut
ent
scheide
.
8
.
Ausgangsgemäss hat
der vertretene Beschwerdeführer
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3
GSVGer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2’000
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.