Decision ID: faea0a28-4db1-4754-9436-46eb19e3a355
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A._, geboren 1966, Staatsangehörige von Vietnam, reichte am 20. September 2006
bei der Schweizer Botschaft in Hanoi, Vietnam, ein persönliches Einreisegesuch zur
Vorbereitung der Eheschliessung mit dem in der Schweiz niedergelassenen
Landsmann B._, geboren 1961, ein (Vorakten Migrationsamt betreffend A._, S. 6 ff.;
Vorakten Migrationsamt betreffend B._, S. 5 ff.). Mit der entsprechenden
Ermächtigung reiste sie am 17. Dezember 2006 in die Schweiz ein. Am 3. Januar 2007
fand die Heirat statt, worauf ihr im Rahmen des Familiennachzugs eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde, die letztmals bis zum 2. Januar 2016 verlängert
wurde.
B. Aufgrund einer mit „R._-gasse 01_, Q._“ adressierten Lohnabrechnung für den
Monat Dezember 2008 beauftragte das Migrationsamt die Polizei am 8. Januar 2009
mit diskreten Umfeldabklärungen betreffend den effektiven Wohnsitz von B._. Mit
Rapport vom 21. März 2009 teilte diese mit, dass B._ an der S._-strasse 02_ in Q._
habe angetroffen werden können und feststehen dürfe, dass er und seine Ehefrau dort
zusammen in einer sehr kleinen 2-Zimmer-Wohnung wohnen würden. Nach einer am
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8. April 2015 beim Einwohneramt der Stadt Q._ per 1. April 2015 gemeldeten
Adressänderung von A._ von „T._-strasse 03_, Q._“ nach „c/o C._, U._-strasse
04_, Q._“ leitete das Migrationsamt weitere Abklärungen ein.
C. Aufgrund des Resultats dieser Abklärungen verweigerte das Migrationsamt A._ die
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und wies diese an, die Schweiz zu verlassen
(act. 11/1.1). Mit Eingabe vom 29. September 2016 erhob A._, vertreten durch
Rechtsanwalt Thomas Zogg, gegen die Verfügung des Migrationsamts Rekurs beim
Sicherheits- und Justizdepartement (act. 11/1), welches das Rechtsmittel am
1. Dezember 2017 abwies.
D. A._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 4. Dezember 2017 versandten
Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch ihren neuen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 19. Dezember 2017 und Ergänzung vom 12. Februar
2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge seien der angefochtene Entscheid und die Verfügung des
Migrationsamtes aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin
zu verlängern.

Mit Vernehmlassung vom 26. Februar 2018 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
in ihrem Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Am 28. Mai 2018
folgte eine unaufgeforderte Stellungnahme des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin zum Scheidungsurteil vom 9. April 2018, das dem
Verwaltungsgericht inzwischen zugegangen war.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressatin des
angefochtenen Entscheids ist die im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführerin
zur Ergreifung der Beschwerde berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
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VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 19. Dezember 2017 rechtzeitig erhoben
und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 12. Februar 2018 formal wie inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb grundsätzlich einzutreten.
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführerin beantragt, die
Verfügung des Migrationsamtes sei aufzuheben. Diese erstinstanzliche Verfügung ist
durch den angefochtenen Entscheid ersetzt worden beziehungsweise gilt inhaltlich als
mitangefochten (Devolutiveffekt, BGer 2C_249/2014 vom 27. März 2015 E. 1.3 mit
Hinweis auf BGE 138 II 169 E. 3.3).
2. Gemäss Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, AuG) haben ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von
Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Der
Bewilligungsanspruch besteht trotz Auflösung beziehungsweise definitiven Scheiterns
der Ehegemeinschaft fort, wenn diese mindestens drei Jahre gedauert und sich die
betroffene ausländische Person erfolgreich in der Schweiz integriert hat (Art. 50 Abs. 1
lit. a AuG; BGE 136 II 113 E. 3.3.3). Die Dreijahresfrist gilt absolut, das heisst es spielt
keine Rolle, ob allenfalls nur wenige Wochen fehlen (BGer 2C_635/2009 vom 26. März
2010 E. 5.2). Die beiden Kriterien nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG (Fristablauf sowie
Integration) sind für den Anspruch kumulativ erforderlich (vgl. VerwGE B 2012/181 vom
30. April 2013 E. 2). Eine rechtlich relevante Ehegemeinschaft liegt vor, solange die
eheliche Beziehung tatsächlich gelebt wird und ein gegenseitiger Ehewille besteht (vgl.
VerwGE B 2012/181 vom 30. April 2013 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). Dabei ist im
Wesentlichen auf die Dauer der nach aussen wahrnehmbaren ehelichen
Wohngemeinschaft abzustellen (BGE 137 II 345 E. 3.1.2). Mit Blick auf Art. 49 AuG, der
den Ehegatten bei weiterdauernder Familiengemeinschaft gestattet, aus „wichtigen
Gründen“ getrennt zu leben – was auch bei vorübergehenden Schwierigkeiten in der
Ehe kurzfristig der Fall sein kann (vgl. Art. 76 der Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit; SR 142.201, VZAE) – ist aufgrund sämtlicher
Umstände im Einzelfall zu bestimmen, ab welchem Zeitpunkt die eheliche
Gemeinschaft als definitiv aufgelöst zu gelten hat (vgl. BGer 2C_821/2011 vom 22. Juni
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2012 E. 2). Dabei ist zu berücksichtigen, dass Art. 49 AuG Ausnahmecharakter
zukommt und sich dessen Anwendbarkeit auf besondere Konstellationen beschränkt.
Der Bewilligungsanspruch besteht trotz Auflösung beziehungsweise definitiven
Scheiterns der Ehegemeinschaft vor dem Ablauf der drei Jahre fort, wenn wichtige
persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen
(Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG). Wichtige persönliche Gründe liegen namentlich vor, wenn der
Ehegatte Opfer häuslicher Gewalt wurde oder die soziale Wiedereingliederung im
Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG).
Besteht kein Rechtsanspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, ist nach
pflichtgemässem Ermessen über diese zu befinden. Dabei haben die zuständigen
Behörden die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad
der Integration zu berücksichtigen (Art. 96 Abs. 1 AuG).
3. Vorliegend ist zunächst umstritten, ob die Ehe der Beschwerdeführerin überhaupt
gelebt wurde oder ob eine Scheinehe vorlag.
Zunächst ist festzuhalten, dass aus dem Entscheid vom 9. April 2018 des Kreisgerichts
St. Gallen (act. 14) in Bezug auf die Beantwortung dieser Frage nichts geschlossen
werden kann (vgl. demgegenüber act. 16). Denn dieser Entscheid basiert auf einer
Vereinbarung der Ehegatten. Dies bedeutet, dass die tatsächlichen Verhältnisse nicht
umfassend abgeklärt wurden und damit auch nicht die Frage, ob die Ehegatten
tatsächlich eine eheliche Gemeinschaft gelebt haben. Darauf deutet auch die Tatsache
hin, dass man offenbar in Bezug auf die Teilung der Pensionskassenguthaben eine
pragmatische Lösung vorzog (genauer Betrag von CHF 20‘000, der bei einer exakten
Halbierung sehr unwahrscheinlich ist). Wie hoch das gesamte zu teilende
Vorsorgeguthaben gewesen wäre, geht aus den Akten nicht hervor. Selbst bei nahezu
hälftiger Teilung der Vorsorgeguthaben, was vorliegend angesichts des runden
Betrages bezweifelt werden darf, können in Bezug auf die Scheinehe keine Schlüsse
gezogen werden. Denn die hälftige Teilung entspricht dem Gesetz und ist damit per se
angemessen, wenn nicht eine Scheinehe im Rahmen eines Beweisverfahrens erstellt
worden ist. Auf ein solches Beweisverfahren wurde vorliegend aber gerade verzichtet
(Vergleich). Auch aus der Scheidung an sich (anstelle einer Eheungültigkeit) kann nicht
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darauf geschlossen werden, dass keine Scheinehe geführt wurde, denn es wurde eben
gerade keine Tatsachenabklärung seitens des Kreisgerichts vorgenommen, weshalb
die Scheidung näher lag als ein Entscheid über die Eheungültigkeit, die seitens der
Ehefrau ja bestritten wurde und deshalb mit einem umfangreichen Beweisverfahren
verbunden gewesen wäre. In Bezug auf die Sistierung vom 9. März 2017 durch das
Kreisgericht St. Gallen (act. 11/6) ist anzumerken, dass die Würdigung der Beweismittel
im Rahmen der vorsorglichen Sistierung, auf die in diesem Entscheid verwiesen wird,
einem ganz anderen Beweismass unterliegt als im Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht. Das Verwaltungsgericht hat nun sämtliche vorliegenden
Beweismittel zu würdigen, auch solche, die dem Kreisgericht St. Gallen allenfalls nicht
zur Verfügung standen. Auch aus diesen Entscheiden kann somit nichts abgeleitet
werden. Im Übrigen ist das Verwaltungsgericht St. Gallen nicht an die Entscheide des
Kreisgerichts St. Gallen gebunden.
Aus den dem Verwaltungsgericht vorliegenden Akten geht hervor, dass B._ vor seiner
Heirat mit der Beschwerdeführerin bereits einmal verheiratet gewesen war, und zwar
mit der vietnamesischen Staatsangehörigen D._, die er in seine 1-Zimmer-Wohnung
(V._-strasse 05_, Q._) nachziehen wollte. Nachdem ihm die damalige
Fremdenpolizei des Kantons St. Gallen mit Schreiben vom 13. November 1997
mitgeteilt hatte, dass sie aufgrund der Grösse der Wohnung die Abweisung des
Gesuchs beabsichtige, mietete B._ eine Wohnung mit zwei Zimmern an der W._-
strasse 06_, Q._. Nach seinen Angaben auf einem Formular lebte er am 8. März 1999
an der X._-strasse 07_, Q._. Aus dem Passersatz-Formular vom 20. Februar 2002
geht sodann hervor, dass B._ im Februar 2002 von H._ (Y._-strasse 08_) in die
Stadt Q._ (X._-strasse 09_) zog. Die Adresse in H._ war bereits im Arbeitsvertrag
vom 29. Oktober 2001 enthalten. Laut seiner Mutationsmeldung vom 25. Juni 2004
lebte er zu diesem Zeitpunkt an der Z._-strasse 010_, Q._. Am 24. Januar 2005
wohnte er nach eigenen Angaben an der R._-gasse 01_, Q._. Mit Entscheid des
Kreisgerichts St. Gallen vom 3. März 2005 wurde seine Ehe mit D._ geschieden. Im
Zeitpunkt der Scheidung wohnte B._ gemäss dem Rubrum dieses Entscheids sowie
den Angaben in der Scheidungskonvention wieder an der Z._-strasse 010_, Q._. Am
1. Juli 2006 zog B._ laut Mietvertrag von der R._-gasse 01_ (nicht von der Z._-
strasse 010_) an die S._-strasse 02_ in Q._. Die neue Adresse bestätigen andere
Dokumente (Mutationsmeldung vom 3. Juli 2006 mit Schreibfehler; Brief des
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Ausländeramtes vom 26. Dezember 2006; Post der SWICA Gesundheitsorganisation).
An diese Adresse reiste die Beschwerdeführerin offenbar im Dezember 2006 zur
Vorbereitung der Heirat ein. Die Lohnabrechnungen Januar 2006 bis März 2007 wurden
B._ aber allesamt an die Z._-strasse 010_, Q._, zugestellt. Und seine
Lohnabrechnung Dezember 2008 wurde an die R._-gasse 01_ zugestellt. In der
Korrespondenz mit dem Ausländeramt verwendete B._ immer die S._-strasse 02_
als Adresse. Unklar ist, wie die Kantonspolizei im März 2009 trotz dieser vielen
Adressen und teilweise offenbaren Widersprüche zum Schluss kam, dass B._
tatsächlich an der S._-strasse 02_ wohne. Alleine aufgrund der Tatsache, dass er
einmal (am Nachmittag des 21. März 2009) dort angetroffen wurde, kann dies kaum
ohne weitere Abklärungen geschlossen werden. Die Kantonspolizei scheint aber keine
Abklärungen z.B. in Bezug auf die Z._-strasse 010_ getroffen zu haben, die als
Wohnort zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlicher erscheint als die R._-gasse 01_.
Und schon in der Mutationsmeldung vom 29. Oktober 2009 gab B._ denn auch schon
wieder eine neue Adresse an (L._-strasse 011_, Q._). Mit Mutationsmeldung vom
26. August 2010 meldete er wiederum eine neue Adresse (T._-strasse 03_, Q._).
Fast dieselbe Adresse (T._-strasse 03a_) benutzte die Beschwerdeführerin im
Formular „Gesuch Ausländerbewilligung“ vom 6. November 2014. Laut
Mutationsmeldung vom 28. Oktober 2015 zog B._ danach an die S._-strasse 012_,
Q._. Diese vielen Adressänderungen sowie die damit teilweise verbundenen
Widersprüche führen vorliegend dazu, dass Dokumente alleine in diesem Fall nicht
belegen können, dass die Ehegatten eine Ehegemeinschaft geführt haben. Die
Feststellung der Kantonspolizei betreffend den 21. März 2009 bezieht sich auf einen
Moment und nicht auf die Dauer von mindestens drei Jahren. Auch sie belegt die
gelebte Ehegemeinschaft über die Dauer von mindestens drei Jahren nicht.
Gegen die gelebte Ehegemeinschaft spricht sodann, dass B._ am 19. November 2015
das Vorliegen einer Scheinehe behauptete. Die Beschwerdeführerin verneint dies. Sie
ist der Auffassung, B._ behaupte dies einzig, um allenfalls drohende Unterhalts-/
Vorsorgezahlungen im Scheidungsprozess zu verhindern. Wäre dies tatsächlich richtig,
bestünde nun seit dem 28. April 2018 kein Grund mehr, an dieser Behauptung
festzuhalten, da die Beschwerdeführerin seit diesem Zeitpunkt rechtskräftig von ihm
geschieden ist und mit dem besagten Entscheid rechtskräftig über die Folgen der
Scheidung befunden worden ist (act. 14). Dennoch hält er an seiner Darstellung fest;
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dem Verwaltungsgericht ist nichts Gegenteiliges bekannt. Zu berücksichtigen ist auch,
dass B._ aufgrund dieser Meldung ansonsten keine Vorteile zukommen können; er hat
vielmehr Nachteile zu befürchten, zumal er anlässlich der polizeilichen Befragung
eingeräumt hat, von Anfang an bewusst eine Scheinehe eingegangen zu sein, das
heisst im Gegenzug für die Eheschliessung Geld erhalten zu haben. Aber auch dies
hielt ihn nicht von den entsprechenden Angaben gegenüber den Behörden ab.
B._ gab bei der Polizei an, die Beschwerdeführerin für Geld (CHF 10‘000 oder
CHF 11‘000) geheiratet zu haben. Er habe sich auf diesen Handel eingelassen, weil er
Schulden gehabt habe. Es sei von Anfang an abgemacht gewesen, dass sie sich nach
fünf beziehungsweise sieben Jahren (diesbezüglich machte er widersprüchliche
Angaben) scheiden lassen würden. Seine Frau habe das nicht gewollt, da ihr Aufenthalt
noch nicht sicher gewesen sei. Sie habe ausserdem Unterhalt gewollt. Damit habe sie
sich nicht an die Abmachungen gehalten. Deshalb habe er die Scheinehe gemeldet. Es
habe keine Hochzeitsfeier gegeben. Sie seien bei der Heirat ganz normal gekleidet
gewesen. Ringe seien nicht ausgetauscht worden. Auch Fotos seien bei der Heirat
keine gemacht worden. Eine Hochzeitsreise hätten sie ebenfalls nicht gemacht. Seine
Ehefrau habe keinen Kontakt mit seinen Verwandten und habe in Vietnam einen Mann
und zwei Kinder. Er wisse nicht, wie der Werdegang seiner Frau aussehe. Sie lebe seit
sieben bis acht Jahren mit ihrem Freund zusammen und er lebe mit seiner Freundin
E._. Er habe mit seiner Frau nie Ferien gemacht. Die Religion seiner Frau kenne er
nicht und wisse auch nicht, was sie für Hobbies habe. Welche Musik seine Frau höre,
wisse er nicht. Das Lieblingsessen seiner Frau kenne er ebenfalls nicht. Ob seine Frau
besondere Merkmale (Prothesen, Piercings, Tattoos, Narben etc.) habe, wisse er nicht.
Die Beschwerdeführerin behauptete hingegen, mit B._ zusammengelebt zu haben,
zunächst an der S._-strasse 02_ und dann an der T._-strasse 03_. Ihre
Beschreibung von der T._-wohnung 03_ fiel ganz anders aus als diejenige von B._.
Dies könnte damit erklärt werden, dass E._ dort offenbar ab Juli 2010 eine 1-Zimmer-
Wohnung mietete und gleichzeitig auch eine 4,5-Zimmer-Wohnung. Man habe kein
Hochzeitsfest gefeiert. Sie erinnere sich nicht, ob Ringe ausgetauscht worden seien.
Bei der Hochzeit seien sie normal gekleidet gewesen. Fotos seien keine gemacht
worden und auch eine Hochzeitsreise hätten sie nicht gemacht. Ferien hätten sie keine
gemacht, dafür fehle das Geld. Sie hätten keine Freizeit. Am Abend nach der Arbeit
gehe er ab und zu trinken. Die Ehegatten machten widersprüchliche Angaben in Bezug
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auf das Tattoo des Ehemannes. Laut den Angaben der Beschwerdeführerin hat B._
ein Tattoo an der Schulter und laut seinen Angaben hat er eines am Unterarm. Diese
Unstimmigkeit ist schwer zu erklären, wenn man mindestens drei Jahre eine eheliche
Gemeinschaft gelebt haben will. Auch nicht nachvollziehbar ist, dass sich die
Beschwerdeführerin nicht daran erinnern kann, ob sie mit B._ bei der Hochzeit Ringe
ausgetauscht hat. Dies ist bei einer Liebesheirat praktisch ausgeschlossen.
Gegen die gelebte Ehegemeinschaft spricht auch die schriftliche Bestätigung einer
Nachbarin (F._) von B._ an der T._-strasse 03_, die am 15. November 2015
festhielt, dass sie die Beschwerdeführerin nie an der T._-strasse 03_ gesehen habe.
Für die gelebte Ehegemeinschaft spricht hingegen die schriftliche Bestätigung von G._
vom 4. Dezember 2015, laut welcher die Ehegatten oft glücklich zusammen gesehen
worden seien. Die Bestätigung vom 3. Dezember 2015, laut der die
Beschwerdeführerin mit B._ verheiratet gewesen sei und sie ab und zu gemeinsam an
Wochenenden gesehen worden seien, deutet ebenfalls auf eine gelebte
Ehegemeinschaft hin. Gegen eine gelebte Ehegemeinschaft spricht das Schreiben von
E._ vom 5. März 2016, in dem diese ausführt, dass die Beschwerdeführerin nie bei
ihnen an der T._-strasse 03_ gewohnt habe. Laut zwei weiteren Bestätigungen hat
die Beschwerdeführerin auch nicht an der L._-strasse 011_ gewohnt. Aufgrund der
Widersprüche der verschiedenen Bestätigungen kann aus diesen letztlich nichts
abgeleitet werden.
Aus den Angaben anlässlich der Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen vor
dem Kreisgericht St. Gallen kann ebenfalls keine eheliche Gemeinschaft abgeleitet
werden.
Den Aussagen gegenüber der Opferhilfe kommt insofern kein Beweiswert für den
Bestand der ehelichen Gemeinschaft vor, als es sich bei diesen Angaben einzig um
Angaben der Beschwerdeführerin selbst handelte.
Trotz ihrer weitreichenden Mitwirkungspflicht reichte die Beschwerdeführerin keine
gemeinsamen Fotos etc. ins Recht, die auf den Bestand einer ehelichen Gemeinschaft
hinweisen könnten.
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Angesichts der dem Verwaltungsgericht vorliegenden Beweismittel kann nicht darauf
geschlossen werden, dass die eheliche Gemeinschaft vorliegend während drei Jahren
gelebt wurde. Von einem eindeutigen Beweis, dass die Ehe während dreier Jahre
tatsächlich gelebt wurde, kann entgegen den Ausführungen des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin keine Rede sein. Befragungen können an diesem Schluss nichts
ändern, zumal bereits die schriftlichen Auskünfte verschiedener Beteiligter sehr
unterschiedlich ausgefallen sind. Ob die Ehe bereits ursprünglich allein aus
ausländerrechtlichen Gründen geschlossen wurde, kann unter diesen Umständen offen
bleiben.
4. Angesicht dieser Tatsache ist sodann zu prüfen, ob allenfalls ein wichtiger Grund im
Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG, insbesondere häusliche Gewalt, die
vorübergehende Auflösung der Ehegemeinschaft bedingte oder aufgrund der
häuslichen Gewalt ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG vorliegt.
Wer der Beschwerdeführerin allenfalls Verletzungen zugefügt hat, ist unklar. Da das
eheliche Zusammenleben der Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann vorliegend
weder nachgewiesen noch glaubhaft gemacht ist, liegt auch kein wichtiger Grund im
Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG vor. Ein solcher würde erfordern, dass die
Beschwerdeführerin gerade wegen der häuslichen Gewalt nicht während der
erforderlichen drei Jahre mit ihrem Ehemann hätte zusammenleben können. Vorliegend
bringt sie aber selbst vor, wegen der häuslichen Gewalt erst im Frühling 2015
ausgezogen zu sein. Es ist damit nicht glaubhaft gemacht, dass die
Beschwerdeführerin durch das (nicht nachgewiesene und nicht glaubhafte)
Zusammenleben mit ihrem Ehemann in ihrer Persönlichkeit ernstlich gefährdet
gewesen wäre und ihr deshalb die Fortführung der ehelichen Gemeinschaft nicht für
die Dauer von drei Jahren hätte zugemutet werden können. Es kam damit auch nicht
von einer gewaltbedingten Aufhebung der Haushaltsgemeinschaft gesprochen werden,
da nicht nachgewiesen oder glaubhaft gemacht wurde, dass eine solche je bestanden
hat. Ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b oder Art. 50 Abs. 2 AuG ist
somit zu verneinen.
5. Bei der Interessenabwägung ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin
hier keine Kinder hat. Hinzu kommt, dass sie sprachlich wenig integriert und offenbar
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auch in finanzieller Hinsicht keine umfassend zufriedenstellende Integration erfolgt ist
(Steuerschulden). Die prägenden Kinder- und Jugendjahre hat sie sodann in ihrer
Heimat verbracht und würde sich damit bei einer Rückkehr sowohl in sprachlicher als
auch kultureller Hinsicht schnell wieder zurechtfinden. Ihr Umfeld in der Schweiz und
ihre mangelhaften Deutschkenntnisse deuten darauf hin, dass sie mit ihrer Heimatkultur
nach wie vor sehr verbunden ist. Zudem hat sie offenbar Kinder aus erster Ehe in ihrer
Heimat und auch ihre Eltern leben nach wie vor dort. Dass es ihr hier beruflich allenfalls
besser geht, wiegt nur sehr leicht, zumal sie hier keiner besonders qualifizierten Arbeit
nachgeht. Ihre privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz wiegen deshalb
nicht schwer. Die öffentlichen Interessen an der Durchsetzung der gesetzlich
festgehaltenen Migrationspolitik hingegen wiegen beträchtlich. Sie überwiegen damit
die privaten Interessen der Beschwerdeführerin.
6. Die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich damit als
recht- und verhältnismässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
7. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die amtlichen Kosten werden mit dem
geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2‘000 verrechnet. Ausseramtliche Kosten sind
bei diesem Verfahrensausgang für das Beschwerdeverfahren nicht zu entschädigen
(vgl. Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).