Decision ID: 7aaf6a8d-ffea-5cc1-ac3e-9dd206002912
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1968 geb
orene und im Detailhandel tätig gewesene
X._
meldete sich am 27. Mai 2015 (Eingangsdatum bei der IV-Stelle)
unter Hinweis auf eine
Bindegewebsschwäche
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/23).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei
(
Urk.
7/31; 7/45; 7/55) und tätigte medizinische und erwerblich-berufliche Abklärungen.
Nachdem sie mit Mittei
lung vom 18. November 2015 angezeigt hatte, dass berufliche Eingliederungs
massnahmen aufgrund des Gesundheitszustandes nicht möglich seien (Urk. 7/48), liess die IV-Stelle den Versicherten
bei der Medizinischen Abklärungsstelle
Y._
(fortan:
MEDAS
)
polydisziplinär
begutachten
(Expertise vom 13. Februar 2017, Urk. 7/79
sowie Stellungnahme
vom 19. Juni 2017,
Urk. 7/85
).
Mit Schreiben vom 2
1.
Juli
2017
wurde
X._
eine Schadenminde
rungs
pflicht auferlegt
, womit eine Intensivierung der bisherigen Psychotherapie und die Einleitung einer Psychopharmakotherapie
verlangt w
u
rd
e
(Urk. 7/88). Glei
chen
tags wurde
X._
mit
Vorbescheid
der IV-Stelle
(Urk. 7/89)
die Ab
weisung seines Begehrens
in Aussicht
gestellt
. Dagegen erhob
X._
unter Beilage
mehrerer
neuer Arztberichte Einwand (
Urk.
7/100; 7/104
; 7/119; 7/138
).
Mit Verfügung vom 1
3.
August 2018
verneinte die
IV-Stelle
mangels ren
ten
begründetem
Invalidität
sgrad von 20 %
einen Anspruch auf eine Rente
(Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 1
4.
September 2018 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, es sei ihm unter Auf
hebung der Verfügung vom 13. August 2018 eine h
albe Invalidenrente zuzu
spre
chen
. Eventualiter sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
eine neue poly
disziplinäre Begutachtung
vorzunehmen
und hernach neu zu entscheiden
(Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 19. Oktober 2018 auf Abweisung der Beschwerde,
was dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 23. Oktober 2018 (Urk. 8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine
Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
di
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen ein
ander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Ver
halten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
ein
andersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolge
rungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung,
BJM
1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid
im Wesentlichen
, dass
dem
Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit aufgrund seiner körper
lichen
und psychischen Leiden
nicht mehr
zumutbar sei, er allerdings eine lei
densangepasste Tätigkeit ausführen könne.
Trotz Auferlegung einer Schadenmin
de
rungspflicht sei noch keine Intensivierung der Psychotherapie erfolgt und noch keine
Psychopharmakatherapie
eingeleitet worden.
Der Einkommensvergleich unter Berücksichtigung eines 80%-Pensums in einer leidensangepassten Tätigkeit führe zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad
von 20 %
(Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer macht
e
demgegenüber geltend
, dass
die Beschwerde
geg
nerin
ohne weitere Begründung
von der gemäss dem
MEDAS
-Gutachten atte
stierten Arbeitsunfähigkeit abgewichen
sei
. Auch habe die Beschwerdegegnerin
die Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der
polydisziplinären Begut
ach
tung nicht berücksichtig
t
.
Damit liege eine Verletzung des Untersuchungs
grundsatzes vor.
Entsprechend dem
MEDAS
-Gutachten
sei
zumindest
von einer
Arbeitsun
fähigkeit im Umfang von 50 %
in leidensangepasster Tätigkeit
auszu
gehen
, was zu einem An
s
pruch auf eine halbe Invali
denrente führe.
Weiter brachte der Beschwerdeführer vor, dass d
ie bisherige psychiatrische Therapie lege
artis
erfolgt
sei und deshalb auch
keine Anpassung indiziert gewesen sei.
Auf
grund
der
ausgewiesenen
Verschlechterung des Gesundheitszustands
sei eventua
liter
ein Verlaufsbericht beziehungsweise eine neue Begutachtung durch die Be
sch
werdegegnerin zu
veranlassen
(Urk. 1).
3.
3.1
Die Gutachter der
MEDAS
bescheinigten dem Beschwerdeführer anlässlich der im November 2016 stattgefundenen Begutachtung (Urk. 7/79/1) in angestammter Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
. Hinsichtlich
einer Verweistätigkeit
wurde im Gutachten festgehalten, dass zum
aktuell
en Zeitpunkt von
eine
r
Arbeit
s
fähigkeit im Umfang von 50 %
auszugehen sei. Es sei
jedoch
damit zu rechnen, dass
sich die Zwänge
bei einer adäquaten kombinierten Therapie (geeignete Psy
chotherapie, Psychopharmaka) innerhalb eines Jahres verbessern liessen und der Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erlangen werde (Urk. 7/79/30 und 34
). In interdisziplinärer Hinsicht
wurden
folgende Diagnosen
gestellt
(Urk. 7/79/32 f.):
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Anankastische
Persönlichkeitsstörung (
ICD-10:
F60.5)
-
Zwangsstörung (
IC
D
-10:
F42)
-
Persistierende Leistenschmerzen beidseits
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Zervikobrachialgie
mit/bei altersentsprechenden degenerativen Verände
rungen mit Osteochondrose
C5/6 und leichter
foraminaler
Einengung C6/7 links ohne Neurokompression
-
Lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit/bei muskulärer
Dysbalance
und altersentsprechenden degenerativen Veränderungen
mit
Osteochon
drose L5/S1
-
Knieschmerzen beidseits bei leichter
Trochleadysplasie
links
-
Hüftschmerzen beidseits ohne radiologische Auffälligkeiten
-
Knick-/Senkfuss beidseit
s mit Fussschmerzen beidseits bei/mit
-
Status nach direkter Kontusion Fuss links am 10.03.2013
-
Status nach nichtdislozierter Fraktur
Meta
t
arsale
II
(MRI Fuss links vom 27.03.2013)
-
Status nach Stressreaktion des Os
naviculare
,
Ossa
cuneiforme
und Os
cuboideum
, Tendovaginitis der
Tibialis
posterior
- und Flexor
digitorum
longus
-Sehne (MRI Fuss links vom 28.08.2013)
-
Status nach Verdacht auf
Osteomyelitisherde
Os
metatarsale
I und II rechts ohne Nachweis von Bakterien (MRI vom 25.05.2011)
-
Status nach entzündlichen Veränderungen im Os
metatarsale
I und II und angrenzenden Weichteilen
-
Lisfranc
-Gelenksarthrose II mit kleiner Impressionsfraktur in der Basis des Os
metatarsale
II, Erguss im
OSG
und USG (MRI Fuss rechts vom 27.03.2012)
-
Praktisch unauffälligen Befunden im Bereich beider
OSG
und Füsse beidseits im MRI und Röntgen vom 17.10.2014
-
Osteoporose
-
Sonstige
Probleme mit Bezug auf die Lebensführung (
ICD-10: Z72.8
)
-
Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (ICD-10: F81)
-
Verdacht auf
Marfan
-Syndrom (ab 1992, nicht bestätigt) mit minimale
r
Mitralinsuffizienz
-
Status nach rezidivierende
r
Eisenmangelanämie 1999, mit intermittie
render Eisensubstitution, Abklärungen negativ
-
Vitiligo
(Erstdiagnose 1975)
-
Alopecia
androgenetica
(Erstdiagnose 1992)
-
Status nach
Kryptorchismusoperation
rechts 1977 mit Zirkumzision
-
Status nach Exzision eines
Granulosazelltumors
nuchal
am 14.09.2016 respektive Nachresektion am 17.10.2016
-
Anamnestisch
gastroösophagealer
Reflux
-
Myopie
3.2
Befundmässig stellte der psychiatrische Gutachter fest, der Beschwerdeführer sei wach, bewusstsein
s
klar und in allen Qualitäten voll orientiert.
Der Beschwerde
führer habe sich anlässlich der Untersuchung zunächst zurückhaltend, scheu, aber auch freundlich verhalten und im Verlauf der Exploration dann auch zugewandt und offen präsentiert. Die Aufmerksamkeit und die Konzentration h
ätt
e
n
im Verlauf der Untersuchung nachgelassen. Sprechstörungen würden nicht bestehen und die Ausdrucksweise des Beschwerdeführers sei differenziert. Er habe sachlich berichtet und bei der Schilderung bestimm
t
er E
reignisse kontrolliert, aber auch
un
sicher
, ob er diese richtig wiede
r
gebe
, gewirkt
.
Es liege keine Wahrneh
mungs
störung
vor
(Urk. 7/79/57)
.
Der psychiatrische Gutachter hielt weiter fest, dass beim Beschwerdeführer
eine
selbstunsichere
,
anankastische
Persönlichkeit mit Ent
wicklung von Zwängen vor
liege
.
Die Schwierigkeiten in der Sprachent
wick
lung,
gemäss den Angaben des
Beschwerdeführer
s
habe
er
mit sechs Jahren noch nicht gesprochen, die schulischen Teilleistungsstörungen, die Lernprobleme im Rahmen der Legasthenie und
Akalkulie
sowie die kritische und teilweise auch ablehnende Haltung der Mitschüler gegenüber dem Beschwerdeführer hätten bei ihm Ängste und Unsicherheiten ausgelöst.
Weiter sei von
einer lei
s
tungsbetonten
und zur Perfektion neigenden Persönlichkeitsentwicklung auszugehen. D
ie
Trenn
ung der Eltern und die späteren Überforderungssituationen im Berufsleben hätten
in
Ängsten
und Überforderungen
gemündet
, welche
d
er
Beschwerdeführer
durch Rituale und starre Handlungsabläufe abzumildern versuche.
Weiter liege eine Zwangsstörung vor. D
ie Zwangshandlungen
seien
ritualisiert,
würden
stereotyp auftreten und
seien
mit Ängsten verbunden. Hinsichtlich seines letzten Arbeits
platzes habe der Beschwerdeführer von phobischen Reaktionen berichtet. Eine
Antriebsschwäche bestehe nicht, der Beschwerdeführer wirke allerdings schwun
g
los und seine Lebendigkeit, Kraft und Energie erscheine reduziert (Urk. 7/79/58).
Neben abdominalen Beschwerden
seien
auch affektive Symptome mit
gedrückter Stimmung und Ängsten zu erkennen
. Der Beschwerdeführer f
ühle sich stark stress
an
fällig.
Die Zwangssymptome und die Dyskalkulie würden den Beschwer
de
führer daran hindern
,
sich neues Wissen anzueignen und dieses auch adäquat anzuwenden. Dadurch sei er nicht flexibel und umstellungsfähig genug, es fehle ihm auch an Ausdauer. Im häuslichen Bereich sei der Beschwerdeführer in der Lage
,
sich in selbständiger Weise zu versorgen
,
und sei ausreichend mobil (Urk. 7/79/60).
Der psychiatrische Gutachter kam zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit nicht mehr zugemutet werden könne. In einer leidens
angepassten Tätigkeit, welche auf die vorhandenen Defizite des Beschwerdefüh
rers Rücksicht nehme, sei gegenwärtig von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus
zugehen. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer nicht unter Zeitdruck und nicht in verschiedenen Schichten arbeiten
müsse.
Weiter emp
fahl der
psychiatrische Gutachter, dass
oft wechsel
nd
e Arbeitseinsatzorte
ver
mieden wü
rden und der Arbeitgeber
gegenüber dem Beschwerdeführer
wohlwoll
end eingestellt sein
sollte
. Die
psychiatrische und psychotherapeutische Behand
lung
sei zu intensivieren und eine
Psychopharmakotherapie
zwingend
einzulei
ten.
Bislang sei noch keine solche Therapie erfolgt.
Es sei damit zu rechnen
, dass
sich die Zwänge
bei einer
solchen
Therapie innerhalb eines Jahres
verbessern liessen, sodass der
Beschwerdeführer
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
in einer lei
densangepassten Tätigkeit
erlangen werde
.
Hinsichtlich der angestammten Tätig
keit bescheinigte der
psychiatrische Gutachter
dem Beschwerdeführer eine Arbeits
unfähigkeit im Umfang von 100 %. In einer leidensangepassten Tätigkeit
, welche auf die vorhanden
en
Defizite
des Beschwerdeführers Rücksicht nehme, sei gegenwärtig von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
(Urk. 7/79/60
).
3.3
Der orthopädische Gutachter
erklärte
, dass der Beschwerdeführer
in der ange
stammten Tätigkeit voll arbeitsfähig
sei
und hielt i
m Zusammenhang mit dem
Zumutbarkeitsprofil
präzisierend
fest,
der Beschwerdeführer
dürfe
dauerhaft keine
schweren Lasten übe
r 20
kg
tätigen
. Nicht zumutbar seien zudem
Tätigkeiten,
welche
ein
ständiges Gehen oder Stehen, Treppensteigen, Gehen auf unebenen Boden oder eine monotone Kopf- und Rumpfhaltung
verlangen
würden
(Urk. 7/79/30).
3.4
Aus d
em Gutachten der
MEDAS
geht
in chirur
g
i
scher Hinsicht
hervor, dass
auch
na
ch der
Stoppa
-Operation am 12. Januar
2015
ein
persistierender
Leisten
s
chmerz
vorhanden s
ei. Bildgebend bestehe aktuell
ein direktes
Hernienrezidiv
auf der linken Se
ite, welches klinisch eher
a
symp
t
o
matisch sei.
Infiltrationen in d
i
e
linke
Leiste hätten
zu keiner Besserung geführt
.
Der
Beschwerdeführer
habe
seine Schmerzen
auf der Schmerzskala
mit 4 bis 5 eingeschätzt
, wobei d
ie Schmer
zen
deutlic
h belastungsabhängig
seien
und i
n Ruhe
kaum verzeichnet würden
.
Der Gutachter hielt sodann fest, dass a
us rein
viszeralchirurgischer
Sicht
der
Beschwerdeführer in seinem bisherigen Beruf bei Gewichtslimitationen bis maximal 5
kg zu 80
%
arbeitsfähig
sei
.
Aufgrund von notwendigen Pausen sei von einer
Leistungsminderung
im Umfang
von 20
%
auszugehen.
Eine ideal l
eidensadaptierte Tätigkeit könne
ohne
Einschränkung ausgeführt werde
n
(Urk. 7/79/31).
3.5
In allgemein-internistischer Hinsicht
hielt der Gutachter
fest, dass
der Verdacht auf ein
Marfan
-Syndrom bereits seit 1993
bestehe,
bislang
aber
nicht bestätigt worden sei. Die
Verlaufskontrolle des
Mitralklappenprolapses
im Jahr 1994 sei unauffällig gewesen. Im Jahr 1998 sei eine minimale Zunahme der Grösse der Aorta, welche allerdings noch im Normalbereich liege, festgestellt worden. Im Sommer 2012 sei eine minime
Mitralinsuffizienz
nachgewiesen worden. In der Folge
würden
jährlich kardiologische Kontrollen mittels Herzultraschall durchge
füh
rt
.
Der
Gutachter
erklärte, dass
in internistischer Hinsicht
keine Diag
nosen mit
Auswirkung auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit vorliegen würden (Urk. 7/79/31
).
Zusammenfassend ist dem
MEDAS
Gutachten zu entnehmen
,
dass
aus interdis
ziplinärer Sicht die psychiatrischen Diagnosen führend
seien
. Die Beschwerden
des Beschwerdeführers könnten seit
Anfang Mai 2015 nicht mehr
mit
chirur
gische
n
und orthopädische
n
D
iagnosen hinreichend erklärt werden. A
us psychia
trischer Sicht liege eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
für den angestammten Beruf vor und i
n einer leidensangepassten Tätigkeit müsse seit Mai 2015 eine Arbeitsfähigkeit von 5
0 % angenommen werden (Urk. 7/79/34).
4.
4.1
Das interdisziplinäre Gutachten vom
13. Februar 2017
erging in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den relevanten
Vorakten
, den geklagten Beschwerden sowie gestützt auf d
ie klinischen Untersuchungen des Beschwerdeführers
. Die fachkundigen Spezialärzte begründeten ihre Diagnosen differenziert, nahmen zu den Beurteilungen in den
Vorakten
Stellung und begründeten – soweit Diskre
panzen bestanden – abweichende Einschätzungen plausibel (
Urk.
7/79/61 f.
). Das Gutachten erfüllt damit die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweis
taugliche Entscheidungsgrundlagen
(E. 1.4
).
4.2
4.2.1
Soweit der Beschwerdeführer unter Hinweis auf
die
Berichte des behandelnden
Therapeuten
lic
. phil. I Z._
vom 1
3.
September 2017
(Urk.
7/104/3-4
)
, der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie des
A._
vom 2
8.
Juli 2017
(Urk.
7/96
) und vom 1. Juni 2018 (Urk.
9/135/1-2
)
, der
B._
vom 24. August 2017
(Urk.
7/94
)
, des
C._
vom
3.
Okto
ber 2017
(Urk.
7/120/1-16
) vorbringen lässt,
dass
Anhaltspunkte für eine Verschlechterung
seines Gesundheitszustands be
stün
den und dass seine
psy
chische Erkrankung zu einer Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 %
führe
, vermag er nicht durchzudringen.
Der behandelnde Therapeut
lic
. phil. I
Z._
führte in seinem Schreiben vom
1
3.
September 2017 aus, dass bereits die körperlichen Besch
werden des Beschwe
r
deführers in
einer hochgradigen Arbeitsunfähigkeit münden müssten. Im
MEDAS
-
Gutachten fehle es
an einer entsprechenden Gesamtbetrac
htung der Arbeitsein
schränkung
aufgrund der körperlichen sowie der psychischen Gegebenheiten. Schliesslich wies
lic
. phil. I
Z._
darauf hin, dass schon zu Beginn der
Therapie der Bedarf an Psychopharmaka und Behandlungsfrequenz abgeklärt wor
den sei und falls dies indiziert gewesen wäre,
dies
auch bereits angewendet worden wäre.
Vorab ist
in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
recht
liche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patient
innen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Be
gut
achtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE
124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätz
ungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundes
gerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf
SVR
2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
Sol
che Aspekte liegen hier nicht vor. In seiner Stellungnahme
kritisierte
lic
. phil. I
Z._
das Gutachten der
MEDAS
ohne allerdings substantiiert darzulegen, inwiefern die Einschätzung und die Schlussfolgerung der Gutachte
r nicht zutreffen würde
. H
inzu
kommt
, dass es sich bei den
Ausführungen von
lic
. phil. I
Z._
im Zusammenhang mit den körperlichen Beschwerden des Beschwerdeführers nicht um eine fachärztliche Ein
schätzung handelt. Auch begründete
lic
. phil. I
Z._
mit keinem Wort
, weshalb vorliegend eben keine
Psychopharmakatherapie
und eine Intensivierung der Therapie - entgegen der Ansicht der Gutachter im
M
EDAS
-Gutachten – not
wendig sei. Er w
ies
lediglich pauschal darauf hin, dass er zu Beginn der Be
handlung eine Abklärung vorgenommen habe und falls indiziert eine entspre
chende Anpassung der Therapie vorgenommen hätte (Urk.
7/104/4
). Die Stellung
nahme von
lic
. phil. I
Z._
vermag daher
die Einschätzung der Gutachter nicht umzustossen
.
4.2.
2
Was die Berichte
der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie, der
B._
und des
C._
anbelangt, ist festzustellen, dass diese keine neuen und im Gutachten der
MEDAS
nicht
bereits bekannte
Beschwerden
beziehungsweise Diagnosen
aus
weisen. Auch geht
aus
diesen Berichten nicht hervor, dass eine neue und bislang nicht bekan
nte Diag
nose gestellt worden wäre
, welche sich
zudem
auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken könnte. Die Problematik rund um die persistie
ren
den Leistenschmerzen wurde bereits im
ME
DAS
Gutachten genannt und
als Diag
nose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit qualifiziert (vgl.
E. 3.1).
Auch be
stand bereits zuvor der Verdacht auf ein
Marfan
-Syndrom
und
die Gutachter gingen von einer Bindegewebeschwäche aus
(E.
3.1 und 3.4
).
Die genetische Be
stätigung eines
Marfan
-Syndroms
würde
zudem
für sich allein an der vorlie
genden Ausgangslage,
wie auch die RAD-Ärztin in ihre
r Stellungnahme vom
1.
März 2018 (Urk. 7/140/5) ausführte,
nichts zu ändern
vermögen
, fand dieses allfällig vorliegende Syndrom als Verdacht
sdiagnose
im Gutachten der
MEDAS
und
im Zusammenhang mit der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
doch
bereits Be
rücksichtigung
(
E. 3.5
)
.
Ferner zielt der Vorwurf, die eingeschränkte Leistungs
fähigkeit aus kardiologischer Sicht sei von den Gutachtern nicht berücksichtigt worden (Urk. 1 S. 6), ins Leere, hatte die Kardiologin des
C._
doch die Abnahme der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers seit 2015 insbesondere mit den inguinalen Schmerzen begründet, während sie aus kardialer Sicht von einer sehr stabilen Situation berichtete (Urk. 7/120/9-10). Sodann liessen sich auch
MR
-tomographisch keine neuen, relevanten Pathologien visualisieren (vgl. Urk. 7/123/1-4).
Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwer
de
führers seit seiner Begutachtung durch die
MEDAS
ist
damit nicht belegt.
Auch geben die Arztberichte keinen Anlass an den Ausführungen der
MEDAS
-Gut
achter zu zweifeln.
4.2.3
Es trifft zwar zu, dass im Gutachten der
MEDAS
in psychiatrischer Hinsicht
zum
Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens
von einer Einschränkung der Arbeits
fähigkeit im Umfang von 50 % in leidensangepasster Tätigkeit die R
ede war
. Allerdings hielt der psychiatrische
Gutachter ausdrücklich fest, dass innerhalb eines Jahres
bei
einer adäquaten kombinierten Therapie damit zu rechnen sei, dass sich die Zwänge verbessern liessen und der Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit erlangen werde (E. 3.2).
Mit
Schreiben vom 2
1.
Juli 2017 wurde dem Beschwerdeführer
eine
Schadenmin
de
rungspflicht auferlegt
und a
uf die Durchführung einer kombinierten
Therapie hin
gewiesen
(Urk. 7/88)
. Eine substantiierte Begründung, weshalb bislang weder eine Intensivierung der psychotherapeutischen Behandlung noch eine
Psycho
phar
makatherapie
erfolgt sind
beziehungsweise inwiefern diese Massnahmen nicht zumutbar sein sollen
, fehlt
.
Der alleinige Hinweis von
lic
. phil. I
Z._
, dass solche Massnahmen wohl eingeleitet worden wären, falls diese indiziert gewesen wären, vermag die gutachterliche Einschätzung nicht im Ansatz zu er
schüttern.
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grund
satz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Scha
denminderungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c). Als Ausdruck der allgemeinen
Scha
denminderungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbstein
glie
derung zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem ge
setz
lichen Eingliederungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
Nach dem Gesagten ist
davon auszugehen, dass
im Verfügungszeitpunkt - mithin ein Jahr nach Aufer
le
gung der Schadenminderungspflicht –
der gutach
terlichen Folgeeinschätzung
folgend
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in leidensan
gepasster Tätigkeit aus
zugeh
en ist
(Urk. 7//79/32, 34, vgl. auch nach
folgende E. 5.4).
4.3
In Bezug auf die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Verletzung der Unter
su
chungspflicht ist im Weiteren festzuhalten, dass vorliegend der
entscheidrele
vante
medizinische Sachverhalt
rechtsgenüglich
erstellt wurde und es demzufolge nicht erforderlich ist, weitere Abklärungen zu treffen.
Wie bereits dargelegt (E.
4.2.2
)
,
fehlen vorliegend Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des Gesund
heits
zustands des Beschwerdeführers, welche Anlass für weitergehende Abklä
rungen des medizinischen Sachverhalts geben könnten. Im Gegenteil: Die vom Beschwerdeführer vorgelegten Arztberichte, welche im Nachgang zur Begut
ach
tung erstellt worden sind, bestätigen was bereits im
MEDAS
Gutachten festgestellt werden konnte.
Eine Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin kommt daher nicht in Betracht (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3).
Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ist damit nicht zu erkennen.
5.
5.1
Wie dargelegt (E. 1.3.2), sind gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grund
sätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren na
ch BGE 141 V 281 zu unterziehen.
Dabei
ist darauf hinzuweisen, dass aus einer
Indikatorenprüfung
eine grössere Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich atte
stierte nicht resultieren kann, sondern mittels strukturiertem Beweisverfahren die im Rahmen einer psychiatrischen Diagnose attestierte Arbeitsunfähigkeit validiert wird (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2019 vom
8.
November 2019 E. 4.2.4).
5.2
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung» in der Kategorie «funktioneller Schwere
grad» ist festzuhalten, dass die anlässlich der psychiatri
schen Begutachtung erhobenen ob
j
ek
tiven Befunde und Symptome als ausgeprägt erscheinen. So hielt der Gutachter fest, dass die psychische Erkrankung in ihrem Ausprägungsgrad das Ausmass einer
Persönlichkeitsstörung annehme und
der Beschwerdeführer
dadurch
massiv eingeschränkt
sei
(
Urk.
7/79/
30 und
35)
. Zu berücksichtigen ist
vor
liegend allerdings auch
, dass die Behandlungsmögli
chkeiten nicht ausge
schöpft
wurden
und eine Intensivierung der Psychotherapie und eine
Psychopharma
ka
therapie
bislang (noch) nicht stattgefunden hat, obwohl dies gemäss dem
MEDAS
Gutachten notwendig wäre (E. 3.2).
Seit Kindheit besteht zudem eine Legasthenie und eine Dyskalkulie, welche sich auf die Kommunikationsfähigkeit des Be
schwer
deführers auswirken (Urk. 7/79/38).
Hinsichtlich des komplexes «sozialer Kontext» ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer vor allem Kontakt
zu seinem Bruder, zu seinem Vater und zu seiner Mutter, welche im selben Haushalt lebt, pflegt (Urk. 7/79/53)
.
Gemäss seinen Angaben hat der Beschwerdeführer nur wenige Kollegen
und
die Gutachter sprachen
dabei
von einer relativen Isoliertheit des Beschwerdeführers
(Urk. 7/79/38
und 54
)
. Der Beschwerdeführer präsentiert
e
sich anläss
lich der Begutachtung motiviert, um eine
angepasste
Arbeit
zu finden
.
Der Tagesablauf des Beschwerdeführers kann angesichts der
t
äglich
mehreren Spaziergängen
mit dem Hund, der weitgehenden
selbständigen
Erledigung des Haushalts
,
der
Zubereitung von
Mahlzeiten und der Tatsache, dass er regelmässig
seinem Hobby Modellbau nachgeht,
als
geregelt b
e
zeichnet werden
(Urk. 7/79/56
f.
).
Nach dem Gesagten
steht dem Beschwerdeführer nur beschränkt
ein intaktes soziales
Umfeld mit mobilisierbaren Ressourcen
zur Verfügung
.
5.3
Zum Aspekt der «Konsistenz» ist zu erwähnen, dass
der Beschwerdeführer ein beschränktes Aktivitätsniveau aufweist und seine alltäglichen Verrichtungen zwar regelmässig aber eingeschränkt wahrnehmen kann. Der Beschwerdeführer
habe davon berichtet
, dass seine 78-jährige Mutter leistungsfähiger sei als er
(Urk. 7/79/38).
H
insichtlich seiner körperlichen Beschwerden
nahm der Be
schwer
deführer
alle ihm offensteh
enden B
ehandlungsoptionen wahr und befindet sich auch
in psychiatrischer
Behandlung (Urk. 7/79/41). Allerdings
erfolgten
bis
lang weder eine Intensivierung der
psychiatrischen Behandlung
,
noch
wurde
eine
Psy
chopharmakotherapie
in Angriff genommen
,
obwohl
der Gutachter dies
e Mass
nahmen
als notw
endig erachtete (Urk. 7/79/
40,
42) und dem Beschwerdeführer diesbezüglich eine Schadenminderungspflicht von der Beschwerdegegnerin auf
erlegt wurde.
Ein erhöhter Leidensdruck ist daher nur beschränkt zu bejahen.
Unter Berücksichtigung des Gesagten weist die Kategorie der Konsistenz
keine nennenswerten Auffälligkeiten
auf.
5.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
sich
unter Berücksichtigung eines
nicht un
erheblichen Leidensdrucks bei gleichzeitig
ausgeprägter
Gesundheitsschädi
gung
die
im Zeitpunkt der Gutachtenserstellung aus psychiatrischer Sicht atte
stierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % nachvollziehen lässt. Allerdings fällt vor
liegend ins Gewicht, dass der Be
schwerdeführer seiner Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen ist, wes
halb die Beschwerdegegnerin zu Recht im Ver
fügungszeitpunkt von einer Arbeits
f
ähigkeit von 100 % auch aus psychischer Sicht ausgegangen ist (E. 4.2.3).
Mithin ist darauf abzustellen, dass dem Beschwerdeführer ab Verfügungszeit
p
unkt eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit mit einem Pensum von 100 % zumutbar ist.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt anhand der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs, wie sich die gesundheitliche Beeinträchtigung in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
6.1.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.1.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
6.1.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
ge
benen Lohnstrukturerhebungen (
LSE
) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der
LSE
zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hin
weisen auf die Rechtsprechung).
6.1.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungs
grad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc).
6.2
Da der Beschwerdeführer seine bisherige Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen verlor, ist am zuletzt dort erzielten Verdienst anzuknüpfen. Gemäss
den Angab
en des Arbeitgebers (Urk. 7/39/3
)
hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2015
ein Jahreseinkommen von Fr. 66'6
90
.--
erzielt
. Das Jahreseinkommen ist der branchenspezifischen Nominallohnentwicklung bei Männer
n
bis ins Jahr 2016 anzupassen
,
was
Fr.
67'
142
.--
ergibt
(Fr. 66'6
90
.--:
103
.
2
x 103.
9; vgl
.
Bundes
amt für Statistik,
Tabelle T1.1.10 [No
minallohninde
x
, Männer, 2011-2018] Branche
Handel und Rep
aratur von Motorfahrzeugen 45
von 10
3
.
2 [2015
] auf 103.9 [2016] bei einem Index 2010=100
)
. Das
Valideneinkommen
beträgt demnach
Fr.
67'142
.--.
6.3
Da der Beschwerdeführer in keinem Arbeitsverhältnis mehr steht, ist mit Blick auf di
e
ihm offenstehenden Einsatzmöglichkeiten (E.
3.3-
3.5 und 5.4) das Inva
liden
einkommen 2016 ausgehend vom Tabellenlohn gemäss der
LS
E
2016, Tabelle TA
1, alle Wirtschaftszweige («Total»), Kompetenzniveau 1 zu ermitteln
(
E. 6.1.3
).
Dies führt
unter Berücksichtigung der durchsc
h
nittlichen
Arbeitszeit im Jahr 2016 von 41.7 Stunden (vgl. Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsab
tei
lungen in Stunden pro Woche, Tabelle T 03.02, Abteilung a
lle Wirtschaftszweige
«
Total
»)
bei einem Pensum
von 100 %
(
vgl
. E. 5.4) zu einem Invalideneinkommen von
Fr.
66'803.-- (Fr. 5
’
340.
--
x
12 :
40 x 41.7)
.
Wenngleich der allgemeine
Arbeitsmarkt einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält und eine psychi
s
ch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter, Arbeitskollegen in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund erkannt wird (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_366/2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen), rechtfertigt sich - auch unter Be
rücksichtigung des Umstands, dass der Beschwerdeführer auf sehr leichte Tätig
keiten eingeschränkt ist (E. 3.4) - ein Abzug von maximal 15 %. Weitere An
haltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit erwerb
lich nur unterdurchschnittlich verwerten könnte, sind nicht aktenkundig und werden auch nicht geltend gemacht (Urk. 1 S. 7). Mithin resultiert ein Invaliden
einkommen von Fr. 56’783.-- (Fr. 66'803.-- x 0.85) und im Vergleich mit dem
Valideneinkommen
von Fr. 67'142.-- (vgl. E. 6.2)
eine invaliditätsbe
dingte Erwerbseinbusse von
Fr.
10
’
359
.-- (
Fr.
67'
142
.--
abzüglich
Fr.
56
'
783
.--
) entspre
chend einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
15
%
(zur Rundung vgl. BGE 130 V 121).
6.4
Da gestützt auf die gutachterliche Beurteilung eine nach Erhalt des Schreibens vom 21. Juli 2017 (Urk. 7/88) lege
artis
durchgeführte psychiatrische Behandlung den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erheblich verbessert hätte und bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 13. August 2018 eine unein
ge
schränkte Arbeitsfähigkeit hätte erreicht werden können, ist ab Januar 2016 (Art.
28 Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 IVG; E. 3.4, 3.5; Urk. 7/87/11) bis zum August 2018 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit auszugehen.
Dies führt zu einem Invaliditätsgrad von rund 58 % (
Valideneinkommen
2016: Fr. 67'142.--; Invalideneinkommen: Fr. 28'391.-- [Fr. 66'803.
-- :
2 x 0.85]).
Damit besteht vom 1. Januar 2016 bis Ende September 2018 (Art. 88
bis
Abs. 2 lit. a
IVV
) Anspruch auf eine befristete halbe Rente der Invalidenversicherung.
Mithin ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
7.
7.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer und der Beschwerdegegnerin je zur Hälfte aufzuerlegen.
7.2
Dem
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
steht
gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
eine
reduzierte
Prozessentschädigung zu, welche ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
zu bemessen und
auf Fr.
900.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen ist.