Decision ID: 9796a41e-a7a9-5ac7-b07c-7750a7e2fdf7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Wortmarke Nr. 704'557 "ECOAQUA" der Nova Form AG wurde am
11. Juli 2017 im schweizerischen Markenregister eingetragen und
gleichentags in Swissreg publiziert. Die Schweizer Marke ist, soweit vorlie-
gend interessierend, für folgende Waren hinterlegt:
Klasse 11: "Wasserfiltriergeräte für Aquarien; Filtriergeräte für Aquarien;
Filter für Aquarien".
A.b Gestützt auf ihre am 13. August 2014 im schweizerischen Markenre-
gister eingetragene Marke Nr. 662'326 "ECOWATER CHC", welche für
"Wasserkühlungstürme für Filtration, Demineralisation und Reduktion der
Härte von Wasser" in Klasse 11 hinterlegt ist, erhob die ECOWATER SYS-
TEMS LLC (hiernach: Widersprechende) beim Eidgenössischen Institut für
Geistiges Eigentum (nachfolgend: Institut) am 10. Oktober 2017 teilweise
Widerspruch gegen diese Eintragung, nämlich hinsichtlich aller in Klasse
11 beanspruchten Waren. Zur Begründung des Widerspruchs führte die
Widersprechende im Wesentlichen aus, dass angesichts der ausgeprägten
Zeichenähnlichkeit sowie der Warenidentität bzw. hochgradigen Gleichar-
tigkeit der jeweils beanspruchten Waren, eine Verwechslungsgefahr zu be-
jahen sei.
A.c In ihrer Widerspruchsantwort vom 9. November 2017 erhob die Nova
Form AG (hiernach: Widerspruchsgegnerin) unter anderem die Einrede
des Nichtgebrauchs der Widerspruchsmarke und beantragte die Abwei-
sung des Widerspruchs.
A.d In der Folge verfügte das Institut am 13. Dezember 2017, dass die Ein-
rede des Nichtgebrauchs der Widerspruchsmarke nicht gehört werden
könne, da deren Karenzfrist erst am 14. November 2019 ende und die
Nichtgebrauchseinrede somit unzulässig sei.
A.e Mit Verfügung vom 29. Januar 2019 wies das Institut den Widerspruch
vollständig ab. Zwar sei zumindest von einer entfernten Warengleichartig-
keit sowie einer Zeichenähnlichkeit auszugehen. Jedoch könne sich der
Schutz der Widerspruchsmarke nicht auf die einzelnen gemeinfreien Ele-
mente "Eco", "Water" und "Aqua" beziehen, auch wenn die an sich gleich-
lautenden Wortkombinationen "ECOWATER" und "ECOAQUA" als Ganzes
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nicht direkt beschreibend seien. Damit würden die sprachlichen und schrift-
bildlichen Unterschiede zwischen den beiden Marken sowie die Tatsache,
dass die angefochtene Marke das unterscheidungskräftige Akronym
"CHC" nicht übernehme, ausreichen, um eine Verwechslungsgefahr zu
bannen.
B.
Gegen diese Verfügung erhob die Widersprechende (nachfolgend: Be-
schwerdeführerin) am 1. März 2019 beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde mit den folgenden Rechtsbegehren:
"1. Es sei der Entscheid des Eidgenössischen Instituts für Geistiges
Eigentum im Widerspruchsverfahren Nr. 15755 vom 29. Januar 2019
aufzuheben und der Widerspruch gutzuheissen.
2. Eventualiter sei der Entscheid des Eidgenössischen Instituts für Geisti-
ges Eigentum im Widerspruchsverfahren Nr. 15755 vom 29. Januar
2019 aufzuheben und im Sinne der Erwägungen des Bundesverwal-
tungsgerichts zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuverweisen.
3. Es seien die Kosten des Beschwerdeverfahrens sowie des erstinstanzli-
chen Verfahrens unter Aufhebung der Ziff. 2 und 3 des angefochtenen
Entscheids der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen und es sei der Be-
schwerdeführerin eine angemessene Parteientschädigung zu zahlen."
Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, die Marke "ECOWATER
CHC" verfüge in der Schweiz über eine überragende Bekanntheit, weshalb
der Widerspruchsmarke ein weit überdurchschnittlicher Schutzumfang zu-
zugestehen sei. Bezüglich der von der Widerspruchsmarke beanspruchten
Waren "Wasserkühltürme für Filtration" und den Waren der angefochtenen
Marke liege eine Warenidentität und im Übrigen eine hochgradige Waren-
ähnlichkeit vor. Weiter seien die Marken inhaltlich identisch, was für eine
Zeichenähnlichkeit ausreiche. Das Risiko von Fehlzurechnungen liege vor,
weshalb eine unmittelbare Verwechslungsgefahr gegeben sei. Das Ele-
ment "CHC" in der Widerspruchsmarke ändere daran nichts. Eine mittel-
bare Verwechslungsgefahr liege vor, da die relevanten Konsumenten da-
von ausgingen, dass es sich bei den unter der angefochtenen Marke an-
gebotenen Waren um eine Variante des Angebots der Beschwerdeführerin
handle.
C.
Unter Einreichung aller Vorakten teilte das Institut (hiernach: Vorinstanz)
am 16. (recte: 15.) April 2019 mit, dass es auf die Einreichung einer Ver-
nehmlassung verzichte und die kostenfällige Abweisung der Beschwerde
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beantrage. Sollte die Beschwerdeführerin die in der Beschwerde in Aus-
sicht gestellten Belege zur Glaubhaftmachung der erhöhten Kennzeich-
nungskraft der Widerspruchsmarke nachträglich einreichen, werde er-
sucht, dem Institut eine Frist zur Stellungnahme zu gewähren.
D.
In der Beschwerdeantwort vom 3. Juni 2018 (recte: 2019) beantragte die
Widerspruchsgegnerin (hiernach: Beschwerdegegnerin) innert erstreckter
Frist die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Mangels Warengleich-
artigkeit entfalle jeglicher Abwehranspruch der Widerspruchsmarke.
E.
Innert erstreckter Frist nahm die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom
13. August 2019 Stellung zur Beschwerdeantwort. Dabei berief sie sich auf
ihre im Parallelverfahren B-1060/2019 eingereichten Stellungnahmen (inkl.
Beilagen) und verwies zudem auf ihre schweizerischen Vertriebspartner.
F.
Mit Schreiben vom 6. September 2019 beantragte das Institut die Abwei-
sung der Beschwerde und verzichtete auf weitere Ausführungen.
G.
Mit Schreiben vom 15. Oktober 2019 teilte die Beschwerdegegnerin innert
erstreckter Frist mit, sie halte vollumfänglich an ihrer Beschwerdeantwort
fest und verzichte auf das Einreichen einer weiteren Eingabe.
H.
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2019 stellte das Bundesverwaltungsgericht
fest, dass kein weiterer Schriftenwechsel vorgesehen sei.
I.
Die Parteien haben stillschweigend auf die Durchführung einer öffentlichen
Parteiverhandlung verzichtet.
J.
Soweit erforderlich wird auf weitere Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
im Rahmen der folgenden Urteilserwägungen eingegangen.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Beschwerden
gegen Verfügungen der Vorinstanz in Widerspruchssachen zuständig
(Art. 31, 32, 33 Bst. e des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni
2005, VGG, SR 173.32). Die Beschwerdeführerin hat als Widersprechende
am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und ist durch die angefoch-
tene Verfügung besonders berührt und beschwert, weshalb sie zur Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes
vom 20. Dezember 1968, VwVG, SR 172.021). Da die Beschwerde im Üb-
rigen frist- und formgerecht erhoben (Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 VwVG)
und der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde (Art. 63 Abs. 4
VwVG), ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 Der Inhaber einer älteren Marke kann Widerspruch gegen eine jüngere
Markeneintragung erheben, wenn diese seiner Marke ähnlich und für glei-
che oder gleichartige Waren oder Dienstleistungen registriert ist, so dass
sich daraus eine Verwechslungsgefahr ergibt (Art. 3 Abs. 1 Bst. c i.V. mit
Art. 31 Abs. 1 des Markenschutzgesetzes vom 28. August 1992 [MSchG,
SR 232.11]). Als eine Wechselwirkung zwischen der Gleichartigkeit der
Waren und Dienstleistungen und der Zeichenähnlichkeit sind an die Ver-
schiedenheit der Zeichen umso höhere Anforderungen zu stellen, je ähnli-
cher sich die Produkte sind, und umgekehrt (BGE 128 III 441 E. 3.1 "Ap-
penzeller Natural [fig.]", 128 III 96 E. 2a "Orfina"; Urteil des BVGer
B-1342/2018 vom 30. September 2020 E. 5.1 "[Apfel] [fig.], APPLE/
APPLE BOUTIQUE"). Dabei sind die Aufmerksamkeit der massgebenden
Verkehrskreise und die Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke zu
berücksichtigen (BGE 121 III 377 E. 2a "Boss/Boks"; Urteil des BVGer
B-684/2017 vom 13. März 2018 E. 2.1 "Quantex/Quantum CapitalPart-
ners").
2.2 Die Gleichartigkeit von Waren und Dienstleistungen beurteilt sich,
soweit keine Einrede des Nichtgebrauchs entgegensteht, aufgrund der Re-
gistereinträge (Urteil des BVGer B-1342/2018 E. 5.3 mit Hinweisen "[Apfel]
[fig.], APPLE/APPLE BOUTIQUE"). Der tatsächliche oder beabsichtigte
Gebrauch der Marke auf dem Markt ist irrelevant (Urteil des BVGer
B-6921/2018 vom 27. Mai 2020 E. 3.2 und 7.5.3 "Facebook [fig.]/Facegirl
[fig.]"). Entsprechend sind marketingmässige Segmentierungen bezüglich
Preis und Qualität der Waren unbeachtlich (EUGEN MARBACH, in: von
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Büren/David [Hrsg.], SIWR, Bd. III/1, Markenrecht, 2. Aufl. 2009 [hiernach:
Marbach, SIWR III/1], N. 822; RALPH SCHLOSSER/CLAUDIA MARADAN, in: de
Werra/Gilliéron [Hrsg.], Propriété intellectuelle, Commentaire romand,
art. 3 LPM n. 142; MATTHIAS STÄDELI/SIMONE BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, in:
David/Frick [Hrsg.], Markenschutzgesetz, Basler Kommentar, 3. Aufl.
2017, Art. 3 N. 128). Gleichartigkeit liegt vor, wenn die massgeblichen Ab-
nehmerkreise annehmen können, die unter Verwendung ähnlicher Marken
angebotenen Waren oder Dienstleistungen würden angesichts ihrer übli-
chen Herstellungs- und Vertriebsstätten aus demselben Unternehmen
stammen oder doch wenigstens unter der Kontrolle eines gemeinsamen
Markeninhabers hergestellt (Urteile des BVGer B-5868/2019 vom 8. Juli
2020 E. 2.2 "Nivea [fig.]/Neauvia", B-6761/2017 vom 5. Juni 2019 E. 2.2
"Qnective/Q qnnect [fig.]"; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3
N. 117).
2.3 Für die Beurteilung der Zeichenähnlichkeit wird auf den Gesamtein-
druck, den die Marken in der Erinnerung der angesprochenen Verkehrs-
kreise hinterlassen, abgestellt (BGE 128 III 441 E. 3.1 "Appenzeller",
121 III 377 E. 2a "Boss/Boks"). Dabei kommt dem Zeichenanfang in der
Regel eine höhere Bedeutung zu, da er besser im Gedächtnis haften bleibt
(BGE 127 III 160 E. 2b/cc "Securitas"; Urteile des BVGer B-3325/2010 vom
15. Dezember 2010 E. 4.5 "Bally/Tally", B-6012/2008 vom 25. November
2009 E. 4.9 "Stenflex/Star Flex [fig.]").
Bei reinen Wortmarken sind der Wortklang, das Schriftbild und gegebenen-
falls der Sinngehalt massgebend (BGE 127 III 160 E. 2b/cc "Securitas";
Urteil des BVGer B-2354/2016 vom 29. März 2017 E. 3.4 "ALLIANZ/
ALLIANZ TGA Technische Gebäudeausrüstung [fig.]"). Die Übereinstim-
mung auf einer Ebene genügt in der Regel zur Annahme einer Zeichen-
ähnlichkeit (Urteil des BVGer B-6732/2014 vom 20. Mai 2015 E. 2.3
"Calida/Calyana"). Der Wortklang wird im Wesentlichen durch die Silben-
zahl, die Aussprachekadenz und die Aufeinanderfolge der Vokale be-
stimmt, das Schriftbild durch die Anordnung und optische Wirkung der
Buchstaben sowie die Wortlänge (BGE 122 III 382 E. 5a "Kamillosan",
119 II 473 E. 2.c "Radion/Radiomat").
2.4 Eine Verwechslungsgefahr besteht, wenn Fehlzurechnungen aufgrund
der Zeichenähnlichkeit und der Gleichartigkeit der Waren bzw. Dienstleis-
tungen zu befürchten sind, so dass die mit dem jüngeren Zeichen verse-
henen Waren und Dienstleistungen dem falschen Markeninhaber zuge-
rechnet werden. Eine unmittelbare Verwechslungsgefahr liegt vor, wenn
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eines der zu vergleichenden Zeichen für das andere gehalten wird, eine
mittelbare, wenn die massgeblichen Verkehrskreise die Zeichen zwar aus-
einanderhalten, dahinter aber wirtschaftliche Zusammenhänge der Mar-
keninhaber vermuten, die in Wirklichkeit nicht bestehen (Urteil des BVGer
B-684/2017 E. 2.4 mit Hinweisen "Quantex/Quantum CapitalPartners").
2.5 Ob eine Verwechslungsgefahr besteht, hängt auch vom Schutzumfang
der Widerspruchsmarke ab. Der geschützte Ähnlichkeitsbereich für
schwache Marken ist dabei kleiner als jener für starke Marken. Schwach
sind insbesondere Marken, deren prägende Elemente beschreibenden
Charakter haben (Urteil des BVGer B-1342/2018 E. 5.7 "[Apfel] [fig.],
APPLE/APPLE BOUTIQUE"). Hingegen erhöhen eine starke Kennzeich-
nungskraft und ein hoher Bekanntheitsgrad einer Marke die Wahrschein-
lichkeit von Assoziationen und damit die Gefahr, dass die Abnehmer ähnli-
che Drittmarken missdeuten (BGE 128 III 441 E. 3.1 "Appenzeller"; BVGE
2014/34 E. 7.1 und 7.3 "Land Rover/Land Glider"; Urteil des BVGer
B-2711/2016 vom 12. Dezember 2016 E. 2.6 "The Body Shop, The Body
Shop [fig.]/TheFaceShop [fig.]"). Starke Marken sind das Ergebnis einer
schöpferischen Leistung oder langen Aufbauarbeit und verdienen deshalb
einen weiteren Schutzumfang (BGE 122 III 385 E. 2a "Kamillosan"; Urteil
des BGer 4C.258/2004 vom 6. Oktober 2004 E. 2.2 "Yello/Yellow Access
AG"; Urteil des BVGer B-2711/2016 E. 2.6 mit Hinweisen "The Body Shop,
The Body Shop [fig.]/TheFaceShop [fig.]").
3.
3.1 In einem ersten Schritt sind die massgeblichen Verkehrskreise zu be-
stimmen (EUGEN MARBACH, Die Verkehrskreise im Markenrecht, in: sic!
1/2007, S. 1, 6 f. und 11), aus deren Perspektive die Warengleichartigkeit,
Zeichenähnlichkeit und Verwechslungsgefahr geprüft werden (GALLUS
JOLLER, in: Michael G. Noth/Gregor Bühler/Florent Thouvenin [Hrsg.], Mar-
kenschutzgesetz [MSchG], Bern 2017, Art. 3 N. 51; RAPHAEL NUSSER, Die
massgeblichen Verkehrskreise im schweizerischen Markenrecht, Diss.
2015, Rz. 13.06). Dabei spielt die marketingmässige Positionierung der be-
anspruchten Waren keine Rolle, sodass die Ausführungen der Beschwer-
degegnerin zu den konkreten Umständen, unter denen die Parteien ihre
jeweiligen Waren zum Kauf anbieten, für die Bestimmung der Verkehrs-
kreise unbeachtlich sind (Urteil des BVGer B-4260/2010 vom 21. Dezem-
ber 2011 E. 7 "Bally/Balu [fig.]"; JOLLER, a.a.O., Art. 3 N. 51).
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3.2 Vorliegend beansprucht die Widerspruchsmarke Schutz im Zusam-
menhang mit "Wasserkühlungstürme für Filtration, Demineralisation und
Reduktion der Härte von Wasser" in Klasse 11. Es handelt sich dabei also
um Wasserkühlungstürme, welche in ein Wasseraufbereitungssystem ein-
gebaut werden (Beschwerde, Rz. 23). Solche Systeme werden sowohl für
private Haushalte wie auch für gewerbliche Zwecke angeboten (vgl. Bei-
spiele für private Haushalte: < https://www.burkhalter-h2o.ch/de/loesun-
gen/trinkwasser >, < https://www.swiss-osmo.ch >, < https://rheno.ch/ein-
satzbereiche/ >; Beispiele für gewerbliche Zwecke: < https://www.burkhal-
ter-h2o.ch/de > Produkte > Enthärtungsanlagen, Umkehrosmoseanlagen,
Reinstwasseraufbereitung >, < https://www.merckmillipore.com/CH/de >
Produkte > Laborwasseraufbereitung >, < https://www.fishersci.de >
Produkte > Test und Filtration > Wasseraufbereitung > Wasseraufberei-
tungssysteme > Fisherbrand Accu20 Reinstwassersystem >,
< https://www.bbraun.ch/ > Produkte und Therapien > Corporate Website
Katalog bbraun.ch > Extrakorporale Blutbehandlung > Wasseraufberei-
tungssysteme >). Mangels entsprechender Einschränkung im Warenver-
zeichnis ist davon auszugehen, dass sich die Waren nicht nur an
Geschäftskunden mit spezifischen Fachkenntnissen und Bedürfnissen
(z.B. Anforderungen an die Wasserqualität in einem Labor, in der Gastro-
nomie oder dem Gewerbe) richten, sondern auch an die breite Öffentlich-
keit. Damit sind sowohl private Endhaushalte, als auch gewerbliche (wie
beispielsweise Arztpraxen, Labor oder Gastronomiebetriebe) und industri-
elle Abnehmer zu den Verkehrskreisen zu zählen. Ebenso gehören Fach-
personen wie Sanitärinstallateure, Haustechniker sowie Abwasser- und
Gewässerschutzfachpersonen dazu.
3.3 Anschliessend ist der Aufmerksamkeitsgrad der Abnehmer zu definie-
ren. Die entsprechenden Waren der Klasse 11 gehören nicht zu den Waren
des tagtäglichen Gebrauchs (JOLLER, a.a.O., Art. 3 N. 59) und werden nicht
mit einer gewissen Regelmässigkeit erworben. Dies zeigt sich auch in der
Tatsache, dass Wasseraufbereitungssysteme vornehmlich beim Fach-
händler erworben werden. Entsprechend geht dem Kauf der beanspruch-
ten Waren eine Information des Konsumenten voraus, sodass sowohl der
private wie auch der industrielle Abnehmer informiert und damit aufmerk-
sam an den Erwerb dieser Produkte herangeht. Der Aufmerksamkeitsgrad
der Spezialisten ist regelmässig höher als jener der Endabnehmer (Urteil
des BVGer B-922/2015 vom 21. September 2017 E. 2.3.2 "SUBMARINER/
MARINER").
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4.
Die Verwechslungsgefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. c MSchG setzt
voraus, dass die im Streit stehenden Marken für gleiche oder gleichartige
Waren bzw. Dienstleistungen bestimmt sind (1. Satz, 2. Teil). Entspre-
chend ist zu prüfen, ob die beanspruchten Waren der sich gegenüberste-
henden Marken aus Sicht der Abnehmerkreise gleichartig sind.
4.1
4.1.1 Zur Frage der Gleichartigkeit bringt die Beschwerdeführerin vor, bei
ihren Produkten handle es sich um Waren für die Filtration, die Deminera-
lisation und die Härtegradreduktion von Wasser in Privathaushalten (Be-
schwerde, Rz. 21). Genau solche Produkte würden auch bei der Aufberei-
tung von Wasser für Aquarien benötigt (Beschwerde, Rz. 22). Sowohl die
von der Widerspruchsmarke wie auch die von der angefochtenen Marke
beanspruchten Waren seien insgesamt Teil des Wasseraufbereitungspro-
zesses und dienten somit dem gleichen Zweck. Weiter würden sich die
Produkte ergänzen und benötigten – unabhängig von ihrem sich über-
schneidenden Anwendungsbereich – für die Herstellung dasselbe Know-
How. Insgesamt liege somit in Bezug auf die von der Widerspruchsmarke
beanspruchten Waren "Wasserkühltürme für Filtration" und den Waren der
angefochtenen Marke eine Warenidentität und im Übrigen eine hochgra-
dige Warenähnlichkeit vor (Beschwerde, Rz. 28).
4.1.2 Die Vorinstanz ihrerseits kommt zum Schluss, zwischen den betroffe-
nen Waren liege eine, wenn auch entfernte, Gleichartigkeit vor. Ihre Re-
cherchen hätten ergeben, dass Wasserkühlungstürme Filtrationssysteme
beinhalten können. Dabei handle es sich in der Regel um grössere Anla-
gen. Auch die von der angefochtenen Marke beanspruchten Filter für Aqua-
rien können sowohl für kleinere Hausaquarien wie auch für grossflächige
Aquarien bestimmt sein. Gerade grossflächige Aquarien wie jene in Zoos
können mit Wasseraufbereitungsanlagen ausgestattet sein. Insofern sei
nicht auszuschliessen, dass für die Herstellung solcher Wasseraufberei-
tungsanlagen auf das gleiche Know-How zurückgegriffen werde. Ebenso
sei ohne weiteres anzunehmen, dass derartige Anlagenanbieter für beide
Segmente produzieren würden. Entsprechend bejaht die Vorinstanz eine
entfernte Gleichartigkeit zwischen den betroffenen Waren trotz deren un-
terschiedliche Einsatzgebiete (angefochtene Verfügung, Titel B, Ziff. 5,
S. 3).
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4.1.3 Demgegenüber bestreitet die Beschwerdegegnerin jegliche Gleich-
artigkeit zwischen den beanspruchten Waren (Beschwerdeantwort, S. 2).
Während die Beschwerdeführerin Wasseraufbereitungsanlagen bzw. Filter
für den Hauptwasseranschluss oder Filter für den Wasserhahnanschluss
herstelle, vertreibe die Beschwerdegegnerin ausschliesslich massge-
schneiderte Aquarien und hierfür spezifisch angefertigte Wasserfilter (Be-
schwerdeantwort, S. 3). Weder würden diese die Trinkbarkeit des Leitungs-
wassers bezwecken, noch seien diese überhaupt dazu geeignet als Sub-
stitut für die Wasseraufbereitung im Eigenheim eingesetzt zu werden.
Demnach hätten die strittigen Waren grundverschiedene Aufgaben, wes-
wegen für die Produktion der Filter auch nicht dasselbe Know-How benötigt
werde. Entsprechend sei eine Gleichartigkeit zu verneinen.
4.2
4.2.1 Während die Beschwerdeführerin mindestens von einer hochgradi-
gen und die Vorinstanz von einer entfernten Gleichartigkeit ausgehen, be-
streitet die Beschwerdegegnerin diese. Sie beruft sich dabei auf die Tatsa-
che, dass sie selber ausschliesslich Filter für Aquarien vertreibe und diese
zudem exklusiv an das jeweilige, ebenfalls von ihr gestaltete Aquarium an-
gepasst seien. Mit Verweis auf die Homepage der Beschwerdeführerin
bringt sie vor, dass diese nur Wasseraufbereitungssysteme für Haushalte
oder Gewerbe herstelle. Während die angefochtene Marke also Waren der
Aquaristik kennzeichne, würden mit der Widerspruchsmarke Waren ge-
kennzeichnet, welche nicht im geringsten eine Verbindung zur Aquaristik
hätten. Im Zusammenhang mit diesem Einwand ist daran zu erinnern, dass
sich die Gleichartigkeit von Waren, soweit keine Einrede des Nicht-
gebrauchs entgegensteht, einzig aufgrund der Registereinträge beurteilt
(Urteil des BVGer B-1342/2018 E. 5.3 "[Apfel] [fig.], APPLE /APPLE BOU-
TIQUE"). Der tatsächliche oder beabsichtigte Gebrauch der Marke auf dem
Markt ist irrelevant (vgl. E. 2.2 hiervor), weshalb unbeachtlich ist, wie die
jeweiligen Marken gebraucht werden. Der Beschwerdegegnerin ist also
entgegen zu halten, dass ihre eigene Einschränkung bezüglich Aquarien
nicht bedeutet, dass die Waren der Widerspruchsmarke nicht auch im Be-
reich der Aquaristik eingesetzt werden können. Jedenfalls lässt sich aus
dem Warenverzeichnis der Widerspruchsmarke nicht schliessen, dass ein
solcher Kühlungsturm nicht auch in einem Wasseraufbereitungssystem für
Aquarien eingesetzt werden kann. Ganz abgesehen davon, dass eine Prä-
zisierung wonach ein Produkt nur für Aquarien bestimmt ist, nicht per se
bedeutet, dass es mit Produkten ausserhalb der Aquaristik nicht gleichartig
sein kann.
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4.2.2 Zu prüfen ist, ob die massgeblichen Abnehmerkreise annehmen kön-
nen, die unter Verwendung ähnlicher Marken angebotenen Waren "Was-
serkühlungstürme für Filtration, Demineralisation und Reduktion der Härte
von Wasser" einerseits und "Wasserfiltriergeräte für Aquarien; Filtrierge-
räte für Aquarien; Filter für Aquarien" andererseits gleichartig seien. Für
das Bestehen gleichartiger Waren sprechen Übereinstimmungen zwischen
den Herstellungsstätten der Waren, dem fabrikationsspezifisch erforderli-
chen Know-How, den Vertriebskanälen, den Abnehmerkreisen und dem
Verwendungszweck der Waren, deren Substituierbarkeit, verwandte oder
gleiche technologische Indikationsbereiche sowie das Verhältnis von
Hauptware und Zubehör (Urteil des BVGer B-1342/2018 E. 5.4 mit Hinwei-
sen "[Apfel] [fig.], APPLE/APPLE BOUTIQUE"). Gegen das Vorliegen von
Gleichartigkeit sprechen getrennte Vertriebskanäle innerhalb derselben
Käuferschicht sowie das Verhältnis von Haupt-, Zwischen- oder Fertigware
zu Hilfsware oder Rohstoff (Urteil des BVGer B-1342/2018 E. 5.5 mit Hin-
weisen "[Apfel] [fig.], APPLE/APPLE BOUTIQUE"; MARBACH, SIWR III/1,
N. 831).
4.2.3 Im Einklang mit der Beschwerdegegnerin gilt es zunächst festzustel-
len, dass es sich bei den strittigen Waren nicht um das jeweilige Substitut
handelt und die Vergleichswaren nicht dem selben Zweck dienen. Anders
als die Beschwerdeführerin annimmt (Beschwerde, Rz. 28) kann aus der
Tatsache, dass ein Wasserkühlungsturm und ein Wasserfilter im weitesten
Sinne die Wasseraufbereitung bezwecken nicht per se auf einen gleichen
Zweck geschlossen werden. Während das eine Produkt die Kühlung be-
zweckt, dient das andere der Filterung von Wasser.
4.2.4 Weiter ist im Einklang mit der Vorinstanz festzuhalten, dass ange-
sichts der Tatsache, dass die Wasserqualität für den Unterhalt eines Aqua-
riums – und der darin lebenden Tiere – essentiell ist, die Wasseraufberei-
tung nicht nur im Haus, sondern auch in der Aquaristik ein Thema ist. Dabei
sind Osmoseanlangen eine Form der Wasseraufbereitung, welche sowohl
für die Aufbereitung von Leitungswasser als auch für Aquarien zum Einsatz
kommen (vgl. < https://www.filterzentrale.ch/osmoseanlagen/ > Einsatz-
möglichkeiten von Osmoseanlagen >, < https://dennerle.com/de/pro-
dukte/aquaristik/wasserpflege-werte/osmose-wasseraufbereitung >,
< https://www.hydrocontrol.ch/Wasserfilter-Systeme/ >, < https://www.wa-
tercompany.ch/de/wasseraufbereitung >). Solche Anlagen enthalten zu-
mindest einen Filter und können – jedenfalls bei der Trinkwasseraufberei-
tung – Kühlaggregate enthalten. Zudem bieten gewisse Hersteller Osmo-
seanlagen sowohl für den Heimgebrauch wie auch für das Aquarium an
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Seite 12
(vgl. Produkte "Smartline Gold bzw. Basic" [für Aquarien] und "Proline X3-
750 GD" [für Hausgebrauch] des Unternehmens OsmoFresh, abrufbar un-
ter: < https://www.osmofresh.de/osmoseanlagen/ >, Produkt "Ultimate
PLUS SuperFlow" des Unternehmens OsmoTech ist sowohl für Aquarien
wie Heimgebrauch einsetzbar, abrufbar unter < https://rdl-group.de/mar-
ken/osmotech >). Dass für die Herstellung solcher Anlagen insoweit auf
das gleiche Know-How zurückgegriffen wird, liegt auf der Hand, schliess-
lich bleibt sich das Prinzip der Osmose stets gleich.
4.2.5 Da Gleichartigkeit nicht von der inneren Beschaffenheit, sondern von
der Erwartung des Verkehrs mit Bezug auf Angebot und Vertrieb der Waren
abhängt (Urteile des BVGer B-1342/2018 E. 5.4 und 7.4 "[Apfel] [fig.],
APPLE/APPLE BOUTIQUE", B-2165/2018 vom 26. Juni 2019 E. 4.2 "Hero
[fig.]/Heera [fig.]", B-3209/2017 vom 2. April 2019 E. 3.4.1 "Paradis/Blanc
du Paradis", B-259/2017 vom 19. März 2019 E. 3.2 "Tesla; Powerwall/Tesla
Powerwall"), sagt die Tatsache, dass Wasseraufbereitungssysteme exis-
tieren, welche – wie soeben aufgezeigt – nach dem gleichen Prinzip sowohl
bei Haus- wie auch Aquarieninstallationen eingesetzt werden, und diese
Systeme Filter- und Kühlelemente beinhalten können, noch nichts darüber
aus, ob dieselben Vertriebskanäle erwartet werden können. Vielmehr rich-
ten sich "Wasserkühlungstürme", auch wenn sie zusammen mit einer Fil-
teranlage verkauft werden, eher nicht an dasselbe Publikum und werden
auch nicht am gleichen Ort erworben wie "Wasserfiltriergeräte für Aqua-
rien", welche weitgehend im spezialisierten Fachhandel vertrieben werden.
Indessen ist anzuerkennen, dass sich die Verkehrskreise in Bezug auf die
Endkonsumenten teilweise überschneiden. Insgesamt kommt es zwar vor,
dass angebotsseitig eine entsprechende Diversifizierung stattfindet, indes-
sen ist diese aus der Sicht der Konsumenten aufgrund der Vertriebskanäle
nicht sehr naheliegend. Zusammenfassend kann in Bezug auf die strittigen
Waren – wenn überhaupt – höchstens auf eine entfernte Gleichartigkeit
geschlossen werden.
5.
Soweit also eine entfernte Gleichartigkeit zwischen den strittigen Waren
angenommen wird, ist zu prüfen, ob zwischen den Vergleichszeichen eine
Zeichenähnlichkeit unter den Aspekten Schriftbild, Klang und Sinngehalt
besteht.
5.1 Vorliegend stehen sich zwei Wortmarken gegenüber, nämlich die
Widerspruchsmarke "ECOWATER CHC" und die angefochtene Marke
"ECOAQUA". Zum Zeichenverständnis der Widerspruchsmarke bringt die
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Seite 13
Vorinstanz vor, dieses werde in ECO und WATER aufgeteilt. Dabei werde
"ECO" gemäss ständiger Praxis des Instituts von den Abnehmern im Sinne
von "ecological" bzw. ökologisch verstanden, und als Begriff des engli-
schen Grundwortschatzes werde "WATER" auch von Abnehmer ohne be-
sondere Englischkenntnisse im Sinne von "Wasser" verstanden. Dem Ele-
ment "CHC" komme keine ohne Weiteres erkennbare Bedeutung zu (an-
gefochtene Verfügung, Titel C, Ziff. 3, S. 4). Im Einklang mit der Vorinstanz
hält die Beschwerdeführerin fest, dass auch das angefochtene Zeichen
"ECOAQUA" im Sinne von "ökologisches Wasser" verstanden werde (Be-
schwerde, Rz. 30), sodass zwei inhaltlich identische Zeichen vorliegen
würden, weshalb eine Zeichenähnlichkeit zu bejahen sei. Da die Be-
schwerdegegnerin eine Warengleichartigkeit verneint, hat sie sich zur Zei-
chenähnlichkeit nicht geäussert.
5.2 Im Zeichenvergleich fällt als erstes auf, dass, während die
angefochtene Marke einzig aus der einen Wortkombination "ECOAQUA"
besteht, die Widerspruchsmarke zusätzlich zur Wortkombination
"ECOWATER" noch das Akronym "CHC" enthält. Beiden Marken
gemeinsam ist damit die jeweils viersilbige Wortkombination
"ECOWATER" bzw. "ECOAQUA". Während die Vokalfolge beider Marken
mit "E-O-A-E" gegenüber "E-O-A-A" nahezu identisch ist, unterscheiden
sich die Zeichen in ihren Konsonantenfolge (C-W-T-R-C-H-C und C-Q-U).
Dies führt dazu, dass die Vergleichszeichen phonetisch und visuell einzig
im Zeichenanfang "ECO" übereinstimmen und sich sowohl klanglich wie
auch visuell in den Zeichenenden "WATER CHC" und "AQUA"
unterscheiden.
5.3
5.3.1 Sowohl der Begriff "ecowater" als auch "ecoaqua" sind weder fester
Bestandteil des deutschen, französischen, italienischen noch des
englischen Wortschatzes. Insofern wird der Abnehmer in beiden Fällen
versucht sein, die Wortkombinationen gedanklich in allfällige inhaltlich
sinngebende Bestandteile zu zergliedern (Urteil des BVGer B-2147/2016
vom 7. August 2017 E. 5.4.1 mit Hinweis "DURINOX"). In Anbetracht, dass
sowohl dem Präfix "eco" wie auch den Begriffen "water" bzw. "aqua" ein
Sinngehalt zugeprochen werden kann, liegt es nahe, dass die Zeichen
"ECOWATER" bzw. "ECOAQUA" in "eco" und "water" bzw. "aqua"
aufgegliedert werden.
B-1064/2019
Seite 14
5.3.2 Das beiden Marken gemeinsame Präfix "eco" steht im Englischen für
"ecological or environmental" bzw. "habitat or environment" und bedeutet
"relating to the environment" ("eco-", in: COLLINS ENGLISH DICTIONARY,
< https://www.collinsdictionary.com/dictionary/english/eco >, und in:
CAMBRIDGE ENGLISH DICTIONARY, < https://dictionary.cambridge.org/
dictionary/english/eco?q=eco- >, sowie in: MERRIAM-WEBSTER'S
DICTIONARY, < https://www.merriam-webster.com/dictionary/eco- >). Auch
im Italienischen oder Französischen kommt dem Präfix "eco-" unter
anderem die Bedeutung von ecologico bzw. écologique zu ("eco-" in:
Enciclopedia De Agostini, < https://www.sapere.it/enciclopedia/eco-.html >;
"éco-" in: LE PETIT ROBERT, dictionnaire de la langue française,
édition 2016, S. 813). Jedenfalls ist zwischen den Verfahrensbeteiligten
unbestritten, dass die schweizerischen Abnehmer das Präfix "eco"
vorliegend im Sinne von "ökologisch" verstehen.
5.3.3 Sowohl "water" wie auch "aqua" werden ohne Gedankenschritte vom
schweizerischen Abnehmer im Sinne von Wasser übersetzt. Als Begriff des
englischen Grundwortschatzes wird "water" als bekannt vorausgesetzt
(Urteil des BVGer B-5608/2019 vom 30. September 2020 E. 2.3 mit
Hinweisen und E. 5.6 "UMBRA SHEER") und "aqua" ist zum einen
phonetisch identisch mit dem italienischen "acqua" und zum anderen,
obschon ein lateinisches Wort, gerade in jenen Segmenten in denen
Wasser zum Thema gemacht wird, sehr gebräuchlich (Entscheid der
Rekurskommission für geistiges Eigentum [RKGE] vom 16. August 2005
E. 6 "COOL WATER/AQUA COOL", in: sic! 2005, S. 806; vgl. zum Beispiel
"aqua suisse Die schweizerische Vereinigung von Firmen für Wasser- und
Schwimmbadtechnik" [www.aquaswiss.ch], der Wasserpark "Bernaqua"
[www.bernaqua.ch], "Aqua-Fit" für Training im Wasser [z.B.
www.aquateam.ch] oder die Gewässerschutzorganisation der Schweiz
"Aqua Viva" [www.aquaviva.ch]). Es ist daher höchst unwahrscheinlich,
dass gerade Abnehmer von Aquaristik- und Wasseraufbereitungsprodukte
den Begriff "aqua" nicht im Sinne von Wasser verstehen, so dass die
Tatsache, dass es sich hierbei um einen lateinischen Begriff handelt, nicht
per se bedeutet, der Begriff werde selbst vom Endabnehmer nicht
verstanden (Urteile des BVGer B-5608/2019 E. 5.4 "UMBRA SHEER",
B-6099/2013 vom 28. Mai 2015 E. 5.2.1 "CARPE DIEM/carpe noctem").
5.3.4 Setzt man die Wortkombinationen "ECOWATER" und "ECOAQUA"
in Verbindung mit den jeweils beanspruchten Wasseraufbereitungswaren,
so steht der Sinngehalt von "ökologischem Wasser" im Vordergrund. Was
darunter exakt zu verstehen ist, bleibt zunächst interpretionsbedürftig, weil
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Seite 15
Wasser aus der Abnehmerperspektive verschiedene Eigenschaften
aufweisen muss, um die entsprechenden Erwartungen zu erfüllen. In der
Folge wird der Abnehmer weitere Gedankenschritte vornehmen und
schlussendlich das Zeichen im Zusammenhang mit
Wasseraufbereitungswaren am ehesten mit "sauberem, schadstofffreiem
Wasser" assoziieren. Dabei wird sich "ökologisch" zunächst im Sinne von
"sauber, natürlich" auf das Wasser selber beziehen. Dabei bietet
"ökologisches Wasser" in der Erwartung der relevanten Verkehrskreise im
Zweifel mehr als nur die Einhaltung der umweltrechtlichen
Mindeststandards. Die strittigen Zeichen können aber auch so verstanden
werden, dass sich die Qualifikation von "umweltfreundlich" (auch) auf die
Herstellungsbedingungen, also die Art der Aufbereitung des Wassers,
bezieht. So werden gerade im Bereich der Wasseraufbereitung (z.B. in
Abwasseranlagen) zum einen häufig Chemikalien eingesetzt, und zum
anderen soll die Wasseraufbereitung das Wasser säubern. Damit kann,
obschon deren Teilelemente an sich beschreibend sind, bezüglich des
Sinngehalts der Kombination "ECOWATER" und "ECOAQUA" festgehalten
werden, dass dieser zwar vielleicht nicht direkt beschreibend, aber
zumindest stark allusiv ist.
5.4 Von der angefochtenen Marke nicht übernommen ist das Akronym
"CHC" der Widerspruchsmarke. Auf den ersten Blick kommt dieser Buch-
stabenfolge keine konkrete Bedeutung zu. Weder lässt sich – ohne weitere
Erklärung – aus der Verbindung mit "ECOWATER" etwas ableiten, noch
erkennt der Abnehmer sofort und ohne Gedankenschritt eine allgemein be-
kannte Abkürzung. Erst wenn das Akronym in Relation zu den beanspruch-
ten Wasserkühlungstürmen gesetzt wird, kann ein technisch versierter Ab-
nehmer erkennen, dass "CHC" für "controlled hydrodynamic cavitation"
steht (vgl. DEBABRATA PANDA et al., Controlled Hydrodynamic Cavitation: A
Review of Recent Advances and Perspectives for Greener Processing,
Processes 2020/8/200, abrufbar unter: https://www.mdpi.com/2227-
9717/8/2/220; Produktebeschrieb "CaviMax" der Dorset Biosolutions Ltd,
< http://www.dorsetbiosolutions.com/node/103 >). Das Akronym "CHC"
beschreibt also die Funktionsweise der damit gekennzeichneten Waren,
nämlich mittels kontrollierter hydrodynamischer Kavitation (vgl.
Forschungsprojekt "Umweltschonende und kosteneffiziente Wasserentkei-
mung in Industriebetrieben durch kontrollierte hydrodynamische Kavitation
[Kavitationsentkeimer]", abrufbar bei der Deutschen Bundeszentrale für
Umwelttechnik DBU unter: < https://www.dbu.de/pro-
jekt_24003/01_db_2409.html > sowie den Abschlussbericht unter:
< https://www.dbu.de/OPAC/ab/DBU-Abschlussbericht-AZ-24003.pdf >;
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Seite 16
siehe ebenfalls Erklärung der verschiedenen Kavitationssysteme, abrufbar
unter: < https://www.epic-srl.com/de/die-kavitationssysteme >). Im Bereich
der Wasseraufbereitung wird Kavitation bereits eingesetzt (vgl. PHILIPP
VELLA, Cooling Water Treatment Using Controlled Hydrodynamic Cavita-
tion, abrufbar unter: https://www.watertechonline.com/home/article/
14170807/cooling-water-treatment-using-controlled-hydrodynamic-cavita-
tion; Forschungsbericht "Hydrodynamischer Kavitationsreaktor" der TUM
ForTe - Forschungsförderung und Technologietransfer der Technischen
Universität München TUM, abrufbar unter: < https://www.forte.tum.de/
fileadmin/w00bgt/www/Technologieangebote/Chemie_Biotechnik/
B69078e45ec889.pdf >; MATEVŽ DULAR et. al., Use of hydrodynamic cavi-
tation in [waste]water treatment, 2015, abrufbar unter:
< https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1350417715300535?
via%3Dihub >; Dominik Maslak, Desinfektion mit hydrodynamischer Kavi-
tation und Chlordioxid, Diss. 2010, München, abrufbar unter:
< https://docplayer.org/42235322-Desinfektion-mit-hydrodynamischer-
kavitation-und-chlordioxid.html >). Insofern kann nicht behauptet werden,
das Akronym sei vollständig sinnfrei, denn gerade im Zusammenhang mit
den beanspruchten Waren der Widerspruchsmarke kommt dem Akronym
ein gar beschreibender Sinngehalt zu. Allerdings ist dieser Sinngehalt – wie
eingangs festgehalten – weder sofort, noch für jedermann erkennbar: Der
Endabnehmer ohne Ingenieurwissen wird das Akronym jedenfalls als Fan-
tasiebestandteil bzw. höchstens als Modellhinweis, und damit als Zusatz
verstehen. Einzig Fachspezialisten können im Akronym allenfalls die Funk-
tionsweise des Wasserkühlungsturms erkennen. Indessen ist zu berück-
sichtigen, dass bei Waren, welche sowohl an Fachkreise als auch an End-
verbraucher vertrieben werden, bei der Beurteilung auf das Verständnis
der Endkonsumenten abzustellen ist, weil diese die grösste und am we-
nigsten erfahrene Marktgruppe bilden (Urteil des BVGer B-5608/2019
E. 3.2 "UMBRA SHEER"). Inwiefern es sich beim Zeichenelement "CHC"
tatsächlich um einen terminus technicus aus dem Fachjargon handelt, wel-
cher zwar von den relevanten Verkehrskreisen möglichweise mehrheitlich
nicht verstanden wird, aber trotzdem freihaltebedürftig ist (BVGE 2018 IV/3
E. 6.2 "WingTsun", 2010/32 E. 7.3.2 "Pernaton/Pernadol 400"; Urteil des
BVGer B-5608/2019 E. 5.6 "UMBRA SHEER"; DAVID ASCHMANN, in: Mar-
kenschutzgesetz [MSchG], 2. Aufl. 2017, Art. 2 Bst. a Rz. 222 f.), kann of-
fen bleiben. Auch wenn man im Folgenden davon ausgeht, dass das
Akronym "CHC" als unbestimmter Zusatz, nicht aber als beschreibendes
oder freihaltebedürftiges Zeichenelement verstanden wird, ändert sich, wie
zu zeigen sein wird, an der Beurteilung von Zeichenähnlichkeit und Ver-
wechselbarkeit nichts.
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Seite 17
5.5 In einer Gesamtbetrachtung kann nach dem Gesagten zur Zeichen-
ähnlichkeit festgehalten werden, dass beide Marken sowohl im Bestandteil
"ECO" wie auch im Bestandteil "WATER" bzw. "AQUA" übereinstimmen.
Indem das angefochtene Zeichen sowohl den Zeichenanfang wie auch den
Zeichenaufbau der Widerspruchsmarke "ECO + [Begriff mit Sinngehalt
Wasser]" vollständig übernimmt, werden insbesondere auf der sinngehalt-
lichen Ebene Gemeinsamkeiten geschaffen (BVGE 2014/34 E. 6.3 ff.
"Land Rover/Land Glider"). Dabei reichen die festgestellten klanglichen
und schriftbildlichen Unterschiede zwischen den strittigen Marken nicht
aus, um eine Zeichenähnlichkeit auszuschliessen (Urteile des BVGer
B-5294/2016 E. 5.1 "MEISTER/ZeitMeister", B-6099/2013 E. 5.1 "CARPE
DIEM/carpe noctem"). Auch aus der Tatsache, dass die angefochtene
Marke den Zusatz "CHC", welcher einzig für den Fachspezialisten mit ei-
nem beschreibenden Sinngehalt behaftet ist, nicht übernommen hat, kann
nicht geschlossen werden, es läge keine Zeichenähnlichkeit vor. Demnach
hat die Vorinstanz eine Zeichenähnlichkeit zu Recht bejaht.
6.
Abschliessend ist in einer Gesamtbetrachtung und unter Berücksichtigung
der Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke und des Aufmerksam-
keitsgrades, den die massgeblichen Verkehrskreise bei der Nachfrage der
beanspruchten Waren walten lassen, über die Verwechslungsgefahr zu ur-
teilen.
6.1 Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin verneinen eine Verwechs-
lungsgefahr. Während die Beschwerdegegnerin der Ansicht ist, die Abneh-
mer seien selbst bei unterdurchschnittlicher Aufmerksamkeit im Stande
Aquaristikprodukte von andersartigen Produkten zu unterscheiden
(Beschwerdeantwort, S. 4), beruft sich die Vorinstanz bei ihrer Beurteilung
auf die schwache Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke und der
entfernten Gleichartigkeit. In Anbetracht, dass zwischen den betroffenen
Waren einzig eine entfernte Gleichartigkeit bestünde und die Vergleichs-
zeichen zudem einzig in den kennzeichnungsschwachen Elementen
"ECO" und "(Wasser)" übereinstimmten, seien die Anforderungen an die
Unterscheidbarkeit zwischen den Marken nicht erhöht. Dadurch, dass die
angefochtene Marke den – gemäss vorinstanzlicher Beurteilung – unbe-
stimmten Zusatz "CHC" nicht übernehme, werde eine hinreichende Unter-
scheidung zwischen den Vergleichszeichen geschaffen. Dies bestreitet die
Beschwerdeführerin und kommt zum Schluss, dass unter Berücksichtigung
der ihrer Ansicht nach hochgradigen Gleichartigkeit der beanspruchten
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Seite 18
Waren, der Übernahme der Widerspruchsmarke sowie der erhöhten Kenn-
zeichnungskraft ihrer Marke, mindestens eine mittelbare Verwechslungs-
gefahr zwischen den beiden Marken zu bejahen sei (Beschwerde,
Rz. 38 ff.).
6.2 Damit ist vorliegend insbesondere die Kennzeichnungskraft der Wider-
spruchsmarke "ECOWATER CHC" strittig.
6.2.1 Die Beschwerdeführerin rügt dazu, die Vorinstanz habe in ihrer Beur-
teilung völlig ausser Acht gelassen, dass der Widerspruchsmarke aufgrund
ihrer erhöhten Bekanntheit in der Schweiz einen erweiterten Schutzumfang
zukomme (Beschwerde, Rz. 16 ff.). Sie benutze die Marke seit Jahrzehn-
ten in der Schweiz, was einem langjährigen und intensiven Gebrauch ent-
spreche (Beschwerde, Rz. 18).
6.2.2 Dabei ist der Beschwerdeführerin allerdings im Einklang mit der Vor-
instanz entgegenzuhalten, dass wer sich auf eine gesteigerte Bekanntheit
seiner Marke beruft, diese auch glaubhaft machen muss (Urteil des BVGer
B-5294/2016 E. 2.5 mit Hinweisen "MEISTER/ZeitMeister"). Entspre-
chende Belege müssen einen langjährigen Gebrauch der Marke und inten-
sive Werbung ausweisen damit eine durch Benutzung gesteigerte Kenn-
zeichnungskraft bejaht werden kann (vgl. E. 2.5 hiervor; Urteil des BVGer
B-5294/2016 E. 6.2.3 mit Hinweisen "MEISTER/ZeitMeister"; JOLLER,
a.a.O., Art. 3 N. 104). In Anbetracht, dass die Beschwerdeführerin vorlie-
gend keinerlei Belege vorlegt, welche eine erhöhte Bekanntheit der Wider-
spruchsmarke in der Schweiz belegen, kann sie sich nicht auf eine erhöhte
Bekanntheit der Widerspruchsmarke "ECOWATER CHC" berufen.
6.2.3 Indes ist mit dieser Feststellung noch nichts über die tatsächliche
Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke "ECOWATER CHC" gesagt.
Diese setzt sich, wie bereits in E. 5.3.4 f. hiervor festgestellt, aus diversen
Wortbestandteilen zusammen, welche jeweils für sich alleine im Zusam-
menhang mit den beanspruchten Waren beschreibend sind. Entsprechend
schöpft die Widerspruchsmarke einzig aus der Kombination all dieser Ele-
mente ihre Unterscheidungskraft. Dies führt dazu, dass auch die Kenn-
zeichnungskraft der Widerspruchsmarke sich lediglich aus der Kombina-
tion der allusiven, aber nicht direkt beschreibenden Wortneuschöpfung
"ECOWATER" sowie dem für die Mehrheit der Abnehmer als unbestimmt
wahrgenommenen Akronym ergibt. Damit bleibt diese gesamte Kombina-
tion stark allusiv, so dass der Widerspruchsmarke im Einklang mit der Vor-
B-1064/2019
Seite 19
instanz nur eine reduzierte Kennzeichnungskraft und damit einen vermin-
derten Schutzumfang zugesprochen werden kann (Urteil des BVGer
B-970/2019 vom 11. Februar 2020 E. 7.3 mit Hinweis "clever fit [fig.]/
CLEVERFIT [fig.]").
6.3 Damit ist in Berücksichtigung aller Umstände zur Verwechslungsgefahr
festzustellen, dass die von den Vergleichszeichen beanspruchten Waren
lediglich entfernt gleichartig sind (vgl. E. 4.3.4 hiervor) und der Schutzum-
fang der Widerspruchsmarke – wie soeben festgestellt – vermindert ist.
Daher genügen bereits bescheidenere Abweichungen, um zwischen den
Zeichen eine hinreichende Unterscheidbarkeit zu schaffen (BGE
122 III 382 E. 2a "Kamillosan"; Urteile des BVGer B-970/2019 E. 7.4
"clever fit [fig.]/CLEVERFIT [fig.]", B-6173/2018 vom 30. April 2019 E. 3.6
"WORLD ECONOMIC FORUM [fig.]/ZURICH ECONOMIC FORUM [fig.]",
B-6046/2008 vom 3. November 2010 E. 3.3 "R Rothmans [fig.]/Roseman
Crown Agencies KING SIZE [fig.]"). Weiter stimmen die Vergleichszeichen
einzig in den im Zusammenhang mit den strittigen Waren kennzeichnungs-
schwachen Wortelementen überein (vgl. E. 5.3 hiervor). Wohl übernimmt
die angefochtene Marke diese Elemente – trotz Übersetzung – integral,
doch sie übernimmt das kennzeichnungsstärkste Element der Wider-
spruchsmarke, nämlich das Akronym CHC, nicht. Damit liegt eine beschei-
dene Abweichung zwischen den Vergleichszeichen vor. In Anbetracht des-
sen, dass der Aufmerksamkeitsgrad der massgebenden Abnehmer in casu
erhöht ist (vgl. E. 3.3 hiervor), reicht dieser Unterschied vorliegend ange-
sichts des verminderten Schutzumfanges der Widerspruchsmarke und der
entfernten Gleichartigkeit aus, um eine Gefahr der Fehlzurechnung auszu-
schliessen, obschon die angefochtene Marke die kennzeichnungsschwa-
che Wortkombination "ECO(Wasser)" übernimmt (Urteile des BVGer
B-970/2019 E. 7.4 "clever fit [fig.]/CLEVERFIT [fig.]", B-6173/2018 E. 6.5
"WORLD ECONOMIC FORUM [fig.]/ZURICH ECONOMIC FORUM [fig.]",
B-5972/2017 vom 7. Juni 2019 E. 6.5 und 6.8 "Medical Park [fig.]/Medical
Reha Park [fig.]", B-450/2017 vom 16. März 2018 E. 5.5 "FM1 [fig.]/1.FM").
7.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der vorinstanzlichen Beurteilung im
Ergebnis zuzustimmen ist. Weder bringt die Beschwerdeführerin Unter-
lagen vor, welche die erhöhte Bekanntheit der Widerspruchsmarke in der
Schweiz glaubhaft belegen, noch ist der Zeichenvergleich durch die Vor-
instanz rechtsmangelhaft erfolgt. Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
B-1064/2019
Seite 20
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kosten-
und entschädigungspflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 64 Abs. 1
VwVG).
8.1 Die Gerichtsgebühr ist nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache,
Art der Prozessführung und der finanziellen Lage der Parteien festzulegen
(Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Bei Streitigkeiten mit Vermögensinteres-
sen bemisst sich die Gebühr nach dem Streitwert (Art. 4 VGKE). Der Streit-
wert eines Widerspruchsbeschwerdeverfahrens richtet sich nach dem In-
teresse an der Löschung beziehungsweise am Bestand der angefochtenen
Marke, wobei bei eher unbedeutenden Zeichen von einem Streitwert zwi-
schen Fr. 50'000.– und Fr. 100'000.– ausgegangen werden darf (BGE
133 III 492 E. 3.3 "Turbinenfuss" mit Hinweisen). Von diesem Erfahrungs-
wert ist grundsätzlich auch im vorliegenden Verfahren auszugehen. In Be-
rücksichtigung dessen, dass die Beschwerdeführerin zeitgleich auch im
Parallelverfahren Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben
hat, sind aufgrund dieses Synergieeffekts die Gerichtsgebühren in beiden
Verfahren jeweils von Fr. 4'500.– auf Fr. 3'500.– gesenkt worden. Dem-
nach sind die Verfahrenskosten auf diesen Betrag festzusetzen, und der
von ihr in dieser Höhe einbezahlte Kostenvorschuss zur Bezahlung der
Verfahrenskosten zu verwenden.
8.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Antrag eine
Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zulasten der
unterliegenden Partei zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG in Ver-
bindung mit Art. 7 Abs. 1 VKGE). Die Parteientschädigung umfasst die Kos-
ten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Auslagen der Partei
(Art. 8 Abs. 1 VGKE). Vorliegend verlangt die Beschwerdegegnerin eine –
nach Ermessen des Gerichts – angemessene Parteientschädigung (Be-
schwerde, Ziff. 4). Mangels Kostennote ist die Parteientschädigung zulas-
ten der Beschwerdeführerin aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14
Abs. 2 Satz 2 i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VGKE). Der Aufwand der Beschwerde-
gegnerin hat sich im vorliegenden Beschwerdeverfahren auf die Erstellung
ihrer Beschwerdeantwort beschränkt, und ging nicht wesentlich über den
vorinstanzlichen Aufwand hinaus. Damit erscheint aus Sicht des Gerichts
eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.– angemessen und wird der Be-
schwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt.
B-1064/2019
Seite 21
9.
Gegen dieses Urteil ist die Beschwerde an das Bundesgericht nicht
gegeben (Art. 73 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG,
SR 173.110]). Es erwächst demnach bei Zustellung in Rechtskraft.