Decision ID: 15a8d497-04c4-4515-8db5-b0e99529ff37
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957,
Y._
Staatsangehörige, kam im Juli
1992 in die Schw
eiz (vgl. Urk. 8/2/3). Nach ver
schiedenen kurzfristigen
Arbeits
einsätzen
und längerer Zeit als N
ichter
werbstätige (Urk. 8/5-6) arbeitete die Versicherte zuletzt bis Ende September 2001 als Reinigerin (Urk. 8/8). Am 16. August 2002 meldete sie sich wegen Weichteilrheumatismus und einer Depression bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an u
nd beantragte eine Rente (Urk. 8
/
2). Im Rahmen der daraufhin vorgenommenen erwerblichen und medizinischen Abklärungen holte die IV-Stelle mitunter das psychiat
rische Gutachten von Dr. med.
Z._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Februar 2003 (Urk. 8/15) und das rheum
atologische Gutachten von
Dr.
med.
A._
, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, vom 29. September 2003 (Urk. 8/21) ein. Mit Verfügung vom 24. November 2003 (Urk. 8/26) verneinte sie einen Rentenanspruch, da der Invaliditätsgrad unter 40 % liege. Di
e dagegen von der Versicherten
erhobene Einsprache (Urk. 8/32) wies die IV-Stelle mit Entscheid vom 30. August 2004
(Urk. 8/58
) ab.
Die seitens der Versicherten dagegen eingereichte Beschwerde (Urk.
8/59
/3-19
) wurde vom Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 27. September 2005
(Urk. 8/63, Prozess Nr. IV.2004.00663)
in dem Sinne gutge
heissen, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 30. August 2004 auf
gehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Anspruch der Versicherten auf eine Rente der Invaliden
versicherung neu verfüge
.
1.2
Den Erwägungen im genannten Urtei
l vom 27. September 2005 (Urk. 8/63
)
fol
gend holte die IV-Stelle beim Zentrum für Psychiatrische Rehabilitation der
B._
das psychiatrische Gutachten vom 10. November
2006 sowie die ergänzende Stellungnahme vom 17. September 2007 ein (Urk.
8/86
und Urk.
8/90
). Sodann beauftragte sie ihren Abklärungsdienst mit der Abkläru
ng der beeinträchtigten Arbeits
fähigkeit der Versicherten in Beruf und Hau
s
halt (Abklärun
gsbericht vom 11. Februar 2008,
Urk.
8/95
)
.
Nachdem die IV-Stelle der Versicherten daraufhin mit Vorbescheid vom 18. März 2008
(Urk. 8/100)
, ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 15 %, die Abweisung ihres
Rentenbegehrens in Aussicht
gestellt und die Versi
cherte dagegen Einwände erhoben hatte
(Urk.
8/
1
02
und Urk.
8/108
), tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen, wobei sie die Versicherte insbesondere am
21. Oktober 2008
von
pract
. med.
C._
, FMH Psychiatrie und Psycho
therapie
, Regionaler Ärztlicher
Dienst (RAD), untersuchen
liess
(
Psychiatrischer Untersuchungsber
icht RAD vom 20. November 2008,
Urk.
8/114
).
Gestützt auf die weiteren Abklärungen wies die
IV-Stelle, nunmehr ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 21 %, mit Verfügung vom 17. Februar 2010
(Urk. 8/127)
das Rentenbegehren der Versicherten ab.
Die seitens der Versicherten dagegen eingereic
hte Beschwerde (Urk. 8/133/3-21
) wurde vom Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom
31
.
Mai 2011
(Urk. 8/146
, Prozess Nr.
IV.2010.00275)
in dem Sinne gutgeheis
sen, dass
die angefochtene Verfügung
vom
17. Februar 2010
aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Anspruch der Versicherten auf eine Rente der Invalidenversicherung neu verfüge.
1.3
Den Erwägungen im genannten Urteil vom 31. Mai 2011 (Urk. 8/146) folgend holte die IV-Stelle
bei der
D._
AG, Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
(Privatklinik
D._
)
,
das psychiatrische Gutachten vom
8.
Juni 2012 ein (
Untersuchungen vom 11. April 2012 bis 20. April 2012,
Urk. 8/165)
und
beauftragte ihren Abklärungsdienst
, zusätzlich durch den RAD unterstützt,
mit der Abkläru
ng der beeinträchtigten Arbeits
fähigkeit der Versi
cherten in Beruf und Hau
s
halt (
Abklärung
en
vom 9. September 2013,
B
ericht vom
4
. Februar 20
14,
Urk. 8/
176
)
.
Gestützt auf die
se
weiteren
Abklärungen
stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 9. Juli 2014 (Urk. 8/187)
die Ausrichtung einer
Viertelsrente
mit Wirkung ab Januar 2009 sowie einer
Dreiviertelsrente
mit Wirkung ab Oktober 2010 in Aussicht.
Dage
gen erhob die Versicherte Einwände (Urk. 8/189)
, worauf die IV-Stelle mit Ver
fügung
en
vom 21. April 2015 (Urk. 2
/1-2
) wie angekündigt verfügte.
2
.
Gegen die Verfügungen vom 21. April 2015
erhob
X._
, vertre
ten durch Rechtsanwalt
Karl
Kümin
,
am 20. Mai 2015 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte die
Zusprechung einer
Dreiviertelsrente
mit Wirkung ab
Januar 20
09 sowie
e
iner ganzen Rente mit Wirkung
ab Oktober 201
0.
In prozessualer Hin
sicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bestellung von
Rechtsanwalt
Pierre Heusser
zum unentgeltlichen Rechtsbeistand (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
29
.
Juni 2015
(Urk. 7 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-
224
) schloss die Beschwerdegegnerin a
uf Abweisung der Be
schwerde, was der Beschwerd
eführerin mit Verfügung vom 17.
August 2015
zur Kenntnis gebracht
wurde (Urk. 9).
Mi
t Eingabe vom 27. Oktober 2015
ersuchte die Beschwerdeführerin
um Bestel
lung von
Rechtsanwalt
Karl
Kümin
zum unentgeltlichen
Rechtsbeistand
(Urk. 13).
3
.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die Akten ist, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Die Beschwerdegegnerin erwog
,
g
estützt auf das Gutachten der
Privatklinik
D._
vom 8. Juni 2012 sei
ausgewiesen
, dass
aufgrund psychisch bedingter
Einschränkungen
in der bisherigen Tätigkeit
(
Reinigungsdienst
)
keine Arbeitsfä
higkeit mehr bestehe
,
die Beschwerdeführerin
i
n einer angepassten Tätigkeit
jedoch
noch
zu
30 % arbeitsfähig sei
.
Was den Zeitraum vor der Begutachtung in der Privatklinik
D._
betreffe,
sei unter Berücksichtigung der in der Ver
gangenheit erhobenen Befunde und beschrieben
en
Aktivitätsniveaus davon auszugehen, dass
eine derart eingeschränkte Arbeitsfähigkeit frühestens im Oktober 2008 eingetreten sei
.
Die Beschwerdegegnerin ging sodann davon aus,
dass die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall
bis Ende Juli 2010
zu
75
% einer Erwerbstätigkeit
nachge
gangen
und zu
25
% im Haushalt tätig
gewesen wäre
, seit
August 2010
jedoch als Vollerwerbstätige zu qualifizieren sei
.
Mittels Einkommens- respektive Betätigungsvergleich ermittelte die
Beschwer
-
de
gegnerin
einen Invaliditätsgrad von 42,3 %
(37,5 % im
Erwerbsbe
reich
und 4,81 % im Haushaltsbereich) für den Zeitraum ab Oktober 2008 sowie einen
Invaliditätsgrad von 62,41 %
für den Zeitraum nach der
Qualifikations
änderung
im Herbst 2010 und kam zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin
demnach ab Januar 2009
(
drei Monate nach der Verschlechterung,
Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung)
Anspruch auf eine Viertels-
sowie
ab Oktober 2010 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
habe
(Urk. 2).
1
.2
Die Beschwerdeführerin bemängelte den von der Beschwerdegegnerin durchge
führte
n
Einkommensvergleich und wandte ein, die Vergleichseinkommen hätten parallelisiert werden müssen, da sie vor Eintritt des Gesundheitsschaden
s
unfreiwillig
einen unterdurchschnittlichen Lohn erzielt habe. Ausserdem sei beim Invalideneinkommen aufgrund ihrer eingeschränkten Leistungsfähigkeit,
i
hres
ausländischen Namen
s
,
ihre
r
eingeschränkten
Sprachkenntnisse, der feh
lenden Ausbildung
und des hohen Alters
ein leidensbedingter Abzug
zu gewähre
n
.
Unabhängig davon müsse gar angenommen werden
, dass
sie über keine wirtschaftlich verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr verfüge, nachdem sie lediglich noch als zu 30 % arbeitsfähig eingestuft worden sei,
zusätzliche
gesundheitlich bedingte
Einschränkungen bestünden
,
sie
schon bald 60 Jahre alt und
seit langer Zeit
nicht mehr arbeitstätig sei (Urk. 1).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
2.2.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit
diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3
.
3.1
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 27. September 2005 (Urk. 8/63) wurde erwo
gen, dass
aufgrund der überzeugenden Ausf
ührungen von Dr.
A._
im rheumatologischen Gutachten vom 29. September 2003 (Urk. 8/
21) eine die Arbeitsfähigkeit tangierende rheumatologische Diagnose
auszuschliessen sei
. In psychiatrischer Hinsicht seien jedoch weitere Abklärungen notwendig,
da auf das Gutachten von Dr.
Z._
vom 5. Februar 2003 (Urk. 8/15) nicht abgestellt werden könne. Die Sache sei daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ein psychiatrisches Zweitgutach
ten in Auftrag gebe (Urk. 8/63/8
-10).
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 31. Mai 2011 (Urk. 8/146)
wurde
sodann festgestellt, dass keine Anhaltspunkte für eine massgebliche Verschlechterung des so
ma
t
is
chen Gesundheitszustandes der Beschwerdefü
h
rerin seit dem Urteil vom 27. September 2005 vorliegen würden.
D
er psychische Gesundheitszustand sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
könnten hingegen
auch aufgrund der ergänzten medizinischen Akten nicht abschliessend beurteilt wer
den
, da weder auf das Gutachten der
B._
vom 10. November 2006 (Urk. 8/86, inkl. ergänzender Stellungnahme vom 17. September 2007, Urk. 8/90)
,
in wel
chem keine schlüssige
n
Angaben zur Arbeitsfähigkeit gemacht worden sei
en,
noch auf den psychiatrischen Untersuchungsbericht von RAD-Arzt Dr.
C._
vom 20. November 2008 (Urk. 8/114)
, welcher den rechtsprechungsmässen Anforderungen ebenfalls nicht genüge, noch auf die Beurt
eilungen der behan
delnden Ärzte (Urk. 8/107, Urk. 8/134/3-5)
abgestellt werden könne.
Die Sache sei deshalb zur psychiatrischen Oberbegutachtung, vorzugsweise in stationäre
m
Rahmen, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 8/146/17-20).
3.2
Die Beschwerde
gegnerin
gab daraufhin bei der Privatklinik
D._
ein psychiat
risches Gutachten in Auftrag, wo die Beschwerdeführerin in der Folge
vom 11. April 2012 bis 20. April 2012
stationär hospitalisiert war
. Das Gutach
ten wurde am 8. Juni 2012 erstattet (Urk. 8/165).
Die Gutachter hielten fest, die Beschwerdeführe
ri
n habe sich in den Gesprächen freundlich zugewandt gezeigt, sei jedoch auf ihre Beschwerden eingeengt gewesen, welche sie mit rasch wechselnden Affekten (von ausgeglichener Stimmungslage bis hin zu unvermittelter Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, begleitet von hef
tigem Weinen) vorgebracht habe
(Urk. 8/165/8).
Das Erschei
nungsbild der Beschwerdeführerin sei körperlich gepflegt und deutlich
vorgeal
tert
gewesen.
Die
Kooperationsbereitschaft und
die
Motivation seien ausrei
chend gewesen (Urk. 8/165/13).
Die Beschwerdeführerin
habe angegeben
, sich ausser Stande
zu sehen
, je wieder einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen (Urk. 8/165/13).
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Urk. 8/165/17):
-
Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0);
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Epi
sode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2);
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0).
D
ie Beschwerdeführerin – welche in ihren ersten Lebensjahrzehnten psychisch gesund, normal leistungsfähig, interessiert und politisch engagiert gewesen sei – sei im Laufe ihres Lebens mehreren schweren Traum
en
ausgesetzt gewesen, beginnend mit Haft und Folter im Heimatland,
Migration
aus politischen Grün
den, Tod eines Neugeborenen, traumatische
r
Geburt des zweiten Kindes mit Verlust der Reproduktionsfähigkeit sowie einem potentiell lebensbedrohlichen Verkehrsunfall. Die Beschwerdeführerin habe bezüglich der einzelnen Traum
en
gute
Coping
strategien
gezeigt und
sie habe die einzelnen Ereignisse initial ver
arbeiten können
. Ihr sei der Wiedereinstieg in die Arbeit und das Sozialleben b
ei ausreichend gutem psychischen
Befinden gelungen. In der Summe der Ereignisse hätten sich jedoch die
Copingstrategien
der Beschwerdeführerin erschöpft und es habe
sich
die diagnostizierte Persönlichkeitsänderung
entwi
ckelt.
Es sei zu unflexiblem, dysfunktionalem Verhalten gekommen, das zu deutlichen Beeinträchtigungen der zwischenmenschlichen, sozialen und berufli
chen Fertigkeiten geführt habe. Die Beschwerdeführerin habe zunehmend eine misstrauische Haltung gegenüber der Umwelt, einhergehend mit
einem
deutli
chen sozialen
Rückzug, Gefühle
n
der Leere und
der
Hoffnungslosigkeit,
Bedro
hungsgefühle
n
, Nervosität sowie erhöhter Schreckhaftigkeit und leichter
Affekt
inkontinenz
,
entwickelt. Auf der affektiven Ebene äussere sich die
Traumafol
gestörung
als schwere depressive Episode sowie als voll aus
geprägte Somati
sierungsstörung
.
Es bestünden seit vielen Jahren vielfältige körperliche Symp
tome - in erster Linie Schmerzen - welche durch die körperlichen Befunde nicht ausreichend erklärt werden könnten. Die Beschwerdeführerin habe sich ver
schiedenen
Behandlungen, aber auch Operationen, unterzogen, welche
jedoch zu
keine
n
entscheidenden Verbesserungen
geführt hätten
. Die Einsicht der Beschwerdeführerin in ein biopsychosoziales oder psychosomatisches
Krank
heitsmodell
sei hierbei stark reduziert. Es sei zu
vermuten, dass die sprachliche Limitierung, welche mit einer Einschränkung der psychotherapeutischen Mög
lichkeiten einhergehe, einen krankheitsaufrechterhaltenden Faktor darstelle.
T
rotz jahrelanger ambulanter fachärztlich-psychiatrischer Behandlung bestün
den
sodann
die typischen Symptome
der depressiven Störung, nämlich
eine
gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit
sowie
erhöhte Ermüdbarkeit mit
Aktivitäts
einschränkung
en
.
Die depressive Störung habe einen primär chronischen Ver
lauf genommen, einzelne Episoden mit depressionsfreien Intervallen seien nic
ht abzugrenzen (Urk. 8/165/
15-
16).
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit kamen die Gutachter zum Schluss, dass zum jetzi
gen Zeitpunkt die Symptomatik
chronifiziert
beziehungsweise
so schwer ausge
prägt sei, dass
die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei
. Die limitierenden Faktoren seien dabei die Antriebsstö
rung, die verminderte Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit bei gleichzeitig
verminderter Belastungsdauer (mit erhöhter Dauer
der
Regenerationsphasen),
die
ve
rminderte
Konzentrationsfähigkeit sowie
die
chronischen Schmerzen. In behinderungsangepasster Tätigkeit sei
ein Pensum von 20
% bis
40 % denkbar, wobei d
iese Annahme auf den im stationären Setting gemachten Beobachtun
gen während
den
Gruppenaktivitäten
gründe
. Retrospektiv sei aus psychiatri
scher Sicht nicht mehr exakt
nachvollziehbar
, was im Jahr 2001 zum abrupten Beginn der anhaltenden Bescheinigung der
vollständigen
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin durch den Hausarzt geführt habe. Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin habe sie ihre Anstellung auf Stundenlohn
basis bei einer Reinigungsfirma -
obwohl
sie
damals
bereits durch den Hausarzt krank geschrieben
gewesen sei
-
selbst gekündigt. Sie habe eine Fixanstellung an ihrem Einsatzort angestrebt. Offensichtlich habe sich die Beschwerdeführerin
zu diesem
Zeitpunkt
selber
nicht für anhaltend arbeitsunfähig gehalten. Im Verlauf habe sie von einer Bewerbung aufgrund ihrer diffusen körperlichen Beschwer
den
jedoch
abgesehen. Dies erscheine auf den ersten Blick widers
prüchlich. W
enn man jedoch bedenke, dass das Fernbleiben vom Arbeitsprozess objektiv
einen krankheitsbegünstigenden Faktor darstelle, könne angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin die Zeit dieser Arbeitslosigkeit subjektiv als invali
disierend empfunden habe. Es sei nie mehr zur Aufnahme einer Arbeitstätigkeit ausserhalb des eigenen Haushalts
gekommen
. Ab welchem Zeitpunkt vom Vor
liegen einer Persönlichkeitsänderung und
einer
schweren depressiven Sympto
matik mit
Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
ausgegangen
werden könne, sei retrospektiv und aus den Akten nicht mehr exakt zu
eruieren
. Die
medizini
schen Akten
würden hierzu keine aufschluss
reichen Informationen enthalten (Urk. 8/165/18).
H
insichtlich medizinischer Massnahmen
hielten die Gutachter
dafü
r, aufgrund der Therapieresistenz mit konsekutiver
Chronifizierung
der psychiatrischen Symptomatik, dem fortgeschrittenen Alter der Beschwerdeführerin und der lan
gen Abwesenheit
vom
Arbeitsprozess sei
nicht
davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit durch medizinische Massnahmen soweit verbessert werden könnte, dass eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erreichen
wäre
(Urk. 8/165/18-19).
3.3
Die
anlässlich der Haushaltsabklärung vom 9. September 2013 anwesende Psychi
ater
in
des RAD
, Dr. med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
– welche ebenfalls einen psychopathologischen Befund erhob -,
hielt
am
3. Februar 2014 (Urk. 8/176/4-5)
dafür,
den Ausführungen
der Gutachter der
Privatklinik
D._
könne voll und ganz zugestimmt werden.
Es bestehe ke
ine Belastbarkeit für eine Tätigkeit in der freien Marktwirtschaft. Für die bisherige Tätigkeit im Reinigungsdienst als auch für eine adaptierte Tätigkeit bestehe keine Arbeitsfähigkeit. In adaptierten Tätigkeiten bestehe allenfalls eine Arbeitsfähigkeit zwischen 20
%
und 40 %
. Auch bezüglich der medizinischen Massnahmen könne der gutachterlichen Beurteilung gefolgt werden. Bei konse
kutiver
Chronifizierung
der Erkrankung sei nicht davon auszugehen, dass es durch medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungen zu einer Ver
besserung komme. Die ambulante Behandlung diene allenfalls dazu, dass sich der Zustand der Beschwerdeführerin nicht noch verschlechtere.
4
.
4.1
G
estützt auf
das Gutachten der Privatklinik
D._
– welches
die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen zu erfüllen
vermag
(E. 2.3)
, was denn auch von keiner Partei in Frage gestellt wurde
–
und die Beurteilung der RAD-Ärztin Dr.
E._
,
ist mit dem Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit erstellt,
dass die Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt
aufgrund ihrer psychischen Störungen
nicht mehr arbeitsfähig ist
. So wurde im Gutachten der Privatklinik
D._
dafürgehalten, eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei nicht mehr erreichbar (E. 3.2) und auch RAD-Ärztin Dr.
E._
erachtete
eine Tätigkeit in der freien Marktwirtschaft
als nicht mehr möglich (E. 3.3). Angesichts dieser Ausführungen kann
entgegen den beschwerdegegnerischen
Erwägungen in de
n
angefochtenen Verfügung
en
aus dem Umstand, dass die Gutachter der Privatklinik
D._
ein Pensum von 20 % bis
40 %
in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
als denkbar erachtet hatten (
E.
3.2) respektive die RAD-Ärztin Dr.
E._
festgehalten hatte, in
adaptierten Tätigkeiten
bestehe
allenfalls eine Arbeitsfähigkeit zwischen 20
%
und 40 %
(
E.
3.3), nicht
darauf geschlossen werden, dass eine solche Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt als möglich
und verwertbar zu erachten wäre
,
zumal Dr.
E._
beim Belastungsprofil explizit festhielt,
es bestehe keine Belastbarkeit auf dem freien Arbeitsmarkt (E. 3.3).
4
.2
Was die Arbeitsfähigkeit vor dem Zeitpunkt der Begutachtung in der Privatkli
nik
D._
betrifft, kam
die
Beschwerdegegnerin gestützt auf die Aktenlage zum Schluss,
dass es überwiegend wahrscheinlich frühestens
ab Oktober 2008
zur
gesundheitlichen
Verschlechterung
gekommen sei (Urk. 8/180)
.
Dies wurde nicht beanstandet
(Urk. 1 S. 4)
und erscheint gestützt auf die Aktenlage als ver
tretbar. Somit hat die Beschwerdeführerin
nach Ablauf des Wartejahrs (Art. 28 IVG)
ab
Oktober
2009 Anspruch auf eine ganze Rente, da bei einer vollständi
gen Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich (E. 4.1) auch bei einer
Qualifikation von 75 % Erwerbs- und 25 % Haushaltstätigkeit (E.
1
.1) ein
Gesamtinvaliditäts
grad
von über 70 % resultiert (
gewichteter
Teilinvaliditätsgrad im
Erwerbsbe
reich
beträgt
75 %
[100 % x 0,75]; vgl. E. 2.2
)
.
Dies führt zur
teilweisen
Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
In der
vorliegenden Angelegenheit erscheint eine Prozessentschädigung von Fr.
2
‘
0
00.-- (inkl.
MWSt
und Barauslagen) als angemessen.
Mithin erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege (Urk.
1 S. 2, Urk. 13
) als gegenstandslos
.