Decision ID: 2e3fa0ea-cba7-4b60-b855-d11694a63693
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
P._,
Beschwerdeführer,
gegen
RAV Oberuzwil, Wiesentalstrasse 22, Postfach, 9242 Oberuzwil,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
betreffend
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Vermittlungsfähigkeit (Vermittlungsbereitschaft)
Sachverhalt:
A.
A.a Nachdem P._ bereits in den vorangegangenen Jahren mehrmals Leistungen der
Arbeitslosenversicherung beantragt und bezogen hatte (vgl. act. G 5/A3, G 5/B49, G 5/
B132 und G 5/B152), ersuchte er im Antrag vom 31. Oktober 2009 erneut um
Arbeitslosenentschädigung mit Wirkung ab 30. Oktober 2009 (act. G 5/B211). Da die
A._ ihn bis 11. Dezember 2009 weiterhin beschäftigte, trat die Arbeitslosigkeit erst
per 12. Dezember 2009 ein (vgl. act. G 5/B196, B198 und B201).
A.b Mit Verfügung vom 10. Dezember 2009 stellte das Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Oberuzwil den Versicherten wegen ungenügender
Arbeitsbemühungen vor der Arbeitslosigkeit für 21 Tage in der Anspruchsberechtigung
ein. Da der Versicherte bereits mehrmals in der Vergangenheit wegen ungenügender
Arbeitsbemühungen (act. G 5/B159 und G 5/B171 f.) und Nichterscheinens zu
Beratungsgesprächen (act. G 5/173 f.) sanktioniert worden war, ging das RAV
Oberuzwil von einem mittelschweren Verschulden des Versicherten aus (act. G 5/
B184).
A.c Nach vorgängiger Gewährung des rechtlichen Gehörs sprach das RAV dem
Versicherten mit Verfügung vom 16. März 2010 ab 12. Dezember 2009 die
Vermittlungsfähigkeit ab. Zur Begründung führte es aus, dass der Versicherte seit Juni
2008 über die A._ als Bauarbeiter C bei der B._ gearbeitet habe. Jeweils über die
Wintermonate sei der Einsatz gekündigt worden. Bereits bei der letzten Winterpause
sei der Versicherte darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Überbrückung der
Wintermonate nicht zu den Aufgaben der Arbeitslosenversicherung gehöre. Trotzdem
habe er erst im November 2009 die Stellensuche aufgenommen und dabei lediglich
Arbeitsbemühungen bei Temporärbüros getätigt. Er habe nicht ununterbrochen Stellen
gesucht und zudem ausschliesslich Blindbewerbungen unternommen. Das RAV wirft
dem Versicherten weiter vor, dass er nicht frühzeitige und aktive Stellenbemühungen
für eine Festanstellung getätigt habe. Er könne nicht nachweisen, dass er einer
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Dauerstelle erste Priorität einräume und alles unternommen habe, um eine solche zu
finden (act. G 5/A262).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 6. April 2010 Einsprache. Er führte darin aus, es
sei nicht seine Schuld, wenn bei einer Bauunternehmung keine Anstellung erfolge (act.
G 5/A263).
B.b Das RAV wies die Einsprache mit Entscheid vom 19. April 2010 ab (act. G 5/A264).
B.c Am 30. April 2010 reichte der Versicherte beim Amt für Arbeit eine weitere
"Einsprache" gegen die Verfügung vom 16. März 2010 ein. Er beantragte darin die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Er habe sich ernsthaft um eine
Festanstellung bemüht. Leider sei es zu keiner Festanstellung gekommen, weshalb er
sich mit temporären Anstellungen habe begnügen müssen. Er forderte die Organe der
Arbeitslosenversicherung auf, ihm bei der Suche nach einer Festanstellung behilflich zu
sein ("Können Sie mir bitte bei der Suche um eine Festanstellung behilflich sein? Es
sollte doch möglich sein, eine Festanstellung zu finden?!"; act. G 5/A265).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid des RAV vom 19. April 2010 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 17. Mai 2010. Der Beschwerdeführer beantragt darin
dessen Aufhebung. Die Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie diejenige der
Eingabe vom 30. April 2010 (act. G 1). Im Schriftsatz vom 21. Juni 2010 orientiert der
Beschwerdeführer darüber, dass er mittlerweile Sozialhilfeleistungen habe
beanspruchen müssen. Der Beschwerdegegner schulde ihm Taggelder und eventuell
Schadenersatz, der zumindest dem Dreifachen des Betrages zu entsprechen habe, den
er beim Sozialamt habe beziehen müssen (act. G 4)
C.b Unter Verweis auf den Einspracheentscheid vom 19. April 2010 beantragt der
Beschwerdegegner in der Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2010 die
Beschwerdeabweisung (act. G 5).

Erwägungen:
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1.
1.1 Eine der Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist die
Vermittlungsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die
arbeitslose Person ist vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist,
eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen
(Art. 15 Abs. 1 AVIG). Zur Vermittlungsfähigkeit gehört demnach auch die persönliche
Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während
der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 120 V 388 E. 3a mit Hinweisen).
Wesentliches Merkmal der Vermittlungsbereitschaft ist dabei im Allgemeinen die
Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstelle (ARV 2004 Nr. 13 S. 126 E. 2.3 mit Hinweis
= Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; ab 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. Juni 2003, C 272/02). Die
Bereitschaft der versicherten Person, eine neue Stelle anzutreten, ist aufgrund
objektiver Kriterien zu prüfen. Der Wille allein oder die bloss verbal erklärte
Vermittlungsbereitschaft der versicherten Person genügen nicht (BGE 122 V 266 f. E.
4).
1.2 Fortdauernd ungenügende Bemühungen um eine neue Stelle können ein
wesentlicher Hinweis darauf sein, dass die versicherte Person während einer
bestimmten Zeitdauer nicht gewillt ist, ihre Arbeitskraft anzubieten. Im Allgemeinen ist
aber eine unzureichende Stellensuche nur Ausdruck davon, dass die versicherte
Person ihrer Schadenminderungspflicht ungenügend nachkommt (BGE 112 V 218
E. 1b; ARV 1996/97 Nr. 19 S. 98, Nr. 8 S. 31 E. 3 mit Hinweisen). Erst wenn sich eine
versicherte Person trotz Einstellung in der Anspruchsberechtigung nach Art. 30 Abs. 1
lit. c AVIG über längere Zeit hinweg nicht um eine neue Stelle bemüht, darf
angenommen werden, es fehle ihr an der Vermittlungsbereitschaft. Sind aber immerhin
gewisse Anstrengungen der versicherten Person festzustellen, kann grundsätzlich nicht
auf fehlende Vermittlungsbereitschaft geschlossen werden, es sei denn, dass trotz des
äussern Scheins nachweislich keine Absicht zur Wiederaufnahme einer
Arbeitnehmertätigkeit bestanden hat (Urteil des EVG vom 10. November 2000, C 65/00,
E. 3b).
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1.3 Die Vermittlungsfähigkeit von Temporärarbeitnehmenden bestimmt sich nach
Art. 14 Abs. 3 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02). Danach gelten Versicherte, die vor ihrer
Arbeitslosigkeit temporär beschäftigt waren, nur dann als vermittlungsfähig, wenn sie
bereit und in der Lage sind, eine Dauerstelle anzunehmen. Unter diese
Sonderbestimmung fallen diejenigen Arbeitnehmenden, die sich lediglich für
Arbeitseinsätze von unregelmässiger Dauer und Häufigkeit zur Verfügung stellen, aber
keine feste Stelle annehmen wollen; sie haben das damit verbundene Risiko des
Beschäftigungsausfalls zwischen zwei Arbeitsstellen unter dem Gesichtspunkt der
Vermittlungsfähigkeit grundsätzlich selbst zu tragen (BGE 120 V 388 E. 3b mit weiteren
Hinweisen).
2.
Zu klären gilt es die vom Beschwerdegegner bejahte Frage, ob der Beschwerdeführer
freiwillig ausschliesslich temporäre Arbeitsverhältnisse eingeht bzw. einzugehen bereit
ist, die mit beschäftigungslosen Zeiten verbunden sind, sodass dies als Ausdruck für
die subjektiv fehlende Vermittlungsbereitschaft für Dauerstellen zu werten ist.
2.1 Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer telefonische und schriftliche
Arbeitsbemühungen aufweist, welche die Suche nach Dauer- und Temporärstellen
umfassen. Dabei beschränkten sich seine Bemühungen nicht bloss - entsprechend
seiner beruflichen Biographie (vgl. hierzu act. G 5/A176) - auf Bauarbeitertätigkeiten,
sondern umfassten auch Tätigkeiten als Betriebsarbeiter (zu den Stellenbemühungen
vgl. etwa act. G 5/A213, G 5/A233 und G 5/A256). Ferner bekundete er gegenüber dem
Beschwerdegegner auch Interesse an einer Tätigkeit in Lager/Spedition oder
Tätigkeiten mit Computer (act. G 5/A168). In einzelnen Stellenbewerbungen gab der
Beschwerdeführer zudem ausdrücklich an, eine Festanstellung zu suchen ("Die vielen
Arbeitsplatzwechsel sind auch noch anstrengend; desshalb brauche ich Arbeit für eine
Dauerstelle."; siehe die Bewerbungen vom 9. und 21. Januar 2009, act. G 5/A233,
sowie vom 18. Februar 2008, act. G 5/A194; vgl. auch die Bewerbungen vom Juni/Juli
2008, act. G 5/A213 und G 5/A217 bezüglich der Suche nach einer "Jahresstelle"). Vor
diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer der Wille zum
Suchen und zur Annahme einer Festanstellung nicht abgesprochen werden kann. Der
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Beschwerdeführer versuchte denn auch im Rahmen einer temporären Anstellung
(erfolglos), eine Festanstellung zu erhalten (act. G 5/A167 und G 5/A170; vgl. auch act.
G 5/A163). Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer seine Bewerbungen
auch auf Temporärarbeit ausrichtete (act. G 5/A256) und dass er teilweise in
Bewerbungen davon spricht, seine berufliche Biographie reiche nicht für eine
Festanstellung. Denn damit tat der Beschwerdeführer nicht seine Ablehnung
gegenüber einer möglichen Festanstellung kund. Vielmehr scheint der
Beschwerdeführer damit den - aus seiner Sicht ungünstigen - Umstand rechtfertigen zu
wollen, dass er in den vergangenen Jahren keine Festanstellung gefunden hat (vgl. die
Aussage in den Stellenbewerbungen vom November 2009, act. G 5/A244: "Als
Bauarbeiter C bin ich seit mehr als 15 Jahre am Arbeiten, seit Jahren ohne Feststelle,
da ich keine Berufslehre habe."; vgl. auch act. G 1) und er deshalb weiterhin auch nach
temporären Arbeitsverhältnissen sucht. Damit geht auch die Einschätzung des
Beschwerdegegners aus dem Jahr 2006 einher: "Hat sehr schlechte Ausbildung und
hat Mühe für Erkenntnisse. Somit ist die Platzierung schwierig" (act. G 5/A70).
2.2 Der Beschwerdeführer betont des Weiteren glaubhaft, dass er bereit und in der
Lage sei, eine Dauerstelle anzunehmen (act. G 1). Er ersuchte den Beschwerdegegner
in der Eingabe vom 30. April 2010 denn auch um entsprechende Unterstützung (act.
G 5/A265). In diesem Zusammenhang fällt auf, dass gemäss Aktenlage nach der
vorletzten Stellenzuweisung (Hilfsarbeiter, Bau) vom 8. Juni 2007 (act. G 5/A152)
lediglich noch eine Stellenzuweisung am 12. Januar 2010 (Hilfsarbeiter Tiefbau)
stattgefunden hat (act. G 5/A250). Nicht ersichtlich ist, dass es sich dabei um eine
Festanstellung gehandelt hätte und weshalb es trotz der Bewerbung des
Beschwerdeführers nicht zu einer Anstellung gekommen ist.
2.3 Zwar ist mit Blick auf die verfügten Einstellungen in der Anspruchsberechtigung
wegen ungenügender Stellenbemühungen und Nichterscheinens zu Beratungsterminen
(vgl. act. G 5/B159, G 5/B171 f., G 5/B173 f.) sowie auf die in den vergangenen Jahren
ausschliesslich temporären Arbeitsverhältnisse verständlich, dass der
Beschwerdegegner an der Vermittlungsbereitschaft des Beschwerdeführers zu zweifeln
begann. Allerdings ist nach dem vorstehend Gesagten zu berücksichtigen, dass aus
den - wenn auch teilweise quantitativ und qualitativ ungenügenden -
Stellenbemühungen des Beschwerdeführers nicht der Schluss gezogen werden kann,
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seine Stellensuche schliesse Festanstellungen aus und er wäre nicht bereit,
entsprechende Stellenangebote anzunehmen. Dies umso weniger, als sich aus den
Akten ausdrücklich Bemühungen um eine Festanstellung ergeben (vgl. vorstehende
E. 2.1) und als es auch dem Beschwerdegegner in den zweieinhalb Jahren vor Erlass
des Einspracheentscheids vom 19. April 2010 nicht gelungen war, dem
Beschwerdeführer mehrere Festanstellungen zur Bewerbung zuzuweisen (vgl.
vorstehende E. 2.2). Unter Berücksichtigung aller Umstände ist daher nicht davon
auszugehen, der Beschwerdeführer sei freiwillig nur im Rahmen temporärer
Beschäftigungen erwerbstätig gewesen und lehne Feststellen ab. Vielmehr ist die
Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers ab Antragsstellung (12. Dezember 2009)
zu bejahen. Sollte der Beschwerdeführer weiterhin arbeitslos bzw. nur in temporären
Beschäftigungen tätig sein, wird er besonders gefordert sein, die weitere
Vermittlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Aufgabe des Beschwerdegegners wird
es sein, den Beschwerdeführer durch vermehrte Zuweisung von Dauerstellen bzw. bei
der Bewerbungsstrategie und weiteren (arbeitsmarktliche) Massnahmen bei der
Beendigung der Arbeitslosigkeit aktiv zu unterstützen (vgl. zum Ganzen Urteil des EVG
vom 26. Oktober 2004, C 233/03, E. 2.3).
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 19. April 2010 gutzuheissen. Da der
Beschwerdeführer mit seinem Hauptantrag (Bejahung Vermittlungsfähigkeit) obsiegt,
erübrigen sich Weiterungen zu seinem Eventualantrag (Schadenersatz; act. G 4).
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53