Decision ID: 5cfefb0c-8ed2-56e0-bc34-fe995167f961
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Fahrzeugkategorien A, B, C1, D1, BE, C1E, D1E.
Für die Fahrzeugkategorie B ist er seit 23. Juni 1976 fahrberechtigt. Der Führerausweis
wurde ihm bereits dreimal entzogen, und zwar ein erstes Mal mit Verfügung des
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts des Kantons St.Gallen vom 25.
November 2009 wegen Überschreitens der signalisierten Höchstgeschwindigkeit auf
der Autobahn von 120 km/h um 37 km/h für drei Monate (schwere Widerhandlung). Mit
Verfügung vom 25. Oktober 2011 wurde er ihm erneut wegen Überschreitens der
signalisierten Höchstgeschwindigkeit, diesmal innerorts um 18 km/h, für einen Monat
entzogen (leichte Widerhandlung). Mit Verfügung vom 5. August 2013 entzog ihm das
Strassenverkehrsamt den Führer-ausweis für einen weiteren Monat, nachdem er am
21. Februar 2013 ein Fahrzeug mit verschneiter Frontscheibe gelenkt hatte
(mittelschwere Widerhandlung).
B.- Am Donnerstag, 1. Oktober 2015, 00.09 Uhr, erfasste eine semistationäre
Lasermessanlage auf der Flawilerstrasse in Lütisburg innerorts einen weissen
Lieferwagen mit den Kontrollschildern Y mit einer Geschwindigkeit von 75 km/h (nach
Abzug der Messtoleranz). Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt an jener Stelle
50 km/h. Fahrzeughalterin war Z. Im Strafverfahren bestritt X zunächst die Täterschaft.
Er gab an, ein Ungare (A) habe das Fahrzeug zur fraglichen Zeit gelenkt. Zudem
machte er geltend, das Messergebnis sei nicht korrekt. Mit Strafbefehl des
Untersuchungsamtes Gossau vom 30. Dezember 2015 wurde X im Zusammenhang mit
der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 1. Oktober 2015 der groben Verletzung der
Verkehrsregeln (Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts von
50 km/h um 25 km/h) schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen
zu je Fr. 300.– und einer Busse von Fr. 1'000.– verurteilt. Die Geldstrafe wurde mit einer
Probezeit von zwei Jahren bedingt aufgeschoben. Der Strafbefehl wurde am
8. November 2016 rechtskräftig mit dem Rückzug der Einsprache, die der
Rechtsvertreter von X zunächst erhoben hatte.
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C.- Das Strassenverkehrsamt leitete wegen des Vorfalls vom 1. Oktober 2015 ein
Administrativmassnahmeverfahren gegen X ein. Es gewährte ihm mit Schreiben vom
8. Januar 2016 das rechtliche Gehör, worauf dieser am 29. Februar 2016 um Sistierung
des Administrativmassnahmeverfahrens bis zum rechtskräftigen Abschlusses des
Strafverfahrens bat. Nach Eintritt der Rechtskraft des Strafbefehls nahm der
Rechtsvertreter von X am 15. November 2016 Stellung zum Schreiben des
Strassenverkehrsamtes vom 8. Januar 2016, mit welchem X ein Führerausweisentzug
von sechs Monaten in Aussicht gestellt worden war. Mit Verfügung vom 16. Dezember
2016 entzog das Strassenverkehrsamt den Führerausweis wegen schwerer
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für sechs Monate. X deponierte
seinen Führer-ausweis am 24. Dezember 2016 beim Strassenverkehrsamt. Er
anerkannte eine Entzugsdauer von vier Monaten.
D.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 16. Dezember 2016 erhob
der Rechtsvertreter von X am 16. Januar 2017 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St.Gallen. Er beantragte, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge sei die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben, und der
Führerausweis des Rekurrenten sei für die Dauer von vier Monaten zu entziehen. Der
deponierte Führerausweis sei dem Rekurrenten nach der Entzugsdauer von vier
Monaten ab 24. Dezember 2016 zufolge aufschiebender Wirkung des Rekurses wieder
auszuhändigen. Eventualiter sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und zur
Neubeurteilung zurückzuweisen. Mit Eingabe vom 24. April 2017 ergänzte er den
Rekurs. Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 1. Mai 2017 auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 16. Januar 2017 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 24. April 2017 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) In tatsächlicher Hinsicht wurde im Strafbefehl des Untersuchungsamtes Gossau
vom 30. Dezember 2015 festgestellt, der Rekurrent habe am 1. Oktober 2015 um 00.09
Uhr in Lütisburg innerorts auf der Flawilerstrasse in Richtung Unterrindal die
signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 25 km/h überschritten. Die
Messung erfolgte mit einer semistationären Lasermessanlage. Der Rekurrent wurde der
groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) schuldig gesprochen. Der
Strafbefehl ist rechtskräftig. Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass der Rekurrent
die genannte Geschwindigkeitsüberschreitung beging.
b) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vermag ein Strafurteil die
Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht zu binden. Allerdings gebietet der Grundsatz
der Einheit der Rechtsordnung, widersprüchliche Entscheide im Rahmen des
Möglichen zu vermeiden. Die Verwaltungsbehörde darf deshalb beim Entscheid über
die Massnahme von den tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters nur abweichen,
wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem Strafrichter
unbekannt waren, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der Strafrichter bei
der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen abgeklärt,
namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat. In der rechtlichen
Würdigung des Sachverhalts – insbesondere auch des Verschuldens – ist die
Verwaltungsbehörde demgegenüber frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt stark
von der Würdigung von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, etwa weil er
den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 E. 2.2).
Der Rekurrent bestreitet nicht, am 1. Oktober 2015 um 00.09 Uhr in Lütisburg innerorts
auf der Flawilerstrasse in Richtung Unterrindal unterwegs gewesen zu sein. Er
anerkennt zudem eine Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50
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km/h – jedoch nur um 24 km/h (act. 1, III, Ziff. 3; act. 11, III, Ziff. 3). Der Rechtsvertreter
des Rekurrenten macht geltend, im Strafverfahren habe sich herausgestellt, dass die
verwendete Lasermessanlage vor der Messung beschädigt und danach weder repariert
noch geeicht worden sei. An der Genauigkeit und Korrektheit der Messung vom 1.
Oktober 2015 bestünden erhebliche Zweifel. Deshalb müsse zumindest mit einer
höheren Toleranzmarge gerechnet werden (act. 1, III, Ziff. 1 und 2; act. 11, III, Ziff. 1
und 2). Dieselben Argumente brachte der Rechtsvertreter des Rekurrenten bereits im
Strafverfahren vor. Dies veranlasste das Untersuchungsamt Gossau, Abklärungen bei
dem Eidgenössischen Institut für Metrologie (METAS) zu tätigen. Letzteres kam im
Wesentlichen zum Schluss, dass die vorgängige Beschädigung und Reinigung des
Messgerätes auf die korrekte Geschwindigkeitsmessung keinen Einfluss gehabt habe.
Zudem stellte es fest, dass bei vermuteten Mängeln eine Anpassung des
Sicherheitsabzuges nicht gesetzeskonform sei. In einem solchen Fall bliebe nur, die
möglichen Einflüsse quantitativ fachmännisch zu eruieren und entsprechend das
Messergebnis zu korrigieren, dass kein Messwert zur Anwendung gelange, der höher
sei als die mindestens gefahrene Geschwindigkeit, oder allenfalls die Messung zu
annullieren. Falls der Rekurrent überzeugt sei, sich verkehrsregelkonform verhalten zu
haben, könne eine mögliche Fehlmessung – aus welchen Gründen auch immer –
anhand der Bilddokumentation nachträglich festgestellt werden. Dies bedinge jedoch
ein umfassendes fachtechnisches Gutachten (act. 4, S. 46 ff.). Der Rechtsvertreter des
Rekurrenten zog daraufhin die Einsprache gegen den Strafbefehl vom 30. Dezember
2015 am 8. November 2016 zurück. Den Einwänden des Rekurrenten wurde im
Strafverfahren nachgegangen. Dass es zu keinen weiteren Abklärungen kam, war Folge
des Einspracherückzugs, was sich der Rekurrent auch im
Administrativmassnahmeverfahren entgegenhalten lassen muss. Die Ausführungen des
METAS zur Verbindlichkeit der festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitung sind
überzeugend. Mit dem Einspracherückzug im Strafverfahren anerkennt der Rekurrent
den von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalt – mithin auch die Einschätzung des
METAS, wonach die Geschwindigkeitsmessung am 1. Oktober 2015 korrekt erfolgte
und die Überschreitung 25 km/h betrug. Es geht nicht an, dass der Sachverhalt
nachträglich im Rahmen des Administrativmassnahmeverfahrens nochmals überprüft
wird. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung besteht darauf kein Anspruch
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(BGer 1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 E. 2). Entsprechend ist vom Sachverhalt
auszugehen, wie er im Strafverfahren festgestellt wurde.
c) Durch sein Verhalten setzte sich der Rekurrent über Art. 32 Abs. 2 SVG in
Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 und 2 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11,
abgekürzt: VRV), wonach unter günstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen
im ganzen dichtbebauten Gebiet der Ortschaft die allgemeine Höchstgeschwindigkeit
von 50 km/h gilt, hinweg. Die Geschwindigkeitsüberschreitung betrug nach Abzug der
Messtoleranz 25 km/h.
3.- Zu prüfen bleibt, ob dem Rekurrenten zu Recht eine schwere Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsregeln vorgeworfen wurde.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lehrfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Bestandteile einer schweren
Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
b) Die Vorinstanz stufte die Verkehrsregelverletzung – in Übereinstimmung mit dem
Schuldspruch im Strafbefehl des Untersuchungsamtes Gossau vom 30. Dezember
2015 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG – als
schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art. 16c
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Abs. 1 lit. a SVG ein. Zur Begründung führte sie aus, durch sein Verhalten habe der
Rekurrent eine grobe Verletzung von Verkehrsregeln begangen und dabei eine
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen. Der
Führerausweis müsse demnach entzogen werden.
c) Für Geschwindigkeitsüberschreitungen hat die Rechtsprechung im Interesse der
Rechtssicherheit genaue Limiten festgelegt, um besonders leichte, leichte,
mittelschwere und schwere Widerhandlungen voneinander abzugrenzen. Demnach
liegt unabhängig von den konkreten Umständen ein objektiv schwerer Fall im Sinn von
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG etwa dann vor, wenn die Geschwindigkeit jeweils mindestens
um 25 km/h innerorts, 30 km/h ausserorts oder 35 km/h auf einer Autobahn
überschritten wird (vgl. BGer 1C_335/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 2.2 mit Hinweis
auf 1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2). Nach dieser Rechtsprechung stellt eine
Geschwindigkeitsüberschreitung von 25 km/h, wie sie der Rekurrent am 1. Oktober
2015 im Innerortsbereich von Lütisburg beging, objektiv eine schwere Widerhandlung
dar.
Zwar trifft zu, dass die Geschwindigkeitsüberschreitung keine schwere Widerhandlung
gewesen wäre, wenn der Rekurrent 1 km/h weniger schnell gefahren wäre. In diesem
Fall läge eine mittelschwere Widerhandlung gemäss Art. 16b SVG vor, die er
anerkennen würde (act. 1, III, Ziff. 5; act. 11, III, Ziff. 5). Dies ändert indessen nichts
daran, dass er erheblich zu schnell unterwegs war. Fixe Grenzen sind für die
Kategorienbildung angesichts der Häufigkeit von Geschwindigkeitsüberschreitungen
unabdingbar. Der damit einhergehende Schematismus gewährleistet eine rechtsgleiche
Behandlung und ist deshalb hinzunehmen (BGE 133 II 331 E. 3.1, 132 II 234 E. 3).
Der Rechtsvertreter des Rekurrenten beruft sich in seinen Eingaben auf das Urteil des
Bundesgerichts 6B_165/2015 vom 1. Juni 2016 (act 1, IV, Ziff. 2; act. 11, IV, Ziff. 4).
Darin habe es grundsätzlich entschieden, dass nicht bei jeder um das in der fraglichen
Bestimmung festgelegte Mass überschrittenen Geschwindigkeit angenommen werden
dürfe, der Tatbestand erfüllt sei. Demzufolge lehne auch das Bundesgericht ein
schematisches Vorgehen im Strassenverkehr ab und berücksichtige die Umstände des
Einzelfalls. Bereits die Vorinstanz führte zu Recht aus, dass sich das zitierte Urteil auf
Art. 90 Abs. 3 SVG (sogenannter „Rasertatbestand“) beziehe. Das Bundesgericht
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änderte seine Rechtsprechung zu dem seit 2013 geltenden Rasertatbestand insofern,
als nicht jede Überschreitung des Tempolimits um das in der fraglichen Bestimmung
festgelegte Mass den Tatbestand zwingend erfülle. Zwar sei auch künftig davon
auszugehen, dass der Fahrzeuglenker beim Tempoexzess im Grundsatz die
subjektiven Tatbestandselemente der Widerhandlung verwirkliche und damit
vorsätzlich handle. Tatsächlich sei in Erwägung zu ziehen, dass das Erreichen der in
Art. 90 Abs. 4 SVG vorgesehenen Schwellenwerte im Allgemeinen die Unmöglichkeit in
sich berge, das grosse Risiko eines Unfalls im Falle eines Hindernisses oder eines
Verlusts der Fahrzeugbeherrschung zu vermeiden. Jedoch könne nicht ausgeschlossen
werden, dass gewisse Verhaltensweisen, die geeignet seien, die objektiven
Tatbestandselemente der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln zu erfüllen,
ohne indessen gleichzeitig auch einen Vorsatz zu umfassen. Das Gericht müsse einen
gewissen, sehr beschränkten Spielraum behalten, um in besonderen Konstellationen
die Erfüllung des subjektiven Tatbestandes bei der besonders krassen
Geschwindigkeitsüberschreitung im Sinne von Art. 90 Abs. 4 SVG auszuschliessen
(BGer 6B_165/2015 vom 1. Juni 2016 E. 11.2; Praxis 106 [2017] Nr. 42). Der
Ermessensspielraum des Richters beim Rasertatbestand bezieht sich folglich einzig auf
den subjektiven Tatbestand (vermuteter Vorsatz) – und nicht auf das Ausmass der
Geschwindigkeitsüberschreitung (objektiver Tatbestand). Eine schwere Widerhandlung
im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG kann im Gegensatz zum Rasertatbestand
jedoch auch fahrlässig begangen werden. Das zitierte Bundesgerichtsurteil ist deshalb
für den vorliegenden Fall nicht einschlägig.
d) Subjektiv erfordert eine schwere Verkehrsregelverletzung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a
SVG ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h.
ein schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens eine grobe
Fahrlässigkeit (BGE 131 IV 133 E. 3.2; Entscheid der Verwaltungsrekurskommission
IV-2010/113 vom 24. Februar 2011 E. 4b, im Internet abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Davon ist unter anderem auszugehen, wenn sich der Täter der
allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst war. Grobe
Fahrlässigkeit kann aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zog, also unbewusst fahrlässig
handelte (BGer 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 E. 5; BGE 130 IV 32 E. 5.1). In
solchen Fällen ist grobe Fahrlässigkeit zu bejahen, wenn das Nichtbedenken der
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Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruhte. Rücksichtslos
ist unter anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern.
Dieses kann auch in einem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung
fremder Inter-essen bestehen (BGE 131 IV 133 E. 3.2; BGer 6B_660/2009 vom
3. November 2009 E. 4.3). Grundsätzlich ist von einer objektiv groben Verletzung der
Verkehrsregeln auf ein zumindest grobfahrlässiges Verhalten zu schliessen. Die
Rücksichtslosigkeit ist ausnahmsweise zu verneinen, wenn besondere Umstände
vorliegen, die das Verhalten subjektiv in einem milderen Licht erscheinen lassen (BGer
6B_33/2015 vom 5. Mai 2015 E. 1.1).
Bei einer Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, die in objektiver
Hinsicht den Tatbestand von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erfüllt, geht das Bundesgericht
in konstanter Rechtsprechung davon aus, dass dem Lenker eine solche
Überschreitung nicht verborgen bleiben kann und sie zumindest auf grober
Fahrlässigkeit beruht, es sei denn, es bestehe eine Ausnahmesituation (vgl. BGer
1C_263/2011 vom 22. August 2011 E. 2.6 mit Hinweisen auf BGE 123 II 37 E. 1f und
1C_222/2008 vom 18. November 2008 E. 2.3). Eine solche Ausnahme wird nicht
geltend gemacht. Insbesondere wurde zu Recht nicht vorgebracht, der Rekurrent habe
sich fälschlicherweise nicht mehr im Innerortsbereich gewähnt. Vielmehr berief sich
dieser auf seine Ortskunde (act. 1, IV, Ziff. 5; act. 11, IV, Ziff. 2). Der Rekurrent musste
sich aufgrund des Ausmasses der Geschwindigkeitsüberschreitung bewusst gewesen
sein, dass er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h deutlich überschritten
hatte. Sein Verschulden ist demnach als schwer, mindestens als grobfahrlässig,
einzustufen. Eine schwere Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ist somit auch
in subjektiver Hinsicht zu bejahen. Namentlich trifft der Einwand des Rekurrenten,
wonach das Verschulden nicht schwer, sondern leicht bis maximal mittelschwer wiege,
nicht zu (act. 1, IV, Ziff. 5; act. 11, IV, Ziff. 3).
e) Es steht fest, dass der Rekurrent die signalisierte Höchstgeschwindigkeit innerorts
von 50 km/h um 25 km/h überschritt. Damit schuf er eine hohe Gefahr für andere
Verkehrsteilnehmer. Gleichzeitig ist ihm ein schweres Verschulden anzulasten. Es
handelt sich somit um eine schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG.
Ob der Rekurrent besonders sanktionsempfindlich ist, spielt für die Frage der
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Verwirklichung des Tatbestandes gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG keine Rolle. Dieser
Umstand ist erst bei der Bemessung der Massnahmendauer zu berücksichtigen.
4.- Der dargelegte Schematismus bei Geschwindigkeitsüberschreitungen dispensiert
die rechtsanwendenden Behörden nicht von jeglicher Berücksichtigung der konkreten
Umstände des Einzelfalls. So sind bei der Festsetzung der Dauer des
Führerausweisentzuges gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen, zu berücksichtigen (Philippe
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St.Gallen 2015, Art. 16c
SVG N 8). Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Nach
einer schweren Widerhandlung wird der Führer-ausweis für mindestens drei Monate
entzogen (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG). Ein Entzug von mindestens sechs Monaten ist
nach einer schweren Widerhandlung vorgesehen, wenn in den vorangegangenen fünf
Jahren der Ausweis einmal wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen war
(Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG).
Der Rechtsvertreter des Rekurrenten macht geltend, die Verkehrssicherheit sei
vorliegend keinesfalls schwer gefährdet gewesen, da zum Tatzeitpunkt auf dem
entsprechenden Streckenabschnitt kein Verkehr geherrscht habe. Ferner sei die
Geschwindigkeit auf einer geraden Strecke gemessen worden und die Sicht sei klar
und nicht eingeschränkt gewesen. Zudem sei der Rekurrent ortskundig – er habe
genau gewusst, dass sich auf dem Streckenabschnitt kaum Wohnhäuser befänden
(act. 1, IV, Ziff. 5; act. 11, IV, Ziff. 2). Weiter hält der Rechtsvertreter des Rekurrenten
fest, sein Mandant sei als Garagist im höchsten Mass auf seinen Führerausweis
angewiesen. Ein Führerausweisentzug von über vier Monaten sei für ihn, sein Geschäft
und die zehn Mitarbeitenden sehr einschneidend (act. 1, IV, Ziff. 5; act. 11, IV, Ziff. 4).
Schliesslich habe sich der Rekurrent seit dem letzten Führerausweisentzug nicht mehr
strafbar gemacht, obwohl er täglich grosse Distanzen im Strassenverkehr zurücklege
(act. 1, IV, Ziff. 5, act. 11, IV, Ziff. 3).
Gestützt auf Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG setzte die Vorinstanz die Dauer der Massnahme
auf sechs Monate fest, da der Führerausweis dem Rekurrenten aufgrund einer
mittelschweren Widerhandlung bereits vom 31. Oktober bis 30. November 2013 für
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einen Monat entzogen war (act. 2/2). Das Gesetz schliesst eine Unterschreitung dieser
Mindestentzugsdauer aus (Art. 16 Abs. 3 SVG). Daher kann die vom Rechtsvertreter
des Rekurrenten geltend gemachte Ortskunde sowie das niedrige Verkehrsaufkommen
nicht berücksichtigt werden. Die vorgebrachte berufliche Angewiesenheit auf den
Führerausweis kann sich aus demselben Grund nicht massnahmemindernd auswirken
(vgl. BGE 132 II 234 E. 3.2 für einen selbständig erwerbenden Taxichauffeur). Auch die
seit dem Vorfall vom 15. August 2015 verstrichene Zeit vermag eine Unterschreitung
der Mindestentzugsdauer nicht zu rechtfertigen (vgl. BGer 1C_309/2014 vom
21. Januar 2015 E. 4.2). Die angefochtene Verfügung ist dementsprechend auch
hinsichtlich der Dauer von sechs Monaten nicht zu beanstanden. Der Rekurs ist folglich
abzuweisen.
5.- Die Vorinstanz ordnete in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung an, dass der
Rekurrent den Führerausweis und allfällig vorhandene weitere Ausweise bis spätestens
am 16. März 2017 abzugeben habe. Hierbei handelt es sich um eine
vollstreckungsrechtliche Anordnung, die separat verfügt werden müsste. Darauf ist
nicht weiter einzugehen, denn der Abgabetermin (16. März 2017) ist bereits vorüber,
weshalb besagte Anordnung zufolge Gegenstandslosigkeit aufzuheben ist. Im
Urteilszeitpunkt waren bereits vier Monate vollzogen. Es bleiben damit noch zwei
Monate Restvollzug übrig. Die Vorinstanz wird einen neuen Abgabetermin festlegen
müssen. Allerdings hätte Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung aufgehoben werden
müssen, wenn die Abgabefrist nicht bereits abgelaufen wäre. Dies ist bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.
6.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Sie sind dem Rekurrenten
zu vier Fünfteln und dem Staat zu einem Fünftel aufzuerlegen. Denn einerseits
unterliegt der Rekurrent in der Hauptsache und andererseits hat die Vorinstanz die
materielle Verfügung (Führerausweisentzug) in unzulässiger Weise mit einer
Vollzugsanordnung (Abgabetermin des Ausweises) kombiniert. Eine Entscheidgebühr
von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung [sGS 941.12])
erscheint angemessen. Der Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.– ist mit dem Kostenanteil
des Rekurrenten in der Höhe von Fr. 960.– zu verrechnen. Der Rest des
Kostenvorschusses von Fr. 240.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
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Bei diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen
(Art. 98 VRP).