Decision ID: cfe2dcef-6744-480b-bb22-3b0141f08986
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besass den Führerausweis der Kategorie B auf Probe seit dem 14. Januar 2008.
Nachdem er am 20. März 2009 in C einen Personenwagen alkoholisiert (mindestens
0,74 Promille) gelenkt hatte, wurde er deswegen am 17. August 2009 vom
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen verwarnt. Am 28.
Dezember 2010 beging er eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, indem er wegen nicht angepasster Geschwindigkeit
einen Selbstunfall verursachte. Am 14. Januar 2011 wurde dem Rekurrenten der
unbefristete Führerausweis ausgehändigt. Das Strassenverkehrsamt verfügte daraufhin
am 11. März 2011 einen Führerausweisentzug von einem Monat, der auf Gesuch von X
hin vom 30. Juni bis 29. Juli 2011 vollzogen wurde. Gleichzeitig wurde der unbefristete
Führerausweis wieder eingezogen und nach Ablauf der Entzugsdauer durch einen
neuen Führerausweis auf Probe ersetzt. Zudem wurde die Probezeit ab Wiedererteilung
des Führerausweises auf Probe um ein Jahr verlängert.
B.- Am Dienstag, 26. Juni 2012, um ca. 16.50 Uhr, lenkte X einen mit Splitt beladenen
Kleinlastwagen in A in Richtung B. In einem Kreisverkehr öffnete sich die hintere, nicht
korrekt gesicherte Ladeklappe, weshalb Splitt auf die Strasse fiel. X bemerkte dies,
räumte den Splitt aber nicht weg. Rund drei Stunden später kam im nämlichen Kreisel
ein Motorradfahrer zu Fall, weshalb gegen X ein Strafverfahren wegen fahrlässiger
Körperverletzung und Verletzung von Verkehrsregeln eingeleitet wurde.
C.- Aufgrund dieses Vorfalls eröffnete das Strassenverkehrsamt ein
Administrativmassnahmeverfahren und entzog X den Führerausweis mit Verfügung
vom 12. September 2012 vorsorglich. Am 18. Oktober 2012 verfügte das
Strassenverkehrsamt die Annullierung des Führerausweises auf Probe und entzog
einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung. Die
Administrativmassnahmebehörde ging davon aus, dass das Verschulden von X nicht
mehr als leicht eingestuft werden könne, zudem sei auch die Gefährdung der übrigen
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Verkehrsteilnehmer nicht leicht gewesen. Vielmehr liege eine mittelschwere
Widerhandlung vor.
D.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 18. Oktober 2012 erhob X mit
Eingabe seines Rechtsvertreters vom 31. Oktober 2012 und Ergänzung vom 30.
November 2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung, das Absehen von der Annullierung des
Führerausweises auf Probe und die unverzügliche Aushändigung des unbefristeten
Führerausweises. Ferner sei dem Rekurs die aufschiebende Wirkung zu erteilen; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit Vernehmlassung vom 17. Dezember 2012
beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses. Auf die Ausführungen der

Beteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
E.- Mit verfahrensleitender Verfügung vom 16. Juli 2013 sistierte der
Abteilungspräsident das Rekursverfahren bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen
Strafentscheids. Am 3. Februar 2014 verfügte die Staatsanwaltschaft Y die Einstellung
des Strafverfahrens wegen fahrlässiger Körperverletzung. Mit Strafbefehl des
Statthalteramtes Z vom 3. März 2014 wurde X wegen des Vorfalls vom 26. Juni 2012
der ungenügenden Sicherung der Ladung sowie des Verschmutzens der Fahrbahn
schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Der Strafbefehl
erwuchs unangefochten in Rechtskraft. In der Folge wurde die Sistierung des
Rekursverfahrens aufgehoben. Der Rekurrent teilte mit Schreiben vom 7. Mai 2014 mit,
dass er am Rekurs festhalte.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 31. Oktober 2012 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 30. November 2012 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
bis
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2.- Strittig ist, ob die aktuelle Widerhandlung des Rekurrenten gegen die
Strassenverkehrsvorschriften gestützt auf Art. 15a Abs. 4 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) zum Verfall des
Führerausweises auf Probe führt.
a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, der Vorfall vom 26. Juni 2012 stelle
einen besonders leichten Fall im Sinn von Art. 16a Abs. 4 SVG dar. Es treffe zwar zu,
dass er im Kreisel Splitt verloren habe. Da er jedoch vor der Fahrt nicht bemerkt habe,
dass der untere Ladehebel eventuell nicht richtig verschlossen sein könnte, sei er nicht
in Kenntnis einer ungenügenden Ladesicherung gefahren. Zu seinen Gunsten müsse
vielmehr davon ausgegangen werden, dass der Ladehebel zu Beginn der Fahrt
geschlossen gewesen sei und sich aufgrund der Motorenvibration gelöst habe. Die
verlorene Splittmenge sei sehr gering gewesen. Es sei zudem nicht nachgewiesen,
dass der Splitt auf der Strasse kausal für den Unfall des Motorradfahrers gewesen sei.
Allein schon die Tatsache, dass sich auf dem stark befahrenen Kreisel während rund
drei Stunden kein weiterer Unfall ereignet habe, zeige dies. Der Motorradfahrer habe
gemäss eigenen Angaben den Splitt auf der Fahrbahn bemerkt und sei sehr langsam
unterwegs gewesen. Dass er trotzdem gestürzt sei, liege offensichtlich an seinem
eigenen Fehlverhalten. Es werde bestritten, dass es genau an jener Stelle, wo sich der
Sturz ereignet habe, Splitt gehabt habe. Von einem Entfernen vom Ereignisort könne
sodann keine Rede sein. Der Rekurrent habe, als er den Verlust bemerkt habe, sofort
reagiert. Er habe seinen Vorgesetzten über den Vorfall informiert. Alleine wäre er gar
nicht in der Lage gewesen, den Splitt von der Fahrbahn zu entfernen. Nach
Begutachtung der Situation vor Ort habe der Vorgesetzte entschieden, dass keine
weiteren Massnahmen zu ergreifen seien. Letzterer habe auch gesagt, dass am
fraglichen Ort bereits Baustellensignale vorhanden seien. Dem Rekurrenten könne
deshalb nicht vorgeworfen werden, er habe sich nach dem Unfall nicht korrekt
verhalten. Bei einer besonders leichten Widerhandlung sei gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG
auf jegliche Massnahme zu verzichten.
Der Rekurrent bringt weiter vor, selbst wenn kein besonders leichter Fall vorliege, sei
von einer Annullierung des Führerausweises abzusehen. Der erste Entzug des
Führerausweises sei weder während der laufenden Probezeit erfolgt noch habe er über
die Probezeit hinaus gedauert. Die dreijährige Probezeit sei am 13. Januar 2011
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abgelaufen, worauf ihm am 14. Januar 2011 der unbefristete Führerausweis
ausgehändigt worden sei. Eine Administrativmassnahme als Folge des Verkehrsdelikts
vom 28. Dezember 2010 sei von der Vorinstanz erstmals mit Schreiben vom
17. Februar 2011 in Aussicht gestellt worden. Bei dieser Konstellation könne die
Verlängerung der Probezeit gestützt auf Art. 15a Abs. 3 Satz 1 SVG überhaupt nicht zur
Anwendung gelangen. Der Rekurrent sei im Zeitpunkt des Entzugs nicht mehr "Inhaber
des Führerausweises auf Probe" gewesen. Die Verlängerung der Probezeit durch die
Vorinstanz sei daher gesetzeswidrig und nichtig gewesen. Hinzu komme, dass eine
Verlängerung der Probezeit um ein Jahr am 14. Januar 2011 hätte zu laufen beginnen
müssen. Art. 15a Abs. 3 Satz 2 SVG, wonach die Verlängerung der Probezeit mit der
Rückgabe des Führerausweises beginne, wenn der Entzug über die Probezeit hinaus
dauere, könne nach seinem unzweideutigen Wortlaut nicht angewendet werden.
Folglich sei die Probezeitverlängerung am 13. Januar 2012 abgelaufen und der Vorfall
vom 26. Juni 2012 habe sich nicht während der Probezeit ereignet. Zudem wäre ohne
damaliges Vollzugsaufschubsgesuch des Rekurrenten das Verlängerungsjahr
spätestens im April 2012 abgelaufen gewesen. Es könne nicht sein, dass der Rekurrent
nur deshalb schlechter gestellt werde, weil er damals wegen seiner beruflichen
Angewiesenheit ein Gesuch um Verschiebung des Vollzugs gestellt habe. Nach dem
Willen des Gesetzgebers dürfe die Bewährungsfrist mitsamt der gesetzlich
vorgesehenen Verlängerung insgesamt maximal vier Jahre dauern.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, der Rekurrent habe im Kreisel eine nicht
unerhebliche Menge Splitt verloren. Ein Motorradfahrer sei dadurch zu Fall gekommen
und habe sich verletzt. Aufgrund des Verschuldens und der Gefährdung sei von einem
mittelschweren Fall auszugehen, der einen Ausweisentzug von mindestens einem
Monat zur Folge habe. Da es sich um die zweite Widerhandlung, die zum Entzug des
Ausweises führe, handle, verfalle der Führerausweis auf Probe. Der Verzeigungsrapport
bezüglich des Vorfalls vom 28. Dezember 2010 sei bei ihr am 20. Januar 2011
eingegangen. Damals sei dem Rekurrenten der unbefristete Führerausweis bereits
ausgehändigt gewesen. Mit Verfügung vom 11. März 2011 sei ihm dieser folgerichtig
für einen Monat entzogen und danach durch einen Führerausweis auf Probe ersetzt
werden. Die um ein Jahr verlängerte Probezeit beginne mit der Rückgabe des
Ausweises und habe am 30. Juli 2012 geendet.
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b) Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird
zunächst mit einer Probezeit von drei Jahren erteilt (vgl. Art. 15a Abs. 1 SVG). Wird
dem Inhaber der Ausweis auf Probe wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die
Probezeit um ein Jahr verlängert. Dauert der Entzug über die Probezeit hinaus, so
beginnt die Verlängerung mit der Rückgabe des Führerausweises (Art. 15a Abs. 3
SVG). Der Führerausweis auf Probe verfällt gemäss Art. 15a Abs. 4 SVG mit der
zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des Ausweises führt. Die Bestimmung
bezweckt, Neulenker, welche noch nicht über die nötige Reife zum sicheren und
verkehrsregelkonformen Führen eines Personenwagens verfügen, vom Strassenverkehr
einstweilen fernzuhalten. Nach dem klaren Wortlaut der Bestimmung verfällt der
Führerausweis auf Probe mit der zweiten zu einem Entzug führenden Widerhandlung
und damit unabhängig von deren Schwere. Er verfällt deshalb auch dann, wenn es sich
beim zweiten Fall um eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a SVG handelt, die
unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände, insbesondere der Vorgeschichte
des Lenkers, den Entzug des Führerausweises nach sich ziehen würde (vgl. BGE
136 I 345, E. 6.1).
Gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Die leichte Widerhandlung zieht eine
Verwarnung oder den Entzug des Führerausweises nach sich (vgl. Art. 16a
Abs. 2 und 3 SVG). In besonders leichten Fällen wird gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG auf
jegliche Massnahme verzichtet. Ein besonders leichter Fall liegt dann vor, wenn die
Verletzung von Verkehrsregeln eine besonders geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer geschaffen hat und den fehlbaren Fahrzeuglenker dafür nur ein besonders
leichtes Verschulden trifft (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.52/2005 vom 2. Dezember
2005, E. 2.2.3; Philippe Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St.
Gallen 2011, N 22 zu Art. 16a). Die Auslegung des besonders leichten Falls orientiert
sich an den Verkehrsregelverletzungen, die nach dem Ordnungsbussengesetz erledigt
werden und ebenfalls keine Administrativmassnahmen nach sich ziehen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_406/2010 vom 29. November 2010 E. 4.2). Die gesetzliche
Obergrenze für Ordnungsbussen liegt bei 300 Franken (Art. 1 Abs. 2 des
Ordnungsbussengesetzes, SR 741.03).
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Nach Art. 29 SVG dürfen Fahrzeuge nur in betriebssicherem und vorschriftsgemässem
Zustand verkehren. Fahrzeuge dürfen nach Art. 30 Abs. 2 SVG nicht überladen werden.
Die Ladung ist so anzubringen, dass sie niemanden gefährdet oder belästigt und nicht
herunterfallen kann. Aus dieser Bestimmung werden in der Rechtsprechung mit Blick
auf die Dichte des Verkehrs und die Häufung der Zwischenfälle und Unfälle jeder Art
und Schwere relativ strenge Anforderungen abgeleitet. Art. 57 Abs. 1 der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) verpflichtet den Führer, sich zu
vergewissern, dass Fahrzeug und Ladung in vorschriftsgemässem Zustand sind. Weil
der Fahrzeugführer die oben genannten Möglichkeiten in Betracht zu ziehen hat, muss
er auch die entsprechenden Massnahmen treffen. Die Fahrzeugführer haben jede
Verschmutzung der Fahrbahn zu vermeiden. Bevor ein Fahrzeug Baustellen, Gruben
oder Äcker verlässt, sind die Räder zu reinigen. Ist eine Fahrbahn beschmutzt worden,
so ist für die Warnung der anderen Strassenbenützer und möglichst bald für die
Reinigung zu sorgen (Art. 59 Abs. 1 VRV).
Nach konstanter Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den feststehenden
Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf
den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, namentlich die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat. Anders verhält es sich bei der rechtlichen
Würdigung des Sachverhalts. Diesbezüglich ist die Verwaltungsbehörde grundsätzlich
nicht an den Strafentscheid gebunden, es sei denn, die rechtliche Würdigung hänge
sehr stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die das Strafgericht besser kennt als
die Verwaltungsbehörde, etwa wenn der Beschuldigte im Strafverfahren persönlich
einvernommen wurde, was im vorliegenden Fall nicht zutrifft (vgl. BGE 124 II 103 E. 1c).
c) Der Rekurrent bestreitet in tatsächlicher Hinsicht nicht, die Ladung nicht genügend
gesichert zu haben. Mit Strafbefehl vom 3. März 2014 wurde er denn auch wegen
ungenügender Sicherung der Ladung und Verschmutzen der Fahrbahn in Anwendung
von Art. 90 Abs. 1 SVG zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Zum Sachverhalt wurde
ausgeführt, dass der Rekurrent es vor Antritt der Fahrt unterlassen habe, die hintere
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Ladeklappe korrekt zu sichern bzw. die korrekte Sicherung zu überprüfen, sodass
geladener Splitt (ca. eine Ladenlänge bzw. "Garette") auf die Fahrbahn gelangt sei und
diese verschmutzt habe, ohne dass der Rekurrent anschliessend für die Warnung der
anderen Strassenbenützer oder für baldmöglichste Reinigung der Fahrbahn gesorgt
habe (act. 25/1). Von diesem Sachverhalt ist in tatsächlicher Hinsicht auszugehen.
Dass das Statthalteramt das Verschulden und die Gefahr für die Sicherheit anderer als
nur sehr geringfügig einschätzte, geht aus dem Strafbefehl nicht hervor. Auch die
Bussenhöhe von Fr. 300.– und die Anwendung von Art. 90 Abs. 1 SVG führen nicht
zwingend zu diesem Schluss. Eine Verurteilung nach Art. 90 Abs. 1 SVG umfasst
sowohl den besonders leichten, den leichten als auch den mittelschweren Fall. Der
Rekurrent macht geltend, er habe nicht bemerkt, dass der untere Ladehebel eventuell
nicht korrekt verschlossen gewesen sei. Es sei davon auszugehen, dass der Hebel zu
Beginn der Fahrt verschlossen gewesen sei und sich während der Fahrt infolge der
Motorenvibration gelöst habe. Dem Polizeirapport vom 28. August 2012 ist zu
entnehmen, dass der Rekurrent am Tag des Vorfalls aussagte, er habe vor der Fahrt
nicht überprüft, ob die hintere Klappe mit dem Sicherungshebel verschlossen gewesen
sei (act. 11/9). Bei der Einvernahme vom 28. Januar 2013 behauptete er hingegen, er
habe alle Hebel, auch den unteren, kontrolliert. Er habe angenommen, dass dieser
Hebel geschlossen sei (act. 18, S. 4). Gleichzeitig sagte er aber auch, es sei nicht das
erste Mal gewesen, dass dieser Hebel aufgegangen sei. Bereits eine Woche vorher
habe er sich während der Fahrt geöffnet. Er habe dem Polier, der damals gefahren sei,
nachher beim Aufräumen helfen müssen. Er habe noch gesehen, wie der Polier die
hintere Klappe mit dem unteren Hebel wieder geschlossen habe. Damals habe er aber
noch nicht gewusst, dass man derart fest zudrücken müsse, um sicher zu sein, dass
der Hebel wirklich geschlossen sei (act. 18, S. 4 f.). Der Wahrheitsgehalt von zeitnah
zum Geschehen gemachten Aussagen ist erfahrungsgemäss höher als jener späterer
Angaben. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Rekurrent den unteren Hebel vor
der Fahrt nicht ordnungsgemäss prüfte. Hinzu kommt, dass er um die entsprechende
Problematik beim fraglichen Fahrzeug wusste. Es war ihm bekannt, dass sich die
Klappe bereits eine Woche vorher während einer Fahrt geöffnet hatte. Umso mehr
hätte er vor der Abfahrt die Sicherung der Splittladung vollständig und umfassend
prüfen müssen. Einen Nachweis dafür, dass sich die Klappe aufgrund der
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Motorenvibration geöffnet hat, gibt es zudem nicht; vielmehr erscheint dies als
Schutzbehauptung. Es liegt daher kein besonders leichtes Verschulden vor.
Desweiteren hat es der Rekurrent unterlassen, nach dem Verlust der Ladung die
übrigen Verkehrsteilnehmer vor der Verschmutzung der Fahrbahn zu warnen und die
Strasse umgehend zu reinigen. Entgegen der Ansicht des Rekurrenten genügte es
nicht, den Vorgesetzten zu verständigen und sich auf dessen Beurteilung, es müssten
keine weiteren Massnahmen ergriffen werden, zu verlassen. Als Fahrzeugführer,
welcher die Verschmutzung verursacht hat, war der Rekurrent für die Warnung und die
rasche Beseitigung zuständig. Wenn er dazu allein nicht in der Lage war und der
Vorgesetzte nicht mithalf, hätte er den Strassenunterhaltsdienst oder die Polizei
verständigen müssen. Der Rekurrent durfte sich auch nicht auf die unzutreffende
Aussage des Vorgesetzten verlassen, es seien bereits Baustellensignale vorhanden.
Zudem ist fraglich, ob eine Warnung mittels Baustellensignal ausreichend gewesen
wäre. Treffender wäre sicher das Gefahrensignal für Rollsplit gewesen. Auch bezüglich
der Verletzung von Art. 59 Abs. 1 VRV (Schutz der Fahrbahn) erweist sich das
Verschulden des Rekurrenten deshalb nicht als besonders leicht.
Die Gefahr für die Sicherheit anderer war ebenfalls nicht besonders gering. Gestützt auf
die eigenen Angaben des Rekurrenten, der von einer verlorenen Menge von zwei bis
drei Schaufeln Splitt (act. 11/9) bzw. von einer Ladenlänge, vielleicht eine "Garette",
sprach (act. 18, S. 5), die Aussagen einer Zeugin, wonach viel Kies bzw. richtige
Haufen von Kies auf der Strasse gelegen hätten, sodass sie sich veranlasst sah, die
Polizei zu informieren (act. 11/11), sowie die Beschreibung der Polizei, die eine
erhebliche Menge Splitt verteilt in kleinen Haufen feststellte und diese nach dem Unfall
des Motorradfahrers aus Sicherheitsgründen wegwischte (act. 11/8), handelte es sich
nicht um eine sehr geringe, vernachlässigbare Menge. Der Rekurrent war sich der
durch den Splitt auf der Fahrbahn verursachten Gefährdung für andere
Verkehrsteilnehmer offenbar auch bewusst. Ansonsten wäre er wohl kaum mit dem
Vorgesetzten nochmals zum Kreisel zurückgekehrt. Auch wenn nicht erwiesen ist, dass
der Sturz des Motorradlenkers durch den Splitt auf der Fahrbahn verursacht wurde und
sich auch sonst kein konkreter Unfall ereignete, stellte die verschmutzte Fahrbahn eine
erhöhte abstrakte Gefährdung für die Sicherheit Dritter dar. Zu berücksichtigen ist
dabei auch, dass der Splitt nicht auf einer geraden übersichtlichen Strecke, sondern in
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einem Kreisel lag. Dementsprechend ist kein besonders leichter Fall gemäss Art. 16a
Abs. 4 SVG gegeben.
d) Die in Art. 15a Abs. 3 SVG geregelte Verlängerung der Probezeit als Folge einer
Widerhandlung, die zum Entzug des Ausweises führt, wird in Art. 35 der Verordnung
über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51,
abgekürzt: VZV) präzisiert. Demnach wird ein neuer Führerausweis auf Probe
ausgestellt, wenn der Inhaber eines solchen eine Widerhandlung begeht, die zum
Entzug des Führerausweises führt, und wenn dieser Entzug während der Probezeit
endet. Die neue Probezeit endet ein Jahr nach dem Ablaufdatum des entzogenen
Führerausweises auf Probe (Art. 35 Abs. 1 VZV). Endet der Ausweisentzug nach der
Probezeit, wird ein neuer Führerausweis auf Probe ausgestellt. Die neue Probezeit
endet ein Jahr nach seinem Ausstellungsdatum (Art. 35 Abs. 2 VZV). Entscheidend für
die Verlängerung der Probezeit ist folglich, dass eine entsprechende Widerhandlung
während laufender Probezeit begangen wird, und nicht, ob der Betroffene im Zeitpunkt
des Entzugs Inhaber des Führerausweises auf Probe ist. Als der Rekurrent am
28. Dezember 2010 einen Selbstunfall verursachte, war er noch Inhaber des
Führerausweises auf Probe und hat damit während laufender Probezeit eine
Widerhandlung begangen, die zum Entzug des Führerausweises führte. Die gesetzlich
zwingende Folge davon war eine Verlängerung der Probezeit. Daran änderte die
Tatsache, dass dem Rekurrenten am 14. Januar 2011 der unbefristete Führerausweis
ausgehändigt worden war, nichts. In jenem Zeitpunkt hatte die Vorinstanz noch gar
keine Kenntnis vom Vorfall vom 28. Dezember 2010. Von Nichtigkeit jener Verfügung
kann daher nicht die Rede sein. Hinzu kommt, dass der Rekurrent die Verfügung vom
11. März 2011, welche die Verlängerung der Probezeit zum Inhalt hatte, unangefochten
in Rechtskraft erwachsen liess. Gestützt auf Art. 35 Abs. 2 VZV begann die verlängerte
einjährige Probezeit nach Ablauf des einmonatigen Ausweisentzugs mit der Ausstellung
des neuen Führerausweises auf Probe zu laufen. Als Folge des vom Rekurrenten
gestellten Gesuchs um Vollzugsaufschub dauerte der einmonatige Entzug vom 30. Juni
bis 29. Juli 2011, womit die Probezeitverlängerung von einem Jahr am 30. Juli 2011
begann. Darauf war der Rekurrent in der Verfügung vom 11. März 2011 denn auch
ausdrücklich hingewiesen worden (act. 11/56). Entgegen den Ausführungen im Rekurs
hat die Probezeit nicht mehr als vier Jahre gedauert (14. Januar 2008 bis 13. Januar
2011 und 30. Juli 2011 bis 29. Juli 2012). Nicht zu verhindern und vom Gesetzgeber
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bewusst gewollt ist, dass in Konstellationen wie dieser der Zeitraum von der Erteilung
des Führerausweises auf Probe (14. Januar 2008) bis zum Ablauf der (verlängerten)
Probezeit (29. Juli 2012) mehr als vier Jahre dauert. Ein Widerspruch zu Art. 15a Abs. 3
Satz 2 SVG ist nicht ersichtlich. Das Administrativmassnahmerecht geht davon aus,
dass der Ausweisentzug selbst und nicht bereits dessen Verfügung die Besserung des
Fahrzeugführers bewirkt. Folgerichtig kann die Verlängerung der Probezeit erst nach
Ablauf des Entzugs zu laufen beginnen.
e) Da der Führerausweis dem Rekurrenten innerhalb der vorangegangenen zwei Jahre
bereits einmal entzogen worden war, führt bereits eine leichte Widerhandlung erneut zu
einem Führerausweisentzug (Art. 16a Abs. 2 SVG); zumindest um eine solche handelt
es sich bei der Widerhandlung vom 26. Juni 2012. Mit der zweiten Widerhandlung, die
zum Entzug des Ausweises führt, verfällt der Führerausweis auf Probe (Art. 15a Abs. 4
SVG). Dementsprechend hat die Vorinstanz zu Recht die Annullierung des
Führerausweises auf Probe verfügt. Der Rekurs ist folglich abzuweisen. Mit dem
Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um aufschiebende Wirkung
gegenstandslos geworden.
4.- Da seit der Begehung der Widerhandlung am 26. Juni 2012 bereits mehr als ein
Jahr verstrichen ist, kann dem Rekurrenten bei Vorlage eines positiv lautenden
verkehrspsychologischen Gutachtens ein neuer Lernfahrausweis ausgestellt werden
(Art. 15a Abs. 5 SVG). Nach erneutem Bestehen der Führerprüfung wird dann ein neuer
Führerausweis auf Probe erteilt werden (Art. 15a Abs. 6 SVG).
5.- Mit der Annullierung des Führerausweises auf Probe soll sichergestellt werden,
dass der Rekurrent ohne Nachweis seiner Fahrfähigkeit zum Schutz der Sicherheit der
übrigen Verkehrsteilnehmer keine Motorfahrzeuge lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet,
würde ihm der Führerausweis während eines Beschwerdeverfahrens wiedererteilt.
Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende
Wirkung zu entziehen (Art. 64 i.V.m. Art. 51 VRP).
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
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angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen
(Art. 98 VRP).