Decision ID: e7a4904f-354a-4f98-8f03-875279b0539b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 11. Januar 1984 als
Geschäftsführer der B._ GmbH tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Mit Bagatellunfallmeldung
UVG vom 24. Oktober 2019 meldete der Versicherte, er habe sich am 11. Juli 2019
beim Grastrimmen eine Zerrung an der linken Schulter zugezogen (Suva-act. 1).
A.a.
Zur Erstbehandlung hatte sich der Versicherte am 15. Oktober 2019 zu Dr. med.
C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, begeben (Suva-act. 9), welcher den
Versicherten an Dr. med. D._, Stv. Chefarzt Chirurgie, Departement Orthopädie,
Spital E._, überwies (Suva-act. 2). Am 30. Oktober 2019 wurde eine Arthro-MRI-
Untersuchung durchgeführt (Suva-act. 4). Am 15. Januar 2020 führte Dr. D._ beim
Versicherten bei diagnostizierter SLAP-Läsion II und Supraspinatussehnenruptur an der
linken Schulter eine Schulterarthroskopie mit Supraspinatussehnennaht (Speed-Fix)
und subpectoraler Tenodese der langen Bicepssehne durch (Suva-act. 42).
A.b.
Nach diversen Abklärungen (vgl. zum Ganzen den Sachverhalt in UV 2020/26)
lehnte die Suva mit Verfügung vom 17. Januar 2020 die Ausrichtung von
Versicherungsleistungen ab, da weder ein Unfall noch eine unfallähnliche
Körperschädigung vorliege (Suva-act. 25). Dagegen erhob der Versicherte am 21.
Januar 2020 Einsprache (Suva-act. 31), welche die Suva mit Entscheid vom 9. April
2020 abwies (Suva-act. 35).
A.c.
Die gegen den Einspracheentscheid vom 9. April 2020 erhobene Beschwerde
wurde mit Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. Februar
A.d.
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B.
Die gegen diese Verfügung vom Versicherten am 23. August 2021 erhobene
Einsprache (Suva-act. 93) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 20. Oktober
2021 ab (Suva-act. 97).
2021 (UV 2020/26) teilweise gutgeheissen, der Einspracheentscheid vom 9. April 2020
aufgehoben und die Streitsache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen im Sinne
der Erwägungen und anschliessend neuer Verfügung an die Suva zurückgewiesen. Das
Versicherungsgericht kam zum Schluss, dass das Ereignis vom 11. Juli 2019 den
Unfallbegriff erfülle und bezüglich der kreisärztlichen Beurteilungen Zweifel an der
Zuverlässigkeit bestehen würden, weshalb es weiterer Abklärungen bedürfe (Suva-act.
55).
In der Folge veranlasste die Suva eine orthopädisch-chirurgische Begutachtung
bei Dr. med. F._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM (Suva-act. 63 ff.). Der
Versicherte wurde am 31. Mai 2021 untersucht und das Gutachten am 18. Juni 2021
erstellt (Suva-act. 77). Dr. F._ kam zum Schluss, dass die unmittelbar nach dem
Ereignis vom 11. Juli 2019 aufgetretenen Beschwerden (Schmerzen,
Bewegungseinschränkung und Krafteinbusse) durch den Unfall bedingt seien. Diese
Beschwerden seien aber nicht an das Vorhandensein einer strukturellen Schädigung
gekoppelt. Eine solche sei durch den Unfall auch nicht verursacht worden. Eine
richtungsgebende Verschlechterung eines degenerativen Vorzustands sei auch nicht
ausgewiesen. Spätestens mit dem Anfertigen des MRI am 30. Oktober 2019, gut drei
Monate nach dem Ereignis, sei der Status quo sine erreicht gewesen. Ab diesem
Zeitpunkt hätten die Unfallfolgen im Beschwerdebild überwiegend wahrscheinlich keine
Rolle mehr gespielt. Die Operation vom 15. Januar 2020 sei demnach ausschliesslich
wegen degenerativen Veränderungen durchgeführt worden (Suva-act. 79-44 ff.).
A.e.
Am 23. Juli 2021 liess sich der Versicherte zum Gutachten von Dr. F._
vernehmen und bemängelte verschiedenste Punkte (Suva-act. 82). Mit Verfügung vom
10. August 2021 schloss die Suva den Fall per 30. Oktober 2019 ab, stellte die
Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilkosten) ein und lehnte den Anspruch auf
weitere Versicherungsleistungen ab (Suva-act. 90).
A.f.
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C.

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die
Versicherungsleistungen, welche sie für die Folgen des Unfalls vom 11. Juli 2019
erbracht hatte, per 30. Oktober 2019 eingestellt hat.
Gegen den Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2021 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) am 9. November 2021 Beschwerde mit dem Antrag,
die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, über den 30. Oktober
2019 hinaus die gesetzlichen Leistungen wie Heilbehandlung und Taggelder zu
erbringen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.a.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 18. November 2021 auf die
Einreichung einer umfassenden Beschwerdeantwort und verwies auf die Begründung
im Einspracheentscheid. Die Beschwerde sei unbegründet und deshalb ohne
Weiterungen abzuweisen (act. G 3).
C.b.
Am 7. Dezember 2021 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme
ein (act. G 5). Die Beschwerdegegnerin verzichtete wiederum auf eine umfassende
Erwiderung und erneuerte den Antrag auf Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
C.c.
Mit Schreiben vom 20. April 2022 ersuchte das Versicherungsgericht Dr. F._ um
eine Erläuterung des Gutachtens (act. G 9). Diese erging am 28. April 2022 (act. G 10)
und wurde den Parteien zur Kenntnis gebracht (act. G 11). Dazu reichte der
Beschwerdeführer am 13. Mai 2022 eine Stellungnahme ein (act. G 13).
C.d.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.e.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
1.1.
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bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in:
Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4.
Aufl. 2012, S. 53 ff.). Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, so entfällt die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst, sobald der Unfall nicht mehr die natürliche (und adäquate)
Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und
ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder
der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine) erreicht ist. Der Unfallversicherer muss
nicht den Nachweis unfallfremder Ursachen erbringen. Entscheidend ist allein, ob
unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2012,
8C_160/2012, E. 2 mit Hinweisen). Dabei können medizinische Erfahrungssätze
berücksichtigt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 11. November 2008,
8C_346/2008, E. 3.2.1; vgl. ferner Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG] vom 21. April 2006, U 494/05, E. 2.4.1).
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz
und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht
hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht
(BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine
Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast grundsätzlich nur
1.2.
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insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift indessen erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Für das gesamte
Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist
bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der Verwaltung bei externen
Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht
zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
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2.
Umstritten ist vorab die Unfallkausalität der mittels Operation vom 15. Januar 2020
behandelten SLAP-Läsion und Supraspinatussehnenruptur an der linken Schulter und
aufgrund dessen eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin über den 30. Oktober
2019 hinaus.
Die Beschwerdegegnerin veranlasste zur Klärung dieser Frage bei Dr. F._ eine
externe orthopädisch-chirurgische Beurteilung (Suva-act. 71). Dieser diagnostizierte in
seinem Gutachten vom 18. Juni 2021 aus unfallkausaler Sicht einen Status nach
Schulterdistorsion links (adominant) am 11. Juli 2019. Nicht unfallbedingt seien
degenerative Veränderungen an der linken Schulter (Teilläsion Supraspinatussehne,
Tendinose Supscapularissehne, SLAP-Läsion Typ I, Bizepstendinose, Chondromalazie
am Glenoid; Suva-act. 77-43). Betreffend Mechanismus führte Dr. F._ aus, dass das
Unfallereignis grundsätzlich geeignet gewesen sei, eine Schädigung an der
Supraspinatussehne herbeizuführen. Der Bewegungsablauf mit rein axialem Zug sei
aber nicht geeignet gewesen, eine mechanische Schädigung der Sehne des Musculus
subscapularis zu erzeugen. Der auf die linke Schulter wirkende axiale Zug habe
überwiegend wahrscheinlich auch keine Läsion der langen Bizepssehne oder
Zerreissung des Labrum-Komplexes erzeugen können, da das dabei geforderte
gleichzeitige Anheben einer schweren Last durch den Arm nicht gesichert vorgelegen
sei (Suva-act. 77-26). Bezüglich der MRI-Befunde vom 30. Oktober 2019 müsse
festgehalten werden, dass die auch drei bis vier Monate nach einem Unfall noch
typischerweise klassisch posttraumatischen Veränderungen wie Schlängelung der
rupturierten Sehne, Bone bruise-Veränderungen am Humeruskopf oder verbliebene
Sehnenstummel am Tuberculum majus nicht nachgewiesen seien. Dokumentiert seien
im MRI im Bereich der Supraspinatussehne (gelenkseitige Partialruptur/Rim-Rent-
Läsion, intratendinöse Veränderungen, zystoide Veränderungen am Tuberculum
majus), der Subscapularissehne (intratendinöse Veränderungen der kaudalen
Abschnitte, zystoide Veränderungen am Humeruskopf in Ansatznähe) sowie der langen
Bizepssehne (Tendinopathie) hingegen Veränderungen, welche als typische Zeichen
einer fortgeschrittenen Degeneration der Schulter zu qualifizieren seien. Solche
Veränderungen würden Monate bis Jahre brauchen, bis sie sich in dieser Ausprägung
zeigten. Somit hätten diese überwiegend wahrscheinlich nicht erst nach dem Ereignis
vom 11. Juli 2019 auftreten können (Suva-act. 77-35). Auch die festgehaltenen
intraoperativen Befunde gemäss Operationsbericht und Fotographien würden
ausschliesslich degenerativen Veränderungen entsprechen (Suva-act. 77-39). Vor dem
Ereignis vom 11. Juli 2019 habe der Beschwerdeführer überwiegend wahrscheinlich an
2.1.
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einem pathologischen Vorzustand an der linken adominanten Schulter gelitten, welcher
bis zu diesem Zeitpunkt asymptomatisch geblieben sei. Durch das Ereignis sei es nur
zu einer vorübergehenden Verschlechterung dieses Vorzustands gekommen, da frische
strukturelle Schädigungen im MRI nicht mehr hätten diagnostiziert werden können.
Somit könne davon ausgegangen werden, dass spätestens mit dem Anfertigen des
Arthro-MRI am 30. Oktober 2019 der Status quo sine nach heftiger Gelenks-Distorsion
ohne Nachweis frischer, struktureller Schädigungen erreicht gewesen sei. Demzufolge
habe der operative Eingriff vom 15. Januar 2020 der Behandlung unfallfremder,
degenerativer Pathologien gedient (Suva-act. 77-41).
Dr. F._ hat zur streitigen Frage der Unfallkausalität der Gesundheitsschäden im
linken Schultergelenk ausführlich Stellung genommen. Er würdigte den Vorzustand,
den Unfallmechanismus mit den sich dabei entwickelnden Kräften, die klinischen
Befunde nach dem Ereignis vom 11. Juli 2019 bis zur Operation vom 15. Januar 2020,
die Bildgebung sowie die intraoperativen Befunde umfassend. Er begründet seine
Schlussfolgerung, dass es gestützt darauf infolge des Ereignisses vom 11. Juli 2019
überwiegend wahrscheinlich lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung
vorbestehender Pathologien im linken Schultergelenk nach heftiger Distorsion und zu
keiner strukturellen Schädigung gekommen sei, eingehend und nachvollziehbar. Auf
seine Schlussfolgerung ist damit abzustellen. Was der Beschwerdeführer gegen das
Gutachten von Dr. F._ vorträgt, vermag daran nichts zu ändern. Dass bei einer 64-
jährigen sportlich aktiven und körperlich tätigen Person, wie es der Beschwerdeführer
war/ist, Veränderungen degenerativer bzw. mikrotraumatisch bedingter Art auch auf
der adominaten Seite vorliegen, scheint plausibel, unabhängig einer allfälligen
genetischen Disposition. Es ist zwar verständlich, dass der Beschwerdeführer den im
Jahr 2015 als unauffällig beschriebenen sonographischen Befund an der linken
Schulter (Suva-act. 77-2) als Indiz dafür wertet, dass auch vor dem Ereignis vom 11.
Juli 2019 kein relevanter Befund vorgelegen habe bzw. die im Anschluss an das
Ereignis vom 11. Juli 2019 erhobenen Gesundheitsschäden vom Unfall herrühren
müssten, zumal er bis dahin gemäss eigenen Aussagen keinerlei Beschwerden zu
beklagen hatte. Dr. F._ legt hingegen medizinisch unwidersprochen dar, dass eine
rasche Zunahme degenerativer Veränderungen im Schulterbereich ab 60 Jahren
bekannt und zudem nachvollziehbar sei, dass der degenerative Vorzustand bis zum
Unfallereignis asymptomatisch verlaufen sei. Zudem hätten die im MRI vom 30.
Oktober 2019 dokumentierten, degenerativen Veränderungen nicht innerhalb dreier
Monate auftreten können. Überwiegend wahrscheinlich hätten diese in etwa gleicher
Ausprägung bereits zum Unfallzeitpunkt bestanden (Suva-act. 77-40). Schliesslich
ändert der im Jahr 2015 beschriebene unauffällige Befund nichts an der medizinisch
2.2.
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3.
schlüssigen Begründung für eine degenerative Pathologie im Jahr 2019. Im Weiteren
begründet Dr. F._ medizinisch einleuchtend, dass aufgrund der MRI- und der
intraoperativen Befunde lediglich von einer SLAP-Läsion Typ I auszugehen sei (Suva-
act. 77-37 f.; vgl. ferner die Ausführungen im Entscheid des Versicherungsgerichts vom
8. Februar 2021, UV 2020/26, E. 6.5). Diesbezüglich hält Dr. D._ gemäss den
Ausführungen des Beschwerdeführers zwar an seiner Diagnose einer SLAP II-Läsion
fest. Eine Begründung dieser abweichenden Beurteilung wird in der Beschwerde indes
nicht aufgeführt. Dr. D._ hatte offenbar lediglich festgehalten, dass im MRI und im
Operationsbericht klar eine SLAP II- und nicht nur eine SLAP I-Läsion beschrieben
werde (act. G 1 S. 3; Suva-act. 82-9). Zwar setzt eine SLAP II-Läsion eher als eine
SLAP I-Läsion eine traumatische Genese voraus, indes keineswegs zwingend (vgl.
dazu Suva-act. 77-32 f.; vgl. ferner den vom Beschwerdeführer in der Einsprache
zitierten Quellenhinweis https://www. fimb.de/upload/pdfs/SLAP-Begutachtung.pdf,
u.a. S. 226 f.; eingesehen am 1. Juli 2022). Aus den Ausführungen des
Beschwerdeführers ergibt sich denn auch nicht, dass sich Dr. D._ ausdrücklich für
eine traumatische Genese ausspricht. Letztlich vermag die vom Beschwerdeführer
errechnete Krafteinwirkung auf die linke Schulter keine konkreten Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise von Dr. F._ zu begründen. Auch mit der
entsprechenden Argumentation hat sich Dr. F._ ausdrücklich auseinandergesetzt,
wobei er die Schwächen der Berechnung aufzeigte bzw. schlüssig darlegte, weshalb
diese nicht geeignet sei, eine Unfallkausalität zu begründen (Suva-act. 77-24 ff.). Mit
der Beurteilung von Dr. F._ ist damit hinlänglich erstellt, dass die bei der Operation
vom 15. Januar 2020 behandelten strukturellen Gesundheitsschäden in der linken
Schulter (SLAP-Läsion und Supraspinatussehnenruptur) nicht traumatischer Genese
waren. Demnach ist auch der Nachweis erbracht, dass das Ereignis vom 11. Juli 2019
keine auch nur geringe Teilursache der Schädigung bildet und die Beschwerdegegnerin
auch gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG (Listenverletzungen) nicht leistungspflichtig ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 24. September 2019, 8C_22/2019, E. 9.2). Im Rahmen
des Ereignisses vom 11. Juli 2019 kam es überwiegend wahrscheinlich lediglich zu
einer vorübergehenden Verschlimmerung vorbestehender unfallfremder Pathologien.
Nachdem eine solche indes eine Leistungspflicht für den operativen Eingriff vom 15.
Januar 2020 nicht per se ausschliesst, bedarf es der nachfolgenden Ausführungen.
Treten im Anschluss an einen Unfall Beschwerden auf (die zuvor nicht bestanden)
und ist aber davon auszugehen, dass durch den Unfall lediglich ein (zuvor stummer)
degenerativer Vorzustand aktiviert, nicht aber verursacht worden ist, so hat der
3.1.
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Unfallversicherer bis zum Erreichen des Status quo sine oder ante Leistungen für das
unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu
erbringen, und zwar selbst dann, wenn sich die Gesundheitsschädigung bei einer
Gewichtung der konkurrierenden Ursachen zum stark überwiegenden Teil als
Krankheitsfolge darstellt. Dies bedeutet unter Umständen, dass die versicherte Person
Anspruch auf eine operative Eingriffe mit einschliessende zweckmässige Behandlung
hat, wenn diese im Gesamtkontext gesehen letztlich mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit der (vorzeitigen) Beseitigung der vom Unfall zumindest
mitverursachten Schmerzen diente und nicht gesagt werden kann, die Operation sei
auch ohne den durch den Unfall bewirkten Beschwerdeschub überwiegend
wahrscheinlich im selben Zeitpunkt notwendig geworden. Anders verhält es sich, wenn
der Unfall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko,
mit dessen Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, manifest werden lässt,
ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige
Bedeutung anzunehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013,
8C_423/2012, E. 5.3).
Dr. F._ führte im Gutachten vom 18. Juni 2021 zum einen aus, dass spätestens
mit dem Anfertigen des Arthro-MRI am 30. Oktober 2019 der Status quo sine nach
heftiger Gelenks-Distorsion ohne Nachweis frischer, struktureller Schädigungen
erreicht gewesen sei (Suva-act. 77-43 ff.). Diese Einschätzung spricht dafür, dass nach
dem 30. Oktober 2019 mangels jeglicher Kausalität der noch bestehenden Problematik
kein Anspruch mehr auf Versicherungsleistungen besteht. Anderseits erwähnte Dr.
F._ in der zusammenfassenden Beurteilung, dass die degenerativen Veränderungen
im Bereich der linken Schulter auch ohne das Ereignis vom 11. Juli 2019 in den
nächsten Jahren überwiegend wahrscheinlich symptomatisch geworden wären (UV-
act. 77-42 2. Abschnitt). Diese Ausführung legt den Schluss nahe, dass der Unfall resp.
der damit ausgelöste Beschwerdeschub bestimmend für den Zeitpunkt der Operation
am 15. Januar 2020 war bzw. der operative Eingriff vom 15. Januar 2020 der
vorzeitigen Beseitigung der vom Unfall zumindest mitverursachten Schmerzen diente.
Dies würde gestützt auf vorerwähnte Rechtsprechung in E. 3.1 für die Bejahung eines
Leistungsanspruchs ausreichen. Auf Veranlassung des Versicherungsgerichts (act. G 9)
reichte Dr. F._ am 28. April 2022 eine erläuternde Stellungnahme bezüglich der sich
aus seinen Aussagen ergebenden Unklarheit ein. Dabei führte er im Wesentlichen aus,
dass aus den medizinischen Akten hervorgehe, dass der Beschwerdeführer unmittelbar
nach dem Unfall vom 11. Juli 2019 nachvollziehbar an starken Schmerzen gelitten
habe. Diese Schmerzen seien indes, ebenfalls gestützt auf die medizinische
Dokumentation, sukzessive zurückgegangen. Mechanisch habe ein Ausfall der aktiven
3.2.
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Beweglichkeit im Überkopfbereich persistiert und die Operation vom 15. Januar 2020
habe überwiegend wahrscheinlich nicht der Beseitigung von Schmerzen, welche
spontan zurückgegangen seien, sondern der Verbesserung der Motorik der linken
Schulter gedient. Mit dem Symptomatischwerden des degenerativen Schulterschadens
sei jederzeit zu rechnen gewesen. Der Beschwerdeschub, wie er beim
Beschwerdeführer vorgelegen habe, habe zwar zeitlich mit dem Unfallereignis
korreliert, sei danach aber sowohl betreffend die Schmerzen wie auch die
mechanischen Beeinträchtigungen regredient gewesen. Die zeitliche Koinzidenz reiche
nicht zur Begründung einer Unfallkausalität. Überwiegend wahrscheinlich wäre ein
ähnlicher Beschwerdeschub auch ohne Ereignis in den kommenden Monaten
aufgetreten. Der Unfall vom 11. Juli 2019 sei somit für die Terminierung der Operation
ein halbes Jahr danach überwiegend wahrscheinlich nicht bestimmend gewesen.
Durch das problemlose Zuwarten mit der Operation (keine Arbeitsunfähigkeit, keine
Physiotherapie) habe auch keine medizinische Dringlichkeit für den Eingriff vorgelegen.
Bestimmend für den Eingriff seien ausschliesslich die degenerativen Pathologien in der
linken Schulter gewesen (act. G 10).
Diese Ausführungen von Dr. F._ leuchten ohne weiteres ein und klären den
obgenannten möglichen Widerspruch auf. Er legt seiner Beurteilung schlüssig den
Beschwerdeverlauf zugrunde und zeigt anhand der medizinischen Dokumentation im
Oktober und November 2019 (Suva-act. 2-2 f., 3-2) nachvollziehbar auf, dass sich die
Schmerzproblematik (durch die vorübergehende Verschlechterung der degenerativen
Pathologie), ausgelöst durch das Ereignis vom 11. Juli 2019, allmählich und
entsprechend dem Heilungsverlauf einer Distorsion ohne strukturelle Läsion besserte.
So entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass solche Verletzungen
grundsätzlich innert kurzer Zeit folgenlos ausheilen und sich die damit verbundenen
Beschwerden gänzlich zurückbilden (Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische
Chirurgie, 4. Aufl., Bern 2005, S. 412, 1096 f.). Entsprechend kann der Annahme eines
Status quo sine per 30. Oktober 2019, rund 16 Wochen nach dem Unfall vom 11. Juli
2019, bzw. des Wegfalls jeglicher Unfallkausalität der Schulterbeschwerden/
Schulterschmerzen per vorgenanntem Datum ohne weiteres gefolgt werden. Daran
vermögen die Einwände des Beschwerdeführers (act. G 13) nichts zu ändern. Die
sukzessive Besserung der Schmerzproblematik wird seitens des Beschwerdeführers
zwar verneint. Sie ist indes, wie vorstehend erwähnt, in den ärztlichen Akten
dokumentiert und die in der Folge nicht in Frage gestellte anhaltende Problematik
zeigte sich insbesondere noch in Form von bestimmten Bewegungsschmerzen resp.
Funktionseinschränkungen (Suva-act. 11), welche aber schlüssig der unfallfremden
Pathologie im linken Schultergelenk zuzuordnen sind. Damit hat die
3.3.
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4.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2021
nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben (vgl.
dazu Art. 61 lit. f ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).