Decision ID: 86dc1959-1df4-4748-b208-f31557f71e25
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Aberkennung
Berufung gegen einen Beschluss des Bezirksgerichtes Pfäffikon, 1. Abteilung, vom 17. Februar 2014 (CG140001-H)
- 2 -
Rechtsbegehren: (Urk. 1 S. 2)
"1. Es sei festzustellen, dass die vom Beklagten mit der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes Illnau-Effretikon (Zahlungsbefehl vom 15. August 2013) gegen den Kläger in Betreibung gesetzte Forderung von Fr. 91'418.–  Zins zu 5% seit dem 26. August 2008 nicht besteht.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten."
(Zirkular-)Beschluss des Bezirksgerichtes Pfäffikon, 1. Abteilung, vom 17. Februar 2014:
(Urk. 14 S. 4 f.)
"1. Auf die Klage wird nicht eingetreten.
2. Die Entscheidgebühr (Pauschalgebühr) wird festgesetzt auf Fr. 1'000.–.
3. Die Gerichtskosten werden dem Kläger auferlegt.
4. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
5. (Schriftliche Mitteilung).
6. (Rechtsmittelbelehrung: Berufung, Frist 30 Tage)."
Berufungsanträge:
des Berufungsklägers (Urk. 13 S. 2):
"1. Der angefochtene Zirkularbeschluss des Bezirksgerichts Pfäffikon vom
17. Februar 2014 sei aufzuheben. 2. Die Vorinstanz sei anzuweisen, auf die mit Datum vom 11.2.2014 beim Be-
zirksgericht Pfäffikon eingereichte Aberkennungsklage einzutreten. 3. Alles unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge."

Erwägungen:
1.1 Mit unbegründetem Urteil vom 7. November 2013 wurde dem  Kläger, heutigen Beklagten und Berufungsbeklagten (fortan Beklagter) in der
Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes Illnau-Effretikon (Zahlungsbefehl vom
- 3 -
15. August 2013) gestützt auf den öffentlich beurkundeten Kaufvertrag vom
25. August 2008 für den ausstehenden Restkaufpreis provisorische Rechtsöff-
nung erteilt für Fr. 91'418.– nebst Zins zu 5% seit 26. August 2008 sowie für die
Betreibungskosten und die Kosten und Entschädigung gemäss jenem Entscheid
(Urk. 5/16 S. 2). Innert Frist ersuchte der damalige Beklagte, heutige Kläger und
Berufungskläger (fortan Kläger) um Begründung dieses Urteils (Urk. 5/18). Das
begründete Urteil wurde dem Kläger am 22. Januar 2014 zugestellt (Urk. 5/20;
Urk. 5/21/2).
1.2 Am 12. Februar 2014 ging bei der Vorinstanz die Aberkennungsklage des Klägers mit vorgenanntem Rechtsbegehren ein (Urk. 1-4). Die Vorinstanz trat
auf diese Klage mit Zirkularbeschluss vom 17. Februar 2014 nicht ein (Urk. 10).
1.3 Mit Schreiben vom 31. März 2014 (gleichentags zur Post gegeben, eingegangen am 1. April 2014) erhob der Kläger innert Frist Berufung mit vorge-
nannten Anträgen (Urk. 13 S. 2).
2.1 Der Kläger beanstandet die Auffassung der Vorinstanz, wonach die Frist für die Aberkennungsklage von der Eröffnung des erstinstanzlichen Rechts-
öffnungsentscheides zu laufen beginne, auch wenn der Entscheid ohne schriftli-
che Begründung gemäss Art. 239 Abs. 1 ZPO eröffnet worden sei (vgl. Urk. 14
S. 2 f.). Mit ihrer Haltung verlange die Vorinstanz, dass ein Rechtsöffnungsbeklag-
ter gezwungen werde, eine Aberkennungsklage vorsorglich zu erheben, nämlich
bevor er beurteilen könne, ob er das Rechtsinstrument der Aberkennungsklage
überhaupt brauche. Anhand eines unbegründeten Rechtsöffnungsentscheides
könne nicht beurteilt werden, ob dagegen allenfalls die Erhebung eines Rechts-
mittels, in concreto der Beschwerde im Sinne von Art. 319 ff. ZPO, angezeigt sei.
Damit die Frage eines Weiterzugs geprüft werden könne, bestehe die Möglichkeit,
innert gegebener Frist einen begründeten Rechtsöffnungsentscheid zu verlangen,
was der Rechtsöffnungsbeklagte getan habe. Erst mit Zustellung des begründe-
ten Rechtsöffnungsentscheides habe der Rechtsöffnungsbeklagte beurteilen kön-
nen, ob er den Rechtsöffnungsentscheid akzeptiere oder weiterziehe. Ab demsel-
ben Zeitpunkt aber habe sich der Rechtsöffnungsbeklagte mit der Frage, ob Ab-
erkennungsklage anzuheben sei oder nicht, auseinandersetzen können. So stelle
- 4 -
sich die Frage einer Aberkennungsklage erst, wenn feststehe, dass der Rechts-
öffnungsentscheid akzeptiert werde oder werden müsse und der Rechtsöffnung
auf dem Beschwerdeweg nicht begegnet werden könne. Damit könne es nicht
sein, dass ein Aberkennungskläger eine unter Umständen aufwendige Klage im
ordentlichen Verfahren einleiten müsse, bevor er sich im Klaren sein könne, ob
dieser Schritt überhaupt nötig sei (Urk. 13 S. 4 f.).
2.2 Dem kann nicht zugestimmt werden. Bei der Aberkennungsklage  es sich nicht um ein Rechtsmittel gegen die erteilte provisorische Rechtsöff-
nung, sondern um einen Folgeprozess. Zweck der Aberkennungsklage ist es
denn auch nicht, das Urteil, mit welchem die provisorische Rechtsöffnung erteilt
worden ist, zu überprüfen. Vielmehr stellt die Aberkennungsklage als negative
Feststellungsklage materieller Art die Frage zur Entscheidung, ob im Moment des
Erlasses des Zahlungsbefehls die in Betreibung gesetzte Forderung zu Recht be-
stand (Kren Kostkiewicz/Walder, OFK-SchKG, Zürich 2012, Art. 83 N 10). Damit
aber beginnt die Frist von der Eröffnung des erstinstanzlichen Entscheides an zu
laufen. Die Eröffnung richtet sich – wie von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt –
nach Art. 239 ZPO und die Frist zur Erhebung der Aberkennungsklage beginnt
auch dann mit der Eröffnung zu laufen, wenn der Rechtsöffnungsentscheid ohne
schriftliche Begründung gemäss Art. 239 Abs. 1 ZPO eröffnet worden ist. Nicht
massgebend ist die nachfolgende schriftliche Begründung gemäss Art. 239 Abs. 2
ZPO, was mit Blick auf die Tatsache, dass im Rechtsöffnungsverfahren gerade
nicht geprüft wird, ob die Forderung zu Recht besteht (was indes Gegenstand des
Aberkennungsprozesses bildet), sondern nur, ob seitens des Schuldners Einwen-
dungen, welche die Schuldanerkennung entkräften, sofort glaubhaft gemacht
werden können (Art. 82 Abs. 2 SchKG), einleuchtet. So hindert auch nichts, dass
ein Gläubiger seinem Anspruch im Aberkennungsprozess eine andere Begrün-
dung gibt als im Betreibungs- und Rechtsöffnungsverfahren, und dass er sich in
jenem auf eine andere Schuldurkunde berufen kann als in diesem. Bedingung ist
dabei immer nur die Identität der Forderung. Damit hemmt der Antrag auf Ausfer-
tigung einer schriftlichen Begründung weder die Vollstreckbarkeit, noch verlängert
er die Klagefrist für die Aberkennungsklage (BSK SchKG I-D. Staehelin, Basel
2010, Art. 83 N 23; ZR 104 [2005] Nr. 30). Nur wenn gegen den Rechtsöffnungs-
- 5 -
entscheid Beschwerde eingelegt und dieser vom Gericht die aufschiebende Wir-
kung gewährt worden ist, beginnt die Frist zur Erhebung der Aberkennungsklage
erst mit dem Entscheid der Beschwerdeinstanz zu laufen (BGE 127 III 569 Erw. 4
= Pra 91 [2002] Nr. 58). Da dies aber vorliegend nicht der Fall ist, ist die Vo-
rinstanz zu Recht auf die Aberkennungsklage nicht eingetreten.
3. Damit erweist sich die Berufung als offensichtlich unbegründet,  auf das Einholen einer Berufungsantwort der Gegenpartei verzichtet werden
kann (Art. 312 Abs. 1 ZPO). Die Berufung ist abzuweisen.
4.1 Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG in Verbindung mit § 4 Abs. 1 und 2 GebV OG auf
Fr. 2'000.– festzusetzen. Die Gerichtskosten sind ausgangsgemäss dem Kläger
aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
4.2 Dem Beklagten ist mangels relevanter Umtriebe im Berufungsverfahren keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 95 Abs. 3 ZPO).