Decision ID: 0f88b60c-5b8b-5c4d-b5a7-9edcabea1ddf
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. (geb. 1982) stammt aus Eritrea und reiste am 19. Januar 2007 illegal in die
Schweiz ein. Am 5. Februar 2007 gebar sie die Tochter D., deren Vater - K.S. -
ebenfalls aus Eritrea stammt und als Flüchtling in der Schweiz anwesenheitsberechtigt
ist. X.Y. und D. wurden vom Bundesamt für Migration am 24. April 2009 als Flüchtlinge
anerkannt, erhielten eine Aufenthaltsbewilligung und wohnen seit 1. August 2009 in der
Stadt St. Gallen, wo sie vollumfänglich vom Sozialamt unterstützt werden. Am 26. April
2011 heiratete X.Y. in Khartum/Sudan den dort lebenden Landsmann U.T. (geb. 1977).
Am 19. Januar 2012 brachte sie in St. Gallen die gemeinsame Tochter M. zur Welt. Das
kantonale Migrationsamt erteilte X.Y. und ihren Töchtern am 8. März 2012
Niederlassungsbewilligungen.
B./ Das Migrationsamt wies am 14. Dezember 2011 das Gesuch um Familiennachzug
für U.T. ab. Am 31. Juli 2012 wies das Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons
St. Gallen (nachfolgend Vorinstanz) den dagegen erhobenen Rekurs und das Gesuch
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab, verzichtete aber auf die Erhebung der
Entscheidgebühr. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, es sei mehr als
ungewiss, ob der in Eritrea geborene und im Sudan lebende U.T., über dessen
Ausbildung und frühere Arbeitstätigkeiten nichts bekannt sei, in der Schweiz eine
Arbeitsstelle mit einem für die Familie existenzsichernden Einkommen finden werde.
Auch für X.Y., die sich bisher nie um eine Stelle bemüht habe, werde es schwierig,
ohne Arbeitserfahrung für die Familie ein existenzsicherndes Erwerbseinkommen zu
erzielen. Selbst wenn X.Y. eine Ausreise in den Sudan wegen erheblicher familiärer
Nachteile nicht zuzumuten wäre, führte dies nicht zur Unzulässigkeit der Verweigerung
des Familiennachzugs. Die Ehegatten hätten sich im Zeitpunkt der Heirat im Sudan
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bewusst sein müssen, dass es mangels fehlender finanzieller Mittel nicht ohne Weiteres
möglich sein würde, die Ehe in der Schweiz zu leben.
C./ Gegen den Rekursentscheid vom 31. Juli 2012 erhob X.Y. für sich und den von ihr
vertretenen U.T. (nachfolgend Beschwerdeführer) durch ihren Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 7. August 2012 (Poststempel: 16.08.12) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und dem Beschwerdeführer die Einreise
zum Verbleib bei seiner Ehefrau und der gemeinsamen Tochter zu bewilligen und ihm
eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Den Beschwerdeführern sei die unentgeltliche
Rechtspflege und –verbeiständung zu gewähren. Auf die Ausführungen der
Beschwerdeführer zur Begründung ihrer Begehren wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz verwies am 4. September 2012 auf die Begründung des angefochtenen
Entscheides und beantragte die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge. Der
Beschwerdeführer liess am 14. November 2012 eine Bestätigung über die Teilnahme
an einem Deutschkurs des Goethe-Instituts in Khartum zu den Akten reichen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführerin ist in der Schweiz anerkannter Flüchtling. Ihre
Rechtsstellung richtet sich gemäss Art. 58 des Asylgesetzes (SR 142.31, abgekürzt
AsylG) nach dem für Ausländerinnen geltenden Recht, soweit nicht besondere
Bestimmungen namentlich des Asylgesetzes und des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (SR 0.142.30) anwendbar sind. Die Regelungen
zum Familienasyl, wonach Ehegatten von Flüchtlingen, die durch die Flucht getrennt
wurden und sich im Ausland befinden, die Einreise in die Schweiz zu bewilligen ist und
als Flüchtlinge anerkannt werden (vgl. Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG) bezweckt, den
Rechtsstatus der zum Zeitpunkt der Flucht bestehenden Kernfamilie einheitlich zu
regeln (vgl. Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur Änderung des
Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember
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1995, in: BBl 1996 II S. 1 ff., S. 68 f.). Die Beschwerdeführer waren im Zeitpunkt der
Flucht der Beschwerdeführerin weder verheiratet noch bestehen Anhaltspunkte dafür
oder wird geltend gemacht, dass sie auf der Flucht getrennt wurden. Der
Familiennachzug richtet sich dementsprechend nicht nach den asylrechtlichen,
sondern nach den allgemeinen ausländerrechtlichen Regeln (vgl. W. Stöckli, Asyl, in:
Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.152; vgl. VerwGE B 2011/240 vom 15. Oktober
2010, einsehbar unter www.gerichte.sg.ch).
3. Zu prüfen ist, ob dem Ehemann der Beschwerdeführerin im Rahmen des
Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen ist. Dabei ist zunächst zu
klären, ob der gesetzliche Anspruch erloschen ist (vgl. dazu nachfolgend E. 3.1.). Ist
dies der Fall, fragt sich, ob die Verweigerung der Bewilligung verhältnismässig ist
(vgl. dazu nachfolgend E. 3.2.).
3.1. Gemäss Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer (Ausländergesetz; SR 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische
Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Der Anspruch erlischt
gemäss Art. 51 Abs. 2 AuG, wenn Widerrufsgründe nach Art. 62 vorliegen. Nach Art. 62
Ingress und lit. e AuG kann die zuständige Behörde Bewilligungen widerrufen, wenn
der Ausländer oder eine Person, für die er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist.
Die bundesgerichtliche Rechtsprechung schliesst die Anwendung der Bestimmung
auch bei der Beurteilung des Nachzugs von Familienmitgliedern durch anerkannte
Flüchtlinge nicht aus (offen gelassen in BGer 2C_31/2012 vom 15. März 2012 E. 2.2).
Vorausgesetzt wird die konkrete Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen
Sozialhilfeabhängigkeit. Blosse finanzielle Bedenken genügen hingegen nicht (BGE 125
II 633 E. 3c; BGer 2C_225/2007 vom 3. Dezember 2007 E. 2 mit Hinweis; 2A.788/2006
vom 5. Februar 2007 E. 2.2.1; vgl. S. Hunziker, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.],
Stämpflis Handkommentar zum AuG, Bern 2010, N 48 f. zu Art. 62 AuG). Dabei ist von
den aktuellen Verhältnissen auszugehen, aber die wahrscheinliche finanzielle
Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen (Botschaft zum AuG, BBl 2002, S. 3792 mit
Hinweis auf BGE 119 Ib 1 E. 3b; BGer 2A.788/2006 vom 5. Februar 2007 E. 2.2.2). Es
muss also auf eine Prognose abgestellt werden, geht es doch vorab darum, eine
zusätzliche und künftige Belastung der öffentlichen Hand zu vermeiden (Hunziker,
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a.a.O., N 49 zu Art. 62). Weiter darf nicht nur auf das Einkommen der sich
berechtigterweise in der Schweiz aufhaltenden Familienangehörigen abgestellt werden,
sondern es sind – dem Gesetzeszweck der Vereinigung der Gesamtfamilie
entsprechend – die finanziellen Möglichkeiten aller Familienmitglieder über eine längere
Sicht abzuwägen. Das Einkommen des Angehörigen, der an die Lebenshaltungskosten
der Familie beitragen soll, ist daran zu messen, ob und in welchem Umfang es
tatsächlich realisierbar ist. In diesem Sinn müssen die Erwerbsmöglichkeit und das
damit verbundene Zusatzeinkommen konkret belegt und mit gewisser
Wahrscheinlichkeit sowie, soweit möglich, auf mehr als nur kurze Frist erhärtet sein, um
Berücksichtigung zu finden (vgl. BGE 122 II 1 E. 3c mit Hinweis; BGer 2C_716/2007
vom 12. März 2008 E. 2.1 mit Hinweisen; VerwGE B 2011/196 vom 12. April 2012
E. 2.1, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
Das Migrationsamt ist von einem für die Lebenshaltung notwendigen monatlichen
Nettoeinkommen der vierköpfigen Familie von Fr. 4'687.95 (act. 7/Akten Migrationsamt
121) und einer dreiköpfigen Familie von Fr. 4'211.60 (act. 7/Akten Migrationsamt 101)
ausgegangen. Der Zuzug des Beschwerdeführers würde den Bedarf um Fr. 476.35
erhöhen. Zur Berechnung des Lebensbedarfs stützt sich die Praxis auf die Richtlinien
der Vereinigung der Fremdenpolizeichefs der Ostschweiz und des Fürstentums
Liechtenstein (abrufbar unter www.vof.ch), welcher nebst dem Grundbedarf nach den
Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe auch einen sogenannten
Ergänzungsbedarf, der für vier Personen auf monatlich Fr. 767.- veranschlagt wird,
umfasst. Dies ist nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung zulässig
(vgl. VerwGE B 2011/196 vom 12. April 2012, a.a.O., E. 2.1.1.). Der Grund- und
Ergänzungsbedarf für den Lebensunterhalt von vier Personen wird auf monatlich knapp
Fr. 3'000.- veranschlagt. Hinzu kommen die Kosten der 3-Zimmer-Wohnung von
Fr. 931.- (act. 7/Akten Migrationsamt 77) und die Prämien für die Krankenkasse inkl.
Unfallversicherung von monatlich rund Fr. 700.- samt 1/12 der Jahresfranchisen für die
Eltern von Fr. 50.- (bei Franchisen von Fr. 300.-). Damit ist der von der Vorinstanz
ermittelte monatliche Bedarf von rund Fr. 4'700.- nachvollziehbar. Er wird im Übrigen
von den Beschwerdeführern nicht in Zweifel gezogen. Da die Beschwerdeführerin
bisher vollumfänglich auf Sozialhilfe angewiesen war, die Finanzierung des
Lebensunterhalts für eine drei- oder vierköpfige Familie mit einer erheblichen
finanziellen Belastung der öffentlichen Hand verbunden ist und – wie darzulegen sein
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wird – aufgrund der konkreten Umstände mit einem Zuzug des Beschwerdeführers
keine grundlegende Verbesserung dieser Situation zu erwarten ist, kann offen bleiben,
ob die Berücksichtigung des Ergänzungsbedarfs sachgerecht ist (vgl. dazu BGE
2C_685/2010 vom 30. Mai 2011 E. 2.3.3).
Für die Mehrheit der Eritreer, welche in der jüngsten Zeit in die Schweiz eingereist sind,
gestaltet sich die wirtschaftliche Integration schwierig. Mangelnde Arbeitserfahrung
und fehlende Sprachkenntnisse verzögern die ökonomische Integration. Der Wunsch,
durch Arbeit wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen und am gesellschaftlichen
Leben teilhaben zu können, ist bei vielen Eritreern gross. Anders als beispielsweise bei
den Tamilen, welche auf ein gutes soziales Netz in der Schweiz zurückgreifen können,
welches bei einer raschen Integration von "Neuankömmlingen" in den Arbeitsmarkt
hilfreich ist, sind solche sozialen Netzwerke bei Eritreern zwar teilweise vorhanden,
aber (noch) weniger stark aktiv. Beinahe alle Eritreer sind – direkt oder indirekt (durch
Familiennachzug) – über den Asylbereich in die Schweiz gekommen. Diese
Personengruppe ist von konjunkturbedingter Arbeitslosigkeit stärker betroffen und
einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt als andere ausländische Personen. Bedeutend
häufiger liegt ihr Haushaltseinkommen trotz Erwerbstätigkeit unter der Armutsgrenze
(vgl. Eyer/Schweizer, Die somalische und die eritreische Diaspora in der Schweiz,
Studie im Auftrag des Bundesamts für Migration, Bern 2010, S. 65, abrufbar unter
www.bfm.admin.ch). Die Erwerbslosenquote eritreischer Männer in der Schweiz beläuft
sich auf knapp zwanzig Prozent (vgl. Eyer/ Schweizer, a.a.O., S. 69 ff.). Die
Sozialhilfequote der eritreischen Bevölkerung lag 2006 bei dreissig bis fünfzig Prozent
(vgl. Eyer/Schweizer, a.a.O., S. 76 mit Hinweisen).
Dass die Beschwerdeführer ihren Finanzbedarf in absehbarer Zeit aus eigener Kraft
decken könnten, erscheint mit Blick auf die dargestellte Situation der eritreischen
Diaspora in der Schweiz sehr ungewiss. Zwar trifft – wie in der Beschwerde geltend
gemacht wird – zu, dass eine individuelle Prognose zu stellen ist. Diese individuelle
Prognose bewegt sich indessen im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang. Die
individuellen Verhältnisse der Beschwerdeführer erscheinen nicht geeignet, ihnen
hinsichtlich ihrer zukünftigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eine
überdurchschnittlich gute Prognose zu stellen. Vorab bestehen keine konkreten
Aussichten auf eine Erwerbstätigkeit beispielsweise in Form der Zusicherung eines
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Arbeitsplatzes. Zudem liegen keine Anhaltspunkte für eine tragfähige Schul- und/oder
Berufsbildung und -erfahrung der Beschwerdeführer vor.
Die Beschwerdeführerin lebt seit Januar 2007 in der Schweiz und war bis anhin nie
erwerbstätig. Die Gründe für diese Tatsache – in der Beschwerde wird auf die
Betreuung ihrer Kinder hingewiesen – sind für die Beurteilung ihrer künftigen
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nicht von Belang. Mangels jeglicher Berufserfahrung
verbessert ihr zu anerkennendes Bestreben um Spracherwerb und Integration ihre
Aussichten auf eine ausreichende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht wesentlich.
Der 35-jährige Beschwerdeführer ist in Eritrea geboren und lebt im Sudan. Er ist mit
den europäischen und insbesondere den schweizerischen Verhältnissen nicht vertraut.
Aus den Akten ergibt sich, dass er im Zeitpunkt der Erfassung seiner Fingerabdrücke
am 13. Juni 2011 in Khartum arbeitslos war und bis dahin jedenfalls im Sudan keine
Schulen besucht hat (vgl. act. 7/Akten Migrationsamt 34 und 37). Er liess im
Beschwerdeverfahren eine vom Goethe-Institut in Khartum am 24. Oktober 2012 auf
seinen Namen ausgestellte Bestätigung zu den Akten geben, nach der er vom 23. Juni
bis 27. September 2012 einen Deutschkurs auf dem Referenzniveau A2.1, der 77
Unterrichtseinheiten à 45 Minuten umfasste, mit Erfolg besuchte. Nach dem
gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen umfasst das Niveau A die
elementare Sprachverwendung, wobei auf der Stufe A2 das Verstehen von Sätzen und
häufig gebrauchten Ausdrücken in Bereichen von ganz unmittelbarer Bedeutung
(beispielsweise Informationen zur Person und zur Familie, Einkaufen, Arbeit, nähere
Umgebung) und die Verständigung in einfachen Routinesituationen, in denen es um
einen einfachen und direkten Austausch von Informationen über vertraute und
geläufige Dinge geht, geübt wird. Die Person soll mit einfachen Mitteln die eigene
Herkunft und Ausbildung, die direkte Umgebung und Dinge im Zusammenhang mit
unmittelbaren Bedürfnissen beschreiben können (vgl. www.goethe.de). Die
Teilnahmebestätigung wird mit der Beurteilung "mit sehr gutem Erfolg", "mit gutem
Erfolg" oder "mit Erfolg" ausgestellt. Die an sich anzuerkennende Bemühung des
Beschwerdeführers zur Erlernung der deutschen Sprache vermag mit Blick auf das
Niveau des Kurses und die Erfolgsbeurteilung seine Aussichten, in der Schweiz ein
Erwerbseinkommen zu erzielen, mit dem sich der Unterhalt der Familien bestreiten
lässt, nicht grundlegend zu verbessern.
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Der Schluss der Vorinstanz auf die konkrete Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen
Sozialhilfeabhängigkeit der Beschwerdeführer im Sinn von Art. 62 Ingress und lit. e
AuG ist unter den dargelegten Umständen nicht zu beanstanden. Es stellt sich somit
die Frage nach der Verhältnismässigkeit der Massnahme.
3.2. In der Folge sind die Rechtsgrundlagen (vgl. dazu nachfolgend E. 3.2.1.) sowie das
öffentliche Interesse an der Verweigerung des Familiennachzugs (vgl. dazu
nachfolgend E. 3.2.2.) und die entgegenstehenden privaten Interessen (vgl. dazu
nachfolgend E. 3.2.3.) darzustellen und gegeneinander abzuwägen (vgl. dazu
nachfolgend E. 3.2.4.).
3.2.1. Gemäss Art. 96 Abs. 1 AuG berücksichtigt die zuständige Behörde bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration der Ausländer. Dabei sind namentlich die Schwere des
Verschuldens bei Straftaten, die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem
Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen. Die
Notwendigkeit einer Verhältnismässigkeitsprüfung ergibt sich auch aus Art. 8 Ziff. 2
EMRK. Danach ist ein Eingriff in das von Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Familienleben
statthaft, soweit er gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft
notwendig ist für die nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl
des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum
Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten
anderer. Bei der Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen am
Familiennachzug und öffentlichen Interessen an deren Verweigerung müssen die
öffentlichen in dem Sinn überwiegen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist
(vgl. BGE 122 II 1 E. 2).
Da Art. 8 EMRK die Achtung vor dem Familienleben betrifft, ist die Existenz von
Familienbindungen, vor allem aber einer bestehenden Ehe oder Kindschaft auch bei
Entscheidungen über die Einreise zu berücksichtigen. Daraus ergibt sich kein absolutes
Recht auf Einreise. Wenn der Betroffene selbst entschied, von seiner Familie getrennt
im anderen Land zu leben, so ist es nicht ohne weiteres ein Verstoss gegen die Pflicht
zur Achtung des Familienlebens, wenn der Staat die Einreise von Familienmitgliedern
nicht gestattet oder von bestimmten Bedingungen abhängig macht. Massgebend sind
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die Umstände des Einzelfalls. Ein Recht zum Nachzug der engeren Familie nach einer
gewissen Zeit wird heute in den Konventionsstaaten ganz überwiegend gewährt, wenn
der Unterhalt gesichert und eine Wohnung vorhanden ist (vgl. Frowein/Peukert, EMRK-
Kommentar, 3. Aufl. 2009, N 40 zu Art. 8 EMRK). Wussten die Betroffenen indessen bei
Aufnahme des Familienlebens, dass ein Familienleben im Gastland unsicher ist, verletzt
eine Abschiebung nur bei aussergewöhnlichen Umständen Art. 8 EMRK (vgl. J. Meyer-
Ladewig, EMRK-Handkommentar, 3. Aufl. 2011, N 71 zu Art. 8 EMRK mit Hinweis auf
den Entscheid des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom
24. November 1998 Nr. 40447/98 Mitchell/Vereinigtes Königreich; vgl. auch Entscheid
vom 22. Juni 1999 Nr. 27663/95 Ajayi u.a./Vereinigtes Königreich; Entscheid vom
31. Januar 2006 Nr. 50435/99 Solange Rodrigues da Silva und Rachael Hoogkamer/
Niederlande, veröffentlicht in: EuGRZ 33/2006 S. 562 ff.; Entscheid vom 28. Juni 2011
Nr. 55597/09 Nunez/Norwegen). Da nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
sich keine unterschiedliche Bewertung daraus ergibt, ob der nachzuziehende
Ausländer noch im Ausland weilt oder sich bereits in der Schweiz aufhält, kann für die
Bewilligung der Einreise und die Erteilung eines Aufenthaltsrechts nichts anderes
gelten (vgl. BGE 122 II 1 E. 3b).
3.2.2. Das öffentliche Interesse besteht darin, eine fortgesetzte und erhebliche
finanzielle Belastung der öffentlichen Hand zu vermeiden.
3.2.3. Das private Interesse der verheirateten Beschwerdeführer besteht in der Führung
eines Familienlebens zusammen mit dem gemeinsamen Kind und dem Kind der
Beschwerdeführerin aus einer früheren Beziehung. Der aus Eritrea stammenden
Beschwerdeführerin und ihren Kindern ist eine Familienzusammenführung in ihrer
Heimat angesichts der anerkannten Flüchtlingseigenschaft nicht zumutbar. Nicht
ausgeschlossen ist, dass die Beschwerdeführer, die mit den regionalen afrikanischen
Verhältnissen vertraut sind, zusammen mit den Kindern im Sudan leben. Dies wäre
insbesondere dem Beschwerdeführer zuzumuten, der sich – nach der nach
eritreischem Recht illegalen Ausreise aus seiner Heimat (vgl. act. 7/Akten
Migrationsamt 42) - im Sudan aufhält und dessen persönliche Beziehungen zur
Schweiz sich soweit aus den Akten ersichtlich darauf beschränken, dass er im April
2011 die in der Schweiz als Flüchtling anerkannte Beschwerdeführerin in Khartum
geheiratet und mit ihr ein Kind gezeugt hat. Aus welchen Mitteln die Kosten für Reise
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und Heirat gedeckt wurden, ist nicht bekannt. Da die Beschwerdeführer nicht
sudanesische Staatsangehörige sind, kann – worauf in der Beschwerde hingewiesen
wird - kaum von einem gefestigten Anwesenheitsrecht im Sudan ausgegangen werden.
Ob und in welcher Intensität die ältere Tochter der Beschwerdeführerin aus einer
früheren Beziehung Kontakte zu ihrem leiblichen Vater pflegt, ist nicht erkennbar.
Indessen wurde sie in der Schweiz geboren. Sie ist mittlerweile sechsjährig und damit
dem Kleinkindalter, in welchem sich die sozialen Kontakte auf das Elternhaus
beschränken (vgl. dazu BGer 2C_381/2008 vom 14. Januar 2009 E. 2.4), entwachsen.
Unter diesen Umständen wäre der Wegzug in den Sudan für die Beschwerdeführerin
und insbesondere ihre ältere Tochter mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Bei
den privaten Interessen des Beschwerdeführers ist umgekehrt zu berücksichtigen,
dass sich seine gesellschaftliche und berufliche Integration in der Schweiz für ihn
schwierig gestalten dürfte.
3.2.4. Die Beschwerdeführer können sich grundsätzlich auf Art. 8 EMRK berufen, da
die zivilrechtlichen Verhältnisse für die Migrationsbehörden verbindlich sind (vgl. BGer
2C_1031/2011 vom 22. März 2012 E. 4.1.4 mit Hinweisen). Anhand der vorliegenden
Dokumente ist davon auszugehen, dass sie am 26. April 2011 in Khartum tatsächlich
heirateten. Die Vaterschaft des Beschwerdeführers bezüglich der von der
Beschwerdeführerin am 19. Januar 2012 geborenen Tochter M. ist deshalb gesetzlich
zu vermuten (vgl. Art. 255 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210). Der
Beschwerdeführer verfügt über das für die Berufung auf Art. 8 EMRK grundsätzlich
erforderliche familienrechtliche Sorge- bzw. Obhutsrecht (vgl. BGer 2C_1031/2011 vom
22. März 2012 E. 4.1.4 mit Hinweisen unter anderem auf BGE 137 I 284 E. 2.3.1; 137 I
247 E. 4.2.1 und 4.2.2; 135 I 153 E. 2.2.4).
Bei der Gewichtung der privaten Interessen ist indessen auch den Umständen des
Eheschlusses Rechnung zu tragen (vgl. BGE 122 II 1 E. 2). Die Beschwerdeführer
haben bisher kein Familienleben geführt. Weder aus der Beschwerde noch aus den
Akten wird ersichtlich, seit wann sie sich kennen. Mangels anderer bekannter Gründe
ist davon auszugehen, dass der einzige Zweck der Reise der Beschwerdeführerin nach
Khartum im April 2011 die Verheiratung mit dem Beschwerdeführer war. Anschliessend
kehrte sie schwanger in die Schweiz zurück, wo sie bereits seit einigen Jahren –
finanziell vollumfänglich von der Sozialhilfe abhängig - lebt, ein Asylverfahren
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durchlaufen hat und mit den Ausländerbehörden bezüglich der Regelung ihres
Anwesenheitsrechts in regelmässigem Kontakt war. Die Beschwerdeführer heirateten
und trennten sich wieder aus freiem Willen und im Wissen darum, dass einer
Familienzusammenführung in der Schweiz beträchtliche Hindernisse im Weg stehen
würden. In solchen Fällen verletzt die Verweigerung des Familiennachzugs Art. 8 EMRK
nur unter aussergewöhnlichen Umständen.
Aus den Vorbringen in der Beschwerde sind keine solchen aussergewöhnlichen
Umstände ersichtlich. Nach Art. 9 Art. 1 des Übereinkommens vom 20. November
1989 über die Rechte des Kindes (UNO-Kinderrechtskonvention; SR 0.107) stellen die
Vertragsstaaten sicher, dass ein Kind nicht gegen den Willen seiner Eltern von diesen
getrennt wird. Die Trennung des noch ungeborenen Kindes M. von seinem Vater
erfolgte weder kraft eines staatlichen Aktes noch entgegen dem Willen der Eltern,
sondern – wie ausgeführt - mit ihrem Willen und im Wissen darum, dass eine
Familienzusammenführung in der Schweiz sehr ungewiss sein würde. Im Übrigen
lassen sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aus der UNO-
Kinderrechtskonvention in Bezug auf die Erteilung ausländerrechtlicher Bewilligungen
keine gerichtlich durchsetzbaren Ansprüche ableiten (vgl. BGer 2C_787/2011 vom
10. Oktober 2011 E. 2.2; 2A.36/2001 vom 26. Januar 2001 E. 2c/aa mit Hinweisen auf
BGE 126 II 377 E. 5 und 124 II 361 E. 3b).
Die Beschwerdeführer berufen sich auch im Zusammenhang mit Art. 8 EMRK auf das
Kindeswohl. Art. 8 EMRK schützt nicht primär ein rechtlich begründetes, sondern ein
intaktes und tatsächlich gelebtes Familienleben. Deshalb ist für die Anrufung von Art. 8
EMRK im Zusammenhang mit ausländerrechtlichen Bewilligungen regelmässig
erforderlich, dass die Beziehung zum Kind intakt und bereits bisher sachgerecht gelebt
worden ist (vgl. BGer 2C_578/2011 vom 1. Dezember 2011 E. 3.4.2). Eine Verbindung
des Vaters zu seiner Tochter hat bisher nicht bestanden. Vielmehr sind die Eltern das
Risiko eingegangen, dass es ihnen nicht möglich sein wird, das Familienleben
ausserhalb des Sudan zu führen.
In der Beschwerde wird sodann geltend gemacht, soweit eine Notlage bestehe, sei sie
von den Beschwerdeführern nicht verschuldet. Der in der Beschwerde vorgebrachten
Unterscheidung zwischen verschuldeten und unverschuldeten Notlagen kommt bei der
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Abwägung der Interessen insbesondere dann Bedeutung zu, wenn ein bestehendes
Anwesenheitsrecht nicht verlängert oder widerrufen werden soll (vgl. dazu die Hinweise
auf die Materialien bei Spescha/Zünd/Thür/Bolzli, Migrationsrecht, 3. Aufl. 2012, N 10
zu Art. 63 AuG). Ausschlaggebend ist, dass sich die absehbare Notlage der
Beschwerdeführer in der Schweiz nicht auf aussergewöhnliche Umstände
zurückzuführen lässt, welche das Gewicht des öffentlichen Interesses an der
Vermeidung fortgesetzter und erheblicher Sozialhilfeabhängigkeit relativieren würde.
4. Die Abweisung des Gesuchs um Erteilung der Aufenthaltsbewilligung für den
Beschwerdeführer im Rahmen des Familiennachzugs erweist sich dementsprechend
als recht- und verhältnismässig. Die Beschwerde ist deshalb unbegründet. Sie ist
abzuweisen.
5. (...).