Decision ID: 16e32000-aaa0-4026-8137-075a2ace72a3
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Felix Schmid, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a D._, Jahrgang 1954, meldete sich am 18. August 2005 wegen Krankheit bei der
IV-Stelle an, und beantragte die Ausrichtung einer Rente. Sie habe von 1995 bis 1997
im Restaurant A._ gearbeitet, sei von 1997 bis 1999 arbeitslos gewesen und sei
seitdem Hausfrau. Als Ausbildung gab sie acht Jahre Grundschule in Serbien an. Seit
zwei bis drei Jahren habe sie zunehmende Schmerzen im Rücken (beschädigte
Bandscheibe), in beiden Knien und in den Gelenken, vor allem in den Ellbogen (IV-
act. 1).
A.b Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, nannte im Arztbericht vom
19. September 2005 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
hypertensive Herzkrankheit, Panvertebralsyndrom, chronische Cephalea, arterielle
Hypertonie, Chondropathia patella, rechtsseitige Diskushernie L4/5 mit
Nervenwurzelkompression, Osteochondrose und Spondylarthrose L4/5 mit kleinen
Spondylophyten, degenerative Bandscheibendehydratation L3/4 mit diskreter
Protrusion, Spondylophyten Th 11/12 und Hypothyreose. Der Gesundheitszustand sei
stationär. Gemäss Beiblatt vom 20. Oktober 2005 ist die Versicherte wegen
komprimierender Diskushernie L5/S1 und Chondropathia patella für Arbeiten
eingeschränkt, bei denen sie schwere Lasten (über 10 kg) heben, ziehen oder tragen
muss. Sie könne nicht zu lange sitzen und stehen. Gleichzeitig leide sie an einer
Stoffwechselstörung/Hyperlipidämie, Übergewicht und arterieller Hypertonie. Aufgrund
dieser Beschwerden habe sie keine Stelle gesucht. Dr. B._ bezeichnete es als
sinnvoll, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten von einem Gutachter beurteilen zu lassen
(IV-act. 9, 12). Daraufhin gab die IV-Stelle eine medizinische Abklärung in Auftrag (IV-
act. 15). Am 17. März 2006 fand eine Haushaltabklärung vor Ort statt. Gemäss
Abklärungsbericht vom 29. März 2006 ist die Versicherte im Haushalt zu 55%
behindert. In gesundem Zustand wäre sie aus finanziellen Gründen zu 100%
erwerbstätig. Den Haushalt besorge seit geraumer Zeit die erwachsene Tochter (IV-act.
21). Gemäss Fragebogen für den Arbeitgeber vom 8. Mai 2006 arbeitete die
Versicherte vom 12. Oktober 2004 bis 19. November 2004 als Raumpflegerin auf Abruf
bei der C._ AG. Das Arbeitsverhältnis sei von der Versicherten aufgelöst worden, da
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sie die Arbeit vom Rücken her nicht mehr habe machen können. Im Oktober 2004 habe
sie netto Fr. 1'463.95 und im November 2004 Fr. 779.25 verdient, wobei der
Stundenlohn brutto Fr. 18.40 betragen habe (IV-act. 24).
A.c Dr. med. E._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, nannte im Gutachten vom 1. Mai 2006 insbesondere die
Diagnosen Osteochondrose, Spondylose, Diskushernie, Spinalkanalstenose L4/5;
Nervenwurzelirritation L5 rechts; Diskushernie L3/4; Spondylarthrose der LWS und
Femoro-Patellararthrose rechts mehr als links. Die Rückenbeschwerden seien 1996
nach einem Treppensturz aufgetreten und hätten in der Folge immer etwas
zugenommen, wobei sie seit anfangs 2005 etwa unverändert seien. Bereits im Jahre
2002 seien kernspintomographisch degenerative Veränderungen der LWS
nachgewiesen worden. Diese hätten objektivierbar bis heute zugenommen und es
bestehe eine erhebliche Einengung des Spinalkanals, was auch mit den angegebenen
Beschwerden übereinstimme, die nach längerem Verharren in der gleichen Position
auftreten würden. Zusätzlich habe sich in der Zwischenzeit eine Arthrose der
Kniescheibengelenke mit den typischen Schmerzen entwickelt. Daneben seien aber
auch Zeichen für eine Schmerzausweitung vorhanden, deren Ursache nicht dem
Bewegungsapparat zugeordnet werden könne. Die Ausstrahlung in den linken Arm
ausgehend vom Kreuz sei nicht erklärbar und die Untersuchung der Schultergelenke
inkonsistent. Auch seien die Dauerschmerzen mit einer Intensität von 7-8 und einer
belastungsabhängigen Zunahme trotz Nachweises einer degenerativen Veränderung
aussergewöhnlich stark. Aufgrund der Diagnosen bezüglich des Bewegungsapparates
könnten folgende Einschränkungen formuliert werden: Stehen und Gehen seien
statisch ungünstig und würden zu einer Schmerzzunahme in Folge der Verengung des
Wirbelkanals führen. Wegen der Abnützungszeichen an der Lendenwirbelsäule sei aber
auch die Sitzdauer eingeschränkt. Falls Wechselpositionen zwischen Sitzen, Stehen
und Gehen möglich seien, sei ein Einsatz von zwei und drei Stunden möglich,
unterbrochen von einer etwa gleich langen Pause. Ausserdem müsse das wiederholte
Heben von Lasten von über fünf kg unterbleiben. Die Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit habe ab Januar 2005 Gültigkeit. Es sei eher mit einer
Verschlechterung des Zustands zu rechnen. Die Beurteilung stimme weitgehend mit
dem Abklärungsbericht Haushalt vom 17. März 2006 überein. Allerdings entstehe der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eindruck, dass die Versicherte aus medizinischer Sicht nicht dieses hohe Ausmass an
Mithilfe durch die Tochter benötige (IV-act. 26).
A.d Auf Nachfrage der IV-Stelle hielt Dr. E._ im Schreiben vom 14. Juli 2006 fest,
dass der Versicherten die bisherigen Tätigkeiten als Küchenangestellte bzw.
Raumpflegerin nicht mehr zumutbar seien. Unter Würdigung der Befunde scheine ihm
die Arbeitsunfähigkeit von 55% bei den Hausarbeiten gemäss Abklärungsbericht vom
17. März 2006 als sehr hoch. Bei Punkt 2 (Ernährung) sollte vom Bewegungsapparat
her eine höhere Leistung erwartet werden können, wo auch gut zwischen Sitzen und
Stehen gewechselt werden könne. Auch bei Punkt 6.5 (Wäsche und Kleiderpflege)
sollte eine höhere Leistung möglich sein, so dass gesamthaft eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit um 40% resultiere (IV-act. 30).
A.e Mit Vorbescheid vom 17. Oktober 2006 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, die
Abklärungen hätten ergeben, dass sie ohne Gesundheitsschaden weiterhin einer
Tätigkeit mit einem Pensum von 50% nachgehen würde und als Hilfsarbeiterin ein
Jahreseinkommen von Fr. 23'730.- erzielen könnte. Aus ärztlicher Sicht sei ihr die
Ausübung einer körperlich leichten, wechselbelasteten Tätigkeit während zwei bis drei
Stunden am Tag zumutbar, sodass sie noch Fr. 13'668.- im Jahr verdienen könnte. In
der Haushaltstätigkeit sei sie zu maximal 40% eingeschränkt. Insgesamt ergebe sich
dadurch ein Invaliditätsgrad von 41%, weshalb sie ab dem 1. August 2004 Anspruch
auf eine Viertelsrente habe (IV-act. 36). Am 20. November 2006 erhob Rechtsanwalt
Dr. iur. Felix Schmid in Vertretung der Versicherten dagegen Einwände und machte
insbesondere geltend, die Versicherte wäre als Gesunde voll erwerbstätig (IV-act. 40).
A.f Mit Verfügung vom 6. Dezember 2006 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab dem
1. August 2004 eine Viertelsrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 41% zu. An
der Einstufung 50% Haushalt und 50% Erwerb werde festgehalten. Die Versicherte
habe in der Schweiz von Juli 1995 bis Dezember 1996 während 1.5 Jahren im
Gastgewerbe gearbeitet. Erst im Oktober 2004 habe sie wieder eine (Teilzeit-)Stelle in
der Raumpflege gefunden, die sie nach fünf Wochen wieder aufgegeben habe. Gemäss
Auskunft der Arbeitgeberin sei von Anfang an ein Teilpensum von maximal 50%
vereinbart worden. Von einer Vollbeschäftigung sei nie die Rede gewesen. Zu den
persönlichen Ressourcen sei zu erwähnen, dass die Versicherte sich in deutscher
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sprache nur schlecht verständigen könne, über keine Berufsausbildung verfüge und in
der Schweiz Berufserfahrung von weniger als zwei Jahren vorweisen könne. Eine
Teilarbeitsfähigkeit habe auch während der stellenlosen Zeit zwischen 1996 und 2004
bestanden. Dass die Versicherte in dieser Zeitspanne überhaupt keiner
Erwerbstätigkeit nachgegangen sei, dürfte auch mit invaliditätsfremden Gründen
zusammenhängen. Daher sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass sie heute in
gesundem Zustand eine Vollzeitstelle finden könnte (IV-act. 44-5).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin eingereichte Beschwerde vom 25. Januar 2007. Die Verfügung sei
aufzuheben und es sei ihr ab dem 1. August 2004 eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Begründung der IV-Stelle,
weshalb die Beschwerdeführerin bei voller Gesundheit nur zu 50% arbeitsfähig
(gemeint wohl: erwerbstätig) wäre, sei tatsachenwidrig, diskriminierend, willkürlich und
widerspreche der höchstrichterlichen Praxis. Vom Zeitpunkt der Anmeldung (18.
August 2005) bis zum 15. Mai 2006 seien die Sachbearbeiter (der IV-Stelle sowie die
Verfasser des Abklärungsberichts Haushalts) sowie die behandelnden und
begutachtenden Ärzte davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin bei voller
Gesundheit zu 100% arbeitstätig wäre. Diese Ansicht beruhe auf der Tatsache, dass
die Beschwerdeführerin bereits von 1995 bis 1997 vollzeitig arbeitstätig gewesen sei
und sie anlässlich der Haushaltsabklärung vom 17. März 2006 auf die entsprechende
Frage der Abklärungsperson angegeben habe, sie wäre heute aus finanziellen Gründen
in gesundem Zustand zu 100% erwerbstätig. Die angebliche Angabe der Arbeitgeberin,
wonach nur ein Pensum von 50% vereinbart worden sei, sei unzutreffend oder nie
abgegeben worden, zumal in den Akten ein schriftlicher Beweis hierfür fehle. Aus dem
IK-Auszug und dem Arbeitgeberfragebogen gehe hervor, dass das während der
fraglichen fünf Wochen von der Beschwerdeführerin absolvierte Arbeitspensum weit
höher als 50% gewesen sei. Das sei als eindeutiges Indiz zu werten, dass sie bei voller
Gesundheit zu 100% arbeitstätig wäre. Die Begründung der Beschwerdegegnerin
unterstelle pauschal, dass für ausländische Arbeitnehmerinnen mit sprachlichen
Schwierigkeiten und fehlender beruflicher Ausbildung keine Arbeitsplätze existierten.
Dies sei nicht nur offenkundig unzutreffend, sondern auch willkürlich und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
diskriminierend. Dies gelte auch für die Aussichten eines möglichen Widereinstiegs ins
Berufsleben nach Beendigung der "Familienphase". Im Vergleich zu beruflich gut
qualifizierten Frauen, denen der berufliche Wiedereinstieg nach jahrelanger Absenz
Schwierigkeiten bereiten könne, bestehe die Hürde bei weniger qualifizierten
Arbeitnehmerinnen gerade nicht. Bei diesen sei nicht davon auszugehen, dass sie
während ihrer Absenz vom Arbeitsmarkt wesentliche Entwicklungen verpasst hätten.
Eine vollzeitige Erwerbstätigkeit entspreche dem durchaus üblichen Bedürfnis von
Frauen, deren Kinder selbstständig geworden seien. Inwieweit die Beschwerdeführerin
aufgrund "ihrer persönlichen und beruflichen Ressourcen"... "maximal zu 50% einer
Erwerbstätigkeit nachgehen" könnte, wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung
ausführe, sei schleierhaft. Aus dem Vorgenannten gehe klar hervor, dass die
Beschwerdeführerin bei voller Gesundheit zu 100% einer Arbeit nachgehen würde und
der Invaliditätsgrad demnach nach der Methode des Einkommensvergleichs zu
ermitteln sei und nicht nach der gemischten Methode. Wie Dr. E._ festgestellt habe,
sei die Beschwerdeführerin in einem angepassten Tätigkeitsbereich täglich zwei bis
drei Stunden einsetzbar, woraus sich eine Arbeitsfähigkeit von 24% ergebe. Das
zumutbare Erwerbseinkommen betrage daher Fr. 11'390.-. Ein Leidensabzug von 25%
sei gerechtfertigt. Damit bleibe ein zumutbares Einkommen von Fr. 8'543.- pro Jahr,
woraus sich ein Invaliditätsgrad von 82% ergebe. Selbst wenn der bestrittenen
Aufteilung Haushalt/Berufstätigkeit von 50/50 gefolgt werden sollte, ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von 58.5%. Gehe man entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
davon aus, dass sie mit Verweis auf die Arbeitstätigkeit im Jahre 2004 zu 80% einer
Erwerbstätigkeit nachginge, so ergebe sich in Anwendung der Formel ein
Invaliditätsgrad von 69,5%. Beide Berechnungen würden unter Berücksichtigung einer
Einschränkung Haushalt von 40% und ohne jegliche Berücksichtigung von
Leidensabzügen, die ohne weiteres gerechtfertigt seien, erfolgen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 28. März 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Feststellung, dass die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe. Eventualiter sei die
Beschwerde abzuweisen. Praxisgemäss sei danach zu fragen, welche Tätigkeit eine
versicherte Person ausüben würde, wenn sie nicht invalid wäre. Es sei also in einer
sowohl objektive wie subjektive Umstände einbeziehenden Würdigung, die auch
Erfahrungsgrundsätze berücksichtigen könne, zu entscheiden, ob die versicherte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Person erwerbstätig wäre oder nicht. Entsprechend sei auch bei der Festlegung des
Valideneinkommens massgebend, was eine versicherte Person nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit verdienen würde, und nicht was sie verdienen
könnte. Die Beschwerdeführerin habe seit Jahren nicht mehr ganztags gearbeitet.
Einzig unmittelbar nach ihrer Einreise in die Schweiz habe sie in den Jahren 1995/96 im
Restaurant A._ angeblich ein Vollpensum geleistet. Ausgehend von den im IK-
Auszug ausgewiesenen Einkommen müsse aber bezweifelt werden, dass die
Beschwerdeführerin wirklich ganztags gearbeitet habe. Im Anschluss daran habe sie
aus angeblich gesundheitlichen Gründen – mit Ausnahme eines kurzen Arbeitsversuchs
– nicht einmal in einem Teilpensum gearbeitet. Dafür habe es aber keine medizinischen
Gründe gegeben. Die Darstellung der Beschwerdeführerin sei daher anhand der Akten
nicht zu belegen. In medizinischer Hinsicht könne auf das Gutachten von Dr. E._ vom
1. Mai 2006 abgestellt werden, worin der Arzt festhalte, in einer adaptierten Tätigkeiten
sei "ein Einsatz von zwei und drei Stunden möglich unterbrochen von einer etwa gleich
langen Pause". Die IV-Stelle habe dies so ausgelegt, dass der Beschwerdeführerin
täglich ein Einsatz von zwei bis drei Stunden zumutbar wäre, was aber offensichtlich
eine falsche Auslegung des Gutachtens sei. Der Beschwerdeführerin sei es vielmehr
zumutbar, täglich zwei Einsätze von zwei bis drei Stunden zu leisten, die durch eine
ausgedehnte Pause zu unterbrechen seien. Der Gutachter habe diese Leseart auf
telefonische Rückfrage hin als korrekt bestätigt und einen Einsatz von fünf bis sechs
Stunden täglich als zumutbar erklärt. Damit sei es der Beschwerdeführerin möglich, wie
als Gesunde zu 50% erwerbstätig zu sein. Die erwerblichen Auswirkungen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung seien an sich anhand der LSE zu bestimmen, was
aber faktisch zu einem reinen Arbeitsfähigkeitsvergleich unter Berücksichtigung
allfälliger weiterer Nachteile (Leidensabzug) führe. Bei einem Leidensabzug von 10%
resultiere eine Einschränkung von 10% bzw. aufgrund des 50% Pensums ein
Behinderungsgrad von 5% (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 4. Mai 2007 lässt die Beschwerdeführerin am Antrag auf Aufhebung
der angefochtenen Verfügung festhalten und beantragt neu die Zusprechung einer
Dreiviertelsrente ab dem 1. August 2004, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Unbestrittenermassen habe sie nicht aus rein medizinischen Gründen auf eine
Arbeitstätigkeit zwischen 1996 und 2004 verzichtet. Dies sei jedoch auch nicht
Voraussetzung für die Annahme einer Vollzeittätigkeit im Gesundheitsfall. Bezüglich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
des Vollzeitpensums in den Jahren 1995/1996 gäbe es keine Zweifel: Der IK-Auszug
belege für das Jahr 1996 ein Einkommen von rund Fr. 30'000.-. Unter Berücksichtigung
des Nominallohnindexes entspreche dies einem Einkommen von heute rund
Fr. 2'800.-. In Anbetracht dessen, dass es sich bei der Hilfsarbeit in einem Restaurant
offenkundig um eine Tieflohnarbeit handle, bestünden an der vollen Erwerbstätigkeit in
den Jahren 1995/1996 keine Zweifel. Sollte die telefonische Auskunft von Dr. E._
zutreffen, so sei der Beschwerdeführerin tatsächlich eine Arbeitstätigkeit von vier bis
fünf Stunden täglich zuzumuten. Dementsprechend werde das erste Rechtsbegehren
angepasst. Diese vier bis fünf Stunden seien jedoch aufgrund des ausserordentlichen
Pausenbedarfs auf den ganzen Tag verteilt, was erhebliche Auswirkungen auf den
Lohn habe, da der Beschwerdeführerin den ganzen Tag ein Arbeitsplatz zur Verfügung
gestellt werden müsste. Die Beschwerdegegnerin widerspreche sich selbst, wenn sie
sich plötzlich auf den Standpunkt stelle, der Beschwerdeführerin könne "ein Pensum
von 66.1%" zugemutet werden. Bei einer realistischen Betrachtungsweise ergebe sich
eine 50% Erwerbstätigkeit (gemeint wohl: Erwerbsfähigkeit), was selbst bei einem
Leidensabzug von nur 10% zu einem Invaliditätsgrad von 55% führe. Vorliegend sei
jedoch von einem Leidensabzug von mindestens 20% bis 25% auszugehen, wodurch
sich ein Invaliditätsgrad von über 60% ergebe (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin hielt am 15. Mai 2007 an ihren Ausführungen und ihrem
Antrag fest und verzichtete auf weitere Ausführungen (act. G 9).
C.
Auf Nachfrage der Gerichtsleitung bestätigte Dr. E._ am 16. Juni 2008 schriftlich,
seine Angabe im Gutachten vom 1. Mai 2006 bezüglich Arbeitsfähigkeit in einer
Erwerbstätigkeit sei so zu verstehen, dass pro Tag total vier bis sechs Stunden möglich
seien, aufgeteilt in zwei Einsätze à zwei bis drei Stunden mit der Möglichkeit zu
Wechselpositionen und unterbrochen durch eine Pause gleich langer Dauer (act. G 12
und 12.1).

Erwägungen:
1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben, und weil bei
der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung
vom 6. Dezember 2006 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 132 V 215
Erw. 3.1.1; Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008, Erw. 3), sind vorliegend die bis zum
31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, und derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente. Unter Invalidität wird die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).
2.2 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 neues
Fenster ATSG neues Fenster in Verbindung mit Art. 28 neues Fenster Abs. 2 IVG neues
Fenster aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs; BGE 130 V 349 Erw. 3.4.2 neues Fenster mit Hinweisen). Bei
Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art. 16 neues Fenster ATSG neues Fenster festgelegt. Waren sie daneben auch im
Aufgabenbereich (beispielsweise im Haushaltsbereich) tätig, so wird die Invalidität für
diese Tätigkeit nach Art. 28 neues Fenster Abs. 2 IVG neues Fenster festgelegt. In
diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in
bis
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx830x1xA16&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx830x1xA16&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx830x1&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx831x20xA28&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx831x20&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx831x20&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx130xVx343_352&AnchorTarget=E3 https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx830x1xA16&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx830x1&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx831x20xA28&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx831x20&AnchorTarget=
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28 neues Fenster Abs. 2 IVG neues Fenster;
gemischte Methode der Invaliditätsbemessung). Die Invalidität bestimmt sich in der
Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein
Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der
Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten Teilinvaliditäten ergibt
(BGE 130 V 393 ff. Erw. 3.3 neues Fenster, Urteil IV.2007.00841 des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 11. Februar 2008).
2.3 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der
Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, gemischte
Methode) führt –, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen
unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen,
familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die
Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen.
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis
zum Erlass des Einspracheentscheids bzw. der Verfügung entwickelt haben (BGE 125
V 150 Erw. 2c neues Fenster mit Hinweisen, Urteil I 266/05 neues Fenster des
Eidgenössischen Versicherungsgerichtes vom 11. April 2006, Erw. 4.2, Urteil IV.
2007.00841 des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin, Mutter von zwei Kindern (geb. 1973 und 1983), reiste im
Mai 1995 in die Schweiz ein. Von 1995 bis 1997 arbeitete sie in einem Restaurant. Im
Jahr 1995 hat sie gemäss IK-Auszug von Juli bis Dezember Fr. 14'670.- und 1996
Fr. 29'939.- verdient (IV-act. 6), was einem Monatslohn von rund Fr. 2'400.- entspricht.
Da die Beschwerdeführerin in einem Tieflohnsektor tätig war, ist davon auszugehen,
dass sie in den Jahren 1995 und 1996 zu 100% erwerbstätig war. Zu diesem Zeitpunkt
war das jüngste Kind erst 12 bzw. 13 Jahre alt. Die Arbeitsstelle wurde ihr wegen der
Beschwerden aufgrund eines Sturzes auf der Treppe bei der Arbeit gekündigt. 1997
und 1998 war sie auf Stellensuche und bezog Arbeitslosentaggelder basierend auf
ter
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx831x20xA28&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx831x20&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx130xVx393_396&AnchorTarget=E3x3 https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx125xVx146_162&AnchorTarget=E2c https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx125xVx146_162&AnchorTarget=E2c https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=AZAxIx266x05&AnchorTarget=
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem Vollzeitpensum (vgl. IV-act. 6). Als das jüngste Kind erwachsen (21) war,
unternahm sie einen Arbeitsversuch und arbeitete vom 12. Oktober bis 19. November
2004 als Raumpflegerin. Diese Arbeit musste sie jedoch wegen Rückenbeschwerden
aufgeben. Dr. E._ hält die Tätigkeit als Raumpflegerin denn auch nicht mehr für
zumutbar (IV-act. 30).
3.2 Das Einkommen als Raumpflegerin betrug Fr. 1'463.95 bzw. Fr. 779.25 netto
(brutto also Fr. 1'557.- [Fr. 1'463.95/0.9395] bzw. Fr. 829.- [Fr. 779.25/0.9395; BSV,
Umrechnung von Nettolöhnen in Bruttolöhne, AHV/IV/EO/ALV, gültig ab 1. Januar
2004]) bei einem Bruttostundenlohn von Fr. 18.40 (IV-act. 24-2). Gemäss
Arbeitgeberfragebogen vom 8. Mai 2006 handelte es sich um Arbeit auf Abruf. Damit
hat die Beschwerdeführerin vom 12. bis 30. Oktober knapp 85 Stunden (Fr. 1558.-/
Fr. 18.40) und vom 1. bis 19. November 2004 45 Stunden (Fr. 829/Fr. 18.40) gearbeitet.
Im Oktober betrug das durchschnittliche Pensum 71% (85 Std. x 100 / 119 Std. [14
Arbeitstage]) und im November 35% (45 Std. x 100 / 127.5 Std. [15 Arbeitstage]).
Insofern lässt sich die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie hätte damals gegen
80% gearbeitet, nicht nachvollziehen. Für die Behauptung der Beschwerdegegnerin in
der angefochtenen Verfügung, dass von Anfang an ein Teilpensum von maximal 50%
vereinbart worden sei, findet sich in den Akten jedoch auch kein genügender
Nachweis, auch wenn gemäss Telefonauskunft der Arbeitgeberin vom 15. Mai 2006 die
Beschwerdeführerin in einem durchschnittlichen Pensum von 50% angestellt gewesen
sein soll (IV-act. 27). Im Haushaltsabklärungsbericht vom 29. März 2006 hat die
Beschwerdeführerin angegeben, dass sie bei voller Gesundheit zu 100% erwerbstätig
wäre. Auch Dr. E._ geht in seinem Gutachten vom 1. Mai 2006 davon aus, dass die
Beschwerdeführerin bei voller Gesundheit zu 100% erwerbstätig wäre, was sich u.a.
aus der zeitlichen Umschreibung der gesundheitlich noch möglichen Arbeitseinsätze
schliessen lässt. Weil die Beschwerdeführerin bereits 1995/1996, als sie noch eine
minderjährige Tochter zu betreuen hatte, zu 100% erwerbstätig war, 1997/1998 mit
einer Vermittlungsfähigkeit von 100% auf Stellensuche war, 2004 einen (wenn auch
ungeeigneten) Arbeitsversuch unternahm und in der Haushaltsabklärung angab, bei
voller Gesundheit zu 100% erwerbstätig zu sein, ist überwiegend wahrscheinlich, dass
sie bei voller Gesundheit zu 100% einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Dafür
spricht auch die finanzielle Situation: Der Ehemann der Beschwerdeführerin ist im
Stundenlohn angestellt, sein Einkommen unterliegt konjunkturellen und saisonalen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schwankungen. Sein durchschnittlicher Nettolohn beträgt lediglich Fr. 3'800.-
monatlich. Die Bemessung des Invaliditätsgrads hat daher nach der allgemeinen
Methode des Einkommensvergleichs zu erfolgen.
4.
Zur Beurteilung der verbleibenden Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin kann
auf die schlüssige Einschätzung von Dr. E._ abgestellt werden, wie beide Parteien
anerkennen. Gemäss seinem Gutachten vom 1. Mai 2006 sind Stehen und Gehen für
die Beschwerdeführerin statisch ungünstig und führen zu einer Schmerzzunahme in
Folge Verengung des Wirbelkanals. Auch die Sitzdauer ist wegen der
Abnützungszeichen an der Lendenwirbelsäule eingeschränkt. In Wechselpositionen
zwischen Sitzen, Stehen und Gehen ist ein Einsatz von zwei bis drei Stunden möglich.
Nach einer ebenso langen Pause ist ein weiterer Einsatz von zwei bis drei Stunden
möglich, wie Dr. E._ gegenüber dem Gericht in seiner Stellungnahme vom 16. Juni
2008 bestätigte (act. G 12). Ausserdem muss das wiederholte Heben von Lasten über
fünf kg unterbleiben. Damit ist der Beschwerdeführerin ein Pensum von vier bis sechs
Stunden am Tag zumutbar, was einer Arbeitsfähigkeit von etwa 50% bis 75%
entspricht. Das Bundesgericht (bis Ende 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht)
stellt bei derartigen Bandbreiten in der Arbeitsfähigkeitsschätzung regelmässig auf den
Mittelwert ab (vgl. das Urteil l 822/04 vom 21. April 2005, Erw. 4.4 mit Hinweisen).
Demgemäss ist aufgrund des Gutachtens vorliegend von einer Arbeitsfähigkeit von
62.5% in einer optimal adaptierten Tätigkeit auszugehen.
5.
5.1 Der Einkommensvergleich gemäss Art. 28 neues Fenster Abs. 2 IVG neues Fenster
(in Verbindung mit Art. 16 neues Fenster ATSG neues Fenster) hat in der Regel in der
Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig
möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der
Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Können die fraglichen
Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden, sind sie nach
Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen
Annäherungswerte miteinander zu vergleichen (BGE 128 V 30 Erw. 1 neues Fenster;
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx831x20xA28&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx831x20&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx830x1xA16&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx830x1&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx128xVx29_34&AnchorTarget=E1
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
AHI 2000 S. 309 Erw. 1a mit Hinweisen). Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss
diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten
bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen.
Das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100%
zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren
Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der
Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter Prozentvergleich; BGE 114 V 313 Erw. 3a neues
Fenster mit Hinweisen; EVGE I 850/05 neues Fenster vom 21. August 2006, Erw. 4.2,
und I 375/05 neues Fenster vom 2. Dezember 2005, Erw. 3.2, Urteil IV.2005.00703 des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 23. November 2006).
5.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens stellt sich die Frage, was die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände
zu erwarten gehabt hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Es entspricht
empirischer Erfahrung, dass die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt
worden wäre, weshalb Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens
häufig der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung
angepasste Verdienst ist (RKUV 1993 S. 100 f., Erw. 3b). Erhielt eine versicherte Person
aus invaliditätsfremden Gründen einen deutlich unter den branchenüblichen Ansätzen
liegenden Lohn, so ist dem bei der Invaliditätsbemessung Rechnung zu tragen, indem
diese Tatsache beim Einkommensvergleich entweder überhaupt nicht oder dann beim
Validen- und Invalideneinkommen zu berücksichtigen ist (BGE 134 V 322, Erw. 4.1). Die
Beschwerdeführerin erzielte das letzte dauerhafte Einkommen (volles Pensum) vor
Eintritt der Invalidität im Jahr 1996. Im Jahr 2004 machte sie lediglich einen
fünfwöchigen Arbeitsversuch. Bereits wegen der kurzen Dauer ist der dafür erzielte
Lohn nicht repräsentativ. Er lag denn auch unter dem Durchschnittseinkommen für
Hilfsarbeiter gemäss den Tabellenlöhnen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung.
Da also keine tauglichen tatsächlichen Zahlen vorliegen, ist es gerechtfertigt, einen
Prozentvergleich vorzunehmen.
5.3 Das Valideneinkommen der Beschwerdeführerin ist mit 100% zu beziffern. Als
Hilfsarbeiterin ist die Beschwerdeführerin noch zu 62.5% arbeitsfähig, womit ihr
Invalideneinkommen grundsätzlich 62.5% beträgt. Die Beschwerdeführerin macht
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx114xVx310_315&AnchorTarget=E3a https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx114xVx310_315&AnchorTarget=E3a https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=AZAxIx850x05&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=AZAxIx375x05&AnchorTarget=
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
jedoch geltend, dass ein "Leidensabzug" von mindestens 20% bis 25 % vorzunehmen
sei.
5.3.1 In der Praxis des Bundesgerichts ist bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens ein Abzug zu berücksichtigen, wenn Versicherte, die in ihrer
letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten, nach Eintritt des
Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur beschränkt einsatzfähig sind,
wenn sie – unabhängig von der früher ausgeübten Tätigkeit – als gesundheitlich
Beeinträchtigte im Rahmen leichter Hilfsarbeitertätigkeiten nicht mehr voll
leistungsfähig sind oder wenn weitere persönliche und berufliche Merkmale wie Alter,
Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben. Der Abzug ist nicht
schematisch vorzunehmen. Vielmehr ist der Einfluss aller Merkmale (leidensbedingte
Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad) auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im
Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Letztlich ist der
Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden
Merkmale auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen (vgl. BGE 126 V 75).
5.3.2 In BGE 134 V 322 hat das Bundesgericht präzisiert, dass bei Vorliegen eines
unterdurchschnittlichen Valideneinkommens zunächst eine Parallelisierung der beiden
Vergleichseinkommen zu erfolgen hat. Erst in einem zweiten Schritt ist bei der
Bemessung des Invalideneinkommens ein allfälliger Abzug zu berücksichtigen. Diese
beiden Instrumente sind also wegen der unterschiedlichen Zweckverfolgung
auseinanderzuhalten. Die Gewährung eines "Leidensabzugs" muss folglich auch beim
Prozentvergleich in einem zweiten Schritt grundsätzlich möglich sein (vgl. insbesondere
die Ausführungen in Erw. 6 von BGE 134 V 322).
5.3.3 Vorliegend fällt ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin gegenüber einem
gesunden Konkurrenten für einen bestimmten Arbeitsplatz ein deutlich höheres
Krankheitsrisiko hat. Aus der Sicht eines ökonomisch denkenden Arbeitgebers senkt
dieses Risiko, dessen Verwirklichung die Gesamtlohnkosten des Betriebes erhöhen
würde, den "Wert" der Beschwerdeführerin als Arbeitnehmerin. Um dies zu
kompensieren und konkurrenzfähig zu bleiben, müsste sie mit einem entsprechend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
tieferen Lohn rechnen. Die Beschwerdeführerin ist körperlich gegenüber einem
gesunden Konkurrenten mit gleichem Teilpensum klar benachteiligt, sodass sie eine
Lohneinbusse wird in Kauf nehmen müssen (vgl. den Entscheid IV 2007/242 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. September 2008, Erw. 4.3).
5.3.4 Die Voraussetzungen für einen leidensbedingten Abzug sind vorliegend auch
erfüllt, weil die Beschwerdeführerin nur noch für leichte Arbeiten mit der Möglichkeit
zum regelmässigen Wechsel der Körperposition eingesetzt werden kann, bei denen sie
keine Gewichte von über rund fünf kg heben und tragen darf, so dass sie auch im
Rahmen angepasster Tätigkeiten möglicherweise mit einem geringeren Lohn zu
rechnen hat. Ebenso fällt ins Gewicht, dass sie das Pensum aufgrund der benötigten
zwei- bis dreistündigen Pause auf den ganzen Tag verteilen muss. Ein Abzug von
maximal 15% ist unter diesen Umständen angemessen (vgl. die höchstrichterlichen
Entscheide 8C_234/2007 vom 14. November 2007 und l 284/05 vom 26. Oktober
2005).
5.4 Dementsprechend sind vom "grundsätzlichen Invalidenlohn" von 62,5% des bei
voller Leistungsfähigkeit statistisch erzielbaren Durchschnittslohns weitere 9,375% (15
x 62.5/100) abzuziehen, was einen Invalidenlohn von 53,125% bzw. einen
Invaliditätsgrad von gerundet 47% ergibt. Der Beschwerdeführerin steht folglich eine
Viertelsrente zu. Die angefochtene Verfügung erweist sich im Ergebnis als korrekt.
5.5 Der Rentenbeginn am 1. August 2004 – zufolge verspäteter Anmeldung – ist
unbestritten und nicht zu beanstanden, zumal im Gutachten von Dr. E._ nicht
ausgeschlossen wurde, dass gewisse die Arbeitsfähigkeit tangierende
Beeinträchtigungen schon längere Zeit bestanden haben.
6.
6.1 Gemäss den oben stehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung im
Ergebnis nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erscheint als angemessen. Sie ist der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Der von ihr geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG