Decision ID: 0736dfdf-980a-5153-9f11-cbd040ccc29f
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X., geb. 1950, lenkte am 9. September 2008 seinen Personenwagen Mercedes,
Kennzeichen SG 00000, auf der S-strasse in Y. Im Bereich des Freibades wurde er von
der Kantonspolizei kontrolliert und einem Atemlufttest unterzogen. Dieser ergab
Blutalkoholkonzentrationen von 0,5 bzw. 0,55 Gew.-‰. X. anerkannte den Wert von
0,5 Gew.-‰. Am 16. September 2008, um 17.55 Uhr, lenkte X. seinen Personenwagen
auf der Autobahn A1 in Richtung Zürich. In Othmarsingen fuhr er gemäss Polizeirapport
im Bereich von Autobahn-Kilometer 86.000 auf dem Überholstreifen auf einer Distanz
von ca. 1'200 m mit einer Geschwindigkeit von rund 100 bis 110 km/h mit einem
Abstand von lediglich 10 bis 15 m zu einem vorausfahrenden Personenwagen. Das
Gerichtspräsidium Lenzburg sprach X. am 19. Mai 2009 der groben
Verkehrsregelverletzung durch ungenügenden Abstand bei Hintereinanderfahren
schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je
Fr. 220.-- und zu einer Busse von Fr. 300.--. X. erhob Berufung beim Obergericht des
Kantons Aargau. Dieses wies die Berufung mit Urteil vom 16. November 2009 ab und
erhöhte in teilweiser Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft
Aargau die Busse auf Fr. 500.--. X. erhob gegen das Urteil des Obergerichts
Beschwerde beim Bundesgericht und rügte unter anderem eine willkürliche
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Beweiswürdigung sowie eine Rechtsverletzung. Das Bundesgericht wies die
Beschwerde mit Urteil vom 25. Februar 2010 ab (BGE 6B_3/2010).
Das Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen hatte wegen der erwähnten
Widerhandlungen am 22. Oktober 2008 ein Administrativmassnahmeverfahren eröffnet
und X. das rechtliche Gehör gewährt. Dabei äusserte dieser durch seinen
Rechtsvertreter am 13. Dezember 2008, die Feststellung und Beurteilung des
Sachverhalts im Untersuchungsverfahren vor dem Bezirksamt Lenzburg seien noch
immer nicht vorangekommen. Da die Feststellung und die Beurteilung des
Sachverhalts erheblichen Einfluss auf den Entscheid im
Administrativmassnahmeverfahren haben würden, dessen Fortgang und Abschluss
aber derzeit nicht abschätzbar sei, sei nach seinem Dafürhalten das
Administrativmassnahmeverfahren bis zum Vorliegen eines Entscheids im
Strafverfahren zu sistieren. In der Folge sistierte das Strassenverkehrsamt am
15. Dezember 2008 das Administrativmassnahmeverfahren bis zum Vorliegen eines
rechtskräftigen Strafentscheids.
Nach der Zustellung des bundesgerichtlichen Urteils vom 25. Februar 2010 gewährte
das Strassenverkehrsamt X. am 15. April 2010 erneut das rechtliche Gehör und teilte
ihm mit, aufgrund des ungenügenden Sicherheitsabstands beim Hintereinanderfahren
werde ein Führerausweisentzug wegen schwerer Verkehrsregelverletzung in Betracht
gezogen. Bei der Fahrt in angetrunkenem Zustand mit 0,50 Gew.-‰ handle es sich um
eine leichte Verkehrsregelverletzung. Dementsprechend sei der Führerausweis für
mindestens drei Monate zu entziehen. X. beantragte mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 14. Mai 2010, der Führerausweis sei gesamthaft für maximal
einen Monat zu entziehen.
Mit Verfügung vom 7. Juni 2010 entzog das Strassenverkehrsamt den Führerausweis
für die Dauer von drei Monaten.
B./ X. erhob mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 18. Juni und 28. Juli 2010
Rekurs und beantragte, die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 7. Juni 2010 sei
insoweit aufzuheben und/bzw. abzuändern, als zu seinen Lasten ein
Führerausweisentzug für eine einen Monat übersteigende Dauer verfügt wurde.
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Die Verwaltungsrekurskommission wies den Rekurs mit Entscheid vom 25. November
2010 ab.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 13. Dezember 2010 erhob X. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission vom 25. November 2010 sei vollumfänglich aufzuheben,
eventualiter sei die Dauer des Warnungsentzuges auf einen Monat zu beschränken,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. In seiner
Beschwerdeergänzung vom 10. Januar 2011 hielt der Beschwerdeführer an seinem
Rechtsbegehren fest. Zur Begründung machte er im wesentlichen geltend, die
Annahme einer schweren Verkehrsregelverletzung bzw. einer schweren
Verkehrsgefährdung sei widerrechtlich und verletze den Grundsatz von Treu und
Glauben. Auf die einzelnen Vorbringen in der Beschwerde wird, soweit wesentlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 19. Januar 2011 unter Hinweis
auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde. Das
Strassenverkehrsamt verzichtete auf eine Vernehmlassung.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 13. Dezember 2010
und 10. Januar 2011 wurden rechtzeitig eingereicht und enthalten einen Antrag, eine
Sachdarstellung und eine Begründung. Insoweit sind die gesetzlichen Anforderungen
erfüllt, weshalb grundsätzlich auf die Beschwerde einzutreten ist (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Im Rekurs beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung des Strassenverkehrsamts
sei insoweit aufzuheben und/bzw. abzuändern, als zu seinen Lasten ein
Führerausweisentzug für eine einen Monat übersteigende Dauer verfügt worden sei. In
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der Beschwerde stellte er den Antrag, der Entscheid der Verwaltungsrekurskommission
sei vollumfänglich aufzuheben, eventualiter sei die Dauer des Warnungsentzuges auf
einen Monat zu beschränken, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Nach Art. 61 Abs. 3 VRP sind im Beschwerdeverfahren neue Begehren unzulässig. Der
Hauptantrag, der Ausweisentzug sei vollumfänglich aufzuheben, ist gegenüber dem
Hauptantrag im Rekurs neu, weshalb nicht darauf eingetreten werden kann.
2. Nach Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt SVG) wird
nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet in Art. 16a bis 16c SVG zwischen leichten, mittelschweren und
schweren Widerhandlungen.
2.1. Eine leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes
Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Nach einer leichten Widerhandlung wird
der Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den
vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (Art. 16a Abs. 2 SVG). Die fehlbare Person wird
verwarnt, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war
und keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Art. 16a Abs. 3 SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG).
Eine schwere Widerhandlung begeht, wer durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln
eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG). Nach einer schweren Widerhandlung wird der Führerausweis für
mindestens drei Monate entzogen (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG).
2.2. Nach der Rechtsprechung ist die Administrativbehörde grundsätzlich an die
Feststellungen in einem Strafurteil gebunden. Die für den Führerausweisentzug
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zuständige Behörde darf von den Sachverhaltsfeststellungen des Strafrichters nur
unter bestimmten, von der Rechtsprechung bezeichneten Umständen abweichen
(BGE 124 II 103 ff.). Eine Abweichung ist nur zulässig, wenn die Entzugsbehörde ihrem
Entscheid Tatsachen zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren, wenn sie
zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der Strafrichter nicht alle sich mit dem
Sachverhalt stellenden Rechtsfragen abgeklärt hat. Die Entzugsbehörde hat vor allem
dann auf die Tatsachen im Strafurteil abzustellen, wenn dieses im ordentlichen
Verfahren durch ein Gericht gefällt wurde (BGE 1C_135/2008 vom 13. August 2008).
Daher ist die Entzugsbehörde zu eigenen Sachverhaltsabklärungen nur dann
verpflichtet, wenn klare Anhaltspunkte bestehen, dass die Feststellungen im Strafurteil
unrichtig sind (BGE 119 Ib 158). Die grundsätzliche Bindung der Verwaltungsbehörden
an Strafurteile bezweckt, voneinander abweichende Würdigungen des gleichen
Beweismaterials durch Straf- und Verwaltungsinstanzen zu vermeiden. Diese
Zielsetzung bedingt nicht, den Rechtsuchenden im Verwaltungsverfahren mit neuen
tatsächlichen Einwendungen gänzlich auszuschliessen. Allerdings sind die
Entzugsbehörden wie erwähnt zu zusätzlichen Beweiserhebungen nur verpflichtet,
soweit hinreichende Anhaltspunkte für einen Fehler bei den Sachverhaltsfeststellungen
des Strafurteils bestehen. Im Regelfall müssen die Administrativbehörden daher nicht
auf Punkte zurückkommen, über die im Strafverfahren Beweise abgenommen wurden
(BGE 6A.68/2002 vom 26. Mai 2003).
Anders verhält es sich bei der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts. Dabei ist die
Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht an den Strafentscheid gebunden. Anders kann
es sich verhalten, wenn die rechtliche Würdigung sehr stark von der Würdigung von
Tatsachen abhängt, die das Strafgericht besser kennt als die Verwaltungsbehörde, was
der Fall sein kann, wenn es den Beschuldigten persönlich einvernommen hat. Diesfalls
kann die Verwaltungsbehörde auch an die rechtliche Qualifikation des Sachverhalts
gebunden sein (BGE 6A.64/2006 vom 20. März 2007 mit Hinweis auf BGE 124 II 103;
BGE 1C_7/2008 vom 24. Juli 2008). Der Entscheid über die Schwere einer
Verkehrsgefährdung ist eine Frage der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts
(BGE 6A.64/2006 vom 20. März 2007 E. 2.1).
2.3. Das Strassenverkehrsamt hat vor seinem Entscheid das Urteil des Strafrichters
abgewartet und das Administrativmassnahmeverfahren auf Antrag des
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Beschwerdeführers bis zum rechtskräftigen Strafentscheid sistiert. Dem
Beschwerdeführer wurde nach dem Abschluss des Strafverfahrens das rechtliche
Gehör hinsichtlich des Vorliegens einer schweren Verkehrsregelverletzung im Sinn von
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG gewährt. Das Strassenverkehrsamt durfte sich sowohl
hinsichtlich der Feststellung des Sachverhalts als auch hinsichtlich der rechtlichen
Würdigung auf das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau stützen. Der
Beschwerdeführer hielt in seinem Sistierungsantrag vom 13. Dezember 2008 selber
fest, die Feststellung und Beurteilung des Sachverhalts im Untersuchungsverfahren
hätten ganz augenscheinlich erheblichen Einfluss auf den Entscheid im
Administrativverfahren. Er berief sich somit selber auf das Ergebnis des
Strafverfahrens.
Es bestand im vorliegenden Fall kein zwingender Grund, der nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts gebot, von den Feststellungen und deren Beurteilung im
Strafverfahren abzuweichen. Namentlich lag ein Fall vor, bei dem die rechtliche
Würdigung eng mit der Feststellung des Sachverhalts zusammenhing.
Ausschlaggebend in tatsächlicher Hinsicht waren im wesentlichen der Abstand
zwischen dem Beschwerdeführer und dem vorausfahrenden Wagen sowie die
gefahrenen Geschwindigkeiten und die konkreten Strassen- und Verkehrsverhältnisse.
Die Frage, inwieweit der eingehaltene Abstand derart ungenügend war, dass die
Gefährdung des Verkehrs bzw. des vorausfahrenden Lenkers als schwer zu
qualifizieren bzw. das Verhalten des Beschwerdeführers als grobes Verschulden zu
taxieren ist, hängt von den erwähnten Sachumständen ab. Daher war sowohl in
tatsächlicher wie auch in rechtlicher Hinsicht eine Anlehnung sowohl an die
Feststellungen als auch an deren rechtliche Beurteilung im Strafurteil geboten.
Zutreffend ist, dass das Strassenverkehrsamt bei der Eröffnung des
Administrativverfahrens davon ausging, es handle sich um eine mittelschwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG. Daraus kann der
Beschwerdeführer aber keinen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens
geltend machen. Eine Zusicherung der Administrativbehörde, sie werde ungeachtet
des Ausgangs des Strafverfahrens bei ihrer vorläufigen rechtlichen Beurteilung bleiben,
war mit dem Schreiben in keiner Art und Weise verbunden. Fehl geht auch der Einwand
des Beschwerdeführers, es könne nicht nachvollzogen werden, weshalb das
Strassenverkehrsamt von seiner im Schreiben vom 22. Oktober 2008 geäusserten
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Ansicht abgewichen sei. Der Grund lag eben darin, dass das rechtskräftige Strafurteil
abgewartet wurde. Der Beschwerdeführer selbst verlangte ausdrücklich eine Sistierung
des Administrativverfahrens bis zum Vorliegen des Strafentscheids. Er musste damit
rechnen, dass sein Verhalten im Strafverfahren als grobe Verkehrsregelverletzung im
Sinn von Art. 90 Ziff. 2 SVG beurteilt werden und dies auf die Beurteilung im
Administrativverfahren einen Einfluss haben könnte. Von einem widersprüchlichen
Verhalten des Strassenverkehrsamts kann im vorliegenden Fall keine Rede sein.
Aufgrund des Schreibens vom 22. Oktober 2008 war klar erkennbar, dass es sich um
eine vorläufige rechtliche Beurteilung des Strassenverkehrsamts handelte. Der
Beschwerdeführer hatte die Möglichkeit, die tatsächlichen Feststellungen und die
rechtliche Würdigung der Vorinstanz anzuerkennen. Diesfalls hätte die Möglichkeit
bestanden, dass das Strassenverkehrsamt entsprechend seiner ursprünglichen
Beurteilung von einer mittelschweren Verkehrsregelverletzung ausgehen würde. Mit
dem Antrag auf Sistierung des Administrativverfahrens ging der Beschwerdeführer das
Risiko ein, dass die Feststellung und Beurteilung des Sachverhalts durch die
Strafbehörden zu seinen Ungunsten ausfiel. Die Beurteilung des aargauischen
Obergerichts ist nun rechtskräftig geworden, und es bestand wie erwähnt kein Grund,
von den darin festgestellten Tatsachen und deren rechtlicher Beurteilung abzuweichen.
Wenn der Beschwerdeführer die vorläufige Beurteilung des Strassenverkehrsamts im
Schreiben vom 22. Oktober 2008 als schützenswerten Vertrauenstatbestand
qualifiziert, steht dies im Widerspruch zu seinen Vorbringen im Sistierungsantrag.
2.4. Der Einwand des Beschwerdeführers, die Administrativbehörde hätte sich nicht auf
die Beurteilung des Strafverfahrens stützen dürfen, sondern hätte eine unabhängige,
selbständige Beurteilung vornehmen müssen, ist nicht stichhaltig. Aufgrund der
bundesgerichtlichen Praxis besteht grundsätzlich eine enge Bindung der
Administrativbehörde an die Strafbehörden; dabei sind die unterschiedlichen
Zuständigkeiten vom Gesetzgeber ausdrücklich vorgeschrieben. Wohl ist eine
Abweichung vom strafrichterlichen Urteil grundsätzlich möglich; im vorliegenden Fall
liegen aber wie erwähnt keine Gründe vor, die ein Abweichen von den tatsächlichen
Feststellungen oder von deren rechtlicher Beurteilung geboten. Von einer Verletzung
von Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101) kann daher nicht gesprochen
werden. Namentlich ist es unzutreffend, dass die Administrativbehörde keine eigene
Beurteilung der Sachlage vornahm. Die Administrativbehörde war bei ihrer Beurteilung
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aber an die von der bundesgerichtlichen Praxis vorgegebenen Rahmenbedingungen
gebunden. Auch hatte sie hinsichtlich der Art und der Dauer der Sanktionen eine
eigene Beurteilung vorzunehmen. Von einer verfassungswidrigen Selbstbindung der
Administrativbehörde an die Beurteilung des Strafgerichts kann daher nicht
gesprochen werden. Auch stellt die vom Bundesgericht gebotene Bindung an die
Strafbehörde bzw. an deren Entscheid keine fehlerhafte Ermessensausübung bzw.
keinen Verzicht auf die Ausübung des Ermessens und keine Rechtsverletzung dar.
Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, Art. 90 SVG unterscheide zwischen
einfachen und groben Verkehrsregelverletzungen, während Art. 16 ff. SVG drei
verschiedene Arten von Verkehrsregelverletzungen regle. Folglich könne nicht gesagt
werden, dass eine einfache Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Ziff. 1 SVG mit
der leichten Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 16a SVG bzw. eine grobe
Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Ziff. 2 SVG mit der schweren
Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 16c SVG gleichzusetzen sei.
Die einfache Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Ziff. 1 SVG umfasst die leichte und
die mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16a bzw. 16b SVG (BGE 1C_383/2009 vom
30. März 2010 mit Hinweis auf BGE 135 II 138 E. 2.4) Gemäss der Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum wörtlich mit der Formulierung von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
übereinstimmenden Art. 90 Ziff. 2 SVG begeht eine grobe Verkehrsregelverletzung, wer
sich rücksichtslos oder sonstwie schwerwiegend regelwidrig verhalten hat. Ein
schweres Verschulden liegt immer vor, wenn sich der Täter der Gefährlichkeit seiner
Fahrweise bewusst ist. Bei fahrlässigem Handeln muss zumindest grobe Fahrlässigkeit
gegeben sein (BGE 1C_356/2009 vom 12. Februar 2010 mit Hinweisen auf Judikatur
und Literatur). Diese Rechtsprechung ist auch bei der Anwendung von Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG zu beachten, zumal der Gesetzgeber diese Bestimmung bei der Revision des
SVG bewusst an den Wortlaut von Art. 90 Ziff. 2 SVG angepasst hat. Dabei hat sich
das Bundesgericht mit abweichenden Ansichten im Schrifttum auseinandergesetzt
(BGE 1C_356/2009 vom 12. Februar 2010 mit Hinweis auf BGE 132 II 234 und H.
Giger, Strassenverkehrsgesetz, 7. Aufl., Zürich 2008, Rz. 11 zu Art. 90). Für die
Annahme einer schweren Widerhandlung bedarf es demnach sowohl einer
qualifizierten objektiven Gefährdung als auch eines qualifizierten Verschuldens
(Botschaft zur Änderung des SVG vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4489).
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Nach der Praxis entspricht somit eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinn von
Art. 90 Ziff. 2 SVG einer schweren Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a
SVG. Hingegen können einfache Verkehrsregelverletzungen im Sinne von Art. 90 Ziff. 1
SVG als mittelschwere wie auch als leichte Verkehrsregelverletzungen im Sinne des
Administrativmassnahmerechts qualifiziert werden. Im vorliegenden Fall spielt dies aber
keine ausschlaggebende Rolle, weil sowohl die Strafbehörden als auch die
Administrativbehörde von einem schweren Fall ausgegangen sind.
Weiter bemängelt der Beschwerdeführer, das Obergericht des Kantons Aargau sei,
wenn auch zu Unrecht, von Grobfahrlässigkeit ausgegangen. Das zwingende und
nötige Erfordernis des Vorsatzes oder Eventualvorsatzes sei nicht gegeben. Da das
Strassenverkehrsamt wie auch die Vorinstanz trotz fehlendem Vorsatz bzw.
Eventualvorsatz sowie ohne eigene Würdigung den Tatbestand von Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG als gegeben erachtet hätten, hätten beide Instanzen diese
Gesetzesbestimmungen verletzt. Diese Rüge ist nicht stichhaltig. Wie erwähnt, ist nach
der Praxis des Bundesgerichts nicht zwingend Vorsatz erforderlich; diese im Schrifttum
geäusserte Auffassung steht nicht im Einklang mit der Praxis des Bundesgerichts. Ob
das Verhalten des Beschwerdeführers als grobfahrlässig oder als eventualvorsätzlich
qualifiziert wird, ist daher nicht entscheidend. Selbst bei grober Fahrlässigkeit ist eine
schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG anzunehmen. Aufgrund
des langen Fahrstrecke mit ungenügendem Abstand muss im übrigen von einem
offensichtlich vorsätzlichen Handeln ausgegangen werden.
2.5. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass Administrativbehörde und
Vorinstanz zu Recht von einer schweren Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG ausgegangen sind. Somit beträgt die gesetzliche
Mindestentzugsdauer drei Monate. Indem das Strassenverkehrsamt die gesetzliche
Mindestdauer angeordnet hat, hat sie der beruflichen Angewiesenheit auf den
Führerausweis in höchstmöglicher Weise Rechnung getragen. Eine weitere Reduktion
der Entzugsdauer ist unzulässig. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz (Erw. 7) verwiesen werden. Somit ist die Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist.
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3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 2'000.-- ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 und
Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht