Decision ID: e5869733-c2de-4de3-a99d-2c4c9a712bb1
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die Eheleute YZ._ und XZ._ wohnen in einem Einfamilienhaus in A._, Politische
Gemeinde B._. Der Ehemann ist als Arzt selbständig erwerbstätig, die Ehefrau arbeitet
in der Arztpraxis des Ehemannes und ist zudem Hausfrau. Das Ehepaar hat zwei
gemeinsame, mittlerweile volljährige Töchter. Die ältere Tochter (geb. 1991) studierte
bis 31. August 2017 an der Universität C._. Die jüngere Tochter, W._ (geb. 1996)
befand sich Ende 2017 noch in der Ausbildung an der Universität D._ (act. 5/7/1.01a).
Gemäss Steuerveranlagung für die Steuerperiode 2017 beliefen sich die Einkünfte von
W._ auf CHF 117 und ihr Reinvermögen auf CHF 297'421 (act. 5/2/10).
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B.
In der Steuererklärung 2017 deklarierten YZ._ und XZ._ einen Kinderabzug von
CHF 10'200 sowie Ausbildungskosten für beide Töchter von insgesamt CHF 17'344
(act. 5/7/1.01a+1.03). Die Veranlagungsbehörde akzeptierte sowohl den Kinderabzug
von CHF 10'200 als auch die Ausbildungskosten für beide Kinder von insgesamt
CHF 17'344 nicht und veranlagte das Ehepaar YZ._ und XZ._ mit Verfügungen vom
19. Februar 2019 für die Kantons- und Gemeindesteuern 2017 mit einem im Kanton
St. Gallen steuerbaren Einkommen von CHF 84'200 zum Satz von CHF 234'700 und
einem im Kanton St. Gallen steuerbaren Vermögen von CHF 9'722'000 zum Satz von
CHF 10'336'000 sowie für die direkte Bundessteuer 2017 mit einem steuerbaren
Einkommen von CHF 220'500 (act. 5/7/2.01, 2.02). Mit Entscheiden vom 29. März 2019
wies das kantonale Steueramt die von YZ._ und XZ._ gegen die beiden
Veranlagungsverfügungen erhobenen Einsprachen ab (act. 5/7/4.01, 4.02). Dagegen
erhob das Ehepaar YZ._ und XZ._ Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission, welche mit Entscheid vom 28. Oktober 2019 die
Rechtsmittel guthiess und die Angelegenheit zu neuer Veranlagung und Ausscheidung

im Sinne der Erwägungen an das kantonale Steueramt zurückwies (act. 2).
C.
Das kantonale Steueramt (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe vom 28. November 2019
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene
Entscheid vom 28. Oktober 2019 sei aufzuheben, und die Einspracheentscheide vom
29. März 2019 seien zu bestätigen (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 2. Dezember 2019
verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und
beantragte die Abweisung der Beschwerde (act. 4). Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters
vom 23. Dezember 2019 nahmen YZ._ und XZ._ (Beschwerdegegner) Stellung zum
Verfahren und beantragten die Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer (act. 7.1). Die Eidgenössische
Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte) liess sich mit Eingabe vom 23. Dezember
2019 ebenfalls vernehmen und beantragten die Gutheissung der Beschwerde zulasten
der Beschwerdegegner (act. 8). Dazu nahmen die Beschwerdegegner mit Eingabe vom
7. Januar 2020 Stellung (act. 10), worauf die Beschwerdebeteiligte sich am 31. Januar
2020 äusserte (act. 13).
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die streitigen Einkommenssteuerveranlagungen fallen unter die harmonisierte
Steuergesetzgebung. Die Vorinstanz erledigte deshalb den Rekurs betreffend Kantons-
und Gemeindesteuern einerseits und die Beschwerde betreffend direkte Bundessteuer
andererseits zu Recht im gleichen Entscheid, aber mit getrennten Dispositivziffern;
unter diesen Umständen durften auch die Beschwerdeführer die Beschwerden in einer
gemeinsamen Rechtsschrift erheben (BGE 135 II 206 E. 1.3.4). Ebenso ist es zulässig,
dass das Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen Urteil entscheidet (vgl.
BGer 2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2).
2.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 196 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2 der Verordnung zum
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 145 des Gesetzes über
die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerde
legitimiert, und die Eingabe vom 28. November 2019 entspricht zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 StG in Verbindung mit
Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP; Art. 145 in Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 und 2 DBG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
3.
Strittig ist einzig, ob die jüngere, in Ausbildung stehende Tochter der
Beschwerdegegner gehalten ist, auf die Substanz ihres Vermögens zurückzugreifen,
oder aber, ob ihre Eltern in der Steuerperiode 2017 sowohl bei der direkten
Bundessteuer als auch bei den kantonalen Steuern den Kinderabzug bzw. die Kosten
für die Ausbildungskosten geltend machen können. Fest steht dabei, dass die Tochter
im Wertschriften- und Guthabenverzeichnis der Steuererklärung 2017 Vermögenswerte
von insgesamt CHF 297'421 deklarierte, wobei es sich dabei um liquide
Kontoguthaben handelt. Nach dem Abzug für alleinstehende Steuerpflichtige von
CHF 75'000 belief sich ihr steuerbares Vermögen gemäss Veranlagungsberechnung für
die Steuerperiode 2017 demnach auf CHF 222'000. Die Erträge auf den Guthaben
betrugen insgesamt CHF 117; weitere Einkünfte sind nicht vorhanden, weshalb sich
das steuerbare Einkommen im Jahr 2017 auf CHF 0 belief (vgl. act. 5/2/10).
Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zum Kinderabzug gemäss Art. 48 Abs. 1
3.1.
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lit. a Ziff. 2 StG bzw. Art. 35 Abs. lit. a DBG und zum Abzug der Ausbildungskosten
gemäss Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 StG (E. 4c/aa-cc des angefochtenen Entscheids) sind
korrekt, weshalb – anstelle von Wiederholungen – darauf verwiesen werden kann.
Voraussetzung für den Kinderabzug ist demnach, dass das mündige, sich in
Ausbildung befindende Kind auf die Unterstützungsleistungen der Eltern angewiesen
ist, das heisst unterstützungsbedürftig ist. Dies ist nicht der Fall, wenn das volljährige
Kind trotz seiner Ausbildung in der Lage ist, seinen Unterhalt aus seinem Arbeitserwerb
oder anderen Mitteln selber zu bestreiten. Dabei sind die Einkommens- und
Vermögensverhältnisse des Kindes zu berücksichtigen, soweit deren Verwertung zur
Finanzierung des Lebensunterhalts zumutbar erscheint (vgl. BGer 2C_357/2010 vom
14. Juni 2011 E. 2.1; VerwGE B 2007/142 vom 12. Februar 2008 E. 2.4.3, in: SGE 2008
Nr. 1). Vorausgesetzt wird, dass die Eltern mindestens Beiträge in der Höhe des
Sozialabzuges erbringen und das mündige Kind auf den Unterhaltsbeitrag angewiesen
ist. Letzteres ist nicht der Fall, wenn das mündige Kind trotz seiner Ausbildung in der
Lage ist, seinen Unterhalt aus seinem Arbeitserwerb oder anderen Mitteln selbst zu
bestreiten (vgl. BGer 2C_516/2013, 2C_517/2013 vom 4. Februar 2014 E. 2.1).
Die Auffassung der Vorinstanz, wonach das volljährige Kind nicht gehalten werden
könne, auf die Substanz seines Vermögens zu greifen, sofern die Eltern über ein
überdurchschnittliches Einkommen verfügen (so Richner/Frei/Kaufamnn/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N 41 zu Art. 35 DBG mit Verweis auf die
zürcherische Rechtsprechung), lässt sich nicht mit der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung vereinbaren. Vielmehr ist der Kinderabzug in Übereinstimmung der
Ausführungen der Beschwerdebeteiligten in ihrer Stellungnahme vom 23. Dezember
2019 nicht an die zivilrechtliche Unterstützungspflicht der Eltern anzuknüpfen, sondern
er stellt einen Sozialabzug dar, der auf das subjektive Nettoprinzip zurückzuführen ist.
Nach diesem aus dem Grundsatz der Gesamtreineinkommensbesteuerung
abgeleiteten Prinzip sind die Kosten des notwendigsten Existenzbedarfs aus der
Steuerbemessungsgrundlage auszuscheiden. Was jemand notwendigerweise für sich,
seine Familienangehörigen oder für unterstützungsbedürftige Personen verwendet,
steht zur Steuerzahlung nicht zur Verfügung und darf deshalb auch nicht als Massstab
steuerlicher Leistungsfähigkeit herangezogen werden (vgl. dazu Reich/Hunziker, in:
Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz
über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl. 2017, N 18 zu Art. 25 DBG). Wenn das
mündige Kind demnach, obwohl es sich in Ausbildung befindet, fähig ist, die Kosten für
seinen Unterhalt selber zu tragen, dienen allfällige Beiträge der Eltern nicht mehr dem
notwendigen Unterhalt und es besteht keine elterliche Unterstützungspflicht mehr.
3.2.
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Wenn in solchen Situationen trotzdem Beiträge der Eltern bezahlt werden, so besteht
kein Grund, diese freiwilligen Zuwendungen zum Kinderabzug zuzulassen (so auch
Urteil des Steuergerichts Solothurn SGSTA.2013.48; BST.2013.49 vom 12. Januar
2015 E. 4, in: KSGE 2015 Nr. 7). Im Übrigen geht selbst die zürcherische
Rechtsprechung, auf welche sich die Kommentierung von Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter stützt, davon aus, dass eine zurückhaltende Beurteilung angebracht sei, soweit
es sich um Leistungen handle, die vom Steuerpflichtigen lediglich aufgrund einer
moralischen oder sittlichen Pflicht oder aus seiner persönlichen Lebenseinstellung
erbracht würden, das heisst ohne dass er zu entsprechenden Unterhaltsleistungen
zivilrechtlich verpflichtet sei (vgl. Entscheid der Steuerrekurskommission des Kantons
Zürich ST.2010.184, DB.2010.135 vom 7. September 2010 E. 2a).
Soweit ersichtlich befasste sich das Bundesgericht lediglich in BGer 2C_357/2010 vom
14. Juni 2011 mit der Frage, ob aufgrund vorhandenen Vermögens des Kindes den
Eltern bzw. dem Elternteil der Kinderabzug zu gewähren sei oder nicht. Dabei ging es
um einen in der strittigen Veranlagungsperiode 21-jährigen Sohn in Erstausbildung,
welchem eine Versicherungssumme von insgesamt CHF 700'000 ausbezahlt worden
war. Das Bundesgericht kam zusammenfassend zum Schluss, die Verwertung des
Vermögens zur Finanzierung des Lebensunterhalts sei bei dieser Sachlage zumutbar
(E. 3.2). Es äusserte sich dabei weder zu den Einkommensverhältnissen des Sohnes
noch zur Höhe der Vermögenserträge.
Die von den Verfahrensbeteiligten zitierten Bundesgerichtsentscheide 2C_516/2013,
2C_517/2013 vom 4. Februar 2014 sowie 2C_995/2017 vom 6. Juni 2018 sind
vorliegend bereits deshalb nicht einschlägig, weil die Kinder jeweils über Einkommen
von mehr als CHF 25'000 verfügten. Auch aus dem angeführten BGer 2A.323/2003
lässt sich für die Beantwortung der vorliegenden Frage nichts Entscheidendes
herleiten, ging es dabei lediglich darum, dass der Kinderabzug selbst dann zulässig sei,
wenn das Kind zwar über Erwerbseinkünfte verfüge, diese aber nicht ausreichend
seien. Soweit die Beschwerdegegner mit den Ausführungen, wonach gemäss
verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung die Einkommenssituation des Kindes zu
berücksichtigten sei, geltend machen wollen, das Kind müsse in jedem Fall über
Einkommen verfügen, um einen Kinderabzug zu verneinen, kann diese Auffassung den
Entscheiden des Verwaltungsgerichts nicht entnommen werden. Der Entscheid B
2016/41 vom 28. September 2017 äussert sich in keiner Weise über die
Vermögenslage des Kindes; geprüft wurde einzig, ob aufgrund der aktenkundigen
Einkommensverhältnisse der Kinderabzug zu gewähren war oder nicht. Im Entscheid
3.3.
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B 2015/324, 325 vom 26. Oktober 2017 verfügte die Tochter über genügend eigenes
Einkommen, weshalb die Vermögenslage ebenfalls nicht geprüft wurde. Auch aus dem
Entscheid B 2007/142 vom 12. Februar 2008 (in: SGE 2008 Nr. 1) lässt sich nichts
zugunsten oder zulasten der vorliegend zu beantwortenden Fragestellung herleiten,
ging es dort doch lediglich um ein Vermögen von CHF 30'000, welches aufgrund seiner
geringe Höhe offensichtlich als rasch aufgezehrt betrachtet wurde, würde es für den
Lebensunterhalt verwendet.
Das Kreisschreiben Nr. 30 der Eidgenössischen Steuerverwaltung vom 21. Dezember
2010 (Ehepaar- und Familienbesteuerung nach dem Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, nachfolgend KS Nr. 30) sieht vor, dass der Kinderabzug dann nicht
beansprucht werden könne, wenn das Kind ein Einkommen erziele, das ihm den
selbstständigen Unterhalt ermögliche. Als Beispiel wird im Kreisschreiben sodann auch
angeführt, dass der Kinderabzug dann nicht gewährt werde, wenn das Kind über ein
umfangreiches Vermögen verfüge, dessen Erträge einen selbstständigen Unterhalt des
Kindes erlauben (KS Nr. 30 Ziff. 10.3). Damit hat sich das Kreisschreiben nicht
abschliessend ("beispielsweise") dazu geäussert, ob der Rückgriff auf das
Vermögenssubstrat zulässig sein soll oder nicht. Im Übrigen richtet sich das KS Nr. 30
in erster Linie an das (kantonale) Steueramt. Es stellt demgegenüber für die
Steuerjustizbehörden eine nicht verbindliche Anweisung zur Auslegung der
Steuergesetze dar. Kreisschreiben, wie das angeführte, sind vom Gericht aber
immerhin bei seiner Entscheidung mitzuberücksichtigen, sofern sie im konkreten
Einzelfall eine sachgerechte Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmung
erlauben (BGE 121 II 473 E. 2b). Soweit die Beschwerdegegner Ausführungen zum
Bundesgesetz über die steuerliche Behandlung der berufsorientierten Aus- und
Weiterbildungskosten machen, können sie daraus nichts zugunsten ihrer Begehren
ableiten. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern ein Zusammenhang mit der Frage des
Kinderabzugs bzw. des Abzugs für Ausbildungskosten besteht. Bei der mit diesem
Gesetz geänderten Steuergesetzgebung geht es um die Abzugsfähigkeit von
berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten (allgemeiner Abzug nach Art. 45
Abs. 1 lit. j StG bzw. Art. 33 Abs. 1 lit. j DBG), unabhängig von der Einkommens- und
Vermögenslage des Steuerpflichtigen. Beim Kinderabzug (Sozialabzug nach Art. 48
StG bzw. Art. 35 DBG) geht es demgegenüber darum, ob die Eltern eines volljährigen,
sich in Erstausbildung befindlichen Kindes (zur Hauptsache) für den Unterhalt
aufkommen, bzw. ob das Kind auf die (finanzielle) Unterstützung der Eltern angewiesen
ist. Sowohl die allgemeinen Abzüge als auch die Sozialabzüge dienen der Realisierung
des subjektiven Nettoprinzips, das heisst, sie sollen die Brücke zwischen dem
3.4.
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4.
Zu klären ist folglich, ob die Tochter der Beschwerdegegner angesichts der Höhe ihres
Vermögens auf die (finanzielle) Unterstützung der Eltern angewiesen ist bzw. ob ihr ein
Vermögensverzehr zur Bestreitung des Lebensunterhalts 2017 zumutbar war.
Gesamtreineinkommen und dem um bestimmte, dem notwendigen Existenzbedarf
zuzuschreibende Aufwendungen bereinigten Einkommen schlagen. Die von den
Sozialabzügen anvisierte Besteuerung nach der subjektiven, wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit fokussiert auf die Berücksichtigung der sittlich oder rechtlich
bedingten Pflichten des Steuerpflichtigen gegenüber nahestehenden Personen (vgl.
Baumgartner/Eichenberger, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], a.a.O., N 1, 1a zu Art. 35 DBG).
Im Lichte der oben angeführten bundesgerichtlichen Rechtsprechung betrachtet muss
es zusammenfassend möglich sein, bei der Beurteilung, ob das volljährige, in
Ausbildung stehende Kind auf die Unterstützung der Eltern angewiesen ist oder nicht,
auch dessen Vermögensverhältnisse zu berücksichtigen, wobei ein Bezug aus dem
Vermögen zumutbar sein muss.
3.5.
Bei der Abklärung eines zumutbaren Vermögensverzehrs ist das steuerbare Vermögen
massgebend. Dieses Vorgehen berücksichtigt die Prämisse, dass es nicht zumutbar
sein darf, die eigenen Mittel zuerst gänzlich aufzubrauchen, bevor die gesetzlich
vorgesehene familienrechtliche Unterstützung steuerlich anerkannt wird. Soweit
ersichtlich sind im sozialen Rechtsstaat Pflichten zum Vermögensverzehr in der Regel
mit Freibeträgen verbunden. So wird bei der Bemessung von Ergänzungsleistungen
(zur AHV und IV) für Alleinstehende ein Freibetrag von CHF 37'500 zugestanden (vgl.
Art. 11 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, SR 831.30, ELG). Insoweit verlangt der
Staat bei den Ergänzungsleistungen keinen vollständigen Vermögensverzehr und
erbringt trotzdem Geldleistungen zur Sicherung der individuellen
Lebenshaltungskosten.
Letztlich liegt es ja auch im Interesse des Staates, wenn in der Ausbildung stehende
volljährige Kinder selber über einen angemessenen, durch die Lebenshaltung nicht zu
verzehrenden Vermögensbetrag verfügen, mit dem sie allfällige Unwägbarkeiten bei
ihrer beruflichen Ausbildung und beim bevorstehenden Berufseinstieg selber decken
können (vgl. Entscheid des Steuergerichts Solothurn SGSTA.2013.48, BST.2013.49
vom 12. Januar 2015 E. 4.4.2). Davon geht im Übrigen auch der Beschwerdeführer aus,
4.1.
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indem nach seiner Ansicht die Verwertung des Vermögens zur Finanzierung des
Lebensunterhalts – in Anlehnung an den Sozialabzug nach Art. 64 Abs. 1 lit. a StG – bei
einem Vermögen über CHF 75'000 grundsätzlich als möglich erscheine (vgl. act. 1
Ziff. 10a). Damit ist vorliegend das steuerbare Vermögen der Tochter von CHF 222'000
(vgl. act. 5/2/10) massgebend. Für die Verwertbarkeit des Vermögens dürfte dabei wohl
genügen, wenn das Vermögen leicht verwertbar und verschiebbar ist. Letztendlich
braucht diese Frage im vorliegenden Verfahren jedoch nicht beantwortet werden, da
das Vermögen der Tochter aus liquidem Barvermögen besteht.
Bei der Gegenüberstellung des Vermögens mit den Ausbildungskosten ist weiter auf
die gesamten Kosten abzustellen, das heisst einschliesslich der Kosten der
schulischen und beruflichen Ausbildung. Dabei kann und darf auch auf
Durchschnittswerte abgestellt werden (vgl. BGer 2C_516/2013, 2C_517/2013 vom
4. Februar 2014 E. 2.3). Gemäss dem vom Bundesamt für Statistik erstellten Dokument
"Studien- und Lebensbedingungen an den Schweizer Hochschulen" aus dem Jahr
2017 betragen die monatlichen Ausgaben der Studierenden ausserhalb des
Elternhauses zwischen CHF 1'595 und CHF 2'673 (Meridian: CHF 2'025; vgl. Ziff. 5.1
des Berichts, abrufbar unter www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-
datenbanken/publikationen.html). Die jährlichen Ausgaben betragen demnach
zwischen rund CHF 19'000 und CHF 32'000. Soweit der Beschwerdeführer den
notwendigen Unterhalt der Tochter der Beschwerdegegner zwischen CHF 20'000 und
CHF 25'000 festgelegt hat, lässt sich dies nicht beanstanden.
4.2.
Für die Feststellung der Unterstützungsbedürftigkeit behelfen sich mehrere Kantone in
der Praxis bestimmter Einkommens- und Vermögensobergrenzen (so etwa Zürich, Bern
oder Basel-Stadt; vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 68 zu Art. 68 DBG).
Gemäss St. Galler Steuerbuch wird ein allfälliger Beitrag des Kindes von Fall zu Fall
nach den konkreten Umständen ermittelt und zu den gesamten, notwendigen
Lebenshaltungskosten ins Verhältnis gesetzt. Bis zu Erwerbseinkünften von
CHF 15'000 pro Jahr dürfe davon ausgegangen werden, dass das Kind daraus nicht
zur Hauptsache selbst einen Unterhalt bestreiten könne. Einem Kind, das eigene
Einkünfte erziele, stehe zudem in jedem Fall ein Betrag von CHF 6'000 pro Jahr zur
freien Verfügung. Inwieweit andere Mittel des Kindes wie Renteneinkommen,
Vermögenserträge und Vermögensverzehr zur Entlastung der Eltern angerechnet
werden müssten, könne nur im Einzelfall beurteilt werden (vgl. StB 48 Nr. 1 Ziff. 2.2.2).
4.3.
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5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen und der
angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 28. Oktober 2019 aufzuheben ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Beschwerdeverfahren
den Beschwerdegegnern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP; Art. 145 in Verbindung mit
Art. 144 Abs. 1 DBG). Entscheidgebühren von CHF 1'800 für das Verfahren betreffend
Kantons- und Gemeindesteuern und von CHF 1'200 für das Verfahren betreffend
direkte Bundessteuer, insgesamt also CHF 3'000, sind angemessen (Art. 145 in
Verbindung mit Art. 144 Abs. 5 DBG; Art.7 Ziff. 222 Gerichtskostenverordnung, sGS
Wie dargelegt vermag die Tochter der Beschwerdegegner mit ihrem Einkommen ihren
Bedarf nicht zu decken; es resultiert vielmehr eine Unterdeckung in der Höhe des
Bedarfs. Der Beschwerdeführer erachtet jedoch einen Vermögensverzehr von
10 Prozent pro Jahr (analog der Regelung im Kanton Schwyz) als zumutbar. Gründe,
die gegen die Verwertung der Bankguthaben in diesem Umfang sprechen, ergeben
sich weder aus den Akten noch wurden solche von den Verfahrensbeteiligten
vorgebracht. Vermöchten die Möglichkeiten für den späteren sinnvollen Einsatz von
Vermögenswerten die Unzumutbarkeit des Vermögensverzehrs zu begründen, wäre die
Berücksichtigung der Vermögensverhältnisse praktisch ausnahmslos ausgeschlossen.
Weiter erscheint auch die von der Beschwerdebeteiligten angestellte Berechnung in
ihrer Stellungnahme vom 23. Dezember 2019 nachvollziehbar: Ausgehend von einem
Unterhaltsbedarf von CHF 27'617 und einer Studiendauer von 5 Jahren fielen Kosten
von insgesamt CHF 138'085 an. Nach Beendigung des Studiums verbliebe der Tochter
diesfalls rechnerisch nach wie vor CHF 160'000 am Vermögen bzw. CHF 85'000
steuerbares Vermögen (vgl. act. 8 Ziff. 3). Schliesslich sieht die Stipendienverordnung
(sGS 211.51, StipV) vor, dass zum einen wenigstens ein jährliches Einkommen von
CHF 6'000 angerechnet wird (vgl. Art. 23 Abs. 1 StipV). Zum andern wird der nach
Abzug eines Freibetrags verbleibende Rest des Vermögens als Eigenleistung
angerechnet (vgl. Art. 24 Abs. 1 StipV), wobei der Freibetrag für eine nicht verheiratete
Person CHF 15'000 beträgt (Art. 24 Abs. 2 lit. a StipV). Das anrechenbare Vermögen
wird dabei auf die verbleibende ordentliche Ausbildungsdauer anteilsmässig verteilt.
Erhöht sich das Reinvermögen während der Ausbildung, wird das anrechenbare
Vermögen neu berechnet und anteilmässig auf die verbleibenden Ausbildungsjahre
verteilt (Art. 24 Abs. 2 StipV). Unter den dargelegten Umständen ist der Tochter der
Beschwerdegegner in der Steuerperiode 2017 durchaus zuzumuten, zur Finanzierung
ihres Unterhalts auf das vorhandene Vermögen zurückzugreifen. Dementsprechend
verweigerte der Beschwerdeführer den Beschwerdegegnern zu Recht sowohl den
Kinderabzug als auch den Abzug der Ausbildungskosten.
4.4.
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941.12). Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 98
VRP; Art. 144 Abs. 4 DBG in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
das Verwaltungsverfahren, SR 172.021).
Bei Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen über die amtlichen
Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu entscheiden. In der Regel erfolgt die
entsprechende Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und deren Anteile analog
dem Rechtsmittelentscheid (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 103). Die amtlichen Kosten
für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren vor der Vorinstanz von insgesamt
CHF 1'200 (je CHF 600) sind somit ebenfalls vollumfänglich den Beschwerdegegnern
aufzuerlegen.