Decision ID: 57beb648-73de-5cc9-a825-62786bcb5418
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1969 geborene X._, Mutter von zwei Kindern (Jahrgang 1997 und 1999), war von 2005 bis 2009 als Mitarbeiterin Gastronomie bei der Y._ (Urk. 7/12) und ab 2009 als Aushilfs-Schuhmodeberaterin bei der Z._ tätig (Urk. 7/24). Am 17. Mai 2009 meldete sie sich unter Hinweis auf ein
Sjoegren
-Syndrom bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen, veranlasste eine Abklärung im Haushalt (Urk. 7/25) und wies mit Verfügung vom 20. August 2010 bei einem Invaliditätsgrad von 7 % das Leistungsbegehren ab (Urk. 7/30).
Am 15. Januar 2015 meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf
das
Sjoegren
-Syndrom
erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/35). Mit Mitteilungen vom 27. März 2015 und 9. Juli 2015 gewährte die IV-Stelle der Versicherten Frühinterventionsmassnahmen in Form von Arbeitsvermittlung (Urk. 7/51, Urk. 7/61). Am 3. Dezember 2015 wurde die Arbeitsvermittlung erfolglos abge
schlossen (Urk. 7/66). In der Folge liess die IV-Stelle die Versicherte insbe
son
dere polydisziplinär begutachten (Expertise vom 3. Oktober 2016; Urk. 7/96).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/101, Urk. 7/105) wies sie d
as Leistungsbegehren mit Verfügung vom 14. Juni 2017 (Urk. 7/109 = Urk. 2) ab.
2.
Die Versicherte erhob am 21. Juli 2017 Beschwerde (Urk. 1) gegen die Verfügung vom 14. Juni 2017 (Urk. 2) und beantragte deren Aufhebung und die
Zu
sprache
einer
Dreiviertelsrente
rückwirkend ab 1. Juli 2015. Die Angelegenheit sei zwecks Rentenberechnung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Eventuell sei die Angelegenheit zwecks weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen (S. 2). Am 16. Oktober 2017 (Urk. 6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2. November 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Renten
be
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für
die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Augu
st 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszu
sta
n
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
be
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.2
Gemäss Art. 57a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit.
Die Parteien können innerhalb einer Frist von 30 Tagen bei der IV-Stelle münd
lich oder schriftlich Einwände zum Vorbescheid vorbringen (Art. 73
ter
Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]). Her
nach entscheidet die IV-Stelle mittels Verfügung, wobei sie sich darin mit den für den Beschluss relevanten Einwänden der Parteien auseinanderzusetzen hat (Art. 74 Abs. 1 und 2 IVV).
Die von den kantonalen IV-Stellen erlassenen Verfügungen sind sodann – in Ab
weichung von Art. 52 und Art. 58 ATSG – ohne vorgängiges Einsprache-verfahren direkt beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar (Art. 69 Abs. 1
lit
. a IVG).
1.3
Nach Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor Erlass von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind – was auf
Verfügungen über Leistungen der Invalidenversicherung nach dem Gesagten nich
t zutrifft –, nicht angehört werden müssen.
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der expli
ziten gesetzlichen Regelung in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs. 2 der Bun
desverfassung (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 180 E. 1a), ist das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1). Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der betroffenen Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der
Entscheidfindung
zu berücksichtigen, weshalb sie ihren Entscheid zu begründen hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre Verfügungen – sofern sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG) – zu begründen, bezweckt insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu versetzen, eine Verfügung gegebenenfalls sach
gerecht anfechten zu können (BGE 124 V 180 E. 1a, vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hinweisen).
Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begrün
dung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält. Es muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der ver
sicherten Person seien zur Kenntnis genommen und geprüft worden (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, N 56 zu Art. 49, mit Hinweis auf BGE 124 V 180).
1.4
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Daher führt dessen Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Vorbehalten bleiben
praxis
ge-mäss
Fälle, in denen die Verletzung des Begründungsrechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör
verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch
Rechtsfragen uneingeschränkt überprüft. Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Hei
lung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem forma
lis
tischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob sich seit Erlass der anspruchsverneinenden Ver
fügung vom 20. August 2010 (Urk. 7/30) eine anspruchsrelevante Veränderung ergeben hat (vgl. vorstehend E. 1.1).
Der
Verfügung vom 2
0.
August 2010
(Urk. 7/30)
lagen im Wesentlichen die
nach
folgenden Berichte zugrunde:
Die Fachpersonen der A._ berichteten am 2. März 2009 über
eine
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin vom 9. bis 28. Februar 2009 (Urk. 7/18/5-8)
und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21)
-
Sjögren
-Syndrom, Erstdiagnose 2005
Der Beschwerdeführerin sei eine ambulante psychotherapeutische Behandlung empfohlen worden. Eine tagesklinische Betreuung sei nicht notwendig (S. 4).
2.2
Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für medizinische Onkologie, führte mit Bericht vom 10. Juni 2009 (Urk. 7/8/6-7) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit 1998 (Ziff. 1.2), und nannte als Diagnosen eine chronische
Blepharokonjunktivitis
sicca
bei
Sjögren
-Syndrom bestehend seit zirka 2001 und ein depressives Zustandsbild seit zirka 2005 (Ziff. 1.1). Die bisherige Tätigkeit im Verkauf im C._ sei der Beschwerdeführerin kaum mehr zumutbar. Die Leistungs
fähigkeit sei aufgrund der Unmöglichkeit der Selbsttherapie und dem Stehen im Luftzug vermindert (Ziff. 1.7).
2.3
Dr. med. D._, Fachärztin für
Ophthalmologie
, führte mit Bericht vom 15. Juni 2009 (Urk. 7/9/5-7) aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit August 2008 (Ziff. 1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
ausgeprägtes
Sicca
-Syndrom bei hochgradigem Verdacht auf
Sjögren
-Syndrom
-
chronische
Blepharokonjunktivitis
seit Oktober 2000
Die Beschwerdeführerin sei gelernte Bankkauffrau und könnte diesen Beruf ausüben, sofern das Arbeitspensum nicht mehr als vier Stunden pro Tag betrage und sich Tätigkeiten wie Kundenbetreuung und Computertätigkeit abwechseln würden. In einer angepassten Tätigkeit bestehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 50-60 %, je nach Umgebung des Arbeitsplatzes. Auch im Haushalt müssten die Tätigkeiten regelmässig unterbrochen werden, um die Augentropfen zu applizieren (Ziff. 1.10).
2.4
Dr. E._, Fachärztin für Ophthalmologie, F._, Augenpoliklinik, nannte mit Bericht vom 17. Juni 2009 (Urk. 7/10) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Keratitis
filiformis
und schwere
Sicca-Keratopathie
-
schwere Benetzungsstörung der Hornhaut beidseits bei Verdacht auf
Sjögren
-Syndrom
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Angestellte in einem Schuhgeschäft be
stehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6).
2.5
Dr. med. G._, praktischer Arzt, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte mit Stellungnahme vom 5. Februar 2010 (Urk. 7/27/5) aus, die von der Augenklink attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit könne nachvoll
zogen werden (dies seit Januar 2006). Behinderungsangepasste Tätigkeiten (in geschlossenen Räumen mit angepasster Luftfeuchtigkeit, guten Lichtverhält
nissen, keinem häufigen Kundenkontakt und gelegentlicher PC Tätigkeit) seien zu 70 % zumutbar. Eine medizinische Neubeurteilung sollte bedarfsweise in zwei Jahren erfolgen.
2.6
Im Bericht vom 3. Mai 2010 über die am 23. März 2010 durchgeführte
Haus
haltabklärung
(Urk. 7/25)
qualifizierte die Abklärungsperson die Beschwerde
füh
rerin
als zu 40 %
im Erwerbsbereich
und zu 60 %
im Haushalt Tätige
(Ziff. 2.5, Ziff. 7)
.
Die Abklärung ergab eine Einschränkung im Haushaltsbereich von
12
% (Ziff.
6.8
).
2.7
Gestützt auf diese Aktenlage verneinte die Beschwerdegegnerin bei einem Invaliditätsgrad von 7.20 % einen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin (Urk. 10/30).
3.
3.1
Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 14. Juni 2017 (Urk.
2)
lagen im Wesentlichen die folgenden Arztberichte vor:
Dr. B._ nannte mit Bericht vom 21. Februar 2015 (Urk. 7/44/7-11) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Sjögren
-Syndrom, Erstdiagnose (ED) 2001
-
mit chronischer schwerer
Blepharokonjunktivitis
sicca
-
seit August 2014 systemische Manifestation mit ausgeprägten
Poly
arth
ralgien
der mittleren und grossen Gelenke
-
depressives Zustandsbild seit zirka 2005
Die
Beschwerdeführerin
habe eine kaufmännische Ausbildung mit mehrjähriger Berufserfahrung. Diese könne sie jedoch definitiv nicht mehr ausüben, da sie bereits nach kurzer Bildschirmarbeit praktisch im 10-15 Minuten Takt Augen
tropfen benötige und die
Konjuktivitis
zunehme. Ideal würde eine geschützte Stelle, ohne Klimatisierung und Luftzug und ohne Bildschirmarbeit sein. Die Arbeitseffizienz sei dabei mit Sicherheit reduziert. Zurzeit arbeite sie zu 30 % als Verkäuferin in einem Schuhdiscounter und stehe bereits mit dieser Belas
tung und den aktuellen Symptomen an der Grenze zur Dekompensation (Ziff. 1.6).
3.2
Dr. D._ nannte mit Bericht vom 12. März 2015 (Urk. 7/49/1-5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
M.
Sjögren
seit Oktober 2000 mit extremer
Sicca-Keratokonjunktivitis
, beidseits
-
chronisch rezidivierende Blepharitis
-
Cataracta
corticonuclearis
et
subcapsularis
posterior
-
Zustand nach Episkleritis März 2014
-
Strabismus
divergens
links
-
rezidivierende Stomatitis
-
sekundäre depressive Verstimmung mit chronischen Schlafstörungen
-
rheumatisches Beschwerdebild mit Schmerzen am gesamten Bewegungs
apparat seit August 2014
Für die
zuletzt
aus
geführte Tätigkeit als Bankkauffrau, welche
die
Beschwerde
-
führerin bis Mai 1997 aus
ge
übt
habe
, besteh
e
eine Arbeitsunfähig
keit für 70
%. Eine ausschliessliche Bürotätigkeit am Computer
könne lediglich für maximal
zwei
Stunden
pro Tag durchgeführt werden. Nach
zwei
Stunden PC-Tätigkeit w
ü
rden die Augen der Patientin e
xtrem rot, die Augenschmerzen nä
hmen zu
und das Nahsehvermögen verschlechter
e
sich. Für die Tätigkeit im Verkauf, wie sie von der Beschwerdeführerin von Januar 2005
bis
April 2009 wahrgenom
men
worden sei
, besteh
e
eine Arbeitsunfähigke
it von mindestens 50
%. Durch ständigen Kundenkontakt
und
thermische Einflussfaktoren durc
h das Aufberei
ten von Backwaren
sei
eine ausreichende Befeuchtu
ng und damit notwendige Pflege
der Hornhautsituation nicht möglich
. Die
Beschwerdeführerin
sei
seit April 2010 zu 30
%
als Verkaufsberaterin und stellvertretende Filialleiterin in
einem Schuhgeschäft teilzeitangestell
t. Auch in diesem Berufsfeld würde eine
medi
zinisch begründete Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 % gelten (Ziff. 1.6).
Auf augenärztlichem Gebiet
sei
es durch die neu diagnostizierte hintere Schalentrübung zu einer Verschlechterung gekommen. In kurzen Intervallen
träten
darüber hinaus Entzü
ndungszustände beider Augen auf (zum Beispiel
Episkleritis oder B
l
epharitis
posterior
). Wenn auf häufiges Tropfen verzichtet
werde
,
nehme
die Sehschärfe ab. Seit
August
2014
seien
Schmerzen am ganzen Bewegungsapparat am Tag und in der Nacht vorhanden
.
Mit einer Verbesserung der S
ymptomatik sei nicht zu rechnen (S. 4).
3.3
Dr. med. H._, Facharzt für Rheumatologie und praktischer Arzt, führte mit Bericht vom 17. April 2015 (Urk. 7/54/4-7) aus, er behandle die
Beschwer
-
deführerin
seit November 2014, und nannte folgende Diagnosen mit
Auswir-kung
auf die
Arbeitsfähigke
it (Ziff. 1.1)
-
Sjögren
Syndrom, ED 2006
-
mittelgradige depressive Episode
Aus rein rheumatologischer Sicht sei die
Beschwerdeführerin
für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit der Möglichkeit häufiger Positionswechsel voll arbeitsfähig. Für körperlich schwere Tätigkeiten bestehe zurzeit und langfristig eine maximal 50%ige Arbeitsfähigkeit (S. 1 Mitte).
3.4
Die
Ärzte der
I._ erstat
teten am 3. Oktober 2016 ein interdisziplinäres Gutachten (Urk. 7/96) und
nannten die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10
Ziff. 5.1):
-
rezidivierende depressive Störung mit derzeit mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.11) und somatischem Syndrom ohne psychotische
Symp-tome
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit überwiegend abhängigen
Persön-lichkeitszügen
(ICD-10 Z73.1)
-
Augen beidseits:
-
Myopia
beidseits,
Astigmatismu
,
Presbyopie
-
Xerophtalmie
, kein
Sjögren
-
generalisiertes Schmerzsyndrom (ICD-10 : M79.0) bei / mit:
-
eher mechanischen Rückenbeschwerden am
zervikothorakalen
Über
gang und lumbal bei:
-
Wirbelsäulenfehlhaltung /
Dekonditionierungssyndrom
-
mässigen degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS) ohne Stenosen
-
keine Anhaltspunkte für sekundäres
Sjögren
-Syndrom im Rahmen einer entzündlich-rheumatischen Systemerkrankung
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führten die Gutachter aus, p
rämorbid
sei
die Explorandin
als
Bankkauffrau zu
100
% arbeitsfähig
gewesen
. Nach Erkrankungsbeginn ab 2005
habe eine
ophthalmologisch atte
stierte
zirka 40%
ige Arbeitsfähigkeit
bestanden
, die die Explorandin in ihrer Tätigkeit als Schuhverkäuferin (ab 2009)
umgesetzt habe
. Aktuell
sei
die
Explo
-
randin
aus psychiatrischer Sicht zu höchstens noch 15 Stunden wöchentlich arbeitsfähig, dies auch bereits seit
sechs
Mo
naten vor Antragstellung am 15. Januar
201
5.
Dabei sollte die Gesamttagesarbeitszeit
fünf
Stunden nicht überschreiten und eine längere Pause nach
drei
Stunden und eine kurze Pause alle ha
l
be Stunde zwingend möglich sein, da bei ihrer Tätigkeit als Bankkauf
frau besonders hohe Ansprüche an das Durchhaltevermögen gestellt w
ü
rden, welch
es mittel
gradig eingeschränkt
sei
. Nach einem Tag mit
fünf
Stunden Arbeit sollte ein Tag Pause eingelegt werden. Alternativ könnten täglich 3
Stunden mit ausreichend langen Pausen über
fünf
Tage geleistet werden
(S. 14 Ziff. 6.6).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit führten die Gutachter aus, f
ür körperlich schwere Tätigkeiten besteh
e
keine Arbeitsfähigkeit
mehr. Möglich seien körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in
Wechse
l
positionen
. Eine sitzen
de Körperhaltung bei Arbeiten am PC sollte regelmässig unterbrochen werden können. Eine vorwiegend gehend/stehende
Verkaufstätig
keit
mit teilweise nötigen Lagerarbeiten und möglicherweise vorübergehend höheren Hebe- und Tragbelastungen
sei mit vermehrtem Pau
senbedarf verbun
den. Nicht zu trockene Umgebung, keine Staubbelastung. Keine ausschliessliche Tätigkeit am Computer. Eine klimatisierte
Arbeitsumgebung
könne
die Be
schwer
den deutlich verstärken. Die Explorandin kenn
e
die eigenen Grenzen und Ruhebedürfnisse selber nicht. Dies
müsse
von aussen vorgegeben werden. Emp
fehlenswert
sei
eine Tätigkeit ohne zusätzliche Sekundärstressoren wie Arbeit
unter Zeitdruck, sehr anspruchsvollem Publikumsverkehr oder Schichtdienst
.
Dabei sollte die Gesamttagesarbeitszeit fünf Stunden nicht überschreiten und eine längere Pause nach drei Stunden und eine kurze Pause alle halbe Stunde zwingend möglich sein, da bei ihrer Tätigkeit als Bankkauffrau besonders hohe
Ansprüche an das Durchhaltevermögen gestellt werden, welch
es mittel
gradig eingeschränkt
sei
. Nach einem Tag mit
fünf
Stunden Arbeit sollte ein Tag Pause eingelegt werden. Alternativ könnten täglich
drei
Stunden mit ausreichend langen Pausen über
fünf
Tage geleistet werden
(S. 14 f. Ziff. 6.7)
.
Im psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 7/96/37-58) führte der Gutachter aus, d
er bisherige psychiatrische Therapieverlauf
sei
von kurzen Behandlungen mit wenigen Sitzungen und Therapie-
beziehungsweise
Beziehungsabbrüchen sowie subjektiver Enttäuschung gekennzeichnet. Explizit ausgenommen
sei
die jüngst aufgenommene psychiatrische Behandlung beim Kollegen
Dr. J._
. Hier sollte leitliniengerecht bezüglich Depression und Schmerz weiter regelmässig
eine Kombination aus
Psychopharmako
- und Psychotherapie durchgeführt werden
. Sollten hier nicht ausreichend Ressourcen für eine ambulante
Einze
l
psy
chotherapie
bestehen, wäre die zusätzliche Behandlung durch eine klinische Psychologin zu erwägen. Pharmakologisch
sei
natürlich auf eine bezüglich Augen neutrale Pharmakotherapie
zu achten, was dem Kollegen bestens be
kannt sein dürfte. Eine Option würde
Agomelatin
sein. Entsprechend der
Daten
l
age
sei
bei Persönlichkeitsakzentuierung von einer zurückhaltenden Prognose auszugeben. Dies
gelte
insbesondere bei der gestellten Mehrfachdiagnose in Kombination mit Depression,
dependenter
Persönlichkeitsakzentuierung und somatischer Erkrankung (bisher der Patientin kommuniziert und behandelt:
Sjögren
-Syndrom).
Sie gingen
derzeit mindestens von einer Befundkonstanz aus. Die durchgeführte psychiatrische Therapie dien
e
vor allem dem Erhalt der 15-stündigen Wochenarbeitszeit
(S. 21)
.
Im
ophtalmologischen
Teilgutachten (Urk. 7/96/69-70) führte der Gutachter aus, aufgrund der
Sicca
-Symptomatik könne eine rein
ophtalmologisch
begründete Arbeitsunfähigkeit von etwa 30 % geschätzt werden. Diese Schätzung gelte sowohl für den ursprünglich erlernten Beruf als Bankkauffrau wie auch für die aktuell ausgeübte Tätigkeit als Schuhverkäuferin (S. 2).
3.5
PD Dr. med. univ. K._, Facharzt für Neurologie, RAD, führte mit Stel
lungnahme vom 29. Mai 2017 (Urk. 7/108/3) aus, d
as
Ausmass der
Arbeitsun
fähigkeits
-Einschätzung im Teil
gutachten von
Dr. L._
sei
niedriger als seitens der ophthalmologischen Voruntersucher (s
iehe
I._-
G
utachten
S. 20 Dr.
Link 1
5. Juni 2009 zirka
50
%
Arbeitsunfähigkeit
,
Dr. E._
F._
17.
Juni
2009
50 %
Arbeitsunfähigkeit
;
I._ Gutachten S. 24 Dr.
Link 1
2. März
2015 70
%
Arbeitsunfähigkeit
in ausschliesslicher Bürotätigkeit, 50°
% Arbeitsun
fähig
keit
im Verkauf). Als Neurologe enthalte
er s
ich einer quantitativen Ein
-
schätzung auf dem ophthalmologischen Fachgebiet, weise ab
er darauf hin, dass Dr. E._, F._,
eine schwere Benetzungsstörung diagnos
tiziert
habe
und auch Prof.
Dr. M._
,
N._
(
I._-Gutachten S. 22), am 1. März
2012 eine
s
chwere
Keratoconjunctivitis
sicca
als Diagnose anführ
e
. Demnach würde
er
schon von einem relevanten
Gesundheitsschaden
auf dem ophthalmologischen Gebiet ausgehen. Eine Dis
kussion der
anderen Arbeitsfähigkeits
-Einschätzungen aus dem Vorfeld
sei ihm im ophthalmologi
schen Teil
gutachten
nicht ersichtlich.
4.
4.1
Mit Vorbescheid vom 23. Januar 2017 (Urk. 7/101)
stellte die
Beschwerde
geg
nerin
de
r
Beschwerdeführer
in die Abweisung des
Leistungsbegehrens in Aus
-
sicht. Zur Begründung führte sie – nebst
der Beilage gesetzlicher Grundlagen
– aus:
Es wurden medizinische Unterlagen
einverlangt
und eine Begutachtung durch
geführt. Dabei wurde festgehalten, dass eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht. Aus rein medizinischer Sicht ist zum einen die Augenproblematik als auch das psychische Leiden relevant. Aus rein rechtlicher Sicht ist jedoch festzuhalten, dass das depressive Leiden als reaktives Geschehen zu werten ist. Frau Boss war bis zur Scheidung fähig, ihr Leben zu bestreiten. Die gesund
heitlichen Probleme begannen ab diesem Zeitpunkt. Zwar wird eine Therapie weitergeführt, die Möglichkeiten sind jedoch nicht ausgeschöpft. Es wird davon ausgegangen, dass mit entsprechenden Massnahmen eine vollständige Arbeits
fähigkeit, was die psychischen Komponenten betrifft, erreicht werden kann. Eine Therapieresistenz kann verneint werden. Die Situation aufgrund des
Augen
leidens
gestaltet sich jedoch anders. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % ist gegeben. Die Invalidenversicherung geht daher von einem
Inva
liditätsgrad
von 30 % aus. Da der Invaliditätsgrad unter 40 % liegt, besteht kein Anspruch auf Rentenleistung.
4.2
Mit Einwand vom 23. Februar 2017 (Urk. 7/105) äusserte die Beschwerde
füh
rerin umfangreiche Kritik am I._-Gutachten und den durch die
Beschwerde
gegnerin
getroffenen Schlussfolgerungen.
4.3
In der angefochtenen Verfügung vom 14. Juni 2017 (Urk. 2) nahm die
Beschwer
degegnerin
wie folgt Stellung:
Mit Ihrem Einwand vom 23. Februar 2017 haben Sie uns die Gründe für Ihr Nichteinverständnis geschildert. Die von Ihnen gemachten Angaben haben wir geprüft. Es wurden keine neuen medizinischen Tatsachen vorgebracht, welche
unseren Entscheid zu entkräften vermögen. Zwar wurde, wie von Ihnen korrekt
angegeben, der Schirmer-Test im Gutachten nicht durchgeführt. Allerdings mis
st dieser die Trockenheit des Auges, welche in der medizinischen Beurteilung be
rück
sichtigt wurde. Aus diesem Grund halten wir weiterhin an unserem Entscheid fest.
4.4
Die Beschwerdegegnerin reichte am 16. Oktober 2017 (Urk. 6) eine ausführliche Beschwerdeantwort ein.
5.
5.1
Der
angefochtenen Verfügung vom 1
4.
Juni 2017 (
Urk.
2)
fehlt eine Begrün
dung mit Bezug au
f die konkrete Aktenlage
.
Ebenso fehlt eine Auseinan
der
setzung mit der medizinischen Situation im Sinne eines revisionsrechtlichen Vergleichs (vgl. vorstehend E. 1.1).
Die Begründung erschöpft sich vielmehr
in einer äusserst knappen Stellungnahme zum Einwand der Beschwerdeführerin
vom 2
3.
Februar 2017 (
Urk.
7/105)
.
Es bleibt vollständig unklar, welche Akten berücksichtigt wurden und gestützt worauf
das Leistungsbegehren abgewiesen wurde
.
Auch der Vorbescheid wurde ungenügend begründet.
So verweist die
Beschwerdegegnerin
darin zwar
implizit auf die
(frühere)
bundesgerichtliche Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung mittelgradiger Depressionen
und geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin mit entsprechenden Massnahmen eine vollständige Arbeitsfähigkeit erreichen könne.
Dabei setzte sie
sich aber
nicht
mit der Aussage des psychiatrischen I._-Gutachters auseinander, wo
nach die Weiterführung der jüngst aufgenommenen psychiatrischen Behandlun
g bei Dr. J._ vor allem dem Erhalt der 15-stündigen Wochenarbeitszeit diene. Der psychiatrische Gutachter ging mithin nicht davon aus, dass eine leitliniengerechte Behandlung zu einer vollständigen Arbeitsfähigkeit führen würde (vorstehend E. 3.4). Die Beschwerdegegnerin liess auch die unterschied
li
chen Arbeitsfähigkeitseinschätzungen der behandelnden Ärzte unerwähnt. Weiter
überzeugt nicht, dass sich die Beschwerdegegnerin ohne Begründung auf die Beurteilung des
ophthalmologischen Teilgutachte
rs
einer 30%igen Arbeitsfähig
keit stützte, zumal der RAD-Arzt auf den Mangel hingewiesen hat, dass
im ophthalmologischen Teilgutachten
keine
Diskussion der anderen
Arbeitsfähig
keits
-Einschätzungen aus dem Vorfeld
vorgenommen wurde (vgl. E. 3.5). Hinzu kommt, dass die
Indikatorenprüfung
im Sinne von BGE 141 V 281
zwar im
Fest
stellungsblatt
durchgeführt wurde (Urk. 7/99/4-7), indes weder im Vorbe
scheid noch in der Verfügung aufgeführt wurde.
Die angefochtene Verfügung hält deshalb den Erfordernissen an eine
rechts
ge
nügende
Begründung nicht stand. Sie leidet an einem schwerwiegenden
Be
grün
dungsmangel
, welcher eine sorgfältige Meinungsbildung der Beschwerde
füh
rerin
darüber, ob und allenfalls mit welcher Argumentation sie den ab
schlä
gigen Rentenentscheid anfechten soll, verunmöglichte. Die Beschwer
deführerin wurde gewissermassen auf den Gerichtsweg gezwungen, um die
Entscheidungs
gründe
der Beschwerdegegnerin zu erfahren, was nicht im Sinne der
Verfah
rens
öko
no
mie
liegen kann und sich auch unter Berücksichtigung der Kostenpflicht des Beschwerdeverfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) als stossend erweist.
Schliesslich kann es nicht Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Verwaltungsbehörden sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrensmängel in einem von der betroffenen
Person allfällig angehobenen Prozess dann behoben würden (vgl. BGE 116 V 182
E. 3c).
Die Begründung des angefochtenen Entscheides darf deshalb nicht auf das Beschwerdeverfahren verschoben werden.
Eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin erweist sich daher schon aus formellen Gründen als angezeigt.
5.2
Unabhängig von diesen Überlegungen ist auch aus materiellen Gründen eine Rückweisung erforderlich. Dass im I._-Gutachten keine genügende Auseinan
dersetzung mit den Einschätzungen der behandelnden
Ophtalmologen
erfolgte, wurde bereits dargelegt. Darüber hinaus ist die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auch aus folgenden Gründen unklar: So legten die Gutachter in einer angepassten Tätigkeit zwar ein Belastungsprofil fest, gingen dabei aber offenbar weiterhin von der angestammten Tätigkeit als Bankkauffrau aus, indem sie festhielten, es seien Einschränkungen zu beachten, da die Tätig
keit als Bankkauffrau besonders hohe Ansprüche an das Durchhaltevermögen stelle (vgl. Urk. 7/96 S. 14 f. Ziff. 6.7). Der zeitliche Umfang einer angepassten Tätigkeit ist ungenau in dem Sinne, als kein prozentualer Wert der zumutbaren Arbeitsfähigkeit genannt wurde, und es ist nicht ersichtlich, ob die vom
ophtalmologischen
Gutachter festgelegte 30%ige Arbeitsunfähigkeit mitberück
sichtigt wurde. Darüber hinaus wurde nicht erklärt, weshalb eine
Myopia
media
, ein Astigmatismus und eine
Presbyopie
(mittlere Kurzsichtigkeit,
Hornhautver
krümmung
und Altersweitsichtigkeit) als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit genannt wurden. Dabei handelt es sich um Einschränkungen, die grundsätzlich mit einer Brille behebbar sein sollten.
5.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Das I._-Gutachten vermag diesen Anforderungen nicht zu genügen, da ins
gesamt zu wenig genaue Angaben zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
vorliegen. Nachdem darüber hinaus sowohl abweichende
ophtalmologische
Beur
teilungen vorliegen als auch gemäss neuester Rechtsprechung des Bundes
ge
richts (
zur Publikation in der
amtlichen Sammlung vorgesehene
Urteil
e
8C_130/2017
und 8C_841/2016
vom 30. November 2017
) eine
Indikatoren
prü
fung
auch bei psychischen Leiden vorzunehmen ist, kann anhand der vorlie
gen
den Akten nicht beurteilt werden, ob sich im Vergleich zu August 2010 eine anspruchsrelevante Veränderung ergeben hat.
5.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn
– wie vorlie
gend -
der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02
vom 10. September 2003 E. 5.2).
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung somit aufzuheben. Die Sache
wird an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie den medizinischen Sachverhalt kläre und hernach über den Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin in einer hinreichend begründeten Verfügung neu entscheide.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-L
eistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der
unterliegenden
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf
eine Prozessentschädigung hat. Die Prozessentschädigung ist gemäss Art. 61
lit
. g
ATSG in Verbindung mit
§
34
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streit
sache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim für Rechtsanwälte gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich
MWSt
) ist die Prozessentschädigung vorliegend auf
Fr. 2‘000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.