Decision ID: 5b6d0dea-9ef0-49bf-bed6-84614eb46d72
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und Y sind die getrennt lebenden Eltern von Z. Aufgrund des konfliktbeladenen
Verhältnisses zwischen den Eltern und der damit einhergehenden mangelnden
Kommunikationsfähigkeit, des nicht vorhandenen Vertrauensverhältnisses im Umgang
mit dem gemeinsamen Sohn, errichtete die KESB Werdenberg (KESB) mit Verfügung
vom
11. Januar 2017 für Z eine Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB.
B.- Um dem Anspruch des Kindes auf die Erfüllung seiner Bedürfnisse und
insbesondere auf Kontakte zu seinem Vater gerecht zu werden, wurde Y mit Verfügung
der KESB vom
22. November 2017 die Weisung erteilt, eine Erziehungsberatung bei der Paar- und
Familienberatungsstelle F in Anspruch zu nehmen. Dieser Weisung kam er nicht nach.
In der gleichen Verfügung wurde das Verfahren betreffend persönlicher Verkehr sowie
das Verfahren betreffend elterliche Sorge bis zum Abschluss der Erziehungsberatung
sistiert.
C.- Mit Verfügung vom 30. Mai 2018 hob die KESB die gemeinsame elterliche Sorge
auf und übertrug die alleinige elterliche Sorge der Mutter. Die KESB verzichtete auf die
Regelung des persönlichen Verkehrs zwischen Y und seinem Sohn, zudem wies es den
Antrag auf begleitete Besuche ab. Mit Verfügung vom 17. Juli 2018 setzte die KESB,
aufgrund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses des alten Beistandes per 1.
September 2018, einen neuen Beistand ein.
D.- Der neue Beistand teilte im Rechenschaftsbericht vom 18. Februar 2019 für die
Zeitperiode vom 11. Januar 2017 bis 31. Dezember 2018 der KESB mit, dass der
Kontakt zu Y seit der Mandatsübernahme nicht habe hergestellt werden können.
Weder gegenüber X noch gegenüber dem Beistand habe Y ein Interesse am
persönlichen Kontakt mit seinem Sohn gezeigt. Angesichts der Umstände sei die
Weiterführung der Kindesschutzmassnahme nicht mehr sinnvoll. Die KESB hob mit
Verfügung vom 8. Mai 2019 die Beistandschaft für Z auf. Gleichzeitig genehmigte die
KESB den Schlussbericht des Beistandes und sprach ihm eine Entschädigung von
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Fr. 1'000.– und ein Spesenersatz von Fr. 300.– zu. Diese Beträge könnten von der
Berufsbeistandschaft Werdenberg nach Eintritt der Rechtskraft X und Y je hälftig in
Rechnung gestellt werden. Zusätzlich wurde eine Gebühr in der Höhe von Fr. 500.–
erhoben und Y auferlegt.
E.- Am 19. Mai 2019 reichte X Beschwerde gegen die hälftige Verteilung der
Entschädigung und Spesen ein. Mit Vernehmlassung vom 15. August 2019 beantragte
die KESB, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission (VRK) beurteilt Beschwerden gegen Verfügungen der
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist
gegeben. Die Beschwerde vom 19. Mai 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden und
erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 450
Abs. 2 Ziff. 1 und 450b Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [SR 210,
abgekürzt: ZGB]; Art. 27 des Einführungsgesetzes zum Kindes- und
Erwachsenenschutzrecht [sGS 912.5, abgekürzt: EG-KES]; Art. 41ter, Art. 48 und 50
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, [sGS 951.1, abgekürzt: VRP]). Auf die
Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
b) Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, dass sie nie einen Beistand
angefordert habe. Sie sei durch Drohungen und durch eine Anzeige von Y dazu
gezwungen worden, einen Beistand hinzuzuziehen. Der ganze Aufwand sei lediglich
durch das Verschulden des Kindesvaters entstanden. Sie sei stets bemüht gewesen,
dem Kindesvater das Besuchsrecht zu ermöglichen. Aus diesen Gründen sehe sie nicht
ein, dass sie die Hälfte der Entschädigung und der Spesen des Beistandes
übernehmen soll. Der Verursacher einer Handlung müsse die Kosten tragen, alles
andere sei unangemessen. Sie frage sich, weshalb Art. 94 Abs. 1 VRP vorliegend nicht
zur Anwendung gelange. Es habe sich von Anfang an gezeigt, dass Y überhaupt kein
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Interesse an dem Kind habe. Trotz des offensichtlichen Desinteresses und des
unverlässlichen Verhaltens von Y habe die KESB mit ihrem Vorgehen unnötig alles in
die Länge gezogen.
Die Vorinstanz hält dem zusammenfassend entgegen, dass sich die Höhe der
Entschädigung und der Spesen des Beistands nach Art. 404 ZGB richte. Entsprechend
der bundesrechtlichen Vorgaben (Art. 404 Abs. 3 ZGB) habe der Kanton St. Gallen
Ausführungsbestimmungen erlassen, welche die Entschädigung und die Spesenkosten
konkretisierten. Die Eltern hätten gemeinsam und nach ihren Kräften für den Unterhalt
des Kindes aufzukommen. Zum Unterhalt gehörten auch die Kosten von
Kindesschutzmassnahmen. Vorliegend obliege die Kostentragungspflicht den Eltern
und zwar ungeachtet dessen, ob sie mit der angeordneten Kindesschutzmassnahme
einverstanden sind. Zu den Kosten von Kindesschutzmassnahmen gehörten auch die
Entschädigung und der Spesenersatz für den Beistand des Kindes. Die
Beschwerdeführerin übersehe, dass sich die Kosten von Kindesschutzmassnahmen
nach dem Unterhaltsrecht bemessen würden (Art. 276 ZGB) und die amtlichen Kosten
nach dem Verursacherprinzip (Art. 94 ff. VRP) zu verlegen seien. Es erscheine
sachgerecht und üblich, die Kosten von Kindesschutzmassnahmen, insbesondere in
konflikthaften oder konsensarmen Verhältnissen beiden Eltern je zur Hälfte
aufzuerlegen. Wie im Familienrecht üblich, hätten sich die Eltern an den
Unterhaltskosten des Kindes nach Kräften zu beteiligen. Die KESB habe die mangelnde
Kooperationsbereitschaft des Vaters gewürdigt und ihm nach dem Verursacherprinzip
die amtlichen Kosten auferlegt.
c) Vordergründig handelt es sich vorliegend um die Beurteilung einer Verfügung,
welche die KESB gestützt auf Art. 404 ZGB erlassen hat. Solche Verfügungen fallen
grundsätzlich in den Kompetenzbereich der KESB (BSK ZGB I-Reusser, 6. Aufl., Basel
2018, Art. 404 N 35ff.) und somit in einem allfälligen Beschwerdeverfahren in die
Überprüfungsbefugnis der VRK (Art. 27 EG-KES). Konkret angefochten ist die in der
Verfügung der Vorinstanz vom 8. Mai 2019 getroffene Regelung, dass die Kosten der
Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB von den Eltern je hälftig zu tragen sind. Zu
beurteilen ist nachfolgend, ob die Vorinstanz befugt war, die Kosten der Beistandschaft
(Entschädigung: Fr. 1'000.– und Spesenersatz: Fr. 300.–) je hälftig den Eltern
aufzuerlegen.
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Nach Art. 276 Abs. 1 und 2 ZGB haben die Eltern für den Unterhalt des Kindes
aufzukommen, wozu ausdrücklich auch die Kosten von Kindesschutzmassnahmen
gehören. Unterhaltspflichtig sind Vater und Mutter, die persönlich, unter sich
solidarisch, primär – d.h. vor Verwandten gemäss Art. 328 ZGB und anderen
Leistungsträgern wie dem Gemeinwesen nach Art. 289 Abs. 2 ZGB – und bei
ausreichender Leistungsfähigkeit ausschliesslich für den gesamten Unterhalt
aufzukommen haben (BGE 141 III 401 E. 4 und 116 II 401 E. 4b/aa = Pra 1991 Nr. 201).
Die Aufteilung unter den Eltern erfolgt nach Massgabe der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit (Art. 285 Abs. 1 ZGB; VRKE V-2017/136 vom 20. Juni 2018, im
Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Rechtsprechung). Zu
den Kindesschutzmassnahmen gehören insbesondere auch die Kosten der
Beistandschaft (BSK ZGB I-Fountoulakis/Breitschmid, a.a.O., Art. 276 N 22). Im Kanton
St. Gallen werden die Kosten der Beistandschaft in der Verordnung über die
Entschädigung und den Spesenersatz bei Beistandschaften geregelt (sGS 912.51,
abgekürzt VESB). Anhand dieser und der Bestimmungen im ZGB ist die KESB dafür
zuständig, die konkrete Höhe der Entschädigung und der Spesen zu bestimmen.
Inwieweit die Kosten einer Beistandschaft jedoch zwischen den Elternteilen aufgeteilt
werden, kann nicht von der KESB bestimmt werden, da es sich um eine rein
zivilrechtliche Angelegenheit nach Art. 276 Abs. 2 ZGB handelt. Die KESB kann die
Teilung der Kosten an die einzelnen Elternteile nicht hoheitlich verfügen. Somit sind die
effektiven Kosten, auf die ein Elternteil dereinst belangt werden kann, sofern keine
einvernehmliche Lösung gefunden werden kann, auf dem Zivilweg zu lösen. Die
Vorinstanz war somit nicht befugt, in Ziffer 4 des Dispositivs der Verfügung vom 8. Mai
2019 die Kosten für die Beistandschaft anteilsmässig auf Vater und Mutter zu verlegen.
Der zweite Satz der Dispositivziffer 4 der Verfügung vom 8. Mai 2019 ist daher
aufzuheben.
2.- Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass auf den Antrag der
Beschwerdeführerin, die Kosten der Beistandschaft seien komplett dem Kindesvater zu
belasten, nicht einzutreten ist.
3.- Nach Art. 97 VRP i.V.m. Art. 11 lit. a EG-KES kann die Behörde auf
Kostenvorschüsse und auf die Erhebung amtlicher Kosten verzichten, wenn die
Umstände es rechtfertigen. Auf die Erhebung von amtlichen Kosten kann bei einem
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fehlerhaften vorinstanzlichen Entscheid verzichtet werden. Dies kann bei groben
Formfehlern, Eröffnungsfehlern oder einer fehlenden Begründung der Fall sein (PK
VRP/SG-Von Rappard-Hirt, Zürich/St. Gallen 2020, Art. 97 N 8). Aufgrund der
Verfügung der KESB vom 8. Mai 2019 konnte die Beschwerdeführerin davon
ausgehen, dass die KESB sowie die VRK als Rechtsmittelinstanz zur Verteilung der
Kosten auf die Elternteile befugt gewesen wäre. Die Beschwerde wurde somit von der
Vorinstanz veranlasst. In Anbetracht dessen, dass der vorinstanzliche Entscheid formell
fehlerhaft war, ist im vorliegenden Verfahren auf die Erhebung der amtlichen Kosten zu
verzichten.
Entscheid auf dem Zirkulationsweg (Art. 11 lit. a EG-KES in Verbindung mit Art. 58
Abs. 1 VRP, Art. 22 Abs. 3 VRP sowie Art. 8 des Reglements über den
Geschäftsgang der Verwaltungsrekurskommission; sGS 941.223):
1. Der zweite Satz der Dispositivziffer 4 der Verfügung der Vorinstanz vom 8. Mai 2019
wird aufgehoben. Dispositivziffer 4 lautet neu wie folgt:
Dem Beistand wird für die Berichtsperiode vom 11. Januar 2017 bis 31.
Dezember 2018
eine Entschädigung von Fr. 1'000.– und ein Spesenersatz von Fr. 300.–
zugesprochen.
2. Im Übrigen wird auf die Beschwerde nicht eingetreten.
3. Auf die Erhebung amtlicher Kosten wird verzichtet. Der Kostenvorschuss von
Fr. 500.–
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
bis
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 21.02.2020 Art 404 ZGB (SR 210). Entschädigung des Beistands. Die Aufteilung der Kosten der Beistandschaft eines Kindes zwischen den Eltern kann nicht von der Kindesschutzbehörde festgelegt werden. (Verwaltungsrekurskommission, Abteilung V, 21. Februar 2020, V-2019/118).
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2021-08-06T02:53:33+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen