Decision ID: 6f58f28f-e2dd-5189-95a3-b2c9632cab6c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 8. Februar 2021 in der Schweiz um
Asyl. Die Personalienaufnahme fand am 16. Februar 2021 statt. Anlässlich
der Befragung vom 24. März 2021 und der Anhörung vom 7. April 2021
machte er im Wesentlichen geltend, er sei afghanischer Staatsangehöriger
tadschikischer Ethnie und im Distrikt B._ in der Provinz C._
geboren. Als er zwei Jahre alt gewesen sei, sei die gesamte Familie väter-
licherseits wegen Problemen mit der Familie der Mutter ins Dorf D._
im Distrikt E._ in der Provinz F._ gezogen. Dort habe er bis
zu seiner Ausreise aus Afghanistan mit seinen Eltern und den zwei jünge-
ren Brüdern in einem gemeinsamen Haushalt gewohnt. Er habe 12 Jahre
lang die Schule besucht und seit 2018/2019 Mädchen und Jungen in sei-
nem Heimatdorf D._ in einer neu gegründeten Privatschule unter-
richtet. Ungefähr im (...) habe die Schule einen Drohbrief der Gruppierung
«Islamisches Emirat», also von den Taliban, erhalten. Im Brief habe sein
Name, der des Schulleiters und die der (...) anderen Lehrer gestanden.
Ihnen sei vorgeworfen worden, gegen die Regeln des Islamischen Emirats
gehandelt zu haben, weswegen sie gesteinigt werden müssten. Insbeson-
dere am Abend und in der Nacht hätten die Taliban geherrscht. Tagsüber
sei die Macht bei den Behörden gewesen. Die Lehrer und der Schulleiter
hätten den Vorfall auf der Polizeistation gemeldet und ein Untersu-
chungsteam habe die Schule untersucht. Der Schulleiter habe die Schule
nach dem Vorfall für einige Tage geschlossen. In diesen Tagen sei nichts
Spezielles geschehen, aber ungefähr zwei Tage nach der erneuten Auf-
nahme des Schulbetriebs habe die Schule wieder einen Drohbrief erhalten.
Der Schulleiter und die Lehrer seien erneut zur Polizei gegangen. Nach-
dem der Beschwerdeführer am Abend mit seinem Vater gesprochen habe,
habe dieser ihn zum Grossvater gebracht. Sein Vater habe vom Dorfvor-
steher erfahren, dass die Schule von den Taliban bedroht worden sei und
diese am nächsten Tag die Schule in Brand stecken wollten. Der Be-
schwerdeführer sei deshalb nicht zur Schule gegangen. Am nächsten Tag
sei sie angezündet worden und die Taliban hätten den Beschwerdeführer,
den Schulleiter und die anderen Lehrer gesucht, um sie zu bestrafen. Sein
Vater und sein Grossvater hätten ihm mitgeteilt, er solle das Land verlas-
sen und hätten seine Ausreise organisiert. Eines Abends sei ein Auto zum
Grossvater gekommen und habe den Beschwerdeführer abgeholt. Er habe
später von seinem Vater erfahren, dass das Haus des Schulleiters nach
seiner Ausreise aus Afghanistan von bewaffneten Personen angegriffen
worden sei.
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Der Beschwerdeführer sei über Pakistan, Iran und die Türkei nach Grie-
chenland gelangt. Dort habe er Kontakt zum Christentum gehabt und sei
ungefähr Anfang 2020 auf der Insel G._ von einem (...) Pfarrer ge-
tauft worden. Er habe danach ungefähr (...) Monate lang als freiwilliger
Helfer bei einer christlichen Organisation gearbeitet. Als seine Familie von
der Konversion erfahren habe, habe diese sehr negativ reagiert und mitge-
teilt, dass er eine Schande für die ganze Familie sei. Er müsse hart bestraft
und gemäss dem Koran gesteinigt werden. Danach habe er keinen Kontakt
mehr zu ihnen gehabt. Im (...) 2021 sei ihm die Weiterreise über Italien und
Frankreich in die Schweiz gelungen. In der Schweiz nehme er an Gebets-
programmen auf Facebook und über Zoom teil. Weiter besuche er religiöse
Zeremonien sowie Klassen und lese die Bibel.
Der Beschwerdeführer reichte seine Tazkira im Original, sowie ein Video
seiner Taufe, zwei Fotos der Taufe einer nicht identifizierbaren Person, drei
Fotos von Dokumenten seiner Tätigkeit für die «(...)» (datiert auf den
24. Februar 2020), einen Röntgenbefund seines Thorax vom 10. Februar
2021, zwei Fotos von Quittungen der griechischen Post (datiert auf den
30. März 2021) und ein medizinisches Datenblatt für interne Arztbesuche
im Bundesasylzentrum (BAZ) mit Einträgen vom 2. und 30. März 2021 ein.
B.
Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 14. April 2021 das rechtli-
che Gehör zum Entscheidentwurf. Gleichentags erfolgte die schriftliche
Stellungnahme.
C.
Mit Verfügung vom 16. April 2021 (gleichentags eröffnet) stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den
Wegweisungsvollzug schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer
vorläufigen Aufnahme auf.
D.
Mit Eingabe vom 17. Mai 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung des SEM sei
bezüglich der Ziffern 1-3 aufzuheben und er sei als Flüchtling anzuerken-
nen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als Flüchtling vor-
läufig aufzunehmen. Subeventualiter seien die Ziffern 1-3 der Verfügung
des SEM aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
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zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten.
Der Beschwerde lagen die Vertretungsvollmacht sowie eine Schnellrecher-
che der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) bei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Mai 2021 hiess der Instruktionsrichter das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzich-
tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und gab der Vorinstanz
Gelegenheit zur Einreichung einer Vernehmlassung.
F.
Am 21. Juni 2021 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein.
G.
Mit Replik vom 15. Juli 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur Ver-
nehmlassung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Der Wegweisungsvollzug wurde zugunsten der vorläufigen Aufnahme
aufgeschoben und bildet deshalb nicht Gegenstand des Beschwerdever-
fahrens.
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3.
3.1 In der Beschwerde wird implizit eine unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts gerügt. Diese formelle Rüge ist vorab zu
beurteilen, da sie allenfalls geeignet sein könnte, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
Dazu gehört unter anderem, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzu-
wirken und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen (vgl. BVGE 2011/28
E. 3.4).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.3 Der Beschwerdeführer moniert, die Vorinstanz habe es in ihrer Verfü-
gung unterlassen, weitere Abklärungen zu seiner Tätigkeit als Lehrer und
der geltend gemachten Verfolgung durch die Taliban zu treffen.
Die Vorinstanz beurteilte die Aussagen des Beschwerdeführers zu der gel-
tend gemachten Verfolgung durch die Taliban als unglaubhaft, was nicht zu
beanstanden ist (E. 5.5 weiter unten). Eine weitergehende Abklärung hat
sie somit als nicht notwendig erachtet. Diesbezüglich liegt keine Verletzung
der Pflicht zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts vor.
3.4 Die formelle Rüge erweist sich angesichts dieser Sachlage als unbe-
gründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbe-
zügliche Rechtsbegehren ist somit abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
4.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Gleiches gilt für die
Person, die subjektive Nachfluchtgründe geltend macht. Glaubhaft ge-
macht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind
insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publi-
zierten Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann
hier verwiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1).
5.
5.1 Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass der Be-
schwerdeführer den Erhalt der Drohbriefe vom Islamischen Emirat bezie-
hungsweise der Taliban und die daraus resultierende geltend gemachte
Verfolgung nicht glaubhaft machen konnte. Sie führt hierzu im Wesentli-
chen aus, seine Schilderungen seien inhaltlich ohne Tiefe ausgefallen und
die einzelnen Ereignisse habe er lediglich oberflächlich und wenig lebendig
erläutert, sodass kein persönlicher Erlebnisbezug spürbar sei. Seine Er-
zählungen seien durch eine kontinuierliche, strukturierte und meist strikt
chronologische Erzählweise gekennzeichnet. Sie enthielten zwar einzelne
Realkennzeichen, insgesamt wiesen sie jedoch eindeutig nicht die Qualität
auf, welche von einer Person mit seinen individuellen Fähigkeiten zu er-
warten gewesen wäre, hätte er das Ereignis unter den geltend gemachten
Umständen tatsächlich erlebt. Es fehle insbesondere an einem quantitati-
ven Detailreichtum, der dynamischen Schilderung von sozialer Interaktion
und Gesprächen sowie von inhaltlichen Besonderheiten. Seine Erzähl-
weise habe sich jedoch merklich geändert, als er über seine Reise von
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Afghanistan bis nach Griechenland berichtet habe. Es fänden sich in sei-
nen Aussagen augenfällig mehr Details sowie etwas mehr Realkennzei-
chen. Im Übrigen seien gewisse Schilderungen unplausibel und es fänden
sich in ihnen widersprüchliche Angaben zum Erhalt des Drohbriefes, zur
Abgabe von Fingerabdrücken bei der polizeilichen Untersuchung sowie
zum Ausreisezeitpunkt. Eine Gesamtwürdigung ergebe, dass seine Vor-
bringen die Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG
nicht zu erfüllen vermögen.
5.2 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, es sei nicht
nachvollziehbar, wie die Vorinstanz zum Schluss komme, er habe die Ver-
folgung durch die Taliban nicht glaubhaft machen können. Bei seinen Aus-
führungen zeigten sich immer wieder eindeutige Realkennzeichen, welche
für das tatsächliche Erleben sprächen. So habe er beispielsweise Gesprä-
che wiedergegeben und seine Erzählungen seien nicht frei von persönli-
chen Eindrücken oder Empfinden. Die Geschehnisse habe er sehr umfang-
reich geschildert. Aufgrund seiner Nervosität sei es verständlich, dass er
teilweise Schwierigkeiten gehabt habe, das Erlebte in Worte zu fassen oder
sich an alles zu erinnern. Im Übrigen habe er die vermeintlichen Wider-
sprüche zum Erhalt der Drohbriefe, zum Ausreisezeitpunkt und zu den Er-
eignissen auf dem Polizeiposten auflösen können. Eine Schnellrecherche
der Schweizerischen Flüchtlingshilfe zeige auf, dass die Region F._
eine unbeständige und umstrittene Provinz sei und weite Gebiete unter der
Kontrolle der Taliban seien. Es würden dokumentierte Fälle von Angriffen
und Drohungen durch die Taliban und andere Extremisten gegen Schulbe-
amte, Lehrer und Schüler existieren (SFH, Afghanistan: Lehrkräfte, Sicher-
heitslage in F._, 10.05.2021). Diese Tatsache sowie die Beschaf-
fung der Tazkira und damit die Einhaltung der Mitwirkungspflicht müssten
bei der Glaubhaftigkeitsprüfung berücksichtigt werden und seien als
Glaubhaftigkeitsindiz zugunsten des Beschwerdeführers zu werten (Urteil
des BVGer E-1022/2008 vom 27. März 2021 E. 2.2). Die Vorinstanz habe
nicht alle für den Beschwerdeführer sprechenden Glaubhaftigkeitsindizien
berücksichtigt und die gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Punkte un-
verhältnismässig zu seinen Ungunsten gewürdigt. Er habe in allen Glaub-
haftigkeitsindizien überzeugen können und seine Aussagen seien daher
insgesamt als glaubhaft anzusehen, weshalb ihm die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG zuzuerkennen sei.
5.3 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, die schlechte allge-
meine Sicherheitslage in der Provinz F._ sei in ihrer Verfügung da-
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hingehend gewürdigt worden, dass der Vollzug der Wegweisung des Be-
schwerdeführers in seine Heimat als unzumutbar erachtet worden sei. Al-
leine aufgrund der Tatsache, dass Schulen, Lehrkräfte, Schüler und Schü-
lerinnen in Afghanistan in das Visier der Taliban geraten könnten, würden
sich die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht als glaubhaft erweisen.
Im Weiteren verweist sie auf die Erwägungen in ihrer Verfügung und wie-
derholt diese teilweise.
5.4 In seiner Replik macht der Beschwerdeführer zusätzlich geltend, der
Bericht der SFH (SFH, a.a.O.) beziehe sich nicht nur auf die allgemeine
Sicherheitslage in Afghanistan, sondern zeige vielmehr die besondere Be-
drohungslage der Lehrer auf. Dies verleihe seinen Aussagen Plausibilität
und die geltend gemachte Verfolgung durch die Taliban sei daher nicht re-
alitätsfremd, sondern glaubhaft.
5.5
5.5.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Schilderungen des Beschwerde-
führers zur geltend gemachten Bedrohungslage durch die Taliban den An-
forderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht standzu-
halten vermögen.
5.5.2 Vorab ist zu erwähnen, dass die Vorinstanz eine ausführliche und
umfassende Glaubhaftigkeitsprüfung der Aussagen des Beschwerdefüh-
rers vorgenommen hat und sie – entgegen seiner Ansicht – insbesondere
auch die für ihn sprechenden Glaubhaftigkeitsindizien in ihrer Abwägung
berücksichtigt hat. Die gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Indizien hat
sie zudem nicht unverhältnismässig zu seinen Ungunsten gewürdigt. Die
Schilderungen des Beschwerdeführers hinterlassen gesamthaft einen un-
substantiierten und stereotypen Eindruck, obwohl sein erster freier Bericht
durchaus ausführlich ausfiel und gewisse Realkennzeichen enthält (SEM-
Akte A24 F92). Namentlich konnte er aber beispielsweise trotz mehrfacher
Aufforderung den Moment, als er und die weiteren Lehrer vom Schulleiter
über den Erhalt des Drohbriefs informiert worden seien, nicht ausführlich
beschreiben. Seine Ausführungen deckten sich zudem überwiegend mit
denen anlässlich seines freien Berichts (SEM-Akte A27 F37 f.). Würde er
über ein erlebnisbasiertes Ereignis erzählen, wäre von ihm zu erwarten ge-
wesen, dass seine Ausführungen auf Nachfrage weitere Details enthalten
und sich nicht weitgehend auf Wiederholungen beschränken. Auch als er
mehrmals konkret gefragt wurde, was in ihm vorgegangen sei, als er vom
Drohbrief erfahren habe, blieben seine Schilderungen weiterhin vage und
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enthielten kaum persönliche Eindrücke (SEM-Akte A27 F39 f.). Dasselbe
Bild zeigt sich in der weiteren, ausführlichen Anhörung (SEM-Akte A27
F42 ff.). Indem er den Sachverhalt trotz zahlreicher, verschiedener offener
Fragen – sowohl in der Chronologie als auch in der Tiefe – jeweils fast
vollständig gleich vorbringt, entsteht beim Durchlesen der Protokolle der
Eindruck, dass kein persönlicher Erlebnisbezug vorhanden ist. Das Aus-
wendiglernen und Vortragen eines solch komplexen Sachverhalts ohne
nennenswerte Widersprüche (E. 5.5.3 unten) setzt eine hohe kognitive
Leistung voraus. Der Beschwerdeführer hat 12 Jahre lang die Schule be-
sucht und ist eine gebildete Person, weshalb davon auszugehen ist, dass
er dazu durchaus im Stande ist, zumal die Befragung und die Anhörung
auch nur zwei Wochen auseinanderliegen. Wie die Vorinstanz richtiger-
weise festhält, weisen seine Aussagen nicht die Qualität auf, die zu erwar-
ten wäre, würde eine Person mit seinem Bildungsstand ein erlebnisbasier-
tes Ereignis schildern. Seine Ausführungen zu seiner Ausreise von der Tür-
kei bis nach Griechenland und weiter zeugen davon, dass er zu substanti-
ierteren und differenzierteren Aussagen fähig ist (SEM-Akte A24 F92, A27
F36).
5.5.3 Die Vorinstanz wertete die unterschiedlichen Angaben des Be-
schwerdeführers zum Erhalt des Drohbriefs als Widerspruch in seinen Aus-
sagen, welche für die Unglaubhaftigkeit seiner Schilderungen sprächen.
Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass der Beschwerdeführer in seiner Be-
fragung im freien Bericht explizit erwähnte, dass er den Drohbrief erhalten
habe (SEM-Akte A24 F92, zweiter Abschnitt), später jedoch angab, der
Brief sei an den Leiter der Schule geschickt worden (SEM-Akte A24 F92,
dritter Abschnitt). Er habe die Drohbriefe nicht persönlich erhalten (SEM-
Akte A24 F92, sechster Abschnitt). In der Anhörung sagte er dann, der
Schulleiter habe erzählt, der Brief sei in die Schule geworfen worden (SEM-
Akte A27 F38). Das Gericht ist mit dem Beschwerdeführer jedoch einig,
dass diese unterschiedlichen Aussagen durchaus auch als Ergänzungen
und Präzisierungen qualifiziert werden können. Seine weitestgehend sub-
stanzlosen, undifferenzierten und sich – auch auf Nachfrage – oft überra-
schend gleich wiederholenden Schilderungen sprechen indes schon für
sich alleine für die Unglaubhaftigkeit seines Vorbringens. Das Gericht ver-
zichtet deshalb darauf, die von der Vorinstanz geltend gemachten und vom
Beschwerdeführer bestrittenen weiteren Widersprüche einer Überprüfung
zu unterziehen.
5.5.4 Zu erwähnen bleibt, dass die Vorinstanz entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers nicht geltend macht, der Bericht der SFH (SFH, a.a.O.)
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beziehe sich nur auf die allgemeine Sicherheitslage in Afghanistan. Sie hält
in ihrer Vernehmlassung richtigerweise fest, dass der Beschwerdeführer
alleine aufgrund der Tatsache, dass er ins Visier der Taliban geraten könne,
nicht ableiten kann, seine Vorbringen zu seiner Vorverfolgung in Afghanis-
tan seien glaubhaft. Er muss trotzdem eine gezielte Verfolgung glaubhaft
machen können, was ihm jedoch nicht gelungen ist. Das Gericht weist den
Beschwerdeführer zudem darauf hin, dass das Beschaffen der Tazkira und
damit die Erfüllung der Mitwirkungspflicht zwar für die persönliche Glaub-
würdigkeit sprechen kann, aber bei der Glaubhaftigkeitsprüfung seiner gel-
tend gemachten Verfolgung kaum ins Gewicht fällt. Wie ausführlich von der
Vorinstanz in ihrer Verfügung festgehalten und vom Gericht bestätigt, spre-
chen überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung.
5.5.5 In der Summe betrachtet überwiegen die Unglaubhaftigkeitsele-
mente in den Aussagen des Beschwerdeführers hinsichtlich der geltend
gemachten Bedrohungslage durch die Taliban, weshalb er keine Vorflucht-
gründe glaubhaft machen konnte. Die Beschwerdevorbringen sind nicht
geeignet, zu einer von der Vorinstanz abweichenden Betrachtungsweise
zu gelangen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer sei in Griechenland zum Christentum konver-
tiert. Er macht damit subjektive Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG
geltend.
6.2 Die Vorinstanz hielt dazu im Wesentlichen fest, eine im Ausland erfolgte
Konversion führe für sich alleine nicht automatisch zu einer flüchtlings-
rechtlich relevanten Verfolgung in Afghanistan. Eine asylsuchende Person
müsse glaubhaft darlegen können, dass ihre Konversion in Afghanistan be-
kannt sei und ihr aus diesem Grund bei einer Rückkehr nach Afghanistan
eine individuelle und gezielte Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG drohe.
Sie müsse mit ihren Aussagen den Behörden glaubhaft machen können,
dass sie sich aufgrund ihrer inneren Überzeugung von ihrer früheren Reli-
gion abgewendet und einer anderen zugewendet habe. Eine lediglich for-
melle Konversion beispielsweise durch die Taufe ohne Hinweise auf innere
Überzeugung reiche für die Glaubhaftmachung in der Regel nicht aus. Die
Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner Motivation zur Konversion
seien knapp, ohne Tiefe oder persönlichen Bezug ausgefallen. Eine tiefe
innere Überzeugung, welche ihn dazu gebracht habe, vom Islam zum
Christentum zu konvertieren, sei nicht ersichtlich. Er sei lediglich formell
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mit der Taufe konvertiert. Er sei nicht wirklich vom Islam abgefallen und
lebe gemäss eigener Aussagen seinen christlichen Glauben in der Schweiz
vorwiegend für sich im privaten Rahmen und nicht hauptsächlich öffentlich
aus. Es sei deshalb nicht davon auszugehen, dass eine Nicht-Ausübung
seines christlichen Glaubens in Afghanistan für ihn einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken würde. Aufgrund seiner teilweise wider-
sprüchlichen, unplausiblen, inkonsistenten und knappen Angaben dazu,
wie seine Familie von seiner Konversion erfahren und darauf reagiert habe,
beständen Zweifel an seiner Darstellung der Ereignisse. Seine Angaben
sprächen zudem ebenfalls nicht dafür, dass er selber konkret und mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit davon ausgehe, seitens seiner Familie ernst-
hafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes erwarten zu müssen. Dass
seine Familie ihn eventuell nicht mehr bei sich aufnehmen wolle, stelle für
sich alleine noch keinen ernsthaften Nachteil im Sinne des Asylgesetzes
dar. Es sei deshalb nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr
nach Afghanistan aufgrund seiner Konversion mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit ernsthaften Nachteilen im
Sinne des Asylgesetzes zu rechnen habe.
6.3 Der Beschwerdeführer entgegnet dem in der Rechtsmitteleingabe,
seine Schilderungen zum Religionswechsel seien durch viele Realkennzei-
chen geprägt. Seine Konversion sei kein rein formeller Akt, sondern würde
einer tiefen inneren Überzeugung entspringen. Er beschäftige sich in der
Schweiz weiterhin mit seinem Glauben und nehme an diversen Veranstal-
tungen teil. Seine Angst vor seiner religiösen Familie sei begründet. Selbst
wenn sie sich seiner nicht selbst entledigen würde, sei die Wahrscheinlich-
keit sehr hoch, dass sie ihn an das umliegende Umfeld verrate oder eine
Anzeige gegen ihn erstatte. Auch wenn sie nichts von seinem Religions-
wechsel wisse, könne von ihm nicht verlangt werden, sich bei einer Rück-
kehr in sein Heimatland seiner neu gefundenen Religion zu entledigen oder
sie ein Leben lang zu verschweigen. Die Verheimlichung seines Glaubens
würde einen enormen psychischen Druck bei ihm bewirken. Er würde sich
in einem Umfeld bewegen, in dem er Gefahr laufe, jederzeit entdeckt, de-
nunziert und sanktioniert zu werden. Weil sein Heimatort in weiten Teilen
unter der Kontrolle der Taliban sei, müsse er sich nicht nur vor einer kon-
servativen Gesellschaft fürchten, sondern auch vor einer Verfolgung durch
die Taliban.
6.4 Die Vorinstanz führt in der Vernehmlassung aus, hinsichtlich einer kon-
kreten Gefährdung bei einer Rückkehr nach Afghanistan aufgrund seiner
Konversion vermöge der Bericht der SFH (SFH, a.a.O.) ihren Standpunkt
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nicht zu ändern. Auch gebe es keine Hinweise darauf, dass die afghani-
schen Behörden Kenntnis von seiner Konversion erlangt hätten. Im Übri-
gen verweist sie auf die Erwägungen in ihrer Verfügung und wiederholt
diese teilweise.
6.5 Der Beschwerdeführer verweist in seiner Replik vollumfänglich auf die
Erklärungen in der Beschwerde. Die Vernehmlassung der Vorinstanz ent-
halte keine neuen Vorbringen, auf die nicht bereits in der Beschwerde-
schrift eingegangen worden sei.
6.6
6.6.1 Die Vorinstanz stellt richtig fest, dass eine lediglich formelle Konver-
sion ohne Hinweise auf die innere Überzeugung für deren Glaubhaftma-
chung in der Regel nicht ausreicht (vgl. Urteil des BVGer D-4952/2014 vom
23. August 2017 E. 6.2 [als Referenzurteil publiziert]). Gemäss Rechtspre-
chung unterliegen konvertierte Christen dejure in Afghanistan keiner Kol-
lektivverfolgung, wobei jeweils eine individuelle Prüfung der Gefährdung im
Einzelfall vorzunehmen ist (vgl. auch Urteil des BVGer E-6163/2020 vom
23. Dezember 2020 E. 8.3 f.).
6.6.2 Das Gericht geht mit der Vorinstanz einig, wonach keine Zweifel da-
ran bestehen, dass der Beschwerdeführer formell konvertiert ist und heute
noch christliche Veranstaltungen besucht. Bei der Durchsicht der Akten fällt
jedoch auf, dass es klar an einer substantiierten Darlegung der inneren
Überzeugung beziehungsweise einer nachvollziehbaren Schilderung der-
selben fehlt. Daran vermögen auch die Ausführungen in der Beschwerde
nichts zu ändern. Die Vorinstanz hat eine ausführliche und korrekte Glaub-
haftigkeitsprüfung der Aussagen des Beschwerdeführers vorgenommen.
Seinen Schilderungen ist keine vertiefte Auseinandersetzung mit dem
neuen christlichen Glauben zu entnehmen. So erzählte er in seinem freien
Bericht, er habe auf der Insel G._ keine Beschäftigung gehabt und
sei deshalb mit ein paar anderen Jungen zu einem Ort namens H._
gegangen, wo er religiösen Unterricht erhalten habe und über das Chris-
tentum gesprochen worden sei. Nach zwei oder drei Wochen sei sein Inte-
resse gegenüber dem Christentum geweckt worden und anfangs 2020 sei
er getauft worden (SEM-Akte A27 F36). Im weiteren Verlauf der Anhörung
wurde der Beschwerdeführer mehrmals konkret gebeten, darüber zu be-
richten, wie es zum Religionswechsel gekommen sei oder was ihn am
christlichen Glauben überzeugt habe (SEM-Akte A27 F70, F72 f.). Auch
hier schilderte er seinen inneren Konversionsprozess nicht differenziert,
sondern wiederholte mehrmals, es habe den dunklen und den hellen Weg
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gegeben und er habe sich für den Weg des Lichtes entschieden, denn Je-
sus Christus sei wegen der Sünden der Menschheit gekreuzigt worden und
in den Himmel gekommen. Darauf angesprochen, was für ihn der dunkle
Weg oder die Kreuzigung Jesu bedeute, blieben seine Erklärungen vage,
oberflächlich sowie die Religion beschreibend und lassen eine eigene Aus-
einandersetzung mit der Thematik vermissen (SEM-Akte A27 F74). Es ist
nicht abzustreiten, dass der Beschwerdeführer einiges an Wissen über das
Christentum vorweisen kann (SEM-Akte A27 F76 ff.). Sobald er jedoch auf-
gefordert wird, über seine persönliche Beziehung zum Christentum und
den Grund für sein Zweifeln am Islam zu sprechen, bleiben seine Ausfüh-
rungen oberflächlich und lassen eine eigene differenzierte Ansicht vermis-
sen (SEM-Akte A27 F81, F84 f.). Dem Beschwerdeführer wurden viele of-
fene Fragen gestellt und ihm wurde dadurch mehrmals die Möglichkeit ge-
geben, sich ausführlich über seine Konversion zu äussern. Das Gericht ist
mit der Vorinstanz einig, dass bei einem solch bedeutsamen Ereignis im
Leben einer Person, die aus einer gläubigen schiitischen Familie stammt,
bedeutend mehr Schilderungen zum Konversionsprozess sowie konkret zu
Überlegungen, Gedanken und auch zum Zweifel beim Glaubenswechsel
zu erwarten gewesen wären. Es war ihm deshalb nicht möglich, ein genu-
ines Interesse am Christentum sowie die Ernsthaftigkeit seiner Konversion
glaubhaft zu machen, weshalb – entgegen der Ansicht des Beschwerde-
führers – auch nicht davon auszugehen ist, dass eine Nicht-Ausübung sei-
nes christlichen Glaubens in Afghanistan für ihn einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken würde. Das Gericht unterstützt die Vorinstanz
weiter darin, dass seine Ausführungen dazu, wie sein Vater von seiner Kon-
version erfahren haben soll, aufgrund der unsubstantiierten und wider-
sprüchlichen Schilderungen unglaubhaft sind. So ist aufgrund seiner knap-
pen, vagen und wiederholenden Angaben nicht nachvollziehbar, weshalb
seine Kollegen die Telefonnummer seines Vaters gehabt und diesen über
die Taufe informiert haben sollen (SEM-Akte A27 F92, F94 ff.). Weiter er-
zählte er einerseits in der Befragung, er habe das letzte Mal vor acht Mo-
naten (ungefähr Ende August 2020) mit dem Vater Kontakt gehabt und sie
hätten über dessen Wohlbefinden gesprochen (SEM-Akte A24 F36 f.). An-
dererseits gab er in der Anhörung an, ungefähr zwei oder drei Monate nach
der Taufe letztmals mit seinem Vater telefoniert zu haben. Dabei habe die-
ser ihn wegen seiner Konversion zum Christentum bedroht (SEM-Akte A27
F97 f.). Die Taufe habe ungefähr Ende 2019 (SEM-Akte A24 F87) bezie-
hungsweise anfangs 2020 (SEM-Akte A27 F36) stattgefunden. Er machte
damit nicht nur widersprüchliche Angaben zum Zeitpunkt des letzten Kon-
takts, sondern auch zum Inhalt des letzten Telefonats. So erwähnte er in
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der Befragung den Konflikt wegen der Konversion anlässlich der Beschrei-
bung des Telefoninhalts mit keinem Wort. Auf den Widerspruch angespro-
chen, war es ihm nicht möglich, diesen zu erklären (SEM-Akte A27 F112 f.).
Es bestehen damit erhebliche Zweifel am vorgetragenen Sachverhalt, wes-
halb er nicht glaubhaft machen konnte, dass ihm aufgrund seiner formellen
Konversion seitens seiner Familie in Afghanistan mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft eine asylrelevante Verfolgung
drohen würde. Den Akten sind zudem keine Hinweise zu entnehmen, dass
die afghanischen Behörden oder die Taliban Kenntnisse von seiner formel-
len Konversion erhalten haben, weshalb auch nicht davon auszugehen ist,
dass er von diesen eine asylrelevante Bedrohung zu befürchten hätte.
6.6.3 Das Gericht geht mit der Vorinstanz einig, dass der Beschwerdefüh-
rer nicht glaubhaft machen konnte, seine Konversion entspreche seiner in-
neren Überzeugung oder seine Familie sei über diese informiert. Es ist da-
mit weder davon auszugehen, dass eine Nicht-Ausübung seines christli-
chen Glaubens bei einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan ihn einem
unerträglichen psychischen Druck aussetzen würde noch, dass er seitens
seiner Familie, der afghanischen Behörden oder der Taliban eine asylrele-
vante Verfolgung bei einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan zu be-
fürchten hätte. Daran ändern auch die aktuellen Ereignisse in Afghanistan
nichts. Es liegen damit keine subjektiven Nachfluchtgründe vor.
7.
Der Beschwerdeführer konnte damit weder Vorfluchtgründe noch subjek-
tive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 7 AsylG glaubhaft machen. Die
Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers damit zu
Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
8.
Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt sie darauf nicht ein, so
verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Der Beschwerdeführer wurde von der Vorinstanz mit Verfügung vom
16. April 2021 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der
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Schweiz vorläufig aufgenommen. Nachdem die Wegweisungsvollzugshin-
dernisse alternativer Natur sind (vgl. statt vieler BVGE 2011/7 E. 8 m.w.H.),
sind die Zulässigkeit und die Möglichkeit des Vollzugs nicht mehr zu prüfen.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da jedoch der Antrag auf Be-
willigung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG mit Zwischenverfügung vom 25. Mai 2021 gutgeheissen wurde und
sich aus den Akten auch keine Hinweise auf eine nachträgliche Verände-
rung der finanziellen Verhältnisse ergeben, ist der Beschwerdeführer von
der Auferlegung der Verfahrenskosten zu befreien.
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