Decision ID: 501a3dc5-77c0-4c8b-a66e-2bda85381be9
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, folgte ihrem Ehemann 1990 in die Schweiz
und gebar in den Jahren 1994 und 1999 zwei Töchter
.
In der Folge
übte
sie
ver
schiedene Hilfstätigkeiten aus, zuletzt
vom 1. April
2003
bis am 27. April
2004
bei der
Y._
AG
(Urk. 7/
5/7, 7/3/2
). Aufgrund von Kopfschmerzen, Depres
sion, Kraftlosigkeit, Schmerzen, Konzentrationsstörungen und fehlender Aus
dauer meldete sie sich am 24. November 2006 (Urk. 7/1) bei der Eidgenössi
schen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (Arbeitsvermittlung/Rente) an.
Gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 25. August 2007 (Urk. 7/12)
sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten
mit
Verfügung vom 5. März 2008 (Urk. 7/22, 7/27) eine Viertelsrente ab 1. Novem
ber
2006 zu
(Invaliditätsgrad: 40 %)
.
1.2
Am 27. Oktober 2008 (Urk. 7/28) beantragte die Versicherte eine Erhöhung der bisherigen Viertelsrente.
Zur
Beurteilung des Gesundheitszustandes
gab die IV-Stelle bei der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
A._
ein psychiatrisches Gutacht
en in Auftrag. Dieses wurde am 6. November
2012
erstattet (Urk. 7/
54
). Am 26. November 2012 (Urk. 7/56
)
teilte die IV-Stelle der Versicherten
einen unveränderten Invalidi
täts
grad und Rentenanspruch mit
.
1.3
Im Januar 2015 leitete die IV-Stelle eine amtliche Revision ein (Urk. 7/62)
und
nahm
medizinische (Urk.
7/64
, 7/66, 7/85
) sowie erwerbliche (Urk.
7/63, 7/
71
) Abklärungen
vor
.
Eine von der
IV-Stelle am 7. Juli 2015 (Urk. 7/72)
gestartete
berufliche Potenzialabklärung
wurde nach einer Krankschreibung durch den behandelnden Arzt
am 10. September 2015
abgebrochen
(Urk. 7/81)
.
Zur Klä
rung des
Gesundheitszustand
es
gab die
IV-Stelle
bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein
psychiatrische
s
Gutachten
in Auftrag,
das
am 27. April 2016 (Urk. 7/93)
erstattet wurde
.
Mit Vorbescheid vom 29. Juni
2016 (Urk. 7/94) stellte die IV-Stelle der Versicherten die wiedererwägungsweise Aufhebung der
rentenzusprechenden Verfügung
und die Einstellung der bis
herigen Rente
in Aussicht (Urk. 7/94). Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 3
1.
August 2016 Einwände (Urk. 7/100). Am 23. November 2016 (Urk. 2) verfügte die IV-Stelle wie angekündigt die wiedererwägungsweise Aufhebung der rentenzusprechenden Verfügung vom 5. März 2008 und stellte die Rente auf das Ende des
auf
die Z
ustellung
der Verfügung
folgenden Monats ein.
2.
Mit Beschwerde vom 13. Januar 2017 beantragte die Beschwerdeführerin
die Aufhebung der Verfügung vom 23. November 2016 und
die Erhöhung der bis
herigen Viertelsrente auf eine ganze Rente, eventualiter die weitere Ausrichtung einer Viertelsrente.
In prozessualer Hinsicht stellte sie ein Gesuch um Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung von Rechtsanwalt Meier Rhein als unentgeltlichen Rechtsvertreter
(Urk. 1 S. 2)
, das sie mit Schrei
ben vom 20. Februar 2017 (Urk. 8) zurückzog
.
Mit Beschwerdeantwort vom 15. Februar 2017 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 23. Februar 2017 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog.
allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Grad der Invalidität eines Rentenbezügers oder einer Renten
bezügerin in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so ist die Rente laut
Art.
17
Abs.
1 ATSG für die Zukunft entsprechend zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben. Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E.
2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwal
tung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvor
aus
setzungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Ver
waltung mit dieser Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige
betragliche
Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Mass
gebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E.
1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hin
weisen
)
.
1.
5
Wird eine
Rente revisionsweise (vgl. Art. 17 Abs.
1 ATSG) herauf- oder herab
gesetzt, so tritt die Revisionsverfügung an Stelle der zu revidierenden Verfü
gung. Dasselbe gilt auch dann, wenn in einem Revisionsverfahren die bisherige Rente nach materieller
Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sach
ver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs bestätigt wird (vgl. BGE 133 V 108). Dies bedeutet aber auch, dass selbst dann, wenn nachträglich auf den Wegen der Wiedererwägung oder der Revision auf diese Revisionsverfügung zurückgekommen wird, die ursprüngliche Ver
fügung von der Revisionsverfügung konsumiert bleibt und daher nicht wieder auflebt, sondern deren Schicksal teilt. Vorbehalten bleiben dabei lediglich jene seltenen Fälle, in denen die Revisionsverfügung nichtig ist. Somit ist bei einem wiedererwägungsweisen Zurückkommen auf eine zweifellos unrichtige Revi
sions
verfügung der Rentenanspruch ex
nunc
und pro
futuro
ohne Bindung an die ursprüngliche Verfügung in allen seinen Teilen neu zu beurteilen, ohne dass zunächst geprüft werden müsste, ob auch bezüglich der ursprünglichen Ver
fügung ein
Rückkommenstitel
gegeben wäre
(BGE 140 V 514 E. 5.2)
.
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die wiedererwägungsweise Aufhebung der rentenzusprechenden Verfügung vom
5.
März 2008 damit,
dass sowohl die Ren
tenzusprache als auch deren revisionsweise Bestätigung zweifellos unrichtig gewesen seien. In beiden Gutachten sei von massiven psychosozialen und soziokulturellen
Anteilen berichtet worden, welche eine mittelgradige depressive Episode ausgelöst und aufrecht erhalten hätten. Damit habe es sich nicht um ein verselbständigtes psychisches Leiden mit Krankheitswert gehandelt. Gemäss der damaligen wie auch der heutigen Rechtsprechung sei eine mittelgradige de
pressive Episode nicht invalidisierend. In beiden Gutachten sei keine Chroni
fizierung festgestellt worden, da die psychischen Beschwerden weiterhin als therapeutisch angehbar beurteilt worden seien. Auch der aktuelle Gutachter
Dr.
B._
berichte
über massive psychosoziale und soziokulturelle Probleme, welche weiterhin im Vordergrund stünden und die psychischen Beschwerden immer noch aufrechterhielten.
Inwiefern es sich dabei um ein verselbständigtes psychisches Leiden handle, begründe er nicht (Urk. 2 S. 2).
2.2
Dem hält die Beschwerdeführerin
zusammengefasst
entgegen, die Beschwerde
gegnerin berufe sich zunächst darauf, die Beschwerdeführerin sei zum Zeitpunkt der Rentenzusprache nicht ausreichend austherapiert gewesen. Dabei orientiere sie sich an einer Rechtspraxis, welche zu diesem Zeitpunkt noch keine Geltung gehabt habe. Die Prüfung, ob der ursprüngliche Entscheid vertretbar oder ohne jeden Zweifel unrichtig gewesen sei, beurteile sich jedoch nach Massgabe der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungs
zusprache dargeboten habe (Urk. 1 S. 6)
. Die Beschwerdegegnerin schliesse einen
Rentenanspruch auch aus, da soziokulturelle und psychosoziale Belastungsfak
toren im Vordergrund gestanden hätten.
Das
Feststellungsblatt und
die
Aus
führungen des
Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD)
zum Gutachten
von
Dr.
Z._
und den Berichten von Dr.
med.
C._
zeig
t
e
n
, dass dem RAD und mithin auch der IV-Stelle die familiären und psychosozialen Faktoren bewusst gewesen seien. Dieser Umstand sei entsprechend mit der lediglich auf 30 % bemessenen Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt worden. Die Frage, in welchem Ausmass
psychosoziale Faktoren eine depressive Erkrankung beeinflussten, weise Ermessenscharakter auf. Allein schon deshalb lasse sich nicht behaupten, der damalige Entscheid sei ohne jeden Zweifel unrichtig gewesen. Zusammen
fassend ergebe sich, dass kein Wiedererwägungsgrund
vorhanden
sei. Damit bestehe keinerlei Grundlage für die Aufhebung der Viertelsrente, zumal ein Revisionsgrund nach richtiger Feststellung der IV-Stelle nicht gegeben sei. Indes habe die Beschwerdegegnerin gemäss dem Gutachten
B._
der Beschwerde
führerin nunmehr eine ganze Rente auszurichten, da von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten auszugehen sei
. Dieses Gutachten erfülle sämtliche Beweisanforderungen, weshalb darauf abzustellen sei
(Urk. 1 S. 7 f.).
3.
3.1
Zwischen den Parteien ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin ihre Verfügung vom 5. März 2008 (Urk. 7/22, 7/27) und damit die Rente der Versicherten zu Recht wiedererwägungsweise aufgehoben hat.
3.2
Die
erste
Voraussetzung
für eine Wiedererwägung, nämlich die
erhebliche Bedeutung einer Berichtigung
,
ist
mit Blick auf den Charakter der zuge
sprochenen Invalidenrente als periodische
Dauer
leistung rechtsprechungsgemäss ohne Weiteres zu bejahen (vgl. BGE
119 V 475 E.
1c mit Hinweisen; Urteil des Bu
ndesgerichts 9C_11/2008 vom 29.
April 2008 E. 4.2.1).
3.3
Die Parteien sind sich insbesondere uneinig darüber, ob der rentenzu
sprechen
den Verfügung vom 5. März 2008 (Urk. 7/
22
, 7/
27
) eine zweifellos unrichtige medizinische Beurteilung zugrunde lag. Wie zu zeigen ist, erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit dieser Frage.
Mit der Mitteilung vom
26
.
November
2012
(Urk. 7/56)
wurde der mit Verfü
gung vom 5. März 2008 festgestellte
Anspruch auf eine Viertelsrente
bestätigt. Dieser
Mitteilung
lag das Gutachten des
A._
vom
6. November 2012 (Urk. 7/54)
zugrunde
. Dieses führte zur Annahme eines
seit der Rentenzusprechung
unver
änderten Gesundheitszustandes, weshalb
-
mangels Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen
-
auf die Durchführung eines neuerlichen Einkommensvergleiches verzichte
t wu
rde.
In der Folge
verlangt
e
die Beschwerdeführerin keine
Verfügung (
Art.
74
quater
der Verordnung über die Invalidenversicherung
,
IVV)
.
Damit ist diese Mitteilung
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung
gleich
zustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen)
.
Da die IV-Stelle mangels Änderungen in den tatsächlichen Verhältnissen in
ihrer
Mitteilung vom 2
6.
November
2012 (
Urk.
7/56)
weiterhin auf den ursprüng
lichen Einkommensvergleich abstellte, ist die Richtigkeit der rentenzu
sprechen
de
n
Verfügung vom 5. März 2008 (Urk. 7/
22
, 7/
27
) zu überprüfen.
3.4
Gestützt auf das p
sychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
vom 25. August 2007 (Urk. 7/12) ging die Beschwerdegegnerin
damals
in medizinischer Hinsicht auf
grund
der diagnostizierten
mittelgradigen depressiven Episode
von einer 30%ige
n Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten aus
(vgl. Urk. 7/16/3)
.
Wie dem Ein
kommensvergleich vom 30. Oktober 2007 (Urk. 7/15) zu entnehmen ist,
lag
sowohl
der Berechnung des
Validen-
als
auch
des
Invalideneinkommen
s
ein
Tabellenlohn für weibliche Hilfsarbeitskräfte gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung
zugrunde
.
Aufgrund der An
nah
me einer erschwerten Verwertbarkeit einer 70%igen Restarbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt wurde beim Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug von 5 % berücksichtigt. Dies
führte
die IV-Stelle
zur Annahme eines Validen
einkommens von Fr. 49‘562.--, eines Invalideneinkommens von Fr. 29‘490.-- sowie eines Invaliditätsgrades von 40 %
(Urk. 7/22)
.
3.5
Die Beschwerdegegnerin
legte
zu Recht sowohl
dem
Validen-
als auch dem
Invalideneinkommen
den gleichen Tabellenlohn
für weibliche Hilfsarbeitskräfte
zugrunde
.
Denn die Versicherte war vor der Anmeldung bei der
Invaliden
ver
-
sicherung
längere Zeit arbeitslos und zuvor nur während zwei Jahren bei der
Y._
AG tätig gewesen; davor hatte bereits eine längere Arbeitslosigkeit bestanden. Der Auszug aus dem Individuellen Konto zeigt zudem auf, dass die Versicherte bei weitem unter dem mittels LSE ermittelten Valideneinkommen verdient hatte, so dass diese Berechnungsweise sicher nicht zu ihren Ungunsten war (Urk. 7/3). Allerding
s
stellte b
ereits zum Zeitpunkt der Rentenzusprache eine Restarbeitsfähigkeit einer weiblichen Versicherten von 70 % kein
en
Grund für einen leidensbedingten Abzug
beim Invalideneinkommen
dar
(Urteil des Bun
des
gerichts
9C_382/2007
vom 13. November 2007 E. 6.2
). Damit
hätte die IV-Stelle von einem
Invalideneinkommen Fr. 34‘693.40 (0,7 x Fr. 49‘562.--)
aus
gehen müssen
,
was
ein
en
Invaliditätsgrad von 30 %
zur Folge gehabt hätte
(1 - Fr. 34‘693.40 / Fr. 49‘562.--).
Auch d
ie
Berücksichtigung
eines leidensbedingten Abzuges von 5 % hätte bei korrekter Berechnung
zu keinem Rentenanspruch geführt: Das
Invalidenein
kommen
würde
diesfalls
Fr. 32‘
958.73 (0,95 x 0,7 x Fr. 49‘562.--) betragen. Verglichen mit dem Valideneinkommen von Fr. 49‘562.-- ergäbe sich lediglich ein
(aufgerundete
r
)
Invaliditätsgrad von 34 % (
1 -
Fr. 32‘958.73 / Fr. 49‘562.--)
(zu den Rundungsregeln: BGE 130 V 121 E.
3.2
).
Damit
waren
sowohl die Zu
sprache einer Viertelsrente mit Verfügung vom 5. März 2008
(Urk. 7/22, 7/27)
als auch deren aufgrund eines unveränderten Gesundheitszustandes erfolgte Be
stätigung mit Mitteilung vom 26. November
2012 (Urk. 7/56) zweifellos unrich
tig
.
4.
4.1
Es stellt sich die Frage, ob im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung im November 2016 eine Rentenberechtigung vorlag, so dass die Aufhebung der Inva
lidenrente trotz früherer offensichtlicher Unrichtigkeit nicht statthaft ist. Wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG
,
ist der Inva
liditäts
grad im Zeitpunkt der Verfügung auf der Grundlage eines richtig und voll
ständig festgestellten Sachverhalts frei zu überprüfen (Urteile des Bundes
gerichts 9C_11/2016 vom 22. Februar 2016 E. 5, 9C_208/2016 vom 17. Juni 2016 E 2.2).
4.2
4.2.1
In medizinischer Hinsicht holte die Beschwerdegegnerin im Rahmen des mit
der
angefochtenen Verfügung abgeschlossenen Revisionsverfahrens ärzt
liche Berichte
von Dr.
C._
(Urk. 7/66, 7/80 und 7/85
)
ein
und
liess die Beschwerdeführerin durch
Dr.
B._
psychiatrisch begutachten (Urk. 7/93).
Zudem legte sie diese medizinischen Akten ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Beurteilung vor (Urk. 7/95/3, 7/95/4-6)
.
Am 14. Februar 2015 (Urk. 7/66) berichtete Dr.
C._
der Beschwerdegegnerin über die Beschwerdeführerin. Diese stehe seit März 1998 regelmässig in seiner Behandlung
.
Z
urzeit
fänden die Termine
in einem Abstand von drei Monaten
statt
(Urk. 7/66/3). Als Diagnosen nannte er eine chronifizierte mindestens mittelgradige Depression, chronische Kopfschmerzen sowie eine chronische Der
matitis (Urk. 7/66/1). Die Arbeitsfähigkeit in einfachen körperlichen Tätigkeiten schätzte er auf 30-40 % (Urk. 7/66/2).
Mit Schreiben vom 8. September
2015
(Urk. 7/80)
orientierte
Dr.
C._
die Beschwer
degegnerin darüber, dass er die Beschwerdeführerin aufgrund
der
Konsultation
vom
1. September 2015
zu
100 % arbeitsunfähig geschrieben habe. Sie habe sich in einem noch schlechteren Gesundheitszustand als sonst präsentiert
und
hätt
e vermehrt Kopfschmerzen gehabt. Sie
sei mental durchein
ander, extrem unruhig sowie antriebslos gewesen und habe ängstlich und unsicher gewirkt. Obwohl ihr nur eine Viertelsrente zugesprochen worden sei, betrage die Arbeitsunfähigkeit seit Jahren mehr als 40 %, was er immer wieder schriftlich festgehalten habe. Theoretisch könne die Beschwerdeführerin viel
leicht eine 40-50%ige Tätigkeit ausüben, sofern diese in einer guten zwischen
menschlichen Beziehung und in einer nicht stressigen oder lärmigen Atmos
phäre ausgeübt würde. Die Beschwerdegegnerin hätte ihr eine solche Möglich
keit offerieren können, nicht
jedoch
das aktuelle Programm, das der Wieder
eingliederung dienen solle (Urk. 7/80/1). Solche Massnahmen könnten der Be
schwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen nicht zugemutet werden (Urk. 7/80/2).
Am 13. Januar 2016 nannte
Dr.
C._
gegenüber der IV-Stelle als Diagnosen eine langdauernde ausgeprägte Depression
sowie
chronische beeinträchtigende Kopfschmerzen
. Er führte dazu aus, die vorübergehende Verschlechterung mit Zunahme der Symptome habe sich etwas zurückgebildet. Die der IV-Stelle bekannten Symptome würden weiter bestehen (Urk. 7/85/1). Sinngemäss
beur
-
teilte er körperlich leichte, einfache Tätigkeiten in einem rücksichtsvollen Um
feld während drei bis vier Stunden täglich als zumutbar. Dabei ging er von einer um 30-40 % verminderten Leistungsfähigkeit aus (Urk. 7/85/2).
4.3
Gestützt auf die von der IV-Stelle zur Verfügung gestellten medizinischen Akten und am 12. sowie am 25. April 2016 durchgeführte Untersuchungs
ge
spräche erstattete
Dr.
B._
der Beschwerdegegnerin am 27. April
2016 (Urk. 7/93) sein psychiatrisches Gutachten.
Anlässlich der Anamneseerhebung klagte die Beschwerdeführerin darüber, es sei schwer, mit der Depression zu leben. Sie langweile sich dauernd und habe keine Kraft und Lust etwas zu tun. Die finanzielle Situation sei extrem angespannt und es sei nicht jeden Monat möglich, die Rechnungen zu bezahlen. Sie meide Lärm und Geschwätz und sei unfähig, alleine ausser Haus zu gehen. Sie ertrage weder die Leute noch den Lärm. Sie sei auch vom Verkehr überfordert. Sie habe am ganzen Körper Schmerzen, in den Knochen und in den
Muskeln. Daneben leide sie an Diabetes und Bluthochdruck. Abgesehen von kleinen zwischen
zeit
lichen Verbesserungen sei es
seit 1999
über die Jahre immer schlimmer gewor
den. Trotz der vielen Medikamente werde sie immer apathischer und antriebs
lo
ser. Verschiedentlich habe sie versucht sich wieder zu integrieren. Der letzte Versuch habe aber im September 2015 abgebrochen werden müssen, weil sie sehr schlecht auf Druck und Forderungen reagiert habe. Besonders schlimm seien die Hoffnungslosigkeit und die absolut negative Stimmung sich und der Welt gegenüber. Schwierig sei für sie auch das Gefühl, überall aufzufallen und wegen ihrer anderen Herkunft und Religion nicht ganz ernstgenommen zu werden. Für sie mache alles keinen Sinn mehr
und sie habe ihre
gesamte
Energie
verloren. Nicht einmal mehr am Erfolg der
Töchter
könne sie sich erfreuen (Urk. 7/93/8 f.).
Dr.
B._
hielt fest, die Explorandin habe zwar einen deprimierten, aber meist wachen und aufmerksamen Eindruck gemacht. Wenn es ihr
zuviel
geworden sei, habe sie einfach „abgehängt“ und sich in sich zurückgezogen. Nach einer gewissen Zeit, in welcher der Ehemann oder die Tochter gesprochen hätten, habe sie gut ins Gespräch zurückgeführt werden können. Das Paar habe wie in einer Schicksalsgemeinschaft gefangen gewirkt, mit je klar und offen vorge
tragenen Vorwürfen und hintergründigen Aggressionen. Im Psychostatus habe sie allseits
orientiert gewirkt. Im hoch strukturiert durchgeführten Gespräch hätte sie keinerlei Auffassungsstörungen gezeigt.
Die Konzentrationsleistung habe aber über die Zeit deutlich nachgelassen, was sich auch im „Maxi-Test“, einer kursorischen Prüfung der mnestischen Funktionen, manifestiert habe. Die Aufgabe habe sehr gut instruiert und die Beschwerdeführerin in der Beschrei
bung der Figuren geführt werden
müssen
. Es habe sich gezeigt, dass sie Schwierigkeiten gehabt habe, zwei nicht durchgezeichnete Dreiecke als Stern zu erkennen und sie nicht in der Lage gewesen sei, eine einfache Addition durch
zuführen. In der Erinnerung der Figuren sei sie mit sechs von 14 schlecht gewe
sen, obwohl man ihr angesehen habe, dass sie intensiv nach Bildern gesucht habe. Die (100 minus sieben)-Reihe sei überhaupt nicht möglich gewesen und es sei klar geworden, dass sie unter schweren Konzentrationsstörungen gelitten habe. Sie habe erklärt, sich gar nicht mehr konzentrieren und keine Abläufe einhalten zu können (Urk. 7/93/10). Auf die Frage, wieso das Denken und das Gedächtnis so beeinträchtigt gewesen seien, habe sie erklärt,
sie habe zu viele Personen im Kopf, die immer etwas redeten. Die Stimmen diskutierten, sprächen immer negativ zu ihr und machten alles schlecht. Sie müsse ihnen zuhören, ob sie wolle oder nicht, auch weil sie immer so provokative Fragen stellten wie „Warum lebst du?“. Die Stimmen seien zwar im ganzen Kopf, meist aber rechtsseitig. Begonnen habe dies vor vier Jahren während ihrer Krise. Seither seien die Stimmen negativer und drängender geworden. Die Einnahme von
Risperdal
helfe ihr etwas. Neben diesen als akustische Halluzinationen anmu
tenden Stimmen im Kopf sei keine eigentliche Wahnstimmung wahrzunehmen gewesen, jedoch sehr viele Ängste in Bezug auf sich selber, aber auch die ganze Umgebung. Im Denken sei sie erstaunlich differenziert und man habe ihr die gute Schulbildung deutlich angemerkt. Die Unmöglichkeit zu Rechnen sei den Konzentrationsstörungen geschuldet gewesen. Das Denken sei eingeengt auf die als hilflos, resignativ und
verzweifelt erlebte Situation gewesen. Es habe geschienen, als gebe es in ihrem Leben keinen einzigen positiven Aspekt mehr. Sie habe nicht einmal die erstaunlich guten Karrieren ihrer Töchter würdigen und mit ihrer Person und ihren Bemühungen in Verbindung bringen können. Affektiv habe sie ei
nen verzweifelten und vom Leben
enttäuschten Eindruck gemacht
. Die absolute Resignation habe sich in der Beschreibung des Alltags manifestiert, in dem sie nichts machen könne, praktisch nur herumliege und vor sich hindöse. Die Resignation habe sie in Zusammenhang gebracht mit all ihren
enttäuschten Wünschen und Vorstellungen und der absoluten Entwurzelung von
ihrer Familie, ihrer Kultur und ihren Wünschen. Dazu gesellten sich massivste Schuldgefühle und Selbstwertprobleme. Bei den Antworten über ihre Enttäusch
ungen seien ihr immer wieder Tränen gekommen, als Ausdruck der als hof
f
nungs
los erlebten Situation. Entsprechend ihrer Adipositas sei sie in ihren Bewegungen und dem Antrieb deutlich gehemmt gewesen, was sich auch in der Agilität, nicht aber in der Differenziertheit ihres Denkens manifestiert habe. In ihrem Kontext habe ein totaler sozialer Rückzug stattgefunden, wahrscheinlich als Reaktion auf die als unangenehm erlebte Situation in der Sippe ihres Ehe
mannes. Suizidale Äusserungen habe sie nicht gemacht, es sei eher eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit zum Ausdruck gekommen, die sie in der Schweiz nicht habe finden können (Urk. 7/93/11). Entsprechend ihrem anscheinend ausgeprägten metabolischen Syndrom, habe sie neben den psychischen Aspekten auch unter massiven psychosomatischen Beschwerden gelitten, welche ihre Befindlichkeit weiter negativ beeinflussten (Urk. 7/93/12).
Dr.
B._
stellte folgende Diagnosen (Urk. 7/93/15):
-
Schwere rezidivierende anhaltende depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3) (Differentialdiagnose: schizoaffektive Störung [ICD-10: F25)
-
Soziale Phobie (ICD-10: F40.1)
-
Chronische Kopfschmerzen
-
Metabolisches Syndrom
Er hielt fest, dass seit dem Jahr 2005 eine gesicherte Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestehe (Urk. 7/93/16).
4.4
RAD-Arzt med. pract.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 26. Mai 2016 zuhanden der Beschwerdegegnerin Stellung zum Gut
achten von
Dr.
B._
(Urk. 7/95/4-6)
. Er führte aus, der psychiatrische Befund bestehe aus objektiven Beobachtungen, subjektiven Angaben und psychothe
rapeutischen Deutungen. Es fänden sich mehrere Widersprüche: Wenn der Gut
achter beobachte, die Beschwerdeführerin habe einfach „abgehängt“, wenn es ihr
zuviel
geworden sei, könne er weitere Leistungsdefizite (einfache Addition, 100 minus 7, Dreiecksfiguren) nicht als Konzentrationsstörungen werten. Auch habe er den Widerspruch nicht erörter
t, dass man ihr die „gute Schul
bildung deutlich“ anmerke, sie aber „einfache Summationen“ nicht gekonnt habe. Wider
sprüchlich bleibe auch, dass sie „extrem wenig
e
Schwingungsfähigkeit“ gezeigt habe, aber ihr „immer wieder die Tränen“ gekommen seien.
Die Diagnosen seien nicht nachvollziehbar: Der Gutachter habe ausgiebig die soziokulturellen („völlig
unassimiliert
“, Seite 12)
und psychosozialen (extreme Finanzknappheit) Belastungen beschrieben, ohne diese in der Diagnose zu differenzieren. Angesichts der Fülle und des Ablaufs der soziokulturellen und psychosozialen Belastungen könne darüber hinaus nicht von einer eigen
stän
digen depressiven Störung gesprochen werden. Diese schweren Belastungen reichten völlig aus, um die depressiven und leistungsverweigernden („hängt einfach ab“) Symptome zu erklären. Darüber hinaus gebe der Gutachter keine depressionsbedingte Antriebshemmung an, sondern sehe die Antriebshemmung „entsprechend ihrer Adipositas“ (Seite 11). (Urk. 7/95/5).
Fachlich könne dem Gutachter auch nicht gefolgt werden, wenn er mit Blick auf
das „Stimmenhören“ von einer „wahnhaften Depression“ (Seite 13) spreche. Wahn
sei definitionsgemäss „eine private und privative lebensbestimmende Über
zeugung eines Menschen von sich selbst und seiner Welt“. Stimmenhören sei kein Wahn, weshalb keine wahnhafte Depression vorliege.
Zum Symptom des Stimmenhörens fänden sich leider nur wenige Angaben. Es bleibe unklar, ob es sich um das Lautwerden eigener Gedanken handle. Auch bleibe offen, ob kulturelle Einflüsse eine Rolle spielten. Der Gutachter rüge, dass die früheren Gutachten die Stimmen im Kopf nicht würdigten. Dies treffe nicht zu
: Im
A._
-Gutachten sei festgehalten worden, dass Sinnestäuschungen wie Halluzinationen oder Depersonalisationsphänomene verneint worden seien (Seite 28).
Eine soziale Phobie sei definiert als Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zur Vermeidung sozialer Situationen führe (ICD-10: F40.1). Da die Beschwerdeführerin keine solchen Befürchtungen vortrage, liege keine soziale Phobie vor.
Der Gutachter gebe nachvollziehbare Schilderungen der vielfältigen und gravie
renden soziokulturellen und psychosozialen Belastungen wieder. Es fehle die versicherungspsychiatrische Differenzierung. Im versicherungspsychiatrischen Überblick seien die Gesundheitsstörungen weit überwiegend durch die ausführ
lich dargestellten und gravierenden soziokulturellen und psychosozialen Belas
tungen bedingt (Urk. 7/95/6).
5.
5.1
Dr.
B._
stellte die Diagnosen einer
„
schwere
[
n
]
rezidivierende
[
n
]
anhal
tende
[
n
]
depressive
[
n
]
Episo
de mit psychotischen Symptomen,
ICD-10: F32.3
“ (Differen
tialdiagnose: schizoaffektive Störung)
, einer sozialen Phobie (ICD-10: F40.1),
chronischer Kopfschmerzen sowie eines metabolischen Syndroms
(Urk. 7/93
/15)
.
Er beurteilte die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2005 als vollständig arbeits
unfähig (Urk. 7/93/16).
Damit weicht seine Beurteilung erheblich von denjenigen in den
echtzeitlichen
Vorgutachten von
Dr.
Z._
und dem
A._
ab, in denen jeweils
einzig
eine
mittelgradige depressive
Episode
diagnostiziert und von
eine
r
30%ige
n
Arbeits
unfähigkeit in sämtlichen Tätigkeit
en
ausgegangen
wurde. Es ist zu prüfen, wie es sich mit der von med. pract.
D._
geäusserten Kritik verhält.
5.2
Dr.
B._
verwendete für seine Diagnose aus dem depressiven Formenkreis die Codierung einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3), bezeichnete diese jedoch als rezidivierend. Damit bleibt unklar, ob er von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere de
pressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3) oder von einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3) ausging.
Nach der Definition im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 setzt die Diagnose einer schweren depressiven Episode das Vorliegen aller drei für eine leichte bis mittelschwere depressive Episode typischen Symptome voraus (depressive Stimmung, Verlust von Interesse oder Freude, Antriebsmangel sowie erhöhte Ermüdbarkeit). Zudem müssen fünf der weiteren Symptome (vermin
derte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühl von Wertlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen, Schlafstörungen, verminderter Appetit) vorhanden sein,
wovon einige besonders ausgeprägt. Es ist definitionsgemäss sehr unwahr
scheinlich, dass ein Patient während einer schweren depressiven Episode in der Lage ist, soziale, häusliche und berufliche Aktivitäten fortzuführen. Dies ist allenfalls sehr begrenzt möglich (vgl.
D
illing/Mombour
/S
chmidt
[Hrsg.], Inter
nationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
10.
Aufl. 201
5
, S.
174).
Es
erscheint zumindest als
fraglich, ob die von
Dr.
B._
genannten Symptome in Anzahl und Ausprägung der Definition einer schweren depressiven Episode entsprechen
.
M
ed. pract.
D._
wies
zu Recht darauf hin, dass
Dr.
B._
den gehemmten Antrieb mit der Adipositas in Verbindung
ge
setzt
hatt
e
und nicht so sehr mit
Signalen einer schweren Depression
(vgl. Urk. 7/93/11)
.
Weiter
beschränkt
e
sich
Dr.
B._
darauf festzustellen, die Stimmen im Kopf
bestünden
seit vier Jahren und
seien
von den Vorgutachtern und den Behandlungspersonen nicht erwähnt worden. Aus diagnostischer Sicht handle es sich um
syntyme
akustische Halluzinationen, welche mit dem zugrunde liegenden Beschwerdebild einer schweren chronischen Depression im Einkl
ang stünden (Urk. 7/93/15). Dr.
B._
gin
g
von einem aktenwidrigen Sachverhalt aus, wenn er festhielt,
solche Sinnestäuschungen
sei
en
in den bisherigen Berichten nicht erwähnt worden
.
Vielmehr wurden derartige Symptome im
A._
-
Gutachten
(„Sinnestäuschungen wie Halluzinationen oder Depersonali
sa
tionsphänomene werden verneint“,
Urk. 7/54/28)
und den Berichten
der
Clienia
O._
vom 23. Februar 2011 (
„Keine Sinnestäuschungen“,
Austritts
bericht nach einwöchigem stationärem Aufenthalt, Urk. 7/44/10) und 2
3.
April 2012 (
„Keine Sinnestäuschungen“,
Urk. 7/45/2)
explizit verneint. Damit stehen die ungeprüft übernommenen Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sie seit dem stationären
Aufenthalt in der
E._
Stimmen höre
,
im Widerspruch zu den medizinischen Vorberichten.
In Bezug auf die Behandlung hielt der psychiatrische Gutachter einzig fest, die Beschwerdeführerin sei den therapeutischen Bemühungen mit recht guter Compliance nachgekommen
,
und empfahl die Erhöhung der antipsychotischen Medi
kation (Urk. 7/93/15).
De
r Wiedergabe der Anamneseerhebung ist denn auch zu entnehmen, dass einzig die aktuelle Medikation erfragt worden war (vgl. Urk. 7/93/9).
Ausser
stützenden Gesprächen
in ihrer Muttersprache,
bei
eine
m
Arzt, der kein psychiatrischer Facharzt ist, die
gemäss
Dr. Dr.
C._
alle zwei bis drei Monate erfolgt
en
(vgl. Urk. 7/66/3, 7/85/3)
, finden aktuell keine ärztlichen Behand
lungen statt. Eine fachärztliche Behandlung des psychischen Leidens fand nur
im Februar 2011
während eines
einwöchigen
stationären Aufenthalts in der
E._
(Urk. 7/44/9)
sowie
ab Januar 2012
ambulanter Form im Psychiatriezentrum
F._
(Urk. 7/45/2)
statt. Der stationäre
Aufenthalt erfolgte im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung
(Urk. 7/44/
9)
. Die
ambulante Psychotherapie erfolgte lediglich einmal pro Monat
(vgl. Urk. 7/54/26)
. Die bisherigen
Therapiebemühungen
lassen damit auf einen lediglich g
eringen Leidensdruck schliessen.
Die Therapiebemühungen stehen
in
einem eklatanten, im Gutachten nicht thematisierten Widerspruch zum Schw
ere
grad der gestellten Diagnose
.
Weiter
führte
Dr.
B._
aus, die sehr unglückliche Ehe, die anhaltend schwie
rige finanzielle Lage und viele soziokulturelle und religiöse Faktoren unter
hielten zwar das Bild, seien aber nicht ursächlich an der Entstehung beteiligt (Urk. 7/93/14).
Es bleibt jedoch unklar, ob den von ihm erhobenen Befunden ein selbständiger Gesundheitsschaden zugrunde liegt oder ob diese einzig auf die zahlreichen psychosozialen und soziokulturellen Belastungs
faktoren zurückz
u
führen sind.
Entgegen den Beurteilungen in den Gutachten von
Dr.
Z._
und dem
A._
beur
teilte Dr.
B._
die Beschwerdeführerin seit 2005 als 100%ig arbeitsun
fähig
(Urk. 7/93/16)
.
Er führte dazu aus, es sei aus psychiatrischer Sicht offen
sichtlich, dass beim aktuellen Beschwerdebild und infolge der unglücklichen Lebensentwicklung mit multiplen
Entwurzelungen
, Verlusten und Kränkungen eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sicherlich nicht mehr gege
ben sei. Dazu scheine auch die somatische Symptomatik zu gravierend (Urk. 7/93/15). Damit ist
jedoch
davon auszugehen, dass in die psychiatrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
vor allem
auch die Folgen psychosozialer Belastungsfaktoren und
allenfalls
eine Würdigung somatischer Leiden einfloss.
Zur Abweichung seiner Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit von derjenigen der Vorgutachter äusserte er sich nur dahingehend, dass diese das seit vier Jahren bestehende Stimmenhören nicht gewürdigt hätten (Urk. 7/93/15). Diese Begrün
dung vermag
für
eine
abweichende
Beurteilung
eines
Zeitraum
s
von elf Jahren offensichtlich nicht zu genügen. Mit dem Umstand, dass auch der behandelnde Dr.
C._
seit November 2008
mit Ausnahme eines Zeitraums
von höchstens rund viereinhalb Monaten ab September 2015 in seinen Berichten
durchgehend
von
eine
r
Teilarbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
ausgegangen war (vgl. Urk. 7/
33/7
, 7/
44/8
, 7/
66/2
, 7/
80/1, 7/85/2
)
, setzte sich
der Gutachter
über
haupt nicht auseinander.
5.3
5.3.1
I
n formeller Hinsicht
fällt sodann
auf, dass die Beschwerdeführerin an die beiden Untersuchungsgespräche von ihrem Ehemann beziehungsweis
e einer Tochter begleitet wurde
(Urk. 7/93/10).
Das Bundesgericht hat sich damit in BGE 140 V 260
, insbesondere in Erwägung 3.2.2-3.2.4
(mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur),
ausführlich beschäftigt
und
ausgeführt
,
d
ie Rechtsprechung ha
be
die
"Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung" der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) vom Februar 2012 (zugänglich unter http://www.psychiatrie.ch) als anerkannten Stand
ard für eine sachgerechte und rechtsgleiche (versicherungs-)psychiatrische Begutachtung bezeichnet
und das Bundesamt für Sozialversicherungen habe
die Leitlinien für alle zuhanden der Invalidenversicherung erstellten Gutachten als verbindlich erklärt.
Das Bundesgericht erwog weiter,
z
u den Themen des Dolmetschens sowie der
– im vorliegenden Fall interessierenden -
Anwesenheit von Angehörigen
werde gemäss den Leitlinien
vom psychiatrischen Gutachter verlangt,
bei der Befunddarstellung sollten
in der Regel keine Dritten anwesend sein, es sei denn, der Gutachter erachte dies als notwendig. Insbesondere die Anwesenheit Angehöriger k
ö
nn
e
verfälschend wirken. Erschein
e
es ausnahms
weise sinnvoll, zumindest einen Teil der Exploration in Anwesenheit bzw. unter Einbeziehung eines Angehörigen durchzuführen, m
ü
ss
e
aus dem Gutachten klar her
vorgehen, welche Angaben vom Exploranden selber und welche vom Ange
hörigen stamm
t
en. Die Interaktion in diesem erweiterten Setting und mögliche Auffälligkeiten
seien
zu beschreiben und in die Beurteilung einzubeziehen
. Unter diesen Umständen ziehe
gemäss den Leitlinien
die Vorgabe, Verständi
gungsbarrieren möglichst zu besei
tigen,
den niederschwelligen Einsatz von pro
fessionellen Dolmetschern bei fremdsprachigen Exploranden nach sich; Ange
hörige des Exploranden könn
t
en damit nicht beauftragt werden.
Angehörige (
sinngemäss
auch Freunde und Bekannte)
eigneten sich
nicht als Dolmetscher, weil sie infolge mangelnder Distanz zum Exploranden und (beiderseitigem) Zwang zu "familienrollenkonformem" Verhalten befangen s
eien. Erwachsene Kinder
lie
ssen
denn auch meist eine eindeutige Parteinahme für ihre Eltern erkennen
und bö
ten nicht Gewähr für eine neutrale, vollständige und
wahr
heitsgemässe
Übersetzung, sondern
gäben
den Angaben des zu begutachtenden Elternteils - oft unbewusst - eine eigene Färbung. Der übersetzende Familien
angehörige k
ö
nn
e
auf den Inhalt der Kommunikation verfälschend einwirken, indem er selektiv übersetz
e
oder dem zu Untersuchenden selbständig Hinweise g
ebe, selbständig das Wort ergreife
oder gar die Gesprächsführung für d
en Pro
banden zu übernehmen suche
. Befangenheit
in der Untersuchungssituation kö
nn
e
auch auf Seiten des Exploranden bestehen, weil er sich dem Untersucher so p
räsentieren mü
ss
e
, w
ie er es auch in der Familie tue, oder weil er gehemmt sei
, in Gegenwart von Angehörigen über psychische Leiden zu berichten.
Falls mit
dem Beizug eines ungeeigneten Übersetzers die Verständigungsbarriere höher gehalten
werde als nötig, so lasse
das in sich schlüssig erscheinende, an sich nachvollziehbar begründete Gutachten als solches nicht erkennen, ob der Mangel die Zuverlässigkeit der Beurteilung beeinträchtigt ha
be
. Daher
sei
der Beweiswert der betreffenden Expertise
regelmässig
erheblich herabgesetzt, auch wenn die Expertise anhand der üblichen Beweiswertkriterien unauffällig
sei.
Hin
gegen
sei
der Beweiswert dann nicht geschmälert, wenn den Umständen nach
auszuschliessen
sei
, dass sich die Übersetzung durch Familienangehörige wesentlich auf die gutachtliche Beurteilung ausgewirkt ha
be
. Die betreffenden Nachteile könn
t
en wegen anderer Kommunikationshindernisse, welche auch mit einer professionellen Übersetzung nicht überwindbar wären, in den Hintergrund treten, zumal wenn sich die Untersuchung ohnehin vermehrt auf nonverbale Elemente (z.B. Verhaltensbeobachtung: Mimik, Gestik, Tonfall) konzentrieren
müsse
. Ebenfalls nicht tangiert
sei
der Beweiswert, wenn gesicherte anamnes
tische Gegebenheiten für verlässliche Schlussfolgerungen bürg
t
en, so wenn ein geklagter hoher Leidensdruck mit dem Fehlen jeglicher Therapie oder mit dem
Aktivitätenprofil
der versicherten Person deutlich kontrastier
e
.
5.3.2
V
orliegend
steht k
eine Übersetzungstätigkeit des Ehemannes
beziehungsweise der Tochter der
Versicherten
während deren Begutachtung
im V
ordergrund.
Thema ist
deren Anwesenheit bei der Begutachtung und deren offensichtlich aktives Mitwirken bei der Befunderhebung, also die vom Bundesgericht als erweitertes
Setting
bezeichnete Konstellation
und
die
damit zusammenhäng
ende
n
Auffälligkeiten
. Konkret
ergibt sich aus dem
Gutachten von
Dr.
B._
unter dem Titel „Beschreibung der Persönlichkeit und Psychostatus“
,
dass
die Beschwerdeführerin
in Begleitung
ihres Ehemannes
zum ersten Untersuchungs
gespräch erschienen
war
und das zweite auf Wunsch des Gutachters hin mit einer Tochter durchgeführt w
ur
de.
In Bezug auf die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann hielt er fest, das Paar habe wie in einer Schicksalsgemeinschaft gefangen gewirkt, mit je klar und offen vorgetragenen Vorwürfen und hinter
gründigen Aggressionen (Urk. 7/93/10). Wenn es der Beschwerdeführerin
zuviel
geworden sei, habe sie einfach abgehängt und sich in sich zurückgezogen. Nach einer gewissen Zeit, während welcher der Ehemann oder die Tochter gesprochen
hätten, habe sie wieder ins Gespräch zurückgeführt werden können (Urk. 7/93/10
).
Aus dem Gutachten geht
somit
nicht klar hervor, welche Fragen von wem in wessen Anwesenheit beantwortet wurde
n
.
Auch die Interaktion zwischen der Beschwerdeführerin und ihren Begleitpersonen wurde nicht geschildert.
Die vor
stehende Beschreibung des Auftretens und Verhaltens der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes wecken
grosse
Zweifel daran, ob erstere sich in der Begut
achtungssituation unbefangen
äussern
konnte. Dies gilt umso mehr, als sie anlässlich der
A._
-Begutachtung
die Abwesenheit des sie begleitenden Ehe
mannes während des Untersuchungsgesprächs gewünscht hatte (Urk. 7/54/27).
In Anbetracht der
unklaren
Mitwirkung
von
Tochter
und Ehemann
bei der Begutachtung
der Beschwerdeführerin
und als Folge ihres dabei erfolgten exklu
siven Abdeckens der
Fremdanamnese war jedoch eine
verlässliche psy
ch
iatrische Beurteilung nicht gewährleistet,
wie sie in den
Anforderungen der erwähnten
Qualitätsleitlinien der
SGPP sowie
in der
daraus abgeleiteten Rec
ht
sprechung verlangt werden
.
5.3
.3
Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
ist nach dem Gesagten
weder für d
ie streitigen Belange umfassend
, noch werden darin abweichende Beurtei
lungen ausreichend diskutiert. Auch leuchtet die Beurteilung der medizinischen Situation nicht ein und die Schlussfolgerungen sind nicht nachvollziehbar.
Zudem wirkten die Tochter und der Ehemannes der Beschwerdeführerin in einer
unzulässigen
Weise an der Anamneseerhebung mit. Das Gutachten
erfüllt damit die Anforde
rungen der Rechtsprechung nicht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E.
3a), weshalb nicht darauf ab
ge
stellt
w
e
rden kann
.
5.4
Es stellt sich die Frage, ob der Gesundheitszustand gestützt auf die weiteren im Recht liegenden medizinischen Akten beurteilt werden kann.
Bei der Stellung
nahme von med. pract.
D._
vom 26. Mai 2016 (Urk. 7/95/4-6)
handelt es sich um eine reine
Aktenbeurteilung ohne eigene Untersuchung
, welche nur
beweis
kräftig sein
kann
,
wenn
ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht
(Urteil des Bundesgerichts 9C_335/2015 E. 3.1).
V
orliegend
fehlt es aufgrund des
nicht beweistauglichen Gutachten von
Dr.
B._
an einem feststehenden medizinischen Sachverhalt
.
Für den zu beurteilenden Zeitraum stehen
damit einzig die Berichte von Dr.
C._
vom
14. Februar (Urk. 7/66) und 8. September 2015 (Urk. 7/80) sowie vom 13. Januar 2016 (Urk. 7/85)
zur Verfügung. Da f
ür die verlässliche Beur
teilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen
sind
(BGE 130
V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2
015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4), kann nicht auf die Berichte des behandelnden
Hausarzt
e
s
abgestellt
werden
,
der kein Facharzt ist.
Damit fehlt es an einer verlässlichen medizinischen Grundlag
e zur Beurteilung des aktuellen
Gesundheitszustandes
.
Entsprechend ist die angefochtene Verfügung aufzuheben
und die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie ein neues
p
sy
chiatrisches Gutachten einhole
. Dabei wird insbesondere auch die mit den Urteilen vom 30. November 2017 (8C_841/2016 und 8C_130/2017) geänderte bundesgerichtliche Rechtsprechung
zur Begutachtung von psychischen Erkran
kungen mittels des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281
zu berücksichtigen sein.
6.
6.1
D
ie
teilweise
obsiegende Beschwerdeführerin
hat
Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten
(
Art. 61 lit. g ATSG
).
Nachdem Rechtsanwalt Meier Rhein keine
Zusammenstellung über
sein
e anwaltlichen Bemühungen eingereicht hat, erfolgt
die Festsetzung
der
Ent
schädigung nach Ermessen.
Unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass er die Beschwerdeführerin bereits im Einwandverfahren ver
treten hat und seither nur in sehr beschränktem Mass Aktenstudium erforderlich war,
die Beschwerdeführerin
zudem nur teilweise
o
bsiegt
, hingegen im Punkt der Wiedererwägung unterliegt,
ist die
reduzierte
Prozessentschädigung ermessensweise auf
Fr.
9
00.-- (inklusive Barauslagen und 8
%
Mehrwertsteuer) festzusetzen.
6.2
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sic
h eine Kostenpauschale von Fr. 8
00.-- als ange
messen
, wovon die Parteien je die Hälfte zu tragen haben.