Decision ID: a85524f9-cc0e-4858-a70b-f653ec0dde6a
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Hans Henzen, Eisenbahnstrasse 41, Postfach
161, 9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 12. Mai 2006 wegen sturzbedingter Fuss- und
Kniebeschwerden zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Rente [act.
G 4.1/3]). Ein vom Unfallversicherer veranlasstes MEDAS-Gutachten vom 2. Juli 2008
kam zum Schluss, dass ein chronisches Schmerzsyndrom am rechten Sprunggelenk
mit Supinationstrauma 07/2003 (richtig: 06/2003), Bandplastik 08/2003 und
beginnender Arthrose des oberen und unteren Sprunggelenks, ein chronisches
Schmerzsyndrom am linken Kniegelenk bei Status nach Arthroskopie 07/2005 und
04/2006 mit Diagnose einer Chondropathie Grad II - III medial und femoro-patellär und
einer Gonarthrose sowie eine Chondrokalzinose des medialen Meniskus am rechten
Kniegelenk vorliegt. Ausserdem diagnostizierten die Gutachter ein chronisches
weichteilrheumatisches Schmerzsyndrom cervikocephal und -brachial sowie eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die frühere Tätigkeit (als Geschäftsführerin
und Bedienung in einer Bar) mit regelmässigem Treppensteigen sowie dauerndem
Stehen und Gehen sei nicht mehr zumutbar. Vorwiegend sitzende, vereinzelt auch
stehende und gehende Tätigkeiten ohne regelmässiges Treppensteigen und ohne
Heben und Tragen von Lasten über ca. 10 kg seien ganztags zumutbar. Dabei bestehe
auf Grund der degenerativen Veränderungen an den beiden Gelenken und der
multiplen weichteilrheumatischen und funktionellen Beschwerden eine
Leistungsminderung von 20 %. Der psychiatrische Konsiliargutachter, B._,
Eidgenössischer Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, verneinte eine
unfallbedingte Auswirkung der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung auf die
Arbeitsfähigkeit, da die psychische Erkrankung unfallfremd sei (act. G 4.2/Gutachten
S. 16, Konsilium vom 9. Mai 2008 S. 11).
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A.b Gestützt auf dieses Gutachten wies die IV-Stelle St. Gallen das Gesuch mit
Verfügung vom 30. April 2009 ab, da der Invaliditätsgrad bei einem Valideneinkommen
von Fr. 60'000.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 39'427.-- nur 34 % betrage
(act. G 4.1/57). Die in der Folge dagegen erhobene Beschwerde vom 27. Mai 2009
hiess das hiesige Versicherungsgericht am 6. Mai 2010 teilweise gut, da sich der
psychiatrische Gutachter nur zur unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit geäussert habe,
und ordnete eine umfassende psychiatrische Abklärung durch B._ sowie eine
erneute Konsensbeurteilung der Restleistungsfähigkeit an. Zudem bemerkte es, es
bestünden keine Anhaltspunkte, von dem von der Unfallversicherung verwendeten
Valideneinkommen von Fr. 62'308.20 abzuweichen (act. G 4.1/61 und 68.8 ff.).
A.c Die IV-Stelle St. Gallen ordnete in der Folge eine interdisziplinäre
Gesamtbeurteilung durch die MEDAS Ostschweiz an. Diese erfolgte am 7. und
9. Februar 2011. Im psychiatrischen Konsiliargutachten vom 21. Februar 2011
diagnostizierte B._ eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.1) mit
ungünstiger Prognose. Es gebe keine Hinweise auf eine ausnahmsweise
anzunehmende Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines
Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess, womit aus psychiatrischer Sicht von einer
vollen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen sei. Die
Konsensschätzung ergab - bei weitgehend unveränderten bildgebenden Befunden -
keine neuen Erkenntnisse. Im Hauptgutachten wird kein neuer Arbeitsfähigkeitsgrad
genannt (act. G 4.1/74.21).
A.d Der RAD Ostschweiz ging deshalb weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 80 %
in einer im Wesentlichen gleich definierten adaptierten Tätigkeit aus (act. G 4.1/75.1).
Die IV-Stelle St. Gallen gelangte mit Feststellung vom 11. Oktober 2011 wiederum zum
Schluss, der Invaliditätsgrad betrage 34 %, und wies dementsprechend das
Leistungsbegehren mit Verfügung vom 28. Dezember 2011 erneut ab (act. G 4.1/80
und 84).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 18. Januar
2012 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Der
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Beschwerdeführerin sei sodann eine Viertelsrente zuzusprechen. Eventualiter sei die
Sache zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen und zum Erlass einer neuen
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der psychiatrische Gutachter
stelle lediglich lapidar fest, dass die sogenannten Foerster-Kriterien nicht erfüllt seien.
Er liefere aber keine konkreten Befunde, wie er zu diesen Feststellungen komme. Es
könne nicht nachvollzogen werden, weshalb etwa keine mitwirkende, psychisch
ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und
Dauer bestehe. Dies hätte fundiert begründet werden müssen. Dies gelte auch
bezüglich der Feststellung, dass keine chronische körperliche Begleiterkrankung mit
mehrjährigem Krankheitsverlauf vorliege. So sei z. B. aktenkundig, dass die
Beschwerdeführerin (schon zum Zeitpunkt des ersten Gerichtsverfahrens) während
rund 5 1⁄2 Jahren - ärztlich attestiert - arbeitsunfähig gewesen sei. Gemäss Urteil des
Versicherungsgerichts sei sodann von einem Valideneinkommen von Fr. 62'300.--
auszugehen. Das Invalideneinkommen von Fr. 49'284.-- sei grundsätzlich nicht zu
beanstanden. Indessen sei ein Leidensabzug von mindestens 20 % vorzunehmen.
Somit resultiere ein Invaliditätsgrad von 49,37 %, weshalb die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Viertelsrente habe (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. März 2012 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Die MEDAS-Stellen repräsentierten weitgehend den medizinischen
Sachverstand in der Schweiz, der zur interdisziplinären Begutachtung zur Verfügung
stehe. Die Beschwerdeführerin sei am 7. und 9. Februar 2011 umfassend
polydisziplinär untersucht worden, wobei ein psychiatrisches Konsilium durchgeführt
worden sei. Als einzige psychiatrische Diagnose habe die MEDAS der
Beschwerdeführerin eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung attestiert. Eine
solche Diagnose allein schränke nur dann die Arbeitsfähigkeit ein, wenn eine
zusätzliche psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer
vorliege. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Auch seien die Foerster-Kriterien nicht
erfüllt, zumal ein chronifizierter Krankheitsverlauf mit medizinischer Dauerbehandlung
bei Versicherten mit einer Schmerzverarbeitungsstörung zur Symptomatik gehöre. Für
eine invalidisierende chronische körperliche Begleiterkrankung sei die somatische
Befundlage zu harmlos. Die Einwände der Beschwerdeführerin gegen das Gutachten
seien nicht stichhaltig, weitere Abklärungen unnötig. Die Beschwerdeführerin habe
2002 ein Erwerbseinkommen von Fr. 54'000.-- erzielt. Für ein höheres
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Valideneinkommen gebe es keine Anhaltspunkte. Für die Beschwerdeführerin
geeignete Tätigkeiten seien etwa leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-,
Prüf- sowie Verpackungsarbeiten und leichtere Arbeiten bei der Lager- und
Ersatzteilbewirtschaftung. Bei einem entsprechenden Tabellenwert von Fr. 47'788.--,
einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 % und einem Leidensabzug von 10 %, da die
Beschwerdeführerin nur noch vorwiegend sitzende Tätigkeiten ausüben könne,
resultiere ein Invaliditätsgrad von 36 %, womit kein Rentenanspruch bestehe (act. G 4).
Die Beschwerdeführerin verzichtet auf eine Replik (act. G 6).

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (bis 31. Dezember 2007: Art. 28 Abs. 1 IVG) besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist.
Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor, so besteht Anspruch auf eine halbe
Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine
Viertelsrente. Unter Invalidität versteht Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Erfasst
wird damit der Verlust der Erwerbsmöglichkeiten in jeder zumutbaren Tätigkeit. Dieser
Verlust muss auf eine Beeinträchtigung der Gesundheit zurückgeführt werden können
und trotz Vornahme von zumutbaren Behandlungs- und Eingliederungsmassnahmen
verbleiben (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Invaliditätsgrad bei Erwerbstätigen ist auf Grund
eines Vergleichs zwischen dem möglichen Erwerbseinkommen ohne
Gesundheitsschaden und demjenigen mit Gesundheitsschaden zu bestimmen (vgl.
Art. 16 ATSG). Der Rentenanspruch entsteht frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die
versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen war (Art. 29 Abs. 1 lit. b
IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung).
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1.2 Die rechtsanwendenden Behörden sind bei der Beurteilung des Leistungs
anspruchs auf die fachärztliche Feststellung von Gesundheitsschäden
(Befunderhebung und Diagnose) und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
angewiesen. Die ärztlichen Auskünfte sind eine wichtige Grundlage für die
Beantwortung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; vgl. BGE 105 V 158 E. 1 und ZAK
1982 S. 34). Für den Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet, und die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf das
MEDAS-Gutachten vom 10. März 2011 bzw. auf das psychiatrische Konsiliargutachten
vom 21. Februar 2011, weshalb im Folgenden deren Beweiswert anhand der dagegen
vorgebrachten Einwendungen zu prüfen ist.
2.2 In psychiatrischer Hinsicht lässt die Beschwerdeführerin vorbringen, die
attestierte Arbeitsfähigkeit von 100 % werde im Gutachten nicht ausreichend
begründet. So halte der Gutachter lediglich fest, dass aus psychiatrischer Sicht zur Zeit
keine mitwirkende, psychisch ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere,
Intensität, Ausprägung und Dauer bestehe und dass ausserdem weder eine chronische
körperliche Begleiterkrankung mit mehrjährigem Verlauf noch ein ausgewiesener
sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens noch ein verfestigter, therapeutisch
nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch
aber entlastenden Konfliktbewältigung vorliege. Der psychiatrische Gutachter halte
damit lediglich lapidar fest, dass die Foerster-Kriterien nicht erfüllt seien, liefere dafür
aber keine konkreten Befunde.
2.3 Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass der psychiatrische Gutachter weder auf
Grund der eigenen Untersuchung mit diversen Tests noch aus der Anamnese eine
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relevante psychische Störung eruieren konnte. Ausdrücklich hielt er fest, es gebe keine
Hinweise für eine psychische Erkrankung im Rahmen einer affektiven Störung, einer
schizophrenen Erkrankung noch einer relevanten Angststörung sowie
Persönlichkeitsstörung. Auch gebe es keine Hinweise auf eine Suchtproblematik. Im
Weiteren wies er darauf hin, dass es zwischen der aktuellen Exploration und den
Antworten in den abgegebenen Fragebögen Widersprüche gebe, die der Gutachter
primär auf Verständigungsprobleme und nicht primär auf eine mögliche
Verdeutlichungstendenz zurückführte (act. G 4.1/74.20). Soweit aus den Akten
ersichtlich, war die Beschwerdeführerin noch nie in psychiatrischer oder
psychotherapeutischer Behandlung. Sie führt denn auch im vorliegenden Verfahren
nicht andeutungsweise aus, inwiefern eine psychische Komorbidität von erheblicher
Schwere, Ausprägung und Dauer vorliegen solle. Mithin erscheint plausibel, wenn der
Gutachter das Vorliegen dieses Kriteriums der ausnahmsweisen Unüberwindbarkeit der
somatoformen Schmerzstörung verneint.
2.4 Im Weiteren wird vorgebracht, dass auch das Vorliegen bzw. Nichtvorliegen der
Foerster-Kriterien, insbesondere die Feststellung, es liege keine chronische körperliche
Begleiterkrankung und kein mehrjähriger Krankheitsverlauf mit genügender Intensität
und Konstanz vor, nicht begründet werde. So sei aktenkundig und sei von der
Beschwerdeführerin bereits in ihrem Einwand vom 8. Januar 2009 vorgetragen worden,
dass sie - ärztlich attestiert - während ca. 5 1⁄2 Jahren zu 100 % arbeitsunfähig
gewesen sei. Im Hauptgutachten vom 2. Juli 2008 fänden sich x Arztzeugnisse sowie
Spital- und Arztberichte, die sich mit der Krankheit der Beschwerdeführerin befassten.
Zwar ist der Beschwerdeführerin darin zuzustimmen, dass sich die Situation am
rechten OSG sowie am linken Kniegelenk (spätestens) seit ihrem zweiten Unfall vom
Juni 2003 entwickelt und sich seither subjektiv nicht gebessert hat. Es ist auch
aktenkundig, dass sie sich am 20. August 2003 einer Bandplastik am rechten OSG und
am 2. August 2005 sowie am 10. April 2006 jeweils einer Arthroskopie am linken Knie
unterziehen musste (act. G 4.1/11.5 und 11.9 sowie 4.2/OP-Bericht vom 20. August
2003). Somit kann zwar durchaus von langjährigen körperlichen Beschwerden bei
unveränderter Symptomatik ohne längerfristige Remission ausgegangen werden.
Indessen genügt dieses Kriterium für sich allein nicht, um eine ausnahmsweise
Unüberwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung anzunehmen. Die weiteren
Foerster-Kriterien sind nämlich nicht erfüllt. So liegt kein ausgewiesener sozialer
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Rückzug in allen Belangen des Lebens vor. Die Beschwerdeführerin hat ausser zu
ihrem Lebenspartner Kontakt zu ihren beiden Töchtern und deren Kindern. Ausserdem
pflegt sie den Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie in Thailand. Weiter beschrieb sie beim
psychiatrischen Gutachter, dass sie sich jeweils am Nachmittag mit Freundinnen oder
Verwandten zum Kaffee treffe. Schliesslich bejahte sie gegenüber dem Gutachter
Lebensfreude und Lebenslust (act. G 4.1/74.18 ff.). Nachdem die Beschwerdeführerin
bislang keinerlei psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch
genommen hat, kann auch nicht von einem verfestigten, therapeutisch nicht mehr
angehbaren innerseelischen Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber
entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) oder von
unbefriedigenden Behandlungsergebnissen trotz konsequent durchgeführten
Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und
gescheiterten Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenanstrengung gesprochen werden (vgl. BGE 130 V 354 f. E. 2.2.3). Vielmehr
erachtet der psychiatrische Gutachter eine psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung als wünschenswert (act. G 4.1/74.21). Die Beschwerdeführerin führt denn
auch nicht weiter aus, worin sie - nebst den zugestandenen langjährigen somatischen
Beschwerden - die Erfüllung der Foerster-Kriterien sieht. Mithin erscheinen die
Ausführungen des psychiatrischen Gutachters zumindest im Resultat (keine
ausnahmsweise unzumutbare willentliche Schmerzüberwindung) plausibel und
nachvollziehbar.
2.5 In somatischer Hinsicht wird das Gutachten nicht bestritten. Es besteht denn
auch kein Grund, davon abzuweichen, zeigte sich doch bei den am 9. Februar 2011
durchgeführten bildgebenden Verfahren an beiden Knien und dem rechten OSG ein im
Vergleich zur Voruntersuchung vom März 2008 weitgehend unveränderter Befund. Bild
gebend am ehesten erklärbar seien rezidivierende Lumbalgien bei deutlichen
degenerativen Veränderungen, vorwiegend der unteren LWS (act. G 4.1/74.7 und
74.11).
2.6 Zur Arbeitsfähigkeit äussern sich die Gutachter dahingehend, dass die bisher
ausgeübte Tätigkeit mit regelmässigem Treppensteigen sowie dauerndem Stehen und
Gehen seit dem Sturz auf der Treppe vom 14. Juni 2003 nicht mehr zumutbar sei.
Einschränkungen ergäben sich auf Grund der bekannten degenerativen Veränderungen
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an den Kniegelenken und am rechten Sprunggelenk bezüglich permanenten Stehens
und Gehens oder häufigem Treppensteigen, wie es im Service nötig sei. Theoretisch
denkbar wäre eine Tätigkeit an einem Buffet oder die Bedienung in einem
kleinflächigen Restaurant auf ebenem Boden, ohne regelmässiges Heben und Tragen
von Lasten über ca. 10 kg (act. G 4.1/74.11). In ihrem ersten Gutachten vom 2. Juli
2008 umschrieben die Experten die ideale Tätigkeit als überwiegend sitzend, vereinzelt
stehend und gehend ohne regelmässiges Treppensteigen und ohne Heben und Tragen
von Lasten über ca. 10 kg. Eine solche Tätigkeit sei ganztags mit einer
Leistungsminderung um 20 % durchführbar (act. G 4.2/Gutachten S. 23). Im neuen
Gutachten vermerkten die Gutachter keinen Arbeitsfähigkeitsgrad. Nachdem sie die
Arbeitsfähigkeit jedoch im Wesentlichen heute gleich umschreiben wie im früheren
Gutachten (damals noch etwas präziser) - und namentlich die psychiatrische Expertise
keine neuen Erkenntnisse zu Tage förderte - ist davon auszugehen, dass sie heute
keine andere Arbeitsfähigkeit attestieren wollten als damals. Davon geht offensichtlich
auch die Beschwerdegegnerin aus, übernahm sie doch für die neue Berechnung des
Invaliditätsgrads einen Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 %. Dagegen ist nichts
einzuwenden, erscheint doch die von den Experten getroffene Annahme - unter
Berücksichtigung der qualitativen Einschränkungen - nachvollziehbar. Nach dem
Gesagten ist somit in Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung auf das Gutachten vom
10. März 2011 abzustellen. Indessen ist der Beginn der Arbeitsunfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit anzupassen. So erhielt die Beschwerdeführerin gemäss Taggeld-
Übersicht der Unfallversicherung in der Zeit vom 25. Juni 2003 bis zum 18. August
2003 sowie vom 24. Mai 2004 bis zum 14. Juni 2005 keine Taggeldleistungen (act. G
4.2). Gemäss Lohnausweis 2005 war sie denn auch bis 15. Juni 2005 bei der C._
beschäftigt (act. G 4.1/43.5). Mithin ist davon auszugehen, dass der Beginn einer
ununterbrochenen vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit erst per
Juni 2005 eingetreten ist (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und Art. 29 IVV).
2.7 Bestritten wird sodann die Berechnung des Invaliditätsgrades. So sei beim
Valideneinkommen von einem Einkommen von Fr. 62'300.-- auszugehen. Diesen Wert
habe auch das hiesige Gericht in seinem Urteil vom 6. Mai 2010 bestätigt.
Demgegenüber will die Beschwerdegegnerin im vorliegenden Verfahren von einem
Valideneinkommen von Fr. 54'000.-- ausgehen, da die Beschwerdeführerin im Jahr
2002 dieses Einkommen erzielt habe. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass die
ter
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Unfallversicherung von einem Bruttolohn von Fr. 5'000.-- (x12 = Fr. 60'000.--, zuzüglich
aufgelaufene Teuerung) ausgegangen war (Taggeld: Fr. 131.50). Diese Annahme
stützte sich auf die Lohnabrechnungen der Z._ GmbH aus dem Jahr 2005 sowie auf
den Lohnausweis 2005 (act. G 4.1/43.7 und G 4.2; vgl. auch Verfügung Swica vom 23.
Februar 2009 [act. G 4.1/60]). Wie das Versicherungsgericht in seinem Entscheid vom
6. Mai 2010 (Erw. 3.3 unten) bereits erwähnt hat, besteht kein Grund, von dieser
Bemessung des Valideneinkommens abzuweichen, wovon im Übrigen auch die
Beschwerdegegnerin ursprünglich ausgegangen war (act. G 4.1/44). Das
Valideneinkommen für das Jahr 2005 beträgt demnach Fr. 60'000.--. Beim
Invalideneinkommen ist mit der Beschwerdegegnerin auf den Tabellenlohn (TA1,
Frauen, Niveau 4) abzustellen. Dieser beträgt für das Jahr 2005 Fr. 49'120.-- (IVG-
Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Anhang 2). Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von
80 % und unter Berücksichtigung des von der Beschwerdegegnerin nunmehr
zugestandenen Leidensabzugs von 10 % (da die Beschwerdeführerin nur noch
vorwiegend sitzende Tätigkeiten ausüben kann), ergibt sich ein Invaliditätsgrad von
41 %. Die Beschwerdeführerin hat damit Anspruch auf eine Viertelsrente. Nachdem
das Wartejahr im Juni 2005 begann (vgl. vorstehende Erw. 2.6), besteht der
Rentenanspruch ab 1. Juni 2006.
3.
Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 28. Dezember 2011 in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und die Streitsache zwecks Rentenberechnung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr zurückzuerstatten.
bis
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3.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP