Decision ID: c800c1d9-7bb2-4167-860c-a241b3e338fc
Year: 2020
Language: de
Court: AG_SVWG
Chamber: AG_SVWG_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
Mit Verfügung vom 21. Juni 2017 wurden A. und B. von der
Steuerkommission Q. für das Jahr 2015 zu einem satzbestimmenden
Einkommen von CHF 168'900.00 und einem steuerbaren Einkommen von
CHF 168'700.00 veranlagt. Dabei wurden die als Berufsauslagen von A.
deklarierten Autokosten von CHF 18'400.00 sowie die Mehrkosten der
auswärtigen Verpflegung von CHF 3'200.00 gestrichen.
2.
Gegen die Verfügung vom 21. Juni 2017 liessen A. und B. mit Schreiben
vom 14. Juli 2017 Einsprache erheben und beantragen die Berufsauslagen
seien um CHF 5'460.00 (7'800 km à CHF 0.70) zu erhöhen.
3.
Mit Entscheid vom 6. Mai 2020 hiess die Steuerkommission Q. die
Einsprache teilweise gut. Das satzbestimmende Einkommen wurde auf
CHF 166'020.00 und das steuerbare Einkommen auf CHF 165'800.00 re-
duziert.
4.
Den Einspracheentscheid vom 6. Mai 2020 (Zustellung am 22. Mai 2020)
haben A. und B. mit Rekurs vom 11. Juni 2020 (Postaufgabe am 12. Juni
2020) an das Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Steuern,
weitergezogen. Sie stellen den Antrag,
"den Arbeitsweg von Herrn A. in Höhe von 8'174 km und Arbeitswegkosten in Höhe von CHF 5'721 (8'174 km x CHF 0.70) zu akzeptieren und unser steuerbares Einkommen um CHF 2'781 zu  (CHF 5'721 ./. CHF 2'940).
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den Er-
wägungen eingegangen.
5.
Die Steuerkommission Q. und das Kantonale Steueramt beantragen die
Abweisung des Rekurses.
6.
A. und B. haben am 19. August 2020 eine Replik erstattet.
- 3 -

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2015.
Massgebend für die Beurteilung sind das Steuergesetz vom 15. Dezember
1998 (StG) und die Verordnung zum Steuergesetz vom 11. September
2000 (StGV).
2.
2.1.
Der Rekurrent arbeitete vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2015
mit einem Vollpensum als EDV-Projektleiter bei der E. AG in S.. In der
Steuererklärung 2015 deklarierte er für die Zurücklegung des Arbeitsweges
Autokosten von CHF 18'400.00 (2 x 70 km an 220 Arbeitstagen = 30'800
km). Als Grund nannte er "Zeitersparnis von über einer Stunde pro Tag".
Im Einspracheverfahren wurden noch Autokosten von CHF 5'460.00 für
7'800 km geltend gemacht.
2.2.
Die Steuerkommission Q. gewährte dem Rekurrenten Fahrtkosten von
CHF 2'940.00 (4'200 km à CHF 0.70). Sie nahm unter Berücksichtigung der
beruflichen Reisetätigkeit des Rekurrenten eine private Fahrleistung mit
dem Auto von 6'500 km an. Abzüglich dieser privaten Fahrleistung pro Jahr
sowie der beruflichen Kilometer der Rekurrentin von 2'000 km resultiere bei
einer Gesamtfahrleistung von 12'700 km lediglich ein möglicher Arbeitsweg
von 4'200 km.
2.3.
Mit dem Rekurs machen die Rekurrenten geltend, im Jahr 2015 hätten sie
mit ihren Autos rund 12'700 km zurückgelegt. Nach Abzug der für den Ar-
beitsweg gefahrenen 8'174 km verblieben für private Fahrten rund
4'500 km. Dies gäbe ihre Situation zutreffend wieder. Der Grund dafür sei,
dass die Rekurrentin an Multipler Sklerose erkrankt sei und Gehbeschwer-
den habe. Somit würden sie nicht in die Berge zum Wandern oder Skifah-
ren fahren und würden auch sonst fast keine Ausflüge unternehmen, son-
dern verbrächten die Zeit meist zu Hause. Die Rekurrentin habe ein eige-
nes Auto damit sie mobil bleibe, wenn der Rekurrent im Ausland weile. So-
mit würden beide privat nicht viel Auto fahren. Bei den nun geltend gemach-
ten 8'174 km handle es sich um die Hin- und Rückfahrten vom Wohnort an
den Arbeitsort, sowie um Hin- und Rückfahrten vom Wohnort an den Flug-
hafen. Die Arbeitgeberin habe die Zusammenstellung als richtig bestätigt
und unterzeichnet. Zudem habe die Arbeitgeberin bestätigt, dass der Re-
kurrent ihr diese Fahrten nicht als Spesen abgerechnet habe. Der Rekur-
rent parkiere sein Auto meist am Flughafen, da er in der Regel mit dem
- 4 -
erstmöglichen Flug abfliege und mit dem letztmöglichen Flug zurück-
komme. Vom Wohnort bis zum Flughafen betrage die Fahrzeit ca. 30 Mi-
nuten. Mit dem Zug betrage die Fahrzeit etwas mehr als eine Stunde, falls
es am Morgen überhaupt möglich sei, beispielsweise um 05:30 Uhr am
Flughafen zu sein.
Mit Replik vom 19. August 2020 hielten die Rekurrenten am Arbeitsweg von
total 8'174 km fest. Die Fahrten zum Flughafen vor und nach Auslandreisen
würden vom Rekurrenten als Arbeitsweg betrachtet und nicht der Arbeitge-
berin verrechnet.
3.
3.1.
Gemäss § 35 Abs. 1 lit. a StG können die notwendigen Kosten für Fahrten
zwischen Wohn- und Arbeitsstätte als Berufskosten vom Reineinkommen
in Abzug gebracht werden. Steht kein öffentliches Verkehrsmittel zur Ver-
fügung oder ist dessen Benutzung objektiv nicht zumutbar, so können die
Kosten des privaten Fahrzeuges abgezogen werden (§ 35 Abs. 2 StG;
§§ 12 f. StGV in Verbindung mit Art. 5 Abs. 3 der Verordnung über den
Abzug von Berufskosten der unselbständigen Erwerbstätigkeit bei der di-
rekten Bundessteuer vom 10. Februar 1993 [BkV; Fassung Anhang vom
21. Juli 2008]). Grundsätzlich sind somit bloss die Kosten der öffentlichen
Verkehrsmittel abziehbar (VGE vom 23. Januar 2008 [WBE.2007.304]).
3.2.
Wenn ein Arbeitnehmer an einem auswärtigen Arbeitsort tätig ist, hat der
Arbeitgeber die für seinen persönlichen Unterhalt entstehenden Kosten zu
ersetzen (Art. 327a Abs. 1 OR). Vom Arbeitgeber zu bezahlende Auslagen
stellen keine Berufskosten im Sinne von § 35 StG dar (RGE vom 25. August
2011 [3-RV.2020.160]). Sollte diese Abgeltung für die Auslagen eines Ar-
beitnehmers nicht ausreichen, muss er sich nach Art. 327a Abs. 2 OR an
den Arbeitgeber halten.
3.3.
Gemäss genehmigten Spesenreglement der E. AG werden für
geschäftliche Reisen und Einsätze bis zu 14 Tagen Dauer die Kosten für
Fahrt, Unterkunft und Verpflegung vergütet. Ist die tägliche Rückkehr zum
Wohnort zweckmässig und zumutbar, können lediglich die Fahrtkosten und
Verpflegungspauschalen abgerechnet werden (siehe Spesenreglement 2.1
Grundsatz). Als Fahrtkosten werden die nachgewiesenen Auslagen für ge-
schäftlich bedingte Fahrten zwischen Arbeitsort und Reiseziel vergütet. Die
Fahrtkosten zwischen Wohnort und Arbeitsort gehen zu Lasten des Mitar-
beiters (siehe Spesenreglement 2.2 Fahrtkosten). Bei geschäftlichen Rei-
sen und Einsätzen bis zu sieben Tagen Dauer werden für die Reise, Unter-
kunft und Verpflegung die effektiven, angemessenen Kosten gemäss Be-
- 5 -
legen vergütet. Für geschäftliche Reisen und Einsätze von acht bis 30 Ta-
gen Dauer werden u.a. die Fahrkosten für die Hin- und Rückreise vergütet
(siehe Spesenreglement 3.2 Geschäftsreisen und temporäre Einsätze im
Ausland).
Im Rekursverfahren reichte der Rekurrent zudem ein Schreiben der E. AG
vom 26. November 2018 ein, indem bestätigt wird, dass der Rekurrent
geschäftliche Fahrten zu Kunden, zum Flughafen für Geschäftsreisen oder
anderweitige Fahrten zu geschäftlichen Zwecken innerhalb der Schweiz mit
dem privaten Fahrzeug der Arbeitgeberin nicht als Spesen verrechne.
3.4.
3.4.1.
Auf der vom Rekurrenten eingereichten Aufstellung "Arbeitsweg 2015"
machte er vom 1. bis 6. Juni 2015 viermal je 180 km für die Hin- und Rück-
fahrten S. - T. geltend. Gemäss genehmigten Spesenreglement der E. AG
werden jedoch die geschäftlich bedingten Fahrten zwischen Arbeitsort und
Reiseziel vergütet (siehe Spesenreglement 2.2 Fahrtkosten). Folglich
können die vom Rekurrent geltend gemachten Kilometer für die Hin- und
Rückfahrten S. – T. nicht als Fahrtkosten bei den Berufskosten geltend
gemacht werden. Auch wenn das Schreiben vom 26. November 2018
bestätigt, dass der Rekurrent geschäftliche Fahrten innerhalb der Schweiz
mit dem privaten Fahrzeug angeblich nicht der Arbeitgeberin verrechne, so
lässt sich daraus nicht entnehmen, dass dies auch auf die Steuerperiode
2015 zutraf. Genauso wenig können die Hin- und Rückfahrten T. –
Flughafen R., sowie die Hin- und Rückfahrt "E. Konferenz" berücksichtigt
werden, erscheinen auch diese geschäftlich motiviert im Zusammenhang
mit der Konferenz in T. vom 3. bis 5. Juni 2015 und werden gemäss
Spesenreglement vergütet. Auch wenn diese auf der Spesenabrechnung
vom Juni 2015 nicht aufgeführt sind, besteht die Möglichkeit, dass diese
anderweitig, z.B. durch Betanken mittels Firmen-Kreditkarte beglichen
wurden, denn auf den im Einspracheverfahren eingereichten privaten
Kontoauszügen des Rekurrenten fällt auf, dass im Gegensatz zu den
Monaten August bis November 2015 in den Monaten Juli und Dezember
2015 keine Tankfüllung mit der Maestro-Card des Rekurrenten getätigt
wurde. Zudem fällt auf den Spesenabrechnungen auf, dass sehr wenige
Spesen per Abrechnung abgerechnet wurden und demnach offensichtlich
viele angefallenen Spesen durch den Rekurrenten mittels Firmen-
kreditkarte direkt beglichen wurden.
3.4.2.
Bezüglich Reisen von mehr als acht Tagen ins Ausland werden aufgrund
des Spesenreglements explizit auch die Fahrtkosten für die Hin- und Rück-
reise vergütet. Dies betrifft pro 2015 die Reise vom 15. Februar bis 1. März
nach U., vom 14. bis 21. März nach V., vom 5. bis 24. Mai nach U., vom
18. bis 25. Juli nach U., vom 6. bis 16. August nach U./W., vom
- 6 -
20. September bis 3. Oktober nach X., und vom 15. bis 24. November nach
X.. Bei geschäftlichen Reisen und Einsätzen im Ausland bis zu sieben
Tagen werden für die Reise nur die effektiven, angemessenen Kosten
gemäss Belegen vergütet. Aufgrund dieses Wortlauts ist davon
auszugehen, dass Fahrten mit dem Privatauto an den Flughafen somit
nicht vergütet werden, obwohl der Arbeitgeber gemäss Art. 327a OR dazu
verpflichtet wäre. Vorliegend ist jedoch nur bei der Reise nach Y., QU., vom
26. bis 28. August 2015 anhand der auf der Spesenabrechnung vom 1.
September bis 30. September 2015 geltend gemachten Kosten "Parking R.
Airport" nachgewiesen, dass der Rekurrent auch tatsächlich das Privatauto
für die Fahrt an den Flughafen benutzte. Bei den übrigen Reisen wurden
vom Rekurrenten weder weitere Belege des Parking-Services am
Flughafen R., noch Flugtickets eingereicht, die seine Behauptung, dass er
in der Regel mit dem erstmöglichen Flug abfliege und mit dem
letztmöglichen Flug zurückkomme und deshalb auf die Benutzung seines
Privatautos angewiesen sei, stützen würden. Aus diesem Grund können
die geltend gemachten Kilometer für die Hin- und Rückfahrten an den
Flughafen für die Reisen vom 12. und 13. Januar 2015 nach Z., vom 9. und
11. März 2015 nach QQ., vom 22. und 23. April 2015 nach Z., vom 26. bis
30. April 2015 nach X., vom 16. September 2015 nach QR., vom 5. bis
9. Oktober 2015 nach QS., vom 19. bis 22. Oktober 2015 nach Y. und vom
2. bis 4. Dezember 2015 nach QS. nicht berücksichtigt werden. Bezüglich
der Reise vom 9. und 10. November 2015 nach QT. kann aufgrund der
Spesenabrechnung zudem davon ausgegangen werden, dass diese mit
dem Zug und nicht mit dem Flugzeug absolviert wurde.
3.4.3.
Zusammenfassend ist aufgrund des Spesenreglements der Arbeitgeberin
betreffend geschäftlichen Fahrten davon auszugehen, dass diese von der
Arbeitgeberin vergütet werden. Einzig bei den geschäftlichen Reisen und
Einsätzen ins Ausland ist aufgrund des Wortlauts des Spesenreglements
unklar, ob diese durch die Arbeitgeberin vergütet werden. Da der Rekurrent
lediglich für eine Reise den Nachweis erbringt hierfür sein Privatauto be-
nutzt zu haben, sind ihm nur die Fahrtkosten für diese eine Hin- und Rück-
fahrt an den Flughafen zu gewähren.
4.
Von der Steuerkommission Q. wird nicht bestritten, dass der Rekurrent
berechtigt ist, den Arbeitsweg mit dem Auto zurückzulegen. Das ist nicht
zu beanstanden.
5.
5.1.
Der Abzug der Autokosten für die Zurücklegung des Arbeitsweges basiert
auf einer theoretischen Berechnung. Geprüft wird – sowohl bei der Beurtei-
lung, ob die Autokosten, die Kosten von "Park & Ride" oder die Kosten der
- 7 -
öffentlichen Verkehrsmittel zu gewähren sind als auch bei der Prüfung der
jeweils einzelnen Kosten – bloss, welche Aufwendungen für die Berufsaus-
übung notwendig sind (vgl. StE 2016 B 22.3 Nr. 116; SGE vom 22. Dezem-
ber 2016 [3-RV.2016.94]; SGE vom 25. Februar 2016 [3-RV.2015.112]).
Diese abstrakte Betrachtungsweise lässt daher die persönlichen Präferen-
zen der Steuerpflichtigen ausser Betracht und ist im Massenfallrecht prak-
tikabel.
5.2.
Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, gilt im Steuerverfahren in ent-
sprechender Anwendung des in Art. 8 ZGB niedergelegten Grundsatzes,
dass derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu bewei-
sen hat, der aus ihr Rechte ableitet. Die Veranlagungsbehörde trägt dem-
zufolge die Beweislast für Tatsachen, welche die Steuerschuld begründen
oder mehren, der Steuerpflichtige für Tatsachen, welche die Steuerschuld
aufheben oder mindern. Die Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen ist in
§ 179 StG und § 182 StG explizit festgehalten und überlagert den Grund-
satz der Nachweispflicht (AGVE 1997 S. 201, mit Hinweisen; BGE 140 II
248, 133 II 153; Bundesgerichtsurteil vom 2. Dezember 2014 [2C_201/
2014], vom 15. September 2014 [2C_112/2014] und vom 13. Juni 2012
[2C_862/2011]; VGE vom 30. März 2011 [WBE.2011.2], unter anderem mit
Hinweis auf AGVE 2010 S. 111, VGE vom 27. Januar 2010 [WBE.2009.
268], VGE vom 15. Juli 2009 [WBE.2009.3]; Kommentar zum Aargauer
Steuergesetz, 4. Auflage, Muri-Bern 2015, § 174 StG N 15, N 28 ff., § 179
StG N 13 ff., § 182 StG N 7 ff.).
Es obliegt dem Steuerpflichtigen, diese Tatsachen rechtsgenüglich darzu-
tun und nachzuweisen. Genügend substantiiert ist eine Sachdarstellung,
welche hinsichtlich Art, Motiv und Rechtsgrund all jene Tatsachenbehaup-
tungen enthält, die ohne weitere Untersuchung, aber unter Vorbehalt der
Beweiserhebung, die rechtliche Würdigung erlauben (BGE 92 I 393 = ASA
36 S. 192; ZStP 2014 Nr. 10; AGVE 1997 S. 201; VGE vom 27. Januar
2010 [WBE.2009.268]; RGE vom 20. September 2007 [3-RV.2007.49], mit
Hinweis; analog Bundesgerichtsurteil vom 13. Juni 2012 [2C_862/2011]).
6.
6.1.
Zur Berechnung der Fahrtdauer mit dem Auto wird praxisgemäss das Pro-
gramm "TwixRoute" angewendet. In der jeweiligen Wegleitung zur Steuer-
erklärung wird auf dieses Programm hingewiesen. Überdies ist "Twix
Route" – soweit ersichtlich – das einzige Programm, bei welchem die der
Zeitberechnung zugrundeliegenden Durchschnittsgeschwindigkeiten für
die unterschiedlichen Fahrzonen (Autobahn, Fernverkehrsstrasse, Haupt-
verkehrsstrasse etc.) einsehbar sind (VGE vom 17. Dezember 2014 [WBE.
2014.17], mit Hinweisen; RGE vom 23. Februar [3-RV.2011.67], bestätigt
durch VGE vom 14. November 2012 [WBE.2012.133] = AGVE 2012 S. 97).
- 8 -
Den Steuerpflichtigen ist es indessen nicht verwehrt, den Nachweis zu er-
bringen, dass die "TwixRoute"-Berechnung im Einzelfall unzutreffend ist.
Dabei kann es jedoch nur darum gehen, relevante Abweichungen darzule-
gen, wie etwa, wenn die Steuerbehörden der Berechnung falsche Aus-
gangs- oder Zielorte zugrunde legen oder wenn im Programm Fahrverbote
nicht erfasst sind (AGVE 2012 S. 97). Nicht berücksichtigen müssen die
Steuerbehörden hingegen geringfügige Abweichungen zwischen der vom
Programm berechneten und der effektiv gefahrenen Strecke (SGE vom
20. März 2014 [3-RV.2013.96], u.a. mit Hinweis auf VGE vom 17. Dezem-
ber 2013 [WBE.2013.284]). Schliesslich ist mit Blick auf das Rechtsgleich-
heitsgebot davon auszugehen, dass bei der Ermittlung der Fahrtdauer
durch Abfahren der betreffenden Strecke je nach Tages- und Jahreszeit,
Fahrzeugtyp, Fahrstil, Wetterverhältnisse etc. selbst auf der gleichen Stre-
cke unterschiedliche und somit nicht verlässliche Ergebnisse resultieren
können. Diese Problematik besteht bei der Berechnung mittels "TwixRoute"
nicht (VGE vom 17. Dezember 2014 [WBE.2014.17]).
6.2.
Der Steuerpflichtige hat in der Regel nur Anspruch auf den Abzug der Kos-
ten des kürzesten Arbeitsweges. Mehrauslagen werden toleriert, wenn es
aus steuerrechtlicher Sicht für die Erzielung des Erwerbseinkommens be-
gründet erscheint, die Umwegstrecke der kürzesten, aber zeitaufwändige-
ren Fahrtstrecke vorzuziehen (SGE vom 23. März 2017[3-RV.2016.156],
mit Hinweisen auf AGVE 2011 S. 280; VGE vom 2. März 2006 [WBE.2005.
105], vgl. auch StE 2003 B 22.3 Nr. 76; Bundesgerichtsurteil vom 26. Ok-
tober 2004 [2A.224./2004]).
In Analogie zur Rechtsprechung betreffend die Benützung der öffentlichen
Verkehrsmittel für den Arbeitsweg (AGVE 2009 S. 144; VGE vom 23. Ja-
nuar 2008 [WBE.2007.304]; je mit Hinweisen) können die Kosten für die
schnellste Route zum Abzug gebracht werden, wenn die Zurücklegung der
kürzesten Strecke nicht zumutbar ist. Insbesondere hat das Verwaltungs-
gericht im Entscheid vom 1. November 1995 (BE.94.00303) festgehalten,
dass bei geringer Zeitersparnis auch ein Mehraufwand von weniger als
10 % nicht abzugsfähig ist (zum Ganzen: SGE vom 22. Dezember 2016
[3-RV.2016.107]).
- 9 -
6.3.
Die Fahrtdauer und die Fahrtkosten sind von "Tür zu Tür", d.h. von der
Wohn- bis zur Arbeitsplatzadresse, zu ermitteln (AGVE 2006 S. 294; VGE
vom 14. November 2012 [WBE.2012.133]; VGE vom 15. Juli 2009 [WBE.
2009.3]; RGE vom 15. November 2006 [3-RV.2005.50322]). Allfällige Dis-
tanzen in Treppenhäusern, Tiefgaragen sowie auf Parkplätzen etc. fallen
bei der Berechnung ebenso wie gelegentliche Verkehrsbehinderungen in
der Regel ausser Betracht. Nicht sachgerecht ist indessen die gänzliche
Nichtbeachtung eines auf bestimmten Strecken generell erhöhten Zeit-
bedarfs während der Hauptverkehrszeiten (VGE vom 17. Dezember 2013
[WBE.2013.284]; RGE vom 22. März 2012 [3-RV.2011.14], mit Hinweis auf
VGE vom 2. März 2006 [WBE.2005.105]).
7.
7.1.
Die Steuerkommission Q. scheint daran zu zweifeln, dass der Rekurrent im
Jahr 2015 den Arbeitsweg gemäss der eingereichten Liste mit dem Auto
zurücklegte. Sie argumentiert, die nachgewiesene Fahrleistung pro Jahr sei
zu gering, um unter Berücksichtigung der privaten Fahrleistung von 6'500
km den geltend gemachten Arbeitsweg (8'174 km) zu erklären. Der
Rekurrent behauptet dagegen, die private Fahrleistung sei aufgrund des
geführten Lebensstiles tatsächlich als sehr gering einzustufen.
7.2.
Für die private Fahrleistung ist ordentlicherweise mit 5'000 km (wenig),
8'500 km (normal) oder 12'000 km (viel) zu rechnen. Eine erhebliche bis
hohe private Fahrleistung ist etwa anzunehmen bei Auslandreisen, häufi-
gen Fahrten zu auswärts wohnenden Verwandten oder ins Wochenende,
zu Ausflügen, zum Sport usw., ferner dann, wenn mehrere Familienmitglie-
der einen Führerausweis besitzen. Das Verwaltungsgericht hat diese Werte
übernommen und dabei insbesondere ausgeführt, erfahrungsgemäss wür-
den die privat zurückgelegten Distanzen oft unterschätzt, weshalb es nur
in Ausnahmefällen und aufgrund konkreter Anhaltspunkte angezeigt sei,
von weniger als 5'000 km auszugehen (SGE vom 20. Juli 2017 [3-RV.2016.
183], mit Hinweis auf Bundesgerichtsurteil vom 4. Dezember 2009
[2C_452/2009]; VGE vom 27. August 2008 [WBE.2008.17]).
7.3.
Die Steuerkommission Q. hat für das Jahr 2015 eine auf ein Jahr
umgerechnete Fahrleistung von gerundet 12'700 Kilometer (Opel Antara:
8'500 km; Opel Corsa: 4'200 km) angenommen.
Den Akten ist zu entnehmen, dass mit dem Opel Antara 2.2 CDTi Cosmo
4WD zwischen dem 4. April 2014 (Stand gemäss Rechnung G. AG vom 4.
April 2014: 930 km) und dem 10. Februar 2015 (Stand gemäss Rechnung
G. AG vom 10. Februar 2016: 12'699 km) in 312 Tagen 11'769 km
- 10 -
zurückgelegt wurden. Für die auf das Jahr 2015 entfallende 40 Tage ergibt
das rund 1'509 km. Demgegenüber resultieren aus den vom 10. Februar
2015 bis zum 17. Februar 2016 (Stand gemäss Rechnung G. AG vom 17.
Februar 2016: 21'162 km) gefahrenen 8'463 km in 372 Tagen für die auf
das Jahr 2015 entfallenden 324 Tage 7'371 km. Somit wurden mit dem
Opel Antara 2.2. CDTi Cosmo 4WD im Jahr 2015 insgesamt rund 8'880 km
zurückgelegt. Mit dem Opel Corsa 1.4 TP Enjoy wurden zwischen dem 15.
April 2014 (Stand gemäss Rechnung G. AG vom 15. April 2014: 62'982 km)
und dem 1. Mai 2015 (Stand gemäss Rechnung G. vom 1. Mai 2015:
68'389 km) in 381 Tagen 5'407 km zurückgelegt. Für die auf das Jahr 2015
entfallenden 120 Tage ergibt das rund 1'703 km. Demgegenüber re-
sultieren aus den vom 1. Mai 2015 bis zum 28. April 2016 (Stand gemäss
Rechnung G. AG vom 28. April 2016: 72'633 km) gefahrenen 4'244 km in
363 Tagen für die auf das Jahr 2015 entfallende 244 Tage rund 2'853 km.
Folglich wurden mit dem Opel Corsa 1.4 TP Enjoy im Jahr 2015 rund
4'556 km zurückgelegt. Die Gesamtfahrleistung der Rekurrenten für das
Jahr 2015 beträgt somit rund 13'436 km.
7.4.
Gemäss TwixRoute beträgt die Strecke zwischen Wohn- und Arbeitsort
68.2 Kilometer (kürzeste Strecke; Fahrzeit: 1 Stunde 3 Minuten) und
69.8 Kilometer (schnellste Strecke sowie Autobahn; Fahrzeit: 56 Minuten).
Die Strecke zwischen Wohnort und Flughafen R. beträgt 26.8 km (kürzeste
Strecke; Fahrzeit: 42 Minuten) und 30.8 km (schnellste Strecke sowie
Autobahn; Fahrzeit: 29 Minuten).
Im Verhältnis zur kürzesten Route ist die schnellste Route um 1.6 km (69.8
./. 68.2) bzw. 4 km (30.8 ./. 26.8) länger. In Prozenten ausgedrückt sind
dies rund 2.5 % bzw. 15 %. Die Zeitersparnis zwischen der schnellsten
(56 Minuten bzw. 29 Minuten) und der kürzesten Route (63 Minuten bzw.
42 Minuten) beträgt sieben Minuten (63 ./. 56) bzw. 13 Minuten (42 ./. 29).
In Prozenten ausgedrückt sind dies 11 % bzw 31 %. Vorliegend rechtfertigt
es sich aufgrund des Verhältnisses zwischen den absoluten und prozentu-
alen Mehrkilometern (2.5 % bzw. 15 %) einerseits und der absoluten und
anteilsmässigen Verringerung des Zeitaufwandes für den täglichen Arbeits-
weg (11 % bzw. 31 %) andererseits, die längere Fahrtstrecke zur Berech-
nung heranzuziehen.
7.5.
Gemäss eingereichter Aufstellung des Rekurrenten arbeitete er im Jahr
2015 an 44 Tagen an seinem Arbeitsort, was einem Arbeitsweg von rund
6'143 Kilometern (44 x 2 x 69.8) entspricht. Zusätzlich ist noch eine Hin-
und Rückfahrt an den Flughafen R. von 61.6 km (2 x 30.8) zu berück-
sichtigen (siehe Erw. 3.4.3.). Es verbleiben damit rund 7'231 Kilometer
(13'436 ./. 6'143 ./. 61.6) für private Fahrten. Dies entspricht einer privaten
Fahrleistung von rund 603 Kilometer pro Monat. Eine Reduktion um die
- 11 -
beruflichen Kilometer der Rekurrentin ist indes nicht vorzunehmen, da die
Rekurrentin in der Steuererklärung 2015 gar keine Fahrtkosten geltend ge-
macht hat, womit davon auszugehen ist, dass auch keine angefallen sind.
Den im Einspracheverfahren eingereichten privaten Kontoauszügen des
Rekurrenten lässt sich für die Monate August bis November 2015 im Ab-
gleich mit der Aufstellung "Arbeitsweg 2015" entnehmen, dass der Rekur-
rent nach etwa 280 bis 460 beruflich geltend gemachten Kilometern jeweils
ein bis zweimal monatlich getankt hat. Der Opel Antara 2.2 CDTi 4x4 besitzt
ein Tankvolumen von 65 l. Damit können rund 984 km/Füllung zurückgelegt
werden (https://www.auto-motor-und-sport.de/marken-modelle/opel/anta-
ra/technische-daten/). Dies bedeutet, dass die angegebenen geschäftli-
chen Fahrten jeweils nur rund 1/3 bis die Hälfte der möglichen Fahrleistung
mit einer Tankfüllung ausmachen und somit der grösste Teil privat zurück-
gelegt wurde. Zudem wurde gemäss den privaten Bankkontoauszügen am
Sonntag 13. September 2015 Tickets der QV. Bahn bezogen, der
Behauptung, dass die Rekurrenten nicht in die Berge fahren würden zum
Wandern bzw. Skifahren, kann somit nicht gefolgt werden. Auch ist
aufgrund der Krankheit und der damit verbundenen Gehbeschwerden der
Rekurrentin davon auszugehen, dass diese auch kleineren Besorgungen
mit dem Auto erledigt. Eine weitergehende Reduktion der privaten Fahrleis-
tung ist somit nicht angebracht.
8.
Zusammenfassend hat der Rekurrent Anspruch auf einen Abzug der Fahrt-
kosten in der Höhe von CHF 4'343.00 ([44 x 2 x 69.8] + [2 x 30.3] = 6'204
x 0.70).
9.
Im Ergebnis ist der Rekurs teilweise gutzuheissen. Das satzbestimmende
Einkommen reduziert sich von CHF 166'029.00 um CHF 1'403.00 (4'343.00
./. 2'940.00) auf neu CHF 164'626.00. Die Steuerkommission Q. wird
angewiesen eine neue Steuerausscheidung vorzunehmen
10.
Bei diesem Verfahrensausgang obsiegen die Rekurrenten zu 75 %. Sie ha-
ben daher 25 % der Verfahrenskosten zu tragen (§ 189 Abs. 1 StG). Den
nicht vertretenen Rekurrenten ist keine Parteientschädigung auszurichten
(§ 189 Abs. 2 StG).
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