Decision ID: 06d30f96-58f3-4ac7-9fd7-b209942231b3
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 25. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl
nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B._ zu-
gewiesen.
B.
B.a Anlässlich der Anhörung vom 24. Oktober 2022 machte er im Wesent-
lichen Folgendes geltend:
Er sei kurdischer Ethnie und sei in C._ in der türkischen Provinz
D._ geboren. Im Jahr 1988 oder 1989 sei seine Familie in die na-
hegelegene Ortschaft E._ umgezogen. Damals sei es in diesem
Gebiet zuweilen während mehrerer Monate jeden Abend zu Gefechten ge-
kommen. Da sich das Haus seiner Familie sowie das Haus seiner Tante in
unmittelbarer Nähe einer Militärkaserne befunden hätten, seien beide Ge-
bäude im Rahmen der Kampfhandlungen getroffen worden, wobei seine
Cousine getötet worden sei. Er habe mitbekommen, wie zahlreiche Men-
schen auf dem direkt neben ihrem Haus gelegenen Friedhof begraben wor-
den seien. Diese Ereignisse aus der Kindheit hätten ihn stark geprägt.
Nachdem seine Familie 1995 nach F._ gezogen sei, sei er nicht
weiter zur Schule gegangen und habe zunächst als (...) und anschliessend
als (...) in verschiedenen Restaurants gearbeitet. Auch nach dem Umzug
seiner Familie nach G._ im Jahre 1999 sei er weiterhin als (...) tätig
gewesen, wobei er diese Arbeitstätigkeit für den Militärdienst in den Jahren
2004 und 2005 unterbrochen habe.
Im Jahr (...) sei sein Vater wegen «Propaganda für eine Terrororganisa-
tion» zu einer bedingten Haftstrafe von (...) Jahren verurteilt worden. Im
Jahr 2013 – als er beruflich als (...) tätig gewesen sei und deswegen einen
kürzeren Arbeitsweg gehabt habe – habe er sich politisch engagiert. Er sei
ungefähr ein Jahr lang Ersatz-Mitglied des Vorstands der lokalen Abteilung
der BDP (Barış ve Demokrasi Partisi, dt: Partei des Friedens und der De-
mokratie; später durch eine Fusion in der HDP [Halkların Demokratik Par-
tisi, dt: Demokratische Partei der Völker]) gewesen. Er habe bei der Orga-
nisation von Veranstaltungen mitgeholfen und Gelder für die Partei gesam-
melt. Danach sei er wieder in die (...) zurückgekehrt und bis März 2022 als
(...) tätig gewesen. Seine politischen Aktivitäten habe er aus Zeitgründen
reduziert. Er habe sich lediglich an Demonstrationen beteiligt und sei dabei
zwar teilweise von Polizisten angepöbelt und durchsucht, jedoch nie fest-
genommen worden. Die Verhaftungswelle in der Türkei in den Jahren 2014
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und 2015 habe ihm stark zugesetzt. Nach den «Hendek»-Ereignissen
(Hendek operasyonları, Militäroperation türkischer Sicherheitskräfte gegen
die PKK [Partiya Karkerên Kurdistanê, dt: Arbeiterpartei Kurdistans]) in den
Jahren 2015 und 2016 sei in ihm der Entschluss gereift, die Türkei verlas-
sen zu wollen. Er habe sich aufgrund all dieser Ereignisse kaum mehr ge-
traut, ins HDP-Parteilokal zu gehen, obwohl dieser Ort für ihn stets ein Be-
gegnungspunkt mit seinen Familienmitgliedern gewesen sei. Im Jahr (...)
sei einer seiner Brüder aufgrund der Beleidigung des türkischen Staatsprä-
sidenten zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im Jahr 2020 habe er ge-
heiratet und fortan mit seiner Frau und der wenig später geborenen Tochter
in einer Wohnung in einem der Familie gehörenden Wohnblock gewohnt.
Vor der geplanten Ausreise habe er noch Zeit mit seiner Familie verbringen
wollen und daher im März 2022 mit seiner Arbeit aufgehört. Für die Aus-
reise habe er sein Auto verkauft und Geld von einem seiner Brüder gelie-
hen. Im (...) 2022 sei er über den Landweg nach Serbien ausgereist. Nach-
dem es ihm innert 15 Tagen zwei Mal nicht gelungen sei, nach Rumänien
weiterzureisen, sei er mit seinem türkischen Reisepass in die Türkei zu-
rückgekehrt und habe von Istanbul aus nach einer alternativen Variante für
seine Reise in die Schweiz gesucht. Nach etwa einer Woche sei er
schliesslich nach H._ geflogen und von dort aus über Kroatien und
Italien am 25. Juni 2022 in die Schweiz eingereist.
Nach seiner Ausreise seien seine Frau und seine Tochter zu den Schwie-
gereltern nach C._ gezogen. Seine Eltern wohnten mit einem Bru-
der und einer Schwester von ihm im vierten Stock des Hauses, in welchem
auch er zuvor gelebt habe. Der zweite Stock werde ebenfalls von einem
Bruder bewohnt. Zwei Schwestern seien verheiratet und lebten in
G._, ein Bruder lebe in I._ und ein weiterer Bruder in den
Niederlanden.
Bei einer Rückkehr in die Türkei befürchte er, dass er seinen Wunsch, in
seiner Heimat oppositionspolitisch tätig zu werden, verwirklichen und des-
halb Probleme erhalten würde.
B.b Der Beschwerdeführer reichte seine türkische Identitätskarte im Origi-
nal, Kopien von Ausweisdokumenten seiner Kernfamilie, einen Auszug aus
dem Personenstandsregister seiner gesamten Familie, Kopien von Arbeits-
zeugnissen und Diplomen aus der Schulzeit, einen Strafregisterauszug,
Urteilskopien betreffend seinen Vater und Bruder sowie eine Bestätigung
über seine Funktion als (...) im Jahr 2015 ein.
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C.
Am 31. Oktober 2022 stellte die Vorinstanz den Entscheidentwurf der zu-
gewiesenen Rechtsvertretung des Beschwerdeführers zur Stellungnahme
zu.
In der Stellungnahme zum Entscheidentwurf vom 1. November 2022
brachte der Beschwerdeführer seine Angst vor einer Rückkehr in die Türkei
zum Ausdruck. Diese Angst erzeuge einen schweren psychischen Druck.
Es gehe ihm gesundheitlich nicht gut und er sei psychisch angeschlagen.
D.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 2. November 2022 verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte
sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte sie seine Wegweisung aus der
Schweiz, ordnete deren Vollzug sowie die Aushändigung der editionspflich-
tigen Akten an ihn an.
E.
Mit Beschwerde vom 1. Dezember 2022 beantragt der Beschwerdeführer
die Aufhebung der Verfügung vom 2. November 2022, die Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die
Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustel-
len und als Folge davon die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In pro-
zessualer Hinsicht beantragt der den Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
2. Dezember 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung über Massnahmen im Asylbe-
reich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [COVID-19-VO Asyl, SR
142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde
ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um ein solches Rechts-
mittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz kam im Asylentscheid zum Schluss, die Vorbringen des
Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
Bei den von ihm vorgebrachten Ereignissen aus seiner Kindheit handle es
sich offenkundig um eine Situation allgemeiner Gewalt in seiner damaligen
Heimatregion. Auch wenn mitunter die Wohnhäuser der Familie getroffen
worden seien und seine Cousine bedauernswerterweise ihr Leben verloren
habe, enthielten seine Aussagen keine Hinweise auf Massnahmen seitens
des Staates, welche gezielt gegen seine Familie gerichtet gewesen wären.
Die erlebten Nachteile seien eindeutig als Folgen der allgemeinen Ge-
fechte, welche in seiner Heimatregion stattgefunden hätten, zu werten. Zu-
dem bestehe offensichtlich keine Kausalität zwischen diesen Ereignissen
aus seiner Kindheit und seiner Ausreise aus der Heimat im Jahre 2022.
Auch die von ihm erwähnte Verhaftungswelle in der Türkei in den Jahren
2014 und 2015 sowie die «Hendek»-Ereignisse in seiner Geburtsregion
hätten keinen direkten Bezug zu seiner Person. Gemäss seinen Aussagen
sei er selbst nie gesucht oder verhaftet worden. Zudem habe er zum Zeit-
punkt der «Hendek»-Ereignisse, welche in der Südost-Türkei stattgefun-
den hätten, in G._ im Westen der Türkei gelebt. Somit lasse sich
aus diesen Ereignissen keine Gefährdung seiner Person zum Zeitpunkt
seiner Ausreise herleiten.
Weiter lasse sich die geltend gemachte Furcht, bei einem Besuch des Par-
teigebäudes der HDP verhaftet zu werden, objektiv nicht nachvollziehen.
Obwohl er die Parteilokalität bis vor etwa einem Jahr regelmässig besucht
habe, sei er nie von den Behörden festgenommen worden. Hinweise, dass
er im Zusammenhang mit den Urteilen gegen seine Familienangehörigen
– deren Strafen mit einer bedingten Gefängnis- beziehungsweise einer
Geldstrafe vergleichsweise milde ausgefallen seien – Nachteile erlitten
habe, lägen ebenfalls keine vor. Dass er zum Zeitpunkt der Ausreise nichts
von den Behörden zu befürchten gehabt habe, werde auch durch seine
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Aussagen zum Reiseweg, wonach er die türkische Grenze mit seinem Rei-
sepass mehrmals problemlos habe passieren können, verdeutlicht. Seine
Spekulation, dass er bei einer Rückkehr in die Heimat allenfalls Probleme
bekommen könnte, weil er sich in diesem Falle künftig politisch engagieren
würde, reiche nicht, um die Flüchtlingseigenschaft zu begründen.
Es bestehe daher überhaupt kein Anlass zur Annahme einer Gefährdung
durch die türkischen Behörden im Falle einer Rückkehr.
5.2 In seiner Beschwerde betont der Beschwerdeführer zunächst, politisch
aktiv gewesen zu sein und an zahlreichen Demonstrationen und Veranstal-
tungen teilgenommen zu haben sowie im Vorstand der BDP aktiv gewesen
zu sein. Aufgrund dieser politischen Aktivitäten und derjenigen seiner na-
hen Verwandten sei er unter ständigem polizeilichen Druck gewesen, auch
wenn er nicht festgenommen worden sei. Es habe eine konkrete Gefahr
bestanden, jederzeit festgenommen zu werden, weshalb er sich gezwun-
gen gesehen habe, die Türkei zu verlassen. Da er einer politisch engagier-
ten kurdischen Familie entstamme, sei die ganze Familie Jahrzehnte lang
Repressalien ausgesetzt gewesen. Infolge dieser Repressalien hätten die
Familienmitglieder schwere Nachteile erlitten. Sie hätten bereits vor meh-
reren Jahren von der Provinz D._ in die Westtürkei nach F._
beziehungsweise G._ ziehen müssen. Sein Vater sei wegen Pro-
paganda zugunsten einer «Terrororganisation» – gemeint sei die PKK – zu
einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Sein Bruder sei ebenfalls aus po-
litischen Gründen verurteilt worden. Auch mehrere nahe und entfernte Ver-
wandte hätten aufgrund ihrer politischen Aktivitäten schwere Nachteile er-
litten, manche seien nach Europa geflüchtet. Daher sei er den türkischen
Behörden seit mehreren Jahren bekannt und jahrelang ständigen Repres-
sionen ausgesetzt gewesen. Es liege eine Reflexverfolgung vor. Die Asyl-
rekurskommission habe die Existenz einer Reflexverfolgung für Familien-
mitglieder von gesuchten oder inhaftierten Personen in der Türkei wieder-
holt anerkannt. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz diese Tat-
sache bewusst ausblende. Er stehe im Visier der türkischen Polizei. Seine
politischen Aktivitäten zugunsten der BDP und später der HDP, welche vom
türkischen Staat als Handlanger der PKK angesehen würden, zeigten,
dass er konkret gefährdet sei. Die türkischen Behörden gingen mit Perso-
nen, die der Propaganda, Unterstützung oder Mitgliedschaft bei der PKK
beschuldigt würden, nicht zimperlich um. Solche Personen gälten als Ter-
roristen und würden fichiert. Gegen die HDP laufe zurzeit ein Verbotsver-
fahren. Im Krieg gegen die PKK sei den türkischen Sicherheitskräften Straf-
freiheit zugesprochen worden. Dies bestätige eine Länderanalyse der
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Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Auch das Bundesverwaltungsgericht
gehe in ständiger Rechtsprechung von einer Gefährdung aus, wenn Per-
sonen ein Engagement oder eine Zusammenarbeit mit der PKK vorgewor-
fen oder sie solcher Aktivitäten verdächtigt würden. Die Befürchtung des
Beschwerdeführers, bei einer Rückkehr in die Türkei weiterer staatlicher
Verfolgung ausgesetzt zu sein, würde sich mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit verwirklichen.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die angefochtene Verfügung zu stützen ist. Die Vorinstanz
ist darin mit ausführlicher und überzeugender Begründung zum Schluss
gelangt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen
von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen vermögen.
Mit seiner Beschwerdeeingabe – welche sich im Wesentlichen in einfachen
Gegenbehauptungen, Spekulationen sowie der Berufung auf Berichte und
die Rechtsprechungspraxis ohne ersichtlichen Fallbezug erschöpft – ver-
mag der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Argumenten nichts ent-
gegenzuhalten. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann daher – mit
den nachfolgenden Ergänzungen – vollumfänglich auf die zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. angefochtene Verfügung
Ziff. II).
6.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person
ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-
weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen
oder zugefügt worden sein, und vor denen sie keinen ausreichenden staat-
lichen Schutz erwarten kann (vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57
E. 2; 2008/12 E. 5 je m.w.H.). Eine begründete Furcht vor Verfolgung im
Sinne dieser Bestimmung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme
besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus-
reise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk-
licht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensol-
cher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen kon-
krete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem
der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als
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wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und
nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57
E. 2.5; 2010/44 E. 3).
6.3 Solche konkreten Indizien liegen – entgegen den Beschwerdebehaup-
tungen – in casu klar nicht vor. Es ist weder ersichtlich, inwiefern der Be-
schwerdeführer angeblich unter «ständigem polizeilichen Druck» gestan-
den respektive einer «konkreten» Verhaftungsgefahr ausgesetzt gewesen
sein soll, noch worin die angeblich durch zahlreiche Familienmitglieder er-
littenen «schweren Nachteile» bestanden (vgl. Beschwerde S. 4 f.). Abge-
sehen von niederschwelligen Pöbeleien und Durchsuchungen seitens der
Polizei anlässlich von Demonstrationsteilnahmen verneinte der Beschwer-
deführer ausdrücklich, je konkrete Probleme mit den türkischen Behörden
gehabt zu haben respektive je verhaftet oder gesucht worden zu sein
(vgl. vorinstanzliche Akten [...]-16/10 [nachfolgend: act. 16] F47, 52, 55).
Sodann gab er an der Anhörung an, er sei bei den Behörden nicht regis-
triert (vgl. a.a.O. F46). Aus den Akten geht auch nicht hervor, dass der Vater
effektiv eine Gefängnisstrafe hätte verbüssen müssen respektive der Vater
oder der Bruder je sonstige Nachteile seitens der türkischen Behörden er-
litten hätten (vgl. act. 16 F53). Diesbezüglich ist zu betonen, dass sowohl
der Vater als auch sieben seiner acht Geschwister weiterhin augenschein-
lich unbehelligt in der Türkei und – im Falle seiner Eltern sowie drei Ge-
schwistern – gar im selben Wohnblock wohnhaft seien, in welchem er vor
seiner Ausreise ebenfalls gelebt habe (vgl. act. 16 F34-36). Die behauptete
Reflexverfolgung entbehrt daher jeglicher Grundlage. Entsprechend ist
auch die in der Beschwerde zitierte Rechtsprechungspraxis zur Annahme
einer Reflexverfolgung respektive hinsichtlich eines PKK-Engagements
vorliegend nicht einschlägig, zumal kein Fallbezug erkennbar ist.
6.4 Nach dem Ausgeführten hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
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einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung
unterworfen werden.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4
8.4.1 Die Vorinstanz befand den Vollzug der Wegweisung für zulässig, zu-
mutbar und möglich. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft
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nicht erfülle, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss
Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden. Die allgemeine Menschen-
rechtslage in der Türkei liesse den Vollzug der Wegweisung zum heutigen
Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Ferner ergäben sich aus den
Akten auch keine Anhaltspunkte dafür, dass ihm im Falle einer Rückkehr
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene
Strafe oder Behandlung drohe. Er habe seinen Lebensmittelpunkt von
1999 bis zur Ausreise in G._ gehabt, sei körperlich gesund und
habe sein ganzes Leben gearbeitet. Seine Frau und seine Tochter befän-
den sich aktuell genauso in der Türkei wie seine Eltern und die meisten
seiner zahlreichen Geschwister. In G._ habe er zudem eine Woh-
nung in einem Wohnblock, welcher noch immer seiner Familie gehöre und
zu grossen Teilen von Familienangehörigen bewohnt werde. Aufgrund der
von ihm geschilderten Ausgangslage sei davon auszugehen, dass ihm die
soziale und ökonomische Reintegration in der Türkei problemlos gelingen
werde.
8.4.2 Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, dass ihm im Falle einer
Festnahme Folter sowie eine überlange und unverhältnismässige Frei-
heitsstrafe drohe. Er könne nicht mit einem fairen Gerichtsverfahren rech-
nen, hinzu kämen menschenunwürdige Haftbedingungen. Im Falle einer
Rückschaffung wäre er mit grosser Wahrscheinlichkeit an Leib, Leben und
Freiheit gefährdet. Eine Wegweisung des Beschwerdeführers in die Türkei
sei somit unzumutbar.
8.5 Die Begründung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden, weshalb sich
das Gericht den entsprechenden Erwägungen vollumfänglich anschliesst
(vgl. angefochtene Verfügung Ziff. III).
Nachdem die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit der Vorbringen des Be-
schwerdeführers verneint wurde vermögen die Beschwerdeausführungen
– welche ausschliesslich auf die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs abzielen – nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen.
Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl im Sinne der asyl- als auch der
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. Es sprechen sodann weder all-
gemeine noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs.
8.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
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2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit
dem vorliegend instruktionslos ergehenden, verfahrensabschliessenden
Urteil in der Sache hinfällig.
(Dispositiv nächste Seite)
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