Decision ID: 22dc6772-ceb3-456e-adc6-ddffd8f490e1
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Arbeitsmarkt / Arbeitslosenversicherung,
Rechtsvollzug, Effingerstrasse 31, 3003 Bern,
Beschwerdeführer,
gegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
und
G._,
Beigeladene,
betreffend
Kurzarbeitsentschädigung (i.S. G._)
Sachverhalt:
A.
Mit Voranmeldung vom 19. November 2008 stellte die G._, für insgesamt 17
Betriebsabteilungen Gesuche um Kurzarbeitsentschädigung. Mit 17 Verfügungen vom
1. bzw. 2. Dezember 2008 erhob das Amt für Arbeit des Kantons St. Gallen in keinem
Fall Einspruch gegen die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung (vgl. Art. 36 Abs. 4
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung; [AVIG; SR 837.0]; act. G 5.4-20).
B.
B.a Mit Schreiben vom 19. Januar 2009 erhob das Staatssekretariat für Wirtschaft
(SECO) Einsprache gegen die 17 Verfügungen. Das SECO beantragte, die 17
Verfügungen betreffend Voranmeldung zur Kurzarbeit seien in einem Verfahren zu
vereinigen, die angefochtenen Verfügungen des Amts für Arbeit seien insofern
aufzuheben, als diese einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung für die einzelnen
Organisationseinheiten als eigenständige Betriebsabteilungen bejahten; die einzelnen
Organisationseinheiten seien den eigenständigen Betriebsabteilungen Verkauf/
Marketing, Customer Services, Forschung + Entwicklung, Versorgung/Logistik + TQM
unterzuordnen sowie die Organisationseinheiten Business Development, Controlling/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Finanzwesen, Personal/Services und Key Account Management zu einer
Betriebsabteilung zusammenzufassen (act. G 1/2).
B.b Mit schriftlicher Stellungnahme vom 28. Januar 2009 brachte die G._ vor, der
Grund, Betriebsabteilungen zu bilden, hänge mit der unterschiedlichen Auslastung in
den einzelnen Betriebsabteilungen zusammen. Es gehe der G._ jedoch in keinem Fall
darum, die 10-Prozentklausel oder die Höchstbezugsdauer zu umgehen. Sie schlug
deshalb eine Reduktion der Betriebsabteilungen, für die Kurzarbeit beansprucht wird,
von 17 auf 14 vor.
B.c Mit Einspracheentscheid vom 9. Februar 2009 hiess das Amt für Arbeit des
Kantons St. Gallen die Einsprache teilweise gut. Im Einspracheentscheid wurde den
Begehren des SECO weitgehend entsprochen. Das Amt für Arbeit hielt jedoch daran
fest, dass die Organisationseinheit Controlling/Finanzwesen als Betriebsabteilung
anerkannt werde. Zwar würden die Bereiche Business Development, Controlling/
Finanzen, Personal Services und Key Account Management allesamt zentrale Dienste
erbringen. Da für die Bereiche Personal Services, Key Account Management und
Business Development keine Kurzarbeit beantragt worden sei, verbleibe im Sinne einer
Restgruppe der Bereich Controlling/Finanzwesen übrig (act. G 1/1).
C.
Mit Schreiben vom 9. März 2009 erhebt das SECO Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (vgl. Art. 102
Abs. 1 AVIG). Der Beschwerdeführer beantragt, der Einspracheentscheid des Amtes für
Arbeit sei insofern aufzuheben, als er die Organisationseinheit Controlling/Finanzwesen
als eigenständige Betriebsabteilung anerkenne, und die Organisationseinheiten
Controlling/Finanzwesen, Business Development, Personal/Services und Key Account
Management seien als Restgruppe in einer Betriebsabteilung zusammenzufassen (act.
G 1). Mit Beschwerdeantwort vom 11. Mai 2009 teilt der Beschwerdegegner mit, dass
der Einspracheentscheid vom 19. Januar 2009 (recte: 9. Februar 2009) pendente lite
aufgehoben und durch einen neuen Einspracheentscheid vom 11. Mai 2009 ersetzt
worden sei (act. G 5). Darin wird den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren
des Beschwerdeführers vollumfänglich entsprochen und die Organisationseinheiten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Controlling/Finanzen, Business Development, Personal Services und Key Account
Management werden als Restgruppe zusammengefasst (act. G 5.1). Der
Beschwerdegegner beantragt die Gutheissung der Beschwerde. Am 19. Mai 2009
wurde die G._ zum Prozess beigeladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme zu
den Beschwerdeanträgen des SECO eingeräumt. Der Wiedererwägungsentscheid des
Beschwerdegegners vom 11. Mai 2009 werde formal als Antrag an die
Beschwerdeinstanz betrachtet (act. G 6). Die Beigeladene hat auf die Einreichung einer
Stellungnahme verzichtet (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 53 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann ein Versicherungsträger eine
Verfügung oder einen Einspracheentscheid, gegen die Beschwerde erhoben wurde, so
lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt (sog.
Wiedererwägung pendente lite). Diese Regelung entspricht inhaltlich Art. 58 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021). Gestützt auf den
Verweis in Art. 55 Abs. 1 ATSG sind auch die weiteren Absätze von Art. 58 VwVG für
das Beschwerdeverfahren vor kantonalem Versicherungsgericht massgeblich (Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, 2009, Art. 53 Rz 49). Gemäss Art. 58 Abs. 2
VwVG hat die Vorinstanz eine neue Verfügung ohne Verzug den Parteien zu eröffnen
und der Beschwerdeinstanz zur Kenntnis zu bringen. Die Beschwerdeinstanz setzt die
Behandlung der Beschwerde fort, soweit diese durch die neue Verfügung der
Vorinstanz nicht gegenstandslos geworden ist (Art. 58 Abs. 3 VwVG).
Gegenstandslosigkeit des Beschwerdeverfahrens tritt nach ständiger
höchstrichterlicher Praxis und herrschender Lehre ein, wenn durch die lite pendente
erlassene Verfügung (bzw. den lite pendente erlassenen Einspracheentscheid) den
Anträgen des Beschwerdeführers vollumfänglich entsprochen wird. In diesem Fall kann
das Verfahren abgeschrieben werden. Ist mit der nach Rechtshängigkeit erlassenen
Verfügung (bzw. dem Einspracheentscheid) demgegenüber eine Schlechterstellung
(reformatio in peius) des Beschwerdeführers verbunden, kommt dieser nur der
Charakter eines Antrages an das Gericht zu (SVR EL 2005 Nr. 3 E. 3.2; BGE 127 V 228
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E. 2b/bb, je mit w.Nw.; Ueli Kieser, a.a.O., Art. 53 Rz 47 und Art. 61 Rz 87; August
Mächler, in: Christoph Auer / Markus Müller / Benjamin Schindler (Hrsg.), Kommentar
zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), 2008, Art. 58 Rz 16 ff.).
Kommt einer Verfügung oder einem Einspracheentscheid lediglich der Charakter eines
Antrags an das Gericht zu, werden sie als nichtig betrachtet, d.h. sie sind nicht der
Rechtskraft fähig und treten nicht an die Stelle der ursprünglichen Verfügung bzw. des
ursprünglichen Einspracheentscheids (SVR EL 2005 Nr. 3 E. 3.2.2; August Mächler,
a.a.O., Art. 58 Rz 19).
1.2 Vorliegend hat der Beschwerdegegner am 11. Mai 2009 zusammen mit der
Stellungnahme gegenüber dem Gericht einen Wiederwägungsentscheid erlassen, in
dem den Anträgen des Beschwerdeführers vollumfänglich entsprochen wurde, weshalb
das Verfahren nach der erwähnten Praxis grundsätzlich gemäss Art. 55 Abs. 1 ATSG
i.V.m. Art. 58 Abs. 3 VwVG abzuschreiben wäre. Im vorliegenden Fall besteht jedoch
die Besonderheit, dass nicht die Beigeladene als materiell betroffene Partei, sondern
das SECO gestützt auf Art. 102 Abs. 1 AVIG Beschwerde erhoben hat. Es stellt sich die
Frage, wie im Falle einer Wiedererwägung pendente lite zu verfahren ist, wenn nicht die
materiell betroffene Partei, sondern eine von Gesetzes wegen zur Beschwerde
berechtigte Verwaltungsbehörde Beschwerde erhoben hat. Geht man rein formal vom
Standpunkt des Beschwerdeführers aus, ist das Beschwerdeverfahren wegen
Gegenstandslosigkeit abzuschreiben, weil der Beschwerdegegner mit dem pendente
lite erlassenen Einspracheentscheid den in der Beschwerde gestellten Anträgen
vollumfänglich entsprochen hat. Stellt man demgegenüber auf die Interessenlage der
Beigeladenen als materiell betroffener Partei ab, ist durch den pendente lite erlassenen
neuen Einspracheentscheid des Beschwerdegegners die Rechtsstellung der
Beigeladenen verschlechtert worden, wird doch in Abweichung zum ersten
Einspracheentscheid die Organisationseinheit Controlling/Finanzwesen nicht mehr als
Betriebsabteilung anerkannt. Richtigerweise muss in dieser speziellen Konstellation
vom Standpunkt der materiell betroffenen Partei ausgegangen werden. Die
Beschwerdelegitimation des SECO gemäss Art. 102 Abs. 1 AVIG dient der richtigen
und rechtsgleichen Anwendung des Bundesrechts (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, 2009, Rz 897,
S. 2452). Das SECO verfolgt somit mit einer Beschwerde vor Versicherungsgericht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausschliesslich öffentliche Interessen. Die Interessenlage weicht somit erheblich vom
Normalfall ab, in dem ein Beschwerde führerender Versicherter ausschliesslich private
Interessen verfolgt. Da somit aus Sicht der materiell betroffenen Beigeladenen mit dem
pendente lite erlassenen neuen Einspracheentscheid eine Schlechterstellung vorliegt,
ist dieser lediglich als Antrag an das Gericht zu betrachten. Auch ein
Rechtsschutzinteresse der Beigeladenen ist nach wie vor vorhanden, zumal sie
innerhalb der Dreimonatsfrist (vgl. Art. 38 Abs. 1 AVIG) für die verschiedenen
Betriebsabteilungen, einschliesslich Controlling und Finanzwesen,
Kurzarbeitsentschädigung beantragt hat (vgl. act. G 7). Somit ist der erste
angefochtene Einspracheentscheid vom 9. Februar 2009 durch das Gericht materiell zu
überprüfen.
1.3 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 9. Februar 2009. Streitgegenstand
ist gemäss den Anträgen des Beschwerdeführers jedoch einzig die Frage, ob der
angefochtene Einspracheentscheid insofern aufzuheben sei, als er die
Organisationseinheit Controlling/Finanzwesen als eigenständige Betriebsabteilung
anerkennt, und ob die Organisationseinheiten Controlling/Finanzwesen, Business
Development, Personal/Services und Key Account Management als Restgruppe in
einer Betriebsabteilung zusammenzufassen seien. In den übrigen Punkten wurde der
Einspracheentscheid vom Beschwerdeführer nicht beanstandet. Aufgrund der
fehlenden Bindung des Gerichts an die Parteibegehren (vgl. Art. 61 lit. d ATSG) und
weil vorliegend die Rechtsstellung der Beigeladenen betroffen ist, hat eine umfassende
Überprüfung des Einspracheentscheids durch das Gericht zu erfolgen.
2.
2.1 Arbeitnehmer, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz
eingestellt ist, haben unter den in Art. 31 Abs. 1 lit. a-d AVIG genannten
Voraussetzungen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Der Anspruch auf
Kurzarbeitsentschädigung setzt gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. b AVIG unter anderem
voraus, dass der Arbeitsausfall anrechenbar ist. Gemäss Art. 32 Abs. 1 AVIG ist ein
Arbeitsausfall anrechenbar, wenn er auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen und
unvermeidbar ist (lit. a) und pro Abrechnungsperiode mindestens 10 Prozent der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsstunden ausmacht, die von den Arbeitnehmern des Betriebes normalerweise
insgesamt geleistet werden (lit. b). In Art. 32 Abs. 4 AVIG wird der Bundesrat
ermächtigt zu bestimmen, unter welchen Voraussetzungen eine Betriebsabteilung
einem Betrieb gleichgestellt ist. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 52
Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02) Gebrauch gemacht. Danach ist eine
Betriebsabteilung einem Betrieb gleichgestellt, wenn sie eine mit eigenen personellen
und technischen Mitteln ausgestattete organisatorische Einheit bildet, die einer eigenen
innerbetrieblichen Leitung untersteht (lit. a) oder Leistungen erbringt, die auch von
selbständigen Betrieben erbracht und auf dem Markt angeboten werden könnten
(lit. b). Damit eine Betriebsabteilung einem Betrieb gleichstellt werden kann, muss sie
innerhalb des Gesamtbetriebs eine gewisse Autonomie geniessen und muss eine
Arbeitnehmergruppe umfassen, die im Gesamtbetrieb eine organisatorische Einheit
bildet. Sie muss einem eigenen Betriebszweck dienen oder im innerbetrieblichen
Produktionsablauf eigene Leistungen (z.B. Herstellung eines Zwischenprodukts)
erbringen. Eine räumliche Trennung ist demgegenüber nicht erforderlich
(Kreisschreiben über die Kurzarbeitsentschädigung [KS KAE], Rz C33). Gegen eine
Betriebsabteilung spricht eine enge personelle und technische Verflechtung mit
anderen betrieblichen Einheiten. Ebenfalls keine Betriebsabteilung liegt vor, wenn die
Gruppe nur wenige Arbeitnehmende oder gar nur eine einzelne Person umfasst. Mit
diesen Kriterien soll verhindert werden, dass durch eine allzu grosszügige Anerkennung
von Betriebsabteilungen die 10 Prozentklausel im Zusammenhang mit dem geforderten
Arbeitsausfall (Art. 32 Abs. 1 lit. b AVIG) und die Höchstbezugsdauer der
Kurzarbeitsentschädigung (Art. 35 AVIG) ihres Inhalts entleert werden (Kreisschreiben
über die Kurzarbeitsentschädigung [KS KAE], Rz C34). Bei der Aufgliederung eines
Betriebes in Betriebsabteilungen sind zuerst die Betriebsabteilungen, welche die
gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, auszuscheiden. Verbleiben am Schluss
Restgruppierungen, sind diese in einer Restgruppe zusammenzufassen und als
Betriebsabteilung zu behandeln (KS KAE, Rz C35).
3.
Gemäss dem Organigramm der Beigeladenen sind der Geschäftsführung die acht
Organisationseinheiten Verkauf/Marketing, Business Development, Customer Services,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Forschung + Entwicklung, Versorgung/Logistik u. TQM, Controlling/Finanzwesen,
Personal/Services und Key Account Management untergeordnet. Die meisten dieser
Organisationseinheiten sind in weitere Untereinheiten gegliedert (act. G 5.21). Die
Beigeladene hatte zuerst für einzelne untergeordnete Organisationseinheiten Kurzarbeit
vorangemeldet (vgl. Art. 36 Abs. 1 AVIG), wogegen der Beschwerdegegner in keinem
Fall Einspruch erhob (vgl. Art. 36 Abs. 4 AVIG). Auf Einsprache des Beschwerdeführers
hin, hat der Beschwerdegegner die Zahl der Betriebsabteilungen auf sechs reduziert:
Es wurden die grösseren, direkt der Geschäftsführung untergeordneten
Organisationseinheiten Verkauf/Marketing, Customer Services, Forschung, Entwicklung
und Versorgung/Logistik u. TQM als Betriebsabteilung anerkannt. Weiter wurde der
Bereich "Z._", der im Organigramm separat dargestellt ist, als selbständiges
Profitcenter und somit als Betriebsabteilung anerkannt. Diese vom Beschwerdeführer
nicht angefochtene Gliederung erscheint plausibel. Die Beigeladene hatte in ihrer im
Einspracheverfahren eingereichten Stellungnahme vom 28. Januar 2009 zwar noch
eine andere Aufteilung vorgeschlagen. Sie begründet die Bildung von
Betriebsabteilungen jedoch ausschliesslich mit der unterschiedlichen Auslastung der
verschiedenen Einheiten. Es geht jedoch nicht an, Betriebsabteilungen einzig im
Hinblick auf den Bezug von Kurzarbeitsentschädigung zu bilden. Vielmehr müsste
überzeugend dargelegt werden, warum die Kriterien für eine Betriebsabteilung gemäss
Art. 52 AVIV erfüllt sind. Die Beigeladene brachte in ihrer Stellungnahme jedoch keine
überzeugenden Argumente dafür vor, weshalb die Unterabteilungen als
Betriebsabteilungen anzuerkennen sind. Somit ist nicht zu beanstanden, wenn der
Beschwerdeführer die Aufteilung entsprechend dem Organigramm der Beigeladenen
vorgenommen hat. Da sich die Beigeladene vor Gericht nicht hat vernehmen lassen,
besteht für das Gericht keine Veranlassung, diese zwischen Beschwerdeführer und
Beschwerdegegner unbestrittene Aufteilung zu hinterfragen.
4.
Von den verbleibenden, direkt der Geschäftsführung unterstellten
Organisationseinheiten (Business Development, Controlling/Finanzwesen, Personal/
Services, Key Account Management), wurde einzig für den Bereich Controlling/
Finanzwesen Kurzarbeitsentschädigung beantragt. Im angefochtenen
Einspracheentscheid hat der Beschwerdegegner noch argumentiert, dass diese
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bereiche zentrale Dienste erbringen. Weil für die Bereiche Personal Services, Key
Account Management und Business Development keine Voranmeldung um Kurzarbeit
beantragt wurde, könnten diese bei der Bildung einer Betriebsabteilung im Sinne einer
Restgruppe nicht berücksichtigt werden (vgl. act. G 1/1). Im wiedererwägungsweise
erlassenen Einspracheentscheid ist der Beschwerdegegner der Argumentation des
Beschwerdeführers gefolgt und hat in Anwendung von KS KAE Rz C35 die Einheiten
Controlling/Finanzen, Personal Services, Business Development und Key Account
Management im Sinne einer Restgruppe zusammengefasst (vgl. act. G 5.1). Dieser
Auffassung ist beizupflichten. Dürften jene Organisationseinheiten, für die keine
Kurzarbeitsentschädigung beantragt wurde, bei der Bildung einer Restgruppe i.S.v. KS
KAE Rz C35 nicht berücksichtigt werden, könnte die 10-Prozent-Klausel des Art. 32
Abs. 1 lit. b AVIG bzw. die Höchstbezugsdauer der Kurzarbeitsentschädigung gemäss
Art. 35 AVIG leicht umgangen werden, indem die Unternehmungen jeweils zeitlich kurz
verschoben für die einzelnen Organisationseinheiten nach und nach
Kurzarbeitsentschädigung verlangten.
5.
5.1 Aus den vorangehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde
gutzuheissen und die Organisationseinheiten Controlling/Finanzwesen, Business
Development, Personal/Services sowie Key Account Management als Restgruppe in
einer Betriebsabteilung zusammenzufassen sind. Im Übrigen ist der
Einspracheentscheid vom 9. Februar 2009 zu bestätigen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG