Decision ID: ca444d32-e206-49d5-a4c4-82b2774fb9a2
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958,
war
zuletzt seit dem 1. Juli 2002 als Betreuerin
bei
der Stiftung
Y._
zugunsten cerebral Gelähmter beschäftigt und in dieser Ei
gen
schaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligato
r
isch gegen die Folgen von Unfällen v
ersichert
.
Seit
dem 19
. Oktober 2009
wurde
sie
wegen
bestehender chronischer
Kopfschmerzen
und eine
m
Mikro
prola
ktinom
der Hypophyse
(vgl. Urk. 8/5 S. 1, Urk. 8/2)
vollständig
k
rank
geschrieben. Am
21. Juli 2010 erlitt sie einen Verkehrsunfall
(Urk. 8/2)
. Die erst
behand
elnden Ärzte am
Z._
diagnostizierten eine Sternumfraktur und einen Verdacht auf eine Commotio cerebri (Urk. 8/4-5).
Die SUVA
aner
kannte
ihre Leistungspflicht
und gewährte die gesetzlichen Versicherungs
leis
tungen.
1.2
Mit Verfügung vom 23. Dezember 2011 stellte sie ihre Versicherungsleistungen
per 31. Dezember 2011 ein (Urk. 8/109).
Die von der Versicherten am 28. Januar 2012
erhobene Einsprache (Urk. 8/112) wies die SUVA mit Entscheid vom 6. März
2012 ab (Urk. 8/119 = Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 6. März 2012 (Urk. 2) erhob die Versicherte
am
19. April 2012 Beschwerde und beantragte, es seien ihr bis zum Abschluss der
Heilbehandlungen die gesetzlichen Leistungen zu gewähren. Eventuell sei die Sache
zu
weitere
n
Abklärungen zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Ferner reichte sie einen medizinischen Bericht (Urk. 3) ein. Mit Beschwerdeantwort vom 29. Mai 2012 schloss die SUVA
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8 S. 2), was der Be
schwerdeführerin am 10. Juli 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Am 1. Juli 2013 erfolgte eine weitere Eingabe der Beschwerdeführerin (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
werden
–
so
weit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit,
In
validität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne
des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht
werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene ge
sund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Be
schwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Be
weis
würdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand,
wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber der
jenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krank
haften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status
quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 26. April 1995). Das Da
hin
fallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Ge
sund
heitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363
S.
45; BGE 119 V 7 E.
3c/aa). Da es sich hiebei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76).
1
.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als
adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf
der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen
Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges
also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2
, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Ge
sundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen
Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psy
chische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut ver
kraften als
Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu
einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versiche
rungs
mässi
ger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 1
33 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit
eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine
gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt
(vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinwei
sen). Für
die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei
–
aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf - folgende Einteilung vorge
nomm
en
wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/aa; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
ge
bend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E.
5b/aa, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237,
1995 Nr. U 215 S. 91).
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall
und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Un
falles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Um
stände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als
direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamt
wür
di
gung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
er
fahrungs
gemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/aa).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen.
Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu
ei
nem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S.
428, 1999
Nr. U 335 S.
207 ff.; 1999 Nr. U 330 S.
122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). An
der
seits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungs
verlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlag
gebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herange
zo
gen
werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich bei
spiels
wei
se
um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu
den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksich
tigen
den
Kri
terien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz be
jaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objek
ti
ven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit ent
fällt die
Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psy
chi
sch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133
E. 6c/bb, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/aa; RKUV 2001 Nr. U 442 S.
544 ff.,
Nr. U 449 S.
53 ff., 1998 Nr. U 307 S.
448 ff., 1996 Nr. U 256 S.
215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E.
2).
1
.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E.
3a,
122 V 157 E.
1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zu
verlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die be
fragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick
auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversiche
rungs
recht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 122 V 157 E.
1c; vgl. auch 123 V 331 E.
1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass
bei
der Beschwerdeführerin
,
ab
ge
sehen von einer Sternumfraktur, welche gemäss ärztlicher Beur
teilung konso
li
diert und ohne relevante Restfolgen abgeheilt sei,
keine relevanten objekti
vier
baren Unfallrestfolgen mehr vorliegen.
D
ie vom
Z._
gestellte Diag
nose einer
Distorsion der
Halswirbe
lsäule (HWS)
sei
nicht nachvollzieh
bar, da weder Hin
wei
se auf Beschwerden im Bereich der HWS nach dem Unfall
vorgelegen h
ätt
en,
noch
sich diese Diagnose
im Dokumenta
tionsbogen betreffend zervikale
Be
schleu
nigungstraumata finden lasse.
Ausserdem
stün
den
die
psychische
n be
zieh
ungsweise nicht objektivierbaren geklagten
Be
schwerden
nicht
in einem adä
quaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 21. Juli 2010 (Urk. 2 S. 3 ff.)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (Urk. 1) demgegenüber im Wesentlichen geltend,
nach dem Unfall seien epilepsieartige Zustände festge
stellt und nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden
.
Diese könnten
durchaus auf
die vom
Z._
konstatierte Commotio Cerebri zurück
geführt werden
und
seien
da
mit richtungsgebend
für weitere Abklärungen seitens der Beschwerdegegnerin (S. 3).
Gemäss
Gutachten
von Dr.
A._
vom 26. Oktober 2011 bestehe ein na
tür
licher Teilkausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem psychischen Zustands
bild, das sich seit dem Unfall wesentlich verschlechtert habe. Schliess
lich sei
en
bezüglich Sternumfraktur noch Restfolgen (starke Schmerzen) vorhan
d
en, wes
halb der Schlussstatus noch nicht erreicht sei (S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob die per Ende Dezember 2011 erfolgte Leis
tungseinstellung rechtens ist.
3.
3.1
Gemäss Polizeirapport (Urk. 8/20) war die Beschwerdeführerin am 21. Juli 2010 als Mitfahrerin
in einem Per
s
onenwagen
(auf der Rückbank
hinten links
)
unter
wegs, als der Lenker eines entgegenkommenden Lieferwagen
s
nach links abbie
gen
wollte und mit dem Fahrzeug der Beschwerdeführerin kollidierte.
3.2
Am 21. Juli 2010 wurde eine Computertomographie
(CT)
des Schädels
im
Z._
an
gefertigt und mit der
radiologischen
Voruntersuchung vom 25. Juni 2010 ver
glichen (Urk. 8/45). Dabei konnte
-
abgesehen
von
einer gering dislozierten Ster
numfraktur gemäss CT Wirbelsäule, Thorax und Abdomen
-
kein Nachweis fri
scher Traumafolgen erhoben
werden (S. 2).
3.3
Die erstbehandelnden Ärzte des
Z._
berichteten am 27. Juli 2010 (Urk. 8/5) und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
Autounfall am 21. Juli 2010 mit
Sternumfraktur mittleres Drittel nicht disloziert
Verdacht auf eine Commotio cerebri
c
hronische Cluster-Kopfschmerzen seit März 2008
c
hronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp bei Verdacht auf Analge
tika-Übergebrauch
Raumforderung dorsal der Amygdala rechts (MRI Schädel vom 11. März 2010); Differentialdiagnose benigner vaskulärer Prozess
Mikroprolaktinom der Hypophyse
Inzidentalom rechts Nebenniere ED Juni 2004, keine Hormonaktivität
Die Ärzte führten aus, die Beschwerdeführerin sei am 21. Juli 2010 in eine Fron
talkollision verwickelt worden, wobei sie
sich bei fraglicher Bewusstlosig
keit
nic
ht
an den genauen Unfallhergang erinnern könne. Bei Eintritt habe sie über Schmer
zen besonders auf Sternumhöhe und an Übelkeit geklagt, jedoch Kopf
schmerzen oder Schwindel verneint (S. 1 Mitte).
3.4
Die Ärzte
der
Klinik für Neurologie des
Z._
konnten anlässlich ihrer Untersu
chungen am 1
6.
und 23. August 2010 (Urk. 8/28) im aktuellen EEG keine si
che
ren
Hinweise für eine epileptische Ursache der
von der Beschwerdeführerin
be
schriebenen
kurzen
„Abwesenheits“-Episoden finden. Aufgrund der Anam
nese
(MRI Schädel vom 11. März 2010) kämen differentialdiagnostisch epilep
tische An
fälle im Rahmen einer Te
m
porallappenepilepsie in Frage
(S.32)
.
3.5
Wegen persistierenden Schmerzen im Brustbein beim Atmen bei über Kopfar
beiten sowie nachts wurde die Beschwerdeführerin durch ihre Hausärztin in die Klinik für Unfallchirurgie des
Z._
verwiesen.
Die
Ärzte
diagnostizierten
am
16. Dezember 2010 (Bericht vom 28. Dezember 2010, Urk. 8/47
S.
2-3
)
eine Stern
ump
seudoarthrose bei Status nach Autounfall am 21. Juli 2010 mit Stern
umfraktur mittleres Drittel, eine Commotio cerebri sowie eine HWS-Distorsion Grad
II (S.
1). Sie
empfahlen
bei
stabile
m
Thorax
mit
aktuell nur
ge
ringer
Schmerzproblematik
und bei im Sternumbereich häufig vorzufindender protra
hier
ter K
no
chenheilung von 6-8 Monaten eine lokale Schmerztherapie mit Flector-Pflaster sowie weiteres Zuwarten (S. 2).
3.6
Im Zwischenbericht
von Dr. med.
B._
, Fachärztin Allgemeinmedizin, vom 4. Januar 2011 (Urk. 8/47
S.
1
) zuhanden der SUVA
, diagnostizierte die Ärztin chronische Cephalgien gemischt mit Clusterkopfschmerzen, eine Migräne und weitere unklare Ursachen, Epilepsien, ein Burn-Out-Syndrom sowie per
sistie
rende Schmerzen nach Sternumfraktur mit Heilungsstörung (Ziff. 1 S. 1).
3.7
Am 14. Januar 2011 berichtete Dr.
C._
, Klinik für Unfallchirur
gie,
Z._
, und führte aus, sechs Monate nach dem Unfall habe sich die Be
schwer
deführerin in einem ordentlichen Allgemeinzustand präsentiert. Hinweise auf eine Thoraxinstabilität gebe es nicht. Eine Sternumfraktur sei im Normalfall
nach 6-8 Wochen verheilt. Hinweise für eine Pseudoarthrose
seien nicht vor
han
den
. Sie würde den erhobenen Befund als gut verheilte, leicht dislozierte Stern
um
fraktur interpretieren und
sehe
keine Indikation zur chirurgischen In
ter
ven
tion. Gegebenenfalls sei eine lokale Schmerzbehandlung hilfreich (Urk. 8/79
S. 1).
3.8
Dr. med.
D._
von der
E._
hielt
i
n
seiner
medizinische Beurteilung vom 3. März 2011 (Urk. 8/58)
unter anderem
fest, die Sternumfraktur müsste bei einer körperlich mittel belastenden Tä
tigkeit nach etwa drei Monaten bezüglich Arbeitsunfähig
keit keine Rolle mehr spielen (S. 2).
3.9
3.9.1
Die Beschwerdeführerin wurde vom 16. bis 25. März 2011 in der Klinik für Neurologie
,
Z._
,
behandelt. Die Ärzte nannten in ihrem Austrittsbericht vom 16. März
2011
(Urk. 8/76)
als Hauptdiagnose einen Medikamentenüberge
brauchs
kopfschmerz
bei
aktuell stationäre
m
Entzug sowie chronische
n
Kopf
schmerzen
bestehend
seit März 2008 (S. 1). Darüber hinaus hielten sie in ihrer Beurteilung
fest, es sei am 16. März 2011
erneut ein EEG durchgeführt worden, das
wie schon
die Voruntersuchungen
keine Hinweise auf ein epilepsietypisches Potential erge
ben habe (S. 3).
3.9.2
Am 20. März 2011 erstatteten die Ärzte der Klinik für Neurologie,
Z._
,
zuhan
den der IV-Stelle
ihr Gutachten (Urk. 8/104). Dieses stützte sich auf die zur Ver
fügung gestellten Akten
(S. 2 ff.), d
ie
Angaben der Beschwerdeführerin (S. 4 f.) sowie auf die am 14. Oktober 2008 und 21. Januar 2011 durchgeführten neuro
lo
gischen Untersuchungen (S. 5 f.).
Die Gutachter nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine wahr
scheinliche trigemino-autonome
Kopfschmerzerkrankung, ein
en
Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, An
fälle ungeklärter Ätiologie (dissoziative Anfälle, Epilepsie nicht ausge
schloss
en),
einen Verdacht auf vaskuläre Struktur im Bereich der rechten Amygdala so
wie ein Mikroprolaktinom der
Hypophyse
(
S. 6 Ziff. 1).
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin leide seit Anfang 2008 unter einem linksseitigen Kopfschmerzsyndrom, das dem trigemino-autonomen Formenkreis zuzuordnen sei (S. 5). Das häufige Auftreten von Clusterattacken ohne Unter
bruch
während mehr
als
einem
Jahr
sei
nach den aktuellen Diagnosekriterien mit einem chronischen Clusterkopfschmerz vereinbar (S. 6 oben). Schliesslich
würden
als Ursache
die
seit dem Unfall auftretenden anfallsartigen Symptome eine
r
Epilepsie im Raum
stehen
, wobei die Semiologie, die auf der Eigen- und Fremdanamnese basiere, keine eindeutige syndromatische Zuordnung zulasse. Aufgrund der derzeitigen Datenlage könne eine Epilepsie weder eindeutig diag
nostiziert
,
noch gänzlich ausgeschlossen werden. Eine psychiatrische Evaluation sei bis jetzt nur in unzureichendem Umfang erfolgt (S. 6 Mitte).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe derzeit keine Arbeitsfähigkeit. Nach ihrer neurolo
gischen Einschätzung sei die Beschwerdeführerin in einem angepassten Arbeits
umfeld, das Pausen und Rückzugsmöglichkeiten zulasse, derzeit 20-50 % ar
beitsfähig.
Nach
Optimierung der Therapie wäre eine höhere Arbeitsfähigkeit zu erwarten, sodass eine abschliessende Beurteilung nach Therapieabschluss in 3-6 Monaten erfolgen sollte (S. 6 unten).
3.10
Für
einen
steroidunterstützte
n
En
tzug
wurde die Beschwerdeführerin vom
25. März bis 14. April 2011 in der
F._
stationär behandelt. Im Aus
trittsberic
ht vom 3. Mai 2011 (Urk. 8/83) wurde
n
als Diagnosen ein chroni
scher Kopfschmerz (chronischer Clusterkopfschmerz, Medikamentenüberge
brauchs
kopfschmerz) seit März 2008, eine
Epilepsie
, ein Hypophysenadenom so
wie ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom genannt (S. 1).
3.11
SUVA-Kreisarzt Dr. med.
G._
, Facharzt FMH für Chirurgie, welcher die
Beschwerdeführerin am 20. Juli 2011
untersucht und Einsicht in die vorbe
steh
en
den Akten genommen hatte, erstattete gleichentags einen Bericht (Urk. 8/89). Er führte aus, die Beschwerdeführerin
klage über sogenannt typi
sche HWS-
Symp
tome wie Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Leistungsknick, Schlafstö
rung
en, Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Sen
sibilitäts
stö
rung
en an den Armen rechtsbetont und an den Beinen rechtsbetont.
Es sei aber
schwierig, wegen den vorhandenen Vorzuständen diese Symptome medizinisch de
m Unfallereignis zuzuordnen
. Dennoch
seien
sie
allenfalls admi
nistrativ-ju
ris
tisch auf die Adäquanz zu prüfen (S. 7 unten).
Im Rahmen der Befunderhebung hätten neurologisch keine posttraumatischen Veränderungen festgestellt werden können (S. 6), ebenso bestünden aus somatischer Sicht – ab
gesehen
von der
Stern
umfraktur, welche konsolidiert und abgeheilt sei – keine bildgebende
n
traumatische
n
Läsionen. Als
somatische
Unfallfolge bestehe
heute
eine konso
li
dierte Sternumfrak
tur ohne wesentliche Restfolgen sowie eine leichte Druckdo
lenz des Brustbeines. Die Thoraxexkursion und Atmung seien
nicht behindert. Bezüglich der somatischen Unfallfolgen sei eine Arbeitsunfä
higkeit nicht festzu
stellen (Wirbelsäule, Brustbein, Sacrum, Knie rechts), wobei bezüglich der psy
chiatrischen Diagnose (posttraumatische Belastungsstörung) noch Stellung zu beziehen sei (S. 8).
3.12
Dr.
B._
berichtete der Beschwerdegegnerin am 7. September 2011 über den Therapieverlauf der Beschwerdeführerin (Urk. 8/98). Sie nannte folgende Diag
nosen (S. 1 Ziff. 2):
c
hronisches trigeminoautonomes Kopfschmerzsyndrom
Differentialdiagnose chronischer Clusterkopfschmerz
Differentialdiagnose Hemicrania continua, Mitbeteiligung von Mikro
prolaktinom
zervikales Schmerzsyndrom
Epilepsieanfälle seit Juli 2010 (vermutlich Verstärkung durch Schock
erlebnisse bei traumatischer Vorbelastung [posttraumatische Belas
tungsstörung] und rezidivierende Verletzungen während den Epilepsie
anfällen
schlecht heilende Sternumfraktur nach Verkehrsunfall
Sie führte aus, die Kopfschmerzattacken würden die Beschwerdeführerin seit Therapiebeginn im April 2011 mit Depakine nicht mehr so stark belasten, ver
liefen subjektiv milder. Kurz nach dem Verkehrsunfall am 21. Juli 2010 seien die Attacken wieder schlimmer geworden. Vor dem Unfall seien Kopfschmerzen nur linksseitig auf
getreten
, während sie sich nach dem Unfall auf den ganzen Kopf mit Beteiligung des Nackens und des r
echten Beines ausgeweitet h
ätt
en. Die Epilepsieanfälle, welche nach dem Unfall erst aufgetreten seien, kämen seit
der
Therapie mit Depakine in Abständen von 5-8 Tagen, während
sie
vor The
rapiebeginn alle drei bis vier Tage
aufgetreten seien
(S. 1 Ziff. 1).
Die Be
schwer
deführerin sei bis auf weiteres vollständig arbeitsunfähig. Eine Tätigkeit sei ihr wegen der Unberechenbarkeit der Anfälle und der noch bis zu einer Schmerz
stärke von 7/10 bestehenden Kopfschmerzen nicht zumutbar (S. 2 Ziff. 5).
3.13
Med. pract.
H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Versicherungspsychiatrischer Dienst der Beschwerdegegnerin, berichtete am
26. Ok
tober 2011 (Urk. 8/118) über seine Untersuchung vom 18. Oktober 201
1.
Er
schilderte
einerseits seit dem Unfallereignis neu aufgetretene Schmer
zen und Beschwerden (z.B. Nackenschmerzen, Schmerzen über dem Sternum, neu aufge
tretene „epileptische Anfälle“) und andere, die sich seit dem Unfaller
eignis ver
schlechtert oder in der Qualität verändert hätten (z.B. Kopfschmerzat
tacken, die nun auch die rechte Kopfseite m
iteinbeziehen würden)
,
sowie
eine akute
Belas
tungsreaktion im unmittelbaren Anschluss an das Unfallereig
nis (S. 15).
Med. pract.
H._
diagnostizierte
eine gemischte dissoziative Störung (ICD-10 F44.7),
welche neben einer unspezifischen, vorwiegend affektiven Beschwer
de
problematik das psychische Zustandsbild präge. Letztere bestehe aus Stim
m
ungsschwankungen
und
einer affektiven Irritabilität. Bei den unspezifischen kog
nitiven Beeinträchtigungen (Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit) sei ein
Teil (insbesondere die auch fremdanamnestisch als extrem beschriebene Ver
gess
lich
keit) möglicherweise ebenfalls mit einer dissoziativ begründeten Abge
lenktheit
zu erklären. Den anderen Teil würde er am ehesten einer unspezi
fi
schen Be
schwer
deproblematik zuordnen, wie sie sowohl bei posttrau
matischen Belas
tungs
störungen
,
als auch bei Anpassungsstörungen aufträten.
Aufgrund der eigenen Exploration und der vorliegenden Dokumentation
des me
dizinischen Verlaufes seit 2008 kam med. pract
.
H._
zum Schluss, dass das aktuelle psychische Störungsbild als Traumafolgestörung zu betrachten sei, wo
bei das Unfallereignis der auslösende Faktor in Bezug auf die heute vorliegende ge
m
ischte dissoziative Störung sei (S.16 f.). Hinsichtlich der Kausalitätsbeurtei
lung gelangte er zum Schluss, zum jetzigen Zeitpunkt bestehe ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem aktuellen psychischen Zustandsbild und dem Unfallereignis, wobei dieses nicht alleine durch das Unfallereignis verur
sacht und nicht alleine durch dieses erklärbar sei (S. 17). Jedenfalls bestehe seit dem Unfallereignis eine erhebliche Verschlecht
erung der psychischen Situation (S. 17 unten).
3.14
Vom 1
6.
bis 22. Dezember 2011 wurde die Beschwerdeführerin zur Abklärung
der
nosologisch unklare
n
Ausfälle
im
I._
hospitalisiert. Mit Bericht vom 8. Februar 2012 (Urk. 8/120 = Urk. 3) zuhanden der Beschwerdeführerin stellten die behandelnden Ärzte als Hauptdiagnose ei
nen hochgradigen Verdacht auf Epilepsie mit komplex-fokalen, möglicherweise auch sekundär generalisierten Anfällen unklarer Ätiologie (Differentialdiagnose
dissoziative Anfälle)
.
Sie führten aus, gemäss den anamnestischen Angaben seien
die jetzt zur Abklärung anstehenden Anfälle erst nach dem Unfall im Juli 2010
aufgetreten. Dennoch könnte die wahrscheinliche Epilepsie auch durch
eine
klei
ne Kontrastmittel
aufnehmende über mehr als zwei Jahre aber nicht pro
gre
dien
te
Raumforderung dorsal der Amygdala rechts begründet sein, da sich
in der Bild
gebung nach dem
Trauma keine Hinweise für eine Hirnkontusion fin
den lassen
würden
. Diese Raumforderung könnte
einer Com
motio cerebri – so wie es im ent
s
prechenden Arztbericht des
Z._
konstatiert werde
-
entsprechen (S. 6 Mitte).
Schliesslich sei g
emäss der hausinternen Nachbefundung durch
Prof.
J._
eine Veränderung im zeitlichen Intervall von 2008 bis 2010 nicht
er
kennbar und es gebe keine Hinweise auf eine neu aufgetretene epileptogene oder posttrau
ma
tische Läsion in den letzten vorliegenden Aufnahmen vo
m
De
zember 2010 (S. 9 unten).
4.
4.1
Aufgrund der Akten steht fest, dass die Beschwerdeführerin bereits vor
dem Un
fallereignis
unter einem
massive
n
Vorzustand mit rechtsseitigen Kopf
schmerzen und intracerebralen Tumorveränderungen
litt
(Urk. 8/89 S. 7), wel
cher zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
seit Oktober 2009 geführt hat
te
(vgl. u.a. Urk. 8/5
Ziff. 8
, Urk. 8/89 S. 7 oben
).
Zum Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids lag
als
einzige so
matische Unfallfolge lediglich eine
konsolidierte
Sternumfraktur
vor
, die ohne wesentliche
Restfolgen
abgeheilt war und
die
nur
während etwa drei Mona
ten zu einer Arbeitsunfähigkeit
geführt
hatte
(vgl. vorstehend E. 3.11
,
E. 3.8
).
Abgesehen von
der Sternumfraktur vernein
ten
die erstbehandelnden Ärz
ten
des
Z._
nach Durchführung einer computer
tomographischen Untersuchung
bildgebende frische Traumafolgen (vgl. vorste
hend E. 3.2-3).
4.3
Ob d
ie von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Anfälle epileptischer Na
tur sind
, ist
unklar
(vgl. u.a. Urk. 8/28, 8/76, 8/100)
. Die Ärzte des
Z._
konnten anlässlich ihrer Untersuchung im August 2010 keine sicheren Hinweise für eine epileptische Ursache der von der Beschwerdeführerin beschriebenen kurzen Ab
wesenheits-Episoden
finden (vgl. vorstehend E. 3.4) und im Bericht des
I._
vom 8. Februar 2012
wurde ebenfalls keine
Veränderung zwischen 2008 bis 2010 er
kennbar
.
V
on den Ärzten
wurden
keine Hinweise auf eine neu aufgetretene epi
lep
togene oder posttrauma
tische Läsion
gefunden (vgl. vorstehend E. 3.14).
Je
d
och
kann offen
gelassen werden
, ob die Anfälle epileptischer Natur sind
, da ein
Kausalzusammenhang zwischen ihnen und dem Unfall lediglich möglich
, nicht aber überwiegend wahrscheinlich ist
(vgl. Urk. 8/120 S. 6 und S. 9 unten)
. Von wei
teren diesbezüglichen Abklärungen sind nach Lage der Akten keine neuen re
le
vanten Erkenntnisse zu erwarten, weshalb in antizi
pierter Beweiswürdigung darauf verzichtet werden kann.
4.4
Aufgrund de
r
zitierten ärztlichen Stellungnahmen steht fest, dass kein rele
van
tes unfallbedingtes organisches Substrat vorliegt, das die über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus geklagten Beschwerden zu erklären vermöchte. Da zudem von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung über den 31. Dezember
2011 hinaus keine namhafte Besserung des somatischen Gesundheitszustands mehr
zu erwarten war (vgl. Urk. 8/89 S. 6 f.), stand einem Fallabschluss mit Adä
quanzprüfung nicht
s
entgegen.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie es sich mit
der Adäquanz der vo
n der Beschwerdeführerin geklagten
organisch nicht nachweisbaren
Beschwerden
verhält
(vgl. E
. 1.3)
.
5.2
5.2.1
In Würdigung der medizinischen Unterlagen ist davon auszugehen, dass
die Be
schwerdeführerin
anlässlich des Unfalles vom 21. Juli 2010
nebst der Sternum
fraktur
möglicherweise
eine HWS-Distorsion erlitten hat
. Die behandelnden Ärzt
e des
Z._
stellten die Diagnose einer HWS-Distor
sion Grad II (vgl. vorstehend E. 3.5) und
auch der SUVA-Kreisarzt führte
aus, die Beschwerdeführerin habe
über sogenannt typische HWS-Symptome wie Kopfschmerzen, Nacken
schmerzen,
Leistungsknick, Schlafstörungen, Ermüdbar
keit, Konzentrationsstörungen
, Ver
gess
lich
keit, etc. geklagt (vgl. vorstehend E. 3.11),
obwohl
im Dokumen
ta
tions
bo
gen betreffend zervikale
Beschleuni
gungstraumata vom 2
1
. Juli 2010
(Urk. 8/23
)
Nackenschmerzen verneint
wur
den
(Ziff. 5 S. 2)
und derselbe SUVA-Kreisarzt es als schwierig erachtete, bei den vorhandenen Vorzustände
n
die typischen HWS-Symptome dem Unfaller
eignis zuzuweisen
(vgl. vorstehend E. 3.11).
Zur Prüfung des
adäquaten Kausalzusammenhang
s
bei Schleudertraumata ist festzuhalten, dass dort, wo die zum typischen Beschwerdebild eines Schleu
dertraumas der HWS oder einer vergleichbaren Verletzung gehörenden Be
ein
trächtigung
en
zwar teilweise gegeben sind
, was vorliegend der Fall ist
, im Ver
gleich zu einer ausge
prägten psychischen Problematik aber ganz in den Hinter
grund treten, die Adä
quanzbeurteilung nicht nach den besonderen, für das Schleu
dertrauma in BGE 117 V 359 begründeten und in BGE 134 V 109 prä
zi
sier
ten Kriterien, sondern nach wie vor nach den Kriterien für psychische Fehl
entwicklungen nach einem Unfall vorgenommen wird, die allein auf dem Aus
mass und den Auswirkungen der organisch nachweisbaren Unfallfolgen basie
ren
(BGE 12
7 V 103 E. 5b/bb, 123 V 99 E
. 2a)
.
5.2.2
Die ärztlichen Unterlagen zeigen deutlich auf, dass im Anschluss an das Unfall
ereignis vom 21. Juli 2010 eine psychische Fehlentwicklung ihren Anfang nahm
.
So
diagnostizierte Dr.
B._
am 4. Januar 2011 ein Burn-Out-Syndrom (vgl. vor
stehend E. 3.6). Im Rahmen der neurologischen Begutachtung vom 20. März 2011
hielten die Gutachter fest, dass eine psychiatrische Evaluation bis anhin nur in un
zureichendem Umfang erfolgt sei (vgl. vorstehend E. 3.9.2).
SUVA Kreisarzt
Dr.
G._
nannte eine posttraumatische Belastungsstörung und führte weiter
aus
, bezüglich der psychiatrischen Diagnose sei noch Stel
lung zu beziehen (vgl. vor
stehend E. 3.11).
Schliesslich diagnostizierte med. pract.
H._
eine gemischte dissoziative Störung (ICD-10 F44.7), welche neben einer unspezifischen, vorwie
gend affektiven Beschwerdeproblematik das psy
chische Zustandsbild präge und ortete diese als Traumafolgestörung, wobei das Unfallereignis der auslösende Faktor in Bezug auf die heute vorliegende ge
mischte dissoziative Störung sei. Er be
richtete zudem von einer seit dem Unfall
ereignis erheblichen Verschlech
te
rung der psychischen Situation der Beschwer
deführerin (vgl. vorstehend E. 3.1.3).
5.2.3
Somit ist festzuhalten, dass die von der Beschwerdeführerin geklagten
-
ledig
lich
auf eine mögliche HWS-Distorsion zurückzuführenden
-
Beschwerden im Ver
gleich zu
r
ausgeprägten psychischen Problematik nurmehr eine unter
geordnete Rolle
gespielt haben und damit in den Hintergrund des Beschwerde
bildes ge
tre
ten sind. Die Beschwerdegegnerin hat demnach die Beurteilung des adäquaten
Kausalzusammenhang
s
– im Ergebnis – zu Recht nach der Praxis zu den psy
chi
schen Unfallfolgen, mithin unter Ausklammerung psychischer Be
schwerde
kom
ponenten, durchgeführt (vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_957/2008 vom 1. Mai
2009 E. 4.2 mit Hinweis und U 277/04 vom 30. September 2005 E. 4.2.2 in fine, in: SCR 2007 UV Nr. 8 S. 27).
6.
6.1
Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Gesche
hensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (SVR 2008 UV Nr.
8 S. 26, U
2, 3 und 4/07, E. 5.2 und 5.3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_536/2007 vom 1
1.
Juni 2008 E. 6.1).
6.2
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin als Mitfahrerin
(auf dem Rücksitz
hin
ten links
)
in einem Personenwagen unterwegs war, als der Len
ker eines entge
genkommenden Lieferwagens nach links abbiegen wollte und mit dem Fahrzeug der Beschwerdeführerin kollidierte (vgl. vorstehend E. 3.1).
Im Rahmen einer biomechanischen Kurzbeurteilung vom 8. Dezember 2010 (Urk
. 8/40) errechneten PD Dr. sc. T
echn.
K._
, Dipl.-Ing.
L._
und Dozent für Trauma-Biomechanik und Biomechanik von Sportverlet
zungen
M._
, und Dr. sc. T
echn.
N._
, Dipl. Ing.
M._
, Dozent für Trauma-Biomechanik
M._
, eine Geschwindigkeitsänderung
des Fahrzeuges der Beschwerdeführerin unterhalb oder innerhalb eines Berei
ches
von 20-30 km/h beim Aufprall (S. 2 oben).
6.3
Angesichts des Geschehensablaufs, der dokumentierten Schäden am Fahrzeug und der festgestellten Geschwindigkeitsänderungen des Fahrzeugs rechtfertigt sich vorliegend die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Qualifikation
als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten
(Urk. 2 S. 6 Mitte), was
auch von der Beschwerdeführerin nicht bestritten wurde und im Einklang mit der
Praxis des Bundesgerichts steht
.
Damit müssen für die Bejahung der adäquaten Kausalität praxisgemäss - sofern keines in ausgeprägter Form vorhanden ist - mindestens vier Kriterien gegeben sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_421/2009 vom
2.
Oktober 2009 E. 5.8).
7.
7.1
Weder besonders dramatische Begleitumstände noch eine besondere Ein
drück
lichkeit des Unfalls sind vorliegend ersichtlich. Zu urteilen ist hie
r
bei ob
jektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der
Be
schwerdeführerin
(Urteil des Bundesgerichts 8C_249/2009 vom
3.
August 2009 E. 8.2 mit Hinweisen). Der Verkehrsunfall vom
21. Juli 2010
entspricht einem häufig anzutreffenden Vorkommnis und die eruierten Geschwindigkeits
ände
rung
en sprechen auch gegen eine besondere Eindrücklichkeit. Mithin ist kein unübli
cher Schrecken der Beschwerdeführerin zu erkennen, und es waren keine rele
vanten Begleitumstände zu verzeichnen, welche die Bejahung des Kriteriums gestatten würden.
7.2
Die Beschwerdeführerin erlitt beim Verkehrsunfall keine schweren oder beson
ders gelagerten Verletzungen.
Insbesondere kann
die nach dem Unfall
diagnos
ti
zierte
Sternumfraktur
nicht als erfahrungsgemäss geeignet gelten, eine psychi
sch
e Fehlentwicklung auszulösen.
7.3
Anhaltspunkte für eine
ungewöhnlich lang
e
Dauer der
ärztliche
n
Behandlung be
stehen nicht. Abklärungsmassnahmen und blosse ärztliche Kontrollen sind
da
bei
nicht zu berücksichtigen (Urteile des Bundesgerichts 8C_698/2008 vom 2
7.
Janu
ar 2009 E. 4.4 und 8C_126/2008 vom 1
1.
November 2008 E. 7.3). Im Wesent
li
chen fand
nebst medikamentöser Schmerzbehandlung eine Physiotherapie statt.
Das ge
nügt zur Bejahung des Kriteriums nicht.
7.4
Das Kriterium der
körperlichen Dauerschmerzen
kann, wenn auch nicht in aus
ge
prägter Form, als erfüllt betrachtet werden. Die Beschwerdeführerin klagte durchwegs über Nacken- und Kopfschmerzen und
litt unter
unklare
n
Ausfälle
n
.
Indessen
konnte sie ärztliche Termine wahrneh
men und es war
ihr ohne weite
res
möglich
,
regelmässig in die
O._
in d
ie Fe
rien zu reisen (Urk. 8/104 S. 5 oben
).
7.5
Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlim
merte,
ist weder ersichtlich noch geltend gemacht worden.
7.6
Aus der ärztlichen Behandlung und den
Dauerschmerzen
- welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien zu berücksichtigen sind - darf nicht auf einen
schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung be
einträchtigt haben (Urteile des Bundesgerichts 8C_1020/2008 vom
8.
April 2009 E. 5.7 und 8C_623/2007 vom 2
2.
August 2008 E. 8.6). Solche Gründe bestehen hier nach
Lage der Akten nicht. Mithin ergaben sich keine Komplikationen, sondern be
stan
d die Hauptschwierigkeit in der Etablierung der psychischen Problematik.
Dies entspricht aber keiner Komplikation im Rahmen des Hei
lungsablaufs, son
dern
e
iner eigenständigen Problematik, die bei der Prüfung der Adäquanz unbe
rück
sichtigt zu beiben hat.
7.7
Zu Grad und Dauer der psychisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit ist fest
zuhalten,
dass die Beschwerdeführer
i
n
aufgrund von rechtsseitigen Kopfschmer
zen und in
tracerebralen Tumorveränderungen
seit
Oktober 2009
und damit be
reits vor dem
Unfallereignis zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben w
orden war
. Nach dem Un
fall
ereignis erachteten die Ärzte des
Z._
sie
in ihrem neurologischen Gut
achten vom 20. März 2011 für 20-50 % arbeitsfähig, wobei nach Optimie
rung der The
ra
p
ie eine höhere Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei (vgl. vorstehend E. 3.9.2).
Dem
gegenüber attestierte ihr Dr.
B._
am 7. September 2011 auf
grund der Unbe
rechenbarkeit der Anfälle und der bestehenden Kopfschmerzen nach wie vor eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.12).
D
em Bericht
des
I._
vom 8. Februar 2012 (vgl. vorstehend E. 3.14) lässt sich so
dann entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin seit ihrem Unfall beziehungs
weise seit Oktober 2009 kei
ner
Arbeit mehr nachging, der Arbeitgeber der Be
schwerdeführerin jedoch sig
na
lisiert habe, dass man sie gerne weiter beschäfti
gen würde. Subjektiv fühle
sich die Beschwerdeführerin
jedoch
nicht erwerbsfä
hig (Urk.
3
S. 10).
Schliesslic
h hielt der SUVA-Kreisarzt fest, bezüglich der so
matischen Unfallfolgen sei keine Arbeitsunfähigkeit festzustellen (vgl. vorste
hend E. 3.11).
Damit ist ersichtlich, dass nicht somatische, unfallkausale Beschwerden im Vor
dergrund standen und eine physisch bedingte Arbeitsunfähigkeit nicht bestand.
7.8
Damit steht fest, dass keines der massgeblichen Kriterien besonders ausgeprägt vorliegt, und höchstens die Kriterien der erheblichen Beschwerden sowie allen
falls der
erheblichen Arbeitsunfähigkeit
als erfüllt erachtet werden könnten. Da
mit sind die Kriterien nicht in gehäufter Weise gegeben, weshalb die Adä
quanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom
21. Juli 2010
und
den über den 31. Dezember 2011 hinaus geklagten, organisch nicht im Sinne der
Rechtsprechung hinreichend nachweisbaren sowie der psychischen Beschwerden zu verneinen ist.
Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde
geg
ne
rin ihre Leistungen per Ende Dezember 2011 einstellte.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführerin mittlerweile
eine Rente der Invaliden
versiche
rung zuge
spro
chen wurde (Urk. 3 S. 10)
, ändert an diesem Ergebnis nichts, sind doch im Rahmen der invalidenversicherungsrechtlichen Anspruchs
prüfung unfallkausale Adäquanzüberlegungen ohne jede Relevanz und decken die beiden Versiche
rung
en nicht die identischen Risiken ab.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.