Decision ID: cb85247e-5707-4f1b-a580-444a98413d79
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 197
8
, arbeitete seit dem
2
7.
Januar 2014
als
Immobi
lienverwalterin
und Teamleiterin
bei der
Y._
AG
in
Z._
, welche am
9.
Dezember 2014 das
Arbeitsverhältnis per 31.
März 2015 a
uflöst
e (
Urk.
9/10
,
Urk.
9/13,
Urk.
9/18
,
Urk.
9/39
).
Am
2
7.
Januar 2015
meldete sich
die Versicherte
beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
A._
zur
Stellenvermittlung an und beantragte Arbeitslosenentschädigung
ab dem
1.
Apri
l 2015
(Urk.
9
/
1
).
Am 1
1.
Februar 2015 beantragte sie Leistungen bei Ar
beits
suche im Ausland
(
B._
) bei geplantem Ausreisedatum am 3
1.
März 2015
(
Urk.
9/7
).
Mit Verfügung vom
2
3.
März 2015 (
Urk.
9/37) wurde ihr
der An
spruc
h
auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 1.
April 2015 abgesprochen
.
D
agegen
er
ho
b sie
am
3
1.
März 2015
Einsprache
(
Urk.
3/2b)
, welche sie am
2
9.
April 2015
begründete
(
Urk.
9
/
45
)
.
Am 2
9.
April 2015 stellte die Versicherte einen Antrag auf Leistungen bei Arbeitssuche im Ausland mit geplantem
Aus
reisedatum
per 3
0.
Juni 2015 (
Urk.
6/6).
Am
7.
Mai 2015 zog die Versicherte ihre Einsprache
zu
rück und bat gleichzeitig um die Ausstellung des Formulars PD U1 (
Urk.
9/51).
M
it
Einspracheent
scheid
vom
8.
Mai 2015 schrieb das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) das
Einspracheverfahren
infolge Rückzugs der Einsprache
ab (Urk.
9
/
52
= Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
8.
Mai 2015
(Urk. 2) erhob
die
Ver
sicherte am
1
5.
Juni 2015
Beschwerde
, welche sie am 1
5.
Juli 2015 ergänzte (
Urk.
1,
Urk.
5)
und beantragte dessen Aufhebung sowie die Ausrichtung
von
Arbeits
losenentschädigung
für die Zeit vom
1.
April bis zum 1
5.
Mai 201
5.
Mit
Be
schwer
deantwort
vom
25. September
2015 schloss das AWA auf Abweisung der Beschwer
de (Urk.
8
),
wovon die Versicherte mit Verfügung vom
2.
Oktober 2015 in Kenntnis gesetzt wurde
(Urk.
11
).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
ver
sicherungsrechts
(ATSG) ist für die Beurteilung der Beschwerde das
Versi
che
rungsgericht
desjenigen Kantons zuständig, in welchem die versicherte Person zu
r Zeit der Beschwerdeerhebung
Wohnsitz hat. Befindet sich der Wohnsitz der versicherten Person im Ausland, so ist nach Art. 58 Abs. 2 ATSG das
Versi
che
rungsgericht
desjenigen Kantons zuständig, in dem sich ihr letzter schweize
ri
scher Wohnsitz befand oder in dem ihr letzter schweizerischer Ar
beitgeber Wohn
sitz hat.
Dabei handelt es s
ich um einen Wahlgerichtsstand
.
Die Beschwerdeführerin gab i
n ihrer Beschwerde vom 1
5.
Juni 2015
(
Urk.
1)
als
ihre Adresse
C._
in
B._
an
, und den Akten ist zu ent
nehmen, dass sie sich per 1
6.
Mai 2015
in
der Schweiz abmeldete
(
Urk.
9/47)
.
In der ergänzenden Begründung der Beschwerde führte sie aus, dass sie seit dem 1
6.
Mai 2015 ihren Wohnsitz in ihrer Heimatstadt
C._
habe
(
Urk.
5)
.
Somit befand sich der Wohnsitz
der Beschwerdeführerin
gemäss
Art.
13
Abs.
1 ATSG in Ver
bindung mit
Art.
23
Abs.
1 und
Art.
24
Abs.
1 des Schweizerischen
Zivilgesetz
buches (ZGB)
im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung im Ausland. Auf
grund des Sitzes
des
letzten schweizerischen Arbeitgebers
der Be
schwerde
füh
rerin
, der
Y._
AG, in
Z._
ist das angerufene Gericht
gestützt
auf
Art.
58
Abs.
2 ATSG
zur Beurteilung der Beschwerde zu
ständig.
1.3
Gestützt auf
Art.
15
Abs.
2 des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eid
genossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland über die Arbeitslosenversi
cherung vom 2
0.
Oktober 1982 (SR 0.837.913.6) ist auch im Bereich der Ar
beits
losenversicherung eine direkte Zustellung eines Entscheids an eine in Deutsch
land
wohnhafte versicherte Person zulässig.
2
.
Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass die Beschwerdeführe
rin g
egen die Verfügung vom
2
3.
März 2015
betreffend
A
n
spruchs
berechtigung
Einsprache erheben
liess
(
Urk.
3/2b,
Urk.
9/37,
Urk.
9/45
), welche
sie
am
7.
Mai 2015
zurückzog (
Urk.
9/51
). Daraufhin schrieb die Beschwerdegegnerin das
Ein
spracheverfahren
mit Entscheid vom
8.
Mai 2015
als gegenstandslos gewor
den ab (
Urk.
2).
Die
in der Folge
gleichzeitig
wie die
Beschwerde ans hiesige Gericht
am 1
5.
Juni
2015
bei
der
Beschwerdegegnerin
eingereichte Eingabe mit dem Betreff „Er
neu
te
Einsprache“
mit dem
darin
gestellte
n
Antrag um nochmalige Prüfung der
An
spruchsberechtigung
für die Zeit vom
1.
April bis zum 1
5.
Mai 2015
(
Urk.
9/54
)
hat
unter diesen Umständen lediglich die Bedeutu
ng eines
Wieder
erwägungs
ge
suchs
.
Die Beschwerdegegnerin verwies
in ihrer Antwort v
om
8.
Juli 2015 auf das
hängige
Beschwerdeverfahren sowie auf die mit
E-
Mail vom
7.
Mai 2015 er
folgte Erläuterung der Rechtslage und hielt fest, dass
im Übrigen
ei
n materieller Entscheid in der S
ache klar zu einer Verneinung des Anspruchs ab
1.
April 2015
geführt hätte (
Urk.
9/56). Sinngemäss trat sie damit auf das Gesuch um
Wieder
erwägung
nicht ein
, wogegen kein Rechtsmittel of
fensteht, da der Rechtsbehelf des Wiedererwägungsgesuch
s
von vornherein kei
nen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf erneute Überprüfung gibt (BGE 117 V 8 E. 2a).
Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Arbeitslosenkasse
D._
die Beschwerdeführerin
nach ihrer Anmeldung zur Arbeitsvermittlung aufgrund
ihres K
assenwechsels per
1.
April 2015
mit Schreiben vom 2
6.
Mai 2015 zur Ein
reichung verschiedener Unterlagen aufforderte
(
Urk.
3/5,
Urk.
3/7
,
Urk.
9/43
). Wie den Schreiben der Arbeitslosenkasse zu ent
nehmen ist, hatte sie zu jenem Zeitpunkt keine Kenntnis vom Rückzug der Einsprache der Beschwerdeführerin,
und
die fragliche
Aufforderung
macht den bereits erfolgten Rückzug nicht hin
fällig
.
Strittig und zu prüfen ist daher vorliegend ausschliesslich, ob die
Beschwerde
geg
nerin
das
Einspracheverfahren
am
8.
Mai
2015 zu Recht als gegen
standslos
geworden abgeschrieben hat (Urk. 2). Die Rechtmässigkeit der am
2
3.
März
2015
verfügten
Verneinung
der Anspruchsberechtigung
ab
1.
April 2015
(Urk.
9/37
)
bildet hingegen nicht Gegenstand dieses Verfahrens (vgl. BGE 130 V 501 E.
1.1; 125 V 413 E.
1 mit Hinweisen).
3
.
3
.1
Rechtsprechungsgemäss ist der Rückzug des Rechtsmittels unwiderruflich, und seine
Gültigkeit kann nur bei Vorliegen von
Willensmängeln noch geprüft
wer
den (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_253/2008 vom 16. Oktober 2008
E. 3 mit Hinweisen).
3
.2
Ak
tenkundig ist folgender Sachverhalt:
Mit Verfügung vom 2
3.
März 2015 verneinte die Beschwerdegegnerin die
An
spruchsberechtigung
der Beschwerdeführerin, wobei sie ihre Auffassung der Rechts
lage in Bezug auf die Anspruchsvoraussetzung des Wohnens in der Schweiz
und die Ausnahmeregelung für den zeitlich beschränkten
Leistungs
export
bei Arbeitssuche in einem EU/EFTA-Mitgliedstaat
ausführlich darlegte
und einlässlich begründete, weshalb diese Voraussetzung im konkreten Fall nich
t erfüllt sei (
Urk.
9/37).
Mit Einsprache vom
2
9.
April 2015 hielt
d
ie
Beschwerdeführerin
da
fü
r, dass
der
Schwerpunkt ihrer Lebensbeziehungen weiterhin in der Schweiz liege (
Urk.
9/45)
.
Mit Schreiben vom
5.
Mai 2015
forderte die Beschwerdegegnerin
die
Rechtsver
treterin
der Beschwerdeführerin
auf, Unterlagen einzureichen, die einen tat
säch
li
chen Aufenthalt der Beschwerdeführerin an der gemeldeten Adresse in
E._
begründe
te
n
,
und
dazu substantiierte Angaben zu machen. Sie verwies dazu da
rauf, dass die Beschwerdeführerin zwar seit dem
1.
April dort gemeldet sei, dass aber eine Vielzahl von Indizien gegen einen tatsächlichen Aufenthalt dort
spreche, so sei sie einzig über E-Mail erreichbar, habe die Termine beim RAV nicht
wahrgenommen und habe bisher ausschliesslich Stellen in
B._
gesucht (
Urk.
9/48).
Mit E-Mail vom
7.
Mai 2015 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie sich per
1
5.
Mai 2015 definitiv in
E._
abgemeldet habe. Sie hoffe mit ihrer Ab
mel
dung das
hängige
Verfahren zu beschleunigen und das ihr zustehende Ar
beits
losengeld für den Zeitraum
1.
April bis 1
5.
Mai 2015 ausbezahlt
zu erhal
ten
. Per
1.
Juli 2015 habe sie eine Anstellung in
F._
,
B._
(
Urk.
3/4,
Urk.
9/49
)
.
Gleichentags antwortete ihr die Beschwerdegegnerin und erläuterte das Erfor
der
nis des Wohnens
und
beim Leistungsexport des Lebensmittelpunktes
in der Schweiz als Anspruchsvoraussetzung. Weiter wies sie darauf hin, dass
die Be
schwerdeführerin
das Formular PD U1 benötige, um in
B._
Arbeitslo
sen
entschädigung
beantragen zu können; damit überprüfe die zuständige
B._
Arbeitslosenkasse ihre Beitragszeit und es sei zugleich eine Bestätigung, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz keine Arbeitslosenentschädigung be
zogen habe. Dieses Formular könne sie
solange nicht ausstellen, als
die
Ein
sprache laufe
. Wenn
die Beschwerdeführerin
die Einsprache zurückziehe, sei ihr Dossier abgeschlossen und könne das Formular ausgestellt werden
. Falls sie die Einsprache zurückziehen möchte, bitte sie um eine Mitteilung bis zum 1
5.
Mai 2015
(
Urk.
3/4
,
Urk.
9/49
).
Am
7.
Mai 2015 zog die Beschwerdeführerin die Einsprache zurück und bat um schnellstmögliche Bearbeitung ihres Antrags auf Ausstellung des Formulars PD U1
, da sie sich per 1
6.
Mai 2015 in
B._
arbeitslos melden müsse
(
Urk.
9/51).
3
.3
Beschwerdeweise wiederholt die Beschwerdeführerin
damit
im Wesentlichen die
Ausführungen und Argumente,
welche bereits Gegenstand des
Ei
nsprachever
fahrens
waren
und den Parteien im Zeitpunkt des Rückzugs bekannt waren.
Soweit
sie damit
die materielle Unrichtigkeit der Verfügung der
Beschwerde
gegnerin
vom
2
3.
März
2015 (Urk.
9
/
37
) geltend macht
und aus der Beschwerde
zu entnehmen
ist
, dass
sie
sich die Sache nachträglich noch anders überlegt hat
und den Rückzug bereut (Urk.
5
)
, ist zu bemerken, dass b
losser Wan
kelmut für die Annahme einer Willensschwäche nicht
genügt
(Urteil 8C_253/2008 des Bun
desgerichts vom 16. Oktober 2008 E. 5.2).
Anzufügen bleibt, dass selbst
eine all
fällige
Fehleinschätzung der Prozesschancen keinen wesentlichen, also recht
lich
beachtlichen
,
Irrtum darstellen
würde
(BGE
105
Ia
115 E. 2
). Im Übrigen ist ein diesbezüglicher Irrtum nicht erkennbar.
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin
ist auch nicht ersichtlich, dass sie
in irgendeiner Weise
zum Rückzug
gezwungen worden wäre. Die
Be
schwerdegegnerin
erläuterte in
ihren
Schreiben
(
Urk.
9/48,
Urk.
3/4
; vorstehend E.
3.4
)
einerseits die Rechtslage im Hinblick auf die Anspruchsvoraussetzungen, insbesondere zum Erfordernis des Lebensmittelpunktes, andererseits zeigte sie
das Vorgehen zur Ausstellung des gewünschten Formulars zum Bezug von
Ar
beits
losenentschädigungen
in
B._
auf
und bat
für den Fall, dass die
Beschwerdeführerin die Einsprache zurückziehen wolle, um eine Mitteilung in
ne
rt Frist
.
Damit stand es der Beschwerdeführerin frei, das Verfahren fortzu
führen, und es ergab sich kein Zwang zum Rückzug der Einsprache.
3
.4
Insgesamt
bestehen damit
k
eine Anhaltspunkte für
das Vorliegen eines
Willens
mangel
s
, weshalb von der Gültigkeit des Rückzugs der Einsprache auszugehen ist
.
4
.
Nach dem Gesagten schrieb die
Beschwerdegegnerin
das
Einspracheverfahren
zu Recht als zufolge Rückzugs gegenstandslos geworden ab (Urk. 2). Die Be
schwerde ist demnach abzuweisen.
D
er
Einzelrichter
erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
seco
- Direktion für Arbeit
Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
4.