Decision ID: d4702f4d-9a4d-5d80-8bd2-3eeecb34278d
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Montag, 9. Oktober 2006, um 17.32 Uhr, lenkte X.Y. den Personenwagen
"BMW" auf der K-strasse in N. in Richtung K. bei einer signalisierten
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h mit einer gemessenen Geschwindigkeit von 80
km/h, was nach Abzug von 5 km/h Sicherheitsmarge eine rechtlich relevante
Geschwindigkeit von 75 km/h ergibt.
B.- Mit Strafverfügung vom 13. November 2006 büsste das Bezirksamt B. X.Y. wegen
Überschreitens der allgemeinen Innerortshöchstgeschwindigkeit von 50 km/h um netto
25 km/h mit Fr. 700.--. Die Strafverfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Mit Verfügung vom 19. März 2007 entzog das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung Personenzulassung, X.Y. den
Führerausweis wegen Überschreitens der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 50
km/h um 25 km/h in Anwendung von Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 16c
Abs. 1 lit. a und Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG für die Dauer von drei Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X.Y. mit Eingabe seines Vertreters vom 4. April 2007
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben, es sei der Entzug des Führerausweises für die Dauer von
einem Monat zu verfügen und der Führerausweisentzug sei für die Zeit ab 1. November
2007 zu veranlassen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Vorinstanz.
Mit Präsidialverfügung vom 14. Mai 2007 wurde der Rekurs zufolge Nichtleistens des
Kostenvorschusses abgeschrieben. Daraufhin reichte der Rekurrent durch seinen
Vertreter mit Eingabe vom 23. Mai 2007 ein Wiederherstellungsgesuch ein. Am 24. Mai
2007 verfügte der zuständige Abteilungspräsident der Verwaltungsrekurskommission
die Aufhebung der Präsidialverfügung vom 14. Mai 2007 und wies das
Wiederherstellungsgesuch dem Abteilungspräsidenten zur Beurteilung zu. Die
Vorinstanz verzichtete mit Vermerk vom 30. Mai 2007 auf eine Vernehmlassung. Mit
Verfügung vom 7. Juni 2007 hiess der zuständige Abteilungspräsident das
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Wiederherstellungsgesuch gut, woraufhin der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet
wurde.
Mit Vermerk vom 22. Juni 2007 verzichtete die Vorinstanz auf eine Vernehmlassung
bezüglich des Rekurses.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.
E.- Mit Strafbescheid des Untersuchungsamtes G. vom 23. Mai 2007 wurde X.Y.
wegen einfacher Verkehrsregelverletzung mit Fr. 400.-- gebüsst, weil er am 10. Oktober
2006 in A. zufolge unvorsichtigen Linksabbiegens einen Verkehrsunfall verursacht
habe. Diese erneute Verkehrsregelverletzung bildet jedoch nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 4. April 2007 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41bis, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
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Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
3.- Im Rekurs ist angesichts der rechtskräftigen strafrechtlichen Verurteilung zu Recht
unbestritten, dass der Rekurrent mit dem Personenwagen "BMW" am Montag, 9.
Oktober 2006, um 17.32 Uhr, auf der K-strasse in N. in Richtung K. die zulässige
Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um rechtlich relevante 25 km/h
überschritten und damit Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 lit. a der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) verletzt hat.
4.- Zu prüfen ist, ob die Verkehrsregelverletzung als eine schwere Widerhandlung im
Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG oder eine mittelschwere Widerhandlung im Sinn von
Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG zu behandeln ist.
a) Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten den Führerausweis gestützt auf Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG entzogen. Sie hat sich dabei an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(BGE 123 II 37 f.) orientiert, nach der eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 25 km/
h und mehr im Innerortsbereich (unabhängig der örtlichen Gegebenheiten) immer einen
schweren Fall darstellt, der auch bei ungetrübtem automobilistischem Leumund einen
Führerausweisentzug von nunmehr mindestens drei Monaten nach sich zieht.
Der Rekurrent bringt vor, sein Leumund als Motorfahrzeuglenker sei einwandfrei.
Gegen ihn sei noch kein Administrativverfahren durchgeführt worden. Er bedauere die
ihm vorgeworfene Geschwindigkeitsüberschreitung sehr. Ihm sei bewusst, was für eine
grosse Bedeutung die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkungen für die
Sicherheit im Verkehr habe. Als er die Geschwindigkeitsüberschreitung begangen
habe, seien wenige Fahrzeuge unterwegs gewesen und er habe keine Fussgänger
gesehen. Er führe als Selbständigerwerbender eine mechanische Werkstatt und sei
deshalb dringend aus beruflichen Gründen auf das Führen von Motorfahrzeugen
angewiesen. Der Führerausweisentzug werde ihn bei der Ausübung seiner beruflichen
Tätigkeit stark einschränken. Dazu komme noch, dass seine Ehe gerade geschieden
worden sei, und dies dazu geführt habe, dass die finanziellen Verhältnisse eng
geworden seien und er für die Bestreitung seines Unterhaltes und des Unterhaltes der
nun von ihm getrennt lebenden Familie dringend auf ein angemessenes Einkommen
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aus seiner Tätigkeit angewiesen sei. Gemäss Bundesgerichtspraxis befinde sich die
gemessene Geschwindigkeitsüberschreitung genau am Schnittpunkt zwischen einem
Entzug nach Art. 16b Abs. 2 und nach Art. 16c Abs. 2 SVG. Unter Berücksichtigung
dieser Grenzsituation und seiner speziellen Situation sei es angemessen, einen
Führerausweisentzug von einem Monat auszusprechen. Aus beruflichen Gründen wäre
es für ihn fatal, wenn der Führerausweisentzug während der beginnenden
Schönwettersaison erfolgen würde. Deshalb werde ein Entzug frühestens ab 1.
November 2007 beantragt.
b) Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG, der die schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften umschreibt, stimmt in Wortlaut und Inhalt mit Art. 90 Ziff.
2 SVG überein (vgl. dazu Botschaft, in: BBl 1999 S. 4462 ff., S. 4489). Das
Bundesgericht hat sodann unter Hinweis auf seine frühere Rechtsprechung klargestellt,
dass eine innerorts begangene Geschwindigkeitsüberschreitung von 25 km/h (und
mehr) wie unter dem früheren Recht eine schwere Widerhandlung darstellt (vgl. BGE
132 II 234 E. 3).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei Überschreitung der
Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 25 km/h (oder mehr) ungeachtet der
konkreten Umstände objektiv eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90
Ziff. 2 SVG zu bejahen (vgl. BGE 123 II 37 E. 1d). Hinsichtlich des Verschuldens hat das
Bundesgericht festgehalten, wer die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts um
25 km/h ... (oder mehr) überschreite, tue das in der Regel mindestens grobfahrlässig.
Der subjektive Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung sei hier deshalb
regelmässig zu bejahen. Eine Ausnahme komme etwa da in Betracht, wo der Lenker
aus nachvollziehbaren Gründen gemeint habe, er befinde sich noch nicht oder nicht
mehr im Innerortsbereich (vgl. BGE 123 II 37 E. 1f).
c) Die dargelegte bundesgerichtliche Rechtsprechung ist so zu verstehen, dass bei
einer Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um
25 km/h (oder mehr) in objektiver Hinsicht ausnahmslos von einer schweren
Verkehrsgefährdung auszugehen ist, auch wenn die mangelnde Berücksichtigung der
konkreten Umstände als fragwürdig erachtet werden kann (vgl. Ph. Weissenberger,
Tatort Strasse, in: R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003,
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St. Gallen 2003, S. 294 f.). Das Bundesgericht bezieht die Geltung der Grenzwerte für
die Abstufung der Massnahmen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen ausdrücklich
auf günstige Verkehrsverhältnisse (vgl. BGE 124 II 475 E. 2a).
In subjektiver Hinsicht erweist sich das Verschulden des Rekurrenten ebenfalls als
schwer im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG. Dass er die
Geschwindigkeitsüberschreitung, wie er im Rekurs vorbringt, bedauert, ist
unbeachtlich. Auch dass er angibt, es seien wenige Fahrzeuge und keine Fussgänger
unterwegs gewesen, kann ausser Acht gelassen werden, da sich die Grenzwerte
bereits auf günstige Verkehrsverhältnisse beziehen. Ausserdem macht er nicht geltend,
dass er annahm, sich nicht oder nicht mehr im Innerortsbereich zu befinden.
d) Dementsprechend ergibt sich, dass die Vorinstanz dem Rekurrenten den
Führerausweis zu Recht in Anwendung von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG entzogen hat.
5.- Es bleibt die Dauer des Führerausweisentzugs zu bemessen. Bei deren Festsetzung
sind gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer
schweren Widerhandlung für mindestens drei Monate entzogen. Diese Mindestdauer
darf nicht unterschritten werden (BGE 6A.65/2006 vom 1. Februar 2007, E. 2).
a) Was zunächst die Verkehrsgefährdung und das Verschulden bei der Überschreitung
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 25 km/h anbelangt,
ist entsprechend der Qualifikation der Verkehrsregelverletzung als schwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG davon auszugehen, dass beide
schwer wiegen. Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung
den Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Entzugsdauer von drei
Monaten entzogen. Da sich das Ausmass der Geschwindigkeitsüberschreitung am
untersten Rand der schweren Widerhandlung bewegt, erscheint die gesetzliche
Mindestentzugsdauer von drei Monaten als der Gefährdung und dem Verschulden
angemessen.
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b) Da das Gesetz eine Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer ausschliesst (Art.
16 Abs. 3 SVG), erübrigt es sich, massnahmemindernde Umstände wie insbesondere
den guten automobilistischen Leumund und die berufliche Angewiesenheit des
Rekurrenten auf das Führen eines Motorfahrzeugs zu prüfen (vgl. zum früheren Recht
SJZ 97/2001 S. 524 f.). Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen
Mindestentzugsdauer verbleibt der rechtsanwendenden Behörde auch kein
Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der
Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur Besserung des Betroffenen anstellen
könnte (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4486 ff.) Daraus folgt, dass die
Mindestentzugsdauer selbst in Ausnahmesituationen im Sinn der alten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 120 Ib 504 ff., 115 Ib 159 ff., 118 Ib 233
f.) nicht unterschritten werden kann.
Die verfügte Entzugsdauer von drei Monaten ist damit nicht zu beanstanden.
6.- Ferner beantragt der Rekurrent im Eventualstandpunkt den Aufschub des
Führerausweisentzugs auf den 1. November 2007.
Der Vollzug des Führerausweisentzugs ist eine Vollstreckungsmassnahme und damit
Sache der Vorinstanz (Art. 22 Abs. 1 SVG). Die Verwaltungsbehörde hat den Vollzug
durchzuführen; dazu setzt sie die nötigen Termine an und wacht darüber, dass der
Ausweis nicht zu früh oder zu spät wieder ausgehändigt wird. Als Rechtsmittel gegen
die damit verbundenen Anordnungen dient der Rekurs an den Präsidenten der IV.
Abteilung der Verwaltungsrekurskommission (Art. 41bis VRP in Verbindung mit Art. 13
der Verordnung über die Organisation der Verwaltungsrekurskommission, sGS
941.113). Auf die zeitliche Ansetzung des Massnahmevollzuges und die in diesem
Zusammenhang stehenden Fragen kann die Verwaltungsrekurskommission in diesem
Verfahren nicht eingehen (vgl. VRKE IV vom 9. Januar 2003 in Sachen G.G., S. 10).
7.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann.
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist
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angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.