Decision ID: 414ca213-d576-45af-ba11-50a53e3a2ece
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 9. Mai 2018 (DG170092)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Novem-
ber 2017 (Urk. 33) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB − des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 15 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
228 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes
verwiesen.
5. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-
onssystem angeordnet.
6. Die am 8. Mai 2017 polizeilich sichergestellten Gegenstände (1 Mobiltelefon
Samsung, rot, IMEI 1, Asservat Nr. A010'362'397; 1 Micro-SIM-Karte Leba-
ra, Nr. 2, Asservat Nr. A010'362'4005) werden eingezogen und der
Bezirksgerichtskasse zur Vernichtung überlassen.
7. Die Zivilansprüche der Privatklägerinnen werden auf den Zivilweg
verwiesen.
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8. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'500.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 424.50 Auslagen Vorverfahren (Gutachten)
Fr. 4'680.– Telefonkontrolle
Fr. - amtl. Verteidigungskosten (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der
amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 85 S. 2)
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil der I. Abteilung des Kollegialge-
richts des Bezirksgerichts Bülach vom 9. Mai 2018 (Geschäfts-Nr.
DG170092) bezüglich Dispositivziffer 1 (Schuldsprüche betreffend des
Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB und des mehrfachen Verge-
hens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19. Abs. 1
lit. c und d BetmG), Dispositivziffer 2 (Freiheitsstrafe von 15 Monaten
und Anrechnung der erstandenen Haftdauer von 228 Tagen), Disposi-
tivziffer 3 (Bedingt ausgefällte Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer
Probezeit von 2 Jahren), Dispositivziffer 6 (Einziehung und Vernichtung
des von der Polizei am 8. Mai 2017 beschlagnahmten Mobiltelefons
"Samsung" und einer Micro-SIM-Karte Lebara), Dispositivziffer 7 (Ver-
weis der Privatklägerinnen auf den Weg des Zivilprozesses), Disposi-
tivziffer 8 und 9 (Kostenfestlegung und Kostenauferlegung) in Rechts-
kraft erwachsen ist.
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2. Es sei gegen den Beschuldigten eine Landesverweisung von 5 Jahren
anzuordnen.
3. Es sei von einer Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener
Informationssystem abzusehen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens inklusive derjenigen der amtli-
chen Verteidigung zuzüglich Mehrwertsteuer seien auf die Gerichts-
kasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(schriftlich, Urk. 70)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
1. Prozessverlauf
1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 9. Mai 2018 wurde der Be-
schuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB sowie des mehrfachen
Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c
und d BetmG schuldig gesprochen und mit 15 Monaten Freiheitsstrafe bestraft,
wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe aufgeschoben wurde. Sodann verwies die
Vorinstanz den Beschuldigten im Sinne von Art. 66a StGB für 10 Jahre des Lan-
des und sie ordnete die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener In-
formationssystem an (Urk. 64).
1.2. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte am 22. Mai 2018 rechtzeitig
Berufung an (Urk. 56) und reichte am 13. September 2018 (Datum Poststempel)
innert Frist die Berufungserklärung ein (Urk. 67, vgl. Urk. 59). Die Staatsanwalt-
schaft Winterthur/Unterland (nachfolgend Staatsanwaltschaft) teilte mit Eingabe
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vom 28. September 2018 mit, dass sie die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils beantrage sowie um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungs-
verhandlung ersuche (Urk. 70). Die Privatklägerinnen liessen sich nicht verneh-
men. Das Dispensationsgesuch der Staatsanwaltschaft wurde im Einverständnis
mit dem Beschuldigten am 16. Januar 2019 bewilligt (Urk. 70). Nachdem der Be-
schuldigte zur Berufungsverhandlung vom 12. April 2019 nicht erschienen war,
wurde diese verschoben (Prot. II S. 3 f.) und der Beschuldigte mittels Publikation
im Amtsblatt neu vorgeladen (Urk. 81). Die Berufungsverhandlung fand in der
Folge am 6. März 2020 in Anwesenheit der amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwäl-
tin lic. iur. X._, und in unentschuldigter Abwesenheit des Beschuldigten statt
(Prot. II S. 6 ff.). Das Verfahren ist spruchreif.
2. Berufungserklärung
2.1. In der Berufungserklärung ist anzugeben, welche Abänderungen des erst-
instanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Gemäss
Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wir-
kung.
2.2. Mit der Berufungserklärung vom 13. September 2018 beschränkte der Be-
schuldigte die Berufung auf die Anordnung einer Landesverweisung von 10 Jah-
ren sowie die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-
system (Urk. 67).
2.3. Nachdem die Urteilsdispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2 (Strafe), 3 (Voll-
zug), 6 (Einziehung), 7 (Zivilansprüche), 8 und 9 (Kosten) nicht angefochten sind,
ist festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft
erwachsen ist.
3. Landesverweisung
3.1. Die Vorinstanz hat eine Landesverweisung für die Dauer von 10 Jahren
ausgesprochen (Urk. 64 S. 21). Es wird vom Beschuldigten zu Recht nicht in Fra-
ge gestellt, dass die Voraussetzungen für eine (obligatorische) Landesverweisung
gegeben sind. So verweist das Gericht den Ausländer, der wegen Raubes verur-
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teilt wird, unabhängig von der Höhe der Strafe für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz
(Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB). Wie die Vorinstanz sodann zutreffend festhält, liegt
kein Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vor. Ein solcher wird vom Be-
schuldigten zu Recht auch nicht geltend gemacht. Der Beschuldigte weist aner-
kanntermassen keinen nennenswerten Bezug zur Schweiz auf. Seine gesamte
Familie lebt in Albanien, wohin er auch zurückkehren möchte (Urk. 3/3 S. 9 f.).
Auch ging er in der Schweiz keiner Erwerbstätigkeit, sondern einzig seinen krimi-
nellen Handlungen nach.
3.2. Der Beschuldigte beanstandet jedoch die von der Vorinstanz ausgespro-
chene Dauer der Landesverweisung von 10 Jahren sowie die Ausschreibung im
Schengener Informationssystem (Urk. 67 S. 3; Urk. 85). Er macht geltend, dass
insbesondere zu berücksichtigen sei, dass er als Künstler tätig sei und sich bei
einem internationalen Durchbruch auch in die Schweiz bzw. nach Europa bege-
ben können müsste. Es sei offensichtlich, dass er nicht mehr delinquieren werde.
Deshalb wäre es gegen die Interessen der Schweiz bzw. von Europa, wenn er für
eine noch längere Dauer als Künstler nicht in die Schweiz und auch nicht in Euro-
pa einreisen könnte (Urk. 51 S. 14; Urk. 85 S. 4 ff.).
3.3. Art. 66a StGB sieht als Dauer der obligatorischen Landesverweisung einen
Rahmen von 5 bis 15 Jahren vor. Die Bemessung der Dauer im Einzelfall liegt im
Ermessen des Gerichts, welches sich dabei insbesondere am Verhältnismässig-
keitsgrundsatz zu orientieren hat (BBl 2013 S. 5975 ff., S. 6021). Dabei sind ins-
besondere die privaten Interessen des zu einer Landesverweisung Verurteilten
mit dem je nach Art der begangenen Rechtsgutverletzung unterschiedlich starken
öffentlichen Entfernungs- und Fernhalteinteresse miteinander in Einklang zu brin-
gen. Sodann ist die Dauer auch nach dem Verschulden des Täters zu bemessen
(BSK StGB I-Zurbrügg/Hruschka, Art. 66a N 28 f.). Im Entscheid BGE 123 IV 107
hat das Bundesgericht unter dem früheren Recht eine gewisse Korrelation zwi-
schen der Höhe der ausgesprochenen Strafe und der Dauer der Landesverwei-
sung statuiert, sofern nicht besondere Gründe vorlägen. Es gibt keinen Anlass,
unter neuem Recht von dieser bundesgerichtlichen Auffassung abzuweichen.
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3.4. Der Beschuldigte wurde von der Vorinstanz – in Übereinstimmung mit dem
Strafantrag des Staatsanwalts (Urk. 49 S. 1) – zu einer Strafe von 15 Monaten
verurteilt, wobei der Vollzug der Strafe aufgeschoben wurde (Urk. 64 S. 21). Der
Beschuldigte ist ferner Ersttäter und im Schweizerischen Strafregister nicht ver-
zeichnet (Urk. 66). In Anbetracht dieser Umstände und der Strafhöhe resp. des
noch leichten Verschuldens des Beschuldigten ist es angebracht, die Dauer der
Landesverweisung im unteren, jedoch nicht untersten Bereich der möglichen
Dauer anzusiedeln. Sodann ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte seine
Taten glaubhaft bereut (Urk. 3/4 S. 16 f., S. 20; Urk. 3/8 S. 5, S. 16; Urk. 19/10.2).
Jedoch ist er einzig zum Zweck in die Schweiz eingereist, kriminellen Handlungen
nachzugehen (Urk. 3/1 S. 1 ff.; Urk. 3/8 S. 4). Ein schützenswertes Interesse des
Beschuldigten an einer Einreise in die Schweiz ist sodann nicht erkennbar. Seine
gesamte Familie lebt in Albanien (Urk. 3/3 S. 10; Urk. 3/8 S. 4) und er plant sein
weiteres Leben in Albanien (Urk. 3/8 S. 4; Urk. 51 S. 12). Der von ihm geltend
gemachte internationale Durchbruch als Künstler (Urk. 51 S. 14; Urk. 85 S. 5) ist
nicht absehbar.
3.5. Insgesamt erscheint es bei einer Gesamtbetrachtung aller Umstände an-
gemessen, den Beschuldigten im Sinne von Art. 66a StGB für 6 Jahre des Lan-
des zu verweisen.
4. Ausschreibung im Schengener Informationssystem
4.1. Gemäss Art. 20 der Verordnung über den nationalen Teil des Schengener
Informationssystems und das SIRENE-Büro (N-SIS-VO) können Drittstaatenan-
gehörige – d.h. Personen, die keinem Mitgliedstaat des Übereinkommens ange-
hören – zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung im Schengener Informations-
system (SIS) ausgeschrieben werden, wenn der entsprechende Entscheid einer
Verwaltungs- oder einer Justizbehörde vorliegt. Die Ausschreibung der Landes-
verweisung wird vom urteilenden Gericht angeordnet und soll erfolgen, wenn die
ausgesprochene Landesverweisung auf einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit
oder Ordnung oder die nationale Sicherheit beruht (Art. 24 Abs. 2 SIS-II-Verord-
nung).
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4.2. Die Anordnung der Ausschreibung im SIS hat mehr als blossen Mittei-
lungscharakter. Nichtfreizügigkeitsberechtigte Drittstaatenangehörige sind durch
die Ausschreibung nicht nur verpflichtet, die Schweiz zu verlassen, sondern wer-
den aus dem gesamten Schengenraum verwiesen (vgl. Art. 6 Abs. 1 sowie Art. 14
Abs. 1 der Verordnung [EU] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten
der Grenze durch Personen [Schengener Grenzkodex, SGK, Abl. L 77/1 vom
23. März 2016]). Die Erläuterungen des Bundesamts für Justiz zur Verordnung
über die Einführung der Landesverweisung halten entsprechend fest, dass die
Ausschreibung im SIS zwar einen gewissen Vollzugscharakter habe, durch die
Ausschreibung aber auch der ursprüngliche Inhalt der Sanktion massiv verändert
werde. Aus diesem Grund wurde die Kompetenz, über die Ausschreibung einer
Landesverweisung zu entscheiden, dem Strafgericht übertragen, welches auch
die Landesverweisung anordnet (Erläuterungen des Bundsamts für Justiz zur
Verordnung über die Einführung der Landesverweisung vom 20. Dezember 2016,
Ziff. 1.6, S. 11).
4.3. Die Ausschreibung erfolgt, wenn die nationale Entscheidung mit der Gefahr
für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder die nationale Sicherheit begründet
wird, die die Anwesenheit der betreffenden Person in einem Mitgliedstaat dar-
stellt. Das ist insbesondere der Fall, wenn die betreffende Person in einem Mit-
gliedstaat wegen einer Straftat verurteilt wurde, die mit einer Freiheitsstrafe von
mindestens einem Jahr bedroht ist (Art. 24 Ziff. 2 Bst. a SIS-II-Verordnung). Das
Schengener Durchführungsabkommen ist in diesem Punkt unklar formuliert. Es
kann indessen nicht die richtige Auslegung des Abkommens sein, dass eine
Höchststrafe von mindestens einem Jahr bereits genügen soll. Dies würde dazu
führen, dass praktisch alle Straftatbestände erfasst wären. Aus Art. 24 SIS-II-
Verordnung ergibt sich, dass die SIS-Ausschreibung nur bei schweren Straftaten
erfolgen soll. Sodann sind die Mindeststrafen für einzelne Delikte in den Mitglied-
staaten nicht einheitlich. So kennt zum Beispiel das deutsche Strafrecht viel häu-
figer eine Mindeststrafe von einem Jahr als das Schweizerische. Der abstrakte
Strafrahmen erscheint daher als wenig taugliches Abgrenzungskriterium. Es
rechtfertigt sich deshalb, nicht nur auf die Mindeststrafe für das infrage stehende
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Delikt abzustellen, sondern auf die Höhe der konkret ausgefällten Freiheitsstrafe
(OG ZH SB170246 vom 6. Dezember 2017, E. III.3).
4.4. Der Beschuldigte ist Staatsangehöriger von Albanien und verfügt über kei-
ne Aufenthaltsbewilligung eines Mitgliedstaates der EU oder EFTA. Er wurde von
der Vorinstanz zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt und wird mit
heutigem Urteil für 6 Jahre des Landes verwiesen. Auch wenn in unserer Straf-
ordnung für den Raub keine Mindeststrafe von einem Jahr gilt, liegt die aufgrund
des Verschuldens des Beschuldigten festzulegende Strafe bei 15 Monaten. Zwar
ist nicht von einer grossen kriminellen Energie beim Beschuldigten auszugehen
und ist die Tat ziemlich spontan erfolgt. Jedoch bedrohte der Beschuldigte die
Geschädigte mit einer echt aussehenden Spielzeugpistole, die er dauernd auf sie
richtete und dabei auch noch eine fiktive Ladebewegung vornahm, um die Waffe
als echt wirken zu lassen. Die Geschädigte wurde durch den Vorfall nachhaltig in
ihrer psychischen Integrität beeinträchtigt (Urk. 48). Die Vorinstanz weist sodann
zurecht drauf hin, dass in unseren Nachbarländern ein Raub im Regelfall mit einer
Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft wird (vgl. Urk. 64 S. 18 und
BSK StGB II-Niggli/Riedo, Art. 140 N 1 ff.). Das Interesse der Öffentlichkeit, sol-
che einschneidenden Vorfälle zu verhindern, ist gross. Insgesamt muss die vom
Beschuldigten begangene Tat als schwer im Sinne von Art. 21 und 24 der SIS-II-
Verordnung qualifiziert werden und muss von einer Gefahr für die öffentliche Si-
cherheit im Sinne von Art. 24 der SIS-II-Verordnung ausgegangen werden.
4.5. Zu den persönlichen Interessen des Beschuldigten ist Folgendes anzubrin-
gen: Der Beschuldigte hielt sich bis zu seiner Verhaftung nur kurze Zeit in der
Schweiz auf. So reiste er Anfangs März 2017 in die Schweiz ein und er wurde be-
reits am 8. Mai 2017 verhaftet. Er hat keine familiären Verbindungen zur Schweiz
und reiste einzig zum Zweck in die Schweiz ein, kriminellen Handlungen nachzu-
gehen (Urk. 3/1 S. 1 ff.; Urk. 3/8 S. 4). Der Beschuldigte hat seine Ausbildung in
Albanien absolviert, und er war mit Ausnahme eines kurzen Aufenthalts in Grie-
chenland vor seiner Einreise in die Schweiz noch nie ausserhalb von Albanien
(Urk. 3/8 S. 4). Seine gesamte Familie lebt in Albanien (Urk. 3/3 S. 10; Urk. 3/8
S. 4), und er plant sein weiteres Leben in Albanien (Urk. 3/8 S. 4; Urk. 51 S. 12).
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Der Beschuldigte verfügt damit auch über keine familiären und/oder beruflichen
Beziehungen in einem Mitgliedsstaat. Der von ihm geltend gemachte internationa-
le Durchbruch als Künstler (Urk. 51 S. 14; Urk. 85 S. 5) ist sodann, wie bereits
ausgeführt, nicht absehbar. Eine Ausschreibung im Schengener Informationssys-
tem trifft den Beschuldigten somit nicht derart, dass von einem nicht hinnehmba-
ren Eingriff in seine Daseinsberechtigung auszugehen ist.
4.6. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die öffentlichen Inte-
ressen an einer Ausschreibung im Schengener Informationssystem die privaten
Interessen des Beschuldigten an einer Einreise im Hoheitsgebiet eines Mitglied-
staates überwiegen. Dementsprechend ist die Ausschreibung im Schengener In-
formationssystem anzuordnen.
5. Kostenfolgen
5.1. Der Beschuldigte unterliegt mit seinem Antrag auf Verzicht einer Aus-
schreibung im Schengener Informationssystem. Jedoch obsiegt er fast vollständig
bezüglich Reduktion der Dauer der Landesverweisung. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Aus-
nahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten zur Hälfte auf-
zuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Angesichts der schlechten finanziellen Verhält-
nisse des Beschuldigten ist ihm sein Kostenanteil aber zu erlassen (vgl. Art. 425
StPO).
5.2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Betrag von pauschal Fr. 4'100.–
inklusive Mehrwertsteuer (vgl. Urk. 84 zuzüglich 30 Minuten Aufwand für die Beru-
fungsverhandlung vom 6. März 2020) sind aus demselben Grund definitiv auf die
Gerichtskasse zu nehmen.