Decision ID: 8de908a3-7780-56d5-94ad-863ee760e86a
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, meldete sich am 27. April 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an und beantragte
Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit und eine Rente (IV-act. 3 und 9).
A.b Mit Verfügung vom 11. Mai 2009 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der
Versicherten ab mit der Begründung, der Invaliditätsgrad liege bei 17% (IV-act. 63). Sie
stützte sich dabei, unter Berücksichtigung der psychiatrischen Zusatzbegutachtung
durch die Psychiatrischen Dienste Thurgau, Münsterlingen, vom 13. Oktober 2008, auf
ein Gutachten der Klinik B._, vom 18. Februar 2009, welches als Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen eine anhaltendende somatoforme
Schmerzstörung mit vegetativen Begleiterscheinungen im Sinn einer allgemeinen
Befindlichkeitsstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine Anpassungsstörung mit depressiver
Reaktion leichten Grades (ICD-10 F43.21) und Verdacht auf eine
Benzodiazepinabhängigkeit (ICD-10: F13.2) nannte und nach welchem für eine
körperlich leichte, leidensangepasste Tätigkeit mit der Möglichkeit zur Wechselposition
eine uneingeschränkt zumutbare Arbeitsfähigkeit von 100% bestand (IV-act 48, 50).
B.
B.a Die Versicherte meldete sich am 10. Juni 2010 erneut zum Bezug von
Rentenleistungen an (IV-act 65).
B.b Dr.med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, gab in seinem
Arztbericht vom 24. März 2010 an, diagnostisch bestehe aus psychiatrischer Sicht ein
larviertes länger anhaltendes depressives Zustandsbild (ICD-10 F33.0), das sich zum
Grossteil über somatische Schmerzen zeige, eine andauernde
Persönlichkeitsänderung, nicht Folge einer Schädigung oder Krankheit des Gehirns
(ICD-10 F62), und ein Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.0)
zunehmend seit einem Bandscheibenvorfall im Jahr 1999. Der Zustand habe sich Ende
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2008 verschlechtert und die Schmerzen seien stärker geworden. Neben oder auch als
Ausdruck der Schmerzsymptomatik habe sich ein chronisch depressives Zustandsbild
entwickelt. Die Versicherte sei daraufhin längere Zeit bei Dr.med. D._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, in psychiatrischer Behandlung gewesen und
nehme seither antidepressive Medikamente. Auch mit dieser Medikation sei keine
wesentliche Besserung des depressiven oder des Schmerzzustandsbilds eingetreten.
Im Gegenteil sei die Versicherte in den letzten Jahren zunehmend dünnhäutiger und
weinerlicher geworden und lebe sozial isolierter. Die Versicherte sei zu mindestens
70% arbeitsunfähig. In einem geschützten Rahmen sei sie zu maximal 50%
arbeitsfähig (IV-act. 68).
B.c Der Regionale Ärztliche Dienst der Invalidenversicherung (RAD) führte im Rahmen
einer internen Stellungnahme vom 29. September 2010 aus, zur Sachverhaltsabklärung
bezüglich der Frage einer Veränderung des Gesundheitszustands und/oder der
Diagnosen sei eine bidisziplinäre Begutachtung (Rheumatologie/Psychiatrie)
durchzuführen. Parallel sei bei Dr. D._ ein Arztbericht einzuholen und den Gutachtern
nachzureichen (IV-act. 70).
B.d Am 2. Dezember 2010 teilte Dr. D._ der IV-Stelle mit, die Versicherte sei zuletzt
am 25. November 2009 zur psychiatrischen Behandlung erschienen (IV-act. 77).
B.e Dr.med. E._, Facharzt FMH Innere Medizin, und Dr.med. F._, Facharzt FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, begutachteten die Versicherte am 25. Oktober 2010 in
der Praxis von Dr. E._. Dieser stellte internistisch/rheumatologisch im Gutachten vom
21. Januar 2011 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: 1. chronisch
cervikospondylogenes Syndrom seit 1999 bei verstärkter Kyphosierung,
Osteochondrosen HWK5/6 und HWK6/7 mit Spondylosen, 2. chronisch
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei Osteochondrose LWK5/S1 und
beginnender Osteochondrose L4/5, zur Zeit beide ohne radikuläre Zeichen,
3. Schmerzgeneralisation seit ca. 2006. Dr. F._ stellte im psychiatrischen Gutachten
vom 21. Januar 2011 bzw. 25. November 2010 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit: 1. anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und 2.
eine Dysthymie (ICD-10 F34.1). Aus internistischer/rheumatologischer Sicht fänden sich
vor allem radiologisch leicht über dem Alter liegende degenerative Veränderungen der
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HWS und der LWS. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Reduktion der
Arbeitsfähigkeit von rund 15% bis 20% aufgrund der leicht verminderten
Konzentrationsfähigkeit und der Antriebsarmut. Ansonsten gebe es aus psychiatrischer
Sicht keine Einschränkungen, was die Arbeitsplatzgestaltung oder die
Anstellungsbedingungen betreffe. In der angestammten, ausschliesslich stehenden, mit
auch Heben von schweren Lasten verbundenen Tätigkeit als Weberin bestehe aus
somatischer Sicht aufgrund der degenerativen zervikalen und lumbalen
Wirbelsäulenveränderung eine volle Arbeitsunfähigkeit. Eine körperlich leichte
leidensangepasste Tätigkeit in Wechselhaltung, mit nicht monotonen gleichen
repetitiven Bewegungen, verrichtbar in nicht vorwiegend gebückter oder ständig
vorgeneigter Haltung, teils stehend und gehend mit 50% sitzendem Anteil sei ihr
zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 15% bis 20% reduzierte
Arbeitsfähigkeit. Aus somatischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80%,
resultierend aus einem Abzug für vermehrte Pausen von 15% und einem vermuteten
Leistungsabzug von 5%. Insgesamt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80% in
leidensangepasster Tätigkeit (IV-act. 80, 81).
B.f Gestützt auf dieses internistisch/rheumatologisch-psychiatrische Gutachten
stellte die IV-Stelle der Versicherten im Vorbescheid vom 7. Februar 2011 in Aussicht,
einen Rentenanspruch zu verneinen (IV-act. 85). Dagegen erhob der Rechtsvertreter
der Versicherten am 14. März 2011 Einwand und beantragte die Zusprechung einer
ganzen IV-Rente. Er machte im Wesentlichen geltend, dass das psychiatrische
Gutachten von Dr. F._ nicht schlüssig sei. Das Gutachten gehe insbesondere nicht
auf die Diagnosen von Dr. C._ ein. Anstatt die Beschreibung einer andauernden
Persönlichkeitsänderung als Bestandteil der pathologischen Befunderhebung zu
betrachten, würden diese Symptome als Schonverhalten, Verharren in der Krankenrolle
mit sekundärem Krankheitsgewinn abqualifiziert (IV-act. 86).
B.g Zum Einwand führte der RAD in seiner internen Stellungnahme vom 9. Mai 2011
aus, dass auf der Grundlage der Anamnese- und Befunderhebung von Dr. C._ nicht
nachvollziehbar sei, wie dieser zur Diagnose einer andauernden
Persönlichkeitsänderung, nicht Folge einer Schädigung oder Krankheit des Gehirns
(ICD-10 F62), komme. Diese Diagnose setze gemäss den Kriterien der ICD 10 voraus,
dass eine extreme oder übermässig anhaltende Belastung oder schwere psychiatrische
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Erkrankung vorausgegangen sei. Eine derartige Belastung hätte bei der Versicherten
auch bei einer Überforderung durch die Haushaltsführung mit Betreuung von drei
Kindern sowie der Berufstätigkeit im Schichtbetrieb selbst unter Berücksichtigung der
von der HWS ausgehenden Beschwerden nicht bestanden. Ferner sei die von Dr. C._
vorgenommene Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit zu 70% weder auf der
somatischen noch mental-kognitiven noch sozialen Funktionsebene belegt. Nachdem
die Dysthymie (ICD 10 F34.1) den Grad einer Komorbidität von erheblicher Schwere
nicht erreiche, sei die Einschätzung der angepassten Arbeitsfähigkeit durch Dr. F._
wesentlich überzeugender als die Begründungen von Dr. C._ zur Arbeitsunfähigkeit
von 70% (IV-act. 87).
B.h Mit Verfügung vom 16. Mai 2011 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 33% ab (IV-act. 88).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 22. Juni
2011. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt, die Verfügung vom 16.
Mai 2011 sei aufzuheben, und es sei der Beschwerdeführerin eine ganze Rente
zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Begründung lautet im Wesentlichen gleich
wie diejenige des Einwands vom 14. März 2011 (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. November 2011 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im
Wesentlichen aus, es gebe keine Hinweise, dass Dr. F._ die Beschwerdeführerin
nicht ausführlich und kompetent untersucht habe. Der von Dr. F._ gestützt auf die
Vorakten gezogene Schluss, dass die Beschwerdeführerin vor allem durch ihre
Selbstlimitierung, ihr übertriebenes Schonverhalten und ihren sekundären
Krankheitsgewinn beeinträchtigt werde, sei nachvollziehbar. Hingegen vermöge der
Arztbericht von Dr. C._ nicht zu überzeugen. Die diagnostizierte
Persönlichkeitsänderung sei nicht ausgewiesen, zumal sich in der Anamnese der
Beschwerdeführerin keine entsprechenden Hinweise auf eine extreme oder übermässig
anhaltende Belastung fänden. Es sei auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
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dass behandelnde (Fach-)Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Stellung zugunsten
ihrer Patienten aussagen würden. Die von Dr. F._ psychiatrisch festgesetzte
Arbeitsfähigkeit von 80% entspreche allerdings nicht der Rechtsprechung des
Bundesgerichts. Die festgestellte Dysthymie sei nicht invalidisierend. Ebenso wenig
schränke die festgestellte somatoforme Schmerzstörung die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ein, weil keine zusätzliche psychische Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vorliege. Auch andere Faktoren, welche
die ansonsten zumutbare Willensanstrengung für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
behindern könnten, lägen bei der Beschwerdeführerin nicht in der notwendigen
Intensität vor. Es würden im Wesentlichen einzig ätiologisch-pathogenetisch
unerklärbare syndromale Leidenszustände beschrieben, denen infolge der fehlenden
Objektivierbarkeit jedoch keine invalidisierende Wirkung zukomme. Demnach sei
gemäss der vom Bundesgericht gefestigten Praxis von einer vollen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Insofern könne vom Gutachten von Dr. F._ abgewichen werden, ohne
dass diesem deshalb im restlichen Teil der Beweiswert abzusprechen sei. Die von
Dr. E._ mit Hinweis auf die Dekonditionierung der Beschwerdeführerin internistisch/
rheumatologisch festgesetzte Arbeitsfähigkeit von 80% in einer rückenadaptierten
Tätigkeit entspreche ebenso nicht der Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach
eine Dekonditionierung nicht invalidisierend sei. Da die Beschwerdeführerin an keiner
invalidisierenden psychischen Erkrankung leide, sei es ihr aufgrund ihrer
Selbsteingliederungs- und Schadenminderungspflicht ohne Weiteres zumutbar, durch
eine adäquate Lebensweise die Folgen ihrer Dekonditionierung zu überwinden. Die
Rückenbeschwerden der Beschwerdeführerin mit lediglich leichten degenerativen
Veränderungen würden deren Arbeitsfähigkeit einzig in qualitativer Hinsicht
einschränken. Demnach sei auch aus körperlicher Sicht davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Damit liege der
Invaliditätsgrad bei Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 10% neu bei 22% und
begründe keinen Anspruch auf eine Rente. Die angefochtene Verfügung sei somit
rechtmässig (act. G 9).
C.c Die Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 11).

Erwägungen:
1.
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Am 1. Januar 2012 ist der erste Teil der 6. Revision der Invalidenversicherung in Kraft
getreten. In zeitlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Berteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat die
angefochtene Verfügung am 16. Mai 2011 und somit vor Inkrafttreten der IV-Revision
6a erlassen. Nachfolgend werden daher die zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses
anwendbaren Bestimmungen wiedergegeben.
2.
2.1 Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch
der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente zu Recht abgelehnt hat.
2.2 Invalidität wird definiert als die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Unter
Erwerbsunfähigkeit versteht man dabei den durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachten und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibenden ganzen oder teilweisen
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) hat eine versicherte Person Anspruch auf eine
ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% besteht ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente. Der Grad der für einen
allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch
einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen
und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum
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Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
Ärztin bzw. des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen. Es hat demnach zu prüfen, ob die vorliegenden
Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.4 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3.
3.1 Zu prüfen ist, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
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3.2 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in medizinischer Hinsicht auf das inter
nistisch/rheumatologisch-psychiatrische Gutachten der Dres.med. E._ und R. F._
vom 21. Januar 2011 und der darin festgelegten 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit.
3.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bringt vor, das Gutachten Dres.
E._/ F._ gehe nicht auf die Diagnosen von Dr. C._ ein. Die Beschreibung einer
andauernden Persönlichkeitsänderung werde nicht als Bestandteil der pathologischen
Befunderhebung betrachtet. Stattdessen würden diese Symptome als Schonverhalten,
Verharren in der Krankenrolle mit sekundärem Krankheitsgewinn abqualifiziert.
Hinsichtlich der von Dr. C._ im Bericht vom 24. März 2010 diagnostizierten
andauernden Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F62) ist festzuhalten, dass diese nach
der Fachliteratur eine vorangegangene extreme oder übermässig anhaltende Belastung
oder schwere psychiatrische Erkrankung voraussetzt. Diese Diagnose sollte nur dann
gestellt werden, wenn Hinweise auf eine eindeutige und andauernde Veränderung in
der Wahrnehmung sowie im Verhalten und Denken bezüglich der Umwelt und der
eigenen Person vorliegen. Die Persönlichkeitsänderung sollte deutlich ausgeprägt und
mit einem unflexiblen und fehlangepassten Verhalten verbunden sein, das vor der
pathogenen Erfahrung nicht bestanden hat (H. Dilling/H.J. Freyberger [Hrsg.],
Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, 5. Aufl., Bern 2010, S.
249). Vorliegend geht aus den Akten hervor, dass keiner der ansonsten die
Beschwerdeführerin begutachtenden oder behandelnden Ärzte eine solche
Diagnosestellung in Betracht gezogen hat (vgl. dazu die Stellungnahme des RAD vom
9. Mai 2012, IV-act. 87, mit Hinweisen). Dr. C._ unterlässt es denn auch, in seiner
Beurteilung begründet aufzuzeigen, inwiefern aufgrund des Befunds auf eine
andauernde Persönlichkeitsänderung im Sinne von ICD-10 F62 zu schliessen ist. Das
depressive Zustandsbild und die chronischen Schmerzen, welche zusammen mit der
vermuteten jahrelangen psychischen Überforderungssituation (Familie mit drei Kindern,
Haushalt und Schichtbetrieb) dazu geführt hätten, dass die Beschwerdeführerin in den
letzten Jahren zunehmend dünnhäutiger, weinerlicher und sozial isolierter geworden
sei, vermögen keine Anhaltspunkte für die erwähnten Diagnosekriterien zu liefern (vgl.
IV-act. 68). Das im Weiteren von Dr. C._ diagnostizierte larvierte länger anhaltende
depressive Zustandsbild (ICD-10 F33.0) ist durch wiederholte depressive Episoden
gekennzeichnet (H. Dilling/H.J. Freyberger [Hrsg.], a.aO., S. 141); Dr. C._ ging im
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Bericht vom 24. März 2010 von einer gegenwärtig mittelgradigen depressiven Episode
aus. Demgegenüber stellte Dr. F._ im Gutachten vom 25. November 2010/21. Januar
2011 eine Dysthymia (ICD-10 F 34.1) fest, wobei er diese Diagnose auf Grund des
Studiums der Vorakten und seiner eigenen Untersuchung vom 25. Oktober 2010
nachvollziehbar begründete. Darüber hinaus bringt Dr. C._ keine objektiv
feststellbare oder sonstige, ernsthafte Zweifel auslösende Gesichtspunkte vor, welche
im Rahmen des Gutachtens Dres. E._/F._ unerkannt geblieben und die geeignet
sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen. Vielmehr beschreibt Dr. C._ den
Gesundheitszustand im Wesentlichen gleich wie die Vorgutachter (Schmerzzustand,
depressive Entwicklung, sozialer Rückzug), wenn er auch zu einer anderen
Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung gelangt. Unter diesen Umständen
kann auf die Schlussfolgerungen von Dr. C._ nicht abgestellt werden.
3.4 Insgesamt ergibt das Gutachten Dres. E._/F._ eine beweistaugliche
Grundlage für die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Das Gutachten beruht auf einer
eigenständigen bidisziplinären Abklärung, mithin auf allseitigen Untersuchungen und ist
damit für die streitigen Belange umfassend. Die Gutachter waren im Besitz sämtlicher
Vorakten und würdigten die relevanten Berichte entsprechend. Die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden wurden von den Gutachtern in der
Anamnese erhoben und bei der Beurteilung berücksichtigt. Das Gutachten leuchtet in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Es erfüllt somit sämtliche praxisgemässen Kriterien für
beweiskräftige Gutachten (vgl. BGE 125 V 352), so dass grundsätzlich darauf
abzustellen ist. Gemäss diesem Gutachten beträgt die Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit 80%. Diesbezüglich ist somit seit der rechtskräftigen Verfügung
vom 11. Mai 2009, welche von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter
Tätigkeit ausging, eine gewisse Veränderung eingetreten. Ob hingegen die in der
Beschwerdeantwort geäusserte Auffassung der Beschwerdegegnerin zutrifft, wonach
die von den Gutachtern ermittelten gesundheitlichen Einschränkungen aufgrund einer
zumutbaren Willensanstrengung überwunden werden könnten und daher nicht
invalidisierend im Sinne des Gesetzes seien, kann vorliegend offen gelassen werden,
weil, wie aus den nachfolgenden Erwägungen hervorgeht, auch bei Annahme einer
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Arbeitsfähigkeit von 80% in leidensadaptierter Tätigkeit ein Rentenanspruch zu
verneinen ist.
4.
4.1 Ausgehend von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten
Tätigkeit bleiben die erwerblichen Auswirkungen zu prüfen.
4.2 Die Beschwerdeführerin arbeitete vom 1. Januar 1993 bis 31. Oktober 2007 bei
der G._, als Mitarbeiterin Weberei (IV-act. 3, 19, 62). Dem "Fragebogen für
Arbeitgebende: Berufliche Integration" vom 4. Mai 2007 kann entnommen werden,
dass zu ihrer Tätigkeit folgende Arbeiten gehörten: Warenkontrolle, Fadenarbeit,
Stückwechsel, Schussgarn bestücken und Stillstände beheben (IV-act. 19). Es ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne ihre gesundheitlichen
Beeinträchtigungen weiterhin ihre angestammte Tätigkeit ausgeübt hätte. Dem
Arbeitgeber-Fragebogen ist weiter zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Jahr
2006 als Gesunde ein Einkommen von Fr. 58'149.-- (Fr. 4'473.-- x 13) erzielt hätte (IV-
act. 19). Von diesem Valideneinkommen, das von der Beschwerdeführerin nicht
bestritten wird, geht auch die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort mit dem
zutreffenden Hinweis aus, dass eine Aufwertung unterbleiben könne, weil sich im
vorliegenden Fall Valideneinkommen und Invalideneinkommen in etwa gleich
entwickeln würden (act. G 9 S. 5 Ziff. 3).
5.
5.1 Vor der Aufnahme der Erwerbstätigkeit bei der G._ hat die in H._
aufgewachsene und seit 1982 in der Schweiz lebende Beschwerdeführerin als Hilfskraft
in einem Altersheim, als Hilfsarbeiterin in einer Strumpf- und Sockenfabrik sowie als
Hilfsarbeiterin in der Bürogerätefabrikation gearbeitet (IV-act. 18, 50 - 4/37). Seit
Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der G._ im Jahre 2007 ist die
Beschwerdeführerin nicht mehr erwerbstätig. Gemäss medizinischem Gutachten ist sie
nur noch für leichte Tätigkeiten in Wechselhaltung, mit nicht monotonen gleichen
repetitiven Bewegungen, verrichtbar in nicht vorwiegend gebückter oder ständig
vorgeneigter Haltung, teils stehend und gehend mit 50% sitzendem Anteil zu 80%
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arbeitsfähig. Sie ist damit in der Wahl einer neuen Stelle als Hilfsarbeiterin
behinderungsbedingt eingeschränkt, so dass ihr nicht mehr das gesamte Spektrum an
Hilfsarbeiten offen steht. Dennoch ist davon auszugehen, dass in praktisch allen
Branchen leichte Hilfsarbeiten mit Wechselbelastung nachgefragt werden. Für die
Berechnung des Invalideneinkommens ist daher in Übereinstimmung mit der
Beschwerdegegnerin von den Tabellenlöhnen der Lohnstrukturerhebungen des
Bundesamtes für Statistik (LSE) auszugehen. In Anwendung des Tabellenlohns 2006
für Hilfsarbeiterinnen (TA1, Niveau 4, Frauen) von Fr. 4'019.-- (basierend auf 40
Arbeitsstunden) und unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen Wochenarbeitszeit
von 41,7 Stunden ist von einem Einkommen von monatlich Fr. 4'190.-- bzw. jährlich
50'278.-- auszugehen (vgl. Anhang 2 der IV-Gesetzesausgabe der Informationsstelle
AHV/IV). Unter Berücksichtigung einer Arbeitsfähigkeit von 80% gemäss
medizinischem Gutachten resultiert ein Betrag von Fr. 40'222.--.
6.
6.1 Die statistischen Löhne auf der Grundlage der Daten gesunder Arbeitnehmer
können nach der Rechtsprechung um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen
Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen (RKUV
1999 Nr. U 242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg zu verwerten in der
Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen behinderungsbedingten Abzug
(BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in
welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen
und beruflichen Umständen, insbesondere auch von invaliditätsfremden Faktoren des
konkreten Einzelfalls ab (so auch Alter und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtge
mässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug
auf 25% festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Leidensabzugs ist
unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt etwa in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481
E. 4.2.3 mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung bei der Berechnung des
Invalideneinkommens keinen Leidensabzug gewährt, in der Beschwerdeantwort jedoch
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einen solchen von 10% in Betracht gezogen (IV-act. 88; act. G 9 S. 6). Angesichts des
Umstands, dass die Beschwerdeführerin nur noch eine leichte Tätigkeit in
Wechselhaltung, mit nicht monotonen gleichen repetitiven Bewegungen, verrichtbar in
nicht vorwiegend gebückter oder ständig vorgeneigter Haltung, teils stehend und
gehend mit 50% sitzendem Anteil, ausüben kann (vgl. IV-act. 80, 81), erscheint ein
Leidensabzug von maximal 10% als angemessen, womit von einem
Invalideneinkommen von höchstens Fr. 36'200.-- auszugehen ist. Die
Gegenüberstellung dieses Einkommens mit dem Valideneinkommen von Fr. 58'149.--
führt zu einer behinderungsbedingten Erwerbseinbusse von Fr. 21'949.-- bzw. zu
einem nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 38%. Damit hat die
Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin zu Recht
abgewiesen.
7.
7.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint als an
gemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Der von ihr geleistete Kostenvorschuss in gleicher
Höhe ist anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP