Decision ID: 01a4a95d-93de-4bfc-948f-ff5826aded0c
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, absolvierte eine
Anlehre
als Plattenleger
sowie
bei der Schule Y._
einen Lehrgang als PC-Techniker (
Urk.
9/6/5) und arbei
tete über ein Personalvermittlungsbüro an verschiedenen Stellen im IT-Bereich (
Urk.
9/12-13). Während einer Phase der Arbeitslosigkeit wurde er am
2.
Oktober 2011 Opfer einer Gewalttat, als er niedergeschlagen und mit Fusstritten gegen den Kopf traktiert wurde (
Urk.
9/15/5). Dabei zog er sich ein Schädelhirntrauma Grad I, eine doppelte Unterkieferfraktur sowie Zahnschäden zu
. Nach osteosyn
thetischer Versorgung verblieben Kiefergelenkbeschwerden, von neurologischer
Seite wurden keine bleibenden Schäden festgehalten, die Kaufähigkeit wurde na
ch stattgehabter Behandlung nicht als beeinträchtigt beschrieben (Bericht von Suva-Versicherungsmedizinerin
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Chirurgie FMH, vom
2.
Februar 2015,
Urk.
9/15/194).
Mit Verfügung vom
3.
Februar 2015 (
Urk.
9/15/191) lehnte die Suva die Ausrichtung einer Integritätsentschädigung ab.
1.2
Am 1
2.
Dezember 2017 (
Urk.
9/6) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf die nicht richtig verheilte Kieferfraktur, Traumatisierung durch den Übergriff und weitere Leiden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an.
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte die Akten der Unfallver
sicherung ein und tätigte erwerbliche sowie mediz
i
nische Abklärungen
, unter
anderem
veranlasste sie die
bidisziplinäre
Begutachtung des Versicherten in der
A._
AG (Expertise vom
8.
Juli 2019,
Urk.
9/57-59).
Am 3
1.
Juli 2019 (
Urk.
9/64) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sein
G
esundheits
zu
stand mit einer regelmässigen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung wesentlich verbessert werden könne. Ebenfalls sei eine vollständige Abstinenz von Cannabis über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten notwendig. Sie forderte ihn au
f
, den Nachweis der Abstinenz jeweils unaufgefordert einzu
reichen
, und teilte mit, während dieses Zeitraums keinen Entscheid über einen allfälligen IV-Leistungsanspruch zu fällen. Sobald eine Abstinenz über einen Zeit
raum von mindestens drei Monaten vorliege, werde geprüft, ob Eingliede
rungs
massnahmen aufgenommen werden könnten. Hiergegen protestierte der Ver
sicherte (
Urk.
9/65-66). Nach Eingang weiterer medizinischer Unterlagen verneinte
die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/75,
Urk.
9/84
und
Urk.
9/87) mit Verfügung vom 2
7.
Juli 2020 (
Urk.
2) einen Leistungsan
spruch
.
2.
Hiergegen
erhob der Versicherte am
9.
September 2020 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, eventuell sei die Angelegenheit zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Rechtspflege unter Bestellung von Rechtsanwältin
MLaw
Nicole Schneider als
unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am 2
3.
Oktober
2020 (
Urk.
8) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Versicherten am
2.
Novem
ber 2020 (
Urk.
10) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenver
siche
rung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
run
gs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung ge
setzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung
(
Urk.
2)
dahin
gehend,
dass bei der noch vorliegenden Restarbeitsfähigkeit kein rentenbe
grün
dender Invaliditätsgrad resultiere. Sodann könne die Arbeitsfähigkeit mit adä
quaten
Massnahmen
gesteigert werden. Der Beschwerdeführer habe weder eine Can
n
abis-Abstinenz vollzogen noch sich in psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung begeben. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwe
r
den nicht so ausgeprägt seien, dass dadurch die
Arbeitsfähigkeit
beeinträchtig
t
werde.
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dagegen (
Urk.
1), es seien nur die psychischen, nicht aber die körperlichen Beschwerden in die Beurteilung miteinbezogen worden (S.
6
f.). Sodann liege - aus näher dargelegten Gründen - keine Verletzung der Schadenminderungspflicht vor (S. 8 f
f
.).
Schliesslich bemängelte er den Ein
kom
mensvergleich und schloss
- bei einem Tabellenlohnabzug von 25
%
- auf einen Invaliditätsgrad von 43
%
und einen Anspruch auf eine
Viertelsrente
(S. 13 ff.).
3.
Die Fachpersonen der
A._
AG, welche das psychiatri
sche/neu
ro
psy
chologische Gutachten (
Urk.
9/57-59) erstellten, führten in ihrer Konsen
s
beurtei
lung vom
8.
Juli 2019 (
Urk.
9/59) aus, der Beschwerdeführer habe in den Wochen und Monaten nach dem tätlichen Übergriff vom
2.
Oktober 2011 an einer post
traumatischen Belastungsstörung gelitten. Das Vollbild habe mit hoher Wahr
schein
lichkeit bis spätestens Ende März 2013 bestanden
. Von April bis Juli 2013 sei er wieder im primären Arbeitsmarkt tätig gewesen. Die Kündigung sei wegen des
(bestrittenen S. 12)
Vorwurfs von Drogenkonsum erfolgt (S. 4).
Die Experten
diagnostizierten
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte
mit mittelgradige kognitive Störung multifaktorieller
Ätiopathogenese
, gut erklä
r
bar im Rahmen des neuropsychologisch diagnostizierten ADHS beziehungsweise als Folge des Substanzkonsums. Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit massen sie folgenden Diagnosen zu: leichte depressive Störung, hypochondrische
Störung, Status nach Alkohol-Abhängigkeitssyndrom (gegenwärtig teilremit
tiert
), Status nach Cannabis-Abhängigkeits-Syndrom (gegenwärtig teilremittiert, positi
ver THC-Laborbefund vom 2
0.
Mai 2019), Status nach Konsum verschiedener psy
chotroper Substanzen (gegenwärtig abstinent), akzentuierte Persönlichkeit mit emotional instabilen und impulsiven Zügen, einfache Aktivitäts- und Aufmerk
samkeitsstörung (ADHS, S. 6).
Die angestammte Tätigkeit als IT-
Supporter
befanden sie bei einer Anwesenheit von 70
%
und einer Leistungseinbusse von 10
%
als zumutbar, gesamthaft mithin zu 63
%
(S. 12).
In einer leidensangepassten Tätigkeit mit sehr geringen Anfor
derungen an die intellektuellen Fähigkeiten, mit repetitiven Routinearbeiten, wohlwollendem Umfeld sowie engmaschiger Führung gingen die Experten von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit mit um 5
%
eingeschränkter Leistung aus, mithin einer Gesamtarbeitsfähigkeit von 76
%
(S. 14).
Als funktionelle Einschränkungen nannten sie deutliche Aufmerksamkeitsstörungen, leichtere Konzentrations
stö
rungen, Redseligkeit und Impulsivität im Sinne häufigen Unterbrechens des Ge
gen
übers (S. 16).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer bestritt die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter
in psychiatrischer/neuropsychologischer Hinsicht
nicht, sondern stützte seinen Ein
kommensvergleich ebenfalls auf die attestierte 76%ige Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit (
Urk.
1 S. 15). Dies ist
denn auch nicht zu beanstanden, ent
spricht die Expertise doch den praxisgemässen Anforderungen. Der Bericht ist für
die
vorliegend
relevanten Belange umfassend, beruht auf den notwendigen Unte
r
suchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der Vor
akten abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schluss
folgerungen in der Expertise sind begründet (
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
So legten die Gutachter insbesondere aufgrund der neuro
psychologischen Testung die konkreten Defizite des Beschwerdeführers dar und berücksichtigen sowohl die Anamnese detailliert wie auch die vom Beschwerde
führer vorgetragenen Klagen. Bei ansonsten wenig auffälligen Befunden ersche
int die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit als schlüssig.
4.2
Der Beschwerdeführer monierte zur Hauptsache, dass die somatischen Beschwer
den keinen Eingang in die Beurteilung gefunden hätten. Hierbei verwies er auf einen im Jahr 2001 erlittenen Schlüsselbeinbruch rechts mit seither verkürztem Schlüsselbein, weswegen er mit dem rechten Arm keine Schwerarbeiten mehr verrichten dürfe. Weiter thematisierte er eine Autoimmunerkrankung sowie Rückenschmerzen (
Urk.
1 S. 6).
Es ist offenkundig, dass die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Beschwerden im Gesamtkontext im Hintergrund
stehen
. In Bezug auf die Problematik des Schlüsselbeins ist den Akten zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer nicht mehr in der Lage ist, Gewichte über 30 kg oder repetitiv solche über 20 kg zu
heben (
Urk.
9/3/7-9). Zuletzt hat er keine solch schweren Tätigkeiten ausgeübt, sondern sich nach der
Anlehre
als Bodenleger, wo allenfalls schwerere Pakete mit Platten zu heben gewesen sein mögen, als IT-
Supporter
betätigt. Dass er nun mit der festgestellten Beeinträchtigung auf einen - wegen der Schlüsselbein
proble
matik nicht mehr
ausübbaren
- schweren Beruf umsatteln möchte, ist
nicht plau
sibel
. Klar ist, dass das für den Beschwerdeführer in Frage kommende Arbeits
segment eine Vielzahl von in Frage kommenden Stellen beinhaltet
. Allfällige dies
bezügliche Einschränkungen sind bei der Frage des Abzuges vom Tabellen
lohn zu klären.
Dass die Autoimmunerkrankung zu einer
Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit fü
hrt, begründete der Beschwerdeführer mit keinem Wort. Inwiefern häufigere grippale Infekte oder ein einmalig
abgeklärter
Hautausschlag am Rücken (
Urk.
9/57 S. 8 oben) eine andauernde Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen sollten, ist nicht erkenn
bar.
Die Hausärztin
Dr.
med. B._
verwies in ihrem Bericht vom 2
5.
Oktober 2019 (
Urk.
9/71) auf eine allergische Problematik mit UV-Sensitivität sowie verschiedene Nahrungsmittelunverträglichkeiten (
Ziff.
2.2), schloss deswe
gen aber nicht auf eine Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
2.5 und 2.6).
Von Rückenschmerzen hatte die Hausärztin keine Kenntnis (
Urk.
9/71)
und auch anlässlich der Begutachtung schilderte der Beschwerdeführer keine solchen (
Urk.
9/57 S. 7 f.). B
ei fehlender geltend gemachter Behandlung respektive
bloss unspezifisch erwähnten Beschwerden ist nicht ersichtlich, inwiefern eine andau
ernde Arbeitsunfähigkeit im in Frage kommenden Segment möglicher Tätigkeiten vorliegen sollte.
Bei dieser eindeutigen Aktenlage rechtfertigt sich die beantragte Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin nicht und ist auf die Arbeitsfähig
keitsschätzung der
A._
-Fachleute abzustellen.
5.
5.1
5.1.1
Die Beschwerdegegnerin bemass das
Valideneinkommen
mit
Fr.
39'927.-- (
Ur
k.
2) und stützte sich dabei auf das im letzten Jahr vor dem Überfall erzielte Einkommen (2010,
Urk.
8/12)
. Der Beschwerdeführer seinerseits ging davon aus, dass kein Einkommen vorliege, welches als Referenz dienen könne, da er nie eine längerdauernde Anstellung bekleidet habe. Demgemäss sei auf die Werte gemäss LSE 2018 TA1, Hilfsarbeiterkräfte abzustellen und von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
67’766.65 auszugehen.
5.1.2
Ein Blick in den Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
9/12) zeigt, dass der Beschwerdeführer in keinem Jahr auch nur annähernd ein die Lebenskosten deckendes Einkommen erzielt hat. Im Jahr 2010 wurde mit
Fr.
28'462.-- der höchste Wert verbucht, dies bei einer Anstellungsdauer von neun Monaten. Diese Werte zeigen, dass das
Valideneinkommen
nicht anhand dieser Zahlen festgelegt werden kann. Die Beschwerdegegnerin qualifizierte den Beschwerdeführer impli
zit als Vollerwerbstätigen und brachte nicht vor, er verzichte zugunsten von mehr Freizeit auf die Ausschöpfung seiner Leistungsfähigkeit. Dies ist auch nicht an
zunehmen, ergibt sich doch aus den Akten, dass der Beschwerdeführer bereits in dieser Zeit vor all
em durch einen Suchtmittelkonsum beeinträchtigt war. Auch wenn dies versicherungsrechtlich
unbedeutsam
sein sollte, war es offenbar doch der Grund für die auffällig tiefen Einkommen des Beschwerdeführers (
Urk.
9/57 S. 33 unten f.).
5.1.3
Damit rechtfertigt es sich wie
v
om Beschwerdeführer beantragt, auf die Tabel
lenlöhne des Bundesamtes für Statistik abzustellen. Angesichts eines fehlenden Lehrabschlusses ist auf das Kompetenzniveau 1 abzustellen und die vom Be
schwer
de
führer genannte Zahl von
Fr.
67'766.65 zu bestätigen.
5.2
5.2.1
Beim
Valideneinkommen
sind sich die Parteien zu
R
echt einig, dass auf den identischen Wert der LSE 2018 Komp
e
tenzniveau 1 abzustellen ist (
Urk.
2 und
Urk.
1 S. 14). Umstritten ist einzig der Abzug vom Tabellenlohn. Währendem der Beschwerdeführer einen solchen von 25
%
fordert, gewährte die Beschwerde
geg
nerin keinen Abzug.
5.2.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schn
itts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kun
gen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht auto
matisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflicht
gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalidenein
kommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfs
arbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerde
instanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
5.2.3
Die qualitative Einschränkung des zumutbaren Stellenprofils ist nicht derart, dass der Stellenmarkt erheblich eingeschränkt wäre. Die Einschränkung auf Tätig
keiten mit
repetitivem
Heben von Gewichtung unter 20 kg führt von vornherein zu keinem Abzug. Denn rechtsprechungsgemäss ist der Umstand allein, dass nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen).
Sehr geringe Anforderungen an die intellektuellen Fähigkeiten und repetitive Routinearbeiten (E. 3.) entsprechen dem Kompetenzniveau 1 und berechtigen nicht zu einem Abzug. Auch die Anfor
derung eines wohlwollenden Umfeldes sowie engmaschiger Führung begründen keinen Abzug, denn e
ine psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt werden, ebenso wenig ein grösserer Betreuungsaufwand (Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2; vgl. auch Urteil 9C_233/2018 vom 11. April 2019 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.3
Damit entspricht der Invaliditätsgrad dem von den Ärzten
attestierten
Arbeits
unfähigkeitsgrad von 24
%
. Bei diesem Ergebnis hat der Beschwerdeführer kein Anrecht auf eine Rente der Invalidenversicherung, weshalb die Beschwerde abzu
weisen ist.
6.
Die von den Parteien ins Zentrum gerückte Frage der Schadenminderungspflicht ist für die Rentenfrage nicht relevant. Denn die Beschwerdegegnerin entschied wohl «aufgrund der Akten». Diese waren aber vollständig und beinhalteten das aussagekräftige Gutachten der
A._
AG. Die auferlegte Schaden
min
derungspflicht bezieht sich vielmehr auf die künftige Entwicklung des Gesund
heitszustandes des Beschwerdeführers und die sozialversicherungsrechtliche Rele
v
anz einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit im Falle einer Neuanmeldung.
Wie es sich damit genau verhält, kann im vorliegenden Prozess offenbleiben. Immerhin kontrastiert die fehlende Aufnahme einer psychotherapeutischen Behandlung offenkundig mit der
entsprechenden
zwanglos nachvollziehbaren gutachterlichen Einschätzung
(
Urk.
9/57 S. 45). Dass sodann die empfohlene Sistierung des Cannabis-Konsums keine positive Wirkung haben sollte, ist aufgrund der
aktu
ellen
A
ktenlag
e nicht erkennbar. Sollte der Beschwerdeführer künftig solches geltend machen wollen, träfe ihn entsprechend die Beweislast.
7.
Der Beschwerdeführer verlangte beschwerdeweise nicht mehr die
Zusprache
von beruflichen Massnahmen
, weshalb sich Weiterungen erübrigen. Die angefochtene Verfügung trägt den Titel «Kein Anspruch auf eine Invalidenrente» und auch in der Begründung werden konkrete berufliche Massnahmen nicht substantiiert the
matisiert. Auch aus diesem Grund ist nicht weiter darauf einzugehen. Dem Be
schwerdeführer steht es indes frei, sich bei der Beschwerdegegnerin entsprechend anzumelden, sollte er Interesse an Unterstützung haben.
8
.
8
.1
Der Beschwerdeführer beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege (Urk. 1 S. 2).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos und die Partei bedürftig ist und die anwaltliche
Verbeiständung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 47, 100 V 62, 98 V 117).
8
.2
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechts
vorkehr nicht
aussichtslos
ist. Als
aussichtslos
sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet; BGE 124 I 304 E. 2c S. 307) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als
aussichtslos
, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese.
Massgebend
ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess
entschliessen
würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 129 I 129 E. 2.3.1 S. 135; 128 I 225 E. 2.5.3 S. 235).
8
.3
Aufgrund der Aktenlage musste dem Beschwerdeführer bewusst sein, dass er kein
en
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. So stellte
er
in psychischer Hinsicht selber auf die gutachterliche Einschätzung ab, welche offenkundig keine Arbeitsunfähigkeit in einem Masse
hervorbrachte
, welche zum Anspruch auf eine Rente führen könnte
. Dafür
wäre nach seiner
Berechnung
ein Tabellenlohnabzug von 25
%
notwendig, was angesichts der klaren Rechtspre
chung in solchen Konstellationen ausgeschlossen ist.
Dass die körperlichen Ein
schränkungen nicht relevant für den Prozessausgang sind, war ebenfalls von Beginn weg erkennbar, resultierte doch lediglich eine Einschränkung für schwere Tätigkeiten.
Damit
erweist
sich die Beschwerdeerhebung
als aussichtslos, da
die Gewinnaus
sichten erheblich geringer als die Verlustgefahren sind. Die Erfolgs
aus
sichten der Beschwerde können nicht als ernsthaft bezeichnet werden
,
weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und Rechtsvertretung
abzu
wei
sen ist.
8
.4
Die Verfahrenskosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 6
00.-- festzulegen und
ausgangsgemäss
dem unterliegenden Beschwerde
füh
rer aufzuerlegen.
Das Gericht
beschliesst
:
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung und unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen.
Sodann erkennt das
Gericht:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
. R
echnung
und Einzahlungsschein werden dem Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Nicole Schneider
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
4
.