Decision ID: 18c8c184-fc44-5f64-977a-5ac5db36f9bb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die am (...) 1967 geborene, verheiratete A._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführerin oder Versicherte) ist schweizerische Staatsangehörige
und wohnt im C._. Von Januar 1985 bis Januar 1994 war die Be-
schwerdeführerin in der Schweiz arbeitstätig und leistete während 109 Mo-
naten Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invali-
denversicherung (AHV/IV) (Akten der Vorinstanz [act.] 119). Von 1994 bis
2003 war sie im Rahmen eines 50%-Pensums als Geschäftsführerin bei
der Firma B._ in (...), im C._, angestellt. Daneben war sie
als Hausfrau tätig. Sie ist Mutter von drei Kindern (Jahrgang 1994, 1996
und 1999).
B.
B.a Am 8. August 2004 verunfallte die Beschwerdeführerin mit ihrem Fahr-
rad und verletzte sich dabei am linken Fuss.
B.b Am 21. August 2009 wurde sie aufgrund einer Sehneninsuffizienz und
hochgradigen Partialruptur am linken Fuss operiert (B-act. 17 Beilage 8,
act. 178).
B.c Mit Formular vom 24. September 2009 meldete sich die Versicherte
bei der C._ Alters- und Hinterlassenenversicherung (nachfolgend:
IV-C._) zum Leistungsbezug an. Sie machte geltend, aufgrund des
Unfallereignisses am 8. August 2004 an einer Degeneration der linken
Fussmuskulatur und der Sehnen zu leiden. Vom 8. August 2004 bis 31.
August 2009 sei sie in unterschiedlichem Masse arbeitsunfähig gewesen.
B.d Am 30. August 2010 wurde die Beschwerdeführerin aufgrund einer
chronischen Tendinopathie mit Partialruptur, störender Schrauben und
Narbe ein weiteres Mal am linken Fuss operiert (act. 179).
B.e Nachdem der C._ Versicherungsträger am 23. September 2011
der IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend: IVSTA oder
Vorinstanz) das Formular E 204 "Bearbeitung eines Antrags auf Invaliden-
rente" zugestellt hatte, prüfte diese in der Folge das Leistungsgesuch.
B.f Mit Verfügung vom 19. November 2012 wies die IVSTA das Leistungs-
begehren ab mit der Begründung, es liege keine durchschnittliche Arbeits-
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unfähigkeit von mindestens 40% während eines Jahres und ab 25. Novem-
ber 2010 keine relevante Arbeitsunfähigkeit mehr vor. Dagegen erhob die
Beschwerdeführerin Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (act.
93).
B.g Am 7. August 2013 wurde die Beschwerdeführerin im Spital
C._ operiert. Dabei wurde eine mediale Teilmeniskektomie und Pli-
caresektion (Entfernung Falte der inneren Gelenkhaut) an beiden Knien
vorgenommen (act. 182).
B.h Mit Urteil vom 2. Juni 2015 im Verfahren B-52/2013 hiess das Bundes-
verwaltungsgericht die Beschwerde insoweit gut, als die Verfügung vom
19. November 2012 aufgehoben und der Beschwerdeführerin von 1. Ja-
nuar bis 30. April 2010 eine ganze Invalidenrente, von 1. Mai bis 30. Juni
2010 eine Dreiviertelsrente und von 1. Oktober 2010 bis 31. Januar 2011
eine ganze Rente zugesprochen wurde (act. 104; 141). Daraufhin wurden
ihr mit Verfügungen der Vorinstanz vom 18. September 2015 und entspre-
chend dem Urteil vom 2. Juni 2015 die Renten zugesprochen (act. 114;
115;116).
C.
C.a Am 20. April 2015 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut bei der
IV-C._ an und machte eine Degeneration des linken und rechten
Kniegelenkes geltend (act. 155). Mit Schreiben vom 18. Juli 2016 wurde
die Anmeldung zum Bezug von Invalidenleistungen an die Vorinstanz (Ein-
gang: 21. Juli 2016) weitergeleitet (act. 117).
C.b Am 1. Dezember 2015 fand eine Haushaltsabklärung durch die
C._ Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung statt. Dabei
wurde eine Einschränkung von 18.45% festgestellt (act. 149).
C.c Am 18. Februar 2016 fand eine monodisziplinäre (rheumatologische)
Begutachtung statt. Im Arztbericht vom 14. April 2016 hielt Dr. D._
fest, dass eine reduzierte Belastbarkeit beider Kniegelenke bei Gonarth-
rose beidseits vorliege. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
betrage 0%. Eine angepasste Tätigkeit sei zu 100% möglich (act. 146).
C.d Mit Vorbescheid vom 10. Januar 2017 hielt die Vorinstanz fest, dass
eine neue Anmeldung nur geprüft werde, wenn glaubhaft gemacht werde,
dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen
Weise geändert habe. Dies sei vorliegend jedoch nicht der Fall (act. 160).
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C.e Vom 17. Januar bis 30. Januar 2017 war die Beschwerdeführerin in
der Privatklinik E._ hospitalisiert. Am 18. Januar 2017 wurde ihr am
rechten Knie eine Totalprothese implantiert (act. 180).
C.f Mit zweitem Vorbescheid vom 11. Juli 2017 hielt die Vorinstanz fest, der
Vorbescheid vom 10. Januar 2017 werde annulliert und ersetzt. Dabei
wurde erneut festgehalten, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente be-
stehe, da der Invaliditätsgrad 16% betrage (act. 170).
C.g Vom 24. Oktober bis 4. November 2017 war die Beschwerdeführerin
erneut in der Privatklinik E._ hospitalisiert. Am 25. Oktober 2017
wurde ihr eine Knietotalprothese links implantiert (act. 181).
C.h Mit Verfügung vom 26. Januar 2018 wies die Vorinstanz das Leistungs-
begehren ab mit der Begründung, es liege ein Invaliditätsgrad von 16% vor.
Dieser vermöge keinen Rentenanspruch zu begründen. Aus den neu ein-
gereichten medizinischen Dokumenten sei ersichtlich, dass die Beschwer-
deführerin im Januar und Oktober 2017 eine Knietotalprothese erhalten
habe. Aufgrund der Angaben des Operateurs seien die Eingriffe jedoch
komplikationslos erfolgt und spätestens nach drei Monaten könne von ei-
ner vollen Belastbarkeit für körperlich leichte Arbeiten ausgegangen wer-
den. Im Jahre 2017 habe bei der Beschwerdeführerin somit keine durch-
gehende rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (Beschwerde-
akten [B-act. 1] Beilage 1, act. 186).
D.
D.a Dagegen erhob die Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt
Rainer Braun, am 1. März 2018 eine vorläufig begründete Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die Verfügung vom 26.
Januar 2018 sei aufzuheben und es sei ihr eine Invalidenrente ab April
2015 zuzusprechen. Sie habe im Januar 2017 eine Knietotalprothese
rechts, im Oktober 2017 eine Knietotalprothese links erhalten und es be-
stehe eine Gonarthrosenproblematik. Die Folgen der früheren Unfälle
seien ebenfalls nicht ausgeheilt. Das linke Sprunggelenk sei nach wie vor
taub und schwelle nach mehr als einer halben Stunde Gehen oder Stehen
an und auch der linke Arm sei nicht voll funktionsfähig. Der behandelnde
Arzt Dr. med. F._ attestiere der Beschwerdeführerin seit 2013 eine
zumindest teilweise Arbeitsunfähigkeit. Es sei ausserdem nicht ersichtlich,
ob die gemischte Methode zu Recht angewandt worden sei, und es sei die
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geänderte Berechnungsweise seit 1. Januar 2018 zu berücksichtigen. Un-
begründet sei auch die festgestellte 18%-ige Unfähigkeit der Beschwerde-
führerin, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B-act. 1).
D.b Am 8. März 2018 ging der mit Zwischenverfügung vom 6. März 2018
von der Beschwerdeführerin einverlangte Kostenvorschuss von Fr. 800.–
fristgerecht beim Bundesverwaltungsgericht ein (B-act. 2; 5).
D.c Mit Stellungnahme vom 26. März 2018 hält Dr. med. G._ des
medizinischen Dienstes der Vorinstanz fest, dass sich die Zumutbarkeit ei-
ner körperlich leichten Tätigkeit mit freiwählbarer Sitzmöglichkeit ganztags
nicht verschlechtert habe. Diese Belastung sei auch zumutbar mit den be-
stehenden Kniearthrosen. Die Belastbarkeit sei postoperativ jeweils für drei
Monate aufgehoben gewesen. Der behandelnde Orthopäde attestiere zwar
eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit, allerdings ohne Angaben der Zumutbar-
keit für Verweistätigkeiten (B-act. 7 Beilage 2).
D.d Mit Vernehmlassung vom 22. Mai 2018 hielt die Vorinstanz fest, dass
in den Akten kein Hinweis enthalten sei, welcher eine beeinträchtigte Ar-
beitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit be-
lege. Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit habe jeweils nur drei Monate
postoperativ (nach den Knie-Totalprothesen Operationen) bestanden und
es sei im Verlaufe des Jahres 2017 keine durchgehende rentenbegrün-
dende Invalidität ausgewiesen. Die Bemessung der Invalidität sei nach
dem neuen Berechnungsmodell vorgenommen worden und die Anwen-
dung der gemischten Methode sei nicht zu beanstanden (B-act. 7).
D.e Mit Replik vom 25. Juni 2018 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass
sie an den Anträgen gemäss Beschwerde festhalte, nicht jedoch an ihren
vorsorglich geltend gemachten Einwendungen gegen die Anwendung der
gemischten Methode oder gegen die auf den 1. Januar 2018 geänderte
Berechnungsweise. Die Vorinstanz stütze sich in medizinischer Hinsicht
auf die monodisziplinäre Abklärung des Regionalärztlichen Dienstes (RAD)
von Dr. med. D._ und die Stellungnahme des medizinischen Diens-
tes der IVSTA. Danach soll eine Arbeitsfähigkeit von 100% in einer leichten
körperlichen Tätigkeit möglich sein. Dies sei nicht richtig, denn Dr. med.
F._ attestiere der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2013 eine min-
destens 50%-ige Arbeitsunfähigkeit. Die Arbeitsunfähigkeit werde mit der
eingeschränkten Beweglichkeit und Kraft des linken Armes mit Schwel-
lungstendenz und dem Belastungsschmerz im linken Fuss sowie den Prob-
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lemen bzw. den Prothesen in beiden Knien der Beschwerdeführerin be-
gründet. Es sei ein medizinisches Gutachten einzuholen. Der Leidensab-
zug werde ausserdem den Einschränkungen, der jahrzehntelangen Abwe-
senheit vom Arbeitsmarkt, dem Alter und der verlangsamten Arbeitsweise
der Beschwerdeführerin nicht gerecht. Es sei ein Leidensabzug von 25%
gerechtfertigt. Die Beschwerdeführerin habe Anspruch auf eine halbe Inva-
lidenrente (B-act. 9).
D.f Mit Duplik vom 7. August 2018 hielt die Vorinstanz an ihrer Begründung
vom 22. Mai 2018 fest und teilte mit, dass die im Bericht Haushaltsabklä-
rung vom 1. Dezember 2015 festgestellte Gesamteinschränkung von 18%,
von welcher auch die Verfügung ausgehe, nicht angefochten werde. Aus-
serdem seien bei der ärztlichen Beurteilung die gesamten medizinischen
Unterlagen berücksichtigt worden. Die Belastbarkeit für angepasste kör-
perlich leichte Tätigkeiten sei aufgrund der Knieoperationen für jeweils drei
Monate aufgehoben gewesen. Eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit sei
jedoch nicht begründet worden. Der Leidensabzug von 10% sei ausserdem
angemessen, da die Beschwerdeführerin Verweisungstätigkeiten in einem
Vollpensum ausüben könne (B-act. 11).
D.g Mit Verfügung vom 13. August 2018 wurde der Schriftenwechsel ab-
geschlossen (B-act. 12).
D.h Am 22. November 2018 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass eine
Begutachtung durch das H._in (...) vorgesehen sei (B-act. 13). Am
7. März 2019 wurde sodann ein orthopädisch/traumatologisches Gutach-
ten durch die H._ erstellt. Dabei wurde festgehalten, dass die Be-
schwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin nicht
mehr arbeitsfähig sei. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine
100%-ige Arbeitsfähigkeit. Dies gelte seit Begutachtung im Februar 2016
bis dato (B-act. 17 Beilage 8).
D.i Vom 28. bis 31. Mai 2019 wurde die Beschwerdeführerin aufgrund einer
Operation am linken Fuss hospitalisiert (B-act. 17 Beilage 10).
D.j Dr. med. F._ hält in seinem Bericht vom 4. Dezember 2019 fest,
dass aufgrund der Fussoperation eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit bis 31.
Juli 2019 bestanden habe. Davor und danach liege eine 50%-ige Arbeits-
unfähigkeit vor (B-act. 17 Beilage 10).
D.k Mit ergänzender Stellungnahme vom 6. Februar 2020 hielt die
H._ fest, dass der operative Eingriff am linken Fuss vom 25. Mai
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Seite 7
2019 (recte: 28. Mai 2019) keine relevanten Auswirkungen auf die Arbeits-
und Leistungsfähigkeit habe. Der Arztbericht von Dr. med. F._ ent-
halte sodann auch keine Angaben zu funktionellen Defiziten. Die funktio-
nellen Einschränkungen am linken Ellbogen, an beiden Kniegelenken und
am linken Fuss seien in der Beurteilung vom 23. Januar 2019 ausreichend
gewürdigt worden (B-act. 19 Beilage 13).
D.l Mit Verfügung vom 8. Juli 2020 wurde der Schriftenwechsel wieder ge-
öffnet (B-act. 20). Mit Stellungnahme vom 29. Juli 2020 teilte die Vorinstanz
mit, dass die nach der angefochtenen Verfügung zusätzlich erstellten und
eingereichten Unterlagen, insbesondere das Gutachten des H._
vom 7. März 2019 und die ergänzende Stellungnahme vom 6. Februar
2020, zum gleichen Schluss kämen, wie die bereits früheren Stellungnah-
men des medizinischen Dienstes. So sei die Beschwerdeführerin in der
angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig, in einer leidensangepass-
ten Tätigkeit sei sie jedoch zu 100% arbeitsfähig. Es gebe auch keine Be-
handlungen mehr nach der beidseitigen Knie-Totalprothese sowie wegen
der Schmerzen am linken Ellbogen und linken Fuss. Im Rahmen der Un-
tersuchungen seien an beiden Kniegelenken, am linken Fuss und Ellbo-
gengelenk nur minime bis mässige funktionelle Einschränkungen festge-
stellt worden (B-act. 21).
D.m Mit Verfügung vom 6. August 2020 wurde der Schriftenwechsel erneut
geschlossen (B-act. 22).
E.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen
wird – sofern erforderlich und rechtserheblich – in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst.
b IVG [SR 831.20]).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen Verfü-
gung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse
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Seite 8
an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb sie zur Erhebung der Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde, ist auf die
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten (Art. 60 ATSG;
Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4 VwVG).
1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich grund-
sätzlich nach dem VwVG (SR 172.021 [Art. 37 VGG]). Vorbehalten bleiben
gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG die besonderen Bestimmungen des ATSG
(SR 830.1).
2.
Im Verhältnis Schweiz – C._, das heisst bei (ehemaliger oder aktu-
eller) Erwerbstätigkeit in der Schweiz und Wohnsitz in C._, ist das
Übereinkommen vom 4. Januar 1960 zur Errichtung der Europäischen
Freihandelsassoziation zwischen den EFTA Staaten Schweiz, Island,
C._ und Norwegen (SR 0.632.31; nachfolgend: EFTA-Übereinkom-
men) anwendbar. Gemäss Art. 21 Bst. a des EFTA-Übereinkommens wer-
den die Systeme der sozialen Sicherheit koordiniert, um insbesondere die
Gleichbehandlung aller Mitglieder der Vertragsstaaten zu gewährleisten.
Nach Art. 1 Anhang K-Anlage 2 sind die Mitgliedstaaten übereingekom-
men, im Bereich der Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
untereinander die Rechtsakte der Europäischen Union anzuwenden. Bis
zum 31. Dezember 2015 waren somit die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71
des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Sys-teme der sozialen
Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie deren Familienan-
gehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwan-dern (SR
0.831.109.268.1; kurz: VO Nr. 1408/71) und deren Durchfüh-rungsverord-
nung (EWG) Nr. 574/72 (SR 0.831.109.268.11; kurz: VO Nr. 574/72) an-
wendbar. Ab dem 1. Januar 2016 gelangen auch im Bereich des EFTA-
Übereinkommens die (im Verhältnis zwischen der Schweiz und den Staa-
ten der Europäischen Gemeinschaft bereits seit 1. Januar 2012 mass-ge-
benden) Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parla-ments
und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der so-
zialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.1; kurz: VO 883/2004) sowie (EG) Nr.
987/2009 (SR 0.831.109.268.11; kurz: VO 987/2009) des Europä-ischen
Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung der
Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 zur Anwendung. Das
Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt sich auch im An-
wendungsbereich des Freizügigkeitsabkommens ausschliesslich auf-
grund der schweizerischen Rechtsvorschriften, insbesondere dem IVG,
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Seite 9
der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201), dem ATSG sowie der entsprechenden Verordnung vom 11.
September 2002 (ATSV, SR 830.11; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des
BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4 m. H.; BASILE CARDINAUX, §
7 Beweiserhebung im Ausland, in: Recht der Sozialen Sicherheit, 2014, S.
281 Rz. 7.23; Urteil des BVGer C-998/2018 vom 19. Dezember 2019
E. 2.4. m. H.).
3.
Streitig ist die nicht zugesprochene IV-Rente nach Neuanmeldung. Zu-
nächst sind die für die Beurteilung massgebenden gesetzlichen Bestim-
mungen und die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze darzu-
legen.
3.1 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 26. Januar 2018 in Kraft standen; weiter aber auch
Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren,
die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprü-
che von Belang sind.
3.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 26. Januar 2018) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 445 E. 1.2). Tatsachen, die jenen Sach-
verhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer
neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b; Urteil des BGer
8C_136/2017 vom 7. August 2017 E. 3). Immerhin sind indes Tatsachen,
die sich erst später verwirklichen, soweit zu berücksichtigen, als sie mit
dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet
sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen
(BGE 121 V 362 E. 1b; Urteile des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008
E. 2.3.1; 8C_95/2017 vom 15. Mai 2017 E. 5.1).
3.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
C-1271/2018
Seite 10
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.4 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar-
beitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
3.4.1 Hinsichtlich der Voraussetzung der durchschnittlichen 40%-igen Ar-
beitsunfähigkeit verweist das Gesetz auf Art. 6 ATSG, wobei die Arbeitsun-
fähigkeit, als die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten, defi-
niert wird. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem
anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt. Der Gesetzgeber ging
davon aus, dass eine lange Dauer der Arbeitsunfähigkeit anzunehmen ist,
wenn diese mehr als sechs Monate dauert. Nach der Rechtsprechung ist
eine Verwertung in einer anderen Tätigkeit jedenfalls so lange ausge-
schlossen, als dies «vernünftigerweise» nicht verlangt werden kann (UELI
KIESER, ATSG Kommentar, 4. Auflage, 2020, Art. 6 N. 98).
3.4.2 Liegt nach Ablauf der Wartezeit kein rentenbegründender Invaliditäts-
grad von 40% vor und damit auch kein Rentenanspruch, so ist eine nach-
folgende gesundheitliche Verschlechterung als neuer Versicherungsfall zu
bezeichnen, dies mit der Folge, dass die Wartezeit erneut zu bestehen ist.
(vgl. Urteil des BGer 9C_942/2015 vom 18. Februar 2016 E. 3.3.3; BGE
142 V 547).
C-1271/2018
Seite 11
3.5
3.5.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades ver-
weigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV (SR 831.201) eine neue Anmel-
dung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Be-
stimmung erfüllt sind. Demnach ist in der Neuanmeldung glaubhaft zu ma-
chen, dass sich der Grad der Invalidität des Versicherten in einer für den
Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neu-
anmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver-
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verän-
derung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat dem-
nach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1
ATSG vorzugehen (BGE 130 V 71 E. 3; AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinwei-
sen). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren
rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie
das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die
festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün-
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwer-
defall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE
117 V 198 E. 3a; BGE 109 V 108 E. 2b).
3.5.2 Ob eine erhebliche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch den
Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicher-
ten Person eröffneten rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materi-
ellen Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs mit rechtskonfor-
mer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den er-
werblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht, mit demje-
nigen zur Zeit der streitigen Verfügung; vorbehalten bleibt die Rechtspre-
chung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 130 V 71
E. 3.2.3).
3.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Hin-
sichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
C-1271/2018
Seite 12
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und
Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine
begutachtende medizinische Fachperson muss über die notwendigen
fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des BGer 9C_555/2017 vom 22.
November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.7 Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Vo-
raussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für
die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle
Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit
oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizini-
schen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG).
3.8 Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der
IVSTA, welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie
Aktengutachten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt
und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztli-
che Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl.
Urteile des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015
vom 8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit
Hinweisen). Der RAD hat die vorhandenen Befunde aus medizinischer
Sicht zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen
medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf
die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche
Untersuchung vorzunehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten
für die streitigen Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die
Stellungnahme einer versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine
abschliessende Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weiterge-
henden Abklärungen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom
25. März 2011 E. 3.3). Ergänzende Abklärungen sind auch bei nur gerin-
gen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Fest-
stellungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465; 122 V 157
E. 1d).
3.9 Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt
eines Versicherten sind – analog zur vorerwähnten Rechtsprechung betref-
C-1271/2018
Seite 13
fend die Beweiskraft von Arztberichten – verschiedene Faktoren zu berück-
sichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Per-
son verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält-
nissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Be-
einträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der ver-
sicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der
Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss schliesslich
plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen
Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle
erhobenen Angaben stehen (in BGE 134 V 9 [Urteil des BGer I 246/05 vom
30. Oktober 2007] nicht publizierte E. 5.2 mit Hinweisen). Trifft all dies zu,
ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig. Diese Beweiswürdigungskrite-
rien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art
und Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten
analog für den Teil des Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Um-
fang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit
häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (vgl. Urteil des
BGer I 236/2006 vom 19. Juni 2006 E. 3.2 mit Hinweisen).
3.10 Die Bemessung der Invalidität erfolgt bei erwerbstätigen Versicherten
in der Regel nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG), bei nichterwerbstätigen Versicherten durch einen Be-
tätigungsvergleich nach der spezifischen Methode (Art. 28a Abs. 2 IVG
i.V.m. Art. 27 IVV [SR 831.201]) und bei teilerwerbstätigen Versicherten mit
einem Aufgabenbereich nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3
IVG und Art. 27bis IVV i.V.m. Art. 28a Abs. 1 und 2 IVG; Art. 16 ATSG und
Art. 27 IVV).
3.11 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-
hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG; vgl. auch Art. 88a IVV). Die Herabsetzung
oder Aufhebung der Renten (...) erfolgt frühestens vom ersten Tag der Zu-
stellung der Verfügung folgenden Monats an (Art. 88bis Abs. 2 Bst. a IVV).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsäch-
lichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den In-
validitätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist
die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes
oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Ge-
sundheitszustandes revidierbar (BGE 134 V 131 E. 3 S. 132). Nach der
C-1271/2018
Seite 14
Rechtsprechung sind diese Revisionsbestimmungen bei der rückwirken-
den Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Rente analog an-
wendbar (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen), weil noch vor Erlass der
ersten Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung einge-
treten ist mit der Folge, dass dann gleichzeitig die Änderung mitberücksich-
tigt wird. Wird rückwirkend eine abgestufte oder befristete Rente zugespro-
chen, sind einerseits der Zeitpunkt des Rentenbeginns und anderseits der
in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a IVV festzusetzende Zeit-
punkt der Anspruchsänderung die massgebenden Vergleichszeitpunkte
(Urteil BGer 8C_269/2015 vom 18. August 2015 E. 3.2 mit Hinweis).
4.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz die Neuanmeldung der Be-
schwerdeführerin zurecht mit der Begründung abwies, der Gesundheitszu-
stand habe sich seit 18. September 2015 (Zeitpunkt der letzten Verfügun-
gen) nicht wesentlich verschlechtert.
4.1 Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. Juni 2015 wurden die
angefochtenen Verfügungen vom 19. November 2012 aufgehoben und der
Beschwerdeführerin vom 1. Januar bis 30. April 2010 eine ganze Rente,
vom 1. Mai bis 30. Juni 2010 eine Dreiviertelsrente und von 1. Oktober
2010 bis 31. Januar 2011 eine ganze Rente zugesprochen; ab 1. Februar
2011 entfiel der Rentenanspruch. Die Vorinstanz hat mit Verfügungen vom
18. September 2015 das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. Juni
2015 vollzogen. Zu diesem Zeitpunkt wurden keine weiteren medizinischen
Abklärungen getätigt. Eine letzte materielle Prüfung fand somit im Rahmen
der Verfügungen vom 19. November 2012 statt womit dieser Zeitpunkt als
Vergleichsbasis gilt unter Berücksichtigung der Ausführungen im Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts vom 2. Juni 2015 (vgl. E. 3.5.2).
4.2
4.2.1 Mit Verfügung vom 19. November 2012 wurde das Leistungsbegeh-
ren der Beschwerdeführerin abgelehnt unter anderem mit der Begründung,
es liege ab 25. November 2010 keine relevante Arbeitsunfähigkeit mehr
vor. Dies in Übereinstimmung mit dem Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts vom 2. Juni 2015, in welchem ebenfalls davon ausgegangen wurde,
dass eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ab November 2010
eingetreten ist. So hielt Dr. med. I._ RAD in seiner Stellungnahme
vom 11. September 2012 fest, dass seit dem 30. Oktober 2010 die Be-
schwerdeführerin in allen angepassten Tätigkeiten unter Berücksichtigung
C-1271/2018
Seite 15
der funktionellen Beeinträchtigungen wieder voll arbeitsfähig sei. Am 25.
Februar 2011 habe der behandelnde Chirurg eine Wiederherstellung des
Gesundheitszustandes bei 90% festgestellt. Daher gebe es ab diesem
Zeitpunkt keine signifikanten funktionellen Beeinträchtigungen mehr und
die Arbeitsfähigkeit sei auch bei nicht adaptierten Aktivitäten vollständig ge-
geben. Ab 25. Februar 2011 sei die Beschwerdeführerin selbst in ihrer an-
gestammten Tätigkeit als Geschäftsführerin einer Feinbäckerei als voll-
ständig arbeitsfähig zu erachten (act. 90). Es ist somit davon auszugehen,
dass ab Februar 2011 bis zum Zeitpunkt der Verfügungen am 19. Novem-
ber 2012 keine gesundheitlichen Einschränkungen mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit vorlagen.
4.2.2 Die Vorinstanz lehnte das neue Gesuch vom 20. April 2015 mit Ver-
fügung vom 26. Januar 2018 ab. In ihrer Begründung hielt sie dazu fest,
dass aufgrund der Gesundheitsbeeinträchtigung eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit ab 21. Dezember 2015 (An-
merkung Gericht: Arztbericht Dr. F._) bestehe. Hingegen betrage
die Arbeitsunfähigkeit in einer dem Gesundheitszustand angepassten Tä-
tigkeit 0% ab 21. Dezember 2015. Es liege ein IV-Grad von 16% vor und
damit keine Invalidität, welche einen Rentenanspruch begründen könne.
Aus den neu eingereichten medizinischen Unterlagen (den Arztberichten
von Dr. med. F._ vom 4. Juli und 29. Dezember 2017, den Austritts-
berichten der Privatklinik E._ vom 20. Februar und 7. Dezember
2017, dem Operationsbericht von Dr. med. F._ vom 7. August 2013
und dem Operationsbericht E._ vom 26. Oktober und 18. Januar
2017) gehe nichts Neues hervor. Die postoperativen Verläufe seien kom-
plikationslos gewesen. Bei normalem Verlauf könne spätestens nach drei
Monaten von einer vollen Belastbarkeit für körperlich leichte Arbeiten aus-
gegangen werden. Somit sei im Verlaufe des Jahres 2017 keine durchge-
hende rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (act. 186).
4.3 Seit 19. November 2012 liegen bis zum Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung (26. Januar 2018) im Wesentlichen folgende medizinischen Ak-
ten vor:
 Operationsbericht von Dr. med. F._ vom 7. August 2013. Darin
wird festgehalten, dass unter anderem aufgrund einer medialen Menis-
kusläsion, Plica mediopatellaris und einer generalisierten Chondromala-
zie am linken Knie sowie einer medialen Meniskusläsion, Plica medio-
patellaris und medialen Gonarthrose am rechten Knie folgende Opera-
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Seite 16
tionen durchgeführt wurden: 1. Mediale Teilmeniskektomie, Plicaresek-
tion Knie links, 2. Mediale Teilmeniskektomie, Plicaresektion Knie rechts
(act. 182).
 Dr. med. F._, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, hält im Arztbericht vom 30. Oktober 2015 fest,
dass bei der Beschwerdeführerin mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig-
keit seit Jahren eine Gonarthrosenproblematik beidseits vorliege. Ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit liege ein Status nach Calcaneus
Osteotomie, Transfer einer Sehne (Flexor digitorum longus) bei Tibialis-
posterior-Insuffizienz, eine Hypertonie, Heuschnupfen und eine Silber-
und Nickelallergie vor. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäufe-
rin liege eine 70%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Januar bis 6. August
2013, eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 7. August bis 20. Septem-
ber 2013, eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 21. September bis 4.
Oktober 2013 sowie eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 18. August
2014 bis 9. November 2015 vor (act. 150).
 In der monodisziplinären Abklärung des RAD vom 14. April 2016 hält Dr.
med. D._, Physikalische Medizin und Rehabilitation, als Diagno-
sen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest: eine reduzierte Be-
lastbarkeit beider Kniegelenke bei Gonarthrose beidseits, rechts deut-
lich ausgeprägter als links, mit rezidivierenden punktionspflichtigen Er-
güssen. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führt
sie auf: Status nach Fahrradunfall mit Verletzung des rechten (recte: lin-
ken) Fusses, Status nach Calcaneus-Osteotomie und Sehnentransfer
08/2009, Metallentfernung 2010, arterielle Hypertonie, medikamentös
eingestellt, Diabetes mellitus (Grenzbereich), Rhinitis allergica (laut Be-
schwerdeführerin seit 15 Jahren Asthma bronchiale), Silber und Ni-
ckelallergie. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit betrage
0% spätestens ab Untersuchungsdatum. Es bestehe eine 100%-ige Ar-
beitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit seit jeher, mit Ausnahme kurzfristi-
ger Arbeitsunfähigkeits-Zeiten. Dabei sei zu berücksichtigen, dass es
sich um eine leichte körperliche Tätigkeit mit überwiegender und frei
wählbarer Sitzmöglichkeit ohne Beanspruchung der unteren Extremitä-
ten, kein repetitives Treppengehen, keine Tätigkeit im Hocken und
Knien, handeln müsse (act. 146).
 Am 31. August 2016 hält Dr. J._, Neurologie, des ärztlichen
Dienstes der IV-Stelle-C._, in ihrer Stellungnahme fest, dass die
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Seite 17
Einschätzung von Dr. med. D._ ihre Gültigkeit behalte bis zu ei-
ner allfälligen Knieprothesen-Operation, danach sei mit einer sechsmo-
natigen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit zu rechnen (act. 138).
 Am 2. Januar 2017 hält Dr. G._, Allgemeine Medizin, des ärztli-
chen Dienstes der IVSTA, in seiner medizinischen Stellungnahme fest,
es könne nicht glaubhaft gemacht werden, dass sich die Arbeitsunfähig-
keit in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert habe. Die
Angaben im Fragebogen (für die im Haushalt tätigen Versicherten) vom
5. Dezember 2016 entsprächen genau den Erhebungen bei der Abklä-
rung vor Ort im Dezember 2015 (Einschränkung 18,5%). Dazu sei eine
ausserhäusliche angepasste leichte Tätigkeit vollzeitlich zumutbar (act.
159).
 Im Operationsbericht vom 18. Januar 2017 hält Dr. med. F._ fest,
dass eine Implantation einer Knietotalprothese rechts aufgrund einer
Gonarthrose rechts durchgeführt worden sei (act. 183).
 Am 21. August 2017 hält Dr. G._ in seiner Stellungnahme fest,
dass die bisherigen Stellungnahmen auch aufgrund der neu eingereich-
ten Unterlagen der Beschwerdeführerin, insbesondere der Arztzeug-
nisse von Dr. med. F._ betreffend eine 50%-ige Arbeitsunfähig-
keit vom 21. Dezember 2015 bis 5. Januar 2017, nicht geändert werden
müssten (act. 174).
 Im Operationsbericht von Dr. med. F._ vom 26. Oktober 2017
hält dieser fest, dass eine Implantation einer Knietotalprothese links auf-
grund einer Gonarthrose links durchgeführt worden sei (act. 181) .
 Im Arztbericht vom 29. Dezember 2017 hält Dr. med. F._ als Di-
agnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest:
- St.n. Knietotalprothese links am 25. Oktober 2017
- St.n. Knietotalprothese rechts am 18. Januar 2017
- St.n. Kniearthroskopie und medial Teilmeniskektomie (Teilentfernung
des beschädigten Meniskusanteils) beidseits am 7. August 2013
- St.n. FDL (Flexor digitorum longus, langer Zehenbeuger) Transfer aus
Os naviculare und mediale sliding Osteotomie (Knochendurchtren-
nung) Calcaneus Fuss links am 21. August 2009
- St.n. Débridement (Wundtoilette) und Naht Peroneus longus und brevis
Sehnen und Schraubenentfernung Calcaneus Fuss links am 30. Au-
gust 2010
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- St.n. Osteosynthese Ellbogen links 1983
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hält er eine
arterielle Hypertonie und ein allergisches Asthma bronchiale fest. Es
liege eine Arbeitsunfähigkeit von 50% vor und jeweils von 100% vom
17. Januar bis 21. Juni 2017 und vom 25. Oktober bis 31. Dezember
2017. Die bisherige Tätigkeit sei noch zu 50% medizinisch zumutbar
(eingeschränkte Beweglichkeit und Kraft linker Arm, Schwellungsten-
denz und Belastungsschmerz linker Fuss, Status nach Knie Totalpro-
these beidseits). Es liege keine verminderte Leistungsfähigkeit vor, die
Beschwerdeführerin brauche jedoch doppelt so viel Zeit (B-act. 1 Bei-
lage 6; 177 S. 8).
 Dr. med. F._ hält in weiteren diversen Arztzeugnissen fest, dass
die Beschwerdeführerin zu 70% arbeitsunfähig war vom 1. Januar bis
6. August 2013 und zu 100% vom 7. August bis 20. September 2013.
Ab 21. September bis 4. Oktober 2013 bestätigt er eine 50%-ige Ar-
beitsunfähigkeit. Des Weiteren bestätigt er eine 50%-ige Arbeitsunfä-
higkeit vom 18. August 2014 bis 21. Dezember 2015, ab 21. Dezember
2015 bis 21. Juni 2016 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit, ab 22. Juni
2016 bis 5. Januar 2017 eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit und dann wie-
der ab 1. Mai bis 24. Oktober 2017 eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit
(act. 154; B-act. 1 Beilage 5).
 Mit Bericht vom 19. Januar 2018 verweist Dr. med. G._, Allge-
meine Medizin, auf die Stellungnahme vom 21. August 2017 und hält
fest, es bestehe ein Status nach Einlage einer Knietotalprothese beid-
seits im Januar und Oktober 2017. Gemäss Operateur sei der posto-
perative Verlauf beidseits komplikationslos gewesen. Bei normalem
Verlauf könne spätestens drei Monate nach Einlage der Knietotalpro-
thesen von einer vollen Belastbarkeit für körperlich leichte Arbeiten
ausgegangen werden. Somit bestehe im Verlauf des Jahres 2017 keine
durchgehende Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50%. Die einge-
schränkte Beweglichkeit im Ellbogen schränke eine angepasste Arbeit
keineswegs aus und trotz Pathologie am Fuss sei ein hinkfreier Gang
möglich. Die Stellungnahme vom 21. August 2017 müsse nicht geän-
dert werden (act. 185).
4.4 Mit Beschwerde vom 1. März 2018 machte die Beschwerdeführerin gel-
tend, die Vorinstanz gehe davon aus, dass die Knieproblematik nur zu einer
vorübergehenden Einschränkung der Belastbarkeit geführt habe. Dr. med.
F._ hingegen attestiere der Beschwerdeführerin aufgrund der
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Seite 19
Knieproblematik seit 2013 eine zumindest teilweise Arbeitsunfähigkeit. Die
Vorinstanz stütze sich auf die monodisziplinäre Abklärung von Dr. med.
D._ und die Stellungnahme des medizinischen Dienstes der IVSTA.
Demnach soll eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten körperlichen
Tätigkeit möglich sein. Dies sei nicht richtig. Insbesondere werde dem Arzt-
bericht von Dr. med. F._ vom 29. Dezember 2017 nicht ausreichend
Beachtung geschenkt. Dieser attestiere der Beschwerdeführerin ab 1. Ja-
nuar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50%, welche mit der ein-
geschränkten Beweglichkeit und Kraft des linken Armes, mit Schwellungs-
tendenz und Belastungsschmerz im linken Fuss sowie den Problemen bzw.
den Prothesen in beiden Knien begründet werde. Die Beschwerdeführerin
benötige doppelt so viel Zeit für die Verrichtung der Tätigkeiten, auch bei
einer leidensangepassten Tätigkeit. Dr. med. D._ habe zudem nur
Prognosen stellen können bezüglich der Beeinträchtigung der Knieprothe-
sen, da die Operationen nach ihrem Arztbericht 18. Februar 2016 stattfan-
den. Auch ergebe sich aus den RAD Abklärungen nicht, ob sich die Ope-
rationen vom 18. Januar und 25. Oktober 2017 auf die Arbeitsfähigkeit aus-
wirkten und inwiefern die bereits bestehenden Einschränkungen des linken
Fusses und des linken Ellbogens mit den Knieprothesen/-problemen zu-
sammentreffen (B-act. 9).
4.5 Die Vorinstanz hingegen hält fest, dass das Attestieren von Arbeitsun-
fähigkeiten durch Dr. med. F._ aufgrund fehlender Begründungen
und Angaben zur Zumutbarkeit für Verweistätigkeiten nicht ausreiche. Er
beziehe sich auf Funktionsausfälle in der bisherigen Tätigkeit und stelle
fest, dass diese zu 50% ausgeübt werden könne. Es sei nicht nachvollzieh-
bar inwiefern die bestehende Funktionseinschränkung der Versicherten ei-
nen Einfluss auf eine leidensangepasste Tätigkeit habe. In der Stellung-
nahme des RAD seien die Arztberichte von Dr. med. F._ mitberück-
sichtigt worden. Spätestens drei Monate nach den Operationen könne von
einer vollen Belastbarkeit für körperlich leichte Arbeiten ausgegangen wer-
den. Somit habe im Verlaufe des Jahres 2017 keine durchgehende Arbeits-
fähigkeit bestanden (B-act. 7; 11).
4.6 Zu unterscheiden sind im Folgenden einerseits die bestätigten Arbeits-
unfähigkeiten hinsichtlich der angestammten Tätigkeit (E. 4.6.1) und ande-
rerseits in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit (E. 4.6.2). Die nach dem
26. Januar 2018 erstellten Arztberichte/Gutachten sind vorliegend zu be-
rücksichtigen, da sie Rückschlüsse auf die Gesundheitssituation vor dem
26. Januar 2018 zulassen (vgl. E. 3.2).
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Seite 20
4.6.1 Aus den Akten ergibt sich, dass der behandelnde Arzt Dr. med.
F._ die Beschwerdeführerin seit 2013 aufgrund von Gonarthrosen-
beschwerden beidseits in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin zu
unterschiedlichem Mass für arbeitsunfähig beurteilte:
- 70%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Januar bis 6. August 2013
- 100%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 7. August bis 20. September 2013,
- 50%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 21. September bis 4. Oktober 2013
- 50%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 18. August 2014 bis 9. November 2015
(act. 150)
Dr. med. D._ hält in ihrem Arztbericht vom 14. April 2016 fest, dass
in der angestammten Tätigkeit spätestens ab Untersuchungsdatum eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit vorliege (act. 146), was auch von Dr.
J._ gestützt wird, indem diese festhält, dass die Abklärung von Dr.
med. D._ ihre Gültigkeit behalte bis zum Tage der Knieoperation
(act. 138). In Übereinstimmung dazu hält Dr. med. K._ in seinem
orthopädischen traumatologischen Gutachten vom 7. März 2019 fest, dass
die Beschwerdeführerin seit Februar 2016 (Untersuchung Dr. D._)
in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin nicht mehr arbeitsfähig sei.
Als Begründung führt er aus, dass seit August 2013 die funktionellen Ein-
schränkungen der Kniegelenke zunehmend relevant geworden seien (in
Übereinstimmung mit der Einschätzung von Dr. med. F._ vom 30.
Oktober 2015 für den Zeitraum bis November 2015) und ab diesem Zeit-
punkt von einer steigenden Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit
auszugehen sei. Ab Februar 2016 sei die angestammte Tätigkeit nicht
mehr zumutbar (B-act. 17 Beilage 8). Daran ändert auch der Arztbericht
vom 29. Dezember 2017 von Dr. med. F._ nichts, welcher festhält,
dass die bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin noch zu 50% zumut-
bar sei (B-act. 1 Beilage 6; 177 S. 8), da diese Einschätzung – wie oben
ausgeführt – nicht übereinstimmt mit den übrigen Akten und auch von kei-
nem weiteren Arztbericht gestützt wird. Es ist somit insgesamt davon aus-
zugehen, dass ab August 2013 bis 9. November 2015 aufgrund der Arzt-
zeugnisse von Dr. med. F._ und der Einschätzung von Dr. med.
K._ vom 7. März 2019 in der angestammten Tätigkeit eine (Teil-)
Arbeitsunfähigkeit vorlag. Seit Februar 2016 besteht eine 100%-ige Ar-
beitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit.
4.6.2 Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit äus-
sert sich Dr. med. F._ nicht explizit, auch nicht in seinem Arztbericht
vom 29. Dezember 2017 (B-act. 1 Beilage 6; 177 S. 8). Deshalb kann hier
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Seite 21
ohne weiteres auf die gutachterlichen Beurteilungen abgestellt werden: Dr.
med. D._ hält in ihrer monodisziplinären Abklärung vom 14. April
2016 fest, dass bei einer angepassten Tätigkeit eine 100%-ige Arbeitsfä-
higkeit vorliege. Des Weiteren hält sie die bei der Ausübung einer ange-
passten Tätigkeit zu berücksichtigenden Einschränkungen (leichte körper-
liche Tätigkeit mit überwiegender und frei wählbarer Sitzmöglichkeit ohne
Beanspruchung der unteren Extremitäten, kein repetitives Treppengehen,
keine Tätigkeit im Hocken und Knien) fest (act. 146). Die Einschätzung von
Dr. med. D._ wird ebenfalls mit Stellungnahme vom 31. August
2016 von Dr. J._, Neurologie, bestätigt. Sie hält fest, dass die Ab-
klärung von Dr. med. D._ bis zum Tage der (Knieprothesen-) Ope-
ration ihre Gültigkeit behalte (act. 138). Folglich kann davon ausgegangen
werden, dass bis zur ersten Knietotalprothesen-Operation am 18. Januar
2017 durchgehend eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit bestand. Für den weiteren Verlauf hält Dr. med. G._ – ge-
stützt auf die Angaben des Operateurs – in seinem Arztbericht vom 19.
Januar 2018 fest, dass drei Monate nach den Knietotalprothese-Operatio-
nen wieder von einer vollen Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte Tätigkei-
ten ausgegangen werde könne. So habe sich auch anlässlich der letzten
Untersuchung durch Dr. med. F._ ein hinkfreier Gang gezeigt. Die
eingeschränkte Beweglichkeit im (linken) Ellbogen schliesse eine ange-
passte Arbeit keineswegs aus und trotz der (zusätzlichen) Pathologie am
(linken) Fuss sei ein hinkfreier Gang möglich (act. 185). Auch hält Dr. med.
K._, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-
apparates, in seinem Gutachten vom 7. März 2019 fest, dass in einer lei-
densangepassten Tätigkeit eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Dies
gelte seit Februar 2016 bis dato. Der künstliche Kniegelenksersatz diene
in der Regel einer Linderung der Schmerzen, hinsichtlich der Belastbarkeit
sei nicht von einer wesentlichen Steigerung auszugehen. Im Rahmen einer
aktuellen Untersuchung habe man an beiden Kniegelenken, am linken
Fuss und auch am linken Ellbogengelenk nur minime bis gering-mässige
funktionelle Einschränkungen feststellen können. Die von der Beschwer-
deführerin beklagten Beschwerden, vor allem der Kniegelenke, hätten
nicht objektiviert werden können (B-act. 17 Beilage 8). Und in seiner er-
gänzenden Stellungnahme vom 6. Februar 2020 hält er fest, der operative
Eingriff am linken Fuss (Operation eines Hallux valgus) am 28. Mai 2019
habe nach Kenntnisnahme der aktuellen medizinischen Berichte keine re-
levanten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Am 15. Oktober 2019 habe
der Phlebologe zudem keine Ödeme an beiden Fussknöcheln bestätigen
können (vgl. dazu B-act.17 Beilage). Er habe die funktionellen Einschrän-
kungen am linken Ellbogen, an beiden Kniegelenken und am linken Fuss
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Seite 22
im Belastungsprofil ausreichend gewürdigt und es resultiere keine Recht-
fertigung einer quantitativen Leistungseinschränkung, es könne den Be-
richten von Dr. med. F._ auch keine Begründung (für die zusätzliche
Einschränkung) entnommen werden (act. B-act. 19 Beilage 13).
Damit wurden die Einschränkungen am linken Ellbogen, linken Fuss und
beiden Kniegelenken umfassend berücksichtigt. Dies ergibt sich des Wei-
teren auch aus dem Belastungsprofil hinsichtlich einer angepassten Tätig-
keit entsprechend dem orthopädisch/traumatologischen Gutachten vom 7.
März 2019 von Dr. med. K._. Dieser hält in seinen Ausführungen
ebenfalls fest, dass Dr. med. F._ wohl von einer Verschlechterung
der Einschränkungen am linken Ellbogen und am linken Fuss ausgehe, da
er die Diagnosen zuerst als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
und später als relevant für die Arbeitsfähigkeit beurteile. Die Beschwerde-
führerin sei jedoch in einer angepassten Tätigkeit in der Lage, diese ohne
Einschränkungen der Geschwindigkeit zu verrichten. Die Einschränkungen
des linken Ellbogens seien ausserdem bei der Beurteilung der Arbeitsfä-
higkeit berücksichtigt worden (B-act. 17 Beilage 8).
4.6.3 Zusammenfassend kann somit festgestellt werden, dass es bei der
Beschwerdeführerin seit August 2013 zu einer gesundheitlichen Ver-
schlechterung gekommen ist und sie in der angestammten Tätigkeit ab die-
sem Zeitpunkt zu mindestens 50% arbeitsunfähig war (vgl. E. 4.6.1). Für
die Zeit vom 10. November 2015 bis 31. Januar 2016 ist ebenfalls von einer
mindestens 50%-igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
auszugehen, da Dr. med. K._ eine fortlaufende Verschlechterung
seit August 2013 medizinisch bestätigt hat. Seit Februar 2016 ist die Be-
schwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig.
In einer angepassten Tätigkeit bestand jedoch seit August 2013 durchge-
hend eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit, da es weder seitens des behandeln-
den Arztes Dr. med. F._ noch anderer Arztberichte in den Akten ei-
nen Hinweis darauf gibt, dass die Beschwerdeführerin in einer angepass-
ten Tätigkeit ebenfalls eingeschränkt gewesen sei mit Ausnahme einer je
dreimonatigen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit nach den Knieope-
rationen, welche am 18. Januar und 25. Oktober 2017 stattfanden. Ab Feb-
ruar 2018 kann aufgrund des komplikationslosen Verlaufs nach den Knie-
operationen wieder von einer 100% Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit ausgegangen werden. Die Einschränkungen des linken Ellbogens
und des linken Fusses (Stand: vor der Operation im Juni 2019) sowie der
Knie wurden explizit in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass dem orthopädisch/traumatologischen
C-1271/2018
Seite 23
Gutachten vom 7. März 2019, das auch die formellen Anforderungen an
ein Gutachten erfüllt (E. 3.6), volle Beweiskraft zukommt und auf die darin
ausgeführte Leistungsbeurteilung abzustellen ist. Von weiteren medizini-
schen Abklärungen sind vorliegend keine neuen Erkenntnisse mehr zu er-
warten, weshalb auf solche in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten
und der mit Replik gestellte entsprechende Eventualantrag abzuweisen ist
(vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3).
4.6.4 Hinsichtlich der Folgen nach der Operation des linken Fusses am 28.
Mai 2019 (B-act. 17 Beilage 10) und deren Auswirkungen auf die Arbeits-
fähigkeit, ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass der Sachverhalt im Zeit-
punkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (hier 26. Januar 2018)
massgebend ist. Änderungen, welche nachfolgend eingetreten sind, sind
grundsätzlich Gegenstand einer erneuten Verwaltungsverfügung (vgl. E.
3.2).
5.
Nachfolgend ist die Invalidität zu bemessen und der daraus resultierende
Invaliditätsgrad zu bestimmen. Es ist davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführerin im Durchschnitt heute als Nichtinvalide zu 60% erwerbs-
tätig und zu 40% im Haushalt tätig wäre. Dies wurde durch den Abklärungs-
bericht Haushalt vom 1. Dezember 2015 so erhoben und ist unbestritten
(act. 149). Der Invaliditätsgrad ist daher mit der gemischten Methode zu
ermitteln.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, bei der invaliditätsbedingten
Einschränkung im erwerblichen Bereich hätte das IV-Einkommen mit 50%
des massgebenden Lohnes festgelegt werden müssen. Der Leidensabzug
werde ausserdem den Einschränkungen, der jahrzehntelangen Abwesen-
heit vom Arbeitsmarkt, ihrem Alter und der Tatsache, dass die Beschwer-
deführerin Tätigkeiten nur mit halber Geschwindigkeit ausüben könne,
nicht gerecht. Es rechtfertige sich ein Leidensabzug von 25%. Bei einer
adaptierten Tätigkeit von 50% und einem Leidensabzug von 25% ergebe
sich auf eine Erwerbstätigkeit von 60% umgerechnet und unter Beachtung
der haushaltsbezogenen Einschränkung ein IV-Grad von 56%. Die Be-
schwerdeführerin habe somit Anspruch auf eine halbe Rente. Nicht be-
gründet werde im Übrigen die Unfähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be-
tätigen. Die Beeinträchtigung in der Haushalttätigkeit bedürfe noch weiterer
Abklärung (B-act. 1).
C-1271/2018
Seite 24
5.2 Die Vorinstanz hingegen hält duplikweise fest, dass die im Bericht vom
1. Dezember 2015 festgestellte Gesamteinschränkung von 18%, von wel-
cher auch die Verfügung ausgehe, nicht angefochten werde. Weitere Haus-
haltsabklärung seien nicht nötig, denn die Beschwerdeführerin bestätige
im mit Replik eingereichten neuen Haushaltsbericht vom 27. Februar 2018,
der auf einen Teilinvaliditätsgrad von gerundet 20% schliessen lasse, dass
sie bezüglich der Hausarbeit auf dieselbe Hilfe angewiesen sei wie bei der
letzten Abklärung. Die Haushaltsabklärung vom 1. Dezember 2015 sei be-
weiskräftig. Der Leidensabzug von 10% sei ausserdem angemessen, da
die Beschwerdeführerin Verweistätigkeiten in einem Vollpensum ausüben
könne.
5.3 Die Invalidität bestimmt sich bei Teilerwerbstätigen mit einem Aufga-
benbereich wie der Beschwerdeführerin dadurch, dass im Erwerbsbereich
ein Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG i.V.m Art. 28a Abs. 1 IVG) und im
Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich (Art. 28a Abs. 2 IVG) vorge-
nommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in
beiden Bereichen ermittelten und gewichteten Teilinvaliditäten ergibt
(Art. 28a Abs. 3 IVG; vgl. Urteil des BGer 9C_690/2019 vom 20. Januar
2020 E. 2.1 mit Hinweisen).
5.4 Als Folge des Urteils des EGMR in Sachen M._ gegen die
Schweiz (7186/09) vom 2. Februar 2016 beschloss der Bundesrat am 1.
Dezember 2017 eine Änderung der IVV, die per 1. Januar 2018 in Kraft trat.
Nach Art. 27bis Abs. 2 IVV werden bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich
im Aufgabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen, für die Bestimmung
des Invaliditätsgrads der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit
(Bst. a) und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgaben-
bereich (Bst. b) summiert. Art. 27bis Abs. 3 IVV regelt, dass sich die Berech-
nung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit nach Art. 16
ATSG richtet, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid ge-
worden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Bst. a) und
die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den
die Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird
(Bst. b). Nach Art. 27bis Abs. 4 IVV wird für die Berechnung des Invaliditäts-
grades in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich der prozentuale
Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Ver-
gleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden
C-1271/2018
Seite 25
wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Be-
schäftigungsgrad nach Abs. 3 Bst. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewich-
tet.
5.5 Mit Blick auf die am 20. April 2015 erfolgte IV-Anmeldung (vgl. Sach-
verhalt Bst. C.a), die seit August 2013 bestehende Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit, die zu beachtende einjährige Wartefrist (Art. 28
Abs. 1 Bst. b IVG) sowie die ab der Anmeldung zu beachtende sechsmo-
natige Karenzfrist (Art. 29 Abs. 1 IVG) ist der – für die Bemessung der Ver-
gleichseinkommen massgebliche – frühestmögliche Rentenbeginn auf den
1. November 2015 festzusetzen, so dass für die Zeit vor der Geltung des
neuen Berechnungsmodells (d.h. für die Zeit vor dem 1. Januar 2018) auf
die im Jahr 2015 geltenden Verhältnisse abzustellen ist. Auf diesen Zeit-
punkt hin ist mithin die erste Invaliditätsbemessung vorzunehmen. Die In-
validitätsbemessung mittels der gemischten Methode nach dem neuen Be-
rechnungsmodell gemäss Art. 27bis Abs. 2 bis 4 IVV in der Fassung vom 1.
Dezember 2017 kann indes erst ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser
Bestimmung am 1. Januar 2018 erfolgen (vgl. Urteil des BGer
9C_690/2019 vom 20. Januar 2020 E. 4.2 mit Hinweisen), weshalb der IV-
Grad bis zum 31. Dezember 2017 nach dem alten und per 1. Januar 2018
nach dem neuen Berechnungsmodell festzulegen ist.
5.6 Zu ermitteln ist zunächst der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich.
5.6.1 Der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich ist aufgrund eines Einkom-
mensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG).
Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein-
tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätig-
keit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalidenein-
kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau
ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Ein-
kommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343
E. 3.4.2; Urteil des BGer 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 5.1). Für den
Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypotheti-
schen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und
Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfäl-
C-1271/2018
Seite 26
lige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Ver-
fügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3). Insoweit
die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt wer-
den können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Um-
stände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinan-
der zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese
nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswer-
ten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro-
zentzahlen genügen. Das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Er-
werbseinkommen ist alsdann mit 100% zu bewerten, während das Invali-
deneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veran-
schlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad
ergibt (BGE 114 V 310 E. 3a).
5.6.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im massgeblichen Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte.
Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und
der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da
es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Ge-
sundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1). Bei der
Bestimmung des Valideneinkommens ist bei erstmaliger Rentenanmel-
dung, welche vor dem 1. Juli 2017 erfolgt ist, zu differenzieren (vgl. IV-
Rundschreiben Nr. 372 vom 9. Januar 2018): Für Invalidenrenten, welche
den Zeitraum vor Inkrafttreten der Revision der IVV (am 1. Januar 2018)
betreffen, wird das Valideneinkommen dem hypothetischen Teilzeiteinkom-
men gleichgesetzt. Bei Invalidenrenten ab dem 1. Januar 2018 wird das
hypothetische Einkommen aus der Teilerwerbstätigkeit auf ein Vollpensum
hochgerechnet. Die prozentuale Erwerbseinbusse wird schliesslich an-
hand des Beschäftigungsgrads, den die Person hätte, wenn sie nicht inva-
lid geworden wäre, gewichtet (Art. 27bis Abs. 3 IVV; Urteil des BGer
9C_310/2019 vom 9. September 2019 E. 5.4.2).
5.6.3 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der be-
ruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Per-
son konkret steht. Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gege-
ben, namentlich, weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheits-
schadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbs-
tätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellen-
C-1271/2018
Seite 27
löhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebe-
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75
f. E. 3b/aa und bb; 129 V 472 E. 4.2.1). Da den Tabellenlöhnen generell
eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu Grunde liegt, ist eine Umrech-
nung auf eine betriebsübliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit erfor-
derlich (BGE 126 V 75 E. 3b/bb). Zudem ist eine Anpassung an die Nomi-
nallohnentwicklung vorzunehmen (BGE 129 V 408 E. 3.1.2).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch-
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellen-
lohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen wer-
den, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskate-
gorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben kön-
nen (BGE 142 V 178 E. 1.3; 124 V 321 E. 3b/aa). Aufgrund dieser Faktoren
kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf ei-
nem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch-
schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht au-
tomatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht
übersteigen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
5.6.4 Wie vorstehend ausgeführt, ist für die nachfolgende Rentenbemes-
sung in Anwendung der gemischten Methode von einem Status mit Antei-
len von je 40 % im Haushalt und 60% im Erwerbsbereich auszugehen. Zu-
erst ist der Invaliditätsgrad für den Zeitraum vom 1. November 2015 bis 17.
Januar 2017 (Knietotalprothesen-Operation am 18. Januar 2017) zu be-
rechnen. In diesem Zeitraum war die Beschwerdeführerin in einer ange-
passten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig.
5.6.4.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nö-
tigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepass-
ten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre.
Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein
(BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 134 V 322 E. 4.1). Vorliegend hat die Vorinstanz
C-1271/2018
Seite 28
das Valideneinkommen auf der Grundlage der Tabellenlöhne der Schwei-
zerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) ermittelt. Die Beschwerdeführerin
bestreitet dies nicht.
Die Beschwerdeführerin durchlief von 1989 bis 1993 in der L._ eine
interne Ausbildung zur 1. Verkäuferin, ohne Abschlussprüfung. Danach ar-
beitete sie von 1994 bis Januar 2003 im Bäckereigeschäft ihres Eheman-
nes zu 50% als Filialleiterin, bis zum Konkurs des Geschäfts (Ende Januar
2003), daneben kümmerte sie sich zu 50% um die Erziehung ihrer drei
Kinder und den Haushalt. In der Folge war sie bis Januar 2004 als Arbeits-
lose bei der Arbeitslosenkasse registriert. Ab Februar 2004 galt sie als
Nichterwerbstätige, habe keine (vergleichbare) Arbeit mehr gefunden und
sich ausschliesslich um die Haushaltsführung gekümmert. Im August 2004
ist sie mit dem Velo verunfallt. Die ihr ärztlich zuerkannte Restarbeitsfähig-
keit hat sie nie verwertet (vgl. Bst. B). Nach dem Urteil vom 2. Juni 2015
(in welchem in angepasster Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50% ab No-
vember 2010 und von 100% ab Dezember 2010 und in ihrer bisherigen
Tätigkeit als Filialleiterin in einer Feinbäckerei eine volle Arbeitsfähigkeit ab
25. Februar 2011 zuerkannt wurde, vgl. B.h.) hat sie bis heute ebenfalls nie
mehr gearbeitet.
Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil vom 2. Juni 2015 im
Verfahren B-52/2013 den Validenlohn mit frühestem Anspruchsbeginn per
2010 ermittelt und dabei den im Januar 2003 zuletzt erzielten und aufinde-
xierten Lohn als Filialleiterin einer Feinbäckerei berücksichtigt (E. 11.1).
Zwischen der letzten Ausübung einer Tätigkeit als Filialleiterin einer Bäcke-
rei (Januar 2003) und dem hier zu beurteilenden frühesten Anspruchszeit-
punkt November 2015 liegen rund 12.5 Jahre. Die Arbeitsaufgabe erfolgte
nicht krankheitsbedingt. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe
in der Folge trotz Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung und eigener
Bemühungen ab Februar 2004 keine vergleichbare Tätigkeit mehr gefun-
den. Nach Ergehen des Urteils B-52/2013 (und bereits zuvor) hat die Be-
schwerdeführerin nie mehr gearbeitet. Es ist folglich davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin ab November 2015 auch nicht weiterhin als
Filialleiterin in einer Bäckerei gearbeitet hätte. Die Vorinstanz hat bezüglich
des Valideneinkommens somit zu Recht auf die Tabellenlöhne im Bereich
Detailhandel (47*), Kompetenzniveau 2 abgestellt (Urteil des BGer
9C_500/2020 vom 1. März 2021 E. 4.2). Allerdings hätte sie nicht auf die
LSE 2012 abstellen dürfen, sondern hätte die Angaben gemäss LSE 2014
beiziehen müssen. Das monatliche Einkommen im Bereich Detailhandel
C-1271/2018
Seite 29
(*47), Kompetenzniveau 2, betrug im Jahr 2014 Fr. 4'380.-. Unter Berück-
sichtigung der betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.8
Stunden pro Woche im Jahr 2014 ergibt dies ein jährliches Einkommen von
Fr. 54'925.- bei einem 100%-igen Arbeitspensum (Fr. 4380.- x 12 x 41,8 :
40 Std.). Unter Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung (Stand Nomi-
nallohnindex im Jahr 2014: 2'673, im Jahr 2015: 2'686) ist demnach im Jahr
2015 von einem hypothetischen Valideneinkommen von Fr. 55'192.- aus-
zugehen. Bei einem 60% Pensum ergibt dies Fr. 33'115.- (Fr. 54’925.- :
2'673 x 2'686 x 0,6).
5.6.4.2 Die Beschwerdeführerin war seit ihrem Unfall im Jahre 2004 nicht
mehr erwerbstätig, weshalb für die Bestimmung des Invalideneinkommens
die statistischen Werte in Form der Tabellenlöhne der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) heranzuziehen sind. Vorliegend ist bei der
Berechnung des Invalideneinkommens von der LSE des Jahres 2014 aus-
zugehen und auf das in allen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors von
Frauen erzielte Einkommen (Kompetenzniveau 1, einfache und repetitive
Tätigkeiten) in der Höhe von Fr. 4'300.-. abzustützen. Unter Berücksichti-
gung der betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit aller Branchen im
Jahre 2014 von wöchentlich 41,7 Stunden resultiert ein jährliches hypothe-
tisches Invalideneinkommen von Fr. 53’793.- (Fr. 4'300.- x 12 x 41,7 : 40
Std.) bei einem Pensum von 100%. Unter Berücksichtigung der Nominal-
lohnerhöhung (Stand Nominallohnindex im Jahr 2014: 2673, im Jahr 2015:
2686) ist demnach im Jahr 2015 von einem hypothetischen Invalidenein-
kommen von Fr. 54'054.- bei einem 100%-igen Pensum auszugehen. Bei
einem Pensum von 60% ergibt dies ein Einkommen von Fr. 32’433.- (Fr.
53'793.- : 2'673 x 2'686 x 0,6).
5.6.4.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei ihr aufgrund der Ein-
schränkungen, der jahrzehntelangen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, ihres
Alters und der Tatsache, dass sie die Tätigkeit nur mit halber Geschwindig-
keit ausüben könne, ein Leidensabzug von 25% zu gewähren. Die Vo-
rinstanz gewährte aufgrund der Funktionseinschränkungen verbunden mit
dem Gesundheitsschaden und dem Alter der Versicherten eine Reduktion
von 10% (act. 169). Hierzu ist festzuhalten, dass das Alter sowie die Funk-
tionseinschränkungen bereits berücksichtigt worden sind. Dass die Tätig-
keit nur mit halber Geschwindigkeit ausgeübt werden kann, ist vorliegend
medizinisch nicht nachgewiesen (vgl. E. 4.6.2) und daher in Bezug auf den
Leidensabzug auch nicht zu prüfen. Die Vorinstanz ist somit zu Recht von
einem Leidensabzug in der Höhe von 10% ausgegangen. Das jährliche
hypothetische Invalideneinkommen von Fr. 54'054.- bei einem Pensum von
C-1271/2018
Seite 30
100% beträgt somit unter Berücksichtigung des Leidensabzuges sowie des
60%-igen Pensums Fr. 29’189.- (Fr. 54'054.- x 0,9 x 0,6).
5.6.4.4 Der Einkommensvergleich stellt sich somit wie folgt dar: Dem Vali-
deneinkommen von Fr. 33'115.- steht ein Invalideneinkommen von Fr.
29’189.- gegenüber. Daraus resultiert ein Invaliditätsgrad von 11,9% (Fr.
33'115.- - Fr. 29’189.-) x 100: Fr. 33'115.-). Unter Berücksichtigung des-
sen, dass die Beschwerdeführerin 60% tätig wäre, ergibt dies einen Teilin-
validitätsgrad von 7,1%.
5.6.4.5 Im Haushaltsbereich betrug die Arbeitsunfähigkeit 18,45% gemäss
der Haushaltsabklärung vom 1. Dezember 2015 (act. 149). Wie die Vo-
rinstanz geltend macht, stimmen die Angaben mit den Aussagen der Be-
schwerdeführerin im Fragebogen vom 5. Dezember 2016 überein (act.
157). Die Beschwerdeführerin macht geltend, es bedürfe noch weiterer Ab-
klärungen. Dies begründet sie jedoch nicht weiter und es sind auch keine
Unstimmigkeiten in den Akten ersichtlich. Im Gegenteil ergeben sich auch
aus dem Abklärungsbericht Haushalt der IV-C._ vom 27. Februar
2018 dieselben Einschränkungen wie in der Haushaltsabklärung vom 1.
Dezember 2015 (B-act. 9 Beilage 7). Die Vorinstanz ist somit zu Recht da-
von ausgegangen, dass die Beeinträchtigung 18,45% betrug. Da die Be-
schwerdeführerin zu 40% tätig wäre, ergibt dies einen Teilinvaliditätsgrad
im Haushalt von 7,38%.
5.6.4.6 Der Gesamtinvaliditätsgrad der Beschwerdeführerin beträgt dem-
zufolge ab 1. November 2015 bis 17. Januar 2017 14,5% (Teilinvaliditäts-
grad im Erwerbsbereich von 7,1% + Teilinvaliditätsbereich im Haushaltsbe-
reich von 7,38%), was keinen rentenrelevanten Invaliditätsgrad ergibt.
5.6.5 Für den Zeitraum ab Januar 2017 gilt Folgendes: Die Beschwerde-
führerin war vom 1. bis 17. Januar 2017 in einer angepassten Tätigkeit zu
100% arbeitsfähig, vom 18. Januar bis 17. April 2017 in jeglicher Tätigkeit
zu 100% arbeitsunfähig, vom 18. April bis 24. Oktober 2017 in einer ange-
passten Tätigkeit erneut zu 100% arbeitsfähig und vom 25. Oktober bis 31.
Dezember 2017 erneut in jeglicher Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Im
Jahr 2017 war die Beschwerdeführerin somit im Durchschnitt zu 43,28%
arbeitsunfähig ((207 Tage x 0% + 158 Tage x 100%) : 365), womit die War-
tezeit per Ende 2017 erneut erfüllt war (vgl. E. 3.4.1). Zu prüfen bleibt, ob
die Beschwerdeführerin nach Ablauf dieses Wartejahres zu mindestens
40% invalid war und damit die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine
Invalidenrente erfüllt (vgl. E. 3.4.2).
C-1271/2018
Seite 31
5.6.6 Nach Ablauf des erneuten Wartejahres, d.h. ab 1. Januar bis 25. Ja-
nuar 2018 (Ablauf von drei Monaten nach Knieoperation) war die Be-
schwerdeführerin aufgrund der zweiten Knieoperation in der angestamm-
ten wie in einer angepassten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig.
5.6.6.1 Aufgrund des seit 1. Januar 2018 geltenden neuen Berechnungs-
modells für Teilerwerbstätige mit Aufgabenbereich (E. 5.4) ist auf diesen
Zeitpunkt eine neue Berechnung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich
durchzuführen. Hierbei muss das Valideneinkommen auf ein Vollzeitpen-
sum hochgerechnet werden (Art. 27bis Abs. 3 Bst. a IVV; vgl. BGE 145 V
370 E. 3.2). Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist auf die Tabel-
lenlöhne im Bereich Detailhandel (47*), Kompetenzniveau 2 abzustellen.
Das monatliche Einkommen im Bereich Detailhandel (*47), Kompetenzni-
veau 2 betrug im Jahr 2014 Fr. 4'380.-. Unter Berücksichtigung der be-
triebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.8 Stunden pro Woche
im Jahr 2014 ergibt dies ein jährliches Einkommen von Fr. 54’925.-. Unter
Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung (Stand Nominallohnindex im
Jahr 2014: 2'673, im Jahr 2018: 2'732) ist demnach im Jahr 2018 von ei-
nem hypothetischen Valideneinkommen von Fr. 56’138.- bei einem 100%-
igen Arbeitspensum auszugehen (Fr. 54'925.- : 2'673 x 2732).
5.6.6.2 Das Invalideneinkommen beträgt Fr. 0, da die Beschwerdeführerin
in der angestammten wie in einer angepassten Tätigkeit zu 100% arbeits-
unfähig war.
5.6.6.3 Bei der Bewertung des ohne Invalidität erzielbaren hypothetischen
Einkommens mit 60% und einem Invalideneinkommen von 0% ergibt sich
bereits aus der Prozentdifferenz ein Invaliditätsgrad von 60% (vgl. E. 5.6.1;
sogenannter Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a, 107 V 17 E. 2d, 104
V 135 E. 2b; SVR 2017 IV Nr. 70 S. 217 E. 2.2).
5.6.6.4 Im Haushaltsbereich betrug die Arbeitsunfähigkeit 18,45%. Da die
Beschwerdeführerin zu 40% tätig wäre, ergibt dies einen Teilinvaliditäts-
grad im Haushalt von 7,38% (vgl. E. 5.6.4.5).
5.6.6.5 Der Gesamtinvaliditätsgrad der Beschwerdeführerin beträgt dem-
zufolge vom 1. Januar bis 25. Januar 2018 (wie vom 25. Oktober bis 31.
Dezember 2017) 67,38% (Teilinvaliditätsgrad im Erwerbsbereich von 60%
+ Teilinvaliditätsbereich im Haushaltsbereich von 7,38%) und begründet ei-
nen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
C-1271/2018
Seite 32
5.6.6.6 Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist bei einer Verbesserung der Er-
werbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhe-
bung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem ange-
nommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird.
Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche
Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin an-
dauern wird (vgl. E. 3.11).
Die ab Februar 2018 eingetretene Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, wel-
che eine anspruchsbeeinflussende Änderung zur Folge hat, ist daher erst
ab 1. Mai 2018 zu berücksichtigen – nachdem sie ohne wesentliche Unter-
brechung drei Monate angedauert hat. Folglich ist die Rente bis 30. April
2018 zu befristen.
5.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin mangels
eines Invaliditätsgrades von mindestens 40% ab Zeitpunkt des frühest-
möglichen Rentenanspruches im November 2015 keinen Anspruch auf
eine Invalidenrente hat. Die Beschwerdeführerin war jedoch im Jahr 2017
im Durchschnitt zu 43,28% arbeitsunfähig ((207 Tage x 0% + 158 Tage x
100%) : 365), womit die Wartezeit per Ende 2017 erneut ablief. Ab Januar
2018 besteht ein IV-Grad von 67,38% (vgl. E. 5.6.6). Die Beschwerdefüh-
rerin hat somit ab 1. Januar 2018 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, wel-
che auf den 30. April 2018 zu befristen ist.
5.8 Die angefochtene Verfügung vom 26. Januar 2018 ist damit insoweit
gutzuheissen, als die Beschwerdeführerin vom 1. Januar bis 30. April 2018
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat. Im Übrigen wird die Beschwerde
abgewiesen.
6. Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Partei-
entschädigung.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Vorliegend wird der Be-
schwerdeführerin – unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV (vgl. E.
3.11) – vom 1. Januar 2018 bis 30. April 2018 eine Dreiviertelsrente zuge-
sprochen. Der Antrag, ihr sei eine unbefristete Invalidenrente zuzuspre-
chen, wird abgelehnt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist da-
mit von einem je hälftigen Unterliegen der Parteien auszugehen. Da die
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nachfolgend in E. 6.2 angeführte Rechtsprechung zur Parteientschädigung
bei «Überklagung» in Rentenangelegenheiten auf die Gerichtskosten nicht
anwendbar ist (vgl. Urteile des BGer 8C_449/2016 vom 2. November 2016
E. 3.2; 9C_94/2010 vom 26. Mai 2010 E. 4.3), sind die auf Fr. 800.– fest-
zusetzenden Verfahrenskosten der teilweise unterliegenden Beschwerde-
führerin im Umfang von Fr. 400.– aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 800.– ist zur Bezahlung des Anteils der Beschwerdeführerin
an den Verfahrenskosten zu verwenden. Die Gerichtskasse ist anzuwei-
sen, den Differenzbetrag von Fr. 400.– der Beschwerdeführerin nach Ein-
tritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten. Der teil-
weise unterliegenden Vorinstanz können keine Verfahrenskosten auferlegt
werden (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
6.2
6.2.1 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art.
64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21.
Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Parteientschädigung umfasst
die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Auslagen der
Partei (Art. 8 VGKE).
6.2.2 In Erwägung 4.2 des Urteils 9C_288/2015 vom 7. Januar 2016 führte
das Bundesgericht aus, für den Fall, dass das Quantitative einer Leistung
streitig sei, rechtfertige eine «Überklagung» eine Reduktion der Parteient-
schädigung nur, wenn das Rechtsbegehren den Prozessaufwand beein-
flusst habe. Bei Streitigkeiten um die Höhe einer Invalidenrente dürfe die
Parteientschädigung daher nicht allein deswegen reduziert werden, weil
der Beschwerde führenden Person nicht die beantragte ganze oder höhere
Rente, sondern eine geringere Teilrente zugesprochen werde. Es bestehe
grundsätzlich kein Anlass zu einer anderen Betrachtungsweise, wenn statt
einer unbefristeten oder länger dauernden Rente ein befristeter Anspruch
oder ein solcher für eine kürzere als die beantragte Dauer zugesprochen
werde. Ebenso wie die Höhe des Anspruches betreffe dessen zeitliche Di-
mension das Quantitativ. Indessen komme die Zusprechung einer vollen
Parteientschädigung bei teilweisem Obsiegen nur in Frage, wenn die Be-
schwerde führende Person im Grundsatz obsiege und lediglich im Massli-
chen (teilweise) unterliege.
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Im vorliegenden Fall geht es um die Prüfung eines Rentenanspruchs nach
Neuanmeldung. Der Antrag der Beschwerdeführerin, es sei ihr seit April
2015 eine unbefristete Rente zuzusprechen, wird zwar abgelehnt, doch
wird ihr – anders als in der angefochtenen Verfügung – aufgrund der Kor-
rektur des Einkommensvergleichs eine befristete Dreiviertelsrente zuge-
sprochen. Vor diesem Hintergrund kann nicht gesagt werden, das Rechts-
begehren der Beschwerdeführerin auf Gewährung einer unbefristeten
Rente habe den Prozessaufwand derart beeinflusst, als dass die «Über-
klagung» eine Reduktion der Parteientschädigung rechtfertigen würde.
Vorliegend ist die Beschwerdeführerin anwaltlich vertreten. Es liegt keine
Kostennote vor. Die Parteientschädigung ist pauschal, unter Berücksichti-
gung der Schwierigkeit der vorliegenden Streitsache und in Berücksichti-
gung vergleichbarer Gerichtsfälle, auf Fr. 3’500.– inklusive Auslagen und
exklusive MWST, welche nicht geschuldet ist (Art. 1 Abs. 2 Bst. a des Mehr-
wertsteuergesetzes [MWSTG, SR 641.20] i.V.m. Art. 8 Abs. 1 MWSTG und
Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE), festzulegen (Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] e contra-
rio). Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 7
Abs. 3 VGKE).