Decision ID: c0e551db-312f-58da-bd95-4af517685884
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der am [...] 1967 geborene, verheiratete und in seiner Heimat Kroa-
tien wohnhafte A._ (im Folgenden: Versicherter oder Beschwerde-
führer) war von 1991 bis 2002 in der Schweiz als Speditionsmitarbei-
ter/Staplerfahrer tätig und entrichtete während dieser Zeit Beiträge an die
obligatorische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(AHV/IV; vgl. Akten der IV-Stelle M._ [nachfolgend IV-M]/3, 6, 10).
Am [...] 2002 erlitt der Versicherte in Kroatien bei einem Selbstunfall im
Auto eine Hirnerschütterung und multiple Prellungen und Stauchungen
(IV-M/3 ff.).
A.b Nach mehrfacher ärztlicher Abklärung, Rehabilitationsbehandlung
und interdisziplinärer Begutachtung sprach die SUVA dem Versicherten
mit Verfügung vom 27. April 2005 eine Invalidenrente ab 1. Mai 2005 bei
einem Invaliditätsgrad von 70% sowie eine Integritätsentschädigung von
Fr. 26‘700 bei einer Integritätseinbusse von 25% zu (IV-M/26).
A.c Am 31. Januar 2003 stellte der Versicherte bei der IV-Stelle des Kan-
tons M._ ein Gesuch um Bezug einer Invalidenrente (IV-M/3). Mit
Verfügung vom 4. August 2005 sprach die IV-M dem Versicherten rück-
wirkend ab 1. Mai 2003, gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 70% und
ein massgebendes durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 76‘110.-,
eine ganze Invalidenrente, eine Zusatzrente für den Ehegatten und vier
Kinderrenten zu. Der nachzuzahlende Rentenbetrag wurde mit bisher er-
brachten Rentenleistungen der SUVA [...] über Fr. 54‘028.- verrechnet
(IV-M/36 und 35.3).
A.d Im August 2005 verliess der Versicherte die Schweiz und nahm
Wohnsitz in Kroatien (IV-M/38). In der Folge überwies die IV-M die Akten
an die neu zuständige IV-Stelle für Versicherte im Ausland ([IVSTA];
IVSTA/2).
A.e Am 1. September 2005 verfügte die Schweizerische Ausgleichskasse
die weitere Ausrichtung der Invalidenrente für den Versicherten, der Zu-
satzrente für den Ehegatten und der vier Kinderrenten ab 1. September
2005 (IVSTA/2).
C-7006/2011
Seite 3
B.
B.a Im März 2009 leitete die IVSTA eine Rentenrevision ein, holte ver-
schiedene medizinische Berichte und Dokumente zur bisherigen Er-
werbssituation ein (IVSTA/12 f., 15 f.) und ordnete – nach Rücksprache
mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Rhone vom 7. April 2009
(IVSTA/8) – eine polydisziplinäre Begutachtung an (IVSTA/18, 22). Diese
erfolgte am 23. Februar 2010 im Medizinischen Zentrum X._
(nachfolgend MZX; IVSTA/29-31).
B.b Gestützt auf die Beurteilung des RAD Rhone vom 12. Juli 2010
(IVSTA/34) teilte die IVSTA dem Versicherten mit Vorbescheid vom 5. Au-
gust 2010 an die SUVA und mit Vorbescheid vom 14. Oktober 2010 an
den Versicherten mit, dass aufgrund der neuen medizinischen Erhebun-
gen festgestellt worden sei, dass ab dem 4. April 2010 wieder eine dem
Gesundheitszustand angepasste Tätigkeit ausgeübt werden könnte, bei
welcher mehr als 50% des Erwerbseinkommens ohne Invalidität erzielt
werden könnte, weshalb kein Anspruch auf eine Rente mehr bestünde
(IVSTA/36 f.).
B.c Den Einwand des Versicherten vom 19., 25. und 30. November 2010
(IVSTA/40-45) wies die IVSTA – nach Konsultation des RAD Rhone am
20. Januar 2011 (IVSTA/47) – mit Verfügung vom 5. Dezember 2011 ab
und bestätigte die Einstellung der bisherigen ganzen Rente per 1. Febru-
ar 2012 (IVSTA/55).
B.d Gestützt auf die Ergebnisse des Revisionsverfahrens der IVSTA ver-
fügte die SUVA am 16. Januar 2012 die Aufhebung der Rente der Unfall-
versicherung (IVSTA/61).
C.
C.a Am 29. Dezember 2011 erhob A._ Beschwerde gegen die
Verfügung der IVSTA vom 5. Dezember 2011 und beantragte die Aufhe-
bung der Verfügung und Weiterausrichtung der ganzen Invalidenrente an
den Beschwerdeführer und seine Familie (Beschwerdeakten [B-act.] 1).
C.b Entsprechend der Aufforderung in der Zwischenverfügung vom 3. Ja-
nuar 2012 leistete der Beschwerdeführer am 12. Januar 2012 einen Kos-
tenvorschuss in Höhe von Fr. 400.- (B-act. 2, 4).
C-7006/2011
Seite 4
C.c Am 29. Mai 2012 reichte der Beschwerdeführer eine ergänzende Be-
schwerdebegründung zu den Akten und rügte darin die Befangenheit des
Hauptgutachters (B-act. 10).
C.d In ihrer Vernehmlassung vom 15. Juni 2012 beantragte die Vorin-
stanz – unter Bezugnahme auf den Schlussbericht des RAD Rhone vom
30. Mai 2012 (IVSTA/64) – die Gutheissung der Beschwerde und Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz, damit diese ein Ergänzungsgutach-
ten durch den MZX veranlassen könne (B-act. 12).
C.e Mit Replik vom 5. Juli 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinen An-
trägen fest, stellte sich gegen das von der Vorinstanz beantragte Vorge-
hen und verlangte, dass ihm die Rente unverzüglich weiter gewährt wer-
de (B-act. 16).
C.f Die Vorinstanz verzichtete in ihrer Stellungnahme vom 18. Juli 2012
auf weitere Ausführungen und verwies auf die Vernehmlassung vom 15.
Juni 2012 und die darin gestellten Anträge (B-act. 18).
C.g Mit Zwischenverfügung vom 25. Juli 2012 gab der Instruktionsrichter
dem Beschwerdeführer die Duplik zur Kenntnis und schloss den Schrif-
tenwechsel (B-act. 19).
C.h Am 17. Oktober 2012 liess der Beschwerdeführer dem Gericht ein
Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons R._ vom 28. Sep-
tember 2012 zukommen, wies darauf hin, dass das Bundesamt für Sozi-
alversicherungen den Chefarzt des MZX, Dr. B._, angewiesen ha-
be, weitere gutachterliche Tätigkeit zu unterlassen, und dass dem Gut-
achten des MZX, das von den Dres. B._, C._, "etc." ver-
fasst worden sei, im Urteil des Versicherungsgerichts der Beweiswert ab-
gesprochen worden sei (B-act. 20).
D.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unter-
lagen wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen nä-
her eingegangen.
C-7006/2011
Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs.
1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversi-
cherung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beur-
teilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Aus-
land gegen Verfügungen der IVSTA. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32
VGG liegt nicht vor.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Indes findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. d bis
VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom 6.
Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) anwendbar ist.
1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; er ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59 ATSG). Er ist da-
her zur Beschwerde legitimiert.
1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht und
der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet wurde, ist auf die Beschwerde
einzutreten (60 ATSG, Art. 52 VwVG und Art. 63 Abs. 4 VwVG).
2.
2.1 Auf den vorliegenden Fall ist das Abkommen zwischen der Schweize-
rischen Eidgenossenschaft und der Republik Kroatien über Soziale Si-
cherheit vom 9. April 1996 (SR 0.831.109.291.1) anwendbar (zur An-
wendbarkeit vgl. Art. 3 desselben). Nach Art. 4 Abs. 1 dieses Abkommens
sind die Staatsangehörigen des einen Vertragsstaates in ihren Rechten
und Pflichten aus den Rechtsvorschriften des anderen Vertragsstaates,
zu denen gemäss Art. 1 Abs. 1 Bst. a in Verbindung mit Art. 2 A Bst. ii die
Bundesgesetzgebung über die schweizerische Invalidenversicherung ge-
hört, den Staatsangehörigen dieses Vertragsstaates gleichgestellt; ab-
weichende Bestimmungen in diesem Abkommen bleiben vorbehalten.
Demnach bestimmt sich vorliegend der Rentenanspruch des Beschwer-
deführers ausschliesslich nach dem internen schweizerischen Recht.
C-7006/2011
Seite 6
2.2 In materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechts-
sätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes Geltung haben, wobei nach ständiger Praxis auf den im
Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes (hier: 5.
Dezember 2011) eingetretenen Sachverhalt abgestellt wird (BGE 130 V
329, BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweisen). Ein allfälliger Leistungsanspruch
ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab
diesem Zeitpunkt nach den in Kraft stehenden Normen zu prüfen (pro ra-
ta temporis; vgl. BGE 130 V 445). Daher sind hier die ab 1. Januar 2003
geltenden Bestimmungen des ATSG anwendbar. Bei den materiellen Be-
stimmungen des IVG und der Verordnung über die Invalidenversicherung
vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 831.201) ist daher auf die Fassung ge-
mäss den am 1. Januar 2004 in Kraft getretenen Änderungen (4. IV-
Revision; AS 2003 3837) abzustellen. Soweit ein Rentenanspruch ab
dem 1. Januar 2008 zu prüfen ist, sind weiter die mit der 5. IV-Revision zu
diesem Zeitpunkt in Kraft getretenen Gesetzes- und Verordnungsände-
rungen zu beachten (AS 2007 5129 und AS 2007 5155).
2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (in der von 2004 bis Ende 2007 gültig ge-
wesenen Fassung) besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die
versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von min-
destens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Inva-
liditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente. Hieran
hat die 5. IV-Revision nichts geändert (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG in der ab
dem 1. Januar 2008 geltenden Fassung). Laut Art. 28 Abs. 1 ter
IVG (in der
von 2004 bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung) bzw. Art. 29 Abs. 4
IVG (in der ab dem 1. Januar 2008 geltenden Fassung) werden jedoch
Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50% entsprechen, nur
an Versicherte ausgerichtet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Auf-
enthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, was laut Rechtsprechung
eine besondere Anspruchsvoraussetzung darstellt (vgl. BGE 121 V 264
E. 6c). Eine Ausnahme von diesem Prinzip gilt seit dem 1. Juni 2002 für
Schweizer Bürger und Staatsangehörige der EU, denen bereits ab einem
Invaliditätsgrad von 40% eine Rente ausgerichtet wird, wenn sie in einem
Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben.
2.4 Der Rentenanspruch entsteht frühestens in jenem Zeitpunkt, in dem
die versicherte Person mindestens zu 40% bleibend erwerbsunfähig (Art.
7 ATSG) geworden ist oder während eines Jahres ohne wesentlichen Un-
terbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG)
C-7006/2011
Seite 7
gewesen war (vgl. Art. 29 Abs. 1 Bst. a und b IVG in den bis Ende 2007
gültig gewesenen Fassungen). Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG in der ab dem
1. Januar 2008 geltenden Fassung haben jene Versicherten Anspruch auf
eine Rente, welche ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Auf-
gabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass-
nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), und
die zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich zu mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewe-
sen sind und auch nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid
(Art. 8 ATSG) sind (Bst. b und c).
3.
3.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Miss-
brauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die
Unangemessenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
3.2 Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die Ver-
waltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur
Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahr-
scheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an
diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Ab-
nahme weiterer Beweise zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung;
UELI KIESER, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, Zürich
1999, S. 212, Rz 450; vgl. auch BGE 122 V 162 E. 1d, 122 II 464 E. 4a,
120 Ib 224 E. 2b). Diese Praxis wurde vom Bundesgericht immer wieder
bestätigt (vgl. z.B. das Urteil des Bundesgerichts 9C_108/2010 vom 15.
Juni 2010 E. 4.2.2).
3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszu-
stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig
ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für
die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zu-
gemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Die - ar-
beitsmedizinische - Aufgabe der Ärzte und Ärztinnen besteht darin, sich
dazu zu äussern, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen
C-7006/2011
Seite 8
oder geistigen Funktionen leidensbedingt eingeschränkt ist. Im Vorder-
grund stehen dabei vor allem jene Funktionen, welche für die nach der
Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der
versicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder ste-
hend, im Freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob
sie Lasten heben und tragen kann). Die Frage, welche konkreten berufli-
chen Tätigkeiten auf Grund der medizinischen Angaben und unter Be-
rücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage
kommen, ist demgegenüber nicht von der Ärztin oder dem Arzt, sondern
von der Verwaltung bzw. von der Berufsberatung zu beantworten (vgl. Ur-
teil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 457/04 vom 26. Oktober
2004, in: SVR 2006 IV Nr. 10, E. 4.1 mit Verweis auf BGE 107 V 20 E.
2b). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-
tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und
Experten begründet sind (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a und E. 3b/cc mit
Hinweisen).
4.
Der Beschwerdeführer macht mit Replik geltend, sein Anspruch auf recht-
liches Gehör und die Begründungspflicht seien verletzt worden, da die
Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung nicht auf die Beschwerde im Einzel-
nen eingegangen sei, was auch für die angerufenen Ärzte zutreffe. Weder
zur Kritik am MZX-Gutachten noch zur Kritik, die angebliche Verbesse-
rung des Gesundheitszustandes sei „herbeigeschrieben“ worden, sei
Stellung bezogen worden (B-act. 16 Ziff. 8).
4.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) und Art. 42 ATSG in
Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG haben die Parteien Anspruch auf rechtli-
ches Gehör (vgl. auch Art. 29 VwVG). Der verfassungsmässige Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst das Recht der Parteien auf Teilnahme am
Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der Entscheidfindung.
Dazu gehört auch deren Recht, mit erheblichen Beweisanträgen gehört
zu werden und Einsicht in die Akten nehmen zu können (vgl. auch Art. 26
VwVG) sowie die Pflicht der Behörden, den Entscheid zu begründen
(BGE 134 I 83 E. 4.1, E. 3.3, BGE 132 V 368 E. 3.1). Nach gefestigter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung muss ein Verwaltungsakt so abge-
C-7006/2011
Seite 9
fasst sein, dass die Betroffenen ihn gegebenenfalls sachgerecht anfech-
ten können (BGE 125 II 369 E. 2c, BGE 124 V 180 E. 1a). Dies ist nur
dann möglich, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmit-
telinstanz ein Bild über die Tragweite des Entscheides machen können.
Demnach müssen in jedem Fall die Überlegungen angeführt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid
stützt, wobei sie sich jedoch auf die wesentlichen Gesichtspunkte be-
schränken darf. Erforderlich ist, dass sich aus der Gesamtheit der Be-
gründung ergibt, weshalb die Behörde den Vorbringen der Partei nicht
folgen konnte (BGE 122 IV 8 E. 2c). Das Begründungsmass richtet sich
im Weiteren nach der Eingriffsschwere, der Komplexität des Sachverhal-
tes und der rechtlichen Fragen, den Entscheidungsspielräumen und der
Stellung der verfügenden Behörde (vgl. zum Ganzen URS MÜLLER, Das
Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, Rz. 1396
ff.).
4.2 Festzustellen ist, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung
zu verschiedenen Rügen, die mit Schreiben vom 19. November 2010 er-
hoben wurden, Stellung genommen hat: so zu Aussagen von Dr.
C._ betreffend Unfallschuld, zum Vorwurf des Zeitmangels in der
Begutachtung, der fehlenden weiteren Abklärungen (MRI, Schwindelan-
fälle, neuropsychologische Untersuchung, ophthalmologische und optoki-
netische Untersuchung, Berücksichtigung von Fremdanamnesen), des
Fehlens der Unfallakten in der Begutachtung, des Nichtinteresses der
Gutachter für den Schlaf und die psychische Gesundheit des Beschwer-
deführers, zur anderslautenden Bewertung einer unveränderten Situation
durch Dr. C._, zur unzureichenden Anamnese, zur unterlassenen
Beurteilung der psychischen Ressourcen, zur nicht beschriebenen Ver-
besserung des Gesundheitszustandes, zur Berücksichtigung der SUVA-
Entscheidung und zur Berücksichtigung der biomechanischen Kurzbeur-
teilung. Schliesslich enthält die Verfügung Ausführungen zur Vereinbarkeit
der bisherigen Tätigkeit mit den festgestellten Einschränkungen der Funk-
tionsfähigkeit und zur Wiedereingliederung, gesteht dem Gutachten des
MZX volle Beweiskraft zu und nimmt eine Würdigung der mit Beschwerde
eingereichten Arztberichte der Dres. I._ und E._ vor. In ih-
rer Vernehmlassung vom 15. Juni 2012 nimmt die Vorinstanz – unter Be-
zugnahme auf die Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(IVSTA/34, 46, 47), welche dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfü-
gung vom 29. Juni 2012 zur Kenntnis gebracht wurden – ergänzend Stel-
lung zur Frage nach einer gesundheitlichen Verbesserung und zur Kritik
am Gutachten des MZX.
C-7006/2011
Seite 10
Bei dieser Sachlage kann nicht davon gesprochen werden, die Vorinstanz
sei im Einwandverfahren und in der Beschwerde auf die Kritik am MZX-
Gutachten und die Indizien für eine gleichgebliebene gesundheitliche Si-
tuation „überhaupt nicht“ eingegangen. Eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs bzw. der Begründungspflicht ist damit nicht zu erkennen.
5.
5.1 Im vorliegenden Verfahren ist streitig und vom Bundesverwaltungsge-
richt zu prüfen, ob die IVSTA zu Recht revisionsweise den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine ganze Rente verneint und die Rente per 1.
Februar 2012 aufgehoben hat. Zudem ist zu prüfen, ob der vom Be-
schwerdeführer erhobene Vorwurf der Befangenheit der Gutachter des
MZX berechtigt ist und die Vorinstanz bei ihrer Beurteilung infolgedessen
nicht auf das Gutachten abstellen durfte.
5.2
5.2.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird die Rente von Amtes wegen oder
auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben, sofern sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder
eines Rentenbezügers erheblich ändert.
5.2.2 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und
damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Eine Invalidenrente ist dem-
nach nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszu-
standes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes er-
heblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5, BGE 117 V 198 E. 3b
mit Hinweisen). Dagegen stellt nach ständiger Rechtsprechung die bloss
unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit
für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 9C_552/2007 vom 17.
Januar 2008 E. 3.1.2; Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung [SVR]
2004 IV Nr. 5 E. 2 [I 574/02]; AHI 2002 S. 65 E. 2 [I 82/01]; vgl. auch BGE
112 V 371 E. 2b mit Hinweisen; SVR 1996 IV Nr. 70 S. 204 E. 3a).
5.2.3 Ob eine unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten erhebliche Än-
derung eingetreten ist, beurteilt sich durch den Vergleich des Sachverhal-
tes, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicherten Person eröffneten
rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren-
C-7006/2011
Seite 11
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi-
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk-
ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesund-
heitszustands) beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisions-
verfügung respektive des Einspracheentscheides; vorbehalten bleibt die
Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE
133 V 108 E. 5.4). Dagegen ist die unterschiedliche Beurteilung eines im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Sachverhalts kein Revisions-
grund; unterschiedliche Beurteilungen sind revisionsrechtlich nur dann
beachtlich, wenn sie Ausdruck von Änderungen der tatsächlichen Ver-
hältnisse sind (siehe nur BGE 115 V 313 E. 4a/bb mit Hinweisen; SVR
1996 IV Nr. 70 S. 204 E. 3a).
5.3 Vor Erlass der angefochtenen Verfügung fand eine materielle Über-
prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklä-
rung und Beweiswürdigung letztmals im Rahmen des Verfahrens statt,
das mit Verfügung der IV-M vom 4. August 2005 abgeschlossen wurde
(vgl. act. IV-M/36).
Vorliegend ist daher zu prüfen, ob, und gegebenenfalls ab wann sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Erlass der ursprüngli-
chen Rentenverfügung vom 4. August 2005 (Referenzzeitpunkt) bis zum
Erlass der hier streitigen Revisionsverfügung vom 5. Dezember 2011
(Revisionszeitpunkt) in massgebender Weise verändert hat.
5.4
5.4.1 Aufgrund des am [...] 2002 erlittenen Autounfalls diagnostizierten
die Ärzte beim Beschwerdeführer eine Commotio cerebri (Hirnerschütte-
rung), ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule, eine Schulterkontusion
links, eine Läsion des unteren Plexus brachialis links, eine Thorax-
/Rippenkontusion links, eine Rissquetschwunde am Kopf sowie in funkti-
oneller Hinsicht eine posttraumatische Belastungsstörung nach Unfall, ei-
ne schmerzhafte Funktionsstörung des linken Akromioklavikulargelenks,
ein zervikozephales Schmerzsyndrom, ein linksthorakales Schmerzsyn-
drom, einen Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung sowie eine un-
klare Sehstörung mit Fixationsschwierigkeiten (IV-M/5.13, 14.1, 16.5,
18.2, 22.70, 22.25, 22.3). Gestützt auf die Beurteilung des medizinischen
Dienstes der IV-Stelle vom 6. Juni 2005, wonach die medizinischen Fest-
stellungen der SUVA mit den Hauptdiagnosen Polytrauma am [...] 2002,
Halswirbelsäulen-Distorsionstrauma und posttraumatische Belastungsstö-
rung übernommen werden könnten, gemäss Rehaklinik D._ einzig
C-7006/2011
Seite 12
aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung bestehe und der Versicher-
te für leichte und geistig sowie seelisch nicht allzu anspruchsvolle Arbei-
ten zu 50% arbeitsfähig sei (IV-M/28), ermittelte die IV-M einen Invalidi-
tätsgrad von 70% ab 1. Mai 2003 (IV-M/29). Diese Feststellungen sind für
die Beurteilung der gesundheitlichen Einschränkungen zum Referenz-
zeitpunkt ausschlaggebend.
5.5
5.5.1 Im Rahmen des Revisionsverfahrens wurden folgende ärztliche Be-
richte zu den Akten gereicht oder in Auftrag gegeben:
 Kurzbericht von Dr. E._, Neurochirurgie, vom 29. März 2008
(IVSTA/12; inkl. Übersetzung IVSTA/41)
 Kurzbericht von Dr. E._, Neurochirurgie, vom 5. Mai 2009
(IVSTA/16.1; Übersetzung in IVSTA/34 S. 2)
 Neurologisches Konsilium von Dr. C._, Neurologie, vom 23. Februar
2010 (IVSTA/30)
 Psychiatrisches Konsilium von Dr. F._, Psychiatrie & Psychotherapie,
vom 30. März 2010 (IVSTA/29)
 Gutachten des Medizinischen Zentrums X._ (MZX), Dres.
G._, Physikalische Medizin und Rehabilitation, und B._, Inne-
re Medizin, vom 4. April 2010 (IVSTA/31)
 Schlussbericht des RAD Rhone, Dr. H._, Allgemeine Medizin, vom
12. Juli 2010 (IVSTA/34)
 Bericht von Dr. I._, Psychologie, vom 17. November 2010; inkl. Über-
setzung (IVSTA/44)
 Stellungnahme des RAD Rhone, Dr. H._, Allgemeine Medizin, vom
12. Januar 2011 (IVSTA/47.1)
 (Interne) Stellungnahme des RAD Rhone, Dr. J._, Psychiatrie & Psy-
chotherapie, vom 17. Januar 2011 (IVSTA/47.2)
 Schlussbericht des RAD Rhone, Dr. H._, Allgemeine Medizin, vom
20. Januar 2011 (IVSTA/47.3)
 Stellungnahme des RAD Rhone, Dr. H._, Allgemeine Medizin, vom
16. Mai 2012 (IVSTA/64.1)
 (Interne) Stellungnahme des RAD Rhone, Dr. J._, Psychiatrie & Psy-
chotherapie, vom 22. Mai 2012 (IVSTA/64.2)
 Schlussbericht des RAD Rhone, Dr. H._, Allgemeine Medizin, vom
30. Mai 2012 (IVSTA/64.3)
5.5.2 Gestützt auf die genannten Berichte stellten die behandelnden Ärz-
te folgende Diagnosen: Status nach Commotio cerebri, nach Riss-
quetschwunde am Kopf, nach Polytrauma, nach Distorsionstrauma der
C-7006/2011
Seite 13
Halswirbelsäule, nach Schulterkontusion links, nach Läsion des unteren
Plexus brachialis links, nach Thorax-/Rippenkontusion links, eine Radiku-
lopathie C6, 7, 8 und eine inzwischen chronifizierte posttraumatische Be-
lastungsstörung (IVSTA/12, 16.1, 41, 44).
Die Gutachter im MZX hielten ihrerseits folgende Diagnosen fest
(IVSTA/31 S. 45):
a. mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: keine.
b. ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: 1) Chronisches cerviko-
cephales und linksseitig cervikobrachiales Schmerzsyndrom mit/bei
Fehlhaltung, muskulärer Dysbalance, initialen, nicht über das alters-
entsprechende Mass hinausgehenden degenerativen Veränderungen,
ohne weiteres strukturell-morphologisches Korrelat; 2) mögliche un-
fallbedingte commotio cerebri, mögliche Migräne (Spannungskopf-
schmerz, Analgetikakopfschmerz); 3) Adipositas Grad II nach WHO
mit Body Mass Index von 35.6 kg/m2, arterieller Hypertonie (unbe-
handelt) und erhöhten Blutzucker- und Cholesterinwerten.
Die Arztberichte aus Kroatien enthalten nur kurze Beurteilungen der Ar-
beitsfähigkeit: Dr. E._ führt in seinem Bericht vom 5. Mai 2009
aus, es liege eine reduzierte Arbeitsfähigkeit in allen Tätigkeiten vor, ohne
dies prozentual zu veranschlagen. Dr. I._ führt in ihrer psychologi-
schen Beurteilung einzig aus, die festgestellten Symptome minderten be-
zeichnenderweise die Qualität des Lebens und eine allgemeine Funktion
im Alltag (IVSTA/16.1, 34, 44). Die Gutachter des MZX halten ihrerseits
fest, der Beschwerdeführer sei aktuell aus somatischer und psychiatri-
scher Sicht für alle bisherigen Tätigkeitsbereiche zu 100% arbeitsfähig.
Die bei der früheren Rentengewährung aufgrund der posttraumatischen
Belastungsstörung attestierte 50%-ige Arbeitsunfähigkeit sei zum jetzigen
Zeitpunkt nicht mehr gegeben. Das ermittelte Belastbarkeitsprofil, dass
das Tragen und Heben schwerer Lasten, das Einnehmen von rückenbe-
lastenden Zwangshaltungen oder repetitive, stereotype Bewegungsabläu-
fe ausschliesse, gelte ab dem Zeitpunkt der aktuellen Begutachtung
(IVSTA/31).
5.5.3 Trotz unterschiedlicher Diagnosestellung stützen sich die behan-
delnden und begutachtenden Ärzte in etwa auf dieselben gesundheitli-
chen Probleme des Beschwerdeführers ab, beurteilen sie in ihrer Schwe-
re und ihren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit jedoch unterschiedlich.
Aktenkundig ist, dass der Beschwerdeführer als Folge eines schweren
Verkehrsunfalls im Jahre 2002 Polytraumata mit Auswirkungen auf Gehirn
C-7006/2011
Seite 14
(Hirnerschütterung) und Kopf (Rissquetschwunde), mit verschiedenen
Torsionen der linken oberen Körperhälfte (Schulter, Halswirbelsäule, Tho-
rax/Rippen), mit Läsion des unteren Plexus brachialis [Nervenstrang im
Hals- und oberen Brustsegment] und in funktioneller Hinsicht ein post-
traumatisches Belastungssyndrom, eine schmerzhafte Funktionsstörung
des linken Akromioklavikulargelenks, ein zervikozephales Schmerzsyn-
drom, ein linksthorakales Schmerzsyndrom sowie eine unklare Sehstö-
rung mit Fixationsschwierigkeiten erlitten hat.
Während die Ärzte aus Kroatien in ihren aktuellen Berichten auf den Sta-
tus nach Polytraumata hinweisen und (insbesondere) gestützt auf die
Klagen des Beschwerdeführers und aktuelle Untersuchungen festhalten,
der Beschwerdeführer leide nach wie vor an den Folgen des Verkehrsun-
falls von 2002, sowohl in somatischer als auch in psychischer Hinsicht,
insbesondere an einer posttraumatischen Belastungsstörung, haben die
Gutachter im MZX gestützt auf umfangreiche Vorakten, eingehende eige-
ne polydisziplinäre (internistisch, rheumatologisch [inkl. Röntgen], neuro-
logisch und psychiatrisch) Untersuchungen und eine interdisziplinäre Be-
urteilung festgehalten, dass in somatischer Hinsicht anhand der aktuellen
Befunde (März/April 2010) – trotz früher erlittener Polytraumata – ein al-
tersentsprechender Status im Bereich der linken oberen Körperhälfte oh-
ne radikuläre Auswirkungen vorliege und aktuell die posttraumatische Be-
lastungsstörung nicht mehr bestätigt werden könne, diese sei bereits von
Dr. K._ am 4. Januar 2005 als mässig ausgeprägt beurteilt wor-
den. Ebensowenig liege eine depressive Symptomatik von Krankheits-
wert vor (kein Interessensverlust, Empfinden von Freude möglich, kein
Appetit- und Libidoverlust, keine Konzentrations- oder Merkfähigkeitsstö-
rungen vorhanden). Der Beschwerdeführer fahre auch selber wieder Auto
und tue dies angstfrei. Die übrigen Diagnosen (Hypertonie, Diabetes mel-
litus, Adipositas) vermöchten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu
begründen (IVSTA/29-31).
5.5.4 In seiner Stellungnahme vom 17. Januar 2011 führte Dr. J._
vom RAD Rhone aus, das psychiatrische Teilgutachten des MZX sei sehr
fundiert ausgefallen, die medizinisch-klinische Qualität des Gutachtens
sei sehr gut. Der Gutachter gebe die verschiedenen früher gestellten Di-
agnosen korrekt wieder, diskutiere sie eingehend und verwerfe einleuch-
tend für den Gutachtenszeitpunkt deren weiteres Vorliegen. Eine allfällig
bestehende depressive Verstimmung bleibe unterschwellig und erreiche
nicht den für eine ICD-10-Kodierung notwendigen Schweregrad. Das Pa-
tientengutachten von Dr. I._ enthalte keine Diagnosestellung und
C-7006/2011
Seite 15
keine neuen Informationen, die im Gutachten nicht diskutiert worden wä-
ren. Einziger Mangel sei, dass im Gutachten zu wenig genau dargelegt
werde, weshalb – in der Tat – eine wesentliche gesundheitliche Verbesse-
rung vorliege (IVSTA/47.2). In ihrem Schlussbericht vom 12. Juli 2010 hat
sich Dr. H._ vom RAD Rhone der Beurteilung der MZX-Gutachter
angeschlossen. Das Gutachten sei aus versicherungsärztlicher Sicht
nachvollziehbar und in sich schlüssig. Es stelle eine deutliche Verbesse-
rung des Gesundheitszustandes und somit auch der Arbeitsfähigkeit fest;
der Eintritt der gesundheitlichen Verbesserung könne aber erst ab dem 4.
April 2010 dokumentiert werden. Die möglicherweise vorbestandene so-
matoforme Schmerzstörung und eine posttraumatische Belastungsstö-
rung seien nicht mehr nachweisbar. Die Probleme im Bereich des Bewe-
gungsapparates blieben bei nurmehr geringgradiger Bewegungsein-
schränkung im Rückenbereich und ohne weitere Funktionseinbussen oh-
ne relevante Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Die übrigen geklagten
Beschwerden – Kopfschmerzen, Übergewicht, hoher Blutdruck, hoher
Cholesterinspiegel – seien versicherungsmedizinisch nicht relevant.
Anamnestisch bestünden deutliche Hinweise für einen medikamentenbe-
dingten Kopfschmerz, der durch die übermässige Medikamenteneinnah-
me induziert sei (IVSTA/47.3).
5.5.5 Das Gutachten erweist sich aus Sicht des Gerichts – auch unter Be-
rücksichtigung der eingereichten kroatischen Berichte und Einwände des
Beschwerdeführers – als beweisrechtlich verwertbar, beruht es doch auf
allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden,
ist in Kenntnis umfangreicher Vorakten (vgl. S. 2 ff.) abgegeben worden,
leuchtet in der Darlegung der Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Expertin-
nen und Experten sind begründet (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a und E. 3b/cc
mit Hinweisen). Auf die darin gemachten Feststellungen ist deshalb – mit
Ausnahme des in E. 7 Gesagten – abzustellen.
5.6
5.6.1 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerde, das Gutachten
des MZX stelle lediglich eine strengere Beurteilung seines Gesundheits-
zustandes dar und zeige keine Verschlechterung im Vergleich zum Zeit-
punkt der Rentengewährung. Explizit hätten die Gutachter darauf hinge-
wiesen, dass sie der Beurteilung des SUVA-Kreisarztes vom 12. Februar
2004 nicht folgen könnten. Revisionsweise sei eine solche strengere Be-
urteilung desselben Sachverhalts nicht relevant. Deshalb könne auf das
Gutachten nicht abgestellt werden. Im Einzelnen wurde auf Widersprüche
C-7006/2011
Seite 16
und Unstimmigkeiten im Gutachten hingewiesen (vgl. nachfolgend E.
5.6.2 ff.). Schliesslich rügte er, dass das Leistungsprofil in seiner bisheri-
gen Tätigkeit falsch ermittelt worden sei (B-act. 1).
5.6.2 Soweit der Beschwerdeführer rügt, im Gutachten des MZX sei eine
unveränderte Situation unterschiedlich beurteilt worden (B-act. 1 Ziff. 6 f.),
kann dieser Argumentation nicht gefolgt werden. Wie oben dargelegt,
fusst die damalige Rentenzusprache sowohl auf Einschränkungen auf-
grund der „verbleibenden organischen Unfallrestfolgen“ und in neuropsy-
chologischer und psychiatrischer Hinsicht auf einer geschätzten Arbeits-
fähigkeit von 50% (IV-M/22 S. 7 f. i.V.m. IV-M/23 und IV-M/28 S. 3). Im
psychiatrischen Gutachten von Dr. K._ zuhanden der SUVA wur-
den ein Verdacht auf eine somatoforme Schmerzverarbeitungsstörung
sowie eine posttraumatische Belastungsstörung, beide mässiger Ausprä-
gung, festgehalten (Befunde: frei flottierende Ängste, Ein- und Durch-
schlafstörungen, Stressintoleranz/Reizbarkeit, Nervosität, Zittern und
Schwitzen als Ausdruck einer Ängstlichkeit, trotz medikamentöser Be-
handlung und Gesprächstherapie) mit einer daraus resultierenden Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 50% (IV-M/22 S. 7 ff.).
Im MZX dagegen konnten die Gutachter Einschränkungen in der Arbeits-
fähigkeit aufgrund der somatischen Befunde ausschliessen. Zudem wur-
de festgestellt, dass eine commotio cerebri und Einschränkungen neuro-
psychologischer Natur nicht mehr bestätigt werden können; insbesondere
liege aktuell keine posttraumatische Belastungsstörung mehr vor, was in
Anbetracht dessen, dass der Beschwerdeführer im psychiatrischen Kon-
silium in mehrfacher Hinsicht Momente der Freude schilderte, Interesse
am Sport bekundete und angab, (eingeschränkte) Kontakte zu pflegen, er
seine psychiatrische Gesprächstherapie im Jahre 2005 beendet habe,
keine Appetitlosigkeit und kein Libidoverlust vorliege und er inzwischen
auch wieder (angstfrei) Auto fahren könne (IVSTA/29 S. 3 f.), überzeugt.
Dem psychiatrischen Konsilium von Dr. F._ ist auch zu entneh-
men, dass keine Depression von Krankheitswert mehr vorliegt, was sich
mit der Befunderhebung deckt: bewusstseinsklar, orientiert, Kontaktauf-
nahme uneingeschränkt möglich, unauffälliger Denkablauf, keine inhaltli-
chen Denkstörungen, keine Fixierung auf Schmerzproblematik, keine
kognitiven oder mnestischen Defizite, klare Wiedergabe von Daten und
Zusammenhängen, keine Halluzinationen, Wahn- oder Ich-Störungen, af-
fektive Schwingungsfähigkeit erhalten, im Affekt spürbar, keine pathologi-
schen Ängste und Zwänge vorhanden, kein Interessens- und Libidover-
lust, keine Freudlosigkeit, dies trotz herabgesetzter Vitalgefühle, Durch-
C-7006/2011
Seite 17
schlafstörungen, leicht gemindertem Antrieb und leichtem sozialem Rück-
zug. Bezüglich der gerügten (kurzen) Dauer der Untersuchung ist auf die
Ausführungen in E. 5.6.6 zu verweisen. Das MZX durfte daher – 8 Jahre
nach dem Verkehrsunfall und 5 Jahre nach seiner Rückkehr an seinen
Herkunftsort in Kroatien – auf eine Besserung seines Gesundheitszu-
standes schliessen.
Der Beschwerdeführer weist in der Beschwerde zwar auf eine Inkon-
sistenz in den gutachterlichen Ausführungen zur „Festlegung des Beginns
und des weiteren Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit“ hin (IVSTA/31 S. 52),
jedoch bezieht sich einerseits die gutachterliche Äusserung nur auf die
Fachbereiche Innere Medizin, Rheumatologie/Orthopädie und Neurolo-
gie, unter Ausklammerung der Psychiatrie, ist andererseits die Aussage,
es habe zu keinem Zeitpunkt ein Gesundheitsschaden vorgelegen, in
dieser apodiktischen Form wohl nicht vollumfänglich zutreffend (vgl. die
von der IV-M mitberücksichtigte Beurteilung der SUVA: „Einschränkungen
aufgrund der verbleibenden organischen Unfallrestfolgen“); zudem erfolg-
te die Aussage (insbesondere) mit Blick auf die Arbeitsfähigkeitsbeurtei-
lung der Rehaklinik D._ und enthält selber eine Einschränkung
(„dass die damals attestierte Arbeitsfähigkeit primär aufgrund der einge-
schränkten psychischen Belastbarkeit formuliert wurde“). Die Rüge des
Beschwerdeführers, die eine einseitige Zitierung einer einzelnen gutach-
terlichen Aussage enthält, vermag daher nicht die Beweiskraft des Gut-
achtens zu erschüttern.
5.6.3 Der in Ziffer 7 der Beschwerde gerügte Widerspruch zu den „echt-
zeitlichen“ Unfallakten vermag ebenfalls nicht zu überzeugen: Die Gut-
achter legen dar, dass sich der Beschwerdeführer im Rahmen der Begut-
achtung zu Elementen des Unfallgeschehens geäussert hat. Darin liegt
ein für den Zeitpunkt der Begutachtung geltendes Aussageverhalten, wor-
in kein Widerspruch zur früheren Aussage, sich nicht an das Unfallge-
schehen erinnern zu können, zu erkennen ist. Nicht diskutiert wird vom
Vertreter des Beschwerdeführers, ob dieser „Widerspruch“ darin begrün-
det ist, dass sich der Beschwerdeführer von seiner Amnesie teilweise er-
holt hat und deshalb gegenüber den Gutachtern – durchaus nachvoll-
ziehbare – Aussagen zu Teilen des Unfallgeschehens machen konnte
oder ob sich darunter Aussagen befinden, die der Beschwerdeführer zwi-
schenzeitlich aus den damals angelegten Unfallakten entnehmen konnte.
5.6.4 In Ziffer 7.2 und 10 der Beschwerde wird weiter moniert, dass Gut-
achten enthalte widersprüchliche Angaben dazu, ob der Beschwerdefüh-
C-7006/2011
Seite 18
rer noch an Albträumen leide. Dem psychiatrischen Konsilium ist jedoch
zweifelsfrei und – deckungsgleich mit dem Hauptgutachten (IVSTA/31 S.
52) – zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer an keinen Nachhallerin-
nerungen bzw. sich wiederholenden Träumen, die im Zusammenhang mit
dem Verkehrsunfall stehen oder in ähnlichen Situationen auftreten – lei-
de. Albträume habe er im Sinne, dass seinen Kindern etwas passiere,
nicht ihm selber (IVSTA/29 S. 4). Zur entsprechenden Erklärung in der
angefochtenen Verfügung nimmt der Beschwerdeführer nicht Stellung.
Damit geht auch die weitere Rüge fehl, das MZX habe nicht erklärt, ob es
den Versicherten befragt habe, ob er immer noch Erinnerungen und sich
wiederholende Träume im Zusammenhang mit dem Unfall habe (Ziff. 7.2),
zumal diese Rüge ausklammert, dass dem Gutachten unter anderem ein
psychiatrisches Konsilium zugrunde liegt, das ergänzende Aussagen zu
eben dieser Frage enthält. Letztlich deckt sich die Aussage, wonach der
Beschwerdeführer keine Flashbacks zum Unfallgeschehen habe, auch
mit der Erklärung, er fahre unterdessen wieder Auto, angstfrei.
5.6.5 Die in Ziff. 7.4-7.6 geäusserte Kritik, wonach die IV-Stelle zu Un-
recht aufgrund der erhaltenen sprachlichen Fähigkeiten, unzutreffender
Aussagen zur Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit beim Arbeitgeber
und Finanzierung von Ferienwohnungen auf eine gesundheitliche Ver-
besserung geschlossen habe, erweist sich in der Tat als fragwürdige Be-
gründung für eine gesundheitliche Verbesserung. In Anbetracht des Ver-
fahrensausgangs ist jedoch auf diese Kritik vorliegend nicht weiter einzu-
gehen.
5.6.6 Gerichtsnotorisch ist die Kritik von Beschwerdeführenden, die Be-
gutachtung habe nur sehr kurz gedauert und beruhe deshalb auf einer
mangelhaften Würdigung (B-act. 1 Ziff. 8).
Ungeachtet des vorinstanzlichen Hinweises auf die (zutreffende) bundes-
gerichtliche Rechtsprechung, wonach für deren Beweistauglichkeit nicht
allein auf die Dauer einer Untersuchung abgestellt werden könne (Urteil
9C_55/2009 vom 1. April 2009 E. 3.3 m.w.H.) ist bereits aufgrund des
Umfangs des Gutachtens (54 Seiten) sowie der zwei beiliegenden konsi-
liarischen Teilgutachten (je sieben bzw. acht Seiten) auszuschliessen,
dass für die Begutachtung (nur) etwa eine halbe Stunde auf Dr.
C._, 20 Minuten auf Dr. F._ (psychiatrische Begutachtung),
20 Minuten auf Dr. B._ (innere Medizin) und 20 Minuten auf Dr.
G._ (rheumatologische Untersuchung) entfallen seien: So enthal-
ten die „subjektiven Angaben des Versicherten“ in Ziff. 3 persönliche An-
C-7006/2011
Seite 19
gaben des Beschwerdeführers auf den Seiten 17 bis 21 des Gutachtens,
erstrecken sich die von Dr. B._ erhobenen „objektiven Befunde“
mit den Kapiteln „Allgemein“, „Psyche“, „Haut“, „Kopf/Hals“, „Thorax“,
„Atmungsorgane“, „Herz/Kreislauf“, „Abdomen“, Bewegungsapparat“ und
„Neurologische Untersuchung“ auf zahlreiche Befunde auf den Seiten 21
bis 23, die persönlich erhoben werden müssen, sind auf S. 24 zusätzlich
durchgeführte Untersuchungen (Labor) aufgeführt und kommentiert, hat
Dr. G._ für das rheumatologische Teilgutachten auf zwei Seiten
eine eingehende (eigene) Befunderhebung betreffend die Bereiche „All-
gemein“, „Halswirbelsäule“, „Brust-/Lendenwirbelsäule“, „Extremitäten“
und „Rheumatologisch-orientierte neurologische Untersuchung“ aufge-
führt (S. 27 f.), enthält die neurologische Untersuchung von Dr.
C._ auf den S. 33 und 34 eine ausführliche Anamnese und Anga-
ben zum Unfallereignis („Gebeten seine Beschwerden zu schildern, be-
schreibt A._:“), wird auf den Seiten 34 bis 37 der klinische Unter-
suchungsbefund zu den Bereichen „Internistischer Befund“,
„Kopf/Halswirbelsäule“, „Hirnnerven“, „Motorik und Koordination“, „Sensi-
bilität“, „Muskeldehnungsreflexe“, „Pyramidenbahnzeichen“, „Vegetati-
vum“, „Äussere Erscheinung und Verhalten“, „Quantitative und qualitative
Bewusstseinsveränderungen“, „Orientierung“, „Mnestik“, „Konzentration,
Aufmerksamkeit und Auffassung“, „Denken“, „Intelligenz“, „Psychomotorik
und Antriebslage“, „Stimmung und Affekt“ und „Neuropsychologische
Funktionen“ wiedergegeben, und sind dem psychiatrischen Untersu-
chungsbefund von Dr. F._ auf S. 39-42 des Gutachtens eine ein-
gehende psychiatrische Anamnese sowie Angaben zur aktuellen Situation
zu entnehmen („Der Versicherte berichtet...“) und folgt diesen Angaben
ergänzend der psychiatrische Befund (S. 42 f.). Schliesslich ist davon
auszugehen, dass die Gutachter den Beschwerdeführer nicht jeweils um-
gehend nach Abschluss der Befunderhebung zum Gehen aufgefordert,
sondern ihn zur Plausibilisierung der Würdigung einzelner Elemente noch
kurze Zeit im Untersuchungszimmer zurückbehalten haben. Die zeitlichen
Darstellungen des Beschwerdeführers entbehren daher, trotz fehlender
zeitlicher Angaben im Gutachten und in den Konsilien, jeder Grundlage.
5.6.7 Zuzustimmen ist dem Beschwerdeführer darin (B-act. 1 Ziff. 8.2; B-
act. 16 Ziff. 8.3), dass es nicht dem Facharzt für Innere Medizin obliegt, in
seiner Befunderhebung den Psycho-Status zu erheben. Ob dessen Erhe-
bungen deshalb bei der Würdigung unberücksichtigt bleiben müssen,
kann in Anbetracht des vernehmlassungsweisen Antrags der Vorinstanz
auf Rückweisung zur ergänzenden (insbesondere psychiatrischen) Be-
gutachtung, dem stattzugeben ist (vgl. unten E. 7), ebenfalls offen blei-
C-7006/2011
Seite 20
ben. Anzumerken bleibt, dass der sinngemässe Vorwurf, der Internist
könne seine Aussage, es bestehe eine deutliche Tendenz zur Aggravati-
on, nicht auf andere Anamnesen abstützen, nicht zutrifft: Dem Teilgutach-
ten von Dr. C._ sind folgende Hinweise zu entnehmen: „Motorik
und Koordination: Mangelhafte Mitarbeit bei allen Kraftproben mit abrup-
tem Nachgeben und unzureichender Willküranstrengung“. In der Beurtei-
lung führte dieser weiter aus, die neurologische Begutachtung habe einen
sicheren Anhalt für eine bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von
Einschränkungen und Beschwerden ergeben. [...] Ausprägung und
Krankheitswertigkeit der beklagten Beschwerden blieben für ihn ange-
sichts der sicheren Hinweise auf eine Aggravation zumindest zweifelhaft
(IVSTA/31 S. 35, 37 f.).
5.6.8 Die Kritik an einer widersprüchlichen Befunderhebung betreffend die
Beweglichkeit der Halswirbelsäule und zum Muskelhartspann überzeugt
nicht (B-act. 1 Ziff. 8.3): Im Untersuchungsbefund erwähnt Dr. G._,
während der Anamneseerhebung sitze der Beschwerdeführer entspannt
auf einem Stuhl, dabei erfolgten physiologische Mitbewegungen von
Halswirbelsäule bzw. Kopf und oberen Extremitäten. Den Röntgenbefund
vom 23. Februar 2010 kommentiert die Ärztin wie folgt: „Beurteilung: Dis-
krete, multisegmentale degenerative Veränderungen bei gesamthaft al-
tersentsprechender Darstellung der HWS“ (IVSTA/31 S. 29). Dies steht
der Aussage von Dr. B._, unbeobachtet sei die HWS-
Beweglichkeit frei, nicht entgegen (IVSTA/31 S. 23). Im neurologischen
Konsilium führt Dr. C._ im klinischen Untersuchungsbefunde zu-
dem aus: „Der Kopf wird spontan frei in alle Richtungen gewandt [...]
Ausserhalb der formalen Prüfung, so zum Beispiel beim Bejahen und
Verneinen von Fragen und auf dem Gang zum Untersuchungszimmer zu
beobachten, ist die Beweglichkeit des Kopfes frei und ungehindert.“ (IV-
M/30 S. 2 f.). Ein Widerspruch ist – entgegen der Rüge des Beschwerde-
führers – auch nicht ohne weiteres in den Aussagen von Dr. B._
„Diffuse vertebrale [die Wirbelsäule betreffende] und paravertebrale
Druckdolenzen ohne Hartspann“ (S. 23) und Dr. G._ „Mässiger
Hartspann der Schulter-/Nackenmuskulatur unter Betonung des freien
Trapeziusrandes, des M. levator scapulae und der Scaleni“ (IV-M/31 S.
27) zu erkennen.
Dasselbe gilt für die Kritik am Teilgutachten von Dr. C._, wonach
er widersprüchliche Angaben zur Aussagequalität des Beschwerdeführers
mache: Auf S. 2 führt Dr. C._ aus, die Angaben zu Störungen der
Konzentrationsfähigkeit und zu Schwindel/Übelkeit seien insgesamt we-
C-7006/2011
Seite 21
nig konkret, wechselhaft und vage geblieben. Die Aussage auf S. 5, wo-
nach der Beschwerdeführer dem Gespräch konzentriert, aufmerksam fol-
ge und Fragen klar und präzise beantworte, steht unter dem Stichwort
„Konzentration, Aufmerksamkeit und Auffassung“ und muss nicht logi-
scherweise zum selben Resultat führen. Dr. C._ hält im Weiteren
fest, dass der Beschwerdeführer zu Zeit, Ort und Situation scharf orien-
tiert sei und die Merkfähigkeit intakt sei. Konzentration und Aufmerksam-
keit seien unauffällig, Hinweise für eine Störung der verbalen Auffassung
bestünden nicht, inhaltliche Denkstörungen lägen nicht vor (IVSTA/30
S. 5). Insoweit Dr. I._ in ihrem Bericht vom 17. November 2010
auf kognitive Einschränkungen und mnestische Blockaden schliesst
(IVSTA/44), ergeben sich diesbezüglich zwar bestätigende Hinweise in
den Vorakten, die zeitnah zum Unfallereignis erhoben wurden; das MZX
schloss jedoch deren Vorliegen im April 2010 aus. Das vom Beschwerde-
führer in Auftrag gegebene Kurzgutachten von Dr. I._ (eineinhalb
Seiten Umfang) erwähnt nicht, worauf sich dieser Befund abstützt bzw.
wie sich dieser Befund in der Untersuchung konkretisiert hat. Weiter
mussten psychologische Testungen aufgrund des „subjektiv schlechten
Gefühls des Befragten“ abgebrochen werden und erweist sich damit die
Stellungnahme hinsichtlich der Begutachtungssituation als unvollständig.
Zudem widerspricht das Gutachten in verschiedener Hinsicht der ausführ-
lichen Befunderhebung im MZX, ohne dass zu diesen Abweichungen eine
Diskussion erfolgen würde. Dem Gutachten ist daher nur eingeschränkter
Beweiswert zuzumessen (vgl. dazu BGE 135 V 465 E. 4.5).
Zur Rüge, es sei keine Elektroneurographie des linken Armes durchge-
führt worden, ist auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu verwei-
sen, wonach es – ausserhalb der Auftragserteilung durch die IV-Stelle –
den Gutachtern zu überlassen ist, ob und welche Befunde sie bei der Be-
gutachtung ergänzend abklären (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_1056/2010 vom 29. Juni 2011 E. 4.3 m.H.), und gilt es festzuhalten,
dass dies nicht ohne weiteres gegen die Beweiskraft eines Gutachtens
spricht. Bereits im neurologischen Konsilium der Rehaklinik D._
vom 20. Dezember 2012 wies der Neurologe Dr. L._ im Zusam-
menhang mit der leichten Hirnverletzung und der Läsion des Plexus bra-
chialis links daraufhin, dass eine elektromyographische Nachkontrolle
nicht notwendig sei und Verlaufskontrollen genügten. Wichtig sei, dass
die Sensibilität bei detaillierter Prüfung intakt sei und auch keine Reflexe
abgeschwächt seien (IV-M/9 S. 20 ff.). Dementsprechend kann dem Vor-
wurf, diese Beschwerden habe das MZX mangels Untersuchung bei der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit unberücksichtigt gelassen, nicht gefolgt
C-7006/2011
Seite 22
werden: Läsionen des Plexus brachialis haben normalerweise Lähmun-
gen, Gefühlsstörungen und/oder Schmerzen im Bereich des betroffenen
Schultergürtels und Armes zur Folge (vgl.
http://de.wikipedia.org/wiki/Plexus_brachialis, zuletzt besucht am 29. Mai
2013; http://www.plexusbrachialis.de/Infos/Erwachsene/, zuletzt besucht
am 29. Mai 2013; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 8C_260/2011 vom
25. Juli 2011 E. 4.1 und U 177/05 vom 10. April 2006 E. 3.2). Die Begut-
achtung im MZX ergab jedoch in neurologischer Hinsicht, dass an Armen
und Beinen seitengleich mittellebhaft auslösbare Dehnungsreflexe vor-
handen seien (IVSTA/31 S. 36). Im Status zum Bewegungsapparat hielt
Dr. B._ fest, es liege ein symmetrisches Schulterrelief vor, zudem
eine indolente und freie Beweglichkeit beider Schultergelenke mit prob-
lemlos durchführbarem Schürzen- und Nackengriff beidseits, es bestün-
den keine Impingementzeichen, die Umfänge der Ober- und Unterarme
seien beidseits [praktisch] deckungsgleich, die Greifbeweglichkeit der
Hände sei uneingeschränkt, der Faustschluss beidseits komplett und
kräftig. In der neurologischen Untersuchung hielt er symmetrisch auslös-
bare, mittellebhafte Muskeleigenreflexe an den oberen und unteren Ex-
tremitäten fest, es lägen weder eine Verminderung der allgemeinen Kraft
noch Paresen einzelner Muskelgruppen vor (IVSTA/31 S. 23). Dr.
G._ führte ihrerseits im rheumatologischen Teilgutachten aus, bei
der aktuellen neurologischen Untersuchung fänden sich peripher keine
Störungen der Oberflächensensibilität, Störungen der Reflexe oder der
Kraft der peripheren Kennmuskeln (IVSTA/31 S. 31). Bei diesem Ergebnis
der Befunderhebung konnte auf eine (zusätzliche) Elektromyographie des
linken Armes verzichtet werden.
5.6.9 Gleiches gilt für die Rüge, der geltend gemachte Schwankschwindel
sei nicht weiter abgeklärt worden (B-act. 1 Ziff. 9.2). In Erinnerung zu ru-
fen ist, dass die Verwaltung nicht verpflichtet ist, im Rahmen ihrer Be-
gründungspflicht jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen zu
müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_556/2012 vom 25. Februar
2013 E. 5.3). Der geltend gemachte Schwankschwindel wurde im ersten
Rentenverfahren im Zusammenhang mit den geltend gemachten Sehstö-
rungen eingehend abgeklärt (vgl. IV-M/16 S. 5 ff., IV-M/17 S. 5 ff., IV-M/17
S. 2 ff.) und stand bei der Rentengewährung nicht im Vordergrund. Dem
neuropsychologischen Gutachten der Neurologischen Klinik und Poliklinik
des Universitätsspitals M._ vom 13. September 2004 ist zudem zu
entnehmen, dass bei Verbesserung der Schmerzsymptomatik und der
psychischen Befindlichkeit mit einer Besserung der neuropsychologi-
schen Befunde (unspezifische neuropsychologische Funktionsstörungen
C-7006/2011
Seite 23
bei Status nach Polytrauma) zu rechnen sei (IV-M/22 S. 25 ff. ad 6.1). In-
wiefern dieses Vorbringen – im Vergleich zur früheren Beurteilung – nun
unzulässigerweise nicht weiter abgeklärt worden sei, wird in der Be-
schwerde nicht substantiiert. Hinzu kommt, dass das MZX-Gutachten ei-
ne deutliche Besserung sowohl der Schmerzsymptomatik als auch der
psychischen Befindlichkeit festgehalten hat.
5.6.10 In den Ziff. 9.3 und 9.5 f. der Beschwerde und in seiner Replik rügt
der Beschwerdeführer, das MZX habe die anamnestisch erhobenen star-
ken Kopfschmerzen und Schmerzattacken bei der Beurteilung der Ar-
beitsfähigkeit nicht berücksichtigt und auch kein MRI des Gehirns ange-
fertigt, obwohl seinerzeit eine Signalauffälligkeit am parieto-occipitalen
Übergang subortical links festgestellt worden sei. Aus rein neuropsycho-
logischer Sicht hätten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit in leistungsmäs-
siger und zeitlicher Hinsicht mit 50% beurteilt. Diesbezüglich ist festzuhal-
ten, dass das MZX in Ziff. 7.3 seines im April 2010 erstellten Gutachtens
diese Beschwerden erwähnt und in der Zusammenfassung der neurologi-
schen Untersuchung wie folgt würdigt: „Diskrepanz zwischen der in der
Lagerungsprobe angegebenen Schwindelsymptomatik und dem dabei
fehlenden Nystagmus [unkontrollierbares, rhythmisches Bewegen des
Auges; Augenzittern]. Der aktuell erhobene neuropsychologische Befund
ist zumindest ohne sichere oder wahrscheinliche Hinweise auf eine rele-
vante kognitive Beeinträchtigung. Für die beklagten Kopfschmerzen kön-
nen eine Migräne, ein Spannungskopfschmerz und – unter der Voraus-
setzung, dass der Versicherte tatsächlich „drei Schachteln“ des Misch-
präparates Caffetin (pro Monat) aufgrund seiner Kopfschmerzen einnimmt
– auch ein Analgetikakopfschmerz erwogen werden. Ausprägung und
Krankheitswertigkeit der beklagten Beschwerden bleiben jedoch ange-
sichts der sicheren Hinweise auf eine Aggravation zumindest zweifelhaft.
Zusammengefasst ergibt die hier durchgeführte neurologische Begutach-
tung keinen sicheren oder wahrscheinlichen Anhalt für eine behindernde
Läsion am zentralen oder peripheren Nervensystem.“ (IV-M/31 S. 51).
Nichts Gegenteiliges ist der Befunderhebung im neurologischen Konsili-
um von Dr. C._ zu entnehmen (IV-M/30 S. 3). Es ist daher nicht zu
beanstanden, dass diesbezüglich kein erneutes MRI angefertigt worden
ist.
5.6.11 Insoweit der Beschwerdeführer in Ziff. 10 der Beschwerde rügt, die
psychiatrische Beurteilung sei nicht mehr aktuell, kann auf die von der
Vorinstanz beantragte Rückweisung zur ergänzenden psychiatrischen
Begutachtung und die Ausführungen in E. 7 verwiesen werden.
C-7006/2011
Seite 24
5.6.12 Zutreffend erscheint die Kritik in Ziff. 12 der Beschwerde an der
gutachterlichen Beurteilung, es liege eine mögliche commotio cerebri vor,
zumal den Vorakten deren Vorhandensein ohne ärztliche Zweifel oder
Vorbehalte zu entnehmen ist. Dasselbe gilt für die diagnostizierte ce-
rebrale Läsion. Jedoch ist hieraus – entgegen der Rüge des Beschwerde-
führers – nicht auf eine Unvollständigkeit und Oberflächlichkeit des Gut-
achtens zu schliessen. Die aktuelleren Erhebungen durch die Gutachter
konnten diese Diagnose (nun) ausschliessen, worauf vorliegend abzustel-
len ist.
5.6.13 Wenn der Beschwerdeführer in Ziff. 13 der Beschwerde und mit
Replik kritisiert, dass ein MRI der Halswirbelsäule erwähnt worden sei,
das eine Diskushernie nachgewiesen habe, diesbezüglich das MZX je-
doch kein neues MRI veranlasst habe, bleibt er in der Wiedergabe der
sachverhaltlichen Feststellungen unvollständig: Dem im rheumatologi-
schen Teilgutachten von Dr. G._ zitierten MRI ist nämlich zu ent-
nehmen, dass nur geringfügige degenerative Veränderungen HWK 3 bis
HWK 6 festgestellt werden konnten und die erwähnte halbkugelförmige
Diskushernie ohne Myelon- oder Nervenkompression objektiviert wurde
(IVSTA/31 S. 26). Im Gutachten wurde auch auf die Beurteilung des SU-
VA-Kreisarztes Dr. N._ vom 12. Februar 2004 hingewiesen, der im
Abschnitt „Restfolgen“ festhielt, dass im Bereich der Halswirbelsäule kei-
ne strukturellen Läsionen hätten nachgewiesen werden können
(IVSTA/31 a.a.O; IV-M/18 S. 5). Für die Beurteilung der Schwere der
Schädigung und insbesondere die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist je-
doch entscheidend, ob eine Veränderung der Bandscheiben die Nerven-
bahnen komprimiert oder schädigt, was zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen
bis zur Einschränkung der Beweglichkeit der Halswirbelsäule oder gar
Lähmungen im Hand- oder Armbereich führen kann. Solche Einschrän-
kungen konnten in der klinischen Untersuchung nicht konkretisiert werden
(IVSTA/31 S. 27 f.); auch die im MZX erstellten beiden Röntgenbefunde
der Halswirbelsäule vom 23. Februar 2010 ergaben (nur) diskrete multi-
segmental degenerative Veränderungen der Halswirbelkörper bei ge-
samthaft altersentsprechender Darstellung der Halswirbelsäule (seitliche
Darstellung) und keine pathologischen Ventral- oder Dorsalverschiebun-
gen einzelner Wirbelkörper und keine Hinweise auf segmentale Instabili-
tät (Funktionsaufnahmen; IVSTA/31 S. 29). Daher ist auch nicht zu bean-
standen, dass diesbezüglich kein ergänzendes MRI veranlasst wurde.
5.6.14 Gerügt wird weiter, dass sich Dr. C._ mit der biomechani-
schen Kurzbeurteilung der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik nicht ausei-
C-7006/2011
Seite 25
nandergesetzt habe; deshalb sei seine Beurteilung unvollständig und
nicht nachvollziehbar (Ziff. 15.1 der Beschwerde). Die Dres. O._
und P._ hielten in ihrem biomechanischen Befund vom 18. Febru-
ar 2003 fest, dass insgesamt die von der Halswirbelsäule und dem Be-
wegungsapparat des Rumpfes ausgehenden Beschwerden und Befunde
aufgrund des aktenkundigen Ereignisses erklärbar seien. Zum längerfris-
tigen Verlauf sei aus ihrer Sicht keine Stellungnahme möglich (IV-M/9 S.
4). Dr. C._ führt in seinem Konsilium sinngemäss aus, die frühe-
ren Feststellungen seien nicht unkritisch zu übernehmen, zumal deutliche
Hinweise auf eine Aggravation während der Begutachtung vorlägen. Un-
geachtet der vom Beschwerdeführer geäusserten Kritik ist festzustellen,
dass die neuropsychologische Beurteilung auf einer aktuellen, eingehen-
den Befunderhebung durch den Gutachter beruhte und dieser sich vor al-
lem mit der Frage auseinandersetzte, ob die früher attestierte neuropsy-
chologische Beeinträchtigung auf eine zerebrale Läsion zurückzuführen
sei, was er aus heutiger Sicht nicht bestätigen könne. Damit ist zuhanden
der vorliegend relevanten Beurteilung einzig ausgesagt, dass zum Zeit-
punkt der Begutachtung und damit 8 Jahre nach Unfallereignis keine ze-
rebrale Läsion (mehr) festgestellt werden konnte, die neuropsychologi-
sche Beeinträchtigungen zur Folge hat, was sich mit der klinischen Un-
tersuchung deckt. Deshalb ist nicht auf eine „nicht nachvollziehbare Beur-
teilung“ zu schliessen und dringt er mit seiner in Ziff. 15.2 geäusserten
Kritik, es gebe mehrere neue Studien, welche die jahrelangen neuropsy-
chologischen Funktionsstörungen als Folge von Unfälle mit MTBI beleg-
ten, nicht durch.
5.7 Inwiefern vorliegend zu Unrecht nicht auf eine Fremdanamnese ab-
gestellt worden sei, wurde in Ziff. 17 der Beschwerde nicht substanziiert,
weshalb auf diese Rüge – auch in Anbetracht der umfangreichen mitbe-
rücksichtigten Vorakten – nicht weiter einzugehen ist.
6.
Schliesslich bleibt zu prüfen, ob der Chefarzt des MZX, der am Gutachten
vom 4. April 2010 mitgewirkt hat, und die weiteren Teilgutachter befangen
sind, wie der Beschwerdeführer geltend macht.
6.1 Mit ergänzender Beschwerdebegründung vom 29. Mai 2012 rügte der
Beschwerdeführer, gegen den Chefarzt des MZX, Dr. B._, sei vor
dem Bezirksgericht M._ ein Strafverfahren wegen Urkundenfäl-
schung eröffnet worden. Der Chefarzt habe diesen Umstand der Auf-
sichtsbehörde nicht gemeldet. Gestützt darauf habe das Verwaltungsge-
C-7006/2011
Seite 26
richt des Kantons Q._ mit Urteil vom [...] 2012 festgestellt, dass
dieser befangen sei. Gestützt darauf sei festzuhalten, dass er auch im
vorliegenden Gutachten befangen gewesen sei. Er habe den Beschwer-
deführer hier „als viel gesünder dargestellt, als er gemäss sämtlichen
Vorakten ist.“ Zudem bestünden zahlreiche Widersprüche innerhalb der
einzelnen Gutachten und zwischen Hauptgutachten und Teilgutachten.
Die Subgutachter seien ebenfalls regelmässig den Hinweisen auf einen
schlechteren Gesundheitszustand nicht nachgegangen, hätten Ermes-
sensfragen regelmässig zu Ungunsten des Beschwerdeführers ausge-
legt, unterstünden dem Chefarzt des MZX gegenüber der Weisungspflicht
und hätten befürchten müssen, keine weiteren Aufträge für Teilgutachten
zu erhalten. Deshalb seien auch die Teilgutachter als befangen zu qualifi-
zieren (B-act. 10).
6.2 Mit Vernehmlassung vom 15. Juni 2012 führte die Vorinstanz diesbe-
züglich aus, die Einwände würden sich auf Vorkommnisse in einem ande-
ren Verfahren beziehen, der Beschwerdeführer habe nicht ausreichend
substanziiert, dass auch im vorliegenden Fall Manipulationen oder Ein-
flussnahmen durch den Chefarzt erfolgt seien. Dr. B._ sei mittler-
weile nicht mehr am MZX tätig. Damit sei sichergestellt, dass sich die
Teilgutachter im Rahmen des vom Regionalen Ärztlichen Dienst vorge-
schlagenen Ergänzungsgutachtens unbeeinflusst äussern könnten (B-act.
12).
6.3 In seiner Replik vom 5. Juli 2012 räumt der Beschwerdeführer ein, di-
rekte Manipulationen und Einflussnahmen könnten dem Chefarzt des
MZX vorliegend nicht nachgewiesen werden. Jedoch machten folgende
Beurteilungen „stutzig“: Dr. B._ habe einen Psychostatus erhoben,
was nicht seine Aufgabe sei. Zudem berichte er über Aggravation, welche
sich im Bericht von Dr. F._ nicht bestätige. Bezüglich der Beweg-
lichkeit der Halswirbelsäule und des Muskelhartspanns bestünden unter-
schiedliche Darstellungen zwischen Dr. B._ und den Teilgutach-
tern. Diese Indizien zeigten, dass er sich für die zusammenfassende Be-
urteilung in Widerspruch zu seinen Teilgutachtern begebe, was deutlich
für seine Befangenheit spreche (B-act. 16).
6.4 Mit unaufgeforderter Eingabe vom 17. Oktober 2012 stellte der Be-
schwerdeführer dem Gericht ein Urteil des Versicherungsgericht des Kan-
tons R._ vom 28. September 2012 zu und wies darauf hin, dass
gemäss den Ausführungen im Urteil das Bundesamt für Sozialversiche-
C-7006/2011
Seite 27
rungen Dr. B._ zwischenzeitlich verboten habe, für die Invaliden-
versicherung gutachterlich tätig zu sein (B-act. 20).
6.5 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhalts ein
Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so
gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den
Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge
machen (Art. 44 ATSG). Diese Bestimmung ist auch im Abklärungsverfah-
ren der Invalidenversicherung anwendbar (vgl. BGE 135 V 254 E. 3.2).
Indem Art. 44 ATSG vorsieht, dass die versicherte Person den Gutachter
aus "triftigen" Gründen ablehnen kann, geht diese Bestimmung über die
gesetzlichen Ausstandsgründe von Art. 10 VwVG und Art. 36 Abs. 1
ATSG hinaus. Da sich das ATSG nicht zur Frage äussert, welches solche
über die Ausstandsgründe hinausgehende "triftige" Gründe sein können,
beurteilt sich diese Frage nach den Bestimmungen des VwVG. Dabei ist
zwischen Einwendungen formeller und Einwendungen materieller Natur
zu unterscheiden (vgl. BGE 132 V 93 E. 6.4 und 6.5 m.w.H.).
Zu den Einwendungen formeller Natur zählen die gesetzlichen Aus-
standsgründe (vgl. Art. 10 VwVG und Art. 36 Abs. 1 ATSG), weil sie ge-
eignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des Sachverständigen zu
erwecken. Dabei gelten für Sachverständige grundsätzlich die gleichen
Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind
(vgl. 132 V 93 E. 6.5 und E. 7.1 mit Hinweis auf BGE 120 V 357 E. 3).
Soweit die Ausstandspflicht der mit der Begutachtung zu beauftragenden
Person strittig ist, muss die IV-Stelle darüber in einer Zwischenverfügung
befinden (vgl. BGE 132 V 93 E. 6.2 m.w.H.).
Einwendungen materieller Natur können sich zwar ebenfalls gegen die
Person des Gutachters richten. Sie beschlagen jedoch nicht dessen Un-
parteilichkeit. Oft sind sie von der Sorge getragen, das Gutachten könne
mangelhaft ausfallen oder jedenfalls nicht im Sinne der zu begutachten-
den Person. Solche Einwendungen sind in der Regel mit dem Entscheid
in der Sache im Rahmen der Beweiswürdigung im Endentscheid zu be-
handeln (vgl. BGE 132 V 93 E. 6.4 und 6.5 m.w.H., bestätigt in BGE 132
V 376 E. 9 und BGE 133 V 446 E. 4.4).
6.6 Festzustellen ist, dass mit den Vorwürfen, gegen den Chefarzt des
MZX sei vor dem Bezirksgericht M._ ein Strafverfahren wegen Ur-
kundenfälschung eröffnet worden, er habe diesen Umstand der Auf-
sichtsbehörde nicht gemeldet, gestützt darauf habe das Verwaltungsge-
C-7006/2011
Seite 28
richt des Kantons Q._ mit Urteil vom [...] 2012 festgestellt, dass
dieser befangen sei, zwischenzeitlich habe das BSV ihn angewiesen, die
Gutachtertätigkeit für die Invalidenversicherung zu unterlassen, formelle
Ausstandsgründe geltend gemacht werden.
Das Bundesgericht hat sich mit diesen Vorwürfen gegen den früheren
Chefarzt des MZX bereits auseinandergesetzt und mit Urteilen
8C_487/2012 vom 23. Juli 2012 E. 3.2 und 8C_904/2012 vom 28. März
2013 E. 4.3 festgehalten, dass formelle Ausstandsgründe nicht bereits
vorlägen, weil jemand Aufgaben für die Verwaltung erfülle, sondern erst,
wenn der Verwaltungsangestellte in der Sache selbst persönlich befan-
gen sei. Solche Gründe seien nicht geltend gemacht worden. Der Beizug
der Strafakten sei in Anbetracht der materiellen Beurteilung nicht erforder-
lich.
Festzuhalten ist, dass die vorliegend mit ergänzender Beschwerdebe-
gründung, Replik und Eingabe vom 17. Oktober 2012 erhobenen Vorwür-
fe nicht weiter gehen, als das vom Bundesgericht in den genannten Urtei-
len Beurteilte, weshalb ohne Weiterungen darauf zu verweisen ist, und
auch nicht geschlossen werden kann, die Teilgutachter seien aufgrund ih-
rer arbeitsrechtlichen Stellung zum Chefarzt des MZX befangen in der
Ausübung ihrer Tätigkeit.
6.7 Es bleibt zu prüfen, ob materielle Ausstandsgründe gegeben sind. Der
Beschwerdeführer räumt mit der Replik selber ein, dass dem Chefarzt
des MZX vorliegend keine direkten Manipulationen und Einflussnahmen
nachgewiesen werden könnten; darauf ist abzustellen. Zudem sind den
Akten keine Hinweise auf das zur Last gelegte Verhalten zu entnehmen,
wozu auf das in E. 5 Gesagte verwiesen werden kann.
6.8 Die Beschwerde ist daher bezüglich der erhobenen Vorwürfe der Be-
fangenheit abzuweisen.
7.
7.1 Mit der Vorinstanz ist damit festzustellen, dass das Gutachten zwar
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden be-
rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist,
in der Darlegung der Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi-
nischen Situation einleuchtet und begründete Schlussfolgerungen der
Expertinnen und Experten enthält. Jedoch hat die Vorinstanz – gestützt
auf die Beurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes, Dres. J._
C-7006/2011
Seite 29
und H._, vom 22. und 30. Mai 2012 im Rahmen der Vernehmlas-
sung festgehalten, dass das Gutachten des MZX bezüglich der Frage,
welche gesundheitlichen Verbesserungen konkret festgestellt werden
könnten und ab wann in (psychiatrischer) Hinsicht eine Verbesserung
eingetreten sei, keine eindeutigen Antworten liefere und diesbezüglich
Mängel aufweise. Die festgestellte gesundheitliche Verbesserung gehe
nur implizit aus dem (psychiatrischen) Gutachten hervor. Die Ärzte hätten
wegen dieses Mangels auf den Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens
abgestellt. Es seien daher die Gutachter, und insbesondere der Verfasser
des psychiatrischen Teilgutachtens, mit einem Ergänzungsgutachten zu
beauftragen zur Frage, ob zum Gutachtenszeitpunkt eine wesentliche
und erhebliche (und damit IV-relevante) Verbesserung des Gesundheits-
zustandes vorgelegen habe. Falls ja, werde um genaue Angabe gebeten,
worin diese Verbesserung bestanden habe (IVSTA/64).
7.2 Der Beschwerdeführer begründet seine Rüge, der Antrag der Vorin-
stanz auf Rückweisung zur ergänzenden psychiatrischen Abklärungen
(insb. Abklärung des Zeitpunkts des Eintritts einer gesundheitlichen Ver-
besserung) sei verfehlt, damit, dass die Vorinstanz zu keinem Zeitpunkt
davon ausgegangen sei, es habe ein Gesundheitsschaden bestanden,
und das MZX könne auf diese Frage folglich keine glaubwürdige und wi-
derspruchsfreie Antwort geben. Zudem sei dieselbe Frage bereits ab-
schlägig beantwortet worden. Dieses Vorgehen sei daher sinnlos und un-
zulässig (B-act. 16 Ziff. 2, 6). Diese Argumentation verfängt nicht: Die er-
neute Beurteilung im MZX hat anhand einer ergänzenden (aktuellen und
retrospektiven) Befunderhebung, Würdigung der Vorakten und sich wi-
derstreitender Meinungen zu erfolgen. Können die oben erwähnten Fra-
gen (vgl. E. 7.1) nicht (klar) beantwortet werden, liegt eine revisionsrecht-
lich nicht-relevante Andersbeurteilung derselben gesundheitlichen Situa-
tion vor und hat die Vorinstanz die Rente weiterhin auszurichten. Insofern
zielen die Abklärungen im MZX darauf, ergänzende Klärung in zentralen
und vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Punkten zu bringen. Solange
diese Klärung nicht vorliegt, ist nicht weiter auf die Rüge einzugehen, das
MZX-Gutachten urteile strenger als IV und SUVA. Insofern der Be-
schwerdeführer in seiner Stellungnahme auf zahlreiche weitere Mängel
und weiteren Abklärungsbedarf (es müssten zahlreiche, bisher unterlas-
sene somatische Untersuchungen durchgeführt werden) hinweist, ist auf
deren Würdigung in E. 5 zu verweisen.
7.3 Nicht zu prüfen bei diesem Ausgang des Verfahrens ist auch, ob es
zutrifft, dass Dr. F._ die von ihm registrierten Einschlaf- und
C-7006/2011
Seite 30
schmerzbedingten Durchschlafstörungen in der Würdigung der Arbeitsfä-
higkeit nicht habe einfliessen lassen; zudem sei der Schlaf des Be-
schwerdeführers seit Erlass des Vorbescheids massiv gestört (Be-
schwerde Ziff. 16). Nicht weiter zu prüfen ist schliesslich, ob die IVSTA
vor der revisionsweisen Aufhebung des Rentenanspruches die Frage der
Selbsteingliederung hätte prüfen und verneinenderweise Eingliede-
rungsmassnahmen an die Hand nehmen müssen (Ziff. 14 der Beschwer-
de). Die IVSTA ist jedoch anzuhalten, das im Schreiben des Beschwerde-
führers vom 20. Dezember 2011 und in der Beschwerde in Ziff. 15 ge-
nannte Arbeitsprofil bei der Frage nach der Zumutbarkeit der Ausübung
der bisherigen Tätigkeit mitzuberücksichtigen.
7.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen. Der Beschwerdefüh-
rer hat die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung nicht bean-
tragt. Replikweise ersuchte er in der Begründung darum, dass die Rente
unverzüglich wiederum zu gewähren sei (B-act. 16 Ziff. 6), ohne jedoch
explizit einen Verfahrensantrag zu stellen. Bis zu neuem Entscheid der
Vorinstanz in gleicher Sache bleiben deshalb Rentenzahlungen einge-
stellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_451/2010 vom 11. November
2010 E. 4.4).
7.5 In Übereinstimmung mit dem vorinstanzlichen Antrag in der Vernehm-
lassung ist daher vorliegend die Beschwerde vom 29. Dezember 2011 in-
soweit gutzuheissen, als die Sache zur Vornahme ergänzender Abklärun-
gen im Sinne des vorinstanzlichen Antrags an die IVSTA zurückzuweisen
ist; im Weiteren ist sie abzuweisen.
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1
VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Eine
Rückweisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der beschwerdeführenden
Partei (BGE 132 V 215 E. 6), sodass der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 400.- dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des vorlie-
genden Urteils auf ein von ihm anzugebendes Konto zurückzuerstatten
ist. Der Vorinstanz werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs.
2 VwVG).
Der vertretene Beschwerdeführer hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in
Verbindung mit Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,
C-7006/2011
Seite 31
SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der
Verwaltung. Diese wird unter Berücksichtigung des gebotenen und akten-
kundigen Aufwands auf Fr. 3‘400.- (ohne Mehrwertsteuer; vgl. Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts C-822/2011 vom 12. Februar 2013 E. 8.2.4)
festgelegt.