Decision ID: a553a624-9b21-493f-a778-594c6d2e77fb
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962,
war
von
März 2012
bis Ende Juni 2018
bei der
Y._
AG als Lastwagenchauffeur
(Fahrer für Muldenkipper und Schlepper)
in einem 100%-Pensum angestellt (
Urk.
8/20
,
Urk.
8/29/30,
Urk.
8/47 S.
4
).
Bei einem Verkehrsunfall am 2
9.
März 2017 zog sich der Versicherte Prellungen am ganzen Körper zu (vgl. Schadenmeldung vom
7.
April 2017
, Urk.
8/15/3) und war infolgedessen vollständig arbeitsunfähig (
vgl.
Urk.
8/15/4
, Urk. 8/15/50
).
Am 1
8.
Juli 2017 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf körperliche Schmerzen seit dem Unfall zum Bezug von Leistungen der Inva
lidenversiche
rung an (Urk. 8/13).
Die IV-Stelle nahm Abklärungen in erwerblicher und medi
zini
scher Hinsicht vor. Sie zog
wiederholt
die Akten de
r Unfallversicherung (Urk.
8/15,
Urk.
8/27,
Urk.
8/29,
Urk.
8/37,
Urk.
8/38 und
Urk.
8/46)
bei, holte einen Auszug aus dem Individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug,
Urk. 8/19
) ein, und nahm
die
Bericht
e
der behandelnden Ärzte zu den Akten (Urk. 8/21,
Urk.
8/28 und
Urk.
8/32
).
Von keiner
anhalten
den Arbeits
un
fähigkeit ausgehend stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 1
2.
Juni 2018 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/48). Dagegen erhob der Versicherte am 1
4.
August 2018 Einwand (U
rk. 8/53). Mit Verfügung vom 6.
September 2018 ver
neinte die IV-Stelle wie vorbeschieden einen Anspruch auf Leistungen der Inva
lidenversicherung (Urk. 2).
2.
Die Unfallversicherung ihrerseits hatte ihre Versicherungsleistungen (
Heilbe
hand
lung und
Taggeld
leistungen) per
4.
Juni 2018 eingestellt (vgl. Schreiben vom 3
1.
Mai 2018, Urk. 8/46/2f.).
3
.
Mit Eingabe vom 2
6.
September 2018
erhob der Versicherte
gegen die Verfügung vom
6.
September 2018
Be
schwerde und beantragte, es sei die angefochtene Ver
fügung aufzuheben und es seien ihm
Eingliederungsmassnahmen
zu gewähren
oder eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen
. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege
sowie die unentgeltliche
Rechts
verbeiständung
zu gewähren
(Urk. 1).
Die prozessuale Bedürftigkeit sub
stantiierte er mit Eingaben vom 5. November 2018 (Urk. 10 und Urk. 11).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
2.
November 2018 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
5.
November 2018 wurde dem Beschwerdeführer die Beschwer
deantwort zugestellt (
Urk.
12). Ferner wurde die Unfallversicherung ersucht (
Urk.
14)
,
den Bericht der kreisärztlichen
Beurteilung vom
7.
Mai 2018 zu den Akten zu reichen (Eingabe vom 2
5.
April 2019
;
Urk.
16 und 17).
4
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von Geburtsge
bre
chen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über
die Invalidenversi
cherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperli
chen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
un
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige beruf
liche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
6.
September 2018 (
Urk.
2) hielt die Be
schwerdegegnerin fest, die medizinische Abklärung habe erg
eben, dass der Beschwe
r
deführer
in seiner angestammten Tätigkeit
seit Juni 2018 wieder voll arbeitsfähig sei, weshalb
kein Anspruch auf berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente bestehe.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 26. Sep
tember 2018 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
das Einknicken respektive
die Instabilität seines rechten Knies würden ihm das Lenken eines Lastwagens ver
unmöglichen. Folglich sei er in seiner angestammten Tätigkeit vollständig arbeits
unfähig, weshalb er Anspruch auf geeignete Eingliederungsmassnahmen
habe.
3.
3.1
Nach einem
Verkehrsunfall am 2
9.
März 2017
(vgl.
Urk.
8/15/3) wurde der Be
schwerdeführer notfallmässig ins Stadtspital
Z._
eingewiesen, wo
gestützt auf bildgebende Befunde (vgl.
Berichte Computerto
mographie (CT) vom 2
9.
März
2017
,
Urk.
8/27/74,
Urk.
8/27/76,
Urk.
8/27/81)
ein stumpfes Schädel-Hirn-Trauma
mit
Contusio
capitis
,
ein stumpfes Thorax- und Abdominal-Trauma mit
eine
r
Thorax- und Becken-Kontusion auf der rechten Seite sowie eine Patella-Unter
pol-Querfraktur rechts
diagnostiziert wurden.
Nach unauffälliger neuro
logischer Überwachung wurde der Beschwerdeführer entlassen
,
wobei die Ärzte hinsicht
lich der Patella-Fraktur eine Ruhigstellung in der Knie-Klettschiene empfahlen (vgl. Arztbericht vom 3
0.
März 2017,
Urk.
8/15/23f.).
Eine am 1
6.
Mai
2017 durch
geführte Magnetresonanztomographie (MRI) des rechten Knies zeigte neben der bereits diagnostizierten Patella-Unterpol-Querfraktur ausserdem eine
osteo
chondrale
Absprengung am
mediokaudalen
Rand der Patella, eine Knochen
kontusion
ventromedial
am medialen
Femurkondylus
, einen Horizontalriss in der Pars
intermedia
und im
Hinterhorn
des medialen Meniskus sowie eine
mässig
gradige
mediale
Femoropatellargelenksarthrose
(vgl.
Urk.
8/27/82).
Es wurde Phy
sio
therapie zur
Verbesserung der Musk
elfunktion verordnet (vgl. Urk.
8/15/51).
Im
Rahmen von
Verlauf
skontrollen im Stadtspital
Z._
klagte
der Beschwer
deführer über ein starkes Instabilitäts
gefühl im Knie in
termittierend beim Gehen
. Nach längerem Gehen und bei unebenem Boden habe er das Gefühl, dass das Knie einschlafe und wegkippe
, weshalb er Angst habe, seine Tätigkeit als Last
wagenchauffeur
wieder aufzunehmen
(vgl. Verlaufs
doku
menta
tion vom 2
6.
Juli 2017,
Urk.
8/27/19f.).
Die behandelnden Ärzte erachteten
ein neurologisches
Konsil
bei
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Neurologie,
zur Abklärung der unklaren Gefühlsstörungen im Knie
für angezeigt
(vgl. Verlaufs
bericht
vom
2
0.
August 2017, Urk. 8/27/18).
Dr.
A._
hielt in ihrem Arztbericht vom 2
4.
August 2017 (
Urk.
8/21/8f.) fest, es bestehe eine Hypästhesie über der rechten Kniescheibe im Versorgungsgebiet des
Ramus
infrapatellaris
des
Nervus
saphenus
. Hinweise für eine differenzialdiagnostisch zu erwägende weiter proximal liegende Nervenläsion oder
Radikulopathie
würden sich anamnestisch und klinisch nicht finden
lassen
, ebenso wenig für eine systemische Neuropathie klinisch und elektroneurographisch. Die Nervenläsion erkläre zwar kein Insta
bilitätsgefühl im Knie, trotzdem könne der Nerv an der Innenseite des Ober
schen
kels lokalanästhetisch infiltriert/blockiert werden, sollten schmerzhafte
Dysästhe
sien
auftreten.
In Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Lastwagenchauffeur empfahlen die behandelnden Ärzte des Stadtspitals
Z._
aufgrund der subjektiven Unsicherheit des Be
schwerde
führers eine Evaluation durch einen Arbeitsmediziner (vgl. Arzt
bericht vom 1
0.
September 2017,
Urk.
8/21).
3.2
Infolge
persistierender Beschwerden
wurde am 1
8.
Oktober 2017
eine erneute MRI-
Untersuchung des rechten Knies
durchgeführt
(vgl. Urk. 8/27/79). Bei noch nachweisbarem Meniskusriss des medialen
Meniskushinterhorns
wurde die Indi
kation zur Knie
arthroskopie gestellt
(vgl. Arztbericht vom
2
6.
Oktober 2017,
Urk.
8/27/69).
Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Chirurgie, führte den operativen Eingriff am 1.
November 2017 durch
(vgl. Operations
be
r
icht vom 6. November 2017, Urk.
8/27/94).
Dieser berichtete i
m Rahmen
einer postoperativen Kontrolle
,
der Beschwerde
führer
habe
weiterhin über eine gewisse Beschwerdesymptomatik im Bereich des rechten Kniegelenks mit Schmerzen im retropatellaren und
femoro
patellaren
Bereich sowie eine gewisse Instabilität im Bereich des rechten Knie
gelenks geklagt. Die klinische Untersuchung habe weder einen Kniegelenk
erguss noch eine nachweisbare Instabilität im rechten Knie
ge
lenk gezeigt. Deutlich sei eine Atrophie der Oberschenkel- und Unterschenk
el
muskulatur des rechten Beines, was möglicherweise die bestehende Instabilität im rechten Knie bei bestimmten Bewegungen erklären könnte.
Er empfahl
eine intensive Physiotherapie
bzw. medizinische Trainingstherapie (MTT)
zur Verbes
se
rung der Muskulatur am rechten Bein (vgl. Arztbericht vom 1
5.
November 2017,
Urk.
8
/27/96).
In den nachfolgenden Sprechstundenberichten führte
Dr.
B._
aus, sechs
Wochen nach der
arth
r
oskopischen
Operation habe
der Beschwerdeführer eine
Verbesserung der
Beschwerde
symptomatik im rechten Kniegelenk
angegeben.
Es
zeige sich eine vo
lle Bewegung und es
seien weder ein Kniegelenkerguss noch Bandinstabilitäten auszumachen
. Zur besseren Stabilisie
rung des Kniegelenks werde eine Genutrain-P3-Schiene empfohlen
(vgl. Arztbe
richt vom 1
3.
Dezember 2017, Urk. 8/27/107)
.
Sowohl das Tragen der Genutrain-P3-Schiene als auch die Physiotherapie durch MTT würden nach Angaben des
Beschwerdeführers eine Verbesserung der Stabilität und Schmerzsymptomatik bringen. Trotzdem bestehe nach wie vor eine Beschwerdesymptomatik im rechten Kniegelenk
,
sodass er seine Arbeitstätigkeit als Lastwagenchauffeur noch nicht durchführen k
önne (vgl. Arzt
bericht vom 17.
Januar 2018,
Urk.
8/28/4f.).
3.3
Am 2
6.
Februar 2018 wurde der Beschwerdeführer
von
Dr.
med.
C._
, Allgemeinmedizin,
kreisärztlich untersucht (vgl.
Urk.
8/29/28ff.).
Dr.
C._
stellte folgende Diagnosen:
-
Belastungsabhängige Beschwerden Kniegelenk rechts bei Gonarthrose
sowie wahrscheinlich schmerzreflektorisches Einknicken Kniegelenk recht
s, Differenzialdiagnose funktionelle Störung bei
-
Status nach Kniearthroskopie, Spülung, Meniskusteilresektion und Menis
kus
glättung,
Notchplastik
und
Mikrof
r
akturierung
im
Femoro
patellarlager
rechts (
1.
November 2017) bei multiplen degenerativen Rissbildungen medialer Meniskus
Hinterhorn
zur Pars
intermedia
-
Chondropathie
Grad III
Femoropatellarlager
und grossflächig retro
pa
tellar rechts in der Hautbelastungszone
-
Hypertrophe
osteophytäre
Störung an der
Eminentia
-nahen medialen Tibia mit Störung der
Notch
rechts
-
Status nach Kontusion Kniegelenk rechts am 2
9.
März 2017 mit Quer
fraktur am
Unterpol
der Patella mit einem Frakturspalt von 2 mm sowie kleinen
ossären
Fragment an der lateralen
Patellafacette
Dr.
C._
hielt fest, der Beschwerdeführer
klage
über belastungsabhängige Schmerzen und ein ständiges Einknicken bei unebenem Boden. Aufgrund der klinischen Untersuchungsbefunde und der vorliegenden Röntgendokumentation sei eine gewisse Restbeschwerdesymptomatik
endlagig
bei Flexion an der
Patella
spitze
als Unfallfolge nachvollziehbar. Das Einknicken lasse sich durch die im MRI vorhandenen Befunde hingegen nicht erklären. Der Beschwerdeführer be
schrei
be das Einknicken als seitliches Wegknicken bei Unebenheiten bis zu einer Flexion im Kniegelenk von ca. 30°. Eine neurologische Störung als Ursache sei aufgrund der vorliegenden Befunde mit grösster Wahrscheinlichkeit auszu
schliessen.
Dr.
C._
ging davon aus, dass es sich beim Einknicken um einen
reflektorischen, schmerzbedingten/schmerzerwartenden Schutz
mecha
nis
mus handle
. Differentialdiagnostisch käme auch eine funktionelle Störung in Frage. Auffallend sei ein schlechtes Körperbewusstsein. Der Kreisarzt attestierte dem Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit
aktuell
eine
weitgehende
Arbeits
unfähigkeit.
3.4
Die Haftpflichtversicherung leitete ebenfalls eine Beurteilung in die Wege, im Rahmen derer der Beschwerdeführer von Dr. med.
D._
, FMH Ortho
pä
dische Chirurgie, am 1
2.
und 1
3.
März 2018 begutachtet wurde (
Gutachten vom 16. März 2018,
Urk.
8/37).
Dr.
D._
konstatierte,
es zeige sich ein Anlaufhinken auf der rechten Seite. Im Verlauf könne der Beschwerdeführer jedoch flüssig gehen, wobei er darauf ge
achtet habe, das rechte Kniegelenk möglichst nicht über 30° zu flektieren. Der
Einbeinstand
sei auf beiden Seiten problemlos möglich, erschwerte Gangarten
habe der Beschwerdeführer auf der rechten Seite jedoch nicht durchführen kö
nnen. Das rechte Knie sei
aspektmässig
unauffällig, ohne relevante Kontur
asymmetrie, weder überwärmt noch gerötet. Die Patella sei zentriert
.
Der Be
schwerdeführer habe diffuse Schmerzen im vorderen Gelenksanteil auf der Höhe der Gelenkspalte, spangenförmige von m
edial nach lateral beziehungswei
se gegen die Patella zieh
end, angegeben. Daneben sei ein diskretes und wechsel
haftes Druckgefühl in der Kniekehle festzustellen. Das Gelenk sei in beiden Achsen und Ebenen bandstabil (
Urk.
8/37 S. 4).
Ein am 1
3.
März 2018 durch
geführtes MRI des rechten Knies (vgl.
Urk.
8/38)
zeige einen Status nach medialer
Teilmeniskektomie
mit Verdacht auf
Reruptur
am Übergang vom Corpus zum
Hinterhorn
,
mit bis hochgradiger
Femoropatellararthrose
mit abgrenzbaren Aktivierungszeichen bei nur minimaler Degeneration
femorotibial
.
Erkennbar sei
auch ein leichtgradiger Gelenk
erguss sowie eine neu abgrenzbare
Auftreibung
und T2-Hyperintensität in den kranialen und lateralen Anteilen des Ligamentum Patella (
Urk.
8/37 S. 5).
Die direkten Unfallfolgen am rechten Knie - so
Dr.
D._
- seien ohne fassbare Residuen abgeheilt. Die noch vorhandenen Beschwerden würden einer etablierten
Femoropatellararthrose
entsprechen. Diese könne nicht kurativ behandelt werden. Mit einer symp
to
matischen
Behandlung
, beispielsweise einer gegebenenfalls wiederholten intraartikulären Steroidapplikation und/oder einer
Hyaluronsäure
therapie
, könne eine signifikante und anhaltende Besserung bis hin zur völligen Schmerzfreiheit erwartet werden.
Der Beschwerdeführer sei in seiner ange
stammten Tätigkeit als Lastwagenchauffeur
ohne körperliche Belastung des Ab- und Aufladens
per sofort zu 100 %
arbeitsfähig. Gegebenenfalls sei
einem Einsatz im Fahrzeug eine verkehrsmedizinische Ab
kläru
ng voranzustellen (
Urk.
8/37 S.
6f.).
3.5
In der kreisärztlichen Beurteilung vom
7.
Mai
2018 (
Urk.
17) wiederholte Dr.
C._
, dass die erlittene Querfraktur am
Unterpol
der Patella mit Frakturspalt von
2
mm sowie kleinem
ossären
Fragment an der lateralen
Patellafacette
keinen Einfluss auf die Beschwerdesymptomatik habe, da die belastete Gelenkfläche der Patella bei dieser Fraktur in keiner Weise involviert gewesen sei.
Dr.
D._
bestätige, dass die
undislozierte
Patellaquerfraktur
im
Unterpol
Knie rechts folgenlos abgeheilt sei (vgl. vorstehend E. 3.4). Die nach wie vor bestehende Be
schwerdesymptomatik sei auf die symptomatische
Femoropatellararthrose
Grad III bis IV im rechten Knie nach zweimaliger Arthroskopie mit
Teilmeniskektomie
medial sowie
Knorpelabrasion
im
femoropatellaren
Gleitlager zurückzuführen.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit sei festzuhalten, dass aus der minimalen
un
dis
lo
zierten
Patellaspitzenquerfraktur
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in bis
heriger Tätigkeit als Lastwagenchauffeur oder einer anderen Tätigkeit resul
tiere.
3.6
Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des Beschwerdeverfahrens einen nach Verfügungserlass ergangenen Arztbericht de
s
behandelnden
Arztes
des
Z._
Spital
s
über die Sprechstunde vom 3. September 2018
zu den Akten (Arztbericht vom 1
1.
September 2018,
Urk.
3).
Darin äusserte
Dr.
B._
, die Beschwerde
symp
tomatik im rechten Kniegelenk mit Be
lastungs
schmerzen und Wetterfühlig
keit könne mit der posttraumatischen Arthrose und mit der Retropatellararthrose erklärt werden. Die tempor
ä
ren Taub
heitsgefühle und das E
inknicken mit einer gewissen Instabilität im rechten Knie
gelenk sei hingegen neurologisch durch die tra
umatische Irritation im Versor
g
ungs
gebiet des
Ramus
infrapatellaris
des
Nervus
saphenus
zu erklären. Entsprechend sei eine weitere neurologische Abklä
rung zu empfehlen. Bei der bestehenden Instabilität im rechten Kniegelenk mit der beschriebenen Be
schwerde
symptomatik und
dem
Einknicken sei die Tätigkeit als Lastwagenchauffeur als sehr gefährlich einzustufen. Eine angepasste sitzende Tätigkeit im Wechsel mit Gehen ohne grosse Belastung des rechten Beins sei zu
mutbar.
Dr.
B._
attestierte dem Beschwerdeführer eine 20%ige Arbeits
fähigkeit
,
um eine ange
passte Tätigkeit zu beginnen
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung vom 6. September 2018 (
Urk.
2) sämtliche Leistungen der Invalidenversicherung mit der Begründung, es liege keine langandauernde gesundheitliche Beeinträchtigung im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn vor. Sie stützte sich bei ihrer Ent
scheidung auf die Einschätzung des Unfallversicherers vom 3
1.
Mai 2018 (vgl.
Urk.
8/46
/2f.
) respektive des Kre
isarztes
Dr.
C._
(vgl. E. 3.
3
und E. 3.
5
).
Eigene medizinische Abklärungen hat sei keine vorgenommen.
4.
2
4.
2
.1
Der hier zu prüfende
Leistungsanspruch
kann
gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG frü
hestens nach Ablauf des sogenannten Wartejahrs (aktenkundige Arbeitsun
fähig
keit seit März 2017
,
Urk.
8/15/4
), mithin frühestens im
März
201
8 ent
stan
den sein
.
4.
2
.2
Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass
beim Beschwerdeführer
nach zwei
maliger Arthroskopie mit
Teilmeniskektomie
eine
Femoropatellararthrose
Grad III
bis IV im rechten Knie
besteht (vgl. E.
3.4 und E.
3.5
). Laut Beurteilung des Kreis
arztes
wirkt sich die (unfallbedingte) minimal
undislozierte
Patella
spitzenquer
fraktur
nicht einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers aus (vgl. E. 3.5 in
fine
).
Dr.
C._
äusserte sich hingegen nicht, i
nwieweit sich die bestehende Beschwerdesympto
matik (symptomatische
Femoropatellar
arthrose
im rechten Knie)
einschränkend
auf die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers in seiner ange
stammten Tätigkeit als Lastwagen
chauffeur
oder in einer leiden
s
ange
passten Tätigkeit auswirkt
.
Dr.
D._
ordnete die bestehenden Beschwerden im rechten Knie ebenfalls einer etablierte
n
Femoropatellararthrose
zu
,
erachtete eine Ver
besserung der Symptomatik im Rahmen einer
symptomatischen Behandlung (intraartikulären Steroidapplikation,
Hyaluron
säure
therapie
)
jedoch als möglich
.
Wohl
befand
er den Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit
ohne körperliche Belastung des Ab- und Aufladens
wieder vollständig arbeits
fähig, erwog aber vorgängig eine verkehrsmedizinische Ab
klärung (vgl. E. 3.4 in
fine
).
4.2.3
Soweit die Beschwerdegegnerin vorbehaltlos auf die Einschätzung der Unfall
ver
sicherung abstellte und der Beurteilung des Kreisarztes folgte, ist dem entgegen
zu
halten, dass
der in der Unfallversiche
rung versicherte Gesundheitsschaden enger gefasst ist, indem er
an
ein Unfall
ereignis anknüpft
und nur die direkten Unfallfolgen respektive die daraus resultierende Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit berücksichtigt.
Vor dem Hintergrund, dass sich der Kreisarzt nicht zur Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
infolge
der symptomatischen
Femoro
patel
lararthrose
im rechten Knie äusserte
und weder eine Evaluati
on durch einen Arbeitsmediziner - empfohlen durch die behandelnden Ärzte des Stadtspitals
Z._
(vgl. E. 3.1 in
fine
) - noch eine verkehrsmedizinische Abklärung erfolgt ist, ist nicht ausgewiesen, dass dem Beschwerdeführer seine bisherige Tätigkeit
als Lastwagenchauffeur
vorbehaltlos zumutbar ist.
Zur Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer leidensangepassten Tätig
keit äusserte sich der Kreis
arzt nicht. Der behandelnde Arzt
Dr.
B._
erach
tete eine angepasste sitzende Tätigkeit im Wechsel mit Gehen und ohne grosse Belastung des rechten Beines als zumutbar, attestierte dem Beschwerde
führer jedoch eine blosse 20%ige Arbeitsfähigkeit (vgl. E. 3.6). Weshalb die Leistungs
fähigkeit des Beschwerde
führers auch in einer seinen Beschwerden optimal ange
passten Tätigkeit noch zu 80 % eingeschränkt ist, führte er
hingegen
nicht aus. Angesichts
der attestierten Zumutbarkeit einer leidensangepassten Tätigkeit so
wie
der von Dr.
D._
aufge
zeigten Möglichkeiten zur Besserung der etablierte
Femoro
patellararthrose
(vgl. E. 3.4) ist diese Einschätzung nicht nachvollziehbar.
Die Akten erlauben weder die Beurteilung
der
Leistungsfähigkeit des Beschwerde
führers in seiner bisherigen Tätigkeit
noch
ergibt sich
daraus
,
ob
ihm
leidens
an
gepasste Tätigkeiten voraussetzungslos offenstehen.
Mithin kann nicht ausge
schlossen werden, dass vorab geeignete berufliche Eingliederun
g
s
massnah
men zu prüfen sind.
Jedenfalls ist bis zum mass
geblichen Zeitpunkt des Verfü
gungs
erlasses am
6.
September 2018 die renten
aus
schliessende erwerbliche Verwert
bar
keit des
von
Dr.
C._
und
Dr.
D._
medi
zinisch
aus
gewiesenen Leistungs
vermögens von 100 % in der bisherigen Tätigkeit nicht ausgewiesen.
Die Sache ist
daher
an die Beschwerde
gegnerin zurückzuwei
sen, damit sie
medizinische Abklärungen zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit i
n der
ang
e
stammten wie in einer zumutbaren anderen Tätigkeit
durch
führe
und a
nschliessend über den
Leistungs
anspruch neu
verfüge
.
5.
5.1
Das vorliegende Verfahren geht um die Bewill
igung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen, es ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind dabei
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung hat.
Wird eine Entschädigung beansprucht, reicht di
e Partei dem Gericht vor dem En
dentscheid eine detaillierte Zusammenstellung über ihren Zeitaufwand und ihre Barauslagen ein. Im Unterlassungsfall setzt das Gericht die Entschädigung nach Ermessen fest (
§
8 in Verbindung mit
§
9 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialve
rsicherungsgericht;
GebV
SVGer
),
worauf
in der
gerichtlichen Verfügung vom 5. November 2018 (
Urk.
12
)
hingewiesen wurde.
D
er
Rechtsvertreter
hat
keine Kosten
note ein
gereicht. Seine Entschädigung ist daher
nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierig
keit des Prozesses von Amtes wegen auf
Fr.
1'500
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch betreffend Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung ge
genstandslos.