Decision ID: 257102c7-a679-49f4-9a84-eb166669418c
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorien A, B und BE seit 23. Februar 1981. Seit
13. Juli 1981 ist er zudem Inhaber des Führerausweises der Kategorie C und seit 4.
Februar 1983 der Kategorien D und DE. Am Sonntag, 16. Dezember 2018, fuhr er mit
einem Personenwagen innerorts auf der Wiesenstrasse in Balgach auf die
vortrittsberechtigte Rietstrasse zu. Er beabsichtigte, links in die Rietstrasse
einzubiegen. Dabei kam es zur Kollision mit einem auf der Rietstrasse von rechts
kommenden Personenwagen. Es entstand Sachschaden an beiden Fahrzeugen.
B.- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten vom 7. Februar 2019 wurde X
wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln infolge Nichtgewährens des Vortritts zu
einer Busse von Fr. 350.– verurteilt; der Strafbefehl erwuchs in Rechtskraft, nachdem X
eine dagegen erhobene Einsprache zurückgezogen hatte. Mit Schreiben vom
26. Februar 2019 teilte das Strassenverkehrsamt X mit, es liege eine mittelschwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften vor, wofür ein
Führerausweisentzug für mindestens einen Monat vorgesehen sei, und gab ihm
Gelegenheit zur Stellungnahme. Davon machte X mit Eingabe seiner
Rechtsschutzversicherung vom 27. März 2019 Gebrauch. Mit Verfügung vom 29. März
2019 ordnete das Strassenverkehrsamt in der Folge einen Führerausweisentzug für
einen Monat sowie die Abgabe des Führerausweises bis spätestens am 29. Juni 2019
an.
C.- Gegen diese Verfügung liess X mit Eingabe seines in der Zwischenzeit
beigezogenen Rechtsvertreters vom 10. April 2019 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) erheben. Er beantragte,
die Verfügung sei ersatzlos aufzuheben; eventualiter sei eine Verwarnung
auszusprechen; subeventualiter sei ein neuer Vollzugstermin festzulegen; ferner seien
die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens vom Staat zu tragen; alles unter Kosten
und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. Innert erstreckter Frist reichte der
Rechtsvertreter am 8. Juli 2019 eine umfangreiche Rekursergänzung nach. Darin
verlangte er die Durchführung einer öffentlichen mündlichen Verhandlung.
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Mit Verfügung vom 11. Juli 2019 widerrief das Strassenverkehrsamt die Verfügung vom
29. März 2019 teilweise und hob den (zwischenzeitlich verstrichenen) Zeitpunkt der
Abgabe des Führerausweises zufolge Gegenstandslosigkeit auf. Mit Schreiben vom 12.
Juli 2019 verzichtete das Strassenverkehrsamt auf eine Vernehmlassung. Am 31. Juli
2019 reichte der Rechtsvertreter seine Kostennote ein. Für die Bearbeitung des
Rekurses wurden die Akten des Strafverfahrens beigezogen und den Beteiligten zur
Kenntnis gebracht.
Am 27. Februar 2020 fand vor der VRK die mündliche Verhandlung statt, an welcher
der Rekurrent mit seinem Rechtsvertreter teilnahm (vgl. Protokoll). Die Vorinstanz
wurde von der Teilnahme dispensiert.
Auf die Ausführungen im Rekurs und an der Verhandlung zur Begründung der Anträge

wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Bei der VRK
können unter anderem die Verfügungen der für den Vollzug der
Strassenverkehrsgesetzgebung zuständigen Behörden mit Rekurs angefochten werden
(Art. 41 lit. g des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Da der Rekurrent zur Rekurserhebung befugt ist und die gesetzlichen
Anforderungen von Art. 45, 47 und 48 VRP erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten.
2.- Die angefochtene Verfügung vom 29. März 2019 ist von Amtes wegen auf ihre
formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen.
a) Der Rekurrent rügt zunächst, die Zustellung der Verfügung der Vorinstanz an die
Rechtsschutzversicherung sei nichtig. Die berufsmässige Vertretung im Kanton St.
Gallen sei nicht nur vor dem Gericht, sondern auch vor den Verwaltungsbehörden den
im Anwaltsregister eingetragenen Anwälten vorbehalten.
Nach Art. 12 lit. d des Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) sind als Ausnahme vom Anwalts-
bzw. Rechtsagentenmonopol handlungsfähige Personen als Vertreter vor
Verwaltungsbehörden zugelassen, wobei darunter die berufsmässige Vertretung zu
bis
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verstehen ist. Folglich war die Rechtsschutzversicherung ohne Weiteres befugt, den
Rekurrenten im Verfahren vor der Vorinstanz zu vertreten. Zwar weist das
Administrativmassnahmenrecht teilweise strafrechtsähnliche Züge auf. Die
Administrativmassnahmen werden jedoch von Gesetzes wegen von
Verwaltungsbehörden ausgesprochen. Anschliessend ist der Weiteranzug an ein
Gericht möglich. Die Rechtsschutzversicherung war daher befugt, den Rekurrenten im
vorinstanzlichen Verfahren zu vertreten, und die Zustellung der Verfügung an diese
erfolgte rechtmässig. Das Anwaltsmonopol galt dort nicht. Selbst wenn dem nicht so
wäre, ist nicht ersichtlich, welcher Nachteil dem Rekurrenten daraus erwachsen wäre.
Er hat von der Verfügung offensichtlich Kenntnis erhalten und gegen diese rechtzeitig
Rekurs erhoben. Die entsprechenden Ausführungen des Rechtsvertreters sind
trölerisch. Der Rechtsvertreter wird darauf hingewiesen, dass das Gericht sich in
Zukunft vorbehält, ihm im Wiederholungsfall Kosten aufzuerlegen.
b) Weiter rügt der Rekurrent eine Verletzung der Begründungspflicht. Die Vorinstanz
habe sich in der angefochtenen Verfügung weder zum Ausmass seines Verschuldens
noch zum Verhalten der Unfallgegnerin geäussert.
Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101) verankerte Anspruch auf
rechtliches Gehör ist das Recht des Privaten, in einem vor einer Verwaltungs- oder
Justizbehörde geführten Verfahren mit seinen Begehren angehört zu werden, Einblick
in die Akten zu erhalten und zu den für die Entscheidfindung wesentlichen Punkten
vorgängig Stellung nehmen zu können. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient
einerseits der Sachaufklärung und stellt andrerseits zugleich ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Der Grundsatz verlangt,
dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder der Verfügung in ihrer
Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt und ihren
Entscheid oder ihre Verfügung vor diesem Hintergrund begründet. Dabei ist es nicht
erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für
den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst
sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids oder der Verfügung
Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz
weiterziehen kann. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
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werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid
oder ihre Verfügung stützt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2; G. Steinmann, St. Galler
Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder einer
Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er den
Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III
439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1071).
Die Vorinstanz führte in der Begründung nach der Erwähnung der anwendbaren
Gesetzesbestimmungen aus, dass der Rekurrent gemäss Polizeibericht am 16.
Dezember 2018 in Balgach das Vortrittssignal missachtet habe, wodurch es zu einer
Kollision gekommen sei. Mit rechtskräftigem Strafbefehl sei er deswegen gemäss Art.
90 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) zu einer Busse
verurteilt worden. Der Rekurrent habe bei der Einmündung bis zum Stillstand
abgebremst, dabei aber die von rechts nahende, vortrittsberechtigte Lenkerin
übersehen. Trotz eingeleiteter Vollbremsung jener Lenkerin sei es zu einer Kollision
gekommen. Durch sein Verschulden habe er die vortrittsberechtigte
Verkehrsteilnehmerin wie auch seine beiden Mitfahrer gefährdet. Auch ein allfälliges
Verhalten jener Lenkerin könne sein Verschulden nicht aufheben, weil es keine
Verschuldenskompensation gebe. Da nicht mehr von einer geringen Gefährdung
ausgegangen werden könne, fehle es an einer der beiden kumulativ zu erfüllenden
Voraussetzungen für eine leichte Widerhandlung, weshalb keine Verwarnung
ausgesprochen werden könne.
Mit dieser Begründung hat die Vorinstanz die wesentlichen Gesichtspunkte für ihre
Verfügung genannt. Sie ist auch ausreichend auf die Stellungnahme des Rekurrenten
eingegangen. Da sie die durch die Kollision geschaffene Gefährdung nicht mehr als
gering einstufte, erübrigten sich nähere Ausführungen zum Ausmass des Verschuldens
und zum Verhalten der Unfallgegnerin. Selbst wenn sie das Verschulden als leicht
erachtet hätte, wären die Voraussetzungen für eine leichte Widerhandlung und damit
eine Verwarnung nicht gegeben gewesen. Folglich liegt keine Verletzung der
Begründungspflicht vor.
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c) Weiter wird gerügt, die Verfügung sei widersprüchlich, indem gemäss Ziffer 3 das
Führen sämtlicher Kategorien und Unterkategorien inkl. der Spezialkategorie F während
der Dauer des Entzugs untersagt sei, anschliessend aber ausgeführt werde, dass eine
Bewilligung zum Führen von Motorfahrzeugen der Spezialkategorien G und M erteilt
werden könne. In Ziffer 3 der Verfügung wurde festgehalten, dass das Führen von
Motorfahrzeugen aller Kategorien und Unterkategorien sowie der Spezialkategorie F
während der Dauer des Entzugs untersagt sei. Das Führen von Motorfahrzeugen der
auf Seite 3 der Verfügung erwähnten Spezialkategorien G und M wird in Ziffer 3 gerade
nicht erwähnt, weshalb kein Widerspruch vorliegt. Auch dieser Einwand ist trölerisch.
d) Der Rekurrent moniert schliesslich, in Ziffer 5 der Verfügung sei lediglich festgehalten
worden, dass die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens Fr. 320.– betragen würden.
Es gebe keine Kostenauflage. Die Verfügung sei daher unvollständig und hinsichtlich
des Kostenspruchs auch nicht begründet. Dieser Einwand trifft grundsätzlich zu. Aus
dem Verfahrensausgang wie auch der Beilage der Rechnung geht jedoch klar hervor,
dass die Kosten vom Rekurrenten zu tragen sind, der die Amtshandlung durch sein
Verhalten veranlasst hat (vgl. Art. 94 Abs. 1 VRP). Die unvollständige Formulierung des
Kostenspruchs führt unter diesen Umständen nicht zu einer Entschädigungspflicht der
Vorinstanz. Diese wird aber angehalten, die Kostenauflage künftig ausdrücklich zu
verfügen, nicht zuletzt auch für den Fall, dass die Forderung mittels
Zwangsvollstreckung eingetrieben werden muss.
3.- Umstritten ist im vorliegenden Fall zunächst der massgebliche Sachverhalt.
a) Der Rekurrent macht geltend, in tatsächlicher Hinsicht dürfe nicht auf den Strafbefehl
abgestellt werden. Sofern klare Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der
Tatsachenfeststellung im Strafverfahren bestünden, habe das Strassenverkehrsamt
nötigenfalls selbständig Beweiserhebungen durchzuführen. Dies sei vorliegend der Fall.
Der Strafbefehl enthalte keine Angaben dazu, wie sich die Unfallgegnerin verhalten
habe. Der Rekurrent und dessen Zeugen seien nicht einvernommen und es seien keine
Spuren gesichert worden. Eine Rechtsbelehrung des Rekurrenten durch die Polizei sei
nicht erfolgt. Die Voraussetzungen für den Erlass eines Strafbefehls seien nicht
gegeben gewesen. Zudem sei der Rückzug der Einsprache mit einem Willensmangel
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behaftet und daher ungültig. Im Übrigen sei ihm die Nichtanhandnahmeverfügung der
Unfallgegnerin rechtswidrig nicht zugestellt worden.
b) Nach ständiger Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, oder wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen
Beweise erhoben, hat sie sich grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu
halten) oder schliesslich wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103 E. 1c). Die
Verwaltungsbehörde hat vor allem dann auf die Tatsachen im Strafurteil abzustellen,
wenn dieses im ordentlichen Verfahren ergangen ist. Die Bindungswirkung an die
Sachverhaltsdarstellung besteht aber auch dann, wenn die Strafsache mit einem
Strafbefehl erledigt wurde, welcher sich ausschliesslich auf den Polizeirapport stützt,
sofern der Betroffene wusste oder angesichts der Schwere der ihm angelasteten
Übertretung voraussehen musste, dass gegen ihn auch ein Verfahren wegen
Führerausweisentzugs eingeleitet wird oder er darüber informiert worden ist, und er es
im Rahmen des summarischen Strafverfahrens unterlassen hat, seine
Verteidigungsrechte wahrzunehmen. Unter diesen Umständen darf er nicht das
Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und Beweisanträge
zu stellen (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_476/2014 vom 29. Mai 2015 E. 2.3;
BGE 123 II 97 E. 3c/aa).
c) aa) Die Vorinstanz stützte ihre Verfügung auf den Sachverhalt, wie er im
rechtskräftigen Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten vom 7. Februar 2019
festgestellt wurde. Dieser wiederum stellt auf den im Polizeirapport vom 22. Januar
2019 beschriebenen Sachverhalt ab, wonach der Rekurrent den Tatbestand auf Vorhalt
anerkannte (act. 25/5). Dass mit "Tatbestand" die Missachtung des Vortritts gemeint
ist, geht aus der Schilderung des Unfallhergangs im Polizeirapport hervor. Der
Sachbearbeiter mit untersuchungsrichterlichen Befugnissen hatte keine Veranlassung,
an den Angaben des Polizisten zu zweifeln. Eine Einvernahme des Rekurrenten drängte
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sich nicht auf. Dafür, dass die Unfallgegnerin sich mutmasslich grob
verkehrsregelwidrig verhalten habe, gab es keinerlei Anhaltspunkte. Gestützt auf den
Rapport erschien der Unfallhergang als ausreichend geklärt, weshalb sich keine
weiteren Abklärungen, Beweiserhebungen oder Einvernahmen aufdrängten; die
Voraussetzungen für den Erlass eines Strafbefehls, namentlich, dass der Beschuldigte
den Sachverhalt im Vorverfahren eingestanden hatte oder dass dieser anderweitig
ausreichend geklärt war, waren gestützt auf den Polizeirapport gegeben (vgl. Art. 352
der Strafprozessordnung, SR 312.0, abgekürzt: StPO). Der Rekurrent erhielt Kenntnis
vom Strafbefehl und erhob dagegen vorerst Einsprache (act. 30/3). Die von ihm in der
Zwischenzeit beigezogene Rechtsschutzversicherung machte die Akten des
Strafverfahrens erhältlich und liess ihm diese mit Schreiben vom 15. Februar 2019
zukommen (act. 35/14). Sofern er der Ansicht gewesen wäre, es seien
Verfahrensvorschriften (Fehlen der Voraussetzungen für den Erlass eines Strafbefehls,
da er den Tatbestand nicht anerkannt habe, fehlende Belehrung über seine Rechte,
keine Protokollierung seiner Befragung, keine Ausführungen zur Gefährdung und zum
Verschulden von ihm wie auch von der Unfallgegnerin, Verletzung der
Unschuldsvermutung, Nichtzustellung der Nichtanhandnahmeverfügung der
Unfallgegnerin) verletzt, der Sachverhalt ungenügend abgeklärt (keine Befragungen von
ihm und der Unfallgegnerin sowie weiterer Zeugen durch das Untersuchungsamt, keine
Spurensicherung, keine Einholung eines Gutachtens) und er zu Unrecht verurteilt
worden, hätte er all diese Rügen im Strafverfahren vorbringen sowie Beweisanträge
stellen können und auch müssen.
Indem der Rekurrent die Einsprache in der Folge jedoch zurückzog, akzeptierte er den
Strafbefehl und damit seine Verurteilung wegen einer einfachen
Verkehrsregelverletzung infolge Nichtgewährens des Vortritts. Dass die
Rechtsschutzversicherung für die Fortsetzung des Strafverfahrens keinen Anwalt
bezahlen wollte – was vor allem dann geschieht, wenn sie allfällige Rechtsmittel oder -
behelfe als aussichtslos einstuft, was vorliegend der Fall war, wie aus der E-Mail der
Protekta vom 8. März 2019 hervorgeht (act. 35/12) –, mag zwar zutreffen, ändert aber
nichts daran, dass der Rekurrent den Schuldspruch akzeptierte. Ob sich die
Rechtsschutzversicherung dabei vertragswidrig verhalten, den Rekurrenten getäuscht
oder genötigt hat, sind versicherungsrechtliche Fragen, die nicht in diesem Verfahren
zu klären sind. Gemäss den Ausführungen des Rechtsvertreters wird eine Revision des
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Strafverfahrens angestrebt. Sollte dieses Vorhaben erfolgreich sein und daraus ein
Freispruch oder eine mildere Bestrafung für den Rekurrenten resultieren, müsste das
Administrativmassnahmeverfahren unter Umständen ebenfalls revidiert werden.
Solange der Strafbefehl in einem allfälligen Revisionsverfahren nicht aufgehoben und
kein Freispruch ergangen ist, ist von der Gültigkeit des Rückzugs der Einsprache und
damit von der Rechtskraft des Strafbefehls auszugehen. Auch eine Sistierung des
vorliegenden Verfahrens rechtfertigt sich im heutigen Zeitpunkt nicht.
bb) Obschon der Rekurrent bis anhin noch nie in ein Administrativverfahren verwickelt
war, musste er nach dem Vorfall vom 16. Dezember 2018 mit der Eröffnung eines
solchen rechnen. Gemäss den Angaben im Polizeirapport wurde er von den Polizisten
von der Rapportierung an das Untersuchungs- und das Strassenverkehrsamt in
Kenntnis gesetzt (act. 4/4). Zudem wurde auch im Strafbefehl erwähnt, dass dieser
nach unbenützter Rechtsmittelfrist der Vorinstanz zugestellt werden würde (act. 4/8). In
der heutigen Befragung sagte der Rekurrent aus, er könne sich nicht mehr genau
erinnern. Der Polizist auf dem Unfallplatz habe gesagt, es werde fast keine Strafe
geben und Führerausweisentzug wisse er nicht, glaube er aber nicht
(Verhandlungsprotokoll, S. 6). Demnach war ein möglicher Führerausweisentzug bereits
auf der Unfallstelle ein Thema. Noch bevor der Rekurrent die Einsprache im
Strafverfahren am 11. März 2019 zurückzog, war ihm das rechtliche Gehör im
Administrativmassnahmeverfahren mit Schreiben vom 26. Februar 2019 gewährt
worden. Darin wurde ausgeführt, dass der Vorfall vom 16. Dezember 2018 als
mittelschwere Widerhandlung angesehen werde, und ihm ein Führerausweisentzug von
einem Monat in Aussicht gestellt (act. 4/8). Darüber hinaus teilte die
Rechtsschutzversicherung dem Rekurrenten mit E-Mail vom 8. März 2019 mit, dass
sowohl die verhängte Busse als auch der einmonatige Führerausweisentzug aus
rechtlicher Sicht nicht zu beanstanden seien (act. 35/12). Im Zeitpunkt des Rückzugs
am 11. März 2019 war das Administrativmassnahmeverfahren bereits hängig und der
Rekurrent wusste, mit welcher Massnahme er zu rechnen hatte, wenn er die
Einsprache zurückziehen würde. Dessen Aussage, er habe im Zeitpunkt des Rückzugs
nicht gewusst, dass noch ein Administrativmassnahmeverfahren auf ihn zukomme,
kann somit offensichtlich nicht zutreffen. Entsprechend der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung durfte er unter diesen Umständen seine zahlreichen Rügen und
Beweisanträge (Einvernahme der beiden Polizisten, des Rekurrenten, der
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Unfallgegnerin, der zwei Beifahrer, des Anwohners sowie eines weiteren
Verkehrsteilnehmers, Einholung eines Gutachtens zwecks Unfallrekonstruktion sowie
Augenschein) nicht erst im Verwaltungsverfahren stellen. Die
Administrativmassnahmebehörde und auch die VRK sind daher an die
Sachverhaltsdarstellung gemäss Strafbefehl vom 7. Februar 2019 gebunden.
cc) Im vorliegenden Fall ist denn auch nicht ersichtlich, inwiefern sich ein Abweichen
vom strafrechtlich festgestellten Sachverhalt rechtfertigen würde. Die Sicht von der
Wartelinie der Wiesenstrasse auf die vortrittsberechtigte Rietstrasse, insbesondere auf
die rechte Fahrbahnhälfte, auf welcher das fragliche Fahrzeug nahte, war frei, wie aus
den Fotos der Polizei hervorgeht (act. 25/7). Darauf ist weder eine hohe Hecke noch
Schneefall zu erkennen. Die Strassen waren zudem schneefrei. Entgegen den
Ausführungen des Rekurrenten war es also nicht so, dass er mit dem Vorderteil seines
Wagens in die vortrittsbelastete Fläche – vorliegend die Gegenfahrbahn – gelangen
musste, um überhaupt etwas sehen zu können. Spätestens beim Vorrücken auf die
erste Fahrbahnhälfte der Rietstrasse war die Sicht nach rechts frei. Die Rietstrasse hat
von Süden herkommend einen geraden Verlauf. Die Sichtweite von der Wartelinie aus
nach rechts beträgt bei normalen Sichtverhältnissen mindestens 80 Meter
(abgemessen in: map.geo.admin.ch). Selbst wenn die Unfallgegnerin schneller als
erlaubt unterwegs gewesen wäre, wofür es allerdings keine konkreten Anhaltspunkte
gibt, hätte der Rekurrent sie auf jeden Fall rechtzeitig wahrnehmen und ihr die Vorfahrt
gewähren können; insbesondere deshalb, weil er gemäss seinen Angaben im
Strafbefehl angehalten, sich anschliessend langsam vorgetastet und auch während des
Vortastens den Blick nochmals nach rechts gerichtet hatte. Dafür, dass die Lenkerin
kurz zuvor auf die Rietstrasse eingebogen wäre, gibt es keinen realen Hinweis. Gemäss
Polizeirapport war sie von Diepoldsau in Richtung Rebstein/Balgach unterwegs, was
auch die von der Polizei befragte Auskunftsperson bestätigte (act. 25/5). Selbst wenn
dies zutreffen würde, wäre sie mangels genügend langer Beschleunigungsstrecke nicht
mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Unter diesen Umständen kann nicht
zutreffen, dass der Rekurrent sich während des Abbiegemanövers kurz vor Erreichen
der Gegenfahrbahn vergewissert hatte, dass kein Fahrzeug von rechts nahte. Vielmehr
wandte er seine Aufmerksamkeit entweder dem Fussgängerstreifen zu, den er kurz
nach dem Linksabbiegen zu passieren hatte, oder er übersah das Fahrzeug
schlechthin. Sofern die Sicht nach rechts durch Fahrzeuge, die auf der Rietstrasse in
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Richtung Diepoldsau unterwegs waren, verdeckt war, was vom Rekurrenten allerdings
nicht geltend gemacht wird, hätte der Rekurrent noch nicht losfahren dürfen, sondern
warten müssen, bis die Sicht frei gewesen wäre.
Dass die Lenkerin des anderen Fahrzeugs keine Brille oder Kontaktlinsen getragen und
stecknadelförmige enge Pupillen gehabt habe, entbehrt angesichts der Ausführungen
im Polizeirapport jeglicher Grundlage und hat mit einer sorgfältigen
Interessenvertretung durch einen Rechtsanwalt nichts zu tun. Ebenso fehlt irgendein
Hinweis, dass die Unfallgegnerin sich nicht verkehrsregelkonform verhalten hätte. Das
Untersuchungsamt Altstätten trat dementsprechend auf die Strafsache gegen sie nicht
ein (act. 30/5). Fussgänger waren nicht unterwegs und als vortrittsberechtigte Lenkerin
war sie nicht verpflichtet zu bremsen, insbesondere deshalb nicht, weil der Rekurrent
gemäss seinen eigenen Angaben sehr langsam unterwegs war (Vortasten) und sie
deshalb davon ausgehen durfte, dass er als nicht vortrittsberechtigtes Fahrzeug ihre
Durchfahrt abwarten würde. Wenn auf die diesbezüglichen Ausführungen des
Rekurrenten abgestellt wird, gab es für die Unfallgegnerin keine konkreten
Anhaltspunkte, dass er sich nicht richtig verhalten würde.
d) Zusammengefasst ist der von der Vorinstanz festgestellte Sachverhalt, dass der
Rekurrent am 16. Dezember 2018 von der nicht vortrittsberechtigten Wiesenstrasse
nach links in die Rietstrasse abbiegen wollte, an der Wartelinie anhielt, anschliessend
langsam auf die Rietstrasse einlenkte und dabei mit einem von rechts kommenden
Personenwagen kollidierte, welchen er übersehen hatte, nicht zu beanstanden. Dieser
Sachverhalt wurde in einem ordnungsgemässen Strafverfahren rechtskräftig
festgestellt und ist jedenfalls nicht offensichtlich falsch.
4.- a) Bei der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde
grundsätzlich nicht an das Strafurteil gebunden. Eine Ausnahme besteht dann, wenn
die rechtliche Beurteilung sehr stark von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die
der Strafrichter besser kennt als die Verwaltung, etwa, wenn er den Beschuldigten
persönlich einvernommen hat (BGE 119 Ib 158 E. 3c und 136 II 447 E. 3.1). Die
Verwaltungsbehörde hat aber auch dabei den Grundsatz der Vermeidung
widersprüchlicher Urteile gebührend zu berücksichtigen (BGer 1C_413/2014 vom
30. März 2015 E. 2.2 mit Hinweis auf 1C_424/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.3 sowie
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1C_746/2013 vom 12. Dezember 2013 E. 3.4; vgl. auch Entscheid der VRK [VRKE]
IV-2016/2 vom 4. Juli 2016 E. 3b, im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte
und dort unter Rechtsprechung). Eine Einvernahme des Rekurrenten durch den
Strafrichter fand aufgrund des Einspracherückzugs nicht statt, weshalb in rechtlicher
Hinsicht keine Bindung der Verwaltungsbehörde an die strafrechtliche Qualifikation
besteht.
aa) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG).
Im Strafverfahren wurde der Rekurrent wegen einer einfachen Verkehrsregelverletzung
nach Art. 90 Abs. 1 SVG (Nichtgewähren des Vortritts) verurteilt. Die einfache
Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 1 SVG umfasst administrativrechtlich die
leichte und die mittelschwere Widerhandlung gemäss Art. 16a und 16b SVG. Das straf-
und das administrativrechtliche Sanktionssystem sind insoweit nicht deckungsgleich.
Von der strafrechtlichen Sanktion kann deshalb nicht immer und ohne Weiteres auf die
anzuordnende Verwaltungsmassnahme geschlossen werden (vgl. VRKE IV-2013/48
vom 29. August 2013 E. 2c; BGer 1C_259/2011 vom 27. September 2011 E. 3.4 und
1C_282/2011 vom 27. September 2011 E. 2.4). Nach einer leichten Widerhandlung
gemäss Art. 16a Abs. 1 SVG wird die fehlbare Person verwarnt, wenn in den
vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und keine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (Abs. 3). Nach einer mittelschweren
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Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1 SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis für
mindestens einen Monat entzogen (Abs. 2).
bb) Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird zwischen der einfachen und der erhöhten abstrakten
Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen nach sich
(vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann auszugehen,
wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten betroffen werden
können. Führte hingegen die Missachtung einer Verkehrsregel zur Verletzung eines
Rechtsguts oder einer konkreten beziehungsweise einer erhöhten abstrakten
Gefährdung der körperlichen Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur
Folge (R. Schaffhauser, Die neuen Administrativmassnahmen des
Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen
2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe
der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr
(vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten,
tatsächlich daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die
Gefahr einer Körperverletzung oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe
Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12). Zudem ist das Ausmass der
üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der Rechtsgutverletzung zu
berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom 24. November 2011 E. 3b).
b) Der Rekurrent bringt im Wesentlichen vor, der Strafrichter habe nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt. Der Strafbefehl äussere sich weder zum Verschulden noch zur
Gefährdung, insbesondere auch bezüglich der Unfallgegnerin. Er habe keine,
höchstens eine geringe Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer geschaffen. Es sei
nur Sachschaden entstanden und die Schäden durch die Versicherungen offenbar
reguliert worden. Beide Fahrzeuge seien noch fahrbar gewesen. Ihn treffe kein,
eventualiter ein besonders geringes oder ein geringes Verschulden. Beim Signal "Kein
Vortritt" habe er bis zum Stillstand angehalten. Nachdem er sich vergewissert habe,
dass auf der Rietstrasse kein anderes Fahrzeug unterwegs gewesen sei, sei er mit
geringem Tempo nach links abgebogen. Die Unfallgegnerin sei mutmasslich mit
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übersetzter Geschwindigkeit unterwegs gewesen, da er diese zuvor nicht
wahrgenommen habe, obschon er mehrmals nach rechts geschaut habe. Es habe
damals geregnet und geschneit, die Sicht sei stark eingeschränkt gewesen, nicht
zuletzt auch wegen einer hohen Hecke und der Bahnschranke. Zudem habe er sein
Augenmerk primär dem Fussgängerstreifen auf der Rietstrasse zuwenden müssen. Die
Unfallgegnerin hätte ihn sehen und bremsen müssen. Aufgrund der konkreten
Umstände habe der Rekurrent darauf vertrauen dürfen, dass das vortrittsberechtigte
Fahrzeug abbremsen oder gar anhalten würde.
c) Der Fahrzeugführer muss seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr
zuwenden (Art. 3 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, abgekürzt: VRV).
Gemäss Art. 36 Abs. 2 SVG hat auf Strassenverzweigungen das von rechts kommende
Fahrzeug den Vortritt. Fahrzeuge auf gekennzeichneten Hauptstrassen haben den
Vortritt, auch wenn sie von links kommen. Vorbehalten bleibt die Regelung durch
Signale oder durch die Polizei. Vortrittssignale zeigen an, dass der Führer anderen
Fahrzeugen den Vortritt gewähren muss oder dass ihm der Vortritt gegenüber anderen
Fahrzeugen zusteht (Art. 35 Abs. 1 der Signalisationsverordnung, SR 741.21,
abgekürzt: SSV). Das Signal "Kein Vortritt" (Anhang 2 zur SSV, Nr. 3.02) verpflichtet
den Führer, den Fahrzeugen auf der Strasse, der er sich nähert, den Vortritt zu
gewähren. Die Wartelinie (eine Reihe weisser Dreiecke quer zur Fahrbahn, Anhang 2
zur SSV, Nr. 6.13) zeigt an, wo die Fahrzeuge beim Signal „Kein Vortritt“
gegebenenfalls halten müssen, um den Vortritt zu gewähren (Art. 75 Abs. 3 SSV). Wer
zur Gewährung des Vortritts verpflichtet ist, darf den Vortrittsberechtigten in seiner
Fahrt nicht behindern. Er hat seine Geschwindigkeit frühzeitig zu mässigen und, wenn
er warten muss, vor Beginn der Verzweigung zu halten (Art. 14 Abs. 1 VRV). Der
Vortrittsberechtigte wird im Sinn von Art. 14 Abs. 1 VRV behindert, wenn er zu einem
Verhalten veranlasst wird, zu dem er nicht verpflichtet ist und das er nicht will, ihm also
die Möglichkeit genommen wird, sich im Rahmen seiner Vortrittsberechtigung frei im
Verkehr zu bewegen, namentlich, wenn er gezwungen wird, seine Fahrtrichtung oder
seine Geschwindigkeit brüsk zu ändern, d.h. vor, auf oder kurz nach einer Verzweigung
brüsk bremsen, beschleunigen oder ausweichen muss. Dabei ist es gleichgültig, ob es
zu einem Zusammenstoss kommt oder nicht (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und
OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 36 SVG N 36 m.w.H.). Die Bedeutung der Behinderung des
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Vortrittsberechtigten hängt jedenfalls nicht davon ab, ob dieser sie voraussah und
entsprechend reagierte (BGE 114 IV 146 S. 148).
d) Durch das Einbiegen in die Rietstrasse in Balgach unter Missachtung des
signalisierten Vortrittsrechts hat der Rekurrent andere Verkehrsteilnehmer, namentlich
die Lenkerin des vortrittsberechtigen Personenwagens und seine beiden Mitfahrer, der
Gefahr einer Körperverletzung ausgesetzt (vgl. VRKE IV-2011/113, a.a.O., E. 3c). Die
konkrete und erhebliche Gefährdung hat sich in einer Kollision der beiden Fahrzeuge
mit grossem Sachschaden (gemäss Angaben des Rekurrenten Fr. 21'000.– allein an
seinem Fahrzeug) realisiert (act. 18/7). Die rechte Seitentür wurde eingedrückt.
Aufgrund der Angaben des Rekurrenten und seiner Ehefrau, der
Versicherungsnehmerin, in der Unfallmeldung an die Versicherung resultierte daraus
auch eine leichte Körperverletzung. Die Beifahrerin des Rekurrenten zog sich
Prellungen zu und suchte deswegen einen Arzt auf (act. 18/6). Die Gefahr war
dementsprechend nicht mehr gering (vgl. BGer 1C_218/2009 vom 26. November 2009
E. 7). Eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG liegt somit nicht
vor, da diese eine geringe Gefahr und ein leichtes Verschulden kumulativ voraussetzt.
Der Grad des Verschuldens kann unter diesen Umständen offenbleiben. Es liegt
folglich eine mittelschwere Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG vor. Eine
Veranlassung dafür, von der rechtlichen Würdigung der Vorinstanz im Resultat
abzuweichen, ergibt sich nicht. Sodann verfangen die Ausführungen des Rekurrenten,
dass die Fahrerin des Personenwagens gehalten gewesen wäre abzubremsen, womit
eine Kollision vermeidbar gewesen wäre, nicht. Insbesondere würde dies das eigene
Fehlverhalten nicht in einem anderen Licht erscheinen lassen. Die erwähnte
Rechtsprechung des Bundesgerichts, dass ein sehr vorsichtiges Hineintasten zulässig
ist, wenn der Vortrittsberechtigte das ohne Sicht langsam einmündende Fahrzeug
rechtzeitig genug sehen kann, betrifft das Einbiegen von Fabrik-, Hof-,
Garageneinfahrten, Feldwegen, Parkplätzen etc. auf Hauptstrassen (vgl. Art. 15 Abs. 3
VRV). Eine solche Situation liegt hier, wo eine öffentliche Strasse in eine andere mündet
und daher die Knotensichtweite gemäss VSS (Vereinigung Schweizerischer
Strassenfachleute, SN 640 273) eingehalten werden muss, nicht vor. Folglich
erübrigten sich jegliche Ausführungen zum Verhalten der Unfallgegnerin im Strafbefehl
des Rekurrenten. Gleichermassen war dem Rekurrenten die
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Nichtanhandnahmeverfügung nicht zuzustellen und musste die Vorinstanz die
Erledigung jenes Strafverfahrens nicht abwarten.
5.- Schliesslich ist die Dauer des Führerausweisentzugs zu überprüfen. Die Vorinstanz
hat die Mindestentzugsdauer von einem Monat gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG
verfügt; diese darf nicht unterschritten werden (Art. 16 Abs. 3 SVG). Allfällige
massnahmemindernde Umstände, wie der ungetrübte automobilistische Leumund oder
die berufliche Angewiesenheit des Rekurrenten auf das Führen eines Motorfahrzeugs,
sind deshalb nicht weiter zu prüfen. Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen
Entzugsdauer bleibt der Behörde auch kein Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie
Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur
Besserung des Betroffenen anstellen könnte. Die Entzugsdauer von einem Monat ist
daher zu bestätigen.
6.- Die Vorinstanz ordnete in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung vom 29. März 2019
an, dass der Rekurrent den Führerausweis bis spätestens am 29. Juni 2019 abzugeben
habe. Sie widerrief diese Anordnung zufolge Gegenstandslosigkeit mit Verfügung vom
11. Juli 2019. Bei der Regelung der Abgabe des Führerausweises handelt es sich um
eine vollstreckungsrechtliche Anordnung, die separat, das heisst nicht schon mit dem
Warnungsentzug, zu verfügen ist. Dies ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
7.- a) Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). In materieller Hinsicht
unterliegt der Rekurrent. Wie eingangs erwähnt, hat die Vorinstanz die Ziffer 2 der
angefochtenen Verfügung (Vollzugsbeginn am 29. Juni 2019) widerrufen. Es rechtfertigt
sich daher, die amtlichen Kosten dem Rekurrenten zu vier Fünfteln und dem Staat zu
einem Fünftel aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist an den Kostenanteil des Rekurrenten in der Höhe
von Fr. 1'600.– anzurechnen.
b) Bei diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung
zuzusprechen (Art. 98 VRP).