Decision ID: 1a6200fa-5ea5-46f2-8e17-15a991f4ac33
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X war der Führerausweis wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand
(Blutalkoholkonzentration von mindestens 0,89 Gew.-‰) vom 16. April bis 15. Juni
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1993 für die Dauer von 2 Monaten entzogen. Vom 5. Februar 1994 bis 10. Februar
1999 war er ihm mangels Fahreignung (Drogensucht; Heroin und Kokain) entzogen.
Eine Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hatte einen weiteren
einmonatigen Warnungsentzug vom 30. September bis 29. Oktober 1999 zur Folge.
Nachdem X am 10. November 1999 wegen einer Opiat- und Marihuanavergiftung
notfallmässig hospitalisiert werden musste, wurde ihm der Führerausweis erneut
wegen einer Drogensucht auf unbestimmte Zeit entzogen. Der Ausweis wurde ihm
gestützt auf eine verkehrspsychologische Begutachtung am 17. April 2001 mit der
Auflage, die Drogenabstinenz weiterzuführen, wiedererteilt. Am 23. Januar 2002 lenkte
X ein Motorfahrzeug mit einer Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,48 Gew.-‰.
Der daraufhin angeordnete vorsorgliche Entzug wurde am 15. November 2002 nach
verkehrsmedizinischer und –psychologischer Begutachtung und Einhaltung einer
Drogen- und Alkoholabstinenz aufgehoben und der Führerausweis mit der Auflage der
weiteren Abstinenz verbunden. Am 6. Juni 2006 wurden die Auflagen aufgehoben.
B.- Da X am 4. November 2008 wegen des Anbaus von Hanf und des Konsums von
Haschisch und Marihuana strafrechtlich verurteilt worden war, eröffnete das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt am 19. Dezember 2008 erneut ein Verfahren zur
Abklärung der Fahreignung. Die Verkehrsmedizinerin konnte in der Begutachtung vom
12. Mai 2009 die Fahreignung nicht abschliessend positiv beurteilen. Deshalb wurde X
der Führerausweis am 20. Mai 2009 vorsorglich entzogen; der dagegen erhobene
Rekurs wurde am 7. August 2009 abgewiesen.
Am 24. August 2009 ordnete das Strassenverkehrsamt eine verkehrspsychologische
Untersuchung an. Im Gutachten vom 1. Dezember 2009 wird die Fahreignung unter
Auflagen und nach zusätzlicher Haaranalyse bejaht. Nachdem eine zusätzliche
Haaranalyse für Drogen negativ verlief und für Alkohol einen Gehalt von 20 pg
Ethylglucuronid pro mg ergab, befürwortete der Verkehrsmediziner in einer
abschliessenden Aktenbeurteilung am 22. Januar 2010 die Fahreignung bei Einhaltung
einer Drogenabstinenz unter halbjährlichen Haaranalysen auf Drogen und zur
Verlaufsbeurteilung des Alkoholkonsums und monatlichen Urinkontrollen auf Cannabis.
Am 8. Februar 2010 wurde der vorsorgliche Entzug aufgehoben und der Führerausweis
mit der Auflage einer ärztlich betreuten und mit in unregelmässigen Abständen
kurzfristig angeordneten Urin- sowie Blutproben (CDT) alle drei Monate inkl.
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Haaranalysen (Drogen/Ethylglucuronid) mit halbjährlichen Berichten versehen. Eine
Lockerung der Auflagen werde frühestens in 2, die vollständige Aufhebung frühestens
in 4 Jahren geprüft.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Vertreter mit Eingabe vom
23. Februar 2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge und nach mündlicher Verhandlung sei Ziff. 2 des
Dispositivs der Verfügung vom 8. Februar 2010 aufzuheben. Die Drogenabstinenz und
der Alkoholkonsum seien durch Haaranalysen alle 6 Monate (Drogen negativ;
Ethylglucuronid <30pg/mg) zu kontrollieren und von einer weitergehenden ärztlichen
Abstinenzkontrolle sei abzusehen; dem Rekurrenten sei zu empfehlen, eine Befreiung
von der Abstinenzauflage nach einjährig erfolgreicher Abstinenzkontrolle prüfen zu
lassen. Sodann sei dem Rekurrenten zu verbieten, Fahrzeuge mit einer
Blutalkoholkonzentration von mehr als 0,1 Gew.-‰ zu lenken; es sei ihm zu empfehlen,
eine Befreiung von dieser Auflage nach 2 Jahren prüfen zu lassen, sofern er bis dahin
keinen Anlass zu einem Polizeirapport wegen Fahrens unter Drogen, suchterzeugenden
zentralwirksamen Medikamenten oder Alkohol mit mehr als 0,2 Gew.-‰ gegeben
habe. Mit Vernehmlassung vom 10. März 2010 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung des Rekurses. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur

Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das zusammen mit dem Rekurs gestellte Gesuch, dem Rekurs die aufschiebende
Wirkung zu erteilen, wies der zuständige Abteilungspräsident am 26. März 2010 ab; die
Kosten der Verfügung blieben bei der Hauptsache.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. Februar 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist grundsätzlich
einzutreten (vgl. jedoch nachfolgend E. 3).
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2.- Im Rekurs vom 23. Februar 2010 werden die Durchführung einer mündlichen
Hauptverhandlung und die persönliche Anhörung des Rekurrenten beantragt. Der
Rekurrent sei als Supporter, Sachbearbeiter und für Abrechnungsdienstleistungen für
Kunden in der Region Tessin zuständig. Er könne diese Tätigkeit nicht ohne hohe
Mobilität und insbesondere das Lenken von Autos ausführen und sei darum auf den
Führerausweis angewiesen. Der Ausweisentzug schränke ihn in seiner
Wirtschaftsfreiheit und in seinem beruflichen Auskommen sehr stark ein.
Nach Art. 55 VRP wird eine mündliche Verhandlung angeordnet, wenn sie zur Wahrung
der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Nach Art. 6 Ziff. 1 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, abgekürzt: EMRK) ist bei Streitigkeiten über Ansprüche zivilrechtlicher Natur
öffentlich zu verhandeln. Im Bereich des Strassenverkehrsrechts hat das
Bundesgericht festgestellt, dass über einen zivilrechtlichen Anspruch im Sinn von Art. 6
Ziff. 1 EMRK dann zu befinden ist, wenn bei einem Entzug des Führerausweises zu
Sicherungszwecken der vom Betroffenen ausgeübte Beruf unmittelbar den Besitz des
Führerausweises voraussetzt; in allen übrigen Fällen hat der Sicherungsentzug lediglich
indirekte oder zufällige Auswirkungen auf die zivilrechtlichen Ansprüche des
Betroffenen ("des conséquences indirectes ou fortuites sur les droits et obligations de
nature civile de l'intéressé"; BGE 122 II 464 E. 3c). Wer also sein Fahrzeug
beispielsweise lediglich dazu benutzt, um sich an seinen Arbeitsort zu begeben, kann
sich nicht auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK berufen (Urteil des Bundesgerichts 6A.48/2002 vom
9. Oktober 2002, E. 7.4.2). Die Bewegungsfreiheit im Sinn von Art. 10 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt: BV)
stellt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für sich allein genommen kein
"civil right" im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK dar (BGE 134 I 140 E. 5.2). Art. 30 Abs. 3
BV, wonach Gerichtsverhandlung und Urteilsverkündung öffentlich sind, vermittelt
keinen weitergehenden Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung. Die Bestimmung
verleiht kein Recht auf eine öffentliche Verhandlung, sondern garantiert einzig, dass
eine Verhandlung, die stattfinden muss, abgesehen von den im Gesetz vorgesehenen
Ausnahmen öffentlich sein muss (BGE 128 I 288 E. 2.3-2.6). Das Recht auf Äusserung,
wie es in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(SR 101, abgekürzt: BV) verankert ist, räumt den Betroffenen das Recht ein, sich vor
Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zur Sache zumindest
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schriftlich zu äussern (vgl. BGE 127 I 54 E. 2b); eine mündliche Äusserungsmöglichkeit
kann vor dem Hintergrund von Art. 6 Ziff. 1 EMRK oder wegen persönlicher Umstände,
die sich nur aufgrund einer mündlichen Anhörung klären lassen, geboten sein (vgl. BGE
122 II 464 E. 4; G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar zur BV, 2. Aufl. 2008, N 25 zu
Art. 29 BV).
Entgegen den Ausführungen zur Begründung des Antrags auf Durchführung einer
mündlichen Verhandlung wird dem Rekurrenten mit der angefochtenen Verfügung der
Führerausweis nicht entzogen. Vielmehr wird ein vorsorgliches Verbot zum Führen von
Motorfahrzeugen aufgehoben und der Führerausweis mit Auflagen versehen. Weder
wird im Rekurs geltend gemacht noch ist aus den Akten ersichtlich, dass dem
Rekurrenten mit der Einhaltung der Auflagen die Berufsausübung verboten würde.
Ebenso wenig wird geltend gemacht, der Rekurrent sei wegen der mit den Auflagen
verbundenen – nicht quantifizierten – Kosten in zivilrechtlichen Ansprüchen im Sinn von
Art. 6 Ziff. 1 EMRK betroffen. Dementsprechend besteht kein Anlass, die Streitigkeit
über die Ausgestaltung der Auflagen, mit denen der Führerausweis des Rekurrenten zu
versehen ist, als zivilrechtlichen Anspruch im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK zu
behandeln. Der Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung wird
schliesslich zu Recht auch nicht mit der Zweckmässigkeit im Sinn von Art. 55 VRP
begründet. Insbesondere wird nicht geltend gemacht, für den Entscheid wesentliche
Umstände könnten nur durch eine mündliche Anhörung des Rekurrenten geklärt
werden. Die entscheidenden Argumente sind einer schriftlichen Darstellung zugänglich
und der Rekurrent hat sich ausführlich zum Sachverhalt geäussert. Dementsprechend
erweist sich das Gesuch um Durchführung einer öffentlichen Hauptverhandlung und
einer mündlichen Anhörung des Rekurrenten als unbegründet.
3.- Die Begründung des Rekurses setzt sich zunächst mit der Frage der Zulässigkeit
und Verhältnismässigkeit des vorsorglichen Führerausweisentzugs auseinander. Wehre
sich der Betroffene – wie der Rekurrent – gegen einen vorsorglichen Entzug und
unterbleibe dann die Bearbeitung – wie die Anordnung der verkehrspsychologischen
Abklärung – der Angelegenheit, führe dies zu unzulässig langen Entzügen. Da mit der
angefochtenen Verfügung der Vorinstanz vom 8. Februar 2010 der vorsorgliche Entzug
des Führerausweises vom 20. Mai 2009 aufgehoben wurde, kann dessen Dauer nicht
Gegenstand dieses Verfahrens sein. Verzögerungen im vorinstanzlichen Verfahren der
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Abklärung der Fahreignung hätten mit der Rechtsverweigerungsbeschwerde gemäss
Art. 88 ff. VRP gerügt werden müssen. Gemäss Art. 88 Abs. 2 lit. a VRP kann
insbesondere geltend gemacht werden, dass eine Behörde sich weigere, eine
vorgeschriebene Amtshandlung vorzunehmen oder sie ungerechtfertigt verzögere.
Über Beschwerden gegen untere Verwaltungsbehörden des Staates entscheidet
gemäss Art. 89 Abs. 1 lit. b VRP das zuständige Departement. Auf die Rüge der
Rechtsverzögerung kann die Verwaltungsrekurskommission deshalb mangels
Anfechtungsobjekts und Zuständigkeit nicht eintreten.
4.- Zum vorinstanzlichen Verfahren wird vorgebracht, der Abschlussbericht des
Instituts für Rechtsmedizin könne den Rekurrenten nicht belasten. Noch weniger sei
der verkehrspsychologische Bericht vom 1. Dezember 2009 beachtlich oder gar
verbindlich. Er erfülle die formellen Voraussetzungen, wie Hinweis auf die
Wahrheitspflicht, Strafandrohung von Art. 307 des Schweizerischen Strafgesetzbuches
(SR 311.0, abgekürzt: StGB; vgl. dazu nachfolgend E. 4a) und persönliche
Gutachtenerstattung und –unterzeichnung durch den Gutachter, nicht. Der Gutachter
müsse die Befundtatsachen im Wesentlichen selber erheben. Im Fall von
verkehrspsychologischen Gutachten sei darum das persönliche Interview/Gespräch
nicht delegierbar (vgl. dazu nachfolgend E. 4b). Der verkehrspsychologische Bericht
gehe schliesslich über die Fragen des Auftrags hinaus (vgl. dazu nachfolgend E. 4c).
a) Gemäss Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde den Sachverhalt und erhebt die
Beweise von Amtes wegen unter anderem durch den Beizug von Sachverständigen.
Als Sachverständige kommen nur natürliche Personen in Betracht. Sie sind auf Art. 307
StGB hinzuweisen (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 976; M. Dähler, Rechtliche Anforderungen an Gutachten
zur Fahreignung, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2009, St. Gallen 2009, S.
75). In den Zwischenverfügungen vom 21. Januar 2009 und vom 24. August 2009, mit
denen die Vorinstanz die verkehrsmedizinische und die verkehrspsychologische
Begutachtung des Rekurrenten anordnete, wurde ausdrücklich darauf hingewiesen,
dass das Gutachten nach bestem Wissen und Gewissen zu erstellen sei und die
Erstellung eines falschen Gutachtens unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB
stehe. Damit wurden die Gutachter in ausreichendem Mass auf ihre Pflichten und die
Folgen deren Verletzung hingewiesen. Abgesehen davon wird in der Lehre die
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Auffassung vertreten, bei den Ermahnungs- und Hinweispflichten handle es sich nicht
um Gültigkeitserfordernisse. Selbst ein Gerichtsgutachten, das ohne vorgängige
Ermahnung zur Erstattung des Gutachtens nach bestem Wissen und Gewissen und zur
Geheimhaltung und ohne Hinweis auf die in Frage kommenden Straftatbestände
erstellt wurde, ist beweistauglich und darf dem Urteil zugrunde gelegt werden (vgl. A.
Bühler, Gerichtsgutachter und –gutachten im Zivilprozess, in: Gericht und Expertise,
Bern 2005, S. 52, mit Hinweis auf eine abweichende Auffassung zum st. gallischen
Zivilprozess). Unter diesen Umständen erweisen sich die Rügen, die Gutachten würden
mangels Hinweises auf die Wahrheitspflicht und die Strafbarkeit gemäss Art. 307 StGB
die formellen Voraussetzungen nicht erfüllen, als unbegründet.
b) Ohne ausdrückliche Ermächtigung ist es dem Experten untersagt, Hilfspersonen
beizuziehen, es sei denn für notwendige Vorbereitungsaufgaben (vgl. Cavelti/Vögeli,
a.a.O., Rz. 975). Strafprozessual wird der Beizug von Hilfspersonen durch den
Gutachter unter seiner Verantwortung als zulässig erklärt. Auch wenn beispielsweise
ein Gutachten im Wesentlichen von einem Assistenzarzt ausgearbeitet wurde, ist es
dem Chefarzt, der den Gutachtenauftrag entgegengenommen und das Gutachten
geprüft hat, zuzurechnen und von diesem zu verantworten (vgl. Hauser/Schweri/
Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl. 2005, S. 312; N. Oberholzer,
Grundzüge des Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2005, Rz. 933).
Den Auftrag zur verkehrsmedizinischen Begutachtung erteilte die Vorinstanz am
21. Januar 2009 dem Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen. Die
Aufgabe wurde innerhalb der Abteilung Verkehrsmedizin des Instituts einer Oberärztin
übertragen, welche die verkehrsmedizinische Untersuchung am 23. Februar 2009
durchführte und das Gutachten vom 12. Mai 2009 auch persönlich unterzeichnete. Die
abschliessende verkehrsmedizinische Aktenbeurteilung vom 22. Januar 2010 wurde
von einem Facharzt für Allgemeinmedizin und von einem Facharzt für Rechtsmedizin
unterzeichnet. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_399/2008 vom 5. Juni 2009, E. 2.2).
Die Vorinstanz erteilte den Gutachtensauftrag mit Zwischenverfügung vom 24. August
2009 dem Verkehrspsychologen Dr.phil. Y. Er hat das Gutachten vom 1. Dezember
2009 auch persönlich unterzeichnet. Im Gutachten werden als Versuchsleiter der
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beauftragte Gutachter sowie lic.phil. Z genannt. Auch wenn – wie geltend gemacht wird
– die Assistentin des Gutachters das verkehrspsychologische Interview geführt hat,
lagen dem Gutachter selbst die für die Beurteilung wesentlichen Fakten, insbesondere
der vom Rekurrenten verfasste Aufsatz und die objektiven Ergebnisse der
durchgeführten Fragebogentests sowie eine detaillierte Wiedergabe des Gesprächs mit
der Assistentin vor. Diese Situation ist vergleichbar mit jener, in welcher ein
Assistenzarzt ein verkehrsmedizinisches Gutachten abfasst, das schliesslich vom
beauftragten gutachtenden Oberarzt oder Institutsleiter geprüft wird und diesem
zuzurechnen ist. Dass die Assistentin des beauftragten Verkehrspsychologen das
Gutachten nicht ebenfalls unterzeichnet hat, ändert deshalb nichts an dessen
Verwertbarkeit. Insoweit als mit dem Rekurs formelle Mängel der Gutachten gerügt
werden, erweist er sich deshalb als unbegründet.
c) Inwieweit das verkehrspsychologische Gutachten über die von der Vorinstanz im
Auftrag gestellten Fragen hinausgeht, wird im Rekurs nicht weiter ausgeführt. Nach der
Zwischenverfügung vom 24. August 2009 sollte sich das verkehrsmedizinische
Gutachten insbesondere zur Einsichtsfähigkeit, emotionalen Stabilität und
Rückfallgefährdung des Rekurrenten äussern. Obwohl damit die Frage der
charakterlichen Eignung des Rekurrenten im Vordergrund stand, umfasste die
verkehrspsychologische Untersuchung auch 2 Leistungstests (Q1
Aufmerksamkeitstest, PVT periphere Wahrnehmung). Zumindest der
Aufmerksamkeitstest, welcher die Konzentrationsleistung unter Monotonie erfasst, ist
sowohl in der Leistungs- als auch in der Charakterbegutachtung einsetzbar (vgl. J.
Bächli-Biétry, Inhalt des Gutachtens, Würdigung, Folgefragen aus
verkehrspsychologischer Sicht, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2009, St.
Gallen 2009, S. 62). Da wegen einer unmittelbar vorangehenden
Hornhauttransplantation bei der verkehrsmedizinischen Untersuchung kein Sehtest
durchgeführt werden konnte, ist auch nicht zu beanstanden, dass im Rahmen der
verkehrspsychologischen Untersuchung die periphere Wahrnehmung getestet wurde.
Zu Recht wird im Rekurs weder geltend gemacht, die Einsichtsfähigkeit, emotionale
Stabilität und Rückfallgefährdung stünden nicht im Zusammenhang mit der
charakterlichen Eignung zum Lenken eines Motorfahrzeugs noch vorgebracht, die
durchgeführten Tests und Befragungen seien nicht zur Klärung der charakterlichen
Eignung geeignet gewesen. Das Gutachten äussert sich zu Offenheit, Kritikfähigkeit
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und Belehrbarkeit, zur emotionalen Stabilität und zur Einsicht in die Problematik. Auch
insoweit geltend gemacht wird, die verkehrspsychologische Untersuchung habe sich
nicht im Rahmen des vorinstanzlichen Auftrags bewegt, erweist sich der Rekurs als
unbegründet.
5.- Im Verfahren zur Abklärung der Fahreignung des Rekurrenten wurde weder eine
Drogen- oder Alkoholabhängigkeit im medizinischen Sinn noch ein verkehrsrelevanter
Drogen- oder Alkoholmissbrauch diagnostiziert. Dementsprechend hob die Vorinstanz
den für die Dauer der Abklärungen am 20. Mai 2009 verfügten vorsorglichen Entzug
des Führerausweises mit der Verfügung vom 8. Februar 2010 zu Recht wieder auf. Im
Rekurs ist in materieller Hinsicht unbestritten, dass der Führerausweis mit der Auflage
einer Kontrolle der Drogenabstinenz und des Verlaufs des Alkoholkonsums zu versehen
ist. Umstritten ist jedoch die konkrete Ausgestaltung der Auflagen.
a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist die Fahreignung.
Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen Voraussetzungen, um ein
Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss
grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Nach Art. 14 Abs. 2 lit. c des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) darf der Führerausweis nicht
erteilt werden, wenn der Bewerber an einer die Fahreignung ausschliessenden Sucht
leidet. Wird nachträglich festgestellt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur
Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen, ist der Führerausweis zu entziehen (Art. 16
Abs. 1 SVG). Gemäss Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG wird der Führerausweis auf
unbestimmte Zeit entzogen, wenn er an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung
ausschliesst.
Die Anordnung von Auflagen kommt dann in Frage, wenn der Lenker die gesetzlichen
Anforderungen an die Fahreignung bei Einhaltung bestimmter Massnahmen erfüllt; ein
Entzugsgrund nach Art. 16 SVG muss dabei nicht gegeben sein (VRKE IV-2004/101
vom 20. Oktober 2004, E. 3a). Im Rahmen der Verhältnismässigkeit ist es nach den
allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen zulässig, aus besonderen Gründen
den Führerausweis mit Auflagen zu versehen, wenn diese der Sicherstellung der
Fahreignung und damit der Verkehrssicherheit dienen sowie mit dem Wesen der
Fahrerlaubnis im Einklang stehen. Erforderlich ist zudem, dass sich die Fahreignung
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nur mit dieser Massnahme aufrechterhalten lässt und die Auflagen erfüll- und
kontrollierbar sind (BGE 131 II 248 E. 6; VRKE IV-2008/117 vom 22. Januar 2009, E.
3b). Dass ein Fahrzeuglenker zum Missbrauch von Substanzen, welche die
Fahrfähigkeit beeinträchtigen neigt, stellt einen besonderen Grund dar, der Auflagen
rechtfertigt (zum Alkoholmissbrauch vgl. BGE 131 II 248 E. 6.3). Ein solcher besonderer
Grund liegt bei einem Konsumverhalten vor, bei welchem es überwiegend
wahrscheinlich ist, dass der Betroffene ausser Stande ist, eine drogenkonsumbedingte
zeitweilige Fahruntüchtigkeit rechtzeitig als solche zu erkennen oder trotz einer solchen
Erkenntnis von der aktiven Teilnahme am Strassenverkehr abzusehen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.11/2006 vom 13. April 2006, E. 3.2). Personen, die zwar nicht
drogensüchtig, aber nachweislich in erheblichem Ausmass suchtgefährdet sind, kann
der Führerausweis deshalb unter einer Abstinenzauflage erteilt werden (VRKE
IV-2004/101 vom 20. Oktober 2004, E. 3a; Ph. Weissenberger, Administrativrechtliche
Massnahmen bei Alkohol- und Drogengefährdung, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004, S. 134 f.). Zur umstrittenen Frage, wie
solche Auflagen auszugestalten sind, stellt das Gesetz keine Regeln auf (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.61/2005 vom 12. Januar 2006, E. 1). Auflagen müssen auf die
konkreten Umstände angepasst und verhältnismässig sein (BGE 125 II 289 E. 2b).
b) Es entspricht zwar gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis, dass der
Cannabisrausch die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt. Der gelegentliche
Cannabiskonsument, der nicht mit Alkohol oder anderen Drogen mischt, ist jedoch in
der Regel in der Lage, konsumbedingte Leistungseinbussen als solche zu erkennen
und danach zu handeln. Demgegenüber ist bei andauerndem bzw. regelmässigem und
gleichzeitig hohem Konsum von einer mindestens geringen Bereitschaft und Fähigkeit
auszugehen, zuverlässig zwischen dem Drogenkonsum und der Teilnahme am
Strassenverkehr zu trennen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.11/2006 vom 13. April
2006, E. 3.3). Der Rekurrent rauchte eingestandenermassen täglich Haschisch oder
Marihuana. Er konsumierte zudem – nach dem Ergebnis der Haaranalyse vom 10. März
2009 zwar in einem noch sozial üblichen Rahmen – regelmässig und intensiv Alkohol.
Bei einem solchen Konsumverhalten ist überwiegend wahrscheinlich, dass der
Betroffene ausser Stande ist, eine drogenkonsumbedingte zeitweilige Fahruntüchtigkeit
rechtzeitig als solche zu erkennen oder trotz einer solchen Erkenntnis von der aktiven
Teilnahme am Strassenverkehr abzusehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.11/2006
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vom 13. April 2006, E. 3.2). Dass die Vorinstanz unter diesen Umständen den
verkehrsmedizinischen und –psychologischen Beurteilungen folgend den
Führerausweis mit der Auflage einer ärztlichen Kontrolle der Drogenabstinenz und des
Verlaufs des Alkoholkonsums versehen durfte, wird deshalb im Rekurs zu Recht nicht
in Frage gestellt.
c) aa) In der angefochtenen Verfügung hat die Vorinstanz in Ziff. 2 die Auflagen, soweit
sie umstritten sind, wie folgt umschrieben:
a) Sie haben unter fachlicher Betreuung (Arzt) die vollständige Drogenabstinenz
gemäss Info-Blatt mittels in unregelmässigen Abständen kurzfristig angeordneten Urin-
sowie dreimonatlichen Blutproben (CDT) inkl. Haaranalysen einzuhalten. Die jeweiligen
Haaranalysen haben nebst Drogen auch auf Ethylglucuronid (ETG) zu erfolgen. Die
Kosten gehen zu Ihren Lasten.
b) Sie haben uns alle sechs Monate die Berichte Ihrer betreuenden Stelle einzureichen,
aus welchem der Verlauf der kontrollierten Abstinenz hervorgeht. Den ersten Bericht
erwarten wir per 30.07.2010.
Gemäss dem Info-Blatt, das dem Rekurrenten ausgehändigt wurde, sind Haaranalysen
in der Regel alle 6 Monate durchzuführen.
Demgegenüber wird im Rekurs beantragt, die Drogenabstinenz und der Verlauf des
Alkoholkonsums seien einzig durch halbjährliche Haaranalysen zu überwachen.
Zusätzlich sei jedoch dem Rekurrenten zu verbieten, Fahrzeuge mit einer
Blutalkoholkonzentration von mehr als 0,1 Gew.-‰ zu lenken. Zur Begründung wird
geltend gemacht, Mediziner und Verkehrspsychologe würden Auflagen lediglich noch
zur Stabilitätskontrolle empfehlen. Die Vorinstanz sei von den Empfehlungen der
Fachleute ohne Begründung abgewichen. Eine doppelte Kontrolle des
Alkoholkonsums, nämlich mittels Blutprobe (CDT) und Haarprobe (ETG), im gleichen
Zeitpunkt sei unzumutbar und unzweckmässig. Das auferlegte Abstinenzpaket sei das
gleiche wie bei einem Drogenabhängigen, der als Anlasstat eine Verkehrsauffälligkeit
gehabt und nicht über Jahre bewiesen habe, dass er allfälligen Drogenkonsum und
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Fahren trennen könne und seit langem erfolgreich von harten Drogen weggekommen
sei.
bb) Die Analyse der anlässlich der verkehrsmedizinischen Untersuchung vom
23. Februar 2009 dem Rekurrenten abgenommenen Haarprobe ergab für die
vorangegangenen 2 Monate einen Gehalt an Ethylglucuronid von 31 pg/mg. Der
Verkehrsmediziner schloss daraus auf einen regelmässigen und intensiven
Alkoholkonsum von täglich mehr als 60g Alkohol. Ein solcher Konsum bewegt sich
zwar noch im sozialen Rahmen. Er deutet aber insbesondere unter Berücksichtigung
des deutlich tieferen Wertes von 18 pg/mg für die vorhergehenden 2 Monate auf einen
relativ gesteigerten Alkoholkonsum unmittelbar nach dem Aussetzen des täglichen
Cannabiskonsums hin. Diese Möglichkeit erwähnt auch der Verkehrsmediziner. Die
Analyse der zusätzlichen Haarprobe vom 14. Dezember 2009 ergab für ein Segment
von 4,5 cm, d.h. ungefähr für die Dauer der vorangegangenen 4 Monate, einen Gehalt
an Ethylglucuronid von 20 pg/mg. Gleichzeitig waren keine Drogen, insbesondere auch
keine Spuren von Cannabis, nachweisbar. Dieses Ergebnis ist vereinbar mit der geltend
gemachten Drogenabstinenz und weist auch darauf hin, dass der Rekurrent in den
vergangenen Monaten den Alkoholkonsum eingeschränkt hat. Der Verkehrsmediziner
empfiehlt deshalb in Rücksprache mit dem Verkehrspsychologen, die Drogenabstinenz
und den Verlauf des Alkoholkonsums mittels halbjährlicher Haaranalysen zu
kontrollieren. Dass der Rekurrent – wie im Rekurs vorgebracht wird (Ziff. 23, Punkte 1
und 2) – die Drogenabstinenz sowie den Verlauf des Alkoholkonsums alle 3 Monate
durch Haaranalysen (ETG) nachzuweisen hat, kann angesichts dieser
verkehrsmedizinischen Empfehlung aus dem – allerdings nicht völlig klaren – Wortlaut
der angefochtenen Verfügung nicht abgeleitet werden. Insoweit als mit dem Rekurs
eine Verkürzung des Kontrollabstandes bei den Haaranalysen von 6 Monaten auf 3
Monate beanstandet wird, erweist sich der Rekurs deshalb als unbegründet.
Die Auflage soll einzig dazu dienen, einen übermässigen Alkoholkonsum und damit
eine mögliche substitutionsbedingte Alkoholabhängigkeit rechtzeitig zu erkennen. Da
der Verlauf des Alkoholkonsums des Rekurrenten also unabhängig davon, ob und
wann er Motorfahrzeuge lenkt, von Belang ist, erübrigt es sich, seinen Führerausweis
mit einer Beschränkung des Alkoholisierungsgrades auf 0,1 oder 0,2 Gew.-‰ beim
Lenken eines Motorfahrzeugs zu versehen. Für den Rekurrenten gelten im
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Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol die Regeln, wie sie alle
Motorfahrzeuglenker zu beachten haben.
cc) Die Vorinstanz verlangt zudem alle 3 Monate eine Bestimmung des CDT-Wertes im
Blut. Vorab ist festzustellen, dass im Rekurs zu Recht darauf hingewiesen wird, eine
gleichzeitige Bestimmung des CDT-Wertes im Blut und des ETG-Wertes im Haar sei
überflüssig. Eine Kontrolle des ETG-Gehaltes im Haar reicht aus. Anders als bei der
bisher verwendeten Laboranalytik zur Überprüfung des Alkoholkonsums anhand der in
der Regel aus dem Blut ermittelten Parameter CDT, Gamma-GT, GOT, GPT und MCV
(vgl. BGE 129 II 82 E. 6.2.1), mit welcher der Alkoholkonsum nicht direkt nachgewiesen
werden kann, handelt es bei der forensisch-toxikologischen Haaranalyse auf ETG um
eine direkte, beweiskräftige Analysemethode. Das ETG ist ein nicht oxydatives
Nebenprodukt des Stoffwechsels von Trinkalkohol. Weil es ein Abbauprodukt von
Alkohol ist, belegt dessen Nachweis den Konsum von Alkohol. Aufgrund des Kopfhaar-
Längenwachstums von ca. 1 cm pro Monat lassen sich Aussagen über den
Alkoholkonsum während der entsprechenden Zeit vor der Haarentnahme machen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007, E. 2.3; vgl. auch 1C_342/2009
vom 23. März 2010, E. 3). Da der halbjährlich ermittelte ETG-Wert damit eine
zuverlässigere Aussage zum Alkoholkonsum in den vorangegangenen Monaten zulässt,
erübrigt sich eine gleichzeitige Bestimmung des CDT-Wertes.
Es fragt sich deshalb noch, ob zwischen den halbjährlichen Haaranalysen auf ETG eine
ebenfalls halbjährliche Bestimmung des CDT-Wertes im Blut gerechtfertigt ist. Die
Vorinstanz begründet die Anordnung in der angefochtenen Verfügung lediglich mit dem
Verweis auf das Info-Blatt. Dort wird im Zusammenhang mit der kontrollierten
Drogenabstinenz eine Bestimmung des CDT-Wertes im Blut alle 3 Monate
vorgeschrieben. Da diese Regel im Widerspruch zur Empfehlung des
Verkehrsmediziners in der Aktenbeurteilung vom 22. Januar 2010 steht, wäre es
angezeigt gewesen, die Abweichung zu begründen. Der – stillschweigende – Schluss
des Verkehrsmediziners, beim Rekurrenten erübrige sich für die Verlaufskontrolle
seines Alkoholkonsums, neben der halbjährlichen Haaranalyse eine zusätzliche
zwischenzeitliche Bestimmung des CDT-Gehaltes im Blut durchzuführen, erscheint
auch unter Berücksichtigung der Bedeutung eines kürzerfristig festgestellten
Alkoholüberkonsums nachvollziehbar. Der Rekurrent hat zwischen der
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verkehrsmedizinischen Untersuchung vom 23. Februar 2009 und der zusätzlichen
Haarprobe vom 14. Dezember 2009 den Alkoholkonsum bei gleichzeitiger
Cannabisabstinenz deutlich eingeschränkt. Dies lässt zurzeit keine Suchtverlagerung
erwarten. Der Rekurrent war sodann im Verkehr seit dem 23. Januar 2002 unauffällig.
Unter diesen Umständen erscheint der Rekurs, insoweit damit die zusätzliche
Verlaufskontrolle des Alkoholkonsums durch Bestimmungen des CDT-Wertes mittels
Blutproben alle 3 Monate beanstandet wird, begründet.
dd) Der Rekurrent wendet sich schliesslich auch gegen die unregelmässigen, nach
kurzfristigem Aufgebot monatlich durchzuführenden Urinkontrollen. Er geht davon aus,
dass die Kontrolle nicht nur auf Cannabis, sondern "generell" als "Mehrfachtest"
durchgeführt werden soll. In der abschliessenden Aktenbeurteilung vom 22. Januar
2010 empfiehlt der Verkehrsmediziner "Urinkontrollen auf Cannabis". Die Verfügung
wiederholt diese Einschränkung zwar nicht ausdrücklich, geht aber auch nicht darüber
hinaus. Woraus im Rekurs (Ziff. 23, Punkt 3) deshalb geschlossen wird, dass die
Urinprobe entgegen dem Info-Blatt, auf das verwiesen wird, nicht nur auf Cannabis zu
untersuchen ist, ist nicht ersichtlich. Insoweit erweist sich der Rekurs deshalb als
unbegründet.
Die Vorgeschichte des Rekurrenten rechtfertigt keinen Verzicht auf die Durchführung
der monatlichen Urinkontrollen auf Cannabis. In der verkehrsmedizinischen
Begutachtung vom 23. Februar 2009 gab der Rekurrent zum Drogenkonsum befragt
an, er rauche seit rund 2 Jahren abends einen bis zwei Joints mit einer ganz normalen
Mischung. Diesen Konsum begründete er mit Rückenproblemen, die auf einen
Bandscheibenvorfall im November 2005 zurückgingen und mit "Gift" (Cortison,
teilweise Morphin) behandelt worden seien. Seit 2 Jahren nehme er gar keine
Medikamente mehr. Zur Behandlung der muskulären Verspannungen im lumbalen und
cervicothorakalen Rückenbereich war er zwischen Februar 2007 und Oktober 2008 in
einem Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin in Behandlung. Der Marihuana-
Konsum vor dem Schlafengehen zur Schmerzreduktion und Entspannung der
verspannten Muskulatur und zur Einschlaf- und Durchschlafförderung war auch dem
betreuenden Mediziner bekannt, der gemäss nicht datierter Bestätigung mit dem
Rekurrenten dessen "Suchtverhalten" mehrmals besprach. Der Rekurrent hat seinen
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Bedarf schliesslich durch eigenen Anbau "irgendwo im Wald" gedeckt. Gefragt, was er
gegen seine Schmerzen tue, nachdem er aufgehört habe, Cannabis zu Rauchen, gab
er der Gutachterin gegenüber an, er würde "die Zähne zusammenbeissen". Da der
Cannabiskonsum des Rekurrenten seinen eigenen Angaben nach einen
therapeutischen Hintergrund hat und die von ihm beschriebenen Verspannungen und
Schmerzen, die auch zu Schlafschwierigkeiten führen, zurzeit unbehandelt sind, ist eine
Rückkehr des Rekurrenten zur früheren Gewohnheit nicht auszuschliessen. Der Rekurs
ist deshalb, insoweit damit ein Verzicht auf monatliche Urinkontrollen auf Cannabis im
Sinn des Info-Blattes beantragt wird, abzuweisen.
d) Schliesslich wendet sich der Rekurrent gegen die in Ziff. 2 lit. d des Dispositivs
festgesetzten Fristen für die Überprüfung der Lockerung bzw. der Aufhebung der
Auflagen von mindestens 2 bzw. 4 Jahren. Zur Begründung wird geltend gemacht, dies
käme Sperrfristen gleich. Eine gesetzliche Grundlage dafür fehle, zumal mangels
Anlasstat im Strassenverkehr keine Sperrfrist verfügt werden dürfe. Es fehle an einer
genügenden Begründung, da es auch keine validierten medizinischen Erkenntnisse für
eine solche Anordnung gebe.
Die von der Vorinstanz angeordneten Fristen knüpfen an der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung an, nach der eine dauerhafte erfolgreiche Überwindung einer Sucht
einer vier- bis fünfjährigen Behandlung und Kontrolle bedarf. Diese Rechtsprechung
erlaubt es allerdings nicht, unbesehen des Einzelfalls während der gesamten
Behandlungsdauer eine unverändert engmaschige Kontrolle zu verlangen. Aus
verkehrsmedizinischer Sicht kann es vertretbar erscheinen, die Laborbestimmungen in
einer späteren Behandlungsphase nur noch in grösseren Zeiträumen als 6-8 Wochen
vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.77/2004 vom 1. März 2005). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann die Beratung frühestens nach 2 Jahren
sistiert werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.61/2005 vom 12. Januar 2006,
E. 2.1).
Da der Rekurrent weder eine Drogenabhängigkeit noch einen verkehrsrelevanten
Drogenmissbrauch überwinden muss, ist es nicht gerechtfertigt, für die Bemessung der
Dauer der Auflagen auf die Regeln, die sich auf die Überwindung einer Drogensucht im
strassenverkehrsrechtlichen Sinn beziehen, abzustellen. Jedenfalls erscheint es unter
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den dargelegten Umständen in zeitlicher Hinsicht als unverhältnismässig, eine
Lockerung der Auflagen erst nach weiteren 2 Jahren – seit dem Erlass der
angefochtenen Verfügung 8. Februar 2010 – und deren vollständige Aufhebung erst
nach 4 Jahren zu prüfen. Soweit mit dem Rekurs die Dauer der Abstinenzkontrolle bis
zur nächsten Überprüfung der Auflagen beanstandet wird, ist er dementsprechend
gutzuheissen.
6.- Der Rekurs ist somit, soweit darauf eingetreten werden kann, teilweise
gutzuheissen. Ziff. 2 lit. a des Dispositivs der angefochtenen Verfügung ist insoweit
aufzuheben, als dreimonatliche Blutproben (CDT) vorgeschrieben werden. Ziff. 2 lit. d
des Dispositivs Satz 2 ist dahin gehend abzuändern, dass eine Lockerung der Auflagen
frühestens in einem Jahr geprüft werden kann und dann gegebenenfalls auch
festzulegen ist, wann frühestens eine vollständige Aufhebung der Auflagen geprüft
werden kann.
7.- Mit den Auflagen soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum Schutz der
Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer nur in fahrfähigem Zustand ein
Motorfahrzeug lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, müsste der Rekurrent diese
Auflagen nicht einhalten. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz
vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51
VRP).
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zur Hälfte dem
Rekurrenten aufzuerlegen; die andere Hälfte der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'700.--, darin eingeschlossen die Kosten der
Verfügung vom 26. März 2010, ist angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 und 511 des
Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- ist bis zum
Betrag von Fr. 850.-- zu verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem
Rekurrenten den Restbetrag von Fr. 650.-- zurückzuerstatten.
9.- Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf die Entschädigung
ausseramtlicher Kosten (vgl. Art. 98 und 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.).
bis ter
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