Decision ID: 90b2133e-8636-59c3-a6a8-b41608c28113
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, war seit dem
1.
April 2019 bei der
Y._
AG
als Lastwagencha
u
ffeur
angestellt und
als solcher
bei der Suva obli
gatorisch
gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert
. A
m 1
9.
Mai 2020
stürzte er
beim Aussteigen aus
einem
LKW
und
verletzte sich am
rechte
n
Knie (
Urk.
7/1).
Das MRI
vom 2
6.
Mai 2020
ergab einen Partialriss des vorderen Kreuz
bandes
und einen
Horizontalriss im
Hinterhorn
des Innenmeniskus
(Urk.
7/10).
Die Suva
entrichtete in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder)
.
A
m 24.
Dezember 2020 (
Urk.
7/121)
stellte
sie
dem Versicherten
den Fallab
schluss
per 3
1.
Januar 2021
in Aussicht
.
Mit Verfügung vom 13. Januar 2021 (
Urk
.
7/135) verneinte
die Suva
einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente und sprach ihm eine Integritätsentschädigung
bei
einer
Integritätseinbusse
von 10
%
zu.
Die dagegen vom Versicherten am 1
5.
Februar 2021 (
Urk.
7/146) erhobene Ein
sprache wies die Suva
mit Entscheid vom 2
7.
April 2021 (
Urk.
2) ab.
Nachdem sich
der Versicherte
a
m 1
5.
Oktober 2020 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
gemeldet hatte (
Urk.
7/113
/2-8
), verneinte
die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
mit Verfügung vom 5. März 2021
(
Urk.
7/155) einen Rentenanspruch.
2.
Der Versicherte erhob am 3
1.
Mai 2021 (
Urk.
1) Beschwerde
gegen die Verfügung vom 2
7.
April 2021 (
Urk.
2)
und beantragte, die Beschwerdegegnerin sei in Auf
hebung des angefochtenen Entscheids zu
verpflichten, ihm über den 31.
Januar
2021 hinaus das Taggeld sowie die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zuzu
sprechen und auszurichten (
Urk.
1
S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
August 2021 (
Urk.
6) beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
0.
August
2021 (Urk. 8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die
Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leis
tungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie An
spruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordent
lichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG)
.
Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schä
digung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie An
spruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.
2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
ge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nah
men der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24
Abs. 2 UVG;
BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen;
Urteil
des Bundesge
richts
8C_
527/2020
vom 2.
November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen
).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähig
keit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Be
griffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch
weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte
Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahme
n
zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_
64/2021
vom
14. April 2021 E. 3.2
mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3).
Grundlage für die Beurteilung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der
Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff Prognose erfasst werden
(Urteil des Bundesgerichts 8C_44/2021 vom 5. März 2021 E. 5.2 mit Hinweisen).
1.
3
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig er
schei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anste
l
lungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versiche
rungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsin
ternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete den Fallabschluss
per 3
1.
Januar 2021
mit Verweis auf die medizinischen Akten
im
Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
damit
, dass
keine weiteren medizinischen Behandlungen angezeigt gewesen seien, welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer namhaften Besserung des Gesund
heits
zustands, insbesondere auch zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ge
führt hätten.
D
er Sprechstundenbericht der Klinik
Z._
vom
6.
April 2021 zeige, dass das Instabilitätsgefühl auch mit der Schiene unverändert bestehe. Betreffend eine Rekonstruktion
des vorderen Kreuzbands
setze die Klinik
Z._
selber
ein Fragezeichen bezüglich
Benefit
. A
uch die übrigen Unterlagen würden nicht
s
Gegenteiliges ausweisen. Abgesehen davon gelte es
,
die Wertung betref
fend weitere medizinische Behandlungen prospektiv vorzunehmen. Insofern sei sechs Monate nach dem Unfall der Endzustand gegeben gewesen. Falls sich der Beschwerdeführer für eine Operation entscheiden sollte, könne er insofern einen Rückfall anmelden (S. 5). Die Überprüfung des Einkommensvergleichs zeige, dass der Rentenanspruch zu Recht verneint worden sei. Au
ch
die gesprochene Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 10
%
halte einer Überprüfung stand
(S. 6).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1
8.
August 2021 (
Urk.
6) führte sie zudem aus,
dass die Ärzte der Universitätsklinik
Z._
keineswegs davon ausgegangen seien, dass mit der Operation eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten gewesen sei. Aufgrund des subjektiven Leidensdrucks des Be
schwerdeführers und der Tatsache, dass
d
ie (nicht länger zumutbare) Tätigkeit als Chauffeur starke bzw. zunehmende Beschwerden verursache, habe man lediglich nichts unversucht lassen wollen, um dem Beschwerdeführer zu helfen. Eine leichte und lediglich mögliche Besserung des Gesundheitszustandes genüge je
doch nicht, um den Endzustand zu verneinen. Auch unter Berücksichtigung der Beurteilung der Ärzte der Universitätsklinik
Z._
sei somit davon auszugehen, dass der Endzustand am 3
1.
Januar 2021 erreicht gewesen sei
(S. 3).
Die Operation habe die letzte und einzige Behandlungsmöglichkeit dargestellt, ohne dass die Ärzte davon überzeugt gewesen seien, damit eine wesentliche Besserung der Be
schwerden zu erreichen. Aus diesem Grund sei es auch nicht zu beanstanden, dass sie, die Beschwerdegegnerin, die Operation im Rahmen eines Rückfalls über
nommen habe. Ein Widerspruch zur Leistungseinstellung der Kurzfristleis
tungen per 3
1.
Januar 2021 sei darin nicht zu sehen (S. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich in seiner Beschwerde (
Urk.
1) im Wesentlichen auf den Standpunkt,
es sei
aufgrund der Akten nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, dass der medizinische Endzu
stand
Ende Januar 2021 eingetreten sei (S. 3).
Im Gegensatz zu den behandelnden Fachärzten der Kniechirurgie der Universitätsklinik
Z._
gehe die Beschwerde
gegnerin gestützt auf die Meinungsäusserungen ihrer Mitarbeitenden
Dr.
A._
und
Dr.
B._
davon aus, die Behandlungen seien nicht geeignet den Ge
sundheitszustand
und
die Arbeitsfähigkeit namhaft zu verbessern (S. 4)
.
Die Stel
lungnahmen von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
seien
aber
weder schlüssig noch
überzeugend. Der blosse Umstand, dass
Dr.
A._
und
Dr.
B._
für die Beschwerdegegnerin arbeiten und von ihr angestellt seien, re
i
che selbstverständ
lich und bei objektiver Betrachtung nicht aus, ihrer Meinung ein besonderes Gewicht zuzumessen. Eine solche Gewichtung sei abgesehen davon nicht mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts vereinbar, wonach für den Beweiswert eines Arztberichts weder die Herkunft noch die Bezeichnung entscheidend sei, sondern der Inhalt.
Dr.
A._
argumentiere widersprüchlich, weshalb ihre ärztli
chen Feststellungen weder zuverlässig noch schlüssig seien. Entsprechend würde
n ihre Berichte nicht
die
strengen Anforderungen an den Beweiswert versiche
rungsinterner ärztlicher Beurteilungen erfüllen. Dies gelte auch für die Aktennotiz
von
Dr.
B._
vom 19. Februar 2021, welche ohnehin nicht begründet sei (S. 7 f.).
Der operative Eingriff solle ihm ermöglichen, wieder seinem angestammten Beruf als Lastwagenchauffeur nachgehen zu können. Es könne ihm nicht zugemutet werden, zur finanziellen Entlastung der Beschwerdegegnerin auf die Operation zu verzichten und sich im Alter von 55 Jahren beruflich neu zu orientieren, was auch aufgrund seiner persönlichen Verhältnisse erschwert sei (S. 8).
2.3
Streitig und zu prüfen ist damit, ob die Beschwerdegegnerin den Fall
unter Ein
stellung der vorübergehenden Leistungen
zu Recht per 3
1.
Januar 2021 abge
schlossen hat.
3.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrem Entscheid insbesondere auf
die Stellungnahmen
von
Dr.
A._
vom 2
4.
Dezember 2020 (Urk. 7/118) und
2
3.
April
2021 (
Urk.
7/162) sowie
von
Dr.
B._
vom 1
9.
Februar
2021 (
Urk.
7/151
)
.
Der Beschwerdeführer
brachte diesbezüglich vor, dass
ihm insbeson
dere die Stellungnahme von
Dr.
A._
vom 2
3.
April 2021 nie z
ur Kennt
nis vorgelegt
worden sei
und
er
vor Erlass des
Einspracheentscheids
keine Gele
gen
heit
gehabt habe
, dazu Stellung zu nehmen (Urk. 1 S.
4
f.)
Der
Be
schwer
deführer
rügt in diesem Zusammenhang zu Re
cht eine Verletzung des rechtli
chen Gehörs
nach
Art.
42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
und
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfas
sung der Schwei
ze
rischen Eidgenossenschaft (BV)
. Gestützt darauf haben
versicherte
Person
en das Recht
, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung
eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen
Beweis
anträgen gehört zu werden und an der Erhe
bung wesentl
icher Beweise entweder mitzuwir
ken oder sich zumindest zum Beweiser
gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formelle
r Natur. Daher führt dessen Ver
letzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, wel
che sowohl Tat- als auch Rechts
fragen uneingeschränkt überprüft. Von einer
Rückweisung der Sache zur Gewäh
rung des rechtlichen Ge
hörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnö
tigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
Im Beschwerdeverfahren konnte sich
der Beschwerdeführer
um
fassend zu den
genannten
Berichten äussern
.
Das
hiesige Gericht kann sowohl Tat- als auch Rechtsfragen uneingeschränkt überprüfen
(
Art.
61
lit
. c ATSG)
. Im Sinne einer Heilung des Mangels ist deshalb von einer Rückweisung der Sache zur Gewäh
rung des rechtlichen Gehörs abzusehen, da dies zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu wei
teren unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleich
gestellten) Interesse
des Beschwerdeführers
an einer
beförderli
chen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
Die genannten Berichte sind im vorliegenden Verfahren damit
zusammen mit den übrigen ärztlichen Stellungnahmen und Berichte
n
umfassend zu prüfen und frei zu würdigen.
4.
4.1
Dr.
med.
C._
, leitender Arzt an der Klinik für Orthopädie, Hand- und Unfall
chirurgie des
Spitals D._
hielt in seinem Bericht vom
7.
Juni 2020 (
Urk.
7/25)
gestützt auf das MRI vom 2
6.
Mai 2020 (Urk. 7/10)
folgende Diagnose fest:
-
Kniedistorsion vom 1
8.
Mai 2020 mit:
-
h
öhergradiger
Partialruptur des vorderen Kreuzbands im proximalen Abschnitt
-
Horizontalriss im medialen
Meniskushinterhorn
-
b
eginnende
r
femorotibiale
r
Arthrose im medialen Kompartiment
Der Beschwerdeführer habe zwei Wochen nach initialem Trauma schon eine deutliche Verbesserung der Schmerzsituation gezeigt und gebe in der wieder erreichten flüssigen Mobilität keine expliziten Instabilitäten an (S. 1). Es sei eine Physiotherapie zum
Auftrainieren
der kniegelenkszentrierenden Muskulatur für propriozeptives Training und für
die
Instruktion des Heimtrainings vereinbart worden. Als Chauffeur werde
der Beschwerdeführer
für vier Wochen zu 100
% arbeitsunfähig geschrieben. Dann könne er unter Begleitung des Hausarztes seine
Arbeit
wenn möglich partiell wiederaufnehmen. Eine nächste klinische Verlaufs
kontrolle sei in zwei Monaten geplant (S. 2).
4.
2
Die beratende Ärztin,
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Traumatologie, führte in ihrem Bericht vom 2
3.
September 2020 (
Urk.
7/31) aus, dass die Gesundheit des Beschwerdeführers durch eine
Femorotibialart
h
rose
schon vor dem Unfall beeinträchtigt gewesen sei
(S. 1)
. Der Unfall habe
aufgrund der Teilruptur des Kreuzb
andes
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
zu einer
richtunggebende
n
Verschlimmerung geführt (S. 2).
4.
3
Aus der Sprechstunde am
Spital D._
vom 2
6.
September
2020 (Urk. 7/
44)
wurde berichtet
, dass sich ein ordentliches funktionelles und klinisches Ergebnis zeige. Theoretisch könne der Beschwerdeführer seine Tätigkeit als Chauffeur wie
der zu 50 %
au
fnehmen; da er aber aktuell arbeitssuchend sei, sei dies nicht möglich, weshalb eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für die nächsten sechs Wochen bescheinigt werde. Danach sollte die Wiederaufnahme der Tätigkeit wieder gut möglich sein.
Am
8.
November 2020 (Urk. 7/64) wurde vom weitergeführten konservativen Prozedere mit Physiotherapie und Mobilisation mit Vollbelastung berichtet. Es seien keine weiteren klinischen Kontrollen geplant. Da der Beschwerdeführer wieder ins Arbeitsleben einsteigen wolle, habe man auf dem Unfallschein eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bis zum 1
1.
November 2020 bescheinigt.
4.
4
Dr.
med.
A._
hielt in ihrer Stellungnahme vom 2
4.
Dezember 2020 (Urk. 7/118) fest, dass die Behandlung
im
Spital D._
inzwischen abge
schlossen worden sei. Von weiteren Behandlungen könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besserung des unfallbedingten Gesundheits
zu
standes mehr erwartet werden. Die angestammte Tätigkeit des Beschwerde
füh
rers als Chauffeur mit
Be
- und Entladetätigkeiten könne ihm nicht mehr unein
geschränkt zugemutet werden. Dem Beschwerdeführer sei eine mittelschwere, wechselbelastende, ganztägige Tätigkeit zuzumuten, wobei das Gehen auf une
benem Gelände, repetitive Arbeiten in kniender oder kauernder Stellung sowie
das
repetitive Besteigen von Leitern/Gerüsten/Treppen zu vermeiden sei
en
. In angepasster Tätigkeit sei der Beschwerdeführer ab sofort wieder 100
%
arbeits
fähig (S. 3).
4.
5
Die zuständigen Fachärzte der Universitätsklinik
Z._
hielten in ihrem Bericht
vom 1
1.
Februar 2021 (
Urk.
7/144) fest,
die MRI
-
Bildgebung habe
zwar
keine vol
l
ständige Ruptur des vorderen Kreuzbands gezeigt. Der Beschwerdeführer weise
aber dennoch
klinisch eine symptomatische sagittale Instabilität mit positivem Pivot-
Shift
auf. Darüber hinaus bestehe eine kleine Läsion des
Hinterhorns
des
Innenmeniskus. Aus diesem Grund werde dem Beschwerdeführer zur Simulation einer stabileren Situation eine
Don
J
oy
-Schiene für vier Wochen empfohlen. Dann werde der Beschwerdeführer versuchen für zwei Wochen ohne Schiene zu arbei
ten (S. 2).
4.
6
Der Versicherungsmediziner
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, gab in seiner Stellungnahme vom 1
9.
Februar 2021 (
Urk.
7/151) an, dass im Bericht der Universitätsklinik
mit Ausnahme der nunmehr diagnostizierten Instabilität des Kniegelenks
keine neuen, nicht bereits bekannten Befunde erhoben worden seien. Die Verordnung einer Schiene über acht Monate nach dem Ereignis werde zu keiner Verbesserung der Situation führen, ausser dass sich nach längerem Tragen der Schiene eine eventuelle Instabilität verstärken könne.
4.
7
Im
Bericht vom
6.
April 2021 (
Urk.
7/157) hielten die zuständigen Fachärzte der Universitätsklinik
Z._
fest,
die vor sechs Wochen angepasste
DonJoy
-Schiene habe dem Beschwerdeführer keine eigentliche Besserung bezüglich Instabilitäts
gefühl gebracht. Aufgrund des Alters sei eine Rekonstruktion des vorderen Kreuz
bands mit einem Fragezeichen bezüglich
Benefit
zu versehen. Dies werde aktuell jedoch als einzige Möglichkeit erachtet, da der Leidensdruck gross sei und der Beschwerdeführer so nicht arbeiten könne. Es werde zudem intraoperativ möglich sein zu entscheiden, ob zusätzlich eine Meniskusnaht medial oder eine
Teilmenis
kektomie
durchgeführt werden müsse. Der Beschwerdeführer werde sich
mit seinem Hausarzt
überlegen, ob er noch weiter abwarten und phys
iotherapeutisch aufgebaut
werden
möchte
oder
die Operation durchgeführt werde
n
soll
(S
.
2).
4.
8
Dr.
med.
A._
gab in ihrer Stellungnahme vom 2
3.
April
2021 (Urk.
7/162) an,
der
medizinische Endzustand sei im Dezember 2020, mithin sechs Monaten nach der Verletzung
,
erreicht gewesen. Die MRI-Befunde vom
9.
Febru
ar 2021 und 2
6.
Mai 2020 seien identisch. Ebenfalls identisch seien
die klinischen Befunde während der Behandlung im
Spital D._
und die im Universitätsspital
Z._
erhobenen Befunde. Es erstaune
sie
, dass der Beschwerdeführer wieder als Lastwagenchauffeur arbeite, nachdem sie
in ihrer Abschlussbeurteilung vom 2
4.
Dezember 2020 explizit darauf hingewiesen habe, dass die Arbeit als Lastwa
genchauffeur nicht mehr geeignet sei. Es sei in diesem Zusammenhang ein knie
schonendes Belastungsprofil erstellt worden, welches die Partialläsion des vorde
ren
Kreuzbandes mitberücksichtige. Zum Zeitpunkt des Fallabschlusses am 2
3.
Dezem
ber 2020 sei der Beschwerdeführer stellenlos gewesen. Der Beschwerdeführer halte sich nicht an das Belastungsprofil und sei wieder als Lastwagenchauffeur tätig. Dass die Beschwerden unter der belastenden Arbeit, die eben nicht geeignet sei, zu einem Arbeitsausfall führ
ten
, erstaune nicht (S. 1). Für
übliche
Alltags
tätigkeiten sei ein gerissenes Kreuzband normalerweise keine grosse Einschrän
kung. Man brauch
e
für einen weniger aktiven, weniger sportlichen Lebenswandel
an und für sich
gar kein Kreuzband. Man könne daher bei einem Kreuzbandriss
auch komplett auf eine Operation verzichten und sich konservativ behandeln la
ssen. Nachdem die Verletzung im Knie abgeklungen sei (in der Regel nach wenigen Wochen)
, könne man
die Muskulatur
erst mit Physiotherapie und
dann
mit
gezieltem Training stärken und so wieder für Stabilität im Knie sorgen. Sportarten wie Schwimmen, Rad fahren oder Joggen seien nach drei Monaten auch ohne chirurgischen Eingriff in der Regel problemlos wieder möglich, soweit man es nicht übertreibe (S. 1).
Bei der operativen Variante werde das gerissene Kreuzband durch körpereigenes G
ewebe - ein Sehnentransplantat - ersetzt. Am häufigsten werde die Kniebeugesehne als Ersatz genommen, um das Kreuzband zu rekonstruieren. Nach dem Einsetzen wandle sich die eingesetzte Kniebeu
ge
sehne nach und nach in eine körpereigene S
truktur
um und besitze dann eine vergleichbare Stabilität wie das ursprüngliche Kreuzband. Ebenfalls eigne sich ein Teil der Kniescheibensehne als Ersatz. Der Eingriff werde heute minimal in
vasiv durchgeführt und dauere in der Regel zwischen 35 und 50 Minuten. Die Operation werde vor allem für Leistungssportler empfohlen. Aber auch ehrgeizige
Hobbysportler oder Menschen, welche im Beruf körperlich anspruchsvoll arbei
ten
, könnten davon profitieren. In der Regel könne man vier Wochen nach der Ope
ration wieder in seine Arbeit zurückkehren, nach zwei Monaten wieder draussen Rad
fahren und nach sechs bis acht Monaten Sportarten wie Fussball oder Ski
fahren ausüben (S. 2).
Wenn eine Partialläsion des Kreuzbandes vorliege, könne aus medizinischer Sicht entweder konservativ oder dann auch operativ vorge
gangen werden. Das Belastungsprofil bleibe aber das gleiche,
ob
mit oder ohne Operation.
Vorliegend habe die abgegebene Schiene über acht Monate nach dem Ereignis zu keiner Verbesserung der
Instabilität
geführt. Obwohl der
Benefit
einer Operation auch von der Uniklinik
Z._
in Frage gestellt werde,
könnten die Kosten für
die Operation im Rahmen eines Rückfalls
zwar
übernommen werden. Das Belastungsprofil werde sich
aber
auch nach einer erfolgreich durchgeführten Operation nicht ändern. In einer angepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer nach wie vor zu 100
%
arbeitsfähig. Es sei dem Beschwerdeführer natürlich frei
gestellt, weiterhin in einer für das Kniegelenk schädigenden Arbeit als Lastwa
genchauffeur unter Schmerzen weiterzuarbeiten (S. 2).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich für die Frage des Zeitpunkts des Fallab
schlusses im Wesentlichen auf die Beurteilung von
Dr.
A._
vom 2
4.
Dezem
ber 202
0.
Die Kreisärztin nahm dabei von der Aktenlage umfassend Kenntnis und berücksichtig
t
e die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden (
Urk.
7/118 S. 2).
M
it Blick auf diese
Grundlagen
hat sie nachvollziehbar
aufge
zeigt, dass hinsichtlich
der
Kniebeschwerden aufgrund des unfallbedingten Kreuz
bandrisses der Endzustand
nach Abschluss der Behandlung im
Spital D._
im Dezember 2020
erreicht war.
So
hat
sie
plausibel
dargelegt
,
dass mit
der
durchgeführte
n
konservativen Behandlung
für den 55
-
jährigen Beschwerdeführer die passende Therapieform gewählt worden war und insbesondere von einer zu
sätz
lichen
operativen Behandlung mit Sehnentransplantation
keine namhafte Besserung
des noch bestehenden Instabilitätsgefühls
zu erwarten
war
.
Versicherungsrechtlich relevant ist in diesem Zusammenhang
insbesondere
, dass
nach der begründeten Einschätzung der Kreisärztin
ab Dezember 2020
auch bei einer
allfälligen
Verbesserung
der Stabilität
nach
einem späteren
operativen Eingriff
keine namhafte Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten
war
, da
eine körperlich
anspruchsvolle
Tätigkeit wie diejenige als Lastwagenchauffeur mit
schweren
Be
- und Entladearbeiten
aufgrund der Knieverletzung
- ob mit oder ohne Operation -
ohnehin
nicht mehr zumutbar
ist
, eine weniger kniebelastende Tätigkeit jedoch nach Abschluss der konservativen Behandlung auch ohne den operativen Eingriff
bereits
ab Dezember 2020 wieder
vollzeitlich zumutbar
war
.
Ob gegebenenfalls noch weitere
therapeutische Vorkehren
zur Verfügung stehen
(
und damit ein therapeutischer Endzustand im medizinischen
Sinn noch nicht erreicht ist)
und ob die Unfallversicherung für die Kosten dieses Eingriffs - wie hier - noch aufkommt,
spielt für den versicherungsrechtlichen Fallabschluss keine Rolle, da für diesen
einzig massgebend
ist
, ob von weiteren therapeutischen Vor
kehren mit Blick auf die Arbeitsfähigkeit eine namhafte Besserung erreicht wer
den kann.
Die Einschätzung
der Kreisärztin, dass der Endzustand gemäss
Art.
19
Abs.
1 UVG im Dezember 2020 erreicht war,
steht
auch
im Einklang mit der Beurteilung der behandelnden Ärzte des
Spitals D._
, die bereits
in ihren Berichten
vom 2
6.
September 2020 (Urk. 7/44) und
8.
November 2020 (
Urk.
7/64) eine durch
die weitere Heilbehandlung zu erwartende ins Gewicht fallende Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers vernein
t
en. So führten diese im September 2020 aus, dass die Beschwerden deutlich
regredient
seien
und sich ein ordentliches funktionelles sowie klinisches Ergebnis gezeigt ha
be
.
Die
zuständige Ärztin ging
schon damals
davon aus, dass dem Beschwerdeführer seine Tätigkeit zu 50
%
zumutbar und nach sechs weiteren Wochen eine vollständige Wieder
aufnahme der Tätigkeit möglich
sei
.
A
nlässlich der Untersuchung vom
4.
Novem
ber 2020 berichtete der Beschwerdeführer, dass er sich beschwerdefrei bewegen
könne
und
keine Schmerzmedikamente benötig
e.
Die zuständigen Fachärzte sa
hen keine Indikation für weitere Kontrollen und
planten
ein weiteres konservatives
Prozedere mit Physiotherapie und Mobilisation mit Vollbelastung.
Da der Be
schw
erdeführer
einen langsamem Einstieg
ins Arbeitsleben wünschte
, wurde ihm bis zum 1
1.
November
2020 noch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk.
7/64)
.
Auch die
zuständigen Ärzte der Universitätsklinik
Z._
äusserten sich nie da
hingehend, dass eine Operation zu einer namhaften Besserung des Gesundheits
zustands führen würde. Vielmehr hielten sie fest, dass bereits die
DonJoy
-Schiene keine eigentliche Besserung bezüglich Instabilitätsgefühl gebracht
habe,
und
zweifelten den Nutzen einer
Operation mit Rekonstruktion des vorderen Kreuz
bands
explizit
an
(vgl. E.
4.7
).
5.2
Unter Berücksichtigung der gesamten medizinischen Aktenlage
war
damit
im Dezember 2020 der Endzustand hinsichtlich der
unfallbedingten
Kniebeschwer
den erreicht und
erweist sich der Fallabschluss per 3
1.
Januar 2021
somit
als rechtens.
Aufgrund
der
vollen Arbeitsfähigkeit in einer knieschonenden Tätigkeit verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente und sprach dem Beschwerdeführer wegen der bleibenden unfal
lbedingten Restbe
schwer
den eine
Integritätsentschädigung gestützt auf eine Integritätseinbusse von 10
%
zu
, was
weder bestritten wird noch
zu beanstanden ist.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.