Decision ID: 298e2f4b-00f7-5c7d-a6f3-13320b18dea5
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a D._, Jahrgang 1961, meldete sich im Januar 2007 erstmals zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (EL) zu seiner Invalidenrente an (EL-act. 1). Da betreffend die
Ehefrau des Versicherten ein rechtskräftiger IV-Rentenentscheid ausstand, sistierte die
EL-Durchführungsstelle das Verfahren. Mit Verfügung vom 3. April 2006 und
Einspracheentscheid vom 27. September 2006 lehnte die IV-Stelle einen
Rentenanspruch der Ehefrau des Versicherten ab. Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen wies eine gegen diesen Einspracheentscheid gerichtete
Beschwerde mit Entscheid IV 2006/216 vom 1. Februar 2008 ab, wobei es auf ein
Gutachten des Ärztlichen Begutachtungsinstituts, Basel (ABI), abstellte und eine volle
Arbeitsfähigkeit als ausgewiesen erachtete. Mit Verfügung vom 6. Mai 2008 wies die
EL-Durchführungsstelle den EL-Anspruch des Versicherten bei einem
Einnahmenüberschuss von Fr. 12'945.- ab. Sie berücksichtigte in der Berechnung für
die Ehefrau ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 44'222.- brutto (IV-act. 18).
Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.b Mit Schreiben vom 20. November 2008 wies Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter die
EL-Durchführungsstelle in Vertretung des Versicherten darauf hin, dessen Ehefrau habe
sich seit Mai 2008 intensiv um Arbeit bemüht und feststellen müssen, dass ihre
Restarbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt nicht verwertbar sei. Er reichte
Stellenbemühungen und Absagen ein (EL-act. 19). Die EL-Durchführungsstelle bezog
sich im Schreiben vom 4. Februar 2009 auf das Schreiben des Rechtsvertreters vom
20. November 2008 und forderte den Versicherten auf, ein neues EL-Gesuch
einzureichen (EL-act. 20). Dieses ging im März 2009 ein (EL-act. 23). Mit Verfügung
vom 5. Juni 2009 wies die EL-Durchführungstelle den EL-Anspruch des Versicherten
bei einem Einnahmenüberschuss von Fr. 18'934.- erneut ab, wobei sie
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Erwerbseinkommen von insgesamt Fr. 55'222.- brutto anrechnete (EL-act. 28).
Dagegen erhob die A._ Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG in Vertretung
des Versicherten am 1. Juli 2009 Einsprache (EL-act. 34). Die EL-Durchführungsstelle
tätigte am 6. August 2009 weitere Abklärungen bei den Regionalen
Arbeitsvermittlungszentren (RAV) B._ und C._ (EL-act. 37, 38, 39). Mit
Einspracheentscheid vom 20. November 2009 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) die Einsprache ab. Das
angerechnete Einkommen bestehe im Betrag von Fr. 40'222.- aus dem hypothetischen
Einkommen der Ehefrau und von Fr. 15'000.- aus dem Lohn des Sohnes des Ehepaars.
Die Ehefrau sei in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Das RAV
C._ habe angegeben, dass es möglich sein sollte, in der Reinigung oder als
Küchenhilfe wenigstens ein Teilzeitpensum zu finden. Somit stehe fest, dass auf dem
realen Arbeitsmarkt Arbeitsstellen vorhanden wären. Bei der Höhe des angerechneten
Einkommens sei die fehlende Berufserfahrung mit einem Konkurrenzabzug von 20%
berücksichtigt worden (act. G 1.1.1).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde des
Rechtsvertreters des Versicherten vom 29. Dezember 2009. Er beantragt unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen dessen Aufhebung. Der EL-Anspruch sei ohne Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens für die Ehefrau zu berechnen. Eventualiter
sei die Sache zur entsprechenden Neuberechnung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Der Rechtsvertreter rügt, ihm seien soweit ersichtlich nicht die
vollständigen Akten zugestellt worden, sodass er nicht den gesamten Sachverhalt habe
erfassen können, auf den die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid abgestellt habe.
Damit habe sie den Grundsatz des rechtlichen Gehörs in hohem Mass verletzt. Weder
sein Schreiben vom 20. November 2008 noch die mit diesem eingereichten
Arbeitsbemühungen befänden sich bei den Akten, was umso fataler sei, als dass die
Beschwerdegegnerin in den Akten behaupten lasse, der Beschwerdeführer habe seine
Neuanmeldung nicht mit Arbeitsbemühungen untermauert. Der angefochtene
Einspracheentscheid sei bereits wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben.
Bevor die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens erfolgen könne,
müssten die konkreten Verhältnisse des Einzelfalls abgeklärt werden. Dies habe die
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Beschwerdegegnerin nicht getan. Bei genauer Prüfung hätte sie festgestellt, dass sich
das RAV schon im ersten Verfahren dahingehend geäussert habe, dass in den letzten
zwei Jahren keine Chance für eine Vermittlung bestanden habe. Die Antworten des
RAV in diesem Einspracheverfahren seien zurückhaltend gewesen und liessen nicht
darauf schliessen, dass von der Ehefrau des Beschwerdeführers die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit verlangt werden könne (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 19. Januar 2010 die Abweisung der
Beschwerde, verweist zur Begründung auf die Erwägungen im Einspracheentscheid
und verzichtet im Übrigen auf eine Stellungnahme (act. G 3).

Erwägungen:
1.
1.1 Die jährliche EL entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [ELG;
SR 831.30]). Die anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in
bestimmtem Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in Art. 10
und 11 ELG sowie Art. 11 bis 18 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) festgelegten
Bestimmungen ermittelt. Als Einnahmen anzurechnen sind nach Art. 11 Abs. 1 ELG
unter anderem Einkünfte, auf die verzichtet worden ist (lit. g). Eine Verzichtshandlung
liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung auf Vermögen
verzichtet hat, wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und
Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte nicht
durchsetzt oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung
einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (EVGE P 18/02 vom 9. Juli
2002; BGE 121 V 205 Erw. 4a; AHI 2001 S. 133 Erw. 1b).
1.2 Auch Personen, die in die Anspruchsberechnung der versicherten Person
einbezogen sind, partizipieren an der EL, da diese den Existenzbedarf der ganzen
Familie sicherstellt. So ist auch der Ehegatte der EL-anspruchsberechtigten Person
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Leistungsempfänger. Verzichtet er auf die mögliche und zumutbare Erzielung eines
Erwerbseinkommens, so ist die Geltendmachung eines EL-Anspruchs zur Deckung
jenes Teils der anerkannten Ausgaben, der durch das Erwerbseinkommen des
Ehegatten gedeckt werden könnte, missbräuchlich (Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen
zur AHV/IV, in: SBVR XIV, Soziale Sicherheit, Basel 2007, S. 1759, Rz. 179). Deswegen
ist bei der EL-Berechnung der versicherten Person ein hypothetisches
Erwerbseinkommen für deren Ehegatten anzurechnen, sofern dieser auf die mögliche
und zumutbare Erzielung eines Einkommens verzichtet. Um bei der Ermittlung des
anrechenbaren Einkommens ein hypothetisches Erwerbseinkommen im Sinn von
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG berücksichtigen zu können, muss in jedem Einzelfall geprüft
werden, ob vom Ehepartner des EL-Ansprechers unter den gegebenen Umständen
verlangt werden kann, von nun an einem Arbeitserwerb nachzugehen, und wie hoch
der Lohn wäre, den dieser bei gutem Willen erzielen könnte. Anhaltspunkte dafür sind
familiäre Verpflichtungen, Alter, Gesundheitszustand, Ausbildung und gegebenenfalls
die Zeitdauer, während der er nicht (mehr) im Berufsleben gestanden ist (BGE
117 V 290 Erw. 3a mit Hinweisen; Urteil I 920/06 vom 16. Januar 2007, Erw. 3.3).
1.3 Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) nimmt die EL-Durchführungsstelle im
Rahmen der Prüfung eines EL-Gesuches die notwendigen Sachverhaltsabklärungen
vor. Diese Untersuchungspflicht bezieht sich auch auf die Frage, ob eine bestimmte
Person auf die Erzielung von Erwerbseinkünften verzichtet. Die EL-Durchführungsstelle
hat also zu untersuchen, ob es einer Person, die keiner Erwerbstätigkeit nachgeht,
möglich und zumutbar ist, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, und welches
Einkommen sie dabei erzielen könnte. Dieser Pflicht könnte die EL-Durchführungsstelle
nur dadurch nachkommen, dass sie der betreffenden Person die Ablehnung einer
konkreten Arbeitsplatzofferte nachweisen würde. Dies würde letztlich darauf
hinauslaufen, dass die EL-Durchführungsstelle der betreffenden Person eine konkrete
Arbeitsstelle vermitteln müsste, um – bei einer Nichtannahme dieser Stelle – den
Nachweis des Verzichts auf die Verwertung der Erwerbsfähigkeit mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit führen zu können. Die dabei entstehenden
Durchführungsprobleme würden dazu führen, dass Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG in Bezug
auf die Verwertung der Erwerbsfähigkeit praktisch toter Buchstabe bliebe. Die EL-
Durchführungsstelle darf sich daher auf die aus der Lebenserfahrung resultierende,
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natürliche Vermutung stützen, dass eine arbeitswillige und einsatzfreudige, nötigenfalls
auch einen unterdurchschnittlichen Lohn akzeptierende Person im Allgemeinen eine
Arbeitsstelle finden kann. Dies ändert zwar nichts an der grundsätzlichen
Abklärungspflicht. Die EL-Durchführungsstelle darf sich aber bei der Erfüllung dieser
Pflicht darauf beschränken, den EL-Ansprecher oder die in die EL-
Anspruchsberechnung einbezogene Person unter Hinweis auf die zu vermutende
Möglichkeit der Verwertung der Erwerbsfähigkeit aufzufordern, sich intensiv um in
Frage kommende Arbeitsstellen zu bewerben (Jöhl, a.a.O, S. 1763 f., Rz. 185).
Ernsthafte, aber erfolglose Bewerbungen sind nicht nur Indizien, die die natürliche
Vermutung für die Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit widerlegen, sondern sie sind
auch Ausdruck der (insbesondere in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zum Ausdruck
kommenden) Pflicht, soweit als möglich aus eigener Kraft den Existenzbedarf zu
bestreiten. Die nicht widerlegte Vermutung für die Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit
bewirkt also eine Vermutung für die Verletzung der Pflicht zur selbstverantwortlichen
Finanzierung des Existenzbedarfs und damit für den gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
relevanten Verzicht auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens (vgl. die Entscheide
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen EL 2007/14 vom 14. Juni 2007,
Erw. 3 f., EL 2007/21 vom 8. November 2007, Erw. 2, EL 2008/35 vom 31. März 2009,
Erw. 2.3).
2.
2.1 Im die Ehefrau des Beschwerdeführers betreffenden Entscheid IV 2006/216 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. Februar 2008 wurde nach
Prüfung der medizinischen Akten festgehalten, dass der Ehefrau des
Beschwerdeführers eine den körperlichen Beschwerden optimal angepasste Tätigkeit
zu 100% zumutbar sei. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers behauptet nicht, der Gesundheitszustand der
Ehefrau habe sich seither verschlechtert. Seine Verweise auf Arztberichte aus dem Jahr
2004 sind nicht zielführend, wurden diese im Entscheid IV 2006/216 doch gewürdigt
und in die Beurteilung miteinbezogen. Im Weiteren macht er nicht geltend, die Ehefrau
habe sich bei der IV wiederangemeldet. Somit sind auch von einem Beizug der IV-
Akten keine weiteren Aufschlüsse zu erwarten, sodass darauf zu verzichten ist. Für die
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vorliegende Beurteilung ist daher weiterhin von einer in einer angepassten Tätigkeit
vollen Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers auszugehen.
2.2 Die Beschwerdegegnerin hat geprüft, ob der konkrete Arbeitsmarkt grundsätzlich
offene, für die Beschwerdeführerin verfügbare Stellen bietet. Die hypothetische Frage,
ob die Ehegattin eines EL-Bezügers bei Aufbringung des forderbaren guten Willens
eine Stelle finden und in welcher Höhe sie Erwerbseinkünfte erzielen könnte, lässt nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts in der Regel ohne vorgängige Abklärungen
zum Einzelfall weder schematisches Abstellen auf statistische Durchschnittswerte noch
mehr oder weniger gesicherte Erfahrungsannahmen zu, die zwar für einen Grossteil der
Versicherten zutreffen mögen, aber nichts über das beruflich-erwerbliche
Leistungsvermögen im konkreten Fall aussagen. Das Angebot an offenen geeigneten
Stellen für Personen, die die persönlichen und beruflichen Voraussetzungen der
Ehefrau des von jenem Entscheid betroffenen EL-Bezügers aufwiesen, einerseits und
die Zahl der Arbeit suchenden Personen andererseits seien zu berücksichtigen. Die
Abklärung der lokal massgebenden Verhältnisse könne zum Beispiel durch Befragung
der kantonalen Arbeitsmarktbehörde erfolgen (Urteile 8C_172/2007 vom 6. Februar
2008, Erw. 9.2; P 64/03 vom 27. Februar 2004, Erw. 3.3.2, und P 18/02 vom 9. Juli
2002, Erw. 3b).
2.3 Die Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse im Einzelfall ist zweifelsohne
notwendig und angezeigt. Eine mehr oder weniger standardisierte Anfrage an die
Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), wie sie in der Praxis vorgenommen wird,
erscheint jedoch nicht ohne weiteres zielführend. Das RAV beurteilt in der Regel die
Vermittelbarkeit einer Person bei gegebenen Vorzeichen, z.B. unter Berücksichtigung
ihres Alters, ihres Gesundheitszustands, ihrer Ausbildung und Berufserfahrung etc.
Dies kann zwar auch für die EL-rechtlich interessierende Frage, ob die Erzielung eines
Erwerbseinkommens möglich und zumutbar ist, von Relevanz sein. Selbst bei allfällig
erschwerter Vermittelbarkeit ist aber nicht ausgeschlossen, dass eine Person bei
intensiver Arbeitssuche im Lauf der Zeit zumindest eine temporäre oder eine
teilzeitliche Anstellung findet. Daraus könnte sich schliesslich eine Wiedereingliederung
in den Arbeitsprozess im Rahmen der (Rest-)Arbeitsfähigkeit ergeben. Gerade wenn
besonderer Einsatzwille demonstriert wird, kann die Stellensuche bei vorhandener
Restarbeitsfähigkeit wohl nur unter besonderen Umständen als von vornherein
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aussichtslos bezeichnet werden. Jedenfalls ist zu berücksichtigen, dass es in der Regel
auch einer nur schwer vermittelbaren Person zumutbar sein dürfte, sich ernsthaft um
Arbeit zu bemühen. Sollten diese Bemühungen keine Früchte tragen, so hat die
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens zu unterbleiben. Im Übrigen ist zu
beachten, dass die Chancen auf eine Arbeitsstelle erhöht werden, wenn nicht nur der
lokale Arbeitsmarkt am Wohnort der stellensuchenden Person beachtet wird. Wenn es
einer arbeitslosen Person zumutbar ist, eine Arbeitsstelle anzunehmen, die bis zu zwei
Fahrstunden (pro Weg) vom Wohnort entfernt liegt (Art. 16 Abs. 2 lit. f AVIG), dann
muss dies nach der Rechtsprechung des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
grundsätzlich auch im Rahmen der EL-spezifischen Schadenminderungspflicht gelten
(Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen EL 2008/32 vom
8. Januar 2009, Erw. 3.4; EL 2008/38 vom 16. Februar 2009, Erw. 3.5.3; Jöhl, a.a.O.,
S. 1763, Rz. 184).
2.4 Vorliegend hat das RAV B._ am 14. August 2009 gegenüber der
Beschwerdegegnerin angegeben, für eine Frau mit dem Profil der Ehefrau des
Beschwerdeführers komme die Tätigkeit als Gebäudereinigerin oder Raumpflegerin, als
Reinigungsangestellte oder Küchenhilfe in Frage. In diesen Tätigkeiten sei je eine Stelle
im Kanton St. Gallen gemeldet. In der Region um den Wohnort der Ehefrau gebe es
praktisch keine Möglichkeiten (EL-act. 39). Der Ehefrau wären jedoch noch weitere
Tätigkeiten möglich, so etwa Kontroll- und Überwachungsarbeiten, leichte
Montagearbeiten oder sonstige angepasste Fabrikarbeiten. Zudem ist ihr die
Arbeitssuche auch in den Nachbarkantonen grundsätzlich zumutbar. Im Weiteren
können das Beachten von Anzeigen, Inseraten und Aushängen oder mitunter auch
Blindbewerbungen erfolgbringend sein; gerade im Bereich der Hilfsarbeiten werden
offene Stellen oftmals nicht dem RAV gemeldet. Das von der Beschwerdegegnerin
ebenfalls angefragte RAV C._ hielt am 11. August 2009 fest, in der Reinigung oder
als Küchenhilfe müsste es möglich sein, wenigstens ein Teilpensum zu finden.
Allerdings werde meistens Erfahrung verlangt (EL-act. 38). Die Beschwerdeführerin war
als Näherin und Küchenhilfe erwerbstätig, sie verfügt also über Arbeitserfahrung. Zwar
leidet sie unter gesundheitlichen Einschränkungen. Eine adaptierte Tätigkeit in
Wechselbelastung, ohne fixierte Arbeitsposition, ohne repetitives Heben und Tagen
von Lasten über zehn Kilogramm und ohne repetitive Überkopftätigkeit ist ihr jedoch
vollzeitlich zumutbar (vgl. die Ausführungen im Entscheid IV 2006/216 vom 1. Februar
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2008). Auch wenn sich die Arbeitssuche schwierig gestalten dürfte und Beharrlichkeit
bei den Bewerbungen wohl unumgänglich ist, ist der Ehefrau des Beschwerdeführers
unter Beachtung sämtlicher Umstände zumutbar, sich seriös um eine Arbeitsstelle zu
bemühen.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer war sich darüber im Klaren, dass sich seine Ehefrau um
Arbeit bemühen muss. Die EL-Durchführungsstelle informierte sie bereits nach der
ersten EL-Anmeldung vom Januar 2007 darüber, dass sie ihre Arbeitsfähigkeit
verwerten müsse (vgl. EL-act. 5, 6). Spätestens nach der EL-Abweisung vom 6. Mai
2008 riet der Rechtsvertreter dem Beschwerdeführer, seine Frau solle zwei
Bewerbungen pro Woche abschicken (vgl. act. G 1.1.3). Mit Schreiben vom
20. November 2008 wandte er sich an die EL-Durchführungsstelle und teilte dieser mit,
dass sich die Ehefrau des Beschwerdeführers seit der EL-Abweisung vom Mai 2008
intensiv um Arbeit bemüht und festgestellt habe, dass ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
Arbeitsmarkt schlechterdings nicht verwertbar sei. Als Dokumentation sende er in der
Beilage auszugsweise verschiedene Absagen von potentiellen Arbeitgebern. Er reichte
insgesamt fünf schriftliche Absagen aus dem Zeitraum September bis November 2008
ein (EL-act. 19). Die EL-Durchführungsstelle reagierte auf dieses Schreiben erst am
4. Februar 2009 mit der Aufforderung an den Beschwerdeführer, sich erneut zum EL-
Bezug anzumelden. Sie wies den EL-Anspruch schliesslich unter Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens ab, ohne dass sie den Beschwerdeführer
aufgefordert hätte, weitere Arbeitsbemühungen nachzuweisen. Der Rechtsvertreter
behauptet in der Beschwerde, der Beschwerdeführer habe nachgewiesen, dass seine
Frau während eines längeren Zeitraums mindestens zwei Bewerbungen pro Woche
eingereicht habe (Ziff. III/3 auf S. 4). Ein Nachweis, dass tatsächlich qualitativ und
quantitativ ausreichende Bewerbungen getätigt wurden, ist bisher jedoch nicht
erbracht worden. Die Tochter des Beschwerdeführers gab gegenüber dem
Rechtsvertreter im Herbst 2008 an, ihre Mutter habe zwei Bewerbungen pro Woche
abgeschickt (act. G 1.1.3). Offensichtlich wurde der Rechtsvertreter nur mit den fünf
Absagen bedient, die er der Beschwerdegegnerin am 20. November 2008 einreichte.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass nur fünf Bewerbungen getätigt worden wären. Die
Beschwerdegegnerin trifft im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43
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Abs. 1 ATSG eine umfassende Abklärungspflicht. Die Versicherten haben nach Art. 43
Abs. 3 ATSG zwar eine Mitwirkungspflicht. Kommen sie dieser nicht gehörig nach, so
hat eine Abmahnung seitens der Verwaltung zu erfolgen, bevor ein Entscheid aufgrund
der Akten oder ein Nichteintreten möglich sind. Vorliegend hätte der Beschwerdeführer
im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht belegen müssen, dass seine Ehefrau sich intensiv
um Arbeit bemüht hat. Die angeblich getätigten zwei Bewerbungen wöchentlich sind
nicht belegt. Die Beschwerdegegnerin wird den Nachweis der Stellenbemühungen
verlangen müssen. Indem sie dies unterliess, hat sie ihre Abklärungspflicht verletzt.
Gelingt es der Ehefrau des Beschwerdeführers nicht zu beweisen, dass sie sich im
massgebenden Zeitraum ab Mai 2008 hinreichend um Arbeit bemüht hat, so stösst sie
die Vermutung der Verwertbarkeit ihrer Arbeitsfähigkeit nicht um. Die Anrechnung des
hypothetischen Erwerbseinkommens wäre diesfalls nicht zu beanstanden. Dies hat
auch für die Höhe des Einkommens zu gelten, das auf den Tabellenlöhnen der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2006 beruht und wegen der
Konkurrenznachteile (auch aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen) einen
Abzug von 20% berücksichtigt.
3.2 Sollte die tatsächliche Situation auf dem konkreten Arbeitsmarkt eine
Arbeitsaufnahme trotz ernsthafter Stellenbemühungen nicht zulassen, so wäre von der
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens künftig abzusehen. Im Rahmen
späterer Revisionsverfahren wäre erneut zu überprüfen, ob sich die Verhältnisse (z.B.
die konjunkturelle Situation) verändert haben und ob die Ehefrau allenfalls erneut
anzuweisen wäre, sich um Arbeit zu bemühen.
4.
4.1 Die Sache ist bei teilweiser Gutheissung der Beschwerde an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese im Sinn der Erwägungen weitere
Abklärungen vornehme und anschliessend über den EL-Anspruch des
Beschwerdeführers neu verfüge. Bei diesem Verfahrensausgang kann offen bleiben, ob
die Beschwerdegegnerin das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt hat, wie
dieser rügt.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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4.3 Da die Rückweisung zur Neubeurteilung praxisgemäss als volles Obsiegen gilt
(ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a), hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ungekürzte
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 2'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).