Decision ID: 35a94864-019e-4c23-a668-14d4063ac442
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Physiotherapeut bei den B._, tätig und
dadurch bei der ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG (nachfolgend: ÖKK)
gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 14. März 2018 mit dem Rennvelo in
einer Kurve ausrutschte und auf die rechte Schulter fiel (UV-act. 1). Eine
Erstbehandlung fand am 15. März 2018 im Departement Orthopädie des Spitals C._
statt, dessen Ärzte nach einer Röntgenuntersuchung der rechten Schulter eine Tossy
III-Verletzung rechts nach Velosturz mit Kontusion Handgelenk rechts, Hautexkoriation
Knie links und Beckenkontusion rechts diagnostizierten und eine Operationsindikation
stellten (UV-act. 2). Am 21. März 2018 führte Dr. med. D._, Oberarzt Orthopädie i.V.,
Departement Orthopädie des Spitals C._, beim Versicherten bei der Diagnose einer
A.a.
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AC-Gelenksluxation rechts vom Typ Rockwood V eine AC-Gelenksstabilisation rechts
mittels Twin Tail TightRope-System durch (UV-act. 5). Am 23. März 2018 wurde der
Versicherte mit einer Bescheinigung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 15. März
bis 6. Mai 2018 aus dem Spital entlassen (UV-act. 6). Am 25. April 2018 führte Dr.
D._ beim Versicherten eine Verlaufskontrolle mit Röntgenuntersuchung durch, bei der
sich die Lage des Implantats korrekt und die Stellung im Bereich des AC-Gelenks
regelrecht zeigte. Klinisch erhob Dr. D._ im Bereich der rechten Schulter reizlose
Haut- und Weichteilverhältnisse, eine schön verheilte Narbe, noch etwas
Hyposensibilität distal und lateral von der Wunde, eine moderate Druckdolenz und eine
unauffällige Bewegungsfreiheit bis zur Horizontalen (UV-act. 9).
Auf Anmeldung des Departements Orthopädie des Spitals C._ wurde beim
Versicherten am 21. Juni 2018 im Departement Radiologie des Spitals C._ eine MRI-
Untersuchung des rechten Schultergelenks zur Abklärung einer
Rotatorenmanschettenläsion und einer Fettatrophie der Muskeln durchgeführt. Gemäss
dem am selben Tag von den untersuchenden Ärzten erstellten Bericht konnten ein
ansatznaher artikularseitiger Partialriss der Infraspinatussehne mit Muskelverfettung
Grad II nach Goutallier, eine chronische Tendinopathie der Supraspinatus- und
Subscapularissehne sowie der langen Bizepssehne und schliesslich eine SLAP II-
Läsion ausgemacht werden (UV-act. 12).
A.b.
Am 4. Juli 2018 stellte Dr. med. E._, Leitender Arzt, Klinik für Rheumatologie und
internistische Rehabilitation, Rehabilitationszentrum F._, dem Versicherten ein
ärztliches Zeugnis für eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 3. bis 29. Juli 2018 aus
(UV-act. 10-3, vgl. dazu auch UV-act. 10-1). Zudem reichte er der ÖKK einen
Arztbericht ein, worin er zu verschiedenen Fragen Stellung nahm. Dr. E._ hielt unter
anderem fest, dass er den Versicherten erstmals am 18. Juni 2018 in seiner
Sprechstunde gesehen habe, danach wieder am 22. Juni 2018 und zuletzt am 4. Juli
2018. Die 50%-ige Arbeitsfähigkeit sei seit dem 19. Juni 2018 attestiert worden. Dies
aufgrund der deutlichen Zunahme der Beschwerden bei der Aufnahme eines 100%-
Pensums. Die Bestätigung ab dem 2. (gemäss ärztlichem Zeugnis "3." [UV-act. 10-3])
Juli 2018 sei aufgrund der im MRI diagnostizierten Schädigung mit SLAP-Läsion und
Tendinopathie der Supraspinatus- und Subscapularissehne sowie langen Bizepssehne
rechts und dem Partialriss der Infraspinatussehne erfolgt. Die Tätigkeit als
A.c.
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B.
Physiotherapeut entspreche einer körperlichen Tätigkeit mit teilweisem Transferieren
von schwerstbetroffenen Patienten. Dies sei dem Versicherten momentan nur
angepasst möglich. Am 3. Juli 2018 sei im Spital C._ eine glenohumerale Infiltration
rechts erfolgt. In der Konsultation vom 4. Juli 2018 habe der Versicherte berichtet, dass
es danach zu einer deutlichen Schmerzlinderung gekommen sei (UV-act. 11).
Am 20. Juli 2018 wurde der Schadenfall durch den beratenden Arzt der ÖKK, Dr.
med. G._, medizinisch beurteilt. Dieser befand, dass der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Ereignis vom 14. März 2018 und den Beschwerden per
2. Juli 2018 entfallen sei. Die Tendinopathien, die Teilläsion der Infraspinatussehne und
die SLAP-Läsion könnten nicht unfallkausal sein. Die weitere Arbeitsunfähigkeit sei
indiziert, beruhe jedoch auf krankhaften Veränderungen. Die AC-Luxation sei klar
unfallbedingt, jedoch zurzeit als ausgeheilt zu betrachten. Die Tatsache, dass die
momentanen Beschwerden auf die krankheitsbedingte Schulterpathologie
zurückführbar seien, belege die erfolgreiche Infiltration vom 2. Juli 2018 (UV-act. 13).
A.d.
Mit Schreiben vom 26. Juli 2018 teilte die ÖKK dem Versicherten mit, dass sie
gestützt auf die Ausführungen ihres beratenden Arztes einen Anspruch auf
Versicherungsleistungen ab dem 2. Juli 2018 ablehnen müsse (UV-act. 14).
A.e.
Nachdem der Versicherte mit Schreiben vom 2. August 2018 (Posteingang) eine
anfechtbare Verfügung verlangt hatte (UV-act. 15), holte die ÖKK bei Dr. G._ eine
ausführliche versicherungsmedizinische Beurteilung ein (UV-act. 17).
A.f.
Am 17. August 2018 teilte die ÖKK dem Versicherten verfügungsweise mit, dass
sie einen Anspruch auf Versicherungsleistungen ab dem 2. Juli 2018 ablehnen müsse.
Aufgrund der ausführlichen Beurteilung ihres beratenden Arztes stünden die
Beschwerden ab dem 2. Juli 2018 nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im
Zusammenhang mit dem Ereignis vom 14. März 2018 (UV-act. 18).
A.g.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 20. August 2018 Einsprache
(UV-act. 19).
B.a.
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C.
Am 5. Oktober 2018 reichte die Orion Rechtsschutz-Versicherungen AG für den
Versicherten die Einsprachebegründung ein (UV-act. 27-1 ff.). Zusammen mit dieser
legte sie einen Zwischenbericht Physiotherapie des behandelnden Physiotherapeuten
H._ vom 30. Juli 2018 (UV-act. 27-9), einen Operationsbericht von Dr. med. I._,
Klinik J._ (UV-act. 27-7), einen Austrittsbericht und einen weiteren Bericht von Dr.
I._ vom 26. August 2018 (UV-act. 27-5f.) bzw. 25. September 2018 (UV-act. 27-10 ff.)
sowie verschiedene Fachartikel vor (UV-act. 27-13 ff.). Dr. I._ hatte beim Versicherten
am 24. August 2018 arthroskopisch eine Tenotomie/Tenodese der langen Bizepssehne
durchgeführt, eine spinoglenoidale Zyste eröffnet und eine partielle Labrumresektion
vorgenommen (UV-act. 25).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 23. Januar 2019 wies die ÖKK die Einsprache des
Versicherten ab (UV-act. 28).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 23. Januar 2019 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter Fürsprecher U. Knöpfli,
Frauenfeld, am 21. Februar 2019 Beschwerde erheben mit folgenden Rechtsbegehren:
1. Der Einspracheentscheid der ÖKK (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 23.
Januar 2019 sei vollumfänglich aufzuheben; 2. Es seien gegenüber dem
Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen (Heilungskosten- und
Taggeldleistungen) auszurichten; 3. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, den
Beschwerdeführer angemessen zu entschädigen (act. G1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 18. März 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. M. Schmid, Chur, die Abweisung der
Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G3).
C.b.
In seiner Replik vom 4. April 2019 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
an den Beschwerdeanträgen fest (act. G5).
C.c.
Mit Schreiben vom 23. April 2019 hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin seinerseits an den Ausführungen in der Beschwerdeantwort fest
und verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G7).
C.d.
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Erwägungen
1.
Strittig und zu prüfen ist im vorliegenden Fall, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Versicherungsleistungen über den 2. Juli
2018 hinaus abgelehnt hat.
2.
Mit Schreiben vom 30. April 2019 reichte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers eine Honorarnote über insgesamt Fr. 3'308.85 (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) ein (act. G9, G9.1).
C.e.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat
zudem Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt also zunächst einen Unfall im Sinne
von Art. 4 ATSG voraus. Als solcher gilt eine plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Als weitere Voraussetzung der Leistungspflicht
des Unfallversicherers ist sodann die natürliche und adäquate Kausalität zwischen dem
Unfall und der festgestellten Gesundheitsschädigung verlangt (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG;
BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen; André Nabold, in: Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung
[UVG], Bern 2018, N 48 ff. zu Art. 6 UVG; BSK UVG-Irene Hofer, Basel 2019, N 66 zu
Art. 6 UVG; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung
der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (vgl. UVG Kommentar-Nabold, a.a.O., N 53, 59 zu Art. 6 UVG;
BSK UVG-Hofer, a.a.O., N 66 zu Art. 6UVG; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58;
BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils
2.1.
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8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009, je mit Hinweisen). Bei physischen Unfallfolgen hat
indessen die Adäquanz gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch
keine selbständige Bedeutung. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne
weiteres gegeben (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 f. E. 3a, 117 V
365 E. 5c/bb mit Hinweisen; SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45). Ob ein natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit;
die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen; Thomas Locher/
Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl., Bern 2014, § 70
Rz. 58 f.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4). Ebenso wie der leistungsbegründende
natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
54).
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a je mit
Hinweisen; vgl. BGE 130 I 183 E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die
Beweislast im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Während bei der
Frage, ob ein Kausalzusammenhang überhaupt jemals gegeben ist, demzufolge die
versicherte Person beweisbelastet ist, trägt die Beweislast für einen behaupteten
Wegfall der vom Unfallversicherer zunächst anerkannten Kausalität die
Unfallversicherung (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen, 1994 Nr. U 206 S.
326; Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; BGE 117 V
264 E. 3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Die Beweislastverteilung bezüglich
Wegfall der Unfallkausalität gilt allerdings nur für Schädigungen, welche bei der
Anerkennung einer Leistungspflicht des Unfallversicherers auch wirklich zur Diskussion
standen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2009, 8C_363/2009, E. 1; Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 27. April 2005, U 6/05,
auszugsweise publiziert in: AJP 2006 S. 1290 ff.).
2.2.
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2.3.
Die Beschwerdegegnerin hat unbestrittenermassen anerkannt, dass der
Beschwerdeführer am 14. März 2018 einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG mit einer
schädigenden Einwirkung auf die rechte Schulter sowie das rechte Handgelenk erlitten
und sich dabei eine AC-Gelenksluxation rechts vom Typ Rockwood V sowie eine
Scaphoidfraktur bzw. Fraktur des Os naviculare am Handgelenk rechts zugezogen hat
(UV-act. 5 f., UV-act. 7 ff.) und sie für diese Verletzungen leistungspflichtig ist.
Demgemäss hat sie Versicherungsleistungen für Heilbehandlungen, insbesondere für
die operative AC-Gelenksstabilisation rechts vom 21. März 2018 (UV-act. 5), und für
Arbeitsunfähigkeiten (vgl. UV-act. 6) erbracht.
2.3.1.
Am 5. Juli 2018 wurde der Beschwerdegegnerin ein ärztliches Zeugnis von Dr.
E._ vom 4. Juli 2018 eingereicht, wonach beim Beschwerdeführer ab dem 3. Juli
2018 weiter eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bis 29. Juli 2018 bestehe. Im Verlauf erfolge
eine Reevaluation in einer Sprechstunde vom 30. Juli 2018 (UV-act. 10). Erstmalig mit
dem Arztbericht vom 4. Juli 2018 von Dr. E._ (UV-act. 11) erhielt die
Beschwerdegegnerin ausserdem davon Kenntnis, dass beim Beschwerdeführer am 21.
Juni 2018 eine MRI-Untersuchung durchgeführt worden sei, worin sich bei ihm
zusätzlich zum Status nach offener AC-Gelenksstabilisation nach Rockwood V
Verletzung eine Tendopathie der Supraspinatus- und Subscapularissehne sowie der
langen Bizepssehne rechts, eine SLAP-Läsion und ein Partialriss der
Infraspinatussehne gezeigt hätten. Aufgrund dessen sei im Spital C._ am 3. Juli 2018
eine glenohumerale Infiltration rechts erfolgt. Weiter wurde die Beschwerdegegnerin
darüber informiert, dass seit dem 19. Juni 2018 nur eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
bestanden habe. Dies aufgrund der deutlichen Zunahme der Beschwerden bei
Aufnahme eines 100%-Pensums. Die Arbeitsfähigkeit zu 50% sollte bis zum 29. Juli
2018 weitergeführt werden (UV-act. 11, vgl. dazu auch UV-act. 12). Nach
Kenntnisnahme der neuen Diagnosen liess die Beschwerdegegnerin durch ihren
beratenden Arzt Dr. G._ prüfen, ob der natürliche Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfall vom 14. März 2018 und den Beschwerden entfallen sei, und verneinte
gestützt auf dessen Beurteilungen vom 20. Juli 2018 (UV-act. 13) und 6. August 2018
(UV-act. 17) mit Verfügung vom 17. August 2018 ab 2. Juli 2018 (einen Tag vor der
Infiltration im Spital C._ [UV-act. 11-2]) einen Anspruch des Beschwerdeführers auf
weitere Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung (UV-act. 18). Zusammen
mit der Einsprachebegründung vom 5. Oktober 2018 reichte die Orion Rechtsschutz-
Versicherung AG der Beschwerdegegnerin ausserdem eine Stellungnahme von Dr.
I._ vom 25. September 2018 (UV-act. 27-10 ff.) ein, welcher die Beschwerdegegnerin
2.3.2.
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erstmals entnehmen konnte, dass beim Beschwerdeführer im Rahmen einer weiteren
MRI-Untersuchung vom 9. August 2018 zusätzlich eine spinoglenoidale Zyste
ausgehend von der SLAP-Läsion bzw. vom posterioren Labrum festgestellt worden
war, welche zu einer Kompression des Nervus supraspinatus und in der Folge zu einer
elektromyographisch messbaren Denervation sowie MR-tomographisch darstellbaren
Degeneration und Atrophie des Musculus supraspinatus und infraspinatus geführt
hatte. Dass im Leistungseinstellungszeitpunkt die Luxation des AC-Gelenks und die
Fraktur des Os naviculare rechts ausgeheilt gewesen waren, ist unbestritten. Nach der
Leistungseinstellung wurden jedoch beim Beschwerdeführer im Spital C._ eine
glenohumerale Infiltration und am 24. August 2018 durch Dr. I._ arthroskopisch eine
Tenotomie/Tenodese der langen Bizepssehne, eine Eröffnung der spinoglenoidalen
Zyste sowie eine partielle Labrumresektion durchgeführt (UV-act. 25).
Angesichts der dargelegten Sachlage ist festzuhalten, dass die im Rahmen der
MRI-Untersuchungen vom 21. Juni und 9. August 2018 festgestellten
Gesundheitsschäden von der ursprünglichen Anerkennung der Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin nicht erfasst waren. In diesem Fall liegt - obwohl eine
Leistungseinstellung streitig ist - die Beweislast hinsichtlich der Frage, ob die
Beschwerdegegnerin über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus für die
bestehenden Gesundheitsschäden leistungspflichtig ist, beim Beschwerdeführer. Er
hat die Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit zu tragen (vgl. Erwägung 2.2; vgl. dazu
auch Rumo-Jungo, a.a.O., S. 79).
2.3.3.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351, E. 3a mit Hinweis). Insofern
2.4.
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kann rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten, welche die Versicherung
während des Administrativverfahrens von ihren eigenen bzw. beratenden Ärzten und
Ärztinnen einholen, Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V
353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Art. 8 der Bundesverfassung (BV; SR 101) und Art. 6
Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101) geben keinen
formellen Anspruch auf versicherungsexterne Begutachtung, wenn Leistungsansprüche
streitig sind. Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen
tatsächlichen Entscheidungsgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als
schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung
eines Gerichtsgutachtens - abschliessen. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit eines Berichts oder Gutachtens eines
versicherungsinternen Arztes oder einer versicherungsinternen Ärztin, sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Oktober 2008, 8C_510/2007, E. 7.5.4). Ausserdem ist darauf
hinzuweisen, dass auch reine Beurteilungen aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von
Dr. G._ am 20. Juli und 6. August 2018 erstellt wurden (UV-act. 13, UV-act. 17),
beweiskräftig sein können, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden
medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der
versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni
2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1). Insbesondere die vorliegend bedeutsame
versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. G._ vom 6. August 2018 (UV-act. 17)
wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben und enthält eine entsprechende
Sachverhaltszusammenfassung. Sie beinhaltet sodann eine ausführliche Begründung
der strittigen Kausalitätsfrage. Weiter ist festzustellen, dass Dr. G._ zwar nicht über
einen Facharzttitel verfügt, jedoch Inhaber des "Fähigkeitsausweises Vertrauensarzt"
der Schweizerischen Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte ist (vgl.
https://www.medecins-conseils.ch/licence/personalinfo/?138, abgerufen am 7. Juli
2020). Dies führt zwar nicht dazu, dass ihm die Fähigkeit zugesprochen werden könnte,
in einem bestimmten fachmedizinischen Bereich Befunde zu erheben und Diagnosen
zu stellen. Doch besitzt er als Vertrauensarzt besondere Kenntnisse des
Schweizerischen Krankenversicherungs- und Unfallversicherungswesens und der
gesetzlichen Grundlagen dazu. Er ist zur Beratung der Versicherer in medizinischen
Fachfragen speziell ausgebildet und unterliegt einer regelmässigen
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3.
Weiterbildungsverpflichtung (vgl. Art. 57 des Bundesgesetzes über die
Krankenversicherung [KVG; SR 832.10] sowie das Fähigkeitsprogramm
Vertrauensärzte vom 1. Juli 2003 in der Fassung vom 16. Juni 2011, erlassen vom
Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung der FMH [abrufbar unter
www.vertrauensaerzte.ch/licence/fpva.pdf]). Damit ist er genügend befähigt, die von
einem Facharzt erhobenen Befunde und gestellten Diagnosen sowie deren
Ursächlichkeit zu würdigen und vermag zuverlässig einzuschätzen, inwiefern ein
vorliegender medizinischer Sachverhalt überzeugt oder als nicht genügend abgeklärt
zu betrachten ist. Weiter ist von einem Vertrauensarzt zu erwarten, dass er bei der
Würdigung eines konkreten medizinischen Sachverhalts erkennen kann, ob er dazu
fachlich in der Lage ist oder nicht. Angesichts der obigen Darlegungen sprechen keine
formellrechtlichen Gründe gegen den Einbezug der Aktenbeurteilungen von Dr. G._ in
die Beweiswürdigung. Ob letztlich auf diese abgestellt werden kann, ist im Rahmen der
nachfolgenden materiellrechtlichen Beweiswürdigung zu prüfen.
Nachfolgend ist mithin zu prüfen, ob der Unfall vom 14. März 2018 mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auch für die beim
Beschwerdeführer nach der Leistungseinstellung ab 2. Juli 2018 behandelten und eine
Arbeitsunfähigkeit auslösenden objektivierten organischen Gesundheitsschäden im
Bereich der rechten Schulter (vgl. dazu BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit
Hinweisen, 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen; Urteil
des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen
Hinweisen) - dem Partialriss der Infraspinatussehne mit Muskelverfettung Grad II nach
Goutallier, der chronischen Tendinopathie der Supraspinatus-und Subscapularissehne
sowie der langen Bizepssehne und der SLAP-Läsion mit nachfolgend aufgetretener
spinoglenoidaler Zyste - ursächlich gewesen ist. In diesem Fall wäre die
Beschwerdegegnerin insbesondere für die intraartikuläre glenohumerale Infiltration der
rechten Schulter vom 3. Juli 2018 (UV-act. 11-2) und die operative Behandlung vom 24.
August 2018 (UV-act. 25) und weiter bis zur Heilung der unmittelbaren
Operationsfolgen (Wundheilung, postoperative Schmerzphase, Einnahme von
Medikamenten, Schonungsphase mit möglicher Arbeitsunfähigkeit usw.)
leistungspflichtig.
3.1.
Während von der Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilungen von Dr.
G._ vom 20. Juli und 6. August 2018 (UV-act. 13, UV-act. 17) hinsichtlich sämtlicher
in Erwägung 3.1 genannten Gesundheitsschäden eine Unfallkausalität verneint wird,
vertritt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zumindest in Bezug auf die Zyste,
3.2.
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welche laut Aussage von Dr. I._ in der Stellungnahme vom 25. September 2018 (UV-
act. 27-11) vom posterioren Labrum bzw. von der SLAP-Läsion herrührt, und aus der
wiederum eine Nervenverletzung resultierte, den gegenteiligen Standpunkt. Dr. G._
hält in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 6. August 2018 (UV-act. 17)
fest, dass die aktuellen Beschwerden grundsätzlich durch die Schulterpathologie
selber unterhalb des AC-Gelenks verursacht würden. Dies beweise auch die Infiltration
am 2. Juli 2018, welche zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden geführt
habe. Bei der Teilläsion der betroffenen Sehnenunterfläche der Infraspinatussehnen-
Platte der Rotatorenmanschette handle es sich um einen Befund, welcher als
degenerativ und bis zu einem gewissen Grad alterstypisch bezeichnet werden müsse.
Dazu passe auch die Muskelverfettung gemäss MRI-Bericht vom 21. Juni 2018 (UV-
act. 12). Die weiteren Sehnenverletzungen, so wie beschrieben, seien ebenso als
unfallfremd respektive krankhaft zu sehen, weil der Problematik keine entsprechende
Traumapathologie zugrunde liege. Die beschriebene SLAP-Läsion passe zu der
gesamten krankhaften Veränderung des Schultergelenks selber. Anhand der Befunde
von Dr. E._ und gemäss den MRI-Befunden und nicht zuletzt anhand des
Infiltrationserfolges müsse davon ausgegangen werden, dass für die aktuellen
Beschwerden die Schulterpathologie verantwortlich sei, welche nicht auf das
Unfallereignis zurückgeführt werden könne.
Die Kausalitätsbeurteilung von Dr. G._ hinsichtlich des Partialrisses der
Infraspinatussehne sowie der Tendinopathie der Supraspinatus- und
Subscapularissehne und der langen Bizepssehne ist ohne Weiteres schlüssig und
überzeugend. Grundsätzlich kann die Rotatorenmanschette als Folge eines Traumas
ein- oder abreissen. Andererseits neigt sie zur Degeneration. Der Ausdruck "Riss" und
der von Dr. I._ verwendete Begriff "Läsion" (UV-act. 27-11) können nicht ohne
Weiteres mit einer Traumarelevanz verbunden werden (vgl. dazu Alfred M. Debrunner,
Orthopädie, orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 412, 579 ff., 628, 724 f.,
728 ff., 975, 1057, 1289 f.; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 134,
1353, 1681, 1807 f.; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin 2017, S.
152, 1576, 1646, 1782). Im konkreten Fall deutet der Zustand einer Muskelverfettung
auf eine Degeneration hin (vgl. Roche Lexikon, a.a.O., S. 1930; https://
medicalforum.ch/article/doi/fms.2019.03247, abgerufen am 7. Juli 2020). Auch die
Tendinopathie stellt grundsätzlich eine degenerative Veränderung bzw. ein
krankheitsbedingtes Leiden dar, welches im Rahmen eines normalen
Alterungsprozesses oder durch Überbeanspruchung entsteht. Sie kann sich höchstens
sekundär, d.h. als (Spät-)Folge einer primären Unfallverletzung, beispielsweise nach
einer Fraktur oder Ruptur, entwickeln (zum Gesagten vgl. Debrunner, a.a.O., S. 579 ff.,
3.3.
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S. 628, S. 700 f., S. 725 ff, S. 735, S. 740 f., S. 1107; Roche Lexikon, a.a.O., S. 134, S.
280, S. 1808; Pschyrembel, a.a.O., S. 175 f., S. 334; Michael Schünke/Erich Schulte/
Udo Schumacher, Prometheus LernAtlas der Anatomie, Allgemeine Anatomie und
Bewegungssystem, 4. Aufl. Stuttgart 2014, S. 63). So steht auch der der Tendinopathie
beigefügte Begriff "chronisch" dem Begriff "traumatisch" entgegen und beschreibt
gerade keinen akut aufgetretenen Zustand, sondern bedeutet "langsam sich
entwickelnd, langsam verlaufend" (Pschyrembel, a.a.O., S. 390; Roche Lexikon, a.a.O.,
S. 334). Desgleichen schreibt Dr. I._ in seiner Stellungnahme vom 25. September
2018 (UV-act. 27-11) die gelenksseitigen Partialläsionen der Infra- und
Supraspinatussehne nicht eindeutig dem Trauma vom 14. März 2018 zu. Diese seien
möglicherweise degenerativer Natur. Dr. I._ fügt zwar an, dass eine traumatische
Ätiologie nicht ausgeschlossen sei. Seine Beurteilung lässt jedoch insgesamt einen
Wertungs- bzw. Beurteilungsspielraum erkennen, der nicht zu genügen vermag, um mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Unfallkausalität zu bejahen (vgl. Erwägung 2.1;
Locher/Gächter, a.a.O., § 70 N 58). Zur Tendinopathie der Subscapularis- und langen
Bizepssehne äussert sich Dr. I._ zwar nicht explizit, doch ist davon auszugehen, dass
er hinsichtlich dieser die gleiche Einschätzung vertritt und deren Ätiologie gleich
würdigen würde. Letztlich ist anzufügen, dass auch von beschwerdeführender Seite
keine konkreten oder substantiellen Einwände erhoben wurden, welche dafür sprechen
würden, hinsichtlich der obgenannten Gesundheitsschäden mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit von unfallbedingten Gesundheitsschäden
auszugehen.
Nachfolgend bleibt die strittige Unfallkausalität der SLAP-Läsion und der daraus
resultierenden spinoglenoidalen Zyste mit Kompression des Nervus supraspinatus zu
prüfen. Wie bereits erwähnt, verneint Dr. G._ auch eine solche in der
versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 6. August 2018 (UV-act. 17; vgl.
Erwägung 3.2).
3.4.
Den Feststellungen von Dr. G._ betreffend das Infiltrationsergebnis kann
insoweit gefolgt werden, dass Tendinopathien als Entzündungen schmerzhaft sind, die
Infiltration eine wirksame Schmerzbehandlung darstellt (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 1107;
Roche Lexikon, a.a.O., S. 534 f., 1807; Pschyrembel, a.a.O., S. 506 f., 1782) und damit
seine Schlussfolgerung, die aktuellen Beschwerden seien grundsätzlich durch die
Schulterpathologie selber unterhalb des AC-Gelenks verursacht, schlüssig erscheint.
Wie in Erwägung 3.3 dargelegt, ist jedoch hinsichtlich der Tendinopathien nicht von
einer traumatischen, sondern von einer degenerativen Ursächlichkeit auszugehen.
Zudem wurde beim Beschwerdeführer am 24. August 2018 nicht nur eine Tenotomie/
3.4.1.
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Tenodese der langen Bizepssehne durchgeführt, sondern auch die spinoglenoidale
Zyste eröffnet und eine partielle Labrumresektion vorgenommen. Folglich dürfte
anzunehmen sein, dass die Schmerzproblematik des Beschwerdeführers nicht nur
seinen Tendinopathien geschuldet gewesen ist. Vor diesem Hintergrund überzeugt es
nicht, aus dem Infiltrationsergebnis hinsichtlich Unfallkausalität der SLAP-Läsion etwas
abzuleiten, und es scheint fraglich, inwieweit damit eine Unfallkausalität widerlegt
werden kann. Hingegen überzeugt die Feststellung von Dr. G._, dass die SLAP-
Läsion zur gesamten krankhaften Veränderung des Schultergelenks passe. Eine SLAP-
Läsion kann zwar Folge eines vorangegangenen Traumas (insbesondere einer
Luxation) sein, wird jedoch in der medizinischen
Literatur auch als degenerativer Gesundheitsschaden beschrieben (Debrunner, a.a.O.,
S. 722, 732, vgl. auch S. 975). Auch Dr. I._ bezeichnete in seiner Stellungnahme vom
25. September 2018 beide Ätiologien als möglich (UV-act. 27-11). Der Einbezug der
Gesamtsituation eines Gelenks in die Beurteilung einer Unfallkausalität erscheint
schlüssig und überzeugend. So ist es verständlich, dass bei Vorliegen weiterer
umfassender degenerativer Gesundheitsschäden, insbesondere wenn verschiedene
Bereiche eines Körperteils (wie hier das AC- sowie das Glenohumeralgelenk der
Schulter) Gesundheitsschäden aufweisen, die Herauslösung eines einzigen
Gesundheitsschadens und dessen Betrachtung als unabhängigen, traumatisch
bedingten Gesundheitsschaden ohne konkreten Grund kein nachvollziehbares
Ergebnis darstellt. Zumindest ist es nicht wahrscheinlicher als eine durch Degeneration
begünstigte Entwicklung. Von daher liegt die Feststellung nahe, dass sich auch dieser
weitere Gesundheitsschaden in die degenerative Problematik einfügt. Dies umso mehr,
als die SLAP-Läsion des Bizepssehnenkomplexes einen Einriss im Labrum gleonidale,
wo die lange Bizepssehne ansetzt, darstellt, bei einer SLAP-Läsion vom Typ II - wie sie
beim Beschwerdeführer erhoben wurde (UV-act. 12) - ein Abriss der langen
Bizepssehne und des daran anschliessenden vorderen Labrums vom oberen Glenoid
(Schultergelenk-Pfannenrand) vorliegt (vgl. dazu https://
flexikon.doccheck.com/de/SLAP-L%C3%A4sion; https://www.dr-gross.de/
schulterzentrum -saar/slap-laesion-schulter.html; https://www.schulterhilfe.de/
schulterschmerzen/schulter-lexikon/, alle abgerufen am 7. Juli 2020; Debrunner, a.a.O.,
S. 732) und im MRI-Untersuchungsbericht vom 21. Juni 2018 die chronische
Tendinopathie der langen Bizepssehne mit Einriss im Bizepskopf beschrieben ist (UV-
act. 12). Analog erhob Dr. I._ laut Operationsbericht vom 24. August 2018 in der
Operation den intraartikulären Befund eines sich leicht degenerativ darstellenden
Bizepsankers und erwähnte die SLAP-Läsion Grad II in dessen Zusammenhang
("zudem"; UV-act. 25-2).
https://flexikon https://flexikon https://flexikon https://www.dr-gross.de/schulterzentrum%20-saar/ https://www.dr-gross.de/schulterzentrum%20-saar/
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Angesichts des von Dr. I._ erhobenen Operationsbefundes ist nicht
nachvollziehbar, weshalb er in seiner Stellungnahme vom 25. September 2018 (UV-act.
27-11) in der Zusammenschau zum Schluss gelangt, dass die posterior betonte SLAP-
Läsion mit überwiegend grosser Wahrscheinlichkeit unfallbedingt sei. Seine
Schlussfolgerung lässt sich auch nicht durch seine Feststellung erklären, dass es -
wäre die SLAP-Läsion degenerativer Natur und bereits lange vor dem Unfall vorliegend
gewesen - doch ein sehr seltener Zufall wäre, wenn eine über längere Zeit bestehende
degenerative posteriore Labrumläsion über lange Zeit inapparent wäre und dann nach
dem Unfall durch Bildung einer Zyste plötzlich symptomatisch würde. Dr. I._
argumentiert mit dem zeitlichen Zusammentreffen des Unfalls vom 14. März 2018 mit
der am 9. August 2018 erhobenen Zyste. Die zeitliche Konnexität stellt grundsätzlich im
Rahmen der Kausalitätsbeurteilung ein bedeutsames Beurteilungskriterium dar und
kann durchaus ein Hinweis auf einen traumatischen Ursprung sein. Dr. I._ selbst
weist jedoch darauf hin, dass die Zyste in der MRI-Voruntersuchung vom 21. Juni 2018
noch nicht sichtbar gewesen sei, sondern erstmals im Rahmen der MRI-Untersuchung
vom 9. August 2018 zur Darstellung gekommen sei. Auch zwischen dem Unfall und der
erwähnten Objektivierung der Zyste lag folglich eine längere Latenzzeit von rund fünf
Monaten. Sowohl dem Operationsbericht von Dr. I._ vom 24. August 2018 (UV-act.
25) als auch dessen Stellungnahme vom 25. September 2018 (UV-act. 27-11) ist zu
entnehmen, dass sich die Zyste aus der SLAP-Läsion heraus entwickelt hat. Die SLAP-
Läsion wurde in der MRI-Untersuchung vom 21. Juni 2018 erhoben (UV-act. 12). Auch
inwiefern bei einer Latenzzeit von eineinhalb Monaten zwischen der objektivierten
SLAP-Läsion und der Zyste ausgerechnet von einer traumatischen Ursächlichkeit
gesprochen werden kann, nicht jedoch von einer Zyste, welche sich aus einer
degenerativ bedingten SLAP-Läsion entwickelt hat, ist nicht nachvollziehbar. Dies
zumal den Darlegungen von Dr. I._ nicht entnommen werden kann, dass eine Zyste
eine zwingende Folge einer SLAP-Läsion ist, sondern anhand der Akten letztlich nur
belegt ist, dass eine SLAP-Läsion und eine von ihr ausgehende Zyste vorgelegen
haben. An den Gründen für eine überwiegend wahrscheinlich degenerative
Verursachung der SLAP-Läsion, wie sie in den Erwägungen 3.4.2 dargelegt worden
sind, ändert sich jedenfalls mit der Argumentation von Dr. I._ nichts.
3.4.2.
Dr. I._ weist schliesslich auf die Häufigkeit von Begleitverletzungen der
glenohumeralen Binnenstrukturen (Pathologien der langen Bizepssehnen und SLAP-
Läsionen) im Rahmen einer AC-Gelenksluxationsverletzung hin, wie sie der
Beschwerdeführer beim Unfall vom 14. März 2018 unbestrittenermassen erlitten hat
(UV-act. 5 f.). Die von ihm gestützt auf medizinische Fachartikel genannten Zahlen (53
3.4.3.
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4.
Aufgrund des in Erwägung 3 Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass in
Beachtung der vorliegenden medizinischen Akten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt
der Einstellung der Versicherungsleistungen keine Unfallfolgen mehr vorgelegen haben
und eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die nach dem
Leistungseinstellungszeitpunkt behandelte SLAP-Läsion und spinoglenoidale Zyste zu
verneinen ist.
5.
und 30%) belegen jedoch - wie von ihm selbst formuliert - lediglich ein
wissenschaftlich belegtes Risiko für solche Begleitverletzungen, nicht jedoch eine
unausweichliche Folge, zumal SLAP-Läsionen nur eine mehrerer möglichen
Begleitverletzungen darstellen (UV-act. 27-11). Als Hinweis auf einen den Darlegungen
in den Erwägungen 3.4.1 f. entgegenstehenden überwiegend wahrscheinlichen
Sachverhalt vermögen die wissenschaftlich erhobenen Zahlen nicht zu gelten.
Allgemeine wissenschaftliche Erhebungen können zwar wichtige Hinweise für die
Kausalitätsbeurteilung liefern. Letztlich ist jedoch der konkrete Einzelfall in seiner
Gesamtheit zu beurteilen, d.h. es ist in jedem Einzelfall zu prüfen, welche Bedeutung
den wissenschaftlich erhobenen Daten beizumessen ist.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht sodann in der Beschwerde
vom 21. Februar 2019 (act. G1) eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin gestützt
auf Art. 6 Abs. 2 UVG geltend. Gemäss dieser Gesetzesbestimmung erbringt die
Versicherung ihre Leistungen auch bei den folgenden Körperschädigungen, sofern sie
nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: a.
Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse; e.
Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h. Trommelfellverletzungen. Mit Art.
6 Abs. 2 lit. a bis h UVG wird die Vermutung statuiert, dass der Unfallversicherer bei
erfüllter Listendiagnose leistungspflichtig ist. Dieser kann sich aber von seiner
Leistungspflicht befreien, wenn er den Nachweis erbringt, dass die Körperschädigung
vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (vgl. dazu Botschaft
vom 30. Mai 2008, BBl 2008 S. 5411, und Zusatzbotschaft vom 19. September 2014,
BBl 2014 S. 7922; SZS 2017 S. 33). Auf das Kriterium des äusseren Faktors wird
explizit verzichtet (BBl 2014 S. 7922).
5.1.
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6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 23. Januar 2019 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Als Versicherungsträger
hat die obsiegende Beschwerdegegnerin praxisgemäss keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung, soweit - wie vorliegend - die Prozessführung der Gegenpartei
nicht als mutwillig oder leichtsinnig zu bezeichnen ist (vgl. Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2020, N 218 zu Art. 61 ATSG). Ihr
diesbezüglicher Antrag ist daher unbegründet (vgl. act. G3).