Decision ID: 62aab480-170a-5113-befb-6bfd5e7b32b9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger aus dem Südsudan – ver-
liess sein Heimatland eigenen Angaben zufolge am 10. Oktober 2016 und
gelangte am 7. September 2020 via B._, C._, Malta und
D._ illegal in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 26. August 2019 in
Malta aufgegriffen worden war und dort am 6. November 2019 ein Asylge-
such gestellt hatte.
C.
Mit Eingabe vom 8. Oktober 2020 beantragte der Rechtsvertreter beim
SEM eine schnellstmögliche Abklärung des psychischen Gesundheitszu-
stands des Beschwerdeführers sowie eine fachgerechte Betreuung. Zur
Begründung wurde darauf hingewiesen, es habe sich anlässlich des mit
dem Mandanten geführten Erstgesprächs gezeigt, dass es diesem gar
nicht gut gehe. Er sei mehrere Jahre unterwegs gewesen und habe in ei-
nigen Ländern Schlimmes erlebt (Akten der Vorinstanz [SEM-act.]
1074395-15/1).
D.
D.a. Das für den 9. Oktober 2020 geplante Dublin-Gespräch konnte nicht
durchgeführt werden, weil der Beschwerdeführer die Dolmetscherin abge-
lehnt hatte (SEM-act. 1074395-13/1).
D.b. Im Rahmen des von der Vorinstanz mit Schreiben vom 9. Oktober
2020 gewährten rechtlichen Gehörs zur Zuständigkeit Maltas für die Durch-
führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens beziehungsweise zur Weg-
weisung dorthin, zum Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG (SR 142.31) und zum Gesundheitszustand liess der Be-
schwerdeführer mit Eingabe vom 16. Oktober 2020 (SEM-act. 1074395-
17/2) geltend machen, der Umstand, dass er habe wissen wollen, woher
die Dolmetscherin stamme respektive ob sie aus dem Südsudan stamme
und welcher Bevölkerungsgruppe sie angehöre, zeige sein überaus gros-
ses Misstrauen, welches auf die Erlebnisse in seinem Heimatland wie auch
auf die Reise in die Schweiz zurückzuführen sei.
Ihm gehe es psychisch nicht gut. Er sei sehr lange unterwegs gewesen,
insbesondere in E._ (i.c. C._). Dort habe es viele sehr
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schlimme Situationen gegeben, die ihn geprägt hätten. Darüber im Detail
zu berichten, sei ihm nicht möglich gewesen. Nach zwei Tagen Meeres-
überfahrt in einem kleinen Boot hätten die Flüchtlinge die maltesische
Küste ansteuern müssen. Die maltesischen Behörden hätten alle Bootsin-
sassen in äusserst engen, gefängnisähnlichen Räumen festgehalten, dies
während sieben Monaten. Es habe keine Möglichkeit gegeben, diesen Ort
zu verlassen. Einmal sei die Polizei gekommen und habe die Insassen ver-
prügelt. Erst nach diesen sieben Monaten sei der Beschwerdeführer in ein
offenes Camp verlegt worden. Auch dort sei ihm jedoch nicht geholfen wor-
den. Er habe von den maltesischen Behörden keinerlei Unterstützung er-
halten.
Aufgrund dieser traumatischen Erlebnisse werde eine psychologische Ab-
klärung und Betreuung beantragt. Der Rechtsvertreter habe ihn angewie-
sen, sich aktiv an die Pflege zu wenden. Es sei offensichtlich, dass er in
diesem Punkt Unterstützung benötige.
Wegen des in Malta Erlebten sei eine Rückkehr dorthin unvorstellbar. Aus
rechtlicher Sicht müsse eine Wegweisung als unzumutbar bezeichnet wer-
den. Die Umstände für Neuankömmlinge sowie Dublin-Rückkehrer seien
in Malta katastrophal. Der Beschwerdeführer müsse davon ausgehen,
dass er infolge seiner illegalen Ausreise vor Gericht gestellt und verurteilt
werde (Busse oder Freiheitsstrafe bis zwei Jahre; vgl. AIDA-Bericht vom
Februar 2018, Kapitel 2.7). Aufgrund seines psychischen Zustands handle
es sich bei ihm um eine vulnerable Person. Die maltesischen Behörden
hätten weder den Willen noch die Mittel, ihm aus seinem traumatischen
Zustand herauszuhelfen.
Aufgrund seiner Vulnerabilität werde der Antrag auf Selbsteintritt der
Schweiz und Durchführung eines nationalen Verfahrens gestellt.
E.
Gestützt auf die Eurodac-Treffer ersuchte die Vorinstanz die maltesischen
Behörden am 20. Oktober 2020 um Übernahme des Beschwerdeführers
im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom 29.6.2013 (nachfolgend: Dub-
lin-III-VO).
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Die maltesischen Behörden stimmten diesem Ersuchen am 26. Oktober
2020 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO zu.
F.
Mit Verfügung vom 27. November 2020 – eröffnet am 30. November 2020
(Empfangsbestätigung [SEM-act. 1074395-26/1]) – trat das SEM in An-
wendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers vom 7. September 2020 nicht ein, verfügte die Wegwei-
sung nach Malta, forderte den Beschwerdeführer – unter Androhung von
Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf
der Beschwerdefrist zu verlassen, beauftragte den Kanton F._ mit
dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Beschwerdeführer die editi-
onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, eine all-
fällige Beschwerde gegen die Verfügung habe keine aufschiebende Wir-
kung.
G.
Mit Eingabe vom 7. Dezember 2020 liess der Beschwerdeführer gegen den
vorinstanzlichen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
(Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1) erheben und bean-
tragen, es sei die Verfügung des SEM vom 27. November 2020 vollum-
fänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch
einzutreten. Eventualiter sie die Verfügung des SEM vom 27. November
2020 zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Es sei im Sinne einer superprovisorischen Massnahme der
vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die
Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Malta
abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über den Suspensiveffekt
der eingereichten Beschwerde entschieden habe. Es sei die unentgeltliche
Prozessführung zu gewähren und insbesondere von der Erhebung eines
Kostenvorschusses abzusehen.
Ausserdem wurde um Beizug der Verfahrensakten der Vorinstanz ersucht.
Auf die Begründung der Beschwerde wird – soweit entscheidrelevant – in
den Erwägungen eingegangen.
H.
Der zuständige Instruktionsrichter setzte am 8. Dezember 2020 gestützt
auf Art. 56 VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.
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Seite 5
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
8. Dezember 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 und
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
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2.3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorlie-
gend handelt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche,
weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
3.
3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 26. August 2019 in
Malta aufgegriffen worden war und dort am 6. November 2019 ein Asylge-
such gestellt hatte. Das SEM ersuchte deshalb die maltesischen Behörden
am 20. Oktober 2020 um Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne
von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die maltesischen Behörden hiessen
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das Ersuchen am 26. Oktober 2020 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dub-
lin-III-VO gut. Vor diesem Hintergrund ist die Zuständigkeit Maltas zur
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gegeben.
3.3. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-
gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat
als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als
zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-
losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er
nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung
zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte
Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-
ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert und
das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani-
tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO
ein anderer Staat zuständig wäre.
4.
4.1. In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, zum einen
habe die Vorinstanz ihre Untersuchungspflicht verletzt, weil der entscheid-
relevante Sachverhalt im Hinblick auf den medizinischen Sachverhalt so-
wie die offenkundigen "Mängel" im maltesischen Asylverfahren nicht aus-
reichend erstellt respektive nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden seien.
Zum anderen werde in diesem Zusammenhang auch beanstandet, dass
im Rahmen des Übernahmeersuchens die maltesischen Behörden mit kei-
nem Wort auf den aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
aufmerksam gemacht worden seien, was zur Folge gehabt habe, dass die
Schweizer Behörden keine individuelle Garantie von den maltesischen Be-
hörden erhalten hätten, wonach für eine bedarfsgerechte Unterbringung
gesorgt und die medizinische Versorgung des Beschwerdeführers gewähr-
leistet sei. Weiter sei das SEM der Pflicht zur Ermessensausübung nicht
nachgekommen beziehungsweise habe nicht in nachvollziehbarer Weise
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geprüft, weshalb auf einen Selbsteintritt verzichtet worden sei. Schliesslich
würde eine Überstellung des Beschwerdeführers nach Malta im Hinblick
auf seine gesundheitliche Verfassung eine tatsächliche Gefahr (real risk)
einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich bringen.
In der angefochtenen Verfügung werde der medizinische Sachverhalt pau-
schal abgehandelt und nicht gewürdigt. Die Vorinstanz führe mit textbau-
steinartigen Formulierungen aus, Malta verfüge über eine ausreichende
medizinische Infrastruktur, welche der Beschwerdeführer auch beanspru-
chen könne. Mit dieser Begründung werde sie seiner individuellen Situation
nicht gerecht. Er sei psychisch stark angeschlagen. Die Rechtsvertretung
habe die Vorinstanz unverzüglich nach dem mit ihm geführten Erstge-
spräch über seinen psychischen Gesundheitszustand informiert und am
8. sowie 16. Oktober 2020 um medizinische und psychologische Abklärung
ersucht. Der Beschwerdeführer habe der Rechtsvertretung gegenüber be-
richtet, dass er vor allem aufgrund des in C._ Erlebten nicht mehr
durchschlafen könne, weil er immer wieder von verstörenden Albträumen
geweckt werde. Der Anspannungszustand führe schliesslich zu einem
deutlich erhöhten Puls und Atembeschwerden. Das Trauma führe ihn so-
wohl körperlich als auch geistig in einen Zustand, aus dem er sich ohne
professionelle Hilfe und medikamentöse Behandlung offensichtlich nicht
mehr selbst lösen könne.
Der Beschwerdeführer habe sich aufgrund seines stark misstrauischen
und geistig belasteten Zustands nur einmal bei der Pflege gemeldet. Im
Rahmen der Besprechung des Nichteintretensentscheides habe er erklärt,
den Pflegepersonen nicht zu vertrauen. Sein Misstrauen gegenüber den
"Behörden" habe sich erstmals im Dublin-Gespräch vom 9. Oktober 2020
deutlich bemerkbar gemacht, als dieses habe abgebrochen werden müs-
sen, weil er die Dolmetscherin abgelehnt habe.
Gemäss dem aktuellen AIDA-Bericht hätten viele Asylsuchende, welche
gestützt auf die Dublin-III-VO überstellt würden, nach ihrer Rückkehr nach
Malta Schwierigkeiten beim Zugang zum Verfahren (vgl. AIDA-Bericht,
Malta, aktualisiert im April 2020). Darüber hinaus liefen Personen, die irre-
gulär aus Malta ausreisen würden, Gefahr, nach ihrer Überstellung nach
Malta auf der Grundlage des maltesischen Einwanderungsgesetzes straf-
rechtlich angeklagt zu werden. Bei der Rückkehr würde die Person verhaf-
tet und vor das Amtsgericht gebracht. Auch das Global Detention Project
habe in seinem Bericht vom Juni 2019 die maltesische Politik in Bezug auf
die summarischen Inhaftierungen und Inhaftierungen ohne besondere zeit-
liche Begrenzungen kritisiert.
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Der Beschwerdeführer habe wiederholt geäussert, dass er bei einer Rück-
kehr nach Malta wieder inhaftiert werde, weil er das Land illegal verlassen
habe. Von Menschenrechten könne dort keine Rede sein. Es könne ihm
nicht vorgehalten werden, dass er sich in der Schweiz zu wenig aktiv um
ärztliche Hilfe gekümmert habe. Denn es sei notorisch, dass es gerade
traumatisierten Menschen schwerfalle, Vertrauen aufzubauen und Hilfe zu-
zulassen. Es wäre an der Vorinstanz gewesen, diesbezüglich Abklärungen
zu treffen. Stattdessen habe sie, ohne entsprechende Informationen an die
maltesischen Behörden weiterzugeben, die Wegweisung verfügt. Sie habe
dadurch ihre Informationspflicht gestützt auf Art. 24 Abs. 5 Dublin-III-VO
verletzt, weshalb davon auszugehen sei, dass noch gar kein rechtsgenüg-
liches Übernahmeersuchen an Malta gestellt worden sei. Schon aus for-
mellen Gründen müsse daher die Verfügung aufgehoben werden. Sofern
nicht ohnehin ein Selbsteintritt der Schweiz angezeigt sei, könnte eine
Überstellung nach Malta nur dann erfolgen, wenn sichergestellt werde,
dass die dortige Unterbringung den besonderen Bedürfnissen des Be-
schwerdeführers gerecht werde. Da dies im Moment nicht der Fall sei,
müsse die Schweiz auf sein Asylgesuch eintreten. Sollte das Gericht zu
einem anderen Schluss kommen, hätte die Vorinstanz zumindest die not-
wendigen gesundheitlichen Abklärungen zu tätigen und von den maltesi-
schen Behörden unter Hinweis auf den Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers die notwendigen Zusicherungen hinsichtlich Betreuung
usw. einzuholen.
Abschliessend sei noch zu bemängeln, dass die Überstellungsfrist nach
Malta bis zum 26. April 2022 verlängert worden sei, weil der Beschwerde-
führer einige Tage untergetaucht sein solle. Er halte fest, dass er zwar zu
spät ins Camp gekommen sei, jedoch immer dort übernachtet habe. Es sei
daher nicht nachvollziehbar, weshalb er als untergetaucht gegolten habe.
Entsprechend wäre für die Überstellungsfrist – sofern die Überstellung
überhaupt zulässig sei – die reguläre Frist (bis 26. April 2021) anzusetzen.
4.2. Mit seinen Vorbringen fordert der Beschwerdeführer die Anwendung
von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1. Es ist
daher nachfolgend im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob
wesentliche Gründe für die Annahme bestehen, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Malta würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung des Beschwerdeführers im Sinn des Ar-
tikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden (E. 5) und ob
nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben
ist (E. 6).
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Seite 10
5.
5.1. Malta ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dass Malta die
Rechte anerkennt und schützt, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
5.2. Der Beschwerdeführer äussert in seiner Beschwerde Kritik am malte-
sischen Asylsystem und befürchtet, bei einer Überstellung nach Malta in-
haftiert zu werden. Das Bundesverwaltungsgericht geht trotz dieser Kritik
gemäss seiner konstanten Rechtsprechung davon aus, dass es keine
Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-
gungen für Antragsteller in Malta würden systemische Schwachstellen im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen, die eine
Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung nach Arti-
kel 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen (vgl. BVGE 2012/27
E. 7.4 sowie statt vieler Urteile des BVGer F-869/2020 vom 24. Februar
2020; F-4505/2019 vom 11. September 2019; E-3503/2018 vom 21. Juni
2018; F-1925/2018 vom 11. April 2018 und F-1669/2018 vom 26. März
2018). Die vom Beschwerdeführer in genereller Weise dargelegte Kritik an
Maltas Asylsystem vermag daran nichts zu ändern. Dasselbe gilt auch für
seine Befürchtung, nach einer Rückkehr nach Malta in Haft genommen zu
werden. In diesem Zusammenhang kann auf die ausführlichen Erwägun-
gen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. BVGer-act. 1,
Beilage 2, S. 3-4).
5.3. Unter den genannten Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2
Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
6.
6.1. Der Beschwerdeführer hat – schon angesichts der konkreten Über-
nahme-Zusicherung Maltas – kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-
tan, die maltesischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen
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Seite 11
und in der Folge seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung
der Regeln der erwähnten Richtlinien zu prüfen. Den Akten sind auch keine
Gründe für die Annahme zu entnehmen, Malta werde in seinem Fall den
Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein
Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen
würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Vor dem
Hintergrund, dass die maltesischen Behörden einer Übernahme des Be-
schwerdeführers zugestimmt haben und die Zuständigkeit Maltas für die
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens feststeht, ist insbe-
sondere nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer von Malta
illegal abgeschoben würde. Im Weiteren ist auch nicht davon auszugehen,
die maltesischen Behörden würden ihn in seine Heimat zurückschaffen,
ohne zuvor seine Asylgründe geprüft zu haben und das Non-Refoulement-
Gebot einzuhalten. Der Beschwerdeführer hat ausserdem nicht dargetan,
die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Malta seien
derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Artikel 4 der EU-Grund-
rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Er hat auch
nicht konkret dargelegt, Malta würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Auf-
nahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten.
Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung steht es ihm offen,
sich an die zuständigen maltesischen Behörden zu wenden und die ihm
zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einzufordern
(vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Es sind keine konkreten Anhaltspunkte
dafür ersichtlich, der Beschwerdeführer geriete im Falle einer Wegweisung
nach Malta wegen der dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzi-
elle Notlage. Er hat die Möglichkeit, bei allfälligen Schwierigkeiten die dafür
zuständigen Behörden beziehungsweise die vor Ort tätigen karitativen Or-
ganisationen zu kontaktieren. Zudem steht es ihm offen, sich bei allfälligen
Problemen bei der Unterbringung oder beim Zugang zum Asylverfahren an
die zuständigen maltesischen Justizbehörden zu wenden.
6.2.
6.2.1. Der Beschwerdeführer beruft sich schliesslich auf seinen Gesund-
heitszustand, der einer Überstellung entgegenstehe. Diesbezüglich wird
geltend gemacht, er sei psychisch stark angeschlagen und leide an Durch-
schlafstörungen und Angstzuständen. Der Anspannungszustand führe zu
erhöhtem Puls und Atembeschwerden.
Vor dem Hintergrund, dass sich der Beschwerdeführer gemäss den Aus-
führungen in der Rechtsmitteleingabe einmal bei der Pflege gemeldet hat,
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Seite 12
hätte von ihm – entgegen anderslautender Einschätzung – erwartet wer-
den dürfen, das Pflegefachpersonal erneut zu kontaktieren beziehungs-
weise sich selbstständig um psychologische Unterstützung zu bemühen.
Dies umso mehr, als er vom Rechtsvertreter angewiesen wurde, sich aktiv
an die Pflege zu wenden (vgl. SEM-act. 1074395-17/2). Aus dem Umstand,
wonach der Beschwerdeführer erklärt hat, den Pflegepersonen nicht zu
vertrauen, vermag er nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, zumal keine
Anhaltspunkte für berechtigte Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des im
(...) tätigen Pflegefachpersonals bestehen. Dass das SEM auf medizini-
sche Abklärungen verzichtet hat, ist bei dieser Sachlage nicht zu beanstan-
den.
6.2.2. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3
EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene
Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium
und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-
ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-
ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-
tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch
die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im
Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-
schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-
lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer,
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
6.2.3. Eine solche Situation ist vorliegend aufgrund der geschilderten ge-
sundheitlichen Beeinträchtigungen nicht gegeben. Der Beschwerdeführer
konnte nicht nachweisen, dass eine Überstellung seine Gesundheit ernst-
haft gefährden würde. Sein Gesundheitszustand vermag eine Unzulässig-
keit im Sinne der erwähnten restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfer-
tigen. Die medizinischen Probleme sind auch nicht von einer derartigen
Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgese-
hen werden müsste. Vor diesem Hintergrund gilt der Beschwerdeführer
nicht als vulnerable Person, weshalb es sich – entgegen seiner Auffassung
– erübrigt, von den maltesischen Behörden Zusicherungen hinsichtlich Un-
terbringung und medizinischer Versorgung einzuholen.
Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche
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Seite 13
medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbe-
dingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychi-
schen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnah-
merichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erfor-
derliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer
geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Auf-
nahmerichtlinie). Es ist allgemein bekannt, dass Malta über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur verfügt, weshalb sich der Beschwerde-
führer im Bedarfsfall an das dafür zuständige medizinische Fachpersonal
wenden kann.
Es liegen keine Hinweise vor, wonach Malta seinen Verpflichtungen im
Rahmen der Dublin-III-VO in medizinischer Hinsicht nicht nachkommen
würde. Für das weitere Dublin-Verfahren ist einzig die Reisefähigkeit aus-
schlaggebend, welche erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt wird.
Eine allenfalls fehlende Reisefähigkeit stellt lediglich ein temporäres Voll-
zugshindernis dar. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die mit der
Überstellung beauftragten Behörden die besonderen Bedürfnisse des Be-
schwerdeführers – einschliesslich die der notwendigen medizinischen Ver-
sorgung, auch in Bezug auf die Corona-Problematik – berücksichtigen wür-
den, sollte dies erforderlich sein (vgl. Art. 31 Abs. 2 Dublin-III-VO). Ebenso
hat die Vorinstanz dem aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerde-
führers bei der Organisation der Überstellung nach Malta Rechnung zu tra-
gen, indem sie die maltesischen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32
Dublin-III-VO vorgängig über den Gesundheitszustand und die notwendige
medizinische Behandlung zu informieren hat. Die maltesischen Behörden
werden damit in der Lage sein, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen.
Unter diesen Umständen vermag der Beschwerdeführer aus seinem Vor-
wurf, das SEM habe seine Wegweisung verfügt, ohne die maltesischen
Behörden im Übernahmeersuchen über seinen Gesundheitszustand zu in-
formieren, nichts für sich abzuleiten.
6.3. Nach dem Gesagten besteht kein konkretes und ernsthaftes Risiko,
dass die Überstellung des Beschwerdeführers nach Malta gegen Art. 3
EMRK oder andere völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz oder Lan-
desrecht verstossen würde.
6.4. Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, in Würdigung
der Akten und der vom Beschwerdeführer geäusserten Umstände bestün-
den keine Gründe, die die Schweiz veranlassen würden, die Souveräni-
tätsklausel anzuwenden. Es hat diesen Umständen in der Verfügung Rech-
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nung getragen und sich insbesondere auch mit der gesundheitlichen Situ-
ation des Beschwerdeführers hinreichend auseinandergesetzt (vgl. a.a.O.,
S. 4). Vor diesem Hintergrund läuft der Vorhalt, wonach der medizinische
Sachverhalt pauschal abgehandelt und nicht gewürdigt worden sei, ins
Leere. Da die Vorinstanz auf medizinische Abklärungen verzichten durfte
(vgl. E. 6.2.1), erweist sich die Rüge der nicht ausreichenden respektive
nicht rechtsgenüglichen Sachverhaltsermittlung als unbegründet. Der
Eventualantrag, die angefochtene Verfügung sei zur rechtsgenüglichen
Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist folglich ab-
zuweisen.
6.5. Mit seiner Rechtsmittelbegründung kann der Beschwerdeführer insge-
samt nicht das gewünschte Verfahrensziel – die Behandlung seines Asyl-
gesuchs in der Schweiz – erreichen, zumal die Dublin-III-VO den Schutz-
suchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selbst
auszuwählen. Es sind ebenso keine Gründe ersichtlich, welche die Vor-
instanz zu einem Selbsteintritt gemäss Art. 17 Dublin-III-VO beziehungs-
weise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 hätten verpflichten können. Malta bleibt der
für die Behandlung seines Asylgesuchs zuständige Mitgliedstaat gemäss
Dublin-III-VO.
7.
Die Vorinstanz ist angesichts der vorstehenden Erwägungen zu Recht und
ohne Ermessensfehler auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht
eingetreten und hat seine Wegweisung verfügt (vgl. Art. 31a Abs. 1 Bst. b
und Art. 44 AsylG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
8.
Mit dem vorliegenden Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Ertei-
lung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
Der am 8. Dezember 2020 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegen-
dem Urteil dahin und die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer eine neue
Frist zur Ausreise anzusetzen.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerde-
führer seit dem 25. Oktober 2020 aus dem (...) verschwunden war und am
29. Oktober 2020 wiederauftauchte (vgl. SEM-act. 1074395-20/1 und
1074395-23/1). Eine Verlängerung der Überstellungsfrist in Anwendung
von Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO ist bei dieser Sachlage – entgegen seiner
Ansicht – nicht zu beanstanden.
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9.
9.1. Die Begehren waren – wie sich aus den oben stehenden Erwägungen
ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen, weshalb das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG un-
besehen der geltend gemachten Bedürftigkeit abzuweisen ist.
9.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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