Decision ID: 03f2320d-5e49-40af-ba23-06d5602e6869
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. Der 1946 geborene X._ arbeitete ab dem 25. Oktober 1989 bei der Y._ AG als ”IT-Verantwortlicher/Allrounder in der Verwaltungsabteilung Büro“ in einem Pensum von 100 %. Die Arbeitgeberin reduzierte mit Änderungskündigung vom 25. November 2005 das Pensum von X._ per 1. März 2006 auf 50 % (Arbeitgeberbescheinigung, Urk. 6/48). Am 7. Dezember 2005 meldete sich X._ beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an (Anmeldebestätigung vom 7. Dezember 2005, Urk. 6/44) und beantragte ab 1. März 2006 Arbeitslosenentschädigung (Antrag vom 17. Dezember 2005, Urk. 6/42). Die Arbeitslosenkasse Z._ eröffnete die Rahmenfrist für den Leistungsbezug per 1. März 2006 und richtete X._ Taggelder aus (Urk. 6/36 und Abrechnungen der Arbeitslosenkasse Z._, Urk. 6/22). Mit Wirkung ab 1. März 2008 eröffnete die Arbeitslosenkasse Z._ eine neue Rahmenfrist (AVAM-Daten, Urk. 6/36, und Abrechnungen über den Leistungsbezug, Urk. 6/22). Mit Verfügung vom 22. Februar 2011 (Urk. 6/4) bzw. Einspracheentscheid vom 25. Mai 2011 (Urk. 6/8) forderte die Arbeitslosenkasse Z._ von X._ Taggelder in der Höhe von Fr. 83‘902.-- zurück, da er seine Zwischenverdienste nicht deklariert habe. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 7. Juli 2011 wurde X._ wegen des mehrfachen Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) im Sinne von Art. 105 Abs. 1 mit einer Geldstrafe von 60 Tagesätzen zu je Fr. 70.-- bei einer Probezeit von zwei Jahren und einer Busse von Fr. 1‘100.-- bestraft (Urk. 6/14). Mit Verfügung vom 3. August 2011 verneinte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) einen Erlass der Rückforderung des Betrags von Fr. 81‘645.10 (Urk. 6/9). Die von X._ am 31. August 2011 erhobene Einsprache (Urk. 6/10) wies das AWA mit Entscheid vom 8. September 2011 ab (Urk. 2).
2. Hiergegen erhob X._ am 6. Oktober 2011 Beschwerde und beantragte, es sei ihm die Rückforderung zu erlassen (Urk. 1). Der Beschwerdegegner ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 15. November 2011 um Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer am 21. November 2011 mitgeteilt wurde (Urk. 7).
3. Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Strittig und zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer die Rückforderung der Arbeitslosenkasse Z._ in der Höhe von Fr. 81‘645.10 zu erlassen ist. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist, ob die Rückforderung zu Recht erfolgt ist.
1.2 Der Beschwerdegegner führt zur Begründung der Abweisung des Erlassgesuchs an, aus den vorliegenden Arbeitgeberbescheinigungen und Lohnjournalen gehe hervor, dass der Beschwerdeführer unter anderem ab 1. März 2006 bei der A._ AG, ab 9. Mai 2006 bei der B._ AG sowie vom 1. Oktober 2007 bis 16. Juli 2008 bei der C._ gearbeitet habe. Im Weiteren sei der Beschwerdeführer von März 2006 bis September 2007 für die Y._ AG sowie von Mai 2009 bis Dezember 2009 für die D._ GmbH tätig gewesen. Bei Anwendung des Mindestmasses an Sorgfalt hätte dem Beschwerdeführer bewusst sein müssen, dass er selber und unaufgefordert der Arbeitslosenkasse sämtliche Umstände, die seinen Leistungsanspruch tangieren könnten, umgehend bekanntzugeben habe. Dies habe er jedoch teilweise unterlassen. So habe er die Frage Nr. 1 auf den Formularen „Angaben der versicherten Person“ von März 2006 bis Dezember 2009: „Haben Sie in diesem Monat bei einem oder mehreren Arbeitgebern gearbeitet?“ jeweils verneint respektive lediglich die bei der Y._ AG und bei D._ GmbH ausgeübten Tätigkeiten angegeben. Nachdem der Beschwerdeführer die bei der Y._ AG sowie der D._ GmbH ausgeübten Zwischenverdienste gegenüber der zuständigen Arbeitslosenkasse ordnungsgemäss deklariert gehabt habe, habe ihm bewusst sein müssen, dass er sämtliche Tätigkeiten anzugeben habe. Er könne daher nicht mit Erfolg geltend machen, der RAV-Berater habe ihn informiert, allfällige Tätigkeiten (Nebenverdienste) nicht angeben zu müssen. Er habe daher beim Bezug der zu viel ausbezahlten Taggeldleistungen nicht gutgläubig sein können (Urk. 2).
1.3 Der Beschwerdeführer bringt hiergegen im Wesentlichen vor, er sei momentan arbeitslos, das heisse, es laufe ein Verfahren gegen den letzten Arbeitgeber. Er habe noch Löhne bis September 2011 zu Gute. Im Weiteren werde er ab 23. November 2011 pensioniert sein. Ihm sei vom zuständigen RAV-Berater gesagt worden, er müsse seinen Nebenverdienst nicht deklarieren. Ab Dezember 2011 habe er eine Einzelrente und eine kleine BVG-Rente. Dieses Einkommen brauche er zum Leben. Ersparnisse habe er nicht. Somit sei er nicht in der Lage, den geforderten Betrag zurückzuzahlen (Urk. 1, Urk. 6/5).
2. Nach Art. 95 Abs. 1 AVIG richtet sich die Rückforderung mit Ausnahme der Fälle von Art. 55 AVIG nach Art. 25 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG). Gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
Guter Glaube liegt nicht schon bei Unkenntnis des Rechtsmangels (Unrechtmässigkeit des Leistungsbezuges) vor. Vielmehr darf sich der Bezüger unrechtmässiger Leistungen nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Der gute Glaube entfällt somit, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf ein arglistiges oder grobfahrlässiges Verhalten zurückzuführen ist (Kreisschreiben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) über Rückforderung, Verrechnung, Erlass und Inkasso vom April 2008, Rz C2).
3. Der Beschwerdeführer wurde auf dem monatlich auszufüllenden Formular „Angaben der versicherten Person“ jeweils gefragt: „Haben Sie in diesem Monat bei einem oder mehrerer Arbeitgeber gearbeitet?“. Der Beschwerdeführer deklarierte dabei nicht sämtliche Erwerbstätigkeiten, namentlich die Tätigkeit bei der A._ AG (Arbeitgeberbescheinigung vom 29. Oktober, Urk. 6/45), bei der B._ AG (Arbeitgeberbescheinigung vom 29. Oktober 2010, Urk. 6/46) und bei der C._ (Arbeitgeberbescheinigung vom 15. November 2010, Urk. 6/47) gab er der Arbeitslosenkasse nicht bekannt (Urk. 6/15; vgl. auch IK-Auszug vom 19. Oktober 2010, Urk. 6/19). Der Beschwerdeführer hätte sich jedoch im Klaren sein müssen, dass er sämtliche Arbeitstätigkeiten zu deklarieren hat und dass der Umfang der Arbeitstätigkeit bzw. seines Verdienstes Einfluss auf seine Taggeldleistungen hat. So enthält das Formular „Angaben der versicherten Person“ den Hinweis: „Ende Monat muss dieses Formular, zusammen mit allen weiteren Unterlagen, vollständig ausgefüllt der Arbeitslosenkasse zugestellt werden. Falls auch nur eine Frage nicht beantwortet wurde oder eine Beilage fehlt, kann die Kasse keine Auszahlung vornehmen. Der Anspruch erlischt, wenn er nicht innert drei Monaten nach dem Ende der Kontrollperiode, auf die er sich bezieht, geltend gemacht wird. Alle Versicherten werden darauf aufmerksam gemacht, dass das unwahre oder nur teilweise Ausfüllen dieses Formulars administrative und/oder strafrechtliche Sanktionen auslösen kann. Mit der Unterschrift anerkennt die versicherte Person ihre Verpflichtung, an arbeitsmarktlichen Massnahmen teilnehmen zu müssen“. Dem Beschwerdeführer musste aber auch aufgrund der monatlichen Abrechnungen der Arbeitslosenkasse Z._ bewusst sein, dass der erzielte Zwischenverdienst für die Höhe der Arbeitslosenentschädigung massgebend ist. So berücksichtigte die Arbeitslosenkasse Z._ jeweils den vom Beschwerdeführer korrekt deklarierten Zwischenverdienst bei der Y._ AG und bei der D._ GmbH (Urk. 6/22). Anhaltspunkte dafür, dass dem Beschwerdeführer vom zuständigen RAV-Berater gesagt worden sein soll, er müsse seinen Verdienst nicht deklarieren, bestehen nicht (Urk. 6/41). Vielmehr steht eine solche Auskunft im Widerspruch zum Verhalten des Beschwerdeführers, hat er einen Teil seiner Arbeitstätigkeiten doch deklariert.
4. Nach dem Gesagten konnte der Beschwerdeführer beim Bezug der zu viel ausgerichteten Taggelder nicht gutgläubig sein, weshalb das Erlassgesuch ohne Weiteres abzuweisen ist. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich zu prüfen, ob die Rückerstattung für den Beschwerdeführer eine grosse Härte bedeuten würde. Die Beschwerde ist dementsprechend als unbegründet abzuweisen.