Decision ID: a03c4ea4-875f-51f8-bdd0-fca31ba6963e
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Am 19. Juni 2018 erhielt die Ausgleichskasse der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen eine Steuermeldung betreffend A._. Darin meldete das Steueramt
D._, A._ habe im Jahr 2014 ein Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit in
Höhe von Fr. 94'000.-- erzielt (act. G 3.1/1). Auf entsprechende Aufforderung durch die
Ausgleichskasse liess der Versicherte durch seinen damaligen Rechtsvertreter
ausführen, die Meldung des Steueramtes beziehe sich auf zwei Maklerprovisionen, die
er in der entsprechenden Steuerperiode von einer professionellen Immobilienmaklerin
erhalten habe. Er habe zufällig erfahren, dass im Kanton B._ drei grosse Projekte
zum Verkauf ständen und habe der Maklerin, die er aus seiner früheren Tätigkeit als
Generalagent der Versicherung C._ kenne, den entscheidenden Hinweis für einen
potentiellen institutionellen Käufer gegeben. Er habe weder vorher noch nachher
Immobilien vermittelt und bemühe sich auch nicht aktiv um solche Geschäfte. Es
handle sich somit nicht um eine selbstständige Erwerbstätigkeit (act. G 3.1/7).
A.a.
Mit Verfügung vom 11. März 2019 setzte die Ausgleichskasse das
beitragspflichtige Einkommen auf Fr. 85'400.-- und die zu zahlenden Beiträge auf total
Fr. 9'474.05 (inkl. FAK und Verwaltungskosten) fest. Dabei berücksichtigte sie - nebst
A.b.
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dem Freibetrag für Personen im AHV-Alter - aufzurechnende persönliche Beiträge von
Fr. 8'292.80 (act. G 3.1/1.4). Gleichentags forderte sie für den Zeitraum vom 1. Januar
2015 bis zum 11. März 2019 Verzugszinsen von Fr. 1'988.25 (act. G 3.1/11).
Mit Einsprache vom 11. April 2019 machte der Versicherte im Wesentlichen
geltend, es liege keine selbstständige Erwerbstätigkeit vor. Ausserdem beantragte er,
dass keine Aufrechnung der persönlichen Beiträge erfolgen, dafür aber eine
Gewinnungskostenpauschale von 20 % berücksichtigt werden solle. Die einmalige
Vermittlung von Immobilien als zufällig sich ergebende Gelegenheit erfülle die
Voraussetzungen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit weder für die steuerliche noch
für die AHV-rechtliche Beurteilung. Es liege vorliegend weder ein Betrieb noch ein freier
Beruf oder eine andere selbstständige Erwerbstätigkeit vor. Somit fehle eine rechtliche
Grundlage für die Erhebung von Beiträgen (act. G 3.1/16).
A.c.
Nach entsprechenden Abklärungen bei der Steuerbehörde erliess die
Ausgleichskasse am 24. Juni 2019 eine neue Beitragsverfügung mit welcher sie jene
vom 11. März 2019 ersetzte (act. G 3.1/34). Da sie keine persönlichen Beiträge mehr
aufrechnete, ging sie nunmehr von einem massgebenden Einkommen von Fr. 77'200.--
aus und setzte die Beiträge auf Fr. 8'582.90 fest (inkl. FAK und Verwaltungskosten). Die
Verzugszinsen beliess sie gemäss Schlussrechnung vom 24. Juni 2019 allerdings
unverändert (act. G 3.1/33).
A.d.
Mit zwei Erklärungen vom 16. September 2019 sowie anlässlich einer mündlichen
Einspracheverhandlung vom 19. September 2019 führte der Einsprecher aus, er habe
die Immobilienvermittlerin anlässlich einer Pferdesportveranstaltung durch einen
Freund kennengelernt. Sie habe Interesse an einer nebenamtlichen Vermittlertätigkeit
(für seine Arbeitgeberin, die Versicherung C._) gezeigt, woraufhin er sie an den
damaligen Generalagenten der Generalagentur D._ verwiesen habe. Da es zu einer
Vereinbarung gekommen sei, habe sie sich später bei ihm telefonisch bedankt und
angefragt, ob er jemanden aus der Geschäftsleitung der Krankenkasse P._ in D._
kenne, was er bejaht habe. Nach ein paar Jahren erfolgreicher Geschäftstätigkeit für
die Ärztekrankenkasse im Kauf, Verkauf und im Erstvermietungsbereich - sie habe
durch seine Kontaktvermittlung Geschäftsvolumen von 50 bis 60 Millionen Franken
vermitteln können und darauf Provisionen erhalten - habe sie sich erkenntlich zeigen
A.e.
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und ihm Fr. 100'000.-- zukommen lassen wollen. Obwohl er ja weder Objekte, Projekte
noch Verkäufer, Käufer oder weitere Details gekannt habe und mit niemandem eine
Verhandlung geführt habe, habe sie ihm schliesslich Fr. 94'000.-- überwiesen. Es habe
aber mit dieser Immobilienvermittlerin nie eine arbeitsvertragliche Vereinbarung oder
eine andere konkrete Zusammenarbeit bestanden. Später sei er vom Generalagenten
der E._ Versicherung in D._ kontaktiert worden. Dieser habe ihn darum gebeten,
bei der Immobilienabteilung der Versicherung C._ anzufragen, ob sie an einem
Immobilienprojekt über total 26,3 Millionen Franken interessiert sei. Er habe ein
Exemplar des Dossiers an ein Direktionsmitglied der Versicherung C._ übergeben,
das für PK-Grosskunden und BVG-Spezialisten zuständig gewesen sei. Nach zwei
Monaten ohne Nachricht habe er ein weiteres Exemplar des Dossiers an die
vorerwähnte Immobilienmaklerin, die ebenfalls für die Generalagentur D._ der
Versicherung C._ tätig gewesen sei und für zwei institutionelle Kunden grössere
Mehrfamilienhausprojekte gesucht habe, übergeben. Nach einem weiteren Monat sei er
vom Leiter der Liegenschaftenverwaltung der Versicherung C._ gebeten worden,
umgehend mit der Generalunternehmung einen Besprechungstermin in D._ zu
vereinbaren. Das Treffen dieser beiden hätte dann in seinem und im Beisein des
Direktionsmitglieds stattgefunden. In der Folge sei zwischen der Versicherung C._
und der Generalunternehmung ein Vertrag geschlossen worden, obwohl mittlerweile
auch die Immobilienmaklerin einen Käufer präsentiert habe, der bereit gewesen wäre,
mehr zu bezahlen. Bei einem Verkauf durch die Immobilienmaklerin habe dann die
Generalunternehmung eine Provision von 1,5 % abzüglich Mehrwertsteuer offeriert.
Davon habe er (der Einsprecher) Fr. 72'000.-- erhalten (act. G 3.1/43.1 f. und 51.2).
Mit Entscheid vom 1. April 2020 wies die SVA die Einsprache ab. Sie begründete
ihren Entscheid im Wesentlichen damit, der Einsprecher und die Immobilienmaklerin
hätten wohl einen mündlichen Mäklervertrag im Sinn von Art. 412 Abs. 1 OR
abgeschlossen. Dabei habe der Einsprecher der professionellen Maklerin, die er aus
seiner früheren beruflichen Tätigkeit gekannt habe, von sich aus den entscheidenden
Hinweis für einen potentiellen institutionellen Käufer gegeben. Diese Tätigkeit sei
entgeltlich erfolgt und werde üblicherweise im Rahmen einer selbstständigen
Erwerbstätigkeit ausgeführt. Sie sei damit klar auf die Erzielung eines Einkommens
gerichtet. Er habe wissen müssen, dass die Maklerin dank seinem Zutun
A.f.
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B.
möglicherweise ein Geschäft abschliessen könne und dass dieses entgeltlich sei.
Zudem sprächen die Häufigkeit (insgesamt vier Objekte, davon drei im Jahr 2014 und
eines im Jahr 2015), der Umfang von 26,3 Millionen Franken sowie der Verkauf an eine
Versicherungsgesellschaft für eine selbstständige Erwerbstätigkeit. Unter diesen
Umständen könne auch nicht von einer Liebhaberei oder einer sich zufällig bietenden
Gelegenheit gesprochen werden. Daran ändere auch nichts, dass der Einsprecher seit
2010 pensioniert sei. Alle diese Indizien im Zusammenhang mit Immobilienverkäufen im
Jahr 2014 liessen den Schluss zu, dass es sich bei den Maklerprovisionen um
Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit handle. Schliesslich sei nicht
ersichtlich, inwiefern die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme den
Einsprecher an der Ausübung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit hindern sollten
(act. G 3.1/56).
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 19. Mai
2020 mit dem Antrag auf dessen Aufhebung. Nach Art. 9 Abs. 1 AHVG sei jedes
Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbstständiger Stellung geleistete
Arbeit darstelle, Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit. Als solches gälten
alle in selbstständiger Stellung erzielten Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-,
Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder
anderen selbstständigen Erwerbstätigkeit, einschliesslich der Kapital- und
Überführungsgewinne. Eine selbstständige Erwerbstätigkeit übe aus, wer das
Geschäftsrisiko trage und berechtigt sei, die betrieblichen Anordnungen zu treffen.
Merkmale für das Bestehen eines Unternehmerrisikos seien das Tätigen erheblicher
Investitionen, die Verlusttragung, das Tragen des Inkasso- und Delkredererisikos, die
Unkostentragung, das Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung, das
Beschaffen von Aufträgen, die Beschäftigung von Personal sowie das Vorhandensein
eigener Geschäftsräumlichkeiten. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass der
Beschwerdeführer diese Kriterien erfülle. Ebensowenig lägen Anzeichen vor, die für
eine unselbstständige Erwerbstätigkeit sprächen. Die Beschwerdegegnerin leite das
Vorhandensein einer selbstständigen Erwerbstätigkeit einzig daraus ab, dass sie von
einem mündlichen Mäklervertrag ausgehe. Dies treffe jedoch nicht zu. Ebensowenig sei
der Beschwerdeführer davon ausgegangen, dass er eine "Unterprovision" erhalten
B.a.
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Erwägungen
1.
werde. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin stelle das Zurverfügungstellen
von Unterlagen für ein mögliches Immobiliengeschäft keine selbstständige
Erwerbstätigkeit im Sinn von Art. 9 AHVG dar. Dies ergebe sich auch nicht aus dem
Umstand, dass die Maklerin auf Grund der Hinweise des Beschwerdeführers
Immobiliengeschäfte habe tätigen können (act. G 1).
Mit Eingabe vom 23. Juni 2020 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf eine
materielle Stellungnahme und beantragt unter Verweis auf den angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
Mit Replik vom 7. September 2020 bringt der Beschwerdeführer erneut vor, die
Kriterien einer selbstständigen Erwerbstätigkeit seien nicht erfüllt. Die
Beschwerdegegnerin habe sich lediglich auf die unbewiesene Annahme beschränkt, es
liege ein mündlicher Mäklervertrag im Sinn von Art. 412 ff. des Obligationenrechts (OR;
SR 220) vor. Selbst wenn dies zuträfe, müssten trotzdem die Kriterien einer
selbstständigen Erwerbstätigkeit erfüllt sein, was vorliegend nicht der Fall sei. Im
Weiteren sei die Steuermeldung für die beitragsrechtliche Qualifikation nicht relevant.
Da die Mittelzuflüsse ohnehin der Einkommensbesteuerung unterlägen, habe die Frage
der Qualifikation im Steuerveranlagungsverfahren nicht geklärt werden können. Daraus
folge, dass aus der Steuermeldung für das vorliegende Verfahren nicht abgeleitet
werden könne, es handle sich um Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit
(act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine weitere Stellungnahme (act.
G 11).
B.c.
Der angefochtene Einspracheentscheid datiert vom 1. April 2020 und ging dem
Rechtsvertreter frühestens und zugestandenermassen am Folgetag zu. Unter
Berücksichtigung von Art. 1 der Verordnung vom 20. März 2020 über den Stillstand der
Fristen in Zivil- und Verwaltungsverfahren zur Aufrechterhaltung der Justiz im
Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19 [SR 173.110.4]) ist die
Beschwerdeerhebung vom 19. Mai 2020 rechtzeitig erfolgt. Auf die Beschwerde ist
somit einzutreten.
1.1.
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2.
Die mit der fraglichen Beitragsverfügung vom 11. März 2019 gleichentags
ergangene und mit dieser zusammenhängende Verzugszinsverfügung für das Jahr
2014 wurde in der Einsprache vom 11. April 2019 nicht formell mitangefochten, jedoch
im vorliegend zu prüfenden Einspracheentscheid vom 1. April 2020 mitbehandelt (vgl.
act. G 3.1/71-8 E. 2b, die Erwähnung im Betreff fehlt allerdings) und ist deshalb auch
Gegenstand des vorliegenden Entscheides. Die im Einspracheentscheid unerwähnt
gebliebene Beitragsverfügung vom 24. Juni 2019 (act. G 3.1/34), mit welcher die
Beschwerdegegnerin die ursprüngliche Beitragsverfügung vom 11. März 2019 während
des laufenden Einspracheverfahrens ersetzt hatte und welche formell nicht ebenfalls
noch angefochten wurde, ist ebenfalls Gegenstand des Einspracheentscheides und
somit auch des vorliegenden Entscheides.
1.2.
Das Gericht kann auf die Abnahme von Beweisen verzichten, wenn es auf Grund
bereits abgenommener Beweise seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür
annehmen kann, seine Überzeugung werde durch weitere Beweiserhebungen nicht
geändert (BGE 136 I 229 E. 5.3, 134 I 140 E. 5.3, BGer 9C_785/2018 vom 10. Mai 2019
E. 5.1). Der Beschwerdeführer äusserte sich bereits im Einspracheverfahren
(Erklärungen vom 16. September 2019, act. G 3.1/43 f.; inklusive mündlicher
Einspracheverhandlung, act. G 3.1/51) ausführlich zum Sachverhalt. Auf eine erneute
Parteibefragung ist daher zu verzichten. Die zivilrechtliche Qualifikation des
Vertragsverhältnisses als Mäklervertrag ist sodann nicht entscheidrelevant (vgl. E. 3.5
nachfolgend), sodass auf eine diesbezügliche Befragung der vom Beschwerdeführer
angebotenen Zeugin F._ ebenfalls zu verzichten ist. Da der rechtserhebliche
Sachverhalt gestützt auf die bestehenden Akten hinreichend geklärt erscheint und von
den beantragten Beweismassnahmen keine zusätzlichen entscheidwesentlichen
Erkenntnisse zu erwarten sind, ist dem Antrag des Beschwerdeführers auf Zeugen-
bzw. Parteibefragung nicht stattzugeben (vgl. zur antizipierten Beweiswürdigung BGer
9C_240/2019 vom 18. Juni 2019, E. 1.2).
1.3.
Gemäss Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenver
sicherung (AHVG; SR 831.10) schulden die erwerbstätigen Versicherten Beiträge auf
dem aus einer unselbstständigen oder selbstständigen Erwerbstätigkeit fliessenden
Einkommen. Zum Erwerbseinkommen gehört, soweit keine ausdrücklichen Ausnahmen
vorgesehen sind, das im In- und Ausland erzielte Bar- oder Naturaleinkommen aus
einer Tätigkeit einschliesslich der Nebenbezüge (Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Nach Art. 9 Abs. 1 AHVG
ist Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit jedes Erwerbseinkommen, das
2.1.
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nicht Entgelt für in unselbstständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt. Als
Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gelten laut Art. 17 AHVV alle in
selbstständiger Stellung erzielten Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-,
Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf, sowie aus jeder anderen
selbstständigen Erwerbstätigkeit, einschliesslich der Kapital- und
Überführungsgewinne nach Art. 18 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer (DBG; SR 642.11) und der Gewinne aus der Veräusserung von land- und
forstwirtschaftlichen Grundstücken nach Art. 18 Abs. 4 DBG, mit Ausnahme der
Einkünfte aus zu Geschäftsvermögen erklärten Beteiligungen nach Art. 18 Abs. 2 DBG.
Vom Einkommen aus einer nebenberuflich ausgeübten selbstständigen
Erwerbstätigkeit, das 2'300 Franken im Kalenderjahr nicht übersteigt, werden die
Beiträge nur auf Verlangen des Versicherten erhoben (Art. 19 AHVV).
Der Begriff der Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 AHVG setzt die
Ausübung einer auf die Erzielung von Einkommen gerichteten bestimmten
(persönlichen) Tätigkeit voraus, mit welcher die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
erhöht werden soll. Es kommt nicht darauf an, ob die betreffende Person subjektiv eine
Erwerbsabsicht für sich in Anspruch nimmt. Diese muss vielmehr auf Grund der
konkreten wirtschaftlichen Tatsachen nachgewiesen sein. Wesentliches Merkmal einer
Erwerbstätigkeit ist sodann eine planmässige Verwirklichung der Erwerbsabsicht in der
Form von Arbeitsleistung, welches Element ebenfalls rechtsgenüglich erstellt sein muss
(BGE 125 V 384 f.; vgl. auch Ueli Kieser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Alters- und Hinterlassenenversicherung, 3. Aufl., Art. 4 Rz 1).
2.2.
Eine selbstständige Erwerbstätigkeit liegt im Regelfall vor, wenn die versicherte
Person durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei bestimmter Selbstorganisation und
nach aussen sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mit dem Ziel,
Dienstleistungen zu erbringen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruchnahme oder
Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Gegenleistungen abgegolten wird (BGE 143 V
177 E. 3.3 mit Hinweisen). Nicht als selbstständige Erwerbstätigkeit kann anerkannt
werden, wenn eine solche nur zum Schein besteht oder sonst wie keinen erwerblichen
Charakter aufweist, wie das für die blosse Liebhaberei zutrifft, die von rein persönlichen
Neigungen beherrscht wird (ZAK 1987 S. 417, H 215/85 E. 3b). Für die Abgrenzung
solcher Tätigkeitsformen von selbständiger Erwerbstätigkeit kommt der sich aus den
objektiven Umständen ergebenden Erwerbsabsicht entscheidende Bedeutung zu (vgl.
auch Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N. 47k
zu Art. 18 DBG). In Sonderfällen kann subjektiv eine Erwerbsabsicht fehlen oder einem
Erwerb keine persönliche Gewinnabsicht zu Grunde liegen, wie beispielsweise bei
2.3.
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3.
religiösen, ideellen oder gemeinnützigen Zielsetzungen (BGE 143 V 177 E. 3.3.1 mit
Hinweisen). Die Regel, wonach die Angaben der kantonalen Steuerbehörden für die
Ausgleichskassen verbindlich sind (Art. 23 Abs. 4 AHVV), betrifft die Bemessung bei
feststehendem Beitragsstatut und nicht die beitragsrechtliche Qualifikation. Die
Ausgleichskassen haben grundsätzlich eigenständig zu beurteilen, ob überhaupt
Erwerbseinkommen und gegebenenfalls solches aus selbständiger oder aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit vorliegt (BGE 145 V 326 E. 4.2).
Im vorliegenden Verfahren ist umstritten, ob die beiden Zahlungen vom 2. April
2014 und vom 23. Mai 2014 über Fr. 50'000.-- resp. Fr. 44'000.--, die der Beschwerde
führer unbestrittenermassen von der Firma O._ erhalten hat (act. G 3.1/52),
Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit darstellen.
3.1.
Während der Beschwerdeführer in seiner Erklärung vom 16. September 2019 und
in der Einspracheverhandlung vom 19. September 2019 angegeben hatte, die
fraglichen Zahlungen seien gewissermassen eine pauschale Entschädigung dafür
gewesen, dass er der Firma O._ bzw. deren Inhaberin F._ einen Kontakt zur
Krankenkasse P._ vermittelt habe, der sich in der Folge für die Maklerin als sehr
erfreulich erwiesen habe, geht aus den Abrechnungen vom 2. April 2014 und vom
23. Mai 2014 hervor, dass es sich bei den beiden Zahlungen zwar um pauschale
Provisionen, jedoch für konkrete Projekte, handelte, nämlich für die Überbauung
G._ , sowie für zwei weitere Objekte in H._ sowie in I._ . Dies stimmt denn auch
(einigermassen) mit den Ausführungen in der Einsprache vom 11. April 2019 überein,
wonach die Transaktion der Immobilien im April und Mai 2014 kurz nacheinander durch
die Vermittlung der Maklerin erfolgreich hätten abgewickelt werden können. Dabei
betraf das in der Einsprache auch noch genannte Projekt in J._ offenbar das Jahr
2015 (Provision Fr. 72'000.-- [vgl. Einsprache vom 11. April 2019, Ziff. 10, Erklärung
des Beschwerdeführers vom 16. September 2019 und Steuermeldung 2015 vom 16.
April 2020 [act. G 3.1/16.4, 43.2 und 60]). Im Weiteren geht aus den Abrechnungen
hervor, dass die Provisionen "gemäss Vereinbarung" ausgerichtet wurden (act.
G 3.1/52).
3.2.
Vorliegend geht die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen gestützt auf die
Häufigkeit der vorgenommenen Vermittlungen (insgesamt vier Objekte, davon drei im
Jahr 2014 und eines im Jahr 2015) sowie vom Wert der vermittelten Objekte bzw. von
der Höhe der Provisionen vom Vorliegen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit aus.
Demgegenüber geht der Beschwerdeführer im Wesentlichen gestützt auf die
3.3.
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Wegleitungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Beiträge der
Selbstständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO (WSN), Rz
1067, sowie über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO (WML), Rz 1019,
davon aus, dass die Kriterien für das Vorliegen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit
nicht erfüllt seien.
Die vom Beschwerdeführer genannten Ausführungen in Rz 1019 WML sind jedoch
auf die Abgrenzung einer selbstständigen von einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit
zugeschnitten. Vorliegend steht jedoch zu Recht nicht zur Diskussion, ob die Tätigkeit
allenfalls als unselbstständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren und damit die Maklerin
als Arbeitgeberin zu qualifizieren sei. Erst recht liegt keine Vermögensverwaltung vor,
die von einer Erwerbstätigkeit abzugrenzen wäre. Vielmehr ist zu entscheiden, ob es
sich bei den fraglichen Einkünften um solche aus einer (selbstständigen)
Erwerbstätigkeit handelt oder um solche, die nicht aus einer Erwerbstätigkeit stammen.
Diesbezüglich ist mit der Beschwerdegegnerin zunächst festzustellen, dass es sich um
wiederholte Geschäfte handelte. So erhielt der Beschwerdeführer für das vorliegend zu
beurteilende Jahr 2014 von einer professionellen Maklerin, die er über seine
Arbeitgeberin kennen gelernt hatte, zwei Zahlungen für drei Projekte in Höhe von
insgesamt Fr. 94'000.--. Im Jahr 2015 erhielt er nach eigenen Angaben von der
betreffenden Maklerin für ein Projekt in J._ nochmals Fr. 72'000.--. Zwar ist die
Qualifikation eines Einkommens grundsätzlich für jedes Jahr separat zu vorzunehmen.
Trotzdem können die Verhältnisse in anderen Jahren, soweit sie ähnliche Sachverhalte
betreffen, für die vorliegend zu beurteilende Frage mitberücksichtigt werden.
3.4.
Auf Grund der vorliegenden Akten, namentlich den Abrechnungen vom 2. April
2014 und vom 23. Mai 2014 (act. G 3.1/52) sowie den Erklärungen vom 16. September
2019 und den Ausführungen in der Einspracheverhandlung vom 19. September 2019
(act. G 3.1/43.1 f. und 51.2), kann davon ausgegangen werden, dass zwischen dem
Beschwerdeführer und der Maklerin eine dahingehende Abmachung bestanden hat,
dass jener die professionelle Maklerin mit Tipps über bevorstehende Bauprojekte
versorgt und im Gegenzug bei Erfolg einen Teil ihrer Maklerprovision erhält. Der
Beschwerdeführer führt denn auch selber aus, dass er auf Grund seines grossen
Bekanntenkreises über entsprechendes Wissen verfüge (act. G 3.1/.16.3). Nach der
allgemeinen Lebenserfahrung erscheint zudem wenig glaubhaft, dass er - bei den in
Frage stehenden lukrativen Verdienstmöglichkeiten - nicht mit einer Entschädigung
gerechnet bzw. eine solche nicht gefordert habe, sondern die Tipps gewissermassen
„gratis“ an eine professionelle Immobilienmaklerin weitergegeben haben soll im Wissen
darum, dass diese sie anschliessend entgeltlich verwertet. Dabei könnte man wohl -
3.5.
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wie die Beschwerdegegnerin - von einem Mäklervertrag (bzw. von einem
„Untermäklervertrag“) gemäss Art. 412 Abs. 1 OR ausgehen. Dies wird zwar vom
Beschwerdeführer bestritten; eine abschliessende zivilrechtliche Einordnung dieses
Vertragsverhältnisses braucht hier aber gar nicht vorgenommen zu werden, sind doch
die zivilrechtlichen Verhältnisse für die AHV-rechtliche Qualifikation eines Einkommens
nicht massgebend. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer sein Wissen über
bevorstehende Bauprojekte vor allem im Raum Oberthurgau, für das wiederum eine
gewisse Nähe zum entsprechenden Immobilienmarkt erforderlich ist, wiederholt an eine
professionelle Immobilienmaklerin weitergeleitet und dadurch im Jahr 2014 Einnahmen
von insgesamt Fr. 94'000.-- erzielt hat. Entgegen seinen Ausführungen in der Erklärung
vom 16. September 2019 handelte es sich dabei nicht um eine allgemeine
Anerkennung für geleistete Dienste (Vermittlung eines Kontakts zur Krankenkasse
P._, wobei offengelassen werden kann, ob dies am Resultat etwas ändern würde),
sondern um (zwar pauschale) Provisionen für konkrete Bauprojekte in H._ und I._.
Die entsprechenden Abrechnungen halten denn auch explizit fest, dass die
Entschädigungen „gemäss Vereinbarung“ erfolgten (act. G 3.1/52).
Dass die Rolle des Beschwerdeführers im Übrigen nicht ganz so passiv war, ergibt
sich auch aus seinen Ausführungen betreffend das Projekt in J._. Diesbezüglich gab
er in seiner Erklärung vom 16. September 2019 an, er habe das Dossier vom
Generalagenten der E._ Versicherung in D._ erhalten und an die
Immobilienabteilung seiner Arbeitgeberin, der Versicherung C._, weitergeleitet. In der
Folge habe im Hotel M._ in D._ eine Verkaufsverhandlung zwischen der C._ und
der Generalunternehmung stattgefunden, an welcher auch ein Direktionsmitglied der
C._ sowie er selbst teilgenommen hätten (act. G 3.1/43.2). Dass die
Immobilienmaklerin - und damit er selbst - doch noch in das Geschäft miteinbezogen
und mit einer Provision entschädigt wurde, obwohl sich die Parteien nach Angaben des
Beschwerdeführers im Grunde bereits handelseinig waren, lässt sich ohne seine
Beteiligung wohl kaum erklären. Zwar betrifft dieser Sachverhalt das Jahr 2015 und ist
damit für die vorliegend zu beurteilende Streitsache nicht unmittelbar relevant.
Mittelbar jedoch schon, da es ein Vorgehen des Beschwerdeführers aufzeigt, das sich
über einen längeren Zeitraum erstreckt hat. Zudem zeigt es auf, dass der
Beschwerdeführer - insbesondere über seine berufliche Tätigkeit als ehemaliger
Generalagent der Versicherung C._ und auch jetzt noch für die C._ tätig - über
einschlägige Kontakte sowohl zu institutionellen Investoren, die mit anstehenden
Immobilienprojekten befasst sind, wie auch zu einer professionellen
Immobilienmaklerin verfügt, über die er seine Informationen finanziell verwerten kann.
So wandte sich der Generalagent der E._ Versicherung in D._ nach eigenen
3.6.
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Angaben des Beschwerdeführers mit seiner Dossieranfrage nicht direkt an den Leiter
der Liegenschaftenabteilung der C._, sondern an den Beschwerdeführer. Auch die
Immobilienmaklerin wandte sich an den Beschwerdeführer, als sie für zwei
institutionelle Investoren zwei grössere Mehrfamilienhaus-Bauprojekte suchte (act. G
3.1/43.2). Dieser fungierte somit als Drehscheibe und soweit ersichtlich wurden die
fraglichen vier Objekte alle an seine Arbeitgeberin Versicherung C._ vermittelt (vgl.
act. G 3.1/16.3, 43.2 und 51.2). Diese Gegebenheiten lassen die Schlussfolgerung zu,
dass es sich bei der entgeltlichen und mehrmaligen Verwertung dieser Kontakte über
eine ihm bekannte Immobilienmaklerin bzw. bei der Erzielung von Einkommen aus der
Immobilienvermittlung um Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit handelt,
welches unter die Generalklausel des Art. 17 Abs. 1 AHVV fällt (andere selbstständige
Erwerbstätigkeit). Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer diese Art Geschäfte
nicht im eigentlichen Sinn professionell ausübt (vgl. nicht veröffentlichtes und
mittlerweile rechtskräftiges Urteil des Versicherungsgerichts vom 31. Juli 2020 [AHV
2019/10], E. 2.2, wonach die einmalige Erstellung eines juristischen Gutachtens für eine
Auftraggeberin unter Ausnützung der hauptberuflichen, unselbstständig erwerbenden
Stellung sowie der Kenntnisse des Beschwerdeführers als selbstständige
Erwerbstätigkeit qualifiziert wurde). Im Weiteren steht ausser Frage, dass der
Beschwerdeführer bei den vorliegenden Beträgen seine wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit erheblich erhöht hat. Es kann somit nicht mehr von einer blossen
Liebhaberei, einem Hobby oder der blossen Ausnützung einer sich zufällig bietenden
Gelegenheit ausgegangen werden. Daran ändern auch die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten gesundheitlichen Einschränkungen, für welche er auf ein ärztliches
Zeugnis von Dr. N._ verweist, nichts. Demgemäss sei er aufgrund einer schweren
Augenerkrankung dauerhaft zu mindestens 66 % arbeitsunfähig (act. G 3.1/44). Nebst
dessen, dass er somit nach wie vor, wenn auch in eingeschränktem Rahmen,
arbeitsfähig ist, hat er mit seiner selbstständigen Tätigkeit bzw. der Vermittlung von
drei Immobilienobjekten bewiesen, dass ihn diese gesundheitlichen Einschränkungen
offensichtlich nicht in seiner Tätigkeit behindert haben.
In masslicher Hinsicht wird der angefochtene Einspracheentscheid bzw. die
diesem zu Grunde liegende Beitragsverfügung nicht bestritten. Die
Beschwerdegegnerin hat sodann bereits zuvor eine Korrektur vorgenommen, indem sie
keine AHV-Beiträge mehr aufgerechnet hat (act. G 3.1/34.1). Demgegenüber kann
mangels gesetzlicher Grundlage keine Gewinnungskostenpauschale abgezogen
werden (vgl. Art. 9 Abs. 2 lit. a AHVG in Verbindung mit Art. 18 Abs. 1 AHVV; vgl. auch
Rz 1098 WSN, wonach nur Aufwendungen, die nachweisbar innerhalb der
Berechnungsperiode zur Erzielung des Erwerbseinkommens erforderlich sind, als
3.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 gültigen, für das
vorliegende Verfahren gemäss Art. 83 ATSG noch anwendbaren Fassung).
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).