Decision ID: a7c64104-6ed7-5cf0-88d9-b389faeef14e
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Fredy Fässler, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a M._, geboren 1965, meldete sich am 16. Januar 2006, zum Bezug von IV-
Leistungen (Rente) an. Er machte geltend, seit 3 Jahren u.a. an Muskel- und
Gelenkschmerzen, Schlafstörungen, Depressionen und Rückenbeschwerden zu leiden
(act. G 6.1/1). Der behandelnde Arzt, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin,
stellte im Arztbericht vom 28. Februar 2006 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit: ein Fibromyalgie-Syndrom, chronisches Panvertebralsyndrom,
muskuläre Dysbalancen, segmentale Dysfunktionen, medio-laterale Diskushernie L5/S1
rechts, eine depressive Entwicklung und eine Uveitis links mit Verdacht auf Morbus
Behçet. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Chauffeur/Magaziner/Mitarbeiter im
Hochbau hielt er den Versicherten seit 20. Juni 2005 für 100% arbeitsunfähig. Leichte
Arbeiten ohne Belastung der Muskulatur seien dem Versicherten grundsätzlich
zumutbar. Der zeitliche Rahmen derartiger Arbeitseinsätze müsse aber noch abgeklärt
werden (act. G 6.1/9.1 ff.). Am 3. März 2006 berichtete Dr. med. B._ der IV-Stelle,
dass infolge des Morbus Behçet auf dem linken Auge des Versicherten ein Visusverlust
von ca. 80 bis 90% eingetreten sei (act. G 6.1/10.1).
A.b Zur Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit empfahl der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD) am 25. April 2006 eine bidisziplinäre (rheumatologisch-psychiatrische)
Begutachtung (act. G 6.1/12.2). Die IV-Stelle beauftragte am 27. April 2006 Dr. med.
C._, Facharzt FMH für Physikalische Medizin, mit einer bidisziplinären Begutachtung.
Er wurde ersucht, das psychiatrische Teil-Gutachten bei Dr. D._, Facharzt Psychiatrie
und Psychotherapie, selbstständig in Auftrag zu geben und die interdisziplinäre
Beurteilung gemeinsam zu erarbeiten (act. G 6.1/16).
A.c Der Versicherte wurde am "21. August 2006" (recte: 15. August 2006; vgl. act.
G 6.1/17) durch Dr. med. C._ rheumatologisch untersucht. Dieser diagnostizierte ein
panvertebrales Schmerzsyndrom, mit Verdacht auf ein intermittierendes radikuläres
Reizsyndrom C6 oder C7 links, mit Diskushernie L5/S1 rechts mit intermittierendem
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radikulärem Reizsyndrom, mit mehrsegmentaler Dysfunktion und muskulärer
Dysbalance; eine Fibromyalgie; einen Morbus Behçet mit Uveitis links mit massiver
Visusverminderung bei peripheren vaskulitischen Veränderungen beidseits sowie eine
stereoidindizierte Osteopenie. Aufgrund des Visusverlusts links sei der Versicherte
nicht mehr in der Lage, als Lastwagenchauffeur zu arbeiten. Zudem könne er auch aus
rheumatologischer Sicht keine schwer belastende Tätigkeit mehr ausüben. Für den
bisherigen Beruf bestehe daher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die
Restarbeitsfähigkeit könne derzeit nicht quantifiziert werden, da noch viele Fragen
offen seien. Aus rheumatologischer Sicht seien dem Versicherten körperlich wenig
belastende Tätigkeiten (kein Heben von Lasten über 15 kg, keine repetitiven
Tätigkeiten) mindestens in Teilzeit zumutbar. Die Prognose bezüglich der Fibromyalgie
sei generell ungünstig; diejenige betreffend den Morbus Behçet könne noch nicht
beurteilt werden. Zur Behebung des "Deconditioning" und zur Evaluation der
Leistungsfähigkeit empfahl der rheumatologische Gutachter einen
Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik Valens. Anlässlich der Untersuchung habe der
Versicherte nicht den Eindruck hinterlassen, depressiv zu sein. Daher verzichtete
Dr. med. C._ auf die Veranlassung eines psychiatrischen Gutachtens (act.
G 6.1/23.1 ff.).
A.d Am 1. September 2006 beauftragte die IV-Stelle Dr. D._ mit einer psychiatrischen
Begutachtung sowie anschliessender interdisziplinärer Besprechung mit Dr. med.
C._. Namentlich wurde Dr. D._ ersucht, die Diagnose einer Fibromyalgie in
Nachachtung der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu beurteilen (act. G 6.1/28).
A.e Auf entsprechende Anfrage teilte Dr. med. C._ am 5. September 2006 der IV-
Stelle mit, dass dem Versicherten aus rheumatologischer Sicht eine körperlich wenig
belastende Tätigkeit (Lasten von maximal 10 bis 15 kg, regelmässige Möglichkeit für
Wechsel der Körperhaltung, wenig Leistungsdruck) "zu mindestens 60% zumutbar sei
mit der Option die Arbeitsfähigkeit nach 2 - 3 Monaten auf 80 - 100% zu steigern" (act.
G 6.1/29.3).
A.f Am 25. Januar 2007 ordnete die IV-Stelle zur Abklärung der Eingliederungs- und
Arbeitsfähigkeit eine berufliche Abklärung im E._ an (act. G 6.1/40).
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A.g Der Versicherte wurde am Vormittag des 26. Februars 2007 psychiatrisch
untersucht. Im psychiatrischen Gutachten vom 4. März 2007 berichtete der Experte,
dass beim Versicherten keine klinisch manifeste psychische Störung von
Krankheitswert habe diagnostiziert werden können. Insbesondere schliesse er eine
Somatisierungsstörung aus, sei doch in den vielfach durchgeführten
Voruntersuchungen eine Fibromyalgie als Ursache der körperlichen Beschwerden
festgestellt worden. Auch wenn eine solche bezüglich ihrer Ursache noch ungeklärt sei
und eine nahe Verwandtschaft zu einer Somatisierungsstörung aufweise, so finde sich
die Fibromyalgie als Diagnose jedoch nicht in dem für Psychiater gültigen
diagnostischen Referenzsystem der Internationalen Klassifikation Psychischer
Störungen (ICD-10). Aus rein psychiatrischer Sicht sei der Versicherte zu 100%
arbeitsfähig (act. G 6.1/44.1 ff., insbesondere 44.13).
A.h Im Verlaufsbericht vom 3. Juli 2007 gab Dr. med. B._ an, dass sich der
Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert habe. Der Versicherte leide an
ausgeprägtesten Schmerzen in sämtlichen Gelenken (Hand-, Hüft-, Knie- sowie OSG-
Schmerzen), vornehmlich links, mit deutlicher Überwärmung aller genannten Gelenke.
Angesichts seines schlechten Zustands könnte ihm – wenn überhaupt – nur ein stark
reduziertes Pensum in einer leidensadaptierten Tätigkeit zugemutet werden (act.
G 6.1/57).
A.i Die behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St.Gallen (KSSG) beurteilten im
Verlaufsbericht vom 24. Juli 2007 den ophthalmologischen Gesundheitszustand als
stationär. Dem Versicherten seien Tätigkeiten, bei denen er nur auf die Sehstärke des
rechten Auges angewiesen sei und keine Binokularität erfordert werde, zumutbar.
Durch die schlechte Sehkraft links und die Grunddiagnose Morbus Behçet könnten
auch in diesen Tätigkeiten Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit auftreten (act.
G 6.1/61.2 f.).
A.j Im Abklärungsbericht des E._ vom 9. August 2007 berichteten die
Abklärungspersonen aufgrund ihrer Beobachtungen sowie des gesundheitlichen
Verlaufs, dass der Versicherte wegen seiner geringen Leistungsfähigkeit nicht über die
notwendigen Ressourcen verfüge, um in der freien Wirtschaft integriert werden zu
können. Um eine Tagesstruktur beizubehalten, empfahlen sie einen Arbeitsplatz im
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geschützten Rahmen. Bezüglich eines möglichen Lohnes gaben sie an, dass der
Versicherte im geschützten Rahmen bei einer Präsenzzeit von 50% einen monatlichen
Verdienst von Fr. 300.-- erzielen könnte (act. G 6.1/69.2 ff.).
A.k Am 23. August 2007 verfügte die IV-Stelle den Abbruch der beruflichen
Massnahmen, da der Versicherte an der Auswertung der verlängerten Abklärung im
E._ unentschuldigt fern geblieben sei (act. G 6.1/66).
A.l Mit Vorbescheid vom 24. August 2007 stellte die IV-Stelle die Ablehnung eines
Rentenanspruchs in Aussicht. Der Berechnung des Invaliditätsgrades legte sie eine
zumutbare Arbeitsfähigkeit von 80% zu Grunde und ermittelte einen Invaliditätsgrad
von 29% (act. G 6.1/68).
B.
B.a Der Versicherte liess am 24. September 2007 gegen den Vorbescheid vom
24. August 2007 Einwand erheben und die Zusprache einer ganzen Invalidenrente
beantragen. Er machte im Wesentlichen geltend, dass die Bestimmung der zumutbaren
Restarbeitsfähigkeit gestützt auf den Schlussbericht des E._ vom 9. August 2007
erfolgen müsse. Demnach sei ihm eine Tätigkeit im geschützten Rahmen bei einer
50%igen Präsenzzeit möglich. Diese Einschätzung sei von Dr. med. B._ im Schreiben
vom 18. September 2007 (act. G 6.1/73.16) bestätigt worden. Gestützt auf den vom
E._ ermittelten erzielbaren Jahreslohn von Fr. 3'900.-- resultiere ein Invaliditätsgrad
von 94% (act. G 73.1 ff.).
B.b Die IV-Stelle verfügte am 2. Oktober 2007 entsprechend dem Vorbescheid vom
24. August 2007. Zu den Einwänden des Versicherten führte sie aus, dass berufliche
Abklärungen – wie diejenige im E._ – nicht zur Festlegung einer zumutbaren
"Arbeitsleistung, sondern z.B. der Evaluation geeigneter Tätigkeiten" dienen würden.
Die Bestimmung der Arbeitsfähigkeit obliege der ärztlichen Beurteilung (act. G 6.1/75).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 2. November 2007. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge beantragt der Beschwerdeführer die Zusprache
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einer ganzen Rente (act. G 1). In der innert eingeräumter Frist eingereichten
Beschwerdeergänzung beantragt er eventualiter, dass die Angelegenheit zur Vornahme
weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei. Der
Beschwerdeführer bringt vor, dass bislang keine abschliessende medizinische
Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit erfolgt sei. Gestützt auf die Beurteilung des
rheumatologischen Gutachters sei von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die
Option, die Arbeitsfähigkeit nach 2 bis 3 Monaten zu steigern, sei lediglich ein
therapeutisches Ziel. Wie der Schlussbericht des E._ zeige, habe das therapeutische
Ziel trotz hoher Motivation des Beschwerdeführers nicht erreicht werden können. Aus
rein physikalischer Sicht sei daher von einer Arbeitsfähigkeit von 60% auszugehen.
Hinzu kämen noch die leistungseinschränkenden opthalmologischen Befunde.
Insgesamt müsse davon ausgegangen werden, dass die Arbeitsfähigkeit unter 60%
liege. Selbst wenn der Ermittlung des Invaliditätsgrades eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
zu Grunde gelegt würde, ergäbe sich unter Berücksichtigung eines 25%igen Abzuges
vom Invalideneinkommen ein Anspruch auf eine halbe Rente (act. G 3).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 14. Februar
2008 die Beschwerdeabweisung. Die ophthalmologischen Fachärzte hätten keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten ohne höhere
Sehansprüche festgestellt. Gestützt auf das rheumatologische und psychiatrische
Gutachten sei deshalb von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten
Tätigkeiten auszugehen. Die vom rheumatologischen Gutachter angegebene 60%ige
Arbeitsfähigkeit sei im Hinblick auf einen Angewöhnungsbedarf an die Arbeit
zurückzuführen. Beim Einkommensvergleich könne ein Leidensabzug von 10%
zugebilligt werden, was aber nicht zu einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad führe
(act. G 6).
C.c In der Replik vom 3. April 2008 weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass sich
der Morbus Behçet auch auf das rechte Auge übertragen und sich der Visus auf dem
rechten Auge auf 0.6 reduziert habe. Ferner befinde er sich seit Anfang März 2008 in
psychiatrischer Behandlung. Damit stehe fest, dass sich der Gesundheitszustand
verschlechtert habe. Im Übrigen lautet die Begründung im Wesentlichen gleich, wie
diejenige der Beschwerdeergänzung (act. G 8). Der Replikeingabe legt der
Beschwerdeführer eine Kurzbestätigung von Dr. med. F._, Augenarzt, vom 11. März
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2008 (act. G 8.1) sowie ein Schreiben von Dr. med. G._, Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. März 2008 (act. G 8.2) bei.
C.d Die Beschwerdegegnerin bringt in der Duplik vom 7. Mai 2008 vor, dass die neu
eingereichten ärztlichen Bestätigungen nach Verfügungserlass vom 2. Oktober 2007
datieren und im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht zu berücksichtigen seien (act.
G 10).
C.e Mit Schreiben vom 6. Juni 2008 reicht der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr.
G._ vom 23. Mai 2008 ein (act. G 12), worin diese eine rezidivierende, depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICS-10: F33.11) sowie ein chronisches
Schmerzsyndrom diagnostiziert. Aus psychiatrischer Sicht wird dem Beschwerdeführer
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 12.1).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anzuwenden.
2.
Vorliegend ist die Frage streitig, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf
Rentenleistungen hat.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 aIVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
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50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Um den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
2.2 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dies bedeutet nicht, dass Parteigutachten durch
den Umstand allein, dass sie von einer Partei eingeholt und in das Verfahren
eingebracht wurden, ohne weiteres minder beweiskräftig sind. Denn auch sie können
nützliche Äusserungen zum medizinischen Sachverhalt enthalten. Daraus folgt
wiederum nicht, dass sie den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder vom
Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten
besitzen. Relevant werden sie nur, wenn ihre Aussagen die Auffassungen und
Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachtens in rechtserheblichen Fragen
derart zu erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen wäre (BGE 125 V 351 E. 3c).
2.3 Was Berichte von Hausärzten angeht, darf und soll die Erfahrungstatsache
mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter aufgrund ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung eher dazu neigen, zu Gunsten ihrer Patienten auszusagen (BGE 125
V 351 E. 3b/cc). Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und
umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der
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Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine
Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von
vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und
umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse
hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
(BGE 124 I 175 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage
zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007 i.S. M., I 514/06, E. 2.2.1 mit
Hinweisen).
3.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Beurteilung der dem Beschwerdeführer
verbliebenen Resterwerbsfähigkeit in der angefochtenen Verfügung auf das
rheumatologische Gutachten vom 15. August 2006 (act. G 6.1/23.1 ff.), das
Ergänzungsschreiben von Dr. med. C._ vom 5. September 2006 (act. G 6.1/29.3) und
das psychiatrische Gutachten vom 4. März 2007 (act. G 6.1/44.1 ff.). Der
Beschwerdeführer macht geltend, dass aufgrund seines verschlechterten
Gesundheitszustandes nicht auf die gutachterliche Beurteilung abgestellt werden
könne. Ferner bestünden erhebliche Mängel an den gutachterlichen Einschätzungen
(act. G 3 und 8). Zu prüfen ist daher die Frage, ob konkrete Indizien bestehen, die
ernsthafte Zweifel an der durch die Gutachter vorgenommenen Beurteilung entstehen
lassen.
3.1 Insofern der Beschwerdeführer vorbringt, sein Gesundheitszustand habe sich seit
den Begutachtungen verschlechtert, ist – wie die Beschwerdegegnerin zutreffend
ausführt – die Entwicklung des Gesundheitszustandes bis zum Datum des
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Verfügungserlasses (2. Oktober 2007; act. G 6.1/75) massgebend (vgl. Urteil des EVG
vom 28. August 2003 i.S. M., I 596/02, E. 1).
3.1.1 Dr. med. B._ gab im Verlaufsbericht vom 3. Juli 2007 an, dass sich der
Gesundheitszustand sowie die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers erheblich
verschlechtert hätten. Dieser leide an ausgeprägtesten Schmerzen in sämtlichen
Gelenken, vornehmlich links mit deutlicher Überwärmung aller genannten Gelenke. Zur
aktuellen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit empfahl der behandelnde Arzt eine erneute
Begutachtung (act. G 6.1/57). Er bestätigte am 8. Juni 2007 gegenüber den
Mitarbeitern des E._, dass zusätzlich Arthritis und Rheuma diagnostiziert worden sei
(act. G 6.1/73.13). Aus dem Bericht der behandelnden Rheumatologen des KSSG vom
14. Juni 2007 geht im Vergleich zur rheumatologischen Begutachtung – wo ein
negatives Ergebnis beim Lasègue-Test ermittelt wurde (act. G 6.1/23.4) – eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes insoweit hervor, dass sie das Ergebnis
beim Lasègue-Test als "positiv ab 40°" beschrieben (act. G 6.1/57.18; vgl. auch act.
G 57.24). Im Bericht vom 13. August 2007 bezeichneten sie den Verlauf des
Gesundheitszustandes als "nicht absehbar" und erhoben u.a. den - bislang von den
involvierten Ärzten nicht festgestellten - Befund einer "Fingersteifigkeit" (act.
G 6.1/70.5). Aufgrund dieser medizinischen Aktenlage bestehen erhebliche
Anhaltspunkte für eine seit der rheumatologischen Begutachtung eingetretene
Verschlechterung des Gesundheitszustandes und der Leistungsfähigkeit.
3.1.2 Auch aus dem rheumatologischen Gutachten vom 15. August 2006 – das 14
Monate vor Verfügungserlass erstellt wurde – geht hervor, dass der
Gesundheitszustand nicht stabil sei. So berichtete Dr. med. C._, dass die
Restarbeitsfähigkeit nicht beurteilt werden könne, "da noch zu viele Fragen offen sind,
namentlich der weitere Verlauf vom Morbus Behçet" (act. G 6.1/23.5). Zur Evaluation
der Leistungsfähigkeit empfahl er einen Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik Valens
(act. G 6.1/23.6). Ferner bezeichnete er die Prognose als ungünstig, und zwar nicht nur
bezüglich der Fibromyalgie, sondern auch wegen des intermittierenden
lumboradikulären Syndroms S1 rechts und möglicherweise wegen eines leichten
cervicoradikulären Syndroms links (act. G 6.1/23.5).
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3.1.3 Die involvierten Mitarbeiter des E._ äusserten sich ebenfalls dahingehend, dass
der gesundheitliche Verlauf und der Verlauf der Arbeitsfähigkeit negativ seien (act.
G 6.1/73.15). Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt, handelt es sich aber
hierbei nicht um eine medizinische Einschätzung, was den Beweiswert der gemachten
Aussage grundsätzlich schmälert. Trotzdem darf und soll die fragliche Einschätzung in
die Gesamtwürdigung einbezogen werden, zumal das E._ von der
Beschwerdegegnerin ausdrücklich mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit beauftragt
(act. G 6.1/40.1) und die Einschätzung vom behandelnden Arzt geteilt wurde (act.
G 6.1/73.16).
3.1.4 Zwar vertrat der RAD-Arzt, Dr. H._, in seiner kurzen Stellungnahme vom
2. August 2007 die Auffassung, der Gesundheitszustand sei unverändert. Seine
Beurteilung erfolgte aber nicht in einer fassbaren Gesamtwürdigung aller medizinischen
Akten. Vor allem lagen ihm offenbar der Bericht des KSSG vom 14. Juni 2007, in dem
rheumatologische Veränderungen festgehalten sind, nicht vor. Zum späteren Bericht
des KSSG vom 13. August 2007 äusserte sich der RAD-Arzt nicht explizit (act.
G 6.1/70.5 f.). Er setzt sich auch nicht mit den festgestellten Befundveränderungen
(Fingersteifigkeit, positiver Lasègue-Test, ausgeprägteste Schmerzen in sämtlichen
Gelenken, vornehmlich links mit deutlicher Überwärmung aller genannten Gelenke; vgl.
vorstehende E. 3.1.1) auseinander.
3.2 Insgesamt ergeben sich aus den Akten erhebliche Hinweise für eine Zunahme der
Beschwerden und der Arbeitsunfähigkeit seit der rheumatologischen Begutachtung. Es
liegen aber keine medizinischen Berichte bei den Akten, die über die Entwicklung des
Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit Aufschluss geben könnten. Da die
bestehenden Unterlagen eine schlüssige und abschliessende Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in einer zumutbaren Verweisungstätigkeit und somit des
Invaliditätsgrades nicht erlauben, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie die Entwicklung der Beschwerden und der Arbeitsfähigkeit
fachärztlich abklären lässt. Festzuhalten ist weiter, dass es beim Zusammenwirken von
physischen und psychischen Beeinträchtigungen grundsätzlich nicht gerechtfertigt ist,
die somatischen und psychischen Befunde isoliert zu betrachten (Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Januar 2007 i.S. B., I 33/06, E. 6.3 mit Hinweis), wie dies im
bisherigen Verwaltungsverfahren getan wurde. Die Beschwerdegegnerin hat daher eine
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interdisziplinäre Begutachtung zu veranlassen. Diese hat sich zum psychischen und
physischen Gesundheitszustand, zu seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im
angestammten Beruf und in einer zumutbaren Verweisungstätigkeit sowie zur
Entwicklung der gesundheitlichen Situation und Restarbeitsfähigkeit zu äussern. Da es
bei den weiteren Abklärungen u.a. um die Beurteilung des Gesundheitsverlaufes geht,
erscheint es zweckmässig die rheumatologische Teilbegutachtung durch den mit dem
Fall vertrauten Dr. med. C._ vornehmen zu lassen. Gestützt auf die noch
vorzunehmenden Abklärungen wird die Beschwerdegegnerin über den
Leistungsanspruch neu zu befinden haben. Vor diesem Hintergrund können die Fragen,
ob gestützt auf das Schreiben von Dr. med. C._ vom 5. September 2006 (act.
G 6.1/29.3) von einer 60%igen bzw. 80 bis 100%igen Arbeitsfähigkeit in
leidensadaptierten Tätigkeiten auszugehen und ob die Berechnung des
Invaliditätsgrades durch die Beschwerdegegnerin namentlich hinsichtlich des
sogenannten Leidensabzuges zutreffend ist, offen gelassen werden.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Verfügung
vom 2. Oktober 2007 aufzuheben, und die Sache ist zur Anordnung ergänzender
Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu entsprechender neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 127 V 234 E. 2b/bb in fine). Somit unterliegt die
Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss des Beschwerdeführers von
Fr. 600.-- wird ihm zurückerstattet.
4.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
bis
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werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf die Einreichung einer
Kostennote. Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG