Decision ID: 7d5c9adc-d7df-43b6-b8fc-ffc9cce46c5d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
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A.
A.a A._ arbeitete vom 1. Juni 2012 bis zum 31. Dezember 2012 mit einem
Beschäftigungsgrad von 100% als "Volontärin Redaktion" für die C._ AG
(Mutationsmeldung vom 31. Mai 2012, act. G 1.3, und Angaben der C._ AG vom 26.
Juni 2013) und war dadurch bei der Pensionskasse B._ berufsvorsorgeversichert.
A.b Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher
Dienst E._, gelangte in der Stellungnahme vom 1. Dezember 2014 gestützt auf die im
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren von der IV-Stelle des Kantons F._
eingeholten medizinischen Berichte zur Auffassung, die Versicherte leide an einer
emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10: F60.31), einer
rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.0), einem schädlichen Konsum von
Alkohol und Cannabis mit Verdacht auf ein Abhängigkeitssyndrom und einer
ausserordentlich schwach ausgebildeten Muskulatur mit Tendenz zur Hyperlaxizität
des Bandapparates. Die Versicherte sei vom 10. Oktober 2012 bis 2. Mai 2014
bezogen auf die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin zu 100% arbeitsunfähig
gewesen. Seither bestehe für diese Tätigkeit eine 40%ige Arbeitsfähigkeit. Für
leidensangepasste Tätigkeiten verfüge die Versicherte ab Mai 2014 über eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit (act. G 1.23). Die IV-Stelle sprach der Versicherten mit Verfügungen
vom 22. Juni und 23. September 2015 mit Wirkung ab 1. Dezember 2013 eine ganze
und ab 1. September 2014 eine halbe Rente samt Kinderrente zu. Als
Valideneinkommen berücksichtigte die IV-Stelle den statistischen Medianlohn für
Detailhandel, Kompetenzniveau 1, für das Jahr 2012 und passte diesen an die bis zum
Jahr 2013 eingetretene Nominallohnentwicklung an, womit ein Betrag von Fr. 53'206.--
resultierte (act. G 1.5 ff.).
A.c Die B._ verneinte im Schreiben vom 2. Februar 2017 eine Leistungspflicht für die
Invalidität der Versicherten (act. G 1.14).
B.
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B.a Am 26. März 2018 erhob die Versicherte Klage gegen die B._ mit dem Antrag,
diese sei zu verpflichten, ihr sämtliche reglementarischen und gesetzlichen
Invalidenleistungen aus der beruflichen Vorsorge, insbesondere eine Invalidenrente und
Kinderrente rückwirkend ab 1. Dezember 2013 nach Massgabe eines Invaliditätsgrads
von 100% und rückwirkend ab 1. September 2014 nach Massgabe eines
Invaliditätsgrads von 51% zuzüglich Zins von 5% seit 26. März 2018 zu entrichten.
Zudem sei die Beklagte zu verpflichten, ihr (der Klägerin) Beitragsbefreiung
rückwirkend ab 8. Januar 2013 zu gewähren; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Im Wesentlichen bringt die Klägerin zur Begründung vor, die
Beklagte sei an die Feststellungen der IV-Stelle sowohl in Bezug auf die Höhe des
Invaliditätsgrads als auch in Bezug auf den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gebunden
(act. G 1).
B.b In der Klageantwort vom 15. Mai 2018 anerkannte die Beklagte die Klage
teilweise. Die Klägerin habe frühestens ab dem 11. Oktober 2014 Anspruch auf eine
halbe Invalidenrente. Vorbehalten bleibe eine Überentschädigungsprüfung, welche
allenfalls eine Kürzung der Leistungen zur Folge hätte. Gemäss Art. 26 Ziff. 5 des
Reglements werde der Anspruch auf eine Invalidenrente nach Ablauf der bestehenden
Wartefrist solange aufgeschoben, als eine Krankentaggeldversicherung Leistungen
erbringe. Es sei davon auszugehen, dass die Klägerin Krankentaggeldleistungen der
Swica bis zum 10. Oktober 2014 bezogen habe. Deshalb beantrage sie, dass die
Krankentaggeldabrechnungen von der Klägerin nachzureichen seien. Nach Erhalt der
Unterlagen werde sie die Höhe der Ansprüche berechnen können (act. G 3).
B.c Die Verfahrensleitung ersuchte die Parteien im Schreiben vom 18. Mai 2018 um
Prüfung einer aussergerichtlichen Einigung, nachdem die Beklagte die Klage
grundsätzlich anerkenne und das Gericht die Leistungshöhe voraussichtlich nicht
festsetze, sondern die Sache dafür an die Beklagte überweisen würde (act. G 4). Am
24. August 2018 teilte die Klägerin dem Versicherungsgericht mit, die
aussergerichtlichen Einigungsbemühungen seien gescheitert (act. G 9).
B.d In der Stellungnahme vom 10. September 2018 machte die Beklagte geltend,
aufgrund der von der Klägerin bezogenen Kranken- und IV-Taggelder würde der
Anspruch auf eine Invalidenrente frühestens ab 1. September 2014 fällig werden. Sie
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sei an die Bemessung der Invalidität durch die IV-Stelle nicht gebunden. Denn diese
habe als Valideneinkommen den Tabellenlohn für eine Tätigkeit im Detailhandel
berücksichtigt. Die Klägerin sei bei ihr (der Beklagten) jedoch nicht für eine Tätigkeit als
Verkäuferin, sondern lediglich für einen Lohn als Volontärin von Fr. 30'000.-- versichert
gewesen. Dieses Einkommen sei für die Ermittlung des Valideneinkommens im
berufsvorsorgerechtlichen Verfahren massgebend, womit ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 15.59% resultiere. Es wäre absolut nicht gerechtfertigt, dass eine
Vorsorgeeinrichtung für einen Invaliditätsgrad in einer beruflichen Tätigkeit aufkommen
müsste, die bei ihr nicht versichert sei und damit auch nicht das entsprechende
Valideneinkommen erzielt worden bzw. versichert gewesen sei. Der
berufsvorsorgerechtliche Leistungsfall der Klägerin sei per 31. August 2014
abgeschlossen (act. G 11).
B.e Die Klägerin hält in der Eingabe vom 29. Oktober 2018 unverändert an der Klage
fest. Sie bringt vor, die reglementarischen Bestimmungen sähen für IV-
Taggeldleistungen keinen Leistungsaufschub vor. Entsprechend sei die Behauptung
der Beklagten unzutreffend, dass ein Leistungsaufschub bis 31. August 2014 bestehe.
Wenn überhaupt, sei ein solcher einzig bis 5. Januar 2014 zu berücksichtigen. Das von
der IV-Stelle ermittelte Valideneinkommen sei korrekt. Die Ausführungen der Beklagten
zum Valideneinkommen seien unzutreffend. Es mache den Anschein, dass die Beklagte
den Rechtsbegriff des Valideneinkommens mit jenem des versicherten Lohns
verwechsle. Das Volontariat bei der C._ AG sei befristet gewesen, was sich aus dem
Arbeitgeberbericht sowie der Meldung an die Swica vom 19. November 2012 ergebe.
Das Ziel wäre gewesen, später nicht mehr zum Praktikumslohn, sondern zu einem
üblichen Lohn als Journalistin tätig zu sein (act. G 15).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente (samt Kinderrente) und eine rückwirkende
Beitragsbefreiung (siehe act. G 1, Ziff. 1 und 2 der Rechtsbegehren).
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2. Zunächst wird nachfolgend der Anspruch auf eine Invalidenrente geprüft.
2.1
2.1.1 Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 lit. a des
Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
(BVG; SR 831.40) Personen, die im Sinn der IV zu mindestens 40% invalid sind und bei
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert
waren. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelsrente und ab einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine volle Invalidenrente (Art. 24 Abs. 1 BVG).
Versicherte, denen eine Invalidenrente zusteht, haben für jedes Kind, das im Fall ihres
Todes eine Waisenrente beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente in Höhe
der Waisenrente. Für die Kinderrente gelten die gleichen Berechnungsregeln wie für die
Invalidenrente (Art. 25 Abs. 1 BVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 28 Abs. 1 lit. c des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] in Verbindung mit Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG
anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
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2.1.2 Für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen gelten sinngemäss die
entsprechenden Bestimmungen des IVG (Art. 26 Abs. 1 BVG mit Verweis auf Art. 29
IVG). Die Vorsorgeeinrichtung kann in ihren reglementarischen Bestimmungen
vorsehen, dass der Anspruch aufgeschoben wird, solange der Versicherte den vollen
Lohn erhält (Art. 26 Abs. 2 BVG). Die Vorsorgeeinrichtung kann den Anspruch auf
Invalidenleistung bis zur Erschöpfung des Taggeldanspruchs aufschieben, wenn: a. der
Versicherte anstelle des vollen Lohns Taggelder der Krankenversicherung erhält, die
mindestens 80 Prozent des entgangenen Lohns betragen, und b. die
Taggeldversicherung vom Arbeitgeber mindestens zur Hälfte mitfinanziert wurde (Art.
26 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
[BVV2; SR 831.441.1]).
2.2 Bezüglich des in zeitlicher Hinsicht für die Beurteilung des
Invalidenrentenanspruchs massgebenden Reglements der Beklagten enthalten die
intertemporalrechtlichen Bestimmungen des Reglements (Art. 52 des Reglements in
der ab 1. Januar 2012 gültigen Fassung, act. G 11.1.1; Art. 53 des Reglements in der
ab 1. Januar 2014 gültigen Fassung, act. G 11.1.2, und Art. 54 des Reglements in der
ab 1. Januar 2017 gültigen Fassung, act. G 11.1.3; diese Artikel enthalten lediglich
intertemporalrechtliche Bestimmungen bei laufenden Renten) keine spezielle Regelung.
Vorliegend sind daher die allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln heranzuziehen,
gemäss welchen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
Verwirklichung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts galten (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Januar 2019, 9C_465/2018, E. 5.3.2 mit Hinweis auf BGE 130
V 334 E. 6). Für die ab 1. Dezember 2013 beantragte Invalidenrente (samt Kinderrente)
findet daher das Reglement in der bis 31. Dezember 2013 gültigen Fassung
Anwendung. Bei am 1. Januar 2014 bereits laufenden Renten gilt weiterhin das bis zum
31. Dezember 2013 gültige Reglement (Art. 53 Abs. 1 des ab 1. Januar 2014 gültigen
Reglements, act. G 11.1.2, und Art. 54 Abs. 1 des ab 1. Januar 2017 gültigen
Reglements, act. G 11.1.3). Ergänzend ist zu bemerken, dass die vorliegend
interessierenden reglementarischen Bestimmungen zur Invalidität und zum
Rentenbeginn (Art. 26) in sämtlichen drei Reglementsversionen miteinander
grundsätzlich identisch sind. Nichts anderes gilt bezüglich des Anspruchs auf eine
Kinderrente (Art. 27 der jeweiligen Versionen).
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2.3 Laut Art. 26 Abs. 2 des Reglements liegt eine Invalidität in dem Masse vor, wie eine
versicherte Person im Sinn der Invalidenversicherung invalid ist. Ist eine versicherte
Person teilweise invalid, so werden die für Vollinvalidität festgesetzten Leistungen in
der Höhe gewährt, die dem Invaliditätsgrad entsprechen. Als Berechnungsgrundlagen
gelten diejenigen Leistungen, die im Zeitpunkt der massgebenden Arbeitsunfähigkeit,
deren Ursache zur Invalidität führt, versichert gewesen sind. Ein Invaliditätsgrad von
weniger als 25% begründet keinen Anspruch auf eine Versicherungsleistung. Beträgt
der Invaliditätsgrad 60% oder mehr, besteht ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
Ein Invaliditätsgrad von 70% oder mehr gibt Anspruch auf die volle Leistung. Art. 33
bleibt vorbehalten (Art. 26 Abs. 3 des Reglements). Der Anspruch beginnt nach der
vertraglich vereinbarten Wartefrist (Art. 26 Abs. 4 Satz 1 des Reglements). Werden
nach dem Ablauf der vereinbarten Wartefrist von einer Krankentaggeld- und/oder
Unfallversicherung weiterhin Taggelder ausgerichtet, so wird der Anspruch bis zum
Ende der Taggeldzahlungen aufgeschoben. Laut Art. 27 Abs.1 des Reglements haben
Bezüger einer Invalidenrente für jedes Kind, das im Fall ihres Todes eine Waisenrente
beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Invalidenkinderrente. Die Invalidenkinderrente
wird vom gleichen Zeitpunkt an ausgerichtet wie die Invalidenrente und wird an die
anspruchsberechtigte Person direkt ausbezahlt (Art. 27 Abs. 2 Satz 1 des Reglements).
Die Invalidenkinderrente entspricht 20% der versicherten beziehungsweise laufenden
Invalidenrente (Art. 27 Abs. 3 des Reglements).
2.4 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist einzig die Höhe
des Valideneinkommens.
2.4.1 Das im Zusammenhang mit Rentenleistungen versicherte Gut ist die
Erwerbsfähigkeit. Die Erwerbsunfähigkeit bildet für den Rentenanspruch den
massgebenden versicherten Schaden (vgl. für die berufliche Vorsorge bereits die
Botschaft zum BVG vom 15. Dezember 1975, BBl 1976 I 149 S. 173 Ziff. 342.1). Nach
der gesetzlichen Definition von Art. 7 Abs. 1 ATSG ist die Erwerbsunfähigkeit die
Differenz zwischen den Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt vor Eintritt des Gesundheitsschadens und den
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
nach Eintritt des Gesundheitsschadens, wie sie nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibt (zur Parallelität der Vergleichseinkommen unter
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Berücksichtigung des in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkts siehe
UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Rz 23 zu Art. 16). Nicht
massgebend ist daher für die Bestimmung der Erwerbsunfähigkeit und damit der
Invalidität die nach Eintritt des Gesundheitsschadens tatsächlich vorliegende
Erwerbseinbusse (siehe auch KIESER, a.a.O., Rz 30 ff. zu Art. 7, insbesondere Rz 32
und Rz 34).
2.4.2 Das Valideneinkommen ist vom Gesetz definiert als dasjenige Einkommen, das
eine versicherte Person erzielen könnte (nicht: erzielt hätte), wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG). Es ist der betragliche Wert, der bei der Berechnung des
Invaliditätsgrads nach Art. 16 ATSG die Erwerbsfähigkeit bzw. die
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
vor Eintritt der Gesundheitsschädigung abzubilden hat (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Das
Valideneinkommen ist Ausgangspunkt für die im Rahmen einer Differenzrechnung
vorzunehmende Ermittlung des durch den Gesundheitsschaden verursachten Verlusts
an Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt. Der Invaliditätsgrad wiederum drückt das prozentuale Verhältnis des
Verlusts an Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Valideneinkommen minus Invalideneinkommen) zu den
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt,
wie sie vor Eintritt des Gesundheitsschadens bestanden haben (Valideneinkommen),
aus: Invaliditätsgrad = ([Valideneinkommen - Invalideneinkommen] /
Valideneinkommen).
2.4.3 Die Rechtsprechung geht bei der Ermittlung des (hypothetischen)
Valideneinkommens unter Hinweis auf die Erfahrungstatsache, dass die bisherige
Erwerbstätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre, in der Regel vom
letzten (nominallohnbereinigten) Lohn aus, der vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt wurde (siehe etwa den Entscheid des Bundesgerichts vom 2. November 2016,
9C_148/2016, E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). Mit anderen Worten handelt es sich beim
letzten erzielten Einkommen lediglich - aber immerhin - um ein gewichtiges Indiz für die
betragliche Festsetzung der Erwerbsfähigkeit bzw. der Erwerbsmöglichkeiten auf dem
in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt, über die eine nicht invalide
erwerbstätige Person, auf welche dieselben persönlichen und beruflichen
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Voraussetzungen zutreffen wie auf die konkret zu beurteilende versicherte Person,
verfügt (vgl. BBl 1958 II 1196 unten). Diese Indizwirkung darf allerdings nicht zum
falschen Schluss führen, dass der letzte Lohn als solcher das versicherte Gut und
dessen Verlust der versicherte Schaden wäre; eine solche Versicherungskonzeption
widerspräche der positivrechtlichen Grundlage (siehe hierzu vorstehende E. 2.4.1 f.). Ist
der letzte Lohn für die Erwerbsmöglichkeiten der versicherten Person nicht
repräsentativ, etwa bei grossen Schwankungen oder aufgrund erheblicher
validitätsfremder Einflüsse (z.B. einmalige Bonuszahlung oder wirtschaftlich bedingte
Lohnkürzung), ermöglicht er keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die Erwerbsfähigkeit
der versicherten Person. Nichts anderes kann für Fälle gelten, in denen eine versicherte
Person allein aufgrund zusätzlicher Bildungsmassnahmen vorübergehend einen
vergleichsweise tieferen Lohn bezieht. Bei bezogen auf die Erwerbsmöglichkeiten
fehlendem repräsentativem Charakter des letzten Lohns greift die Rechtsprechung auf
eine andere Grundlage (beispielsweise die Tabellenlöhne der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung LSE) oder sogar auf eine andere Bemessungsmethode (Prozent-
oder erwerblich gewichteter Betätigungsvergleich) zurück (vgl. etwa das Urteil des
Bundes¬gerichts vom 19. Juni 2017, 8C_148/2017, E. 6.2.2).
2.5 Aus den Akten geht hervor und zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die
Klägerin eine Lehre als Verkäuferin absolvierte und mit Fähigkeitszeugnis abschloss
(act. G 1.23, S. 1). Es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass die Klägerin auch noch im Zeitpunkt, als sie bei der Beklagten
berufsvorsorgeversichert war, über die mit dieser beruflichen Ausbildung erworbenen
Erwerbsmöglichkeiten verfügt hat. Es ergeben sich aus den Akten denn auch keine
gegenteiligen Gesichtspunkte. Mit Blick darauf, dass die Beklagte bereits mehrere
Jahre vor Eintritt des Gesundheitsschadens nicht mehr als Verkäuferin tätig war (siehe
act. G 1.23, S. 1) und keine entsprechenden Einkommen mehr erzielte, hat die IV-Stelle
nachvollziehbar den LSE-Lohn im Bereich des Detailhandels als Basis zur Bestimmung
der Erwerbsmöglichkeiten vor Eintritt des Gesundheitsschadens genommen. Bezogen
auf das Jahr 2013 ermittelte sie ein Valideneinkommen von Fr. 53'206.-- (siehe die
Berechnungen in der Rentenverfügung vom 22. Juni 2015, act. G 1.5, S. 4). An den
bestehenden Erwerbsmöglichkeiten als Gesunde vermag nichts zu ändern, dass die
Klägerin bestrebt war, ihren beruflichen Horizont bzw. ihre Erwerbsfähigkeit mit einem
Volontariat in der Medienbranche zu erweitern. Die Anstellung als "Volontärin
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Redaktion" bei der C._ AG erfolgte mit einem Beschäftigungsgrad von 100% (act. G
1.3 und act. G 1.21) und war im Voraus befristet (act. G 15.1.1), was von der Beklagten
unbestritten ist. Diese legt weder dar noch ist erkennbar, weshalb die Klägerin allein
aufgrund des befristeten Volontariats ihre bisher erworbenen Erwerbsmöglichkeiten
verloren hätte, bzw. dass der Lohn als Volontärin - dessen geringer Umfang durch den
Praktikumscharakter der Anstellung geprägt ist - für ihre Erwerbsfähigkeit repräsentativ
wäre.
2.6 Das Vorbringen der Beklagten, "es wäre absolut nicht gerechtfertigt, dass eine
Vorsorgeeinrichtung für einen Invaliditätsgrad in einer beruflichen Tätigkeit aufkommen
müsste, welche bei ihr nicht versichert ist und damit auch nicht das entsprechende
Valideneinkommen erzielt bzw. versichert war" (act. G 11, S. 3), erweist sich als
unbegründet. Gemäss Vorsorgeausweis der Beklagten vom 6. Juni 2012 entspricht der
"versicherte Lohn" dem koordinierten Lohn (vorliegend Fr. 5'640.-- [Fr. 30'000.-- - Fr.
24'360.--] act. G 1.4). Die Argumentation der Beklagten verkennt, dass der
Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge mit demjenigen
des IVG (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG i.V.m. mit Art. 8 Abs. 1 i.V.m. Art. 7 ATSG) identisch ist
(Art. 23 lit. a BVG). Die Klägerin weist zudem zutreffend darauf hin, dass die Beklagte
bei ihrer Argumentation das versicherte Gut (Erwerbsmöglichkeiten vor Eintritt des
Gesundheitsschadens) verkennt und dieses mit dem versicherten Lohn bzw. dem
beitragspflichten Verdienstanteil verwechselt (act. G 15, S. 3 Mitte). Bereits aus der
gesetzlichen Konzeption der Berufsvorsorge ergibt sich, dass die versicherten
Erwerbsmöglichkeiten (siehe hierzu vorstehende E. 2.4.1 ff.) zwangsläufig nicht
demjenigen Lohn entsprechen können, auf dem die Berufsvorsorgeeinrichtung Beiträge
erhebt. Beitragspflichtig und damit für den betraglichen Umfang der
berufsvorsorgerechtlichen Invalidenrente bestimmend ist lediglich der koordinierte
Lohn, der den erzielten Lohn nur teilweise - eben im koordinierten Anteil - umfasst
(siehe hierzu Art. 7 f. BVG und Art. 3 ff. BVV2). Als solcher ist er damit nicht geeignet,
direkte Rückschlüsse auf die Erwerbsfähigkeit einer versicherten Person zuzulassen.
Bei der Bestimmung der versicherten Erwerbsmöglichkeiten vor dem Eintritt des
Gesundheitsschadens bzw. des Valideneinkommens wird denn auch nicht bloss der
Betrag des koordinierten Lohns bzw. des berufsvorsorgerechtlich beitragspflichtigen
Verdiensts berücksichtigt. Im Übrigen verhindert die Massgabe des koordinierten
Lohns für die betragliche Festsetzung der Invalidenrente auf der Leistungsseite, dass
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die berufsvorsorgerechtliche Invalidenrente höher ist als der letzte tatsächlich erzielte
Verdienst. Es besteht daher keine Überentschädigungsgefahr, wenn die
Erwerbsmöglichkeiten unabhängig davon nach dem Invaliditätsbegriff bestimmt
werden, wie er in der Invalidenversicherung gilt.
2.7 Vor diesem Hintergrund ist das von der Klägerin geltend gemachte
Valideneinkommen von Fr. 53'206.--, wie es auch im invalidenversicherungsrechtlichen
Verfahren berücksichtigt wurde (act. G 1.5, S. 4), nicht zu beanstanden. Ergänzend ist
darauf hinzuweisen, dass nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ein Entscheid
der IV-Stelle für eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge verbindlich ist, sofern diese -
wie vorliegend die Beklagte (siehe act. G 1.5 ff. und act. G 1.8) - in das
invalidenversicherungsrechtliche Verfahren einbezogen wurde, die konkrete
Fragestellung für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der
Invalidenversicherung entscheidend war und die invalidenversicherungsrechtliche
Betrachtungsweise aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als
offensichtlich unhaltbar erscheint (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar
2016, 9C_154/2015, E. 3.1.1 mit Hinweisen auf BGE 133 V 69 E. 4.3.2 und 130 V 273
E. 3.1). Selbst wenn im Übrigen zur Bestimmung des Valideneinkommens nicht auf den
statistischen Verkäuferinnenlohn abgestellt würde, so wäre ein Prozentvergleich
angebracht (siehe zum Prozentvergleich etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 6.
April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Dieser würde vorliegend zu einem
50%igen Invaliditätsgrad führen, womit keine Rede davon sein kann, der von der IV-
Stelle ermittelte Invaliditätsgrad von 51% sei offensichtlich unrichtig. Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts ist es sodann nicht willkürlich, dass das
Valideneinkommen im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren wesentlich höher
als der bei der Berufsvorsorgeeinrichtung versicherte Jahresverdienst festgesetzt
worden ist: Anders als bei diesem handle es sich beim Valideneinkommen um das
hypothetische Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG; Urteil des Bundesgerichts vom 16.
Dezember 2016, 9C_656/2014, E. 5.5.3).
2.8 Ausgehend von einem Valideneinkommen von Fr. 53'206.-- und einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit resultiert ein Invaliditätsgrad von 100%. Unter Berücksichtigung
einer 50%igen Arbeitsfähigkeit und einem zu Recht unbestritten gebliebenen
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Invalideneinkommen von Fr. 25'922.-- resultiert ein Invaliditätsgrad von 51% (vgl. act.
G 1.5, S. 4). Bezüglich des Beginns der Rentenleistungen gilt es zu beachten, dass
weder das Gesetz noch das Reglement der Beklagten eine rechtliche Grundlage für
einen Aufschub der Invalidenrente bei einem Bezug von Taggeldern der
Invalidenversicherung enthalten. Art. 26 Abs. 5 des Reglements (in sämtlichen der drei
eingereichten Versionen, act. G 11.1.1 ff.) erfasst ausschliesslich Taggeldleistungen der
Krankentaggeld- und Unfallversicherung. Bezüglich eines allfälligen
Leistungsaufschubs gilt es zu beachten, dass Art. 26 lit. b BVV2 hierfür u.a.
voraussetzt, dass die Taggeldversicherung vom Arbeitgeber mindestens zur Hälfte
mitfinanziert wurde. Die Parteien haben sich hierzu bislang noch nicht geäussert und
aus den von ihnen eingereichten Akten lassen sich keine Erkenntnisse zur
Prämienaufteilung entnehmen. Vielmehr hat sich die Beklagte bislang hauptsächlich
zum Invaliditätsgrad und zur fehlenden Bindung an die von der IV-Stelle getroffenen
Feststellungen geäussert (act. G 11), weshalb sich allein schon mit Blick auf die
Verfahrensökonomie die Beschränkung des vorliegenden Entscheids auf die
grundsätzliche Invaliditätsgradermittlung rechtfertigt (vgl. BGE 129 V 453 E. 3.4 f. und
den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 25. Januar 2019, BV 2017/10, E. 4.1).
Die Sache ist deshalb zur Berechnung des Rentenanspruchs einschliesslich der
Ermittlung des Anspruchbeginns sowie zur Ausrichtung der Leistungen an die Beklagte
zu überweisen.
3.
Zum Anspruch auf Beitragsbefreiung (Art. 28 des Reglements) hat sich die Beklagte
ebenfalls nicht geäussert (act. G 11). Deshalb und da der Anspruch u.a. vom Bestehen
einer Invalidität abhängt (siehe Art. 28 Abs. 1 und 3 des Reglements in sämtlichen der
drei eingereichten Versionen, act. G 11.1.1 ff.), rechtfertigt sich ebenfalls eine
Überweisung an die Beklagte zur Prüfung der Beitragsbefreiung (vgl. BGE 129 V 453 E.
3.4 f. und den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 25. Januar 2019, BV 2017/10,
E. 4.1).
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4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Klage gutzuheissen und die Sache zur Berechnung
und Ausrichtung der Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100% bis
31. August 2014 (Arbeitsunfähigkeit von 100% bis Mai 2014, Austritt aus den
Psychiatrischen Diensten G._ zuzüglich 3 Monate gemäss Art. 88a Abs. 1 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) bzw. 51% ab 1.
September 2014 samt Verzugszinsen sowie zur Prüfung der Beitragsbefreiung an die
Beklagte zu überweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).
4.3 Dem Verfahrensausgang entsprechend sind der obsiegenden Klägerin in
Anwendung von Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) die Parteikosten von der unterliegenden
Beklagten zu erstatten. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen spricht in
BVG-Prozessen gestützt auf Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) bei vollem Obsiegen regelmässig eine
pauschale Entschädigung zwischen Fr. 2'500.-- und Fr. 4'500.-- zu (vgl. etwa den
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Februar 2017, BV
2014/12, E. 8.3). Die Klägerin hat keine Kostennote eingereicht. Vorliegend erscheint
unter Berücksichtigung des mehrfachen Schriftenwechsels die Zusprache einer
Entschädigung von Fr. 3'500.-- einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer
angemessen.