Decision ID: 0f78e049-16c1-4e87-8e22-99b9efaa0c5d
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Rechtsanwältin A. (nachfolgend "RAin A.") war amtliche Verteidigerin von B. Sie verteidigte ihn gegen eine Anklage wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz vor dem Bezirksgericht Bülach und  vor der I. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich. Das Zürcher Obergericht stellte dabei fest, dass die Verurteilung der  wegen dieses Deliktes (Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG) rechtskräftig geworden war. Es verurteilte ihn zu 28  Freiheitsstrafe, wobei ein Teil der Strafe bereits erstanden war und sie teilweise aufgeschoben wurde (vgl. act. 1.1 Urteil vom 4. Februar 2019, S. 25 f.). Von einer Landesverweisung sah das Obergericht neu ab (act. 1.1 S. 27 Ziff. 3). Die amtliche Verteidigerin wurde mit Fr. 6'000.-- entschädigt (Dispositiv Ziffer 4, S. 27).
B. Dagegen erhob RAin A. am 21. März 2019 Beschwerde an die  des Bundesstrafgerichts, mit den Anträgen (act. 1 S. 2):
1. Es sei Ziffer 4 des Urteils des Obergerichts des Kantons Zürich, Geschäfts-
Nr. SB180459-O, vom 4. Februar 2019, aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine Entschädigung für die Bemühungen und Barauslagen als amtliche  in der Höhe von CHF 14'857.50 (inkl. MwSt.) zuzusprechen;
2. Eventualiter sei Ziffer 4 des Urteils des Obergerichts des Kantons Zürich, Ge-
schäfts-Nr. SB180459-O, vom 4. Februar 2019 aufzuheben und im Sinne der  zur Neuentscheidung unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt.) gemäss dem Ausgang des Verfahrens an die Vorinstanz ;
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt) gemäss dem Ausgang
des Verfahrens sowie folgenden
prozessualen Anträgen 4. Es seien die Akten des Strafverfahrens, Geschäfts-Nr. SB180459-O, vor dem
Obergericht des Kantons Zürich beizuziehen; 5. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen.
Das Obergericht des Kantons Zürich nahm am 26. März 2019 Stellung (act. 3) und reichte die Akten ein. Die Stellungnahme wurde RAin A. am 10. April 2019 zur Kenntnis gebracht (act. 5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug .
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gegen den Entschädigungsentscheid durch ein kantonales Berufungsge-
richt kann die amtliche Verteidigung bei der Beschwerdekammer des  Beschwerde nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO  (Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO i.V.m. Art. 35 Abs. 1 und Art. 37 Abs. 1 StBOG; BGE 143 IV 40 E. 3.2.2; 141 IV 187 E. 1.2). Zur Beschwerde  sind jede Partei oder andere Verfahrensbeteiligte, welche ein  geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des  Entscheides haben (Art. 382 Abs. 1 StPO; Botschaft vom 21.  2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 S. 1308). Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist  zehn Tagen schriftlich und begründet einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Die Frist für die Beschwerde beginnt mit der Eröffnung des schriftlich begründeten Entscheids (BGE 143 IV 40 E. 3.4.4).
1.2 Die Beschwerdeführerin erhielt von der Vorinstanz als amtliche Verteidigerin weniger zugesprochen, als beantragt. Sie ist zur vorliegenden Beschwerde legitimiert. Auf die auch frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. 2.1 Die Beschwerdeführerin legt dar, sie habe einen Aufwand von 62.25 Stun-
den à Fr. 220.-- pro Stunde in ihrer Rechnung vom 4. Februar 2019 . Dies ergebe Fr. 13'795.25, Fr. 14'857.50 zuzüglich Spesen,  und Mehrwertsteuer (act. 1 S. 6 f., 8). Sie sei vom Obergericht aber nur mit Fr. 6'000.-- entschädigt worden (inkl. Auslagen und MwSt.), mithin mit einem Stundenansatz von Fr. 96.--. Die Beschwerdeführerin rügt, ihre  im Verfahren der Vorinstanz sei massiv und in willkürlicher Art und Weise zu tief ausgefallen. Überdies sei die pauschalisierte Festlegung nicht im Einzelnen begründet worden, was ihr rechtliches Gehör verletze (act. 1 S. 4). Es lasse sich nicht erkennen, welche Positionen unnötig oder übersetzt gewesen sein sollen. Die massive Kürzung sei nicht gerechtfertigt worden (act. 1 S. 7).
Der Aufwand sei ausgewiesen und nicht überzogen, vielmehr unvermeidbar und zwingend nötig, um eine angemessene und ausreichende Verteidigung zu gewährleisten. Für die Berufungsverhandlung habe sie zwei Plädoyers von insgesamt 45 Seiten verfasst. Entgegen dem Obergericht sei der  Aktenumfang nicht gering gewesen, sondern habe 650 Seiten um-
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fasst. Die Themen des Berufungsverfahrens, die Bemessung der Strafe  der Landesverweis, seien für die gesamte Zukunft ihres Mandanten  gewesen. Schon das Absehen von der Landesverweisung durch das Obergericht zeige, dass ihr Aufwand sowohl nötig als auch gerechtfertigt gewesen sei (act. 1 S. 9).
2.2 Die amtliche Verteidigung wird nach dem Anwaltstarif des Kantons , in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Nach der Zürcher Verordnung vom 8. September 2010 über die Anwaltsgebühren (AnwGebV; LS 215.3) setzt sich die Vergütung aus der Gebühr und den  Auslagen zusammen (§ 1 Abs. 2 AnwGebV). Im  wird die Gebühr grundsätzlich nach den für die Vorinstanz geltenden  bemessen. Dabei wird auch berücksichtigt, ob das Urteil vollumfänglich oder nur teilweise angefochten worden ist (§ 18 Abs. 1 AnwGebV). Für die Führung eines Strafprozesses einschliesslich Vorbereitung des  und Teilnahme an der Hauptverhandlung beträgt die Grundgebühr vor den Bezirksgerichten in der Regel Fr. 1'000.-- bis Fr. 28'000.-- (§ 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV). Bemessungsgrundlagen sind im Strafprozess im  die Bedeutung des Falles, die Verantwortung der Anwältin, der  Zeitaufwand sowie die Schwierigkeit des Falles (§ 3 Abs. 1 lit. b–e AnwGebV).
2.3 Die Vorinstanz setzte das Honorar der amtlichen Verteidigerin nicht nach Zeitaufwand (vgl. dazu § 3 AnwGebV), sondern nach einer Pauschale fest (vgl. vorstehende Erwägung 2.2).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es zulässig, für das  Pauschalen vorzusehen. Bei einer Honorarbemessung nach Pauschalbeträgen werden alle prozessualen Bemühungen zusammen als einheitliches Ganzes aufgefasst und der effektive Zeitaufwand lediglich im Rahmen des Tarifansatzes berücksichtigt. Pauschalen nach Rahmentarifen erweisen sich aber als verfassungswidrig, wenn sie auf die konkreten  in keiner Weise Rücksicht nehmen und im Einzelfall ausserhalb jedes vernünftigen Verhältnisses zu den vom Rechtsanwalt geleisteten Diensten stehen (BGE 141 I 124 E. 4.3 S. 128 mit Hinweis). Ausgangspunkt ist eine Gesamtbetrachtung des Honorars unter Berücksichtigung des  Falles. Richtet ein Gericht das Anwaltshonorar so nach dem  Tarif als Pauschalbetrag aus, darf es von einer Beurteilung der  Positionen der eingereichten Honorarrechnung absehen (BGE 143 IV 453 E. 2.5.1; 141 I 124 E. 4.5).
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Durfte die Vorinstanz bei Verwendung einer Pauschale davon absehen, die Positionen der Honorarrechnung einzeln zu beurteilen, so geht die erhobene Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs (Begründungspflicht) ins Leere. Damit ist zu prüfen, ob die Pauschale die Umstände des konkreten Falles berücksichtigt hat.
2.4 Das Obergericht des Kantons Zürich begründet im Urteil vom 4. Februar 2019 die Festsetzung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung auf Fr. 6'000.-- wie folgt: Gemäss Praxis sei bei so genannten einfachen  von den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung . Ein solches Standardverfahren liege vor: Der Aktenumfang sei gering und im Berufungsverfahren nur noch eine kleine Anzahl relevanter  dazugekommen. Das Berufungsgericht habe nur die Bemessung und Art der Strafe sowie den Entscheid über eine Landesverweisung zu beurteilen gehabt. An der Berufungsverhandlung habe sich die Staatsanwaltschaft  lassen und lediglich die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils verlangt. Ferner sei es nur um ein einziges Delikt gegangen. Die  decke die gewöhnlichen Bemühungen des Verteidigers, wie eine  mit dem Beschuldigten, das Aktenstudium, die Vorbereitung und Teilnahme an der Berufungsverhandlung sowie das Studium des .
2.5 Den Kantonen steht bei der Bemessung des Honorars des unentgeltlichen Rechtsvertreters ein weites Ermessen zu. Das Bundesstrafgericht greift wie das Bundesgericht nur ein, wenn die Festsetzung des Honorars ausserhalb jedes vernünftigen Verhältnisses zu den vom Anwalt geleisteten Diensten steht und in krasser Weise gegen das Gerechtigkeitsgefühl verstösst.  übt es grosse Zurückhaltung, wenn das kantonale Sachgericht den Aufwand als übersetzt bezeichnet und entsprechend kürzt. Es ist Sache der kantonalen Behörden, die Angemessenheit anwaltlicher Bemühungen zu beurteilen (BGE 141 I 124 E. 3.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_1252/2016 vom 9. November 2017 E. 2.4, in BGE 143 IV 453 nicht publ. Erwägung; 6B 360/2014 vom 30. Oktober 2014 E. 3.3, nicht publ. in BGE 140 IV 213; 6B_332/2017 vom 18. Januar 2018 E. 2.5).
2.6 Die Vorinstanz begründet nachvollziehbar, dass ein Standardverfahren im Rahmen der Gebührensätze der Anwaltsgebührenverordnung (Fr. 1'000 bis Fr. 28'000.--) vorliegt. Dies bestreitet die Beschwerdeführerin nicht. Ihre  zielen darauf ab, die Pauschale sei innerhalb des Gebührenrahmens zu tief angesetzt. Ein pauschalisierendes Vorgehen setzt nicht – wovon die Beschwerdeführerin aber auszugehen scheint – eine systematische  mit einem Stundenansatz von Fr. 180.-- voraus (vgl. BGE 143 IV
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453 E. 2.5.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_332/2017 vom 18. Januar 2018 E. 2.7). Die Begründung der Vorinstanz setzt sich mit den konkreten  auseinander. Die Beschwerdeführerin nahm schon vor Bezirksgericht Bülach die amtliche Verteidigung wahr. Sie ist daher mit den Akten der ersten Instanz vertraut; im Berufungsverfahren sind nur wenige relevante Akten neu hinzugekommen. Es geht nur um ein Delikt, die Staatsanwaltschaft bringt keine neuen Argumente vor und das erstinstanzliche Urteil ist nur teilweise angefochten. Das Berufungsverfahren beschränkt sich auf die Überprüfung der Sanktion und der Landesverweisung. Nach der Bedeutung, dem  Zeitaufwand sowie der Schwierigkeit des Falles erscheint eine  im unteren Bereich des Gebührenrahmens nicht als . Eine aussergewöhnliche Verantwortung der Anwältin ist nicht , ist doch jedes Strafverfahren für die Betroffenen von Gewicht und die Verteidigung daher auch dem Anwaltsmonopol vorbehalten. Es ist  nicht zu erkennen, dass die Höhe der nach der Praxis der Vorinstanz festgesetzten Entschädigung unhaltbar wäre und die Beschwerdeführerin kann dies auch nicht dartun. Die Rüge ist unbegründet. Die  unterliegt damit vollumfänglich.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Ge-
richtskosten zu tragen (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 2'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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