Decision ID: 476ba83a-c2d5-45d6-8d82-dee47c473054
Year: 2012
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts genüge
nicht und sei revisionsrechtlich unbeachtlich. Vorliegend sei nicht von einem
Revisionsgrund auszugehen, da sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers – wie aus der Beurteilung von RAD-Ärztin Dr. med. ... vom
12. Mai 2011 hervorgehe (50 % Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit) – seit
der Verfügung vom 12. Oktober 2005 nicht geändert habe. Aus dem
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers könne deshalb kein
Revisionsgrund abgeleitet werden, wovon auch die Beschwerdegegnerin
ausgehe. Wie die Akten weiter zeigten, habe die IV-Stelle für Versicherte im
Ausland vor Erlass ihrer Rentenverfügung vom 12. Oktober 2005 davon
Kenntnis gehabt, dass der Versicherte seit 1. November 2004 zu 50 % bei ... in
... als Chauffeur erwerbstätig sei und hierbei Fr. 2'500.-- monatlich
beziehungsweise Fr. 30'000.-- im Jahr verdiene. Wenn die
Beschwerdegegnerin nun mit Verfügung vom 15. Juli 2011 den bereits im
Zeitpunkt der Verfügung vom 12. Oktober 2005 bekannten Sachverhalt –
Tätigkeit des Beschwerdeführers als Chauffeur zu 50 % – als
rentenherabsetzend qualifiziere, liege keine revisionsrechtlich erforderliche
Änderung anspruchsbegründender Tatsachen vor, sondern eben eine
revisionsrechtlich unbeachtliche Neubeurteilung längst bekannter Tatsachen.
Auch in materieller Hinsicht sei die verfügte revisionsweise Herabsetzung der
Invalidenrente ungerechtfertigt. Bei der Ermittlung des Valideneinkommens sei
nicht auf die LSE-Tabelle Gastgewerbe abzustellen und auch nicht auf den
Durchschnitt aller Wirtschaftszweige, da der Beschwerdeführer vor seiner
Einreise in die Schweiz einige Jahre als Baggerführer, mithin als Baumaschinist
gearbeitet habe. Ein erfahrender und ausgebildeter Berufschauffeur erziele
aktuell einen Jahreslohn zwischen Fr. 78'000.-- und Fr. 90'000.--. Der Anspruch
auf eine halbe Invalidenrente sei somit nach wie vor ausgewiesen. Damit
entfalle auch die am 13. Juli 2011 verfügte Rückforderung im Betrag von Fr.
7'007.--.
3. In ihrer Vernehmlassung vom 2. November 2011 beantragte die
Beschwerdegegnerin, dem Beschwerdeführer sei eine reformatio in peius in
dem Sinne anzudrohen, dass die Rückforderungsverfügung der
Beschwerdegegnerin vom 13. Juli 2011 in der Höhe von Fr. 7'007.--
aufgehoben und dem Beschwerdeführer eine Rückerstattung für zu viel
erhaltene Leistungen in der Höhe von Fr. 9'866.-- auferlegt werde. Es sei ihm
zudem Gelegenheit zu geben, die Beschwerde zurückzuziehen und die
Rückforderungsverfügung vom 13. Juli 2011 in Kraft treten zu lassen.
Eventualiter sei die Beschwerde gegen die Rückforderungsverfügung vom 13.
Juli 2011 abzuweisen. Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. Juli 2011
sei abzuweisen.
In ihrer Begründung hielt die Beschwerdegegnerin unter Verweis auf ihre
Verfügungen vom 13. und 15. Juli 2011 fest, dass der IV-Stelle für Versicherte
im Ausland vor Erlass der ursprünglichen Verfügung vom 12. Oktober 2005
durchaus bekannt gewesen sei, dass der Beschwerdeführer ab 1. November
2004 bei ..., in einem Pensum von 50 % als Chauffeur tätig gewesen sei und
dabei Fr. 2'500.-- im Monat bzw. Fr. 30'000.-- im Jahr verdient habe, was von
der Beschwerdegegnerin weder bestritten noch als rentenherabsetzend
qualifiziert worden sei. Hingegen habe die Beschwerdegegnerin erst anlässlich
der Revision von Amtes wegen erfahren, dass der Beschwerdeführer ab 1.
Dezember 2006 bei ... Transports, ..., in einem Pensum von 50 % als
Chauffeur tätig sei und dabei Fr. 3'090.-- im Monat bzw. Fr. 37'080.-- im Jahr
verdiene, was als rentenherabsetzender Tatbestand bzw. als valabler
Revisionsgrund zu qualifizieren sei. Der mit dem neuen Invalideneinkommen
von Fr. 37'080.-- ermittelte IV-Grad der Anpassungsverfügung vom 15. Juli
2011 betrage denn auch 40.07 %, und nicht mehr 50 %, und berechtige somit
lediglich zu einer Viertelsrente und nicht mehr zu einer halben Rente. Aus den
Akten ergebe sich, dass die Beschwerdegegnerin am 22. Februar 2010
Kenntnis darüber gehabt habe, dass der Beschwerdeführer ab 1. Dezember
2009 bei ... Transports, ..., in einem Pensum von 50 % als Chauffeur tätig sei
und dabei Fr. 3'090.-- im Monat verdiene. Nicht aktenkundig sei dagegen eine
Meldung des Beschwerdeführers in Bezug auf die wesentliche Änderung seiner
Erwerbslage ab 1. Dezember 2006. Der Beschwerdeführer habe somit die ihm
auferlegte Meldepflicht für die Zeit vom 1. Dezember 2006 (Datum des Beginns
des Arbeitsverhältnisses bei ...Transports, ...) bis 28. Februar 2010 (Monat in
welchem der Arbeitsvertrag vom 23. November 2009 der IV eingereicht worden
sei) verletzt.
Der Entwurf der korrekten Rückforderungsverfügung vom 20. Oktober 2011
zeige auf, dass für die Dauer vom 1. Dezember 2006 bis 28. Februar 2010 eine
Meldepflichtverletzung vorliege, sowie, dass für zu viel erhaltene Leistungen Fr.
9'866.-- zurückzuerstatten seien. Bei der Berechnung seien die neu
festgestellte Dauer der Meldepflichtverletzung, die Zusatzrente für die
Ehepartnerin und der Vergleich der zusammenhängenden
Verrechnungsperioden berücksichtigt worden.
Vorliegend habe der Beschwerdeführer wie soeben dargelegt entgegen der
Rückforderungsverfügung der IV-Stelle vom 13. Juli 2011 für zu viel erhaltene
Leistungen Fr. 9'866.-- zurückzuerstatten. Sollte das Urteil des
Verwaltungsgerichts lauten, dass die angefochtene Verfügung vom 13. Juli
2011 aufgehoben und dem Beschwerdeführer auferlegt werde, dass er für zu
viel erhaltene Leistungen Fr. 9'866.-- zurückzuerstatten habe und daher für den
Beschwerdeführer schlechter ausfalle als die angefochtene Verfügung, habe
das Verwaltungsgericht dem Beschwerdeführer Gelegenheit zu geben, die
Beschwerde zurückzuziehen und die Verfügung vom 13. Juli 2011 in Kraft
treten zu lassen.
4. Mit Replik vom 14. Dezember 2011 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Rechtsbegehren fest. Es treffe nicht zu, dass er die Meldepflicht verletzt habe.
Er habe am 4. Juli 2005 um 12:08 Uhr der IV-Stelle für Versicherte im Ausland
in Genf telefonisch mitgeteilt, dass er in der Schweiz erwerbstätig sei. Am 12.
Oktober 2005 habe die IV-Stelle für Versicherte im Ausland die
Rentenverfügung erlassen. Das für den Beschwerdeführer bestimmte Exemplar
sei an seine Adresse in Portugal gesandt worden. Nach Erlass der Verfügung
vom 12. Oktober 2005 habe der Beschwerdeführer wiederholt der IV-Stelle für
Versicherte im Ausland telefonisch mitgeteilt, dass er in der Schweiz wohnhaft
und erwerbstätig sei, hierbei habe er auch die Höhe des ab November 2006
erzielten Erwerbseinkommens erwähnt. Offenbar habe die IV-Stelle für
Versicherte im Ausland sowohl den Telefonanruf vom 4. Juli 2005 als auch die
nach der Verfügung vom 12. Oktober 2005 erfolgten telefonischen Mitteilungen
des Beschwerdeführers – wenn überhaupt – nicht dauerhaft aktenkundig
gemacht. Die Akten der IV-Stelle für Versicherte im Ausland seien daher
unvollständig und nicht beweistauglich. Die desolate Aktenführung der IV-Stelle
für Versicherte im Ausland sei ohnehin notorisch. Obschon der
Beschwerdeführer der IV-Stelle für Versicherte im Ausland telefonisch seinen
Wohnsitz in der Schweiz und seine Erwerbssituation mitgeteilt habe, habe diese
die ihn betreffenden Akten der Beschwerdegegnerin erst im Jahre 2010
überwiesen. Eine Verletzung der Meldepflicht durch den Beschwerdeführer
liege demnach nicht vor, vielmehr sei er seiner Meldepflicht umfassend
nachgekommen. Im Übrigen werde an der Beschwerde festgehalten,
insbesondere sei das Valideneinkommen wesentlich höher als von der
Beschwerdegegnerin angenommen.
5. Mit Schreiben vom 12. Januar 2012 reichte der Beschwerdeführer eine Replik-
Ergänzung ein und machte im Sinne eines Eventualantrags die Verwirkung der
von der Beschwerdegegnerin erhobenen Rückforderung geltend. Sowohl die
Rückforderungsverfügung vom 13. Juli 2011 als auch der „Entwurf“ vom 20.
Oktober 2011 seien verspätet im Sinne von Art. 25 Abs. 2 ATSG, seien sie
doch mehr als ein Jahr später ergangen, nachdem die Beschwerdegegnerin
vom – vermeintlichen – Rückforderungsanspruch Kenntnis erlangt habe. Dem
Vorbescheid vom 20. Januar 2011 könne keine fristwahrende Wirkung
zukommen im Sinne von BGE 119 V 431, denn damit sei lediglich eine
Rentenaufhebung per 1. Dezember 2006 bei einem angeblichen
Invaliditätsgrad von 21.89 % in Aussicht gestellt worden, nicht aber die nach
Meinung der Beschwerdegegnerin resultierende Rückforderung im Quantitativ
bekannt gegeben. Der Vorbescheid sei lediglich ein Informationsschreiben, dem
keine fristwahrende Wirkung zukomme (unter Verweis auf das Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Februar 2007 I 1023/06). Die
Rückforderungsverfügung vom 13. Juli 2011 sei dem Beschwerdeführer nicht
vorgängig in Form eines Vorbescheids zugestellt worden. Erst recht gelte dies
für den „Entwurf“ vom 20. Oktober 2011, der dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers erstmals am 16. Dezember 2011 mittels Zustellung der
Gerichtsakten zugekommen, aber erst am 12. Januar 2012 bei der
fristwahrenden Bearbeitung zur Kenntnis genommen worden sei.
6. Mit Schreiben vom 24. Januar 2012 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
eine Duplik, wies allerdings nochmals darauf hin, dass eine Meldung des
Beschwerdeführers in Bezug auf die wesentliche Änderung seiner Erwerbslage
ab 1. Dezember 2006 nicht aktenkundig sei. Sofern der Beschwerdeführer –
wie er angebe – diesen Umstand der IV-Stelle für Versicherte im Ausland
tatsächlich wiederholt telefonisch mitgeteilt hätte, hätte die IV-Stelle für
Versicherte im Ausland diese telefonischen Angaben mit Sicherheit aktenkundig
gemacht.
7. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie auf die angefochtenen
Verfügungen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen
eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-
Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar.
Die Verfügung der IV-Stelle vom 13. Juli 2011 betreffend die Rückforderung zu
viel bezogener Leistungen bzw. die Verfügung vom 15. Juli 2011 betreffend die
Herabsetzung der IV-Rente stellen demnach taugliche Anfechtungsobjekte für
ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die
sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich überdies aus Art.
49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100). Auf die zudem fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten. Da sich die Beschwerde vom 14. September 2011 sowohl gegen
die Verfügung vom 13. Juli 2011 als auch gegen jene vom 15. Juli 2011 richtet,
drängt sich eine Vereinigung der beiden Verfahren geradezu auf. Streitig und
zu prüfen ist einerseits die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die IV-
Rente des Beschwerdeführers rückwirkend per 1. Dezember 2006 herabgesetzt
und andererseits, ob sie zu Recht zu viel bezogene Leistungen vom
Beschwerdeführer zurückgefordert hat.
2. a) Zunächst stellt sich in Bezug auf den Rückforderungsanspruch die Frage der
Verwirkung gemäss Art. 25 Abs. 2 Satz 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), wonach der
Rückforderungsanspruch mit Ablauf eines Jahres erlischt, nachdem die
Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit
dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Die
Verwirkung ist von Amtes wegen zu prüfen, weshalb der Eventualantrag in der
Replik-Ergänzung vom 12. Januar 2012 zulässig ist (zur Verwirkung siehe
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St.
Gallen 2010, N. 795; KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Rz. 2 ff.
zu Art. 24 sowie das Urteil des Bundesgerichts I 1023/06 vom 12. Februar 2007
E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
b) Vorliegend ergibt sich aus den Akten, dass die Beschwerdegegnerin am
22. Februar 2010 Kenntnis davon gehabt hat, dass der Beschwerdeführer bei
... Transports, ..., in einem Pensum von 50 % als Chauffeur angestellt war und
dabei Fr. 3'090.-- im Monat bzw. Fr. 37'080.-- im Jahr verdiente (vgl. act. 71 -
67/68 der Beschwerdegegnerin). Bis zu diesem Zeitpunkt muss die
Beschwerdegegnerin davon ausgegangen sein, dass der Beschwerdeführer
seit 1. November 2004 bei ... Transport, ..., in einem Pensum von 50 % als
Chauffeur tätig war und dabei Fr. 2'500.-- im Monat bzw. Fr. 30'000.-- im Jahr
verdiente. Ein früherer Beleg dafür, dass die Beschwerdegegnerin von der
Anstellung des Beschwerdeführers bei ... Transports Kenntnis hatte, ist in den
Akten nicht ersichtlich. Die einjährige Verwirkungsfrist hat somit am 22. Februar
2010 zu laufen begonnen.
c) Grundsätzlich gilt, dass die Fristen des Art. 25 Abs. 2 ATSG gewahrt sind, wenn
vor Ablauf der massgebenden Frist eine Rückerstattungsverfügung ergeht und
der rückerstattungspflichtigen Person zugestellt wird. Nicht ausreichend ist der
Zugang eines nicht in Verfügungsform abgefassten allgemeinen Schreibens,
denn aufgrund von Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11) muss eine Rückforderung
verfügt werden (vgl. KIESER, a.a.O., Rz. 43 zu Art. 25). Ein Vorbescheid genügt
grundsätzlich für die Fristwahrung, zumal er die Voraussetzungen einer
Verfügung erfüllt (vgl. BGE 119 V 431 E. 3a - c sowie das Urteil des
Bundesgerichts I 1023/06 vom 12. Februar 2007 E. 3.3).
Mit Vorbescheid der Beschwerdegegnerin vom 20. Januar 2011 – und somit
innert Jahresfrist seit Kenntnis des Rückforderungsanspruchs durch die
Beschwerdegegnerin – ist der Beschwerdeführer über die in Aussicht stehende
Rückforderung informiert worden (Dispositiv Ziffer 2) und es wurde ihm eine
separate Verfügung in Aussicht gestellt. Der Vorbescheid enthielt zwar die den
Rückforderungsanspruch betreffende Periode vom 1. Dezember 2006 bis 30.
Juni 2010, nicht aber eine genaue Bezifferung der Rückforderung. Fraglich ist
folglich, ob der Vorbescheid vom 20. Januar 2011 (inhaltlich) genügend
bestimmt war für die Fristwahrung.
d) Für die Annahme, dass der Vorbescheid genügend bestimmt war, spricht, dass
die den Rückforderungsanspruch betreffende Periode angegeben worden ist
und der ausstehende Betrag somit hätte errechnet werden können. Der
Beschwerdeführer wurde somit in rechtsgenüglicher Form in Kenntnis gesetzt,
dass er die zu viel bezogenen Leistungen zurückzahlen muss. Gegen die
Annahme, dass der Vorbescheid genügend bestimmt war, spricht, dass das
Quantum bzw. die Höhe des Rückforderungsanspruchs nicht klar war. Da
allerdings – wie bereits erwähnt – im Vorbescheid vom 20. Januar 2011 die den
Rückforderungsanspruch betreffende Periode angegeben worden ist und der
ausstehende Betrag somit hätte errechnet werden können, hat das Gericht
keinen Anlass, die Verwirkung des Anspruchs zu bejahen. Der
Beschwerdeführer war mit Vorbescheid vom 20. Januar 2011 in der Sache
grundsätzlich informiert und konnte somit die ungefähre Höhe des
Rückforderungsanspruchs abschätzen. Die primäre Funktion eines
Vorbescheids ist denn auch die Gewährung des rechtlichen Gehörs und lässt
im Rahmen des Einwandverfahrens Raum für eine umfassende Abwägung der
von einer Verfügung berührten Interessen. Die Verwirkung des
Rückforderungsanspruchs ist somit zu verneinen.
3. Weiter stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführer in Bezug auf seine
Arbeitsstelle bzw. auf sein höheres Einkommen seine Meldepflicht gegenüber
der Beschwerdegegnerin verletzt hat. Gemäss Art. 31 Abs. 1 ATSG ist der
Beschwerdeführer als Leistungsbezüger bei wesentlich veränderten
Verhältnissen grundsätzlich melde- und beweispflichtig. Bei Veränderung der
Erwerbstätigkeit bzw. der wirtschaftlichen Gegebenheiten ist die genannte
Meldepflicht unbestritten (vgl. KIESER, a.a.O., Rz. 2 ff. zu Art. 31), was auch
vom Beschwerdeführer grundsätzlich nicht in Frage gestellt wird. Allerdings
stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, er habe am 4. Juli 2005
um 12:08 Uhr der IV-Stelle für Versicherte im Ausland in Genf telefonisch
mitgeteilt, dass er in der Schweiz erwerbstätig sei. Die vom Beschwerdeführer
zum Beweis den Akten beigelegte Telefonnotiz ist hier allerdings nicht relevant,
da sie nur belegt, dass der Beschwerdeführer damals in der Schweiz zu 50 %
arbeitstätig war. Die vorliegend in Frage stehende Änderung und damit der
Revisionsgrund betrifft die Situation im Dezember 2006, als der
Beschwerdeführer eine neue Stelle bei ... Transports in ... angetreten hatte und
ca. Fr. 500.-- mehr im Monat verdiente als bei seiner vorangehenden Stelle. Da
der Beschwerdeführer eine diesbezügliche Meldung behauptet, hat er auch die
Beweislast dafür zu tragen. Aufgrund der vorliegenden Akten gelingt es dem
Beschwerdeführer jedoch nicht zu beweisen, dass er die genannten
Änderungen der Beschwerdegegnerin gemeldet hat. Es fehlen diesbezügliche
Aktennotizen sowohl bei der IV-Stelle für Versicherte im Ausland als auch bei
der Beschwerdegegnerin, obwohl der Beschwerdeführer behauptet, mehrmals
telefonisch über seine Erwerbstätigkeit informiert zu haben. Folglich ist mangels
Beweisen von einer Verletzung der Meldepflicht seitens des Beschwerdeführers
auszugehen.
4. a) Fraglich ist sodann, ob sich der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers
insofern geändert hat, dass ein Revisionsgrund vorgelegen hat und die IV-
Rente des Beschwerdeführers zu Recht rückwirkend per 1. Dezember 2006
herabgesetzt worden ist. Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird die Rente von
Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad eines
Rentenbezügers erheblich ändert. Art. 31 Abs. 1 IVG bestimmt sodann, dass,
sofern eine rentenberechtigte Person neu ein Erwerbseinkommen erzielen oder
ein bestehendes Erwerbseinkommen erhöhen kann, die Rente nur dann im
Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG revidiert wird, wenn die
Einkommensverbesserung jährlich mehr als Fr. 1‘500.-- beträgt, was vorliegend
der Fall ist (vgl. vorstehend E. 3). Die Voraussetzung der Änderung des
Invaliditätsgrads bringt sodann mit sich, dass eine bestimmte Änderung der
anspruchsbegründenden Tatsachen eingetreten sein muss. Zu diesen
Tatsachen gehören der Gesundheitszustand, die medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit, das massgebende Vergleichseinkommen, d.h. das Validen-
und das Invalideneinkommen, sowie die Methode der Invaliditätsbemessung
(vgl. KIESER, a.a.O., Rz. 16 ff. zu Art. 17).
b) Vorliegend steht das massgebende Vergleichseinkommen, d.h. die Berechnung
des Validen- und des Invalideneinkommens, zur Diskussion, da sich das
tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen (Invalideneinkommen) erhöht hat. Bei
der Bestimmung des Valideneinkommens ist grundsätzlich darauf abzustellen,
was der Versicherte aufgrund seiner beruflichen Fähigkeiten und persönlichen
Umstände – im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit – als Gesunder tatsächlich verdienen
würde, nicht was er als voll Erwerbstätiger bestenfalls verdienen könnte. In der
Regel wird dabei von demjenigen Einkommen ausgegangen, welches bei
Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt worden ist (LOCHER, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. 2003, S. 250; RKUV 1993 Nr. U 168 E. 3b;
Urteil des Verwaltungsgerichts vom 8. März 2005 S 05 4 E. 4a). Theoretisch
vorhandene berufliche Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten sind nur
dann zu beachten, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten
wären. Für die Annahme einer mutmasslichen beruflichen Weiterentwicklung ist
daher der Nachweis konkreter Anhaltspunkte dafür verlangt, dass der
Versicherte einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres
Einkommen auch tatsächlich realisiert hätte, wenn er nicht invalid geworden
wäre, blosse Absichtserklärungen genügen nicht (vgl. BGE 96 V 30; AHI 1998
S. 171 E. 5a sowie das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 8. März 2005 E.
4a).
Vorliegend sind aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich,
wonach sich der Beschwerdeführer beruflich hätte weiterentwickeln können.
Auch sind die Zahlen, wonach ein erfahrener und ausgebildeter Berufschauffeur
– wie es der Beschwerdeführer behauptet – einen Jahreslohn zwischen Fr.
78‘000.-- und Fr. 90‘000.-- erzielte, nicht ausgewiesen. Demnach ist die
Vorinstanz bei der Ermittlung des hypothetischen Valideneinkommens zu Recht
– in Berücksichtigung der vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten
Einkommen – vom LSE-Lohn im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige,
Anforderungsniveau 4, ausgegangen (Fr. 4‘806.-- : 40 x 41.7 x 12 x 1.021 x
1.008 = Fr. 61‘876.73). Zum jetzigen Zeitpunkt verdient der Beschwerdeführer
bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % Fr. 37‘080.-- im Jahr. Somit resultiert bei
einer Erwerbseinbusse von Fr. 24‘796.73 ein IV-Grad von 40.07 %, welcher
Anspruch auf eine Viertelsrente gibt (Fr. 61‘876.73 – Fr. 37‘080.-- = 24‘796.73).
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass sich im vorliegenden Fall das
massgebende Vergleichseinkommen geändert hat und die IV-Stelle somit zu
Recht von einem Revisionsgrund ausging und den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers zu Recht herabgesetzt hat.
5. a) Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass dem Beschwerdeführer ab
1. Dezember 2006 zu Recht nur eine Viertelsrente zustand. Die in der Zeit vom
1. Dezember 2006 bis 28. Februar 2010 bezogenen Leistungen, die über eine
Viertelsrente hinausgehen, sind somit zu Unrecht ausgerichtet worden. Streitig
und zu prüfen bleibt die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht aufgrund
der Verletzung der Meldepflicht (vgl. vorstehend Ziff. 3) die Rückerstattung der
zu viel bezogenen Leistungen verfügt hat.
b) Unrechtmässig bezogene Leistungen sind gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG
zurückzuerstatten. Liegt eine Verletzung der Meldepflicht im Sinne von Art. 77
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) vor, ist
gemäss Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV zwischen dem zu sanktionierenden Verhalten
(Meldepflichtverletzung) und dem eingetretenen Schaden (unrechtmässiger
Bezug von Versicherungsleistungen) ein Kausalzusammenhang erforderlich.
Die bis zum Eintreffen einer verspäteten Meldung bezüglich Arbeitsaufnahme
bzw. Erwerbseinkommen unrechtmässig bezogene Rente unterliegt
grundsätzlich der Rückerstattungspflicht. Nicht mehr rückerstattungspflichtig ist
hingegen die nach Eingang der verspäteten Meldung bezogene Rente (vgl.
BGE 119 V 431 E. 4 S. 434 f.; 118 V 214 E. 3 S. 219 ff. sowie das Urteil des
Bundesgerichts 8C_6/2010 vom 4. Mai 2010 E. 5).
c) Der Beschwerdeführer erzielte vom 1. Dezember 2006 bis 28. Februar 2010
(Monat, in welchem der Arbeitsvertrag vom 23. November 2009 der
Beschwerdegegnerin eingereicht worden ist) in Verletzung seiner Meldepflicht
(vgl. vorstehend Ziff. 3) ein höheres Erwerbseinkommen. Ausweislich der Akten
erfuhr die Beschwerdegegnerin am 22. Februar 2010 vom Beschwerdeführer
von seinem Stellenwechsel bzw. von seinem höheren Einkommen. Die
Meldepflichtverletzung erweist sich somit als kausal für den unrechtmässigen
Leistungsbezug für die Zeit vom 1. Dezember 2006 bis 28. Februar 2010.
Hingegen entfällt die Rückerstattungspflicht ab 1. März 2010, d.h. ab dem der
verspäteten Meldung bzw. der Kenntnisnahme durch die Beschwerdegegnerin
folgenden Monat (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_6/2010 vom 4. Mai
2010 E. 5.2 mit weiteren Hinweisen). Mit Verfügung vom 20. Oktober 2011 hat
die Beschwerdegegnerin während dem vorliegenden Verfahren ihrerseits die
Periode des Rückerstattungsanspruchs auf die Zeit vom 1. Dezember 2006 bis
28. Februar 2010 korrigiert, obschon sie in den Verfügungen vom 13. bzw. 15.
Juli 2011 noch von einer Periode vom 1. Dezember 2006 bis 30. Juni 2010
ausgegangen ist. Die Rückerstattung der zu Unrecht bezogenen
Rentenleistungen in der Zeit vom 1. Dezember 2006 bis 28. Februar 2010 hat
die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 20. Oktober 2011, welche die
Rückforderungsverfügung vom 13. Juli 2011 ersetzt hat, allerdings zu seinen
Gunsten verfügt.
6. a) Schliesslich stellt sich die Frage einer eventuellen reformatio in peius, welche
die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 2. November 2011
aufgeworfen und beantragt hat, die Rückforderungsverfügung 13. Juli 2011 in
der Höhe von Fr. 7'007.-- solle aufgehoben und dem Beschwerdeführer eine
Rückerstattung für zu viel erhaltene Leistungen in der Höhe von Fr. 9'866.--
auferlegt werden. Die Beschwerdegegnerin hat nämlich mit Verfügung vom 20.
Oktober 2011 nicht nur die Periode des Rückerstattungsanspruchs sondern
auch die Höhe des Betrags korrigiert, da die Ehegattenzusatzrente ab 2008
weggefallen ist (5. IV-Revision). Wie vorstehend unter Ziff. 4 gezeigt, ist der
Beschwerdeführer grundsätzlich rückerstattungspflichtig, da ein Revisionsgrund
gegeben war und eine Verletzung der Meldepflicht vorliegt (vgl. vorstehend Ziff.
3). Fraglich ist, ob die Beschwerdegegnerin im Sinne einer reformatio in peius
den höheren Betrag von Fr. 9‘866.-- statt der erstmals verfügten Fr. 7‘007.--
zurückfordern darf.
b) Das Verwaltungsgericht hat grundsätzlich eine volle Überprüfungsbefugnis (Art.
61 lit. c ATSG) und ist gemäss Art. 61 lit. d ATSG an die Begehren der Parteien
nicht gebunden (Satz 1). Es kann eine Verfügung oder einen
Einspracheentscheid zu Ungunsten der Beschwerde führenden Person ändern
oder dieser mehr zusprechen, als sie verlangt hat, wobei den Parteien vorher
Gelegenheit zur Stellungnahme sowie zum Rückzug der Beschwerde zu geben
ist (Satz 2).
c) Nach der Rechtsprechung ist von der Möglichkeit einer reformatio in peius
zurückhaltend Gebrauch zu machen und diese auf Fälle zu beschränken, wo
der angefochtene Entscheid offensichtlich unrichtig und die Korrektur von
erheblicher Bedeutung ist (vgl. das Urteil des Bundesgerichts vom 6. August
2007 H 161/06 E. 5.6 sowie BGE 119 V 241 E. 5 S. 249 f.). Vorliegend stellt
sich also die Frage, ob der angefochtene Entscheid bzw. die angefochtene
Verfügung offensichtlich unrichtig und die Korrektur von erheblicher Bedeutung
ist. Letzteres ist in der Regel bei Rentenleistungen der Fall. Im vorliegenden
Fall geht es zwar auch um Rentenleistungen, allerdings stehen nur ein
beschränkter Zeitraum und ein beschränkter Betrag zur Diskussion. Es handelt
sich um den Betrag von Fr. 2‘859.--, nämlich die Differenz zwischen dem
Rückforderungsbetrag von Fr. 7‘007.-- (Verfügung vom 13. Juli 2011) bzw. von
Fr. 9‘866.-- (Verfügung vom 20. Oktober 2011). Würde die von der
Beschwerdegegnerin beantragte reformatio in peius gutgeheissen, hätte der
Beschwerdeführer die genannten Fr. 2‘859.-- mehr zurückzuerstatten. Bei einer
solchen Differenz ist allerdings nicht von einer erheblichen Bedeutung der
Korrektur auszugehen, zumal von der Möglichkeit einer reformatio in peius
zurückhaltend Gebrauch zu machen ist. Folglich ist eine Abänderung des
Entscheids bzw. der Verfügung vom 13. Juli 2011 zu Ungunsten des
Beschwerdeführers nicht angezeigt.
7. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Rückforderungsanspruch
der Beschwerdegegnerin nicht verwirkt ist und zu Recht für die Zeit zwischen
dem 1. Dezember 2006 und dem 28. Februar 2010 aufgrund der Verletzung der
Meldepflicht durch den Beschwerdeführer die Rückerstattung der zu viel
bezogenen Leistungen verfügt worden ist, da seine Rente zu Recht rückwirkend
per 1. Dezember 2006 herabgesetzt worden ist. Dem Antrag auf reformatio in
peius wird nicht stattgegeben und der Rückforderungsanspruch der
Beschwerdegegnerin gegenüber dem Beschwerdeführer beläuft sich gemäss
Verfügung vom 13. Juli 2011 auf Fr. 7‘007.--. Folglich ist die Beschwerde
vollumfänglich abzuweisen.
8. a) Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von
Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung
von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig.
Diese Kosten werden je nach Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Angesichts des
Ausgangs dieses Verfahrens rechtfertigt es sich vorliegend, die Kosten in der
Höhe von Fr. 700.-- dem Beschwerdeführer zu überbinden. Die obsiegende
Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61
lit. g ATSG e contrario).
b) Schliesslich stellt sich die Frage, ob dem Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und –verbeiständung stattgegeben werden kann.
Hierfür müsste die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ausgewiesen sein.
Vorliegend hat der Beschwerdeführer das diesbezügliche Formular trotz
Fristerstreckung bis zum 4. November 2011 allerdings nicht eingereicht hat. Der
Beschwerdeführer ist somit seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen.
Diese ist insbesondere da von Bedeutung, wo das Gericht Informationen
benötigt, die nur der Gesuchsteller liefern kann und die sich nicht ohnehin aus
den Akten ergeben. Somit ist die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers
vorliegend nicht ausgewiesen und das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und –verbeiständung wird abgewiesen.