Decision ID: 9c72dc50-ddd2-462b-853d-ee047cd9565e
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Regula Schmid, Engelgasse 2, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 10. November 2009 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Dabei gab er u.a. an, er habe eine Lehre als Gipser absolviert. Das
Gipsergeschäft B._ in teilte am 20. November 2009 mit (IV-act. 10), es beschäftige
den Versicherten seit dem 1. Mai 2008 als Gipser. Der Jahreslohn 2008 habe Fr.
104'081.-- betragen. Die Leistung des Versicherten würde einen Lohn von Fr. 4'000.--
rechtfertigen. Gemäss einem Auszug aus seinem individuellen Beitragskonto (IK) hatte
der Versicherte in den Jahren 2006 und 2007 bei seinem früheren Arbeitgeber Fr.
96'749.-- und Fr. 94'791.-- verdient (IV-act. 12-2). Dr. med. C._, Innere Medizin FMH,
berichtete am 2. Dezember 2009 (IV-act. 16), folgende Diagnosen beeinträchtigten die
Arbeitsfähigkeit: Osteochondrosis dissecans am linken Kniegelenk mit
Femoropatellararthrose und St. n. Kniegelenksarthroskopie links am 26. Februar 2009
mit Shaving, Pridie-Bohrungen und lateraler Teilmeniskektomie. Es bestehe ein leichtes
Streck- und Beugungsdefizit. Ausserdem habe der Versicherte Schmerzen beim Knien
und bei Wetterwechsel. In einer sitzenden Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 8
Std. pro Tag. Als Gipser werde der Versicherte nicht mehr zu mehr als 60% arbeiten
können. Adaptiert sei der Versicherte voll arbeitsfähig. Die zuständige Sachbearbeiterin
der IV-Stelle notierte am 10. März 2010 (IV-act. 24), der Versicherte sei nach wie vor als
Gipser tätig. Seit dem 3. Februar 2010 arbeite er zu 60%. Wenn er Schmerzen habe,
sei sein Arbeitspensum tiefer. Der Versicherte teilte am 27. Juli 2010 mit (IV-act. 27), er
brauche keine Unterstützung beim Arbeitsplatzerhalt. Dr. C._ berichtete am 10.
August 2010 (IV-act. 30), der Versicherte sei als Gipser seit dem 12. Januar 2009
durchgehend in einem wechselnden Ausmass arbeitsunfähig. Seit dem 1. Juli 2010
betrage die Arbeitsunfähigkeit 50%. Die Orthopäden hätten den Versicherten als zu
jung für einen Kniegelenkersatz betrachtet. Rein sitzend könnte der Versicherte ohne
weiteres zu 100% einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Dr. med. D._, Spezialarzt
Orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin (SGSM), St. Gallen, hatte Dr. C._ am 23.
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März 2010 mitgeteilt (IV-act. 30-5), der Versicherte könne wegen der ventralen
Kniegelenkschmerzen links nicht zu mehr als 60% arbeiten. Die Beschwerden seien
glaubhaft. Das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit müsse gutachterlich festgelegt werden,
wobei wahrscheinlich ein erneutes MRI notwendig sei. Klinisch sei keine
Verschlechterung objektivierbar. Dr. C._ gab der IV-Stelle am 10. August 2010 eine
seit dem 1. Juli 2010 bestehende Arbeitsunfähigkeit des Versicherten von 50% an (IV-
act. 30-3). Am 6. September 2010 berichtete Dr. D._ der IV-Stelle (IV-act. 35), die
Diagnosen lauteten: V. a. Heberden-Arthrose III und V rechts und Chondropathie Grad
IV mit Osteonekrose der Trochlea distal sowie Grad II des lateralen Tibiaplateaus bei
St. n. lateraler Teilmeniskektomie 06/09 links. Er gab weiter an, seit einem Jahr
bestünden intermittierende, belastungsabhängige Schmerzen in den DIP-Gelenken II -
IV bds., ausserdem eine Druckdolenz. Diese Gelenke würden gelegentlich anschwellen.
Im linken Knie bestünden belastungsabhängige Schmerzen insbesondere beim Knien,
Treppensteigen und Heben und Tragen von Lasten. Das Knie sei gelegentlich
geschwollen, Blockaden oder ein Instabilitätsgefühl würden vom Versicherten aber
verneint. Arbeiten mit Kraftanwendung der Hände, regelmässiges Tragen von Lasten
über 5 bis 10 kg, häufiges Treppen- oder Leiternsteigen und knieende Arbeiten seien
nicht mehr vollumfänglich möglich. Er habe den Versicherten am 2. Juni 2009 zu 30%
arbeitsunfähig geschrieben. Der Versicherte arbeite zu 50%. Das genaue Ausmass der
Einschränkung in der bisherigen Tätigkeit sollte gutachterlich bestimmt werden, zumal
ein erneutes MRI nötig sei.
A.b Die IV-Stelle beauftragte Dr. med. E._, Orthopädische Chirurgie FMH, am 15.
November 2010 mit einer Begutachtung (IV-act. 42). Dr. E._ berichtete in seinem
Gutachten vom 3. Januar 2011 (IV-act. 44) u. a., am 23. Dezember 2010 sei eine
Kernspintomographie des linken Knies erstellt worden. Diese habe eine im Vergleich
zur Voruntersuchung vom 3. Februar 2009 fast vollständige Regredienz der
Signalstörung im patellären Gleitlager des Femurs mit nur noch einer kleinvolumigen
ulcusartigen Knorpelveränderung in dieser Region ergeben. Folgende Diagnosen seien
erhoben worden: Retropatellararthrose und St. n. lateraler Teilmeniskektomie links,
Impingement-Symptomatik Schulter rechts, Epicondylitis radialis Ellbogen links und
Heberden-Arthrose Dig. III Hand rechts. In seiner Beurteilung gab Dr. E._ an, seit der
Knieoperation würden unveränderte Beschwerden angegeben, die teilweise zu einer
Arthrose passten, obwohl in diesem Zeitraum keine radiologische Veränderung habe
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festgestellt werden können und obwohl die noch empfindlichere Kernspintomographie
in der Wiederholung eine deutliche Besserung der Nekrosezone gezeigt habe.
Geblieben seien retropatelläre Knorpelveränderungen, welche die
belastungsabhängigen Beschwerden zum Teil erklärten. Der Versicherte habe eine
Impingement-Symptomatik mit erhaltener Gelenkfunktion angegeben. Die
Epicondylopathie am linken Ellbogen werde zur Zeit behandelt, die rechtsseitige
Epicondylopathie sei bereits erfolgreich angegangen worden. Die Kraft beim
Faustschluss sei rechts als Folge der beginnenden Fingerarthrose beeinträchtigt; links
bestehe keine Beeinträchtigung. Bei der Arbeit als Gipser bestünden folgende
Einschränkungen: Kein Knien während mehr als einer halben Stunde, kein wiederholtes
Heben von Lasten über 10 kg, regelmässiges Unterbrechen von Überkopfarbeiten,
Verlangsamung beim Auftragen eines Abriebs, gelegentlicher Unterbruch bei kräftigem
Halten des Griffs. Diese qualitativen Einschränkungen erforderten vermehrte Pausen
und bedeuteten eine Verlangsamung des Arbeitstempos. Das habe eine
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten als Gipser von 30% zur Folge. Der behandelnde
Orthopäde habe vor drei Monaten ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 30%
angegeben. Damals sei die objektive Verbesserung in der Kernspintomographie aber
noch nicht bekannt gewesen. Die aktuelle Taxierung müsse also als leicht schlechter
angesehen werden. Eine adaptierte Tätigkeit wäre vollschichtig zumutbar. Die IV-Stelle
verglich ein Valideneinkommen als Gipser von Fr. 104'081.-- mit einem zumutbaren
Invalideneinkommen ebenfalls als Gipser von Fr. 72'857.-- und ermittelte so einen
Invaliditätsgrad von 30% (IV-act. 50).
A.c Mit einem Vorbescheid vom 21. Februar 2011 kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung seines Rentenbegehrens an (IV-act. 53). Der Versicherte
liess durch seine Rechtsvertreterin einwenden (IV-act. 55), die behandelnden Ärzte
hätten ihm alle eine Arbeitsunfähigkeit von 40% attestiert. Dr. E._ habe sich mit
seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung an diejenige von Dr. D._ angelehnt, sei dabei aber
irrtümlicherweise davon ausgegangen, dass dieser eine Einschränkung von 30%
angegeben habe. Dr. E._ hätte ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 40%
angegeben, wenn ihm bewusst gewesen wäre, dass Dr. D._ von diesem
Arbeitsunfähigkeitsgrad ausgegangen sei. Deshalb sei bei Dr. D._ nochmals ein
Zeugnis einzuholen. Dieses Zeugnis sei dann Dr. E._ unter Hinweis darauf
vorzulegen, dass er fälschlicherweise von einer anderen Zahl als Dr. D._
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ausgegangen sei. Angesichts der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Versicherten sei
der Arbeitgeber nicht bereit, diesen zu mehr als 60% zu beschäftigen und zu bezahlen.
Bei der Anrechnung eines Einkommens über einem Beschäftigungsgrad von 60%
müsste zwingend dieBerufsberatung eingeschaltet werden, um mit dem Arbeitgeber zu
sprechen. Dr. med. M. Amstad vom RAD wies am 5. April 2011 darauf hin (IV-act. 59),
dass Dr. D._ selbst wiederholt auf eine gutachterliche Festlegung der Arbeitsfähigkeit
hingewiesen habe. Deshalb wäre es wenig zielführend, bei ihm nochmals ein
Arztzeugnis einzuholen. Die zuständige Sachbearbeiterin notierte am 10. Mai 2011 (IV-
act. 61), mit beruflichen Massnahmen könne keine finanziell bessere Eingliederung
erwartet werden. Mit einer Verfügung vom 27. Mai 2011 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren ab. Gleichzeitig hielt sie fest, die beruflichen Massnahmen würden
nicht nochmals aufgenommen (IV-act. 62).
B.
B.a Der Versicherte liess am 5. Juli 2011 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von wenigstens 40% beantragen;
eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme zusätzlicher medizinischer und
beruflicher Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; die beruflichen
Eingliederungsmassnahmen seien wieder aufzunehmen (act. G 1). Die Begründung
entsprach inhaltlich weitgehend dem Einwand gegen den Vorbescheid. Die
Rechtsvertreterin verlangte eine Befragung des Arbeitgebers zur Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers. Sie wies darauf hin, dass zur Verwertung der zusätzlichen 10% an
Beschäftigungsgrad berufliche Eingliederungsmassnahmen notwendig wären. Bei
einem Valideneinkommen von Fr. 104'081.-- als Gipser sei es illusorisch, den
Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit rentenausschliessend einzugliedern.
Am 18. August 2011 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers einen Bericht
der Rheumatologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 1. Juli 2011 ein (act. G 4.1.1).
Laut diesem Bericht litt der Versicherte an Fingergelenksarthralgien bds. (bei einem
guten Ansprechen auf perorale Steroide), an Schulterschmerzen rechts bei
Impingement-Symptomatik (subacromiale Infiltration rechts am 24. Juni 2011), an
mikrozytärer, hypochromer Anämie und an Epicondylitis humeri lateralis und medialis
links. Die Rechtsvertreterin betrachtete gestützt auf diese Angaben eine
polydisziplinäre Begutachtung als sinnvoll.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. September 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Sie machte geltend, es sei nicht belegt, dass Dr. D._ von
einer Arbeitsunfähigkeit von 40% ausgegangen sei. Am 6. September 2010 habe er
ausdrücklich eine Arbeitsunfähigkeit von 30% angegeben. Dr. E._ habe sich nicht an
die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ angelehnt. Deshalb sei es
irrelevant, dass Dr. D._ von einer leicht höheren Arbeitsunfähigkeit ausgegangen sei.
Im Übrigen sei sich Dr. D._ über das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit nicht sicher
gewesen. Da der Beschwerdeführer im angestammten Beruf mehr verdienen könne als
in einer adaptierten Tätigkeit, genüge ein Prozentvergleich. Dieser ergebe einen
Invaliditätsgrad von 30%. Berufliche Massnahmen wären aufgrund des Alters und der
momentanen Beschäftigungssituation nicht sinnvoll.
B.c Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers wandte am 27. September 2011 ein
(act. G 8), das Gutachten E._ sei unklar. Dr. E._ habe auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ Bezug genommen und seine eigene
Schätzung daran angelehnt. Diese Unklarheit könnte aus der Welt geschafft werden,
wenn Dr. E._ mit der tatsächlichen Einschätzung von Dr. D._ konfrontiert würde.
Dr. D._ sei nämlich entgegen der Annahme von Dr. E._ nicht von
einer Arbeitsunfähigkeit von 30%, sondern von einer solchen von 40% ausgegangen.
Das Gutachten des Kantonsspitals zeige, dass die rheumatologischen Beschwerden
immer weiter fortschritten. Grundsätzlich sei die Arbeit als Gipser nicht mehr zumutbar,
aber die konkrete Situation erfordere es, die bestehende Arbeitsfähigkeit so lange als
möglich zu erhalten. Da der Arbeitgeber nicht mehr als 60% des Lohns bei einer
vollständig erhaltenen Arbeitsfähigkeit zahle, dürfe kein Prozentvergleich erfolgen.
Berufliche Massnahmen seien auch am Arbeitsplatz möglich.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 11. Oktober 2011 auf eine
Stellungnahme (act. G 11).

Erwägungen:
1.
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Die angefochtene Verfügung datiert vom 27. Mai 2011, die Beschwerde vom 5. Juli
2011. Zwischen diesen beiden Daten liegen erheblich mehr als 30 Tage. Zwar dürfte es
die Regel sein, dass eine Verfügung am Tag ihrer Erstellung aufgegeben wird und dass
sie, wenn sie mit normaler Post (B-Post-Einzelsendung) versandt wird, innerhalb von
drei Arbeitstagen nach der Aufgabe zugestellt wird. Die angefochtene Verfügung wäre
demnach spätestens am 1. Juni 2011 und nicht erst am 6. Juni 2011, wie der
Beschwerdeführer geltend macht, zugestellt und eröffnet worden. Da zwischen der
Erstellung und dem Versand einer Verfügung aber erfahrungsgemäss mehrere Tage
vergehen können und da auch die Zustellung mit normaler Post ausnahmsweise mehr
als die üblichen drei Tage nach der Postaufgabe in Anspruch nehmen kann, lässt sich
nicht von einem Normalablauf auf den effektiven Ablauf schliessen. Es liegt durchaus
noch im Bereich des Üblichen, dass eine Verfügung erst 10 Tage nach ihrer Datierung
zugestellt wird. Das geltend gemachte Eröffnungsdatum 6. Juni 2011 ist deshalb
plausibel. Demnach, und weil für das Gegenteil ohnehin die Beschwerdegegnerin
beweispflichtig wäre, ist davon auszugehen, dass die Beschwerde fristgerecht innert
30 Tagen seit der Eröffnung der angefochtenen Verfügung erhoben worden ist.
2.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern können (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG), die während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen
sind (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). Der Beschwerdeführer ist in der Lage,
entsprechend dem Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit weiterhin seinem Beruf als
Gipser nachzugehen. Von diesem Arbeitsfähigkeitsgrad hängt es also ab, ob die
krankheitsbedingte Erwerbseinbusse als Gipser so hoch ist, dass mit einem Erreichen
der Invaliditätsgrenze von 40%, ab der ein Rentenanspruch bestehen kann (Art. 28
Abs. 2 IVG), zu rechnen ist. Beträgt die Erwerbseinbusse in der Tätigkeit als Gipser
weniger als 40%, kann zum Vornherein keine rentenrelevante Invalidität vorliegen,
womit sich sowohl die Prüfung der Erfüllung des sogenannten Wartejahrs als auch die
Prüfung und gegebenenfalls die Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen
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(soweit sie dem Grundsatz der "Eingliederung vor Rente" [vgl. U. Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. A., Vorbemerkungen N. 47] entspringen) erübrigt.
2.1 Drei Ärzte haben sich zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers geäussert. Dr.
C._ hat angegeben, mehr als 60% würden als Gipser kaum mehr gehen (vgl. IV-act.
16-2). In seinem Bericht vom 10. August 2010 (vgl. IV-act. 30-3) hat er dann für die Zeit
ab 1. Juli 2010 nur noch eine Arbeitsfähigkeit von 50% bestätigt. Er hat diesem Bericht
eine Mitteilung des behandelnden Orthopäden Dr. D._ vom 23. März 2010 (vgl. IV-
act. 30-5) beigelegt. Dr. D._ hat in dieser Mitteilung keine Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Er hat nur darauf hingewiesen, dass das Ausmass der Arbeitsfähigkeit
gutachterlich festgelegt werden sollte und dass dazu wohl eine erneute MRI-
Untersuchung notwendig sei. In seinem eigenen Bericht vom 6. September 2010 (vgl.
IV-act. 35-6) hat Dr. D._ dann zwar angegeben, er habe den Beschwerdeführer ab 2.
Juni 2009 zu 30% arbeitsunfähig geschrieben, aber er hat gleichzeitig erneut darauf
hingewiesen, dass das Ausmass der Arbeitsfähigkeit gutachterlich festgelegt werden
sollte und dass dazu eine erneute MRI-Abklärung notwendig sein dürfte. Auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen dieser beiden Ärzte kann also nicht abgestellt werden,
denn Dr. D._ hat seine eigene Einschätzung als nicht ausreichend verlässlich
bezeichnet und Dr. C._ hat sich faktisch auf die Einschätzung von Dr. D._ berufen,
weil er als Internist nicht über jene orthopädischen Fachkenntnisse und -erfahrungen
verfügt hat, die für eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung erforderlich gewesen
wären. Mit den Angaben von Dr. C._ und Dr. D._ ist die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers als Gipser also nicht belegt. Dr. E._ hat das von Dr. D._
empfohlene orthopädische Gutachten erstattet (vgl. IV-act. 44). Er hat sich dabei u.a.
auf das Ergebnis einer erneuten MRI-Untersuchung abgestützt. Die Behauptung des
Beschwerdeführers, Dr. E._ habe sich an die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr.
D._ "angelehnt" (gemeint ist wohl, Dr. Z._ habe diese Einschätzung ungeachtet des
Ergebnisses seiner eigenen Untersuchung unbesehen übernommen), ist nicht haltbar.
Das Gutachten zeigt deutlich, dass Dr. E._ eine selbständige, umfassende und
gründliche Untersuchung (unter Einbezug des Ergebnisses der erneuten MRI-
Abklärung) vorgenommen hat und dass er seine Arbeitsfähigkeitsschätzung
unbeeinflusst von der - eindeutig erkennbar nur unter Vorbehalt erfolgten -
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ abgegeben hat. Dr. E._ hat zwar, wie der
Aktenauszug in seinem Gutachten zeigt, den Bericht von Dr. D._ gekannt, aber er hat
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das Ergebnis seiner eigenen Abklärungen nicht danach ausgerichtet. Inwiefern eine
"Konfrontation" mit dem Inhalt des Berichts von Dr. D._ der Ermittlung des objektiven
Arbeitsfähigkeitsgrads dienen könnte, ist nicht erkennbar. Das Gutachten von Dr. E._
erfüllt alle an ein beweistaugliches medizinisches Gutachten zu stellenden
Anforderungen (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von
U. Meyer, 2. A., S. 352 f.). Aus orthopädischer Sicht ist der Beschwerdeführer in
seinem Beruf als Gipser also mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 70%
arbeitsfähig. Daran vermögen die im Bericht der Rheumatologie des Kantonsspitals St.
Gallen vom 1. Juli 2011 (vgl. act. G 4.1.1) angegebenen zusätzlichen Diagnosen
(Fingergelenksarthralgien bds., Schulterbeschwerden re. bei Impingementproblematik,
Epicondylitis humeri lateralis und medialis links) nichts zu ändern.
Dr. E._ hat die Schulter-, Ellbogen- und Fingerbeschwerden ebenfalls festgestellt und
seine Arbeitsfähigkeitsschätzung einfliessen lassen. In Bezug auf die Schmerzen in den
Ellbogen hat er darauf hingewiesen, dass sich diese bei einer medikamentösen
Behandlung jeweils besserten bzw. dass sie sogar verschwänden. Dasselbe hat er für
die Fingerbeschwerden angegeben. Der Bericht des Kantonsspitals St. Gallen zeigt
zwar, dass die Schulter-, Ellbogen- und Fingerbeschwerden doch nicht ganz zum
Verschwinden gebracht werden konnten. Er belegt aber nicht, dass diese
Beschwerden bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung so stark zugenommen
hätten, dass sie die Arbeitsfähigkeit spürbar reduzieren würden. In Bezug auf die
Schulterbeschwerden rechts hat Dr. Z._ im Übrigen einen - qualitativen - Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit angenommen. Allerdings ist er davon ausgegangen, dass mit der
durch die Reduktion des Beschäftigungsgrads auf 70% geschaffenen Möglichkeit,
erheblich mehr und zudem nach Bedarf Arbeitspausen einzuschalten, auch den
Schulterbeschwerden Rechnung getragen sei. Der Bericht des Kantonsspitals St.
Gallen vermag deshalb weder eine relevante Zunahme der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu belegen noch Zweifel an der Richtigkeit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ zu wecken. Auch die vom Beschwerdeführer
effektiv erbrachte Arbeitsleistung kann nicht als Indiz gegen die Richtigkeit dieser
Arbeitsfähigkeitsschätzung ins Feld geführt werden, denn dabei handelt es sich um die
subjektive Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers, die sich auf die von Dr. C._
attestierte Arbeitsfähigkeit stützen dürfte. Diese Einschätzung ist aber, wie das
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Gutachten von Dr. E._ zeigt, zu pessimistisch gewesen. Dass sich der
Beschwerdeführer (und mit ihm sein Arbeitgeber) an einen Beschäftigungsgrad von
weniger als 70% gewöhnt hat, kann nichts daran ändern, dass der objektive
Arbeitsfähigkeitsgrad von 70% als zumutbar betrachtet werden muss. Bei der
Invaliditätsbemessung ist deshalb von einem Arbeitsfähigkeitsgrad des
Beschwerdeführers als Gipser von 70% auszugehen.
2.2 Da der Beschwerdeführer seine Arbeitsstelle trotz der krankheitsbedingten Ein
busse an Arbeitsfähigkeit hat behalten können und da der Lohn dem Arbeitsfähigkeits-/
Beschäftigungsgrad entsprechend (also nicht überproportional) gekürzt worden ist,
kann, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht geltend gemacht hat, anstelle eines
regulären Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) ein Prozentvergleich erfolgen. Es
resultiert ein Invaliditätsgrad von 30% (womit sich eine Prüfung einer allfälligen
Eingliederungspflicht erübrigt). Da die Akutphase mit einer Arbeitsunfähigkeit zwischen
100% und 50% (vgl. IV-act. 30-3) weniger als ein Jahr gedauert hat, das sogenannte
Wartejahr also nicht erfüllt worden ist, kann auch nicht für eine beschränkte Zeit von
einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad ausgegangen werden. Die
Beschwerdegegnerin hat das Rentenbegehren des Beschwerdeführers also zu Recht
abgewiesen. Sollte sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach dem
Erlass der angefochtenen Verfügung erheblich verschlechtert haben, dürfte einer
Neuanmeldung zum Bezug einer Invalidenrente nichts im Weg stehen.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer hat in seiner Stellungnahme zum Vorbescheid (vgl. IV-
act. 55-3) sinngemäss geltend gemacht, bei der Anrechnung eines Einkommens bei
einem Beschäftigungsgrad von mehr als 60% müsse zwingend die Berufsberatung
eingeschaltet werden, um mit dem Arbeitgeber zu sprechen. Deshalb beantrage er
formal die Wiederaufnahme der beruflichen Eingliederung. Darauf hat die
Beschwerdegegnerin reagiert, indem sie in der angefochtenen Verfügung nicht nur das
Rentenbegehren abgewiesen, sondern auch entschieden hat, die berufliche
Eingliederung nicht wieder aufzunehmen. In der Beschwerde hat der Beschwerdeführer
zwar formal nur eine Rückweisung zur weiteren beruflichen Abklärung beantragen
lassen, aber in der Beschwerdebegründung (vgl. act. G 1 S. 4 f.) findet sich das
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Begehren, die berufliche Eingliederung wieder aufzunehmen, wenn ein Einkommen bei
einem Arbeitsfähigkeits- bzw. Beschäftigungsgrad von mehr als 60% angerechnet
werden müsse. Gemeint hat er damit wohl das Begehren, die Nichteintretensverfügung
der Beschwerdegegnerin aufzuheben und durch einen (zwar gerichtlichen, aber seiner
Natur nach nur verfahrensleitenden) Eintretensentscheid zu ersetzen, worauf die
Beschwerdegegnerin ein Verfahren zur beruflichen Eingliederung (mit dem Ziel des
Erhalts des Arbeitsplatzes trotz Erhöhung des Beschäftigungsgrads auf 70%)
durchzuführen habe.
3.2 Die Beschwerdegegnerin hatte ihren Nichteintretensentscheid damit begründet,
dass das Pensum beim jetzigen Arbeitgeber ohne weiteres auf 70% erhöht werden
könne. Sinngemäss hatte sie also geltend gemacht, es sei kein Beizug ihrer
Berufsberatung notwendig, um den Arbeitgeber dazu zu bewegen, den
Beschäftigungsgrad von 60% auf 70% zu erhöhen. Gemäss dem Assessmentprotokoll
der Eingliederungsberatung hat der Arbeitgeber angegeben, er sei flexibel und könne
auf das Befinden des Beschwerdeführers eingehen; der Beschwerdeführer müsse
einfach "rentieren" (vgl. IV-act. 26-3). Diese Äusserung bezog sich auf die damals
aktuelle Situation, in der die Frage diskutiert wurde, ob der Beschwerdeführer an
seinem Arbeitsplatz zu 50% oder zu 60% tätig sein könne. Der Arbeitgeber hatte also
nur die Möglichkeit vor Augen, dass der Beschwerdeführer vorübergehend auch einmal
weniger als 60% leisten könnte. An eine Arbeitsfähigkeit von 70% dachte damals noch
niemand. Die Frage, ob der Arbeitgeber bereit sei, den Beschäftigungsgrad des
Beschwerdeführers - und damit auch den Lohn - auf 70% zu erhöhen, lässt sich
deshalb anhand der Akten nicht vorweg beantworten. Dazu ist eine Besprechung mit
dem Arbeitgeber notwendig. Es ist durchaus möglich, dass der Beschwerdeführer
dabei eine Unterstützung durch die Berufsberatung der Beschwerdegegnerin
benötigen wird. Dies muss ausreichen, um auf das Gesuch um berufliche Eingliederung
einzutreten. Die (verfahrensabschliessende) angefochtene Nichteintretensverfügung ist
deshalb aufzuheben und durch einen (verfahrensleitenden) Eintretensentscheid zu
ersetzen. Die Beschwerdegegnerin wird demzufolge berufliche Massnahmen zur
Durchsetzung der Erhöhung des Beschäftigungsgrads prüfen und gegebenenfalls
durchführen müssen. Dazu ist die Sache an sie zurückzuweisen.
4.
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Der Beschwerdeführer unterliegt somit im Hinblick auf die Rentenberechtigung und er
obsiegt im Hinblick auf die berufliche Eingliederung. Der gesamte Vertretungsaufwand
würde praxisgemäss eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) rechtfertigen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass
das Aktenstudium auch der Durchsetzung des Beschwerdebegehrens betreffend die
berufliche Eingliederung gedient hat, ist der Anteil am gesamten Vertretungsaufwand,
welcher der Durchsetzung der Rentenberechtigung gedient hat, als erheblich grösser
einzuschätzen. Dies rechtfertigt es, die dem Beschwerdeführer zustehende
Parteientschädigung auf Fr. 1'000.-- festzusetzen. Die Beschwerdegegnerin hat dem
Beschwerdeführer somit eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Der Beschwerdeführer hat somit auch
für den überwiegenden Teil der Gerichtskosten aufzukommen. Diese belaufen sich
angesichts des durchschnittlichen Beurteilungsaufwands praxisgemäss auf Fr. 600.--.
Davon haben der Beschwerdeführer Fr. 500.-- und die Beschwerdegegnerin Fr. 100.--
zu bezahlen. Der vom Beschwerdeführer zu übernehmende Anteil ist durch den
geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- vollumfänglich gedeckt. Die Differenz von
Fr 100.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP