Decision ID: 08a5aa0b-c5aa-4f43-983b-7e784fe201d7
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
versuchte schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung,
vom 29. September 2015 (DG150178)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Züirch vom 15. Juni
2015 (Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 48 S. 39 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung i.S.v.
Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Von den Vorwürfen der mehrfachen, teilweise versuchten einfachen Körperver-
letzung und der mehrfachen Drohung zum Nachteil von B._ (heute B._)
wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 15 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 1 Tag durch
Haft erstanden ist.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
5. Es wird festgehalten, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung des Pri-
vatklägers in Höhe von Fr. 1'468.70 anerkannt hat. Im übersteigenden Umfang wird
das Schadenersatzbegehren abgewiesen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Genugtuung von
Fr. 1'500.– zu bezahlen.
7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 3'000.– Auslagen Strafuntersuchung
Fr. 7'126.85.– amtliche Verteidigung
Weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden zu 1/3 dem Beschuldigten auferlegt
und zu 2/3 auf die Gerichtskasse genommen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden zu 2/3 definitiv und im Übrigen
einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforde-
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rung des einstweilen auf die Gerichtskasse genommenen Betrages gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Parteientschädigung von
Fr. 6'287.– (inklusive 8% MwSt) zu bezahlen.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittel)."
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 69 S. 1f.)
1. Es seien die Ziff. 1 und Ziff. 3 des Rechtsspruchs des Urteils des Bezirks-
gerichts Zürich vom 29. September 2015 aufzuheben und der Beschuldigte
sei der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand ge-
mäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.
Es sei der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je
CHF 20.-- zu bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben und
es sei eine Probezeit von 2 Jahren anzusetzen.
2. Eventualiter sei Ziff. 3 des Rechtsspruchs des Urteils des Bezirksgerichts
Zürich vom 29. September 2015 aufzuheben und der Beschuldigte sei der
versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 i.V.m. Art. 22
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe
von 8 Monaten zu bestrafen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschie-
ben und es sei eine Probezeit von 2 Jahren anzusetzen.
3. Es sei Ziff. 6 des Rechtsspruchs des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom
29. September 2015 aufzuheben und dem Geschädigten sei keine Genug-
tuung zuzusprechen.
4. Es sei dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren die unentgeltliche
Rechtspflege und unentgeltliche Verteidigung in der Person des Unterzeich-
nenden zu gewähren.
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5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 71 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 26 Monaten
(Dispositiv Ziff. 3).
2. Die Strafe sei im Umfang von 8 Monaten zu vollziehen und hinsichtlich des
Rests der Strafe sei der bedingte Strafvollzug unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 2 Jahren zu gewähren (Dispositiv Ziff. 4).

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Anklage
Die Staatsanwaltschaft IV für den Kanton Zürich erhob am 22. Juni 2015 (Datum
Eingang) beim Bezirksgericht Zürich Anklage gegen den Beschuldigten wegen
versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfacher einfacher Körperverletzung
und mehrfacher Drohung (Urk. 19).
2. Erstinstanzliches Urteil
Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 29. September 2015 befand das
Bezirksgericht Zürich den Beschuldigten der versuchten schweren Körperverlet-
zung für schuldig und sprach ihn von den übrigen Anklagevorwürfen frei (Urk. 40).
Es bestrafte ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Das Urteil
wurde mündlich eröffnet (Prot. I S. 18).
3. Berufungsanmeldung des Beschuldigten
Der Beschuldigte meldete am 9. Oktober 2015 (Datum Eingang) rechtzeitig, d.h.
unter Berücksichtigung des Fristenlaufs an Wochenenden gemäss Art. 90 Abs. 2
StPO, innert der 10-tägigen Frist von Art. 399 Abs. 1 StPO Berufung an (Urk. 41).
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4. Berufungserklärung des Beschuldigten
Das begründete Urteil wurde dem Verteidiger am 21. Januar 2016 zugestellt
(Urk. 47/2). Am 11. Februar 2016 (Aufgabe Post am 10. Februar 2016) ging die
Berufungserklärung des Verteidigers rechtzeitig innert der 20-tägigen Frist von
Art. 399 Abs. 3 StPO beim Obergericht ein (Urk. 51).
5. Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft
Mit Verfügung vom 11. Februar 2016 wurde dem Privatkläger und der Staats-
anwaltschaft die Berufungserklärung zugestellt und eine 20-tägige Frist zur An-
schlussberufung angesetzt (Urk. 53). Diese Verfügung wurde von der Staatsan-
waltschaft und vom Vertreter des Privatklägers am 16. Februar 2016 in Empfang
genommen (Urk. 54). Am 7. März 2016 (Datum Poststempel 4. März 2016) ging
die Anschlussberufungserklärung der Staatsanwaltschaft ein (Urk. 55). Der Pri-
vatkläger liess sich innert Frist nicht vernehmen, beantragte jedoch mit Eingabe
vom 26. Mai 2016 Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils hinsichtlich seiner
Zivilansprüche (Urk. 61).
6. Berufungsverhandlung
Zur Berufungsverhandlung am 30. Juni 2016 erschien der Beschuldigte in Beglei-
tung seines amtlichen Verteidigers und der Staatsanwalt (Prot. II S. 4). Beweis-
anträge wurden an der Berufungsverhandlung keine gestellt (Prot. II S. 8).
II. Beanstandungen und Teilrechtskraft
1. Beanstandungen des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestreitet das Vorliegen einer versuchten schweren Körperver-
letzung und anerkennt lediglich eine einfache Körperverletzung mit einem gefähr-
lichen Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB (Urk. 50 S. 2). Er
beantragt eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 20.-- und die Ab-
weisung der Genugtuungsforderung (Urk. 69 S. 2).
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2. Beanstandungen der Staatsanwaltschaft
Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft beschränkt sich auf die Sanktion
(Urk. 55 S. 2). Beantragt wird anstelle der vorinstanzlich ausgefällten Freiheits-
strafe von 15 Monaten eine solche von 26 Monaten, unter Gewährung des teil-
bedingten Vollzugs im Umfang von 18 Monaten (Urk. 55 S. 2 und Urk. 71 S. 1).
3. Nicht angefochtene Punkte des vorinstanzlichen Urteils
3.1. Teilweiser Freispruch
Die Geschädigte B._ verzichtete auf dem Formular für die Geltendmachung
von Rechten als Privatklägerin auf eine Teilnahme am Strafverfahren bzw. auf ei-
ne Konstituierung als Privatklägerin und die Stellung von Zivilforderungen (Urk.
ND 10/2). Der sie (als Geschädigte) betreffende Freispruch des Beschuldigten
vom Vorwurf der mehrfachen einfachen Körperverletzung und der mehrfachen
Drohung wurde nicht angefochten (Urk. 50 S. 2 und Urk. 55 S. 2). Die entspre-
chende Dispositivziffer 2 der Vorinstanz ist deshalb in Rechtskraft erwachsen
(Art. 402 StPO).
3.2. Zivilansprüche und Kostenfolgen
Nicht angefochten wurde der Entscheid der Vorinstanz über die Schadenersatz-
forderung des Privatklägers (Dispositivziffern 5) sowie die Kosten- und Entschädi-
gungsregelung (Dispositivziffern 7 - 9; vgl. Prot. II S. 6ff.). Auch die Rechtskraft
dieser Entscheidpunkte ist vorzumerken (Art. 402 StPO).
III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
Am 5. August 2014, abends um ca. 20 Uhr, kam es in der Gartenwirtschaft des
Restaurants ... in Zürich Kreis ... zu einer Auseinandersetzung zwischen dem
Beschuldigten und dem Privatkläger. Als Eigentümer der betreffenden Liegen-
schaft wies der Privatkläger den Beschuldigten aus dem Restaurant und gab dem
Servicepersonal die Anweisung, den Beschuldigten nicht zu bedienen. Aus die-
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sem Grund wurde der Beschuldigte wütend und trat an den Privatkläger, der auf
einer Gartenbank sitzend am Essen war, heran. Der Beschuldigte gab dem Pri-
vatkläger eine Ohrfeige, ergriff dessen mit Mineralwasser gefülltes Trinkglas,
schüttete es über diesen aus und schlug oder warf es dem Privatkläger an-
schliessend an den Kopf. Dabei erlitt der Privatkläger zwei blutende Rissquetsch-
wunden im Stirnbereich, welche genäht werden mussten. Der Beschuldigte ent-
fernte sich nach der Tat sofort vom Ort des Geschehens, konnte aber aufgrund
von Zeugenaussagen später ermittelt werden.
2. Art des Glases
Die Staatsanwaltschaft spricht in der Anklageschrift von einem Bierglas. Dies er-
scheint etwas irreführend. Beim Tatwerkzeug handelt es sich vielmehr um ein
dickwandiges, 4 dl fassendes und ca. 15 cm hohes, robustes Trinkglas ohne
Henkel, wie es im Gastgewerbe üblich ist (vgl. Urk. 67). Insbesondere die Be-
zeichnung "Humpen" ist unzutreffend. Das Gefäss konnte sichergestellt werden,
ist unbeschädigt bei den Akten und wurde für die Berufungsverhandlung beige-
zogen.
3. Wurf oder Schlag
3.1. Die Verteidigung des Beschuldigten machte anlässlich der Berufungsver-
handlung geltend, dass vorliegend unklar sei, ob das Bierglas geworfen oder ob
mit dem Bierglas geschlagen worden sei. Es wäre Sache der Staatsanwaltschaft
gewesen, den genauen Tatablauf zu rekonstruieren und plausibel darzulegen.
Deshalb sei zu prüfen, ob diesbezüglich nicht der Anklagegrundsatz verletzt wor-
den sei (Urk. 69 S. 5). Im Umstand, dass sich die Staatsanwaltschaft entschieden
hat, auf "Schlag" zu plädieren (vgl. Urk. 19 S. 3), kann keine Verletzung des An-
klagegrundsatzes erkannt werden. Ob das Bierglas geworfen oder damit geschla-
gen wurde ist vielmehr eine Frage der Beweiswürdigung.
3.2. Die Anklage geht davon aus, der Beschuldigte habe dem Privatkläger ein
Bierglas gegen die Stirn geschlagen (Urk. 19 S. 3). Demgegenüber machte der
Beschuldigte stets, auch anlässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 68 S. 13),
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geltend, er habe das Glas gegen den Privatkläger geworfen (Urk. 3/1 Antwort 6;
Urk. 3/2 S. 3; Urk. 3/3 Antwort 43; Urk. 32 S. 10). Die Vorinstanz erachtete diese
Behauptung des Beschuldigten als nicht glaubhaft und ging davon aus, er habe
mit dem Bierglas einen Schlag gegen die Stirn des Privatklägers ausgeführt
(Urk. 48 S. 16). Näher begründet hat die Vorinstanz diese Schlussfolgerung, ab-
gesehen von der blossen Schilderung der Aussagen der Beteiligten und der Zeu-
gen, allerdings nicht (Urk. 48 S. 16).
3.3. Der Zeuge C._ sass beim Vorfall unmittelbar schräg gegenüber dem
Privatkläger auf einer parallel aufgestellten Gartenbank des Restaurants mit Blick-
richtung gegen den Privatkläger (Urk. 5/2 Antwort 27 und 33). Gemäss eigenen
Angaben habe er keine nähere persönliche oder berufliche Beziehung zum Be-
schuldigten oder zum Privatkläger. Er habe den Beschuldigten zuvor noch nie ge-
sehen. Den Privatkläger habe er schon ein paar Mal im Restaurant, wo sich der
Vorfall ereignete, gesehen. Er esse ab und zu dort, weil sein Kollege dort den Grill
mache (Urk. 5/2 Antwort 7 und 8). Aus seinen Aussagen ist immerhin zu schlies-
sen, dass der Zeuge C._ den Privatkläger mit Vornamen kennt (Urk. 5/2
Antwort 23). Auf eine verminderte Glaubwürdigkeit des Zeugen kann daraus aber
nicht geschlossen werden. Der Zeuge C._ gab zu Protokoll, er habe be-
merkt, dass es eine Diskussion zwischen dem Beschuldigten und dem Privatklä-
ger gegeben habe (Urk. 5/2 Antworten 14 und 22). Dann habe der Beschuldigte
plötzlich das grosse Glas, einen Humpen genommen. Damit habe er dem Privat-
kläger auf den Kopf geschlagen (Urk. 5/2 Antwort 22). Auf den Hinweis, dass
auch gesagt worden sei, das Glas sei geworfen worden, erwiderte der Zeuge
C._: "Unter Werfen verstehe ich etwas anderes. Was ich gesehen habe, war
ein Schlagen und nicht ein Werfen" (Urk. 5/2 Antwort 28). Dass der Beschuldigte
das Glas zuvor dem Privatkläger über den Kopf geleert und ob er das Glas nach
dem behaupteten Schlag noch in der Hand gehabt habe oder nicht, habe er aller-
dings nicht gesehen. Es sei so schnell gegangen (Urk. 5/2 Antworten 29 und 30).
Weiter sagte der Zeuge C._ aus, es sei ein schweres Glas gewesen, ein
grosses Bierglas. Der Privatkläger habe nicht ausgeholt beim Schlag. Es sei kein
brutales Zuschlagen gewesen. Auf einer Skala von 0 bis 10 würde er sagen, ca. 4
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bis 5. Der Beschuldigte habe einfach das Glas genommen und ohne Anlauf zuge-
schlagen (Urk. 5/2 Antwort 34).
3.4. Der Privatkläger sagte in seiner ersten polizeilichen Befragung aus, er ha-
be auf den Teller geschaut. Der Beschuldigte habe das Glas ergriffen und es ihm
angeleert (Urk. 4/1 Antwort 5). Er habe darauf aufschauen wollen, aber da habe
ihm der Beschuldigte das Glas schon gegen den Kopf geschlagen. Anschliessend
habe er das Glas in den Hundenapf am Boden geworfen und sei weg gelaufen.
Diese Aussage wiederholte er inhaltlich auch in seiner staatsanwaltlichen Einver-
nahme (Urk. 4/2 Antwort 28). Er habe gesehen, dass der Beschuldigte das Glas
nach dem Schlag noch in der Hand gehabt habe (Urk. 4/2 Antwort 45).
3.5. Die Aussagen des Privatklägers müssen mit einer gewissen Vorsicht ge-
würdigt werden, da er ein Eigeninteresse bei seinen Aussagen hat und dem Be-
schuldigten nicht wohl gesinnt ist. Umgekehrt gilt aber Gleiches bei den Aussagen
des Beschuldigten. Es ist nicht zu verkennen, dass er versuchte, die Schuld von
sich zu weisen, indem er geltend machte, der Privatkläger habe sich sehr respekt-
los benommen, habe ihn beleidigt und provoziert (Urk. 3/1 Antworten 29 und 49).
Andernorts sagte er aus, es sei ein "Unfall" gewesen (Urk. 3/2 S. 3). Die Befra-
gung vor dem Staatsanwalt schloss er mit der Bemerkung: "Das Restaurant hat
einen schlechten Ruf, das macht mir Sorgen" (Urk. 3/2 S. 3). Solche Gegenan-
griffe und Verunglimpfungen der Gegenpartei, welche letztlich nichts mit dem An-
klagevorwurf zu tun haben, sind typische Signale in Aussagen, dass sie mangels
Neutralität und Objektivität nicht uneingeschränkt glaubhaft sind. Zwar ist es das
prozessuale Recht des Beschuldigten, sich nicht selbst zu belasten. Das Interes-
se an einer für ihn günstigen Interpretation des Geschehens ist allerdings offen-
kundig.
3.6. Ob es sich schliesslich um einen Wurf oder Schlag gehandelt hat, ist nicht
ausschlaggebend. Vielmehr kann aufgrund des Umstandes, dass der Beschuldig-
te dem Privatkläger zunächst eine Ohrfeige gab und dann das Trinkglas des Pri-
vatklägers ergriff, das in unmittelbarer Nähe von dessen Teller stand, und dann
den Inhalt des Glases dem Privatkläger anschüttete, darauf geschlossen werden,
dass der Beschuldigte in unmittelbarer Nähe zum Privatkläger gestanden haben
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muss und nicht etwa in einer Entfernung von eineinhalb Metern, wie der Beschul-
digte selbst glauben machen will (Urk. 32 S. 11 und Urk. 68 S. 10). Aus der erfolg-
ten Ohrfeige ergibt sich, dass die Distanz zwischen dem Beschuldigten und dem
Privatkläger höchstens eine Armlänge betragen haben kann und die weiteren,
dynamisch und ohne grössere zeitliche Pausen erfolgten Handlungen demnach
ebenfalls in diesem kleinräumlichen Rahmen erfolgt sind. Diese kleine räumliche
Distanz und dass alle Handlungen nacheinander erfolgt sind, wird auch vom Be-
schuldigten grundsätzlich anerkannt (Urk. 68 S. 13). Demnach steht fest, dass die
Distanz auch nicht gross gewesen sein kann, als der Einsatz des Glases erfolgte.
Dies wird auch von den zuvor geschilderten Aussage des Zeugen C._ ge-
stützt (Urk. 5/2 Antworten 28 - 34). Es wäre kaum erklärbar, dass der Zeuge
C._ ausgerechnet in jener Passage seiner Aussage, worin er den Beschul-
digten entlastet, indem er die Stärke des Schlages als mässig und ohne Ausholen
umschrieb, den Beschuldigten umgekehrt zu Unrecht belastet hätte, indem er von
einem Schlag anstatt von einem Wurf sprach. Ganz abgesehen davon, dass
C._ im Zeitpunkt seiner Aussage die Tragweite dieses Aspektes seiner Dar-
stellung gar nicht erkennen konnte und auch kein persönliches Interesse gehabt
hätte, die Unwahrheit zu sagen. Die Würdigung der Aussagen ergibt deshalb
zweifelsfrei, dass der Beschuldigte das Glas aus einer kurzen Distanz Richtung
Kopf des Privatklägers zum Einsatz brachte und damit mit einer gewissen Intensi-
tät auf den Kopf des Privatklägers einwirkte. Der Privatkläger führte als einziger
aus, dass der Beschuldigte das Glas nach dem Schlag noch in der Hand gehalten
habe. Nicht ausgeschlossen werden kann diesbezüglich aber, dass der Beschul-
digte im Sekundenbruchteil vor dem Aufprall den Griff um das Glas lockerte bzw.
dieses losliess, wobei dies bei derart kurzen Distanzverhältnissen keine Rolle
spielt bzw. die Bezeichnung "Schlag" nicht ausschliesst. Massgebend ist viel-
mehr, mit welcher Geschwindigkeit und Beschleunigung die Bewegung mit dem
Glas ausgeführt wurde und mit welcher Intensität dieses dadurch auf den Kopf
des Privatklägers aufschlug.
3.7. Dass die rechtliche Qualifikation der Körperverletzung grundsätzlich und
wesentlich davon abhängt, ob ein Wurf oder ein Schlag erfolgt, lässt sich aus der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht ableiten. Dass ein Schlag im Gegen-
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satz zu einem Wurf "gut zu dosieren sei", wie die Verteidigung ausführte (Urk. 50
S. 9), ist bei einem Wutanfall, wie die Staatsanwaltschaft zu Recht schilderte
(vgl. Prot. II S. 10f.), ohnehin zu verneinen. Die Vergleiche von publizierten Fällen
mit Körperverletzungen durch Gläser und Flaschen können nicht auf ein einziges
Kriterium reduziert werden (vgl. Urk. 50). Auch die anlässlich der Berufungsver-
handlung durch die Verteidigung vorgebrachten neueren Bundesgerichtsent-
scheide (Urk. 69 S. 6 ff.), können nicht als Vergleich herangezogen werden, da
die Sachverhalte nicht mit dem vorliegenden Sachverhalt vergleichbar sind. Der
von der Verteidigung zitierte Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 1975
(BGE 101 IV 285 ff.; Urk. 69 S. 9) ist mit dem vorliegenden Sachverhalt zwar ver-
gleichbar jedoch bestehen bedeutende Unterschiede insofern, als die Entfernung,
aus welcher das Glas zum Einsatz kam, vorliegend nicht vier Meter betragen hat,
der Beschuldigte vorliegend nicht betrunken war und das Bierglas nicht ungezielt
gegen eine Wand geschleudert wurde.
4. Grund der Auseinandersetzung
4.1. Nach Angaben des Privatklägers habe der Beschuldigte nahe bei seinem
dort parkierten Auto diskutiert und herumgefuchtelt, worauf er (der Privatkläger)
ihn gebeten habe, ob er nicht etwas weiter weg von seinem Auto stehen könne
(Urk. 4/1 Antwort 5). Darauf sei der Beschuldigte sehr aggressiv geworden und
habe ihn mit "Tubel" beschimpft. Da der Beschuldigte dann in das Restaurant ge-
kommen sei, habe er (der Privatkläger) der Serviertochter gesagt, sie solle ihn
nicht bedienen.
4.2. Der Beschuldigte sagte zu diesem Geschehen etwas widersprüchlich aus.
In der polizeilichen Befragung gab er zunächst an, der Privatkläger habe gesagt,
weshalb sie nicht im Auto sprechen könnten; offenbar habe ihn das Gespräch ge-
stört. Er (der Beschuldigte) habe den Privatkläger einfach ignoriert, als dieser re-
klamiert habe (Urk. 3/1 Antwort 5). In seiner Befragung vor dem Bezirksgericht
gab der Beschuldigte dann zu Protokoll, der Privatkläger habe gesagt, dass sie zu
nahe an seinem Auto stünden (Urk. 32 S. 10). Er habe daraufhin erwidert, dass
es in der Schweiz nicht verboten sei, auf der Strasse zu reden und sie reden
könnten, wo sie wollten. Der Privatkläger habe dann der Serviertochter gesagt,
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dass sie ihn (den Beschuldigten) nicht bedienen solle. Er (der Beschuldigte) habe
gedacht, ob er spinne und er habe den Privatkläger gefragt, ob es einen rassisti-
schen Grund gebe. Der Privatkläger habe ihm aber bloss geantwortet, dass er
abhauen solle. Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte, er
habe im ersten Moment verstanden, dass sie das Gespräch im Auto drin halten
sollten, sie seien zu laut gewesen. Er (der Beschuldigte) habe den Privatkläger
ignoriert und der Privatkläger habe weiter ausgerufen. Es habe dem Privatkläger
nicht gepasst, dass sie dort gesprochen hätten. Er habe sie dort weg haben wol-
len. Im Restaurant habe der Privatkläger dann der Serviertochter gesagt, er dürfe
keine Cola trinken. Er habe dann gefragt weshalb nicht. Die Serviertochter habe
ihm (dem Beschuldigten) dann gesagt, der Privatkläger sei der Chef. Der Privat-
kläger habe nur ausgerufen. Er sei dann zum Privatkläger gegangen und habe
gesagt, was das solle. Er habe mit ihm diskutieren wollen (Urk. 68 S. 8).
4.3. Es kann deshalb als erwiesen gelten, dass die Verweigerung der Bedie-
nung der Grund für das vorgeworfene Handeln des Beschuldigten war.
5. Gesetzliche Tatvarianten
Art. 122 StGB qualifiziert eine Körperverletzung als schwer, wenn
a) eine lebensgefährliche Verletzung verursacht wurde (Art. 122 Abs. 1 StGB),
b) ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichti-
ges Organ oder Glied unbrauchbar gemacht wurde (Art. 122 Abs. 2 StGB),
c) ein Mensch durch die Verletzung bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder
geisteskrank wird (Art. 122 Abs. 2 StGB),
d) das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt wurde (Art. 122 Abs. 2
StGB),
e) eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder
geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht wurde (Art. 122 Abs. 3
StGB).
6. Standpunkt der Anklage
In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe durch den
Schlag mit dem Glas gegen den Kopf des Privatklägers eine schwere bleibende
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körperliche Schädigung des Gehirns oder eines Auges und/oder eine arge und
bleibende Entstellung des Gesichts gewollt oder zumindest in Kauf genommen
(Anklage Urk. 19 S. 3). Damit stützt sich die Staatsanwaltschaft sinngemäss auf
die obgenannte Tatvariante b von Art. 122 Abs. 2 StGB (Hirn- und Augenverlet-
zung) und auf die Tatvariante d von Art. 122 Abs. 2 StGB (Gesichtsentstellung)
(Urk. 19 S. 3).
7. Standpunkt der Verteidigung
Der Verteidiger verneint einen Eventualvorsatz für eine versuchte schwere Kör-
perverletzung (Urk. 50 S. 10 Ziff. 9; Urk. 69 S. 3 und S. 5). Der Beschuldigte habe
die gesundheitlichen Folgen seines Handelns, die Verletzungen des Privatklägers
nicht gewollt. Er bestreitet somit den subjektiven Tatbestand.
8. Versuch
Auch die Anklage geht davon aus, dass der Privatkläger objektiv gesehen keine
schwere Körperverletzung erlitten hat. Man spricht in diesem Zusammenhang von
einem Ausbleiben des tatbestandsmässigen Erfolgs, vorliegend das Ausbleiben
einer schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB. Nach dem schwei-
zerischen Strafrecht entfällt damit aber noch nicht die Strafbarkeit des Täters. Tritt
nämlich der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht ein, so liegt ein Ver-
such im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vor. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtli-
che subjektiven Tatbestandselemente und manifestiert seine Entschlossenheit,
ohne dass alle objektiven Tatbestandselemente verwirklicht sind (BGE 137 IV 113
Erw. 1.4.2; BGE 128 IV 18 E. 3b; BGE 122 IV 246 E. 3a; BGE 120 IV 199 E. 3e).
9. Direkter Vorsatz
9.1. In subjektiver Hinsicht ist unabhängig von der Annahme eines versuchten
oder vollendeten Deliktes zwischen direktem Vorsatz und Eventualvorsatz zu un-
terscheiden. Vorsätzlich begeht jemand eine Tat, wenn er diese mit Wissen und
Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Direktvorsätzlich handelt jemand, der den
tatbestandsmässigen Erfolg bezweckt und somit will oder wer zwar einen anderen
Zweck verfolgt, den Erfolg aber als unvermeidliche Nebenfolge voraussieht
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(Andreas Donatsch / Brigitte Tag, Strafrecht I, 9. Aufl. Zürich 2013, S. 118 f.).
Eventualvorsätzlich handelt demgegenüber jemand, der den Erfolg zwar nicht will,
diesen aber als möglich hält und in Kauf nimmt.
9.2. Die Vorinstanz ist ausdrücklich von Eventualvorsatz und nicht von direktem
Vorsatz des Beschuldigten ausgegangen (Urk. 48 S. 34 und S. 35). Direkter Vor-
satz wird verschuldensmässig als gravierender taxiert als Eventualvorsatz (Urteil
des Bundesgerichts vom 9. Oktober 2014, Erw. 2.4; Hans Mathys, Leitfaden
Strafzumessung, Basel 2016, S. 80 Rz 184). Aus diesem Grund führt direkter
Vorsatz in der Regel auch zu einer höheren Sanktion als der Eventualvorsatz. Der
Vorinstanz ist zuzustimmen, dass rechtsgenügende Beweise für einen direkten
Vorsatz des Beschuldigten auf Zufügung einer schweren Körperverletzung fehlen.
Hätte der Beschuldigte einen solchen Willen gehabt, hätte er stärker oder mehr-
mals zugeschlagen.
10. Eventualvorsatz
10.1. Die Willensbildung als innerer menschlicher bzw. hirnorganischer Vorgang
ist einem naturwissenschaftlichen Beweis beim heutigen Stand der Wissenschaft
nicht zugänglich, schon gar nicht rückwirkend. Ob der Täter die Tatbestandsver-
wirklichung in Kauf genommen hat, muss der Richter deshalb – bei Fehlen eines
Geständnisses des Beschuldigten – aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu
gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirkli-
chung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters
und die Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbe-
standsverwirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, des-
to näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tat in Kauf genommen
(BGE 133 IV 1 E. 4.1; 130 IV 58 E. 8.4; 125 IV 242 E. 3c). War umgekehrt der
Eintritt des Erfolgs nicht wahrscheinlich, sondern bloss möglich, darf nicht allein
aus dem Wissen des Beschuldigten um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf
dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände
hinzukommen (BGE 133 IV 1 E. 4.1; 131 IV 1 E. 2.2; 125 IV 242 E. 3f).
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10.2. Der Privatkläger sagte aus, er sei über den Teller gebeugt gewesen und
habe gegessen. Plötzlich habe der Beschuldigte sein (des Privatklägers) Glas er-
griffen und ihm das Mineralwasser angeleert (Urk. 4/1 Antwort 5). Er (der Privat-
kläger) habe daraufhin aufschauen wollen, aber da habe ihm der Beschuldigte
schon das leere Glas auf den Kopf gehauen. Diese Aussage passt weitgehend in
das Bild der Aussagen des Beschuldigten und des Zeugen. Wer einem anderen
ein schweres Trinkglas an den Kopf bzw. Richtung Gesicht schlägt, hat es nicht
mehr in der Hand, wie der Geschädigte seinen Kopf bewegt. Dies gilt sowohl für
den Fall, dass das Opfer nicht mit dem Schlag rechnet, als auch für den Fall, dass
das Opfer die Bedrohung in Sekundenbruchteilen vor dem Aufprall wahrnimmt
und deshalb eine Abwehrbewegung macht oder einfach bloss aufschaut. Vorlie-
gend schlug der Beschuldigte in stehender Position mit dem Trinkglas auf den
Kopf des sitzenden Privatklägers, der soeben aufschauen wollte. Nachdem der
Beschuldigte dem Privatkläger den Inhalt des Glases angeschüttet hatte, er-
scheint diese Darstellung des Privatklägers auch glaubhaft. Es ist lebensnah,
dass jemand aufschaut um festzustellen, woher das Wasser gekommen ist bzw.
wer es ihm angeschüttet hat. Damit steht aber auch fest, dass es letztlich nur zu-
fällig war, wo am Kopf des Privatklägers das Glas aufprallte, an der Stirn oder im
frontalen Gesichtsbereich. Der Beschuldigte hat dies gar nicht mehr in eigener
Hand, sondern bloss zufällig traf er den Privatkläger "bloss" an der Stirn, welche
bekanntlich weitaus stabiler ist als Knochen im Gesichtsbereich.
10.3. Bei einem Trinkglas besteht entweder die Möglichkeit, dass es zerbricht
und Schnittwunden verursacht oder dass aufgrund des massiven und harten
Glaskörpers, insbesondere des dicken Glasbodens, ein Knochenbruch am Schä-
del resultiert. Häufig sind in diesem Zusammenhang Brüche des Jochbeins oder
des Nasenbeins oder das Ausschlagen von Zähnen die Folge. Aber auch andere
Brüche von Kopfknochen kommen in ähnlich gelagerten Fällen vor.
10.4. Die Verletzungen des Privatklägers am oberen Stirnbereich sind sowohl fo-
tografisch als auch durch den ärztlichen Bericht über die ambulante medizinische
Versorgung dokumentiert (Urk. 6 und Urk. 9/2). Zwar resultierte aus dem Schlag
kein Knochenbruch; die Rissquetschwunden an der Stirn waren jedoch tief und
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blutend und mussten genäht werden. Wenngleich der Beschuldigte nicht mit voller
Wucht zuschlug, was ihm aufgrund der Zeugenaussage nicht unterstellt werden
kann, so belegen die Wunden doch eine erhebliche Intensität des Schlages. An-
dernfalls wäre nur ein Hämatom oder volkstümlich ausgesprochen, eine Beule
entstanden. Hätte der Privatkläger seinen Kopf nur ca. fünf Zentimeter mehr an-
gehoben, wären die Wunden im Bereich der Augen entstanden. Man braucht kein
medizinischer Fachmann zu sein, um zu wissen, dass solche Schnitt- oder Platz-
wunden am Auge zu irreversiblen Schäden an diesem sensiblen Organ führen,
manchmal sogar zum Verlust eines Auges oder dessen Sehkraft. Beim Auge
handelt es sich um ein wichtiges aber auch sehr verletzliches Organ. Schläge mit
einem grossen, schweren Trinkglas in den Gesichtsbereich eines Opfers sind
deshalb fast immer mit einem hohen Risiko einer schweren Augenverletzung ver-
bunden und erfüllen regelmässig den Tatbestand einer schweren, allenfalls ver-
suchten schweren Körperverletzung. Einerseits können leicht tiefe Schnittwunden
im frontalen Gesichtsbereich entstehen, welche deutlich sichtbare Narben hinter-
lassen und somit zu einer argen und bleibenden Entstellung des Opfers im Sinne
von Art. 122 Abs. 2 StGB führen. Andererseits können bei Gläsern mit dicken
Böden oder Wänden, wie dem Vorliegenden, auch leicht Brüche von Gesichts-
knochen verursacht werden, die Komplikationen nach sich ziehen können. Zutref-
fend ist der Einwand der Verteidigung, dass die Vorinstanz einen unver-
hältnismässigen Vergleich mit dem Entscheid des Bundesgerichts 6B_204/2013
anstellte (Urk. 50 S. 7, Urk. 48 S. 34). In jenem Fall schlug der Täter mit einem
1,8 kg schweren Bierkrug, einem sogenannten Pitcher, mit grosser Wucht auf den
Kopf des Opfers und verursachte einen mehrteiligen Schädelbruch (6B_204/2013
Erw. A.b.). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz lag dort die Möglichkeit einer
schweren Körperverletzung weitaus näher als im vorliegenden Fall. Allerdings
äusserte sich das Bundesgericht in jenem Entscheid in keiner Weise dahinge-
hend, dass leichtere Fälle mit geringeren Verletzungen nicht mehr als versuchte
schwere Körperverletzungen zu qualifizieren wären. Das gleiche gilt auch für den
von der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung zitierten Bundes-
gerichtsentscheid 6B_1180/2015 (Urk. 69 S. 6).
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10.5. Ein Schlag mit einem grossen Trinkglas in das Gesicht eines Opfers bein-
haltet nicht nur die blosse Möglichkeit, sondern vielmehr das naheliegende Risiko
einer schweren Körperverletzung im Sinne einer schweren Augenverletzung.
Niemand würde sich beispielsweise zu wissenschaftlichen Versuchen mit solchen
Schlägen freiwillig hingeben, weil allgemein und hinlänglich bekannt ist, dass dar-
aus nicht bloss vorübergehende heftige Schmerzen resultieren könnten, sondern
auch der Verlust des Augenlichts oder eines erheblichen Teils der Sehkraft. Auch
arge und bleibende Narben im Gesicht sind wahrscheinlich. Schliesslich ist auch
an eine Verletzung der empfindlichen Gesichtsnerven zu denken. Diesbezügliche
Schäden, welche sich auf das Gefühl und die Mimik im Gesicht bleibend auswir-
ken können, sind für die Opfer häufig äusserst belastend. Dass der Beschuldigte
um die Folgen solcher Verletzungen nicht gewusst hat, behauptete er in der Un-
tersuchung selbst nicht. Die Motivation des Beschuldigten für den Schlag
– Kränkung aufgrund des Hinweises, dass seine Person im besagten Restaurant
nicht erwünscht war –, lässt auch mit rechtsgenügender Sicherheit auf seinen Wil-
len im besagten Moment schliessen: Wessen Selbstwertgefühl durch einen derart
nichtigen Anlass sogleich ins Bodenlose fällt und wer deshalb mit so unbeherrsch-
ter Wut reagiert, dokumentiert, dass er in diesem Moment nur eine brutale Retor-
sionsmassnahme als gleichwertig und angemessen ansieht. Dass der Beschul-
digte auch mit einer schweren Prellung am Kopf des Privatklägers "zufrieden"
gewesen wäre, ändert daran nichts. Im Moment der Tat nahm er eine schwere
Verletzung im Gesicht des Privatklägers in Kauf. So anerkannte der Beschuldigte
anlässlich der Berufungsverhandlung denn auch, dass seine Handlungen zu einer
schwereren Verletzung des Privatklägers hätten führen können (Urk. 68 S. 15 und
S. 16).
10.6. Nicht gefolgt werden kann der Auffassung der Verteidigung, für eine ver-
suchte schwere Körperverletzung sei ein massiv brutales Vorgehen gefordert
(Urk. 50 S. 8 Ziff. 7, Urk. 69 S. 9). Massgebend ist primär das Mass der objektiven
Möglichkeit der Verursachung einer schweren Körperverletzung und nicht die
Vorgehensweise. Auch ein nicht brutales Vorgehen kann grundsätzlich eine
schwere Körperverletzung zur Folge haben.
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10.7. Der Beschuldigte hat sich deshalb der versuchten schweren Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig
gemacht. Dem Umstand, dass eine schwere Verletzung glücklicherweise ausge-
blieben ist, ist im Rahmen der Strafzumessung Rechnung zu tragen.
IV. Strafzumessung
1. Strafrahmen
Der obere Strafrahmen bei schwerer Körperverletzung im Sinne von Art. 122
StGB reicht bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Als unterer Strafrahmen sieht der
Gesetzgeber Geldstrafe von mindestens 180 Tagen vor. Innerhalb dieses Straf-
rahmens ist die Strafe nach den bereits von der Vorinstanz geschilderten Grund-
sätzen gemäss Art. 47 StGB (Urk. 48 S. 34) sowie der aktuellen bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung festzulegen (anstelle vieler: BGE 136 IV 55; BGE 135
IV 130; BGE 134 IV 19; BGE 132 IV 102; Bundesgerichtsentscheide
6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2 und 6B_274/2013 vom 5. September 2013).
2. Tatverschulden
2.1. Objektive Tatschwere
Die Vorinstanz hat das objektive Tatverschulden zutreffend begründet (Urk. 48
S. 34 f.). Der Beschuldigte führte einen Schlag mittlerer Stärke, der Zeuge sprach
von 4 - 5 auf einer Skala von 0 - 10, gegen den Kopf resp. die Stirn und somit
gegen einen sensiblen Bereich des Körpers. Bei einer solchen Quantifizierung ist
es aktenwidrig wenn die Verteidigung behauptete, der Zeuge habe von einem
leichten bis mittleren Schlag gesprochen (Urk. 50 S. 12 Ziff. 13; Urk. 69 S. 5). Zu
berücksichtigen ist aber, dass es sich zwar um ein grosses und festes Trinkglas
gehandelt hat, jedoch nicht um einen Bierhumpen, dessen Glaskörper wesentlich
massiver ist. Solche Trinkgläser, wie vorliegend, sind im Gastgewerbe häufig an-
zutreffen, weil sie eben derart robust sind, dass sie nicht zum Zerbrechen neigen.
Da der Schlag nicht mit voller Wucht ausgeführt wurde, war die Wahrscheinlich-
keit eines Zerbrechens im Gesicht des Opfers und der Verursachung einer ge-
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fährlichen Schnittwunde zwar vorhanden, wohl aber deutlich geringer als ein
"glimpflicher" Ausgang wie vorliegend. Dies gilt auch bezüglich der Verursachung
eines Knochenbruchs. Demgegenüber erscheint die Behauptung der Staatsan-
waltschaft, es hätten bleibende Hirnschäden resultieren können, als klar übertrie-
ben bzw. ausserhalb der Bandbreite vernünftiger Prognosen (Urk. 33 S. 6).
Die beiden verursachten Rissquetschwunden waren 4 -5 cm lang und relativ tief.
Sie mussten genäht werden und verursachten dem Privatkläger nicht unerhebli-
che Schmerzen. Von besonderer Brutalität kann immerhin nicht ausgegangen
werden, da der Beschuldigte nicht ausholte bzw. nicht mit voller Wucht zuschlug.
Erhebliche bleibende Schäden hat der Privatkläger nicht davongetragen. Die
Wunden sind gut verheilt, leichte Narben werden allerdings bleiben. Auf die Ver-
letzungsfolgen hatte der Beschuldigte aber nur beschränkten Einfluss, waren
doch die Folgen seines Schlages im Moment der Ausführung für ihn nicht ab-
schätzbar. Es war mit anderen Worten dem Zufall zu verdanken, dass der Privat-
kläger keine schwere Körperverletzung, wie beispielsweise einen irreversiblen
Augenschaden, davon getragen hat. Obschon das schweizerische Strafrecht we-
sentlich auf dem Verschuldensprinzip basiert, gilt die Regel, dass eine tiefere
Strafe auszusprechen ist, wenn der Erfolg der Tat nicht eingetreten ist, trotz des
Umstands, dass das Gesetz in diesem Fall lediglich eine fakultative Strafmilde-
rung vorsieht (Art. 22 Abs. 1 StGB; BGE 121 IV 49 Erw. 1). Es würde beispiels-
weise dem Rechtsempfinden widersprechen, wenn ein Täter, der in Tötungs-
absicht auf das Opfer schiesst, dieses aber nicht trifft, gleich bestraft würde wie
derjenige Täter, der "erfolgreich" war (Mathys, a.a.O., N 215). Der vollendete wie
auch der untaugliche Versuch zeichnen sich dadurch aus, dass sie vom Ver-
schulden unabhängig sind, ungeachtet dessen aber bei der Tatkomponenten zu
berücksichtigen sind (Mathys, a.a.O. N 215). Je näher die Möglichkeit des Erfolgs
liegt, desto geringer wirkt sich der blosse Versuch der Tat auf die Strafe aus. Vor-
liegend lag eine schwere Verletzung im nahen Bereich des Möglichen, auch wenn
solche Schläge meistens glimpflich ausgehen.
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2.2. Subjektive Tatschwere
Die Tat des Beschuldigten war eine völlig unbeherrschte und unverhältnismässige
Reaktion aus nichtigem Anlass. Nicht geteilt werden kann die Auffassung der Vor-
instanz und der Verteidigung, wenn sie von Provokation sprechen, weil der Be-
schuldigte mehr oder weniger grundlos vom Privatkläger verbal angegangen und
ihm grundlos die Bedienung verwehrt worden sei (Urk. 48 S. 35 und 36 Ziff. 1.3.).
Der Privatkläger hat den Beschuldigten zwar nicht beschimpft, ihn aber herab-
lassend behandelt. Dennoch stand das Handeln des Beschuldigten in keinem
Verhältnis zur Aufforderung des Privatklägers, etwas mehr Distanz zu seinem Au-
to zu halten bzw. zur Verweigerung der Bewirtung, zumal der Beschuldigten auch
dutzend andere Lokale in der Nähe als Alternative zur Verfügung gehabt hätte. Es
ging ihm letztlich nicht um das Recht auf Bewirtung, sondern um den verletzten
Stolz, weil der Privatkläger "die Macht" hatte, ihn vor Ort und vor anderen Leuten
als unerwünscht zu erklären. Ein gewisses Mindestmass an Frustrationstoleranz
muss jedoch von jedem Bürger ohne Weiteres erwartet werden können. (Verletz-
ter) Stolz verdient keinen Rechtsschutz, wenn er letztlich nur Ausdruck eines tie-
fen Selbstwertgefühls ist. Es wäre verfehlt, in solchen Situation irgendwelches
Verständnis für einen derart unbeherrschten Gewaltausbruch des Beschuldigten
aufzubringen. Die Ohrfeige bzw. das Anleeren des Wassers wären eine mehr als
genügende Reaktion auf die herablassende Behandlung des Privatklägers ge-
wesen. Das Vorgehen des Beschuldigten muss vielmehr als skrupellos und egois-
tisch qualifiziert werden.
Nicht angängig ist die von der Vorinstanz verwendete Formulierung, wonach der
Beschuldigte im Affekt gehandelt habe (Urk. 48 S. 35). Affekt ist ein feststehender
Rechtsbegriff und nicht gleichbedeutend mit gefühlsmotiviert oder ungeplant
(vgl. Donatsch/Tag, a.a.O., S. 27 Ziff. 2.1). Der Beschuldigte hat nicht im Rahmen
einer nachvollziehbaren und entschuldbaren Gemütserregung gehandelt, sondern
vielmehr aus einer individuellen, gemessen am Massstab des allgemeinen sozia-
len Zusammenlebens völlig unbeherrschten Laune heraus. Nach eigenen Anga-
ben sei der Beschuldigte direkt von der Arbeit gekommen und nicht alkoholisiert
gewesen (Urk. 3/2 S. 3).
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2.3. Höhe des Tatverschuldens
Bei der quantitativen Bemessung des Tatverschuldens und damit indirekt auch
der Höhe der Strafe für das Tatverschulden sind methodisch alle theoretisch mög-
lichen Tatvarianten innerhalb des ordentlichen Strafrahmens einzuordnen und mit
dem vorliegend zu beurteilenden Handeln des Täters in ein Verhältnis zu setzen.
Im Vergleich zu einer vollendeten schweren Körperverletzung mit lebens-
länglichen Folgen für das Opfer muss die vorliegende Tat des Beschuldigten in
objektiver Hinsicht im untersten Bereich des ordentlichen Strafrahmens liegen.
Dies auch wegen der mässigen Wucht mit dem der Schlag ausgeführt wurde und
wegen der nicht besonders hohen Gewichtsmasse des Trinkglases, insbesondere
im Vergleich mit einem Bierhumpen. Umgekehrt war das Glas so robust, dass es
wenig zum Zerbrechen neigte und eine beträchtliche Wahrscheinlichkeit bestand,
dass es nicht zu gefährlichen Schnittverletzung kommt.
Demgegenüber wiegt die subjektive Tatschwere mittelschwer, da die Reaktion
des Beschuldigten einerseits jegliche Verhältnismässigkeit zum Anlass sprengte,
andererseits aber bloss von Eventualvorsatz auszugehen ist. Insgesamt ist das
Tatverschulden als nicht mehr leicht zu taxieren, weshalb eine Strafe im Bereich
des unteren Drittels des Strafrahmens angemessen ist. Wäre vorliegend ein voll-
endetes Delikt zu beurteilen, so wäre eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren angemes-
sen, aufgrund des gegebenen Versuchs ist die Strafe jedoch auf 24 Monate Frei-
heitsstrafe festzusetzen.
3. Täterkomponenten
3.1. Zu den persönlichen Verhältnissen gab der Beschuldigte an, dass er im
Jahr 2000 in die Schweiz gekommen sei. Er sei in Brasilien, in Rio aufgewachsen.
Seine Mutter und seine Schwester seien bereits früher in die Schweiz gekommen.
Er habe dann zuerst bei seiner Familie gewohnt und Arbeit gesucht. Danach habe
er im D._ an der Rezeption und im technischen Support gearbeitet. Im Jahr
2003 habe er seine Ehefrau kennengelernt. Nach sechs Monaten sei diese
schwanger geworden. Sie hätten versucht, ein Leben aufzubauen und er habe
danach bei der E._ gearbeitet. 2007 oder 2008 habe er seinen Job verloren.
Es sei daraufhin zu vielen finanziellen und familiären Problemen gekommen. Er
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habe immer wieder gearbeitet oder sei auf Stellensuche gewesen (Urk. 3/8 S. 5).
Aktuell verdiene er für einen Einsatz im Rahmen eines Sozialprogramms
Fr. 1'788.– netto pro Monat. Eigentlich müsse er für seine beiden Kinder, zusam-
men Fr. 960.– an Unterhaltsbeiträgen zahlen (Urk. 68 S. 4), er lebe aber auf dem
Existenzminimum und könne sich das nicht leisten. Demnächst habe er vor, eine
Ausbildung zum Hilfspfleger zu beginnen, es müsse jedoch noch ein Praktikums-
platz für ihn gefunden werden (Urk. 32 S. 1 ff.). An der Berufungsverhandlung
führte der Beschuldigte aus, dass er in einem Altersheim ein Praktikum als Pfle-
gehelfer absolviere und auch die Schule besuche. Er bezahle 30 Prozent und die
Sozialbehörde übernehme 70 Prozent dieser Kosten. Diese Ausbildung sei bis
November 2016 geplant. Für die Zeit danach habe er noch keine konkrete Stelle
in Aussicht. Er erhalte Sozialhilfe, wobei ihm monatlich Fr. 1'390.-- zur Verfügung
stehen würden und zudem die Kosten für die Wohnung und die Krankenkasse
übernommen würden. Seine Schulden würden nach wie vor ca. Fr. 60'000.-- be-
tragen. Seit dem Jahr 2007 sei er von B._ geschieden, das Verhältnis zu ihr
sei aber wieder besser. Seine Kinder, die unterdessen 11 und 12 Jahre alt seien,
sehe er regelmässig. Er habe ein Besuchsrecht, welches jeweils unbegleitet aus-
geübt werde (Urk. 68 S. 2ff.; Urk. 70/1-2). Aus den persönlichen Verhältnissen er-
geben sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren.
3.2. Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl vom 25. Mai 2009 wegen Fahrens
in alkoholisiertem Zustand (1.24 Promille) zu einer bedingten Geldstrafe von
30 Tagessätzen zu Fr. 90.-- und einer Busse von Fr. 1'000.-- verurteilt (Urk. 49).
Da diese Vorstrafe nicht einschlägig ist, wirkt sie sich nur leicht straferhöhend
aus.
3.3. Der Beschuldigte ist teilweise geständig, jedoch nur in Bezug auf den ob-
jektiven Tatbestand. Den inneren Sachverhalt anerkennt er nicht. Das Teil-
geständnis ist deshalb leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Dies auch vor dem
Hintergrund, dass sich der Beschuldigte unmittelbar nach der Verletzung des
Opfers vom Tatort entfernte und nur mit Glück und unter Mithilfe von Zeugen
überhaupt als Täter ermittelt werden konnte. Wenn er für die Rechtfertigung gel-
tend macht, ein Dritter habe ihm nach der Tat gesagt, er solle "abhauen", so ver-
- 23 -
mag dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass er sich zunächst seiner Verant-
wortung zu entziehen versuchte. Aufgrund des Aussageverhaltens und des hinter-
lassenen Eindrucks des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung ist
zudem eine gewisse Einsicht und Reue auszumachen, welche ebenfalls leicht
strafmindernd zu berücksichtigen ist.
4. Höhe der Strafe
Ausgehend von der Einsatzstrafe rechtfertigt es sich somit aufgrund der leichten
Strafminderung aufgrund der Täterkomponenten eine Strafe von 20 Monaten
auszufällen. Der Anrechnung der Haft von einem Tag steht nichts entgegen
(Art. 51 StGB).
V. Vollzug
Die persönlichen, insbesondere beruflichen und finanziellen Verhältnisse des Be-
schuldigten sind derzeit nicht einfach, da er über keine abgeschlossene Berufs-
ausbildung verfügt bzw. noch keine konkret Arbeitsstelle in Aussicht hat und Un-
terhaltspflichten hat (Urk. 68 S. 2). Auch sein soziales Beziehungsnetzwerk ist
eher lose, weshalb von dieser Seite her wohl wenig Druck besteht, künftig delikts-
frei zu bleiben. Er weist zwar eine Vorstrafe aus dem Jahre 2009 auf; jene Verfeh-
lung im Bereich des Strassenverkehrs ist jedoch ganz anderer Art, weshalb sie für
die Prognosebildung nur wenig ins Gewicht fällt. Der Beschuldigte ist somit prak-
tisch Ersttäter, weshalb ihm nicht unterstellt werden kann, dass er ohne freiheits-
entziehende Sanktion zu kriminellen Handlungen neige. Bei solchen Vorausset-
zungen kann auch vermutet werden, dass die Haft und das Strafverfahren einen
bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Genügende Indizien für eine Schlecht-
prognose liegen deshalb nicht vor, weshalb ihm der bedingte Strafvollzug im Sin-
ne von Art. 42 StGB zu gewähren ist. Die Dauer der Probezeit ist, gerichtsüblich
in ähnlich gelagerten Fällen, auf drei Jahre anzusetzen.
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VI. Genugtuung
1. Wer eine Körperverletzung erleidet oder in seiner Persönlichkeit widerrecht-
lich verletzt wird, hat Anspruch auf die Leistung einer Geldsumme als Genug-
tuung, sofern dies durch die Schwere der Verletzung als gerechtfertigt erscheint
und falls die Verletzung nicht anders wieder gut gemacht worden ist (Art. 47 und
Art. 49 Abs. 1 OR). Die Höhe der Genugtuung hängt in erster Linie von der Art
und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die
Persönlichkeit der betroffenen Person sowie vom Grad des Verschuldens des
Schädigers am Schadensereignis ab. Die Bemessung der Genugtuung steht in
einem weiten Ermessen des Gerichts.
2. Der Privatkläger erlitt aufgrund des Schlages mit dem Trinkglas zwei Riss-
quetschwunden an der Stirn, welche einige Zeit lang gut sichtbar waren, jedoch
schliesslich gut verheilt sind. Die Verletzungen waren aber mit erheblichen
Schmerzen und Umtrieben verbunden. Zum Verschulden wurden die relevanten
Umstände bereits im Zusammenhang mit der Strafzumessung dargelegt. Ver-
gleiche von Genugtuungen mit anderen Fällen aus der Rechtsprechung sind
schwierig, weil deren Höhe stets von den konkreten Umständen im Einzelfall und
den Anträgen der Parteien abhängen. Bei Körperverletzungen am Kopf ohne er-
hebliche bleibende Schäden bewegen sich die Genugtuungen für das Opfer im
Bereich von Fr. 500.-- bis Fr. 10'000.--. Die von der Vorinstanz zugesprochene
Genugtuung in Höhe von Fr. 1'500.– erscheint deshalb vorliegend als angemes-
sen, jedenfalls aber nicht zu tief.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Auferlegung der Kosten des Rechtsmittelverfahrens richtet sich gemäss
Art. 428 StPO nach Obsiegen und Unterliegen. Sowohl die Staatsanwaltschaft als
auch der Beschuldigte unterliegen mit ihren Berufungs- bzw. Anschlussberu-
fungsanträgen teilweise. Im Vergleich zur Vorinstanz wurde die Strafe allerdings
erhöht, obschon der Beschuldigte eine merklich mildere Sanktion verlangte. Es
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rechtfertigt sich deshalb, dem Beschuldigten drei Viertel der Kosten aufzuerlegen
und einen Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche zu ei-
nem Viertel definitiv und zu drei Vierteln einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen sind, unter Vorbehalt einer Rückzahlung, sobald es die wirtschaftlichen
Verhältnisse des Beschuldigten ermöglichen (Art. 135 Abs. 4 StPO).
2. Der Rechtsvertreter des Privatklägers stellte für das Berufungsverfahren
Anwaltskosten im Umfang von Fr. 971.25 in Rechnung (Urk. 63). Der zugrunde
liegende und dokumentierte Aufwand von ca. dreieinhalb Stunden war nötig und
angemessen, weshalb der Beschuldigte zu verpflichten ist, dem Privatkläger die-
sen Schaden im Sinne einer Prozessentschädigung für das Berufungsverfahren
zu ersetzen.