Decision ID: e7cfb0a1-229d-4a9c-a054-e443c1e68a26
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ S.G.-S. versah bis zum Ende des Schuljahres 2002/2003 einen Lehrauftrag an einer
Musikschule. Die Politische Gemeinde X. ist Stiftungsmitglied der Musikschule und
Trägerin des Fachbereichs Klassik. Art. 9 lit. a des Organisations- und
Geschäftsreglements der Musikschule bestimmt, dass die Dozentinnen und Dozenten
von den einzelnen Stiftungsträgern entsprechend ihren personalrechtlichen
Bestimmungen gewählt und angestellt werden.
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B./ Anlässlich mehrfacher Qualitätskontrollen im Schuljahr 2002/2003 beurteilte der
Direktor der Musikschule den Unterricht von S.G.-S. für die berufsausbildende Stufe
als ungenügend. Diese Feststellungen teilte der Direktor S.G.-S. am 27. März 2002 in
einem Gespräch mit. Mit Schreiben vom 17. Oktober 2002 wies er sie nochmals auf die
erwähnte Problematik hin und bot ihr eine zusätzliche Aussprache an. Am 8. Januar
2003 wandte sich S.G.-S. an die damalige Vizepräsidentin des Stiftungsrates der
Musikschule und für das Schulwesen zuständige Stadträtin. Im Verlauf dieses
Gesprächs warf sie dem Direktor mangelhafte Führung und Mobbing vor. Aufgrund
dieser Anschuldigungen führte die Vizepräsidentin des Stiftungsrates am 3. Februar
2003 ein Gespräch mit dem Direktor. Die Einholung weiterer Unterlagen zur Klärung
einzelner Vorkommnisse war geplant.
C./ Im Frühjahr 2003 fand in S. eine grundlegende Diskussion über die Weiterführung
des Fachbereichs Klassik der Musikschule statt. Mit offenem Brief vom 12. März 2003
wandte sich S.G.-S. zusammen mit einem weiteren Dozenten an die Öffentlichkeit
sowie die Parlamentsmitglieder von S. und erhob darin verschiedene Vorwürfe
gegenüber der Musikschule und dem Direktor, welcher hauptsächlich für die
verschiedenen Missstände verantwortlich sei.
D./ Mit Schreiben des Vorstandes der Schulverwaltung vom 4. April 2003 wurde S.G.-
S. unter Hinweis auf die fehlende Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit mit
dem Direktor der Musikschule die Kündigung ihres Lehrauftrages per 31. Juli 2003
angekündigt. Grund dafür sei der offene Brief vom 12. März 2003, worin S.G.-S.
gegenüber dem Direktor schwerste Vorwürfe betreffend die Betriebs- und
Personalführung erhoben habe. Mit dem offenen Brief sei nicht nur der Ruf des
Direktors in Misskredit gezogen worden, sondern es seien in aller Öffentlichkeit auch
der Stiftungsrat sowie die für den Fachbereich Klassik der Musikschule verantwortliche
Stadträtin denunziert worden. Dieses Verhalten habe die Grundlage für eine
vertrauensvolle Zusammen- und Weiterarbeit zerstört. Mit Schreiben vom 25. April
2003 liess sich S.G.-S., vertreten durch K.L.V. zur in Aussicht gestellten Kündigung
vernehmen. Sie führte darin u.a. aus, dass auch ihrerseits kein Interesse mehr an einer
weiteren Zusammenarbeit bestehe, und beantragte, dass Bestrebungen zur
einvernehmlichen Auflösung des Lehrauftrags geführt werden.
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E./ Mit Schreiben vom 28. April 2003 kündigte der Schulvorstand den Lehrauftrag mit
S.G.-S. im Fachbereich Klassik an der Musikschule ohne Begründung. Nachdem die
Bestrebungen um eine einvernehmliche Auflösung des Lehrauftrags gescheitert waren,
reichte der Schulvorstand mit Schreiben vom 10. Dezember 2003 die Begründung der
Kündigung nach. Im wesentlichen sei das Fehlen jeglicher Vertrauensbasis für eine
weitere Zusammenarbeit sowohl mit dem Direktor als auch mit der für den Fachbereich
Klassik verantwortlichen Stadträtin Grund für die Kündigung, zumal auch deshalb, weil
S.G.-S. sich in einem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gewandt habe, als ein durch sie
veranlasstes Beschwerdeverfahren gegen den Direktor der Musikschule noch hängig
gewesen sei.
F./ In der Folge zog S.G.-S., wiederum vertreten durch K.L.V., die Kündigung des
Lehrauftrags an den Stadtrat weiter. Dieser wies den Rekurs mit Beschluss vom 29.
Juni 2004 ab, soweit er darauf eintrat. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass nach
der in der Öffentlichkeit erfolgten Kritik am Direktor die für eine weitere Tätigkeit der
Rekurrentin bei der Musikschule unerlässliche Vertrauensgrundlage nicht mehr
bestehe.
Hiergegen erhob S.G.-S. am 15. Juli 2004, wiederum vertreten durch K.L.V., Rekurs
beim Departement des Innern. Auf ihre Begehren um Feststellung der
Missbräuchlichkeit der Kündigung, um Feststellung des Anspruches auf ein
unbefristetes Unterrichtspensum von 9.5 Lektionen pro Woche, um Auszahlung des
Lohnes bis zu einer ordentlichen Kündigung sowie Zahlung von Schadenersatz trat das
Departement des Innern im Entscheid vom 7. Februar 2005 nicht ein. Das Begehren um
Überweisung des Rekursverfahrens an das Erziehungsdepartement wurde abgewiesen.
Hingegen wurde das Begehren um Aufhebung des Stadtratbeschlusses vom 29. Juni
2004 gutgeheissen. Zur Begründung wurde im wesentlichen ausgeführt, die Politische
Gemeinde X. habe die Kündigung mit einer schuldhaften Dienstpflichtverletzung von
S.G.-S. begründet. Deshalb hätte der Schulvorstand die Kündigung nicht als
Administrativmassnahme aussprechen dürfen, sondern hätte stattdessen ein
Disziplinarverfahren einleiten müssen.
G./ Gegen den Entscheid des Departements des Innern vom 7. Februar 2005 erhob die
Politische Gemeinde X. mit Eingabe vom 22. Februar 2005 Beschwerde beim
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Verwaltungsgericht. In der Beschwerdeergänzung vom 22. März 2005 beantragt er, der
Entscheid des Departements des Innern sei aufzuheben und jener des Stadtrates vom
29. Juni 2004 zu bestätigen, unter Kostenfolge. Zur Begründung wird ausgeführt, dass
die Kündigung nicht wegen einer schuldhaften Dienstpflichtverletzung ausgesprochen
worden sei, sondern vielmehr deshalb, weil auf Grund der entstandenen Situation eine
gedeihliche Zusammenarbeit zwischen S.G.-S. und dem Direktor der Musikschule nicht
mehr möglich sei. Dabei sei entscheidend gewesen, dass S.G.-S. in ihrer
Stellungnahme zur angekündigten Kündigung vom 25. April 2003 vorgebracht habe,
dass ihr Vertrauensverhältnis ebenfalls so stark erschüttert sei, dass ihr eine weitere
Zusammenarbeit mit der Musikschule nicht mehr möglich erscheine.
In seiner Vernehmlassung vom 12. April 2005 beantragt das Departement des Innern
die Abweisung der Beschwerde des Stadtrates.
In ihrer Vernehmlassung vom 1. Mai 2005 beantragt S.G.-S., vertreten durch
Rechtsanwalt R.B., die Beschwerde des Stadtrates sei abzuweisen und die Politische
Gemeinde X. anzuweisen, die seit dem 1. August 2003 ausstehenden Lohnzahlungen
vorzunehmen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ a) Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs.
2 lit. a Ziff. 4 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt
VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 22. Februar 2005 und deren Ergänzung vom 22.
März 2005 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Nach Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP steht das Beschwerderecht
zur Wahrung öffentlicher Interessen auch der zuständigen Behörde einer öffentlichen-
rechtlichen Körperschaft zu. Nach ständiger Praxis des Verwaltungsgerichts setzt die
Legitimation des Gemeinwesens voraus, dass dieses den streitigen Entscheid durch
Setzen eines Rechtsaktes im eigenen Aufgabenbereich erlassen und damit bestimmte
öffentliche Interessen vertreten hat. Umfang und Inhalt der vom Gemeinwesen zu
wahrenden öffentlichen Interessen bestimmen sich nach der durch das kantonale
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Recht geregelten Zuständigkeitsordnung (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 450 ff.; GVP 1992 Nr. 43 mit Hinweisen).
Nach Art. 5 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 lit. c und Art. 143 Abs. 2 des
Gemeindegesetzes (sGS 151.2) kann das Dienstrecht der Beamten und Angestellten
einer Gemeinde durch ein Gemeindereglement geordnet werden. Die Politische
Gemeinde X. hat von dieser Ermächtigung Gebrauch gemacht durch den Erlass des
Personalreglements vom 25. Oktober 1994 (sRS 191.1, abgekürzt PR). Die Politische
Gemeinde X. ist deshalb im Bereich des Dienstrechts ihrer Mitarbeiter grundsätzlich
autonom, soweit das kantonale Recht diese Autonomie nicht einschränkt.
Vorliegend erfolgte die Kündigung des Lehrauftrags der Beschwerdegegnerin gestützt
auf Art. 24 lit. a PR, mithin in einem Bereich, in welchem die Beschwerdeführerin
grundsätzlich selbständige Verfügungskompetenz zur Vertretung öffentlicher Interessen
besitzt. Durch Ziff. 1 des Entscheids des Departements des Innern vom 7. Februar
2005, wonach der Stadtratsbeschluss vom 29. Juni 2004 aufgehoben wird, ist die
Beschwerdeführerin unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an der
Aufhebung dieses Entscheids, weshalb sie in diesem Punkt zur Beschwerde legitimiert
ist (Art. 45 Abs. 1 und 2 VRP). Obwohl die Beschwerdeführerin in ihrem
Rechtsbegehren die vollumfängliche Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids
beantragt, geht aus den weiteren Ausführungen in der Beschwerdebegründung (Ziff. III.
3.) hervor, dass sich die Beschwerde ausschliesslich gegen Ziff. 1 des vorinstanzlichen
Dispositivs richtet. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
b) Gemäss Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 1 VRP ist der Vorinstanz und
den Betroffenen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Dabei ist es den Betroffenen
grundsätzlich verwehrt, einen Antrag zu stellen, der zu ihren Gunsten über das hinaus
geht, was durch die Rekursinstanz entschieden wurde. Das
Verwaltungsrechtspflegegesetz lässt die Möglichkeit einer Anschlussbeschwerde
grundsätzlich nicht zu (Art. 63 VRP; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 945).
Die Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin erfolgte durch ihren Rechtsvertreter mit
Eingaben vom 1. und 18. Mai 2005. Sie beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen
sowie die Beschwerdeführerin anzuweisen, die seit dem 1. August 2003 ausstehenden
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Lohnzahlungen vorzunehmen. Auf letzteres kann das Verwaltungsgericht nicht
eintreten. Will sich ein Beteiligter mit der Rechtsstellung, die er aufgrund eines
Rekursentscheids erlangt hat, nicht abfinden, so muss er selbständig Beschwerde
führen. Tut er dies nicht, so muss er sich darauf beschränken, Abweisung der
Beschwerde und Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheides zu verlangen (VerwGE
vom 15. März 1979 i.S. Pol. Gde. G).
2./ a) Strittig ist die Frage, ob die zur Auflösung des Lehrauftrags der
Beschwerdegegnerin an der Musikschule verfügte ordentliche Kündigung als
Administrativmassnahme zulässig war.
aa) Im Bereich des städtischen Dienstrechts ist zu beachten, dass nebst dem
Personalreglement auch das kantonale Gesetz über die disziplinarische
Verantwortlichkeit der Behördenmitglieder, Beamten und Angestellten
(Disziplinargesetz; sGS 161.3, abgekürzt DG) zur Anwendung gelangen kann. Nach Art.
1 Abs. 1 DG gilt das Disziplinarrecht auch für die Beamten und Angestellten der
Gemeinden, sofern sie in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis stehen. Dieser
Vorbehalt des kantonalen Disziplinargesetzes ist ausdrücklich in Art. 1 Abs. 2 lit. c PR
verankert. Im weiteren ist zu beachten, dass die Politische Gemeinde X. bei der
Regelung der Dienstverhältnisse weitgehend autonom ist und eine Ermessenskontrolle
durch das Verwaltungsgericht im Beschwerdeverfahren nicht möglich ist (Art. 61 Abs. 1
und 2 VRP).
bb) Die administrative Entlassung unterscheidet sich von der disziplinarischen
Entlassung dadurch, dass sie nicht auf eine schuldhafte Dienstpflichtverletzung
zurückzuführen ist. Wenn dem Beamten oder Angestellten hingegen ein pflichtwidriges
Verhalten vorgeworfen wird, das subjektiv als Verschulden in der Form des Vorsatzes
oder der Fahrlässigkeit anzurechnen ist, ist dies als disziplinarisches Verhalten zu
qualifizieren. Wird ein solcher Vorwurf nicht erhoben, aber allgemein die Untauglichkeit
des Beamten oder Angestellten geltend gemacht, als deren Ausdruck das objektiv
pflichtwidrige Verhalten erscheint, handelt es sich nicht um eine Disziplinarmassnahme
(vgl. E.M. Jud, Besonderheiten öffentlichrechtlicher Dienstverhältnisse nach
schweizerischem Recht, insbesondere bei deren Beendigung aus nichtdisziplinarischen
Gründen, Diss. Freiburg 1975, S. 190 ff.; W. Hinterberger, Disziplinarfehler und
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Disziplinarmassnahmen im Recht des öffentlichen Dienstes, Diss. St. Gallen 1986, S.
340 ff.; GVP 1995 Nr. 2).
cc) Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist die Verwaltung nicht
verpflichtet, bei jeder Dienstpflichtverletzung eine Disziplinarmassnahme zu ergreifen.
Sie kann, auch wenn sie dem Beamten subjektiv ein Verschulden nachzuweisen
vermag, gleichwohl die administrative Auflösung wählen, wenn sie das Dienstverhältnis
nicht des Schuldvorwurfs wegen auflöst, sondern geltend macht, der Beamte oder
Angestellte habe durch sein schuldhaftes Verhalten Eigenschaften gezeigt, die ihn
objektiv für seine Arbeit als ungeeignet erscheinen lassen (GVP 1995 Nr. 2; VerwGE
vom 20. April 1999 i.S. A.T.; Schroff/Gerber, Die Beendigung der Dienstverhältnisse in
Bund und Kantonen, Veröffentlichungen des Schweizerischen Instituts für
Verwaltungskurse an der Hochschule St. Gallen, Neue Reihe, Bd. 22, St. Gallen 1989,
N 40 mit Hinweis auf BGE 100 Ib 25 sowie auf die unveröffentlichten
Bundesgerichtsentscheide i.S. G. vom 30. März 1973, i.S. S. vom 11. Juli 1975 und i.S.
G. vom 10. Dezember 1976). Auch das Bundesgericht führte in einem den Kanton St.
Gallen betreffenden Fall aus, das Nebeneinanderbestehen von Gründen, die allenfalls
eine disziplinarische Entlassung rechtfertigen könnten und von solchen, die zu einer
Administrativentlassung führen müssten, schränke die Möglichkeit der administrativen
Entlassung nicht ein, da sonst der Beamte, der aus objektiven Gründen untragbar
geworden sei, bevorzugt werde, wenn ihm daneben noch ein Verschulden zur Last falle
(BGE 104 Ia 165). Anders zu entscheiden wäre, wenn die wichtigen Gründe nur
vorgeschoben sind und die Massnahme in Tat und Wahrheit einer Disziplinarstrafe
gleichkomme (BGE 100 Ib 26).
Wie das Verwaltungsgericht in GVP 1995 Nr. 2 festgehalten hat, können administrative
und disziplinarische Gründe für eine Entlassung nebeneinander bestehen. Das
Vorliegen von disziplinarischen Gründen schliesst die administrative Entlassung nicht
aus, doch darf das Administrativverfahren nicht zur Umgehung eines
Disziplinarverfahrens führen. Entscheidend ist, dass dann, wenn disziplinarische und
administrative Gründe für eine Massnahme vorliegen, eine administrative Massnahme
nur dann möglich ist, wenn die Gründe für eine administrative Entlassung für sich allein
genügen (VerwGE vom 1. Dezember 1995 i.S. H.K. mit Hinweisen auf ZBL 85/1984, S.
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407 und T. Poledna, Disziplinarische und administrative Entlassung von Beamten - vom
Sinn und Unsinn einer Unterscheidung, in: ZBl 96/1995, S. 49 ff.).
dd) Die Gründe, die eine administrative Kündigung rechtfertigen, müssen von einem
gewissen Gewicht sein. Zwar ist nicht erforderlich, dass sie die Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses als unzumutbar erscheinen lassen; es reicht vielmehr, wenn die
Weiterbeschäftigung des betreffenden Arbeitnehmers dem öffentlichen Interesse,
insbesondere demjenigen an einer gut funktionierenden Verwaltung widerspricht (M.
Michel, Beamtenstatus im Wandel, Diss. Zürich 1998, S. 299). Es müssen sachliche,
vertretbare Gründe sein, so dass die Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht als
Willkürakt erscheint. Nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit muss die
Kündigung sodann ein geeignetes Mittel zur Problemlösung sein, und es dürfen nicht
weniger einschneidende Massnahmen wie bspw. eine Verwarnung ebenfalls zum Ziel
führen. Zudem muss eine Abwägung der gegenseitigen Interessen die Kündigung als
gerechtfertigt erscheinen lassen (Michel, a.a.O., S. 301 f.). Angesichts der inhaltlichen
Offenheit und Unbestimmtheit dieser Umschreibungen steht den Verwaltungsbehörden
beim Entscheid über die Kündigung ein grosser Ermessens- und Beurteilungsspielraum
zu (vgl. anstelle vieler GVP 1995 Nr. 3; Michel, a.a.O., S. 342 f.; ZBl 104/2003, S. 202;
VerwGE vom 26. August 2003 i.S. E.Z.).
b) aa) In der Begründung der Kündigung, welche mit Schreiben vom 10. Dezember
2003 nachgereicht wurde, hielt der Schulvorstand fest, dass die fehlende
Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit zwischen der Beschwerdegegnerin
einerseits und dem Direktor der Musikschule und dem Schulvorstand andererseits
ausschlaggebend für die ausgesprochene Kündigung gewesen sei. Ursache des
zerstörten Vertrauens sei dabei das von der Beschwerdegegnerin an die Öffentlichkeit
gerichtete Schreiben, worin diese gegenüber dem Direktor schwerste Vorwürfe
hinsichtlich Betriebs- und Personalführung erhoben sowie auch indirekt den
Schulvorstand und den Stiftungsrat der mangelnden Aufsicht und Führung bezichtigt
habe. Zudem habe die Beschwerdegegnerin mit der Wahl des Zeitpunkts der
Veröffentlichung der Vorwürfe auch in Kauf genommen, dass der vom städtischen
Parlament zu bewilligende Kredit für den Weiterbetrieb der Musikschule nicht
gesprochen werde.
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bb) Die Vorinstanz leitet aus der Begründung der Kündigung ab, dass das der
Beschwerdegegnerin in der Kündigung zur Last gelegte Verhalten schuldhaft
begründet gewesen sei, weshalb der disziplinarische Weg hätte beschritten werden
müssen.
cc) Wie vorstehend ausgeführt wurde, begründete die Schulverwaltung die Kündigung
mit dem zerstörten Vertrauensverhältnis. Die Einschätzung, wonach eine weitere
Zusammenarbeit nicht mehr möglich sei, wurde von der Beschwerdegegnerin geteilt,
welche in der Stellungnahme zur angedrohten Kündigung ausführte, dass auch
ihrerseits das Vertrauensverhältnis "so stark erschüttert sei, dass ihr eine weitere
Zusammenarbeit mit der Musikschule nicht mehr möglich erscheine" (Schreiben K.L.V.
an Stiftung Musikschule vom 25. April 2003, S. 3). Diese Aussage der
Beschwerdegegnerin ist entgegen den Auffassungen der Vorinstanz und der
Beschwerdegegnerin keineswegs aus dem Zusammenhang gerissen. Dies zeigt sich
namentlich darin, dass die Beschwerdegegnerin gemäss Schreiben vom 25. April 2003
"eine einvernehmliche gegenseitige Vertragsauflösung" angestrebt hat. Unwesentlich
ist sodann, ob der K.L.V. als Vertreter der Beschwerdegegnerin irrtümlich davon
ausgegangen ist, dass es sich beim Schreiben vom 4. April 2003 bereits um die
Kündigung handelt.
dd) Schliessen beide Parteien, wie im vorliegenden Fall, eine weitere Zusammenarbeit
aus, ist das Funktionieren der Verwaltung nicht mehr gewährleistet. In einem solchen
Fall stellt der Konflikt im Arbeitsumfeld, der zur Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses
zwischen Arbeitgeber und –nehmer geführt hat, unabhängig vom Verschulden des zu
entlassenden Mitarbeiters einen zulässigen Kündigungsgrund dar (vgl. VerwGE vom 26.
August 2003 i.S. E.Z.; VPB 65/2001 Nr. 14 E. 7; T. Jaag, Das öffentlichrechtliche
Dienstverhältnis im Bund und im Kanton Zürich – ausgewählte Fragen, ZBl 95/1994 S.
464). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz in der Vernehmlassung vom
12. April 2005 und der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 18. Mai
2005 ist mithin in einem Fall, wo für beide Parteien eine Weiterführung des
Arbeitsverhältnisses nicht mehr in Frage kommt, nicht ausschlaggebend, ob die
Beeinträchtigung des Vertrauensverhältnisses auf ein disziplinarisch relevantes
Fehlverhalten des Arbeitnehmers zurückzuführen ist, sondern es ist ein wichtiger Grund
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gegeben, der eine administrative Kündigung rechtfertigt. Ob sich die
Beschwerdegegnerin vorliegend auch Disziplinarfehler zu Schulden kommen liess,
kann damit offenbleiben. Nicht weiter zu prüfen ist sodann, ob vorliegend die
nachträgliche Durchführung eines Disziplinarverfahrens mit Blick auf Art. 22 DG
überhaupt möglich wäre, nachdem die Beschwerdegegnerin bereits seit Ende des
Schuljahres 2002/2003 keinen Lehrauftrag mehr ausübt.
ee) Zu prüfen ist im weiteren, ob die administrative Kündigung auch mit dem
Verhältnismässigkeitsprinzip vereinbar ist. Dabei fällt in Betracht, dass eine Kündigung
nur zulässig ist, wenn weniger einschneidende Massnahmen, wie etwa Verwarnung
oder Versetzung, nicht zum Ziel führen würden (Michel, a.a.O., S. 302). Sodann ist in
diesem Zusammenhang auch die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, welche sich neben
Art. 328 des Obligationenrechts (SR 220) auch aus den allgemeinen Grundsätzen des
Verfassungs- und Verwaltungsrechts ergibt, zu berücksichtigen. Danach müssen bei
Störungen des Arbeitsklimas alle zumutbaren Vorkehrungen zur Verbesserung des
Arbeitsklimas getroffen werden und eine Kündigung ist erst statthaft, wenn sich diese
Massnahmen als untauglich erwiesen haben (ZBl 104/2003, S. 209 mit weiteren
Hinweisen). Schliesslich sind im Rahmen einer umfassenden Interessenabwägung die
privaten Interessen des Arbeitnehmers an einem Unterbleiben der Kündigung gegen
die öffentlichen Interessen des Gemeinwesens an der Auflösung des
Arbeitsverhältnisses gegeneinander abzuwägen.
ff) Nachdem auch für die Beschwerdegegnerin, wie vorstehend ausgeführt wurde, eine
Weiterführung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr in Frage kam, erweist sich die
Kündigung des Lehrauftrags als das einzige taugliche Mittel. In dieser Hinsicht ist die
Verhältnismässigkeit somit ohne weiteres gegeben. Hinsichtlich der Fürsorgepflicht fällt
in Betracht, dass verschiedentlich versucht wurde, durch vermittelnde Gespräche und
eine Mediation eine Entspannung der Situation zu erreichen. Eine Verletzung der
Fürsorgepflicht ist unter diesen Umständen nicht ersichtlich und wird auch von der
Beschwerdegegnerin nicht geltend gemacht. Schliesslich ergibt auch eine umfassende
Interessenabwägung, dass die Kündigung durch das überwiegende öffentliche
Interesse am Funktionieren der Verwaltung gerechtfertigt ist, nachdem die
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Beschwerdegegnerin selbst auch eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses angestrebt
hat.
c) Zusammenfassend steht somit fest, dass die Kündigung vom 28. April 2003
entgegen der Auffassung der Vorinstanz auf administrativen Gründen beruht. Die
Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses genügt als Grund für die Entlassung, und die
Massnahme erweist sich als verhältnismässig. Die Beschwerde ist als unbegründet
abzuweisen und Ziff. 1 des Dispositivs des vorinstanzlichen Entscheids aufzuheben.
3./ Gemäss Art. 97bis Abs. 1 lit. b VRP werden im Beschwerdeverfahren betreffend das
öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis in sachgemässer Anwendung von Art. 343 Abs. 3
OR keine amtlichen Kosten erhoben. Entsprechend der unbestritten gebliebenen
Darstellung der Vorinstanz ist vorliegend die Streitwertgrenze von Fr. 30'000.-- gemäss
Art. 343 Abs. 2 OR nicht überschritten. Diese Feststellung ist nicht zu beanstanden,
zumal die Beschwerdegegnerin gegenwärtig keinen Lehrauftrag mehr ausübt und die
künftige Weiterführung des Studienbereichs Klassik an der Musikschule offenbar
fraglich ist. Dementsprechend sind der Beschwerdegegnerin als unterlegenen
Verfahrensbeteiligten (Art. 95 Abs. 1 VRP) keine amtlichen Kosten aufzuerlegen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP). Die
Beschwerdeführerin hat als Gemeinwesen keinen Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2003, S. 176 ff.).