Decision ID: dfd139f0-d483-430e-907f-5ec5c497155d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Prozessgeschichte:
A. Gestützt auf ein Schreiben der Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz betref-
fend «Verdacht auf Verletzung des FINMAG durch B. GmbH» (nachfolgend: B.)
vom 11. März 2016 sowie rechtshilfeweise edierte Akten bei den Staatsanwalt-
schaften der Kantone Schwyz und St. Gallen eröffnete das Eidgenössische Fi-
nanzdepartement (nachfolgend: EFD) am 19. Mai 2020 gegen A. (nachfolgend:
der Beschuldigte) ein Verwaltungsstrafverfahren nach dem Bundesgesetz über
das Verwaltungsstrafrecht vom 22. März 1974 (VStrR, SR 313.0) wegen Ver-
dachts auf Tätigkeit als Finanzintermediär ohne Bewilligung gemäss Art. 44 des
Bundesgesetzes über die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht vom
22. Juni 2007 (Finanzmarktaufsichtsgesetz [FINMAG], SR 956.1) i.V.m. Art. 14
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 10. Oktober 1997 über die Bekämpfung der
Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung im Finanzsektor (Geldwä-
schereigesetz [GwG], SR 955.0; Akten EFD [Verfahrens-Nr. 442.3-080] 050-
0001).
B. Mit Strafverfügung vom 6. September 2021 (nachfolgend: Strafverfügung) sprach
das EFD den Beschuldigten wegen vorsätzlicher Tätigkeit als Finanzintermediär
ohne Bewilligung gemäss Art. 44 Abs. 1 FINMAG i.V.m. Art. 14 Abs. 1 GwG, be-
gangen vom 1. November 2015 bis zum 7. Dezember 2016, schuldig und verur-
teilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 10.-- bei einer
zweijährigen Probezeit sowie zur Bezahlung der Verfahrenskosten von
Fr. 2'210.-- (EFD 090-0001 ff.).
C. Der Beschuldigte verlangte mit Schreiben vom 17. September 2021 beim EFD
die gerichtliche Beurteilung (Art. 72 VStrR) (SK 2.100.007).
D. Mit Übermittlungsschreiben vom 4. Oktober 2021 überwies das EFD die Akten
gemäss Art. 50 Abs. 2 FINMAG an die Bundesanwaltschaft zuhanden des Bun-
desstrafgerichts. Das EFD beantragte, der Beschuldigte sei entsprechend der
Strafverfügung wegen vorsätzlicher Tätigkeit als Finanzintermediär ohne Bewilli-
gung gemäss Art. 44 Abs. 1 FINMAG i.V.m. Art. 14 Abs. 1 GwG schuldig zu spre-
chen, begangen vom 1. November 2015 bis zum 7. Dezember 2016, und zu ei-
ner bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 20.-- bei einer Probezeit von
zwei Jahren zu verurteilen. Eventualiter sei der Beschuldigte wegen fahrlässiger
Tätigkeit als Finanzintermediär ohne Bewilligung gemäss Art. 44 Abs. 2 i.V.m.
Art. 14 Abs. 1 GwG schuldig zu sprechen und zu einer Busse von Fr. 1'000.-- zu
verurteilen (SK 2.100.004 ff.).
E. Am 6. Oktober 2021 reichte die Bundesanwaltschaft die Akten des EFD zusam-
men mit dem Begehren um gerichtliche Beurteilung beim Bundesstrafgericht ein
(SK 2.100.002 ff.).
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F. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte der Einzelrichter von Amtes wegen
Strafregisterauszüge aus der Schweiz und aus Deutschland sowie einen Betrei-
bungsregisterauszug und die den Beschuldigten betreffenden Steuerunterlagen
ein (SK 2.231.1.012 und -015; 2.231.3.008 ff.; 2.231.2.005 f.). Die Parteien stell-
ten keine Beweisanträge (SK 2.511.001; 2.521.002).
G. Mit Schreiben vom 4. Mai 2022 machte der Einzelrichter das EFD auf einen Ver-
schrieb in der Strafverfügung aufmerksam (SK 2.400.004 f.). Die Anklagebe-
hörde stellte diesen mit Schreiben vom 13. Mai 2022 richtig (SK 2.511.002 f.).
H. Aufgrund terminlicher Überlastung der Verteidigung wurde die Hauptverhandlung
erst auf den 31. Mai 2022 angesetzt (SK 2.310.001; 2.310.006).
I. Mit Verfügung vom 7. Juni 2022 ordnete der Einzelrichter dem Beschuldigten ab
Antragsdatum vom 2. Juni 2022 Rechtsanwalt Konrad Jeker (nachfolgend:
RA Jeker) als amtlichen Verteidiger bei (SK 2.911.001 ff.).
J. Aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen auf Seiten des Beschuldigten
und auf dessen impliziten Antrag hin verfügte der Einzelrichter am 30. Mai 2022,
ein schriftliches Gerichtsverfahren durchzuführen. Gleichzeitig nahm er dem Be-
schuldigten und seiner Verteidigung die Vorladung für die Hauptverhandlung ab
(SK 2.255.003 f.). In der Folge wurde ein Schriftenwechsel durchgeführt. Das
EFD reichte seinen Parteivortrag ein (SK 2.511.012 ff.). Der Beschuldigte stellte
daraufhin dem Gericht ebenfalls seinen Parteivortrag der «Anklageantwort» zu
(SK 2.521.013 ff.). Nach Eingang der schriftlichen Replik des EFD
(SK 2.511.023 ff.) verzichtete der Beschuldigte darauf, zu duplizieren
(SK 2.521.023).

Der Einzelrichter erwägt:
1. Prozessuales und Vorfragen
1.1 Anwendbares Recht
1.1.1 Gemäss Art. 2 VStrR i.V.m. Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach geltendem Recht beur-
teilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat.
Dies gilt auch für Übertretungen (Art. 104 StGB). Massgebend ist der Zeitpunkt
der Vornahme der tatbestandsmässigen Handlung (vgl. RIKLIN, Schweizerisches
Strafrecht, Allgemeiner Teil, Verbrechenslehre, 3. Aufl. 2007, § 8 N. 5; POPP/BER-
KEMEIER, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019,
Art. 2 StGB N. 5). Als Ausnahme bestimmt Art. 2 Abs. 2 StGB, dass eine Tat, die
vor Inkrafttreten des Gesetzes begangen wurde, nach dem neuen Recht zu be-
urteilen ist, wenn dieses für den Täter das mildere ist («lex mitior»).
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1.1.2 Gemäss Anklage soll sich der Beschuldigte im Zeitraum vom 1. November 2015
bis zum 7. Dezember 2016 strafbar gemacht haben. Die vorliegend relevante
Strafbestimmung der finanzintermediären Tätigkeit ohne Bewilligung hat durch
das Bundesgesetz über die Finanzdienstleistungen vom 15. Juni 2018 (Finanz-
dienstleistungsgesetz [FIDLEG], SR 950.1) sowie das Bundesgesetz über die
Finanzinstitute vom 15. Juli 2018 (Finanzinstitutsgesetz [FINIG], SR 954.1) keine
relevanten Änderungen erfahren und ist auch hinsichtlich der Strafdrohung nicht
milder. Es ist daher das im anklagerelevanten Zeitpunkt geltende FINMAG an-
wendbar.
1.1.3 Das materielle Verwaltungsrecht war im tatrelevanten Zeitpunkt im GwG und in
der Verordnung über die Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfi-
nanzierung vom 11. November 2015 (Geldwäschereiverordnung [GwV],
SR 955.01) – in Kraft seit dem 1. Januar 2016 – geregelt. Anwendbar ist vorlie-
gend die im Zeitpunkt einer möglichen Verletzung von Art. 44 FINMAG in Kraft
stehende Version des GwG und der GwV.
1.1.4 Ferner anwendbar ist zudem das Rundschreiben 2011/1 der FINMA betreffend
«Tätigkeit als Finanzintermediär nach GwG, Ausführungen zur Geldwäscherei-
verordnung (GwV) vom 20. Oktober 2010» (nachfolgend: FINMA-RS 11/1).
1.2 Zuständigkeit
1.2.1 Gemäss Art. 50 Abs. 1 Satz 2 FINMAG ist das EFD verfolgende und urteilende
Behörde bei Widerhandlungen gegen die Strafbestimmungen des FINMAG und
der übrigen Finanzmarktgesetze i.S.v. Art. 1 Abs. 1 FINMAG. Art. 50 Abs. 2 FIN-
MAG sieht u.a. vor, dass die strafbare Handlung der Bundesgerichtsbarkeit un-
tersteht, wenn die gerichtliche Beurteilung verlangt wurde. In diesem Fall über-
weist das EFD die Akten der Bundesanwaltschaft zuhanden des Bundesstrafge-
richts. Die Überweisung gilt dabei als Anklage.
1.2.2 Das vorliegende Verfahren hat den Verdacht auf eine Widerhandlung gegen das
FINMAG i.V.m. dem GwG zum Gegenstand. Das GwG zählt zu den Finanzmarkt-
gesetzen (Art. 1 Abs. 1 lit. f FINMAG). Nachdem der Beschuldigte fristgerecht
nach Eröffnung der Strafverfügung die gerichtliche Beurteilung verlangt hat (vgl.
lit. C), ist die Zuständigkeit der Strafkammer des Bundesstrafgerichts gegeben
(Art. 72 VStrR i.V.m. Art. 35 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über
die Organisation der Strafbehörden des Bundes, Strafbehördenorganisationsge-
setz [StBOG], SR 173.71).
Die Kompetenz des Einzelgerichts der Strafkammer des Bundesstrafgerichts
ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 36 Abs. 2 StBOG.
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1.3 Anklageprinzip
1.3.1 Der Beschuldigte rügt, die Anklage sei inkohärent und verunmögliche eine wirk-
same Verteidigung, da sie sich nicht festlege, ob sie ihm ein Handeln oder ein
Unterlassen vorwerfe. In dieser Form liege eine unzulässige Alternativanklage
vor (SK 2.521.015 f.).
1.3.2 Eine Alternativanklage, die nicht zwingend als solche zu bezeichnen ist, kommt
in Betracht, wenn der Anklagebehörde – ohne eine Präferenz zu haben – trotz
Ausschöpfung sämtlicher Erkenntnisgrundlagen mehrere Sachverhaltsversionen
als möglich erscheinen und sie dem Gericht den Entscheid überlässt, welcher
Vorhalt als bewiesen zu betrachten ist (vgl. HEIMGARTNER/NIGGLI, Basler Kom-
mentar, 2. Aufl. 2014, Art. 325 StPO N. 45 f.; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch der
StPO, 3. Aufl. 2017, N. 1270).
1.3.3 Abweichend zur Strafverfügung macht das EFD mit Überweisungsschreiben vom
4. Oktober 2021, die gemäss Art. 73 Abs. 2 Satz 1 VStrR als Anklage gilt, even-
tualiter eine fahrlässige Tatbegehung geltend, was grundsätzlich zulässig ist (vgl.
HEIMGARTNER/KESHELAVA, Basler Kommentar, 2020, Art. 73 VStrR N.18). Die
Anklage beschreibt die Geschäftstätigkeit der B., welche ohne Bewilligung erfolgt
sein soll, detailliert und klar. Sie schildert ausführlich, welches Verhalten dem
Beschuldigten angelastet wird. Das EFD stellt sich konsequent auf den Stand-
punkt, die Geschäftstätigkeit der B. sei dem Beschuldigten einerseits gestützt auf
sein eigenes Handeln gemäss Art. 6 Abs. 1 VStrR und andererseits infolge sei-
nes Untätigbleibens als Organ der Gesellschaft gemäss Art. 6 Abs. 2 VStrR zu-
zurechnen (EFD 090-0015 Rz. 77; SK 2.511.016 Rz. 9 f.; 2.511.023 f.). Entge-
gen der vom Beschuldigten vertretenen Ansicht handelt es sich hierbei nicht um
eine Alternativanklage bzw. um eine alternative Tatversion, denn das EFD macht
nicht gelten, die Zurechnung sei entweder aufgrund eigenen Handelns (Art. 6
Abs. 1 VStrR) oder aufgrund Organstellung (Art. 6 Abs. 2 VStrR) dem Beschul-
digten zurechenbar. Vielmehr stellt sich die Anklagebehörde auf den Standpunkt,
es seien beide strafrechtlichen Zurechnungsnormen erfüllt. Die Auffassung des
Beschuldigten, bei Bestreitung der einen Alternative würde er sich automatisch
der anderen Alternative belasten (SK 2.521.016), ginge im Übrigen fehl, wie fol-
gendes Beispiel aufzeigt: Wird die Organfunktion oder die Verletzung einer Or-
ganpflicht bestritten, führt dies nicht automatisch zum Schluss, eine beschuldigte
Person sei diesfalls originär verantwortlich.
1.3.4 Nach dem Gesagten liegt eine gültige Anklage wegen vorsätzlicher und eventu-
aliter wegen fahrlässiger finanzintermediärer Tätigkeit ohne Bewilligung vor.
1.4 Schriftliches Verfahren
1.4.1 Das Verfahren vor Bundesstrafgericht bestimmt sich nach Massgabe der
Art. 73–80 VStrR (Art. 81 VStrR); subsidiär sind die Bestimmungen der StPO
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heranzuziehen (Art. 82 VStrR). Das Gericht entscheidet in der Sache und bezüg-
lich der Kosten neu (vgl. HAURI, Verwaltungsstrafrecht, 1998, S. 155 f.); hierbei
kommt ihm freie Kognition zu (vgl. HAURI, a.a.O., S. 149 f.). Das Urteil ist mit den
wesentlichen Entscheidungsgründen den Parteien schriftlich zu eröffnen, unter
Angabe der Rechtsmittelbelehrung (Art. 79 Abs. 2 VStrR).
1.4.2 Der Beschuldigte machte mit Schreiben vom 25. Mai 2022 und unter Beilage
eines Arztzeugnisses von C. (nachfolgend: C.) geltend, nicht an der Hauptver-
handlung vom 31. Mai 2022 teilnehmen zu können. Gleichzeitig ersuchte er um
Abnahme seiner Vorladung (SK 2.521.004 f.). Mit Schreiben vom 28. Mai 2022
teilte der Beschuldigte dem Gericht erneut mit, an der Hauptverhandlung nicht
erscheinen zu können. Zudem gab er bekannt, C. nicht vom Arztgeheimnis ent-
binden zu wollen. Weiter erklärte der Beschuldigte, sich einem allfällig schriftlich
durchgeführten Gerichtsverfahren nicht zu widersetzen (SK 2.521.007 ff.). Mit
Stellungnahme vom 30. Mai 2022 führte das EFD zusammenfassend aus, die
Durchführung eines schriftlichen Verfahrens sei gesetzlich nicht vorgesehen. Ob
eine genügende Entschuldigung gemäss Art. 76 VStrR vorliege, stelle das EFD
ins Ermessen des Gerichts. Sofern die Hauptverhandlung ohne Anwesenheit des
Beschuldigten und dessen Verteidigung durchgeführt werde, verzichte das EFD
unter Verweis auf die Anklageschrift auf eine Teilnahme (SK 2.511.008 f.).
1.4.3 Sofern keine Beweisabnahmen in der Hauptverhandlung erforderlich sind, kann
das Gerichtsverfahren bei Dispensation der beschuldigten Person von der
Hauptverhandlung und Abwesenheit der Anklagebehörden schriftlich durchge-
führt werden (vgl. HEIMGARTNER/KESHELAVA, Basler Kommentar, 2020,
Art. 75 VStrR N. 22). Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt:
Der Beschuldigte legte ein Arztzeugnis vor, wonach er aus medizinischen Grün-
den nicht an der Hauptverhandlung teilnehmen könne. Es kann vorliegend offen-
bleiben, ob das eingereichte Arztzeugnis eine Nicht-Teilnahme des Beschuldig-
ten an der Hauptverhandlung entschuldigen würde, denn seine persönliche An-
wesenheit ist vorliegend nicht erforderlich. Der Beschuldigte hatte im bisherigen
Verfahren ausreichend Gelegenheit, sich zur vorgeworfenen Straftat zu äussern
(vgl. dazu HEIMGARTNER/KESHELAVA, Basler Kommentar, 2020, Art. 76 VStrR
N. 7 m.V.a. BGE 133 IV 112 E. 9.4.4). Abgesehen von der Befragung des Be-
schuldigten waren keine weiteren Beweisabnahmen vor Gericht vorgesehen. An-
gesichts der einlässlichen Befragung des Beschuldigten vor der Staatsanwalt-
schaft des Kantons St. Gallen vom 23. Juni 2016 (EFD-BA 7552 ff.) ist seine
Befragung in casu erlässlich. Da der Beschuldigte sich einem schriftlichen Ver-
fahren «nicht widersetzt» und mithin damit einverstanden ist, und schliesslich
auch das EFD erklärte, bei Abwesenheit des Beschuldigten und dessen Vertei-
digers auf eine Teilnahme an der Hauptverhandlung zu verzichten, sind keine
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Gründe ersichtlich, die gegen die Durchführung eines schriftlichen Gerichtsver-
fahrens sprechen.
1.5 Beweisverwertbarkeit
1.5.1 Der Beschuldigte stellt sich auf den Standpunkt, seine Einvernahmen als be-
schuldigte Person vor der Strafverfolgungsbehörde des Kantons St. Gallen vom
23. Juni 2016 und seine Einvernahme als Auskunftsperson vor der Strafverfol-
gungsbehörde des Kantons Waadt vom 15. März 2017 seien in Analogie zu
Art. 158 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 2 StPO unverwertbar, da ihm der Anklagevorwurf
des vorliegenden Verfahrens nicht eröffnet worden sei. Darüber hinaus sei auch
die Einvernahme von D. (nachfolgend: D.) als Auskunftsperson vom 28. Ja-
nuar 2016 (vgl. E. 2.3.8.1) nicht verwertbar, da ihm diesbezüglich kein Teilnah-
merecht gewährt worden sei (SK 2.521.017 f.).
1.5.2 Die Frage der Verwertbarkeit von Beweisen hat das Gericht von Amtes wegen
zu prüfen. Gemäss Art. 143 Abs. 1 StPO sind einzuvernehmende Personen zu
Beginn der Einvernahme u.a. über den Gegenstand des Strafverfahrens zu in-
formieren sowie über ihre Rechte und Pflichten zu belehren. Art. 158 Abs. 1 StPO
hebt spezifisch hinsichtlich der Einvernahme von beschuldigten Personen her-
vor, dass Polizei oder Staatsanwaltschaft sie zu Beginn der ersten Einvernahme
auf ihre Rechte hinzuweisen hat (sog. Miranda Warnings). Einvernahmen ohne
diese Rechtsbelehrung sind nicht verwertbar (Art. 158 Abs. 2 StPO).
Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei Beweiserhe-
bungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und
einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Beweise, die in Verletzung von
Art. 147 StPO erhoben wurden, dürfen nicht zulasten der Partei verwertet wer-
den, die nicht anwesend war (Art. 147 Abs. 4 StPO). Das Recht auf Teilnahme
an Beweiserhebungen gilt allerdings nur in demjenigen Verfahren, in welchem
die Person, die das Teilnahmerecht beansprucht, Partei ist (s.a. BGE 141 IV 220
E. 4.5).
1.5.3 Der Beschuldigte wurde eingangs seiner Einvernahme vor der Staatsanwalt-
schaft des Kantons St. Gallen umfassend über seine Rechte belehrt (EFD-
BA 7767 i.V.m. 7762 Frage 5). Er war über die ihm als beschuldigte Person vor-
geworfenen Handlungen bereits durch die Vorladung informiert (EFD-BA 7551).
Auch anlässlich seiner Einvernahme als Auskunftsperson hat die Strafverfol-
gungsbehörde des Kantons Waadt ihn über seine Rechte und Pflichten belehrt
und ihm den Gegenstand des Verfahrens vorgängig bekannt gegeben (EFD-
BA 7761 f.). Die Einvernahmen des Beschuldigten vor den kantonalen Behörden
erfolgten rechtskonform. Das vorliegende Verwaltungsstrafverfahren richtete
sich erst seit dem 19. Mai 2020 gegen den Beschuldigten (vgl. lit. A). Entspre-
chend wäre es nicht möglich gewesen, ihn anlässlich der Einvernahmen durch
die Strafverfolgungsbehörden der Kantone St. Gallen und Waadt im Jahr 2016
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bzw. 2017 über den vorliegend zur Anklage gebrachten Tatbestand zu informie-
ren. Für die Beurteilung der Beweisverwertbarkeit ist es unerheblich, dass die
Aussagen des Beschuldigten in einem Strafverfahren zu einem anderen Tatvor-
wurf erfolgten.
Im Ergebnis sind die Einwände des Beschuldigten unbegründet und seine Ein-
vernahmen können verwertet werden.
1.5.4 Ebenfalls verfehlt ist die vom Beschuldigten vertretene Ansicht, die Einvernahme
von D. sei mangels Gewährung der Teilnahmerechte unverwertbar: D. wurde am
28. Januar 2016 wegen Verdachts auf Betrug als Auskunftsperson vor der Kan-
tonspolizei St. Gallen einvernommen (EFD-BA 7596 ff.). Die Staatsanwaltschaft
des Kantons St. Gallen eröffnete das Verfahren gegen den Beschuldigten wegen
Verdachts auf Betrug und Geldwäscherei jedoch erst am 22. Juni 2016 (EFD-
BA 7540). Mangels Parteistellung geht somit der Einwand des Beschuldigten,
sein Teilnahmerecht sei verletzt worden, was zur Unverwertbarkeit der Einver-
nahme von D. führe, fehl. Im Übrigen führt auch die fehlende Konfrontationsmög-
lichkeit des Beschuldigten nicht zu deren Unverwertbarkeit. Wie das EFD in sei-
ner schriftlichen Replik zur Recht ausgeführt hat (SK 2.511.025), stellt die Ein-
vernahme von D. kein ausschlaggebendes Beweismittel dar (vgl. E. 2.3.8.1 i.V.m.
E. 2.4.2; vgl. zum Ganzen SCHLEIMINGER, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014,
Art. 147 StPO N. 33 f. und N. 34 m.V.a. Urteil des Bundesgerichts 6B_369/2013
vom 31. Oktober 2013). D.’ Aussagen sind vorliegend im Übrigen für die Beweis-
führung lediglich von untergeordneter Bedeutung.
1.5.5 Zusammenfassend sind die drei vom Beschuldigten monierten Einvernahmen
verwertbar.
2. Tätigkeit als Finanzintermediär ohne Bewilligung (Art. 44 FINMAG)
2.1 Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, als einziger Gesell-
schafter und Geschäftsführer der B. nicht unterbunden zu haben, dass die Ge-
sellschaft im Zeitraum vom 1. November 2015 bis zum 7. Dezember 2016 Zah-
lungen entgegengenommen und diese an Dritte weitergeleitet habe, unter Über-
schreitung der Schwellenwerte zur Berufsmässigkeit. Dabei habe B. sich vorab
keiner anerkannten Selbstregulierungsorganisation (nachfolgend: SRO) ange-
schlossen oder über keine Bewilligung der FINMA verfügt.
Der Beschuldigte weist den Anklagevorwurf von sich. Er habe weder erkannt
noch habe er erkennen können, dass B. eine bewilligungspflichtige Tätigkeit aus-
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geübt habe (EFD 060-0031). Er sei als willenloses Werkzeug im vom der BA ge-
führten Untersuchungsverfahren bezüglich Sanierungsbetrug benutzt worden
(SK 2.521.018 und -022).
2.2 Rechtliches
2.2.1 Nach Art. 44 Abs. 1 FINMAG macht sich strafbar, wer vorsätzlich ohne Bewilli-
gung, Anerkennung, Zulassung oder Registrierung eine nach den Finanzmarkt-
gesetzen bewilligungs-, anerkennungs-, zulassungs- oder registrierungspflich-
tige Tätigkeit ausübt. Ebenfalls strafbar ist, wer dabei fahrlässig handelt (Art. 44
Abs. 2 FINMAG).
2.2.2 Die Strafnorm von Art. 44 FINMAG dient der Durchsetzung der Bewilligungs-
pflicht und schützt die Funktionsfähigkeit des Finanzmarktes. Bei Art. 44 FIN-
MAG handelt es sich um ein abstraktes Gefährdungsdelikt (vgl. SCHWOB/WOHL-
ERS, in: Watter/Bahar [Hrsg.], Basler Kommentar, 3. Aufl. 2019, Art. 44 FINMAG
N. 2 ff.).
2.2.3 Bewilligungspflichtige Tätigkeit eines Finanzintermediärs
2.2.3.1 Der Straftatbestand von Art. 44 FINMAG setzt zunächst voraus, dass die Tätig-
keit eines Finanzintermediärs vorliegt. Als Finanzintermediäre gelten auch Per-
sonen, die berufsmässig fremde Vermögenswerte annehmen oder aufbewahren
oder helfen, sie anzulegen oder zu übertragen; insbesondere Personen, die
Dienstleistungen für den Zahlungsverkehr erbringen (Art. 2 Abs. 3 lit. b GwG).
Eine Dienstleistung für den Zahlungsverkehr liegt u.a. vor, wenn der Finanzinter-
mediär im Auftrag seiner Vertragspartei liquide Finanzwerte an eine Drittperson
überweist und dabei diese Werte physisch in Besitz nimmt, sie sich auf einem
eigenen Konto gutschreiben lässt oder die Überweisung der Werte im Namen
und Auftrag der Vertragspartei anordnet. Der Finanzintermediär erlangt dabei
Verfügungsmacht über die ihm fremden Vermögenswerte (Art. 4 Abs. 1
lit. a GwV; FINMA-RS 11/1 Rz. 58; vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_488/2018
vom 12. März 2020 E. 3.2.2). Hat der Finanzintermediär nur mit dem Gläubiger
der Forderung eine vertragliche Beziehung und handelt er in dessen Auftrag, so
ist in der Regel von einem Inkassomandat auszugehen, das keine finanzinterme-
diäre Tätigkeit darstellt. Werden die derart entgegengenommenen Werte jedoch
gemäss Anweisung des Gläubigers nicht an diesen selbst, sondern an einen Drit-
ten weitergeleitet, so stellt diese Folgeübertragung wiederum eine finanzinterme-
diäre Tätigkeit dar, wobei derjenige, der zuvor die Forderung einkassierte, an-
schliessend als Finanzintermediär zwischen Gläubiger und Drittem auftritt
(FINMA-RS 11/1 Rz. 59).
2.2.3.2 Berufsmässigkeit
Finanzintermediäre Tätigkeiten sind nur dann dem GwG unterstellt, wenn sie
nach Art. 7 GwV berufsmässig ausgeübt werden. Gemäss Art. 7 Abs. 1 GwV wird
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die Finanzintermediation durch einen Finanzintermediär berufsmässig ausgeübt,
wenn er beispielsweise damit pro Kalenderjahr einen Bruttoerlös von mehr als
Fr. 50'000.-- erzielt (lit. a). Der Bruttoerlös besteht aus sämtlichen Einnahmen,
die mit unterstellungspflichtigen Tätigkeiten erzielt werden. Massgebend ist der
Bruttoerlös ohne Abzug von Erlösminderungen (FINMA-RS 11/1 Rz. 143).
2.2.4 Fehlender SRO-Anschluss / Fehlende Bewilligung
2.2.4.1 Gemäss Art. 14 Abs. 1 GwG müssen Finanzintermediäre nach Art. 2 Abs. 3 GwG
entweder bei einer anerkannten SRO angeschlossen sein oder bei der FINMA
eine Bewilligung für die Ausübung ihrer Tätigkeit einholen. Der objektive Tatbe-
stand von Art. 44 FINMAG setzt somit weiter voraus, dass der für die bewilli-
gungspflichtige Tätigkeit notwendige SRO-Anschluss bzw. die Bewilligung nicht
vorliegt. Entscheidend ist allein, ob im Zeitpunkt der Ausübung der Tätigkeit ein
SRO-Anschluss bzw. eine formell gültige Bewilligung vorgelegen hat oder nicht
(vgl. SCHWOB/WOHLERS, a.a.O., Art. 44 FINMAG N. 28).
2.2.4.2 Wer von einer nichtberufsmässigen zu einer berufsmässigen Tätigkeit als Fi-
nanzintermediär wechselt, muss gemäss Art. 11 Abs. 1 GwV unverzüglich die
Pflichten nach Art. 3–11 GwG einhalten (lit. a); und innerhalb von zwei Monaten
nach dem Wechsel bei einer SRO ein Gesuch um Anschluss oder bei der FINMA
ein Gesuch um Bewilligung für die berufsmässige Ausübung der Tätigkeit einrei-
chen (lit. b). In der Schwebezeit, d.h. bis zum Zeitpunkt des Anschlusses an eine
SRO oder bis zur Erteilung einer Bewilligung durch die FINMA, ist es diesen Fi-
nanzintermediären untersagt, als Finanzintermediär Handlungen vorzunehmen,
die weitergehen als diejenigen, die zwingend zur Erhaltung der Vermögenswerte
erforderlich sind (Art. 11 Abs. 2 GwV).
2.2.5 Verantwortlichkeit
2.2.5.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 VStrR wird eine Widerhandlung, die beim Besorgen von
Angelegenheiten juristischer Personen begangen wird, denjenigen natürlichen
Personen zugerechnet, welche die Tat verübt haben (sog. Täterprinzip).
2.2.5.2 Als Täter einer Widerhandlung gegen Art. 44 FINMAG kommt auch in Frage, wer
es als Geschäftsherr vorsätzlich oder fahrlässig in Verletzung einer Rechtspflicht
unterlässt, eine Widerhandlung des Untergebenen, Beauftragten oder Vertreters
abzuwenden oder in ihren Wirkungen aufzuheben (Art. 6 Abs. 2 VStrR). Bei der
strafrechtlichen Geschäftsherrenhaftung gemäss Art. 6 Abs. 2 VStrR handelt es
sich um ein echtes Sonderdelikt, wobei im VStrR keine Legaldefinition für den
Geschäftsherrn besteht. Unter den Begriff des Geschäftsherrn sind diejenigen
Organe sowie natürlichen Personen zu subsumieren, die auf Grund ihrer Wei-
sungs- und Kontrollbefugnisse in der Lage sind, dem strafbaren Verhalten einer
weisungsunterworfenen Person Einhalt zu gebieten (vgl. EICKER/FRANK/ACHER-
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MANN, Verwaltungsstrafverfahrensrecht, 2012, S. 52; ACKERMANN, in: Acker-
mann/Heine [Hrsg.], Wirtschaftsstrafrecht der Schweiz, 2. Aufl. 2020, § 4
N. 86 ff.).
Die Verletzung einer Rechtspflicht i.S.v. Art. 6 Abs. 2 VStrR setzt eine Garanten-
stellung voraus, d.h. eine bestimmte rechtliche Pflicht, das fragliche Verhalten
durch Überwachung, Weisungen und falls notwendig durch Eingreifen zu verhin-
dern. Solche Garantenpflichten können sich insbesondere aus dem Obligatio-
nenrecht (nachfolgend: OR) ergeben. Soweit sich die Bestimmungen des Ver-
waltungsrechts in der Regel an den Geschäftsherrn richten, ist dieser rechtlich
verpflichtet, deren Anwendung sicherzustellen und deren Verletzung zu verhin-
dern (vgl. BGE 142 IV 315 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1304/2017
vom 25. Juni 2018 E. 4.3.2 und E. 4.4.2).
2.2.5.3 Der Geschäftsführer einer GmbH gilt als Geschäftsherr i.S.v. Art. 6 Abs. 2 VStrR.
Die diesbezügliche Garantenstellung ergibt sich aus Art. 810 Abs. 1 und Abs. 2
Ziff. 4 OR, die dem Geschäftsführer einer GmbH die unübertragbaren und unent-
ziehbaren Aufgaben der Oberleitung und Aufsicht über Personen, denen ein Teil
der Geschäftsführung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die Befolgung
der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen, zuweist.
In jedem Fall muss der Geschäftsführer unabhängig von seiner konkreten Stel-
lung fundierte Kenntnisse der Gesellschaft und der Betriebsorganisation, des Ge-
schäftszweigs sowie der grundliegenden rechtlichen Pflichten haben. Wird ein
Geschäftsführungsmandat trotz mangelnder Fähigkeiten oder Kenntnisse ange-
treten, ist der betreffenden Person ein Übernahmeverschulden vorzuwerfen. Un-
ter diesen Umständen darf die Stellung gar nicht angetreten werden. Wird sich
der Geschäftsführer des Fehlens der erforderlichen Kenntnisse oder Fähigkeiten
nach Antritt des Mandates bewusst, so hat er dieses ohne Verzug niederzulegen
(vgl. Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2015.23 vom 24. Sep-
tember 2015 E. 4.3.4 m.H.).
2.2.5.4 Die Sorgfaltspflicht nach Art. 812 Abs. 1 OR verlangt vom Geschäftsführer einer
GmbH, dass er seine Aufgabe mit aller Sorgfalt sowie unter Aufwendung der not-
wendigen Zeit erfüllt. Die Sorgfaltspflicht umfasst u.a. die umsichtige Wahrneh-
mung der Aufsicht gemäss Art. 810 Abs. 2 Ziff. 4 OR über die Personen, denen
Teile der Geschäftsführung übertragen sind, was die kritische Verfolgung der Ge-
schäftsführung sowie die Kenntnis der genauen Geschäftstätigkeit bedingt (vgl.
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-4094/2012 vom 11. Juni 2013
E. 3.1.1 f.; Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2015.23 vom
24. September 2015 E. 4.3.4). Der Geschäftsführer ist zwar nicht verpflichtet, je-
des einzelne Geschäft der mit der Geschäftsführung und Vertretung Beauftrag-
ten zu überwachen, sondern darf sich auf die Überprüfung der Tätigkeit der Ge-
schäftsleitung und des Geschäftsganges beschränken. Dazu gehört, dass er sich
- 13 -
SK.2021.46
laufend über den Geschäftsgang informiert, Rapporte verlangt, sie sorgfältig stu-
diert, nötigenfalls ergänzende Auskünfte einholt und Irrtümer abzuklären ver-
sucht. Ergibt sich aus diesen Informationen der Verdacht falscher oder unsorg-
fältiger Ausübung der delegierten Geschäftsführungs- und Vertretungsbefug-
nisse, ist der Geschäftsführer verpflichtet, sogleich die erforderlichen Abklärun-
gen zu treffen, nötigenfalls durch Beizug von Sachverständigen (vgl. Urteil
2C_67112014 des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2014 E. 3.2.1 m.H.).
2.2.6 In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 44 Abs. 1 FINMAG Vorsatz, wobei Eventual-
vorsatz ausreicht (Art. 12 Abs. 1 StGB). Eventualvorsätzlich handelt, wer die Ver-
wirklichung der Tat in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Das zum Vorsatz erfor-
derliche Wissen verlangt einzig, dass der Täter die objektiven Merkmale eines
Straftatbestandes kennt. Nicht zum Wissen als Bestandteil des Vorsatzes gehört
das Bewusstsein der Rechtswidrigkeit oder dasjenige der Strafbarkeit (vgl.
BGE 104 IV 175 E. 4a m.w.H.). Da das Element der Bewilligungslosigkeit nicht
Teil des objektiven Tatbestandes ist, gehört die Frage der Bewilligung zur
Rechtswidrigkeit.
2.3 Beweismittel
2.3.1 Involvierte Personen und Gesellschaften
2.3.1.1 B. (heute in Liquidation) war eine GmbH mit Sitz im Kanton St. Gallen, die am
[...] 2015 im Handelsregister eingetragen wurde. Gemäss Handelsregisteraus-
zug bezweckte die Gesellschaft die «Tätigung von Finanzgeschäften aller Art,
Abschluss von Leasingverträgen, Übernahme und Vergabe von Vertretungen,
technische und kommerzielle Verwendung von Patenten, Lizenzen und an deren
Rechten, Ausführung von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, Verwaltung
von Vermögenswerten, Durchführung von Beratungen und Expertisen sowie
Ausführung von Treuhandfunktionen und -dienstleistungen» (EFD 020-001).
Laut Abklärungen des Bundesamts für Polizei (fedpol) vom 26. Oktober 2015 war
B. bis dato weder von der FINMA bewilligt noch bei einer SRO als Finanzinter-
mediär angeschlossen (EFD 010-0153). Gemäss Internetausdruck vom 10. Ap-
ril 2019 figuriert B. auf der Warnliste der FINMA (EFD 020-0021).
2.3.1.2 Der Beschuldigte war Gründer der B. (EFD-BA 7614 ff.; -7626) und gemäss Han-
delsregisterauszug deren einzelzeichnungsberechtigter Gesellschafter und Ge-
schäftsführer (EFD 020-0001). Laut Formular «Vollmachtsregelung» vom
30. Oktober 2015 erteilte der Beschuldigte als «Geschäftsführer» der B. dem
deutschen Staatsangehörigen D. – dem «Geschäftspartner» – für das Geschäfts-
konto der B. bei der E. (nachfolgend: E.) eine Vollmacht (EFD-BA 7708).
2.3.2 Am 22. Juni 2016 eröffnete die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen auf-
grund einer MROS-Anzeige u.a. betreffend B. ein Strafverfahren gegen den Be-
schuldigten wegen Verdachts auf Betrug und Geldwäscherei (EFD-BA 7540). Im
- 14 -
SK.2021.46
gleichen Zusammenhang zeigte die MROS andere in der Schweiz ansässige Ge-
sellschaften in verschiedenen Kantonen an, da die angezeigten Gesellschaften
bei Kreditsuchenden jeweils den Eindruck erweckt hätten, es werde ihnen nach
Leistung von Vorauszahlungen in Form von Gebühren, Kautionen oder Monats-
raten ein Kredit ausbezahlt (vgl. Beschluss der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts BG.2018.41-50 vom 25. Februar 2019 lit. A S. 3 bzw. EFD 030-
0003). In der Folge wurde in diversen anderen Kantonen Strafverfahren gegen
Verantwortliche von angezeigten Gesellschaften (so auch gegen den Beschul-
digten) eröffnet (vgl. BG.2018.41-50 lit. B S. 3 bzw. EFD 030-0003). Die Kantone
führten diese Strafverfahren unter dem Namen «CH-Force/Sanierungsbetrug»
(EFD-BA 2236 und -2312).
Mit Beschluss vom 25. Februar 2019 hiess die Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts das Gerichtsstandsersuchen der Staatsanwaltschaft des Kan-
tons St. Gallen gut, die BA sei zur Übernahme der Verfahren verpflichtet zu er-
klären (vgl. BG.2018.41-50 S. 22 bzw. EFD 030-0022). Weiter hielt die Be-
schwerdekammer fest, die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen gehe in
ihren gegen den Beschuldigten hängigen Strafverfahren zu Recht davon aus,
dass es sich bei ihm lediglich um einen Strohmann handelt (vgl. BG.2018.41-50
E. 5.2.1 S. 12 bzw. EFD 030-0012).
2.3.3 Geschäftstätigkeit der B.
2.3.3.1 Laut Internetauszug warb B. auf der Internetseite «F.» mindestens bis zum
23. Juni 2016 für «Zukunftsfähige Zahlungslösungen» (EFD 020-0004).
2.3.3.2 Mit Schreiben vom 28. Oktober 2015 führte der Beschuldigte gegenüber der E.
aus, B. sei als reiner Finanzdienstleister und als Finanzabwickler tätig. Das Un-
ternehmen würde über sechs bis acht Auftraggeber verfügen, die sich mit der
Arbeit im Finanzdienstleistungssektor und im Bereich der Schuldensanierung be-
tätigen würden. Diese Tätigkeit würde ausschliesslich über das Internet angebo-
ten. Habe sich ein unterstützungssuchender Privat-/Firmenkunde für eine der an-
gebotenen Leistungen entschieden, würde eine von vornherein angekündigte
Vermittlungsgebühr fällig werden, um dafür mit 100-prozentiger Zusage/Garantie
den Vertrag zur Regulierung der vorhandenen Schulden von dem dafür ausge-
wählten Institut/Finanzsanierer zu erhalten. In einem nachfolgenden Schreiben
werde explizit darauf verwiesen, an welches Finanzdienstleistungsunterneh-
men – in diesem Fall B. – der fällige Betrag zu überweisen sei, um sodann mit
100-prozentiger Zusicherungsgarantie an den vermittelten Finanzvertrag zu ge-
langen (EFD 010-0031 f.).
2.3.3.3 Um das vorstehend geschilderte Geschäftsmodell der B. umzusetzen, kam es
jeweils zu folgendem Vorgehen gegenüber den Geschädigten:
- 15 -
SK.2021.46
Zunächst teilte ein Vermittler (vorliegend G.) dem Kunden (vorliegend H. [nach-
folgend: H.]) mit, sie habe einen Vertragspartner für seinen Sanierungsantrag
gewinnen können. Nach Zahlungseingang des ersten Teils der marktüblichen
Provision für die Bearbeitung seiner Anfrage und die Vermittlung des Vertrags-
partners würden die Vertragsunterlagen eingeschrieben an seine Adresse zuge-
stellt. Der zweite Teil der Provision werde ihm nach erfolgter Vermittlung in Rech-
nung gestellt (EFD 010-0045). Mittels Kostennote stellte der Vermittler (vorlie-
gend G.) dem Kunden (vorliegend H.) den ersten Teil der Vermittlungsgebühr in
Rechnung und wies ihn an, den Betrag auf die Bankverbindung der B. (vorliegend
bei der E.) zu überweisen (EFD 010-0046). Der Kunde überwies den Betrag auf
das Konto der B. (EFD-BA 6917). Der Vermittler (vorliegend G.) bestätigte dem
Kunden (vorliegend H.) den Zahlungseingang des ersten Teils seiner Provision
und stellte ihm die Vertragsdokumente zu. Zudem übermittelte er dem Kunden
die zweite Kostennote und forderte ihn auf, nach nunmehr erfolgter Vermittlungs-
leistung vereinbarungsgemäss den zweiten Teil seiner Provision auf dieselbe
Kontoverbindung zu überweisen, damit seine Finanzsanierung von seinem Ver-
tragspartner angenommen und reguliert werden könne (EFD 010-0053 f.). Im
«Finanzsanierungsvertrag» zwischen dem Kunden (vorliegend H.) und dem Ver-
tragspartner des Vermittlers (vorliegend I. AG [nachfolgend: I.]) wird letzterer mit
«der Erarbeitung eines Sanierungskonzepts sowie mit der technischen und wirt-
schaftlichen Abwicklung von Ratenzahlungsvereinbarungen beauftragt, welche
mit den Gläubigern des Auftraggebers geschlossen werden». Im Gegenzug ver-
pflichtet sich der Kunde bzw. der Auftraggeber (vorliegend H.), dem Auftragneh-
mer (vorliegend I.) eine monatliche Rate zu entrichten (EFD 010-0055).
2.3.4 Laut Zwischenbericht der Kantonspolizei St. Gallen vom 6. Dezember 2017 ver-
fügte B. in der Schweiz über Geschäftskonten – deren wirtschaftlich Berechtigter
jeweils der Beschuldigte war – bei den J. AG (nachfolgend: J.), K. AG (nachfol-
gend: K.), L. AG (nachfolgend: L.) und E. (EFD-BA 2352). Auf die Geschäftskon-
ten der B. gingen im Zeitraum vom 29. April 2015 bis zum 7. Dezember 2016 die
nachfolgenden Zahlungen von rund Fr. 2.1 Mio. ein (EFD-BA 2354):
2.3.4.1 J.: 1'222 Gutschriften von insgesamt rund Fr. 1.1 Mio. im Zeitraum vom 29. April
2015 bis zum 28. Oktober 2016 (letzte Kunden-Gutschrift am 28. Oktober 2016
[EFD-BA 4899]);
2.3.4.2 K.: 183 Gutschriften von insgesamt rund Fr. 142'000.-- im Zeitraum vom 14. Au-
gust 2015 bis zum 18. April 2017 (letzte Kunden-Gutschrift am 23. März 2016
[EFD-BA 6551]);
2.3.4.3 L.: 552 Gutschriften von rund Fr. 536'000.-- im Zeitraum vom 28. August 2015
bis zum 19. Dezember 2016 (letzte Kunden-Gutschrift am 7. Dezember 2016
[EFD-BA 6724]);
- 16 -
SK.2021.46
2.3.4.4 E.: Gutschriften von insgesamt rund Fr. 427'000.-- im Zeitraum vom 6. Mai 2015
bis zum 29. April 2016 (EFD-BA 6759-6770).
2.3.5 Auf denselben Geschäftskonten der B. erfolgten im Zeitraum vom 29. April 2016
bis zum 8. Dezember 2016 die nachfolgenden Belastungen von insgesamt rund
Fr. 2.1 Mio.; wobei die Abbuchungen insbesondere zugunsten von Werbeagen-
turen (z.B. M. Werbeagentur, N. Werbeagentur, O. AG) und Vermittlern (z.B.
P. GmbH, Q. AG, R. GmbH, G. AG [EFD-BA 2337-2340, 2356, 2363-2368]), er-
folgten:
2.3.5.1 J.: 567 Belastungen von insgesamt rund Fr. 1.1 Mio. im Zeitraum vom 29. Ap-
ril 2015 bis zum 28. Oktober 2016 (letzte Belastung am 20. Oktober 2016 [EFD-
BA 4898]);
2.3.5.2 K.: 41 Belastungen von insgesamt rund Fr. 108'000.-- im Zeitraum vom 14. Au-
gust 2015 bis zum 18. April 2017 (letzte Belastung am 23. März 2016 [EFD-
BA 6546]);
2.3.5.3 L.: 281 Belastungen von rund Fr. 533'000.-- im Zeitraum vom 28. August 2015
bis zum 19. Dezember 2016 (letzte Belastung am 8. Dezember 2016 [EFD-
BA 6724]);
2.3.5.4 E.: Belastungen von insgesamt rund Fr. 427'000.-- im Zeitraum vom 6. Mai 2015
bis zum 29. April 2016 (letzte Belastung am 14. April 2016 [EFD-BA 6770]).
2.3.6 Von den Geschäftskonten der B. wurden dem Beschuldigten im Zeitraum vom
29. Oktober 2015 bis zum 28. September 2016 insgesamt rund Fr. 47'000.-- auf
sein persönliches Konto überwiesen (EFD-BA 4731, 5786, 4776, 4810, 4817,
4837, 4841, 4846, 4856, 4877 und 4891). Die Gelder wurden von dort auf ein auf
den Beschuldigten lautendes Kreditkartenkonto bei der S. AG (nachfolgend: S.)
überwiesen (EFD 080-0014 ff.).
2.3.7 D. erhielt im Zeitraum vom 4. August 2015 bis zum 15. Juni 2016 von der B.
insgesamt rund Fr. 43'000.-- vergütet (EFD-BA 4672, 4709, 4734, 4739, 4760,
4780, 4795, 4817 und 4850).
2.3.8 Personalbeweise
2.3.8.1 D. gab als Auskunftsperson anlässlich seiner Einvernahme vom 28. Januar 2016
vor der Strafverfolgungsbehörde des Kantons St. Gallen im Wesentlichen an,
vom Beschuldigten beauftragt worden zu sein, ihn zu vertreten. Er besitze eine
Vollmacht (EFD-BA 7596 ff.).
2.3.8.2 Im Zusammenhang mit dem gegen den Beschuldigten geführten Strafverfahren
der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen wegen Verdachts auf Betrug und
Geldwäscherei gab dieser am 23. Juni 2016 vor der Strafverfolgungsbehörde im
- 17 -
SK.2021.46
Wesentlichen zu Protokoll (EFD-BA 7552 ff.; EFD 030-0012), ein früherer Ge-
schäftspartner habe ihm damals vorgeschlagen, das Modell «Finanzzahlungs-
dienstleistung» in der Schweiz anzubieten. Die Dienstleistung bestehe in der rei-
nen Abwicklung der Zahlung, die aus dem Vertrag mit den Vermittlern oder Fi-
nanzberatern oder Sanierungsberatern hervorgehe. B., deren wirtschaftlich Be-
rechtigter er sei, sei ein «Zahlungsdienstleister». Die Gesellschaft habe lediglich
den Zahlungsverkehr ausgeführt, d.h. die Zahlung des Kunden entgegengenom-
men und an den vorbestimmten Empfänger, abzüglich einer Courtage bzw. Pro-
vision von 10 %, weitergeleitet. Weiter gab der Beschuldigte an, noch nie an der
im Handelsregister angegebenen Adresse ([...], Z.) der B. gewesen zu sein; da-
her sei ihm nicht bekannt, ob sich dort ein Büro befunden habe. Wegen den bes-
seren Anbindungen nach Deutschland sei die Gesellschaft im Kanton St. Gallen
und nicht an seinem Wohnort im Kanton Waadt domiziliert. Das Telefon werde
bei Abwesenheiten auf ein Callcenter umgeleitet, das auch für die Werbung und
Internetauftritte zuständig sei. D. führe für ihn die B. und wickle für die Gesell-
schaft auch die Geschäfte ab, tätige Zahlungen und führe Korrespondenz. Er
habe D. entweder für das Geschäftskonto der B. bei der E. oder bei der K. be-
vollmächtigt. D. habe ihn (den Beschuldigten) während seines mehrmonatigen
Auslandaufenthaltes vertreten. D. sei kurz nach der Gründung der B. «aufge-
taucht» und führe die Firma für eigene Zwecke. Auftraggeber der B. seien etwa
T., I. AG, AA., BB. und die CC. Der Beschuldigte gab an, nichts Weiteres über
diese Unternehmen zu wissen. Vermittler, die zwischen der B. und den Sanie-
rungsfirmen positioniert gewesen seien, hätten die Kunden telefonisch akquiriert.
Er sei ab November 2015 bis zum 12. April 2016 in Thailand gewesen. Da er
lediglich in den ersten zwei Monaten Zahlungen für B. getätigt und aufgrund sei-
nes Thailandaufenthalts D. ab Oktober 2015 für ihn die Abwicklung übernommen
habe, kenne er weder die Zahlungsempfänger, noch wisse er, von wie vielen
Personen und in welcher Gesamthöhe B. Gelder entgegengenommen habe. Er
schätze, B. habe insgesamt rund Fr. 300'000.-- pro Jahr transferiert. Der Be-
schuldigte bestritt, Maklerprovisionen von rund Fr. 45'000.-- erhalten zu haben.
D., der das «E-Banking» übernommen habe, habe die Provisionen seit Ende
2015 weitergeleitet, da er (der Beschuldigte) in Thailand gewesen sei. Die Frage,
ob B. eine Bankenbewilligung der FINMA habe, verneinte der Beschuldigte und
stellte anschliessend die Frage: «Was ist das für eine Bewilligung?».
2.3.8.3 Anlässlich seiner Einvernahme vom 15. März 2017 gab der Beschuldigte als Aus-
kunftsperson vor der Strafverfolgungsbehörde des Kantons Waadt im Wesentli-
chen zu Protokoll (EFD-BA 7761 ff.; EFD 030-0012), B. sei bloss für den Zah-
lungsverkehr zuständig gewesen. Die Gesellschaft habe keine Angestellte, son-
dern lediglich zwei Berater, welche sich in Deutschland befänden. Er habe in den
ersten zwei Monaten die Banküberweisungen der B. vorgenommen. Anschlies-
send habe er diese Tätigkeit an D. delegiert.
- 18 -
SK.2021.46
2.4 Beweiswürdigung und Subsumtion
2.4.1 In objektiver Hinsicht
2.4.1.1 Zur finanzintermediären Tätigkeit:
Es ist unbestritten und aufgrund der Akten erwiesen, dass B. eine finanzinterme-
diäre Tätigkeit ausübte: Die Gesellschaft bezweckte, Finanzgeschäfte zu tätigen
(vgl. E. 2.3.1.1) und warb im Internet für «zukunftsfähige Zahlungslösungen»
(vgl. E. 2.3.3.1). Laut eigenen Angaben der B. bzw. des Beschuldigten war die
Gesellschaft ein Finanzdienstleister bzw. ein Finanzdienstleistungsunterneh-
men, das für mindestens sechs Auftraggeber Dienstleistungen für den Zahlungs-
verkehr erbrachte, indem sie in deren Auftrag Gelder auf eigene Geschäftskon-
ten entgegennahm und diese an verschiedene Zahlungsempfänger – laut Ge-
schäftskontoauszügen mehrheitlich an Drittpersonen (vgl. E. 2.3.5) – überwies
(vgl. E. 2.3.3.2 und E. 2.3.8.2). Damit übte B. i.S.v. Art. 2 Abs. 3 lit. b GwG i.V.m.
Art. 4 Abs. 1 lit. a GwV eine finanzintermediäre Tätigkeit aus (vgl. E. 2.2.3.1).
2.4.1.2 Zur Berufsmässigkeit:
Die Einnahmen der B. auf das Geschäftskonto bei der J. betrugen per 31. Okto-
ber 2015 über Fr. 400'000.-- (EFD-BA 4656-4735). Unter Berücksichtigung der
Zahlungseingänge auf den weiteren Geschäftskonten (vgl. E. 2.3.4; EFD-BA
6583-6586; 6758-6761) wurde der Schwellenwert von Fr. 50'000.-- per 31. Okto-
ber 2015 erreicht (Provision von 10 % von Fr. 500'000.--). B. übte somit i.S.v.
Art. 7 Abs. 1 lit. a GwV die finanzintermediäre Tätigkeit ab dem 1. November
2015 bis zum 7. Dezember 2016 (vgl. E. 2.3.4) berufsmässig aus (vgl. E. 2.2.3.2).
2.4.1.3 Zur fehlenden Bewilligung / Zum fehlenden SRO-Anschluss:
B. verfügte im Zeitraum vom 1. November 2015 bis zum 7. Dezember 2016 über
keine Bewilligung der FINMA (vgl. E. 2.3.1.1) – wie auch der Beschuldigte an-
lässlich seiner Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft St. Gallen anerkannt hat
(vgl. E. 2.3.8.2). Einer SRO war die Gesellschaft ebenfalls nicht angeschlossen
(vgl. E. 2.3.1.1). Dies widersprach den Vorgaben von Art. 11 GwV (vgl.
E. 2.2.4.2).
2.4.1.4 Im Ergebnis übte B. im Zeitraum vom 1. November 2015 bis zum 7. Dezem-
ber 2016 eine bewilligungspflichtige finanzintermediäre Tätigkeit aus, ohne einer
SRO angeschlossen gewesen zu sein oder über eine Bewilligung der FINMA
verfügt zu haben. Damit erfüllt sie den objektiven Tatbestand von Art. 44
Abs. 1 FINMAG i.V.m. Art. 14 Abs. 1 GwG.
- 19 -
SK.2021.46
2.4.2 Verantwortlichkeit des Beschuldigten
Der Beschuldigte war einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der B. (vgl.
E. 2.3.1.2). Er hat für B., deren wirtschaftlich Berechtigter er laut eigener Angabe
war (vgl. E. 2.3.8.2), die anklagerelevanten Geschäftskonten eröffnet (vgl.
E. 2.3.4) – über die er mit Einzelunterschrift verfügte –, um auf diesen Konten
Gelder entgegenzunehmen und weiterzuleiten bzw. (durch D.) weiterleiten zu
lassen, wie er selber und auch D. vor der kantonalen Strafverfolgungsbehörde
anerkannt haben (vgl. E. 2.3.8). Insofern ist der Beschuldigte entgegen seiner
Darstellung im Parteivortrag der «Anklageantwort» (SK 2.521.018 und -022)
beim vorliegenden Tatvorwurf nicht als «willenloses Werkzeug» zu betrachten.
Vielmehr hat er aufgrund eigenen Handelns i.S.v. Art. 6 Abs. 1 VStrR die berufs-
mässige finanzintermediäre Tätigkeit der B. ohne Bewilligung der FINMA bzw.
ohne SRO-Anschluss im Zeitraum vom 1. November 2015 bis zum 7. Dezem-
ber 2016 strafrechtlich zu verantworten (vgl. E. 2.2.5.1). Darüber hinaus ist dem
Beschuldigten diese Widerhandlung auch gestützt auf Art. 6 Abs. 2 VStrR straf-
rechtlich zurechenbar, denn er besass als Geschäftsführer der B. eine Garanten-
stellung und musste gemäss obligationenrechtlichen Bestimmungen die Aktivitä-
ten der B. kritisch verfolgen sowie dafür sorgen, dass die gesetzlichen Rahmen-
bedingungen eingehalten wurden (vgl. E. 2.2.5.2 ff.). Mithin war er verpflichtet,
zu unterbinden, dass B. nach Überschreitung der Schwellenwerte zur Berufs-
mässigkeit ohne FINMA-Bewilligung oder SRO-Anschluss Gelder entgegen-
nahm und weiterleitete. Diese Pflicht gehörte zu seinen unentziehbaren und un-
übertragbaren Aufgaben. Es bestehen keine Hinweise dafür, dass der Beschul-
digte – einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der B. mit Einzelzeichnungs-
berechtigung auf deren Geschäftskonten – die Geschäftsführung der Gesell-
schaft faktisch nicht beeinflussen konnte. Dass er sich im Ausland befunden und
D. ihn während fünf Monaten vertreten habe, wie der Beschuldigte geltend macht
(vgl. E. 2.3.8.2 f.), hätte ihn nicht daran gehindert, seine Verfügungsbefugnis hin-
sichtlich der B. auszuüben. Die Verfügungsmacht lag weiterhin bei ihm.
2.4.3 In subjektiver Hinsicht
2.4.3.1 Es ist erstellt und anerkannt, dass der Beschuldigte die Entgegennahme von Gel-
dern und deren Weiterleitung an Dritte durch die B. bekannt war. Er wusste, dass
die Gesellschaft eine Provision von 10 % auf die Zahlungseingänge erhob (vgl.
E. 2.3.8.2). Weiter musste der Beschuldigte wissen, dass er rund Fr. 47'000.--
von der B. auf sein Konto überwiesen erhielt (vgl. E. 2.3.6) und D., den er als
sein Stellvertreter bezeichnete, nicht entschädigungslos tätig sein würde. Die
Aussage des Beschuldigten vor der kantonalen Strafverfolgungsbehörde, wäh-
rend seines Auslandaufenthalts nicht über die Höhe der Geldflüsse orientiert ge-
wesen zu sein (vgl. E. 2.3.8.2), ist nicht glaubhaft, zumal er einziger Gesellschaf-
- 20 -
SK.2021.46
ter und Geschäftsführer der B. mit Einzelzeichnungsberechtigung auf den Ge-
schäftskonten der B. war und es die Geschäftskonten seines Unternehmens be-
traf. Die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten ist im Übrigen auch
daher anzuzweifeln, da er in der gleichen Einvernahme bestritt, Maklerprovisio-
nen erhalten zu haben (vgl. E. 2.3.8.2), was nachweislich eine Schutzbehaup-
tung darstellt (vgl. E. 2.3.6). Aufgrund der vorerwähnten Stellung des Beschul-
digten ist für das Gericht erstellt, dass ihm die Entgegennahme und Weiterleitung
von Geldern in Millionenhöhe an Dritte bekannt war, zumal er D. bloss hinsichtlich
des Geschäftskontos bei der E. eine Vollmacht erteilt hatte (vgl. E. 2.3.1.2). Da
B. eine Provision von 10 % auf die entgegengenommenen Zahlungen der Kun-
den erhob, der Beschuldigte von deren Geschäftskonten rund Fr. 47'000.-- auf
sein Konto überwiesen erhielt und zudem nicht davon auszugehen war, D. würde
entschädigungslos mitwirken, nahm er in Kauf, dass die Gesellschaft den
Schwellenwert von Fr. 50'000.-- pro Kalenderjahr überschritt. Mit dem Geschäfts-
modell der B. bezweckte der Beschuldigte gerade, seine Einkünfte zu maximie-
ren. Er wusste, keine technischen Vorkehrungen getroffen zu haben, um eine
Überschreitung des Schwellenwerts zu verhindern. Inwiefern dem Beschuldigten
bekannt war, dass vorliegend eine Bewilligung oder ein SRO-Anschluss erforder-
lich gewesen wäre, ist unter dem Aspekt des subjektiven Tatbestands irrelevant
(vgl. dazu E. 2.2.6).
2.4.3.2 Zusammenfassend hat der Beschuldigte den Tatbestand von Art. 44 Abs. 1 FIN-
MAG i.V.m. Art. 14 Abs. 1 GwG (eventual-)vorsätzlich erfüllt.
2.4.4 Rechtswidrigkeit
B. übte im Zeitraum vom 1. November 2015 bis zum 7. Dezember 2016 berufs-
mässig eine finanzintermediäre Tätigkeit aus, ohne sich einer SRO angeschlos-
sen oder sich direkt als Finanzintermediär der FINMA unterstellt zu haben. Die
Entgegennahme der Gelder und deren Weiterleitung an Dritte erfolgte somit
rechtswidrig. Rechtfertigungsgründe liegen keine vor.
2.4.5 Schuld / Verbotsirrtum
2.4.5.1 Der Beschuldigte macht sinngemäss einen Verbotsirrtum geltend, indem er wie-
derholt erklärt, er habe weder erkannt noch erkennen können, dass B. eine be-
willigungspflichtige Tätigkeit ausgeübt habe (EFD 060-0031; SK 2.521.022).
2.4.5.2 Ein Irrtum über das Bewilligungserfordernis begründet einen Verbots-/Rechts-
irrtum nach Art. 21 StGB (vgl. Urteile der Strafkammer des Bundesstrafgerichts
SK.2016.51 vom 19. September 2018 E. 7.4.3.2; SK.2015.60 vom 29. April 2016
E. 4.9; SK.2015.31 vom 3. November 2015 E. 5.8.3.5a; SK.2015.23 vom
24. September 2015 E. 4.5.2). Ein die Schuld ausschliessender Rechts- bzw.
Verbotsirrtum liegt gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht schon vor,
wenn der Täter sein Verhalten irrtümlich für straflos hält, sondern nur, wenn er
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SK.2021.46
«nicht weiss und nicht wissen kann», dass er sich rechtswidrig verhält (vgl.
BGE 138 IV 13 E. 8.2). Zureichend ist ein Grund nur dann, wenn dem Täter aus
seinem Verbotsirrtum kein Vorwurf gemacht werden kann, weil er auf Tatsachen
beruht, durch die sich auch ein gewissenhafter Mensch hätte in die Irre führen
lassen (vgl. TRECHSEL/JEAN-RICHARD, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizeri-
sches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 21 StGB N. 6;
BGE 98 IV 293 E. 4a m.w.H.). Es ist allgemein bekannt, dass die Tätigkeit im
Finanzmarktbereich stark reguliert ist (vgl. Urteil der Strafkammer des Bun-
desstrafgerichts SK.2015.23 vom 24. September 2015 E. 4.7.5). «Nach dem
Denkmodell des Übernahmeverschuldens [...] ist die Ignoranz dessen [vorwerf-
bar], der sich in einem durchnormten Bereich [...] bewegt, mindestens wenn er
eine bewilligungspflichtige Tätigkeit ausführt.» (vgl. TRECHSEL/JEAN-RICHARD,
a.a.O., Art. 21 StGB N. 7). Es kann deshalb nur in seltenen Ausnahmefällen da-
von ausgegangen werden, dass der Zuwiderhandelnde nicht wissen konnte,
dass sein Verhalten bloss mit Bewilligung erlaubt war (vgl. zum Ganzen Urteil
der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK. 2016.3 vom 12. Oktober 2017
E. 5.1.4.1). Jeder ist individuell dafür verantwortlich, sich um die Kenntnis der
Gesetze zu bemühen (vgl. BGE 129 IV 238 E. 3.1) und sich bei der zuständigen
Behörde über das Erfordernis einer Bewilligung zu erkundigen (vgl. Urteil der
Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2017.11 vom 17. Oktober 2017
E. 4.9.1 m.w.H.).
Der Beschuldigte ist deutscher Staatsangehöriger, jedoch seit 1994 in der
Schweiz wohnhaft. Er bezeichnet sich selber als berufserfahrener technischer
Kaufmann (vgl. hinten E. 3.2.1.2). Er musste somit damit rechnen, dass B. ein
Finanzprodukt anbietet, das möglicherweise Gegenstand einer verwaltungs-
rechtlichen Regelung ist, zumal er die Tätigkeit der B. gegenüber der E. am
28. Oktober 2015 als «Finanzdienstleistung» deklariert hat (vgl. E. 2.3.3.2). Als
einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der B. war der Beschuldigte dafür
verantwortlich und es wäre für ihn zumutbar gewesen, sich bei der FINMA vor
Aufnahme der Geschäftstätigkeit über die Zulässigkeit des Geschäftsmodells zu
erkundigen. Da er dies unterliess, ist ihm in Berücksichtigung der vorstehend er-
wähnten Rechtsprechung kein Verbotsirrtum zuzubilligen.
3. Strafzumessung
3.1 Die Änderungen des seit dem 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Sanktionen-
rechts sind im Ergebnis nicht milder (siehe auch E. 1.1.1). Zwar kann nach der
Revision von Art. 42 Abs. 4 StGB mit einer bedingten Strafe einzig eine Verbin-
dungsbusse auferlegt werden. Wie sich nachfolgend ergibt, gelangt vorliegend
die zuvor noch mögliche Verbindungsgeldstrafe jedoch nicht zur Prüfung, so
dass sich die Regelung des im Tatzeitpunkt geltenden Rechts als gleich mild
erweist.
- 22 -
SK.2021.46
3.1
3.1.1 Innerhalb des Strafrahmens misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden
des Täters zu. Es berücksichtigt dabei das Vorleben und die persönlichen Ver-
hältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47
Abs. 1 StGB). Das Verschulden bestimmt sich nach der Schwere der Verletzung
oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Han-
delns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach, wie weit der Tä-
ter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Tat zu ver-
meiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Das Gesetz führt weder alle in Betracht zu ziehen-
den Elemente detailliert und abschliessend auf noch regelt es deren exakte Aus-
wirkungen bei der Bemessung der Strafe. Es liegt im Ermessen des Gerichts, in
welchem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt
(vgl. BGE 134 IV 17 E. 2.1 m.H.).
3.1.2 Im Rahmen der Strafzumessung hat das Gericht zuerst die objektiven und sub-
jektiven Tatumstände (Tatkomponente) zu gewichten und die sich daraus erge-
bende hypothetische Strafe zu definieren (vgl. BGE 134 IV 132 E. 6.1). Die ob-
jektive Tatkomponente umfasst das Ausmass des verschuldeten Erfolgs und die
Art und Weise des Vorgehens, während sich die subjektive Tatkomponente auf
die Beweggründe, die Intensität des deliktischen Willens und das Mass an Ent-
scheidungsfreiheit bezieht (vgl. BGE 129 IV 6 E. 6.1 m.H.). Sodann ist die anhand
der objektiven und subjektiven Tatumstände ermittelte hypothetische Strafe bei
Vorliegen täterrelevanter Strafzumessungsfaktoren zu erhöhen bzw. zu reduzie-
ren (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.7). Die Täterkomponente setzt sich zusammen aus
dem Vorleben, den persönlichen Verhältnissen, dem Verhalten nach der Tat und
im Strafverfahren sowie der Strafempfindlichkeit des Täters (vgl. BGE 129 IV 6
E. 6.1).
3.1.3 Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung ste-
henden Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in
die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart
trifft. Somit geht Geldstrafe der Freiheitsstrafe vor. Massgebend bei der Wahl der
Strafart ist die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen
auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie die präventive Effizienz (vgl.
BGE 138 IV 120 E. 5.2 m.w.H.).
3.2
3.2.1 Die Strafdrohung von Art. 44 Abs. 1 FINMAG lautet auf Geldstrafe oder Freiheits-
strafe bis zu drei Jahren. Strafmilderungsgründe liegen keine vor. Insbesondere
ist dem Beschuldigten keine Strafmilderung i.S.v. Art. 48 lit. e StGB zuzubilligen,
- 23 -
SK.2021.46
da trotz seines Wohlverhaltens seit der Tat (SK 2.231.1.012 und -015), d.h. seit
der Beendigung des Delikts am 7. Dezember 2016, noch nicht Zweidrittel der
vorliegend massgeblichen 10-jährigen Verjährungsfrist (Art. 44 Abs. 1 FINMAG
i.V.m. Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB) verstrichen sind (vgl. BGE 140 IV 147 E. 3.1).
Der Strafrahmen bewegt sich somit zwischen einem Minimum von einem Tages-
satz Geldstrafe (Art. 34 Abs. 1 aStGB) und einem Maximum von drei Jahren Frei-
heitsstrafe.
3.2.1.1 Hinsichtlich der Tatkomponente ist Folgendes von Bedeutung:
Im Rahmen der objektiven Tatkomponente fällt zunächst ins Gewicht, dass B.
während eines Zeitraumes von mehr als einem Jahr ohne SRO-Anschluss oder
Bewilligung der FINMA tätig war (Deliktszeitraum: 1. November 2015 bis zum
7. Dezember 2016), was der Beschuldigte zu verantworten hat. Während dieser
nicht unwesentlichen Dauer wurde gegen eine für die Funktionsfähigkeit des Fi-
nanzmarktes essentielle Vorschrift verstossen, welche indirekt auch der Präven-
tion von Geldwäscherei- und Terrorismusfinanzierung dient, da bei fehlender Be-
willigung der FINMA bzw. SRO-Unterstellung die Einhaltung der GwG-Vorschrif-
ten nicht durch die FINMA bzw. durch eine SRO sichergestellt wird und mithin
eine abstrakte Geldwäscherei- und Terrorismusfinanzierungsgefahr besteht (vgl.
E. 2.2.2 zum abstrakten Gefährdungsdelikt; ferner s.a. hinten E. 4.2.4 zu den
Voraussetzungen für die Erteilung einer FINMA-Bewilligung bzw. für einen SRO-
Anschluss). Das Transaktionsvolumen der B. lag im einstelligen Millionenbe-
reich, womit das Gefährdungspotential hinsichtlich des geschützten Rechtsguts
nicht unerheblich erscheint. Der Beschuldigte hat zu verantworten, die Integrität,
das Vertrauen und mithin die Reputation des schweizerischen Finanzplatzes ge-
fährdet zu haben. Das Geschäftsmodell der B. basierte darauf, sich an einem
undurchsichtigen Sanierungsangebot mit internationaler Komponente zu beteili-
gen, um daraus Profit zu schlagen. Der Beschuldigte wusste, dass B. zu einem
international betriebenen System beitrug, zumal er mit Personen im Ausland in
Kontakt stand und B. bewusst die Anbindung nach Deutschland suchte sowie ein
Callcenter für die Werbung, den Internetauftritt und den Kundenfang zur Verfü-
gung stand (vgl. E. 2.3.8.2). Der Beschuldigte war sich bewusst, bis auf die je-
weiligen Unternehmensnamen die Vermittler nicht zu kennen und nicht zu wis-
sen, ob sein Unternehmen Büroräumlichkeiten besass (vgl. E. 2.3.8.2). Er sah
sich trotz der erheblichen Zahlungsein- und -ausgänge nie veranlasst, sich um
einen korrekten Geschäftsgang zu bemühen. Dies illustriert seine Gleichgültig-
keit gegenüber der Befolgung regulatorischer Vorgaben und den durch diese ge-
schützten Rechtsgüter. Diese Ignoranz ist dem Beschuldigten verschuldensmäs-
sig nachteilig anzulasten. Er gefährdete damit schliesslich auch die finanziellen
Interessen der Zahlungsabsender. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Be-
- 24 -
SK.2021.46
schuldigte für mindestens sechs Kunden rund 2'000 Gutschriften von hilfesu-
chenden verschuldeten Person im Umfang von insgesamt rund Fr. 2.1 Mio. ent-
gegengenommen und Überweisungen ebenfalls in einer dreistelligen Anzahl im
Gesamtbetrag von rund Fr. 2.1 Mio. an verschiedene Zahlungsempfänger wei-
tergeleitet hat bzw. weiterleiten liess. Er hat gezielt eine gute Anbindung der B.
nach Deutschland gesucht, um möglichst viele hilfesuchende, verschuldete Per-
sonen zu erreichen (vgl. E. 2.3.8.2). Dass die Gelder von Personen in prekären
finanziellen Verhältnissen stammten, fällt verschuldenserhöhend ins Gewicht.
Was die subjektive Tatkomponente betrifft, so ist zunächst festzuhalten, dass
dem Beschuldigten eventual- und nicht direktvorsätzliches Handeln anzulasten
ist, womit ihn ein geringerer Schuldvorwurf trifft (Art. 12 Abs. 2 StGB; vgl.
BGE 136 IV 55 E. 5.6 m.V.a. Urteil des Bundesgerichts 6S.233/2003 vom 4. No-
vember 2003 E. 4.3 m.H.). Erschwerend ist hingegen zu berücksichtigen, dass
sein Verhalten finanziell und damit egoistisch motiviert war: Der Beschuldigte hat
sich als Geschäftsführer der B. bzw. als Strohmann für ein undurchsichtiges Sa-
nierungsangebot mit internationaler Komponente zur Verfügung gestellt (vgl.
E. 2.3.2), um sich ein höheres Einkommen zu generieren. Inwiefern der Beschul-
digte bei einem vermeintlichen Sanierungsbetrug als willenloses Werkzeug be-
nutzt worden sei, wie er geltend macht (SK 2.521.018), ist nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens und hier auch nicht relevant für die Strafzumessung. Da
die Entscheidungsfreiheit des Beschuldigten als Geschäftsführer der B. zu kei-
nem Zeitpunkt eingeschränkt war, wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, die Zah-
lungsentgegennahmen und -weiterleitungen an Dritte vor Überschreitung der
Schwellenwerte zur Berufsmässigkeit zu unterbinden oder eine SRO-Unterstel-
lung zu erwirken. Auch dies ist verschuldenserhöhend zu werten.
In Anbetracht sämtlicher vorerwähnter Kriterien ist beim Beschuldigten von ei-
nem gerade noch leichten Tatverschulden auszugehen. Eine Freiheitsstrafe
wäre unverhältnismässig streng und erschiene nicht schuldangemessen. Viel-
mehr ist eine Geldstrafe, welche gerade noch im unteren Bereich zu liegen
kommt, auszusprechen. In Würdigung der Tatkomponente ist eine hypothetische
Strafe von 120 Tagessätzen Geldstrafe angemessen.
3.2.1.2 Bezogen auf die Täterkomponente ergibt sich folgendes Bild:
Der Beschuldigte mit Jahrgang [...] lebt in getrennter Ehe (SK 2.231.1.012). Ge-
mäss eigenen Aussagen vor der Strafverfolgungsbehörde des Kantons St. Gal-
len habe er eine erwachsene Tochter. Er sei ausgebildet zum technischen Kauf-
mann und habe ein Unternehmen für medizinische Geräte, vor allem Röntgen-
geräte, besessen (EFD-BA 7575). Er sei viele Jahre selbständig in der Medizin-
technik, der Radiologie, tätig gewesen (EFD-BA 7554). Seit 1994 lebe er in der
Schweiz (EFD-BA 7574). Zu seiner finanziellen Situation führte der Beschuldigte
- 25 -
SK.2021.46
aus, seine Rente betrage rund Fr. 2'000.-- und er habe keine Unterstützungs-
pflichten (EFD-BA 7575). Gemäss letzter rechtskräftigen Steuerveranlagung er-
zielte der Beschuldigte im Jahr 2020 Einkünfte von Fr. 10'521.-- und verfügte
über kein nennenswertes Vermögen (SK 2.231.2.005 f.). Gemäss Betreibungs-
registerauszug sind gegen den Beschuldigten verschiedene Betreibungen im
Umfang von rund Fr. 15'000.-- hängig und es bestehen Verlustscheine über
Fr. 54'000.-- (SK 2.231.3.008 ff.). Vorstrafen liegen keine vor (SK 2.231.1.012
und -015). Die persönlichen und finanziellen Verhältnisse sowie die Vorstrafen-
losigkeit wirken sich neutral auf die Strafzumessung aus (vgl. bei Vorstrafenlo-
sigkeit BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). Ebenfalls neutral zu werten sind die fehlende
Reue und die fehlende Einsicht des Beschuldigten.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann unter dem Titel der Straf-
empfindlichkeit ein hohes Alter – was bei einem im Urteilszeitpunkt [...]-jähri-
gen zu bejahen ist – im Rahmen der Strafzumessung «höchstens in sehr leich-
tem Masse» strafmindernd berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_291/2012 vom 16. Juli 2013 E. 6.3). Der Beschuldigte ist im Urteilszeitpunkt
[...]-jährig (geb. [...]). Von einer Strafreduzierung aufgrund seines Alters ist vor-
liegend abzusehen, da angesichts des Verschuldens keine Freiheitsstrafe aus-
zufällen ist und bei einer Geldstrafe keine erhöhte Strafempfindlichkeit für den
Beschuldigten besteht.
Insgesamt ist die Täterkomponente neutral zu werten.
3.2.1.3 In Würdigung der Tat- und Täterkomponente ist die Strafe auf 120 Tagessätze
Geldstrafe festzulegen.
3.2.2 Ein Tagessatz beträgt höchstens Fr. 3'000.--. Dessen Höhe bestimmt sich nach
den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des
Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen
Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum
(Art. 34 Abs. 2 StGB). Das Vermögen ist bei der Bemessung des Tagessatzes
nur subsidiär zu berücksichtigen, wenn besondere Vermögensverhältnisse ei-
nem vergleichsweise geringen Einkommen gegenüberstehen (vgl. BGE 134 IV
60 E. 6.1 f.), was vorliegend jedoch nicht der Fall ist.
Angesichts der persönlichen und finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten
(vgl. E. 3.2.1.2) ist der Tagessatz auf Fr. 30.-- festzusetzen.
3.2.3 Zusammenfassend ist angesichts des gerade noch leichten Tatverschuldens und
der neutralen täterbezogenen Elemente sowie in Anbetracht des Strafrahmens
von Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe eine Geldstrafe von 120 Tagess-
- 26 -
SK.2021.46
ätzen à Fr. 30.-- angemessen dafür, dass er die berufsmässige finanzintermedi-
äre Tätigkeit der B. ohne SRO-Anschluss im Zeitraum vom 1. November 2015
bis 7. Dezember 2016 nicht verhindert hat.
3.3 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn eine
unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB).
Die Voraussetzungen für eine bedingt ausgesprochene Geldstrafe sind zufolge
Vorstrafenlosigkeit (vgl. E. 3.2.1.2) vorliegend ohne Weiteres erfüllt, da dem Be-
schuldigten keine schlechte Prognose gestellt werden kann. Ihm ist die minimale
Probezeit von zwei Jahren aufzuerlegen (Art. 44 Abs. 1 StGB).
3.4 Verbindungsbusse
3.4.1 Nach Art. 42 Abs. 4 aStGB kann eine bedingte Strafe mit einer unbedingten Geld-
strafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden werden. Die Verbin-
dungsstrafe kann ohne weitere Voraussetzungen ausgesprochen werden; na-
mentlich ist sie nicht an eine negative Legalprognose gebunden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_412/2010 vom 19. August 2010 E. 2.3). Sie trägt u.a. dazu
bei, das unter spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe
Drohpotential der bedingten Geldstrafe zu erhöhen. Dem Verurteilten soll ein
Denkzettel verpasst werden können, um ihm den Ernst der Lage vor Augen zu
führen und zugleich zu demonstrieren, was bei Nichtbewährung droht (vgl.
BGE 134 IV 60 E. 7.3.1 S. 75). Darüber hinaus erhöht die Strafenkombination
ganz allgemein die Flexibilität des Gerichts bei der Auswahl der Strafart (vgl.
BGE134 IV 1 E. 4.5.2). Die bedingt ausgesprochene Strafe und die Verbindungs-
strafe müssen in ihrer Summe schuldangemessen sein (vgl. BGE 134 IV 60
E. 7.3.3 S. 76). Nach der Praxis des Bundesgerichts rechtfertigt es der akzesso-
rische Charakter der Verbindungsstrafe, deren Obergrenze grundsätzlich auf ei-
nen Fünftel der dem Gesamtverschulden angemessenen Strafe festzulegen (vgl.
BGE 135 IV 188 E. 3.4.4 S. 191).
3.4.2 Aufgrund der Vorstrafenlosigkeit und des Alters des Beschuldigten drängt sich
eine Verbindungsbusse i.S.v. Art. 42 Abs. 4 StGB aus spezialpräventiver Sicht
nicht auf. Alleine aufgrund generalpräventiver Erwägungen eine Verbindungs-
busse anzuordnen, wäre unzulässig (vgl. WIPRÄCHTIGER/KELLER, Basler Kom-
mentar, 4. Aufl. 2019, Art. 47 StGB N. 72 ff. m.w.H.).
- 27 -
SK.2021.46
4. Ersatzforderung
4.1
4.1.1 Dem Grundsatzanliegen des schweizerischen Strafrechts, dass sich Straftaten
für Straftäter nicht lohnen dürfe, dienen die Instrumente der Einziehung von Ver-
mögenswerten nach Art. 70 StGB und der staatlichen Ersatzforderung nach
Art. 71 StGB. Dadurch sollen deliktisch erlangte Vermögenswerte bei den Straf-
tätern und weiteren Begünstigten abgeschöpft werden, und zwar unabhängig da-
von, ob die deliktischen Werte noch vorhanden sind (vgl. BAUMANN, Basler Kom-
mentar, 4. Aufl. 2019, Art. 70/71 StGB N. 15).
Objekt der Einziehung sind Vermögenswerte; erfasst werden alle wirtschaftlichen
Vorteile, gleichgültig ob sie in einer Vermehrung der Aktiven oder einer Vermin-
derung der Passiven bestehen. Immer muss es sich aber um einen geldwerten
Vorteil handeln (vgl. TRECHSEL/JEAN-RICHARD, a.a.O., Art. 70 StGB N. 2). Eine
Vermögenseinziehung setzt dabei voraus, dass die Straftat die wesentliche res-
pektive adäquate Ursache für die Erlangung des Vermögenswertes ist und dass
der Vermögenswert typischerweise aus der Straftat herrührt. Es muss mithin ein
Kausalzusammenhang in dem Sinne bestehen, dass die Erlangung des Vermö-
genswerts als direkte und unmittelbare Folge der Straftat erscheint (vgl. ACHER-
MANN/FRANK, Basler Kommentar, 2020, Art. 2 VStrR N. 217). Bei Tätigkeiten, die
gesetzlich nicht generell verboten sind, sondern deren Rechtmässigkeit von einer
staatlichen Bewilligung abhängig ist, entscheidet sich dies danach, ob der Täter
die Voraussetzungen für die Erteilung der Bewilligung erfüllt hätte oder nicht. So-
weit die Voraussetzungen für die Bewilligungserteilung nicht erfüllt wären, kann
das rechtmässige Alternativverhalten nur im gänzlichen Verzicht auf die Aus-
übung der unter Bewilligungspflicht gestellten Tätigkeit bestehen. Die Anlasstat
stünde somit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Erlangen des Ver-
mögensvorteils, welchen der Täter durch die Ausübung der Tätigkeit erlangt hat.
Der Vorteil erscheint demnach als direkte Folge der Straftat, so dass dessen Ab-
schöpfung möglich wäre. Soweit demgegenüber die Voraussetzungen für die Er-
teilung der Bewilligung im konkreten Fall erfüllt wären, könnte der Kern der An-
lasstat nicht im Ausüben der Tätigkeit an sich, sondern lediglich im Nichteinholen
der Bewilligung erblickt werden. Bei dieser Sachlage wäre die Anlasstat – das
Nichteinholen der Bewilligung – lediglich kausal für die Ersparnis, welche durch
das fehlende Einholen der Bewilligung erzielt wurde, nicht aber für das Erlangen
der Vermögenswerte durch die bewilligungslose Tätigkeit. Ein Deliktskonnex be-
steht in diesem Fall somit lediglich zwischen dem Nichteinholen der Bewilligung
als Anlasstat und der durch das fehlende Einholen der Bewilligung erzielten Er-
sparnis. Nur auf diese Vermögenslage kann sich denn auch der mit der Einzie-
hung angestrebte Ausgleich unrechtmässig erlangter Vorteile beziehen (vgl. Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_928/2019 vom 16. Dezember 2019 E. 4.3.2 m.w.H.).
- 28 -
SK.2021.46
4.1.2 Sind die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vorhanden,
weil sie beispielsweise verbraucht, versteckt, veräussert oder ins Ausland ver-
bracht wurden (vgl. TRECHSEL/JEAN-RICHARD, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxis-
kommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 71 StGB N. 1), so erkennt das Gericht auf eine
Ersatzforderung des Staates in gleicher Höhe, gegenüber einem Dritten jedoch
nur, soweit dies nicht nach Art. 70 Abs. 2 StGB ausgeschlossen ist (Art. 71
Abs. 1 StGB). Der Grund, weshalb das ursprüngliche Einziehungsobjekt nicht
mehr vorhanden ist, ist bei der Festsetzung einer Ersatzforderung grundsätzlich
irrelevant (vgl. TRECHSEL/JEAN-RICHARD, a.a.O., Art. 71 StGB N. 1). Ist die Er-
satzforderung voraussichtlich uneinbringlich oder behindert sie ernstlich die Wie-
dereingliederung des Betroffenen, so kann das Gericht von ihr ganz oder teil-
weise absehen (Art. 71 Abs. 2 StGB). Bei der Beurteilung der Verhältnismässig-
keit (Härtefall) hat das Gericht ein sehr weites Ermessen (vgl. BAUMANN, a.a.O.,
Art. 70/71 StGB N. 62).
4.2
4.2.1 Mit der Begründung, eine Ersatzforderung sei beim Beschuldigten uneinbringlich,
beantragte das EFD keine Ersatzforderung zugunsten des Staates
(SK 2.100.027) bzw. stellte im schriftlichen Parteivortrag die Festsetzung einer
allfälligen Ersatzforderung gegen den Beschuldigten ins Ermessen des Gerichts
(SK 2.511.020 Rz. 30 und -021). Der Beschuldigte spricht sich gegen eine Er-
satzforderung aus, indem er bestreitet, Begünstigter der Anlasstat zu sein. Er
macht geltend, nicht Inhaber der Kreditkarte der S. zu sein (SK 2.521.018). Er
habe die ihm angelasteten Gelder weder direkt noch indirekt bezogen. Die Be-
züge seien vielmehr im geografischen Wirkungskreis von D. erfolgt, da D. in
Wahrheit der Treugeber gewesen sei, dessen Weisungen er habe befolgen müs-
sen (SK 2.521.021).
4.2.2 B. erhob jeweils für die Entgegennahme der Zahlung des Kunden und die Wei-
tergabe an den vorbestimmten Empfänger eine Provision von 10 % (vgl.
E. 2.3.8.2). Von diesen Einnahmen überwies die Gesellschaft dem Beschuldig-
ten während des anklagerelevanten Zeitraums insgesamt rund Fr. 47'000.--. Ge-
mäss Akten war der Beschuldigte der wirtschaftlich Berechtigte des Kreditkarten-
kontos bei der S. (vgl. E. 2.3.6). Für das Gericht ist erstellt, dass diese Überwei-
sungen auf die Tätigkeit des Beschuldigten und das «Zur-Verfügung-Stellen» der
B. und seiner Person als Mandatsträger zurückzuführen sind. Es ist nicht glaub-
haft, dass der Beschuldigte ohne Vergütung tätig war, wie er zu implizieren ver-
sucht. Weshalb die Gelder heute nicht mehr vorhanden sind – bspw. weil sie, wie
vom Beschuldigten geltend gemacht, von D. bezogen worden seien – ist irrele-
vant für die Festsetzung einer Ersatzforderung. Die Vergütungen flossen an ihn.
Von den rund Fr. 47'000.-- wurden insgesamt rund Fr. 4'151.-- als Spesen aus-
gewiesen (EFD-BA 4817 und 4846). Vorliegend rechtfertigt sich im Sinne des
Verhältnismässigkeitsprinzips, das Nettoprinzip anzuwenden (vgl. zum Netto-
/Bruttoprinzip BGE 146 IV 201 E. 8). Der geldwerte Vorteil des Beschuldigten
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SK.2021.46
beträgt somit rund Fr. 42'849.-- (Fr. 47'000.-- abzüglich Spesen von Fr. 4'151.--).
Da die Vermögenswerte verbraucht wurden (vgl. hinten E. 3.2.1.2) und somit
nicht mehr vorhanden sind, ist im Folgenden zu prüfen, ob für diese Vermögens-
werte eine staatliche Ersatzforderung zulasten des Beschuldigten festzusetzen
ist.
4.2.3 Die wesentliche Frage ist vorliegend, ob zwischen dem erlangten Vermögens-
vorteil von rund Fr. 42'849.-- und der Anlasstat ein adäquater Kausalzusammen-
hang besteht. Ein solcher wäre in Berücksichtigung der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (vgl. E. 4.1.1) zu bejahen, wenn zum damaligen Zeitpunkt die
Voraussetzungen für die Erteilung einer Bewilligung bzw. für einen SRO-An-
schluss nicht erfüllt waren. Gemäss dem im massgebenden Deliktszeitraum an-
wendbaren Art. 14 Abs. 2 GwG wird eine Bewilligung u.a. erteilt, wenn der Fi-
nanzintermediär durch seine internen Vorschriften und seine Betriebsorganisa-
tion die Erfüllung der Pflichten nach diesem Gesetz sicherstellte (lit. b) und selbst
sowie die mit seiner Verwaltung und Geschäftsführung betrauten Personen einen
guten Ruf genossen und Gewähr für die Erfüllung der Pflichten nach diesem Ge-
setz boten (lit. c). Dieselben Voraussetzungen galten grundsätzlich auch für ei-
nen SRO-Anschluss (vgl. Art. 24 Abs. 1 GwG i.V.m. Art. 25 Abs. 3 GwG i.V.m.
Art. 3 ff. GwG; heute geregelt in Art. 14 Abs. 1 GwG).
4.2.4 Gemäss Art. 24 der Verordnung der FINMA über die Bekämpfung von Geldwä-
scherei und Terrorismusfinanzierung im Finanzsektor vom 3. Juni 2015 (Geldwä-
schereiverordnung-FINMA [GwV-FINMA], SR 955.033.0) hat der Finanzinterme-
diär eine oder mehrere qualifizierte Personen als Geldwäschereifachstelle zu be-
zeichnen (Abs. 1). Diese bereitet die internen Weisungen zur Bekämpfung der
Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung vor und plant und überwacht die
interne Ausbildung zur Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfi-
nanzierung (Abs. 2).
B. erfüllte diese Voraussetzungen in der Tatperiode aufgrund ihrer mangelhaften
Betriebsorganisation nicht. Insbesondere verfügte sie weder über eine Geldwä-
schereifachstelle noch über interne Weisungen zur Bekämpfung von Geldwä-
scherei. Auch der Beschuldigte als einziger Gesellschafter und Geschäftsführer
der B. bot keine Gewähr für eine sorgfältige Geschäftsführung, was im Übrigen
auch die spätere Aufnahme der B. in die Warnliste der FINMA indiziert (vgl.
E. 2.3.1.1). Eine Aus- oder Weiterbildung im Bereich Geldwäschereibekämpfung
ist beim Beschuldigten nicht aktenkundig. Schliesslich scheint auch ausgeschlos-
sen, dass die FINMA oder eine SRO mit Blick auf das konkret ausgeübte, un-
durchsichtige Sanierungsangebot, an dem sich B. mit ihrem Geschäftsmodell be-
teiligte, eine Bewilligung erteilt bzw. einer Aufnahme zugestimmt hätte. Die Vo-
raussetzungen für eine Bewilligung der FINMA oder für einen SRO-Anschluss
waren somit im Tatzeitraum nicht gegeben.
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4.2.5 Im Ergebnis besteht somit der einziehungsrechtliche Kausalzusammenhang
bzw. der Deliktskonnex zwischen den rund Fr. 42'849.-- und der Verwaltungs-
straftat.
4.2.6 Angesichts der finanziellen Verhältnisse des [...]-jährigen Beschuldigten – kaum
Einkünfte, kein nennenswertes Vermögen, Verlustscheine und hängige Betrei-
bungen (vgl. E. 3.2.1.2) – wäre eine Ersatzforderung voraussichtlich uneinbring-
lich und würde zudem der Resozialisierung entgegenlaufen. Es ist daher keine
Ersatzforderung zulasten des Beschuldigten und zugunsten der Eidgenossen-
schaft zu begründen (Art. 2 VStrR i.V.m. Art. 71 Abs. 2 StGB).
5. Antrag auf Freigabe beschlagnahmter Vermögenswerte
Der Beschuldigte konkretisiert nicht, welche beschlagnahmten Vermögenswerte
freizugeben seien (SK 2.521.015 ff.). Im vorliegenden Verfahren sind keine Ver-
mögenswerte beschlagnahmt. Der Antrag des Beschuldigten auf Freigabe be-
schlagnahmter Vermögenswerte ist daher gegenstandslos.
6. Verfahrenskosten
6.1 Die Kosten des Verfahrens der Verwaltung bestehen aus den Gebühren
(sog. Spruch- und Schreibgebühr) sowie Barauslagen (Art. 94 Abs. 1 VStrR). Der
Betrag der Spruch- und der Schreibgebühr bestimmt sich nach dem vom Bun-
desrat aufzustellenden Tarif (Art. 94 Abs. 2 VStrR). Die Spruchgebühr beträgt
gemäss Art. 7 Abs. 2 lit. c der Verordnung vom 25. November 1974 über Kosten
und Entschädigungen im Verwaltungsstrafverfahren (SR 313.32) für eine Straf-
verfügung zwischen Fr. 100.-- und Fr. 10'000.--, die Schreibgebühr Fr. 10.-- je
Seite für die Herstellung des Originals (Art. 12 Abs. 1 lit. a). Gestützt darauf be-
antragt das EFD für die Verfahrenskosten einen Betrag von insgesamt
Fr. 2'210.-- (SK 2.100.028 Rz. 108 und -029; 2.511.020 Rz. 31). Für die Ankla-
geerhebung macht das EFD eine Gebühr i.S.v. Art. 6 Abs. 4 lit. c des Reglements
des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und
Entschädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR, SR 173.713.162) von
Fr. 1'804.50, beinhaltend die Auslagen i.S.v. Art. 1 Abs. 3 und Art. 9 BStKR von
insgesamt Fr. 153.40 (nicht stornierbare Unterbringungskosten), geltend
(SK 2.511.012 und -022). Mangels Durchführung der Hauptverhandlung musste
das EFD die Anklage nicht persönlich vor Gericht vertreten. Es rechtfertigt sich
daher, die Gebühr pauschal um Fr. 1'000.-- zu reduzieren. Nicht entschädigungs-
pflichtig sind zudem die geltend gemachten, nicht stornierbaren Unterbringungs-
kosten. Da die eintägige Hauptverhandlung auf 10:15 Uhr angesetzt wurde
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(SK 2.321.001 f.) und in Verwaltungsstrafverfahren eine Urteileröffnung jeweils
schriftlich erfolgt (Art. 79 Abs. 2 VStrR), wäre es dem Vertreter des EFD zumut-
bar gewesen, am Tag der Hauptverhandlung an- und gleichentags auch wieder
abzureisen. Die entschädigungspflichtigen Kosten der Verwaltung inkl. Anklage-
erhebung betragen demnach total Fr. 2'861.10.
6.2 Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens und deren Verlegung bestimmen
sich – vorbehältlich der Bestimmungen über den Rückzug des Gesuchs um ge-
richtliche Beurteilung (Art. 78 Abs. 4 VStrR) – nach Art. 417–428 StPO (Art. 97
Abs. 1 VStrR). Nach Art. 424 Abs. 1 StPO regeln Bund und Kantone die Berech-
nung der Verfahrenskosten und legen die Gebühren fest. Der Bund hat dies im
BStKR getan. Die Verfahrenskosten setzen sich zusammen aus den Gebühren
zur Deckung des Aufwands und den Auslagen im konkreten Straffall (Art. 422
Abs. 1 StPO; Art. 1 Abs. 1 BStKR). Im Hauptverfahren vor der Strafkammer des
Bundesstrafgerichts vor dem Einzelgericht beträgt die Gerichtsgebühr
Fr. 200.-- bis 50'000.-- (Art. 7 lit. a BStKR). Die Höhe der Gebühr richtet sich nach
Bedeutung und Schwierigkeit der Sache, der Vorgehensweise der Parteien, ihrer
finanziellen Situation und dem Kanzleiaufwand (Art. 5 BStKR). Die Auslagen um-
fassen die vom Bund vorausbezahlten Beträge, namentlich die Kosten für die
amtliche Verteidigung, Übersetzungen, Gutachten, Mitwirkung anderer Behör-
den, Porti, Telefonspesen und andere entsprechende Kosten (Art. 1
Abs. 3 BStKR). In Berücksichtigung dessen wird die Gerichtsgebühr auf
Fr. 1'000.-- festgesetzt. Auslagen des Gerichts bestehen keine.
Die Kosten für das Gerichtsverfahren betragen demnach insgesamt Fr. 1'000.--.
6.3 Nach dem Gesagten betragen die Verfahrenskosten (ohne Kosten der amtlichen
Verteidigung, vgl. hierzu hinten E. 8) insgesamt Fr. 3'861.10.
6.4 Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, um von dieser
Regel abzuweichen. Die Kosten der Verwaltung können im Urteil gleich verlegt
werden wie die Kosten des gerichtlichen Verfahrens (Art. 97 Abs. 2 VStrR). Der
Beschuldigte hat die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 3'861.10 (Kosten für
Strafverfahren der Verwaltung [inkl. Kosten Anklageerhebung]: Fr. 2'861.10.--
und Kosten für Gerichtsverfahren: Fr. 1'000.--) in vollem Umfang zu tragen.
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7. Entschädigung
Angesichts des Verfahrensausgangs hat der Beschuldigte keinen Anspruch auf
Entschädigung (Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). Sein Entschädigungsbegeh-
ren (SK 2.521.015 und -024 ff.) ist daher abzuweisen.
8. Entschädigung der amtlichen Verteidigung
8.1 Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung wird in Bundesstrafverfahren
nach dem Anwaltstarif des Bundes festgesetzt (Art. 135 Abs. 1 StPO). Die An-
waltskosten umfassen das Honorar und die notwendigen Auslagen, namentlich
für Reise, Verpflegung und Unterkunft sowie Porti und Telefonspesen (Art. 11
Abs. 1 BStKR). Das Honorar wird nach dem notwendigen und ausgewiesenen
Zeitaufwand bemessen. Der Stundenansatz beträgt mindestens Fr. 200.-- und
höchstens Fr. 300.-- (Art. 12 Abs. 1 BStKR). Die Auslagen werden im Rahmen
der Höchstansätze aufgrund der tatsächlichen Kosten vergütet (Art. 13 BStKR).
Nach Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO hat die beschuldigte Person, welche zu den
Verfahrenskosten verurteilt wird, dem Bund die Entschädigung der amtlichen
Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlau-
ben.
8.2 RA Jeker wurde per 2. Juni 2022 dem Beschuldigten als amtlicher Verteidiger
beigeordnet (vgl. lit. I). Gemäss Honorarnote vom 6. Juli 2022 macht RA Jeker
für die Zeit als amtlicher Verteidiger einen Aufwand von 6.91 Stunden zu einem
geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 200.-- (Arbeitszeit), d.h. insgesamt
Fr. 1'383.30 (exkl. MWST), und Auslagen von Fr. 7.60, ausmachend total
Fr. 1'497.40 (inkl. 7.7 % MWST), geltend (SK 2.821.006 ff.).
8.3 Das beantragte Honorar erscheint angemessen, wobei zusätzlich für eine Nach-
besprechung praxisgemäss eine Stunde Arbeitszeit zuzusprechen ist. Die Ent-
schädigung ist folglich um eine Stunde zu einem geltend gemachten Stundenan-
satz von Fr. 200.– sowie entsprechender MWST zu erhöhen.
8.4 Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers RA Jeker ist damit auf insgesamt
Fr. 1'712.80 (inkl. MWST) festzusetzen. Der Beschuldigte hat der Eidgenossen-
schaft hierfür Ersatz zu leisten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse er-
lauben.
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9. Vollzug
Für den Vollzug des vorliegenden Urteils ist gemäss Art. 90 Abs. 1 VStrR das
EFD zuständig.
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