Decision ID: 12f22569-54e3-4a8d-8aa4-fc8dc57ac300
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 13.03.2020 Art. 7, 8 und 16 ATSG. Art. 28 IVG. Würdigung eines psychiatrischen Gutachtens inklusive einer neuropsychologischen Untersuchung. Aufgrund eines im Beschwerdeverfahren eingereichten Arztberichts haben sich neue Erkenntnisse ergeben. Der medizinische Sachverhalt ist nicht vollständig abgeklärt worden. Rückweisung zur weiteren Abklärung und anschliessender Neuverfügung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. März 2020, IV 2017/329).
Entscheid vom 13. März 2020
Besetzung
Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-
Studerus; Gerichtsschreiberin Viviane Kull
Geschäftsnr.
IV 2017/329
Parteien
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Laurent Häusermann, Amparo Anwälte und
Notare, Neugasse 26, Postfach 148, 9001 St. Gallen,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
Rente
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im März 2014 (Posteingang: 11. April 2014) wegen eines
akuten Burnouts, einer Depression und einem Stress-Diabetes zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Sie gab an, bei der B._ AG
als Key Account Managerin tätig zu sein. In einem Arbeitgeberbericht teilte eine
Mitarbeiterin der B._ AG am 28. April 2014 mit (IV-act. 13), die Versicherte sei von
Januar 2011 bis April 2014 als Key Account Managerin angestellt gewesen. Wegen
eines längeren Krankheitsausfalls der Versicherten habe die Stelle neu besetzt werden
müssen. Der letzte Arbeitstag der Versicherten sei am 25. Oktober 2013 gewesen.
A.a.
Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete am
30. April 2014 (IV-act. 14), bei der Versicherten seien folgende Diagnosen gestellt
worden: 32.1, Z73, Z56. Die Versicherte habe sich vom 16. Dezember 2013 bis
14. Februar 2014 in der Klinik D._ aufgehalten. Ab dem 28. Februar 2014 bis auf
weiteres sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit zu bestätigen. Die Versicherte leide an
einer schweren psychischen und körperlichen Erschöpfung mit stark vermindertem
Antrieb, Stimmungsinstabilität, Ängsten und teils Konzentrationsstörungen. Die
Prognose sei längerfristig günstig, aber es bedürfe noch einer weiteren Schonung von
mindestens ca. drei bis vier Monaten. Sie legte den Austrittsbericht der Klinik D._
vom 18. Februar 2014 bei. Darin waren folgende Diagnosen festgehalten worden:
Mittelgradige depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.1),
Zustand totaler Erschöpfung (ICD-10 Z73), Unstimmigkeiten mit Vorgesetzten (ICD-10
Z56) bei narzisstischer Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73), nicht primär
A.b.
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insulinabhängiger Diabetes mellitus (Typ-2-Diabetes), Migräne und posttraumatisches
zervikozephales Syndrom.
Die Versicherte reichte am 28. Mai 2014 Kopien von Ausbildungsbescheinigungen
ein (IV-act. 21, 22). Demnach hat sie im Jahr 1993 in Z._ einen Abschluss als
geprüfte Pharmareferentin gemacht.
A.c.
Dr. C._ attestierte der Versicherten am 2. Juni 2014 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom 1. Juni 2014 bis 30. Juni 2014 (IV-act. 23). Am 21. August 2014
berichtete Dr. C._ (IV-act. 27), die Versicherte leide an einer schweren depressiven
Verstimmung mit einer Tendenz zur Besserung (ICD-10 32.2, Z73, Z56), an
akzentuierten Persönlichkeitszügen mit narzisstischen Zügen und an
Kindheitstraumata. Die Prognose sei gut, da die Versicherte sehr an der Verbesserung
ihres Zustandsbildes mithelfe. Zurzeit sei die Versicherte völlig überfordert und nicht
arbeitsfähig. Wenn das Zustandsbild "o.k." sei, könne ab Anfang Januar 2015 mit einer
50%igen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Der RAD-Arzt Dr. med. E._ notierte am
25. August 2014 (IV-act. 28), aktuell bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf
dem ersten Arbeitsmarkt.
A.d.
Am 31. Januar 2015 teilte Dr. C._ mit (IV-act. 32), der Gesundheitszustand der
Versicherten sei stationär geblieben bzw. habe sich verbessert. Die Depression habe
sich leicht gebessert. Nach wie vor bestehe aber ein recht hoher Erschöpfungszustand
und eine verminderte Belastbarkeit. Die Versicherte sei unternehmungsfreudiger und
habe insgesamt mehr Antrieb. Sie möchte gerne wieder arbeiten. Die bisherige
Tätigkeit sei ihr im Prinzip zumutbar, aktuell bis Ende Februar 2015 aber noch zu einem
stark eingeschränkten Pensum von wenigen Stunden pro Tag bei einer verminderten
Leistungsfähigkeit von schätzungsweise 80%. Die Arbeitsfähigkeit betrage zurzeit
maximal 20%.
A.e.
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 7. April 2015 mit (IV-act. 45, 46), im Rahmen
einer Frühinterventionsmassnahme werde ihr ein Coaching gewährt. Zudem habe sie
einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung.
A.f.
Am 28. September 2015 bescheinigte Dr. C._ eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
vom 1. Oktober 2015 bis 31. Oktober 2015 und bis auf weiteres (IV-act. 52).
A.g.
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Im Schlussbericht vom 21. Oktober 2015 betreffend das Coaching wurde festge
halten (IV-act. 53), die Versicherte sei eine intelligente Persönlichkeit. Sie möchte Erfolg
haben und anerkannt sein. Wenn es darum gegangen sei, sich aktiv im Netzwerk und
auf dem Arbeitsmarkt zu bewegen, hätten ihre Vorstellungen jedoch oftmals im
Widerspruch zu ihrer eher passiven Haltung gewirkt.
A.h.
Dr. C._ gab am 7. Dezember 2015 als Diagnosen ein rezidivierend depressives
Zustandsbild (33.1, Z56, Z73) mit körperlicher Erschöpfung, eine
Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen Zügen bei Kindheitstraumatisierungen
durch eine sehr schwierige Kindheitskonstellation (Adoptivkind) und einen Diabetes
mellitus an (IV-act. 56). Sie führte aus, der Genesungsprozess sei noch nicht sehr weit
fortgeschritten. Die Versicherte sei etwas stabiler, aber immer noch wenig belastbar.
Sie bedürfe vermutlich weitere ein bis zwei Jahre der Behandlung. In der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Key Account Managerin habe von 30. April 2014 bis 30. März
2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab dann habe die Arbeitsfähigkeit
20% und dann 50% betragen. Die bisherige Tätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar.
Nicht genau beurteilbar sei, zu wieviel Prozent sie in einer adaptierten Tätigkeit noch
arbeitsfähig sei. Sie werde vermutlich höchstens noch 50% arbeiten können.
A.i.
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 4. Januar 2016 mit (IV-act. 61), dass kein
Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe.
A.j.
Am 4. Februar 2016 berichtete Dr. C._ (IV-act. 64), die Versicherte leide neu an
vermehrten Ängsten und körperlichen Beschwerden. Der Befund habe sich in den
letzten Wochen sehr verschlechtert, die Versicherte sei jeglichem Stress nicht mehr
gewachsen. Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei nicht genau
beurteilbar und betrage, wenn überhaupt, 20%. Sie nannte dieselben Diagnosen wie im
Bericht vom 7. Dezember 2015, gab im Zusammenhang mit der Diagnose eines
rezidivierend depressiven Zustandsbilds jedoch den Diagnosecode 33.2 statt 33.1 an.
A.k.
Am 20. Juli 2016 und 17. August 2016 wurde die Versicherte durch Prof. Dr. med.
F._ psychiatrisch und durch dipl. psych. G._ neuropsychologisch untersucht. Im
Gutachten vom 25. Juli 2016 / 17. August 2016 gab Prof. F._ an (IV-act. 73-44), er
habe keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erheben können. Als
A.l.
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Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab er an: Depressive Episode,
remittiert (ICD-10 F32.4), ausgeprägte narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung
(ICD-10 Z73.1), Problem in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10
Z56), Erschöpfungssyndrom (burn-out, ICD-10 Z73.0). Prof. F._ führte in Bezug auf
seine psychiatrische Untersuchung aus (IV-act. 73-35 ff.), Hinweise auf eine
Aggravation oder bewusstseinsnahe Simulation hätten sich nicht ergeben. Die
Versicherte habe eine erhöhte Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen beklagt.
Während der fast dreistündigen Untersuchung seien keine Störungen des Kurz- oder
Langzeitgedächtnisses objektivierbar gewesen. Ebenso habe die Versicherte die
Aufmerksamkeit und die Konzentration gut halten können. Der formale Gedankengang
sei in Kohärenz und Stringenz ungestört und das Denken sei im Tempo nicht verzögert
gewesen. Die Versicherte habe subjektiv eine verstärkte Müdigkeit und verfrühte
Erschöpfbarkeit angegeben. Die kognitive Begabung habe, soweit dies im Rahmen
einer psychiatrischen Exploration feststellbar gewesen sei, im oberen Normbereich
gelegen. Das Selbstwerterleben sei deutlich reduziert gewesen. Klinisch hätten sich
deutliche Hinweise auf eine ausgeprägte narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung
gefunden. Aufgefallen sei das Bestehen eines ausgeprägten Intentionstremors. G._
hielt fest (IV-act. 73-37 ff., 73-51 f.), die Ergebnisse der formalisierten
Beschwerdenvalidierung seien auffällig und in sich nicht konsistent gewesen. Sie
hätten bei einfachen Gedächtnis-Aufgaben im Leistungsbereich von hospitalisierten
Demenz-Patienten im fortgeschrittenen Stadium gelegen. Eine derart schwere
kognitive Störung liege bei der Versicherten jedoch nicht vor, wie aus anderen
Informationsquellen zweifelsfrei zu schliessen sei. Die Ergebnisse der formalisierten
kognitiven Beschwerdenvalidierung, der Fragebogenerhebung sowie eingebetteter
Indices hätten erhebliche Zweifel an der Mitwirkung der Versicherten in der
Untersuchung begründet. Aufgrund der verminderten Kooperationsbereitschaft habe
kein gültiges Testprofil erhalten werden können. Die Angabe gehäuft ungewöhnlicher
und bizarrer Symptome im Fragebogenverfahren hätten auf eine generelle Aggravation
oder Simulation psychiatrischer Symptome hingewiesen. Die Ergebnisse der
neuropsychologischen Untersuchung seien als nicht valide einzuschätzen und wiesen
auf eine bewusstseinsnahe Selbstlimitierung bei angestrebtem Krankheitsgewinn hin.
Die erhobenen ausgeprägten Minderleistungen seien mit den in den Akten
beschriebenen Diagnosen nicht zu vereinbaren. Würde das in der Testung gezeigte
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Leistungsvermögen dem tatsächlichen Leistungsvermögen entsprechen, wären eine
eigenständige Lebensführung und das Fahren eines PKW nicht möglich. Aufgrund der
erhobenen Testwerte könnten weder die Art und das Ausmass von kognitiven Defiziten
noch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit angegeben werden. Daraus könne
jedoch nicht der Schluss gezogen werden, dass keine kognitiven Einbussen vorgelegen
hätten. In der zusammenfassenden Beurteilung gab Prof. F._ an (IV-act. 73-43 ff.), in
der Untersuchung hätten sich keine depressiv affektiven Symptome mehr gezeigt.
Lediglich die Freudfähigkeit scheine leicht gemindert gewesen. Daher sei von einer
Remission der depressiven Episode auszugehen. Im Vordergrund stünden weiterhin
narzisstische Kränkungsgefühle bei Unstimmigkeiten an der letzten Arbeitsstelle
(ICD-10 Z56) bei subjektiven Mobbinggefühlen mit Rückzug in die Opfer- und
Krankenrolle. Diese Störung sei auf dem Boden der zuvor dargestellten
Persönlichkeitsentwicklung mit einer ausgeprägten narzisstischen
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1) entstanden. Es bestehe ein
Erschöpfungssyndrom (burn-out, ICD-10 Z73.0). Ein Gesundheitsschaden im IV-
relevanten Sinn liege nicht vor. Es habe eine erhebliche Diskrepanz zwischen den
objektiv zu erhebenden Psychopathologika und den subjektiven Wahrnehmungen der
Versicherten bestanden. Gesundheitsbedingte Fähigkeitsstörungen hätten nicht
vorgelegen. Es seien vor allem motivationale Aspekte, welche eine berufliche
Wiedereingliederung auf der geschilderten Basis verhindern würden. Die Ergebnisse
der neuropsychologischen Untersuchungen seien als insgesamt nicht valide
einzuschätzen und deuteten auf eine bewusstseinsnahe Selbstlimitierung bei
angestrebtem Krankheitsgewinn hin. Die persönlichen Ressourcen würden bei Weitem
nicht ausgeschöpft. Die Versicherte sei eine überdurchschnittlich intelligente Frau mit
guter Berufsausbildung, hervorragender Karriere und immenser Berufserfahrung. Bei
der Versicherten bestehe aus IV-relevanter Sicht kein Gesundheitsschaden mit
Auswirkungen auf die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit. Dies gelte seit der
Antragstellung und anhaltend.
Mit einem Vorbescheid vom 10. Oktober 2016 (IV-act. 80) stellte die IV-Stelle der
Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung gab
sie an, aufgrund der medizinischen Beurteilung sei sie in der bisherigen Tätigkeit und in
sämtlichen anderen Tätigkeiten zu 100% arbeitsfähig. Bei der Verwertung der
A.m.
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Arbeitsfähigkeit sei es ihr ohne weiteres möglich, ein Einkommen in derselben Höhe
wie im Jahr 2012 zu erzielen. Der Invaliditätsgrad betrage damit 0%. Am 10. November
2016 erhob die Versicherte dagegen einen Einwand (IV-act. 94). Sie machte im
Wesentlichen geltend, nach der Ansicht von Dr. C._ sei die angebliche
Selbstlimitierung klar auf die psychische Gesundheitsbeeinträchtigung zurückzuführen
und könne nicht mit einer fehlenden Motivation erklärt werden. Die Motivation sei
vorhanden, nur habe sich der Gesundheitszustand nicht wie zunächst erhofft
verbessert, sondern zwischenzeitlich sogar verschlechtert. Insbesondere habe sich an
der sehr geringen Belastbarkeit bislang nichts geändert. Sie (die Versicherte) habe sich
vom 11. April 2016 bis 12. Juni 2016 in der Klinik H._ in stationärer Behandlung
befunden. Dies sei von der IV-Stelle ausser Acht gelassen worden. Auch der Gutachter
habe dies nur am Rande erwähnt. Für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit sei es
unumgänglich, dies zu berücksichtigen. Zudem seien die letzten acht Monate des
Krankheitsverlaufs vor der Zustellung des Vorbescheids gänzlich unberücksichtigt
geblieben. Der Sachverhalt sei damit nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden. Die
Versicherte reichte eine Stellungnahme von Dr. C._ vom 9. November 2016 und
einen Kurzaustrittsbericht der Klinik H._, Fachbereich Psychosomatik, vom 13. Juni
2016 ein. Zudem reichte sie ihre Kommentare zum Gutachten ein. Dr. C._ hatte in der
Stellungnahme folgende Diagnosen notiert: Rezidivierend depressives Zustandsbild
(33.1, Z56, Z73) mit körperlicher Erschöpfung, kombinierte Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 61.0 mit vorwiegend narzisstischen Anteilen) beruhend auf
Kindheitstraumatisierungen durch eine sehr schwierige Kindheitskonstellation
(Adoptivkind), Diabetes mellitus. Sie hatte ausgeführt, die Versicherte leide an
subjektiven Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, an Schlafstörungen,
Lustlosigkeit, Ängsten und sozialem Rückzug. Die Stimmung sei überwiegend gedrückt
und die Alltagsbewältigung sei eindeutig erschwert. Der Genesungsprozess sei noch
nicht weit fortgeschritten. Die Versicherte sei zwar etwas stabiler, aber immer noch
sehr wenig belastbar. Die Arbeitsfähigkeit betrage maximal 30% mit wenigen Stunden
am Tag. Dr. med. I._ von der Klinik H._ hatte im Kurzaustrittsbericht folgende
Diagnosen festgehalten: Rezidivierende depressive Episode, derzeit mittelgradig, bei
multifaktorieller psychosozialer Belastung mit Entwicklung eines
Erschöpfungssyndroms (F33.1, Z73.0), Akzentuierung von Persönlichkeitszügen
(Z73.1), Angst- und Panikstörung (F41.0), entgleister Diabetes mellitus Typ II,
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Nebendiagnose: Degenerative Wirbelsäulenveränderung mit LWS- und HWS-Syndrom
(M54). Sie hatte notiert, die Versicherte habe die Klinik in einem gebesserten Zustand
verlassen. Die Belastbarkeit und der Schlaf hätten sich verbessert. Es hätten jedoch
weiterhin Stimmungsschwankungen und Ängste mit zwar geringeren, aber noch
auftretenden Tendenzen zu Rückzug und Regression im Wechsel mit
Selbstüberforderung bestanden, dies auch angesichts der auf die Versicherte
zukommenden schwierigen Situation, das finanzielle Auskommen bis zum
Rentenentscheid über die soziale Unterstützung überbrücken zu müssen.
Die IV-Stelle bat Prof. F._ am 25. Januar 2017 (IV-act. 97), zum Einwand der
Versicherten Stellung zu nehmen. Prof. F._ teilte am 16. Februar 2017 mit (IV-act. 98),
Dr. C._ habe in der Stellungnahme vom 9. November 2016 im Psychostatus
subjektive Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen beschrieben und notiert, es
hätten Schlafstörungen und Lustlosigkeit sowie ein sozialer Rückzug bestanden.
Weitere Symptome einer Depression habe sie nicht angegeben. Ebenso habe sie keine
früheren depressiven Phasen erwähnt, die die Diagnosen einer rezidivierenden
depressiven Störung zulassen würden. Die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung sei damit nicht nachvollziehbar. Bezüglich der Einschätzung einer
narzisstischen Persönlichkeitsstruktur bestehe kein Dissens zu den Diagnosen im
Gutachten. Der Austrittsbericht der Klinik H._ enthalte keinen Psychostatus, der die
Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Episode, derzeit mittelgradig, bei
multifaktorieller psychosozialer Belastung mit Entwicklung eines
Erschöpfungssyndroms (ICD-10 F33.1, Z73.0), Akzentuierung von
Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1) und Angst- und Panikstörung (ICD-10 F41.0)
nachvollziehbar machen würde. Die Diagnosestellungen seien im Bericht nicht
nachvollziehbar erläutert worden. Ebenso wenig sei mitgeteilt worden, wann eine
vorherige depressive Episode erfolgt sei. Zudem kenne der ICD-10 die von Dr. I._
benannte psychische Störung einer rezidivierenden depressiven Episode nicht
(Anmerkung: Entweder rezidivierende depressive Störung oder depressive Episode). Es
sei ein verbesserter psychophysischer Zustand der Versicherten nach der Entlassung
beschrieben worden. Es hätten jedoch noch Ängste vor Selbstüberforderung und
finanzielle Zukunftsängste bestanden. Diese Faktoren seien IV-fremd. Die Einlassungen
der Versicherten gegen das Gutachten spiegelten ihre narzisstische Kränkung und
A.n.
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B.
ihren daraus entstehenden Entschädigungswunsch wider. Der RAD-Arzt Dr. E._
notierte am 23. Mai 2017 (IV-act. 101), Prof. F._ habe zu den Einwänden der
Versicherten Stellung genommen und diese plausibel ausgeräumt. An der
gutachterlichen Einschätzung sei festzuhalten.
Am 30. Mai 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 102), sie sehe vor,
am bisherigen Entscheid festzuhalten. Sie gab der Versicherten die Möglichkeit, sich
zur Stellungnahme von Prof. F._ vom 16. Februar 2017 zu äussern. Die Versicherte
machte am 5. Juli 2017 im Wesentlichen geltend (IV-act. 103), Prof. F._ habe sie
anlässlich der Untersuchung wissentlich manipuliert, indem er sie in ein persönliches
Gespräch verwickelt und damit die Grenzen eines Gutachtergesprächs weit
überschritten habe. Er habe ihr auch Worte in den Mund gelegt, die sie nie gesagt
habe. Des Weiteren habe er ihren Tremor heruntergespielt. Dies sei ein Missbrauch
seiner Position gewesen. Es sei eindeutig, dass der Gutachter im Interesse der IV-
Stelle gearbeitet und keinesfalls ihren Gesundheitszustand objektiv beurteilt habe.
A.o.
Mit einer Verfügung vom 13. Juli 2017 (IV-act. 104) wies die IV-Stelle,
entsprechend dem Vorbescheid, das Rentenbegehren ab. Zu den Einwänden hielt sie
fest, der Gutachter sei angehalten, eine neutrale Beurteilung vorzunehmen. Das
Gutachten entspreche formal und inhaltlich den Konventionen, welche an ein
medizinisches Gutachten gestellt werden dürften. Deshalb komme dem Gutachten
voller Beweiswert zu. Im Rahmen dieser Abklärungen sei das Vorliegen eines
invalidisierenden Gesundheitsschadens verneint worden. Aufgrund dessen bestehe in
der angestammten wie auch in jeder anderen, geeigneten Tätigkeit eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Im Einwand seien keine neuen Tatsachen oder
Unterlagen vorgebracht worden, welche zu einem anderen Ergebnis geführt hätten.
A.p.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 13. September 2017
eine Beschwerde (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 13. Juli
2017 und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen; eventualiter sei die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zur Begründung machte die
Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, das Gutachten sei in wesentlichen
B.a.
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Punkten nicht nachvollziehbar, widersprüchlich und leuchte nicht ein. Seit dem Jahr
2013 seien durchgängig ein auffälliger Psychostatus sowie eine verminderte
Belastbarkeit festgestellt worden. Daher sei nicht einleuchtend, dass der Psychostatus
anlässlich der Begutachtung komplett unauffällig gewesen sein solle. Die
Beschwerdeführerin habe es bei der neuropsychologischen Testung möglichst gut
machen wollen. Sie sei jedoch mehrmals von heftigen Emotionen heimgesucht worden.
Dies habe die Konzentration und Leistung massiv beeinträchtigt. Der Gutachter habe
einen ausgeprägten beidseitigen Intentionstremor festgestellt. Dieser Tremor hätte
abgeklärt werden müssen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. Dezember 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dem Gutachten
komme grundsätzlich Beweiswert zu. Der von der Beschwerdeführerin eingebrachte, in
den Behandlerberichten erwähnte auffällige Psychostatus sowie die verminderte
Belastbarkeit resultierten insbesondere daraus, dass die Behandler hauptsächlich auf
die subjektiven Äusserungen der Beschwerdeführerin abgestellt hätten. Die
Beschwerdeführerin habe kritisiert, der Gutachter habe sich nicht mit der seit Anbeginn
vorliegenden Zittrigkeit (Tremor) auseinandergesetzt. Wären Anzeichen für einen
pathologischen Tremor vorhanden gewesen, hätten die Ärzte (Behandler, Gutachter,
RAD) die Beschwerdeführerin abgeklärt. Eine objektive Grundlage für einen
psychogenen Tremor sei nicht vorhanden gewesen.
B.b.
Die Beschwerdeführerin hielt in der Replik vom 18. Mai 2018 (act. G 12) an den
Ausführungen in der Beschwerde fest. Sie reichte eine Stellungnahme von J._,
Psychologin FSP, vom 15. Januar 2018 betreffend eine neuropsychologische
Abklärung vom 16. August 2016 und einen Bericht von Dr. med. K._, Neurologie
FMH, vom 22. Dezember 2017 betreffend eine Abklärung des Tremors ein. Die
Beschwerdeführerin machte geltend, die Ergebnisse der neuropsychologischen
Testung hätten vom Gutachter zwingend in den Gesamtkontext gestellt und darauf
geprüft werden müssen, ob sie Ausdruck einer Persönlichkeitsstörung seien. Des
Weiteren zeige der Bericht von Dr. K._ klar, dass aufgrund eines stressbedingten
Tremors neurologisch von einer erheblich reduzierten Arbeitsfähigkeit auszugehen sei,
was sich natürlich auch auf die kognitiven Fähigkeiten auswirke.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1. Juni 2018 auf eine Duplik (act. G 14).B.d.
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Am 29. November 2018 reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht von Dr.
med. Dr. phil. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. November
2018 ein (act. G 16). Sie machte geltend, aufgrund der organischen Befunde sei klar,
dass das Gutachten von Prof. F._ und G._ gravierende Mängel aufweise. Dr. Dr.
L._ hatte ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe sich erstmals im September 2018
in seiner Behandlung vorgestellt. Seit dem 1. Oktober 2018 habe er eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert. Klinisch habe ein Verdacht auf eine organisch bedingte
psychische Störung bestanden. Zur weiteren differentialdiagnostischen Abklärung sei
im Y._ eine eingehende neurologische und neuropsychologische Untersuchung
erfolgt. Am 29. Oktober 2018 sei eine kernspintomographische Untersuchung des
Gehirns durchgeführt worden. Dieses bildgebende Verfahren habe eine generalisierte
Parenchymatrophie mit erweiterten Sulci betont rechts parietal und
volumenverminderte Gyri (krankheitsbedingter Schwund von Hirngewebe, diffuse
Atrophie betont im Bereich des Scheitelbeins) gezeigt. Das Foramen Magendii sei
deutlich erweitert gewesen. Ferner hätten sich multiple zerebelläre Zysten (Hohlräume
und Kammern im Kleinhirn) sowie eine Atrophie des Vermis cerebelli (sog.
Kleinhirnwurm) gezeigt. Am 9. November 2018 sei ergänzend eine Positronen-
Emissions-Tomographie/Computertomographie durchgeführt worden. Diese habe
ebenfalls einen pathologischen Befund mit einem stellenweise verminderten
Glukosemetabolismus bei einer asymmetrischen Erweiterung der Sulci (Hirnfunktion)
ergeben. Am 29. Oktober 2018 sei zudem eine neuropsychologische
Leistungsdiagnostik durchgeführt worden, mit der eine mittelgradige
neuropsychologische Störung mit vordergründigen Einschränkungen im attentionalen
Bereich habe nachgewiesen werden können. Ferner hätten sich bis mittelgradige
Minderleistungen der exekutiven Funktionen nachweisen lassen. Darüber hinaus hätten
sich im mnestischen Bereich eine bis mittelgradig verminderte
Wiedererkennungsleistung und im Bereich der Sprache eine stark verminderte
kategoriale Wortflüssigkeit gezeigt. Ausserdem hätten Beeinträchtigungen der
Affektivität und der Verhaltensregulation sowie des Antriebes und der
psychophysischen Belastbarkeit bestanden. In der Gesamtschau könne eine
neurodegenerative Grunderkrankung (am ehesten dementielle Entwicklung) nicht mit
Sicherheit ausgeschlossen werden. Insgesamt habe in den Untersuchungen ein seit
B.e.
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Erwägungen
1. Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 13. Juli 2017
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 0% verneint.
Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.
mindestens drei Jahren bestehender kognitiver Abbau mit psychiatrischen
Auffälligkeiten bei deutlicher Alltagsrelevanz herausgearbeitet werden können.
Am 9. Mai 2019 machte die Beschwerdeführerin unter Bezugnahme auf einen
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 9. Januar 2019 geltend (act. G 19),
Prof. F._ sei wirtschaftlich von der Beschwerdegegnerin abhängig. Angesichts der in
der Beschwerde vom 13. September 2017 und in der Replik vom 18. Mai 2018
vorgebrachten Mängel am Gutachten bestünden nicht bloss die für eine Entkräftung
eines RAD-Berichts erforderlichen geringen Zweifel, sondern vielmehr grosse Zweifel
an der Zuverlässigkeit der Expertise von Prof. F._.
B.f.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
2.2.
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3.
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu
Prof. F._ mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens inklusive einer
neuropsychologischen Untersuchung beauftragt. Im Gutachten vom 25. Juli 2016 /
17. August 2016 hat Prof. F._ angegeben, es bestehe eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte seit der Antragstellung und
anhaltend. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob dieses Gutachten die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt.
3.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352, E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
3.2.
Der psychiatrische Gutachter Prof. F._ und die neuropsychologische Expertin
G._ haben die Beschwerdeführerin persönlich untersucht und ihre subjektiven Klagen
aufgenommen. Sie haben die objektiven klinischen Befunde wiedergegeben,
umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt und diese gewürdigt. Gestützt auf ihre
Befunde haben sie die Diagnosen gestellt bzw. eine Beurteilung abgegeben. Prof. F._
hat seine von den behandelnden Ärzten abweichende Beurteilung begründet (vgl. auch
seine ergänzende Stellungnahme vom 16. Februar 2017). Insbesondere hat er
aufgezeigt, dass er in der Untersuchung keine Anzeichen für eine depressiv affektive
Symptomatik hat feststellen können und somit von einer Remission der depressiven
Symptomatik ausgegangen sei. Er hat notiert, dass eine erhebliche Diskrepanz
zwischen den objektiv zu erhebenden Psychopathologika und den subjektiven
3.3.
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Wahrnehmungen der Beschwerdeführerin bestanden habe. Die von der
Beschwerdeführerin beklagten neurokognitiven Symptome seien neuropsychologisch
nicht objektivierbar gewesen. G._ hat die Ergebnisse der neuropsychologischen
Untersuchungen als nicht valide eingeschätzt und angegeben, diese hätten auf eine
bewusstseinsnahe Selbstlimitierung bei angestrebtem Krankheitsgewinn hingewiesen.
Prof. F._ hat des Weiteren auf die erheblichen Ressourcen der Beschwerdeführerin
(überdurchschnittliche Intelligenz, gute Berufsausbildung, grosse Berufserfahrung)
hingewiesen und festgehalten, diese seien bei Weitem nicht ausgeschöpft worden. Er
hat erklärt, die Beschwerdeführerin habe sich infolge der narzisstischen
Persönlichkeitsakzentuierung in die Kranken- und Opferrolle begeben. Die Fähigkeiten
und persönlichen Ressourcen sollten es ihr jedoch ermöglichen, sich aus dieser Rolle
zu befreien und die subjektiv erlittene Kränkung zu überwinden. Gestützt darauf hat er
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert und zwar seit der Antragstellung und
auch anhaltend. Prof. F._ hat sich also mit den Standardindikatoren
auseinandergesetzt und sich insbesondere zu den Ressourcen der Beschwerdeführerin
und zur Konsistenz geäussert. Ob die Einwände der Beschwerdeführerin leichte Zweifel
an der Zuverlässigkeit der Expertise im Sinne der Erwägung 2.2 des Entscheids des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 9. Januar 2019 (IV 2018/181) wecken, kann
angesichts der nachfolgenden Erwägung offengelassen werden.
Die Beschwerdeführerin hat einen Bericht von Dr. Dr. L._ vom 22. November
2018 eingereicht. Aus diesem Bericht ist ersichtlich, dass bildgebende Untersuchungen
des Gehirns der Beschwerdeführerin vom 29. Oktober 2018 und 9. November 2018 im
Y._ einen pathologischen Befund ergeben haben. Zudem hat eine am 29. Oktober
2018 durchgeführte neuropsychologische Leistungsdiagnostik eine mittelgradige
neuropsychologische Störung ergeben. Dr. Dr. L._ hat angegeben, in der
Gesamtschau habe eine neurodegenerative Grunderkrankung (am ehesten eine
dementielle Entwicklung) nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden können.
Insgesamt habe in den Untersuchungen ein seit mindestens drei Jahren bestehender
kognitiver Abbau mit psychiatrischen Auffälligkeiten bei deutlicher Alltagsrelevanz
herausgearbeitet werden können. Dieser Bericht zeigt auf, dass der medizinische
Sachverhalt im Rahmen der Begutachtung nicht vollständig erhoben worden ist.
Abklärungen, ob die von der Beschwerdeführerin beklagten Symptome wie eine
erhöhte Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen und eine rasche Ermüdbarkeit eine
organische Ursache haben, sind nämlich nicht erfolgt. Möglicherweise liegen
pathologische Hirnveränderungen, die einen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten und
damit auch auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin haben, vor. Ob die von
G._ als nicht valide eingestuften Ergebnisse der neuropsychologischen
3.4.
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4.
Untersuchung ihre Ursache in einer bewusstseinsnahen Selbstlimitierung der
Beschwerdeführerin haben, ist angesichts dieser neuen Erkenntnisse fraglich. Damit
kann das Gutachten vom 25. Juli 2016 / 17. August 2016 keinen ausreichenden
Beweiswert haben. Die Beschwerdegegnerin hat damit den Untersuchungsgrundsatz
(Art. 43 Abs. 1 ATSG) verletzt. Die Angelegenheit ist deshalb zur weiteren Abklärung
des medizinischen Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es ist
der Beschwerdegegnerin überlassen, auf welche Weise sie den medizinischen
Sachverhalt abklärt. Nach der Auffassung des Bundesgerichts ist die Rückweisung an
die Beschwerdegegnerin in diesem Fall zulässig (vgl. BGE 137 V 264, E. 4.4.1.4,
wonach eine Sache zurückgewiesen werden kann, wenn sie allein in der notwendigen
Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts vom 15. November 2019, 8C_525/2019, E. 3.3).
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Praxisgemäss ist die Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles
Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (vgl. BGE 132 V 235, E. 6.1).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
4.1.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu betrachten ist. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS
963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat beantragt, in Anwendung von Art. 29 der Honorarordnung sei
zusätzlich zum Honorar die Mehrwertsteuer zu entschädigen. Er hat keine Honorarnote
eingereicht. In einem durchschnittlich aufwändigen IV-Rentenfall wie dem vorliegenden
spricht das Versicherungsgericht praxisgemäss eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- zu, mit der auch der Mehrwertsteueraufwand abgegolten ist. Die
4.2.
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