Decision ID: 4eda214b-6ec6-41ca-b728-7a51cc8c46e8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 198
6
,
war
zuletzt seit dem
1.
September 2016 in der Praxis
Z._
,
in Y._
, als Medizinische Praxisassistentin
(MPA)
angestellt
, ab dem
1.
Mai 2018 in einem Pensum von 100
%
(
Urk.
8/40
Ziff.
2.1-
3
), als
sie sich am 2
7.
Mai
2019
unter Hinweis auf
einen Sturz auf beide Hände am 2
0.
September 2018 und seither bestehende Schmerzen in beiden Händen respektive eine an der rechten Hand erlittene
Hamulus
-Fraktur und eine Depression
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug anmeldete (
Urk.
8
/
2
Ziff. 6.1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erw
erbliche Situation ab und holte
die Akten der
Krankentag
geldversicherung
(
Urk.
8/9
,
Urk.
8/26,
Urk.
8/31
)
sowie der Unfallversicherung (
Urk.
8/13) ein
. Nach
ergangenem
Vorbescheid
(
Urk.
8/43)
verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom
5.
Oktober 2020
einen Anspruch auf
Leistungen der Invali
denversicherung (Urk. 2).
2.
Mit
undatierter,
am
3.
November 2020
am Gericht eingegangener
Beschwerde gegen die Verfügung vom
5.
Oktober 2020 (
Urk.
2) beantragte
die Versicherte
sinngemäss, diese sei aufzuheben und es sei
en
ihr
Leistungen der Invalidenver
sicherung
zuzusprechen (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort
vom 2
7.
Januar 2021
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin am
3.
Februar 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6).
Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in
ihrem Ausmass bestimmt sein.
Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sour
cen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und
nachgewiesenermassen
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
cho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die
Beeinträchtigungen
nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Faktoren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen
. Solche von der soziokulturellen oder psy
chosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beein
flussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände
auf
-
zuzeigen
und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass gestützt auf das von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie
,
vom Dezember 2019 davon auszugehen sei, dass die psychischen Beschwerden ihre hinreichende Erklärung in den aus invalidenversicherungs
rechtlicher Sicht unbeachtlichen psychosozialen Belastungsfaktoren
fänden
, nament
lich der Mobbingerfahrungen am letzten Arbeitsplatz, der hohen Arbeits
belastung und dem angespannten Verhältnis
zum
Vorgesetzten sowie d
er zuletzt erhaltenen Kündigung
. Bis vor kurzem habe keine fachärztliche psychiatrische Behandlung stattgefunden. Im Gutachten sei
en
ein geregelter Tagesab
lauf, diverse soziale Kontakte und leicht
-
bis mittelgradige Einschränkungen beschrie
ben bei guter Prognose für das Erreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als
MPA
. Aufgrund der im September 2018 erlittenen Hand
verletzung oder weiterer körperlicher Beschwerden bestehe aus versicherungs
medizinischer Sicht keine bleibende Arbeitsunfähigkeit
. Damit könne die
Beschwer
deführerin weiterhin ihrer Arbeit al
s MPA
nachgehen. Es liege keine gesundheitliche Einschränkung vor, die einen Anspruch auf Leistungen der Inva
lidenversicherung begründen würde
(S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass sie nach wie vor unter diversen Beschwerden leide, die s
ie
in ihrer Lebens
qualität mittel und teilweise stark einschränkten. So habe sie zum Beispiel seit dem 2
0.
September 2020 ihre Wohnung nicht mehr feucht gewischt
,
denn
sobald sie mit dem Staubsauger fertig sei (kleine 2-Zimmer-Wohnung)
,
könnten ihre Hände und ihre Schulter nicht mehr und sie müsse eine längere Pause machen und
manchmal sogar
Schmerzmittel nehmen.
Sie sei nach wie vor in ihrer Depres
sion und ihrem Leben voller Schmerzen gefangen. Sie leide jeden Tag an bren
nenden Händen, sodann an tauben Fingerkuppen und Krämpfen in den Händen.
Zudem sei sie im Bett mit einem Hexenschuss erwacht, weshalb sie nun seit
Anfang 2019 auf dem Sofa schlafe. Weiter leide sie an Magen-Darm-Beschwerden und an Kopfschmerzen bis hin zur Migräne.
Auch aufgrund ihre
r
finanziellen Sorgen komme sie nicht zur Ruhe. Sie ertrage seit ihrem Nerven
zusammenbruch keinen Stress mehr und könne ihren Beruf nicht mehr ausüben. Nach all den schlimmen Arbeitsstellen sei die letzte unsagbar schlimm gewesen. Vor Corona habe sie im Wissen aus ihrer Praxiserfahrung, besonders aus der Schmerz
medizin, alles getan, um schnellst möglich gesund zu werden. Auch sei sie der Aufforderung der Krankentaggeldversicherung nachgekommen
,
eine Therapie zu absolvieren. Anstatt Hilfe habe sie eine unfreundliche Psychologin bekommen, die ein Trauma ausgelöst habe.
Die
psychische Belastbarkeit für ihren verantwortungsvollen Beruf
als MPA sei
nicht gegeben
,
und ein Fehler würde im schlimmsten Fall ein Leben kosten (S. 1 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Leistungen der Invalidenversicherung
.
3.
3.1
Die
relevante
Aktenlage präsentiert sich wie folgt:
3.
2
Dr.
A._
erstattete am 2
7.
Dezember 2019 zu
Handen
der Krankentaggeldver
sicherung
ein
psychiatrische
s
Gutachten (
Urk.
8/
31/
4-57)
.
Er stellte folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 4
2
Ziff.
5.1):
-
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Differentialdiagnose (
DD
)
undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1)
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von para
noid und ängstlich-vermeidenden (= selbstunsicheren) akzentuierten Persönlich
keitszügen
(ICD-10 Z73.1)
und psychische und Verhaltensstörungen durch psy
chotrope Substanzen im Sinne von psychischen und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.24; S. 43
Ziff.
5.2).
Dr.
A._
führte aus, dass die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigke
it als MPA
bis zum 1
5.
Februar 2020 zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Ab dem 1
6.
Februar 2020 sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, die im weiteren Verlauf alle vier Wochen um 20
%
gesteigert werden könne (S. 51
Ziff.
6.5.4
, S. 53
Ziff.
2
). In einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit, das heisse mit der Möglichkeit, sich zurückzuziehen, ohne hohen Kundenkontakt sowie ohne Tätigkeiten, die ein hohes Mass an Dauerkonzentration und Dauer
aufmerksamkeit erforderten, wäre die Beschwerdeführerin medizinisch-theo
retisch ab sofort zu 50
%
arbeitsfähig (S. 51
Ziff.
6.5.5
, S. 53
Ziff.
3
). Das aktuell
ermit
telte Belastbarkeitsprofil gelte seit dem Erkrankungsbeginn (S. 51
Ziff.
6.5.6). Aus psychiatrischer Sicht werde dringend eine psychiatrisch-psycho
therapeutische Behandlung empfohlen (S. 52
Ziff.
6.5.7).
Die Versicherte befinde sich in keiner psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung (S.
53
Ziff.
4).
3.
3
Die Fachpersonen der
Klinik B._
nannten in ihrem Eintrittsbericht vom
2
9.
Januar 2020 (
Urk.
8/48
) als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1). Die Fachpersonen führten aus,
die Patientin sei
am 2
8.
Januar 2020 erstmals
untersucht
worden, nachdem sie
von ihrer Hausärztin
aufgrund einer seit Februar 2019 bestehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit wegen einer
Überforderungs- und Konfliktsituation am Arbeitsplatz
überwiesen worden sei
(S.
1 Mitte).
Die gegenwärtig geschilderten Symptome würden im Rahmen einer mittelgradigen depressiven Episode beurteilt. Eine psychotherapeutische Behand
lung werde empfohlen
, und w
eitere diagnostische Abklärungen sollten folgen (S.
2 unten).
3.
4
Die Psychologin
C._
stellte in ihrem Bericht vom
3
0.
März 2020
(
Urk.
8/51) folgende Diagnosen (S. 2):
-
depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.0)
-
ängstliche Reaktionen auf schwere Belastung/Bedrohung (emotionale Bedro
hungssituation nach vorangehender starker Belastung am Arbeits
platz; ICD-10 F43.8)
-
subklinisch: posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Arbeitslosigkeit aufgrund plötzlicher Kündigung
Die Psychologin
C._
führte aus, dass sich die Beschwerdeführerin für eine psychotherapeutische Therapie aufgrund der Empfehlung des Vertrauens
arztes der Krankentaggeldversicherung und um wieder gesund zu werden gemeldet habe
. Für die Krankheitsanamnese seien kritische Lebensereignisse mit starker Bedrohung (Persönlichkeitsintegrität auf physischer, emotionaler und kog
nitiver Ebene) und somit auch traumatisierender Wirkung ausschlaggebend. Die sich daraus entwickelten Ängste würden aktuell zusätzlich durch die Bedro
hungssituation durch den
Coronavirus
enorm verstärkt. Die Beschwerdeführerin
komme aufgrund tiefer Ängste auch nicht mehr aus der eigenen Wohnung
(S. 1
Mitte
).
Die Psychologin
C._
führte aus, dass aufgrund
des psycho
pathologischen Befundes so
wie des aktuellen Störungsbildes
die Kriterien der aufgeführten Diagnosen erfüllt
seien
(S. 2 oben). Eine Psychotherapie sei indi
ziert. Die Beschwerdeführerin sollte sich ohne Zeitdruck genug Zeit für die Bewältigung des aktuellen Krankheitsbildes nehmen können.
Es sei weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit gegeben, was in
ihrer
Lebenssituation
auch
sinnvoll sei
. Bei einer Durchführung der nötigen Therapien ohne Druck bestehe unter Berücksichtigung des Ressourcen- und Kompetenzprofils der Beschwerdeführerin sowie ihrer Bereitschaft
,
sich auf die Psychotherapiearbeit einzulassen und einer sehr hohen Compliance eine sehr gute Prognose (S. 2 Mitte).
3.5
Dr.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
stellte in ihrem Bericht vom 2
6.
April 2020 (
Urk.
8/37/7-13) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
Anpassungsstörung mit depressive
r
Reaktion (ICD-10 F43.2), somato
forme autonome Funktionsstörung, Oktober 2019
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.4), bestehend seit Dez
ember 2019 (Gutachten
Dr.
A._
)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
D._
eine Tabakabhängigkeit, bestehend seit dem Jahr 2017 (
Ziff.
2.6).
Dr.
D._
führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1
3.
Juni 2017 bei ihr in Behand
lung sei, und die letzte Kontrolle am
5.
März 2020 erfolgt sei. Die Patientin sei einmal im Monat bei ihr in Behandlung (
Ziff.
1.1-2). In der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als MPA habe vom 2
2.
November bis
2.
Dezember 2018 eine Arbeits
unfähigkeit von 40
%
, vom
3.
Dezember 2018 bis
4.
Februar 2019 eine von 50
%
, vom
5.
Februar bis 2
4.
Mai 2019 eine von 100
%
, vom 2
5.
Mai bis 3
1.
August 2019 eine von 80
%
und ab dem
1.
September 2019 bis dato eine Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
bestanden (
Ziff.
1.3).
In der bisherigen Tätigkeit leide die Beschwerdeführerin
bei längeren repetitiven manuellen Arbeiten
an Schmerzen in den Händen. Sie habe Schwierigkeiten, impulsive oder aggressive Verhaltens
weisen v
on Weisungsbefugten auszuhalten
. Wenn die Grenze überschritten worden sei, dann folgten somatische (Zittern, Unwohlsein, Verdauungsbe
schwer
den) und psychische Störungen (Konzentrationsstörung, Unmöglichkeit
,
Ent
schei
dungen zu treffen, zu planen, Dysphorie etc.;
Ziff.
3.4).
Dr.
D._
führte aus, dass
die Beschwerdeführerin
erstmals am 2
0.
Novem
ber 2018 über neu auf
getretene
Spannungen am Arbeitsplatz berichtet
habe
. Am
3.
Dezember 2018 habe
sie
eine Situation vom 2
9.
November 2018 mit einer falschen Beschuldigung durch den Vorgesetzten
geschildert
. Die Beschwerde
führerin habe psychisch und körperlich reagiert
,
und es sei vom
3.
bis 1
4.
Dezember 2018 eine Arbeitsunfähigkeit attestiert und eine Psychotherapie empfohlen worden. Am 1
5.
Januar 2019 habe die Beschwerdeführerin über belas
tungsabhängige Handschmerzen und fehlende Kontrolle ihrer Hände berichtet. Ab dem
5.
Februar 2019
habe
sich das Verhältnis zum Vorgese
tzten weiter
verschlechtert
,
so dass sie mit Angstgefühlen, Durchfall und Kopfschmer
zen zur Arbeit gegangen sei und dort auch wiederholt in Tränen ausgebrochen sei. Deshalb sei parallel zur unfall- eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom
5.
Februar bis 3
1.
März 2019 festgelegt worden. In dieser Zeit habe
sie eine Psychotherapie besucht, die sie als hilfreich empfunden, in der Folge aber nicht weitergeführt habe
(
Ziff.
2.1).
Dr.
D._
führte zur aktuellen medizinischen Symptomatik aus, dass die
Beschwer
deführerin weiterhin über mangelnden Antrieb berichte. Sie habe manch
mal Phasen mit etwas mehr Motivation, aber kleine Enttäuschungen liessen sie wieder zurückfallen. Sie vernachlässige ihren Haushalt und könne sich nicht um Bewerbungen kümmern (
Ziff.
2.2). Hinsichtlich der objektiven Befunde auf Basis ihrer Untersuchung führte
Dr.
D._
aus, dass die Befunde von der Be
schwerdeführerin berichtet würden. Die psychische Verfassung sei auf
grund der Beschreibung nachvollziehbar
(
Ziff.
2.4).
3.
6
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
)
, führte in seiner Stellungnahme vom 1
1.
Juli 2020 (
Urk.
8/42/5-7
) aus, dass aus somatischer Sicht in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als MPA keine Einschränkungen bestünden. Psychiatrisch bestünden in Anlehnung an
den Mini-ICF-APP
mittelgradige Störungen der Aktivität und Partizipation im Bereich Flexibilität und Umstel
lungs
fä
higkeit sowie der Fähigkeit
zur Anwendung fachlic
her Kompetenzen und der Durchhaltefähigkeit. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähig
keit seien leicht beeinträchtigt. Psychiatrisch sei
eine Tätigkeit
erforderlich,
in der
die Möglichkeit bestehe, sich zurückzuziehen, ohne hohen Kundenkontakt und ohne hohes Mass an Dauerkonzentration und Daueraufmerksamkeit. Hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit könne auf die Angaben der Hausärztin und auf
Dr.
A._
abgestellt werden.
Durch eine ress
ourcenorientierte psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung der soma
toformen Störung mit kognitiv-
behavioralen
Verfahren und kombiniert mit ver
haltenstherapeutisch-psychodynamischen Ansätzen sei innert sechs bis zwölf Monaten medizintheoretisch eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100
%
in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit zu erwarten.
3
.
7
Dr.
D._
stellte in ihrem Bericht vom 2
2.
September 2020 (
Urk.
8/52
) folgende Diagnosen:
-
depressive Episode (ICD-10 F33.0)
-
Anpassungsstörung bei wiederholten Arbeitsplatzkonflikten (ICD-10 F43)
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung, Bild des
Ausgebranntseins
(ICD-10 Z73)
Dr.
D._
führte aus, dass seit einem Treppensturz
mit erlittener
Hamulus
fraktur
rechts eine ungl
ückliche Verkettung von eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und vermehrter Missstimmung zwischen der Patientin und ih
rem Vorgesetzten abgelaufen sei. Dadurch sei
sie zunehmend in eine Depre
ssion geglitten, und s
chlussendlich sei die Kündi
gung erfolgt. Im Juni 2020 habe
sich
die Beschwer
deführerin
nochmals mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber treffen müssen,
wobei
sich die Symptome Durchfall, Zittern, Bauchschmerzen, Schlafstörungen und die damit verbundene Erschöpfung, sowie die Schweissausbrüche verstärkt
hätten
. Auch habe sie wegen Kopfschmerzen, Brennen/Stechen der Hände und der Muskel
verspannungen mehr Schmerzmittel und
Muskelrelaxantien
einnehmen müssen.
Die Psychotherapie bei Frau
C._
habe
wegen der Corona-Pandemie-Situation unterbrochen werden müsse
n
. Die Patientin habe aber auch gemerkt, dass sie bezüglich des therapeutischen Vorgehens divergierende Ansichten habe und deshalb
die Therapeutin wechseln müsse
. Zum jetzigen Zeitpunkt sei sie nicht in der Lage, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegneri
n ging nach eigens vorgenommener Ressourcenprüfung
(vgl.
Urk.
8/42/7)
in Abweichung vom psychiatrischen Gutachten von
Dr.
A._
vom
2
7.
Dezember 2019
(vorstehend E. 3.
2
)
davon aus, dass aus psychi
scher Sicht kein die
Arbeitsfähigkeit
beeinflussender Gesundheitsschaden vorliege. Auch auf
grund der im September 2018 erlittenen Handverletzung oder weiterer körper
licher Beschwerden bestehe aus versicherungsmedizinischer Sicht keine bleibende Arbeitsunfähigkeit
(vorstehend E. 2.1). Dagegen machte die Beschwerdeführerin geltend,
dass sie
sowohl aus psychi
scher
als auch a
u
s somatischer Sicht einge
schränkt sei (vorstehend E. 2.2).
Da sich die Beschwerdeführerin per 2
7.
Mai 2019 zu
m Leistungsbezug
bei der Invalidenversicherung
angemeldet hat (
Urk.
8/2) und eine Arbeitsunfähigkeit ab November 2018 attestiert worden ist (
Urk.
8/1/1,
Urk.
8/37/7-13
Ziff.
1.3),
erweist sich der Zeitraum ab November 2019 für rentenanspruchsrelevant
(
Art.
28
Abs.
1 IVG
,
Art.
29
Abs.
1 IVG;
vorstehend E. 1.
5
).
4.
2
Was die von der Beschwerdeführerin vorgetragenen somatischen Beschwerden anbelangt, namentlich da
s Brennen und A
nschwellen der Hände sowie
die
teils
tauben Fingerkuppen
,
ist darauf hinzuweisen, dass die umfassenden
bildge
benden
(
Urk.
8/13
/75,
Urk.
8/13/125
,
Urk.
8/13/132
,
Urk.
8/113/137-138
S. 2
)
und auch neurologischen (
Urk.
8/13/130-131)
Abklärungen das von ihr geltend gemachte Beschwerdebild nicht zu objektivieren vermochten.
Der behandelnde Handchirurg PD
Dr.
F._
ging
bereits in seinem Bericht vom
2
9.
November 2018
von einer vollen Belastbarkeit der Hände aus
(
Urk.
8/13/123-124
S. 2
)
,
und sämtliche danach
getätigten Abklärungen
vermochten
diese
n Standpunkt nicht in Frage zu s
tellen
(vgl.
Urk.
8/13/66-68,
Urk.
8/13/71-72,
Urk.
8/13/77-78 S. 2,
Urk.
8/13/91-92
,
Urk.
8/13/114-115)
.
In der Folge kam d
er beratende Arzt der Unfallversicherung,
Dr.
G._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
nach eingehender Würdigung der Aktenlage
in seiner versicherungsmedizinischen Stellungnahme vom 2
7.
Juni 2019
zum Schluss, dass
de
r
Status quo sine spätes
tens per Ende Mai 2019 erreicht
gewesen
sei
(
Urk.
8/13/57-61 S. 5). Ab
dem
1
2.
März 2019 wurde hinsichtlich der Unfallfolgen wieder eine volle Arbeits
fähigkeit angenommen
(
Urk.
8/13/57-61 S. 4 unten f.)
.
Die
Unfallversicherung
stellte daher
mit Verfügung vom
9.
Juli 2019 die Taggeldleistungen
per 1
2.
März
2019 und die restlichen Versicherungsleistungen ab
1.
Juni 2019 ein (
Urk.
8/13/2-4).
Nachträgliche fachärztliche Berichte, aus welchen sich im renten
relevanten Zeitraum ab November 2019 dennoch erklärbare Einschrän
kungen der Beschwerdeführerin beim Gebrauch der Hände ergeben w
ürden, liegen keine vor.
Was
die weiteren
gemäss den Angaben der
Beschwerdeführerin
bestehenden somatischen Beschwerden a
nbelangt, namentlich den
erlittenen Hexenschuss
, die Schulterbeschwerden, die Migräneproblematik und die Magen-Darm-Beschwer
den
(vorstehend E. 2.2)
, liegen diesbezüglich keine fachärztlichen Berichte betref
fend allfällige getätigte Abklärungen vor, und es
wurde deswegen auch keine
Arbeitsunfähigkeit attestiert,
was den von der Beschwerdeführerin geltend gemach
ten Leidensdruck erheblich relativiert.
Zusammenfassend liegen demnach aus somatischer Sicht
, wie RAD-Arzt
Dr.
E._
in seiner Stellungnahme vom
1
1.
Juli 2020
(vorstehend E. 3.6) festhielt,
keine die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Befunde vor.
4.3
Was einen allfälligen psychischen Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin anbelangt ist darauf hinzuweisen, dass es
rechtsprechungsgemäss keinesfalls allein in der Zuständigkeit der mit dem konkreten Einzelfall (gutachterlich) befassten Arztpersonen
liegt
, selbst abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch fest
gestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt (BGE 140 V 193 E. 3.1). Vielmehr kann aus rechtlicher Sicht von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähig
keit abgewichen werden, ohne dass sie ihren Beweiswert verlöre. Dies stellt eine Folge des juristischen Charakters der sozialversicherungsrechtlichen Begriffe von Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit sowie Invalidität dar (Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 3.2 mit Hinweisen).
4.
4
In fachärztlicher Hinsicht liegt das Gutachten
von
Dr.
A._
vom
2
7.
Dezember 2019
(vorstehend E. 3.
2
)
vor.
Dr.
A._
diagnostizierte eine Anpassungs
s
törung, Angst und depressive Reaktion, gemischt (ICD-10 F43.22)
,
sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.1), DD undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1)
,
und leitete daraus in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als
MPA
bis zum 1
5.
Februar 2020 eine 100%ige und ab dem 1
6.
Februar 2020 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab, welche im Verlauf alle vier Wochen um 20
%
gesteigert werden könne. In einer ange
passten Tätigkeit erachtet
e
er die Beschwerdeführerin ab sofort
als
zu 50
%
arbeitsfähig.
4.5
Auf die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin
durch
Dr.
A._
kann vorliegend
jedoch
aus den nachfolgend dargelegten Gründen
nicht
abgestellt werden
.
So gilt zu
berücksichtigen, dass eine
fachärztlich ein
wand
frei festgestellte psychische Krankheit
nicht
ohne Weiteres gleichbedeutend mit d
em Vorliegen einer
Arbeitsunfähigkeit
ist.
In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Aus
mass bestimmt sein
(vorstehend E. 1.2).
Insbesondere was den zu überprüfenden funktionellen Schweregrad
der psychi
schen Beeinträchtigung
betrifft
(vgl. vorstehend E. 1.3)
, wiesen die von
Dr.
A._
erhobenen objektiven Befunde
-
die konkrete Erscheinungsform der von ihm diagnostizierten Gesundheitsschädigung
-
keine genügende Schwere respektive ein Ausmass des Krankheitsgeschehens
aus
, welche die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit zu rechtfertigen vermöchte
n
.
Zum
psychiatrischen Befund
wurde
von
Dr.
A._
unter anderem
ausgeführt, dass die
Beschwerdeführerin
während der Exploration nicht schmerzgequält gewirkt habe. Die Kontaktaufnahme sei insgesamt unkompliziert gewesen. Sie habe wäh
rend der gesamten Untersuchungszeit aufmerksam das Gespräch verfolgt, die Konzentrationsspanne sei fokussiert und aufrechterhalten geblieben
,
und die Beschwerdeführerin sei freundlich und kooperationsbereit dem Gutachter zuge
wandt gewesen. Der gute affektive Report sei problemlos zustande gekommen (
Urk.
8/31/4-57 S. 39 oben).
Weiter habe
sie
während der Exploration ohne Ver
zögerung klare und präzise Antworten au
f die gestellten Fragen gegeben
,
und
im Gespräch
hätten sich
keine Hinweise auf relevante kognitive Schwierigkeiten gefunden
. E
s hätten sich im
Rahmen der Untersuchung keine Beeinträchtigung der Bewusstseinsklarheit und Bewusstseinshelligkeit gezeigt (
Urk.
8/31/4-57 S. 39 Mitte). Auch die Aufmerksamkeit habe für die Dauer des Gespräches durchgehend aufrechterhalten werden können
,
und die Konzentration sei durchgehend unge
stört gewesen. Es hätten sich keine Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und keine Merkfähigkeitsstörungen ge
funden
und das Langzeitgedächtnis habe sich als klinisch unauffällig gezeigt. Der formale Gedankengang sei in Kohärenz und
Stringenz sowie im Tempo ungestört (
Urk.
8/31/4-57 S. 39 unten). Weiter seien keine krankheitswertigen, inhaltlichen Denkstörungen feststellbar gewesen (
Urk.
8/31/4-57 S. 40 oben). Die Stimmung sei phasenweise gedrückt gewesen, ohne durchgehende Depressivität. Die affektive Modulationsfähigkeit sei leicht vermindert gewesen, und die Beschwerdeführerin verfüge über ein leicht redu
ziertes Gesamtspektrum der Emotionen und über keine Störung der Vitalgefühle. Der Antrieb und die Psychomotorik sei
en unauffällig gewesen (
Urk.
8/31/4-57 S.
40 unten).
Soweit
Dr.
A._
dann aufgrund des
ergänzen
d durchgeführten Mini-ICF-APP
nun
mittelgradige Störungen der Aktivität und Partizipation im Bereich der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit und in der Fähi
gk
eit zur Anwendung fach
licher Kompetenzen und der Durchhaltefähigkeit ableitete
,
genügt
dies in Anbe
tracht der ge
ringen Ausprägung der objektiven
Befundlage nicht
,
um damit die
von
ihm
attestierte Arbeitsunfähigkeit zu rechtfertigen.
Nach der Rechtspre
chung ist dem testmässigen Erfassen der Psychopathologie im Rahmen der psy
chi
at
rischen Exploration generell nur eine ergänzende Funktion beizumessen. Ausschlaggebend bleibt die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptom
erfassung und Verhaltensbeobachtung (
Urteil
des Bundesgerichts
9C_344/2013 vom 16. Oktober 2013 E. 3.1.5
).
Weiter zu beachten ist, dass i
m Rahmen der zu prüfenden Ausprägung der diag
noserelevanten Befunde
Funktionseinschränkungen, die auf eine Gesundheits
schädigung zurückzuführen sind,
klar
von denjenigen abgegrenzt werden, die nicht auf einen Gesundheitsschaden zurückzuführen sind
(psychosoziale Belas
tungsfaktoren
, vorstehend E. 1.4
).
Vorliegend prägen
auch psychosoziale Belas
tungsfaktoren, so die Mobbingerfahrungen am letzten Arbeitsplatz
,
die hohe Arbeitsbelastung
und
das
in den Akten dokumentierte
angespannte Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten mit zuletzt
als
ungerechtfertigt
empfundener
Kündigung (
vgl.
Urk.
8/46-47
) das Beschwerdebild
massgeblich
mit
(
vgl.
Urk.
8/31/4-57
S. 25 ff.
Ziff.
3.2).
Auch lässt sich keine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen bei der Beschwerdeführerin entnehmen. So schil
dert
e
sie einen aktiven Tagesablauf, bei welchem sie sich in den Morgen
stunden vor allem religiösen Aktivitäten widme
t
und nach dem Kirchenbesuch und der Messe auch mit den Frauen von der Kirche Kaffee trinken oder ihre Mutter besuchen geh
t
. Am Nachmittag geh
t
sie
gemäss ihren
eigenen
Angaben
viel
im
Wald spazieren und mach
t
ihren Haushalt. Am Abend esse sie gemeinsam mit ihren Eltern (
Urk.
8/31/4-57 S. 37
Ziff.
3.2.8).
Auch ein behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck muss vorliegend verneint werden.
So wurden
empfohlene
Therapieange
bote von der Beschwerdeführe
rin nur ungenügend wahrgenommen.
Zum
Zeit
punkt der Begutachtung bei
Dr.
A._
befand sie sich in keiner psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
(
Urk.
8/31/4-57 S.
38
Ziff.
3.2.9).
Wie aus den Berichten von
Dr.
D._
vom 2
6.
April 2020 und vom 2
2.
September 2020 (vorstehend E. 3.5 und E. 3.7) hervorgeht, wurde in der Folge weder bei den Fachpersonen der
Klinik B._
(vorstehend E. 3.3) noch bei der Psychologin
C._
(vorstehend E. 3.4) konsequent eine Therapie d
urchgeführt,
welches als Indiz für einen nicht erheblichen Leidensdruck
zu
werte
n
ist
(vgl.
BGE 141 V 281 E. 4.4.2
).
Zusammenfassend erweist sich die von
Dr.
A._
festgestellte Arbeitsunfähigkeit bei weitgehend unau
ffälliger objektiver Befundlage,
gleichzeitig vorliegender psy
chosozialer Belastungssituation und daneben unauffälligem Tagesablauf mit ver
schiedenen Aktivitäten und normalen sozialen Interaktionen sowie nicht wahrgenommenen Therapieoptionen als nicht nachvollziehbar, weshalb nich
t darauf abgestellt werden kann und eine aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht relevante Arbeitsunfähigkeit nicht überwiegend wahrscheinlich erscheint.
4.
6
An diesen Schlussfolgerungen
ändern auch die Ausführungen der behandelnden
Hausärztin
Dr.
D:_
_
vom
2
6.
April und vom 2
2.
September 2020
(vorste
hend E. 3.
5 und E. 3.7
)
nichts
.
So hat das Gericht einerseit
s
hinsichtlich ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
zu beachten, dass
es
in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen hat, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten au
ssagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc), andererseits erschöpften sich die
Ausführungen
von
Dr.
D._
wenig hinterfragend in der subjektiven Beschwerdeschilderu
ng
der
Beschwerdeführerin, was
Dr.
D._
auch selbst einräumte
.
Die
attes
tierte Arbeitsunfähigkeit erfolgte
da
nn
im Wesentlichen aufgrund der von der Beschwerdeführerin geschilderten Konfliktsituation mit ihrem Vorgesetzten (vor
stehend E. 3.5). Dabei handelt es sich
aber
, wie bereits ausgeführt
(vorstehend E.
1.4 und
4.
5
)
, um aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht unbeachtliche Gesichts
punkte.
4.
7
Aufgrund des Gesagten
ist der Beschwerdegegnerin folgend davon auszugehen, dass
bei der Beschwerdeführerin
keine die Arbeitsfähigkeit dauerhaft beeinträch
tigenden Gesundheitsschäden vorliegen.
Damit ist eine Invalidität zu verneinen und ein Einkommensvergleich erübrigt sich.
Die angefochtene
Verfügung (
Urk.
2)
erweist sich daher als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerde
führerin aufzuerlegen.