Decision ID: 79327438-11eb-4aaf-b870-cf1381b1af18
Year: 2022
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_001
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: civil_law

Sachverhalt
A. Am 28. April 2021 reichte A._ in ihrem Namen und demjenigen von B._ beim Zivilgericht des Seebezirks eine Klage gegen die C._ (nachstehend: die STWEG) ein,  am 11. Januar 2021 die Klagebewilligung erteilt worden war (act. 1 f.).
Die STWEG schloss mit Klageantwort vom 22. November 2021 auf Abweisung der Klage, soweit darauf einzutreten sei, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. 15 f.).
Die Hauptverhandlung fand am 18. März 2022 statt. Die Parteien reichten weitere Unterlagen ein (act. 18).
B. Mit Entscheid vom 28. März 2022 wies der Präsident des Zivilgerichts des Seebezirks die Klage ab, soweit darauf eingetreten werden konnte. Die Prozesskosten wurden A._ und B._ solidarisch auferlegt.
C. Gegen diesen Entscheid erhob A._ in ihrem Namen und demjenigen von B._ am 28. Mai 2022 Beschwerde. Sie beantragt, dass der Beitrag an den Renovationsfonds  und zukünftige Entscheide der STWEG über die Höhe des Beitrages aufgrund dieses  dem Einstimmigkeitsprinzip zu unterstellen seien. Alle Reparaturarbeiten seien dem  zu entnehmen bis die festgelegte Grenze von 2% des Gebäudewertes wieder erreicht sei. Sie seien von allen Unterhalts- und Neuanschaffungskosten betreffend die defekte Schliesskette zu befreien. Es sei richterlich zur Liegenschaftsverwaltung Stellung zu nehmen. Schliesslich sei die Vollstreckung der Parteikostenentschädigung gemäss Art. 319 ff. ZPO bis zum definitiven  Urteil aufzuschieben.
Die STWEG schloss mit Beschwerdeantwort vom 13. September 2022 auf Nichteintreten, eventuell sei die Beschwerde abzuweisen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien solidarisch den Beschwerdeführern aufzuerlegen. Die Beschwerdeführer seien solidarisch zu verurteilen, der Beschwerdegegnerin einer Parteientschädigung für ihre Aufwendungen in diesem  zu entrichten.
Mit Schreiben vom 21. September 2022 stellte die Instruktionsrichterin fest, dass die Beschwerde nur von A._ unterzeichnet wurde und die Vollmacht vom 28. Oktober 2020 von B._ nicht sämtliche Beschwerdeanträge erfasst. A._ wurde Frist zur Behebung des Mangels gesetzt.
Am 5. Oktober 2022 teilte A._ mit, dass die Ehe zwischen ihr und B._ per 7. Juli 2022 rechtskräftig geschieden und sie Alleineigentümerin des fraglichen Grundstücks geworden sei.
Die STWEG nahm dazu am 12. Oktober 2022 spontan Stellung und beantragte erneut, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten sei.
B._ nahm am 28. Oktober 2022 Stellung und erklärte, dass er keine Einwände dagegen habe, dass A._ die Beschwerde weiterführe.
Kantonsgericht KG Seite 3 von 8

Erwägungen
1.
1.1.
1.1.1. Mit Beschwerde anfechtbar sind insbesondere erstinstanzliche Endentscheide in  Angelegenheiten, wenn der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen  nicht mindestens CHF 10'000.- beträgt (Art. 319 Bst. a i.V.m. Art. 308 Abs. 1 Bst. a und Abs. 2 ZPO). Der Streitwert wird durch die Rechtsbegehren bestimmt. Lautet das Rechtsbegehren nicht auf eine bestimmte Geldsumme, so setzt das Gericht den Streitwert fest, sofern sich die Parteien darüber nicht einigen oder ihre Angaben offensichtlich unrichtig sind (Art. 91 ZPO). Die  ist nicht an eine allfällige Streitwertberechnung der ersten Instanz gebunden (REETZ/ THEILER, in Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, Art. 308 N. 39).
Die Anfechtung von Beschlüssen der Stockwerkeigentümerversammlung ist grundsätzlich eine vermögensrechtliche Angelegenheit, wobei streitwertbestimmend in der Regel das Interesse der beklagten Stockwerkeigentümergemeinschaft als Gesamtes und nicht dasjenige der  als klagende Stockwerkeigentümer ist (BGE 140 III 571 E. 1.1 m.H.).
1.1.2. Vorliegend ist die Feststellung der Vorinstanz unbestritten, dass der Streitwert CHF 10'000.- nicht erreicht. Dies ist jedoch offensichtlich unrichtig. Die STWEG hat am 12. August 2020 eine Einlage in den Erneuerungsfonds von CHF 5'000.- sowie den Ersatz des Frequenzumrichters für CHF 6'890.75 beschlossen (act. 2 und 16/2). Im vorinstanzlichen Verfahren wurde hingegen , dass der Beitrag an den Renovationsfonds gänzlich auszusetzen und alle Reparaturarbeiten, inkl. Ersatz des Frequenzumrichters, aus dem Renovationsfonds zu bezahlen seien, bis die  Grenze von 2% des Gebäudewertes wieder erreicht sei, wobei dieser Wert nicht beziffert wurde. Weiter wurde um Befreiung von allen Unterhalts- und Neuanschaffungskosten betreffend die defekte Schliesskette ersucht, wobei diese Kosten derzeit noch nicht feststehen. Der Streitwert beträgt somit offensichtlich mehr als CHF 10'000.-, womit die Beschwerde nicht zulässig ist.
1.1.3. Es ist damit zu prüfen, ob die Beschwerde als Berufung entgegenzunehmen ist.
Aus dem Prinzip von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV) leitet die Rechtsprechung ein Recht auf Vertrauensschutz ab. Daraus ergibt sich, dass den Parteien aus einer unrichtigen  grundsätzlich keine Nachteile erwachsen dürfen. Den erwähnten Schutz kann eine Prozesspartei nur dann beanspruchen, wenn sie sich nach Treu und Glauben auf die fehlerhafte Rechtsmittelbelehrung verlassen durfte. Dies trifft auf die Partei nicht zu, welche die Unrichtigkeit erkannte oder bei gebührender Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen. Allerdings vermag nur eine grobe prozessuale Unsorgfalt der betroffenen Partei oder ihres Anwalts eine unrichtige  aufzuwiegen. Wann der Prozesspartei, die sich auf eine unrichtige Rechtsmittelbelehrung verlassen hat, eine als grob zu wertende Unsorgfalt vorzuwerfen ist, beurteilt sich nach den  Umständen und nach ihren Rechtskenntnissen. Ist sie rechtsunkundig und auch nicht  vertreten, darf sie nicht der anwaltlich vertretenen Partei gleichgestellt werden, es sei denn, sie verfüge namentlich aus früheren Verfahren über einschlägige Erfahrungen. Eine Überprüfung der in der Rechtsmittelbelehrung enthaltenen Angaben kann von einer Prozesspartei im Übrigen nur dann verlangt werden, wenn diese über die Kenntnisse verfügt, die es ihr überhaupt ermöglichen,
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die massgebende Gesetzesbestimmung ausfindig zu machen und gegebenenfalls auszulegen (u.a. BGE 135 III 374 E. 1.2.2.1 f.; 138 I 49 E. 8.3.2; je m.H.).
Vorliegend haben sich die Rechtsmittelführer bzw. die Rechtsmittelführerin an die unrichtige  der Vorinstanz gehalten. Soweit ersichtlich, handelt es sich bei ihr um eine  Laiin, welche die Unrichtigkeit weder erkannte noch hätte erkennen müssen. Die Beschwerde ist somit als Berufung entgegen zu nehmen. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist damit als gegenstandslos abzuschreiben (vgl. Art. 315 Abs. 1 und 4 ZPO). Das Kantonsgericht ist im Übrigen nicht zuständig, um einen Entscheid betreffend die aufschiebende Wirkung in einem allfälligen bundesgerichtlichen Verfahren zu treffen (vgl. Art. 103 Abs. 3 BGG).
1.1.4. Hingegen ist fraglich, ob die Streitwertgrenze von CHF 30'000.- für eine Beschwerde in  beim Bundesgericht (Art. 51 und 74 BGG) erreicht ist.