Decision ID: 7bfccc7b-9c49-5a62-bfbb-5af12a0d49e9
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Mai 2013 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 20). Er gab an, er sei seit 1979 als eidgenössisch
diplomierter Landwirt und seit 1988 auf dem eigenen Hof selbständig erwerbstätig. Ab
Januar 2011 habe er zusätzlich in einem Pensum von 30 Prozent für eine „Chemie-
Firma“ gearbeitet. Seit Sommer 2012 leide er an einer Arthrose im rechten Handgelenk.
Seine Nebenerwerbstätigkeit sei ihm nach dem Ablauf der Wartefrist per 30. Juni 2013
gekündigt worden. Im Juni 2013 teilte er telefonisch mit (IV-act. 29), er sei als Landwirt
selbständig erwerbstätig, habe aber im Jahr 2010 seinen Betrieb grundlegend
umstellen müssen, um sein Pensum im Hof reduzieren und einer unselbständigen
Nebenerwerbstätigkeit nachgehen zu können. Als Landwirt sei er aktuell nur noch zu
50 Prozent arbeitsfähig. Wenn er gesund wäre, würde er wieder im bisherigen
(reduzierten) Umfang im eigenen Betrieb arbeiten und sich zusätzlich eine
Nebenerwerbstätigkeit mit einem Pensum von 30–40 Prozent suchen. Er sei an
beruflichen Massnahmen interessiert. Der Allgemeinmediziner Dr. med. B._
berichtete am 19. Juni 2013 (IV-act. 40), der Versicherte leide an einer invalidisierenden
Radioscaphoidarthrose im rechten Handgelenk. In der Zeit vom 23. November 2012 bis
zum 3. März 2013 sei er zu 75 Prozent arbeitsunfähig gewesen; seither und bis auf
weiteres sei er zu 50 Prozent arbeitsunfähig. Er könne die „übliche Tätigkeit des
Landwirts“ nicht mehr ausüben. Am 1. Mai 2013 hatte der Orthopäde Dr. med. C._
angegeben (IV-act. 41), bei der fortgeschrittenen Arthrose, unter der der Versicherte
leide, müsse man sicher chirurgisch intervenieren. Der Zeitpunkt sei allerdings jetzt, vor
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dem Heuen, furchtbar ungünstig. Die Arbeitsfähigkeit betrage zurzeit 50 Prozent. Mit
einer Mitteilung vom 20. Juni 2013 wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten
um berufliche Eingliederungsmassnahmen mit der Begründung ab (IV-act. 32), er sei
mehrheitlich als selbständiger Landwirt tätig. Für die Suche nach einer Teilzeitstelle sei
das regionale Arbeitsvermittlungszentrum zuständig.
A.b Am 20. Juni 2013 berichtete die Klinik für Hand-, plastische und
Wiederherstellungschirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 46–9 f.), die Arthrose
sei wohl auf eine alte Verletzung zurückzuführen. Ein operativer Eingriff sei dringend
indiziert. Am 26. März 2014 teilte die Klinik dann mit (IV-act. 52), der Versicherte sei am
18. November 2013 operiert worden. Zurzeit sei er noch zu 70 Prozent arbeitsunfähig,
aber bei einem weiteren guten Verlauf dürfte er in den nächsten Monaten wieder
uneingeschränkt arbeitsfähig werden. Am 11. April 2014 berichtete die Klinik, der
Versicherte sei immer noch zu 70 Prozent arbeitsunfähig (IV-act. 53). Am 13. August
2014 notierte Dr. med. D._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), der
Versicherte werde als Landwirt wohl auch weiterhin zu 70 Prozent arbeitsunfähig
bleiben; für eine leidensadaptierte Tätigkeit bestehe aber eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 66). Am 15. Januar 2015 führte das Zentrum E._ eine
Abklärung auf dem Hof des Versicherten durch (IV-act. 71). Im Abklärungsbericht vom
10. Februar 2015 hielt es fest, für die Ermittlung des Valideneinkommens könne von der
Buchhaltung für das Jahr 2012 ausgegangen werden. Der Versicherte habe damals
einen Arbeitsverdienst von 19'200 Franken erzielt. Mit seiner Nebenerwerbstätigkeit
(deren Aufnahme durch eine betriebliche Umstellung in den Jahren 2010/2011
ermöglicht worden sei) habe er 24'700 Franken verdient, sodass sich sein gesamtes
Einkommen im Jahr 2012 auf 43'900 Franken belaufen habe. Angesichts der aktuellen
Einschränkungen habe der Versicherte den Betrieb reduzieren und teilweise
Aushilfskräfte beschäftigen müssen. Der behinderungsbedingte Erwerbsausfall betrage
zurzeit 66 Prozent. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten im eigenen Betrieb könne
nicht mittels Hilfsmitteln verbessert werden. Der Betrieb könne nicht mehr in der
bisherigen Weise weitergeführt werden. Bei einer Betriebsaufgabe wäre der Versicherte
in der Lage, den entsprechenden finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Der
Betrieb wäre dann zwar hoch mit Hypotheken belehnt, aber nicht gefährdet. Am
Landwirtschaftsland dürfte auf dem Markt sicher ein grosses Interesse bestehen. Mit
einer leidensadaptierten Tätigkeit könnte der Versicherte für den Unterhalt der Familie
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sorgen, aber die zu erwartenden Pachterträge würden die laufenden Kosten des
Betriebes wohl nicht decken, weshalb ein grosser Teil der Gelder, die in den Jahren
2010 und 2011 investiert worden seien, verloren gehen dürfte. Die Aussichten auf dem
Arbeitsmarkt seien als schlecht zu bezeichnen, da der Versicherte sowohl bei
körperlich belastenden als auch bei feinmotorischen Arbeiten eingeschränkt sei.
Allenfalls sei es möglich, den Betrieb in (weiter) reduzierter Form weiterzuführen.
A.c Die IV-Stelle prüfte in der Folge erneut die Durchführung von beruflichen
Massnahmen. Gegenüber einer Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle gab der
Versicherte im April 2015 an (vgl. IV-act. 76), dass er primär an der Weiterführung
seines Betriebs interessiert sei, auch wenn er den Tafelobstanbau
behinderungsbedingt per 2016 werde aufgeben müssen. Mit dem Attest einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten sei er nicht
einverstanden, denn er habe sich im Jahr 2003 einer Operation an der Bandscheibe
unterziehen müssen und er leide an einer Arthrose an beiden Hüften, was der RAD
wohl nicht berücksichtigt habe. Am 29. April 2015 teilte Dr. B._ der IV-Stelle mit (IV-
act. 79–1), dass er sich mit dem Attest einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten nicht einverstanden erklären könne. Unter
Berücksichtigung der Handgelenksbeschwerden, der Cox-Arthrose und des
lumbovertebralen Schmerzsyndroms sei dem Versicherten auch eine leichte Tätigkeit
höchstens zu 50 Prozent zumutbar. Der Orthopäde Dr. med. F._ hatte am 10.
Februar 2015 berichtet (IV-act. 79–4 f.), als operativer Eingriff bezüglich der
Coxarthrose komme nur eine Hüfttotalendoprothese in Frage. Das sei momentan aber
noch nicht indiziert. Der Neurochirurg Dr. med. G._ hatte im Dezember 2003 über
eine mikrochirurgische Flavektomie und Discektomie L4/5 rechts berichtet und
angegeben (IV-act. 79–7 f.), der postoperative Verlauf sei gut gewesen. Der Versicherte
könne bereits problemlos eineinhalb Stunden schmerzfrei gehen und verspüre keine
anhaltenden Schmerzen. Am 20. Mai 2015 teilte Dr. F._ der IV-Stelle mit (IV-act. 81–
2), dass er den Versicherten nur einmal gesehen habe und dass keine weiteren
Untersuchungen oder Behandlungen durch ihn geplant seien. Die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten sei durch die Coxarthrose nicht eingeschränkt. Die Klinik für Hand-,
plastische und Wiederherstellungschirurgie des Kantonsspitals St. Gallen gab am 22.
Mai 2015 an (IV-act. 83), ein weiterer operativer Eingriff am Handgelenk sei nicht
indiziert. Der Versicherte sei auf einen Betriebshelfer angewiesen. Eine angepasste
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Tätigkeit wäre sicherlich eine Möglichkeit und theoretisch zumutbar, aber das müsste
mit den Möglichkeiten des Versicherten vereinbart werden. Die RAD-Ärztin Dr. D._
notierte am 22. Juni 2015 (IV-act. 84), unter Berücksichtigung der aktuellen
medizinischen Berichte sei von einer Arbeitsfähigkeit von 80–100 Prozent für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen. Dem Versicherten seien allerdings nur
Tätigkeiten zumutbar, die das rechte Handgelenk nicht besonders belasteten (kein
Abstützen, kein Druck, keine Vibrationen), bei denen das Handgelenk nicht sehr
beweglich sein müsse und die keine grösseren Belastungen durch Heben und Tragen
mit Hebel erforderten, insgesamt also nur körperlich leichte Tätigkeiten mit Wechsel
zwischen sitzen, gehen und stehen, ohne längeres Gehen im unebenen Gelände, ohne
Knien und ohne Kauern. Der Versicherte teilte der Eingliederungsverantwortlichen der
IV-Stelle am 17. August 2015 mit (IV-act. 88), dass der behandelnde Handchirurg ihm
gesagt habe, mit seinen Händen könne er nur noch als Pfarrer oder als
Gemeindepräsident arbeiten, dass er aber lieber seinen Betrieb weiterführen wolle und
dass er berufliche Eingliederungsmassnahmen deshalb als sinnlos erachte. Mit einer
Mitteilung vom 20. August 2015 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche
Massnahmen erneut ab (IV-act. 91; vgl. auch IV-act. 92).
A.d Mit einem Vorbescheid vom 5. Oktober 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act. 96), dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens vorsehe. Zur
Begründung führte sie an, dass er angesichts einer Arbeitsfähigkeit von 90 Prozent für
leidensadaptierte Tätigkeiten in der Lage sei, ein seinem Valideneinkommen von 62'622
Franken (für das Jahr 2011 verbuchte Einkommen im individuellen Beitragskonto unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung) entsprechendes Einkommen zu
erzielen, weshalb er nicht invalid sei. Dagegen liess der nun anwaltlich vertretene
Versicherte am 10. November 2015 einwenden (IV-act. 102), er beantrage die
Durchführung von Eingliederungsmassnahmen, insbesondere die Abgabe von
Hilfsmitteln zur Ausübung seines angestammten Berufs und die Ausrichtung eines
Taggeldes, eventualiter weitere medizinische Abklärungen und subeventualiter die
Ausrichtung einer Rente. Die Erwerbseinbusse im eigenen Betrieb liege bei 66 Prozent.
Ohne Wiedereingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung sei der Versicherte
nicht in der Lage, ein dem Valideneinkommen vergleichbares Erwerbseinkommen zu
erzielen. Mit einer Verfügung vom 20. November 2015 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren ab (IV-act. 104).
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B.
B.a Am 6. Januar 2016 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. November 2015 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Zusprache mindestens einer halben Rente, eventualiter
die Durchführung von weiteren medizinischen Abklärungen und subeventualiter die
Gewährung von Hilfsmitteln und beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Zur
Begründung führte er an, dem Beschwerdeführer sei die Betriebsaufgabe nicht
zumutbar, denn dieser habe seinen Betrieb bislang erfolgreich geführt. Der
Beschwerdeführer habe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur schlechte Aussichten,
da er an diversen Gesundheitsbeeinträchtigungen leide und sich schon in einem
fortgeschrittenen Alter befinde. Die medizinische Aktenlage sei unvollständig. Die IV-
Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe den Invaliditätsgrad falsch
berechnet. Sie habe ein viel zu hohes Invalideneinkommen berücksichtigt, denn sie sei
von einem zu hohen Arbeitsfähigkeitsgrad und von einem zu hohen Ausgangswert für
das Invalideneinkommen ausgegangen und sie habe zu Unrecht keinen
Tabellenlohnabzug vorgenommen. Das Valideneinkommen sei höher als von der
Beschwerdegegnerin angenommen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. Februar 2016 die Abweisung der
Beschwerde, soweit überhaupt auf diese eingetreten werden könne (act. G 4). Zur
Begründung führte sie an, die angefochtene Verfügung beschlage ausschliesslich den
allfälligen Rentenanspruch. Auf die Anträge des Beschwerdeführers betreffend
berufliche Massnahmen und Hilfsmittel könne nicht eingetreten werden, da diese nicht
zum Streitgegenstand gehörten. Bezüglich der beruflichen Massnahmen liege eine
mittlerweile verbindliche Mitteilung vor. Das Zentrum E._ habe festgehalten, dass die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im eigenen Betrieb nicht mit Hilfsmittel
verbessert werden könne. Die entsprechenden Beschwerdeanträge müssten also
ohnehin abgewiesen werden, wenn auf diese eingetreten werden könnte. Der Hausarzt
Dr. B._ sei ein Allgemeinmediziner und deshalb nicht in der Lage, ernsthafte Zweifel
an den fachärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu wecken. Er habe seine
pessimistische Arbeitsfähigkeitsschätzung zudem praktisch ausschliesslich mit den
subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und nicht mit objektiven klinischen
Befunden begründet, weshalb diese nicht überzeuge. Dem Beschwerdeführer könne
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die Betriebsaufgabe zugemutet werden. Unter Berücksichtigung des im Jahr 2011
erzielten Einkommens als Valideneinkommen, des statistischen Zentralwerts der
Hilfsarbeiterlöhne als Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens, einer Arbeitsfähigkeit von 90 Prozent und einem „Leidensabzug“
von zehn Prozent resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 19
Prozent, weshalb sich die Abweisung des Rentenbegehrens als rechtmässig erweise.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 11. Mai 2016 an seinen Anträgen festhalten (act. G
10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 11 f.).

Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren
des Beschwerdeführers abgewiesen. Zum Verfügungsgegenstand gehören weder
berufliche Massnahmen noch Hilfsmittel. Da dieses Beschwerdeverfahren die Prüfung
der Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung zum Ziel hat, muss der Gegenstand
des Beschwerdeverfahrens jenem des mit der angefochtenen Verfügung
abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens entsprechen und sich folglich auf den
allfälligen Rentenanspruch beschränken. Allerdings gilt im Sozialversicherungsrecht der
Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
2015, Vorbemerkungen N 81 ff., mit Hinweisen), was zur Folge hat, dass die
Beantwortung der Frage, ob eine versicherte Person ihre Eingliederungspflicht erfüllt
hat, notwendigerweise zur Prüfung der Rechtmässigkeit einer Rentenverfügung gehört.
Sofern die tatsächlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Eröffnung der Rentenverfügung
zum Bezug einer Rente berechtigt hätten, muss das Versicherungsgericht im
Beschwerdeverfahren also (ausnahmsweise) auch den Anspruch auf respektive die
Pflicht zur Durchführung von Eingliederungsmassnahmen prüfen, selbst wenn sich die
angefochtene Verfügung ausschliesslich auf den Rentenanspruch beschränkt. Diese
Ausnahme zur Beschränkung des Gegenstandes des Beschwerdeverfahrens kommt
jedoch (wiederum ausnahmsweise) dort nicht zum Zug, wo – wie hier – bereits
verbindlich über den Anspruch auf berufliche Massnahmen entschieden worden ist
(vgl. den Entscheid IV 2016/226 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 18.
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Dezember 2017, E. 1). Der Streitgegenstand erfasst also vorliegend nur den
Rentenanspruch, weshalb auf das Subeventualbegehren (Hilfsmittel, berufliche
Eingliederung) nicht eingetreten werden kann.
2.
2.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16
ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
2.2 Der Beschwerdeführer ist ein diplomierter Meisterlandwirt. Seit dem Jahr 1988 hat
er seinen eigenen Hof geführt, was dazu verleiten könnte, den Invaliditätsgrad anhand
eines erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs zu berechnen. Damit könnte aber
nur die „Invalidität“ des Beschwerdeführers am konkreten Arbeitsplatz (nämlich im
eigenen Hof) ermittelt werden. Eine solche „Arbeitsplatz-Invalidität“ kann für den
Rentenanspruch aber nicht massgebend sein, denn sowohl gemäss den Art. 7 f. ATSG
als auch gemäss dem Art. 16 ATSG kann für einen allfälligen Invalidenrentenanspruch
nur eine Erwerbsunfähigkeit respektive ein Verlust an Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Frage kommenden allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt massgebend sein.
Weder eine „Berufsinvalidität“ noch eine „Arbeitsplatz-Invalidität“ können einen
Invalidenrentenanspruch begründen. Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad
des Beschwerdeführers deshalb grundsätzlich zu Recht anhand eines
Einkommensvergleichs berechnet. Allerdings hat sie dabei die tatsächlich erzielten
Einnahmen aus seiner selbständigen Erwerbstätigkeit als Valideneinkommen
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herangezogen. Das hat ein verfälschtes Ergebnis geliefert, denn das wahre Entgelt für
die vom Beschwerdeführer selbst geleistete Arbeit lässt sich weder vom Ertrag, den
seine Investitionen in den Betrieb abgeworfen haben, noch vom Gegenwert der nicht
bezifferten unentgeltlichen Mithilfe seiner Familienangehörigen abgrenzen. Auch
konjunkturelle und strukturelle Einflüsse können so nicht zuverlässig ausgeblendet
werden. Richtigerweise muss für die Ermittlung des Valideneinkommens nicht vom
tatsächlich erzielten Einkommen, sondern vielmehr von jenem Lohn ausgegangen
werden, den ein strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch operierender Betrieb dem
Beschwerdeführer ausgerichtet hätte, wenn dieser als angestellter Meisterlandwirt tätig
gewesen wäre (vgl. zum Ganzen RALPH JÖHL, Die Invaliditätsbemessung bei
selbständig Erwerbstätigen in der IV, in: JaSo 2014, S. 159 ff.). Der vom Schweizer
Bauernverband, dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband und der
Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Berufsverbände landwirtschaftlicher
Angestellter vereinbarte Richtlohn für einen landwirtschaftlichen und bäuerlich-
landwirtschaftlichen Betriebsleiter mit über fünf Jahren Berufserfahrung hat sich im
Jahr 2015 auf 4'580–6'190 Franken pro Monat beziehungsweise auf 54'960–74'280
Franken pro Jahr (zwölf Monatslöhne) belaufen. Der Beschwerdeführer ist
ausserordentlich leistungsfähig gewesen, denn er hat für seine Nebenerwerbstätigkeit
mit einem Pensum von 30 Prozent beziehungsweise 12,6 Stunden pro Woche jeweils
nur einen Arbeitstag pro Woche und einige Ferienablösungen aufwenden müssen,
während er gleichzeitig an sieben Tagen pro Woche auf seinem Betrieb gearbeitet hat.
Dem Arbeitszeugnis lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich auch
äusserst rasch in die für ihn völlig neuen Betriebsabläufe und Aufgaben eingearbeitet
hat. Diese überdurchschnittliche Leistung hat er trotz bereits langjährig vorhandenen
Rückenbeschwerden erbracht (Operation im Jahr 2003, Abgabe von Hilfsmitteln bereits
im Jahr 1990). Wenn man (zur Bestimmung der Validenkarriere) die
gesundheitsbedingten Einschränkungen ausblendet, ist der Beschwerdeführer als
ausserordentlich leistungsfähig zu qualifizieren. Berücksichtigt man zudem, dass er im
Jahr 2015 bereits über 27 Jahre Berufserfahrung als Leiter eines
Landwirtschaftsbetriebes verfügt hat, ist offensichtlich, dass sich sein Lohn rein
betriebswirtschaftlich-ökonomisch betrachtet am oberen Rand des erwähnten
Richtlohnbandes bewegt hätte. Da der Beschwerdeführer eine Zeit lang seinen eigenen
Hof geführt und gleichzeitig in einem Pensum von 30 Prozent als Hilfsarbeiter tätig
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gewesen ist, stellt sich die Frage, ob für die Bestimmung des Valideneinkommens mit
einem Pensum von 130 Prozent gerechnet werden muss. Diese Frage ist zu verneinen,
denn die Aufnahme der Nebenerwerbstätigkeit ist nur durch eine mit erheblichen
Gewinneinbussen verbundene Betriebsumstellung ermöglicht worden, das heisst der
Beschwerdeführer hat sein Pensum im eigenen Hof reduzieren müssen, um die
Nebenerwerbstätigkeit aufnehmen zu können. Sein Pensum dürfte zwar insgesamt
noch immer etwas mehr als 100 Prozent betragen haben, aber ein strikt
betriebswirtschaftlich-ökonomisch operierender landwirtschaftlicher Betrieb hätte dem
Beschwerdeführer nur dann einen sich im oberen Bereich des Richtlohnbandes für
einen Meisterlandwirt befindlichen Lohn ausbezahlt, wenn dieser seine ganze
Arbeitskraft in die Tätigkeit als Meisterlandwirt respektive als Betriebsleiter investiert
hätte. Als angestellter Betriebsleiter hätte der Beschwerdeführer mit anderen Worten
nicht zusätzlich im Nebenerwerb tätig sein können. Für die Bestimmung des
Valideneinkommens darf deshalb nur der (maximale) Richtlohn für einen angestellten
Betriebswirt berücksichtigt werden. Das Valideneinkommen beträgt folglich 74'280
Franken.
2.3 Die ausgewiesenen Gesundheitsbeeinträchtigungen schränken die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers im erlernten Beruf als Meisterlandwirt erheblich ein. Die
behandelnden Fachärzte haben eine Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent attestiert, was
vom RAD als überzeugend qualifiziert worden ist. Auch die betriebswirtschaftliche
Abklärung hat eine Einschränkung in diesem Rahmen (66 Prozent) ergeben. Wenn die
zumutbare Invalidenkarriere in der Weiterführung des eigenen Betriebes
beziehungsweise in der weiteren Ausübung des erlernten Berufs als Meisterlandwirt
bestünde, würde der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens dem Valideneinkommen entsprechen, womit sich bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent auch ein Invaliditätsgrad von 70 Prozent und damit
ein Anspruch auf eine ganze Rente ergäbe. Dieser Invaliditätsgrad würde allerdings
nicht der Invalidität gemäss der Definition des Art. 16 ATSG entsprechen, sondern nur
wiedergeben, wie hoch die „Invalidität“ des Beschwerdeführers am konkreten
Arbeitsplatz (nämlich im eigenen Betrieb) wäre. Die Rente der Invalidenversicherung
entschädigt aber keine solche „Arbeitsplatz-Invalidität“ und auch keine
„Berufsinvalidität“, sondern nur eine „echte“ Invalidität, das heisst eine Einschränkung
der Erwerbsfähigkeit auf dem gesamten in Betracht kommenden Arbeitsmarkt. Das
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bedingt, dass für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens auch sogenannte „Verweistätigkeiten“ berücksichtigt werden
müssen. Das Bundesgericht hatte über Jahre hinweg einschränkende Voraussetzungen
für diese Berücksichtigung von Verweistätigkeiten aufgestellt, da es angenommen
hatte, einem Selbständigerwerbenden könne die Aufgabe des eigenen Betriebes nicht
ohne weiteres zugemutet werden. Gemäss der neueren Rechtsprechung des
Bundesgerichtes ist die Zumutbarkeit der Betriebsaufgabe (bei Bauern und bei anderen
Selbständigerwerbenden) aber in aller Regel zu bejahen (vgl. etwa das Urteil
8C_654/2012 vom 21. Februar 2013, E. 5.1, mit zahlreichen Hinweisen). Diese
„Präzisierung“ der Rechtsprechung ist zu begrüssen, denn bei genauer Betrachtung
spielt die Zumutbarkeit der Betriebsaufgabe gar keine Rolle. Einer versicherten Person
bleibt es nämlich unbenommen, ihren Betrieb weiterzuführen. Allerdings kommt die
Invalidenversicherung nur für jenen Teil der Einkommenseinbusse auf, die ihren Grund
in einer Erwerbsunfähigkeit gemäss dem Art. 7 ATSG findet. Dabei sieht das Gesetz
keine gesonderte Invaliditätsbemessung für selbständig Erwerbstätige vor, weshalb es
unzulässig wäre, diese anders als unselbständig Erwerbstätige zu behandeln, das
heisst auf eine „Arbeitsplatz-Invalidität“ anstelle der „echten“ Invalidität abzustellen. Für
die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens des
Beschwerdeführers ist also zu berücksichtigen, was er in einer ideal leidensadaptierten
Tätigkeit verdienen könnte.
2.4 Der behandelnde Allgemeinmediziner Dr. B._ hat angegeben, dass dem
Beschwerdeführer selbst leidensadaptierte Tätigkeiten nur zu 50 Prozent zumutbar
seien. Der Handchirurg, der den Beschwerdeführer operiert hatte, soll diesem
sinngemäss mitgeteilt haben, dass es kaum noch Tätigkeiten gebe, in denen dieser
noch eine verwertbare Arbeitsleistung erbringen könnte. Die RAD-Ärztin Dr. D._ hat
gestützt auf die Angaben in den medizinischen Berichten (ohne den Beschwerdeführer
persönlich untersucht zu haben) die Anforderungen definiert, denen eine Tätigkeit
genügen muss, um als ideal leidensadaptiert qualifiziert werden zu können. Diese
detaillierte Beschreibung einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit erscheint aus der
Sicht eines medizinischen Laien als zutreffend. Für solche Tätigkeiten hat Dr. D._
eine Arbeitsfähigkeit von 80–100 Prozent attestiert. Diese – von jenen der
behandelnden Ärzte erheblich abweichende – Arbeits¬fähigkeitsschätzung hat sie
allerdings nicht begründet. Bei den Akten finden sich auch keine weiteren
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medizinischen Berichte, die es erlauben würden, den Widerspruch zwischen der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der RAD-Ärztin und jener der behandelnden Ärzte
auszuräumen. Eine derart hohe Arbeitsfähigkeit für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten
erscheint zwar insgesamt als (etwas) wahrscheinlicher als die von Dr. B._ attestierte
Arbeitsfähigkeit von lediglich 50 Prozent selbst für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten.
Aber damit steht noch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer tatsächlich zu 80–100 Prozent
arbeitsfähig für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten wäre. Die fehlende Begründung und
die erhebliche Abweichung von den Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden
Ärzte nähren den Verdacht, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ zu
optimistisch ausgefallen sein könnte. In den Akten findet sich deshalb keine
überwiegend wahrscheinlich zutreffende Arbeitsfähigkeitsschätzung, weshalb sich der
Sachverhalt als ungenügend abgeklärt erweist. Die angefochtene Verfügung ist in
Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen und muss folglich
als rechtswidrig aufgehoben werden.
2.5 Angesichts der ausserordentlich restriktiven Bedingungen, die eine ideal
leidensadaptierte Tätigkeit gemäss den Ausführungen der RAD-Ärztin Dr. D._ erfüllen
muss, stellt sich die Frage, ob auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
überhaupt Arbeitsstellen existieren, die als ideal leidensadaptiert qualifiziert werden
können. Immerhin kann der Beschwerdeführer seine dominante Hand für fast keine
Arbeiten nicht mehr einsetzen: Er kann keine körperlich schwer belastenden Tätigkeiten
mehr verrichten, aber auch feinmotorische Verrichtungen nicht mehr uneingeschränkt
ausführen; gemäss seinen eigenen Angaben kann er sogar lediglich eine Viertel- bis
eine halbe Stunde am Computer arbeiten. Vor diesem Hintergrund kann die
Sachverhaltsabklärung vorliegend nicht allein mit einer rein medizinischen
Untersuchung vervollständigt werden. Vielmehr muss zusätzlich eine
berufsberaterische Abklärung zur Beantwortung der Frage durchgeführt werden, ob
überhaupt Arbeitsstellen auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
existieren, die der Beschwerdeführer trotz der medizinisch beschriebenen qualitativen
Einschränkungen verrichten könnte. Sollte diese Frage zu bejahen sein, hat ein
Berufsberater mögliche Tätigkeiten samt ihren behinderungsrelevanten Belastungen
und dem jeweiligen Lohnniveau zu beschreiben. Der Umfang der notwendigen weiteren
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Sachverhaltsabklärungsmassnahmen rechtfertigt eine Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin.
2.6 Sollten die Abklärungen eine Arbeitsunfähigkeit selbst für ideal leidensadaptierte
Tätigkeiten ergeben, die eine rentenbegründende Invalidität bewirken könnte, müsste
die Beschwerdegegnerin an sich dem Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ folgend
eine Umschulung des diplomierten, noch etliche Jahre vor der ordentlichen
Alterspensionierung stehenden und offenbar sehr lernfähigen Meisterlandwirtes prüfen
und gegebenenfalls in die Wege leiten. Dem steht allerdings der verbindliche Abschluss
der beruflichen Massnahmen entgegen, auf den die Beschwerdegegnerin wohl nur
mittels einer Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) zurückkommen könnte. Ohne eine
solche wiedererwägungsweise Korrektur müsste das zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen des Beschwerdeführers ausgehend von einem durchschnittlichen
Hilfsarbeiterlohn berechnet werden.
3.
Das Hauptbegehren des Beschwerdeführers kann mangels ausreichender
Sachverhaltskenntnis nicht gutgeheissen werden. Die Rückweisung der Sache
entspricht aber einer Gutheissung des Eventualbegehrens und sie gilt
rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein
vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei. Das Subeventualbegehren,
auf das nicht eingetreten werden könnte (vgl. E. 1), kann bei diesem Ergebnis gar nicht
„zum Zug kommen“, weshalb die Frage, ob darauf eingetreten werden könnte, offen
bleiben kann. Das Dispositiv dieses Entscheides muss folglich keinen teilweisen
Nichteintretensentscheid bezüglich des Subeventualbegehrens enthalten. Die
Gerichtskosten, die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600
Franken festzusetzen sind, sind folglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem
Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss zurückerstattet. Die
Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung
auszurichten. Angesichts des geringen Aktenumfangs ist von einem deutlich
unterdurchschnittlichen erforderlichen Aufwand für das Aktenstudium und deshalb
auch von einem insgesamt unterdurchschnittlichen erforderlichen Vertretungsaufwand
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auszugehen, weshalb die Parteientschädigung auf 2'500 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.