Decision ID: 205eda2a-1528-4a66-bab9-b01acd4cbfe2
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1959 geborene
X._
meldete sich erstmals am 27. Oktober 2008 unter Hinweis auf chronische
myeloische
Leukämie (CML) bei der
Sozialver
siche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (Urk. 10/7). Die IV-Stelle tätigte medizinische
sowie
erwerbliche Abklärungen und sprach ihr
– bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 44 % –
mit Verfügung vom
7. Januar 2010
mit Wirkung ab 1. September 2008 eine
Viertelsrente
der Invaliden
ver
sicherung zu (Urk. 10/
46
).
Im Juni 2011 leitete die IV-Stelle ein amtliches Rentenrevisionsverfahren ein (Urk. 10/49) und
informierte die Versicherte
am 3. August 2011
hinsichtlich
ihres
unveränderten
Rentenanspruch
s
(Urk. 10/54).
1.2
Am 2
0.
März 2017 trat die Versicherte
wegen einer Pneumonie
in das
Y._
ein und wurde am 3. April 2017 in die Rehabili
ta
tions
klinik
Z._
verlegt (Urk. 10/56/2-19).
Mit Schreiben vom 27. Juni 2017 ersuchte
die Versicherte
um
Erhöhung ihrer Invalidenrente
(Urk. 10/57). Die IV-Stelle holte einen Auszug aus dem i
ndividuellen Konto (Urk. 10/59),
einen Bericht des be
handelnden Arztes Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
datierend vom 3. August 2017,
ein (Urk. 10/60/1-5
unter Beilage
wei
tere
r
medizinische
r
Berichte
[
Urk.
10/60/6-16]) und legte die Unterlagen ihrem
r
egionalen ärztlichen Dienst (RAD) vor (Urk. 10/61/
3-
4).
Mit Vorbescheid vom 31. August 2017 wurde d
er Versicherten die Abweisung ihres
Erhöhungsgesuchs in Aussicht gestellt (Urk. 10/62).
Dagegen erhob die Versicherte m
it Schreiben vom 22. September 2017 Einwand (Urk. 10/64).
Im Rahmen des
Vorbescheid
verfahrens
wurden s
odann weitere medizinische und erwerbliche Unterlagen
zu den Akten genommen
(Urk. 10/70-74)
, darunter ein vertrauensärztlicher Bericht von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin,
vom 10. August 2017
zu Händen der Pensionskasse der Stadt Winterthur
(Urk. 10/70). Mit Verfügung vom 15. Dezember 2017 wies die IV-Stelle das Erhöhungsgesuch der Versicherten ab (
Urk. 2 =
Urk. 10/76).
2.
Gegen die Verfügung vom 15. Dezember 2017
erhob die Versicherte am 26. Januar
2018 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Ausrich
tung einer ganzen Rente ab dem 1. Juni 201
7.
Eventuell sei die Sache zur ergänzenden Abklärung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege
(Urk. 1
S. 2
).
Mit Eingabe vom 5. März 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten Urk. 10/1-80), was der
Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 6. März 2018 angezeigt wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nach
folgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherung
srechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es über die Invalidenversicherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
de
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der
Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangs
sach
verhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.4
1.4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4.2
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte ge
hören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
begründete
die Abweisung des Rentenerhöhungs
be
geh
rens damit, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
gemäss den vorliegenden Unterlagen und der Rücksprache mit dem RAD nicht
dauerhaft
verschlechtert habe
(Urk. 2, Urk. 9)
. Die rasche Ermüdbarkeit und die Leistungs
insuffizienz hätten bereits bei der
Rentenzusprache
vorgelegen und bei der Lungenentzündung und der
hypertensiven
Krise handle es sich um vorüber
geh
ende Krankheiten, die keine dauerhaften Einschränkungen der Arbeits
fähig
keit bewirkten (Urk. 2).
2.2
D
emgegenüber
macht die
Beschwerdeführerin
eine erhebliche
Verschlechterung
ihres Gesundheitszustandes
aufgrund der neu eingetretenen chronischen Lungen
krankheit (COPD, Schweregrad 3), beziehungsweise wegen einer Verschlimme
rung der Symptome, geltend. Zur Zeit der
Zusprache
der
Viertelsrente
habe weder das COPD mit Schweregrad 3, Risikoklasse B nach GOLD 2017, noch die arterielle Hypertonie und auch kein Status nach Pneumonie rechts (März 2017) und nach
biventrikulärer
Herzinsuffizienz,
NYHA
III-IV (Juli 2017)
,
vorgelegen (Urk. 1 S. 5-6).
Die Verschlechterung der gesundheitlichen Situation und die zusätzlichen Beschwerden wirkten sich massgebend auf
ihre
Arbeitsfähigkeit aus. So sei
sie
zusätzlich zu der bestehenden Arbeitsunfähigkeit von 40
%
(aufgrund der CML) in ihrer Arbeitsfähigkeit infolge des COPD Schweregrad 3 mit asthmatischer Kom
ponente anhaltend zu mindestens 30 % eingeschränkt
. Gestützt auf eine
Gesamt
arbeitsunfähigkeit von 70 %
sei ihr
eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 8).
3.
3.1
Ob eine revisionsrechtlich relevante Veränderung eingetreten ist, ergibt sich aus dem Vergleich des Sachverhalts, wie er zum Zeitpunkt der erstmaligen
Rentenzu
sprache
am
7. Januar 2010
bestand (Urk. 10/
46
) – da im Rahmen der Renten
bestätigung am 3. August 2011 (Urk. 10/54) nur eine rudi
men
täre Prüfung des Rentenanspruchs erfolgte (vgl. Urk. 10/53) – mit demjenigen, welcher der hier angefochtenen Verfügung vom 15. Dezember 2017 (Urk. 2) zugrunde liegt.
3.2
3.2.1
Der medizinische Sachverhalt im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
am 13. Juli
2009
stellte sich im Wesentlichen wie folgt dar (vgl. Urk. 10/
29
):
3.2.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Medizinische Onkologie und Allgemeine Innere Medizin,
stellte in seinem Arztbericht vom
7.
Januar 200
8 folgende Diagnose
(Urk. 10/17/6):
-
Chronisch
myeloische
Leukämie Erstdiagnose November 2006
-
In chronischer Phase
-
Philadelphiachromosom
positiv
-
Therapie mit
Glivec
: Remission
-
Lumbalgie
3
.2.3
In
ihrem
ärztlichen
Bericht vom 2. Juni 2008 wies
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin,
daraufhin, dass bei der Versicherten seit Herbst 2006 eine tumorartige Blutzellerkrankung (CML) mit chronischem Verlauf
bestehe
, die bisher ambulant mit Medikamenten gut kon
trol
liert sei. Die Prognose sei auch auf längere Sicht nicht ungünstig. Die Ver
sicherte könne zurzeit ein Pensum von 60 %
als Küchenmitarbeiterin
bewältigen, trotz vermehrter Müdigkeit und starkem Schwitzen. Die Reduktion des bisherigen Pensums sei durch den Krankheitszustand und die nötige Behandlung mit ihren Nebenwirkungen begründet. Im Moment sei die Versicherte optimal integriert und könne dieses Pensum regelm
ässig einhalten (Urk. 10/17/5).
3.2.4
Im ärztlichen Bericht
vom 20. November 20
0
8
bestätigte
Dr.
C._
die von ihm im Vorbericht vom 7. Januar 20
08
diagnostizierte CML
(Urk.
10/16/6
; vgl. E. 3.2.2
)
. Die Versicherte
befinde sich
derzeit in einem guten Allgemeinzustand, es bestehe eine relativ rasche Ermüdung bei körperlicher Tätigkeit. Objektiv zeige sich
zurzeit
ein unauffälliger internistischer Status bei CML in Remission in chro
nischer Phase und
unter
Glivec
-
Therapie
. Die Prognose sei kurz
und
mittel
fristig exzellent, langfristig ungewiss. Es bestehe eine Einschränkung des
Konzentra
tions
- und Auffassungsvermögens sowie
der Anpassungsfähigkeit und Belastbar
keit.
Die Versicherte sei
in bisheriger Tätigkeit
seit dem 15. September 2007 auch auf längere Sicht für
60 %
arbeitsfähig
.
In diesem Pensum bestehe keine verminderte Leistungsfähigkeit
(Urk. 10/16/5
-7).
3.2.5
In seinem ergänzenden
Bericht
vom 4. Februar 2009 hielt
Dr.
C._
fest, die vermehrte Müdigkeit und die rasche Erschöpfung sei einerseits krankheitsbedingt bei bekannter chronisch
myeloischer
Leukämie und andererseits auch therapie
bedingt bei oraler Therapie mit
Glivec
. Der Patientin wäre am besten gedient, wenn man es bei der jetzigen Arbeitssituation (60 %-Pensum) belassen würde, zumal sie diese Arbeit mit grossem Engagement und Einsatz erledige
. Auch in einer körperlich weniger belastenden Tätigkeit wäre kein höheres Arbeitspensum möglich
(Urk. 10/19).
3.2.6
In der RAD-Stellungnahme vom 23. Februar 2009 attestierte med.
pract
.
E._
, Fachärztin FM
H für
Allgemeine
Innere Medizin, der
Beschwerdeführerin
eine Arbeitsfähigkeit von 60 % in bisheriger und angepasster Tätigkeit
. Es sei ein Gesundheitsschaden ausgewiesen, der sich in einer chronisch
myeolischen
Leu
kämie begründe. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe sich bei vorlie
gender bösartiger Blutkrebserkrankung vor allem durch die vermehrte Müdigkeit und rasche Erschöpfung
(Urk. 10/29/4).
3.3
3.3.1
Dem Revisionsentscheid vom 15. Dezember 2017 lagen insbesondere die fol
gen
den Arztberichte zugrunde:
3.3.2
Im Verlegungsbericht des
F._
vom 31. März 2017 (
Hospi
talisation
vom 20. März 2017 bis 3. April 2017) wurden folgende Diagnosen gestellt (Urk. 10/56/2):
-
Pneumonie rechts bei COPD
in
unklarem Stadium 20. März 2017
-
Chronisch
myeloische
Leukämie, Philadelphia Chromosom positiv (Erst
diag
nose November 2006)
-
Status nach
biventrikulärer
Herzinsuffizienz
NYHA
III-IV Juli 2014
-
Arterielle Hypertonie
-
Mässige Energie- und Eiweissmangelernährung (NRS 4 / Verschlechterung Ernährungszustand Grad 2)
Die Patientin habe sich bei Eintritt in erheblich reduziertem Allgemeinzustand und adipösem Ernährungszustand befunden.
Während der Dauer der
Hospita
lisation
sei die Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig gewesen (Urk. 10/
56/
4-5).
3.3.3
Die Ärzte des
RehaZentrum
s
Z._
stellten in ihrem Austrittsbericht vom 12. Mai 2017 folgende Diagnosen (Urk. 10/56/9):
-
COPD im Gold Stadium 2 mit asthmatischer Komponente
-
Status nach Pneumonie rechts 2
0.
März 2017
-
Chronisch
myeloische
Leukämie, Philadelphia Chromosom positiv (Erst
diagnose November 2006)
-
Status nach
biventrikulärer
Herzinsuffizienz
NYHA
III-IV Juli 2014
-
Arterielle Hypertonie
Die Patientin
sei
aus dem
Y._
zur pulmonalen Rehabilitation zugewiesen
worden
. Klinisch habe eine generalisierte Kraftlosigkeit und Muskelschwäche im Vordergrund gestanden. Im Verlauf habe sich eine zunehmende respiratorische Verbesserung gezeigt. Lungenfunktionell
hätten
sich bei Eintritt knapp norm
wertige statische und dynamische Lungenvolumina gezeigt, daher sei die Feucht
inhalation mit
Pulmicort
sistiert worden.
Eine Verlaufsuntersuchung vor Austritt hätte jedoch eine deutliche Verschlechterung mit nun mittelgradig obstruktiver
Ventilationsstörung mit leicht reduzierter Diffusionskapazität gezeigt. Daher werde
bei dieser Ex-Raucherin die Diagnose einer COPD im Gold Stadium II mit asth
ma
tischer Komponente gestellt und eine
inhalative
Therapie mit
Symbicort
eingeleitet. Die Patientin habe ihren lan
gjährigen Nikotinabusus aktuell
voll
ständig sistieren können, auf ihren Wunsch ohne jegliche Nikotinersatzpräparate. Bei Austritt habe die Patientin im 6-Minuten-Gehtest eine Strecke von 365 m ohne Hilfsmittel zurück
legen können (bei Eintritt: 325
m), im Treppentraining
habe sie zuletzt 80 Treppenstufen hoch und runter bewältigen können (Urk. 10
/56/10).
3.3.4
In seinem Bericht vom
3. August 2017
stellte
Dr.
A._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/60/1):
-
COPD Gold Stadium 2 mit asthmatischer Komponente
-
Status nach Pneumonie rechts März 2017
-
Chronisch
myeloische
Leukämie November 2006
-
Status nach
biventrikulärer
Herzinsuffizienz
NYHA
III-IV Juli 2014
-
Arterielle Hypertonie mit
hypotensiver
Krise Februar 2017
Der Gesundheitszustand habe sich seit Februar 2009 dauerhaft verschlechtert. Die höhere Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit begründe sich durch früheres Erreichen der Leistungsgrenze. Als
ärztlichen Befund hielt Dr.
A._
eine Anstren
g
ungsdyspnoe und ein CML gemäss Onkologe fest.
In der bisherigen 60 % Tätigkeit als Küchengehilfin sei die Versicherte zu 50 % arbeits
unfähig. Eine Erhöhung der Einsatzfähigkeit sei fraglich, auch wenn die Ver
sicherte sehr motiviert sei
(Urk. 10/60/1
-3).
Zur Beurteilung, welche Arbeiten der
Beschwerdeführerin
mit ihren gesundheitlichen Einschränkungen in behinde
rungs
angepasster Tätigkeit noch zumutbar seien, müsse eine EFL durchgeführt werden (Urk. 10/60/5).
3.3.5
A
m
10. August 2017
erstattete
Dr.
B._
gegenüber der Pensionskasse der Stadt Winterthur einen vertrauensärztlichen Bericht
(Urk. 10/70). Bei der
Versicherten
handle es sich um eine deutlich übergewichtige Person in rechtem Allgemein
zustand, man merke ihr eine leichte Atemnot an, wenn sie spreche, die Sauer
stoffsättigung im Blut sei gut, die Lungenuntersuchung zeige eine asthmatische Atmung
. Die Leukämie-Medikamente bewirkten als Hauptnebenwirkung eine starke Müdigkeit. Die Einschränkung der Belastung resultiere aus der Kombi
na
tion der Erkrankungen und der Nebenwirkung der Medikamente. Aufgrund der Unterlagen und des aktuellen Gesundheitszustandes erachte sie die Versicherte als weiterhin mindestens zu 50 % arbeitsunfähig (von 60 %; zusätzlich zu der bisherigen 20%
igen
IV-Rente). Da die Arbeitsstelle bereits angepasst worden sei, erwarte sie, dass die Arbeitsfähigkeit auch in einer anderen, angepassten Arbeits
stelle dauerhaft nicht mehr gesteigert werden könne. Die Versicherte habe bis
zum jetzigen Zeitpunkt sämtliche ihr zumutbaren Massnahmen zur Schadens
minderung ergriffen (Urk. 10/70).
3.3.6
Am 16. August 2017 erstattete
D
ipl.
m
ed.
G._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin sowie für Prävention und Gesundheitswesen
,
eine Stellungnahme für den RAD.
Der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich 2014 vorüber
gehend vermutlich infolge einer Medikamentennebenwirkung verschlechtert, hierdurch sei eine Herzleistungsschwäche entstanden, welche aber
habe
behoben werden k
önn
e
n
. Im März 2017 habe die Versicherte eine
hypertensive
Krise
und eine Pneumonie erlitten und habe aufgrund dessen intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Die im Anschluss an die Behandlung erfolgte Rehabilitation sei
erfolgreich verlaufen, die körperliche Belastbarkeit habe gesteigert werden können
. Die CML werde behandelt und befinde sich in einem stabilen Zustand. Rasche Ermüdbarkeit und Leistungsinsuffizienz hätten bereits bei der
Rentenzusprache
vorgelegen, auch die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung bei Nikotinmiss
brauch sei vorbesch
r
ie
b
en. Bei der Pneumonie
handle es sich um eine Akuter
krankung, welche in der Regel keine bleibenden Schäden hinterlasse. Auch eine
hypertensive
Krise sei vorübergehend und bewirke keine dauerhafte Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit. Eine dauerhafte Verschlechterung des Gesundheitszu
standes könne anhand der vorliegenden Arztbefunde aus versicherungsmedi
zinischer Sicht nicht festgestellt werden (Urk. 10/61/4).
3.3.7
Dr. med.
H._
, Fachärztin FMH für Pneumologie und Allgemeine Innere Medizin,
stellte
i
m Abschlussbericht ambulante pulmonale Rehabilitation des
Y._
vom
29. September 2017
folgende Diagnosen (Urk. 10/73/1)
:
-
COPD Schweregrad 3, Risikoklasse B nach GOLD 2017, Erstdiagnose März 2017
-
Status nach Pneumonie rechts März 2017
-
Anamnestisch Status nach 3
x Pneumonie, zuletzt 2013 multiple bilaterale Rundherde, maximal 11
x
11 mm Erstdiagnose November 2015 (Lindberg)
-
Chronisch
myeloische
Leukämie, Philadelphia Chromosom positiv (Erst
diagnose November 2006)
-
Status nach
biventrikulärer
Herzinsuffizienz
NYHA
III-IV Juli 2014
-
Arterielle Hypertonie
Die Patientin habe mit grosser Motivation an allen 36 Trainingseinheiten teil
genommen und bei Abschluss über mehr Kraft und Ausdauer im Alltag berichtet. Es habe eine klinisch signifikante Zunahme der Wiederholungen im
Sit
-
to
-Stand-Test objektiviert werden können. Im 6-Minuten-Gehtest habe lediglich eine klinisch knapp nicht signifikante Verbesserung bei jedoch deutlicher Abnahme der Dyspnoe unter Belastung (Borg 9 auf 3) erfasst werden können.
Im
CRQ
(
Chronic
Respiratory
Questionnaire
, standardisierter
Quality-
of
-Life-Fragebogen für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen) habe sich nur im Bereich Lebensbewältigung eine signifikante Verbesserung gezeigt. In den übrigen Be
reichen
hab
e teils gar eine Verschlechterung verzeichnet werden
müssen
, was die Patientin mit einer depressiven Stimmungslage aufgrund des 3. Todestages
ihres Bruders
erklärt habe. Hinsichtlich der neu diag
nostizierten COPD liege aktuell
mit einem FEV 1 von 51% und einer Dyspnoe
mMRC
Score 2 ein Schweregrad 2 und eine Risikoklasse B nach neuer Gold Klassifikation 2017 vor. Die Dringlichkeit eines Rauchstopps sei aus prognostischer Sicht mehrfach thematisiert worden, aktuell rauche die Patientin
noch 20 Zigaretten/Tag. Die Patientin habe mit der Rauchstoppberaterin einen Rauchstopp ab dem 1. Oktober 2017 mithilfe von
Nicoretteinhaler
und –
pflaster
besprochen (Urk. 10/73/2).
3.3.8
Mit Schreiben vom 12. November 2017 an die
Beschwerdegegnerin
führ
te Dr.
A._
unter Nennung der bekannten
Diagnosen (
vgl. E. 3.3.7
)
aus, a
ufgrund der Diagnose einer schweren chronischen Lungenkrankheit (Austrittsbericht Reha
bilitationsklinik
Z._
3.-2
3.
April 2017) sowie der ambulanten pulmonalen Rehabilitation
F._
(Mai bis September 2017) bestehe bei der Patientin eine neu diagnostizierte dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/74/1).
3.3.9
RAD-Ärztin
G._
wies in ihrer Stellungnahme vom
1
5.
Dezember 2017
daraufhin, dass
die Erstdiagnose der COPD
nicht
,
wie durch das
Y._
festgehalten
,
im März 2017, sondern bereits 1995 gestellt worden sei. Die Angaben zum Gold-Stadium differierten 2017 von 2 (
Z._
und
Dr.
A._
August 2017) bis 3 (
Y._
, 1
5.
November 2017). Es sei zusammenfassend weiterhin von einem Gold-Stadium 2 MMRC-Score 2 auszugehen. Damit sollte die Versicherte weiterhin in der Lage sein, die bisherige Tätigkeit im gewohnten Umfang zu verrichten. Ein Rauchstopp könnte die pulmonale Situation weiter verbessern. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei auch anhand der neu eingereichten Unterlagen nicht ausgewiesen (Urk. 10/75/3-4).
4.
4.1
Aus den
vorliegenden
ärztlichen
Berichten
gehen
im massgebenden Beurtei
lungs
zeitraum
neu die
Diagnose
n
der chronisch obstruktiven
Pneumopathie
(
COPD
)
,
ein
Status
nach Pneumonie,
ein
Status
nach
biventrikulärer
Herzinsuffizienz
sowie
einer
arteriellen Hypertonie
hervor (vgl. E. 3.3
). Diese Diagnosen werden in den Stellungnahmen des RAD denn auch
nicht per se in Zweifel gezogen.
Richtig ist auch, dass die von Dr.
A._
mit Bericht vom 20. November 2008 beigelegten Akten einen
Konsularbericht
von Dr. med.
I._
, Innere Medizin spez. Pneumologie FMH, vom 3. April 1995 enthalten, worin unter anderem eine
chronisch obstruktive Lungenkrankheit und leichte bronchiale Hyperreagibilität als Diagnosen genannt werden, wobei Dr.
I._
die Atembeschwerden auch auf die massive Adipositas zurückführte und die Lungenkrankheit als leicht bis höchstens mittelschwer einstufte (Urk. 10/17/13-14).
E
inzig massgebend ist
je
doch
, ob bzw. in welchem Ausmass – unabhängig von der Diagnose – den medi
zinischen Akten eine erhebliche (andauernde) Verschlechterung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit im relevanten Zeitraum entnommen werden kann
(Urteil des Bundesgerichts 8C_457/2012 vom 9. Juli 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
4.
2
In Würdigung der medizinischen Aktenlage ist vorweg
festzuhalten
, dass sich bei den Akten – wie dies die
Beschwerdeführerin
zurecht vorbringt (vgl. Urk. 1 S. 12) –
keine fachärztliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
findet. Dr.
H._
hat
am 29. September 2017
zwar
einen
fach
ärztlichen Bericht verfasst
, sich
darin
aber
jegliche
n
A
ngab
en
zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerde
führerin
enthalten
(vgl. E. 3.3.7).
In der RAD-Stellungnahme vom 15. Dezember 2017 wird eine Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit primär damit verneint, dass hinsichtlich der COPD weiterhin von einem Gold-Stadium 2 MMRC-Score 2 auszugehen sei (vgl. E. 3.3.9). Wie bereits
darob
zum Stellenwert der Diagnosestellung
bei der
Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit abgehandelt, geht dieser Schluss
aus
versicherungsmedizinischer S
icht fehl (vgl. dazu oben E. 4.1
). Ob die Erstdiagnose eine
r
COPD bereits im Jahr 1995 und nicht
erst
im März 2017 gestellt wurde
(vgl. E. 3.3.9)
, ist für die Be
ur
teilung der Rentenrevision inso
fern
nicht von Belang, als der
Rentenzu
sprache
im Juli 2009 – als Vergleichsbasis (vgl. E. 1.3) – nachweislich keine COPD zu
grunde lag (vgl. E. 3.2). Ferner unterlegt Dr.
G._
ihre Einschätzung der
unver
änderten
Arbeitsfähigkeit nicht mit objektiven Befunden und lässt die dies
bezügliche Abweichung von der Einschätzung von Dr.
A._
unbegründet (vgl. Urk. 10/74/3-4).
Die ärztlichen Berichte von Dr.
A._
und Dr.
B._
stimmen im Wesentlichen und insbesondere hinsichtlich der zumutbaren Arbeitsfähigkeit überein und be
ruhen – im Gegensatz zu den RAD-Stellungnahmen – auf persönlichen Unter
suchungen der Beschwerdeführerin.
Inhaltlich ist z
um
vertrauensärztlichen Beric
ht
von Dr.
B._
jedoch
anzumerken, dass es diesem
an einer Unterscheidung zwischen Schilderungen der
Beschwerdeführerin
bzw. ihrer Vorgesetzten
und
eigenen
ärztlichen
Beobachtungen
mangelt
(vgl. Urk. 10/70)
. Der ärztliche Be
richt von Dr.
A._
vom 3. August 2017
ist
sehr knapp
gehalten. So äussert er
sich insbesondere nicht zu einer behinderungsangepassten Tätigkeit der
Versi
cher
ten,
sondern
belässt es
diesbezüglich
bei einem Verweis
auf die Notwen
dig
keit einer EFL (vgl. Urk. 10/60/1-5).
D
ie
beiden ärztlichen
Berichte
erweisen sich
damit
nicht als geeignet,
um
eine relevante Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
zu belegen. Dennoch vermögen sie
–
zusammen mit den weiteren Umständen
–
doch
zumindest geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit der Stellu
ngnahmen von RAD-Ärztin
G._
zu wecken
, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann
(vgl. E.
1.4.2
).
4.3
Unter diesen Gegebenheiten
ist ein
e
invalidenversicherungsrechtlich relevante
Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit
nicht verlässlich zu
beurteilen
. Nach dem Gesagten hat die
Beschwerdegegnerin
den rechtserheblichen Sachverhalt unzu
reichend abgeklärt, weshalb die
angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Sache zwecks weiterer
Abklärungen an
die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen ist.
Danach hat die Beschwerdegegnerin über den Leistungsanspruch der
Be
schwerdeführerin
erneut zu verfügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht
, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis 1‘000.--
festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.
--
fest
zusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden
Partei (
BGE
137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Entsprechend sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.
5
.2
Überdies hat
die
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf den Ersatz der
Parteikosten (§ 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] in Verbindung mit
Art. 61
lit
. g ATSG
). Die Höhe der gerichtlich fest
zusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Vorliegend erscheint eine Prozessent
schädigung von Fr.
1
‘
6
00
.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) als angemessen.
Das Gesuch
um unentgeltliche
Rechtspflege
vom
26. Januar
2018 (Urk. 1 S.
2) erweist sich damit als gegenstands
los.