Decision ID: 8bde372b-42f9-47c9-a40f-a6b69db5d06b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ leidet an einer Autismus-Spektrum-Störung (Geburtsgebrechen Ziff. 405, IV-
act. 47, 54, 121). Im März 2013 wurde sie durch ihre Mutter bei der IV-Stelle zum
Bezug einer Hilflosenentschädigung angemeldet (IV-act. 69). Mit einer Verfügung vom
19. August 2013 (IV-act. 87) sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
Hilflosenentschädigung mittleren Grades ab dem 7. März 2012 zu. Zur Begründung
hielt sie fest, dass die Versicherte im Vergleich zu einem gleichaltrigen, nicht
behinderten Kind bis auf den Bereich Essen (richtig wohl: Aufstehen/Absitzen/Abliegen;
vgl. den Abklärungsbericht vom 2. August 2013, IV-act. 83) in sämtlichen
Lebensverrichtungen auf vermehrte Hilfe angewiesen sei. Überdies sei sie auf eine
ständige persönliche Überwachung angewiesen. Ein Anspruch auf einen
Intensivpflegezuschlag bestehe nicht, weil der tägliche invaliditätsbedingte
Betreuungsaufwand inklusive der Überwachungspauschale weniger als vier Stunden
betrage.
A.a.
Im November 2015 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein (IV-act. 101). Die
Mutter der Versicherten gab im Fragebogen am 29. Dezember 2015 an (IV-act. 102),
dass der Gesundheitszustand der Versicherten gleich geblieben sei. Die Tagesschule
B._ reichte am 11. Januar 2016 die Schuljahresberichte 2013/14 vom 2. Juli 2014 (IV-
act. 105-2 ff.) und 2014/15 vom 29. Juni 2015 (IV-act. 105-15 ff.) ein. Im
Schuljahresbericht 2014/15 war unter anderem festgehalten worden, dass die
Versicherte einem Ereignis, einer Handlung oder einem Thema gut habe folgen und ihre
Aufmerksamkeit darauf habe fokussieren können, wenn sie mit ihren Sinnen "präsent"
gewesen sei und das Thema sie interessiert habe. In Momenten, in denen sie eher
A.b.
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schlecht "bei sich" gewesen sei, sei es ihr schwer gefallen, aufmerksam zu sein und
sich nicht ablenken zu lassen. Ihre "Präsenz" sei deutlichen Schwankungen ausgesetzt
gewesen, wobei die Zeitspannen guter Präsenz zugenommen hätten (IV-act. 105-23 f.).
Situationen, die für die Versicherte unerwartet aufgetaucht oder für sie neu gewesen
seien, hätten in ihr Spannungen ausgelöst. Habe man ihr dann ganz genau erklärt, was
von ihr gefordert werde oder wie sich die Situation genau auf sie auswirke, habe sie
sich beruhigen und auf die Anforderungen einlassen können (IV-act. 105-24). Sie sei
Fahrrad, Kickboard und Inline Skates gefahren. In Begleitung von Erwachsenen habe
sie auch öffentliche Verkehrsmittel benutzen können. Ein nächster Schritt in Richtung
Selbstständigkeit und Erweiterung des Selbstvertrauens sei die Bewältigung des
Schulweges mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Bezüglich der "Selbstversorgung und
Körperpflege" sei sie sehr selbstständig und selbstbewusst gewesen (IV-act. 105-25).
Dr. med. C._, Facharzt FMH für Kinder- und Jugendmedizin, berichtete am
22. Februar 2016 (IV-act. 107), die Versicherte leide an einer Autismus-Spektrum-
Störung. Sie habe deutliche Einschränkungen, insbesondere betreffend die
Sozialkontakte. Zudem habe sie eine Lernbehinderung. Am 26. April 2016 fand eine
Abklärung an Ort und Stelle statt. Im Bericht vom 31. Mai 2016 hielt die
Abklärungsperson fest (IV-act. 110), die Versicherte benötige Hilfe beim Ankleiden/
Auskleiden (Bereitlegen der Kleider; Aufforderung, Zeit einzuhalten), bei der
Körperpflege (Nachreinigen der Zähne; Kontrolle und Geben von Anweisungen beim
Haare waschen; Einstellen der Wassertemperatur) und bei der Fortbewegung
(Begleitung auf der Strasse und im öffentlichen Verkehr). Zudem bedürfe sie der
ständigen persönlichen Überwachung, da sie wegen ihrer unbedachten Art noch nicht
alleine zu Hause gelassen werden könne. Auch draussen müsse sie immer von
jemandem begleitet werden, da sie aufgrund ihrer Angst und der Defizite in der
Wahrnehmung ohne Begleitung rasch den Fokus und damit ihre Orientierung verliere.
Ein Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag bestehe weiterhin nicht, da der tägliche
Mehraufwand an Betreuung inklusive der Überwachungspauschale unter vier Stunde
liege. Die Abklärungsperson beantragte, die Hilflosenentschädigung unverändert zu
belassen. Am 6. Juni 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie weiterhin
Anspruch auf die bisherige Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit habe (IV-
act. 113).
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Dr. C._ erstattete am 27. November 2017 einen Verlaufsbericht (IV-act. 117). Er
gab an, die Versicherte besuche je einmal pro Woche eine Sprach- und eine
Maltherapie. Der behinderungsbedingte Mehraufwand an Hilfeleistung und persönlicher
Überwachung habe sich – im Vergleich zu einer nichtbehinderten Person gleichen
Alters – "seit Beginn" geändert. Im Dezember 2017 leitete die IV-Stelle das nächste
Revisionsverfahren ein (IV-act. 118). Die Mutter der Versicherten gab im Fragebogen
am 26. Dezember 2017 an (IV-act. 119), der Gesundheitszustand der Versicherten sei
gleich geblieben. Dr. C._ berichtete am 22. Januar 2018 (IV-act. 123), die physische
Entwicklung der Versicherten sei unauffällig. Aus psychischer Sicht zeige die
Versicherte häufig ein recht unreifes, kleinkindliches Verhalten. Aufgrund des Autismus
lägen massive Ängste vor. Die Versicherte habe auch deutliche kognitiv-intellektuelle
Einschränkungen. Die Tagesschule B._ reichte mit einem Schreiben vom 23. Februar
2018 den Schuljahresbericht 2016/17 vom 3. Juli 2017 ein (IV-act. 125, 126). Darin war
unter anderem festgehalten worden, die Versicherte habe ihre Fähigkeit, die
Aufmerksamkeit gezielt und ausdauernd auf etwas zu richten, weiter steigern können
(IV-act. 126-7). Den Schulweg habe sie mit guter Sicherheit mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln bewältigt (IV-act. 126-8). Bei der Selbstbesorgung (sich waschen und
pflegen; die Toilette benutzen; sich kleiden; Essen und Trinken) sei sie selbstständig
gewesen (IV-act. 126-9). Am 26. September 2018 fand erneut eine Abklärung an Ort
und Stelle statt. Im Bericht vom 10. Oktober 2018 hielt die Abklärungsperson fest (IV-
act. 136), die Versicherte benötige nach wie vor Hilfe beim Ankleiden/Auskleiden
(Kleider richten; allenfalls Handreichung beim Schliessen eines Knopfes oder um etwas
zu binden) und bei der Körperpflege (Nachreinigen der Zähne; Hilfe beim Baden/
Duschen; die Versicherte habe kein Empfinden für eine gründliche Körperpflege). Bei
der Fortbewegung benötige sie eine Begleitung zu Arzt-/Therapiegesprächen. Zu
Hause könne sie sich frei bewegen. Auch den Schulweg könne sie mehrheitlich selber
mit dem öffentlichen Verkehr bewältigen. Eine ständige persönliche Überwachung
benötige sie nicht mehr. Sie könne sich für eine Zeit lang alleine in ihrem Zimmer
beschäftigen und dabei hörend überwacht werden. Eine Selbst- oder
Fremdgefährdung bestehe nicht. Die Abklärungsperson beantragte die Reduktion der
Hilflosenentschädigung wegen einer nur noch leichten Hilflosigkeit. Die Mutter der
Versicherten ergänzte den Abklärungsbericht am 4. November 2018 dahingehend (IV-
act. 136-11), dass die Versicherte beim Kämmen der Haare und beim Rasieren unter
A.c.
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den Achseln auch Hilfe benötige. Bei der Pflege von gesellschaftlichen Kontakten
brauche sie Hilfe, wenn sie sich verabrede (Zeitvereinbarung; Bus-Fahrzeiten; allenfalls
Bringen und Holen, wenn es mit dem Bus für die Versicherte nicht möglich sei;
Telefonanruf, damit sie den Bus nicht verpasse).
Mit einem Vorbescheid vom 23. November 2018 (IV-act. 138) kündigte die IV-
Stelle der Versicherten an, dass sie einen Anspruch auf eine Entschädigung wegen
einer leichten Hilflosigkeit habe. Die Leistung werde für die Tage, an welchen die
Versicherte bei der Mutter zu Hause übernachte, übernommen. Die Reduktion der
Hilflosenentschädigung erfolge per 1. Januar 2019. Zur Begründung hielt sie fest, dass
bei der Versicherten in zwei der sechs alltäglichen Lebensverrichtungen (Ankleiden/
Auskleiden, Körperpflege) weiterhin ein erheblicher Hilfebedarf in direkter oder
indirekter Form indiziert sei. In den restlichen Verrichtungen bestünden Dank erreichter
allgemeiner Entwicklungsfortschritte gute Möglichkeiten für verlässliche Mithilfen und/
oder Eigenleistungen. So gelinge es der Versicherten bei entsprechender Vorbereitung,
allenfalls dank telefonischer Unterstützung, Wege selber zurückzulegen und Kontakte
im Rahmen der altersüblichen Möglichkeiten wahrzunehmen. Eine ständige persönliche
Überwachung sei nicht weiter indiziert. Ein selbst- oder fremdgefährdendes Verhalten
habe nicht festgestellt werden können. Die Versicherte liess am 12. Dezember 2018
dagegen einen Einwand erheben (IV-act. 142). Ihre Vertreterin machte geltend, die
Versicherte benötige bei der alltäglichen Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/
Abliegen indirekte Hilfe. Ohne die Anwesenheit einer Betreuungsperson würde es der
Versicherten am Morgen nicht gelingen, zeitig in der Schule zu sein. Sie habe kein
Zeitgefühl und müsse mehrfach aufgefordert werden aufzustehen. Anschliessend
müsse regelmässig kontrolliert werden, ob sie sich angezogen habe. Dieses Procedere
dauere jeden Morgen 45-60 Minuten. Bei der alltäglichen Lebensverrichtung Essen
benötige die Versicherte Hilfe beim Zerkleinern von Fleisch, Spaghetti, Pizza, Brot etc.
Zudem würde sie nicht genügend trinken, wenn man sie nicht regelmässig daran
erinnern würde. Sie benötige deshalb Hilfe beim Nahrung zerkleinern sowie indirekte
Hilfe. Bei der alltäglichen Lebensverrichtung Fortbewegung sei zu berücksichtigen,
dass die Mutter die Versicherte jeden Morgen an den Bahnhof bringe. Die Versicherte
habe regelmässig den Bus verpasst, da sie keinen Sinn für Zeit habe und sehr
ängstlich sei. Den Heimweg mache sie meist selbstständig. Gesellschaftliche Kontakte
A.d.
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B.
könne sie nur mit der Unterstützung ihrer Mutter pflegen. Die Versicherte könne keine
Fahrpläne und Wegbeschreibungen lesen und umsetzen. Die von der Mutter geleistete
indirekte Hilfe sei zu berücksichtigen.
Am 11. Januar 2019 verfügte die IV-Stelle im Sinne des Vorbescheids, dass die
Versicherte per 1. März 2019 nur noch Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
leichten Grades habe (IV-act. 146). Zum Einwand hielt sie fest, dass dieser keine neuen
Erkenntnisse beinhalte. Die Versicherte könne aus motorischer Sicht sämtliche
Positionswechsel selbstständig erledigen. Indirekte Unterstützungen (Weckdienst,
morgens in die Gänge kommen) lösten bei der alltäglichen Lebensverrichtung
Aufstehen/Absitzen/Abliegen keinen Anspruch aus. Bei der alltäglichen
Lebensverrichtung Essen stelle die Hilfe beim Schneiden eines Stückes Fleisch kein
anrechenbarer regelmässiger und erheblicher Hilfebedarf dar. Die Versicherte könne
das Besteck in aller Regel sinngemäss einsetzen. Gelegentliche Erinnerungen
bezüglich der Flüssigkeitsaufnahme lösten ebenfalls keinen Anspruch aus. Eine
Flüssigkeitsaufnahme könne ritualisiert erfolgen. In Bezug auf die alltägliche
Lebensverrichtung Fortbewegung hielt die IV-Stelle fest, leistungsrelevante Defizite, um
die Wege in der gewohnten Umgebung zu meistern, bestünden "rein motorisch und
überwiegend ebenfalls kognitiv" nicht. Unterstützungen würden schon geleistet. Die
Versicherte könne sich mitteilen und Gesprächen folgen. In der gewohnten Umgebung
sei es ihr möglich, sich mit gleichaltrigen "Schulgspänli" zu treffen und auszutauschen.
A.e.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 11. Februar 2019 eine
Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der
Verfügung vom 9. Januar 2019 und die Zusprache einer Hilflosenentschädigung
mittleren Grades. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zudem beantragte sie die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Ergänzend
zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren machte sie im Wesentlichen geltend, die
behinderungsbedingten Einschränkungen folgten vor allem aus der Autismus-
Spektrum-Störung (ASS). Diese seien erheblich. Typisch für Kinder mit ASS sei, dass
sie körperlich zwar in der Lage seien, die Bewegungen zu machen, jedoch den Sinn
B.a.
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nicht einsähen. Kinder mit ASS benötigten in der Regel insbesondere indirekte Hilfe.
Die Beschwerdeführerin habe grosse Ängste, die sie im Alltag einschränkten.
Erschwerend komme dazu, dass sie motorische Einschränkungen habe. Sie benötige
indirekte Hilfe beim Aufstehen (vgl. die diesbezüglichen Ausführungen beim Einwand
zum Vorbescheid). In Bezug auf die alltägliche Lebensverrichtung Essen sei anerkannt
worden, dass sie daran erinnert werden müsse, genügend zu trinken. Trotzdem gehe
die Beschwerdegegnerin davon aus, dass keine Dritthilfe notwendig sei. Betreffend die
alltägliche Lebensverrichtung Fortbewegung habe die Beschwerdegegnerin
festgehalten, den gut eingeübten Schulweg könne die Beschwerdeführerin selber mit
dem öffentlichen Verkehr bewältigen. Bei anderen "Wegen" müsse sie begleitet
werden, da sie im kognitiven Bereich unterlegen sei. Der Schluss der
Beschwerdegegnerin, dass sie altersentsprechend selbstständig sei, sei nicht
nachvollziehbar. Die Beschwerdegegnerin habe die Kriterien für eine besonders
intensive Überwachung geprüft. Die aufgeführten Punkte zur aktuellen Situation
erfüllten die Kriterien für eine dauernde Überwachung. Die Beschwerdeführerin müsse
hörend überwacht werden und es sei notwendig, dass die Betreuungsperson
gelegentlich nach dem Rechten sehe. Die Beschwerdeführerin benötige zudem
Begleitung, wenn sie Angst habe. Bei Dunkelheit, Gewitter oder starkem Wind habe sie
grosse Angst, die zu Panikzuständen führen könnten. Zusammenfassend sei
festzustellen, dass die Beschwerdeführerin zwar einige alltägliche Lebensverrichtungen
funktionsmässig selber ausführen könne, sie diese ohne die Anweisungen ihrer Mutter
aber nur unvollständig oder gar nicht ausführen würde.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 25. März 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung verwies sie auf eine Stellungnahme des
Fachbereichs vom 14. März 2019 (act. G 5.1, IV-act. 150). Die Fachperson hatte darin
festgehalten, in der Beschwerdeschrift seien keine neuen Erkenntnisse mitgeteilt
worden, die nicht bereits bei der Abklärung bekannt gewesen und gewürdigt worden
seien. Bereits bei der letzten Abklärung vor Ort vom 26. April 2016 sei festgehalten
worden, dass die Beschwerdeführerin in der alltäglichen Lebensverrichtung Aufstehen/
Absitzen/Abliegen selbstständig gewesen sei. Dass sie im Pubertätsalter am Morgen
um 05.45-06.00 Uhr Mühe habe aufzustehen, könne nicht als invaliditätsbedingt
angerechnet werden. Die Mutter der Beschwerdeführerin habe diese Einschätzung bei
B.b.
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der Rücksendung des Abklärungsberichts am 4. November 2018 im Übrigen nicht
beanstandet. Auch in der alltäglichen Lebensverrichtung Essen sei sie bei der letzten
Abklärung vor Ort mehrheitlich selbstständig gewesen. Daran habe sich nichts
geändert. Relevante gesundheitliche Defizite, die das Einfordern des selbstständigen
Essens mit Zerkleinern nicht erlauben würden, lägen nicht vor. Lediglich ein Erinnern,
was mit den Mahlzeiten und dem Trinken zu machen sei, könne nicht als erhebliche
Hilfe anerkannt werden. Die Beschwerdeführerin könne sich in ihrer Umgebung
selbstständig fortbewegen. Dass die Mutter sie am Morgen zum Bahnhof bringe, habe
mit der Wohnsituation zu tun. Die nächste Bushaltestelle sei einen Kilometer entfernt.
Die Beschwerdeführerin sei jedoch in der Lage, den Bus selbstständig zu benutzen,
was sich daran zeige, dass sie zwischendurch eine Strecke, insbesondere den
Heimweg, mit dem Bus selbstständig bewältige. Die Fachperson hatte dabei auf den
Schuljahresbericht 2016/17 verwiesen. In Bezug auf die persönliche Überwachung
hatte die Fachperson festgehalten, die Beschwerdeführerin bewältige Wegstrecken mit
dem öffentlichen Verkehr selbstständig und könne mit anderen "Gspänli" zusammen
ohne Probleme Zeit ohne Überwachung verbringen. Sie wisse sich zu behelfen und
könne das Smartphone selbstständig bedienen. Zu Hause könne sie sich
zwischendurch alleine beschäftigen. Sie stelle nichts Unvernünftiges an, das gefährlich
sein könnte. In keiner Situation sei eine Selbst- oder Fremdgefährdung erkennbar.
Die Beschwerdeführerin liess in ihrer Replik vom 16. Mai 2019 im Wesentlichen
geltend machen (act. G 7), richtig sei, dass ihre Mutter nicht beanstandet habe, dass
die Schwierigkeiten beim Aufstehen im Abklärungsbericht bei der alltäglichen
Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen nicht aufgeführt worden sei. Dies sei
darauf zurückzuführen, dass dieser Teilbereich bei der Abklärung nicht erfragt worden
sei. Der Verweis auf den Abklärungsbericht sei deshalb widersprüchlich. Die Dritthilfe
im Bereich des Aufstehens am Morgen gehe weit über das altersgemässe Verhalten
hinaus. Die Beschwerdeführerin benötige eine ununterbrochene Dritthilfe, damit sie in
der Handlung bleibe und sich nicht verliere. Gerade dies sei typisch für Menschen mit
einer Autismus-Spektrum-Störung. Die Beschwerdegegnerin habe sich in Bezug auf
die alltägliche Lebensverrichtung Essen in einen Widerspruch verstrickt. Sie habe in der
Umschreibung der Dritthilfe festgehalten, dass die Beschwerdeführerin beim
Zerkleinern von härteren Speisen Hilfe benötige. Trotzdem habe sie im
B.c.
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Abklärungsbericht angekreuzt, dass die Nahrung nicht zerkleinert werden müsse. Bei
der alltäglichen Lebensverrichtung Fortbewegung habe die Beschwerdegegnerin auf
einen Schulbericht verwiesen, in welchem festgehalten sei, dass die
Beschwerdeführerin den Schulweg zuverlässig und sicher mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln meistere. Dazu sei festzuhalten, dass es sich beim Schulbericht um
einen pädagogischen Bericht handle, welcher die Schülerin mit den anderen
Schülerinnen in den Klassen vergleiche. Aufgabe der IV im Rahmen der
Hilflosenentschädigung sei es jedoch, die Defizite im Vergleich zu einem gleichaltrigen
Kind ohne Behinderung abzuklären. Der Schulbericht sei daher kaum geeignet,
Grundlage für die Abklärung der Hilflosenentschädigung zu sein. Unbestritten sei, dass
die Beschwerdeführerin gewisse Wege wie den eingeübten Schulweg ab dem Bahnhof
selbstständig zurücklegen könne. Die benötigte Dritthilfe auf dem Weg zur
Bushaltestelle sei nicht auf den langen Fussweg zurückzuführen, sondern hänge mit
der Behinderung zusammen. Die Ablenkungen auf dem Weg seien gross und die
Beschwerdeführerin verliere sich. Nicht bekannte Wege könne sie nicht alleine
zurücklegen. In Bezug auf die persönliche Überwachung hielt die Rechtsvertreterin fest,
die Beschwerdeführerin bedürfe keiner besonders intensiven Überwachung. Sie sei
jedoch keinesfalls so selbstständig wie andere 15- bzw. 16-Jährige. Ein grosses Thema
seien die Ängste und die Panik, die in objektiv nicht aussergewöhnlichen Situationen
bestünden. Die Unsicherheit, wenn ein Bus verspätet sei, führe innert Kürze zu einer für
sie ausserordentlichen Situation. Steigere sich die Angst zu einer Panik, sei eine
Selbstgefährdung durchaus denkbar. Die Voraussetzungen für eine dauernde
Überwachung seien gegeben, auch wenn die Beschwerdeführerin eine gewisse
Selbstständigkeit ausweise.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 5. Juli 2019 das
Gesuch um die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren
(act. G 11).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 12).B.e.
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Erwägungen
1.
Eine formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung wird von Amtes wegen oder
auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde
liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR
830.1). Die Beschwerdeführerin bezieht seit dem 7. März 2012 eine
Hilflosenentschädigung mittleren Grades. Mit der Mitteilung vom 6. Juni 2016 hat die
Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwerdeführerin unverändert bestätigt. Mit
der angefochtenen Revisionsverfügung vom 11. Januar 2019 hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eröffnet, dass ihr ab dem 1. März 2019
lediglich noch eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit leichten Grades zustehe.
Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die
Hilflosenentschädigung zu Recht herabgesetzt hat. Da die Anspruchsberechtigung der
Beschwerdeführerin zuletzt im Jahr 2016 materiell überprüft worden ist, ist zu klären,
ob sich die Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin zwischen dem 6. Juni 2016 (Datum der
Mitteilung, IV-act. 113) und dem 11. Januar 2019 anspruchsrelevant verändert hat.
2.
Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos
sind, haben nach Art. 42 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als
hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 ATSG).
2.1.
Die massgebenden alltäglichen Lebensverrichtungen betreffen sechs Bereiche:
Ankleiden/Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Verrichten
der Notdurft und Fortbewegung (Rz 8010 des Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, Stand 1. Januar 2018). Der Bedarf nach
Hilfeleistungen muss regelmässig und in erheblicher Weise bestehen (Art. 37
Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201). Regelmässig werden
Hilfeleistungen benötigt, wenn sie täglich oder eventuell täglich erbracht werden
müssen (vgl. Rz 8025 KSIH). Erheblich sind Hilfeleistungen, wenn die versicherte
Person mindestens eine Teilfunktion einer alltäglichen Lebensverrichtung nicht mehr,
nur noch mit unzumutbarem Aufwand oder nur noch auf unübliche Art und Weise
2.2.
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selbst ausführen kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne besondere
Aufforderung nicht vornehmen würde, oder wenn sie sie selbst mit Hilfe Dritter nicht
erfüllen kann, weil sie für sie keinen Sinn hat (vgl. Rz 8026 KSIH). Von der direkten
Dritthilfe bei der Ausführung der alltäglichen Lebensverrichtungen ist somit die indirekte
Dritthilfe zu unterscheiden. Die indirekte Hilfe betrifft zur Hauptsache psychisch oder
geistig behinderte Menschen. Indirekte Dritthilfe ist gegeben, wenn die versicherte
Person die alltäglichen Lebensverrichtungen zwar funktionsmässig selber ausführen
kann, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu Unzeiten tun würde, wenn sie sich
selbst überlassen wäre. Die indirekte Dritthilfe setzt voraus, dass die Drittperson
regelmässig anwesend ist und die versicherte Person insbesondere bei der Ausführung
der in Frage stehenden Verrichtungen persönlich überwacht, sie zum Handeln anhält
oder von schädigenden Handlungen abhält und ihr nach Bedarf hilft (Rz 8029 f. KSIH).
Der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung bezieht sich nicht auf die
alltäglichen Lebensverrichtungen. Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte
Hilfe in einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden
haben, können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins
Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter eine medizinische und pflegerische Hilfeleistung
zu verstehen, welche infolge des Gesundheitszustandes der versicherten Person
notwendig ist. Eine solche persönliche Überwachung ist beispielsweise dann
erforderlich, wenn eine versicherte Person wegen geistiger Absenzen nicht während
des ganzen Tages allein gelassen werden kann oder wenn eine Drittperson mit
kleineren Unterbrüchen bei der versicherten Person anwesend sein muss, da sie nicht
allein gelassen werden kann. Die persönliche Überwachung muss ein gewisses Mass
an Intensität aufweisen. Ob dauernde Hilfe oder persönliche Überwachung nötig sind,
ist objektiv, nach dem Zustand der versicherten Person zu beurteilen. Eine
Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen werden, wenn die versicherte Person
ohne Überwachung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sich selbst oder
Drittpersonen gefährden würde (vgl. Rz 8035 KSIH).
2.3.
Gemäss Art. 42 Abs. 2 IVG ist zu unterscheiden zwischen schwerer,
mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit. Bei Minderjährigen gilt die Hilflosigkeit als
mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den
meisten (mindestens vier; vgl. Rz 8009 KSIH) alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder in mindestens
zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe
Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf
(Art. 37 Abs. 2 lit. a und b IVV; lit. c gilt nur für volljährige versicherte Personen, vgl.
2.4.
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3.
Art. 42 Abs. 5 IVG und Art. 38 Abs. 1 IVV). Eine leichte Hilflosigkeit liegt unter
anderem vor, wenn die minderjährige versicherte Person trotz der Abgabe von
Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. a und b IVV; zu den weiteren
Fällen vgl. Art. 37 Abs. 3 lit. c und d; lit. e gilt nur für volljährige versicherte Personen,
vgl. Art. 42 Abs. 5 IVG und Art. 38 Abs. 1 IVV). Bei Minderjährigen ist nur der
Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht
behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (Art. 37 Abs. 4 IVV).
bis
bis
In den alltäglichen Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden und Körperpflege
besteht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nach wie vor ein
Hilfebedarf: Die Abklärungsperson hat im Bericht vom 10. Oktober 2018 festgehalten
(IV-act. 136), die Beschwerdeführerin bedürfe der Hilfe bei der Auswahl der Kleider, da
sie sich selbstständig nicht witterungsgemäss zu kleiden vermöge. Beim Anziehen
benötige sie gelegentlich eine Handreichung beim Schliessen eines Knopfes oder um
etwas zu binden. Für eine gründliche Körperpflege habe die Beschwerdeführerin kein
Empfinden. Ihre Wahrnehmung reiche nicht aus, um aus eigenem Antrieb eine
verlässliche Eigenleistung vorzunehmen. Sie benötige Hilfe bei der Zahnreinigung und
beim Baden/Duschen. Die Mutter der Beschwerdeführerin hat ergänzend geltend
gemacht, die Beschwerdeführerin benötige auch Hilfe beim Kämmen der Haare und
beim Rasieren unter den Achseln. Diese Ausführungen sind schlüssig und
überzeugend. Dem Schuljahresbericht 2016/17 (IV-act. 126) lässt sich zwar
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Selbstbesorgung (sich
waschen und pflegen; die Toilette benutzen; sich kleiden; essen und trinken)
selbstständig gewesen ist. Aber dies steht nicht im Widerspruch zu den Ausführungen
im Abklärungsbericht, denn diese Feststellung im Schuljahresbericht bezieht sich nicht
auf die im Abklärungsbericht angesprochenen Verrichtungen. Nach der allgemeinen
Lebenserfahrung müssen im Schulalltag natürlich keine Kleider ausgewählt und wohl
auch keine Zähne gereinigt werden. Die Beschwerdegegnerin ist somit zu Recht davon
ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in
den alltäglichen Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden und Körperpflege nach wie
vor auf regelmässige und erhebliche Hilfe angewiesen ist.
3.1.
In Bezug auf die alltägliche Lebensverrichtung Fortbewegung/Pflege
gesellschaftlicher Kontakte hat die Abklärungsperson im Bericht vom 10. Oktober 2018
festgehalten, die Beschwerdeführerin benötige eine Begleitung zu Arzt-/
3.2.
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Therapiegesprächen. Zu Hause könne sie sich frei bewegen und den gut eingeübten
Schulweg könne sie mehrheitlich selber mit dem öffentlichen Verkehr bewältigen. Die
Beschwerdeführerin würde gerne auch alleine weitere Wege in Angriff nehmen, doch
müsse man sie etwas schützen, da sie im Vergleich zu Gleichaltrigen, insbesondere im
kognitiven Bereich, unterlegen sei. Letztlich sei sie jedoch in der Lage, Kontakte zu
pflegen. Aus dem Schuljahresbericht 2016/17 ist ersichtlich, dass die
Beschwerdeführerin den Schulweg mit guter Sicherheit mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln hat meistern können. Ihre Fähigkeit, die Aufmerksamkeit gezielt und
ausdauernd auf etwas zu lenken, hat sie weiter steigern können. Die Rechtsvertreterin
hat geltend gemacht, unbestritten sei, dass die Beschwerdeführerin gewisse Wege wie
den eingeübten Schulweg ab dem Bahnhof selbstständig zurücklegen könne. Zum
Bahnhof werde die Beschwerdeführerin jeden Morgen von der Mutter gebracht, da sie
regelmässig den Bus verpasst habe. Die Beschwerdeführerin habe keinen Sinn für Zeit
und sei sehr ängstlich. Den Heimweg mache sie im Sommer oft selbstständig, da es
keine Rolle spiele, wie lange sie für den Weg benötige. Unvorhergesehenes wie ein
verspäteter oder verpasster Bus führe zu grossen Ängsten und Panik. Gesellschaftliche
Kontakte könne sie nur mit der Unterstützung ihrer Mutter pflegen. Sie könne keine
Fahrpläne und Wegbeschreibungen lesen und umsetzen. Dr. C._ hat im Bericht vom
22. Januar 2018 festgehalten (IV-act. 123), die Beschwerdeführerin zeige häufig ein
recht unreifes, kleinkindliches Verhalten. Aufgrund des Autismus lägen auch massive
Ängste vor. Unbestritten und durch die Akten belegt ist, dass die
Beschwerdeführerineinen Teil des Schulwegs selbstständig zurücklegen kann, nämlich
den Weg vom Bahnhof bis zur Schule und zurück bis nach Hause. An den
Ausführungen der Rechtsvertreterin, wonach die Beschwerdeführerin jeden Morgen
von ihrer Mutter an den Bahnhof gebracht werden müsse, sind Zweifel anzubringen. Ist
die Beschwerdeführerin nämlich in der Lage, den Heimweg selbstständig zu meistern –
auch dann kann es vorkommen, dass der Bus verspätet ist oder sie diesen verpasst –
dürfte sie auch in der Lage sein, den Hinweg von zu Hause zur Bushaltestelle und
weiter zum Bahnhof selbstständig zurücklegen. Auf einer gewohnten Strecke lässt sich
zudem antrainieren, dass man ein bestimmtes Tempo einhält und sich nicht ablenken
lässt. Dass die Beschwerdeführerin ihre Fähigkeit, die Aufmerksamkeit gezielt und
ausdauernd auf etwas zu richten, hat weiter steigern können, ergibt sich aus dem
Schuljahresbericht 2016/17. Die Beschwerdeführerin sollte damit in der Lage sein, den
kompletten Schulweg selbstständig zu meistern. Dies braucht jedoch nicht
abschliessend geklärt zu werden. Die Rechtsvertreterin hat nämlich nachvollziehbar
dargelegt, dass die Beschwerdeführerin zur Pflege gesellschaftlicher Kontakte der Hilfe
durch ihre Mutter bedarf. Da es sich um unterschiedliche Wege handeln kann – die
Beschwerdeführerin geht beispielsweise mit Freundinnen ins Kino oder einkaufen –
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lässt sich deren Zurücklegen nicht einüben. Auch die Abklärungsperson hat im Bericht
festgehalten, dass man die Beschwerdeführerin beim Zurücklegen weiterer Wege
"etwas schützen" müsse. Dabei ist es ausreichend, dass die Kontakte in einer
Regelmässigkeit stattfinden, welche im Alltag üblich sind (vgl. Rz 8023 KSIH). Dies ist
vorliegend als erfüllt zu betrachten. In diesem Zusammenhang ist auch auf den Bericht
von Dr. C._ zu verweisen, wonach die Beschwerdeführerin häufig ein unreifes,
kleinkindliches Verhalten zeige sowie massive Ängste habe. Ob das kindliche Verhalten
und die Ängste in dem von Dr. C._ geschilderten Ausmass vorliegen, kann
offenbleiben. Gestützt auf den Abklärungsbericht, die Darlegungen der
Rechtsvertreterin und den Bericht von Dr. C._ ist es überwiegend wahrscheinlich,
dass die Beschwerdeführerin im Bereich der Fortbewegung im Freien und zur Pflege
gesellschaftlicher Kontakte nach wie vor Hilfe benötigt.
Die Rechtsvertreterin hat geltend gemacht, die Beschwerdeführerin bedürfe in den
alltäglichen Lebensverrichtungen Aufstehen/Absitzen/Abliegen und Essen der Hilfe. Sie
hat ausgeführt, ohne die Anwesenheit einer Betreuungsperson würde es der
Beschwerdeführerin nicht gelingen, rechtzeitig in der Schule zu sein. Sie habe kein
Zeitgefühl und müsse mehrfach aufgefordert werden aufzustehen. Anschliessend
müsse regelmässig kontrolliert werden, ob sie sich angezogen habe. Dieses Procedere
dauere jeden Morgen 45-60 Minuten. Bei der alltäglichen Lebensverrichtung Essen
benötige die Versicherte Hilfe beim Zerkleinern von Fleisch, Spaghetti, Pizza, Brot etc.
Zudem würde sie nicht genügend trinken, wenn man sie nicht regelmässig daran
erinnern würde. Sie benötige deshalb Hilfe beim Zerkleinern der Nahrung sowie
indirekte Hilfe beim Trinken. Im Abklärungsbericht vom 10. Oktober 2018 ist in Bezug
auf die alltägliche Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen festgehalten
worden, dass die Beschwerdeführerin sämtliche Positionswechsel selbstständig
vornehmen könne. Motorisch bestünden gute Möglichkeiten für verlässliche
Eigenleistungen. Die Beschwerdeführerin ist also motorisch in der Lage, selber
aufzustehen, abzusitzen und abzuliegen. Fraglich ist, ob die von der Mutter am Morgen
geleistete Hilfe beim Aufstehen wegen der Autismus-Spektrum-Störung, an der die
Beschwerdeführerin leidet, erforderlich ist oder ob das geschilderte morgendliche
Verhalten der Beschwerdeführerin auf die normale Entwicklung, die auch ein nicht
behindertes Kind durchleben kann, zurückzuführen ist. Auch eine gesunde 15-jährige
jugendliche Person bedarf nämlich am Morgen beim Aufstehen unter Umständen der
Hilfe. Davon auszugehen ist, dass es aus objektiver Sicht unmöglich ist festzustellen,
ob die Ursache des Verhaltens der Beschwerdeführerin in der Autismus-Spektrum-
Störung liegt oder ob dieses auf die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin
zurückzuführen ist. Selbst wenn es Erfahrungswerte geben sollte, ab welchem Alter ein
3.3.
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Kind oder eine jugendliche Person am Morgen selbstständig aufstehen kann, wären
diese in Bezug auf die Beschwerdeführerin nicht aussagekräftig. Anhand von
Erfahrungswerten könnte lediglich belegt werden, dass die Beschwerdeführerin
wahrscheinlich behinderungsbedingt nicht selbstständig aufstehen kann bzw. dass
dies wahrscheinlich auf ihre Persönlichkeit zurückzuführen ist. Eine überwiegende
Wahrscheinlichkeit, dass sie am Morgen beim Aufstehen behinderungsbedingt der
Hilfe bedarf, wäre daraus nicht ableitbar. Damit ist eine Verschlechterung der Situation
nicht nachweisbar. Die Beschwerdegegnerin hat somit in der Verrichtung Aufstehen/
Absitzen/Abliegen zu Recht eine Verschlechterung der Situation, die neu einen
Hilfebedarf auslösen würde, verneint. In Bezug auf die alltägliche Lebensverrichtung
Essen ist im Abklärungsbericht vom 10. Oktober 2018 festgehalten worden, die
Beschwerdeführerin könne das Besteck grundsätzlich sinnvoll einsetzen. Manchmal
werde ihr etwas kleingeschnitten. In der Schule könnten die Speisen ebenfalls
weitgehend selbstständig eingenommen werden. Im Rahmen der fixen Strukturen sei
gewährleistet, dass sie genügend Flüssigkeit aufnehme. Zu Hause benötige es
gelegentlich einen Hinweis, dass sie genügend trinken müsse. Auf solch einen Hinweis
könne sie reagieren. Auch im Abklärungsbericht vom 31. Mai 2016 ist festgehalten
worden, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich selbstständig essen und das
Besteck benutzen könne. In seltenen Fällen werde ihr beim Schneiden härterer Speisen
geholfen. Dies komme jedoch nicht täglich vor. Ein Bedarf an regelmässiger und
erheblicher Hilfe wurde bereits damals verneint. Dass die Beschwerdeführerin
grundsätzlich in der Lage ist, das Besteck zu benützen und selbstständig zu essen, ist
unbestritten. Das gelegentliche Zerschneiden harter Speisen stellt keinen
regelmässigen und erheblichen Hilfebedarf dar, da solche Speisen nicht täglich
gegessen werden (vgl. Rz 8018 KSIH). In Bezug auf die Flüssigkeitsaufnahme hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht festgehalten, dass diese ritualisiert erfolgen könne. Falls
die Beschwerdeführerin dennoch hin und wieder an das Trinken erinnert werden muss,
stellt dies keinen regelmässigen und erheblichen Hilfebedarf dar. Die
Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht eine Verschlechterung der Situation, die neu
einen Hilfebedarf in der alltäglichen Lebensverrichtung Essen auslösen würde, verneint.
In Bezug auf die alltägliche Lebensverrichtung Verrichten der Notdurft ist
unbestritten, dass kein regelmässiger und erheblicher Hilfebedarf besteht. Aus den
Akten ergeben sich keine gegenteiligen Anhaltspunkte. Damit ist mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin beim
Verrichten der Notdurft nach wie vor keine Hilfe benötigt.
3.4.
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Die Rechtsvertreterin hat geltend gemacht, die Voraussetzungen für eine dauernde
persönliche Überwachung seien gegeben. Die Beschwerdeführerin müsse hörend
überwacht werden. Zudem benötige sie Begleitung, wenn sie Angst habe. Bei
Dunkelheit, Gewitter oder starkem Wind habe sie grosse Angst, die zu Panikzuständen
führen könne. Die Unsicherheit, wenn ein Bus verspätet sei, führe innert Kürze zu einer
für die Beschwerdeführerin ausserordentlichen Situation. Steigere sich die Angst zu
einer Panik, sei eine Selbstgefährdung durchaus denkbar. Im Abklärungsbericht vom
10. Oktober 2018 ist festgehalten worden, dass sich die Beschwerdeführerin für eine
Zeit lang alleine in ihrem Zimmer beschäftigen könne. Eine hörende Überwachung mit
gelegentlichem Augenschein sei in der Regel ausreichend. Regelmässige Ausraster
oder Aggressivität mit selbst- oder fremdgefährlichem Verhalten lägen nicht vor. Die
Notwendigkeit einer dauernden persönlichen Überwachung ist vorliegend nicht
ausgewiesen: Die Ausführungen im Abklärungsbericht, wonach die Beschwerdeführerin
hörend überwacht werden müsse, überzeugen nicht. Wäre dies zutreffend, müsste die
Beschwerdeführerin auch auf dem Schulweg begleitet werden. Dies ist nicht der Fall
(siehe E. 3.2). Im Schuljahresbericht 2016/17 ist zudem über eine nachweislich hohe
Selbstständigkeit der Beschwerdeführerin berichtet worden: Die Beschwerdeführerin
bewegt sich sehr selbstständig und selbstbewusst durch den Schulalltag; sie wirkt im
Grossen und Ganzen ausgeglichen und selbstsicher und zeigt ein deutlich gesteigertes
Selbstwertgefühl. Dies spricht klar gegen den Bedarf nach einer dauernden
persönlichen Überwachung. Die im Abklärungsbericht festgehaltene Aussage der
Mutter dürfte deshalb als Ausdruck einer Tendenz zur Überbehütung der
Beschwerdeführerin zu werten sein. Eine Begleitung der Beschwerdeführerin bei
Dunkelheit, Gewitter oder starkem Wind erfüllt das Kriterium der Dauerhaftigkeit einer
persönlichen Überwachung nicht. Dauernd bedeutet, dass die persönliche
Überwachung – vergleichbar mit einer alltäglichen Lebensverrichtung – regelmässig
notwendig ist, beispielsweise wenn eine versicherte Person rund um die Uhr oder vom
Aufstehen bis zum Zubettgehen einer Überwachung bedarf. Eine lediglich
witterungsbedingte Begleitung, welche naturgemäss unregelmässig anfällt, stellt somit
keinen Grund für eine dauernde persönliche Überwachung dar. Anhaltspunkte für ein
selbst- oder fremdgefährdendes Verhalten bestehen nicht. Damit ist mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die
Beschwerdeführerin keiner dauernden persönlichen Überwachung mehr bedarf. Die
Beschwerdegegnerin hat diese somit zu Recht verneint.
3.5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in drei von sechs alltäglichen
Lebensverrichtungen (Ankleiden/Auskleiden, Körperpflege und Fortbewegung/Pflege
gesellschaftlicher Kontakte) eine Hilflosigkeit ausgewiesen ist. Die Notwendigkeit einer
3.6.
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4.
dauernden persönlichen Überwachung ist dagegen nicht ausgewiesen. Damit sind nur
noch die Voraussetzungen einer leichten Hilflosigkeit erfüllt (vgl. Art. 37 Abs. 3 IVV).
Bei der letzten materiellen Überprüfung des Leistungsanspruchs, welche mit der
Mitteilung vom 6. Juni 2016 abgeschlossen worden ist, ist eine Hilflosigkeit in den
alltäglichen Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden, Körperpflege und
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte sowie eine
Überwachungsbedürftigkeit bestätigt worden (vgl. IV-act. 111, 113). Die Situation hat
sich im Zeitraum zwischen dem 6. Juni 2016 und dem 11. Januar 2019
(Verfügungszeitpunkt) insofern verändert, als die Beschwerdeführerin keiner
persönlichen dauernden Überwachung mehr bedarf. Somit ist ein Revisionsgrund
gegeben. Die Beschwerdegegnerin hat die Hilfslosenentschädigung gestützt auf Art. 37
Abs. 3 lit. a IVV zu Recht per 1. März 2019 von mittelschwer auf leicht herabgesetzt.
3.7.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.3.8.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
4.1.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Zeitaufwand der Rechtsvertreterin für das
Aktenstudium ist im vorliegenden Fall erheblich geringer gewesen als in einem
durchschnittlichen IV-Rentenfall. Schwierige Rechtsfragen haben sich keine gestellt.
Eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 2'500.-- scheint daher als angemessen.
Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).
Somit entschädigt der Staat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin mit
Fr. 2'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
4.2.
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