Decision ID: 10d3667a-8893-4445-a4a9-b7c4dfdfdbd2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, war als Arbeitnehmer und Inhaber bei der
Y._
AG tätig (Urk. 8/Z1, Urk. 8/Z100) und damit bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Z
ürich
) versichert, als er sich am 2. Mai 2011 bei einem Sturz auf der Treppe am linken Ellbogen und
am linken
Knie verletzte (Urk. 8/Z1).
Nach getätigten Abklärungen verneinte die
Zürich
mit Verfügung vom 19. Juli 2012 (Urk. 8/Z50) ihre Leistungspflicht für die Ellbogenbeschwerden links man
gels Kausalzusammenhangs. Die vom Versicherten am 12. September 2012 erho
bene Einsprache (Urk. 8/Z56) wies die
Zürich
nach eingeholtem
bidiszipli
nären
Gutachten (Urk. 8/ZM42-43) am 27. Juni 2014 ab (Urk. 8/Z100 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 1. November 2014 Beschwerde (Urk. 1) gegen den
Einspracheentscheid
vom 27. Juni 2014 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihm – eventuell gestützt auf ein einzuholendes medi
zini
sches Gutachten – für die Folgen der durch den Unfall vom 2. Mai 2011 verur
sachten Schädigung am linken Arm die gesetzlichen Leistungen (Taggeld,
Heil
behandlungskostenersatz
, eventuell Rente und Integrität
sentschädigung) auszurichten (S. 2 oben).
Mit Beschwerdeantwort vom 15. Oktober 2014 (Urk. 7) beantragte die
Zürich
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 21. Oktober 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
werden
– soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.2
Nach Art. 10 Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsun
fähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Un
falles zu mindestens 10
%
(Art.
8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) invalid, so hat
sie Anspruc
h auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs.
1
UVG
). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und di
e Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs.
1 UVG).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vor
handensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und
sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 2
6.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die ent
sprechende Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Per
son, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massge
bend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 1
1.
März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
status
quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
status
quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art.
36
Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heil
behandlungskosten nach Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 11.
März 2014 E. 2.3.2).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) davon aus,
es sei auf das von ihr eingeholte Gutachten abzustellen (S. 2 ff.); demnach sei
en
in Berücksichtigung der Krankengeschichte
mit den
vorbestehenden
Beschwer
den und dem zu kurzen Intervall zwischen Ereignis und Operation die
nunmehr
geklagten Beschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich durch das
Unfaller
eig
nis
ausgelöst worden
, sondern vielmehr sei
es
durch einen damaligen Infekt zu einer Verschlechterung des bestehenden Schmerzzustandes gekommen (S. 2 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber beschwerdeweise (Urk. 1) auf den Standpunkt,
die im Jahr 2006 bestandenen Beschwerden am linken Ellbo
gen seien bis Sommer 2007 abgeklärt und behandelt worden, mithin seien sie bis Ende 2007 vollständig abgeklungen
,
und er sei seit Ende 2007 bis zum Unfall vom 2. Mai 2011 beschwerdefrei gewesen
(S. 3).
Zudem
sei
das einge
holte Gutachten – aus näher dargelegten Gründen – mangelhaft (S. 6 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unter
lagen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass
die
noch bestehende
n
Beschwerden
des Beschwerdeführers
nicht Folge des Unfalls vom Juni 2
011
waren.
3.
3.1
Aus de
n
medizinischen
Akten
geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit Juni 2005 über spontane mediale Ellbogenbeschwerden links geklagt hatte, we
lche seit Februar 2006
exaz
erbiert
hatten (vgl. Urk. 8/ZM31 S. 1). Am 7. Juni 2006 erfolgte in der Klinik
Z._
eine Ellbogenarthroskopie sowie eine
Plicare
sektion
posterokranial
(Urk. 8/ZM22),
was jedoch nicht zu einer Besserung der Beschwerden führte.
PD Dr. med.
A._
, Facharzt für Orthopä
dische Chirurgie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 13. März 2007 (Urk. 8/ZM31) eine Neuropathie
Nervus
ulnaris
bei wechselseitigem
geringgra
digem
Snapping
Triceps
sowie
eine
Epicondylopathia
ulnaris
links (S. 1) und
erläuterte die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffs, mit welchem die Chan
ce
n
auf eine Verbesserung der Beschwerden bei 80 % läge
n
(S. 2). Am 27. August 2007 erfolgte in der Klinik
Z._
eine Konsultation, in welcher die Ärzte davon ausgingen, dass eine Operation (Vorverlagerung des
Nervus
ulnaris
) sich nicht aufdränge, woraufhin der Beschwerdeführer in Anbetracht der jeweils langwierigen Rehabilitation nach vorgegangenen Operationen eine
Bedenkfrist
wünschte (Urk. 8/ZM35).
Nach Lage der Akten erfolgte später keine Operation und auch die Therapieversuche in der Klinik
Z._
wurden abgebrochen (vgl. Urk. 8/ZM21 S. 1).
3.2
Am 7. Juni 2011 wurde eine Unfallmeldung erstattet (Urk. 8/Z1).
Darin wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei am 2. Mai 2011 von der Treppe gestürzt
und auf die linke Körperseite gefallen. Betreffend Art der Verletzung wurden folgende Stichworte genannt: linkes Knie, linker Ellbogen. Bewegungen seien nur noch unter Schmerzen möglich.
3.3
Dr. med.
B._
,
Chefarzt Chirurgie,
C._
,
D._
, versorgte am 3. Juni 2011
operativ
eine
Epicondylitis
humero
-
ulnaris
links analog Hohmann
(Urk. 8/ZM7). Zuhanden der Beschwerdegegnerin berichtete er am 17. August 2011 (Urk. 8/ZM4) von persistierenden Schmerzen im linken Arm (Ziff. 1) und attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers
vom 9. bis 24. Juli 2011 und hernach eine solche
im Umfang von
70 % bis 30. September 2011 (Ziff. 3).
3.4
Aufgrund fortbestehender Beschwerden, welche als
Ulnarissymptomatik
vermu
tet, jedoch bildgebend nicht objektiviert werden konnte
n
, wurde am 10. Oktober 2011 in der
C._
eine Revision mit Narbenexzision und
eine
Neurolyse
des
Nervus
ulnaris
links durchgeführt (Urk. 8/ZM7).
3.5
Vom 1
4.
b
is 25. November
2011
weilte der Beschwerdeführer stationär im Spital
E._
, wo
aufgrund einer Wundinfektion am linken Ellbogen
am
14. (vgl. Operationsbericht vom 17. November 2011, Urk. 8/ZM13) und
a
m
23. November 2011
(vgl. Operationsbericht vom 24. November 2011, Urk. 8/ZM12)
Folgeoperation
en
durchgeführt wurde
n
(
vgl.
Austritt
sbericht vom 28. November 2011;
Urk. 8/ZM14)
.
Die Ärzte attestierten dem Beschwerdeführer
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis 12. Januar 2012 (Urk. 8/ZM16).
3.6
Am 14. Dezember 2011 begründete Dr.
B._
(vgl. vorstehend E. 3.3)
gegen
über der Beschwerdegegnerin, weshalb
aus seiner Sicht
der Beschwerdeführer Anspruch auf Leistungen aus der Unfallversicherung haben sollte (Urk. 8/ZM18). Dabei führte er aus, dass die beiden Fälle von 2006 und 2011 auseinandergehalten werden müssten. Nach der operativen Versorgung am lin
ken Ellbogen
im Juni 2006 habe sich der Beschwerdeführer von diesem Leiden nicht vollständig erholen können. Hingegen habe er sich bei einem Sturz im Frühling 2011 wiederum am Ellbogen verletzt und es sei in der Folge zu einer traumatischen
Epicondylitis
humero
ulnaris
links gekommen, was nach Versa
gen der konservativen Therapien am 3. Juni 2011 zu einer
Epicondylitis
-Opera
tion mit
Denervation
analog Hohmann geführt habe
.
3.7
Der beratende Arzt der Beschwerde
gegnerin, Dr.
med.
F._
, Fach
arzt für Chirurgie und Handchirurgie, gelangte in seiner Beurteilung vo
m 18. April 2012 (Urk. 8/ZM21) zum Schluss, dass mit Verweis auf Dr.
A._
, welcher bereits am 13. März
2007 eine
Epicondylitis
diagnos
tiziert habe, ein gut dokumentierter Vorzustand mit einer Operationsindikation bestanden habe. Zwischen dem Unfall vom 5. Mai 2011 und der Operation vom 6. Juni 2011 bestehe eine
Zeitspanne von vier Wochen. Eine
Operationsindika
tion
bei einer
Epicondylitis
werde nicht nach dieser kurzen Zeit gestellt. Viel
mehr
wür
den
im Voraus diverse konservative Therapien ausprobiert, und
eine
Operation werde erst notwendig, wenn diese Massnahmen keinen Erfolg zeigen würden. Dies lasse darauf schliessen, dass vor dem Unfallereignis schon massive Be
schwerden am linken
Ellbogen
bestanden hätten
, welche nicht
mit überwie
gen
der Wahrscheinlichkeit durch das Unfallereignis ausgelöst worden seien (S. 2).
3.8
Dr.
B._
hielt in seinem Schreiben vom 28. August 2012 (Urk. 8/ZM36/1) an seiner Einschätzung fest, wonach die Unfallkausalität feststehe und der Beschwerdeführer
sich
nach dem Treppensturz vom 2. Mai 2011 eine traumati
sche
Epicondylitis
humero
ulnaris
links zugezogen habe.
3.9
Dr.
B._
berichtete anlässlich der am 30. September und 1. Oktober 2012 durch
geführten Verlaufskontrollen am 19. Oktober 2012 (Urk. 8/ZM38/1) über persistierende Restbeschwerden am linken
Ellbogen
mit Schmerzen und
Sensi
bilitätsstörung
. Die veranlasste bildgebende Untersuchung habe eine
regrediente
intratendinöse
Flüssigkeitskollektion, narbige Veränderungen mit Metallabrieb, aber insgesamt ein
en
regrediente
n
Befund und keinen Hinweis auf ein
Impin
gement
des
Nervus
ulnaris
gezeigt. Er verordnete dem Beschwerdeführer inten
sive Physiotherapie mit Muskelaufbautraining und erachtete eine lokale Infilt
ration in das linke
Ellbogen
gelenk als
zusätzliche
therapeutische Massnahme.
3.10
Dr. med.
G._
, Spital
E._
, gab in seinen Stellungnahmen vom 3. Dezember 2012 (Urk. 8/ZM40) und vom 10. Januar 2013 (Urk. 8/ZM41) gegenüber der Beschwerdegegnerin Auskunft über die Knie- und
Ellbogen
be
schwerden
sowie die Arbeitsunfähigkeiten des Beschwerdeführers. Dabei
führte er aus
, dass der Beschwerdeführer
betreffend
die Ellbogenschmerzen links
an
gebe, dass er schmerzempfindlicher geworden sei, wobei sich der
Grund
schmerz
nicht verändert habe. Bei der
Ellbogen
symptomatik könne angenom
men wer
den, dass eine sympathisch unterhaltene Schmerzproblematik vorhanden sei. Aus medizinischen Gründen sei der Beschwerdeführer vom 25. Dezember 2011 bis 7. Mai 2012 vollständig und hernach zu 30 % arbeits
un
fähig gewesen.
3.1
1
3.11.1
Am 11. Dezember 2013 erstatten die Ärzte des
H._
das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene
bidisziplinäre
(neurologi
sch
e
/ortho
pädisch
e
)
Gutachten (
nachfolgend:
H._
-Gutachten;
Urk. 8/ZM42
-43
).
Dabei stützten sich die Gutachter auf die ihnen zur Verfügung gestellten Akten sowie auf die Befragungen und Unter
suchungen des Beschwerdeführers.
3.11.
2
Im
orthopädischen Teilgutachten (Urk. 8/ZM42) nannten
die Gutachter
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12 Ziff. 8.1):
c
hronifizierte
Schmerzen medialer Ellbogen links
Complex
Regional
Pain
Syndrom Typ I
Allodynie
im Narbenbereich
intermittierendes sensibles
Reizsyndrom des
Nervus
ulnaris
links
Die Gutachter führten aus, aktuell leide der Beschwerdeführer an einer Über
empfindlichkeit im Bereich des linken medialen Ellbogens. Diese trete bereits bei leichter Berührung auf und sei am geringsten in 30° Flexion des linken
Ellbo
gen
s. Dabei träten immer wieder
Kribbelparästhesien
im Ring- und Kleinfinger auf (S. 10 Ziff. 3).
In ihrer Beurteilung hielten sie sodann fest, der Besch
werdeführer leide an einer
Allod
ynie
(Überempfindlichkeit) im Narbenbereich am medialen Ellbogen und an einem intermittierenden sensiblen Reizsyndrom des
Nervus
ulnaris
.
Zwischen dem Unfallereignis und der Operation bestehe eine Zeit
spanne von vier Wo
chen. In der Literatur werde grundsätzlich ein operatives Vorgehen erst nach Versagen der konservativen Möglichkeiten nach 6-12 Monaten empfohlen, da in bis zu 90 % der Fälle in diesem Zeitraum die Beschwerden sistieren würden. Vier Wochen seien nach ihrer Ansicht eine kurze Zeit, um eine
Operationsindi
kation
bei einer
Epicondylopathia
ulnaris
zu stellen.
Im Sprechstundenbericht von Dr.
B._
,
datiert vom 17. Mai 2011, werde allerdings eine Leidenszeit von 8 Wochen dokumentiert. Somit scheine der Beginn der Symptome deutlich vor dem Unfallereignis zu sein, mithin
seien
die Beschwerden bereits vor dem Sturz vorhanden gewesen
. Darüber hinaus lasse sich in der Literatur kein Zusammen
hang
zwischen
einem Trauma und einer
Epicondylopathia
ulnaris
finden. Hier
bei handle es sich um einen Reizzustand mit Gewebsveränderung der
Sehnens
ätze
, verursacht durch eine Überbelastung
.
Zusammenfassend sei von einem ähnlichen Zustand wie im Jahr 2006 mit den Beschwerden des linken Ellbogens wie vor dem Unfall vom 2. Mai 2011 auszugehen. Die aktuellen Beschwerden seien nicht mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit durch das
Unfallereig
nis
ausgelöst worden, sondern durch den Infekt mitbedingt wieder aufgetreten, respektive es sei zu einer Verschlechterung eines vor
be
stehenden
Schmerzzu
standes
im Sinne einer
conditio
sine qua non gekommen (S. 14 f.).
Es liege
zudem
aus orthopädischer Sicht keine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität vor (S. 17).
3.11.
3
Im neurologischen Teilgutachten
(Urk. 8/ZM43)
wurde als Befund eine streifen
förmige Hypästhesie im Bereich des V. Fingers
palmarseitg
links sowie eine
Allodynie
in einem Areal um die Narbe im Bereich des linken medialen Ellbo
gens
genannt
. Der weitere neurologische Untersuchungsbefund sei unauffällig, insbesondere fänden sich auch in der detaillierten Prüfung keine Paresen,
vor allem
nicht
in
der
Ulnaris
-
versorgten Handmuskulatur links (S. 8 f. Ziff. 3). Der
neurologische
Gutachter
nann
te
als Diagnose ein intermittierendes sensibles Reizsyndrom
des
Nervus
ulnaris
links sowie eine
Allodynie
im Narbenbereich des medialen Ellbogens links (S 9 Ziff. 4)
.
In seiner Kausalitätsbeurteilung hielt er fest, der Beschwerdeführer beschreibe die aktuellen Beschwerden seit dem Unfallereignis vom 2. Mai 201
1.
Gemäss den vorliegenden Unterlagen hätten jedoch gleichartige Beschwerden im
Ver
sorgungsgebiet
des
Nervus
ulnaris
bereits in den Jahren 2006 und 2007 bestan
den. Diese seien Gegenstand wiederholter chirurgische
r
, orthopädische
r
und neurologische
r
Abklärungen gewesen.
Die aktuellen neurologischen Beschwer
den im Sinne eines Reizzustandes des
Nervus
ulnaris
könn
t
en nur möglicher
weise im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom Mai 2011 stehen, mithin könne die Kausalität medizinisch-neurologisch nicht eindeutig bejaht oder ver
neint werden.
In der Tat könne eine Irritation des
Nervus
ulnaris
durch das Trauma im Bereich des linken Ellbogens vom Mai 2011 entstanden sein. Ande
rerseits
sei eine chronische Reizung mit Schädigung des
Nervus
ulnaris
im Bereich des Ellbogens sehr häufig und der Beschwerdeführer habe bereits in den Jahren 2006 und 2007 vergleichbare Beschwerden geschildert, so dass die Kausalität nicht eindeutig zu bejahen sei
. Zwischen den zurzeit noch vorhande
nen neurologischen Beschwerden und dem Unfall bestehe somit nur ein mögli
che
r
Zusammenhang
(S. 9 f.).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
verneinte
der Gutachter
neurologische
Einschränkungen (S. 11).
4.
4.1
Den medizinischen Akten kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer
mit Beginn
Juni 2005
an spontanen Ellbogenschmerzen litt, welche seit Februar 2006
exazerbiert
hatten, weshalb der linke Ellbogen am 7. Juni 2006 mit einer Ellbogenarthroskopie saniert wurde. Da die Beschwerden jedoch blieben, diag
nostizierte Dr.
A._
eine
Epicondylopathia
ulnaris
und schlug einen operativen Eingriff vor, welchen der Beschwerdeführer jedoch vorerst ablehnte
,
u
m
es mit konservativer Therapie in der
Klinik
Z._
zu versuch
e
n
(vgl. vorstehend E. 3.1).
Unmittelbar nach dem Unfallereignis vom 2. Mai 2011 diagnostizierte Dr.
B._
primär eine
Epicondylitis
ulnaris
links und versorgte diese sogleich operativ
am 3. Juni 2011, mithin einen Monat später
(vgl. vorstehend E. 3.
3).
Fortbeste
hende Beschwerden, welche als
Ulnarissymptomatik
vermutet wurden, machten in der Folge
zusätzliche Operationen
notwendig (vgl. vorstehend E. 3.4-5).
4.2
Die Ausführungen im
H._
-Gutachten (vgl. vorstehend E. 3.11) sind vor dem Hintergrund der vorstehend zusammengefassten Fakten plausibel und nachvoll
ziehbar. Insbesondere haben die Gutachter zu
Recht darauf hingewiesen, dass aufgrund der Akten ein Vorzustand bestanden hat
, welcher Gegenstand wieder
holter medizinischer Abklärungen gewesen war. Ausserdem leuchtet ebenso ein, dass aufgrund der kurzen
Latenzzeit
zwischen dem Unfallereignis und der Ope
ration (lediglich vier
Wochen) von einer vorbestehenden
Problematik auszuge
hen ist, da mit Verweis auf die Literatur ein operatives Vorgehen erst nach Erschöpfung der konservativen Therapiemöglichkeiten empfohlen
wird, mithin wenn alle anderen Behandlungsmassnahmen zu keinem dauerhaften Erfolg geführt haben.
Diese Beurteilung steht auch im Einklang mit der Einschätzung von Dr.
F._
(vgl. vorstehend E. 3.7), welcher ebenfalls die kurze Operationsindikation
hinterfragte
und unter anderem auf den Bericht von Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.1) verwies, somit
ebenfalls
auf
vorbeste
hende
Beschwerden schloss.
Darüber hinaus hielt
en die
orthopädische
n
Gut
achter
im
H._
-Gutachten
fest, es lasse sich in der Literatur kein Zusammen
hang
zwischen
einem Trauma und einer
Epicondylopathia
ulnaris
finden, da es
sich
hierbei um einen Reizzustand mit Gewebsveränderung der Sehnensätze handle, verursacht durch eine Überbelastung (
vgl.
vorstehend E. 3.11.1). Mit anderen Worten schloss
en sie
eine traumat
ische Ursache aus.
Der neurologische Gutachter erachtete demgegenüber eine traumatische Genese der heutigen Irri
tation des
Nervus
ulnaris
zwar
als möglich, wies aber darauf hin, dass eine chronische Reizung mit Schädigung des
Nervus
ulnaris
im Bereich des Ellbo
gens sehr häufig sei
und
der Beschwerdeführer dies bereits in den Jahren 2006 und 2007 geschildert habe, womit die bestehenden neurologischen Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 2. Mai 2011
zurückzuführen seien
(vgl. vorstehend E. 3.11.2).
Ge
stützt auf das
H._
-
Gutachten ist somit nicht
rechtsgenüglich
erstellt, dass die noch vorhandenen Beschwerden des Beschwerdeführers auf das Unfallereignis vom 2. Mai 2011 zurückzuführen sind.
Die Schlussfolgerungen de
r Gutachter
erfüllt darüber hinaus auch alle
praxisge
mässen
Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.
6
), so dass darauf abgestellt werden kann.
Konkrete Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen, sind nicht zu finden.
4.3
Insbesondere vermögen die Berichte des behandelnden Arztes, Dr.
B._
, die Einschätzungen der Gutachter nicht zu erschüttern.
Dr.
B._
g
ing von einer traumatischen
Epic
ondylitis
aus, welche sich der Beschwerdeführer nach dem Treppensturz am 2. Mai 2011 zugezogen habe.
Diesbezüglich muss er sich aber entgegenhalten lassen, dass er am 14. Dezember 2011 der Beschwerdegegnerin selber berichtet hatte,
der Beschwerdeführer habe
sich
nach der operativen Versorgung am linken Ellbo
gen im Juni 2006 von diesen Lei
den
nicht
vollständig erholen
können
(vgl. vorstehend E. 3.6),
weshalb
folglich von
einem Vorzustand auszugehen ist
. Dies wurde
schliesslich
auch
im
Operationsbericht vom 3. Juni 2011 festhalten, wonach der Beschwerdeführer seit längerer Zeit eine therapieresistente
Epicon
dylitis
humero-ulnaris
b
eklage (Urk. 8/ZM6)
und
im Operationsbericht vom 10. Oktober 2011
wurde
ebenfalls
eine hartnäckige
Epicondylitis
genannt, die operativ versorgt worden sei (Urk. 8/ZM7).
Im
H._
-Gutachten wurde diesbe
züglich auch nachvollziehbar ausgeführt, es bestehe ein gut dokumentierter Vorzustand mit beginnender Symptomatik im März 2006, welcher mit der jetzi
gen Symptomatik ve
rgleichbar erscheine, womit auch die
Einschätzung
von Dr.
B._
, die beiden Fälle von 2006 und 2011
seien
auseinanderzuhalten (vgl. vorstehend E. 3.6)
,
widerlegt ist.
Ebenso wenig
verfängt in diesem Lichte der Einwand des Beschwerdeführers, wonach aufgrund eines Missverständnisses in der Kommunikation oder eines Verschriebs Dr.
B._
am 17. Mai 2011 die Beschwerden am linken Ellbogen irrtümlich als bereits seit acht Wochen (vor der Operation im Juni 2011) beste
hend
in die Krankenakte
eingetragen habe
(Urk. 1 S. 4 mit Verweis auf Urk. 8/ZM39/5).
Im gleichen Eintrag schrieb der behandelnde Arzt
auch
, dass betreffend der
Epicondylitis
eine Infiltration vorgenommen
worden sei
und ein Feedback in zirka drei Wochen erwartet werde. Diese drei Wochen wurden aber gerade nicht abge
wartet, sondern es wurde nach einer Latenzzeit von lediglich
17 Tage
n
zur Operation geschritten, weshalb doch erhebliche Zweifel an den Angaben von Dr.
B._
bestehen, welcher erst nach Versagen der konservati
ven Therapien die Operation durchgeführt haben
wollte
(vgl. vorstehend E. 3.6), zumal
auch
die Gutachter im
H._
-Gutachten mit Verweis auf die Literatur von einer frühestmöglichen Operation nach 6-12 Monaten ausgingen
(vgl. vorste
hend E. 3.11.1)
.
Vielmehr
geht aus dem
erhellenden
Operationsbericht vom 3. Juni 2011
(vgl. Urk. 8/ZM6)
klar hervor, dass der Beschwerdeführer seit län
gerer Zeit eine therapieresistente
Epicondylitis
umero-ulnaris
beklagte
, die nur kurzfristig mit
„
langwierigen
“
therapeutischen
Massnahmen
einigermassen
kontrolliert werden
konnte
(vgl. Urk. 8/ZM6), was
klar
gegen die zeitliche Dar
stellung des Beschwerdeführers beziehungsweise von Dr.
B._
spri
cht
.
4.4
Das Argument des Beschwerdeführers, dass er vor dem Unfall noch keine Beschwerden am
linken
Ellbogen
gehabt habe
(Urk. 1 S. 4)
, vermag für sich allein keine überwiegende Wahrscheinlichkeit einer traumatischen Ursache zu begründen. Denn aus dem Fehlen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung vor
dem Unfall kann
praxisgemäss
(BGE 119 V 335 und Urteil des Bundesgerichts 8C_614/2007 vom 10. Juli 2008, E. 4.1.2 mit Hinweisen auf neuere Entscheide) nicht auf die Unfallkausalität von hernach aufgetretenen Beschwerden geschlossen werden (Formel „
post
hoc ergo
propter
hoc“).
4.5
Insgesamt ist
gestützt auf die Schlussfolgerung im
H._
-Gutachten
sowohl mög
lich, dass die Beschwerden
am linken Ellbogen
vom Unfall vom
2. Mai 2011
herrühren, als auch, dass sie
vorbestehend krankheitsbedingt
sind, ohne dass eine der beiden Varianten eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat.
Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfallereignis vom
2. Mai 2011
ist demnach zu verneinen. Jedenfalls ist ein solcher Zusammenhang nicht mit dem Grad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen, und die
blosse
Möglichkeit vermag keinen
Leistungsan
spruch
zu begründen.
Anlass zur Anordnung
von
weiteren medizinischen Abklärungen
besteht nicht
, da hiervon
kein
e neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte
Beweiswür
digung
, BGE 122 V 157 E. 1d).
Aus den genannten Gründen
ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegeg
nerin
ihre
Leistungspflicht verneint hat
. Demzufolge ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid
vom
27. Juni 2014 (Urk. 2)
abzuweisen.