Decision ID: 88fd57ae-fac9-44a0-bb12-984ce8fea726
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 2000, wurde am
4.
Oktober 2017 durch seine Mutter bei der Invalidenversicherung unter anderem zum Bezug von Massnahmen für die berufliche Eingliederung angemeldet (
Urk.
10/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und schulische Situation ab und
verneinte
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/12,
Urk.
10/18) mit Verfügung vom 1
5.
März 2018
eine
Kostengutsprache für Berufs
beratung (
Urk.
10/20 =
Urk.
2).
2.
Der Beschwerdeführer erhob am
4.
April 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
5.
März 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Berufsberatung gemäss
Art.
15 IVG oder andere geeignete berufliche Ein
gliederungsmassnahmen zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3.
Mai 2018 (
Urk.
9) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
4.
Mai 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nicht erwerbstätige Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr gelten als inva
lid, wenn die Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 8 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen
(Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlun
g, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Gemäss
Art.
15 IVG haben Versicherte, die infolge Invalidität in der Berufswahl oder in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit behindert sind, Anspruch auf Berufsberatung. Der Leistungsanspruch setzt voraus, dass die versicherte Person an sich zur Berufswahl oder zur beruflichen Neuorientierung fähig ist, infolge ihres Gesundheitszustandes aber darin behindert ist, weil die Kenntnisse über Neigungen, berufliche Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht ausreichen, um einen der Behinderung angepassten Beruf wählen zu können (ZAK 1977 S. 191 E. 2; Urteil des Bundesgerichts I 431/99 vom 1
5.
Februar 2000). In Betracht fällt jede körperliche oder psychische Beeinträchtigung, die den Kreis der für die versicherte Person nach ihrer Eignung und Neigung möglichen Berufe oder Betätigun
gen einengt oder die Ausübung der bisherigen Aufgabe unzumutbar macht. Aus
geschlossen sind geringste Behinderungen, die keine nennenswerte Beeinträchti
gung zur Folge haben und deshalb die Inanspruchnahme der Invalidenversiche
rung nicht rechtfertigen (BGE 114 V 29 E. 1a mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen leistungsabweisenden Ver
fügung vom 1
5.
März 2018 aus,
es werde nicht bezweifelt,
dass der Beschwerde
führer Unterstützung und Begleitung bei der Suche einer für ihn geeigneten
beruflichen Ausbildung benötige
. Deshalb
habe
sie unter anderem auf das Case Management Berufsbildung Netz 2 sowie auf andere Brückenangebote verwiesen. Insbesondere das Netz 2 würde wertvolle Beratung bezüglich passenden Unter
stützungsangeboten im
Raum Zürich leisten. Sie würde nach wie vor die Meinung vertreten, dass die bekannten gesundheitlichen Ein
schränkung
en nicht IV
rele
vant seien und lediglich untergeordneten Einfluss auf die Berufs
w
ahl haben würden (
Urk.
1 S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), im Rahmen des Abklärungsverfahrens sei von der Besc
hwerdegegnerin ein Bericht der psychiatrischen Klinik A._
eingeholt worden. In diesem Bericht vom 1
8.
Oktober 2017 sei als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung
mit Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F43.2) fest
ge
halten worden. Zudem sei ausgeführt worden, dass sich bei ihm eine schwere depressive Symptomatik gezeigt habe, welche jedoch remittierend sei. Zudem habe er eine niedrige Intelligenz (IQ 74), wobei insbesondere die Merkfähigkeit nicht altersentsprechend sei. Er sei sehr motiviert, mit einer Lehrstelle zu beginnen, jedoch werde er auf eine sehr enge Betreuung und Führung angewiesen sein (
Urk.
2 S. 4 unten).
Seit Juli 2017 sei
er in der Klinik
B._
in Behandlung.
Von den dortigen Behandlern würden die Diagnosen einer Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) sowie
einer
Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F91; Verdachtsdiagnose) gestellt. Zudem werde ausgeführt, dass er seit der Oberstufe Probleme habe. Die depressive Episode, die vermutungsweise im Rahmen des Cannabisentzuges sowie nach Anzeige durch den Vater bei der Polizei entstanden sei, sei teilweise remittiert. Er sei motiviert, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Schwierigkei
ten würden ihm jedoch ein gewisser Hang zu impulsiven Verhaltensweisen und das Einhalten von Regeln beziehungsweise das Anpassen an gesellschaftliche Normen bereiten. Für die weitere Eingliederung in die Gesellschaft sei er deshalb auf enge Betreuung angewiesen. Die berufliche Integration stelle für ihn einen wichtigen aber auch herausfordernden Entwicklungsschritt dar (S. 5 oben).
Die Beschwerdegegnerin halte im Feststellungblatt vom
8.
Dezember 2017 ohne
Bei
zug
des Regionalen
Ä
rztlichen Dienstes (RAD) fest, dass nicht bezweifelt werde, dass er wegen seinen gesundheitlichen Einschränkungen Unterstützung in der Suche einer geeigneten beruflichen Lehrausbildung benötige (S. 5 unten). Die Beschwerdegegnerin anerkenne damit ausdrücklich, dass er aufgrund gesundheit
licher Ein
schränkungen Unterstützung bei der Berufswahl und Stellensuche benötige. Weshalb sie trotzdem den Anspruch auf berufliche Massnahmen ver
neine, sei nicht nachvollziehbar (S. 6 oben). Dass die Anpassungsstörung vor
übergehend auf
grund von Cannabisentzug sei, wie die Beschwerdegegnerin behaupte, treffe nicht zu und lasse sich den Arztberichten in keiner Weise ent
nehmen.
Es sei viel
mehr so, dass ihn die gesundheitlichen
Beeinträchtigungen in seiner Berufswahl behindern würden. Die Behandler würden übereinstimmend festhalten, dass er aufgrund seiner Einschränkungen auf enge Betreuung und Führung angewiesen sei. Die gestellten Diagnosen würden somit als Invalidität im Sinne von
Art.
15 IVG ausreichen, zumal an das Vorliegen der leistungsspe
zifischen Invalidität keine allzu hohen Anforderungen zu stellen seien und keine gravierenden medizinischen Beeinträchtigungen vorzuliegen bräuchten. Um
der
Gefahr des Ein
tritts einer rentenbegründenden Invalidität vorzubeugen, sei ihm aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen somit einer Berufsberatung durch die Invaliden
versicherung oder andere geeignete berufliche Massnahmen zuzusprechen (S. 6 Mitte).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer invaliditätsbedingt auf eine Berufsberatung
gemäss
Art.
15 IVG
durch die Invali
denversicherung angewiesen ist.
Soweit der Beschwerdeführer die
Zusprache
anderer geeigneter beruflicher Ein
gliederungsmassnahmen beantragte (
Urk.
1 S. 2 oben), ist darauf mangels Anfechtungsobjekt nicht einzutreten.
3.
3.1
Im Schlussbericht der Tagesson
derschule
C._
vom 2
1.
April 2016 (
Urk.
10/6)
, in welcher der Beschwerde
führer vom 1
5.
September 2015 bis
1.
April 2016 (S. 3 Mitte) die
3.
Sek
undar
schule
B besuchte (S. 2 Mitte),
führten die Fachpersonen unter anderem aus,
der Beschwerdeführer sei per
1.
April 2016 von der
C._
ausge
schlossen worden, da er den Schulbesuch zuletzt vollends verweigert habe und stattdessen in der Stadt herumlungert sei. Da der Beschwerdeführer auf Gespräche mit Erwachsenen (Bezugspersonen, Eltern) nicht mehr eingegangen sei, habe keine Aussicht bestanden, die negative Entwicklung im vorhandenen Setting zu stoppen. Der Beschwerdeführer verfüge ohne Zweifel über Ressourcen, welche es ihm erlauben würden, eine ordentliche Ausbildung (EFZ) abzuschliessen. Es sei
dringend not
wendig, den Beschwerdeführer gesamthaft abzuklären. Grosse Sorgen würden sein Gesundheitszustand (Aussetzer, Müdigkeit, Orientierungs
losigkeit, vermute
ter hoher Cannabiskonsum) bereiten sowie sein problematischer Umgang mit kleinen Kindern (Nähe suchen in unguter Absicht). Die sehr koopera
tiven Eltern hätten kaum mehr Zugang zum Beschwerdeführer, gleich
zeitig aber brauche
dieser
eine enge Führung, um den Alltag gesund meistern zu können und um den Einstieg in die Berufswelt zu schaffen. Die besorgnis
erregende Entwicklung und das Eingestehen der Eltern, keinen
erzieherischen und emotio
nalen Zugang mehr zu haben, hätten einen intensiven Austausch mit den Eltern, der Schulpsycholo
gin und schlussendlich auch ein Gespräch auf der Kreis
schul
pflege (KSP) nötig gemacht. Der Beschwerdeführer sei von der Schule ausge
schlossen worden.
C._
habe im Einvernehmen mit den Eltern und der KSP
D._
eine Gefährdungsmeldung ausgelöst (S. 8 unten).
3.
2
Die Fachpersonen der
Klinik
B._
der
A._
berichteten am 1
8.
Oktober 2017 (
Urk.
10/10)
nach statio
närem Aufenthalt in der
Psychiatrie
E._
vom 2
4.
Mai bis
5.
Juni 2017 über die im Anschluss stattfindende ambulante Psychotherapie und nannten als Diagnose eine Anpassungsstörung mit Störung des Sozialver
haltens (ICD-10 F43.2).
Sie führten weiter aus, in der
E._
sei der Beschwerde
führer aufgrund des Konsums von psychotropen Substanzen und de
s
Fehlen
s
einer Tagesstruktur behandelt worden. Im Zuge des Substanzentzugs habe der Beschwerdeführer eine Episode mit einer schweren depressiven Reaktion erlebt. Die depressive Symptomatik sei gegenwärtig remittierend. Der Beschwerdeführer zeige
Anfälligkeiten
im Sozialverhalten mit anamnestisch starkem Konsum und Handel mit Cannabis
sowie
Schwierigkeiten mit dem Einhalten von gesellschaft
lichen Regeln und mehreren Schulabbrüchen. Seit Beginn der ambulanten Therapie zeige sich eine insgesamt positive Entwicklung. Der Beschwerdeführer nehme die Termine regelmässig wahr und setze sich mit seiner Situation ausei
nander.
Er habe sich selbständig eine Lehrstelle organisiert. Sie würden den Besuch der Lehrstelle als einen wichtigen Schritt für die weitere Entwicklung ansehen. Im Jahr 2015 habe beim Beschwerdeführer eine ADHS Abklärung in der
B._
stattgefunden. Es sei keine Diagnose nach ICD-10 gestellt worden. Die dabei durchgeführte Intelligenztestung (WISC-IV) habe aber eine niedrige Intelligenz (IQ 74) ergeben. Insbesondere die Merkfähigkeit sei in der Testung als nicht altersentsprechend angesehen worden (S. 1 unten
Ziff.
1.2
). Relative Stärken habe der Beschwerdeführerin im sprachfreien Test und in der visuell-räumlichen Abbildungsfähigkeit (S. 2 oben). Einschränkungen bestünden vor allem beim Ein
halten von Regeln. Dieses Thema sei ein wichtiger Bestandteil der Therapie
. Es seien diesbezüglich einige
Fortschritte erzielt worden. Der Beschwerdeführer brauche dabei aber noch Unterstützung.
Er
habe den Wunsch nach einer hand
werklichen Tätigkeit geäussert (S. 3
Ziff.
2.4). Insgesamt würden sie beim Beschwerdeführer eine positive Entwicklung sehen. Er sei motiviert mit einer Lehrstelle zu beginnen. Er werde dabei auf eine sehr enge Betreuung und Führung angewiesen sein (S. 3
Ziff.
3.3).
3.3
Im Bericht vom
8.
Januar 2018 nannten die Fachpersonen der
B._
der
A._
(
Urk.
10/17) als Diagnose eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) sowie als Ver
dachtsdiagnose eine Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F91). Dazu führten sie au
s, beim Beschwerdeführer handle
es sich um einen 17-jährigen Jugendlichen, der nach einem stationären Cannabisentzug mit einer depressiven Begleit
symp
tomatik zur poststationären Weiterbehandlung an der
B._
angemeldet worden sei. Die depressive Episode sei vermutlich im Rahmen des Entzugs und nach Anzeige durch den Vater entstanden, bei vorhergegangenem übermässigem Cannabiskonsum- und Handel
,
und sei jetzt teilweise remittiert. Der Beschwerde
führer habe
sich in den bisherigen einzelnen Therapiesitzungen offen
gezeigt
und
sei
bereit
gewesen
über seine Schwierigkeiten zu sprechen
.
In den Sitzungen
seien sowohl die vergangenen
Ereignisse aufgearbeitet, als auch die weitere Zukunft
thematisiert worden
(S. 3 unten)
. Auch wenn sich
der Beschwerdeführer
in der Einstellung gegenüber seiner alten Lebensweise, die durch den
Cannabiskonsum
- und Handel geprägt
gewesen sei ambivalent zeige
,
sei
es ihm dennoch gelungen sich eine positivere Zukunftsperspektive zu
erarbeiten. Im Hinblick auf den
massiven Cannabiskonsum bestehe
mittlerweile eine gewisse
Selbstreflektion
und Krankheitseinsicht. In der Therapie
habe
die intrinsische Motivation zur Wieder
aufnähme einer Ausbildung gestärkt werden
können
.
Der Beschwerdeführer sei
motiviert sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und
habe
diesbezüglich auch schon selbständig einige Schritte unternommen. Auch die familiäre Situation und das Verhältnis zu seinem Vater
habe
sich zunehmend entspannt.
Schwierigkeiten
würden
ein gewisser Hang zu impulsive
n
Verhaltensweisen und das Einhalten von
Regeln
beziehungsweise
das Anpassen an gesellschaftliche Normen
bereiten
. E
s erscheine
diesbezüglich wichtig zu sein, dass
der Beschwerdeführer
lern
e
,
dys
funktionale Gewohnheiten zu erkennen und zu verändern. Für die weitere Ein
gliederung in die Gesellschaft
werde
er deshalb auf Unterstützung durch eine enge Betreuung angewiesen sein. Vor diesem Hintergrund und im Hinblick auf ein se
lbständig geführtes Leben stelle
die berufliche Integration einen wichtigen
,
aber auch herausfordernde
n
Entwicklungs
schritt dar
(S. 4 oben). Neben regel
mässiger Psycho
therapie
sitzungen bestehe die Therapie- und
Massnahmeplanung
aus Hilfe bei der Reinte
gration in die Berufswelt (S. 4 Mitte).
4.
4.1
Aus den Akten geht hervor, dass sich beim Beschwerdeführer m
it dem Eintritt in die Oberstufe zunehmend Probleme
zeigten
. Er
zeigte
keine Motivation
mehr
und
ging
häufiger nicht in die Schule. In der Folge
kam
es zu mehreren Schulabbrü
chen und Schulwechseln.
Der Beschwerdeführer distanzierte
sich immer mehr von seiner Familie
und hatte
über mehrere Wochen keine geregelte Tagesstruktur.
Er
wurde
schliesslich von seinem Vater wegen starkem Konsum und Handel von Cannabis bei der Polizei angezeigt. Die anschliessende Haus
durch
suchung durch die Polizei
löste beim Beschwerdeführer
Panik aus und
stürzte
ihn in eine depressive Krise.
Der Beschwerdeführer verstand nicht,
warum ihn sein Vater bei der Polizei
meldete
.
Der Beschwerdeführer schlug
dann in suizidaler Absicht mehrfach seinen Kopf gegen die Wand
, wobei d
er einbestellte Notfallpsychiater einen stationären Aufenthalt in der
Psychiatrie
E._
ein
leitete (vgl.
Urk.
10/17 S. 2)
.
Im
E._
wurde der Beschwerde
führer aufgrund des Konsums von Cannabis und de
s
Fehlen
s
einer Tagesstruktur vom 2
4.
Mai bis
5.
Juni 2017 behandelt
(vgl. vorstehend E. 3.2)
,
wobei
er
den stationären Auf
enthalt
entgegen der Empfehlung
der Behandler
von sich aus abbrach
(vgl.
Urk.
10/17 S. 2)
.
I
m Zuge des Substanzentzuges
erlebte der Beschwerde
führer
eine Episode mit einer schweren depressiven Reaktion.
Nach Abbruch des stationären Aufenthalts
begab sich der Beschwerdeführer
zur Weiter
behandlung
beim
B._
der
A._
in ambulante Psychotherapie
(vgl.
vorstehend E. 3.3)
.
4.2
Die Fachpersonen des
B._
der
A._
diagnostizierten im Bericht vom 1
8.
Oktober 2017 (vorstehend E. 3.2) eine Anpassungsstörung mit Störung des Sozialver
hal
tens (ICD-10 F43.2). Im Bericht vom
8.
Januar 2018 (vorstehend E.
3.3) stellten sie die Störung des Sozialverhaltens als
(eigenständige)
Ver
dachtsdiagnose
(ICD
10 F91) und
ordneten sie
nicht mehr
wie bisher
als vorwiegendes Symptom
der Anpassungs
störung
en
ein
.
Die Fachpersonen des
B._
der
A._
wiesen in ihren Berichten darauf hin, dass sich Auffälligkeiten im Sozialverhalten
und
Schwierig
keiten mit dem Einhalten von gesellschaftlichen Regeln bei mehreren Schulab
brüchen zeigen würden. Seit Beginn der ambulanten Therapie zeige sich eine ins
gesamt positive Entwicklung, wobei
eine
Lehrstelle als ein wichtiger Schritt für die weitere Entwicklung angesehen wird. Bei festgestellter niedriger Intelligenz (IQ 74) sei insbesondere die Merkfähigkeit als nicht altersentsprechend angesehen worden. Einschränkungen bestünden vor allem beim Einhalten von Regeln. Dabei brauche der Beschwerdeführer noch Unterstützung und werde auf eine sehr enge Betreuung und Führung angewiesen sein (vgl. vorstehend E. 3.2). Weiter bestün
den Schwierigkeiten wegen gewissem Hang zu impulsiven Verhaltensweisen und d
em
Einhalten von Regeln beziehungsweise
dem
Anpas
sen an gesellschaftliche Normen
. Für die
weitere Eingliederung in die Gesellschaft werde der Beschwer
deführer deshalb auf Unterstützung durch eine enge
Betreuung angewiesen sein. Dabei stelle die berufliche Integration ein
en
wichtige
n
aber auch herausfordern
den Entwicklungsschritt dar. So bestehe die Therapie- und
Massnahmeplanung
neben den Psychotherapiesitzungen aus Hilfe bei der Reintegration in die Berufs
welt (vgl. vorstehend E. 3.3).
4.3
Bei Jugendlichen gilt zu beachten,
dass die
Erheblichkeitsschwelle
für die Annahme eines invalidisierenden Zustandes im Vergleich zu
Art.
8
Abs.
1
ATSG
i.V.m
.
Art.
4
Abs.
1 IVG
herabgesetzt ist, dies im Sinne einer etwas weiter grei
fenden, umfassenderen Bejahung der Invalidität. Dennoch sind geringfügige gesundheitliche Beeinträchtigungen ebenfalls nicht geeignet, zu einer Invalidität im Sinne von
Art.
8
Abs.
2 ATSG
i.V.m
.
Art.
5
Abs.
2 IVG zu führen. Beispiels
weise ist das Bettnässen nicht geeignet, einen die Ausbildung erheblich beein
trächti
genden Defektzustand zu bewirken. Oder es ist für die Zukunft keine Erwerbsun
fähigkeit zu befürchten, wenn eine geringfügige körperliche Ent
stellung einem jugendlichen Versicherten bloss den Zugang zum einen oder anderen Beruf erschwert. Ist demgegenüber im Einzelfall der Gesundheitsschaden so schwer
wiegend ausgeprägt, dass künftig, das heisst bei Vollendung des 2
0.
Altersjahres, voraussichtlich keinerlei Erwerbstätigkeit ausgeübt werden kann, besteht zum Vornherein auf alle diejenigen Eingliederungsmassnahmen (
Art.
12 ff. IVG) kein Anspruch, die an
eine erwerbliche Eingliederungs
wirk
samkeit (vgl.
Art.
8
Abs.
1
lit
. a,
Abs.
1
bis
und
Abs.
2 IVG) gebunden sind (vgl.
Meyer/
Reichmuth
, Bundes
gesetz über die Invalidenversicherung, IVG,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, N 30 f. zu
Art.
5).
Nebst der herabgesetzten
Erheblichkeitsschwel
le
für die Annahme eines invali
di
sierenden Zustandes ist auf die bundesge
richtliche Rechtsprechung hinzu
weisen, wonach sich die Notwendigkeit der streitigen Massnahme nicht nur aus dem gesundheitlichen Status ergibt, sondern dass sie
in Verbindung mit den gestiege
nen Anforderungen des heutzutage bestehe
nden ausgeglichenen Aus
bildungs
marktes zu beurteilen ist (Urteil des Bundesge
richts 9C_745/2008 vom
2.
Dezem
ber 2008 E. 4.2.2
).
4.4
Wenn nun die Beschwerdegegnerin in medizinischer Sicht ohne Auseinander
set
zung mit den medizinischen Akten und ohne Rücksprache mit dem RAD zum Schluss kommt, dass die geltend gemachten Diagnosen den Beschwerdeführer in der Berufswahl nicht einschränken (vgl.
Urk.
2 S. 1,
Urk.
10/19 S. 2), kann dieser Ansicht mit Blick auf die bei Jugendlichen herab
gesetzte
Erheblichkeitsschwelle
(vgl. vorstehend E. 4.3) und angesichts der vor
liegenden medizinischen Akten nicht gefolgt werden.
Die
Aussage der Beschwerdegegnerin,
wonach
die
geltend gemachten
Diagnose
n
nicht IV-relevant sei
en und dadurch lediglich einen untergeordneten Einfluss auf die Berufswahl hätten
, bezieht sich
offenbar
auf die Rechtsprechung, wonach eine
Anpassungsstörung
gemäss
ICD-Klassifikation im Grenzbereich dessen liegt, was als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und als potentiell invalidisierendes Leiden gilt (Urteil 9C_636/2007 vom 2
8.
Juni 2008 E. 3.3.2)
. Eine solche isolierte Betrachtung
einzig mit Blick auf die
Diagnosen greift jedoch zu kurz.
So liegt d
ie spezielle Invalidität im Sinne von
Art.
15 IVG
in der gesundheitlich bedingten Behinderung in der Berufswahl, wobei jede körperliche oder psychische Beein
trächtigung in Betracht fällt, die den Kreis der möglichen Berufe oder Betätigun
gen einengt.
Einzig geringste Behinderungen, die keine nennenswerte Beein
trächtigung zur Folge haben und deshalb die Inanspruchnahme der Invali
den
versicherung nicht rechtfertigen, sind
ausgeschlossen (vgl. vorstehend
E. 1.3 mit Hinweis auf BGE 114 V 29 E. 1.a).
Von einer geringfügigen - wie in E.
4.3 beispielhaft ausgeführt - oder einer geringsten gesundheitlichen Beein
trächtigung wie in BGE 114 V 29 E. 1.a erwähnt, kann vorliegend
nicht ausgegangen werden.
Der Beschwerdeführer leidet an einer Anpassungsstörung mit Störung des Sozial
verhaltens
(bei Verdacht auf eine eigenständige Störung des Sozialver
haltens)
, wobei bei niedriger Intelligenz (IQ 74) insbesondere die Merk
fähigkeit nicht altersentsprechend sei und Einschränkungen vor allem beim Einhalten von gesellschaftlichen Regeln sowie beim Anpassen an gesellschaftli
che Normen bestünden.
Die Betreuer der Tagessonderschule
C._
sowie die behandeln
den Fachpersonen führten übereinstimmend aus, dass der Beschwer
de
führer für die weitere Eingliederung in die Gesellschaft eine sehr enge Betreuung und Führung und Hilfe bei der Reintegration in die Berufswelt brauche. Sodann führ
ten
sie
aus, dass i
m Hinblick auf ein selbständig geführte
s
Leben die berufliche Integration einen wichtigen Entwicklungsschritt dar
stelle
(vgl. vor
stehend E.
3.1
3
und E. 4.2
).
Dass die psychische Symptomatik einen erhebli
chen Einfluss auf die Entwicklung des Beschwerdeführers hatte und immer noch hat, zeigt sich
neben der schulischen Laufbahn mit mehreren Schulab
brüchen
ein
drücklich auch im Beschluss der Kindes- und Erwachsenen
schutzbehörde vom
7.
März 2017
,
aus welchem unter anderem hervorgeht, dass sich aus dem Abklärungs
bericht und den Rückmeldungen des familiären und schulischen Umfeldes ergebe, dass die schulische und soziale Entwicklung des Beschwerde
führers gefährdet sei und des
wegen eine Beistand
schaft angeordnet wurde (
Urk.
10/8 S. 4).
4.5
Mit Blick auf die spezielle Invalidität im Sinne von
Art.
15 IVG, die bei Jugend
lichen herabgesetzten
Erheblichkeitsschwelle
und die
Beschreibung der Sympto
matik ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung d
ie Erwerbsmöglichkeiten
respektive die Berufswahl und Stellensuche
des Beschwerdeführers einschränkt.
Davon scheint implizit
offenbar
auch die Beschwerdegegnerin auszugehen, wenn sie festhält, dass der Beschwerdeführer wegen seinen gesundheitlichen Einschränkungen Unte
rstützung in der Suche einer geeigneten beruflichen Lehrausbildung benötigt (vgl.
Urk.
10/19 S. 2,
Urk.
2 S. 1).
Nachdem
aus den Akten keine Hinweise oder Anhaltspunkte bestehe
n
, die gegen eine Eingliederungsfähigkeit sprechen, hat der Beschwerdeführer nach dem Gesagten Anspruch auf Berufsberatung nach
Art.
15 IVG.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf Berufsberatung in der angefochtenen Verfügung vom 1
5.
März 201
8 (
Urk.
2) zu Unrecht verneinte
. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde
(vgl. vorstehend E.
2.3)
ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und festzustellen, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf Berufsberatung nach
Art.
15 IVG hat.
6.
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unter
liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Entsprechend erweist sich der Antrag des Beschwerdeführers auf unentgeltliche Prozessführung als gegen
standslos.