Decision ID: 1d0c9392-20d4-4ffc-a6c4-b91ec3387085
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Unter dem Namen Bach-Chor St. Gallen (nachfolgend Bach-Chor) besteht ein
Verein im Sinne von Art. 60 ff. ZGB mit Sitz in St. Gallen. Gemäss Art. 2 seiner Statuten
leistet der Bach-Chor durch seine Konzerte einen wichtigen Beitrag zu einem
hochstehenden, vielseitigen, lokal gut verankerten und lebendigen Kulturangebot in der
Stadt St. Gallen und ihrer Umgebung. Zu diesem Zweck veranstaltet der Bach-Chor
St. Gallen regelmässig qualitativ anspruchsvolle Konzerte in St. Gallen und Umgebung
mit Werken (Chorliteratur) von der Renaissance bis zur Neuzeit für Chor à cappella oder
mit Begleitung durch Orchester und Solisten. Der Bach-Chor St. Gallen steht dem
Sinfonieorchester St. Gallen und anderen Orchestern für Koproduktionen zur Verfügung
und ermöglicht so die Aufführung entsprechender Werke. Er pflegt und fördert den
Chorgesang und die Stimmkultur. Er betreibt eine aktive Nachwuchsförderung, um
junge Talente für die Musik zu gewinnen und ihnen wertvolle Übungsmöglichkeiten für
ihre Entwicklung zu bieten. Der Verein ist nicht gewinnorientiert und alle Aktivitäten von
Mitgliedern und Vorstand erfolgen ehrenamtlich.
B.- Am 7. September 2018 ersuchte der Vereinspräsident das kantonale Steueramt um
eine Bestätigung der Steuerbefreiung des Bach-Chors. Mit Schreiben vom
28. September 2018 teilte das kantonale Steueramt mit, dass der Bach-Chor nicht als
steuerbefreite Institution registriert sei und forderte diesen auf, Unterlagen zur Prüfung
der Steuerbefreiung einzureichen. Mit Schreiben vom 29. November 2018 kam der
Bach-Chor dieser Aufforderung nach und reichte zusätzlich ein Gesuch um
Steuerbefreiung ein. Mit Verfügung vom 28. Januar 2019 wies das kantonale Steueramt
das Steuerbefreiungsgesuch ab und unterstellte den Bach-Chor rückwirkend per
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1. Januar 2018 (Steuerperiode 2018) der Gewinn- und Kapitalsteuerpflicht. Die
dagegen am 19. Februar 2019 erhobene Einsprache wurde durch das kantonale
Steueramt mit Entscheid vom 5. April 2019 abgewiesen.
C.- Gegen den Einspracheentscheid erhob der Bach-Chor durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 6. Mai 2019 Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, der angefochtene Entscheid sei
aufzuheben und der Bach-Chor sei von der Steuerpflicht zu befreien; eventualiter sei
die Streitsache zur Befreiung des Bach-Chores von der Steuerpflicht an die Vorinstanz
zurückzuweisen; unter Kosten und Entschädigungsfolge. Mit Vernehmlassung vom
28. Mai 2019 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses und der
Beschwerde. Mit Eingabe vom 10. Juli 2019 nahm der Rechtsvertreter des Vereins
Bach-Chor St. Gallen zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung und hielt an den
gestellten Rechtsbegehren fest. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich zur
Beschwerde nicht vernehmen.

Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Angefochten ist der Einspracheentscheid vom 5. April 2019 hinsichtlich der
Befreiung von den Kantonssteuern und der direkten Bundessteuer. Betrifft das
Verfahren beide Kategorien von Steuern, sind grundsätzlich zwei Entscheide zu fällen.
Diese können zwar beide im gleichen Dokument enthalten sein; dieses muss jedoch
eine getrennte Begründung und ein getrenntes Dispositiv aufweisen, oder zumindest
ein Dispositiv, das die beiden Steuern auseinanderhält (BGE 130 II 509 = Pra 2005 Nr.
114 E. 8.3). Nach einem neueren Urteil könne im Dispositiv sogar auf eine
Unterscheidung zwischen beiden Steuern verzichtet werden, wenn die entschiedene
Rechtsfrage im Bundesrecht und im harmonisierten kantonalen Recht gleich geregelt
sei und für beide Kategorien von Steuern gleich begründet werden könne. Aus der
Begründung müsse dann aber klar hervorgehen, dass der Entscheid sowohl für die
direkte Bundessteuer als auch für die Kantons- und Gemeindesteuern gelte (BGE 135 II
260 = Pra 2010 Nr. 37 E. 1.3.1). Gleichwohl entscheidet das Bundesgericht auch bei
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Fragen, die sowohl auf Bundes- als auch auf kantonaler Ebene übereinstimmend
geregelt sind, mit separaten Dispositiven (vgl. z.B. Urteile des Bundesgerichts [BGer]
2C_560/2014 und 2C_561/2014 vom 30. September 2015, 2C_164/2013 und
2C_165/2013 vom 28. März 2014). Im Einklang damit werden der Rekurs und die
Beschwerde vorliegend in einem einzigen Dokument behandelt, wobei im
gemeinsamen Dispositiv beide Steuern auseinandergehalten werden.
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurs- bzw. Beschwerdeerhebung ist gegeben. Rekurs und Beschwerde vom 6. Mai
2019 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS
811.1, abgekürzt: StG; Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz
über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs und die
Beschwerde ist einzutreten.
3.- Streitig ist, ob der Rekurrent und Beschwerdeführer öffentliche oder gemeinnützige
Zwecke verfolgt und damit von der Steuerpflicht zu befreien ist.
a) Nach Art. 56 lit. g DBG sind die juristischen Personen, die öffentliche oder
gemeinnützige Zwecke verfolgen, für den Gewinn, der ausschliesslich und
unwiderruflich diesen Zwecken gewidmet ist, von der Steuerpflicht befreit. Der Wortlaut
dieser Bestimmung ist im Wesentlichen identisch mit Art. 23 Abs. 1 lit. f des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden (SR 642.14; abgekürzt: StHG) und Art. 80 Abs. 1 lit. g StG. Die Tatsachen,
welche zur Steuerbefreiung führen, sind steueraufhebender Natur. Für ihr
Vorhandensein trägt der Gesuchsteller nach der allgemeinen Beweislastregel im
Steuerrecht die Beweislast (vgl. GVP 1980 Nr. 6; Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das
st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, S. 390). Die steuerbefreite Aktivität muss
ausschliesslich auf die öffentliche Aufgabe oder das Wohl Dritter ausgerichtet sein. Die
Zielsetzung darf nicht mit unternehmerischen Zwecken oder sonst eigenen Interessen
der juristischen Person oder ihrer Mitglieder bzw. Gesellschafter verknüpft sein. Die der
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steuerbefreiten Zwecksetzung gewidmeten Mittel müssen sodann unwiderruflich
steuerbefreiten Zwecken verhaftet sein. Die Unwiderruflichkeit der Mittelverwendung
für den steuerbefreiten Zweck muss statutarisch gesichert sein, auch für den Fall der
Auflösung der juristischen Person (Greter/Greter, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.],
Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, 3. Aufl. 2017, Art. 56 DBG N 27).
b) aa) Damit eine Institution wegen Erfüllung öffentlicher Zwecke steuerbefreit werden
kann, muss sie Aufgaben erfüllen, die zu den Obliegenheiten des Gemeinwesens
gehören, wie beispielsweise Aufgaben im Bereich des Spital- und Bestattungswesens,
der Lieferung von Elektrizität, Gas und Wasser, der Abfallbeseitigung, der Förderung
der Regionalplanung, der Wohneigentumsförderung, der Förderung von Kunst und
Kultur, der Wirtschaftsförderung usw. Der Begriff des öffentlichen Zwecks ist mit
Rücksicht auf den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Allgemeinheit der Steuern
(Art. 127 Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101; abgekürzt: BV) restriktiv auszulegen.
Die Verfolgung öffentlicher Zwecke i.S. von Art. 56 lit. g DBG bzw. Art. 80 Abs. 1 lit. g
StG ist nach ständiger Rechtsprechung nur da anzunehmen, wo durch
öffentlichrechtlichen Erlass oder Verwaltungsakt einer juristischen Person die Erfüllung
einer bestimmten öffentlichen Aufgabe überbunden worden ist (BGE 131 II 1 S. 6 f.).
Die Übertragung der entsprechenden Aufgabe durch das Gemeinwesen kann sich aber
auch aus sonstigen Umständen ergeben. Eine solche wird regelmässig angenommen,
wenn eine angemessene Vertretung der öffentlichen Hand im Vorstand der juristischen
Person statutarisch und tatsächlich gewährleistet ist. Wo eine juristische Person aus
eigenem Willen, ohne öffentlichrechtliche Verpflichtung, eine im Gemeinwohl liegende
Aufgabe verfolgt, stellt sich deshalb nur die Frage, ob sie sich gemeinnützigen
Zwecken widmet (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl.
2016, Art. 56 DBG N 56 f.).
bb) Der Rekurrent und Beschwerdeführer bringt vor, mit der Durchführung seiner
öffentlichen Konzerte und seinen weiteren Engagements leiste er einen wichtigen
Beitrag zum Kulturangebot der Stadt bzw. der Region St. Gallen. Damit sei er im
Rahmen von Art. 11 der Kantonsverfassung tätig, welcher festhalte, dass der Staat sich
zum Ziel setze, dass kulturelle Werte geschaffen und entfaltet werden, kulturelles Erbe
bewahrt und überliefert und zeitgenössisches Kulturschaffen vermittelt werden. Zum
förderungswürdigen Kulturangebot gehörten nach dem geltenden Kulturkonzept der
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Stadt St. Gallen im Bereich der klassischen Musik auch die regelmässig im Musikleben
präsenten Chöre. Nachdem das Sinfonieorchester St. Gallen nur sporadisch grosse
Chorwerke aufführe, obliege es weitgehend dem Bach-Chor und vergleichbaren
Chören, das kulturelle Erbe zu erhalten und in der Bevölkerung zu verankern. Damit
trage er wesentlich zur Förderung von St. Gallen als Kulturstadt bei und erfülle eine
Tätigkeit, die sich eng an die Staatsaufgaben anlehne, womit er auch einen öffentlichen
Zweck erfülle.
Die Vorinstanz führt zusammengefasst aus, bei der Kulturförderung handle es sich um
eine Aufgabe des Gemeinwesens, welche insbesondere durch die finanzielle
Unterstützung kultureller Aktivitäten betrieben werde. Der Bach-Chor hingegen
bezwecke nicht die Förderung des Chorwesens im Allgemeinen. Vielmehr betreibe er
selbst eine kulturelle Tätigkeit, womit er Kulturanbieter und Adressat der staatlichen
Förderung sei. Als solcher nehme er dem Gemeinwesen die Aufgabe der
Kulturförderung nicht ab, sondern sei selbst Teil des staatlich geförderten
Kulturangebots. Er erfülle damit keinen öffentlichen Zweck.
cc) Die Tätigkeiten des Chors im Rahmen von Proben und Aufführungen stellen
unbestrittenermassen ein kulturelles Engagement dar. Im Gegensatz zu den grossen
Kulturinstitutionen des Kantons und der Stadt St. Gallen wie der Genossenschaft
Konzert und Theater St. Gallen oder der Stiftung St. Galler Museen fehlt es dem
Rekurrenten und Beschwerdeführer jedoch an einem öffentlichen Leistungsauftrag. Es
wurde ihm weder durch einen öffentlichrechtlichen Erlass oder Verwaltungsakt die
Tätigkeit als Chor überbunden, noch ist die öffentliche Hand im Vorstand des
Rekurrenten und Beschwerdeführers vertreten. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt,
sind die Voraussetzungen für eine Steuerbefreiung aufgrund der Erfüllung eines
öffentlichen Zwecks damit nicht gegeben. Zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für
eine Steuerbefreiung zufolge gemeinnütziger Zwecksetzung erfüllt sind.
c) aa) Gemeinnützig im steuerrechtlichen Sinn ist die – statutengemässe und
tatsächliche – Betätigung zur Förderung der öffentlichen Wohlfahrt, durch die
zugunsten einer unbeschränkten Vielzahl Dritter uneigennützig auf Dauer Opfer
erbracht werden (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 56 DBG N 63 m. w. H.).
Nach Lehre und Praxis beinhaltet der Begriff der Gemeinnützigkeit zunächst das
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objektive Element des Allgemeininteresses. Zu untersuchen sind demnach die
Auswirkungen einer Tätigkeit auf das Gemeinwohl. Das Gemeinwohl kann gefördert
werden durch Tätigkeiten in karitativen, humanitären, gesundheitsfördernden,
ökologischen, erzieherischen, wissenschaftlichen und kulturellen Bereichen. Ob eine
bestimmte Aktivität im Interesse der Allgemeinheit liegt, beurteilt sich nach der jeweils
aktuellen gesellschaftlichen Auffassung (ASA 58 [1990], S. 469; Locher, Kommentar
zum DBG, II. Teil, Therwil/Basel 2004, Art. 56 DBG N 85). Dass die Allgemeinheit aus
der Tätigkeit einer gemeinnützigen Organisation unmittelbar Nutzen zieht, ist nicht
erforderlich, es genügt, wenn das bezweckte Ergebnis als solches von der
Allgemeinheit als förderungswürdig erachtet wird. Ein Interesse der Allgemeinheit wird
schliesslich nur da angenommen, wo der Kreis der Destinatäre grundsätzlich offen ist.
Hat nur ein zum Voraus bestimmter enger Kreis von Personen Zugang zur
gemeinnützigen Tätigkeit, ist eine Steuerbefreiung nicht möglich (Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 56 DBG N 75; SGE 2008 Nr. 17 E. 2.4; Locher, a.a.O.,
Art. 56 DBG N 85). Der Begriff der Gemeinnützigkeit umfasst neben dem Handeln im
Allgemeininteresse weiter das subjektive Element der Uneigennützigkeit. Wer sich
uneigennützig betätigt, handelt selbstlos und leistet Verzicht. Eine altruistische Leistung
zugunsten Dritter drückt sich beispielsweise in der freiwilligen Hingabe von materiellen
Mitteln oder von Arbeitsleistung aus, denen keine oder keine angemessene
Gegenleistung gegenübersteht. Finanzielle Opfer werden beispielsweise durch
Spenden, Bereitstellung von Kapital, Vereinsbeiträge oder Verzicht auf
Vermögensertrag erbracht. Das Vermögen muss deshalb so gross sein, dass eine
einigermassen nennenswerte zweckentsprechende Tätigkeit der Institution möglich ist
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 56 DBG N 72). Selbstlose persönliche
Dienstleistungen werden vor allem im Bereich der Fürsorge geleistet, aber auch im
kulturellen und künstlerischen Bereich werden häufig Dienstleistungen ohne
entsprechende Abgeltung erbracht (ASA 58 [1990], S. 472). Am Erfordernis der
Uneigennützigkeit fehlt es, wenn eigene wirtschaftliche Interessen der juristischen
Person oder ihrer Mitglieder verfolgt werden. Damit wird insbesondere die Verfolgung
von unternehmerischen oder gewerblichen Zwecken ausgeschlossen, die auf eine
Gewinnerzielung ausgerichtet sind. Die Aktivitäten der juristischen Person dürfen auch
nicht nur die eigenen ideellen Interessen der juristischen Person bzw. ihrer Mitglieder
befriedigen. Vordergründig muss die Tätigkeit einer Institution auf die Interessen von
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Dritten im kulturellen Bereich ausgerichtet sein und die Verfolgung von eigenen ideellen
Interessen ist nur in untergeordnetem Ausmass zugelassen (Schweizerische
Steuerkonferenz, Praxishinweise zuhanden der kantonalen Steuerverwaltungen,
Organisationen mit kultureller Zweckverfolgung, September 2008, S. 3 [abgekürzt:
Praxishinweise], in: www.steuerkonferenz.ch; GVP 1973 Nr. 3). So kann die
Bildersammlung eines Kunstmäzens steuerbefreit werden, wenn die Gemälde einer
breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, selbst wenn der Stifter mit der
Sammlung auch eigene ideelle Bedürfnisse befriedigt. Gleich verhält es sich mit einem
Museumsverein, wenn nicht nur die Mitglieder selber, sondern auch die breite
Öffentlichkeit ein Interesse an der Tätigkeit des Vereins haben (Praxishinweise, S. 3
m. H. auf ASA 58 [1990], S. 475).
Die Voraussetzungen für die Steuerbefreiung müssen sowohl nach den Statuten der
juristischen Person als auch aufgrund ihres tatsächlichen Wirkens erfüllt sein. Es ist zu
prüfen, ob und wie das Vermögen und das Einkommen der juristischen Person nach
den übrigen Bestimmungen der Statuten und den wirtschaftlichen Verhältnissen in dem
bis zum Entscheid überblickbaren Zeitraum tatsächlich für die dauernde Erfüllung des
gemeinnützigen Zwecks verwendet werden (Locher, a.a.O., Art. 56 DBG N 80;
Eidgenössische Steuerverwaltung, Kreisschreiben Nr. 12 vom 8. Juli 1994 betreffend
Steuerbefreiung im DBG, Ziff. II 2d).
bb) Der Rekurrent und Beschwerdeführer führt dazu aus, dass es sich bei den
Konzerten des Bach-Chores nicht um vereinsinterne Darbietungen handle. Es wirkten
vereinsunabhängige externe Solisten oder Instrumentalensembles mit, denen damit
auch die Möglichkeit für Auftritte in der Region St. Gallen geboten würde. Das
Konzertprogramm bestehe aus mehr oder weniger bekannten Werken von der
Renaissance bis zur Neuzeit für Chor à cappella oder mit Begleitung durch Orchester
und Solisten, weshalb die Einstudierung der Werke für Laiensänger sehr anspruchsvoll
sei. Es sei deshalb bei Proben, Stimmbildung und Selbststudium hohe Konzentration
erforderlich. Die Probenarbeit sei ausschliesslich auf das Konzertprogramm
ausgerichtet und richte sich nach den Anforderungen und der angestrebten Qualität
des Konzerts. Infolgedessen sei der Bach-Chor nicht mit anderen Gesangs- oder
Musikvereinen vergleichbar. Dass die Mitgliedschaft in einem Verein zugleich die Pflege
eines Hobbys und der sozialen Kontakte ermögliche, entspreche der Legaldefinition
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eines Vereins nach Art. 60 Abs. 1 ZGB, wonach sich Personen zusammenfinden, um
sich einer nicht wirtschaftlichen Aufgabe zu widmen. Es sei deshalb verfehlt, daraus
einen das Allgemeininteresse überwiegenden Eigennutz abzuleiten. Der Rekurrent und
Beschwerdeführer bringt weiter vor, er verfolge keinen Erwerbszweck und erwarte
keine finanzielle Gegenleistung für seine qualitativ hochstehenden Konzerte. Defizite
würden durch Aktiv- und Passivmitglieder, Gönnerbeiträge und Schenkungen aus dem
Umfeld des Vereins gedeckt. Darüber hinaus merkt der Rekurrent und
Beschwerdeführer an, es seien diverse Institutionen auf dem Gebiet von Theater und
Kunst im Kanton St. Gallen und diverse Chöre und Orchester in anderen Kantonen
steuerbefreit. Dies widerspreche einer einheitlichen Auslegung von Art. 56 lit. g DBG
und führe zu einer fiskalischen Ungleichbehandlung mit kulturpolitischen
Auswirkungen.
Die Vorinstanz attestiert dem Rekurrenten und Beschwerdeführer zwar hinsichtlich der
von ihm veranstalteten Konzerte eine kulturell wertvolle Tätigkeit, welche im
Allgemeininteresse liege. Sie macht jedoch zusammengefasst geltend, er ermögliche
vor allem seinen Mitgliedern, ihrem Hobby, nämlich dem gemeinsamen Singen, der
persönlichen musikalischen Fortbildung und der Pflege von sozialen Kontakten
nachzugehen. Folglich hätten die Mitglieder ein grosses Eigeninteresse, ihre Arbeit zu
präsentieren und auf entsprechende Anerkennung zu stossen, weshalb das
abschliessende Konzert nur integraler Bestandteil eines typischen Chorlebens sei.
Diese Eigennützigkeit stehe einer Steuerbefreiung entgegen. Der Vergleich mit den im
Kanton St. Gallen steuerbefreiten Institutionen sei nicht einschlägig, da diese
Aufführungen und Ausstellungen von vereinsunabhängigen Personen veranstaltet
würden und damit das Kriterium der Uneigennützigkeit erfüllten. Vergleichsbeispiele
aus anderen Kantonen seien unter dem Aspekt der Gleichbehandlung nicht
massgebend, da diese Sachverhalte von einer anderen Behörde beurteilt würden.
cc) Gemäss den eingereichten Jahresrechnungen der Jahre 2016 und 2017 wurde bei
einem Gesamtaufwand von rund Fr. ...... bzw. Fr. ...... jeweils die eine Hälfte für den
Probenbetrieb inkl. Honorar der Chorleitung von rund Fr. ...... und die andere Hälfte für
das Weihnachtskonzert inkl. Honorar für das beigezogene Orchester (Fr. ...... bzw.
Fr. ......) aufgewendet. Sodann resultierte bei einem Gesamtertrag von Fr. ...... bzw.
Fr. ...... die Hälfte aus den Einnahmen des Weihnachtskonzerts, während sich die
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andere Hälfte aus Mitglieder- und Gönnerbeiträgen sowie Schenkungen
zusammensetzte. Dem Jahresbericht 2016 ist zu entnehmen, dass die Übernahme
eines allfälligen Defizites aus dem Umfeld des Rekurrenten und Beschwerdeführers
garantiert wird. Das Chorvermögen belief sich sowohl im Jahr 2016 als auch 2017 auf
rund Fr. ....... Daraus wird ersichtlich, dass die eingenommenen Mittel vollumfänglich
für den Vereinszweck eingesetzt werden und der Verein den Statuten entsprechend
nicht gewinnorientiert wirtschaftet.
Der Konzertübersicht der Jahre 2007 bis 2018 ist zu entnehmen, dass die Konzerte des
Rekurrenten und Beschwerdeführers verschiedene Epochen der Musikgeschichte
abdeckten und in Zusammenarbeit mit anderen Chören und Orchestern aus der
ganzen Schweiz veranstaltet wurden. Die Konzerte wurden mit professionell
gestalteten Flyern und Plakaten öffentlich beworben und finden in einer St. Galler bzw.
anderen schweizerischen Kultureinrichtungen (Kirche, Kathedrale, Tonhalle) statt,
womit der Kreis der Destinatäre offen ist. Dass dafür teilweise marktübliche
Eintrittspreise verlangt werden, steht der Annahme eines gemeinnützigen Zwecks nicht
entgegen (vgl. BGE 113 Ib 7 Erw. 4a). Im Protokoll der Mitgliederversammlung vom
8. Mai 2017 ist denn auch erwähnt, dass im Rahmen des Jahreskonzerts 2016 90 %
der Konzertbillette verkauft worden waren. Es liegt damit auf der Hand, dass die
Veranstaltungen des Rekurrenten und Beschwerdeführers als kulturell wertvoll
einzustufen sind, allgemeinbildenden Charakter haben und von einer breiten
Öffentlichkeit besucht werden. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, liegt damit die
Tätigkeit des Chores im Interesse der Allgemeinheit.
Dem Konzertprogramm der Jahre 2007 bis 2018 ist zu entnehmen, dass für die
Auftritte professionelle Orchester und externe Solisten engagiert werden, deren
Mitwirken laut Jahresrechnungen auch entsprechend vergütet wird. Damit ermöglicht
der Rekurrent und Beschwerdeführer zunächst bekannten und unbekannten
professionellen Musikern eine Plattform für Auftritte, womit das Kulturschaffen in der
Ostschweiz gefördert wird. Darüber hinaus erscheint die Schilderung des Rekurrenten
und Beschwerdeführers, die Chor-Mitglieder hätten im Hinblick auf die Konzertauftritte
ein intensives Selbststudium und anspruchsvolle Proben zu absolvieren, vor dem
Hintergrund dieser Verpflichtungen nachvollziehbar. Diesem erheblichen Aufwand steht
keine konkrete Gegenleistung für das einzelne Chor-Mitglied gegenüber. Die
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Verbreitung der Kenntnisse über die Musikgeschichte und die Wiedergabe
musikalischer Werke in angemessener Qualität stellt folglich das altruistische Moment
für die Tätigkeit der Chor-Mitglieder dar.
Dem Jahresbericht 2016 ist weiter zu entnehmen, dass der Aktivmitgliederbeitrag
unverändert bei Fr. ...... liegt. Neben dem persönlichen Engagement bringt die
Chormitgliedschaft auch ein nicht unerhebliches finanzielles Opfer mit sich. Dazu
kommt, dass gemäss Ziff. 4 der Statuten der Dirigent bzw. die Dirigentin über die
Aufnahme von Aktivmitgliedern nach erfolgtem Ausweis über die stimmliche und
musikalische Befähigung entscheidet. Folglich steht nicht jeder Person, die gerne singt,
der Chor-Beitritt offen; vielmehr wird für die Aufnahme als Sänger bzw. Sängerin in den
Verein eine musische Begabung und eine trainierte Singstimme vorausgesetzt. Selbst
wenn die Chormitglieder mit ihrem Engagement auch eigene ideelle Interessen, wie
Singen und Geselligkeit, pflegen, erfolgt das Engagement nicht in Erwartung einer
mittelbaren oder unmittelbaren Gegenleistung.
d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass insbesondere aufgrund des qualitativen
Aufnahmekriteriums, des erheblichen zeitlichen Aufwands der Mitglieder und den
qualitativ hochstehenden Darbietungen des Vereins, die von einer breiten Öffentlichkeit
besucht werden, die Tätigkeit des Rekurrenten und Beschwerdeführers primär auf die
Interessen von Dritten im kulturellen Bereich ausgerichtet ist und die ideellen Interessen
der Mitglieder nur von untergeordneter Bedeutung sind. Gesamthaft verfolgt das
Engagement des Rekurrenten und Beschwerdeführers damit einen gemeinnützigen
Zweck. Der Rekurs und die Beschwerde sind folglich gutzuheissen und der
Einspracheentscheid vom 5. April 2019 ist aufzuheben. Der Rekurrent und
Beschwerdeführer ist ab 1. Januar 2018 von der Kantonssteuer und der direkten
Bundessteuer zu befreien.
4.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Rekursverfahrens
und des Beschwerdeverfahrens dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP; Art. 144
Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von je Fr. 600.– ist angemessen (Art. 144 Abs. 5
DBG i.V.m. Art. 7 Ziff. 122 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
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b) Der vollständig obsiegende Rekurrent und Beschwerdeführer liess sich anwaltlich
vertreten. Er hat gemäss Art. 98 Abs. 2 und 98 VRP Anspruch auf eine vollständige
Entschädigung der ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und
angemessen erscheinen. Der Beizug eines Rechtsvertreters war im vorliegenden
Verfahren geboten.
Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet. Es beträgt zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung, sGS 963.75; abgekürzt: HonO). Der Rechtsvertreter hat keine
Kostennote eingereicht, weshalb die ausseramtliche Entschädigung ermessensweise
festzusetzen ist. Vorliegend ist ein Honorar von Fr. 1'500.– angemessen. Hinzuzuzählen
sind die Barauslagen von Fr. 60.– (4% von Fr. 1'500.–; Art. 28 Abs. 1 HonO) und die
Mehrwertsteuer von Fr. 120.10 (7,7% von Fr. 1'560.–; Art. 29 HonO). Die
ausseramtliche Entschädigung beträgt damit insgesamt Fr. 1'680.10;
entschädigungspflichtig ist der Staat (kantonales Steueramt).