Decision ID: 327c9967-3f60-4349-ae21-8facd86f8fe1
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, studierte Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik und
Niederlandistik
(Urk
.
6/27/1). Er war ab dem 1
6.
Juni 2008 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Teilzeitpensum (zunächst 80
%
und ab
1. Mai
2011 60
%
) bei der
Y._
in der Denkmal
pflege tätig
.
Am
1
1.
Mai 2011 meldete der Arbeitgeber den Versicherten
im Rahmen einer Früherfassung
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung an
(
Urk.
6/1)
,
und am
2
8.
Dezember 2011 meldete
sich
der Versicherte
wegen Schlaf
störun
gen,
nervlichen Leiden
und ADHS
für die berufliche Integration und zum
Ren
tenbezug
an
(
Urk.
6/
8
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
nahm
in der Folge
erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (
Urk.
6/13, 6/22,
Urk.
6/25,
Urk.
6/42,
Urk.
6/44
), insbesondere zog sie ein psy
chiatrisches Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, vom
3.
Januar 2012 bei, welches die
Personalvorsorge
des Kantons Zürich
(BVK)
als zuständige
berufliche Vorsorgeeinrichtung
in Auftrag gegeben hatte (
Urk.
6/14,
Urk.
6/16).
Daraufhin kündigte der Arbeitgeber dem Versi
cher
ten per Ende Juni 2012, wobei sich die Kündigungsfrist bis am 3
1.
Juli 2012 ver
längerte (vgl.
Urk.
6/19,
Urk.
6/41/3).
Am 2
7.
März sowie
am
1
8.
April 2012 teilte die IV-Stelle mit, die Kosten für einen Laufbahncheck zu übernehmen (
Urk.
6/28,
Urk.
6/29), a
m 2
0.
Juni 2012 teilte
sie
mit, die Kosten für den CAS
Museologie
an der
A._
in der Höhe von
Fr.
5‘800.-- zu übernehmen (
Urk.
6/34) und
am
2
1.
Juni 2012
teilte
sie
mit, dass die Voraussetzungen für den Anspruch auf
eine
Arbeitsvermittlung erfüllt seien (
Urk.
6/35).
Mit Mitteilung vom 2
9.
November 2012 wurde die
Arbeits
vermittlung
im Einverständnis mit dem Versicherten
abgeschlossen
(
Urk.
6/40).
Mit Vorbescheid vom 1
4.
Juni 2013 stellte die IV-Stelle dem Versicherten aus
gehend von einem Invaliditätsgrad von 40
%
ab 1. Juni 2012
eine
Viertelsrente
in Aussicht (
Urk.
6/47).
Hiergegen liess die
BVK
am 2
0.
Juni 2013 Einwand erheben (
Urk.
6/51) und am 2
0.
August 2013
begründen (
Urk.
6/57), wobei sie insbe
sondere den von der IV-Stelle berücksichtigten Invalidenlohn in Frage
stellte (
Urk.
6/57). Am 2
6.
November 2013 liess der Versicherte zum Vorbe
schei
d und Einwand der BVK Stellung nehmen (
Urk.
6/62)
.
Mit neuem Vorbescheid
vom 1
9.
Februar 2014 stellte die IV-Stelle ausgehend von einem
Invaliditäts
grad
von 35
%
die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (
Urk.
6/67). Hier
gegen liess der Versicherte am 1
2.
Mai 2014 Einwand erheben (
Urk.
6/71). Mit Verfügung vom 1
3.
Mai 2014 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Viktor
Györffy
, am
2
3.
Juni 2014 Beschwerde erheben. Er beantragte, die Verfügung vom 1
3.
Mai 2014 sei aufzuheben und ihm sei eine
Dreiviertelsrente
auszurichten (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
1.
September 2014 schloss die IV-Stelle auf Ab
wei
sung der Beschwerde (
Urk.
5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindes
tens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von min
destens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
.
1.2
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein ent
sprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S. 43 E. 5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der
Regel auf einer persönlichen Untersuchung beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438 S.
345,
Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E. 5.3 und I 169/06 vom 8. August 2006 E. 4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130
V 352 E. 2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Es ist zu prüfen
,
unter welchen gesundheitlichen Beschwerden der Versicherte
leidet und inwiefern
diese
seine Arbeitsfähigkeit einschränken.
Dazu ist
zu
nächst
auf die
ärztlichen Berichte, Gutachten und Stellungnahmen
einzugehen, welche sich in den Akten befinden.
2.2
Dr.
Z._
erstattete am
3.
Januar 2012 (
Urk.
6/16) zu
Handen
der BVK ein psy
chiatrisches Gutachten. Der Gutachter stellte die Diagnose einer
Aufmerksam
keitsdefizits
-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS; ICD-10 F90.0). Diese begründete er ausführlich und wies insbesondere darauf hin, dass er zur Abklärung die für die Region zuständige Spezialstelle der
B._
beigezogen habe, welche diese Diagnose nach ausführlicher Untersuchung
im
Bericht
vom
1
5.
November 2011 ebenfalls bestätigt habe (
Urk.
6/16/
20
).
2.
3
D
ie
den Versicherten
seit
April 2011
behandelnde
Ärztin
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
hielt am
6.
Juli 2011 gegenüber der Case Managerin des Versi
cherten fest, bei diesem beständen
krankheits
be
dingte
Einschränkungen in Be
zug auf die Konzentrationsfähigkeit, die
Aufmerk
sam
keitsspanne
, die Prioritätensetzung sowie auf die Fokussierung und die all
gemeine Struktu
rierung von Arbeitsabläufen. Zudem liege eine erhöhte
Erschöpf
barkeit
, ver
minderte Stresstoleranz und reduzierte Möglichkeit zur Regeneration ausserhalb der Arbeitszeiten vor. Es bestehe bis auf weiteres eine Arbeitsfähig
keit von 50
%
, wobei aktuell grundsätzlich von einer künftigen Erhöhung der Arbeitsfä
higkeit auszugehen sei (
Urk.
6/7).
Am 2
8.
Februar 2012 hielt
Dr.
C._
gegenüber de
r IV-Stelle die Diagnosen
eines
ADHS (ICD-10 F90.0) und einer leichten depressiven Episode (ICD-10 F32.0)
fest. Das ADHS bestehe seit der Jugendzeit, wobei die Diagnosestellung
erst
2011
erfolgt sei. Beim Versicherten seien die Kriterien eines ausgeprägten adulten ADHS
erfüllt.
Einschränkungen beständen im Sinne von
Konzentrati
ons
- und
Aufmerksamkeitsstörungen, von gedanklichem Abschweifen vor allem bei mono
tonen Tätigkeiten, von gedanklich assoziativer Lockerheit und von leichter
Ab
lenkbarkeit
. Dies führe zur Zunahme von Flüchtigkeitsfehlern am Arbeitsplatz
und d
as Verhalten am Arbeitsplatz sei desorganisiert. Durch die Einschränkung des Aufmerksamkeits- und Durchhaltevermögens sei der Ab
schluss einzelner
Arbeiten erschwert
sowie die
Ablenkbarkeit durch Störquellen erhöht.
In der
bis
herigen Tätigkeit
als wissenschaftlicher Mitarbeiter
sei dem Versicherten eine 60
-
bis 80%ige Anwesenheit zumutbar, wobei eine
auf
40 bis 50
% reduzierte Arbeitsleistung vorliege. Ideal angepasst sei eine Arbeit mit we
nig Störqu
e
llen,
wenig monotonen Tätigkeiten, mehr Stimuli und klaren Struk
turen sowie
Ar
beits
vorgaben
(
Urk.
6/25).
2.4
Med.
pract
.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, übernahm
den Versicherten als
behandelnder Psychiater
von
Dr.
C._
(
Urk.
6/43). Er teilte der IV-Stelle am 1
8.
März 2013 mit, beim Versicherten bestehe ein
ADHS
im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0),
wobei diese Störung
bereits
in der Kind
heit
aufgetreten sei. Zudem bestehe seit Jahren eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4). Es sei seit dem ausführlichen Gutachten
von
Dr.
Z._
keine grundsätzliche Veränderung des gesundheitli
chen Zustands zu beobachten. Ohne eine regelmässige berufliche Tätigkeit wirke der Versicher
te
zum jetzigen Zeitpunkt sichtbar entlastet, auch wenn bereits kleine Anfor
de
rung
en ihn immer wieder rasch vor Schwierigkeiten stellten und zu einem Ab
bruch der Tätigkeit
führten
.
Kognitive Einschränkungen (Auf
merksamkeit, Kon
zentration) träten vor allem dann auf, wenn der Versicherte unzureichende Vor
gaben erhalte respektive eine fehlende Strukturierung der Arbeitsabläufe vorlieg
e und die Arbeit eintönig sei.
Dennoch
benötige er ein gewisses Mass an Eigen
ständigkeit und ein geeignetes Arbeitsumfeld, in wel
chem er nicht
wie in einem Grossraumbüro übermässig abgelenkt werde.
Ge
genwärtig sei
dem Versicherten
die bisherige Tätigkeit
als wissenschaftlicher Mitarbeiter
ungefähr zu 50 bis 80
%
zumutbar.
Die Leistungsfähigkeit sei ein
geschränkt.
Eine
behinderungsan
ge
passte
Tätigkeit sollte täglich im Umfang von vier bis sechs Stunden möglich sein. Mit einer Erhöhung der Einsatzfähig
keit auf 100
%
könne je nach Erfolg der Ein
gliederung gerechnet werden (
Urk.
6/44).
2.5
Med.
pract
.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regi
o
n
alen Ärztlichen Dienst (RAD), hielt in seiner Stellungnahme vom
5.
April 2013
fest, in der bisherigen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter habe von Apri
l 2011 bis wahrscheinlich September 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 5
0
%
bes
tanden. Aktuell sei
in der bisherigen oder einer angepassten Tätigkeit
eine
Arbeitsfähigkeit von 80
%
vorhanden
.
Dabei sollten hohe Anforderungen an das
Konzentrationsvermögen sowie an die Anpassungs- und
Umstellungsfä
hig
keite
n
vermieden werden. Zumutbar seien genau strukturierte Tätigkeiten und Auf
ga
ben in ruhiger und reizarmer Atmosphäre bei ausreichender Anlei
tung (
Urk.
6/46/3).
3.
3.1
Es ergibt sich
somit
aus sämtlichen fachärztlichen
Gutachten,
Berichten
und
Stellungnahmen
, dass beim Versicherten ein ADHS vorliegt
(
Urk.
6/16,
Urk.
6/25
,
Urk.
6/44
,
Urk.
6/46/3
)
. Von dieser Diagnose
ist
folglich
zum jetzigen Zeitpunkt
auszugehen
, was im Übrigen auch zwischen den Parteien unbestritten ist (
Urk.
1
,
Urk.
2)
. Was die Auswirkungen dieser psychischen Störung auf die Arbeits
fähig
keit betrifft, gehen
jedoch die Einschätzungen der Parteien ausei
nander. Wäh
rend die IV-Stelle
für eine angepasste Tätigkeit
von einer 80%igen Arbeits
fähig
keit mit voller Leistungsfähigkeit ausgeht (
Urk.
2 S. 3),
entspricht die zumutbare Leistungsfähigkeit
gemäss dem Versicherten
lediglich
der Hälfte der zeitlichen
Präsenz, weshalb die verwertbare Arbeits
leistung
bei einer zeitli
chen Arbeits
fähig
keit von 80
%
nur
40
%
betrage (
Urk.
1 S. 6)
.
3.2
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
Z._
schätzte die
Berufs
unfähigkeit
am
3.
Janu
ar 2012
bei voller
Präsenz
zeit auf 50
%
ein. Allerdings hielt er aus
drück
lich fest, dass Hinweise
auf einen noch nicht optimalen
Medikamenten
einsatz
vorhanden
seien,
sodass das Ausmass einer anzunehmenden teilweisen Berufsunfähigkeit noc
h nicht definiert werden könne
, diese jedoch mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit kleiner ausfallen werde als die aktuelle Arbeitsunfä
higkeit von etwa 50
%
.
In einer angepassten Tätigkeit
sei
in Kombination mit einer geeigneten konsequenten Behandlung und g
uter Compliance eine weitge
hend
uneingeschränkte oder nur gering eingeschränkte Arbeitsfähigkeit
wohl
realistisch.
Vor Ablauf von zwei Jahren s
ei
zu prüfen, wie hoch die Arbeits- und Berufsfähigkeit auf der Grundlage einer dann gut dokumentierten Umsetzung der m
edizinischen Massnahmen ausfalle. D
as
Medikament
Ritalin sei bisher nicht konsequent genug eingenommen worden (
Urk.
6/16/26-28).
D
as Gutachten
von
Dr.
Z._
stammt
vom
3.
Januar 2012
(
Urk.
6/16)
und ist so
mit
für die Sachlage im Verfügungszeitpun
kt Mai 2014 nicht aktuell genug
. Dies ist vor allem unter Berücksichtigung des Aspekts
relevant
, dass die Berufs- und Arbeitsunfähigkeit gemäss
Dr. Z._
vor Ablauf von zwei Jahren
nach Erstellung dieses Gutachtens
neu zu prüfen ge
wesen wäre (
Urk.
6/16/27)
.
Im Übrigen
hielt
Dr.
Z._
ausdrücklich fest, dass
das Ausmass der Be
rufs
un
fähigkeit noch nicht definiert werden könne und
legte sich
auch
bezüg
lich des
Umfangs einer Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit nicht kon
kret fest
(
Urk.
6/16/
26-
27).
Es ist
daher
nachvollziehbar, dass die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 1
3.
Mai 2014
(
Urk.
2)
zur Festlegung der Ar
beitsfähigkeit nicht auf das Gutachten von
Dr.
Z._
vom
3.
Januar 2012
(
Urk.
6/16)
abstellte.
3.3
Der kurze Bericht
des behandelnden Psychiaters
med.
pract
.
D._
vom 1
8.
März 2013
hielt
e
ntgegen der Ansicht der IV-Stelle (
Urk.
1 S. 3
)
keine Ver
besserung des gesundheitlichen Zustands fest, sondern
med.
pract
.
D._
führte ausdrücklich aus, es sei
im Vergleich zu den Vorbefunden
(Gutachten von
Dr.
Z._
, Bericht der
B._
)
keine grundsätzli
che
Veränderung
in Bezug auf den gesundheitlichen Zustand zu beobachten (
Urk.
6/44/1-2)
.
Soweit
med.
pract
.
D._
feststellte
, ohne regelmässige be
ruf
liche Tätigkeit wirke der Versicherte zum jetzigen Zeitpunkt sichtbar ent
lastet (
Urk.
6/44/2)
, spricht dies
weder für eine Verbesserung des gesundheitli
chen Zu
stands noch für eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
in einem Erwerbsumfeld
gegen
über dem Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens von
Dr.
Z._
am
3.
Janu
ar 2012
. Denn
die beschriebene Ver
änd
erung
basiere
ja gerade auf der der
zeitigen
Nichtarbeitstätig
keit
.
Weiter führte
med.
pract
.
D._
aus, der Versicherte
nehme
als Medikation lediglich
das Antidepressivum
Trittico
ein
.
Da andere medika
mentöse Therapien bisher nicht zu einer wesentlichen Besserung geführt hätten oder aufgrund von Nebenwirkungen nicht tolerierbar gewesen
seien, erachte er die gegenwärtige ambulante psychiatrisch-psychothera
peuti
sche
Behandlung mit regelm
ä
ssigen stützenden Gesprächen für angemessen (
Urk.
6/44/2).
Med.
pract
.
D._
schätzte die Arbeitsfähigkeit in zeitlicher Hinsicht auf
unge
fähr 50 bis 80
%
in der bisherigen
Tätigkeit
als wissen
schaft
licher Mitarbeiter
und
auf
gegenwärtig
ungefähr
vier bis sechs Stunden täglich in einer
leidens
angepassten
Tätigkeit
ein
. Zudem hielt er fest, dass bei der Ausübung der
bis
herigen Tätigkeit
eine
verminderte
Leistungsfähigkeit vorliege, deren Ausmass unter anderem vom Erfolg der Eingliederungsmassnahmen und den weiteren Rahmenbedingungen abhänge
(
Urk.
6/44/
3)
.
Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügung vom 1
3.
Mai 2014 gestützt auf d
iesen
Bericht von
med.
pract
.
D._
vom 1
8.
März 2013 (
Urk.
6/44)
von einer Arbeitsfähigkeit
von
80
%
mit einer 80%igen Leistungsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit aus
(
Urk.
2 S. 3)
. Dies
er Schluss
lässt sich
so jedoch nicht dem Bericht entnehmen
, da
med.
pract
.
D._
die Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in zeitlicher Hinsicht auf ungefähr vier bis sechs Stunden täglich ein
geschätzt hat, was einem Pensum von ungefähr 50 bis 80
%
entspricht. Es geht aus dem Bericht
somit
nicht hervor, dass in einer optimal angepassten Tätigkeit
ein Pensum von
80
%
möglich sei, sondern die Arbeitsfähigkeit wurde vielmehr in der
erwähnten
verhältnismässig weiten
Bandbreite eingeschätzt;
I
n diesem Punkt ist dem Beschwerdeführer
r
echt zu geben (Urk. 1 S. 7).
Weiter führte
med.
pract
.
D._
ausdrücklich aus, dass bei der bisherigen Tätigkeit die Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei, wobei er diese Einschränkung nicht näher definierte oder bezifferte
(
Urk.
6/44/3)
.
In Bezug auf eine
leidensan
ge
passte
Tätigkeit äusserte er sich nicht zu
r Frage einer
Einschränkung der
Leis
tungs
fähigkeit - allerdings enthält das
F
ormular der IV-Stelle bei der ange
passten Tätigkeit diese Fragestellung
anders als bei der bisherigen Tätigkeit
nicht
, so dass es nicht weiter überrascht, dass
med.
pract
.
D._
sich zu dieser Frage nicht äusserte.
Die
Ansicht der IV-Stelle,
der Versicherte könne in einer angepassten Tätigkeit in einem 80%igen Pensum eine volle Leistung er
bringen (
Urk.
2 S.
3)
, kann sich jedenfalls nicht auf den Arztbericht von med.
pract
.
D._
abstützen
. Es ist
daher
unklar, wie die IV-Stelle zu diesem
Schluss gelangte.
Auch der RAD-Arzt
med
.
pract
.
E._
begründete in seiner
auf den Akten basierenden Stellungnahme vom
5.
April 2013 seine Einschät
zung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
ohne Leistungseinschränkung
in der bis
herigen oder einer angepassten Tätigkeit nicht nachvollziehbar (
Urk.
6/46/3).
Insgesamt erweisen sich
d
ie Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit
in dem kurzen Arztbericht
von
med.
pract
.
D._
als zu
unbestimmt
,
um
basierend auf diesen
die Arbeitsfähigkeit und in der Folge
den
Invaliditä
tsgrad festleg
en
zu
könne
n
.
Zudem widerspricht seine
Einschätzung einer 50
-
bis 80%igen Arbeits
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich
Denkmalpflege
der Tatsache
, da
ss
der Versicherte
eine solche Tätigkeit in einem Teilzeitpensum
von
6
0
%
nicht
angemessen
wahrnehmen konnte,
so dass ihm
diese
Stelle
,
soweit aus den Akten ersichtlich
,
wegen seiner aufgrund der ge
sund
heitlichen Probleme aufgetretenen ungenügenden Leistungen gekün
digt worden war
(vgl.
Urk.
6/19,
Urk.
6/41/3).
3.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeit a
ufgrund der
bisher
vorliegenden Arztberichte
weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit
festgelegt werden
kann
. Die IV-Stelle hätte bei dieser Ausgangslage ein psychiatrisches Gutachten zur Klärung der Arbeitsfähigkeit
sowohl in quan
titativer als auch
in
qualitativer Hinsicht in
Auftrag geben sollen.
Ein solches Gut
achten ist
wenn möglich
von einem psychiatrischen Facharzt mit Erfahrung im Bereich ADHS zu verfassen und hat sich
möglichst
konkret
zur qualitativen und quan
titativen Arbeitsfähigkeit
sowie deren Entwicklung
ab Juni 2011
(
Zeit
punkt
ein halbes Jahr vor Anmeldung vom 2
8.
Dezember 2011
=
Urk.
6/8
; vgl.
Art.
28
Abs.
1 in Verbindung mit
Art.
29
Abs.
1 IVG)
zu äussern.
Allenfalls kann sich nach
Vornahme der medizinischen Abklärungen
ein Einbe
zug
von
Berufsberatungsfachleute
n
als notwendig erweisen.
In diesem Zusam
men
hang ist zu berücksichtigen, dass
Ärzte
sich dazu äussern
, inwiefern die ver
s
icherte Person in ihren körperlichen respektive geistigen Funktionen durch
ihr
Leiden eingeschränkt ist. Dagegen sagen die Fachleute der Berufsberatung, wel
che konkreten beruflichen Tätigkeiten aufgrund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage
kommen, wobei unter Umständen entsprechende Rückfragen bei Ärzten erfor
der
lich sind (BGE 107 V 17 E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 1 mit Hin
weisen;
Urteile des Bundesgerichts 8C_119/2008 vom 22. September 2008 E. 6.2 und I 588/05
vom 27.
April 2006 E. 3).
Di
e Berufsfachleute
hätten
somit
kon
krete Tätig
keiten zu benennen, welche dem Versic
herten
zur Verwertung seiner
Rest
ar
beitsfähigkeit
möglich und
welche
auf dem
ausgeglichenen
Arbeitsmarkt vor
handen
sind.
Dies könnte sich als notwendig erweisen, da die bisherige Tä
tigkeit
des Versicherten
als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der öffentlichen Verwal
tung
in einem Teilzeitpensum
seinen Beschwerden
bereits relativ ange
passt er
scheint
und ihm
diese Stelle
soweit ersichtlich
dennoch aufgrund der Aus
wirkungen seiner
objektivierten Einschränkungen
auf die
Arbeitsleistung
gekün
digt wurde
(vgl.
Urk.
6/19,
Urk.
6/41/3)
.
3.5
Dr.
Z._
ging
am
3.
Januar 2012
davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit mit einer
konsequent umgesetzten
Pharmakotherapie
erhöht werden könnte
(
Urk.
6/16/27)
.
Demgegenüber hielt
med.
pract
.
D._
am 1
3.
März 2013
fest, dass er die
gegenwärtige ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung mit regel
mässigen stützenden Gesprächen sowie mit der Behand
lung mit dem Anti
depressivum
Trittico
als
angemessen erachte, da andere me
dikamentöse Thera
pien bisher nicht zu einer wesentlichen Besserung geführt hätten oder aufgrund von Nebenwirkungen nicht tolerierbar gewesen seien (
Urk.
6/44/2)
. Anzumerken ist, dass die Therapierbarkeit eines Leidens
an sich
einer rentenbegründenden In
validität nicht im Wege steht (BGE 127 V 294 E.
4). Allerdings hat die ver
sicherte Person gemäss
Art.
7
Abs.
1 IVG alles ihr Zu
mutbare zu unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähig
keit (
Art.
6 ATSG) zu ver
ring
ern und den Eintritt der Invalidität (
Art.
8 ATSG) zu verhindern.
Notwen
di
genfalls ist sie bei gegebener Therapierbarkeit zur angemessenen medizinischen Massnahmen anzuhalten.
W
elche
dies
bezüglichen Bemühungen
im Detail
bisher bereits unternommen wurde
n und
weshalb diese scheiterten und
ob alle Möglich
keiten der medikamentösen Be
hand
lung in Betracht gezogen worden
sind
ist gegenwärtig unklar; es sind auch in dieser Hinsicht Rückfragen bei den behan
deln
den Ärzten zu tätigen.
3.
6
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
ist
eine Rückweisung an die Ver
waltung vorzunehmen, wenn sie in der notwendigen Erhebung einer bisher voll
ständig ungeklärten Frage begründet ist (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Dies trifft hier zu, da die Auswirkungen des
psychischen
Gesundheits
schadens
auf die Arbeitsfähigkeit noch
medizinisch
abzuklären
sind.
Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die
Verfügung vom 1
3.
Mai 2014 (
Urk.
2) auf
zuheben und die Sache zur ergänzenden medizinischen
und
berufsberaterischen
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
ist
.
4.
4.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtspre
chun
g gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und
neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundesge
richts U 199/02
vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57; SVR 1999 IV Nr. 10 S.
28 E.
3). Die Kosten sind der unterliegenden
Beschwerdegeg
nerin
aufzuer
legen.
4.
2
Ferner hat der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Prozessent
schä
digung
. Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Unter Be
rücksichtigung des bis Ende 2014 gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
200.-- ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer
Fr.
1‘600.--
(inklusive Barauslagen und
MWSt
)
zu bezahlen.