Decision ID: 48c3b777-7c56-4adc-9e28-023933388894
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Mit Zahlungsbefehl Nr. [...] des Betreibungsamtes Oftringen-Aarburg vom
18. März 2021 betrieb die Klägerin den Beklagten für den Betrag von
Fr. 10'307.95, für Umtriebsspesen über Fr. 50.00 und Betreibungskosten
von Fr. 103.30. Als Forderungsurkunde bzw. Grund der Forderung wurde
angegeben:
" 1. offene Rg./Darlehen vom 27.07.2015 über CHF 450.3.5 vom 12.08.2015 über CHF 3'500.00, offene Rg./Darlehen C. vom 28.08.2015 über CHF 1'320.00 offene Rg./Darlehen C. vom 07.09.2015 über CHF 200.00, offene Rg./Darlehen vom 16.10.2015 über CHF 1'641.70 vom 23.12.2015 über CHF 1'000.00 ./. Zahlung vom 31.08.2015 über CHF 500.00 gem. Verlustschein Nr. [...] vom 07.11.2018 aus Betreibung-Nr. [...] des Betreibungsamtes Olten-Gösgen
2. Umtriebsspesen"
1.2.
Mit Zahlungsbefehl Nr. [...] des Betreibungsamtes Oftringen-Aarburg vom
18. März 2021 betrieb die Klägerin die Beklagte für den Betrag von
Fr. 9'848.45, für Umtriebsspesen über Fr. 50.00 und Betreibungskosten
von Fr. 73.30. Als Forderungsurkunde bzw. Grund der Forderung wurde
angegeben:
" 1. offene Rg./Darlehen vom 27.07.2015 über CHF 450.35 / offene Rg./ vom 12.08.2015 über CHF 3'500.00 offene Rg./Darlehen C. vom 28.08.2015 über CHF 1'320.00 offene Rg./Darlehen C. vom 07.09.2015 über CHF 200.00 offene Rg./Darlehen vom 16.10.2015 über CHF 1'641.70 offene Rg./Darlehen vom 23.12.2015 über CHF 1'000.00 ./. Zahlung vom 31.08.2015 über CHF 500.00 Solidarbetreibung mit B., [...], Q., Betreibung Nr. [...]
2. Umtriebsspesen"
1.3.
In beiden Betreibungsverfahren wurde Rechtsvorschlag erhoben.
2.
2.1.
Mit Eingabe vom 10. November 2021 (Postaufgabe) beantragte die Kläge-
rin beim Bezirksgericht Zofingen gegenüber dem Beklagten die Rechtsöff-
nung für die in Betreibung gesetzten Beträge sowie für die Kosten der Zah-
lungsbefehle unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Gleichentags be-
antragte die Klägerin beim Bezirksgericht Zofingen auch gegenüber der
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Beklagten die Rechtsöffnung für die in Betreibung gesetzten Beträge sowie
für die Kosten der Zahlungsbefehle unter Kosten- und Entschädigungsfol-
gen.
2.2.
Bezüglich des Beklagten eröffnete die Vorinstanz das Verfahren
Nr. SR.2021.321. Bezüglich der Beklagten eröffnete die Vorinstanz das
Verfahren Nr. SR.2021.322.
2.3.
Mit Stellungnahme vom 29. Dezember 2021 (Postaufgabe) begehrte der
Beklagte sinngemäss die Abweisung des Rechtsöffnungsgesuchs (Verfah-
ren SR.2021.321). Die Beklagte liess sich innert angesetzter Frist nicht ver-
nehmen (Verfahren Nr. SR.2021.322).
2.4.
Im Verfahren SR.2021.321 erkannte das Bezirksgerichtspräsidium Zofin-
gen mit Entscheid vom 20. Januar 2022:
" 1. Der Gesuchstellerin wird in der Betreibung Nr. [...] des Betreibungsamtes Oftringen-Aarburg (Zahlungsbefehl vom 18. März 2021; Rechtshängigkeit des Rechtsöffnungsbegehrens am 10. November 2021) für den Betrag von Fr. 10'307.95 provisorische Rechtsöffnung erteilt.
2. Die Entscheidgebühr von Fr. 400.00 wird dem Gesuchsgegner auferlegt. Sie wird mit dem Vorschuss der Gesuchstellerin in gleicher Höhe , so dass der Gesuchsgegner der Gesuchstellerin Fr. 400.00 direkt zu ersetzen hat.
3. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin eine  von Fr. 50.00 zu bezahlen."
2.5.
Im Verfahren SR.2021.322 erkannte das Bezirksgerichtspräsidium Zofin-
gen mit Entscheid vom 20. Januar 2022:
" 1. Der Gesuchstellerin wird in der Betreibung Nr. [...] des Betreibungsamtes Oftringen-Aarburg (Zahlungsbefehl vom 18. März 2021; Rechtshängigkeit des Rechtsöffnungsbegehrens am 9. November 2021) für den Betrag von Fr. 9'848.45 provisorische Rechtsöffnung erteilt.
2. Die Entscheidgebühr von Fr. 300.00 wird der Gesuchsgegnerin auferlegt. Sie wird mit dem Vorschuss der Gesuchstellerin in gleicher Höhe , so dass die Gesuchsgegnerin der Gesuchstellerin Fr. 300.00 direkt zu ersetzen hat.
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3. Die Gesuchsgegnerin wird verpflichtet, der Gesuchstellerin eine  von Fr. 50.00 zu bezahlen."
3.
3.1.
Mit gemeinsamer Beschwerde vom 31. Januar 2022 (Übergabe am Schal-
ter des Obergerichts) gegen den dem Beklagten am 22. Januar 2022 in
begründeter Form zugestellten Entscheid (Verfahren SR.2021.321) und
dem der Beklagten am 26. Januar 2022 in begründeter Form zugestellten
Entscheid (Verfahren SR.2021.322) beantragen die Beklagten sinngemäss
die Aufhebung der beiden Entscheide und die Abweisung der Rechtsöff-
nungsbegehren.
3.2.
Mit Verfügung vom 11. Februar 2022 wurde die Beschwerde der Klägerin
zur Erstattung einer Beschwerdeantwort innert 10 Tagen zugestellt. Die
Klägerin liess sich nicht vernehmen.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Rechtsöffnungsentscheide sind grundsätzlich mit Beschwerde anfechtbar
(Art. 319 lit. a i.V.m. Art. 309 lit. b Ziff. 3 ZPO). Eine Zulässigkeitsvoraus-
setzung der Beschwerde ist jedoch die Beschwer. Das Erfordernis der Be-
schwer hat die Wirkung, dass nur derjenige zur Erhebung eines Rechtsmit-
tels befugt ist, welcher ein (von der Rechtsordnung geschütztes, d.h. ein
schutzwürdiges) Interesse (tatsächlicher oder rechtlicher Natur) an der Ab-
änderung eines erstinstanzlichen Entscheids besitzt. Fehlt es an der von
Amtes wegen zu prüfenden Beschwer, ist auf das erhobene Rechtsmittel
nicht einzutreten (REETZ, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger,
Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N. 30
zu Vorbemerkungen zu den Art. 308-318 ZPO).
Mit Entscheid im Verfahren SR.2021.321 wurde Rechtsöffnung gegenüber
dem Beklagten und mit Entscheid im Verfahren SR.2021.322 wurde
Rechtsöffnung gegenüber der Beklagten erteilt. Die vorliegende Be-
schwerde wurde von beiden Beklagten unterzeichnet und unterscheidet
nicht zwischen den beiden Verfahren. Beschwerdelegitimiert bezüglich des
Entscheids im Verfahren SR.2021.321 ist einzig der Beklagte und bezüg-
lich des Entscheids im Verfahren SR.2021.322 einzig die Beklagte. Die vor-
liegende Eingabe wird daher als Beschwerde des Beklagten gegen den ihn
betreffenden Entscheid und als Beschwerde der Beklagten gegen den sie
betreffenden Entscheid entgegengenommen. Soweit der Beklagte den die
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Beklagte betreffenden Entscheid bzw. die Beklagte den den Beklagten be-
treffenden Entscheid anfechten will, ist hierauf mangels Beschwer nicht ein-
zutreten.
1.2.
Mit der Beschwerde können die unrichtige Rechtsanwendung und die of-
fensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht wer-
den (Art. 320 ZPO). Neue Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und
neue Beweismittel sind im Beschwerdeverfahren ausgeschlossen (vgl.
Art. 326 Abs. 1 ZPO). Das Obergericht kann ohne Verhandlung aufgrund
der Akten entscheiden (Art. 327 Abs. 2 ZPO).
2.
Beruht die Forderung auf einer durch öffentliche Urkunde festgestellten
oder durch Unterschrift bekräftigten Schuldanerkennung, so kann der Gläu-
biger die provisorische Rechtsöffnung verlangen (Art. 82 Abs. 1 SchKG).
Der Richter spricht dieselbe aus, sofern der Betriebene nicht Einwendun-
gen, welche die Schuldanerkennung entkräften, sofort glaubhaft macht
(Art. 82 Abs. 2 SchKG). Eine Einwendung erscheint als glaubhaft, wenn
objektive Anhaltspunkte vorliegen, welche die Behauptungen derart unter-
mauern, dass der Richter überwiegend geneigt ist, an deren Wahrheit zu
glauben. Blosse Behauptungen genügen hingegen nicht (STÜCHELI, Die
Rechtsöffnung, Diss. 2000, S. 348 f.).
3.
3.1.
3.1.1.
Im Rechtsöffnungsentscheid gegenüber dem Beklagten (Verfahren
SR.2021.321) führte die Vorinstanz aus, die Klägerin stütze ihr Gesuch auf
einen Verlustschein, wonach sie zu einem Verlust von Fr. 10'307.95 ge-
kommen sei. Damit liege ein provisorischer Rechtsöffnungstitel im Sinne
von Art. 82 Abs. 1 SchKG für den genannten Betrag vor. Hingegen fehle es
an einem Rechtsöffnungstitel hinsichtlich der ebenso in Betreibung gesetz-
ten Umtriebsspesen in Höhe von Fr. 50.00, weshalb hierfür keine Rechts-
öffnung zu erteilen sei (angefochtener Entscheid E. 2.2). Der Beklagte ma-
che mit seinem Einwand betreffend Gegenforderung sinngemäss eine Ver-
rechnung geltend. Er beschränke sich jedoch auf die Behauptung seiner
Einwendung und reiche keinerlei Urkunden ein, um den Einwand zu stüt-
zen. Eine blosse Behauptung genüge nicht, um glaubhaft zu machen, dass
die im Verlustschein bezeichnete Forderung gegen ihn nicht bestehe. Dem
Hinweis auf den Miteinbezug seiner Frau könne nicht gefolgt werden. Die
Frau des Beklagten sei gar nicht Partei dieses Verfahrens. Im Rechtsöff-
nungsverfahren, in welchem die Frau des Beklagten Partei sei
(SR.2021.322), sei diese Stellungnahme unbeachtlich, da sie einzig vom
Beklagten unterzeichnet sei. Damit sei für den Betrag von Fr. 10'307.95
provisorische Rechtsöffnung zu erteilen (angefochtener Entscheid E. 3.3).
- 6 -
3.1.2.
Im Rechtsöffnungsentscheid gegenüber der Beklagten (Verfahren
SR.2021.322) führte die Vorinstanz aus, die Klägerin stütze ihr Gesuch auf
einen Verlustschein, wonach sie zu einem Verlust von Fr. 9'848.45 gekom-
men sei. Damit liege ein provisorischer Rechtsöffnungstitel im Sinne von
Art. 82 Abs. 1 SchKG für den genannten Betrag vor. Hingegen fehle es an
einem Rechtsöffnungstitel hinsichtlich der ebenso in Betreibung gesetzten
Umtriebsspesen in Höhe von Fr. 50.00 (angefochtener Entscheid E. 2.2).
Nachdem sich die Beklagte innert Frist nicht habe vernehmen lassen, habe
sie auch keine Einwendungen gemäss Art. 82 Abs. 2 SchKG vorgebracht.
Dementsprechend sei für den Betrag von Fr. 9'848.45 provisorische
Rechtsöffnung zu erteilen (angefochtener Entscheid E. 3.2).
3.2.
Mit der Beschwerde bestreiten die Beklagten nicht, dass die beiden Ver-
lustscheine provisorische Rechtsöffnungstitel für die fraglichen Beträge
darstellen. Sie bringen aber – wie bereits der Beklagte im das ihn betref-
fende vorinstanzlichen Verfahren – vor, es bestehe eine Gegenforderung
seitens des Beklagten, und machen sinngemäss eine Verrechnung gel-
tend. Die Beklagten reichen hierzu auch eine E-Mail, eine Fotografie zu
alten Notizen sowie eine Rechnungskopie ein (Beschwerde S. 1; Be-
schwerdebeilagen 1-3). Da neue Tatsachenbehauptungen und neue Be-
weismittel im Beschwerdeverfahren ausgeschlossen sind (vorne E. 1.2),
sind diese allerdings unbeachtlich. Im vorinstanzlichen Verfahren reichte
der Beklagte – abgesehen von einer für die vorliegende Frage nicht rele-
vanten Kopie der Verfügung zur Einholung des Kostenvorschusses – kei-
nerlei Belege ein (act. 7 f.; Beilage 1 zur Stellungnahme) und die Beklagte
liess sich nicht vernehmen. Es lagen mithin seitens des Beklagten blosse
bzw. seitens der Beklagten gar keine Behauptungen zu einer Gegenforde-
rung vor. Dies genügt nicht, um glaubhaft zu machen, dass die im Verlust-
schein bezeichnete Forderung nicht besteht.
Mit der Beschwerde bringen die Beklagten ferner vor, sie würden gerne
eine Expertise durchführen und möchten diesbezüglich eine Genehmigung
(Beschwerde S. 1). Soweit die Beklagten damit die Einholung einer Exper-
tise beantragen wollen, ist hierauf aufgrund der Unzulässigkeit neuer An-
träge und Beweismittel (vorne E. 1.2) nicht einzutreten.
Mit der Beschwerde bringen die Beklagten ferner vor, die Beklagte habe
"nichts mit diesem Fall zu tun", und sie fordern, dass die gegen die Beklagte
gerichtete Betreibung zurückgezogen und die Beklagte aus "diesem Fall"
rausgehalten werde (Beschwerde S. 2). Wie die Vorinstanz zu Recht an-
führte, ist die Beklagte in Bezug auf das gegen den Beklagten gerichtete
Verfahren gar nicht Partei. In Bezug auf das gegen die Beklagte gerichtete
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Verfahren erging keine Stellungnahme im vorinstanzlichen Verfahren, wes-
halb es sich bei diesen Vorbringen um unzulässige Noven handelt. Im Üb-
rigen verkennen die Beklagten, dass ein Verlustschein gegen die Beklagte
vorliegt, welcher als provisorischer Rechtsöffnungstitel gilt, und das blosse
Vorbringen, die Beklagte habe "nichts mit dem Fall zu tun", keine glaub-
hafte Einwendung darstellt. Die Beschwerde ist damit für beide Beklagten
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
4.
4.1.
Ausgangsgemäss sind die Prozesskosten den Beklagten aufzuerlegen
(Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 Abs. 1 ZPO). Die Gerichtskosten sind
auf Fr. 600.00 festzusetzen (Art. 48 i.V.m. Art. 61 Abs. 1 GebV SchKG) und
werden mit dem vom Beklagten in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor-
schuss verrechnet (Art. 111 Abs. 1 ZPO).
4.2.
Da die Klägerin sich im Beschwerdeverfahren nicht hat vernehmen lassen
und ihr damit kein Aufwand erwachsen ist, ist ihr keine Parteientschädigung
zuzusprechen.