Decision ID: c6b9443f-939f-585b-ad77-05ee6dc3135f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, aus B._ (Jaffna Provinz), suchte am 30. März 2016 in der
Schweiz um Asyl nach.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend,
er sei zwischen 1996 und 1998 einmal in einem (...) festgehalten und nach
zwei Tagen wieder freigelassen worden. In der Folge habe er in der Nähe
seines Hauses eine kleine (...) eröffnet und rund zehn Angestellte beschäf-
tigt. Im Januar 2015 habe er in seiner (...) zwei weitere Mitarbeiter ange-
stellt, welche entfernte Verwandte seiner Ehefrau gewesen seien. Diese
seien Mitglieder der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gewesen, be-
vor sie ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen hätten. Im Frühling 2015
hätten ihn Angehörige des gegenüberliegenden (...) für den Bau eines (...)
auf dem Hof der (...) angefragt und es sei ihm nahegelegt worden, diese
Arbeit unentgeltlich auszuführen. Als er sich geweigert habe, sei er von
ihnen beschuldigt worden, Verbindungen zu Mitgliedern der LTTE zu pfle-
gen und diese finanziell zu unterstützen. In Folge sei seine (...) regelmäs-
sig durch die Behörden kontrolliert worden. Auch seien sie regelmässig zu
ihm nach Hause gekommen, um ihm verschiedene Fragen zu stellen.
Schliesslich sei er sechs oder sieben Mal für Befragungen ins (...) vorge-
laden und von Mitarbeitern des CID (Criminal Investigation Departement)
befragt worden. Auch seine Ehefrau habe man drei bis vier Male vorgela-
den, wobei sie während einer Befragung im Juni 2015 sexuell belästigt
worden sei. Deshalb habe er diesen beiden Mitarbeitern, welche ehema-
lige Mitglieder der LTTE gewesen seien, gekündigt sowie schliesslich den
Auftrag für den Bau des (...) ausgeführt. Danach sei seine Ehefrau von den
sri-lankischen Behörden in Ruhe gelassen worden. Er sei jedoch weitere
Male vorgeladen worden, wobei ihm gedroht worden sei, zum Verschwin-
den gebracht oder erschossen zu werden. Es sei ihm wiederholt vorgewor-
fen worden, die LTTE finanziell zu unterstützen. Ab Ende Oktober 2015
habe er den Vorladungen keine Folge mehr geleistet. Daraufhin sei er prak-
tisch täglich von Mitarbeitern des CID zu Hause aufgesucht sowie auf der
Strasse beobachtet und kontrolliert worden. Aus Angst vor weiteren Behel-
ligungen durch die sri-lankischen Behörden, sei er im Frühling 2016 aus
Sri-Lanka ausgereist.
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B.
Mit Verfügung vom 16. Juli 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug. Eine dage-
gen erhobene Beschwerde vom 15. August 2018 wies das Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil D-4673/2018 vom 7. Juli 2020 ab.
Für das ordentliche Verfahren wird auf die entsprechenden Akten der Vor-
instanz (...) und die des Beschwerdeverfahrens (...) verwiesen.
C.
Mit einer als «demande d’asile multiple» bezeichneten Eingabe vom
5. Februar 2021 gelangte der Beschwerdeführer an das SEM. Darin macht
er im Wesentlichen geltend, er habe sich nach dem Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts vom 7. Juli 2020 in der Schweiz exilpolitisch betätigt. Kon-
kret habe er am (...) zusammen mit anderen sri-lankischen Staatsangehö-
rigen dem (...) eine (...) übergeben, mit welcher auf die schwierige Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka aufmerksam gemacht worden sei. Im An-
schluss an die (...) an den (...) habe in Bern eine (...) stattgefunden, an
welcher er ebenfalls teilgenommen und Flyer verteilt habe. Nachdem in
einer sri-lankischen Zeitung über die (...) an den (...) sowie über die (...)
vom (...) berichtet worden sei, hätten die sri-lankischen Behörden bei eini-
gen seiner Familienangehörigen Hausdurchsuchungen durchgeführt. Er
gehe nun davon aus, dass er aufgrund seiner exilpolitischen Aktivitäten in
der Schweiz bei einer Rückkehr nach Sri-Lanka umgehend festgenommen
würde.
Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel ein: Fotos, welche ihn
an einer (...) vom (...) in Bern zeigen, Internetauszüge aus sri-lankischen
Zeitungen, in welchen über die (...) in Bern vom (...) berichtet wird, Emp-
fangsbestätigung des (...) über die erfolgte Einreichung einer (...) vom (...),
Menschenrechtsbericht von Human Rights Watch zu Sri Lanka.
D.
Mit Verfügung vom 1. März 2021 – eröffnet am 3. März 2021 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte das Mehrfachgesuch ab, wies den Beschwerdeführer aus der
Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Im Weiteren
erhob das SEM eine Gebühr in Höhe von Fr. 600.–.
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Seite 4
E.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch
seinen Rechtsvertreter – am 1. April 2021 Beschwerde vor dem Bundes-
verwaltungsgericht. Er beantragte, die Verfügung des SEM vom 1. März
2021 sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und
ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuord-
nen. In prozessualer Hinsicht wurde darum ersucht, dem Beschwerdefüh-
rer für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechts-
pflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu
verzichten. Der bevollmächtigte Rechtsvertreter sei ihm amtlich beizuord-
nen. Ferner sei festzustellen, dass der vorliegenden Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung zukomme.
Als Beschwerdebeilage reichte der Beschwerdeführer diverse, in tamili-
scher Sprache verfasste, nicht übersetzte Internetauszüge ein.
F.
Mit Schreiben vom 6. April 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls –
in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31];
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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Seite 5
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden
(Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um
eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
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Seite 6
5.
5.1 Das SEM hat zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen er-
wogen, insofern der Beschwerdeführer die Teilnahme an (...) in Bern gel-
tend mache und in diesem Zusammenhang Fotos und Zeitungsartikel ein-
reiche, sei bei Sichtung dieser Beweismittel festzustellen, dass das Enga-
gement aller darauf erkennbarer Personen als niederschwellig zu bezeich-
nen sei. Ein Gefährdungsprofil lasse sich daraus somit nicht ableiten. Es
sei deshalb nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer das Ver-
folgungsinteresse der heimatlichen Behörden in rechtserheblichem Masse
geweckt habe und er als konkrete Bedrohung für das politische System Sri
Lankas gelte. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Furcht, wegen
seines exilpolitischen Engagements in Sri Lanka in flüchtlingsrechtlich re-
levanter Weise verfolgt zu werden, sei daher unbegründet und es könne
dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass es deswegen zu
Hausdurchsuchungen bei seinen Familienangehörigen in Sri Lanka ge-
kommen sei. Im Weiteren weise der Beschwerdeführer auch kein Risi-
koprofil im Sinne der Rechtsprechung (BVGer-Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) auf. Dies ergebe sich auch aus der dies-
bezüglichen rechtskräftigen Feststellung im Urteil des BVGer vom 7. Juli
2020. Auch unter Berücksichtigung der neusten Lageentwicklung in Sri
Lanka sei nicht davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG drohe.
5.2 In der Beschwerde wurden im Wesentlichen die Ausführungen im
Mehrfachgesuch wiederholt. Zudem habe das SEM das Profil des Be-
schwerdeführers hinsichtlich seiner exilpolitischen Tätigkeiten falsch ein-
geschätzt.
5.3 Die Vorinstanz hat zutreffend erkannt, dass weder aufgrund der Anga-
ben des Beschwerdeführers noch aufgrund der eingereichten Beweismittel
von einem profilierten öffentlichen Exilengagement auszugehen ist, auf-
grund dessen auf eine begründete Furcht vor Verfolgung bei einer Rück-
kehr zu schliessen wäre. Es kann somit – zwecks Vermeidung von Wieder-
holungen – vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden. Soweit der Beschwerdeführer eine allgemeine Gefähr-
dungslage für nach Sri Lanka zurückkehrende tamilische Asylsuchende
nach der Machtergreifung des Rajapaksa-Clans geltend macht, bildete
dies bereits Gegenstand der Beurteilung im Urteil E-2847/2020 (vgl.
E. 7.3). Es kann darauf als res iudicata verwiesen werden. Auch das – als
unverändert zu erachtende – Risikoprofil des Beschwerdeführers bildete
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Gegenstand dieses Urteils (a.a.O. E. 7.4). Die Schlussfolgerungen der Vor-
instanz sind mithin weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu
beanstanden. Die Rechtsmitteleingabe erschöpft sich in spärlichen Erklä-
rungsversuchen, womit sie nicht aufzeigt, inwiefern die vorinstanzliche Be-
weiswürdigung Bundesrecht verletzen oder zu einer rechtsfehlerhaften
Sachverhaltsfeststellung führen soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. Die
mit der Beschwerde eingereichten Internetauszüge sind nicht geeignet, am
Beweisergebnis etwas zu ändern. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft verneint.
5.4 Insgesamt konnte der Beschwerdeführer keine nach dem rechtskräfti-
gen Abschluss seines ordentlichen Asylverfahrens entstandenen Gründe
geltend machen, die in Bezug auf seine Flüchtlingseigenschaft zu einer
anderen Würdigung führen könnten.
6.
Nachdem der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche Auf-
enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
Verfügung wurde auch die Wegweisung vom SEM zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
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ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin,
dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung
nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran-
kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine
Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka
ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts – nach wie
vor – nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer
E- 1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler: Urteil BVGer
E- 895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten
auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Mass-
nahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten «Background
Check» (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland)
hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Daran ver-
mögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die seither ver-
änderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungsvollzug er-
weist sich somit als zulässig.
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Seite 9
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg noch
eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Gemäss
Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ostprovinz
zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien be-
jaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewaltvor-
fälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu vor-
stehend E. 7.4 sowie statt vieler: Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April
2020 E. 9.3).
Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer stammt aus der
Nordprovinz und verfügt über mehrjährige Berufserfahrung als selbststän-
dig erwerbender (...) mit einer eigenen (...) im Heimatland. Das Beschwer-
devorbringen, die (...) sei ihm von den sri-lankischen Behörden enteignet
worden, stellt eine erstmals mit der Rechtsmitteleingabe vorgebrachte und
unbelegte Parteibehauptung dar. Im Weiteren verfügt der Beschwerdefüh-
rer über ein breites familiäres Netz. Seine Ehefrau und die vier gemeinsa-
men Kinder sowie zwei Brüder und die Mutter können ihn bei einer Rein-
tegration unterstützen. Auch aus medizinischer Sicht sind keine Gründe er-
sichtlich, welche gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen. Insoweit der
Beschwerdeführer pauschal darauf hinweist, er leide an ernsthaften psy-
chischen Beschwerden, ist darauf hinzuweisen, dass von der grundsätzli-
chen Behandelbarkeit psychiatrischer Beschwerden in Sri Lanka ausge-
gangen werden kann (vgl. Urteil des BVGer
E-7137/2018 vom 23. Januar 2019 E. 12.3 m.H.).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
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7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der zuständigen Vertretung sei-
nes Heimatstaats die für seine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AslyG; BVGE 2008/34 E. 12).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Der Antrag, es sei festzustellen, dass der Beschwerde aufschiebende Wir-
kung zukomme, ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos ge-
worden.
10.
10.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten
haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht
gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. Aus demselben
Grund kann auch dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
nicht stattgegeben werden.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1’500.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Mit vorliegendem Urteil ist der An-
trag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos
geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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