Decision ID: e62222dd-aa34-4ae3-99a3-af8f59e44d45
Year: 2019
Language: de
Court: AG_HG
Chamber: AG_HG_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Handelsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der Kläger ist eine natürliche Person mit Wohnsitz in Z.
Die Beklagten sind natürliche Personen mit Wohnsitz in Y. (Beklagter 1),
X. AG (Beklagter 2) und W. AG (Beklagter 3).
2.
Mit Eingabe vom 12. März 2019 (Postaufgabe: gleichentags) hat der Kläger
eine vom 28. Februar 2019 datierte "Anklageschrift" eingereicht. Diese
hatte er am 1. März 2019 bereits beim Bezirksgericht Bremgarten einge-
reicht. Mit Schreiben vom 4. März 2019 war dem Kläger vom Bezirksgericht
Bremgarten mitgeteilt worden, dass seine Begehren gesellschaftsrechtli-
che Fragen betreffen würden und das Bezirksgericht Bremgarten demzu-
folge sachlich nicht zuständig sei (Klagebeilage [KB] 4). Die "Anklage-
schrift" vom 28. Februar 2019 enthielt die folgenden Begehren:
" 1. Das Handelsregisteramt des Kantons Aargau, Bahnhofplatz 3c, 5001 Aarau, sei anzuweisen, die Eintragung der am [Tag der GV] 2019 von der ausserordentlichen Generalversammlung  Wahl der Revisionsstelle «E.» (Adresse der : [...]) bei der Beklagten F., V., nicht einzutragen.
2. Die Beklagte F., V. sei zu verpflichten, meinen Dividendenanteil für das Geschäftsjahr 2017 auf das ehemalige Lohnkonto von A. bei der Raiffeisenbank U. zu überweisen.
3. Die Beklagten Bb., C. und D. seien zu verpflichten,
3.1. Dem Kläger ihre Aktienzertifikate zu überschreiben a. Bb. Aktienzertifikat Nr. 1, 170 Aktien b. C., Aktienzertifikat Nr. 2, 140 Aktien c. D., Aktienzertifikat Nr. 4, 50 Aktien
3.2. Dem Kläger sind zusätzlich zwei Mal CHF 50'000.- (=CHF 100'000.-) Konventionalstrafe pro Aktionär  bzw. den Beklagten in Rechnung zu stellen. Das ergibt total CHF 300'000.-.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST)  der Beklagten."
Verfahrensantrag:
5.
- 3 -
Das Handelsregisteramt sei anzuweisen, A. Einsicht in die  und in die Belege zu gewähren, indem das  ihm – vorerst – Kopien dieser Unterlagen zustellt. Eventualiter sei ihm die Einsichtnahme auf dem  zu gewähren (Art. 162 Abs. 2 HRegV)."
3.
Die Rechtsbegehren Ziff. 3.1. und 3.2. wurden im vorliegenden Verfahren
zusammengefasst. Für die restlichen Rechtsbegehren wurden separate
Verfahren eröffnet (HSU.2019.38 für die Rechtsbegehren Ziff. 1. und 5. so-
wie HOR.2019.13 für das Rechtsbegehren Ziff. 2.).
Mit Verfügung vom 18. März 2019 wurde den Parteien der Eingang der
Klage (Rechtsbegehren Ziff. 3.1. und 3.2.) bestätigt und der Kläger aufge-
fordert, bis zum 5. April 2019 einen Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 2'000.00 zu bezahlen. Zudem wurde der Kläger aufgefordert, zwei wei-
tere (identische) Exemplare der Klage (inkl. Beilagen) vom 28. Februar
2019 einzureichen, wobei angedroht wurde, dass die fehlenden Kopien im
Säumnisfall vom Gericht auf Kosten des Klägers angefertigt würden.
4.
Mit Verfügung vom 11. April 2019 wurde dem Kläger nach Abweisung sei-
nes Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege erneut eine
Frist von 5 Tagen zur Leistung des Kostenvorschusses angesetzt. Innert
Frist leistete der Kläger den Kostenvorschuss nicht.
5.
Mit Verfügung vom 6. Mai 2019 wurde dem Kläger eine letzte Frist von
5 Tagen zur Leistung des Kostenvorschusses von Fr. 2'000.00 angesetzt.
Die Fristansetzung wurde mit der Androhung verbunden, dass bei erneuter
Säumnis auf die Klage nicht eingetreten würde. Der Kläger hat auch innert
der Nachfrist den Kostenvorschuss nicht bezahlt.
6.
Mit Verfügung vom 5. Juni 2019 wurde die Streitsache an das Handelsge-
richt überwiesen und das Handelsgericht bestellt.
7.
Mit Eingabe vom 7. Juni 2019 (Postaufgabe: gleichentags) stellten die Be-
klagten den Antrag, die Kosten des Verfahrens seien dem Kläger aufzuer-
legen und den Beklagten sei eine Parteientschädigung in Höhe von
Fr. 5'198.25 (inkl. MWST) zuzusprechen.
- 4 -

Das Handelsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Gericht kann von der klagenden Partei einen Vorschuss bis zur Höhe
der mutmasslichen Gerichtskosten verlangen, wobei es eine Frist zur Leis-
tung des Kostenvorschusses ansetzt (Art. 98 und 101 Abs. 1 ZPO). Ge-
mäss Art. 101 Abs. 3 ZPO tritt das Gericht auf die Klage nicht ein, wenn der
eingeforderte Kostenvorschuss für die Gerichtskosten auch innert einer
Nachfrist nicht geleistet wird (vgl. auch Art. 59 Abs. 1 und 2 lit. f ZPO).
2.
Der Kläger blieb mit der Zahlung des Kostenvorschusses innert der mit Ver-
fügungen vom 18. März 2019 bzw. 11. April 2019 angesetzten Fristen säu-
mig. Deshalb wurde ihm mit Verfügung vom 6. Mai 2019 eine Nachfrist zur
Leistung des Kostenvorschusses angesetzt, verbunden mit der Androhung,
dass im Säumnisfall auf die Klage nicht eingetreten würde.
Weil der Kläger den Kostenvorschuss auch innert der ihm angesetzten
Nachfrist nicht geleistet hat, ist androhungsgemäss auf die Klage nicht ein-
zutreten.
3.
3.1.
Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegen-
den Partei auferlegt. Bei Nichteintreten gilt die klagende Partei als unterlie-
gend.
3.2.
Die Prozesskosten bestimmen sich nach dem Streitwert, welcher sich nach
dem Rechtsbegehren richtet. Lautet das Rechtsbegehren nicht auf eine be-
stimmte Geldsumme, setzt das Gericht den Streitwert fest, sofern sich die
Parteien darüber nicht einigen oder ihre Angaben offensichtlich unrichtig
sind (Art. 91 ZPO).
Der Kläger beziffert den Streitwert für sein Rechtsbegehren Ziff. 3.1. auf
Fr. 8'514'544.68 ("Anklageschrift" vom 28. Februar 2019, S. 9). Die Streit-
wertberechnung des Klägers basiert auf dem Steuerwert der F. für das Jahr
2017 in der Höhe von Fr. 11'825'755.18. Der Kläger behauptet, dass der
tatsächliche Unternehmenswert der F. mit rund Fr. 16.3 Millionen noch hö-
her gewesen sei ("Anklageschrift" vom 28. Februar 2019, S. 9). Zugunsten
des Klägers ist für die Streitwertberechnung allerdings vom tieferen Steu-
erwert auszugehen. Mit Rechtsbegehren Ziff. 3.1. verlangt der Kläger die
Übertragung von 72% der Aktien an der F., woraus sich ein Streitwert von
rund Fr. 8'514'544.00 für das Rechtsbegehren Ziff. 3.1. ergibt.
- 5 -
Das Rechtsbegehren Ziff. 3.2. lautet auf eine bestimmte Geldsumme
(Fr. 300'000.00), womit der Streitwert Fr. 300'000.00 beträgt. Total ergibt
sich ein Streitwert von Fr. 8'814'544.00 für die im vorliegenden Verfahren
zu behandelnden Rechtsbegehren Ziff. 3.1. und 3.2.
3.3.
Der Grundansatz der Entscheidgebühr (Art. 95 Abs. 2 lit. b ZPO) beträgt
gestützt auf § 7 Abs. 1 VKD (SAR 221.150) Fr. 54'713.63. Bei diesem Ver-
fahrensausgang (Nichteintreten infolge Nichtleistung des Kostenvorschus-
ses) kann auf die Erhebung von Gerichtskosten ganz oder teilweise ver-
zichtet werden (§ 13 Abs. 1 VKD).
Der Kläger hat das Handelsgericht des Kantons Aargau angerufen, weil
das Bezirksgericht Bremgarten ihm mit Schreiben vom 4. März 2019 mit-
geteilt hat, dass seine "Anklageschrift" vom 28. Februar 2019 ausschliess-
lich gesellschaftsrechtliche Fragen betreffe, welche unter das Recht der
Handelsgesellschaften gemäss Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO zu subsumieren
seien, weshalb das Bezirksgericht Bremgarten für die eingegangene "An-
klageschrift" sachlich unzuständig sei (vgl. Begleitschreiben des Klägers
zur Klage vom 12. März 2019). Damit hat das Bezirksgericht Bremgarten
nach Ansicht des Handelsgerichts des Kantons Aargau zumindest teilweise
eine falsche Auskunft erteilt. Die Rechtsbegehren Ziff. 3.1. und 3.2. betref-
fen keine gesellschaftsrechtlichen, sondern vertragsrechtliche Fragen.1 Da
es sich bei sämtlichen Parteien im vorliegenden Verfahren um natürliche
Personen handelt, liegt keine handelsrechtliche Streitigkeit i.S.v. Art. 6
Abs. 1 - 3 ZPO vor und auf die Klage wäre somit auch bei rechtzeitiger
Leistung des Kostenvorschusses mangels sachlicher Zuständigkeit des
Handelsgerichts nicht einzutreten gewesen. Weil dem Kläger diesbezüglich
eine falsche Auskunft erteilt wurde, würde es sich grundsätzlich rechtferti-
gen, auf die Erhebung von Gerichtskosten gänzlich zu verzichten.
Allerdings wurde der Kläger mit Verfügung vom 18. März 2019 in Anwen-
dung von Art. 131 ZPO aufgefordert, zwei weitere Exemplare seiner Ein-
gabe einzureichen. Damit wurde die Androhung verbunden, dass die Ko-
pien im Säumnisfall auf seine Kosten erstellt würden. Innert Frist hat der
Kläger keine weiteren Exemplare eingereicht. Es sind ihm deshalb die Kos-
ten für den Kopieraufwand aufzuerlegen. Gemäss § 26 VKD i.V.m. § 1
Abs. 1 lit. c der Verordnung über die Kanzleigebühren (SAR 661.113) wer-
den für Kopien Fr. 1.00 pro kopierte A4-Seite fällig. Die eingereichte "An-
klageschrift" umfasste inkl. Beilagen 151 Seiten. Für die zwei eingeforder-
ten Exemplare sind dem Kläger somit 302 kopierte A4-Seiten, d.h.
Fr. 302.00, zu verrechnen. Weil auf die Klage nicht einzutreten ist und diese
1 Vgl. HGer ZH vom 6. Oktober 2011, ZR 2012, Nr. 9, E. 6 und VETTER, Kommentar zur Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung (ZPO), Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), 3. Auflage 2016, Art. 6 N. 36, wonach Streitigkeiten aus einem Aktionärbindungsvertrag unter Vorbehalt von Art. 6 Abs. 1 und 2 ZPO nicht in die handelsgerichtliche Zuständigkeit fallen.
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der Gegenseite somit nicht zugestellt wird, ist dem Kläger das überzählige
Exemplar zur weiteren Verwendung zur Verfügung zu stellen. Das Akten-
exemplar verbleibt beim Handelsgericht.
3.4.
Die Beklagten 1 - 3 haben für die Führung des vorliegenden Verfahrens
einen Rechtsvertreter bevollmächtigt. Sie fordern mit Eingabe vom 7. Juni
2019 die Zusprechung einer Parteientschädigung in Höhe von Fr. 5'198.25
(inkl. MWST). Laut Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO dient die Parteientschädigung
insbesondere der Tragung der Kosten einer berufsmässigen Vertretung.
Den Beklagten ist die Klageschrift allerdings noch nicht zugestellt worden.
Entsprechend ist ihnen bis zum heutigen Zeitpunkt noch kein Aufwand ent-
standen, der zu einer Entschädigung berechtigen würde. Den Beklagten ist
deshalb praxisgemäss keine Parteientschädigung zuzusprechen.