Decision ID: 6d99107f-fb3c-54f8-b89e-c0f211a484d6
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1966 geborene
X._
, gelernte Sekretariatsangestellte (Urk. 6/16/6), arbeitete zuletzt von Juli 2007 bis Ende 2008 mit einem Pensum von total 80
%
als Sachbearbeiterin in der Buchhaltung sowie am Empfang
,
inklusive Telefon
zentrale
,
bei der
Y._
AG (Urk. 6/4/1, Urk. 6/16/7, Urk. 6/26/
2).
A
m
7.
Januar 2009
meldete sie sich
unter Hinweis auf Rücken- sowie psychosoma
ti
sche Probleme bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zur
Früherfas
sung
an (Urk. 6/4).
Am 1
7.
März 2009 folgte die Anmeldung zum
Leistungsbe
zug
we
gen Depressionen (Urk. 6/16).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich,
IV-Stelle, tätigte daraufhin erwerbliche sowie medizinische Abklä
rungen.
V
om
7.
Dezember 2009
bis
am 2
6.
Februar 2010
absolvierte die Versi
cherte im Rahmen von Integrationsmassnahmen ein Belastbarkeitstraining
bei der
Z._
(
Kostengut
sprache vom
1.
Dezember 2009, Urk. 6/47
)
, worüber am
26. Februar 2010
abschliessend
berichtet
wurde
(Urk. 6/
63
). Während dieser Zeit erhielt die Versicherte Taggelder der Invalidenversicherung (Urk. 6/4
6
, Urk. 6/
55-56
).
Am 18. März 2010 erteilte die IV-Stelle der Versicherten Kosten
gutsprache für ein Aufbautraining bei der
Z._
vom
1.
März bis am 3
1.
August 2010 (Urk. 6/71). Während des Aufbautrainings erhielt die Versi
cherte
wiederum
Taggelder (Urk. 6/72-73, Urk. 6/81-82).
Am 2
2.
Juli 2010 brach sie die
Integrations
mass
nah
me
wegen Erschöpfung vorzeitig ab (
Ab
schlussbericht
vom 2
6.
August 2010,
Urk. 6/91
; Verfügung vom
8.
September 2010, Urk. 6/94
).
1.2
Hernach tätigte die IV-Stelle zwecks Prüfung des Rentenanspruchs weitere Ab
klärungen in medizinischer Hinsicht.
So nahm sie Berichte der behandelnden Ärzte zu den Akten (Urk. 6/101-102, Urk. 6/117).
Zudem
wollte sie bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, ein psychiatrisches
Gutachten einholen, welches jedoch infolge Krankheit des Gutachters
am 6. Septem
ber 2011
ohne
Schilderung der erhobenen Befunde und ohne
psychi
a
trische Beurteilung erstattet wurde
(Urk. 6/109
-110
).
Am
5.
März 2012
er
folgte
daher
eine Untersuchung durch
den Arzt des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie,
Psychiatrie und Psychotherapie
(Urk. 6/113).
Ferner wurde am
1.
November 2012 eine
Haus
haltabklärung
durchgeführt (Bericht vom 1
8.
Dezember 2012, Urk. 6/118).
Mit
Vor
bescheid
vom 7. Oktober 2013
stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ver
nei
nung ihres Rentenanspruchs in Aussicht (Urk. 6/122).
Dagegen erhob die Ver
si
cherte am 1
4.
Oktober 2013, ergänzt am 16. Dezember 2013, Einwand (Urk. 6/125
,
Urk. 6/135).
Mit Verfügung vom 9. April 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren wie angekündigt ab (Urk. 6/137 = Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
die Versicherte am
2
6.
Mai 2014 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr mit Wir
kung ab
1.
Oktober 2009 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei ihr ab
1.
Oktober 2009 eine ganze und ab
1.
November 2010 eine
Dreivier
telsrente
der Invalidenversicherung zuzusprechen.
Subeventualiter
sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese den medizinischen Sachverhalt rechtskonform abkläre und hernach neu über das Leistungsbegehren entscheide (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 3
0.
Juni 2014 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwer
de
führerin am
1.
Juli 2014 mitgeteilt wurde (Urk. 7).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Sie kann Folge von
Ge
burts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes übe
r die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
ti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
ge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
krankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)
ärzt
licherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
han
den
sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
träch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrüh
ren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokultu
rell
en Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbs
fähig
keit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden
kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt
, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invali
di
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folge
n verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E.
3.2 mit Hin
weisen).
1.3
Na
ch der Rechtsprechung
ist
eine
leichte depressive Episode
praxisgemäss
prin
zi
piell
nicht geeignet, eine leistungsspezifische Invalidität zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom
10.
November 2014
,
E. 4.2). Leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störun
gen aus dem depressiven
Formen
kreis
gelten zudem grundsätzlich als therapeu
tisch
angehbar
(
Urteil des Bundes
gerichts 8C_759/2013 vom
4.
März 2014
,
E. 3.6.1
mit Hinweisen). Bei mittel
schweren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1)
oder Störungen
verneint das Bundesgericht
ebenfalls
regelmässig
deren invalidisierende Wirkung
,
schliesst
diese jedoch nicht schlechthin aus. Konkret führte es dazu bis anhin aus, deren Annahme bedinge, dass
es sich nicht bloss um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit handl
e
und im Weiteren, dass eine konsequente
Depressi
ons
therapie
befolgt
werde
, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweis
e
(
Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014
und 8C_842/2013 vom 1
1.
März 2014, jeweils
E.
4.2 mi
t
Hin
weisen
).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1
des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
;
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den
Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine
Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren über
haup
t
nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwer
de
instanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im
Ver
waltungs
verfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haup
t für gut
achtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist.
Eine
Rück
weisung
an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der not
wendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begrün
det ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der
Verfahrens
garantien
) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klar
stel
lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführun
gen erforder
lich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bun
desgerichts
8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
die Mobbing-Situation am Arbeitsplatz im Jahr 2007 sowie die
An
passungsstörung
im Jahr 2008 seien im Sinne von
Art.
7
Abs.
2 ATSG über
windbar. Bei der ab 2009 psychiatrisch behandelten Störung handle es sich nich
t um eine längerdauernde psychische Störung, welche das Ausmass eines invali
di
sierenden Gesundheitsschadens erreiche. Vielmehr spielten psycho
sozi
ale Belas
tungssituationen eine Rolle. Die verbliebene leichte depressive Episode sei über
windbar. Insgesamt sei unter Berücksichtigung der vorhandenen Res
sourcen so
wie unter Ausscheidung der
invaliden
versicherungs
rechtlich
nicht relevanten psy
chosozialen Belastungs
situationen nicht von einem invalidisie
renden
Gesund
heitsschaden
auszugehen (Urk. 2
, Urk. 5
).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte hiergegen ein,
sie leide nicht an einem
patho
ge
netisch-
ätiologisch
unklaren
syndromalen
Beschwerdebild ohne
nachweisbare
organische Grundlage
, sondern an einer rezidivierenden depressiven Störung, weshalb die Beschwerdegegnerin die falsche Rechtsprechung angewandt und dadurch Bundesrecht verletzt habe
. Bei einer rein psychischen Störung von Krankheitswert handle es sich bei der Frage nach der Überwindbarkeit um eine
Tat- und nicht um eine Rechtsfrage (Urk. 1 S. 5 und S. 10)
. Weiter sei der
Un
ter
suchungsgrundsatz
verletzt, da die IV-Stelle den Sachverhalt nicht bis zum Erlass der Verfügung vom
9.
April 2014 abgeklärt habe, obwohl die behan
deln
de Psychiaterin im Dezember 2012 neu eine kombinierte
Persönlichkeits
störung
mit zwanghaften und vermeiden
d
-selbstunsicheren Symptomen (ICD-10: F61.0) diagnostiziert gehabt habe (Urk. 1 S. 5-6).
Ferner lägen gemäss sämt
lichen Arztberichten keine psychosozialen Belastungsfaktoren
vor
, sondern
es
bestehe
eine verselbständigte psychische Störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 1 S. 6-9).
Bei
der RAD-Beurteilung
sei
weder auf die anderslautende Ein
schätzung der behandelnden Psychiate
rin noch auf den Abbruch des Aufbau
trai
nings eingegangen worden (Urk. 1 S. 9).
Selbst wenn ab dem
Untersu
chungs
zeit
punkt
auf die vom RAD angege
bene 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit abgestellt würde, bestehe vom
1.
Oktober 2009 bis Ende Okto
ber 2010 Anspruch auf eine ganze und hernach Anspruch auf mindestens eine halbe
Invalidenrente (Urk. 1 S. 10).
Dr.
B._
sei rein prognostisch von einer Steiger
barkeit der Arbeitsfähigkeit ausgegangen, welche indes laut der behan
deln
den
Psychiaterin sowie
der
RAD-Ärztin
Dr.
med.
C._
,
Praktische Ärztin
, nich
t eingetreten s
ei. Selbst wenn von der von Dr.
B._
prognos
tizier
ten Arbeits
fähigkeit von 70 bis 80
%
in einer angepassten Tätigkeit auszugehen
wäre, wäre die Erwerbseinbusse mit
tels
eines
Einkommensvergleichs zu ermitteln.
Ferner sei der Anspruch auf be
rufliche Massnahmen zu prüfen, falls keine Rente zuge
sprochen werde
(Urk. 1 S. 10-11).
3.
3.1
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, berichtete am 2
0.
Mai 2009, die Beschwerdeführerin habe sich vom 1
8.
Januar 2007 bis am 1
9.
Januar 2009 mit insgesamt 33 Konsultationen in seiner psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Behandlung mit verhaltenstherapeutischem Ansatz sowie antidepressiver Medikation befunden
. Anfang 2007 habe er eine mittelgradige depressive Episode mit Angst, Alkohol und
Benzodiazepinkonsum
, erheblichem Gewichtsverlust und Untergewicht (ICD-10: F32.1) diagnostiziert gehabt
. Diese sei im April 2007 bereits weitgehend remittiert gewesen. Im Herbst 2008 sei es
zu einer akuten Krise im Sinne einer Anpassungsstörung mit vorwiegend
Angst
symptomen
(ICD-10: F43.2) gekommen. Er habe ihre Arbeitsfähigkeit da
mals zu höchstens 50
%
eingeschränkt gesehen (Urk. 6/27/1).
3.2
Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
, berichtete am 2
8.
April 2009, die Beschwerdeführerin be
finde sich seit dem 1
8.
März 2009 in ihrer Behandlung. In ihrer zuletzt ausge
übten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte sei sie seit dem
1.
Oktober 2008
zu 100
%
arbeitsunfähig. Dies wegen rascher Ermüdbarkeit, mangelnder Kon
zen
tration und mangelhafter Leistungsfähigkeit. Grundsätzlich sei ihr die bishe
rige Tätigkeit aber noch in einem reduzierten Pensum zumutbar.
Dr.
E._
führte aus, die Erhebung der Hamilton-Depressionsskala anlässlich der ersten Konsul
ta
tion habe eine schwere Depressio
n ergeben, nannte als Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.11), bestehend seit 2007, sowie eine Panikstörung (ICD-10: F41.0).
Das
Kon
zentrationsvermögen
sei derart eingeschränkt, dass sie ma
ximal während
einer halben Stunde lesen könne und auch die körperlichen Tä
tigkeiten (im Haus
halt und mit dem Hund) reduziert seien. Das Auffassungs
vermögen
sei wegen
einer Reduktion des
Selbstwert
s
verlangsamt und die Problematik
werde
ve
r
schärft durch ihre Ängste, zu versagen. Menschen meide sie mehrheitlich. Die Belastbarkeit sei infolge von Depression, Angst und diffu
ser Schmerzen stark
reduziert
(Urk. 6/25/4-5
, Urk. 6/25/7
).
Am
8.
Juni 2009 gab
Dr.
E._
an, die Beschwerdeführerin sei in der früheren sowie in jeder anderen Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig. Psychosoziale Belastungsfaktoren seien keine bekannt. Die Aufnahme einer Berufstätigkeit zu 50
%
, mit geplanter Stei
gerung bis 80
%
, erscheine sinnvoll (Urk. 6/31/4).
3.
3
Dem nach dem Abschluss des Belastbarkeitstrainings bei der
Z._
verfassten Bericht vom 2
6.
Februar 2010 ist zu entnehmen, die Beschwerdeführerin habe das Pensum gemäss Plan steigern können. Im dritten Monat des
Belastungstrai
nings
habe sie täglich vier Stunden geleistet. Die Konzentration und damit die Effizienz habe sie aber nicht
über die gesamte Zeit aufrecht
erhalten können. Die Arbeitsleistung habe sie ebenfalls leicht erhöhen können und sie sei sehr moti
viert gewesen, mehr zu erreichen. Sie sei jedoch noch nicht in der Lage, die auf dem ersten Arbeitsmarkt verlangte Leistung zu erbringen. Belastbarkeit und
Leistungsfähigkeit müssten noch deutlich gesteigert werden. Es
werde
ein Auf
bautraining empf
o
hlen (Urk. 6/63/5-6).
3.
4
Am 2
6.
August 2010 berichtete die
Z._
,
die Beschwerdeführerin habe bereits zu Beginn der Massnahme
des Aufbautrainings
unter grossen gesundheitlichen Schwierigkeiten gelitten und das aus dem Belastbarkeitstraining erreichte Pen
sum von vier Stunden täglich habe eher an der oberen Belastbarkeitsgrenze ge
legen. Phasenweise sei sie persönlich sehr belastet gewesen und habe mit
Schlaf
problemen
, Nervosität und innerer Unruhe zu kämpfen gehabt. Ab Mai 2010 habe sie Ritalin genommen, was sich positiv ausgewirkt habe. Nachdem das Pensum auf 60
%
erhöht worden sei, habe sich die Beschwerdeführerin zu
neh
mend wieder überlastet gefühlt und sei wegen Erschöpfung zuhause geblie
ben
. Zusammenfassend habe die Beschwerdeführerin während der Massnahme be
züg
lich ihrer
Leistungsfähigkeit Fortschritte
erzielen können, diese
hätten
aber während der gesamten Zeit starken Schwankungen unterlegen und sie habe es nicht geschafft, die Basis für eine berufliche Eingliederung zu erarbei
ten. Auf
grund der vielen Abwesenheiten habe keine anhaltende Steigerung der Leis
tung
s
fähigkeit erreicht werden können. Die Beschwerdeführerin habe sich immer am Limit bewegt und nicht über die notwendigen Energiereserven ver
fügt, um die geforderte konstante Leistungssteigerung zu erfüllen
. Dazu sei sie nur bei sehr gutem persönlichem Befinden in der Lage und momentan benötige sie vor allem für private Angelegenheiten sehr viel Energie. Eine stabile Präsenz sei nicht erreicht worden. Die Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin sei nicht eindeutig quantifizierbar und auf dem ersten Arbeitsmarkt momentan nicht verwertbar. Während kurzer Zeit habe sie einen Leistungsgrad von gegen 40
%
erreichen können, jedoch handle es sich aufgrund der häufigen Ausfallzeiten nicht um eine repräsentative Aussage, da die Ausfälle jeweils als Erholungszeit gedient hätten
(Urk. 6/91/3, Urk. 6/91/
6).
3.
5
Dr.
E._
nannte in ihrem Bericht vom 1
5.
November 2010 als Diagnosen mit
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.00), bestehend seit mindestens 2007, eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01), bestehend seit der Kind
heit, sowie ein Attention
Deficit
Syndrom (Urk. 6/101/2). Sie
attestierte der Be
schwerdeführerin weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 6/101/3). Das
Konzentrationsvermögen habe sich zwar dank Ritalin verbessert, jedoch rea
gier
e
sie immer noch schlecht beziehungsweise mit einer Blockade auf Druck. Ihr Auf
fassungsvermögen sei verlangsamt. Die Einschränkung ihrer Anpas
sungsfähig
keit sei beispielsweise darin zu
erkennen
, dass sie belebte Strassen und Plätze in der Stadt meide und in überfüllten Bus
sen
Panik bekomme. Die Belastbarkeit sei
durch rasche Ermüdbarkeit, ein Morgentief und reduzierten Antrieb vermindert (Urk. 6/101/5).
3.
6
Dr.
A._
erhob die Anamnese inklusive Zusammenfassung der vorhandenen Akten (Urk. 6/110/4-27) und erfasste die Angaben der Beschwerdeführerin zur aktuellen Lebenssituation
. Dabei berichtete sie über Minderwertigkeitsgefühle, Panikattacken sowie eine Reduktion von Konzentrationsfähigkeit und Erinne
rungsvermögen. Zum Tagesablauf gab sie an, durch ihren Hund sei sie gezwun
gen, täglich ihre Wohnung zu verlassen. Sie führe den Haushalt, bastle und geh
e gelegentlich joggen oder walken. Die Beziehung zu ihrem Sohn sei eher schwie
rig, weil er ihr gegenüber sehr fordernd auftrete. Etwa einmal wöchent
lich tele
foniere sie mit ihren Eltern in Spanien. Zu ihren Schwestern habe sie eine enge Beziehung und pflege regelmässig Kontakt mit einigen langjährigen Freun
dinnen. Aufgrund der Konzentrationsstörungen sehe sie sich nicht mehr in der Lage, in ihrem erlernten Beruf als Büroangestellte zu arbeiten. Eine an
dere Erwerbstätigkeit würde sie sich ungefähr zu 40
%
zutrauen
(Urk. 6/110/28-31).
3.
7
In seinem Bericht über die psychiatrische Untersuchung vom
5.
März 2012 diag
nostizierte
RAD-
Arzt
Dr.
B._
eine rezidivierende depressive Störung, ge
gen
wär
tig leichte Episode (ICD-10: F33.0)
,
sowie eine Agoraphobie und
Panik
stö
rung
(ICD-10: F40.01)
, beides
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 6/113
/4
)
.
Bei der
klinischen
Untersuchung hätten sich
Hinweise auf
Kon
zentrations
stö
rungen
und eine Störung der Aufmerksamkeit ergeben (Urk. 6/113/3).
Weiter berichtete
Dr.
B._
über eine Reduktion der
Schwin
gungsfähigkeit
und eine indifferente Stimmung. Die Beschwerdeführerin sei freundlich zugewandt und
bemühe sich, alle an sie gestellten Fragen freundlich zu beantworten, wobei keine
Wortfindungsstörungen zu objektivieren seien. Im Antrieb und in der Psy
cho
mo
torik sei
sie
reduziert. Es bestünden keine Hin
weise auf Aggravation, Simulation oder Selbstlimitierung
. Bei den gestellten Di
agnosen sei bei der Be
schwerdeführerin ein Gesundheitsschaden ausgewiesen, der zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit,
der
Belastbarkeit und
der
Res
sourcen geführt habe und mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei
(Urk. 6/113/4).
Gegenwärtig be
stün
den weiterhin wesentliche
krankheitsbe
dingte
funktionelle Einschränkung
en, die auf die Störungen der Konzentration und der Aufmerksamkeit sowie auf die Agoraphobie mit Panikstörung zurück
zuführen seien.
Versicherungsmedi
zi
nisch
beurteilt sei die Beschwerdeführerin i
n der bisherigen Tätigkeit als Sach
be
arbeiterin spätestens seit der Untersuchung durch ihn zu 50
%
arbeitsfähig. Gestützt auf den plausiblen Arz
tbericht von
Dr.
E._
vom 15.
Oktober 2010 sei davon auszugehen, dass die Beschwerde
führerin zuvor seit dem
1.
Oktober 2008 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Ab August 2010 beziehungsweise mit der Beendigung der beruflichen Mass
nahme bei der
Z._
sei
jedoch
von einer
50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen.
An
gepasst seien zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termin
druck, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen in einer konfliktarmen Arbeitsat
mos
phäre.
Prognostisch könne die Arbeitsfä
higkeit in
einer solchen
behi
nde
rungs
angepassten
Tätigkeit innerhalb eines Jahres auf 70 bis 80
%
gesteigert werden.
Aufgrund der rezidivierenden depres
siven Störung sei die Beschwerde
führerin jedoch auf dem ersten Arbeitsmarkt dauerhaft zu 20 bis 30 % einge
schränkt.
Er empfehle eine medizinische
Neube
urteilung
in einem Jahr.
Die Arbeit
s
unfähigkeit sei einzig auf die psychische Er
krankung zurückzuführen. Eigenständige psychosoziale Faktoren lägen nicht vor (Urk. 6/113/5-6).
3.
8
In ihrem Bericht vom 1
5.
Dezember 2012 führte
Dr.
E._
neu - ebenfalls mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - die Diagnose einer kombinierten
Persön
lichkeitsstörung
mit zwanghaften und vermeidend-selbstunsicheren Symptomen
(ICD-10: F61.0) an
(Urk. 6/117
/1
)
.
Sie führte aus, die Beschwerdeführerin kämpf
e für den Erhalt ihrer Wohnung, welche nach dem Ermessen des Sozial
amtes zu teuer sei, für sie jedoch
zusammen
mit dem Hund den
Lebensmittel
p
unkt
dar
stelle, was
ihr Struktur gebe. Das Zusammenleben mit ihrem Sohn sei eine psy
chische Überforderung gewesen. Nun lebe sie alleine und sehr zurück
ge
zo
gen. Sie verdränge Alltagsprobleme und vermeide den Blick in die Zukunft. Stress und (Leistungs-)Druck führten zu einem kompletten Versagen beim Thema Logik sowie zu einer starken Reduktion des Konzentrationsvermögens
. Bei den Befunden erhob
Dr.
E._
im Wesentlichen eine Ich-Störung in Form von einer
Depersonalisierung
, Störungen der Affektivität, eine Verminderung des Antriebs sowie eine grosse Erschöpfbarkeit. Im Zeichen ihrer
Abwehrstruk
tur
zeige die Beschwerdeführerin eine massive Tendenz zur Verdrängung. Ein objektivier
ba
rer Putzfimmel die
n
e als dysfunktionale Bewältigungsstrategie und sei nicht beeinflussbar. Damit wolle sich die Beschwerdeführerin gegen den Zerfall ihrer Persönlichkeit schützen
.
Als kaufmännische Angestellte sei die Be
schwerde
füh
rerin weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig. Dies wegen grosser
Er
schöpfbarkeit
, Unfähigkeit zu Multitasking und grosser Ablenkbarkeit. Die Leistungsfähigkeit
sei dadurch reduziert. Die Beschwerdeführerin benötige selbst bei
der Erledi
gung
von Alltagsanforderungen mehr Zeit, schiebe Unangenehmes von sich weg und gerate dadurch unter Druck. Daraus folge ein Gefühl des Versagens. Die The
ma
tik einer behinderungsangepassten Tätigkeit habe bisher nicht angegangen werden können
(Urk. 6/117/2-5).
Des Weiteren lässt sich dem Bericht ent
neh
men,
dass die letzte Kontrolle am
7.
November 2012 stattgefun
den habe (Urk. 6/117/1)
.
3.
9
Anlässlich der Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haus
halt
(Haushaltabklärung)
vom
1.
November 2012 gab die Beschwerdefüh
rerin an, es gehe ihr gegenwärtig besser. Ihre Psychiaterin müsse sie nur noch einmal pro Monat besuchen
(Bericht vom 1
8.
Dezember 2012, Urk. 6/118/1). Die Abklärung
ergab
, dass die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall
eine 100%ige Erwerbstätigkeit
ausüben würde (Urk. 6/118/3)
.
3.
10
RAD-Ärztin
C._
hielt bezüglich des Berichts von
Dr.
E._
vom 15. Dezem
ber 2012 fest, darin werde eine unveränderte Arbeitsunfähigkeit at
testiert. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands sei dem Bericht nicht zu entnehmen (Stellungnahme vom 1
1.
Februar 2013, Urk. 6/120/7).
4.
4.1
Ein für die Beschwerdegegnerin wesentliches Beweismittel stellt der Bericht von Dr.
B._
über die psychiatrische RAD-Untersuchung vom 5. März 2012 dar (vgl. 6/124). Dr.
B._
führte darin aus, die berufliche Massnahme sei aufgrund
der psychischen Erkrankung der Beschwerdeführerin und wegen mangelnder Lei
s
tungsfähigkeit im August 2010 abgebrochen worden. Seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von 50 % in angepasster Tätigkeit ab August 2010 (zeitlich flexi
bel ohne permanenten Zeit- und Termindruck bei nur geringem Publikums
verkehr, ohne Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen so
wie konfliktfrei), begründete er nicht näher, auch nicht die Prognose, die Arbeits
fähigkeit lasse sich nach Adaptierung am Arbeitsplatz auf 70 % steigern
(Urk.
6/113/5 f.). Ebenso wenig begründete er die gleichzeitig erwähnte Ein
schät
z
ung, auch in der bisherigen Tätigkeit als Sachbearbeiterin bestehe ab
Unter
su
chungszeitpunkt
(April 2012) eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (Urk. 6/113/5). Im Bericht der
Z._
vom 26. August 2010 wurde demgegenüber festgehalten, die Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin sei nicht eindeutig quantifizierbar und auf dem ersten Arbeitsmarkt momentan nicht verwertbar. Während kurzer Zeit
habe sie einen Leistungsgrad von gegen 40 % erreichen können, wegen der häu
f
igen Ausfallszeiten sei dieser aber nicht repräsentativ gewesen (Urk. 6/91/6). Laut diesem und dem
Z._
-Bericht vom 26. Februar 2010 bewegte sich die Beschwerdeführerin zudem immer am Limit und wies eine hohe Motivation auf (Urk. 6/63/5, Urk. 6/91/4 und 6). Dr.
B._
hätte begründen müssen, weshalb er von einer höheren Arbeitsfähigkeit ausging. Dies gilt umso mehr, als auch Dr.
B._
keine Anhaltspunkte für Aggravation, Simulation oder
Selbstlimi
tie
rung
vorfand (Urk. 6/113/4). Die Beanstandungen der Beschwerdeführerin am
RAD-Untersuchungsbericht (Urk. 1 S. 9-10) erweisen sich diesbezüglich als be
grün
det. Auf den RAD-Bericht kann nicht abgestellt werden.
4.2
Unklar ist ferner, ob und in welchem Ausmass psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen. Dr.
B._
verneinte das Vorliegen eigenständiger psychosozialer
Belastungsfaktoren, ohne darauf argumentativ näher einzugehen (Urk. 6/113/5). Aus den übrigen Akten ergeben sich demgegenüber Hinweise auf psychosoziale Belastungsfaktoren. Das psychisch überfordernde Zusammenleben mit ihrem Sohn hatte die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Berichterstattung durch Dr.
E._
am 15. Dezember 2012 bereits aufgegeben, jedoch belastete sie der Kampf darum, ihre Wohnung behalten zu können. Das langwierige IV-Ver
fahren blockierte sie (Urk. 6/117/2). Die Schwierigkeiten mit ihrem Sohn hatte die Beschwerdeführerin auch bei Dr.
A._
erwähnt (Urk. 6/110/30). Gemäss den
Z._
-Berichten hatte die jeweilige persönliche Situation der Beschwerde
führerin einen Einfluss auf ihre Arbeitsfähigkeit. So war sie nur bei sehr gutem persönlichem Befinden in der Lage, die geforderte Leistungssteigerung zu erfüllen, nicht hingegen, wenn sie für private Angelegenheiten sehr viel Energie brauchte (Urk. 6/91/6). Die Wirkungen dieser psychosozialen Belastungsfaktoren lassen sich beim derzeitigen Aktenstand jedoch nicht hinreichend von den Aus
wirkungen der Krankheit abgrenzen. Offen ist insbesondere, ob und in welchem Ausmass erwartet werden kann, dass sich durch den Wegfall psychosozialer Belas
tungen auch die geklagten Beschwerden zurückbilden.
Auch wenn
fraglich ist, ob
Dr.
B._
das Vorliegen von eigenständigen psycho
sozialen Belastungsfaktoren
zu Recht verneinte, ist anzumerken, dass er
klar fest
hielt
, die Beschwerdeführerin weise aufgrund der psychischen Störung von Krankheitswert
wesentliche
funktionelle Einschränkungen auf
(Urk. 6/
113/5
).
Ob
wohl die von der Beschwerdegegnerin dargelegten Ressourcen wie der vor
handene Tagesablauf und die ausgeübten Aktivitäten auch ihm bekannt waren
(Urk. 6/
113/2), schloss er daraus nicht auf die Zumutbarkeit einer vollzeitlichen Arbeits
t
ä
t
igkeit.
In Abweichung davon ging die IV-Stelle davon aus, es liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor
.
Die juristische Beurteilung muss zwar nicht zwingend mit der medizinischen übereinstimmen
, jedoch kann an
hand der
bei der Beschwerdeführerin
vorhandenen Ressourcen nicht auf eine volle
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit geschlossen werden, son
dern höchstens auf die teilzeitliche Zumutbarkeit einer angepassten Tätigkeit. Denn dass sich Aktivitäte
n wie Spaziergänge mit dem Hund,
Haushaltstätigkei
ten
und Bastelarbeiten
mit den dokumentierten Konzentrations- und
Aufmerk
samkeitsstörungen
vereinbaren lassen, bedeutet noch nicht,
dass gleiches für eine kaufmännische
Erwerbst
ätigkeit
im ersten Arbeitsmarkt
gilt. Umso weniger, als die Beschwerdeführerin auch im Privatbereich bei der Erledigung administ
rativer Tätigkeiten Unterstützung benötigt
(Urk. 6/
113/2).
4.
3
Was die therapeutische Angehbarkeit
des depressiven Leidens
angeht, ist festzu
halten, dass
Dr.
B._
zwar prognostisch von einer Steigerbarkeit der Arbeitsfä
h
igkeit unter leitliniengerechter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behand
lung
aus
ging
, in
des gleichzeitig festhielt, dass selbst in diesem Fall noch dauer
haft eine 20-30%ige Einschränkung bestehen werde
(Urk. 6/113/4-6).
Ferner ist klar
zu
stellen, dass die Behandelbarkeit einer psychischen Störung für sich allein
betrachtet nichts über deren invalidisierenden Charakter aussagt, respektive die
sen
nicht ohne
Weiteres
ausschliessen lässt. Für die Entstehung des An
spruchs auf eine Invalidenrente im Besonderen ist immer und einzig vorausge
setzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindes
tens 40%ige
Arbeitsunfähigkeit nach
Art.
28 Abs. 1
lit
. b IVG vorliegt und dass eine
an
spruchs
begründende
Erwerbsunfähigkeit gemäss
Art.
7 ATSG respektive eine
Invalidität im Sinne von
Art.
8 ATSG in Verbindung mit
Art.
28 Abs. 1
lit
. c IVG
weiterhin besteht
(Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV.
2014.00049 vom 2
8.
Mai 2015, E.
3.2)
.
Aufgrund
der genannten
Angaben
von
Dr.
B._
so
wie der geschilderten Rechtslage
kann eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit auch vor dem Hintergrund, dass es sich
unbestritten
ermassen
um eine rezidi
vierende depressive Störung
und somit nicht um ein
definitionsgemäss
vorüber
gehendes Leiden
handelt, nicht ohne Weiteres ausgeschlossen wer
den.
4.
4
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin nicht nur an einer rez
i
divierenden
depressiven Störung leidet, sondern weitere psychische Erkrankungen mit Ein
fluss
auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegen
. So
mass
en
sowohl
Dr.
B._
als auch
Dr.
E._
zusätzlich
der Agoraphobie und der Panikstörung Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit zu
(Urk. 6/113/4-5, Urk. 6/101/2).
Ferner diagnostizierte Dr.
E._
in ihrem Bericht vom
1
5.
Dezember 2012
eine
Persönlichkeitsstörung
mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 6/
117/1)
. Weitere ärztliche Stellung
nahmen zur Plausibilität dieser Diagnose liegen nicht vor. Selbst falls es sich nicht um eine
Persönlichkeitsstörung
handeln sollte, stellt diese Diagnose aber einen Hinweis auf von der Persönlichkeitsstruktur her nicht optimale Ressour
cen dar
, welche wiederum bezüglich der Überwindbarkeit der
übrigen psychi
schen Er
kran
kungen
im Sinne von
Art.
7
Abs.
2 ATSG von Bedeutung sein könnten
.
4.5
Auch
Dr.
E._
äusserte sich nicht klar und konsistent zur Arbeitsfähigkeit, ins
be
sondere nicht zu jener in einer angepassten Tätigkeit. In ihrem Bericht vom
1
5.
Dezember 2012
hielt
sie
fest
, die
Aufnahme einer
angepasste
n
Tätigkeit
habe
bisher nicht angegangen w
e
rden
können. Der Wunsch und Ideen seien vorhan
den
. Eine medizinisch-theoretische Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit in einer
lei
dens
adaptierten
Tätigkeit
nahm sie nicht vor
(Urk. 6/117/
3)
. Des Wei
teren liess
sie mehrmals durchblicken, eine teilzeitliche Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit sei denkbar
(Urk. 6/101/3-4, Urk. 6/28, Urk. 6/31/4)
.
Am 2
8.
Apri
l
2009 hatte sie gar noch angegeben, die bisherige Tätigkeit sei aus me
dizinischer Sicht
noch zumutbar, wahrscheinlich mit einer um 40
%
vermin
derten Leistungs
fähig
keit (Urk. 6/25/5).
Andernorts gab sie hingegen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
für sämtliche Tätigkeiten an
(Urk. 6/31/4).
Ihre Be
richte eig
nen sich
somit
nicht als Grundlage für eine allfällige
Rentenzusprache
.
4.6
Nach dem Gesagten erweist sich der Standpunkt
der Beschwerdegegnerin, ein invalidisierendes Leiden sei auszuschliessen, insgesamt
-
beim Vorliegen
erheb
licher Anhaltspunkte für
ein
krankheitswertiges Leiden
-
als nicht überzeugend.
Gleichwohl
kann
nicht
auf die Berichte von
Dr.
B._
oder
Dr.
E._
abgestellt
werden und auch anhand der
ersichtlichen
vorhandenen Ressourcen lässt sich die
allfällige Arbeitsfähigkeit nicht
abschliessend
beurteilen.
Mit den vorhande
nen medizinischen Akten
lässt
sich
demnach
die
Arbeitsfähigkeit in ange
stammter sowie in angepasster Tätigkeit im hier interessierenden Zeitraum
von
Oktober 2008 bis zum
Zeitpunkt der
angefochtenen V
erfügung n
icht verlässlich beurtei
len.
Infolgedessen
sind weitere psychiatrische Abklärungen
erforderlich
.
Da mög
licherweise eine Ergänzung des RAD-Berichts ausreicht, sofern dessen Mängel
dadurch behoben werden können, und da schlussendlich eine erhebliche
Ermess
ens
ausübung
sowohl bezüglich des Umfangs der
noch zu tätigenden
Ab
klä
rung
en als auch beispielsweise bei der Vornahme eines
Einkommensver
gleich
unabdingbar sein wird,
respektive da es sich
bei den noch vorzunehmen
den
um
Abklärungen grundsätzlicher Natur handelt,
bei denen der „Verlust“ ei
ner In
stanz
zu verhindern ist,
ist
die angefochtene Verfügung
aufzuheben und
die Sache zur Durchführung
weiterer
Abklärungen und
zum hernach
neuen Entscheid
an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
I
n dem Sinne
ist die Beschwerde
gutzu
heissen
.
Bei der allfälligen Festsetzung einer Invalidenrente wird die
Beschwerdegegne
rin
zu beachten haben, dass der
Anspruch
auf eine Rente gemäss
Art.
29
Abs.
2 IVG
nicht
entsteht
, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Artikel 22 beanspruchen kann.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.
--
bis Fr. 1‘000.
--
festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.
--
anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die
Rückwei
sung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren
Abklärung und neuen Verfü
gung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2),
weshalb
der
die
die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5
.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berück
sich
ti
gung dieser Grundsätze ist de
r
Beschwerdeführer
in
eine
Prozesse
ntschädi
gung
von Fr.
1'
9
00.
--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.