Decision ID: 45854117-95b1-5af8-950d-f1f0f3470f53
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die am (...) 1962 in Brasilien geborene, in Österreich wohnhafte, spani-
sche Staatsangehörige A._ (nachfolgend: Versicherte oder Be-
schwerdeführerin) meldete sich zuletzt am 28. Februar 2014 zum Bezug
von Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung bei der IV-
Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) an
(Akten der Vorinstanz [nachfolgend: act.] 32), nachdem auf ein erstes Leis-
tungsgesuch der Versicherten mit Verfügung vom 9. September 2009 nicht
eingetreten, und ein weiteres Leistungsgesuch mit Verfügung vom 13.
März 2013 abgewiesen worden war (vgl. act. 1 - 31). Beide Verfügungen
erwuchsen unangefochten in Rechtskraft. Die IVSTA führte medizinische
und erwerbliche Abklärungen durch und wies das Leistungsbegehren vom
28. Februar 2014 mit Verfügung vom 19. Juni 2014 mangels Vorliegens
eines rentenbegründenden Invaliditätsgrads erneut ab (act. 32 - 68). Die
von der Versicherten gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsge-
richt erhobene Beschwerde wurde mit Urteil C-3961/2014 vom 13. Juli
2016 in dem Sinn gutgeheissen, als die angefochtene Verfügung vom 19.
Juni 2014 aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen gemäss
Ziff. 5.5.8 an die Vorinstanz zurückgewiesen wurde (act. 118). In Erwägung
Ziff. 5.5.8 wurde die Vorinstanz angewiesen, eine pluridisziplinäre, ortho-
pädische, psychiatrische, internistische sowie neurologische Begutach-
tung der Beschwerdeführerin in der Schweiz durchzuführen und ausser-
dem abzuklären, in welchem Mass die Beschwerdeführerin im Haushalt
zufolge ihrer gesundheitlichen Beschwerden eingeschränkt sei (act. 118,
S. 30 f.).
B.
B.a Auf Veranlassung der IVSTA wurde die Versicherte am 29. Juni 2017
von der B._ AG, (...) polydisziplinär (Fachdisziplinen: Allgemeine In-
nere Medizin, Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie) begutachtet. Das
entsprechende Gutachten wurde am 17. August 2017 erstattet (act. 161).
B.b Die IVSTA legte das Gutachten der B._ AG ihrem internen me-
dizinischen Dienst zur Beurteilung vor. Mit Stellungnahme vom 2. Septem-
ber 2017 wurde darauf hingewiesen, dass sich im Gutachten betreffend die
letzte berufliche Tätigkeit der Versicherten unterschiedliche Angaben fän-
den (act. 165). In der Folge holte die IVSTA bei der Beschwerdeführerin
weitere Unterlagen ein, darunter den Fragebogen zur Bestimmung des
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Status von Versicherten, in welchem die Versicherte angab, sie wäre im
hypothetischen Gesundheitsfall zu 100% erwerbstätig (act. 166 - 170).
B.c Gemäss einem internen Protokoll vom 20. Februar 2018 wurde vom
internen medizinischen Dienst der IVSTA insbesondere festgestellt, dass
sich das Gutachten der B._ AG nicht zu der entscheidenden Frage
äussere, ob seit dem Erlass der letzten rentenablehnenden Verfügung vom
13. März 2013 eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszu-
stands der Versicherten eingetreten sei (act. 184). Am 11. Mai 2018 er-
suchte die IVSTA die B._ AG um entsprechende Ergänzung des
Gutachtens vom 17. August 2017 (act. 187). Am 18. Juni 2018 erfolgte die
Stellungnahme der Gutachter zu den medizinischen Rückfragen (act. 191).
B.d Gemäss einem internen Protokoll vom 28. August 2018 kam der in-
terne medizinische Dienst der IVSTA in Würdigung der medizinischen Si-
tuation zum Schluss, dass auf die gutachterlich attestierten Arbeitsunfähig-
keiten abgestellt werden könne (angestammte Tätigkeit: 100 %, leidens-
adaptierte Tätigkeit: 20 % und Haushalt: 30 %), wobei der Beginn dieser
Arbeitsunfähigkeiten auf den 29. Oktober 2013 festzulegen sei (act. 195).
B.e Mit Vorbescheid vom 18. Oktober 2018 stellte die Vorinstanz der Ver-
sicherten die Abweisung des Gesuchs um Ausrichtung einer Invalidenrente
in Aussicht mit der Begründung, dass der nach der gemischten Methode
ermittelte Invaliditätsgrad von 25 % seit dem 2. Mai 2012 bzw. 35 % seit
dem 29. Oktober 2013 keinen Rentenanspruch begründe (act. 198). Dage-
gen erhob die Versicherte innert erstreckter Frist am 27. November 2018
Einwand und machte im Wesentlichen geltend, dass der Invaliditätsgrad
nicht nach der gemischten Methode, sondern mittels Einkommensver-
gleich zu berechnen sei. Ferner beruhe die von den Gutachtern attestierte
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auf unvollständigen
Abklärungen, sei widersprüchlich sowie offenkundig zu hoch. Es bedürfe
diesbezüglich ergänzender Abklärungen (act. 201). Dem Einwand legte die
Versicherte neue medizinische Unterlagen bei (act. 202).
B.f In einem internen Protokoll der IVSTA vom 20. Dezember 2018 wurde
betreffend den Einwand der Versicherten vom 27. November 2018 festge-
halten, dass es in medizinischer Hinsicht keine Gründe gebe, von der bis-
herigen Beurteilung abzuweichen. Betreffend die Berechnung des Invalidi-
tätsgrads wurde neu die allgemeine Methode (des Einkommensvergleichs)
für anwendbar erklärt mit der Begründung, dass die Versicherte und ihr
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Ehemann zu zweit und ohne Kinder lebten, womit eine 100%ige Erwerbs-
tätigkeit zumutbar sei (act. 204).
B.g Mit Verfügung vom 17. Januar 2019 wies die IVSTA einen Rentenan-
spruch der Versicherten – aufgrund eines mittels Einkommensvergleichs
berechneten Invaliditätsgrads von 30 % seit dem 2. Mai 2012 bzw. von
39 % seit dem 29. Oktober 2013 – ab (act. 205).
C.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsan-
walt Dr. André Largier, am 21. Februar 2019 Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht. Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuhe-
ben und es sei ihr rückwirkend eine angemessene Invalidenrente zuzu-
sprechen und auszurichten. Zur Begründung machte die Beschwerdefüh-
rerin im Wesentlichen geltend, dass auf die von den Gutachtern der
B._ AG attestierte Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tä-
tigkeit von 80 % nicht abgestellt werden könne und diesbezüglich ergän-
zende Abklärungen (hinsichtlich des linken Knies, der HWS, der LWS, des
Schwindels und der Kopfschmerzen, des linken Fusses etc.) angezeigt
seien. Das Gutachten und dessen Ergänzung berücksichtigten nicht alle
Vorakten (insbesondere nicht die von ihr am 15. Januar, 30. Mai und
27. November 2018 eingereichten diversen Untersuchungs- und Arztbe-
richte) und seien intern sowie extern widersprüchlich. Während die Gut-
achter im Ergänzungsgutachten festgehalten hätten, der Gesundheitszu-
stand habe sich zwischen 2012 und 2017 schrittweise verschlechtert,
werde im Gutachten angegeben, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit in
leidensangepassten Tätigkeiten seit Mitte 2012 bestehe. Es sei zudem
nicht nachvollziehbar, wie eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensan-
gepassten Tätigkeit erbracht werden sollte, wenn schon seit Jahren nach-
weislich eine Pflegebedürftigkeit bestehe (Akten im Beschwerdeverfahren
[nachfolgend: BVGer-act.] 1).
D.
Mit Vernehmlassung vom 5. April 2019 beantragte die Vorinstanz die Ab-
weisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfü-
gung. Zur Begründung hielt sie insbesondere fest, dass im Rahmen der
Beurteilung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin keine Bindung
an die Beurteilung österreichischer Versicherungsträger, Krankenkassen,
anderer österreichischer Behörden und Ärzte bestehe. Das Gutachten ent-
spreche den Qualitätsrichtlinien in der Invalidenversicherung, womit ihm
samt Ergänzungsgutachten volle Beweiskraft zukomme (BVGer-act. 6).
C-920/2019
Seite 5
E.
In der Replik vom 28. Mai 2019 machte die Beschwerdeführerin unter Auf-
rechterhaltung ihrer Rechtsbegehren geltend, dass gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung Invaliditätsschätzungen anderer Versiche-
rungsträger nicht unbeachtet bleiben dürften, sondern in die Beurteilung
miteinbezogen werden müssten, was vorliegend nicht geschehen sei. Da
das Gutachten zudem weder auf allseitigen Untersuchungen beruhe noch
in vollständiger Kenntnis der Akten ausgearbeitet worden sei, könne die-
sem gewiss kein Beweiswert zukommen (BVGer-act. 8).
F.
Mit Duplik vom 1. Juli 2019 hielt die Vorinstanz an der in der Vernehmlas-
sung dargelegten Rechtsauffassung sowie ihrem Antrag auf Beschwerde-
abweisung fest (BVGer-act. 10).
G.
Auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel wird – soweit entscheidwe-
sentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht rich-
tet sich grundsätzlich nach dem VwVG (SR 172.021 [Art. 37 VGG]). Vor-
behalten bleiben gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG die besonderen Bestim-
mungen des ATSG (SR 830.1). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin
der angefochtenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb
sie zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG; Art. 48
Abs. 1 VwVG). Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet
wurde (BVGer-act. 4), ist auf die innert Frist (Zustellung der Verfügung am
24. Januar 2019, vgl. Zustellumschlag, Beilage zu BVGer-act. 1) und form-
gerecht eingereichte Beschwerde einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50
Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4 VwVG).
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
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Seite 6
leistungsabweisende Verfügung vom 17. Januar 2019. Nachdem bereits
das zuletzt gestellte Leistungsgesuch mit Verfügung vom 13. März 2013
rechtskräftig abgewiesen worden war, ist vorliegend der Anspruch der Be-
schwerdeführerin auf eine schweizerische Invalidenrente im Rahmen einer
Neuanmeldung Prozessthema.
3.
3.1 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 17. Januar 2019) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither ver-
ändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs-
verfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
3.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 17. Januar 2019 in Kraft standen; weiter aber auch Vor-
schriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
3.3 Die Beschwerdeführerin besitzt die spanische Staatsangehörigkeit
(vgl. act. 56, S. 1) und wohnt in Österreich (gemäss eigenen Angaben seit
2005, vgl. act. 24, S. 1). Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom
21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemein-
schaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss An-
hang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft
getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr.
987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung (BGE 138 V 533 E. 2.1).
Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU)
Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in
den Beziehungen zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten an-
wendbar. Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt
sich indes auch im Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungs-
vorschriften nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Ur-
teil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4; Art. 46 Abs. 3 und
Anhang VII der Verordnung (EG) Nr. 883/2004).
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Seite 7
4.
4.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
4.2 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und
beim Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer
Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung geleis-
tet hat. Art. 36 Abs. 1 IVG setzt voraus, dass bei Eintritt der Invalidität wäh-
rend mindestens drei (vollen) Jahren Beiträge geleistet worden sind, wobei
auch Beitragszeiten, die in einem EU/EFTA-Staat zurückgelegt worden
sind, mitberücksichtigt werden (vgl. Art. 6 und 45 VO [EG] 883/2004).
Gemäss IK-Auszug vom 7. November 2019 hat die Beschwerdeführerin in
den Jahren 2002 (9 Monate), 2003 (2 Monate) und 2005 (4 Monate) wäh-
rend insgesamt 15 Monaten Beiträge an die schweizerische AHV/IV geleis-
tet (Beilage zu BVGer-act. 13; vgl. auch Urteil C-3961/2014 E. 5.2). Aus
der Bescheinigung des Versicherungsverlaufs in Österreich ergibt sich eine
Gesamtversicherungszeit von 30 Monaten (act. 2, S. 3). Somit hat die Be-
schwerdeführerin die erforderliche Mindestbeitragsdauer im Sinne von
Art. 36 Abs. 1 IVG erfüllt.
4.3 Anspruch auf eine Invalidenrente haben sodann nach Art. 28
Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
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Seite 8
können (Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid
(Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
4.4 Wurde eine Rente wegen eines fehlenden oder zu geringen Invalidi-
tätsgrades bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur ge-
prüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der
Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat
(Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV [SR 831.201]). Tritt die Verwaltung auf die Neu-
anmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver-
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verän-
derung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat dem-
nach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1
ATSG vorzugehen (Urteil des BGer 9C_570/2018 vom 18. Februar 2019
E. 2.2.1). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren
rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie
das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die
festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117
V 198 E. 3a; SVR 2008 IV Nr. 35 E. 2.1).
4.5 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ist die Rente bei einer erheblichen Änderung
des Invaliditätsgrades von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zu-
kunft entsprechend zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben. Revisi-
onsbegründend kann unter anderem eine Änderung des Gesundheitszu-
standes oder der erwerblichen Auswirkungen sein. Eine lediglich unter-
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sach-
verhalts ist im revisionsrechtlichen Kontext nicht massgeblich (BGE 141 V
9 E. 2.3). Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG
– durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten mate-
riellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit dem-
jenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3;
130 V 71 E. 3.2.3). Bei einer Neuanmeldung zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung ist somit zunächst eine anspruchsrelevante Ver-
änderung des Sachverhalts erforderlich. Erst in einem zweiten Schritt ist
der Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu
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Seite 9
prüfen (Urteil des BGer 9C_27/2019 vom 27. Juni 2019 E. 2). Ist eine an-
spruchserhebliche Änderung des Sachverhalts nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen
Beweislast beim bisherigen Rechtszustand (Urteil des BGer 9C_418/2010
vom 29. August 2011 E. 3.1).
4.1 Um das Ausmass der Arbeitsfähigkeit zu beurteilen und damit den In-
validitätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwer-
defall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe-
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe
des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4; 125 V 256 E. 4).
4.2 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a) und ob der Arzt über die
notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (Urteil des BGer
9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1).
5.
Die Vorinstanz ist auf die Neuanmeldung vom 28. Februar 2014 eingetre-
ten und hat nach einer materiellen Prüfung den Rentenanspruch der Be-
schwerdeführerin mit der angefochtenen Verfügung vom 17. Januar 2019
verneint. Die Eintretensfrage ist damit vom Bundesverwaltungsgericht
nicht zu beurteilen (BGE 109 V 108 E. 2b). Nachfolgend ist zu prüfen, ob
im massgebenden Vergleichszeitraum zwischen der letzten rentenableh-
nenden Verfügung vom 13. März 2013 (act. 31; vgl. Urteil C-3961/2014
E. 4.5.3) und der angefochtenen Verfügung vom 17. Januar 2019 eine an-
spruchsrelevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Be-
schwerdeführerin eingetreten ist bzw. ob sich der medizinische Sachver-
halt in dieser Hinsicht als genügend abgeklärt erweist.
C-920/2019
Seite 10
5.1 Die Vorinstanz begründete die letzte rechtskräftige rentenabweisende
Verfügung vom 13. März 2013 damit, dass bei der Beschwerdeführerin
keine ausreichende durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit während eines
Jahres vorliege. Trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung sei eine Betäti-
gung im bisherigen Aufgabenbereich sowie eine dem Gesundheitszustand
angepasste gewinnbringende Teilzeittätigkeit noch immer in rentenaus-
schliessender Weise zumutbar (act. 31). Im Zeitpunkt der Verfügung vom
13. März 2013 stellte sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführe-
rin gemäss den vorliegenden Akten im Wesentlichen wie folgt dar:
5.1.1 Im Gutachten vom 31. März 2009 zuhanden der Pensionsversiche-
rungsanstalt der Landesstelle C._/AT (nachfolgend: PVA) gab Dr.
med. D._, Facharzt für Neurologie, als Diagnosen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit Migräne mit Aura, Angststörung und Cervikalsyndrom,
bei Bandscheibenvorfall C5/6 und C6/7, mit pseudoradikulärer Ausstrah-
lung in den rechten Arm an. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe
eine "vollschichtige" Arbeitsfähigkeit (act. 7).
5.1.2 Im Gutachten vom 2. Mai 2012 (Untersuchungszeitpunkt) zuhanden
der PVA gab der Gutachter Dr. med. E._, Facharzt für Neurologie
und Psychiatrie, als arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnosen einen phobi-
schen Schwankschwindel und eine Stenose HWK 5-7 an. Eine leidens-
adaptierte Tätigkeit sei "vollschichtig" zumutbar (act. 16).
5.1.3 Im Gutachten vom 3. Mai 2012 (Untersuchungszeitpunkt) zuhanden
der PVA hielt der Gutachter Dr. med. F._, Facharzt für physikalische
Medizin, fest, es bestünden als Diagnosen (1) ein Zustand nach Fusi-
onsoperation in den Halswirbelsäulensegmenten C5 - C7 mit radiologisch
gutem Sitz der anderen? Implantate, (2) ein Cervikalsyndrom ohne eindeu-
tige sensible Defizite an der oberen Extremität, (3) die Schmerzausstrah-
lung sei nicht eindeutig einem Dermatom zuordenbar und es zeigten sich
keine eindeutigen Defizite sowie (4) eine Knorpelgelenksabnützung im lin-
ken Kniegelenk bei endgradiger Beugehemmung. Unter Berücksichtigung
gewisser qualitativer Einschränkungen erachtete er die Beschwerdeführe-
rin für "vollschichtig" arbeitsfähig (act. 17).
5.1.4 Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chi-
rurgie, welcher die Beschwerdeführerin am 29. Oktober 2012 untersucht
hatte, gab in seinem gleichentags erstellten fachärztlichen orthopädischen
Gutachten zuhanden des Landesgerichts H._/AT (act. 42) folgende
Diagnosen an: (1) Zustand nach Versteifung der HWS-Segmente C5 - C7,
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Seite 11
Entfernung des Wirbelkörpers C6, reguläre Implantatlage, (2) berichtete
Ausstrahlungsbeschwerden in beide obere Extremitäten mit verminderter
Kraftentwicklung, Taubheitsgefühl-Missempfindungen, (3) endgradige Be-
wegungseinschränkungen des linken Kniegelenks bei Zustand nach Me-
niskusoperation Juni 2012, derzeit mit MRT verifizierte Hinweise für rezidi-
vierende einklemmende Schleimhautfalte in medialem Gelenksanteil,
Knorpelschaden-Verbrauchserscheinungen im linken Kniegelenk (act. 42,
S. 9). Betreffend das linke Knie sei durch eine neuerliche Gelenksspiege-
lung und Entfernung der Schleimhautfalte nach einem Behandlungszeit-
raum von 14 Tagen bis drei Wochen eine Funktionsverbesserung zu erwar-
ten (act. 42, S. 10).
5.1.5 Unter Berücksichtigung insbesondere der Gutachten vom 2. und
3. Mai 2012 gab Dr. med. I._, Arzt des medizinischen Dienstes der
IVSTA und Facharzt für Innere Medizin (vgl. www.medregom.admin.ch, zu-
letzt besucht am 14. April 2020), in seinem Schlussbericht vom 20. Dezem-
ber 2012 als Hauptdiagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
Zervikalsyndrom bei Zustand nach Fusionsoperation C5 -7 bei Bandschei-
benvorfall und eine beginnende Gonarthrose links an. Als Nebendiagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen phobischen
Schwankschwindel. Er führte zusammengefasst aus, die Beschwerdefüh-
rerin leide unter rezidivierenden Schmerzen von Seiten der Halswirbel-
säule, wo sie wegen Bandscheibenvorfällen an sich erfolgreich operiert
worden sei. Die beginnende linksseitige Gonarthrose werde mit klinisch
noch wenig fassbaren Befunden angegeben. Für Arbeiten (ausser) über
Kopfhöhe sowie grössere körperliche Anstrengungen mit langem Gehen
speziell auf Treppen oder unebenem Gelände bestehe keine Einschrän-
kung. Weiter bestehe ein wiederholter Schwindel, der als gutartig klassifi-
ziert werde und insofern – ausser bei akuten Krisen – keine Arbeitsunfä-
higkeit rechtfertige. Dr. I._ befand die Beschwerdeführerin seit dem
2. Mai 2010 in ihrer angestammten Tätigkeit zu 30 %, im Haushalt zu 19 %
und in einer adaptierten Tätigkeit zu 0 % für arbeitsunfähig (act. 28).
5.1.6 Im neuropsychiatrisches Sachverständigengutachten vom 13. März
2013 zuhanden des Landesgerichts H._ betreffend die Untersu-
chung vom gleichen Tag (act. 45) – welches der Vorinstanz bei Erlass der
rechtskräftigen Verfügung vom 13. März 2013 noch nicht bekannt war
(vgl. unten E. 5.3) –, stellte Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie,
Neurologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Diagnosen: Schmerzsyn-
drom der Wirbelsäule mit radikulären Anteilen, depressive Störung mit
Angst und Somatisierung, Vertigo und Migräne. Zur Untersuchung vom
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Seite 12
gleichen Tag hielt er fest, es fänden sich "Hinweise auf Wirbelsäulen-
schmerzen und z.T. aus der Anamnese heraus auch Hinweise auf radiku-
läre Irritationen ohne Zeichen einer manifesten peripheren Parese". Hin-
weise auf umschriebene Atrophien fänden sich nicht. Berichtet wird weiter
über unklare Schwindelzustände, die in der Untersuchung beobachtet wer-
den könnten (Falltendenz nach hinten) sowie unklare Anfälle (am ehesten
kreislaufbedingt), welche Verunsicherung und Angst auslösten. Aus psy-
chiatrischer Sicht liege eine Rückzugstendenz mit Angstentwicklung vor,
welche intensiver behandelt werden sollte, ebenso eine depressive Stim-
mungslage, die über Angst und körperliche Symptome zum Ausdruck ge-
bracht werde. In der Vorgeschichte sei das Auftreten einer typischen de-
pressiven Phase bekannt. Leichte Arbeiten überwiegend im Sitzen, Gehen
und Stehen, im Raum und im Freien seien zumutbar (act. 45).
5.2 Zusammengefasst ergibt sich aus den erwähnten Berichten/Gutach-
ten, dass bei der Beschwerdeführerin im März 2013, neben phobischem
Schwankschwindel, hauptsächlich Diagnosen und Befunde aus dem ortho-
pädischen Bereich vorlagen, mit welchen die Fachärzte zwar gewisse qua-
litative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit begründeten, die Beschwer-
deführerin in einer leidensadaptierten Tätigkeit jedoch übereinstimmend für
vollumfänglich arbeitsfähig erachteten. Nichts anderes ergibt sich im We-
sentlichen auch aus dem neurologisch-psychiatrischen Gutachten von
Dr. J._ vom 13. März 2013, welcher den Schwerpunkt der Stö-
rung – mit zusätzlichen Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht insbe-
sondere i.S. einer Rückzugstendenz mit Angstentwicklung sowie einer de-
pressiven Stimmungslage, die über Angst und körperliche Symptome zum
Ausdruck gebracht werde – im orthopädischen Fachbereich sah und
leichte Arbeiten überwiegend im Sitzen, Gehen und Stehen für zumutbar
erachtete (act. 45, S. 10 f.).
5.3 Im Rahmen der Neuanmeldung vom 28. Februar 2014 einschliesslich
des Beschwerdeverfahrens betreffend die leistungsabweisende Verfügung
vom 19. Juni 2014 reichte die Beschwerdeführerin weitere medizinische
Unterlagen ein. Die in diesem Zusammenhang bei den Akten liegenden
Berichte wurden im Urteil C-3961/2014 bereits ausführlich dargestellt, wo-
rauf verwiesen werden kann (E. 5.4.1 und 5.4.2). Es handelt sich nament-
lich um folgende Berichte:
– Neuropsychiatrisches Sachverständigengutachten von Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie, Neurologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, vom 13. März 2013 (act. 45).
– Radiologischer Befund und Röntgenbefunde vom 14. Oktober 2013 (act. 46).
C-920/2019
Seite 13
– Elektroneurographischer Befund vom 15. Oktober 2013, wobei ein  NLG-Befund des Nervus medianus rechts im Handgelenksbereich  wurde (act. 47).
– Bericht von Dr. med. K._, Facharzt für Neurochirurgie/, vom 29. Oktober 2013 (act. 48).
– Ambulanter Arztbrief des Landeskrankenhauses L._, Abteilung  und Psychosomatik, vom 4. November 2013 (act. 49).
– Bericht von Dr. med. M._, Lungenfacharzt, vom 18. März 2014 (act. 51).
– Ärztlicher Befundbericht von Dr. med. N._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, vom 19. März 2014 (act. 52).
– Ärztliches Gutachten von Dr. med. O._, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, vom 19. April 2014 zuhanden der PVA betreffend den Antrag auf Gewährung einer Invaliditätspension (act. 86).
– Ärztliches Gesamtgutachten von Dr. med. P._, Fachärztin für Innere Medizin, vom 22. April 2014 zuhanden der PVA (act. 55).
– Kurzarztbericht des Landeskrankenhauses L._, Abteilung für  und Psychosomatik, vom 25. April 2014 (act. 73).
– Ärztlicher Befundbericht von Dr. N._ vom 4. Juni 2014 (act. 72).
– Ärztliches Gutachten von Dr. med. Q._, Arzt für Allgemeinmedizin, vom 5. Juni 2014 zuhanden der PVA betreffend den Antrag auf Zuerkennung des Pflegegeldes (act. 84).
– Stellungnahmen der Ärztin des medizinischen Dienstes der IVSTA, Dr. med. R._, Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie, vom 18. Mai 2014 (act. 59), vom 8. Juni 2014 (act. 66), vom 9. November 2014 (act. 77) und 28. Dezember 2014 (act. 93), wonach sich aus den ihr unterbreiteten Unterlagen keine gesundheitlichen Veränderungen ergäben, die den Grad der  der Beschwerdeführerin beeinflussen könnten.
– Ärztliches Gutachten von Dr. O._ vom 16. Dezember 2014 () zuhanden der PVA betreffend den Antrag auf  einer bis 31. Januar 2015 befristeten Invaliditätspension wegen Invalidität (act. 95).
– Ärztliches Gutachten von Dr. med. S._, Arzt für Allgemeinmedizin, vom 21. April 2015 zuhanden der PVA betreffend den Antrag auf Weitergewährung des befristet zuerkannten Pflegegeldes (derzeitige Pflegestufe:1; act. 105).
5.4 Für den Zeitraum nach dem am 13. Juli 2016 ergangenen Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts, womit die leistungsabweisende Verfügung
vom 19. Juni 2014 aufgehoben wurde, liegen im Wesentlichen folgende
ärztliche Unterlagen in den Akten:
C-920/2019
Seite 14
5.4.1 Im ärztlichen Gutachten vom 28. Juni 2016 nannte Dr. med.
T._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, als arbeitsfähigkeits-
relevante Diagnose eine Anpassungsstörung. Hinsichtlich der Leistungsfä-
higkeit der Beschwerdeführerin hielt er fest, dass ein geregeltes Arbeiten
nicht durchführbar sei (act. 121).
5.4.2 Im polydisziplinären Gutachten der B._ AG vom 17. August
2017 wurden folgende Hauptdiagnosen mit Einschränkung der Arbeitsfä-
higkeit angegeben:
– Chronisches Cervikalsyndrom (ICD-10 M54.2) bei – Zustandsbild nach Spondylodese von C5 bis C7 (Novem-
ber 2011) (ICD-10 Z09.9) – Intermittierendes Lumbovertebralsyndrom (ICD-10 M54.5) – Beginnende Gonarthrose links (ICD-10 M17.1) bei
– Zustandsbild nach Arthroskopie mit Teilmeniskektomie medial (20.06.2012) und persistierender Meniskopathie medial (ICD 10 M23.32)
– Chronischer Spannungskopfschmerz – Hochgradiger Verdacht auf medikamenteninduzierten Kopf-
schmerz – Unsystematischer chronifizierter Schwindel
– BPLS-Komponente – Orthostatische Komponente – Phobische Komponente
Die Gutachter kamen zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin "in der
angestammten Tätigkeit als Dekorateurin" aufgrund des chronifizierten un-
systematischen Schwindels aus neurologischer Sicht zu 100% arbeitsun-
fähig sei. "In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Büromitarbeiterin" sei die
Versicherte aus rein neurologischer Sicht vollumfänglich weiterhin arbeits-
fähig. Aus orthopädischer Sicht bestehe "in der Tätigkeit als Dekorateurin
und Arbeiterin in einer Kantine/Büro" eine volle Arbeitsunfähigkeit. Aus all-
gemein-internistischer und psychiatrischer Sicht könne keine Einschrän-
kung der Arbeitsfähigkeit festgestellt werden. Aufgrund der vorliegenden
Akten sei davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit in der ange-
stammten Tätigkeit spätestens seit der Fusionsoperation im November
2011 vorgelegen habe. Betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit bestünden aus neurologischer Sicht seit 2009 (Beginn der
Schwindelbeschwerden) qualitative Einschränkungen. Aus orthopädischer
Sicht sei von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer leidensadaptierten
Tätigkeit auszugehen (verlangsamtes Arbeitstempo, vermehrter Pausen-
bedarf). Der Beginn dieser Arbeitsfähigkeit sei auf Mitte 2012 (d.h. nach
erfolgter Rehabilitation nach der HWS-Spondylodese) festzulegen (act.
161, S. 58 f.).
C-920/2019
Seite 15
5.4.3 Mit Schreiben vom 15. Januar 2018 reichte die Beschwerdeführerin
insbesondere folgende medizinische Unterlagen ein:
– Röntgenbefund der Praxis von Dr. med. U._, Facharzt für Radiologie,
vom 1. Juni 2017 betreffend das linke Knie. Darin wurden folgende Befunde
genannt: Verschmälerung des medialen Gelenksspalts, zackenförmige An-
bauten medialseitig. Die Kortikalis intakt, keine Fraktur oder Osteodestruktion.
Diskrete Anbauten an der Patella medial und lateral. In der Beurteilung wurden
eine gering bis mässiggradige mediale Gonarthrose sowie eine inzipiente
Femoropatellararthrose angegeben (act. 175).
– Bericht des Krankenhauses V._vom 20. Juni 2017 zum MR-Befund
des linken Knies vom 3. Juni 2017. Es wurde folgender Befund erhoben: "Zent-
ral und aussenseitig zeigt sich eine dritt- bis viertgradige Chondropathie an
der medialen Femurrolle und am medialen Tibialplateau mit subchrondralem
Knochenmarködem. Partielle Knorpelglatzenbildung. Schwere degenerative
Veränderungen an der Pars intermedia, die etwas ins Hinterhorn des medialen
Meniskus einstrahlen. Diskrete Chondropathia patellae. Diskreter Reizerguss
im femoropatellaren Gelenksspalt. Die Seiten- und Kreuzbänder sind intakt.
Beginnende Gonarthrose mit zarten osteophytären Randkantenanbauten me-
dial und lateralseitig, an den Gelenksanten medial überwiegend. Diskret flüs-
sigkeitsgefüllte Baker-Zyste an typischer Stelle" (act. 177).
– Ambulanzbefund des Landeskrankenhauses L._, Abteilung für Neuro-
logie und Psychosomatik, vom 20. Dezember 2017. Als Diagnose wurde eine
Halbseitensymptomatik links in Abklärung (G45.8) angegeben (act. 179). Zu-
dem erfolgte ein Verweis auf einen CCT-Befund vom 19. Dezember 2017, in
dem sich kein Hinweis auf ein rezidivierendes Insultgeschehen oder auf eine
Blutung gezeigt habe (act. 178). Empfehlungsgemäss wurde in der Folge am
11. Januar 2018 im Krankenhaus V._eine MRT-Untersuchung durch-
geführt. Es ergab sich eine altersentsprechend unauffällige Darstellung des
Neurokraniums im Nativscan mit lediglich einer solitären winzigen unspezifi-
schen Marklagerläsion rechts frontoparietal (act. 180; S. 5 f.).
– Bericht des Krankenhauses V._betreffend die MRT-Untersuchung der
HWS vom 11. Januar 2018. Zusammengefasst lagen folgende Befunde vor:
Zustand nach ventraler Spondylodese von C5 bis C7 mit konsekutiv ausge-
prägten Suszeptibilitätsartefakten lokoregionär. Multisegmentale, zum Teil
höchstgradige Foramenstenosen mit Punctum maximum im Segment C5/C6
links und im Segment C6/C7 beidseits mit jeweils Bedrängung von C6 links
bzw. C7 beidseits intraforaminär. Im Segment Th1/Th2 kleinster, 3 - 4 mm
nach dorsal/intraspinal hernierender Prolaps mit Minimalkontakt zum Myelon
(act. 180, S. 3 f.).
– Bericht des Krankenhauses V._betreffend die MRT-Untersuchung der
LWS vom 11. Januar 2018. Zusammengefasst lagen folgende Befunde vor:
Im Segment L4/L5 breitbasige Diskusprotrusion und höhergradige und auch
C-920/2019
Seite 16
hyptertrophe Intervertebralarthrosen mit konsekutiv relativer Spinalkanalste-
nose und vor allem linksseitiger Rezessusstenose mit Bedrängung von L5
links im lateralen Recessus, mässige Foramenstenosen beidseits. Im Seg-
ment L5/S1 hochgradige Intervertebralarthrosen, beginnende Einengung des
Spinalkanals und mässige Foramenstenosen beidseits (act. 180, S. 1 f.).
5.5 In der auf Nachfrage der Vorinstanz erfolgten Ergänzung des Gutach-
tens vom 18. Juni 2018 hielt der orthopädische Gutachter der B._
AG fest, dass ein Vergleich der subjektiven Angaben und vor allem der kli-
nischen Befunde zeige, dass sich der Gesundheitszustand der Versicher-
ten zwischen Oktober 2012 und Juni 2017 verschlechtert habe. Es sei da-
von auszugehen, dass die Verschlechterung schrittweise eingetreten sei.
Für die Tätigkeit als "Pflegerin für Senioren" sei aus orthopädischer Sicht
keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben. Betreffend die Aufgaben im Haushalt
seien die Einschränkungen mit etwa 30 % zu bemessen. Die Gutachter der
anderen Fachdisziplinen verneinten einen veränderten Gesundheitszu-
stand im Vergleich zu März 2013 (act. 191).
5.5.1 Gemäss internem Protokoll vom 28. August 2018 wurde seitens des
internen medizinischen Dienstes der Vorinstanz festgehalten, dass nach
der im Jahr 2011 durchgeführten Spondylodese eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin mit Cervikobrachialgien-
und Lumboischialgien eingetreten sei. Die Verschlechterung des Gesund-
heitszustands der Beschwerdeführerin könne auf den Zeitpunkt des neu-
rochirurgischen Berichts vom 29. Oktober 2013 (gemeint: Bericht von
Dr. K._) festgelegt werden, da in diesem Bericht erhebliche arbeits-
fähigkeitsrelevante Gesundheitsschäden beschrieben würden. Im Ergeb-
nis sei den Einschätzungen der Gutachter (in der angestammten Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, in einer leidensadaptierten Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % und im Haushalt eine Einschränkung von
30 %) zu folgen, wobei der Beginn der Arbeitsunfähigkeiten auf den 29. Ok-
tober 2013 festzulegen sei (act. 195).
5.5.2 Im Vorbescheidverfahren reichte die Beschwerdeführerin Berichte
des Landkrankenhauses L._ vom 4. Oktober 2018 (tagesklinischer
Arztbrief und OP-Bericht) ein, aus denen hervorgeht, dass sie aufgrund der
Diagnosen Gonarthrose sin activata (M17.1), Chrondromalacia condyl.
med. fem. et tib. sin (M94.20) und Corpus liberum gen. sin. (M34.4.0) am
4. Oktober 2018 operiert wurde. Dabei wurde eine Kniearthroskopie links
mit medialer Meniskusteilresektion, Knorpelglättung, Chondropicking und
Entfernung eines semiliberalen Gelenkskörpers vorgenommen. Betreffend
C-920/2019
Seite 17
das weitere Prozedere wurde empfohlen, dass sich die Beschwerdeführe-
rin bei anhaltenden Beschwerden orthopädisch vorstelle zur Planung einer
Knie-TEP (act. 202).
5.5.3 Im internen Protokoll der IVSTA vom 20. Dezember 2018 wurde fest-
gehalten, dass aus rheumatologischer Sicht bei der Beschwerdeführerin
noch eine gute Bewegungsamplitude des Kniegelenks vorliege, so dass es
sich nicht rechtfertige, eine langfristige Arbeitsunfähigkeit in einer adaptier-
ten Tätigkeit anzunehmen. Betreffend das chronische Lumbovertebralsyn-
drom korreliere das MRT nicht unbedingt mit der klinischen Untersuchung
und für die Schwere eines Gesundheitsschadens sei die bildgebende Un-
tersuchung auch nicht entscheidend. Aus dem Bericht vom 4. Oktober
2018 des Landkrankenhauses L._ ergebe sich kein andauernder
Gesundheitsschaden (act. 204).
5.6 Bei der vorliegend angefochtenen leistungsabweisenden Verfügung
vom 17. Januar 2019 hat sich die Vorinstanz im Wesentlichen auf das po-
lydisziplinäre Gutachten der B._ AG vom 17. August 2017, dessen
Ergänzung vom 18. Juni 2018 sowie die Stellungnahmen des internen me-
dizinischen Dienstes gemäss den Protokollen vom 28. August und 20. De-
zember 2018 gestützt. Dabei hat sie betreffend den Umfang der Arbeitsfä-
higkeit auf die Einschätzung der Gutachter der B._ AG abgestellt,
wonach die Beschwerdeführerin in der angestammten bzw. zuletzt ausge-
übten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig und in einer leidensadaptierten
Tätigkeit zu 20 % arbeitsunfähig sei. Den Beginn der Arbeitsunfähigkeiten
hat die Vorinstanz gestützt auf die Beurteilung des internen medizinischen
Dienstes vom 28. August 2018 und abweichend vom Gutachten der
B._ AG auf den 29. Oktober 2013 festgelegt. Im Vergleich zur Ver-
fügung vom 13. März 2013, bei welcher die Vorinstanz gestützt auf die Ein-
schätzung von Dr. I._ (vgl. act. 27) von einer nur 30%igen Arbeits-
unfähigkeit in der angestammten und einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen war, hat die Vorinstanz somit zwar
eine seit diesem Zeitpunkt eingetretene Verschlechterung des Gesund-
heitszustandes der Beschwerdeführerin bejaht, hat jedoch mit der ange-
fochtenen Verfügung vom 17. Januar 2019 festgestellt, dass diese Ver-
schlechterung sich bei einem Invaliditätsgrad von 39 % nicht anspruchsre-
levant bzw. nicht rentenbegründend auswirke. Zu prüfen ist im Folgenden,
ob die medizinische Aktenlage es der Vorinstanz erlaubte, eine anspruchs-
relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerde-
führerin seit März 2013 zu verneinen. Insbesondere ist zu prüfen, ob mit
dem polydisziplinären Gutachten der B._ AG vom 17. August 2017
C-920/2019
Seite 18
und dessen Ergänzung vom 18. Juni 2018 eine den rechtsprechungsge-
mässen Beweisanforderungen genügende medizinische Grundlage für die
Beurteilung einer allfällig relevanten Verschlechterung des Gesundheitszu-
standes der Beschwerdeführerin seit März 2013 gegeben ist.
5.7 Zunächst muss das Gutachten die allgemeinen Beweisanforderungen
an ärztliche Berichte bzw. Gutachten erfüllen (vgl. E. 4.2 hiervor). Darüber
hinaus hängt der Beweiswert eines zwecks Prüfung einer Neuanmeldung
erstellten Gutachtens – analog zu in Revisionsverfahren eingeholten Ex-
pertisen – wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweis-
thema – erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht. Die Fest-
stellung einer neuanmelde- bzw. revisionsrechtlich relevanten Verände-
rung erfolgt durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des ak-
tuellen Zustandes. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Be-
funds und seiner funktionellen Auswirkungen ist zwar Ausgangspunkt der
Beurteilung; sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur entschei-
dungserheblich, soweit sie tatsächlich einen Unterschied auf der Seins-
ebene zum früheren Zustand wiedergibt. Einer für sich allein betrachtet
vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurtei-
lung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechti-
gung beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am rechtlich erfor-
derlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende)
ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine
effektive Veränderung des Gesundheitszustands stattgefunden hat. We-
gen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtlichen Beweisthe-
mas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von
bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden,
dass die Fakten, mit denen die Veränderung begründet wird, neu sind oder
dass sich vorbestandene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ihrem
Ausmass substantiell verändert haben (Urteile des BGer 8C_170/2017
vom 13. Oktober 2017 E. 5.2 m.H.; 9C_143/2017 vom 7. Juni 2017 E. 4.1;
9C_418/2010 vom 29. August 2011).
5.7.1 Aus dem Gutachten der B._ AG vom 17. August 2017 geht
hervor, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung im Juni
2017 im Vergleich zur Situation im März 2013 im Wesentlichen noch immer
über die gleichen Hauptbeschwerden geklagt hat, namentlich Schwindel
mit Sturzneigung, Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in die Arme, Kopf-
schmerzen, Missempfindungen im Bereich der Hände mit teilweise krampf-
artigen Zuständen sowie Beschwerden im linken Kniegelenk. Allein ge-
C-920/2019
Seite 19
stützt auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin sowie ihr de-
monstriertes Verhalten in der klinischen Untersuchung scheinen sich ge-
wisse Beschwerden, insbesondere jene aus dem orthopädischen Bereich,
seit März 2013 verschlechtert bzw. ausgeweitet zu haben. Wie der ortho-
pädische Gutachter in der Ergänzung vom 18. Juni 2018 festgehalten aber
nicht weiter ausgeführt hat, kann aus orthopädischer Sicht als Referenzsi-
tuation für März 2013 (insbesondere) der Bericht von Dr. G._ vom
29. Oktober 2012 herangezogen werden (vgl. act. 191, S. 2).
5.7.1.1 Betreffend die Beweglichkeit der oberen Extremitäten hielt Dr.
G._ im Oktober 2012 befundmässig fest, dass Nacken-, Schürzen-
und gekreuzter Oberarmgriff möglich seien. Weiter sei die aktive Schulter-
gelenksbeweglichkeit in allen drei Ebenen zeitverzögert möglich (act. 42,
S. 7). Anlässlich der Begutachtung durch die B._ AG zeigte die Be-
schwerdeführerin demgegenüber vor allem rechtsseitig eine deutliche Ein-
schränkung in der Schultergelenksbeweglichkeit. So erreichte sie gemäss
Angaben des orthopädischen Gutachters beim Nackengriff rechts knapp
die Wange, links C7. Beim Schürzengriff erreichte sie rechts knapp den
Trochanter major, links L2. Sodann zeigten sich folgende Werte: Ab-
/Adduktion im Schultergelenk rechts: 30-0-30° gegenüber links: 170-0-30°;
Ante-/Retroflexion rechts: 40-0-30° gegenüber links: 160-0-40° (vgl. act.
161, S. 39). Zudem hielt die Beschwerdeführerin den rechten Arm während
der ganzen orthopädischen Begutachtung in einer Schonhaltung am Kör-
per angelehnt mit dem Ellbogen in einer Flexionsstellung von ca. 90° (act.
161, S. 36, Ziff. 6.1, vgl. auch act. 161, S. 47).
5.7.1.2 Hinsichtlich der Kraft in den oberen Extremitäten stellte Dr.
G._ im Oktober 2012 bei Austestung gegen Widerstand beidseits
eine reduzierte Kraftentwicklung fest, wobei der Handgriff beidseits mässig
kräftig möglich war (act. 42, S. 7, 8). Im Rahmen der Begutachtung durch
die B._ AG im Juni 2017 klagte die Beschwerdeführerin vor allem
über eine Kraftminderung im rechten Arm. Während sie bei der orthopädi-
schen und neurologischen klinischen Untersuchung mit dem linken Arm
normale Werte betreffend Kraft zeigte, konnten bei Schmerzangaben in al-
len Muskeln und Gelenken beim rechten Arm eine sakkardierte Minderin-
nervation mit initial guter Kraftentfaltung und sofortigem Nachlassen auf
Gegendruck des Untersuchers sowie eine deutlich verminderte bzw. nicht
messbare Faustschlusskraft beobachtet werden (act. 161, S. 40 Ziff. 6.4.1).
So konnten mit dem Jamar-Vigorimeter rechts nur leichte Wackelbewegun-
gen registriert werden, links 22/20/22 kg (altersentsprechende Normwerte
um 23 kg, vgl. act. 161, S. 39).
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Seite 20
5.7.1.3 Betreffend das Gangbild zeigte die Beschwerdeführerin sowohl im
Oktober 2012 als auch im Juni 2017 ein Schonhinken links, wobei der Un-
tersuchung am 29. Oktober 2012 ein Sturzereignis vorausgegangen war,
was zu verstärkten Beschwerden im linken Kniegelenk und damit zu einer
eingeschränkten Gehfähigkeit geführt hatte (act. 42, S. 3, 9). Dr.
G._ hatte diesbezüglich festgehalten, dass nach einem Behand-
lungszeitraum von bis zu drei Wochen das Gehen und Stehen ohne Stütz-
krücken wieder möglich sein sollte (act. 42, S. 10). Zu der prognostizierten
Funktionsverbesserung ist es gestützt auf die Angaben der Beschwerde-
führerin jedoch nicht gekommen. So gab sie anlässlich der Begutachtung
durch die B._ AG an, sie könne nur während weniger Minuten ge-
hen und stehen, da es anschliessend zu Stürzen komme (act. 161, S. 37).
Eine erheblich eingeschränkte Gehfähigkeit hatte sie insbesondere auch
anlässlich des Hausbesuchs von Dr. S._ gezeigt. Dieser hatte in
seinem Gutachten vom 21. April 2015 festgehalten, dass beim Gehen nur
zwei Schritte unter maximaler Hilfestellung möglich gewesen seien, dann
hätten die Kräfte in den Beinen versagt (act. 105, S. 2).
5.7.2 Im Rahmen des Beweisthemas, ob eine erhebliche Verschlechterung
des Gesundheitszustands objektiviert werden kann, stellt sich vorliegend –
wie nachfolgend näher ausgeführt wird – die Frage, ob und gegebenenfalls
in welchem Umfang die von der Beschwerdeführerin im Vergleich zur Situ-
ation im März 2013 (vgl. die entsprechenden somatischen Untersuchungs-
berichte von Mai 2012 und Oktober 2012) zusätzlich angegebenen und im
Rahmen der klinischen Untersuchungen demonstrierten Beschwerden und
Leistungseinschränkungen, namentlich die eingeschränkte Beweglichkeit
und reduzierte Kraft des rechten Armes bzw. der rechten Hand sowie die
eingeschränkte Gehfähigkeit, ein medizinisches Korrelat haben bzw. ob
diese Beschwerden objektivierbar sind, denn im Rahmen der Invalidenver-
sicherung ist ein arbeitsfähigkeitseinschränkender Gesundheitsschaden
nur zu berücksichtigten, wenn er aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt
demgegenüber regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung
vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnli-
chen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2) oder direkte Folge psy-
chosozialer und soziokultureller Belastungsfaktoren ist (BGE 141 V 281
E. 4.3.3; Urteil des BGer 9C_371/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 5.1.3).
Nach der Rechtsprechung stellt auch eine stark ausgeprägte und verfes-
tigte subjektive Krankheitsüberzeugung mit entsprechendem dysfunktiona-
lem Verhalten, Selbstlimitierung, sekundärem Krankheitsgewinn (vgl. BGE
141 V 215 E. 2.2.1 und E. 3.7.1; 140 V 193 E. 3.3; Urteile des BGer
C-920/2019
Seite 21
8C_114/2019 vom 5. Juli 2019 E. 3.3; 8C_74/2018 vom 25. Juni 2018
E. 3.1 und 5.3) und Dekonditionierung (vgl. Urteil des BGer 8C_385/2017
vom 19. September 2017 E. 4.2) keinen invalidisierenden Gesundheits-
schaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG und Art. 7 Abs. 2 ATSG dar (Urteil
des BGer 9C_473/2019 vom 25. Februar 2020 E. 4.2.2). Hinweise auf sol-
che und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns erge-
ben sich namentlich, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den ge-
schilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese
besteht, wenn intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakte-
risierung jedoch vage bleibt, wenn keine medizinische Behandlung und
Therapie in Anspruch genommen wird, wenn demonstrativ vorgetragene
Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn
schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale
Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist
blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1 f. mit Hin-
weisen; zur Grenzziehung zwischen Aggravation und Verdeutlichungsten-
denz vgl. Urteil des BGer 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2). Grund-
sätzlich liegt Aggravation umso eher vor, je mehr Hinweise auf eine ab-
sichtliche, gesteuerte und in diesem Sinn "bewusste" Symptomerzeugung
hindeuten (Urteil 9C_899/2014 E. 4.2.2 mit Hinweis). Soweit die betreffen-
den Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesund-
heitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang
der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2.2). Die Feststellung
von bewusstseinsnaher Aggravation, Simulation und Somatisierung ist
grundsätzlich Sache des psychiatrischen Facharztes (Urteil des BGer
9C_737/2018 vom 15. Februar 2019 E. 5.2 und E. 4.2).
5.7.2.1 Bei der Beschwerdeführerin wurden sowohl im Rahmen der Begut-
achtung durch die B._ AG als auch gemäss den medizinischen Vor-
berichten Inkonsistenzen sowie vielfach mangelnde Mitwirkung festge-
stellt. So wiesen sowohl der orthopädische als auch der neurologische Gut-
achter darauf hin, dass sich die anamnestische Beschwerdeerhebung bei
der Beschwerdeführerin sehr schwierig gestaltet habe. Auch auf mehrma-
liges Nachfragen hin seien von ihr kaum präzise Antworten zu erhalten ge-
wesen (vgl. act. 161, S. 36 Ziff. 6.2.1; S. 44 Ziff. 7.1). Bei den klinischen
Untersuchungen zeigten sich teilweise deutliche Hinweise auf eine man-
gelnde Kooperation bzw. mangelnde Intention seitens der Beschwerdefüh-
rerin. Gemäss neurologischem Teilgutachten war die Kraft im rechten Arm
nicht abschliessend beurteilbar, da die Beschwerdeführerin auf Gegen-
druck des Gutachters mit der Kraftanstrengung sofort nachliess (act. 161,
S. 47 f. Ziff. 7.3.1 "Obere Extremität"). Auch bei den unteren Extremitäten
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Seite 22
war keine abschliessende Beurteilung möglich. Die Beschwerdeführerin
übte in der Untersuchung der Beine bei jeglicher Muskelgruppe zunächst
praktisch keine Kraftanstrengung aus. Erst auf mehrmalige Aufforderung
hin zeigte sie eine kurze Kraftentfaltung, liess aber sofort wieder nach mit
sakkadierter Minderinnervation unter Angabe von Schmerzen (act. 161,
S. 48 Ziff. 7.3.1 "Untere Extremitäten"). Ein weiterer Hinweis für mangelnde
Kooperation zeigte sich bei der Untersuchung der Faustschlusskraft
rechts. Die aufgewendete Kraft war derart gering, dass sie mit dem Jamar-
Vigorimeter nicht gemessen werden konnte. Der orthopädische Gutachter
wies diesbezüglich in der Beurteilung auf medizinische Literatur hin, wo-
nach eine Handkraft, die unter 10 kg liegt, bei fehlenden Atrophien der
Hand- und Vorderarmmuskulatur den Verdacht auf Aggravation weckt
(act. 161, S. 41 Ziff. 6.4.3). Eine mangelnde Kooperation der Beschwerde-
führerin wurde zudem bereits in medizinischen Vorberichten dokumentiert.
So gab Dr. O._ in seinen Berichten vom 19. April und 16. Dezember
2014 an, dass die Beschwerdeführerin bei äusserst schonendem,
schwächlichen und phobisch unsicherem Stand und Gang den Blind- und
Liniengang nicht und den Armvorhalteversuch sowie den Beinhalteversuch
nur oberflächlich geleistet habe (mangelhafte Streckung). Es hätten sich
erheblich schmerzreaktive Kraftentfaltungshemmungen gezeigt. Insge-
samt bestehe Irritation durch sehr reaktive, unbewusst aggravierende Hal-
tungen (act. 86, S. 3; act. 95, S. 3). Ferner stellte auch Dr. T._ in
seinem Bericht vom 28. Juni 2016 eine mangelnde Intention bei der Kraft-
prüfung fest (act. 121, S. 2). Nebst den Hinweisen auf mangelnde Koope-
ration deuten zudem diverse, zum Teil krasse Diskrepanzen zwischen dem
von der Beschwerdeführerin im Rahmen von Untersuchungssituationen
gezeigten Verhalten und dem Verhalten in (vermeintlich) unbeobachteten
Momenten auf Aggravation hin. So stellte der neurologische Gutachter der
B._ AG fest, dass die Beschwerdeführerin einerseits den rechten
Arm in Schonhaltung mit 90° flektiertem Ellenbogen vor dem Abdomen
halte, sie andererseits jedoch während des Gesprächs lebhaft mit der Hand
gestikuliere und flüssige, heftige Pro- und Supinationsbewegungen mit der
rechten Hand ausführe. Zudem würden der Ellenbogen und das Handge-
lenk problemlos ohne Schmerzzeichen schnell gebeugt und gestreckt. Die
beobachtete Gestik während der Anamnese stehe in Diskrepanz dazu,
dass die Beschwerdeführerin die Diadochokinese links flüssig, rechts nicht
ausgeführt habe (act. 161, S. 47 f. Ziff. 7.3.1 "Obere Extremität"). Betref-
fend das Gangbild hielt er fest, dass der Gang vom Warteraum in das Un-
tersuchungszimmer flüssig und hinkfrei erfolgt sei, sich dann aber plötzlich
ein kleinschrittiges unsicheres Gangbild mit am Boden klebenden, schlür-
fenden Bewegungen gezeigt habe. Nachdem er die Beschwerdeführerin
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darauf hingewiesen habe, habe sich das Gangbild leicht gebessert (act.
161, S. 48 "Stand- und Gangprüfung"). Inkonsistent erscheinen schliess-
lich auch die Angaben der der Beschwerdeführerin in der von den Gutach-
tern der B._ AG erhobenen Anamnese. Einerseits gab sie an, die
Intensität der Schmerzen im Bereich des Nackens und des rechten Arms
liege in der Regel bei 11 bis 12 der Schmerzskala von 0 bis 10 (10 ent-
spricht dem grössten vorstellbaren Schmerz, der mit Aggressionen, De-
pressionen oder Suizidgedanken verbunden sein kann, vgl. Urteil des
BGer 9C_168/2015 vom 13. April 2016 E. 4.1 m.H.). Weiter seien Gehen
und Stehen nur während wenigen Minuten möglich, anschliessend komme
es zu Stürzen. Auch könne sie nicht einmal mehr ein Glas halten (vgl. act.
161, S. 37). Andererseits gab sie an, sie würde mit ihrem Mann zusammen
auch mal Ausflüge machen und auswärts essen gehen (act. 161, S. 30
"Tagesablauf") sowie in Begleitung der Hauskrankenpflegerin manchmal in
den Garten gehen und einen Spaziergang um den Häuserblock machen
(act. 161, S. 46 "Tagesablauf"), was sich mit den geschilderten erheblichen
Schmerzen und Einschränkungen nicht plausibel vereinbaren lässt.
5.7.3 Trotz der von den Gutachtern der B._ AG festgestellten Inkon-
sistenzen und den entsprechenden Hinweisen in den Vorberichten erfolgte
im Gutachten vom 17. August 2017 bei der medizinischen Würdigung keine
substantiierte Diskussion und nachvollziehbare Beurteilung darüber, ob
und in welchem Ausmass bei der Beschwerdeführerin von aggravierendem
Verhalten auszugehen ist. Insbesondere ist die Beurteilung des orthopädi-
schen Gutachters, wonach die gezeigten Einschränkungen, insbesondere
jene der rechten oberen Extremität, nur teilweise nachvollziehbar seien
(act. 161, S. 41 Ziff. 6.4.4, S. 43 Ziff. 6.9), inhaltlich nicht näher fassbar. Es
wird nicht ausgeführt und begründet, in welchem Ausmass die von der Be-
schwerdeführerin gezeigten funktionellen Einschränkungen medizinisch
nicht nachvollziehbar respektive nicht objektivierbar sind. Dies ergibt sich
auch nicht aus der Feststellung des neurologischen Gutachters, wonach
eine geringgradige Parese sowohl in der rechten oberen Extremität als
auch in beiden unteren Extremitäten nicht sicher auszuschliessen sei (act.
161, S. 47 f.). Dies umso weniger, als der neurologische Gutachter wiede-
rum angab, dass sich bei der Beschwerdeführerin anlässlich der Begutach-
tung keine Zeichen für eine Wurzelreizung C7 gezeigt hätten (act. 161, S.
50). Eine Auseinandersetzung damit, weshalb diesbezüglich Dr.
O._ einen gegenteiligen Befund berichtete (vgl. act. 86, S. 3; act.
95, S. 3), findet sich nicht. Auch findet sich keine einlässliche interdiszipli-
näre Gesamtbetrachtung. Es bleibt somit unklar, ob und inwieweit bei den
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Seite 24
gutachterlich erhobenen Befunden von objektivierbaren somatischen Be-
funden und Beschwerden auszugehen ist. Vor diesem Hintergrund wären
weitere neurologische Abklärungen angezeigt gewesen. Insbesondere
wäre abzuklären gewesen, ob eine objektivierbare radikuläre Symptomatik
(z.B. Parese) vorliegt, und bejahendenfalls, ob und in welchem Ausmass
diese die gezeigten funktionellen Defizite und geklagten Schmerzen erklä-
ren kann. Dazu wäre – wie dies im Oktober 2013 geschah – neben einer
aktuellen bildgebenden Untersuchung auch eine elektroneurographische
Untersuchung (vgl. act. 47) durchzuführen gewesen, um die gemäss den
Gutachtern durchaus mögliche Beeinträchtigung der in Frage kommenden
Nervenwurzeln zu objektivieren, und gegebenenfalls die sich daraus erge-
benden medizinisch objektiv erklärbaren Funktionseinschränkungen zu be-
stimmen, worauf die Gutachter jedoch ohne weitere Begründung verzichtet
haben. Eine nach Durchführung der genannten Untersuchungen verblei-
bende Diskrepanz zwischen den geklagten somatischen Beschwerden ein-
schliesslich der gezeigten Funktionseinschränkungen und den medizinisch
anhand der charakteristischen Referenzbefunde des entsprechenden
Krankheitsbildes (Diagnose) objektivierten somatischen Untersuchungs-
befunden hätte von den Gutachtern, insbesondere vom psychiatrischen
Gutachter, anschliessend – unter Einbezug der psychiatrischen Befunde
und Analyse – im Rahmen einer einlässlichen polydisziplinären Gesamtbe-
trachtung diskutiert und unter Beachtung der normativen Vorgaben (vgl.
insb. oben E. 5.7.2) bei der Festlegung der Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin entsprechend und für den Rechtsanwender nach-
vollziehbar miteinbezogen werden müssen. Diese Diskussion ist vorlie-
gend umso dringender erforderlich, als der psychiatrische Gutachter bei
der Beschwerdeführerin akzentuierte histrionische Charakterzüge (ICD-10
Z73.1) diagnostizierte, was sich in einem dramatisierenden, theatralischen,
übertriebenen und Aufmerksamkeit suchenden Verhalten der Beschwerde-
führerin zeige, und dies auch mit Beispielen aus dem Leben und Alltag der
Beschwerdeführerin belegte (vgl. act. 161, S. 33). Es wäre daher vom psy-
chiatrischen Gutachter jedenfalls zu diskutieren gewesen, ob die Be-
schwerdeführerin dieses Verhalten auch im Rahmen der klinischen ortho-
pädischen und neurologischen Befunderhebung gezeigt hat und die fest-
gestellten Diskrepanzen und mangelnde Mitwirkung darin ihre hinrei-
chende Erklärung finden respektive, ob und inwieweit es sich bei den von
der Beschwerdeführerin gezeigten Funktionseinschränkungen um be-
wusstseinsnahe Vorgänge wie Aggravation oder Simulation handelt, was
voraussetzt, dass zuerst somatisch hinreichend abgeklärt ist, ob und inwie-
weit eine somatisch objektivierbare (insbesondere neurologische) Ursache
für die demonstrierten Funktionseinschränkungen besteht.
C-920/2019
Seite 25
5.7.4 Nach dem Gesagten kann auf die von den Gutachtern der B._
AG erhobenen Befunde nicht abgestellt werden, da unklar ist, ob und ge-
gebenenfalls in welchem Ausmass sie durch aggravierendes Verhalten der
Beschwerdeführerin zustande gekommen sind. Mangels nachvollziehbarer
objektiver Befunde kann daher auch nicht auf die gutachterlich attestierten
Arbeitsunfähigkeiten abgestellt werden. Das Gutachten der B._ AG
erfüllt somit bereits die allgemeinen Beweisanforderungen an ein Gutach-
ten nicht. Demzufolge ist auch der im Rahmen der Neuanmeldung zwin-
gend vorzunehmende Vergleich mit der gesundheitlichen Situation im März
2013 nicht möglich. Insbesondere ist keine Beurteilung möglich, ob und
inwiefern die von der Beschwerdeführerin seit März 2013 zusätzlich ge-
klagten und anlässlich der Untersuchung demonstrierten Beschwerden,
namentlich die eingeschränkte Beweglichkeit und reduzierte Kraft des
rechten Armes bzw. der rechten Hand sowie die eingeschränkte Gehfähig-
keit, als Ausdruck einer objektivierbaren gesundheitlichen Verschlechte-
rung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigten sind.
Somit kann die im Rahmen der Neuanmeldung grundlegende Frage, ob
eine anspruchserhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin im Vergleich zu März 2013 vorliegt, nicht beant-
wortet werden.
5.7.5 Im Übrigen muss dem Gutachten der B._ AG vom 17. August
2017 auch deshalb der Beweiswert abgesprochen werden, weil es die
rechtsprechungsgemässen Beweisanforderungen an ein Gutachten inner-
halb eines Neuanmeldeverfahrens nicht erfüllt. Im Gutachten vom 17. Au-
gust 2017 finden sich, da von der Vorinstanz auch nicht entsprechend be-
fragt, keine auf die Entwicklung des Gesundheitszustands seit März 2013
fokussierten Aussagen, womit das Gutachten von vornherein nur Grund-
lage für eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung, nicht jedoch
für eine Beurteilung der Rentenberechtigung im Rahmen eines Neuanmel-
deverfahrens sein könnte. Dies erkannte auch die Vorinstanz und ersuchte
die Gutachter der B._ AG ergänzend um Antwort auf die Frage, ob
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach dem 13. März
2013 relevant verschlechtert habe (act. 187). Doch anstatt zur Klärung bei-
zutragen und das Gutachten zu heilen, wirft die Ergänzung der B._
AG vom 18. Juni 2018 nur weitere Fragen und Widersprüche auf. So hielt
der orthopädische Gutachter im Gutachten vom 17. August 2017 fest, ein
Vergleich der verschiedenen Untersuchungsresultate der in Österreich
wiederholt durchgeführten Beurteilungen zwischen März 2009 und Juni
2016 zeige, dass in den letzten Jahren keine relevanten Veränderungen
des körperlichen (namentlich des orthopädischen) Gesundheitszustands
C-920/2019
Seite 26
der Beschwerdeführerin zu verzeichnen seien (act. 161, S. 40 Ziff. 40 und
S. 43 Ziff. 6.10). Demgegenüber hielt er in der Ergänzung vom 18. Juni
2018 – in Abweichung von seiner Aussage im Gutachten – fest, es sei von
einer schrittweisen Verschlechterung des Gesundheitszustandes aus or-
thopädischer Sicht zwischen Oktober 2012 und Juni 2017 auszugehen,
wobei sich seinen Ausführungen nicht entnehmen lässt, worin genau diese
Verschlechterung bestehen soll, sowie ob bzw. inwiefern sich diese auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt.
5.7.6 Festzuhalten ist, dass sich aus den medizinischen Unterlagen ge-
wisse Indizien für eine objektivierbare gesundheitliche Verschlechterung
bei der Beschwerdeführerin im Vergleich zur Situation im März 2013 erge-
ben. Die Beschwerdeführerin gab gegenüber den Gutachtern der
B._ AG an, dass sie gegen die ausstrahlenden Nackenschmerzen
regelmässige Infiltrationen erhalte, welche längere Zeit eine Schmerzre-
duktion bewirkten (act. 161, S. 45 Ziff. 7.2.1). Die Wirksamkeit der Infiltra-
tionen spricht an sich dafür, dass bei der Beschwerdeführerin tatsächlich
eine Nervenwurzelreizung besteht. Hinzuweisen ist an dieser Stelle auch
auf die Befunde der MRT-Untersuchung der HWS vom 11. Januar 2018,
bei der multisegmentale, zum Teil höchstgradige Foramenstenosen mit
Punctum maximum im Segement C5/6 links und im Segment C6/7 beid-
seits mit jeweils Bedrängung von C6 links bzw. C7 beidseits intrafoaminär
festgestellt wurden (vgl. act. 180, S. 3 f.). Auch betreffend das nach dem
März 2013 aufgetretene und von den Gutachtern als arbeitsfähigkeitsrele-
vant eingeordnete Lumbovertebralsyndrom gibt es gemäss MRT-Untersu-
chung der LWS vom 11. Januar 2018 gewisse objektive Befunde (vgl. act.
180, S. 1 f.), wobei anzumerken ist, dass die lumbalen Beschwerden für
die Beschwerdeführerin subjektiv nicht im Vordergrund stehen (vgl. act.
161, S. 45 Ziff. 7.2.1; S. 52 Ziff. 7.4.3). Betreffend die Beschwerden im lin-
ken Kniegelenk wurde die Beschwerdeführerin gemäss den eingereichten
Berichten des Landeskrankenhauses L._ (tagesklinischer Arztbrief
und Operationsbericht vom 4. Oktober 2018) aufgrund der Diagnosen Go-
narthrose sin activata (M17.1), Chrondromalacia condyl. med. fem. et tib.
sin (M94.20) und Corpus liberum gen. sin. (M34.4.0) am 4. Oktober 2018
operiert, nachdem der orthopädische Gutachter der B._ AG das
linke Kniegelenk im Juni 2017 noch als "offensichtlich" nicht operationsbe-
dürftig erachtet hatte (act. 161, S. 40 Ziff. 6.4.1). Da jedoch keine postope-
rativen Verlaufsberichte und dementsprechend auch keine klinischen Be-
funde in den Akten liegen und für eine Leistungsbeurteilung nicht einfach
auf bildgebende Untersuchungen abgestellt werden kann (vgl. etwa Urteil
C-920/2019
Seite 27
des BGer 8C_45/2017 vom 26. Juli 2017 E. 5.3), ist mangels einer hinrei-
chenden medizinischen Befundlage (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1) eine Be-
urteilung, ob diesbezüglich von einer langanhaltenden, arbeitsfähigkeitsre-
levanten Verschlechterung auszugehen ist, nicht möglich.
5.7.7 Zum Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei seit Jahren nach-
weislich pflegebedürftig, was mit der gutachterlich attestierten 80 %igen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von vornherein nicht zu ver-
einbaren sei (vgl. BVGer-act. 1, S. 10; 8, S. 2 f.), ist festzuhalten, dass
gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung die rechtsanwen-
denden Behörden in der Schweiz nicht an die Feststellungen ausländi-
scher Versicherungsträger, Behörden und Ärzte bezüglich Invaliditätsgrad
und Anspruchsbeginn gebunden sind (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; AHI-Pra-
xis 1996, S. 179; vgl. auch Zeitschrift für die Ausgleichskassen [ZAK] 1989
S. 320 E. 2). Vielmehr unterstehen auch die aus dem Ausland stammenden
Beweismittel der freien Beweiswürdigung durch das Gericht (vgl. Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts EVG, [heute: Bundesgericht,
BGer] vom 11. Dezember 1981 i.S. D.). Hinzu kommt, dass im Schweizer
Recht die Begriffe Pflegebedürftigkeit bzw. Hilflosigkeit einerseits und Ar-
beits- und Erwerbsunfähigkeit andererseits nicht gleichgesetzt werden
können (vgl. Urteil des BGer 9C_516/2013 vom 16. Dezember 2013
E. 4.2). Demzufolge schliesst auch eine festgestellte Pflegebedürftigkeit
bzw. Hilflosigkeit eine Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit nicht per se aus. Viel-
mehr ist im Einzelfall zu prüfen, ob und inwiefern sich die gesundheitlichen
Beeinträchtigungen, welche zur Pflegebedürftigkeit einer Person geführt
haben, objektivierbar sind und sich in einer objektivierten Betrachtungs-
weise auf deren Arbeitsfähigkeit auswirken. Festzuhalten ist, dass der All-
gemeinmediziner Dr. S._, dessen Bericht vom 21. April 2015 der
Zusprache eines Pflegegeldes der Stufe 4 seitens der PVA zugrunde liegt
(vgl. act. 188, S. 5 ff.), stark auf die subjektiven Angaben der Beschwerde-
führerin abstellte (vgl. act. 105).
5.8 Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass sich anhand der vorliegenden
medizinischen Unterlagen nicht beurteilen lässt, ob sich der Gesundheits-
zustand der Beschwerdeführerin seit März 2013 anspruchserheblich ver-
schlechtert hat. Insbesondere lässt sich eine anspruchserhebliche Ver-
schlechterung – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – auch nicht vernei-
nen, zumal es Indizien für eine mögliche objektivierbare gesundheitliche
Verschlechterung gibt. Daraus folgt, dass die Vorinstanz den relevanten
medizinischen Sachverhalt entgegen der ihr obliegenden Abklärungspflicht
(vgl. Art. 43 ATSG) nicht rechtsgenüglich abgeklärt hat.
C-920/2019
Seite 28
6.
6.1 Im Rahmen der Beurteilung, ob sich eine allfällige gesundheitliche Ver-
schlechterung seit März 2013 anspruchserheblich bzw. rentenbegründend
auswirkt, stellt sich zusätzlich die Frage nach dem Status der Beschwer-
deführerin.
6.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig
oder als nichterwerbstätig einzustufen ist (Statusfrage), was je zur Anwen-
dung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung führt, ergibt sich
aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen
täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entschei-
dend ist nach der Rechtsprechung nicht, welches Ausmass der Erwerbstä-
tigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden
könnte, sondern in welchem Pensum sie (unter Berücksichtigung der ge-
samten persönlichen, familiären, beruflichen und sozialen Situation) hypo-
thetisch erwerbstätig wäre. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich
bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die
hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er-
werbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 15 E. 3.1
mit Hinweisen; Urteile des BGer 9C_883/2017 vom 28. Februar 2018
E. 4.1.1; 9C_552/2016 vom 9. März 2017 E. 4.2). Die Statusfrage ist hypo-
thetisch zu beurteilen unter Berücksichtigung der ebenfalls hypothetischen
Willensentscheidungen der versicherten Person. Diese Entscheidungen
sind als innere Tatsachen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich
und müssen in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (Ur-
teile des BGer 8C_157/2017 vom 6. November 2017 E. 1.3; 9C_222/2016
vom 19. Dezember 2016 E. 4.2; 9C_497/2015 vom 22. Dezember 2015
E. 3.1).
6.3 Die Vorinstanz änderte im Rahmen des Vorbescheidverfahrens den
Status der Beschwerdeführerin von teilzeiterwerbstätig zu vollzeiterwerb-
stätig. Entsprechend hat sie in der angefochtenen Verfügung zur Bemes-
sung des Invaliditätsgrads anstelle der gemischten Methode neu die allge-
meine Methode des Einkommensvergleichs angewendet. Als Begründung
für den Statuswechsel hielt sie fest, die Beschwerdeführerin und ihr Ehe-
mann lebten zu zweit und ohne Kinder, womit eine 100%ige Erwerbstätig-
keit "zumutbar" sei (act. 204). Diese Begründung der Vorinstanz geht inso-
fern fehl, als dass – wie bereits erwähnt – nicht entscheidend ist, welches
Pensum einer versicherten Person im Gesundheitsfall objektiv zugemutet
C-920/2019
Seite 29
werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig
wäre. Die Beschwerdeführerin gab im Fragebogen zur Bestimmung des
Status von Versicherten am 27. September 2017 an, sie wäre im hypothe-
tischen Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig (act. 169, S. 1). Dies einer-
seits aus finanziellen Gründen und andererseits habe sie vor dem Eintritt
der Gesundheitsbeeinträchtigung stets Vollzeit gearbeitet (vgl. act. 201,
S. 1).
6.3.1 Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten angespannte fi-
nanzielle Verhältnisse als Grund für eine hypothetische vollzeitliche Er-
werbstätigkeit lassen sich anhand der Akten für den vorliegend massgebli-
chen Zeitraum ab März 2013 nicht nachvollziehen. Aus dem von der Be-
schwerdeführerin eingereichten Auszug des Kreditschutzverbandes vom
24. August 2017 betreffend ihren Ehemann (act. 169, S. 7 ff.) geht hervor,
dass das am 9. Juni 2010 eröffnete Insolvenzverfahren bereits am 16. Ja-
nuar 2013 abgeschlossen war (vgl. Vermerk "Zahlungsplan wurde erfüllt").
Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung
durch die B._ AG im Juni 2017 wohnen sie und ihr als Ingenieur
erwerbstätiger Ehemann zur Miete in einem 5-Zimmer-Einfamilienhaus
(act. 161, S. 24, 38), was nicht gerade für eine finanziell angespannte Si-
tuation des Ehepaares spricht. Zudem gab die Beschwerdeführerin an, in
(...)/Spanien noch eine Wohnung zu besitzen (act. 161, S. 30).
6.3.2 Ob die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe vor dem Ein-
tritt der Gesundheitsbeeinträchtigung stets Vollzeit gearbeitet – was an sich
ein gewichtiges Indiz für eine im hypothetischen Gesundheitsfall vollzeitli-
che Erwerbstätigkeit wäre (vgl. Urteil des BGer 9C_559/2009 vom 18. De-
zember 2009 E. 4) – zutrifft, erscheint mit Blick auf die vorliegenden Akten
mehr als fraglich. Betreffend die von der Beschwerdeführerin gemäss ei-
genen Angaben ausgeübte Erwerbstätigkeit als Dekorateurin in Spanien
(von 1984 bis 1997 sowie vom 2. Juni bis 30. Juni 1999 und vom 18. Mai
bis 17. Juni 2000, vgl. act. 161, S. 37 Ziff. 6.2.2; act. 2, S. 5) finden sich
keinerlei Belege. Hinsichtlich der ausgeübten Tätigkeiten in der Schweiz
(vgl. IK-Auszug vom 7. November 2019, Beilage zu BVGer-act. 13) er-
scheint es angesichts der niedrigen erzielten Einkommen unwahrschein-
lich, dass die Beschwerdeführerin zu 100 % erwerbstätig war. So erzielte
sie bei der W._ AG von April bis Dezember 2002 ein Einkommen
von insgesamt Fr. 20'165.-, d.h. pro Monat durchschnittlich Fr. 2'240.-, bei
der X._ GmbH von Januar bis Februar 2003 ein Einkommen von
insgesamt Fr. 2'082.-, d.h. pro Monat durchschnittlich Fr. 1'041.- und bei
der Y._ SA in (...) von Februar bis Mai 2005 ein Einkommen von
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Seite 30
insgesamt Fr. 3'127.-, d.h. pro Monat durchschnittlich Fr. 781.75. Betref-
fend die Erwerbstätigkeit in Österreich liegt ein Versicherungsdatenauszug
der österreichischen Sozialversicherung vom 27. September 2017 bei den
Akten (act. 168). Daraus geht hervor, dass die Beschwerdeführerin bei der
Z._gesellschaft m.b.H. vom 8. September 2006 bis 30. April 2007
zunächst als "geringfügig beschäftigte Arbeiterin" und vom 1. Mai 2007 bis
25. Januar 2008 als "Arbeiterin" tätig war (act. 168, S. 2). Der in den Jahren
2007 und 2008 erzielte Lohn von insgesamt Euro 14'006.74 (vgl. act. 168,
S. 3) erscheint wiederum zu tief, um von einer längerdauernden Vollzeittä-
tigkeit ausgehen zu können. Nach Bezug von Kranken- und Arbeitslosen-
gelder im Zeitraum vom 17. Januar bis 28. Februar 2008 (vgl. act. 168, S.
2) war die Beschwerdeführerin gemäss Versicherungsdatenauszug vom
7. Mai bis 7. September 2009 als "Arbeiterin" für Aa._ (ihren
Schwiegervater) tätig (act. 168, S. 2). Wäre die Beschwerdeführerin dort
entsprechend ihren Angaben (vgl. act. 24, S. 3) mit einem Pensum von 20
Stunden pro Woche und einem Lohn von Euro 10.- pro Stunde tätig gewe-
sen, hätte ein Monatsgehalt von Euro 800.- resultieren müssen (vgl. so
auch act. 27). Tatsächlich erzielte die Beschwerdeführerin jedoch nur ein
Einkommen von insgesamt Euro 1'957.08, d.h. pro Monat durchschnittlich
Euro 489.27 (vgl. act. 168, S. 3). Nachdem die Beschwerdeführerin diese
Tätigkeit am 7. September 2009 beendet hatte – gemäss eigenen Angaben
aus gesundheitlichen Gründen – bezog sie erneut verschiedene österrei-
chische Versicherungsleistungen, namentliche Arbeitslosengeld, Kranken-
geld und Notstandshilfe (act. 168, S. 2).
6.4 Nach dem Gesagten lässt sich die Statusfrage anhand der vorliegen-
den Akten nicht abschliessend beantworten. Die Vorinstanz hat insbeson-
dere hinsichtlich des von der Beschwerdeführerin vor Eintritt der Gesund-
heitsbeeinträchtigung ausgeübten Beschäftigungsgrads weitere erwerbli-
che und medizinische Abklärungen zu treffen. Namentlich sind Auskünfte
bei ehemaligen Arbeitgebern, Arbeitsverträge, Kündigungsschreiben sowie
Belege der Arbeitslosenversicherung betreffend das von der Beschwerde-
führerin angegebene gesuchte Pensum für eine neue Arbeitsstelle einzu-
holen. Zu klären ist insbesondere auch die Frage, in welchem Pensum die
Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten entgeltlichen Tätigkeit
(Pflege ihres Schwiegervaters) gearbeitet hat, und ob die Reduktion des
Pensums sowie schliesslich die Aufgabe dieser Arbeit – wie die Beschwer-
deführerin behauptet – aus rein gesundheitlichen Gründen erfolgten. An-
schliessend hat die Vorinstanz unter einlässlicher Würdigung der gesam-
ten Verhältnisse den Status der Beschwerdeführerin neu zu beurteilen.
Sollte sich ergeben, dass die Beschwerdeführerin als Teilzeiterwerbstätige
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zu qualifizieren ist, wäre ihr Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode
zu berechnen. Diesfalls hätte die Vorinstanz zunächst noch abzuklären, in
welchem Ausmass die Beschwerdeführerin im Haushalt zufolge ihrer ge-
sundheitlichen Beschwerden eingeschränkt ist. Im Urteil C-3961/2014
E. 6.4 wurden die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine sol-
che Abklärung ausführlich dargelegt, worauf verwiesen wird. Festzuhalten
ist, dass die auf pauschalen Annahmen beruhende Einschätzung des or-
thopädischen Gutachters der B._ AG in der Gutachtensergänzung
vom 18. Juni 2018, wonach die Beschwerdeführerin im Haushalt zu 30 %
eingeschränkt sei (act. 191, S. 4), diesen Anforderungen nicht genügt.
6.5 Betreffend die im Rahmen der Invaliditätsgradsberechnung bei (Teil-)
Erwerbstätigen erforderliche Bestimmung des Valideneinkommens kommt
es darauf an, wie viel eine versicherte Person im Zeitpunkt des frühest-
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (vgl.
MEYER/REICHMUTH, a.a.O, Art. 28a, Rz. 48). Dabei spielt es u.a. auch eine
Rolle, ob eine versicherte Person über eine abgeschlossene Ausbildung
verfügt, was im Fall der Beschwerdeführerin unklar ist. Sie gab einerseits
an, den Beruf als Dekorateurin erlernt zu haben, verneinte aber gleichzei-
tig, ein entsprechendes Diplom zu besitzen (vgl. act. 24, S. 1; vgl. auch die
vagen Angaben gegenüber der internistischen Gutachterin der B._
AG, act. 161, S. 25 Ziff. 3.1.2). Die Vorinstanz wird diesbezüglich ergän-
zende Abklärungen zu treffen haben. Hinsichtlich der weiteren von der Be-
schwerdeführerin ausgeübten beruflichen Tätigkeiten, namentlich in der
"Kantine/Büro" sowie kurzzeitig als Pflegerin ihres Schwiegervaters, erge-
ben sich in den Akten keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin
eine entsprechende Ausbildung absolviert hätte, was von ihr auch nicht be-
hauptet wird. Es ist daher von der Vorinstanz abzuklären, ob es sich dabei
um Hilfstätigkeiten gehandelt hat und welcher Art sie waren (vgl. auch act.
32, S. 2).
C-920/2019
Seite 32
7.
7.1 Im Ergebnis erweist sich der Sachverhalt bis zum Erlass der angefoch-
tenen Verfügung vom 17. Januar 2019 weder in medizinischer noch in be-
ruflich-erwerblicher Hinsicht rechtsgenügend abgeklärt. Demzufolge ist es
nicht möglich, mit dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweis-
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob und gegebe-
nenfalls in welcher Höhe und ab wann die Beschwerdeführerin im Rahmen
der Neuanmeldung vom 28. Februar 2014 Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung hat.
7.2 Da im vorinstanzlichen Verfahren infolge unvollständiger Feststellung
des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts (vgl. Art. 43 ff. ATSG
und Art. 12 VwVG) entscheidwesentliche Aspekte vollständig ungeklärt ge-
blieben sind, und nicht von vornherein ausgeschlossen werden kann, dass
weitere Abklärungen zu besseren Erkenntnissen führen, steht ausnahms-
weise einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu weiteren Abklä-
rungen nichts entgegen (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Die Vorinstanz
hat das Gutachten der B._ AG vom 17. August 2017 und dessen
Ergänzung vom 18. Juni 2018 als ausreichende medizinische Grundlagen
betrachtet, obwohl diesbezüglich klar erkennbar diverse gravierende Män-
gel vorliegen und das Gutachten samt Ergänzung daher weder den allge-
meinen, noch den im Rahmen eines Neuanmeldeverfahrens zu erfüllenden
speziellen Beweisanforderungen genügt. Von der Einholung eines Ge-
richtsgutachtens oder Erhebung anderer Beweisabnahmen ist daher abzu-
sehen. Zudem litte bei regelmässiger Einholung von medizinischen Ge-
richtsgutachten die Rechtsstaatlichkeit der Versicherungsdurchführung
empfindlich und wäre von einem Substanzverlust bedroht, könnte doch die
Verwaltung von vornherein darauf bauen, dass ihre Arbeit ohnehin in jedem
verfügungsweise abgeschlossenen Sozialversicherungsfall auf Be-
schwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbesserung unterläge (BGE 137
V 210 E. 4.2). Eine Rückweisung ist vorliegend umso mehr gerechtfertigt,
als die Vorinstanz für die Beurteilung der Anspruchserheblichkeit einer all-
fälligen Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdefüh-
rerin zusätzlich beruflich-erwerbliche Abklärungen für die Klärung der Sta-
tusfrage zu treffen hat (vgl. E. 6 hiervor). Eine Aufteilung des Abklärungs-
verfahrens – indem die Abklärungen im Zusammenhang mit der Status-
frage durch die Vorinstanz vorgenommen würden, währenddem in medizi-
nischer Hinsicht ein Gerichtsgutachten veranlasst würde – wäre nicht sinn-
voll, zumal dadurch mit einer Verlängerung der Verfahrensdauer zu rech-
nen wäre (vgl. Urteil des BVGer C-329/2014 vom 8. Juli 2015 E. 6).
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7.3 Die Vorinstanz ist daher in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 VwVG anzu-
weisen, nach Aktualisierung und Vervollständigung der medizinischen und
erwerblichen Akten eine für die streitigen Belange umfassende interdiszip-
linäre Begutachtung der Beschwerdeführerin zu veranlassen. Nur so kann
sichergestellt werden, dass alle relevanten Gesundheitsschädigungen er-
fasst und die daraus jeweils abgeleiteten Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit
würdigend in einem Gesamtergebnis ausgedrückt werden (vgl. dazu SVR
2008 IV Nr. 15 S. 44, E. 2.1). Mit Blick auf die im Raum stehenden Befunde
und Diagnosen sowie den im vorliegenden Fall vorzunehmenden Vergleich
des Gesundheitszustands mit jenem von März 2013 erscheinen Expertisen
in den Fachbereichen Orthopädie, Neurologie, ORL, Innere Medizin und
Psychiatrie (letztere unter Berücksichtigung der Standardindikatoren ge-
mäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung, BGE 143 V 418; 143 V
409; 141 V 281; 145 V 215) geboten. Ob neben den genannten Fachdis-
ziplinen auch noch weitere Spezialisten beigezogen werden, ist dem
pflichtgemessen Ermessen der Gutachter zu überlassen, zumal es primär
ihre Aufgabe ist, aufgrund der konkreten Fragestellung – besteht eine er-
hebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands verglichen mit jenem
im März 2013 und wenn ja, inwiefern und in welchem medizinisch objekti-
vierbaren Ausmass mit welcher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit/Fähig-
keiten im Aufgabenbereich – über die erforderlichen Untersuchungen (ein-
schliesslich der für die medizinisch einwandfreie Beurteilung der konkreten
Fragestellung erforderlichen Zusatzuntersuchungen, z.B. MRI, Elektroneu-
rographie) zu befinden, wobei sie letztverantwortlich sind einerseits für die
fachliche Güte und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten Ent-
scheidungsgrundlage, anderseits aber auch für eine wirtschaftliche Abklä-
rung (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 3.3; Urteile des BGer 8C_124/2008 vom
17. Oktober 2008 E. 6.3.1, 9C_297/2017 vom 6. April 2018 E. 4.3). Betref-
fend den zu beurteilenden Zeitraum haben die Gutachter sinnvollerweise
die Entwicklung des Gesundheitszustands und den Verlauf der Arbeitsfä-
higkeit der Beschwerdeführerin seit der Verfügung vom 13. März 2013 bis
zum Zeitpunkt der neu durchzuführenden Begutachtung miteinzubeziehen
und zu beurteilen. Um eine möglichst objektive und unabhängige Begut-
achtung zu gewährleisten, sollte diese nicht in Anwesenheit von Angehöri-
gen der Beschwerdeführerin (einschliesslich Ehemann) stattfinden (vgl.
S. 15 der "Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten"
der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie
[SGPP] vom 16. Juni 2016 mit Hinweis auf BGE 140 V 260 E. 3.2.3, vgl.
auch Urteil des BGer I 991/2006 vom 7. August 2007 E. 3).
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Die Gutachter haben sich insbesondere dazu zu äussern, ob und inwiefern
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit März 2013 so-
matisch und psychisch verschlechtert hat, worin gegebenenfalls die ge-
sundheitliche Verschlechterung konkret (medizinisch objektivierbar soma-
tisch und in Anwendung der standardisierten Indikatoren auch psychisch,
sowie in einer interdisziplinären Gesamtbetrachtung) besteht, sowie, ob
und wie sich diese allfällige Verschlechterung in Bezug auf die Arbeitsfä-
higkeit der Beschwerdeführerin funktionell in der ursprünglichen und in ei-
ner angepassten Tätigkeit und im Aufgabenbereich (Haushalt) auswirkt,
wobei der Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit März 2013 auch interdisziplinär
zu beurteilen ist. Aufgrund der Hinweise auf aggravierendes Verhalten sei-
tens der Beschwerdeführerin haben die Gutachter bei weiterhin festgestell-
ter mangelnder Mitwirkung und Diskrepanzen zwischen subjektiver Be-
schwerdeschilderung einschliesslich gezeigten funktionellen Defiziten ei-
nerseits und den unter Berücksichtigung der normativen Vorgaben erhobe-
nen objektivierten medizinischen Befunden andererseits auch einlässlich
dazu Stellung zu nehmen, ob und falls ja, in welchem Umfang die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und gezeigten Funktionsde-
fizite aus medizinischer insbesondere psychiatrischer Sicht auf bewusst-
seinsnahe Aggravation oder ein ähnliche Erscheinung zurückzuführen
sind. Weiter haben sie sich auch dazu zu äussern, inwiefern die von der
österreichischen PVA anerkannte Pflegebedürftigkeit bzw. die zugrunde
liegenden medizinischen Befunde aus somatischer und psychiatrischer
Sicht objektiv nachvollziehbar sind, und inwiefern diese mit einer allfälligen
(Rest-)Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer angepassten Tä-
tigkeit sowie im Aufgabenbereich (Haushalt) zu vereinbaren sind.
7.4 Die polydisziplinäre Begutachtung hat vorliegend in der Schweiz zu er-
folgen, da die Abklärungsstelle mit den Grundsätzen der schweizerischen
Versicherungsmedizin vertraut sein muss (vgl. dazu Urteil des BGer
9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; statt vieler Urteil des BVGer
C-3864/2017 vom 11. März 2019 E. 7.5 m.w.H.) und vorliegend keine
Gründe ersichtlich sind, die eine Begutachtung in der Schweiz als unver-
hältnismässig erscheinen liessen. Im Weiteren ist die Gutachterstelle nach
dem Zufallsprinzip gemäss Zuweisungssystem «SuisseMED@P» zu ermit-
teln (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 5.2.1 und Art. 72bis Abs. 2 IVV), wobei die
Zufallswahl unter Ausschluss der B._ AG zu erfolgen hat. Der Be-
schwerdeführerin sind die ihr zustehenden Mitwirkungsrechte einzuräu-
men (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9).
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Seite 35
8.
Im Ergebnis ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als die Verfügung
vom 17. Januar 2019 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurück-
gewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwä-
gungen über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der
schweizerischen Invalidenversicherung neu verfüge.
9.
9.1 Die Rückweisung der Sache zu erneuter Abklärung gilt für die Frage
der Auferlegung der Gerichtskosten und der Parteientschädigung als voll-
ständiges Obsiegen (vgl. BGE 137 V 210 E. 7.1; 132 V 215 E. 6; Urteil des
BGer 8C_897/2017 vom 14. Mai 2018 E. 4.1).
9.2 Der obsiegenden Beschwerdeführerin sind keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG e contrario). Der Vorinstanz sind eben-
falls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG). Der von
der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.- wird ihr
nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet.
9.3 Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung zu
Lasten der Vorinstanz (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. VGKE)
Da seitens des Rechtsvertreters keine Kostennote eingereicht wurde, ist
die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (14 Abs. 2 Satz 2
VGKE). Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen
und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der
Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens sowie in Anbe-
tracht der in vergleichbaren Fällen gesprochenen Entschädigungen recht-
fertigt es sich, die Parteientschädigung auf Fr. 2'800.- (inkl. Auslagen, ohne
Mehrwertsteuer [vgl. dazu z.B. Urteil des BVGer C-1741/2014 vom 28. April
2016 E. 8.3 mit Hinweisen]; Art. 9 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2
VGKE) festzusetzen.
(Für das Dispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.)
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