Decision ID: d623b6b0-2bd3-5846-abfc-d785a8213fd2
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X fuhr am Donnerstag, 27. Mai 2010, um ca. 16.45 Uhr, mit dem Personenwagen
"Citroën" innerorts auf der Glarnerstrasse in Siebnen SZ auf das vordere Fahrzeug auf.
Die Polizei führte zwei Atemlufttests durch, welche Blutalkoholkonzentrationen
(abgekürzt: BAK) von 1,35 und 1,26 Gew.-‰ ergaben. Gestützt auf diese Ergebnisse
wurden eine Blutprobe angeordnet und der Führerausweis auf der Stelle abgenommen.
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Die Analyse der Blutprobe ergab für den Zeitpunkt des Ereignisses eine BAK von
mindestens 1,25 Gew.-‰.
X ist im Administrativmassnahmeregister mit zwei Führerausweisentzügen und einer
Verwarnung verzeichnet. Mit Verfügung vom 22. November 2001 wurde ihm der
Führerausweis nach einer Trunkenheitsfahrt vom 15. September 2001 (BAK von
mindestens 1,65 Gew.-‰) für zwei Monate (15. September bis 14. November 2001)
entzogen. Vom 30. Mai bis 29. Juni 2006 war ihm der Führerausweis für einen Monat
entzogen, nachdem er am 9. Januar 2006 ein Vortrittsrecht missachtet und einen
Verkehrsunfall verursacht hatte. Schliesslich wurde er am 4. November 2008 verwarnt,
weil er am 17. Juli 2008 die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 16 km/h
überschritten hatte.
B.- Das Strassenverkehrsamt entzog X mit Verfügung vom 21. Juli 2010 den
Führerausweis wegen Verursachens einer Auffahrkollision infolge Lenkens eines
Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand mit mindestens 1,25 Gew.-‰ sowie mit
ungenügender Aufmerksamkeit für die Dauer von acht Monaten.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 23. Juli 2010 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, der Führerausweisentzug sei auf vier
Monate oder auf maximal sechs Monate zu reduzieren. Die Vorinstanz beantragte mit
Vernehmlassung vom 25. August 2010 die Abweisung des Rekurses. Auf die
Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. Juli 2010 (Poststempel) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist daher
einzutreten.
bis
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2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG).
Wer wegen Alkoholeinflusses nicht über die erforderliche körperliche und geistige
Leistungsfähigkeit verfügt, gilt während dieser Zeit nach Art. 31 Abs. 2 SVG als
fahrunfähig und darf kein Fahrzeug führen. Fahrunfähigkeit wegen Alkoholeinwirkung
(Angetrunkenheit) gilt gemäss Art. 1 Abs. 1 der Verordnung der Bundesversammlung
über die Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr (SR 741.13, nachfolgend: VO BAK)
in jedem Fall als erwiesen, wenn der Fahrzeugführer oder die Fahrzeugführerin eine
Blutalkoholkonzentration von 0,5 oder mehr Gew.-‰ aufweist oder eine Alkoholmenge
im Körper hat, die zu einer solchen Blutalkoholkonzentration führt. Eine schwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG in Verbindung mit Art. 55 Abs. 6
SVG und Art. 1 Abs. 2 VO BAK begeht, wer in angetrunkenem Zustand mit einer BAK
von 0,8 Gew.-‰ oder mehr ein Motorfahrzeug führt.
Das Ergebnis der Blutalkoholbestimmung ergab eine BAK von 1,25 Gew.-‰ und wird
vom Rekurrenten nicht bestritten. Damit hat er Art. 31 Abs. 2 SVG schuldhaft verletzt
und eine schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsbestimmungen im Sinn
von Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG begangen.
3.- Umstritten ist die Dauer des Entzugs des Führerausweises.
a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16c
Abs. 2 lit. b SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer schweren
Widerhandlung mindestens für sechs Monate entzogen, wenn in den vorangegangenen
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5 Jahren der Ausweis einmal wegen einer mittelschweren Widerhandlungen entzogen
war.
Der Führerausweis war dem Rekurrenten wegen einer mittelschweren Widerhandlung
(Missachten des Vortritts) für einen Monat bis 29. Juni 2006 entzogen. Da der
Rekurrent am 27. Mai 2010, d.h. vor Ablauf von fünf Jahren seit dem letzten
Führerausweisentzug, in angetrunkenem Zustand mit einer BAK von mehr als 0,8
Gew.-‰ ein Motorfahrzeug lenkte, beträgt die Mindestentzugsdauer sechs Monate
(Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG).
Der Rekurrent führt aus, im Rückblick sei das damalige Urteil (gemeint ist der
Führerausweisentzug vom 30. Mai bis 29. Juni 2006) eher fragwürdig. Er habe damals
ein vortrittsberechtigtes Auto zu spät gesehen, weil dieses plötzlich hinter einem nach
rechts abbiegenden Lastenzug "herangebraust" sei. Dies hätte er im damaligen Straf-
und Administrativmassnahmeverfahren vorbringen müssen. Ob der Führerausweis mit
Verfügung vom 23. Mai 2006 zu Recht für einen Monat entzogen wurde, kann im
vorliegenden Verfahren nicht beurteilt werden, da die Verfügung mangels Anfechtung
schon lange rechtskräftig ist.
b) Die Vorinstanz ist von der gesetzlich vorgeschriebenen minimalen Entzugsdauer von
sechs Monaten abgewichen und hat dem Rekurrenten den Führerausweis für die Dauer
von acht Monaten entzogen. Zur Begründung wird in der angefochtenen Verfügung
festgehalten, die Höhe der BAK sowie das Verursachen eines Verkehrsunfalls würden
sich erhöhend auf die Entzugsdauer auswirken. Eine allfällige Sanktionsempfindlichkeit
sei nicht geltend gemacht worden. Unter Berücksichtigung aller Beurteilungskriterien
sei ein Führerausweisentzug für die Dauer von acht Monaten angemessen. Dass in den
Erwägungen der Verfügung von sechs Monaten die Rede ist, ist offensichtlich ein
Versehen; darauf hat die Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 25. August 2010
hingewiesen. Massgebend ist die im Rechtsspruch der Verfügung genannte
Entzugsdauer von acht Monaten.
c) Mit der Mindestentzugsdauer von sechs Monaten hat der Gesetzgeber dem Rückfall
Rechnung getragen. Dies schliesst allerdings eine Erhöhung der Entzugsdauer
aufgrund der konkreten Umstände des Rückfalls nicht aus. Zudem ist es grundsätzlich
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nicht zu beanstanden, für die Bemessung der Massnahme auf Tarife abzustellen, wo
sich die objektive Tatschwere, wie beim Fahren in angetrunkenem Zustand das
Ausmass der Alkoholisierung, zumindest teilweise in einem Messergebnis
niederschlägt. Da solchen Tarifen aber nur eine Richtlinienfunktion zukommt, dürfen sie
nicht schematisch gehandhabt werden. Der Tarif dient deshalb als Ausgangspunkt, von
welchem aus die Sanktion im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen
Zumessungsfaktoren des Einzelfalls festgesetzt werden muss (vgl. Ph. Weissenberger,
Die Zumessung des Warnungsentzugs von Führerausweisen, in: SJZ 95/1999, S. 461
mit Hinweis auf BGE 124 II 44). Nach den vorinstanzlichen Richtlinien vom 26. Oktober
2005 zieht ein Alkoholisierungsgrad zwischen 1,0 und 1,29 Gew.-‰ eine Erhöhung der
Mindestentzugsdauer um einen Monat nach sich. Eine BAK von mindestens 1,25
Gew.-‰ liegt an der oberen Grenze dieser Bandbreite.
Im Weiteren sind Gefährdung und Verschulden als überdurchschnittlich einzustufen.
Die beim Rekurrenten festgestellte Alkoholisierung von mindestens 1,25 Gew.-‰
entspricht einer mittelschweren Angetrunkenheit, welche den Reaktionsablauf
erschwert und zu Störungen des Gleichgewichtssinns und des Muskelzusammenspiels
führt (vgl. P.M. Macri, Schluss- und Nachtrunk beim Fahren in angetrunkenem Zustand,
Diessenhofen 1976, S. 21 f.). Der Rekurrent gab an, zwischen 12.00 und 16.00 Uhr 4
bis 5 dl Weisswein getrunken zu haben. Dessen ungeachtet setzte er sich danach ins
Auto. Ein Fahrzeugführer handelt vorsätzlich, wenn er die Fahrt antritt, obwohl er weiss
oder mit der Möglichkeit rechnen muss, dass er angetrunken ist (BGE 128 II 182 E. 3b).
Dem Rekurrenten muss bewusst gewesen sein, dass er so kurze Zeit nach dem
Trinken zufolge Alkoholisierung noch nicht fahrfähig war. Hinzu kommt, dass sich die
Gefährdung in einem Unfall konkretisiert hat und damit nicht mehr als gering eingestuft
werden kann. Das Verursachen einer Auffahrkollision für sich allein hätte auch zu einer
administrativrechtlichen Massnahme geführt. Dies wirkt sich ebenfalls erhöhend auf die
Entzugsdauer aus. Schliesslich ist der automobilistische Leumund des Rekurrenten mit
einer schweren Widerhandlung im Jahr 2001, einer mittelschweren Widerhandlung im
Jahr 2006 sowie einer leichten Widerhandlung im Jahr 2008 getrübt.
d) Unter diesen Umständen ist die von der Vorinstanz in Würdigung aller
Beurteilungskriterien vorgenommene Erhöhung der Mindestentzugsdauer von sechs
auf acht Monate nicht zu beanstanden. Eine erhöhte Sanktionsempfindlichkeit, welche
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sich massnahmemindernd auswirken könnte, ist aus den Akten nicht ersichtlich und
wird im Rekurs auch nicht geltend gemacht.
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.