Decision ID: 517c9f80-4315-427b-a92a-cc9e6b47b700
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 10.08.2011 Art. 12 Abs. 1 und 2 ELG. Anspruchsbeginn. Die Ausnahmeregelung in Art. 12 Abs. 2 ELG weist eine ausfüllungsbedürftige Lücke auf: Von einer rückwirkenden Anspruchsentstehung ist auch dann auszugehen, wenn ein Heimbewohner erst durch eine Erhöhung der Heimkosten neu einen  begründet, diese Erhöhung rückwirkend erfolgt ist und er sich sofort anmeldet, nachdem er von der rückwirkenden Erhöhung Kenntnis erhalten hat (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. August 2011, EL 2011/10). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_628/2011. Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl Entscheid vom 10. August 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch B._, gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, betreffend Ergänzungsleistung zur AHV Sachverhalt:
A.
A._ wurde am 7. Oktober 2009 erstmals zum Bezug einer Ergänzungsleistung zur
Altersrente angemeldet. Gemäss dem Beiblatt 2 (Heimaufenthalt) belief sich die
Tagestaxe des Heims auf Fr. 107.-. Dazu kam ein Pflegezuschlag von Fr. 67.- pro Tag.
Ausserdem hatte die Versicherte für die Wäschebesorgung Fr. 60.- monatlich zu
bezahlen. Der Heimeintritt war bereits am 1. November 2008 erfolgt. Da die Anmeldung
direkt bei der EL-Durchführungsstelle eingegangen war, wurde sie zur
Vervollständigung der AHV-Zweigstelle übermittelt. Diese ergänzte die Angaben mit
den Leistungen des Krankenversicherers von Fr. 32.50 pro Tag, mit dem Vermögen
gemäss der Steuerveranlagung 2008 von Fr. 37'900.- (die Versicherte hatte ein
Vermögen von Fr. 24'000.- angegeben) und mit dem Vermögensertrag 2008 von Fr.
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802.-. Die Anspruchsberechnung ab Oktober 2009 unter Berücksichtigung dieser
Zahlen ergab einen Ausgabenüberschuss von Fr. 2810.-. Das entsprach einem
monatlichen EL-Anspruch von Fr. 303.-, da nach der sogenannten Minimalgarantie
mindestens der Betrag der Pauschale für die Krankenkassenprämien gedeckt sein
musste. Mit einer Verfügung vom 4. November 2009 sprach die EL-Durchführungsstelle
der Versicherten mit Wirkung ab Oktober 2009 eine Ergänzungsleistung von Fr. 303.-
monatlich zu. Die Versicherte liess Einsprache erheben und insbesondere geltend
machen, das Vermögen bestehe nur aus zwanzig Aktien der C._ Bank. Deren Wert
liege bei Fr. 24'500.-. Mit einem formlosen Schreiben vom 15. Dezember 2009 teilte die
EL-Durchführungsstelle dem Vertreter der Versicherten u.a. mit, dass das Vermögen
gemäss der Steuerveranlagung 2008 am 1. Januar 2009 Fr. 37'900.- betragen habe.
Der Vertreter wandte am 26. Dezember 2009 ein, massgebend sei nicht der
Vermögensstand am 1. Januar 2009, sondern derjenige per Anspruchsbeginn, also per
1. Oktober 2009. Gemäss einer Bestätigung der Bank C._ hatten die Aktien am 30.
September 2009 einen Wert von Fr. 25'400.- aufgewiesen. Inzwischen hatte die EL-
Durchführungsstelle für die Zeit ab 1. Januar 2010 verfügt und dabei wieder ein
Vermögen von Fr. 37'900.- in die Anspruchsberechnung eingesetzt. Als Reaktion auf
die Eingabe des Vertreters der Versicherten nahm die EL-Durchführungsstelle dann
eine Neuberechnung ab 1. Oktober 2009 bzw. ab 1. Januar 2010 vor, bei der sie keinen
Vermögensverzehr mehr berücksichtigte. Der monatliche EL-Anspruch belief sich nun
auf Fr. 450.- (2009) bzw. Fr. 481.- (2010). Im Einverständnis mit dem Vertreter der
Versicherten erliess die EL-Durchführungsstelle am 14. Januar 2010 entsprechend
korrigierte Verfügungen. Das Einspracheverfahren wurde de facto als gegenstandslos
abgeschrieben. Am 3. Februar 2010 ging ein von der Heimleitung am 11. Januar 2010
ausgefülltes Beiblatt 2 (Heimaufenthalt) bei der AHV-Zweigstelle ein. Gemäss diesem
Beiblatt belief sich die Heimtaxe wie bisher auf Fr. 107.-, aber die Pflegepauschale
machte nur noch Fr. 34.50 aus. Dazu kamen Fr. 1.97 für die Wäschebesorgung und die
Grundgebühr für den Telefonanschluss von Fr. 0.82. Das ergab Heimkosten von
insgesamt Fr. 144.29. Da diese Änderung ab Januar 2010 gültig war, nahm die EL-
Durchführungsstelle rückwirkend ab Januar 2010 eine entsprechende Neuberechnung
vor. Als Folge der Reduktion der Heimkosten ergab die Berechnung anstelle des
bisherigen Ausgabenüberschusses neu einen Einnahmenüberschuss. Mit einer
Verfügung vom 25. Februar 2010 verneinte die EL-Durchführungsstelle rückwirkend ab
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1. Januar 2010 einen Leistungsanspruch. Sie forderte die für Januar und Februar 2010
bereits ausgerichteten Ergänzungsleistungen zurück.
B.
Der Vertreter der Versicherten füllte am 7. Oktober 2010 erneut eine Anmeldung zum
Bezug von Ergänzungsleistungen aus. Er füllte auch das Beiblatt 2 (Heimaufenthalt)
aus, wobei er als Datum den 8. September 2010 angab. Das Beiblatt 2 ging am 4.
Oktober 2010, die Anmeldung am 8. Oktober 2010 bei der EL-Durchführungsstelle ein.
Diese überwies das Beiblatt 2 am 5. Oktober 2010 zur Überprüfung "nach neuem
Meldeverfahren" der AHV-Zweigstelle. Am 8. Oktober 2010 übermittelte sie auch die
Anmeldung der AHV-Zweigstelle. Diese sollte die Anmeldung prüfen und mit den
erforderlichen Beilagen retournieren. Ebenfalls am 8. Oktober 2010 forderte die EL-
Durchführungsstelle die Versicherte auf, das Anmeldeformular vollständig ausgefüllt
und zusammen mit den nötigen Belegen unterzeichnet innert drei Monaten bei der
AHV-Zweigstelle einzureichen. Halte sie diese Frist ein, so werde das Datum des
Schreibens vom 4. Oktober 2010 als Beginn des EL-Anspruchs anerkannt werden. Der
Vertreter der Versicherten teilte am 18. Oktober 2010 mit, es sei ihm nicht klar, weshalb
die Pflegestufe der Versicherten nach der ersten Anmeldung reduziert worden sei. Die
Heimleitung habe angegeben, es sei ihre Sache, wenn sie eine falsche Pflegestufe
berücksichtigt haben sollte; sie werde keine Nachbelastung von Heimkosten
vornehmen. Der Vertreter störte sich auch daran, dass er wieder alle Unterlagen
einreichen müsse, obwohl die EL-Durchführungsstelle doch im Besitz aller Belege sei,
und dass das Vermögen erst auf Fr. 25'000.- habe reduziert werden müssen, bis eine
"100% Leistung" ausgerichtet worden sei. Die EL-Durchführungsstelle antwortete am
18. Oktober 2010, gemäss der Verfügung vom 25. Februar 2010 sei eine Abweisung
"infolge Einnahmenüberschuss" erfolgt. Der EL-Anspruch könne nur neu geprüft
werden, wenn eine vollständige EL-Anmeldung eingereicht werde. Der Vertreter der
Versicherten reichte am 9. November 2010 verschiedene Unterlagen nach, worauf er
von der EL-Durchführungsstelle am 15. November 2010 nochmals aufgefordert wurde,
das Anmeldeformular vollständig auszufüllen und unterzeichnet zusammen mit den
nötigen Belegen einzureichen. In einer internen Notiz vom 18. November 2010 hielt die
zuständige Sachbearbeiterin der EL-Durchführungsstelle fest, dass dem Vertreter der
Versicherten damals mitgeteilt worden sei, es sei alles i.O. und es hätte gar keine
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Neuanmeldung eingereicht werden müssen, da der Fall am Laufen sei. Die zuständige
Sachbearbeiterin stellte in ihrer Aktennotiz weiter fest, dass die Neuanmeldung völlig
richtig gewesen sei und dass die Neuanmeldung gemäss einer telefonischen Auskunft
der AHV-Zweigstelle nie weitergeleitet worden sei. Am 16. Dezember 2010 übermittelte
die AHV-Zweigstelle die kontrollierte Neuanmeldung samt Beilagen. Der Vertreter der
Versicherte hatte angegeben, das Vermögen belaufe sich noch auf Fr. 13'000.-. Zehn
der zwanzig Aktien der Bank C._ seien inzwischen verkauft worden. Die EL-
Durchführungsstelle vermerkte in einer Notiz auf der kontrollierten Neuanmeldung,
dass die Tagestaxe seit dem 22. August 2010 Fr. 180.29 betrage. Gemäss der
beigelegten Heimrechnung vom 30. September 2010 für September 2010 hatten sich
die Pflegekosten rückwirkend ab 22. August 2010 erhöht. Die entsprechende
Nachforderung bildete Teil der Rechnung für September 2010. Am 6. Januar 2011
forderte die EL-Durchführungsstelle bei der AHV-Zweigstelle Vermögens- und
Zinsbelege per 31. Dezember 2010 und Belege betreffend die BVG-Rente 2010 und
2011 an. Der Vertreter der Versicherten reichte am 12. Januar 2011 verschiedene
Unterlagen ein. Gemäss einem Vermögensauszug per 31. Dezember 2010 hatten die
verbliebenen zehn Aktien der Bank C._ einen Wert von Fr. 13'650.- aufgewiesen. Die
EL-Durchführungsstelle prüfte den Leistungsanspruch ab 1. Oktober 2010. Sie
berücksichtigte auf der Ausgabenseite insbesondere eine Tagestaxe von Fr. 177.50
und auf der Einnahmenseite ein Vermögen von Fr. 30'434.- bzw. einen
Vermögensverzehr von Fr. 1086.-. Der Ausgabenüberschuss belief sich auf Fr. 4584.-,
was für die Periode Oktober bis Dezember 2010 einer monatlichen Ergänzungsleistung
von 382.- entsprach. Bei der Anspruchsberechnung ab 1. Januar 2011 war die
Tagestaxe tiefer, da ein Teil der Pflegekosten aus einer neuen Quelle gedeckt wurde.
Die EL-Durchführungsstelle berücksichtigte hier nur noch ein Vermögen von
Fr. 17'939.-, so dass kein Vermögensverzehr mehr anzurechnen war. Der
Ausgabenüberschuss machte Fr. 6444.- aus, was einem monatlichen Anspruch von Fr.
537.- entsprach. Mit einer Verfügung vom 18. Januar 2011 sprach die EL-
Durchführungsstelle der Versicherten mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 eine monatliche
Ergänzungsleistung von Fr. 382.- und mit Wirkung ab 1. Januar 2011 eine solche von
Fr. 537.- zu.
C.
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Die Versicherte liess am 24. Januar 2011 Einsprache erheben. Ihr Vertreter machte
geltend, das Heim habe erst mit einer Rechnung vom 30. September 2010 mitgeteilt,
dass per 22. August 2010 eine Erhöhung der Einstufung erfolgt sei. Also sei es gar
nicht früher möglich gewesen, eine Ergänzungsleistung zu beantragen. In Bezug auf
das Vermögen sei ein Fehler aufgetreten, der bereits im Berechnungsblatt vom 1.
Januar 2010 korrigiert worden sei. Im Januar 2011 sei eine Rechnung des Steueramtes
eingegangen. Der Zahnarzt habe verordnet, dass alle zwei bis drei Monate eine
Behandlung erfolgen müsse. Die Rechnung des Zahnarztes werde nachgereicht. Am 1.
Februar 2011 reichte der Vertreter der Versicherten den RAI/RUG Pflege- und
Behandlungsausweis, gültig ab 1. Januar 2011, vom 27. Januar 2011 ein. Die EL-
Durchführungsstelle nahm eine Neuberechnung vor, bei der sie einzig die Tagestaxe
(Hotellerie) veränderte. Diese Tagestaxe betrug nun Fr. 104.79 statt Fr. 104.84.
Dadurch reduzierte sich die monatliche Ergänzungsleistung von Fr. 537.- auf Fr. 536.-.
Die EL-Durchführungsstelle erliess am 11. Februar 2011 eine entsprechende
Verfügung, mit der sie die Ergänzungsleistung ab März herabsetzte. Sie verzichtete auf
die Rückforderung der zu Unrecht ausgerichteten Fr. 2.-. In ihrem Einspracheentscheid
vom 25. März 2011 machte die EL-Durchführungsstelle geltend, der Vertreter der
Versicherten verlange die Wiederausrichtung von Ergänzungsleistungen ab der
Heimtaxenerhöhung per 22. August 2010. Da die Ausrichtung der Ergänzungsleistung
am 25. Februar 2010 auf Ende Februar 2010 eingestellt worden sei, liege eine
Neuanmeldung vor. Der Anspruch auf eine Ergänzungsleistung bestehe gemäss Art. 12
Abs. 1 ELG ab dem Monat, in dem die Anmeldung eingereicht worden sei. Laut Art. 12
Abs. 2 ELG sei es bei einer verzögerten EL-Anmeldung nach einem Heimeintritt
möglich, bis zu sechs Monate nachzuzahlen. Diese Bestimmung sei nicht anwendbar,
weil die Versicherte nicht neu in ein Heim eingetreten sei. Auch die Regelung der Ziff.
4021 WEL sei nicht anwendbar. Die Wiederanmeldung sei am 7. Oktober 2010 erfolgt.
Deshalb bestehe erst ab Oktober 2010 ein Anspruch auf eine Ergänzungsleistung. Es
sei zu Unrecht ein Vermögen von Fr. 30'434.- berücksichtigt worden. Anzurechnen
seien Fr. 21'577.- analog der Verfügung vom 25. Februar 2010. Deshalb sei kein
Vermögensverzehr zu berücksichtigen, wodurch der monatliche EL-Anspruch für
Oktober bis Dezember 2010 auf Fr. 472.- ansteige. Steuerschulden seien durch den
Pauschalbetrag für persönliche Auslagen gedeckt. Die Zahnarztkosten hätten keinen
Einfluss auf die laufende Ergänzungsleistung, weil sie separat vergütet würden.
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D.
Die Versicherte liess am 18. April 2011 Beschwerde erheben. Ihr Vertreter machte
geltend, der Fall hätte am 25. Februar 2010 nur sistiert werden dürfen. Hätte sich die
EL-Durchführungsstelle mit einem Arzt in Verbindung gesetzt, wäre die Versicherte nie
von der Ergänzungsleistung "vollständig aus dem Programm gestrichen" worden.
Stattdessen wären die Zahlungen sistiert worden. Er habe sofort die Neuanmeldung
eingereicht, als er mit der Zustellung der Rechnung vom 30. September 2010 von der
rückwirkenden höheren Einstufung der Versicherten erfahren habe.
E.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 26. April 2011 die Abweisung der
Beschwerde.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat sich bei der Zusprache einer Ergänzungsleistung ab
Oktober 2010 auf Art. 12 Abs. 1 ELG abgestützt. Gemäss dieser Bestimmung besteht
der Anspruch auf eine Ergänzungsleistung erst ab dem Beginn des Monats, in dem die
Anmeldung eingereicht worden ist. Das Gesuchsformular "Anmeldung für
Ergänzungsleistungen" trägt das vom Vertreter der Beschwerdeführerin angegebene
Datum 7. Oktober 2010 und das von der Beschwerdegegnerin vermerkte
Eingangsdatum 8. Oktober 2010. Das Beiblatt 2 (Heimaufenthalt), mit dem der Vertreter
der Beschwerdeführerin die Heimrechnung vom 30. September 2010 eingereicht hat,
trägt das Datum 8. September 2010 und das von der Beschwerdegegnerin vermerkte
Eingangsdatum 4. Oktober 2010. Die Rechnung des Heims vom 30. September 2010
kann nicht vor dem 1. Oktober 2010, jedenfalls nicht bereits am 8. September 2010,
zugestellt worden sein. Es muss sich bei dem vom Vertreter der Beschwerdeführerin
angegebenen Datum (8. September 2010) um ein Versehen gehandelt haben. Da das
Beiblatt 2 am 4. Oktober 2010 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen ist, muss es
zwischen dem 1. und dem 3. Oktober 2010 bei der Post aufgegeben worden sein. Die
Neuanmeldung ist also - ob mit dem Beiblatt 2 oder formell richtig mit der "Anmeldung
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für Ergänzungsleistungen" - erst im Oktober 2010 erfolgt. Dass die
Beschwerdegegnerin dieses Gesuch zunächst anscheinend irrtümlicherweise als
sogenannte Mutationsmeldung interpretiert hat, ist bedeutungslos, da der Vertreter
dadurch offensichtlich nicht davon abgehalten worden sein kann, die Neuanmeldung
vor dem 1. Oktober 2010 einzureichen. Damit steht fest, dass die Neuanmeldung im
Oktober 2010 erfolgt ist. Die Beschwerdegegnerin hatte die laufende
Ergänzungsleistung am 25. Februar 2010 zu Recht rückwirkend per 31. Dezember
2009 eingestellt, denn die vom Heim in Rechnung gestellten Pflegekosten waren auf
diesen Zeitpunkt stark reduziert worden. Ob diese Reduktion auf einen Fehler des
Heims zurückzuführen gewesen war, wie der Vertreter der Beschwerdeführerin
annimmt, ist irrelevant, denn massgebend für die Höhe der anerkannten Heimausgaben
ist nicht der effektiv erbrachte Pflegeaufwand, sondern der für diese Leistung in
Rechnung gestellte Kostenaufwand. Das Heim hat auf eine allfällige Nachbelastung
verzichtet, so dass keine Aufhebung der EL-Einstellungsverfügung vom 25. Februar
2010 bzw. keine Ausrichtung einer Ergänzungsleistung über den 31. Dezember 2009
hinaus zur Diskussion steht. Bei dem vom Vertreter der Beschwerdeführerin
eingereichten, am 4. bzw. 8. Oktober 2010 bei der Beschwerdegegnerin
eingegangenen Gesuch handelt es sich deshalb um eine Anmeldung im Sinn von Art.
12 Abs. 1 ELG.
2.
In einem Entscheid vom 16. September 2004 (EL 2004/13) hatte das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen den Fall einer Heimbewohnerin zu
beurteilen, die bereits seit längerer Zeit eine Ergänzungsleistung bezogen und der die
Heimleitung eines Tages rückwirkend erhöhte Heimkosten in Rechnung gestellt hatte.
Die Heimbewohnerin hatte daraufhin bei der EL-Durchführungsstelle eine
entsprechende rückwirkende Erhöhung der laufenden Ergänzungsleistung beantragt,
um die Nachforderung des Heims mit der korrespondierenden EL-Nachzahlung decken
zu können. Die EL-Durchführungsstelle hatte dieses Begehren abgelehnt. Das
Versicherungsgericht hiess die Beschwerde der Heimbewohnerin gut. Es argumentierte
sinngemäss, Art. 25 Abs. 2 lit b ELV, der seinem Wortlaut gemäss jede rückwirkende
Erhöhung der laufenden Ergänzungsleistung ausschliesse, weise eine
ausfüllungsbedürftige Lücke auf. Bei Heimbewohnern, welche die Erhöhung der
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Heimkosten nicht unverzüglich hätten melden können, weil diese Erhöhung
rückwirkend erfolgt sei, liege keine Verletzung der Meldepflicht (Art. 26 ELV) vor, so
dass das mit Art. 25 Abs. 2 lit. b ELV verfolgte Ziel einer "Sanktionierung" der
verspäteten Erfüllung der Meldepflicht nicht sachgerecht sei. Bei einer rückwirkenden
Erhöhung der Heimkosten, die per se nicht rechtzeitig gemeldet werden könne, sei die
Ergänzungsleistung deshalb in Abweichung vom Wortlaut des Art. 25 Abs. 2 lit. b ELV
rückwirkend auf den Geltungszeitpunkt der Kostenerhöhung anzupassen (vgl. die Erw.
2 des genannten Urteils). Diese Rechtsprechung kann nicht direkt auf den vorliegenden
zu beurteilenden Fall angewendet werden, da die Beschwerdeführerin vor der
rückwirkenden Erhöhung der Heimkosten keine Ergänzungsleistung bezogen hat. Erst
durch den Anstieg dieser Kosten ist ihr ein Ausgabenüberschuss und damit ein
Leistungsanspruch entstanden. Es liegt also kein Anwendungsfall einer Revision nach
Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 25 Abs. 2 lit. b ELV vor. Vielmehr steht eine Anmeldung
zum Leistungsbezug zur Diskussion. Gemäss Art. 12 Abs. 1 ELG besteht ein Anspruch
auf eine Ergänzungsleistung ab dem Beginn des Monats, in dem die Anmeldung
eingereicht worden ist. Wird die Anmeldung innert sechs Monaten nach einem
Heimeintritt eingereicht, so besteht der Anspruch ab dem Monat des Heimeintritts
(Art. 12 Abs. 2 ELG). Der Wortlaut dieser Ausnahmebestimmung zu Art. 12 Abs. 1 ELG
schliesst die Anwendung auf die Beschwerdeführerin aus, da diese nicht in das Heim
eingetreten ist, sondern schon längere Zeit im Heim gewohnt hat, bevor sie sich am
anfangs Oktober 2010 zum Leistungsbezug angemeldet hat, weil die Heimleitung die
Kosten mit einer Rechnung vom 30. September 2010 rückwirkend ab 11. August 2010
erhöht hat. Hinter dem Wortlaut des Art. 12 Abs. 2 ELG steht die Überlegung, dass mit
dem Heimeintritt ein Ausgabenüberschuss und damit ein Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung entstehe. Die Möglichkeit, trotz einer um bis zu sechs Monate
verspäteten Anmeldung rückwirkend ab dem Heimeintritt eine Ergänzungsleistung zu
erhalten, ist vom historischen Gesetzgeber wie folgt begründet worden: "Oft kümmern
sich Angehörige um die betagten Menschen, welche in ein Heim eintreten müssen. Ein
Heimeintritt ist mit viel Aufwand verbunden. Es geht dann auch darum, die bestehende
Wohnung zu kündigen und aufzulösen. Wenn ein betagter Mensch bisher ohne
Ergänzungsleistungen auskam, denken die Angehörigen in dieser Phase nicht an
Ergänzungsleistungen und deren Anmeldeformalitäten" (Botschaft des Bundesrates
vom 7. September 2005 zur Ausführungsgesetzgebung zur Neugestaltung des
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Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen, BBl 2005 S.
6229). Damit ist der Beschwerdeführerin nicht geholfen, denn die Verzögerung
zwischen der (rückwirkenden) Erhöhung der Heimkosten per 22. August 2010 und der
Anmeldung anfangs Oktober 2010 ist nicht auf einen (fiktiven) "Umzugsstress",
sondern ausschliesslich darauf zurückzuführen, dass die Kostenerhöhung rückwirkend
erfolgt ist. Weder die grammatikalische noch die historische Auslegungsmethode
lassen also die Annahme einer Lücke in den Abs. 1 und 2 des Art. 12 ELG zu, die damit
zu füllen wäre, dass auch in Fällen wie dem vorliegenden von einem rückwirkenden
Anspruchsbeginn auszugehen wäre. Bei einer systematischen und teleologischen
Interpretation ändert sich das. Rechtfertigt der (fiktive) "Umzugsstress" beim
Heimeintritt eine Verzögerung bei der Anmeldung zum Leistungsbezug, so muss das
erst recht für jene Fälle gelten, in denen die unverzügliche Anmeldung zum
Leistungsbezug nicht nur wie beim "Umzugsstress" erschwert, sondern sogar
unmöglich gewesen ist. Wertungsmässig ist in diesem Zusammenhang auf die Parallele
zur Behandlung der rückwirkenden Erhöhung der Heimkosten im Revisionsverfahren
nach Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 25 Abs. 2 lit. b ELV zu verweisen. Die objektive
Unmöglichkeit, rechtzeitig jene Handlung vorzunehmen, welche die Ausrichtung der
korrekten Ergänzungsleistung auslöst, rechtfertigt eine Ausnahme von der starren
Regelung nicht nur des Art. 25 Abs. 2 lit. b ELV, sondern auch des Art. 12 Abs. 1 ELG.
Nicht nur gestützt auf das systematische und das teleologische Auslegungselement ist
von einer ausfüllungsbedürftigen Lücke in den Abs. 1 und 2 des Art. 12 ELG
auszugehen. Auch die verfassungskonforme Auslegung weist auf die Existenz einer
ausfüllungsbedürftigen Lücke hin. Es wäre nämlich nicht einzusehen, weshalb jene
Heimbewohner benachteiligt sein sollten, die sich nicht rechtzeitig anmelden konnten,
weil sie von der Erhöhung der Heimkosten noch nichts wussten, während bei den
anderen Heimbewohnern allein schon aufgrund der Tatsache, dass sie neu eingetreten
sind, eine Unmöglichkeit der rechtzeitigen Anmeldung fingiert wird (Art. 12 Abs. 2 ELG).
Das Resultat der systematischen, der teleologischen und der verfassungsmässigen
Interpretation zwingt also zum Schluss, dass eine ausfüllungsbedürftige Lücke vorliegt.
Aus Gleichbehandlungsgründen muss diese Lücke in Anlehnung an Art. 12 Abs. 2 ELG
und an die Rz 4021 lit. b WEL (Fassung 1/05) gefüllt werden. Das bedeutet, dass jede
rückwirkende Erhöhung der Heimkosten eine Revision der laufenden
Ergänzungsleistung auf den in der Vergangenheit liegenden Wirkungszeitpunkt der
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Kostenerhöhung erfordert. Die Beschwerdeführerin hat somit ab 1. August 2010 einen
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung.
3.
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid eingeräumt, dass
bei der Anspruchsberechnung ab Oktober 2010 ein zu hohes Vermögen und damit zu
Unrecht ein Vermögensverzehr als Einnahmenposition berücksichtigt worden sei. Sie
hat den Vermögensbetrag herabgesetzt und auf die Anrechnung eines
Vermögensverzehrs verzichtet. Sie hat aber unverändert einen Vermögensertrag von Fr.
730.- angerechnet. Deshalb wird die Beschwerdegegnerin noch zu prüfen haben, wie
hoch der anrechenbare Vermögensertrag als Einnahmenposition ist. Anschliessend
wird sie die Ergänzungsleistung ab 1. August 2010 festsetzen.
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Sache zur weiteren Abklärung und zur
anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP