Decision ID: 86c09fc5-1cd1-4f4a-a0b2-4e3a34ee3229
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- Dr. med. B. in der Klinik C. in Bern A. am 9. September 2009 am Knie ope-
rierte;
- A. bei der FMH ein aussergerichtliches Gutachten über die Operation von
Dr. med. B. in Auftrag gab (s. act. 1.1);
- gestützt auf das betreffende Gutachten vom 1. April 2014 A. am 30. Au-
gust 2014 Strafklage wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung (im
Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB) bei der Staatsanwaltschaft des Kantons
Wallis einreichte und sich als Privatklägerin konstituierte (act. 1.2);
- in der Folge die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis der Staatsanwalt-
schaft des Kantons Bern die betreffenden Strafverfahrensakten zur Prüfung
des Gerichtsstands zukommen liess (s. act. 1.4, 1.6, 1.7 f.);
- davon ausgehend die Staatsanwaltschaft des Kantons Berns mit Über-
nahmeverfügung vom 29. Januar 2015 das von der Staatsanwaltschaft des
Kantons Wallis geführte Strafverfahren gegen Dr. med. B. wegen einfacher
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB übernahm (act. 1.7 f.);
- die Staatsanwaltschaft des Kantons Berns ihre Zuständigkeit unter Hinweis
auf Art. 31 Abs. 1 Satz 1 StPO damit begründete, dass der dem Beschul-
digten vorgeworfene Behandlungsfehler anlässlich der Operation am
9. September 2009 in der Klinik B. in Bern und damit in ihrem Zuständig-
keitsgebiet stattgefunden habe (act. 1.7 f.);
- die Übernahmeverfügung vom 29. Januar 2015 A. auf deren Nachfrage mit
Schreiben vom 17. Februar 2015 zugestellt wurde (act. 1.7);
- gegen die obgenannte Übernahmeverfügung A. mit Eingabe vom
2. März 2015 Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts erhebt (act. 1);
- die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf Art. 8 Abs. 1 StGB in ihrer Be-
schwerde geltend macht, die fahrlässige schwere Körperverletzung sei
zwar in Bern, am Ort der Operation, erfolgt, deren Folgen würden sich aber
an ihrem Wohnort im Wallis verwirklichen;
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- weiter zu berücksichtigen sei, dass aufgrund der im Gutachten festgestell-
ten Schmerzen es für sie zudem nicht zumutbar sei, sich jeweils nach Bern
zu begeben; sie sodann auch nicht Deutsch spreche, was bei einem auf
Deutsch geführten Strafverfahren in Bern im Unterschied zum Strafverfah-
ren im Wallis zu Übersetzungskosten führen würde (act. 1 S. 5);
- sie in einem zweiten Punkt die fehlende Eröffnung der Übernahmeverfü-
gung rügt (act. 1 S. 6);
- sie in einem letzten Punkt nicht bestreitet, dass es zu einem Meinungsaus-
tausch zur Frage des Gerichtsstands gekommen sei; sie aber vorbringt, es
sei unwahrscheinlich, dass sich die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis
im Verlaufe des Gerichtsstandsverfahrens des Dossiers entledigt habe
(act. 1 S. 6); sie zum Schluss kommt, die Staatsanwaltschaft des Kantons
Bern sei nicht legitimiert gewesen, selbständig einen Entscheid über den
Gerichtsstand zu fällen (act. 1 S. 7).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- sich die Parteien gegen die von den beteiligten Staatsanwaltschaften ge-
troffene Entscheidung über den Gerichtsstand (Art. 39 Abs. 2 StPO) innert
10 Tagen bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts beschwe-
ren können (Art. 41 Abs. 2 Satz 1 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG);
- gemäss Art. 31 Abs. 1 Satz 1 StPO für die Verfolgung und Beurteilung ei-
ner Tat die Behörden des Ortes zuständig sind, an dem die Tat verübt wor-
den ist; der Gerichtsstand des Ortes, an dem die Tat verübt wurde (forum
delicti commissi), als primärer Gerichtsstand allen anderen möglichen Ge-
richtsständen vorgeht (s. auch Beschluss des Bundesstrafgerichts
BG.2012.26 vom 25. September 2012, E. 2.1; NIKLAUS SCHMID, Handbuch
des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen,
N. 448); Erfolgsort nur dann Gerichtsstand ist, wenn der Handlungsort nicht
in der Schweiz liegt (Art. 31 Abs. 1 Satz 2 StPO);
- die Bestimmung von Art. 8 Abs. 1 StGB, wonach ein Verbrechen oder Ver-
gehen als da begangen gilt, wo der Täter es ausführt oder pflichtwidrig un-
tätig bleibt, und da, wo der Erfolg eingetreten ist, sich demgegenüber auf
den räumlichen Geltungsbereich des Strafgesetzbuches (Art. 3 Abs. 1
StGB) bezieht; die von der Beschwerdeführerin angerufene Norm für die
Festlegung des Gerichtsstandes daher nur von mittelbarer Bedeutung ist
(BGE 120 IV 151);
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- entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin aus den Akten hervor
geht, dass die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis mit der Übernahme
des Strafverfahrens durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Berns ein-
verstanden war (act. 1.6);
- den Akten zu entnehmen ist, dass der Dr. med. B. vorgeworfene Behand-
lungsfehler im Kanton Bern erfolgte; sich die verfügte Übernahme des im
Kanton Wallis geführten Strafverfahrens durch die Staatsanwaltschaft des
Kantons Bern demnach zurecht auf Art. 31 Abs. 1 StPO stützt;
- die Beschwerdekammer einen anderen als den in den Artikeln 31 – 37
StPO vorgesehenen Gerichtsstand festlegen kann, wenn der Schwerpunkt
der deliktischen Tätigkeit oder die persönlichen Verhältnisse der beschul-
digten Person es erfordern oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40
Abs. 3 StPO);
- die Beschwerdeführerin nicht die beschuldigte Person ist und die von ihr im
Einzelnen genannten Umstände keinen ausreichenden triftigen Grund dar-
stellen, welche ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand rechtferti-
gen würden;
- entgegen der Argumentation der Beschwerdeführerin die zunächst unter-
bliebene Eröffnung und nachträglich erfolgte Zustellung der Übernahmever-
fügung nicht zu deren Aufhebung führt;
- sich die Beschwerde gegen die Übernahmeverfügung daher insgesamt als
unbegründet erweist und abzuweisen ist;
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO);
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 400.-- festzusetzen ist (Art. 73 StBOG sowie
Art. 5 und Art. 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom
31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-
desstrafverfahren, BStKR; SR 173.713.162).
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