Decision ID: 310c0cab-b1e0-43cc-beac-52307b478c62
Year: 2014
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der Bundessteuer 2010 vom 25. April 2013 hat die Steuer-
verwaltung die beiden vom Rekurrenten seinen Kinder geschenkten Parzellen nicht als land-
wirtschaftliche Grundstücke qualifiziert und den bei der Überführung vom Geschäfts- ins Privat-
vermögen entstandenen Grundstückgewinn in Höhe von Fr. 431‘660.-- als steuerbares Ein-
kommen aus selbständiger Tätigkeit aufgerechnet.
2. Mit Schreiben vom 9. Mai 2013 erhob die Vertreterin der Pflichtigen Einsprache. Mit Ein-
sprache-Begründung vom 16. August 2013 beantragte sie sinngemäss, auf die Aufrechnung sei
zu verzichten, eventualiter sei von einem Landpreis von Fr. 260.--/m 2 auszugehen sowie die
Anlagekosten gemäss bäuerlichem Bodenrecht in Höhe von Fr. 10'479.-- (Fr. 7.--/m 2 x 1'497
m 2 ) abzuziehen. Zur Begründung führte sie aus, die rückwirkende Aufrechnung verstosse ge-
gen Treu und Glauben. Der der Aufrechnung zugrundeliegende Landpreis von rund Fr. 320.--
/m 2
sei zu hoch. Angemessen wäre ein Wert von Fr. 260.--/m 2 . Bezüglich dem Vorgehen und
der Schenkung der zwei Baulandparzellen an die Kinder hätten die Pflichtigen verschiedene
Abklärungen mit dem Notariat und der Steuerverwaltung getroffen, wobei ihnen telefonisch ver-
sichert worden sei, dass die Transaktion keine Steuerfolgen auslösen würde. Im Schenkungs-
vertrag sei die Bewertung des Baulandes bewusst „überhöht“ angesetzt worden, dies mit der
Überlegung, das dritte Kind nicht schlechter zu stellen, da es die finanzielle Entschädigung erst
zu einem späteren Zeitpunkt erhalten würde. Der vertraglich festgelegte Schenkungswert stelle
keinen Marktwert dar und könne daher keine steuerliche Relevanz erlangen. Für die Berech-
nung des steuerbaren Kapitalgewinnes müsse der Verkehrswert gemäss bäuerlichem Boden-
recht vor der Einzonung abgezogen werden. Dieser Wert habe bei ca. Fr. 7.--/m 2 gelegen.
3. Mit Schreiben vom 5. November 2013 hiess die Steuerverwaltung die Einsprache teil-
weise gut. Zur Begründung führte sie aus, gemäss neuster Bundesgerichtspraxis sei die bishe-
rige Praxis der Steuerbehörde rechtswidrig gewesen. Der Bundesgerichtsentscheid sei auf alle
nicht rechtskräftig veranlagten Fälle, ungeachtet der Steuerperiode, anzuwenden. Es liege da-
mit kein Verstoss gegen den Grundsatz von Treu und Glauben vor. Der Grundstückgewinn be-
rechne sich wie folgt: Der Anlagewert habe Fr. 374.25 (Fr. 0.25/m 2 x 1'497 m
2 [937 m
2 + 560
m 2 ]) betragen. Der Anlagewert gemäss bäuerlichem Bodenrecht betrage Fr. 10'479.-- (Fr. 7.--
/m 2 x 1'497 m
2 ). Die Differenz zwischen dem Anlagewert und dem Anlagewert gemäss bäuerli-
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chem Bodenrecht sei steuerfrei. Gemäss Schenkungsvertrag betrage der gesamte Schen-
kungswert für die beiden Landparzellen im Halte von insgesamt 1'497 m 2 Fr. 480'000.--, was
rund Fr. 320.--/m 2 entspreche. Der Verkäufer würde auf den in der Schenkungsurkunde von ihm
festgelegten Preis von rund Fr. 320.--/m 2 behaftet. Zudem habe der Pflichtige im Jahr 2012
Bauland für rund Fr. 350.--/m 2 verkauft. Somit laute die Berechnung des Grundstücksgewinnes
wie folgt: Vom Verkehrswert von Fr. 480‘000.-- seien die Anlagekosten gemäss bäuerlichem
Bodenrecht in Höhe von Fr. 10‘479.-- abzuziehen, was ein Zwischentotal von Fr. 469‘521.--
ergebe. Davon seien die AHV-Beiträge in Höhe von 10% bzw. Fr. 46‘952.-- abzuziehen, was
einen steuerbaren Grundstückgewinn von total Fr. 422‘569.-- ergebe.
4. Mit Eingabe vom 3. Dezember 2013 erhob die Vertreterin Beschwerde und beantragte
sinngemäss: 1. Auf die Aufrechnung sei zu verzichten, 2. Unter o/e-Kostenfolge. Zur Begrün-
dung führte sie aus, das Bundesgericht habe den Begriff der landwirtschaftlichen Grundstücke
deutlich enger gefasst und entsprechend konkretisiert. Dies habe vorliegend einschneidende
Konsequenzen, da der mutmassliche und gemäss langjähriger Praxis steuerfreie Kapitalgewinn
bei der Bundessteuer der Einkommenssteuer unterworfen worden sei. Gemäss dem Grundsatz
von Treu und Glauben habe der Steuerpflichtige unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch
auf Schutz seines berechtigten Vertrauens in die Richtigkeit und Vollständigkeit behördlicher
Auskünfte. Die Form der Auskunft sei für deren Verbindlichkeit grundsätzlich nicht von Bedeu-
tung. Auch eine mündliche Auskunft sei verbindlich, solange sie bewiesen werden könne. Im
vorliegenden Fall stehe aufgrund der langjährigen und bewährten Praxis ausser Frage, dass die
Steuerverwaltung eine entsprechende Anfrage ohne weiteres in der behaupteten Form bestätigt
hätte. Daher sei es nachvollziehbar, dass die seinerzeitigen Berater auf die Einholung eines
schriftlichen Rulings verzichtet hätten. Änderungen einer Praxis könnten nicht als Änderungen
der Rechtslage behandelt werden. Vorliegend sei die Disposition klarerweise zu einem Zeit-
punkt getroffen worden, in welchem noch nicht zu erkennen gewesen sei, dass es zu einer Pra-
xisänderung kommen könnte. Wäre den Steuerpflichtigen die Steuerfolgen bekannt gewesen,
so wäre die Schenkung an die Kinder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht
vollzogen worden. Insbesondere wäre der Schenkungsbetrag sicherlich tiefer angesetzt wor-
den. Die Beschwerdeführer hätten im Zeitpunkt der Schenkung im Jahre 2010 berechtigter-
weise davon ausgehen dürfen, dass die Schenkung der Baulandparzellen aufgrund der gelten-
den Praxis und der erhaltenen Auskünfte des Notars und der Steuerverwaltung keine Steuer-
wirkung entfalten würde.
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5. Mit Vernehmlassung vom 7. Januar 2014 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei-
sung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, die Überführung von Geschäfts- ins Pri-
vatvermögen werde einer Veräusserung gleichgestellt und bilde somit als Kapitalgewinn auf
Geschäftsvermögen selbständiges Erwerbseinkommen. Die an die beiden Nachkommen ver-
schenkten Baulandparzellen müssten steuersystematisch zuerst ins Privatvermögen überführt
werden, da diese nachher zu privaten Zwecken verwendet würden. Es müsse somit über diese
beiden Grundstücke auch einkommenssteuerlich abgerechnet werden. Die aufgrund der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung eingetretene Praxisänderung könne keinen Anspruch auf
Beibehaltung der früheren Praxis bzw. auf Treu und Glauben begründen, sondern müsse auf
alle noch offenen Veranlagungen angewendet werden, selbst wenn sich dadurch gewisse
Rechtsungleichheiten ergeben könnten.

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-
steuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zustän-
dig, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129 Abs.
1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar
1974 Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8’000.-- über-
steigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt werden.
Da die in formeller Hinsicht an eine Beschwerde zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist
ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Der Beurteilung unterliegt vorliegend, ob die Steuerverwaltung die beiden vom Rekur-
renten seinen Kindern geschenkten Parzellen zu Recht nicht als landwirtschaftliche Grundstü-
cke qualifiziert und entsprechend den bei der Überführung vom Geschäfts- ins Privatvermögen
entstandenen Grundstückgewinn als steuerbares Einkommen aus selbständiger Tätigkeit auf-
gerechnet hat.
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3. a) Gemäss Art. 18 Abs. 1 DBG sind alle Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-,
Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen
selbständigen Erwerbstätigkeit steuerbar. Nach Abs. 2 zählen zu den Einkünften aus selbst-
ständiger Erwerbstätigkeit auch alle Kapitalgewinne aus Veräusserung, Verwertung oder buch-
mässiger Aufwertung von Geschäftsvermögen. Der Veräusserung gleichgestellt ist die Überfüh-
rung von Geschäftsvermögen in das Privatvermögen oder in ausländische Betriebe oder Be-
triebsstätten. Als Geschäftsvermögen gelten alle Vermögenswerte, die ganz oder vorwiegend
der selbstständigen Erwerbstätigkeit dienen. Gleiches gilt für Beteiligungen von mindestens
20 Prozent am Grund- oder Stammkapital einer Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft, so-
fern der Eigentümer sie im Zeitpunkt des Erwerbs zum Geschäftsvermögen erklärt. Artikel 18b
bleibt vorbehalten. Nach Abs. 4 werden die Gewinne aus der Veräusserung von land- und
forstwirtschaftlichen Grundstücken den steuerbaren Einkünften nur bis zur Höhe der Anlagekos-
ten zugerechnet.
b) Aufgrund des soeben zitierten Art. 18 Abs. 4 DBG nehmen die auf land- und
forstwirtschaftlichen Grundstücken erzielten Veräusserungsgewinne eine Sonderstellung ein.
Zur Zeit des Bundesratsbeschlusses vom 9. Dezember 1940 über die Erhebung einer direkten
Bundessteuer (BdBSt) waren die Landwirte regelmässig nicht eintragungs- bzw. buchführungs-
und somit auch nicht kapitalgewinnsteuerpflichtig. Davon ist in der hier massgeblichen Rege-
lung übriggeblieben, dass nur die wieder eingebrachten Abschreibungen der Einkommenssteu-
er von Bund und Kanton unterliegen, wogegen der eigentliche Wertzuwachsgewinn aus-
schliesslich der kantonalen bzw. kommunalen Grundstückgewinnsteuer unterliegt und auf Bun-
desebene nicht besteuert wird (vgl. Art. 16 Abs. 3 DBG). Das stellt eine privilegierte Ausnah-
meregelung dar, die in der Lehre als sachlich fragwürdig eingestuft wird (vgl. zum Ganzen Ent-
scheid des Bundesgerichts [BGE] 2C_11/2011 vom 2. Dezember 2011, E. 2.1.2 mit weiteren
Hinweisen).
c) Im Urteil 2C_539/2010 vom 15. Dezember 2010 hatte das Bundesgericht die
Gelegenheit, sich mit der in der Lehre geforderten Begrenzung der für land- und forstwirtschaft-
liche Grundstücke geltenden Ausnahmeregelung näher zu befassen: In E. 3.2 des Urteils (vgl.
dort die zahlreichen weiteren Hinweise auf Rechtsprechung und Lehre) wird auf folgendes ver-
wiesen: Der Begriff des land- und forstwirtschaftlichen Grundstückes wird in keiner Norm des
Bundessteuerrechts definiert oder näher bestimmt. Eine solche Begriffsbestimmung kann sich
nicht darauf beschränken, nur den steuerrechtlichen Belangen Rechnung zu tragen. Vielmehr
hat sie namentlich auch folgende Gesetze (insbesondere deren Zielsetzungen sowie Interes-
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senabwägungen) zu berücksichtigen: das Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht vom
4. Oktober 1991 (BGBB), das Bundesgesetz über die Raumplanung vom 22. Juni 1979 (RPG)
und das Bundesgesetz über die Landwirtschaft vom 29. April 1998 (LWG). Diesen Gesetzen ist
u.a. der Zweck gemeinsam, das Eigentum des landwirtschaftlichen Bodens, der einen volks-
wirtschaftlich wesentlichen Produktionsfaktor darstellt, zugunsten landwirtschaftlicher Betriebe
zu erhalten. Dieser Zweck hat die erforderliche Abstimmung wesentlich mitzuprägen, weshalb
der steuerrechtliche Begriff des land- und forstwirtschaftlichen Grundstückes im Einklang mit
dem Anwendungs- und Schutzbereich sowie den Veräusserungsbeschränkungen konkretisiert
werden muss, wie sie sich aus dem bäuerlichen Bodenrecht ergeben. Dementsprechend kann
von einem steuerlich privilegierten Grundstück nur dann gesprochen werden, wenn die für die
Anwendung des BGBB gültigen Voraussetzungen erfüllt sind. Das ist nach Massgabe von Art. 2
Abs. 1 BGBB hauptsächlich dann der Fall, wenn es sich um einzelne oder zu einem landwirt-
schaftlichen Gewerbe gehörende Grundstücke handelt, die ausserhalb einer Bauzone nach Art.
15 RPG liegen und für welche die landwirtschaftliche Nutzung zulässig ist. Darüber hinaus gilt
die Anwendung des BGBB (und somit auch die besagte steuerliche Ausnahmeregelung) für vier
weitere, spezifisch in Art. 2 Abs. 2 BGBB genannte Fälle, nämlich: a) Grundstücke und Grund-
stücksteile mit landwirtschaftlichen Gebäuden und Anlagen, einschliesslich angemessenem
Umschwung, die in einer Bauzone liegen und zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gehören;
b) Waldgrundstücke, die zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gehören; c) Grundstücke, die
teilweise innerhalb einer Bauzone liegen, solange sie nicht entsprechend den Nutzungszonen
aufgeteilt sind; d) Grundstücke mit gemischter Nutzung, die nicht in einen landwirtschaftlichen
und einen nichtlandwirtschaftlichen Teil aufgeteilt sind (vgl. zum Ganzen BGE 2C_11/2011,
a.a.O., E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
d) Für die im Fall 2C_539/2010 als massgeblich erklärte Lösung sprechen wesentli-
che Gesichtspunkte: Die Notwendigkeit einer einheitlichen Begriffsbestimmung zwischen bäuer-
lichem Bodenrecht und Steuergesetzgebung ergibt sich schon aufgrund der anzustrebenden
Einheit der Rechtsordnung sowie aus der zeitlichen Nähe zwischen den jeweiligen Erlassen.
Angesichts dieser Nähe und der bedeutenden gemeinsamen Wertungsgesichtspunkte muss
davon ausgegangen werden, dass im hier zu beurteilenden Teilbereich die Zielsetzungen und
Interessenabwägungen des bäuerlichen Bodenrechts die Bestimmung und Konkretisierung der
später ergangenen steuerrechtlichen Begriffe sowie Normen massgeblich mitzuprägen haben.
Dazu kommt Folgendes: Die privilegierte Besteuerung der Wertzuwachsgewinne auf land- und
forstwirtschaftlichen Geschäftsgrundstücken (und die damit verbundene Gleichstellung mit der
privaten Grundstückgewinnbesteuerung) wird nicht nur allgemein als sachlich unbegründet ein-
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gestuft. Sie erweist sich ganz besonders für ein in der Bauzone gelegenes und unüberbautes
Grundstück als fragwürdig, unterliegt ein solches doch nicht den Verfügungsbeschränkungen
des bäuerlichen Bodenrechts. Die steuerliche Erfassung durch die Ausnahmeregelung ist nicht
deshalb zu verweigern, weil das Grundstück in der Bauzone liegt, sondern weil es als unüber-
bautes Grundstück vollumfänglich dort gelegen ist, ohne zum angemessenen Umschwung ei-
nes Grundstückes mit landwirtschaftlichen Gebäuden und Anlagen zu gehören (vgl. zum Gan-
zen BGE 2C_11/2011, a.a.O., E. 2.3 mit weiteren Hinweisen).
e) Aus dem zitierten Bundesgerichtsurteil lassen sich gemäss Schweizerischer
Steuerkonferenz (SSK) folgende Schlussfolgerungen ziehen: Ein unbebautes und vollumfäng-
lich in einer Bauzone gelegenes Grundstück schliesst die steuerliche Privilegierung von vornhe-
rein aus, ohne dass überhaupt noch zu prüfen wäre, ob das Grundstück landwirtschaftlich ge-
nutzt wird und zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gehört. Der Veräusserungsgewinn unter-
liegt für die Kantons- wie auch für die direkte Bundessteuer vollständig der Einkommenssteuer.
Ein Grundstück mit landwirtschaftlichen Gebäuden und Anlagen, einschliesslich angemesse-
nem Umschwung fällt in den Schutzbereich des bäuerlichen Bodenrechts (vgl. Art. 2 Abs. 2 lit. a
BGBB) und erfüllt somit den Begriff des land- und forstwirtschaftlichen Grundstücks, wenn es
zusätzlich folgende Bedingungen kumulativ erfüllt: das Grundstück muss landwirtschaftlich ge-
nutzt werden und es muss zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gemäss Artikel 5 lit. a BGBB
und Artikel 7 BGBB gehören (vgl. Analyse der SSK vom 29. November 2012 zum Bundesge-
richtsurteil vom 2. Dezember 2011 2C_11/2011, Besteuerung von landwirtschaftlich genutzten
Grundstücken in der Bauzone, Ziff. 2, Folgerung aus dem Bundesgerichtsurteil).
f) Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) zieht aus dem zitierten Bundesge-
richtsurteil folgendes Fazit: Das Bundesgericht hat erstmals die Definition des land- und forst-
wirtschaftlichen Grundstücks im Zusammenhang mit der Veräusserung eines Grundstücks in
der Bauzone und dem daraus resultierenden steuerbaren Kapitalgewinn festgelegt. Diese Defi-
nition ist eng gefasst. Die neue Rechtsprechung führt deshalb zu einer Ausweitung der Besteu-
erung von Kapitalgewinnen bei selbständig erwerbenden Landwirten (Kreisschreiben Nr. 38 der
ESTV vom 17. Juli 2013, Besteuerung von Kapitalgewinnen aufgrund einer Veräusserung von
in der Bauzone gelegenen Grundstücken im Geschäftsvermögen von Landwirten, Ziff. 4, Fazit
aus dem Urteil des Bundesgerichts 2C_11/2011).
g) Gemäss Art. 88 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft vom 18. April 1999 (BV) ist das Bundesgericht die oberste rechtsprechende Behörde
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des Bundes. Innerhalb der Judikative steht das Bundesgericht an der Spitze. Es ist das oberste
Gericht (vgl. Kiss/Koller, St. Galler Kommentar zu Art. 188 BV N 9). Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG) vom 17. Juni 2005 ist
das Bundesgericht die oberste Recht sprechende Behörde des Bundes. Nach der Lehre von
der Gewaltenteilung steht die Recht sprechende Gewalt (Justiz) als "dritte Gewalt" neben der
Gesetzgebung (Legislative) und der vollziehenden Gewalt (Exekutive). Dieser am Prinzip der
Teilung und Trennung der Gewalten orientierte dreiteilige Aufbau des Staats beruht weitgehend
auf der Gegenüberstellung von Gesetzgebung und Gesetzesvollzug (vgl. BSK BGG-Koller, Art.
1 N 11). Gemäss Art. 1 Abs. 3 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezem-
ber 1907 folgt das Gericht bei der Auslegung einer Bestimmung bewährter Lehre und Praxis.
Zur bewährten Überlieferung gehört in erster Linie die Gerichtspraxis, insbesondere die Ent-
scheide des Bundesgerichts. Auch wenn es keine Bindung gibt, wie im angelsächsischen
Recht, sind die Instanzgerichte zwar nicht de jure, wohl aber de facto an die Rechtsprechung
des Bundesgerichts gebunden (vgl. BSK ZGB I-Honsell, Art. 1 N 39). Die einschlägigen Bun-
desgerichtsentscheide, insbesondere der bereits mehrfach zitierte BGE 2C_11/2011, sind dem-
nach vom Steuergericht zu beachten. Um eine Änderung der eng gefassten Definition des land-
und forstwirtschaftlichen Grundstücks im Zusammenhang mit der Veräusserung eines Grund-
stücks in der Bauzone und dem daraus resultierenden steuerbaren Kapitalgewinn zum Durch-
bruch zu verhelfen, müsste der Gesetzgeber tätig werden. Dem darf das Steuergericht nicht
vorgreifen. Überdies ist der bundesgerichtliche Entscheid neueren Datums und es rechtfertigt
sich auch von daher nicht davon abzuweichen.
h) Vorliegend hat der Pflichtige mit Schenkungsvertrag vom 6. September 2010
seinem Sohn die Parzelle Nr. C. GB D. im Halte von 937 m 2 und seiner Tochter Parzelle Nr. E.
GB D. im Halte von 560 m 2
übertragen. Damit hat er die Parzellen, welche zum bäuerlichen
Betrieb und damit zum Geschäftsvermögen gehörten, ins Privatvermögen überführt. Da mit der
Überführung die Ausbuchung aus der Betriebsbuchhaltung erfolgte, ist diese Überführung dau-
erhaft, nach aussen sichtbar und eindeutig. Damit wird eine steuersystematische Realisation
begründet (vgl. BGE 2C_11/2011, a.a.O., E. 2.4). Beide, unüberbauten, Grundstücke liegen
gemäss mit Regierungsratsbeschluss [RRB] Nr. 0160 vom 6. Februar 2007 genehmigtem Zo-
nenplan Siedlung der Gemeinde D. in der Wohnzone W2 und damit in der Bauzone. Aufgrund
der vorstehend zitierten Praxis schliesst die fehlende Überbauung die steuerliche Privilegierung
nach Art. 18 Abs. 4 DBG von vornherein aus, ohne dass überhaupt noch zu prüfen wäre, ob die
Grundstücke landwirtschaftlich genutzt werden und zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe ge-
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hören. Dass die neue Bundesgerichtspraxis dem Grundsatz nach auf den vorliegenden Sach-
verhalt anzuwenden ist, bestreiten die Pflichtigen zu Recht nicht.
4. Die Beschwerdeführer halten indes dafür, die rückwirkende Aufrechnung verstosse ge-
gen Treu und Glauben.
a) Gemäss Art. 9 BV hat jede Person Anspruch darauf, von den staatlichen Orga-
nen ohne Willkür und nach Treu und Glauben behandelt zu werden. Sowenig das Vertrauen in
den Fortbestand der Gesetze eine Schranke für Gesetzesänderungen bildet, sowenig ist den
rechtsanwendenden Behörden eine Änderung ihrer Praxis versagt, wenn ernsthafte sachliche
Gründe dafür sprechen (BGE 126 I 122 [129] = Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA]
69, 905 [911] = Der Steuerentscheid [StE] 2000 A 25 Nr. 8 = Steuer Revue [StR] 2000, 715
[720], BGE vom 15. November 1999, Zürcher Steuerpraxis [ZStP] 2000, 25 [27], BGE 125 I 458
[471] = Die Praxis des Bundesgerichts [Pra] 2000 Nr. 178 = ASA 70, 779 [791] = StR 2000, 198
[207 f.], BGE 122 I 57 [59]). Eine auf sachliche Gründe beruhende Praxisänderung ist deshalb
stets zulässig (BGE 126 I 122 [129] = ASA 69, 905 [911] = StE 2000 A 25 Nr. 8 = StR 2000, 715
[720], BGE 133 V 37 [39], 127 I 49 [52], 125 II 152 [162 f.]). Eine Praxis muss sogar geändert
werden, wenn die Behörde zur Einsicht gelangt, dass das Recht bisher unrichtig angewendet
worden ist oder eine andere Rechtsanwendung dem Sinn des Gesetzes oder veränderten Ver-
hältnissen besser entspricht (BGE vom 15. November 1999, ZStP 2000, 25 [27], vgl. zum Gan-
zen auch Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A. Zürich
2013, Vorbemerkungen [VB] zu §§ 119-131 N 95). Der Pflichtige kann sich angesichts einer ihn
treffenden Praxisänderung deshalb nicht darauf berufen, dass er seine Dispositionen im Ver-
trauen auf den Fortbestand der alten Praxis getroffen habe (BGE vom 15. November 1999,
ZStP 2000, 25 [28]). Der Grundsatz von Treu und Glauben sowie der Rechtsgleichheit hat somit
grundsätzlich bei einer Praxisänderung, die sich auf sachliche Gründe stützen kann, zurückzu-
treten (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., VB zu §§ 119-131 N 96).
b) Vorliegend ist die Praxisänderung bzw. die enger gefasste Definition des land-
und forstwirtschaftlichen Grundstücks im Zusammenhang mit der Veräusserung eines Grund-
stückes in der Bauzone und dem daraus resultierenden steuerbaren Kapitalgewinn sachlich
geboten, da die privilegierte Besteuerung der Wertzuwachsgewinne auf land- und forstwirt-
schaftlichen Geschäftsgrundstücken (und die damit verbundene Gleichstellung mit der privaten
Grundstückgewinnbesteuerung) nicht nur allgemein als sachlich unbegründet eingestuft wird,
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sondern sich ganz besonders für ein in der Bauzone gelegenes und unüberbautes Grundstück
als fragwürdig erweist, da ein solches nicht den Verfügungsbeschränkungen des bäuerlichen
Bodenrechts unterliegt (vgl. dazu oben E. 3d). Die Anwendung der neuen Bundesgerichtspraxis
auf alle noch offenen Veranlagungen ist daher geboten. Die Anrufung des Grundsatzes von
Treu und Glauben durch die Beschwerdeführer kann somit nicht gehört werden.
c) Zum selben Schluss kommt auch die ESTV im bereits zitierten Kreisschreiben,
wonach die neue Bundesgerichtspraxis auf alle noch offenen Veranlagungen anzuwenden ist
(Kreisschreiben Nr. 38 der ESTV vom 17. Juli 2013, a.a.O., Ziff. 5, Umsetzung des Urteils des
Bundesgerichts 2C_11/2011). Dieser Grundsatz wurde von der ESTV mit Mitteilung an alle kan-
tonalen Veranlagungsbehörden betreffend die direkte Bundessteuer vom 3. März 2014, wonach
das Kreisschreiben Nr. 38 auf alle offenen Fälle, unabhängig der betroffenen Steuerperiode
resp. der Realisierung des steuerbaren Kapitalgewinnes durch Veräusserung, angewendet
werden muss, nochmals bekräftigt. Der Landwirtschaftsexperte der ESTV führe eine vertiefte
Erhebung durch, um die Umsetzung in der ganzen Schweiz zu überwachen.
d) Vorliegend geht es um die Steuerperiode 2010, in welcher der steuerbare Kapi-
talgewinn realisiert worden ist. Die Praxisänderung wurde vom Bundesgericht im Jahr 2011
vorgenommen. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen hat die Steuerverwaltung bei der
Veranlagung der direkten Bundessteuer 2010 im Jahr 2013 damit zu Recht die neue höchstrich-
terliche Praxis angewandt.
5. Die Beschwerdeführer halten weiter dafür, sie seien aufgrund der behördlichen Auskunft
in ihrem Vertrauen zu schützen. Bezüglich des Vorgehens hinsichtlich der Schenkung der zwei
Baulandparzellen an die Kinder habe man Abklärungen mit dem Notariat und der Steuerverwal-
tung getroffen, welche verbindliche Auskünfte erteilt hätten.
a) Der Grundsatz des Vertrauensschutzes verleiht Anspruch auf Schutz des be-
rechtigten Vertrauens in behördliche Zusagen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begrün-
dendes Verhalten einer Behörde. Der Einzelne muss sich auf Informationen oder auf das Ver-
halten einer Behörde verlassen können, wenn gemäss der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung folgende Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind: a) Wenn die informierende Behörde für
die Erteilung der Auskunft zuständig war, b) die steuerpflichtige Person nicht erkennen konnte,
dass es sich um eine unrichtige Auskunft handelte, c) sie im Vertrauen auf die Auskunft bereits
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Dispositionen getroffen hat, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können, d) die mass-
gebenden Rechtsnormen seit der Auskunftserteilung nicht geändert haben und e) das öffentli-
che Interesse einer Verbindlichkeit der unrichtigen Auskunft nicht entgegen steht (vgl. Häfe-
lin/Haller/Keller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Auflage, Zürich 2012, N 823; Simonek
in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, 2 N
1 ff.; Müller/Schefer, Grundrechte der Schweiz, 4. Auflage, Bern 2008, S. 25 ff.).
b) Vorliegend ist die zuständige Behörde für die Erteilung einer Auskunft die Steu-
erverwaltung. Die von den Beschwerdeführern erwähnten Auskünfte des Notariats fallen daher
von vornherein ausser Betracht. Die Pflichtigen machen geltend, telefonisch hätten sie die Aus-
kunft erhalten, die Transaktion löse keine Steuerfolgen aus. Auf die Einholung eines schriftli-
chen Rulings sei aufgrund der klaren Rechtslage verzichtet worden. Auch eine mündliche Aus-
kunft sei verbindlich, solange sie bewiesen werden könne. Der Beweis für steueraufhebende
oder steuermindernde Tatsachen obliegt grundsätzlich dem Steuerpflichtigen, wobei steuermin-
dernde Tatsachen nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen sind (vgl. Blumen-
stein/Locher, System des Steuerrechts, 6. Auflage, Zürich 2002, S. 416 und 453). Es wäre also
an den Beschwerdeführern, die mündliche Auskunft zu belegen. Dem sind sie nicht nachge-
kommen. Im Gegenteil machen sie sogar geltend, dass der Beweis nicht erbracht werden kön-
ne. Da bereits der Nachweis der Auskunft misslingt, kann offen bleiben, inwiefern die Be-
schwerdeführer gestützt darauf in ihrem guten Glauben zu schützen wären. Die Anrufung des
Grundsatzes des Vertrauensschutzes durch die Beschwerdeführer kann daher ebenfalls nicht
gehört werden.
6. Aus den bisherigen Ausführungen ergibt sich, dass die von der Steuerverwaltung vorge-
nommene Aufrechnung grundsätzlich zu Recht erfolgte. Zu prüfen verbleibt, ob die Aufrech-
nung in quantitativer Hinsicht korrekt erfolgte. Die Zahlen in der Berechnung der Steuerverwal-
tung wurden seitens der Pflichtigen grundsätzlich anerkannt. Umstritten war einerseits die Be-
rücksichtigung der Anlagekosten gemäss bäuerlichem Bodenrecht in Höhe von Fr. 7.--/m 2 . Die-
ses Vorbringen wurde seitens der Steuerverwaltung im Einspracheverfahren gutgeheissen und
der Grundstückgewinn entsprechend von Fr. 431‘660.-- auf Fr. 422‘569.-- reduziert, was nicht
zu beanstanden ist. Andererseits machten die Pflichtigen geltend, es sei von einem Landpreis
von Fr. 260.--/m 2 auszugehen. Der der Aufrechnung zugrundeliegende Landpreis von rund Fr.
320.--/m 2 sei zu hoch. Die Steuerverwaltung hält dafür, gemäss Schenkungsvertrag betrage der
Schenkungswert für die beiden Landparzellen im Halte von insgesamt 1'497 m 2
Fr. 480'000.--,
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was rund Fr. 320.--/m 2 entspreche. Auf den von ihnen festgelegten Preis seien die Beschwerde-
führer zu behaften. Zudem hätten die Pflichtigen im Jahr 2012 Bauland für rund Fr. 350.--/m 2
verkauft. Dass die Steuerverwaltung die Beschwerdeführer auf den von ihnen selbst festgeleg-
ten Preis behaftet, ist nicht zu bemängeln. Vielmehr stellt das sich Berufen auf einen anderen
als den, öffentlich beurkundeten, Schenkungswert durch die Beschwerdeführer ein wider-
sprüchliches Verhalten dar, welches keinen Schutz verdient. Dies gilt noch umso mehr, als der
Pflichtige selbst mit Kaufvertrag vom 7. August 2012 die Parzelle Nr. F. GB D. im Halte von 327
m 2 zu einem Kaufpreis von Fr. 114‘900.-- bzw. rund Fr. 350.--/m
2 (Fr. 114‘900.-- / 327 m
2 ) ver-
kauft hat. Die rund Fr. 350.--/m 2 liegen sogar höher als die strittigen rund Fr. 320.--/m
2 . Die Par-
zelle Nr. F. GB D., welche ebenfalls in der Bauzone liegt, grenzt an eine der hier strittigen Par-
zellen, nämlich die Parzelle Nr. C. GB D. Die Verhältnisse sind damit vergleichbar. Der im strit-
tigen Schenkungsvertrag festgelegte Baulandpreis entsprach somit dem Verkehrswert bzw. lag
sogar etwas darunter. Die rund Fr. 320.--/m 2 sind damit angemessen und nicht zu korrigieren.
Daraus folgt, dass die von der Steuerverwaltung im Einsprache-Entscheid vom 5. November
2013 vorgenommene Berechnung des steuerbaren Grundstückgewinnes in Höhe von Fr.
422‘569.-- bzw. die entsprechende Aufrechnung als Einkommen aus selbständiger Erwerbstä-
tigkeit zu Recht erfolgte.
Aus all diesen Gründen erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
7. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Beschwerdeführern gemäss Art.
144 Abs. 1 DBG Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘000.-- aufzuerlegen und es ist ihnen
keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 144 Abs. 4 DBG).
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