Decision ID: d84a8bc0-3d5e-53d7-b23a-d7f496ea41a3
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.- Am Sonntag, 12. März 2006, um ca. 01.45 Uhr, fuhr X.Y. mit seinem
Personenwagen auf der B-strasse in H. Richtung A.. Er befand sich alleine im
Fahrzeug, trug den Sicherheitsgurt und fuhr mit eingeschaltetem Abblendlicht. Gemäss
seinen Aussagen fuhr er auf der schneebedeckten Fahrbahn mit einer Geschwindigkeit
von ca. 40 km/h. Während der Fahrt habe es seinen Personenwagen auf einmal nach
rechts gegen den Strassenrand abgetrieben. In der Folge prallte er mit der rechten
Frontpartie seines Autos gegen einen Baum am rechten Strassenrand. Das Fahrzeug
kam schliesslich unmittelbar am Baum zum Stillstand. Es entstand Sachschaden am
Baum und am Auto von X.Y. Dieser selbst zog sich leichte Verletzungen zu. Ansonsten
wurde niemand verletzt. Der Atemlufttest fiel negativ aus.
B.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung
Personenzulassung, entzog X.Y. mit Verfügung vom 21. April 2006 den Führerausweis
wegen Führens eines Fahrzeugs mit nicht angepasster Geschwindigkeit und
Verursachung eines Verkehrsunfalles in Anwendung von Art. 32 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG für die Dauer eines Monats.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X.Y. mit Eingabe seines Vertreters vom 3. Mai 2006
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die angefochtene
Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und gegenüber dem Rekurrenten sei eine
Verwarnung auszusprechen. – Auf die Ausführungen zur Begründung des Antrags wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.
D.- Mit Rekursergänzung vom 30. Mai 2006 stellte der Vertreter des Rekurrenten den
Antrag, eventualiter sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung der Rekurrent zur
Teilnahme am Verkehrsunterricht, allenfalls zusätzlich zu einer Verwarnung, zu
verpflichten und das Verfahren bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils des
Strafrichters zu sistieren.
Die Vorinstanz verzichtete mit Vermerk vom 22. Juni 2006 auf eine Vernehmlassung.
Das Verfahren wurde mit Schreiben des Abteilungspräsidenten der
Verwaltungsrekurskommission vom 10. Juli 2006 bis zum rechtskräftigen Abschluss
des Strafverfahrens sistiert.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E.- Mit Bussenverfügung vom 9. August 2006 wurde X.Y. vom Untersuchungsamt C.
wegen Verursachens eines Verkehrsunfalls zufolge Nichtanpassens der
Geschwindigkeit an die gegebenen Verhältnisse in Anwendung von Art. 90 Ziff. 1 SVG
i.V.m. Art. 32 Abs. 1 SVG sowie Art. 4 Abs. 1 und 2 VRV mit Fr. 300.-- gebüsst. Die
Bussenverfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
F.- Der Vertreter des Rekurrenten reichte am 10. Oktober 2006 eine ergänzende
Vernehmlassung ein. Mit Schreiben vom 11. Oktober 2006 hob der Abteilungspräsident
der Verwaltungsrekurskommission die Sistierung formell auf und setzte der Vorinstanz
Frist für eine allfällige Stellungnahme, auf welche diese durch Stillschweigen
verzichtete.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 3. Mai 2006 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt zusammen mit der Rekursergänzung vom 30. Mai 2006 und der
ergänzenden Vernehmlassung vom 10. Oktober 2006 in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 24 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes,
SR 741.01, abgekürzt: SVG; Art. 41 lit. e, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
3.- Im Rekurs ist angesichts der rechtskräftigen strafrechtlichen Verurteilung
unbestritten, dass der Rekurrent am 12. März 2006 um ca. 01.45 Uhr auf der
schneebedeckten B-strasse in H. Richtung A. zufolge Nichtanpassens der
Geschwindigkeit an die gegebenen Verhältnisse einen Verkehrsunfall verursacht hat. Er
hat damit Art. 32 Abs. 1 SVG, wonach die Geschwindigkeit stets den Umständen,
namentlich den Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie den Strassen-,
Verkehrs- und Sichtverhältnissen, anzupassen ist, in Verbindung insbesondere mit Art.
4 Abs. 2 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV), wonach der
Fahrzeugfahrer langsam zu fahren hat, wo die Strasse verschneit, vereist, mit nassem
Laub oder mit Splitt bedeckt ist, verletzt.
4.- Umstritten ist hingegen, ob die Vorinstanz die Verletzung von Art. 32 Abs. 1 SVG
durch den Rekurrenten zu Recht als mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert hat. Zur
Begründung wird in der angefochtenen Verfügung ausgeführt, durch die den
Strassenverhältnissen nicht angepasste Geschwindigkeit habe der Lenker eine
Gefährdung verursacht, was seine eigenen Verletzungen und die Höhe des
Sachschadens gezeigt hätten. Auch sein Verschulden könne nicht als gering betrachtet
werden. Selbst ein langjähriger guter automobilistischer Leumund vermöge daraus
keinen leichten Fall zu machen.
a) Gegen die Qualifikation seines Verhaltens als mittelschwere Widerhandlung bringt
der Rekurrent vor, es könne weder gesagt werden, dass durch ihn eine konkrete
Gefährdung für die Sicherheit anderer hervorgerufen worden sei, noch habe er eine
solche in Kauf genommen. Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG könne nach Auslegung nur den
Fall einer mittelschweren Gefahr meinen. Er sei auf besagter Strecke nicht zu schnell
unterwegs gewesen und habe auch kein unnötiges oder fehlerhaftes Lenkmanöver
vorgenommen oder etwa beschleunigt oder abgebremst. Im Zusammenhang mit der
gefahrenen Geschwindigkeit sei darauf hinzuweisen, dass der Rekurrent gegenüber der
Polizei seine Geschwindigkeit "vielleicht mit 40 km/h" angegeben habe. Im Nachhinein
müsse allerdings davon ausgegangen werden, dass diese noch tiefer gewesen sei, und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zwar aus folgendem Grund: Der Rekurrent sei nahezu ungebremst mit dem Baum
kollidiert. Jedoch habe sich bei seinem Auto der Airbag nicht ausgelöst. In der Praxis
werde der Airbag ab einer Aufprallgeschwindigkeit von ca. 25 km/h aktiviert. Wenn sich
also beim Rekurrenten der Airbag nicht auslöste, müsse seine Geschwindigkeit im
Zeitpunkt der Kollision weniger als 25 km/h gewesen sein. Und da seine
Bremsversuche nichts genützt hätten, dürfte seine Fahrgeschwindigkeit allerhöchstens
um die ca. 30 km/h (wenn überhaupt) betragen haben; sie könne also sicherlich nicht
als zu schnell bzw. unangepasst bezeichnet werden. Aufgrund des hier konkret
gegebenen Ablaufes der Ereignisse, insbesondere der langsamen, vorsichtigen und
auch konzentrierten Fahrt des Rekurrenten ohne jegliche Fehlmanipulation irgend einer
Art, aber auch aufgrund der konkret gegebenen äusseren Verhältnisse, des geringen
bzw. in diesem Zeitpunkt gar nicht vorhandenen Verkehrsaufkommens (kein
Gegenverkehr), könne in dem langsamen, kontinuierlichen Ab-/Wegrutschen des
Fahrzeuges von der Fahrbahn nach rechts sicherlich keine Gefahr (im Sinne einer
mittelschweren) für die Sicherheit anderer gesehen werden. Vorliegend sei gegenteils
davon auszugehen, dass der Rekurrent Opfer der misslichen Strassenverhältnisse
geworden sei, für welche er nichts könne und die so für ihn auch nicht vorauszusehen
gewesen seien. Er habe aufgrund eines Veranstaltungsbesuches in St. Gallen,
währenddem es stark zu schneien angefangen habe, nicht wissen können, im
Nachhinein allerdings erfahren müssen, dass es im Rheintal offenbar zuvor stark
geregnet hätte und es deshalb verschiedener Orts zur Bildung von Glatteis gekommen
sei, das in der Folge mit einer beträchtlichen Schneedecke überschneit worden sei.
Dem Rekurrenten könne allerhöchstens ein leichtes Verschulden vorgeworfen werden.
Anzunehmen sei also lediglich eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1
lit. a SVG und es sei höchstens eine Verwarnung auszusprechen. Der Rekurrent
verfüge zudem über einen tadellosen automobilistischen Leumund und es bestehe eine
ausgewiesene Sanktionsempfindlichkeit. Die erzieherische Wirkung könne beim
Rekurrenten auch ohne Führerausweisentzug erreicht werden, denn das seinerzeitige
Unfallereignis habe bei ihm einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Auch die
strafrechtlichen Konsequenzen würden das Nötige dazu beitragen. Ein 1-monatiger
Führerausweisentzug wäre demzufolge überaus hart, unverhältnismässig und erst recht
völlig unnötig. Einer Verpflichtung zur Teilnahme am Verkehrsunterricht gegenüber,
allenfalls zusätzlich zu einer Verwarnung, sei der Rekurrent positiv eingestellt. Hinzu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
komme, dass der Strafrichter von einer einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinn von
Art. 90 Ziff. 1 SVG ausgegangen sei und gegenüber dem Rekurrenten eine sehr milde
Busse verfügt habe. Mithin sei der Strafrichter von einem wirklich geringen Verschulden
ausgegangen. Vorliegend sei denn auch absolut kein Anlass gegeben, von der
Auffassung des Strafrichters abzuweichen.
b) Gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Eine mittelschwere Widerhandlung im
Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG liegt vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung
gegeben sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487). Ist das Verschulden gross, die
Gefährdung aber gering oder umgekehrt das Verschulden gering und die Gefährdung
gross, so handelt es sich um eine mittelschwere Widerhandlung (R. Schaffhauser, Die
neuen Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 186, Rz. 53).
Für die Annahme eines leichten Falls setzt das Gesetz ausdrücklich ein geringes
Ausmass der Gefährdung voraus. Im Gegensatz zur bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zum bis am 31. Dezember 2004 geltenden Recht (vgl. BGE 125 II 561)
räumt Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG der Schwere der Verkehrsgefährdung wieder eine
eigenständige Stellung ein. Im Recht der Administrativmassnahmen liegen der
gesetzlichen Kategorisierung der Widerhandlungen gegen
Strassenverkehrsvorschriften verschiedene Gefährdungsstufen zugrunde. Von der
konkreten Gefährdung der körperlichen Integrität anderer Personen ist deren abstrakte
Gefährdung zu unterscheiden, die "einfach" oder "erhöht" sein kann. Die einfache
abstrakte Gefährdung zieht kein Administrativmassnahmeverfahren nach sich (vgl. Art.
16 Abs. 2 SVG). Eine solche Gefährdung ist nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung aber nur dann anzunehmen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer
vom Fehlverhalten des Rekurrenten hätten betroffen werden können. Führt hingegen
die Missachtung einer Verkehrsregel zu einer Verletzung eines Rechtsguts, einer
konkreten Gefährdung der körperlichen Integrität oder zu einer erhöhten abstrakten
Gefährdung eines Rechtsguts, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge
(Schaffhauser, a.a.O., S. 181, Rz. 43 ff.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Für die Abstufung innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der
Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte
Gefährdung (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen
bestimmten, tatsächlich daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer
des Täters die Gefahr einer Körperverletzung oder gar Tötung bestand. Erst recht ist
eine konkrete Gefährdung zu bejahen, wenn es zu einem Unfall gekommen ist, mit
anderen Worten sich die hervorgerufene Gefahr realisiert hat (J. Boll, Grobe
Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12). Zudem ist das Ausmass der
üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der Rechtsgutverletzung mit zu
berücksichtigen (vgl. VRKE IV vom 6. Juli 2005 in Sachen H. L., E. 4b/bb).
c) Der Rekurrent hat auf der B-strasse in H. bei schneebedeckter Fahrbahn und
starkem Schneefall durch eine den Strassenverhältnissen nicht angepasste
Geschwindigkeit einen Verkehrsunfall verursacht. Daher ist Art. 32 Abs. 1 SVG vom
Strafrichter und von der Vorinstanz zu Recht angewandt worden.
Der Selbstunfall des Rekurrenten zeigt die typische Gefährlichkeit einer den
Strassenverhältnissen nicht angepassten Geschwindigkeit. Die gefahrene
Geschwindigkeit trug dem Umstand, dass die Fahrbahn schneebedeckt war,
ungenügend Rechnung. Auf das Argument, die gefahrene Geschwindigkeit sei unter 30
km/h gewesen, muss aufgrund des rechtskräftigen Strafurteils nicht eingegangen
werden. Die nicht angepasste Fahrweise des Rekurrenten hat andere
Verkehrsteilnehmer erheblich gefährdet. Die Gefährdung anderer blieb zwar abstrakt,
indem weitere Verkehrsteilnehmer weder vom Unfallereignis unmittelbar betroffen noch
an Leib und Leben in irgendeiner Weise gefährdet wurden. Die (erhöhte) abstrakte
Gefährdung selbst war nicht schwer. Indessen kann sie auch nicht mehr als gering
bezeichnet werden. Ein Motorfahrzeug, das von seinem Lenker nicht mehr beherrscht
wird, stellt naturgemäss eine erhebliche Gefahr dar (vgl. GVP 1983 Nr. 92). Dies gilt
umso mehr als der Rekurrent mit seinem Fahrzeug ebenso gut nach links, wie nach
rechts hätte abdriften und dabei auf die Gegenfahrbahn hätte gelangen können. Dass
sich der Rekurrent alleine auf der Strasse befand und keine weiteren Personen in den
Unfall verwickelt wurden, ist glücklichen Umständen zu verdanken. Es entstand
immerhin Sachschaden an einem Baum.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
d) Ist die vom Rekurrenten verursachte Gefahr nicht mehr als gering einzustufen, kann
nicht mehr von einer leichten Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG
ausgegangen werden. Die Qualifikation des Verschuldens kann unter diesen
Umständen im Zusammenhang mit der Qualifikation der Widerhandlung offen bleiben.
Selbst bei lediglich geringem Verschulden ist von einer mittelschweren Widerhandlung
im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG auszugehen, da die Voraussetzungen von Art.
16c Abs. 1 lit. a SVG offensichtlich nicht erfüllt sind.
5.- Zu prüfen bleibt die von der Vorinstanz verfügte Dauer des Entzugs des
Führerausweises von einem Monat.
a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzuges sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer mittelschweren
Widerhandlung mindestens für einen Monat entzogen.
b) Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung den
Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Entzugsdauer von einem
Monat entzogen. Da das Gesetz eine Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer
ausschliesst (Art. 16 Abs. 3 SVG), erübrigt es sich, massnahmemindernde Umstände
wie insbesondere eine berufliche Angewiesenheit des Rekurrenten auf das Führen
eines Motorfahrzeuges zu prüfen (vgl. zum früheren Recht SJZ 97/2001 S. 524 f.). Das
gilt ebenfalls für den ungetrübten automobilistischen Leumund des Rekurrenten.
Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen Mindestentzugsdauer verbleibt der
rechtsanwendenden Behörde auch kein Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie
Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur
Besserung des Betroffenen anstellen könnte (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 4486). Daraus
folgt, dass die Mindestentzugsdauer selbst in Ausnahmesituationen im Sinn der
bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 120 Ib 504 ff., 115 Ib 159 ff.,
118 Ib 233 f.) nicht unterschritten werden kann. Die verfügte Entzugsdauer von einem
Monat ist damit nicht zu beanstanden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.- Mit Rekursergänzung vom 30. Mai 2006 hat der Rekurrent durch seinen Vertreter
den Eventualantrag gestellt, es sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung der
Rekurrent zur Teilnahme am Verkehrsunterricht, allenfalls zusätzlich zu einer
Verwarnung, zu verpflichten. Dazu ist Folgendes zu sagen: Gemäss Art. 25 Abs. 3 lit. e
SVG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 3 der Verordnung über die Zulassung von Personen
und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) können unter
anderem Motorfahrzeugführer, die wiederholt in verkehrsgefährdender Weise gegen
Verkehrsregeln verstossen haben, zum Verkehrsunterricht aufgeboten werden. Der
Besuch kann allein oder in Verbindung mit anderen Massnahmen (Verwarnung, Entzug,
Fahrverbot) angeordnet werden, wobei vorausgesetzt wird, dass der
Verkehrsteilnehmer aufgrund der begangenen Widerhandlung und einer Aussprache als
erziehungsfähig erscheint (Art. 40 Abs. 4 VZV). Der Besuch des Verkehrsunterrichts
stellt eine Administrativmassnahme dar, die allenfalls zusätzlich zu einem
Führerausweisentzug und von diesem grundsätzlich unabhängig verfügt wird. Nach
einem Besuch des Verkehrsunterrichts besteht dementsprechend nach der Praxis der
Verwaltungsrekurskommission kein Anspruch auf eine Reduktion eines parallel dazu
verfügten Führerausweisentzugs (VRKE IV vom 8. Juli 1993 in Sachen A.G., S. 11).
Soweit der Rekurrent die Teilnahme am Kurs verlangt, kann darauf mangels Beschwer
nicht eingetreten werden (VRKE IV vom 8. Juli 1998 in Sachen St.E., S. 13 f.).
7.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann.
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist
angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.