Decision ID: bb52113a-8ab2-4e1f-812f-ad38e69344a0
Year: 2018
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Verfügung zur Schenkungssteuer Nr. ES 2016/347-35392 vom 11. November 2016
wurde der Pflichtige zur Zahlung einer Schenkungssteuer von Fr. 15‘000.-- veranlagt.
2. Gegen diese Veranlagung erhob der Pflichtige mit Schreiben vom 23. November 2016,
welches er an die kantonale Taxations- und Erlasskommission richtete, Einsprache und begehr-
te, der Tarif für die Berechnung der Schenkungssteuer sei nochmals zu überprüfen. Zur Be-
gründung führte er u.a. aus, nach dem Tod des leiblichen Vaters im Jahre 1989 sei der neue
Lebenspartner der Mutter im Jahre 1990 eingezogen. Er habe ihn wie einen eigenen Sohn auf-
genommen und mit ihm über 10 Jahre im gleichen Haushalt gewohnt. Seit 27 Jahren trage er
als Konkubinatspartner der Mutter die Anliegen der Familie wie ein leiblicher Vater mit. Bis heu-
te sei der Kontakt zur Mutter und zu Herrn B._ sehr eng. Da er sich mit seiner Frau ein klei-
nes Haus in C._ habe kaufen wollen und ihm jedoch das nötige Eigenkapital gefehlt habe,
habe ihm Herr B._ eine Schenkung von Fr. 60‘000.-- angeboten. Der Berater der D._
Bank habe ihnen vor dem Hauskauf versichert, dass keine Schenkungssteuern anfielen. Mit der
Schenkung über Fr. 60‘000.-- habe er es ermöglicht das Haus zu kaufen. Aufgrund dieser Tat-
sachen sei bei der Berechnung der Schenkungssteuer die Verbindung Stiefvater/Stiefsohn an-
zuwenden bzw. der Tarif nochmals zu überprüfen.
Mit Schreiben vom 17. Februar 2017 leitete die kantonale Taxations- und Erlasskom-
mission die Einsprache zuständigkeitshalber an die Steuerverwaltung weiter.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 17. Oktober 2017 wies die Steuerverwaltung die Einspra-
che ab. Zur Begründung führte sie u.a. aus, das Stiefkindverhältnis werde durch die Heirat ei-
nes Elternteils mit dem zukünftigen Stiefelternteil begründet und müsse weder bereits während
der Unmündigkeit des Kindes bestanden noch eine Mindestdauer gehabt haben. Da keine Ehe-
schliessung der Mutter mit der zuwendenden Person stattgefunden habe, könne nicht von ei-
nem Stiefkindverhältnis ausgegangen werden. Beim Begriff des Pflegekinds handle es sich
ausschliesslich um Kinder in Wochen- und Dauerpflege, jedoch nicht um das im gleichen Haus-
halt lebende Kind des Konkubinatspartners.
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4. Mit Schreiben vom 17. November 2017 erhob der Vertreter des Pflichtigen Rekurs und
begehrte, 1. Die Veranlagungsverfügung vom 11. November 2016 sei vollumfänglich aufzuhe-
ben, d.h. auf die Erhebung einer Schenkungssteuer von Fr. 15'000.-- sei aufgrund von § 9 Abs.
2 ESchStG BL zu verzichten. 2. Unter o/e Kostenfolge.
Zur Begründung führte er u.a. aus, die heutige Regelung erlaube steuerfreie Schenkun-
gen und Erbschaften von nicht verwandten Pflegeeltern, die während mindestens 10 Jahren in
häuslicher Gemeinschaft mit einem Kind gelebt hätten. Ob sie dafür entschädigt worden seien
oder nicht, sei bedeutungslos. Zusätzlich müsse die Pflegeelternschaft belegt werden. Nach
Auffassung der Steuerverwaltung sei dazu der Nachweis in Form einer Pflegekindbescheini-
gung erforderlich. Eine derartige Einschränkung durch die Veranlagungsbehörde sei angesichts
der in der heutigen Zeit zunehmend grösseren Palette von Familienmodellen nicht zu rechtferti-
gen. Bei Pflegekindern dränge sich eine praxisbezogene Würdigung des konkreten Falles auf.
Es dürfe nicht darauf ankommen, ob ein klassisches Pflegekind-Verhältnis mit Pflegebewilli-
gung vorliege oder nicht. In erster Linie gehe es darum, ob eine langjährige Hausgemeinschaft
gegeben sei und die Familienbande denjenigen der „Normalfamilie“ ähnlich seien. Gerade ein
unentgeltlich betreutes Kind verdiene dabei einen besonderen Schutz, auch im Hinblick auf
Erbschafts- und Schenkungssteuern. Eine Analogie zur steuerlichen Behandlung von direkten
Nachkommen dränge sich auf.
Das Steuergericht habe sich mit dieser Thematik bereits auseinandergesetzt. Es habe
ausgeführt, dass das rechtliche Verhältnis zwischen den Eltern zweitrangig sei. Entscheidend
sei vielmehr die aufgebaute Nähe, welche sich durch das mindestens 10 Jahre dauernde Zu-
sammenleben in häuslicher Gemeinschaft manifestiert habe. lm vorliegenden Fall habe sich die
Steuerverwaltung zum Vorneherein auf den Standpunkt gestellt, ein über 10 Jahre dauerndes
Zusammenleben genüge für sich alleine nicht, und ein Pflegekindverhältnis müsse formell do-
kumentiert sein. Eine solche Haltung erscheine im Fall eines (häufig vorkommenden) Konkubi-
natspaares mit einem (nicht gemeinsamen) Kind äusserst formalistisch und weltfremd. Bei Kon-
kubinatspaaren mit einem leiblichen Nachkommen des einen Partners bzw. der einen Partnerin
sei es eben nicht üblich und auch nicht notwendig, eine Bewilligung für eine Pflegekindschaft
einzuholen. Ein Pflegekindverhältnis müsse sich an den Fakten messen lassen und dürfe nicht
formalistisch beurteilt werden.
5. Mit Vernehmlassung vom 5. Januar 2018 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei-
sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie u.a. aus, von Stiefkind spreche man, wenn ein
Ehegatte aus einer früheren Beziehung ein Kind in eine Ehe mitbringe. Aus Sicht des Kindes
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spreche man von Stiefelternschaft, womit die Ehefrau des leiblichen Vaters oder der Ehemann
der leiblichen Mutter gemeint sei. Von Pflegekind spreche man, wenn ein Kind vorübergehend
oder dauerhaft nicht bei seinen Herkunftseltern, sondern in einer anderen, mit dem Kind nicht
verwandten (Pflege-)Familie lebe und von dieser betreut werde. Wer Pflegekinder aufnehme,
bedürfe einer Bewilligung der Kindesschutzbehörde oder einer anderen vom kantonalen Recht
bezeichneten Stelle seines Wohnsitzes und stehe unter deren Aufsicht. Für eine Befreiung von
der Schenkungssteuer müssten kumulativ zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Einerseits müsse
ein Stief- oder Pflegekind-Verhältnis vorliegen. Andererseits müsse das Stief- oder Pflegekind
vor Erreichen des fünfundzwanzigsten Altersjahres während mindestens zehn Jahren mit der
zuwendenden Person in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben. Ein Stiefkind-Verhältnis liege
im vorliegenden Fall nicht vor, da die Mutter des Rekurrenten im Zeitpunkt der erfolgten Zu-
wendung nicht mit dem Schenker verheiratet gewesen sei. Ein Pflegekind-Verhältnis im rechtli-
chen Sinne liege ebenfalls nicht vor. Vielmehr handle es sich bei der Mutter des Rekurrenten
um die leibliche Mutter, welche mit ihrem Lebenspartner im gleichen Haushalt zusammenlebe.
Im Zusammenhang mit Konkubinatspaaren könne nicht von Stief- oder Pflegekind-
Verhältnissen im rechtlichen Sinne gesprochen werden, so dass eine Ausnahmeregelung nach
§ 9 Abs. 2 ESchStG für die im vorliegenden Fall erfolgte Zuwendung vom Lebenspartner der
Mutter an den Rekurrenten schon deshalb nicht in Frage kommen könne. Vor diesem Hinter-
grund erübrige sich auch die Prüfung des zweiten Kriteriums, mithin des zehnjährigen Zusam-
menlebens in häuslicher Gemeinschaft mit der zuwendenden Person. Die vom Vertreter des
Rekurrenten im vorliegenden Fall postulierte Befreiung von der Schenkungssteuer könne ledig-
lich mittels Anpassung des kantonalen Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes erreicht
werden.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung halten die Parteien an ihren Begehren fest.

Das Steuergericht zieht i n E r w ä g u n g :
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig.
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Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vor-
liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und
Richtern des Steuergerichts beurteilt.
Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist
ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Strittig ist, ob die vom Lebenspartner der Mutter des Rekurrenten erhaltene Schenkung
in Höhe von Fr. 60‘000.-- Schenkungssteuern zur Folge hat.
a) Gemäss § 9 Abs. 1 lit. b ESchStG sind Ehegatten, Eltern und direkte Nachkom-
men sowie die eingetragene Partnerin oder der eingetragene Partner des Erblassers oder
Schenkers von der Erbschafts- und der Schenkungssteuer befreit. Gemäss Abs. 2 der Bestim-
mung sind den direkten Nachkommen gemäss lit. b Stief- und Pflegekinder gleichgestellt, wenn
diese vor Erreichen des fünfundzwanzigsten Altersjahres während mindestens zehn Jahren mit
der zuwendenden Person in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben.
b) Im Zuge der Änderung der Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes, neue
Steuerklassen, Steuersätze und Freibeträge, wurde § 9 Abs. 2 ESchStG mit Inkrafttreten per 1.
Juli 2010 neu ins Gesetz aufgenommen (Landratsvorlage vom 28. Oktober 2008, Bericht der
Finanzkommission an den Landrat vom 11. März 2009, Protokolle der Landratssitzungen vom
23. April und 7. Mai 2009 [Vorlage Nr. 2008-272]). Gemäss Landratsvorlage rechtfertigt sich in
besonderen Fällen eine Gleichstellung der Stief- und Pflegekinder mit den steuerbefreiten direk-
ten Nachkommen. So soll eine Steuerbefreiung für besonders langjährige und daher vermu-
tungsweise sehr enge Beziehungsverhältnisse gewährt werden. Es sei daher vorgesehen, dass
bei mindestens fünfjähriger häuslicher Gemeinschaft des Stief- oder Pflegekindes mit seinen
„Eltern“ keine Erbschafts- oder Schenkungssteuer erhoben werde. Die fünfjährige häusliche
Gemeinschaft müsse allerdings im Zeitraum ab Geburt bis zum fünfundzwanzigsten Geburtstag
des Kindes liegen. Diese altersmässige Begrenzung lasse sich damit begründen, dass das für
die Steuerbefreiung geforderte enge Beziehungsverhältnis ab einem gewissen Alter nicht mehr
entstehen könne. So entwickle beispielsweise ein dreissigjähriges Kind, dessen Mutter oder
Vater wieder heirate, keine so enge Beziehung zur Stiefmutter oder zum Stiefvater, die eine
Gleichstellung mit den direkten Nachkommen rechtfertige würde. Aufgrund einer Anregung der
Finanzkommission wurde die Dauer der häuslichen Gemeinschaft alsdann auf mindestens zehn
Jahre festgelegt.
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c) Für eine Steuerbefreiung gemäss § 9 Abs. 2 ESchStG müssen also zwei Vo-
raussetzungen erfüllt sein, einerseits das Vorliegen eines Stiefkind resp. Pflegekindverhältnis-
ses und andererseits das Leben in häuslicher Gemeinschaft mit der zuwendenden Person vor
Erreichen des fünfundzwanzigsten Altersjahres während mindestens zehn Jahren.
3. a) Zunächst stellt sich die Frage, ob der Rekurrent als Stiefkind des Schenkers zu
betrachten ist.
Unter Stiefkindern versteht man nicht gemeinsame Kinder von Ehepaaren. Stief-
eltern haben keine elterliche Sorge, haben indes dem Ehegatten gemäss Art. 299 des Schwei-
zerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 in der Ausübung der elterlichen
Sorge gegenüber dessen Kindern in angemessener Weise beizustehen und ihn zu vertreten,
wenn es die Umstände erfordern.
Der Begriff des "Stiefkindes" wird weder in zivilrechtlichen Gesetzen noch im Erb-
schafts- und Schenkungssteuergesetz definiert. Unbestritten ist jedoch, dass es sich beim
Stiefkindverhältnis um eine besondere Art der Schwägerschaft handelt. Die Begründung dieses
Verhältnisses setzt zweierlei voraus: einerseits das Bestehen einer Gemeinschaft eines Eltern-
teils mit seinem Kind, andererseits die Eingehung einer Ehe dieses Elternteils mit einer Drittper-
son. Der zivilrechtliche Begriff des "Kindes" ist auch für das Erbschafts- und Schenkungssteu-
ergesetz massgebend. Entscheidend für die Frage, ob jemand rechtlich als Kind einer anderen
Person zu gelten hat, ist das Bestehen eines formellen Kindsverhältnisses zu dieser Person im
Sinn von Art. 252 ff. ZGB, welches zum Vater durch Ehe mit der Mutter, Adoption, Anerkennung
oder richterliches Urteil entstehen kann. Das Kindsverhältnis bezeichnet die rechtliche Bezie-
hung zwischen den Eltern und dem Kind und ist von der biologischen Tatsache der Abstam-
mung zu unterscheiden. Ein entsprechendes Verhältnis ist Grundlage für alle rechtlichen Wir-
kungen der Eltern-Kind-Beziehung und begründet die Verwandtschaft und Schwägerschaft im
Sinn von Art. 20f. ZGB. Folgerichtig setzt auch – bereits begriffsnotwendig – die Begründung
eines Stiefkindverhältnisses ein Kindsverhältnis zum leiblichen Elternteil voraus (vgl. Entscheid
des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich, SR 2004.00009 vom 18. August 2004).
b) Aufgrund der Tatsache, dass die Mutter des Rekurrenten im Konkubinat mit dem
Schenker lebt und nicht mit ihm verheiratet ist, besteht zwischen dem Schenker und dem Re-
kurrenten kein Stiefkindverhältnis.
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4. a) Im Weiteren ist zu untersuchen, ob zwischen dem Schenker und dem Rekurren-
ten ein Pflegekindverhältnis besteht.
Wird ein Kind Dritten zur Pflege anvertraut, so vertreten sie unter Vorbehalt ab-
weichender Anordnungen, die Eltern in der Ausübung der elterlichen Sorge, soweit es zur gehö-
rigen Erfüllung ihrer Aufgabe angezeigt ist (Art. 300 Abs. 1 ZGB).
Pflegekindschaft im weiten Sinne liegt vor, wenn ein Unmündiger in der Obhut
von Personen lebt, die nicht seine Eltern sind. Sie ist kein selbstständiges Rechtsinstitut, son-
dern ein faktisches Familienverhältnis, dem das Recht einzelne Wirkungen des Kindesverhält-
nisses beilegt (Hegnauer, Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, S. 76; Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts C-4618/2010 vom 22. Oktober 2012, E 3.2.7).
Pflegeeltern haben keine elterliche Sorge. Pflegeeltern haben ähnlich wie Stiefel-
tern die Befugnis, die Eltern in Ausübung der elterlichen Sorge zu vertreten. Die Aufnahme von
Pflegekindern bedarf der Bewilligung und untersteht der kantonalen Aufsicht (vgl. BSK ZGB I -
Schwenzer/Cottier, Art. 300 N 1f.).
b) Vorliegend lebte der Rekurrent mit seiner Mutter und deren Lebenspartner zu-
sammen in häuslicher Gemeinschaft. Es liegt somit kein Pflegekindverhältnis vor, was jedoch
nicht daran liegt, dass der Rekurrent keine Bewilligung über ein Pflegeverhältnis vorweisen
kann, sondern daran, dass er nicht fremdplatziert und ausserhalb seiner Familie von „Pflegeel-
tern“ betreut wurde, sondern zusammen mit seiner Mutter im gleichen Haushalt gelebt hat.
5. a) Ziel der Steuergesetzesreform aus dem Jahre 2008 waren u.a. die Milderung der
Steuerbelastung, die Vereinfachung der Besteuerung, sowie die Aufnahme der bisher im Ein-
zelfall gelösten speziellen Konstellationen. Damit wurden für Stief- und Pflegekinder sowie für
langjährige Konkubinatspaare tragbare Lösungen definiert und die bisherige Praxis neu im Ge-
setz verankert. Hinsichtlich der Änderungen betreffend die Stief- und Pflegekinder hielt die
Landratsvorlage fest, dass Stief- und Pflegekinder grundsätzlich in der gleichen Klasse wie die
Eltern besteuert würden. In besonderen Fällen rechtfertige sich jedoch eine Gleichstellung mit
den steuerbefreiten direkten Nachkommen. Neu solle daher eine Steuerbefreiung für besonders
langjährige und daher vermutungsweise sehr enge Beziehungsverhältnisse gewährt werden
(vgl. Vorlage an den Landrat des Kantons Basel-Landschaft vom 28. Oktober 2008, 2008-272,
Ziff. 3). Die Finanzkommission sprach sich in ihrem Bericht dafür aus, dass vor Er-reichen des
25. Altersjahrs eine mindestens 10 Jährige häusliche Gemeinschaft bestehen müsse (vgl. Be-
richt der Finanzkommission vom 11. März 2009 zur Vorlage 2008-272). Im Protokoll der Land-
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ratssitzung vom 23. April 2009 dreht sich die Diskussion betreffend die Reform des Erbschafts-
und Schenkungssteuergesetzes einzig um die Gleichstellung von Stief- und Pflegekindern mit
direkten Nachkommen. Mit dieser Reform würden verschiedene Massnahmen zur Steuerentlas-
tung vorgeschlagen. Vorgesehen sei eine Neuordnung der Steuerklassen mit proportionalen
Steuersätzen und den entsprechenden Freibeträgen. Ferner gebe es neue, spezielle Lösungen
für Stief- und Pflegekinder und für Konkubinatspartner. Gemäss der Regierung gehe es darum,
„die Standortattraktivität des Baselbiets zu erhalten und zu fördern“ (vgl. Protokoll der Landrats-
sitzung vom 23. April 2009 zur Vorlage 2008-272).
b) Aufgrund der bisherigen Ausführungen ist ersichtlich, dass die Gesetzesreform
eine Gleichstellung von Stief- und Pflegekindern mit direkten Nachkommen zum Ziel hatte, nicht
aber auch eine Gleichstellung von sogenannten „Patchwork“-Familien mit im Konkubinat leben-
den Elternteilen und deren (nicht gemeinsamen) Kindern. Dass eine Privilegierung solcher Fa-
milienkonstellationen überhaupt beabsichtigt war, geht aus den Materialien jedenfalls nicht her-
vor. Zudem lässt die heutige Regelung schon bereits aufgrund des klaren Wortlautes keinen
Spielraum offen. Damit drängt sich aber auch kein Analogieschluss auf, wonach eine Gleichbe-
handlung des Rekurrenten mit direkten Nachkommen erfolgen könnte. Der Rekurrent weist we-
der die Eigenschaft eines Stiefkindes noch diese eines Pflegekindes auf, weshalb eine Gleich-
stellung mit direkten Nachkommen scheitert. Aus diesem Grund erübrigt sich die Prüfung allfäl-
liger weiterer Erfordernisse, wie das 10-jährige Zusammenleben des Rekurrenten mit dem
Schenker im gleichen Haushalt.
c) Bezugnehmend auf den vom Vertreter des Rekurrenten angeführten Entscheid
des Steuergerichts vom 22. Mai 2015 ist auszuführen, dass diesem ein anderer Sachverhalt
zugrunde gelegen hat. Im dortigen Fall hat die Erblasserin zunächst als Hausangestellte des
Vaters des Rekurrenten gearbeitet und später den Vater geheiratet. Insgesamt hatte der Rekur-
rent als Kind vom achten bis zum 21. Altersjahr also 13 Jahre mit der Erblasserin in häuslicher
Gemeinschaft zusammengelebt. Das Stiefkindverhältnis als solches dauerte in dem Fall aber
nicht zehn sondern nur acht Jahre. Entscheidend war für das Steuergericht jedoch, dass der
Rekurrent vor Erreichen des 25. Altersjahres während mindestens zehn Jahren mit der Erblas-
serin im gleichen Haushalt gelebt hat. Das rechtliche Verhältnis der „Eltern“ während dieses
Zusammenlebens erachtete es als sekundär, solange die Erblasserin im Zeitpunkt des Todes
Stiefmutter gewesen sei. Aufgrund der Heirat der Eltern (des Vaters und der Erblasserin) be-
stand über 8 Jahre ein Stiefkind-Stiefmutterverhältnis. Die übrigen fünf Jahre lebte der Vater mit
der Erblasserin im Konkubinat. Letztere wurden dem Rekurrenten jedoch aufgrund des Zu-
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sammenlebens angerechnet. Damit erfüllte der Rekurrent, welcher insgesamt 13 Jahre mit sei-
ner Stiefmutter im gleichen Haushalt gelebt hat, die Voraussetzungen eines Stiefkindverhältnis-
ses, was sodann die Befreiung von der Erbschaftssteuer zur Folge hatte (vgl. Entscheid des
Steuergerichts [StGE] vom 22. Mai 2015, 510 15 21).
Es ist damit insgesamt aufgrund der obigen Ausführungen festzustellen, dass der Rekurrent
keine Befreiung von der Erbschaftssteuer für sich in Anspruch nehmen kann.
6. Ausgangsgemäss hat der Rekurrent gestützt auf § 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des
Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung
(VPO) Verfahrenskosten von Fr. 1‘500.-- zu bezahlen.
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