Decision ID: d00aa7c8-d11c-5157-90a7-60b541c97a09
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin gelangte am 2. Januar 2019 in die Schweiz, wo
sie am 4. Januar 2019 um Asyl nachsuchte. Mit Verfügung vom 2. April
2019 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) nicht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ein und ord-
nete die Wegweisung aus der Schweiz nach Frankreich sowie den Vollzug
an. Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wurde mit Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts D-1874/2019 vom 29. April 2019 gutge-
heissen und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewie-
sen.
B.
Mit Verfügung vom 18. Juni 2019 trat das SEM erneut nicht auf das Asyl-
gesuch ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Frankreich
sowie den Vollzug an. Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde
wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3292/2019 vom 3. Ok-
tober 2019 gutgeheissen und die Sache zur Neubeurteilung an die Vo-
rinstanz zurückgewiesen.
C.
Ein Jahr später, mit Eingabe vom 3. Oktober 2020 ersuchte die Beschwer-
deführerin um Zustellung der Einladung zur Anhörung zu den Asylgründen,
da die 6-monatige Frist für die Dublin-Überstellung abgelaufen sei.
D.
Am 27. Oktober 2020 sowie am 4. November 2020 teilten die Kantonspo-
lizei Thurgau respektive das Bundesamt für Polizei (Fedpol) dem SEM mit,
dass im Rahmen der Vorbringen im Zusammenhang mit organisiertem
Menschenhandel (OMH) kein Verfahren in der Schweiz hängig sei.
E.
Mit Verfügung vom 23. November 2020 – eröffnet am 30. November 2020
(gemäss Empfangsbestätigung 30. Dezember (sic!) 2020) – trat das SEM
erneut nicht auf das Asylgesuch ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz nach Frankreich an. Gleichzeitig forderte es die Beschwerdefüh-
rerin auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist
zu verlassen, ansonsten sie inhaftiert und unter Zwang in den zuständigen
Dublin-Mitgliedstaat zurückgeführt werden könne. Im Weiteren wurde fest-
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gestellt, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine auf-
schiebende Wirkung zukomme, und die Aushändigung der editionspflichti-
gen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerdeführerin verfügt.
Zur Begründung des Nichteintretensentscheides wurde unter anderem
ausgeführt, es würden keine Gründe vorliegen, die Souveränitätsklausel
anzuwenden. Hinsichtlich der geltend gemachten Vorbringen im Zusam-
menhang mit der Zwangsprostitution in Frankreich und des Einschätzungs-
berichts der FIZ (Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration) führte das
SEM aus, dass der geäusserte Wunsch nach einem weiteren Verbleib in
der Schweiz keinen Einfluss auf die Zuständigkeit für das Asyl- und Weg-
weisungsverfahren habe. Frankreich sei ein Rechtsstaat mit funktionieren-
dem Justizsystem und habe auch das Übereinkommen des Europarates
vom 16. Mai 2005 zur Bekämpfung des Menschenhandels (SR 0.311.543,
nachfolgend: EKM) ratifiziert. Ferner sei Frankreich bereits darüber in
Kenntnis gesetzt worden, dass die Beschwerdeführerin ein potentielles
Opfer von Menschenhandel sei. Es obliege der Beschwerdeführerin, die
geltend gemachte Straftat im Zusammenhang mit Menschenhandel bei
den zuständigen Behörden in Frankreich vorzubringen. Es stehe ihr frei,
nach ihrer Überstellung nach Frankreich ein Asylgesuch einzureichen.
Auch habe sie die Möglichkeit, mit verschiedenen Hilfsorganisationen für
Opfer von Menschenhandel in Frankreich Kontakt aufzunehmen. Schliess-
lich habe sie keine konkreten Hinweise vorgebracht, wonach sie bei einer
Überstellung nach Frankreich einen ernsthaften Nachteil oder einer gravie-
renden Menschenrechtsverletzung gemäss Art. 3 und 4 EMRK ausgesetzt
wäre. Die Tatsache, dass sie in der Vergangenheit Opfer von Menschen-
handel gewesen sei, sei bei einer Überstellung kein ausreichender Grund
für ein tatsächliches Risiko des Re-Traffickings. Gemäss der Zustimmung
Frankreichs würde sie nicht an den Ort, an welchem sie Opfer von Ausbeu-
tung geworden sei, überstellt. Den Akten könne zudem nicht entnommen
werden, dass sie sich in Frankreich an die Behörden gewandt habe. So-
wohl die Kantonspolizei Thurgau als auch das Fedpol hätten bestätigt,
dass in der Schweiz kein Verfahren in der erwähnten Sache hängig sei,
welches ihren weiteren Aufenthalt in der Schweiz erfordern würde. Aus den
Akten würden sich sodann keine objektiven, konkreten und ernsthaften
Hinweise ergeben, dass die französischen Behörden, wenn diese über die
entsprechenden Informationen verfügen, nicht alle erforderlichen Mass-
nahmen ergreifen würden, um sie ihrer Situation entsprechend unterzu-
bringen und zu betreuen. Der Vollzug der Wegweisung sei somit zulässig.
Zur Eingabe der Beschwerdeführerin vom 3. Oktober 2020, wonach sie be-
müht sei, sich in der Schweiz zu integrieren, sei festzuhalten, dass dies
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keinen Einfluss auf die Zuständigkeit für das Asyl- und Wegweisungsver-
fahren habe. Zur angeblich abgelaufenen sechsmonatigen Frist für die
Dublin-Überstellung nach Frankreich sei schliesslich anzumerken, dass die
französischen Behörden am 10. Juli 2019 über das damals hängige Be-
schwerdeverfahren und die daraus resultierende Unmöglichkeit, sie inner-
halb von sechs Monaten nach Frankreich zu überstellen, informiert worden
seien. Die neue Überstellungsfrist ende gemäss Rechtsprechung des Bun-
desverwaltungsgerichts sechs Monate nach Erlass einer neuen Verfügung.
Zu den geltend gemachten gesundheitlichen Problemen sei festzuhalten,
dass Frankreich über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfüge
und im Rahmen des Dublin-Systems davon auszugehen sei, dass der zu-
ständige Dublin-Staat angemessene medizinische Versorgungsleistungen
erbringen könne und den Zugang zu notwendiger medizinischer Behand-
lung gewährleiste. Es würden keine Hinweise vorliegen, wonach Frank-
reich ihr eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig ver-
weigern würde. Für das weitere Dublin-Verfahren sei einzig die Reisefähig-
keit ausschlaggebend. Diese werde erst kurz vor der Überstellung definitiv
beurteilt. Somit würden sich keine Gründe ergeben, die die Anwendung der
Souveränitätsklausel anzeigen würden.
F.
Mit Eingabe vom 3. Dezember 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und
beantragte dabei, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die
Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten, eventualiter
sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, sub-
eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, individuelle Zusicherungen be-
züglich Zugang zu einem Schutzprogramm für Opfer von Menschenhandel
und adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbringung von den
französischen Behörden einzuholen. In prozessualer Hinsicht beantragte
die Beschwerdeführerin die Erteilung der aufschiebenden Wirkung gemäss
Art. 107a Abs. 2 AsylG und die entsprechende Anweisung an die kantona-
len Behörden und ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Befreiung von der
Kostenvorschusspflicht.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, die überaus lange War-
tefrist von beinahe zwei Jahren zur Klärung der Zuständigkeit zum Asylver-
fahren stelle eine erhebliche Verletzung des Beschleunigungsgebotes und
der schlussendlich gefällte Nichteintretensentscheid der Vorinstanz eine
Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben dar. Die Verordnung
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(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (Neufassung) (ABl. L 180/31 vom
29.6.2013; nachfolgend: Dublin-III-VO) solle im Sinne des fünften Erwä-
gungsgrundes, des Beschleunigungsgebots, eine rasche Bestimmung des
zuständigen Mitgliedstaates ermöglichen, um den effektiven Zugang zu
den Verfahren zur Gewährung des internationalen Schutzes zu gewähr-
leisten. Damit solle auch verhindert werden, dass Asylsuchende «ins Ab-
seits» geraten (sog. «refugees in orbit») und sich kein Staat innert nützli-
cher Frist für die Behandlung des Asylgesuches für zuständig erachte. Vor-
liegend habe das Bundesverwaltungsgericht die Sache am 3. Oktober
2019 zum zweiten Mal zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewie-
sen. Daraufhin sei über ein Jahr lang nichts geschehen. Erst auf Nachfrage
der Beschwerdeführerin hin seien weitere Abklärungen getätigt und ein er-
neuter Nichteintretensentscheid gefällt worden. Das Verbot der Rechtsver-
zögerung ergebe sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgaran-
tie von Art. 29 Abs. 1 BV. Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Ge-
setzes sei nach Lehre und Praxis auszugehen, wenn behördliches Han-
deln zwar nicht grundsätzlich infrage stehe, aber nicht binnen gesetzlicher
oder – falls eine solche fehle – angemessener Frist erfolge, und für die
allzu lange Verfahrensdauer keine objektive Rechtfertigung vorliege. Nicht-
eintretensentscheide im Dublinverfahren seien in der Regel innerhalb von
drei Tagen nach Gutheissung des Rücknahmegesuchs zu treffen. Diese
Frist sei von der Vorinstanz um ein Vielfaches überschritten worden. Es
könne nicht sein, dass die Beschwerdeführerin zwei Jahre nach Stellung
des Asylgesuchs noch mit einem Nichteintretensentscheid rechnen müsse.
Ferner sei kein objektiver Grund ersichtlich, aus welchem das SEM nach
der Rückweisung der Sache durch das Bundesverwaltungsgericht am
3. Oktober 2019 nochmal über ein Jahr hätte zuwarten müssen, um dann
erneut den gleichen textbauartigen Entscheid zu erlassen wie die ersten
beiden Male und ohne jegliche neuen Tatsachen vorzubringen. Mit dieser
massiven Verletzung des Beschleunigungsverbots habe die Vorinstanz ge-
gen den Grundsatz von Treu und Glauben verstossen. Der Beschwerde-
führerin sei durch die lange Dauer der Eindruck vermittelt worden, dass die
Prüfung des Asylgesuchs im Gange sei. Ausserdem sei der Vollständigkeit
halber anzumerken, dass das französische Visum der Beschwerdeführerin
– entgegen der Behauptung der Vorinstanz – nicht mehr gültig sei. Darüber
hinaus sei das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt worden,
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indem das SEM ihre Vorbringen weder geprüft habe noch diese in die Ent-
scheidfindung einfliessen lassen habe. Ihr Schreiben vom 13. Juni 2019
sowie der Bericht der FIZ seien als Wunsch nach einem weiteren Verbleib
in der Schweiz gewertet und die entsprechenden Vorbringen weder ernst-
haft geprüft noch in der Entscheidfindung berücksichtigt worden. Damit sei
ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. Zudem habe die Vo-
rinstanz vorliegend ihr Ermessen unterschritten. Sie habe den Umständen
des Einzelfalls nicht genügend Rechnung getragen und die humanitäre Si-
tuation der Beschwerdeführerin ungenügend berücksichtigt. Die Be-
schwerdeführerin sei als Opfer von Menschenhandel zu identifizieren und
ihr der notwendige Schutz und Unterstützung, insbesondere durch psycho-
logische Hilfe, zu gewähren. Die Tatsache, dass sie in Frankreich Opfer
von Menschenhandel geworden sei, stelle im Übrigen auch die Vorinstanz
nicht in Abrede. Hinzu komme, dass der Umgang Frankreichs mit Opfern
von Frauenhandel problematisch sei, da ihnen vom Staat nicht der drin-
gend benötigte Schutz zukomme. Der Beschwerdeführerin als Opfer von
Menschenhandel könne nicht zugemutet werden, nun wieder aus einem
(endlich) einigermassen stabilen und für sie sicheren Setting herausgeris-
sen zu werden und in die Ungewissheit beziehungsweise zurück in die
Hände der Frauenhändler gebracht zu werden. Wenn nicht einmal alleine
geflüchtete Frauen, welche Opfer sexueller Gewalt und Menschenhandels
geworden seien, aus «humanitären Gründen» in der Schweiz das Asylver-
fahren durchlaufen könnten, so frage sich, ob diese Bestimmung ihres Sin-
nes nicht vollkommen entleert worden sei. Zudem sei die Problematik dem
Bund bekannt, weswegen der Opferschutz im Asylverfahren Teil des Nati-
onalen Aktionsplans gegen Menschenhandel sei.
Der Beschwerde wurden nebst der angefochtenen Verfügung in Kopie und
der Vollmacht ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom
25. Januar 2019 bezüglich Dublin-Überstellungen nach Frankreich, ein
Auszug aus dem Country Report: France, 2017 Update der Asylum Infor-
mation Database (AIDA) sowie eine Kostennote vom 3. Dezember 2020
beigelegt.
G.
Am 4. Dezember 2020 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der
Überstellung per sofort einstweilen aus.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Januar 2021 hiess die Instruktionsrichterin
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die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechtsver-
beiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und setzte Rechtsanwältin Lea Hungerbühler, AsyLex, Gotthardstrasse 52,
8002 Zürich, als amtliche Rechtsbeiständin ein. Gleichzeitig wurde die Vo-
rinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen und festgehal-
ten, der Vollzug der Wegweisung bleibe weiterhin ausgesetzt.
I.
Mit Vernehmlassung vom 2. Februar 2021 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde. Dabei wurde ausgeführt, das SEM handle bei
Zuständigkeitsprüfungen nach Dublin-III-Verordnung grundsätzlich ge-
mäss dem Beschleunigungsgebot. Jedoch könne sich die Verfahrensdauer
in Einzelfällen erheblich verlängern. Vorliegend sei darauf hinzuweisen,
dass das SEM die Zeit nicht ungenutzt habe verstreichen lassen, sondern
in der Zwischenzeit weitere Abklärungen zum Sachverhalt getroffen habe.
Ferner seien auch die Covid-19 Pandemie und daraus resultierende Rei-
sebeschränkungen zu berücksichtigen. Aufgrund des komplexen Sachver-
halts und der erwähnten äusseren Umstände sei mit dem Erlassen eines
neuen Entscheides zugewartet worden, bis die Rahmenbedingungen dies
aus Sicht des SEM zugelassen hätten. Es sei festzuhalten, dass lediglich
aufgrund einer langen Verfahrensdauer nicht davon ausgegangen werden
könne, das Asylgesuch werde in der Schweiz geprüft. Schliesslich sei be-
treffend Überstellungsmodalitäten festzuhalten, dass Dublin-Rückkehrer
am Flughafen (...) – wohin die Überstellung vorgesehen sei – zwar unter
Umständen nicht persönlich empfangen würden, jedoch eine entspre-
chende Infrastruktur bestehe, an die sich Rückkehrer wenden könnten.
Dem SEM würden keine Hinweise vorliegen, wonach die Beschwerdefüh-
rerin ausserstande wäre, sich nach der Ankunft selbständig an die er-
wähnte Plattform zu wenden. Ferner sei das Risiko eines Re-Traffickings
nicht gegeben, da sie in die (...) und damit nicht an den Ort, an welchem
sie Opfer von Ausbeutung geworden sei, überstellt werde. Die Tatsache,
dass sie in der Vergangenheit Opfer von Menschenhandel gewesen sei,
stelle keinen ausreichenden Grund dar, um von einer Unzumutbarkeit der
Überstellung auszugehen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sie nach
einer Überstellung in Gefahr wäre, erneut Opfer von Ausbeutung und Men-
schenhandel zu werden.
J.
Am 8. Februar 2021 reichte die Beschwerdeführerin einen Lern-Schluss-
bericht zu den Akten.
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K.
Am 24. Februar 2021 reichte die Beschwerdeführerin ihre Replik ein und
hielt an ihrer Beschwerde vollumfänglich fest. Dabei entgegnete sie, ein
Blick ins Aktenverzeichnis würde genügen, um zu sehen, dass die Aus-
sage, die lange Verfahrensdauer sei mit dem Tätigen weiterer Abklärungen
begründet, offensichtlich unrichtig sei. Dem Aktenverzeichnis lasse sich
eine über einjährige Untätigkeit der Vorinstanz entnehmen. Auch die Aus-
führungen zu den pandemiebedingten Reisebeschränkungen seien nicht
nachvollziehbar, zumal die Grenzen zu Frankreich einerseits bereits am
15. Juni 2020 wieder vollständig geöffnet hätten und andererseits die Rah-
menbedingungen zum Zeitpunkt des Entscheides am 23. November 2020
aufgrund eines erneuten Anstiegs der Ansteckungen wieder wesentlich
schlechter als im Sommer und im Frühherbst gewesen seien. Ferner sei
die Beschwerdeführerin entgegen den Ausführungen der Vorinstanz mitt-
lerweile stark verwurzelt in der Schweiz. Sie lebe nun bereits seit über zwei
Jahren in Frauenfeld und habe sich hier ein Netz mit Freunden aufbauen
können. Als traumatisiertes Opfer von Menschenhandel sei dies für sie
enorm wichtig. Sie dürfe deshalb nicht aus diesem sicheren Setting her-
ausgerissen werden. Zu einer allfälligen Rückführung sei weiter festzuhal-
ten, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine vulnerable Person
handle, weshalb der Umstand, dass in Frankreich die Gefahr bestehe, dass
sie auf der Strasse lande, ihr nicht zugemutet werden könne. Schliesslich
sei anzumerken, dass die Beschwerdeführerin immer noch nicht die benö-
tigte medizinische und psychologische Hilfe erhalten habe. Zudem würden
nach wie vor Zusicherungen fehlen, dass sie in Frankreich tatsächlich den
dringend benötigten Schutz erhalten würde. Eine Überstellung nach Frank-
reich würde daher eine Verletzung von Art. 4 EMRK darstellen und sei nicht
zumutbar.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
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Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-
dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat
zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
3.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge-
stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin-III-VO aufzuneh-
men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO).
3.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
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(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). Diese Be-
stimmung ist nicht unmittelbar anwendbar, sondern kann nur in Verbindung
mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts ange-
rufen werden (vgl. BVGE 2010/45 E. 5).
3.5 Droht ein Verstoss gegen übergeordnetes Recht, zum Beispiel gegen
eine Norm des Völkerrechts, so besteht ein einklagbarer Anspruch auf Aus-
übung des Selbsteintrittsrechts (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2). Die Schweiz
ist demnach zum Selbsteintritt verpflichtet, wenn andernfalls eine Verlet-
zung des Non-Refoulement-Gebots nach Art. 33 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30),
Art. 3 EMRK, Art. 7 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politi-
sche Rechte (UNO-Pakt II, SR 0.103.2) oder Art. 3 des Übereinkommens
vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschli-
che oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) droht (vgl.
Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.2.4).
4.
4.1 Den vorinstanzlichen Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerde-
führerin von Frankreich ein vom 13. Juni 2018 bis zum 12. Juni 2019 gülti-
ges Schengen-Visum erteilt wurde. Dieser Sachverhalt ist unbestritten.
Das SEM ersuchte die französischen Behörden am 14. März 2019 um Auf-
nahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-IIIVO.
Die französischen Behörden stimmten dem Gesuch um Übernahme am
15. März 2019 zu. Die grundsätzliche Zuständigkeit Frankreichs ist somit
gegeben.
4.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-
che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-
dingungen für Asylsuchende in Frankreich würden systemische Schwach-
stellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdi-
genden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit
sich bringen würden.
4.2.1 Frankreich ist Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie
des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und
kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen grund-
sätzlich nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne
und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
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des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-
sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-
geben.
4.2.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
4.3 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst die Verletzung des Beschleuni-
gungsgebots (vgl. Art. 29 Abs. 1 BV), weil die Vorinstanz während eines
Jahres keine Verfahrenshandlung vorgenommen habe und sie sich inzwi-
schen seit über zwei Jahren in der Schweiz aufhalte. In dieser Hinsicht
kann der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz hat sich
an die vorgeschriebenen Fristen gehalten. Ausserdem erklärt sie die lange
Verfahrensdauer unter anderem mit der Komplexität des Sachverhaltes
und den aus der Covid-19 Pandemie resultierenden Reisebeschränkun-
gen. Diese Erklärung erscheint nachvollziehbar. Die Rüge ist unbegründet.
4.4 Die Beschwerdeführerin fordert die Anwendung der Ermessensklausel
von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der – das Selbsteintrittsrecht
im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3
AsylV 1, gemäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären
Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO
ein anderer Staat zuständig wäre.
4.4.1 Die Beschwerdeführerin hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko
dargetan, das darauf schliessen liesse, die französischen Behörden wür-
den sich weigern, sie aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen
Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den
Akten sind auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Frankreich
werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und
sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre
Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in
dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen
zu werden. Ausserdem ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen dar-
zutun, die sie bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Frank-
reich seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-
Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Das SEM
hat die französischen Behörden bereits darüber in Kenntnis gesetzt, dass
sie ein potentielles Opfer von Menschenhandel ist. Nach der Überstellung
steht es der Beschwerdeführerin frei, ein Asylgesuch einzureichen und die
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Umstände des Menschenhandels, dessen Opfer sie geworden sei, darzu-
legen. Da die Beschwerdeführerin bislang nicht in Kontakt mit den franzö-
sischen Behörden stand, sind keine konkreten Hinweise dafür ersichtlich,
diese würden den von Frankreich eingegangenen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nicht nachkommen. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sie in
Frankreich Opfer eines Re-Trafficking werden könnte, sind den Akten
ebenfalls nicht zu entnehmen. Sollte sie sich in Frankreich bedroht fühlen
oder unter Druck gesetzt werden, kann sie sich an die zuständigen franzö-
sischen Sicherheitsbehörden wenden, die verpflichtet sind, sich ihr und ih-
ren Bedürfnissen anzunehmen. Die Beschwerdeführerin hat schliesslich
auch keine konkreten Hinweise für die Annahme dargetan, Frankreich
würde ihr dauerhaft die ihr gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden mini-
malen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorüberge-
henden Einschränkung könnte sie sich im Übrigen nötigenfalls an die fran-
zösischen Behörden wenden und die ihr zustehenden Aufnahmebedingun-
gen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Auf-
grund des derzeitigen Erkenntnisstandes ist nicht angezeigt, das SEM
dazu zu verpflichten, bei den französischen Behörden Garantien dafür ein-
zuholen, dass diese sich an die von ihnen eingegangenen völkerrechtli-
chen Verpflichtungen halten werden. Aus Sicht der potenziellen Opfer von
Menschenhandel wäre es allerdings begrüssenswert, wenn das SEM im
Rahmen der Vollzugsmodalitäten von den französischen Behörden Zusi-
cherungen bezüglich des Zugangs zum Schutzsystem für Opfer von Men-
schenhandel erhielte, da dies dazu beitragen könnte, nachvollziehbare
Ängste vor einer Überstellung abzubauen.
4.4.2 Die Beschwerdeführerin machte ferner gesundheitliche Probleme
geltend. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitli-
chen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen
Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be-
troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-
stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit
dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt-
zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die dama-
lige Praxis des EGMR). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation
betrifft Schwerkranke, die durch die Abschiebung – mangels angemesse-
ner medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko kon-
frontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Ver-
schlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu
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intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwar-
tung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. De-
zember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
Frankreich verfügt über eine ausreichende medizinische Infrastruktur und
ist verpflichtet, Asylgesuchstellenden die erforderliche medizinische Ver-
sorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche
Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen um-
fasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); Antrag-
stellenden mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische
oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psycholo-
gischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie).
Es bestehen im vorliegenden Fall keine Anhaltspunkte dafür, dass der Be-
schwerdeführerin die von ihr benötigte medizinische Behandlung in Frank-
reich nicht gewährt würde. Das SEM wird die französischen Behörden im
Rahmen der Überstellung davon in Kenntnis setzen, dass die Beschwer-
deführerin geltend macht, Opfer von Menschenhandel geworden zu sein,
gesundheitlich angeschlagen ist und medizinischer Betreuung bedarf. Es
kann weder davon ausgegangen werden, dass sie bei einer Überstellung
nach Frankreich mit dem sicheren Tod rechnen muss noch mangels ange-
messener medizinischer Behandlung einer ernsten, raschen und unwie-
derbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt
sein wird. Die Vollzugsbehörden haben dafür besorgt zu sein, dass der Be-
schwerdeführerin im Hinblick auf eine Überstellung nach Frankreich die
notwendige medizinische Betreuung zuteilwird (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-
VO). Die Überstellung nach Frankreich ist angemessen zu organisieren
und allenfalls eine medizinische Begleitperson beizugeben. Falls notwen-
dig, ist sicherzustellen, dass sie ab ihrer Einreise fachmännisch betreut und
begleitet wird. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vermag
die Annahme einer Unzulässigkeit des Vollzugs der Überstellung nach
Frankreich im Sinne der vorstehend skizzierten restriktiven Rechtspre-
chung nicht zu rechtfertigen.
4.5 Soweit die Beschwerdeführerin das Vorliegen von "humanitären Grün-
den" geltend macht, ist Folgendes festzuhalten:
4.5.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions-
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beschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Strei-
chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge-
mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vorinstanz-
lichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf
Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung nunmehr
im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich kor-
rekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung ge-
tragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1
Bst. a und b AsylG).
4.5.2 Das SEM stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Stand-
punkt, die Beschwerdeführerin habe keine konkreten Hinweise vorge-
bracht, wonach sie bei einer Überstellung nach Frankreich einen ernsthaf-
ten Nachteil oder einer gravierenden Menschenrechtsverletzung gemäss
Art. 3 und 4 EMRK ausgesetzt wäre. Die Tatsache, dass sie in der Vergan-
genheit Opfer von Menschenhandel gewesen sei, sei bei einer Überstel-
lung kein ausreichender Grund für ein tatsächliches Risiko des Re-Traffi-
ckings. Gemäss der Zustimmung Frankreichs werde sie sodann nicht an
den Ort überstellt, an welchem sie Opfer von Ausbeutung geworden sei.
Zudem könne den Akten nicht entnommen werden, dass sie sich in Frank-
reich an die Behörden gewandt hätte. Es würden somit keine objektiven,
konkreten und ernsthaften Hinweise aus den Akten ergeben, wonach die
französischen Behörden, wenn sie über die entsprechenden Informationen
verfügen, nicht alle erforderlichen Massnahmen ergreifen würden, um die
Beschwerdeführerin ihrer Situation entsprechend unterzubringen und zu
betreuen. Im Weiteren gebe es keine Hinweise, dass die Überstellung ge-
gen Bestimmungen der EMRK verstossen würde. Dass die Beschwerde-
führerin bemüht sei, sich in der Schweiz zu integrieren, habe ebenfalls kei-
nen Einfluss auf die Zuständigkeit für das Asyl- und Wegweisungsverfah-
ren. Es sei grundsätzlich nicht Sache der betroffenen Person, den für ihr
Asylverfahren zuständigen Staat selber zu wählen. Die Tatsache, dass sie
sich seit Januar 2019 in der Schweiz aufhalte, vermöge daran nichts zu
ändern. Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu
beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Er-
messensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermes-
sens zu entnehmen.
4.5.3 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist
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festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
4.6 Somit bleibt Frankreich der für die Behandlung des Asylgesuchs der
Beschwerdeführerin zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO.
Frankreich ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 21, 22 und 29
aufzunehmen, sofern die Beschwerdeführerin bei den französischen Be-
hörden um Asyl nachsucht. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen
in den Beschwerdeeingaben und die eingereichten Beweismittel im Einzel-
nen einzugehen, da sie an der vorgenommenen Würdigung des vorliegen-
den Sachverhalts nichts zu ändern vermögen.
5.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. Da
die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Frankreich in
Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32
Bst. a AsylV 1).
6.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Wegweisungsvollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4
AuG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl.
BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem
aber mit Zwischenverfügung vom 22. Januar 2021 die unentgeltliche Pro-
zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und sich an den
Voraussetzungen dazu nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten
zu erheben.
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8.2 Mit gleicher Verfügung wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechts-
verbeiständung gutgeheissen und der Beschwerdeführerin ihre Rechtsver-
treterin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Die bei den Akten lie-
gende Kostennote erscheint den Verfahrensumständen als angemessen.
Nach deren Einreichung wurden noch zwei Eingaben getätigt. Der Rechts-
vertreterin ist unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfak-
toren (Art. 9 – 13 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]) und der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen zu-
lasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 1’300.–
(inkl. Auslagen) zuzusprechen. Das Honorar beinhaltet keinen Mehrwert-
steuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE.
(Dispositiv nächste Seite)
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