Decision ID: ae6c455f-9d99-44f7-b60d-fe43e9948987
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 29. Juni 2022 in der Schweiz
um Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Daten-
bank (Zentraleinheit-Eurodac) ergab, dass sie am 9. Juni 2022 bereits in
Kroatien um Asyl ersucht hatten.
A.b Am 5. Juli 2022 fanden die Personalienaufnahmen (PA) der Beschwer-
deführenden 1–4 statt.
A.c Anlässlich der Dublin Gespräche vom 21. Juli 2022 wurde den
Beschwerdeführenden 1–4 das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nicht-
eintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Kroatien
gewährt, den gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO) grundsätzlich für die Behandlung ihres Asyl-
gesuchs zuständigen Dublin-Staat. Dabei machten sie geltend, nicht nach
Kroatien zurückkehren zu wollen. Sie seien an der kroatischen Grenze ge-
zwungen worden, ihre Fingerabdrücke abzugeben. Es sei ihnen gedroht
worden, dass man sie zurückschicke, wenn sie ihre Fingerabdrücke nicht
abgeben würden. Von den Behörden seien sie schlecht behandelt worden.
Sie seien in ein Camp gebracht worden und hätten über neun Stunden lang
kein Essen erhalten; auch hätten sie das Zimmer nicht verlassen dürfen.
Sie hätten circa zehn Tage, davon sechs in Quarantäne, im Camp verbrin-
gen müssen. Sie hätten in Kroatien kein Asylgesuch gestellt und seien vor
der Anhörung zu den Asylgründen weitergereist. Von Beginn an hätten sie
in der Schweiz um Asyl ersuchen wollen, da hier die Menschenrechte be-
achtet würden und sie sich eine Zukunft aufbauen könnten.
Zum medizinischen Sachverhalt brachte der Beschwerdeführer 1 vor, auf-
grund von Splittern im (...) Schmerzen zu haben. Der Beschwerdeführerin
5 gehe es gut. Die Beschwerdeführerin 6 leide an Schlafstörungen und
Angstzuständen. Ebenso leide der Beschwerdeführer 7 an Angstzustän-
den und spreche kaum, dies aufgrund der Fluchterlebnisse. Die Beschwer-
deführerin 2 gab zu Protokoll, an einem (...) zu leiden, der in ihrer Heimat
hätte operiert werden sollen. Der Beschwerdeführer 3 brachte vor, an
Bauch- und Kopfschmerzen zu leiden; zudem sei er im Heimatstaat an den
(...) und am (...) operiert worden und habe daher noch Schmerzen. Der
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Beschwerdeführer 4 brachte vor, Probleme mit den Lungen und
Atemschwierigkeiten zu haben sowie an Nackenschmerzen zu leiden.
B.
Am 21. Juli 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Rück-
übernahme der Beschwerdeführenden gemäss Art. 18 Abs. 1 lit. b Dublin-
III-VO. Diesem Gesuch wurde am 4. August 2022 gestützt auf Art. 20
Abs. 5 Dublin-III-VO entsprochen.
C.
Es erfolgten verschiedene medizinische Konsultationen. Ein medizinisches
Datenblatt betreffend den Beschwerdeführer 3 datiert vom 16. August
2022; betreffend den Beschwerdeführer 1 datiert ein weiteres medizini-
sches Datenblatt vom 14. Juli 2022 sowie ein Röntgenbericht vom 7. Juli
2022.
D.
Mit Eingabe vom 26. Juli 2022 wies die Rechtsvertretung das SEM auf ver-
schiedene gesundheitliche Probleme der Beschwerdeführenden hin, ins-
besondere auf die Traumatisierung der Kinder durch die Flucht und er-
suchte um kinderpsychologische Abklärungen betreffend den Beschwer-
deführer 7.
E.
Mit Verfügung vom 20. September 2022 – eröffnet am 21. September 2022
– trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein und verfügte die
Überstellung nach Kroatien, den gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung
ihrer Asylgesuche zuständigen Mitgliedstaat. Gleichzeitig verfügte es den
Vollzug der Wegweisung nach Kroatien und stellte fest, einer allfälligen Be-
schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
F.
Mit Beschwerde vom 28. September 2022 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragten die Beschwerdeführenden, die Verfügung vom 20. Sep-
tember 2022 sei aufzuheben und auf ihre Asylgesuche sei einzutreten.
Eventualiter sei die Verfügung zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklä-
rung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht
beantragten sie im Sinne einer vorsorglichen Massnahme, der Be-
schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbe-
hörde sei unverzüglich anzuweisen, von einer Überstellung nach Kroatien
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abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung entschieden habe. Zudem beantragten sie die Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses.
G.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 29. September 2022 wurde der
Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen ausgesetzt.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Oktober 2022 erteilte die Instruktionsrich-
terin der Beschwerde die aufschiebende Wirkung, forderte die Beschwer-
deführenden zur Einreichung einer Fürsorgebestätigung auf, verzichtete
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ersuchte die Vorinstanz
um Einreichung einer Vernehmlassung.
I.
Mit Vernehmlassung vom 24. Oktober 2022 nahm die Vorinstanz zur Be-
schwerde Stellung. Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführen-
den am 26. Oktober 2022 zur Kenntnis gebracht und ihnen Frist zur Einrei-
chung einer Replik gesetzt.
J.
Mit Eingabe vom 2. November 2022 reichten die Beschwerdeführenden
eine Fürsorgebestätigung nach.
K.
Am 23. November 2022 reichten die Beschwerdeführenden eine Replik un-
ter Beilage eines Arztberichts vom 22. September 2022 betreffend den Be-
schwerdeführer 7 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
3.1 Die Beschwerdeführenden bringen in formeller Hinsicht vor, das SEM
habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt und den Sachverhalt unvoll-
ständig festgestellt. Sinngemäss rügen sie ebenfalls eine Verletzung der
Begründungspflicht. Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen, da
sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung
zu bewirken.
3.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts kann nach Art. 106 Abs. 1 AsylG gerügt werden. Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-
widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt
worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid we-
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sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör,
welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-
zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be-
gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65
E. 5.2).
3.3 Die Beschwerdeführenden rügen zunächst, die Vorinstanz habe den
medizinischen Sachverhalt der Beschwerdeführenden nicht genügend er-
stellt und sich auch nicht ausreichend mit den geltend gemachten psychi-
schen Problemen der Kinder auseinandergesetzt.
Hierzu ist festzuhalten, dass der Gesundheitszustand der Beschwerdefüh-
renden, namentlich die psychische Belastung der Kinder aufgrund der
Fluchterlebnisse, Gegenstand des Dublin-Gesprächs war und die Be-
schwerdeführenden darauf hingewiesen wurden, sich im Bedarfsfall an das
im BAZ vorhandene medizinische Personal zu wenden. Das SEM hat beim
zuständigen medizinischen Personal entsprechende Erkundigungen ein-
geholt, ob eine Kontaktaufnahme wegen der im Dublin-Gespräch geschil-
derten Gesundheitsbeschwerden der Kinder bei MedicHelp erfolgte; dies
wurde verneint (s. SEM-Akten 75/3). Es ist nicht davon auszugehen, dass
den Beschwerdeführenden der Zugang zur medizinischen Betreuung ver-
wehrt wurde. Sie hatten in anderer Sache mehrmals Kontakt zu ärztlichem
Personal; namentlich waren die Beschwerdeführenden 1 und 3 in ärztlicher
Behandlung, so dass davon auszugehen ist, dass sie die medizinischen
Bedürfnisse der übrigen Familienmitglieder, auch ihrer Kinder, bei Bedarf
hätten kommunizieren können. Das SEM war sodann auch nicht gehalten
von sich aus, gestützt auf die Eingabe der Rechtsvertretung vom 26. Juli
2022, in welcher diese auf die Belastung der Kinder wegen Traumatisie-
rungen auf der Flucht hinwies, weitere Abklärungen vornehmen zu lassen
oder abzuwarten. Dies insbesondere deshalb nicht, weil es in seinem Ent-
scheid die psychischen Gesundheitsprobleme der Beschwerdeführenden
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 7
aufnahm und ausführlich zur Frage des Zugangs zum Gesundheitssystem
in Kroatien Stellung nahm.
Dem Gesagten nach vermögen die Beschwerdeführenden mit ihrer im Zu-
sammenhang mit den gesundheitlichen Problemen geltend gemachten for-
mellen Rüge der ungenügenden Sachverhaltsabklärung respektive Verlet-
zung der Begründungspflicht und damit einhergehenden Verletzung des
rechtlichen Gehörs nicht durchzudringen. Daran vermag auch der Um-
stand, dass mit der Replik vom 23. November 2022 ein ärztlicher Kurzbe-
richt vom 22. September 2022 betreffend die psychische Verfassung des
Beschwerdeführers 7 nachgereicht wurde, nichts zu ändern. In diesem
ärztlichen Kurzbericht, der nach Erlass der angefochtenen Verfügung
ebenfalls beim SEM eingereicht wurde und bereits Gegenstand der Ver-
nehmlassung (Beschwerdeakten act. 4 S. 4) und der anschliessenden
Replik (Beschwerdeakten act. 5 S. 1–4) bildete, wird im Wesentlichen das
bereits Vorgebrachte (Verhaltensauffälligkeiten, Kommunikations- und Ap-
petitverlust, posttraumatische Belastungsstörung) wiederholt. Seit dem
22. September 2022 haben offenbar auch keine weiteren medizinischen
Behandlungen oder Untersuchungen stattgefunden. In antizipierter Würdi-
gung der gesamten Aspekte ist sodann ebenso wenig zu erwarten, dass
weitere medizinische Befunde in entscheidwesentlicher Hinsicht die nach-
stehende Einschätzung umzustossen vermöchten, weshalb für das Gericht
ebenso wenig Veranlassung besteht, weitere Abklärungen zu treffen oder
allfällige medizinische Untersuchungen abzuwarten.
3.4 Weiter rügen die Beschwerdeführenden, das SEM habe den Sachver-
halt hinsichtlich der Mängel im kroatischen Asylsystem nicht rechtsgenüg-
lich abgeklärt und nicht eingehend begründet, wieso es keinen Selbstein-
tritt vorgenommen habe.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden hat die Vorinstanz in
der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und mit ausreichender Be-
gründung sowie gestützt auf die geltende Rechtsprechung dargelegt, wes-
halb sie eine Überstellung der Beschwerdeführenden nach Kroatien als zu-
lässig erachtet; sie ist in ihren diesbezüglichen Ausführungen ebenfalls auf
allfällige Mängel im kroatischen Asylsystem eingegangen. Allein der Um-
stand, dass die Beschwerdeführenden eine andere Auffassung – nament-
lich zur Situation von Asylsuchenden im kroatischen Asylsystem – vertre-
ten, begründet noch keine Verletzung von verfahrensrechtlichen Vorschrif-
ten. Die Ausführungen der Beschwerdeführenden tangieren denn auch im
Wesentlichen materielle und nicht formelle Aspekte. Im Übrigen zeigt die
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Seite 8
Beschwerdeeingabe, dass eine sachgerechte Anfechtung der vorinstanzli-
chen Verfügung ohne Weiteres möglich war.
3.5 Schliesslich rügen die Beschwerdeführenden, dass sich die Vorinstanz
nicht zu einer Kindeswohlgefährdung gemäss Art. 3 des Übereinkommens
über die Rechte der Kinder (Kinderrechtskonvention; KRK SR 0.107) ge-
äussert habe. Insbesondere sei sie nicht auf die durch die Erlebnisse in
Kroatien traumatisierten jüngeren Kinder eingegangen.
Tatsächlich hat das SEM in seiner Verfügung keinen expliziten Bezug auf
Art. 3 KRK genommen. Dies war aber angesichts der einlässlichen Ausfüh-
rungen der Vorinstanz zur Frage, ob im Falle der Beschwerdeführenden
als Familie Überstellungshindernisse in Bezug auf den Dublin-Staat Kroa-
tien zu bejahen sind, nicht notwendig, zumal sich das SEM in seiner Ver-
fügung dabei auch eingehend zum Zugang zur medizinischen Versorgung
in Kroatien geäussert hat, sollte eine Behandlung der geltend gemachten
Traumata der Kinder notwendig sein.
3.6 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das
entsprechende Rechtsbegehren ist somit abzuweisen.
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem
Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO).
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Seite 9
Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet
demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach
Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
4.3 Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführenden mit der
«Eurodac»-Datenbank ergab, dass diese am 9. Juni 2022 in Kroatien auf-
gegriffen und daktyloskopisch erfasst wurden (SEM-Akten 34/1; 36/1;
38/1). Die kroatischen Behörden haben sodann dem Wiederaufnahmege-
such der Vorinstanz innert der in Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO festgelegten
Frist am 4. August 2022 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO zuge-
stimmt. Sie hielten dabei fest, die Beschwerdeführenden hätten am 9. Juni
2022 die Absicht geäussert, um internationalen Schutz zu ersuchen, seien
jedoch noch vor der Erfassung dieses Antrags untergetaucht; das Verfah-
ren sei in Kroatien hängig (SEM-Akten act. 71/2 und 72/2). Das SEM hat
auf Vernehmlassungsstufe hierzu weiter erläutert, gemäss Art. 20 Abs. 5
Dublin-III-VO habe ein Mitgliedstaat eine asylgesuchstellende Person zu-
rückzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mit-
gliedstaats zum Abschluss zu bringen. Sollte im Rahmen des Zuständig-
keitsverfahrens kein anderer Mitgliedstaat als zuständig ermittelt werden,
ergehe in diesem Fall ein Entscheid im nationalen Verfahren. Eine Zustim-
mung gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO setze daher im Allgemeinen
voraus, dass ein Asylgesuch eingereicht worden sei. Der vorliegend re-
gistrierte Treffer der Kategorie 1 aus der Eurodac Datenbank der Familie
bestätige die Einreichung der Asylgesuche. Es sei im Interesse der kroati-
schen Behörden, nur Asylgesuche in Eurodac einzuspeisen, wenn auch
ein Wille um Einreichung eines Asylgesuchs vorgebracht werde. Deshalb
seien die Treffer auch nicht grundsätzlich in Frage zu stellen und auch
keine schriftlichen Belege einzufordern, da durch die Zustimmung der kro-
atischen Behörden unmissverständlich zum Ausdruck gebracht worden
sei, dass sie in Kenntnis über die in ihrem Land eingereichten Asylgesuche
durch die Beschwerdeführenden seien. Die kroatischen Behörden hätten
vorliegend darauf hingewiesen, dass das in ihrem Land eingeleitete Asyl-
verfahren noch nicht abgeschlossen und somit noch im Gange sei. Unter
diesen Umständen und da die Beschwerdeführenden in der Zwischenzeit
weder das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten verlassen noch einen Aufent-
haltstitel von einem Mitgliedstaat erhalten hätten, sei es gerechtfertigt, in
diesem Fall von einem «Take Back»- Verfahren auszugehen.
Diesen vorinstanzlichen Ausführungen und überzeugenden Präzisierun-
gen haben die Beschwerdeführenden weder im Beschwerdeverfahren
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noch auf Replikstufe etwas entgegengesetzt. Von der grundsätzlichen Zu-
ständigkeit Kroatiens zur Rückübernahme im Sinne von Art. 20 Abs. 5 Dub-
lin-III-VO ist daher auszugehen.
5.
Die Beschwerdeführenden bringen auf Beschwerdeebene im Wesentli-
chen vor, es sei keineswegs garantiert, dass sie bei einer Überstellung
nach Kroatien Zugang zu angemessener Unterbringung und Versorgung
hätten und ein faires Asylverfahren erhalten würden. Mit Verweis auf Be-
richterstattungen der «Asylum Information Database» (aida), «Médecins
du monde» und «Border Crossing Spielfeld» sei unter anderem festzuhal-
ten, dass sich für Dublin-Rückkehrer weiterhin Probleme beim Zugang zum
kroatischen Asylverfahren stellen würden, dass die medizinische Versor-
gung bei psychischer Erkrankung mangelhaft sei und dass auch allgemein
der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen schwierig sei. Insbesondere
in Bezug auf den Beschwerdeführer 7 sei zweifelhaft, ob dieser die drin-
gend notwendigen medizinischen Behandlungen erhalten werde. Hinzu
komme die Problematik der fehlenden Dolmetscher in Kroatien im Rahmen
von Therapien. Sie beantragen daher den Selbsteintritt der Schweiz.
6.
6.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als
zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechte-
charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-
stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann.
Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der
Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-
gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird
der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
6.2 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
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Seite 11
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
6.3
6.3.1 Die Vorinstanz hat in Beachtung des Referenzurteils des Bundesver-
waltungsgerichts E-3078/2019 vom 12. Juli 2019 zutreffend dargelegt,
dass ungeachtet der Frage der in der Beschwerde geäusserten Kritik am
Zugang zum kroatischen Asylverfahren, insbesondere der problemati-
schen «Push-back»-Praxis im Zusammenhang mit Grenzübertritten, im
Bereich der Wiederaufnahmeverfahren keine Gründe für die Annahme vor-
liegen, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragstel-
lende in Kroatien würden systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3
Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen (vgl. dazu beispielsweise die
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] D-1418/2022 vom 4. April
2022 E. 5.2; D-3947/2022 vom 20. September 2022 E. 10; F-4079/2022
vom 23. September 2022 E. 5 m.w.H.).
6.3.2 Selbst unter Berücksichtigung der von den Beschwerdeführenden
geschilderten Erlebnisse sowie der auf Beschwerdeebene referenzierten
Berichte von Nichtregierungsorganisationen ist nicht davon auszugehen,
Kroatien verstosse zum heutigen Zeitpunkt systematisch gegen seine ver-
traglichen Verpflichtungen als zuständiger Dublin-Mitgliedstaat im Falle ei-
ner Rücküberstellung von Asylsuchenden. Diesbezüglich ist auf die Aus-
führungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung sowie auf Ver-
nehmlassungsstufe zu verweisen, welche sich auf die vor Ort getroffenen
Abklärungen stützen (vgl. SEM-Akten act. 77/17 S. 4 ff.; Beschwerdeakten
act. 4 S. 3). Dem wird auf Ebene der Replik nichts entgegengehalten, was
zu einer anderen Einschätzung führen könnte.
6.3.3 Sofern in der Beschwerde auf die Push-back-Problematik Kroatiens
hingewiesen wird, ist festzuhalten, dass sich diese primär auf das Verhal-
ten des Landes an seiner Aussengrenze zu Bosnien und Herzegowina und
zu Serbien abspielt. Damit ist aber nichts zur vorliegend interessierenden
Situation der Rückkehr nach Kroatien nach Asylantragstellung gesagt. Die
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Seite 12
von den Beschwerdeführenden geschilderten Zustände beim Grenzüber-
tritt, bei welchem sie mit der Polizei aneinandergeraten seien, haben letzt-
lich die Möglichkeit einer Asylgesuchstellung nicht verhindert. Im Gegenteil
wurden die Beschwerdeführenden offenbar dazu angehalten, sich ins kro-
atische Asylverfahren zu begeben und sie wurden hierzu nach der dakty-
loskopischen Erfassung im Eurodac-System in ein Aufnahmecamp ver-
bracht. Die nicht näher substanziierten schlechten Aufnahmebedingungen,
welche die Beschwerdeführenden bei ihrem mehrtägigen Aufenthalt im
Camp erlebt haben wollen, rechtfertigen es nicht, davon auszugehen, dass
sie bei einer Rückkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer einer un-
menschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK,
Art. 3 FoK oder Art. 4 EU-Grundrechtecharta werden. Bei Fehlverhalten
einzelner Beamter oder von Privatpersonen können sie sich zudem an die
zuständigen kroatischen Stellen wenden. Es ist auch nicht davon auszu-
gehen, dass sie bei einer Überstellung nach Kroatien in eine existenzielle
Notlage geraten könnten. Bei einer Rücküberstellung nach Kroatien, wür-
den die Beschwerdeführenden in die Hauptstadt Zagreb überstellt. Zudem
würden die kroatischen Behörden vorgängig über die familiäre Situation
informiert.
6.3.4 Mit der Vorinstanz ist mithin davon auszugehen, dass Personen, wel-
che im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Kroatien zurückgeführt wer-
den, nicht von der problematischen Push-back-Praxis betroffen sind (vgl.
Urteil des BVGer F-1653/2022 vom 21. April 2022 E. 6.3 m.w.H.;
D-1304/2022 vom 25. Mai 2022 E. 6.2 und 6.3).
6.4 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
7.
7.1 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert
und das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
E-4341/2022
Seite 13
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE
2015/9 E. 8.2.1).
7.2
7.2.1 Die Beschwerdeführenden haben – bereits angesichts der expliziten
Zusicherung der Wiederaufnahme durch Kroatien – kein konkretes und
ernsthaftes Risiko dargetan, dass die kroatischen Behörden sich weigern
könnten, sie wieder aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen
Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den
Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kro-
atien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten
und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder
ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder
in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-
gen zu werden. Ausserdem haben die Beschwerdeführenden nicht darge-
tan, die sie bei einer Rücküberstellung erwartenden Bedingungen in Kroa-
tien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-
Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten.
7.2.2 Die Beschwerdeführenden haben sodann keine Umstände geltend
gemacht, gestützt auf welche sich die Annahme rechtfertigen würde, Kro-
atien würde ihnen dauerhaft die ihnen gemäss Aufnahmerichtlinie zu-
stehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer allfälli-
gen vorübergehenden Einschränkung könnten sie sich im Übrigen nötigen-
falls an die dortigen Behörden wenden und die ihnen zustehenden Aufnah-
mebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahme-
richtlinie). Schliesslich können sie sich nebst den zuständigen behördli-
chen Stellen auch an internationale Hilfsorganisationen vor Ort wenden.
7.3
7.3.1 Soweit die Beschwerdeführenden vorbringen, sie seien gesundheit-
lich angeschlagen, was einer Überstellung nach Kroatien entgegenstehe,
ist festzuhalten, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit
gesundheitlichen Problemen nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen
Art. 3 EMRK darstellt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be-
troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-
stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit
dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt-
zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die dama-
lige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]).
Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die
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durch die Rückführung – mangels angemessener medizinischer Behand-
lung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns-
ten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-
heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer
erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
7.3.2 Eine solche Situation ist vorliegend offenkundig nicht gegeben. Sämt-
liche geltend gemachten physischen und psychischen Beschwerden der
Beschwerdeführenden erweisen sich als nicht derart gravierend, dass sie
im Falle einer Überstellung nach Kroatien mit dem Risiko einer ernsten,
raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung des Gesundheitszu-
standes konfrontiert wären.
7.3.3 Die Vorinstanz hielt sodann zutreffend fest, dass Kroatien über eine
ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten sind
verpflichtet, den Antragstellenden die erforderliche medizinische Versor-
gung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Be-
handlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst,
zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); Antragstellene-
den mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder
sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologi-
schen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Sodann
bestehen in Kroatien nebst den staatlichen Einrichtungen auch Angebote
von Nichtregierungsorganisationen für die psychische Betreuung, womit
von einem genügenden psychologischen Behandlungsangebot auszuge-
hen ist (vgl. Urteile des BVGer F-4368/2020 vom 14. Januar 2021 E. 7.3
m.H.; E-794/2022 vom 5. Mai 2022, E. 7.2).
7.3.4 Die Schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten
Verfügung beauftragt sind, haben sodann generell den medizinischen Um-
ständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung
von Asylgesuchstellenden Rechnung zu tragen und die Behörden des zu-
ständigen Mitgliedstaates vorgängig in geeigneter Weise über die spezifi-
schen medizinischen Umstände zu informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-
VO). Zum Zeitpunkt der Überstellung wäre allfälligen medizinischen Aspek-
ten somit durch die Information an die Behörden des zuständigen Mitglied-
staates Kroatien Rechnung zu tragen. Es liegen keine Hinweise vor, wo-
nach Kroatien seinen Verpflichtungen im Rahmen der Dublin-III-VO in me-
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dizinischer Hinsicht nicht nachkommen würde. Der aktuelle Gesundheits-
zustand der Beschwerdeführenden führt somit für den Fall einer Überstel-
lung nach Kroatien nicht zur Annahme einer drohenden Verletzung von
Art. 3 EMRK.
7.3.5 Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes ist es sodann nicht ange-
zeigt, das SEM dazu zu verpflichten, bei den kroatischen Behörden Garan-
tien dafür einzuholen, dass diese sich an die von ihnen eingegangenen
völkerrechtlichen Verpflichtungen inklusive die adäquate und nahtlose me-
dizinische Versorgung sowie eine nahtlose Unterbringung in den Struktu-
ren für vulnerable Personen, namentlich auch Familien, halten.
7.4
7.4.1 Bei der Prüfung des Kindeswohls ist das grundlegende Bedürfnis von
Kindern zu berücksichtigen, in möglichst engem Kontakt mit ihren Eltern
aufwachsen zu können. Den Akten sind keine Hinweise dafür zu entneh-
men, dass in Kroatien die Gefahr bestehen könnte, die Beschwerdeführen-
den würden von ihren Kindern getrennt. Es kann in Übereinstimmung mit
der aktuellen Rechtsprechung davon ausgegangen werden, dass die Kin-
der Zugang zu adäquater Unterbringung, Beschulung und Unterstützung
erhalten werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene vermögen an
dieser Einschätzung nichts zu ändern. Eine Überstellung nach Kroatien
stellt mithin keine Verletzung im Sinne von Art. 3 KRK dar.
7.4.2 Nach dem Gesagten konnten die Beschwerdeführenden kein konkre-
tes und ernsthaftes Risiko dartun, dass ihre Überstellung nach Kroatien die
Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Ein zwingen-
der Selbsteintritt gebietet sich daher nicht.
7.5
7.5.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions-
beschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Strei-
chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge-
mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vor-
instanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht
mehr auf Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung
im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich kor-
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rekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung ge-
tragen und sein Ermessen ausgeübt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b
AsylG, BVGE 2015/9 E. 7 ff.).
7.5.2 Das SEM hat gewürdigt, dass es sich bei den Beschwerdeführenden
um eine Familie mit Kindern handelt, und es hat ihre gesundheitliche Situ-
ation einlässlich berücksichtigt. Da die diesbezügliche Auseinanderset-
zung der Vorinstanz insgesamt nicht zu bemängeln ist, hält die angefoch-
tene Verfügung auch unter dieser Optik einer Prüfung stand. Es sind den
Akten insgesamt keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch zu ent-
nehmen.
7.5.3 Das Gericht enthält sich unter diesen Umständen weiterer Äusserun-
gen zur Frage eines Selbsteintritts aus humanitären Gründen.
7.6 Nach dem Gesagten besteht vorliegend kein Grund für eine Anwen-
dung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit
halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein
Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen
(vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.7 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht einge-
treten.
7.8 Das SEM hat die Überstellung nach Kroatien in Anwendung von Art. 44
AsylG zu Recht angeordnet. Allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83
Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da das Fehlen von
Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensent-
scheids gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
Somit wären bei diesem Verfahrensausgang die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da – ex ante betrachtet –
die gestellten Rechtsbegehren nicht als aussichtslos zu bezeichnen sind,
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die Beschwerdeführenden aufgrund der am 2. November 2022 nachge-
reichten Fürsorgebestätigung als bedürftig zu erachten sind und seither
keine Veränderung ihrer finanziellen Verhältnisse aktenkundig geworden
ist, ist das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Pro-
zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Es sind daher
keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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