Decision ID: 5795e4e2-d3eb-4e0a-9ea9-75bf9e83f1eb
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Formular zur Voranmeldung von Kurzarbeit vom 17. März 2020 reichte
X._
bei der Arbeitslosenversicherung den Antrag auf Kurzarbeits
entschädigung für die Mitarbeiter des
Y._
(Urk. 7/13) ein.
Das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) erhob gegen die Voranmeldung teilweise Einspruch;
die
Ausrichtung von
Kurzarbeit
sentschädigung
wurde ab dem 1
9.
März 2020
bis am 1
8.
September 2020
bewilligt (
Verfügung vom 2
9.
März 2020,
Urk. 7/
1
2
).
1.2
Am 30. November 2020 wurde bei der Arbeitslosenkasse das Formular Antrag und Abrechnung von Kurzarbeitsentschädigung für die
Y._
für den Monat November 2020
eingereicht
. Nachdem das AWA darauf
hingewiesen hatte
, dass für den Betrieb ab dem 1. September 2020 keine neue Voranmeldung für die Weiterführung der Kurzarbeit
eingereicht worden war
(vgl. E-Mail-Verkehr Urk. 7/3)
, beantragte
Z._
für die Mitarbeiter des
Y._
m
it Formular zur Voranmeldung von Kurzarbeit vom 3. Dezember 2020 bei der Arbeitslosenversicherung die Ausrichtung
von
Kurzarbeitsentschädigung ab dem 1.
November 2020 (Urk. 7/2
). Mit Verfügung vom 7.
Dezember 2020
bewilligte das AWA das Gesu
ch teilweise; in der Zeit vom 10. Dezember 2020 bis 9
. März 2021 könne Kurzarbeitsentschädigung ausgerichtet werden, sofern die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien (Urk.
7/1
). Die dagegen erhobene Einsprache vom
13. Dezember 2020 (
Urk.
7/5
) wies das AWA mit Entscheid vom 1
8
. Januar 2021 (Urk. 2 [= Urk.
7/8
]) ab.
2.
Dagegen erhob
X._
Beschwerde und beantragte die Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung ab dem 1.
November
2020 (Urk.
1). Mit Beschwerde
antwort vom 18.
März 2021 schloss der Beschwerdegegner auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 6
), worüber
der
Beschwerdeführer mit Verfügung vom
24
. März 2021 in
Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung besteht, wenn der Arbeitsausfall anrechenbar sowie voraussichtlich vor
übergehend ist und erwartet werden darf, dass durch Kurz
arb
eit die Arbeitsplätze erhalten werden können (
Art.
31 Abs. 1
lit
.
b und d
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und d
ie Insolvenzentschädigung [AVIG]
). Ein Arbeitsausfall ist unter anderem anre
chen
bar, wenn er auf wirtschaftliche Gründe zurück
zufüh
ren und unver
meidbar ist (
Art.
32
Abs.
1
lit
.
a AVIG).
Nicht anre
chenbar ist ein Arbeitsausfall gemäss
Art.
33
Abs.
1 AVIG, wenn er durch betriebsorganisatorische Mass
nahmen wie
Rei
nigungs
, Reparatur
oder Unterhaltsarbeiten sowie andere übliche und wiederkehrende Betriebsunterbrechu
ngen oder durch Umstände verursacht wird, die zum nor
malen Betriebs
risiko des Arbeitgebers gehören (
lit
.
a), ferner wenn er
branchen
,
berufs
oder betriebsüblich ist oder durch sai
sonale Beschäftigungsschwankungen verursacht wird (
lit
.
b).
1.2
Beabsichtigt ein Arbeitgeber, für seine Arbeitnehmer Kurzarbeitsentschädigung geltend zu machen, so muss er dies der kantonalen Amtsstelle mindestens zehn Tage vor Beginn der Kurzarbeit schriftlich voranmelden. Der Bundesrat kann für Ausnahmefälle kürzere Voranmeldefristen vorsehen (
Art.
36 Abs. 1 AVIG). Er hat von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht und die Voranmeldefrist für Kurzarbeit ausnahmsweise auf drei Tage festgesetzt für Fälle, in denen der Arbeitgeber nach
weist, dass die Kurzarbeit wegen plötzlich eingetretener Umstände, die nicht voraussehbar waren, eingeführt werden muss (
Art.
58
Abs.
1
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und d
ie Insolvenzentschädi
gung [AVIV]).
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob
der Beschwerdeführer bereits vor dem 10
. Dezember 2020 Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung hat.
2.1
Am 18. Dezember 2020 beschloss der Bundesrat mit Verordnung über Mass
nahmen in der besonderen Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung besondere Lage; SR 818.101.26), die geltenden Massnahmen zur Eindämmung der Epidemie zu verschärfen und
öffentlich zugängliche Einrichtungen und Betriebe in den Bereichen Kultur, Unterhaltung, Freizeit und Sport für das Publikum zu schliessen. Davon betroffen waren
Spor
t
- und Wellnessbetriebe, namentlich Sport- und Fitnesszentren, Kunsteisbahnen und Schwimmbäder (Art. 5d Abs. 1
lit
. b Covid-19-Verordnung besondere Lage, Stand 22. Dezember 2020).
Am 1
9.
März 2021 beschloss die Bundesversammlung, das am 25. September 2020 in Kraft getretene Bundesgesetz über die gesetzlichen Grundlagen
für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Gesetz
, SR 818.102
) abzuändern. Gemäss Art. 17b Abs. 1 Covid-19-Gesetz (Stand 20. März 2021) ist in Abweichung von Art. 36 Abs. 1 AVIG keine Voran
meldefrist für Kurzarbeit einzuhalten. Sodann ist die Voranmeldung zu erneuern, wenn die Kurzarbeit länger als sechs Monate dauert. Für rückwirkende Anpassungen einer bestehenden Voranmeldung ist ein entsprechendes Gesuch bis am 30. April 2021 bei der kantonalen Amtsstelle einzureichen. Betriebe, die auf
grund der seit dem 18. Dezember 2020 beschlossenen behördlichen Massnahmen von Kurzarbeit betroffen sind, wird des Weiteren der Beginn der Kurzarbeit in Abweichung von
Art.
36 Abs. 1 AVIG auf Gesuch hin neu rückwirkend auf
das Inkrafttreten der entsprechenden Massnahme bewilligt (Art. 17b Abs. 2 Covid-19-Gesetz).
Die Gesetzesänderung wurde für dringlich erklärt und
am
20. März 2021 beziehungsweise Art. 17b
Abs.
1 Covid-19-Gesetz rückwirkend auf den 1. September 2020 in Kraft gesetzt.
Mit Weisung 2021/06: Aktualisierung «Sonderregelung aufgrund der Pandemie» vom 1
9.
März 2021 legte das Staatssekretariat für Wirtschaft (
Seco
) fest, dass eine rückwirkende Erteilung einer Bewilligung nur für Betriebe möglich
ist
, die von den ab 18. Dezember 2020 beschlossenen Massnahmen betroffen sind
(S. 11). Die Betriebe könn
en bis am 30. April 2021 ein schriftliches Gesuch bei der kanto
nalen Amtsstelle einreichen, um ab dem Inkrafttreten der entsprechenden Massnahme Kurzarbeitsentschädigung
zu
beziehen, unabhängig vom Einreichungsdatum der Voranmeldung (S. 12). Betriebe, die zwar zum Zeitpunkt der Schliessung über eine gültige Bewilligung verfügten, diese aber nicht rechtzeitig erneuert haben, haben (nach altem Recht) keinen ununterbrochenen Anspruch auf Kurzarbeits
entschädigung. Um eine Ungleichbehandlung von Betrieben, die sich zu Beginn oder während der Dauer der behördlichen Massnahmen in derselben Situati
on befinden, zu vermeiden, könn
en auch diese Betriebe ein Gesuch einreichen, um lückenlos Kurzarbeitsentschädigung beziehen zu können (S. 13).
2.2
Gemäss allgemein gültigem intertemporalrechtlichen Grundsatz sind der Beurtei
lung einer Sache grundsätzlich jene Rechtsnormen zugrunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklichte (BGE 126 V 134 E. 4b mit Hinweisen). Eine Rückwirkung von Gesetzesbestimmungen ist eine systemfremde Ausnahme
regelung. Mit Inkrafttreten der neuen Gesetzesbestimmungen im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
hat der Gesetzgeber einen rückwirkenden Anspruch
auf Kurzarbeit für betroffene Betriebe explizit beschlossen und Art. 17b Abs. 1
Covid-19-Gesetz trat rückwirkend auf den 1. September 2020 in Kraft, womit sich die Rechtsnormen im Zeitpunkt des Erlasses des
Einspracheent
scheides
nachträglich geändert haben. Zu den geänderten Bestimmungen im Covid-19-Gesetz und deren Auswirkungen auf den vorliegenden Sachverhalt haben sich die Parteien noch nicht äussern können. Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V 357 E. 2b, 116 V 182 E. 3c und d). Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist.
Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass entsprechende Gesuche zur Anpassung bestehender Bewilligungen oder zur rückwirkenden Bewilligung auf den Zeit
punkt des
Inkraftretens
der betreffenden Massnahmen bis am 30. April 2021 einzureichen sind (Art. 17b Covid-19-Gesetz). Die neu entstandenen Entschädi
gungsansprüche sind sodann bis zum 3
0.
April 2021
bei der kantonalen Amtsstelle
geltend zu machen (vgl. Art. 17b Abs. 3 Covid-19-Gesetz), wobei es sich um eine Verwirkungsfrist handelt (vgl. Botschaft zu einer Änderung des Covid-19-Gesetzes,
BBl
2021 285 S. 30). Aufgrund der zeitlichen Dringlichkeit und der kurzfristigen Änderungen der gesetzlichen Bestimmungen rechtfertigt es sich vorliegend, von einem weiteren Schriftenwechsel abzusehen und die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese unter Berücksichtigung der neuen Bestimmungen sowie der Weisung des
Seco
vom 19. März 2021 über die Sache neu entscheide. Mit diesem Vorgehen wird ausser
dem sichergestellt, dass de
m Beschwerdeführer
keine Rechtsmittelinstanz verloren geht.