Decision ID: 7cea4463-fae5-4eb9-a1c4-057305507820
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970
, meldete sich am
5.
November 1997
unter Hinweis auf eine Depression
bei der Invalidenversicherun
g zum Leistungsbezug an (Urk. 6/4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach
ihr mit Verfügung vom 2
1.
April 1999
bei einem Invaliditätsgrad von
100
%
eine
ganze
Rente ab
1.
September 1997
zu (Urk.
6/25
).
Mit Mitteilung
en
vom
4.
Februar 2002 (
Urk.
6/51) und vom
2.
März
2005 (
Urk.
6/58) teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, der
Rentenanspruch sei un
ver
ändert.
Mit Verfügung vom 1
0.
September 2009 (
Urk.
6/93) teilte die IV-Stelle der Ver
sicherten mit, der Rentenanspruch sei bei
einem
neue
n
IV-Grad von 75
%
unver
ändert.
1.2
Nach Eingang eines am
1.
Oktober 2012
ausgefüllt
en Revisionsfragebogens (Urk. 6/
100
) holte d
ie IV-Stelle unter anderem beim
Y._
ein polydiszip
linäres Gutachten ein, das am
1
8.
Juli 2014
erstattet wurde (Urk.
6/117
). Nach
durc
hgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6
/
123-
131,
Urk.
6/178)
hob d
ie IV-Stelle mit Verfügung vom
9.
November 2017
die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk.
6/179
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
8.
Dezember 2017
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Ver
fü
gung vom
9.
November 2017
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben
und es sei
ihr weiterhin die bisherige Rente auszurichten (S. 2
Ziff.
1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
6.
Januar 2018 (
Urk.
5
)
die Abwei
sung der Beschwerde. Dies wurde
der Beschwerdeführerin am
2
8.
Februar
2018
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines
im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Ko
ntext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) da
von aus, dass
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verändert habe. Aus körperlicher Sicht sei eine Beeinträchtigung ausgewiesen, jedoch seien ihr leichte Tätigkeiten in Wechselbelastung zu 70
%
zumutbar. Die seit Jahren bestehende Depression sei aktuell als leichtgradig einzustufen.
Diese sei aufgrund der schw
ierigen psychosozialen Umstände
entstanden und sei daher nicht inva
lidisierend.
Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens sei
eine Potent
ialabklärung vorgenommen worden. Eine weitere Eingliederung sei nicht möglich gewesen,
der subjektive Leidensdruck
sei stark
ausgeprägt gewesen
.
Eine psych
iatrische
Therapie mit Expositionstraining sei
weiterhin
nicht aufgegleist worden
, weshalb
von einem fehlenden Leidensdruck aus
zugehen sei
.
Die Beschwerdeführerin
habe nicht alle möglichen Therapieoptionen ausgeschöpft
, e
ine psych
iatrische
Ein
schränkung der A
rbeitsfähigkeit
könne
deshalb
ni
cht berücksichtigt werden.
Es sei von
einer
70%ige
n
Rest-A
rbeitsfähigkeit
auszugehen
(S. 2)
.
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
5) führte die Beschwerdegegnerin aus,
e
s sei klar ein Revisionsgrund gegeben, da
die
Y._
-Gutachter eine Verschlechterung des somat
ischen
G
esundheitszustandes festha
lten
würden.
Der Anspruch k
önne
dem
zufolge umfassend überprüft werden
(S. 2).
Auf
das
Y._
-Gutachten könne
grund
sätzlich
abgestellt werden,
wobei aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht auf die aus psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsunfähigkeit abge
stellt werden könne.
Aus dem Gutachten sowie den weiteren Akten gehe hervor, dass die
Beschwerdeführerin
seit dem Jahr 2012 nicht mehr in einer psych
ia
trischen
Behandlung
stehe. Es habe
trotz Empfehlungen nie eine stationäre oder teilstationäre Behandlung stattgefunden.
Dass in Bezug auf das psychische Leiden überhaupt noch nie
eine adäquate Behandlung stattgefunden
habe
,
spreche
gegen das Vorliegen eines schweren psych
ischen
Leidens
(S. 2 f.). Hinzu komme, dass auch
die a
nlässlich der Begutachtung
erhobenen
objektiven
Befunde
weitgehend
unauffällig
gewesen seien
. Zudem
verfüge die Beschwerdeführerin über ein
ver
gleichsweise hohes Aktivitätsniveau im privaten Bereich.
Die aus psychiatrischer Sicht attestierte
A
rbeitsunfähigkeit sei vor diesem Hintergrund
nicht nachvoll
ziehbar
. Aus dem Gutachten sowie den weiteren Akten würden zudem diverse
psychosoziale Belastungsfaktoren
hervorgehen, welche das Beschwerdebild beein
flussen würden
. Auch aus diesem Grund sei vorliegend in Bezug auf das psy
chische Leiden ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen
.
Es
bestehe kein Grund für
einen
Tabellen
lohn
abzug,
da die
körperliche
n
Limitierungen be
reits im gutachterlichen Anforderungs- und Belastungsprofil berücksichtigt
w
orden seien (S. 3).
Betreffend
Eingliederungsmassnahmen
sei zu erwähnen, dass die durchgeführte Potentialabklärung
regulär beendet
und nicht abgebrochen
worden sei, weshalb kein Mahn- oder Bedenkzeitverfahren h
abe
durchgeführt werden müssen
(S. 4)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie
habe motiviert an
den
beruflichen Massnahmen teilgenommen,
welche trotz
dem gescheitert seien. Die Potentialabklärung habe
abgebrochen werden müssen
, nicht wegen der Motivation, sondern
aus gesundheitlichen Gründen
(S. 5)
.
Auf
grund der aktuellen Informationen sei die Eingliederung in den e
rste
n
Arbeits
markt
als
wenig chancenreich zu beurteilen.
Sie
sei demnach auf
dem
erste
n
Arbeitsmarkt nicht mehr eingliederbar
, weshalb
weiterhin ein Rentenanspruch
bestehe
.
Ansonsten
hätte vor der Rentenaufhebung ein
Mahn- und Bedenk
zeit
verfahren
durchgeführt werden müssen
(S. 6)
.
Zudem habe sich
der
G
esundheits
zustand
seit der Zusprache der Rente kaum verändert
.
Der für die Rente aus
schlaggebende psych
ische
G
esundheitszustand
sei
seit 2009
immer stationär geblieben
(S. 7)
.
Zudem müsse beim Invalideneinkommen ein Abzug von 10
%
berücksichtigt werden. Dazu habe sich die B
eschwerdegegnerin
im Übrigen nie geäussert, was eine Verletzung der Begründungspflicht sei
(S.
9)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Einstellung der bisherigen ganzen Rente rech
tens ist.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin bezog seit dem 1. September 1997 eine ganze Rente der Invali
denversicherung (Urk. 6/25
)
. Im Rahmen einer amtlichen Revision hob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
9.
November 2017 (
Urk.
2) die bisherige
ganze Rente per Ende des auf die Zustellung der Verfügung folgen
den Mo
nats auf
.
3.2
Das Bundesgericht geht vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbstein
gliede
rung verwertbar ist (Ulrich Meyer, Recht
sprechung zum IVG, 3. Auflage,
Zürich 2014, RZ 61 S. 436). Praktisch bedeutet dies, dass aus einer medi
zinisch atte
stierten Verbesserung der Arbeitsfähig
keit unmittelbar auf eine Ver
besserung der
Erwerbsfähigkeit geschlossen und damit ein entsprechen
der Einkommens
ver
gleich
(mit dem Ergebnis eines tie
feren Invaliditätsgrades) vor
genommen werden kann.
In ganz besonderen Ausnahmefällen hat die Rechtsprechung dennoch nach
lang
jährigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) ausgewiesener Leis
tungs
fähigkeit vorderhand weiterhin eine Rente zugesprochen, bis mit Hilfe
von medizinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen Massnah
men
das theoretische Leis
tungspotential ausgeschöpft werden kann. Es kön
nen im
Ein
zelfall Erfor
der
nisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizi
nisch
vor
handenen Leis
tungs
fähigkeit und medizinisch zumutbaren Leistungsent
faltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei her
vorgeht, dass
die Verwer
tung eines be
stimmten Leistungspotentials ohne vorgängige Durch
führung befähigender Mass
nahmen allein vermittels Eigen
anstrengung der versicherten Person nicht möglich
ist (Urteil des Bundesge
richts 9C_163/2009 vom 10. September 2010, E. 4.2.2).
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht im Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011 dahingehend präzisiert, dass die revisions- oder wiederer
wä
gungs
weise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versi
cher
ten
Personen, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr
als 15 Jahren bezogen haben, nur zulässig ist, wenn die Beschwerdegegnerin zu
vor Eingliederungs
mas
snahmen durchgeführt hat (E. 3.3).
Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass solche versicherte Perso
nen aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der dar
aus folgenden langjährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selber wie
der einzu
gliedern.
Dies führt zwar für die Betroffenen nicht zu einer Art Besitzstandsgarantie. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin zugestanden, dass die Rente grund
sätzlich erst nach
geleisteter Eingliederungshilfe eingestellt werden darf (vgl. erwähntes Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011, E. 3.5).
3.3
Im Zeitpunkt der Renteneinstellung im
Dezember 2017
war d
ie
Beschwerde
führer
in
47
Jahre alt und bezog seit über
20
Jahren eine ganze Rente. Damit fällt
sie
unter den vom Bun
desgericht besonders geschützten Bezügerkreis.
Vom 1
6.
Januar bis 1
0.
Februar 2017 fand eine Potentialabklärung statt (vgl.
Urk.
6/148).
D
er Auswertung
der Potentialabklärung vom
1
4.
Februar 2017 ist zu entnehmen (Urk. 6
/
150
),
dass die Beschwerdeführerin zu einem Pensum von 50
%
angemeldet gewesen sei.
Bereits in den ersten Tagen habe sich gezeigt, dass die Beschwerdeführerin schon nach ein bis zwei Stunden sehr erschöpft gewesen sei und ihre Leistungsfähigkeit und Konzentration markant abgenommen hätten. Sie habe geweint und über Schmerzen in Nacken, Schulter, Ellbogen und Handgelenk geklagt, die sich laut ihren Angaben verschlimmert hätten in der Potential
ab
klärung
(S. 1)
.
In der Werkstatt seien in drei Bereichen leichte bis mittelschwere, wechselseitig belastende Arbeiten angeboten worden. Der Beschwerdeführerin sei es nicht möglich gewesen, die in der Werkstatt angebotenen Arbeiten auszu
führen. Beidhändiges, repetitives und feinmotorisches Arbeiten sei nicht oder nur über eine sehr kurze Zeitspanne möglich. Stehend arbeiten sei gar nicht möglich.
Ihr Gesundheitszustand habe sich laut eigenen Angaben im Lauf der Potential
abklärung massiv verschlechtert. Sie meide wegen ihrer Ängste soziale Kontakte zur Kursgruppe und könne den Arbeitsweg nicht selbständig bewältigen.
Zum jetzigen Zeitpunkt seien aus arbeitspraktischer Sicht weitere Eingliederungs
massnahmen nicht angezeigt. Aufgrund der aktuellen Informationen werde eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt als wenig chancenreich beurteilt
(S. 2)
.
Dem Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung vom 2
4.
Februar
2017 (
Urk.
6/
15
5
) ist zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich die Potentialabklärung durchlaufen habe (S. 1). Um ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, sei die Abklärung bis zum Schluss durchgeführt worden.
Laut Angaben der Durchführungsstelle sei es vorrangig, die Selbständigkeit und Lebensqualität zu verbessern, die Funktionsfähigkeit für Aktivitäten im täglichen Leben aufzubauen und die Schmerzen zu reduzieren, damit Integrations
mass
nahmen überhaupt aufgenommen werden könnten. Es werde die Einschätzung der
Durchführungsstelle geteilt und jegliche Integrationsmassnahmen im heuti
gen
Zeitpunkt als undenkbar erachtet. Der subjektive Leidensdruck der Beschwerde
führerin in Bezug auf das Schmerzerleben und die Angst, sich ausserhalb des gewohnten privaten Umfelds zu bewegen, schienen stark ausgeprägt. Es bestehe aus Sicht der Eingliederungsberatung kein Eingliederungspotential. Das Dossier werde nach Absprache mit der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin in der Eingliederungsberatung geschlossen (S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss in de
r Folge die
Eingliederung
sberatung
ab (Urk.
6
/
154
) und erliess nach
durchgeführtem Vorbe
scheid
ver
fahren (
Urk.
6/123-131,
Urk.
6/178)
die vorlie
gend
ange
fochtene Verfügung vom
9.
November 2017 (
Urk.
2).
3.4
Zusammenfassend kann festgehalten werd
en, dass die Beschwerdegegnerin
Ein
gliederungsbemühungen unternommen hat.
So hat sie der Beschwerdeführerin
vor der Renteneinstellung genügend Eingliederungshilfe geleistet. Dass diese ohne
Erfolg geblieben sind, ist vorliegend nicht relevant. So kann von gescheiterten Eingliederungsbemühungen nicht ohne Weiteres auf eine
Invali
dität geschlossen werden, zumal sich die im Schlussbericht aufgeführ
ten
Einschränkungen
grössten
teils auf subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin beruhen und sich
medizi
nisch
nicht oder nicht genügend
begründen lassen (vgl. nachstehend
E. 6
)
.
Auf wel
che Gründe das Scheitern der Eingliederungsbemühungen zurückzufü
hren ist,
kann vorliegend offen
bleiben. Weitere berufliche Mass
nah
men erschei
nen in d
ieser Situation nicht erfolgversprechend, weshalb darauf
verzichtet werden durfte.
Der Beschwerdegegnerin ist
sodann
zuzustimmen, wenn sie anmerkt, es habe kein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchgeführt werden müssen, zumal die Poten
tialabklärung regulär beendet und nicht etwa abgebrochen worden sei. Zudem war der Beschwerdeführerin die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit seit Jahren zumutbar. So
geht aus den Akten hervor, dass
bereits
seit 2009 von einer Rest
arbeitsfähigkeit von 20-30
%
ausgegangen wurde (vgl.
Urk.
6/77 und
Urk.
6/91/
2).
3.5
Es bleibt damit zu prüfen, ob
sich der Gesundheitszustand der
Beschwer
de
füh
rer
in
in relevantem Ausmass verbessert hat, so dass die Rente aufgeho
ben werden durfte.
4.
4.1
Der
Verfügung vom 1
0.
September 2009 (
Urk.
6/93), welche vorliegend den zeitlichen Referenzpunkt bildet,
lagen im Wesentlichen die nachfolgenden Arztberichte zugrunde.
4.2
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, be
rich
tete am 1
9.
April 2007 (
Urk.
6/61) und führte aus, der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin sei stationär. Es bestünden zunehmend psychische und s
oziale Belastungen, einerseits durch die Mutter und die Schwiegermutter und anderer
seits durch die Situation in der Ehe. Bei dieser Behandlung sei vorwiegend eine Therapie durch den Psychiater sinnvoll. Bei ihm sei die Beschwerdeführerin in Behandlung wegen Knie- und Magenbeschwerden und Schlafproblemen.
4.3
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am
5.
Juni 2007 (
Urk.
6/62) und
nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
2.1):
-
Anpassungsstörung bei schwerer psychosozialer Belastung
-
l
angandauernde angstgeprägte depressive Reaktion (ICD-10 F43.21)
Er führte aus, der Gesundheitszustand und die Arbeitsunfähigkeit seien kaum
verändert. Die Ausübung einer Erwerbsfähigkeit sei nicht zumutbar
(S. 1
Ziff.
1.
2)
.
Bei der gegebenen Situation mit familiärer Einengung sei therapeutisch keine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes zu bewirken (S. 2
Ziff.
6.5
und Ziff. 6.3
).
4.4
Die Ärzte des
B._
berichteten am 3
0.
September 2008 (
Urk.
6/76) und nannten folgende Diag
nosen (S. 1):
-
Status nach Kniearthroskopie rechts mit totaler Restmeniskektomie des medialen Hinterhornes rechts vom 1
0.
Januar 2008 bei
-
k
omplexer Rissbildung des medialen Meniskushinterhorns Knie rechts mit Status nach Te
ilmeniskektomie vor Jahren
-
degenerative Chondromalazie mediales Tibiaplateau rechts, viertgradige Chondromalazie des medialen Femurkondylus rechts
-
Knie links: Verdacht auf degenerative Veränderungen
Sie führten aus,
dass die Beschwerdeführerin bezüglich des linken Knies wieder beschwerdefrei sei. Im rechten Knie habe sie deutlich weniger Schmerzen als vor der Operation im Januar 200
8.
Der heutige Termin sei ursprünglich zur Planung einer Kniearthroskopie links vereinbart worden. Die Beschwerdeführerin wolle
dies nun bei Schmerzfreiheit nicht ausführen lassen (S. 1). Die Schmerzen im Be
reich des rechten Kniegelenks, würden aufgrund einer minimen Instabilität so
wie Fehlbelastung bei ausgeprägten degenerativen Veränderungen beurteilt
(S. 2)
.
4.5
Die Ärzte des C._
erstatteten ihr poly
dis
ziplinäres Gutachten am
8.
März 2009 (
Urk.
6/77) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung
en
der Beschwerdeführerin.
Sie nannten folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26
Ziff.
6.2):
-
chronisches myofasziales beziehungsweise tendomyogenes Schmerz
syn
drom mit Akzentuierung eines zervikobrachialen und lumboverte
bra
genen bis lumbospondylogenen Schmerzsyndrom mit/bei
-
Fehlhaltung
-
ausgeprägter myostatischer Insuffizienz
-
degenerativen Veränderungen
-
zunehmender Generalisierungstendenz
-
chronische Gonarthralgien beidseits mit/bei
-
Status nach zweimaliger arthroskopischer Innenmeniskusrevision des rechten Kniegelenks
-
diskreten Zeichen einer initialen medial und retropatellar betonten Gonarthrose
-
anhaltende leichte depressive Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.01) mit/bei
-
anhaltend belastender familiärer Situation
-
Adipositas Grad I
Sie führten aus,
dass sich aus internistischer Sicht keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit begründen lasse
(S. 29)
.
Bei der rheumatologischen Untersuchung imponiere eine ausgeprägte Insuffizienz
insbesondere der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur, die zusammen mit der Fehlhaltung zu einer ständigen Fehl- und Überbelastung insbesondere des Achsenorgans führe. Bei den aktuellen Röntgendarstellungen ergäben sich über das altersentsprechende Mass hinausgehende multisegmentale laterale Spondy
losen der mittleren und unteren Brustwirbelsäule (BWS) bei ansonsten alters
ent
sprechen regelrechtem Befund. Im Bereich der Kniegelenke bestehe eine Form
variante der Patellae beidseits mit diskreten Zeichen einer initialen, medial und retrop
atellar betonten Gonarthrose. B
ei der aktuellen neurologischen Unter
su
chung fänden sich keine Hinweise auf eine neuroradikuläre Symptomatik.
Zusammenfassend bestehe auf orthopädisch-rheumatologischem Fachgebiet kein Gesundheitsschaden, der versicherungsmedizinisch betrachtet eine dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Fabrikarbeiterin begründen könnte
(S. 29 f.)
.
Bei der psychiatrischen Exploration habe die Beschwerdeführerin wenig Einblick in ihr Innenleben gewährt. Ihr Leiden sei aber gut spürbar und sie sei affektiv
schwingungsfähig. Sowohl der behandelnde Psychiater wie auch der psychia
trische Gutachter sähen die gesundheitliche Problematik der Beschwerdeführerin im Rahmen einer leichten depressiven Störung, die in engem Zusammenhang mit der psychosozialen Belastung stehe.
Aufgrund der über viele Jahre andauernden Symptomatik könne heute eine Anpassungsstörung aus formalen Gründen nicht mehr diagnostiziert werden.
Eine entscheidende Rolle würden hier die kulturelle Besonderheit der Beschwerdeführerin, die einer aktiveren Bewältigung der offen
sichtlich ungünstigen familiären Situation im Wege stehe, sowie der niedrige formale Bildungsstand mit funktionellem Analphabetismus spielen. Dabei handle es sich um IV-fremde Faktoren. Deshalb könne bei der derzeit leichten depres
siven Störung weder quantitativ noch qualitativ eine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden (S. 30 Mitte).
Zusammenfassend sei die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung aller Gege
ben
heiten und Befunde zu 100
%
arbeitsfähig (S. 30).
4.6
Dr.
med. D._
, praktischer Arzt, Regionaler Ärztlicher Dienst (R
AD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 1
3.
März 2009 Stellung (
Urk.
6/78/4) und führte aus, es könne auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten abgestellt werden. Unter Berücksichtigung der objektiven und reproduzierbaren Befunde liege ab November 2008 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vor. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sei eine Besserung des früher relevanten Gesundheits
scha
dens eingetreten.
4.7
Am
3.
September 2009 fand eine psychiatrische Standortbestimmung im RAD statt
(
Urk.
6/91 S. 2).
Dr.
med. E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
cho
therapie, RAD, führte aus, bei der Beschwerdeführerin verhindere ein chro
ni
scher psychischer Gesundheitsschaden von Krankheitswert (ICD-10 F32.11, ICD-10
Z63.8, ICD-10 Z60.3)
die volle Ausschöpfung der funktionellen Leis
tungs
fähig
keit. Im Vordergrund der inzwischen chronifizierten und weitgehend therapieresi
stenten Beschwerden stünden Angstzustände und depressive Stimmungs
schwan
kungen mit Ohnmachtsgefühlen und innerer Leere, verbunden mit der Konfron
tation häuslicher Konfliktsituation
en, denen sich die Beschwerdeführerin hilflos ausgesetzt fühle
. Im Widerspruch zur Einschätzung des Krankheitsbildes seitens des
C._
sei bei gleicher psychiatrischer Diagnosestellung die versicherungs
medi
zinische Bewertung als iv-relevanter Gesundheitsschaden einzuschätzen. Darüber hinaus sei im Hinblick auf das Vorliegen einer Revision der Sachverhalt zu berücksichtigen, dass sich in den letzten Jahren das Beschwerdebild der Be
schwer
deführerin nicht verbessert, sondern eher verschlechtert habe. Medizin
theo
retisch bestehe aktuell eine Restarbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 20-30
%
eines Pensums von 100
%
mit weiterem Steigerungspotential
unter der Voraussetzung erfolgreich verlaufender störungsspezifisch orientierter therapeu
tischer und beruflicher Eingliederung.
5.
5.1
Beim Erlass der vorliegend angefochtenen, rentenaufhebenden Verfügung vom
9.
November 2017 (Urk. 2) stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die nachfol
genden Berichte.
5.2
Die Ärzte des
Y._
erstatteten ihr polydisziplinäres Gutachten am 1
8.
Juli 2014 (
Urk.
6/117) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchungen der Beschwerdeführerin. Sie
nannten folgende
Diag
no
sen mit Auswirkung auf die Arbei
tsfäh
igk
eit
(S. 35
Ziff.
7):
-
c
hronisches lumbovertebrales Syndrom
-
degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule
-
Fehlform, Haltungsinsuffizienz
-
Valgusgonarthrose rechts
-
St
atus
n
ach Teilmeniskektomie media
l rechts 2003, St
atus nach totaler Meniskektomie medial
rechts 2008
-
komplexe Meniskusläsion media
l linkes Knie
-
a
nhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
-
Klaustrophobie
Als Diagnosen ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie die folgenden (S. 35
Ziff.
8):
-
c
hronisches cervikovertebrales Syndrom
-
mit cephaler Schmerzkomponente
-
mit muskulärer Dysba
lance des Schultergürtels
-
w
eich
t
eilrheumatische Beschwerden im Schulterbereich beidseits sowie im Ellbogenbereic
h beidseits mit Epicondylopathia humeri la
teralis und medialis
-
Spreizfussdeformität beidseits
-
Hypothyreose, substituiert, bei
-
St
atus nach
Hashimoto Thyreoiditis
-
Exophthalmus (Graves
’
Disease)
-
chronische Bronchit
is bei Nikotinabusus
-
c
hronisch-rezidivierender Eisenmangel bei Meno
rrh
agie
-
Uterusmyom
-
Adipositas I
-
V
erdacht auf
re
zidivi
erende Pyelonephritiden
-
h
is
t
rionisch akzentuierte Persönlichkeitszüge
-
Pro
bleme in der Beziehung zum Ehepa
rtner
-
Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung
-
Probleme in Verbindung mit Ausbildung und Bildung
Sie führten aus,
dass aus rheumatologischer Sicht e
ine gewisse Diskrepanz hin
sichtlich der Beurteilung des
C._
vom Jahre 2009
bestehe.
Es
sei davon auszu
gehen, dass es im Verlaufe der Zeit zu einer natürlichen Progredienz des Krank
heits
geschehens im Bereich des Bewegungsapparates gekommen
sei
, zude
m be
stehe seit 2012 eine komplexe Menisk
usläsion medial am linken Knie. Die aktuell festgelegte Arbeitsfähigkeit
sei
dadurch begründet
.
In der Zusammenschau
sei
die
Beschwerdeführerin
für eine leichte Tätigkeit in Wechselhaltung ohne wieder
holtes Treppenbegehen, ohne Zurücklegen weiter Strecken vollschichtig arbeits
fähig,
dabei betra
g
e
die Leistungsfähigkeit 70
%
(S. 27).
Aus psychiatrischer Sicht
sei die
Affektivität aktuell objektiv seh
r schwankend, einerseits bestehe
eine gewisse Klagsamkeit in Zusammenhang mit dem Berichten ihrer multiplen körperlichen und psychovegetativen Beschwerden, andererseits
habe
sich immer ein gewisses histrionisch
-
gefärbtes, freundliches und um Aner
kennung, Zuwendung und Beachtung bestrebtes Lächeln feststellen
lassen
. Die
Beschwerdeführerin
sei
affektiv gut zugewandt und freundlich, dann aber im Zusammenhang mit ihrer Lebensgeschichte und dem Berichten über das Ableben des Vaters eher wei
nend und traurig. Insgesamt könne von einer Affektla
bilität aus
gegangen werden, die
inhaltlich eigentlich kongruent zu den Th
emata und zu den Belastungen sei
, insbesondere mit einer seit langem sehr schlecht gehenden Ehe
(S. 30 f.)
.
An lavi
ert-depressiven Symptomen finde
sich
ein vermehrtes Schlaf
bedürfnis. Die Beschwerdeführerin schlafe
nach ihren Angaben nicht nur nachts, sond
ern auch tagsüber viel, sie könne
selber formulieren, dass es sich um eine Fluc
ht in den Schlaf, um ein "die De
cke über die Ohre
n
ziehen" hand
l
e
.
Kontakte habe sie zu zwei Nachbarinnen und zu einem Onkel ihrer Familie, dann natürlich auch zu ihrer Tochter und ihrem Ehemann, mit denen sie zusammen
lebe. Ein Hobby habe sie nicht, fernsehen tue sie auch nicht, lesen könne sie nicht.
Obj
ektiv sei die Beschwerdeführerin
örtlich, zeitlich und au
t
opsychisch voll orie
ntiert und bei klarem
Bewusstsei
n
. Es lä
gen keine Hinweise für das Vorliegen einer organisch bedingten kognitiven Leistungseinbusse oder einer organischen Persönlichkeitsstörung vor. D
ie formalen Gedankengänge seien
in sich kohärent und logisch und ohne Hinweise auf eine Psychose oder eine Konfabulation. Beim inhaltlichen Denken besteh
e
eine hypochondrische Angst vor einer weiteren
Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes. Sonstige inhaltliche Denkstö
run
gen seien
nicht vorhanden
(S. 31).
Würden die
verschiedenen psychopathologischen Ebenen der
Beschwerdeführerin betrachtet,
so zeig
t
en sich in drei Bereichen relevante
pathologische Befunde. Dies seien einmal die vegetat
iven beziehungsweise als psychosomatisch zu beur
teilenden Symptome, die von
i
hrer Ausprägung und Charakteristik, von ihrer Wechselhaftigkeit und somatischer Nichterklärbarkeit her
eind
eutig für einen psychosomatischen Symptomenkomplex sprä
chen, wie die atypischen, diffusen Kopfschmerzen, dann der Schwankschwindel, der
Tinnitus, die Sehstörungen, Globus
gefühl
, Atembeengung, Herzklopfen und
-s
techen, Magenbeschwerden, Unterleibsbeschwerden
und pseudoneurol
ogische Parästhesien. Diese psycho
so
matische Komponente
sei
im Rahmen von ICD-10 als anhaltende somatoforme Schmerzstörung zusammengefasst
worden. Darüber hinaus bestehe
eine chro
nische, in den Akten immer wieder dokumentierte und seit Jahren bestehende Depression, die aktuell als leichtgradig einzustufen
sei
, sicher chronifi
zi
ert
sei
und
eindeutig in schwierigen psychosozialen Umständen, insbesondere mit einer chr
o
nischen Eheproblematik, aber auch in einer Belastung durch ein Migran
ten
schick
sal als Kind, begründet liege. Des Weiteren finde
sic
h eine Klaustro
phobie. Es finde
sich auch eine leichte histrioni
sche Komponente mit einer Akzen
t
uierung und Demonstration der diversen Klagen und Beschwerden
(S. 32)
.
Die Wieder
aufna
hme der Psychotherapie
bei
Dr.
A._
sei
dringend indiziert. Welche Fortschritte hi
er erhofft werden dürfen, bleibe
allerdings offen
(S.
33)
.
Rein medizinisch sei dieser psychosomatischen Entwicklung ebenfalls einen Krank
heitswert
bei
zumessen
. Betreffend d
i
e Fragen der Rechtsprechung an die Medizin bezüglich der Beantwor
t
ung der Frage der
Zumutbarkeit einer Willensan
st
ren
gung zur Überwindung eines psychosomatischen und psychischen Leidens,
könne
ausgeführt werden, dass eine körperliche und chronische Begleitkrankheit bestehe
. Es sei
auf den rheumatologischen Teils
t
atus
zu verweisen. Es finde
sich hier auch
ein langjähriger Krankheitsverla
uf. Eine zusätzliche, schwerer wiegende psychia
trische Komorbidität finde
sich nicht. Es fän
den sich vor allem multiple sozio
kul
turell bedingte Probleme. Ein ausgewiesener sozialer Rückzug aus a
llen Belangen des Lebens
bestehe
nicht. Über einen verfestigten, therapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung im Sinne eines primären Krankheitsgewinnes oder einer Flucht in die Krankheit k
önne
ausgesagt werden, dass die
Be
schwer
deführerin
offensichtlich ihre schwierige soziale und insbesondere eheliche Situation in ein psychos
omatisches Problem transformiere
.
Sonstige unbewusste Konflikte lie
ssen sich nicht aufzeichnen. Klar
werde
, dass die
Beschwerdeführerin
für sich das aktive Berufsle
ben vor L
angem abgeschlossen habe
. Von unbefriedi
genden Behandlungsergebnissen mü
ss
e
insofern gesprochen werden, als dass die bi
s anhin durchgeführten psychiatrischen Bemühungen offensi
chtlicherweise zu wenig Erfolgen
ge
führt
hätten
. Dazu
sei
allerdings auch
anzumerken, dass bei psychosomat
ischen Leiden die Behandlungs
optionen relativ bescheiden seien
. Somatisch
gesehen bestünden
keine unbefriedigenden
Behandlungsergebnisse, es liege
eine naturgemässe Progredienz degenerativer Veränderungen vor
(S. 37 f.)
.
Aus soma
tischer Sicht
sei
die
Beschwerdeführerin
auf Grund der rheumatolo
gischen Befunde für mittelschwere bis schwere Tätigkeiten nicht arbeitsfähig. Wegen der Affekti
onen am Bewegungsapparat bestehe
für leichte Tätigkeiten in
Wechselhaltung, ohne wiederholtes Treppenbegehen und ohne Zurücklegen weiter
Strecken
,
eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit. Infolge von vermehrt no
twendigen Pausen bei vollschichtiger Arbeitsfähigkeit bestehe
eine Leistungsfähigkeit von 70
%
(Rendement). Somatisch-internistisch best
ünden
keine weiteren Einschrän
kungen
(S. 38)
.
Die psychiatrisch im Vordergrund stehende psychosomatische Entwicklung im Sinne eine
r anhaltenden somat
oformen Schmerzstörung interfe
rier
e
in allen möglichen Tätigkeiten
.
Medizinisch
sei die Beschwerdeführerin
aufgrund i
hrer psychiatrischen, das heisse
in erster Linie psychosomatischen Prob
lematik, als zusätzlich um 20
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
zu beurteilen
. Insgesamt,
unter Berücksichtigung der somat
ischen und psychia
tri
schen Gesichtspunkte
,
sei die Beschwerdeführerin
als zu 50
%
in ada
ptierten Tätigkeiten in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
zu beurteilen
. Damit
sei
eine halbtägige Arbeit von 4 bis 4.5 Stunden
gemeint (S. 39)
.
Eine g
ewisse Diskrepanz bestehe
hinsichtlich der B
eurteilung
durch die Ärzte des
C._
aus de
m Jahre 200
9.
Von Seiten der Somatik
sei
die geringere Arbei
ts
fähigkeit der
Beschwerdeführerin
zum heutigen Zeitpunkt auf Grund einer natür
lichen Progredienz des Kra
nkheitsgeschehens beziehungsweise
der Progression der degenerativen Prozesse im Bereich des Bewegungsapparates
zu beurteilen. D
iese
sei
somit nicht als Diskrepanz, sondern lediglich als Progredienz
zu deuten.
I
n früheren psychiatrischen Berichten
sei
immer auf die schwierige soziale Situa
tion mit einem chronischen Ehekonflikt der
Beschwerdeführeri
n hingewiesen
worden
. Es
sei
von einer Anpassungsstörung und von einer rezidivierenden depressiven Störung mit somatischem Syndrom gesprochen
worden. Insofern ergebe
sich aufgrund
der aktuellen
Untersuchungen eine Akzentverschiebung im Sinne, dass
heute
in erster Linie ein psychosomatisches Leiden als im Vorder
grund stehend beurteil
t
und die depressive Symptomatik als sekundäre Folge der sozialen Konflikte und der psychosomatischen Entwicklung verst
anden werde (S.
40)
.
Die Verschlecht
erung
sei
naturgemäss über die letzten fünf Ja
hre schleichend progredient verl
aufen
. Zudem bestehe
seit 2012 eine k
omplexe Meniskusläsion am linken Knie (S. 41).
5.3
Dipl. med. F._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psycho
therapie, RAD, nahm am 2
5.
Juli 2014 Stellung (
Urk.
6/122/5) und führte aus, gemäss Gutachten habe sich seit 2009 eine weitere Verschlechterung des soma
tisch-rheumatologischen Gesundheitsschadens ergeben. Aus psychiatrischer Sicht
könne ein unveränderter Gesundheitsschaden angenommen werden.
5.4
Dr.
med. G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 2
8.
September 2017 (
Urk.
6/156/1-3) und nannte als Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Depression, eine Angststörung, eine beidseitige Gonarthrose sowie ein generalisiertes Schmerzsyndrom (S. 1
Ziff.
1.2). Er führte aus, die Angststörung habe sich verschlechtert, so dass der Beschwer
deführerin das Verlassen des Hauses fast verunmöglicht werde. Die freie Geh
strecke sei durch die Knieschmerzen deutlich limitiert (S. 1
Ziff.
1.3).
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich b
eim Erlass der angefochtenen Verfügung vom
9.
November 2017
(Urk. 2)
auf das polydisziplinäre Gutachten de
r
Ärzte des
Y._
vom
Juli 2014
(vorstehend E.
5.2
),
in welchem die Gutachter ein c
hronisches lumbovertebrales Syndrom
bei d
egenerative
n
Veränderungen der Lendenwirbel
säule
, eine
Valgusgonarthrose rechts
bei
St
atus
n
ach Teilmeniskektomie media
l rechts 2003
und
St
atus nach totaler Meniskektomie medial
rechts 2008
, eine komplexe Meniskusläsion media
l
am linken
Knie
, eine a
nhaltende somatoforme Schmerzstörung
, eine r
ez
idivierende depressive Störung mit
gegenwärtig leichte
r
Episode
sowie eine Klaustrophobie mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten. Die Gutachter attes
t
ierten der Beschwerdeführerin eine
5
0%ige
Arbeitsfähigkeit in
adaptierten
Tätigkeit
en
.
6.2
Da
s polydisziplinäre Gutachten der
Ärzte des
Y._
vom
Juli 2014
(vor
ste
hend E.
5.2
) umfasst die Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin,
Rheumatologie und
Psychiatrie
.
Die Gutachter verfügen über den ent
sprechenden Fach
arzttitel und waren somit in ihren Fachgebieten zur Beur
teilung des Gesund
heitszustan
des und der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerde
führe
rin
befä
higt (vgl. Urk.
6
/
117
/1-
42
). Die Gutachter berück
sichtigten sodann die geklag
ten B
eschwerden und das Ver
halten der Beschwerde
führerin
und erstellten ihren jeweiligen Teil des Gutach
tens in Kenntnis der Vorakten. Sowohl die gestellten Diagnosen als auch die Schluss
folgerungen zur Arbeits
fähigkeit werden im Gut
achten ausführlich begründet und sind nachvoll
ziehbar. Damit erfüllt das Gut
achten die bundesge
richtlichen Anforde
rungen an ein medizi
nisches Gutachten (vorstehend E. 1.4) vollum
fänglich, so dass für die Ent
scheidfindung darauf abzustellen ist.
6.3
Die Gutachter legten in schlüssiger und nachv
ollziehbarer Weise dar, dass
es
aus
internistischer Sicht
keine Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit gebe (S. 20).
Aus rheu
matologischer Sicht
sei es im Verlaufe der Zeit zu einer natürlichen Pro
gredienz des Krankheitsgeschehens im Bereich des Bewegungsapparates gekom
me
n und zudem bestehe ab 2012 eine komplexe Meniskusläsion medial am linken Knie, weshalb die Leistungsfähigkeit 70
%
betrage (S. 27). Die Gutachter machten zudem darauf aufmerksam, dass für die Problematik am Achsenskelett sowie für die weichteilrheumatischen Probleme konsequente Kräftigungsgymnastik emp
foh
len werde (S. 27).
Hinweise für radikuläre Reiz- oder Au
sfallphänomene fän
den sich nich
t
.
Die Röntgenbilder zeigten degenerative Veränderungen der LWS
,
eine medial betonte Gonarthrose
in den Knien beidseits sowie links eine komplexe Meniskusläsion (S. 26).
6.4
Es ka
nn festgehalten werden, dass die
Beschwerdeführer
in
aus somatischer Sicht
in
mittelschweren und schweren
Tätigkeit
en
nicht mehr arbeitsfähig ist,
in einer angepassten
leichten
Tätigkeit
gemäss beschriebenem Belastungsprofil hingegen eine 70%ige Leistungsfähigkeit besteht
(S. 38)
.
In somatischer Hinsicht
liegt somit
seit der
Verfügung vom 1
0.
September 2009
eine
Verschlechterung
des Gesund
heits
zustandes der Beschwerdeführerin
vor.
Somit ist ein Revisionsgrund ausge
wiesen und der Rentenanspruch ist – entgegen den Ausführungen der Beschwer
deführerin – umfassend zu prüfen.
6.5
In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierten die Gutachter eine
a
nhaltende soma
toforme Schmerzstörung
, eine r
ez
idivierende depressive Störung mit
gegenwärtig leichte
r
Episode
sowie eine Klaustrophobie (S. 35) und attestierten der Beschwer
deführerin eine zu den somatischen Einschränkungen zusätzliche 20%ige Arbeit
s
unfähigkeit auch für adaptierte Tätigkeiten (S. 39).
In Bezug auf die
se Diagnosen
ist nachfolgend
aus rechtlicher Sicht zu prüfen, ob diesbezüglich eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist (vgl. nachstehend E.
6
.
6
).
6
.6
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung
allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kommen
zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
geh
end objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141
V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.7
Hinsichtlich des funktionellen Schweregrades ist zur Gesundheitsschädigung fest
zuhalten,
dass der psychiatrische Gutachter
im massgeblichen Revisionszeitpunkt keine Hinweise für das Vorliegen einer organisch bedingten kognitiven Leis
tungs
einbusse
feststel
lte. Es könne von einer Affektlabilität ausgegangen werden, die inhaltlich kongruent zu den Belastungen sei, insbesondere mit einer seit langem sehr schlechten Ehe (S. 30 f.). Die seit Jahren bestehende Depression sei als leichtgradig einzustufen (S. 32).
Die diagnoserelevanten Befu
nde sind nicht ausgeprägt
, sondern weitgehend unauffällig
(S. 29
f.). Damit fällt eine schwere Ausprägung des psychischen Leidens ausser Betracht.
Die das Beschwerdebild mitprägenden psychosozialen und soziokulturellen Belas
tungsfaktoren, soweit sie unmittelbar (direkt) die Symptomatik beeinflus
sen, sind als nicht invalidisierende und
damit nicht versicherte Umstände aus
zuschei
den (Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015
vom 29. Januar 2016
E. 4.3 mit Ver
weis auf BGE
141 V 281 E. 4.3.1.1
).
Gestützt a
uf die medizinische Aktenlage lie
gen wesentliche
psychosoziale Belastungsfaktoren vor. So
ist doku
mentiert, dass
als Ursache der psychischen Beschwerden multiple soziale Probleme wie ein chro
nischer Ehekonflikt,
eine unglückliche Lebensgeschichte mit einem Migrations
schicksal als Kind sowie ein viele Jahre nach dem Tod des Vaters immer noch bestehendes Verlustgefühl bestehen (S. 37).
Der Gutachter hält ausdrücklich fest, dass die sozialen Hintergründe der wesentliche Motor der Symptomatik sei (S.
39).
Insgesamt können die funktio
nellen Einschränkungen damit
im Wesent
lichen
auf aus
geprägte
und zweifels
ohne belastende
psychosoziale
und damit nicht ver
sicherte
Faktoren
zurückgeführt werden.
Weitere wichtige Indikatoren für die Ermittlung der Schwere eines Gesundheits
schadens sind Behand
lungs- und Eingliederungserfolg, also
Verlauf und Aus
gang von durchgeführten Therapien. Scheitern lege artis und mit optimaler Koopera
tion durchgeführte Therapien, deutet dies auf eine negative Prognose hin.
Der psychiatrische Gutachter hielt fest, dass die Beschwerdeführerin die Behandlung bei ihrem Psychiater vor zwei
Jahren abgebrochen habe, sie diese jedoch nun wieder
aufnehmen
wolle
(S. 29). Die Wiederaufnahme der Psychotherapie sei dringend indiziert. Welche Fortschritte erhofft werden dürfen,
bleibe allerdings offen, da
bei psychoso
m
a
tischen Leiden die Behandlungsoptionen relativ be
schei
den seien
(S. 33)
.
Von einer therapeutisch nicht mehr angehbaren Störung kann
vorliegend trotz des offenen Ausgangs einer Behandlung
nicht ausgegangen wer
den
.
6.8
I
n den
Komplex
en
Persönlichkeit
und sozialer Kontext
sind keine
wesentlichen,
einsc
hränkenden Faktoren ersichtlich, welche nicht ohnehin als psychosoziale und damit auszuklammernde Belastung
en zu betrachten sind
(BGE 141 V 281 E. 4.3.3 mit Hinweis). D
ie Beschwerdeführerin leidet nicht an einer Persönlich
keitsstörung oder -akzen
tu
ierung
(vgl. S.
31)
und e
in ausgewiesener sozialer Rückzug aus a
llen Belangen des Lebens besteht ebenfalls
nicht (S. 37). So
schil
derte sie gegenüber dem Eingliederungsverantwortlichen der Beschwerde
geg
nerin
am 3. November
2016
, sie
habe guten Kontakt zu den Nachbarinnen im Haus, welche ebenfalls Türkinnen seien. Sie würden sich treffen und Kaffee trinken und reden (
Urk.
6/144 S. 4).
6.9
Hinsichtlich der Konsistenz ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ein
vergleichsweise
hohes und konstantes Aktivitätsniveau
im privaten Bereich zu hal
ten vermag.
Dies wird insbesondere bestätigt durch den Umstand, dass die Be
schwerdeführerin
gegenüber dem Eingliederungsverantwortlichen
spontan nor
mal
e
und mit einem normalen Aktivitätsniveau zu vereinbarende Tatsachen beschrieb, die auf eine nur unerheblich eingeschränkte Partizipation an sozialen Aktivitäten sowie Freude an Lebensqualität schliessen lassen.
So
erledigt sie Einkäufe in der Migros oder im Aldi, besorgt den Haushalt, kocht und trifft sich mit den Nachbarinnen zum Kaffee
trinken und reden (
Urk.
6/144 S. 4).
Diese Aktivitäten stehen
im Widerspruch zur geltend gemachten Erwerbsunfähigkeit
.
Bezüglich
eines behandlungsanamnestischen
Leidensdruck
es
ist festzustellen, dass
die Beschwerdeführerin
seit 2012 nicht mehr in
psychothera
peutische
r
Behandlung
steht
und bisher auch nie – trotz entsprechender Empfehlung -
eine s
tatio
näre oder
teilstati
onäre Behandlung
stat
tgefunden hat.
Dies deutet auf einen nicht allzu hohen Leidensdruck hin.
6.10
Zusammenfassend
ergibt sich, dass
etwaige
diagnoserelevante Befunde nicht be
sonders ausgeprägt sind und die psychische Störung behandelbar ist.
Der funk
tionelle Schweregrad des Gesundheits
schadens spricht gegen eine invalidi
sie
rende Einschränkung. Die
Beschwerdeführer
in
ver
fügt über eine Tagesstruk
tur sowie ein soziales Netzwerk. Ein Leidensdruck ist
nicht besonders ausgeprägt und
es liegt keine gleichmässige und erhebliche Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensberei
chen vor.
Damit ist unter Berücksichtigung der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit überwiegender Wahrschein
lich
keit erstellt, dass die psychischen Störungen keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit zeitigen un
d die
geltend gemachten Einschränkungen anders begrün
det sind als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung.
Die Arbeitsfähigkeitseinschätzung
der Gutachter
aus psychiatrischer Sicht
über
zeugt daher nicht.
Da die Arbeitsunfähigkeit ein unbestimmter Rechtsbegriff des formellen Gesetzes ist (Art. 6 ATSG), kommt der Arztperson bei der Folgenabschätzung der von ihr erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigung keine abschliessende Beurteilungs
kompetenz zu, sondern sie nimmt hierzu Stellung, das heisst sie gibt eine Schät
zung ab. Diese ist durch die rechtsanwendenden Behörden im Rahmen der recht
lichen Vorgaben zu würdigen (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2). Weil die Arbeits
fähigkeit somit keine rein medizinische, sondern letztlich eine juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der im medizinischen Gutachten festgestellten Arbeitsfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verlöre (SVR 2013 IV Nr. 9 S. 21, Urteil des Bundes
gerichts 8C_842/2011 vom16. Oktober 2012 E. 4.2.2). Im vorliegenden Fall ist insofern vom
Y._
-Gutachten (vorstehend E. 5.2) abzuweichen, als dass festgehalten werden kann, dass die Beschwerdeführerin aus versicherungsrechtlicher Sicht in i
hrer Arbeitsfähigkeit nicht zu 50
%
, sondern lediglich zu 3
0
%
aus somatischen Gründen
eingeschränkt ist.
7.
7.1
Die Beschwerdeführerin machte beschwerdeweise sodann geltend, es sei vorlie
gend auf jeden Fall ein behinderungsbedingter Abzug zu berücksichtigen (
Urk.
1 S. 9).
7.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnitt
s
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allen
falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnit
t
lichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/bb-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/bb). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beur
teilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschrän
kungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs ein
fliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februar 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
Zu prüfen bleibt, inwieweit vom Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug vorzunehmen ist.
7.3
Angesichts der Zumutbarkeit einer
70
%igen behinderungsangepassten
Tätig
keit steht der
Beschwerdeführer
in
eine breite Palette von Tätigkeiten
offen. D
ie einzi
gen medizinisch ausgewiesenen Behinderungen
der Be
schwerdeführerin bestehen in
mittelschweren und schweren Tätigkeiten, wiederholtem Treppensteigen und Zurücklegen weiter Strecken.
Hingegen sind ihr sämtliche
leichten
Tätigkeiten
in Wechselhaltung vollschichtig
möglich
, wobei infolge von vermehrt notwendigen Pausen eine Leistungsfähigkeit von 70
%
besteht
. Die genannten Einschrän
kungen dürften bei den üblichen einfachen und repetitiven Tätigkeiten nicht ins Gewicht fallen. Mithin schrän
ken diese Behinderungen die Beschwerdeführerin nicht wesentlich in der Wahl der Tätigkeit ein.
Es ist d
aher nicht zu erwarten, dass die
Beschwerdeführer
in
ihre
verbleibende Ar
beitsfähigkeit nur zu einem unter
durchschnittlichen Lohn - der tiefer sein müsste als der verwendete Tabel
len
lohn - verwerten kann.
Es sind somit keine gesundheitlichen Umstände vorhanden, welche sich l
ohnmin
dernd
aus
wirk
en. Auch
die weiteren persönlichen und beruflichen Umstä
nde sind nicht geeignet, einen
Ab
zug zu rechtfertigen.
In Würdigung sämtlicher Um
stände erscheint es vorliegend als angemessen, keinen Abzug zu gewähren.
7.4
Die Invaliditätsbemessung
im engeren Sinn wurde von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt
. Es bestehen weder Anhaltspunkte, die auf eine Fehler
haftigkeit der Invaliditätsbemessung schliessen lassen würden, noch
gibt
sie
aufgrund der Akten
(vgl.
Urk.
6/121)
zu Beanstandungen Anlass, weshalb sich weite
re Ausführungen hierzu erübrigen.
7.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht eine
revisionsrelevante Sachverhaltsänderung angenommen und beim neu bestimmten
Invaliditätsgrad von 30 % eine Renteneinstellung verfügt hat. Die Beschwer
de
gegnerin hat in Übereinstimmung mit Art. 88
bis
Abs. 2 lit. a
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
die Renten
aufhebung auf den ersten Tag des zweiten der Zustellung der angefoch
tenen Ver
fügung vom
9.
November 2017 folgenden Monats verfügt.
Die angefochtene Verfügung vom
9.
November 2017 (Urk. 2) erweist sich deshalb als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- a
nzusetzen. Entsprechend dem Aus
gan
g des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerle
gen.