Decision ID: 4affb67f-a9d8-5f48-9d09-a7f9f155c6fb
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B._ war bei der C._ AG, tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als seine linke Hand am 19. Mai 1989 in eine schnellrotierende
walzenartige Maschine geriet. Dabei kam es zu einer traumatischen Amputation des
linken Vorderarms im mittleren Drittel (Suva-act. 50-23, 50-55, 50-60, 50-69 f.).
Gleichentags erfolgte im Spital D._ eine chirurgische Stumpfversorgung (Suva-act.
50-61 f.).
A.a.
Vom 12. Juni bis 22. September 1989 befand sich der Versicherte stationär in der
Rehaklinik Bellikon. Die dort behandelnden Ärzte berichteten am 29. September 1989,
aufgrund des psychischen Traumas scheine eine psychiatrische Nachbetreuung
indiziert. Eine Arbeitsaufnahme sei derzeit noch nicht möglich (Suva-act. 50-23 ff., vgl.
Suva-act. 50-56 ff.). Der Versicherte war während des Aufenthalts in der Rehaklinik
Bellikon mit einer myoelektrischen Unterarmprothese versorgt worden (vgl. Suva-act.
50-29).
A.b.
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Ab 3. September 1990 arbeitete der Versicherte halbtags bei seiner Arbeitgeberin
und erbrachte dabei eine Leistung von insgesamt ca. 25 % (Suva-act. 50-21 f., 50-30
f., 50-33, 51-37, IV-act. 35-3).
A.c.
Suva-Kreisarzt Dr. med. E._, Spezialarzt FMH für orthopädische Chirurgie,
untersuchte den Versicherten am 19. Juni 1991. Gleichentags beurteilte er, das
Hauptproblem sei die psychische Verfassung des Versicherten. Er schätzte den
Integritätsschaden bezüglich der traumatischen Vorderarm-Amputation auf 40 %
(Suva-act. 51-54 ff.).
A.d.
Im Auftrag der Suva wurde der Versicherte im September 1991 durch Dr. med.
F._, Spezialarzt Psychiatrie und Psychotherapi untersucht. In seinem Gutachten vom
18. September 1991 beurteilte dieser, der Versicherte leide unter einer
posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und einer psychoreaktiven Depression.
Er habe den Unfall und den Verlust seiner linken Hand überhaupt noch nicht
verarbeitet. Neben dem somatischen Befund wirke sich auch die psychische Störung in
beruflicher Hinsicht negativ aus. Der Versicherte sei im Umfang von etwa 75 %
arbeitsunfähig. Es sei mit einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens noch sechs Monaten
zu rechnen (Suva-act. 51-45 ff.).
A.e.
Vom 20. September bis 20. Dezember 1991 befand sich der Versicherte stationär
in der Psychiatrischen Klinik G._. Die dort behandelnden Ärzte berichteten am 8.
Januar 1992 über eine längerdauernde depressive Reaktion und
Selbstwertverunsicherung nach traumatischer Vorderarm-Amputation links. Sie
empfahlen eine erneute berufliche Abklärung im Sinne einer Umschulung oder Anlehre
mit 50%iger Arbeitstätigkeit (Suva-act. 51-31 ff.).
A.f.
Im Auftrag der Suva wurde der Versicherte im Januar 1994 erneut durch Dr. F._
untersucht. Dieser beurteilte am 19. Januar 1994, seit September 1991 sei es zu einer
beachtlichen Verbesserung des psychischen Zustands gekommen. Aus psychiatrischer
Sicht sei der Versicherte höchstens zu 25 % arbeitsunfähig. An seiner optimal
eingerichteten Arbeitsstelle sei es ihm zumutbar, ganztags zu arbeiten (Suva-act. 51-5
ff.).
A.g.
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Mit Verfügung vom 14. März 1994 sprach die Suva dem Versicherten mit Wirkung
ab 1. März 1994 eine Invalidenrente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von
33.33 % sowie eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 40 % zu
(Suva-act. 52-24 ff.). Dagegen liess der Versicherte am 13. April 1994 Einsprache
erheben (Suva-act. 52-5 ff., zur Begründung vgl. Suva-act. 52-20 f.). Kreisarzt Dr. E._
hatte am 24. März 1994 beurteilt, dem Versicherten sei eine volle ganztätige
Präsenzzeit in seiner derzeit ausgeübten Tätigkeit bei der C._ AG zumutbar (Suva-
act. 52-22).
A.h.
Am 27. Juni 1994 verfügte die Suva, dass die zugesprochene Rente rückwirkend
ab 1. März 1994 als Komplementärrente berechnet und wegen Überentschädigung mit
den Rentenleistungen der Invalidenversicherung verrechnet werde (Suva-act. 52-16 f.).
Dagegen liess der Versicherte ebenfalls Einsprache erheben (vgl. Suva-act. 52-2 ff.).
A.i.
Mit Verfügung vom 21. Juli 1994 sprach die IV-Stelle dem Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 75 % mit Wirkung vom 1. Mai 1990 bis 31. Mai 1994 eine ganze
Rente zu (Suva-act. 56-3 ff.). Den vom Versicherten dagegen erhobenen Rekurs (IV-act.
61) wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 5. April
1995 ab (IV-act. 65).
A.j.
Dr. med. H._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Abteilung
Unfallmedizin der Suva, beurteilte am 13. November 1995, es liege ein Status nach
längerer depressiver Reaktion auf die traumatische Amputation bzw. ein Status nach
einer abgeklungenen unfallkausalen Anpassungsstörung in der Form einer längeren
depressiven Reaktion (ICD-10: F43.21) vor. Der psychische Zustand des Versicherten
sei nicht mehr pathologisch und rechtfertige keine wesentliche Arbeitsunfähigkeit,
welche die somatisch-medizinisch begründbare übersteigen würde. Aus
psychiatrischer Sicht sei keine Integritätsentschädigung geschuldet. Die von Dr. F._
grosszügig attestierte
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen von höchstens 25 % sollte zukünftig
weiter abnehmen und sei nicht zur somatischen Arbeitsunfähigkeit hinzuzurechnen,
sondern darin enthalten (Suva-act. 53).
A.k.
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B.
Mit Entscheid vom 20. März 1997 wies die Suva die Einsprachen gegen die
Verfügungen vom 14. März und 27. Juni 1994 ab. Sie berichtigte ihre Rentenverfügung
jedoch insofern, als sie festhielt, dass der Versicherte vom 1. März bis 31. Mai 1994
Anspruch auf eine Komplementärrente und ab dem 1. Juni 1994 auf eine ordentliche
Rente der Suva habe (Suva-act. 55). Die dagegen vom Versicherten erhobene
Beschwerde (damals kantonalrechtlich als Klage bezeichnet) wies das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 30. April 1998 mit Bezug auf die
Invalidenrente ab. Mit Bezug auf die Integritätsentschädigung hiess es die Beschwerde
teilweise gut und sprach dem Versicherten eine Integritätsentschädigung bei einer
Integritätseinbusse von 43 % zu (Suva-act. 58).
A.l.
Vom 6. bis 8. Dezember 1999 befand sich der Versicherte aufgrund akuter
Suizidalität stationär im Spital D._. Die behandelnden Ärzte berichteten unter
anderem über einen Verdacht auf eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung (ICD-10: F62.0) und eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F10.25). Der
Versicherte werde in die Psychiatrische Klinik J._ überwiesen (Suva-act. 60-69 ff.).
Vom 8. Dezember 1999 bis 28. Mai 2000 (mit kurzen Unterbrechungen) befand sich der
Versicherte stationär und vom 29. Mai bis 3. November 2000 tagesklinisch in der
Psychiatrischen Klinik J._. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen
berichteten am 16. Mai 2001 über eine langdauernde mittelgradige depressive Episode
bei Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und narzisstischen Zügen, eine
Nikotinabhängigkeit und einen Alkoholmissbrauch. Der Versicherte sei bei Austritt aus
der Klinik noch zu 100 % arbeitsunfähig gewesen (IV-act. 97, vgl. IV-act. 86). Die
Arbeitgeberin hatte dem Versicherten per Ende des Jahres 2000 gekündigt (vgl. Suva-
act. 22-18, IV-act. 94-14).
B.a.
Ab 16. November 2000 war der Versicherte durch die Fachstelle für
Sozialpsychiatrie und Psychotherapie I._ behandelt worden. Die zuständigen
medizinischen Fachpersonen berichteten am 29. August 2001, der Versicherte sei seit
Dezember 1999 zu 100 % arbeitsunfähig (Suva-act. 60-72 ff., vgl. Suva-act. 60-75).
B.b.
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Mit Verfügung vom 6. Februar 2002 sprach die IV-Stelle dem Versicherten für
Januar und Februar 2000 eine Viertelsrente, für März 2000 eine halbe Rente und ab 1.
April 2000 eine ganze Rente zu (Suva-act. 60-76 ff.).
B.c.
Die Suva teilte dem Versicherten am 3. Dezember 2004 mit, sein Rentenanspruch
(33.33 %; Suva-act. 52-24 ff.) werde nicht geändert (Suva-act. 22-9).
B.d.
Dr. med. K._, Physikalische Medizin FMH, hatte in seinem Bericht vom 13. Juli
2004 als Diagnosen einen Tennisellbogen rechts, eine Vorderarmamputation links, ein
Thorakolumbovertebralsyndrom bei Hyperlordose und muskulärer Dysbalance sowie
eine Aspirinurticaria aufgelistet. Der Versicherte habe seit drei bis vier Monaten
erstmalig Schmerzen im Bereich des rechten Vorderarms. Eine Überanstrengung sei
nicht sicher erinnerlich (IV-act. 117-10 f.). Aufgrund einer Tenosynovialitis der
Beugesehnen II und III rechts mit Blockaden unterzog sich der Versicherte am 2.
November 2006 einer Tenolyse und einer Synovektomie der Finger II und III rechts (IV-
act. 117-9). Wegen eines Morbus Dupuytren Dig IV rechts erfolgte im Februar 2011 im
Spital Linth eine Strangresektion Dig IV rechts (IV-act. 133-5).
B.e.
Mit Schreiben vom 18. Februar 2013 wandte sich die A._, bei welcher der
Versicherte im Zeitpunkt seines Unfalls berufsvorsorgerechtlich versichert gewesen
war, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Gnädinger, Zürich, an die Suva. Sie
erkundigte sich, weshalb entgegen der Verfügung der Invalidenversicherung bisher
keine Rentenerhöhung stattgefunden habe (Suva-act. 25).
B.f.
Am 2. Juli 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, er habe weiterhin
Anspruch auf die bisherige Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 100 % (IV-act.
139, vgl. frühere Mitteilung vom 23. Januar 2007; Suva-act. 22-4). Nach Intervention
von Rechtsanwalt Gnädinger (vgl. IV-act. 142) holte die IV-Stelle eine Stellungnahme
bei RAD-Arzt Dr. med. L._ ein, welcher am 4. Juni 2014 befand, er könne keinen
medizinischen Revisionsgrund erkennen (IV-act. 144).
B.g.
Aufgrund einer chronischen Beugesehnensynovitis mit Stenosierung A1 Dig V
rechts unterzog sich der Versicherte am 16. April 2015 einer Ringbandspaltung A1 Dig
V rechts mit Tenolyse und partieller Synovektomie (IV-act. 156).
B.h.
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Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. Suva-act. 30) wurde der Versicherte im Oktober 2015
durch Dr. med. M._, Facharzt für Orthopädie FMH, und Dr. med. N._, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, beide Praxis O._, bidisziplinär abgeklärt. In
ihrem Gutachten vom 14. November 2015 hielten diese als Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit ein Zustandsbild nach traumatischer Vorderarmamputation
links (ICD-10: T11.6), ein Überlastungssyndrom der rechten oberen Extremität (ICD-10:
M70.8) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
(ICD-10: F33.09), fest. Die vor dem Unfall ausgeübte Tätigkeit sei dem Versicherten
nicht mehr zumutbar. In einer adaptierten Tätigkeit liege eine Arbeitsunfähigkeit von
70 % vor. Allerdings sei seit 2001 keine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes eingetreten (Suva-act. 37).
B.i.
Mit Verfügung vom 15. Dezember 2016 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten weiterhin eine Invalidenrente basierend auf
einem Invaliditätsgrad von 100 % zu (Suva-act. 34, betreffend Vorbescheidsverfahren
vgl. IV-act. 182 f.).
B.j.
Die A._ AG liess am 7. November 2017 bei der Suva ein Rentenrevisionsgesuch
stellen. Sie liess beantragen, die Suva sei zu verpflichten, auf das Gesuch um
Überprüfung der Invalidenrentenleistungen des Versicherten einzutreten, um alsdann
materiell über die Rentenfrage neu zu entscheiden (Suva-act. 60-1 ff., vgl. auch
Revisions- bzw. Wiedererwägungsgesuch vom 8. Mai 2017; Suva-act. 36 und
kreisärztliche Beurteilung vom 29. Mai 2017; Suva-act. 44).
B.k.
Suva-Kreisarzt med. pract. P._, Facharzt für Chirurgie, beurteilte am 20.
Dezember 2017, seit der Berentung im Jahr 1994 sei im Bereich der linken oberen
Extremität keine wesentliche Verschlechterung eingetreten. Das von Dr. M._
aufgeführte Überlastungssyndrom der rechten oberen Extremität sei nicht überwiegend
wahrscheinlich unfallkausal (Suva-act. 64).
B.l.
Suva-Kreisarzt Dr. med. Q._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
untersuchte den Versicherten am 21. März 2018. Nach Kenntnis des Berichts der seit
14. Januar 2018 behandelnden medizinischen Fachpersonen der Psychiatrie-Dienste
R._, vom 5. April 2018 (vgl. Suva-act. 73) erstellte Dr. Q._ am 26. April 2018 eine
B.m.
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C.
psychiatrische Beurteilung. Als psychiatrische Diagnosen listete er eine leichte
depressive Episode (ICD-10: F32.0), eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung (leichte Ausprägung; ICD-10: F62.0) sowie einen Alkohol-Missbrauch
bis Abhängigkeit (ICD-10: F10.1/2) auf. Alle drei psychiatrischen Störungen hätten sich
ohne den schweren Arbeitsunfall vom 19. Mai 1989 und dessen Auswirkungen sehr
wahrscheinlich nicht in dieser Zeit und in dieser Weise entwickelt. Deshalb sei ein
diesbezüglicher teilkausaler natürlicher Zusammenhang mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu bestätigen. Die psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit liege
im Bereich von höchstens rund 20 %. Die psychischen Unfallfolgen hätten sich seit
dem 14. März 1994 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht verändert (Suva-act.
75).
Rechtsanwalt Gnädinger machte mit Schreiben vom 3. Juli 2018 geltend, der
psychische und somatische Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit der
erstmaligen Rentenzusprache mit Einspracheentscheid vom 20. März 1997 in
anspruchserheblichem Ausmass verschlechtert. Es sei von einer
Gesamtarbeitsunfähigkeit von 70 bis 75 % auszugehen (Suva-act. 77). Dr. Q._ nahm
am 15. August 2018 Stellung dazu und hielt fest, die psychischen Unfallfolgen seien
derzeit überwiegend wahrscheinlich nicht wesentlich schwerer als am 14. März 1994
bzw. 20. März 1997 (Suva-act. 80). Med. pract. S._, Facharzt für Chirurgie und
Unfallchirurgie, Kompetenzzentrum der Suva für Versicherungsmedizin, beurteilte am
14. Januar 2019 gestützt auf die Akten, ein Überlastungssyndrom der rechten oberen
Extremität des Versicherten sei nicht erstellt. Weder der Morbus Dupuytren und der
Tennisellbogen rechts noch die Tenosynovitis der Beugesehnen der rechten Hand
könnten beim Versicherten überwiegend wahrscheinlich auf eine Überbelastung
zurückgeführt werden (Suva-act. 82).
B.n.
Mit Verfügung vom 13. Februar 2019 verneinte die Suva eine
Zustandsverschlechterung, welche eine Rentenrevision begründen würde (Suva-act.
83).
B.o.
Dagegen erhob die A._ AG, vertreten durch Rechtsanwalt Gnädinger, am 14.
März 2019 Einsprache (Suva-act. 89).
C.a.
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D.
Mit Entscheid vom 20. November 2019 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-
act. 100).
C.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 20. November 2019 erhob die A._ AG
(nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt Gnädinger, am 6.
Januar 2020 die vorliegende Beschwerde. Sie beantragte darin, dieser sei aufzuheben
und dem Versicherten sei eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von zumindest 70 %
zuzusprechen. Eventualiter sei die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zu
verpflichten, eine externe medizinische Begutachtung zu veranlassen; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie liess geltend machen, seit der Rentenverfügung
im Jahr 1994 sei es zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands gekommen.
Es sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 70 bis 75 % in einer adaptierten Tätigkeit
auszugehen und der Invaliditätsgrad neu zu berechnen (act. G1).
D.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 29. Januar 2020 die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Sie brachte vor, die Beschwerden an der
rechten oberen Extremität seien nicht unfallkausal und könnten damit nicht Grundlage
für eine Rentenrevision bilden. Auch in psychischer Hinsicht liege keine unfallkausale
Verschlechterung vor (act. G3).
D.b.
Mit Replik vom 23. April 2020 liess die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten. Sie liess geltend machen, die Unfallkausalität der Beschwerden an der
rechten oberen Extremität sei anerkannt. Bei der ursprünglichen Rentenzusprache sei
kein relevanter psychischer Gesundheitsschaden festgestellt worden, inzwischen sei es
aber zu einer Verschlechterung gekommen (act. G9).
D.c.
Nach Einsicht in die von der Verfahrensleitung beigezogenen IV-Akten (vgl. act.
G11, G14 f.), hielt die Beschwerdegegnerin am 10. August 2020 an ihren Anträgen und
Ausführungen fest (act. G16).
D.d.
Mit Schreiben vom 12. August 2020 lud die Verfahrensleitung den Versicherten
(nachfolgend: Beigeladener) zum Prozess bei und eröffnete ihm eine Frist zur
D.e.
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Erwägungen
1.
Zur Erhebung einer Beschwerde ist gemäss Art. 59 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) berechtigt, wer
durch den angefochtenen Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges
Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat. Praxisgemäss wird die
Beschwerdelegitimation bejaht, wenn ein praktisches oder rechtliches Interesse an der
Aufhebung oder Änderung der Verfügung geltend gemacht werden kann. Ein solches
Interesse ist gegeben, wenn die allfällige Gutheissung der Beschwerde einen Nachteil
wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur vermeidet, wobei der
Beschwerdeführer aber stärker als jedermann von der angefochtenen Verfügung
betroffen sein und in einer beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache stehen
muss (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 9 f. zu Art. 59, mit
Hinweisen). Die Beschwerdeführerin richtet dem Beigeladenen eine Rente aus
beruflicher Vorsorge aus (act. G1, G9, G9.1.1 f.). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung ist sie aufgrund ihrer nachrangigen Leistungspflicht und der
Kürzungsmöglichkeit nach Art. 24 f. der Verordnung über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2; SR 831.441.1) durch den
Rentenentscheid der Beschwerdegegnerin berührt und damit legitimiert, diesen
zugunsten der versicherten Person durch Beschwerde anzufechten (BGE 134 V 153, E.
4 f.). Folglich ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten.
2.
Vorab zu prüfen ist die von der Beschwerdeführerin gerügte Gehörsverletzung. Sie
macht geltend, die Beschwerdegegnerin habe den angefochtenen
Einspracheentscheid nicht genügend begründet und sich nicht mit den Vorbringen der
Beschwerdeführerin auseinandergesetzt (act. G1, G9).
Stellungnahme (act. G17). Der Beigeladene liess die Frist unbenützt ablaufen (act.
G18).
Einspracheentscheide sind zu begründen (Art. 52 Abs. 2 Satz 2 ATSG). Die
grundsätzliche Pflicht einer Behörde, ihren Entscheid zu begründen, folgt aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]). Die Begründungspflicht soll
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/24
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verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und der
betroffenen Person ermöglichen, den Einspracheentscheid gegebenenfalls sachgerecht
anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl diese als auch die Rechtsmittelinstanz
sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinn
müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihr Einspracheentscheid stützt. Dies
bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann
sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 124
V 180, E. 1.a). Eine - nicht besonders schwerwiegende - Verletzung des rechtlichen
Gehörs kann ausnahmsweise geheilt werden, wenn die betroffene Person die
Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den
Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Diese Voraussetzung ist im
Fall des Versicherungsgerichts erfüllt (vgl. Art. 61 lit. c ATSG i.V.m. Art. 46 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 20. November 2019 führte die
Beschwerdegegnerin die relevanten rechtlichen Grundlagen auf. Sodann zitierte sie -
wie die Beschwerdeführerin zutreffend ausführt (act. G1) - grosse Teile der
Beurteilungen der Kreisärzte Dr. Q._ und med. pract. S._ (Suva-act. 100). Diese
Beurteilungen sind bezüglich der relevanten medizinischen Fragestellungen
(Arbeitsfähigkeit, Veränderung des Gesundheitszustandes, Kausalität; vgl. E. 3.3 f.)
selbsterklärend, so dass keine diesbezüglichen detaillierten Ausführungen der
Beschwerdegegnerin notwendig waren. Auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin in
der Einsprache ging die Beschwerdegegnerin zwar nur sehr knapp ein, sie erwähnte sie
aber immerhin (vgl. Suva-act. 100, S. 13). Insgesamt ist eine Gehörsverletzung damit
zu verneinen. Es ist ausserdem darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin im
vorliegenden Beschwerdeverfahren uneingeschränkt ihren Standpunkt vorbringen
kann, wovon sie mit ihren ausführlichen Eingaben Gebrauch gemacht hat. Unter diesen
Umständen könnte eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs ohnehin als
ausnahmsweise geheilt erachtet werden.
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/24
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3.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist, ob die dem
Beigeladenen ursprünglich zugesprochene Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad
von 33.33 % zu revidieren bzw. zu erhöhen ist.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 % invalid, so hat
sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Grad der für den Rentenanspruch
massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich
zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
3.1.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt nach der Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen
Veränderung des Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die
erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands
erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Bei der Rentenrevision (auf
Gesuch hin oder von Amtes wegen) ist zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung
einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrads der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid, welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 E. 5). Zum Vergleich heranzuziehen ist
der Sachverhalt zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 E. 2 mit
Hinweisen) bzw. des streitigen Einspracheentscheids.
3.2.
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f.; André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
3.3.
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Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2018,
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 66 zu Art. 6, in Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.).
Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht regelmässig auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-
Nabold, N 53 und 59 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 55 und 58; BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht
publizierte E. 2 des Urteils 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009, je mit Hinweisen). Bei
physischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen
Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, BGE 127 V 103 E. 5b/bb; SVR 2000 UV Nr.
14 S. 45). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, bewirkt
die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung des
adäquaten Kausalzusammenhangs. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung nach der Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133, E. 6c/aa
vorzunehmen.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Um den Gesundheitszustand und insbesondere das Ausmass der
Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
3.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/24
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4.
Die letzte Prüfung des Rentenanspruchs nahm die Beschwerdegegnerin Ende 2004
vor, ohne jedoch eine umfassende materielle Neuprüfung des Rentenanspruchs
durchzuführen. Die am 3. Dezember 2004 ergangene Mitteilung (vgl. Suva-act. 22-9) ist
daher nicht als Referenzzeitpunkt für die Rentenrevision zu betrachten. Vorliegend ist
zu prüfen, ob eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes des
Beigeladenen zwischen dem ursprünglichen, in Rechtkraft erwachsenen
Einspracheentscheid vom 20. März 1997 (Invaliditätsgrad von 33.33 %; Suva-act. 55,
vgl. Suva-act. 58) und dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 20. November
2019 (Suva-act. 100) eingetreten ist. Dazu ist vorerst die Situation per 20. März 1997 zu
ermitteln.
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweisen). Den Berichten und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen oder von beratenden Ärzten und Ärztinnen
einholen, kann rechtsprechungsgemäss ebenfalls Beweiswert beigemessen werden
(BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In solchen
Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen.
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U 281 E. 1a S. 281 f.).
Der Einspracheentscheid vom 20. März 1997 stützte sich in medizinischer Hinsicht
im Wesentlichen auf die Beurteilungen von Dr. H._ vom 13. November 1995 (Suva-
act. 53), Kreisarzt Dr. E._ vom 24. März 1994 (Suva-act. 52-22) und Dr. F._ vom 19.
Januar 1994 (Suva-act. 51-5 ff.). Die Beschwerdegegnerin ging basierend darauf von
einer Arbeitsunfähigkeit von 25 % aus und errechnete eine Erwerbsunfähigkeit von
33.33 % (Suva-act. 52-24 ff., Suva-act. 55).
4.1.
Dr. F._ hatte den Beigeladenen erstmals am 10. September 1991 begutachtet.
Im Gutachterbericht vom 18. September 1991 hatte er eine PTBS sowie eine
psychoreaktive Depression diagnostiziert und festgehalten, der Beigeladene habe den
Unfall und den Verlust seiner linken Hand noch überhaupt nicht verarbeitet. Neben dem
somatischen Befund wirke sich auch die psychische Störung in beruflicher Hinsicht
negativ aus. Der Beigeladene sei im Umfang von etwa 75 % arbeitsunfähig. Es handle
sich um ein labiles pathologisches Geschehen, welches durch eine geeignete
4.1.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/24
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Behandlung besserungsfähig sei. Da die Störung recht lange dauere und sich mit einer
zusätzlichen Depression verkompliziert habe, sei mit einer Arbeitsunfähigkeit von
mindestens noch sechs Monaten zu rechnen (Suva-act. 51-45 ff.). Darauf befand sich
der Beigeladene vom 20. September bis 20. Dezember 1991 stationär in der
Psychiatrischen Klinik G._ (vgl. Suva-act. 51-31 ff.). Am 19. Januar 1994 beurteilte
Dr. F._ sodann, seit seiner letzten Begutachtung im September 1991 sei es zu einer
beachtlichen Verbesserung des psychischen Zustandes gekommen. Von der
psychischen Seite her erachte er den Beigeladenen höchstens im Umfang von 25 %
als arbeitsunfähig. An seiner damaligen, optimal eingerichteten Arbeitsstelle sei es ihm
zumutbar, ganztags zu arbeiten (Suva-act. 51-5 ff.).
Kreisarzt Dr. E._ befand am 24. März 1994, in somatischer Hinsicht sei der
Beigeladene betreffend Kraftleistung und auch in den Greiffunktionen beeinträchtigt. Er
könne lediglich leichte und minime Festhaltefunktionen mit der Prothese am linken
Vorderarm durchführen. Im angestammten Betrieb habe dem Beigeladenen eine
adäquate Beschäftigung angeboten werden können. Dort seien keine Kraftleistungen
erforderlich, weshalb keine verstärkte Ermüdung des rechten Armes geltend gemacht
werden könne. Bei dieser Tätigkeit sei dem Beigeladenen eine volle ganztägige
Präsenzzeit zumutbar. Dr. E._ führte weiter aus, in psychischer Hinsicht sei in den
letzten Jahren eine deutliche Besserung eingetreten. Dr. F._ erachte den
Beigeladenen aus psychiatrischer Sicht als fähig, eine volle Präsenzzeit bei der Arbeit
einzuhalten (Suva-act. 52-22). Dies ist zwar korrekt, Dr. E._ übersah aber offenbar,
dass Dr. F._ den Beigeladenen weiterhin als zu (höchstens) 25 % arbeitsunfähig
erachtete und damit von einer psychisch bedingten Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit auszugehen war (vgl. Suva-act. 51-5 ff.).
4.1.2.
Dr. H._ beurteilte am 13. November 1995, es liege ein Status nach längerer
depressiver Reaktion auf die traumatische Amputation des linken Vorderarms vor, das
heisse, ein Status nach einer abgeklungenen unfallkausalen Anpassungsstörung in der
Form einer längeren depressiven Reaktion (ICD-10: F43.21). Die im September 1991
von Dr. F._ gestellte Diagnose einer PTBS sei schon damals aufgrund der
diagnostischen Kriterien nicht haltbar gewesen. Der von Dr. F._ im Januar 1994
beschriebene psychische Zustand sei nicht mehr psychopathologisch. Aus
psychiatrischer Sicht sei eine wesentliche Arbeitsunfähigkeit, welche die somatisch-
medizinisch begründbare Arbeitsunfähigkeit übersteige, nicht begründbar. Weiter
führte Dr. H._ aus, auf die Stellungnahme von Dr. F._ zur Arbeitsfähigkeit sei voll
abzustellen. Wenn Dr. F._ grosszügigerweise von einer höchstens noch zu 25 %
bestehenden Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen spreche, so seien diese
4.1.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/24
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5.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 20. November 2019 basiert in
medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf den Beurteilungen von Kreisarzt Dr. Q._
und med. pract. S._ (Suva-act. 100). Die Beschwerdeführerin spricht diesen die
Beweiskraft ab und hält ihnen das bidisziplinäre Gutachten von Dr. M._ und Dr. N._
entgegen (vgl. act. G1).
25 % nicht zur somatischen Zumutbarkeitsbeurteilung dazuzuschlagen. Weiter sei von
einer guten Prognose und zukünftig weiter abnehmender Arbeitsunfähigkeit in
psychiatrischer Hinsicht auszugehen. Der Beigeladene könne seine derzeitige Tätigkeit
ganztags verrichten (Suva-act. 53). Dr. Q._ bemängelte die Beurteilung von Dr. H._
zwar überzeugend (vgl. Suva-act. 75, 80). Die Beweiskraft der Beurteilung von Dr.
H._ ist jedoch insofern nicht weiter zu prüfen, als auch er die von Dr. F._ attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 25 % aus psychiatrischer Sicht zumindest als vertretbar
erachtete.
Zusammengefasst ging die Beschwerdegegnerin bei der ursprünglichen
Rentenzusprache von einer Arbeitsunfähigkeit von 25 % in der angepassten Tätigkeit
bei der C._ AG aus. Sie differenzierte in ihrem Einspracheentscheid vom 20. März
1997 zwar nicht klar zwischen somatisch und psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeit.
Den Ausführungen im Einspracheentscheid sowie den genannten massgeblichen
Arztberichten ist jedoch zu entnehmen, dass die Arbeitsunfähigkeit von 25 %
ausschliesslich psychisch begründet war. In somatischer Hinsicht wäre die angepasste
Tätigkeit voll zumutbar gewesen. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach bei
der erstmaligen Rentenzusprache kein relevanter psychiatrisch bedingter
Gesundheitsschaden und keine diesbezügliche Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe
(act. G1, G9), sind angesichts der erwähnten medizinischen Einschätzungen nicht
nachvollziehbar. Basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 25 % errechnete die
Beschwerdegegnerin - wie bereits erwähnt - einen Invaliditätsgrad von 33.33 % (vgl.
Suva-act. 55).
4.2.
In ihrem Gutachten vom 14. November 2015 hielten Dr. M._ und Dr. N._ als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Zustandsbild nach traumatischer
Vorderarmamputation links (ICD-10: T11.6), ein Überlastungssyndrom der rechten
oberen Extremität (ICD-10: M70.8) und eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.09), fest. Sie beurteilten, in psychiatrischer
Hinsicht liege für eine adaptierte Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %, in
somatischer Hinsicht eine solche von 50 % vor. Die beiden Arbeitsunfähigkeiten seien
5.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/24
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zu addieren, so dass eine Gesamt-Arbeitsunfähigkeit von 70 % resultiere (Suva-act.
37). Im Folgenden ist bezüglich der einzelnen von den Gutachtern genannten
Beschwerdebereichen (psychische Beeinträchtigung, Vorderarmamputation links,
Beschwerden an der rechten oberen Extremität) zu prüfen, ob seit der erstmaligen
Rentenzusprache im Jahr 1997 massgebliche Veränderungen eingetreten sind.
Bezüglich der Beschwerden an der rechten oberen Extremität ist zudem die
Unfallkausalität zu beurteilen.
Wie in Erwägung E. 4.2 ausgeführt, ging die Beschwerdegegnerin im Jahr 1997
von einer psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von (höchstens) 25 % aus.
5.2.
Die psychiatrische Teilgutachterin Dr. N._ führte aus, im Vergleich zum Jahr
2001 - Referenzzeitpunkt für die Verfügung der IV-Stelle - sei psychopathologisch
keine wesentliche Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes festzustellen.
In Anwendung der aktuellen Beurteilungspraxis sei wegen der Verminderung der
Anpassungsfähigkeit, der Belastbarkeit sowie der Konzentrationsfähigkeit die
Arbeitsunfähigkeit mit 20 % zu bemessen (Suva-act. 37). Diesbezüglich ist darauf
hinzuweisen, dass die psychische Situation des Beigeladenen sich nach der
erstmaligen Rentenzusprache durch die Beschwerdegegnerin offenbar verschlechtert
hatte. Wegen akuter Suizidalität wurde er im Dezember 1999 im Spital D._
hospitalisiert und danach mit kurzen Unterbrechungen bis zum 3. November 2000
stationär bzw. tagesklinisch in der Psychiatrischen Klinik J._ behandelt (vgl. Suva-
act. 60-69 ff., IV-act. 97). Ab 16. November 2000 erfolgte sodann eine ambulante
Behandlung durch die Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie I._ (Suva-
act. 60-72). Die jeweils behandelnden Ärzte hatten dem Beigeladenen vom Dezember
1999 bis mindestens Oktober 2001 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert (vgl.
IV-act. 97, Suva-act. 60-72 ff., 60-75). Die damalige Situation des Beigeladenen war
unter anderem auch durch unfallfremde psychische Belastungen, wie insbesondere die
Trennung von seiner Ehefrau und den Abbruch des Kontakts durch seine Kinder,
geprägt (vgl. IV-act. 60-73 f.). Im Zeitraum zwischen Oktober 2001 und Mai 2015 ist
keine psychiatrische Behandlung aktenkundig. Ab dann wurde der Beigeladene wieder
im Psychiatriezentrum T._ behandelt. Dies unter anderem wegen einer
Verhaltensstörung durch Alkohol, einer leichten depressiven Episode, Problemen im
engeren Familienkreis, einer Eifersuchtsproblematik und gelegentlichen
Schwierigkeiten in der Impulskontrolle. Die dort behandelnden Fachpersonen befanden
im Sommer 2015, aus rein psychiatrischer Sicht sollte zuerst eine Suchtbehandlung
und eine Behandlung der depressiven Symptomatik erfolgen. Eventuell sei auch eine
traumaspezifische Behandlung notwendig. Dann sei der Versicherte zumindest Teilzeit
5.2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/24
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zu 50 bis 80 % in einer angepassten Tätigkeit einsetzbar (IV-act. 162). Demzufolge
gingen auch diese davon aus, dass der Beigeladene nach entsprechender Behandlung
aus psychiatrischer Sicht bestenfalls nur noch zu 20 % arbeitsunfähig sein würde. In
einem weiteren im Jahr 2015 erstellten Bericht (undatiert) hielten sie sodann konkret
eine Arbeitsfähigkeit von 80 % fest (IV-act. 158). Damit übereinstimmend ging Dr. N._
- auch gestützt auf eine neuropsychologische Untersuchung - davon aus, rein
psychiatrisch liege eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % vor. Sie führte aus, es falle dem
Beigeladenen schwer, bei monotonen Aufgaben ein adäquates Aufmerksamkeitsniveau
aufrecht zu erhalten und er zeige Schwierigkeiten in der Wahrnehmung sowie
Memorisierung von visuellen Reizvorlagen. Insgesamt resultieren eine leichte
Einschränkung der Anpassungsfähigkeit und der Belastbarkeit (Suva-act. 37-67).
Am 22. März 2018 wurde der Beigeladene durch Kreisarzt Dr. Q._ untersucht.
Dieser beurteilte am 26. April 2018, es lägen eine leichte depressive Episode (ICD-10:
F32.0), eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10:
F62.0) und ein Alkohol-Missbrauch bis Abhängigkeit (ICD-10: F10.1/2) vor. Die
vorliegenden psychiatrischen Störungen hätten sich ohne den schweren Arbeitsunfall
am 19. Mai 1989 und dessen Auswirkungen sehr wahrscheinlich nicht in dieser Zeit
und in dieser Weise entwickelt. Deshalb sei ein diesbezüglicher teilkausaler natürlicher
Zusammenhang überwiegend wahrscheinlich zu bestätigen. Insgesamt bestünden
höchstens leichte funktionelle Beeinträchtigungen. Antrieb und Konzentration seien
weitgehend erhalten. Die Tendenz zur Reizbarkeit sei nicht derart stark ausgeprägt,
dass der Beigeladene einem Arbeitgeber im ersten Arbeitsmarkt nicht zumutbar wäre.
In Übereinstimmung mit Dr. F._ und Dr. N._ sei deshalb festzuhalten, dass die
psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit im Bereich von 20 % liege. Seit dem Bericht
von Dr. F._ vom 19. Januar 1994 sei es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
keiner Veränderung der psychischen Unfallfolgen gekommen. Das aktuell vorliegende
psychische Zustandsbild sei weitgehend gleich wie damals. Die wahrscheinlich zu
stellende Diagnose einer leichten, andauernden Persönlichkeitsveränderung nach
Extrembelastung stelle lediglich eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts dar
und dies habe vor allem keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Suva-act. 75).
Nachdem Rechtsanwalt Gnädinger die Einschätzung von Dr. Q._ in Frage gestellt
und geltend gemacht hatte, das psychische Beschwerdebild habe sich seit der
erstmaligen Rentenzusprache deutlich verschlechtert (Suva-act. 77), nahm Dr. Q._
am 15. August 2018 erneut Stellung. Er führte aus, die von Dr. F._ am 19. Januar
1994 attestierte Arbeitsunfähigkeit von maximal 25 % entspreche ziemlich genau
seiner Einschätzung einer Arbeitsunfähigkeit von 20 %. Diesbezüglich habe sich also
5.2.2.
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im Vergleich keine relevante Veränderung ergeben. Die von Dr. F._ gestellten
Diagnosen einer psychoreaktiven Depression und einer PTBS würden von der
Symptomatik her recht gut mit den aktuellen Diagnosen übereinstimmen. Es sei häufig
so, dass - wie vorliegend - sich aus einer PTBS eine andauernde
Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung entwickle. Viele Beschwerden und
Beeinträchtigungen im Rahmen einer Depression, einer PTBS und einer
Persönlichkeitsveränderung überschnitten sich, weshalb diese teilweise schwer
voneinander abgrenzbar seien. Die Beschwerdegegnerin habe in ihrer Verfügung vom
14. März 1994 eine gewisse Verlangsamung und damit eine psychische
Beeinträchtigung explizit berücksichtigt. Auch im weiteren Verlauf nach der erstmaligen
Rentenzusprache durch die Beschwerdegegnerin habe der Beigeladene in anhaltender
Weise unter erheblichen psychischen Beschwerden und Beeinträchtigungen gelitten.
Zusammenfassend hielt Dr. Q._ überzeugend fest, die psychischen Unfallfolgen
seien überwiegend wahrscheinlich nicht wesentlich schwerer als am 14. März 1994
bzw. 20. März 1997. Betreffend die Diagnosen habe sich nur eine unwesentliche
Veränderung ergeben und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien praktisch
identisch (Suva-act. 80).
Insgesamt ist damit in psychiatrischer Hinsicht von keiner massgeblichen
Veränderung und insbesondere keiner Verschlechterung des Gesundheitszustandes
zwischen der erstmaligen Rentenzusprache und dem angefochtenen
Einspracheentscheid vom 20. November 2019 auszugehen. In beiden Zeitpunkten lag
eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von rund 20 bis 25 % vor. Vor diesem
Hintergrund kann eine Prüfung der Adäquanz der noch vorhandenen psychischen
Beschwerden unterbleiben.
5.2.3.
Bezüglich der Beschwerden am Vorderarm links bzw. dem Armstumpf links ist es
unbestritten und aktenmässig ausgewiesen zu keinen relevanten Veränderungen
gekommen. Der Beigeladene war in einer ideal adaptierten Tätigkeit bereits spätestens
seit der Verfügung vom 14. März 1994 zu 100 % arbeitsfähig (vgl. E. 2.1.4). In der Folge
trat gemäss der überzeugenden Beurteilung von med. pract. P._ keine
Verschlechterung ein (Suva-act. 64).
5.3.
Der Beigeladene leidet unbestritten unter einem Tennisellbogen (Epicondylitis
humeri radialis), einer Tenosynovalitis der Beugesehnen bzw. Tendovaginitis stenosans
der rechten Hand und einem Morbus Dupuytren Dig IV rechts, weshalb er bereits
mehrfach an der Hand operiert wurde (vgl. IV-act. 117-10 f., 117-9, 133-5, 156). Im
Folgenden ist zu prüfen, ob diese Beschwerden an der rechten oberen Extremität
Folge einer (unfallbedingten) Überlastung sind oder auf unfallfremde Ursachen
5.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/24
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zurückzuführen sind. Bei Bejahung einer Unfallkausalität stellt sich die Frage der
Verschlechterung der Beschwerden.
Der orthopädische Teilgutachter Dr. M._ hielt in seinem Gutachten vom 14.
November 2015 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit unter anderem
ein Überlastungssyndrom der rechten oberen Extremität fest (ICD-10: M70.8; Suva-act.
37-42). Er befand, die rechte dominante obere Extremität weise Überlastungs
erscheinungen auf. Es habe eine Epicondylitis humeri radialis bestanden, welche
konservativ, unter anderem mit Infiltrationen, angegangen worden sei. Diesbezüglich
bestehe ein recht zufriedenstellendes Zustandsbild. An der rechten Hand seien diverse
operative Eingriffe durchgeführt worden. Die rechte Hand sei dementsprechend
vermindert belastbar und auf repetitive Bewegungen recht empfindlich. Die
überlastungsbedingten Beschwerden seien als mittelgradig anzusehen. Der rechte
Arm, namentlich der Ellbogen und die Hand, seien zweifellos vermindert belastbar
(Suva-act. 37-45 f.). Da das Gutachten durch die IV-Stelle veranlasst wurde (vgl. Suva-
act. 30), hatte sich Dr. M._ nicht explizit zur Unfallkausalität der Beschwerden des
Beigeladenen zu äussern. Er führte jedoch aus, dem Beigeladenen sei im Mai 1989 der
adominante linke Vorderarm amputiert worden. Durch die anschliessende
Mehrbelastung der dominanten rechten oberen Extremität sei es zu Beschwerden im
Sinne des erwähnten Tennisellbogens gekommen. In der rechten Hand sei es zu
Synovalitiden mit Einengung des Gleitlagers diverser Beugesehnen gekommen, so
dass mehrmals Eingriffe zur Entlastung bei schnappenden Fingern hätten durchgeführt
werden müssen (Suva-act. 37-49 f.). Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen, ist
diese Beurteilung jedoch nicht überzeugend.
5.4.1.
Med. pract. S._ führte am 14. Januar 2019 (Suva-act. 82) aus, wie bereits Dr.
E._ am 24. März 1994 befunden habe (vgl. 52-22), sei die Tätigkeit, welche der
Beigeladene bei der C._ AG ausgeübt habe, eine leichte, keine Kraft
beanspruchende Tätigkeit gewesen. In Übereinstimmung mit Dr. E._ sei es durch
diese Tätigkeit zu keiner Überlastung der rechten oberen Extremität gekommen (vgl.
auch die Aussage der Arbeitgeberin vom 8. Februar 1994, wonach eine starke
Ermüdung des rechten Arms mangels nötiger Kraftanwendung nicht nachvollziehbar
sei; Suva-act. 51-4). Kreisarzt Dr. P._ und med. pract. S._ hielten sodann
übereinstimmend fest, seit 1999 sei der Beigeladene keiner regelmässigen
Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen. Eine Überlastung der rechten oberen Extremität
durch kraftraubende oder repetitive Bewegungen bei einer beruflichen Tätigkeit sei
somit nicht überwiegend wahrscheinlich belegt. Gemäss dem gegenüber den
Gutachtern Dr. N._ und Dr. M._ geschilderten Tagesablauf erledige der
5.4.2.
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Beigeladene keine Haushalts- oder Gartenarbeiten, sei gerne zu Hause, gehe einkaufen
und treffe sich regelmässig mit Kollegen zum Kaffeetrinken, sehe fern und liege auf
dem Sofa. Zudem könne er Autofahren. Auch aus diesen Angaben lasse sich keine
vermehrte Belastung der rechten oberen Extremität ableiten (Suva-act. 64, 82). Wie Dr.
P._ zu Recht festhielt, hatte Dr. M._ aus der fehlenden Beschwielung an der
rechten Hand zudem geschlossen, dass der Beigeladene keine massgeblichen
körperlichen Aktivitäten ausführe (Suva-act. 37-45 f., 64).
Bezüglich des Tennisellbogens hielten Dr. P._ und med. pract. S._ fest,
dieser könne Folge einer Fehl- oder Überbelastung sein. Neben einer solchen werde in
der Literatur unter anderem das Tabakrauchen, eine Adipositas, ein Diabetes mellitus
und die weisse Hautfarbe als Risikofaktoren für die Entstehung genannt. Sie
schlussfolgerten überzeugend, der Tennisellbogen sei nicht überwiegend
wahrscheinlich Folge einer Überlastung. Der Beigeladene habe keine repetitiven
Arbeiten verrichtet. Hingegen sei dokumentiert, dass er rauche und eine Adipositas
sowie einen Diabetes mellitus habe (Suva-act. 64, 82).
5.4.3.
Dr. P._ und med. pract. S._ führten aus, die Pathogenese der Tendovaginitis
stenosans bzw. der Tenosynovitis der Beugesehnen, verbunden mit dem klinischen
Phänomen schnappender Finger, sei multifaktoriell (Suva-act. 64, 82). Dr. P._ hielt
fest, bei einer Tendovaginitis stenosans werde zwar ein gewisses Mass an Überlastung
in der Literatur beschrieben, allerdings müssten gewisse Faktoren betrachtet werden.
Eine Tendovaginitis stenosans entstehe überwiegend wahrscheinlich durch
Überbelastung der Beugesehnen wie zum Beispiel beim Klavierspielen, bei Sportlern
oder bei Personen, die lange am Computer arbeiteten (Suva-act. 64). Med. pract. S._
führte zudem aus, in der Literatur werde ein Zusammenhang mit einem Diabetes
mellitus, einer Amyloidose, einer Gicht und Schilddrüsenkrankheiten oder auch einer
rheumatoiden Arthritis beschrieben. Beim Beigeladenen sei weder eine akute noch eine
chronische Traumatisierung der Hand rechts dokumentiert. Allein ein vermehrter
Gebrauch der rechten Hand für Alltagsverrichtungen vermöge eine Tenosynovitis
mehrerer Beugesehnen der rechten Hand nicht zu erklären. Der Beigeladene habe
jedoch einen Diabetes mellitus und der Beginn der Beschwerden an der rechten Hand
falle zeitlich mit dem Einsetzen chronischer Rückenbeschwerden zusammen. Die
behandelnden Ärzte hätten im Verlauf den Verdacht auf eine Spondylarthropathie, eine
Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis, geäussert. Es sei damit nicht
überwiegend wahrscheinlich, dass die Tenosynovitis mehrerer Beugesehnen der
rechten Hand Folge einer Überbelastung sei (Suva-act. 82).
5.4.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/24
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Dr. P._ und med. pract. S._ führten aus, beim Morbus Dupuytren handle es
sich um eine Fibromatose mit einer gewissen, genetisch gesicherten Komponente, die
vermehrt bei Männern mittleren Lebensalters auftrete. Auch sei diese Erkrankung mit
alkoholtoxischer Leberschädigung, Tabakrauchen sowie einem Diabetes mellitus
assoziiert (Suva-act. 64, 82). Med. pract. S._ hielt ausserdem fest, es werde
vermutet, dass das Krankheitsbild auch nach einer schweren Handverletzung auftreten
könne. Der Zusammenhang mit einer chronischen Belastung durch schwere manuelle
Arbeit werde in der Literatur diskutiert, sei jedoch nicht erwiesen. Beim Beigeladenen
sei weder eine akute Verletzung der rechten Hand noch eine chronische Belastung
durch schwere manuelle Tätigkeiten dokumentiert (Suva-act. 82). Die beiden Ärzte
befanden übereinstimmend, beim Beigeladenen seien ein Diabetes mellitus und ein
langjähriger Überkonsum von Alkohol (als mögliche Ursache für ein Morbus Dupuytren)
objektiviert. Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Morbus Dupuytren
Folge einer chronischen Überlastung der rechten Hand sei (Suva-act. 64, 82).
5.4.5.
Zusammengefasst ist gestützt auf die übereinstimmenden und überzeugenden
Beurteilungen von Kreisarzt Dr. P._ und med. pract. S._ davon auszugehen, dass
die Beschwerden der rechten oberen Extremität nicht auf ein Überlastungssyndrom
zurückzuführen sind. Die behandelten Erkrankungen im Bereich der rechten oberen
Extremität sind damit nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
im Sinne indirekter Unfallfolgen auf die Amputation des linken Vorderarmes
zurückzuführen. Entgegen der Kritik der Beschwerdeführerin ist diese Einschätzung
von Dr. P._ und med. pract. S._ nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin
führt zwar richtig aus (vgl. act. G1), dass der Beigeladene nur noch einen gänzlich
funktionstüchtigen Arm (rechts) hat, weshalb er naturgemäss diesen vermehrt
einsetzen muss. Dies bedeutet jedoch nicht per se, dass es zu einer Überlastung
seines ohnehin dominanten rechten Armes kam. Dr. M._ ging ohne nachvollziehbare
Begründung von einem (unfallbedingten) Überlastungssyndrom aus. Ausserdem ist
darauf hinzuweisen, dass er sich - als von der IV-Stelle beauftragter Gutachter - nicht
ausführlich mit der Unfallkausalität der Beschwerden zu befassen hatte. Die
Beurteilung von Dr. M._ ist damit nicht geeignet, die Einschätzungen von Dr. P._
und med. pract. S._ in Zweifel zu ziehen. Eine durch eine unfallkausale Überlastung
ausgelöste Problematik insbesondere am Ellbogen rechts ist auch insofern nicht
nachvollziehbar, als der Beigeladene im Jahr 2004, mithin rund vier Jahre nach
Einstellung der Erwerbstätigkeit und rund 15 Jahre nach dem Unfall, erstmals
gegenüber Dr. K._ über plötzlich aufgetretene Schmerzen im Bereich des rechten
Vorderarms ohne sicher erinnerliche Überanstrengung geklagt hatte (IV-act. 117-10 f.).
5.4.6.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/24
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6.
Es besteht somit insgesamt kein medizinisch bedingter Revisionsgrund und es ist
weiterhin von einer (psychiatrisch bedingten) Arbeitsunfähigkeit von maximal 25 %
Da die Beschwerden an der rechten oberen Extremität nicht als unfallkausal zu
betrachten sind, liegt diesbezüglich auch keine vorliegend zu berücksichtigende
Verschlechterung des Gesundheitszustandes vor.
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, es sei entsprechend der
Einschätzung von Dr. M._ von einer somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von
50 %, mithin einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes, auszugehen (vgl. act.
G1). Dr. M._ führte aus, der Beigeladene könne seine Prothese links recht gut
bedienen. Ellbogen- und Schultergelenk der linken oberen Extremität seien nicht stark
eingeschränkt, so dass hier gewisse Kompensationsmöglichkeiten gegeben seien. Er
könne aber auch gut leidensangepasste, also rein einarmige Tätigkeiten nicht mit der
gleichen Geschwindigkeit erledigen wie es eine Person mit zwei funktionstüchtigen
Armen könnte. Die Reaktionsfähigkeit sei vermindert, da der in seiner Einsatzfähigkeit
eingeschränkte linke Arm nur limitiert kompensatorisch eingesetzt werden könne. Auch
Arbeiten, die mit bestimmten, auch wenn unbelasteten, Stellungen des linken Armes
verbunden seien, könnten nur begrenzt ausgeübt werden. Auch die dominante rechte
obere Extremität sei operiert worden und nur vermindert belastbar. Der Beigeladene sei
daher aus somatischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig. Er
könne ganztags arbeiten, weise aber ein deutlich vermindertes Arbeitstempo auf und
sei in seiner Geschicklichkeit eingeschränkt. Es sollte sich um eine Tätigkeit handeln,
bei der nur die dominante rechte Hand eingesetzt werden müsse, keine
feinmotorischen Tätigkeiten und keine repetitiven Tätigkeiten bezüglich Finger- und
Ellbogenbewegungen. Die adominante linke obere Extremität könne nur im Sinne einer
Zudien- und Hilfshand benutzt werden; diesbezüglich sei kein Heben und Tragen von
Lasten über 5 kg zumutbar. Es dürften keine Zwangspositionen der Wirbelsäule
gefordert werden (Suva-act. 37-49 f.). Diesbezüglich ist zu sagen, dass die
unfallfremden Beschwerden an der Wirbelsäule und der oberen rechten Extremität
vorliegend nicht berücksichtigt werden können. Betreffend die linke obere Extremität
ist - wie erwähnt (E. 5.3) - seit der erstmaligen Rentenzusprache keine massgebliche
Veränderung eingetreten. Bereits damals mussten gewisse Adaptionskriterien
berücksichtigt werden. Diese rechtfertigen jedoch keine massgebliche quantitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer ideal adaptierten, insbesondere einer
einarmigen, Tätigkeit. Rein bezüglich der somatischen Unfallfolgen ist damit weiterhin
von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen.
5.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 24/24
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St.Galler Gerichte
auszugehen. Weitere medizinische Abklärungen erübrigen sich. Hinsichtlich der
Validen- und Invalideneinkommen ist unbestritten keine Sachverhaltsänderung
eingetreten, weshalb sich diesbezüglich keine Neufestsetzung rechtfertigt. Wie bei der
ursprünglichen Rentenzusprache durch die Beschwerdegegnerin ist damit weiterhin
von einem Anspruch auf eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 33.33 %
auszugehen (vgl. Suva-act. 52-24 ff., 55). Die Abweichung von der durch die IV-Stelle
zugesprochenen ganzen Rente erklärt sich insbesondere dadurch, dass die
Beschwerdegegnerin im Gegensatz zur IV-Stelle die unfallfremden Beschwerden der
rechten oberen Extremität nicht zu berücksichtigen hat.
7.