Decision ID: d633b48b-2ca5-421f-9f28-167f2ade5e39
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene
X._
war vom 23. August 2000 bis zum 28. Februar 2003 bei der
Y._
AG als Werbeberaterin tätig (Urk. 7/10).
Am 3.
Mai 2005 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
ein Burnout-Syndrom sowie chronische Angstzustände und Depression
en
bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/2).
Mit Verfügung vom 31. März 2009 sp
rach
die IV-Stelle
der Ver
sicherten ab 1.
Mai
2004 eine ganze Rente und ab 1. Januar 2009 eine
Drei
viertelsrente
der Invalidenversicherung zu (Urk. 7/91).
Dagegen erhob die
Sammelstiftung Vita, Vorsorgeeinrichtung der vormaligen Arbeitgeberin der Versicherten, mit Eingabe v
om 14.
Mai 2009 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, soweit sie den Ze
itpunkt der Eröff
nung der Warte
zeit betreffe. Die einjährige Wartezeit sei im November 2003 zu eröffnen (Urk. 7/95).
Mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 24. November 2010 wurde
die
Beschwerde in dem Sinne gut
geheissen, dass die
angefochtene Verfü
gung
aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen
wurde
, damit diese nach erfolgten Abklärungen über den Leistungsanspruch
der Versicherten
neu entscheide (Urk. 7/102
).
1.2
Nach Einholung
einer
Beurteilung
durch den
Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD,
Stellungnahme
vom 31. März 2011,
Urk.
7/104)
sprach die IV-Stelle der Versicherten m
it Verfügung vom 6. Juli 2011
wiederum
ab Mai 2004 eine ganze
Rente
und ab Januar 2009 eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zu (Urk. 7/111).
Die dagegen erhobene Beschwerde der Sammelstiftung Vita hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 30. April 2012
wieder
in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurück
gewiesen wurde, damit diese nach erfolgten Abklärungen über den
Leistungs
anspruch
der Versi
cherten neu entscheide (Urk. 7/129
).
1.3
Die IV-Stelle holte in der Folge weitere medizinische Berichte ein und ordnete eine psychiatrische Begutachtung an (Urk. 7/142). Das Gutachten wurde am 26. Februar 2013 erstattet (Urk. 7/147).
Gestützt auf die Schlussfolgerungen
des
Gutachter
s
und nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
wies die IV-
Stelle das Leistungsbegehren der
Versicherten mit Verfügung vom 31. Oktober 2013 ab (Urk.
7/166 = Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2. Dezember 2013 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Beschwer
degegnerin
sei zu verpflichten, die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu er
bringen, insbesondere sei festzustellen, dass die Wartezeit per 1. März 2003 zu eröffnen sei
. Eventualiter sei die Sache zwecks Vornahme weiterer medizini
scher Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit
Beschwerdeantwort vom 22. Januar 2014 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Mit Replik vom 22
.
Mai 2014 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Beschwerdeanträgen fest (Urk. 12).
Mit Eingabe vom 10.
Juni 2014 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
Erstattung
eine
r
Duplik (Urk. 15).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder tei
lweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Gemäss ständiger Rechtsprechung begründet eine Drogensucht für sich allein keine Invalidität, sondern nur in Verbindung mit einem die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden geistigen, körperlichen oder psychischen
Gesundheitsscha
den
mit Krankheitswert, der zur Sucht geführt hat oder als deren Folge ein
getreten ist (BGE 102 V 167, 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.1 mit Hinweisen).
Daraus
folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz
um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbstständiger Gesundhei
tsschädigungen darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung [
IVG
]
;
Urteil
des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.1 mit Hinweisen auf
BGE 127 V 294
E. 5a und Urteil
I
955/05 vom 6. No
vember 2006 E. 3.3.2
).
Angesichts der insoweit finalen
Natur der Invalidenversicherung
ist nicht ent
scheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen
Gesund
heitsschadens
ist oder ob die Sucht
ausserhalb
eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich
irrelevant
, soweit sie als solche allein
leistungs
mindernd
wirken. Hingegen sind sie
gleichermassen
IV-rechtlich relevant, so
weit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen
Gesund
heitsschaden
stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht - einem Symptom gleich - Teil e
ines Gesundheitsschadens bildet
; dies unter der Voraus
setzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund sel
ber zu Arbeitsunfähigkeit führt
. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn dane
ben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die
Betäubungsmittel
abhängigkeit
aufrecht erhält oder deren Folgen
massgeblich
verstärkt. Umge
kehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Ge
sundheitsschadens beein
flussen (
Urteil
des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.2 mit Hinweisen auf
BGE 99 V 28
E.
3b
,
120 V 95
E. 4c,
SVR 2012 IV Nr. 32 S.
127, 9C_776/2010
vom 20. Dezember 2011
E. 2.3.3
,
ZAK 1992 S. 169
).
Eine psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Aufbietung allen guten Willens, die verblei
bende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzu
muten ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wobei das Mass des
Forderbaren
weitgehend objektiv bestimmt wird (BGE 130 V 352 f. E. 2.2.1, 131 V 49).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2
IVG
).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid
erwog die Beschwerdegegnerin, gemäss dem Gut
a
chten von
Dr.
Z._
vom 14.
März 2013 habe von 1996 bis ca. Ende 2010 ein Abhängigkeitssyndrom mit multiplem Substanzgebrauch bestanden.
Dabei handle es sich um eine primäre Suchterkrankung, die keinen relevanten
Ge
sundheitsschaden
verursacht habe. Für die Zeit von November 2005 bis Sommer 2007 sei eine psychiatrisch bedingte Diagnose gestellt worden. Die Wartezeit sei somit per 1. November 2005 zu eröffnen. In dieser Zeit sei der Beschwerdefüh
rerin die bisherige Tätigkeit als kaufmännische Angestellte in einem Pensum von 80 % zumutbar gewesen.
Da der Invaliditätsgrad 20 % betrage, bestehe kein Rentenanspruch (Urk. 2).
2.2
Die B
eschwerdeführerin machte
dagegen
im Wesentlichen gelte
nd,
die
Beschwer
degegnerin
habe sich nicht mit den vorgebrachten Einwendungen aus
einandergesetzt, weshalb eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vorliege. A
uf das Gutachten von
Dr.
Z._
könne nicht abgestellt werden. Es erfülle die Anforderungen an den Beweiswert nicht. Es sei oberflächlich, formal und inhaltlich mangelhaft und setze sich nicht mit den
Vorakten
und den An
gaben der Beschwerdeführerin auseinander, welche verkürzt und falsch darge
stellt würden. Es enthalte auch keine Persönlichkeitsdiagnostik. Die Anamnese sei unprofessionell und unvollständig, so dass
Dr.
Z._
daraus nicht die richtigen diagnostischen Schlüsse habe ziehen können. Die
Vorakten
hätten an
dere Sachverhalte enthalten.
Gemäss
Dr.
Z._
sei eine psychische Proble
matik erstmals im
A._
am 5. April 2005 festgehalten wor
den. Dies sei aktenwidrig
. Gemäss
Dr.
Z._
gebe es keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung. Typische Symptome
habe
er
verneint
und auf ICD-10 F60.8
verwiesen
. Dafür seien jedoch nicht die Symptome vorausgesetzt, welche
Dr.
Z._
aufgezählt habe
.
Dr.
Z._
habe
die von
Dr.
B._
diagnosti
zierte emotional instabile Persönlichkeitsstörung
verneint
, ohne die Kriterien umfassend darzustellen
.
Die Beschwerdegegnerin habe während zweier Verfah
ren daran festgehalten, die Wartezeit per März 2003 zu eröffnen. Nun wolle sie diese gestützt auf ein
mangelhaftes Gutachten per 1.
November 2005 eröffnen. Ein solches Vorgehen sei nicht zu schützen (Urk. 1).
3.
3.1
Vorab ist zu prüfen, ob die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durchdringt, da
diesfalls
die angefochtene Verfügung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde aufzuhebe
n wäre.
3.2
Die Begründungspflicht als Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör bedeu
tet nicht, dass sich die Behörde mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Es genügt, wenn die Begründung kurz die Überlegungen nennt, auf die sich der Entscheid stützt und dieser sachgerecht angefochten werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_511/2007 vom
22. November 2007 E.
4.2.2 mit wei
teren Hinweisen).
Im Übrigen
kann
eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs
nach der Rechtsprechung
als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwer
deinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 133 I 201 E.2.2; BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
)
.
Da die Beschwerdeführerin die angefochtene Verfügung sachgerecht anfechten konnte, ist
eine
Verletzung der Begründungspflicht und damit des Anspruchs auf recht
li
ches Gehör
zu verneinen
.
4.
4.1
Das hiesige Gericht erwog im Urteil vom 24. November 2010,
ob das Wartejahr von der Beschwerdegegnerin korrekt eröffnet worden sei oder nicht, habe sich aufgrund der Akten nicht abschliessend beurteilen lassen. Was die
Suchtprob
lematik
betreffe, habe die Aktenlage ebenfalls keine abschliessende Beurteilung zugelassen. Zwar habe
Dr.
B._
dafür gehalten, für das immer wieder erneute Abrutschen in die Drogen sei die neurotische Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin verantwortlich gewesen. Auch die Ärzte der Klinik
C._
und der RAD hätten
die
Suchtproblematik als (wahrscheinlich) sekundärer Art erachtet. Dafür
,
dass die Beschwerdeführerin vo
r ihrer letzten Anstellung (23. August 2000 bis 28.
Februar 2003) an einer sozialversicherungsrechtlich relevanten psychischen Erkrankung, welche als Ursache einer Suchterkrankung in Frage
kommen würde
, gelitten hätte,
hätten
jedoch echtzeitliche Arztberichte
gefehlt.
Einzig
Dr.
D._
habe im März 1999 bei gleichzeitigem Vorliegen einer Suchtproblematik eine Angst- und depressive Störung gemi
s
cht, beides seit dem Jahr 1991 bestehend, diagnostiziert und eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit bis
zur Zeugnis
ausstellung am 10.
März 1999 attestiert. Dass die Suchterkrankung in einer psychischen Störung im Sinne der Rechtsprechung gegründet habe, lasse sich aber auch aus diesem Arztbericht nicht schliessen. Im Rahmen der Entzugsbehandlungen im
E._
in den Jahren 1998 und 1999 – mithin
noch
wenige Tage vor der Dia
g
n
osestellung durch
Dr.
D._
–
sei
der Psychostatus der Beschwerdeführerin als unauffällig be
zeichnet worden. Zudem sei die Beschwerdeführerin offenbar in der Lage ge
wesen, die Handelsmittelschule mit Diplom abzuschliessen
.
Im (rückwirkend angefertigten) Attest einer vollständigen Arbeits
unfähigkeit ab 1.
März 2003 von
Dr.
F._
sei von Angstzuständen und einer depressiven Symptomatik im Zusammenhang mit Stress am Arbeitsplatz die Rede gewesen. Die Beschwerde
führerin habe selbst auf psychosoziale Faktoren (massive Überbelastung am Arbeitsplatz und Mobbing) hingewiesen. Vor diesem Hintergrund sei
eine
vor
bestehende
psychiatrische Erkrankung mit Krankheitswert und damit die Quali
fikation der Suchterkrankung als sekundär fraglich. Vielmehr sei eher eine pri
märe denn eine sekundäre Suchterkrankung zu vermuten, womit die Eröffnung des Wartejahres im Februar 2003 mangels krankheitswertiger Beeinträchtigung im Sinne des Gesetzes zum Vornherein entfallen würde
(Urteil des Sozialver
sicherungsgerichts des Kantons Zürich vom
24.
November 2010,
E.
5.1, Urk.
7/102
).
4.2
Im Urteil vom 30.
April 2012
erwog das hiesige Gericht
,
dass nach wie vor unge
klärt
sei, ob die seit 1998 diagn
o
s
tizierte Suchterkrankung sekundärer Natur und damit im Rahmen der
ab März 2003 attestierten Arbei
tsunfähigkeit aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht zu berücksichtigen sei, oder ob die Suchterkrankung eindeutig im Vordergrund gestanden habe, damit als primär zu qualifizieren und ein Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes infolgedes
sen zu verneinen sei (Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 30. April 2012, Urk. 7/
129
).
4.3
Am 26. Februar 2013 erstatte
te
Dr.
med.
Z._
, Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH, ein psychiatrisches Gutachten,
welches sich auf die Akten, die Angaben der Beschwerdeführerin sowie die Untersuchung vom 15. Februar 2013 stützt (Urk. 7/147)
.
Dr.
Z._
stellte folgende Diagnosen:
Status nach Abhängigkeitssyndrom mit multiplem Substanzgebrauch von 1996 bis ca. Ende 201
0.
Seither
grösstenteils
abstinent (F19.20)
Depressive Episoden von November 2005 bis Sommer 2007
grössten
teils remittiert
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen und emotional insta
bilen Anteilen
Dr.
Z._
führte aus, der verstorbene Vater der Beschwerdeführerin sei Alko
holiker gewesen. Es könne davon ausgegangen werden, dass bei ihr eine
Sucht
veranlagung
bestehe. Ihre Jugend sei nicht grob gestört verlaufen, allerdings habe es familiäre Probleme gegeben. Hinweise dafür, dass in der Jugend eine
Persönlichkeitsstörung bestanden hätte, lägen nicht vor. Es sei darauf hinzu
weisen, dass Persönlichkeitsstörungen gemäss ICD-10 in der Regel in der Ju
gend entstünden. Die Beschwerdeführerin habe nicht über damalige Ängste und entsprechende Symptome beri
chtet und sie
habe eine Ausbildung in der
Han
delsmittelschule
abschliessen können.
Die erste Berührung mit Drogen habe im Alter von 15 Jahren stattgefunden. Die frühe Aufnahme des Drogenkonsums sei durch einen Gruppendruck herbeigeführt worden und nicht durch eine psychi
sche Störung. Seit Ende 2010 könne von einer grossteiligen Abstinenz ausge
gangen werden. Irreversible Gesundheitsschäden seien nicht entstanden. Di
e Durchsicht der Akt
en beziehungsweise die Angaben der Beschwerdeführerin zeig
t
en, dass vorerst längere Zeit keine psychischen Probleme durch die Thera
peuten festgestellt worden seien
. So sei darauf hinzuweisen, dass von
Dr.
D._
anfangs 1999 ein Abhängigkeitssyndrom festgestellt worden sei. Ähnlich hätten die Diagnosen des
E._
der Jahr
e
1998 und 1999 gelautet. Eine psychiatrische Problematik sei erstmals im Arztbericht der
A._
vom 5. April 2005 festgehalten worden, wo die Beschwerdeführerin ab November 2003 in tagesklinischer Behandlung gewesen sei. Die Beschwerdeführerin sei vorgängig in einem stres
sigen Arbeitsverhältnis gewesen und habe sich einem Mobbing ausgesetzt gefühlt. Zu dieser Zeit sei
sie
in einem Methadonprogramm gewesen. Sie sei erschöpft und ausgelaugt
gewesen und
habe
die Arbeitstätigkeit aufgeben müssen. Parallel dazu sei es zu einer Verstärkung des Drogenkonsums gekom
men. Vermutlich habe eine depressive Reaktion aufgrund der beruflichen Prob
leme von Anfang 2003 bis Anfang 2005 bestanden. Ab November 2005 sei von einer depressiven Episode auszugehen
,
wie dies in den Berichten der
A._
beschrieben worden sei. Parallel dazu habe immer noch die
Polytoxikomanie
bestanden. Die Beschwerdeführerin sei mehrere Male stationär behandelt worden, wobei die Suchtkrankheit im Vordergrund gestanden habe. Ab ca. Mitte 2007 habe sich eine Besserung eingestellt. Im Gutach
t
en von
Dr.
B._
vom 3.
Mai 2007 sei unter anderem eine fast abgeklungene depres
sive Episode festgehalten worden. Ebenso sei in den Berichten der Stadt
G._
,
H._
,
vom 27.
April 2008 und
28. Dezember 2010 nur noch
von
einer depressiven Entwicklung respektive depressiven Verstimmung ausgegangen worden, was nicht mehr der Ausprägung einer depressiven Epi
sode entsprech
e. Den Drogenkonsum habe sie
seit ca. Ende 2010 sistiert.
Seit Herbst 2012 habe sich eine positive Entwicklung
eingestellt. Der Befund vom 15.
Februar 2013 weise auf eine
grösstenteils
ausgeglichene Stimmungslage hin,
die Beschwerdeführerin
sei eher etwas angetrieben, nicht aber in
maniformem
Ausmass
. Zusam
m
enfassend
könne nur für die Periode von November 2005 bis Sommer 2007 von einem psychischen Gesundheitsschaden ausgegangen wer
den.
Daraus
lasse sich aber keine eindeutige Einschränkung der Arbeit
sfähigkeit ableiten. Die Drogen
sucht habe schon viele Jahre vor der Phase mit depressiven Episoden bestanden. Während dieser Phase habe die Beschwerdeführerin den Drogenkonsum teilweise weitergeführt. Nach dem Sommer 2007 sei die depres
sive Episode remittiert gewesen
, der Drogenkonsum sei dadurch jedoch nicht beeinflusst
worden
, sondern habe in ähnlichem Ausmass weiterbestanden. Es sei somit von einem primären, weder bei der Entstehung noch bei der Persistenz durch eine psychische Störung beeinflussten Drogenkonsum auszugehen. Eine Persönlichkeitsstörung lasse sich bei der Beschwerdeführerin nicht nachweisen. Die
A._
habe eine narzisstische
Persönlichkeits
störung
diagnostiziert.
I
n den Berichten der
A._
hätten sich
aber keine typischen Symptome dieser Störung (ICD-10 F60.8) finden
lassen
. Auch die von
Dr.
B._
vermuteten Anteile einer emotional instabilen Persönlichkeit seien nicht feststellbar. Dies gelte für heute aber auch für die Zeit, als die Beschwerdeführerin von
Dr.
B._
untersucht worden sei. Die Symptome, welche die ICD-10 bei dieser Störung voraussetze, seien von
Dr.
B._
nicht angeführt worden. Von November 2005 bis Sommer 2007 hät
ten psychische Beschwerden bestanden, welche jedoch nur teilweise eine Beein
trächtigung
der Arbeitsfähigkeit
dargestellt hätten. Die Beschwerdeführerin habe phasenweise Mühe gehabt, ihrer Arbeitstätigkeit nachzugehen
. Es habe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von vermutlich nicht über 20 % be
standen (Urk. 7/147 S. 11 ff.).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin macht geltend, auf das Gutachten von
Dr.
Z._
könne nicht abgestellt werden. Es erfülle die Anforderungen an den Beweiswert nicht. Es sei oberflächlich, formal und
inhaltlich mangelhaft und setz
e sich in keiner Art und Weise mit den
Vorakten
und den Angaben der Beschwerdefüh
rerin auseinander, welche verkürzt und falsch dargestellt würden.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin hat
Dr.
Z._
das Gutach
ten in Kenntnis der relevanten
Vorakten
(Urk. 7/147 S. 1 ff. und S. 12 ff.)
und unter Berücksichtigung der Angaben der Beschwerdeführerin
(Urk. 7/147 S. 8 ff. und S. 11
ff.)
erstellt.
Es genügt
, wenn der Gutachter
die
wesentlichen
Vorakten
würdigt, e
r braucht sich
nicht mit jedem einzelnen in den
Vorakten
befindlichen Bericht explizit
ausein
anderzusetzen
.
Dr.
Z._
hat
vorliegend
insbesonder
e
die
Bericht
e
der
A._
(Urk.
7/18 und Urk.
7/27)
sowie
das Gutachten von
Dr.
B._
vom 3. Mai 2007
(Urk. 7/49)
berücksichtigt
(Urk.
7/147 S.
12 ff
).
Diesbezüglich hielt er
zutreffend
fest, die
A._
habe eine narzisstische Persönlic
hkeitsstörung diagnostiziert, in
ihren Berichten
hätten
sich aber keine typischen Symptome
dieser Störung (ICD-10 F60.8) finden
lassen
(Urk. 7/147 S.
14).
Im
Beri
cht der
A._
vom 8.
November
2005
wurden
die
erhobenen
Befunde zwar erwähnt, jedoch kein einziges der gemäss ICD-10 vorausgesetzten Merkmale genannt (Urk. 7/18 S. 18).
Dr.
Z._
führte weiter aus, die von
Dr.
B._
vermuteten Anteile einer emotional instabilen Persön
lichkeit sei
en
nicht feststellbar. Die Symptome, welche die ICD-10 bei dieser Störung voraussetze, seien von
Dr.
B._
nicht aufgeführt worden (Urk. 7/
147 S.
14).
Dr.
B._
hielt in seinem Gutach
t
en
vom
3. Mai 2007
lediglich fest, es bestehe nach wie vor eine emotionale Instabilität,
w
elche sozu
sagen ein Bestandteil der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin sei. Sie wirke angespannt, ängstlich, nerv
ös
, nicht mehr so angespannt wie es offenbar früher der Fall gewesen sei, aber unsicher, skeptisch und ohne kämpferische Bereitschaft (Urk. 7/49 S. 5).
Die Kriterien, die gemäss ICD-10 F60.3 vorausgesetzt sind, wer
den jedoch
nicht erwähnt.
Wie
Dr.
Z._
ausserdem
fes
thält (Urk.
7/147 S. 12
)
,
beginnen Persönlichk
eitsstörungen in der Kin
d
heit oder Adoleszenz (vgl.
Dilling
/
Monbour
/ Schmidt [Hrsg.],
I
nternationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagn
ostische Leitlinien, 9.
Auflage 2014
, S.
274).
Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass bei der Beschwerdefüh
rerin in der Jugend eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden wäre. Im Rahmen der Begutachtung berichtete die Beschwerdeführerin auch nicht über entsprechende Symptome (Urk. 7/147 S. 12) und sie konnte die
Handelsmittel
schule
offenbar abschliessen, was ebenfalls darauf hindeutet, dass keine
relevan
te
Persönlichkeitsstörung vorlag.
In dem von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Bericht von med.
pract
.
I._
, Allgemeine Medizin, vom 18. Februar 2012 ist lediglich von einer narzisstischen Persönlichkeits
struktur die Rede und es wird keine Diagnose
einer Persönlichkeitsstörung
ge
stellt
(Urk. 7/126 S. 20)
. Bei
Dr.
I._
handelt es sich im Übrigen ohnehin nicht um einen psychiatrischen Facharzt.
Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die Anamnese sei unprofessionell und unvollständig. Die
Vorakten
enthielten ganz andere Sachverhalte (Urk. 1 S. 7). Auch diese Einwendungen sind nicht stichhaltig. Die vom Gutachter erhobene Anamnese stimmt im Wesentlichen mit den
Vorakten
überein. So geht auch aus dem Austrittsbericht des
E._
vom 11. August 1998 eine unauffällige Entwicklung
der Beschwerdeführerin
als Kind hervor.
Sie
habe ihre familiären Verhältnisse als geordnet beschrieben und berichtet, dass sie eine
normale Erziehung genossen habe
(Urk. 7/16 S.
5).
Dass der Vater der Be
schwer
deführerin
Alkoholiker gewesen ist, wird in den
Vorakten
wie auch im Gutach
ten erwähnt, deutet jedoch nicht per se darauf hin, dass ihre Jugend – wie sie selbst geltend macht (Urk. 1 S.
7)
– grob gestört
gewesen
wäre. Dasselbe gilt für das angeblich
schwierige und konfliktreiche Verhältnis der Beschwerdeführerin zu ihren Eltern
, das sie gegenüber dem Gutachter
indessen
als gut beschrieb. Sie gab an, dass sie ihre Jugend als zufriedenstellend in Erinnerung habe, allerdings sei ihre Schwester bevorzugt worden und sie erwähnte auch Probleme mit den Eltern (Urk. 7/147 S. 8)
.
Dr.
Z._
führte denn auch aus, dass es familiäre Probleme
gegeben habe
, die Jugend der Beschwerdeführerin aber nicht grob gestört verlaufen sei (Urk. 7/147 S. 11), was mit der Aktenlage übereinstimmt
.
Auch
aus dem
von der Beschwerdeführerin zitierte
n
Bericht der
A._
vom 8. November 2005 (Urk. 7/18)
geht nichts anderes her
vor
.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht,
Dr.
Z._
hätte eine
Persön
lichkeitsdiagnostik
durchführen (Urk. 1 S. 5) und fremd-anamnestische Anga
ben einholen müssen (Urk. 1 S. 9), ist festzuhalten,
dass es
im Ermessen des
fachkundigen
Gutachters liegt
, welche Abklärungen er als notwendig erachtet
.
5.2
Zusam
m
enfassend ergibt sich, dass die Einwände der Beschwerdeführerin das Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen vermögen, weshalb darauf abgestellt wer
den kann.
Wie bereits im Urteil des hiesigen Gerichts vom
24. November 2010
ausgeführt wurde, lässt sich aus den
Vorakten
nicht schliessen,
dass die Suchterkrankung in einer psychischen Störung im Sinne der Rechtsprechung gegründet hat. Aus dem Gutachten vom
26. Februar 2013
geht klar hervor, dass von einem primären, weder bei der Entstehung noch be
i der Persistenz durch eine ps
ychische Störung
be
einflussten Drogenkonsum auszugehen ist
. Somit ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
die Suchterkrankung als primär zu qualifizieren ist.
Gestützt auf das Gutachten ist v
on
November 2005 bis Sommer 2007
eine krankheitsbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 20 % ausgewiesen.
Somit
ist
für diesen Zeitraum
im Sinne eines Prozentvergleichs von einem Invaliditätsgrad von 20 % auszugehen, womit ein Rentenanspruch entfällt.
Die angefochtene Verfü
gung erweist sich damit als rechtens,
was zur Abweisung der Beschwerde führt
.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
).