Decision ID: 2c21b426-c313-49df-9ab6-9fc32232a8c3
Year: 2021
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich im November 2015 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an. Als gesundheitliche Beeinträchtigung gab
sie einen am 22. Dezember 2014 erlittenen Unfall an (IV-act. 1).
A.a.
Die Versicherte hat keine Ausbildung absolviert und war von April 1997 bis 31.
Dezember 2015 (letzter effektiver Arbeitstag am 5. Januar 2015) als Mitarbeiterin
Verkauf (Food; seit 2005 im Pensum von 80%) bei der B._ tätig (IV-act. 13, 15).
Daneben arbeitet(e) sie bei der C._ AG in Heimarbeit (IV-act. 17).
A.b.
Aus den Berichten des Behandlers und Operateurs Dr. med. D._, Orthopädische
Chirurgie FMH, geht hervor, dass sich die Versicherte nach dem Unfall mehreren
Knieoperationen rechts unterziehen musste (Knie-Arthroskopie mit medialer
Teilmeniskektomie [März 2015; IV-act. 23-4], valgisierende Tibiakopfosteotomie [Juli
2015; IV-act. 23], Metallentfernung am proximalen rechten Unterschenkel [August
2016; IV-act. 51], Knieteilprothese rechts [Februar 2017; IV-act. 61]). Mit Bericht vom 9.
Juni 2017 diagnostizierte Dr. D._ eine progrediente Gonarthrose rechts und links,
eine Adipositas (BMI > 40), eine arterielle Hypertonie sowie rezidivierende Lumbalgien
bei mässigen degenerativen LWS Veränderungen. Es bestehe eine verminderte
Belastbarkeit beider Kniegelenke. Längeres Stehen, Treppensteigen und Tragen von
grösseren Lasten führten zu vermehrten Beschwerden. In der angestammten Tätigkeit
(Verkauf Lebensmittel) bestehe geschätzt eine 50%-ige Leistungsfähigkeit. Bei
angepasster Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht eine Arbeit im vollen zeitlichen
Rahmen zumutbar (IV-act. 60).
A.c.
Dr. med. E_, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hatte mit Bericht vom 3. Juni
2017 eine rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10: F33.9),
diagnostiziert. Im Vordergrund des Zustandsbilds stehe die körperliche Symptomatik.
A.d.
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Nebst Kniebeschwerden leide die Versicherte an Rückenschmerzen, Adipositas,
Hypertonie und Diabetes mellitus Typ 2. Daneben bestehe eine depressive
Symptomatik mit Angst vor der Zukunft, Verzweiflung, Unsicherheit, Energielosigkeit,
Müdigkeit, Erschöpfung, Stimmungsinstabilität und Schlafstörungen. Es bestehe eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Die Höhe der
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit sei von den körperlichen Beschwerden
abhängig (IV-act. 59).
Dr. med. F._ vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD), Praktische Ärztin und
zertifizierte medizinische Gutachterin (SIM), erachtete mit Stellungnahme vom 9.
August 2017 den Gesundheitszustand der Versicherten als stabil. Der Beginn der
Arbeitsunfähigkeit könne auf Dezember 2014 festgelegt werden. Die angestammte
Tätigkeit im Lebensmittelverkauf könne maximal zu 50% ausgeübt werden, da es sich
um eine stehende und gehende Tätigkeit mit hoher Belastung der Kniegelenke handle.
In adaptierter Tätigkeit (körperlich leicht, wechselbelastend und rückenadaptiert, ohne
längeres Stehen, ohne häufiges Treppensteigen, ohne Knien oder Kauern, ohne Hebe-
und Tragebelastungen über 10 bis 15 Kilogramm) sei die Versicherte ab Juni 2017 zu
100% arbeitsfähig (IV-act. 61).
A.e.
Mit Vorbescheid vom 11. August 2017 kündigte die IV-Stelle bei einem
Invaliditätsgrad von 2% (im Aufgabenbereich/Haushalt, der – neben 80% Erwerbsanteil
– mit 20% gewichtet wurde) die Verneinung eines Rentenspruchs an (IV-act. 64),
wogegen die Versicherte am 1. September 2017 Einwand erhob (IV-act. 65). Dabei
reichte sie einen Bericht von Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
FM, vom 1. September 2017 ein. Dieser diagnostizierte neu zusätzlich ein chronisches
Schmerzsyndrom. Die Versicherte klage über diffuse Schmerzen im Bereich der LWS
und am ganzen Körper. Es bestehe zudem auch ein depressives Syndrom mit einer
Somatisierungstendenz. Aufgrund des chronischen Schmerzsyndroms sei die
Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt (IV-act. 66). Dr. med. H._, Arzt der
Rheumatologie des Spitals I._, diagnostizierte mit Bericht vom 19. Januar 2018
ebenfalls eine chronische Schmerzerkrankung (im Sinne einer zentralen
Schmerzdysregulation) sowie ergänzend eine Grosszehengrundgelenksarthrose links.
Neben den lokalisierten Schmerzen (im Rahmen der bekannten und bildgebend
dokumentierten degenerativen Veränderungen) habe sich bei der Versicherten ein
A.f.
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Ganzkörperschmerz herausgebildet, welcher mutmasslich einer Schmerzdysregulation
im Sinne des zentralen Schmerzes zuzuordnen sei. Eine wichtige Rolle dürfte
gleichzeitig das erhebliche Übergewicht der Patientin spielen. Die Arbeitsfähigkeit sei
erheblich eingeschränkt (IV-act. 76).
Mit Stellungnahme vom 1. Oktober 2018 kam Dr. F._ zum Schluss, dass
vorgenannte Beurteilungen der Dres. G._ und H._ vollumfänglich auf den
subjektiven Beschwerden der Versicherten beruhten. Die versicherungsmedizinische
Beurteilung berücksichtige die objektiven Befunde, welche sich gegenüber der
Stellungnahme vom 9. August 2017 nicht verändert hätten. Aus somatischer Sicht
würden degenerative Veränderungen an der LWS, beiden Knien und im
Grosszehengrundgelenk links vorliegen. Belastungsabhängige Schmerzen an diesen
Lokalisationen seien nachvollziehbar, Dauerschmerzen am ganzen Körper aber nicht.
Die Problematik werde durch das massive Übergewicht akzentuiert, so dass der
Einhaltung leidensadaptierter Konditionen besondere Beachtung geschenkt werden
müsse. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht reduziert, da diese von
den körperlichen Einschränkungen bestimmt werde. An der bisherigen Einschätzung
(volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit) könne festgehalten werden (IV-act. 87).
A.g.
Mit Bericht vom 30. November 2018 (nach interdisziplinärer ambulanter
Sprechstunde am Spital I._ vom 26. Oktober 2018 in den Disziplinen Rheumatologie,
Anästhesie, Neurologie, Psychiatrie, Radiologie und Physiotherapie) hielt Dr. H._ an
den gestellten Diagnosen fest. Wenngleich bei chronischen Schmerzpatienten die
Prognose erfahrungsgemäss nur eingeschränkt einzuschätzen sei, würde man im Falle
der Versicherten davon ausgehen, dass sie, da motiviert, bei Erfolg der therapeutischen
Massnahmen unter behutsamer Pensumssteigerung wieder in einen Arbeitsprozess
integriert werden könnte, sofern die Tätigkeit ihrem Leistungsprofil angepasst werde.
Es werde zu beachten sein, dass eine Tätigkeit ohne körperliche Zwangshaltung, also
mit der Möglichkeit wechselnder Körperhaltung, ausgeübt werde, ohne Heben und
Tragen schwerer Lasten (nicht schwerer als 5 Kilogramm) und in geschlossenen
Räumen ohne Zugluftgefährdung (IV-act. 92).
A.h.
Mit Stellungnahme vom 10. Dezember 2018 hielt Dr. F._ unverändert an ihrer
Arbeitsfähigkeitsschätzung fest (IV-act. 95).
A.i.
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B.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
Mit Verfügung vom 10. Dezember 2018 verneinte die IV-Stelle bei 100%-iger
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit und einem Invaliditätsgrad von 2% einen
Rentenanspruch (IV-act. 96).
A.j.
Gegen diese Verfügung reichte die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 19. Januar 2019 Beschwerde ein. Es wird beantragt, dass die Verfügung der IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) aufzuheben und eine ganze Rente
auszurichten sei. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und der Fall zur weiteren
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es sei die unentgeltliche
Prozessführung zu bewilligen (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 27. Februar 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.b.
Mit Schreiben vom 4. März 2019 wurde dem Gesuch der Beschwerdeführerin um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege, umfassend die Befreiung von den
Gerichtskosten, entsprochen (act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 2. April 2019 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen und
deren Begründungen fest und reichte zwei weitere ärztliche Berichte ein (act. G 8, 8.1
f.). Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 10).
B.d.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
B.e.
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2.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch
entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des
Leistungsanspruchs (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
2.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und
das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
2.2.
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3.
Um den Invaliditätsgrad festlegen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Die Verwaltung resp. das Gericht dürfen eine Tatsache nur
dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts
genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als
die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen).
2.3.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs
entscheidend auf die Stellungnahmen der RAD-Ärztin Dr. F._, welche (in Würdigung
der medizinischen Aktenlage, indes ohne eigene Untersuchung) der
Beschwerdeführerin in adaptierter Tätigkeit ab Juni 2017 eine 100%-ige
Arbeitsfähigkeit bescheinigte (IV-act. 61, 87, 95).
3.1.
Nach der Rechtsprechung ist es zulässig, im Wesentlichen oder einzig auf
versicherungsinterne medizinische Unterlagen abzustellen. In solchen Fällen sind an
3.2.
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die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei
auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind. Selbst nicht auf eigenen
Untersuchungen beruhende Berichte und Stellungnahmen regionaler ärztlicher Dienste
können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht, mithin die direkte fachärztliche Befassung mit der versicherten
Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 2016,
9C_558/2016, E. 6.1, mit Hinweisen).
In somatischer Hinsicht stützte sich Dr. F._ bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in erster Linie auf die Arztberichte des behandelnden Dr. D._.
Bezüglich der körperlichen Problematik liegt ein weitgehend lückenloser Befund vor
und die Diagnosen (Knieproblematik rechts, Gonarthrose links, Adipositas, arterielle
Hypertonie, rezidivierende Lumbalgien bei mässigen degenerativen LWS
Veränderungen [IV-act. 60-2]; Grosszehengrundgelenksarthrose links [IV-act. 76-3])
sind unbestritten. Auch Dr. D._ attestierte der Beschwerdeführerin in angepasster
Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 60-3). Dr. F._ berücksichtigte im
Zumutbarkeitsprofil (körperlich leicht, wechselbelastend und rückenadaptiert, ohne
längeres Stehen, ohne häufiges Treppensteigen, ohne Knien oder Kauern, ohne Hebe-
und Tragebelastungen über 10 bis 15 Kilogramm; IV-act. 61-2) die zugestandenen
Beeinträchtigungen und es erscheint einleuchtend, dass bei Einhaltung desselben eine
volle Arbeitsfähigkeit zumutbar sein sollte. Zwar spricht Dr. H._ mit Bericht vom 30.
November 2018 noch von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit; auch er geht indes
davon aus, dass sich die Beschwerdeführerin unter behutsamer Pensumssteigerung
wieder in einen Arbeitsprozess integrieren könne, sofern die Tätigkeit ihrem
Leistungsprofil angepasst sei (IV-act. 92-2). Es besteht damit kein nicht ausräumbarer
Widerspruch zwischen den Beurteilungen der Dres. D._ und F._ sowie Dr. H._
auf der anderen Seite. Bei der Einschätzung einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit handelt
es sich um die ausschlaggebende medizinisch-theoretische Beurteilung, bei der
Empfehlung eines schrittweisen Ausbaus des Arbeitspensums bei therapeutischen
Massnahmen hingegen lediglich um einen Hinweis zur realen Umsetzung der
beruflichen Eingliederung. Dementsprechend spricht Dr. H._ selbst von einer "sozial-
medizinischen" Stellungnahme (IV-act. 92-2). Insgesamt erscheint damit der
somatische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin durch die behandelnden
Ärzte genügend erstellt, so dass Dr. F._ gestützt darauf eine Beurteilung – auch ohne
eigenen Untersuch – per Juni 2017 (nach Rehabilitation der Operation [Knieteilprothese
rechts] im Februar 2017) abgeben konnte.
3.3.
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Bezüglich der psychischen Problematik stützte sich Dr. F._ insbesondere auf die
Berichte von Dr. E_ (IV-act. 48, 59). Diese diagnostizierte aus psychiatrischer Sicht
eine rezidivierende depressive Störung (nicht näher bezeichnet). Die Stellenkündigung
aufgrund der körperlichen Beschwerden habe zum Ausbruch der depressiven
Symptomatik geführt. Die Beschwerdeführerin mache sich grosse Sorgen um ihre
Zukunft, leide an ausgeprägter Schlafstörung, sei innerlich angespannt, verzweifelt und
misstrauisch. Die Prognose sei wegen der somatischen Symptomatik schlecht (Bericht
vom 9. Juni 2016; IV-act. 48). Mit Bericht vom 3. Juni 2017 hielt Dr. E_ an der
Diagnose fest. Im Vordergrund des Zustandsbildes stehe die körperliche Symptomatik.
Es bestehe aber auch die depressive Symptomatik (Angst vor der Zukunft,
Verzweiflung, Unsicherheit, Energielosigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung,
Stimmungsinstabilität und Schlafstörung). Die gesundheitliche Störung wirke sich bei
der bisherigen Tätigkeit durch eine Bewegungseinschränkung aus, sowohl wegen des
Übergewichts, als auch wegen der Knieproblematik. Die Arbeitsfähigkeit sei von den
körperlichen Beschwerden abhängig (IV-act. 59). Gestützt auf diese Berichte leuchtet
es ein, dass Dr. F._ der Beschwerdeführerin aus rein psychiatrischer Sicht keine
Arbeitsunfähigkeit attestierte (IV-act. 61-2, 87-1), zumal Dr. E_ diese einzig von den
somatischen Beschwerden abhängig machte und implizit aus psychiatrischer Sicht
keine Einschränkungen ausmachte (IV-act. 59-3). Damit liegt der Schluss nahe, dass es
sich gemäss der behandelnden Psychiaterin bei der depressiven Symptomatik um
keinen allenfalls anspruchsrelevanten verselbständigten Gesundheitsschaden handelt.
Es ist auch schlüssig, dass Dr. F._ der Beschwerdeführerin bezüglich der anlässlich
der interdisziplinären ambulanten Sprechstunde vom 26. Oktober 2018 diagnostizierten
chronischen Schmerzerkrankung im Sinne einer zentralen Schmerzdysregulation (IV-
act. 92) keine relevante Arbeitsunfähigkeit bescheinigte. Diesbezüglich sei wiederum
auf den Bericht von Dr. H._ vom 30. November 2018 verwiesen, gemäss welchem –
wie erwähnt (vgl. vorstehende E. 3.3) – eine Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess
trotz der Schmerzerkrankung und der somatischen Problematik grundsätzlich als
zumutbar erachtet wird. Insgesamt erscheint damit auch der psychische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin durch die Berichte der behandelnden
Ärzte als genügend erstellt, so dass Dr. F._ gestützt darauf eine rechtsgenügliche
Beurteilung abgeben konnte. Daran ändert der am 24. Februar 2019 und damit nach
Verfügungserlass erstellte Bericht von Dr. E_ nichts (act. G 8.1). Zwar bescheinigt sie
der Beschwerdeführerin darin – im Gegensatz zum Bericht vom 3. Juni 2017 – auch
aufgrund der psychischen Symptomatik eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit in
sämtlichen Tätigkeiten. Sie begründet ihre geänderte Einschätzung indes nicht näher,
weshalb diese Beurteilung keine Zweifel an der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr.
F._ zu begründen vermag.
3.4.
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4.
Die mit Beschwerde und Replik geltend gemachten (neurologischen) Beschwerden
(starke Ameisengefühle und Parese im rechten Bein [act. G 1]; neurologische Ausfälle
und eine teilweise Lähmung der rechten Seite [act. G 8]) wurden im
Verfügungszeitpunkt (10. Dezember 2018) noch nicht beklagt. Untersuchungen dazu
konnten demensprechend unterbleiben. Eine allfällige seit Verfügungserlass
eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
wäre im Rahmen einer Neuanmeldung bei der Beschwerdegegnerin geltend zu
machen.
3.5.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt per
Verfügungszeitpunkt (10. Dezember 2018) rechtsgenüglich abgeklärt wurde bzw. zu
diesem Zeitpunkt keine auch nur geringen Zweifel an der Schlüssigkeit der
versicherungsinternen (Arbeitsfähigkeits-)Beurteilung vorliegen. Damit gilt die
Beschwerdeführerin ab Juni 2017 (nach Abschluss der letzten Rehabilitationszeit, vgl.
den Bericht von Dr. D._ vom 9. Juni 2017, IV-act. 60-3 Ziff. 1.7) in adaptierter
Tätigkeit als zu 100% arbeitsfähig. Folglich besteht ab diesem Zeitpunkt offenkundig
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40%, sodass die konkrete
Bemessung des Invaliditätsgrads unterbleiben kann.
3.6.
Anders sieht es bezüglich des retrospektiven Verlaufs aus. Der frühestmögliche
Rentenbeginn fällt bei Anmeldung im November 2015 (IV-act. 1) auf den 1. Mai 2016
(vgl. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ist
im Dezember 2014 eingetreten. Es erscheint vertretbar, für die 12 Monate vor Mai 2016
davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu
durchschnittlich mindestens 40% eingeschränkt war und sie damit das Wartejahr erfüllt
hat (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Denn nach der Operation vom 10. März 2015 erfolgte
bereits am 6. Juli 2015 eine weitere Operation. Dr. D._ sah am 8. Oktober 2015
offenbar noch keine Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 40-9). RAD-Ärztin Dr. F._ ging am
4. Januar 2016 von einer Arbeitsfähigkeit von vorerst nur 50% aus (IV-act. 12). Bei
anhaltenden Beschwerden wurde bereits im Januar 2016 die nächste Operation
geprüft (vgl. IV-act. 22-2). Dr. D._ hielt am 25. Januar 2016 fest, dass halbtags
sitzende Arbeit möglich sein sollte (IV-act. 23-1). Am 7. April 2016 erwähnte er die
Möglichkeit einer geeigneten Halbtagsarbeit allerdings erst ab April 2016. Im selben
Bericht versprach er sich eine deutliche Besserung zudem erst nach der
Metallentfernung (IV-act. 40-3).
4.1.
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5.
In Nachachtung der notorischen Schwierigkeiten, den retrospektiven Verlauf von
Arbeitsunfähigkeiten zu bestimmen, erscheint es ab dem Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns am 1. Mai 2016 als vertretbar, bis nach der Operation
vom 29. August 2016 von voller Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Am 26. Oktober 2016
hielt Dr. D._ fest, weder die Operation vom 29. August 2016 noch eine seither
stattgehabte Ernährungsberatung (Adipositas mit BMI 43) hätten bisher zum
gewünschten Erfolg geführt. Vor einem Entscheid über den prothetischen
Kniegelenkersatz werde noch eine intraartikuläre Ostenil-Behandlung und eine MRI-
Abklärung der Rückenbeschwerden durchgeführt (IV-act. 51-2 f.). Am 6. Januar 2017
wurde der Protheseneinsatz beschlossen (IV-act. 54-2) und am 20. Februar 2017
durchgeführt (IV-act. 57-2). Da weitere Abklärungen keinen besseren Aufschluss
erwarten lassen, erscheint es in Berücksichtigung des erwähnten Verlaufs vertretbar,
für den Zeitraum vom 1. Mai 2016 bis zum Abschluss der rehabilitativen Phase Ende
Mai 2017 (vgl. IV-act. 60-3) von einer Arbeitsunfähigkeit von 100% in jeglichen
Tätigkeiten auszugehen. Ab Juni 2017 ist eine quantitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit nicht mehr ausgewiesen.
4.2.
Ab 1. Mai 2016 hat die Beschwerdeführerin gemäss den vorstehenden
Ausführungen Anspruch auf eine ganze Rente. Gestützt auf Art. 88a Abs. 1 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) endet dieser
Rentenanspruch mit einer Verzögerung von drei Monaten am 31. August 2017.
4.3.
Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
Verfügung vom 10. Dezember 2018 insofern gutzuheissen, als der Beschwerdeführerin
vom 1. Mai 2016 bis 31. August 2017 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen ist. Die
Sache ist zur Rentenberechnung und -ausrichtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit angemessen. In Anbetracht der
Tatsache, dass der Beschwerdeführerin statt der beantragten unbefristeten Rente nur
eine befristete Rente zuzusprechen ist, ist ermessensweise von einem Obsiegen zu
einem Drittel auszugehen. Entsprechend haben die Beschwerdegegnerin die
Gerichtsgebühr im Umfang von Fr. 200.-- und die Beschwerdeführerin im Betrag von
Fr. 400.-- zu bezahlen. Die Beschwerdeführerin ist indes zufolge Gewährung der
5.2.
bis
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