Decision ID: b16102f9-f706-4753-8b5a-d4d7413d7966
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984
,
verfügt über keine Berufsausbildung. Mit Anmeldung vom 24. Juni 2001 (Urk. 11/75) meldete er sich wegen eines
Klinefelter
-Syndroms bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum
Leis
tungsbezug
an. Nachdem berufliche Massnahmen erfolglos geblieben waren (Urk. 11/81), wurde dem Versicherten mit Verfügung vom 5. April 2002 (Urk. 11/90) bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Invalidenrente ab 1. Februar 2002 zugesprochen.
Aufgrund eines Freiheitsentzugs
ab
dem 7. Juni 2006 sistierte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
mit Mitteilung vom 14. August 2006 (Urk. 11/99) die Invalidenrente
ab dem
1. Juli 2006 bis zu dessen Ende.
Am
9. Oktober 2008 (Urk. 11/109)
verfügte die IV-Stelle
die erneute Ausrich
tung der bisherigen ganzen Invalidenrente ab 1. September 2008.
Der Versicherte befand sich seit dem 30. März 2016 in Untersuchungshaft und trat am 15. August 2016 den vorzeitigen Massnahme
n
vollzug in der Pension
Z._
an (Urk. 11/156).
Mit Verfügung vom 20. September 2016 (Urk. 2) sistierte
deshalb
die IV-Stelle die Invalidenrente des Versichert
en
erneut
rück
wirkend ab 30. März 2016
.
2.
Mit Schreiben vom
19. Oktober 2016 (
Urk. 1
) stellte der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegegnerin ein Gesuch um Wiedererwägung dieser Verfügung
und beantragte sinngemäss
,
die sistierte Rente ab dem vorzeitigen
Massnahme
n
an
tritt
am 15. August 2016 wieder auszurichten.
Zudem reichte er eine Verfügung
des Amts für Justizvollzug
vom 10. August 2016 (Urk. 3/1) sowie ein Schreiben des
nämlichen Amts
vom 19. Oktober 2016 (Urk. 3/2) ein.
Die Beschwerde
geg
nerin teilte dem Beschwerdeführer am
8. November 2016 (Urk.
5
) mit,
dass sie
an der Verfügung
festhalte
und
leitete das Schreiben
-
ent
sprechend dem Eventualbegehren
-
am 10. November 2016 (Urk
.
4) an das hiesige Gericht weiter.
A
m 16. November 2016 (Urk. 7) reichte der Beschwer
deführer ein weiteres Schreiben des Amts für Justizvollzug vom 11. November 2016 (Urk. 8/2) sowie den Beschluss der Vormundschaftsbehörde
der
A._
vom 28. August 2012 betreffend
Genehmigung des Rechenschaftsbe
richtes des Beist
a
ndes und Bestätigung von dessen
Einsetzung
in sein Amt
(
Urk.
8/3) ein. Mit
Eingabe
vom 20. Januar 2017 (Urk. 13) reichte der Beschwer
deführer sodann eine auf seinen Beistand lautende Prozessvollmacht ein (Urk. 14)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 9. Januar 2017 (Urk. 10)
beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom 24. Januar 2017 (Urk. 15) zur Kenntnis gebracht wurde.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht fällt auf, dass die IV-Stelle darauf verzichtet hat, ein Vorbescheidverfahren durchzuführen und sogleich in Form einer Verfü
gung
entschieden
hat.
2.
2
.1
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
2
.2
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E. 3d/
aa
).
2
.3
Gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorge
sehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit, um der versicherten Person den Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 ATSG zu gewähren.
Die Beschwerdegegnerin
verzichtete auf
ein Vorbescheidverfahren,
obwohl ein solches auch bei einer Rentensistierung während des Straf
- oder
Massnahme
vollzuges
durchzuführen ist (
Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesge
richts zum IVG,
3.
Auflage, Zürich 2014,
Art.
57a N 2
).
Aufgrund dieses schwerwiegenden Verfahrensmangels ist die angefochtene Verfügung aufzuhe
ben und die Sache zur Durchführung eines korrekten Vorbescheidverfahrens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Damit ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung auf
zu
h
e
ben und die Sache zur korrekten Durchführung des Vorbescheidverfahrens an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen
ist
.
3
.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sic
h eine Kostenpauschale von Fr. 4
00.-- als ange
messen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung
als vollständiges Obsiegen (BGE
137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.