Decision ID: 8355cf1a-016a-5d1e-a24f-087f815fe7eb
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge Somalia am 1. Januar 2008 verliess, am 27. Januar 2009 in die Schweiz einreiste und gleichentags ein Asylgesuch stellte,
dass er anlässlich der Kurzbefragung im Empfangs- und  Vallorbe vom 2. Februar 2009 zur Begründung des  im Wesentlichen geltend machte, am (...) sei er mit dem Vater im eigenen Lebensmittelgeschäft gewesen, als es in Nähe zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungsleuten und Islamisten gekommen sei,
dass sie vorübergehend das Geschäft geschlossen hätten,
dass nach der Wiedereröffnung Äthiopier ins Geschäft gekommen , das Feuer auf den Vater eröffnet und diesen getötet hätten,
dass er (der Beschwerdeführer) mit dem Gewehrkolben ins Gesicht und auf den Kopf geschlagen, auf das Kommissariat mitgenommen und dort (...) lang festgehalten worden sei,
dass sein Onkel das elterliche Haus verkauft und mit einem Teil des Erlöses seine Freilassung erkauft habe, worauf er am (...)  sei,
dass der Onkel mit dem restlichen Geld seine Ausreise organisiert habe,
dass er auf Fragen zur Reiseroute antwortete, er sei über Äthiopien, den Sudan und Libyen auf einem Boot am 24. April 2008 nach  in Italien gelangt,
dass er mit anderen Flüchtenden nach Bari geschickt worden sei, er aus diesem Camp geflüchtet und nach Turin gelangt sei, wo er bis  2009 unter misslichen Bedingungen gelebt habe,
dass er in Italien ein Asylgesuch gestellt, den Ausgang des  aber nicht abgewartet habe,
dass dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 3. August 2009 das rechtliche Gehör zum Ergebnis eines Fingerabdruckabgleichs in der
Seite 2
E-7741/2009
Datenbank EURODAC und zu einer allfälligen Wegweisung nach  gewährte,
dass der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 13. August 2009 festhielt, in Bari sei er nach der ersten Anhörung und der  von Fingerabdrücken von den Behörden auf die Strasse  worden und man habe sich nicht weiter um ihn gekümmert,  er zweimal zum Asylzentrum zurückgekehrt sei und um Hilfe  habe,
dass er weiter ausführte, nach Turin gegangen zu sein und dort sechs Monate auf der Strasse gelebt zu haben,
dass er nicht nach Italien zurückkehren könne, weil er dort kein  einreichen können beziehungsweise ein solches dort nicht  würde,
dass das BFM mit Verfügung vom 13. November 2009 – eröffnet am 7. Dezember 2009 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und den Beschwerdeführer nach Italien wegwies,
dass das Bundesamt zur Begründung anführte, Abklärungen hätten bestätigt, dass der Beschwerdeführer im Frühling 2008 in Italien ein Asylgesuch gestellt habe,
dass gestützt auf die einschlägigen staatsvertraglichen Bestimmungen (Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen  und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags [Dublin-Assoziierungsabkommen, SR 0.142.392.68]; Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der  und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die  eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat  Asylantrags zuständig ist [VO Dublin]; Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit  zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates [DVO Dublin]), Italien für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei und angesichts dessen, dass dieses Land innert Frist nicht  habe, von seiner Zustimmung auszugehen sei,
Seite 3
E-7741/2009
dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 26. Februar 2010 zu erfolgen habe,
dass die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Wegweisung nach Italien nichts an der  Italiens für die Behandlung seines Asylgesuchs zu ändern vermöchten, und der Beschwerdeführer in Italien den Rechtsweg  könne, falls dieses Land seinen internationalen  wider Erwarten nicht nachkomme,
dass der Vollzug der Wegweisung nach Italien zulässig, zumutbar und möglich sei,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 14. Dezember 2009  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde  und dabei die Aufhebung der Verfügung vom 13. November 2009, die Anweisung an die Vorinstanz, ihr Selbsteintrittsrecht auszuüben, und in prozessualer Hinsicht unter anderem die Herstellung der  Wirkung, die Gewährung der unentgeltlichen  und die Befreiung von der Vorschusspflicht beantragte,
dass auf die Begründung des Rechtsmittels und die damit  Beweismittel (insbesondere zur Lage Asylsuchender in Italien),  entscheidwesentlich in den Erwägungen eingegangen wird,
dass der Instruktionsrichter am 15. Dezember 2009 den Vollzug der angefochtenen Verfügung mittels vorsorglicher Massnahme  aussetzte,

und das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung,
dass es endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das  [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 des  vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
Seite 4
E-7741/2009
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung  berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  Änderung hat und daher zur Einreichung der  legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde  ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters  einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen  verzichtet wurde,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32-35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der  grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl.  und Mitteilungen der Schweizerischen  [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn  in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die  des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich  ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),
dass der Beschwerdeführer vor der Weiterreise in die Schweiz  in Italien ein Asylgesuch gestellt hat und den  dieses Verfahrens nicht abgewartet hat,
dass bei dieser Sachlage Italien für die Prüfung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständig ist (vgl. die einschlägigen staatsvertrag-
Seite 5
E-7741/2009
lichen Bestimmungen namentlich im Dublin-Assoziierungsabkommen, in der VO Dublin und in der DVO Dublin),
dass die italienischen Behörden die vom BFM zur Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gesetzte Frist ungenutzt verstreichen liessen, weshalb angesichts der Verfristung eine stillschweigende Zusage zur Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 20 Abs. 1 Bst. c VO Dublin vorliegt,
dass das BFM in der angefochtenen Verfügung den spätestmöglichen Zeitpunkt einer Rückführung nach Italien ausdrücklich erwähnt hat,
dass der Beschwerdeführer rügt, das Bundesamt habe zu Unrecht den Zeitpunkt und den Ort nicht genannt, zu dem beziehungsweise an dem er sich hätte melden können, wenn er auf eigene Initiative nach Italien hätte zurückreisen wollen,
dass in der Lehre mit überzeugender Begründung darauf hingewiesen wird, dass die Nennung von Zeitpunkt und Ort gemäss Art. 19 Abs. 2 Satz 2 – respektive im vorliegenden Kontext: Art. 20 Abs. 1 Bst. e Satz 3 – VO Dublin ohnehin nur dann erfolgen könne respektive , wenn diese Angaben bereits mit dem Aufnahmestaat (individuell oder pauschal) vereinbart worden sei (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER / BARBARA LIEBMINGER, Dublin II-Verordnung. Das Europäische , 2. Auflage, Wien/Graz 2007, S. 137 und 155; die Autoren  im Übrigen von einer grundsätzlichen Entscheidungsfreiheit des die Überstellung durchführenden Mitgliedstaates aus, ob eine  Überstellung erfolgen soll, was sie auch aus der Verwendung der einschränkenden Formulierung "gegebenenfalls" im Vertragstext schliessen),
dass der Beschwerdeführer gerade nicht auf eigene Initiative nach  zurückkehren möchte, womit er durch die angebliche Unterlassung der Vorinstanz diesbezüglich ohnehin nicht beschwert wäre,
dass im vorliegenden Fall keine konkreten Hinweise darauf bestehen, Italien halte sich nicht an die massgeblichen völkerrechtlichen , insbesondere an das Refoulementverbot und die  Normen der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK, SR 0.101), weshalb nicht zu beanstanden ist, dass das BFM keine Veranlassung zu einem Selbsteintritt gesehen hat,
Seite 6
E-7741/2009
dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge in Italien ein Asylverfahren eingeleitet, sich aber dann offensichtlich nicht um  weiteren Gang gekümmert und dieses Land nach der Anhörung verlassen hat (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 2),
dass sich mit diesen protokollierten Aussagen die Angaben in seiner schriftlichen Stellungnahme vom 13. August 2009 ("Ich konnte kein Asylgesuch einreichen oder dieses begründen") kaum vereinbaren , was Zweifel an der Sachverhaltsdarstellung des  weckt,
dass auch die neunmonatige Aufenthaltsdauer in Italien eher nicht auf völlig unzumutbare Lebensumstände in diesem Land schliessen lässt,
dass sich der (seinen Angaben zufolge heute volljährige)  sich gegen den angeblich befürchteten nicht korrekten Gang seines Asylverfahrens in Italien oder gegen eine unzureichende , Verpflegung und Betreuung in Italien zur Wehr setzen , beispielsweise mit Hilfe der vielen dort in diesem Zusammenhang tätigen Nichtregierungsorganisationen,
dass sich unter den gegebenen Umständen eine weitere  mit den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe erübrigt,
dass das BFM demnach in Anwendung von Art.34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine  erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer  besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,
dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern , wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und
Seite 7
E-7741/2009
Ausländer [AuG, SR 142.20]), und bei direkter Anwendung dieser  im vorliegenden Verfahren das Folgende festzustellen wäre,
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),
dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),
dass Italien unter anderem Signatarstaat der FK, der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und  (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 10.  1984 gegen Folter oder andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist und – wie bereits erwähnt – keine konkreten Hinweise dafür bestehen, dieses Land werde sich im vorliegenden Fall nicht an die aus diesen  resultierenden Verpflichtungen halten,
dass der Vollzug der Wegweisung somit in Beachtung der  völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da der Beschwerdeführer in einen Drittstaat ausreisen kann, in welchem er Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG findet,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als  erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),
dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik steht, in den Aufenthalts- und Verfahrensbedingungen für , welche sich im Rahmen eines Asylverfahrens in Italien aufhalten, indessen nach der bisherigen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts insgesamt nicht eine so umschriebene Notlage zu erkennen ist (vgl. etwa Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-4109/2009 vom 17.  2009 und E-6195/2009 vom 30. Oktober 2009),
Seite 8
E-7741/2009
dass vorliegend auch keine individuellen Gründe ersichtlich sind,  gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Italien sprächen,
dass an dieser Beurteilung auch der Hinweis in der Beschwerde, der Beschwerdeführer halte sich nun bereits seit Anfang 2009 in der Schweiz auf, lerne Deutsch und sei hier auch bereits erwerbstätig, nichts zu ändern vermag,
dass der Vollzug der Wegweisung faktisch möglich ist, da Italien, wie bereits ausgeführt, zur Wiederaufnahme des Beschwerdeführers staatsvertraglich verpflichtet ist und einer Rückübernahme  zugestimmt hat (Art. 83 Abs. 2 AuG),
dass mit der am 15. Dezember 2009 verfügten vorsorglichen  des Wegweisungsvollzugs und mit dem Entscheid in der  ohne vorgängige Beschwerdeinstruktion die Anträge auf  der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind,
dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde  ist,
dass sich die Rechtsbegehren aufgrund vorstehender Erwägungen als aussichtslos erweisen, weshalb das Gesuch um Gewährung der  Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ungeachtet der  der prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen und bei diesem  des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.-- (Art. 1-3 des  vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 9
E-7741/2009