Decision ID: 0e4e067c-6f41-4702-9513-670966c2d964
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Staatsanwaltschaft Zeeland West-Brabant in den Niederlanden für ein
Strafverfahren gegen B. und C. wegen Betäubungsmittel-, Betrugs- und
Geldwäschereidelikten.
B. In diesem Zusammenhang ersuchten die niederländischen Behörden mit
Rechtshilfeersuchen vom 30. April 2018 und Ergänzung vom 14. Februar
2019 die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend "Staatsanwalt-
schaft") u.a. um Herausgabe der Kontoauszüge der D. AG (nachmalige
E. AG [ab 2016] und A. AG [ab 2020]) bei der Bank F. sowie bei der Bank G.
und deren Handelsregisterauszüge sowie Geschäftsberichte samt Jahres-
abschlüssen (Verfahrensakten STA, Dossier 2, Urk. 2/2 und 2/24).
C. Nach Eingang des ergänzten Rechtshilfeersuchens trat die Staatsanwalt-
schaft mit Eintretensverfügung vom 24. April 2019 auf das niederländische
Rechtshilfeersuchen ein und ordnete die beantragten Rechtshilfemassnah-
men an (Verfahrensakten STA, Dossier 1, Urk. 1/1).
D. Mit Schreiben vom 20. Mai 2020 informierte die Staatsanwaltschaft u.a. die
A. AG über die erhobenen Unterlagen und den bevorstehenden Abschluss
des Rechtshilfeverfahrens. Innerhalb der angesetzten Frist zur Stellung-
nahme liess sich die A. AG gegenüber der Staatsanwaltschaft nicht verneh-
men (Verfahrensakten STA, Dossier 1, Urk. 1/5 ff.).
E. Mit Schlussverfügung vom 4. Juni 2020 ordnete die Staatsanwaltschaft in
Dispositiv Ziffer 2 die rechtshilfeweise Herausgabe der Steuererklärungen
2010-2012 der D. AG (Disp. Ziff. 2.1), der Kontoauszüge der E. AG bei der
Bank H. vom Juni 2014 bis September 2017 (Disp. Ziff. 2.2), der Jahresab-
schlüsse der D. AG 2012-2017 (Disp. Ziff. 2.3), der Kontoauszüge der D. AG
bei der Bank F. von September 2010 bis März 2018 (Disp. Ziff. 2.4), der
Jahresabschlüsse der I. AG 2013 bis 2017 (Disp. Ziff. 2.5), der Kontoaus-
züge der D. AG bei der Bank G. von Dezember 2010 bis Juli 2012 (Disp.
Ziff. 2.6) und der Kontoauszüge der I. AG bei der Bank J. vom Juli 2012 bis
März 2018 (Disp. Ziff. 2.7) an.
F. Gegen diese Schlussverfügung erhebt die A. AG (vormals D. AG; s. supra
lit. B) mit Eingabe vom 4. Juli 2020 Beschwerde bei der Beschwerdekammer
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des Bundesstrafgerichts. Sie beantragt zur Hauptsache, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und dem Rechtshilfeersuchen nicht zu entspre-
chen. Eventualiter seien die Dokumente gemäss Disp. Ziff. 2.5 und 2.7 nicht
an die ersuchende Behörde herauszugeben, unter Kosten- und entschädi-
gungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. 1 S. 2).
G. Die Staatsanwaltschaft und das Bundesamt für Justiz beantragen in ihren
Beschwerdeantworten vom 30. und 31. Juli 2020 je die Abweisung der Be-
schwerde (act. 6 und 7). Innert Frist zur Replik liess sich die Beschwerde-
führerin nicht vernehmen (act. 8).
H. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie auf die eingereichten Ak-
ten wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Für die Rechtshilfe zwischen den Niederlanden und der Schweiz sind in ers-
ter Linie das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsa-
chen vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1) sowie die Bestimmungen der
Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des
Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchfüh-
rungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19–62)
massgebend. Diese werden in concreto ergänzt durch das Übereinkommen
vom 8. November 1990 über Geldwäscherei sowie Ermittlung, Beschlag-
nahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten (GwUe; SR 0.311.53).
1.1 Soweit die Staatsverträge bestimmte Fragen weder ausdrücklich noch still-
schweigend regeln, bzw. das schweizerische Landesrecht geringere Anfor-
derungen an die Rechtshilfe stellt (sog. Günstigkeitsprinzip; BGE 142 IV 250
E. 3; 140 IV 123 E. 2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3), sind das Bundes-
gesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen
(IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982
(IRSV; SR 351.11) anwendbar (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 143 IV 91 E. 1.3;
136 IV 82 E. 3.2; 130 II 337 E. 1; vgl. auch Art. 54 StPO). Vorbehalten bleibt
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die Wahrung der Menschenrechte (BGE 139 II 65 E. 5.4 letzter Absatz; 135
IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c).
1.2 Auf das vorliegende Beschwerdeverfahren sind zudem anwendbar die Be-
stimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021;
Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a StBOG).
2.
2.1 Die Schlussverfügung der ausführenden kantonalen Behörde unterliegt der