Decision ID: 58f0bdce-9d84-4dd0-8b9a-d6a48d22cf73
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 3. Oktober 2019 ersuchte der sri-lankische Staatsangehörige
B._ (geb. 1990; nachfolgend: Gesuchsteller bzw. Eingeladener) bei
der Schweizer Botschaft in Colombo um Ausstellung eines Schengen-Vi-
sums für einen Besuch vom 25. Oktober 2019 bis 10. November 2019 bei
der im Kanton St. Gallen lebenden A._ (nachfolgend: Gastgeberin
bzw. Beschwerdeführerin) und deren Mutter (Akten der Vorinstanz [SEM-
act.] 11, S. 108-111).
B.
Mit Formularentscheid vom 4. Oktober 2019 lehnte es die schweizerische
Vertretung in Colombo ab, das gewünschte Visum auszustellen. Der Ge-
suchsteller habe einerseits nicht genügend finanzielle Mittel nachweisen
können. Andererseits bestehe keine Gewähr, dass er den Schengen-Raum
nach einem Besuchsaufenthalt fristgerecht wieder verlassen werde (SEM-
act. 11, S. 112-114).
C.
Gegen diesen Entscheid liess die Gastgeberin am 24. Oktober 2019 Ein-
sprache bei der Vorinstanz erheben. Da am ursprünglichen Einreisedatum
vom 28. Oktober 2019 (recte wohl 25. Oktober 2019) aufgrund der Verfah-
rensdauer nicht mehr festgehalten werden könne, wurde beantragt, dass
dem Gesuchsteller die Einreise in die Schweiz für die Dauer von einem
Monat per 1. Mai 2020 zu genehmigen sei (SEM-act. 9, S. 56-76). In der
Folge übermittelte das SEM die Gesuchsunterlagen zwecks Durchführung
ergänzender Abklärungen und Stellungnahme an das Migrationsamt des
Kantons St. Gallen (SEM-act. 12, S. 116 f.).
D.
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2019 wies die Vorinstanz die Einsprache
ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass mangels anderer
Belege und Umstände davon auszugehen sei, dass dem Gesuchsteller
keine besonderen beruflichen oder gesellschaftlichen Verpflichtungen ob-
liegen würden, welche das Risiko einer nicht anstandslosen Wiederaus-
reise als entsprechend gering erscheinen lassen könnten (SEM-act. 15,
S. 132-134).
E.
Gegen den Einspracheentscheid der Vorinstanz gelangte die Gastgeberin
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mit einer Beschwerde vom 10. Januar 2020 an das Bundesverwaltungsge-
richt. Darin liess sie beantragen, dass die vorinstanzliche Verfügung aufzu-
heben und dem Gesuchsteller zu erlauben sei, für die Dauer von beantrag-
ten 15 Tagen, maximal einem Monat in die Schweiz einzureisen. Dabei
machte sie im Wesentlichen geltend, ihr Gast habe ausreichend belegen
können, dass er seit über zehn Jahren in seinem Heimatland arbeitstätig
sei. Selbstverständlich lasse sich in Sri Lanka nicht der gleiche Lohn erzie-
len wie in Europa. Nichtsdestotrotz vermöge er mit seinem Erwerbseinkom-
men für sich und seine Familie zu sorgen. Er sei zudem seit mehr als fünf
Jahren verheiratet und lebe seit jeher mit seiner Ehefrau zusammen. Die
Vorinstanz habe es unterlassen, bei ihrem Entscheid eine Interessensab-
wägung vorzunehmen. Dabei hätte sich gezeigt, dass aufgrund der vorlie-
genden Akten nicht davon ausgegangen werden könne, dass der Gesuch-
steller ein Interesse daran habe, widerrechtlich in der Schweiz zu bleiben.
Die Wiederausreise müsse daher als gesichert angesehen werden (Akten
des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
F.
Mit Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde. Diese enthalte keine neuen erheblichen Tat-
sachen oder Beweismittel, welche eine Änderung ihres Entscheides recht-
fertigen könnten (BVGer-act. 5).
G.
Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 18. Februar 2020
zur Kenntnis gebracht (BVGer-act. 6).
H.
Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit rechtserheblich – in den Erwä-
gungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Einspracheentscheide des SEM bezüglich Schengen-Visa sind mit Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (vgl. Art. 112 Abs. 1
AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
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1.2 Die Beschwerdeführerin hat am vorangegangenen Einspracheverfah-
ren teilgenommen und ist als Gastgeberin des Gesuchstellers durch den
angefochtenen Entscheid besonders berührt. Obwohl der ursprünglich an-
gestrebte Besuchszeitraum inzwischen abgelaufen ist, muss auf ein fort-
bestehendes Rechtsschutzinteresse geschlossen werden. Dies belegt
allein schon die Einreichung des Rechtsmittels. Die Beschwerdeführerin ist
daher zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist ein-
zutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.3 In der vorliegenden Beschwerdeangelegenheit entscheidet das Bun-
desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächli-
chen Verhältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1
E. 2 m.H.).
3.
Dem angefochtenen Entscheid liegt das Gesuch eines sri-lankischen
Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums zu Besuchszwecken in der
Schweiz zugrunde. Da sich der Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA-Per-
sonenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufent-
haltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in
den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-As-
soziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand
und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernom-
men hat (BVGE 2014/1 E. 3; 2011/48 E. 3). Das Ausländer- und Integrati-
onsgesetz (AIG, SR 142.20) und dessen Ausführungsbestimmungen ge-
langen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkom-
men keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2-5 AIG).
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4.
4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei-
lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch –
grundsätzlich nicht verpflichtet, ausländischen Personen die Einreise zu
gestatten und entscheidet darüber, vorbehältlich völkerrechtlicher Ver-
pflichtungen, autonom (vgl. BVGE 2009/27 E. 3 m.w.H.). Das Schengen-
Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es ein-
heitliche Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitglied-
staaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die
Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise vermittelt
auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5).
4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-
Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-
raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku-
mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein
Visum, sofern dieses gemäss der Verordnung (EU) 2018/1806 des Euro-
päischen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 zur Aufstel-
lung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten
der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste
der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind
(ABl. L 303/39 vom 28.11.2018) erforderlich ist. Im Weiteren müssen Dritt-
staatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Auf-
enthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen.
Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den
Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen,
beziehungsweise ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus-
reise zu bieten. Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schen-
gener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben
sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit,
die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mit-
gliedstaats darstellen (vgl. zum Ganzen: Art. 5 Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3
Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und die Vi-
sumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung
[EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
9. März 2016 [kodifizierter Text] über einen Gemeinschaftskodex für das
Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener
Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 23.03.2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21
Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments
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und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft
[nachfolgend: Visakodex, VK, Abl. L 243 vom 15.9.2009]).
4.3 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1
Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige
Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristge-
recht wieder zu verlassen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden haben
daher zu prüfen und die drittstaatsangehörige Person hat zu belegen, dass
keine Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristge-
rechten Ausreise besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 VK). Be-
stehen Zweifel daran, dass die gesuchstellende Person das Hoheitsgebiet
der Mitgliedstaaten fristgerecht wieder verlässt, so ist das Visum zu ver-
weigern (Art. 32 Abs. 1 Bst. b VK). Den Behörden kommt bei der Beurtei-
lung, ob die Voraussetzungen für die Visumserteilung erfüllt sind, ein weiter
Beurteilungsspielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5).
4.4 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die vorerwähnten Einreisevo-
raussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich
beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des
betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betref-
fende Mitgliedstaat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus hu-
manitären Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund
internationaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 und 5
VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; ebenso Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK).
5.
5.1 Aufgrund seiner sri-lankischen Staatsangehörigkeit unterliegt der Ge-
suchsteller der Visumspflicht (vgl. Art. 8 Abs. 1 VEV i.V.m. Anhang I der in
E. 4.2 erwähnten Verordnung [EU] 2018/1806; Art. 6 Abs. 1 Bst. b SGK).
5.2 Die Vorinstanz hat sowohl den Aufenthaltszweck als auch die an-
standslose Wiederausreise des Gesuchstellers bezweifelt und dies zum ei-
nen mit den wirtschaftlichen Verhältnissen in seiner Heimatregion begrün-
det, zum anderen damit, dass ihm dort keine über das übliche Mass hin-
ausgehenden Verpflichtungen obliegen würden. Der Eingeladene stehe
zwar in einem festen Arbeitsverhältnis. Dies könne ihn im Hinblick auf das
wirtschaftliche Umfeld und den schlechten sozialen Absicherungen im Hei-
matland aber auch nicht davon abhalten, ins Ausland zu emigrieren. Zu-
dem erscheine der Aufenthaltszweck nicht gesichert, wolle doch der Ge-
suchsteller trotz familiären Verpflichtungen im Herkunftsland während ei-
nem Monat ohne seine Ehefrau zur Gastgeberin in die Schweiz reisen, wo
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er in deren Elternhaus untergebracht werden solle. Ebenfalls stelle eine
Reise zu touristischen Zwecken keine dringende Notwendigkeit dar, wel-
che eine Einreise in die Schweiz als zwingend erscheinen lassen würde.
5.3 Demgegenüber macht die Gastgeberin in der Beschwerde namentlich
geltend, weder könne sich der Gesuchsteller als verheiratete Person in der
Schweiz nochmals verheiraten, noch habe er aufgrund seiner (fehlenden)
Qualifikation die Möglichkeit, hier eine Arbeitsstelle anzutreten. Die Chan-
cen in der Schweiz, eine (Arbeits-)Bewilligung zu erhalten, seien somit
schlichtweg aussichtslos, was dem Eingeladenen auch bewusst sei. Ein
(widerrechtlicher) Verbleib in der Schweiz wäre für ihn keine Alternative zu
seinem momentanen Lebensstil in Sri Lanka. Zwar erweise sich sein Ein-
kommen im Heimatland für hiesige Verhältnisse nicht als besonders hoch,
doch könne er für sich und seine Familie sorgen. Hier in der Schweiz ohne
seine Familie widerrechtlich zu verbleiben, stelle somit keine Option für ihn
dar. Wenn selbst der verheiratete und arbeitstätige Gesuchsteller nicht als
ausreichend integriert gelte bzw. keine Gewähr für seine Wiederausreise
bieten könne, so wäre es wohl schlichtweg keinem "Normalbürger" aus die-
ser Region mehr möglich, in die Schweiz einzureisen. Dies sei jedoch nicht
der Wille des Gesetzgebers gewesen. Obwohl man offenbar mit Personen
aus Sri Lanka in der Vergangenheit vermehrt Probleme gehabt habe, dürfe
die Einreise für diese Personen in die Schweiz nicht verunmöglicht werden.
6.
6.1 Sri Lanka ist nach wie vor vom langjährigen Bürgerkrieg (1983 – 2009)
geprägt. Sowohl die gewaltsamen Ausschreitungen von 2018 als auch die
Terroranschläge vom Ostersonntag 2019 haben das gesellschaftliche Mit-
einander zusätzlich beeinflusst. Es besteht die Gefahr von weiteren Terror-
anschlägen. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden deutlich und erkennbar
verschärft, die Präsenz der Sicherheitskräfte landesweit verstärkt. Die so-
ziale und politische Lage in Sri Lanka ist angespannt. Das Land leidet zu-
dem unter einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Es kommt zu Eng-
pässen bei der Versorgung mit Treibstoffen, Medikamenten und anderen
Gütern (unter anderem Grundnahrungsmittel, Rationierung bei Einkäufen).
Die lokalen Behörden verordnen regelmässig die Rationierung von Strom,
sodass es zu längeren Stromunterbrechungen kommt. Der Mangel an Me-
dikamenten führt dazu, dass staatliche Krankenhäuser nicht lebensnot-
wendige Operationen aussetzen müssen, wobei ausserhalb von Colombo
die medizinische Versorgung nicht immer gewährleistet ist. Die seit April
2022 andauernden landesweiten Proteste haben dazu geführt, dass Präsi-
dent Gotabaya Rajapaksa am 12. Juli 2022 das Land verlassen hat. Am
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13. Juli 2022 ist der Ausnahmezustand über das ganze Land verhängt wor-
den. Die politische Lage ist unübersichtlich, die Spannungen haben sich
verschärft, wobei mit einer Verschlechterung der Lage gerechnet werden
muss (vgl. Deutsches Auswärtiges Amt, https://www.auswaertiges-amt.de
> Aussen- und Europapolitik > Länder > Sri Lanka > Politisches Porträt/Si-
cherheits- und Reisehinweise, Stand 21. Juli 2022; Eidgenössisches De-
partement für auswärtige Angelegenheiten EDA, https://www.eda.ad-
min.ch > Reisehinweise und Vertretungen > Reisehinweise für Sri Lanka,
Stand 21. Juli 2022 [jeweils abgerufen im Juli 2022]).
6.2 Vor diesem Hintergrund besteht bei der sri-lankischen Bevölkerung ein
vielfacher Wunsch nach Auswanderung, der erfahrungsgemäss dort be-
günstigt wird, wo bereits Verwandte oder Bekannte im Ausland leben. Die
schwierige Lage dieser Personengruppe spiegelt sich im Übrigen auch in
der Schweizerischen Asylstatistik wider, wonach Sri Lanka im Jahre 2021
mit 621 Gesuchen zu den wichtigsten Herkunftsländern von Asylsuchen-
den gehört (Quelle: Staatssekretariat für Migration, https://www.sem.ad-
min.ch > Publikationen & Service > Asylstatistik > Archiv ab 1994 > Kom-
mentierte Asylstatistik 2021 [abgerufen im Juli 2022]).
6.3 Allein aufgrund der allgemeinen Lage im Herkunftsland darf zwar nicht
auf eine nicht hinreichend gesicherte Wiederausreise geschlossen werden;
angesichts der sozioökonomischen Verhältnisse und der äusserst ange-
spannten Sicherheitslage in Sri Lanka muss den sozialen Bindungen und
Verpflichtungen dort lebender Gesuchsteller aber ein erhebliches Gewicht
zukommen, damit deren Rückkehr als wahrscheinlich gelten kann. Anders
als die Beschwerdeführerin meint, können diese strengen Anforderungen
somit durchaus dazu führen, dass in bestimmten Weltregionen einer Mehr-
zahl von Gesuchstellern das beantragte Visum zu verweigern ist, was we-
der mit Diskriminierung noch mit Ungleichbehandlung gleichzusetzen
wäre. Ein uneingeschränktes Recht auf Einreise gibt es, wie oben darge-
legt, nicht (vgl. E. 4.1).
7.
7.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich den Akten zufolge um einen mitt-
lerweile 32-jährigen, verheirateten und kinderlosen Mann. Der Umstand,
wonach seine Ehefrau in Sri Lanka zurückbleibt, lässt erkennen, dass ihm
in der Heimat als Ehemann eine gewisse familiäre Verantwortung obliegt.
Diese Verantwortung kann eine besondere Gewähr für eine Rückkehr ins
Heimatland bieten. Indessen hat die Erfahrung oftmals gezeigt, dass zu-
https://www.auswaertiges-amt.de/
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rückbleibende nahe Angehörige gerade in Situationen angespannter wirt-
schaftlicher und/oder politischer Verhältnisse Gesuchstellerinnen und Ge-
suchsteller regelmässig nicht verlässlich davon abhalten können, den Ent-
schluss für eine Emigration zu fällen, sei dies etwa in der Hoffnung, die
Zurückgebliebenen aus dem Ausland effizienter zu unterstützen oder spä-
ter allenfalls gar nachziehen zu können. Zudem ist darauf hinzuweisen,
dass die Ehe kinderlos blieb. Irgendwelche Indizien für das Bestehen eines
besonderen Betreuungsbedarfs, der nur durch den Gesuchsteller selbst
abgedeckt werden könnte, sind insoweit nicht erkennbar. Es kann also da-
von ausgegangen werden, dass im persönlichen und familiären Umfeld
des Eingeladenen keine über das Übliche hinausgehende Verpflichtungen
oder gar Abhängigkeiten vorhanden sind, die besondere Gewähr für eine
Rückkehr ins Heimatland bieten könnten.
7.2 Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Gesuchstellers stellen sich ge-
mäss den Akten wie folgt dar: Er arbeitet seit dem 1. November 2010 als
Steward in der Abteilung für Lebensmittel und Getränke im "X_-Ho-
tel" (SEM-act. 11, S. 90). Gemäss den eingereichten Lohnabrechnungen
von Mai, Juni, August und September 2019 erzielte er dort ein monatliches
Bruttoeinkommen von LKR 40'000.- (entspricht zurzeit rund CHF 107.-; vgl.
SEM-act. 11, S. 87-89). Ausserdem verfügte er per 2. Oktober 2019 über
ein Guthaben der "People's Bank" von LKR 297'224.-, was ca. CHF 800.-
entspricht (SEM-act. 11, S. 95). Vor diesem Hintergrund kann nicht davon
ausgegangen werden, der Gesuchsteller lebe in wirtschaftlich günstigen
oder privilegierten Verhältnissen, welche ihn verlässlich von einer Emigra-
tion abzuhalten vermöchten. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass sämt-
liche mit dem Besuchsaufenthalt verbundene Kosten von der Gastgeberin
übernommen würden (SEM-act. 11, S. 109).
7.3 Unter Berücksichtigung der allgemeinen Situation in Sri Lanka und dem
vorstehend dargelegten persönlichen Hintergrund des Gesuchstellers
durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dessen Wiederausreise sei im
Sinne der massgeblichen Bestimmungen nicht gesichert. An der Richtigkeit
dieser Einschätzung vermag weder die von der Beschwerdeführerin unter-
zeichnete Verpflichtungserklärung noch ihre Zusicherung, für die fristge-
recht Wiederausreise ihres Gastes besorgt zu sein, etwas zu ändern (vgl.
SEM-act. 9, S. 56 f.). Auch wenn ihr Wunsch, den Gesuchsteller, den sie
im Jahre 2015 während ihren Ferien in Sri Lanka an dessen Arbeitsort ken-
nengelernt hat, in die Schweiz einzuladen, verständlich ist, gilt es zu be-
denken, dass bei der Risikobeurteilung in erster Linie das mögliche Verhal-
ten des Gastes selbst von Bedeutung ist. Gastgeber können zwar mit
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rechtlich verbindlicher Wirkung für gewisse finanzielle Risiken im Zusam-
menhang mit einem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein bestimmtes Tun
oder Unterlassen ihres Gastes einstehen (vgl. in diesem Zusammenhang
auch BVGE 2009/27 E. 9).
7.4 Demnach wurde das Visum für den gesamten Schengen-Raum zu
Recht verweigert. Gründe humanitärer oder anderer Art, die die Erteilung
eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit rechtfertigen würden
(vgl. dazu E. 4.4 vorstehend), wurden zu Recht nicht geltend gemacht und
sind auch nicht ersichtlich.
8.
Gestützt auf die obigen Erwägungen erweist sich die Verweigerung der
Ausstellung des Visums durch die Vorinstanz als rechtmässig. Die ange-
fochtene Verfügung ist somit im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu bean-
standen. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
9.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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