Decision ID: ffb7734a-0546-4d46-9677-9d887d9289f3
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Veruntreuung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 23. Januar 2014 (GG130178)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 2. Juli 2013 (Urk. 27)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der mehrfachen Veruntreuung im
Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 12 Monaten Freiheitsstrafe als Zusatzstra-
fe zu der mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 26. Februar
2013 (bedingt) ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 16 Monaten.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. Juni 2013
beschlagnahmten, am Bezirksgericht Zürich unter der Kautionsnummer
SK ... lagernden Gegenstände (1 schwarze Box aus Glas, zerbrochen; 66
Blatt Papier; 1 grünes Blatt Papier) werden dem Beschuldigten nach Eintritt
der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben. Wird die Herausgabe
innert Monatsfrist nicht verlangt, werden die genannten Gegenstände der
Kasse des Bezirksgerichts Zürich zur Vernichtung überlassen.
5. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte am 10. Dezem-
ber 2007 unbefristete Solidarbürgschaften betreffend die Forderungen der
Privatklägerschaft über EUR 835'000.– (Privatkläger 1 + 2) bzw. EUR
390'000.– (Privatkläger 3), je zzgl. Zinsen von 5% p.a. seit 10. Dezember
2007, einging.
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6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 2'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 1'330.– Auslagen Untersuchung
Fr. 11'000.– amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die amtliche Verteidigung wird für ihre Aufwendungen aus der Gerichtskas-
se mit Fr. 11'000.– entschädigt (Entschädigung total für Honorar und Bar-
auslagen, inkl. 8% MwSt.).
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerschaft (Privatkläger 1-3)
für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 18'000.– zu
bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der Privatkläger 1-3:
(Urk. 62 S. 2; Urk. 75)
1. Es sei Dispositivziffer 5 des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Ab-
teilung, Einzelgericht, vom 23. Januar 2014 (GG130178-L/U) aufzuhe-
ben.
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2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, den Berufungsklägern 1 und 2
EUR 760'279.80 zuzüglich Zinsen zu 5 % seit dem 28. Juni 2008,
eventualiter EUR 313'720.95 zuzüglich Zins von 5 % seit 28. Juni
2008, zu bezahlen; sub-eventualiter sei die Sache der Vorinstanz zur
Neubeurteilung zurückzuweisen.
3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Berufungskläger 3
EUR 341'964.00 zuzüglich Zinsen von 5 % seit dem 28. Juni 2008,
eventualiter EUR 250'589.85 zuzüglich Zins von 5 % seit 28. Juni
2008, zu bezahlen; sub-eventualiter sei die Sache der Vorinstanz zur
Neubeurteilung zurückzuweisen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten.
b) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 81 S. 1)
Sämtliche Zivilansprüche der Privatkläger seien auf den Weg des ordentli-
chen Zivilprozesses zu verweisen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Privatkläger.
c) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 65)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Der Beschuldigte A._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10.
Abteilung - Einzelgericht, vom 23. Januar 2014 der mehrfachen Veruntreuung im
Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig gesprochen und mit einer Frei-
heitsstrafe von 12 Monaten als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts des Kan-
tons Zürich vom 26. Februar 2013 bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde
nicht aufgeschoben. Sodann wurde die Herausgabe verschiedener Gegenstände
an den Beschuldigten angeordnet. Weiter wurde davon Vormerk genommen,
dass der Beschuldigte am 10. Dezember 2007 unbefristete Solidarbürgschaften
betreffend die Forderungen der Privatklägerschaft über EUR 835'000.– (Privat-
kläger 1 + 2) bzw. EUR 390'000.– (Privatkläger 3), je zuzüglich Zinsen von 5%
pro Jahr seit dem 10. Dezember 2007, eingegangen ist. Die Kosten des gerichtli-
chen Verfahrens und der Untersuchung wurden dem Beschuldigten auferlegt.
Schliesslich wurde er verpflichtet, den Privatklägern für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von Fr. 18'000.– zu bezahlen (Urk. 59 S. 67 f.).
2. Gegen dieses gleichentags mündlich eröffnete und schriftlich im Dispositiv
übergebene Urteil (Prot. I S. 16) meldete der amtliche Verteidiger mit Eingabe
vom 28. Januar 2014 (Poststempel: 28. Januar 2014), eingegangen bei der Vor-
instanz am 29. Januar 2014 (Urk. 51), fristgerecht Berufung an. Ebenso meldete
die damalige Vertreterin des Privatklägers 1 (B._), des Privatklägers 2
(C._) und des Privatklägers 3 (D._), Rechtsanwältin lic. iur. E._, mit
Eingabe vom 3. Februar 2014 (Poststempel: 3. Februar 2014), eingegangen bei
der Vorinstanz am 4. Februar 2014 (Urk. 52), innert Frist (Art. 90 StPO) Berufung
an.
3. Das vollständig begründete Urteil wurde vom Verteidiger am 16. Juli 2014
(Urk. 58/2) und von der Vertreterin der Privatkläger am 17. Juli 2014 (Urk. 58/3)
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entgegengenommen. Mit Eingabe vom 25. Juli 2014 (Poststempel: 25. Juli 2014),
eingegangen bei der hiesigen Kammer am 28. Juli 2014 (Urk. 60), reichte der
Verteidiger fristgerecht die schriftliche Berufungserklärung ein. Ebenso reichte die
Vertreterin der Privatkläger mit Eingabe vom 6. August 2014 (Poststempel: 6. Au-
gust 2014), eingegangen bei der hiesigen Kammer am 8. August 2014 (Urk. 62),
innert Frist die schriftliche Berufungserklärung ein. Beweisanträge wurden keine
gestellt.
4. Mit Präsidialverfügung vom 11. August 2014 wurde dem Beschuldigten, den
Privatklägern und der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl Frist zur Erhebung einer An-
schlussberufung bzw. zum Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt
(Urk. 63). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 19. August 2014
auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils (Urk. 65). Auch der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 8. September 2014
mitteilen, dass er keine Anschlussberufung erhebe (Urk. 66). Schliesslich verzich-
teten die Privatkläger mit Eingabe vom 8. September 2014 auf Anschlussberufung
(Urk. 68).
5. Mit Eingabe vom 3. Oktober 2014 zog der Beschuldigte die Berufung zurück
(Urk. 69). Folglich wurde mit Beschluss vom 15. Oktober 2014 festgestellt, dass
mit Ausnahme des Zivilpunkts (Dispositivziffer 5) das Urteil des Bezirksgerichtes
Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 23. Januar 2014 in Rechtskraft erwach-
sen ist. Sodann wurde die schriftliche Durchführung des Berufungsverfahrens an-
geordnet. Schliesslich wurde den Privatklägern eine Frist von 20 Tagen ange-
setzt, um die schriftliche Berufungsbegründung einzureichen (Urk. 72). Mit fristge-
rechter Eingabe vom 3. November 2014 (Poststempel: 3. November 2014), ein-
gegangen bei der hiesigen Kammer am 4. November 2014 (Urk. 75), verwies die
Vertreterin der Privatkläger hinsichtlich der Berufungsanträge und der Berufungs-
begründung auf die Berufungserklärung vom 6. August 2014. Mit Schreiben vom
17. Dezember 2014 teilte die Vertreterin der Privatkläger 1-3, Rechtsanwältin
lic. iur. E._, sowie Rechtsanwalt lic. iur. F._ mit, dass sie die Privatklä-
ger 1-3 nicht mehr vertreten würden (Urk. 76).
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6. Mit Präsidialverfügung vom 8. Januar 2015 wurde dem Beschuldigten sowie
der Staatsanwaltschaft eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um die Berufungsant-
wort einzureichen (Urk. 77). Die Staatsanwaltschaft liess sich nicht vernehmen.
Mit der gleichen Präsidialverfügung erhielt die Vorinstanz Gelegenheit zur freige-
stellten Vernehmlassung innert derselben Frist, liess sich in der Folge aber nicht
vernehmen. Mit Eingabe vom 2. Februar 2015 ersuchte der Verteidiger um Frist-
erstreckung, welche bewilligt wurde (Urk. 79). Mit Eingabe vom 23. Februar 2015
erstattete der Verteidiger innert erstreckter Frist die Berufungsantwort (Urk. 81).
Beweisanträge wurden keine gestellt.
7. Den Privatklägern 1-3 sowie der Staatsanwaltschaft wurde mit Präsidialver-
fügung vom 2. März 2015 (Urk. 82) die Berufungsantwort zur freigestellten Stel-
lungnahme innert einer Frist von 20 Tagen zugestellt und zugleich das Beweisver-
fahren als geschlossen erklärt, da keine Beweisanträge gestellt wurden. Mit Ein-
gaben vom 17. März 2015 (Privatkläger 2, Urk. 85) und vom 18. März 2015 (Pri-
vatkläger 1, Urk. 86) reichten die Privatkläger 1 und 2 innert Frist eine Stellung-
nahme ein, während die Staatsanwaltschaft auf eine Stellungnahme verzichtete
(Urk. 84). Der Privatkläger 3 sowie die Vorinstanz liessen sich nicht vernehmen.
8. Dem Beschuldigten, der Staatsanwaltschaft, der Vorinstanz, dem Privatklä-
ger 3 sowie je gegenseitig den Privatklägern 1 und 2 wurden mit Präsidialverfü-
gung vom 15. April 2015 (Urk. 90) die Stellungnahmen der Privatkläger 1 und 2
zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 91/1-5; Urk. 92).
9. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
II. Prozessuales
1. Umfang der Berufung
1.1 Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
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fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO II - Eugster, 2. Auflage,
Basel 2014, Art. 402 N 1 f.).
1.2 Mit dem Rückzug der Berufung des Beschuldigten (Urk. 69) wurde das erst-
instanzliche Urteil bezüglich der Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2 (Strafe), 3
(Vollzug), 4 (Beschlagnahmungen), 6 (Kostenfestsetzung), 7 (Festsetzung des
Honorars der amtlichen Verteidigung), 8 (Kostenauflage), 9 (Übernahme der Kos-
ten der amtlichen Verteidigung durch die Gerichtskasse) sowie 10 (Prozessent-
schädigung Privatkläger) rechtskräftig (vgl. vorstehend Erwägung I. 1.4).
1.3 Die Privatkläger 1-3 liessen im Rahmen der Berufungserklärung das erstin-
stanzliche Urteil lediglich bezüglich der Dispositivziffer 5 (Zivilansprüche) anfech-
ten (Urk. 62 S. 2 und S. 3), in der davon Vormerk genommen wurde, dass der
Beschuldigte am 10. Dezember 2007 unbefristete Solidarbürgschaften betreffend
die Forderungen der Privatklägerschaft über EUR 835'000.– (Privatkläger 1 + 2)
bzw. EUR 390'000.– (Privatkläger 3), je zzgl. Zinsen von 5% p.a. seit 10. Dezem-
ber 2007, eingegangen sei (Urk. 59 S. 67). Vorliegend ist somit nur noch über die
Zivilansprüche zu befinden.
2. Rechtliches Gehör, Prozessmaximen und Beweislast im Adhäsionsprozess
2.1 Auf die Argumente der Privatkläger und des Verteidigers ist im Rahmen der
nachstehenden Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht aus-
drücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen. Vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung we-
sentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 138 I 232 E. 5.1 und BGE 133 I
270 E. 3.1, jeweils mit Hinweisen; Urteile 6B_484/2013 vom 3. März 2014 E. 3.2
und 6B_526/2009 vom 2. September 2009 E. 3.2 sowie 6B_678/2009 vom 3. No-
vember 2009 E. 5.2).
2.2 Die Beurteilung der Zivilansprüche im Strafverfahren unterliegt - wie im Zivil-
prozess - zivilprozessualen Verfahrensmaximen. Es ist nicht Aufgabe der Straf-
behörden, von Amtes wegen für die Wiedergutmachung des Schadens der ge-
schädigten Person zu sorgen. Die geschädigte Partei muss ihre Ansprüche selbst
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geltend machen (Dispositionsmaxime) und trägt dafür die (objektive und subjekti-
ve) Beweislast. Ihre Behauptungs-, Substanziierungs- und Beweisführungslast
(subjektive Beweislast) ist aber dadurch gemindert, dass sie von den Ergebnissen
der Strafuntersuchung profitieren und darauf verweisen kann. Das Strafgericht hat
sich im Zivilpunkt auch auf die im Strafverfahren getroffenen tatsächlichen Fest-
stellungen zu stützen. Sachverhalte, welche für die Straftat nicht wesentlich sind
und deshalb nicht durch die Strafbehörden ermittelt werden, hat die Zivilkläger-
schaft hingegen zu substanziieren, d.h. detailliert darzulegen, und zu beweisen.
Das gilt z.B. für die genaue Höhe des erlittenen Schadens, allenfalls auch für den
adäquaten Kausalzusammenhang zwischen Straftat und Schaden. Vernachlässigt
sie die Substanziierung der Klage, riskiert sie, dass diese auf den Zivilweg ver-
wiesen wird (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Die Zivilklägerschaft trägt wie im Zivil-
prozess die (objektive) Beweislast (Art. 8 ZGB) für alle anspruchsbegründenden
Tatsachen (vgl. Art. 41 ff. OR). Damit trägt sie auch die Folgen der Beweislosig-
keit (BSK StPO I - Dolge, a.a.O., Art. 122 N 23 und N 25).
3. Zuständigkeit
Das mit der Strafsache befasste Gericht beurteilt den Zivilanspruch ungeachtet
des Streitwertes (Art. 124 Abs. 1 StPO). Die örtliche, sachliche und funktionelle
Zuständigkeit richtet sich allein nach der Zuständigkeit des Strafgerichtes. Dies
gilt auch im internationalen Verhältnis (BSK StPO I - Dolge, a.a.O., Art. 124 N 1).
4. Rechtsschutzinteresse
4.1 In Bezug auf die Zivilansprüche erwog die Vorinstanz, dass die geschädigte
Person zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat entweder selbständig auf dem
Wege des Zivilprozesses oder adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen
könne. Die Privatkläger machten adhäsionsweise Schadenersatz in der Höhe von
EUR 760'279.80 (Privatkläger 1 und 2) bzw. EUR 341'964.– (Privatkläger 3), je
zuzüglich 5% Zins seit 28. Juni 2008, geltend. Der Beschuldigte habe am
10. Dezember 2007 einerseits namens der G._ AG (nachfolgend G._)
eine Schuldanerkennung über EUR 835'000.– zzgl. Zins zugunsten der Privatklä-
ger 1 und 2 sowie eine solche über EUR 390'000.– zzgl. Zins zugunsten des Pri-
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vatklägers 3 unterzeichnet. In diesen Schuldanerkennungen sei die jeweilige
Schuld ausdrücklich "unwiderruflich, unbedingt und vorbehaltlos, unter Verzicht
auf Einreden jeglicher Art" anerkannt worden. Andererseits habe der Beschuldigte
gleichentags zwei (persönliche) Solidarbürgschaften zu diesen Schuldanerken-
nungen unterzeichnet. Darin sei insbesondere festgehalten worden, dass die
Hauptschuld fällig und der Hauptschuldner bereits erfolglos gemahnt worden sei,
weshalb der Bürge belangt werden könne. Diese Solidarbürgschaften seien je no-
tariell beurkundet worden und seien im Sinne von Art. 493 OR formgültig. Der Be-
schuldigte habe somit grundsätzlich für diese Beträge inklusive Zins einzustehen.
Wie im gewöhnlichen Zivilprozess müssten auch im Adhäsionsverfahren die all-
gemeinen Prozessvoraussetzungen erfüllt sein. Gemäss Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO
müsse die klagende Partei insbesondere ein schutzwürdiges Interesse an der
Beurteilung der von ihr geltend gemachten Ansprüche haben, andernfalls auf die
Klage nicht eingetreten werden könne. Aufgrund der öffentlich beurkundeten Soli-
darbürgschaften des Beschuldigten zu den vorbehaltlosen, unbedingten und unter
Verzicht aller Einreden erfolgten Schuldanerkennungen fehle es den Privatklägern
an einem schutzwürdigen Interesse an der Beurteilung der von ihnen geltend ge-
machten Ansprüche in einem Gerichtsverfahren. Von den Solidarbürgschaften sei
jedoch Vormerk zu nehmen (Urk. 59 S. 61 f.).
4.2 Die Privatkläger bringen diesbezüglich zusammenfassend vor, dass anläss-
lich der mündlichen Urteilseröffnung die Einzelrichterin ihren Entscheid damit be-
gründet habe, dass bereits ein definitiver Rechtsöffnungstitel vorliege und kein er-
neuter definitiver Rechtsöffnungstitel ergehen könne. Die Verneinung des Rechts-
schutzinteresses verletze Bundesrecht. Ein Rechtsschutzinteresse sei dann vor-
handen, wenn die Durchsetzung des materiellen Rechts gerichtlichen Rechts-
schutz erfordere. Vorliegend hätten die Privatkläger eine Leistungsklage einge-
reicht. Die Lehre sei sich einig, dass das Rechtsschutzbedürfnis bei Leistungskla-
gen auf der Hand liege, gehe es doch stets um die Durchsetzung von Ansprüchen
des materiellen Rechts, wie vorliegend um die Zahlung einer Geldforderung. Auf-
grund der mündlichen Äusserungen der Einzelrichterin anlässlich der Urteilseröff-
nung müsse davon ausgegangen werden, dass die Vorinstanz die beiden Bürg-
schaften als öffentliche Urkunden im Sinne von Art. 347 ZPO und damit als defini-
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tive Rechtsöffnungstitel qualifiziere und deshalb den Privatklägern das Rechts-
schutzinteresse abgesprochen habe. Die öffentlich beurkundeten Solidarbürg-
schaften seien jedoch vor Inkrafttreten der ZPO erstellt worden, könnten daher
nicht nach Art. 347 ff. ZPO vollstreckt werden und würden nicht als definitive
Rechtsöffnungstitel im Sinne von Art. 80 Abs. 2 lit. 1bis SchKG gelten. Sodann feh-
le es in den Solidarbürgschaften an der von Art. 347 lit. a ZPO zwingend geforder-
ten Unterwerfungserklärung, somit wären diese selbst nach neuer ZPO nicht als
öffentliche Urkunden zu qualifizieren. Doch sogar wenn die Solidarbürgschaften
als definitive Rechtsöffnungstitel zu beurteilen wären, so wären sie lediglich als
definitive Rechtsöffnungstitel minderen Grades zu qualifizieren, da bei den öffent-
lichen Urkunden die formellen und materiellen Einwendungen und Einreden nicht
beschränkt seien. Die Solidarbürgschaften in Verbindung mit den Schuldanerken-
nungen seien als provisorische Rechtsöffnungstitel zu qualifizieren, denen natur-
gemäss deutlich weitergehende Einreden und Einwendungen entgegengehalten
werden könnten als definitiven Rechtsöffnungstiteln. Die Privatkläger hätten ein
klares Rechtsschutzinteresse am Ergehen des anbegehrten definitiven Rechtsöff-
nungstitels in Form eines vollstreckbaren Urteils (Urk. 62 S. 3 ff.).
4.3 Wie im gewöhnlichen Zivilprozess müssen auch im Adhäsionsprozess die
allgemeinen Prozessvoraussetzungen - von Art. 59 Abs. 2 ZPO - erfüllt sein, da-
mit ein Urteil in der Sache gefällt werden kann. Die Prozessvoraussetzungen sind
wie im Zivilprozess von Amtes wegen zu prüfen (BSK StPO I - Dolge, Art. 122
N 17 und N 19 mit Verweis auf Urteil 6B_74/2011 vom 13. September 2011
E. 3.3).
4.4 Indem die Vorinstanz davon Vormerk nahm, dass der Beschuldigte zwei (auf
die Schuldanerkennungen bezogene) unbefristete Solidarbürgschaften eingegan-
gen sei, stellte sie letztlich lediglich fest, dass zwei (einseitig verpflichtende) Bürg-
schaftsverträge bestehen. In dieser Feststellung ist kein Leistungsurteil bzw. kein
definitiver Rechtsöffnungstitel zu erblicken. Anders wäre allenfalls eine Konstella-
tion zu beurteilen, in der der Beschuldigte die Zivilforderungen der Privatkläger
ausdrücklich anerkannt hätte und im Urteilsdispositiv davon Vormerk genommen
worden wäre. Dies wäre quasi ein Feststellungsentscheid über eine Schuldaner-
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kennung, was faktisch einem Leistungsurteil und somit einem definitiven Rechts-
öffnungstitel gleichkommt (vgl. Art. 124 Abs. 3 StPO; Lieber, in: Donatsch/
Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO],
2. Auflage, Zürich 2014, Art. 124 N 9).
4.5 Vor diesem Hintergrund ist es mit den Privatklägern und entgegen der Vor-
instanz offensichtlich, dass die Solidarbürgschaften in Verbindung mit den
Schuldanerkennungen als provisorische Rechtsöffnungstitel zu qualifizieren sind,
denen weitergehende Einreden und Einwendungen entgegengehalten werden
können als definitiven Rechtsöffnungstiteln. Demnach haben die Privatkläger ein
schutzwürdiges Interesse daran, einen definitiven Rechtsöffnungstitel zu erhalten.
4.6 Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass es den Privatklägern aufgrund der
öffentlich beurkundeten Solidarbürgschaften des Beschuldigten zu den Schuldan-
erkennungen an einem schutzwürdigen Interesse an der Beurteilung der von
ihnen geltend gemachten Ansprüche in einem Gerichtsverfahren fehle (Urk. 59
S. 61 f.). Die Vorinstanz führt jedoch nicht weiter aus, weshalb sie zu dieser Auf-
fassung gelangt. Sodann wäre bei fehlenden Prozessvoraussetzungen nicht auf
die Zivilklage einzutreten (vgl. BSK StPO I - Dolge, Art. 122 N 21).
Inwiefern die Einzelrichterin anlässlich der mündlichen Urteilseröffnung und Erläu-
terung (Prot. I S. 16) ihren Entscheid damit begründete, dass bereits ein definiti-
ver Rechtsöffnungstitel vorliege und kein erneuter definitiver Rechtsöffnungstitel
ergehen könne und ob sie die beiden Bürgschaften als vollstreckbare öffentliche
Urkunden im Sinne von Art. 347 ZPO und damit als definitive Rechtsöffnungstitel
im Sinne von Art. 80 Abs. 2 lit. 1bis SchKG qualifizierte, hat vorliegend nicht weiter
zu interessieren, da allein die schriftliche Urteilsbegründung massgebend ist.
4.7 Demnach ist auf die Leistungsklage der Privatkläger einzutreten (vgl. Art. 59
Abs. 1 ZPO; vgl. jedoch Erwägung III. 2.).
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III. Zivilansprüche
1. Anwendbares Recht
1.1. Es liegt ein internationaler Sachverhalt vor (Art. 1 Abs. 1 IPRG). Somit ist
zunächst das in der Sache anwendbare Recht von Amtes wegen zu ermitteln (vgl.
Art. 57 ZPO; vgl. Sutter-Somm/von Arx, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/
Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO],
2. Auflage, Zürich 2013, Art. 57 N 10).
1.2 In einem Adhäsionsprozess geht es selbstredend um Zivilansprüche aus
unerlaubten Handlungen im Sinne von Art. 132 ff. IPRG. Einschlägige völkerrecht-
liche Verträge sind vorliegend nicht ersichtlich (vgl. Art. 1 Abs. 2 IPRG). Der Be-
schuldigte und die Privatkläger haben nach Eintritt des schädigenden Ereignisses
keine Rechtswahl getroffen (Art. 132 IPRG) und es liegt auch keine Son-
deranknüpfung im Sinne von Art. 134 ff. IPRG vor. Demnach ist das anwendbare
Recht gestützt auf Art. 133 IPRG zu ermitteln.
1.3 Haben Schädiger und Geschädigter ihren gewöhnlichen Aufenthalt im glei-
chen Staat, so unterstehen Ansprüche aus unerlaubter Handlung dem Recht die-
ses Staates (Art. 133 Abs. 1 IPRG). Haben Schädiger und Geschädigter ihren
gewöhnlichen Aufenthalt nicht im gleichen Staat, so ist das Recht des Staates an-
zuwenden, in dem die unerlaubte Handlung begangen worden ist. Tritt der Erfolg
nicht in dem Staat ein, in dem die unerlaubte Handlung begangen worden ist, so
ist das Recht des Staates anzuwenden, in dem der Erfolg eintritt, wenn der Schä-
diger mit dem Eintritt des Erfolges in diesem Staat rechnen musste (Art. 133
Abs. 2 IPRG). Wird durch eine unerlaubte Handlung ein zwischen Schädiger und
Geschädigtem bestehendes Rechtsverhältnis verletzt, so unterstehen Ansprüche
aus unerlaubter Handlung, ungeachtet der Absätze 1 und 2, dem Recht, dem das
vorbestehende Rechtsverhältnis unterstellt ist (Art. 133 Abs. 3 IPRG). Art. 133
IPRG sieht ein Kaskadensystem vor: Priorität kommt dem Akzessionsprinzip zu
(Abs. 3). Liegt kein vorbestehendes Rechtsverhältnis nach Abs. 3 vor, so gelangt
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das Recht am Ort des gewöhnlichen Aufenthalts von Schädiger und Geschädig-
tem zur Anwendung, sofern dieser Ort im gleichen Staat liegt (Abs. 1). Als letzte
Subsidiaritätsanknüpfung gilt das Prinzip der lex loci delicti (Abs. 2; BSK IPRG -
Umbricht/Rodriguez/Krüsi, Art. 133 N 2).
1.4 In Bezug auf allfällige vorbestehende Rechtsverhältnisse fehlt auf dem im
Recht liegenden Vermögensverwaltungsvertrag zwischen der H._ AG (nach-
folgend H._) und dem Privatkläger 1 (Urk. 2/7) zwar die Unterschrift des Pri-
vatklägers 1 (Urk. 1 S. 4). Auf dem Tresorfachmietvertrag (Urk. 2/10) und Bewirt-
schaftungsvertrag (Urk. 2/11) zwischen der H._, namens und mit Vollmacht
des Privatklägers 1 handelnd, und der G._ fehlt die Unterschrift des Be-
schuldigten. Der im Recht liegende Vermögensverwaltungsvertrag zwischen der
H._ und dem Privatkläger 3 (Urk. 2/23) wurde gar nicht unterschrieben (Urk.
1 S. 6). Der Tresorfachmietvertrag (Urk. 2/24) und Bewirtschaftungsvertrag (Urk.
2/25) zwischen der H._, namens und mit Vollmacht des Privatklägers 3 han-
delnd, und der G._ liegen in beidseitig unterschriebener Version vor. Soweit
ersichtlich bestreitet der Beschuldigte jedoch nicht, dass diese Verträge zwischen
der H._ und dem Privatkläger 1 und 3 abgeschlossen (Urk. 2/7; Urk. 2/23)
bzw. von ihm als damaligem Verwaltungsratspräsidenten der G._ (Urk. 2/2)
unterzeichnet wurden (Urk. 2/10; Urk. 2/11; Urk. 2/24; Urk. 2/25), womit der Be-
schuldigte diesbezüglich als Organ der G._ handelte (vgl. BSK IPRG - Um-
bricht/Rodriguez/Krüsi, Art. 133 N 8). Da er überdies im Namen der G._ zwei
Schuldanerkennungen zugunsten der Privatkläger unterzeichnete (Urk. 2/43; Urk.
2/44) und persönlich zwei Solidarbürgschaften einging (Urk. 2/45; Urk. 2/46), kann
von einem bestehenden Rechtsverhältnis zwischen dem Beschuldigten und den
Privatklägern ausgegangen werden. Demnach ist zu prüfen, ob vorliegend
Art. 133 Abs. 3 IPRG zur Anwendung gelangt.
1.5 Art. 133 Abs. 3 IPRG unterstellt Ansprüche aus unerlaubter Handlung, durch
welche ein zwischen den Deliktsparteien bereits bestehendes Rechtsverhältnis
verletzt wird, dem auf dieses Rechtsverhältnis anwendbaren Rechts. Im Vorder-
grund stehen vertragliche Verhältnisse, wie Mietvertrag, Hinterlegungsvertrag
oder Auftrag. Die Anknüpfung an ein vorbestehendes Rechtsverhältnis rechtfertigt
- 15 -
sich nur dann, wenn ein innerer sachlicher Zusammenhang zwischen dem
Rechtsverhältnis und dem Delikt besteht (BSK IPRG - Umbricht/Rodriguez/Krüsi,
Art. 133 N 3 f.). In Bezug auf den Tresorfachmietvertrag (Urk. 2/10; Urk. 2/24),
und darauf gestützt ebenso auf den Bewirtschaftungsvertrag (Urk. 2/11;
Urk. 2/25), handelte die H._ als direkte Stellvertreterin (vgl. Art. 126 Abs. 2
IPRG) für die Privatkläger 1 und 3. Wie bereits ausgeführt, ist das Handeln der
Vertragspartnerin G._ dem Beschuldigten als Organ der G._ zuzurech-
nen. Somit ist bereits von einem bestehenden Rechtsverhältnis zwischen Schädi-
ger und Geschädigtem im Sinne von Art. 133 Abs. 3 IPRG auszugehen. Doch
auch der Anlage 1 sowie der Anlage 3 bzw. den Anlagerichtlinien zu den Vermö-
gensverwaltungsverträgen zwischen der H._ und den Privatklägern 1 und 3
(Urk. 2/7; Urk. 2/23) ist zu entnehmen, dass die Einzahlung der EUR 400'000.–
bzw. EUR 300'000.– auf das (Privat-)Konto des Beschuldigten zu erfolgen habe.
Zudem ermächtigten die Privatkläger 1 und 3 die H._, in ihrem Namen einen
Schliessfachvertrag abzuschliessen. Die Rückerstattung des einbezahlten Be-
trags war dem Beschuldigten nicht möglich, womit er die entsprechenden Verträ-
ge offensichtlich verletzte. Somit besteht ein innerer Zusammenhang zwischen
dem Delikt und den vorgenannten Verträgen, denn ohne diese Verträge hätte der
Beschuldigte nie die Verfügungsmacht über die veruntreuten Vermögenswerte er-
langt und hätte diese auch nicht unrechtmässig verwenden können.
1.6 Sowohl die Vermögensverwaltungsverträge zwischen der H._ und den
Privatklägern 1 (Urk. 2/7 S. 3) und 3 (Urk. 2/23 S. 3) wie auch die Tresorfachmiet-
verträge zwischen den Privatklägern 1 (Urk. 2/10) und 3 (Urk. 2/24) und der
G._ sehen eine Rechtswahl (Art. 116 IPRG) auf Schweizer Recht vor. Eben-
so sehen die Schuldanerkennungen (Urk. 2/43; Urk. 2/44) und Solidarbürgschaf-
ten (Urk. 2/45 S. 4; Urk. 2/46 S. 4) die Anwendung von Schweizer Recht vor.
1.7 Der Beschuldigte sowie die Privatkläger 1 und 2 einerseits wie auch der Pri-
vatkläger 3 andererseits haben ihren gewöhnlichen Aufenthalt nicht im gleichen
Staat (Art. 133 Abs. 1 IPRG). Somit käme subsidiär ohnehin das Recht des Staa-
tes zur Anwendung, in dem die unerlaubte Handlung begangen wurde (Art. 133
Abs. 2 Satz 1 IPRG), was wiederum zur Anwendung von Schweizer Recht führen
- 16 -
würde, da der Beschuldigte seine Taten offensichtlich in Zürich beging (Urk. 27
S. 3 f.). Schliesslich liegt auch bei reinen Vermögensschäden der Erfolgsort
(Art. 133 Abs. 2 Satz 2 IPRG) am Standort der konkret verletzten Vermögenswer-
te im Moment der unerlaubten Handlung, sofern sich diese vom übrigen Vermö-
gen abgrenzen und hinreichend lokalisieren lassen (Urteil 4A_620/2014 vom
19. März 2015 E. 2.2.1. mit Verweis auf BGE 133 III 323 E. 2.3 S. 328; BGE 125
III 103 E. 3b S. 107; Urteil 4A_28/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 4.1; BSK
IPRG - Umbricht/Rodriguez/Krüsi, Art. 133 N 13 und Art. 129 N 28 mit Verweis
auf Urteil 5A_873/2010 vom 3. Mai 2011 E. 4.1.2; Urteil 4A_594/2009 vom 27. Juli
2010 E. 2.3), was vorliegend zweifellos der Fall ist. Somit liegt auch der Erfolgsort
in Zürich.
1.8 Demnach ist auf die vorliegenden Zivilansprüche Schweizer Recht anwend-
bar (Art. 133 Abs. 3 IPRG i.V.m. Art. 116 IPRG).
2. Hauptbegehren
2.1 Als Hauptbegehren verlangen die Privatkläger, dass der Beschuldigte zu
verpflichten sei, den Privatklägern 1 und 2 EUR 760'279.80 und dem Privatklä-
ger 3 EUR 341'964.00, jeweils zuzüglich Zinsen von 5 % seit dem 28. Juni 2008,
zu bezahlen.
2.2 Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat als
Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122
Abs. 1 StPO). Ansprüche aus der Straftat sind namentlich solche, welche sich auf
deliktische Anspruchsgrundlagen stützen (Art. 41 ff. OR). In erster Linie sind es
Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche aus unerlaubter Handlung gemäss
Art. 41 ff. OR, insbesondere Art. 46 OR, Art. 47 OR und Art. 49 OR. Sie stellen
den Hauptinhalt der Adhäsionsklagen dar. Massgebend für die Geschädigtenstel-
lung ist die Anklageschrift (BSK StPO I - Dolge, Art. 122 N 66). Vertragliche An-
sprüche fallen nicht unter Art. 122 Abs. 1 StPO, denn ihre Anspruchsgrundlage
liegt nicht in einer widerrechtlichen Handlung. Sie können sich daher nicht aus ei-
ner Straftat ableiten. Selbst wenn aber solche Ansprüche nicht ausgeschlossen
wären, wäre doch zu bedenken, dass bei nicht deliktischen Anspruchsgrundlagen
- 17 -
die Entlastung der Zivilklägerschaft von der Behauptungs-, Substanziierungs- und
Beweisführungslast nicht zum Tragen käme. So wäre beispielsweise hinsichtlich
des Zustandekommens und Inhalts des Vertrages sowie der Vertragsverletzung
und der Nachfristansetzung die im Zivilprozess übliche Substanziierung erforder-
lich, da diese Feststellungen wohl kaum mit der notwendigen Schärfe im Strafver-
fahren selbst erfolgt sein würden (BSK StPO I - Dolge, Art. 122 N 70).
2.3 Laut Anklagesachverhalt überwiesen die Privatkläger 1 und 2
EUR 400'000.– auf das Konto des Beschuldigten, während der Privatkläger 3 ins-
gesamt EUR 300'000.– in bar an eine Drittperson zuhanden des Beschuldigten
aushändigte. Der Beschuldigte entnahm das zwischenzeitlich in einem Schliess-
fach der von ihm geführten G._ eingelagerte Geld im Gesamtbetrag von
EUR 700'000.–. In der Folge war der Beschuldigte nicht mehr in der Lage, das
Geld den Privatklägern wie vertraglich vereinbart zurückzuzahlen, weshalb den
Privatklägern ein Schaden in der Höhe des einbezahlten Betrages entstand
(Urk. 27). So sticht zunächst nur schon ins Auge, dass die von den Privatklägern
1 und 2 in der Höhe von EUR 760'279.80 und vom Privatkläger 3 in der Höhe von
EUR 341'964.00 gegenüber dem Beschuldigten geltend gemachten Forderungen
die in der Anklageschrift umschriebene Deliktssumme in der Höhe von
EUR 400'000.– (Privatkläger 1 und 2) und von EUR 300'000.– (Privatkläger 3)
übersteigen. Deswegen ist auf die zwei Hauptbegehren nicht einzutreten.
2.4 Aufgrund des Vermögensverwaltungsvertrages mit der H._ (Urk. 2/7
Anlage 3; Urk. 2/23 Anlage 3) sowie aufgrund des Bewirtschaftungsvertrages mit
der G._ (Urk. 2/11; Urk. 2/25) wurde den Privatklägern für ihre Einlagen ein
thesaurierender Gewinn von 10 % bzw. 4.5 % pro Monat versprochen. Nach der
Kündigung der (Bewirtschaftungs-)Verträge seitens des Beschuldigten namens
der G._ per 30. September 2007 (Urk. 59 S. 8 mit Verweis auf Urk. 2/31 und
Urk. 2/32) konnte dieser den von den Privatklägern einbezahlte Gesamtbetrag
von EUR 700'000.– sowie den bis zu diesem Zeitpunkt aufgelaufenen Gewinn
nicht zurückerstatten. In der Folge unterzeichnete der Beschuldigte am 10. De-
zember 2007 im Namen der G._ eine Schuldanerkennung in der Höhe von
EUR 835'000.– (Privatkläger 1 und 2; Urk. 2/43) und in der Höhe von
- 18 -
EUR 390'000.– (Privatkläger 3; Urk. 2/44) sowie zwei öffentlich beurkundete Soli-
darbürgschaften im eigenen Namen in derselben Höhe (Urk. 2/45; Urk. 2/46). Die
Privatkläger konnten sodann zwei Teilbeträge in der Höhe von jeweils
EUR 100'000.– und Fr. 100'000.– erhältlich machen (Urk. 62 S. 5 f. und S. 7;
Urk. 2/60-63).
2.5 Wie bereits erwähnt (Erwägung III. 1.4) liegen in Bezug auf die Privatkläger
1 und 2 kein beidseitig unterzeichneter Vermögensverwaltungs- (Urk. 2/7), Tre-
sorfachmiet- (Urk. 2/10) und Bewirtschaftungsvertrag (Urk. 2/11) im Recht. In Be-
zug auf den Privatkläger 3 liegt der Vermögensverwaltungsvertrag (Urk. 2/23)
nicht in unterzeichneter Version vor. Ob vor diesem Hintergrund die entsprechen-
den Verträge überhaupt zustande gekommen bzw. gültig sind, kann somit nicht
beurteilt werden. Inwiefern - Zustandekommen und Gültigkeit vorausgesetzt - eine
Vertragsverletzung vorliegt bzw. ob die geltend gemachten Ausgangsbeträge von
EUR 835'000.– (Privatkläger 1 und 2; Urk. 62 S. 5) und EUR 390'000.– (Privat-
kläger 3; Urk. 62 S. 7), welche aufgrund der Schuldanerkennung seitens der
G._ insofern zwar ausgewiesen sind (Urk. 2/43; Urk. 2/44), den jeweils ein-
bezahlten Beträgen von EUR 400'000.– (Privatkläger 1 und 2) und
EUR 300'000.– (Privatkläger 3) inklusive bis zum Kündigungsdatum aufgelaufe-
nem Gewinn entsprechen und wie es sich mit den Teilrückzahlungen verhält,
kann jedoch nicht beurteilt werden. Der Beschuldigte macht aber vor allem gel-
tend, dass er gar nie Vertragspartner der Privatkläger gewesen sei (Prot. I S.
10 f.). Der Beschuldigte war Verwaltungsratspräsident mit Einzelunterschrift der
inzwischen aufgelösten Aktiengesellschaft G._ (Urk. 2/2). In Bezug auf den
Privatkläger 1 wurden der Tresorfachmietvertrag (Urk. 2/10) und der Bewirtschaf-
tungsvertrag (Urk. 2/11) vom Beschuldigten nicht einmal namens der G._ un-
terzeichnet bzw. liegen zumindest nicht in unterzeichneter Form vor, während die
zwei Schuldanerkennungen vom Beschuldigten als Verwaltungsratspräsidenten
im Namen der G._ unterschrieben wurden (Urk. 2/43; Urk. 2/44). Vor diesem
Hintergrund ist es in der Tat offensichtlich, dass der Beschuldigte nie Vertrags-
partner der Privatkläger war und es somit an der Passivlegitimation fehlt. Da die
Privatkläger gemäss Art. 8 ZGB für die behaupteten Tatsachen beweispflichtig
sind (Erwägung II. 2.3; Erwägung III. 2.2), wären die zwei Hauptbegehren auch
- 19 -
aus diesem Grund abzuweisen. Anhaltspunkte, die eine Durchgriffshaftung recht-
fertigen würden, liegen keine vor und werden seitens der Privatkläger auch nicht
geltend gemacht. Es spielt somit auch keine Rolle, dass die zwei Schuldanerken-
nungen (Art. 17 OR) klagbar sind sowie zu einer Umkehr der Beweislast und ei-
nem Einredenverzicht führen (BSK OR I - Schwenzer, 5. Auflage, Basel 2011,
Art. 17 N 1, N 8 und N 10 f.).
2.6 Ferner stützen die Privatkläger ihre Hauptbegehren (Urk. 62 S. 5 und S. 7)
auf die zwei Solidarbürgschaften des Beschuldigten vom 10. Dezember 2007
über EUR 835'000.– (Privatkläger 1 und 2; Urk. 2/45) und EUR 390'000.– (Privat-
kläger 3; Urk. 2/46). Die Solidarbürgschaften wurden zur Absicherung der
Schuldanerkennung der G._ gegenüber den Privatklägern eingegangen. In
diesem Zusammenhang macht der Beschuldigte geltend, dass die Privatkläger in
ihrer materiellen Begründung nicht dargelegt hätten, inwiefern der Beschuldigte
den Privatklägern aus deliktischem Verhalten den verlangten Betrag von
EUR 760'000.– (gemeint wohl von EUR 760'279.80 und EUR 341'964.00) schul-
den solle. Die Berufung auf die Solidarbürgschaft genüge nicht, denn jede Bürg-
schaft setze eine zu Recht bestehende Hauptschuld voraus. Eine Bürgschaft sei
akzessorisch. Stelle sich heraus, dass die verbürgte Forderung nicht bestehe,
könne aufgrund der Bürgschaft gegenüber dem Bürgen keine Forderung geltend
gemacht werden. Die Solidarbürgschaft sei deshalb kein selbständiger Rechtstitel
für eine Forderung und könne nicht zur Begründung der Forderung oder des
Quantitativs beigezogen werden (Urk. 81 S. 3). Jede Bürgschaft setzt eine zu
Recht bestehende Hauptschuld voraus (Art. 492 Abs. 2 Satz 1 OR). Ohne Haupt-
schuld gibt es keine Bürgschaftsschuld. Die Bürgschaft ist akzessorisch. Die
Bürgschaftsschuld ist abhängig vom Entstehen, vom Bestand und von der Er-
zwingbarkeit der Hauptschuld. Die Bürgschaft teilt das Schicksal der Hauptschuld
und folgt ihr als Nebenrecht (BSK OR I - Pestalozzi, Art. 492 N 13). Die durch die
Solidarbürgschaft abgesicherte Hauptschuld ist in der Schuldanerkennung der
G._ gegenüber den Privatklägern zu erblicken. Diese Schuldanerkennung
resultiert aber aus einer vertraglichen Verpflichtung der in Konkurs geratenen und
inzwischen aufgelösten G._ gegenüber den Privatklägern und nicht aus ei-
nem (vertraglichen) Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und den Privatklä-
- 20 -
gern. Ein Drittschuldverhältnis, an dem der Schädiger nicht beteiligt ist (Erwägung
III. 2.5), kann jedoch von Vornherein nicht Gegenstand eines Adhäsionsprozes-
ses sein (vgl. BSK StPO I- Dolge, Art. 122 N 58 ff.).
2.7 Auf die Hauptbegehren, soweit sie vertragliche Ansprüche betreffen, ist da-
her nicht einzutreten.
3. Eventualbegehren
3.1 Als Eventualbegehren verlangen die Privatkläger, dass der Beschuldigte zu
verpflichten sei, den Privatklägern 1 und 2 EUR 313'720.95 und dem Privatklä-
ger 3 EUR 250'589.85, jeweils zuzüglich Zinsen von 5 % seit dem 28. Juni 2008,
zu bezahlen.
3.2 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Privatkläger vor Vorinstanz in ih-
rem Eventualbegehren noch verlangten, dass der Beschuldigte zu verpflichten
sei, den Privatklägern 1 und 2 EUR 400'000 und dem Privatkläger 3
EUR 300'000, jeweils zuzüglich Zinsen von 5 % seit dem 12. Oktober 2007, zu
bezahlen (Urk. 43 S. 1). Eine Beschränkung der Klage vor Berufungsinstanz ist
jedoch zulässig (vgl. Art. 317 Abs. 2 ZPO e contrario sowie Art. 227 Abs. 3 ZPO).
3.3 Die Privatkläger bringen vor, dass der Beschuldigte anerkanntermassen den
Betrag von EUR 400'000 von den Privatklägern 1 und 2 überwiesen (Urk. 62 S. 6
mit Verweis auf Urk. 12 S. 4 und Urk. 2/14) und vom Privatkläger 3 via die Hilfs-
person I._ EUR 300'000 ausgehändigt erhalten (Urk. 62 S. 8 mit Verweis auf
Urk. 2/29 S. 3 und Urk. 2/26) und in der Folge veruntreut habe. Damit habe der
Beschuldigte widerrechtlich, verschuldet und kausal einen Schaden verursacht
und sei nach Art. 41 OR ersatzpflichtig.
3.4 Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es
aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatze verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Wer
Schadenersatz beansprucht hat, hat den Schaden zu beweisen (Art. 42 Abs. 1
OR i.V.m. Art. 8 ZGB; BSK StPO I - Dolge, Art. 122 N 25; Erwägung II. 2.3). Die
Vorinstanz erstellte den Anklagesachverhalt (Urk. 59 S. 6 ff., vgl. aber Urk. 59
S. 8) und sprach den Beschuldigten der mehrfachen Veruntreuung von Vermö-
- 21 -
genswerten schuldig (Urk. 59 S. 46 ff.). Gemäss Art. 53 OR ist das Zivilgericht
nicht an die Feststellungen des Strafgerichts über Schuld und Schaden gebun-
den. Durch die bundesrechtliche Regelung der Adhäsionsklage in der StPO wur-
de der Gehalt von Art. 53 OR für die Adhäsionsklage jedoch relativiert. Das Adhä-
sionsgericht ist somit an die tatsächlichen Feststellungen über Schuld und Scha-
den im Strafverfahren, welche dem Strafurteil zugrunde liegen, aufgrund der Na-
tur des Adhäsionsprozesses stets auch im Zivilpunkt gebunden (BSK StPO I -
Dolge, Art. 122 N 34). Auch wenn das Zivilgericht in Bezug auf die Widerrecht-
lichkeit und den adäquaten Kausalzusammenhang nicht an die Erkenntnisse des
Strafgerichts gebunden ist, so besteht vorliegend für die erkennende Kammer
kein Grund, von der Auffassung der Vorinstanz abzuweichen (vgl. BSK OR I -
Heierli/Schnyder, Art. 53 N 4). Dies gilt namentlich für den adäquaten Kausalzu-
sammenhang zwischen der Veruntreuung und dem Schaden (Urk. 59 S. 44 ff.
und S. 49 ff.), während die Widerrechtlichkeit ohnehin gegeben ist (Rey, Ausser-
vertragliches Haftpflichtrecht, 4. Auflage, Zürich 2008, Rz. 703 ff., insbesondere
Rz. 707). Im Übrigen wurde anerkannt, dass dem Privatkläger 1 EUR 400'000
und dem Privatkläger 3 EUR 300'000 geschuldet werden (Prot. I S. 13). Mit den
Privatklägern (Urk. 62 S. 6 und S. 8) hat daher der Beschuldigte gemäss Art. 41
OR widerrechtlich, verschuldet und kausal einen Schaden verursacht und ist dafür
ersatzpflichtig.
3.5.1 Der Beschuldigte macht jedoch geltend, dass nicht klar sei, wie der Be-
schuldigte den Privatklägern 1 und 2 einen allenfalls geschuldeten Betrag zu zah-
len hätte, um eine allfällig geschuldete Zahlung mit befreiender Wirkung zu leis-
ten. Die Privatkläger hätten weder in der Begründung der Zivilforderung noch in
der Berufungsbegründung angegeben, wie ihr internes Verhältnis ausgestaltet sei
und ob der Beschuldigte die Forderung an einen der beiden Privatkläger oder in
welchen Teilbeträgen an Beide zu bezahlen habe (Urk. 81 S. 2 f.).
3.5.2 Die Privatkläger verlangen, dass der Beschuldigte den Privatklä-
gern 1 und 2 EUR 313'720.95 zuzüglich Zinsen zu bezahlen habe. Laut Anklage-
schrift überwiesen der Privatkläger 1 und der Privatkläger 2, im Namen des Pri-
vatklägers 1, EUR 400'000 auf das Konto des Beschuldigten (Urk. 27 S. 2 f.). Der
- 22 -
Vermögensverwaltungsvertrag (Urk. 2/7) wurde ausschliesslich zwischen der
H._ und dem Privatkläger 1 abgeschlossen, während der Tresorfachmietver-
trag (Urk. 2/10) und der Bewirtschaftungsvertrag (Urk. 2/11) zwischen der
H._, namens und mit Vollmacht des Privatklägers 1 handelnd, und der
G._ abgeschlossen wurde. Gemäss Tresorfachmietvertrag (Urk. 2/10) stand
der Zutritt zum Tresorfach, die Verfügung darüber und die Bevollmächtigung Drit-
ter unter anderem dem Privatkläger 2 gemeinsam mit dem Privatkläger 1 zu
(Urk. 2/10). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. August
2012 erklärte der Privatkläger 2, dass der Privatkläger 1 EUR 400'000 überwiesen
habe. Der Privatkläger 1 habe gesagt, er werde für einen allfälligen Verlust gera-
de stehen. Untereinander hätten sie vereinbart, dass er, der Privatkläger 2, die
Hälfte eines allfälligen Schadens übernehmen werde. Selbstverständlich wäre er,
der Privatkläger 2, auch an einem Gewinn zur Hälfte beteiligt gewesen (Urk. 5
S. 6). In diesem Zusammenhang fällt weiter in Betracht, dass die Privatkläger 1
und 2 im Formular betreffend Geltendmachung von Rechten als Privatkläger-
schaft vom 23. August 2012 (Urk. 3/1 bezüglich Privatkläger 2; Urk. 3/2 bezüglich
Privatkläger 1) geltend machten, dass Schadenersatz "nur 1x an Herren B._
und C._ zu bezahlen" sei. Demnach ist davon auszugehen, dass den Privat-
klägern 1 und 2 die Forderung als Gesamtgläubiger zusteht.
3.6.1 Die Privatkläger bringen vor, dass zwei Teilbeträge hätten erhältlich ge-
macht werden können (Urk. 62 S. 5 ff.). Einerseits habe die H._ im März
2008 von den Privatklägern 1, 2 und 3 eine Teilforderung im Umfang von
EUR 100'000 zum Nominalwert erworben. Die Privatkläger 1 und 2 hätten eine
Forderung über EUR 65'000 und der Privatkläger 3 eine Forderung über
EUR 35'000 zediert (Urk. 2/60-62). Andererseits habe die J._ AG im Juni
2008 namens des Beschuldigten und der G._ den Betrag von Fr. 100'000
überwiesen. Dieser Betrag sei im Verhältnis von EUR 34'700 für die Privatkläger 1
und 2 zu EUR 24'645.85 für den Privatkläger 3 aufgeteilt worden (Urk. 2/63).
3.6.2 Der Beschuldigte bringt dazu vor, dass unklar sei, inwiefern die zurückbe-
zahlten EUR 100'000 sowie die Fr. 100'000 teilweise anzurechnen seien (Urk. 81
S. 3 und S. 4).
- 23 -
3.6.3 Da der Beschuldigte lediglich pauschal geltend macht, dass unklar sei, wie
die Teilzahlungen anzurechnen seien, kommt er in Bezug auf die Teilrückzahlun-
gen seiner (zivilprozessualen) Bestreitungslast, welche besagt, dass substanziiert
bestritten werden muss, nicht nach, womit er mit seinen Vorbringen von Vornhe-
rein nicht zu hören ist.
3.6.4 Demnach sind auf den vom Beschuldigten verursachten Schaden in der
Höhe von EUR 400'000 (Privatkläger 1 und 2) und EUR 300'000 (Privatkläger 3)
die Teilrückzahlungen von EUR 100'000 und Fr. 100'000 unter Berücksichtigung
des Zinsenlaufs auf die von den Privatklägern geltend gemachte Weise (Urk. 62
S. 7 und S. 8) anzurechnen, womit in Bezug auf die Privatkläger 1 und 2 ein Be-
trag in der Höhe von EUR 313'720.95 sowie in Bezug auf den Privatkläger 3 ein
Betrag in der Höhe von EUR 250'589.85 verbleibt.
3.7 Zusammenfassend verursachte der Beschuldigte aufgrund der im Anklage-
sachverhalt umschriebenen Ereignisse widerrechtlich, verschuldet und kausal ei-
nen Schaden. Der Beschuldigte ist demnach zu verpflichten, den Privatklägern 1
und 2 als Gesamtgläubiger insgesamt EUR 313'720.95 sowie dem Privatkläger 3
EUR 250'589.85, jeweils zuzüglich Zins von 5 % seit dem 28. Juni 2008, zu be-
zahlen.
4. Subeventualbegehren
Schliesslich verlangen die Privatkläger in ihrem Subeventualbegehren, dass die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, wobei sich nach
dem Gesagten weitere Ausführungen dazu erübrigen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1 Gemäss Art. 424 Abs. 1 StPO regeln Bund und Kantone die Berechnung der
Verfahrenskosten und legen die Gebühren fest (vgl. Art. 96 ZPO mit einer ähnli-
chen Regelung im Zivilprozess). Gemäss § 16 Abs. 2 der Gebührenverordnung
des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG; LS 211.11) richtet sich im
- 24 -
Rechtsmittelverfahren im Strafprozess die Gebühr nach § 12 Abs. 1 und 2, wenn
einzig die geschädigte Person Berufung erklärt und sich diese auf die Zivilansprü-
che beschränkt. Im Berufungs- und Beschwerdeverfahren wird die Gebühr grund-
sätzlich nach den für die Vorinstanz geltenden Bestimmungen bemessen (§ 12
Abs. 1 GebV OG). Die Gebühr bemisst sich dabei nach Massgabe dessen, was
vor der Rechtsmittelinstanz noch im Streit liegt (Abs. 2). § 12 Abs. 1 GebV OG
verweist somit auf die ordentliche Gerichtsgebühr im Sinne von § 4 Abs. 1
GebV OG bei vermögensrechtlichen Streitigkeiten im Zivilprozess, womit vorlie-
gend der Streitwert der Zivilklage massgebend ist (vgl. § 2 Abs. 1 lit. a GebV OG).
1.2 Nachdem der Beschuldigte seine Berufung zurückgezogen hat, sind einzig
die Privatkläger als Berufungskläger verblieben. Die Fortsetzung des Verfahrens
hing damit ausschliesslich vom Willen der Privatkläger ab, womit ein Anwen-
dungsfall von § 16 Abs. 2 i.V.m. § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG vorliegt. Um die or-
dentliche Gerichtsgebühr im Zivilprozess bestimmen zu können, ist daher der
Streitwert der vorliegenden Zivilklage zu ermitteln.
1.3 Der vorliegend zu interessierende Streitwert ist nach der Schweizerischen
Zivilprozessordnung zu ermitteln (Art. 91 ff. ZPO). Der Streitwert wird durch das
Rechtsbegehren bestimmt. Zinsen und Kosten des laufenden Verfahrens oder ei-
ner allfälligen Publikation des Entscheids sowie allfällige Eventualbegehren wer-
den nicht hinzugerechnet (Art. 91 Abs. 1 ZPO). Bei einfacher Streitgenossen-
schaft und Klagenhäufung werden die geltend gemachten Ansprüche zusammen-
gerechnet, sofern sie sich nicht gegenseitig ausschliessen (Art. 93 Abs. 1 ZPO).
Nach dem Gesagten bestimmt sich der vorliegende Streitwert nach den zwei
Hauptbegehren der Privatkläger 1 und 2 sowie des Privatklägers 3, wobei die Zin-
sen nicht hinzugerechnet werden. Als Hauptbegehren verlangen die Privatkläger,
dass der Beschuldigte zu verpflichten sei, den Privatklägern 1 und 2
EUR 760'279.80 und dem Privatkläger 3 EUR 341'964.00 zu bezahlen, was einen
Gesamtstreitwert von EUR 1'102'243.80 ergibt.
1.4 Wird auf Zahlung einer Geldsumme in ausländischer Währung geklagt, so
ist die Forderung zwecks Bestimmung des Streitwerts auf das Datum der Begrün-
- 25 -
dung der Rechtshängigkeit in Schweizer Franken umzurechnen (Stein-Wigger, in:
Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, a.a.O., Art. 91 N 22 mit Verweis auf
BGE 63 II 34). Die Rechtshängigkeit (Art. 62 ZPO) im Adhäsionsprozess tritt mit
der ersten prozessleitenden Handlung der Zivilklägerschaft ein, nämlich mit ihrer
Erklärung gegenüber der Strafverfolgungsbehörde, mit der sie Zivilansprüche gel-
tend macht (Art. 122 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 119 Abs. 2 lit. b StPO; BSK StPO I -
Dolge, Art. 122 N 85). EUR 1'102'243.80 betrugen am 23. August 2012 (Urk. 3/1-
3) Fr. 1'323'678.40, womit von einer Gerichtsgebühr von Fr. 33'750.– auszugehen
ist.
1.5 Da vorliegend über die eigentlichen Anspruchsvoraussetzungen von Art. 41
OR nicht mehr zu befinden war, rechtfertigt es sich, die Gerichtsgebühr um einen
Drittel zu reduzieren (vgl. § 2 Abs. 1 lit. c und d, § 4 Abs. 2 und § 10 Abs. 1
GebV OG).
1.6 Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist daher auf Fr. 22'500.– festzusetzen.
2.1 Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf de-
ren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht
(Art. 428 Abs. 1 StPO).
2.2 Da auf das Hauptbegehren der Privatkläger nicht einzutreten ist (Erwägung
III. 2.), unterliegen sie mit ihrem Hauptbegehren über EUR 1'102'243.80
(EUR 760'279.80 und EUR 341'964.00), obsiegen jedoch mit ihrem Eventualbe-
gehren über EUR 564'310.80 (EUR 313'720.95 und EUR 250'589.85), was einem
Obsiegen im Umfang von 51.2 % entspricht. Somit ist eine Kostenauflage an die
Privatkläger möglich (Art. 427 Abs. 1 lit. c StPO).
2.3 Demnach rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens zur Hälfte
dem Beschuldigten und zur Hälfte unter solidarischer Haftung den Privatklägern
1-3 aufzuerlegen.
3. Der amtliche Verteidiger macht einen Aufwand für das Berufungsverfahren
in der Höhe von Fr. 4'236.40 (inkl. 8% MWST) geltend (Urk. 93/1-2). Dieser Be-
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trag setzt sich zusammen aus einem Aufwand von 11.8 Stunden zu einem Ansatz
von Fr. 200.– und 6.5 Stunden zu einem Ansatz von Fr. 220.– sowie Auslagen in
der Höhe von Fr. 132.60, jeweils zuzüglich 8% MWST. Der geltend gemachte Be-
trag erscheint angemessen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt einer Rückforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO im Umfang der Hälfte.
4.1 Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch
auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren,
wenn sie obsiegt (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Die Privatklägerschaft hat ihre Ent-
schädigungsforderung bei der Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu
belegen. Kommt sie dieser Pflicht nicht nach, so tritt die Strafbehörde auf den An-
trag nicht ein (Abs. 2). Der Antrag "unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
Lasten des Beschuldigten" alleine ist nicht ausreichend (vgl. ZR 2/113 [2014]
Nr. 12 E. 5.2 S. 39, 44). Der Untersuchungsgrundsatz gilt hier nicht, die Privatklä-
gerschaft muss selber aktiv werden (BSK StPO II - Wehrenberg/Frank, Art. 433
N 22).
4.2 Die damalige Vertreterin der Privatkläger 1-3, Rechtsanwältin lic. iur.
E._, stellte ihre Rechtsbegehren unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
Lasten des Beschuldigten (Urk. 62 S. 2). Die nunmehr nicht mehr anwaltlich ver-
tretenen Privatkläger bezifferten und belegten in der Folge ihre Entschädigungs-
forderungen jedoch nicht.
4.3 Nach dem Gesagten ist auf das Entschädigungsbegehren der Privatkläger
nicht einzutreten.
V. Rechtsmittel
Die Beschwerde in Strafsachen steht der geschädigten Person zur Durchsetzung
ihrer Zivilansprüche zur Verfügung, wenn die letzte kantonale Instanz sowohl den
Straf- wie auch den Zivilpunkt zu beurteilen hatte. War vor der oberen kantonalen
Instanz dagegen nur noch der Zivilpunkt strittig, ist Beschwerde in Zivilsachen mit
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dem Streitwerterfordernis von Fr. 30'000.– zu erheben (Art. 74 BGG), subsidiär
die Verfassungsbeschwerde (Art. 113 ff. BGG; BGE 133 III 701 E. 2.1; BSK StPO
I - Dolge, Art. 126 N 67). Vorliegend war vor Berufungsinstanz nur noch der Zivil-
punkt strittig. Der Streitwert beträgt mehr als Fr. 30'000.– (Erwägung III.). Gegen
den vorliegenden Entscheid kann demnach eine Beschwerde in Zivilsachen im
Sinne von Art. 72 ff. BGG erhoben werden.