Decision ID: 0a94d8b8-639c-4f45-b6d3-f008dc4f3cfb
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, Mutter zweier 1995 und 2002 geborener Kin
der, arbeitete zuletzt vom
5.
Oktober 1999 bis 3
1.
Januar 2012 als Nähe
rin/
Team
leiterin
in einem 80%-Pensum bei der
Z._ AG
.
Unter Hinweis auf eine psychische Störung sowie Bauchschmerzen meldete sie sich am
3.
Septem
ber 2012 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizini
sche
und erwerbliche Situation (
Urk.
7/4,
Urk.
7/9,
Urk.
7/11) ab und teilte der Versi
cherten am 2
1.
September 2012 mit, dass keine beruflichen Eingliederungs
mass
nahmen möglich seien (
Urk.
7/12). Nach weiteren Abklärun
gen der medizini
schen
Situation (
Urk.
7/17-18) veranlasste die IV-Stelle insbe
sondere eine psychiatrisch
e Begutachtung, über welche am 2
2.
August 2013 berichtet wurde (
Urk.
7/26 =
Urk.
7/27).
1.2
Am 1
2.
Februar 2014 erteilte die IV-Stelle
der Versicherten sodann
Kostengut
sprache für ein Belastbarkeitstraining vom 1
0.
Februar bis
9.
Mai 2014 bei der
Durchführungsstelle
A._
, Arbeitsintegration
,
(
Urk.
7/37), und
sprach der Versicherten mit separater Verfügung vom 1
8.
Februar 2014 (
Urk.
7/40)
ein Taggeld für die Dauer der beruflichen Massnahme zu.
In der Folge übernahm die IV-Stelle am 2
2.
Mai 2014 auch die Kosten für
ein Auf
bautraining vom 1
2.
Mai bis 1
1.
November 2014 bei der
selben
Durchführungs
stelle
(
Urk.
7/49). Wiederum wurde der Versicherten für die Dauer der
Integrati
onsmassnahme
mit Verfügung vom 3
0.
Mai 2014 (
Urk.
7/53) ein Taggeld zu
gesprochen. Am 1
7.
September 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten die Be
endigung der Integrationsmassnahme mit (
Urk.
7/63). Mit Schreiben vom 1
0.
März
2015 (
Urk.
7/77) auferlegte
sie
der Versicherten
zudem
eine
Schaden
minderungspflicht
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/78,
Urk.
7/89) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
6.
Mai 2015 (
Urk.
7/91 =
Urk.
2) einen Renten
anspruch
der Versicherten
.
2.
Die Versicherte erhob am 2
6.
Juni 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
6.
Mai 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr ei
ne Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei eine ergänzende
Begutachtung
anzu
ordnen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
August 2015 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerde
führerin am 1
0.
September 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von
Ge
burts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
ge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit k
önnen in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wi
rd dabei weitgehend objek
tiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer
Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt mit der psychi
schen
Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesun
dheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten
Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hin
weisen)
.
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale
und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zu
kunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vor
dergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sie
ren
der psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selb
ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den
Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine
Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren über
haup
t
nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
van
te
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bun
desgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die
Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gut
achtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon
aus,
dass die vorliegenden Befunde massgeblich durch psychosoziale
Belas
tungs
faktoren
(jahrelange Doppelbelastung Beruf/Familie, Konflikte am Arbeits
platz) ausgelöst worden seien. Diese seien invaliditätsfremd und würden daher keinen
erheblichen Gesundheitsschaden begründen. Auch lägen gut behandel
bare Befun
de
vor. Ein länger andauernder Gesundheitsschaden mit Einschrän
kungen der Arbeitsfähigkeit liege nicht vor (S. 2).
2.2
D
emgegenüber vertrat die Beschwerdeführerin den Standpunkt (
Urk.
1),
die Aus
führungen der Beschwerdegegnerin würden sich in keiner Weise mit den Ergeb
nissen der Abklärung decken.
Im
Gutachten sei festgehalten worden, dass wes
ent
liche psychosoziale Faktoren im Zusammenhang mit der psychiatrischen Erkrankung und der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit infolge kognitiver Einbussen, verminderter psychophysischer und emotionaler Belastbarkeit nicht festzustellen gewesen
seien
(S. 2). Der Gutachter sei von einer guten
Behandel
barkeit
mittels Psychotherapie und Medikamenten ausgegangen, habe jedoch gleichzeitig angegeben, dass die bisherige Behandlung als adäquat zu beschrei
ben sei.
Ihre gesundheitliche Situation habe sich zudem s
eit der Begutachtung weiter verschlechtert und sei
chronifiziert
(S. 3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin und
dabei
insbesondere, ob ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt.
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Radiologie, medizinisch radiologisches Insti
tut (MRI), informierte mit Schreiben vom 2
2.
Mai 2012 (
Urk.
7/4/8)
über d
ie
gleichentags erfolgte
Magnetresonanztomographie (
MRI
)
der
Halswir
bel
säule
. Es liege eine linksseitige
Osteochondrose
und
dorsolaterale
Spondylose C5/6 mit leichter Einengung des Einganges in das
Neuroforamen
C5/6 rechts vor. Eine eindeutige Nervenwurzelkompression sei nicht nachweis
bar.
Des
Wei
tere
n
liege eine minimale
Osteochondrose
Spondylose C6/7 ohne Einengung des Spinalkanales oder der
Neuroforamina
sowie eine leichte links
seitige
Spondyl
arthrose
vor. In Bezug auf die übrige Halswirbelsäule und die mituntersuchte Brustwirbelsäule sei ein normaler Befund zu
verzeichnen
.
3.2
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, gab
im Bericht vom
3.
Juni 2012 (
Urk.
7/4/6-7)
in Vertretung der Hausärztin
Dr.
med.
D._
, Fachärztin fü
r Allgemeine Innere Medizin, als Diagnosen eine Migräne, eine psychosoziale Belastungssituation sowie eine reaktive De
pression an. Die Beschwerdeführerin sei seit dem
1.
Februar 2012 bis auf w
ei
teres zu 100
%
arbeitsunfähig; p
rognostisch etw
a vier bis sechs Monate (S. 1).
3.3
Die Ärzte der
Höhenklinik
E._
informierten im Austrittsbericht vom 2
3.
Juli 2012 (
Urk.
7/4/1-5, schlechte Kopie) über die stationäre
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin vom 1
7.
Juni bis
6.
Juli 2012 und diagnostizierten eine psychophysische Erschöpfung (ICD-10 Z73.0), eine
Migräne mit/bei
Zervikal
syndrom
sowie dyspeptische Beschwerden (S. 1). Die Beschwerdeführerin sei bis zum 2
0.
Juli 2012 zu 100
%
arbeitsunfähig
gewesen
(S. 3).
3.4
Lic
. phil.
F._
gab mit Bericht vom 3
0.
Januar 2013 (
Urk.
7/17) an, dass
sie
die Beschwerdeführerin seit dem 2
6.
März 2012 behandle (S. 1
Ziff.
1.2) und führte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F31.11), bestehend
seit zirka 2011, auf (S. 1
Ziff.
1.1). Die Prognose sei eher positiv (S. 2
Ziff.
1.4).
Die
Beschwerdeführerin sei vermindert leistungs
fähig. Sie habe
Kon
zentrations
-,
Gedächtnis
-
sowie Antriebsstörungen und sei emotional wenig belastbar.
Lic
. phil.
F._
gab schliesslich an, sie
könne keine genauen An
gaben zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit machen (S. 2
Ziff.
1.7)
und
empfehle eine unabhängige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (S. 3
Ziff.
1.11).
3.5
Die Ärzte der Höhenklinik
E._
bestätigten im Bericht vom 1
4.
Febru
ar
2013 (
Urk.
7/18) die bereits im Austrittsbericht vom 2
3.
Juli 2012
(vorstehend E.
3.3)
gestellten Diagnosen sowie die Einschätzung zur Arbeitsfä
higkeit (S. 1 und S. 4).
3.6
Am 1
9.
August 2013 erfolgte die von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gege
bene psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin durch Prof.
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie. Prof.
G._
erstattete sein Gutachten am 2
2.
August 2013 (
Urk.
7/26 =
Urk.
7/27) und führte als psychiatrische Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit Folgendes auf (S. 18
lit
. E.1):
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig anhaltende mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen mit seit Juli 2013 beginnender Besserungstendenz (ICD-10 F33.11)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab er eine Akzentuie
rung von Persönlichkeitszügen (vornehmlich
anankastisch
, ICD-10 Z73.1) an (S.
18
lit
. E.
2).
Es bestünden keine Hinweise auf Verdeutlichungstendenzen,
Aggra
vation oder bewusstseinsnahe Simulation (S. 13 oben).
Bei der hiesigen
Unter
suchung
hätten
die Kardinalsymptome einer affektiven depressiven Störung
mit mässig gedrückter Grundstimmung, Interessenverarmung und mässig ver
min
derter Freude am Leben sowie Antriebsreduzierung vorgelegen.
Des Weiteren
hätten
eine Störung der Vitalgefühle sowie noch
leichtgradige
Störungen der Konzentration und Aufmerksamkeit
und
eine Selbstwertproblematik bestanden. Die Libido sei weiterhin gestört, hingegen sei der Appetit mit erhöhtem Konsum an Süssigkeiten
vorhanden
. Es hätten
ferner
somatische Symptome
in Bezug auf den
Bauch
vorgelegen
(S. 16 unten). Wesentliche psychosoziale Faktoren im Zusammenhang mit der psychiatrischen Erkrankung und der daraus resultieren
den Arbeitsunfähigkeit seien
nicht festzustellen gewesen. Es ergebe sich auch kein Hinweis auf eine Schmerzverarbeitungsstörung. Die Schmerzen seien als
somatisches Symptom der Depression
zu verstehen
. Ein
syndromales
Krank
heits
geschehen
liege nicht vor (S. 17 Mitte). Die Zumutbarkeit der Überwindung des psychischen Störungsbildes sei nicht anzunehmen, jedoch sei
dieses
behan
del
bar mittels einer Psychotherapie und einer medikamentösen Behandlung. Die bis
herige Behandlung sei als adäquat zu beschreiben und sollte fortgesetzt wer
den (S. 17 unten).
Zum Verlauf sei anzunehmen, dass bis zum
Beginn der
psychiatrische
n
Behand
lung bei
Dr.
F._
am 2
6.
März 2012 eine
schwergradige
Depression und eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
vorgelegen
h
abe
. Seither sei von einer an
haltenden mittelgradigen Episode einer rezidivierenden Depression und einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit bezogen auf ein
100%-Pensum in der zuletzt aus
ge
übten Tätigkeit als Näherin auszugehen. Mit einer Besserung der depressiven Episode könne gerechnet werden (
S.
17 oben,
S.
18 unten). Die
Restarbeitsfä
hig
keit
könne nur in einer stressfreien Umgebung, insbesondere ohne starkes hier
archisches Gefüge und ohne Nachtschicht erfolgen. Tätigkeiten mit hohen An
forderungen an das Durchhaltevermögen oder
an die
kognitive Leistungsfä
hig
keit
se
ien nicht möglich (S. 19 oben).
3.
7
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärzt
licher Dienst (RAD), empfahl mit Stellungnahme vom 3
0.
August 2013 auf das Gutachten von
Prof.
Dr.
G._
abzustellen. Es sei ein Gesundheitsschaden in
Form einer rezidivierenden, gegenwärtig m
ittelgradig depressiven Störung, so
wie
eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit in je
glicher
T
ätigkeit ausgewiesen. Zur Er
hal
tung
der Restarbeitsfähigkeit könne eine Schadenminderungspflicht auferlegt werden (
Urk.
7/76 S. 3).
3.
8
Die Ärzte der
I._
gaben mit Bericht vom
1
0.
Dezember 2014 (
Urk.
7/74) an, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1
0.
Novem
ber 2014 bis auf Weiteres in
teilstationärer Behandlung
stehe
(S. 1
Ziff.
1.2) und führten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1),
bestehend seit zirka 2008, sowie eine akzentuierte Persönlichkeit mit
anankastischen
Zügen (ICD-10 Z73.1) auf (S. 1
Ziff.
1.1).
Für die Zukunft sei von einer zirka 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Zum aktuellen Zeitpunkt könne noch nicht eingeschätzt werden, ob und wann die vollständige Arbeits
fähigkeit wieder erlangt werden könne (S. 3, S. 4
Ziff.
1.9). Die Beschwerdefüh
rerin habe aufgrund der jahrelangen beruflichen Überlastung eine depressive Erkrankung entwickelt. Sie sei in ihrer Konzentration und Merkfähigkeit einge
schränkt. Darüber hinaus bestehe eine Antriebsschwäche, eine grosse psycho
physische Erschöpfung, Lustlosigkeit und Minderung der Vitalgefühle. Die Be
schwerdeführerin leide
auch
an einer
Hypersomnie
(S. 3
Ziff.
1.7).
3.9
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Bericht vom 2
2.
Juni 2015 (
Urk.
3/1) an, dass sie die Beschwerdeführe
rin seit Juli 2014 in einem wöchentlichen Setting behandle. Der Zustand der Beschwerdeführerin habe sich trotz vielfältigen therapeutischen Massnahmen im Vergleich zum Zeitpunkt der Begutachtung weiterhin objektiv verschlechtert
. Mit Hilfe eines mehrmona
tigen stationären Aufenthalts in der
I._
habe
die Be
schwerdeführerin etwas stabilisiert
, eine relevante Steigerung der Arbeitsfähig
keit aber
nicht erreicht werden können
(S.
1).
Diagnostisch liege eine mittel
schwere bis schwere depressive Episode vor.
Es sei anzunehmen, dass b
ei der Entstehung der Erkrankung
eine psychosoziale Belastung partizipiert habe. Die beschriebene Symptomatik entspreche mittlerweile jedoch einer eigenständigen Erkrankung (S. 2).
4.
4.1
Im Vordergrund stehen unbestrittenermassen die psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin. Für die diesbezügliche Beurteilung ist auf das
Gutachten von Prof.
G._
(vorstehend E.
3.6) abzustellen
, welches sämtliche
pra
xis
ge
mäss
erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche
Entscheidungs
grund
lagen
(vorstehend E.
1.5) erfüllt
. Das Gutachten
berücksichtigte die von der Be
schwerdeführerin geklagten Beschwerden in angemessener Weise und wurde in
Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet. Die Beurtei
lung
leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vor
genommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Ar
beitsfähigkeit wurden ausführlich begründet.
Demnach ist
von einer
rezidivie
renden depressi
ven Störung, gegenwärtig anhaltende mittelgradige Episode mit somatischen
Symp
tomen (ICD-10 F33.11)
, sowie einer Akzentuierung von
Per
sönlichkeits
zügen
(vornehmlich
anankastisch
, ICD-10 Z73.1)
a
uszugehen.
Die von Prof.
G._
gestellten Diagnosen stimmen im Wesentlichen auch mit der Beurteilung der weiteren Ärzte überein.
4
.
2
Umstritten ist
allerdings die Frage, ob der ausgewiesene psychische
Gesund
heits
schaden
eine Invalidität im Sinne von
Art.
8 ATS
G begründet (vorstehend E. 1.1-4
).
Vorauszuschicken ist, dass die Beurteilung, ob ein invalidisierender
Gesund
heits
schaden
vorliegt, eine Rechtsfrage ist und damit nicht den Ärztinnen und Ärzten,
sondern den rechtsanwendenden Behörden obliegt (BGE 140 V 193 E.
3.1 f., Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2007 vom 2
8.
Juli 2008 E. 3.3.1). Dabei gilt es zu beachte
n, dass ärztliche Gutachten und
Berichte zwar zur Arbeitsfä
higkeit
Stellung zu nehmen haben und diese Ausführungen eine wichtige Grundlage für
die Beurteilung der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen bilden, es jedoch letzt
lich der rechtsanwendenden Behörde – der Verwaltung, oder im Streitfall, dem
Gericht – obliegt, zu beurteilen, ob eine Invalidität im
Rechts
sinne
, bejahenden
falls
eine solche rentenbegründender Art eingetreten ist.
4
.
3
Die Beschwerdegegnerin verneinte das Vorliegen eines invalidisierenden
Gesund
heitsschadens
mit der Begründung, dass
die Befunde massgeblich durch psycho
soziale Belastungsfaktoren ausgelöst worden seien
(vorstehend E. 2.1). Dem ist allerdings entgegenzuhalten,
dass auch wenn die seit Jahren vorhande
nen psy
chosozialen Belastungsfaktoren bei der Entstehung und Aufrechterhal
tung des depressiven Beschwerdebildes mitverantwortlich
gewesen
sein mögen, klar ein verselbständigter psychi
scher
Gesundheitsschaden
ausgewiesen ist
. So
hielt
Prof.
G._
ausdrücklich fest, dass
wesentliche psychosoziale Fak
toren nicht festzustellen gewesen seien
(
Urk.
7/26 S. 17
).
Zwar wird im Gutach
ten ebenfalls
erwähnt, dass die Beschwerdeführerin erkrankt sei
,
nachdem sie über Jahre in
Mehr
fachbelastung
als Ehefrau, Mutter zweier Söhne und Näherin in
Teamlei
ter
funktion
überlastet gewesen sei (
Urk.
7/26 S. 9).
Diese Aspekte tru
gen
dem
nach
auch
zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Depression bei
. Daraus kann
alle
rdings nicht geschlossen werden
, dass das klinische
Beschwer
debild
haupt
sächlich in solchen Beeinträchtigungen besteht.
Ein solcher Schluss wider
spräche
klar der Einschätzung von Prof.
G._
.
Eine festgestellte psy
chische
Er
krankung, welche eine andauernde und erhebliche Erwerbsunfähigkeit bewirkt,
ist relevant und nicht deshalb invaliditätsfremd, weil sie auf psycho
soziale Fak
toren zurückgeführt werden kann. Das Krankheitsbild muss nicht völlig un
ab
hängig von den genannten Faktoren bestehen, um eine Invalidität
bewirken zu können (Urteile des Bundesgerichts 9C_118/2014 vom 2
0.
Mai 2014
E. 4.2.2 und
8C_478/2007 vom 1
9.
Juni 2008 E.
3.3.2).
Der Argumentation der
Be
schwerde
gegnerin
kann daher in
Nachachtung
der bund
esgerichtlichen Recht
sprechung
nicht gefolgt werden.
Zu erwähnen bleibt, dass die Beschwerdefüh
rerin nun be
reits seit Anfang 2012 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht
und
trotz Wegfall der von
der Beschwerdegegnerin
angesprochenen
psychosoziale
n
Belastungs
situation am Arbeitsplatz
weiterhin eine affektive Störung ausge
wiesen ist.
4
.4
Es ist indessen stets eine objektive Betrachtung des
Forderbaren
vorzunehmen (vorstehend
E. 1.1, E. 1.3
), wobei mittelschwere psychische Störungen aus dem
depressiven Formenkreis grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
gelten (Ur
teil
e
des Bundesgerichts 9C_856/2013 vom
8.
Oktober 2014 E.
5.1.2, 8C_104/2014 vom
2
6.
Juni 2014 E.
3.3.4 und 8C_774/2013 vom
3.
April
2014 E.
4.2). Ein Ren
tenanspruch kann grundsätzlich nicht entstehen, solange zu
mutbare thera
peu
tische und andere schadenmindernde Vorkehren nicht ausge
schöpft werden.
So
lange durch eine tatsächlich realisierbare Veränderung der für die gesund
hei
t
liche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen eine we
sentliche Verbesse
rung
des
(psychischen) Gesundheitszustandes und damit der dadurch eingeschränkten Arbeits
fähigkeit bewirkt werden kann, liegt kein inva
lidisierender
Gesundheits
schaden
im Sinne des Gesetzes vor. Allerdings bedingt deren Annahme, dass es sich nicht bloss um eine Begleiterkrankung einer Schmerzkrankheit, sondern
um ein selbständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressi
ves
Leiden handelt (Urteile des Bundesge
richts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E.
4.2
und 9C_947/2012 vom 1
9.
Juni
2013 E.
3.2.2). Dies folgt aus dem Grund
satz der Selbsteingliederungs- und Schadenminderungspflicht.
Vorliegend hielt Prof.
G._
nachvollziehbar fest, dass keine Hinweise für das Vorliegen einer Schmerzverarbeitungsstörung ersichtlich seien (
Urk.
7/26 S.
17 Mitte). Bei der diagnostizierten
affektiven
Störung handelt es sich dem
nach um ein selbständiges depressives Leiden.
Aufgrund ihrer psychi
schen
Be
schwerden
befand sich d
ie Beschwerdeführerin vom 1
7.
Juni bis
6.
Juli 2012 in
stationärer
Hospitalisation
in der
Höhenklinik
E._
sowie vom 2
1.
März
bis
8.
Mai 2013 in der
K._
AG. Eine teilstationäre Behandlung
in der
I._
erfolgte zudem vom
6.
bis 1
2.
März 2013
sowie seit dem 1
0.
November 2014
(
Urk.
7/4/1-5,
Urk.
7/26
S. 4 unten und
S. 10
oben
,
Urk.
7/74 S. 1
).
Ferner ist die Beschwerdeführerin seit Jahren in regel
mässiger
ambulanter Therapie
-
aktuell bei
Dr.
J._
in einem
wöch
entlichen Setting
- und nimmt Antidepressiva zu sich (
Urk.
3/1-2,
Urk.
7/17,
Urk.
7/26 S.
12 oben). Die Einschätzung
durch
Prof.
G._
, welcher in seinem
Gutachten von einer adäquaten psychothera
peutischen und medikamentösen Behandlung sprach und die Überwindbarkeit des psychischen Störungsbildes
für unzumutbar hielt
(
Urk.
7/26 S. 17 unten), erscheint in Kenntnis de
s Gesagten
als nachvollziehbar.
Somit
ist von einer konsequenten D
epressionstherapie auszu
gehen,
weshalb
der
affektiven Störung
nicht einfach die
invalidenver
siche
rungs
rechtliche
Relevanz abgesprochen wer
den
kann
.
4.5
Zuletzt gilt es auf die von Prof.
G._
im August 2013
erwähnte voraus
sicht
lich zu erwartende
Verbesserung
der depressiven Episode
einzugehen
(
Urk.
7/26
S. 18 unten
)
. Grundsätzlich
ist eine ärztliche Prognose zur Arbeitsfä
higkeit zulässig und üblich (Urteil des Bundesgerichts vom
2
1.
August 2015
E.
4.2 mit weiteren Hinweisen
). Den
im Anschluss an die gutachterliche
Beurtei
lung
bis zum Verfügungserlass am 2
6.
Mai 2015 (
Urk.
2) vorliegenden
Akten ist allerdings zu entnehmen, dass die prognostizierte Verbesserung
– trotz konse
quen
ter Depressionstherapie (vorstehend E. 4.4) -
bisher
noch nicht eingetreten ist. So schreiben die Ärzte der
I._
, dass zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht
ab
ge
schätzt werden könne, ob und wann die vollständige Arbeitsfähigkeit wie
der erlangt werden könne (vorstehend E. 3.8).
Da das Sozialversicherungsgericht nach ständiger Rechtsprechung die Gesetzmäs
sig
keit der Verwaltungsverfügungen in der Regel nach dem Sachver
halt beur
teilt
, der zur Zeit des Verfügungserlasses – hier also am 2
6.
Mai 2015
–
gegeben war
(BGE 121 V 366 E.
1.b),
ist die
im
Bericht von
Dr.
J._
vom
2
2.
Juni
2015 (vorstehend E. 3.9)
angesprochene Verschlechterung für das vorliegende Verfahren unbeachtlich. Von weiteren Abklärungen kann im Sinne der antizi
pier
ten Beweiswürdigung (BGE 122 V 157 E. 1.d) abgesehen werden.
4
.6
Zusammenfassend ist vorliegend
sowohl in Bezug auf die Diagnosen wie auch in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten von Prof.
G._
abzustellen und somit
bis März 2012 von einer 80%igen und ab März 2012 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszu
gehen, wobei diese stressfrei, ohne starkes hierarchisches Gefüge, ohne Nacht
schicht sowie ohne hohe Anforderungen an das Durchhaltevermögen und an die kog
ni
tive Leistungsfähigkeit sein sollte.
5.
Für die abschliessende Beurteilung eines allfälligen Rentenanspruchs der Be
schwerdeführerin aufgrund der
nunmehr
medizinisch ausgewiesenen 50%igen Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
ab März 2012
erweist sich die vorliegende Aktenlage indessen als unzulänglich, fehlt es
doch
an der
Möglichkeit
,
die
er
werblichen Auswirkungen dieser Einschränkungen
im Rahmen eines
Einkom
mensvergleichs
(
Art.
16 ATSG)
zu prüfen
.
Dabei gilt es insbesondere
auch die Qualifikation der Beschwerdeführerin zu klären, wobei die Mutter von zwei Kindern (Jahrgänge 1995 und 2002) bisher in einem Pensum von 80
%
tätig war
(
Urk.
7/3 S. 4
Ziff.
5.4
). Die Beschwerdegegnerin hielt allerdings
selbst
fest,
dass die Statusfrage noch nicht abschliessend geklärt sei (vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss vom 1
0.
März 2015,
Urk.
7/76 S. 6 oben).
D
ie angefochtene Verfügung
ist daher
aufzuheben und die Sache an die
Be
sch
werdegegnerin
zurückzuweisen
, damit diese nach ergänzender Abklärung
ins
besondere der Statusfrage
eine neue Beurteilung vornehme und über den
Leis
tungs
anspruch
neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gan
g des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
G
SVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass
des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim ab Anfang 2015 für Rechtsanwälte gerichtsübli
chen Stundenansatz von
Fr.
220.--
ist die Prozessen
tschädigung vorliegend auf
Fr.
2‘000.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.
6.3
Unter diesen Umständen erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung einer unentgelt
lichen Rechtsvertretung vom 2
6.
Juni 2015 (
Urk.
1 S. 2) als gegenstandslos.