Decision ID: 1796a94d-c915-40f3-9772-e712b45446c6
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1977 geborene
X._
ist seit dem 1. Februar 2007 als kaufmännische Angestellte bei der
Y._
angestellt und damit im Rahmen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) obligatorisch bei der Zürich
Versi
che
rungs
-Gesellschaft AG
(
„
Zürich
“
)
versichert (Urk. 8/1). Mit Schadenmeldung UVG
vom 21. Februar 2011 (Urk. 8/1) liess sie dieser mitteilen, sie habe sich bei einem
am 19. Februar 2011 erlittenen Auffahrunfall Zerrungen im Bereich des Nackens
und des Rückens zugezogen.
Die
„
Zürich
“
erbrachte in der Folge
Tag
geld- sowie Heilbehandlungsleistungen
im Zusammenhang mit dem fraglichen Ereignis
(vgl. etwa Urk. 8/64)
.
Nachdem sie die Versicherte
neurologisch und
rheumatologisch
hatte untersuchen lassen (vgl.
Expertise Prof. Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Neu
rologie,
vom
1. November 2011
[Urk.
9/20
]
und Gutach
ten Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Rheumatologie, vom 14. November 2011 [Urk. 9/22])
,
ver
fügte sie – nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (Urk. 8/72) - am 4. Januar
2012 die Einstellung der Leistungen per 19. August 2011, da die anhaltenden Beschwerden nicht mehr unfallkausal seien (Urk. 8/73).
An diesem Entscheid hielt sie auf Einsprache der Versicherten (Urk. 8/
80
) hin am
13. Juli 2012 fest (Urk. 2).
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
erhob
X._
am 8. August 2012 mit fol
gen
den Anträgen Beschwerde (Urk. 1 S. 1):
„1.
Der angefochtene Entscheid sei aufzuheben.
2.
Es seien mir die Unfalltaggelder bis wenigstens 31. Dezember 2011 im Umfang der medizinisch attestierten Arbeitsunfähigkeit vom 20 % zu bezahlen.
3.
Es seien die Behandlungs- und Heilungskosten bis Ende 2012 zu be
zahlen.
4.
Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge
zu Lasten der Zürich Versiche
rung.“
Die „Zürich“ schloss am 15. Oktober 2012 auf Abweisung der Beschwerde (vgl.
Be
schwerdeantwort
, Urk. 7), was der Beschwerdeführerin am 16. Oktober 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit,
Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne
des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vor
handensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht
wer
den kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
tür
li
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein
natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden
Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie
er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber der
jenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krank
haf
ten Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht
publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 2
6.
April 1995). Das Dahin
fallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Ge
sund
heitsschadens
muss mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
). Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die ent
sprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründen
der
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person
,
sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
1.3
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese
Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie
diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörun
gen, Übel
keit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, De
press
ion,
Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zu
sammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- be
zieh
ungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu beto
nen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürli
chen Kau
salzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte ge
sund
heit
liche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
2.
2.1
Die „Zürich“ begründete
ihren
Einspracheentscheid
im Wesentlichen – unter Hin
we
is
auf das Gutachten von Dr.
A._
vom 14. November 2011
(Urk. 9/22)
und
die Expertise von
Prof. Dr.
Z._
vom 1. November 2011
(Urk. 9/20) – damit,
dass die beim Unfall erlittene Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) Grad I nach höchstens einem halben Jahr wieder abgeheilt gewesen sei.
Unfallbedingte
Be
schwerden
lägen keine mehr vor
; die
anhaltende
Schwindel
symptomatik
habe vor
bestanden und sei schon vor der Auffahrkollision
be
handlungsbedürftig
ge
wesen (Urk. 2 S. 4 f.
, Urk. 7 S. 3 f.
).
Da zwischen dem Er
eignis vom 19. Februar
2011 und den persistierenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen weder ein na
tür
licher noch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehe, erweise sich die
Leis
tungseinstellung
per 19. August 2011
als rechtens (Urk. 2 S. 6 f.
, Urk. 7 S. 3 f.
).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber im Wesentlichen – unter Hin
weis auf die Beurteilung von Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Otorhi
nol
aryngologie, Hals
-
und Gesichtschirurgie, vom 24. Oktober 2011 (Urk.
9/21
)
-
au
f
den Standpunkt, das Gutachten von Prof. Dr.
Z._
vom 1. November 2011 (Urk. 9/20) weise verschiedene Mängel auf und sei daher nur beschränkt be
weis
kräftig (
Urk. 1 S. 1,
Urk. 3/4 S. 2). Die
schon vor dem 19. Februar 2011 er
litte
nen
Verletzungen im Bereich der HWS seien im Zeit
punkt des Unfalls fast voll
ständig
verheilt gewesen und hätten keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit mehr gezeitigt. Die noch fortbestandene erhöhte Empfindlichkeit erkläre in
des, dass nach der Auffahrkollision länger dauernde, nicht unerhebliche HWS-Be
schwerden vorhanden gewesen seien (Urk. 1 S. 1). Der Fallabschluss per 19. Au
gust
2011 sei insofern verfrüht erfolgt, als eine Verbesserung des Ge
sundheits
zustandes damals noch zu erwarten gewesen und zwischenzeitlich – angesichts
des Wiedererlangens der vollen Arbeitsfähigkeit per 1. Januar 2012 – auch tat
s
ächlich eingetreten sei
(Urk. 1 S. 2)
.
3.
3.1
Die noch am Unfalltag konsultierten Ärzte des
C._
,
No
t
fallpraxis
, diagnostizierten eine HWS-Distorsion beziehungsweise
eine
zer
vikale
Myogelose
; neurologische Ausfälle bestünden nicht. Die Beschwerdefüh
rerin habe
nach der Auffahrkollision mit Aufprall auf das voranstehende Auto
initi
al
nur geringe
Beschwerden verspürt. Nach drei Stunden seien indes zervi
kal beidseits zunehmend ziehende Beschwerden aufgetreten. Die neurologische Kontrolle sei unauffällig ausgefallen. Es sei eine
Myogelose
parazervikal im Bereich der
Hals
muskulatur
und des
Musculus
trape
z
ius
beidseits festges
t
ellt worden.
Die HWS
sei frei beweglich;
Druckdolenz
bestehe keine. Der Beschwer
deführerin seien
Eis
wickel
und eine Behandlung mit
Diclofenac
-Gel verordnet worden (
vgl. Bericht vom 19. Februar 2011,
Urk. 9/2).
3.2
Dr. med.
D._
, Fachärztin FMH für Allgemeine
Innere Medizin, Akupunktur ASA, diagnostizierte am 25. Februar 2011 ein
kraniozervikales
Beschleuni
gungs
trauma
.
Anlässlich der Konsultationen vom 21
. und 24. Februar 2011
habe die Patientin
über zunehmende, sich kranial und kaudal ausbreitende Schmerzen im Nackenbereich geklagt. Am 21. Februar 2011 hätten
überdies
noch geringe links
thorakale
muskuloskelettale
Schmerzen
im Bereich d
er
Gurt
druckstelle
bestan
den
; ein Hämatom sei nicht ersichtlich gewesen.
Die Be
schwerdeführerin habe s
i
ch
zuvor
– bei einem Autounfall
im Jahr 2005
bezie
hungsweise einem
Treppen
sturz
im Jahr 2008
–
schon zweimal ein
Schleuder
trauma
zugezogen.
Therapeutisch
seien Ruhe, Schonung und Analgetika emp
fohlen worden; mit einer allfälligen
Physiotherapie werde frühestens vier Wo
chen nach dem Unfall begonnen. Seit dem 20. und voraussichtlich noch bis am 27. Februar 2011 bestehe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Ab dem 28. Februar 2011 sei ein Arbeitsversuch im Pensum von 50 % vorgesehen (Urk. 9/3).
3.3
Am 23. Mai 2011 bestätigte Dr.
D._
die Diagnose eines
kraniozervikalen
Be
schleunigungstraumas
. Die Beschwerdeführerin gebe nach einem Arbeitstag (bei einem aktuellen Arbeitspensum von 60 %) auftretende Verspannungen i
m Na
cken-/Schultergürtelbereich, Kopfdruck, Druck hinter den Augen und eine aus
gesprochene Erschöpfung an. Die Verspannungen im Schulter-/Nackenbereich liessen sich aufgrund der festgestellten
Myogelosen
und des erhöhten Tonus ob
jektivieren. Unter
osteopathischer
Behandlung komme die Beschwerdeführe
rin wie
der zunehmend ins Gleichgewicht. Inwieweit die 2005 und 2008 erlitte
nen Schleudertraumata Einfluss auf das aktuelle Beschwerdebild hätten, lasse sich
schwer beurteilen (Urk. 9/10 S. 1).
Nachdem das Arbeitspensum per 5. Mai 2011
auf 60 % habe gesteigert werden können, sei
prognostisch vom baldigen Wie
de
r
erlangen der vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Therapeutisch seien eine Fort
führung der Osteopathie und der Analgesie bei Bedarf indiziert. Gege
benenfalls sei ergänzend noch eine Akupunkturbehandlung angezeigt. Die Be
schwerde
füh
rerin habe zuvor in den Jahren 2007 und 2010
, letztmals am 5. Oktober 2010,
wegen seit dem zwölften Lebensjahr bestehender
migränearti
ger
Kopfschmerzen in Behandlung
g
estanden
. Im Zusammenhang mit dem An
fang Oktober 2007 erlittenen Treppensturz sei es zu keiner Arztkonsultation ge
kommen (Urk. 9/10 S.
2).
3.4
Im Verlaufsbericht vom 26. Juli 2011 (Urk. 9/16) gab Dr.
D._
an, bei einem
Arbeitsversuch mit einem Pensum von 80 % sei – i
n
Form von Schwindel, Watte
gefühl im Kopf, ständiger Müdigkeit sowie dem Gefühl,
den Blick
immer
wieder neu fokussieren zu müssen und schnell den Faden zu verlieren – wieder ein Gefühl massiver Überlastung aufgetreten. Die Verspannungen im Nacken- und
Schultergürtelbereich hätten zugenommen. Seitdem das Arbeitspensum per
11. Juli 2011 wieder auf 70 % reduziert worden sei, stabilisiere sich die Situa
tion
ein wenig.
Die Beschwerdeführerin unterziehe sich weiterhin einer
osteo
pathi
schen
Behandlung und gehe zudem schwimmen und spazieren. Es seien nach wi
e vor starke
Myogelosen
im oberen Anteil des
Trapezius
beidseits palp
abel.
3.5
Nachdem er die Beschwerdeführerin am 13. Oktober 2011 neuro-
otologisch
un
ter
sucht hatte, stellte Dr.
B._
am 24. Oktober 2011 nachstehende Diagno
sen (Urk. 9/21 S. 7 f.):
Status nach
zervikozephalem
Akzelerations-/
Dezelerationstrauma
im Rah
men der Frontalkollision vom 19. Februar 2011
Posttraumatisches
zervikoenzephales
Syndrom mit
zentral-
vestibulärer
Funktionsstörung linksbetont und reduzierter
Zeit
konstante
des
vestibulo-oculären
Reflexes teilweise
zervikogenen
Ursprungs
zerviko-proprio-nociceptiver
Funktionsstörung bei multisegmentaler Funktionsstörung der zervikalen Bewegungssegmente pp der zervika
len Facettengelenke linksbetont mit linksbetonten
Zervikozephalgien
Vorbestehende panvertebrale Schmerzen
Die posttraumatische Schwindelsymptomatik lasse sich anhand der
sophistizier
ten
neuro-
otometrischen
Testbatterie auf dem reflektorischen Niveau objekti
vie
ren, was für ein organisches Korrelat spreche. Angesichts des erhöhten
Reiz
zu
standes
des zervikalen Rezeptoren-Pools mit Funktionsstörung der zervikalen
Be
wegungssegmente
und sehr wahrscheinlich Mikroläsionen der Kapseln der Facettengelenk
e
verspreche eine Radiofrequenz-Neurotomie der medialen Äste
der
Rr
. Dorsales der befallenen
Zervikalsegmente
im Rahmen des Verfahrens nach
N.
Bogduk
noch einen therapeutischen Erfolg (Urk. 9/21 S. 10).
3.6
Gestützt auf die Ergebnisse der am 6. Oktober 2011 durchgeführten neurologi
schen Untersuchung stellte Prof. Dr.
Z._
in seinem Gutachten vom 1. Novem
ber
2011 folgende Diagnosen (Urk. 9/20 S. 13 f.):
Folgenlos abgeheilte
leichtgradige
HWS-Distorsion bei Bagatell-Auffahr
unfall am 19. Februar 2011 ohne Anhaltspunkte für eine assoziierte strukturelle biologische Läsion
Treppensturz im Jahr 2007 ohne Anhaltspunkte für eine dabei erlittene strukturelle biologische Läsion
Folgenlos abgeheilte
leichtgradige
HWS-Distorsion nach Auffahrunfall am 5. Ok
tober 2005 ohne Anhaltspunkte fü
r eine assoziierte strukturelle biologische Läsion
Migräne
Die Beschwerdeführerin habe angegeben, an chronischen Nackenschmerzen
und
Schwindel zu leiden. Zwar seien bereits vor dem Unfall vom 19. Februar 2011 hin und wieder Schwindelattacken aufgetreten, seither komme es indes fast täg
lich zu Schwindelerscheinungen (Urk. 9/20 S. 2 f.).
Eine unfallbedingte Ge
nese der anhaltenden Beschwerden sei angesichts
des
Bagatellunfalls, der fehlenden
Anhalt
s
punkte für dabei erlittene strukturelle
nuchale
/zervikale Läsionen, welch
e
dauerhafte Beschwerden biologisch plausibel zu begründen vermöchten,
der epi
demiologischen Evidenzlage, de
s
nahezu unauffälligen klinischen Befund
s
so
wie
der
plausiblen
unfallunabhängigen alternativen Diagnose einer Migräne nicht wahrscheinlich
(Urk. 9/20 S. 17)
.
Insofern sei
infolge
des Unfalls auch keine Behandlung mehr indiziert. Schon aufgrund der Erfolglosigkeit der bishe
rigen
Therapiebemühungen stellte sich die Frage einer fälschlicherweise ange
nomme
nen Unfallkausalität der Beeinträchtigungen (Urk. 9/20 S. 18). Die anamnesti
schen
Angaben wiesen auf eine seit Jahren bestehende Migräne hin, in deren
Kon
text die gesamte geklagte Symptomatik (einschliesslich der im Rahmen einer
Migräne auch auftretenden
nuchalen
Schmerzen) eingeordnet und verstanden werden könne
(Urk. 9/20 S. 15).
3.7
Der Rheumatologe Dr.
A._
stellte in seinem Gutachten vom 14. Novembe
r 2011 folgende Diagnosen (Urk. 9/22 S. 9):
Vorwiegend
tendomyotisches
Zervikal- und
Thorakovertebralsyndrom
Flachrücken, muskuläre
Dysbalance
im Schultergürtel,
Hyperlaxität
Zustand nach Heckkollision 2005, Treppensturz 2007 und Frontkollision am 19. Februar 2011
Die Explorandin
klage
über Schmerzen vorwiegend im Nacken und Schultergür
tel sowie über – zwischenzeitlich eher seltener und vor allem nach der Arbeit
auftretende – Kopfschmerzen (Urk. 9/22 S. 6).
Aufgrund der anlässlich der Be
gut
achtung festgestellten normalen Beweglichkeit der HWS und angesichts der früh
eren klinischen Befunde lasse sich eine strukturelle Verletzung der HWS weitgehend ausschliessen. Üblicherweise heilten Beschwerden nach einer
baga
tellä
ren
Frontkollision innerhalb von wenigen Wochen bis höchstens Monaten vollständig ab. Auch wenn bei der Beschwerdeführerin wegen der bestehenden Fehlstatik und der
Hyperlaxität
ein gewisser protrahierter Verlauf vermutet
werden könne, so sei doch mit grösster Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass spätestens sechs Monate nach der Kollision keine unfallbedingten Be
schwer
den im Bereich der HWS und im Schultergürtel mehr vor
gele
gen
hätten
. Die persistierende Symptomatik sei daher mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die krankhaften Begleitfaktoren
(Fehlstatik mit thorakalem Flachrücken, allgemeine
Hyperlaxität
, möglicherweise psychosoziale Kontextfaktoren)
zurückzuführen (Urk. 9/22 S. 11
und S. 12
).
Betreffend die – unfallfremden – Restbeschwerden be
stehe aus rheumatologischer Sicht durchaus noch Behandlungsbedarf
(Urk. 9/2
2 S. 13)
.
Derzeit werde die Beschwerdeführer
in
noch
osteopathisch
und
mit medizinischen Massagen behandelt (Urk. 9/22 S. 6).
Es sei davon auszuge
hen,
dass sich das Arbeitspensums rasch auf 100 % steigern lasse
n werde
(Urk. 9/22 S. 13).
4.
4.1
Gemäss den aktenkundigen ärztlichen Beurteilungen erlitt
die Beschwerdeführe
rin, nachdem sie sich bereits - 2005
beziehungsweise
2008 – zweimal ein
Schleu
dertrauma
der HWS zugezogen hatte,
beim Unfall vom 19. Februar 2011 eine HWS-Distorsion
und
wies
in der Folge ein für diese Verletzung charakte
ris
ti
sches Beschwerdebild auf
(vgl. insbesondere Urk. 9/2, Urk. 9/3, Urk. 9/20 S.
13 f.
;
E. 1.3
).
Nach Lage der Akten
waren
die
aus den
beiden vorhergehenden Unf
ällen
resultierenden Beschwerden weitestgehend abgeklungen, als
sie
sich
anfangs 2011 erneut im Bereich der HWS verletzte (vgl. etwa Urk. 9/22 S. 7).
I
m Zeit
punk
t der fraglichen Auffahrkollision
stand d
ie
Beschwerdeführerin
denn
auch weder aufgrund von Folgen früherer Unfälle noch wegen der seit der Ju
gend be
steh
enden Migräne oder anderer Krankheiten
in ärztlicher Behandlung und war (seit langem) zu 100 % arbeitsfähig
(
vgl. insbesondere
Urk. 9/10 S. 2
und
Urk. 9/22 S. 6 f.
).
Aus den
zitierten medizinischen Berichte
n
geht sodann einhellig hervor
,
dass die unmittelbar nach der Kollision vom 19. Februar 2011 aufgetretenen Be
schwerden
– zumindest vordergründig -
auf diese
beziehungs
weise die dabei er
litte
ne HWS-Distorsion
zurückzuführen waren
(vgl. Urk.
9/2, Urk. 9/3, Urk. 9/21 S. 7 f.
, Urk.
9/20 S. 13
, Urk.
9/22 S.
10 f.
)
.
Dass der fragliche Unfall seine (Teil-)Ursächlichkeit
(vgl. dazu E. 1.1
und E. 1.3
)
für die noch über den 19.
August
2011 geklagte Symptomatik verloren hat,
wie
dies – ausschliesslich – die Gutachter Pr
of.
Dr.
Z._
und Dr.
A._
an
nah
men,
erscheint nicht als überwiegend wahrscheinlich.
Die Beurteilung von Prof
.
Dr.
Z._
vermag schon deshalb
nicht zu überzeugen, weil der
genannte Neu
ro
loge
-
obwohl er keine Kenntnis der genauen Umstände des Unfalls
und insbe
son
dere der beim Aufprall auf das
stehende Auto auf
die
HWS einwirken
de
n
Kräfte
hatte
– von einem Bagatellunfall ausging, der an sich schon nicht geeig
ne
t sei, die geklagten Beschwerden zu verursachen. Auch
ist nicht nachvollziehbar, dass Prof. Dr.
Z._
aufgrund des Fehlens von Anhaltspunkten für
strukturelle Läsionen
auf
das Fehlen unfallbedingter gesundhei
tlicher Beeinträchtigun
gen schloss
(Urk. 20 S. 17)
. Hinzuweisen
ist
diesbezüglich darauf, dass
die
Unfall
kausalität
der im Zusammenhang mit einem Schleudertrauma der HWS
bezie
hungsweise einer diesem adäquaten Verletzung
aufgetretenen typischen Be
schwer
den
– auch bei fehlendem organischem
Korrelat – in der Regel anzuneh
me
n
ist
(vgl. E. 1.3).
Gründe dafür, von dieser Vermutung abzuweichen, führte Prof. Dr.
Z._
nicht an.
Was sodann
die Latenzzeit der Beschwerden von (ledig
lich)
vier bis fünf
Stunden
anbelangt, spricht diese - entgegen Prof. Dr.
Z._
(Urk. 9/20 S. 4 und S. 14)
– keineswegs gegen die Ursächlichkeit der Kollision
vom 19. Februar 201
1 für die fragliche Symptomatik.
Rechtspre
chung
sgemäss
ist
lediglich
erforderlich, dass innert 24 bis 72 Stunden
Nacken
schmerzen
aufge
tre
ten sind (vgl.
hiezu
etwa
SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75
und
RKUV 2000 Nr. U 359
S. 29
)
, was bei der Beschwerdeführerin der Fall war (Urk. 9/2)
.
Nicht einzuleuch
ten vermag schliesslich, weshalb Prof. Dr.
Z._
, der – aktenwidrig – vom Aus
bleiben jeglichen Therapieerfolgs ausging (Urk. 9/20 S.
18), die (ihm auf
grund der erhobenen Befunde
nicht erklärbare) Symptomatik auf die Migräne zu
rück
führte (Urk. 9/20 S. 17). Auch die Expertise des Rheu
matologen Dr.
A._
vom 14. November 2011 (Urk. 9/22) lässt das
Da
hinfallen
des natürlichen Kausal
zusammenhangs zwisch
en dem fraglichen Un
fall und den
über den 19. August
2011 hinaus persistierenden Beeinträchtigun
gen nicht als überwiegend wahr
schei
n
lich erscheinen.
So mag zwar zutreffen, dass es in einer Vielzahl von Fällen nach einer mit der von der Beschwerdefüh
rerin erlittenen vergleichbaren Frontkollisionen innerhalb weniger Wochen bis Monate zu einer vollständigen Abheilung kommt (Urk. 9/22 S. 11). Dass es auch bei der Beschwerdeführerin, bei der sich – wie Dr.
A._
anerkannte – die bestehende Fehlstatik mit thorakalem Flachrücken und die
Hyperlaxität
un
günstig auswirkt, ebenfalls zu einem derartigen Verlauf kam, vermochte der ge
nannte
Rheumatologe indes mit dem Hinweis auf
entsprechende
medizinische Erfahrungswerte nicht
darzutun.
4.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt nebst einem natürlichen Kausa
l
zusammenhang voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem ein
ge
tre
te
ne
n Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung
hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges
zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemei
nen Lebens
erfah
rung
an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des einge
tretenen herbei
zu
führen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis all
gemein als be
günstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 461 E
.
5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
4.3
Aufgrund der zitierten ärztlichen Beurteilungen ist davon auszugehen, dass
den über den 19. August 2011 hinaus persistierenden Gesundheitsstörungen der Be
schwerdeführerin kein objektivierbares organisches Sub
strat zugrunde liegt. So be
fanden es die behandelnden und begutachtenden Ärzte
- offensichtlich
mangel
s Anhaltspunkten für eine radiologisch nachweisbare Schädigung - nicht ein
mal
für
angezeigt
,
eine
bildgebende Untersuchung der HWS durchzuführen. Dr.
B._
äusserte aufgrund der Ergebnisse seiner neuro-
otologischen
Un
ter
suchung zwar
den
Verdacht auf Mikroläsionen der Facettengelenke, einen ent
sprech
enden objektivierbaren Befund, der derartige Verletzungen nachzuweisen
vermöchte, erhob er indes nicht.
Selbst wenn Mikroläsionen der
Facettenge
lenk
e
nachgewiesen wären, bliebe
im Übrigen
sowohl deren Unfallkausalität als auch deren Ursächlichkeit für die noch vorhandene Symptomatik unklar.
4.4
Mangels objektivierbarer Unfallfolgen wäre eine über den Fallabschluss hinaus be
stehende Leistungspflicht der
„
Zürich
“
im Zusammenhang mit der
Auffahr
kollision
vom 19. Februar 2011
nur dann zu bejahen, wenn sich gestützt auf die
Rechtsprechung nach BGE 134 V 109 ergäbe, dass zwischen den über den
19. Augus
t 2011
hinaus geklagten Beschwerden und dem fraglichen Ereignis ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Die entsprechende Beurteilung hat allerdings erst dann zu erfolgen, wenn der Zeitpunkt des Fallabschlusses ge
kommen ist. Dabei beurteilt sich die Rechtmässigkeit des Fallabschlusses, wenn
- wie vorliegend - keine Eingliederungsmassnahmen der Eidgenössischen Inva
li
den
versicherung zur Diskussion stehen, danach, ob von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes
erwartet werden konnte (vgl. BGE 134 V 109, Urteil des Bundesgerichts U
291/06
vom
4.
März 2008
E. 4.1).
Ob damit zu rechnen ist, dass mittels weiterer therapeutischer Massnahmen noch
eine namhafte Besserung der gesundheitlichen Situation im Sinne von Art. 19
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) erzielt werden kann
, bestimmt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese
unfallbe
dingt
beein
trächtigt ist. Dabei muss die durch weitere Heilbehandlungen zu er
wartende Besserung ins Gewicht fallen (vgl. BGE 134 V 109 E
. 4.3
mit Hin
wei
sen).
Aus den medizinischen Akten
ist zu schliessen
, dass im Zeitpunkt der
Leistungs
einstellung
der
„
Zürich
“
(
19. August 2011
; vgl. Urk.
8/73
, Urk. 2) noch mit ei
nem
weiteren therapeutischen Fortschritt zu rech
nen war.
So war die
Beschwer
de
füh
rerin
, die
unmittelbar nach dem fraglichen Unfall gänzlich arbeitsunfähig
ge
wesen
war,
nach einem ersten Therapieerfolg
bereits
am
28. Februar 2011
wie
der
in der Lage, ihre Arbeit
zu 50 % auf
zu
nehmen (Urk. 9/3)
. In der Folge konnte
sie das
Pensum unter konstanter Behandlung per 5. Mai 2011 auf 60 % (Urk. 9/10) und bis Mitte Juli auf 70 % steigern (Urk. 9/16).
Im Zeitpunkt der Be
gutachtung durch Dr.
A._
am
17. Oktober 2011
war
s
ie
seit 5. Septembe
r 2011
wieder
zu
80
%
arbeitsfähig
(Urk
. 9/22 S. 10).
Angesichts der stetigen Ver
besserung des funktionellen Leistungsverm
ögens unter Behandlung
ist der
Fall
ab
schluss
bereits per Mitte August 2011 nicht nachvollziehbar. Hin
zuweisen ist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeits
fähigkeit aufgrund eines mittels therapeutischer Massnahmen erzielten weiteren Beschwerderückgangs
vor Erlass der Verfügung vom 4. Januar 2012 (Urk. 8/73
) zuletzt am 5. September 2009, mithin noch kurze Zeit nach dem Zeitpunkt der
Leistungseinstellung per 19. August 2011,
erneut
(auf 80 %)
hatte
steigern können.
Insofern war damals
durchaus noch mit einem weiteren nam
haften Therapieerfolg zu rechnen
b
eziehungsweise ein solcher der „
Zürich
“
gar
bereits bekannt
, als sie
am
4. Januar 2012
die Leistungseinstellung verfügte
(Urk. 8/73).
Zudem hatte auch der Gutachter Dr.
A._
– zu Unrecht aus
unfall
fremden
Gründen – noch Behandlungsbedarf gesehen, wobei das von ihm bei adäquater Therapie prognostizierte Wiedererlangen der vollen Arbeitsfähig
keit
(Urk. 9/22 S. 13) gemäss Angaben der Beschwerdeführerin zwischenzeitlich auch
tatsächlich eingetreten ist (Urk. 1).
4.5
Zusammenfassend ergibt sich, dass
das Dahinfalle
n des natürlichen Kausalzu
sammenhangs zwischen dem Unfall vom 19. Februar 2011 und den über den
19. August 2011 hinaus persistierenden Beschwerden nicht als überwiegend
wahr
scheinlich
erscheint
, und
dass
der
Fallabschluss auf diesen Zeitpunkt hin
ver
früht
erfolgte
. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen.
5.
Angesichts der Tatsache, dass die in diesem Verfahren obsiegende
Beschwerde
führerin
nicht anwaltlich vertreten ist, sind ihr daraus auch keine Kosten er
wachsen, die eine Entschädigung rechtfertigten. Da die Akten
überdies
nicht da
rauf
schliessen
lassen, dass sie im Gerichtsverfahren einen erheblichen Auf
wand hätte leisten müssen, ist der Antrag auf Entrichtung einer
Parteientschä
digung
a
bzuweisen (§ 7
Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Ent
schä
di
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht).