Decision ID: b7dd4b39-5dee-421a-8a73-5cff02e0056b
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975
,
war
seit dem 18. Juli 2005 bei der Bank Y._
als
Sachbearbeiterin
tätig
(Urk.
6
/16 Ziff. 2.1), als sie sich am 28. Februar 2015
unter Hinweis auf eine Endometriose (Urk.
6
/1 Ziff. 6.2)
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 6/
1
)
.
Nach Er
lass des Vorbescheids vom 2
2.
April 2016 (Urk.
6
/26) verneinte die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit der in Rechtskraft erwach
senen Verfügung vom
1. Juni 2016
(Urk.
6
/
30
) einen Renten
anspruch der Versi
cherten.
1.2
Am 4. Septem
ber 2017 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine Endometriose und auf eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung erneut bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6
/41), worauf die IV
Stelle nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6
/53, Urk.
6
/54 und Urk.
6
/57) mit Verfü
gung vom 28. Mai 2018 (Urk.
6
/59) erneut
einen Renten
anspruch der Versicherten
verneinte.
In Gutheissung der von der Versicherten am 2
6.
Juni 2018 dagegen erhobenen Beschwerde (
Urk.
6/64/3-8) hob das hiesige Gericht mit
dem in Rechtskraft erwachsenen
Entscheid vom 2
4.
Juni 2019 (Pro
zess Nummer IV.2018.00571;
Urk.
6/73) die Verfü
gung vom 2
8.
Mai 2018
auf
und wies die Sache an die IV-Stelle zur Ergänzung der medizinischen Akten und erneuter Verfügung über den Rentenanspruch der Versicherten zurück.
1.3
In Nachachtung des Entscheids des hiesigen Gerichts vom 2
4.
Juni 2019 (Urk. 6/73) liess die IV-Stelle die Versicherte polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch, gynäkologisch und gastroenterologisch) begutachten (Gutachten vom 2
6.
Oktober 2020;
Urk.
6/100/1-48). Nach Erlass des Vorbescheids (Urk. 6/104) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2021 (
Urk.
6/108 =
Urk.
2) einen Rentenanspruch der Versicherten erneut.
2.
Gegen die Verfügung vom
3
0.
Juni 2021
(
Urk.
2
) erhob
die
Ver
si
cherte
am 2
5.
August 2021
Beschwerde
(
Urk.
1)
und beantragte
, diese
sei auf
zuhe
ben und es sei
ihr eine Rente der Invalidenversicherung zuzu
sprechen
; eventualiter seien vorgängig weitere medizinische Abklärungen durch das hiesige Gericht durchzu
führen
(S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
4.
Oktober 2021
(Urk.
5
)
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, wovon der Beschwerdeführerin am 1
2.
Oktober 2021 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbs
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Der Einkommens
vergleich nach Art. 16 ATSG hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau er
mittelt und einander
gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommens
differenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbs
einkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegen
überstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veran
schlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a). Der Prozentvergleich bietet sich somit namentlich an, wenn Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen sind. Diesfalls erübrigt sich deren genaue Ermittlung: Der Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, dies unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundes
gerichts 9C_851/2018 vom 23. Mai 2019 E. 5.1).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.5
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invali
di
tätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleich
s (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152). Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (
Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Renten
revision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (
Art.
51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 2
9.
März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.
3.1.2).
Ist ein Revisionsgrund gegeben, ist der Invaliditätsgrad auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts neu und ohne Bindung an
früh
ere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln (Urteil des Bundesgerichts 9C_882/2010
vom 25. Januar 2011 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.6
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
7
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.8
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.9
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechts
anwendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträch
tigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen
anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen la
ssen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang an
dauernde
und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu er
bringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
1.
1
0
Demnach besteht einerseits das rechtsprechungsgemässe Verbot unzulässiger juristischer Parallelprüfung im Vergleich zur Arbeitsunfähigkeitsfestlegung durch die Gutachter. Andererseits umschreibt BGE 141 V 281 die Befugnis, im Rahmen der (freien) Überprüfung durch den Rechtsanwender von der ärztlichen Folgen
abschätzung abzuweichen. Diese beiden Argumentationslinien sind wie folgt ab
zugrenzen: In allen Fällen ist durch den Versicherungsträger und im Beschwer
defall durch das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist er
forderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also substanziiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen (BGE 143 V 418 E. 6). Der psychiatrische Sach
verständige hat somit darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Ver
gleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sons
tigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenanspre
chenden Person. Kommen die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird, wenn sich daraus ein stimmiges
Gesamtbild für die Annahme einer rechtlich relevanten psychischen Funktionseinbusse
ergibt (BGE 145 V 361 E. 3.2.2 und E. 4.4), die medizi
nisch-psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders Bestand haben. Demgegenüber ist e
in Abweichen von der ärztlic
hen Arbeitsfähigkeitsschätzung
aus rechtlicher Sicht geboten, wenn die Einschätzung mit Blick auf die massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) nicht
hinreichend und nachvollziehbar begründet erscheint respektive unter Berück
sichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen nicht überze
ugt (BGE 145 V 361 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2019 vom 14. Mai 2020 E. 2.1
).
1.11
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemesse
n werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E.
7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als chronifiziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Bew
eisverfahrens (BGE 143 V 409 E.
4.5.3; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_580/20
17 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.12
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
3
0.
Juni
202
1
(Urk. 2) davon aus,
dass die durchgeführten medizinischen Abklärungen eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus somatischen Gründen im Umfang von 10
%
ergeben habe. Auf das
polydisziplinär
e
Gutachten
vom 2
6.
Oktober 2020 (
Urk.
6/100/1-48)
könne indes
in psychischer Hinsicht
nicht abgestellt
wer
den
, weil darin
eine psychiatrische Diagnose gemäss einem nicht
anerkannten Klassifikationssystem
gestellt und gestützt darauf
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
attestiert worden sei
en
.
Der
Anspruch der Beschwerdeführerin auf Ver
sicherungsleistungen beziehungsweise auf eine Rente
sei
daher
nicht ausgewiesen
(S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt
hiegegen
vor, dass
auf
das psychiatrische Teil
gutachten des polydisziplinären Gutachtens vom 2
6.
Oktober 2020 (Urk.
6/100/1-48)
abzustellen sei. Darin sei in nachvollziehbarer Weise eine komplexe post
traumatische Belastungsstörung diagnostiziert und eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50
%
festgestellt
worden (
Urk.
1 S. 5).
D
ass die Diagnose einer
komplexe
n
posttraumatische
n
Belastungsstörung
im gegenwärtig noch in Kraft stehenden Klassifikationssystem ICD-10 nicht enthalten sei
, ändere daran nichts
. Denn diese Diagnose werde in dem am
1.
Januar 2022 in Kraft tretenden Klassifikationssystem ICD-11 enthalten sein, welches gegenwärtig bereits anzu
wenden sei (S. 6).
Zudem habe auch der Regionale Ärztliche Dienst der Beschwerdegegnerin in seiner Beurteilung vom
9.
November 2020 die Ansicht vertreten, dass auf die Beurteilung des psychiatrischen Teilgutachters abgestellt werden könne (S. 8). Demgegenüber sei eine juristische Parallelüberprüfung der gutachterlichen Beurteilung nicht zulässig (S. 10).
Es sei daher
ein Renten
anspruch ausgewiesen (
Urk.
1 S. 5).
3.
Da die Beschwerdegegnerin letztmals bei Erlass der Verfügung vom
1.
Juni 2016 (
Urk.
6
/30)
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin materiell prüfte und verneinte, ist streitig und zu prüfen,
ob sich der anspruchsrelevante Sachverhalt
seither
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
3
0.
Juni
2021 (Urk.
2)
in einer für den Rentenanspruch
erheblichen
Weise verändert hat.
4.
4.1
Bei Erlass der ursprünglichen rentenverneinenden Verfügung vom 1. Juni 2016 (Urk.
6
/30)
stelle sich der massgebliche medizinische Sachverhalt folgender
massen dar:
4.2
Dr. med. Z._
, Fachärztin für
Gynäkologie und Geburtshilfe
, Ober
är
ztin am Kantonsspital A._
, erwähnte in ihrem Bericht vom 24. Novem
ber 2015 (Urk. 6
/14), dass die Beschwerdeführerin seit April 2012 in ihrer Behandlung stehe (Ziff. 1.2)
,
und stellte die folgenden Diagnosen (Ziff. 1.1):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
chronische Unterbauchschmerzen bei Endometriose dritten Grades mit Adhäsionen seit Februar 2015
-
Knochenschmerzen und muskuloskelettale Schmerzen mit Kraftminde
rung seit Juni 2015
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Colon irritabile seit dem Jahre 2006
-
Mastodynie seit dem Jahre 2012
-
Protein S-Mangel (angeboren)
-
Kontrastmittelallergie (Jod)
-
Milchproteinallergie
Die Ärztin erwähnte, dass die Beschwerdeführerin zwar im Jahre 2012 im Rahmen einer abdominalen Hysterektomie operiert worden sei, dass in Bezug auf die Ad
häsionen jedoch weiterhin eine grosse
Rezidivwahrscheinlichkeit
bestehe. Gegen
wärtig werde die Endometriose konservativ medikamentös behandelt (Ziff. 1.
4-1.
5). Die Beschwerdeführerin werde durch Schmerzen und Kraftminderung in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt und benötige deshalb mehr Pausen. Die Aus
übung der bisherigen Tätigkeit als Büroangestellte sei ihr gegenwärtig im Umfang eines Arbeitspensums von 70 % bis 80 % zuzumuten. Eine behinde
rungs
angepasste Tätigkeit könne sie ab sofort im zeitlichen Umfang von sechs bis sieben Stunden im Tag ausüben (Ziff. 1.7).
4.3
Dr. med. B._
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin
und für Gastroenterologie, Oberär
ztin am Kantonsspital A._
, stellte in ihrem Bericht vom 26. November 2015 die folgenden Diagnosen (Urk.
6
/15):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Endometriose Grad III mit ausgeprägten Adhäsionen und oberflächlicher Dünndarmbeteiligung
mit/bei:
-
Status nach
Adhäsiolyse
, Endometriose-Sanierung im kleinen Becken,
Biopsieentnahme
, Dünndarm- und Dickdarmrevision
im September
2014
-
Status nach
abdomineller Hysterektomie bei symptomatischem Uterus myomatosus und Endometriose
im April
2012
-
Status nach
Darmregulation mit
Visane
am
2
5. Dezember
2014
-
aktuell Hormone
innahme mittels Depot-Spritze,
gutes Ansprechen
-
r
ezidivierende Unterbauchschmerzen, am
e
hesten im Rahmen der Endo
metriose
(Differentialdiagnosen: adhäsionsbedingt/
funktionelle Beschwerden im Sinne eines Reizdarmsyndroms
) mit/bei:
-
Computertomographie (CT) des
Abdomen
s
vom 9. März
2015:
Verdacht auf
Obstipation, keine höhergradige
Passagestörung
, keine sonstige Pathologie
-
normale Werte von
Calprotectin
im Stuhl
am 21. Mai
2015
-
Status nach
Gastroskopie und Koloskopie
am 7. August
2014
bei
Nor
malbefund
-
histologisch keine Hinweise für Sprue oder anderweitige chronische Erkrankung
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Protein S-Mangel
-
f
ragliche Laktose-
I
ntoleranz
-
grenzwertiges Untergewicht (
aktueller BMI um 18.5
kg
/m2
)
Die Unterbauchbeschwerden seien aus gastroenterologischer Sicht nicht restlos geklärt,
wobei
es nach einer
Änderung der
Therapie der Endometr
iose
mit einer
Hormon-Depot-Spritze
im Jahre 2014 zu
eine
r
deutliche
n
Befundbesserung
ge
kommen sei (Ziff. 1.4). Auf
Grund der rezidivierenden Beschwerden
habe
zuletzt eine
dauerhafte
Arbeitsunfähigkeit
von
30
% beziehungsweise eine Arbeitsfähig
keit von 70 % bestanden (Ziff. 1.5)
.
5.
5.1
Bei Erlass der
angefochtenen Verfügung
vom
3
0.
Juni
2021 (
Urk.
2
)
ist von folgen
dem massgeblichen medizinischen Sachverhalt auszugehen:
5.2
Die Ärzte der i
ntegrierten
Psychiatrie C._
er
wähnten im Austrittsbericht vom 23. März 2017 (Urk.
6
/50), dass die Beschwer
deführerin vom 10. Januar bis 8. März 2017 hospitalisiert gewesen sei
,
und stellten die folgenden Diagnosen:
-
r
ezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgrad
ige Episode
-
s
omatoforme autonome Funktionsstörun
g, mehrere Organe und Systeme (u
nteres Verdauungssystem, urogenitales System)
-
Endometriose
Sie führten aus, dass die Beschwerdeführerin
nach
einer
Zunahme
einer
psycho
sozialen Stressbelastung
infolge persistierender gynäkologischer
(Gebär
mutter
entfernung) und gastrointestinaler Beschwerden,
Autoimmun
beschwerden
sowie einer
subjektiv unbefriedigenden Versorgung
ihrer
psychisch kranken Mutter
unter einer mittelgradigen depressiven
Episode
sowie Erschöpfungs
erleben gelitten habe (S. 1)
.
Die Beschwerdeführerin leide unter
Defizite
n
in der Emotionswahrnehmung,
in der
Abgrenzungsfähigkeit und
in der
Selbstfürsorge
, welche auf eine unsichere Bindung zu ihrer
schizophrenen Mutter und
eine
frühe Parentifizierung bei stark konflikthaftem Familiensystem
zurückzuführen seien (S. 1) und welche zu
somatoformen Beschwerden
geführt hätten. Bei Spitalaustritt sei d
ie mittelgradige depressive Symptomatik,
welche sich insbesondere
in Kraft- und Energielosigkeit, Niedergeschlagenheit sowie Antriebshemmung
geäussert habe
,
jedoch
deutlich rückläufig
gewesen
.
Für
eine weiterführende Behandlung
sei
die Erarbeitung einer adäquaten Affektregulation, die Aufrechterhaltung von funktionalem interpersonellem Abgrenzungsverhalten und der Arbeitswieder
ein
stieg mit angemessenem (allenfalls reduziertem) Pensum indiziert
(S. 2).
5.3
Die Ärzte des
Spitals D._
führten in ihrem Bericht vom 1
1.
August 2017 (
Urk.
6/86/7) aus, dass die Beschwerdeführerin weiterhin unter persistierenden Schmerzen, gegenwärtig eher im rechten Ober- und Mittelbauch, leide.
Eine klinische Untersuchung habe keine sicheren Anhaltspunkte für eine Endometriose ergeben. Weder sonographisch noch palpatorisch sei eine tiefer
liegende Endometriose zu erkennen gewesen.
Zudem habe a
uch eine am 2
1.
Juni 2017 durchgeführte
Magnetresonanztomographie (MRI) keine Anhaltspunkte für eine Endometriose ergeben.
5.4
Dr. med. E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
und die Psych
otherapeutin
lic.
phil. F._
,
stellte
n
in
ihrem
Bericht vom 28. August 2017 (Urk.
6
/40) die folgenden Diagno
sen (S. 1):
-
a
ndauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung,
das heisst
komplexe posttraumatische Belastungsstörung bestehend seit dem frühen Erwachsenenalter
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradig
e
anhaltende Episode
,
mit Erstmanifestation im Alter von 18 Jahren
-
Endometriose
dritten Grades
mit Erstdiagnose
im Jahre
2012
Sie
führte
n
aus, dass bei der Beschwerdeführerin
schwerste emotionale Ver
nach
lässigung sowie Parentifizierung gravierende Auswirkungen auf die Ent
wicklung einer stabilen
Persönl
ichkeitsstruktur
gehabt hätten
. Die Wahr
nehmung von Affekten
sei
stark eingeschränkt und
werde
vordergründig durch körperliche Schmerzen erlebt. Das Vermögen, Hilfe annehmen zu können,
sei
eingeschränkt.
Die Beschwerdeführerin versuche
immer wieder, bis zur eigenen Überforderung und Erschöpfung anderen zu helfen. Reale Trennungen lösten und lösen stets Depression aus
(S. 2)
. Für eine längerfristige Besserung der posttraumatischen Entwicklungsstörung sowie der rezidivierenden depressiven Störung
sei
eine intensive Langzeitpsychotherapie im ambulanten Setting indiziert. Die auf per
sönlichkeitsstruktureller Ebene basierte und entsprechend langanhaltende
und
tief verwurzelte
Störung manifestiere
sich in verschiedenen Lebensbereichen. Auf
G
rund mangelnder p
sychischer Belastbarkeit bestehe
bis auf Weiteres eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50
% (S. 3).
5.5
Mit Bericht vom 22. November 2017 (Urk.
6
/48) diagno
stizierte Dr. med. G._
, Fachärztin für
Gynäkologie und Geburtshilfe
, chronische Bauch
schmerzen bei Endometriose und Defäkationsstörung sowie rezidivierende depressive Episoden (Ziff. 1.1) und erwähnte, dass der gynäkologische Status un
auffällig sei, und dass eine MRI vom Juni 2017 keine darstellbaren
Endo
metrioseherde
ergeben habe (Ziff. 1.4). Seit September 2016 bestehe eine Arbeits
unfähigkeit im Umfang von 50 % (Ziff. 1.6 f.).
5.6
RAD-Ärztin
dipl.
med. H._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medi
zin und für Prävention und Gesundheitswesen, stellte in ihrer auf Grundlage der Akten verfassten Stellungn
ahme vom 25. Januar 2018 (Urk. 6
/52/3-5) die folgen
den Diagnosen (S. 1):
Diag
nosen mit dauerhafter Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
:
-
Keine
Diagnosen ohne dauerhafte Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
:
-
Endometriose Grad III mit/bei
chronische
n
Unterbauchschmerzen
-
Status nach
Hysterektomie bei symptomatischem Uterus myomatosus
-
Knochen- und muskuloskelettale Schmerzen mit Kraftminderung
-
Reizdarmsyndrom
-
Mastodynie
-
Protein-S-Mangel
-
Kontrastmittelallergie
-
Milchproteinallergie
-
Obstipation
-
r
ezidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode,
mit/bei
deutlich rückläufige
r
Symptomatik
-
s
omatoforme autonome Funktionsstörung
-
a
ndauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
im Sinne einer
komplexe
n
posttraumatische
n
Belastungsstörung
Die RAD-Ärztin erwähnte, dass die Beschwerdeführerin in ihrer
bisherige
n
Tätig
keit als Bankan
g
estellte
durch c
hronische Unterbauchschmerzen, Kraft
minde
rung
,
Stuhlunregelmässigkeiten
,
psychische Minderbelastbarkeit
, starkes Erschöpfungs
empfinden und durch das
Fehlen angemessener Kompensations
stra
tegien
in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt werde. Die Ausübung
schwere
r
körperliche
r
Tätigkeit
en sei ihr nicht zuzumuten. Aus
versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht
bestehe indes keine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, wobei es sich bei der bisherigen Tätigkeit als Bankangestellte um eine behinderungsangepasste Tätigkeit gehandelt habe (S. 2).
Im Rahmen der stationären psychiatrischen Behandlung vom Januar bis März 2017 sei es zu einer
deutliche
n
Verbesserung des Gesundheitszustandes mit rück
läufiger depressiver Symptomatik
gekommen, wobei die
rezidivierenden depressiven Episoden
sowohl
durch die Klinik
(
C._
) als auch durch den
nachbe
handelnde
n
Arzt (Dr.
E._
)
jeweils als reaktiv
beurteilt worden seien.
Dabei
falle
auf, dass
k
eine
medikamentöse Therapie der psychischen Erkrankung
erfolgt sei
.
Die von Dr.
E._
gestellte Diagnose e
iner posttraumatischen Entwick
lungsstörung
beziehungsweise
einer
posttraumatische
n
Belastungsstörung
(PTBS) ver
möge nicht zu überzeugen, da eine solche
als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass, die bei fast jedem eine tiefe
Verzweiflung hervorrufen würde, entstehe.
Typische Merkmale
seien das
wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Alpträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von
Betäubtsein
und emotionaler Stumpfheit auftreten
würden
.
Der Beginn der Störung folge
dem Trauma mit einer Latenz, die weni
ge Wochen bis Monate dauern könne. Der
Ver
lauf
sei
wechselhaft
. In
der Mehrzahl der Fälle
könne
jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen
nehme
die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung über. Diese
sei
gekennzeichnet durch eine feindliche oder misstrauische Haltung gegenüber der Welt, durch sozialen Rückzug, Gefühle der Leere oder Hoffnungslosigkeit, ein chronisches Gefühl der Anspannung wie bei ständigem
Bedrohtsein
und Ent
fremdungsgefühl.
Obwohl die Beschwerdeführerin eine
belastete Kindheit
erlebt habe
,
seien
die für die Anerkennung einer PTBS
notwendigen Kriterien
- insbe
sondere
hinsichtlich des auslösenden Ereignisses
und
der Krankheitssymptomatik
- nicht erfüllt
. Es
könne
bei Fehlen
einer entsprechenden Symptomatik
auch die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung
nicht
gestellt werden. Die somatischen Diagno
sen
seien
behandelbar
.
Zusammenfassend
könne
aus versi
cherungs
medizinischer Sicht ein die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätig
keit
länger
fristig beeinträchtigender Gesundheitsschaden
nicht festgestellt wer
den. Die angegebenen Beschwerden
seien
überwiegend funktioneller oder reakti
ver Natur
und
verbunden mit psy
chosozialen Belastungsfaktoren (S. 3).
5.7
In ihrer Stellungnahme vom 6. September 2018 (Urk.
6/67
) führte
dipl.
med.
H._
aus, dass - nach einer nochmaligen Sichtung der Aktenlage - weitere Abklärun
gen erforderlich seien. In psychischer Hinsicht hätten die beteiligten psychiatri
schen Fachärzte unterschiedliche Diagnosen gestellt und die Arbeits
fähigkeit unterschiedlich beurteilt. Allein auf Grund der Aktenlage könnten diese unter
schiedlichen Einschätzungen nicht verifiziert werden (S. 1). Zudem seien auch in somatischer Hinsicht die Folgen der durch die Endometriose und durch das Reizdarmsyndrom verursachten Bauchbeschwerden auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit durch die behandelnden Ärzte unterschiedlich gewichtet wor
den (S. 2).
5.8
Dr.
med. I._
, Fachärztin für
Gynäkologie und Geburtshilfe
, Spital D._
,
diagnostizierte in ihrem Bericht vom
5.
November 2019 (
Urk.
6/81/1-5) eine Endometriose (
Ziff.
2.5) und erwähnte, dass die Beschwerde
führerin zum Zeitpunkt der Hysterektomie im Jahre 2012 unter einer Endometriose dritten Grades und anlässlich einer Operation im Jahre 2016 unter einer Endometriose
1.
Grades gelitten habe (
Ziff.
2.1). Die gynäkologische Unter
suchung vom Januar 2019 (
Ziff.
1.1) habe einen blanden Verlauf ergeben, wobei eine peritoneale E
ndometriose nur mittels einer
Laparaskopie
(LSC; Bauch
spiegelung) festgestellt werden könne (
Ziff.
2.4). Es bestehe eine Arbeitsunfähig
keit von 0
%
beziehungsweise eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.3) und es sei mit einer guten Prognose zu rechnen (Ziff. 2.7).
5.9
Dr.
B._
erwähnte in ihrem Bericht vom 1
9.
November 2019 (
Urk.
6/82), dass die Beschwerdeführerin unter einer
komplexe
n
Abdominalsymptomatik
mit
Symptome
n eines Reizdarmsyndroms im Sinne von
unregelmässigem Stuhlgang und erschwerter Stuhlentleerung
,
ungeformtem Stuhlgang
,
Obstipation, Blähungen
und einer
Refluxsymptomatik
leide. Im
Jahr
e 2019 habe sie zudem zweimal unter einer
Analvenenthrombose
gelitten (
Ziff.
2.1 und 2.2). Die Ärztin stellte die folgenden Diagnosen (
Ziff.
2.5):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Endometriose mit ausgeprägten Adhäsionen und oberflächlicher Dünn
darmbeteiligung
-
chronische
Refluxbeschwerden
-
rezidivierende
Abdominalbeschwerden
und Stuhlunregelmässigkeiten mit vor allem
Obstipation (IBS) und
stool
outlet
-Problematik
-
psychische Belastungssituation und Depression
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Protein S-Mangel (
familiar
)
-
Kontrastmittelallergie nach CT am 1
9.
Juli
2012
-
Nikotinabusus
Die Beschwerdeführerin arbeite gegenwärtig
an 3 Tagen
in der Woche
jeweils 7 Stunden
im Tag als Bankangestellte
. Sie
könne
dieses Pensu
m
regelm
ä
ssig
durch
führen und auch an einigen Tagen sogar mehr Arbeitsstunden leisten.
Eine
weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit
sei aber auf Grund der
Abdominal
beschwerden
und der psychischen Situation
nicht realistisch (
Ziff.
2.7).
5.10
Dr.
G._
führte in ihrem Bericht vom
5.
Dezember 2019 (
Urk.
6/86/1-5) aus, dass der gynäkologische Status bei Status nach Hysterektomie unauffällig sei, dass
sonographisch kein
E
ndometrioserezidiv
festgestellt worden sei
und dass ein erhöhter Becken-Bodentonus bestehe (
Ziff.
2.4). Sie stellte die folgenden, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende
n
Diagnosen (
Ziff.
2.5):
-
chronische Schmerzen bei einem Status nach einer erstmals im Jahre 2012 diagnostizierten Endometriose
-
Depression
Der Beschwerdeführerin sei die Ausübung der bisherigen Tätigkeit als Bank
angestellte sowie die Ausübung angepasster Tätigkeiten im Umfang von fünf bis 7 Stunden im Tag zuzumuten (
Ziff.
4.1-4.2). Die Beschwerdeführer
in. welche gegenwärtig
trotz anhaltender Beschwerden im Umfang eines Pensums von 50
%
erwerbstätig
sei (
Ziff.
3.2)
,
könne unter
einer stabilisierenden Therapie
realistischerweise auch in Zukunft bei einer
Arbeitsfähigkeit von 50 %
erwerbs
tätig sein
(
Ziff.
2.7).
5.11
Dr.
med. J._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
,
führte in seinem Bericht vom 1
1.
Februar 2020 (
Urk.
6/88/3-7) aus, dass die Beschwerde
führerin durch phasenweise täglich auftretende Bauchkrämpfe
und durch eine Erschöpfbarkeit
in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt werde (
Ziff.
3.4).
Der Beschwerdeführerin
, welche
Erholungsphasen
benötige, s
ei sowohl die Ausübung der bisherigen Tätigkeit als auch die Ausübung angepasster Tätigkeiten im Um
fang von vier, allenfalls von fünf, Stunden im Tag zuzumuten
,
wobei es sich bei der bisherigen Tätigkeit als Bankangestellte um eine dem Leiden angepasste Tätigkeit handle (
Ziff.
4.1-4.2).
5.12
Dr.
E._
erwähnte in seinem Bericht vom 1
0.
März 2020 (
Urk.
6/90/1-6), dass sich die
medizinische Symptomatik
bei
der
Beschwerdeführerin sei dem 2
8.
August 2017
nicht verändert
h
abe
.
Sie
leide
auf Grund der anhaltenden somatischen und psychischen Beschwerden
weiterhin
unter
starken
Ein
schränkung
en (
Ziff.
2.2).
Auf
G
rund zunehmender innerer Unruhe und Ruminationen
werde die Beschwerdeführerin mit
Ginkgoextrakt
behandelt, wobei
die beschriebene
Unruhe
e
in Sekundärphänomen
eines
nicht beherrschbaren Gedankenkreisens zu sein
scheine
.
Von einer
psychopharmakologische
n
Medikation
sei
wegen häufiger Nebenwirkungen im Sinne einer gastrointestinalen
Obstipation
abgesehen worden
(
Ziff.
2.3). Die
Beschwerde
führerin
sei a
ffektiv mindest
ens mittelgradig herabgestimmt
, innerli
ch unruhig und leicht affektlabil. Sie leide unter
starke
n
Insuffizienz- und Schuldgefühle
n
sowie
teilweise
unter einer
schwere
n
Störung der Vitalgefühle
.
Zudem sei sie
oft
mals
v
erunsichert und ängstlich in Bezug auf die eigenen somatischen Beschwerden, die Befindlichkeit der eigenen Eltern,
die eigene
finanzielle Situation sowie
bezüglich
eines drohenden Verlusts der Arbeitsstelle. Im Antrieb
sei sie
deutlich vermindert. Auf
G
rund mangelnder Energie
sei es zu einem
Rück
zugsverhalten
gekommen (
Ziff.
2.4)
.
Dr.
E._
stellte die folgenden, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Diagnosen (
Ziff.
2.5):
-
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung im Sinne einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung
(ICD-10 F62.0)
, bestehend seit dem frühen Erwachsenenalter
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, Erstmanifestation im Alter von 18 Jahren
-
Endometriose, Erstdiagnose im Jahre 2012
Seit dem
Klinikaustritt am
8.
März 2017 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit (vgl.
Ziff.
4.1-4.2)
von 50
%
, wobei die maximale Leistungsfähigkeit bei einer psychischen Mangelbelastbarkeit bei einem Pensum von 50
%
liege (
Ziff.
3.2)
. Eine Erhöhung des Arbeitspensums über 50
%
wäre sogar kontraindiziert (
Ziff.
4.1).
5.13
5.13.1
Die Ärzte des K._
erwähnten in ihrem polydisziplinären Gutachten vom 2
6.
Oktober 2020 (
Urk.
6/100/1-50), dass die Beschwerdeführerin am 2
4.
und 3
1.
August sowie am
4.
September 2020 inter
nistisch,
psychiatrisch, gynäkologisch und gastroenterologisch untersucht wor
den sei (S. 5)
,
und stellten im Rahmen
einer
Konsensbeurteilung die folgenden Diagnosen (S. 9):
Diagnosen mit Einfluss auf Arbeitsfähigkeit:
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F62.0)
-
Endometriose (ICD-10 N80-9) mit/bei:
-
Status nach abdomineller Hysterektomie bei symptomatischem Uterus myomatosus im April 2012, dabei Stellung der Erstdiagnose einer Endometriose im Stadium I
-
Status nach
Adh
ä
siolyse
,
Endometriosesanierung
im kleinen Becken,
Biopsieentnahme
sowie Dünndarm- und Dickdarmrevision im September 2014, dabei Stellung der Diagnose einer Endometriose im Stadium III
-
Status nach
Adhäsiolyse
und
Endometrioseentfernung
am Vaginaldom im März 2016, dabei Stellung der Diagnose einer Endometriose im Stadium I
-
Status nach diversen supprimierenden Hormontherapien seit dem Jahre 2014
-
funktionelle Darmbeschwerden (ICD-10 K59.9)
Diagnosen ohne Einfluss auf Arbeitsfähigkeit:
-
Status nach multiplen Laparoskopien (ICD-10 298.8) mit/bei:
-
Adhäsionen
-
Protein S-Mangel, anamnestisch (ICD-10 D68.5)
5.13.2
Die Gutachter führten aus, dass
die Ärzte
des Spitals D._
in ihrem Bericht vom 1
1.
August 2017 festgestellt hätten, dass klinische und bildgebende Untersuchungen keine Anhaltspunkte für eine Endometriose ergeben hätten. Da
mit übereinstimmend habe die gutachterliche
gynäkologische Untersuchung
ergeben
, dass die Behandlung der
Endometriose
erfolgreich gewesen
sei, und dass die
Beschwerden zurückgegangen
seien
(S. 9).
Die von der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden seien nicht alleine durch die Endometriose zu erklären. Denn
Endiometrioseschmerzen
träten nur einmal im Monat auf und dauerten einige wenige Tage (S. 40).
Ausserhalb der Menstruationszeit s
eien
die abdominalen Beschwerden und die Def
ä
kationsprobleme
der Beschwerdeführerin
gynäkologisch nicht
zu erklären.
Aus gynäkologischer Sicht
könne
die Endometriose
lediglich
eine schmerzbedingte Arbeitsunfähigkeit von
einigen
wenigen Tagen während eines 4-w
ö
chigen Zyklus verursachen
, weshalb aus
gynäkologischer Sicht
für die bisherige und andere entsprechend angepasste Tätigkeit
en
eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
bestehe
(S. 41)
.
5.13.3
Anlässlich
der gastroenterologischen Untersuchung
habe sich ergeben
, dass die Beschwerdeführerin ursprünglich unter einem
Colon irritabile
(
Reizdaram
)
vom Obstipationstyp
gelitten habe (S. 45 f.).
Gegenwärtig könnten di
e Darm
beschwerden
der Beschwerdeführerin
keiner sicheren strukturellen Läsion zu
geordnet werden. Vielmehr sei davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin seit einer
im Jahre 2012 durchgeführten Hysterektomie
unter
funktionelle
n
Darmbeschwerden mit Diarrhoe
leide
(S. 46)
.
Bei einem günstigen Verlauf bezüg
lich der Schmerzsymptomatik sei von einer
Rendementverminderung
aufgrund akuter Schmerzattacken im Umfang einer Arbeitsunfähigkeit von unter 10
%
aus
zugehen. In
der bisherigen und in angepassten Tätigkeiten
bestehe a
us gastro
enterologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit
von
über
90
%
(S. 47). Anlässlich der
allgemeininternistischen Untersuchung
habe
keine
Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit festgestellt werden können (S. 24).
5.13.4
Anlässlich der
psychiatrischen Untersuchung
sei
festgestellt
worden
, dass die
Beschwerdeführerin in
der Kindheit
insofern in
einem traumatisierenden Umfeld
aufgew
a
chsen sei,
als dass die Mutter
unter
einer paranoiden Psychose und der Vater offen
sichtlich unter
ein
em
Vermüllungss
yndrom
gelitten habe
.
Beim psychischen Leiden der Beschwerdeführerin
handle
es
sich
um
ein Störu
ngsbild
, welches sich aus jahrelang dauernden Traumatisierungen in der Kindheit
un
d in der Jugend entwickelt habe (S. 9). Die Beschwerdeführerin habe bereits
in der Kindheit
unter
psychische
n Auffälligkeiten, insbesondere
bei Stress unter
Ohnmachtsanfällen
und rezidivierenden
gastrointestinale
n
Beschwerden,
gelitten
.
Da die vorliegenden
Traumatisierungen
über viele Jahre
das
für
die Diagnose des
Störungsbild
es
einer posttraumatischen Belastungsstörung
voraus
gesetzte
Kriterium eines
Ereignis
ses
aussergewöhnlicher Schwere
nicht erfüllten, und da die Beschwerdeführerin weder unter Albträ
ume
n noch unter
Flashbacks
gelitten habe, könne die Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung
nicht gestellt werden. Da
zudem
auch für
das Störungsbild einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung ein extrembelastendes und traumatisierendes Ereignis von einer besonderen Schwere
vorausgesetzt werde,
und da die dafür zusätzlich vorausgesetzten Symptome
einer
feindliche
n
H
altung der Welt gegenüber, eines sozialen Rü
ckzug
s
,
eine
s
Gefühl
s
der Leere und
einer c
hronischen Nervosit
ä
t
oder Entfremdung
bei der Beschwerdeführerin
nicht vor
l
ägen, könne auch diese Diagnose nicht gestellt werden. Die Beschwerden der Beschwerdeführerin seien indes
mit dem Störungsbild der komplexen post
traumatische
n Belastungsstörung zu erklären. Diese Diagnose sei zwar im aktuell geltenden Klassifikationssystem
ICD-10
nicht aufgeführt, werde jedoch im zu
künftig geltenden Klassifikationssystem
ICD-11
aufgeführt sein.
Für dieses
Störungsbild
sei eine langdauernde rezidivierende traumatisierende
Gesamt
situation
erforderlich,
wobei die einzelnen Traumatisierungen nicht die
Kriterien f
ür eine posttraumatische Belastun
gsstörung oder eine andauernde
Persönlichkeits
veränderung nach Extrembelastung erfüllen
müssten
(S. 31)
.
Die Betroffenen litten typischerweise
insbesondere
unter
rezidivierende
n
depressive
n
Episoden
oder Somatisierungsstörungen und
wirk
ten i
nsgesamt deutlich ver
min
dert belastbar, brüchig und ä
ngstlich. An einer komplexen postt
raumatischen Belastungsstörung E
rkrankte könn
t
en sich über viele Jahre zumindest vorder
gründig psychisch unauffällig zeigen, bis eine
auslösende
Situation zu einer Destabilisierung des psychischen Gesamtzustandes
führe
.
Vorliegend
handle es sich insbesondere bei den
gynäkologischen Vorerkrankungen
, welche
im Jahre 2012 eine
Hysterektomie
erforderte
n
,
und der dadurch verursachten Unmöglich
keit, eigene
Kinder
zu haben,
um eine solche auslösende Situation, weshalb die
Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung zu
stellen sei (S. 32)
.
Anlässlich der Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation ergeben (S. 33). Die
langjährige und
stabile Partnerschaft
zu einem verständnisvollen Mann
sowie
der Umstand, dass die
Beschwerdeführerin
zwei gut qualifizierte Ausbildungen abgeschlossen ha
be,
und
dass es i
hr
bisher
immer gelungen
sei
, entsprechende Arbeitsstellen zu finden
, stellten positive Ressourcen dar
. Positive Ressourcen
der Beschwerdeführerin
stellten
zudem
die
suffiziente ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
sowie
ihre g
ute Motivationslage
und die
positiv gefärbte
Ein
schätzung
der Zukunft,
wonach sie
wieder einer Vollzeittätigkeit nachgehen
wolle, dar
. Als belastend
sei hingegen
der
Umstand anzusehen, dass die
Beschwerdeführerin keine tragfähigen innerfamiliären leiblichen Kontakte habe. Dies werde durch den Umstand, dass sie
selber
keine Kinder
bekommen
könne
, noch verstärkt
(S. 34)
.
5.13.5
Die Beschwerdeführerin werde
in psychischer Hinsicht
durch eine
vermindert
e
Gesam
tbelastbarkeit und Dünnhäutigkei
t
sowie
durch
eine
verminderte
Stress
resistenz
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, wobei
sie
insbesondere bei Stress
unter
gastrointestinale
n
Beschwerden
und eine
r
depressive
n
Stimmungs
lage
leide
.
Aus psychiatrischer Sicht besteh
e
eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und in anderen beruflichen Tätigkeiten im Umfang von 50
%
(S. 34).
Aus somatischen und psychischen Gründen
bestehe
insgesamt e
ine Arbeits
unfähigkeit von 50
%
. Die
leichten Leistungseinbussen aus somatischen Gründen
seien
mit den höhergradigen Einbussen aus psychischen Gründen nicht zu addieren. D
enn d
ie Beschwerdeführerin könne die gleichen Zeitabschnitte für Pausen und Erholung nutzen (S. 11).
5.14
RAD-Ärztin
H._
erwähnte
in ihrer Stellungnahme vom
9.
November 2020 (Urk. 6/
103/4-6), dass die Ärzte des K._
in ihrem Gutachten vom
2
6.
Oktober 2020
die Diagnose eine
r
komplexen posttraumatischen Belastungsstörung ge
mäss dem Klassifikationssystem ICD-11 gestellt hätten, und dass sie
der
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
attestiert hätten.
Die Ärztin
führte sodann aus, dass
das Gutachten der Ärzte des K._
für die notwendigen Belange umfassend sei, auf allseitigen Untersuchungen beruhe (
Urk.
6/103/5), die geklagten Beschwerden berücksichtige, in Kenntnis der
V
orakten
erstellt worden sei
, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen
hänge und der Si
tuation einleuchte
und hinsichtlich seiner Schlussfolgerungen begründet sei, weshalb darauf abgestellt werden könne (
Urk.
6//103/6).
6.
6.1
Den erwähnten Akten zum Gesundheitszustand bei Erlass der ursprünglichen Ve
rfügung vom 1. Juni 2016 (Urk. 6
/30) ist zu entnehmen, dass die Beschwerde
führerin unter einer Endometriose dritten Grades mit Adhäsionen und oberfläch
licher Dünndarmbeteiligung sowie unter chronischen beziehungsweise rezidi
vierenden Unterbauchschmerzen litt. Die behandelnden Ärztinnen, Dr.
Z._
und Dr.
B._
, gingen übereinstimmend davon aus, dass die Beschwerde
führerin aus somatischen Gründen in ihrer bisherigen Tätigkeit
als Bankange
stellte im Umfang
von 30 % in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sei (vor
stehend E. 4.2 und E. 4.3).
Dr.
Z._
ging sodann davon aus, dass der Beschwer
deführerin die Ausübung einer behinderungsangepassten Tätigkeit im
zeitlichen Umfang von sechs bis sieben Stunden im Tag
zuzumuten sei (vor
stehend E. 4.2).
6.2
Bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom
3
0.
Juni 2021
(Urk. 2) war die Beschwerdeführerin neu zusätzlich durch ein psychisches Leiden beeinträchtigt
.
Während die Ärzte der
C._
in psychischer Hinsicht am 23. März 2017 (vor
stehend E. 5.2) eine r
ezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittel
grad
ige Episode
, und eine s
omatoforme autonome Funktions
störung
diagnosti
zierten, vertrat Dr.
E._
am
28. August 2017 (vorstehend E.
5.4
)
und am
1
0.
März 2020
(vorstehend E.
5.12
)
in diagnostischer Hinsicht die Ansicht, dass die Beschwerdeführerin seit
dem frühen Erwachsenenalter neben
einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung
, gegenwär
tig mittelgradige Episode, unter einer a
ndauernde
n
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
im Sinne einer
komplexe
n
posttraumatische
n
Belastungsstörung
leide
. Damit über
einstimmend gingen auch die
Ärzte des K._
in ihrem Gutachten vom 2
6.
Oktober 2020 (
vorstehend E.
5.13
)
davon aus
, dass
die Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht unter einer
komplexe
n
posttraumatische
n
Belastungsstörung
leide.
Während die
Ärzte des
Spitals D._
in somatischer Hinsicht
am
1
1.
August 2017
(vorstehend E.
5.3
) und
Dr. G._
in ihren Berichten vom
22. November 2017 (vorstehend E.
5.5
)
und
vom
5.
Dezember 2019
(vorstehend E.
5.10
)
davon ausgingen
, dass kein
Endometrioserezidiv
festzustellen sei beziehungsweise,
dass
keine Anhaltspunkte für eine Endometriose
mehr bestünden
, attestierte
Dr.
G._
der Beschwerdeführerin in ihrem Bericht vom
5.
Dezember 2019 (vorstehend E.
5.10
) aus somatischen und psychischen Grün
den eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Des Gleichen ging
Dr.
J._
in seinem Bericht vom
1
1.
Februar 2020 (
vorstehend E.
5.11
)
davon aus, dass eine Rest
arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in
der
angepassten Tätigkeit
im Umfang von vier, allenfalls von fünf, Stunden im Tag
bestehe.
Demgegenüber gingen die
Ärzte des K._
in ihrem
Gutachten vom 2
6.
Oktober 2020
(vorstehend E.
5.13
) davon aus, dass aus gynäkologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
, aus gastroenterologischer Sicht eine solche von 10
%
,
aus psychiatrischer Sicht eine solche von 50
%
und
insgesamt eine solche von 50
%
ausgewiesen sei. Damit übereinstimmend ging auch
Dr.
E._
in seinem Bericht vom 1
0.
März 2020 (
vorstehend E.
5.12
) davon aus, dass aus psychiatrischer Sicht eine Arbeits
fähigkeit von höchstens 50
%
bestehe.
6.3
6.3.1
Das Gutachten
der
Ärzte des K._
vom 2
6.
Oktober 2020
(vorstehend E.
5.13
)
er
füllt die praxisgemässen Anfor
derungen für eine beweis
kräf
tige medizinische Ent
schei
dung
sgrundlage (vgl. vor
ste
hend E.
1.
1
2
). Denn
die
Gutachter
verfügten als Fachärzte für Allgemeine Innere Medizin,
Psychiatrie und
Ps
v
chotherapie
, Gynäkologie und Gastroenterologie
über die für die Beur
teilung
des Gesundheits
zustandes der
Beschwer
de
führerin angezeigte fachärztliche Aus- und Weiter
bildung
. Sie hatten
Kennt
nis sämtlicher
massgeblicher
medi
zinischer Vorak
ten
und
setzte
n
sich in ange
messe
ner Weise mit den geäusser
ten Beschwerden
aus
einan
der
.
Sodann b
egründeten die Gutachter des K._
ihre Schlussfolge
rungen in somatischer Hinsicht
in nachvollziehbarer Weise
6.3.2
Insbesondere vermag zu über
zeugen, dass
die
Gutachter
aus gynäkologischer Sicht
davon ausgingen, dass
die Behandlung der Endometriose erfolgreich gewesen
und dass
die abdominalen Beschwerden und die Defäkationsprobleme der Beschwerde
führerin ausserhalb der Menstruationszeit gynäkologisch nicht zu erklären
seien, da
die
Endiometrioseschmerzen
led
iglich einmal im Monat auftreten könnten
.
Es
vermag
demnach
zu überzeugen, dass die Gutachter davon ausgingen, dass eine Arbeitsunfähigkeit in
gynäkologischer
Hinsicht höchstens während einigen
wenigen Tagen
während der Menstruationszeit
bestehen könne
, was einer Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf die b
isherige und
auf
angepasste Tätigkeit
en
im Umfang
von 2
0
%
entspreche
. Als nachvollziehbar erscheint zudem
, dass die Gut
achter
aus
gastroenterologischer Sicht
davon ausgingen, dass
die Darm
beschwerden der Beschwerdeführerin keiner sicheren strukturellen Läsion zu
geordnet werden
könn
t
e
n
, weshalb es sich dabei
um
funktionelle Darm
beschwerden
handle, und dass die Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführer
in
dadurch höchstens in einem Umfang von
10
%
beeinträchtigt werde.
In somatischer Hinsicht erscheint die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit durch die Gutachter des K._
, wonach aus somatischen Gründen insgesamt eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
bestehe, als nachvollziehbar und vermag zu überzeugen, weshalb insoweit darauf abgestellt werden kann.
6.3.3
In psychischer Hinsicht vermag das
Gutachten
des K._
vom 2
6.
Oktober 2020 (vor
stehend E.
5.13
)
insofern zu überzeugen, als dass
die Gutachter darin davon aus
gingen
, dass
die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht gestellt werden
könne,
weil
die Traumatisierungen
in der Kindheit und Jugend durch eine
unter einer
paranoiden Psychose
leidende
n
Mutter
und
einem Vater mit einem
Ver
müllungssyndrom
die
diagnostische
Voraussetzung eines
Ereignis
ses
ausser
gewöhnlicher Schwere
nicht erfüllten
, und weil
auch
die weiteren diagnostischen Kriterien von Flashbacks und
Albträ
ume
n
nicht erfüllt seien. Diese Beurteilung stimmt mit den k
linisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation
psychischer Störungen der Weltgesundheitsorgani
sation, ICD-10 Kapitel V
(vgl.
Dilling
/
Mombour
/
Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V, Klin
isch-diagnostische Leitlinien, 10.
Aufl., Bern 201
5
)
,
für die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungs
störung (ICD-10: F43.1)
überein.
Danach
entsteht
dieses Leiden
als eine ver
zögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit au
ss
ergewöhnlicher Bedrohung
oder katastrophenartigem Ausmass
, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervor
rufen würde
.
T
ypische Merkmale einer posttrau
matischen Belastungsstörung
stellen
sodann
das wiederholte Erleben des Trau
mas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhall
erinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Albträumen dar, die vor dem Hintergrund eines andauernden Ge
fühls von
Betäubtsein
und emotionaler Stumpfheit auftreten.
Bei w
eitere
n
typische
n
Merkmale
n
dieses Leidens
handelt es sich um
Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teil
nahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt zudem auch ein Zustand von vegetativer Überer
regtheit mit
Vigilanzsteigerung
, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlaf
störung
en
auf (
Dilling
/
Mom
bour
/Schmidt, a.a.O., S. 207).
Die Gutachter führten über
zeugend aus, dass
vorliegend
weder ein Ereignis
aussergewöhnlicher Be
drohung oder katastrophenartigen
Ausmass
es, noch sich aufdrängende Erinnerungen im Sinne von Flashbacks oder Albträumen an ein solches
Ereignis ausgewiesen s
eien
, weshalb die
Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung
nicht gestellt werden könne
.
Des Weiteren vermag zu überzeugen, dass die Gutachter davon ausgingen, dass auch die Diagnose
einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrem
belastung
nicht gestellt werden könne, weil die von der Beschwerdeführerin erlittenen Traumatisierungen die
Voraussetzung
ein
es extrembelastenden und traumatisierenden
Ereignis
ses
von einer besonder
en Schwere
nicht
erfülle und weil
die Beschwerdeführerin die weiteren diagnostischen
Kriterien einer
feind
lichen Haltung der Welt gegenüber, eines sozialen Rückzugs, einem Gefühl der Leere
und
einer chronischen Nervosität oder Entfremdung
nicht erfülle
. Auf diese nachvollziehbare Beurteilung durch die Gutachter, welche in Übereinstimmung mit den
diagnostischen
Kriterien für die Diagnose einer a
ndauernde
n
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(F62.0) gemäss der
Klassifikation ICD-10 (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
a.a.O.) erfolgte, kann vorliegend daher abgestellt werden.
6.3.4
Nicht zu überzeugen vermag das Gutachten der Ärzte
des K._
vom 2
6.
Oktober 2020 (vorstehend E.
5.13.4
)
indes,
insoweit die Gutachter darin eine
komplexe
posttraumatische Belastungsstörung
diagnostizierten.
E
ine solche Diagnose
ist
in der Klassifikation ICD-10 nicht enthalten (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
a.a.O
). Daran ändert nichts, dass diese Diagnose in der Klassifikation ICD-11 der Welt
gesundheitsorganisation aufge
führt ist (icd.who.int/
browse11/l-m/en#
/). Denn
einerseits haben
die Mitgliedstaaten der
Weltge
sundheitsorganisation
am 25. Mai 2019 beschlossen, das die Klassifikation ICD-11 erst am 1. Januar 2022
-
und damit nach der Erstellung des Gutachtens
-
in Kraft treten
wird
(
www.who.int/news-room/de
tail/25-05-2019-world-health-assembly-update
).
An
dererseits kann die Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungs
störung (ICD-11
6B41
Complex
post
traumatic
stress
disorder
) selbst nach der Klassifikation ICD-11
erst
gestellt werden, wenn sämtliche diag
nostischen Voraussetzungen für eine posttraumatische Belastungsstörung
erfüllt sind.
D
ar
über hinaus
wird für die Stellung der
Diagnose einer k
omplexe
n
post
trauma
tische
n
Belastungsstörung
vorausgesetzt, dass das psychische Leiden
nach einem
Ereignis oder einer Reihe von Ereignissen
extrem bedrohlicher oder ent
setzlicher
Art, insbesondere
anhaltende
r
oder sich wiederholende
r
Ereignisse, aus denen eine Flucht schwer oder unmöglich ist
, wie zum Beispiel
Folter, Sklaverei, Völkermord, anhaltende
r
häusliche
r
Gewalt, wiederholter sexueller oder körper
li
cher Missbrauch in der Kindheit, aufgetreten ist. Z
usätzlich werden die folgenden Symptome vorausgesetzt:
schwere und anhaltende Proble
me der Affektregulation,
vermindertes Selbstvertrauen, Scham-
, Schuld- oder Ver
sagensgefühle
im Zusammenhang mit dem traumatischen Ereignis
sowie
Schwierigkeiten, Beziehungen aufrechtzuerhalten
,
und sich ande
ren nahe zu füh
len.
Diese Symptome
müssen schliesslich
erhebliche Beeinträchtigungen in per
sönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen
verursacht haben
(icd.who.int/browse11/l-m/en#/)
.
Da, wie bereits erwähnt (vorstehen
d
E.
6.3.3
), bei der Beschwerdeführerin
die diagnostischen Kriterien für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungs
störung nicht erfüllt sind,
könnte
daher die Diagnose einer komplexen post
traumatischen Belastungsstörung
auch nach Inkrafttreten der
Klassifikation ICD-11
nicht gestellt werden
. Sodann erscheint auch
die
von dieser Diagnose voraus
gesetzte
Traumatisierung durch ein einzelnes Ereignis oder durch wiederholte Ereignisse
extrem bedrohlicher oder entsetzlich
er Art,
aus denen eine Flucht schwer oder unmöglich ist
, wie
Folter, Sklavere
i, häusliche Gewalt, sexueller oder körperlicher Missbrauch in der Kindheit und Ähnliches
,
bei der Beschwerde
führerin, welche in ihrer Kindheit und Jugend unter einem
äusserst schwierigem
Umfeld
mit einer
unter einer paranoiden Psychose
leidenden Mutter und mit einem an einem
Vermüllungssyndrom
erkrankten Vater
gelitten
hat,
nicht erfüllt zu sein.
Schliesslich sind bei der
Beschwerdeführerin, welche zwei Ausbildungen abgeschlossen hat,
und
während Jahren eine Erwerbstätigkeit
ausübte sowie
in einer stabilen Partnerschaft lebt
e
,
die diagnostische Voraussetzung
erhebliche
r
Beeinträchtigungen
pers
önlicher oder beruflicher Natur nicht erfüllt
. Nach Gesagtem
vermag
die Diagnose einer
komplexen posttrauma
tischen Belastungs
störung
unabhängig von der Inkraftsetzung der
Klassifi
kation ICD-11
nicht zu überzeugen
.
6.3.5
Die Beurteilung durch die
Gutachter des K._
vom
2
6.
Oktober 2020 (vorstehend E.
5.13
)
, wonach
die Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht durch eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt werde, und
wonach
ihr aus diesem Grunde die Ausübung der
bis
herigen Tätigkeit und
angepasster
Tätigkeiten
lediglich noch
im Umfang
eines Arbeitspensums
von 50
%
zuzumuten sei, vermag
in diagnostischer Hinsicht
da
her
nicht zu überzeugen, sodass diesbezüglich nicht darauf abgestellt werden kann.
6.4
Nicht zu überzeugen vermag sodann die Beurteilung durch
Dr.
E._
vom 1
0.
März 2020 (
vorstehend E.
5.12
)
. Denn einerseits vermag seine Beurteilung, inso
weit er darin die Ansicht vertrat
, dass die Beschwerdeführerin auf Grund einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung beeinträchtigt werde, aus den dargelegten Gründen nicht zu überzeugen
.
Dr.
E._
ist dabei insbesondere nicht zu folgen,
als
er darin die Ansicht
vertrat
, dass die Stellung der Diagnose einer
komplexe
n
posttraumatische
n
Belastungsstörung
gestützt auf das Klassifikationssysteme ICD-10
(ICD-10 F62.0)
erfolgen
könne. Denn die Stellung dieser Diagnose
wäre
erst mit der ab
1.
Januar 2022 anzuwendenden
Klassifikation ICD-11 möglich
gewesen
(
vgl.
vorstehend E.
6.3.4
).
Andererseits lässt sich seiner
Beurteilung keine
nachvollziehbare Begründung der
von ihm
postulierten Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und in behinderungs
angepassten Tätigkeiten
im Umfang von 50
%
entnehmen.
Insbesondere geht da
raus nicht hervor, inwiefern und auf welche Art und Weise
die
Beschwerde
führer
in
in
ihrem
funktionellen Leistungsvermögen bei der Ausübung ange
passter Tätigkeiten in
diesem
U
mfang eingeschränkt sein sollte, und aus welchen Gründen eine
Erhöhung des Arbeitspensums über 50
%
sogar kontraindiziert
wäre.
Der Beurteilung durch
E._
fehlt es daher auch dahingehend an einer nachvollziehbaren Begründung.
Zudem gilt es in Bezug auf die Beurteilung durch
Dr.
E._
die Erfahrungstatsache zu beachten, wonach behandelnde
Fachä
rzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mit
unter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen dürften (Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2012 vom 2
7.
Juni 2012 E. 3.3.2; BGE 135 V 465 E. 4.5).
Mangels einer nachvollziehbaren Begründung kann auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen durch
Dr.
E._
vorliegend daher nicht abgestellt werden.
6.5
Nicht abgestellt werden kann vorliegend sodann auf die Beurteilungen durch
Dr.
G._
vom
5.
Dezember 2019 (vorstehend E.
5.10
).
Denn obwohl sie darin fest
stellte
, dass
kein
Endometrioserezidiv
beziehungsweise keine Anhaltspunkte für eine Endometriose mehr
festzustellen sei
en,
attestierte sie der Beschwerdeführerin ohne nachvollziehbare Begründung
eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50
%
. Diese Beurteilung vermag nicht zu überzeugen.
Insoweit
Dr.
G._
, welche eine Depression diagnostizierte,
sodann
davon
ausging
, dass die Arbeitsunfähig
keit massgeblich psychische Gründe haben sollte, gilt es zu beachten, dass
sie
über
keinen Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie
verfügt, weshalb auf ihrer Beurteilung
insoweit
nicht abgestellt werden
könnte
, weil es ihr an einer dafür angezeigten fachärztlichen Weiterbildung im Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie fehlt
e
.
Mangels einer nachvollziehbaren Begründung kann auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch
Dr.
G._
daher nicht abgestellt werden.
6.6
Des Gleichen kann mangels einer nachvollziehbaren Begründung auch auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch
Dr.
J._
nicht abgestellt werden. Denn es lässt sich seiner Beurteilung
vom 1
1.
Februar 2020 (vorstehend E.
5.11
)
nicht
entnehmen, weshalb der Beschwerdeführerin die Ausübung einer Erwerbstätig
keit lediglich
noch
in einem Umfang von vier
bis
allenfalls fünf Stunden im Tag zuzumuten sein sollte.
Ergänzend gilt
es in Bezug auf die
Beurteilung durch
Dr.
J._
zu berück
sichtigen, dass es nach der Rechtsprechung wegen der unterschiedlichen Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen Fach
ärzte und Fachärztinnen und des Begutachtungsauftrags der amtlich bestellten medizinischen Experten (BGE 124 I 170 E. 4) nicht geboten ist, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Ab
klärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderen Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei
ben Fälle, in denen sich eine klärende Ergänzung des medizinischen Dossiers oder direkt eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige, nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblie
ben sind (Urteile des Bundesgerichts 9C_252/2012 vom
7.
September 2012 E. 8.4 und 8C_784/2011 vom 1
5.
Dezember 2011 E. 3.2). Solche Aspekte sind vorlie
gend nicht gegeben.
Mangels einer nachvollziehbaren Begründung kann auf
die Arbeits
fähigkeitsbeurteilung durch Dr.
J._
v
orlie
gend daher nicht abgestellt werden.
6.7
Schliesslich
gilt es hinsichtlich der
Stellungnahmen
von
RAD-Ärztin
dipl.
med.
H._
vom
2
5.
Januar 2018 (vorstehend E.
5.6
)
und vom
9.
November 2020 (vorstehend E. 5.14)
zu beachten, dass der Beweiswert von RAD-Berichten (Art. 49 Abs. 2 IVV)
gemäss der Rechtsprechung mit jenem exter
ner medizinischer Sach
verständigen
gutach
ten vergleichbar ist, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztli
ches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärzt
licher Ab
klärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – kann indes nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2 und 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4). Den Stel
lung
nahmen von
dipl.
med.
H._
kommt daher lediglich ein eingeschränkter Beweiswert als Administrativbericht zu, und es kann darauf nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an
ihrer
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen.
Des Weiteren gilt es in Bezug auf die Beurteilungen durch
dipl.
med.
H._
zu beachten, dass diese zwar über eine anerkannte medizinische Weiter
bildung als Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und über eine solche als Fachärztin für Prävention und Gesundheitswesen verfügt (
Medizinal
berufe
regis
ter
; www.medregom.admin.ch), nicht hingegen über eine solche für Psy
chiatrie und Psychotherapie. Insoweit
dipl.
med.
H._
in ihrer Stellungnahme vom
9.
November 2020 (vorstehend E. 5.14) davon ausging, dass auf
das Gutachten der Ärzte des K._
vom 2
6.
Oktober 2020
in psychischer Hinsicht, insbesondere
auch in Bezug auf die
darin
aus psychiatrischer S
icht gestellte
Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, abzustellen sei, kann auf deren Beurteilung
nicht abgestellt werden, weil es
dipl.
med.
H._
an einer dafür ange
zeigten fachärztlichen Weiterbildung im Fachgebiet Psychiatrie und Psycho
the
rapie fehlt.
7.
7.1
Nach Gesagtem ist in somatischer H
insicht gestützt auf die nachvollziehbare Beu
rteilung durch die Ärzte des K._
in ihrem Gutachten vom 2
6.
Oktober 2020 (vorstehend E.
5.13
) davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aus soma
tischen Gründen insgesamt in einem Umfang von 20
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt
ist
, und dass ihr in somatischer Hinsicht die Ausübung
sowohl ihrer
bisherigen Tätigkeit als Bankangestellte
als auch einer angepassten Tätigkeit
ins
gesamt im
Umfang eines Arbei
tspensums von 80
%
zuzumuten
ist
.
Demgegen
über
v
ermag, wie bereits erwähnt (vorstehend E.
6.3.4
),
die
Beurteilung durch die
Ä
rzte des K._
, wonach
die
Beschwerdeführerin
in psychischer Hinsicht
u
nter
einer
komplexe
n
posttraumatische
n
Belastungsstörung
leide, und wonach ihr aus diesem Grunde
die Ausübung einer angepassten Tätigkeit
im Umfang
eines Arbeitspensums
von 50
%
zuzumuten sei, nicht zu überzeugen, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann.
7.2
Der Umstand, dass
der Beurteilung des
psychischen T
eils des Beschwerdebildes
durch die
Ärzte des K._
in diagnostischer Hinsicht
nicht gefolgt werden kann,
stellt
vorliegend
ein gewichtiger Anhaltspunkt dafür dar, dass es sich bei der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung der Beschwerdeführerin lediglich um einen
geringfügigen, die Arbeitsfähig
keit nicht dauerhaft erheblich beeinträchtigenden, psychopathologischen Befund handelt, wes
halb gemäss der erwähnten Recht
sprechung (vorstehend E.
1.11
) aus Gründen der Verhältnis
mässigkeit von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281
allen
falls
abgesehen werden könnte. Diese Frage kann vorliegend
jedoch offenbleiben
, wenn eine Beweiswürdigung im Sinne eines strukturierten Beweisverfahrens
(vorstehend E.
1.7 f.
)
ergeben sollte, dass in rechtlicher Hinsicht au
f die von den Gutachtern des K._
in psychischer Hinsicht festgestellte Arbeitsunfähigkeit ohnehin nicht abgestellt werden könnte.
7.3
Zudem gilt es zu beachten, dass gemäss der Rechtsprechung die
konkrete diagnostische Einordnung
einer psychischen Störung
nicht von ausschlag
gebender Bedeutung
ist
. Vielmehr sind
die funktionellen Beeinträchtigungen
für d
ie Beurteilung, ob und inwiefern eine psychische Erkrankung invalidisierend ist, massgebend
.
Deshalb wird der Beweiswert eines
G
utachtens, insoweit es
hin
reichende Ausführungen
zu den funktionellen Auswirkungen
einer psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung enthält,
durch
eine nicht korrekte diagnostische Einordnung
nicht beeinträchtigt
(Urteile des Bundesgerichts 9C_345/2019 vom 2
5.
September 2019 E. 4.2.1 und 9C_851/2018 vom 2
3.
Mai 2019 E. 4.1.4; BGE 140 V 193 E. 3.1).
7.4
Zu den Umständen der
funktionellen Beeinträchtigungen
betreffend die psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin
lassen sich
dem Gutachten der Ärzte des K._
hinreichende Ausführungen entnehmen.
Die gutachterlichen Fest
stellungen der Ärzte des K._
stellen
daher
eine genügende Grundlage dar, um
eine Prüfung der
in BGE 141 V 281 entwickelten
Indikatoren
vorzuneh
men (Urteile des Bundesgerichts 9C_289/2018 vom 11. Dezember 2018 E. 6 und 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.2).
Im Folgenden gilt es
daher
im Rahmen der Beweiswürdigung im Sinne
eines strukturierten Beweisverfahrens
zu prüfen, ob
sich
die Gutachter des K._
bei der Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht
an den normativen Vorgaben ge
mäss BGE 141 V 281 orientiert
e
n
, und
ob
bei der Bemessung der Erwerbs
unfähigkeit in
rechtlicher Hinsicht auf die
von
ihnen
festgestellte
Arbeits
unfähigkeit
aus psychischen Gründen
abgestellt werden kann
(BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418).
8.
8.1
Zu beurteilen sind
daher
die funktionellen Auswirkungen der psychischen Erkrankung der Beschwerdeführerin. Vorerst gilt es die Kategorie «funktioneller Schweregrad» zu prüfen. Dies Kategorie wird nach den konkreten funktionellen Auswirkungen beurteilt und insbesondere danach, wie stark die versicherte Per
son in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionen leidensbedingt beeinträchtigt ist (BGE 143 V 418 E. 5.2.3).
8.1.1
Hinsichtlich des Komplexes «Gesundheitsschädigung» gingen
die Gutachter in psychischer Hinsicht
davon aus, dass die Beschwerdeführerin
in
ihrer
Kindheit
und Jugend in
einem traumatisierenden Umfeld
aufgew
a
chsen sei, weil ihre
Mutter
unter
einer paranoiden Psychose und
ihr
Vater
unter
ein
em
Vermüllungs
s
yndrom
gelitten h
ätten
.
In der Folge sei
die Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht
zumindest vordergründig
grundsätzlich
unauffällig
gewesen, bis es im Jahre 2012 nach einer durchgeführten
Hysterektomie
, welche es der
Beschwerde
führerin
verunmöglicht
habe
, eigene Kinder zu
bekommen
,
zu einer Destabilisierung des psychischen Gesamtzustandes
gekommen sei.
Die Beschwerdeführerin werde in psychischer Hinsicht durch eine
vermindert
e
Gesam
tbelastbarkeit und Dünnhäutigkei
t
sowie
durch
eine
verminderte
Stress
resistenz
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, wobei
es
insbesondere bei Stress
zu
gastrointestinalen
Beschwerden
und
zu
einer depressiven
Stimmungslage
kommen könne.
D
ie depressive Symptomatik sei auf die komplexe post
traumatische Belastungsstörung zurückzuführen beziehungsweise
werde von dieser umfasst
und stelle kein eigenständiges Krankheitsbild dar (Urk.
6/100/3
1-33
).
Die Frage, ob es sich hierbei um eine leichte oder mittelschwere depressive Störung handelt, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Denn massgeblich ist die rechtliche Frage, inwiefern sich die Depression funktionell auf die Arbeits
fähigkeit auswirkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_628/2018 vom 31. Oktober 2018 E.
4.5.1.1
)
.
Ge
stützt auf die gutachterlichen Angaben ist von einer eher geringen Aus
prägung der
psychischen
Befunde und Symptome auszugehen.
8
.1.2
In Bezug auf den Behandlungserfolg oder -resistenz, also den Verlauf und den
Aus
gang von Therapien, welche wichtige Schweregradindikatoren darstellen, führte
n
d
ie
Gutachter aus, dass
sich
die Beschwerdeführerin
in einer suffizienten ambulanten psychiatrischen
und
psychotherapeutischen Behandlung befinde, und dass unter deren Fortführung eine langsame, jedoch stetige Verbesserung des psychischen
Zustandes und der Arbeitsfähigkeit innerhalb der nächsten zwei Jahre zu
erwarten sei
(
Urk.
6/100/35).
Eine
Behandlungsresistenz stellten die
Gut
achter
daher
nicht fest
.
8.1.3
Der Indikator
«Komorbiditäten»
ist bedeutsam für die Frage nach potenziell ressourcenhemmenden Faktoren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3
und
143 V 418 E. 8.1)
.
Dabei sind die
medizinischen Befunde
nicht
einzeln oder separat zu prüfen, son
dern die funktionellen Folgen einer oder mehrerer psychischer Leiden
sind gesamthaft
zu würdigen.
S
törungen
können,
unabhängig von ihrer Diagnose
,
dann
als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall res
sourcenhemmende Wirkung beizumessen ist
, wobei eine
Gesamtbetrachtung in Berücksicht
igung der Wechselwirkungen vorzunehmen ist
(BGE 143 V 418
E. 8.1).
Gemäss der
Beu
rteilung durch die Ärzte des K._
(vor
stehend E.
5.13
)
werde d
ie Beschwerdeführerin
in psychischer Hinsicht durch eine verminderte Gesamtbelastbarkeit und Dünnhäutigkeit sowie durch eine ver
minderte Stressresistenz in ihrer Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigt, wobei
sie
bei Stress
insbesondere
unter gastrointestinalen Beschwerden und
unter
einer depres
siven Stimmungslage leide
. Da die Gutachter des K._
indes davon ausgingen, dass die Beschwerden, unter welchen die Beschwerdeführerin leide
,
aus gynäkologischer Sicht nicht alleine zu erklären seien, und das
s
es sich bei den gastrointestinalen Beschwerden um funktionelle Darmbeschwerden handle (vorstehend E.
5.13.3
)
,
ist gestützt darauf
davon auszugehen, dass
eine aus psychischen Gründen be
stehende Leistungsminderung bereits
durch die von den Ärzten des K._
in somatischer Hinsicht
festgestellte Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 20 %
mit
umfasst wird. Im Rahmen
eine
r
Gesamtbetrachtung
sowie
in Berücksichtigung der Wechselwirkungen
ist daher davon auszugehen, dass die gutachterliche Beur
teilung einer Resterwerbstätigkeit
aus somatischen Gründen von 8
0 % auch
eine Leistungsminderung aus funktionellen beziehungsweise psychischen Gründen
auf die Arbeitsfähigkeit mitum
fasste.
8
.1.4
In Bezug auf den Komplex «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» kam
en die
Gut
achter
des K._
zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin
über eine
lang
jährige und
stabile Partnerschaft
zu einem verständnisvollen Mann
verfüge
. Zu
dem habe sie
zwei gut qualifizierte Ausbildungen abgeschlossen und
bisher
immer entsprechende Arbeitsstellen
gefunden
,
weshalb sie
über berufliche Kompetenzen verfüge
,
welche
positive Ressourcen dar
stellten
. Positive Ressourcen stellten zudem die
suffiziente ambulante psychiatrisch-psycho
therapeutische Behandlung
sowie
die
g
ute Motivationslage
der Beschwerde
führerin
und
deren
positiv gefärbte
Einschätzung
der Zukunft
dar
.
Belastend wirkte hingegen der Mangel an
tragfähigen innerfamiliären leiblichen Kontakte
n aus (vorstehend E.
5.13.4
).
8.
2
Betreffend die
Kategorie «Konsistenz
» stellten die Gutachter des K._
eine
Alltags
gestaltung fest, welche die psychische Gesamtverfassung der Beschwerdeführerin widerspiegle
. Sie e
rwähnten, dass
die Beschwerdeführerin
im Umfang eines Arbeitspensums von 50
%
einer Erwerbstätigkeit nachgehe und den Haushalt mit Hilfe ihres Lebenspartners erledige (
Urk.
6/100/33).
Dies
e Beurteilung
vermag je
doch angesichts des geschilderten Tagesablaufs nicht zu überzeugen.
Vielmehr stehe
die Beschwerdeführerin am Morgen
zwischen 6 und 7 Uhr auf, mach
e
sich fertig und frühstücke alleine. Das Mittagessen
nehme sie
gemeinsam mit ihrem Partner
(
Urk.
6/100/29), mit welchem sei bereits seit 25 Jahren in einer Partner
schaft lebe (
Urk.
6/100/22)
,
ein
.
Auch a
bends esse
sie
manchmal zusammen
mit ihrem Partner
. Tagsüber erledige
sie
mit Hilfe ihres Partners den Haushalt. Viel Zeit verbringe sie mit dem Rauchen von insgesamt einem Päckchen Zigaretten pro Tag. Morgens brauche sie viel Zeit, um
sich wohl zu fühlen und um zu arbeiten
. Die administrativen Angelegenheiten
würden
von ihrem Partner e
rledigt, da sie bereits den ganzen Tag
am Arbeitsplatz
mit Büroarbeiten
beschäftigt sei. An drei Tagen in der Woche arbeite sie jeweils sieben Stunden
am Tag
. An zwei Tagen in der Woche gehe sie
bereits frühmorgens zur Arbeit. A
n einem Tag
in der Woche
habe sie
Sp
?
tdienst
und müsse bis 18 Uhr arbeiten.
Während des
Tag
es
schlafe sie sehr viel,
s
ei häufig müde und schlafe
meistens vor dem Fernseher ein
. Um
23 Uhr 30
gehe sie
ins Bett
, der Nachtschlaf sei gut
.
Wenn sie nicht arbeite, beschäftige sie sich mit ihren Hobbies
:
Kochen, Backen, Gartenarbeiten, Basteln und Malen
(
Urk.
6/100/29).
Sie sei zu Fuss oder mit den
öffentlichen Verkehrsmitteln
unterwegs, wobei sie bei
Bauchschmerzen von ihrem Partner oder von ihrem Vater
gefahren
werde
(
Urk.
6/100/22)
.
Demzufolge hat d
ie
Beschwerdeführerin einen gere
gelten Tagesablauf mit regelmässigem Auf
stehen, zur Arbeit gehen, Erledigen des Haushalts
und
Beschäftigungen mit ihren Hobbies
. Der geschilderte Tagesablauf lässt auf bestehende Ressourcen und
auf
eine nicht gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus schliessen. So ist angesichts der erhobenen
psychiatrischen
Befunde
nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen
die Beschwerdeführerin
beispielsweise
bei der
Haushalts
erledigung
und bei ihren Hobbies nicht beeinträchtigt
,
jedoch bei der Ausübung
eine
r
Erwerbstätigkeit
in einem Umfang von 50
%
eingeschränkt sein sollte
.
Es ist demnach von einer erheblichen Diskrepanz der
beklagten Beschwerden und
der
Alltagsfunktionalität
auszugehen
.
Der auch zur Kategorie «Konsistenz» gehörende Aspekt des
«
behandlungs- und ein
gliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck
s
»
b
etrifft die Frage nach der Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen. Das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder ebe
n vernachlässigt werden, weist
ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz im
Regelfall auf den tatsächlichen Lei
densdruck hin (BGE 141 V 281 E.
4.4.2
; Urteil des Bundesgerichts 9C_539/2015 vom 2
1.
März 2016 E. 4.5)
. Diesbezüglich kann auf das
vorstehend
in E.
8.1.2 Ausgeführte verwiesen werden.
9
.
9
.1
Aus
psychiatrischer
Sicht
bemassen die Gutachter des K._
in ihrem Gutachten vom 2
6.
Oktober 2020 (vorstehend E.
5.13
) die Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen für die bisherige Tätigkeit und für angepasste Tätigkeiten mit 50
%
. Eine nachvollziehbare Beurteilung, weshalb der Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht lediglich noch die Ausübung einer Erwerbstätigkeit im Um
fang eines Arbeitspensums von 50
%
zuzumuten sein sollte, lässt sich dem Gut
achten indes nicht entnehmen.
In Anbetracht der eher geringen Ausprägung der psychischen Befunde und Symptome, der guten Therapierbarkeit, der guten Progn
ose, der guten Ressourcenlage,
der eher geringen Beeinträchtigung im All
tag
und der nicht unerheblichen
Diskrepanz der beklagten Beschwerden und der Alltagsfunktionalität
vermögen die Gutachter des K._
funktionelle Leistungs
einschränkungen, die s
ich auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführer
in
aus
wirken
,
in psychischer Hinsicht
nicht nachvollziehbar aufzuzeigen
(vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.5.2).
9
.2
Demzufolge ist vorliegend
der medizinisch attestierten Arbeitsfähigkeit
aus psychischen Gründen
durch die Gutachter des K._
aus
rechtlicher
Sicht nicht
zu folgen.
Dies schliesst nicht aus, dass das Gutachten
der Ärzte des K._
vom
2
6.
Oktober 2020
, welches insgesamt ein stimmiges Gesamtbild vermittelt, eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgebenden Indikatoren erlaubt, und dass ihm daher Beweiskraft zuzumessen ist. Im Rahmen der Beweiswürdigung ergibt eine rechtliche Beurteilung der medizinisc
hen
Indikatorenprüfung
unter Berücksichtigung der normativen Vorgaben jedoch, dass eine Erwerbsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
auf Grund eines psychischen Gesundheitsschadens
aus rechtlicher Sicht zu verneinen ist. Dieses Vorgehen stellt keine
losgelöste juristische Parallel
prüfung der Indikatoren dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_628/2018 vom 3
1.
Oktober 2018 E. 5).
9
.3
Nach Gesagtem
lässt sich eine invalidisierende Beeinträchtigung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
mit dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit
nicht nachweisen
.
Demzufolge ist gestützt auf das in somatischer Hinsicht nachvollziehbare und
insoweit
auch aus rechtlichen Gründen nicht zu beanst
ande Gutachten der Ärzte des K._
vom 2
6.
Oktober 2020 davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin die
Ausübung der
bisherige
n
sowie
einer
angepasste
n Tätigkeit
im Umfang eines Arbeitspensums von
80
%
zuzumuten
ist
.
10
.
10
.1
Da gemäss der Beurteilung durch die Ärzte
des K._
in somatischer Hinsicht
so
wohl in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als auch hinsichtlich einer angepassten Tätigkeit
seit März 2017
grundsätzlich von
eine
r
Arbeitsfähigkeit von
80
%
aus
zugehen ist
,
und da in Anbetracht des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin
, welche
an ihrem gegenwärtigen Arbeitsplatz
als Bankangestellte
seit dem Juli 2005 tätig
ist
(
Urk.
6/100/8 unten),
von stabilen Verhältnissen bei Ausübung der bisherigen
Tätigkeit
auszugehen
ist, sind das
Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Verdienst zu berechnen, weshalb sich deren genaue Ermittlung erübrigt. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit. Dies stellt ke
inen Prozentvergleich
dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 1
9.
Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 1
8.
April 2017 E. 3.2.1).
10
.2
Da
die Beschwerdeführerin
gemäss der Beurteilung durch die Ärzte des
K._
bei der
Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit
als Bankangestellte
als auch
bei der
Aus
übung einer angepassten Tätigkeit im Umfan
g einer Arbeitsunfähigkeit von 2
0
%
dauerhaft eingeschränkt
ist
, ist
von einem Invaliditätsgrad in diesem Umfang
auszugehen.
Damit wird ein für eine Invalidenrente vorausgesetzter Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
nicht erreicht.
1
1.
Demzufolge haben sich - bei unbestrittenermassen (vgl.
Urk.
1) unveränderten Verhältnissen im erwerblichen Bereich - die gesundheitlichen Verhältnisse und der anspruchsrelevante Sachverhalt
im Vergleichszeitraum vom
1.
Juni 2016 bis
3
0.
Juni
2021
nicht in einem
im
revis
ionsrechtlichen Sinne erheblichen Umfang
verändert
, weshalb
im Ergebnis nicht zu beanstanden
ist
, dass die Beschwerde
gegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
Juni 2021 (Urk. 2) einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin erneut verneinte.
Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
12
.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig.
Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.