Decision ID: 918ff83e-bf01-5087-8bda-cb8fb9076af7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin reiste am 30. September 2018 in die Schweiz ein
und suchte tags darauf um Asyl nach. Am 17. Oktober fand im Empfangs-
und Verfahrenszentrum die Befragung zur Person statt (BzP). Die Vor-
instanz hörte die Beschwerdeführerin am 30. November 2018 und am
14. Dezember 2018 vertieft zu ihren Asylgründen an.
Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei in
C._ zur Welt gekommen, wo sie zusammen mit ihrer Familie gelebt
habe. Sie habe die (...) abgeschlossen und sei als (...) erwerbstätig gewe-
sen. Ihr ebenfalls aus dem Kongo stammender Onkel, welcher in
D._ lebe und die (...) besitze, sei seit dem Jahre 20(...) zusammen
mit E._, ihrem Grossonkel, im (...) tätig gewesen. Im Jahre 20(...)
sei E._ von der kongolesischen Regierung beschuldigt worden, ge-
gen diese einen Putschversuch unternommen zu haben, worauf er nach
F._ habe flüchten müssen. Der Onkel, welcher mit dem (...) eben-
falls in der Seitenlinie verwandt sei, und seine Angehörigen stünden des-
halb im Visier der heimischen Regierung. Ihm und verschiedenen Angehö-
rigen sei in der Vergangenheit von der Regierung vorgeworfen worden, (...)
für E._ betrieben zu haben. Nachdem sie – die Beschwerdeführerin
– im Jahre 20(...) bei der (...) Botschaft einen Visumsantrag gestellt habe,
seien die heimatlichen Behörden auf sie aufmerksam geworden. Die Be-
hörden hätten sie und ihre Angehörigen daraufhin (...) zu Hause aufge-
sucht und sie über den Onkel und E._ befragt. Deshalb sei sie mit
einigen ihrer Angehörigen zusammen nach G._ geflüchtet. Im
Jahre 20(...) sei sie wieder nach Hause zurückgekehrt. Im folgenden Jahre
habe sie einen weiteren Visumsantrag gestellt. Am (...) hätten die Behör-
den sie zu Hause aufgesucht und zusammen mit einem ihrer (...) verhaftet.
Im Gefängnis sei sie misshandelt und vergewaltigt sowie unter Todesdro-
hungen zu ihrem Onkel und E._ befragt worden. Dank Beziehun-
gen seien sie und der Bruder am 6. September 2017 aus dem Gefängnis
entlassen worden. Sie seien sofort über F._ mit dem Flugzeug aus
dem Land geflüchtet.
Die Beschwerdeführerin reichte eine Kopie ihres Passes, eine Fotografie,
einen Ausgangschein ihres Bruders H._, Unterlagen zu ihren Visa-
Anträgen sowie zum Asylverfahren in I._ als Beweismittel zu den
Akten.
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Seite 3
B.
Mit Verfügung vom 28. Februar 2020 stellte die Vorinstanz fest, die Be-
schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug der Wegweisung an.
C.
Mit Eingabe vom 13. März 2020 reichte die Beschwerdeführerin gegen den
Entscheid der Vorinstanz Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
ein. Sie beantragt, die angefochtene Entscheidung sei aufzuheben und der
Wegweisungsvollzug im Sinne einer provisorischen Massnahme auszuset-
zen. Die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sinn gemäss bean-
tragt sie eventualiter, ihr sei die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und
Asyl zu gewähren. Schliesslich sie ihr die unentgeltliche Rechtspflege und
Beiordnung ihres Rechtsvertreters zu gewähren und es sei auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
D.
Am 31. März 2020 reichte die Beschwerdeführerin diverse Kopien von
E-Mail-Korrespondenzen sowie einen Auszug eines Anhörungsprotokolls
aus einem anderen Asylverfahren zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist – mit nachstehendem Vorbehalt – ein-
zutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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1.3 Soweit in der Rechtsmitteleingabe die Sistierung des Vollzugs der
Wegweisung beantragt wird, ist festzuhalten, dass der Beschwerde von
Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m.
Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz diese vorliegend nicht entzogen
hat, weshalb – in Ermangelung eines Rechtsschutzinteresses – auf den
Antrag nicht einzutreten ist.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 5
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
5.
Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten weder den Anforderungen an
das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand.
In ihrer Verfügung hält die Vorinstanz fest, die polizeilichen Besuche im
Jahre 20(...) hätten im Zeitpunkt der Ausreise der Beschwerdeführerin be-
reits (...) Jahre zurückgelegen. Auch habe sie nicht glaubhaft dargelegt,
dass sie persönlich im Fokus der Behörden gestanden habe, hätten doch
die Besuche der ganzen Familie gegolten. Danach habe sie bis zur geltend
gemachten Verhaftung im Jahre 20(...) weder Kontakt mit den Behörden
gehabt, noch sei ihr etwas zugestossen. Zwischen den polizeilichen Besu-
chen im Jahre 20(...) und ihrer Ausreise im Jahre 20(...) bestehe weder in
zeitlicher noch in sachlicher Hinsicht ein genügend enger Kausalzusam-
menhang, weshalb diesen Vorbringen keine Asylrelevanz zukomme.
Des Weiteren habe die Beschwerdeführerin eine Verfolgung, welche Grund
für die Beantragung eines humanitären Visums gewesen sein soll, nicht
glaubhaft machen können. Weiter sei nicht nachvollziehbar, dass die kon-
golesischen Behörden wegen des zweiten Visumsantrages wieder auf ihre
Person aufmerksam geworden seien. Die Behörden hätten sie ab Mitte
20(...), dem Zeitpunkt ihrer Rückkehr aus G._, bei tatsächlich be-
stehenden Interesse an ihrer Person jederzeit an ihrer offiziellen Adresse
auffinden können. Sodann seien ihre Vorbringen zur angeblichen Fest-
nahme und der geltend gemachten Haft oberflächlich und substanzarm. In
Bezug auf den Verhaftungsvorgang habe sie insbesondere die Ereignisse
nicht chronologisch schildern können und sich in Widersprüche verstrickt.
Im Zusammenhang mit der behaupteten Inhaftierung habe sie diese auch
auf Nachfragen nur stereotyp und undifferenziert beschrieben. Das Gleiche
gelte für ihre Schilderungen betreffend die anschliessende Flucht. Ange-
sichts dieser Unstimmigkeiten sei die behauptete Festnahme nicht glaub-
haft. Die unstimmigen Datumsangaben bezüglich des Zeitpunktes ihrer An-
kunft in der J._ würden die Zweifel an ihren Vorbringen zusätzlich
verstärken.
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Seite 6
6.
6.1 In der Rechtsmitteleingabe wird gerügt, die angefochtene Verfügung
verletze Bundesrecht sowie die Pflicht zur vollständigen und sorgfältigen
Sachverhaltsabklärung. Unter anderem rügt die Beschwerdeführerin sinn-
gemäss, die Vorinstanz habe den Massstab des Glaubhaftmachens nicht
richtig angewendet und sie zu Unrecht nicht als Flüchtling anerkannt.
Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung eingehend dargelegt, weshalb den
Vorbringen der Beschwerdeführerin einerseits keine Flüchtlings- bezie-
hungsweise Asylrelevanz zukomme, andererseits ihre Ausführungen zur
geltend gemachten Festnahme und Flucht nicht glaubhaft seien. Mit dem
Wiederholen des aktenkundigen Sachverhaltes in der Rechtsmitteleingabe
und dem nicht näher substantiierten Festhalten am Wahrheitsgehalt ihrer
Aussagen sowie dem erneuten Hinweis auf das verwandtschaftliche Ver-
hältnis zu E._, legt die Beschwerdeführerin nicht dar, inwiefern die
Vorinstanz den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich erstellt haben sollte oder
der angefochtene Entscheid Bundesrecht verletzt. Solches ist auch nicht
ersichtlich. Aus diesem Grund bestehet kein Anlass, die Sache zur Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Bei dieser Ausgangslage er-
weist sich die Frage, ob die Datumsangaben betreffend die Einreise in die
J._ korrekt waren oder nicht, nicht als entscheiderheblich. Weiter-
gehend kann, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die ausführlichen Er-
wägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden.
6.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführerin zu Recht verneint und ihr Asylge-
such abgelehnt hat.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die
Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9, BVGE 2013/37 E. 4.4.). Die Wegweisung wurde dem-
nach zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
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setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
8.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.3
8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). Da die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll-
zuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völ-
kerrechtlichen Bestimmungen (unter anderem Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK,
SR 0.105]; Art. 3 und Art. 8 EMRK).
8.3.2 Die Beschwerdeführerin macht in diesem Zusammenhang sinnge-
mäss geltend, die Vorinstanz habe bei ihrem Wegweisungsentscheid das
Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens im Sinne von Art. 8
EMRK (vgl. auch Art. 44 AsylG) unberücksichtigt gelassen, zumal ihr (...)
sich immer noch in einem Asylverfahren in der Schweiz befinde und ihr (...)
die (...) besitze.
Den Schutz des Familienlebens können grundsätzlich nur die Mitglieder
einer Kernfamilie, Ehegatten und ihre minderjährigen Kinder, anrufen. Über
diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bande fallen nur
dann unter den Schutz der Einheit der Familie, sofern eine nahe, echte und
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Seite 8
tatsächlich gelebte Beziehung zwischen den Angehörigen besteht. Ge-
mäss Rechtsprechung setzt eine solche verwandtschaftliche Beziehung
zudem voraus, dass zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhängig-
keitsverhältnis besteht. Ein solches wird beispielsweise angenommen,
wenn Angehörige behindert sind oder aus einem anderen Grund auf die
Hilfe einer Person, welche in der Schweiz lebt, angewiesen sind (Urteil des
BGer 2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.1. f. m.w.H., BVGE 2008/47
E. 4.1).
Sodann besteht lediglich dann ein Aufenthaltsanspruch, wenn nahe Fami-
lienangehörige über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz (das
heisst die Schweizer Staatsangehörigkeit, eine Niederlassungsbewilligung
oder eine Aufenthaltsbewilligung mit Anspruch auf Verlängerung) verfügen
(vgl. statt vieler BGE 130 II 281 E. 3 m.w.H.).
In Bezug auf die Beschwerdeführerin sind als engster Familienkreis in ers-
ter Linie ihre im Heimatland lebenden Eltern und Kinder zu betrachten. Un-
geachtet dessen, dass die Verbindung zum sich (...) in D._ aufhal-
tenden (...) vor allem stark durch die gemeinsame Migrationserfahrung ge-
prägt ist, verfügt dieser über kein gefestigtes Aufenthaltsrecht. Auch wenn
gemäss den Akten der (...) der Beschwerdeführerin, welcher (...) ist, seine
Angehörigen in Kongo (Kinshasa) in wirtschaftlichen Belangen unterstützt,
kann daraus kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihm und
der Beschwerdeführerin abgeleitet werden, welches in den Schutzbereich
von Art. 8 EMRK fallen würde.
Am 31. März 2020 wurde dem Gericht durch Zustellung diverser E-Mail-
Korrespondenz zur Kenntnis gebracht, dass zwei (...) von Griechenland in
die Schweiz überstellt werden sollen. Abgesehen davon, dass diese beiden
Personen ebenfalls über kein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz
verfügen, ist aufgrund der Akten nicht festzustellen, diese gehörten zur
Kernfamilie der Beschwerdeführerin. Ferner ist kein eigentliches Abhängig-
keitsverhältnis dargelegt. Insoweit vermag die Beschwerdeführerin daraus
nichts für sich abzuleiten.
8.3.3 Sodann ergeben sich weder aufgrund der Aussagen der Beschwer-
deführerin noch aufgrund der übrigen Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie
für den Fall einer Ausschaffung nach Kongo (Kinshasa) dort mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder FoK verbotenen
Strafeoder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europä-
ischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-
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Seite 9
Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würden
(vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse
Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechts-
situation in Kongo (Kinshasa) lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen
Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
8.3.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
8.4.1 Hinsichtlich der Beurteilung der allgemeinen Lage in Kongo
(Kinshasa) ist auf das Urteil BVGE 2010/57 (E. 4.1.1 und E. 4.1.2) zu ver-
weisen. Die dortige Lageanalyse trifft grundsätzlich auch heute noch zu,
wobei der bewaffnete Konflikt im Osten des Landes andauert und als Folge
davon zahlreiche Übergriffe auf Zivilisten, ausgehend sowohl von den Si-
cherheitskräften als auch nicht staatlichen bewaffneten Gruppen bekannt
geworden sind.
Nach geltender und zuletzt im Referenzurteil E-731/2016 vom 20. Februar
2017 bestätigter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kann die Rückkehr
von Personen aus Kongo (Kinshasa) grundsätzlich nur dann als zumutbar
bezeichnet werden, wenn der letzte Wohnsitz der betroffenen Person in
der Hauptstadt Kinshasa oder einer anderen, über einen Flughafen verfü-
genden Stadt im Westen des Landes war, oder wenn die Person in einer
dieser Städte über ein gefestigtes Beziehungsnetz verfügt. Trotz Vorlie-
gens der vorstehend genannten Kriterien ist der Vollzug der Wegweisung
jedoch – nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung der individuellen Um-
stände – in aller Regel nicht zumutbar, wenn die zurückführende Person
(kleine) Kinder in ihrer Begleitung hat, für mehrere Kinder verantwortlich
ist, sich bereits in einem vorangeschrittenen Alter oder in einem schlechten
gesundheitlichen Zustand befindet oder wenn es sich bei ihr um eine al-
leinstehende, nicht über ein soziales oder familiäres Netz verfügende Frau
handelt (vgl. u.a. Urteile des BVGer E-6490/2014 vom 26. Juni 2017
E. 9.3.3, E-2940/2016 vom 5. Dezember 2018 E. 8.3.2 m.w.H.).
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8.4.2 Die Beschwerdeführerin lebte vor ihrer Ausreise in der Stadt
C._, im Stadtteil K._, zusammen mit ihren Eltern, ihren fünf
Brüdern, einem Halbbruder, ihrer Schwester und den Geschwistern der
Mutter (vgl. SEM-Akten A16/36 F13). Damit verfügt sie über ein bestehen-
des familiäres Beziehungsnetz. Sie ist Mutter von (...) minderjährigen Kin-
dern, welche von der Familie des Kindsvaters betreut werden (vgl. a.a.O.
A16/36 52 ff.). Vor ihrer Ausreise konnte sie von ihrer Erwerbstätigkeit als
(...), von der Unterstützung ihrer Eltern und ihres Onkels sowie von den
(...) Erträgen der familiären Grundstücke leben (vgl. a.a.O. A16/36 F69 ff.).
Bei einer Rückkehr ist es ihr zuzumuten, sich erneut um eine Stelle zu be-
mühen. Ferner ist davon auszugehen, dass sie erneut auf finanzielle Un-
terstützung seitens ihrer Familie zurückgreifen kann, mithin nicht in wirt-
schaftliche Not gerät. Des Weiteren weisen die anlässlich der BzP vorge-
brachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen – (...) –, welche sie gemäss
Akten während ihres beinahe (...) jährigen Aufenthaltes in der Schweiz
nicht behandeln liess, nicht einen Schweregrad auf, welcher zur Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzuges führen würde. Abschliessend kann auf
die bereits vom SEM erwähnte Möglichkeit der Rückkehrhilfe verwiesen
werden (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG und Art. 73 ff., insbesondere Art 75 der
Asylverordnung 2 über Finanzierungsfragen vom 11. August 1999 [SR
142.312]).
8.4.3 Aufgrund des Ausgeführten erweist sich der Wegweisungsvollzug als
zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug
der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
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Seite 11
10.
10.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege gemäss Art. 65 VwVG und Art. 110a AsylG. Aufgrund
der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aus-
sichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Vo-
raussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Mit dem vorliegenden Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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