Decision ID: 9b608c78-615b-4c68-a27e-c97775d73d97
Year: 2021
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Ausweisen. Der Anzeige lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Der Beschwerdeführer habe
auf der Internetplattform Facebook eine unbekannte Frau, die sich als „B._“ vorgestellt
habe, kennengelernt und sich danach mit ihr über WhatsApp unterhalten. „B._“ habe ihm
erklärt, dass sie sich zurzeit wegen eines kranken Familienmitglieds in Burkina Faso aufhalte.
Ausserdem habe sie ihn gebeten, sein Postkonto zur Verfügung zu stellen, um angeblich Geld
von ihrem „Onkel“ über dieses Konto an sie weiterzuleiten. Nachdem ihm ihr Ansinnen unver-
dächtig erschienen sei, habe er eingewilligt. Auf Anweisung des „Onkels“ habe er danach vom
3. bis zum 10. September 2020 auf seinem Konto erhaltene Einzahlungen im Umfang von total
Fr. 5'340.− auf das Bankkonto mit der IBAN-Nummer 2._, lautend auf C._, wohnhaft
in D._, E._ 1, weitergeleitet. In der Folge habe sich gezeigt, dass ihr „Onkel“ auf der
Internetplattform tutti.ch Artikel verkaufe, jedoch diese nicht liefere. Zudem habe „B._“
A._ gebeten, ihr Fr. 200.− für ein Flugticket in die Schweiz auf das vorgenannte Konto zu
überweisen. Diesen Betrag habe er ihr bezahlt. Einer weiteren Aufforderung von „B._“,
ihr Fr. 300.− zu bezahlen, sei er indes nicht nachgekommen. Aufgrund dieser Anzeige wurden
– ohne vorgängigen Erlass einer Eröffnungsverfügung – verschiedene Untersuchungshand-
lungen durchgeführt. Mit Verfügung vom 5. März 2021 sistierte die Staatsanwaltschaft Basel-
Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung (fortan: Staatsanwaltschaft), die Strafuntersuchung
gegen Unbekannt wegen Betrugs, Anstiftung zur Geldwäscherei und Fälschung von Auswei-
sen, begangen vom 4. August bis zum 10. September 2020, in Anwendung von Art. 314 Abs. 1
lit. a StPO.
B. Dagegen erhob A._ (fortan: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 11. März 2021
beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, Beschwerde mit dem sinnge-
mässen Antrag, es sei die Sistierungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 5. März 2021
aufzuheben und die Strafuntersuchung fortzuführen.
C. Die Staatsanwaltschaft begehrte mit Stellungnahme vom 26. März 2021, auf die Be-
schwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei diese abzuweisen; unter Kostenfolge zulasten
des Beschwerdeführers.
D. Mit Präsidialverfügung des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom 15. April 2021
wurde der Staatsanwaltschaft Frist gesetzt, um zu erklären, aus welchen Überlegungen sie
keine weiteren Abklärungen zur Inhaberschaft des Kontos mit der IBAN-Nummer 2._,
lautend auf C._, getroffen habe, keine Randdatenermittlung des von der Inhaberschaft
dieses Kontos benutzten Telefons mit den involvierten Personen (P._, „B._“, „Onkel“
bzw. F._) vorgenommen habe, und mitzuteilen, ob sie keinen Beweisverlust infolge Sis-
tierung des Verfahrens befürchte.
E. Mit Eingabe vom 16. April 2021 nahm die Staatsanwaltschaft zur Verfügung vom
15. April 2021 Stellung.
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Erwägungen
1.1 Eine Sistierungsverfügung kann innert 10 Tagen schriftlich und begründet bei der
Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, mit Beschwerde angefochten wer-
den (Art. 314 Abs. 5 StPO, Art. 322 Abs. 2 StPO, Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO, Art. 396 Abs. 1
StPO und § 15 Abs. 2 EG StPO).
1.2 Verlangt die Strafprozessordnung, dass das Rechtsmittel begründet wird, so hat die
Person oder die Behörde, die das Rechtsmittel ergreift, gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO genau
anzugeben, welche Punkte des Entscheides sie anficht (lit. a), welche Gründe einen anderen
Entscheid nahe legen (lit. b) und welche Beweismittel sie anruft (lit. c). Die Begründung hat
den Anfechtungsgrund anzugeben, d.h. die tatsächlichen und/oder rechtlichen Gründe zu nen-
nen, die einen anderen Entscheid nahelegen (BGer 6B_182/2020 vom 6. Januar 2021 E. 2.5).
Bei Laienbeschwerden ist praxisgemäss ein grosszügiger Massstab anzuwenden. Es genügt,
wenn die Eingabe den Rechtsstandpunkt bzw. die Argumente des Beschwerdeführers hinrei-
chend deutlich werden lässt und diese sich in sachlicher sowie gebührender Form auf das
vorliegende Verfahren beziehen (BGer 6B_721/2018 vom 19. November 2018 E. 2.1). Der
Laie muss in der Beschwerde mindestens kurz angeben, was an der Verfügung der Staatsan-
waltschaft seiner Ansicht nach falsch ist (BGer 1B_204/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 3.2).
Der Beschwerdeführer hat die Beschwerde selber verfasst. Es handelt sich somit um eine
Laienbeschwerde. Er rügt, es sei nicht ersichtlich, wieso die Täterschaft nicht habe ermittelt
werden können. Damit macht er das Fehlen der Voraussetzungen für die Sistierung der Stra-
funtersuchung geltend. Die bei einer Laienbeschwerde herabgesetzten Begründungsanforde-
rungen sind damit erfüllt.
1.3 Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung
eines Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen (Art. 382 Abs. 1 StPO). Partei ist na-
mentlich die Privatklägerschaft (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Als Privatklägerschaft gilt die ge-
schädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin
zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Als geschädigte Person gilt die Person, die durch die
Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Der Beschwer-
deführer hat sich am 16. September 2020 als Privatkläger im Straf- und Zivilpunkt konstituiert.
Er ist durch die Sistierung des Strafverfahrens überdies in seinen rechtlich geschützten Inte-
ressen betroffen und somit zur Beschwerdeführung legitimiert.
1.4 Die weiteren Prozessvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass und
sind erfüllt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.1 Die Staatsanwaltschaft hat in der Sistierungsverfügung vom 5. März 2021 im Wesent-
lichen erwogen, eine unbekannte Person, die sich als „B._“ vorgestellt habe, sei im Zeit-
raum vom 4. August bis zum 10. September 2020 zuerst über Facebook mit dem Beschwer-
deführer in Kontakt getreten und habe danach per WhatsApp von der Rufnummer 3_ mit
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ihm kommuniziert. „B._“ habe dabei die Absicht verfolgt, ihn arglistig an seinem Vermö-
gen zu schädigen, indem sie den Beschwerdeführer mehrfach um Geld gebeten habe, wobei
er einmal darauf eingegangen sei und „B._ “ Fr. 200.− überwiesen habe. Auf weitere
Bitten um Geld sei er nicht mehr eingegangen. Ausserdem habe ein angeblich durch „B._“
vermittelter „Onkel“ dem Beschwerdeführer Instruktionen in Bezug auf die Zwischendeponie-
rung von auf dem Konto des Beschwerdeführers eingehenden Zahlungen und deren Weiter-
leitung (im Sinne von Art. 305bis StGB) instruiert. Um den Beschwerdeführer zu überzeugen,
dass ihrerseits eine Verbindung zur Schweiz sicher bestehe, habe „B._“ dem Beschwer-
deführer eine Kopie „ihres Schweizerpasses“ (4._, lautend auf G._) zugesandt, wo-
bei sich bei der polizeilichen Überprüfung herausgestellt habe, dass es sich bei diesem Pass
um eine Fälschung handle. Es müsse davon ausgegangen werden, dass eine oder mehrere
andere (nach wie vor unbekannte) Personen unter dem Pseudonym „B._“ rechtswidrig
handelten und sich wegen Betrugs, Anstiftung zur Geldwäscherei sowie Fälschung von Aus-
weisen zu verantworten hätten. Aus den Akten ergebe sich, dass die Täterschaft trotz umfang-
reicher Abklärungen nicht habe ermittelt werden können. Weitere Ermittlungsansätze lägen
derzeit nicht vor.
2.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen in seiner Beschwerde vom 11. März 2021
unter anderem ein, es sei nicht ersichtlich, weshalb die Täterschaft von der Staatsanwaltschaft
nicht habe ermittelt werden können.
3. Gemäss Art. 314 Abs. 1 lit. a StPO kann die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung
sistieren, namentlich wenn die Täterschaft oder ihr Aufenthalt unbekannt ist oder andere vor-
übergehende Verfahrenshindernisse bestehen.
Vor der Sistierung erhebt die Staatsanwaltschaft die Beweise, deren Verlust zu befürchten ist.
Ist die Täterschaft oder ihr Aufenthalt unbekannt, so leitet sie eine Fahndung ein (Art. 314
Abs. 3 StPO). Mit anderen Worten muss die Staatsanwaltschaft vor der Sistierung der Unter-
suchung alle Massnahmen ergreifen, die eine Identifikation der Täterschaft ermöglichen kön-
nen (MOREILLON/PAREIN-REYMOND, Petit Commentaire Romand CPP, 2. Aufl. 2016, Art. 314
N 8).
Der Täter ist unbekannt, wenn die Staatsanwaltschaft keine Angaben über ihn verfügt, die
dessen namentliche Identifizierung erlauben (GRODECKI/CORNU, Commentaire Romand CPP,
2. Aufl. 2019, Art. 314 N 5).
Das Beschleunigungsgebot verpflichtet die Strafbehörden, das Strafverfahren ohne unbegrün-
dete Verzögerung zum Abschluss zu bringen (Art. 5 Abs. 1 StPO). Nach der Rechtsprechung
ist die Sistierung eines Verfahrens nur ausnahmsweise zulässig. Eine Sistierung kommt nur
dann infrage, wenn die Gründe nach Art. 314 Abs. 1 StPO die Fortsetzung und den Abschluss
der Voruntersuchung während längerer Zeit verunmöglichen (BOSSHARD/LANDSHUT, Zürcher
Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 314 N 4; SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar StPO,
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3. Aufl. 2018, Art. 314 N 1; GRODECKI/CORNU, a.a.O., Art. 314 N 1; MOREILLON/PAREIN-
REYMOND, a.a.O., Art. 314 N 6).
4.1 Im zu beurteilenden Fall sind die angezeigten Taten durch eine sich hinter den Deck-
namen „B._“ und „Onkel“ versteckenden Täterschaft im Cyberraum verübt worden. Ihr
Modus Operandi bei den angezeigten Betrugshandlungen ist als sogenannter „love scam“ be-
kannt. Das von ihr dabei an den Tag gelegte Vorgehen mutet professionell an und scheint
auch in einem internationalen Kontext zu stehen. Zur Ermittlung der Täterschaft hat die Staats-
anwaltschaft gegen den letzten registrierten Inhaber der von „B._“ benutzten N._-
Mobiltelefonnummer 3_ , P._, ein Strafverfahren wegen Betrugs, Anstiftung zur
Geldwäscherei und Fälschung von Ausweisen geführt. Die Staatsanwaltschaft ist zum Ergeb-
nis gelangt, dass kein hinreichender Beweis einer Täterschaft von P._ vorliege. Sie hat
deshalb mit Einstellungsverfügung vom 29. Januar 2021 dieses Strafverfahren gestützt auf
Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO eingestellt. Ausserdem hat die Untersuchung ergeben, dass die
gemäss Angaben des Beschwerdeführers vom „Onkel“ verwendete Mobiltelefonnummer
7._ im Jahre 2019 auf F._, geboren am tt.mm.jj, Staatsbürger von H._, wohn-
haft in I._ , J._ 5, registriert worden ist. F._ hat jedoch nicht ausfindig gemacht
werden können. Im Weiteren sind Ermittlungen hinsichtlich der von der Täterschaft dem Be-
schwerdeführer angegebenen Adresse in Benin (K._, L._) und Rufnummer
(6._) ergebnislos geblieben. Ferner hat eine polizeiliche Überprüfung ergeben, dass es
sich bei der dem Beschwerdeführer von „B._“ zugesandten Kopie „ihres Schweizerpas-
ses“ (4._, lautend auf G._) um eine Fälschung handelt. All die dargestellten Ermitt-
lungen sind somit ohne Erfolg geblieben.
4.2 Vorliegend ist jedoch dem Beschwerdeführer zuzustimmen, wenn er geltend macht,
es sei nicht nachvollziehbar, dass die Staatsanwaltschaft die Untersuchung sistiert hat. Es
liegen nämlich, wie nachfolgend gezeigt wird, ausreichend Ansätze für die Fortsetzung der
Untersuchung vor, durch welche die Täterschaft festgestellt werden könnte. An dieser Stelle
ist zudem darauf hinzuweisen, dass das Vorgehen der Täterschaft professionell wirkt und er-
fahrungsgemäss in Fällen wie dem vorliegenden von den Opfern oft keine Anzeige erstattet
wird. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass neben dem Beschwerdeführer noch
weitere Personen Opfer der in Frage stehenden Täterschaft geworden sind. Gerade auch vor
diesem Hintergrund darf vorliegend die Strafuntersuchung nicht leichthin sistiert werden.
4.2.1 Zunächst ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer die von der mutmasslichen
Betrügerin „B._“ verlangten Fr. 200.− auf das inländische Konto bei der Bank M._
mit der IBAN-Nummer 2._, lautend auf C._, wohnhaft in D._, E._ 1, über-
wiesen hat. Soweit ersichtlich, hat die Staatsanwaltschaft vor der Sistierung der Untersuchung
diesbezüglich keine näheren Ermittlungen getätigt. Es kann nicht ausgeschlossen werden,
dass sich C._ als Teilnehmerin oder gar Mittäterin an den Taten der unbekannten Täter-
schaft zum Nachteil des Beschwerdeführers beteiligt hat. Es besteht auf jeden Fall die Mög-
lichkeit, dass entsprechende Ermittlungen im Zusammenhang mit diesem Konto und der Per-
son von C._ eine zielführende Spur zur Identifikation der Täterschaft weisen könnten. An
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der Sache vorbei geht das Vorbringen der Staatsanwaltschaft in ihrer Stellungnahme vom
16. April 2021, die Untersuchung gegen die namentlich bekannte Kontoinhaberin C._ falle
nicht unter den in der angefochtenen Verfügung vom 5. März 2021 sistierten Sachverhalt ge-
gen „unbekannte Personen“. Denn durch Ermittlungen betreffend das erwähnte Konto und die
Person von C._ könnten sich jedenfalls Hinweise auf die unbekannten Personen
„B._“ bzw. den „Onkel“ ergeben. Solange eine solche Untersuchung eine Identifizierung
der Täterschaft ermöglichen könnte, hat die Staatsanwaltschaft das vorliegende Verfahren
nicht sistieren dürfen.
Die Staatsanwaltschaft hätte eine rückwirkende Randdatenerhebung eines allfälligen Fest-
netz- bzw. Mobiltelefonanschlusses von C._ betreffend den Tatzeitraum durchführen kön-
nen, was womöglich verwertbare Ermittlungsansätze ergeben hätte. Zur Überwachung des
Telefonverkehrs des Tatzeitraums hätte eine rückwirkende Randdatenerhebung indes zeitnah
nach der Anzeigeerstattung durchgeführt werden müssen, weil eine solche nach Art. 273
Abs. 3 StPO nur 6 Monate seit der Überwachungsanordnung verlangt werden kann. Um inso-
weit einen drohenden Beweisverlust zu vermeiden, wäre die Staatsanwaltschaft aufgrund von
Art. 314 Abs. 3 StPO gehalten gewesen, eine rückwirkende Randdatenerhebung rechtzeitig
vor der Sistierung des Verfahrens anzuordnen. Es ist indes nicht ausgeschlossen, dass
C._ auch in jüngster Zeit mit der Täterschaft in Verbindung gestanden ist. Durch eine
rückwirkende Randdatenerhebung könnten somit gegebenenfalls auch noch jetzt Spuren zur
Täterschaft gefunden werden.
4.2.2 Im Weiteren fällt auf, dass die Staatsanwaltschaft auf eine rückwirkende Randdaten-
erhebung der vom „Onkel“ verwendeten Mobiltelefonnummer 7._ verzichtet hat. Als Be-
gründung macht sie in ihrer Stellungnahme vom 16. April 2021 insbesondere geltend, die Pre-
paidnummer 7._ sei im Jahr 2019 auf F._, geboren am tt.mm.jj, Staatsbürger von
H._, wohnhaft in I._ , J._ 5, registriert worden. Diese Person sei in der Schweiz
weder fremdenpolizeilich registriert noch greifbar, weshalb weitere personenbezogene Ermitt-
lungen nicht möglich seien. Weil die Täterschaft lediglich über WhatsApp mit dem Beschwer-
deführer in Kontakt gestanden und die Kommunikation damit End-zu-End-verschlüsselt sei,
könnten durch eine Fernmeldeüberwachung keine weiteren für Ermittlungszwecke brauchba-
ren Informationen erhältlich gemacht werden.
Es trifft zwar zu, dass sich Ermittlungen bezüglich einer über WhatsApp geführten Kommuni-
kation aufgrund der End-zu-End-Verschlüsselung grundsätzlich als schwierig gestalten.
Nichtsdestotrotz ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass der „Onkel“ sein Mobiltelefon auch im
konventionellen Mobilfunknetz benutzt hat. Gerade da die vom „Onkel“ verwendete Pre-
paidnummer von der O._ AG ausgestellt worden ist und „B._“ den Beschwerdeführer
am 11. September 2020 um Aufladung eines Geldbetrags von Fr. 10.− auf eine Prepaidnum-
mer der O._ AG gebeten sowie ihm zu diesem Zweck offenkundig eine Anleitung für die
Aufladung des Mobiltelefonguthabens geschickt hat, scheint eine Nutzung der fraglichen Te-
lefonnummer durch die Täterschaft im konventionellen Mobiltelefonnetz keineswegs als aus-
geschlossen. Auch wenn der „Onkel“ ein Profi gewesen sein sollte, bestand grundsätzlich die
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Möglichkeit, dass er durch über die Mobiltelefonnummer 7._ geführte Gespräche gewisse
zuordenbare Spuren hinterlassen hat, und sich daher durch eine rückwirkende Randdatener-
hebung zielführende Ermittlungsansätze ergeben hätten. Eine rückwirkende Überwachung der
genannten Telefonnummer in Bezug auf die Tatzeit hätte die Staatsanwaltschaft jedoch zur
Vermeidung von Beweisverlusten unverzüglich nach der Anzeigeerstattung anordnen müs-
sen, da eine solche nur 6 Monate in die Vergangenheit möglich ist. Allenfalls nutzt die Täter-
schaft die fragliche Telefonnummer weiterhin, weshalb sich eine rückwirkende Randdatener-
hebung noch als zielführend erweisen könnte.
4.3 Dem Gesagten zufolge bestehen noch Ermittlungsansätze, die zur Identifikation der
Täterschaft führen könnten. Infolgedessen erweist sich die Beschwerde als begründet und ist
deshalb gutzuheissen. Die angefochtene Sistierungsverfügung ist aufzuheben und die Sache
zur Fortführung der Strafuntersuchung im Sinne der Erwägungen an die Staatsanwaltschaft
zurückzuweisen.
5. Lediglich der Vollständigkeit halber bleibt Folgendes festzuhalten: Die Staatsanwalt-
schaft hat in ihrer Stellungnahme vom 16. April 2021 unter anderem festgehalten, aus ermitt-
lungstaktischen Gründen könnten keine weiteren Angaben betreffend einer allfälligen Strafun-
tersuchung gegen C._ wegen Geldwäscherei gemacht werden. Vorliegend fragt sich je-
doch, ob der Beschwerdeführer in diesem Verfahren Parteistellung beanspruchen könnte und
ihm grundsätzlich ein Akteneinsichtsrecht zustehen würde. Der Geldwäscherei gemäss
Art. 305bis StGB macht sich schuldig, wer eine Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Ermitt-
lung der Herkunft, die Auffindung oder die Einziehung von Vermögenswerten zu vereiteln, die,
wie er weiss oder annehmen muss, unter anderem aus einem Verbrechen herrühren. Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung schützt der Tatbestand der Geldwäscherei in denjenigen
Fällen, in denen die Vermögenswerte aus Straftaten gegen Individualinteressen herrühren,
auch die Vermögensinteressen der durch die Vortat Geschädigten (BGE 129 IV 322 E. 2.2.4).
Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer nicht nur Geldbeträge der anderen Geschä-
digten auf das Konto mit der IBAN-Nummer 2._, lautend auf C._, weitergeleitet, son-
dern auch Fr. 200.− aus seinem eigenen Vermögen für ein Flugticket für „B._“ auf dieses
Konto überwiesen. Einer weiteren Aufforderung von „B._“, ihr Fr. 300.− auf das genannte
Konto zu überweisen, ist er indes nicht nachgekommen. Vorliegend ist zu beachten, dass als
geschädigte Person auch jene Person gilt, gegen deren Rechtsgüter sich der strafbare Ver-
such einer Tathandlung richtet (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl.
2014, Art. 115 N 29). Da es sich somit zumindest beim letzteren Vorgang um eine taugliche
Vortat der Geldwäscherei handelt, könnte der Beschwerdeführer auch durch C._ in sei-
nen Rechten unmittelbar verletzt worden sein. Die Staatsanwaltschaft wird daher prüfen müs-
sen, ob dem Beschwerdeführer in einer allfälligen Strafuntersuchung gegen C._ wegen
Geldwäscherei Parteistellung zukommt.
6. Hebt die Rechtsmittelinstanz einen Entscheid auf und weist sie die Sache zur neuen
Entscheidung an die Vorinstanz zurück, so trägt der Kanton die Kosten des Rechtsmittelver-
fahrens (Art. 428 Abs. 4 StPO). Zufolge Aufhebung der angefochtenen Sistierungsverfügung
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht
sind somit die Kosten des Beschwerdeverfahrens von total Fr. 1‘550.− (bestehend aus einer
Beschlussgebühr von Fr. 1‘500.− und Auslagen von pauschal Fr. 50.−) auf die Staatskasse zu
nehmen.