Decision ID: 29614cd3-6b22-52eb-9a3a-32f0ea87ef27
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 8. Februar 2017 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zur
Altersrente der AHV an; die Altersrente bezog sie ab dem 1. April 2017 (EL-act. 199,
189). Sie gab an, dass sie mit ihrem Ehemann B._ sowie mit C._ und D._ in einer
4-Zimmerwohnung an der E._ in F._ lebe; D._ werde "bis Sommer Ferien" bei
ihnen wohnen. Mit der Anmeldung reichte sie unter anderem einen Auszug über ein
Freizügigkeitsguthaben, lautend auf ihren Ehemann, in der Höhe von Fr. 120'788.70,
ein (EL-act. 198-2). Der Ehemann der Versicherten (im Folgenden: Ehemann) hatte sich
im Dezember 2013 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet.
Mit einer Verfügung vom 22. Juni 2016 hatte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
abgewiesen; sie war von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit des Ehemannes in
adaptierten Tätigkeiten ausgegangen. Der Ehemann hatte dagegen am 13. Juli 2016
eine Beschwerde erheben lassen (IV 2016/249, EL-act. 72).
A.a.
Mit einer Verfügung vom 25. August 2017 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten rückwirkend ab dem 1. April 2017 Ergänzungsleistungen in der Höhe der
sogenannten Minimalgarantie von monatlich Fr. 812.-- zu (EL-act. 168). Bei der
Anspruchsberechnung hatte sie die Prämienpauschale für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung, den Mietzins sowie die Pauschale für den allgemeinen
Lebensbedarf als Ausgaben und die Altersrente der AHV sowie ein hypothetisches
Erwerbseinkommen des Ehemannes als Einnahmen berücksichtigt (EL-act. 172, 173).
Insbesondere hatte sie für die Zeit von 1. April 2017 bis 31. Juli 2017 hälftige
Mietzinsanteile von C._ und D._ respektive ab 1. August 2017 den ganzen Mietzins
A.b.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
angerechnet; auf die Höhe der Ergänzungsleistungen hatte diese Änderung aber keinen
Einfluss. Die Versicherte liess am 20. September 2017 eine Einsprache gegen die
Verfügung vom 25. August 2017 erheben (EL-act. 161). Mit einer Verfügung vom
18. Dezember 2017 passte die EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistungen per
1. Januar 2018 an eine Erhöhung der Prämienpauschale für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung an (Erhöhung der Ergänzungsleistungen auf monatlich
Fr. 836.--, EL-act. 146). Die EL-Durchführungsstelle bestätigte der Versicherten am
9. Januar 2018, dass die Verfügung vom 18. Dezember 2017 aufgrund des hängigen
Einspracheverfahrens als mitangefochten gelte (EL-act. 144). Mit einem Entscheid vom
25. Januar 2018 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (EL-act. 140).
Am 21. Februar 2018 wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (im
Folgenden: Versicherungsgericht) die Beschwerde des Ehemannes betreffend seinen
Anspruch auf eine Invalidenrente ab (IV 2016/249, EL-act. 72).
A.c.
Die Versicherte liess am 23. Februar 2018 beim Versicherungsgericht eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 25. Januar 2018 erheben (EL-
act. 134). Ihr Ehemann liess am 18. April 2018 eine Beschwerde beim Bundesgericht
gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 21. Februar 2018 erheben; diese
zog er am 26. April 2018 zurück. Das Versicherungsgericht hiess die Beschwerde der
Versicherten am 27. März 2019 teilweise gut und wies die Sache zur weiteren
Abklärung an die EL-Durchführungsstelle zurück (EL 2018/8, EL-act. 72). Es hielt
insbesondere fest, dass der Versicherten für die Zeit ab 1. April 2017 ein
hypothetisches Erwerbseinkommen ihres Ehemannes von jährlich Fr. 53'009.--
anzurechnen sei. In einem obiter dictum hielt es zudem fest, dass von einer
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens frühestens ab dem auf den
Rückzug der Beschwerde des Ehemannes der Versicherten beim Bundesgericht
folgenden Monats, also ab Mai 2018, werde abgesehen werden können. In Bezug auf
die Höhe des angerechneten Mietzinses führte es aus, dass die EL-Durchführungsstelle
die tatsächlichen Kosten für den Kabelanschluss nicht ausreichend abgeklärt habe. Im
Weiteren sei nicht ausreichend abgeklärt worden, wann C._ und D._ aus der
Wohnung der Versicherten und deren Ehemannes ausgezogen seien.
A.d.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 19. Februar 2018 und 19. Juli 2018 hatte die Versicherte die Formulare
betreffend die Arbeitsbemühungen ihres Ehemannes für die Monate November 2017
bis Januar 2018 und Februar 2018 bis Juni 2018 einreichen lassen (EL-act. 135, 123).
Die EL-Durchführungsstelle hatte die Versicherte am 20. August 2018 darauf
hingewiesen (EL-act. 122), dass ihr kein hypothetisches Einkommen angerechnet
werde, wenn ihr Ehemann trotz ernsthaften, aktiven und gezielten Arbeitsbemühungen
keine Stelle finde. Die Arbeitsbemühungen seien genügend, wenn monatlich
mindestens zwei Bewerbungen auf ausgeschriebene, tatsächlich freie Stellen und
sechs Blindbewerbungen getätigt würden oder wenn fünf Bewerbungen auf
ausgeschriebene, tatsächlich freie Stellen erfolgten. Folgende Nachweise der
Arbeitsbemühungen seien aufzubewahren: Monatliche Übersicht über getätigte
Bewerbungen, Bewerbungsschreiben, dazugehörige Stelleninserate, Antwortschreiben
und Kopie eines vollständigen Bewerbungsdossiers. Gleichentags hatte sie die
Versicherte gebeten (EL-act. 121), als Nachweise der Arbeitsbemühungen alle
Bewerbungsschreiben, die dazugehörigen Stelleninserate, alle Antwortschreiben und
eine Kopie eines vollständigen Bewerbungsdossiers einzureichen, da sie mit den am
19. Juli 2018 eingereichten Arbeitsbemühungen nicht die vollständigen Unterlagen
erhalten habe. Am 27. August 2018 hatte die Versicherte eine Saldobestätigung
betreffend das Freizügigkeitskonto per 20. August 2018 einreichen lassen (Saldo von
Fr. 120'968.65, EL-act. 119). Sie hatte geltend machen lassen, dass ihr Ehemann das
Geld beziehen möchte, um sich selbstständig zu machen. Am 10. September 2018
hatte das RAV bestätigt (EL-act. 117), dass sich der Ehemann am 30. August 2018 zur
Arbeitsvermittlung angemeldet und am 10. September 2018 ein Beratungsgespräch
wahrgenommen habe. Er habe bereits ein individuelles mehrtägiges Coaching
betreffend Stellensuche absolviert. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters und der
eingeschränkten Deutschkenntnisse sei er aber nach wie vor nicht in der Lage,
selbstständig ein individuell angepasstes Bewerbungsschreiben zu verfassen. Deshalb
sei ihm ein allgemein abgefasstes Musterbewerbungsschreiben zur Verfügung gestellt
worden. Am 4. Oktober 2018 hatte die EL-Durchführungsstelle der Versicherten
mitgeteilt, dass ab dem 1. November 2018 unverändert ein Anspruch auf
Ergänzungsleistungen von Fr. 836.-- bestehe (EL-act. 112). Sie hatte das BVG-
Alterskapital als hypothetisches Vermögen berücksichtigt (EL-act. 113). Am
16. Oktober 2018 hatte die Versicherte zwei Absagen vom 1. Oktober 2018 auf
B.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Stellenbewerbungen ihres Ehemannes einreichen lassen (EL-act. 111). Am 31. Oktober
2018 hatte sie bezüglich der Mitteilung vom 4. Oktober 2018 den Erlass einer
anfechtbaren Verfügung verlangen sowie zwei Bewerbungsschreiben vom 30. Oktober
2018 einreichen lassen (EL-act. 110). Am 5. November 2018 hatte sie drei
Bewerbungsschreiben vom 31. Oktober 2018 und am 3. Dezember 2018 acht
Bewerbungsschreiben vom 30. November 2018 einreichen lassen (EL-act. 109, 106).
Die EL-Durchführungsstelle hatte die Versicherte am 12. Dezember 2018 unter Hinweis
auf Art. 43 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) darauf hingewiesen, dass auch die
Stelleninserate und Antwortschreiben einzureichen seien, andernfalls das
hypothetische Erwerbseinkommen weiterhin angerechnet werde (EL-act. 105). Mit einer
Verfügung vom 20. Dezember 2018 hatte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen per 1. Januar 2019 an eine Erhöhung der Prämienpauschale für
die obligatorische Krankenpflegeversicherung angepasst (Erhöhung der
Ergänzungsleistungen auf monatlich Fr. 852.--, EL-act. 104). Am 20. Dezember 2018
war bei der EL-Durchführungsstelle ein Mietvertrag für eine 3-Zimmerwohnung an der
L._ in G._, lautend auf die Versicherte und ihren Ehemann, gültig ab dem 1. April
2019, eingegangen (EL-act. 101). Die Versicherte hatte am 9. Januar 2019, 25. Januar
2019 und 1. Februar 2019 fünf Bewerbungsschreiben vom 21./24. Dezember 2018,
zwei Bewerbungsschreiben vom 24. Januar 2019, sechs Bewerbungsschreiben vom
21./31. Dezember 2018 und 29. Januar 2019 sowie mehrere Absagen einreichen lassen
(EL-act. 96, 94, 93). Am 31. Januar 2019 hatte sie eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 20. Dezember 2018 erheben lassen (EL-act. 91). Ihr Rechtsvertreter hatte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung, soweit ein weitergehender Anspruch auf
Ergänzungsleistungen verneint werde, und die Zusprache von monatlichen
Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 3'852.40 beantragt. Zur Begründung hatte er
geltend gemacht, der Ehemann bemühe sich in qualitativer und quantitativer Hinsicht
genügend um eine Arbeitsstelle, weshalb die Annahme eines hypothetischen
Erwerbseinkommens nicht rechtens sei. Aufgrund der Schwierigkeiten bei der
Stellensuche bleibe dem Ehemann nichts anderes übrig, als sich über eine
selbstständige Erwerbstätigkeit Gedanken zu machen. Deshalb könne es nicht
angehen, ihm diese Möglichkeit zu verwehren, indem man das Alterskapital als
Einnahme anrechne. Mit mehreren Eingaben vom 7. Februar 2019 bis 27. März 2019
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hatte die Versicherte acht Bewerbungsschreiben vom 26./27./28. Februar 2019, sechs
Bewerbungsschreiben vom 25./26./27. März 2019 sowie mehrere Absagen einreichen
lassen (EL-act. 77 ff.).
Mit einer Verfügung vom 28. März 2019 passte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen per 1. April 2019 aufgrund des Erreichen des ordentlichen
Rentenalters der Versicherten (Wegfall der AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige) und
der Mietzinsänderung an (EL-act. 76). Die Ergänzungsleistungen blieben unverändert
bei monatlich Fr. 852.--. Gleichentags liess die Versicherte ein weiteres
Bewerbungsschreiben vom 28. März 2019 einreichen. Am 29. März 2019 erhielt die EL-
Durchführungsstelle eine Meldung der AHV-Zweigstelle F._ (EL-act. 74), dass sich
die Versicherte und ihr Ehemann am 14. März 2019 getrennt hätten. Die Versicherte
werde alleine nach G._ ziehen (vgl. auch die Mutationsmeldung der Gemeinde G._
vom 11. April 2019, EL-act. 68). Am 1. April 2019 liess die Versicherte ein
Bewerbungsschreiben vom 29. März 2019 einreichen (EL-act. 73).
B.b.
Am 1. Mai 2019 liess die Versicherte eine Einsprache gegen die Verfügung vom
28. März 2019 erheben (EL-act. 63). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Zusprache von
monatlichen Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 3'993.25 ab April 2019. Am
7. Mai 2019 sistierte die EL-Durchführungsstelle dieses Einspracheverfahren mit der
Begründung, dass der Entscheid im Verfahren EL 2018/8 noch nicht rechtskräftig sei,
weshalb sie die geforderten Abklärungen noch nicht vorgenommen und noch keine
neue Verfügung erlassen habe (EL-act. 60). Der Rechtsvertreter der Versicherten teilte
am 14. Mai 2019 mit (EL-act. 56, 57), der Ehemann habe die Schweiz verlassen. Das
Alterskapital sei mittlerweile für die Tilgung von Schulden aufgebraucht. Er reichte eine
Rechnung vom 13. Februar 2019 für Möbel, deren Anschaffung aufgrund der Umzüge
notwendig gewesen sei, in der Höhe von Fr. 5'500.-- und einen Zahlungsauftrag vom
23. April 2019 in der Höhe von Fr. 7'000.--, ausführbar per 1. Mai 2019 auf ein Konto in
K._, ein. Er ersuchte die EL-Durchführungsstelle darum, der Versicherten umgehend
ohne Anrechnung eines Vermögens und eines Einkommens die gesetzlichen
Ergänzungsleistungen zu entrichten. Die EL-Durchführungsstelle bat den
Rechtsvertreter der Versicherten am 16./22. Mai 2019 um die Einreichung von weiteren
Unterlagen (EL-act. 58, 52). Am 22. Mai 2019 reichte dieser drei Bankkontoauszüge,
zwei Steuerrechnungen vom 9. Mai 2019 betreffend eine separate Jahressteuer für eine
B.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kapitalleistung und eine Zustimmungserklärung der Versicherten mit einer am 10. April
2019 amtlich beglaubigten Unterschrift betreffend eine Auszahlung des Alterskapitals
an den Ehemann ein (EL-act. 51). Gemäss einem Bankkontoauszug war am 17. April
2019 ein Alterskapital in der Höhe von Fr. 120'978.78 ausbezahlt worden. Der
Rechtsvertreter machte geltend, bei einem seit über zwei Jahren angerechneten
hypothetischen Erwerbseinkommen sei es offensichtlich, dass die Versicherte und ihr
Ehemann nur hätten leben können, indem sie Schulden gemacht hätten. Er bitte
darum, auf eine Anrechnung eines Vermögens zu verzichten. Am 17. Juni 2019 reichte
er einen Mietvertrag vom 11. Mai 2017 betreffend eine 4.5-Zimmerwohnung an der
H._ in I._, lautend auf C._ und D._, und ein Schreiben der J._ vom 2. März
2015 an den Ehemann betreffend eine Kündigung des TV-Anschlusses an der E._ ein
(EL-act. 49). Am 14. Juni 2019 reichte er vier Bewerbungsschreiben vom September
2018 ein (EL-act. 48).
Mit einer Verfügung vom 11. Juli 2019 sprach die EL-Durchführungsstelle der Ver
sicherten folgende monatlichen Ergänzungsleistungen zu: Ab April 2017 bis Mai 2017
Fr. 812.--, ab Juni 2017 bis Dezember 2017 Fr. 926.--, ab Januar 2018 bis September
2018 Fr. 950.--, für Oktober 2018 Fr. 3'799.--, ab November 2018 bis Dezember 2018
Fr. 3'348.-- und ab Januar 2019 bis März 2019 Fr. 3'422.-- (EL-act. 36). Zur
Begründung führte sie aus, aufgrund der eingereichten Unterlagen sei nachgewiesen,
dass in der Nebenkostenpauschale keine Kosten für die TV-Anschlussgebühren
enthalten gewesen seien. Ein entsprechender Abzug vom Bruttomietzins habe deshalb
zu unterbleiben. Das Versicherungsgericht habe im Grundsatz die Anrechnung des
hypothetischen Erwerbseinkommens für den Ehemann bestätigt und dieses auf
Fr. 57'992.-- jährlich abzüglich 9% als Sozialversicherungsbeiträge festgesetzt. Die EL-
Durchführungsstelle rechnete deshalb ab April 2017 neu den Bruttomietzins ohne einen
Abzug für TV-Anschlussgebühren sowie ein hypothetisches Erwerbseinkommen in der
Höhe von Fr. 52'772.-- an. Im Weiteren hielt sie fest, die nicht EL-berechtigten
Mitbewohner C._ und D._ hätten sich per 1. August 2017 nach I._ abgemeldet.
Gemäss den nachgereichten Unterlagen hätten diese per 1. Juni 2017 den Mietvertrag
für ihre eigene Wohnung abgeschlossen. Es sei anzunehmen, dass der Auszug aus der
Wohnung der Versicherten und deren Ehemannes bereits auf diesen Zeitpunkt hin
erfolgt sei, weshalb eine Mietzinsbeteiligung (vgl. Art. 16c der Verordnung über die
B.d.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ELV,
SR 831.301) per 1. Juni 2017 entfalle. Per 1. Januar 2018 sei der Betrag der
Prämienpauschale für die obligatorische Krankenpflegeversicherung anzupassen.
Gemäss dem Gerichtsentscheid sei weiterhin ein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen. Im September 2018 habe sich der Ehemann für die Stellensuche und ein
Jobcoaching angemeldet und in der Folge genügende Arbeitsbemühungen erbracht. Er
hätte frühestens ab dem 1. Oktober 2018 ein Erwerbseinkommen erzielen können,
weshalb auf diesen Zeitpunkt hin das hypothetische Erwerbseinkommen
auszuscheiden sei. Ab dem 1. November 2018 sei das BVG-Kapital als verzehrbares
Vermögen anzurechnen. Dass dieses tatsächlich zur Deckung der existenziellen
Lebenshaltungskosten ge-/verbraucht worden sei, ergebe sich auch aus den Schreiben
vom 14./22. Mai 2019. Per 1. Januar 2019 seien der Betrag der Prämienpauschale für
die obligatorische Krankenpflegeversicherung, der Pauschale für den allgemeinen
Lebensbedarf und der AHV-Altersrente anzupassen. Ausserdem seien AHV-Beiträge
für Nichterwerbstätige anzurechnen. Mit der Verfügung vom 11. Juli 2019 werde die
angefochtene Verfügung vom 20. Dezember 2018 aufgehoben, womit das
Einspracheverfahren (Einsprache vom 31. Januar 2019) gegenstandslos werde. Per
1. April 2019 habe sich das Ehepaar getrennt, weshalb der Anspruch auf
Ergänzungsleistungen ab dem 1. April 2019 in einem separaten Verfahren geprüft
werde (vgl. die sistierte Einsprache vom 1. Mai 2019).
Die Versicherte liess am 19. August 2019 eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 11. Juli 2019 erheben (EL-act. 28). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung, soweit ein weitergehender Anspruch der Versicherten
auf Ergänzungsleistungen verneint werde. Der Versicherten seien folgende monatliche
Ergänzungsleistungen (Direktzahlungen darin enthalten) zuzusprechen und zu
entrichten: Ab April 2017 bis Mai 2017 Fr. 3'258.--, ab Mai 2017 bis Dezember 2017
Fr. 3'776.--, ab Januar 2018 bis Juni 2018 Fr. 3'799.--, ab Juli 2018 bis September
2018 Fr. 114.--, für Oktober 2018 Fr. 3'799.--, ab November 2018 bis Dezember 2018
Fr. 3'348.-- und ab Januar 2019 bis März 2019 Fr. 3'422.--. Zur Begründung machte er
geltend, die Einsprache richte sich gegen die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens des Ehemannes und, falls man der Versicherten ein solches
anrechnen würde, gegen die Anrechnung eines Vermögensverzehrs ab November
B.e.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2018. Ausser in den Monaten Juli und August 2018 habe der Ehemann stets quantitativ
und qualitativ der Schadenminderungspflicht genügende Arbeitsbemühungen
eingereicht. Ein allfälliger Vermögensverzehr sei echtzeitlich anzurechnen. Ab
November 2018 habe der Versicherten und ihrem Ehemann kein Betrag von
Fr. 53'546.-- (bzw. Fr. 113'546.--) zur Verfügung gestanden. Da der Versicherten bis
September 2018 zu Unrecht ein hypothetisches Erwerbseinkommen ihres Ehemannes
angerechnet worden sei, habe sich das Ehepaar verschulden müssen. Es gehe nicht
an, ein hypothetisches Erwerbseinkommen und gleichzeitig einen Vermögensverzicht
anzunehmen.
Mit einer Verfügung vom 10. September 2019 ersetzte die EL-Durchführungsstelle
die angefochtene Verfügung vom 28. März 2019 und sprach der Versicherten
Ergänzungsleistungen für den April 2019 von Fr. 2'466.-- und ab 1. Mai 2019 von
Fr. 2'657.-- monatlich zu (EL-act. 15). Am 18. September 2019 teilte sie der
Versicherten mit, sie gehe davon aus, dass sie die Einsprache gegen die Verfügung
vom 28. März 2019 als gegenstandslos betrachten könne.
B.f.
Mit einem Entscheid vom 27. November 2019 schrieb die EL-Durchführungsstelle
das Einspracheverfahren für den Zeitraum ab April 2019 infolge Gegenstandslosigkeit
ab. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab (EL-act. 10). Zur Begründung brachte sie
vor, die Verfügung vom 10. September 2019 sei in Rechtskraft erwachsen, weshalb
das Einspracheverfahren für den Zeitraum ab April 2019 infolge Gegenstandslosigkeit
abzuschreiben sei. Das Versicherungsgericht habe verbindlich entschieden, dass die
EL-Durchführungsstelle der Versicherten von April 2017 bis Dezember 2017 zu Recht
ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet habe. Der Ehemann habe sich für
vollständig arbeitsunfähig gehalten (vgl. Replik vom 2. Februar 2017 im Verfahren IV
2016/249) und nicht ernsthaft eine Arbeitsstelle gesucht. Die EL-Durchführungsstelle
habe deshalb zu Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet,
zumindest bis zum Rückzug der Beschwerde des Ehemannes an das Bundesgericht
am 26. April 2018. Im Mai 2018 sei ebenfalls ein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen, da der Ehemann aufgrund der kurzen Zeitspanne zwischen dem
Beschwerderückzug und dem 1. Mai 2018 nicht in der Lage gewesen wäre, sich noch
um eine Arbeitsstelle ab Mai 2018 zu bewerben. Weil die EL-Durchführungsstelle ab
Oktober 2018 kein hypothetisches Erwerbseinkommen mehr angerechnet habe, sei
B.g.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.
einzig zu prüfen, ob der Versicherten zu Recht für Juni und September 2018 ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet worden sei. Der EL-Fachbereich habe
am 6. September 2019 festgehalten (vgl. EL-act. 22), dass der Ehemann betreffend die
Verwertung seiner Arbeitsfähigkeit mehrgleisig gefahren sei: Zunächst habe er lange
Zeit versucht, eine Invalidenrente zu erwirken; überschneidend dazu habe er
Arbeitsbemühungen getätigt; er habe sich selbstständig machen wollen und habe
schliesslich seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt. Sowohl der Wunsch, eine
selbstständige Erwerbstätigkeit auszuüben, als auch der Wegzug ins Ausland kurz
nach der Auszahlung des Alterskapitals und dem Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 27. März 2019 weckten Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Arbeitsbemühungen.
Auf diese Stellungnahme könne verwiesen werden. Bezüglich der Anrechnung des
Alterskapitals ab November 2018 verweise sie auf die Erwägungen in der Verfügung
vom 10. September 2019. Diese Verfügung enthält keine Ausführungen betreffend eine
Anrechnung des Alterskapitals ab November 2018. Vielmehr ist darin festgehalten
worden, dass erstmals im Mai 2019 gemeldet worden sei, dass das Alterskapital
verbraucht worden sei. Aufgrund der lange Zeit nicht existenzsichernden
Ergänzungsleistungen sei ohne weiteres davon auszugehen, dass die Versicherte per
Meldemonat Mai über kein Nettovermögen von mehr als dem Freibetrag von
Fr. 37'500.-- verfügt habe (EL-act. 15).
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 31. Dezember 2019
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 27. November 2019 erheben
(act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids, soweit ein weitergehender Anspruch auf Ergänzungsleistungen
verneint werde. Der Beschwerdeführerin seien folgende monatliche
Ergänzungsleistungen (Direktzahlungen darin enthalten) zuzusprechen und zu
entrichten: Ab April 2017 bis Mai 2017 Fr. 3'258.--, ab Mai 2017 bis Dezember 2017
Fr. 3'776.--, ab Januar 2018 bis Juni 2018 Fr. 3'799.--, ab Juli 2018 bis August 2018
Fr. 114.--, ab September 2018 bis Oktober 2018 Fr. 3'799.--, ab November 2018 bis
Dezember 2018 Fr. 3'348.-- und ab Januar 2019 bis März 2019 Fr. 3'422.--. Zur
Begründung machte er geltend, das Versicherungsgericht habe sich im Entscheid vom
27. März 2019 mit den Ansprüchen der Beschwerdeführerin auf Ergänzungsleistungen
C.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bis zum 25. Januar 2018 befasst (Erlass des damaligen Einspracheentscheids). Die
vorliegende Beschwerde stelle eine Fortsetzung dieses Verfahrens dar. Da der
Entscheid vom 27. März 2019 kein anfechtbarer Vor- oder Zwischenentscheid nach
Art. 93 BGG gewesen sei, sei die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens ab April 2017 erneut zu überprüfen. Nicht rechtens sei es, der
Beschwerdeführerin von April 2017 bis September 2018 ein hypothetisches Erwerbs
einkommen anzurechnen. Ausser in den Monaten Juli und August 2018 habe ihr
Ehemann quantitativ und qualitativ der Schadenminderungspflicht genügende
Arbeitsbemühungen eingereicht. Diese würden nicht deshalb ungenügend, weil der
Ehemann, was seine Arbeitsfähigkeit anbelange, eine andere Auffassung vertreten
habe als die IV-Stelle. Es sei nichts Aussergewöhnliches, dass Ansprüche nicht nur
gegenüber der Invalidenversicherung bestünden, wenn jemand der Ansicht sei, dass
die Invalidenversicherung Leistungen zu erbringen habe. Auch bei einer blossen
Anmeldung bei der Invalidenversicherung sei davon auszugehen, dass eine versicherte
Person der Ansicht sei, in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt zu sein, und sich
dennoch ernsthaft um eine Arbeitsstelle bemühe. Andernfalls hätte sie, wenn die
anderen Voraussetzungen erfüllt seien, keine Ansprüche auf Leistungen der
Arbeitslosenversicherung (Art. 15 Abs. 3 AVIV). Massgeblich könne daher nur sein, ob
die Arbeitsbemühungen des Ehemannes in quantitativer und qualitativer Hinsicht zu
beanstanden seien, was sie mit Ausnahme der Monate Juli und August 2018 nicht
seien. Das Versicherungsgericht habe im Entscheid vom 27. März 2019 (EL 2018/8)
ausgeführt, der Ehemann habe die Beschwerde beim Bundesgericht "wohl aus
taktischen Gründen" zurückgezogen. Dies sei eine unzutreffende Hypothese. Der
Kostenträger habe keine Kostengutsprache erteilt. Wenn die EL-Durchführungsstelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) aus dem Bezug des BVG-Kapitals und dem
Versuch einer Selbstständigkeit auf nicht ernsthafte Arbeitsbemühungen schliessen
möchte, sei dies auch nicht zutreffend. Der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann
sei gar nichts anderes übriggeblieben als zu versuchen, anderweitig ein Einkommen zu
generieren. Die Ausführungen des Rechtsvertreters bezüglich der Anrechnung eines
Vermögensverzehrs ab November 2018 entsprachen denjenigen im
Einspracheverfahren.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. Januar 2020 mit Verweis auf die
Erwägungen im Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.b.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat im Einspracheentscheid vom 27. November 2019
Entscheide in zwei Einspracheverfahren gefällt, nämlich im Einspracheverfahren gegen
die Verfügung vom 11. Juli 2019 betreffend den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Ergänzungsleistungen ab 1. April 2017 bis 31. März 2019 und im Einspracheverfahren
gegen die Verfügung vom 28. März 2019 betreffend den Anspruch auf
Ergänzungsleistungen ab 1. April 2019. Da die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom
28. März 2019 mit einer Verfügung vom 10. September 2019 ersetzt hatte, hat die
Beschwerdegegnerin das betreffende Einspracheverfahren als gegenstandslos
abgeschrieben (vgl. Dispositiv Ziffer 1). Die Einsprache gegen die Verfügung vom
11. Juli 2019 hat sie abgewiesen (vgl. Dispositiv Ziffer 2). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung hat eine rückwirkend abgestufte Leistungszusprache mit einer
einzigen Verfügung zu erfolgen, da es sich materiell um ein einziges Rechtsverhältnis
handelt (vgl. BGE 131 V 164). Die Aufteilung der Zusprache von Ergänzungsleistungen
ab dem 1. April 2017 und ab dem 1. April 2019 in die Verfügungen vom 11. Juli 2019
und vom 10. September 2019 ist daher verfahrensrechtswidrig gewesen. Die
Verfügung vom 10. September 2019 ist jedoch unangefochten in formelle Rechtskraft
erwachsen. Sie ist für das Versicherungsgericht damit verbindlich geworden, weshalb
der Leistungsanspruch ab 1. April 2019 trotz der rechtswidrigen Aufteilung der
rückwirkenden Leistungszusprache auf zwei Verfügungen einer gerichtlichen
Überprüfung entzogen bleibt. Streitgegenstand bildet somit ausschliesslich der
Anspruch der Beschwerdeführerin auf Ergänzungsleistungen ab 1. April 2017 bis
31. März 2019.
2.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Aus
gaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Ehepaare bilden bei der Anspruchs
berechnung eine wirtschaftliche Einheit, sodass ihre Ausgaben und Einnahmen
zusammengerechnet werden (Art. 9 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung in der bis
31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung, aELG, SR 831.30). Die anerkannten
Ausgaben sind in Art. 10 aELG geregelt, die anrechenbaren Einnahmen in Art. 11
aELG.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 4).C.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Die Beschwerdegegnerin hat in Umsetzung des Entscheids des Versicherungsgerichts
vom 27. März 2019 hinsichtlich des anrechenbaren Mietzinses ab 1. April 2017 (vgl.
Art. 10 Abs. 1 lit. b aELG) weitere Abklärungen getätigt. In Bezug auf die Kosten für den
TV- und Radioanschluss haben die Abklärungen ergeben, dass der Anschluss in der
Wohnung der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes an der E._ in F._
plombiert gewesen ist. Gemäss einer Heiz- und Nebenkostenabrechnung vom 20. Mai
2016 ist sowohl eine 4-Zimmerwohnung im dritten als auch eine 4-Zimmerwohnung im
vierten Obergeschoss von je einer Familie A._ gemietet, aber nur der TV-Anschluss
der Wohnung im vierten Obergeschoss ist plombiert gewesen (EL-act. 182-14). Aus
einer Bestätigung der Liegenschaftsverwaltung vom 3. Juli 2017 ist aber ersichtlich,
dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann die 4-Zimmerwohnung im vierten
Obergeschoss bewohnt haben (EL-act. 179-2). Damit ist davon auszugehen, dass der
Anschluss in ihrer Mietwohnung plombiert gewesen ist. Dies wird durch ein Schreiben
der J._ vom 2. März 2015 an den Ehemann der Beschwerdeführerin bestätigt,
wonach der TV-Anschluss per 30. April 2015 gekündigt worden ist (EL-act. 49). Damit
ist erstellt, dass im Mietzins von Fr. 1'036.-- (EL-act. 197) keine Kosten für den TV- und
Radioanschluss enthalten gewesen sind, weshalb der ursprünglich dafür
vorgenommene Abzug von Fr. 20.-- (vgl. EL-act. 168) unzulässig gewesen ist. Der
tatsächlich bezahlte Mietzins hat Fr. 1'080.-- betragen (EL-act. 195-4). Die Differenz
von Fr. 44.-- ist mit höheren Akontozahlungen für die Heiz- und Nebenkosten
begründet worden (EL-act. 182). Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin
darauf hingewiesen, dass nur der vertraglich festgelegte Mietzins berücksichtigt
werden könne, weshalb mit dem Vermieter eine Anpassung der Nebenkostenpauschale
vereinbart werden könnte (EL-act. 180). Die Beschwerdeführerin hat weder einen
angepassten Mietvertrag noch anderweitige Unterlagen eingereicht, die belegen
würden, dass die Fr. 44.-- als Akontozahlungen für die Heiz- und Nebenkosten
geleistet worden wären. Sie hat lediglich ein Schreiben der Liegenschaftsverwaltung
vom 24. Juli 2017 eingereicht, wonach der monatliche Mietzins Fr. 1'036.-- betragen
hatte (EL-act. 49-5). Die Beschwerdegegnerin hat damit zu Recht in der dem
angefochtenen Einspracheentscheid zugrundeliegenden Berechnung ab 1. April 2017
bis 31. März 2019 einen Mietzins von Fr. 12'432.-- (Fr. 1'036.-- x 12) berücksichtigt
(vgl. die Berechnungsblätter, EL-act. 37-42). Gemäss einem Mietvertrag vom 11. Mai
2017 (EL-act. 49-2) haben C._ und D._ per 1. Juni 2017 eine 4.5-Zimmerwohnung
an der H._ in I._ gemietet. Damit ist es überwiegend wahrscheinlich, dass sie
bereits ab 1. Juni 2017 und nicht, wie ursprünglich aufgrund einer Mutation im
Einwohnerregister angenommen, ab 1. August 2017 nicht mehr mit der
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführerin und deren Ehemann zusammen an der E._ in F._ gewohnt
haben. Die Beschwerdegegnerin hat damit zu Recht für die Zeit ab 1. April 2017 bis
31. Mai 2017 den hälftigen Mietzins berücksichtigt (vgl. das Berechnungsblatt, EL-
act. 37). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der von der Beschwerdegegnerin im
Einspracheentscheid berücksichtigte Mietzins für den Zeitraum ab 1. April 2017 bis
31. März 2019 korrekt ist.
4.
Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g aELG sind Einkünfte und Vermögenswerte, auf die
verzichtet worden ist, als Einnahmen anzurechnen. Beim hypothetischen
Erwerbseinkommen handelt es sich um eine fiktive Einnahmenposition, die einer
Verletzung der EL-spezifischen Schadenminderungspflicht Rechnung trägt (Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. Mai 2020, EL 2018/36,
E. 2.1). Bemüht sich der Ehegatte der EL-beanspruchenden Person trotz
zumutbarerweise verwertbarer Arbeitsfähigkeit nicht um eine Stelle, verletzt sie die ihr
obliegende Schadenminderungspflicht (Urs Müller, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum ELG, 3. Auflage, Zürich 2015, Art. 11 Rz 514, m.w.H.).
4.1.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat die Auffassung vertreten, das
Versicherungsgericht habe sich im Entscheid vom 27. März 2019 mit dem Anspruch
der Beschwerdeführerin auf Ergänzungsleistungen bis zum 25. Januar 2018 (Erlass des
damaligen Einspracheentscheids) befasst. Die vorliegende Beschwerde stelle eine
Fortsetzung dieses Verfahrens dar. Er hat sinngemäss geltend gemacht, da der
Entscheid vom 27. März 2019 kein anfechtbarer Vor- oder Zwischenentscheid nach
Art. 93 BGG gewesen sei, sei die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens ab 1. April 2017 erneut zu überprüfen. Entgegen der Auffassung
des Rechtsvertreters hat sich das Versicherungsgericht im Entscheid vom 27. März
2019 nicht mit dem Anspruch der Beschwerdeführerin auf Ergänzungsleistungen bis
zum 25. Januar 2018, sondern nur bis zum Erlass der dem Einspracheentscheid vom
25. Januar 2018 zugrundeliegenden Verfügungen vom 25. August 2017 und
18. Dezember 2017 befasst. Dies entspricht der ständigen Praxis des
Versicherungsgerichts, da andernfalls Sachverhaltsentwicklungen zwischen dem Erlass
der angefochtenen Verfügung und dem Einspracheentscheid keiner Überprüfung durch
ein Einspracheverfahren zugänglich wären (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 16. Februar 2021, EL 2019/21, E. 1.2, m.w.H.). Das
Versicherungsgericht hat im Entscheid vom 27. März 2019 für die Beschwerdegegnerin
(und damit auch für das Versicherungsgericht) verbindlich festgelegt, dass der
Beschwerdeführerin ein hypothetisches Erwerbseinkommen ihres Ehemannes ab
4.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. April 2017 bis 31. Dezember 2017 anzurechnen sei und es hat dieses mit
Fr. 53'009.-- exakt beziffert (EL 2018/8, E. 2.3 ff.). Auch wenn im Entscheid Art. 56
Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP, sGS 951.1) nicht
ausdrücklich genannt worden ist, hat die Beschwerdegegnerin dies zu Recht als
verbindliche Vorgabe interpretiert. Beim berücksichtigten hypothetischen
Erwerbseinkommen von Fr. 52'772.-- ist sie wohl versehentlich vom Betrag
ausgegangen, den das Versicherungsgericht auf der Basis der statistischen
Durchschnittslöhne für das Jahr 2016 berechnet hatte (Fr. 4'397.75 x 12; vgl. EL
2018/8, E. 2.6). Korrekt wäre gewesen, das der Nominallohnentwicklung für das Jahr
2017 angepasste hypothetische Erwerbseinkommen von Fr. 53'009.-- zu
berücksichtigen. Entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters ist daher die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens des Ehemannes nicht ab
1. April 2017, sondern erst ab 1. Januar 2018 zu überprüfen.
Für die Prüfung, ob der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2018 bis 31. März 2019
ein hypothetisches Erwerbseinkommen ihres Ehemannes anzurechnen ist, ist
massgebend, ob sich seit dem 31. Dezember 2017 eine relevante
Sachverhaltsveränderung ergeben hat, das heisst, ob die bis am 31. Dezember 2017
selbstverschuldete Arbeitslosigkeit des Ehemannes zu einer nicht selbstverschuldeten
Arbeitslosigkeit gewechselt hat. Hierfür ist massgebend, ob sich der Ehemann
ernsthaft, das heisst qualitativ und quantitativ genügend um eine Arbeit bemüht hat.
Das Versicherungsgericht hat im Entscheid vom 27. März 2019 ausführlich dargelegt,
dass die bis zum 31. Dezember 2017 getätigten Arbeitsbemühungen des Ehemannes
nicht ernsthaft gewesen sind, da sich der Ehemann als vollständig invalid betrachtet
und sich für die Zusprache einer ganzen Invalidenrente eingesetzt hat (EL 2018/8,
E. 2.4). Daran hat sich bis zum Rückzug der Beschwerde an das Bundesgericht am
26. April 2018 gegen den das Gesuch um eine Invalidenrente abweisenden Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 21. Februar 2018 nichts geändert, denn erst mit dem
Rückzug der Beschwerde an das Bundesgericht ist davon auszugehen, dass sich der
Ehemann damit hat abfinden müssen, dass er nicht invalid ist und er deshalb einer
Erwerbstätigkeit nachgehen könnte. Das Vorbringen des Rechtsvertreters, dass der
Beschwerderückzug aufgrund einer Verweigerung der Kostengutsprache durch den
Kostenträger (und nicht aus taktischen Gründen, vgl. EL 2018/8, E. 2.4) erfolgt sei,
vermag daran nichts zu ändern. Die bis zum 26. April 2018 getätigten
Arbeitsbemühungen des Ehemannes sind also überwiegend wahrscheinlich nicht
ernsthaft gewesen. Weil das am 25. April 2018 fiktiv ausbezahlte Erwerbseinkommen
zur Existenzsicherung bis Ende Mai 2018 ausgereicht hätte, ist der Beschwerdeführerin
bis zum 31. Mai 2018 ein hypothetisches Erwerbseinkommen ihres Ehemannes
4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anzurechnen. Mit dem Beschwerderückzug am 26. April 2018 ist eine
Sachverhaltsveränderung eingetreten, denn als der Ehemann hat akzeptieren müssen,
dass er objektiv nicht invalid ist und arbeiten könnte, ist er auch aus seiner eigenen
Sicht arbeitslos gewesen. In den Monaten Mai und Juni 2018 hat sich der Ehemann
gemäss den eingereichten Übersichten auf je fünf Stellen beworben (EL-act. 123). Die
EL-Durchführungsstelle hat erst am 20. August 2018 Vorgaben zu den
Arbeitsbemühungen gemacht (EL-act. 122, 121). Sie hat angegeben, dass die
Arbeitsbemühungen genügend seien, wenn der Ehemann monatlich mindestens zwei
auf ausgeschriebene, tatsächlich freie Stellen und sechs Blindbewerbungen tätige oder
sich auf fünf ausgeschriebene, tatsächlich freie Stellen bewerbe. Mangels
entsprechender Vorgaben in den Monaten Mai und Juni 2018 können der
Beschwerdeführerin allfällige, den späteren Vorgaben nicht genügende
Arbeitsbemühungen ihres Ehemannes nicht angelastet werden. Der Ehemann ist damit
im Mai und Juni 2018 unverschuldet arbeitslos gewesen, weshalb der
Beschwerdeführerin ab 1. Juni 2018 kein hypothetisches Erwerbseinkommen ihres
Ehemannes anzurechnen ist. Im Juli und August 2018 hat der Ehemann
unbestrittenermassen keine Arbeitsbemühungen getätigt. Damit ist er
selbstverschuldet arbeitslos gewesen. Hätte er im Juli 2018 eine Stelle gefunden und
ab 1. August 2018 eine Erwerbstätigkeit ausgeübt, so hätte er am 25. August 2018
einen Lohn ausbezahlt erhalten, der ab September 2018 zur Deckung des
Existenzbedarfs zur Verfügung gestanden hätte. Der Beschwerdeführerin ist deshalb
ab 1. September 2018 erneut ein hypothetisches Erwerbseinkommen ihres Ehemannes
anzurechnen. Als Nachweise der Arbeitsbemühungen des Ehemannes im September
2018 hat der Rechtsvertreter fünf Bewerbungsschreiben eingereicht, wobei sich zwei
Bewerbungen wohl auf dieselbe Stelle bezogen haben dürften (vgl. EL-act. 48-7, 45-2).
Eine Bewerbung ist ausserdem auf eine nicht freie Stelle erfolgt (EL-act. 48-4, 111-8).
Damit sind die Arbeitsbemühungen gemäss den Vorgaben der Beschwerdegegnerin
unzureichend gewesen, weshalb der Ehemann im September 2018 ebenfalls
selbstverschuldet arbeitslos gewesen ist. Der am 25. September 2018 fiktiv
ausbezahlte Lohn hätte der Existenzsicherung bis Ende Oktober 2018 gedient, weshalb
der Beschwerdeführerin bis zum 31. Oktober 2018 ein hypothetisches
Erwerbseinkommen ihres Ehemannes anzurechnen ist. Ab Oktober 2018 hat sich der
Ehemann stets auf fünf oder mehr Stellen beworben. Bei welchen Stellen es sich um
tatsächlich freie Stellen gehandelt hat, ist nur teilweise belegt. Nachdem die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin am 12. Dezember 2018 unter Hinweis
auf Art. 43 Abs. 3 ATSG darauf hingewiesen hatte, dass auch die Stelleninserate
einzureichen seien (EL-act. 105), hat die Beschwerdeführerin zu den
Bewerbungsschreiben zumeist auch die entsprechenden Stelleninserate eingereicht.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
Das Bewerbungsdossier und die Bewerbungsschreiben sind qualitativ ausreichend
gewesen. Der Ehemann hat sich dazu am 10. September 2018 beim RAV beraten
lassen und in der Folge ein Musterbewerbungsschreiben benutzt, das er jeweils
geringfügig an die jeweils ausgeschriebene Stelle angepasst hat. In einer
Gesamtbetrachtung ist ab Oktober 2018 – übereinstimmend mit der
Beschwerdegegnerin – von ernsthaften und ausreichenden Arbeitsbemühungen
auszugehen, weshalb der Ehemann ab diesem Zeitpunkt unverschuldet arbeitslos
gewesen ist. Der Beschwerdeführerin ist deshalb ab 1. November 2018 bis 31. März
2019 kein hypothetisches Erwerbseinkommen ihres Ehemannes anzurechnen.
Zusammenfassend ergibt sich die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens des Ehemannes von Fr. 53'009.-- für folgende Zeiträume:
1. Januar 2018 (respektive 1. April 2017, vgl. E. 4.2) bis 31. Mai 2018 und 1. September
2018 bis 31. Oktober 2018. Die Beschwerdegegnerin hat ab 1. Januar 2018 (respektive
ab 1. April 2017) bis 30. September 2018 ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
lediglich Fr. 52'722.-- angerechnet. Sie wird dies entsprechend zu korrigieren haben.
Bei Altersrentnerinnen und Altersrentnern ist ein Zehntel des Reinvermögens,
soweit es bei Ehepaaren Fr. 60'000.-- übersteigt, als Einnahme anzurechnen (Art. 11
Abs. 1 lit. c aELG). Zu den anrechenbaren Einnahmen zählen auch die
Vermögenserträge (Art. 11 Abs. 1 lit. b aELG).
5.1.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, auf die
Anrechnung des BVG-Alterskapitals ab 1. November 2018 als zu verzehrendes
Vermögen sei zu verzichten. Da der Beschwerdeführerin bis zum 30. September 2018
ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet worden sei, habe sich das
Ehepaar verschulden müssen. Die Beschwerdegegnerin hat das Alterskapital bei
Erreichen des 60. Altersjahrs des Ehemannes im Oktober 2018 auf den einer fiktiven
Auszahlung dieses Guthabens folgenden Monat als hypothetisches Vermögen in der
Höhe von Fr. 120'988.-- angerechnet. Ausserdem hat sie einen hypothetischen
Vermögensertrag aus dem Alterskapital von Fr. 60.-- berücksichtigt. Sie hat sich dabei
auf Art. 16 Abs. 1 der Verordnung über die Freizügigkeit in der Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge (FZV, SR 831.425) gestützt, wonach Altersleistungen von
Freizügigkeitspolicen und Freizügigkeitskonten frühestens fünf Jahre vor dem Erreichen
des Rentenalters ausbezahlt werden dürfen (EL-act. 35, 114). Das Alterskapital von
Fr. 120'978.78 ist dem Ehemann am 17. April 2019 vollständig ausbezahlt worden (EL-
act. 51-3). Er hat dieses also offenkundig vorbeziehen können. Da die Auszahlung erst
im April 2019 und nicht bereits im Oktober 2018 erfolgt ist, stellt sich die Frage nach
5.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Ursache dieser Verzögerung; läge die Ursache der Verzögerung bei der
Vorsorgeeinrichtung, wäre eine Anrechnung des Alterskapitals wohl erst auf den
Zeitpunkt der tatsächlichen Ausbezahlung hin zulässig. Aus den Akten ergibt sich, dass
die Beschwerdeführerin der Auszahlung des Alterskapitals am 10. April 2019
zugestimmt hat (EL-act. 51-8 f.). Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann den Vorbezug des
Alterskapitals nicht rechtzeitig in die Wege geleitet und damit die sechsmonatige
Verzögerung der Auszahlung verursacht haben. Die Beschwerdegegnerin ist damit zu
Recht von einer fiktiven Auszahlung des Alterskapitals im Oktober 2018 ausgegangen
und hat zu Recht ab 1. November 2018 das Alterskapital als hypothetisches Vermögen
berücksichtigt. Der Betrag des angerechneten Alterskapitals ist mit Fr. 120'988.--
jedoch zu hoch gewesen, hat dieses am 17. April 2019 nämlich nur Fr. 120'978.78
betragen. Die Beschwerdegegnerin wird den Betrag des Alterskapitals entsprechend
zu korrigieren haben. Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann mit
diesem Vermögen tatsächlich Schulden beglichen haben. Belegt ist einzig eine
Ausgabe von Fr. 5'500.-- für die Anschaffung von Möbeln (EL-act. 55-1). Mit dem
Zahlungsauftrag vom 23. April 2019 auf ein Konto in K._ (EL-act. 55-2) ist weder
belegt, dass damit Schulden getilgt worden sind (der Zahlungszweck ist unklar), noch
dass tatsächlich Geld geflossen ist. Das Vorbringen des Rechtsvertreters, dass sich
das Ehepaar aufgrund der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens des
Ehemanns habe verschulden müssen, ist zwar plausibel. Damit ist aber noch nicht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sich die
Beschwerdeführerin und ihr Ehemann tatsächlich verschuldet haben respektive ob und
falls ja wofür das Alterskapital verwendet worden ist. Es steht also nicht fest, ob und
gegebenenfalls wann sich das hypothetische Vermögen infolge des Eingehens von
Schulden vermindert hat. Mindestens bis zum Zeitpunkt der effektiven Auszahlung des
Alterskapitals bleibt das entsprechende hypothetische Vermögen aber unverändert.
Der Sachverhalt ist damit in Bezug auf die Anrechnung von Schulden, die vom
hypothetischen Vermögen in Abzug zu bringen wären, unzureichend abgeklärt worden.
Die Beschwerdegegnerin hat damit den Untersuchungsgrundsatz verletzt (Art. 43
Abs. 1 ATSG). Die Sache ist deshalb zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Falls bei der Beschwerdeführerin keine
Unterlagen betreffend das Eingehen von Schulden erhältlich gemacht werden können,
könnten die Namen der Gläubiger erfragt und diese als Zeugen (allenfalls
rechtshilfeweise) einvernommen werden (vgl. Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 14 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren, VwVG, SR 172.021).
In Bezug auf die weiteren Berechnungspositionen ergeben sich keine Hinweise
darauf, dass die angerechneten Beträge falsch sein könnten.
5.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.
Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen ist und die Sache ist zur
Weiterführung des Verwaltungsverfahrens im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
Das Beschwerdeverfahren ist gemäss der nach Art. 82a ATSG anwendbaren, bis
zum 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung von Art. 61 lit. a ATSG kostenlos.
7.1.
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Praxisgemäss ist die Rückweisung an die
Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu
werten (vgl. BGE 132 V 235, E. 6.1). Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. In einem durchschnittlich aufwendigen Fall
betreffend Ergänzungsleistungen spricht das Versicherungsgericht neu eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zu. In einer Plenarsitzung vom 25. Mai 2021
haben die Versicherungsrichterinnen und Versicherungsrichter nämlich beschlossen,
die durchschnittlichen Ansätze für die Parteientschädigungen um Fr. 500.-- zu erhöhen.
Aus Praktikabilitätsgründen soll diese Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle
Anwendung finden. Diese Übergangsregelung führt dazu, dass die
Beschwerdegegnerin einen Nachteil erleidet, weil sie allein deswegen eine um
Fr. 500.-- höhere Parteientschädigung ausrichten muss, weil die Beschwerde erst nach
dem Plenumsbeschluss vom 25. Mai 2021 beurteilt wird. Gemäss dem Beschluss des
Richterplenums soll die Beschwerdegegnerin dies allerdings im Interesse der
Praktikabilität in Kauf nehmen müssen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat
keine Honorarnote eingereicht. Der erforderliche Vertretungsaufwand ist als deutlich
unterdurchschnittlich zu qualifizieren, da der Rechtsvertreter die Beschwerdeführerin
bereits im Verfahren EL 2018/8 vertreten hat und für seinen Aufwand mit Fr. 2'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) entschädigt worden ist (EL-act. 72). Er ist
also bereits mit einem erheblichen Teil der Akten befasst gewesen und hat bei der
juristischen Aufarbeitung auf das frühere Verfahren zurückgreifen können. Im Weiteren
hat er sich in der Beschwerde zu einem grossen Teil mit der Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens des Ehemannes ab 1. April 2017 bis
7.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte