Decision ID: 9ac0c805-2f6f-5e72-91d5-fe24b1527dfd
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ G. F., geboren 1975, ist Staatsangehörige von Kroatien. Sie reiste am 14. Januar
2002 von Kroatien auf Einladung des in W. wohnhaften M. F., geboren 1967, in die
Schweiz ein und heiratete M. F. am 23. April 2002 in Gais. Aufgrund der Heirat mit
einem Schweizer erteilte das Ausländeramt G. F. eine Aufenthaltsbewilligung im
Rahmen des Familiennachzugs. Am 8. September 2003 verstarb der Ehemann. Am 1.
März 2004 zog G. F. von W. nach Gossau.
Mit Verfügung vom 4. Oktober 2004 wies das Ausländeramt das Gesuch von G. F. um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab mit der Begründung, nach Auflösung der
Ehe fehlten die Voraussetzungen für die weitere Aufenthaltsbewilligung.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob G. F. durch ihren Rechtsvertreter
Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 30. August 2005
abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 15. September 2005 erhob G. F.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 30.
August 2005 und die Verfügung des Ausländeramts vom 4. Oktober 2004 seien
aufzuheben und das Ausländeramt sei anzuweisen, die Aufenthaltsbewilligung zu
verlängern, eventualiter sei die Sache zur ergänzenden Untersuchung und zur
Neubeurteilung an das Ausländeramt zurückzuweisen, subeventuell sei das Gesuch um
Erteilung einer Bewilligung gemäss Art. 36 BVO in befürwortendem Sinn an das
Bundesamt für Migration zu übermitteln, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zulasten des Staates. Die zur Begründung vorgebrachten Ausführungen werden,
soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Mit Verfügung vom 16. September 2005 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts
das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung wegen Aussichtslosigkeit der Beschwerde ab.
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Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 10. Oktober 2005 unter Berufung
auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 15. September 2005
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung.
a) Fest steht, dass die Beschwerdeführerin nach dem Tod ihres Ehemannes weder
aufgrund der gesetzlichen Ordnung noch aufgrund eines Staatsvertrags einen
Rechtsanspruch auf Erteilung oder Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung hat. Der
Entscheid über die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung lag daher im
pflichtgemässen Ermessen der Verwaltung. Dem Verwaltungsgericht ist es verwehrt,
Entscheide der Verwaltung im Bereich der Ermessensausübung zu überprüfen (Art. 61
Abs. 1 und 2 VRP). Es kann nur prüfen, ob die Vorinstanz ihr Ermessen überschritten
oder missbraucht hat, als sie die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigerte.
Im Streitfall bedeutet dies, dass das Verwaltungsgericht den Entscheidungsspielraum
der Vorinstanz zu respektieren hat, wenn diese bei ihrem Entscheid von sachlichen und
vernünftigen Ueberlegungen ausging, die im Einklang mit Sinn und Zweck des
Gesetzes stehen. Es kann nur überprüfen, ob ein Entscheid oder eine Verfügung auf
einer Ueberschreitung bzw. einem Missbrauch des Ermessens beruht (vgl. GVP 1998
Nr. 22 und 1996 Nr. 9 mit Hinweisen).
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b) Nach der Praxis des Ausländeramts wird die Aufenthaltsbewilligung in gewissen
Fällen zwar auch nach der Auflösung der Ehe verlängert. Als massgebend werden
dabei nach den Weisungen des Bundesamts für Migration (Ziff. 654) unter anderem die
Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, insbesondere wenn Kinder vorhanden sind, die
berufliche Situation, die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage sowie das Verhalten und der
Integrationsgrad betrachtet. Zu berücksichtigen sind ferner die Umstände, die zur
Auflösung der Ehe geführt haben. Nach der ständigen Praxis des Ausländeramts wird
bei einer Dauer der ehelichen Gemeinschaft von fünf Jahren und mehr in der Regel eine
Jahresaufenthaltsbewilligung nicht mehr widerrufen (ABl 2001, S. 32).
c) Die Beschwerdeführerin gelangte im Jahr 2002 im Alter von rund 27 Jahren erstmals
in die Schweiz. Sie verbrachte somit den weitaus überwiegenden Teil ihres Lebens im
Heimatstaat. Die eheliche Gemeinschaft in der Schweiz dauerte knapp eineinhalb
Jahre. Die Umstände, die zur Auflösung der ehelichen Gemeinschaft führen, sind bei
der Ermessensausübung zu berücksichtigen. Allein der Umstand des Todes des
Ehegatten begründet aber keinen Anspruch auf Erteilung bzw. Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach kurzem Aufenthalt bzw. kurzer Dauer der ehelichen
Gemeinschaft (GVP 1998 Nr. 22; VerwGE B 2003/117 vom 16. März 2004 i.S. M.G. und
VerwGE B 2005/59 vom 20. Juni 2005 i.S. R.B., beide zurzeit publiziert in:
www.gerichte.sg.ch).
Die Beschwerdeführerin hält sich erst seit Januar 2002 und damit seit weniger als vier
Jahren in der Schweiz auf. Eine weitgehende Integration konnte daher aufgrund des
kurzen Aufenthalts in der Schweiz noch nicht erfolgen. Von einer unvollständigen
Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz kann nicht gesprochen werden. Die
Beschwerdeführerin macht denn auch keine näheren Angaben zu dem von ihr
angeblich in kürzester Zeit aufgebauten tragenden sozialen Netz und hat dazu auch
keine Beweismittel beigebracht oder bezeichnet. Der Umstand, dass sie ein Kind von
einem abgewiesenen Asylbewerber gebar, spricht jedenfalls gegen eine Integration in
der Schweiz. Hinzu kommt, dass auch im Hinblick auf die Wirtschafts- und
Arbeitsmarktlage keine Gründe bestehen, welche eine Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nahelegen.
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Die Vorinstanz hat im weiteren zutreffend festgehalten, dass die Depressionen nach
dem Tod des Ehemannes eine Verlängerung der Bewilligung nicht rechtfertigen. Nach
den Ausführungen des Hausarztes der Beschwerdeführerin stand diese seit 18.
September 2003 in regelmässiger Behandlung wegen einer reaktiven, recht
ausgeprägten Depression. Der Arzt hielt am 25. März 2004 fest, seit Anfang 2004 habe
sich eine Verbesserung des Gesundheitszustandes feststellen lassen. Bei einer
Ausschaffung wäre ein erneutes Aufflammen der Depression mit entsprechend
negativen Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der schwangeren Patientin zu
erwarten. Ein aktuelles Arztzeugnis hat die Beschwerdeführerin nicht beigebracht. Sie
hat auch nicht geltend gemacht, sie stehe nach wie vor in ständiger medizinischer
Behandlung wegen Depressionen. Die Vorinstanz durfte daher davon ausgehen, dass
sich die vom Arzt festgestellte Verbesserung des Gesundheitszustandes fortsetzte. Im
übrigen ist es nicht aussergewöhnlich, dass nach dem Tod des Ehegatten depressive
Verstimmungen eintreten. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass die
Beschwerdeführerin bereits wenige Wochen nach dem Tod ihres Ehemannes eine
Bekanntschaft mit einem abgewiesenen Asylbewerber aus Serbien und Montenegro
einging und von diesem am 24. Oktober 2004 ein Kind gebar. Dass eine erzwungene
Ausreise eine gewisse depressive Verstimmung verstärkt, ist zwar nachvollziehbar.
Doch ist nicht dargetan, dass eine schwere gesundheitliche Beeinträchtigung besteht,
wie sie unter Umständen einen Grund für die Anerkennung eines Härtefalls bildet (vgl.
zur Praxis des Verwaltungsgerichts VerwGE B 2004/74 vom 25. Januar 2005 i.S. G.Y.
und H.Y. mit Hinweisen auf frühere Urteile, zurzeit publiziert in www.gerichte.sg.ch),
oder dass eine Ausreise nach Kroatien zu einer solchen schweren Beeinträchtigung
führen würde.
Dem Kind kann zugemutet werden, seiner Mutter nach Kroatien zu folgen. Es ist erst
rund ein Jahr alt und damit in einem Alter, in dem es sich veränderten Umständen gut
anpassen kann. Daran ändert nichts, dass eine allfällige Beziehung zum Vater
schwieriger aufrecht zu erhalten ist, wenn sich die Mutter mit dem Kind in Kroatien
aufhält. Ausserdem ist nicht belegt, ob der Kindsvater überhaupt persönliche Kontakte
zu seinem Kind pflegt. Nach den unbestrittenen Feststellungen der Vorinstanz lebt er
nicht an derselben Adresse wie die Beschwerdeführerin. Die Behauptung in der
Beschwerde, der Vater erhalte keine Einreisebewilligung nach Kroatien bzw. es sei ihm
verwehrt, sich aus-serhalb der Schweiz am gleichen Ort wie sein Kind aufzuhalten, ist
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nicht weiter belegt. Die Vorinstanz war nicht gehalten, diesbezüglich den Sachverhalt
näher abzuklären. Die vorläufige Aufnahme des Kindsvaters in der Schweiz wurde
angeordnet, weil bei ihm als Angehöriger der serbischen Minderheit in Kosovo eine
Rückkehr nach Kosovo als unzumutbar erachtet wurde. Inwiefern Besuchsaufenthalte
in Kroatien unter diesen Umständen ausgeschlossen sind, ist nicht ersichtlich und wird
in der Beschwerde auch nicht näher dargelegt.
Unter den gegebenen Umständen kann eine Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nicht als Ueberschreitung oder Missbrauch des Ermessens
qualifiziert werden.
d) Schliesslich macht die Beschwerdeführerin einen Härtefall geltend. Nach Art. 13 lit. f
der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR 823.21, abgekürzt
BVO) sind Ausländer von der Höchstzahl für erwerbstätige Personen ausgenommen,
wenn ein schwerwiegender persönlicher Härtefall oder staatspolitische Gründe
vorliegen. Die von der Beschwerdeführerin angerufene Bestimmung von Art. 36 BVO
betrifft ausdrücklich nichterwerbstätige Ausländer, weshalb vorliegend die allgemeine
Härtefallvorschrift von Art. 13 lit. f BVO zur Anwendung gelangt.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung setzt ein Härtefall im Sinn von Art. 13
lit. f BVO voraus, dass sich der betreffende Ausländer in einer persönlichen Not-
lage befindet. Das bedeutet, dass seine Lebens- und Daseinsbedingungen gemessen
am durchschnittlichen Schicksal von Ausländern in gesteigertem Mass in Frage gestellt
sein müssen, bzw. die Verweigerung der Ausnahme von der zahlenmässigen
Begrenzung für den Betroffenen schwere Nachteile zur Folge hätte (vgl. statt vieler
BGE 124 II 112).
Die Beschwerdeführerin lebte bis zum Alter von rund 27 Jahren in Kroatien bzw. im
ehemaligen Jugoslawien. Im Umstand, dass sie nach einem Aufenthalt von knapp vier
Jahren in der Schweiz wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren muss, ist keine
aussergewöhnliche Härte zu erblicken. Dies gilt auch unter Berücksichtigung des
Umstandes, dass sie ein Kleinkind hat. Als alleinerziehende Mutter ist sie zwar in einer
wenig vorteilhaften Situation, doch genügt dies nicht für die Annahme eines Härtefalles.
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Offen bleiben kann sodann, inwiefern die Rückkehr in wirtschaftlicher Hinsicht
erhebliche Nachteile mit sich bringt. Aufgrund der Akten ist nicht ersichtlich, dass die
Beschwerdeführerin zurzeit eine Arbeitsstelle hat. Zwar ist eine Rückkehr in
wirtschaftlicher Hinsicht ohne Zweifel mit grosser Ungewissheit verbunden, doch war
die Beschwerdeführerin vor ihrer Einreise in die Schweiz in der Tourismusbranche tätig,
was bedeutet, dass sie auch in Kroatien relativ gute Chancen hat, um auch
wirtschaftlich wieder Fuss zu fassen.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde als unbegründet abzuweisen
ist.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- ist angemessen (mit Einschluss der Verfügung vom
16. September 2005, Ziff. 381 und 382 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Sie ist
mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).