Decision ID: cce23fac-b67a-5ba1-be26-27c316424153
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden 1 und 2 ersuchten am 5. Juni 2021 in der
Schweiz zusammen mit ihrer minderjährigen Tochter, der Beschwerdefüh-
rerin 3, um Asyl. Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführen-
den mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Euro-
dac) ergab, dass die Beschwerdeführenden 1 und 2 bereits am 3. Juni
2021 in Slowenien ein Asylgesuch gestellt hatten.
B.
Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 24. Juni 2021 wurde den
Beschwerdeführenden von der Vorinstanz das rechtliche Gehör zu einem
allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung
nach Slowenien gewährt, welches gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Fest-
legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), grundsätzlich für die Behandlung
ihres Asylgesuchs zuständig sei. Die Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates
wurde von den Beschwerdeführenden nicht bestritten. Jedoch machten sie
geltend, medizinische Gründe würden gegen eine Wegweisung nach Slo-
wenien sprechen. Sie hätten nach der dortigen Ankunft zwar eine ärztliche
Überprüfung erhalten. Ihrer erkälteten Tochter seien jedoch abgelaufene
Medikamente verabreicht worden. Danach sei ihnen keine medizinische
Hilfe mehr gewährt worden. Die Tochter habe in Slowenien nicht ausrei-
chend Milch oder Essen erhalten. Ihr gehe es in der Schweiz besser. Asyl-
suchende würden in Slowenien nicht zur Schule geschickt.
C.
Am 23. Juni 2021 ersuchte das SEM die slowenischen Behörden um Rück-
übernahme der Beschwerdeführenden gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub-
lin-III-VO. Diesem Gesuch wurde am 1. Juli 2021 entsprochen.
D.
Mit Verfügung vom 7. Juli 2021 – eröffnet am Folgetag – trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylge-
suche der Beschwerdeführenden nicht ein, wies sie nach Slowenien weg
und beauftragte den Kanton Solothurn mit dem Vollzug der Wegweisung.
Gleichzeitig verfügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten
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und machte die Beschwerdeführenden auf die einer allfälligen Beschwerde
von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende Wirkung aufmerksam.
E.
Am 9. Juli 2021 legte die damalige Rechtsvertretung ihr Mandat nieder.
F.
Mit Beschwerde vom 14. Juli 2021 an das Bundesverwaltungsgericht
beantragten die Beschwerdeführenden, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und es sei Asyl
zu gewähren. Weiter wurde beantragt, es sei festzustellen, dass der Voll-
zug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und es
sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht wurde
die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Einsetzung ei-
nes amtlichen Rechtsbeistandes sowie unter Verzicht auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses und die Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung beantragt.
G.
Am 15. Juli 2021 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisorischen
Vollzugsstopp an.
H.
Mit Vernehmlassung vom 2. August 2021 hielt die Vorinstanz an ihrer Ver-
fügung fest.
I.
Mit fristgerecht eingereichter Replik vom 20. August 2021 hielten die Be-
schwerdeführenden an den Anträgen in der Beschwerdeschrift fest und
machten ergänzende Ausführungen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist ein-
zutreten, soweit damit die Aufhebung des Nichteintretensentscheides und
der Wegweisung beantragt wird.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5
E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Die Fragen der Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft und der Gewährung von Asyl respektive der Anordnung
der vorläufigen Aufnahme bilden demgegenüber nicht Gegenstand des an-
gefochtenen Nichteintretensentscheides und damit auch nicht des vorlie-
genden Verfahrens. Auf die entsprechenden Beschwerdeanträge ist des-
halb nicht einzutreten.
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
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3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall
eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in
Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufge-
führten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
3.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund
dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden
kann. Kann kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden, wird
der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
3.4 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO).
3.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen gestellten
Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). Die
Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ist nicht direkt, sondern
nur in Verbindung mit einer nationalen Norm (namentlich Art. 29a Abs. 3
der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999
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[AsylV 1, SR 142.311], Selbsteintritt aus humanitären Gründen) oder inter-
nationalem Recht anwendbar (vgl. BVGE 2010/45 E. 5).
4.
4.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführenden mit der
«Eurodac»-Datenbank ergab, dass diese am 3. Juni 2021 in Slowenien ein
Asylgesuch eingereicht hatten. Die slowenischen Behörden stimmten dem
Übernahmeersuchen des SEM am 1. Juli 2021 zu. Die Zustimmung stützte
sich auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die grundsätzliche Zuständig-
keit Sloweniens ist somit gegeben.
4.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist nachfolgend zu prüfen, ob
es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Slowenien würden systemi-
sche Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden (E. 5) und ob nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist (E. 6).
5.
5.1 Slowenien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat an-
erkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den
Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Auf-
nahmerichtlinie) ergeben.
5.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts liegen keine Gründe
für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragstellende in Slowenien würden systemische Schwachstellen im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen (vgl. u.a. die
Urteile des BVGer D-715/2021 vom 19. Februar 2021, F-4659/2020 vom
24. September 2020 E. 4.1 und F-3660/2020 vom 22. Juli 2020 E. 4.1). Die
Hinweise in der Beschwerde auf den Country Report Slovenia 2020 der
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Asylum Information Database, AIDA [nachfolgend: AIDA-Report], vermö-
gen daran nichts zu ändern. Die von den Beschwerdeführenden befürch-
tete Unterbringung in haftähnlichen Bedingungen wurde im Jahr 2020 in
Slowenien von den Verfassern des AIDA-Reports bei Personen konstatiert,
die darauf warteten, ihr Asylgesuch einreichen zu können. Die Beschwer-
deführenden haben in Slowenien demgegenüber bereits um Asyl ersucht
und dürften nach der Rückweisung aus der Schweiz als Familie einer hier-
für vorgesehenen Einrichtung zugeteilt werden (vgl. AIDA-Report, S. 55,
67). Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnten sie sich
im Übrigen nötigenfalls an die dortigen Behörden wenden und die ihnen
zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern
(vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
5.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
6.
6.1 Die Beschwerdeführenden fordern mit ihren Vorbringen, wonach der
Zugang zu einem rechtsstaatlichen Asylverfahren und die Gesundheitsver-
sorgung für Asylsuchende in Slowenien mangelhaft seien und ihren medi-
zinischen Bedürfnissen nicht gerecht würden, sinngemäss die Anwendung
der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der –
das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung
von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, gemäss welcher das SEM ein Asylgesuch
«aus humanitären Gründen» auch dann behandeln kann, wenn dafür ge-
mäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre.
6.2 Die Beschwerdeführenden haben kein konkretes und ernsthaftes Ri-
siko dargetan, die slowenischen Behörden würden sich weigern, sie aufzu-
nehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der
Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind keine Gründe für
die Annahme zu entnehmen, Slowenien werde in ihrem Fall den Grundsatz
des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwin-
gen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach
Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur
Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Daran vermag ihr
Hinweis auf eine hohe Abweisungsquote bei Asylsuchenden aus Bangla-
desch, auf die Einstufung dieses Landes als «safe country of origin» durch
die slowenischen Behörden und auf den – zumindest gemäss AIDA-Report
– anscheinend eher schwierigen Zugang zur asylrechtlichen Vertretung
nichts zu ändern. Entgegen dem Dafürhalten der Beschwerdeführenden
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kann aus diesen Punkten nicht geschlossen werden, Asylgesuche von Per-
sonen aus Bangladesch würden in Slowenien nicht einzelfallspezifisch ge-
prüft. Aus dem AIDA-Report geht denn auch hervor, dass die Vermutung
des sicheren Herkunftsstaates im konkreten Einzelfall von den Asylsuchen-
den mit entsprechenden Belegen umgestossen werden kann und dass
eine kostenlose juristische Beratung und der Zugang zu (auch beratend
tätigen) Hilfswerken grundsätzlich gewährleistet ist (vgl. S. 29 f., 48 f., 52
f., 61 f.).
6.3 Schliesslich liegen auch keine Hinweise vor, wonach Slowenien seinen
Verpflichtungen im Rahmen der Dublin-III-VO in medizinischer Hinsicht
nicht nachkommen würde. Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheit-
lichen Problematik ist Folgendes festzuhalten:
6.3.1. Auch wenn die Annahme einer Verletzung von Art. 3 EMRK aus ge-
sundheitlichen Gründen nicht mehr ein fortgeschrittenes oder terminales
Krankheitsstadium beziehungsweise eine Todesnähe voraussetzt
(vgl. etwa noch BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H.), bleibt die Schwelle hoch. Sie
kann erreicht sein, wenn eine schwer kranke Person durch die Abschie-
bung mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat mit
einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwie-
derbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt
zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung
der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili ge-
gen Belgien 13. Dezember 2016, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
6.3.2. Zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden ergibt sich im
Wesentlichen Folgendes aus den Akten: Die ganze Familie wurde am
22. Juni 2021 auf Skabies behandelt. Die Beschwerdeführerin 2 wurde am
12. Juli 2021 ein zweites Mal behandelt. Letztere dürfte sodann – zumin-
dest nach eigenen Angaben – schwanger sein, wobei hierfür keine medizi-
nischen Belege bei den Akten liegen und das SEM angibt, ein Mitte Juli
durchgeführter Schwangerschaftstest sei negativ gewesen. Die Beschwer-
deführenden konnten insofern nicht nachweisen, dass sie nicht reisefähig
sind oder eine Überstellung ihre Gesundheit ernsthaft gefährden würde
und damit unzulässig im Sinne der restriktiven Rechtsprechung wäre. Die
gesundheitlichen Probleme sind auch nicht von einer derartigen Schwere,
dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgesehen werden
müsste.
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6.3.3. Im Übrigen weist das SEM zu Recht darauf hin, dass Slowenien über
eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt und die Mitgliedstaa-
ten verpflichtet sind, den Antragstellern die erforderliche medizinische Ver-
sorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche
Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen um-
fasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Den An-
tragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische
oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psycholo-
gischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es
liegen keine Hinweise vor, wonach Slowenien den Beschwerdeführenden
eine adäquate medizinische Behandlung verweigern würde. Die schweize-
rischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauf-
tragt sind, werden den medizinischen Umständen bei der Bestimmung der
konkreten Modalitäten der Überstellung Rechnung tragen und die sloweni-
schen Behörden vorgängig in geeigneter Weise informieren (vgl. Art. 31 f.
Dublin-III-VO).
6.3.4. Der aktuelle Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden führt
somit für den Fall einer Überstellung nach Slowenien im Rahmen des Dub-
lin-Verfahrens nicht zur Annahme einer drohenden Verletzung von Art. 3
EMRK.
6.4 Nach dem Gesagten konnten die Beschwerdeführenden kein konkre-
tes und ernsthaftes Risiko dartun, wonach ihre Wegweisung nach Slowe-
nien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte.
6.5 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Aufgrund der Kog-
nitionsbeschränkung gemäss Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG überprüft das
Gericht den vorinstanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3
AsylV 1 nicht auf Angemessenheit hin. Es beschränkt seine Beurteilung im
Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt
und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getra-
gen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1
Bst. a und b AsylG). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blick-
winkel nicht zu beanstanden. Insbesondere sind den Akten keine Hinweise
auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten
des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem
Zusammenhang weiterer Äusserungen.
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Seite 10
7.
Nach dem Ausgeführten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist
festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
8.
Somit bleibt Slowenien der für die Behandlung der Asylgesuche der Be-
schwerdeführenden zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO.
9.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten.
Da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach Slowe-
nien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet
(Art. 32 Bst. a AsylV 1).
10.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
11.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist, und
die Verfügung des SEM ist zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren ist mit
vorliegendem Urteil abgeschlossen, weshalb sich die Anträge auf Gewäh-
rung der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos erweisen.
12.
12.1 Es verbleibt der Entscheid über die Verfahrenskosten und eine allfäl-
lige Entschädigung. Diese sind nach Massgabe des Unterliegens respek-
tive Obsiegens zu berechnen (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG).
12.2 Die Behandlung des Gesuchs um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses erübrigt sich mit dem vorliegenden abschliessenden
Urteil in der Sache.
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12.3 Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grund-
sätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Beschwerde ent-
sprechend den vorstehenden Erwägungen bereits bei Eingang der Begeh-
ren als aussichtlos erwiesen hat. Demzufolge haben die Beschwerdefüh-
renden die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– zu tragen (Art. 1 ‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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