Decision ID: f31fdd7a-0177-51c9-948d-997f6a1dc807
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 22. Juni 2016 anerkannte das SEM den Beschwerde-
führer als Flüchtling und gewährte ihm Asyl.
B.
Mit Eingabe vom 28. Januar 2020 ersuchte der Beschwerdeführer beim
SEM um Familienzusammenführung mit seiner Ehefrau B._, gebo-
ren am (...) in Eritrea.
C.
Mit Verfügung vom 3. April 2020 lehnte das SEM die Erteilung einer Einrei-
sebewilligung für Frau B._ und das Gesuch um Familienasyl ab.
D.
Mit Eingabe vom 1. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer unter Beilage
eines Schreibens in Kopie («To whom it may concern» von B._ vom
28. April 2020), verschiedener Gesprächsnotizen, einer Liste telefonischer
Verbindungen, eines Chatverlaufs sowie einer Kopie der Eingabe an das
SEM vom 28. Januar 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
ein und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung des SEM
vom 3. April 2020 und um Familienzusammenführung mit Frau B._.
E.
Mit Schreiben vom 14. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Über-
setzung des Schreibens seiner Ehefrau vom 28. April 2020 nach.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Ehegatten von asylberechtigten Flüchtlingen und deren minderjährige
Kinder werden gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ihrerseits als Flüchtlinge aner-
kannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegenspre-
chen. Anspruchsberechtigte Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG haben
gemäss Art. 51 Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreise-
bewilligung, sofern sie sich noch im Heimatstaat oder im Ausland aufhalten
und durch die Flucht des in der Schweiz asylberechtigten Flüchtlings ge-
trennt wurden (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.1). Die Erteilung einer Einreisebe-
willigung setzt eine vorbestandene Familiengemeinschaft sowie die fest
beabsichtigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus. Zweck der Be-
stimmung von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist einzig die Wiedervereinigung von im
Zeitpunkt der Flucht aus dem Heimatstaat vorbestandenen Familienge-
meinschaften. Als «Zeitpunkt der Flucht» gilt dabei die asylrechtlich rele-
vante Ausreise aus dem Heimatland.
4.2 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyl
ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa-
miliengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Familien-
gemeinschaft, die Familientrennung durch die Flucht sowie die fest beab-
sichtigte Familienvereinigung aller Anspruchsberechtigter nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Bewilligung des Familiennach-
zugs dient insbesondere nicht der Wiederaufnahme von zuvor beendeten
Beziehungen.
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5.
Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, mit Schreiben
vom 4. Oktober 2019 (recte 28. Januar 2020) habe der Beschwerdeführer
um Familiennachzug für seine Ehefrau ersucht. Die Voraussetzungen
hierzu seien jedoch gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt. So sei
aufgrund der Aktenlage und der Dauer der tatsächlich gelebten Beziehung
die Schutzwürdigkeit der Familiengemeinschaft zweifelhaft und die Tren-
nung von B._ nicht durch die Flucht, sondern freiwillig erfolgt. Zu-
mindest habe seit der gemeinsamen Flucht aus Eritrea keine feste Absicht
bestanden, den getrennten Familienverband in der Schweiz wiederaufzu-
bauen. Der Beschwerdeführer sei zwar zusammen mit seiner Ehefrau aus
Eritrea geflohen, habe aber entschieden, allein weiterzureisen und habe im
Sudan eine andere Frau kennengelernt, mit der er später in der Schweiz
ein Kind gezeugt habe. Schliesslich habe er mit der Einreichung des Ge-
suchs mehr als drei Jahre nach seiner Anerkennung als Flüchtling zuge-
wartet und die Kontakte zu seiner Ehefrau während Monaten unterbro-
chen.
6.
6.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzliche Schlussfolge-
rung, wonach die Voraussetzungen für die asylrechtliche Familienzusam-
menführung gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG vorliegend nicht erfüllt
sind, zu bestätigen ist. Auf Beschwerdeebene wird dem nichts Stichhalti-
ges entgegengestellt.
Ob die im Heimatstaat gelebte Beziehung lange genug gedauert hatte oder
ob aus den Telefonnummern, dem Schreiben beziehungsweise dem Chat-
verlauf ein Kontakt zu Frau B._ abgeleitet werden kann, kann of-
fenbleiben, da bereits die Voraussetzung der unfreiwilligen Trennung auf
der Flucht gemäss Art. 51 Abs. 4 AsylG – wie nachfolgend dargelegt – nicht
erfüllt ist. Der Beschwerdeführer war aus Eritrea mit seiner Ehefrau, Frau
B._, in den Sudan geflohen, wo sie sich mehrere Monate zusam-
men aufhielten, bevor der Beschwerdeführer alleine nach Europa weiter-
reiste. Die Trennung der Ehepartner im Sudan erfolgte freiwillig, zumal der
Beschwerdeführer nicht geltend machte, dass er und seine Frau im Sudan
asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt gewesen wären, die eine Trennung
erforderlich gemacht hätte; solches ist auch nicht ersichtlich. Der Be-
schwerdeführer erklärt denn auch, dass die Trennung von Frau B._
und seine alleinige Weiterreise nach Europa einzig aufgrund der Unsicher-
heit der bevorstehenden Reise erfolgt seien. Er hat seine Ehefrau im Su-
dan somit nicht im Rahmen einer verfolgungsindizierten Flucht, sondern
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freiwillig verlassen (vgl. z. B. Urteile des BVGer E-5345/2016 vom 18. Ok-
tober 2016 E. 4, E-1044/2017 vom 15. März 2017 E. 4, E-1147/2017 vom
6. April 2017 E. 3.1 ff. oder E-2050/2017 vom 24. April 2017 E. 4.3). Dass
er dort die Frau kennenlernte, mit der er bis Libyen weiterreiste und später
in der Schweiz ein Kind zeugte, untermauert diese Schlussfolgerung (z. B.
Gesuch um Familienzusammenführung vom 28. Januar 2020 S. 5). Die
Flucht endete mithin im Sudan. Schliesslich stellte der Beschwerdeführer
das Gesuch um Familienzusammenführung mit Frau B._ nicht un-
mittelbar nach dem positiven Asylentscheid, sondern erst über dreieinhalb
Jahre später. Dies kann nicht anders gedeutet werden, als dass er kein
Interesse an einer Familienzusammenführung mit ihr hatte. Seine Erklä-
rungsversuche, weshalb er nicht schon früher ein entsprechendes Gesuch
gestellt habe, gehen ins Leere, hat er doch namentlich nach der Erkennt-
nis, dass er nicht mehr krank ist, nochmals eineinhalb Jahre mit der Einrei-
chung des Gesuchs zugewartet und war seine Tochter damals bereits fast
zweijährig. Die Gesprächsnotizen lassen keinen anderen Schluss zu, steht
doch vorliegend ein Gesuch um Familienzusammenführung nicht im Zu-
sammenhang mit dem Gesuch um Kindsanerkennung und ist letzteres Ver-
fahren gemäss Angaben des Beschwerdeführers bis heute noch nicht ab-
geschlossen (Beschwerde S. 2).
6.2 Die Voraussetzungen für den Einbezug von Frau B._ in die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und für die Gewährung des
Familienasyls (Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG) sind damit nicht erfüllt. Die
Vorinstanz hat das Gesuch um Familienasyl beziehungsweise um Ertei-
lung einer Einreisebewilligung für Frau B._ deshalb zu Recht abge-
lehnt.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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