Decision ID: 8a53bbef-225d-5fc7-a7fc-85caf85f6ce5
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt eine türkische Fahrberechtigung. Im Hinblick auf den Umtausch in einen
schweizerischen Führerausweis für die Kategorie B ordnete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen eine Kontrollfahrt an, die X am 17. November
2010 absolvierte und nicht bestand. Der Experte eröffnete das Prüfungsergebnis im
Anschluss an die Fahrt und händigte ihr die Verfügung, auf welcher die Mängel
summarisch aufgeführt sind, aus.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 29. November 2010
(Postaufgabe: 30.11.10) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Sie anerkennt
die Entscheidung des Experten nicht und beantragt, die Prüfung mit einem anderen,
sich neutral verhaltenden Experten wiederholen zu können. Der Eingabe lag auch die
vom Strassenverkehrsamt am 22. November 2010 im Gefolge der nicht bestandenen
Kontrollfahrt verfügte vorsorgliche Aberkennung des ausländischen Führerausweises
bei. Soweit sich die Eingabe gegen diese Verfügung richtete, konnte allerdings wegen
verspäteter Rechtsmittelerhebung mit Präsidialentscheid vom 14. Februar 2011 (VRKE
IV-2010/130) darauf nicht eingetreten werden. Mit Vernehmlassung vom 19. Januar
2011 beantragte die Vorinstanz gestützt auf den Bericht des Verkehrsexperten über
den Verlauf der Kontrollfahrt die Abweisung des Rekurses, soweit er sich gegen das
Prüfungsergebnis richtet. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur
Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Da das
Nichtbestehen einer Kontrollfahrt nach Art. 29 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die
Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt:
VZV) die Aberkennung des ausländischen Führerausweises nach sich zieht, ist die
Feststellung des negativen Ergebnisses einer Kontrollfahrt anfechtbar (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_225/2009 vom 4. November 2009 E. 1.1). Die sachliche
Zuständigkeit der Verwaltungsrekurskommission ist gegeben. Die Rekurrentin ist zur
Rechtsmittelerhebung befugt. Der Rekurs vom 30. November 2010 (Postaufgabe) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (vgl. Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
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2.- Die Erteilung eines schweizerischen Führerausweises setzt nach Art. 14 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) voraus, dass der Bewerber die
Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der Kategorie, für die der Ausweis gilt, sicher zu
führen versteht. Bestehen Bedenken über die Eignung eines Führers, so ist er nach
Art. 14 Abs. 3 SVG einer neuen Prüfung zu unterwerfen. Gemäss Art. 44 Abs. 1 der
Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr
(SR 741.51, abgekürzt: VZV) wird dem Inhaber eines ausländischen Ausweises der
schweizerische Führerausweis nur erteilt, wenn er auf einer Kontrollfahrt nachweist,
dass er die Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der Kategorien, für die der Ausweis
gelten soll, sicher zu führen versteht. Nach Art. 150 Abs. 5 lit. e VZV kann das
Bundesamt für Strassen gegenüber Führern aus Staaten, die in Bezug auf Ausbildung
und Prüfung der Schweiz entsprechende Anforderungen stellen, auf die Kontrollfahrt
verzichten. Mit Kreisschreiben vom 26. September 2007 machte das Bundesamt von
seiner Befugnis Gebrauch, die Inhaber von Ausweisen bestimmter Länder von der
Kontrollfahrt zu befreien. Nach der aktualisierten Länderliste (Stand vom 26. September
2007) gehört die Türkei nicht dazu. Unter Auferlegung einer zulässigen gerichtlichen
Zurückhaltung bei der Überprüfung von Fragen, die wie die Beurteilung von
ausländischen Prüfungsstandards spezielle Fachkenntnisse voraussetzen (vgl. Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 632), ist
der Ausnahmekatalog nicht zu beanstanden. Es steht somit fest, dass die Rekurrentin
vor einem allfälligen Umtausch ihrer türkischen Fahrberechtigung der Kategorie B eine
erfolgreiche Kontrollfahrt zu absolvieren hatte.
3.- Mit dem Rekurs kann unter anderem die unrichtige oder unvollständige Feststellung
des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 46 Abs. 1 VRP). Der Sachverhalt ist
von Amtes wegen zu überprüfen (Art. 58 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 VRP).
Indessen lässt sich wie bei der Beurteilung von praktischen Führerprüfungen auch bei
der Kontrollfahrt der Ablauf der Fahrt nachträglich in der Regel nicht mehr
rekonstruieren. Es ergeben sich deshalb Schwierigkeiten bei der Feststellung des
massgeblichen Sachverhaltes. Wegen der besonderen Natur von Kontrollfahrten muss
grundsätzlich auf die Wahrnehmungen des speziell ausgebildeten amtlichen Experten
abgestellt werden. Von diesem Grundsatz ist abzuweichen, wenn Umstände vorliegen,
die an der Richtigkeit der Wahrnehmungen zweifeln lassen oder wenn z.B. mittels einer
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zufällig am Ort des Vorfalls anwesenden Person das Gegenteil bewiesen werden kann
(vgl. GVP 1977 Nr. 54).
Auf der Verfügung vom 17. November 2010 hat der Verkehrsexperte beim
Fahrverhalten das Verkehrssehen und die Voraussicht, die Verkehrsdynamik und die
Verkehrstaktik als unzureichend beurteilt. Handschriftlich hat er die Begriffe
"Raumaufteilung" und "Einspuren" hinzugefügt. Bei den Verkehrsvorgängen hat er das
Befahren von Verzweigungen, Kreisel und Fahrstreifenwechsel, das Erkennen der
Signale, ergänzt mit dem handschriftlichen Hinweis "Fahrverbot EG", beanstandet. Zur
Liste hinzugefügt hat er handschriftlich "Beobachtung, Seitenblick" und
"Fussgängerstreifen".
Die Rekurrentin macht einerseits geltend, sie habe alle Regeln, wie Fussgängervortritte,
Kreiselrechte usw., beachtet und auch alle Geschwindigkeitsbeschränkungen
eingehalten. Anderseits geht aber auch sie nicht davon aus, dass die Kontrollfahrt
fehlerfrei verlief, wenn sie vorbringt, der Experte habe sie während fast einer Stunde bei
Fahrverboten, Einbahnstrassen und mehreren "Fallen" geprüft und auf einen Fehler
gewartet; schliesslich habe er wieder eine Stelle gefunden, wo sie einen Fehler habe
machen können. Sie beantragt denn auch in erster Linie die Wiederholung der
Kontrollfahrt mit einem anderen, sich neutral verhaltenden Experten, der sie nicht
verunsichere und einschüchtere. Die "Fallen" und insbesondere die Verzweigung, auf
welcher sie ein Fahrverbot missachtete, dokumentiert die Rekurrentin mit zahlreichen
Fotografien, die allerdings – da sie nicht während der Kontrollfahrt entstanden sind –
von vornherein wenig geeignet sind, die tatsächlichen Verkehrssituationen, in denen sie
sich anlässlich der Kontrollfahrt befunden hat, wiederzugeben. Zur Missachtung des
Fahrverbots macht sie geltend, die Tafel "Einfahrt verboten" sei während der
Prüfungsfahrt zunächst durch einen Minivan verdeckt gewesen. Als sie die Tafel
gesehen habe, habe sie sofort angehalten und dem Experten zu verstehen gegeben,
dass sie die Tafel gesehen habe.
Gemäss dem im Rekursverfahren eingereichten detaillierten schriftlichen
Prüfungsbericht konnte die Rekurrentin eine für den heutigen Strassenverkehr
notwendige, konstante Voraussicht während der Fahrt nicht vorweisen. Ihr
Verkehrssehen sowie ihr verkehrstaktisches Verhalten, das frühzeitige Erkennen einer
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sich schnell ändernden Verkehrssituation, einer möglichen oder einer bereits
bestehenden Gefahrensituation seien ungenügend gewesen, was sich besonders an
der teils falschen oder fehlenden Bremsbereitschaft (allgemein, nicht nur bei
Rechtsvortritt) gezeigt habe. Dass die Rekurrentin die eigene Absicht mit einer
korrekten Raumaufteilung, durch ein klares Einspuren und eine sinnvolle, dynamische
Fahrweise anzeigen könne, sei nicht festzustellen gewesen. Wegen der ungenügenden
Blicksystematik und -technik habe sie beim frühzeitigen Erkennen und richtigen
Interpretieren von Signalen und Markierungen Mühe und Unsicherheit bekundet. Sie
habe teilweise Kreisel ohne jegliche seitliche Beobachtung verlassen und ohne Blinker,
Spiegel- und Seitenblick abrupte Spurwechsel vorgenommen. Im Zusammenhang mit
der Missachtung des Fahrverbots ergibt sich aus dem Prüfungsbericht, dass die
Fahrverbotstafel schon viele Meter vor der Verzweigung zu erkennen war. Obwohl ein
Rechtsabbiegen in dieser Situation die einzig richtige Entscheidung gewesen sei, sei
die Rekurrentin geradeaus in die Verzweigung hineingefahren. Der Fahrer eines von
rechts kommenden Geländewagens habe ihr mittels Handzeichen – auf das sie der
Experte hinwies – den Vortritt gewährt. Da sie bereits zu weit in die Kreuzung
hingefahren gewesen sei, habe sie nicht mehr nach rechts abbiegen können. In diesem
Zeitpunkt habe sich noch kein drittes Fahrzeug in der Nähe befunden. Obwohl die
Verbotstafel bestens sichtbar gewesen sei, sei die Rekurrentin daran vorbeigefahren,
was einen Bremseingriff notwendig gemacht habe.
Die erstmals detaillierten schriftlichen Ausführungen des Verkehrsexperten im
Prüfungsbericht blieben unwidersprochen. Abgesehen von der Schilderung der
Ereignisse durch die Rekurrentin bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die
Darlegungen des Experten unzutreffend sein könnten. Im Zusammenhang mit der
Missachtung des Fahrverbots fällt ins Gewicht, dass der Experte die Verkehrssituation
detailliert schildern kann. Dass sie zu einem physischen Eingriff führte, der einen
bewussten Entschluss voraussetzt und im Gedächtnis haften bleibt, lässt darauf
schliessen, dass sich der Experte korrekt an den Ablauf der Ereignisse erinnert.
Insbesondere ist davon auszugehen, dass kein entgegenkommendes Fahrzeug die
Sicht auf die Tafel verdeckte. Die von der Rekurrentin eingereichten Fotografien, auf
denen die Verbotstafel durch die Strassenbeleuchtung teilweise verdeckt wird, wurden
von der linken Fahrspur aus aufgenommen (vgl. Nrn. 3 und 4). Von der rechten
Fahrspur aus, auf welcher die Rekurrentin während der Kontrollfahrt unterwegs war, ist
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der Blick auf die Tafel unverstellt. Auch der von rechts kommende Geländewagen,
dessen Lenker ihr schliesslich den Vortritt gewährte, konnte die freie Sicht auf das
Verkehrssignal nicht beeinträchtigen.
Was die Tatsachen der ungenügenden Voraussicht und Beobachtung und der weiteren
Mängel anbelangt, stehen sich die Schilderungen des Verkehrsexperten und das
pauschale Vorbringen der Rekurrentin, sie habe alle Regeln beachtet, gegenüber. Die
vom Verkehrsexperten geschilderten Mängel stellen Verhaltensweisen der Rekurrentin
dar, in denen ungenügende Fahrfertigkeiten zum Ausdruck kommen und die dem
Lenker möglicherweise nicht bewusst sind. Dies kann erklären, weshalb die
Rekurrentin ihre während der Kontrollfahrt gezeigte Fahrleistung besser einschätzte, als
dies der Experte getan hat. Die vom Experten detailliert beschriebenen Umstände bei
der Missachtung des Fahrverbots belegen die möglichen Auswirkungen der
ungenügenden Voraussicht der Rekurrentin selbst in alltäglichen und wenig komplexen
Verkehrssituationen. Unter diesen Umständen besteht kein Anlass, an den
Feststellungen des Experten zu zweifeln. Sie stehen zudem im Einklang mit den
Feststellungen des Fahrlehrers, mit dem die Rekurrentin vor der Kontrollfahrt 54
Fahrstunden absolviert hatte. Er hielt zuhanden des Experten am 14. Januar 2011 fest,
der Rekurrentin habe – als sie sich im Juni 2010 bei ihm gemeldet habe – die
Fahrpraxis gefehlt und sie sei kaum in der Lage gewesen, das Fahrzeug gefahrlos im
Verkehr zu führen. Da die sprachliche Verständigung schwierig gewesen sei, seien nur
kleine Lernerfolge zu verzeichnen gewesen. Insbesondere sei sie bei stärkerem
Verkehrsaufkommen stark überfordert gewesen. Bis zur Kontrollfahrt habe sie soweit
geschult werden können, dass sie sich im Verkehr habe zurechtfinden können. Bei
starker Belastung sei sie jedoch öfters eingebrochen. Es könne davon ausgegangen
werden, dass sich die Vorfälle bei der Kontrollfahrt häuften und auch die Grösse des
Fahrzeuges (BMW X5) Einiges zum ungünstigen Verlauf beigetragen habe.
4.- Bei der Beurteilung von persönlichen – geistigen und körperlichen – Fähigkeiten
einer Person stellen sich letztlich kaum justiziable Fragen. Soweit sich ein Gericht mit
solchen auf Fachwissen beruhenden und stark ermessensgeprägten Bewertungen zu
befassen hat, kann es regelmässig sinnvollerweise nur untersuchen, ob die für den
Entscheid zuständigen und fachlich kompetenten Behörden unter Wahrung der
verfassungsrechtlich gewährleisteten Verfahrensgarantien alle wesentlichen
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Gesichtspunkte vollständig und gewissenhaft geprüft haben bzw. ob sich die
Bewertung allenfalls als offensichtlich bzw. krass falsch, d.h. willkürlich, erweist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 1_225/2009 vom 4. November 2009 E. 1.1.1 mit Hinweisen
auf BGE 132 II 257 E. 3 und 131 I 467 E. 3.1).
Als Mittel der Sachverhaltsfeststellung dient die Kontrollfahrt der Überprüfung, ob die
erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vorhanden sind
(R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III: Die
Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz. 2665). Die Durchführung der Kontrollfahrt
wird in den Richtlinien Nr. 19 der Vereinigung der Strassenverkehrsämter vom 20. Mai
2005 betreffend Kontrollfahrt und Zusatzprüfung (nachfolgend: Richtlinien Nr. 19)
konkretisiert. Diese Richtlinien stellen zwar keine Rechtssätze dar und binden insofern
das Gericht nicht. Sie dienen jedoch der Schaffung einer einheitlichen
Verwaltungspraxis, indem sie für die Durchführung, den Umfang und die Bewertung
der Kontrollfahrt einheitliche und sachgerechte Kriterien festlegen. Insoweit sind sie bei
der Auslegung und Konkretisierung unbestimmter Rechtsbegriffe von Bedeutung (vgl.
Th. Fleiner-Gerster, Grundzüge des allgemeinen und schweizerischen
Verwaltungsrechts, 2. Aufl. 1980, S. 132; Imboden/Rhinow, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Bd. I, 5. Aufl. 1976, Nr. 9, S. 55 f.).
Im Sinn einer Schwerpunktbildung gelten als Anforderungen, die bei einer Kontrollfahrt
in der Kategorie B geprüft werden, insbesondere das dynamische Sehen
(Verkehrssehen), das Anpassen der Geschwindigkeit und Mithalten im Verkehr
(Verkehrsdynamik), das frühzeitige Erkennen möglicher Gefahren und das
entsprechende Verhalten (Verkehrstaktik), das Befahren von Verzweigungen,
Fahrstreifenwechsel und Kreisverkehr (Verkehrsvorgänge) und das Erkennen der
Vortrittsregeln, Signale und der allgemeinen Verkehrsregeln (vgl. Ziff. 511 der
Richtlinien Nr. 19). Die Kontrollfahrt gilt als bestanden, wenn der Betroffene nachweist,
dass er die Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der Kategorien, für die der Ausweis
gelten soll, sicher zu führen versteht (vgl. Ziff. 71 der Richtlinien Nr. 19). Zu einem
negativen Entscheid führen insbesondere ungenügende Voraussicht, konkrete oder
erhöhte abstrakte Gefährdung wegen unzweckmässiger Beobachtung, unwirksame
Beobachtung beim Fahrstreifenwechsel, ungenügende Anwendung der Vortrittsregeln
oder krasse Fehler bei der Fahrbahnbenützung (vgl. Ziff. 72 der Richtlinien Nr. 19).
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Nach Art. 27 Abs. 1 Satz 1 SVG sind Signale und Markierungen sowie die Weisungen
der Polizei zu befolgen. Die Signale und Markierungen gehen den allgemeinen Regeln
vor. Das Signal "Allgemeines Fahrverbot in beiden Richtungen" zeigt an, dass der
Verkehr grundsätzlich in beiden Fahrtrichtungen für alle Fahrzeuge verboten ist (Art. 18
Abs. 1 der Signalisationsverordnung; SR 741.21, abgekürzt: SSV; Anhang 2 Signal
2.01). Eine allfällige, auf einer Zusatztafel signalisierte Ausnahme vom allgemeinen
Fahrverbot (beispielsweise "Zubringerdienst gestattet"; vgl. Art. 17 Abs. 1 SSV) galt für
die Rekurrentin nicht. Indem sie das Verbotssignal übersehen und missachtet hat, hat
sie eine elementare Verkehrsregel verletzt. Die Missachtung eines Verbotssignals stellt
einen schwerwiegenden Mangel dar, der – zusammen mit der generell ungenügenden
Voraussicht und Beobachtung – zu Recht zu einem negativen Entscheid geführt hat.
Auch die weiteren festgestellten Mängel, wie das Verlassen von Kreiseln ohne jegliche
seitliche Beobachtung und ohne Blinker, abrupte Spurwechsel, Überholen von
Fahrrädern, Vorbeifahren an parkierten Fahrzeugen ohne Spiegel- und Seitenblick und
die fehlende Bremsbereitschaft, lassen die Beurteilung des Experten, dass die
Rekurrentin jedenfalls auf der Kontrollfahrt mit dem grossen Personenwagen BMW X5
nicht nachweisen konnte, dass sie Motorfahrzeuge der Kategorie B sicher zu führen
versteht, nachvollziehbar erscheinen. Insbesondere die vom Experten festgestellte
ungenügende Blicksystematik und –technik erhöhen die Gefahr, dass andere
Verkehrsteilnehmer nicht oder nicht rechtzeitig erkannt werden, beträchtlich. Während
der Kontrollfahrt war denn auch festzustellen, dass die Rekurrentin deshalb beim
frühzeitigen Erkennen und richtigen Interpretieren von Signalen und Markierungen
Mühe und Unsicherheit bekundete.
Die Rekurrentin führt die Mängel auf das Verhalten des Experten zurück, das sie als
verunsichernd und einschüchternd beschreibt. Er habe während der ganzen Fahrt den
Kopf geschüttelt und sie dadurch gestresst und unter Druck gesetzt. Der Experte
erklärt die Kopfbewegungen damit, dass er den Verkehr habe beobachten und –
anstelle der Rekurrentin – die notwendigen Seitenblicke vornehmen müssen. Zwar ist
verständlich, dass die Rekurrentin in der Prüfungssituation angespannt war und sich
unter Druck fühlte. Führt die Prüfungssituation, die sich grundsätzlich für alle
Kandidaten gleich gestaltet, indessen zu einer Häufung der Mängel, die es dem
Experten nicht erlaubt festzustellen, dass der Kandidat ohne die Prüfungsnervosität in
der Lage ist, ein Fahrzeug sicher zu führen, hat er keine Möglichkeit, die Kontrollfahrt
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als bestanden zu bewerten. Dass die Rekurrentin unter Druck ungenügende
Fahrleistungen erbringt, hat auch der Fahrlehrer ausserhalb der Prüfungssituation
festgestellt, wenn er festhält, sie sei "bei starker Belastung" "öfters eingebrochen".
Insgesamt kann also nicht davon ausgegangen werden, dass der Experte auf einzelne,
durch die Aufregung der Prüfungssituation erklärbare Fahr- oder Flüchtigkeitsfehler von
untergeordneter Bedeutung abgestellt hat; vielmehr hat er festgestellt, dass die
Rekurrentin grundlegende Anforderungen, denen der Lenker eines Motorfahrzeugs im
modernen Verkehr zwingend genügen muss, wie etwa die Fähigkeit sich bei
Abbiegemanövern und Spurwechseln nach vorn, auf die Seite und nach hinten zu
orientieren, nicht erfüllte (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 1C_225/2009 vom 4.
November 2009 E. 2).
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Experte die Kontrollfahrt zu Recht als
ungenügend beurteilt hat. Der Rekurs ist deshalb abzuweisen. Für die Kontrollfahrt im
Sinn von Art. 44 Abs. 1 VZV zum Umtausch des ausländischen Führerausweises gelten
die allgemeinen Bestimmungen von Art. 29 VZV (R. Schaffhauser, Grundriss des
schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I: Grundlagen, Verkehrszulassung und
Verkehrsregeln, 2. Aufl. 2002, Rz. 383). Sie kann demnach gemäss Art. 29 Abs. 3 VZV
nicht wiederholt werden. Hingegen kann die Rekurrentin nach Art. 29 Abs. 2 lit. a VZV
ein Gesuch um einen Lernfahrausweis stellen. Der Rekurs ist dementsprechend auch
insoweit abzuweisen, als damit um Wiederholung der Kontrollfahrt ersucht wird.
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
von Fr. 800.-- ist zu verrechnen.