Decision ID: ec8bc62c-2015-5a4e-b22e-5e7fb2d67a5e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 17. Oktober 2021 in der Schweiz um
Asyl nach. Er reichte eine polnische Aufenthaltsbewilligung ein (Gültigkeits-
dauer: (...) 2018 bis (...) 2019).
B.
Anlässlich der Personalienaufnahme vom 22. Oktober 2021 gab der Be-
schwerdeführer zu Protokoll, er sei georgischer Staatsangehöriger, stam-
me aus B._ und sei ledig. Er verfüge über eine Identitätskarte und
einen Reisepass und nehme zur Kenntnis, dass es ihm obliege, Ausweis-
papiere einzureichen. Er habe Georgien letztmals am (...) Juni 2021 ver-
lassen und sei am (...) Oktober 2021 respektive (...) Juni 2021 in Polen
eingereist. Am 17. Oktober 2021 sei er in die Schweiz gelangt. Hierzulande
habe er keine Bezugspersonen. Sein Bruder lebe in C._.
C.
Im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom 2. November 2021 gab der Be-
schwerdeführer an, sein Arbeitgeber in Polen habe ihm die Möglichkeit zum
Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung gegeben und von ihm dafür 500 Dollar
verlangt. Er habe zuvor aber bereits eine Anzahlung von 100 Euro und
etwa 450 Zloty gemacht und als das Dokument ausstellbereit gewesen sei,
habe er es selbst abgeholt und danach nichts mehr bezahlt. Der Arbeitge-
ber habe von ihm also mehr Geld als notwendig verlangt. Die polnische
Aufenthaltsbewilligung sei am (...) 2019 abgelaufen. Er sei dann nach Ge-
orgien zurückgekehrt, habe dort etwa ein Jahr lang gelebt, bis er am (...)
Juni 2021 von Georgien direkt nach Polen geflogen sei. In Polen sei ihm
kein neuer Aufenthaltstitel ausgestellt worden. Er hätte für die Verlänge-
rung der Aufenthaltsbewilligung 1100 Zloty bezahlen müssen. Er habe je-
doch bestenfalls 1700 Zloty monatlich verdient und kein Geld gehabt, um
das Dokument verlängern zu lassen.
Das SEM setzte dem Beschwerdeführer zum Beleg des Aufenthalts in Ge-
orgien respektive ausserhalb des Dublin-Raums nach Ablauf der polni-
schen Aufenthaltsbewilligung eine Frist bis zum 13. November 2021.
Zudem gewährte es dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu einem
allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung
nach Polen. Der Beschwerdeführer gab diesbezüglich zu Protokoll, dass
er lange genug in Polen gewesen sei, um zu wissen, wie es dort laufe. Die
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Menschen seien dort Narzissten und die Polizei sei auf der Seite des Ar-
beitgebers gewesen, als dieser ihn mehrmals nicht bezahlt habe. Er habe
auch "schwarz" gearbeitet. Zudem habe er gesundheitliche Beschwerden.
Er habe Probleme mit der (...) und (...). Auch leide er seit mehreren Jahren
unter (...) und habe deswegen (...) bekommen. Auf der Kopfhaut wachse
etwas, von dem er nicht wisse, was es sei. Bei Anzeichen einer (...) gehe
er zur Apotheke. Hierzulande habe er ein entsprechendes Medikament er-
halten. In Georgien könnte er dieses nicht kaufen. In Polen habe er teils
bei minus 17 Grad gearbeitet, was für seine Gesundheit nicht gut gewesen
sei. Da er in Polen keine Hilfe bekommen habe, sei er in die Schweiz ge-
kommen. Bei einer Rückkehr nach Polen befürchte er, auf der Strasse zu
landen. Das Geld, das er dort erhalten habe, habe nur knapp gereicht, um
Essen zu kaufen.
D.
Mit Schreiben vom 2. November 2021 forderte das SEM den Beschwerde-
führer in Zusammenhang mit einem Antrag auf Unterkunft bei einer in der
Schweiz wohnhaften georgischen Staatsangehörigen auf, sich bis zum
13. November 2021 zu dieser Beziehung zu äussern.
Mit Eingabe vom 4. November 2021 erklärte der Beschwerdeführer den
Rückzug des Antrags auf Privatunterkunft. Die Partnerschaft sei beendet.
E.
Mit Eingabe vom 10. November 2021 reichte der Beschwerdeführer Be-
weismittel (in Kopie) ein (Resultat eines SARS-CoV-2-Tests eines Testin-
stituts in B._ vom 2. September 2020, Arztschein einer Klinik in
B._ vom 11. Dezember 2020, Flugbestätigung für die Route
B._- D._ am [...] Juni 2021). Diese Dokumente würden sei-
nen Aufenthalt in Georgien nach Ablauf der polnischen Aufenthaltsbewilli-
gung belegen. Zudem erklärte er, dass er keine Kopie seines Reisepasses
einreichen könne. Er habe den Pass nach der Ankunft in Polen beim Wa-
schen in der Hosentasche vergessen und ihn dann weggeworfen, da das
Dokument nach dem Waschgang völlig ausgewaschen gewesen sei.
F.
Das SEM ersuchte die polnischen Behörden am 16. November 2021 um
Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 12 Abs. 4 der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
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des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Die polnischen Behörden bestätigten die Ausstellung der Aufenthaltsbewil-
ligung an den Beschwerdeführer und stimmten seiner Übernahme am
26. November 2021 gestützt auf Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO zu.
G.
Mit Verfügung vom 29. November 2021 – eröffnet am 30. November 2021
– trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz in den zuständigen Dublin-Staat (Polen) an, forderte
den Beschwerdeführer auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwer-
defrist zu verlassen und beauftragte den Kanton Zürich mit dem Vollzug
der Wegweisung. Gleichzeitig verfügte es die Aushändigung der editions-
pflichtigen Akten und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen
den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme.
Für die Begründung wird auf die Ausführungen der Vorinstanz in der ange-
fochtenen Verfügung verwiesen.
H.
Mit Eingabe vom 7. Dezember 2021 erhob der Beschwerdeführer durch die
rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde,
worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie um Anweisung
an das SEM, auf das Asylgesuch einzutreten, und eventualiter um Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz zwecks Neubeurteilung ersucht
wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde zudem um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses ersucht. Des Weiteren wurde beantragt, der Be-
schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Der Beschwerdeführer machte geltend, die Zuständigkeit Polens sei erlo-
schen, da er sich zwischen (...) 2020 und (...) 2021 in Georgien und damit
ausserhalb des Dublin-Raums aufgehalten habe. Auf die Details der Be-
schwerdebegründung und die mit der Rechtsmitteleingabe eingereichten
Beweismittel (Screenshots aus Facebook, von Handy-Fotos und eines
Überweisungsbelegs) ist, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nach-
folgenden Erwägungen einzugehen.
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I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
8. Dezember 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
Am 9. Dezember 2021 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der
Überstellung im Sinne einer vorsorglichen Massnahme aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
– in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend
aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet.
3.
3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
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Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des zuständigen Staats prüft das
SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prü-
fung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des
Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mit-
gliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung explizit oder implizit
zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8 - 15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfolgend: EU-Grundrechte-
charta) mit sich bringen, und kann nach den Regeln der Dublin-III-VO kein
anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden, wird der die Zustän-
digkeit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig (Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO).
4.4 Besitzt der Antragsteller einen gültigen Aufenthaltstitel, so ist der Mit-
gliedstaat, der den Aufenthaltstitel ausgestellt hat, für die Prüfung des An-
trags auf internationalen Schutz zuständig (Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Ist der Aufenthaltstitel weniger als zwei Jahre zuvor abgelaufen, so ist Ab-
satz 1 von Artikel 12 anwendbar, solange der Antragsteller das Hoheitsge-
biet der Mitgliedstaaten nicht verlassen hat (Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO).
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4.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
5.
5.1 Vorab ist festzustellen, dass die vom Beschwerdeführer erhobene ver-
fahrensrechtliche Rüge einer Gehörsverletzung seitens der Vorinstanz
nicht zu greifen vermag. Der Beschwerdeführer monierte, das SEM habe
hinsichtlich des von ihm geltend gemachten Aufenthalts ausserhalb des
Hoheitsgebiets der Dublin-Staaten den Sachverhalt unvollständig festge-
stellt respektive die Begründungspflicht verletzt, indem es die in diesem
Zusammenhang vorgelegten Beweismittel ungenügend gewürdigt habe.
Das SEM hat jedoch die vom Beschwerdeführer im Rahmen der Persona-
lienaufnahme vom 22. Oktober 2021 und des Dublin-Gesprächs vom
2. November 2021 gemachten Vorbringen zu einem Aufenthalt in Georgien
nach Ablauf der polnischen Aufenthaltsbewilligung gehört und den Be-
schwerdeführer, der die Substanziierungslast für seine Vorbringen trägt
(Art. 7 AsylG), diesbezüglich am 2. November 2021 zu weiteren Angaben
sowie zur Einreichung von Belegen aufgefordert, womit es seiner Pflicht
zur Sachverhaltserhebung nachgekommen ist. Die vom Beschwerdeführer
am 10. November 2021 eingereichten Dokumente hat das SEM entgegen-
genommen und in seinem Entscheid berücksichtigt. Es hat in genügender
Weise aufgezeigt, weshalb es die besagten Dokumente als nicht tauglich
für den Nachweis des Aufenthalts des Beschwerdeführers ausserhalb des
Dublin-Raums erachtet. Eine Gehörsverletzung liegt damit nicht vor. Der
blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung und Schluss-
folgerung des SEM nicht teilt, vermag keine Verletzung der Begründungs-
pflicht zu belegen. Es handelt sich dabei um eine materielle Frage. Ob der
Einschätzung der Vorinstanz zu folgen ist, ist nunmehr Gegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
5.2 Es besteht damit keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus
formellen Gründen aufzuheben. Der (Eventual-)Antrag um Rückweisung
zur Neubeurteilung durch das SEM ist abzuweisen.
6.
6.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die polnischen Behörden dem Be-
schwerdeführer eine Aufenthaltsbewilligung mit Gültigkeit bis zum (...)
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2019 erteilt haben, und dass der Beschwerdeführer sich – laut seinen An-
gaben zwecks Arbeit – in Polen aufgehalten hat. Am 17. Oktober 2021 und
damit weniger als zwei Jahre nach Ablauf des besagten polnischen Aufent-
haltstitels hat der Beschwerdeführer in der Schweiz ein Asylgesuch ge-
stellt. Unter Offenlegung der von ihm vorgelegten Beweismittel zum be-
haupteten Aufenthalt in Georgien nach dem (...) 2019 und Darlegung sei-
ner diesbezüglichen Einschätzung (Art. 21 Abs. 3 Dublin-III-VO), ersuchte
das SEM die polnischen Behörden am 16. November 2021 um Aufnahme
des Beschwerdeführers. Die polnischen Behörden stimmten dem Ersu-
chen am 26. November 2021 in Anwendung von Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-
VO ausdrücklich zu und anerkannten damit die Zuständigkeit Polens für
die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens des Beschwer-
deführers.
6.2 Der Beschwerdeführer vermag das Verlassen des Hoheitsgebiets der
Dublin-Staaten nach Ablauf der polnischen Aufenthaltsbewilligung nicht
glaubhaft zu schildern und zu belegen. Seine diesbezüglichen Ausführun-
gen, wonach er erst am (...) Oktober 2021 respektive (...) Juni 2021 be-
ziehungsweise (...) Juni 2021 (wieder) in den Dublin-Raum eingereist sei
(Polen), nachdem er sich zuvor ein Jahr lang respektive von (...) 2020 bis
(...) 2021 in Georgien aufgehalten habe, sind nicht frei von Widersprüchen,
und weder die im vorinstanzlichen Verfahren noch die mit der Beschwerde
eingereichten Beweismittel vermögen das vom Beschwerdeführer behaup-
tete Verlassen des Hoheitsgebiets der Dublin-Staaten nach Ablauf der pol-
nischen Aufenthaltsbewilligung zu belegen. Die lediglich in Form von Ko-
pien respektive Screenshots eingereichten Beweismittel weisen allesamt
nur eine geringe Beweiskraft auf. Das SARS-CoV-2-Testresultat eines Tes-
tinstituts in B._ vom 2. September 2020 (Formular laut letzter Zeile
ausgedruckt am 2. November 2021) trägt keine handschriftliche Unter-
schrift und der handschriftlich ausgefüllte Arztschein einer Klinik in
B._ vom 11. Dezember 2020 weist weder eine Unterschrift des aus-
stellenden Arztes noch einen Stempel der besagten Institution auf. Für die
Echtheit dieser Dokumente besteht keinerlei Gewähr. Bei der Buchungs-
bestätigung für einen Flug von B._ nach D._ am (...) Juni
2021 handelt es sich nicht um eine Bordkarte und dieses Dokument ver-
mag nicht zu belegen, dass der Beschwerdeführer den besagten Flug tat-
sächlich absolviert hat. Er selbst hatte zudem abweichend angegeben, am
(...) Juni 2021 von Georgien nach Polen geflogen zu sein. Auch den auf
Beschwerdeebene eingereichten Screenshots aus Facebook und von
Handy-Fotos, die den Beschwerdeführer am 22. Februar 2020, 24. April
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2021 und 15. Mai 2021 an verschiedenen Orten in Georgien zeigen wür-
den, sowie eines Überweisungsauftrags vom 26. Mai 2021, laut dem der
Beschwerdeführer eine Geldsendung bei einer Bank in B._ abholen
könne, wobei ein entsprechender Auszahlungsbeleg nicht vorgelegt wurde,
kommt kein hinreichender Beweiswert für den Nachweis eines Aufenthalts
in Georgien zu. Die eingereichten Dokumente sind insgesamt nicht taug-
lich, den behaupteten Aufenthalt des Beschwerdeführers ausserhalb des
Dublin-Raums nach Ablauf der polnischen Aufenthaltsbewilligung zu bele-
gen. Am Rande sei vermerkt, dass der Beschwerdeführer keine Identitäts-
dokumente eingereicht hat. Die Angaben in seinem Schreiben vom 10. No-
vember 2021 zur Entsorgung seines Reisepasses erstaunen. Selbst wenn
dieses Dokument nach einem versehentlichen Waschgang beschädigt ge-
wesen sein sollte, ist kaum nachzuvollziehen, dass der Beschwerdeführer
dieses wichtige Dokument entsorgt haben sollte. Im Übrigen hatte er das
besagte Malheur bei der Personalienaufnahme vom 22. Oktober 2021, bei
der er zur Einreichung von Identitätsdokumenten aufgefordert wurde, mit
keinem Wort erwähnt, sondern angegeben, dass er über einen Pass und
eine Identitätskarte verfüge. Letztere hat er indes ebenfalls nicht einge-
reicht.
6.3 Aufgrund des Gesagten bleibt die sich aus Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO
ergebende (grundsätzliche) Zuständigkeit Polens bestehen.
7.
7.1 Es sprechen auch keine anderen Umstände gegen eine Zuständigkeit
Polens beziehungsweise eine Überstellung des Beschwerdeführers dort-
hin. Es gibt keine wesentlichen Gründe für die Annahme, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Polen würden systemi-
sche Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-
rechtecharta mit sich bringen. Polen ist Signatarstaat der EMRK, des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom
31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völ-
kerrechtlichen Verpflichtungen nach. Es darf auch davon ausgegangen
werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für
Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und
des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für
die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog.
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Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung
von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz
beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Unter diesen Umständen ist
die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
Vorliegend besteht denn auch kein Grund zur Annahme, die polnischen
Behörden, die der Übernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zuge-
stimmt haben, würden ihm den Zugang zum Asylverfahren unter Einhal-
tung der Regeln der Verfahrensrichtlinie verweigern beziehungsweise in
seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur
Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine
Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in
dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen
zu werden.
7.2 Ebenso wenig liegen Gründe für die Anwendung der Souveränitäts-
klausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO vor.
7.2.1 Der Beschwerdeführer, der während seines Aufenthalts in Polen nicht
um Asyl nachgesucht habe, vermag mit seinen Ausführungen, wonach er
von seinem Arbeitgeber in Polen teils nicht bezahlt worden sei, sein Ver-
dienst nur für den Kauf von Lebensmitteln gereicht habe und er bei einer
Rückkehr nach Polen Obdachlosigkeit befürchte, keine konkreten und
ernsthaften Hinweise für die Annahme darzutun, Polen würde ihm nach der
Überstellung dorthin und der Aufnahme ins Asylverfahren die aus der Auf-
nahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten.
Bei allfälligen Problemen mit Drittpersonen steht es dem Beschwerdefüh-
rer frei, sich an die zuständigen Behörden vor Ort zu wenden. Die im vor-
instanzlichen Verfahren erwähnten, bislang nicht belegten gesundheitli-
chen Beschwerden ([...], [...]probleme mit Ausstrahlung in die [...]) vermö-
gen eine Unzulässigkeit im Sinne der restriktiven Rechtsprechung (vgl. Ur-
teil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse
Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.) nicht zu rechtfertigen. Polen ver-
fügt über eine ausreichende medizinische Infrastruktur und der Zugang
zum dortigen Gesundheitssystem ist für asylsuchende Personen gewähr-
leistet, zumal die Mitgliedstaaten den Antragstellern die erforderliche me-
dizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt
erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö-
rungen umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahme-
richtlinie), und den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen die erfor-
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derliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich erforderlichen-
falls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren haben
(Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es darf somit davon ausgegangen wer-
den, dass der Beschwerdeführer bei Bedarf adäquate medizinische Be-
treuung finden wird. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug
der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, werden die polnischen Be-
hörden bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung
über aktuelle medizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-
III-VO). Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass es sich bei der CO-
VID-19-Pandemie um ein bloss temporäres Vollzugshindernis handelt, wel-
chem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist.
7.2.2 Der Vorinstanz kommt bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3
AsylV 1 Ermessen zu (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten sind keine
Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106
Abs. 1 Bst. a AsylG) durch das SEM zu entnehmen. Das Bundesverwal-
tungsgericht enthält sich unter diesen Umständen weiterer Ausführungen
zur Frage eines Selbsteintritts.
7.2.3 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO und an dieser Stelle bleibt fest-
zuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.3 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten.
Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Polen in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
7.4 Unter diesen Umständen sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da das Fehlen
von solchen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheids gemäss
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
8.
Die Beschwerde ist aufgrund des Gesagten abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
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9.
Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, wes-
halb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde und auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als
gegenstandslos erweisen.
10.
10.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist
abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraus-
setzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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