Decision ID: b3550265-49af-46fb-b8c6-2c697468f081
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Tätlichkeiten
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 17. Juli 2017 (GB160074)
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Anklage:
Der als Anklageschrift dienende Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
vom 27. Oktober 2016 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 12).
Urteil der Vorinstanz (Urk. 43 S. 13 f.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen.
4. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin B._ wird
auf den Zivilweg verwiesen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 900.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 700.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Gerichtskosten gemäss vorstehender Ziffer sowie die Kosten des Strafbefehls
(Unt. Nr. 2016/10018399) vom 27. Oktober 2016 inklusive die nachträglichen Un-
tersuchungs- und Überweisungskosten der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat im
Betrage von insgesamt Fr. 700.-- werden der Beschuldigten auferlegt.
7. (Mitteilungen)
8. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Beschuldigten A._:
(Urk. 41A, sinngemäss)
1. Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126
StGB freizusprechen.
2. Unter Kostenfolgen zulasten der Gerichtskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft
(Urk. 48, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 43 S. 3 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom
17. Juli 2017 wurde die Beschuldigte A._ im Sinne des eingangs wiederge-
gebenen Urteilsdispositivs schuldig gesprochen und bestraft. Gegen dieses Urteil,
welches der Beschuldigten in begründeter Form am 29. August 2017 eröffnet
wurde (Urk. 38), meldete sie innert Frist mit ausführlich begründetem Schreiben
vom 2. September 2017 Berufung an (Urk. 42 A).
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1.3. Mit Präsidialverfügung vom 9. Oktober 2017 wurde der Privatklägerin so-
wie der Anklagebehörde Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben, oder
begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 44). Daraufhin
teilte die Anklagebehörde mit Eingabe vom 16. Oktober 2017 mit, sie verzichte
auf die Erhebung einer Anschlussberufung (Urk. 48). Die Privatklägerin liess sich
nicht verlauten.
1.4. Am 15. Januar 2018 fand die Berufungsverhandlung im vorliegenden Ver-
fahren sowie gleichzeitig diejenige im (Parallel-)Verfahren gegen C._
(SB170367) statt. Zu den Berufungsverhandlungen sind die Beschuldigte sowie
der Mitbeschuldigte C._ erschienen (Prot. II. S. 3).
2. Umfang der Berufung
2.1. In ihrer Berufungserklärung vom 2. September 2017 beantragte die Be-
schuldigte sinngemäss einen vollumfänglichen Freispruch unter entsprechender
Regelung der Nebenfolgen (Urk. 42 A). Die Anklagebehörde beantragte dem-
gegenüber die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 48).
2.2. Dementsprechend steht das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abtei-
lung - Einzelgericht, vom 17. Juli 2017 umfassend zur Disposition.
II. Sachverhalt
3. Anklagevorwurf
3.1. Die Anklagebehörde wirft der Beschuldigten im Strafbefehl vom
27. Oktober 2017 zusammengefasst vor, sie habe am 11. März 2016, ca. 21.10
Uhr, an der ...strasse ... in ... Zürich, ihre Nachbarin B._ nach einer verbalen
Auseinandersetzung an den Haaren gerissen und sie einmal auf den Oberschen-
kel getreten, ohne dass sich die Geschädigte dabei Verletzungen zugezogen ha-
be. Die Beschuldigte habe gewusst, dass sie mit dieser Handlung das allgemein
üblich geduldete Mass psychischer [recte: physischer] Einwirkung auf einen Men-
schen überschritt (Urk. 12 S. 2).
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3.2. Die Beschuldigte bestritt den Anklagevorwurf sowohl während der Unter-
suchung und im vorinstanzlichen Verfahren als auch im Berufungsverfahren
vehement (Urk. 3/2, Urk. 3/5 sowie Prot. I. S. 18 ff. und Urk. 42 A, Urk. 51 S. 5 ff.).
4. Beweismittel
4.1. Der Anklagevorwurf basiert einerseits auf den belastenden Aussagen der
Privatklägerin B._ (Urk. 3/1 und Urk. 3/6) sowie auf dem ärztlichen Zeugnis
des Hausarztes der Privatklägerin, Dr. med. D._, vom 16. März 2016
(Urk. 4/1), und andererseits auf den durch die Stadtpolizei Zürich am 12. März
2016 erstellten Fotografien der Privatklägerin (Urk. 4/2). Als weitere Beweismittel
liegen die Aussagen der Beschuldigten (Urk. 3/2, Urk. 3/5 und Prot. I S. 18 ff.), die
Aussagen des Mitbeschuldigten C._ (Urk. 3/3 und Urk. 3/4; SB170367 Prot. I
S. 20 ff.), die Aussagen des Zeugen E._ (Prot. I S. 10 ff.) sowie eine Video-
aufnahme unbekannten Datums (SB170367 Urk. 34/1-2) vor.
4.2. In Bezug auf den sich bei den Akten befindenden medizinischen Bericht
des Hausarztes der Privatklägerin, Dr. med. D._, vom 16. März 2016
(Urk. 4/1) ist Folgendes festzuhalten: Mutmasslich wurde der Bericht von der
Stadtpolizei Zürich eingefordert, jedenfalls ist diese "Adressatin" des ärztlichen
Zeugnisses. Wer den Auftrag erteilte und wie dieser lautete, lässt sich den Akten
eben so wenig entnehmen, wie die Antwort auf die Frage ob Dr. med. D._
bei der Auftragserteilung auf die Straffolgen eines falschen ärztlichen Zeugnisses
aufmerksam gemacht wurde. Generell ist unklar, wie das Zeugnis Eingang in die
Akten gefunden hat. Festzuhalten ist jedenfalls, dass das Zeugnis nichts weiter
als eine blosse Parteibehauptung darstellt, welcher höchstens Indiziencharakter
zukommen kann. Das Zeugnis wurde den Beschuldigten in ihren jeweiligen Ein-
vernahmen durch die Anklagebehörde lediglich auszugsweise vorgehalten. Gele-
genheit, dem Arzt Zusatzfragen zu stellen, hatten die Beschuldigten selbstredend
keine. Damit wurde in Bezug auf das ärztliche Zeugnis der Anspruch der Be-
schuldigten auf Wahrung ihres rechtlichen Gehörs verletzt, was dazu führt, dass
das ärztliche Zeugnis von Dr. med. D._ grundsätzlich nicht zum Nachteil der
Beschuldigten verwertbar ist.
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Damit stellt sich die Frage, ob die mangelhafte Beweiserhebung mit Hilfe einer
Beweisergänzung im Sinne von Art. 389 Abs. 2 StPO geheilt werden könnte. Die-
se Frage ist indes aus den nachfolgenden Gründen zu verneinen, denn auch in-
haltlich bestehen – entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 42 S. 8) – mas-
sive Bedenken mit Bezug auf die ärztlichen Feststellungen. Die Privatklägerin
suchte den Arzt offenbar erst vier Tage nach dem fraglichen Vorfall auf. Während
der Stadtpolizist E._ am Tattag bei der Privatklägerin mit Ausnahme "einer
leichten Rötung auf der rechten Seite" keine äusserlichen Verletzungen feststel-
len konnte, was er denn auch als Zeuge vor Vorinstanz bestätigte (Prot. I. S. 14),
stellte der Arzt "eine 5x5 cm grosse Schwellung am frontalen Kopfbereich, Schlä-
fe rechts mit oberflächlichen Schürfungen" fest. Diese Verletzungen würden – so
der Arzt – "nach einem Schuhabdruck" aussehen. Was der Hausarzt äusserlich
feststellt, steht in diametralem Widerspruch zu den Feststellungen des Polizisten.
Am Folgetag der Auseinandersetzung erschien die Privatklägerin auf dem Poli-
zeiposten, wo die Fotos gemäss Urk. 4/2 erstellt wurden (vgl. hierzu auch Urk. 1
S. 3 woraus sich ergibt, dass die Erstellung der Fotos in Urk. 4/2 fälschlicherweise
auf den 11. März 2016 datiert wurden). Auf diesen Fotos sind fraglos Verletz-
ungen erkennbar. Ob diese Verletzungen allerdings von der angeblichen Attacke
der Beschuldigten stammen, muss insbesondere angesichts der überzeugenden
und dezidierten Zeugenaussage des Stadtpolizisten E._ ernsthaft in Frage
gestellt werden. Die Privatklägerin war am Tatabend massiv alkoholisiert. Die
Atemluftmessung vor Ort ergab einen beachtlichen Wert von 1.95 ‰ (Urk. 1 S. 2).
Die Beschuldigte war nach Wahrnehmung der ausgerückten Polizeibeamten sehr
aggressiv und laut. Angesichts der – gesamthaft betrachtet – bedenklichen physi-
schen und psychischen Verfassung der Privatklägerin kann nicht ausgeschlossen
werden, dass sie sich die am Folgetag fotografisch dokumentierten Verletzungen
nach dem hier zur Diskussion stehenden Vorfall zugezogen hat. Dafür spricht je-
denfalls, dass der Zeuge E._ vor Ort mit Ausnahme einer leichten Rötung
nichts feststellen konnte, was er als Verletzung bezeichnet hätte. Was Dr. med.
D._ in seinem ärztlichen Zeugnis festhält, basiert im Wesentlichen auf den
Angaben, welche er von der Privatklägerin erhalten hatte. Wörtlich führt er aus:
"Gemäss ihre Anamnese, sie ist von Ihre Nachbarn (2 Personen) am 11.3.2016
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um 22.00 Uhr attackiert worden. Der eine hat ihr mit dem Fuss in den Bauch ge-
kickt, der andere stand ihr auf dem Kopf" (Urk. 4/1). Dass der Arzt unter diesen
Umständen die Vermutung aufstellte, die Verletzung im Gesicht könnte von einem
Schuhabdruck stammen – spricht entgegen der Ansicht der Vorinstanz – nicht
zwingend für die Richtigkeit des ärztlichen Zeugnisses, sondern widerspiegelt le-
diglich das, was er von seiner Patientin geschildert erhalten hatte. Selbst wenn
das ärztliche Zeugnis uneingeschränkt zum Nachteil der Beschuldigten verwert-
bar wäre, liessen sich daraus keine zwingenden Schlüsse für die Sachverhaltser-
stellung ableiten. Insofern erübrigt sich diesbezüglich auch eine Beweisergänzung
im Sinne von Art. 389 Abs. 2 lit. a StPO.
5. Beweiswürdigung
5.1. Die Beschuldigte und der Mitbeschuldigte C._ bestreiten nicht, dass
es an jenem Abend zu einer verbalen Auseinandersetzung mit der Privatklägerin
gekommen ist. Hingegen bestreiten sie vehement, diese dabei tätlich angegriffen
und sie dabei verletzt zu haben. Es ist daher zu überprüfen, ob sich die von der
Privatklägerin geschilderte tätliche Auseinandersetzung anhand der vorhandenen
Beweismittel erstellen lässt.
5.2. Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Beweiswürdigung zutreffend wie-
dergegeben, worauf zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen vorab zu ver-
weisen ist (Urk. 43 S. 4 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.3. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin korrekt zusammen-
gefasst und wiedergegeben, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 43
S. 5 f., Art. 82 Abs. 4 StPO). Mit der Vorinstanz fällt auf, dass die Privatklägerin
den eigentlichen Vorfall äusserst kurz schilderte und ihre Depositionen einige Un-
gereimtheiten aufweisen (Urk. 42 S. 8). Insbesondere schilderte sie auch
die angeblichen körperlichen Übergriffe uneinheitlich. Während sie anlässlich der
polizeilichen Befragung vom 5. Mai 2016 erklärte, der Mitbeschuldigte C._
sei auf sie losgegangen, habe sie auf den Boden geworfen und angefangen, sie
zu treten, er habe sie zuerst mit seinem rechten Fuss an beide Unterschenkel
sowie in die rechte Rippengegend getreten sowie anschliessend mit beiden Fäus-
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ten in die rechte Gesichtshälfte sowie in die rechte Schläfe geschlagen und die
Beschuldigte habe sie ebenfalls zuerst mit beiden Füssen an beiden Unterschen-
keln sowie am rechten Knie getreten und anschliessend mit beiden Händen an
den Haaren gerissen (Urk. 3/1 S. 2 f.), erklärte sie anlässlich der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme vom 13. Juli 2016, der Mitbeschuldigte C._ habe
sie auf den Boden geworfen, sie mit dem Fuss gegen den Unterschenkel, dann
gegen den Oberschenkel und in die Seite des Bauchs getreten. Sie habe sich
wehren wollen, woraufhin er sie in die rechte Seite getreten habe. Dann habe die
Frau [die Beschuldigte] sie an den Haaren gezogen. Der Mitbeschuldigte C._
habe sie dann auf die rechte Seite ins Gesicht getreten, auf Höhe der Wangen-
knochen. Auf Nachfrage, ob der Beschuldigte C._ sie auch mit den Händen
geschlagen habe, erklärte sie, "Also...ja, mit der Faust... Als ich am Boden lag",
sie wisse es nicht mehr. Damit konfrontiert, dass sie bei der Polizei erklärt hatte,
der Beschuldigte C._ habe sie mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen, er-
klärte sie, er habe sie zuerst ins Gesicht getreten und dann geschlagen. Ausser-
dem erklärte sie auf Nachfrage, die Beschuldigte habe sie nicht geschlagen
(Urk. 36 S. 3 f.). Mithin fällt auf, dass sie im Gegensatz zur polizeilichen Einver-
nahme im Rahmen der Befragung durch die Anklagebehörde nicht mehr wusste,
ob und wie sie von den Beschuldigten geschlagen wurde. Den exakten Hergang
der Auseinandersetzung und namentlich die Art und Weise, wie die Beschuldigten
auf sie eingewirkt haben sollen, schilderte sie nicht in freier Rede, sondern jeweils
erst auf Nachfragen (Urk. 3/6 S. 3 ff.). Auch schildert die Privatklägerin die Um-
stände des Arztbesuches widersprüchlich, indem sie erklärte, sie sei aufgrund der
Verletzungen am nächsten Tag zum Arzt gegangen, von welchem sie Schmerz-
tabletten erhalten habe. Damit konfrontiert, dass sie gemäss dem Arztbericht je-
doch erst am 15. März 2016, mithin vier Tage nach dem Vorfall, den Arzt konsul-
tiert hätte, erklärte sie, sie habe sich geschämt. Sie habe immer Schmerztabletten
zu Hause und diese genommen. Sie habe am 15. März 2016 immer noch Ohren-
bluten und Schmerzen gehabt, weshalb sie letztlich den Arzt aufgesucht habe
(Urk. 3/6 S. 4 f.). Bedenkt man weiter, dass die Privatklägerin zum Zeitpunkt des
Vorfalls einen Atemalkoholwert von 1.95 ‰ aufwies, so sind insgesamt in Bezug
auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen gewisse Zweifel angebracht.
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5.4. Demgegenüber machten sowohl die Beschuldigte als auch der Mitbeschul-
digte C._ – auch nach Auffassung der Vorinstanz – grundsätzlich glaubhafte
und überzeugende Angaben zum Vorfall (vgl. Urk. 43 S. 8). In Bezug auf die Aus-
sagen der Beschuldigten während der Untersuchung und vor Vorinstanz kann
wiederum auf die Zusammenfassung im angefochtenen Urteil verwiesen werden
(Urk. 43 S. 5). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte die Beschul-
digte die Richtigkeit ihrer bisherigen Aussagen und erklärte, die Privatklägerin ha-
be sich aus der Anzeige erhofft, Geld zu erhalten. Sie habe auch angeboten, die
Anzeige gegen Geld fallen zu lassen. Die Privatklägerin habe zwei Gesichter und
könne durchdrehen, weshalb sie glaube, dass die Privatklägerin sich die Ver-
letzungen selber zugefügt habe (Urk. 51 S. 5 ff.). Mithin sind die Aussagen der
Beschuldigten konstant und weisen auch keine nennenswerten Widersprüche auf.
Überdies stimmen sie auch mit den Aussagen des Mitbeschuldigten C._
überein.
5.5. Die Vorinstanz gelangte aufgrund der medizinischen Unterlagen sowie den
am Tag nach der Auseinandersetzung aufgenommenen Fotografien zur Überzeu-
gung, dass der Anklagesachverhalt erstellt sei (Urk. 43 S. 8 f.). Wie vorstehend
bereits dargelegt, ist das ärztliche Zeugnis allerdings als blosse Privatauskunft zu
qualifizieren und nicht zum Nachteil der Beschuldigten verwertbar. Überdies be-
ruht das Zeugnis hauptsächlich auf den Aussagen der Privatklägerin, zumal diese
den Arzt erst vier Tage nach dem Vorfall kontaktierte und ihm dabei unter ande-
rem schilderte, ein Nachbar sei ihr auf den Kopf gestanden (Urk. 4/1). Dem-
gegenüber sind auf den am Tag nach der Auseinandersetzung aufgenommenen
Fotografien an der rechten Schläfe sowie über dem Auge rote Spuren und um das
Auge eine bläuliche Verfärbung erkennbar. Ausserdem hatte die Privatklägerin
blaue Flecken am rechten Bein (Urk. 4/1). Der Zeuge E._, welcher am be-
sagten Abend zusammen mit seiner Kollegin zur fraglichen Auseinandersetzung
ausgerückt war, erklärte, er habe vor Ort keine Verletzungen feststellen können,
ansonsten hätten sie die Fotos bereits am Abend gemacht (Prot. I S. 11). Er habe
an jenem Abend keine Verletzungen bei der Privatklägerin feststellen können, le-
diglich eine kleine Rötung auf der rechten Seite, jedoch sicherlich nicht in dem
Ausmass, wie es auf den Fotos vom nächsten Tag ersichtlich sei. Gemäss ihrer
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Einschätzung hätten sie die Rötung nicht als Verletzung erkannt, weil es sich
auch um eine Rötung vom Kratzen oder Abstützen des Armes hätte handeln kön-
nen (Prot. I S. 14 f.). Ausserdem führte der Zeuge aus, die Privatklägerin habe
sich sehr unkooperativ verhalten, immer wieder geschrien und sich über die Poli-
zei beschwert. Aufgrund ihres Alkoholgehalts habe sie sich auch nicht allzu adä-
quat ausdrücken können (Prot. I S. 11). Seiner persönlichen Einschätzung nach
seien die Aggressionen an jenem Abend nicht von den Beschuldigten, sondern
von der Privatklägerin ausgegangen, was auch so rapportiert worden sei (Prot. I
S. 15).
5.6. Nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" darf sich der Strafrichter nicht von
der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt er-
klären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt
so verwirklicht hat. Eine Verletzung dieses Grundsatzes liegt vor, wenn der Straf-
richter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen, wobei bloss ab-
strakte und theoretische Zweifel nicht massgebend sind, weil solche immer mög-
lich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um
erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich
nach der objektiven Sachlage aufdrängen (statt vieler: BGE 120 Ia 31 E. 2.c).
5.7. Aufgrund der glaubhaften Aussagen des Zeugen E._ bestehen erheb-
liche Zweifel, ob sich die Auseinandersetzung zwischen der Beschuldigten sowie
dem Mitbeschuldigten C._ und der Privatklägerin tatsächlich so abgespielt
hatte, wie es in der Anklageschrift geschildert wird. Die Aussagen der Privatkläge-
rin sind teilweise widersprüchlich und sie war an jenem Abend derart betrunken,
dass die Polizei sie aufforderte, am nächsten Tag auf dem Polizeiposten zu er-
scheinen, um Anzeige zu erstatten (Urk. 1 S. 3). Falls der Mitbeschuldigte
C._ tatsächlich derart auf die Privatklägerin eingewirkt hätte, wie sie dies ge-
schildert hatte – immerhin wirft sie ihm Faustschläge mit beiden Händen ins Ge-
sicht sowie Fusstritte ins Gesicht, als sie am Boden lag, vor – hätte der Zeuge
E._ an jenem Abend wohl mehr als bloss eine kleine Rötung bei der Privat-
klägerin feststellen müssen, selbst wenn Hämatome einige Zeit brauchen, bis sie
sichtbar werden. Schliesslich ist auf der vom Mitbeschuldigten C._ ins Recht
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gereichten Videoaufnahme ersichtlich, wie die Privatklägerin im Treppenhaus
herumschreit und in Rage mit ihren Fäusten mit voller Wucht auf eine Türe ein-
schlägt (SB170367 Urk. 34/1-2), weshalb nicht gänzlich auszuschliessen ist, dass
die Privatklägerin sich im Zustand der Aufgebrachtheit selber verletzt haben könn-
te. Somit verbleiben Zweifel, ob die bei der Privatklägerin festgestellten Verlet-
zungen wirklich aus der Auseinandersetzung mit dem Mitbeschuldigten C._
sowie der Beschuldigten resultieren und folglich auch daran, wie diese Auseinan-
dersetzung genau abgelaufen ist. Mithin ist zweifelhaft, ob die Beschuldigte die
Privatklägerin an den Haaren gerissen hat sowie ihr auf den Oberschenkel getre-
ten ist, weshalb die Beschuldigte nach dem Grundsatz in dubio pro reo vom Vor-
wurf der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB freizusprechen ist.
III. Zivilansprüche
6.1. Die Privatklägerin machte mit dem Formular "Geltendmachung von Rechten
als Privatklägerschaft" eine Schadenersatzforderung im Umfang von Fr. 5'000.–
sowie eine Genugtuung von Fr. 3'000.– geltend (Urk. 5/1).
6.2. Die Vorinstanz verwies die Privatklägerin mit ihren gänzlich unbegründeten
Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Zivilweg (Urk. 43 S. 13).
6.3. Nachdem vorliegend ein vollumfänglicher Freispruch ergeht, verbleibt kein
Raum für die Zusprechung von Schadenersatz und/oder Genugtuung. Demnach
ist auf das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin nicht
einzutreten.
IV. Kosten
7.1. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung gemäss Dispositiv Ziffer 5 ist zu be-
stätigen.
7.2. Für das Berufungsverfahren ist keine Gerichtsgebühr zu erheben.
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7.3. Die Kosten für die Untersuchung sowie diejenigen beider gerichtlicher Ver-
fahren sind ausgangsgemäss vorbehaltlos auf die Gerichtskasse zu nehmen.