Decision ID: ca3828ef-2532-5b05-b555-cc64baa82ecb
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Parzellen Bellmund Grundbuchblatt
Nr. Z._ und A._. Die Grundstücke liegen in der Wohnzone und wurden
früher als Werkhof genutzt. Ende Juni 2009 stellte die Baukommission der Gemeinde
Bellmund fest, dass der Beschwerdeführer seinen Werkkran auf den Parzellen Nr.
Z._ und A._ durch einen neuen, grösseren Kran ersetzt hatte. Daraufhin
forderte die Gemeinde den Beschwerdeführer zur Einreichung eines Baugesuchs auf.
Der Beschwerdeführer reichte am 10. Juli 2009 ein nachträgliches Baugesuch ein. Mit
Entscheid vom 23. Juli 2010 erteilte die Gemeinde den Bauabschlag. Dieser wurde mit
Entscheid der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) vom 7. Februar 2011 bestätigt.
In der Folge demontierte der Beschwerdeführer den Kran teilweise und lagerte die Teile
auf seinen Grundstücken. Bei Bedarf stellte er den Kran jeweils wieder auf und nahm ihn in
Betrieb.
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2. Mit Wiederherstellungsverfügung vom 9. Februar 2015 forderte die Gemeinde den
Beschwerdeführer auf, den Kran vollständig von den Parzellen Nr. Z._ und
A._ zu entfernen, so dass kein Teilstück mehr aufgerichtet bleibe. Gleichzeitig
drohte sie die Ersatzvornahme und eine Busse bei Nichtbefolgung an. Gegen diese
Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 24. Februar 2015 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die Aufhebung
der Wiederherstellungsverfügung vom 9. Februar 2015.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde beantragt die Abweisung
der Beschwerde. Der Beschwerdeführer reichte am 9./11. Mai 2015 eine weitere
Stellungnahme ein. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Der Beschwerdeführer ist als Adressat durch die angefochtene Verfügung beschwert und
daher zur Beschwerde legitimiert. Auf seine form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Wiederherstellung
a) Auf der Liegenschaft des Beschwerdeführers befindet sich ein Werkkran. Der
Beschwerdeführer nutzt diesen für das Schneiden von Hecken an den Parzellengrenzen
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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sowie für das Verschieben von schweren Gerätschaften für den Unterhalt einer
Einstellhallendecke. Zwischen den Einsätzen wurde der Kran teilweise abgebaut und auf
der Parzelle gelagert. Der Beschwerdeführer rügt die angeordnete Wiederherstellung nicht
grundsätzlich. Er macht aber geltend, er brauche den Kran für das zweimal jährliche
Schneiden der Hecken.
b) Die Bewilligungsfähigkeit des Werkkrans wurde bereits im Entscheid der BVE vom
7. Februar 2011 geprüft. Die BVE kam zum Schluss, dass der Kran nicht zonenkonform sei
und bestätigte den Bauabschlag der Gemeinde. Dieser Entscheid ist in Rechtskraft
erwachsen. Vorliegend ist daher nur noch die Zulässigkeit der Wiederherstellung zu prüfen.
Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer Baubewilligung
ausgeführt, so ordnet die Baupolizeibehörde die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands an (Art. 46 Abs. 1 BauG). Die Wiederherstellung muss im öffentlichen Interesse
liegen und den Grundsatz der Verhältnismässigkeit beachten. Sie muss damit zur
Verwirklichung der betroffenen öffentlichen Interessen geeignet, erforderlich und für den
Betroffenen zumutbar sein (Art. 5 Abs. 2 BV)3. Die Wiederherstellung darf den
Vertrauensgrundsatz nicht verletzen.4
Das öffentliche Interesse liegt vorliegend in der Durchsetzung der baurechtlichen
Bestimmungen und der Verhinderung von nicht zonenkonformen Nutzungen. Die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands liegt damit im öffentlichen Interesse. In
ihrer Wiederherstellungsverfügung vom 9. Februar 2015 ordnet die Gemeinde an, der Kran
auf den Parzellen des Beschwerdeführers sei vollständig zu entfernen. Es dürfe kein
Teilstück mehr aufgerichtet bleiben. Diese Massnahme ist geeignet, um die zonenfremde
Nutzung des Krans zu verhindern. Es ist nicht ersichtlich, wie dies mit einer milderen
Massnahme erreicht werden sollte. Der Rückbau des Krans ist mit relativ geringem
Aufwand möglich. Die frühere Nutzung der Parzellen als Werkhof besteht nicht mehr. Die
angeordnete Wiederherstellungsmassnahme ist damit zumutbar und die Wiederherstellung
insgesamt verhältnismässig.
3 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9c
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c) Der Beschwerdeführer nutzt den Kran für das Schneiden seiner Hecken. Er macht
geltend, die Gemeinde habe die Pflanzung der Hecken in der ursprünglichen
Baubewilligung verlangt. Aufgrund der Höhe der Hecken und der Umgebung könnten sie
nur mit dem Werkkran geschnitten werden. In der Baubewilligung vom 13. April 1965 findet
sich tatsächlich die Auflage, der Lagerplatz auf Parzelle Nr. Z._ sei mit
Grünbepflanzung abzuschliessen. Die Höhe der Hecke wird nicht näher bestimmt, als
Sichtschutz erscheint eine Höhe von 2.00 m aber ausreichend. Eine Hecke dieser Höhe
kann problemlos mit üblichen Geräten geschnitten werden. Die bestehende Hecke weist
gemäss Beschwerdeführer eine Höhe von 4.00 m bis 14.00 m auf. Die Hecke steht nicht
nur auf Parzelle Nr. Z._, sondern umfasst zusätzlich die gesamte Parzelle Nr.
A._. Im Bereich der B._gasse grenzt die Hecke, die hier offenbar bis zu
14.00 m hoch ist, direkt an den Fahrbahnrand. Die Frage, ob eine Hecke dieser Höhe, die
direkt an der Parzellengrenze bzw. am Fahrbahnrand steht, überhaupt zulässig ist, ist nicht
Inhalt des vorliegenden Verfahrens (vgl. z.B. Art. 80 SG5, Art. 56 SV6, Art. 79k EG ZGB7).
Der Beschwerdeführer kann jedenfalls aus der übermässigen Höhe seiner Hecke nichts zu
seinen Gunsten ableiten.
d) Der Beschwerdeführer rügt, er habe anfangs Dezember 2014 mit der Gemeinde
vereinbart, dass er die Hecke noch fertig schneiden wolle und dann den Kran
zusammenlege. Es sei nicht nötig gewesen, eine Verfügung mit Kostenfolge zu erlassen.
Die Gemeinde hatte bereits am 30. März 2011 ein erstes Mal die Entfernung des Krans
verfügt. Der Beschwerdeführer ist dieser Verfügung offensichtlich nicht nachgekommen.
Die Gemeinde wäre gestützt auf diese Verfügung ohne Weiteres berechtigt gewesen, den
Kran auf Kosten des Beschwerdeführers rückbauen zu lassen. Mit der Verfügung vom
9. Februar 2011 gibt ihm die Gemeinde erneut Gelegenheit, den Rückbau selber
vorzunehmen. Der Erlass der Verfügung und die damit verbundenen Kosten sind nicht zu
beanstanden.
e) Der Beschwerdeführer reichte mit seiner Stellungnahme vom 9. Mai 2015
Erklärungen der Nachbarn ein, wonach diese ihr Einverständnis zum Kran abgeben. Das
5 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 6 Strassenverordnung vom 29. Oktober 2008 (SV; BSG 732.111.1) 7 Gesetz vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG ZGB; BSG 211.1)
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Einverständnis der Nachbarn ist dort massgeblich, wo das Gesetz eine bestimmte
Rechtsfolge daran knüpft. Dies gilt beispielsweise im Falle der Erteilung eines
Näherbaurechts (Art. 29 GBR8) oder bei der kleinen Baubewilligung ohne Publikation (Art.
27 Abs. 4 BewD9). Der Rückbau des Krans wurde verfügt, weil er nicht zonenkonform ist.
Die Zustimmung der Nachbarn hat keinen Einfluss auf die Zonenkonformität und ist daher
unbeachtlich.
f) Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, die Gemeinde verlange die
Wiederherstellung, weil er sich anlässlich zweier Gemeindeversammlungen im Jahr 2014
ablehnend zu den Anträgen der Gemeinde geäussert habe. Die erste
Wiederherstellungsverfügung betreffend den Kran des Beschwerdeführers datiert vom 30.
März 2011. Der Zusammenhang zwischen der Wiederherstellungsverfügung und den
Gemeindeversammlungen ist nicht ersichtlich und wäre im Übrigen auch nicht relevant.
g) Damit steht fest, dass der Beschwerdeführer mit seinen Rügen nicht durchgedrungen
ist. Die Beschwerde wird abgewiesen und die Wiederherstellungsverfügung vom 9.
Februar 2011 bestätigt. Dem Beschwerdeführer wurde für die Wiederherstellung Frist bis
am 30. April 2015 gesetzt. Diese Frist ist aufgrund des Beschwerdeverfahrens abgelaufen
und muss neu angesetzt werden. Da die angeordnete Wiederherstellungsmassnahme mit
verhältnismässig geringem Aufwand ausgeführt werden kann, erscheint eine Frist bis am
30. Juli 2015 als angemessen.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.- (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV10). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
8 Baureglement der Gemeinde Bellmund vom 27. Oktober 1988 (GBR) 9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 10 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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