Decision ID: dc29b08a-18df-4639-943b-9f5767333767
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1948
,
schweizerischer Staatsangehöriger,
war bei
der
Genossenschaft KRANKENKASSE SLKK (SLKK)
nach dem Bundesgesetz über
die Kran
kenversicherung (KVG) gegen Krankheit versichert, als er in der Zeit vom
1
2.
bis 1
9.
April 2011, vom 2
2.
bis 2
3.
April 2011, vom
9.
bis 1
1.
Juni 2011 und
vom 1
3.
August bis 1
6.
September 2011 in
Y._
hospitalisiert
u
nd
dort
sta
tionär medizinisch behandelt wurde. Die Kosten dieser
Auslandbehandlungen
im
Betrag von insgesamt
Fr.
79‘203.90
wurden der SLKK im Rahmen der
Leis
tungs
aushilfe
von der Gemeinsamen Ein
richtung KVG, Solothurn, in Rechnung gestellt (
Urk.
7/5-6)
. Mit Schreiben vom
1.
März 2012
(
Urk
7/2)
stelle
die
SLKK
dem Versicherten
die Aufhebung des Versicherungsverhältnisses in Aussicht, da sich sein Lebensmittelpunkt in
Y._
und nicht in der Schweiz befinde. Der
Versicherte nahm mit Schrei
ben vom
5.
April 2012 (
Urk.
7/3) und vom 2
9.
Au
gust 2012 (
Urk.
7/4) dazu Stellung und teilte der SLKK mit, dass sich sein Wohn
sitz in der Schweiz be
finde.
Mit Verfügung vom
1.
Februar 2013
(Urk. 7/
7
) verneinte die
SLKK eine
Leis
tungs
pflicht
für
die Übernahme der Kosten der stationären Wahlbehandlungen vom
1
2.
April bis 1
6.
September 2011 in
Y._
im Betrag von
Fr.
79‘203.90
,
eine Übernahme der Kosten für Behandlungen, Nebenkosten der Spi
talaufenthalte, Medikamente, Laboranalysen und Hilfsmittel, welche in di
rek
tem Zusammenhang mit diesen stationären Behandlungen in
Y._
ste
hen
,
im Betrag von
Fr.
9‘582.25 und einen Anspruch des Versicherten auf Über
nahme von in Zukunft anfallenden Kosten einer stationären
Wahlbehand
lung
im Ausland.
1.2
A
m
5.
März 2013
erhob der Versicherte
gegen die Ver
fügung vom
1.
Februar 2013
Einsprache (
Urk.
7/8/1)
.
M
it Entscheid vom 2
0.
März 2013 (
Urk.
2)
ver
nein
te
die SLKK
eine Leistungspflicht für die Übernahme der Kosten der stationären
Wahl
behandlungen
vom 1
2.
April bis 1
6.
September 2011 in
Y._
im Be
trag von
Fr.
79‘203.90, eine Übernahme der Kosten für Behandlungen, Neben
kosten der Spitalaufenthalte, Medikamente, Laboranalysen und Hilfsmittel, wel
che in direktem Zusammenhang mit diesen stationären Behandlungen in
Y._
stehen, im Betrag von
Fr.
4‘466.85 und einen Anspruch des Versicherten auf Übernahme von in Zukunft anfallenden Kosten einer stationären
Wahl
be
handlung
im Ausland.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2
0.
März 2013
(Urk. 2) erhob der Ver
si
cher
te am
2
0.
April 2013
Beschwerde
mit dem Antrag, dieser sei, soweit er nicht als nichtig zu erklären sei, ersatzlos aufzuheben (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
1
1
.
Juni 2013
(Urk. 6) beantragte die
SLKK
die Ab
weisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 1
4.
Juni 2013 (
Urk.
8) wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und es wurde der Beschwerdeführer auf
ge
fordert, in einer schriftlichen Stellungnahme verschiedene Fragen zu be
ant
wor
ten
. Der
Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin
wurden zudem
aufge
for
dert, Unterlagen einzureichen.
Mit Eingabe vom
5.
Juni 2013 (
Urk.
10) reich
te
die SLKK verschiedene Unterlagen (
Urk.
11/1-4) ein.
Mit Replik vom 2
1.
Oktober 2013 (
Urk.
15) hielt der Beschwerdeführer an seinem
beschwerd
eweise gestellten Rechtsbegehren fest, nahm zu den gestellten Fragen Stellung und reichte verschiedene Unterlagen (
Urk.
16/1-24) ein. Mit Verfügung
vom 2
5.
Oktober 2013 (
Urk.
17) wurde der Beschwerdeführer aufge
fordert, in ei
ner schriftlichen Stellungnahme weitere Fragen zu beantworten und weitere Un
terlagen einzureichen. Mit Eingabe vom
4.
Februar 2014 (
Urk.
21) nahm der Be
schwerdeführer zu den weiteren gestellten Fragen Stel
lung und reichte weitere Unterlagen (
Urk.
22/1-27) ein. Mit Duplik vom 2
0.
Februar 2014 (
Urk.
24 S.
2) hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest.
Eine Kopie dieser Eingabe wurde dem Be
schwer
deführer am
1
1.
März 2014
zu
gestellt (Urk.
25
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Juni 2002 ist das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweize
ri
schen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitg
liedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (
Freizügigkeitsabkom
men
; FZA)
in Kraft getreten. Nach
Art.
1 Abs. 1 des auf der Grundlage des
Art.
8 des FZA ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (
Art.
15 FZA)
Anhangs II („Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit") des FZA in Ver
bindung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertrags
parteien un
tereinander insbesondere die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäi
schen
Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der
sozialen Sicherheit (kurz: VO 883/2004) und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009
(kurz: VO 987/2009) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Sep
tem
ber
2009 zur Festlegung der Modali
täten für die Durch
führung der VO 883/2004 oder gleichwertige Vorschriften an.
1.2
Die beiden genannten
ge
meinschaftsrechtlichen
Verordnungen sind für die Schweiz
durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom 3
1.
März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens über die Koordi
nie
rung der Systeme der sozialen Sicherheit per
1.
April 2012 in Kraft getreten (AS 2012 2345; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_455/2011 vom
4.
Mai 2012 E.
2.1).
1.3
Die VO 883/2004, welche die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 1
4.
Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeit
neh
mer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, die inner
halb der Ge
meinschaft zu- und abwandern (SR 0.831.109.268.1; kurz: VO Nr. 1408/71) ersetzt hat, begründet gemäss ihren Übergangsbestimmungen jedoch keinen An
spruch für den Zeitraum vor dem Beginn ihrer Anwendung (
Art.
87 Abs. 1), weshalb für die Zeit vor dem
1.
April 2012
weiterhin
die VO 1408/71 und die Ver
ordnung (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 2
1.
März 1972 über die Durchfüh
rung der VO Nr. 1408/71 über die Anwendung der Systeme der sozialen Sicher
heit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (kurz: VO 574/72)
,
anwendbar bleiben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2012 E. 51.2).
1.4
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist der
Einsprache
ent
scheid
vom
2
0.
März 2013
(Urk. 2).
Prozessthema ist der Anspruch des Be
schwerde
führers auf Übernahme der Kosten
der stationären Behandlungen in
Y._
vom 1
2.
bis 1
9.
April 2011, vom 2
2.
bis 2
3.
April 2011, vom
9.
bis 1
1.
Juni 2011
und vom 1
3.
August bis 1
6.
September 2011 im Betrag von Fr. 79‘203.90, sowie der Kosten für mit diesen stationären Behandlungen in
Y._
in direktem Zusammenhang stehenden Behandlungen, Nebenkosten der Spitalaufenthalte, Medikamente, Laboranalysen und Hilfsmittel im Betrag von
Fr.
4‘466.8
5.
In zeitlicher Hinsicht findet vorliegend daher das FZA in der bis Ende März 201
2
in Kraft gestandenen Fassung und namentlich die VO 1408/71 und die VO 574/72
Anwendung.
1.5
Soweit für die Anwendung des FZA Begriffe des Gemeinschaftsrechts herange
zogen werden, wird hierfür nach Art. 16 Abs. 2 FZA die einschlägige Recht
spre
chung des Gerichts
hofs der Europäischen Gemeinschaften (
EuGH
) vor dem Zeit
punkt der Unter
zeichnung vom 21. Juni 1999 berücksichtigt. Überdies ist es den
schweizeri
schen Behörden im Allgemeinen nicht verwehrt, die nach dem 21. Juni
1999 ergangene
EuGH
-Rechtsprechung autonom nachzuvollzie
hen (BGE 128 V 320 E.
1c). Dies gilt jedenfalls dann, wenn es sich bei dem nach dem 21. Juni
1999 ergangenen
EuGH
-Urteil nicht um eine neue Recht
sprechung im engeren Sinn
handelt (vgl. BGE 130 II 113 ff., 119 f. E.
5.2 mit Hinweis auf Kay Hail
bronner, Freizügigkeit nach EU-Recht und dem bilateralen Abkommen mit der Schweiz über die Freizügigkeit der Personen, in
EuZ
2003, S. 48 ff., 52).
1.6
Das FZA ist nach den Regeln des Wiener Überein
kommens über das Recht der Verträge auszulegen (BGE 132 V 423 E. 9.5). Gemäss dessen Art. 31 Abs. 1 ist ein Vertrag nach Treu und Glauben in Über
einstimmung mit der gewöhnlichen, seinen Bestimmungen in ihrem Zusam
menhang zukommenden Bedeutung und im Lichte seines Zieles und Zweckes auszulegen. Bei der Auslegung des FZA ist
sodann die Rechtsprechung des
EuGH
zum Freizügigkeitsrecht der EU zu be
rück
sichtigen (Edgar Imhof, Das
Freizügig
keitsabkommen
EG-Schweiz und seine
Aus
legungsmethode
- Sind die Urteile Bosman,
Kohll
und Jauch bei der Auslegung zu berücksichtigen
?,
Zeitschrift für europäisches Sozial- und Ar
beitsrecht, ZESAR, 2007, S. 165). Dabei gilt es zu beachten, dass die
Dienstleis
tungsfreiheit
, wie sie der EG-Vertrag und die zu dessen Anwendung ergangene Rechtspre
chung des
EuGH
regeln, nicht Bestandteil des „
acquis
communautaire
" darstellt, welchen sich die Schweiz
mit dem FZA
zu übernehmen verpflichtet hat,
da
das FZA nur eine teilweise Liber
alisierung von Dienstleistungen
vorsieht (BGE 133 V 624).
1.7
Titel II der Verordnung Nr. 1408/71 (
Art.
13 bis 17a) enthält allgemeine
Kollisi
onsregeln
zur Bestimmung der anzuwendenden Rechtsvorschriften. Dabei legt
Art.
13
Abs.
1 den kollisionsrechtlichen Grundsatz der Einheitlichkeit der an
wendbaren Rechtsvorschriften nach den Regeln gemäss
Art.
13
Abs.
2 bis
Art.
17
a in dem Sinne fest, dass für jede betroffene Person die Rechtsvorschrif
ten nur eines Mitgliedstaates massgebend sind. Ausnahmen vorbehalten, gilt für
Arbeitnehmende
das Beschäftigungslandprinzip (Grundsatz der
lex
loci
laboris
). Dies trifft auch dann zu, wenn sie im Gebiet eines anderen Mitgliedstaates woh
nen oder ihr Arbeitgeber oder das Unternehmen, das sie beschäftigt, den Wohn-
oder Betriebssitz im Gebiet eines anderen Mitgliedstaates hat (
Art.
13
Abs.
2
lit
. a
der Verordnung Nr. 1408/71).
1.8
Im Verhältnis
der Schweiz zu einem Staat der Europäischen Union, für welchen das FZA gilt (
Abkommensstaat
)
, das heisst, bei
einem Staatsa
n
gehörigen der Schweiz oder eines
Abkommensstaates
, welcher
in der Schweiz Wohnsitz hat und
in
einem
anderen
Abkommensstaat
als der
Schweiz
eine unselbst
st
än
dige oder selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt,
richtet
sich die
Versicherungs
unter
stellung
gemäss Anhang II des FZA und Art.
13
Abs.
2
lit
. a und b der Verord
nung 1408/71 gemäss dem darin verankerten Beschäftigungslandprinzip in Ver
bin
dung mit
Art.
2
Abs.
1
lit
. c
der Verordnung über die Kran
kenversi
cherung
(KVV
)
nach
dem Recht des Beschäftigungsstaat
s
(Urteil des Bundesge
richts 9C_313/2010 vom
5.
November 2010 E. 2.1)
.
1.9
Demgegenüber unterliegt eine Person, die gewöhnlich im Gebiet von zwei oder mehr
Abkommensstaaten
abhängig beschäftigt ist, und nicht
als
Mitglied des
fahrenden oder fliegenden Personals eines Unternehmens beschäftigt wird, das für
Rechnung Dritter oder für eigene Rechnung im internationalen Verkehrs
we
sen die Beförderung von Personen oder Gütern im Schienen-, Strassen-, Luft- oder
Binnenschiffahrtsverkehr
durchführt und seinen Sitz im Gebiet des
Ab
kommensstaats
hat,
gemäss
Anhang II des FZA und
Art.
14
Abs.
2
lit
.
lit
.
b/i
VO
1408/71
den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dessen Gebiet sie wohnt, wenn sie ihre Tätigkeit zum Teil im Gebiet dieses Staates ausübt oder
wenn sie für mehrere Unternehmen oder mehrere Arbeitgeber tätig ist,
die ihren Sitz oder Wohnsitz im Gebiet verschiedener Mitgliedstaaten
haben.
1.10
Nach der Rechtsprechung (Urteil
e
des
EuGH
vom 1
6.
Februar 1995 in der Rechts
sache
C
‐
425/93,
Calle
Grenzshop Andresen
,
Slg
. 1995, I
‐
269,
Rn
. 15
und vom
4.
Oktober 2012 in der Rechtssache C-115/11,
Format
Urz
ą
dzenia
i
Mon
ta
ż
e
Przemys
ł
owe
, noch nicht in der Allgemeine
n Sammlung veröffentlicht,
Rn
. 47)
kann
eine Person, die gewöhnlich im Gebiet von zwei oder mehr Mitglied
staaten Tätigkeiten in abhängiger Beschäftigung mehr oder weniger gleichzeitig
oder nebeneinander ausübt, unter den Begriff „Person, die gewöhnlich im Ge
biet
von zwei oder mehr Mitgliedstaaten abhängig beschäftigt ist“ im Sinne von
Art.
14
Abs.
2
VO
Nr. 1408/71 fallen.
2.
2.1
In persön
li
cher Hinsicht sind das FZA und die VO 1408/71 anwendbar, da der
Beschwerdeführer Staatsangehöriger der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
damit Staatsangehöriger eines
Abkommensstaates
ist, für welche
n
die Rechts
vorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaaten im Sinne von Art. 2 Abs. 1 der
VO 1408/71 gelten. Ebenfalls gegeben ist die sachliche Anwendbar
keit, da sich der
Gel
tungsbereich der VO
1408/71 unter anderem auf Leistungen bei Krank
heit und Mutterschaft bezieht (
Art.
4 Abs. 1
lit
. a der VO 1408/71).
2.2
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer im vorliegend mass
geb
lichen Zeitraum vom 1
2.
April bis 1
6.
September 2011 beziehun
gsweise während des Jahres 2011 insbesondere in
Z._
,
A._
, und in
B._
,
C._
, eine Erwerbstätigkeit
als Bühnenregisseur für Theater und Oper
ausgeübt hat
(
Urk.
16/1;
Urk.
7/8/6,
Urk.
16/8). In der Schweiz war der Beschwerdeführer
gemäss seinen Angaben im Jahre 2011 indes nicht erwerbstätig (Urk. 7/4/1 S.
5).
In den Akten befindet sich ein Arbeitsvertrag zwischen dem
D._
,
Z._
,
A._
, und dem Beschwerdeführer für dessen Tätigkeit als Re
gisseur der
Opernproduktion „
E._
“ in der Spielzeit 2010 und 2011 (
Urk.
16/8). G
emäss den
sich bei den Akten befindenden Verträgen der
F._
,
G._
, und der
H._
,
B._
,
C._
,
und dem
D._
,
Z._
,
A._
, haben die Vertragsparteien verein
bart, dass
die
F._
den Beschwerdeführer als Regisseur (
director
) der im Jahre
2011 in
B._
und in
Z._
aufgeführ
t
e
n Opernproduktion „
I._
“ anstelle
(
engage
) und es wurde die Ausrichtung einer Entschädigung an die
F._
vereinbart. Des Weiteren befindet sich ein Arbeitsvertrag zwischen der
F._
und dem Beschwerdeführer bei den Akten, wo
rin die Parteien
ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Dauer, einen Arbeitsantritt des Be
schwer
de
führers am
1.
Januar 2011 und einen monatlichen Brutto
lohn von
Fr.
1‘500.--
vereinbarten (
Urk.
22/25).
Dem Handelsregister ist zudem zu entnehmen, dass
die Ehegattin des Beschwerdeführers,
J._
, geschäftsführende Ge
sellschafterin der
F._
ist. In der vom Be
schwerdeführer einge
reich
ten Steuerklärung für das 2011 (
Urk.
16/4) des Be
schwerdeführers und
seiner Ehegattin wurden für das Jahr 2011 indes lediglich Einkünfte der Ehe
gattin des
Beschwerdeführes
aus unselbstständiger Tätigkeit
,
nicht hingegen Ein
künfte des Beschwerdeführers deklariert.
Es ist daher davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer die Einkünfte aus seiner Tätigkeit als Regisseur der
Opern
pro
duktion
„
I._
“ in
C._
und in
A._
erzielte.
2.3
Gemäss der Aktenlage hat der Beschwerdeführer im Jahre 2011 daher in
C._
und in
A._
eine abhängige Beschäftigung ausgeübt. Auf Grund der Akten (vgl.
7
/4/1) ist sodann nicht daran zu zweifeln, dass der Beschwerdefüh
rer, welcher im Jahre 2011
gleichzeitig oder nebeneinander
abhängige Tätig
kei
ten in
C._
und in
A._
aus
ge
übt
hat
, unter den Begriff
der
„Person, die gewöhnlich im Gebiet von zwei oder mehr Mitgliedstaaten abhängig beschäftigt ist“ im Sinne von
Art.
14
Abs.
2 der Verordnung Nr. 1408/71
fällt. Da der Be
schwerdeführer, welcher im Jahre 2011 bei der
F._
und der
D._
abhängig beschäftig war, während dieser Zeit für mindestens zwei Arbeitgeber tätig war, die ihren Sitz im Gebiet verschiedener
Abkommensstaa
ten
haben, unterliegt er den Rechtsvorschriften des
Abkommensstaates
, in des
sen Gebiet er wohnte.
3.
3.1
Zu prüfen ist im Folgenden daher, ob der Beschwerdeführer im Jahre 2011 be
ziehungsweise im massgebenden Zeitraum vom 1
2.
April bis 1
6.
September 2011
in der Schweiz Wohnsitz hatte.
3.2
3.2.1
In
Art.
1
lit
. h VO 1408/71 wird der Wohnort als der Ort des gewöhnlichen Auf
ent
halts definiert. Davon ist der vorübergehende Aufenthalt zu unterschei
den
(
Art.
1
lit
. i VO 1408/71). Der Wohnort als gewöhnlicher Aufenthalt befindet sich
an demjenigen Ort, an welchem eine Person den Mittelpunkt ihrer Lebens
füh
rung hat. Seine nähere Bestimmung kann von subjektiven oder objektiven Um
ständen abhängen. Bei subjektiver Bestimmung richtet sich der Wohnort nach
dem Willen des Betreffenden; bei objektiver Bestimmung richtet er sich nach den
äusserlichen Lebensumständen, die notfalls auch gegen den erklärten Willen des Betreffenden ins Feld geführt werden können. Das Ge
meinschafts
recht lässt die
Frage, wie der Wohnort zu bestimmen ist, weitgehend offen und überantwortet die nähere Bestimmung dem jeweiligen nationalen Recht (BGE 138 V 186 E. 3.3.1
mit Hinweisen auf Urteile des
EuGH
).
3.2.2
Der Wohnsitz im Sinne von Art. 3 Abs. 1 KVG bestimmt sich gemäss Art. 13
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(ATSG) in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1
KVV
nach Art. 23-26 des Zivil
ge
setzbuches (ZGB). Nach Art. 23
Abs. 1 ZGB befindet sich der Wohnsitz einer Person an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Für die Begründung des Wohn
sitzes müssen somit zwei Merkmale erfüllt sein:
ein objektives äusseres, der Aufenthalt, sowie ein subjektives inneres, die Ab
sicht
dauernden Verblei
bens. Rechtsprechungsgemäss kommt es nicht auf den inneren
Willen, sondern darauf an, welche Absicht objektiv erkennbar ist (BGE 137 II 122
E.
3.6 mit Hinwei
sen). Nicht erforderlich ist die Absicht, für immer oder für eine unbe
stimmte Zeitspanne an einem Ort zu bleiben; die Absicht ei
nes vorüberge
hen
den Aufent
haltes kann für eine Wohnsitzbegründung genü
gen, wenn der Auf
enthalt auf eine gewisse Dauer angelegt ist und der
Lebens
mittel
punkt
an den Aufenthalts
ort verlegt wird (RKUV 2000 Nr. KV 101 S. 15 E. 3a). In der Lehre wird teilweise eine Mindestdauer von einem Jahr pos
tuliert (Urteil des Bun
des
gerichts 4P.25/2007 vom 15. März 2007 E. 4). Um den Wohnsitz einer Person fest
zu
stel
len, ist die Gesamt
heit ihrer Lebensum
stände in Betracht zu ziehen: Der Mittel
punkt der Lebensinteressen befindet sich an dem
jenigen Ort bezie
hungs
weise in dem
jenigen Staat, wo sich die meisten Aspekte des persön
lichen, sozialen und beruflichen Lebens der betroffenen Person kon
zentrieren,
so
dass deren Bezieh
un
gen zu diesem Zentrum enger sind als jene zu einem anderen Ort (BGE 125 III 102 mit Hin
weisen).
3.2.3
In der Rechtsprechung des Bundesgerichts beurteilt sich der Ort, wo die Person
ihren Wohnsitz hat, ausschliesslich nach objektiven Kriterien, während der in
nere
Wille der betreffenden Person nicht entscheidend ist (BGE 138 V 186 E. 3.3.1 mit
Hinweis). Denn es ist
in erster Linie für Drittpersonen und Behörden bedeutsam, wo die betrof
fene Person ihren Wohnsitz begründet hat,
weshalb
für dessen Be
stimmbarkeit auf Kriterien abzustellen
ist
, die für Dritte transparent sind. Der
entscheidwesentliche
Lebensmittelpunkt deckt sich im Normalfall mit dem Wohn
ort
, das heisst dem Ort, an welchem die Person schläft, die Freizeit ver
bringt und
sich die persönli
chen Effekten sowie üblicherweise ein Telefonan
schluss und eine
Postadresse befinden. Dabei ist die familiäre Situation lediglich eines von ver
schie
denen Indizien. Massgebend sind auch Dauer und Kontinuität des Woh
nens
bis zur Aufnahme der Beschäftigung, die Dauer und die Modalität der Abwe
sen
heit, die Art der im anderen Mitgliedstaat ausgeübten Beschäfti
gung sowie die Absicht des Arbeitnehmers, wie sie sich aus den gesamten Um
ständen ergibt, an
den Ort vor Aufnahme der Beschäftigung zurückzukehren (BGE 133 V 137 E.
7.2
,
BGE 131 V 222 E.
7.4
).
3.2.4
Bei Wochenaufenthaltern mit Familie wird der Arbeitsort zum Wohn
sitz, wenn
die Familie bloss noch in grossen oder unregelmässigen Abständen be
sucht wird
. Die nach aussen erkennbare Absicht muss auf einen dauernden - im Sinne von
„bis auf Weiteres" - Aufenthalt ausgerichtet sein. Nicht unmittel
bar mass
geb
lich
, sondern nur Indizien für die Beurteilung der Wohnsitzfrage sind die Anmeldung und Hinterlegung der Schriften, die Ausübung der politi
schen Rechte, die Be
zahlung der Steuern, fremdenpolizeiliche Bewilligungen sowie die Gründe, die
zur Wahl eines be
stimmten Wohnsitzes veranlassen.
A
bzustellen ist auf die ef
fek
tive
Wohnsitznahme
(Urteile des Bundesgerichts 4A_695/2011 vom 18. Januar 2012 E. 4.1; P 21/04 vom 8. August 2005 E. 4.1.1; K 34/04 vom 2. August 2005 E. 3).
3.2.5
Der Gegenbegriff „vorübergehender Aufenthalt" hat eine weit geringere prakti
sche Bedeutung als der Begriff des Wohnorts. Er kommt nur im Rahmen der Gewährung von Sach- und Dienstleistungen vor, um deren Voraussetzungen zu regeln (vgl.
Art.
21 f., 31 und 54 f.
der
VO 1408/71). Danach gewährt im
Koor
dinationsrecht
jeder Mitgliedstaat Dienst- und Sachleistungen auch den Berech
tigten anderer Mitgliedstaaten nach den einzelnen, die Sachleistungsaushilfe re
gelnden Bestimmungen. Der vorübergehende Aufenthalt besteht an dem Ort, an welchem sich ein Berechtigter in einer den Leistungsanspruch auslösenden Lage - Behandlungsbedürftigkeit, Arbeitsunfall, Berufskrankheit oder Kompli
kation
während Schwangerschaft oder nach Entbindung - befindet. Ihm haftet somit - im Vergleich zum Begriff des Wohnorts oder des gewöhnlichen Aufent
halts - etwas Flüchtiges oder Zufälliges an (BGE 138 V 186 E. 3.3.1 mit Hinweisen).
3.3
3.3.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer mit seiner Ehegattin eine
sich im Gesamteigentum seiner Ehegattin und deren Schwester befindende Woh
nung in
G._
, Schweiz, bewohnt (
Urk.
16/2-3). Daneben verfügt der Be
schwerdeführer und seine Ehegattin über eine Wohnung in
K._
,
Y._
,
die sie teilweise während beruflicher Aufenthalte in
K._
nutzen, und die ge
gen
wärtig durch ihre in
K._
studierenden Kinder bewohnt wird (
Urk.
7/4/1 S.
3).
3.3.2
Der Beschwerdeführer und seine Ehegattin waren im Jahre
2011
im
Einwoh
ne
r
regis
ter
der Gemeinde
G._
verzeichnet und
hatten
gemäss der Steuer
er
klärung für das Jahr 2011
in diesem Jahr
in
der
Gemeinde
G._
ihren steuerrecht
lichen Wohnsitz
(Urk. 16/4)
.
Des Weiteren ist der französischen Steu
ererklärung des Be
schwerdeführers und seiner Ehegattin
für das Jahr 2011
zu
entnehmen, dass diese darin ihre schweizerische Wohnadresse als ihren Wohn
ort
angaben
und ausser Mieteinnahmen einer sich in ihrem Eigentum befindlichen Liegenschaft
in
Y._
keine weiteren Einkünfte und insbesondere keine Arbeitseinkünfte
in
Y._
erzielten
(Urk. 22/24). Den Akten ist sodann zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer im Jahre 2011 zwischen seinen ver
schiedenen mit seiner beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stehende
n
Aus
land
aufenthalten
regelmässig und jeweils während längerer Zeiträume in der Schweiz aufgehalten hat.
Diese Umstände stellen Indizien für
die Annahme eines Lebensmittelpunkt
s
und damit für einen Wohnsitz
des Beschwerdeführers in der Schweiz dar.
3.3.3
In Anbetracht der gesamten Umstände
ist daher nicht daran zu zweifeln, dass
sich
die
persön
lichen, familiären
und sozialen Aspekte
des
Lebens
des Be
schwer
deführers im Jahre 2011
insgesamt
weit überwiegend in der Schweiz konzen
trier
ten,
und dass sich sei
ne
Beziehungen zu seinen Arbeitsorten in
C._
und
in
A._
weitgehend auf die dort ausgeübte Berufstätigkeit be
schränkt haben
dürfte
n
. Insgesamt sprechen die
Lebensumstände
des Beschwer
deführers
so
mit
weit überwiegend für die Annahme eines
Lebens
mittelpunktes
in der Schweiz.
Es ist daher mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lich
keit davon aus
zugehen, dass sich
der Lebensmittelpunkt beziehungs
weise
der Ort
des gewöhnlichen Aufenthalts
des Beschwerdeführers
im Sinne von
Art.
1
lit
. h der VO 1408/71
im Jahre 2011
in der Schweiz befand.
3.4
Als Zwischenergebnis steht daher f
est, dass der Beschwerdeführer im massge
benden Zeitraum vom
1
2.
April bis 1
6.
September 2011
seinen Wohnsitz in der Schweiz hatte, dass er in der Schweiz nicht abhängig beschäftigt war, dass er
indes bei mehreren Arbeitgeber
n
tätig war, die ihren Sitz oder Wohnsitz im Ge
biet verschi
edener
Abkommensstaaten
des FZA
hatten. Gemäss
Anhang II des FZA und
Art.
14
Abs.
2
lit
.
lit
. b/i
VO
1408/71
unterlag der Beschwerdeführer daher den Rechts
vorschriften seines Wohn
sitz
staates
und damit denjenigen der
Schweiz.
3.5
Gemäss
Art.
3
Abs.
1 in Verbindung mit
Art.
95a KVG war der Beschwerdefüh
rer
im Jahre 2011 daher grundsätzlich der
Kranken
ver
sicherungs
pfl
icht
in der Schweiz unterstellt. Dieser Umstand wurde
von der
Beschwerde
gegnerin
zu Recht
nicht mehr bestritten (
Urk.
2).
4.
4.1
Zu prüfen
ist
, ob ein Anspruch
auf
Sachleistungsaushilfe
gemäss den Be
stim
mung
en
der
VO
1408/71 besteht.
4.2
Die VO 1408/71 gilt unter anderem für Rechtsvorschriften über Zweige der sozi
a
len Sicherheit, die Leistungen bei Krankheit und Mutterschaft betreffen, und ent
hält in Kapitel 1 des Titels III besondere Vor
schriften für diese
Leis
tungsart
. In Abschnitt 2 enthält die VO 1408/71 besondere Vorschriften für Ar
beit
neh
mer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige. Unter Vorbe
halt der
ab
kommens
rechtlichen
Vor
ga
ben - darunter auch des Diskrimi
nie
rungsverbots (Art. 3 Abs. 1 VO 1408/71) - ist es indes Sache des inner
staatli
chen Rechts,
festzulegen, unter welchen Voraus
setzungen Leistungen ge
währt werden (vgl.
BGE 131 V 209 E. 5.3).
4
.3
Unter anderem unter dem Titel „Notwendigkeit, sich zwecks angemessener Be
handlung in einen anderen Mitgliedstaat zu begeben" ist in Art. 22
VO
1408/71 der Anspruch auf Sach- und Dienstleistungen durch den aus
helfenden Träger nach dem Recht des aushelfenden Trägers geregelt.
4.4
Gemäss dem Beschluss Nr. 1/2006 des Gemischten Ausschusses EU-Schweiz vom
6. Juli 2006 zur Änderung des Anhangs II (Soziale Sicherheit) des FZA (AS 2006
5851-5858;
ABl.
L 100 vom 6. April 2004 S.
1) wurde unter der Über
schrift „Abschnitt A: Rechtsakte, auf die Bezug ge
nommen wird“ die Verord
nung Nr.
631/2004 des Europäischen Parla
ments und des Rates vom 31. März 2004 zur
Änderung der
VO
1408/71 und der
VO
574/72 über die Durchführung der
VO
1408/71 angefügt. Darin wurde unter
a
nderem Artikel 22 VO 1408/71 geän
dert. Ge
mäss dem Beschluss Nr. 1/2006 des gemischten Ausschusses vom 6. Juli 2006 sind diejenigen Bestimmungen des Beschlusses, durch die eine Be
zugnahme auf die Verordnung Nr. 631/2004 eingefügt wurde, rückwirkend per 1. Juni 2004 in Kraft getreten (vgl. AS 2006 5852).
4.5
4.5
.1
Gemäss Art. 22 Abs. 1 Buchst. a
lit
. i der
VO
Nr. 1408/71, in der durch den Be
schluss des Gemischten Ausschusses EU-Schweiz vom 6. Juli 2006 geän
derten,
ab 1. Juni 2004 gültigen Fassung, hat ein Arbeit
nehmer oder Selb
stän
diger, der die
nach den Rechtsvorschriften des zu
ständigen Staates für den
Leistungsan
spruch
er
forderlichen Voraussetzungen erfüllt und bei dessen Zustand während
des Auf
enthalts im Gebiet eines anderen Mitgliedstaats sich Sachleistungen un
ter
Be
rücksichtigung der Art der Leistungen und der voraus
sichtlichen Aufent
halts
dauer als medizinisch notwendig erweisen, Anspruch auf Sachleistungen für Rechnung des zuständigen Trägers vom Träger des Aufent
halts- oder Woh
norts nach den für diesen Träger geltenden Rechtsvorschriften, und zwar als ob er bei diesem versichert wäre; die Dauer der
Leistungsge
wäh
rung
richtet sich je
doch nach den Rechtsvorschriften des zuständigen Staates.
4.5
.2
Auf den 1. Januar 2006 wurde in der Schweiz das Formblatt E 111, das bis an
hin
Touristen, Studenten, Entsandten und Geschäftsreisenden bei vorüberge
hendem Aufenthalt in einem vom Geltungsbereich des FZA erfassten Staat der Europäi
schen Union Anspruch auf die notwendigen Behandlungen gewährt hat, durch die
europäische Krankenversicherungskarte ersetzt.
4.5
.3
Gemäss dem am 24. April 2010 im Amtsblatt der Europäischen Union (
ABl.
C 106 vom 24. April 2010 S. 23-25) veröffentlichten Beschluss der
Ver
wal
tungs
kommission
(der Europäischen Un
ion) für die Koordinierung der
Sys
te
me der sozialen Sicherheit Nr. S1 vom 12. Juni 2009 betreffend die europäi
sche Krankenversicherungskarte soll die europäische
Krankenver
siche
rungs
karte
in allen Fällen verwendet werden, in denen eine versicherte Person bei einem vor
übergehenden Aufenthalt Sachleistungen benötigt, unabhängig vom Zweck des Aufenthalts (Ferienreisen, Erwerbstätigkeit oder Studium). Hin
gegen darf die eu
ropäische Krankenversicherungskarte nicht verwendet werden, wenn der Zweck
des Auslandsaufenthalts ausschliesslich die Inanspruchnahme einer me
dizi
ni
schen
Behandlung ist.
4.6
4.6
.
1
Gemäss Art. 22 Abs. 1
lit
. c
Ziff.
i
VO 1408/71 hat ein Ar
beit
nehmer oder Selb
ständiger, der die nach den Rechtsvorschriften des zu
ständigen Staates für den Leistungsanspruch erforderlichen Voraussetzungen erfüllt und der vom zustän
di
gen Träger die Genehmigung erhalten hat, sich in das Gebiet eines anderen Mitglied
staats zu begeben, um dort eine seinem Zu
stand angemessene Behand
lung zu erhalten, Anspruch auf Sachleistungen für Rechnung des zuständigen Trägers vom Träger des Aufenthalts- oder Wohnorts nach den für diesen Träger geltenden Rechtsvorschriften, und zwar als ob er bei diesem versichert wäre; die
Dauer der Leistungsgewährung richtet sich jedoch nach den Rechtsvorschriften des zuständigen Staates.
4.6
.
2
In Art. 22 Abs. 2
Unterabs
. 2 VO 1408/71 wird bestimmt, dass d
ie nach
Abs. 1
lit
. c dieser Bestimmung erforderliche Genehmigung nicht verweigert werden dar
f
,
wenn die betreffende Behandlung zu den Leistungen gehört, die in den Rechts
vorschriften des Mitgliedstaats vorgesehen sind, in dessen Gebiet der Be
treffende wohnt, und wenn er in Anbetracht seines derzeitigen Gesund
heitszu
stands und des voraussichtlichen Verlaufs der Krankheit diese Behand
lung nicht in einem Zeitraum erhalten kann, der für diese Behandlungen in dem Staat, in dem er seinen Wohnsitz hat, normalerweise erforderlich ist.
4.6
.3
Gemäss dem
EuGH
-Urteil
Inizan
enthält Art. 22 Abs. 2
Unterabs
. 2
VO
1408/71 zwei kumulativ zu erfüllende Bedingungen. Die erste besteht darin, dass die be
treffende Behandlung zu den Leistungen gehört, die in den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaates vorgesehen sind, in dessen Gebiet die versicherte Person wohnt (
EuGH
-Urteil vom 23. Oktober 2003 in der Rechtssa
che C-56/01,
Inizan
,
Slg
. 2003 I-2403,
Rn
. 41 f.). Die zweite Bedingung ver
langt, dass der Patient die Behandlung im EU-Ausland in Anbetracht seines derzeitigen Gesundheits
zu
standes und des voraussichtlichen Verlaufs der Krankheit nicht in einem Zeit
raum erhalten kann, der im Wohnmitgliedstaat normalerweise erforderlich ist.
Diese Bedingung ist immer dann nicht erfüllt, wenn die gleiche oder eine für den
Patienten ebenso wirksame Behandlung nicht rechtzeitig im Wohnmit
gliedstaat erlangt werden kann. Der zuständige Träger hat bei der Beurteilung dieser Frage sämtliche Umstände des konkreten Falls zu beachten und dabei nicht nur den Gesundheitszustand des Patienten zum Zeitpunkt der Einreichung des
Genehmi
gungsantrages
und gegebenenfalls das Ausmass der Schmerzen und die Art der Behinderung, sondern auch die Vorgeschichte des Patienten zu berücksichtigen
(a.a.O.,
Rn
. 44 ff.). Art. 22 Abs. 2
Unterabs
.
2 VO 1408/71 zwingt einen Mit
glied
staat nicht, die Liste der in seinem
Krankenver
siche
rungssystem
erfassten Leis
tungen zu erweitern. Vielmehr ist die unter
schiedli
che Deckung durch die natio
nalen Krankenversicherungssysteme eine Folge der Freiheit, über welche die Mit
glied
staaten bei der Ausgestaltung ihrer Systeme der sozialen Sicherheit ver
fügen (Schlussanträge vom 21. Januar 2003 von
Ge
neralanwalt
Ruiz-
Jarabo
Colomer
, in der Rechtssache
Inizan
,
Rn
. 41 und 45).
4.6
.4
Da der Inhalt des
EuGH
-Urteils
Inizan
bereits in der Rechtsprechung zu den Urtei
len
Pierik
I und II in Verbindung mit der nachfolgenden gesetzgeberischen
Korrektur angelegt war (vgl. dazu Görg
Haverkate
/Stefan Huster, a.a.O.,
Rn
. 173 f.; Eberhard
Eichenhofer
, a.a.O.,
Rn
. 177 mit weiteren Hinweisen), han
delt
es sich dabei um keine neue Rechtsprechung im eigentlichen Sinne, son
dern um den Bestandteil des „
aquis
communitaire
“, welchen die Schweiz mit Abschluss des FZA zu übernehmen sich verpflichtet hat.
4.7
Der zustän
dige Träger ist laut der Legaldefinition in Art. 1
lit
. o
Ziff.
i
VO
Nr. 1408/71 je
ner Träger, bei dem die in Betracht kommende Per
son im Zeit
punkt des Antrags auf Leistungen versichert ist. Träger des Wohn
orts und Trä
ger
des Aufenthalts
orts ist nach Art. 1
lit
.
p
VO
Nr. 1408/71 insbesondere jener Träger, der nach den Rechts
vorschriften, die für ihn gelten, für die Gewährung der Leistungen an dem Ort zuständig ist, an dem die betreffende Person wohnt oder sich aufhält.
4.8
Nach Art. 36
VO
1408/71 in Verbindung mit Art. 93
VO
574/72 werden die Sach
leistungen vom Träger des Aufenthaltsorts gewährt und diesem vom Träger des Wohnorts erstattet.
Es steht der versicherten Person indes frei, die
Kosten
übernahme
direkt beim zuständigen Träger des Wohnorts geltend zu machen (vgl. Beat Meyer,
Auslands
leistungen
nach KVG und im Be
reich der Bilateralen
Ab
kommen, in Brunner/Rehbinder/Stauder, Hrsg., Jahr
buch des Schweize
ri
schen
Konsumen
tenrechts
2003, Bern 2004, S. 67 ff., 84 ff.; Thomas Locher, Aus
wir
kungen des Freizügigkeitsabkommens auf das schweize
rische
Sozial
ver
siche
rungs
recht
, in Thomas
Cottier
/Mattias
Oesch
, Hrsg., Die
sekto
riellen
Ab
kommen Schweiz-EG, Bern 2002, S. 39 ff., 67 f.).
5.
5.1
Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers
(
Urk.
1 S.
11 ff.)
habe er am 1
1.
April
2011 wegen heftigster Rückenschmerzen
Dr.
L._
in
M._
kon
sultiert
. Dieser habe ihn auf Grund seiner Vorgeschichte mit
einem posto
perativen
Infekt an Prof.
Dr.
med.
N._
vom
O._
in
K._
überwiesen, welcher ihn schon im Jahre 2008 operativ behandelt hatte. Auf Grund stärkster Schmerzen sei er am Folgetag
sogleich
mit der Ambulanz
beziehungsweise in liegender Stellung
nach
K._
gereist und sei dort vom 1
2.
bis 2
0.
April 2011 im
O._
hospitalisiert
worden
. In der Folge sei er vom 2
2.
bis 2
3.
April 2011 erneut am
O._
stationär behandelt worden. Dabei habe es sich um eine Fortsetzung
der vorherigen
Hospitalisation
vom 1
2.
bis 2
0.
April 2011 gehandelt. Am
9.
Juni
2011 habe er sich aus beruflichen Gründen bereits in
K._
befunden, als eine notfallmässige
Hospitalisation
bis 1
1.
Juni 2011 notwendig gewesen sei. Zwei Monate später habe sich sein Gesundheitszustand erneut verschlechtert. Zu die
sem Zeitpunkt habe er sich in
P._
,
Q._
, aufgehalten. Von
Q._
sei
er liegend nach
K._
gereist und sei dort vom 1
3.
August bis 1
6.
September 201
1 hospitalisiert gewesen. Auf Grund eines Rezidivs des
Kran
kenhausinfektes
habe
das
Osteosynthesematerial
entfernt werden müssen. An
schliessend sei er während
vier Monaten hochdosiert intravenös antibiotisch behandelt worden.
5.2
Dr.
med.
L._
, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie,
R._
,
M._
, erwähnte in seinem Bericht vom 1
2.
April 2011
(
Urk.
7/8/4)
, dass er vom
Beschwerdeführer am 1
1.
April 2011 notfallmässig
wegen sehr starker Schmer
zen
rechts paravertebral im Beckenkammbereich konsultiert worden sei und stellte die folgenden Diagnosen (S. 1):
Status nach L4/5 Revision im Januar 2008
Status nach dorsaler, wahrscheinlich dynamischer Stabilisation von L1- L3
deutliche Schraubenlockerungen in Höhe L1 beidseits
Status nach
Nukleotomie
,
Sequestrotomie
L1-L3
Status nach
Spondylodese
L3-S1
Dekompensation
Instabilität
Diskushernie L2/3, L1/2
Eine Röntgenuntersuchung der LWS habe grosse Aufhellungen um die Schrau
ben L1 beidseits mit sehr ausgeprägten Lockerungszeichen ergeben. Er empfehle die Durchführung einer CT-Untersuchung, um die Schraubenlockerungen beur
tei
len zu können, und einer MRI-Untersuchung zur Beurteilung des
Spinalka
nals
,
um eine Infektion ausschliessen zu können. Er werde den Beschwerdefüh
rer auf seine Empfehlung und in gegenseitigem Einverständnis
bei
Prof.
N._
in
K._
vorstellen lassen. Dort soll das weitere Vorgehen entschieden werden (S. 2).
5.3
Dr.
med.
S._
,
Département
de
Médecine
Interne,
O._
,
K._
,
Y._
, erwähnte im
Hospitalisationsbericht
vom 2
1.
Juni 2011 (Urk. 16/15), dass der Beschwerdeführer vom
9.
bis 1
1.
Juni 2011
dort
hospitalisiert gewesen sei
(S.
1), und führte aus, dass der Beschwerdeführer, welcher bereits im Herbst 2008
am
O._
wegen einer
Spondylodiszitis
mit
Epi
du
ral
abszess
im Rahmen eines insulinpflichtigen Diabetes behandelt worden sei, im April 2011 wegen eines entzündlichen Syndroms im Rahmen einer fiebri
gen In
fektion des
Urinaltraktes
im Sinne einer
Prostatitis
antibiotisch behandelt worden
sei
. Gleichzeitig habe der Beschwerdeführer neben dem fiebrigen Ge
schehen unter
starken Lumbalgien auf Grund einer
Diskopathie
unterhalb des Bereichs der
Ar
throdese
gelitten
(S. 2)
.
Der Beschwerdeführer habe unter einer sich schnell entwickelnden entzündli
che
n
Diskopathie
im Bereich L1-L2 gelitten, welche gleichzeitig mit einer Infek
tion
des
Urinaltraktes
aufgetreten sei und während drei Wochen antibiotisch behan
delt worden sei (S.
3).
Eine erste
MRI-Untersuchung (IRM,
Imagerie
par
résonnance
magnétique
)
habe
eine entzündliche
Diskopathie
unterhalb des Be
reichs der
Arthrodese
mit Verdacht auf eine infektiöse
Spondylodiszitis
erge
ben
.
Eine später durchgeführte zweite MRI-Untersuchung habe den Ver
dacht auf eine
infektiöse
Spondylodiszitis
indes nicht erhärten können (S.
2).
5.4
Dr.
med.
T._
,
Département
de Chirurgie
Orthopédique
et Trauma
to
logie,
O._
,
K._
,
Y._
, erwähnte in seinem Be
richt vom 1
6.
September 2011
(Urk. 16/21
, dass beim Beschwerdeführer am 2
4.
August 2011 im Rahmen einer
Spondylodiszitis
eine
Osteosynthesematerial
entfernung
durchgeführt worden sei. Der
Beschwerdeführer
sei am 1
6.
Septem
ber 2011
aus dem Spital entlassen worden.
Er
leide unter einem
in
sulin
pflich
tigen
Diabetes, einem depressiven Syndro
m, einer arteriellen Hyper
tonie
sowie
unter einem in die Lunge metastasierenden Hodenkrebs. Im Jahre 1999 sei eine
Parathyroidektomie
durchgeführt worden. Nachdem im Januar 2008 eine
Ar
thro
dese
L4/5 durchgeführt worden
sei
, habe
beim
Beschwerde
führer im Septem
ber
2008 notfallmässig ein
epiduraler
Abszess ausgeräumt werden müssen. An
schliessend
sei
im Oktober 2008 eine
Osteosynthesematerial
entfernung
, im No
vem
ber 2008
eine Diskektomie mit Rekonstruktion
und im Dezember 2008 eine
Reinstrumentierung
durchgeführt
worden
(S. 1).
Am 1
3.
August 2011 habe der Beschwerdeführer erneut hospitalisiert werden müssen. Eine Kontrast-MRI-Untersuchung habe eine durch
Staphylococcus
epi
dermidis
verursachte infektiöse
Spondylodiszitis
ergeben. In der Folge sei eine Materialentfernung durchgeführt und anschliessend
eine dreimonatige antibio
tische
Therapie angeordnet worden (S.
2).
5.5
Dr.
med.
U._
,
Département
de
Médecine
Interne,
O._
,
K._
,
Y._
,
erwähnte in ihrer Stellungnahme vom 2
8.
Oktober 2011 (
Urk.
16/22), dass der Beschwerdeführer vom 1
3.
August bis 1
6.
September 2011 wegen Komplikationen in der Folge einer ersten
Hospitalisation
vom
7.
Oktober bis 1
7.
Dezember 2008 hospitalisiert
gewesen
sei und gegenwärtig pflegerische Massnahmen zuhause benötige.
5.6
In
i
hrer Stellungnahme vom 2
7.
Juli 2012 (
Urk.
7/8/5) führt
e
Dr.
U._
aus, dass der Beschwerdeführer
erstmals ab dem
7.
Oktober 2008 am
O._
wegen einer
postoperativen Infektion behandelt worden sei, welche
im Anschluss an eine in der Schweiz im September 2008 durchgeführten
Operation der
Lendenwirbelsäule aufgetreten
sei
. Der Beschwerdeführer habe bis
her zweimal unter einer bakteriellen
Spondylodiszitis
gelitten. Die
initiale
Epi
sode einer
Spondylodiszitis
habe
eine
Hospitalisation
vom
7.
Oktober bis 1
7.
De
zember 2008 und die zweite Episode eine mit der ersten
Hospitalisation
in Zu
sammenhang stehende
Hospitalisation
vom 1
3.
August bis 1
6.
September 2011 erfordert.
5.7
Mit Bericht vom 2
8.
Januar 2014
(
Urk.
22/6)
führte
Dr.
U._
aus, dass der Beschwerdeführer
im Oktober 2008 bei einem Status nach verschiedenen Ein
griffen im Bereich der Wirbelsäule und
bei immunschwächenden
Faktoren
im Sinne von
Diabetes und Hodenkrebs unter einer sich schnell destruktiv und de
formierend auswirkenden
Spondylosdiszitis
gelitten habe.
Im April 2011 seien
beim Beschwerdeführer
im Rahmen
eines
septischen Ge
sche
hens mit Beeinträchtigung des
Urinaltraktes
und
mit
Fieber sehr starke
Schmerzen aufgetreten, welche eine notfallmässige Behandlung erfordert
hät
ten
,
da der Verdacht auf ein Rezidiv der
Spondylodiszitis
im Zusammenhang mit
dem
Osteosynthesematerial
bestanden habe.
Initial habe man eine Infektion des
Uri
naltraktes
festgestellt. Nach deren Behandlung
hätten
indes weiterhin
Fieber
schübe
und lumbale Beschwerden
persistiert
, weshalb ein erneutes Auf
treten
einer
Spondylodiszitis
in Betracht gezogen worden sei. Die
Stellung der
Diag
nose einer postoperativen
Spondylodiszitis
sei indes erst nach einem Zeit
raum von
16 Wochen möglich, weshalb eine solche Diagnose erst viel später habe ge
stellt
werden können (S. 1).
6.
6.1
Den
obenerwähnten medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwer
deführer
, welcher
im Jahre 2008 in
der
Schweiz an der Wirbelsäule operiert worden war,
im Anschluss an diese Operation an einer
Spondylodiszitis
mit
Epi
duralabszess
litt
und deshalb
im Jahre 2008
von den Ärzten des
O._
in
K._
notfallmässig im Bereich seiner Lendenwirbelsäule stationär behandelt wurde (vorstehende E. 5.4). Auf Grund erneut aufgetretener starker Rückenschmerzen
im April 2011
hat der Beschwerdeführer, welcher sich
zu dieser Zeit in der Schweiz aufgehalten hatte,
am 1
1.
April 2011
in der Schwei
z
Dr.
L._
,
R._
,
konsultiert. Dieser stellte
deutliche
Schrauben
lockerungen fest und
empfahl
dem Beschwerdeführer eine Behand
lung durch die
Ärzte des
O._
in
K._
. Er überwies den Beschwerde
führer
an
Prof.
Dr.
N._
vom
O._
in
K._
zur weite
ren Behandlung
(vorstehende E.
5.2).
6.2
Der Beschwerdeführer reiste anschliessend
am 1
2.
April 2011
zur Behandlung
nach
K._
und wurde im
O._
vom 1
2.
bis 1
9.
April 2011
,
vom 2
2.
bis 2
3.
April 2011
und vom
9.
bis 1
1.
Juni 2011 hospitalisiert (vgl. Urk
.
7/5-6), wobei die
Ärzte des
O._
vorerst eine
Infektion des
Urinaltraktes
behandelten
und eine entzündli
che
Diskopathie
im Bereich L1-L2 feststellten (vorstehende E.
5.3). Die Diagnose einer infektiösen
,
durch
Staphylococcus
epidermidis
verursachten
Spondylodiszitis
stellten die Ärzte
des
O._
erst anlässlich der erneuten
Hospi
tali
sa
tion
des Beschwerdeführers in der Zeit vom 1
3.
August bis
1
6.
September 201
1.
Im Rahmen der Behandlung der
Spondylodiszitis
wurde eine Entfernung des
Osteosynthesematerials
und eine antibiotische Therapie während mehrerer
Mo
nate erforderlich (vorstehenden E.
5.3).
Gemäss der Beurteilung durch
Dr.
U._
hat indes
bereits im April 2011 der Verdacht auf ein Rezidiv der
Spondylodiszitis
bestanden. Eine solche Diagnose
konnte
indes erst zu einem späteren Zeitpunkt gestellt werden (vorstehende E. 5.7).
6.3
Gestützt auf die erwähnte medizinische Aktenlage steht daher fest, dass der Be
schwerdeführer bereits im April 2011 unter den Folgen eines Rezidivs einer
Spondylodiszitis
litt, un
d aus diesem Grunde am
O._
in
Y._
medizinisch behandelt wurde.
7.
7.1
Während sich der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt bei Beginn der
Hospitali
sationen
vom 2
2.
bis 2
3.
April und vom
9.
Juni 2011 bis 1
1.
Juni 2011 bereits in
K._
aufgehalten hat, hielt er sich vor Beginn der
Hospitalisation
vom 1
2.
bis 2
0.
April 2011 in der Schweiz auf
und
ist auf Empfehlung seines behandelnden Arztes in der Schweiz zur Inanspruchnahme einer medizinischen Behandlung
nach
K._
gereist.
Vor
Beginn der
Hospitalisation
vom 1
3.
August bis 1
6.
Sep
tem
ber 2011
hielt sich der Beschwerdeführer
in
Q._
auf
und ist
von
Q._
zur medizinischen Behandlung nach
K._
gereist
(vgl. vorstehende E. 5.1)
.
7.2
Auf Grund der Akten ist daher davon auszugehen, dass es sich bei den
Hospi
talisationen
vom 1
2.
bis 2
0.
April und vom 1
3.
August bis 1
6.
September 2011 in
Y._
nicht
um
im Voraus
geplante Behandlungen handelte
. Der Be
schwerdeführer hat sich jedoch jeweils
mit dem Ziel der
Inanspruchnahme einer
m
edizinischen Behandlung
in das Gebiet
von
Y._
begeben
.
7.3
7.3.1
Demzufolge ist die streitige Frage nach dem Anspruch auf Übernahme der Kos
ten
der
Hospitalisationen
vom 1
2.
bis 2
0.
April und vom 1
3.
August bis 1
6.
Sep
tember 2011 in
Y._
in Anwendung von Art. 22 Abs. 2
Unterabs
. 2 VO 1408/71
zu beurteilen.
7.3.2
Vorliegend ist nicht streitig (
Urk.
1,
Urk.
2), dass es sic
h bei den vom Beschwer
deführer
am
O._
in Anspruch genommenen Leistun
gen um Pflichtleistungen der obligatorischen
Krankenpflege
versi
cherung
und
damit um Leistungen
handelte
, die in den Rechtsvorschriften des schweizeri
schen
Wohnsitzstaates des Beschwerdeführers vorgesehen sind, wenn die Be
handlung
en statt in
Y._
in der Schweiz durchgeführt worden wären.
7.3.3
Zu prüfen bleibt die zweite Voraussetzung von
Art.
22
Abs.
2
Unterabs
.
2
VO
1408/71, wonach die betreffende Person die ihrem Zustand angemessene Behandlung
im Wohnsitzstaat
nicht in einem Zeitraum
hätte
erhalten
können
, der für diese Behandlungen im Wohnsitzstaat normalerweise erforderlich ist.
7.3.4
Wie bereits erwähnt (vorstehende E.
4.6.3
) sind bei der Beurteilung der Frage, ob eine Behandlung, die für den Patienten ebenso wirksam ist, rechtzeitig im Wohnmitgliedstaat verfügbar ist, nach der Rechtsprechung sämtliche Umstände des konkreten Falles zu beachten und
es ist dabei nicht nur der
Gesundheitszu
stand des Patienten zum Zeitpunkt der Einreichung des Genehmigungsantrags und gegebenenfalls das Ausmass seiner Schmerzen oder die Art seiner Behin
derung, die zum Beispiel die Ausübung einer Berufstätigkeit unmöglich machen oder ausserordentlich erschweren könnte, sondern auch die Vorgeschichte des Patienten zu berücksichtigen (
Urteile des
EuGH
vom 23. Oktober 2003 in der Rechtssa
che C-56/01,
Inizan
,
Slg
. 2003 I-2403,
Rn
.
46 und vom
5.
Oktober 2010 in der Rechtssache C-173/09,
Elchinov
,
Slg
.
2010 I
08889
,
Rn
. 66).
7.3.5
Der Beschwerdeführe
r macht nicht geltend, dass die
in
Y._
anlässlich der streitigen
Hospitalisationen
durchgeführten medizinischen Behandlungen
von
ihrer Art her
in der Schweiz überhaupt nicht durchgeführt hätten werden kön
nen.
Der Beschwerdeführer macht indes geltend, dass es ihm auf Grund der kom
plexen Situation seines Gesundheitszustandes und der grossen Schmerzen nicht zuzumuten gewesen
sei
, in der Schweiz nach einer
Behandlungs
möglich
keit
zu suchen, nachdem ihm
Dr.
L._
von der
R._
eine Be
hand
lung in
K._
empfohlen ha
b
e (
Urk.
1 S. 15).
7.3.6
Gemäss der medizinischen Aktenlage steht fest, dass sich der Beschwerdeführer
am 1
1.
April 2011 vorerst in der Schweiz an die
R._
wandte und dort
Dr.
L._
konsultierte, welcher ihm eine Behandlung am
O._
in
Y._
empfahl und i
h
n dort an Prof.
Dr.
N._
überwies. Diesbezüglich gilt es zu beachten, dass der Beschwerdeführer unter
einem insulinpflichtigen Diabetes, einer arteriellen Hypertonie sowie unter ei
nem
in die Lunge metastasierenden Hodenkrebs
litt,
und
dass er gemäss der Be
ur
tei
lung durch
Dr.
U._
auf Grund des Diabetes und des Hodenkrebses un
ter einer Immunschwäche litt.
Zudem
hat der Beschwerdeführer
bereits im Jahre 2008
nach einer in der Schweiz an der
R._
durchgeführten Wirbelsäulenoperation unter einer bakteriellen Infektion im Sinne eine
r
Spon
dylodiszistis
gelitten, welche
eine
Osteosynthesematerial
entfernung
,
eine
Dis
kek
tomie
mit Rekonstruktion und 2008 eine
Reinstrumen
tierung
erforderte. Im April
2011 hat der Beschwerdeführer
nicht nur
unter einer Lockerung des
Oste
osy
the
sematerials
,
einer Infektion des
Urinaltraktes
,
sondern
auch unter einer erneuten Infektion der Lendenwirbelsäule im Sinne einer
Spondylodiszitis
ge
litten.
7.3.7
Unter diesen Umständen steht einerseits fest, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführes
in Berücksichtigung des medizinischen Vorzustandes am 1
2.
April 2011 von äusserster Komplexität darstellte. Andererseits bestehen auf Grund der starken Schmerzen und des potentiell invalidisierenden
Gesund
heits
schadens
von aussergewöhnlicher Schwere Zweifel, ob
der
Beschwerde
führer, nach
dem
Dr.
L._
eine Behandlung in
Y._
empfohlen und damit
implizite dem Beschwerdeführer von einer Behandlung in der Schweiz abge
ra
ten
hatte,
eine seinem Gesundheitszustand angemessene Behandlung in der Schweiz rechtzeitig erhalten hätte, und ob es ihm in Anbetracht der Schwere seines Ge
sundheitszustandes und Stärke der Schmerzen zuzumuten gewesen wäre, in der
Schweiz nach einer weiteren Behandlungsmöglichkeit zu suchen.
Vielmehr er
for
derte der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers eine unverzügliche Behand
lung.
Unter diesen Umständen ist
demnach
davon auszu
gehen, dass der Be
schwer
deführer
in der Schweiz eine notwendige Behandlung seines
Gesund
heits
s
chadens
nicht in einem Zeitraum erhalten hätte, der für diese Behandlungen in der Schweiz normalerweise erforderlich ist.
Des Gleichen ist davon auszugehen, dass der
Gesundheitszustand des
Beschwer
deführer
s
, als
der Beschwerdeführer
sich vor der
Hospitalisation
vom 1
3.
August bis 1
6.
September 2011 in
Q._
aufge
halten hat, infolge
eines
Rezidivs der
Spondylodiszitis
erneut unverzüglich
eine medizinische Behandlung erforderte,
und es ist davon auszugehen, dass
d
er
Beschwerdeführer
zu diesem Zeitpunkt weder in
Q._
noch
in der Schweiz eine notwendige Behandlung seines
Ge
sund
heitsschadens
rechtzeitig hätte
erhalten können. Aus diesem Grunde
war es ihm
nicht zuzumuten,
sich in
Q._
behandeln zu lassen oder sich
zur Be
handlung in die Schweiz zu begeben.
Vielmehr ist davon auszugehen, dass er auf
Grund der
Komplexizität
seines Gesundheitsschadens
und der zeitli
chen Dring
lichkeit eine angemessene Behandlung seines Gesundheitsschadens zu diesem Zeitpunkt ausschliesslich in
Y._
bei den ihn vorbehandelnden Ärzten rechtzeitig erhalten konnte.
7.3.8
Unter diesen Umständen hätte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine Genehmigung, sich für eine medizinische Behandlung
betreffend die
Hos
pitalisationen
vom 1
2.
bis 2
0.
April und vom 1
3.
August bis 1
6.
September 2011
nach
Y._
zu begeben, nicht verweigern dürfen.
7.4
7.4.1
Da sich der Beschwerdeführer vor Antritt der
Hospitalisationen
vom
2
2.
bis 2
3.
April und vom
9.
bis 1
1.
Juni 2011 bereits in
K._
aufgehalten hatte, ist
der Leistungsanspruch des Beschwerdeführe
r
s diesbezüglich in Anwendung von
Art. 22 Abs. 1 Buchst. a
lit
. i VO 1408/71 zu beurteilen. Nach dieser Bestim
mung
besteht ein Anspruch auf Kostenübernah
m
e, wenn die in
Y._
durch
ge
führten medizinischen Behandlungen unter Be
rücksichtigung der Art der Leis
tungen und der voraus
sichtlichen Aufenthalts
dauer in
Y._
medi
zinisch notwendig waren.
Eine Notfallbehandlung im engeren Sinne wird dabei nicht vorausgesetzt.
7.4.2
In Anbetracht der medizinischen Aktenlage ist v
orliegend nicht daran zu zwei
feln, dass die auf Grund einer
Spondylodiszitis
durchgeführten
Hospitalisatio
nen
im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. a
lit
. i VO 1408/71 medizinisch not
wendig waren
. Ein Anspruch des Beschwerdeführers auf
Sachleistungsausfhilfe
ist dies
be
züglich daher zu bejahen.
8.
Nach Gesagtem steht daher fest,
dass der Beschwerdeführer im Rahmen der
Sach
leistungsaushilfe
gestützt auf
Art. 22 Abs. 1 Buchst. a
lit
. i
VO
Nr. 1408/71
beziehungsweise Art. 22 Abs. 2
Unterabs
. 2 VO 1408/71
Anspruch auf Über
nahme der Kosten der
Hospitalisationen
vom 1
2.
bis 1
9.
April 2011, vom 2
2.
bis 2
3.
April 2011, vom
9.
bis 1
1.
Juni 2011 und vom 1
3.
August bis 1
6.
September
2011 in
Y._
im Betrag von insgesamt
Fr.
79‘203.90 (Urk. 7/5
6) hat.
Dies
bezüglich ist die Beschwerde gutzuheissen.
9.
9.1
In Bezug auf die Kosten von
Fr.
4‘466.85
für Behandlungen, Nebenkosten der Spitalaufenthalte, Medikamente, Laboranalysen und Hilfsmittel,
welche in di
rektem Zusammenhang mit den Behandlungen in
Y._
stehen,
für welche die
Beschwerdegegenerin
im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
0.
März 2013 (
Urk.
2) eine Leistungspflicht verneinte, lässt sich den Akten weder ent
nehmen, um was für Leistungen es sich dabei handelte, noch bei welchen
Leis
tungserbringer
n
diese Kosten entstanden
sind
. Der Sachverhalt erscheint diesbe
züglich daher nicht
als
rechtsgenügend abgeklärt.
9.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
9.3
Die Sache ist daher
diesbezüglich
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, da
mit sie den Sachverhalt in Bezug auf die Kosten von
Fr.
4‘466.85 für Be
handlungen, Ne
benkosten der Spitalaufenthalte, Medikamente, Laboranalysen
und
Hilfsmittel im Zusammenhang mit den
Hospitalisationen
des Be
schwer
deführers in
Y._
ergänzend abkläre und anschliessend über einen
Leis
tungs
anspruch
des Beschwerdeführers auf Übernahme dieser Kosten neu ver
füge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
10.
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Ausgangsgemäss hat der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Pro
zess
ent
schädi
gung
, welche in Berücksichti
gung der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses mit Fr.
4
‘
2
00
.-- (inklusive
Baraus
lagen
und Mehr
wertsteuer) zu bemessen ist.