Decision ID: 75a56a33-a840-4ad2-a625-d70057ddab27
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Der Stadtrat der Politischen Gemeinde K._ erliess mit Beschluss vom 8. Februar 2022
für die B._strasse zwischen der C._strasse und der D._strasse – auf einer Strecke
von rund 1'200 Metern (gemessen auf www.geoportal.ch) – ab Ende Mai 2022 bis
voraussichtlich Ende Dezember 2023 eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit
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innerorts auf 30 km/h (Signal Nr. 2.30 "Höchstgeschwindigkeit 30 km/h"). Die
vorübergehende Verkehrsanordnung begründete er mit den Arbeiten zur baulichen
Sanierung dieses Strassenabschnitts und der Werkleitungen. Er stützte sich dabei auf
ein Gutachten der Stadtpolizei und des städtischen Tiefbauamts vom 7. Januar 2022
zur temporär abweichenden Höchstgeschwindigkeit (30 km/h statt 50 km/h innerorts)
im fraglichen Abschnitt (act. 9/6/3).
B.
Gegen diesen Beschluss erhob A._, der an der U._strasse, einer im betroffenen
Abschnitt in die B._strasse einmündenden Querstrasse, lebt und dort auch ein Büro
für xx._ betreibt (g-sg._xx A._, mit einer weiteren Adresse im fraglichen Abschnitt an
der B._strasse; Internet Information aus dem kantonalen Handelsregister, Rekurs beim
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen. Das Departement trat am
3. Juni 2022 auf den Rekurs nicht ein und entzog einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung.
C.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 3. Juni 2022 durch seinen Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 13. Juni 2022 und Ergänzung vom 27. Juni 2022 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich
Mehrwertsteuer zulasten der Politischen Gemeinde K._ (Beschwerdegegnerin),
eventualiter des Staates, sei der Rekursentscheid aufzuheben und die Angelegenheit
zur Beurteilung in der Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sein Gesuch, es sei
der Beschwerde die aufschiebende Wirkung wieder zu erteilen, wies der
verfahrensleitende Abteilungspräsident mit Verfügung vom 29. Juni 2022 ab.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 22. August 2022, die Beschwerde
sei abzuweisen. Mit Vernehmlassung vom 15. September 2022 beantragte die
Beschwerdegegnerin ihrerseits die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer
äusserte sich abschliessend am 28. Oktober 2022.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
auf dessen Rekurs die Vorinstanz nicht eingetreten ist, ist zur Erhebung der
Beschwerde berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde
gegen den Rekursentscheid vom 3. Juni 2022 wurde mit Eingabe vom 13. Juni 2022
rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 27. Juni 2022 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
dementsprechend einzutreten.
2.
Zwischen den Beteiligten ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht auf den Rekurs des
Beschwerdeführers mangels Rekursberechtigung nicht eingetreten ist.
bis
Der Beschwerdeführer beschränkt sich in tatsächlicher Hinsicht darauf, seinen Wohnort
relativ zum fraglichen Strassenabschnitt zu beschreiben (Rz. 12-14 der Beschwerde
vom 13. Juni 2022, Rz. 4-7 der Ergänzung vom 27. Juni 2022) und zu behaupten, die
B._strasse regelmässig zu benützen (Rz. 11 der Ergänzung vom 27. Juni 2022). Er ist
der Auffassung, damit habe er ein eigenes schutzwürdiges Interesse, das ihn zur
Erhebung eines Rechtsmittels gegen die vorübergehende Herabsetzung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h berechtige, ausreichend glaubhaft
gemacht. Er beanstandet damit in erster Linie die Auslegung und Anwendung von
Art. 45 Abs. 1 VRP durch die Vorinstanz.
2.1.
Gemäss Art. 45 Abs. 1 VRP ist zum Rekurs berechtigt, wer an der Änderung oder
Aufhebung der Verfügung oder des Entscheides ein eigenes schutzwürdiges Interesse
dartut. Der Beschwerdeführer bezieht sich in erster Linie auf eigene Interessen. Dass er
in der Beschwerde auch die Befürchtung vorbringt, die Verkehrsbeschränkung werde
tatsächlich über die Dauer der Sanierung hinaus weitergeführt, und damit auch
allgemeine verkehrspolitische Interessen verfolgt, ändert nichts daran, dass er sich
grundsätzlich auf eigene Interessen beruft. Als schutzwürdig gelten Interessen sowohl
rechtlicher als auch tatsächlicher Natur. Das schutzwürdige Interesse liegt im
"praktischen Nutzen" beziehungsweise in handfesten Belangen, den ein erfolgreich
geführtes Rechtsmittel dem Betroffenen in seiner rechtlichen oder tatsächlichen
2.2.
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Zur Beschwerde gegen funktionelle Verkehrsbeschränkungen ist nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung befugt, wer die betroffene Strasse mehr oder
weniger regelmässig benutzt, wie das bei Anwohnern oder Pendlern der Fall ist;
dagegen genügt das bloss gelegentliche Befahren der Strasse nicht (vgl. BGE 136 II
539 E. 1.1; BGer 1C_404 und 406/2019 vom 31. Oktober 2019 E. 2; 1C_11/2017 vom
Situation einträgt, beziehungsweise in der Abwendung materieller, ideeller oder
sonstiger Nachteile, den ein Bestand der angefochtenen Verfügung oder des
Entscheids mit sich bringen würde (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 391). Der Betroffene muss das eigene
schutzwürdige Interesse dartun. Die Behauptung allein, von den Folgen einer
Anordnung betroffen zu sein, genügt nicht, um die Beschwerdebefugnis zu begründen.
Vielmehr müssen aufgrund des konkreten Sachverhalts das besondere Berührtsein und
das schutzwürdige Interesse glaubhaft erscheinen (vgl. BGE 136 II 281 E. 3).
Die Vorinstanz hat sich bei der Auslegung und Anwendung von Art. 45 Abs. 1 VRP im
vorliegenden Fall an der Rechtsprechung des Bundesgerichts und des
Verwaltungsgerichts zur Beschwerdelegitimation bei funktionellen
Verkehrsbeschränkungen orientiert. Diese Anknüpfung ist grundsätzlich gerechtfertigt:
Verkehrsmassnahmen gelten zwar nur dann als funktionelle Verkehrsbeschränkungen
im Sinn von Art. 3 Abs. 4 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG)
beziehungsweise als Herabsetzung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit gestützt
auf die Sondernorm von Art. 32 Abs. 3 SVG (vgl. BGer 2A.38/2006 vom 13. Juli 2006
E. 3.3), wenn sie langfristig vorgesehen sind (vgl. E.M. Belser, in: Basler Kommentar
SVG, Basel 2014, N 54 zu Art. 3 SVG). Demgegenüber bedürfen Anordnungen im
Zusammenhang mit Baustellen von einer Dauer bis sechs Monate (Art. 3 Abs. 4 SVG
und Art. 107 Abs. 3 Ingress und lit. c der Signalisationsverordnung, SR 741.21, SSV)
und polizeiliche Sofortmassnahmen, die nicht länger als acht Tage gelten sollen (Art. 3
Abs. 6 SVG und Art. 107 Abs. 4 SSV), keiner Verfügung und Veröffentlichung. Die
vorliegende Anordnung gilt zwar nicht dauernd, sondern lediglich vorübergehend
während der Dauer der Sanierung der B._strasse. Diese Dauer beläuft sich allerdings
voraussichtlich auf 19 Monate (Ende Mai 2022 bis Ende Dezember 2023). Die
Beschwerdegegnerin hat die Verkehrsbeschränkung dementsprechend zu Recht
verfügt und veröffentlicht, und die Vorinstanz ist bei der Beurteilung der
Rechtsmittelbefugnis des Beschwerdeführers zu Recht von der Rechtsprechung zur
Rechtsmittelberechtigung gegen funktionelle Verkehrsbeschränkungen im Sinn von
Art. 3 Abs. 4 SVG ausgegangen.
2.3.
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2. März 2018 E. 1.1 mit weiteren Hinweisen). Doch auch regelmässige Benützerinnen
und Benützer einer von einem Projekt betroffenen Strasse sind nur zur dessen
Anfechtung legitimiert, wenn dieses für sie Beeinträchtigungen von einer gewissen
Intensität zur Folge hat (BGer 1C_478/2020 vom 19. August 2021 E. 3.3 mit Hinweis
auf BGer 1C_43/2011 vom 8. April 2011 E. 7). Bei der Einrichtung einer Tempo-30-
Zone als funktioneller Verkehrsanordnung steht die Beschwerdebefugnis allen
Verkehrsteilnehmern zu, welche eine mit der Beschränkung belegte Strasse mehr oder
weniger regelmässig benützen, wie das bei Anwohnern oder Pendlern der Fall ist,
während bloss gelegentliches Befahren der Strasse nicht genügt. Die
Legitimationsanforderungen sollen die Popularbeschwerde ausschliessen und den
Charakter des allgemeinen Beschwerderechts als Instrument des
Individualrechtsschutzes unterstreichen (BGer 1C_497/2017 vom 23. Februar 2018 E.
2.1).
Die verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung verlangt zunächst, dass der das
Rechtsmittel Erhebende die mit einer Verkehrsanordnung belegte oder eine von einer
solchen durch Ausweich- oder Verlagerungsverkehr betroffene Strasse mehr oder
weniger regelmässig benützt. Dabei obliegt es dem Beschwerdeführer zu belegen,
dass er die Strasse auch tatsächlich im geforderten Umfang (mit einer gewissen
Regelmässigkeit) benützt, doch dürfen an diesen Nachweis keine allzu hohen
Anforderungen gestellt werden. Immerhin muss ein Beschwerdeführer seine
Betroffenheit glaubhaft machen, beispielsweise aufgrund des Zweckes der Fahrten
oder der Art der angefochtenen Verkehrsbeschränkung. Aus der regelmässigen
Benützung einer Strasse allein kann jedoch noch keine Legitimation zur Anfechtung
einer Verkehrsanordnung abgeleitet werden. Vielmehr muss der Anfechtende darüber
hinaus auch hier in speziell fassbaren Interessen deutlich wahrnehmbar beeinträchtigt
sein. Die Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf einer kürzeren
Strecke vermag jedenfalls noch kein schutzwürdiges Interesse zu begründen (vgl.
VerwGE B 2019/88 und VerwGE B 2019/58, beide vom 29. Juni 2019, E. 2.1 mit
Literaturhinweis).
2.4.
Der Beschwerdeführer wohnt an der U._strasse, die ungefähr in der Mitte des
Sanierungsabschnitts in die B._strasse einmündet. Die Distanz von seinem Wohnort
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an der U._strasse bis zur Einmündung beträgt lediglich wenige Meter. Sein
Einzelunternehmen, welches den Betrieb eines Büros für Xx._ bezweckt, ist mit Sitz an
der U._strasse und einer weiteren im Sanierungsabschnitt liegenden Adresse an der
B._strasse im Handelsregister eingetragen. Der Beschwerdeführer ist damit nicht nur
Anwohner, sondern betreibt auch ein Geschäft im fraglichen Abschnitt der B._strasse.
Bereits insoweit unterscheidet sich die Situation von jener des Beschwerdeführers in
den beiden genannten verwaltungsgerichtlichen Entscheiden, auf welche sich die
Vorinstanz zur Begründung ihres Nichteintretensentscheides stützte. In jenen Fällen
wandte sich ein in der Gemeinde T._ wohnhafter Beschwerdeführer gegen die
Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten auf Kantonsstrassen in den
Gemeinden P._ und S._. Das Verwaltungsgericht hat zur Vermeidung von
Popularbeschwerden in dieser Konstellation – zu Recht – verlangt, dass der
Beschwerdeführer, der nicht als Anwohner gelten konnte, konkret darlegt, weshalb er
von der Verkehrsanordnung mehr und wahrnehmbar betroffen sein würde als irgendein
Dritter. Demgegenüber steht vorliegend fest, dass der Beschwerdeführer im fraglichen
Strassenabschnitt lediglich wenige Meter von der Strasse entfernt wohnt und zudem
Inhaber eines unmittelbar an der Strasse liegenden Geschäftes ist. Damit betrifft ihn die
Anordnung nicht nur, insoweit als er selbst Motorfahrzeuge lenkt, sondern auch als
Anwohner, der beispielsweise auf einen raschen Einsatz der Blaulichtorganisationen
angewiesen ist, als Fussgänger und als Gewerbetreibender, der allenfalls Kunden und
Geschäftspartner an seinem Geschäftsdomizil empfängt. Auch wenn er die behauptete
Benutzung der Strasse insbesondere als Motorfahrzeuglenker nicht weiter konkretisiert,
erweist sich seine Beschwerde deshalb nicht als unzulässige Popularbeschwerde.
Vielmehr erscheint das eigene schutzwürdige Interesse im Sinn von Art. 45 Abs. 1 VRP
damit, dass er Anwohner und Gewerbetreibender am betroffenen Strassenabschnitt ist,
als ausreichend dargetan.
2.5.
Die Beschwerde, mit welcher der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen
Nichteintretensentscheid beanstandet, erweist sich als begründet. Dementsprechend
ist der angefochtene Entscheid aufzuheben. Die Vorinstanz hätte seine Beschwerde in
der Sache behandeln müssen. Die Angelegenheit wäre deshalb zur Beurteilung in der
Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zumal aber die Streitsache aufgrund der
Aktenlage entscheidungsreif ist, dem Verwaltungsgericht die entsprechende
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Entscheidbefugnis zusteht, der Rechtsmittelweg nicht in unzulässiger Weise verkürzt
wird – Art. 43 VRP sieht vor, dass der Rekurrent auf den Rekursentscheid des
zuständigen Departements verzichten kann – und der Verfahrensmangel heilbar
erscheint (vgl. dazu Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1028), rechtfertigen es
prozessökonomische Gründe, von einer Rückweisung abzusehen und die
Angelegenheit in der Sache zu prüfen. Der Beschwerdeführer selbst beantragte denn
auch in der Beschwerdeeingabe vom 13. Juni 2022 die Rückweisung der
Angelegenheit an die Vorinstanz zunächst lediglich eventualiter (vgl. Ziffer 3 des
Antrags).
3.
3.1.
Gemäss Art. 32 Abs. 3 SVG kann die vom Bundesrat festgesetzte
Höchstgeschwindigkeit – vorliegend die allgemeine Höchstgeschwindigkeit innerorts
von 50 km/h – für bestimmte Strassenstrecken von der zuständigen Behörde nur auf
Grund eines Gutachtens herab- oder heraufgesetzt werden. Sind auf bestimmten
Strassenstrecken örtliche Verkehrsanordnungen nötig, wird nach Art. 107 Abs. 5 Satz 1
SSV die Massnahme gewählt, die den Zweck mit den geringsten Einschränkungen
erreicht. Vor der Festlegung von abweichenden Höchstgeschwindigkeiten wird gemäss
Art. 108 Abs. 4 SSV durch ein Gutachten abgeklärt, ob die Massnahme nötig, zweck-
und verhältnismässig ist oder ob andere Massnahmen vorzuziehen sind (Satz 1), wobei
insbesondere zu prüfen ist, ob die Massnahme auf die Hauptverkehrszeit beschränkt
werden kann (Satz 2).
3.2.
Soweit der Beschwerdeführer in der Sache unter Hinweis auf den Beschluss des
Kantonsrates über das 17. Strassenbauprogramm für die Jahre 2019-2023 die fehlende
Kompensation beziehungsweise Ausgleichung der mit der Verkehrsbeschränkung
verbundenen Beeinträchtigung des motorisierten Individualverkehrs und die Realisation
des Projekts während der zeitgleich laufenden Sanierung der A1 beanstandet, wendet
er sich gegen den Inhalt des Projektes einerseits und gegen die zeitliche Festsetzung
seiner Umsetzung anderseits.
ter
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Der Inhalt des Projektes ergibt sich aus der Vorlage des Stadtrates vom 23. Oktober
2018, dem das Stadtparlament am 20. November 2018 ohne Gegenstimmen und bei
zwei Enthaltungen zustimmte. In der Vorlage wurde zwar kein konkreter Zeitrahmen für
die Realisierung festgelegt, jedoch festgehalten, dass die städtischen, kantonalen und
privaten Baustellen trotz der A1-Sanierung aufrechterhalten werden können, wenn die
Kapazität aufrechterhalten bleibe und allfällige Sperrungen gegenseitig abgesprochen
würden. In der Stadt werde der Verkehr bereits heute durch Baustellen, Parkplätze,
Knoten usw. behindert. Diese Beeinträchtigung der Kapazitäten könne auch während
der Bauarbeiten an der B._strasse und an der A1 verkraftet werden. Für die A1-
Sanierung sei kein Ausbau der Kapazität auf den Stadtachsen nötig. Das bedeute, dass
die ordentlichen Baustellen zugelassen werden könnten. Somit könne die
Strassenraumgestaltung W._ auf der B._strasse auch während der A1-Sanierung
gebaut werden, da damit ja weiterhin zwei Spuren vorhanden seien (vgl. Ziffer 5.2 der
Vorlage). Im Übrigen setzt sich das Gutachten der Stadtpolizei und des städtischen
Tiefbauamts vom 7. Januar 2022 mit den möglichen Auswirkungen der temporären
Tempo-30-Strecke auf das umliegende Strassennetz auseinander und kommt zur –
nachvollziehbar begründeten – Vermutung, allein die Reduktion der
Höchstgeschwindigkeit auf der B._strasse werde kaum Verkehrsverlagerungen auf
das umliegende Strassennetz auslösen, da das Ausweichen auf alternative Routen
keine wirkliche Zeitersparnis bringe. Von einer spürbaren Verschlechterung der
Verkehrsqualität auf dem umliegenden Strassennetz sei kaum auszugehen (Ziffer 4.7).
Die Vorbringen des Beschwerdeführers zu Inhalt und Zeitpunkt der Realisierung des
Projekts beschlagen damit Fragen, welche das Stadtparlament im politischen
Verfahren beurteilt hat. Sie stehen nicht im Zusammenhang mit der Frage, ob die
vorübergehende Anordnung einer Herabsetzung der allgemeinen
Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h auf 30 km/h während der im politischen
Prozess von der zuständigen Behörde im Jahr 2018 beschlossenen Sanierung recht-
und verhältnismässig ist.
3.3.
3.3.1.
Die Vorinstanz stützte die vorübergehende funktionelle Verkehrsbeschränkung auf ein
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Gutachten der Stadtpolizei und des städtischen Tiefbauamtes vom 7. Januar 2022. Der
Beschwerdeführer bringt vor, das Gutachten sei nicht unterzeichnet und stelle nichts
anderes als einen verwaltungsinternen Bericht der Beschwerdegegnerin dar. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung verlangen Art. 32 Abs. 3 SVG und Art. 108 Abs. 4
SSV kein unabhängiges Sachverständigengutachten im Sinn von Art. 12 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz; SR
172.021, VwVG). Entscheidend ist vielmehr, dass es von Fachleuten erstellt wurde und
den gesetzlichen Anforderungen genügt. Dementsprechend genügt selbst eine
Beurteilung durch nicht namentlich genannte Fachleute einer Dienstabteilung, welche
der erstinstanzlich verfügenden Behörde unterstellt ist. Damit hat die
Beschwerdegegnerin die formellen Anforderungen, wie sie sich aus Art. 32 Abs. 3 Satz
1 SVG ergeben, beachtet.
3.3.2.
Vor Vorinstanz hat sich der Beschwerdeführer hinsichtlich des erforderlichen Inhalts
des Gutachtens auf Art. 3 der Verordnung des UVEK über die Tempo-30-Zonen und
die Begegnungszonen (SR 741.213.3) bezogen. Vorliegend steht indessen nicht die
Einführung einer Tempo-30-Zone – sie wird im Gutachten als Alternative zwar geprüft,
jedoch ausdrücklich verworfen (Ziffer 4.2.3 lit. a) – in Frage, sondern die
vorübergehende (temporäre) Herabsetzung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit
innerorts von 50 km/h auf einer bestimmten Strecke auf 30 km/h. In inhaltlicher
Hinsicht verlangt Art. 107 Abs. 4 SSV, dass durch das Gutachten abgeklärt wird, ob die
Massnahme nötig und zweck- und verhältnismässig ist oder ob andere Massnahmen
vorzuziehen sind, wobei insbesondere zu prüfen ist, ob die Massnahme auf die
Hauptverkehrszeiten beschränkt werden kann. Nach Art. 108 Abs. 2 SSV können die
allgemeinen Höchstgeschwindigkeiten herabgesetzt werden, wenn eine Gefahr nur
schwer oder nicht rechtzeitig erkennbar und anders nicht zu beheben ist (lit. a),
bestimmte Strassenbenützer eines besonderen, nicht anders zu erreichenden Schutzes
bedürfen (lit. b), auf Strecken mit grosser Verkehrsbelastung der Verkehrsablauf
verbessert werden kann (lit. c) oder dadurch eine im Sinn der
Umweltschutzgesetzgebung übermässige Umweltbelastung (Lärm, Schadstoffe)
vermindert werden kann, wobei der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu wahren ist
(lit. d).
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Zumal die Herabsetzung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit vorliegend im
Zusammenhang mit umfangreichen Bauarbeiten zur Sanierung der Strasse und der
darin verlegten Werkleitungen und Kanäle steht und Baustellenbereiche ein erhöhtes
Gefahrenpotential nach sich ziehen, erscheint die von der Beschwerdegegnerin
erlassene vorübergehende funktionelle Verkehrsanordnung ohne Weiteres als nötig
(vgl. Art. 108 Abs. 2 Ingress und lit. a SSV). Dass eine entsprechende Regelung zur
Gewährleistung der Verkehrssicherheit in Baustellenbereichen regelmässig als geboten
erscheint, lässt sich nicht zuletzt aus Art. 107 Abs. 3 Ingress und lit. c SSV schliessen,
wonach Anordnungen im Zusammenhang mit Baustellen erst ab einer Dauer von sechs
Monaten verfügt und veröffentlicht werden müssen. Der Beschwerdeführer wendet sich
denn auch nicht per se gegen die Reduktion der Höchstgeschwindigkeit in der Zeit,
während welcher die B._strasse saniert wird.
Die für einen beschränkten Zeitraum vorgesehene Verkehrsanordnung erscheint aber
auch als zweck- und verhältnismässig. Im Gutachten werden zunächst
Gefahrensituation, Schutzbedürfnisse und Unfälle beim bestehenden Zustand im
fraglichen Strassenabschnitt beschrieben (Ziffer 4.2). Die Unfallsituation im fraglichen
Abschnitt konnte sich – was der Beschwerdeführer vor der Vorinstanz an sich zu Recht
angemerkt hat selbstredend zwar nicht auf die Situation im Zusammenhang mit
Bauarbeiten beziehen. Die mit den Bauarbeiten verbundenen Gefahren wurden denn
auch im Gutachten nicht in erster Linie mit den Unfalldaten begründet. Sie zeigen
jedoch, dass bei einer stark befahrenen Strasse mit zahlreichen Abzweigungen,
Einmündungen und Fussgängerübergängen und mit parallelen Gehwegen bereits an
sich ein relativ hohes Gefahrenpotential besteht. Sodann wird im Gutachten die
Situation während der Bauphase hinsichtlich der Schutzbedürfnisse und
Gefahrensituationen analysiert (Ziffer 4.2.2). Es wird festgehalten, dass durch die
bautechnischen Rahmenbedingungen nur ein sehr eingeschränkter Strassenraum –
phasenweise mit einer Breite von lediglich drei Metern – zur Verfügung stehe.
Velofahrer könnten von Personenwagen nicht mehr überholt werden. Die Breite reiche
für eine Geschwindigkeit von 50 km/h nicht aus. Mit der Reduktion der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h könne die Norm (VSS 40201, Geometrisches
Normalprofil) eingehalten werden. Die Reduktion der Geschwindigkeitsdifferenz
zwischen Motorfahrzeug- und Veloverkehr könne gefährliche Überholmanöver
ausschliessen, weil damit kaum mehr ein schnelleres Vorwärtskommen erreicht werde.
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Auch die Breite des Gehwegs sei während der Bauzeit reduziert. Der
Motorfahrzeugverkehr fahre sehr nahe am Gehwegrand vorbei. Fussgängerinnen und
Fussgänger würden von Motorfahrzeugen teilweise mit einem kleinen Abstand passiert
werden. Auch zur Gewährleistung eines guten Sicherheitsempfindens der
Zufussgehenden solle die Geschwindigkeit reduziert werden. Entgegen der vom
Beschwerdeführer vor Vorinstanz vorgebrachten Auffassung ist damit auch ein
Zusammenhang zwischen der Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
und dem Sicherheitsempfinden der Fussgängerinnen und Fussgänger erkennbar.
Im Weiteren wird im Gutachten ausgeführt, das Queren der Strasse werde für
Fussgängerinnen und Fussgänger aufgrund der Bauarbeiten nicht immer in der
gleichen Qualität – wechselnde Stellen, beengte Warteflächen, nicht optimale Sicht auf
den rollenden Verkehr – möglich sein. Mit einem Limit von 30 km/h könne die Gefahr
für Fussgängerinnen und Fussgänger beim notwendigen Queren der Fahrbahn
erheblich verringert werden. Der Beschwerdeführer hat vor Vorinstanz beanstandet,
dass im Gutachten nicht dargelegt werde, wie und wo konkret die behaupteten
Gefahren tatsächlich seien und sich verwirklichen würden. Eine solche örtliche
Festlegung ist von vornherein nicht möglich, weil sich die Gefahrenstellen mit den
Bauphasen immer wieder verschieben werden. Dass bei tieferen Geschwindigkeiten
der Verkehr zu den Baubereichen sicherer abgewickelt werden kann, erscheint mit
Blick auf das bei tieferen Geschwindigkeiten sinkende Gefahrenpotential durchaus als
nachvollziehbar und nicht als nicht substantiierte Schutzbehauptung. An sich trifft –
worauf der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren hingewiesen hat zu, dass
Art. 32 Abs. 1 SVG den Autofahrer verpflichtet, auch im Bereich von Baustellen sein
Tempo den Verhältnissen anzupassen. Diese Grundregel erübrigt aber den Erlass
allgemeiner gesetzlicher und davon abweichender signalisierter
Geschwindigkeitsbeschränkungen insbesondere zur Vermeidung und Verminderung
von Gefahren nicht (Art. 32 Abs. 2 SVG; Art. 4a und 5 der Verkehrsregelnverordnung,
SR 741.11, VRV; Art. 3 Abs. 3 und 4 SVG; Art. 107 und Art. 108 Abs. 2 SSV; vgl. dazu
auch Präsidialverfügung E. 3).
Der Beschwerdeführer macht geltend, es wären deutlich mildere Massnahmen
vorhanden gewesen (beispielsweise zeitliche Beschränkung von Tempo 30 auf den
Tag, das heisst nicht in der Nacht, oder streckenmässige Beschränkung auf die
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einzelnen Bauetappen, da nicht während 1.5 Jahren der ganze Streckenabschnitt
gleichzeitig saniert werde. Die Beschwerdegegnerin habe sich mit milderen
Massnahmen nicht auseinandergesetzt. Im Gutachten wird indes eine zeitliche
Beschränkung der Verkehrsanordnung geprüft und mit nachvollziehbarer Begründung –
sie wäre selbst mit einem erheblichen technischen und finanziellen Aufwand kaum
realisierbar, zumal auch wegen des eingeengten Fahrbahnquerschnitts eine dauernde
Gefahr bestehe – verworfen (Ziffer 4.2.3 lit. b). Dies gilt insbesondere auch für die
Nacht, da die durch Baustelleneinrichtungen beeinträchtigte Sicht insbesondere auf
Fussgänger mit der Dunkelheit zusätzlich erschwert wird. Geprüft wird im Gutachten
auch die Realisierbarkeit baulicher Massnahmen. Dabei wird festgehalten, dass in
Abhängigkeit des Baufortschritts der Verkehr mit Leitmassnahmen, wie beispielsweise
Markierungen, Absperrungen und ähnlichem durch die Baustelle gelenkt werde, was
das Geschwindigkeitsniveau senken dürfte. Zentral sei das Ziel, einen möglichst kurzen
Anhalteweg zu erreichen (Ziffer 4.2.3 lit. c). Inwieweit es mit baulichen Massnahmen
möglich sein sollte, trotz den Bauarbeiten zur Sanierung von Strasse und
Werkleitungen die allgemeine Höchstgeschwindigkeit oder allenfalls eine auf 40 km/h
herabgesetzte Höchstgeschwindigkeit zu ermöglichen, ist nicht ersichtlich, und der
Beschwerdeführer legt auch nicht dar, wie dies möglich sein sollte.
3.4.
Die Überlegungen und Schlussfolgerungen im Gutachten zur Frage der
gefahrenbedingten Notwendigkeit, der Zweckmässigkeit, insbesondere zur Frage
möglicher Alternativen, und zur (zeitlichen) Verhältnismässigkeit der Herabsetzung der
allgemeinen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h auf dem fraglichen
Abschnitt der B._strasse für die Dauer der Sanierung der Strasse und der
Werkleitungen sind nachvollziehbar. Die Massnahme entspricht dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit. Damit erweist sich das Rechtsmittel unter Berücksichtigung der
Vorbringen des Beschwerdeführers zur Sache im vorinstanzlichen Rekursverfahren und
im Beschwerdeverfahren als unbegründet.
4.
Zusammenfassend ist die Beschwerde, soweit damit der vorinstanzliche
Nichteintretensentscheid beanstandet wird, begründet. Sie ist daher teilweise
gutzuheissen und Ziffer 1 des angefochtenen Rekursentscheids ist aufzuheben.
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Aus prozessökonomischen Gründen hat das Verwaltungsgericht die Angelegenheit in
der Sache geprüft und ist zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdegegnerin zu
Recht für die Dauer von Ende Mai 2022 bis zum Abschluss der Bauarbeiten zur
Umgestaltung der Strasse, voraussichtlich bis Ende Dezember 2023 für die B._strasse
auf dem Abschnitt C._strasse bis D._strasse die Verkehrsanordnung Signal Nr. 2.30
"Höchstgeschwindigkeit 30 km/h" gemäss Beschluss des Stadtrates vom 8. Februar
2022 verfügt und veröffentlicht hat. Da die Vorinstanz den Rekurs bei einer Prüfung in
der Sache hätte abweisen müssen, bleibt es beim Kostenspruch gemäss Ziffern 2-4
des angefochtenen Entscheides. Diesbezüglich ist die Beschwerde entsprechend
abzuweisen.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens vom Staat (Vorinstanz) zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP). Dem Beschwerdeführer ist der bei der Hauptsache verbliebene Rest von
CHF 1'900 seines Kostenvorschusses zurückzuerstatten.
Der obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf Entschädigung seiner
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP). Der Rechtsvertreter hat
keine Kostennote eingereicht. Ein pauschales Honorar von CHF 2'000 zuzüglich
Barauslagen von CHF 80 und Mehrwertsteuer von CHF 160.15 erscheint angemessen
(vgl. Art. 19, Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, Art. 28 und Art. 29 der Honorarordnung;
sGS 963.75). Entschädigungspflichtig ist der Staat (Vorinstanz).