Decision ID: 12a6e4a8-754f-5061-b43e-bbd58beb9fa6
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, war von
2
9.
Dezember 2011
bis
3
1.
Oktober 2013
als
Leiter Versichertenverwaltung
bei der
Y._
in einem 10
0
%-Pen
sum angestellt (
Urk.
6/16,
Urk.
6/28,
Urk.
6/45
).
Am 1
1.
März 2011 (Eingangsdatum) meldete sich der
Versicherte bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf
eine seit 2007 bestehende bipolare Erkrankung zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (
Urk.
6/3).
Angesichts dessen, dass der Versicherte von einer neuen Arbeitsstelle seit Mai 2011 berichtete, wies d
ie IV-Stelle den An
spruch auf berufliche Massnahmen
aufgrund nicht mehr benötigter Unter
stützung
bei der Suche einer neuen Arbeitsstelle mit Verfüg
ung vom 20.
Juli 2011 ab (
Urk.
6/14).
Der Versicherte meldete sich a
m 1
0.
Februar 2014 (Eingangsdatum)
erneut
bei der
IV-Stelle
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an,
unter
Hin
weis auf
die
bipolare Störung
sowie ein chronische
s
Schmerz
syndrom
(Urk. 6/16
).
Die IV-Stelle klärte die erw
erblichen und medizinischen Verhält
nisse ab,
zog wiederholt die Akten der Krankentaggeld
versicherung (Urk.
6/25,
Urk.
6/34-37,
Urk.
6/49-51,
Urk.
6/115)
bei
und
holte die Berichte der behan
delnden Ärzte (
Urk.
6/24,
Urk.
6/30,
Urk.
6
/56,
Urk.
6/65,
Urk.
6/74, Urk.
6/84,
Urk.
6/112,
Urk.
6/114,
Urk.
6/120,
Urk.
6/124,
Urk.
6/125,
Urk.
6/131,
Urk.
6/139
) sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug,
Urk.
6/23
) ein
und prüfte berufliche
Eingliederungs
massnahmen (
Urk.
6/
45 S. 4
). Die IV-Stelle gewährte dem Versicherten Kostengutsprache für
ein Aufbau
training vom 1
1.
Mai bis 1
0.
November 2015 b
e
i
der
Z._
(Mitteilung vom
7.
Mai 2015
,
Urk.
6/
61
)
, welches bis zum 10.
Februar 2016 verlängert wurde (Mitteilung vom 2
8.
Oktober 2015,
Urk.
6/81)
.
Nach erfolg
reichem Abschluss des Aufbautrainings
(vgl. Abschlussbericht vom 2
8.
Januar 2016,
Urk.
6/94)
über
nahm die IV-Stelle die Kosten für die Arbeit zur Zeit
überbrückung bei der
Z._
vom 1
1.
Februar bis längstens
4.
März 2016 (Mitteilung vom 1
0.
Februar 2016,
Urk.
6/95) und gewährte
Leistungen im Rahmen
eines Arbeitsversuches (
Mitteilung vom 1
0.
Februar 2016,
Urk. 6/96)
sowie Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die
Z._
(Schreiben vom 15. September 2016,
Urk.
6/105).
Nach einem Abschlussgespräch am 2
7.
März 2017 (vgl.
Urk.
6/136 S. 25) teilte die IV-Stelle mit Schreiben vom 2
7.
April 2017 mit, da trotz Bemü
hungen und Unterstützung innert angemessener Zeit keine Integration in den Arbeitsmarkt gelungen sei, werde die Arbeits
vermittlung abge
schlossen (
Urk.
6/135). Ausgehend von
der Möglichkeit einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes bei Abstinenz von sämt
lichen illegalen und legalen Drogen
auferlegte die IV-Stelle dem Ver
sicherten mit Schreiben vom 3
1.
Januar 2017 eine Schadenminderungspflicht im Rahmen einer
Entzugsbehandlung, sprich einer kompletten
Suchtmittelabstinenz für min
destens sechs Monate und an
schliessender Haaranalyse zum Abstinenz
nachweis (
Urk.
6/123).
Nach Eingang des Haaranalysegutachtens der
A._
vom
6.
November 2017 (
Urk.
6/146)
stellte die IV-Stelle
mit Vor
bescheid vom
4.
Dezember 2017
die Ab
weisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
6/148). Dagegen erhob der Ver
sicherte mit Schreiben vom 1
3.
Januar 2018 Einwand (
Urk.
6/149). Mit Ver
fügung vom 1
9.
März 2018 ver
neinte die IV-Stelle wie vorbeschieden einen
Leistungsa
n
spruch (
Urk.
6/152 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 2
5.
April 2018 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, ihm eine Invalidenrente auszurichten
. Ferner sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuord
n
en
(
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Mai 2018 auf Abweisung der
Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer mit
Verfügung vom
5.
Juni 2018
angezeigt wurde (
Urk.
7). Gleichzeitig
wurde ein zweiter Schr
if
ten
wechsel angeordnet. Am 1
9.
Juni 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein, wobei er an den bereits gestellten Rechtsbegehren vollumfänglich fest
hielt und eve
ntualiter beantragte, es sei eine erneute Haaranalyse durch
zu
führen, diesmal mit den Kopfhaaren (
Urk.
8). Die Beschw
erdegegnerin verzichtete am 16.
Juli 2018 auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
11), was dem Beschwerde
füh
rer am 1
7.
Juli 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingere
ichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundes
gesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über
die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2
.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funk
tionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2
.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden ein
ge
tre
ten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heits
schadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender
psy
chischer Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hin
reichende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung im zur Publikation vorgesehenen Urteil des Bundesgerichts 9C_724/2018 vom 1
1.
Juli 2019 E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit zur Publikation vorgesehenem Urteil 9C_724/2018 vom 1
1.
Juli 2019 dahingehend, dass - fach
ärztlich einwandfrei diagnostizierten - Abhängigkeitssyndromen beziehungs
weise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornherein jede invalidenver
siche
rungs
rechtliche Relevanz abgesprochen werden kann (E. 5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesund
heitsschäden in Betracht fallen (E. 6).
Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängig
keits
syndrome (erwähntes Urteil 9C_724/2018 E. 6.2).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhän
gig
keits
erkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funkt
ionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff.
E. 4.5.2). Eine krank
heitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psycho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struktu
rierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Akten
lage keine Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fach
ärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (erwähntes Urteil 9C_724/2018 E. 7).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1
9.
März 2018 (
Urk.
2) hielt die Beschwer
de
gegnerin fest,
die medizinische Abklärung habe ergeben, dass die Arbeits
un
fähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund des Suchtmittelkonsums begründet sei. Der Beschwerdeführer habe die ihm auferlegte Schadenminderungspflicht nicht umgesetzt
, was eine sorgfältige Abklärung seines Gesundheitszustandes ver
hin
dert habe. Deshalb bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invaliden
ver
siche
rung
.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 2
5.
April 2018 (
Urk.
1) sowie in seiner Replik vom 1
9.
Juni 2018 (
Urk.
8) zusammengefasst geltend,
die Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdegegnerin sei unzutreffend. Die Arbeitsunfähigkeit bestehe aufgrund der bipolaren Störung, wobei er die
hypomanen
Episoden mit Drogen bekämpft habe.
Dem ihm von der Beschwer
de
gegnerin auferlegte
n
Suchtmittelentzug sei er vollständig nachge
kommen. Die vorliegende Haaranalyse sei nicht mit Kopfhaaren sondern mit den Beinhaaren durchgeführt worden, was den Nachteil mit sich bringe, dass der Zeitraum, den Körperhaare widerspiegeln, nicht eingegrenzt werden könne.
Das positive Resul
tat stamme
dem
entsprechend wohl vom langjährigen Konsum oder seinem letzten Rückfall im September 201
5.
A
ufgrund der bipolaren Störung
sei er
nur noch zu 50 bis 60
%
in der Lage, eine angepasste Bürotätigkeit, möglichst ohne Zeitdruck, auszuüben, weshalb aus gesundheitlichen Gründen eine Invalidität von knapp 50
%
bestehe.
3.
3.1
Seit April 2013 war der Beschwerdeführer bei med.
pract
.
B._
, Assis
tenz
ärztin Psychiatrie in der
C._,
in psychia
trischer Behandlung. Sie diagnostizierte eine bipolare affektive Störung (ICD-10: F31.4) sowie psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide
und Kokain
(ICD-10: F11.22
und F14.26
; vgl. Arztbericht vom 2
1.
November
2013
[
Urk.
6/25/3
] und Arztbericht vom 2
0.
März 2014 [
Urk.
6/30]
)
. Im Februar 2014 begab sich der Beschwerdeführer in die
D._
zu einer integrierten psychiatrisch-psychotherapeutischen Entwöhnungstherapie (vgl. Arztbericht vo
m 1
9.
Februar 2014,
Urk.
6/24). Im Verlauf wurde eine Kokain- und Heroin
abhängigkeit (ICD-10: F14.21 und F11.21) diagnostiziert
wobei der Beschwerde
führer in beschützender Umgebung abstinent sei. Ausserdem wurde eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode
,
(ICD-10: F31.0) sowie ein schäd
licher Gebrauch von
Cannabinoiden
(ICD-10: F12.1), eine Nikotinabhängig
keit (ICD-10: F17.21) und ein Status nach chronischer Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren (ICD-10
:
F45.41), zurzeit remittiert, festgehal
ten (vgl. Arztbericht vom 2
6.
Mai 2014,
Urk.
6/36).
Dr.
med.
E._
, Oberarzt
in der
D._
,
konstatierte,
aufgrund der auffälligen Geselligkeit und Gesprächigkeit sowie des andauernden gesteigerten Aktivitätsniveaus sei beim Beschwerdeführer von einer Bipolaren II Störung auszugehen, mit gegen
wärtigen hypomanischen Zügen.
Da der Beschwerdeführer in seiner Anamnese lediglich während solcher
hypomanen
Phasen Kokain konsumiert habe, sei während seinen Konsumzeiten auch eine substanzbedingte Manie zu vermuten
. I
m Rahmen
sporadische
r
Atemluft- und Urinkontrollen
seien b
eim Beschwerde
führer bislang keine Rückfälle fest
gestellt worden.
Hinsichtlich der Arbeits
fähig
keit empfahl
en die behandelnden Ärzte
dem Beschwerdeführer mit einem niedri
gen Arbeitspensum wieder einzusteigen.
3.2
Vom 1
6.
Oktober bis
8.
Dezember 2014
war
der Beschwerdeführer in de
r
F._
erneut in stationäre
r
psychiatrisch-psychotherapeutische
r
Be
hand
lung
(vgl. Austrittsbericht vom 1
4.
Januar 2015, Urk. 6/56).
D
ie behan
deln
den Ärzte
hielten
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
im Wesentlichen
fest:
-
Bipolare affektive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F31.3)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain: Schädlicher Gebrauch, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F14.1)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide: Abhängigkeits
syn
drom, mit
Buprenorphin
substituiert (ICD-10: F11.22)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika: Schädlicher Gebrauch, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F13.1)
-
Bronchopneumonie
, nicht näher bezeichnet (ICD-10: J18.0)
Die
Anamnese und Befunde würden für eine depressive Episode mittelgradiger Ausprägung im Rahmen einer vordiagnostizierten bipolar affektiven Störung sprechen, wobei die Kriterien
,
wie niedergeschlagene Stimmung
seit
über zwei Wochen, Verlust von Freude, verminderter Antrieb und gesteigerte Ermüdbarkeit, Verlust des Selbstvertrauens, wiederkehrende Ge
danken an Suizid und Klagen über vermindertes Konzentrationsvermögen
,
erfüllt seien. Aufrechterhaltend für das depressive Syndrom seien multiple Belastungs
faktoren
einschliesslich fehlen
der Tages
struktur sowie ein Mangel an funk
tionalen
Copingstrategien
.
Der Beschwerdeführer habe eine
integrative Einzel
psychotherapie erhalten und
regel
mässig an multimodalen, individuell zusammengestellten Gruppentherapie
pro
gramm
en
mit interpersoneller Psycho
therapie teilgenommen.
Dadurch
h
abe
sich
sein
psychischer
Gesundheitszustand verbessert
, sodass der Beschwerde
führer im Dezember 2014 in stabilisiertem teilremittierten Zustand bei fehlenden Hinweisen auf akute Selbst- oder Fremd
gefährdung in die vorbestehenden Ver
hältnisse habe entlassen werden können
.
Die Arbeitsfähigkeit sei jedoch nach wie vor
,
insbe
sondere durch die Antriebs
minderung, die Konzentrations
störungen und das Gedankenkreisen mit Ein
schränkungen in der Handlungs
strukturierung
,
ein
ge
schränkt.
3.3
In der Folge nahm der Beschwerdeführer beim
G._
an einem 8-wöchigen Tagesprogramm mit verschiedenen Therapie
modulen teil, deren Zweck die Gewährleistung einer Tagesstruktur, die Aufrecht
erhaltung der Abstinenz, die
Compliancekontrolle
, die kognitive Umstruk
turie
rung (funktionale
Copingstrategie
) sowie die soziale Reintegration war (vgl. Arzt
bericht vom
1.
Juni 2015,
Urk.
6/65).
Die behandelnden Ärzte erachteten den Beschwerdeführer trotz mittelgradig gebessertem Zustand weiterhin vollständig arbeitsunfähig. Prognostisch günstig sei
en
die Therapiemotivation des Beschwer
de
führers sowie die reduzierte depressive Symptomatik, ungünstig hingegen die Rückfalltendenz und die
Complianceproblematik
(
Urk.
6/120).
3.4
Aufgrund eines Rückfalls trat der Beschwerdeführer a
m 1
4.
August 2015 in die
H._
ein und war bis zum
4.
September 2015 hospitalisiert (vgl. Austrittsbericht vom
7.
September 2015,
Urk.
6/74/7-10).
Es wurde ein Methadon-gestützter Opioid
-E
ntzug durchgeführt
, der komplika
tions
los verlaufen sei
, und nach Austritt fortgeführt werden sollte. Nebenwirkun
gen der
Opioidsubstitution
seien Müdigkeit, Fahruntüchtigkeit, Obstipation
. Die behandelnden Ärzte konstatierten
weiter
, der Be
schwerde
führer sei optimistisch und sehr motiviert dabei, an seiner beruflichen Wiedereingliederung zu arbeiten.
Im Rahmen
ihrer
ergänzenden Stellungnahme
vom
2.
November 2015 (
Urk.
6/84)
führten die Ärzte
der
H._
aus, auf längere Sicht sei der Beschwerdeführer wahr
scheinlich eingeschränkt arbeitsfähig. Er sei motiviert und diszipliniert, sehe aber re
flektiert, dass seine Erkrankung schlecht mit Belastung und hoher Ver
antwor
tung vereinbar sei. Eine Vollzeit
beschäf
ti
gung sowie Führungs
positionen seien auf
grund der Erkrankung mit einher
gehen
der beschränkter Belastbarkeit wahr
scheinlich nicht mehr möglich.
Er habe jedoch gute Aussichten auf Stabilisierung, vor allem wenn seine affektive Störung ausreichend therapiert werde und die Opioid-Abhängigkeit substituiert bleibe.
3.5
Die nachbehandelnden Ärzte des
C._
berichteten am 1
3.
Februar 2017 (
Urk.
6/124) über eine gewisse Stabilisierung unter Lithium-Therapie. Die Schwere der Phasen (Manie/Depres
sion) seien abgemildert worden und auch der Phasenwechsel verlaufe langsamer, es habe eine teilweise Remission mit leichter (phasenweise mittelschwerer) depressiver Symptomatik erreicht werden können. Aufgrund der schweren affektiven Störung sei langfristig mit einer deutlichen Reduktion der Arbeits
fähigkeit zu rechnen. Der Substanzkonsum sei moderat und ohne Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit. Entsprechend führten sie die Diagnose psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain, ICD-10: F14.20, (abstinent seit August 2015), und durch Opioide, ICD-10: F11.20, (abstinent seit August 2015, Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm bis Oktober 2016) unter den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Sie empfahlen eine angepasste Tätigkeit zu 40
%
mit dem Versuch, die Arbeits
fähigkeit schrittweise zu steigern. Ein Arbeitspensum von nicht mehr als 5-6 Stunden pro Tag sei noch zumutbar. Es bestehe ein vermindertes Arbeitstempo und ein Leistungsabfall nach ca. 5-6 Stunden.
Im Verlaufsbericht vom 1
7.
Juli 2017 (
Urk.
6/139) hielten die Ärzte des
C._
mit Blick auf die einzig aktuelle Diagnose einer bipolaren affektiven Störung, remittiert unter prophylaktischer Behandlung, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest, zu Behandlungsbeginn (2013) sei der Beschwerdeführer aufgrund einer schweren depressiven Episode nicht arbeitsfähig gewesen und habe seither mehrere depressive wie auch
hypomane
Episoden erlebt. Der Beschwerdeführer leide unter andauernder hoher innerer Anspannung. Der Abbau des Cannabiskonsums erhöhe diese innere Anspannung. Die von der Beschwerdegegnerin geforderte Cannabisabstinenz setze den Beschwerdeführer unter Druck und könne zusätzlich destabilisierend wirken und eine Dekompen
sation nach sich ziehen. Als angepasste Tätigkeit nannten sie eine Bürotätigkeit möglichst ohne Zeitdruck, da hoher Stress depressive wie auch manische Episo
den auslösen könnte.
3.6
Dem Protokoll der Eingliederungsberatung (
Urk.
6/136) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer beim Arbeitsversuch eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
zeigte, bei schwankenden Leistungen im Tagesverlauf und einer Präsenzzeit von fünf Stunden am Tag (
Urk.
6/136/22).
3.7
Im
Nachgang
der
mit Schreiben vom 3
1.
Januar 2017 auferlegten
Schadenmin
derungspflicht wurde eine Haaranalyse durchgeführ
t. Geprüft wurden Beinhaare, wobei dies
e
ohne Unterteilung als Ganzes untersucht wurden. Im Bericht des
A._
vom 6. November 2017 (
Urk.
6/146) wurde festgehalten, eine exakte Eingrenzung des Zeitraums, den Körperhaare widerspiegeln, sei nicht möglich. Sehr grob ab
ge
schätzt würden die untersuchten Beinhaare Auskunft über den durch
schnittlichen Konsum mindes
tens der letzten vier bis sieben Monate vor de
r Sicherstellung der Haarprobe a
m 2
5.
Oktober 2017 geben. In der untersuchten Haarprobe seien
Cocain
und dessen Metaboliten
Benzoylecgonin
und
Norcocain
nachgewiesen worden. Damit sei der Konsum von
Cocain
bewiesen, wobei die festgestellte
Cocain
-Konzentration im mittleren Bereich liege und mit einem schwachen bis mittelstarken
Cocain
-Konsum innerhalb der genannten Zeitperiode vereinbar
sei. Ferner seien auch die
Designerdrogen 3,4-Methylendiox
ymethamphet
amin (MDMA) und 3,4-Methyl
endiox
yamphetamin (MDA) nachgewiesen worden, was den Konsum von MDMA (z.B. Ecstasy, XTC) beweise. Die festgestellte MDMA-Konzentration liege im unteren Bereich und sei mit einem schwachen, vereinzelten MDMA-Konsum innerhalb der genannten Zeitperiode vereinbar.
3.8
In Bezug auf die durch die behandelnden Ärzte attestierte bipolare Störung hielt m
ed.
pract
. I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD),
fest, aus psychiatrischer Sicht sei diese Diagnose, welche auf anamnestischen Angaben beruhe, unsicher, insbe
son
dere bei Einfluss auf die Affektivität durch wechselnden Konsum illegaler Drogen, abgelöst von Substitution,
Beikonsum
, Entzug und Abstinenz. Eine redu
zierte Leistungsfähigkeit sei nachvollziehbar, jedoch am ehesten durch die Be
gleit
er
scheinungen des Drogenkonsums oder
Nebenwirkungen des Medikamentes zur Opiatsubstitution bedingt und weniger durch eine affektive Störung. Die Arbeits
fähigkeit könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch eine von legalen und illegalen Drogen abstinente Lebensweise gesteigert werden. Medizinisch-theoretisch könne durch entsprechende Massnahmen eine Arbeits
fähigkeit von 80
%
in angepasster Tätigkeit erwartet werden (vgl. Feststellungs
blatt,
Urk.
6/147 S. 5f.).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass gestützt auf diese Analyse davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer in den vier bis sieben Monaten vor der Haarentnahme (Oktober 2017) nicht vollständig abstinent war. Obwohl die Körperhaare keine genaue zeitliche Unterteilung zulassen und der geprüfte Zeitraum gemäss Gutachter nur grob geschätzt werden kann, ist entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers (
Urk.
8 S. 7) auszuschliessen, dass der Substanznachweis auf den Konsumvorfall im September 2015 oder gar den langjährigen Konsum ab 2009 zurückzuführen ist, zumal die weiteren geprüften Stoffe, insbesondere das Substitutionsmedikament Methadon, negativ ausfielen (vgl.
Urk.
6/146/2), was die Angabe des Beschwerdeführers untermauert, seit Oktober 2016 keine substi
tuierenden Medikamente mehr einzunehmen (
Urk.
6/127). Eine erneute Haar
analyse ist daher nicht anzuordnen. Damit ist der Beschwerdeführer der mit Verfügung vom 3
1.
Januar 2017 (
Urk.
6/123) auferlegten Schadenminderungs
pflicht grundsätzlich nicht nachgekommen. Zu prüfen ist, welche Folgen dies für die Beurteilung des Rentenanspruchs zeitigt.
4.2
RAD-Arzt
Dr.
I._
schätzte – ohne eigene Untersuchung des Beschwerde
führers – die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf 80
%
, wobei er den Einfluss von Suchtmitteln ausklammerte und die Diagnose einer bipolaren Störung als fraglich erachtete, das heisst die reduzierte Leistungsfähigkeit einzig auf den intermittierenden Drogenkonsum bzw. die substituierenden Medikamente zurückführte (E. 3.8). Die behandelnden Ärzte des
C._
verneinen demgegenüber eine Leistungseinschränkung aufgrund des (gelegentlichen)
Bei
konsums
und führen die Arbeitsunfähigkeit einzig auf die affektive Störung zurück, welche unter Lithium jedoch relativ stabil geblieben sein soll (E. 3.5). Beide medizinischen Einschätzungen lassen hinsichtlich Begründungsdichte und Schlüssigkeit eine abschliessende Beurteilung der invalidenversicherungsrecht
lich relevanten Einschränkungen nicht zu. Es kann angesichts der divergierenden medizinischen Unterlagen nicht gesagt werden, ob eine vom Suchtmittelkonsum unabhängige, leistungseinschränkende affektive Störung vorliegt oder ob eine solche (bipolare) Störung massgeblich substanzinduziert ist und/oder keine leis
tungseinschränkenden Folgen bei vollständiger Abstinenz zeitigt. Kommt hinzu, dass gemäss dem zur Publikation vorgesehenen Urteil des Bundesgerichts 9C_724/2018 vom 1
1.
Juli 2019 auch einem ärztlich einwandfrei diagnostizierten Abhängigkeitssyndrom beziehungsweise einer Substanzkonsumstörung nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen werden kann, sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beacht
liche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen, wobei dies in Bezug auf den Schweregrad der Abhängigkeit und damit der zu beachtenden Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eines strukturierten Beweisverfahrens bedarf (E. 1.3.). Es ist nicht dargetan, dass weitere medizinische Sachverhaltsabklärungen nicht möglich sind, weil von einem anhaltenden, wenn auch moderaten (vgl. E. 3.7), Drogenkonsum auszugehen ist. Immerhin erklärten die behandelnden Ärzte des
C._
, dass - ausser Müdigkeit infolge der damals noch abgegebenen substituierten Medikamente – keine Leistungseinbussen durch den (gelegent
lichen)
Beikonsum
zu verzeichnen seien, was nicht begründet widerlegt wurde. Soweit also Anhaltspunkte für invalidenversicherungsrechtlich beachtliche psychische Einschränkungen vorliegen (insbesondere die affektive Störung) und weitere Sachverhaltsabklärungen möglich sind, darf im Rahmen des Unter
suchungsgrundsatzes (
Art.
61
lit
. c ATSG) die Folge der Beweislosigkeit nicht greifen (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221; 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweis).
Es sind daher weitere medizinische Abklärungen zur Frage, ob ein invalidenver
sicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit vorliegt, notwendig. Je nach Ergebnis werden weitere erwerbliche Abklärungen notwendig. Zu diesem Zweck ist die Sache unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 1
9.
März 2018 an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, damit sie die notwendigen medizinischen (psychiatrischen) Abklärungen unter Beachtung der neuen Rechtsprechung zur Sucht einholt und gestützt hierauf erneut über den Rentenanspruch entscheidet.
In dem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Das vorliegende Verfahren geht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen, es ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind dabei nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Ver
bin
dung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
auf Fr. 2'
000
.
--
(inkl. Baraus
lagen und
MWSt
) festzusetzen.