Decision ID: f01921dc-256c-4129-ab18-f412b6bfbfe9
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
X._
AG
reichte am
6. Mai 2021
(Ein
gang)
eine Voranmeldung von
Kurzarbeit
für den Gesamtbetrieb
(zwei Mit
arbeiter)
aufgrund der behördlichen Massnahmen infolge der COVID-19-Pandemie beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) für die Zeit ab dem 1.
Juni 2021 ein (Urk. 6/
1
), nachdem das AWA bereits für die Ze
it vom 18
. März
2020
bis
31. Mai 2021
im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie
die Aus
richtung von
Kurzarbeitsentschädigun
g
bewilligt
hatte (Urk. 6/30,
Urk. 6/36,
Urk. 6/47, Urk. 6/50 und Entschädigungsüber
sicht
: Urk. 6/62
).
Mit E-Mail vom
17. Mai
2021 forderte das AWA die
X._
AG zur Beantwortung von Fragen und zur Einreichung allfälliger Belege zur n
euen Voranmeldung auf (Urk. 6/3
). Nachdem die
X._
AG mit E-Mail vom
18. Mai
202
1
Stellung genommen und weitere Unterlagen eingereicht
hatte
(Urk. 6/4-8
)
, bewilligte das AWA m
it Ver
fügung vom
21. Mai 2021
das Gesuch um Ausrichtung von Kurzarbeits
entschädigung für die Zeit vom
1. Juni bis 30. November
2021
, soweit die übrigen Anspruchsvorauss
etzungen erfüllt seien (Urk. 6/9
).
Nachdem der Arbeitslosen
kasse für die Kontrollperiode Juni 2021 die Abrechnung über Ausfallstunden im Ausmass von 73.82 % eingereicht wurden (Urk. 6/10), forderte das AWA die
X._
AG
auf,
den «Fragebogen für Arbeitsausfälle von mehr als 50 % ab der Abrechnungsperiode Juni 2021» zu beantworten, was diese am 12. Juli 2021 tat (vgl. Urk. 6/12-16).
Mit Verfügung vom 24. August 2021 hob das AWA die Bewilligung vom 21. Mai 2021 wieder
erwägungsweise auf und lehnte das Gesuch um Kurzarbeit
ab
1.
Juni 2021
ab (Urk. 6/18).
Die dagegen am
27. respektive 31. August
2021
erhobene Einsprache (Urk. 6/19-28
) wies das AWA mit Entscheid vom
3. November
2021 ab (Urk. 2
).
2.
Hiergegen erhob die
X._
AG
am 25. November
2021 Beschwerde
und beantragte sinngemäss, der
Antrag
auf Aus
richtung von
Kurzarbeit
sentschädigung
sei
unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids
zu bewilligen (Urk. 1 samt Beilagen, Urk. 3/1-4
). Der Beschwerde
gegner schloss am
17. Januar 2022
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 5
), wo
rüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
26. Januar 2022
i
n Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 7
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 31 Abs. 1
lit
. b und d des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) haben
Arbeit
nehmer
innen und
Arbeitnehmer, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz eingestellt ist, Anspruch auf
Kurzarbeit
sentschädigung,
wenn der Arbeitsausfall anrechenbar sowie voraussichtlich vorübergehend ist und erwartet werden darf, dass durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art.
31 Abs. 1
lit
. b und d AVIG). Voraussetzung für die Anrechenbarkeit des Arbeitsausfalles ist, dass er auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen und unvermeidbar ist (Art.
32 Abs.
1
lit
. a AVIG). Die Rechtsprechung legt den Begriff der wirtschaftlichen Gründe - in Berücksichtigung des präventiven Charakters der Kurzarbeitsentschädigung - sehr weit aus und versteht darunter sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Gründe insgesamt und nicht nur den Rück
gang der Nachfrage nach den normalerweise von einem Betrieb angebotenen Gütern und Dienstleistungen (BGE 128 V 305 E. 3a; Urteile des Bundesgerichts
8C_549/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 3.2 und
C 279/05 vom 2. November 2006 E. 1, je mit Hinweisen).
Ein auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführender und an sich grundsätzlich anrechenbarer Arbeitsausfall gilt jedoch dann nicht als anrechenbar, wenn er
branchen
,
berufs
oder betriebsüblich ist oder durch saisonale Beschäftigungs
schwankungen verursacht wird (Art.
33 Abs.
1
lit
. b AVIG). Damit will das G
e
setz vor allem regelmässig wiederkehrende Arbeitsausfälle von der Kurzarbeits
entschädigung ausschliessen (BGE 121 V 371 E. 2a, 119 V 357 E. 1a, je mit Hin
weisen). Ebenfalls nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er durch betriebsorganisatorische Massnahmen, andere übliche Betriebsunterbrechungen oder durch Umstände bedingt ist, die zum normalen Betriebsrisiko des Arbeit
gebers gehören (Art. 33 Abs. 1
lit
. a 2. Satzteil AVIG; ARV 2004 Nr. 5 S. 58 E. 2.1).
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 32 Abs. 3 AVIG regelt der Bundesrat für Härtefälle die Anrechenbar
keit von Arbeitsausfällen, die auf behördliche Massnahmen, auf wetterbedingte Kundenausfälle oder auf andere vom Arbeitgeber nicht zu vertretende Umstände zurückzuführen sind. Er kann für die Fälle von Absatz 2 abweichende längere Karenzfristen vorsehen und bestimmen, dass der Arbeitsausfall nur bei voll
ständiger Einstellung oder erheblicher Einschränkung des Betriebes anrechenbar ist.
1.2.2
Arbeitsausfälle, die auf behördliche Massnahmen oder andere nicht vom Arbeit
geber zu vertretende Umstände zurückzuführen sind, sind anrechenbar, wenn der Arbeitgeber sie nicht durch geeignete, wirtschaftlich tragbare Massnahmen ver
meiden oder keinen Dritten für den Schaden haftbar machen kann
(Art. 51 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIV).
1.3
Beabsichtigt ein Arbeitgeber, für seine
Arbeitnehmer
innen und
Arbeit
nehmer
Kurzarbeit
sentschädigung geltend zu machen, so muss er dies der kantonalen Amtsstelle mindestens zehn Tage vor Beginn der
Kurz
arbeit
schriftlich voranmelden. Der Bundesrat kann für Ausnahmefälle kürzere Voranmeldefristen vorsehen. Die Voranmeldung ist zu erneuern, wenn die
Kurz
arbeit
länger als drei Monate dauert (Art. 36 Abs. 1 AVIG). In der Voranmeldung muss der Arbeitgeber unter anderem Ausmass und voraussichtliche Dauer der
Kurzarbeit
angeben (Art. 36 Abs. 2
lit
. b AVIG) sowie die Notwendigkeit der
Kurzarbeit
begründen und anhand der durch den Bundesrat bestimmten Unterlagen glaubhaft machen, dass die Anspruchsvoraussetzungen nach den Artikeln 31
Abs. 1 und 32 Absatz 1
lit
.
a erfüllt sind. Die kantonale Amtsstelle kann weitere zur Prüfung nötige Unterlagen einverlangen (Art. 36 Abs. 3 AVIG). Die kantonale Amtsstelle prüft, ob die Anspruchsvoraussetzungen glaubhaft gemacht worden sind und die Notwendigkeit der
Kurzarbeit
begründet ist. Hält sie eine oder mehrere Anspruchsvoraussetzungen für nicht erfüllt, erhebt sie durch Verfügung Einspruch gegen die Auszahlung der Entschädigung (Art. 36 Abs. 4 Satz 1 AVIG).
1.4
Im Zusammenhang mit Massnahmen wegen des Coronavirus (COVID-19) erliess der Bundesrat unter anderem die folgenden Verordnungen, die innert kurzer Zeit mehrere Änderungen erfuhren:
1.
Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus
(COVID-19-Verordnung 2) vom 13. März 2020 (SR 818.101.24)
2.
Verordnung über Massnahmen in der besonderen Lage zur Bekämpfung
des Coronavirus (COVID-19-Verordnung besondere Lage vom 19. Juni
2020 (SR 818.101.26)
3.
Verordnung über Massnahmen im Bereich der Arbeitslosenversicherung
im Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19-Verordnung
Arbeitslosenversicherung) vom 20. März 2020 (SR 837.033)
4.
Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit
dem Coronavirus (COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall) vom 20. März
2020 (SR 830.31).
1.5
Im Übrigen hat das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO diesbezüglich weiter
gehende Vorgaben für die Verwaltung publiziert (vgl. etwa Weisung 2021/
0
7
: Aktualisierung «Sonderregelungen aufgrund der Pandemie» vom
20. April 2021 [nachfolgend: Weisung 2021/07] sowie Weisung 2021/13:
Aktualisierung «Sonderre
gelungen aufgrund der Pandemie»
vom
30.
Juni 2021
[nachfolgend: Weisung 2021/13]
).
Danach
sind sowohl die Pandemie selbst als auch die daraus
resultierenden Arbeitsausfälle als vorübergehend zu betrachten. Eine Pande
mie könne aufgrund des jähen Auftretens, des Ausmasses und der Schwere nicht als normales, vom Arbeitgeber zu tragendes Betriebsrisiko im Sinne von Art. 33 Abs. 1
lit
. a AVIG betrachtet werden, selbst wenn unter Umständen jeder Arbeitgeber betroffen sein könne. Demnach seien Arbeitsausfälle aufgrund rückläufiger Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, die auf die Pandemie zurückzuführen seien, in Anwendung von Art. 32 Abs. 1
lit
. a AVIG anrechen
bar. Der Arbeitgeber müsse jedoch glaubhaft darlegen, dass die in seinem Betri
e
b zu erwartenden Arbeitsausfälle auf das Auftreten der Pandemie zurückzu
führen seien
. Der einfache Hinweis auf die Pandemie genüge nicht als Begründung (Ziff. 2.2 der Weisung 2021/07 und der Weisung 2021/13)
.
1.6
Nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er durch betriebsorganisatorische Massnahmen wie Reinigungs-, Reparatur- oder Unterhaltsarbeiten sowie andere übliche und wiederkehrende Betriebsunterbrechungen oder durch Umstände ver
ursacht wird, die zum normalen Betriebsrisiko gehören. Unter das normale Betriebsrisiko fallen Arbeitsausfälle, die üblich und vorhersehbar sind, regel
mässig und wiederholt auftreten und deshal
b kalkulatorisch erfassbar sind (AVIG-Praxis KAE,
Rz
. D2).
Was noch als «normal» gelten soll, darf nach der Rechtsprechung nicht nach einem für alle Unternehmensarten allgemeingültigen Massstab bemessen werden, sondern ist in jedem Einzelfall aufgrund der mit der spezifischen Betriebstätigkeit verbundenen besonderen Verhältnisse zu bestimmen. Arbeitsausfälle, die jeden Arbeitgeber treffen können, gehören zum normalen Betriebsrisiko. Lediglich wenn sie für den betroffenen Betrieb ausser
ordentlicher Natur sind, sind sie anrechenbar
(AVIG-Praxis KAE,
Rz
. D3)
.
1.
7
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzes
anwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
Dabei ist grundsätzlich diejenige Fassung
mitzu
berücksichtigen
, die der
Entscheidbehörde
im Verfügungszeitpunkt vorgelegen (und ihr gegenüber Bindungswirkung entfaltet) hat. Spätere Ergänzungen können allenfalls in die Entscheidfindung einfliessen, insbesondere wenn sie Schlüsse zu
lassen auf eine bereits zuvor gelebte Verwaltungspraxis
(BGE 147 V 278 E. 2.2).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner verneinte einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Kurzarbeit
sentschädigung im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
3. November 2021
im Wesentlichen mit der Begründung
,
es sei insgesamt nicht glaubhaft dargelegt worden, dass die Arbeitsausfälle wegen der behördlichen Massnahmen
oder aufgrund rückläufiger beziehungsweise anhaltend geringer Nachfrage nach den Dienstleistungen infolge der Corona-Pandemie
entstanden seien.
So sei die Stellenvermittlungs-Branche von den behördlichen Massnahmen kaum beziehungsweise höchstens indirekt betroffen (gewesen). Die Arbeits
tätigkeit in diesem Bereich sei unter Berücksichtigung von Schutzkonzepten durchaus möglich. Auch gäbe es geeignete und leicht umsetzbare Massnahmen (Masken und Abstand, gut belüftete Räume, Videokonferenz), welche den direkten persönlichen Kontakt ermöglichten. Auch die behördlichen Mass
nahmen, welche bei den Kunden der Beschwerdeführerin (Tourismus- und Bankensektor) bestanden hätten, seien mittlerweile praktisch vollständig auf
ge
hoben und die neusten Wirtschaftszahlen des SECO zeigten im Übrigen, dass die Corona-Pandemie von der Schweizer Wirtschaft generell gut bewältigt worden sei.
Betreffend den Tourismusbereich
- wobei dieser wohl
nur einen kleinen T
eil des Kundenstammes ausmachte
-
sei es durchaus plausibel, dass
es
infolge der Pandemie und der aktuell noch
geltenden
behördlichen Massnahmen (insbe
sondere
Reisebeschr
änkungen) zu Arbeitsausfällen gekommen sei beziehungs
weise noch kommen werde.
Hingegen
sei die Situation in Bezug auf den Banken
sektor anders zu betrachten. In diesem beständen
weder behördliche Ein
schränkungen, noch sei es plausibel, dass ein allfälliger Arbeitsrückgang auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sei. So sei aus dem Zürcher Wirtschafts
monitoring ersichtlich, dass die Beschäftigungserwartung im Bankensektor seit September 2020 zwar negativ verlaufe, wozu jedoch angemerkt worden sei, dass die negative Beschäftigungserwartung der Banken nicht durch die Corona-Krise bedingt sei, sondern es sich vielmehr um längerfristige strukturelle Änderungen aufgrund von betrieblichen Umstrukturierungen und zunehmender Digitalisierung handeln würde. Damit sei vorliegend nicht plausibel dargelegt, weshalb die Ausfälle der Beschwerdeführerin im Bankensektor
auf die Corona-Pandemie zurückzuführen seien. Es sei im Übrigen auch nicht davon auszugehen, dass es sich dabei nur um einen vorübergehenden Arbeitsausfall handle. Des Weiteren verm
ö
g
e
die Tatsache, dass der auf den gut laufenden IT-Bereich um
geschulte Mitarbeiter noch keine nachhaltige Wertschöpfung erziele, keinen An
spruch auf Kurzarbeitsentschädigung zu begründen. So diene diese nicht
der reinen finanziellen Unterstützung von Firmen und der Abfederung eines blossen Umsatzausfalls
(Urk. 2
S. 3
)
.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin
zusammengefasst geltend
, im angefochtenen Entscheid werde zu Unrecht pauschal über die Branche befunden, ohne sich im Detail mit der erbrachten Dienstleistung auseinanderzusetzen. Sie würden nicht nur «allgemeine
Bankin
gjobs
» vermitteln, sondern ihr H
auptfokus liege auf dem Private Banking und unter anderem dem Offshore-Markt.
Da
jedoch die meisten
Re
lationship
Manager ihre Kunden aufgrund der Pandemiesituation nicht vor Ort besuchen könnten und/oder ihre Klientel im hiesigen Schweizer Markt oftmals keinen persönlichen Kontakt wünsche (meist aus A
ngst vor einer
Ansteckung, in Verbindung des fortgeschrittenen Alters)
sei es praktisch un
möglich,
über einen Wechsel nachzudenken. Somit könne zwar mit der SECO-Studie der generelle Markt abgebildet werden, jedoch sei diese nicht aussage
kräftig für sie als Nischenplayer. Dabei sei das Thema Digitalisierung selbst
verständlich hoch im Kurs und habe durchaus Auswirkungen auf ihre Branche; entsprechend richteten sie sich aus. Allerdings werde das People Business - gerade in der persönlichen Kundenbetreuung im Private Banking - stets ein wichtiger Bestandteil bleiben und genau darin sei ihr USP: das Netzwerk einbringen in der Korrelation mit den jahrelang aufgebauten Beziehungen zu den jeweiligen
Berater:innen
. Aktuell befänden sie sich auf T
alfahrt, was das
Auftragsvolumen und die damit einhergehenden Umsatzzahlen im Vergleich zu 2019 klar unter
mauerten.
Dies sei kein Fake und es sei nicht erstrebenswert, vom Amt abhängig zu sein. Es gäbe keine andere Möglichkeit, um Mitarbeiterentlassungen ent
gegenzuwirken, was gleichbedeutend wäre mit dem
Ende der 1997 gegründeten X._
. Aus diesem Grund sei die Kurzarbeitsentschädigung zwingend nötig.
3.
3.1
Zunächst ist zu prüfen, ob der Beschwerdegegner zu Recht auf die Verfügung vom 21. Mai 2021 zurückgekommen ist, mit welcher er der Beschwerdeführerin die Kurzarbeit für die Zeit vom 1. Juni bis 30. November 2021 grundsätzlich bewilligt hatte.
3.
1.1
Nach Art. 53 Abs. 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts
(ATSG) kann der Versicherungsträger auf formell rechts
kräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Über
prüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind, und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die Wiedererwägung im Sinne dieser Bestimmung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts, insbesondere bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Zweifellose Unrichtigkeit meint dabei, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügung besteht, also einzig dieser Schluss denkbar ist. Ob dies zutrifft, beurteilt sich nach der bei Erlass der Verfügung bestehenden Sach- und Rechts
lage, einschliesslich der damaligen Rechtspraxis. Das Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprechung aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgte oder weil massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 144 I 103 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_57/2020 vom 1
8.
Juni 2020 E. 4.1, je mit Hinweisen).
Diese Grundsätze sind au
ch zu beachten, wenn die
zuständige Amt
sstelle
ein Gesuch um Kurzarbeit (im Grundsatz, d.h.
bei Erfüllung der weiteren Voraussetzungen
) bewilligt hat
und diese
Bewilligung
später wider
rufen will
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_474/2021
vom 19. Oktober 2021 E. 2.3).
3.1.2
Mit E-Mail vom 17. Mai 2021 bestätigte der Beschwerdegegner den Eingang der Voranmeldung von Kurzarbeit vom 6. Mai 2021 und forderte die Beschwerde
führerin auf, die folgenden Fragen zu beantworten und allfällige Belege einzu
reichen: (1) eine ausführliche Begründung, weshalb ihr Betrieb so stark von wirt
schaftlich bedingten Schwierigkeiten betroffen ist, dass Kurzarbeit eingeführt resp. weitergeführt werden muss
,
sowie (2) genaue monatliche Umsätze / Honorarsummen der letzten 2 Jahre (Urk. 6/3).
Mit E-Mail vom 18. Mai
2021 gab
die Beschwerdeführerin dazu an, dass die Nachfrage während der Corona-Pandemie für Personalvermittlung im Banken- und Tourismus-Sektor - der Hauptkompetenzzentren - bis dato stark zurückgegangen sei. Sie stände in sehr engem Austausch mit ihrer Kundschaft und bekäme dabei seit rund 15 Monaten das Gleiche zu hören. Aktuell befänden sich die F
i
rmen auf der Kostenbremse bei der
Personalgewinnung. Überdies spüre sie die Zurückhaltung von gut qualifiziertem Personal, in der aktuellen Situation eine berufliche Veränderung anzustreben. Die Devise laute daher, besser noch einen Moment in der Komfort
zone zuwarten, bevor man sich zu grossen Risiken hinreissen lasse und dann der Arbeitgeber womöglich aufgrund der Pandemie eine kurzfristige Reorganisation durchführe,
wie beispielsweise die UBS
mit 5'000 Entlassenen. Selbstverständlich lasse sie nichts unversucht und erarbeite neue Lösungsansätze. Daher werde ein Mitarbeiter weiterhin auf die Vermittlung von IT-Profilen umgeschult. Ihr Free
lancer, der schon seit geraumer Zeit auf diesen Branchenzweig fokussiere - und für 80 % des Gesamtumsatzes verantwortlich sei - coache und unterstütze ihn dabei. So gäbe es positive Tendenzen und sie sei dran, sich der entsprechenden Marktnachfrage erfolgreich anzunehmen, bedürfe dazu aber zwingend der Kurz
arbeitsentschädigung
. Für die genauen monatlichen Umsätze wurde auf die Umsatzzahlen im Anhang verwiesen (Urk. 6/4)
.
Bei den von der Beschwerdeführerin eingereichten Belege
n
zu den genauen monatlichen Umsätzen handelt es sich um A
uszü
g
e aus den
Erfolgsrechnung
en
für die Jahre 2019 und 2020 sowie
für das 1. Trimester 2021 (Urk. 6/6-8). Unter Dienstleistungserlöse,
«
Erlös
Dauerstellenver
...
»
sind
für das Jahr 2019 ein Total von 301'123.-- (bei monatlichen Schwankungen von 0 bis 173
'650.--), für das Jahr 2020 ein Total von 543'979.-- (bei monatlichen Schwankungen von 0 bis 111'500.--) und für Januar bis April 2021 ein Total von 165'477.-- (bei monat
lichen Schwankungen von 0 bis 119'501.--) aufgeführt. A
uf den Tabellen
«
Erfolgsrechnung
»
2020 und 2021 wurde
n
handschriftlich zudem folgende Korrektur
en
bei den Dienstleistungserlösen angebracht: «
?
414'181 (Freelancer)» (für das Jahr 2020; Urk. 6/7) und
«
?
113'47
7 Freelancer
»
(für das Jahr 2021; Urk. 6/8).
In der Erfolgsrechnung 2020 findet sich - im Unterschied zu denjenigen für die Jahre 2019 und 2021 - unter Erlösminderungen zudem eine Position Umsatzvergütungen mit einem Totalbetrag von - 236'000.-- (Urk. 6/7).
Für das Jahr 2021 werden neu zudem «Erlöse aus Personalverleih» von total 65'900.-- ausgewiesen. Als «Total Betriebsertrag ...» wurden folgende Beträge ausgewiesen: 325'540.-- für das Jahr 2019, 297'441.-- für das Jahr 2020 und 240'429.-- für Januar bis April 202
1.
Angesichts der von der Beschwerdeführerin gelieferten Umsatzzahlen, die zahlreiche Fragen aufwerfen
und kaum geeignet sind, eine erhebliche Umsatzeinbusse gegenüber dem Jahr 2019 zu belegen
, hätte der Beschwerdegegner
die beantragte Kurzarbeit
nicht ohne weitere Abklärungen
bewilligen dürfen.
3.1.3
Damit erweist sich die
Verfügung vom 21. Mai 2021 als zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinn. Bei einer Bewilligung zur Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung über sechs Monate ist deren Berichtigung von
erheblicher Bedeutung, weshalb der Beschwerdegegner die Verfügung vom 21. Mai 2021 in Wiedererwägung ziehen durfte.
3.2
Wie der Beschwerdegegner im angefochtenen
Einspracheentschei
d
eingehend und zutreffend dar
legte, hat die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft machen können, dass der von ihr geltend gemachte Arbeitsausfall auf die behördlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie oder einen Nachfrage
rückgang infolge dieser Pandemie zurückzuführen ist.
Was den
von der Beschwerdeführerin
geltend gemachten Arbeitsausfall im als Kerngeschäft bezeichneten Bereich der
Stellenvermittlung hauptsächlich im Bereich des Bankensektors
anbelangt,
war
diese Tätigkeit
trotz - zeitweise geltenden aber später weitgehend aufgehobenen - behördlichen Massnahmen unter Berücksichtigung von geeigneten und leicht umsetzbaren Schutzkonzepten
(gelüftete Räume, Masken und Abstand bei direkten Kontakten oder gängige Videokonferenzen)
, welche auch den persönlichen Kontakt ermöglichen, durch
aus gut möglich. Die
s
gilt auch für den behaupteten
Nischen-B
ereich des Private B
ankings, teilweise
im Offshore Markt.
Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass ihre potentiell zu vermittelnden Klienten (sogenannte
Relationship
Manager) wegen nur unter erschwerten Bedingungen möglichen persönlichen Kunden
kontakten
-
auch noch im Juni 2021
-
keinen Stellenwechsel in Betracht gezogen hätten
(
Urk. 1)
, vermag aufgrund der zuvor dargelegten praktikablen Schutz
konzepte und der
damals
wieder erlaubten Reisen nicht
ohne Weiteres
zu über
zeugen
, sind doch auch andere Gründe für den Nachfragerückgang in diesem Bereich denkbar
.
Soweit die Beschwerdeführerin
moniert, der Beschwerdegegner habe die besondere Situation von ihr als
Nischenplayerin
nicht berücksichtigt,
ist überdies anzufügen, dass
ein Betrieb, der sich auf ein derart
eng
beschränktes Geschäftsfeld
spezialisiert, ein vorhersehbares Risiko eingeht,
weshalb der in diesem Bereich allenfalls erlittene Arbeitsausfall zum normalen Betriebsrisiko gehört
.
Die Beschwerdeführerin anerkennt
im Übrigen
, dass sich das Thema Digitalisierung im gesamten Bankensektor auch auf ihre Branche der Stellen
vermittlung auswirke (Urk. 1). Solche längerfristigen strukturellen Änderungen aufgrund von betrieblichen Umstrukturierungen
mit der Folge von negativen Beschäftigungserwartungen der Banken
sind aber durchaus branchenüblich und stellen entsprechend ein Betriebsrisiko dar,
weshalb in diesem Zusammenhang auftretende Arbeitsausfälle nicht auf die Corona-Pandemie zurückzuführen
sind
. Die
Beschwerdeführerin als Arbeitgeberin
hat vielmehr
mit geeigneten und wirt
schaftlich tragbaren Massnahmen zu reagieren
(vgl. E. 1.2.2)
.
So ist den Umsatz
zahlen 2020 und 2021 zu entnehmen, dass der im IT-Bereich tätige Consultant mit Freelanc
e
-Vertrag
durchgehend hohe Umsatzzahlen zu generieren vermochte, weshalb eine Umschulung des angestellten Mitarbeiters darauf eine solche ergreifbare Massnahme darstellt.
Weshalb
dieser umgeschulte Mitarbeiter auch noch im Juni
2021 und danach keine Wertschöpfung zu erzielen vermochte, blieb unbelegt und es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass dies Pandemie-bedingte Gründe haben könnte.
3.
3
Gesamthaft
vermochte die Beschwerdeführerin somit nicht glaubhaft darzulegen, dass die
von ihr geltend gemachten
Arbeitsausfälle in direktem Zusammenhang mit der Pandemie respektive der von behördlicher Seite in diesem Kontext ergriffenen rechtlichen Massnahmen stehen. Entsprechend ist nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner die Arbeitsausfälle als nicht anrechen
bar einstufte und Einspruch gegen die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung erhob.
4.
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
3.
November
2021 (Urk. 2) als rechtens, weswegen die Beschwerde abzuweisen ist.