Decision ID: 8bc8a935-c5a7-533c-93ac-a7c8cc4cf771
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B.
A._ (nachfolgend: Versicherte) erlitt am ._ 2002 einen Verkehrsunfall als
Beifahrerin eines von ihrem Ehemann gelenkten Fahrzeugs. Dabei erlitt sie eine HWS-
Distorsion sowie eine Wirbelsäulenkontusion (Fremdakten 1-34). Am 9. Oktober 2007
meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf Folgen dieses Unfalls erstmals zum
Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 3).
Dabei erklärte sie, Hausfrau und Mutter von vier Kindern (geb. 19_, 19_, 19_ und
19_; IV-act. 3-2) und für die B._ AG, arbeitstätig zu sein (IV-act. 3-5). Die IV-Stelle
nahm Abklärungen vor und hielt als Diagnosen ein chronifiziertes Schmerzsyndrom
ohne neurologische Pathologie bei Status nach HWS-Beschleunigungstrauma mit
Spannungskopfschmerzen und ein depressives Syndrom mit somatoformen Störungen
mit teilweise Ganzkörperschmerzsyndrom fest (IV-act. 24). Mit Verfügung vom 26. März
2009 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf eine IV-Rente. Dabei
ging sie von einem Erwerbs- und Haushaltsanteil von je 50 % aus und ermittelte bei
einer fehlenden Einschränkung im Erwerb und einer solchen von 4.45 % im Haushalt
einen Invaliditätsgrad von 2 % (IV-act. 57). Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft
(zum Sachverhalt vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts IV 2011/5 vom 21.
November 2012, IV-act. 132).
A.a.
Am 6. April 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen
der IV (berufliche Massnahmen/Rente) an (IV-act. 58).
B.a.
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Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (vgl. Vorbescheid vom 19. Juli
2010 in IV-act. 81 und Einwand vom 21. September 2010 in IV-act. 84) verfügte die IV-
Stelle am 22. November 2010 ausgehend von den Diagnosen somatoforme autonome
Funktionsstörung, mittelgradige depressive Episode sowie Schmerzmittelabhängigkeit
(IV-act. 78-1, gestützt auf einen Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik C._ vom 9.
März 2010 [IV-act. 73-1 ff.]) das Nichteintreten auf dieses Leistungsbegehren, da die
Versicherte nicht glaubhaft dargelegt habe, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse
seit der Verfügung vom 26. März 2009 wesentlich verändert hätten (IV-act. 87).
Hiergegen erhob Rechtsanwalt lic. iur. M. Heer, Wil (heute: Flawil), für die Versicherte
am 6. Januar 2011 Beschwerde beim hiesigen Gericht (IV-act. 89-2). Am 5. Mai 2011
stellte Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Medizin, als Hausarzt der Versicherten
aufgrund neu festgestellter Diskushernien ein Revisionsgesuch bei der IV-Stelle (IV-act.
105). Am 9. Juni 2011 füllte die Versicherte eine Wiederanmeldung zum Bezug von IV-
Leistungen aus und verwies ebenfalls auf Bandscheibenvorfälle (IV-act. 108-6 und
108-4; vgl. entsprechende Aufforderung der IV-Stelle in IV-act. 107). Am 5. Oktober
2011 wurden bei der Versicherten von Dr. med. E._, Facharzt für Neurochirurgie,
mikrochirurgische Diskektomien C5/6, C6/7 von rechts und eine Spondylodese bei
C5/6 und C6/7 durchgeführt (vgl. Bericht über den stationären Aufenthalt in der Klinik
F._ vom 4. bis 13. Oktober 2011 in IV-act. 124). Mit Verfügung vom 23. November
2011 sistierte die IV-Stelle das Verfahren bezüglich Überprüfung des Gesuchs vom
Juni 2011 (IV-act. 130). Nachdem das hiesige Gericht die Nichteintretensverfügung
vom 22. November 2010 mit Entscheid vom 21. November 2012 aufgehoben und diese
durch einen verfahrensleitenden Eintretensentscheid ersetzt hatte (Verfahren IV 2011/5;
IV-act. 132), veranlasste die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen (vgl. IV-act.
134).
B.b.
Med. pract. G._, Facharzt für Allgemeine Medizin, attestierte der Versicherten
am 12. Februar 2013 eine Beeinträchtigung von maximal 50 % als Hausfrau und von
100 % als Arbeitende bei kaum bestehender Motivation für Massnahmen (IV-act. 136-4
f.). Dr. med. H._, Spezialärztin für Psychiatrie/Psychotherapie, bei welcher die
Versicherte ab 23. März 2009 in Behandlung stand (vgl. IV-act. 199-3), erwähnte mit
Bericht vom 26. Februar 2013 eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und neu einen Verdacht auf
B.c.
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eine Persönlichkeitsstörung Cluster-Gruppe B. Die Behandlung im ambulanten Setting
einmal monatlich und die Einnahme von Psychopharmaka hätten keine deutliche
Besserung der depressiven Antriebs- und Stimmungslage sowie der chronischen
Schmerzen gebracht. Die Versicherte sei nicht mehr imstande, ihre bisherige Tätigkeit
auszuüben. In angepasster Tätigkeit sei sie 30 % (3 Stunden pro Tag) arbeitsfähig mit
einer 70%igen Leistungsfähigkeit für Arbeiten in geschütztem Rahmen (IV-act. 139-1
f.). Dr. E._ berichtete am 27. Mai 2013 über eine Zervikobrachialgie links (bei Status
nach Diskektomien und Spondylodesen C5/C6 und C6/C7), eine Lumbago, ein
Ganglion carpi rechts und eine Depression. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr
zumutbar. Aus körperlicher Sicht sei eine leichte Arbeit ohne Heben, Überkopfarbeiten
oder Arbeiten mit nach vorne geneigtem Kopf zu 50 % möglich ohne
Leistungsverminderung. Bei dieser Einschätzung sei die Depression nicht
mitberücksichtigt worden (IV-act. 143-1 ff.). RAD-Ärztin Dr. med. I._ notierte am 29.
Mai 2013, dass sich der Gesundheitszustand durch die HWS-Operation vom Oktober
2011 vorübergehend verschlechtert habe und aktuell dem Vorzustand entspreche (IV-
act. 145).
Eine Abklärung der Verhältnisse zu Hause am 10. Juli 2013 ergab laut
Abklärungsbericht Haushalt einen Invaliditätsgrad von 24.24 %. Dabei ging die IV-
Stelle gestützt auf die Angabe der Versicherten (vgl. IV-act. 152-10) von einer 75%igen
Haushaltstätigkeit und von einer Erwerbstätigkeit von 25 % aus, um dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass die Versicherte bei voller Gesundheit ihre Enkelkinder
betreuen würde. Die Einschränkung im Haushalt wurde mit 32.33 % beziffert (IV-act.
152). Auf Anfrage präzisierte die Versicherte den Umfang der Enkelkinderbetreuung mit
Schreiben vom 10. September 2013 dahingehend, dass sie bei voller Gesundheit die
Enkelkinder an 3 Tagen pro Woche während 3 bis 4 Stunden pro Tag betreuen würde.
Anfänglich würde sie 2 Enkelkinder betreuen. Im Haushalt der Betreuten würde sie
auch Mahlzeiten für die Familie vorbereiten und bei Bedarf andere Haushaltsarbeiten
verrichten, so dass eine zeitliche Präsenz von ca. 6 Stunden pro Tag resultieren würde.
Zusätzlich würde sie zu Hause einen Garten zur Selbstversorgung anlegen und pflegen
und sich dem Konservieren und Herstellen von Lebensmitteln widmen, was einem
wöchentlichen Aufwand von 10 bis 12 Stunden entsprechen würde. Eine
Entschädigung für die Betreuung der Enkelkinder würde voraussichtlich nicht
B.d.
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ausgerichtet. Im aktuellen Gesundheitszustand sei sie nicht in der Lage, die
Enkelkinder zu betreuen (IV-act. 155).
Med. pract. G._ stellte laut Bericht vom 27. September 2013 gegenüber den
Befunden von Dr. D._ aus dem Jahr 2012 keine gravierende Änderung fest; sämtliche
Diagnosen bestünden nach wie vor. Im Vordergrund stehe ein chronifiziertes
zervikalbetontes Schmerzsyndrom. Das Verhalten der Versicherten wirke inadäquat
und aggraviert. Im Praxisumfeld wirke sie motorisch nicht beeinträchtigt. Zur
Arbeitsfähigkeit hielt er fest, zwei bis vier Stunden pro Tag sehr leichte Arbeit schienen
unter Berücksichtigung der somatoformen Störung möglich (IV-act. 158). Mit Bericht
vom 14. Oktober 2013 stellte Dr. H._ eine gegenüber einem früheren Bericht von Dr.
med. J._, Facharzt für Neurologie FMH, vom 17. März 2009 (vgl. IV-act. 74) deutliche
Verschlechterung der depressiven Antriebslage und eine Zunahme sowie
Chronifizierung der Schmerzproblematik fest. Sie begründete diese mit den massiven
Ängsten im Zusammenhang mit dem operativen Eingriff vom 5. Oktober 2011 (IV-act.
159). RAD-Ärztin Dr. I._ ging gemäss Stellungnahme vom 23. Oktober 2013 von einer
Arbeitsfähigkeit von 100 % in adaptierter Tätigkeit aus (IV-act. 160-2). RAD-Ärztin Dr.
med. K._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, notierte am 21. November
2013 im Rahmen einer Aktenbeurteilung das Vorliegen einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung und einer chronifizierten mittelgradigen depressiven
Episode und bezifferte die Arbeitsunfähigkeit auf 50 % seit März 2009 (IV-act. 160-3 f.).
Am 20. Dezember 2013 berichtete Dr. med. L._, Klinik M._, über eine ambulante
Rehabilitationsbehandlung der Versicherten vom 11. November bis 6. Dezember 2013.
Als Diagnose nannte er eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen
Symptomen im Rahmen einer psychophysischen Erschöpfung, einhergehend mit
psychosomatischen funktionellen Beschwerden. Er bezifferte die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten ebenfalls mit 50 % aus psychiatrischer Sicht (IV-act. 165-4 ff.; vgl.
Stellungnahme dazu von RAD-Ärztin Dr. I._ vom 5. Februar 2014 in IV-act. 166).
B.e.
Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (vgl. Vorbescheid vom
5. Dezember 2013 in IV-act. 163 und Einwand vom 27. Januar 2014 in IV-act. 165)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. Februar 2014 bei einem Invaliditätsgrad
von 0 % jegliche Einschränkung der Versicherten im Erwerbs- und Haushaltsbereich
und damit einen Anspruch auf Rentenleistungen (IV-act. 167). Gegen diese Verfügung
B.f.
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erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtanwalt Heer, am 13. März 2014
Beschwerde beim hiesigen Gericht (IV-act. 169-3).
Vom 22. April bis 28. Mai 2015 war die Versicherte in der Psychiatrischen Klinik
C._ hospitalisiert. Dem Austrittsbericht vom 8. Juni 2015 sind die Diagnosen
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, ohne somatisches Syndrom, zu entnehmen (IV-act.
196-29). Am 1. Juni 2016 suchte die Versicherte Dr. E._ wegen zunehmender
Schmerzen in der rechten Schulter, im rechten M. trapezius, im rechten Ober- und
Unterarm und wegen Kribbelparästhesien in allen Fingern der rechten Hand auf (IV-act.
196-14 f.). Dr. med. N._, Orthopädie O._, berichtete am 21. Juni 2016 über ein
positives Ansprechen auf eine Infiltration Fersensporn links vom 17. Mai 2016. Die
Kribbelparästhesien an der rechten oberen Extremität seien aus seiner Sicht nicht
sicher durch eine Schulterpathologie ausgelöst (IV-act. 196-16 ff.).
B.g.
Mit Entscheid vom 22. Juni 2016 hob das hiesige Gericht die Verfügung der IV-
Stelle vom 6. Februar 2014 auf und wies die Sache zur Vornahme weiterer
medizinischer Abklärungen und neuer Verfügung an die IV-Stelle zurück (Verfahren IV
2014/150 in IV-act. 180). Der Begründung ist zu entnehmen, dass die medizinischen
Akten keine hinreichende Klarheit bei der Diagnosestellung sowie der Beurteilung der
Auswirkungen der Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit aufwiesen (IV-act. 180-9).
B.h.
Dr. med. P._, Fachärztin für Innere Medizin, berichtete im Januar 2017 als seit
Februar 2014 behandelnde Hausärztin der Versicherten, diese sei 100 % arbeitsunfähig
(IV-act. 196-1 und 196-3). Seit dem Autounfall im Jahr 2002 leide die Versicherte unter
chronischen Nacken- und Kopfschmerzen; im 2012 (richtig wohl: 2002) habe sie ein
Distorsionstrauma der HWS erlitten. Seit fünf Jahren fänden rezidivierende ambulante
und stationäre Aufnahmen wegen Schmerzexazerbation (HWS, LWS) und Depression
statt. Die Versicherte berichte über massive Schmerzen im Bereich der Ferse links,
zusätzlich über Sensibilitätsstörungen im Bereich der rechten Hand mit Ausstrahlung
vom Nacken über die Schulter (IV-act. 196-2). Dr. E._ hielt am 16. Januar 2017 fest,
die Versicherte sei zu 50 % arbeitsunfähig für alle Tätigkeiten (IV-act. 197-3). Am 21.
Februar 2017 erklärte Prof. Dr. med. Q._, Wirbelsäulenzentrum R._, eine
morphologische Ursache für die Beschwerden lasse sich nicht festmachen. Die
B.i.
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Versicherte sollte in einem multidisziplinären Schmerzzentrum behandelt werden (IV-
act. 199-11). Am 8. März 2017 berichtete Dr. H._ über eine chronische somatoforme
Schmerzstörung und eine mittelgradige Depression auf dem Boden einer
Persönlichkeitsstörung Cluster-Gruppe B (IV-act. 199-5). Die Versicherte sei seit
Behandlungsaufnahme bei ihr (März 2009; vgl. IV-act. 199-3) zu 100 % arbeitsunfähig.
Die Prognose sei schlecht. Es handle sich um eine Patientin, welche seit Jahren an
chronischen Schmerzen und Depressionen leide. Alle bis jetzt durchgeführten
Therapien seien mehr oder weniger erfolglos geblieben. Es sei damit zu rechnen, dass
mit einer Therapie eine Teilarbeitsfähigkeit erzielt werden könnte (IV-act. 199-5).
Am 4. September 2017 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle vom ABI
Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel, psychiatrisch, orthopädisch,
internistisch und neurologisch untersucht (IV-act. 207 i.V.m. 210-1) und am 26.
September 2017 wurde das entsprechende Gutachten verfasst (IV-act. 210). Diesem ist
folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen: Chronisches
zervikovertebrales Schmerzsyndrom (IV-act. 210 S. 29; für Details und die Diagnosen
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vgl. dasselbe Actorum). Körperlich leichte
Aktivitäten in wechselnder Position, wo eine Hebe- und Tragelimite von 5 kg nicht
überschritten würden und keine länger dauernden Zwangshaltungen des Kopfes, des
Rumpfes oder der unteren Extremitäten und keine repetitiven Bewegungen der Arme
oberhalb der Horizontale vorkämen, seien uneingeschränkt möglich (IV-act. 210 S. 30).
Es sei nicht erkennbar, dass die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Versicherten
zumindest für Tätigkeiten gemäss dem formulierten Belastungsprofil von Seiten des
Bewegungsapparates in der Vergangenheit jemals während langer Zeit relevant
eingeschränkt gewesen seien. Ausnahmen bildeten jeweils die Perioden im
Zusammenhang mit den durchgeführten Operationen. So sei die Versicherte nach der
zervikalen Dekompression und Spondylodese am 5. Oktober 2011 wahrscheinlich für
höchstens sechs Monate nur eingeschränkt arbeitsfähig gewesen. Gleiches gelte auch
seit der Karpaldachspaltung vom 23. August 2017, wo bei weiterhin günstigem Verlauf
spätestens zwei Monate postoperativ mit einer Arbeitsfähigkeit gemäss dem
formulierten Belastungsprofil gerechnet werden dürfe. Im Haushalt würden dieselben
Einschränkungen wie bei einer Erwerbstätigkeit gelten, womit die Einschränkung unter
15 % liege (IV-act. 210 S. 30).
B.j.
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Am 19. September 2017 berichtete das Spital V._ über eine ambulante
kardiologische Konsultation der Versicherten vom 7. September 2017. Diese gebe an,
seit einigen Monaten wiederholt einen thorakalen Druck verspürt zu haben. Bei
erhöhtem kardiovaskulärem Risikoprofil und dem Vorliegen von atypischen
Thoraxbeschwerden wurde eine weitere Ischämiediagnostik empfohlen (IV-act. 228-20
ff.).
B.k.
Dr. med. S._ vom RAD erachtete das ABI-Gutachten am 6. Oktober 2017 als die
geltenden Qualitätskriterien erfüllend (IV-act. 211-2). Mit Vorbescheid vom 7.
November 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht, das Rentenbegehren
bei einem Invaliditätsgrad von 11 % abzuweisen (IV-act. 214). Am 7. Dezember 2017
wandte Rechtsanwalt Heer ein, die Versicherte habe mindestens Anspruch auf eine
halbe Rente (IV-act. 217). Dem Einwand war ein Bericht der Klinik für Psychosomatik
am Kantonsspital St. Gallen (nachfolgend: KSSG) vom 17. November 2017 beigelegt,
gemäss welchem die Versicherte an einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, und an einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Anteilen leide (IV-act. 218).
B.l.
Am 10. Januar 2018 ersuchte die IV-Stelle das ABI um Stellungnahme zum
Einwand von Rechtsanwalt Heer (IV-act. 219; zu den diesbezüglichen Rückfragen des
RAD vom 8. Januar 2018 vgl. IV-act. 221). Die Antwort erging am 30. Januar 2018 unter
Festhalten an der Einschätzung, dass aus psychiatrischer Sicht keine Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-act. 220). Der RAD-Arzt notierte am 6. Februar 2018,
dass nur eine seiner vier Fragen beantwortet worden sei (IV-act. 222). Gestützt darauf
erfolgte eine erneute Anfrage der IV-Stelle an das ABI (IV-act. 223). Die Antwort wurde
am 8. März 2018 verfasst (IV-act. 224) und von RAD-Arzt Dr. S._ am 28. März 2018
gewürdigt (IV-act. 226). Gestützt darauf gewährte die IV-Stelle der Versicherten am 28.
März 2018 erneut das rechtliche Gehör zum Vorbescheid vom 7. November 2017 (IV-
act. 227). Davon machte Rechtsanwalt Heer am 30. April 2018 Gebrauch (IV-act. 228).
Dies unter Einreichung eines Abschlussberichts des Zentrums für Schlafmedizin vom
16. Januar 2018 (IV-act. 228-15 ff.), sowie von Berichten des Schmerzzentrums vom
18. Januar 2018 (IV-act. 228-6 ff.), beides am KSSG, und der Lungenliga St. Gallen
vom 8. Februar 2018 (IV-act. 228-5). Letzterem zufolge leidet die Versicherte an einer
Adipositas-Hypoventilation und an einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom, welches
B.m.
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seit 24. Januar 2017 (richtig wohl: 2018) mit einer CPAP-Therapie behandelt werde (IV-
act. 228-5). Am 4. Juli 2018 teilte die IV-Stelle Rechtsanwalt Heer mit, dass sie eine
polydisziplinäre Verlaufsbegutachtung als notwendig erachte (IV-act. 236; für
diesbezügliche RAD-Stellungnahme vom 28. Mai 2018 vgl. IV-act. 237).
Nachdem die Versicherte am 6. und 7. November sowie 18. Dezember 2018
erneut begutachtet worden war, erstattete das ABI am 9. April 2019 ein
polydisziplinäres (kardiologisches, pneumologisches, orthopädisches, internistisches
und psychiatrisches) Verlaufsgutachten (IV-act. 244). Dieses postulierte als Diagnose
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
ohne fassbare radikuläre Symptomatik (IV-act. 244 S. 8; zu den Details und zu den
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vgl. dasselbe Actorum) und
schätzte die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Versicherten in angepasster Tätigkeit
nach wie vor mit 100 % ein (IV-act. 244 S. 9). Am 7. Mai 2019 ersuchte die IV-Stelle
das ABI um Beantwortung von Zusatzfragen (IV-act. 245; vgl. diesbezügliche Notiz des
RAD vom 6. Mai 2019 in IV-act. 246-2). Das Antwortschreiben des ABI datiert vom 30.
September 2019 (IV-act. 250). RAD-Arzt Dr. S._ notierte am 31. Oktober 2019, dass
das ABI eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten bestätige und keine
ergänzenden medizinischen Abklärungen angezeigt seien (IV-act. 251).
B.n.
Mit Vorbescheid vom 7. November 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten erneut
mit, dass sie beabsichtige, ihr Rentenbegehren bei einem Invaliditätsgrad von 11 %
(Anteil Erwerb 25 %, ohne Einschränkung; Anteil Haushalt 75 %, Einschränkung von 15
%) abzuweisen (IV-act. 254). Die Versicherte erhob am 27. November 2019 Einwand
und erklärte unter anderem, sie sei weiterhin 100 % arbeitsunfähig und könne aus
diesem Grund auch nicht ihre Enkelkinder betreuen (IV-act. 257). Rechtsanwalt Heer
erhob am 31. Dezember 2019 für die Versicherte unter Beilage von Arztberichten von
Dr. P._ vom 28. August und 21. November 2019 (IV-act. 260-1 f. und 5 f.) Einwand
(IV-act. 259). RAD-Arzt Dr. S._ nahm hierzu am 16. Januar 2020 Stellung (IV-act.
263-2 f.).
B.o.
Mit Verfügung vom 20. Januar 2020 verneinte die IV-Stelle entsprechend dem
Vorbescheid bei einem Invaliditätsgrad von 11 % einen Anspruch auf eine
Invalidenrente (IV-act. 261).
B.p.
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C.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Heer am 21. Februar
2020 eingereichte Beschwerde mit dem Antrag, der Versicherten (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) sei mindestens eine halbe Rente zuzusprechen. Eventualiter sei
der medizinische Sachverhalt durch das Gericht zu ergänzen und über den
Rentenantrag direkt zu befinden, subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an
die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 15. April 2020 ersucht die Beschwerdegegnerin um
Abweisung der Beschwerde (act. G4).
C.b.
Am 15. Juni 2020 erstattet Rechtsanwalt Heer die Replik und hält an den Anträgen
gemäss Beschwerde fest (act. G8).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 24. Juli 2020 auf die Erstattung einer
Duplik (act. G10).
C.d.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist Invalidität die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 4
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) kann
Invalidität die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
1.1.
https://www.swisslex.ch/doc/lawdoc/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/80aa74c7-3162-42ed-95be-b65ccab1376f/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/80aa74c7-3162-42ed-95be-b65ccab1376f/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/afea6017-c0cf-4b3b-b5f8-14c34cb15d34/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/afea6017-c0cf-4b3b-b5f8-14c34cb15d34/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link
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ATSG). Volljährige, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit
nicht zugemutet werden kann, gelten als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich
im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Artikel 7 Absatz 2 ist sinngemäss
anwendbar (Art. 8 Abs. 3 ATSG). Versicherte haben gemäss Art. 28 IVG Anspruch auf
eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, oder auf
eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird bei erwerbstätigen Versicherten
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs;
BGE 128 V 30 E. 1). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich
tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden
kann, wird gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG für die Bemessung der Invalidität in
Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich (unter anderem im Haushalt) zu betätigen (spezifische
Methode des Betätigungsvergleichs). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig
sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten,
wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben
auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der
unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil
der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden
Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 27 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; gemischte Methode).
1.2.
bis
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
1.3.
https://www.swisslex.ch/doc/aol/afea6017-c0cf-4b3b-b5f8-14c34cb15d34/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/cf3fa90c-9314-4129-8027-484901a813d2/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/58c5a559-c6a3-450d-9584-6ba472e794fd/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/unknown/28a90b4c-46d0-4501-962a-706df39ee1ad/citeddoc/ee3e056a-009a-41ee-a4d0-171b3b7a5038/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/58c5a559-c6a3-450d-9584-6ba472e794fd/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/58c5a559-c6a3-450d-9584-6ba472e794fd/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link
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Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; vgl. ferner
Thomas Flückiger, Medizinische, insbesondere hausärztliche Berichte und ihre
Beweiskraft – mit einem Seitenblick auf die medizinischen Gutachten, in: Kieser/
Lendfers [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2013, St. Gallen 2014, S. 138 ff.). In
Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb und cc). Dies gilt auch für Stellungnahmen behandelnder
Spezialärzte (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. April
2006, I 803/05, E. 5.5). Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der
Verwaltung bei externen Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche
Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht
zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
1.4.
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2.
Vorliegend ist zwischen den Parteien unumstritten, dass der Invaliditätsgrad nach der
gemischten Methode festzulegen ist und dass die Aufteilung 75 % Haushaltstätigkeit
und 25 % ausserhäusliche Erwerbstätigkeit betragen soll. Dies ist aufgrund der Akten
nachvollziehbar, zumal die Beschwerdeführerin vor Eintritt des geltend gemachten
Gesundheitsschadens neben der Führung ihres Haushalts und der Betreuung von vier
Kindern in kleinem Umfang erwerbstätig war und davon auszugehen ist, dass sie dies
im Gesundheitsfall so weitergeführt hätte (vgl. Auszug aus dem individuellen Konto
vom 22. Juni 2011 in IV-act. 115) resp. nunmehr anstelle ihrer Kinder ihre Enkelkinder
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im
Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen, 138 V 221 f. E. 6). Die Verwaltung
resp. das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von
ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht
hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit
Hinweisen).
1.5.
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betreuen würde. Diese Einschätzung entspricht sodann der Angabe der
Beschwerdeführerin (vgl. insbesondere IV-act. 155). Umstritten sind demgegenüber
sowohl die Einschränkung in ausserhäuslichen Erwerbstätigkeiten (E. 3) als auch die
Einschränkung im Haushalt (E. 4).
3.
Zu prüfen ist vorab, ob der Sachverhalt in Bezug auf die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in ausserhäuslichen Erwerbstätigkeiten genügend abgeklärt ist.
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung von einer
100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in angepassten Tätigkeiten aus. Sie
stützte sich dabei auf die polydisziplinären Gutachten des ABI vom 26. September
2017 (IV-act. 210) und 9. April 2019 (IV-act. 244) inkl. Ergänzungen vom 30. Januar (IV-
act. 220) und 8. März 2018 (IV-act. 224) sowie 30. September 2019 (IV-act. 250). Die
Beschwerdeführerin erachtet die Gutachten des ABI als nicht beweistauglich und die
Einschätzung ihrer Arbeitsfähigkeit durch die behandelnden Ärzte als massgeblich. Sie
leide unter massiven, im Gegensatz zu früher persistierenden Kopfschmerzen, welche
über die Schulternackenregion, den Rücken und die Arme ausstrahlten, und an
Nervosität, Druckgefühlen in der Brust und Gereiztheit. Sie habe Mühe nachts
einzuschlafen und mache sich Sorgen um die Zukunft. Sie fühle sich lustlos und habe
das Gefühl, wie "nicht mehr am Leben" zu sein (act. G1 Rz. III/9). Angesichts des
Umstandes, dass das Verlaufsgutachten des ABI vom 9. April 2019 mit Ausnahme der
Neurologie sämtliche Fachrichtungen des ABI-Gutachtens vom 4. September 2017
erneut abdeckt und eine aktualisierte medizinische Aktenlage berücksichtigt, werden
im Folgenden insbesondere das Verlaufsgutachten vom 9. April 2019 sowie das
neurologische Teilgutachten vom 4. September 2017 auf ihren Beweiswert hin
überprüft. Zu prüfen ist in diesem Zusammenhang, ob den ABI-Gutachten
materiellrechtlich gefolgt werden kann oder ob konkrete Indizien gegen deren
Zuverlässigkeit sprechen (vgl. vorstehend E. 1.3 und 1.4). Angesichts der Vorbringen
der Beschwerdeführerin (vgl. act. G1 Rz. III/20 bis 38) wird ein besonderes Augenmerk
darauf zu legen sein, ob die Gutachter des ABI aus den Berichten der behandelnden
Ärzte ersichtliche, objektiv feststellbare Gesichtspunkte ausreichend berücksichtigt
haben.
3.1.
Da die Beschwerdeführerin am Verlaufsgutachten vom 9. April 2019 insbesondere
das psychiatrische Teilgutachten bemängelt (vgl. act. G1 Rz. III/29 bis 38), ist vorab
dessen Beweistauglichkeit zu prüfen. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. T._
diagnostizierte eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
3.2.
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Faktoren (ICD-10: F45.41), welcher er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimass
(IV-act. 244, Ziff. 6.2 S. 46). Die gelegentlich auftretenden, leichten depressiven
Verstimmungen, welche auch in Zusammenhang mit den psychosozialen Belastungen
durch die Sozialhilfeabhängigkeit und die jahrelange Arbeitslosigkeit des Ehemannes
stehen würden, sind ihm zufolge im Rahmen der chronischen Schmerzstörung
einzuordnen (IV-act. 244, Ziff. 6.3 S. 47). Die Diagnose der chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen stimmt mit der von der
Klinik für Psychosomatik am KSSG am 17. November 2017 erhobenen Diagnose
überein (vgl. IV-act. 218-1). Der dort zuständige Arzt diagnostizierte zusätzlich ein
depressives Rezidiv bei mittlerweile chronifizierter Schmerzerkrankung (IV-act. 218-2).
Auch dieser Arzt sah also - wie Dr. T._ die depressiven Verstimmungen - die von ihm
diagnostizierte Depression in Zusammenhang mit der Schmerzerkrankung. Es ist
nachvollziehbar, dass Dr. T._ keine Depression zu diagnostizieren vermochte. Denn
er erhob folgende Befunde: Die Explorandin berichtete schnell und viel, erzählte von
ihren Beschwerden, von ihren Depressionen und Schmerzen. Die Schilderung war
diffus, so konnte sie nicht genau benennen, was sie unter Depressionen verstehe, auch
die Schmerzschilderung war völlig diffus. Zusätzlich berichtete sie von
Körperwahrnehmungen, vom Gefühl des Geschubst Werdens. Sie sprach schnell und
viel, der Redefluss war manchmal kaum zu bremsen. Sie war klagsam, nicht depressiv.
Die Psychomotorik war sehr lebhaft. Sie nahm einen guten affektiven Kontakt zur
Dolmetscherin und zum Untersucher auf. Sie machte einen wachen Eindruck, war
bewusstseinsklar. Sie war zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person gut orientiert.
Die Explorandin drückte sich differenziert aus. Die im Rahmen der Untersuchung
gemachten Beobachtungen und Feststellungen wiesen auf durchschnittliche
Intelligenzleistungen hin. Während der Untersuchung zeigte sie keine Zeichen von
Konzentrationsschwäche. Sie konnte gut auf die gestellten Fragen eingehen. Die
Merkfähigkeit und die Gedächtnisleistungen waren intakt. Ihre Ausführungen waren
anschaulich. Das Denken war nicht eingeengt. Sie zeigte kein Gedankenabreissen,
keine Neologismen, keine Gedankenleere. In ihren Schilderungen waren keine Hinweise
auf überwertige Ideen erkennbar. Wahnhaftes Denken oder Wahnvorstellungen waren
nicht vorhanden. Es gab keine Anhaltspunkte für illusionäre Verkennungen, akustische,
optische, olfaktorische oder taktile Halluzinationen. Die Explorandin hatte einen klaren
und guten Bezug zur Realität und zu ihrer Person. Sie konnte sich gegenüber der
Umgebung klar abgrenzen. Gedankenausbreitung oder Fremdbeeinflussungserlebnisse
waren nicht vorhanden. Die Explorandin äusserte keine Zwangsgedanken. Hinweise
auf Zwangshandlungen waren nicht vorhanden. Sie berichtete nicht über Ängste,
erwähnte keine Phobien. Aus ihren Schilderungen ergaben sich keine Hinweise auf
Veränderungen der Stimmung und des Antriebes im Laufe des Tages. Die Explorandin
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berichtete nicht über einen Lebensverleider, Suizidgedanken oder Suizidimpulse (IV-
act. 244, Ziff. 4.3 S. 45 f.). Auch konnte er bei seiner Untersuchung keine Auffassungs-
und Konzentrationsstörungen feststellen. Die Beschwerdeführerin machte auf ihn einen
sehr aktiven und energischen Eindruck, sie habe schnell und viel gesprochen, den
Antrieb erlebte er als nicht vermindert. Die Beschwerdeführerin gestaltet nach seiner
Einschätzung den Alltag aktiv, führe den Haushalt selbständig, unternehme
Spaziergänge, pflege Kontakt mit ihren Kindern. Eine solche Tagesgestaltung ist mit
einer mittelgradigen oder schweren Depression laut Dr. T._ nicht vereinbar (IV-act.
244, Ziff. 6.3 S. 47). Als einziges depressives Symptom habe die Beschwerdeführerin
die Auseinandersetzungen mit ihrem Mann genannt (IV-act. 220 S. 2). Diese
Ausführungen können nachvollzogen werden und leuchten in der Schlussfolgerung ein.
Hinzu kommt, dass die ärztliche Beurteilung von der Natur der Sache her
unausweichlich Ermessenszüge trägt (vgl. anstatt vieler das Urteil des Bundesgerichts
vom 26. September 2019, 9C_379/2019, E. 3.5.1 mit weiteren Hinweisen). Insoweit die
Beschwerdeführerin Dr. T._ eine lediglich oberflächliche Auseinandersetzung mit den
Vorakten vorwerfen lässt (vgl. act. G1 Rz. III/32), kann ihr nicht gefolgt werden. Er
führte in diesem Zusammenhang aus, in der Klinik M._ seien 2010 eine
Anpassungsstörung und der Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung
diagnostiziert worden. 2013 habe die Klinik M._ eine mittelgradig depressive Episode
im Rahmen einer psychophysischen Erschöpfung diagnostiziert. Die Psychiatrische
Klinik C._ habe 2015 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, diagnostiziert.
Die seit Jahren behandelnde Psychiaterin Dr. E._ diagnostiziere eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, eine depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode, eine histrionische Persönlichkeitsstörung und erwähne zahlreiche somatische
Diagnosen. Im Vordergrund stehe bei der Explorandin die ausgeprägte psychische
Überlagerung der geklagten somatischen Beschwerden, die kaum objektiviert werden
könnten. Im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung hätten keine depressiven
Symptome festgestellt werden können (IV-act. 210, Ziff. 4.1.7 S. 16 f.). Im Bericht der
Psychosomatik des KSSG seien eine rezidivierende depressive Störung und eine
chronische Schmerzstörung diagnostiziert worden. Im psychopathologischen Befund
seien Auffassungs- und Konzentrationsstörungen vermerkt worden, das Denken sei
umständlich, affektiv und deprimiert (IV-act. 244, Ziff. 6.3 S. 47). Aufgrund des
vorstehend Erwähnten konnte Dr. T._ diesen Befund nicht teilen und begründete
auch wieso. Dr. T._ setzte sich in seinen Teilgutachten mit den aktenkundigen
früheren Diagnosen auseinander und kam unter Würdigung derselben sowie unter
Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und der
von ihm erhobenen Befunde zum Schluss der vorgenannten Diagnose - welche wie
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/24
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gesagt mit derjenigen von der Klinik für Psychosomatik am KSSG übereinstimmt,
wobei letztere wie gesagt zusätzlich eine rezidivierende depressive Störung
diagnostizierte (IV-act. 218-1). Die aktenkundig einzig von der behandelnden
Psychiaterin erhobene Diagnose der Persönlichkeitsstörung Cluster-Gruppe B wird von
dieser nicht als die Arbeitsfähigkeit einschränkend geschildert (IV-act. 199-6 Ziff. 1.7).
Hinsichtlich des Verlaufsgutachtens bemängelt die Beschwerdeführerin namentlich,
dass der von Dr. T._ geschilderte Tagesablauf dem vom Fallführer geschilderten
widerspreche. Auch der kardiologische Gutachter berichte von Lustlosigkeit, fehlenden
Hobbies und häufigen Streitereien zwischen den Ehegatten. Somit basiere die
Einschätzung des Psychiaters auf einem falschen Sachverhalt (vgl. act. G1 Rz. III/34
ff.). Die Beschwerdeführerin erzählte Dr. T._, dass sie regelmässig von den Töchtern
und den Enkelkindern besucht werde (IV-act. 244, Ziff. 3.2 S. 44, Soziale Anamnese).
Ihren Tagesablauf schilderte sie dahingehend, dass sie tagsüber meistens zu Hause
sei. Sie mache regelmässig kürzere Spaziergänge. Die Einkäufe erledige sie mit dem
Bus, dies sei gut möglich. Der Haushalt gebe nicht viel zu tun, sie könne ihn alleine
führen, alleine bei der Wäsche helfe ihr ihre Tochter (IV-act. 244, Ziff. 3.2 S. 45,
Tagesablauf). Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass Dr. T._ davon
ausging, dass die Beschwerdeführerin in der Lage sei, den Zweipersonenhaushalt
weitgehend selbständig zu führen, Einkäufe zu erledigen, Spaziergänge zu
unternehmen und Kontakt mit ihren Kindern zu pflegen (IV-act. 244, Ziff. 7.4S. 48).
Angesichts der von Dr. T._ nachvollziehbar erhobenen Befunde (vgl. vorstehend) ist
im Übrigen nicht davon auszugehen, dass er zu einer anderen Einschätzung gelangt
wäre, auch wenn die Beschwerdeführerin ihm ihren Tagesablauf anders geschildert
hätte. Darüber hinaus ist es durchaus nachvollziehbar, dass die Schilderung des
Tagesablaufs gegenüber einem Orthopäden anders erfolgt als gegenüber einem
Psychiater, zumal die zu begutachtende Person sich bei einem Psychiater wohl
automatisch auf ihre Psyche und bei einem Orthopäden auf ihren Körper fokussiert.
Auch in diesem Kritikpunkt ist somit kein konkretes Indiz erkennbar, das gegen die
Zuverlässigkeit der ABI-Gutachten sprechen würde. Insgesamt ist denn
psychiatrischerseits auch kein behandlungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck
der Beschwerdeführerin erkennbar, zumal sie seit Jahren vorwiegend eine ambulante
Psychotherapie bei immer derselben psychiatrischen Fachärztin besucht, die sie laut
Dr. T._ als wirkungslos erlebt und nach welcher sie sich jeweils deutlich schlechter
fühle (IV-act. 244, Ziff. 7.2 S. 47). Bei der Einschätzung einer vollen Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht blendet Dr. T._ zu Recht die psychosozial schwierige Situation
der Beschwerdeführerin aus (IV-act. 244, Ziff. 7.2 S. 48), denn der bio-psycho-soziale
Krankheitsbegriff ist rechtlich im Rahmen der Arbeitsunfähigkeit nach Art. 6 ATSG nicht
massgebend (BGE 143 V 426 f. E. 6). Dies dürfte - neben dem von den ABI-Gutachtern
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erwähnten Umstand, dass die behandelnde Psychiaterin wohl die subjektive
Limitierung der Beschwerdeführerin in den Vordergrund stelle (vgl. IV-act. 250) - seine
im Vergleich zur behandelnden Psychiaterin höhere Arbeitsfähigkeitseinschätzung
erklären. Insgesamt kommt dem psychiatrischen Gutachten Beweiswert zu. Insoweit
die Beschwerdeführerin geltend machen lässt, auch mit dem zweiten ABI-Gutachten
könnten die Arbeitsunfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte nicht entkräftet
werden (act. G1, Rz. III/38), verkennt sie, dass nicht die Beschwerdegegnerin das
Vorhandensein einer Arbeitsfähigkeit zu beweisen hat, sondern sie das Vorhandensein
einer Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 1.5), was ihr, wie ausgeführt, nicht gelingt.
Insgesamt liefern die Akten keine Erklärung für die Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre ihrer Ansicht nach nicht vorhandene Arbeits- und
Leistungsfähigkeit.
Gegen die übrigen Teilgutachten des Verlaufsgutachtens des ABI bringt die
Beschwerdeführerin nichts vor und es sind auch keine Gründe ersichtlich, die gegen
den Beweiswert des internistischen, orthopädischen, kardiologischen oder
pneumologischen Gutachtens sprechen würden. Das orthopädische Teilgutachten ist
insbesondere auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass es für die
Begründung einer schmerzbedingten Arbeitsunfähigkeit damit korrelierender,
fachärztlich schlüssig feststellbarer Befunde bedarf, welche die Schmerzangaben
hinreichend erklärbar machen und die Schmerzangaben zuverlässiger medizinischer
Feststellung und Überprüfung zugänglich sein müssen (BGE 130 V 398 E. 5.3.2),
nachvollziehbar. Folglich kann auf das ABI-Gutachten vom 9. April 2019 abgestellt
werden.
3.3.
Hinsichtlich der nicht Gegenstand des Verlaufsgutachtens bildenden
neurologischen Abklärung des ABI beanstandet die Beschwerdeführerin insbesondere,
dass eine Auseinandersetzung mit vorbestehenden neurologischen Leiden fehle (act.
G1, Rz. III/Rz. 22). In der Tat hielt der neurologische Gutachter fest, dass keine
neurologischen Stellungnahmen neueren Datums zur Verfügung stehen würden (IV-act.
210 Ziff. 4.3.7 S. 28). Vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin aktenkundig
zuletzt am 6. Februar 2009 in fachärztlicher neurologischer Behandlung gestanden hat
(vgl. Bericht von Dr. J._ vom 17. März 2009 in IV-act. 74), ist es jedoch nicht zu
beanstanden, dass der neurologische Gutachter des ABI auf eine Auseinandersetzung
mit den Vorakten verzichtete, zumal aus dem jahrelangen fehlenden Aufsuchen einer
neurologischen Fachperson darauf geschlossen werden kann, dass die
Beschwerdeführerin diesbezüglich keinen Leidensdruck verspürte. Vor diesem
3.4.
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4.
Hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Betätigungsbereich
Haushalt geht die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Einschätzung der ABI-
Gutachter von einer höchstens 15%igen Einschränkung aus (vgl. IV-act. 253-2 i.V.m.
IV-act. 244 S. 30). Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht, dass ihre
Einschränkung grösser sei als die im Jahr 2013 von der Beschwerdegegnerin mittels
Abklärung im Haushalt festgestellten 30 % (act. G1 Rz. III/39 ff.). Hierauf lasse auch der
Umstand schliessen, dass Dr. U._ im orthopädischen Teilgutachten von
Schwierigkeiten beim Treppensteigen, Kochen und Waschen berichte (act. G1 Rz. III/
40). Angesichts der Gewichtung des Haushaltsbereichs mit maximal 75 % und
angesichts der fehlenden Einschränkung bei der Ausübung einer ausserhäuslichen
Erwerbstätigkeit (vgl. vorstehend E. 3) müsste die Einschränkung der
Beschwerdeführerin im Haushalt mindestens 54 % erreichen, um zu einem
rentenbegründenden Invaliditätsgrad zu führen (75 % : 100 % x 54 = 40.5 %). Auch
Hintergrund ist auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin bei der
Verlaufsbegutachtung auf eine neuerliche neurologische Untersuchung verzichtete.
Von weiteren medizinischen Abklärungen und insbesondere der Erstellung eines
weiteren polydisziplinären Gutachtens - wie dies vom Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin eventualiter beantragt wird (act. G1 Rz. I/2) - sind in
antizipierender Beweiswürdigung angesichts der umfangreichen und aussagekräftigen
medizinischen Aktenlage keine neuen objektiven Erkenntnisse zu erwarten. Den
Nachteil der Beweislosigkeit im Sinne des fehlenden Nachweises von invalidisierenden
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung hat die Beschwerdeführerin zu tragen
(vgl. BGE 139 V 563 E. 8.1; vgl. vorstehend E. 1.5). Zusammenfassend ist grundsätzlich
von einer 100%igen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in leidensadaptierten
Erwerbstätigkeiten (körperlich leichte, überwiegend sitzende Tätigkeiten unter
Wechselbelastung, ohne wiederholtes Heben und Tragen von Lasten über 5 - 10 kg,
ohne Einnahme von Zwangshaltungen und ohne wiederholten Einsatz der oberen
Extremitäten oberhalb Schulterniveau unter Ausschluss von fremd- oder
selbstgefährdenden Tätigkeiten; IV-act. 244 S. 9) auszugehen. Für die Zeit vom
5. Oktober 2011 bis 4. April 2012 (zervikale Dekompression und Spondylodese in der
Klink F._, IV-act. 124), vom 22. April bis 28. Mai 2015 (Aufenthalt in der
Psychiatrischen Klinik C._ l, IV-act. 196-29) und vom 23. August bis 22. Oktober
2017 (Karpaldachspaltung, Operationsbericht ist nicht aktenkundig) ist jeweils eine
durch die stationären Aufenthalte bedingte resp. postoperative vollständige
Arbeitsunfähigkeit zu berücksichtigen (vgl. IV-act. 210 S. 23 f. und S. 30).
3.5.
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wenn der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht, dass die
letzte Haushaltsabklärung bereits im Jahr 2013 stattgefunden habe, kann anhand der
medizinischen Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden,
dass die Einschränkung im Haushalt auch nur annähernd ein solches Mass erreicht
(vgl. vorstehend E. 3; zur Berechnung inkl. Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs
vom Tabellenlohn vgl. nachstehend E. 5.1). Die Beschwerdegegnerin ist - wie
ausgeführt - in körperlich leichten, überwiegend sitzenden Tätigkeiten unter
Wechselbelastung, ohne wiederholtes Heben und Tragen von Lasten über 5 - 10 kg,
ohne Einnahme von Zwangshaltungen und ohne wiederholten Einsatz der oberen
Extremitäten oberhalb Schulterniveau unter Ausschluss von fremd- oder
selbstgefährdenden Tätigkeiten 100 % leistungsfähig. Auch wenn in einem Haushalt
Tätigkeiten im Stehen und Gehen, selten allenfalls auch mit Tragen von Lasten über
5 bis 10 kg erforderlich sind, ist eine Wechselbelastung dort möglich. Darüber hinaus
kann die Arbeitseinteilung weitgehend frei vorgenommen werden. Auch lebte die
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung im Jahr 2013 noch in einem
Dreipersonenhaushalt, welcher sich mit dem Auszug der Tochter auf einen
Zweipersonenhaushalt verkleinert hat (vgl. IV-act. 152-5), womit sich auch der Aufwand
für die Haushaltsführung verkleinert haben dürfte. Hinsichtlich des Vorbringens der
Beschwerdeführerin, in den Bereichen Ernährung, Wohnungspflege, Einkauf und
Wäsche seien im Jahr 2013 lediglich 30 % an Einschränkung berücksichtigt worden,
welche zwischenzeitlich bis zu 60 % betrage (act. G1 Rz. III/41), ist darauf hinzuweisen,
dass bereits im Haushaltsabklärungsbericht vom 26. August 2013 in jedem dieser
Bereiche eine Einschränkung von 60 % berücksichtigt worden ist. Diese Einschränkung
wurde jedoch aufgrund der Mitwirkungspflicht des Ehemannes der Beschwerdeführerin
jeweils um 30 resp. 40 % reduziert (vgl. IV-act. 152-12). Die Mithilfe von
Familienangehörigen bei der Bewältigung des (auch deren) Haushalts ist laut
bundgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich zu berücksichtigen. Denn eine
gewisse Entlastung durch sie ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts in die
Schätzung einzubeziehen; allerdings darf nach dieser Rechtsprechung nicht etwa die
Bewältigung der Haushalttätigkeit in einzelnen Funktionen oder insgesamt auf die
übrigen Familienmitglieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleichsam bei jeder
festgestellten Einschränkung danach gefragt werden müsste, ob sich ein
Familienmitglied finden lässt, das allenfalls für eine ersatzweise Ausführung der
entsprechenden Teilfunktion in Frage kommt (vgl. BGE 133 V 504 E. 4.2). Die
Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit sind aber durch
geeignete organisatorische Massnahmen und die Mithilfe der Familienangehörigen -
denen dadurch ausserdem keine unverhältnismässige Belastung entstehen darf -
möglichst zu mildern (vgl. BGE 130 V 396 E. 8), stets allerdings ohne aus dem Blick zu
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verlieren, dass es um die Bemessung der behinderungsbedingten Einbusse an
persönlicher Leistungsfähigkeit der versicherten Person geht. Auch unter
Berücksichtigung der gesundheitlichen Situation des Ehemanns der
Beschwerdeführerin, welcher seit dem 1. Mai 2016 eine Viertelsrente der IV bezieht
(vgl. den in Rechtskraft erwachsenen Entscheid des hiesigen Gerichts vom 9. Juli 2020,
IV 2018/257), ist eine Mitwirkung von diesem zu berücksichtigen. Insgesamt dürfte sich
die Einschränkung im Haushaltsbereich tatsächlich in dem vom ABI erwähnten
Ausmass von maximal 15 % befinden. Die genaue Bezifferung hat jedoch nicht zu
erfolgen, da wie gesagt selbst bei einer Beeinträchtigung von bis zu 54 % keine renten
begründende Einschränkung ausgewiesen wäre.
5.
Ausgehend von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung und unter
Berücksichtigung der Zeiträume einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend
E. 3.5) bleiben die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu
prüfen.
Hinsichtlich des Invaliditätsgrades im ausserhäuslichen Erwerbsbereich ist der
Invaliditätsgrad mittels Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. vorstehend E. 1.2).
Mit der Beschwerdegegnerin (vgl. Einkommensvergleich in IV-act. 252) ist davon
auszugehen, dass im vorliegenden Fall sowohl hinsichtlich des hypothetischen
Valideneinkommens als auch bezüglich des Invalideneinkommens der Lohn für
Hilfsarbeiterinnen zugrunde zu legen ist und folglich der Einkommensvergleich anhand
eines sogenannten Prozentvergleichs vorgenommen werden kann. Dabei entspricht
der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung
eines Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75). Angesichts der geringen
Gewichtung der ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit und damit der geringen Auswirkung
eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn kann die Frage offengelassen werden, ob ein
solcher vorzunehmen ist. Denn selbst unter Berücksichtigung eines 15%igen Abzugs,
welcher in der vorliegenden Konstellation sicherlich das Maximum bildet, würde im
Erwerbsbereich ein Invaliditätsgrad von 4 % resultieren, womit die Einschränkung im
Haushaltsbereich immer noch 47 % betragen könnte, ohne rentenbegründend zu
wirken (Erwerb: 25 % : 100 % x 15 = 3.75 %; Haushalt: 75 % : 100 % x 47 % = 35.25
%). Für die Zeiten ausserhalb der operationsbedingten vollständigen
Erwerbsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.5) ist somit von einer rentenausschliessenden
Erwerbsfähigkeit auszugehen.
5.1.
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6.
Die vorliegend zu beurteilende Anmeldung bei der IV erfolgte im April 2010. Der
frühestmögliche Rentenbeginn - unter Vorbehalt der Erfüllung des Wartejahres (vgl.
sogleich) - ist damit der 1. Oktober 2010. Zu diesem Zeitpunkt bleibt - wie vorstehend
ausgeführt - eine rentenbegründende Einschränkung beweislos. Eine solche ist erst ab
dem 5. Oktober 2011 ausgewiesen, ab welchem Zeitpunkt die Beschwerdeführerin
aufgrund einer Rückenoperation gemäss ABI-Gutachten bis 4. April 2012 in sämtlichen
Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig war. Das Wartejahr gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b
IVG begann spätestens am 27. März 2009 zu laufen, ab welchem Zeitpunkt die
Beschwerdeführerin von der behandelnden Psychiaterin Dr. E._ zu 50 %
krankgeschrieben wurde. Ab Dezember 2009 wurde die Arbeitsunfähigkeit auf 100 %
erhöht (IV-act. 60). Damit war das Wartejahr im Zeitpunkt der nachgewiesenen
vollständigen Erwerbsunfähigkeit erfüllt und es entstand ein Rentenanspruch ab 1.
Oktober 2011.
5.2.
Bei rückwirkender Zusprache einer abgestuften und/oder befristeten Invalidenrente
sind gemäss Rechtsprechung die für die Rentenrevision geltenden Art. 17 Abs. 1
ATSG und Art. 88a IVV über die Änderung des Leistungsanspruchs bei einer
Verbesserung oder Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit analog anzuwenden, weil
noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine Änderung eingetreten ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 16. Mai 2019, 9C_687/2018, E. 2 mit Hinweisen). Gemäss Art. 88a
IVV ist bei einer Verbesserung (Abs. 1) oder Verschlechterung (Abs. 2) der
Erwerbsfähigkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald
sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat. Renten werden stets
für den ganzen Kalendermonat im Voraus ausbezahlt (Art. 19 Abs. 3 ATSG). Somit hat
die Beschwerdeführerin angesichts der vorstehend festgestellten Arbeits- resp.
Erwerbsunfähigkeiten vom 1. Oktober 2011 bis 31. Juli 2012 Anspruch auf eine
befristete ganze Rente. Darüber hinaus vermag sie keinen rentenbegründenden
Invaliditätsgrad zu erreichen.
5.3.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen ist
und die Beschwerdeführerin für die Dauer vom 1. Oktober 2011 bis 31. Juli 2012 einen
Anspruch auf eine ganze Rente hat. Darüber hinaus besteht kein Rentenanspruch. Die
Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
6.2.
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7.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).