Decision ID: b497258c-29de-50b1-aa9c-0f96dd0f062a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein Tamile aus Jaffna, verliess den Heimatstaat
eigenen Angaben zufolge am (...) Dezember 2015; er reiste in Begleitung
eines Schleppers mit seinem eigenen Reisepass und mit einem Visum für
B._ legal über den Flughafen Colombo aus. Nach etwa fünfzehn
Tagen B._ sei er in die Türkei weitergereist. Auf dem Seeweg sei er
im März 2016 nach Griechenland gelangt, wo seine Fingerabdrücke abge-
nommen worden seien und er sich – ohne ein Asylgesuch zu stellen – zehn
Tage lang in einem Flüchtlingslager aufgehalten habe, bevor er über Ma-
zedonien und Serbien im April 2016 nach Ungarn gereist sei und dort ein
Asylgesuch gestellt habe. Auch die ungarischen Behörden hätten seine
Fingerabdrücke abgenommen und ihn für die Dauer des Asylverfahrens in
ein Flüchtlingslager überführt. Sein Ziel sei jedoch von Anfang an die
Schweiz gewesen. Daher habe er Ungarn verlassen und sei in der Folge
über Österreich nach Italien zurückgekehrt. Am 11. Mai 2016 sei er illegal
in die Schweiz eingereist. Der Beschwerdeführer stellte an diesem Tag ein
Asylgesuch.
A.b Am 27. Mai 2016 wurde im Empfangs- und Verfahrenszentrum
C._ die Befragung zur Person (BzP) durchgeführt. Die vertiefte An-
hörung des Beschwerdeführers zu den Asylgründen fand am 16. April 2018
statt.
A.c Am 15. Juni 2016 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, ein zuvor
angehobenes Dublin-Verfahren werde beendet und das nationale Asyl-
und Wegweisungsverfahren werde in der Schweiz durchgeführt.
B.
B.a Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuchs im
Wesentlichen geltend, er sei in D._/Jaffna geboren. Er habe vom
(...) Lebensjahr bis ins Jahr 2000 respektive elf Jahre lang in E._/
Jaffna die staatliche Schule besucht und mit dem O-Level abgeschlossen.
Von der Geburt bis Mitte 1992 respektive 1985 habe er in F._/Jaffna
und anschliessend bis etwa zum (...) Lebensjahr in G._/Jaffna ge-
lebt. Von 2003 bis Ende 2014 habe er in H._ im Vanni-Gebiet ge-
lebt. Er habe in der (...)branche gearbeitet; gewohnt habe er damals beim
Onkel väterlicherseits. Im (...) 2009 sei er von einem Bombensplitter am
(...) getroffen worden; sein Cousin sei bei diesem Vorfall ums Leben ge-
kommen. Das Militär habe ihn und andere in einem Schulgebäude medizi-
nisch versorgt. Anschliessend seien die Beteiligten vom Militär "aussortiert"
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worden: Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) habe man
an einen anderen Ort gebracht, der Beschwerdeführer sei mit der Familie
des Onkels in das Flüchtlingslager in I._/J._ gebracht wor-
den, wo sie zwischen dem (...) 2009 und (...) 2010 geblieben seien.
Am (...) Januar 2015 sei er nach G._ zurückgekehrt. Am 1. Oktober
2015 hätten ihn vier Angehörige des Militärs in Zivil zu Hause bei den Eltern
gesucht. Da er bei der Arbeit gewesen sei, hätten die Soldaten die Eltern
ausgefragt. Diese hätten dabei erzählt, ihr Sohn (Beschwerdeführer) halte
sich im Vanni-Gebiet auf. Er habe sich aufgrund dieser Suche in den fol-
genden zehn Tagen bei einem Freund im Dorf versteckt. Die Militärs hätten
vor seiner Ausreise mehrmals die Eltern und Geschwister zu Hause be-
droht, falls er sich nicht zu erkennen gebe. Er vermute, dass sein Aufenthalt
im Vanni-Gebiet ihn ins Visier der Militärs gerückt habe, und diese ihm des-
wegen – zu Unrecht – Verbindungen zu den LTTE unterstellt hätten. Den
Soldaten sei er jedoch bis zur Ausreise nicht persönlich begegnet. Am (...)
Oktober 2015 sei er von G._ aus nach Colombo gegangen. Dort
habe er die zwei Monate bis zur Ausreise in einer Lodge gewohnt. Nach
seiner Ausreise hätten Militärangehörige mehrmals die Eltern und Ge-
schwister wegen ihm aufgesucht und die Angehörigen unter Druck gesetzt;
der Vater sei auch auf das Camp vorgeladen worden. Seinen Reisepass
und Identitätsausweis habe er unterwegs auf dem Meer verloren bezie-
hungsweise sei ihm der Pass vom Schlepper B._ weggenommen
worden.
Der Beschwerdeführer wies bei seinen Befragungen auch auf gesundheit-
liche Probleme hin. Er machte geltend, er leide unter hohem Blutdruck und
unter Schmerzen am Hinterkopf und habe Schlafstörungen; deswegen
nehme er Medikamente ein.
B.b Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel zu den erstin-
stanzlichen Verfahrensakten: Eine von der Armee ausgestellte Identitäts-
karte; eine beglaubigte Kopie seiner Geburtsurkunde Nr. (...), ausgestellt
am (...) von der Registratur K._; eine "Relief Assistance Card" ("Re-
lief and Recovery Assistance to Displaced Persons"), bei der es sich um
die Familienkarte des Onkels handle; ein Bestätigungsschreiben des Quar-
tier-Friedensrichters L._ vom 15. März 2017; das Bestätigungs-
schreiben eines Pfarrers der katholischen Kirche, M._, vom 8. No-
vember 2016; eine handschriftliche Bestätigung des Dorfvorstehers
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Seite 4
N._ vom 29. Februar 2016 zum Aufenthalt im Vanni-Gebiet; ein Be-
stätigungsschreiben des Parlamentariers O._, vom 17. Oktober
2016.
B.c Das SEM forderte den Beschwerdeführer am 25. Juni 2019 zum Ein-
reichen eines ärztlichen Berichts auf. Am 9. Juli 2019 stellte sein behan-
delnder Arzt dem SEM einen am 6. Juli 2019 verfassten Bericht zu.
C.
Mit Verfügung vom 23. August 2019 (am 26. August 2019 eröffnet) stellte
die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus
der Schweiz; den Vollzug der Wegweisung bezeichnete die Vorinstanz als
zulässig, zumutbar und möglich.
D.
D.a Mit Eingabe vom 25. September 2019 reichte der Beschwerdeführer
beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen diese erstin-
stanzliche Verfügung ein. Er beantragte, es sei festzustellen, dass sein
rechtliches Gehör verletzt worden sei, die Verfügung des SEM sei aufzu-
heben, seine Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und es sei ihm Asyl
zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegwei-
sung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und als Folge die vorläu-
fige Aufnahme anzuordnen sei.
D.b In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses; zudem sei ihm sei für das Verfahren ein
amtlicher Rechtsbeistand beizuordnen.
E.
Die vormals zuständige Instruktionsrichterin stellte in ihrer Zwischenverfü-
gung vom 9. Oktober 2019 fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang
des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Die Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht einer Kosten-
vorschusserhebung hiess sie gut, wobei der Beschwerdeführer aufgefor-
dert wurde, innert Frist eine Person als amtliche Rechtsvertretung zu be-
nennen und zu bevollmächtigen.
F.
Am 7. Oktober 2019 reichte der Beschwerdeführer die Übersetzung eines
Briefs seines Vaters vom 18. September 2019 zu den Akten.
E-4963/2019
Seite 5
G.
Am 24. Oktober 2019 reichte MLaw Cora Dubach eine Vollmacht des Be-
schwerdeführers ein, gab ihre Mandatsübernahme für das vorliegende Be-
schwerdeverfahren bekannt und ersuchte darum, als amtliche Rechtsbei-
ständin eingesetzt zu werden.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 4. November 2019 wurde MLaw Cora Dubach
von der Instruktionsrichterin als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwer-
deführers eingesetzt. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zum Einreichen ei-
ner Vernehmlassung eingeladen.
I.
I.a Die Vorinstanz liess sich am 14. November 2019 zur Beschwerde ver-
nehmen. Sie hielt dabei mit ausführlicher Begründung vollumfänglich an
ihren Erwägungen fest.
I.b Die Vernehmlassung der Vorinstanz SEM wurde dem Beschwerdefüh-
rer am 18. November 2019 zur Kenntnis gebracht und es wurde ihm Frist
zur Replik angesetzt.
I.c Der Beschwerdeführer liess innert erstreckter Frist am 30. Dezember
2019 seine Stellungnahme zu den Beschwerdeakten reichen und an sei-
nen Rechtsbegehren festhalten.
J.
Anfang des Jahres 2021 überwies die Leitung der Abteilung V das Be-
schwerdeverfahren aus organisatorischen Gründen dem vorsitzenden
Richter zur weiteren Behandlung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
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det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz beurteilte die Vorbringen des Beschwerdeführers als
nicht glaubhaft.
4.1.1 Namentlich führte das SEM aus, der Beschwerdeführer habe nicht
nachvollziehbar darlegen können, weshalb das Militär ein so grosses Inte-
resse an ihm gehabt und ihm – einzig, weil er im von den LTTE kontrollier-
ten Gebiet gelebt habe – eine Verbindung zu den LTTE unterstellt haben
solle. So habe er selber angegeben, ausser eines bereits vor langer Zeit
verstorbenen Cousins habe niemand in seiner Familie Verbindungen zu
den LTTE gehabt. Sodann mache er geltend, dass das Militär ihn am (...)
2015 das erste Mal in G._ bei den Eltern gesucht habe, dies, nach-
dem er am (...) 2015 dorthin zurückgekehrt sei. Hätte das Militär den Be-
schwerdeführer wegen seines Aufenthalts im Vanni-Gebiet tatsächlich der
Mitgliedschaft bei den LTTE verdächtigt, hätte sie ihn bereits vorher, zwi-
schen 2010 und 2015, dort ausfindig machen und aufsuchen können. Aus-
serdem sei er den Militärangehörigen persönlich nie begegnet, was ange-
sichts der behaupteten intensiven Suche unwahrscheinlich wirke. Sodann
wäre er bei tatsächlicher Verfolgung durch die Militärs nicht über den Flug-
hafen in Colombo ausgereist, da er dort jederzeit mit einer unvorhergese-
henen Kontrolle durch die vielen Sicherheitsbehörden hätte rechnen müs-
sen.
4.1.2 Weiter habe er zu wesentlichen Punkten unterschiedliche und damit
widersprüchliche Angaben gemacht. Beispielsweise sollten gemäss Aus-
sagen in der BzP die Verwandten mütterlicherseits in P._ leben,
später habe er gesagt, ein Onkel väterlicherseits lebe dort, die Verwandten
mütterlicherseits seien in G._. Auch zu seinen Aufenthaltsorten
habe er zeitlich unterschiedliche Angaben gemacht, und die Schilderun-
gen, wann und wie oft die Militärorgane ihn gesucht hätten, seien vage
geblieben. Bezüglich des Verbleibs seiner Identitätsdokumente seien die
Aussagen ebenfalls widersprüchlich ausgefallen.
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Seite 8
4.1.3 Die zur Stützung der Asylvorbringen eingereichten Beweismittel,
namentlich die Bestätigungsschreiben – die von Personen verfasst worden
seien, die er persönlich gar nicht gekannt oder mit denen er keinen Kontakt
gehabt habe – seien Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiskraft. Es sei auch
nicht auszuschliessen, dass die Dokumente käuflich erworben seien.
Soweit er vorgebracht habe, der Vater sei wegen ihm ins Camp der Militärs
vorgeladen worden, seien hierzu keine Beweismittel aktenkundig gemacht
worden.
4.1.4 Insgesamt würden die Vorbringen den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten; die asylrechtliche Rele-
vanz der Angaben müsse daher nicht geprüft werden. Der Beschwerdefüh-
rer erfülle folglich die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asylgesuch sei
abzulehnen.
4.2
4.2.1 In der Beschwerde führt der Beschwerdeführer den Sachverhalt
nochmals aus: Vor Kriegsende sei es auch ausserhalb des Vanni-Gebiets
zu Scharmützeln und Bombenattentaten von LTTE-Sympathisanten ge-
kommen, die sich in den Häusern der Zivilbevölkerung versteckt hätten.
Entsprechend seien dort viele Razzien durchgeführt worden. Jede Familie
habe eine Familienkarte erhalten, um zu belegen, wer zum Haushalt ge-
höre. Sein Name sei auf der Familienkarte seiner Familie aufgeführt, er sei
jedoch nicht vor Ort gewesen. Deshalb hätten die Behörden nach seinem
Aufenthalt gefragt. Die Familie habe bei jenen Razzien angegeben, er sei
im Vanni-Gebiet. Dies habe ihn bei den Behörden verdächtig gemacht.
Er habe keinen Kontakt zu den LTTE gehabt, jedoch in Gebieten gelebt
und gearbeitet, in denen diese die Kontrolle gehabt habe. Daher sei er ver-
dächtigt worden, bei den LTTE gewesen zu sein. Eine Cousine mütterli-
cherseits sei bei den Tigers gewesen und den Märtyrertod gestorben.
4.2.2 Er sei während des Kriegs auf der Flucht von einer Sicherheitszone
zur nächsten von einem Bombensplitter verletzt worden; ein Cousin sei
dabei getötet worden. Man habe ihn in vom Militär kontrolliertes Gebiet
transportiert und später in einem Flüchtlingslager interniert. Vom (...) 2009
bis (...) 2010 sei er mit der Familie des Onkels in einem Flüchtlingslager in
I._/J._ interniert und dort nach seinen LTTE-Verbindungen
gefragt worden. Dabei habe man ihm stark auf den Hinterkopf geschlagen.
Er habe deswegen bis heute Kopfschmerzen. Nach der Entlassung sei er
auf Anraten des Vaters beim Onkel väterlicherseits geblieben. Erst am (...)
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Seite 9
2015 sei er zur Familie nach G._ zurückgekehrt und habe dort je-
weils den ganzen Tag gearbeitet. Am 1. Oktober 2015 seien vier Militärper-
sonen nach Hause gekommen und hätten ihn gesucht. Die Militärs hätten
dem Vater erklärt, sein Sohn sei bei den Tigers gewesen und sie wollten
ihn deswegen befragen. Der Vater habe jegliche LTTE-Verbindungen des
Sohnes abgestritten und behauptet, dieser sei noch im Vanni-Gebiet. Aller-
dings hätten die Militärpersonen von seinem (Beschwerdeführer) Aufent-
halt in G._ bereits gewusst und verlangt, er solle sich am Folgetag
zu Hause zur Verfügung halten. Dies habe er erfahren, als er am Abend
von der Arbeit gekommen sei. Er habe sich keinesfalls der Gefahr eines
Verhörs aussetzen wollen und sich die folgenden zehn Tage bei einem
Freund versteckt. Die Militärs seien am Folgetag wie angekündigt nach
Hause gekommen und hätten seiner Familie mit Erschiessen gedroht,
sollte er sich nicht freiwillig stellen. Während er sich beim Freund versteckt
gehalten habe, sei die Familie mehrere Male behelligt und bedroht worden.
Der Vater habe das Versteck nicht länger für sicher gehalten, weshalb der
Bruder mit ihm (Beschwerdeführer) nach Colombo gereist sei. Er habe sich
dort etwa zwei Monate in einer Lodge versteckt und sei in dieser Zeit vom
Bruder mit Essen versorgt worden. Dort habe er auch erfahren, dass er zu
Hause weiterhin gesucht worden sei. Daher habe der Bruder mittels eines
Schleppers seine Ausreise vorbereitet. Dieser habe ihm einen Pass be-
sorgt und am (...) Dezember 2015 sei er ausgereist.
4.2.3 Er sei seit der Ausreise mehrmals zu Hause gesucht und sein Vater
sogar zu einem Verhör ins Militärcamp in Q._ vorgeladen worden,
wo er lange auf den Knien Fragen habe beantworten müssen. Etwa fünf
oder sechs Monate nach seiner Ankunft in der Schweiz sei das Familien-
haus von zivilgekleideten Militärpersonen durchsucht und die Familienmit-
glieder einzeln in Zimmern verhört und befragt worden. Der Vater habe dies
in seinem Brief zu beschreiben versucht. Der Vater schildere auch de-
ckungsgleich, was am (...) Oktober 2015 geschehen sei. Weiter be-
schreibe er einen Behördenbesuch vom Juni 2019. Die Armee habe dabei
die Familienkarte mitgenommen und dem Vater aufgetragen, diese im
Armeecamp abzuholen. Der Vater sei dabei am Folgetag geschlagen und
gefoltert und es sei ihm auch gesagt worden, sie würden seinen Sohn fin-
den und sie würden weiterhin nach Hause kommen. Die Familie sei daher
nach F._ umgezogen.
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Seite 10
4.2.4 Der Beschwerdeführer rügt in seinem Rechtsmittel eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs. Die Rückübersetzung der vertieften Anhörung sei
nicht reibungslos verlaufen. Es habe an vielen Stellen Diskussionen mit
dem Dolmetscher gegeben, der Korrekturen verweigert habe. Die Befrage-
rin habe mehrmals nachgefragt, worüber sie diskutieren würden, wobei der
Dolmetscher mutmasslich nicht offenlegen wollte, dass er (Beschwerde-
führer) mit gewissen Formulierungen im Protokoll nicht einverstanden ge-
wesen sei, da er sie so gar nicht gesagt habe.
Beispielsweise habe der Dolmetscher festgehalten, der Beschwerdeführer
habe mit Jahreszahlen angegeben, wo er wann gelebt habe, was nicht zu-
treffe. Er habe ausdrücklich gesagt, von der Geburt bis zum (...) Lebens-
jahr in F._, D._, dann in G._ und ab 2003 im Vanni-
Gebiet gelebt zu haben. Der Dolmetscher habe jedoch selber ausgerech-
net, welches Jahr sein (...) Lebensjahr gewesen sei und erklärt, man
müsse das so angeben, obwohl er das bei der Rückübersetzung bemän-
gelt habe. Auf diese Weise seien ihm Jahreszahlen in den Mund gelegt
worden, die er so nie ausgedrückt habe. Zudem sei es nicht Aufgabe des
Dolmetschers, solche Dinge zu präzisieren. Vielmehr hätte die Befragerin
nachfragen können, wenn ihr seine Aussagen zu unpräzise erschienen wä-
ren.
Auch die protokollierte Aussage, er habe bis zum (...) Lebensjahr in
G._ gelebt, stimme so nicht. Er habe gesagt, in G._ gelebt
zu haben und anschliessend im Jahr 2003 ins Vanni-Gebiet gegangen zu
sein. Der Übersetzer habe das mit dem (...) Lebensjahr hinzugefügt. Auch
dies habe er bei der Rückübersetzung angesprochen. Der Dolmetscher
habe ihm dabei versichert, er müsse so aussagen, daraus würden keine
Probleme entstehen.
Durch dieses Fehlverhalten des Übersetzers würden nun in unfairer Vor-
gehensweise Widersprüche konstruiert. Durch diese unkooperative Über-
setzung sei sein Mitwirkungsrecht bezüglich der Sachverhaltserhebung
und damit das rechtliche Gehör verletzt worden.
4.2.5 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz würden diejenigen, die in
der Zeit zwischen 2003 und 2009 im Vanni-Gebiet gelebt hätten, in den
Augen der Regierung unter dem Generalverdacht stehen, mit den LTTE in
Verbindung zu stehen. Zudem sei er nicht einfach ein normaler Bewohner
des Vanni-Gebiets gewesen, sondern er sei erst 2003 dorthin gezogen,
was ihn noch verdächtiger gemacht habe. Dabei habe man im Vanni-
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Seite 11
Gebiet mit 18 Jahren grundsätzlich ein Training bei den Tigers absolvieren
müssen; er sei beim Umzug (...) Jahre alt und demnach im idealen Alter
dafür gewesen. Vor diesem Hintergrund sei nachvollziehbar, dass ihm Ver-
bindungen zu den LTTE unterstellt würden. Er sei zudem nicht erst im Ok-
tober 2015 zu Hause vom Militär gesucht worden. Vielmehr sei er bei jeder
Hausdurchsuchung bei den Eltern gesucht worden, als er noch im Vanni-
Gebiet gewesen sei. Darauf hätten die Eltern jeweils auch hingewiesen.
Zudem habe der Vater ihm nach der Entlassung aus dem Flüchtlingslager
von einer Rückkehr ins Elternhaus abgeraten, da dies für Personen aus
der Vanni-Region zu gefährlich gewesen wäre. Dass ihn das Militär nie auf-
gegriffen habe, sei entgegen der Auffassung des SEM logisch. Er sei An-
fang 2009 zu Hause gesucht worden; damals sei er im Vanni-Gebiet und
auch im Flüchtlingslager gewesen. Also habe das Militär ihn erst ab Januar
2015 in G._ antreffen können; aus welchen Gründen dieses ihn ge-
nau im Oktober 2015 gesucht hätten, entziehe sich seiner Kenntnis, was
ihm aber vom SEM nicht angelastet werden dürfe. Hinsichtlich der Anzahl
Besuche des Militärs zu Hause habe er ungefähre Angaben gemacht.
Diese würden sich nicht widersprechen.
4.2.6 Kleine Widersprüche namentlich im Zusammenhang mit den Ver-
wandtschaftsangaben seien auf eine ungenaue Übersetzung zurückzufüh-
ren. Diese würden auch nicht mit den zentralen Asylvorbringen zusammen-
hängen. Letztlich seien diese angeblichen Ungereimtheiten erneut ein Hin-
weis auf die ungenügende Arbeit des Übersetzers.
4.2.7 Insgesamt habe er seine Asylgründe glaubhaft vorgebracht. Sein
Leben sei durch die wiederholte Suche nach ihm in Gefahr. Dies werde
durch die aktuellsten Berichte über Sri Lanka bestätigt. Sein Leben sei
nicht nur im Zeitpunkt der Ausreise bedroht gewesen. Vielmehr müsse er
mit künftiger Verfolgung rechnen. Damit seien die Voraussetzungen zur
Bejahung der Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Es sei ihm Asyl zu erteilen.
5.
5.1 Vorweg ist hinsichtlich der gerügten Verletzung des rechtlichen
Gehörs Folgendes festzuhalten:
5.2 Dass der Übersetzer in der vertieften Anhörung Korrekturen verweigert,
seine Aussagen eigenmächtig anders übersetzt und dem Beschwerdefüh-
rer Aussagen in den Mund gelegt habe, findet in den Akten keine Stütze.
Der Beschwerdeführer gab zu Beginn dieser vertieften Anhörung an, den
Dolmetscher gut zu verstehen (vgl. A17 F/A 1). Nach der Mittagspause
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Seite 12
wurde er gefragt, ob er bisher alles habe sagen können; das bis dahin er-
stellte Protokoll wurde ihm rückübersetzt und ausdrücklich erklärt, wenn es
seinen Aussagen entspreche, könne er unterschreiben, ansonsten solle er
Berichtigungen anbringen (vgl. a.a.O. F/A 115 f.). Er bestätigte die korrekte
Protokollierung dort ohne jeglichen Vorbehalt (vgl. a.a.O. F/A 112–116). Am
Ende der Befragung wurde das Protokoll nochmals übersetzt und er wurde
ausdrücklich aufgefordert, er solle allfällige Fehler in der Übersetzung be-
nennen. Dabei bestätigte er unterschriftlich, das Protokoll sei ihm Satz für
Satz vorgelesen und in eine ihm verständliche Sprache übersetzt worden.
Das Dokument sei vollständig und entspreche seinen freien Äusserungen
(vgl. a.a.O. S. 18).
5.3 Dem Anhörungsprotokoll ist denn auch an keiner Stelle zu entnehmen,
dass es zu Diskussionen zwischen dem Dolmetscher und dem Beschwer-
deführer und deswegen zu entsprechenden Nachfragen der Befragerin ge-
kommen wäre. Zudem darf davon ausgegangen werden, dass die behaup-
teten Auffälligkeiten seitens der mitwirkenden Hilfswerkvertretung der Cari-
tas Schweiz spätestens in ihrem Begleitblatt entsprechend notiert und mo-
niert worden wären. Dies war ebenfalls nicht der Fall (vgl. a.a.O., Protokoll-
anhang).
5.4 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwer-
deführer auch das anlässlich der BzP erstellte Protokoll als korrekt und sei-
nen Aussagen entsprechend unterschriftlich bestätigt hat. Insgesamt wur-
den seine Aussagen demnach in beiden vorliegenden Niederschriften kor-
rekt erfasst.
5.5 Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nicht ersichtlich. Die Proto-
kolle, namentlich dasjenige der eingehenden Anhörung vom 16. April 2018,
sind nach dem Gesagten ohne Einschränkungen in die Entscheidfindung
einzubeziehen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach eingehender Sichtung der
gesamten vorliegenden Akten mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die
Vorbringen des Beschwerdeführers zur angeblichen Verfolgungssituation
verschiedene Widersprüche aufweisen und teilweise nicht nachvollziehbar
sind. Namentlich ist Folgendes festzustellen:
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Seite 13
6.2
6.2.1 Der Beschwerdeführer hat in der BzP ausgeführt, er habe von 1985
bis Ende 2002 in G._/Jaffna gelebt. Im Jahr 2003 sei er aus beruf-
lichen Gründen – der Vater habe mit den Beinen Probleme gehabt – zum
Onkel väterlicherseits ins Vanni-Gebiet umgezogen (vgl. A7/14
S. 4 und 9). Im Gefolge des Bürgerkriegs sei er im Jahr 2009 von einem
Bombensplitter verletzt und deswegen durch die Militärs zu einer Schule
gebracht worden, wo man ihn medizinisch versorgt habe. Am 21. April
2009 sei er ins Flüchtlingscamp I._ überführt worden und dort bis
(...) 2010 geblieben. Im Camp sei während seines Aufenthalts nichts Nen-
nenswertes geschehen. Nach der Freilassung aus dem Flüchtlingscamp
im (...) 2010 habe er seine Arbeit im Vanni-Gebiet fortgeführt. Bis zur Rück-
kehr nach Jaffna habe er weder mit den LTTE noch mit der Regierung
Probleme gehabt. Erst nach seiner Rückkehr ins Elternhaus in Jaffna seien
Militärs in Zivil am (...) Oktober 2015 gekommen und hätten ihn, da er aus
dem Vanni-Gebiet zurückgekommen sei, nach Verbindungen zu den LTTE
befragen wollen. Er habe die Militärs jedoch nie persönlich getroffen (vgl.
a.a.O. S. 9 f.).
In der Anhörung führte er an, er habe von der Geburt bis (...) 1992 in
F._ und danach bis zum (...) Lebensjahr – mithin bis 1999 – in
G._/Jaffna gelebt. Im Jahr 2003 sei er wegen der Familiensituation
ins Vanni-Gebiet zum Onkel gegangen (vgl. A17/20 F/A 41, 129 ff.). Die
Verletzung durch einen Bombensplitter im April 2009 und die anschlies-
sende Behandlung in einer Schule, wo das Militär die Kontrolle gehabt
habe, schilderte er übereinstimmend. Weiter führte er hier aber auch aus,
das Militär habe damals die Leute "aussortiert"; die LTTE-Mitglieder seien
an einen anderen Ort, der Beschwerdeführer (mit der Familie des Onkels)
in das Flüchtlingslager I._ in J._ überführt worden (vgl.
a.a.O. F/A 41, 71). Am 15. November 2010 habe das Militär sie mit ihrem
Wagen, dies mit Hilfe des Dorfvorstehers, nach H._ (Vanni-Gebiet)
transferiert. Eine sofortige Rückkehr des Beschwerdeführers nach Jaffna
habe der Vater nicht erlaubt, da es dort zu Entführungen gekommen sei.
Er sei deswegen beim Onkel geblieben und habe dort wieder gearbeitet.
Als sich die Lage beruhigt habe, sei er am 6. Januar 2015 zur Familie zu-
rückgegangen (vgl. a.a.O. F/A 71, 120). Vor 2015 habe er keine Probleme
mit dem Militär gehabt (vgl. a.a.O. F/A 74).
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Seite 14
6.2.2 Allein vor dem Hintergrund dieser Schilderungen ist das angeblich ab
Oktober 2015 bestehende intensive Verfolgungsinteresse der Militärbehör-
den am Beschwerdeführer nicht nachvollziehbar. Insbesondere ist – zu-
sätzlich zu den zutreffenden diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz
– festzuhalten, dass die Militärs den Beschwerdeführer, hätten sie ihn tat-
sächlich in Verbindung mit den LTTE gesehen, bereits anlässlich der von
ihm selber beschriebenen "Aussortierung" im April 2009 entsprechend ein-
gestuft und behandelt (eben "aussortiert") hätten. Demgegenüber hat das
Militär ihn mit der Familie des Onkels im November 2010 sogar nach
H._ zurückgefahren und er konnte die folgenden vier Jahre ohne
Probleme dort leben und weiterhin seinem Erwerb nachgehen. Sodann ist
der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben im (...) 2015 nach
G._ zur Familie zurückgekehrt und konnte die folgenden (...) Mo-
nate dort problemlos leben und seiner Arbeit nachgehen. In diesem gesam-
ten Kontext wird demnach keineswegs ersichtlich, weshalb die Militärbe-
hörden plötzlich im (...) 2015 ein derart intensives Interesse am Beschwer-
deführer gehabt haben sollen. Die diesbezüglichen Angaben sind bis heute
vage und nicht nachvollziehbar geblieben. Dies gilt umso mehr vor dem
Hintergrund dessen, dass der Beschwerdeführer betont hat, er sei nie bei
den LTTE gewesen und ausser eines vor langer Zeit verstorbenen Cousins
sei auch kein Verwandter bei den Tigers gewesen (vgl. A17/20 A/F 76).
Dass er neu in der Beschwerde davon spricht, eine Cousine sei den Mär-
tyrertod gestorben, wirkt nachgeschoben, zumal nicht einzusehen ist, wes-
halb er diese in der Anhörung nicht auch zusammen mit dem Cousin er-
wähnt hat.
6.2.3 Es ist nach dem Gesagten vielmehr anzunehmen, dass der Be-
schwerdeführer zwar – als einer von vielen – von der damaligen Bürger-
kriegssituation betroffen und auch in einem Flüchtlingslager gewesen ist.
Indessen konnte er ab (...) 2010 im Vanni-Gebiet – wohl auch, weil er auf
der (eingereichten) Familienkarte des Onkels aufgeführt war – problemlos
leben und ungehindert arbeiten. Dass auch in jener Zeitspanne bei den
Eltern nach ihm gefragt worden sein soll, ist von ihm in einer Weise ge-
schildert worden, die keine Rückschlüsse auf eine eigentliche Verfolgungs-
situation nahe legen: So sei es in der Wohngegend der Eltern damals zu
Razzien der Behörden gekommen – es sei regelmässig zu Hausdurchsu-
chungen gekommen, um zu kontrollieren, ob es mehr Anwesende habe,
als auf der Familienkarte aufgeführt – und der Vater habe von Entführun-
gen gesprochen und ihm deshalb verboten nach der Entlassung aus dem
Flüchtlingslager direkt heimzukehren (vgl. A17/20 A/F 82 ff.). Aus diesen
E-4963/2019
Seite 15
Angaben ist nicht auf eine gezielte Suche der Militärs nach seiner Person
zu schliessen.
6.2.4 Auch aus den Ausführungen in der Beschwerde, der Vater habe ihm
nach der Entlassung aus dem Flüchtlingscamp von der Rückkehr abgera-
ten, da es viele Verhaftungen namentlich von Rückkehrern aus dem Vanni-
Gebiet gegeben habe, ergeben sich – abgesehen davon, dass diese An-
gabe von der ursprünglichen Aussage, der Vater habe von Entführungen
gesprochen, abweicht – keine Hinweise auf eine gezielte Verfolgungssitu-
ation; dies umso weniger, nachdem der Beschwerdeführer noch über vier
Jahre mit einer Heimkehr zugewartet hatte. Die Ausführungen des SEM
auch in der Vernehmlassung erweisen sich im Kontext als zutreffend.
6.3 Es finden sich sodann zahlreiche Ungereimtheiten in den Aussagen
des Beschwerdeführers; diese sind von der Vorinstanz zutreffend aufge-
führt worden, worauf vorab verwiesen werden kann (vgl. angefochtene Ver-
fügung S. 4 f.).
6.3.1 Bezüglich seiner Reisedokumente hat der Beschwerdeführer in der
BzP festgehalten, er habe Reisepass und Identitätsausweis auf der Über-
fahrt auf dem Meer verloren (vgl. A7/14 S. 6). In der Anhörung erklärte er
hingegen, der Reisepass sei ihm bereits (...) vom Schlepper abgenommen
worden, die Identitätskarte habe er samt Reisetasche auf dem Meer verlo-
ren (vgl. A7/20 F/A 39).
6.3.2 Weiter fällt auf, dass der Beschwerdeführer in der Erstbefragung ge-
sagt hat, während des Aufenthalts im Flüchtlingscamp sei nichts Nennens-
wertes geschehen ("È successo nulla di rilevante nel campo in cui è stato
portato dai militari? No."; vgl. A7/14 S. 10) und am Ende der BzP bestätigte
er, es gehe ihm gut, er habe Narben (...), die jedoch nicht schmerzen wür-
den (vgl. a.a.O. S. 11). Allfällige (Folge-)Probleme wegen erlittener
Schläge erwähnte er mit keinem Wort. In der Anhörung sprach er demge-
genüber von Schlägen durch Soldaten, um später zu erklären, er habe vor
Oktober 2015 nie irgendwelche Probleme mit dem Militär gehabt (vgl.
A17/20 F/A 74). In der Beschwerde führt er nunmehr neu aus, während der
Zeit im Flüchtlingslager sei er befragt und "stark" auf den Hinterkopf ge-
schlagen worden, davon habe er heute noch Kopfschmerzen (vgl. Be-
schwerde, S. 3).
6.3.3 Es finden sich sodann – wie oben erwähnt – zeitliche Ungereimthei-
ten bezüglich seiner Aufenthaltsorte, die unter anderem dazu führen, dass
eine nicht nachvollziehbare Zeitspanne zwischen 1999 und 2003 besteht.
E-4963/2019
Seite 16
Zutreffend hat die Vorinstanz auch verschiedene ungereimte Angaben zu
den verwandtschaftlichen Verhältnissen angeführt, auf die hier ebenfalls
verwiesen werden kann.
6.3.4 Die vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen zur Untermau-
erung seiner Asylgründe, namentlich die Bestätigungsschreiben verschie-
dener Personen – die er teilweise gar nicht persönlich kennt und mit denen
er keinen Kontakt gepflegt hat (vgl. A17/20 A/F 19 ff.) – vermögen die
Schlussfolgerung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen nicht zu ent-
kräften. Die Vorinstanz hat diese Bestätigungen zu Recht als Gefälligkeits-
schreiben beurteilt. Soweit geltend gemacht und vom Vater in einem Brief
bekräftigt wird, die Militärs würden weiter nach dem Beschwerdeführer su-
chen und der Vater sei deswegen zuletzt vorgeladen sowie geschlagen
worden, ist festzuhalten, dass der Vater kaum objektiv verwertbare, die
oben erkannten Unglaubhaftigkeitselemente relativierende Aussagen ma-
chen dürfte, mithin sind auch diese – nicht weiter belegten – Angaben unter
Würdigung aller Umstände nicht beweisgeeignet.
6.4 Das SEM hat die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Gründe
für die Ausreise aus Sri Lanka zu Recht als unglaubhaft qualifiziert.
6.5
6.5.1 Im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publi-
ziert) hat das Bundesverwaltungsgericht festgestellt, bestimmte Risikofak-
toren (Eintrag in die Stop-List, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische
Aktivitäten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter
den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genom-
men zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegen-
über würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangs-
weise respektive durch die IOM begleitete Rückführung sowie gut sichtbare
Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen; dies bedeute,
dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht
vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft
gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wech-
selwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer
Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
bejaht werden müsse (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.5.5).
E-4963/2019
Seite 17
6.5.2 Zutreffend verneinte das SEM das Vorliegen von Risikofaktoren, wel-
che zur Bejahung einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung füh-
ren könnten. So weist der Beschwerdeführer in seiner Person keine Fak-
toren auf, die im Falle einer Wiedereinreise ein besonderes behördliches
Interesse an ihm vermuten liessen. Namentlich gab er in der Anhörung an,
weder er noch nähere Angehörige hätten je etwas mit den LTTE zu tun
gehabt, einzig ein Cousin väterlicherseits sei bei den LTTE gewesen, die-
ser sei schon vor langer Zeit verstorben (vgl. A17/20 F/A 76 ff.). In der Be-
schwerde erwähnt er zwar neu eine Cousine mütterlicherseits, die den
Märtyrertod gestorben sei (vgl. Beschwerde S. 3). Diese Angabe findet in-
dessen, wie erwähnt, in den Anhörungen keine Stütze, ist mithin nachge-
schoben. Aus den Akten geht auch sonst nicht hervor, weshalb der Be-
schwerdeführer über ein Risikoprofil verfügen sollte, welches auf eine be-
gründete Furcht vor asylrechtlich relevanten Handlungen seitens der sri-
lankischen Behörden schliessen lassen würde. Allein der Umstand, dass
er mehrere Jahre im Vanni-Gebiet beim Onkel gelebt und gearbeitet und
während der Kriegswirren wie Tausende einige Zeit in einem Flüchtlings-
camp verbringen musste, lässt keinen anderen Schluss zur. In diesem Zu-
sammenhang ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer Sri Lanka über
den Flughafen Colombo legal mit seinem eigenen Reisepass verlassen
konnte. Wäre er tatsächlich seit (...) 2015 intensiv vom Militär gesucht wor-
den, wäre er damit ein nicht einzuschätzendes Risiko eingegangen durch
eine der zahlreichen Sicherheitspersonen am Flughafen aufgegriffen zu
werden und wohl kaum durch die Passkontrollen gekommen. Auf den ers-
ten Blick sichtbare Narben hat der Beschwerdeführer keine und exilpoliti-
sche Aktivitäten macht er nicht geltend. Alleine aus der tamilischen Ethnie
und der bald fünfjährigen Landesabwesenheit kann der Beschwerdeführer
keine Gefährdung ableiten. Es ist somit nicht anzunehmen, dass ihm per-
sönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen.
6.5.3 Namentlich in der Replik wird auf die aktuelle Situation in Sri Lanka
hingewiesen. Allerdings vermag auch die – als volatil zu bezeichnende –
aktuelle Lage in Sri Lanka an den obigen Ausführungen nichts zu ändern.
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka be-
wusst, beobachtet die aktuellen Entwicklungen aufmerksam und berück-
sichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Weder aus dem Machtwechsel
von 2019 noch aus dem Vorfall betreffend eine Mitarbeiterin der Schweize-
rischen Botschaft in Sri Lanka (vgl. Replik S. 3 ff.) vermag der Beschwer-
deführer für sein Asylverfahren etwas zu seinen Gunsten abzuleiten.
E-4963/2019
Seite 18
Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach speziell der Be-
schwerdeführer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt wäre. Ebenso gibt es
zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Macht-
wechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt wären.
6.6 Es bleibt festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei-
genschaft nicht erfüllt. Das SEM hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
E-4963/2019
Seite 19
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.3 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak-
ten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf-
fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte da-
für, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über
einen sogenannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von
Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persön-
lich gefährdet wäre.
8.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen.
E-4963/2019
Seite 20
8.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt Jaffna in der Nord-
provinz, zuletzt lebte er dort in G._. Der bewaffnete Konflikt zwi-
schen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende
gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation
allgemeiner Gewalt, dies auch unter Berücksichtigung der dortigen aktuel-
len Ereignisse und Entwicklungen. Nach einer eingehenden Analyse der
sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht
zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz
zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien
– insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation – bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil E-1866/2015,
a.a.O., E. 13.2).
8.3.2 In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien kann
mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass es sich beim Be-
schwerdeführer um einen jungen, unverheirateten Mann mit einem famili-
ären und sozialen Beziehungsnetz im Heimatstaat handelt. Seine Familie
lebt von der Landwirtschaft und ist gemäss seinen Angaben finanziell
weniger gut gestellt. Allerdings leben weitere Geschwister und verschie-
dene Verwandte in Sri Lanka, namentlich zur Familie väterlicherseits be-
stehen gute Beziehungen. Der Beschwerdeführer hat den Schulabschluss
im O-Level und verfügt über eine langjährige Berufserfahrung in der
(...)branche. Entsprechend ist es ihm möglich und zuzumuten, sich im Hei-
matstaat wieder eine Existenz aufzubauen. Trotz der jüngsten politischen
Geschehnisse herrscht keine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflik-
ten oder anderen unberechenbaren Unruhen dominierte Lage, aufgrund
derer Rückkehrer unabhängig ihres individuellen Hintergrunds konkret ge-
fährdet wären. An dieser Einschätzung vermag, wie bereits ausgeführt, der
Machtwechsel mit der erfolgten Präsidentschaftswahl vom 16. November
2019 nichts zu ändern.
E-4963/2019
Seite 21
8.3.3 Was die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers anbe-
langt, hat er hinsichtlich der vor zwölf Jahren erlittenen Verletzungen durch
Bombensplitter angegeben, diese würden nicht mehr schmerzen (vgl.
A7/14 S. 11). Der Beschwerdeführer leidet unter Kopf- und Nacken
schmerzen und unter Bluthochdruck. Diese gesundheitlichen Probleme
sind durch den Arztbericht vom 6. Juli 2019 belegt. Sri Lanka hat hinsicht-
lich der medizinischen Versorgung grosse Fortschritte gemacht; in den letz-
ten Jahren wurde zunehmend in das Gesundheitswesen investiert. Staat-
liche Krankenhäuser sind in jeder grösseren Stadt angesiedelt, verfügen
über modernes Gerät und bieten viele Behandlungsmethoden an. Die me-
dizinischen Dienstleistungen sind für sri-lankische Staatsangehörige in der
Regel kostenlos. Daneben existieren viele sehr gut ausgestattete – aller-
dings oft teure – Privatkliniken (vgl. Urteile BVGer E-118/2019 vom 9. April
2019 E. 10.3 und E-4556/2017 vom 14. August 2019 E. 9.3). Es ist im Kon-
text davon auszugehen, dass Bluthochdruck in Sri Lanka behandelbar be-
ziehungsweise adäquate Medikation erhältlich ist. Dasselbe kann in Bezug
auf die geltend gemachten (gemäss Arztbericht mutmasslich muskulär
bedingten) Kopf- und Nackenschmerzen gesagt werden, die in der
Schweiz mit nicht rezeptpflichtigem Magnesium und Physiotherapie be-
handelt werden.
8.3.4 Schliesslich hat bereits das SEM auf die medizinische Rückkehrhilfe
hingewiesen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2
vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]).
8.3.5 Zusammenfassend erweist sich der Vollzug der Wegweisung – auch
unter dem Aspekt der gesundheitlichen Situation – als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
E-4963/2019
Seite 22
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 4. No-
vember 2019 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung und Rechtsverbeiständung gutgeheissen hat, und den Akten keine
Hinweise auf eine massgebliche Veränderung der finanziellen Verhältnisse
zu entnehmen sind, ist einerseits auf die Erhebung von Verfahrenskosten
zu verzichten.
10.2 Andererseits ist das Honorar der beigeordneten amtlichen Rechtsbei-
ständin durch die Gerichtskasse zu vergüten. Die am 30. Dezember 2019
eingereichte Honorarnote weist einen Gesamtaufwand in Höhe von
Fr. 872.– (inkl. Auslagen) aus, was den konkreten Verfahrensverhältnissen
angemessen erscheint. Das Gesamthonorar ist in dieser Höhe festzuset-
zen.
(Dispositiv nächste Seite)
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