Decision ID: 67d2598c-9cf4-4589-b06b-291c8463f450
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, war seit dem 1. Juni 2002 als Hauswart bei der
Y._
angestellt (Urk. 9/1/1) und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Schadenmeldung vom 27. Oktober 2017
hatte
der Versicherte gleichentags einen Verkehrsunfall
erlitten, als er
seinen Personenwagen
vor einem Fussgängerstreifen
angehalten hatte
, um einen Fussgänger passieren zu lassen
,
und das von hinten nachkommende Fahr
zeug ihm ungebremst ins Heck
seines Autos
gefahren war (Urk. 9/1/2)
. Der Ver
sicherte
konsultierte
noch am Unfalltag
seine
n
Hausarzt Dr. med. Z._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, welcher ein Schleudertrauma
der Hals
wirbelsäule (HWS) gemäss
Quebec Task Force (QTF) Grad II
respektive ein mittel
schweres Distorsionstrauma der HWS mit prolongiertem Verlauf
feststellte (Urk. 9/17/1 und 3)
und ihm
Medikamente
verschrieb
und Physiotherapie
an
ordnete
(Urk. 9/17/3).
Ab
Unfalldatum
wurde
ihm
sodann
eine
100%ige Arbeits
unfähigkeit
attestiert (Urk. 9/17/3, Urk. 9/39/2, Urk. 9/60/3
, Urk. 9/99/2,
Urk.
9/122/4
)
.
Die Suva
erbrachte zunächst die gesetzlichen Leistungen (
Tag
gelder und Heilbehandlung,
Urk. 9/6/1
, Urk. 9/100
).
Nachdem sich der Versicherte unter anderem in p
sychotherapeutische Behandlung b
egeben (vgl.
Urk.
9/114/1) und sich vom 2
6.
September bis 2
4.
Oktober 2018 zwecks Rehabilitation stationär in der
A._
aufgehalten hatte (
Urk.
9/86), stellte die Suva ihre Leistungen - gestützt auf
eine Stellungnahme d
es Kreisarztes med.
pract
. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 25. Juni 2019 (Urk. 9/121)
-
m
it Verfügung vom 18. Juli 2019
per 31. Juli 2019 ein (Urk. 9/123). Dagegen erhob der Versicherte am 5. September 2019 Ein
sprache (Urk. 9/137), welche die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 26. Februar 2020 abwies (Urk. 9/1
50 = Urk. 2).
2.
D
er Versicherte
erhob
am 23. März 2020 Beschwerde
gegen den
Einsprache
ent
scheid
vom 26. Februar 2020
und beantragte,
dieser
sei aufzuheben und die Be
schwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen
aus
zurich
ten
, insbesondere weiterhin Taggelder und Heilbehandlungskosten, even
tuell eine Rente und eine Integritätsentschädigung (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerde
gegnerin
beantragte
mit Beschwerdeantwort vom
17. Juni 2020
die teilweise Gut
heissung
der Beschwerde (Urk. 7
S. 2
). Dazu reichte sie eine Stellungnahme d
er Kreisärztin med.
pract
.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 10. Juni 2020, einen Verlaufsbericht des behandelnden P
sychiaters Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 28. Mai 2020
,
sowie
die
beigezogene
n
Akten der Invalidenversicherung ein (Urk. 8/1-3). Am 20. August
2020 erstattete der Beschwerdeführer seine Replik
und erneuerte sein Rechts
begehren
(Urk. 11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 15. September 2020 auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 14), was dem Beschwerdeführer am 17. Sep
tember 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu min
destens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invaliden
versicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehand
lung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
de
m
UVG
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer
den kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Wor
ten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
3
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, De
pression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- be
ziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheit
liche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.
4
UV170070
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Er
folg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.
5
06.2008
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psy
chische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zu
nächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzu
sammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten
Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kri
terien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adä
quaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten ver
zichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur be
zeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.6
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Be
fangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Be
stehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
, in den übereinstimmenden medizinischen Berichten seien keine objektivierbaren U
nfall
folgen beschrieben worden
(Urk. 2 S. 7). Die zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen seien weitgehend vor
handen gewesen (Urk. 2 S. 8).
Der medizinische Endzustand sei spätestens am 31. Juli 2019 erreicht gewesen (Urk. 2 S. 11). Von den Adäquanzkriterien gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei keines erfüllt, weshalb zwischen den noch geklagten Beschwerden und dem Unfall kein adäquater Kausalzusammen
hang bestehe
.
Die Versicherungsleistungen
seien daher zu Recht
per
31. Juli 2019 eingestellt
worden
(Urk. 2 S. 13).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Stand
punkt, die Beschwerde
gegn
erin habe
in
radiologischer
,
neurologischer
und neuropsychologischer
Hins
icht ungenügende Abklärungen getätigt (Urk. 1 S. 4 ff.).
Betreffend den Fallabschluss brauche es eine umfassende Sachverhalts
abklärung und eine externe psychiatrische Begutachtung, ansonsten der Unter
suchungsgrundsatz verletzt sei (Urk. 1 S. 8 ff.). Da ein Endzustand nicht erreicht sei, sei auch die Adäquanzprüfung verfrüht. Die Beschwerdegegnerin habe gar keine Abklärungen zum Sachverhalt
getätigt
,
d
er für die
Beurteilung der
Adäquanzkriterien massgebend sei. Es seien ohnehin mehr als drei Kriterien er
füllt und gewisse Kriterien gar ausgeprägt (Urk. 1 S. 13).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin, sie habe die Akten im laufenden Beschwerdeverfahren und nach Vorliegen eines aktuellen Verlaufs
berichts
des behandelnden Psychiaters
der Abteilung Versicherungsmedizin vor
gelegt.
Med.
pract
.
C._
halte mit Beurteilung vom 10. Juni 2020 fest, seit der Verbesserung des psychischen Zustandsbildes ab Oktober 2019
sei
von einem psychiatrischen Endzustand auszugehen. Entsprechend
h
ätt
e
die Adäquanz
prüfung erst per Oktober 2019 vorgenommen werden dürfen
, weshalb sich die Beschwerde in diesem Punkt als begründet erweise
. Für den Zeitraum vom 1. August bis 30. September 2019 seien damit rückwirkend Leistungen zu erbrin
gen (Urk. 7 S. 5). Im Übrigen sei die Beschwerde unbegründet und deshalb abzu
weisen (Urk. 7 S. 7).
2.4
In seiner Replik
brachte
der Beschwerdeführer
vor,
die Beschwerdegegnerin habe
den
psychiatrischen Bericht eingeholt
, ohne ihn zu benachrichtigen,
und
diesen
dann der Kreisärztin zur Beantwortung des psychiatrischen Endzustandes zuge
stellt, ohne seine Mitwirkungsrechte zu wahren. Die von ihm für notwendig erachtete umfassende Begutachtung und die Einholung eines Berichtes beim Hausarzt seien demgegenüber nicht erfolgt (Urk. 11 S. 6). Es sei ihm verwehrt worden, Dr.
D._
Zusatzfragen zu stellen (Urk. 11 S. 7).
Im Weiteren habe die Beschwerdegegnerin mit ihrem Vorgehen seinen Anspruch auf rechtliches Gehör (Art.
2
9
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,
BV) sowie die Aktenführungs- und Akteneinsichtspflicht (Art. 46 und Art. 47
des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG, und Art. 8
der Verordnung über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSV)
verletzt (Urk. 11 S. 8). Selbst wenn die Aktenbeurteilung durch die Kreis
ärztin verfahrensrechtlich zulässig wäre, könne nicht darauf abgestellt werden, da Zweifel bestünden (Urk. 11 S. 9).
2.5
Strittig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer in
folge
des Unfalles vom
27. Oktober 2017
auch
über den
31. Juli 2019
hinaus Leistungen der Unfallversicherung zu erbringen hat,
beziehungsweise, ob die nach diesem Zeitpunkt
g
eklagten Beschwerden noch in einem Kausalzusammen
hang
zum
Unfallereignis stehen
. Dabei ist insbesondere auch umstritten,
ob die Beschwerdegegnerin den
relevanten
Sachverhalt rechtsgenügend abgeklärt hat
.
3.
3.1
Vorab ist auf die formellen Rügen des Beschwerdeführers einzugehen. Er macht
insbesondere unter Hinweis auf den
Devolutiveffekt
geltend
, die Einholung der
von der
Kreisärztin med.
pract
.
C._
verfassten Aktenbeurteilung
vom 1
0.
Juni 2020
sei verfahrensrechtlich nicht zulässig
gewesen
(Urk. 11 S.
5 ff.
).
Der Beschwerde
als ordentliche
s
Rechtsmittel
kommt nach
Art.
56 ff. ATSG
Devolutiveffek
t
zu.
Die formgültige Beschwerdeerhebung
begründet
(zusammen mit der Beschwerdeantwort des Versicherungsträgers) demnach grundsätzlich die alleinige Zuständigkeit des kantonalen Gerichts, über das in der angefochtenen Verfügung (bzw. im angefochtenen
Einspracheentscheid
) geregelte Rechts
verhältnis zu entscheiden. Somit verliert der Versicherungsträger die Herrschaft über den Streitgegenstand, und zwar insbesondere auch in Bezug auf die tatsächlichen Verfügungs- und Entscheidungsgrundlagen
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_410/2013 vom 15. Januar 2014 E. 5.2). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
dienen die erwähnten Regelungen
dem Gebot der Einfachheit
und Raschheit des Verfahrens (
Art.
61
lit
. a ATSG
).
Daraus ergibt sich,
dass im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren eine Sachverhaltsvervollständigung durch die Verwaltung im Rahmen punktueller Abklärungen rechtsprechungs
gemäss in aller Regel noch zulässig ist, wohingegen umfassendere Abklärungen wie eine medizinische Begutachtung mit Mitwirkung der versicherten Person oder vergleichbare zeitraubende Beweismassnahmen den Rahmen sprengen
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_410/2013 vom 15. Januar 2014 E. 5.4).
Es trifft zu, dass
die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid
zur Beantwortung der Frage, ob der medizinische Endzustand aus psychiatrischer Sicht erreicht sei,
auf die kreisärztliche Beurteilung von med.
pract
.
B._
ver
wies (Urk. 2 S. 11) und
erst
mit der Beschwerdeantwort die umfassendere Stellungnahme von med.
pract
.
C._
vom 10. Juni 2020 einreichte (Urk. 8/1).
Sie sah sich dazu offenbar veranlasst
(vgl.
Urk.
8/1 S. 13)
, nachdem der Beschwer
deführer - soweit ersichtlich - erstmals in der Beschwerdeschrift unter Hinweis auf die
seiner Ansicht nach
ungenügende Stellungnahme
med.
pract
.
B._
aus
drücklich eine externe psychiatrische Begutachtung
als notwendig erklärte
(
Urk.
1 S. 8;
vgl.
auch
Urk.
9/
137).
Die versicherungsinterne psychiatrische Aktenbeurteilung vom 1
0.
Juni 2020
(
Urk.
8/1) wurde unter Berücksichtigung
des
eingeholten
Verlaufsberichts
von
Dr.
D._
vom 28. Mai 2020 (Urk. 8/2)
, aber
ohne Mitwirkung des Beschwerdeführers
erstellt. E
ntgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (Urk. 11 S. 6)
handelte es sich dementsprechend eben
nicht um eine umfassende
- und damit unzulässige -
Abklärung im Sinne der oben dargelegten höchstrichterlichen Rechtsprechung
.
Ob die beantragte
30tägige
Fristerstreckung
zur Einreichung der Beschwerdeantwort
durch die Beschwerde
gegnerin vom 19. Mai
2020 infolge Arbeitsüberlastung, wie sie selbst vorbr
achte
(Urk. 6)
,
oder aufgrund des Umstandes erfolgte, dass die kreisärztliche Stellung
nahme von med.
pract
.
C._
zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorlag, kann dahingestellt bleiben. Denn
die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Sachverhaltsvervollständigung im Rahmen punktueller Abklärungen verursachte
jedenfalls
k
eine namhafte zeitliche Verzögerung des Verfahrens
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_899/2014 vom 28. Mai 2015 E. 3.2)
.
Zudem wurde
n
dem Be
schwerdeführer die
kreisärztliche
Stellungnahme
sowie der Verlaufsbericht des behandelnden Psychiaters
vor Durchführung des zweiten Schriftenwechsels zu
gestellt
und er konnte sich im Rahmen der Replik dazu äussern
.
Bei der kreis
ärztlichen Stellungnahme von med.
pract
.
C._
und dem Verlaufsbericht von Dr.
D._
handelt
e
es sich sodann
jeweils
nicht um ein Gutachten im Sinne von Art. 44 ATSG
, weshalb
der Einwand des Beschwerdeführers betreffend Verletzung
der Mitwirkungsrechte (Urk. 11 S. 7) nicht stichhaltig ist
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_410/2013 vom 15. Januar 2014 E. 5.5).
Damit sind sowohl die
kreis
ärztliche Stellungnahme von med.
pract
.
C._
sowie
der
Verlaufsbericht von Dr.
D._
im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen
.
3.2
Der Beschwerdeführer sieht im Vorgehen der Beschwerdegegnerin sodann einen Verstoss gegen Art. 29 BV in Verbindung mit Art. 46 und Art. 47 ATSG. Er macht namentlich geltend, die Beschwerdegegnerin setze sich im
Einspracheentscheid
nicht mit den Begründungen auseinander, welche auf die Akten Bezug nähmen
,
und
sie
habe ihm auch keine weiteren Akten im Sinne des Anspruchs auf recht
liches Gehör zugestellt (
Urk.
11 S. 8).
Entgegen der
Behauptung
des Beschwerdeführers verwies die Beschwerde
gegnerin
an mehreren Stellen
im
Einspracheentscheid
auf medizinische Unter
lagen aus den Verwaltungsakten, nahm mithin
hinreichend
auf
diese Bezug
(vgl. beispielsweise Urk. 2 S. 8).
Auch aus Art. 47
Abs.
1
lit
. a ATSG kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. So macht er nicht substantiiert geltend,
welche weiteren Akten ihm im Nachgang zu seiner Einsicht vom 5. August 2019 (Urk.
9
/136) hätten zu
gestellt werden sollen und aus den Verwaltungsakten geht auch nicht hervor, dass die Beschwerdegegnerin zum massgeblichen Zeitpunkt üb
er weitere Akten verfügt hätte
(vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 8).
Insbesondere wurden ihr die Ak
ten der
Invalidenversicherung
erst am 3. Juni 20
20
zugestellt (vgl. Urk.
9
/3,
Sedex
-Meldung Aktenversand).
Damit
gehen die
formellen Rügen des Beschwerdeführers
ins Leere.
4
.
4
.1
Dem Dokumentationsbogen für Erstkonsultationen nach
kranio
-zervikalen Be
schleunigungstraumata vom 7. Dezember 2017 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich am Tag des Unfalles vom 27. Oktober 2017 erstmals bei Dr.
Z._
behandeln liess.
Der Beschwerdeführer habe innerhalb von zwei Stunden nach dem Unfall an Kopf- und Nackenschmerzen sowie Übelkeit und ein bis zwei Tage nach dem Unfall
ausserdem
an Schlafstörungen
und ferner an Konzentrationsstörungen
gelitten (Urk. 9/17/2). Dr.
Z._
diagnostizierte ein HWS-Distorsionstrauma
Q
TF Grad II und verordnete Schmerzmittel sowie Physiotherapie (Urk. 9/17/3 f.).
4.2
Anlässlich der MR
-tomographischen
Untersuchung der HWS vom 14. November 2017 präsentierten sich fortgeschrittene Segmentdegenerationen
auf der Höhe
C5/C6 und C6/C7 mit ausgeprägten
Unkarthrosen
,
deutliche
Foramenein
engung
en
an beiden Seiten dieser Segmente
sowie
eine leichte zentrale Spinal
kanalstenose
auf der Höhe
C5/C
6.
Frakturen
waren
keine abgrenzbar (Urk. 9/15).
Am 8. Januar 2018 wurde ein
e weitere radiologische Untersuchung
der HWS durchgeführt.
Diese ergab
eine schwere Degeneration der HWS im Segment C5/C
6.
Des Weiteren erg
a
ben sich schwere fortgeschrittene Veränderungen C2/3 und geringer C6/C
7.
Es wurde festgestellt, d
as Wirbelkörperalignement sei insge
samt erhalten.
Zwischen Inklination und
Reklination
fänden sich keine Aligne
ment-Änderungen der Wirbelkörper.
Es sei
en
eine mässige Degeneration der
Fazettengelenke
zw
ischen C5 und C7 beidseits,
eine geringe
atlantodentale
De
generation
, ein schlanker prävertebraler Weichteilschatten, zervikale Weich
teilverkalkungen und frei belüftete
Mastoidzellen
erkennbar
(Urk. 9/34)
.
4.3
Mit Bericht vom 30. Mai 2018 über die gleichentags erfolgte neurologische Untersuchung stellten die
Ärzte
der
E._
die Diagnose
einer
Zervikalgie
und
Zephalgie
bei Status nach Schleudertrauma am 27. Oktober 2017 mit/
b
ei
einer fortgeschrittenen Segmentdegeneration C5/6 und C6/7, einer
neu
roforaminalen
Enge C5/6 und C6/7 beidseits sowie einer leichten zentralen Spinalkanalstenose C5/6 (Urk. 9/56/1). Klinisch zeige sich ein regelrechter Befund für Motorik und Muskeleigenreflexe. Die Sensibilitätsminderung im Bereich des rechten Armes sei am ehesten den
Dermatomen
C6 und C7 zuzuordnen,
sie
sei jedoch insgesamt unspezifisch ausgeprägt.
Elektromyographisch zeige sich ledig
lich in der C6-innervierten Muskulatur eine diskrete neurogene Veränderung ohne Hinweise auf akute
Denervierungszeichen
. Hinweise für eine
floride
Radikulopathie
C5, C6, C7 bestünden nicht. Die geschilderten Beschwerden seien insgesamt mit einem
Schleudertrauma
gut vereinbar. Bei chronischer Schmerzlast mit aktuell lediglich einer Bedarfsmedikation mit Ibuprofen sei gegebenenfalls der Ausbau der Basisanalgesie zu evaluieren. Bei Fortbestehen dieser Be
schwerden mit deutlicher
Chronifizierungstendenz
sei gegebenenfalls auch eine Zuweisung in eine spezialisierte Sprechstunde möglich. Seitens der Neurologie seien
aktuell keine weiteren Kontrollen
vorgesehen (Urk. 9/56/2).
4.4
Am 12. September 2018 führte der Kreisarzt med.
pract
.
F._
, Fach
a
rzt für Chirurgie, aus, der Unfall habe nicht zu strukturellen Läsionen geführt, welche objektivierbar seien. Eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes sei nicht auszuschliessen. Er empfehle einen arbeitsorientierten Reha-Aufenthalt in der
A._
(Urk. 9/75/1 f.).
4.
5
Vom 2
6.
September bis 24. Oktober 2018 befand sich der Beschwerdeführer stationär in der
A._
. Die
Ärztinnen der
A._
nannten im Austrittsbericht vom
25. Oktober 2018 die Diagnosen e
iner HWS-Distorsion QTF Grad II,
Spannungskopfschmerzen mit
Zervikozephalgien
sowie eine mittel
gradige depressive Episode (ICD-10 F32.1, Urk. 9/86/1).
Betreffend die Arbeits
fähigkeit, die Zumutbarkeit sowie die Eingliederungsperspektive hielten
s
ie fest, es sei eine mässige Symptomausweitung beobachtet worden. Diese sei teilweise auf eine psychische Störung zurückzuführen. Die Resultate der physischen Leistungstests seien deshalb für die Beurteilung der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen
ungenügend
erklären
(Urk. 9/86/2). Zusammengefasst sei von
myofas
zialen
Restbeschwerden auszugehen, welche sich im Verlauf weiter zurückbilden sollten (Urk. 9/86/4).
Die festgestellte psychische Störung begründe aktuell eine mindestens leichte bis mittelschwere arbeitsrelevante Leistungsminderung. Es werde eine schrittweise Wiedereingliederung, beispielsweise beginnend mit einer Arbeitsdauer von 50 % bis zu 100 % innerhalb von drei Monaten unter psy
chiatrisch ambulanter Mitbetreuung empfohlen. Gegebenenfalls sei anschliessend eine psychiatrische
Reevaluation
vorzunehmen.
Eventuell
sei je nach weiterem
Verlauf eine Massnahme der Invalidenversicherung zur Steigerung der psychi
schen Belastbarkeit zu empfehlen (Urk. 9/86/2). Für die zuletzt ausgeübte Tätig
keit als Hauswart gelte eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab dem 25. Oktober 2018, 25 %
ab dem 12. November 2018 und 0 % ab dem 26. November 201
8.
Nach längere
r
Arbeitsunfähigkeit sei ein erleichterter Wiedereinstieg zu empfehlen mit anfangs noch reduzierter Leistung. Diese sei dann
innerhalb der genannten Zeitspanne
schrittweise bis zum Vollpensum auszudehnen. Es werde eine Leistungsprüfung im Betrieb nach zirka vier Wochen empfohlen (Urk. 9/86/3).
4.
6
A
m 2
4.
Januar 2019
unterzog sich
d
er Beschwerdeführer einer
endovaskulären
kathetertechnischen
Rekanalisation
der
femoropoplitealen
Achse rechts inklusive einer
Stentimplantation
(Urk. 9/107/1). Dem Bericht von Dr. med.
G._
vom 29. Januar 2019 ist zu entnehmen, dass der Eingriff komplikations
los habe durchgeführt werden können. Der Beschwerdeführer
berichte
über eine Beschwerdefreiheit im Zusammenhang mit dem rechten Bein, wobei nun das linke Bein symptomatisch sei (Urk. 9/106/1). Am 27. Februar 2019 werde voraus
sichtlich eine
endovaskuläre
Therapie des linken Beines durchgeführt (Urk. 9/106/2).
Am 10. Mai 2019 fand sodann eine sechsfache koronare Bypass-Operation statt
(Urk. 8/3 S. 70)
und der Beschwerdeführer
begab
sich
in der Folge
vom 1
9.
Mai
bis 15. Juni 2019 in d
ie
H._
(Urk. 8/3 S. 28). D
er berichtende Arzt
des
I._
bezeichnete de
n
kardialen Verlauf
am 3
0.
August 2019,
dreieinhalb Monate nach der erfolgten Operation
,
als erfreulich (Urk. 8/3 S. 71).
4.
7
Mit Bericht vom 18. März 2019
diagnostizierte
der behandelnde Psychiater, Dr.
D._
,
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
bei
Status nach PW-Auffahrunfall, sowie Kopf- und Nackenschmerzen und
Schwankschwindel
(Urk. 9/114/1).
Er fügte an, seit dem Unfall habe sich insgesamt eine diskrete Verbesserung der Symptomatik gezeigt. Für den weiteren Aufbau der Belastungs
fähigkeit sowie für eine längerfristige Stabilisierung des Gesundheitszustandes benötige der Beschwerdeführer
aus psychiatrischer Sicht weiterhin regelmässig stattfindende psychotherapeutische Sitzungen mit integrierter Pharmakotherapie. Dies als Ergänzung zur stattfindenden somatischen Behandlung (Chiropraktik, Pharmakotherapie). Die Therapiesitzungen würden den Beschwerdeführer in sei
nem Prozess des Wiederaufbaus von Sicherheit und damit in seiner Funktions- und Belastungsfähigkeit stützen. Ob ein Wiedereinstieg in die Arbeit möglich sei, werde sich im weiteren Verlauf zeigen. Der Integrationsversuch in die bisherige Arbeit mit 20 % habe sich eindeutig als zu belastend erwiesen und habe starke negative Auswirkungen auf die Befindlichkeit und das Symptombild des Beschwerdeführers gehabt. Vor dem Hintergrund der vorliegenden depressiven Symptomatik sei aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus
gewiesen (Urk. 9/114/4).
4.
8
Am 25. Juni 2019 erstattete der Kreisarzt med.
pract
.
B._
seine Stellungnahme. Darin führte er aus, aufgrund der klinischen Erfahrung mit ähnlich gelagerten Fällen sei von weiteren psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen eine namhafte Besserung im Sinne einer Wiedererlangung einer Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt wahrscheinlich nicht mehr zu erwarten.
Eine Ab
grenzung zwischen einer erheblichen vorbestehenden Vulnerabilität zu den nach dem Unfallereignis aufgetretenen
,
erheblichen
und
unfallfremden Herzproblemen und allfälligen unfallkausalen psychischen Folgen sei kaum mehr möglich. Der Beschwerdeführer habe schon vor dem Unfallereignis an Überlastungsgefühlen gelitten, welche aufgrund der allgemeinen medizinischen Erfahrung bereits mit den kardialen Problemen im Zusammenhang gestanden haben könnten. Es sei die stationäre kardiologische Rehabilitation in
H._
abzuwarten und
dort
ein Bericht einzuholen. Da schon jetzt absehbar sei, dass psychiatrisch-theoretisch der aktuelle psychische Zustand auch ohne das Unfallereignis denkbar sei, sei hier zu Fragen der Unfallkausalität sowie des stabilen Gesundheitszustandes möglicherweise ein externes psychiatrisches Gutachten unumgänglich. Es bestehe eine komplizierte versicherungsmedizinische Ausgangslage (Urk. 9/121).
4.
9
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens holte die Beschwerdegegnerin einen Ver
laufsbericht bei Dr.
D._
vom 28. Mai 2020 ein. Dieser nannte in Abweichung
von
seinem Bericht vom 18. März 2019 noch eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0). Dazu ergänzte er, ab Oktober 2019 sei von einem zwei- bis drei
wöchigen in ein monatliches Therapiesetting gewechselt worden
, zumal sich die depressive Symptomatik rückläufig gezeigt habe
(Urk. 8/2 S. 1).
Für eine länger
fristige Stabilisierung des Gesundheitszustandes seien monatlich stattfindende psychotherapeutische Sitzungen zu empfehlen, dies als Ergänzung zur statt
findenden somatischen Behandlung (Chiropraktik, Pharmakotherapie). Die Therapiesitzungen würden den Beschwerdeführer auf dem Weg zu mehr (Selbst-) Sicherheit und Lebensmut unterstützen (Urk. 8 S. 3).
4.
10
Die Kreisärztin med.
pract
.
C._
erklärte in ihrer Stellungnahme vom 10. Juni 2020,
die vorhandenen Unterlagen seien ausreichend für eine versicherungs
psychiatrische Beurteilung. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht sei die mittel
gradige depressive Episode, welche sich nach dem Unfall vom 27. Oktober 2017 entwickelt habe, teilweise durch unfallfremde Faktoren (vorbestehende Schwierigkeiten am Arbeitsplatz bei Arbeitsverdichtung und hohem Pflicht
bewusstsein) mitbedingt. Eine natürliche Teilkausalität sei jedoch nicht zu ver
neinen. Einer erfolgreichen Eingliederung stünden vor allem unfallfremde Fakto
ren (somatische Erkrankungen,
pAVK
, KHK mit
sechsfachem
Bypass,
das
Alter des Beschwerdeführers sowie die Arbeitsplatzproblematik) entgegen. Ein Arbeits
versuch mit 20 % sei nach Angaben der Psychotherapeutin Anfang 2019 erfolgt und
aufgrund einer
unfallfremde
n
somatische
n
Problematik und Überforderung abgebrochen worden. Mittlerweile sei es zu einer Besserung der depressiven Symptomatik gekommen. Es liege nur noch eine leichte depressive Episode vor. Als Anhaltspunkt für den Zeitpunkt der Besserung werde im aktuellen psychiatrischen Verlaufsbericht Anfang Oktober 2019 angegeben. Zu diesem Zeitpunkt sei auch die Behandlungsfrequenz reduziert worden. Die leichte depressive Episode sei weiterhin mitbedingt durch die beschriebenen unfall
fremden Faktoren, sodass aus versicherungspsychiatrischer Perspektive davon ausgegangen werden müsse, dass bezüglich der unfallbezogene
n
psychischen Symptome seit Oktober 2019 keine namhafte Besserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei. Dies werde auch dadurch
gestützt
, dass die Psychotherapeutin selbst eine weitere stabilisierende Psychotherapie empf
ohlen habe
, mithin also auch keine Besserung der Symptomatik mehr erwarte, sondern nur von einer Stabilisierung auf gleichem Niveau ausgehe. Somit sei seit der Verbesserung im Oktober 2019 von einem psychia
trischen Endzustand auszugehen
.
Med.
pract
.
B._
habe in seiner letzten Stellungnahme vorgeschlagen, den Be
richt der
H._
abzuwarten. Dieser liege mittlerweile vor und aus dem zu
sätzlich eingegangenen psychiatrisch-psychotherapeutischen Verlaufsbericht vom 28. Mai 2020 hätten sich noch neue Aspekte (Verbesserung) ergeben
(Urk. 8/1 S. 14).
5.
Es ist vorab zu prüfen,
wann
der medizinische Endzustand im Sinne von Art. 19
Abs.
1 UVG erreicht
war
.
5.1
Der Fallabschluss
hat in dem Zeitpunkt zu erfolgen, in dem
von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG,
Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts
8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3, Urteil
des Bundesgerichts
8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE 134 V 109 und Urteil
des Bundesgerichts
8C_454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
«
Namhaft»
bedeutet, dass die durch weitere zweckmässige
Heilbehandlung
erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss, was
prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen
zu be
urteilen ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen).
5.2
In psychi
atri
scher Hinsicht führte die Kreisärztin med.
pract
.
C._
nachvoll
ziehbar aus, dass es mittlerweile zu einer deutlichen Besserung der depressiven Symptomatik gekommen ist und der psychische Endzustand im Oktober 2019 erreicht war (Urk. 8/1 S. 14). Dies korreliert insbesondere mit dem Bericht des behandelnden
Dr.
D._
, welcher am 28. Mai 2020 erklärte, seit dem letzten Jahr habe sich insgesamt erneut eine diskrete Verbesserung der depressiven Sympto
matik gezeigt, sodass ab Oktober 2019 in ein monatliches Therapiesetting habe gewechselt werden können (Urk. 8/2 S. 1). Die weiterhin stattfindende Therapie bezeichnete er hingegen als stabilisierend (Urk. 8/2 S. 2). Es ist daher davon aus
zugehen, dass ab Oktober 2019 keine Besserung, sondern nur eine Stabilisierung des Gesundheitszustandes ohne namhafte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit er
wartet werden konnte.
Anderslautende medizinische Unterlagen sind nicht aktenkundig. Auf die kreisärztliche Stellungnahme ist damit abzustellen, zumal keine Zweifel an der Einschätzung von med.
pract
.
C._
bestehen.
5.3
Zu diesem Zeitpunkt war auch der somatische End
zustand erreicht. Dafür spricht insbesondere, dass anlässlich des Aufenthaltes in der
A._
zwar die Belastbarkeit
des Beschwerdeführers verbessert, seine Schmerzsymptomatik jedoch kaum
noch
positiv beeinflusst werden konnte (Urk. 9/86/4).
Auch der Beschwerdeführer
selbst
sah sich für die Tätigkeit als Hauswart als nicht mehr arbeitsfähig an (Urk. 9/86/6). Die im Oktober 2019 noch durchgeführte Chiro
praktik stellt sodann eine
manualtherapeutische
Behandlungsmassnahme
dar, welche nicht als
kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine nam
hafte Verbesserung des Gesundheitszustandes ge
richtete ärztliche Behandlung
im Sinne der Rechtsprechung
gilt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_306/2016 vom 22. September 2016 E. 5.3 mit Hinweis).
Welche ärztlichen Behandlungen der Beschwerdeführer darüber hinaus
im Oktober 2019 noch in Anspruch
genommen hätte
und
inwiefern
diese zu einer namhaften Besserung des Gesundheits
zustandes
hätten
führen sollen
,
begründete
er weder in seiner Einsprache noch
in seiner Beschwerde
(Urk. 1 S. 8, Urk. 9/137/6).
Die Beschwerdegegnerin hat sodann den Entscheid der Invalidenversicherung ab
gewartet. Diese entschied am 12. Februar 2019, dass keine Eingliederungs
massnahmen möglich seien (Urk. 9/105/2).
Zusammenfassend steht fest, dass der medizinische Endzustand
(
spätestens
)
am 30. September
2019 erreicht war
, wovon
auch
die Beschwerdegegnerin in Rahmen
Vernehmlassung ausging
und insoweit
zu Recht
um teilweise Gut
heissung der Beschwerde ersuchte
(
Urk.
7)
.
6
.
6
.1
Aus den Akten geht hervor, dass
der
Beschwerdeführer beim Unfall
vom 27. Oktober 2017
ein Schleudertrauma der
Halswirbelsäule
erlitten hat.
Denn es
traten innert der massgeblichen Latenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Ereignis
die zum typischen
(bunten)
Beschwerdebild
dieser Verletzung
gehörenden
K
opf- und Nackenschmerzen, Übelkeit,
Schlafstörungen
, Konzentra
tionsstörungen und Schwindel
auf
(
Urk. 9/17/2,
Urteil des Bundesgerichts 8C_277/2010 vom 24. September 2010 E. 6.2
). Der Hausarzt des Beschwerde
führers diagnostizierte denn auch am 7. Dezember 2017 ein mittelschweres HWS-Distorsionstrauma mit prolongiertem Verlauf (Urk. 9/17/3)
.
Sodann führten
auch die
Ärzte
der
E._
aus, die geschilderten Beschwerden seien mit einem Schleudertrauma gut vereinbar (Urk. 9/56/2)
.
6
.2
Zu prüfen ist im Weiteren
, ob beim Beschwerdeführer organisch ausgewiesene Unfallfolgen vorliegen.
Von organisch ausgewiesenen Unfallfolgen kann erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die h
i
erbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissen
schaftlich anerkannt sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom 18. September 2018 E. 4.1.1 mit weiteren Hinweisen).
Diesbezüglich geht aus den Akten hervor, dass im MRI vom 14. November 2017 keine Frakturen abgrenzbar waren
, sondern fortgeschrittene Segmentdegenerationen C5/C6 und C6/C7 mit ausgeprägten
Unkarthrosen
und einer deutlichen
Forameneinengung
sowie eine leichte zentrale Spinalkanalstenose C5/C6
festgestellt wurden
(Urk. 9/15).
Ent
gegen der Ansicht des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 5) wurde die Bildgebung durch einen fachkundigen Experten beurteilt
(Prof. Dr. med. J._
, Facharzt für Radiologie
, Chefarzt an der
E._
). Die MR-tomographische Untersuchung erfolgte sodann explizit auf die Frage hin, ob
ligamentäre
Läsionen der HWS, eine Diskush
ernie oder eine Fraktur vorlägen
, was verneint wurde
(Urk. 9/15)
.
Weshalb
Prof. Dr.
J._
nicht in der Lage sein sollte, die Befunde korrekt zu beurteilen, ist nicht ersichtlich.
Damit ist davon auszugehen, dass der Unfall keine traumatischen Läsionen zur Folge hatte.
In neurologischer Hinsicht stellten die
Ärzte
der
E._
die Diag
n
osen einer
Zervikalgie
und
Zephalgie
bei Status nach Schleudertrauma mit den
erwähnten
Degenerationen (Urk. 9/56/1).
Sie wiesen anschliessend darauf hin, dass sich klinisch ein regelrechter Befund für Motorik und Muskeleigen
reflexe gezeigt
hatte
und die Sensibilitätsminderung im Bereich des rechten Ar
mes unspezifisch ausgeprägt
war
.
Zudem fanden sie keine Hinweise auf eine
floride
Radikulopathie
in den
Dermatomen
C5, C6 und C
7.
W
eitere Kontrollen
vereinbarten sie nicht
(Urk. 9/56/2)
und
sie
sahen auch keine Veranlassung
dazu
, die Schwindel- oder Kopfschmerzproblematik näher abzuklären. Damit erkannten auch die neurologischen Fachärzte keine organische Ursache der Beschwerden
.
Schliesslich
befanden
auch die Ärzte der
A._
,
dass sich
das Aus
mass der demonstrierten physischen Einschränkungen mit den objektivierbaren
pathologischen Befunden, der klinischen Untersuchung und der bildgebenden Abklärung ungenügend erklären
liess
(Urk. 9/86/2). Die
von ihnen
attestierte Arbeitsunfähigkeit bezog sich denn auch ausschliessl
ich auf die psychische Stö
rung
(Urk. 9/86/
2 f.)
. Ferner empfahlen sie keine weiteren medizinischen Abklä
rungen, sondern lediglich die weitere ambulante Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie (MTT) sowie die Fortsetzung des instruierten Heimprogramms (Urk. 9/86/2)
.
Weshalb die
Berichterstatter
als Ärzte der arbeitsorientierten Reha
bilitation
nicht für eine fachliche
Abklärung
betreffend
organische Unfallfolgen
«
zuständig
»
sein sollten
,
wie der Beschwerdeführer geltend macht,
erschliesst sich
nicht und
geht
auch
aus
dem vo
n ihm
zitierten Bundesgerichtsurteil BGE 134 V 109 E. 9.5 nicht
hervor
(Urk. 1 S. 5).
Zusammenfassend lassen sich den Akten keine Hinweise auf organische Unfall
folgen entnehmen
, was auch von Kreisarzt med.
pract
.
F._
bestätigt wurde (Urk. 9/75/
1 f.).
Da der
Beschwerdeführer
nicht aufzuzeigen vermag, dass die über den
30. September 2019
hinaus anhaltend geklagten Beschwerden von versicherungsexternen Fachpersonen als organisch hinreichend nachweisbar qualifiziert worden wären,
sind
selbst
geringe Zweifel an der Richtigkeit
der
Schlussfolgerung des Kreisarztes zu verneinen (Urteil des Bundesgerichts 8C_106/2020
vom 1
7.
März 2020
E. 4.1).
6.3
Fehlt es nach dem Gesagten an organisch objektiv ausgewiesenen
F
olgen
des Unfalles vom
27. Oktober 2017
,
schliesst das zwar die natürliche Unfallkausalität der bestehenden Beschwerden nicht aus. Anders als bei einem klaren unfall
bedingten organischen Korrelat
,
kann der zusätzlich zum natürlichen erforderliche adäquate Kausalzusammenhang aber nicht ohne besondere Prüfung bejaht werden. Ergibt sich hierbei, dass es an der Adäquanz fehlt, erübrigen sich auch Weiterungen zur natürlichen Kausalität (BGE 135 V 465 E. 5.1).
Ob
die
Prüfung der Adäquanz nach der Psycho-Praxis (BGE 115 V 133) oder der Schleudertrauma-Praxis
(BGE 134 V 109)
zu erfolgen hat, kann vorliegend
offen bleiben
, da die A
nwendung
der Schleudertrauma-Praxis für die versicherten Per
sonen günstiger ist
(vgl. hierzu:
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfall
versicherung, Zürich/Basel/Genf 2012, S. 60).
7.
7.1
Im Hinblick auf die Prüfung der Adäquanz ist zunächst der
Unfall
nach seiner Schwere zu qualifizieren, welche sich nach dem augenfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften bestimmt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_53/2019 vom
9. Mai 2019 E. 5.2 mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Auffahrkollision als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen (Urk. 2 S. 12, Urk. 7 S. 5). Der Beschwerdeführer
ordnet
den Unfall
hingegen
als mindestens mittelschwer
im engen Sinn
ein
(Urk. 1 S. 11).
Einfache Auffahrunfälle werden rechtsprechungsgemäss in der Regel als mittel
schwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert.
Gemäss Unfall-Gutachten betrug die stossbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) des Fahrzeugs des Beschwerdefüh
rers 16-19 km/h (Urk. 9/68/17).
Die Qualifikation eines Unfalls als leicht, mittelschwer oder schwer ist eine Rechtsfrage, welche
nicht durch den Unfallanalytiker, sondern durch den rechtsanwendenden Unfall
versicherer oder gegebenenfalls das Sozialversicherungsgericht zu entscheiden ist (Urteile
des Bundesgerichts
8C_137/2014 vom
5.
Juni 2014 E. 6.2 und 8C_786/2009
vom
4.
Januar 2010 E. 4.6.1).
Angesichts
des Umstandes, dass das Bundesgericht Auffahrunfälle mit einem Delta-v von 14.5 bis 18.5
(Urteil des Bundesgerichts U 297/06 vom 2
4.
August 2007 E. 4.2)
beziehungsweise auch sol
che mit einem Delta-v unterhalb oder knapp innerhalb eines Bereichs von 20-30 km/h
(Urteil des Bundesgerichts 8C_493/2018 vom 1
2.
September 2018 E. 5)
als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten
bewertete, ist
die Qualifikation der Beschwerdegegnerin
jedenfalls auch unter diesem Aspekt
nicht zu beanstanden
.
Die Einwände des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 10 f.) vermögen daran nichts zu ändern.
Die Kollision des
auffahrenden Autos mit dem
vom Beschwerdeführer gelenkten Fahrzeug war
zwar von einer gewissen Wucht
, was auch
die Bilder der Schäden am
Wagen
des Beschwerdeführers
belegen
(Urk. 9/68/7 ff.). Dies alleine rechtfertig
t
jedoch nicht die Qualifikation als mittelschwere
r
Unfall im engeren Sinn. Ein solcher
wurde
gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung beispiels
weise
in einem Fall angenommen, bei welcher ein Fahrzeug
mit e
iner Geschwindigkeit von ca. 90
km/h frontal in einen
stehenden Personenwagen prallte. Weiter wurde
etwa
ein mittelschwerer Unfall angenommen, als ein Wagen
frontal mit einem anderen Personenwagen kollidierte, wobei die Geschwindigkeit des unfallverursachenden Personenwagens 30 bis 40 km/h betrug und diejenige des beteiligten Fahrzeugs auf
circa
70 bis 80 km/h geschätzt wurde
(vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 8C_212/2019 vom 21. August 2019 E. 4.2.2). Krafteinwirkungen von einem solchen Ausmass lagen im vorliegenden Fall
bei einer Kollisions- beziehungsweise Differenzgeschwindigkeit von 25-30 km/h
nicht vor. Damit
bleibt es dabei, dass
von einem mittleren
Unfall
im Grenzbereich zu den leichten Unfällen auszugehen
ist
.
Die adäquate Unfallkausalität des Gesundheitsschadens kann
daher
nur bejaht werden, wenn
wenigstens
vier der sieben Adäquanzkriterien erfüllt sind oder eines
in
besonders ausgeprägter Weise
vorliegt (BGE 134 V 109 E. 10.3).
7.2
Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Ein
drücklichkeit des Unfalls ist objektiv zu beurteilen und nicht aufgrund des
sub
jektiven Empfindens beziehungsweise des Angstgefühls der versicherten Person. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Ein
drücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für die Bejahung
des Kriteriums ausreichen kann
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_9/2010 vom 11. Juni 2010 E. 3.7.1 mit Hinweisen).
Der Unfall ereignete sich
, als das Fahrzeug des Beschwerdeführers
vor einem Fussgängerstreifen
still stand
. Der Airbag wurde
nicht ausgelöst
,
der Beschwerdeführer
war jederzeit bei vollem Bewusstsein und
konnte nach dem Unfallereignis selbständig mit dem Auto weiterfahren
(U
r
k. 9/
17/1)
.
Somit lag
klarerweise
keine lebensbedrohliche Situation vor
, viel
mehr
handelte
es
sich um einen Auffahrunfall ohne besonders dramatische Begleitumstände (vgl. Urteil des Bundesgerichts U
198/02 vom 20. Dezember 2002 E. 3.3.1 und 3.3.2).
Der subjektive Schock sowie die geltend gemachten, anhaltenden Flashbacks
des Beschwerdeführers
(Urk. 1 S. 11) sind vor diesem Hintergrund nicht relevant.
7.3
Der Beschwerdeführer zog sich auch keine schweren oder in ihrer Art besonderen Verletzungen zu. So sind dem MRI vom 14. November 2017 keine radiologisch sichtbaren
Traumafolgen
zu entnehmen (Urk. 9/15).
Die Diagnose eines Schleudertraumas der HWS
genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums
der Schwere
und
besonderen Art der erlittenen Verletzungen. Es be
darf hierzu einer besonderen Schwere der für das Verletzungsbild typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beeinflussen
können.
Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits
erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule trifft, ist speziell geeignet, die typischen Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren ist (Urteil des Bundes
gerichts 8C_785/2007 vom 11. Juni 2008 E. 4.4).
Dem MRI vom 14. November 2017
lassen sich
zwar degenerative Veränderungen
im Sinne fortgeschrittener Segmentdegenerationen mit ausgeprägten
Unkarthrosen
entnehmen (Urk. 9/15).
Es ist
indessen
nicht aktenkundig, dass
der Beschwerdeführer
vor dem Ereignis vom
27. Oktober 2017
aufgrund von HWS-Beschwerden
arbeitsunfähig oder des
wegen in ärztlicher Behandlung war, so dass nicht davon auszugehen ist, dass die Wirbelsäule dermassen erheblich vorgeschädigt war, d
ass die
erlittene HWS-Distorsion als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren wäre.
Der Umstand, dass gemäss biomechanischem
Gutachten -
offenbar mit Blick auf die degenerativen Veränderungen an der HWS -
eine Abweichung vom Normalfall
in Betracht ge
zogen wurde
(Urk. 9/73/4)
, reicht für die Bejahung des Kriteriums nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008 E. 7.2.2).
Der Beschwerde
führer
zog
sich ferner neben der HWS-Distorsion keine
äussere
n Verletzungen zu (Urk. 9/17/3).
Er
sass zudem
aufrecht in seinem Fahrzeug, weshalb sich auch keine Anhaltspunkte für eine beim Unfall innegehabte besondere Köperhaltung ergeben,
die
Komplikationen hätten bewirken können (Urteil des Bundesgerichts 8C_415/2007 vom 1. Juli 2008 E. 7.2).
7.4
Auch das Kriterium der fortgesetzten
spezifischen und belastenden ärztlichen Be
handlung
ist vorliegend
nich
t
erfüllt
.
Denn
einzig aufgrund des Umstandes, dass
der Beschwerdeführer seine
Beschwerden seit dem Unfall
mithilfe
verschiedene
r
Fachpersonen zu lindern versuchte,
ergibt sich
noch keine erhebliche Belastung im Sinne der Rechtsprechung, zumal eine Behandlungsbedürftigkeit (in Form medikamentöser Schmerz- und Physiotherapie)
rechtsprechungsgemäss
sogar noch während
zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma der HWS
als
durchaus üblich
anzusehen
wäre
(Urteil des Bundesgerichts 8C_402/2007 vom 23. April 2008 E. 5.2.3).
Der Beschwerdeführer unterzog sich im Wesen
tlichen
chiropraktischen
und psychotherapeutischen
Behandlungen
(Urk. 9/42
, Urk. 9/114/3), welche keine spezifischen und belastenden ärztlichen Behandlun
gen darstellen. Welche weiteren Behandlungen der Beschwerdeführer seither in Anspruch genommen
haben soll
, führt er nicht näher aus (Urk. 1 S. 11) und sol
che waren auch dem behandelnden Dr.
D._
offenbar nicht bekannt. Dieser ver
wies lediglich auf die Chiropraktik und
die
Pharmakotherapie (Urk. 8/2 S. 3).
7.5
Zu prüfen ist weiter das Kriterium der
erheblichen
Beschwerden.
D
ie Erheblichkeit beurteilt
sich
nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person in
ihrem Lebensalltag erfährt (Urteil des Bundes
gerichts 8C_768/2007 vom 4. August 2008 E. 4.2).
Dr.
D._
führte in seinem Bericht vom 28. Mai 2020 aus, der Beschwerdeführer leide nach wie vor unter Schwindel, Erschöpfungssymptomen, Kopfschmerze
n, Schmerzen in der Stirn
region,
Verspannungen im Nacken
und einer tiefen Lärmtoleranz
(Urk. 8/2 S. 1
f.
).
Der Beschwerdeführer
ist
durch die beschriebenen Beschwerden
unbestrittenermassen in seinem
Lebensalltag eingeschränkt.
So konnte
er
nicht mehr an
seinen
angestammten Arbeitsplatz zurückkehren und ein Arbeitsversuch scheiterte
(Urk. 9/114/3). Die
Beschwerden übersteigen das bei HWS-Distorsionen übliche Mass jedoch nicht derart, dass das Kriterium in besonders ausgeprägter Weise bejaht werden könnte. Immerhin finden sich in den Akten keine Hinweise darauf, dass
der Beschwerdeführer
derart eingeschränkt wäre, dass
er seinen
Lebensalltag aufgrund der beschriebenen Schmerzen nicht mehr alleine meistern könnte
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_580/2010 vom 30. August 2010 E. 5.3.2).
Das Kriterium ist
daher
in einfacher, aber
nicht in ausgeprägter Weise erfüllt.
7.6
Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit
kann nur erfüllen, wer zur
Überwindung der
Arbeitsunfähigkeit
nachweislich
ernsthafte Anstrengungen
unternimmt. Konkret muss der Wille erkennbar sein, sich durch a
ktive Mit
wirkung
raschmöglichst
wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern
(BGE 134 V 109 E. 10.2.7).
Ein einmaliger Arbeitsversuch reicht für die Bejahung des Kriteriums nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 8C_318/2013 vom 18 September 2013 E. 5.4).
Gemäss
Akten unternahm der Beschwerdeführer lediglich
eine
n
ein
zigen
Arbeitsversuch im Rahmen von 20 %, welcher
offenbar wegen einer
unfallfremden somatischen Problematik und Überforderung abgebrochen
wurde (Urk. 8/1 S. 14). Dass er seither weitere Arbeitsversuche getätigt hätte,
macht
er nicht
geltend
(Urk. 1 S. 12 f.). Zudem gab er anlässlich seines Aufenthaltes in der
A._
im Herbst 2018 an, er fühle sich für die Tätigkeit als Hauswart nicht arbeitsfähig und mache sich Gedanken über eine Frühpension und eine mögliche Auswanderung (Urk. 9/86/4 und 6). Damit ist das Kriterium
der erheb
lichen Arbeitsunfähigkeit
nicht erfüllt. Daran ändert auch nichts, dass die Beschwerdegegnerin keinen Case-Manager eingesetzt hat, zumal
auch
nicht er
sichtlich ist, dass der Beschwerdeführer dies verlangt hätte (Urk. 1 S. 12 f.).
7.7
Keine Hinweise ergeben sich sodann auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert
hätte. Dieses Kriterium ist ohne Weiteres zu verneinen.
Ob das
Kriterium «schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplik
ationen»
insbesondere
aufgrund der
infolge der
Herzproblematik
durchgeführten
Operationen
(Urk. 9/107,
Urk.
8/3 S. 35)
erfüllt ist, kann
offen bleiben
, da es je
denfalls nicht in ausgeprägter Form vorliegt.
Denn aus dem Bericht über die am
bulante Kontrolle im
I._
vom 29. August 2019 geht hervor, dass sich der kardiale Verlauf nach der koronaren Bypass-Operation erfreulich gestaltete (Urk. 8/3 S. 71).
Damit liegen höchstens zwei Kriterien – jenes der erheblichen Beschwerden und des schwierigen Heilungsverlaufes und der erheblichen Komplikationen – vor und dies nicht in ausgeprägter Weise.
Damit ist die Adäquanz zu verneinen.
Zusammenfassend ist die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin über den 30. September 2019 hinaus zu verneinen. Dies führt zur teilweisen Gutheiss
ung der Beschwerde.
8.
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Obwohl das Begehren des Beschwerdeführers auf weitere Ausrichtung der gesetz
lichen Leistungen nur teilweise gutgeheissen wurde, hat sein «Überklagen» den Prozessaufwan
d nicht wesentlich beeinflusst
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
Ins Gewicht fällt ausserdem, dass die Beschwerdegegnerin die kreisärztliche Stellungnahme
von med.
pract
.
C._
(Urk. 8/1) sowie den Verlaufsbericht von Dr.
D._
(Urk. 8/2)
, welche Grundlage für die Beurteilung der Streitsache waren,
erst im laufenden Beschwerdeverfahren eingereicht
hat. Von einer Kürzung der Prozess
entschädigung ist daher abzusehen.
In Anwendung
der zuvor genannten
Kriterien erscheint eine Entschädigung
von
Fr. 2'
3
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
angemessen, welche aus
gangsgemäss
der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen ist
.