Decision ID: d3114e8d-46ea-4279-825c-5fa5c9b97dbf
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, meldete sich am 1
1.
August 2010 (Eingangsda
tum) unter Hinweis auf einen Status nach schwerer depressiver Episode 2006, schädlichem Gebrauch von Alkohol und Kokain 2006 und pathologischen Rauschzuständen unter Alkoholeinfluss bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug (Massnahmen für die beruf
liche Eingliederung) an (
Urk.
9
/7). Nach beruflichen und medizinischen Abklärungen lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
1.
März 2011 d
as Leistungsbegehren ab (
Urk.
9
/32).
Am 2
5.
Januar 2013 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle unter Hinweis auf Depressione
n zum Leistungsbezug an (
Urk.
9
/37).
Mit Vorbescheid vom 2
1.
Januar 2014 (
Urk.
9/52) stellte die
IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, sein Leistungsbegehren abzuweisen. Hier
gegen erhob der Versicherte durch Rechtsanwältin Christina Ammann am 2
1.
Februar 2014 Einwand und beantragte in prozessualer Hinsicht die Bestel
lung von Rechtsanwältin Christina Ammann als unentgeltliche
Rechtsbeiständin
(
Urk.
9/59; ergänzende
Einwandbegründung
vom 1
8.
März 2014,
Urk.
9/63).
Mit
Verfügung vom 2
5.
November 2014 (
Urk.
9/
67
)
verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch
des Versicherten
, wogegen dieser
am
5.
Januar 2015
beim hiesigen Gericht Beschwerde erhob (
Urk.
9/70 S. 3 ff.; Prozess-Nr. IV.2015.00016). Mit Verfügung vom 3
1.
März 2015 (
Urk.
2) wies die IV-Stelle das Gesuch um Bestellung von Christina Ammann als unentgeltliche
Rechtsbei
ständin
für das
Einwandverfahren
ab (
Urk.
2).
2.
Gegen die Abweisung des Gesuchs um Bestellung von Rechtsanwältin Christina Ammann als unentgeltliche
Rechtsbeiständin
erhob der Versicherte am
6.
Mai 2015 Beschwerde und beantragte, es sei ihm in Aufhebung der genannten Ver
fügung im
Vorbescheidverfahren
eine unentgeltliche
Rechtsbeiständin
in der Person der unterzeichnenden Anwältin zu bewilligen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er im vorliegenden Beschwerdeverfahren um die unentgeltliche
Pro
zessführung
sowie die Bestellung von Rechtsanwältin Christina Ammann als unentgeltliche
Rechtsbeiständin
(
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin
schloss mit Beschwerdeantwort vom
9.
Juni 2015 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
9/1-74), was dem Beschwerdeführer am 1
0.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Mit Schreiben vom 1
7.
August 2015 reichte der Beschwerdeführer den Zwischenbericht von
Y._
vom 2
7.
Juli 2015 ein (
Urk.
11,
Urk.
12).
3.
Mit heutigem Urteil wurde die vom Beschwerdeführer am
5.
Januar 2015 gegen die Verfügung vom 2
5.
November 2014 erhobene Beschwerde
in dem Sinne gutgeheissen, dass
die angefochtene Verfügung vom 2
5.
November 2014 aufge
hoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, zurückge
wiesen wird, damit diese, nach den erforderlichen
Abklärun
-
gen
, über den Leistungsanspruch de
s Beschwerdeführers neu verfüge
(
Urk.
9/67;
Urk.
9/70; Prozess-Nr. IV-2015.00016).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochte
nen Verfügung vom 3
1.
März 2015
dafür, dass es sich bei den vom Beschwerdeführer und med.
pract
.
Z._
,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
genannten Diagnosestellungen
nicht um psychische Beeinträchtigungen handle, welche einen dauerhaften IV-relevanten Gesundheitsschaden begründen könn
ten.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung handle es
sich
bei einer mit
telgradigen depressiven Episode definitionsgemäss um ein vorübergehend
es Leiden, welches in der Regel
nicht invalidisierend sei. Daran ändere auch nichts, dass die Episode von med.
pract
.
Z._
vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden sei, da es sich dabei um einen Befund handle, der seinerseits wiederholt depressive Episoden cha
rakterisiere. Die Besserung zwischen den Episoden sei aktenkundig ausgewiesen. Des Weiteren seien sämtlichen medizinischen Berichten erhebliche psychosozi
ale Belastungsfaktoren zu entnehmen, welche dem Bericht
des Regionalen Ärzt
lichen Dienstes
(RAD)
entsprechend noch vorhanden seien.
Dies habe zur Folge, dass wenn die begutachtende Person im Wesentlichen Befunde erhebe, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung fänden, gleichsam in ihnen aufgingen, kein invalidisierender Gesundheitsschaden gegeben sei. Zusammengefasst sei somit festzuhalten, dass im Vergleich zur letztmaligen rechtskräftigen Rentenablehnung weiterhin keine IV-relevante Verschlechterung ausgewiesen sei. Das Gesuch um unentgeltlichen Rechtsbeistand sei demnach aussichtslos (
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
diese Argu
mentation habe er bereits im
Einwandverfahren
widerlegt und er verweise dies
bezüglich auf das pendente Gerichtsverfahren. Er habe eingehend dargelegt,
dass er an einer nicht mehr überwindbaren, invalidisierenden psychischen Erkrankung leide. Der
Beizug
eines Rechtsbeistandes sei geboten gewesen (
Urk.
1).
2.
2.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.2
Gemäss
Art.
37
Abs.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
)
wird der gesuchstellenden Person im Sozial
versicherungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Unentgeltliche
Verbeiständung
im
Verwaltungsver
fahren
wird gewährt, wenn die Partei bedürftig ist, die Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheinen und die Vertretung im konkreten Fall sachlich geboten ist (vgl.
Art.
29
Abs.
3 BV).
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die
Rechtsvor
kehr
nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustge
fahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133
III
614 E. 5 mit Hinweisen).
2.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
3.1
Die mit Vorbescheid vom 2
1.
Januar 2014 (
Urk.
9/52) in Aussicht gestellte Abweisung des Leistungsbegehrens basierte in medizinischer Hinsicht auf dem psychiatrischen Untersuchungsbericht von med.
pract
.
A._
des
RAD
vom
2
0.
Januar 2014 (
Urk.
9/49; vgl. Feststellungsblatt vom 2
1.
Januar 2014,
Urk.
9/50 S. 5). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann auf das Ergebnis
versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7
).
Med.
pract
.
Z._
, die den Beschwerdeführer bereits seit 2007 behan
delt,
attestierte ihm im Rahmen der Erstanmeldung noch eine vollum
fängliche Arbeitsfähigkeit bei geregelter Arbeitszeit, wobei Schichtarbeit ungünstig sei (
Urk.
9/14 S. 9). Im Verfahren der Neuanmeldung
attestiert
e
sie
ihm
in den Berichten vom
7.
Februar 2013 (
Urk.
9/42) und vom 1
4.
August 2013 (
Urk.
9/45) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Oktober 2012
und hielt als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung fest (
Urk.
9/45 S. 6).
Ex ante betrachtet ist das Begehren des Beschwerdeführers somit nicht als aus
sichtslos zu
werten
, sind doch die Gewinnaussichten unter Berücksichtigung der
vorliegenden Arztberichte
sowie der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, dass bei nur geringen Zweifeln bereits nicht auf RAD-Berichte ab
gestellt werden kann,
nicht beträchtlich geringer als die Verlustgefahren.
3.2
Die Beschwerdegegnerin prüfte die weiteren Voraussetzungen für die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes nicht, so blieb insbesondere
unbeant
wortet, ob die Vertretung im konkreten Fall sachlich geboten war.
Die Sache ist demnach an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach den erforderlichen Abklärungen
und Prüfung sämtlicher übriger Voraussetzungen
neu über einen allfälligen Anspruch auf die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes im Verwaltungsverfahren entscheidet.
4.
4.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) ist abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach der Praxis des Bun
desgerichts handelt es sich bei der Frage der Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung nicht um eine Leistungsstreitigkeit (BGE 129 V 113), so dass der Prozess kostenlos ist.
4.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die
Verwal-tung
zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
900.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche
Rechtsvertre
tung
vom
6.
Mai 2015 (
Urk.
1) erweist sich damit als gegenstandslos.