Decision ID: 8f4288b3-c753-4659-9279-e92015d9da5b
Year: 2021
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

fungsklägerin einen unbestritten gebliebenen Sachverhalt präsentiert habe, der ihr offensichtlich
einen Anspruch gegenüber der Berufungsbeklagten gewähre.
Das im hängigen Teilklageverfahren am Zivilgericht Basel-Stadt beantragte medizinische Gut-
achten sei im Weiteren lediglich im Eventualstandpunkt verlangt worden, da die Berufungsklä-
gerin davon ausgehe, dass sich der Schaden und dessen Kausalität zum Unfallereignis bereits
aus den eingereichten Akten ergebe. Dieses medizinische Gutachten würde sich sodann ledig-
lich soweit über den Gesundheitszustand äussern können, als dies für die Beurteilung der Kau-
salität des zeitlich bis zum 31. Juli 2020 geltend gemachten Schadens relevant sei.
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I. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 26. Juli 2021 wurde den Parteien der Eingang
der Berufung angezeigt und die Berufungsklägerin unter Fristansetzung aufgefordert, einen
Kostenvorschuss in Höhe von CHF 3'000.00 zu begleichen.
J. Mit Verfügung vom 3. August 2021 liess das Kantonsgericht der Berufungsbeklagten die
Berufung samt Beilagen zur Berufungsantwort zukommen. Diese beantragte in ihrer Beru-
fungsantwort vom 16. August 2021, die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen. Eventualiter
sei die Berufungsbeklagte bei Gutheissung der Berufung mit den von der Berufungsklägerin
genannten Gutachtern nicht einverstanden. Subeventualiter sei die F._ AG, die G._
GmbH oder die H._AG als Gutachterstelle auszuwählen. Subsubeventualiter sei der Beru-
fungsbeklagten im Falle der Anordnung einer Begutachtung die Möglichkeit zu geben, Zusatz-
fragen zu stellen. Ferner sei der Berufungsbeklagten zu gestatten, der Begutachtungsstelle die
Observationsergebnisse des Privatdetektivs und den Bericht der internen Betrugsbekämp-
fungsstelle einzureichen. Unter o/e Kostenfolge zu Lasten der Berufungsklägerin.
Zur Begründung führt die Berufungsbeklagte im Wesentlichen aus, dass in Bezug auf die bun-
desgerichtliche Rechtsprechung kein Sachverhalt vorliege, gestützt auf den das materielle
Recht der Berufungsklägerin einen Anspruch gegen die Berufungsbeklagte gewähren würde.
Die Berufungsbeklagte habe widerklageweise eine negative Feststellungsklage am Zivilgericht
Basel-Stadt eingereicht, weshalb angesichts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Kla-
ge und die negative Feststellungswiderklage zusammen im ordentlichen Verfahren zu beurtei-
len seien. Die Überführung des Verfahrens vor dem Zivilgericht Basel-Stadt in das ordentliche
Verfahren sei im Übrigen auch vom Instruktionsrichter erwähnt worden. Eine Rechtsgrundlage
für weitere Teilklagen bestünde somit nicht. Da in diesem Basler Verfahren bereits ein Antrag
auf eine Begutachtung gestellt worden sei, mangle es der Berufungsklägerin im Verfahren vor
dem Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West an einem schutzwürdigen Interesse für eine vor-
sorgliche Beweisführung. Es sei sodann unzutreffend, dass die Berufungsklägerin im Basler
Prozess das Gutachten lediglich im Eventualstandpunkt beantragt habe; vielmehr habe sie
ausdrücklich ein polydisziplinäres Gutachten beantragt, das sich uneingeschränkt zur Frage des
Grades und der Dauer der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit der Berufungsklägerin ab dem
xx. yy 2018 und deren Zusammenhang mit dem Unfallereignis äussern sollte. Zudem habe die
IV-Stelle Basel-Stadt bereits im August 2020, also vor dem Gesuch um vorsorgliche Beweisfüh-
rung vom 27. November 2020, eine polydisziplinäre Begutachtung der Berufungsklägerin ange-
kündigt, bei der die Berufungsklägerin die Möglichkeit habe, Zusatzfragen zu stellen. Das Ver-
fahren vor dem Zivilgericht Basel-Stadt sei derzeit sistiert, wobei die Berufungsklägerin gegen
die Sistierung Beschwerde beim Appellationsgericht Basel-Stadt erhoben habe.
K. Mit Verfügung vom 17. August 2021 liess das Kantonsgericht der Berufungsklägerin die
Berufungsantwort vom 16. August 2021 zur Kenntnisnahme zukommen. Mit selbiger Verfügung
wurde der Schriftenwechsel geschlossen und den Parteien der Entscheid aufgrund der Akten in
Aussicht gestellt.
L. Mit freiwilliger Berufungsreplik vom 23. August 2021 machte die Berufungsklägerin von
ihrem Replikrecht Gebrauch und hielt fest, es treffe nicht zu, dass sie bei der Vorinstanz die
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Einholung eines polydisziplinären Gutachtens beantragt habe. Die Berufungsklägerin habe le-
diglich eine Begutachtung in einer Fachdisziplin bzw. im Eventualantrag in zwei medizinischen
Fachdisziplinen beantragt. Sollte auf die Widerklage der Berufungsbeklagten im Basler Prozess
sodann eingetreten werden, müsste die Berufungsklägerin den gesamten, mithin auch den zu-
künftigen, aus dem Unfallereignis vom xx. yy 2018 resultierenden, Schaden substantiiert be-
haupten und beweisen, wozu die Berufungsklägerin nicht im Stande sei. Für das Widerklage-
verfahren sei die Einholung eines medizinischen Gerichtsgutachtens zur Frage der unfallbe-
dingten Beschwerden sowie der daraus resultierenden Arbeits-, Erwerbs- und Haushaltarbeits-
unfähigkeit unabdingbar. Erst dann könne die Berufungsklägerin ihren unfallkausalen Gesamt-
schaden beziffern und im Widerklageverfahren entsprechende Rechtsbegehren stellen, ohne
dabei ein erhebliches Kosten- und Prozessrisiko (Überklagen) einzugehen.
Das Bundesgericht habe sich sodann unmissverständlich zur Frage geäussert, wann einer Be-
rufungsklägerin im Verfahren um vorsorgliche Beweisführung das Interesse an einer medizini-
schen Begutachtung fehle, weil ein solches in einem Sozialversicherungsverfahren bereits
durchgeführt worden sei. Diese Voraussetzungen würden vorliegend offensichtlich nicht vorlie-
gen. Ferner begründe die Berufungsbeklagte ihre Eventual-, Subeventual und Subsubeventu-
albegehren nicht und sie habe diese zudem verspätet gestellt, weshalb auf diese Rechtsbegeh-
ren nicht einzutreten seien.
M. Mit unaufgeforderter Berufungsduplik vom 6. September 2021 hielt die Berufungsbeklagte
ihrerseits fest, dass unter dem Begriff «poly» zwei oder mehrere Disziplinen zu verstehen seien.
In Schleudertrauma-Fällen würden medizinische Begutachtungen stets durch mindestens drei,
häufig sogar vier Fachdisziplinen erfolgen. Die Berufungsklägerin habe sodann auch für den
Fall kein schutzwürdiges Interesse, wenn auf die Widerklage nicht eingetreten würde, weil be-
reits die IV-Stelle Basel-Stadt eine polydisziplinäre Begutachtung verfügt habe und somit schon
eine Begutachtung zu denselben medizinischen Fragen bzw. zum selben Sachverhalt verlangt
worden sei. Mit Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung werde die Beweistauglich-
keit eines durch die IV veranlassten Gutachtens im Zivilverfahren bejaht, wobei die Berufungs-
klägerin anlässlich dieser Begutachtung die Möglichkeit haben werde, nach freiem Willen Zu-
satz- und Ergänzungsfragen zu stellen. Die Berufungsklägerin versuche lediglich ein für sie
günstigeres Begutachtungsresultat zu erzwingen, weshalb es ihr an einem schutzwürdigen Inte-
resse mangle.

Erwägungen
1. Auf Verfahren betreffend die vorsorgliche Beweisführung gelangen von Gesetzes wegen
die Vorschriften über die vorsorglichen Massnahmen zur Anwendung (Art. 158 Abs. 2 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, ZPO, SR 272). Erstinstanzliche End- und Zwischenent-
scheide sowie erstinstanzliche Entscheide über vorsorgliche Massnahmen sind berufungsfähig,
sofern der Streitwert der zuletzt angerufenen Rechtsbegehren in vermögensrechtlichen Angele-
genheiten mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 1 und 2 ZPO). Der Streitwert einer
vorsorglichen Beweisführung richtet sich nach dem Streitinteresse im Hauptprozess (FELLMANN,
in: ZPO Kommentar, Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], 3. Aufl. 2016, Art. 158
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N 26b; SCHWEIZER, Vorsorgliche Beweisführung nach schweizerischer Zivilprozessordnung und
Patentgesetz, in: ZZZ 2010, 24). Die Berufungsklägerin bringt vor, das im vorsorglichen Beweis-
führungsverfahren beantragte medizinische Gutachten diene dazu, die Prozessaussichten für
eine Teilklage gegen die Berufungsbeklagte im Umfang von CHF 30'000.00 für den ab 1. Au-
gust 2020 entstandenen Erwerbsausfall- und Haushaltsschaden abzuklären. Das Streitinteres-
se der vorsorglichen Beweisführung erreicht damit die Streitwertgrenze für eine Berufung. Der
angefochtene Entscheid der Zivilkreisgerichtspräsidentin vom 16. Juli 2021, mit dem das Ge-
such um vorsorgliche Beweisführung vom 27. November 2020 abgewiesen worden ist, stellt
einen Entscheid über vorsorgliche Massnahmen dar, der nach dem Gesagten einer Berufung
zugänglich ist.
2. Für vorsorgliche Massnahmen ist das summarische Verfahren anwendbar (Art. 248 lit. d
ZPO). Die Berufung ist daher gemäss Art. 158 Abs. 2 ZPO i.V.m. Art. 311 Abs. 1 ZPO i.V.m.
Art. 314 Abs. 1 ZPO innert zehn Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides bezie-
hungsweise seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und be-
gründet einzureichen. Der Entscheid der Präsidentin des Zivilkreisgerichts vom 16. Juli 2021 ist
der Berufungsklägerin gemäss Rückschein der Schweizerischen Post am 20. Juli 2021 zuge-
stellt worden. Mit Berufungseingabe vom 23. Juli 2021 ist die zehntägige Rechtsmittelfrist ge-
wahrt worden. Die Berufungsklägerin macht sowohl eine unrichtige Rechtsanwendung als auch
eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts im Sinne von Art. 310 ZPO geltend. Der Kosten-
vorschuss von CHF 3'000.00 ist mit Gutschriftsanzeige vom 3. August 2021 fristgerecht geleis-
tet worden. Zumal die weiteren Rechtsmittelvoraussetzungen gegeben sind, ist auf die Beru-
fung einzutreten. Die Berufungsantwort der Berufungsbeklagten mit Postaufgabe vom 16. Au-
gust 2021 ist ebenfalls innert Frist erfolgt. Schliesslich sind auch die Berufungsreplik der Beru-
fungsklägerin vom 23. August 2021 sowie die Berufungsduplik der Berufungsbeklagten vom
6. September 2021 angesichts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Replikrecht vor-
liegend zu berücksichtigen (vgl. u.a. BGE 133 I 100 E. 4.5 f.). Nach § 5 Abs. 1 lit. a des kanto-
nalen Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (EG ZPO, SGS 221) ist
das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beurteilung von Berufungen
gegen Entscheide der Präsidien der Bezirksgerichte, die im summarischen Verfahren ergangen
sind, sachlich zuständig. Der Entscheid ergeht gestützt auf Art. 316 Abs. 1 ZPO auf Grundlage
der Akten.
3. Gemäss Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO nimmt ein Gericht jederzeit Beweis ab, wenn die ge-
suchstellende Partei eine Gefährdung der Beweismittel oder ein schutzwürdiges Interesse
glaubhaft macht. Die Botschaft zur ZPO qualifiziert die Abklärung der Beweis- und Prozess-
chancen als schutzwürdiges Interesse (Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Schweizerischen Zivil-
prozessordnung, BBl 2006, 7315). In diesem Fall soll das Institut der vorsorglichen Beweisfüh-
rung der Vermeidung von aussichtslosen Prozessen und der aussergerichtlichen Streitbeile-
gung dienen. Nach dem Wortlaut von Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO hat die Gesuchstellerin das Be-
stehen eines schutzwürdigen Interesses glaubhaft zu machen. Mit der blossen Behauptung
eines Bedürfnisses, Beweis- und Prozessaussichten abzuklären, ist ein schutzwürdiges Inte-
resse noch nicht hinreichend glaubhaft gemacht. Die Gesuchstellerin hat vielmehr glaubhaft zu
machen, dass ein Sachverhalt vorliegt, gestützt auf den ihr das materielle Recht einen An-
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spruch gegen den Gesuchsgegner einräumt und zu dessen Beweis das abzunehmende Be-
weismittel dienen kann (BGE 138 III 76 E. 2.4.2 m.w.H.). Kein schutzwürdiges Interesse liegt
insbesondere vor, wenn es der gesuchstellenden Partei lediglich darum geht, ein bereits vorlie-
gendes Gutachten mit einem weiteren Gutachten in Frage zu stellen (BGE 140 III 16 E. 2.2.2;
FELLMANN, a.a.O., Art. 158 N 19b). Die gesuchstellende Partei hat vielmehr darzutun, inwiefern
die bisher vorliegenden Beweise im Hinblick auf einen konkreten Anspruch, den sie durchset-
zen will, die Abschätzung der Prozesschancen nicht erlaubt. Sie hat in Bezug auf diese materi-
ellen Ansprüche konkret darzutun, dass ihr die Abschätzung ihrer Chancen nicht möglich ist
und sie daher an den beantragten Beweisabnahmen ein schutzwürdiges Interesse hat
(BGer 4A_165/2020 vom 14. Dezember 2020 E. 4.1). Allerdings dürfen die Anforderungen an
die Glaubhaftmachung nicht überspannt werden, geht es doch beim Verfahren der vorsorgli-
chen Beweisabnahme noch nicht um die Prüfung der Begründetheit des Hauptanspruchs
(BGE 140 III 16 E. 2.2.2; vgl. auch FELLMANN, a.a.O., Art. 158 N 22).
4. Art. 59 Abs. 2 lit. d ZPO sieht als weitere Prozessvoraussetzung vor, dass die Sache nicht
anderweitig rechtshängig sein darf. Die anderweitige Rechtshängigkeit ist von Amtes wegen zu
prüfen und resultiert in einem Prozesshindernis, das die Zuständigkeit des angerufenen Ge-
richts ausschliesst, weshalb das Gericht bei dessen Vorhandensein einen Nichteintretensent-
scheid zu fällen hat (GEHRI, in: Basler Kommentar ZPO, Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.],
3. Aufl. 2017, Art. 59 ZPO N 14).
5.1 Die Vorinstanz hat mit Verweis auf die Vorbringen der Berufungsbeklagten, wonach die
Berufungsklägerin im anhängig gemachten Forderungsprozess vor dem Zivilgericht Basel-Stadt
bereits ein medizinisches Gutachten beantragt habe und bis zum Entscheid über diesen Antrag
auf das vorliegende Gesuch um vorsorgliche Beweisführung nicht eingetreten werden könne,
die Frage ausdrücklich offengelassen, ob auf das Gesuch um vorsorgliche Beweisführung ein-
zutreten sei, zumal das Gesuch in materieller Hinsicht abzuweisen sei. Entgegen der Auffas-
sung der Berufungsklägerin hat die Vorinstanz die Eintretensvoraussetzungen daher offensicht-
lich nicht bejaht, weshalb die Berufungsklägerin nicht zu ihren Gunsten ableiten kann, die Vor-
instanz sei davon ausgegangen, die Sache sei nicht anderweitig rechtshängig. Dennoch ist vor-
liegend zu konstatieren, dass sich die Vorinstanz vor der materiellen Beurteilung des Gesuchs
zuerst von Amtes wegen mit der anderweitigen Rechtshängigkeit im Sinne von Art. 59 Abs. 2
lit. d ZPO hätte auseinandersetzen und bei deren Vorliegen ein Prozesshindernis respektive
das Fehlen einer Eintretensvoraussetzung hätte feststellen müssen.
5.2 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann die beklagte Partei als Reaktion
auf eine echte Teilklage, die aufgrund ihres Streitwerts von höchstens CHF 30'000.00 im verein-
fachten Verfahren zu beurteilen ist, eine negative Feststellungsklage erheben, selbst wenn de-
ren Streitwert die Anwendbarkeit des ordentlichen Verfahrens zu Folge hat (BGE 143 III 506
E. 4.4). Die Ausnahme vom Erfordernis der gleichen Verfahrensart gemäss Art. 224 Abs. 1 ZPO
ist sodann nicht auf den Fall einer echten Teilklage beschränkt, sondern gilt allgemein dann,
wenn die Teilklage eine Ungewissheit zur Folge hat, die es rechtfertigt, im Sinne von
Art. 88 ZPO die Feststellung des Nichtbestandes einer Forderung oder eines Rechtsverhältnis-
ses zu verlangen (BGE 145 III 299 E. 2.3; BGer 4A_529/2020 vom 22. Dezember 2020
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E. 2.2 f.). Angesichts dieser Ausgangslage ist vorliegend davon auszugehen, dass im Teilkla-
geverfahren vor dem Zivilgericht Basel-Stadt nicht nur der dort geltend gemachte Schadener-
satzanspruch für den Zeitraum vom xx. yy 2018 bis 31. Juli 2020, sondern aufgrund der einge-
reichten negativen Feststellungswiderklage der Gesamtanspruch der Berufungsklägerin im Sin-
ne des von ihr behaupteten Erwerbsausfall- und Haushaltsschadens ab xx. yy 2018 zu beurtei-
len sein wird. Ob die Berufungsklägerin im Basler Verfahren in der Lage sein wird, ihren Ge-
samtschaden zu beziffern und zu beweisen, ist durch das Zivilgericht Basel-Stadt zu beurteilen.
Vorliegend mag zwar die Behauptung der Berufungsklägerin dem Grundsatz nach zutreffend
sein, dass sich in der Schweizer Lehre und Rechtsprechung zwischenzeitlich die sog. zwei-
gliedrige Streitgegenstandstheorie durchgesetzt haben dürfte, nach welcher sich der Streitge-
genstand aus den Rechtsbegehren einerseits und dem behaupteten Lebenssachverhalt ergibt.
Da sich in der Praxis jedoch die Unterscheidung, ob eine Klage einen oder mehrere Lebens-
sachverhalte und damit Streitgegenstände enthält, als schwierig erweist, hat sich die Recht-
sprechung zum Streitgegenstand überwiegend anhand von Fallkonstellationen entwickelt (BGE
139 III 126 E. 3; 144 III 452 E. 2.3.2 ff.; KUKO ZPO-DROESE, 3. Aufl., 2021, Art. 64 N 8). In Be-
zug auf die zuständigkeitsrechtliche Verfahrenskoordination nach einer rechtshängig gemach-
ten Sache (Art. 59 Abs. 2 lit. d ZPO) hat das Bundesgericht diesen zweigliedrigen Streitgegen-
standsbegriff allerdings erweitert, indem es die vom EuGH in Auslegung von Art. 27 LugÜ ent-
wickelte Kernpunkttheorie auch auf Binnensachverhalte anwendet (BGE 128 III 284 E. 3b f.;
138 III 570 E. 4.2.2; KUKO ZPO-OBERHAMMER/WEBER, 3. Aufl., 2021, Vorbemerkungen zu Art.
84-90 N 14 ff.; KUKO ZPO-DROESE, 3. Aufl., 2021, Art. 64 N 8). Gemäss dieser Kernpunkttheo-
rie sind zwei Streitgegenstände identisch, wenn sich im Kern die gleiche Rechtsfrage stellt, so
dass die Gefahr widersprüchlicher Entscheide vorliegt (BGE 138 III 570 E. 4.2.2 m.w.H.). Die im
Sinne dieser Theorie identische Klage, mit welcher die Rechtshängigkeit begründet wird, wirkt
sich derart aus, dass die zweite Klage nur vor dem mit der ersten Klage befassten Gericht ein-
gereicht werden darf. Somit hat die Kernpunkttheorie eine Kompetenzattraktion zugunsten des
ersten Gerichts zur Folge, welche auf die Vermeidung widersprüchlicher Entscheide abzielt. Die
zweite Klage ist deshalb nur dann unzulässig, wenn sie nicht beim erstangerufenen Gericht
eingereicht wird (BULLETTI, Kommentar zu BGer 4A_29/2019 vom 10. Juli 2019, in: Newsletter
ZPO Online 2019, N 21, Rz. 8).
5.3 Gestützt auf diese rechtlichen Überlegungen hätte die Vorinstanz im hier interessierten
Fall festhalten können bzw. müssen, dass im Basler Prozess gerade aufgrund der negativen
Feststellungswiderklage der Berufungsbeklagten die zentrale Rechtsfrage zu beurteilen sein
wird, ob die Berufungsbeklagte – neben einer allfälligen Haftung für den zwischen dem xx. yy
2018 und 31. Juli 2020 geltend gemachten Gesundheitsschaden – haftpflichtrechtlich für allfälli-
ge unfallkausalen Gesundheitsschäden der Berufungsklägerin ab dem 1. August 2020 haftbar
gemacht werden könnte. Der zuständige Einzelrichter am Zivilgericht Basel-Stadt ist laut seiner
Stellungnahme an das Appellationsgericht Basel-Stadt vom 12. August 2021 ebenfalls der An-
sicht, dass die negative Feststellungswiderklage der Berufungsbeklagten vor dem Basler Zivil-
gericht den geltend gemachten Schaden über den Zeitraum der Teilklage hinaus thematisiere.
Hinzu kommt, dass die Berufungsklägerin sowohl im Basler Prozess – in Bezug auf die Scha-
densperiode vom xx. yy 2018 bis 31. Juli 2020 – als auch im vorsorglichen Beweisführungsver-
fahren vor dem Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West – hier in Bezug auf die Schadensperio-
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de vom 1. August 2020 bis 31. Dezember 2020 – jeweils die gerichtliche Anordnung eines me-
dizinischen Gutachtens beantragt hat, und zwar in beiden Fällen ein «(...) Gutachten über das
Bestehen der natürlichen Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom xx. yy 2018 und dem
Gesundheitsschaden der Gesuchstellerin bzw. der daraus resultierenden Arbeits- und Erwerbs-
unfähigkeit (Grad und Dauer) und deren Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom xx. yy
2018». Beide Gutachten müssten sich demnach über das allfällige Bestehen einer natürlichen
Kausalität zwischen dem Auffahrunfall und dem von der Berufungsklägerin geltend gemachten
Gesundheitsschaden sowie uneingeschränkt zur Frage des Grades und der Dauer der Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit der Berufungsklägerin ab dem xx. yy 2018 und deren Zusammenhang
mit dem Unfallereignis äussern. Hierbei ist einerseits zu bedenken, dass sich eine fehlende o-
der bestehende natürliche Kausalität jeweils auf den gesamten Gesundheitsschaden und damit
auch auf die vorbehaltenen Nach- bzw. Mehrforderungen auswirken würde. Andererseits ist
bereits eine von der IV-Stelle Basel-Stadt eingeleitete polydisziplinäre Expertise im Gange, wel-
che Beweiskraft für das Zivilverfahren haben wird und im Rahmen derer der gesundheitliche
Zustand der Berufungsklägerin uneingeschränkt bis heute begutachtet wird. Dabei wird die Be-
rufungsklägerin die Möglichkeit haben, Zusatzfragen zu stellen. Die Berufungsklägerin macht im
vorsorglichen Massnahmeverfahren im Übrigen keine gesundheitlichen Veränderungen seit 1.
August 2020 geltend (vgl. dazu auch nachstehende Erwägung 6). Diese offensichtlichen Dop-
pelspurigkeiten zwischen dem Verfahren vor dem Zivilgericht Basel-Stadt und demjenigen am
Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West respektive die dadurch entstehende Gefahr von wider-
sprüchlichen Urteilen gilt es zu vermeiden, indem für die beantragte vorsorgliche Beweisführung
in derselben Sache bzw. zu derselben Rechtsfrage das erstangerufene Zivilgericht Basel-Stadt
zuständig bleibt. Infolgedessen hätte die Zivilkreisgerichtspräsidentin im hier zu beurteilenden
basellandschaftlichen Verfahren in Anwendung von Art. 59 Abs. 2 lit. d ZPO auf Nichteintreten
auf das Gesuch um vorsorgliche Beweisführung vom 27. November 2020 urteilen können bzw.
müssen. Daraus, dass sich die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid nicht konkret mit der
Frage der anderweitigen Rechtshängigkeit auseinandergesetzt hat, sondern das Gesuch gleich
materiell gewürdigt hat, kann die Berufungsklägerin aber im Ergebnis nichts für sich ableiten, da
ihre Berufung ohnehin abzuweisen ist (dazu nachstehende Erwägung 6).
6. Denn selbst wenn auf das Gesuch um vorsorgliche Beweisführung einzutreten wäre,
müsste dieses entsprechend dem vorinstanzlichen Entscheid abgewiesen werden. Die Beru-
fungsklägerin legt in der Sache dar, ihr schutzwürdiges Interesse im Sinne von Art. 158 Abs. 1
lit. b ZPO am beantragten medizinischen Gutachten bestehe darin, ihre Beweis- und Prozess-
chancen im Hinblick auf die beabsichtigte Teilklage für die Schadensperiode vom 1. August
2020 bis 31. Dezember 2020 abklären zu lassen. In Bezug auf die Teilklage vor dem Basler
Zivilgericht habe sie nur eventualiter ein medizinisches Gutachten beantragt, weil sie davon
ausgehe, dass im Basler Prozess grundsätzlich aufgrund der eingereichten echtzeitlichen me-
dizinischen Unterlagen gar keine Begutachtung notwendig sei und sich der Gesundheitsscha-
den, dort beschränkt auf die Periode vom xx. yy 2018 bis 31. Juli 2020, sowie dessen Kausalität
zum Unfallereignis aus den eingereichten medizinischen Akten ergebe. Hiergegen ist zum ei-
nen festzuhalten, dass das Einholen eines polydisziplinären Gutachtens im Basler Prozess als
ein Hauptbeweisantrag und nicht nur als Eventualantrag gestellt wurde (vgl. Rz. 60, S. 31 der
Klagebegründung). Zum anderen ist das beantragte Gutachten im Basler Prozess auch nicht
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auf die Zeitperiode vom xx. yy 2018 bis 31. Juli 2020 beschränkt. Im Weiteren macht die Beru-
fungsklägerin im Hinblick auf die Schadensperiode vom 1. August 2020 bis 31. Dezember 2020
keinerlei gesundheitliche Veränderungen geltend, was sich daraus ergibt, dass sie auch für die
Zeit nach dem 1. August 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% sowie eine gleichbleibende
Einschränkung im Haushalt von 82,5 % geltend macht (vgl. Rz. 76 S. 37 und Rz. 87 S. 42 der
Klagebegründung; Rz. 74 S. 38 und Rz. 85 S. 43 des Gesuchs). Wenn die Berufungsklägerin
nun für die beabsichtigte zweite Teilklage einen Anspruch auf Erstellung eines weiteren medizi-
nischen Gutachtens im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung ableiten will, übergeht sie
offensichtlich, dass das polydisziplinäre IV-Gutachten oder allenfalls das von der Berufungsklä-
gerin beantragte medizinische Begutachtung im Basler Verfahren auch für die Abklärung der
Prozessaussichten einer allfälligen zweiten Teilklage für die Schadensperiode ab 1. August
2020 herangezogen werden kann, zumal die Berufungsklägerin im Rahmen der IV-Expertise
entsprechende Zusatzfragen zur Schadensperiode ab 1. August 2020 stellen könnte. Schliess-
lich ist erneut darauf hinzuweisen, dass die Berufungsklägerin im Basler Prozess sowie im ba-
sellandschaftlichen Verfahren vor der Vorinstanz die Ansicht vertritt, die natürliche Kausalität
zwischen dem Unfallereignis und dem daraus eingetretenen Gesundheitsschaden lasse sich
offensichtlich auch ohne gerichtliches Gutachten anhand der bereits eingereichten medizini-
schen Akten ausweisen (vgl. Rz. 60 S. 31 der Klagebegründung; Rz. 59 S. 33 des Gesuchs).
Seien – wie im vorliegenden Fall – aufgrund der eingereichten medizinischen Akten die körper-
lichen und psychischen Beschwerden, eine Arbeitsunfähigkeit und der natürliche Zusammen-
hang nachgewiesen, so sei nach Ansicht der Berufungsklägerin auch die adäquate Kausalität
gegeben (vgl. Rz. 64 S. 35 des Gesuchs; Rz. 63 S. 48 der Berufung). Somit erachtet die Beru-
fungsklägerin ihre Prozessaussichten in Bezug auf die erste Schadensperiode bis zum 31. Juli
2020 sowie in Bezug auf die Schadensperiode vom 1. August 2020 bis 31. Dezember 2020
offenkundig als aussichtsreich. Das beantragte medizinische Gutachten im vorsorglichen Be-
weisführungsverfahren erweist sich daher als entbehrlich, um die Prozesschancen für die beab-
sichtigte zweite Teilklage hinreichend beurteilen zu können. Soweit die Berufungsklägerin mit
dem im vorsorglichen Massnahmeverfahren beantragten medizinischen Gutachten beabsichtigt,
ein bereits bestehendes medizinisches, gleichwertiges Gutachten respektive die Ergebnisse
aus der von der IV-Stelle Basel-Stadt in Auftrag gegebenen polydisziplinären Begutachtung in
Frage zu stellen, vermag dies kein schützenswertes Interesse im Sinne von Art. 158 Abs. 1 lit. b
ZPO zu begründen. Das Institut der vorsorglichen Beweisführung dient im Übrigen nicht dazu,
die Gesuchstellerin vor jedem Prozessrisiko zu bewahren, sondern primär aussichtslose Pro-
zesse zu vermeiden (BBl 2006, 7315). Die Berufungsklägerin hat daher bei der Geltendma-
chung eines unfallbedingten Dauerschadens ein gewisses Prozessrisiko im Sinne eines Über-
klagens naturgemäss in Kauf zu nehmen.
7. Zusammenfassend liegt in Bezug auf das vorsorgliche Beweisführungsverfahren vor dem
Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West ein Prozesshindernis im Sinne von Art. 59 Abs. 2 lit. d
ZPO vor, weshalb richtigerweise ein Nichteintretensentscheid in Bezug auf das Gesuch der
Berufungsklägerin vom 27. November 2020 hätte ergehen müssen. Sodann ist für den Fall der
materiellen Beurteilung des Gesuchs festzuhalten, dass es der Berufungsklägerin nicht gelun-
gen ist, die materielle Voraussetzung eines schutzwürdigen Interesses gemäss Art. 158 Abs. 1
lit. b ZPO am beantragten medizinischen Gutachten glaubhaft zu machen, zumal bereits ein
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polydisziplinäres Gutachten der IV-Stelle Basel-Stadt pendent ist, das für eine hinreichende
Beurteilung der Prozessaussichten für den Gesamtanspruch der Berufungsklägerin im Zusam-
menhang mit dem Unfallereignis vom xx. yy 2018 herangezogen werden kann. Die Vorinstanz
durfte somit die beantragte vorsorgliche Beweisführung im Ergebnis zurecht verweigern. Dem-
gemäss sind die Berufungsanträge der Berufungsklägerin, mit welcher sie die Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheides und die Anordnung eines medizinischen Gutachtens bzw. eventu-
aliter die Rückweisung an die Vorinstanz zur Neubeurteilung verlangt, abzuweisen.
8. Abschliessend ist über die Verteilung der Prozesskosten zu befinden. Massgebend für die
Regelung der Kostenfolgen sind die Bestimmungen der Art. 104 ff. ZPO, die auch im Rechtsmit-
telverfahren gelten. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden
Partei auferlegt. Der Berufungsklägerin sind daher die Prozesskosten des Berufungsverfahrens
aufzuerlegen, welche sich aus einer Entscheidgebühr und einer Parteientschädigung zugunsten
der obsiegenden Partei ergeben (Art. 95 Abs. 1 ZPO). In Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V.m. § 8
Abs. 1 lit. a des kantonalen Gebührentarifs (GebT, SGS 170.31) wird die zweitinstanzliche Ent-
scheidgebühr auf CHF 3'000.00 festgelegt. Die Parteientschädigung ist in Anwendung von
Art. 105 Abs. 2 ZPO gestützt auf die kantonale Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte
(TO, SGS 178.112) festzusetzen. Der Rechtsvertreter der Berufungsbeklagten hat darauf ver-
zichtet, eine Honorarnote einzureichen, weshalb die Parteientschädigung, welche vorliegend
nach Aufwand zu bemessen ist, von Amtes wegen nach Ermessen zu bestimmen ist (§ 18
Abs. 1 i.V.m. § 2 Abs. 1 TO). Für die Ausarbeitung der 7-seitigen Berufungsantwort und der
4-seitigen Berufungsduplik sowie die Auseinandersetzung mit der Berufung und Berufungsreplik
der Berufungsklägerin ist unter Berücksichtigung von Textpassagen aus früheren Rechtsschrif-
ten insgesamt von einem zu entschädigenden Zeitaufwand von 12 Stunden auszugehen. Auf-
grund der Schwierigkeit und Bedeutung der Sache ist ein Honoraransatz von CHF 300.00 pro
Stunde vertretbar (vgl. § 3 Abs. 1 TO). Ein spezifizierter Kostenersatz für Kopiaturen und ande-
re Auslagen nach §§ 15 und 16 der Tarifordnung ist nicht ausgewiesen, weshalb praxisgemäss
kein solcher geschuldet ist (KGE BL 400 19 196 vom 19. November 2019 E. 10.2). Zudem ist
der Berufungsbeklagten mangels expliziten Antrags bzw. einer separat geltend gemachten
Mehrwertsteuer (§ 17 TO) keine solche zu vergüten. Die Berufungsklägerin hat folglich der Be-
rufungsbeklagten eine Parteientschädigung von CHF 3’600.00 zu entrichten.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
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