Decision ID: 1946f738-aa5e-44a2-897d-1ce79c68ffbf
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1982 geborene
X._
war Gesellschafter und Geschäftsführer der am
19.
März 2019
im Handelsregister
des Kanton
s
Zürich
eingetragenen
Y._
GmbH
, als er am
17.
Juni 20
1
9 bei der Ersatzkasse UVG einen Unfall meldete. Gemäss Unfallmeldung erlitt
er
am
24.
Mai 2019 bei einer missglückten Landung mit dem Gleitschirm einen sta
bilen inkompletten Bruch des 1.
Lenden
wirbels
(
Urk.
7/1
-4
).
Die Ersatzkasse UVG klärte die Erwerbssituation des Be
s
chwerdeführers ab und verneinte
m
it Verfügung vom 12. Juli 2019
ihre
Leis
tungspflicht
für das Unfallereignis vom 24. Mai 201
9.
Dies begründete sie damit, dass keine unselbständige Erwerbstätigkeit im Sinne der AHV-Gesetzgebung vor
liege (Urk. 7/10).
Die dagegen erhobene Einsprache
des Krankenversicherers (
Arcosana
AG) vom 23.
Juli
2019 (Urk. 7/12) sowie
des Versicherten
vom 6. September 2019
(Urk. 7/15) wies
sie
mit
Einspracheentscheid
vom
10.
Februar 2020
ab (Urk. 7/
17
= Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
11. März 2020
Beschwerde und beantragte,
der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es seien die gesetz
lichen Leistungen für das Unfallereignis vom 24. Mai 2019 zu erbringen (Urk. 1 S. 1). Mit Eingabe vom 7. April 2020 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Erstattung einer Beschwerdeantwort und verwies auf den
Einspracheentscheid
vom 10. Februar 2020, an welchem sie vollumfänglich festhalte (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 8. April 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 1a
Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
sind
die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer - nebst anderen, hier nicht interessierenden Personenkategorien - obligatorisch nach den Bestimmungen des UVG versichert
. Als
Arbeitnehmer im Sinne dieser Bestimmung gilt laut
Art. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
, wer eine
unselbständige Erwerbstätigkeit im Sinne der Bundesgesetzgebung über die Alters-
und
Hinter
lassenenversicherung
(AHV) ausübt.
Gemäss
Art.
10
des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG)
gelten als Arbeitneh
mer
innen und Arbeitnehmer Personen, die in unselbstständiger Stellung Arbeit leisten
und dafür
massgebenden
Lohn nach dem jeweiligen Einzelgesetz
beziehen.
Die Rechtsprechung hat im Sinne leitender Grundsätze als Arbeitnehmer im Sinne des UVG bezeichnet, wer
um
des Erwerbes oder der Ausbildung willen für einen Arbeitgeber, mehr oder weniger untergeordnet, dauernd oder vorübergehend tätig ist, ohne hie
r
bei ein eigenes wirtschaftliches Risiko tragen zu müssen. Die Arbeit
nehmereigenschaft ist jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Entscheidend ist dabei namentlich, ob geleistete Arbeit,
ein Unterordnungsverhältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgend
einer Form vorliegen
(
BGE
141 V 313 E. 2.1;
115 V 55
E.
2d
mit Hin
weisen
).
Für die Versicherungsunterstellung ist grundsätzlich die Bejahung eines Lohnan
spru
ches relevant. Einer tatsächlichen Lohnauszahlung bedarf es hinge
gen nicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_538/2019 vom 24. Januar 2020 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen).
1.2
Ausserhalb des
Zuständigkeits
bereichs der
Suva (
vgl. Art. 66 UVG) sorgt der Arbei
tgeber dafür, dass seine
Arbeitnehmer bei einem Versicherer, welcher die obligatorische
Unfallversicherung betreibt, versichert sind (
vgl.
Art. 69 Satz 1 UVG).
Ist ein Arbeitnehmer, der dem
Obligatorium
untersteht, bei einem Unfall nicht versichert, so gewährt ihm die Ersatzkasse die gesetzlichen
Versicherungs
-
leistungen
(Art. 59 Abs. 3 UVG; siehe auch Art. 73
Abs. 1
UVG).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
das Unterordnungs
verhältnis sei nicht erfüllt, da der Beschwerdeführer als Gesellschafter der
Y._
GmbH zu gleichen Teilen mit den beiden anderen Mitgesellschaftern über den Geschäftsgang, die Organisation sowie die finanziellen Belange der ganzen Unternehmung mitbestimme. Folglich liege keine Eingliederung in eine fremde Betriebshierarchie vor, da er diese zusammen mit den beiden Mitgesellschaftern selbst vorgebe. Sein wirtschaftliches Risiko erschöpfe sich gerade nicht in der alleinigen Abhängigkeit vom persönlichen Arbeitserfolg, sondern vom Geschäfts
gang der
Y._
GmbH bzw. zusätzlich auch vom Arbeitserfolg seiner Mit
ge
sellschafter. Dies stelle jedoch nichts
anderes
dar, als dass er zusammen mit den Mitgesellschaftern das Unternehmerrisiko trage. Daraus folge, dass die Stellung des Beschwerdeführers als selbständig zu qualifizieren sei
.
Dem Lohnfluss als
greifbarem Ausdruck der wirtschaftlichen Realität komme entscheidendes Gewich
t zu und vorliegend liege ein vollständiger Lohnverzicht vor (Urk. 2 S. 4 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
er habe als Geschäftsführer eine Pflicht zur persönlichen Arbeitsleistung. Er habe sic
h insbe
sondere verpflichtet
,
sei
n
e
volle Arbeitskraft der
Y._
GmbH
zur Verfügung zu stellen. Auch habe er gegenüber seinen anderen Geschäftsführerinnen Rechen
schaft über sei
ne
Tätigkeit abzulegen und unterstehe einem Konkurrenzverbot. Der Aufbau der Geschäftstätigkeit erfolge in enger Zusammenarbeit mit ihnen. Von einer Tätigkeit in eigenem Namen und auf eigene Rechnung könne keine Rede sein. Er sei nicht in der Position, alleine über die Geschicke der
Y._
GmbH zu bestimmen, sondern sowohl er als auch seine Mitgesellschafterinnen seien der gesamten Geschäftsführung unterstellt und befänden sich somit in einem Unterordnungsverhältnis. Er trage weder das Delkredererisiko
,
noch hafte er gegenüber Dritten für Mängel der erbrachten Dienstleistungen. Sein unter
nehmerisches Risiko beschränke sich auf sein Anteilskapital. Eine Tätigkeit als Geschäftsführer schliesse die Arbeitnehmereigenschaft nicht aus.
Auch der Ver
zicht auf ein Entgelt schliesse die Arbeitnehmereigenschaft nicht aus
(Urk. 1 S. 5 ff.).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht als selbständig erwerbend qualifizierte und die Versicherungsdeckung für den Unfall vom 24. Mai 2019 demzufolge zu Recht verneinte.
3.2
Der Beschwerdeführer war
seit der Eintragung der
Y._
GmbH
im Handels
register am
19. März 2019
, nebst zweier weiterer
Personen,
Gesellschafter und Geschäftsführer
mit Kollektivzeichnungsberechtigung zu zweien
(Urk. 3/3)
.
Gemäss
Arbeitsvertrag vom 9. Mai 2019 war er
ab 14. März 2019 als
Geschäfts
führer bei der
Y._
GmbH angestellt (Urk. 3/1).
Wie der Beschwerdeführer zutreffend
ausführt
, kommt einer Gm
bH Rechtspersönlichkeit zu,
so dass sie in eigenem Namen die für die wirtschaftliche Tätigkeit notwendigen Handlungen vornehmen kann. Auch haftet die GmbH gegenüber Dritten für allfällige Mängel. Die für die GmbH tätigen Mitarbeitenden sind
Arbeitnehmende
der GmbH und somit
AHV-rechtlich
unselbständig Erwerbe
n
de.
Dies gilt insbesondere auch für
operativ tätige
Geschäftsführer
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_115/2020 vom 26.
Mai 2020 E.
4)
.
Die Ausübung einer Führungsfunktion und
das Tragen eines unternehmerischen Risikos
hat darauf
keinen Einfluss (vgl. Urteil des Bundesge
richts
8C_280/2013 vom 28.
Mai 2013 E.
4.2
).
Ausserdem
besteht
zwischen der
Y._
GmbH und dem Beschwerdeführer
ein
schriftlicher
Arbeitsvertrag
gemäss
Art.
319
ff. OR
(
Urk.
3/1
). Sind solche Rechtsverhältnisse gegeben, besteh
en
ge
mäss
bundesgerichtlicher
Rechtsprechung kaum Zweifel, dass es sich um einen Arbeitn
ehm
er
gemäss
UVG handelt (
BGE
141 V 313 E.
2.1
; vgl. auch
Urteil
e
des Bun
desgerichts 8C_538/2019 vom 24.
Januar 2019 E. 2.3 und
8C_183/2014 vom 22.
September 2014
E.
7.2
).
Auch aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer
,
gemäss
eigener Aussage
vorübergehend
,
auf
ein Entgelt
verzichtet hat, kann nicht auf eine selbständige Erwerbstätigkeit geschlossen werden, zumal es nicht unüb
lich ist, dass Arbeitnehmer auf Lohnansprüche verzichten, wenn dadurch das Unternehmen gerettet und ihr Arbeitsplatz gesichert werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2007 vom 26.
Februar 2008 E.
4.2).
Es ist denn auch
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer eine Erwerbsabsicht verfolgt
e und seine Arbeitsleistung im Hinblick auf
die künftige Auszahlung eines
Lohn
es
erbrachte.
Nach dem Gesagten
besteht vorliegend
– entgegen der Auffassung der Beschwer
degegnerin -
kein Raum für die Annahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit im Rahmen der vom Beschwerdeführer zusammen mit seinen Mitgesellschafter
innen betriebenen GmbH.
3.3
Demzufolge
war
der Beschwerdeführer
im Z
eitpunkt des Unfalles vom 24.
Mai 2019
als Arbeitnehmer in Sinne des UVG zu qualifizieren und damit
obligatorisch
gegen die Folgen von Unfällen
versichert.
Somit
ist d
ie Beschwerdegegnerin für
den erlittenen Unfall leistungspflichtig.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwer
d
e.
4.
4.1
Das Verfahren ist ko
stenlos
(Art. 61
lit
. a ATSG)
.
4.2
Da der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten ist, kann seinem Begehren
um Zusprechung einer Parteientschädigung (Urk.
1 S. 1
) nicht entsprochen w
erden.
Für persönlichen Arbeitsaufwand und Umtriebe einer nicht durch einen
berufs
mässigen
Rechtsvertreter vertretenen Partei ist in der Regel keine Parteient
schä
digung zu gewähren. Besondere Verhältnisse, welche ausnahmsweise die Zuspre
chung einer Parteientschädigung rechtfertigen würden (vgl. BGE 129 V 113 E. 4 und 110 V 132 E. 4d), liegen nicht vor und werden auch nicht geltend gemacht.