Decision ID: 48e3be34-b2e6-4744-b1be-4374807d3c0d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980,
aus Sri Lanka
stammend
und verheiratet
,
reiste im Oktober 2005 in die Schwei
z ein
(Urk. 8/28
Ziff. 1.4
)
.
Vom
22.
September 2012
bis
31.
Oktober 2016
war
sie
als Unterhaltsreinigerin
bei der
Y._
AG
in einem Pensum von
28 %
(1
1.75
Stunden pro Woche)
ange
stellt, wobei das Arbeitsverhältnis nach Ablauf der Sperrfrist zufolge Krankheit gekündigt wurde (Urk. 8/35
S. 1
-2
).
Unter Angabe
von
immer wieder auf
tretende
n
Bewusstseinsverlust
e
n
und Stürzen meldete sie sich am 7. Juli 2016 zum Leis
tungsbezug (Berufliche Integration/Rente)
bei der Eidgenössischen Invalidenver
sicherung
an (Urk. 8/28 Ziff. 6.1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinischen und beruflichen Verhältnisse ab
und forderte die Versicherte auf
,
sich einer psychotherapeutischen Behandlung in
ihrer
Muttersprache zu unterziehen (Urk. 8/4
0, 8/42, 8/44, 8/51, 8/55, 8/62). Nach Eingang eines ärztlichen Berichts
der
psychiatrischen
K
linik
Z._
vom 4. Februar 2019 (Urk. 8/75)
veranlasste
die IV-Stelle
ei
ne polydisziplinäre Abklärung
bei
m
I
nstitut
A._
(
A._
-Expertise vom 25. September 2019; Urk. 8/85
)
. M
it Vorbescheid vom 16
.
Oktober 2019
(Urk. 8
/
88
) stellte sie der Versicherten die
Verneinung eines Anspruchs auf beruf
liche Massnahmen und Invalidenrente in Aussicht. Daran hielt sie nach erho
be
nem
Einwand
(Urk. 8/89) mit Verfügung vom 25. November 2019 fest
(Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte am
10. Januar 2020 Beschwerde mit folgendem Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
1.
Die Verfügung vom 25. November 2019 sei vollumfänglich aufzuheben und
rückwirkend seit Anspruchsbeginn, spätestens seit 1. Januar 2017
,
eine ganze
Rente, eventualiter eine
Dreiviertelsrente
,
subeventualiter
eine halbe Rente zuzusprechen.
2.
Eventualiter sei die Verfügung zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück
zuweisen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
Die
Beschwerdegegnerin schloss am 29
.
April
2020 auf
Abweisung der Be
schwerde (Urk. 7), was
der Beschwerdeführerin
am 30. April
2020 zur Kenntnis gebracht
wurde
(Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im
Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
gen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbs
tätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsabweisung damit (Urk. 2), dass
davon au
sgegangen werde
, dass
ohne eine ges
undheitliche Beeinträchtigung die Beschwerdeführerin in
einem Pensum von 28
% als Unterhalts
reinigerin und die
restlichen 72
%
im
Haushaltsbereich arbeiten würde. Die medizinischen Abklä
rungen
durch die
A._
-Gutachter
hätten ergeben, dass die Tätigkeit als Unter
haltsreinigerin zu 50 % und eine angepasste Tätigkeit zu 80 % möglich sei.
Dabei könnte die Beschwerdeführerin als
Unterhaltsreinigerin in einem 28
%
Pensum ohne gesundheitliche Beeinträchtig
ung
en
im Jahr 2017 ein Einkommen
von Fr. 12'422.24
erzielen
.
Gestützt auf die st
atistischen Angaben des Bundes und unter Berücksichtigung von Kürzungen und Abzügen liesse sich
in
einer angepa
ssten Tätigkeit in einem 80 % Pensum im Jahr 2017 ein
Lohn
von Fr.
21’706.04 erzielen. Im Erwerbsbereich
betrage der Teilinvaliditätsgrad
so
mit
0
%
. Im Haus
haltsbereich sei
die Beschwerdeführerin
zu 10 % eingeschränkt
.
B
ei
einem
Anteil von 72 %
resultiere damit
ein Teilinvaliditätsgrad von 7
.2
% und ein Gesamtin
v
aliditätsgrad von 7 %
.
Per 1. Januar 2018 sei a
ufgrund
der
neuen gesetzlichen Grundlage der Invalidi
tätsgrad im Erwerbsbereich und das Einkommen ohne gesundheitli
che Beein
trächtigung
bei einem Teilzeitpensum auf 100 % hoch
zurechnen
. Das Einkommen ohne gesundheitliche Einschränkung betrage dabei Fr. 44'365.14 und jenes
mit gesundheitlicher Einschränkung
Fr. 21'706.04
. Daraus ergäben
sich
Einschrän
kungen von 51 %. Im Haushalt bestünden
nach wie vor Einschränkungen von 10
%.
Gewichtet resultiere
somit
ein Teilinvalid
it
ätsgrad
im Erwerbsbereich von 14.3 % und im Haushaltsbereich von 7.2 % was zu einem rentenausschliessenden Gesamtinvaliditätsgrad von 22 % führe.
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellte sich demgegenüber au
f den Standpunkt (Urk.
1 S.
5
f
.),
auf das
A._
Gutachten könne nicht abgeste
llt werden. Diese
s
sei einseitig
, nicht umfassend und beruhe nicht auf allseitigen Untersuchungen. Insbesondere sei keine vertiefte Auseinandersetzung mit den
Vorakten
vorgenommen worden. Die Schlüsse stünden
im
Widerspruch zum erstellten Sach
verhalt und den Arzt
prognosen und d
as
A._
komme entgegen der Feststellung der
K
linik
Z._
zum Schluss, dass eine körperlich leichte bis mittelschwere adaptierte Tätigkeit im Umfang von 50 % realisierbar sei. Dabei seien
die
chronischen Krankheiten
einseitig betrachtet worden und
die einzelnen Krankheitser
schei
nungen separat und nicht zusammenhängend evaluiert
und auch die Entwicklung der
Krankheitssymptome nicht in Betracht gezogen
worden
.
Die
bi
sherigen Ärzte hätten physische und
psychische Einschränkungen bei der Ausübung einer Erwerbstätigkeit sowie bei
den
Alltagsbeschäftigungen festgestellt.
Vor allem aufgrund von Angst, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie der plötzlichen Ohnmachts- und Verletzungsgef
ahr
könne sie nicht arbeiten
, da sie Arbeiten nicht zu Ende führen
und
nur
bei
Präsenz ihres Mannes
die Tätig
keiten im
Hau
shalt
verrichten könne (S. 6). Auch habe sich das Krankheits
geschehen nicht ausreichend stabilisiert
und der
Anspruch
auf
eine
Invaliden
rente
sei gefällt worden
, obschon
die
Heilungsprozedur
noch
nicht ferti
g
sei. Sie
leide unter schwerwiegenden Folgen aufgrund ihrer Epilepsieanfälle. Zudem werde auch im Gutachten festgehalten,
dass noch P
hysiotherapie erfolgen sollte
, was Indiz dafür
sei, dass der Endzustand noch nicht erreicht worden sei (S. 8).
Die psychiatrische
K
linik
Z._
habe
auch
festgestellt, dass aufgrund der mittlerweile
eingetretenen Chronifizierung
von einer ungünstigen Prognose auszugehen sei und
sie
eine längerfristige Behandlung brauche.
Es sei
der psy
chiatrischen
K
linik
Z._
beizupflichten und eine
100
%
ige
Arbeits
unfähigkeit seit Behandlungsbeginn
vom
11. Januar 2018 und auch davor,
auf
grund der täglich
unvorhersehbare
n
Bewu
sstlosigkeit
festzustellen
. Sie könne auch zu Hause kaum Hausarbeit ausführen, beziehungsweise nur dann, wenn ihr Mann ihr aufgrund der sich nicht ankündigenden Verletzungsgefahr zur Seite stehen könne. Folglich sei sie stets sitzend zu Hause und könne sich erst ab dem Zeitpunkt frei bewegen, ab dem ihr Mann nach Hause komme (S. 9). Es sei deshalb
weder im Erwerbs- noch
im
Haushalt
sbereich eine Tätigkeit möglich (S. 10).
3.
3.1
Im Streit liegt die Verfügung vom
25. November 2019
, mit der ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung verneint wurde (Urk. 2). Die Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte am
7. Juli 2016
(
Urk. 8/28
). Ein möglicher Renten
ansp
ruch fällt damit frühestens ab Januar 2017
in Betracht (Art. 29 Abs. 1 IVG) und somit sind insbesondere die medizinischen Berichte ab diesem Zeitpunkt
relevant. Die aufgelegten Arztberichte wurden im
A._
-Gutachten vom 25
.
Septem
ber 2017 (Urk. 8/85/15-19
) zusammengefasst, weshalb sie vorliegend nur inso
weit wiedergegeben werden, als sie dem Sachverhaltsverständnis dienlich sind.
3.2
Im Austrittsbericht der Klinik
B._
vom 17. August 2015 (Urk. 8/36)
über den Aufenthalt vom 27. bis 31. Juli 2015 nannten die Ärzte
als Diagnose r
ezidivierende Ereignisse mit Bewusstseinsalteration, am ehesten dissoziativer Genese, derzeit ohne Hinweis für das Vorliegen einer Epilepsie.
Die Ärzte führten aus, s
eit 2006
,
ein Jahr nachdem die Beschwerdeführerin aus Sri Lanka in die Schweiz gekommen sei, seien regelmässig Anfallsereignisse aufge
treten. Zu Beginn zwei bis dreimal pro Woche, vor allem bei grosser Traurigkeit und Müdigkeit. Dabei komme es bei unterschiedlichen
Semiologien
meistens zu undulierenden Zuckungen des Oberkörpers und zum Ballen der Fäuste vor der Brust. Im Rahmen der Anfallsereignisse habe sie sich Prellungen im Bereich der Schultern und des Rückens zugezogen.
Im Neurostatus zeig
t
en sich kein M
enin
gis
mus
und ein unauffälliger Hirnnervenstatus. Die Muskulatur sei
normoton
und eutroph
,
ohne Anhalt für latente oder manifeste Paresen und
die
Muskelei
gen
reflexe
seien
seitengleich mittellebhaft ohne Pyramidenbahnzeichen. Die Sensi
bilität und
die
Koordination sei
en
intakt und das Vegetativum unauffällig. Psy
chisch sei die Besc
hwerdeführerin
bewusstseinsklar und
allseits orientiert. Auf
merksamkeit und Gedächtnis seien kursorisch unauffällig
,
form
algedanklich kohä
rent
,
ohne Befürchtungen oder Zwänge.
Es ergäben sich keine Anhaltspunkte f
ür Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Die a
ffek
tive Modulation und
die
Schwingungsfähi
gkeit
sei
en
regelrecht
,
stimmungsmässig
euthym
und der
An
trie
b, Appetit und Schlaf normal
und es
ergebe sich
auch
kein Anhalt für Selbst- oder Fre
mdgefährdung.
Während der dreitägigen Ableitung hätten keine Anfälle registriert oder sonstige klinische Auffälligkeiten protokolliert werden können. Im EEG zeigten sich k
eine epil
epsietypischen Potentiale beziehungsweise Aktivi
täten oder Anfallsmuster.
3.3
Dr. med.
C._
, Fachärztin FMH Neur
ologie
,
führte im Bericht vom 1.
Septem
ber 2015 (Urk. 8/37/14-15) aus, zwischenzeitlich sei die Hospitalisation in der Klinik
B._
erfolgt. Die Kollegen gingen von dissoziativen Anfällen mit Be
wusstseinsalterationen aus. Sie habe versuchsweise Levetiracetam für eine Woche eingesetzt. In dieser Woche habe die
Beschwerdeführerin
ebenfalls einen Anfall gehabt und die Frequenz habe sich nicht verändert. Sie gebe an, dass weiterhin
,
etwa zwei bis dreimal pro Woche
,
derartige Stör
ungen auftreten würden. Die Auslöser
seien Müdigkeit und Traurigkeit. Darüber hinaus
komme
es seit Juni 2014 zu einem immer wieder auftretenden Einschlafgefühl im rechten Fuss
,
zum Beispiel nach längerem Stehen oder beim Putzen. Der Fuss sei dann ganz von der Gefühlsstörung betroffen. Di
e Symptomatik halte dann ca. drei bis vier
Minuten an. Sie könne dann schlecht auf dem F
uss
auftreten. Sie hab
e mittlerweile Ängste, dass sie dann wegen der Gefühls
störung stürzen könnte. Dies sei auch ein Grund, warum sie
es sich nicht mehr zutraue, als Re
i
ni
gungskraft zu arbeiten.
Die Ärztin hielt fest, n
ach ihrer Einschätzung könnte der unerfüllte Kinderwunsch als dys
funktionale Bewältigungsstrategie den dissoziativen Anfällen
zugrunde liegen. Auch f
ür die anfallsartig auftretenden Gefühlsstörungen des rechten Fusses l
a
ss
e
sich keine eindeutige organische Ursache finden.
3
.4
Im Bericht
der psychiatrischen
K
linik
Z._
vom
4.
Februar
2019
(Urk. 8/75)
wiesen
Assistenzarzt Dr. med.
D._
und Ob
erärztin Dr.
E._
auf die seit 11. Januar 2018 zuerst alle zwei Wochen und danach im einmonatigen Rhythmus stattgehabten Einzelgespräche hin
(S. 2)
. Die Ärzte nannten
die Diagnosen
d
issoziative Krampfanfälle ICD-10
F44.5
,
bestehend seit 2006
,
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren ICD-10 F45.41
,
bestehend seit 2017
, sowie eine seit 2017 bestehende rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (S. 4 f.)
. Die Ärzte führten aus
(S. 3)
,
d
ie
Beschwerdeführerin sei von Dr.
F._
,
dem Hausarzt, z
ur Behandlung der dissoziativen
Krampfanfälle und der zunehmenden Angst- und Depressionssymptomatik zugewiesen
worden. Das
Erstgespräch
habe
unter Beizug eines Dolmetschers auf Tamil statt
gefunden.
Die
Beschwerdeführerin berichte
,
die
dissoziativen Krampfanfälle zwei- bis dreimal täglich
zu haben
. Sie ver
liere plötzlich und ohne Prodrome
ihr Bewusstsein und stürze immer nach hinten. Die bewuss
tlose Phase dauere immer länger
an, aktuell bis zu 20 Minut
en. Während dieser Zeit sei sie
auf dem Bo
den liegend, unruhig, lege ihre
beiden Hände um ihren Hals und drücke zu. Dabei atme sie unrege
lmässig
,
mit häufigen Aussetzern
,
tief und ringe nach Luft. Wenn sie wieder zu Bewusstsein komme, b
estehe eine retrograde Amnesie,
sie sei verwirrt, müde und habe am ganzen Körper sowie am Kopf noch
stärkere Schmerzen als üblich.
Oft ziehe sie sich dabei Verletzungen (Beulen) zu. Zunächs
t kehre ihr Sehvermögen langsam
zurück. Auf
grund des Kräfteverlustes bleibe sie bis zu einer Stunde
auf dem Boden liegen. In diesem
Zustand schlafe sie oft auf dem Boden ein. Danach brauche sie ein pa
ar Stunden, um sich zu erholen.
Diese Anfälle hätten sich auch beim Sitzen und während des Schlafes ereignet sowie in
ner- und ausserhalb
ihrer Wohnung. Sie träten unabhängig von der Stimmun
gslage oder
von
Belastungen auf. Es
gebe keine kl
aren Frühwa
r
n
zeichen oder Auslöser (Trigger). Aufg
rund der Stürze habe sie Angst,
sich schwer zu verle
tzen,
habe deshalb ein Vermeidungsverhalt
en ent
wickelt und sie habe Angst
,
sich
allein und frei zu bewegen. Sie arbeite im Haushalt nur in Anwe
senheit ihres Mannes, ansonsten sitze sie meistens auf
dem Bett.
Sie sei in Sri Lanka geboren und im Elternhaus zusammen mit drei Schwestern und einem Bruder aufgewachsen. Ihre Kindheit und Adoleszenz seien gut gewesen. Nach zwölf obligatorischen Schuljahren habe sie das College ange
fangen, es aber aufgrund der Trauer nach dem Verlust ihres Vaters (1998) abge
brochen. 2004 habe sie geheiratet und 2005 sei sie mit ihrem Ehemann in die Schweiz eingereist. 2006 habe sie ihre Grossmutter verloren, mit welcher s
ie stark verbunden gewesen sei und k
urz darauf hätten d
ie Anfälle angefangen. T
rotzdem
sei sie
von 2013
bis 2015 in der Reinigung tätig
gewesen. 2015 hätten sich
die
Anfälle täglich ereignet und sie sei mehrmal
s vom Arbeitsort in den Notfall
gebracht worden. Aufgrund der Verletzungsgefahr sei ihr der Arbeits
platz gekün
digt worden. Seither sei sie arbeitslos und a
ufgrund der täglichen Stürze suche sie keinen neuen Job.
Unter
dem Titel
objektive Befunde führten die Ärzte aus, die Beschwerdeführ
erin sei wach, bewusstseinsklar
, allseits orientiert und von unauffälligem äusseren Erscheinungsbild
. Im Kontakt sei sie freundlich,
zugewandt und überangepasst. Es bestünden deutliche Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Im formalen Denken sei sie grübelnd und habe Angst, sich während der Stürze schwer zu verletzen. Es bestünden keine Zwänge, kein Wahnerleben oder Ich-Störungen.
Sie
berichte
über s
eltenes Stimmenhören
(Stimme ihres Onkels).
Sie prä
sentiere sich a
ffektiv depressiv, ängstlich, deutlich
parathym
, hilflos, punktuell hoff
nungslos, schü
chtern, stark bagatellisierend und
nur punktuell schwingungs
fähig
.
Ihr
Antrieb
sei
reduziert und
die
Psychomotorik unauffällig.
Circadiane
Beson
derheiten bestünden keine, jedoch
Du
rchschlafstörungen
,
ein deutlicher Rückzug und keine soziale Umtriebigkeit. Ein
Krankheitsgefühl und
die
Krankheitseinsicht
sei
en
teilweise vorhanden
und sie sei
behandlungsbereit.
Hinweise auf ein selb
stschädigendes Verhalten oder
für Aggres
sivität oder akute Suizidalität bestünden keine,
aber der Wunsch nach Ruhe
(S. 4)
.
Bei der Beschwerdeführerin bestünden psychische und geistige Einschränkungen in Form von Angst, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Sie falle plötzlich und unangekündigt i
n Ohnmacht, verletz
e
sich dabei und könne
die Arbeit
nicht bis zum Ende ausführen. Sie sei v
om Arbeitsplatz aus
mehrmals per
Ambulanz ins Spital transportiert
worden. Aus psychiatrischer Sicht sei die bisherige sowie eine angepasste Tätigkeit nicht mehr zumutbar, und es besteh
e
eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (S. 6). Im Haushalt
sei sie aufgrund der Stürze, die sich nicht ankündigten
,
und der Verletzungsgefahr meisten
s auf ihren Mann angewiesen (S.
7).
3.5
3.5
.1
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten
polydisziplinären Gutachten der
A._
vom 25
.
September 2019
(Ur
k. 8/85
), beruhend auf
allgemeininternistischen, psychiatrischen, orthopädisch
en
und neurologischen
Untersuchungen, wurden die fo
lgenden Diagnosen gestellt (S. 8
f.
):
Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
1.
Chronische Fussbeschwerden rechts
-
radiologisch Hohl-Spreizfuss und
Hallux
valgus
intradigitus
mit Rota
tions
komponente beidseits
-
anamnestisch Status nach Eingriff im Bereich des Achillessehnenansatzes lateral rechts
-
klinisch Knick-Hohl-Spreizfuss und
Hallux
valgus mit Rotationsfehl-stel
lung beidseits
2.
Disso
ziative Krampfanfälle (ICD-10 F44.5)
Diagnosen
ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
1.
Chronisches panvertebrale
s Schmerzsyndrom
-
radiologisch keine relevanten degenerativen Veränderungen der thorako
lumbal
en Wirbelsäule sowie Hüft- und I
liosakralgelenke und kein Hinweis für Neurokompression
-
klinisch Hohl- und erheblicher Rundrücken
2.
Dysmelie des zweiten Strahles der Hände
-
Verdacht auf
ulnokarpales
Impingement
am rechten Handgelenk
3.
Anamnestisch Verdacht auf Radikulopathie L4, differ
e
ntialdiagnostisch
Meta
tarsalgie
4.
Anamnestisch Vitamin D3-Mangel
Aus allgemeininternistischer Sicht
hielt
der
Gutachter
fest
(S. 22 f.)
, d
ie Be
schwerdeführerin berichte
,
ihre Hauptproblematik
en
seien die seit 2006 bekann
ten, wiederholt auftretenden Ohnmachtsanfälle, ein Steifheitsgefühl und eine Bewegungseinschränkung am rechten Fuss. 2006 seien solche Ohnmachtsanfälle einmal pro Monat aufgetreten, seit 2016 bis dreimal täglich. Im Rahmen der Ohnmachtsanfälle sei es zu wiederholten Stürzen gekommen, wobei sie sich dabei Prellungen, aber keine schwerwiegenden Verletzungen zugezogen habe. Als mög
liche auslösende Faktoren w
ü
rden Sc
hmerzen, Anstrengung, Computer-I
nternet Schauen und Lesen angegeben. Die Anfälle würden sowohl innerhalb wie auch ausserhalb des Hauses auftreten. Urin- oder Stuh
labgang oder
Zungenbiss
seien nicht aufgetreten
, jedoch
ein
Bruxismus (Zähneknirschen). Sie leide unter rechts
seitigen, vor allem beim Stehen auftretende
n Fussschmerzen, welche sie auf
eine Grosszehenverkrümmung rechts zurückführe. An den Zeigef
ingern bestehe seit Geburt eine
Missbildung im Sinne einer Dysmelie, welche sie jedoch im Alltag n
icht beeinträchtige. Sie
leide seit 2014 unter anhaltenden panvertebralen Rückenschmerzen
,
die
täglich vorhanden
seien
mit
punctum
maximu
m im thora
kalen Bereich
,
ohne
dass
periphere Ausstrahlung
en
und sensomot
orische
Ausfälle
bestünden
.
Der Gutachter führte aus, i
n der Anamnese imponierten wiederholte Bewusst
seinsverluste seit 2006, welche im Verlauf wiederholt neurologisch und psychia
trisch abgeklärt worden
seien
und
als Ursache am ehesten eine
dissoziative Genese ohne Hinweis
auf eine Epilepsie
postuliert worden sei
. Mit Ausnahme eines Vitamin D3-Mangels sei
en
in der Vergangenheit keine allgemeinin
ternis
tischen Befunde oder Diagnosen erhobe
n
worden und
es hätten
in diesem Zu
sammenhang
auch keine
Behandlung
en
stattgefunden.
Aus allgemeininternisti
scher Sicht
liessen sich keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit dokumentieren und der Beschwerdeführerin seien
Eingliederung
smassnahmen ohne
Einschränkungen zumutbar
(S. 26).
3.5
.2
Der
orthopädische
Sachverständig
e
führte aus
(S. 42)
,
die Beschwerdeführerin sitze während einer knappen halben Stunde ruhig und mache lächelnd sehr un
bestimmt bleibende Angaben. Sie ziehe sich in ausschliesslich stehender Position flüssig und zügig ohne sichtbare
Einschränkung aus. Sie trage
Konfektions
sport
schuhe, es zeigten sich
eine Adip
ositas und
ein d
i
skretes, schnell abklingendes rechtsseitiges Hinken.
Der
Fersen- und Zehengang
sei
beidseits
über mehrere Meter gut
durchführbar.
Der
Schulter- und Becken
stand
sei gerade und
d
er
Einbeinstan
d
beidseits ohne Trendelenburg-Zeichen
möglich
.
E
s bestünden
v
al
gische
Bein- sowie Rückfussachsen
.
Bei der Pal
p
ation der Halswirbelsäule lasse sich die Beschwerdeführerin
aus der am Rande der Untersuchungsliege eingenommenen sitzend
en Position plötzlich rückwärtsfallen
, sodass Oberkörper und Beine zum Teil über die Liege
hinaus
geragt seien.
Nachdem
sie
bei fehlender Ansprechbarke
it in die Rückenlage gedreht worden sei,
habe sie sich
beweg
t und
n
ach rechts auf den Boden
sinken lassen
,
dabei habe sie mit
den Augen
gerollt
,
gezuckt
und
sei
nicht ansprechbar gewesen.
Sie
habe
mit den Händen an den Hals
gegriffen
, als ob
sie sich würgen woll
t
e und
wiederho
lt
gehustet
. Der
sofort
hinzu
gekommen
e Ehemann
habe
beim Betreten des Untersuchung
szimmers angesichts der auf dem
Boden lie
genden Explorandin gesagt, e
s
sei jedes Mal das gleiche
und w
äh
rend die Ereignisse früher fünf
Minuten gedauert hätten, müsse er nun bis zu vierzig Minuten wart
en, bis der Anfall vorübergegangen sei
. Zeitweise
habe
die
Beschwerdeführer
in
die Augen
geöffnet
,
aber weder
auf Ansprache durch
den
Dolmetscher
noch
durch den
Ehemann
reagiert
. Die gest
r
eckten Beine
seien
ma
ssiv angespannt und unbe
weglich
gewesen
und
ebenso die
oberen Extremitäten. Der Blutdruc
k
habe
137 zu
96
mm
Hg
und der Puls 84 pro
Minute
betragen
.
Nach gut zwanzig Minuten
habe sich die Beschwerdeführerin erholt
und lächelnd und spontan wiederum die sitzende Position am Rand der Untersuchungsliege ein
genommen
. Auf die Frage nach Beschwerden
habe
sie auf die
zervikothorakale
Wirbelsäule
hingedeutet
und die Prüfung
habe
fo
rtgesetzt werden
können
, jedoch
sei
die Beweglichkeit der Halswirbels
äule nicht mehr
weiter
untersucht
worden
.
Zu den
Befunde
n
aus orthopädischer Sicht
hielt der Gutachter fest,
der ebene Ga
ng sei mitsamt den geprüften Varianten weitgehend unauffällig. Bei d
er Unter
suchung der Wirbelsäule zeige
sich die Beweglichkeit lumbal klar vermindert und
zerviko
thorakal
praktisch frei. An den Händen zeige
sich eine Verkürzung der Zeigefinger samt deutlicher
Ulnardeviation
derselb
en sowie
der Mittelfinger. Auf der rechten Seite
würden
Hinweise für ein
ulnokarpales
Impingement
vor
liegen und an den Füssen bestehe
eine deutliche Fehlstellung im Sinne eines Kni
ck-
Hohl-Spreizfusses mit
Hallux
valgus
intradigitus
(S. 46)
.
Zusammenfassend könne
festgestellt werden, dass sich die anamnestisch und klinisch sehr diffus demon
strierten Beschwerden durch die klinischen und radiologischen Befunde keines
falls klar begründen liessen. Nachvollziehbar sei eine Minderbelastbarkeit der Füsse bei deutlicher Fehlstellung sowie auch gewisse Beschwerden an der Wirbel
säule bei Fehlhaltung. Die gesamte anamnestische und insbesondere klinische Präsentation liesse
n
aber an eine im Wesentlichen nicht
organische Problematik denken und die
erheblichen Einschränkungen könnten auf rein orthopädischer Ebene keinesfalls klar nachvollzogen werden (S. 47). Für körperlich sehr leichte, überwiegend sitzende Verrichtungen könne auf Ebene des Bewegungsapparates von einer uneingeschränkten Einsetzbarkeit ausgegangen werden. Für überwie
gend stehende und gehende Verrichtungen sei von einer Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % im Sinne eines halbtägigen Pensums mit allerdings vermehrtem Pausenbedarf von etwa 10 % auszugehen (S. 48).
3.5
.3
Der Neurologe führte aus
(S. 54 f.
)
, die Beschwerdeführerin stelle die wiederholte
n
Ohnmachtsanfälle
,
die seit 2006 aufträten
,
in den Vordergrund. Dies soll
e
auch während der orthopädischen Untersuchung
geschehen sein. I
n diesem Zusam
men
hang
seien
im Jahr 2015 bei der Neurologin Dr. med.
C._
und in der
K
linik
B._
Abklärungen
erfolgt. Dabei sei von disso
ziativen Anfällen mit Bewusstseinsalterationen ausgegangen worden und Hin
weise für eine epileptische Genese hätten
sich
keine
ergeben
, auch nicht mittels
einer
Video-EEG-Überwachung
. Insofern
Dr.
C._
auf
eine rezidivierend
e Gefühlsstörung im rechten Fuss
ein
gegangen sei
,
habe weder klinisch
,
noch
neu
rographisch
,
noch kernspintomographisch ein Korrelat
gefunden werden können
. Diesbezüglich
sei in der Untersuchung eine
Hypästhesie und Schmerzen am Fussballen rechts angegeben
worden bei gleichzeitig bestehender
Verhornung in diesem Bereich und einer Dysmelie sowohl an
Händen als auch an den Füssen.
Die Different
ialdiagnose einer
Metatarsalgie
und
die möglichen A
uswirkungen der Dysmelie
seien
jedoch
auf
orthopädische
m
Fachgebiet
zu beurteilen und a
uf rein
neurologischem Gebiet
ergebe
sich keine die Arbeitsfähigkeit relevant ein
schränkende Erkrankung.
3.5
.4
Auf psychiatrischem Fachgeb
i
et
legte
der Sachverständige
dar (S. 30 f
.),
die Beschwer
deführerin beklage, dass sie
2006 nach der Einreise in die Schweiz und nach dem Tod der Grossmutter wiederholt das Bewusstsein verloren habe. Sie habe Heimweh gehabt, habe in einer grossen Familie in Sri Lanka gelebt, sei einsam gewesen. Später seie
n die Anfälle seltener geworden und
nur noch alle ein bis zwei Monate aufgetreten. Einzig wenn sie traurig gewesen sei, wenn sie unter Heimweh gelitten habe, habe sie Anfälle gehabt. 2014 habe sie Probleme mit dem rechten Fuss gehabt, das rechte Bein sei öfters eingeschlafen und sie sei deswegen auch gestürzt. Sie leide unter Missbildungen an den Händen und an den Füssen seit Geburt. Von 2012 bis 2016 habe sie drei Stunden abends
bei
einer Bank als Putzfrau gearbeitet. Auch dort habe sie Anfälle gehabt. Niemand habe dies aber bemerkt. 2016 sei aber ein Mitarbeiter anwesend gewesen, habe den Anfall bemerkt und habe die Ambulanz gerufen. In der Folge sei sie von ihrem Hausarzt arbeitsunfähig geschrieben worden und seither
hätten die Anfälle zugenommen. Z
urzeit leide sie ca. zwei- bis dreimal am Tag unter einem Anfall. Sie spüre nicht, wenn sie
ohnmächtig werde, falle meistens einfach zu Boden. Sie trage jetzt einen Helm zu Hause, um keine Kopfverletzungen zu erleiden. Bei ihren Stürzen habe sie sich nie schwere Verletzungen zugezogen, gelegentlich
aber
Prellungen im Bereich der Schulter.
Die Ohnmachtsanfälle würden ungefähr
20 Minuten andauern. Anschliessend sei sie noch etwas benommen, benötige Zeit, um wieder richtig wach und leistungsfähig zu werden. Sie könne sich die Herkunft der Anfälle auch nicht erklären. Sie sei in Behandlung beim Hausarzt, der Tamile sei und mit dem sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten könne. Seit eineinhalb Jahren sei sie in ambulanter psychiatrischer Behandlung wobei sie sich an den Namen des Therapeuten nicht erinnern könne. Die Besprechungen fänden ca. einmal im Monat mit Hilfe eines Dolmetschers statt. Bis anhin habe die Behandlung keinen Erfolg ge
zeigt
. Medikamente
nehme sie nicht regelmässig ein
,
insbesondere
auch
keine Psychopharmaka. Einzig
,
wenn sie Schmerzen habe, nehme sie gelegen
tlich eine Tablette
Novalgin
. 2010 und 2017 sei sie jeweils
während einigen Tagen in der K
linik
B._
behandelt worden. 2010 habe man keine Anfälle festgestellt, 2017 habe sie auch in der Klinik Anfälle gehabt. Man habe ihr aber auch dort nicht helfen können. Sie leide auch gelegentlich unter Ein
schlafen im rechten Bein. Therapien würden keine durchgeführt. Sie habe di
e Hoffnung noch nicht verloren
,
wieder gesund
zu werden
und
arbeiten zu können. Das Ganze
belaste sie aber und sie versuche
,
trotz ihrer
S
chwierigkeiten ihren Optimismus und
ihre Lebensfreude zu behalten.
Weiter gebe die
Beschwerde
führerin
an
(S. 31 f.)
, s
i
e
sei
nie schwer krank gewesen, z
usammen mit drei Schwestern und einem Bruder in Sri Lanka auf dem Lande aufgewachsen. Die Eltern hätten ein grosses Restaurant geführt. Der Vater sei 1999 an den Folgen e
ines Herzinfarktes verstorben und d
ie Mutter 69 Jahre alt.
Ihre
Mutter und die Geschwister lebten seit Jahren in Australien. Sie habe immer eine gute Beziehung zu ihren Elter
n und ihren Geschwistern gehabt und
in der Familie seien keine psych
ischen Erkrankungen bekannt. I
m Dezember 2018
sei sie
während fünf
Wochen in Sri Lanka gewesen und
habe dort auch ihre Familie getroffen, die einen Besuch in
ihrer
Heimat gemacht
habe. Während dem Flug habe sie keine Anfälle
erlitten
,
aber in
Sri Lanka
seien
einige Anfälle
aufgetreten
und dort
habe sie
auch einen Arzt aufgesucht, der ihr aber nicht habe helfen können. Ansonsten sei die Reise gut verlaufen. Sie habe die Grundschule und ein College besucht, sei insgesamt während 13 Jahren zu Schule gegangen und habe dort keine Probleme gehabt. Mit
ihren
seit der Geburt vorhandenen Missbildun
g
en
hab
e
sie nie Prob
leme gehabt. D
iese störten sie nicht. 19
99 habe sie die Schule beendet und
au
f die Universität gehen können
,
aber nach dem Tod
ihres
Vaters kein Interesse
mehr
gehabt. Von 1999 bis
2006 habe sie zu Hause gelebt und in dieser Zeit viel gelesen und
TV gesehen. Die Eltern hätten Hausangestellte beschäftigt und sie habe im
Haushalt nicht mithelfen müssen. So habe sie auch bei ihrer Einreise in di
e Schweiz nicht kochen können und e
rst in der Schwe
iz durch ihren Mann das Kochen er
lernt.
Zum Tagesablauf berichte die Beschwerdeführerin (S.
33), sie gehe meistens um 22
Uhr ins Bett,
stehe um 6 Uhr auf, wenn ihr Mann
morgens früh zur Arbeit gehen müsse. Tagsüber sei sie eigentlich meistens zu Hause. Wenn ihr Mann nicht da sei, lege sie sich meistens aufs Sofa. Sie beschäftige sich mit dem Computer, sehe sich die Nachrichten und Serien an. Sie habe auch das Lesen wieder auf
genommen, lese Romane auf Tamil und lese sehr viel. Die Haushaltsarbeit ver
richte s
ie, wenn ihr Mann zu Hause sei und ihr dabei
helfe. Auch beim Kochen
sei er ihr behilflich. Die grösseren Einkäufe erledige sie zusammen mit ihrem Mann
. Wenn sie einmal unbedingt etwas benötige, sei sie auch in der Lage, alleine den nahegelegenen Coop aufzusuchen, um einen Einkauf zu tätigen. Wenn der Mann nicht arbeite, machten sie Spaziergänge, besuchten die Kollegen oder würden von den Kollegen besucht. Letztmals sei sie im Dezember 2018 in Sri Lanka gewesen.
Zum psychiatrischen Untersuchungsbefund führte der Sachverständige au
s (S.
33
f.)
,
die Beschwerdeführerin drück
e sich differenziert und ausführlich aus. Praktisch während der ganzen Untersuchung zeige sie eine heitere Grundstim
mung, lache auch öfters. Einzig als sie darüber berichte
t habe
, dass sie darunter leide, ihren Mann mit ihrer Krankheit zu belasten,
sei
sie kurz traurig
geworden
. Insgesamt sei aber ein heiterer Affekt vorherrschend. Die Psychomotorik sei leb
haft, der Antrieb
nicht vermindert und d
er affektive Kontakt zum Untersucher und zum Dolmetscher gut. Sie mache einen wachen Eindruck, sei bewusst
seins
klar, zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person gut orientiert. Die im Rahmen der Untersuchung gemachten Beobachtungen und Feststellungen wiesen auf durchschnittliche Intelligenzleistungen hin und während der Untersuchung habe sie keine Zei
chen von Konzentrationsschwäche gezeigt und habe
gut auf die gestellten Fragen eingehen
können
. Die
Merkfähigkeit und die Gedächtnis
leistungen
seien intakt,
ihre
Ausführungen
anschaulich, d
as Denken
nicht ein
geengt und si
e
habe
kein Gedankenabre
issen, keine Neologismen
und keine
Gedankenleere
gezeigt
. In ihren Schilderungen
hätten sich
keine Hinweise auf überwe
rtige Ideen, w
ahnhaftes Denken oder Wahnvorstellungen
und keine Anhaltspunkte
für illusionäre Verkennungen, akustische, optische, olfaktorische oder
taktile Halluzinationen ergeben
.
Sie habe
einen klaren und guten Be
z
ug zur Realität und
zu ihrer Person und könne sich
gegenüber der Umgebung klar abgr
enzen. Gedankenausbreitung oder
Fremdbeeinflussungserlebnisse
seien
nicht vorhanden und sie äussere
keine
Zwangsgedanken. Hinweise auf Zwangshand
lungen
seien
nicht vorhanden und sie berichte auch nicht über Ängste und habe keine
Phobien
erwähnt
. Aus ihren Schilderungen
hätten
sich keine Hinweise auf
Veränderungen der Stimmung und
d
es Antriebes im Laufe des Tages ergeben und sie berichte
nicht über einen
Lebensverleider
, Su
izidgedanken oder Suizidimpulse
.
Unter Herleitung der psychiatrischen Diagnosen legte der
Sachverständige dar (S.
33 f.), g
emäss Aktenlage erleide die Beschwerdeführerin zwei- bis dreimal am Tag eine Ohnmacht von ungefähr 20 Minuten Dauer. Diagnostisch handle es sich dabei um dissoziative Krampfanfälle. Eine weitere Diagnose könne nicht gestellt werden. Die Hintergründe der Krampfanfälle seien der Beschwerdeführerin weit
ge
hend unbewusst. Es könne aber doch vermutet werden, dass die Immigration in die Schweiz, der Verlust der Geborgenheit der Grossfamilie
und
die Über
forderung mit der Haushaltsführung die Beschwerdeführerin belas
tet habe
, wo
rauf
sie mit Krampfanfällen reagiere
respektive damit ihre Überforderung aus
drücke. Mit ihren Anfällen erreiche sie auch einen hohen sekundären Krankheits
gewinn. Denn sie werde von ihrem Ehemann unterstützt, berichte sie doch wort
wörtlich, dass ihr Ehemann sich um sie wie um ein kleines Kind kümmere. Der Ehemann übernehme also die frühere Funktion der Grossmutter. Sie müsse auch keiner ausserhäuslichen beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen. Dabei sei zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin e
r
stmals
überhaupt
im Alter von 32 Jahren
eine
ausserhäusli
che berufliche Tätigkeit aufgenommen habe und
an eine Arbeit in
der freien Wirtschaft gar nicht gewohnt gewesen sei
. All dies
könne
dazu beitragen, dass sie unbewusst ihre Überforderung mit Hilfe de
r
Ohnma
chten ausdrücke und
diese Ohnma
chten in der
Folge zu einem hohen sekundären
Krankheitsgewinn führ
t
en.
Eine chronische Schmerzstörung liege nicht vor, denn die Beschwerdeführerin erwähne nur am Rande ihre körperlichen Beschwerden und es würden keine Therapien durchgeführt und sie nehme nur selten ein
Schmerzmittel ein. Ebenso hätten keine depressiven Symptome festgestellt werden
können und der
psychopathologische Befund der p
sychiatrischen
K
linik
Z._
könne damit
nicht best
ätigt werden. Es sei auch nicht
nachvol
l
ziehbar, dass die
Z._
eine depressi
ve Störung diagnos
tiziere
, aber
keine an
tidepressive Therapie durchführe. Die Beschwerdeführerin sei
einzig durch ihre Ohnma
chten beeinträchtigt und bei einer Arbeit, bei der sie nicht gefährdet sei, sich durch Stürze von Leitern ode
r Gerüsten zu verletzen, bestehe
somit nur eine geringgradige Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit.
Zur Konsistenz
und zur Arbeitsfähigkeit
erläuterte der Sachverständige
(S. 37)
, die Beschwerdeführerin sehe sich als nicht arbeitsfähig, liege den ganzen Tag auf dem Sofa, lese sehr viel, beschäftige sich mit dem Computer, pflege via Telefon soziale Kontakte und könne alleine kleinere Einkäufe erledigen.
Durch ihre Ohn
ma
chte
n
sei sie im Alltag nicht wesentlich beeinträchtigt.
Mit ihren Symptomen erziele sie aber einen hohen sekundären Krankheitsgewinn, der unter anderem auch darin liege,
dass sie in den Haushaltsarbeiten von ihrem Ehemann unter
stützt werde und sich dadurch stundenlang mit Lesen und mit dem Computer beschäftigen könne.
In der z
uletzt ausgeübten Tätigkeit könne
die
Beschwerde
führerin
während acht
Stunden anwesend sein
,
wobei
eine Einschränkung der Leist
ungsfähigkeit aufgrund der Ohnmachten bestehe.
In
der bisherigen
wie auch einer angepassten
Tätigkeit bestehe
eine Arbeitsfähigkeit
von 80
%. Angepasst sei eine Tätigkeit,
wenn
die
Beschwerdeführerin nicht auf Leitern und Gerüsten arbeiten müsse. Im Haushalt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % und in einer ausserhäuslichen Tätigkeit damit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % (S. 3
7 ff.
).
3.5
.5
Aus gesamtmedizinischer Sicht
führten
die Experten zu
r
Arbeitsfähigkeit
aus
(S.
9
)
, i
n somatischer Hinsicht
bestehe
bezüglich des Bewegungsapparates in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Unterhaltsreinigerin aufgrund chronischer Fuss
beschwerden rechts eine Arbeitsfähigkeit von 50 % im Sinne eines halbtägigen Pensums mit einem vermehrten Pausenbedarf von zirka 10 %. Dagegen bestehe in einer körperlich sehr leichten, überwiegend sitzenden Verweistätigkeit unter Wechselbelastung eine Arbeits- und Leistungsfähigk
eit von 100 %. Dabei sollten
wiederholte
s
Heben und Tragen von Lasten über 5 kg wie auch wiederholte
s
Überwinden von Treppen und Gehen auf unebenem Grund vermieden werden. Aus neurologischer Sicht f
ä
nden sich keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die funktionellen Anfälle seien am ehesten dissoziativer Genese und anamnestisch bestehe der Verdacht auf eine Radikulopathie L4 und diffe
ren
tialdiagnostisch einer
Metatarsalgie
, welche die Erwerbstätigkeit nicht signi
fikant
einschränkten. Dagegen bestünden qualitative Einschränkungen der Arbeits
fähig
keit. So sollten Tätigkeiten mit besonderen Anforderungen an das Gleichge
wichtsvermögen wie Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten der Beschwerdeführerin nicht zugemutet werden. Unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen bestehe in der zuletzt ausgeübten wie auch in einer körperlich vorwiegend sitzenden, leichten Verweistätigkeit aufgrund eines erhöhten Pausenbedarfs eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 90 %
. Aus psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund dissoziativer Krampfanfälle in der zuletzt ausgeübten und in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%. Die leichte Einschrän
kung
der Leistungsfähigkeit begründe
sich aufgrund der Ohnmachten. Aus allge
meininternistischer Sicht f
ä
nden sich keine weiteren Befunde und Diagnosen, welche zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führ
t
en.
In der zuletzt ausgeübten wie auch für überwiegend stehende und gehende Arbeiten sei der Besch
werdeführerin ein Pensum von vier bis fünf
Stunden pro Tag zumutbar. Körperlich leichte, überwiegend sitzende Arbeiten unter Wechsel
belastung, wobei das wiederholte Heben un
d Tragen von Lasten über fünf Kilo
gramm
und das wiederholte Überwinden von Treppen und unebenem Grund zu vermeiden sei
,
und ohne Tätigkeiten, welche besondere Anforderungen an das Gleichgewichtsvermögen stellten, wie Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten
,
seien b
ei einer maximalen Präsenz von acht
Stunden pro Tag möglich. Dabei bestünden Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit aufgrund eines erhöhten Pausenbe
darfs. Insgesamt betrag
e
die Arbeits- und Leistungsfähigkeit damit 80 % (S. 10 f.).
4.
4.1
Das
polydisziplinäre
Gutachten der
A._
erfüllt die praxisgemäs
sen Kriterien
an den Beweiswert einer Expertise
(vorstehend E. 1.4
), setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beeintr
ächtigungen der Beschwerdeführerin
auseinander, berücksichtigt auch die medizinischen
Vorakten
(vgl. Urk. 8/85/15-19)
und be
gründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht. Insgesamt reiht sich das Gutachten insbesondere mit Blick auf die Vorbe
richterstattung, welche anlässlich
des
stationären Aufenthaltes in der
K
linik
B._
erstellt
wurde
(vgl. E.
3.2
hiervor), widerspruchslos
und nachvollziehbar in die medizinische Aktenlage ein und vermag zu über
zeu
gen
. Dabei legten die Experten im gesamtmedizinischen Konsen
s
in nachvoll
ziehbarer Weise
dar, dass die
im Vordergrund stehenden
geklagten Ohnmachts
anfälle auf
grund
der Klinik und Diagnostik
auf
keinem der
somatischen
Fach
gebiet
e
erklär
bar
sind
. Diese Einschätzung
stimmt namentlich mit den
Ausfüh
rungen
der be
han
delnden Neurologin
Dr.
C._
im September 2015
überein
, wonach
einer
seits trotz
Verabreichung des
Antiepileptikums (Levetiracetam) die Anfalls
fre
quenz
nicht reduziert werden konnte und als
Auslöser
der Anfälle Müdigkeit und Trau
rig
keit a
n
geführt wurde
n
.
Die behandelnde Neurologin zog dabei auch in Be
tracht, dass ein unerfüllter Kinderwunsch als dysfunktionale Bewältigungs
stra
tegie den dissoziativen Anfällen zugrunde liegen könnte
.
Anderseits
beklagte
damals
die Beschwerdeführ
erin
nicht primär
die Ohnmachtsanfälle
als Ursache, dass sie
sich nicht mehr zutraue
,
einer
Erwerbstätigkeit
nachzugehen, sondern
dass
sie
ein
E
inschlafgefühl im rechten Fuss
verspüre
und
Angst habe
, dass
sie
wegen der Gefühlsstörung stürzen könnte
(E. 3.3
).
Vor diesem Hintergrund
überzeugt
die
diagnostische Herleitung
im
A._
-
Gut
achten, wonach die
lediglich auf psychiatrischem Fachgebiet erklärbaren
und als
dissoziative Krampfanfälle
bezeichnete Symptomatik
am ehesten als
Reaktion im Zusammenhang mit einer allgemeinen Überforderungssituation
zu verstehen ist
.
Detailliert
zeigte der psychiatrische Gutachter dabei
die Problematik
auf
im Zu
sammenhang mit
der
Immigration in die Schweiz
,
dem
Verlust der Ge
borgenheit der Grossfamilie,
der
Überfor
derung mit Haushalts
arbeiten
,
nachdem
solche Arbeiten
in der Ursprungsfamilie mit Bediensteten gar nie notwendig
gewesen
war
en
,
und de
m
Umstand, dass
die Beschwerdeführerin
erstmals überhaupt im Alter von
32
Jahren
,
ohne
daran gewöhnt zu sein
,
einer Arbeit in der freien Wirtschaft
nachging
respektive
eine solche Tätigkeit
bei
knappen finanziellen Verhältnisse
n
mit Schulden
aufnahm
(vgl.
Urk. 8/85/24).
Nachvollziehbar darge
legt ist
sodann
der hohe sekundäre
Krankheitsgewinn
, welcher durch die Anfälle erzielt wird
. D
enn einerseits muss
die Beschwerdeführerin
dadurch
keiner
ausser
häuslichen beruflichen Tätigkeit
mehr nachgehen. Anderseits
erreicht sie
damit
, dass sie vom
Ehegatten unterstützt
wird
und er sich
«
wie um ein kleines
Kind
»
um sie
kümmert
(Urk. 8/85/32)
und
so
die Funktion
ersetzt
, welche früher ihre
Grossmutter
inne
hatte
.
Letztlich versetz
en die Anfälle die Beschwerdeführerin
aber
auch in die Lage,
ihren
bisherigen
Interessen und Aktivitäten
weiterhin nachzu
gehen
,
welche
sie
bereits
1999 bis 2006
verfolgt hat
te
. Dies
heisst
zu Hause
bleiben
,
viel
lesen und TV
schauen
zu können
,
ohne
dass
weitere Verpflichtungen und Ansprüche an sie
gestellt
oder herangetragen
werden.
Denn
,
wie sie zum Tagesablauf selber schilderte (Urk. 8/85/33)
,
l
iegt
sie
nun
meistens auf dem Sofa und beschäftigt
sich mit dem Computer, sieht
Nachrichten und Serien am TV
und liest
sehr viel
e
Romane
in ihrer Muttersprache.
Dass der psychiatrische Sach
verständige den Ohnmachtsanfällen
im Alltag
der Beschwerdeführerin vor diesem Hintergrund keine höhergradigen
Einschränkungen
zugemessen hat, ist damit
ohne Weiteres
nachvollziehbar
.
4.2
Nichts anderes ergibt eine Prüfung der einschlägigen Indikatoren (
BGE 143 V 418,
BGE
141 V 281
). In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Komplex Gesundheitsschädigung als nicht ausgeprägt. So reduzieren sich die diagnoserelevanten Befunde auf
die
beschriebe
nen dissoziativen Krampfanfälle
,
welche
n
keine somati
sche Genese, insbesondere keine
Epilepsie zugrunde liegt
. Weitere
erheblichere
Komorbiditäten bestehen nicht. Von einem Behandlungs- und Eingliederungserfolg kann nicht gespr
ochen werden, was angesichts des sekundären Krankheitsgewinns
, welchen di
e Beschwerdeführerin
aufgrund der
Störung erhält
,
auch nicht erstaunt.
Die
vom behandelnden
Psychiater der
p
sy
chiatrischen
K
linik
Z._
genannte rezidivierende depressive Störung konnte
durch
die
Untersuchungsbefunde im
A._
nicht bestätig
t werden
und es findet auch keine
Behandlung mittels Antidepressiva statt
. Die zuletzt ledig
lich einmal monatlich durchgeführten Einzelge
spräche,
wobei
der Beschwer
deführerin nicht einmal der Name des Behandlers erinnerlich ist
(Urk. 8/85/31)
,
zeugen
nicht
von einem
erheblichen Leidensdruck
und begründen Zweifel an der
Behandlung
stiefe
,
was
offenkundig
im Kontext mit dem Krankheitsgewinn
steht
,
welchem
ein
Behandlungserfolg
mit Genesung
entgegenläuft.
Bezüglich Persön
lich
keit und soziale
m
Ko
ntext ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführer
in
von ihrem Ehegatten umsorgt wird
,
gute familiäre
Kontakte
zu ihrer Ursprungsfamilie
hat,
welche in Australien lebt,
so
wie
ein
en
Freundeskreis
pflegt (Urk. 8/85/
24,
3
1
f
f.
). Damit zeigt sich eine ungebrochene Fähigkeit, verlässliche soziale Bezie
hungen zu pflegen, was auf erhaltene Ressourcen schliessen lässt.
Solche sind auch darin zu erkennen, dass es der Beschwerdeführerin möglich ist, sich stun
denlang mit Romane lesen, Fernsehen, Computerspielen und Telefonieren zu beschäftigen.
Im Rahmen der Konsistenzprüfung ist sodann festzuhalten, dass sich
aufgrund der Ohnmachtsanfälle zwar
gewisse
Einschränkungen in
bestim
m
ten
Lebensbereichen zeigen
. S
o
verlässt die
Beschwerdeführerin
die Wohnung
ohne Begleitung ihres Ehegatten nicht für längere Zeit
. Sie
ist aber
in «Notfällen»
durchaus in der Lage
,
kleiner Einkäufe selbständig zu tätigen
(Urk. 8/85/33)
.
Ein
erheblicher
Le
idensdruck ist damit
nur beschränkt
sichtbar, was
konsequenter Weise auch nicht zu intensiveren
Therapiebemühungen geführt
hat
. Z
usammen
fassend
sind damit die
praxisgemässe
n
Kriterien
,
soweit
sie
überhaupt
vor
liegen
,
jedenfalls nicht sonderlich
ausgeprägt. Ein
e
allgemeine
Leistungsreduktion
um 20 % und eine Arbeitsfähigkeit von 80 %
für ausserhäusliche Tätigkeiten und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit,
wie dies
vom psychiatrischen Gutachter attestiert
wurde, erscheint damit
ausgewiesen
und
den normativen Vorgaben Rechnung tragen
d
.
4.3
Damit
ist
auch
nachvollziehbar
, dass unter zusätzlicher Berücksichtigung der somatischen Gegebenheiten
aus g
esamtmedizinischer
Sicht
i
n der zuletzt ausge
übten wie auch für überwiegend stehende und gehende Arbeiten
ein Arbeits
pensum von vier bis fünf
Stunden pro Tag
als
zumutbar
erachtet wurde. Plausibel ist auch, dass für
besser angepasste
leichte,
wechselbelastende und
überwiegend sitzende
Tätigkeiten mit Besc
hränkungen beim H
antieren
von Lasten,
Treppen
steigen
und
Gehen auf unebenem Grund sowie
unter
Ausschluss
von Tätigkeiten
auf Leitern oder Gerüsten eine
Präsenz
zeit
von acht
Stunden pro Tag
besteht
. Damit wurde auch überzeugend dargelegt, dass unter Anrechnung d
es
erhöhten Pausenbedarfs in
ein
er
solchen Tätigkeit auf
eine
Leistungsfähigkeit von
80
%
respektive auf eine Restarbeitsfähigkeit von 80 %
zu schliessen ist
.
5.
D
ie Auswirkungen dieser Einschränkung
im Haushalt b
ezi
e
h
ungsweise in einer Erwerbstätigkeit
blieb
en
unbestritten
. Ebenso
, dass die Beschwerdeführerin
als
zu 72 % im Haushalt und zu 28 % im Erwerbs
bereich
tätig
einzustufen ist. Im
Erwerbsbereich ermittelte die
Beschwerdegegnerin
das
Valideneinkommen
auf
grund
des zuletzt erzielten Erwerbseinkommens und das Invalideneinkommen gestützt auf Tabellenwerte der schweizerischen Lohnstrukturerhebung. Daraus ermittelte sie
im Erwerbsbereich per Ende Dezember 2017 eine
n
Teilinvalidi
tätsgrad von 0 % und ab 1. Januar 2018 einen solchen von 14.3 % (Urk. 2).
Diese
V
orgehensweise ist
aufgrund der Verordnungsänderung gemäss Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
und unter Berück
sichtigung der Übergangsb
estimmungen zur Änderung vom 1.
Dezember 2017 sowie gestützt auf das IV-Rundschreiben Nr
. 372 vom 9.
Januar 2018
korrekt. Was die Einschränkungen im Haushaltsbereich anbelangt, verzichtete die Be
schwerdegegnerin auf
die
Durchführung
einer Abklärung am Wohnort.
M
it Blick
darauf
,
dass
das medizinische Belastungsprofil
fest
steht,
die
Einschränkungen
im Haushaltsbereich
überwiegend auf psychiatrischem Fachgebiet zur Diskussion
stehen und
hier eine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit besteht (E. 3.5.4 in
fine
)
,
gibt diese Vorgehensweise bei nur geringen Einschränkungen zu keiner Kritik Anlass.
Die Berechnung der Beschwerdegegnerin erw
eist sich demgemäss als korrekt und der rentenausschliessende Invaliditätsgrad ist zu bestätigen.
Die angefochtene Verfügung ist damit nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.