Decision ID: 6858fdde-a1e4-54f6-a786-f1efc864b799
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958, Mutter von vier Kindern (Jahrgang 1976, 1978, 1984, 1986), war vo
m
1.
Dezember 2009
bis
3
1.
Juli 2011
bei
der
Firma Y._
als
Office-Mitarbeiterin
tätig, wobei der letzte Arbeitstag am
2
6.
Februar 2011
war (
Urk.
8/16
)
.
Unter Hinweis auf
psychische B
eschwerden
meldete sich
die Versicherte
am
7.
Juli 2011
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog
ver
einzelt Akten des Taggeldversicherers
bei (
Urk.
8/9-10
) und holte
ein
psychiat
risches
Gutachten ein, das am
2.
März 2013
erstattet wurde (
Urk.
8/43
).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/46 = 8/47
;
Urk.
8/48 = 8/51,
Urk.
8/53
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1
6.
August 2013 einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung
(
Urk.
8/55
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
1
6.
September 2013
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
1
6.
August 2013
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
ab dem 1
9.
Juli 2012 mindestens ein halbe Invalidenrente
zuzusprechen
, eventuell seien ein rheumatologisches und
pneumologisches
Gutachten sowie ein psychiatrisches Obergutachten einzuholen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
1.
November 2013
(Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
2
0.
Januar 2014
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9
).
Am 1
8.
Februar 2014 reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren Arztbericht ein (
Urk.
11
-
12), welcher der Beschwerdegegnerin am 2
1.
Februar 2014 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungs
zuständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
tu
rellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität füh
ren, indem sie einen ver
selbst
ändigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken
(Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinwei
sen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tel
srente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt
auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere das psychiatrische Gutachten vom
2.
März 2013 (
Urk.
8/43), davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege
und eine volle Arbeitsfähigkeit für jegliche berufliche Tätigkeiten bestehe
, und verneinte einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.2
Die Beschwerdeführerin bestritt beschwerdeweise (
Urk.
1) die von der
Beschwer
de
gegnerin
angenommene
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
und machte geltend, dass zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht auf das Gutachten abge
stellt werden könne, da die Begutachtung ohne
Beizug
eines
Übersetzers
durchgeführt worden
sei.
Zudem habe d
ie Beschwerdegegnerin die somatischen Beschwerden nicht
rechtsgenüglich
abgeklärt.
2.3
Strittig und zu prüfen ist
somit, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin verhält und ob zur Beantwortung dieser Frage auf das Gut
achten (
Urk.
8/43) abgestellt werden kann.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
Zentrum A._
, nannte
in ihrem Bericht
vom
2.
August 2011 (
Urk.
8/6) als psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradi
ge depressive Episode (ICD-10 F
32.1
).
Die Beschwerdeführerin klage seit Sommer 2010
aufgrund der schwierigen Zusam
menarbeit mit der neuen Chefin
über
Schlafstörungen, Traurigkeit und häufige
s
Weinen. Durch die Kündigung
am 2
5.
Februar 2011
sei es zu einer Verschlech
terung der Symptomatik gekommen mit zusätzlich
em
Gedankenkreisen, Inte
ressenlosigkeit, Verlust des Selbstvertrauens, nächtlichem Schreien und Appe
titlosigkeit.
Die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
2.
März 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 5). Die bisherige Tätigkeit sei zurzeit nicht zumutbar. Auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei derzeit nicht möglich (S. 7).
Die Beschwerdeführerin komme seit dem
9.
März 2011 alle ein bis zwei Wochen zu psychotherapeutischen Einzelsitzungen
(S. 6)
.
Bei regelmässigen Sitzungen sei mit einer Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen, wobei der Zeitpunkt der Wiedererlangung noch unklar sei und von den Fortschritten abhänge (S. 7).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 1
3.
Juli 2011 (
Urk.
8/9) zuhanden
der Taggeldversicherung
und diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
. Aktuell bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sowie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (S. 2). Unter Optimierung der psychi
atrischen einschliesslich psychopharmakologischen Behandlung wäre in den kommenden sechs Wochen erfahrungsgemäss mit einer Verbesserung von Antrieb, Denken und Stimmung zu rechnen, so dass ab Ende August / Anfang
September möglicherweise eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten mit ein
fachen bis mittelschweren Anforderungen eintreten könne. Vermieden wer
den sollten handwerkliche Arbeiten mit komplexen und planerischen Anforde
rungen, Arbeiten mit Übernahme von Verantwortung, Führungs- und
Überwa
chungs
ar
bei
ten
,
Tätigkeiten, welche ein differenziertes Sprachverständnis erfordern, der Umgang mit Konflikten und schwierigen sozialen Situationen sowie komplexere Problemlösungen unter Zeitdruck (S.
2 f.
)
.
3.3
Dr.
Z._
nannte in ihrem Bericht vom 1
5.
November 2011
(
Urk.
8/18)
dieselbe
n
Diagnose
n
und Befunde
wie im Bericht vom
2.
August 2011 (vor
stehend E. 3.1)
und
ergänzte
, dass die Beschwerdeführerin bezüglich
Emotions
regul
ation
Fortschritte gemacht habe. Sie leide nach wie vor unter den Symptomen einer mittelgradigen Depression, es zeige sich jedoch bereits eine Besserung der Symptomatik
(S. 6)
. Falls sie weiterhin regelmässige psychothe
rapeutische
Sitzungen besuche und die gemachten Fortschritte vertiefen könne, sei mit einer Wiedererlangung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ab zirka März 2012 zu rechnen
(S. 8)
.
3.4
Dr.
Z._
berichtete am 2
6.
Juli 2012
(
Urk.
8/43/12-15)
über die acht
wöchige tagesklinische Rehabilitationsbehandlung und diagnostizierte weiterhin eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1).
Der Zustand der Beschwerdeführerin habe sich während der Behandlung leicht verbessert. Die Depression habe leicht reduziert werden können. Prognostisch günstig sei ihre hohe Motivation, ungünstig seien die unvorhersehbaren Stresssituationen und die Zukunftsängste, welche sie immer wieder verunsichern würden (S. 14). Dabei sei die Beschwerdeführerin sowohl aus subjektiver wie auch aus objekti
ver Sicht für jegliche Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig. Sie sei nach wie vor sehr rasch überfordert, alltäglicher Stress löse
dabei Schmerzattacken sowie eine Verschlechterung des psychischen Zustandes aus (S. 15).
3.
5
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
führ
te in ihrem Bericht vom 2
3.
September 2012 (
Urk.
8/38) aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit M
ai
2012 (
Ziff.
1.2) und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1).
Sie führte weiter aus, dass die Beschwerdeführerin aufgrund von Rückenbeschwerden und einer depressiven Symptomatik als Hilfsarbeiterin zu 100
%
arbeitsunfähig sei (
Ziff.
1.6 und
Ziff.
1.7).
3.
6
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte im Gutachten vom
2.
März 2013 (
Urk.
8/43) keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, bei psy
chosozialer Belastungssituation (S. 10 oben).
Die Beschwerdeführerin erwähne eine Vielzahl von massiven, aber letztlich krankheitsfremden psychosozialen Belastungsfaktoren, die seit Jahren auf sie einwirken würden. Die Symptomatik habe sich im Verlauf trotz intensiver Therapiebemühungen kaum gebessert. Dabei falle auf, dass die medikamentöse antidepressive Behandlung eher von schwacher Intensität gewesen sei, obwohl die Ergebnisse unbefriedigend geblie
ben seien. In den
Vorakten
werde immer wieder die starke reaktive Komponente aufgrund multipler, schwerwiegender aber krankheitsfremder psychosozialer Belastungsfaktoren betont. Die Beschwerdeführerin habe die
Integrationsmass
nahmen
trotz befriedigender Leistungen vor dem Abschluss abgebrochen. Zum Zeitpunkt der Verschlimmerung der seit längerem bestehenden depressiven Beschwerden
habe
sie sich in einer schwerwiegenden Konfliktsituation am Arbeitsplatz
befunden
(S. 10)
.
Zusammenfassend seien die nach wie vor bestehenden depressiven Symptome als reaktiv bei weiter bestehenden erheblichen Belastungsfaktoren zu beurteilen. Weder in den
Vorakten
noch in der aktuellen gutachterlichen Untersuchung fänden sich klare, nachvollziehbare Hinweise auf einen schweren, von externen Belastungen unabhängigen psychischen Gesundheitsschaden im Sinne einer de
pressiven Störung, der eine langfristige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde
(S. 11)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren abweisenden Entscheid auf das psychiat
rische Gutachten, wonach bei der Beschwerdeführerin
von einer vollen Arbeits
fähigkeit in jeglichen Tätigkeiten auszugehen sei (vorstehend E. 3.6).
4.2
Das psychiatrische Gutachten
von
Dr.
D._
vom
2.
März 2013
beruht auf
für die strittigen Belange umfassenden Untersuchungen und berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden in angemessener Weise. Sodann wurde es in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung.
Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet. So zeigte der Gutachter auf, dass sich weder in den
Vorakten
noch in der gutachterlichen Untersuchung klare
und nachvollziehbare
Hinweise
auf einen schweren, von externen Belas
tungen unabhängigen psychischen Gesundheitsschaden im Sinne einer depres
siven Störung finden liessen, welche eine langfristige Arbeitsunfähigkeit recht
fertigen würde.
Das Gutachten ist für die Beantwortung der Fragen umfassend und erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.4) vollumfänglich, so dass für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden kann.
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht,
das Gutachten sei
nicht beweis
kräftig, weil die Untersuchung ohne
Beizug
eines
Übersetzers
erfolgt sei
, vermag dies nicht zu überzeugen.
4.3.1
Der bestmöglichen sprachlichen Verständigung zwischen
Experte
und versi
cher
ter Person kommt zwar insbesondere bei der psychiatrischen Abklärung beson
deres Gewicht zu.
Gemäss
Rechtsprechung des Bundesgerichts besteht
aber kein unbedingter Anspruch auf Durchführung einer medizinischen Abklä
rung in der Muttersprache des Exploranden resp. der Explorandin oder unter
Beizug
eines Übersetzers (Urteile
des Bundesgerichts
9C_511/2009 vom 3
0.
November 2009
E. 4.2.2.1, 9C_1022/2008 vom 2
4.
Juli 2009 E. 3.3.2 und 9C_822/2008 vom 2
1.
April 2009 E. 3.4.1, je mit Hinweisen). Auch in den Leit
linien der Schweize
rischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychi
scher Störungen (publ
iziert
in: Schweizerische
Ärztezei
tung
[
SAeZ
] 2004 S.
1048 ff., S. 1051) wird für die Untersuchung von Fremd
sprachigen lediglich empfohlen, einen geeigneten
Übersetzer
beizuziehen, wenn die sprachliche Ver
ständigung zwischen Gutachter und Exploranden nicht ge
nügend möglich ist. Diese Leitlinien haben zwar nicht verbindlich-behördlichen Charakter, formu
lieren aber doch den fachlich anerkannten Standard für eine sachgerechte, rechtsgleiche psychiatrische Begutachtungspraxis in der Schweiz (Urteile
des Bundesgerichts
8C_945/2009 vom 2
3.
September 2010 E. 5, 8C_695/2009 vom 1
7.
Dezember 2009 E. 3.2.1 und 8C_694/2008 vom
5.
März 2009 E. 5.3 mit Hinweis).
Ob eine medizinische Abklärung in der Muttersprache des Exploranden oder der Explorandin oder unter
Beizug
eines Übersetzers im Einzelfall geboten ist, hat grundsätzlich der Gutachter im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung zu ent
scheiden.
Massgeblich
dafür, ob und in welcher Form bei medizinisch-psychiat
rischen Abklärungen dem Gesichtspunkt der Sprache und der sprachlichen Verständigung Rechnung getragen werden muss, ist letztlich die Bedeutung der
Massnahme
im Hinblick auf die in Frage stehende Leistung. Es geht um die Aussagekraft und damit die
beweismässige
Verwertbarkeit des Gutachtens als Entscheidungsgrundlage für die IV-Stelle und gegebenenfalls das
Sozialver
si
che
rungsgericht
. Danach müssen die Feststellungen des Experten nachvoll
ziehbar sein, seine Beschreibung der medizinischen Situation muss einleuchten und die Schlussfolgerungen müssen begründet sein (AHI 2004 S.
143, I 245/00 E. 4.2.1 mit Hinweis auf
BGE 125 V 351
E. 3a
; Urteile
des Bundesgerichts
9C_511/2009
,
vom 30. November 2009
E. 4.2.2.1 und 9C_1022/2008
, vom 2
4.
Juli 2009
E. 3.3.2, je mit Hinweisen).
4.3.2
Die Beschwerdeführerin lebt seit August 1979
(
Urk.
8/1
Ziff.
1.6)
in der Schweiz und verfügt
über die Niederlassungsbewilligung
C. Weder
in den
zahlreichen
Berichten von
Dr.
Z._
vom
Zentrum A._
,
noch
im Bericht von
Dr.
B._
oder
im Gutachten von
Dr.
D._
finden sich
Anhaltspunkte
, welche darauf hindeuten würden, dass sich
bei
der
Behandlung
irgendwelche
Sprachschwie
rigkeiten
ergeben
beziehungsweise
sich
der Gutachter und die Beschwerdefüh
rerin inhaltlich nicht oder nicht richtig verstanden hätten
.
Dr.
D._
erwähnte in seinem Gutachten sogar explizit, dass die Beschwerdeführerin gut Deutsch spreche und
dies
für die Untersuchung problemlos ausreiche (
Urk.
8/43 S. 9).
Weder im Anschluss an das Gutachten noch in der erhobenen Beschwerde legte die Beschwerdeführerin nachvollziehbar dar,
inwiefern sich die angeblichen Sprachschwierigkeiten auf die Qualität des Gutachtens ausgewirkt
haben sollen
und
zeigt
e
keine konkreten Missverständnisse oder sprachlich bedingte
Fehlan
nahmen
auf
, bei welchen das Gutachten von ihren Darlegungen
abgewichen ist
.
Der Hinweis der Beschwerdeführerin, wonach die
abweichende
Diagnose
stellung
im Gutachten
ebenfalls
auf
Verständigungsp
robleme hin
weise, ist
unbehelflich
. Die Beschwerdeführerin vermag
daher
nicht genügend
substanziiert
darzutun, inwiefern ihr durch das Fehlen einer Übersetzung ein Nachteil entstanden sein soll.
Selbst
die behandelnde Psychiaterin
Dr.
C._
verwies
in ihrem Bericht vom 2
3.
September 2012 (vorstehend E. 3.5) auf die
Anamneseerhebung
des
Zentrums A._
(vorstehend E. 3.4), was darauf hindeutet, dass auch in deutscher Spra
che eine
Behandlung sowie
Anamnese- und Befunderhebung möglich war. Im Übrigen
wurde das Gutachten in Kenntnis der
Vorakten
erstellt,
womit
die Anamnese- und Befunderhebung der behandelnden Ärzte, welche die Beschwer
deführerin in der Muttersprache behandel
n oder behandelt
haben
, ohnehin berücksichtigt worden ist
.
Unter diesem Aspekt ist es nicht nachvoll
ziehbar, weshalb
im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung die Vorge
schichte und das Beschwerdebild der Beschwerdeführerin unvollständig und unzutreffend
im Gutachten
wiedergegeben
worden sein soll
en
.
Auch in den
Unterlagen zum Belastbarkeitstraining
bei der
Organisation E._
(vgl. beispielsweise Urk. 8/31, 8/33, vgl. auch 8/25),
fin
den sich keine Anhaltspunkte
, dass es im Verlauf der
Integrationsm
assnahme
irgendwelche
Verständigungs- oder Sprachschwierigkeiten
gegeben
hat
.
Die
Aussage der Beschwerdeführerin, wonach das
Zentrum A._
wegen Sprachschwierig
keiten empfohlen habe, einen serbokroatisch sprechenden Psychiater aufzusu
chen,
findet
in den Akten keine Stütze.
Dem
Bericht des
Zentrums A._
vom 2
6.
Juli 2012
(vorstehend E. 3.4)
ist diesbezüglich zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin auf eigenen Wunsch die psychotherapeutische Einzeltherapie bei einer serbo
kroatisch sprechenden Psychiaterin fortführen wolle (
Urk.
8/43 S.
15).
Zusammenfassend ist somit festzuhalten,
dass im Gutachten keine Hinweise für eine falsche oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und damit für eine unsorgfältige Auftragserfüllung
vorhanden sind
.
Folglich vermag
der
diesbezügliche
Einwand
der Beschwerdeführerin
die Beweiskraft des
psychiatrische
n
Gutachten
s
vom
2.
März 2013 (
Urk.
8/43)
nicht in Frage zu stellen.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin wendet weiter ein, dass die Beschwerdegegnerin es unter
lassen habe, die somatischen Beschwerden abzuklären und somit gar nicht im Stande war zu beurteilen, ob und in welchem Umfang sich diese auf die Arbeitsfähigkeit auswirken.
5.2
Grundsätzlich setzt d
er Nachweis
einer
Invalidität im Rechtssinn eine gesund
heitlich bedingte, erhebliche und evidente, dauerhafte sowie objektivierbare Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit voraus
.
Dieser
Massstab
gilt für sämtliche Leiden
gleichermassen
(
BGE 139 V 547
E.
9.4).
E
ine
Anspruchs
berechtigung
setzt
stets eine nachvollziehbare ärztliche Beurteilung der Auswir
kungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit voraus
, wobe
i für die
Eignung eines Gesundheitsschadens, die Leistungsfähigkeit rechts
erheblich einzu
schränken,
nicht bereits die Befunde und Diagnosen, sondern erst deren Folgenabschätzung entscheidend sind.
5.3
Vorgängig ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Anmel
dung vom
7.
Juli 2011 keine Angaben zu somatischen
Beschwerden
machte.
So
finden
sich
auch
in den
massgeblichen
medizinischen Akten
im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung, bis auf
eine behandelte Lungenentzündung keine
fachärztlich gestellte somatische Diagnose
.
A
uch das
Zentrum A._
, wo die Beschwer
deführerin
im Jahr 2012
in einer achtwöchige
n
tageskli
nische
n
Rehabilitationsbehandlung war,
nannte in
sein
em Austrittsbericht vom 2
6.
Juli 2012 (vorstehend E. 3.4)
keine solche Diagnose, obwohl die dort behan
delnde Ärztin
aufgrund ihres Fachtitels (vorstehend E.
3.1) dazu geeignet gewesen wäre
und die Beschwerdeführerin während
dieser
mehrwöchigen und intensiven Behandlung
neben Psycho- auch
Physio-/Ergo-
sowie
Sporttherapien besucht hat
.
Neben den verschiedenen psychiatrischen Behandlungen befinden sich in den Akten
des Weiteren
keine Anhaltspunkte für eine fachärztliche Behandlung
der
geklagten
somatischen Beschwerden
.
Dies lässt auf einen fehlenden erheblichen Leidensdruck schliessen und es muss zumindest davon ausgegangen werden, dass dieser
neben den psych
ischen Beschwerden
nicht derart ausgeprägt ist, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin davon erheblich u
nd dauerhaft eingeschränkt ist.
Auch aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin am 2
6.
Juli 2013 wegen starker Kniebeschwerden zu einer orthopädischen Untersuchung an
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie überwiesen
wurde, ka
nn sie nichts für sich ableiten, da
diese Untersuchung nie stattgefunden
hat
(vgl. Urk. 11)
.
Zum Bericht von
Dr.
G._
,
Fachchiropraktor
, vom
6. Februar 2014 (Urk. 12),
welcher
von
Beschwerden der Hals- und Brustwirbelsäule und
keine
n
Kniebeschwerden
berichtete,
ist
anzumerken, dass der Erlass des angefochtenen Entscheids
rechtsprechungsgemäss
die Grenze der gerichtlichen
Überprüfungs
befugnis
bildet (vgl. etwa BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1 und BGE 129 V 354 E. 1). Eine allfällige seither eingetretene gesundheitliche Verschlechterung bildet da
her nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
Soweit die Beschwerdeführerin verlangt, es seien weitere Abklärungen durchzu
führen, kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden (BGE 127 V 491 E. 1b mit Hinweisen). Der Gesundheitszustand und insbesondere die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sind aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt.
Die Beschwerdegegnerin ging daher zu Recht von keinen erheblichen somatischen Einschränkungen aus und musste diesbezüglich auch keine weiteren Abklärungen treffen.
Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 700
.--
anzu
setzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.