Decision ID: 942b1607-cb63-402b-9f0c-6f6de34c90c0
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
I._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Brühlgasse 39, Postfach 22,
9004 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a I._, geb. 1982, war vom 1. Juli bis 25. Oktober 2004 (vgl. UV-act. 9 Beilage) bei
der A._ als Automechaniker tätig und dadurch bei der Suva versichert. Am 7.
September 2004 meldete die Arbeitgeberin der Suva, der Versicherte habe am 2.
September 2004 einen Druckschlauch aus einem Motor gezogen. Als dieser plötzlich
nachgegeben habe, habe der Versicherte einen Zwick im Rücken verspürt (UV-act. 1).
Im Bericht des Kantonsspitals St. Gallen, Neurochirurgie, vom 6. September 2004
wurde eine akute Lumbago mit/bei rechts paravertebralem Hartspann TH12 bis L2
diagnostiziert (UV-act. 2). Am 17. September 2004 teilte die Suva dem Versicherten
mit, die Rückenbeschwerden seien krankhafter Natur. Sie empfahl ihm, sich an seine
Krankenversicherung zu wenden (UV-act. 3). Nachdem der Versicherte sich damit nicht
einverstanden erklärt und die Suva weitere Abklärungen durchgeführt hatte, gab sie
dem Versicherten mit Verfügung vom 7. Januar 2005 die Leistungsablehnung bekannt
mit der Begründung, es handle sich bei seinen Beschwerden um eine
Bandscheibenproblematik, die nicht durch das Ereignis vom 2. September 2004
ausgelöst worden sei; sie stünden im Zusammenhang mit früheren
Rückenbeschwerden, was auch durch Röntgenbefunde bestätigt werde. Es lägen
weder Folgen eines Unfalls noch einer unfallähnlichen Körperschädigung oder einer
Berufskrankheit vor (UV-act. 15). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (UV-
act. 17, 29) hiess die Suva, nachdem sie weitere Abklärungen vorgenommen hatte, mit
Einspracheentscheid vom 15. November 2006 in dem Sinn gut, dass sie ihre
Leistungspflicht für die Zeit vom 2. bis 30. September 2004 anerkannte.
A.b Am 29. November 2004 hatte sich der Versicherte zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung angemeldet, welche in der Folge eine Umschulung zum Auto
diagnostiker bewilligte (UV-act. 20, 28, 32; IV-Akten in UV-act. 35).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 15. November 2006 erhob der Versicherte
mit Eingabe an die Suva vom 5. Februar 2007 Beschwerde. Diese wurde von der Suva
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zuständigkeitshalber dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen überwiesen.
Der Beschwerdeführer beanstandet darin sinngemäss den Ablauf des Verwaltungs-
und Einspracheverfahrens und macht im Wesentlichen geltend, die Behauptung im
angefochtenen Entscheid, dass es sich bei der Verletzung vom 2. September 2004
vermutlich um eine Muskelzerrung gehandelt habe und die Bild gebenden Befunde mit
hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit dem Ereignis vom 2. September 2004 zu tun
hätten, sei eine vage Vermutung. Bis heute sei keine Besserung der Beschwerden
eingetreten.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 9. Juli 2007 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und Abweisung der Beschwerde. Es sei
festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin in Bezug auf das Ereignis vom 2.
September 2004 nicht leistungspflichtig sei. Eventuell sei die Beschwerde in
Bestätigung des angefochtenen Entscheids abzuweisen. Es liege weder ein Unfall noch
eine unfallähnliche Körperschädigung oder eine Berufskrankheit vor, womit sich die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid zu Unrecht für die Zeit vom 2. bis
30. September 2004 als leistungspflichtig erklärt habe. Dieser Entscheid sei unter
Feststellung der fehlenden Leistungspflicht aufzuheben. Sollte die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin grundsätzlich bejaht werden, wäre diese im Sinn der
Ausführungen im angefochtenen Entscheid auf die Zeit vom 2. bis 30. September 2004
zu beschränken. Das Ereignis vom 2. September 2004 sei höchstens geeignet
gewesen, den massiven krankhaften/degenerativen Vorzustand des Rückens
vorübergehend zu verschlimmern.
B.c Mit Replik vom 1. Oktober 2007 beantragte Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann,
St. Gallen, für den Beschwerdeführer Aufhebung des angefochtenen Entscheids,
soweit weitergehende Leistungsansprüche verneint würden. Die Beschwerdegegnerin
sei zu verpflichten, aus dem Unfallereignis vom 2. September 2004 Leistungen auch
über den 30. September 2004 hinaus zu erbringen; insbesondere seien Unfall-
Taggelder auszurichten, Behandlungskosten zu übernehmen, usw., und im gegebenen
Zeitpunkt seien auch die weiteren Ansprüche des Beschwerdeführers auf
Integritätsentschädigung und Rente zu prüfen bzw. auszurichten. Eventualiter sei in
Aufhebung des angefochtenen Entscheids die Streitsache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit nach Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen und
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Vorliegen entsprechender Berichte neu über die Leistungsansprüche verfügt werden
könne. Nicht angefochten seien die zuerkannten Leistungen bis 30. September 2004;
der diesbezügliche Anspruch sei in Rechtskraft erwachsen. Ein ungewöhnlicher
äusserer Faktor und damit ein Unfallereignis sei zu bejahen, weil unter das Kriterium
der Ungewöhnlichkeit auch unkoordinierte Bewegungen fallen würden. Auch
reflexartige Abwehrbewegungen würden als programmwidrig gelten. Eine
unkoordinierte Bewegung habe auch beim Ereignis vom 2. September 2004
vorgelegen. Der Beschwerdeführer gehe von einem Unfallereignis aus. Die
Ausführungen der Beschwerdegegnerin zur unfallähnlichen Körperschädigung würden
bestritten. Fakt sei, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfallereignis noch nie
Beschwerden im fraglichen Bereich des Rückens gehabt habe. Die nach dem Ereignis
aufgetretenen und in der Folge bis heute geklagten Beschwerden seien auf das
Unfallereignis zurückzuführen. Der natürliche Kausalzusammenhang sei zumindest
hinsichtlich einer Verschlimmerung oder eines Manifestwerdens des allenfalls
vorbestehenden Rückenleidens zu bejahen. Angesichts der medizinischen Komplexität,
der langen Verfahrensdauer und der vom Beschwerdeführer angebrachten
Verfahrensrügen wäre es notwendig gewesen, zur Klärung einen verwaltungsexternen
Spezialarzt mit der Begutachtung des Beschwerdeführers zu beauftragen. Ein
verwaltungsexternes Gutachten sei, soweit nicht die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin bejaht werde, spätestens im vorliegenden Beschwerdeverfahren,
allenfalls nach Rückweisung, einzuholen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist vorliegend zum einen, ob es sich beim Ereignis vom 2. September 2004
um einen Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG (in Kraft seit 1. Januar 2003; SR 830.1)
handelt. Im angefochtenen Entscheid wurde das Vorliegen eines Unfalls nicht diskutiert
bzw. nicht in Frage gestellt. In der Beschwerdeantwort verneinte die
Beschwerdegegnerin das Bestehen eines Unfallereignisses. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers äusserte sich in der Replik zu dieser Frage. Wenn er sich dabei auf
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den Standpunkt stellte, dass der Leistungsanspruch für die Zeit bis 30. September
2004 nicht angefochten worden und damit (einschliesslich der Anerkennung eines
Unfalls im angefochtenen Entscheid) in Rechtskraft erwachsen sei, ist festzuhalten,
dass im vorliegenden Verfahren das Rechtsverhältnis als Ganzes Streitgegenstand
bildet (vgl. BGE 125 V 413, insb. Erw. 2b und 2c). Damit ist auch die von der
Beschwerdegegnerin neu aufgeworfene Frage, ob konkret die Voraussetzungen des
Unfallbegriffs erfüllt sind, zu überprüfen. Nicht Gegenstand des angefochtenen
Entscheids bildeten die Frage des Rentenanspruchs und der Integritätsentschädigung;
darauf ist dementsprechend in diesem Verfahren nicht einzutreten.
1.2 Art. 4 ATSG umschreibt als Unfall die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper.
Gemäss Unfallmeldung der Arbeitgeberin zog der Beschwerdeführer am 2. September
2004 einen Druckschlauch aus einem Motor. Als dieser plötzlich nachgegeben habe,
habe er einen Zwick im Rücken verspürt (UV-act. 1). Im Bericht des Kantonsspitals
St. Gallen vom 6. September 2004 wurde in der Anamnese festgehalten, der
Beschwerdeführer habe bei Arbeiten im Motorraum beim Zurückziehen des Werkzeugs
einen plötzlich einfahrenden Rückenschmerz verspürt (UV-act. 2). Am 29. September
2004 legte der Beschwerdeführer unter anderem dar, die Schmerzen seien durch eine
schlagartige Bewegung entstanden (UV-act. 4). Im Bericht vom 28. September 2004
bestätigten die Ärzte des Kantonsspitals den fehlenden Nachweis einer
Nervenwurzelkompression. Eine radiologische Untersuchung vom 6. September 2004
hatte eine Wirbelkörperaufbaustörung TH11/TH12 und L1 mit leichter ventraler
keilförmiger Deformierung im Sinn eines Zustandes nach Morbus Scheuermann sowie
eine beginnende Diskusdehydratation L1/2 und eine beginnende Spondylarthrose L5/
S1 bzw. L4/5 ergeben (UV-act. 11, 12). Am 13. Oktober 2004 schilderte der
Beschwerdeführer den Vorfall vom 2. September 2004 dahingehend, dass es durch
das plötzliche Lösen des Schlauches zu einer ruckartigen Körperbewegung nach oben
gekommen sei. Da er sich nirgends habe halten können, sei er dann wieder gegen den
Motor gefallen und habe sich dabei noch eine Schürfverletzung an der rechten Hand
zugezogen. Dabei habe er einen Schmerz in der Rückenmitte verspürt (UV-act. 13).
Anlässlich einer ambulanten Sprechstunde im Kantonsspital vom 3. November 2004
berichtete der Beschwerdeführer sodann, er habe beim Vorfall vom 2. September 2004
eine ruckartige Bewegung nach hinten und anschliessend wieder nach vorne gemacht.
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Im entsprechenden Bericht des Kantonsspitals vom 19. November 2004 wurde ein
thorakales Schmerzsyndrom bei Status nach Arbeitsunfall vom 2. September 2004
sowie Morbus Scheuermann (Adoleszenten-Kyphose) in der Jugend diagnostiziert (IV-
Akten in UV-act. 35; UV-act. 48). Bei einer Besprechung vom 15. März 2005 erklärte
der Beschwerdeführer, nach der ruckartigen Körperbewegung sei er in den Motorraum
hineingefallen und habe sich eine Verletzung an der rechten Hand zugezogen. Früher
habe er in der Rückenmitte nie Beschwerden gehabt. Seine früheren
Kreuzbeschwerden stünden mit den Beschwerden in der Rückenmitte nicht im
Zusammenhang (UV-act. 19). Gegenüber den Medas-Gutachtern gab der
Beschwerdeführer an, am 2. September 2004 sei es beim Ausbauen eines
Motorschlauches in ungünstiger Haltung zu einem Ausrutscher gekommen mit
einschiessenden Kreuzschmerzen und Ausstrahlungen ins rechte Bein (Gutachten S. 3,
IV-Akten in UV-act. 35).
1.3 Nach der Rechtsprechung hat die versicherte Person die Umstände des als Unfall
gemeldeten Ereignisses glaubhaft zu machen. Unvollständige, ungenaue oder
widersprüchliche Angaben zum Geschehensablauf können die Verneinung der
Leistungspflicht der Unfallversicherung zur Folge haben. Im Streitfall hat das
Sozialversicherungsgericht zu entscheiden, ob die einzelnen Merkmale des
Unfallbegriffs, insbesondere die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors, gegeben
sind. Hiezu hat es im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes die notwendigen
Beweise zu erheben. Spricht der rechtserhebliche Sachverhalt nicht wenigstens mit
Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der einzelnen Begriffsmerkmale - die blosse
Möglichkeit genügt nicht -, ist ein Unfall im Rechtssinn zu verneinen (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 23. November 2006 i/S M. [U 258/04] Erw. 3.1).
Mit der Beschwerdegegnerin (act. G 5 S. 3) ist festzuhalten, dass die starke
Ziehbewegung bei der Demontage eines Schlauches im Motorraum oder der Umstand,
dass der Schlauch plötzlich nachgab, im Alltag eines Automechanikers für sich allein
nichts Ungewöhnliches oder "Programmwidriges" darstellt (vgl. dazu Urteile des EVG
vom 15. Januar 2003 [U 421/01] i/S S., vom 13. Dezember 2002 [U 65/02] i/S A., vom
14. Oktober 2002 [U 403/01] i/S B. und vom 30. August 2001 [U 277/99]) i/S J.).
Ausgehend von der Schilderung des Beschwerdeführers unmittelbar nach dem Unfall
(UV-act. 2) und der durch den erstbehandelnden Arzt gestellten Diagnose einer akuten
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Lumbago (UV-act. 2) kann die Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf
die Wirbelsäule und damit ein Unfallereignis im Rechtssinn nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit als erstellt gelten. Soweit im konkreten Fall die Darstellung des
Ereignisses in den späteren Schilderungen (UV-act. 13, 19) von den echtzeitlichen
Angaben abweicht, kann darauf nicht abgestellt werden.
1.4 Eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinn von Art. 9 UVV Abs. 2 ist bei
Vorliegen eines äusseren, auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden
Faktors zu bejahen, ohne dass diese Einwirkung ungewöhnlich sein muss. Mit Blick auf
den geschilderten Ereignisablauf (starke Ziehbewegung bei der Demontage eines
Schlauches, der sich dann plötzlich gelöst habe) steht ein unfallähnliches Ereignis zur
Diskussion. In den durch Suva-interne Ärzte erstellten medizinischen Akten wurde eine
Muskelzerrung (Art. 9 Abs. 2 lit. e UVV) - wenn auch lediglich als Vermutungsdiagnose -
angeführt (UV-act. 51 S. 1 und 53 S. 3, 55), nachdem zuvor eine Lumbago (UV-act. 2)
bzw. ein thorakales Schmerzsyndrom (UV-act. 48) diagnostiziert worden waren. Eine
unfallähnliche Körperschädigung lässt sich damit bezogen auf das Ereignis vom 2.
September 2004 nicht ausschliessen. Dass die Beschwerdegegnerin eine solche im
angefochtenen Entscheid (stillschweigend) als gegeben erachtete, kann nicht
beanstandet werden, zumal konkrete Anhaltspunkte, aufgrund welcher sich eine
andere Beurteilung aufdrängen würde, nicht ersichtlich sind.
2.
2.1 Es ist mithin davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer beim Ereignis
vom 2. September 2004 eine Muskelzerrung und damit eine unfallähnliche
Körperschädigung zugezogen hat. Indessen muss der natürliche und adäquate
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Gesundheitsschädigung, wie nachstehend
zu zeigen sein wird, für die Zeit ab Oktober 2004 verneint werden. Die
Beschwerdegegnerin legte die diesbezüglichen rechtlichen Voraussetzungen im
angefochtenen Entscheid (Erwägungen 1-5) zutreffend dar; darauf ist zu verweisen. -
Am 10. Dezember 2004 hielt Suva-Kreisarzt Dr. med. B._ fest, aufgrund der
Unterlagen handle es sich um eine Bandscheibenproblematik, die nicht durch das
Ereignis vom 2. September 2004 ausgelöst worden sei. Sowohl die Angabe des
Beschwerdeführers, dass er früher Rückenbeschwerden gehabt habe, als auch die
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radiologischen Befunde würden damit korrelieren (UV-act. 14). Eine Medas-Abklärung
ergab gemäss Gutachten vom 14. März 2005, dass die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers seit dem akuten Verhebetrauma am 2. September 2004 erheblich
eingeschränkt sei für körperlich schwere Tätigkeiten. Die Einschränkung für körperlich
eher leichte bis mittelschwere Tätigkeiten werde aufgrund des chronifizierten
thorakalen und lumbalen Schmerzsyndroms sowie der psychischen Faktoren
(Diagnose einer Belastungs- und Anpassungsstörung mit depressiven Symptomen) auf
20% geschätzt (IV-Akten in UV-act. 35). Die Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen kamen
im Bericht vom 10. Januar 2006 zum Schluss, die aktuellen Beschwerden des
Patienten seien klinisch schwer fassbar und sprächen für eine Chronifizierung des
schon im September 2004 nachgewiesenen Schmerzsyndroms. Die Situation in der
Weiterbildung sowie auch im privaten Bereich sei für den Patienten sichtlich belastend,
so dass auch an eine Somatisierung der Belastungssituation zu denken sei (UV-act.
38). Kreisarzt Dr. B._ hielt am 8. März 2006 in Ergänzung zu seinem früheren Bericht
fest, die Aussage des Beschwerdeführers vom März 2005, wonach er in der
Rückenmitte früher nie Beschwerden gehabt habe, wohl aber im Kreuz (vgl. UV-act.
19), bestätige seine Beurteilung, dass die Diskushernie kaum etwas mit dem
sogenannten Unfall zu tun habe. Falls juristisch von einem Unfallereignis ausgegangen
werde, sei der natürliche Kausalzusammenhang einer Verschlimmerung oder eines
Manifestwerdens eines degenerativen Rückenleidens kaum auszuschliessen, ziemlich
sicher aber die Entstehung und Entwicklung der Hernie aufgrund des dazu nicht
tauglichen Mechanismus und der Anamnese. Nehme man an, das Ereignis vom 2.
September 2004 hätte zu einer Muskelzerrung geführt, dann wäre dies, ohne Nachweis
struktureller Läsionen (MRI vom September 2004), im Verlauf einiger Wochen abgeheilt.
Ein Wiederauftreten von Beschwerden sei im wahrscheinlichen natürlichen
Zusammenhang mit der juvenilen Kyphose zu interpretieren. So seien die
thorakolumbalen Rückenbeschwerden (nicht gleich der Diskushernie, welche auf Höhe
L5/S1 Beschwerden tief-lumbal verursache mit Ausstrahlungen in die Beine)
unabhängig voneinander zu sehen. Die vom Patienten gemäss Bericht des
Kantonsspitals vom 9. Januar 2006 erwähnten Beschwerden seien kaum als Folgen
des Ereignisses vom 2. September 2004 erklärbar (UV-act. 51). Im Austrittsbericht der
Klinik Valens vom 7. Juni 2006 wurde als Ergebnis unter anderem festgehalten, die
Bestimmung der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht habe bei
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Selbstlimitierung und Inkonsistenz vorgenommen werden müssen. Sie betrage aus
rheumatologischer Sicht für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit 75% und aus
psychiatrischer Sicht 50% (UV-act. 60). In der ärztlichen Beurteilung vom 8. September
2006 kam Suva-Arzt Dr. med. C._ zum Schluss, die Verletzung vom 2. September
2004 sei vermutlich eine Muskelzerrung gewesen. Die Bild gebenden Befunde hätten
mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit dem Ereignis vom 2. September 2004 zu tun.
Die Bandscheibendegenerationen hätten mit Sicherheit vorbestanden. Zumindest im
thorakolumbalen Übergangsbereich dürfte der Beschwerdeführer schon in früherer Zeit
Beschwerden gehabt haben, was typisch sei für eine abgelaufene Scheuermann'sche
Erkrankung. Das Ereignis vom 2. September 2004 - welcher Schilderung auch immer
gefolgt werde - sei nicht geeignet gewesen, eine dauerhafte Verschlimmerung der
Bandscheibendegenerationen herbeizuführen. Es sei medizinisch gerechtfertigt, dass
höchstens von einer temporären Verschlimmerung ausgegangen worden sei (UV-act.
53). Am 9. November 2006 hielt Dr. C._ ergänzend fest, bei Annahme einer
muskulären Verletzung würden sich für maximal vier Wochen Leistungen der
Unfallversicherung begründen lassen (UV-act. 55).
2.2 Nach Lage der medizinischen Akten ist beim Beschwerdeführer im Rückenbereich
unbestrittenermasssen von einem gesundheitlichen Vorzustand, insbesondere einem
Morbus Scheuermann mit Adolescenten-Kyphose (UV-act. 38, 46, 48), auszugehen.
Für die Frage der Unfallkausalität ist von Bedeutung, dass die signifikante und
dauernde Verschlimmerung einer vorbestandenen degenerativen Schädigung der
Wirbelsäule, hervorgerufen durch einen Unfall, nur dann bewiesen ist, wenn die
Radioskopie ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel sowie das Auftreten und
Verschlimmern von Verletzungen aufgrund eines Traumas aufzeigt (RKUV 2000, 45).
Nach der Rechtsprechung entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache im
Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien durch
degenerative Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur
ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in
Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann ein Bandscheibenvorfall betrachtet
werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine
Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie
(vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger
Arbeitsunfähigkeit auftreten. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich
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ausgelöst, nicht aber (weitgehend) verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den
durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen
nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (vgl. Urteil des EVG vom 3.
Januar 2005 [U 332/03] Erw. 1 mit Hinweisen; ZBJV 1996 S. 489f; vgl. auch Debrunner/
Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 54 ff., insbesondere
S. 56).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis;
RKUV 2000, 214). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 353 f. Erw. 3b/ee mit
Hinweis). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den
Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens -
abschliessen. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (RKUV 1997, 281 Erw. 1a). - Die Beurteilungen von Dr. B._, FMH für
Chirurgie, mit Schwerpunkt in Allgemein- und Unfallchirurgie (vgl. FMH-Ärzteindex) und
des Orthopäden Dr. C._ erfüllen die erwähnten Voraussetzungen. Ihre
Schlussfolgerungen sind mit den weiteren, im Recht liegenden medizinischen Akten
vereinbar. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Aspekte (medizinische
Komplexität, lange Verfahrensdauer und weitere, nicht näher begründete
Verfahrensbeanstandungen) vermögen die erwähnten ärztlichen Beurteilungen für sich
allein nicht in Frage zu stellen. Der Beschwerdeführer führte auch nicht im einzelnen
aus, inwiefern die von ihm verlangte neurologisch/neurochirurgische Begutachtung für
die Beantwortung der Frage der Unfallkausalität erforderlich sein sollte. Diesbezügliche
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Anhaltspunkte sind auch aus den Akten nicht ersichtlich. Die Einschätzung von Dr.
C._, wonach eine von der Unfallversicherung zu tragende Verschlimmerung
höchstens für den Zeitraum von vier Wochen ausgewiesen ist, wird durch keinen
Arztbericht in Frage gestellt. Dem entgegenstehende radiologische Befunde oder ein
plötzliches Zusammensinken der Wirbel sind nicht ausgewiesen. Unter diesen
Umständen können die lumbalen Rückenbeschwerden für die Zeit ab Oktober 2004
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als adäquat kausal durch das Ereignis vom
2. September 2004 verursacht gelten. Der angefochtene Entscheid lässt sich
demgemäss nicht beanstanden.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist, im Sinn des
beschwerdegegnerischen Eventualantrages abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG