Decision ID: 031dd6fd-979f-57a3-92d4-cf7927ba68ad
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
1./ a) K. und R.Z., X.Y. und A.T., alle St. Gallen, sind je Eigentümer der 523 m , 472 m
und 469 m grossen Grundstücke Nrn. F6144, F6145 und F6146, alle Grundbuch St.
Gallen Ost (St. Fiden) sowie je zweier Tiefgaragenplätze und eines Abstellraums auf der
gemeinschaftlichen Parzelle Nr. F6134. Die Grundstücke sind Teil einer
Gesamtüberbauung, die im Ortsteil St. Georgen liegt. Gemäss Zonenplan der Stadt St.
Gallen vom 6. November 2001 ist diese der Wohnzone W2a zugeteilt. Massgeblich ist
der Gestaltungsplan mit besonderen Vorschriften (abgekürzt BesV) "Kammelenberg
Ost II" vom 14. September 2005 samt den richtungsweisenden Beilageplänen (Art. 1
Abs. 3 BesV). Das Plangebiet war ursprünglich identisch mit der Parzelle Nr. F6134.
Nach der Abparzellierung beinhaltet das Plangebiet zusätzlich die zehn Grundstücke
Nrn. F6144 bis F6153. Heute besteht das Stammgrundstück Nr. F6134 noch aus den
2 2
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
internen Erschliessungsanlagen, dem nicht klassierten Fussweg zwischen der
nördlichen Kammelenberg- und der südlichen Tutilostrasse, beides Gemeindestrassen
2. Klasse, sowie der Tiefgarage samt den Abstellräumen.
b) Art. 3 BesV regelt die Erschliessung, Art. 4 BesV die Parkierung der Überbauung
"Kammelenberg Ost II". Demnach sind die Parkierungsmöglichkeiten auf die
unterirdische Parkgarage beschränkt. Oberirdisch sind einzig - an gut zugänglichen
Stellen innerhalb des bezeichneten Mehrzweckbereichs entlang der
Kammelenbergstrasse - maximal drei Besucherparkplätze erlaubt. Der
Mehrzweckbereich dient nach Art. 3 Abs. 2 BesV verschiedenen Nutzungen wie den
Hauszugängen, den Zugängen zur Parkgarage und der Ein- und Ausfahrt zur
Tiefgarage, den Licht-, Belüftungs- und Ausstiegsschächten, den Besucherparkplätzen
und Bepflanzungen. Für den Mehrzweckbereich gilt ein besonderes Gestaltungsgebot.
c) Die Baubehörde bewilligte am 13. Oktober 2006 die entsprechend dem
Gestaltungsplan in drei Baureihen vorgesehene Überbauung mit zehn
Einfamilienhäusern mit Bedingungen und Auflagen. Da für die geplanten drei
Besucherparkplätze keine dauerhafte Markierung vorgesehen war, verlangte sie
gemäss Auflage Ziff. IV/54 ein Korrekturgesuch. Die Bauherrin reichte dieses im Mai
2008 nach. Demnach waren im Mehrzweckbereich südlich entlang der
Kammelenbergstrasse bzw. nördlich der Häuser auf den Grundstücken Nrn. F6144 und
F. 6145 je ein Besucherparkplatz längs zur Strasse vorgesehen. Der dritte
Besucherparkplatz war an der Ostseite des Hauses auf dem Grundstück Nr. F6146
platziert. Die Parkierungsflächen sollten als Schotterrasen gestaltet werden. Die
Baubehörde bewilligte den Korrekturplan am 18. Juni 2008.
d) An der Schlusskontrolle vom 15. September 2011 stellte das Amt für
Baubewilligungen fest, dass statt der drei zulässigen und bewilligten
Besucherparkplätze fünf Abstellplätze erstellt worden waren. Derjenige auf Parz.-Nr.
F6144 war zudem mit einer Parkverbotstafel ausgeschildert. Auf dem Grundstück
Nr. F6145 waren statt des bewilligten Besucherparkplatzes zwei Abstellplätze realisiert
worden, die nach Auskunft des Grundeigentümers ebenfalls nur privat genutzt werden
sollten. Auf dem Grundstück Nr. F6146 fand sich anstelle des auf der Ostseite des
Hauses bewilligten Parkplatzes ein Sitzplatz. Dafür waren auf der Nordseite zwei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Parkplätze errichtet worden, die nach Auskunft des Grundeigentümers allgemein zur
Verfügung stehen sollten. Ebenfalls abweichend von der Baubewilligung waren die
Abstellplätze statt mit Schotterrasen mit Sickerverbundsteinen versehen. Der noch freie
Mehrzweckbereich war unterschiedlich mit Thuja, Buchs und einer Kirschlorbeerhecke
bepflanzt und zum Teil mit ortsuntypischen weissen Steinen eingekiest.
B./ a) Auf Grund dieser Feststellungen erliess das Amt für Baubewilligungen am
22. September 2011 für die beiden überzähligen Parkplätze auf den Grundstücken
Nrn. F6145 und F6146 ein Benützungsverbot und forderte die beiden Grundeigentümer
auf, diese wirkungsvoll abzusperren. Weiter verlangte es, dass die drei restlichen
Parkplätze innert Frist als Besucherparkplätze gekennzeichnet und beschriftet würden.
Für den Fall der Nichtbefolgung drohte es die Ersatzvornahme an. Einem allfälligen
Rekurs entzog es die aufschiebende Wirkung. Sodann ordnete es die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands an, wobei es verlangte, dass für die
Gestaltung ein bestimmter Landschaftsarchitekt beizuziehen sei. Schliesslich machte
es auf die Möglichkeit eines weiteren Korrekturgesuchs aufmerksam und behielt sich
die Einreichung einer Strafanzeige vor.
b) Gegen diese Verfügung erhob der Eigentümer der mittleren Parz.-Nr. F6145 am
4. Oktober 2011 beim Baudepartement des Kantons St. Gallen Rekurs, die anderen
zwei akzeptierten die vorsorgliche Massnahme bzw. Wiederherstellungsverfügung. Auf
Grund einer ersten vorläufigen rechtlichen Beurteilung der verfahrensleitenden
Sachbearbeiterin widerrief das Amt für Baubewilligungen am 21. November 2011 die
angefochtene Verfügung hinsichtlich des Entzugs der aufschiebenden Wirkung und
teilte der Rekursinstanz mit, dass der Rekurrent zwischenzeitlich ein Korrekturgesuch
eingereicht habe. Die Sachbearbeiterin sistierte darauf das Rekursverfahren.
C./ a) Das Korrektur- bzw. Baugesuch des Eigentümers der Parz.-Nr. F6145 vom
4. Oktober 2011 bzw. 16. Januar 2012 beinhaltet ein auf 12,5 m Länge erweitertes und
als privat bezeichnetes Parkierungsfeld. Auch der Eigentümer der Parz.-Nr. F6146
reichte am 4. Oktober 2011 ein Korrekturgesuch nach, womit die eigenmächtig
erstellten Parkplätze und der illegale Sitzplatz nachträglich legalisiert werden sollten.
Gegen diese beiden Gesuche, insbesondere gegen die private Nutzung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Besucherparkplätze, erhoben verschiedene Anwohner im Plangebiet der
Gesamtüberbauung Einsprache.
b) Die Baubehörde bewilligte am 27. April 2012 je nur einen der jeweils beiden
Parkplätze und verfügte, dass die widerrechtlich erstellten Parkierungsflächen als
Wiesenflächen zu renaturieren und die verbleibenden Parkplätze als allgemein
zugängliche Besucherparkplätze zu signalisieren seien. Ferner drohte sie die
Ersatzvornahme an und schützte die Einsprachen entsprechend. Die beiden
Beschlüsse stellte sie sodann auch den anderen Eigentümern der Überbauung
"Kammelenberg Ost II" zu, die ebenfalls einen Besucherparkplatz auf ihrem
Grundstück erstellt hatten, mithin auch den Eigentümern der Parz.-Nr. F6144, die
ihrerseits auf den Beschluss vom 22. September 2011 hin kein eigenes
Korrekturgesuch nachgereicht hatten.
D./ a) Gegen die beiden Beschlüsse vom 27. April 2012 erhoben am 14., 15. und
18. Mai 2012 die beiden Verfügungsadressaten sowie die Eigentümer des
Nachbargrundstücks Nr. F6144 beim Baudepartement Rekurs, wobei sie um die
kostenpflichtige Aufhebung der Beschlüsse bzw. Bewilligung der beiden
Korrekturgesuche nachsuchten. Während die Verfügungsadressaten die Ansicht
vertraten, die Aussenparkplätze auf ihren eigenen Grundstücken seien privat, das
heisst diese dürften nur von ihnen selbst bzw. von den eigenen Besuchern benutzt
werden, wehrten sich die Grundeigentümer von Parz.-Nr. F6144 dagegen, dass die
beiden Aussenparkplätze auf den Nachbargrundstücken Nrn. F6145 und F6146
sämtlichen Bewohnern der Überbauung als Besucherparkplätze zur Verfügung gestellt
werden müssten. Als Begründung, weshalb sie selbst kein eigenes Korrekturgesuch
eingereicht hätten, brachten sie an, dass sie sich damit abgefunden hätten, den
Aussenparkplatz nicht exklusiv nutzen zu dürfen, sondern diesen auch ihren eigenen
Besuchern zur Verfügung stellen zu müssen. Darüber hinaus komme es für sie aber
nicht in Frage, dass alle anderen Besucher der Siedlung auch hier parkieren würden.
b) Das Baudepartement nahm in der Folge das sistierte Rekursverfahren betreffend die
Verfügung vom 22. September 2011 (Umgebungsgestaltung und Parkplätze,
Herstellung des rechtmässigen Zustands, Nutzungsverbot) des Eigentümers der Parz.-
Nr. F6145 wieder auf und entschied am 7. Oktober 2013 über die vier Verfahren in drei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entscheiden. Dabei trat es auf den Rekurs der Eigentümer des Grundstücks Nr. F6144
mangels Rechtsmittelbefugnis nicht ein, und wies die übrigen Rekurse ab, soweit es
darauf eintrat, alles unter Kostenfolge.
E./ Gegen die drei Rekursentscheide erhoben die Eigentümer der Grundstücke
Nr. F6144, F6145 und F6146 am 22. Oktober 2013 beim Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen einzeln Beschwerde. Mit Beschwerdebegründung vom 2. bzw.
12. Dezember 2013 beantragen sie übereinstimmend die kostenpflichtige Aufhebung
der angefochtenen Rekursentscheide bzw. dass die auf den Grundstücken Nrn. F6145
und F6146 ohne Auflagen und Bedingungen bzw. ausschliesslich als
Besucherparkplätze für die eigenen Besucher zu bewilligen seien. Eventuell sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
F./ Das Baudepartement und die Baubewilligungskommission beantragen mit
Vernehmlassung bzw. Schreiben vom 7. und 18. Februar 2014, die Beschwerden
abzuweisen. Die Einsprecher bzw. Rekursgegner erklärten mit Eingabe vom 21. März
2014 bzw. 2. April 2014 den Verzicht ihrer Teilnahme am weiteren Verfahren.
G./ Die Beschwerdeführer 1 und 2 nahmen am 4. April 2014 zur Eingabe der Vorinstanz
Stellung, was diese veranlasste, am 28. April 2014 ihrerseits nochmals Stellung zu
nehmen.
H./ Auf die übrigen Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird - soweit erforderlich -
in den Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeverfahren B 2013/225, B 2013/226 und B 2013/229 betreffen den gleichen
Streitgegenstand, wobei sie die gleichen Tatbestands- und zum grössten Teil die
gleichen Rechtsfragen aufwerfen. Mithin rechtfertigt es sich, die drei Beschwerden in
einem einzigen Entscheid zu behandeln, auch wenn die Vorinstanz auf den Rekurs der
Beschwerdeführer 2 nicht eingetreten ist, zumal sie sich mit deren Rekurs in einer
Eventualbegründung auch materiell auseinandergesetzt hat. Als Adressaten der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angefochtenen Entscheide sind die Beschwerdeführer ohne Weiteres zur Ergreifung
des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingaben sind rechtzeitig erfolgt und erfüllen grundsätzlich die formellen
Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Dies gilt zumindest soweit, als die Beschwerdeführer ihre Beschwerden
begründen (zur Begründungsobliegenheit siehe VerwGE B 2013/39 vom 16. April 2014
E. 1.2. ff., abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Vor Verwaltungsgericht ist aber nur
noch umstritten, ob die oberirdischen Parkplätze ausschliesslich privat (für die
Beschwerdeführer selbst bzw. ihre eigenen Besucher) genutzt werden dürfen, oder ob
diese allen Besuchern im Plangebiet Kammelenberg Ost II offen stehen. Unter dieser
Einschränkung ist auf die drei Beschwerden einzutreten.
2. Zur Ergreifung eines Rechtsmittels sind nebst Adressaten einer Verfügung oder eines
Entscheids auch Drittbetroffene legitimiert. Bei den rechtsmittelbefugten Dritten
handelt es sich um Personen, die in der Regel ebenfalls direkt von der Verfügung
betroffen sind, auch wenn ihre Rechte und Pflichten nicht in der angefochtenen
Verfügung selbst geregelt sind; die Verfügung greift vielmehr auf andere Weise in ihre
Rechte oder Interessen ein (M. Bertschi in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar VRG,
3. Auflage, Zürich, Basel, Genf 2014, §21 N 9).
2.1. Im Kanton St. Gallen ist eine weite Fassung der Rechtsmittelbefugnis vorgesehen.
Nach Art. 45 VRP ist demnach jeder zum Rekurs oder zur Beschwerde befugt, der an
der Änderung oder Aufhebung einer Verfügung oder eines Entscheids ein eigenes
schutzwürdiges Interesse dartut. Nebst materiellem Rechtsschutzinteresse ist eine
formelle Beschwer nötig (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, St. Gallen 2003, N 386).
2.1.1. Die erforderliche formelle Beschwer liegt vor, wenn die rechtsuchende Person im
Verfahren vor Vorinstanz teilgenommen hat und mit ihren Anträgen nicht oder nicht
vollständig durchgedrungen ist. An der Anfechtung der Erwägungen eines Entscheids
allein besteht kein schutzwürdiges Interesse. Aus der blossen, zu Unrecht erfolgten
Beteiligung am vorinstanzlichen Verfahren folgt noch keine Legitimation, ausser im Fall
einer (kostenmässigen) Belastung und in Bezug auf das Vorbringen, die Legitimation
sei zu Unrecht verneint worden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1.2. Ist wie im Kanton St. Gallen ein Einspracheverfahren vorgesehen, gehört dieses
zum ordentlichen Verfahrensgang. Ohne entsprechende Teilnahme bereits am
erstinstanzlichen Verfahren können Dritte folglich an den nachfolgenden
Rechtsmittelverfahren nicht mehr teilnehmen. Auf das Erfordernis der formellen
Beschwer kann einzig verzichtet werden, wenn jemand zu Unrecht und ohne eigenes
Verschulden am vorinstanzlichen Verfahren nicht teilnehmen konnte, etwa weil ihm das
Verfahren nicht bekannt war und auch nicht bekannt sein musste, oder wenn ihm zu
Unrecht die Parteistellung versagt oder wenn diese erst durch den angefochtenen
Entscheid begründet wurde (Bertschi, a.a.O., § 21 29 ff.; Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 403
f.).
2.1.3. Den Beschwerdeführern 2 fehlt unbestrittenermassen die formelle Beschwer.
Ihrer Ansicht nach kann auf dieses Erfordernis aber verzichtet werden, weil die beiden
angefochtenen Beschlüsse auch die Rechtslage ihres Grundstücks betreffen.
Sinngemäss machen sie damit geltend, ihre Parteistellung habe sich erst mit den
beiden Bewilligungen betreffend die Nachbargrundstücke ergeben.
2.1.4. Die Baubehörde hat die beiden angefochtenen Beschlüsse den
Beschwerdeführern 2 zwar unaufgefordert zugestellt. Die Aufnahme im Versandverteiler
einer Verfügung allein begründet aber noch keine Berechtigung, diese auch anfechten
zu können. Daran ändert auch nichts, dass die Rechtslage der Besucherparkplätze auf
den Grundstücken F6144, F6145 und F6146 die gleiche ist. So wurde auch die
ursprüngliche Bauherrin der Überbauung mit den beiden Beschlüssen bedient,
obgleich diese unbestrittenermassen nicht rekurslegitimiert ist.
2.1.5. Dazu kommt, dass sich die Rechtslage mit den beiden Beschlüssen nicht
verändert hat, auch wenn sich die Verfügung vom 22. September 2011, welche die
Beschwerdeführer 2 - wie der Beschwerdeführer 3 - akzeptiert haben, und jene vom
27. April 2012, die hier Streitgegenstand bilden, im Wortlaut leicht unterscheiden.
Während mit der ersteren in Ziff. 1.2 (einzig) verlangt wird, dass alle drei
Besucherparkplätze als solche bezeichnet werden müssen, sind die beiden letzteren
insofern konkreter formuliert, als diese festlegen, dass die Besucherparkplätze
allgemein zugänglich und entsprechend zu signalisieren sind. An der
Zweckbestimmung der Abstellplätze ändert sich damit jedoch nichts. Dass mit der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
blossen Bezeichnung "Besucherparkplatz" nicht nur ein Parkplatz für Besucher der
jeweiligen Grundeigentümer, sondern ein Parkplatz für Besucher der ganzen
Überbauung gemeint ist, ergibt sich unabhängig von der ausdrücklichen Anordnung,
diese als "allgemein zugänglich" zu bezeichnen. Spätestens nach der Schlusskontrolle,
als die Baubehörde von den betroffenen Grundeigentümern verlangt hatte, dass die
Besucherparkplätze als solche ausgeschildert werden müssten bzw. dass für eine
private Nutzung ein Korrekturgesuch nachzureichen sei, musste auch den
Beschwerdeführern 2 klar sein, dass mit der Bezeichnung "Besucherparkplatz" kein
Parkplatz für ihre privaten Besucher gemeint sein konnte, wie die Vorinstanz zu Recht
einwendet. Es wäre zweck- und sinnwidrig, in einem Plangebiet mit reiner
Wohnnutzung nur einer bzw. maximal dreien von zehn Liegenschaften die Möglichkeit
einzuräumen, ausschliesslich für eigene Besucher Besucherparkplätze zu ermöglichen.
Dies liefe dem vorliegenden Gestaltungsplan entgegen, der eine einheitliche
Wohnüberbauung mit städtebaulicher und freiräumlicher vorzüglicher und
zweckmässiger Gestaltung anstrebt und die uniforme Überbauung der westlich
angrenzenden Siedlung aus den Siebzigerjahren zu übernehmen hat (Art. 2 BesV). Der
Sondernutzungsplan geht im Übrigen sogar so weit, dass er die Gestaltung des
privaten Aussenbereichs und die Bepflanzungen im Plangebiet festschreibt (Art. 11 und
18 Abs. 1 und 2 BesV).
2.1.6. Das Gesetz definiert den Begriff "Besucherparkplatz" nicht näher. Gemäss
Wortlaut ist ein Besucherparkplatz ein Parkplatz, der Besuchern vorbehalten ist.
Anwohner sind von dessen Nutzung begriffsbedingt ausgeschlossen. Sie sollen ihre
Autos auf privaten, auf eigenen oder gemieteten Parkplätzen abstellen.
Besucherparkplätze sind insofern aber auch keine öffentlichen Parkplätze, die jedem x-
beliebigen Dritten zur Verfügung stehen. Der Besucherkreis ergibt sich vielmehr
entweder aus der konkreten Beschilderung oder aus den örtlichen Begebenheiten.
Sofern die Nutzung nicht weiter eingeschränkt oder bestimmt wird, bedeuten
Besucherparkplätze im Zusammenhang mit einem Sondernutzungsplan Abstellplätze
für Besucher im Plangebiet. Dies trifft im besonderen Mass auf den vorliegenden
Gestaltungsplan zu, dessen Plangebiet im Zeitpunkt seines Erlasses ein einziges
Grundstück umfasst hat. Der Plan legt sodann eine Höchstzahl fest. Eine
Mindestanzahl ist ebenso wenig vorgeschrieben wie die Eigentumsverhältnisse an den
Besucherparkplätzen. Er bestimmt einzig, dass diese gut zugänglich im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mehrzweckbereich anzuordnen seien. Hier sind gemeinschaftliche Anlagen
(beispielsweise die Zu- und Wegfahrt der gemeinschaftlichen Tiefgaragenzufahrt) sowie
private Anlagen (wie etwa Hauszugänge und Lüftungsschächte) zulässig. Vor diesem
Hintergrund spielt es für die öffentlich-rechtliche Zweckbestimmung der
Besucherparkplätze somit keine Rolle, ob diese nach der Abparzellierung im
gemeinschaftlichen oder privaten Teil des Mehrzweckbereichs zu liegen kommen.
2.1.7. Vor diesem Hintergrund stellt die Auslegung der Verfügung vom 22. September
2011 durch die Beschwerdeführer, wonach die nachträglich bewilligten und erstellten
Aussenparkplätze trotz Bezeichnung als Besucherparkplatz ausschliesslich privat
genutzt werden dürften, sofern diese als "Parkplatz für Besucher der jeweiligen
Liegenschaft" gekennzeichnet seien, eine eigentliche Wortklauberei dar, die keinen
Rechtsschutz verdient (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
6. Auflage, Zürich/St. Gallen 2010, N 717). Dass diese spitzfindige Interpretation nicht
bloss sinnwidrig, sondern geradezu widersprüchlich und treuwidrig ist, zeigt sich auch
darin, dass die Beschwerdeführer 2 in Ziff. B II 6.1.2. ihrer Beschwerdebegründung
vom 12. Dezember 2013 selber ausführen lassen, dass bei der blossen Bezeichnung
"Besucherparkplatz" damit gerechnet werden müsse, dass Besucher der ganzen
Siedlung hier parkieren würden und nicht bloss die tatsächlich Berechtigten.
Tatsächlich ist dies insbesondere für eine uniforme Wohnüberbauung wie der
vorliegenden nicht von der Hand zu weisen, wo hinsichtlich der architektonischen
Gestaltung gemäss Art. 9 BesV eine vorzügliche Gesamtwirkung vorgeschrieben wird,
die sich konkret aus der Einheitlichkeit hinsichtlich Massstäblichkeit, Formensprache,
Materialwahl und Farbgebung ergibt. Dazu kommt, dass die Grundeigentümer selbst
bei der Gestaltung des betroffenen Mehrzweckbereichs nicht frei sind (Art. 3 BesV).
Auch darin zeigt sich, dass sich die Bezeichnungen "Besucherparkplatz" bzw.
"allgemein zugängliche Besucherparkplätze" nicht zu unterscheiden vermögen.
2.1.8. Aus dem Gesagten folgt, dass die beiden angefochtenen Bewilligungen vom
27. April 2012 die Rechtslage auf dem Grundstück der Beschwerdeführer 2 nicht derart
präzisiert bzw. abgeändert haben, dass sich deren Parteistellung erst durch sie
ergeben hätte. Auf das Erfordernis der formellen Beschwer kann somit nicht
ausnahmsweise verzichtet werden. Aus dem gleichen Grund begründet ihre
Nichtteilnahme an den Verfahren der Nachbarn auch keine Gehörsverletzung, wie sie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
geltend machen. Sollten die Beschwerdeführer 2 ihren Besucherparkplatz nun
trotzdem mit "nur für Besucher der Liegenschaft Kammelenbergstrasse 00" oder
ähnlich signalisieren, wäre die Baubehörde allein gestützt auf die Verfügung vom
22. September 2011 gehalten, den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen. Wollte
sie demgegenüber durchsetzen, dass der Besucherparkplatz auf der Parz.-Nr. F6144
ebenfalls mit dem Zusatz "allgemein zugänglich" bezeichnet werde, müsste sie dies -
sofern sich die Beschwerdeführer 2 dazu nicht freiwillig bereit erklären sollte - noch
zusätzlich verfügen.
2.2. Die Vorinstanz hat überdies auch verneint, dass die Beschwerdeführer 2 an der
Anfechtung der Verfügungen die beiden Nachbargrundstücke Nrn. F6145 und F6146
betreffend ein Rechtsschutzinteresse hätten, zumal sie für ihren eigenen Parkplatz ein
eigenes Umnutzungsgesuch stellen könnten bzw. müssten.
2.2.1. Die Beschwerdeführer 2 sehen ihr eigenes aktuelles schutzwürdiges Interesse
neu darin begründet, dass die blosse Anordnung, wonach die Besucherparkplätze als
solche zu beschriften seien, zu unpräzis sei. Sie stören sich dabei insbesondere daran,
dass die entsprechende Beschilderung Besucher der ganzen Siedlung dazu verleiten
könnte, auf den drei Besucherparkplätzen ihrer Überbauung zu parkieren, wovon auch
der Besucherparkplatz auf ihrem Grundstück betroffen wäre.
2.2.2. Tatsächlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass Besucher auch der
südlichen (alten) Überbauung die drei Abstellplätze entlang der Kammelenbergstrasse
nutzen werden. Dieses Problem ist in öffentlich-rechtlicher Hinsicht aber genauso
belanglos wie der Umstand, dass mit der Beschriftung "Besucherparkplatz" nicht
verhindert werden kann, dass auch Anwohner regelmässig ihre Fahrzeuge auf den für
Besucher vorbehaltenen Parkplätzen abstellen. Davon abgesehen handelt es sich bei
der vorliegenden baupolizeilichen Anordnung um eine Mindestanforderung. Den
Beschwerdeführern steht es ohne Weiteres frei, die drei Besucherparkplätze darüber
hinaus entsprechend den sonderbaurechtlichen Vorschriften zu kennzeichnen, zum
Beispiel mit dem Zusatz "ausschliesslich für Besucher der Liegenschaften
Kammelenbergstrasse 00/00a/00b/.../04b", wie es die Vorinstanz vorgeschlagen hat.
Zudem haben die jeweiligen Grundeigentümer die Möglichkeit, ein entsprechendes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gerichtliches Verbot nach Art. 258 der Zivilprozessordnung (SR 272) errichten zu lassen
und die Fehlbaren in der Folge zu verzeigen.
2.3. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerdeführer 2 in der vorliegenden
Streitsache weder formell beschwert sind noch ein schutzwürdiges Interesse haben.
Die Vorinstanz ist somit zu Recht auf den Rekurs der Beschwerdeführer 2 nicht
eingetreten, weshalb ihre Beschwerde abzuweisen ist.
2.4. Davon abgesehen hat die Vorinstanz den Rekurs der Beschwerdeführer 2 aber
trotzdem materiell geprüft und ist dabei zum Schluss gekommen, dass dieser auch
inhaltlich abzuweisen wäre. Nachdem diese ihre Beschwerde ihrerseits materiell
begründet haben und das Gericht sich im Zusammenhang mit den Beschwerden der
beiden anderen Beschwerdeführern ohnehin inhaltlich mit der in allen drei Fällen in
etwa gleich lautenden Begründung auseinandersetzen muss, würden die
Beschwerdeführer 2 durch das Nichteintreten auf ihren Rekurs somit auch keinen
Schaden erleiden, wenn sie gleichwohl rekurslegitimiert gewesen wären und die
Vorinstanz auf ihren Rekurs hätte eintreten müssen.
3. Nach Auffassung der Beschwerdeführer liegt der Grund dafür, dass die drei
Besucherparkplätze lediglich den betroffenen Grundeigentümern zur Verfügung stehen,
unter anderem darin, dass so weniger häufig entlang der öffentlichen Strasse parkiert
werde. Sonderbaurechtlich sind insgesamt maximal 23 Abstellplätze vorgesehen,
wovon drei Plätze den Besuchern vorbehalten sind. Weshalb nun weniger Autos auf
der öffentlichen Strasse parkiert werden sollen, wenn die drei umstrittenen
Besucherparkplätze exklusiv den drei Beschwerdeführern zugeteilt werden statt allen
Anwohnern, ist nicht nachvollziehbar. Aus dem Sondernutzungsplan jedenfalls geht
nicht hervor, dass die drei nördlichsten Liegenschaften entlang der
Kammelenbergstrasse publikumsintensiver genutzt werden sollen als die sieben
darunterliegenden. Mithin wären die meisten Besucher der Siedlung von der Benützung
der Besucherparkplätze im Plangebiet ausgeschlossen. Damit würde genau das
Gegenteil des Behaupteten eintreten, wenn die drei Besucherparkplätze nicht allen
Anwohnern im Plangebiet offen stünden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4. Weiter behaupten die Beschwerdeführer, mit der Abparzellierung des
sonderbaurechtlichen Mehrzweckbereichs habe sich der Benützerkreis der
Besucherparkplätze geändert.
4.1. Die Zweckbestimmung der oberirdischen Parkplätze ist im Gestaltungsplan vom
14. September 2005 festgelegt. Dabei handelt es sich um einen öffentlich-rechtlichen
Planerlass. Eine damit festgelegte Zweckbestimmung kann somit einzig durch die
Änderung des entsprechenden Plans erfolgen (Art. 32 des Baugesetzes, sGS 731.1,
abgekürzt BauG). Eine diesbezügliche privatrechtliche Abrede ist öffentlich-rechtlich
ebenso unbeachtlich wie die Änderung der zivilrechtlichen Eigentumsverhältnisse. Dies
wird etwa am Beispiel eines Grundstücks in der Zone für öffentliche Bauten und
Anlagen klar. Kauft beispielsweise ein Privater in dieser Zone eine ehemalige Schule
oder ein Gebäude einer Landeskirche, bleiben diese trotz nunmehr rein
privatrechtlicher Eigentumsverhältnisse einer rein privaten Nutzung entzogen. Dafür
nötig wäre vorgängig eine Änderung der Zweckbestimmung gemäss Art. 32 BauG.
4.2. Die Beschwerdeführer wenden ein, im Grundbuch sei keine entsprechende
(öffentlich-rechtliche) Beschränkung eingetragen worden. Davon abgesehen, dass die
privatrechtlichen Eigentumsverhältnisse - die ohne Zutun der Planungsbehörde
jederzeit wieder geändert werden können - für die Frage der
sondernutzungsrechtlichen Zweckbestimmung ohne Belang sind, ist ohnehin sehr
fraglich, ob eine entsprechende Beschränkung überhaupt Gegenstand einer solchen
öffentlich-rechtlichen Anmerkung sein kann; angemerkt werden können lediglich dem
Grundeigentümer durch individuell-konkrete Verfügung auferlegte
Eigentumsbeschränkungen, nicht aber generell-abstrakte Anordnungen (vgl. dazu J.
Schmid in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, 4. Auflage, Basel 2011,
N 5 f. zu Art. 962 ZGB), wozu der vorliegende Sondernutzungsplan zählt, der sich auf
eine grössere Siedlung von zahlreichen Einfamilienhäusern bezieht. Der Kanton St.
Gallen hat auch noch keine eigentümerverbindliche Geobasisdaten bezeichnet, die
Gegenstand des Katasters sein können (Art. 16 Abs. 3 des Geoinformtionsgesetzes,
SR 510.62). Mithin spielt es für die Zweckbestimmung der oberirdischen Parkplätze
keine Rolle, dass der ursprünglich im gemeinschaftlichen Eigentum befindliche
Mehrzweckbereich heute drei verschiedenen Privaten gehört. Die erst nachträgliche
Festlegung der Grundstücksgrenzen spricht im Gegenteil dafür, dass die ursprünglich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
für die ganze Siedlung festgelegten Besucherparkplätze auch weiterhin allen
Anwohnern im Plangebiet zur Verfügung stehen sollen und nicht bloss einigen davon.
4.3. Die Beschwerdeführer machen sodann einen Verstoss gegen die
verfassungsmässige Eigentumsfreiheit gemäss Art. 26 der Bundesverfassung (SR 101,
abgekürzt BV) geltend.
4.3.1. Die Eigentumsfreiheit beinhaltet grundsätzlich auch die Baufreiheit (B. Heer, St.
Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, N 1107). Grundrechte gelten aber nicht
absolut, sondern können im Rahmen von Art. 36 BV eingeschränkt werden. Nötig dafür
ist insbesondere eine gesetzliche Grundlage (Art. 36 Abs. 1 Satz 2 BV). Diese
Voraussetzung setzt sich aus dem Erfordernis des Rechtssatzes und dem Erfordernis
der Gesetzesform zusammen (Häfelin/Haller/Keller, Schweizerisches
Bundesstaatsrecht, 8. Auflage, Zürich/Basel/Genf, N 307). Zonen- und Nutzungspläne
stellen zwischen Rechtssatz und Verfügung stehende Anordnungen dar, auf die teils
die für generell-abstrakte Normen geltenden, teils die für Verfügungen massgebenden
Grundsätze anzuwenden sind. Wegen der Tragweite des Nutzungsplans für die
Betroffenen haben diese bei dessen Erlass von Bundesrechts wegen einen Anspruch
auf rechtliches Gehör, wobei es unter Umständen genügt, wenn Einwendungen erst im
Beschwerdeverfahren vorgebracht werden können. Ob ein Nutzungsplan nur
anschliessend an seinen Erlass oder auch noch im Sinn einer akzessorischen
Normenkontrolle bei späterer Anwendung angefochten werden kann, bestimmt sich in
erster Linie danach, ob der Betroffene sich schon bei Planerlass über die ihm
auferlegten Beschränkungen im Klaren sein konnte und welche Möglichkeiten er in
diesem Zeitpunkt hatte, seine Interessen zu wahren. Die Gültigkeit des Plans muss
stets dann in Zweifel gezogen werden können, wenn die gesetzlichen Vorschriften über
die Ortsplanung geändert worden sind oder sich die tatsächliche Situation seit Erlass
des Zonenplans in einer Weise gewandelt hat, dass das öffentliche Interesse an den
auferlegten Eigentumsbeschränkungen untergegangen sein könnte (Art. 4 und Art. 33
Abs. 1 RPG; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 944 ff.; Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 692). Im
Kanton St. Gallen ist dafür das Änderungsverfahren nach Art. 32 f. BauG vorgesehen.
4.3.2. Der vorliegende Gestaltungsplan wurde mit ausdrücklicher Zustimmung des
damaligen Grundeigentümers erlassen (Art. 28 Abs. 1 BauG). Allein die Tatsache, dass
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dieser das Plangebiet in der Folge parzelliert und für die sondernutzungsrechtliche
Überbauung verkauft hat, stellt selbstredend keinen Änderungsgrund im Sinn von
Art. 32 BauG dar. Bezüglich der sondernutzungrechtlichen Vorschriften sodann ist den
Käufern das Wissen des Verkäufers anzurechnen. Sollten diese einem Willensmangel
erlegen sein, wären sie diesbezüglich auf den Zivilrechtsweg zu verweisen. Zu
erwähnen ist immerhin, dass Sondernutzungspläne öffentlich und für jedermann
einsehbar sind. Mithin war im Rahmen des Bewilligungsverfahrens nicht mehr zu
prüfen, ob die Einschränkung, im Plangebiet oberirdisch lediglich allgemein
zugängliche Besucherparkplätze erstellen zu dürfen, verhältnismässig sei oder nicht.
Auf den verlangten Augenschein zur Frage, ob für Besucherfahrzeuge genügend Platz
entlang der Kammelenbergstrasse sei, kann somit verzichtet werden (zur antizipierten
Beweiswürdigung siehe unter anderem BGer 1C_700/2013 vom 11. März 2014 E. 3.2
oder BGer 2C_28/2012 vom 18. Juli 2012 E. 3.5.3). Alsdann ist die Frage, ob der
Mehrzweckbereich vornehmlich zur allgemeinen oder zur privaten Nutzung diene, eine
reine Rechtsfrage, deren Beantwortung sich nicht an Hand der dazu verlangten
Besichtigung vor Ort ergeben kann (vgl. dazu Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 966).
4.3.3. Dazu kommt, dass die Politische Gemeinde St. Gallen keine Pflichtparkplätze
kennt, weder für Anwohner noch für deren Besucher (vgl. dazu Heer, a.a.O., N 710).
Und wie gesagt schreibt auch der Gestaltungsplan die umstrittenen drei oberirdischen
Parkplätze nicht vor. Im Gegenteil beschränkt Art. 4 Abs. 1 BesV die
Parkierungsmöglichkeiten auf die unterirdische Parkgarage und nimmt davon einzig
maximal drei Besucherparkplätze aus. Auch legt er nicht lagegenau fest, wo diese
platziert werden müssen. Vorgeschrieben ist einzig, dass sie innerhalb des
Mehrzweckbereichs erstellt werden. Die drei Grundeigentümer entlang der
Kammelenbergstrasse sind somit öffentlich-rechtlich nicht verpflichtet, überhaupt
Besucherparkplätze zu erstellen, weshalb die Pflicht, die oberirdisch erstellten
Parkplätze allen Besuchern im Plangebiet zur Verfügung zu stellen, von Vornherein
keine Eigentumsbeschränkung darstellen kann. Für die Korrekturbewilligung der
Besucherparkplätze war im Gegenteil die unterschriftliche Zustimmung des betroffenen
Grundeigentümers nötig (Art. 12 Abs. 1 lit. b des Reglements über den Vollzug der
Bauordnung und des Reklamereglements vom 6. Dezember 2005 der Stadt St. Gallen;
Juristische Mitteilungen des Baudepartements, 2001/IV Nr. 38 und 2002/III Nr. 24,
abrufbar unter: www.jumi.sg.ch). Und wie gesagt, sollten sich die Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beim Stellen der entsprechenden Baugesuche bzw. beim Kauf der mit den allgemein
zugänglichen Besucherparkplätzen belasteten Grundstücke in einem Irrtum befunden
haben, müssten sie sich zivilrechtlich wehren. Somit spielt es im vorliegenden
Verfahren auch keine Rolle, ob die Verkaufsdokumente und Verkaufsverhandlungen
diesbezüglich missverständlich waren oder ob die Verkäuferschaft ihnen beim
Grundstückskauf gar zu Unrecht in Aussicht gestellt hatte, dass die
sondernutzungsrechtliche Zweckbestimmung der drei oberirdischen
Besucherparkplätze mit der Abparzellierung dahingefallen sei.
4.3.4. Sollten sich die Beschwerdeführer nicht damit abfinden können, ihre
Besucherparkplätze allgemein zugänglich zu machen, stünde es ihnen aus öffentlich-
rechtlicher Sicht immer noch frei, diese zu entfernen, und zwar ohne
Abbruchbewilligung (Heer, a.a.O., N 865). Auch diese Möglichkeit zeigt auf, dass die
Verpflichtung, die Besucherparkplätze allgemein zugänglich zu halten und
entsprechend zu beschriften, das Eigentumsrecht der entsprechenden
Grundeigentümer grundsätzlich nicht verletzen kann. Auch ohne Besucherparkplätze
im Plangebiet wäre das Plangebiet hinreichend erschlossen. In diesem Fall wäre es an
den begünstigten Grundeigentümern, ihren Besuchern einen Abstellplatz in der
Tiefgarage anzubieten bzw. diese im Rahmen von Art. 37 Abs. 2 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01) in Verbindung mit Art. 19 der
Verkehrsregelnverordnung (741.11) auf der Kammelenbergstrasse parkieren zu lassen.
Der Umstand allein, dass möglicherweise auch Besucher ausserhalb der Überbauung
Kammelenberg Ost II hier parkieren könnten, vermag daran wie gesagt nichts zu
ändern.
4.3.5. Aus dem Gesagten folgt, dass der Forderung, die Besucherparkplätze auf den
Parz.-Nrn. F6145 und F6146 sämtlichen Anwohnern der Überbauung Kammelenberg
Ost II zugänglich zu machen, rechtlich nichts im Wege steht. Das Gleiche gilt, wie
vorne in E. 2.1. klargestellt, grundsätzlich auch für den Besucherparkplatz auf Parz.-
F6144 der Beschwerdeführer 2.
5. Zusammenfassend ist die Vorinstanz zu Recht zum Schluss gekommen, dass die
Beschwerdeführer 2 nicht rekurslegitimiert seien und dass der Rekurs der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer 1 und 3 abzuweisen sei. Die Beschwerden sind damit abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
6. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die amtlichen Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Dem
Verfahrensausgang entsprechend haben die Beschwerdeführer die amtlichen Kosten je
zu einem Drittel zu bezahlen. Für die drei Verfahren erscheint eine Entscheidgebühr von
je Fr. 2'000.-- bzw. insgesamt Fr. 6'000.-- angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die Gebühr ist mit den geleisteten
Kostenvorschüssen von je Fr. 2'500.-- zu verrechnen; der Mehrbetrag von je Fr. 500.--
ist zurückzuerstatten.
7. Die ausseramtliche Entschädigung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen
und Unterliegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Beschwerdeführer haben
ausgangsgemäss keinen Entschädigungsanspruch, weshalb ihre
Entschädigungsanträge abzuweisen sind. Weitere Begehren um Entschädigung der
Parteikosten liegen keine vor. Damit hat es sein Bewenden.
Demnach hat das Verwaltungsgericht