Decision ID: aa097ece-0924-41ec-a578-7ce26477433d
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 5. Februar 2014 erneut bei der Invalidenversicherung (IV)
zum Leistungsbezug an (IV-act. 71). Vorausgegangen war ein mit Verfügung vom 24.
Juni 1998 "abgeschriebenes" Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen (IV-
act. 26). Ein weiteres Leistungsgesuch vom 19. März 2013 wegen
Schmerzexazerbation nach einem Arbeitsunfall vom 23. Oktober 2012 mit
Steissbeinfraktur (IV-act. 27) war mit Mitteilung vom 26. August 2013 abgewiesen
worden (IV-act. 69).
A.b Anlässlich eines stationären Aufenthaltes vom 25. Februar bis 7. März 2014 im
Palliativzentrum Spital B._ wurden eine mittelgradige depressive Episode sowie ein
chronifiziertes sakrales Schmerzsyndrom diagnostiziert (Austrittsbericht vom 20. März
2014, IV-act. 84-5 ff.):
A.c Dr.med. C._, Allgemeine Medizin FMH, führte im Arztbericht vom 24. März 2014
aus, die Versicherte leide unter intensiven, therapieresistenten Kreuzschmerzen und
einer reaktiven Depression. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage 50
%. Aufgrund der starken Einschränkung der Beweglichkeit und Druckdolenz bestehe
nur eine Teilarbeitsfähigkeit mit verlangsamtem Arbeitstempo und verminderter
Belastungsfähigkeit (IV-act. 84-3 ff.). Dr.med. D._, Ärztin Palliativzentrum B._,
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attestierte der Versicherten seit 25. Februar 2014 bis auf weiteres eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Die bisherige Tätigkeit sei zu einseitig belastend, was zu
Schmerzexazerbationen führe. Sie sei maximal im zeitlichen Rahmen von 50 % mit um
50 % verminderter Leistungsfähigkeit zumutbar. In einer wechselbelastenden Tätigkeit
sollte nach Behandlung der depressiven Phase eine Arbeitsfähigkeit von 50 % möglich
sein (IV-act. 86-1 ff.).
A.d Die Versicherte hielt sich vom 9. bis 28. April 2014 zur stationären
psychosomatischen Rehabilitation in der Klinik E._ auf. Bei Austritt bestanden nach
wie vor depressiv-dysphorische Symptome sowie eine Einengung auf das somatische
Krankheitsmodell (Austrittsbericht Psychosomatik vom 12. Juni 2014, IV-act. 119-1 ff.).
A.e RAD-Ärztin Dr.med. F._, Fachärztin für Arbeitsmedizin FMH, hatte am 23. April
2014 Stellung genommen, es könne weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % aus-
gegangen werden, steigerbar auf 100 %. Bei den bestehenden Befunden sei eine
höhergradige Einschränkung aus IV-Sicht nicht vertretbar (IV-act. 90-2). Daraufhin
sprach die IV-Stelle der Versicherten Arbeitsvermittlung zu (Mitteilung vom 22. Mai
2014, IV-act. 95).
A.f Während eines vom 4. Juni bis 29. November 2014 dauernden Einsatzprogramms
musste die anfängliche 50 %ige Anwesenheit auf 20 % reduziert werden. Die
Programmleitung merkte an, in der momentanen Arbeitsfähigkeit von 20 % entspreche
die Leistung der Versicherten nicht dem ersten Arbeitsmarkt. Sie habe sich nicht über
Schmerzen beklagt, diese seien ihr aber anzusehen gewesen (Protokoll vom 24. April
2015, IV-act. 112-3 ff.).
A.g Dr.med. G._, Psychiatrie/Psychotherapie, führte im Arztbericht vom 27. April
2015 aus, er behandle die Versicherte seit 28. März 2014. Seither und bis auf Weiteres
sei sie zu 100 % arbeitsunfähig. Er habe eine Depression mit intensiven Ängsten und
andauernden Schmerzen, starker Selbstwertproblematik und Tendenz zum sozialen
Rückzug festgestellt. In den letzten Monaten sei in einem geschützten Rahmen ein
Wiedereingliederungskurs durchgeführt worden. Die Versicherte fühle sich jedoch bis
zum aktuellen Tag überfordert; sie sei gar nicht im Stande gewesen, das
Arbeitspensum zu bewältigen, so dass sie nun nur 30 % tätig sei. Die Prognose sei
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ungünstig. Es handle sich um eine komorbide psychische Störung, die von intensiven,
z. T. resistenten körperlichen Symptomen begleitet werde (IV-act. 108-2 ff.). RAD-Ärztin
Dr.med. H._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, nahm zum Bericht von Dr. G._
Stellung, die psychopathologischen Befunde liessen die gestellte Diagnose nicht ohne
weiteres nachvollziehen. Zudem werde zwar auf das komorbide Schmerzerleben
hingewiesen, jedoch würden keine Überlegungen bezüglich einer somatoformen
Störung oder Schmerzverarbeitungsstörung deutlich. Sie empfahl eine bidisziplinäre
Begutachtung (Psychiatrie/ Orthopädie; Stellungnahme vom 19. Mai 2015, IV-act. 113).
A.h Diese erfolgte durch das Medizinische Gutachtenzentrum Region St. Gallen GmbH
(MGSG; Dr.med. I._, Spezialarzt Orthopädie FMH, Dr.med. J._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie; Untersuchungen 26. Juni und 17. Juli 2015). Der
orthopädische Gutachter hielt im Wesentlichen fest, nachdem die lumbosacralen
Schmerzen nur ungenügend erklärt werden könnten, resultiere aus diesen
Beschwerden aus rein orthopädischer Sicht auch keine Funktionseinschränkung. Die
Versicherte sei als Hilfsarbeiterin einer Kunststofffabrik spätestens seit März 2013 voll
arbeitsfähig (IV-act. 123-8, 32). Der psychiatrische Experte führte aus, aus
psychiatrischer Sicht könne trotz der anhaltenden mittelgradigen depressiven Episode
und der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung eine zumutbare
Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit mit Verwertung der
Arbeitsfähigkeit angenommen werden. Auch sei die Versicherte einem Arbeitsumfeld
zumutbar, bedürfe jedoch vermehrter Rücksicht und Verständnisses (IV-act. 123-26,
57). Aus rein psychiatrischer Sicht und bidisziplinär könne in der zuletzt ausgeübten
(angestammten) Tätigkeit als Einpackerin eine 60 %ige Arbeitsfähigkeit und in einer
leidensadaptierten Tätigkeit eine 70 %ige Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum
seit etwa Januar 2014 angenommen werden (IV-act. 123-27 f., 35, 59). Der RAD
(Dr.med. K._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; Dr.med. L._, Facharzt
für Innere Medizin, Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation,
Stellungnahme vom 15./16. Februar 2016) folgte im Wesentlichen den Gutachtern,
ergänzte jedoch, die (psychiatrische) Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erfolge in erster
Linie auf Basis der erhobenen Befunde. Es werde keine hypothetische Arbeitsfähigkeit
nach Durchführung von Therapiemassnahmen postuliert. Die empfohlenen
Therapiemassnahmen seien nicht evidenzbasiert, weshalb nicht die Schlussfolgerung
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gezogen werden könne, dass die Arbeitsfähigkeit noch verbessert werden könne (vgl.
IV-act. 127).
A.i Die IV-Stelle gewährte der Versicherten wiederum Arbeitsvermittlung (Unterstützung
bei der Stellensuche; Mitteilung vom 14. März 2016, IV-act. 131). Sie schloss die
Massnahme am 6. Oktober 2016 ab, da es nicht gelungen sei, die Versicherte in den
Arbeitsmarkt zu integrieren, und wies das Gesuch hinsichtlich beruflicher Massnahmen
mit Mitteilung vom 7. Oktober 2016 ab (IV-act. 147-2, 149). Mit Vorbescheid vom 21.
Oktober 2016 stellte sie der Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens in
Aussicht (IV-act. 152). Mit Einwand vom 10. November 2016 liess die Versicherte eine
halbe Rente, berufliche Massnahmen im Umfang von 50 % und die unentgeltliche
Verbeiständung beantragen (IV-act. 154).
A.j Die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 11. November 2016
(IV-act. 159) und das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 24. November 2016 (IV-act. 164) ab.
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 11. November 2016 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr.iur. K. Glavas, am 24. November 2016 (Datum Postaufgabe)
Beschwerde erheben. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen aufzuheben, soweit darauf einzutreten sei, und die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, neue und ergänzende Abklärungen zu treffen
und gesetzeskonform zu entscheiden. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und es seien ihr mindestens eine halbe IV-Rente und parallel dazu die
beruflichen Massnahmen zu gewähren. Weiter seien die unentgeltliche Rechtspflege
und Verbeiständung zu gewähren. Die Beschwerdegegnerin habe ein bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag gegeben, ohne sie zu konsultieren und eine Einigung über die
Gutachter respektive die Gutachterstelle sowie über die Fragen zu suchen. Diese grobe
und nicht heilbare Verletzung der formellen Mitwirkungsrechte führe dazu, dass die
Beschwerde ohne Prüfung der materiellen Argumente gutzuheissen sei. Weiter habe
die Beschwerdegegnerin ein bidisziplinäre Begutachtung in Auftrag gegeben, obwohl
sich eine polydisziplinäre Begutachtung gebieterisch aufgedrängt habe. Diese sei
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nachzuholen. Beim Einkommensvergleich sei weder der leidensbedingte Abzug
gewährt, noch die zwingend notwendige Parallelisierung geprüft worden. Es sei
bekannt, dass Werktätige vom Balkan rund 20 % weniger als die hiesige Bevölkerung
verdienten; entsprechende Statistiken seien aufgrund der Abklärungs- und
Begründungspflicht zu editieren. Das orthopädische Gutachten sei nicht schlüssig. Ihre
Gesundheit sei mehrfach beeinträchtigt und sie könne kein rentenausschliessendes
Einkommen mehr erzielen. Sie sei weiterhin gewillt, sich beruflich einzugliedern. Die
Beschwerdegegnerin anerkenne einen Invaliditätsgrad von 27 %, womit sie ohne deren
Support keine Anstellung finden werde (IV 2016/410, act. G 1).
B.b Mit Eingabe vom 12. Dezember 2016 erhebt die Beschwerdeführerin Beschwerde
gegen die Verfügung vom 24. November 2016 und beantragt deren Aufhebung und die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren (IV
2016/430, act. G 1).
B.c Die Abteilungspräsidentin vereinigt mit verfahrensleitender Verfügung vom 15.
Dezember 2016 die beiden Verfahren (IV 2016/430, act. G 4).
B.d Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 6. März 2017, die
Beschwerde vom 23. November 2016 gegen die Verfügung vom 11. November 2016
sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die Beschwerde vom 12. Dezember
2016 gegen die Verfügung über die unentgeltliche Rechtsverbeiständung vom 24.
November 2016 sei abzuweisen. Es werde in der Beschwerde weder ein konkreter
formeller noch materieller Einwand genannt, welcher nicht berücksichtigt worden sei,
noch würden die angeblich fehlenden Fachdisziplinen für die Begutachtung angeführt.
Es bestehe demnach kein Grund, die Angelegenheit zur Erstellung eines neuen
Gutachtens zurückzuweisen. Ein Rentenanspruch stehe frühestens ab August 2014 zur
Diskussion. Dies habe zur Folge, dass sie den Gesundheitszustand nicht weiter
rückwirkend habe abklären müssen. Weitere konkrete Vorbringen zu den
Feststellungen der Gutachter seien nicht gemacht worden. Ebenso wenig seien neue
oder anderslautende medizinische Unterlagen beigebracht worden. Demnach sei auf
die Ergebnisse des bidisziplinären Gutachtens abzustellen und von einer
Arbeitsfähigkeit von 70 % in adaptierter Tätigkeit auszugehen. Der Validenlohn liege
um 4,1 % tiefer als der Invalidenlohn. Da nur der Teil berücksichtigt werden dürfe, der 5
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% übersteige, könne nicht parallelisiert werden. Ein Tabellenlohnabzug sei nicht
angebracht, da die Einschränkungen bereits in die medizinische
Arbeitsfähigkeitsschätzung eingeflossen seien und keine weiteren Gründe für einen
Abzug ersichtlich seien. Selbst unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von
10 % würde kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren. Berufliche
Massnahmen seien durchgeführt und mit Mitteilung vom 7. Oktober 2016
abgeschlossen worden. Eine anfechtbare Verfügung sei nicht verlangt worden. Soweit
sich die vorliegende Beschwerde auf berufliche Massnahmen beziehe, sei auf diese
nicht einzutreten. Es treffe zwar zu, dass beispielsweise für das Erkennen von
Schwachstellen einer ärztlichen Expertise aufgrund der einschlägigen Rechtsprechung
gewisse medizinische Kenntnisse und juristischer Sachverstand erforderlich seien.
Dasselbe müsse analog auch für Verfahrensfragen gelten. Trotzdem könne alleine
deswegen nicht von einer komplexen Fragestellung gesprochen werden, die eine
anwaltliche Vertretung im Verwaltungsverfahren gebieten würde. Es bedürfe mithin
weiterer Umstände, welche eine Sache als nicht (mehr) einfach und eine anwaltliche
Vertretung als notwendig bzw. sachlich geboten erscheinen liessen. Solche weiteren
Umstände würden in der Eingabe vom 12. Dezember 2016 nicht geltend gemacht und
seien auch nicht ersichtlich (IV 2016/410, act. G 8).
B.e Am 8. März 2017 heisst die Abteilungspräsidentin das Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) gut (IV 2016/410, act. G 9).
B.f Mit Replik vom 16. März 2017 macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
geltend, eine Stelle habe ihr nicht mehr vermittelt werden können, weil sie
verschiedentlich somatisch und psychisch beeinträchtigt sei. Daher sei die verfügte
Arbeitsfähigkeit von 70 % nicht haltbar. Die Gutachter hätten zusätzlich festgehalten,
dass sie keiner emotionalen Belastung, keiner Stressbelastung, keiner Arbeit mit
erforderlicher geistiger Flexibilität, keinen vermehrten Kundenkontakten und keiner
überdurchschnittlichen Dauerbelastung ausgesetzt werden dürfe. Eine solche Stelle sei
nur im geschützten Rahmen möglich. Die verfügte Arbeitsfähigkeit sei auf dem realen
und primären Arbeitsmarkt nicht realistisch und realisierbar. Die Nickel- und
Kobaltallergie, Sternumfraktur (richtig wohl: Sakrumfraktur), Knie- und
Rückenschmerzen, Hüftdysplasie und psychischen Probleme hätten in die Abklärung
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einbezogen werden müssen. Es hätte zwingend eine polydisziplinäre Abklärung
initialisiert werden müssen, was nachzuholen sei. Durch die Erheblichkeitsgrenze (für
die Parallelisierung) würden gerade diejenigen Personen zusätzlich benachteiligt, die in
der realen Wirtschaft ohnehin Schwierigkeiten hätten respektive unterdurchschnittlich
entlöhnt würden. Bleibe ihnen zusätzlich ein leidensbedingter Abzug versagt, würden
sie mehrfach benachteiligt. Die Lohnminderung betrage mehr als 4,1 %. Das
Valideneinkommen würde mindestens Fr. 55'000.-- betragen. Die Ablehnung
beruflicher Massnahmen verletze den Grundsatz "Eingliederung vor Rente". Die
Beschwerdegegnerin hätte sie auf den Einigungsversuch und ihre Vorschlagsrechte
aufmerksam machen müssen (IV 2016/410, act. G 11).
B.g Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (IV 2016/410, act. G 13).

Erwägungen
1.
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Versicherte Anspruch auf Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
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% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht
Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf
eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1).
1.4 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten
einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei deren
oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen
ablehnen und Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG). Medizinische Gutachten, an
denen drei oder mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, haben bei einer Gutachterstelle zu
erfolgen, mit welcher das Bundesamt eine Vereinbarung getroffen hat. Die Vergabe der
Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Art. 72bis Abs. 1 und 2 der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
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1.5 Im Sinne einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/
bb).
1.6 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsicht zunächst geltend, die
Gutachtensvergabe hätte zwingend einen Einigungsversuch vorausgesetzt bzw. es
wäre aufgrund der multiplen gesundheitlichen Probleme eine polydisziplinäre
Begutachtung erforderlich gewesen.
2.1
2.1.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung existieren keine festen Kriterien
zur allgemeingültigen Abgrenzung, wann ein polydisziplinäres Gutachten erforderlich
ist. Die umfassende administrative Erstbegutachtung werde jedoch regelmässig
polydisziplinär und damit zufallsbasiert anzulegen sein. In begründeten Fällen könne
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von einer polydisziplinären Begutachtung abgesehen und eine mono- oder
bidisziplinäre durchgeführt werden, sofern die medizinische Situation offenkundig
ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete beschlage; weder dürften weitere
interdisziplinäre Bezüge (z.B. internistischer Art) notwendig sein, noch dürfe ein
besonderer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf
bestehen (BGE 139 V 352, E. 3.2).
2.1.2 Die Auswahl der medizinischen Disziplinen Psychiatrie und Orthopädie erfolgte
durch die RAD-Psychiaterin. Sie nahm damit zu einem Arztbericht des behandelnden
Psychiaters Dr. G._ vom 27. April 2015 (IV-act. 108) Stellung, dessen Diagnosen sich
anhand der Befunde nicht ohne weiteres nachvollziehen liessen. Zudem würden keine
Überlegungen bezüglich einer somatoformen Störung oder
Schmerzverarbeitungsstörung deutlich (RAD-Stellungnahme vom 19. Mai 2015, IV-act.
113-2). Kreisärztin med.pract. M._, Fachärztin für Chirurgie, hatte am 16. Januar
2014 Stellung genommen, die aktuell noch geklagten Beschwerden seien nicht
überwiegend wahrscheinlich auf die Fraktur bzw. den Unfall vom 25. Oktober 2012
zurückzuführen. Sie korrelierten nicht mit den Beschwerden, die eigentlich zu erwarten
wären. Vor allem seien die ausstrahlenden Schmerzen in die Beine nicht erklärbar.
Ausserdem sei die Fraktur durchbaut und reichere auch in der Szintigraphie nicht mehr
an (Suva-act. 11-10). Somit war nunmehr von einer vorwiegend nicht somatischen
Ursache der Beschwerden auszugehen. In Anbetracht dieser Gründe für die
Begutachtung erscheint nachvollziehbar, dass diese auf das psychiatrische und
orthopädische Fachgebiet beschränkt wurde. Weder der Psychiatrie noch der
Orthopädie zuzuordnen sind die bereits vorbestehende Nickel-/Kobaltallergie sowie die
Eisenanämie. Erstere ist bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
hinreichend abgeklärt, indem der Beschwerdeführerin Tätigkeiten mit Kontakt zu den
entsprechenden Substanzen nicht mehr zumutbar sind (Nichteignungsverfügung der
Suva vom 22. August 1997, Suva-act. 1-1). Dass sich die Allergie lediglich auf die Art
der zumutbaren Arbeit und nicht auf das zumutbare Arbeitspensum auswirkt, leuchtet
ohne weiteres ein, weshalb diesbezüglich vom Beizug eines dermatologischen
Gutachters abgesehen werden durfte. Hinsichtlich des Eisenmangels erübrigen sich
weitere Abklärungen, da dieser substituiert wird (vgl. vorläufiger Bericht Palliativ-
Schmerzsprechstunde Spital B._ vom 21. November 2013, IV-act. 84-35). Es wird
insbesondere auch nicht dargetan oder ist ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin
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mit der Anordnung des bidisziplinären Gutachtens das zufallsbasierte
Zuweisungssystem umgehen wollte (vgl. BGE 139 V 357, E. 5.4). Schliesslich obläge es
den Gutachtern, die durch den RAD bzw. die IV-Stelle getroffene Auswahl der
Disziplinen gegebenenfalls in Frage zu stellen (BGE 139 V 348 f., E. 3.3). Bei der
gegebenen Aktenlage durfte die Beschwerdegegnerin somit ein bidisziplinäres
Gutachten anordnen, und es stellt sich zusätzlich die Frage nach dem Erfordernis eines
konsensualen Vorgehens.
2.2
2.2.1 Das der Begutachtung vorangehende Verfahren läuft rechtsprechungsgemäss
wie folgt ab: In einem ersten Schritt teilt die IV-Stelle der versicherten Person mit, dass
eine Expertise eingeholt werden soll und gibt die vorgesehenen Fachdisziplinen und
Gutachterfragen bekannt. Die versicherte Person kann erst einmal (nicht
personenbezogene) materielle Einwendungen gegen eine Begutachtung an sich oder
gegen Art und Umfang der Begutachtung vorbringen. In einem zweiten Schritt werden
die Namen der Sachverständigen mit jeweiligem Facharzttitel mitgeteilt. Damit kommt
die Möglichkeit (materieller oder formeller) personenbezogener Einwendungen hinzu.
Bei mono- und bidisziplinären Begutachtungen ist im Falle erhobener zulässiger
Einwendungen konsensorientiert vorzugehen. Bei Ausbleiben einer Einigung ergeht
eine Zwischenverfügung über die Beweisvorkehr an sich und die Person der Gutachter.
Werden keine zulässigen Einwendungen erhoben, kommt kein konsensorientiertes
Vorgehen zum Zug. Die Rechtsprechung verlangt nicht, dass die versicherte Person
explizit auf die Möglichkeit von Gegenvorschlägen hinzuweisen ist (BGE 139 V 355 f.,
E. 5.2.2.2. f.; Urteile des Bundesgerichts vom 7. Februar 2017, 8C_445/2016, E. 5.2,
vom 6. September 2013, 9C_560/2013, E. 2.3 und vom 19. Oktober 2016,
9C_464/2016, E. 6.3.4; Bundesamt für Sozialversicherungen [BSV], Kreisschreiben
über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI], Stand 1. Januar 2018, Rz.
2076/8).).
2.2.2 Die Beschwerdegegnerin beauftragte am 26. Mai 2015 die MGSG mit der
Erstattung einer bidisziplinären Abklärung Orthopädie/Psychiatrie (IV-act. 114). Mit
gleichem Datum orientierte sie die Beschwerdeführerin über die bidisziplinäre
Untersuchung und die Namen der Gutachter (Orthopädie: Dr. I._; Psychiatrie: Dr.
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J._). Sie wies darauf hin, dass triftige Einwendungen gegen eine oder mehrere der
genannten Gutachterinnen und Gutachter bis zum 5. Juni 2015 schriftlich eingereicht
werden könnten. Weiter setzte sie die Beschwerdeführerin über die vorgesehenen
Fragen in Kenntnis und gewährte innert gleicher Frist Gelegenheit zum Einreichen von
Zusatzfragen (IV-act. 115). Die Beschwerdeführerin akzeptierte die Modalitäten der
Begutachtung, indem sie sich ihr unterzog, ohne einen Vorbehalt zu äussern. Dass sie
damals noch nicht rechtlich vertreten war, vermag daran schon deshalb nichts zu
ändern, weil auch im Nachgang keine Einwendungen erhoben wurden, welche
vorgängig in einem Konsensverfahren zu bereinigen gewesen wären. Darin
unterscheidet sich der vorliegende Sachverhalt von jenem, der dem von der
Beschwerdeführerin angerufenen Entscheid des Sozialversicherungsgerichts Zürich
vom 13. Oktober 2015 (IV.2015.00620) zugrunde lag: Die dortige Beschwerdeführerin
hatte nach Erhalt der Mitteilung über die Modalitäten der Begutachtung Einwendungen
vorgebracht, weshalb eine Einigung zwingend erforderlich gewesen wäre (zitierter
Entscheid, E. 2.1 und 3.3). Folglich wahrte die Beschwerdegegnerin im vorliegenden
Verfahren die Partizipations- und Verfahrensrechte der Beschwerdeführerin
ausreichend und erfüllte namentlich die Anforderungen von Art. 44 ATSG.
3.
Damit ist das Gutachten in materieller Hinsicht auf seine Beweistauglichkeit zu prüfen.
3.1 Der orthopädische Gutachter diagnostizierte eine Schmerzpersistenz nach
Sacrumfraktur und Subluxation S2/3 im Oktober 2012 mit initialer
Ileosacralgelenksarthrose links, eine leichte Diskushernie L4/5 ohne neurale
Kompression, eine Hüftdysplasie rechts sowie Adipositas (IV-act. 123-7). Den
Diagnosen mass er keine Auswirkung auf Arbeitsfähigkeit zu. Er führte aus, das
Ausmass der lumbosacralen Schmerzen und der subjektiven Einschränkung der
körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der demonstrierten abnormen
Untersuchungsbefunde der LWS und des Beckens könnten bei radiologisch ossär
konsolidierter Sacrumfraktur und nur initialer Ileosacralgelenksarthrose sowie nur
leichter Diskushernie L4/5, jeweils ohne neurale Kompression, nicht plausibilisiert
werden. Auch die angegebenen Dysästhesien beider Beine könnten bei radiologisch
fehlender neuraler Kompression nicht objektiviert werden. Zudem könne weder die
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radiologisch festgestellte Hüftdysplasie rechts noch die Subluxation S2/3 für die
Beschwerden, insbesondere deren Umfang, verantwortlich gemacht werden.
Erstaunlich sei auch, dass die Versicherte angeblich nur 15 Minuten sitzen könne, im
Mai 2015 aber mit dem Bus nach N._ gereist sei. Nachdem die lumbosacralen
Schmerzen nur ungenügend erklärt werden könnten, resultiere aus diesen
Beschwerden aus rein orthopädischer Sicht auch keine Funktionseinschränkung. Die
Versicherte sei als Hilfsarbeiterin einer Kunststofffabrik spätestens seit März 2013 voll
arbeitsfähig (IV-act. 123-8, 32). Dr. I._ verweist auf den Bericht der Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Kantonsspital
St. Gallen (KSSG) vom 21. März 2013, wonach aus orthopädischer Sicht eine 100 %ige
Arbeitsfähigkeit bestehe (Suva-act. 3-11 f.). Auch die Suva-Kreisärztin konnte
ausschliesslich eine starke Druckdolenz im Bereich des Sacrums und im Bereich des
ISG beidseits mit positiven Mennellzeichen sowie im gesamten Rückenbereich
muskuläre Verspannungen objektivieren und begründete ihre Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit von einstweilen 50 % aus versicherungsmedizinischer Sicht im
Wesentlichen damit, dass die Beschwerdeführerin nicht länger sitzen könne und von
einem Endzustand noch nicht auszugehen sei. Sie empfahl, die vorgesehene
schmerztherapeutische Behandlung abzuwarten und gegebenenfalls eine
Skelettszintigraphie zu erwägen (Bericht vom 19. September 2013, IV-act. 84-30 ff.). In
ihrer Stellungnahme vom 16. Januar 2014 hielt sie gestützt auf eine Skelettszintigraphie
vom 5. Dezember 2013 fest, die geklagten Beschwerden seien als Folgen der Fraktur
bzw. des Unfalls vom 25. Oktober 2012 nicht objektivierbar (Suva-act. 11-10).
3.2 Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine rezidivierende depressive
Störung mit anhaltender mittelgradiger depressiver Episode (ICD-10: F33.8), bestehend
seit etwa Januar 2014, akzentuierte, ängstliche, vermeidende Persönlichkeitszüge
(ICD-10: Z73.1) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-0: F45.4; IV-
act. 123-54). Lediglich der erstgenannten Erkrankung sprach er eine Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit zu. Aus rein psychiatrischer Sicht könne ohne Berücksichtigung der
körperlich begründbaren Beschwerden in der zuletzt ausgeübten (angestammten)
Tätigkeit als Einpackerin eine 60 %ige Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum seit
etwa Januar 2014 angenommen werden. In einer leidensadaptierten Tätigkeit könne
eine 70 %ige Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum seit etwa Januar 2014
angenommen werden (IV-act. 123-59). Bei adaptierten Tätigkeiten sollte es sich um
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Tätigkeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck
(Stressbelastung), ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte
Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung handeln (IV-act.
123-60). Mit Blick auf das strukturierte Beweisverfahren legte der psychiatrische
Experte dar, aufgrund der anhaltenden mittelgradigen depressiven Episode und der
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung seien die emotionale Belastbarkeit, die
geistige Flexibilität, Antrieb, Interessen, Motivation, Kontaktfähigkeit und
Dauerbelastbarkeit beeinträchtigt (IV-act. 123-57 f., 59). Neben der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung bestehe eine psychische Komorbidität, indem die
Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Schmerzsymptomatik und
psychosozialen Problemen eine mittelgradige depressive Störung entwickelt habe.
Trotz der beschriebenen psychischen Störungen liessen sich Ressourcen erheben. Die
Versicherte zeige verschiedene Aktivitäten tagsüber, indem sie wiederholt mit dem
Hund laufe, einkaufe, koche, sich mit den Kindern unterhalte, fernsehe, und sie habe
auch Kontakt mit Bekannten und Kolleginnen. Damit bestünden zumindest gewisse
Interessen und die Beschwerdeführerin zeige soziale Ressourcen mit guten familiären
und sozialen Kontakten (IV-act. 123-57 f.). Ressourcenmindernd dürften sich indes die
ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitszüge auswirken (vgl. IV-act. 123-57). Die
Beschwerdeführerin zeige Leidensdruck. Sie habe stationäre Behandlungen im Spital
B._ vom 15. Februar bis 7. März 2014 und in der Klinik E._ vom 9. bis 28. April
2014 erhalten und befinde sich seit 28. März 2014 aktuell alle zwei Wochen in
ambulanter psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. G._.
Zusätzlich erhalte sie eine relativ gering dosierte antidepressive Medikation. Die
Blutspiegel lägen weit unter dem therapeutischen Bereich, so dass der Verdacht auf
eine mangelnde Compliance bezüglich der Medikamenteneinnahme aufkomme. Damit
seien die therapeutischen Optionen nicht ausgenützt (IV-act. 123-56 f., 62). Die von der
Versicherten berichteten und beklagten Beschwerden seien in sich teilweise konsistent,
und es liessen sich durchaus Hinweise für eine psychogene Überlagerung der
Beschwerden mit Verdeutlichungstendenz erkennen. Aus psychiatrischer Sicht könne
trotz der anhaltenden mittelgradigen depressiven Episode und der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung eine zumutbare Willensanstrengung zur
Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit mit Verwertung der Arbeitsfähigkeit
angenommen werden (IV-act. 123-57 f.).
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3.3 Interdisziplinär berücksichtigt das Gutachten die von der Beschwerdeführerin
beklagten Schmerzen aus somatischer und psychischer Perspektive. Es grenzt ab,
inwieweit die Beschwerden objektivierbar sind und ermittelt die darüber hinaus
gehende Beeinträchtigung in Anwendung der Indikatoren des strukturierten
Beweisverfahrens. Für die bisherige Tätigkeit als Einpackerin schätzten Dr. C._
(Arztbericht vom 24. März 2014, IV-act. 84-3 ff.) und Dr. D._ (Palliativzentrum B._,
Arztbericht vom 29. März 2014, IV-act. 86-1 ff.) die Arbeitsfähigkeit auf 50 %. RAD-
Ärztin Dr. F._ hielt fest, eine höhergradige Einschränkung sei aufgrund der
bestehenden Befunde nicht vertretbar (Stellungnahme vom 23. April 2014, IV-act.
90-2). Vor diesem Hintergrund erscheinen die im Einsatzprogramm von Juni bis
November 2014 gezeigte Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit von zeitlich 20 % bei einer
Leistung, die nicht dem ersten Arbeitsmarkt entspreche (IV-act. 112), und die von Dr.
G._ attestierte 100 %ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer mittel- bis schwergradigen
depressiven Störung nach zweijähriger Behandlung (Arztbericht vom 27. April 2015, IV-
act. 108) nicht plausibel. Nachdem die somatischen Beschwerden nicht mehr
objektivierbar sind, besteht aus somatischer Sicht nachvollziehbar keine
Arbeitsunfähigkeit. Übereinstimmend mit den Berichten des Spitals B._ und der
Klinik E._ ist der psychiatrische Gutachter von einer rezidivierenden depressiven
Störung mit anhaltender mittelgradiger depressiver Episode ausgegangen, dies
gestützt auf die anamnestischen Angaben und die klinischen Symptome. Die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung erfolgte insbesondere mit Hinweis auf die zu erhebenden
Ressourcen (IV-act. 123-58). Es liegen keine Berichte der behandelnden Ärzte vor,
welche die gutachterliche Beurteilung objektiv begründet in Frage stellen. Auf das
Gutachten ist somit mit den RAD-Ärzten Dr. K._ und Dr. L._ (Stellungnahme vom
15./16. Februar 2016, IV-act. 127) abzustellen und von einer 70 %igen Arbeitsfähigkeit
in adaptierten Tätigkeiten auszugehen.
4.
4.1 Für die Bemessung des Valideneinkommens ist zwar zu berücksichtigen, dass die
Beschwerdeführerin möglicherweise ohne ihre Nickelallergie weiterhin zu 100 % als
Montagemitarbeiterin bei der O._ AG tätig geblieben wäre. Indes erzielte sie dort ein
stark unterdurchschnittliches Einkommen von ab dem Jahr 1997 Fr. 2'510.-- monatlich
(Angaben Arbeitgeberin vom 29. Oktober 1997, IV-act. 5; unter Berücksichtigung der
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Nominallohnentwicklung mit Indices Frauen 1997: 2130, 2014: 2673 [Bundesamt für
Statistik {BFS}, Lohnentwicklung 2014, Tabelle 39] von Fr. 3'150.--). Es ist daher für die
Berechnung des Valideneinkommens vom Einkommen auszugehen, welches die
Beschwerdeführerin im Jahr 2011 (dem Jahr vor ihrem Unfall) nach rund 8 Jahren als
Einpackerin bei der P._ erzielte. Dieses belief sich auf Fr. 51'212.-- (einschliesslich
Zulagen für Tagesschicht und Überstunden; Auszug aus dem individuellen Konto [IK],
IV-act. 76; Angaben Lohnabrechnung Arbeitgeberin, IV-act. 44-8 f.). Hochgerechnet auf
das Jahr 2014 (Index gemäss BFS Frauen 2011: 2604; 2014: 2673) resultiert ein
Jahreseinkommen von Fr. 52'569.--. Gegenüber dem durchschnittlichen Einkommen
gemäss Kompetenzniveau 1, Frauen gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) 2014 von Fr.
53'793.-- (vgl. Informationsstelle AHV/IV, IV 2018, Bern 2018, Anhang 2) erweist es sich
nicht im für eine Parallelisierung vorausgesetzten Ausmass von 5 % als
unterdurchschnittlich (BGE 135 V 297 E. 5.1 und E. 6.1.2 f.). Es liegt zudem im Bereich
der Jahreseinkommen der Vorjahre (vgl. IK-Auszug 2007 bis 2010, IV-act. 76). Das
massgebliche Valideneinkommen beträgt daher Fr. 52'569.--.
4.2 Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist vom Durchschnittseinkommen
gemäss LSE 2014 von Fr. 53'793.-- und einer Arbeitsfähigkeit von 70 % auszugehen,
was einen Jahreslohn von Fr. 37'655.-- ergibt.
4.3 Die Beschwerdeführerin macht einen Tabellenlohnabzug geltend.
4.3.1 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn)
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass
persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E.
3b/aa S. 323). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/aa in fine
S. 80). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und
darf 25 % nicht übersteigen (BGE 126 V 80 E. 5b/bb-cc; 134 V 327 f. E. 5.2; Urteil
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9C_368/2009 vom 17. Juli 2009 E. 2.1; zum Ganzen auch Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Dezember 2014, 9C_630/2014, E. 2.1 mit weiteren Verweisen). Bereits in der
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche
Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten
Abzuges einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben
Gesichtspunktes führen (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2015,
9C_846/2014, E. 4.1.1).
4.3.2 Die Beschwerdeführerin verfügt über die Niederlassungsbewilligung in der
Schweiz (IV-act. 29). Gemäss LSE 2014 TA12 erzielten Frauen ohne Kaderfunktion
(Schweizerinnen und Ausländerinnen total) ein Medianeinkommen von monatlich Fr.
5'180.--. Demgegenüber verdienten Frauen mit einer Niederlassungsbewilligung C
durchschnittlich ein Medianeinkommen von Fr. 4'720.-- pro Monat. Dies entspricht
zwar einem rund 9 % tieferen Einkommen. Nachdem die Beschwerdeführerin als
Einpackerin während Jahren ein um lediglich rund 2 % (vgl. E. 4.1: Valideneinkommen
Fr. 52'569.--, Durchschnitt Kompetenzniveau 1 Fr. 53'793.--) unterdurchschnittliches
Einkommen erzielte und seit weit über 20 Jahren in der Schweiz lebt (IV-act. 3-1), ist für
das Invalideneinkommen eine Lohneinbusse in der vollen Höhe des statistischen
Wertes fraglich. Die festgestellte und überwiegend wahrscheinlich immer noch
bestehende Allergie schränkt den Kreis zumutbarer Hilfsarbeiten etwas ein, was
ebenfalls beim Tabellenlohnabzug berücksichtigt werden kann (vgl. Entscheid des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 9. Januar 2017, IV.2016.00337, E.
6.7). Insgesamt ist der Beschwerdeführerin vorliegend ein Tabellenlohnabzug von 10 %
zu gewähren. Das Invalideneinkommen beträgt folglich Fr. 33'890.-- (0,9 x Fr.
37'655.--).
4.4 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 52'569.-- resultiert ein Invaliditätsgrad von 36
% ([Fr. 52'569.-- - Fr. 33'890.--]: Fr. 52'569.--). Selbst bei einem Tabellenlohnabzug
von 15 % würde ein Invaliditätsgrad von lediglich 39,1 % resultieren (Fr. 52'569.-- -
[0,85 x Fr. 37'655.--] : Fr. 52'569.--). Die Beschwerdeführerin hat somit keinen
Rentenanspruch.
5.
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5.1 Die Beschwerdegegnerin wies das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen
mit Mitteilung von 7. Oktober 2016 ab und stellte der Beschwerdeführerin betreffend
Rente eine spätere separate Verfügung in Aussicht (IV-act. 149). Die
Beschwerdeführerin verlangte diesbezüglich zwar nicht ausdrücklich eine
beschwerdefähige Verfügung, wofür im Übrigen weder Gesetzgebung noch