Decision ID: fcae5a7a-8c25-5f44-9e71-7c74f4f990f9
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._, meldete sich am 24. Januar 2006 (IV-act. 1) zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Die IV-Stelle erteilte
dem medizinischen Gutachtenzentrum B._ den Auftrag, die Versicherte orthopädisch
und psychiatrisch zu begutachten (IV-act. 51). In ihrem Gutachten vom 22. September
2008 (IV-act. 54) gaben die Sachverständigen des B._ an, sie hätten eine
Schmerzpersistenz bei einem Status nach Einlage einer
Maverickbandscheibenprothese und sekundärer Foraminotomie rechts
mit persistierendem senso-motorischem Rest-Ausfall-Syndrom rechts diagnostiziert.
Das Ausmass der lumbalen Schmerzen und der abnormen Untersuchungsbefunde
der Lendenwirbelsäule hätten mit dem quasi unauffälligen Magnetresonanzbild der
Lendenwirbelsäule kontrastiert. Die festgestellten Sensibilitätsstörungen im Bereich
des Fussrückens sowie die Fussheberschwäche rechts könnten als Restbeschwerden
nach der ossären foraminalen Stenose rechts interpretiert werden. Die Indikation zur
von Dr. med. C._ vorgeschlagenen Spondylodese sei unklar, da das
Magnetresonanzbild ein unauffälliges Segment zeige. In psychiatrischer Hinsicht habe
keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können. Aus
orthopädischer Sicht seien körperlich schwere Arbeiten in kalter und feuchter Um
gebung, die vorwiegend stehend oder sitzend ausgeübt werden müssten oder mit
häufigen inklinierten, reklinierten oder rotierten Körperhaltungen oder dem regel
mässigen Heben oder Tragen von Gegenständen über fünf Kilogramm oder regel
mässigem Besteigen von Treppen oder Leitern verbunden seien, nicht mehr vollum
fänglich zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit als Küchenhilfe betrage bei voller Stunden
präsenz etwa 50 Prozent. Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die
abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei
regelmässig inklinierte, reklinierte oder rotierte Körperhaltungen eingenommen oder
Gegenstände über fünf Kilogramm gehoben oder getragen werden müssten, und die
nicht mit häufigem Besteigen von Treppen oder Leitern verbunden seien, seien der
Versicherten bei voller Stundenpräsenz zu mindestens 85 Prozent zumutbar. Mit einer
Verfügung vom 5. Mai 2009 (IV-act. 63) wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem
Invaliditätsgrad von 15 Prozent ab.
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A.b Am 10. Mai 2010 (IV-act. 65) meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Der Anmeldung legte sie unter anderem eine
„Zusammenfassung der Krankengeschichte“ (IV-act. 68; offenbar verfasst durch die
Klinik Valens, vgl. IV-act. 74 und 111–9 f.) bei. Dieser liess sich entnehmen, dass die
Versicherte im März 2010 erneut am Rücken operiert worden war: Am 12. März 2010
waren eine dorso-laterale Spondylodese und am 19. März 2010 eine Revision
derselben aufgrund einer falschen Lage einer Schraube durchgeführt worden. Im
Dezember 2010 (IV-act. 111–1 f.) berichtete Dr. med. D._, die Versicherte sei zur Zeit
kaum ohne Stöcke gehfähig. An eine Arbeitsaufnahme sei derzeit nicht zu denken. In
unbestimmter Zeit werde allerdings eine Aufnahme einer Erwerbstätigkeit möglich sein.
Er werde seine Praxis per Ende Dezember 2010 schliessen. Ihm sei nicht bekannt, wer
der neue Hausarzt der Versicherten sein werde. Er legte unter anderem den
Austrittsbericht der Klinik Valens vom 23. Juni 2010 betreffend die stationäre
Behandlung vom 31. März bis zum 16. April und vom 26. April bis zum 5. Juni 2010 bei,
in welchem für die Dauer des Aufenthaltes und die darauf folgenden zwei Monate eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war. Am 9. April 2011 (IV-act. 115)
teilte Dr. C._ mit, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verschlechtert.
Am 20. Mai 2011 (IV-act. 118) berichtete der neue Hausarzt der Versicherten,
Dr. med. E._, die Versicherte sei aktuell sicher nicht arbeitsfähig. Sie könne nur kurze
Zeit sitzen, bevor quälende Rückenschmerzen aufträten, die sie zum Hinlegen
zwängen. Im Haushalt sei sie auf die vollständige Hilfe durch den Ehemann und die
Tochter angewiesen. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das MGSG am 14. September
2011 ein Verlaufsgutachten (IV-act. 130). Die Sachverständigen führten aus, sie hätten
im Wesentlichen eine leichte bis mässige Osteochondrose und Spondylose
diagnostiziert. Der Gesundheitszustand habe sich in orthopädischer Sicht nur
geringfügig und in psychiatrischer Sicht überhaupt nicht verschlechtert. Die
angestammte Tätigkeit als Küchenhilfe sei der Beschwerdeführerin bloss noch zu 40
Prozent zumutbar. Leidensadaptierte Tätigkeiten seien dagegen nach wie vor zu 85
Prozent zumutbar. Mit einem Vorbescheid vom 23. Februar 2012 (IV-act. 143) teilte die
IV-Stelle mit, dass bei einem Invaliditätsgrad von 15 Prozent die Abweisung des
Rentengesuches vorgesehen sei. Dagegen wendete die Versicherte am 27. Februar
2012 (IV-act. 144) ein, sie könne nicht arbeiten, weil sie den ganzen Tag Schmerzen
habe und über keine Kraft im Körper mehr verfüge. Sie legte eine Stellungnahme von
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Dr. E._ vom 27. Februar 2012 bei. Dieser hatte ausgeführt, es sei absolut
unrealistisch, von einer Arbeitsfähigkeit von 85 Prozent auszugehen. Die Versicherte sei
aktuell vollständig arbeitsunfähig und werde dies auch bis auf weiteres bleiben. Mit
einer Verfügung vom 19. April 2012 (IV-act. 146) wies die IV-Stelle das Rentengesuch
ab.
B.
B.a Dagegen liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 14. Mai 2012 Beschwerde erheben (act. G 1). Sie liess die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente, spätestens ab Dezember 2010, sowie
eventualiter die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur
Vornahme weiterer Abklärungen und anschliessender Zusprache einer ganzen
Invalidenrente, spätestens ab Dezember 2010, beantragen. Zur Begründung liess sie
im Wesentlichen ausführen, das Verlaufsgutachten des MGSG vom 14. September
2011 überzeuge nicht. So habe der orthopädische Consiliarius ausgeführt, die
angestammte Tätigkeit sei bloss noch zu 40 Prozent zumutbar und bezüglich
leidensadaptierter Tätigkeiten sei von einer Gewichtslimite von bloss noch drei bis fünf
Kilogramm auszugehen, aber angegeben, die aktuelle Arbeitsfähigkeitsschätzung habe
bereits seit Mai 2006 Gültigkeit. Dies stehe im Widerspruch zu seinen Ausführungen,
der Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Das Gutachten sei auch nur
mangelhaft begründet. Unklar sei die Relevanz des Klimas am Arbeitsort. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb die Arbeitsfähigkeit in einer kalten und feuchten Umgebung
tiefer als in temperierten Räumen sein solle. Zu beachten sei sodann, dass die
Beschwerdeführerin im Alltag auf einen Rollstuhl und weitere Hilfsmittel angewiesen
sei. An eine Erwerbstätigkeit sei angesichts dessen realistischerweise nicht zu denken.
Die qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit seien schliesslich derart, dass
nicht davon ausgegangen werden könne, die Beschwerdeführerin könne auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine leidensadaptierte Tätigkeit finden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. Juni 2012 (act. G 6) die Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, das
Verlaufsgutachten des MGSG überzeuge. In der klinischen Untersuchung habe sich
gezeigt, dass die Beschwerdeführerin nicht auf einen Rollstuhl angewiesen sei. Sie
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habe lediglich ein Schonhinken gezeigt. Die von den Sachverständigen statuierte
Einschränkung bezüglich des Klimas am Arbeitsplatz sei nachvollziehbar. Es bestehe
gesamthaft kein Anlass für die Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen. Die
angefochtene Verfügung sei rechtens.
B.c Mit einer Replik vom 11. Juli 2012 (act. G 11) liess die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen festhalten. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer
Duplik (vgl. act. G 13).

Erwägungen:
1.
1.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG).
Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG).
1.2 Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens stellt
sich zunächst die Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer der
Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten Hilfsarbeit. Aus den medizinischen Akten
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geht übereinstimmend hervor, dass die Beschwerdeführerin an erheblichen
Rückenbeschwerden leidet. Sie ist deswegen in den Jahren 2005 und 2010 mehrfach
operiert worden und leidet nach wie vor an Rückenschmerzen und Beeinträchtigungen
der Beweglichkeit und der Kraft. Gemäss dem Bericht der Klinik Valens vom 23. Juni
2010 haben die Ärzte ein Trendelenburghinken rechts und eine Hyposensibilität im
linken Bein, eine leichte Fussheber- und Kniestreckerschwäche links, eine
Hüftbeugerschwäche links festgestellt und festgehalten, der Zehen- und Fersengang
sowie das Einnehmen der Hocke seien nicht möglich gewesen. Die
Beschwerdeführerin habe nur an Gehstöcken gehen können; die maximale Gehstrecke
habe bei 300 Metern gelegen. Weil die Beschwerdeführerin auf Gehstöcke angewiesen
gewesen sei, habe die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule nicht geprüft werden
können. Die Ärzte hatten die Beschwerdeführerin bei der Anmeldung zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung unterstützt und ihr eine Haushaltshilfe organisiert.
Dr. D._ hat Ende Dezember 2010 mitgeteilt, die Versicherte sei ohne Stöcke kaum
gehfähig. Befunde hat er allerdings keine angeführt. Dr. C._ hat in seinem Bericht
vom 9. April 2011 auf eine Quadricepsparese links hingewiesen. Dr. E._ hat in seinem
Bericht vom 20. Mai 2011 keine Befunde angeführt. Der orthopädische Consiliarius des
MGSG hat in der ersten Begutachtung am 29. April 2008 ein diskretes Schonhinken
rechts, eine Unmöglichkeit des Zehen- und Fersenganges rechts, eine vermehrte
Kyphose der Brustwirbelsäule (aktiv knapp redressierbar), eine schmerzhaft
eingeschränkte Seitwärtsneigung der Lendenwirbelsäule, Schmerzen bei der Inklination
und Reklination, einen Finger-Boden-Abstand von 34 Zentimetern und eine
Druckdolenz der Processi spinosi distal und der paravertebralen Muskulatur
festgestellt. Weiter hat er auf eine dolente Flexions- und Innenrotationsbewegung
rechts, eine Hyposensibilität über dem Fussrücken rechts und eine Reduktion der
rohen Kraft der Beuger und Strecker rechts um einen Drittel hingewiesen. In der
Verlaufsbegutachtung hat er am 16. August 2011 ein Schonhinken links, eine
Unmöglichkeit des Zehen- und Fersenganges, eine leichte Lordose der
Brustwirbelsäule, eine schmerzhaft eingeschränkte Seitwärtsneigung der
Lendenwirbelsäule, Schmerzen bei der Inklination und Reklination, einen Finger-
Boden-Abstand von 38 Zentimetern, eine Druckdolenz der Processi spinosi distal und
einen Muskelhartspann beidseits, eine Quadricepsschwäche und Fussheberschwäche
links und eine Hyposensibilität medial am linken Kniegelenk sowie im Bereich der
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rechten Grosszehe festgestellt. Die angeführten klinischen Befunde entsprechen im
Wesentlichen also den von den behandelnden Ärzten erhobenen und dokumentierten
Befunden. Der orthopädische Consiliarius des MGSG hat sodann die vorhandenen
Röntgen- und Magnetresonanzbilder ausgewertet und zusätzlich eigene Röntgenbilder
erstellt und ausgewertet. Er ist insgesamt vom selben klinischen und bildgebenden
Befund wie die behandelnden Ärzte ausgegangen. Trotzdem ist er nicht zu denselben
Schlussfolgerungen gelangt. Er hat nämlich leidensadaptierte Tätigkeiten als zu
mindestens 85 Prozent zumutbar erachtet, während die behandelnden Ärzte (ausser
jene der Klinik Valens) selbst für leidensadaptierte Tätigkeiten entweder eine
vollständige oder aber eine praktisch vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert haben.
Diese Diskrepanz zwischen der Beurteilung der Sachverständigen des MGSG und den
Beurteilungen der behandelnden Ärzte kann anhand der in den Berichten letzterer
dokumentierten Befunde nicht erklärt werden. Darauf hat auch der orthopädische
Consiliarius des MGSG hingewiesen. Er hat nämlich ausgeführt, die Berichte der
behandelnden Ärzte enthielten zu wenig somatische Befunde für eine Diskussion der
abweichenden Beurteilungen. Damit kann nur gemeint gewesen sein, dass er in den
Befundschilderungen der behandelnden Ärzte keine Anhaltspunkte gefunden hat, die
die attestierte hohe Arbeitsunfähigkeit hätten begründen können. Daraus folgt, dass die
Sachverständigen des MGSG dieselbe Befundlage anders gewürdigt haben. Den
beiden Gutachten lässt sich entnehmen, dass das Ausmass der geklagten
Beschwerden weder anhand bildgebender Verfahren noch anhand der klinischen
Untersuchungen hat vollständig objektiviert werden können. Der orthopädische
Consiliarius hat also eine Abwägung zwischen den subjektiv geklagten Beschwerden
und den objektivierbaren Befunden vorgenommen, wobei er letztlich auf die objektiven
Befunde abgestellt hat. Sodann hat er berücksichtigt, welche Tätigkeiten der
Beschwerdeführerin angesichts der objektiven Beschwerden in welchem Umfang
zumutbar sind. Die behandelnden Ärzte haben dagegen die subjektiv geklagten
Beschwerden keiner kritischen Würdigung anhand der objektiven Befunde unterzogen.
Zumindest lässt sich ihren Berichten eine entsprechende Abwägung nicht entnehmen.
Sie haben auch nicht erkennbar gewertet, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin
in welchem Umfang noch zugemutet werden können. Vielmehr haben sie die Ansicht
vertreten, die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Beschwerden nicht oder kaum
arbeitsfähig. Dabei haben sie sich offenbar von therapeutischen Überlegungen leiten
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lassen. Namentlich werden sie berücksichtigt haben, dass die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit eine allfällig mögliche Linderung der Beschwerden verzögern könnte.
Die für die Beurteilung eines Rentengesuch massgebende Arbeitsfähigkeitsschätzung
ist aber jene, die auf einer Zumutbarkeitsbeurteilung beruht, so wie sie die
Sachverständigen des MGSG vorgenommen haben. Entscheidend ist mit anderen
Worten nicht, was das Beste für die Beschwerdeführerin wäre, sondern was ihr
zugemutet werden kann, ohne sie übermässig zu belasten oder ihre Gesundheit weiter
zu gefährden. Von sämtlichen beteiligten Medizinern haben nur die Sachverständigen
des MGSG eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, die diesen Umständen
hinreichend Rechnung trägt. Die Berichte der behandelnden Ärzte sind nicht geeignet,
Zweifel an dieser Zumutbarkeitsbeurteilung zu wecken. Auch die Tatsache, dass der
Beschwerdeführerin verschiedene Hilfsmittel zugesprochen worden sind, ändert daran
nichts. Letztlich ist entscheidend, was die klinischen und die bildgebenden
Untersuchungen ergeben haben. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführerin
Hilfsmittel zugesprochen worden sind, ändert also nichts daran, dass ihr aufgrund der
Ergebnisse der klinischen und bildgebenden Untersuchungen eine leidensadaptierte
Tätigkeit im Umfang von 85 Prozent zugemutet werden kann. Die Kritik des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin am Verlaufsgutachten des MGSG erweist
sich als nicht überzeugend. Es liegt auf der Hand, dass ein kaltes oder feuchtes Klima
als nicht ideal für die Beschwerdeführerin zu qualifizieren ist und sich gegebenenfalls
auf deren Leistungsfähigkeit auswirken kann. Selbst gesunde Menschen erbringen
unter widrigen, Schmerzen provozierenden Umständen über Dauer nicht dieselbe
Leistung wie unter günstigeren Bedingungen. Auch ist nicht zu beanstanden, dass der
orthopädische Consiliarius die zumutbare Gewichtslimite leicht gesenkt hat. Dies steht
in Übereinstimmung mit seiner Aussage, der Gesundheitszustand habe sich leicht
verschlechtert. Irrelevant ist, dass er die Beurteilung, die im Wesentlichen dieselbe
geblieben ist, ab Mitte 2006 gültig erklärt hat. Darin kann kein Widerspruch zu seiner
klaren Aussage, der Gesundheitszustand habe sich leicht verschlechtert, erblickt
werden. Zusammenfassend ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in der Lage ist, eine Tätigkeit unter den von
den Sachverständigen des MGSG angeführten Einschränkungen im Umfang von 85
Prozent auszuüben.
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1.3 Der Beschwerdeführerin sind trotz ihrer Beschwerden Hilfsarbeitertätigkeiten zu
mutbar. Entgegen der Ansicht ihres Rechtsvertreters sind die von den
Sachverständigen des MGSG statuierten Vorgaben an eine leidensadaptierte Tätigkeit
nicht derart einschränkend, dass daraus gefolgert werden müsste, der ausgeglichene
Arbeitsmarkt kenne keine solchen Tätigkeiten. Der Beschwerdeführerin sind sämtliche
körperlich leichten Tätigkeiten, die wechselbelastend ausgeübt werden können,
zumutbar, sofern sie nicht Gewichte von mehr als drei bis fünf Kilogramm heben oder
tragen, Zwangshaltungen einnehmen und häufig Treppen oder Leitern besteigen muss.
Auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt existieren diverse Tätigkeiten, welche diese
Anforderungen erfüllen. In Frage kommen beispielsweise Überwachungs- und
Kontrolltätigkeiten, leichtere Produktionsarbeiten, die mithilfe von Maschinen verrichtet
werden, oder leichtere Kurier- und Botendienste. Die Beschwerdeführerin leidet nicht
an psychischen Beschwerden, weshalb ihre Restarbeitsfähigkeit zuverlässig abrufbar
ist und nicht mit unvorhergesehenen Absenzen und dergleichen gerechnet werden
muss. Zudem besteht eine fast volle Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit.
Die Beschwerdeführerin ist sodann noch relativ jung. Die sprachlichen Schwierigkeiten
stehen einer Einarbeitung in eine geeignete Hilfsarbeitertätigkeit nicht entgegen. Die
Beschwerdeführerin ist bereits früher in der Lage gewesen, trotz sprachlichen
Schwierigkeiten verschiedene Arbeitsstellen zu finden und einer entsprechenden
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie ist also gesamthaft in der Lage, ihre
Restarbeitsfähigkeit mit nahezu durchschnittlichem Erfolg zu verwerten. Ein Abzug vom
Tabellenlohn (BGE 126 V 75) von mehr als zehn Prozent ist deshalb nicht gerechtfertigt.
Der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens entspricht
also 90 Prozent des massgebenden Tabellenlohnes. Unter Berücksichtigung der
Arbeitsfähigkeit von 85 Prozent ergibt sich ein zumutbarerweise erzielbares
Invalideneinkommen von 76,5 Prozent (= 85 Prozent × 90 Prozent) des massgebenden
Tabellenlohnes.
1.4 Die Beschwerdeführerin hat als Hilfsarbeiterin gearbeitet und dabei ein
unterdurchschnittliches Einkommen erzielt. Hätte sie eine durchschnittlich entlöhnte
Tätigkeit gefunden, hätte sie ihre Arbeitsstelle aller Wahrscheinlichkeit nach
gewechselt. Als Valideneinkommen ist daher der statistische Durchschnittslohn für
Hilfsarbeiterinnen heranzuziehen. Die Beschwerdegegnerin ist bei der Berechnung der
Vergleichseinkommen sinngemäss so vorgegangen, wobei sie allerdings das
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Valideneinkommen nicht erhöht, sondern den Ausgangswert des Invalideneinkommens
herabgesetzt hat, was mathematisch allerdings keinen Einfluss auf das Ergebnis der
Invaliditätsgradberechnung hat (vgl. IV-act. 64). Der Invaliditätsgrad beträgt demzufolge
23,5 Prozent (100 Prozent minus 85 Prozent von 90 Prozent). Damit besteht kein
Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.
2.1 Da die Beschwerdegegnerin vor diesem Hintergrund das Rentengesuch der Be
schwerdeführerin zu Recht abgewiesen hat, ist die Beschwerde gegen die
angefochtene Verfügung abzuweisen.
2.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsver
beiständung bewilligt. Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es dereinst gestatten
sollten, kann sie jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung
der Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden
(Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 123 Abs. 1 ZPO).
2.3 Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu
erhebenden und angesichts des durchschnittlichen Aufwandes auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung ist sie von der Bezahlung der Gerichtskosten zu
befreien.
2.4 Der Staat hat den Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin zufolge der Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu entschädigen. Die Entschädigung
entspricht 80 Prozent des Honorars (vgl. Art. 31 Abs. 3 des St. Galler Anwaltsgesetzes),
das dem Rechtsbeistand zugesprochen worden wäre, wenn die Beschwerdeführerin
obsiegt hätte. Dieses wäre praxisgemäss auf 3’500 Franken festgesetzt worden,
weshalb der Staat den Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin mit 2’800 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen hat.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
bis
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2. Die Beschwerdeführerin wird im Sinne der Erwägungen von der Bezahlung der
Gerichtskosten von Fr. 600.-- befreit.
3. Der Staat hat dem Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin eine Entschädigung von
Fr. 2’800.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 28.10.2013 Art. 28 IVG. Art. 42 ATSG. Beweiswert eines Verlaufsgutachtens. Mehrfache Rückenoperationen. Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2013, IV 2012/180).
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