Decision ID: a7c71326-f88f-57ef-91ae-c95a71ec0bbc
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein Tamile aus Kankesanthurai, Jaffna (Nordpro-
vinz), mit letztem Wohnsitz im Dorf B._ bei C._, Jaffna –
verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 24. Mai 2015 auf
dem Luftweg und suchte am 27. Mai 2015 in der Schweiz um Asyl nach.
Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 2. Juni 2015 und der An-
hörung vom 21. September 2015 führte er im Wesentlichen aus, er habe
als (...) ein eigenes Geschäft geführt. Dabei habe er auch (...) von Mitglie-
dern der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gegen Entgelt repariert.
Zudem habe er wie alle anderen an den Märtyrerfeierlichkeiten teilgenom-
men, ansonsten aber nie irgendwelche Aktivitäten oder Verbindungen zu
den LTTE gehabt. Seine Eltern und Geschwister hätten in D._ (im
sogenannten Vanni-Gebiet) gelebt. Zwei seiner Geschwister seien nach
dem Jahre 2008 gezwungen worden, der Bewegung beizutreten. Im No-
vember 2008 oder im Jahre 2010 habe er erfahren, dass seine Eltern und
Geschwister während des Kriegs ums Leben gekommen seien. Anlässlich
der Anhörung gab er überdies an, weil seine Geschwister bei den LTTE
gewesen seien, hätten die sri-lankischen Behörden Verdacht geschöpft
und ihn zum ersten Mal am 2. Januar 2010 festgenommen und bis im 3.
Monat 2011 im Camp in E._ inhaftiert. Im Oktober 2011 sei er erneut
festgenommen und bis im September 2013 im F._ inhaftiert wor-
den. Am 5. August 2014 respektive vom 5. bis am 11. August 2014 und
erneut am 18. Januar 2015 sei er vom Criminal Investigation Department
(CID) gesucht worden. Aus diesen Gründen habe er sich zur Ausreise ent-
schlossen. Danach sei er weiterhin zuhause gesucht worden.
Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.
Der Beschwerdeführer reichte verschiedene Unterlagen (Kopie seiner
Identitätskarte und seines Geburtsscheins, unleserlicher Ausweis für die
Bewohner von Jaffna, beglaubigte Kopien seines Ehescheins und der Ge-
burtsurkunden seiner Ehefrau und Kinder sowie Bestätigungsschreiben
der Human Rights Commission [HRC] in Sri Lanka, seines Anwalts, eines
Pfarrers – alle vom 14. September 2013 – und eines Justice of Peace vom
28. Januar 2015) als Beweismittel ein
B.
Mit Verfügung vom 15. Mai 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und
ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Es
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begründete seine Verfügung im Wesentlichen damit, die Vorbringen wür-
den weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an
die Flüchtlingseigenschaft standhalten
C.
Mit Eingabe vom 11. Juni 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht dagegen Beschwerde und beantragte implizit die Ge-
währung von Asyl. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er implizit
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wurde eine Unterstüt-
zungsbestätigung vom 31. Mai 2018 eingereicht.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2018 wurde das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung abgewiesen und der Beschwer-
deführer dazu aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss zu leisten,
mit der Androhung, dass bei Ausbleiben der Zahlung innert dieser Frist auf
die Beschwerde nicht eingetreten werde.
E.
Am 22. Juni 2018 wurde der Kostenvorschuss fristgerecht einbezahlt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 17 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge-
setzesbezeichnung verwendet.
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Ent-
scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen
Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf
eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung
für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen
Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie
und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheits-
gemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekenn-
zeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere
Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen ins-
besondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nach-
geschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht
es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüg-
lich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der
Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Ge-
suchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die
positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es dem-
nach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in
Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-
stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl.
BVGE 2012/5 E. 2.2).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, die Vorbringen des
Beschwerdeführers könnten nicht geglaubt werden. Aufgrund der unwah-
ren Angaben zu seinen Reisevorbereitungen (abgelehntes Visumsgesuch
für Italien, frühere Ausstellung eines Reisepasses) würden erste Zweifel an
seiner Glaubwürdigkeit aufkommen. Weiter gehe sie aufgrund von formel-
len und inhaltlichen Ungereimtheiten und fehlenden Sicherheitsmerkmalen
davon aus, dass es sich bei den von ihm eingereichten Bestätigungsschrei-
ben um Fälschungen handle. Insbesondere habe der Beschwerdeführer
geltend gemacht, nie bei den LTTE gewesen zu sein und nur einmal für
zwei bis drei Monate im Vanni-Gebiet gelebt und während der Friedenszeit
jeweils seine Familie in D._ besucht zu haben. Gemäss den einge-
reichten Schreiben sei er dagegen in D._ wohnhaft gewesen und
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von der LTTE zwangsrekrutiert, einem Training unterzogen und gezwun-
gen worden, gegen die Sicherheitskräfte zu kämpfen. Zudem habe er an-
dere Daten zu seiner Inhaftierung angegeben. Auch sei der Inhalt des
Schreibens der HRC bezüglich seiner Probleme nach der Haftentlassung
nicht nachvollziehbar, soll er dieses doch gemäss seinen Aussagen und
dem Datum des Schreibens am Tag der Entlassung erhalten haben. Über-
dies stimme auch das Schreiben des Peace Justice nicht mit seinen Aus-
sagen überein, wird in diesem doch erwähnt, seine Ehefrau und Kinder
würden vermisst. Ferner habe er anlässlich der vertieften Anhörung Inhaf-
tierungen vom Oktober 2010 bis März 2011 und vom Oktober 2011 bis Sep-
tember 2013 sowie Suchen nach dem 5. August 2014 und am 18. Januar
2015 vorgebracht, welcher er in der BzP nicht erwähnt habe, obwohl es
sich dabei um einen essentiellen Teil seiner Fluchtgründe handle. Da er
dieses Nichterwähnen nicht habe überzeugend erklären können, seien die
geltend gemachten Inhaftierungen nachgeschoben und seine Schilderun-
gen zu bezweifeln. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer zu den Um-
ständen der Suche nach ihm am 5. August 2014 (Aufenthaltsort, Zeitpunkt)
bei der BzP und der Anhörung unterschiedliche Angaben gemacht. Weiter
würden seine substanzlosen und vagen Schilderungen zu den vorgebrach-
ten Inhaftierungen und den Freilassungen – diese seien allgemein und es
würden persönliche und erlebnisgeprägte Details fehlen – die bereits ge-
äusserten Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen untermauern.
4.2 Der Beschwerdeführer führt demgegenüber aus, in Wahrheit seien er
und seine Familie im Jahre 1993 wegen des Kriegs nach G._ und
später nach H._ und von dort ins Vanni-Gebiet geflohen. Zu diesem
Zeitpunkt seien er und seine Familie Anhänger der LTTE gewesen. Er habe
dort bei den LTTE an einem Trainingscamp teilgenommen. Dabei habe er
gelernt, (...) zu reparieren. Zur selben Zeit sei er von den LTTE zum Spitzel
ausgebildet worden. Im Jahre 2000 sei er von ihnen gezwungen worden,
in Jaffna eine von ihr bezahlte (...) zu eröffnen. Er hätte dabei als Spitzel
Informationen zum Militär, zu Militär-Minicamps und zu Kontakten von Ta-
milen zum Militär der LTTE weiterleiten sowie Pakete von A nach B bringen
müssen. Am 2. Januar 2010 sei er in seiner (...) vom Militär festgenommen
und zu einem Stützpunkt nach Colombo mitgenommen worden. Dort sei er
ausgepeitscht, geschlagen, gefoltert und zu den LTTE befragt worden. Am
14. September 2010 sei er wieder freigelassen worden. Danach habe er
bis 2012 beim Camp I._ seine Unterschrift leisten müssen. Am
11. Dezember 2012 sei er erneut vom Militär in seiner (...) gewaltsam mit-
genommen und in ein Militärcamp gebracht worden. Dort sei er gefoltert
und zu seinem Bruder, der bei den LTTE eine hohe Position innegehabt
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habe, befragt worden. Er sei weiterhin der Spitzeltätigkeit für die LTTE be-
schuldigt worden. Im Februar 2013 sei er freigelassen worden. Im April
2013 sei er wiederum in seiner (...) vom Militär verprügelt und ins Militär-
camp I._ mitgenommen worden. Er habe Dokumente unterschrei-
ben und Fragen zu einem LTTE-Mitglied namens J._, welches er
kenne, sowie zu den LTTE und seinem Bruder beantworten müssen. Im
September 2013 sei er wieder freigelassen worden. Aus diesen Gründen
habe er sich zur Ausreise entschlossen. Seine Ehefrau und Kinder müss-
ten wegen den Suchen nach ihm immer wieder umziehen. Im Falle einer
Rückkehr nach Sri Lanka müsse er mit einer Festnahme am Flughafen von
Colombo und einer langjährigen Haftstrafe rechnen.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu
Recht abgelehnt hat. Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffen-
den Erkenntnis gelangt, dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerde-
führers den Anforderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7
AsylG nicht genügen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf
die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid unter E. 4.1
verwiesen werden.
5.2 Die Entgegnungen in der Beschwerdeeingabe und die darin angerufe-
nen Beweismittel (Fotoaufnahmen von Familienangehörigen und seiner
[...]) vermögen zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen. Vielmehr
werden darin als zentrale Punkte seiner Asylvorbringen neu komplett an-
dere Gründe angeführt. Der Beschwerdeführer machte im vorinstanzlichen
Verfahren nie eine eigene Mitgliedschaft bei den LTTE sowie Aktivitäten für
diese geltend. Er wurde sowohl in der BzP als auch anlässlich der Anhö-
rung auf seine Verschwiegenheits- und Mitwirkungspflicht aufmerksam ge-
macht (vgl. Akten A5 S. 2 und A14 S. 2). Dort verneinte er auf wiederholtes
Nachfragen solche Aktivitäten respektive Verbindungen. Ausser einem
Bruder und einer Schwester, welche gefallen seien, sei niemand aus seiner
Familie bei den LTTE gewesen. Von diesen Geschwistern habe er auch
deren Funktion nicht gekannt (a.a.O., F17, F30, F51, F57, F58, F102,
F104, F145, F148). Seine Erklärung auf Beschwerdeebene, wonach er
seine LTTE-Tätigkeit aus Angst vor einer umgehenden Rückschaffung
nach Sri Lanka nicht genannt habe, überzeugt nicht, zumal er auch zu den
angeblichen Inhaftierungen und Freilassungen in Bezug auf Anzahl, Zeit-
punkt, Dauer und Vorwürfe seitens des Militärs, das ihn festgenommen
habe, andere Angaben gemacht hat, wofür es keine plausible Erklärung
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gibt. Insgesamt müssen diese Vorbringen des Beschwerdeführers als
nachgeschoben und damit als unglaubhaft bezeichnet werden.
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hielt im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 (als Referenzurteil publiziert) fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag
in die Stop-List, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten)
seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Ent-
scheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Be-
jahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden
das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respek-
tive durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) begleitete
Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende Fak-
toren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine ge-
nommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen
vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer
Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung
der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit
dem Ziel zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flücht-
lingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. Urteil
E-1866/2015 E. 8.5.5).
Nachdem die Asylvorbringen des Beschwerdeführers unglaubhaft ausge-
fallen sind, er keine Verbindung zu den LTTE aufweist und keine Reflexver-
folgung vorliegt, erfüllt er keine der oben erwähnten stark risikobegründen-
den Faktoren. Weiter wurde er keiner Straftat angeklagt oder verurteilt und
verfügt somit auch nicht über einen Strafregistereintrag. Alleine aus der ta-
milischen Ethnie und der rund fünfjährigen Landesabwesenheit kann er
keine Gefährdung ableiten.
Soweit der Beschwerdeführer schliesslich befürchtet, bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka am Flughafen festgenommen und asylrechtlich relevanten
Benachteiligungen ausgesetzt zu werden, ist festzustellen, dass eine all-
fällige Befragung des Beschwerdeführers am Flughafen in Colombo wegen
illegaler Ausreise keine asylrelevante Verfolgungsmassnahme darstellt. Es
ist insgesamt nicht anzunehmen, dass ihm persönlich im Falle einer Rück-
kehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen
würden. Dies ergibt sich auch nicht aus der aktuellen Situation in Sri Lanka.
5.4 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine
Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und deshalb
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nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Das SEM hat sein Asylgesuch
somit zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
7.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.3
7.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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7.3.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. E-1866/2015 E. 12.2 f.). An der La-
geeinschätzung in E-1866/2015 ist weiterhin festzuhalten. Auch der Euro-
päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festge-
stellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen
drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschät-
zung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J.
gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus
den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in anderweitiger Hinsicht er-
geben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er im Falle einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer gemäss
der EMRK oder der FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Präsident-
schaftswahlen von November 2019.
Der Vollzug der Wegweisung ist somit sowohl im Sinne der flüchtlings- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.4
7.4.1 Das SEM hat sich auch einlässlich mit der Frage der Zumutbarkeit
des Vollzugs der Wegweisung des Beschwerdeführers befasst und die Zu-
mutbarkeit bejaht. Diesen zu bestätigenden Erwägungen ist grundsätzlich
nichts beizufügen.
7.4.2 Der gemäss seinen Angaben gesunde Beschwerdeführer wohnte zu-
letzt im Dorf B._, Nordprovinz, wo er als angelernter (...) seit meh-
reren Jahren eine eigene (...) mit drei Angestellten geführt und keine finan-
ziellen Probleme gehabt hat (vgl. Akten A5 A14 F44 f.). Es ist auch davon
auszugehen, dass seine Ehefrau und Kinder – entgegen der in der Be-
schwerdeschrift gemachten Angaben – weiterhin an ihrem früheren Woh-
nort leben, wo sich weitere Verwandte seiner Ehefrau und Angehörige auf-
halten (vgl. Akten A5 S. 5 und A14 F 51). Selbst wenn er bei einer allfälligen
Rückkehr nach Sri Lanka in einer ersten Zeit auf gewisse Anfangsschwie-
rigkeiten stossen sollte, ist insgesamt davon auszugehen, dass er durch
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seine Angehörigen Unterstützung erhalten wird, so dass er dort eine neue
Existenz wird aufbauen können.
7.4.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Im Übrigen steht auch die Corona-Pandemie – entgegen der Ansicht
der Ausführungen der Beschwerdeführenden – dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e).
Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatstaat angepasst
wird. In diesem Rahmen würde auch eine allfällige Zugehörigkeit der Be-
schwerdeführenden zu einer Corona-Risikogruppe Rechnung zu tragen
sein.
7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der am 22. Juni 2018 einbezahlte Kostenvorschuss ist zur
Begleichung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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