Decision ID: 02ce4087-253f-49ca-84eb-a4e57da8ef66
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war als Produktionsmitarbeiter bei der B._ AG tätig und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von
Unfällen obligatorisch versichert, als er am 2. August 2015 (in den Akten ist als
Unfalldatum teilweise der 31. Juli 2015 erwähnt; vgl. z.B. Suva-act. 8) auf einer Treppe
ausrutschte und sich ein Supinationstrauma am Fuss/oberen Sprunggelenk (OSG) links
zuzog (Suva-act. 1, 19). Der erstbehandelnde Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine
Innere Medizin FMH, attestierte ihm ab 4. August 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von
100% (Suva-act. 2, 7, 19). Die Suva entrichtete Taggelder und kam für die Kosten der
Heilbehandlung auf (Suva-act. 3).
A.a.
Eine am 18. August 2015 durchgeführte MR-Untersuchung des OSG links brachte
keine knöcherne Verletzung, aber ein geringes Knochenödem des anteromedialen
Talus und des Os cuboideum, eine Muskelzerrung des Musculus extensor digitorum
brevis, ein ausgeprägtes Ödem im Subkutangewebe betont über dem lateralen
Fussrücken sowie eine Zerrung des Ligamentum fibulotalare posterius zur Darstellung
(Suva-act. 12).
A.b.
Prof. Dr. med. D._, Facharzt FMH Neurologie, berichtete am 14. September
2015 über ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS, Morbus Sudeck) nach
Supinationstrauma. Er empfahl, die bereits begonnene medikamentöse Therapie
auszubauen (Suva-act. 8). Am 26. Oktober 2015 wurde der Versicherte erstmals von
Dr. med. E._, FMH Anästhesie und Schmerztherapie, Schmerzzentrum F._,
A.c.
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behandelt. Diese befand am 27. Oktober 2015, die Physiotherapiebehandlungen sollten
weitergeführt und zusätzlich eine Ergotherapie begonnen werden. Sie stellte ein Rezept
für eine Lagerungsschiene zur Ruhigstellung des linken Fusses aus und attestierte dem
Versicherten bis zum 30. November 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (Suva-act.
27, 38, zu früheren Arbeitsunfähigkeitsattesten vgl. Suva-act. 23, 33).
Vom 11. bis 22. Januar 2016 befand sich der Versicherte stationär im Spital G._
zur Mobilisation des OSG links unter einer Popliteablockade. Die behandelnden Ärzte
berichteten am 29. Januar 2016, im Verlauf habe der Versicherte in der Region der
Einstichstelle ein entzündliches Erythem entwickelt (Weichteilinfektion in der Region Dg
1). Zusätzlich sei es zu einer allergischen Reaktion auf das verordnete Antibiotikum
gekommen (Suva-act. 63). Dr. E._ berichtete am 3. Februar 2016, die stationäre
Behandlung habe leider kein erfolgreiches Ergebnis gebracht (Suva-act. 66). Am 22.
Februar 2016 befand Dr. E._, ein erneuter stationärer Aufenthalt erscheine
unumgänglich, wobei die psychische Komponente deutlich im Vordergrund stehen
müsse (Suva-act. 71, vgl. Suva-act. 76).
A.d.
Die Arbeitgeberin hatte das Arbeitsverhältnis per 31. Januar 2016 gekündigt
(Suva-act. 44-3).
A.e.
Dr. med. H._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, beurteilte nach einem
Erstgespräch am 10. März 2016, es liege keine psychiatrische Diagnose mit
Krankheitswert oder Relevanz für die Arbeitsfähigkeit bei bekanntem CRPS nach
Bagatelltrauma vor. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine akute
Behandlungsindikation (Suva-act. 83). Dr. E._ attestierte dem Versicherten weiterhin
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (Suva-act. 69, 91).
A.f.
Vom 2. bis 21. Mai 2016 befand sich der Versicherte stationär in der Klinik für
Schmerztherapie des Kantonsspitals I._. Die dort behandelnden Ärzte listeten in
ihrem Austrittsbericht vom 25. Mai 2016 als Diagnosen unter anderem eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), eine
angstbetonte Anpassungsstörung mit depressiven Anteilen (ICD-10: F43.2), eine
ängstliche/vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD10: F60.6) und Probleme mit
A.g.
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Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10: Z73) auf (Suva-act.
104).
Vom 7. Juni bis 12. Juli 2016 wurde der Versicherte stationär in der Rehaklinik
Bellikon behandelt. Die dort zuständigen Ärzte berichteten am 13. Juli 2016, bei Austritt
habe der Versicherte bei belastungsabhängigen Schmerzen im Fuss/OSG links an
einem Handstock gehen können. Es habe eine eingeschränkte OSG Beweglichkeit
links und eine erhebliche Symptomausweitung bestanden. Die angestammte sowie
eine adaptierte Tätigkeit sei ihm ab 2. August 2016 ganztags zumutbar (Suva-act. 128).
A.h.
Mit Schreiben vom 14. Juli 2016 teilte die Suva dem Versicherten mit, sie stelle ihre
Heilkosten- und Taggeldleistungen per 1. August 2016 ein (Suva-act. 125). Nachdem
Dr. E._ diesen Entscheid in Frage gestellt hatte (vgl. Suva-act. 129, 134 ff.), wurde
der Versicherte am 15. August 2016 durch Suva-Kreisarzt Dr. med. J._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, untersucht.
Dieser hielt tags darauf als Diagnosen einen Status nach Fehltritt Fuss links am 2.
August 2015 sowie ein anhaltendes Schmerzsyndrom bei CRPS fest. Er sei der
Ansicht, dass noch eine erheblich verminderte Belastbarkeit des Fusses vorliege und
eine weitere Behandlung indiziert sei. Der Versicherte sei nicht arbeitsfähig (Suva-act.
140). Die Suva nahm rückwirkend per 2. August 2016 die Taggeldzahlungen wieder auf
(vgl. Suva-act. 141).
A.i.
Vom 31. Oktober bis 5. November 2016 war der Versicherte erneut in der Klinik für
Schmerztherapie des Kantonsspitals I._ hospitalisiert. Die zuständigen Ärzte
attestierten ihm bis zum Austritt eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Danach könne eine
adaptierte Tätigkeit versuchsweise mit einem Pensum von 50% begonnen werden
(Suva-act. 161).
A.j.
Der Versicherte befand sich vom 19. Dezember 2016 bis 11. Februar 2017
stationär in der Klinik K._. Die dort behandelnden Ärztinnen hielten in ihrem
Austrittsbericht vom 3. April 2017 als Diagnosen eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), eine mittelgradige agitiert-
depressive Episode (ICD-10: F32.1) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge, ängstlich-
vermeidend bei Selbstwertproblematik und Regression, fest. Sie gingen von einer
A.k.
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Arbeitsunfähigkeit von 100% auf dem ersten Arbeitsmarkt aus und empfahlen eine IV-
unterstützte Wiedereingliederung (Suva-act. 208).
Die IV-Stelle übernahm die Kosten für ein Belastbarkeitstraining vom 23. März bis
2. Juli 2017 im Reha-Zentrum Valens (EVAL) und entrichtete Taggelder (Suva-act. 204).
Nach einer Untersuchung des Versicherten hatte Suva-Kreisarzt Dr. med. L._,
Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, am
19. Mai 2017 befunden, für die angestammte Tätigkeit bestehe weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit. Es sei davon auszugehen, dass eine künftige berufliche Tätigkeit
vorwiegend im Sitzen stattfinden müsse. Das Fortführen der Physiotherapie, des
Aufbautrainings im EVAL und der psychiatrischen Behandlungen sei sinnvoll (Suva-act.
215). Nachdem der Versicherte das verlangte Pensum erreicht hatte, verlängerte die IV-
Stelle die berufliche Massnahme im Sinne eines Aufbautrainings mehrmals bis
schliesslich zum 31. März 2018 (vgl. Suva-act. 226 f., 244 f., 247, 252 f., 256).
A.l.
Suva-Kreisarzt Dr. L._ hatte den Versicherten am 12. Februar 2018 untersucht.
Tags darauf hatte er beurteilt, es sei davon auszugehen, dass der Endzustand
annähernd erreicht sei. Die angestammte Tätigkeit sei dem Versicherten nicht
zumutbar. Für eine adaptierte Tätigkeit sei er ganztags einsetzbar, eventuell sei in der
Anfangszeit im Sinne einer Angewöhnung von einer Arbeitsfähigkeit von 50%
auszugehen. Aus dem Unfallereignis vom 2. August 2015 seien dauernde und
erhebliche Restfolgen zurückgeblieben (Suva-act. 260). Dr. L._ hatte den
Integritätsschaden auf 15% geschätzt (Suva-act. 261).
A.m.
Die behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums M._, wo sich der Versicherte
seit 6. Juli 2017 in ambulanter Behandlung befunden hatte, hatten am 26. Februar 2018
über eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10: F45.41), eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), akzentuierte
Persönlichkeitszüge und eine mittelschwere, gemischte Schlafapnoe berichtet (Suva-
act. 268; zur Diagnose der Schlafapnoe vgl. Suva-act. 297).
A.n.
Mit Schreiben vom 26. Februar 2018 hatte die Suva dem Versicherten mitgeteilt,
sie stelle die Übernahme der Heilkosten per 31. März 2018 ein. Die Taggeldzahlungen
seien bereits per 3. April 2017 eingestellt worden (Suva-act. 264).
A.o.
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B.
C.
Mit Verfügung vom 4. April 2018 sprach die Suva dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 15% zu und
verneinte den Anspruch auf eine Invalidenrente (Suva-act. 281).
A.p.
Gegen die Verfügung vom 4. April 2018 erhob der Versicherte am 24. April 2018
Einsprache (Suva-act. 288).
B.a.
Mit Verfügung vom 4. Mai 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
(weitere) berufliche Massnahmen ab (Suva-act. 294). Sie kündigte mit Mitteilung vom 8.
August 2018 eine bidisziplinäre (orthopädisch, psychiatrisch) medizinische
Untersuchung an (Suva-act. 300).
B.b.
Mit Entscheid vom 13. Dezember 2018 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act.
305).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 13. Dezember 2018 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) die vorliegende Beschwerde vom 17. Dezember
2018. Er beantragte darin dessen Aufhebung und es sei ihm eine in der Höhe noch zu
bestimmende Rente auszuzahlen. Weiter sei das Beschwerdeverfahren zu sistieren, bis
im Rahmen der Rentenprüfung durch die IV-Stelle sein Invaliditätsgrad rechtskräftig
feststehe; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). Er reichte unter
anderem eine Mitteilung der IV-Stelle vom 5. November 2018 ein, in der diese
zusätzlich zum in Auftrag gegebenen bidisziplinären Gutachten eine
neuropsychologische Untersuchung angekündigt hatte (act. G1.5)
C.a.
Am 16. Januar 2019 nahm die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) nach
Aufforderung der Verfahrensleitung (act. G2) Stellung zum Sistierungsgesuch des
Beschwerdeführers und beantragte dessen Abweisung (act. G3).
C.b.
Die Verfahrensleitung teilte den Parteien mit Schreiben vom 21. Januar 2019 mit,
auf die beantragte Verfahrenssistierung werde verzichtet (act. G4).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. Februar 2019 die Abweisung der
Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen Einspracheentscheids (act. G5).
C.d.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2015 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
Mit Replik vom 6. März 2019 beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 13. Dezember 2018 und es sei ihm rückwirkend per
Anspruchszeitpunkt eine 30%-ige UVG-Rente, eventualiter eine UVG-Rente nach
richterlichem Ermessen, zuzusprechen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge
(act. G7). Er reichte das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene bidisziplinäre Gutachten
vom 15. Dezember 2018 von Dr. med. N._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, und Dr. med. O._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, ein. Diese hatten die neuropsychologische
Begutachtung durch P._, Fachpsychologin für Neuropsychologie, vom 28. November
2018 miteinbezogen (act. G7.1).
C.e.
In ihrer Duplik vom 5. April 2019 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest
(act. G9).
C.f.
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2.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente gegenüber der Beschwerdegegnerin.
Inzwischen nicht mehr umstritten ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 15%.
Diesbezüglich ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 13. Dezember 2018 in
Teilrechtskraft erwachsen.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat
zudem Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Ist
die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat sie
Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Wenn von der Fortsetzung der
ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der
versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind,
entsteht der Rentenanspruch. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die
Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
2.1.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra
Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Während es Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist, den
natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage
nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 55, 58; BGE 125 V 456; 123 III 110; 112 V 30). Im Bereich klar ausgewiesener
organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen Veränderungen spielt
die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle (vgl. BGE 117 V 359, E. 5d/bb, unten, mit Hinweisen auf Lehre und
Rechtsprechung; BGE 118 V 286, E. 3a). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht
2.2.
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3.
Vorerst ist zu prüfen, welche organisch objektivierbaren Unfallfolgen bei der
Leistungseinstellung per 31. März 2018 noch vorhanden waren und wie sich diese auf
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkten. Der Zeitpunkt des
Fallabschlusses (Art. 19 Abs. 1 UVG) wurde vom Beschwerdeführer nicht substantiiert
bestritten und ist aufgrund der medizinischen Akten ausgewiesen (vgl. Suva-act. 260).
(hinreichend) fassbar, bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht
automatisch auch die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs. In diesen
Fällen ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung nach der Rechtsprechung gemäss
BGE 115 V 133, E. 6c/aa vorzunehmen.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.3.
Kreisarzt Dr. L._ listete in seinem Bericht vom 14. Februar 2018 als somatische
Diagnosen einen Status nach Fehltritt des Fusses links am 2. August 2015 mit
Distorsionsverletzung des OSG links, ein anhaltendes Schmerzsyndrom bei CRPS mit
Dysästhesie und mässiger Funktionseinbusse der Sprunggelenksfunktionen sowie eine
mässiggradig verminderte Belastbarkeit und Beweglichkeit des Sprunggelenks bzw.
des Fusses links auf (Suva-act. 260-4). Diese Diagnosen bzw. die damit
zusammenhängenden Restbeschwerden im Zeitpunkt des Fallabschlusses werden von
den Parteien nicht in Frage gestellt. Zudem entsprechen sie im Wesentlichen den vom
orthopädischen Gutachter Dr. O._ im Gutachten vom 15. Dezember 2018
festgehaltenen Residualbeschwerden am linken OSG (vgl. act. G7.1, S. 15).
3.1.
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4.
Weiter zu prüfen ist, ob zwischen den vorliegenden psychischen Beschwerden und
dem Unfall vom 2. August 2015 ein adäquater Kausalzusammenhang besteht.
Der Beschwerdeführer ist in seiner angestammten Tätigkeit als
Produktionsmitarbeiter unbestritten nicht mehr arbeitsfähig. Dr. L._ befand am 14.
Februar 2018 hingegen, eine sehr leichte Tätigkeit, die im Sitzen erbracht werden
könne und weder das Arbeiten auf Leitern, noch in kauernder oder kniender
Körperposition erfordere, sei ihm ganztags zumutbar. Eventuell sei in der Anfangszeit
für rund drei Wochen von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit im Sinne einer Angewöhnung
auszugehen (Suva-act. 260-4). Dr. O._ bezeichnete die Einschätzung sowie die
Schlussfolgerungen von Dr. L._ als nachvollziehbar. Er legte die Adaptionskriterien
im Ergebnis identisch fest und ging ebenfalls von einer Arbeitsfähigkeit von 100% in
einer adaptierten Tätigkeit aus (act. G7.1, S. 28 f.).
3.2.
Folglich lagen im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. März 2018 noch
unfallkausale somatische Restfolgen vor, der Beschwerdeführer war aber diesbezüglich
in einer adaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig.
3.3.
Wie der Beschwerdeführer zu Recht geltend macht (act. G7), ist ein CRPS
grundsätzlich geeignet, eine psychische Fehlentwicklung im Sinne einer sekundären
psychischen Störung auszulösen (vgl. dazu E. Wehking: Das komplexe regionale
Schmerzsyndrom [CRPS] in Abgrenzung psychogener Störungen, in:
Versicherungsmedizin 59 [2007] Heft 1; Urteile des Versicherungsgerichts des Kanton
St. Gallen vom 28. Januar 2011, UV 2010/17, vom 27. Juli 2007, UV 2006/89, und vom
18. Oktober 2005, UV 2005/28). Die Adäquanz ist jedoch nicht per se zu bejahen.
Vorliegend ist weiter zu beachten, dass die psychischen Beschwerden gemäss
gutachterlicher Feststellung bereits im Oktober 2015 (vgl. act. G7.1, S. 15) bzw.
aktenkundig im Januar 2016 (vgl. Suva-act. 45) festgestellt wurden und damit bereits
kurz nach dem erstmals im September 2015 diagnostizierten CRPS auftraten (vgl.
Suva-act. 8, 20). Die psychischen Beschwerden entwickelten sich damit nicht nach
einer langwierigen und belastenden Behandlung des CRPS, weshalb nicht von
sekundären Folgen auszugehen ist. Der adäquate Kausalzusammenhang der
psychischen Beschwerden ist damit nach der sogenannten Psycho-Praxis (BGE 115 V
133) zu prüfen.
4.1.
Gemäss dieser Rechtsprechung ist bei der Beurteilung des
Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer anschliessend einsetzenden
4.2.
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psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
vom Unfallereignis auszugehen. Dabei lassen Lehre und Rechtsprechung den sozialen
Unfallversicherer für Schäden nur dann einstehen, wenn diese sowohl in einem
natürlichen wie auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem
schädigenden Ereignis stehen (vgl. vorstehende E. 2.2). Der Voraussetzung des
adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer
Haftungsbeschränkung zu (BGE 123 V 102 E. 3b). Ein adäquater
Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfall besteht, wenn dem
Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Beschwerden zukommt. In
objektivierter Betrachtungsweise werden die Unfälle nach ihrer erfahrungsgemässen
Eignung, psychische Beschwerden zu bewirken, eingeteilt in banale und leichte Unfälle
einerseits, schwere Unfälle andererseits und in einen dazwischenliegenden Bereich der
mittelschweren Unfälle. Bei banalen Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne
weiteres verneint werden, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung davon
ausgegangen werden kann, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen
invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu verursachen. Bei schweren
Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel zu bejahen,
denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken.
Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und
der psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere,
objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang
stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine
Gesamtwürdigung einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders
dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; eine
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erhebliche verschlimmert; ein
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie der Grad und die
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 133 E. 6). Um die
adäquate Kausalität bejahen zu können, müssen nicht alle Umstände gegeben sein.
Vielmehr genügt ein Kriterium, wenn es sich um einen schweren Unfall im mittleren
Bereich handelt. Falls keinem Kriterium besonderes Gewicht zukommt, müssen
4.3.
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mehrere unfallbezogene Kriterien bejaht werden können. Dabei gilt, dass je leichter der
Unfall ist, desto mehr Kriterien erfüllt sein müssen. Diese Würdigung führt zur Bejahung
oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs, ohne dass nach weiteren
Ursachen geforscht werden muss, die eine psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit
begünstigt haben könnten (SVR 1999 UV Nr. 10 S. 32). Mit Urteil vom 29. Januar 2010
(8C_897/2009 E. 4.5) hat das Bundesgericht die Rechtsprechung zur Anzahl der zu
erfüllenden Adäquanzkriterien bei mittelschweren Unfällen insofern präzisiert, als bei
mittelschweren Unfällen im engeren Sinn drei Adäquanzkriterien genügen, auch wenn
sie nicht in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise vorliegen. Bei Unfällen im
mittleren Bereich an der Grenze zu den leichten Unfällen sind hingegen vier
Adäquanzkriterien zu erfüllen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember
2009, 8C_487/2009 E. 5 mit Hinweis).
Vorliegend rutschte der Beschwerdeführer gemäss Schadenmeldung vom 14.
August 2015 auf einer Treppe aus und verletzte sich dabei am Fuss links (Suva-act. 1).
Am 30. September 2015 führte der Beschwerdeführer aus, er habe am Sonntag, 2.
August 2015, in seiner Wohnung die Treppe hinuntergehen wollen. Dabei habe er einen
Fehltritt gemacht. Am Montag sei er normal zur Arbeit gegangen. Am Dienstag sei sein
Fuss beim Aufstehen stark geschwollen und blau verfärbt gewesen, so dass er nicht
mehr darauf habe stehen können. Er habe dann seinen Hausarzt aufgesucht (Suva-act.
13). Aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs ist grundsätzlich von einem
leichten Unfall auszugehen. Selbst wenn entsprechend der Ansicht des
Beschwerdeführers von einem mittelschweren Ereignis im Grenzbereich zu den
leichten Unfällen ausgegangen würde, wäre - wie sich nachfolgend ergibt - die
Adäquanz zu verneinen.
4.4.
Bei einem mittelschweren Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen
müssen für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs mindestens vier der
relevanten Kriterien oder ein einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise
erfüllt sein. Bei der Prüfung dieser Kriterien sind psychische Aspekte ausser Acht zu
lassen (BGE 115 V 133 E. 6c/aa).
4.5.
Bei der Beurteilung des Kriteriums der dramatischen Begleitumstände oder der
besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls sind objektive Massstäbe anzuwenden. Nicht
was in der einzelnen betroffenen Person beim Unfall psychisch vorgeht, soll
entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, bei ihr
psychische Vorgänge auszulösen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc). Zu beachten
ist auch, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit
4.5.1.
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eigen ist, die noch nicht für die Bejahung dieses Adäquanzkriteriums ausreichen kann
(vgl. SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142). Es bestehen keine Hinweise auf besonders
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vom 2.
August 2015.
Der Beschwerdeführer erlitt beim Unfall vom 2. August 2015 ein
Supinationstrauma am Fuss bzw. OSG links. Eine am 18. August 2015 durchgeführte
MR-Untersuchung hatte den Nachweis eines geringen Knochenödems des
anteromedialen Talus und des Os cuboideum, einer Muskelzerrung des Musculus
extensor digitorum brevis, eines ausgeprägten Ödems im Subkutangewebe betont
über dem lateralen Fussrücken sowie einer Zerrung des Ligamentum fibulotalare
posterius erbracht (vgl. Suva-act. 1, 12, 19). Diese Verletzungen können weder als
besonders schwer, noch als Verletzungen besonderer Art eingestuft werden. Auch sind
derartige Verletzungen in der Regel nicht geeignet, psychische Fehlentwicklungen
auszulösen.
4.5.2.
Zur Beantwortung der Frage der Dauer der ärztlichen Behandlung ist nicht allein
der zeitliche Massstab massgeblich. Ebenfalls in die Prüfung einzubeziehen sind die Art
und Intensität der Behandlung sowie die Frage, inwieweit davon noch eine Besserung
des Gesundheitszustands zu erwarten war (Urteil des EVG vom 20. Oktober 2006, U
488/05, E. 3.2.3, BGE 134 V 128, E. 10.2.3). Eine Behandlung, die lediglich noch der
Erhaltung des Gesundheitszustands und nicht der Heilung dient, ist im Rahmen der
Adäquanzprüfung grundsätzlich nicht relevant. Abklärungsmassnahmen und blossen
ärztlichen Kontrollen kommt nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten
Behandlung zu (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Februar 2008, U11/07, E. 5.3.1 mit
Hinweisen). Der Beschwerdeführer wurde nach dem Unfall medikamentös behandelt
und ging an Krücken. Zusätzlich wurde er physiotherapeutisch betreut und unterzog
sich aufgrund des CRPS ab September 2015 einer Steroidtherapie (vgl. Suva-act. 13,
18, 20). Ab 26. Oktober 2015 wurde der Beschwerdeführer durch Dr. E._ behandelt,
welche ihm neben der Physio- auch Ergotherapie sowie eine Lagerungsschiene zur
Ruhigstellung des linken Fusses verschrieb. Zudem erachtete sie eine psychologische
Betreuung für notwendig (Suva-act. 38). Vom 11. bis 22. Januar 2016 befand sich der
Beschwerdeführer stationär im Spital G._ zur Mobilisation des OSG links unter einer
Poplitealblockade (Suva-act. 63). Dr. E._ erachtete mit Bericht vom 22. Februar 2016
einen weiteren stationären Aufenthalt für unumgänglich, wobei die psychische
Komponente deutlich im Vordergrund stehen müsse (Suva-act. 71; Dr. H._ verneinte
jedoch eine psychiatrische Behandlungsindikation; vgl. Suva-act. 83). Vom 2. bis 21.
Mai 2016 war der Beschwerdeführer im Kantonsspital I._ hospitalisiert. Nebst der
4.5.3.
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Behandlung des CRPS erfolgte auch eine psychosomatische/psychotherapeutische
Betreuung (Suva-act. 104). Vom 7. Juni bis 12. Juli 2016 wurde der Beschwerdeführer
sodann stationär in der Rehaklinik Bellikon behandelt. Die dort zuständigen Ärzte
erachteten die Psychosomatik, unter anderem die ängstlich akzentuierten
Persönlichkeitszüge, als wichtige Komponente (Suva-act. 128). Der Beschwerdeführer
befand sich vom 31. Oktober bis 5. November 2016 erneut in der Klinik für
Schmerztherapie des Kantonsspitals I._. Die dort behandelnden Ärzte berichteten am
5. November 2016 im Vordergrund über psychische Probleme, insbesondere eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.41), und erachteten den Beschwerdeführer bei Austritt als zu 50% arbeitsfähig in
einer adaptierten Tätigkeit (Suva-act. 161). Vom 19. Dezember 2016 bis 11. Februar
2017 befand sich der Beschwerdeführer sodann in stationärer psychosomatisch-
sozialmedizinischer Rehabilitationsbehandlung in der Klinik K._ (Suva-act. 208). Ab
23. März 2017 absolvierte der Beschwerdeführer ein durch die IV-Stelle finanziertes
Belastbarkeitstraining im Reha-Zentrum Valens (Suva-act. 204). Kreisarzt Dr. L._
befand am 19. Mai 2017, das Fortführern der Physiotherapie, des Aufbautrainings und
der psychiatrischen Behandlungen sei sinnvoll (Suva-act. 215). Der Beschwerdeführer
nahm in der Folge bis zum 31. März 2018 an einem beruflichen Aufbautraining teil
(Suva-act. 226 f., 244 f., 247, 252 f., 256). Der Beschwerdeführer unterzog sich
mehreren stationären Behandlungen bis letztmals zum 11. Februar 2017, mithin rund
anderthalb Jahre nach dem Unfall vom 2. August 2015. Die Hospitalisationen ab
Frühjahr 2016 waren jedoch zu einem wesentlichen Teil auf die psychische Problematik
zurückzuführen. Ab Februar 2017 beschränkten sich die medizinischen Massnahmen
im Wesentlichen auf Kontrolluntersuchungen und die Erhaltung des somatischen
Gesundheitszustandes (vgl. Suva-act. 230, 241, 245). Das Kriterium der langen Dauer
der ärztlichen Behandlung ist damit nicht als erfüllt zu erachten.
Der Beschwerdeführer äusserte aufgrund des CRPS in nahezu sämtlichen
aktenkundigen Arztberichten Schmerzen und wurde unter anderem durch die am F._
tätige Dr. E._ behandelt (vgl. u.a. Suva-act. 38, 66, 71, 149, 165, 241). Das Kriterium
der Dauerschmerzen ist zwar als erfüllt zu erachten, wegen der psychosomatischen
Komponente (chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren)
jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise.
4.5.4.
Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert hätte, ergeben sich weder aus den Akten noch werden solche von den
Parteien geltend gemacht.
4.5.5.
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Die Dauer der ärztlichen Behandlung und die geklagten Beschwerden deuten
alleine nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf hin. Das entsprechende
Kriterium erfordert besondere Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt und verzögert
haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. Februar 2008, U 590/06, E. 4.3.2, und
vom 10. Juli 2008, 8C_61/2008, E. 7.6). Rechtsprechungsgemäss liegt die Entwicklung
eines CRPS deutlich ausserhalb des normalen Heilungsverlaufs (vgl. Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 23. Juni 2006, U 304/05, E. 3.4).
Daneben traten infolge der anlässlich der Hospitalisation vom 11. bis 22. Januar 2016
durchgeführten Poplitealblockade ein entzündliches Erythem sowie eine allergische
Reaktion auf die Antibiotikatherapie auf (vgl. Suva-act. 63). Diese vorübergehenden
Komplikationen klangen jedoch offenbar nach kurzer Zeit folgenlos ab. Von einer
besonders ausgeprägten Erfüllung des Kriteriums kann nicht gesprochen werden.
4.5.6.
Der Beschwerdeführer war ab 4. August 2015 bis mindestens 5. November 2016
zu 100% arbeitsunfähig geschrieben (Suva-act. 2, 23, 27, 33, 69, 91). Die
behandelnden Ärzte der Rehaklinik Bellikon hatten ihn zwar ab 2. August 2016 als zu
100% arbeitsfähig erachtet (vgl. Suva-act. 128), diese Einschätzung konnte von
Kreisarzt Dr. J._ jedoch nicht geteilt werden (Suva-act. 140). Die behandelnden Ärzte
des Kantonsspitals I._ befanden, ab dem 6. November 2016 könne eine adaptierte
Tätigkeit versuchsweise mit einem Pensum von 50% begonnen werden (Suva-act.
161). Die zuständigen Ärzte der Privatklinik Oberwaid attestierten dem
Beschwerdeführer mit Austrittsbericht vom 3. April 2017 zwar weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit von 100%. Diese bezog sich jedoch primär auf die psychischen
Einschränkungen des Beschwerdeführers (vgl. Suva-act. 208). Bereits zuvor ist davon
auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit mindestens teilweise auf die psychischen
Beschwerden zurückzuführen war. Kreisarzt Dr. L._ befand am 19. Mai 2017, für die
angestammte Tätigkeit bestehe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit. Eine weitere
Behandlung und die Weiterführung des Aufbautrainings erachtete er für sinnvoll. Er
führte zwar aus, es sei davon auszugehen, dass eine künftige berufliche Tätigkeit
vorwiegend im Sitzen stattfinden müsse, äusserte sich jedoch nicht konkret zur
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit (Suva-act. 215). Erst am 13. Februar
2018, mithin kurz vor Ende des durch die IV-Stelle finanzierten Aufbautrainings per 31.
März 2018 (vgl. Suva-act. 252 f., 256), führte Dr. L._ eine kreisärztliche
Abschlussuntersuchung durch und hielt den Beschwerdeführer für 100% arbeitsfähig
in einer adaptierten Tätigkeit (vgl. Suva-act. 260). Insgesamt ist davon auszugehen,
dass spätestens ab Februar 2018, mithin rund 2.5 Jahre nach dem Unfall, eine volle
Arbeitsfähigkeit, wahrscheinlich aber bereits während des ab 23. März 2017
4.5.7.
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5.
Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
begonnenen Aufbautrainings mindestens eine Teilarbeitsfähigkeit bestanden hatte.
Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Arbeitsfähigkeit bereits in einem frühen
Zeitpunkt auch massgeblich durch die psychischen Beschwerden beeinträchtigt
worden war. Das Kriterium ist damit eher als erfüllt zu erachten, jedoch nicht in
besonders ausgeprägter Weise.
Da somit höchstens drei der zu berücksichtigenden Kriterien erfüllt sind, keines
jedoch in besonders ausgeprägter Weise, ist der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall vom 2. August 2015 und den geklagten psychischen
Beschwerden zu verneinen.
4.5.8.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dabei ist in der
Regel vom zuletzt – d.h. grundsätzlich vor dem Beginn der unfallbedingten ganzen oder
teilweisen Arbeitsunfähigkeit – erzielten Verdienst auszugehen (BGE 139 V 30 E. 3.3.2,
je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 8C_590/2014, E. 5.1).
Die durch die Beschwerdegegnerin vorgenommene Festlegung des jährlichen
Valideneinkommens auf Fr. 53'506.-- (vgl. Suva-act. 281, 305), welche sich auf die
Angaben der früheren Arbeitgeberin bezüglich des hypothetischen Jahreslohnes des
Beschwerdeführers im Jahr 2018 ohne erlittenen Unfall stützt (Suva-act. 269), ist nicht
zu beanstanden. Auch der Beschwerdeführer wendet gegen die Berechnung des
Validenlohns grundsätzlich nichts ein, hält jedoch eine Parallelisierung für notwendig
(vgl. act. G1, G7, nachfolgende E. 5.2.2).
5.1.
5.2.
Art. 16 ATSG umschreibt das Invalideneinkommen als hypothetisches
Einkommen. Nach der ständigen Verwaltungspraxis und Rechtsprechung steht für
dessen Ermittlung der Beizug von Tabellen und vergleichbaren Übersichten im
Vordergrund (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, 2015, Art. 16 N 46 ff.). Hat die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können entweder LSE-
5.2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/19
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Tabellenlöhne oder die DAP-Zahlen herangezogen werden (BGE 129 V 475 E. 4.2.1 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Januar 2010, 8C_579/2009, E. 2.1). Es ist
damit grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin zur
Festsetzung des Invalidenlohns DAP-Daten beigezogen hat, was zur Berechnung eines
Invaliditätsgrades von 0% geführt hat (vgl. Suva-act. 278, 305). Die gewählten DAP-
Profile entsprechen den Adaptionskriterien des Beschwerdeführers (vgl. Suva-act. 260)
weitgehend. Selbst wenn entsprechend dem Standpunkt des Beschwerdeführers (act.
G7) der Invalidenlohn anhand LSE-Tabellenlöhnen festgelegt wird, resultierte jedoch -
wie sich nachfolgend ergibt - kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
Da dem Beschwerdeführer Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt es
sich diesfalls, das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2014, Total sämtlicher
Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen (die LSE 2016 war zum
Zeitpunkt des Einspracheentscheids noch nicht publiziert und daher nicht anwendbar;
vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2019, 8C_64/2019, E. 6.2.1). Der
entsprechende Lohn belief sich im Jahr 2014 auf Fr. 5'312.-- pro Monat bzw. Fr.
63'744.-- jährlich. Aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von
41.7 Stunden und angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2018 (Index 2014:
2'220, 2018: 2'260) ergibt sich ein massgebliches Jahreseinkommen von Fr. 67'650.--.
Verglichen mit dem Valideneinkommen von 2018 von Fr. 53'506.-- liegt eine
Unterdurchschnittlichkeit von rund 21% vor. Folglich ist eine Parallelisierung im
Ausmass von 16% vorzunehmen (zum Erheblichkeitsgrenzwert von 5% vgl. BGE 135 V
297 E. 6.2). Es resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 56'826.-- (0.84 x Fr.
67'650.--). Entgegen der Vorbringen der Parteien (vgl. act. G7, G9) ist die
Unterdurchschnittlichkeit rechtsprechungsgemäss nicht durch Vergleich des
Valideneinkommens und des Einkommens eines Arbeiters im Produktionssektor bzw.
in einer spezifischen Branche festzulegen (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Mai 2018,
8C_759/2017, E. 3.2.3.2). Dies rechtfertigt sich auch deshalb nicht, weil der
Beschwerdeführer vor seinem Unfall als ungelernter Hilfsarbeiter tätig und jeweils nur
vergleichsweise kurz beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt war (vgl. Suva-act. 85-6;
act. G7.1, S. 5).
5.2.2.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter-)Tätigkeiten behindert
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
5.2.3.
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