Decision ID: bc5eb65f-933a-5bab-af0f-59cf89157744
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ hat 2013 an der Universität Bern ein Studium der Zahnmedizin in Angriff genommen. Auf das Herbstsemester 2016 wollte sie in den Bereich der Humanmedizin wechseln, aber ihr dahingehendes Gesuch wurde von der Universitätsleitung mit Verfügung vom 6. September 2016 abgewiesen. Darauf gelangte A._ an die Erziehungsdirektion des Kantons Bern (ERZ), wobei sie ihre Beschwerde mit einem Gesuch um vorsorgliche Massnahmen verband, wonach ihr (superprovisorisch) ein Studienplatz für das dritte Studienjahr der Humanmedizin einzuräumen sei, dessen Beginn unmittelbar bevorstand. Am 15. September 2016 wies die ERZ das Gesuch um einstweiligen Rechtsschutz ab, wobei diese Zwischenverfügung unangefochten blieb. In der Folge ergänzte A._ ihre Rechtsbegehren und verlangte neu, ihr sei auf den Herbst 2017 ein Wechsel ins dritte Studienjahr Humanmedizin zu ermöglichen. Mit Entscheid vom 23. Mai 2017 ist die ERZ auf dieses neue Begehren nicht eingetreten; sie hat aber bezüglich der Rechtmässigkeit der Verweigerung eines Wechsels der Studienrichtung im Herbst 2016 vom Erfordernis eines aktuellen und praktischen Rechtsschutzinteresses abgesehen und die Beschwerde insoweit – nach materieller Prüfung – abgewiesen.
B.
Am 22. Juni 2017 hat A._ Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben und beantragt, es sei festzustellen, dass die Verweigerung des Studienfachwechsels im Herbst 2016 rechtswidrig gewesen sei. Gleichzeitig verlangte sie, ihr sei vorsorglich für Herbst 2017 ein Studienplatz im dritten Studienjahr Humanmedizin zu überlassen.
Mit Zwischenentscheid vom 14. August 2017 hat das Verwaltungsgericht das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen abgewiesen und das Verfahren in der Hauptsache eingestellt, bis die Universität Bern über ein neuerliches
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.12.2017, Nr. 100.2017.176U, Seite 3
Gesuch von A._ um Wechsel der Studienrichtung entschieden habe.
C.
Mit Verfügung vom 5. September 2017 hat die Universität Bern dem  von A._ vom 9. Februar 2017 entsprochen und diese ab Herbstsemester 2017 zum dritten Studienjahr der Fachrichtung  zugelassen. Am 26. September 2017 hat das Verwaltungsgericht das Verfahren wieder aufgenommen und die Beteiligten aufgefordert, zum Vorliegen eines rechtserheblichen Interesses an einem Entscheid in der Sache und zur Kostenverlegung im Fall einer Abschreibung des Verfahrens bzw. eines Nichteintretensentscheids Stellung zu nehmen.
A._ beantragt am 18. Oktober 2017, das verwaltungsgerichtliche Verfahren sei als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben und es seien weder für das vorinstanzliche noch das  Verfahren Kosten zu erheben. Weiter seien ihr die Parteikosten für beide Verfahren zu ersetzen, eventuell aus . Auch die Universität Bern schliesst am 25. Oktober 2017 auf  des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens, erachtet aber A._ als kostenpflichtig. Die ERZ beantragt am 29. September 2017 ebenfalls, das Verfahren als gegenstandslos geworden vom  abzuschreiben; eventuell sei die Beschwerde vom 22. Juni 2017 abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
Die Universität Bern (Eingabe vom 15.11.2017) und die ERZ (Eingabe vom 1.11.2017) haben Schlussbemerkungen eingereicht, während A._ darauf verzichtet hat.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.12.2017, Nr. 100.2017.176U, Seite 4

Erwägungen:
1.
Da sich der angefochtene Entscheid der ERZ vom 23. Mai 2017 auf  Recht stützt und keiner der Ausschlussgründe gemäss Art. 75 ff. des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) vorliegt, ist das Verwaltungsgericht als letzte kantonale  für die Beurteilung der Beschwerde zuständig (Art. 74 Abs. 1 VRPG). Der vorliegende Entscheid fällt in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 1 des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2.
2.1 Das streitbetroffene Herbstsemester 2016 war bereits beendet als die Vorinstanz den angefochtenen Entscheid gefällt hat, sodass der  auf den verlangten Zeitpunkt nicht mehr möglich war. Da die ERZ zudem auf das nachträglich gestellte Begehren, der  sei ein Wechsel auf den Herbst 2017 zu ermöglichen, nicht eintrat, ging sie davon aus, die Beschwerdeführerin verfüge über kein aktuelles und praktisches Interesse am Rechtsmittelverfahren mehr. Allerdings hat sie dennoch geprüft, ob die Universität mit der Abweisung des Gesuchs im Herbst 2016 Recht verletzt hat, weil sie annahm, die aufgeworfenen Fragen zum Wechsel der Studienrichtung könnten sich zwischen den Beteiligten künftig unter den gleichen Umständen erneut stellen (angefochtener  S. 8 f.). – Ob die ERZ insoweit zu Recht auf die Beschwerde  ist, erscheint fraglich. Zwar kann unter gewissen Voraussetzungen trotz Dahinfallens des aktuellen Interesses an der Anfechtung eines  Verwaltungsakts Beschwerde geführt und verlangt werden, dass Feststellungen zur Rechtslage gemacht werden. Ein entsprechendes Rechtsschutzinteresse wird bejaht, wenn eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung zu beantworten ist, die sich jederzeit unter gleichen oder  Umständen wieder stellen und wegen der Dauer des Verfahrens kaum je rechtzeitig einer endgültigen Beurteilung zugeführt werden kann
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.12.2017, Nr. 100.2017.176U, Seite 5
(BVR 2016 S. 529 E. 1.2.1, 2014 S. 5 E. 1.2.1). Indes dürften diese Voraussetzungen – entgegen der Auffassung der ERZ – hier nicht erfüllt gewesen sein: Zunächst war die Rechtslage im Herbst 2016 singulär,  die für einen Studienwechsel massgebenden Bestimmungen der  vom 12. September 2012 über die Universität (UniV; BSG 436.111.1) am 22. Juni 2016 revidiert worden waren (BAG 16-045), aber Universität und ERZ auf das Gesuch der Beschwerdeführerin noch altes Recht anwendeten (angefochtener Entscheid S. 10 ff.); spätere  waren demgegenüber aufgrund der geltenden, am 1. September 2016 in Kraft getretenen (strengeren) Fassung von Art. 27 UniV zu . Weiter unterscheiden sich die für die Bewilligung eines  massgebenden Umstände (Anzahl freie Studienplätze;  und Mitbewerber) von Jahr zu Jahr. Bei diesen Gegebenheiten kann wohl nicht gesagt werden, in Bezug auf den Studienwechsel im Herbst 2016 seien Fragen von grundsätzlicher Bedeutung zu beantworten, die sich in einem späteren Zeitpunkt gleichermassen stellten. Würde sich deshalb ergeben, dass die Vorinstanz zu Unrecht auf die bei ihr  Beschwerde eingetreten ist, so hätte das Verwaltungsgericht – mangels Legitimation der Beschwerdeführerin (vgl. Art. 79 VRPG; BVR 2015 S. 534 E. 2.1, 2008 S. 396 E. 1.2) – seinerseits einen  zu fällen.
2.2 Wie es sich damit verhält, kann jedoch offenbleiben: Nachdem die Beschwerdeführerin den gewünschten Studienwechsel im Herbst 2017 vollziehen konnte, ist jedenfalls heute ein (allenfalls anfänglich ) rechtserhebliches Interesse am Erlass eines Entscheids in der Sache dahingefallen, zumal sich der Klärungsbedarf streitiger Grundsatzfragen aufgrund der individuellen, potenziell wiederholbaren Situation der  Person bestimmt (BGE 131 II 670 E. 1.2; BVR 2008 S. 569 E. 3.2; VGE 2016/163 vom 8.8.2017 E. 7.3 [zur Publ. bestimmt; noch nicht rechtskräftig]). Mithin ist das Verfahren, wie von allen Beteiligten beantragt (vorne Bst. C), als erledigt vom Geschäftsverzeichnis  (Art. 39 Abs. 1 VRPG).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.12.2017, Nr. 100.2017.176U, Seite 6
3.
3.1 Gemäss dem Unterliegerprinzip, wie es in Art. 108 Abs. 1 und 3 VRPG zum Ausdruck kommt, wird kostenpflichtig und hat  zu leisten, wer mit seinen Anträgen nicht durchdringt. Dabei gilt auch als unterliegend, wer ein Rechtsmittel zurückzieht, den Abstand erklärt oder auf andere Weise dafür sorgt, dass das Verfahren gegenstandslos wird (Art. 110 Abs. 1 VRPG). Wird ein Verfahren ohne Zutun einer Partei , so sind die Verfahrens- und Parteikosten nach den  Prozessaussichten zu verlegen oder können aus  dem Gemeinwesen auferlegt werden (Art. 110 Abs. 2 VRPG).
3.2 Wäre auf die Beschwerde nicht einzutreten, so würde die  kostenpflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG) und wäre keine Parteientschädigung zu sprechen (Art. 108 Abs. 1 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Abschreibung des Verfahrens wegen Gegenstandslosigkeit führt zu keiner andern Kostenverlegung: Das (allfällige) Interesse an einem Entscheid über die umstrittenen abstrakten Rechtsfragen ist dahingefallen, weil die Beschwerdeführerin im Herbst 2017 doch noch das Studienfach wechseln konnte. Mit der Universität und der Vorinstanz ist festzuhalten, dass Voraussetzung hiefür das Einreichen eines neuen Gesuchs durch die Beschwerdeführerin im Februar 2017 bildete. Mit ihrer positiven Verfügung im zweiten Gesuchsverfahren hat die Beschwerdegegnerin nicht etwa den Abstand vom Beschwerdeverfahren erklärt oder in anderer Hinsicht eine Fehlleistung eingestanden, sondern – gestützt auf eine neue  (vgl. vorne E. 2.1) und aufgrund anderer Umstände (vgl. dazu Schlussbemerkungen der Universität vom 15.11.2017) – in einem von der vorliegenden Streitigkeit unabhängigen erstinstanzlichen Verfahren einem von der Beschwerdeführerin selber anhängig gemachten Ersuchen  (Verfügung vom 5.9.2017, act. 9A). Falls anfänglich ein  Interesse an einem materiellen Beschwerdeentscheid bestand, ist es in der Schwebe geblieben, bis die Universität dem erneuten Gesuch der Beschwerdeführerin entsprochen hat. Auch wenn dieses vor Anhebung des vorliegenden Verfahrens eingereicht worden ist, hat sich das  Handeln der Beschwerdeführerin auf das  ausgewirkt, als die Beschwerdegegnerin am 5. September 2017
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verfügt hat. Mithin ist es der Beschwerdeführerin zuzurechnen, dass eine Klärung der hier streitigen abstrakten Rechtsfragen hinfällig geworden ist. Die Gegenstandslosigkeit des Beschwerdeverfahrens ist durch das Zutun der Beschwerdeführerin entstanden, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen sind (Art. 110 Abs. 1 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 VRPG).  steht fest, dass keine Parteikosten zu sprechen sind (Art. 110 Abs. 1 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 und V Art. 104 Abs. 1 RPG). Eine Kostenpflicht des Gemeinwesens aus Billigkeitsgründen fällt ausser Betracht, da keine  ohne Zutun einer Partei vorliegt (Art. 110 Abs. 2 Satz 2 VRPG).
4.
Da die vorliegende Streitigkeit nicht das Ergebnis von Prüfungen oder  Fähigkeitsbewertungen im Sinn von Art. 83 Bst. t des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) beschlägt, dürfte gegen das vorliegende Urteil die  in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten offenstehen. Es ist deshalb auf dieses Rechtsmittel hinzuweisen.