Decision ID: 9a57e21e-a92d-4107-860a-8c85c52e5bd8
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am 7. April 2012 lenkte X den Personenwagen mit dem amtlichen Kennzeichen SG
0000 in Richtung Z. Anlässlich einer Verkehrskontrolle an der Y-Strasse in O wurde bei
ihm um 17.25 Uhr Alkoholgeruch im Atem festgestellt. Die daraufhin durchgeführten
Alkoholtests ergaben Blutalkoholkonzentrationen von 0,52 Gew.-‰ und 0,53 Gew.-‰.
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X anerkannte den tieferen der beiden Werte. Das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog ihm deswegen mit Verfügung vom 13.
Juni 2012 den Führerausweis für die Dauer eines Monats.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X am 22. Juni 2012 (Datum der Postaufgabe) Rekurs
beim Strassenverkehrsamt, welches die Eingabe am 26. Juni 2012
zuständigkeitshalber an die Verwaltungsrekurskommission weiterleitete. Er beantragte
sinngemäss, von einem Führerausweisentzug abzusehen. Auf die Ausführungen des
Rekurrenten zur Begründung seines Antrages wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 22. Juni 2012 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird
dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine
mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a
SVG). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn
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nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer
schweren Widerhandlung erfüllt sind (Botschaft des Bundesrates, in: BBl 1999
S. 4487).
3.- Im Rekurs bestreitet der Rekurrent in tatsächlicher Hinsicht nicht, dass er am
7. April 2012 seinen Personenwagen mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,52 Gew.-
‰ lenkte.
a) Fahrunfähigkeit wegen Alkoholeinwirkung (Angetrunkenheit) gilt in jedem Fall als
erwiesen, wenn der Fahrzeugführer oder die Fahrzeugführerin eine
Blutalkoholkonzentration von 0,5 oder mehr Gew.-‰ aufweist oder eine Alkoholmenge
im Körper hat, die zu einer solchen Blutalkoholkonzentration führt. Als qualifiziert gilt
eine Blutalkoholkonzentration von 0,8 Gew.-‰ oder mehr (Art. 31 Abs. 2 SVG und Art.
55 Abs. 1 SVG, Art. 1 der Verordnung der Bundesversammlung über
Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr, SR 741.13). Bei einer qualifizierten
Blutalkoholkonzentration liegt eine schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit.
b SVG vor; demgegenüber ist bei einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 bis 0,79 Gew.-
‰ von einem leichten Fall im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. b SVG auszugehen ist. Ein
schwerer Fall liegt auch dann vor, wenn die Blutalkoholkonzentration zwar weniger als
0,8 Gew.-‰ beträgt, der Lenker aber aus einem anderen bzw. zusätzlichen Grund
fahrunfähig ist, z.B. wegen Betäubungsmitteleinflusses, Medikamenten oder
Übermüdung (Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St.
Gallen 2011, N 16 zu Art. 16a SVG).
b) Gemäss Art. 16a Abs. 2 SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer
leichten Widerhandlung für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den
vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt worden ist. Bei einem früheren Ausweisentzug ist der
Tag massgebend, an dem diese Massnahme endete (Weissenberger, a.a.O., N 17 zu
Art. 16a SVG). Die Rückfallfrist ist dementsprechend eine Bewährungsfrist, die erst
dann zu laufen beginnt, wenn die Entzugsdauer abgelaufen ist (BGer 1C_180/2010
vom 22. September 2010 E. 2.3). Eine zweite, leichte Widerhandlung innert zwei Jahren
hat nicht eine Verwarnung zur Folge, sondern wird obligatorisch mit einem mindestens
einmonatigen Führerausweisentzug geahndet (Botschaft des Bundesrates, in: BBl 1999
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S. 4486 f.). Im Gegensatz zum früheren Recht darf die Mindestentzugsdauer gemäss
Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG nicht mehr unterschritten werden.
4.- Mit Verfügung vom 10. Juli 2006 wurde der Rekurrent wegen Fahrens in
angetrunkenem Zustand verwarnt (leichter Fall). Da diese Massnahme zum Zeitpunkt
der vorliegend zu beurteilenden Widerhandlung bereits rund sechs Jahre zurücklag und
die Probezeit bereits seit Längerem abgelaufen ist, kommt ihr bei der Frage des
Rückfalls keine Bedeutung zu. Der Rekurrent wurde indessen nicht nur am 10. Juli
2006, sondern auch am 11. Mai 2011 wegen einer leichten Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften verwarnt. Er hatte am 4. März 2011 in O einen
Personenwagen in angetrunkenem Zustand – die Blutalkoholkonzentration betrug
mindestens 0,63 Gew.-‰ – gelenkt. Die Verfügung vom 11. Mai 2011 erwuchs
unangefochten in Rechtskraft und die zweijährige Bewährungsfrist begann zu laufen.
Da die neuerliche Widerhandlung vom 7. April 2012 in diese Bewährungsfrist fällt, ist
dem Rekurrenten der Führerausweis zwingend mindestens für einen Monat zu
entziehen.
a) Der Rekurrent weist in seinem Rekurs sinngemäss darauf hin, dass er lediglich 3 dl
Bier sowie einen Kaffee mit Schnaps getrunken habe, was nicht zu einer
Blutalkoholkonzentration von 0,53 Gew.-‰ führen könne. Dies müsse mit den
Medikamenten zusammenhängen, die er täglich einnehme. Abgesehen davon, dass er
die gemessene Blutalkoholkonzentration gegenüber der Polizei anerkannt hatte, hätte
er allfällige Einwände gegen das Messergebnis im Strafverfahren erheben müssen.
Dies hat er aber nicht getan; vielmehr führte er aus, dass er die gesamten Kosten des
Strafverfahrens von Fr. 1'480.-- bezahlt habe. Im vorliegenden Verfahren besteht kein
Anlass, von den tatsächlichen Feststellungen der Polizei abzuweichen.
b) Besondere Umstände des Einzelfalles dürfen nur bis zur gesetzlich
vorgeschriebenen Mindestentzugsdauer berücksichtigt werden (BGE 135 II 334 E. 2.2).
Mit einer Entzugsdauer von einem Monat sprach die Vorinstanz die gesetzlich
vorgeschriebene Mindestentzugsdauer aus. Sie liess die durch den Rekurrenten
geltend gemachten Umstände im Rahmen ihres Ermessensspielraumes folglich bereits
vollständig in ihre Beurteilung einfliessen. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass der
Rekurrent anlässlich der Blutalkoholprobe im Jahre 2011 ebenfalls geltend gemacht
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hatte, lediglich 3 dl Bier sowie einen Kaffee mit Schnaps getrunken zu haben (act.
9/18). Die Blutalkoholkonzentration lag damals um 0,1 Gew.-‰ höher als zum
Zeitpunkt der Verkehrskontrolle vom 7. April 2012. Sollten die angegebenen
identischen Alkoholmengen tatsächlich korrekt gewesen sein, hätte der Rekurrent im
zweiten Fall gewarnt sein müssen. Insbesondere hätte er wissen müssen, dass diese
Alkoholmenge zu Fahrunfähigkeit führt. Andernfalls wären die zu Protokoll gegebenen
Trinkmengen reine Schutzbehauptungen gewesen, aus welchen der Rekurrent nichts
zu seinen Gunsten ableiten kann. Dasselbe gilt für den Einwand, dass die zusätzliche
Einnahme von Medikamenten zum erhöhten Blutalkoholwert geführt habe. Wer
Medikamente einnimmt, hat der Fahrfähigkeit ein besonderes Augenmerk zu widmen.
Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass bei Medikamenteneinnahme auf Alkohol
verzichtet werden sollte.
5.- Insgesamt trägt die von der Vorinstanz verfügte Mindestentzugsdauer dem
Verschulden des Rekurrenten und der von ihm verursachten Gefährdung angemessen
Rechnung. Der automobilistische Leumund ist mit zwei Verwarnungen vom 11. Mai
2011 und vom 10. Juli 2006 belastet. Dieser Umstand wird dadurch berücksichtigt,
dass für die leichte Widerhandlung vom 7. April 2012 nicht mehr eine blosse
Verwarnung ausgesprochen werden kann, sondern der Führerausweis für mindestens
einen Monat entzogen werden muss. Weder der geltend gemachte
Medikamenteneinfluss noch eine Angewiesenheit auf das Fahrzeug lassen eine
Unterschreitung der gesetzlichen Mindestentzugsdauer zu.
6.- Der Rekurs erweist sich in sämtlichen Punkten als unbegründet und ist deshalb
abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.--
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.