Decision ID: 1d63858d-a0f0-5711-8780-627ad43d0420
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Nichteintreten auf neues Leistungsgesuch
Sachverhalt:
A.
A.a Die 19_ geborene A._ meldete sich am 3. November 2005 (Eingang bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen) erstmals zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an (IV-
act. 1).
A.b Mit Arztbericht vom 14. Dezember 2005 stellte Hausarzt Dr. med. B._ die
folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: zervikobrachiales
Schmerzsyndrom links mit Schonhaltung des linken Armes, spondylogenes
Schmerzsyndrom im BWS- und LWS-Bereich, Depression sowie erhebliche
Kommunikationsprobleme bei Kosovo-Immigration mit wenig Deutschkenntnissen. Die
Versicherte sei seit 20. Dezember 2004 bis auf Weiteres zu 100% arbeitsunfähig.
Anamnestisch verwies Dr. B._ auf einen Unfall vom 20. September 2004. Die
Versicherte sei während der Arbeit von einem Hubstapler touchiert worden und zu
Boden gefallen. Als Unfalldiagnose führte er ein Skelett- und Muskeltrauma an (IV-act.
16-1f., vgl. auch Fremdakten: Arztzeugnis UVG von Dr. med. C._, FMH Allgemeine
Medizin, vom 26. Oktober 2004).
A.c Nachdem sich die Versicherte infolge des Unfalls vom 20. September 2004 vom
10. November bis 17. Dezember 2004 in der Rehaklinik Bellikon zur Rehabilitation
aufgehalten hatte, hatte ihr die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) mit
Schreiben vom 6. Januar 2005 mitgeteilt, dass gemäss Austrittsbericht der Rehaklinik
Bellikon vom 28. Dezember 2004 keine Unfallfolgen mehr feststellbar seien, weshalb
sie das Taggeld für eine volle Arbeitsunfähigkeit bis und mit 19. Dezember 2004
überweisen werde bzw. die Folgen des Unfalls vom 20. Dezember 2004 per
vorgenanntem Datum als abgeschlossen betrachte (vgl. Fremdakten).
A.d Nachdem der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
Hausarztes als in keiner Weise untermauert und nachvollziehbar betrachtet hatte (IV-
act. 17), erfolgte am 22. Mai 2006 eine Begutachtung durch die Ärztliche
Begutachtungsinstitut GmbH, Basel (ABI), welche eine orthopädische Untersuchung
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durch Dr. med. D._ sowie eine psychiatrische Untersuchung durch Dr. med. E._
umfasste. Mit polydisziplinärem Gutachten vom 30. Juni 2006 wurden orthopädisch mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches zervikobrachiales Schmerzsyndrom
links (ICD-10 M53.1) bei Status nach Kontusion der linken Körperhälfte am 20.
September 2004 (ICD-10 T92.9) und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Verdacht
auf eine Schmerzverarbeitungsstörung gestellt. Psychiatrische Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit wurden keine gestellt, und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10 F68.0).
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, dass in der angestammten Tätigkeit
und anderen körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten eine zumutbare
Arbeitsfähigkeit von 100% und im Haushalt eine solche von 90% bestehe (IV-act. 24).
A.e Mit Vorbescheid vom 25. Juli 2006 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0% in Aussicht (IV-act. 31). Am 15.
September 2006 liess die Versicherte durch ihren damaligen Rechtsvertreter,
Rechtsanwalt lic. iur. V. Erduran, Sargans, Einwand erheben (IV-act. 32). Mit Verfügung
vom 21. September 2006 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 35). Die
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
B.a Am 25. März / 6. April 2011 (Eingang bei der IV-Stelle) meldete sich die Versicherte
erneut bei der IV-Stelle zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 45, 51f.). Laut
beigelegtem Bericht der Klinik F._ vom 30. November 2010 hatte sich die Versicherte
vom 11. Oktober bis 12. November 2010 stationär dort aufgehalten und hatten die
behandelnden Ärzte die Diagnosen rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3), sowie
Anpassungsstörungen (ICD-10: F43.21) gestellt (IV-act. 47).
B.b Am 8. April 2011 ersuchte die IV-Stelle den RAD um Stellungnahme betreffend die
Neuanmeldung. Konkret ersuchte sie um Beantwortung der Fragen, ob aus
medizinischer Sicht unter Berücksichtigung des Berichts der Klinik F._ eine relevante
Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts glaubhaft sei, und falls ja, ob in Bezug
auf berufliche Massnahmen Eingliederungspotenzial bestehe bzw. von welcher
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Arbeitsfähigkeit heute auszugehen sei und ab welchem Zeitpunkt (IV-act. 53). Am 18.
April 2011 ersuchte der RAD um Einholung eines Arztberichts bei Dr. B._
einschliesslich der Beantwortung von Zusatzfragen (IV-act. 55). Nachdem Dr. B._ am
28. Juni 2011 den Arztbericht eingereicht und die Zusatzfragen beantwortet hatte (IV-
act. 61), nahm der RAD am 21. Juli 2011 in einer Zusammenschau der medizinischen
Aktenlage Stellung (IV-act. 62).
B.c Mit Vorbescheid vom 14. Oktober 2011 stellte die IV-Stelle in Aussicht, mangels
Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse seit
der letzten Verfügung sei auf das Leistungsbegehren nicht einzutreten (IV-act. 65).
Dagegen erhob die Versicherte am 15. November 2011 Einwand (IV-act. 66).
B.d Am 8. Februar 2012 verfügte die IV-Stelle im Sinn des Vorbescheids (IV-act. 67).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 9. März 2012 liess die Beschwerdeführerin durch
Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller, Teufen, beantragen, die Verfügung vom 8. Februar
2012 sei aufzuheben und auf das Leistungsbegehren vom 28. März 2011 sei
einzutreten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Weiter wurde die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
inkl. Verbeiständung durch den Unterzeichneten beantragt (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. April 2012 schloss die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
C.c Am 23. April 2012 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 6).
C.d Mit Replik vom 22. August 2012 hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
unverändert an seinem Beschwerdeantrag - die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, auf das Leistungsbegehren einzutreten, fest. Eventualiter werde natürlich
auch die Zusprache einer IV-Rente beantragt, doch gehe es im Moment lediglich um
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das Eintreten auf die Neuanmeldung (act. G 13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete
auf die Einreichung einer Duplik (act. G 17).
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und die Ausführungen in
den übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2012 ist der erste Teil der 6. Revision der Invalidenversicherung in Kraft
getreten. In zeitlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 130 V
445; 127 V 466 E. 1; 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat
die angefochtene Verfügung am 8. Februar 2012 und somit nach Inkrafttreten der IV-
Revision 6a erlassen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der sich nach der
rechtskräftigen Verfügung vom 21. September 2006 im Jahr 2011 und damit vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 6. IV-Revision ereignet hat. Die
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen im vorliegenden Fall ohnehin keine materiell-
rechtlichen Folgen, weshalb nachfolgend die zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses
anwendbaren Bestimmungen wiedergegeben werden.
2.
Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf
das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 25. März / 6. April 2011 eingetreten ist. Eine
materielle Beurteilung bildet nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
3.
3.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
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Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht ein Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.2 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird
gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201; Fassung 2012) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen
nach Abs. 2 erfüllt sind. Nach jener Bestimmung muss in einem Revisionsgesuch
glaubhaft gemacht werden, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Durch diese Eintretensvoraussetzung soll verhindert
werden, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher
begründeten Rentengesuchen befassen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2.
November 2011, 8C_624/2011, E. 4.3.1, mit Hinweis). Eine erstmalige
Rentenzusprache aufgrund einer Neuanmeldung nach vorangegangener Ablehnung
eines Rentengesuchs gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV in Verbindung mit Abs. 2 dieser
Bestimmung setzt voraus, dass seit der letzten rechtskräftigen Verfügung, die auf einer
materiellen Prüfung des Anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V
108 E. 5.4, 130 V 71 E. 3.2.3), eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen
eingetreten ist, welche zu einem höheren Invaliditätsgrad führt, der nunmehr einen
Rentenanspruch begründet (BGE 133 V 108 E. 5).
3.3 Nach der Rechtsprechung ist unter Glaubhaftmachung im Sinn von Art. 87 Abs. 2
IVV kein Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 121 V 47 E. 2a) zu verstehen.
Dem Zweck der Eintretenshürde von Art. 87 Abs. 2 IVV gemäss muss es sich bei der
Glaubhaftmachung um eine deutlich reduzierte Beweisanforderung handeln. Es genügt,
dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse
Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
dass eine eingehende Sachverhaltsabklärung die behauptete Veränderung nicht
bestätigen wird. Bei der Prüfung der Eintretensvoraussetzung der glaubhaft gemachten
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Sachverhaltsänderung berücksichtigt die Verwaltung - oder im Beschwerdefall das
Gericht -, ob die frühere Verfügung nur kürzere oder schon längere Zeit zurückliegt. Sie
wird dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe
Anforderungen stellen (SVR 2003 IV Nr. 25 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Januar 2008, 9C_688/2007).
4.
4.1 Ausgangspunkt für die Verlaufsbeurteilung ist vorliegend die rechtskräftige
Verfügung vom 21. September 2006 (IV-act. 35). Damals wurde von einer 100%-igen
Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten wie auch in einer leidensangepassten
Tätigkeit ausgegangen. Die Neuanmeldung reichte die Beschwerdeführerin rund 4 1⁄2
Jahre nach der rechtskräftig gewordenen Verfügung vom 21. September 2006 am 25.
März bzw. 6. April 2011 ein (IV-act. 45, 52). Damit sind an die Glaubhaftmachung neuer
Tatsachen keine hohen Anforderungen zu stellen.
4.2
4.2.1 Der rechtskräftigen Verfügung vom 21. September 2006 liegt in medizinischer
Hinsicht das ABI-Gutachten vom 30. Juni 2006 zugrunde. Darin finden sich als
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches zervikobrachiales
Schmerzsyndrom links (ICD-10 M53.1) bei Status nach Kontusion der linken
Körperhälfte am 20. September 2004 (ICD-10 T92.9) und als Diagnose ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen
Gründen (ICD-10 F68.0). In der psychiatrischen Untersuchung fand sich laut Gutachten
eine psychopathologisch sehr einfach strukturierte Explorandin. Der Gedankengang sei
auf die Beschwerden fixiert, affektiv sei sie gut moduliert, sie wirke in keiner Weise
depressiv, subjektiv gebe sie eine gewisse Nervosität wegen ihrer Hilflosigkeit an und
nachts leide sie wegen der Schmerzen unter Schlafstörungen. Die Explorandin weise
grosse bildungsmässige sowie sprachliche Defizite auf. Sie sei in der Schweiz kaum
integriert und auf dauernde Hilfe von aussen angewiesen. Einer Erwerbstätigkeit sei sie
erstmals im Jahr 2002 nachgegangen. Sie beschreibe die Arbeit als problemlos, doch
habe sie relativ viel gearbeitet. Der Bagatellunfall vom 20. September 2004 habe zu
einer starken Schmerzfehlentwicklung geführt. Die Explorandin gehe völlig inadäquat
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mit den Beschwerden um, verhalte sich passiv. Diese Schmerzverarbeitung müsse
teilweise im kulturellen Kontext interpretiert werden, hänge teilweise aber auch mit den
relativ geringen Ressourcen zusammen und sei daher eine deutliche Fehlverarbeitung
(IV-act. 24). Dem ABI hatte der Bericht des behandelnden Hausarztes Dr. B._ vom
14. Dezember 2005 vorgelegen, worin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die
Diagnosen zervikobrachiales Schmerzsyndrom links mit Schonhaltung des linken Arms,
spondylogenes Schmerzsyndrom im BWS- und HWS-Bereich, erhebliche
Kommunikationsprobleme bei Kosovo-Immigration mit wenig Deutschkenntnissen
sowie Depression festgehalten waren. Als stattfindende therapeutische Massnahmen
wurden eine Physio- und Schmerztherapie sowie wöchentliche Kontrollen angeführt.
Dr. B._ attestierte der Beschwerdeführerin seit 20. Dezember 2004 bis auf weiteres
eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 16). Zum Hausarztbericht wurde im ABI-
Gutachten festgehalten, dass die Diagnose der Depression nicht begründet sei und
damit auch nicht nachvollzogen werden könne. In der Rehaklinik Bellikon, wo die
Beschwerdeführerin fast gleichzeitig hospitalisiert gewesen sei, hätten jedenfalls keine
Hinweise auf eine Depression festgestellt werden können. Eine spezifische
psychiatrische Therapie sei nicht indiziert. Aus orthopädischer Sicht bestehe gemäss
eigenen Aussagen der Beschwerdeführerin für die angestammte Tätigkeit und für jede
andere körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Die weitgehende Funktionslosigkeit des linken Arms
sei nicht auf objektivierbare strukturelle Läsionen zurückzuführen, vielmehr handle es
sich um eine willkürliche Schonhaltung, durch die sich jedoch kein Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit ableiten lasse. Hingegen dürfte die zumutbare Arbeitsfähigkeit in einem
durchschnittlichen Haushalt mit einem Anteil 10% körperlich schwerer Tätigkeiten 90%
betragen. Aus psychiatrischer Sicht lasse sich keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit erheben (IV-act. 24).
4.2.2 In dem mit der Neuanmeldung vom 25. März bzw. 6. April 2011 eingereichten
Bericht der Klinik F._ vom 30. November 2010 stellten die behandelnden Ärzte nun
die Diagnosen rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit
psychotischen Symptomen (ICD 10: F 33.3), sowie Anpassungsstörungen (ICD 10: F
43.21) und notierten eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit. Für den Zeitpunkt des Eintritts
in die Klinik (11. Oktober 2010) wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin seit
dem vor sechs Jahren erlittenen Unfall unter Schulter- und Kopfschmerzen leide und
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auch psychisch instabil sei. Die Tochter berichte von einer Zustandsverschlechterung
in den letzten sechs Monaten, wodurch sie selbst auch überfordert sei. Die
Beschwerdeführerin sei gereizt, traurig, nervös, kaum belastbar, unruhig, ständig
gespannt, habe sich zurückgezogen und bewege sich kaum. Sie sei massiv
niedergeschlagen, fühle sich nutzlos und streite oft mit dem Vater, der aktuell arbeitslos
sei. Sie sei für nichts motiviert, schlafe schlecht und habe Albträume. Sie habe Angst,
auf den Boden zu fallen, höre Stimmen eines G._ (G._ sei ein Arbeitskollege, der
während des Unfall bei ihr gewesen sei), der ihr sage, dass sie selbst am Unfall Schuld
sei. Selbstmordgedanken habe sie auch, aber keine konkreten Pläne. Auch seien keine
Versuche bekannt. Sie sei hoffnungslos. Bezüglich Hospitalisationsverlauf wurde
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin leidend, niedergeschlagen, passiv
zurückgezogen, verzweifelt und demotiviert gewirkt habe. Sie habe über
Schlafstörungen mit Alpträumen geklagt. Des Weiteren habe sie von akustischen
Halluzinationen und Angstzuständen berichtet. Am 12. November 2010 sei die
Beschwerdeführerin in einem etwas gebesserten psychischen Zustand nach
Rücksprache mit den Töchtern entlassen worden. In der zusammenfassenden
Beurteilung wurde schliesslich geschrieben, dass die 55-jährige Beschwerdeführerin
mit rezidivierender depressiver Störung und anhaltender Schmerzstörung wegen einer
akuten depressiven Dekompensation freiwillig zur ersten Aufnahme in die Klinik
eingetreten sei. Die Beschwerdeführerin habe über massive Angst und Schlafstörungen
geklagt. Unter medikamentöser Behandlung sei es zu einer Besserung des
psychischen Zustandsbildes gekommen (IV-act. 47).
4.2.3 Mit Arztbericht vom 28. Juni 2011 diagnostizierte Dr. B._ mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit eine depressive Störung, schwere Episoden mit psychotischen
Symptomen (ICD 10: F 33.3), bestehend seit 2005, sowie einen Status nach
Arbeitsunfall 20. September 2004 mit bleibender Schonhaltung des linken Arms,
bestehend seit 20. September 2004. Anamnestisch hielt Dr. B._ fest, dass nach
Jahren der Verkennung der psychiatrischen Erkrankung im Rahmen der Hospitalisation
in F._ die Diagnose gestellt worden sei, und als ärztlichen Befund vermerkte er ein
seit Jahren unverändertes klinisches Bild. Schliesslich hielt er fest, dass bei der
Beschwerdeführerin eine Antriebsverminderung bis zur Apathie sowie eine Depression
bestünden, welche sich mit einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit bei der Arbeit
auswirkten (IV-act. 61).
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4.2.4 Laut Stellungnahme des RAD vom 21. Juli 2011 ist aufgrund der dargelegten
Aktenlage eine Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin
versicherungsmedizinisch nicht plausibel nachvollziehbar. Die neu vorgelegten
medizinischen Berichte könnten nur als Argumentation für eine andere Beurteilung des
seit Jahren gleichen und unveränderten gesundheitlichen Zustands gesehen werden.
Dr. B._ schreibe explizit, dass sich der Zustand seit Jahren nicht geändert habe und
der Klinikaufenthalt in der Klinik F._ eigentlich nur dazu gedient habe zu "beweisen",
dass er mit seiner Annahme, seine Patientin sei "falsch" beurteilt worden, recht
(gehabt) habe. So gesehen gehe es somit letztlich um eine (erneute) andere Beurteilung
des gleichen und unveränderten Gesundheitszustands gegenüber der psychiatrischen
Begutachtung des ABI vom 30. Juni 2006. Die vorgebrachten "neuen" Symptome
(Stimme des seinerzeit beim Unfall anwesenden Kollegen hören, der ihr sage, dass sie
schuld sei) könnten einerseits als Beschwerdenakzentuierung oder
Symptomausweitung der histrionischen Züge der auch vom ABI-Gutachter Dr. E._
festgestellten Diagnose ICD-10: F68.0 (Entwicklung körperlicher Symptome aus
psychischen Gründen) im Sinne von Gedankenlautwerden interpretiert werden, oder als
anlässlich der ABI-Begutachtung von der Beschwerdeführerin nicht thematisiertes
Phänomen. In dieser Abklärungssituation sei es eher um die Präsentation der
somatischen Schmerzsymptomatik gegangen. Die Klinik F._ berufe sich bei der
Behauptung, dass seit ca. 6 Monaten eine Verschlechterung des Gesundheitszustands
vorläge, ausschliesslich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin und ihrer
Tochter und stehe damit im deutlichen Widerspruch zu Dr. B._, der explizit ein "seit
Jahren unverändertes klinisches Bild" (also auch des affektiven Zustandsbildes)
bestätige (IV-act. 62).
5.
5.1 Entgegen der Beurteilung des RAD, auf welche die Beschwerdegegnerin ihr
Nichteintreten auf das neue Leistungsgesuch abstellt, erscheint mit dem Bericht der
behandelnden Ärzte der Klinik F._ eine relevante Verschlechterung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin glaubhaft gemacht. Geht man davon
aus, dass seit der Verfügung vom 21. September 2006 neue Diagnosen, namentlich
psychiatrische Diagnosen mit Krankheitswert nach dem Diagnoseklassifikationssystem
der ICD (vgl. dazu H. Dilling/H.J. Freyberger [Hrsg.], Taschenführer zur ICD-10-
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Klassifikation psychischer Störungen, 5. Aufl. Bern 2010) hinzugekommen sind, welche
zudem die Grundlage für eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit bilden, ergeben sich
durchaus Anhaltspunkte für eine erhebliche Veränderung des Sachverhalts, die eine
rentenrelevante Auswirkung auf den Invaliditätsgrad haben könnten.
5.2 Zwar stützen die Ärzte der Klinik F._ ihre Diagnose - wie vom RAD festgestellt -
auch auf subjektive Angaben der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter ab. Gerade die
psychiatrische Exploration berücksichtigt jedoch von der Natur der Sache her - die
Psychiatrie kann sich im Regelfall nicht an objektivierbaren, strukturellen
Gesundheitsschäden orientieren - wesentlich die vom Patienten beschriebenen und
anlässlich einer Untersuchung nicht allesamt sichtbaren Empfindungen, Gefühle und
Umstände, wie herabgesetzte Grundstimmung, Angstzustände, Schweissausbrüche,
Unruhe, Lähmung im Antrieb, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Die untersuchende
psychiatrische Fachperson hat die subjektiven Angaben nach den Grundsätzen der
Psychiatrie und gestützt auf die eigenen Untersuchungsbefunde zu definieren bzw. zu
deuten, als glaubwürdig oder unglaubwürdig einzustufen und in diesem Sinn zu
objektivieren. Die Ärzte der Klinik F._ erhoben die von der Beschwerdeführerin und
der Tochter geschilderten psychischen Auffälligkeiten - leidend, niedergeschlagen,
passiv zurückgezogen, verzweifelt und demotiviert - im Wesentlichen durchaus auch
selber als Befunde und erachteten insgesamt - auch angesichts der geklagten
massiven Angst und Schlafstörungen sowie den berichteten Halluzinationen - die von
ihnen gestellten psychiatrischen Diagnosen als gegeben und die Arbeitsfähigkeit als
eingeschränkt.
5.3 Soweit der RAD vorbringt, die vorgelegten medizinischen Berichte könnten nur als
Argumentation für eine andere Beurteilung des seit Jahren gleichen und unveränderten
gesundheitlichen Zustands gesehen werden, ist anzumerken, dass für das
Glaubhaftmachen einer wesentlichen Änderung im Sinn von Art. 87 Abs. 2 IVV auch
eine abweichende medizinische Einschätzung genügen kann. Eine bloss
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts
stellt zwar zweifellos keine revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 E. 2b).
Als Indiz dafür, eine relevante, nachträgliche Veränderung als wenigstens glaubhaft
erscheinen zu lassen, kann aber eine erhebliche Differenz in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung - wie sie von der Klinik F._ und Dr. B._ vorgenommen
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wurde - genügen (Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
16. Mai 2007, IV 2007/54, E. 2e, vom 17. Juni 2008, IV 2008/9, E. 2.5.4 und vom 28.
Januar 2009, IV 2008/189, E. 3.3).
5.4 Die Argumentation der Beschwerdegegnerin bzw. des RAD hinsichtlich der
Aussagen von Dr. B._ vermag ebenfalls nicht zu überzeugen. Die glaubhafte
relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin wird
dadurch nicht in Frage gestellt. Das ABI hat in seinem Gutachten das Vorhandensein
einer depressiven Störung wiederholt verneint. Auf dieser Beurteilung basiert, wie
bereits erwähnt, die Verfügung vom 21. September 2006. Dr. B._ geht
demgegenüber von einer bei der Beschwerdeführerin schon seit Jahren bzw. seit 2005
bestehenden depressiven Störung aus. Die Aussage von Dr. B._ "nach Jahren der
Verkennung der psychiatrischen Erkrankung wurde im Rahmen der Hospitalisation in
F._ die Diagnose gestellt" darf mithin im Sinn einer Gegenüberstellung seiner
Beurteilung mit derjenigen des ABI gesehen werden. Nachdem sich auch die
hausärztliche Beurteilung unter anderem auf den vom ABI im Rahmen der
Erstanmeldung beurteilten Gesundheitszustand bezieht und die Beschwerdegegnerin
im Rahmen der Verfügung vom 21. September 2006 mit der Begründung auf das ABI-
Gutachten abstellte, einer MEDAS sei mehr Gewicht beizumessen als dem Hausarzt,
lässt sich von der Aussage von Dr. B._ nichts zu Lasten der Beschwerdeführerin
ableiten. Aus Sicht von Dr. B._ stimmt seine Aussage, hatte er doch das Bestehen
einer depressiven Störung bereits in seinem Bericht vom 14. Dezember 2005
vorgebracht. In Bezug auf die Glaubhaftmachung einer relevanten Verschlechterung
des Gesundheitszustands ist aber vielmehr massgebend, dass von den Ärzten der
Klinik F._ eine depressive Störung neu diagnostiziert wurde. Dr. B._ hat in seinem
Bericht vom 28. Juni 2011 die Diagnose der Klinik F._ übernommen und mit der
Zeitangabe "2005" für den Beginn einer depressiven Störung einfach nochmals seine
ursprünglich nicht als massgeblich beurteilte Auffassung bekräftigt. Die Interpretation
der hausärztlichen Aussage "seit Jahren unverändertes klinisches Bild" durch den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin - Dr. B._ meine damit zweifellos die Somatik
- ist sodann insofern stimmig, als die klinische bzw. körperliche Untersuchung
vordergründig der Erfassung somatischer pathologischer Abweichungen dient. Dies
auch wenn sie - insbesondere die Methode der Inspektion: Betrachtung des Patienten
(Bewusstseinlage wach? orientiert?, Allgemein- und Ernährungszustand) - bei der
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Diagnostik psychischer pathologischer Abweichungen weiterhilft (vgl. dazu R. Tölle/K.
Windgassen, Psychiatrie, 14. Aufl. 2005, S. 35 ff.; U. Hoffmann-Richter, Die
psychiatrische Begutachtung, Stuttgart 2005, S. 33 ff.; W. Schneider/P. Henningsen/U.
Rüger, Sozialmedizinische Begutachtung in Psychosomatik und Psychotherapie, Bern
2001, S. 294 ff.; http://de.wikipedia.org/wiki/ K%C3%B6rperliche_Untersuchung http://
flexikon.doccheck.com/de/K%C3%B6rperliche _Untersuchung; beide abgerufen am
15. Dezember 2013). Wie die Aussage von Dr. B._ letztlich zu verstehen ist, kann
jedoch offen bleiben. Ein massgebender Hinweis gegen eine glaubhafte
Verschlechterung des Gesundheitszustands kann nämlich angesichts des eingangs
von Erwägung 5.4 Gesagten jedenfalls in der vorgenannten Anmerkung nicht gesehen
werden.
5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vor dem gegebenen Hintergrund eine
relevante Änderung des Invaliditätsgrades im Sinne von Art. 87 Abs. 3 in Verbindung
mit Abs. 2 IVV seit Erlass der Verfügung vom 21. September 2006 glaubhaft gemacht
ist. Die Beschwerdegegnerin ist deshalb zu Unrecht auf die Neuanmeldung vom 25.
März bzw. 6. April 2011 nicht eingetreten.
6.
6.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 8. Februar
2012 aufzuheben und die Sache zur materiellen Prüfung der Neuanmeldung vom 25.
März bzw. 6. April 2011 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat
die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
6.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Die Bedeutung und
Komplexität der Streitsache erscheint vorliegend leicht unterdurchschnittlich, weshalb
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) angemessen ist.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 07.02.2014 Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV: Glaubhaftmachung einer relevanten Änderung des Invaliditätsgrades (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Februar 2014, IV 2012/95).
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2021-09-19T11:45:15+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen