Decision ID: 8ab5d7af-62b8-50fa-b66f-7925b63bf5f6
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 5. September 2020 um Asyl in der
Schweiz.
B.
B.a Am 18. September 2020 erfolgte die Personalienaufnahme (PA). Am
22. September 2020 fand das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 Verord-
nung (EU) Nr. 604/2013 («Dublin-Gespräch») statt und am 16. November
2020 wurde der Beschwerdeführer eingehend zu den Asylgründen ange-
hört.
Dabei brachte er vor, er sei ethnischer Hazara und im Dorf B._ (Dis-
trikt C._, Provinz D._) geboren und aufgewachsen. Er habe
(...) Jahre die Grundschule besucht, sei dann (...) Jahre in eine höhere
Schule in B._ gegangen und habe die Schule mit der (...). Klasse
abgeschlossen. Nach der Schule habe er nicht gearbeitet, da er sich schon
kurz nach Schulabschluss auf der Flucht befunden habe beziehungsweise
habe er jahrelang als Tagelöhner gearbeitet, wenn er jeweils Arbeit gefun-
den habe. Zudem habe er seinen Vater bei der Feldarbeit unterstützt.
Im Jahr (...) habe er zwei Vorfälle mit den Taliban erlebt. Nach dem Besuch
eines (...) sei er eines Tages an einem Checkpoint von den Taliban auf dem
Nachhauseweg angehalten und belästigt worden. Als die Taliban seine Bü-
cher gesehen hätten, hätten sie ihn darauf aufmerksam gemacht, dass Tä-
tigkeiten wie (...) gegen ihre Religion verstossen würden. Er habe den Ta-
liban anschliessend das Kursgebäude zeigen müssen. Die Taliban hätten
ihn angepöbelt und er habe grosse Angst gehabt. Nachdem die Taliban mit
dem Kursleiter gesprochen hätten, hätten sie ihn (Beschwerdeführer) nach
Hause geschickt und gedroht, ihn zu schlagen respektive zu vernichten,
falls er nochmals beim Kursgebäude auftauchen sollte. Ein anderes Mal
hätten die Taliban in seiner Anwesenheit zwei Freunde nach einem Mo-
scheebesuch beim Zigarettenrauchen erwischt. Die Taliban hätten ihm
deshalb Ohrfeigen gegeben und gedroht, ihm bei einer Wiederholung
Schlimmeres anzutun. Er habe Angst bekommen und sei sofort nach
Hause gegangen.
Nach der Eroberung von D._ durch die Taliban im Jahr (...) sei die
Lage von Tag zu Tag unsicherer und die Regeln der Taliban seien immer
strenger geworden, weswegen er und seine Familie D._ am (...)
verlassen hätten. Anschliessend habe er sich für (...) Monate in E._
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aufgehalten, wo seine Familie nach wie vor lebe. Er sei dann über
F._ in den G._ weitergereist, wo er ein Jahr in der Stadt
H._ gelebt und als Obstgärtner gearbeitet habe. Daraufhin sei er in
die I._ gereist und habe rund (...) Monate in der Stadt J._
(phon.) verbracht. Von dort aus sei er über K._ am (...) in die
Schweiz gelangt.
Bei einer Rückkehr nach Afghanistan befürchte er, von den Taliban getötet
zu werden, da er Hazara sei und nicht nach den Regeln der Taliban leben
wolle. Er habe zudem Angst davor, von den Taliban zu einem Terroran-
schlag gezwungen zu werden.
B.b Der Beschwerdeführer reichte keine Beweismittel zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 20. November 2020 teilte das SEM den Beschwerde-
führer aufgrund von Kapazitätsgrenzen bei der Unterbringung von Perso-
nen im BAZ L._ dem erweiterten Verfahren zu.
D.
Die damalige Rechtsvertretung des Beschwerdeführers teilte dem SEM mit
Eingabe vom 9. Dezember 2020 die Beendigung des Mandatsverhältnis-
ses mit.
E.
Mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Weg-
weisungsvollzug an.
F.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
15. Januar 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlings-
eigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl in der Schweiz zu gewähren,
eventuell sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig, un-
zumutbar und unmöglich sei, und es sei die vorläufige Aufnahme anzuord-
nen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes. Eventu-
ell sei die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen.
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Der Beschwerde lag eine Fürsorgebestätigung vom 15. Januar 2021 bei.
G.
Mit Eingabe vom 4. Februar 2021 reichte der Beschwerdeführer eine
Tazkira und eine Essenskarte eines (...) Flüchtlingscamps – je als Foto-
ausdruck – ein. Er brachte vor, die Essenskarte belege seine geschilderte
Fluchtroute; sie sei ihm von Freunden zugestellt worden. Die Tazkira habe
er durch einen in seiner Heimat beauftragten Anwalt über die dortigen Be-
hörden erhältlich machen können. Beide Dokumente seien ihm als Foto
per Facebook-Messenger zugestellt worden.
H.
Die Vorinstanz liess sich mit Eingabe vom 28. Juni 2021 zur Beschwerde
vernehmen.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2021 hiess die Instruktionsrichterin –
unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhält-
nisse – das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
gut und ordnete dem Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertreterin
als amtliche Rechtsbeiständin bei.
J.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 15. Juli 2021. Der Rep-
lik lag eine Kostennote seiner amtlichen Rechtsbeiständin vom 9. Juni
2021 bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
2. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt von Erwägung 3. – einzutreten (Art. 108
Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu
(vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz hat diese
nicht entzogen. In Ermangelung eines Rechtsschutzinteresses ist daher
auf den Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung nicht
einzutreten.
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Aufgrund
seiner Aussagen sei unklar, wann genau er sein Heimatdorf verlassen
habe, daher sei grundsätzlich fraglich, ob sich die von ihm erwähnten Vor-
fälle in seinem Heimatdorf so überhaupt zugetragen hätten. Auch bei Wahr-
unterstellung würden die dargelegten Massnahmen der Taliban gegen
seine Person im Allgemeinen keine Intensität aufweisen, welche ein men-
schenwürdiges Leben in seinem Heimatstaat verunmöglichen oder in un-
zumutbarer Weise erschweren würden. Zudem hätten die beiden geschil-
derten Vorfälle – Anhaltung und Befragung durch die Taliban nach einem
(...) und Ohrfeigen wegen Zigarettenrauchens – im Jahr (...) stattgefunden.
Gemäss seinen Angaben sei er jedoch noch bis Ende (...) in seiner Hei-
matregion verblieben, ohne dass es bei ihm persönlich zu weiteren nen-
nenswerten Vorfällen gekommen sei. Es könne deshalb davon ausgegan-
gen werden, dass die beiden Begegnungen mit den Taliban respektive de-
ren Verwarnungen keine nennenswerten längerfristigen Auswirkungen auf
sein Leben gehabt hätten. Die übrigen von ihm angesprochenen Umstände
– wie die generell schlechte Sicherheitslage in seinem Heimatdorf – welche
durch die Präsenz der Taliban entstanden seien, vermöchten auch keine
flüchtlingsrechtliche Relevanz zu entfalten, da sie einen Grossteil der Be-
völkerung in gleichem Masse betreffen würden. Gemäss geltender Recht-
sprechung stelle die Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara alleine noch kei-
nen Asylgrund im Sinne von Art. 3 AsylG dar. Er habe sich mit seinen Aus-
sagen auf die Situation der Hazara im Allgemeinen bezogen, weshalb auch
diese Vorbringen keine Asylrelevanz zu entfalten vermöchten.
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Zudem seien seine Schilderungen zu seiner Biographie unsubstantiiert, wi-
dersprüchlich sowie tatsachenwidrig ausgefallen, weshalb sie dem An-
spruch an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügen würden.
Nach ständiger Rechtsprechung sei es nicht Aufgabe der Asylbehörden,
bei fehlenden Hinweisen seitens der Gesuchsteller nach allfälligen Weg-
weisungshindernissen zu forschen, falls diese – wie vorliegend beim Be-
schwerdeführer der Fall – ihrer Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht im Rah-
men der Sachverhaltsermittlung nicht nachkommen und die Asylbehörden
zu täuschen versuchen. Es werde nicht grundsätzlich angezweifelt, dass
er in D._ geboren sei und dort eine Weile gelebt habe, aber auf-
grund der Widersprüche und Tatsachenwidrigkeiten in seinen Aussagen,
könne nicht ausgeschlossen werden, dass er bereits viel länger als ange-
geben in E._ gelebt habe. Folglich sei zu mutmassen, dass er über
gesicherte Wohnverhältnisse in E._ verfüge.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmittelschrift, die Vor-
instanz habe ihm seine Vorbringen nicht geglaubt, weil er die Daten durch-
einandergebracht und keinen Ausweis eingereicht habe. Angesichts seiner
Fluchtroute sei es jedoch nicht verwunderlich, dass er seine Tazkira nicht
mehr besitze. Er werde jedoch versuchen, eine Kopie erhältlich zu machen.
Ferner kenne kaum ein Afghane seinen Geburtstag, da dies in Afghanistan
kein wichtiger Tag sei. Die Daten seiner Flucht könne er nicht genau ange-
ben, da er keinen Kalender bei sich gehabt und sich nach seiner Flucht vor
den Taliban nur um sein Überleben gekümmert habe. Er gehöre zu den
Hazara. Wenn sich diese Volksgruppe nicht den Regeln der Taliban an-
passe, werde sie getötet. Er müsste sich sein Leben lang verstellen und
habe keine Freiheiten mehr. Wenn beispielsweise geraucht oder ein Com-
puter benutzt werde, drohe Bestrafung durch die Taliban. Bei einer Rück-
kehr nach Afghanistan müsse er befürchten, einem unermesslichen psy-
chischen Druck ausgesetzt oder gar umgebracht zu werden. Somit liege
eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG respektive eine entsprechende
Verfolgungsfurcht vor.
5.3 Die Vorinstanz führte in ihrer Vernehmlassung aus, die Beschwerde-
schrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, wel-
che eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Insgesamt
sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer weiterhin beabsich-
tige, die Asylbehörden willentlich über seine Identität zu täuschen und sei-
nen wahren biographischen Hintergrund zu verschleiern. Die auf der
Tazkira aufgeführten Altersangaben würden den vom Beschwerdeführer im
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bisherigen Asylverfahren vorgebrachten Altersangaben markant wider-
sprechen. Gemäss den auf der Fotokopie der Tazkira festgehaltenen Infor-
mationen müsste er zum heutigen Zeitpunkt circa (...) Jahre alt sein – und
nicht wie vorgebracht (...) Jahre. Zudem seien sowohl die ursprüngliche
Tazkira als auch das Duplikat in der Provinz M._ im Distrikt
N._ ausgestellt worden. Der Beschwerdeführer habe jedoch im
Asylverfahren stets vorgebracht, im Dorf B._, im Distrikt C._
in der Provinz D._ geboren, aufgewachsen und in die Schule ge-
gangen zu sein. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse sei zu diesem Zeit-
punkt davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Asylverfahren
auch willentlich falsche Angaben zu seiner Herkunft respektive zu seinen
früheren Wohnorten in Afghanistan gemacht habe, um damit seine wahre
Herkunft zu verschleiern. Weiter habe er wahrheitswidrig ausgeführt, dass
bei den (...) Behörden eine Kopie seiner originalen Tazkira verfügbar sein
müsse, da die (...) Behörden angegeben hätten, im dortigen Asylverfahren
keine Dokumente zum Nachweis seiner Identität erhalten zu haben.
5.4 Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 15. Juli 2021 entgegen,
er habe anfänglich auf seiner Flucht eine Tazkira besessen. Diese sei ihm
jedoch von der (...) Polizei weggenommen worden. Solange er noch im
Besitz seiner Tazkira gewesen sei, sei er von den ausländischen Behörden
entsprechend den Angaben auf der Tazkira konstant mit dem Jahrgang (...)
registriert worden. Nach dem Verlust der Tazkira habe er sich nicht mehr
an sein Geburtsdatum erinnern können, weshalb er seinen Vater telefo-
nisch angefragt habe. Dieser habe ihm mündlich sein Geburtsdatum ange-
geben, welches ihm Freunde in den gregorianischen Kalender umgerech-
net hätten. Dieses von den Freunden angegebene Geburtsdatum ([...])
habe er bei der Anhörung genannt. Er habe nie beabsichtigt, bezüglich sei-
nes Geburtsdatums falsche Angaben zu machen, was sich auch darin
zeige, dass er die Kopie seiner Tazkira zum Beweis seiner Identität einge-
reicht habe. Er sei im Dorf B._, im Distrikt C._ in der Provinz
D._ geboren, aufgewachsen und in die Schule gegangen. Jedoch
stamme seine Familie väterlicherseits aus der Provinz M._ im Dis-
trikt N._, wo sein Vater, sein Onkel und sein Grossvater geboren
seien. Deshalb müssten alle Tazkiras der Familienmitglieder in jener Pro-
vinz ausgestellt werden. Somit sei der Ausstellungsort vorliegend kein Indiz
dafür, dass er willentlich falsche Angaben zu seiner Herkunft beziehungs-
weise zu seinem früheren Wohnort in Afghanistan gemacht habe. Weiter
halte er auch an der Aussage fest, dass er seine Tazkira in K._ noch
gehabt habe und dass die dortigen Behörden über eine Kopie dieser
Tazkira verfügen müssten. Eventuell sei die von ihm vorgewiesene Tazkira
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von den (...) Behörden fälschlicherweise nicht erfasst worden. Die einge-
reichte IOM-Essenskarte belege überdies, dass er – wie im Dublin-Ge-
spräch angegeben – von K._ über O._, P._ und
Q._ Richtung S._ und die Schweiz gereist sei und seine
zeitlichen Angaben bezüglich der Weiterreise von K._ in die
Schweiz korrekt seien. Denn er habe angegeben, insgesamt (...) Monate
in K._ gewesen zu sein, wo er gemäss (...) Behörden am (...) in
R._ angekommen sei, weshalb er sich sehr wohl am (...) in
Q._ aufgehalten haben könne. Die Essenskarte sei somit ein Beleg
für seine Glaubwürdigkeit in Bezug auf seine Schilderungen der Flucht-
route.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken.
6.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur
Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht zum Zeitpunkt
der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit
verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit
ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen
konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und auch
einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung
als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5).
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. Die Ausfüh-
rungen auf Beschwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Beur-
teilung zu gelangen.
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7.2 In Bezug auf das Kernvorbringen (Anhaltung und Befragung durch Ta-
liban nach (...) sowie Ohrfeigen von Taliban wegen Zigarettenrauchens)
hält die Vorinstanz zu Recht fest, dass – selbst bei Wahrunterstellung –
diese Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. So weisen
die vom Beschwerdeführer vorgebrachten angeblichen Massnahmen der
Taliban in seinem Heimatdorf gegen seine Person keine genügende Inten-
sität auf. Weiter ist der zeitliche Kausalzusammenhang zu den genannten
Vorbringen im Jahr (...) nicht gegeben, wenn er seinen eigenen Angaben
zufolge erst Ende (...) ausgereist ist, zumal er für diese (...)ährige Zeit-
spanne keine weiteren nennenswerten Vorfälle in seinem Heimatdorf gel-
tend macht und sich solche auch nicht aus den Akten ergeben.
Die Entgegnungen des Beschwerdeführers in seiner Beschwerdeschrift er-
schöpfen sich in der Wiederholung, nicht in sein Heimatland zurückkehren
zu können. Damit setzt er sich jedoch mit den vorinstanzlichen Erwägun-
gen nicht weiter auseinander, mithin legt er nicht dar, inwiefern die Vor-
instanz zu Unrecht auf Asylirrelevanz geschlossen hat. Solches ist auch
nicht ersichtlich.
Im Übrigen erwähnt der Beschwerdeführer in der Beschwerde nicht mehr,
dass er Angst davor gehabt habe, von den Taliban zu einem Terroranschlag
gezwungen zu werden. Diese an der Anhörung nicht näher substantiierte
Behauptung (vgl. SEM act. [...]/13 [act. 32] F84 f.) würde wie von der Vor-
instanz zutreffend ausgeführt als bloss entfernte Möglichkeit künftiger Ver-
folgung ohnehin nicht genügen (vgl. E. 5.2 hiervor).
7.3 Soweit der Beschwerdeführer auf Schwierigkeiten von ethnischen Ha-
zara in Afghanistan hinweist, welche jederzeit Opfer von Verfolgung durch
die Taliban werden könnten (vgl. SEM act. 32 F86 f. und Beschwerde,
Ziff. II.a, S. 2), ist festzustellen, dass die Zugehörigkeit zu den Hazara für
sich allein keinen Asylgrund im Sinne von Art. 3 AsylG darstellt (vgl. hierzu
bspw. die Urteile des BVGer D-1181/2017 vom 8. Januar 2019 E. 5.4 und
D-4572/2016 vom 6. Dezember 2017 E. 5.4). Die für die Annahme einer
Kollektivverfolgung gestellten hohen Anforderungen (vgl. dazu ausführlich
BVGE 2013/12 E. 6; BVGE 2013/11 E. 5.3.2) sind im Falle der Hazara in
Afghanistan nicht erfüllt.
7.4 Schliesslich erweist sich das Vorbringen des Beschwerdeführers, wo-
nach er Afghanistan (auch) wegen der allgemein schlechten Sicherheits-
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lage verlassen habe, um eine alle Bewohner gleichermassen treffende Re-
alität im Kontext der bewaffneten Auseinandersetzungen in seiner Heimat,
weshalb auch diesem Vorbringen keine Asylrelevanz im Sinne von Art. 3
AsylG beigemessen werden kann.
7.5 Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers in der Replik ist
sodann gemäss aktueller Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts aus dem blossen Umstand der Rückkehr afghanischer Staatsange-
höriger aus Europa nicht auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe
im Sinne von Art. 54 AsylG zu schliessen.
7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung beziehungsweise eine entsprechende Verfolgungsfurcht
zu begründen. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht das Asylgesuch des
Beschwerdeführers abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-
sung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind alternativer
Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als
undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz
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gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl.
BVGE 2014/32 E. 9.2 m.H.). Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegwei-
sung aus den nachfolgend aufgezeigten Gründen als unzumutbar erweist,
kann auf eine Erörterung der beiden anderen Kriterien verzichtet werden.
10.
10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Referenzurteil D-5800/2016
vom 13. Oktober 2017 eine aktuelle Lageeinschätzung zu Afghanistan, ins-
besondere zu Kabul, vorgenommen. Das Gericht stellte eine deutliche Ver-
schlechterung der Sicherheitslage seit dem letzten Länderurteil des Bun-
desverwaltungsgerichts im Jahr 2011 (BVGE 2011/7) über alle Regionen
hinweg fest. Es kam zum Schluss, dass in weiten Teilen von Afghanistan
unverändert eine derart schlechte Sicherheitslage und derart schwierige
humanitäre Bedingungen bestehen würden, dass die Situation als exis-
tenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren und somit
der Wegweisungsvollzug nach wie vor als unzumutbar zu beurteilen sei.
Die Sicherheitslage und die allgemeine humanitäre Situation in Kabul seien
aus verschiedenen Gründen differenziert und gesondert zu analysieren. Im
heutigen Zeitpunkt würden sich sowohl die Sicherheitslage, die als volatil
und von zahlreichen Anschlägen geprägt zu bezeichnen sei, als auch die
humanitäre Situation in Kabul im Vergleich zu der in BVGE 2011/7 be-
schriebenen Situation klar verschlechtert darstellen. Die Lage in Kabul sei
daher grundsätzlich als existenzbedrohend und demnach unzumutbar ge-
mäss Art. 83 Abs. 4 AIG zu beurteilen. Von dieser Regel könne nur abge-
wichen werden, falls besonders begünstigende Faktoren vorliegen würden,
aufgrund derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Vollzugs ausge-
gangen werden könne (vgl. vorgenanntes Referenzurteil E. 8.2 ff.). Solche
günstigen Voraussetzungen könnten namentlich dann gegeben sein, wenn
es sich bei der rückkehrenden Person um einen jungen, gesunden Mann
handle. Unabdingbar sei in jedem Fall ein soziales Netz, das sich im Hin-
blick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrenden als
tragfähig erweise. Dieses soziale Netz müsse dem Rückkehrenden insbe-
sondere eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe zur
sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten können. Allein aufgrund
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Seite 12
von losen Kontakten zu Bekannten, Verwandten oder auch Mitgliedern der
Kernfamilie, bei welchen insbesondere das wirtschaftliche Fortkommen so-
wie die Unterbringung ungeklärt seien, sei nicht von einem tragfähigen so-
zialen Beziehungsnetz auszugehen. Es liege in der Natur der Sache, dass
bei Personen, bei denen Kabul lediglich eine Aufenthaltsalternative dar-
stelle und die somit kaum oder nie in Kabul gelebt haben, eine Bejahung
eines solchen tragfähigen sozialen Netzes noch grösserer Zurückhaltung
bedürfe. Ebenso sei für den Entscheid relevant, über welche Berufserfah-
rung die rückkehrende Person verfüge beziehungsweise inwiefern eine
wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im Zusam-
menspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt werden könne. Angesichts
der festgestellten Verschlechterung der Lage in Kabul verstehe es sich von
selbst, dass das Vorliegen dieser strengen Anforderungen in jedem Einzel-
fall sorgfältig geprüft werde und diese erfüllt sein müssen, um einen Weg-
weisungsvollzug nach Kabul als zumutbar zu betrachten (vgl. vorgenann-
tes Referenzurteil E. 8.4.1).
10.3 Vorab ist festzuhalten, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Ver-
fügung den Herkunftsort des Beschwerdeführers (Dorf B._, Provinz
D._) nicht grundsätzlich in Frage gestellt hat, jedoch am dargeleg-
ten Zeitpunkt, wann er sein Heimatdorf genau verlassen habe, zweifelte
(vgl. angefochtene Verfügung S. 6, Ziff. II. 3., 2. Abschn. und S. 8, Ziff. III.
2., 3. Abschn.) und in der Folge nicht ausschloss, dass er und seine Familie
bereits viel länger als dargelegt in E._ gelebt hätten (vgl. a.a.O.
S. 8, Ziff. III. 2., 2. Abschn.). Nachdem der Beschwerdeführer im Beschwer-
deverfahren eine Kopie seiner angeblichen Tazkira, ausgestellt im Distrikt
N._ in der Provinz M._, eingereicht hat, geht die Vorinstanz
davon aus, dass der Beschwerdeführer im Asylverfahren willentlich falsche
Angaben zu seiner Herkunft respektive zu seinen früheren Wohnorten in
Afghanistan gemacht und seine wahre Herkunft zu verschleiern versucht
habe (Vernehmlassung, Ziff. 1, S. 2), mithin stellt die Vorinstanz eine Her-
kunft aus B._ grundsätzlich in Frage.
11. Dieser Auffassung kann sich das Bundesverwaltungsgericht nicht an-
schliessen. Zwar sind die Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Alter
und seiner Arbeitstätigkeit teilweise unstimmig. So gab er nach mehrmali-
ger Angabe an, am (...) geboren zu sein, an der Anhörung sagte er auf
Nachfrage, am (...) auf die Welt gekommen zu sein (vgl. «Nein, ich bin am
(...) geboren.» bzw. «Ich bin am (...) geboren.» und «Ich habe damals ge-
sagt, dass ich im (...) am (...) geboren bin. Der Tag war der (...). Und der
Monat ist der (...).», vgl. SEM act. 32 F63 und 67 f.). Mehrmals führte er
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aus, sich nicht an das Datum in seinem heimatlichen Kalender erinnern zu
vermögen (a.a.O. F66 und 71) und gab an anderer Stelle gar zu Protokoll,
gemäss persischem Kalender im Jahr (...) geboren zu sein (vgl. a.a.O.
F73), was im gregorianischen Kalender dem Jahr (...) entspricht und je-
denfalls nicht zutreffen kann und eher auf eine grundsätzliche Zahlen-
schwäche als auf eine bewusste Falschangabe hindeutet. Insgesamt findet
die Auffassung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe die Asylbehör-
den zu täuschen versucht und einen allenfalls «viel längeren» Aufenthalt in
E._ verheimlicht, nach Auffassung des Gerichts dennoch keinen
Rückhalt in den Befragungsprotokollen. Eine derart gravierende Verletzung
der Mitwirkungspflicht, die eine Prüfung der Wegweisungshindernisse ver-
eitelt hätte, kann dem Beschwerdeführer jedenfalls nicht vorgeworfen wer-
den. So reichte er im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eine Kopie des
Duplikats seiner Tazkira nach, was er an der Anhörung bereits in Aussicht
gestellt hatte (vgl. a.a.O. F39 und 45). In der Replik vermochte er sodann
glaubhaft – und im Einklang mit seinen an der Anhörung gemachten Aus-
sagen – auszuführen, dass ihm seine Tazkira in T._ weggenommen
und zerstört worden sei, er sein Geburtsdatum von seinem Vater per Tele-
fon erfahren habe und Freunde ihm sein Geburtsdatum vom iranischen in
den gregorianischen Kalender umgerechnet hätten (vgl. a.a.O. F39 und
F72 f.). Auch der Ausstellungsort des Duplikats seiner Tazkira vermag nicht
zur Schlussfolgerung zu führen, dass er willentlich falsche Angaben zu sei-
ner Herkunft gemacht habe, zumal er den Ausstellungsort in der Replik
nachvollziehbar zu erklären vermochte und dementsprechend auch bereits
an der Anhörung zu Protokoll gegeben hat, dass sich sein Vater um die
Ausstellung seiner Tazkira gekümmert habe (vgl. a.a.O. F69).
11.1 Das Gericht geht dem Gesagten nach davon aus, dass der Beschwer-
deführer im Dorf B._, Provinz D._, aufgewachsen ist und bis
zu seiner Ausreise dort gelebt hat.
11.2 Ein Wegweisungsvollzug nach B._ ist als unzumutbar zu er-
achten (vgl. E. 9.3 hievor). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sind
die Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Reiseweg über E._
nicht geeignet, um auf besonders begünstigende Faktoren einer Aufent-
haltsalternative in E._ zu schliessen. Zwar leben seinen Angaben
zufolge seine Eltern und seine Brüder, wovon (...) noch minderjährig sind,
seit der gemeinsamen Flucht Ende (...) in E._, allerdings in schwie-
rigen Verhältnissen (vgl. SEM act. 32 F22 und Beschwerde, Ziff. II.b, S. 2).
Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass sie ihm eine ange-
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messene Unterkunft, Grundversorgung oder Hilfe zur sozialen und wirt-
schaftlichen Reintegration bieten könnten, zumal offenbar ihr eigenes wirt-
schaftliche Überleben nicht sichergestellt ist. Es sind den Akten – in Anbe-
tracht der strengen Anforderungen – keine besonders begünstigenden
Faktoren und damit keine Gründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AIG zu ent-
nehmen, die es erlauben würden, von der Regel der Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs nach E._ abzuweichen. Der Beschwerde-
führer ist daher in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.
12.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Betreffend
die Gewährung von Asyl ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Der Eventualantrag auf Erteilung der vorläufigen Aufnahme
in der Schweiz ist gutzuheissen. Die Dispositivziffern 4 und 5 (Anordnung
des Wegweisungsvollzugs) der Verfügung vom 15. Dezember 2020 sind
aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer wegen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufzu-
nehmen.
13.
13.1 Bei diesem Verfahrensausgang ist von einem Obsiegen des Be-
schwerdeführers zur Hälfte auszugehen, womit er die Verfahrenskosten
zur Hälfte zu tragen hätte (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit Zwi-
schenverfügung vom 30. Juni 2021 die unentgeltliche Prozessführung ge-
währt wurde, und es den Akten nicht zu entnehmen ist, dass er zwischen-
zeitlich nicht mehr bedürftig wäre, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
13.2 Der Beschwerdeführer ist weiter im Umfang seines Obsiegens – hier
also zur Hälfte – für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu entschä-
digen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. VGKE). Die Rechtsvertreterin reichte
mit Eingabe vom 15. Juli 2021 eine Honorarnote in der Höhe von insge-
samt Fr. 985.50 zu den Akten. Der zeitliche Aufwand von 5 Stunden, die
Übersetzungskosten und die Kosten für die Auslagen erscheinen ange-
messen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren
(Art. 9–11 VGKE) ist die Vorinstanz demnach anzuweisen, dem Beschwer-
deführer eine Parteientschädigung zur Hälfte, mithin in der Höhe von ge-
rundet Fr. 543.– (5 Stunden à Fr. 200.– zuzüglich Übersetzungskosten von
Fr. 75.– und Auslagen von Fr. 10.50) auszurichten.
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13.3 Nachdem die rubrizierte Rechtsvertreterin dem Beschwerdeführer mit
Verfügung vom 30. Juni 2021 als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet
worden ist (vgl. Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG), ist sie im Umfang des Un-
terliegens – hier also zur Hälfte – für ihren Aufwand unbesehen des Aus-
gangs des Verfahrens zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig
war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Bei amtlicher Rechtsvertretung
durch nichtanwaltliche Vertreterinnen und Vertreter beträgt der Stundenan-
satz praxisgemäss Fr. 100.– bis Fr. 150.–. Der in der Kostennote vom
9. Juni 2021 ausgewiesene Stundenansatz ist entsprechend zu kürzen.
Unter Berücksichtigung des vorstehend ermittelten Aufwands (vgl. E. 11.2)
ist zulasten der Gerichtskasse zur Hälfte ein amtliches Honorar von gerun-
det Fr. 418.– (5 Stunden à Fr. 150.– zuzüglich Übersetzungskosten von
Fr. 75.– und Auslagen von Fr. 10.50) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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