Decision ID: 6ff03711-b023-40d0-a820-6ff449de5f9b
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Walter Bär, Rechtskonsulent, Hörnlistrasse 78, 8400 Winterthur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1963 geborene D._ meldete sich am 8. Juli 2005 bei der
Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine Rente. Sie gab an, in England
die Schule besucht und eine Ausbildung als Nursery Nurse gemacht, jedoch nie auf
diesem Beruf gearbeitet zu haben. Im März 1996 sei sie in die Schweiz gekommen, wo
sie in Teilzeit Reinigungsarbeiten verrichtet und als Prüfungs-Assistentin gearbeitet
habe. Nach den Reinigungsarbeiten habe sie jeweils starke Schmerzen in Schultern,
Armen, Händen, Hüften und Beinen gehabt. Eine Untersuchung in der Rheumaklinik
und am Institut für Physikalische Medizin des Universitätsspitals Zürich habe dann zur
Diagnose Fibromyalgie geführt (IV-act. 1).
A.b Die A._ GmbH teilte mit Fragebogen für den Arbeitgeber vom 31. August 2005
mit, die Versicherte sei seit dem 1. Juni 2004 als Prüfungs-Assistentin bei ihr
beschäftigt. Es handle sich um sporadische Einsätze auf Abruf, die mit Fr. 30.- pro
Stunde entlöhnt würden (IV-act. 12). Der Allgemeinmediziner Dr. med. B._ hielt im
Arztbericht vom 16. September 2005 fest, die Versicherte leide an einer chronischen
Überlastungssituation bei psychosozialen Stressfaktoren mit gelegentlicher
Dekompensation und Phasen depressiver Stimmungen sowie an Fibromyalgie mit
ausgeprägter muskulärer Insuffizienz, einem cervicospondylogenen Schmerzsyndrom
rechtsbetont, einem chronischen lumbospondylogenen Syndrom, einer
Periarthropathia humeroscapularis rechtsbetont und einer Periarthropathia coxae
rechtsbetont. Sie sei zudem Duchenne-Trägerin, was im Juli 2001 erstmals
diagnostiziert worden sei. Der Krankheitsverlauf sei chronisch, stationär, derzeit schwer
positiv beeinflussbar (IV-act. 14-8). Leichte Tätigkeiten mit wechselnder Körperhaltung
und mit zusätzlichen Pausen, ohne Bücken, Heben und Tragen von Lasten seien der
Versicherten noch zu etwa 50% zumutbar. Die Einschränkungen bestünden ungefähr
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seit 2003, eine Verbesserung des Gesundheitszustandes könne durch intensive
Therapien und psychiatrische Begleitung erzielt werden (IV-act. 14-10 f.). Die
Psychiaterin Dr. med. C._ teilte in ihrem Bericht vom 14. November 2005 mit, die
Versicherte sei seit dem 5. Juli 2005 bei ihr in Behandlung. Seit ca. 1999 leide sie an
einem depressiven Zustandsbild nach schwerer und langdauernder Traumatisierung in
der Kindheit und aktueller psychosozialer Belastung, seit ca. 1996 an Fibromyalgie,
wobei die Diagnose erst jetzt gestellt worden sei. Zudem sei sie Trägerin des
Duchenne-Gens, was zum Teil auch bei Trägerinnen zu Muskelsymptomen führe. Diese
Diagnosen hätten Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ihr Gesundheitszustand sei
besserungsfähig. Seit 1999 sei sie als Kleinkinderzieherin/Krippenleiterin zu 50%
arbeitsunfähig (IV-act. 20-5).
A.c Am 10. April 2006 fand eine Abklärung der Verhältnisse an Ort und Stelle statt.
Dem Abklärungsbericht Haushalt ist zu entnehmen, dass die Versicherte gemäss
eigener Aussage ohne Gesundheitsschaden heute zu 50% in ihrem erlernten Beruf als
Kindererzieherin in einer Kinderkrippe tätig wäre. Sie sei beispielsweise von der Stadt
St. Gallen angefragt worden, ob sie eine englische Spielgruppe gründen wolle. Aus
gesundheitlichen Gründen sei sie dazu nicht imstande. Sie leide an erheblichen
Muskelproblemen, die darauf zurückzuführen seien, dass sie Genträgerin für
Muskeldystrophie vom Typ Duchenne sei. Ein Fibromyalgie-Syndrom, wie bisher
vermutet, liege gemäss den am Muskelzentrum des Kantonsspitals St. Gallen
durchgeführten Tests nicht vor. Eingeschränkt sei sie in den Bereichen Ernährung,
Wohnungspflege, Wäsche und Kleiderpflege, Kinderbetreuung und Verschiedenes. Bei
schwereren Arbeiten wie Fensterputzen, Grossreinigung, Wäschetransport und -
aufhängen sowie beim Tragen schwerer Einkaufstaschen sei sie auf die Mithilfe der
Familienmitglieder und der Schwiegereltern angewiesen. Im Bereich Haushalt wurde
unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht der Familienmitglieder eine
Einschränkung von rund 15% ermittelt. Die Versicherte unterzeichnete diesen Bericht
am 5. Mai 2006 und hielt ergänzend fest, ihre ältere Tochter arbeite in E._ und
komme jeweils nur am Donnerstag- und Freitagabend nach Hause, sodass ihre Mithilfe
minimal sei (IV-act. 33).
A.d Mit Verlaufsbericht vom 11. Mai 2006 teilte Dr. C._ mit, es habe sich
zwischenzeitlich eine wesentliche Veränderung der Hauptdiagnose ergeben. Gemäss
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beigelegtem Bericht des Muskelzentrums/ALS clinic des Kantonsspitals St. Gallen vom
13. April 2006 sei die Versicherte symptomatische Dystrophinopathie-Konduktorin (Typ
Duchenne) mit Gliedergürtelschwäche und generalisierten Muskelschmerzen. Diese
Beschwerden seien chronisch und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch progredient
und könnten nur symptomatisch gelindert werden. Unter diesen Umständen sei die
psychiatrische Diagnose für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit völlig sekundär. Die
chronische Erschöpfungsdepression müsse zwar mit Gesprächen und Medikamenten
weiterhin behandelt werden, die Prognose sei diesbezüglich jedoch recht gut (IV-
act. 34-1 f.). Im Arztbericht vom 12. Mai 2006 hielt das Muskelzentrum/ALS clinic des
Kantonsspitals St. Gallen fest, die Versicherte sei symptomatische Dystrophinopathie-
Konduktorin (Typ Duchenne) mit Gliedergürtelschwäche und generalisierten
Muskelschmerzen. Zudem leide sie an einer reaktiven Depression bei psychosozialer
Belastungssituation (behindertes Kind, Partnerschaftskonflikt). In ihrer Tätigkeit als
Hausfrau und für Reinigungsarbeiten sei sie seit Januar 2005 zu 20% arbeitsunfähig.
Eine berufliche Tätigkeit sei wegen des generalisierten Schmerzsyndroms derzeit nicht
mehr möglich. Bei einer suffizienten Schmerztherapie, Psychotherapie und
Psychopharmakotherapie der bestehenden Schmerzsymptomatik wären leichte
Tätigkeiten ohne körperliche Belastung im Ausmass von sechs bis acht Stunden täglich
zumutbar. (IV-act. 35-5, 35-9).
A.e Auf Anfrage hin hielt der IV-interne Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz in
seiner Stellungnahme vom 9. Juni 2006 wegen der kontroversen Diskussion der
Ursache der somatischen Beschwerden und des Ausmasses der Arbeitsfähigkeit eine
polydisziplinäre Abklärung für notwendig (IV-act. 36). Diese Exploration fand am
20. Dezember 2006 bei der Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), Basel, statt.
Dem Gutachten des ABI vom 15. Januar 2007 ist zu entnehmen, dass die Versicherte
an einer Anpassungsstörung (ICD-10: F43.23) bei symptomatischer Dystrophinopathie-
Konduktorin vom Typ Duchenne, einem Verdacht auf Status nach hyperkinetischer
Störung mit legasthenischer Lernstörung (ICD-10: F90) und als symptomatische
Dystrophinopathie-Konduktorin Typ Duchenne (ICD-10: G71.0) an proximal betonter
Myopathie und generalisierten Myalgien sowie multiplen Arthralgien, Periarthropathien
und einem panvertebralen Schmerzsyndrom leide. Diese Diagnosen hätten Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolge aus medizinisch-
theoretischer Sicht, da die Versicherte nie auf ihrem erlernten Beruf als
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Kinderbetreuerin gearbeitet habe. Aus psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund der
prolongierten Anpassungsstörung eine Arbeitsunfähigkeit von 25%. Aus
rheumatologischer Sicht seien der Versicherten körperlich schwere und mittelschwere
Tätigkeiten bleibend nicht mehr zumutbar, für eine geeignete, körperlich leichte
Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit um 20% eingeschränkt. Zusammenfassend seien der
Versicherten körperlich leichte, leidensadaptierte Tätigkeiten zu 75% ganztägig
zumutbar. Die Einschränkungen ergänzten sich bezüglich möglicher Pausen und
Erholung, es entstehe kein additiver Effekt. Für die häusliche Tätigkeit bestehe aus
psychiatrischer Sicht keine eigentliche Einschränkung, die Versicherte dürfte wegen
der Stimmungsschwankungen etwas verlangsamt sein, was im Haushalt jedoch kein
entscheidendes Kriterium sei. Aus rheumatologischer Sicht bestehe aufgrund der
erhobenen Befunde und Diagnosen eine Einschränkung von 20%, so dass die
Arbeitsunfähigkeit im Haushalt 20% betrage. Medizinisch-theoretisch wäre der
Versicherten neben dem Haushalt eine adaptierte Erwerbstätigkeit zumutbar. Die
Versicherte selbst könne sich derzeit aufgrund ihrer psychischen und somatischen
Beschwerden keine erwerbliche Berufstätigkeit vorstellen (IV-act. 44).
A.f Gestützt auf dieses Gutachten und die Stellungnahme des RAD vom 27. März 2007,
der das Gutachten als schlüssig und nachvollziehbar erachtete (IV-act. 47), kündigte
die IV-Stelle mit Vorbescheid 5. Juni 2007 bei einem Invaliditätsgrad von 10% die
Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 52). Gegen diesen Vorbescheid erhob Wal
ter Bär, eidg. dipl. Sozialversicherungsexperte, Rechtskonsulent, Winterthur, für die
Versicherte am 21. Juni 2007 Einwand und beantragte die Ausrichtung einer halben
Invalidenrente. Die Versicherte sei in der Erwerbstätigkeit wie im Haushalt mindestens
zu 50% eingeschränkt. Bei einem Anteil der Erwerbstätigkeit und des Haushalts von je
50% betrügen die Invaliditätsanteile je 25% und ergäben gesamthaft eine Invalidität
von 50%, womit eine halbe Invalidenrente angebracht sei (IV-act. 56).
A.g Mit Verfügung vom 2. Juli 2007 wies die IV-Stelle den Anspruch der Versicherten
auf eine Invalidenrente ab. Die Versicherte sei zu 50% als Hausfrau und zu 50% als
Erwerbstätige einzustufen. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei ihr zu 75% zumutbar,
womit sie im Erwerb nicht eingeschränkt sei. Im Haushalt bestehe eine Einschränkung
von 20%. Es ergebe sich insgesamt ein Invaliditätsgrad von 10%, weshalb kein
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung vorliege (act. G 1.2).
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B.
B.a Mit Beschwerde vom 27. Juli 2007 beantragt der Rechtsvertreter der Versicherten
die Aufhebung der Verfügung vom 2. Juli 2007. Der Versicherten sei eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen. Die Versicherte leide an der schweren Muskelerkrankung
Dystrophinopathie-Konduktorin Typ Duchenne mit Gliedergürtelschwäche und
generalisierten Muskelschmerzen sowie zusätzlich an einem Status nach reaktiver
Depression. Die IV-Stelle unterschätze diese Leiden, die eine erhebliche Behinderung
verursachten. Erforderlich sei eine Abklärung der Invaliditätsfrage durch auf solche
Muskelkrankheiten spezialisierte Ärzte. Das Muskelzentrum des Kantonsspitals St
Gallen attestiere der Versicherten im beigelegten Bericht vom 23. Juli 2007 eine
Einschränkung sowohl in der Erwerbstätigkeit wie auch im Haushalt von 50%
(act. G 1.3). Bei einem Anteil der Erwerbstätigkeit und der Haushaltführung von je 50%
ergebe sich somit eine Gesamtinvalidität von 50%. Die Versicherte habe damit
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 8. November 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Die Ärzte des Muskelzentrums des
Kantonsspitals St. Gallen hätten der Beschwerdeführerin im Verlaufsbericht vom
31. August 2007 eine Einschränkung von 50% sowohl im Erwerb wie auch im Haushalt
attestiert (IV-act. 67). Das ABI-Gutachten vom 15. Januar 2007 sei demgegenüber noch
von einer Einschränkung von 25% im Erwerb und von 20% im Haushalt ausgegangen.
Es könne offen bleiben, ob diese Abweichung auf eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes oder auf eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts
zurückzuführen sei. Selbst wenn man von der pessimistischen Einschätzung der Ärzte
des Muskelzentrums ausgehe, habe die Beschwerdeführerin keinen Rentenanspruch.
Da sie auch als Gesunde nur in einem 50%-Pensum arbeiten würde, erleide sie keine
Erwerbseinbusse. Selbst wenn man im Haushalt eine Einschränkung von 50% anstatt
20% berücksichtigen würde, würde daher der Gesamtinvaliditätsgrad lediglich 25%
betragen (act. G 6).
B.c Mit Replik vom 17. November 2007 lässt die Beschwerdeführerin an den
Beschwerdeanträgen festhalten. Die von der Beschwerdegegnerin eingeholten Berichte
des Muskelzentrums St. Gallen zeigten, dass gegenüber den Befunden bei der
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Begutachtung durch das ABI eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustands
eingetreten sei und die Krankheit progredient verlaufe. Das Muskelzentrum bestätige
erneut, dass sowohl im Erwerb wie auch im Haushalt je eine Einschränkung von 50%
vorliege. Die Beschwerdeführerin könne höchstens vier Stunden täglich erwerbstätig
sein, wobei eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe. Bei einer zeitlichen
Erwerbstätigkeit von 50% verursache somit die Behinderung eine
Leistungseinschränkung von 50%, womit die Erwerbsunfähigkeit 25% betrage.
Zusammen mit der Invalidität im Haushalt von
ebenfalls 25% ergebe sich eine Gesamtinvalidität von 50% und die
Beschwerdeführerin habe Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (act. G 10).
B.d Mit Schreiben vom 27. November 2007 hat die Beschwerdegegnerin auf eine
Duplik verzichtet (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben, und weil bei
der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung
vom 2. Juli 2007 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 132 V 215 Erw. 3.1.1;
Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008, Erw. 3), sind vorliegend die bis zum
31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, und derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente. Unter Invalidität wird die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
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Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Ist die versicherte Person vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen gilt nach Art. 8 Abs. 3 ATSG
die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, als Invalidität.
2.2 Die Invaliditätsbemessung soll das Mass der Zurücksetzung der erwerblichen
Leistungsfähigkeit infolge gesundheitlicher Beeinträchtigung ergeben. Um den
Invaliditätsgrad festlegen zu können, sind daher medizinische Grundlagen wesentlich.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 Erw. 4; ZAK 1982
S. 34; Rz. 3047 f. des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen
Kreisschreibens über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung
[KSIH]). Die IV-Stelle hat zu prüfen, wie sich die invaliditätsbedingten Faktoren auf die
Vermittlungsfähigkeit und die Erwerbsmöglichkeiten auswirken (Rz. 3049 KSIH). Ob die
versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch tatsächlich ausübt, ist für die
Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz. 3046 KSIH).
3.
3.1 Vorab ist die medizinische Aktenlage zu betrachten. Die Diagnosen des ABI-
Gutachtens vom 15. Januar 2007 lauten auf Anpassungsstörung, Verdacht auf Status
nach hyperkinetischer Störung mit legasthenischer Lernstörung und symptomatische
Dystrophinopathie-Konduktorin (Typ Duchenne) bei/mit proximal betonter Myopathie
und generalisierten Myalgien sowie multiplen Arthralgien, Periarthropathien und
panvertebralem Schmerzsyndrom. Aufgrund dieser Diagnosen sei die
Beschwerdeführerin für körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten bleibend seit
1999 voll arbeitsunfähig, für körperlich leichte, adaptierte Tätigkeiten bestehe eine
zumutbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 75%. Für die Tätigkeit im Haushalt
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bestehe aufgrund der erhobenen Befunde und Diagnosen aus rheumatologischer Sicht
eine Einschränkung von 20%. Aus psychiatrischer und internistischer Sicht lägen keine
Einschränkungen vor, so dass die Arbeitsfähigkeit im Haushalt 80% betrage (IV-
act. 44-17 ff.). Der Bericht des Muskelzentrums/ALS clinic des Kantonsspitals
St. Gallen vom 12. Mai 2006 hält als Diagnosen fest, die Beschwerdeführerin sei
symptomatische Dystrophinopathie-Konduktorin (Typ Duchenne) und leide an
Gliedergürtelschwäche, generalisierten Muskelschmerzen sowie an einer reaktiven
Depression bei psychosozialer Belastungssituation. Die bisherige Tätigkeit als
Reinigungskraft sei ihr nicht mehr zumutbar, bei suffizienter Schmerzbehandlung sollte
jedoch eine adaptierte Tätigkeit (ohne körperliche Belastung) zu sechs bis acht
Stunden pro Tag zumutbar sein. Das Gutachten vom 15. Januar 2006 stimmt somit in
Bezug auf die Diagnosen wie auch auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit mit dem Bericht der spezialisierten Ärzte des Muskelzentrums im
Wesentlichen überein. Insbesondere belegen die vorhandenen medizinischen
Unterlagen (vgl. IV-act. 44-22 und 24), dass die im Bericht des Muskelzentrums wie
auch im ABI-Gutachten empfohlene medikamentöse Behandlung der Schmerzen und
der Depression durchgeführt wurde. Zumindest für den Zeitpunkt des Gutachtens, d.h.
Januar 2007, ist somit von einer Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 75% in
einer adaptierten Tätigkeit und von 80% im Haushalt auszugehen.
3.2 Die Beschwerdeführerin lässt demgegenüber geltend machen, ihre Arbeitsfähigkeit
sei weit geringer, so attestierten ihr die spezialisierten Ärzte des Muskelzentrums mit
Schreiben vom 23. Juli 2007 lediglich noch eine Arbeitsfähigkeit von 50% sowohl in
einer adaptierten Tätigkeit wie auch im Haushalt. In beiden Bereichen bestehe zudem
eine verminderte Leistungsfähigkeit von 50%, so dass die effektive Arbeitsfähigkeit
(Erwerbstätigkeit und Haushalt) noch je 25% betrage.
3.3 Die Ärzte des Muskelzentrums/ALS clinic des Kantonsspitals St. Gallen attestierten
der Beschwerdeführerin in ihrem Bericht vom 31. August 2007 eine Verschlechterung
des Gesundheitszustands, eine verbleibende Arbeitsfähigkeit von lediglich 50% sowie
eine Einschränkung im Haushalt von ebenfalls 50% (IV-act. 67-6 f.). Die
Beschwerdegegnerin lässt offen, ob es sich um eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands oder lediglich um eine andere Beurteilung eines im Wesentlichen
gleich gebliebenen Sachverhalts handelt. Denn in Anwendung der bundesgerichtlichen
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Praxis zur sog. gemischten Methode resultiere auch unter Annahme einer
Arbeitsfähigkeit von 50% bei einer 50%-igen Erwerbstätigkeit keine Einschränkung;
eine um 50% verminderte Leistungsfähigkeit im Haushalt bei einem Anteil von ebenfalls
50% würde im Ergebnis zu einem Invaliditätsgrad von 25% führen.
3.4 Tatsächlich muss nicht abschliessend beurteilt werden, ob sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Begutachtung durch das ABI im
Dezember 2006 bzw. dem Bericht des Muskelzentrums vom Mai 2006 in einem
Ausmass verschlechtert hat, dass nunmehr von einer Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit von lediglich noch 50% anstatt 75% auszugehen ist und auch im Haushalt
neu eine Einschränkung von 50% besteht. Denn selbst bei dieser Annahme entsteht
noch kein Rentenanspruch, wie nachfolgend zu zeigen ist.
3.5 Laut eigenen Angaben wäre die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden in
einem 50%-Pensum erwerbstätig. Dies erscheint aufgrund der aktenmässig belegten
Sachumstände auch als überwiegend wahrscheinlich. Die Beschwerdegegnerin hat
daher zur Ermittlung des Invaliditätsgrads zu Recht die gemischte Methode
angewendet (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.6 Was die erwerblichen Auswirkungen der festgestellten Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit im Teil der Erwerbstätigkeit betrifft, ist sowohl bezüglich des Validen-
wie des Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne abzustellen, denn die
Beschwerdeführerin hat in den zurückliegenden Jahren – wohl bereits
krankheitsbedingt – nur sporadisch gearbeitet und dabei kein für den Gesundheitsfall
repräsentatives Einkommen erzielt. Damit entspricht die invaliditätsbedingte
erwerbliche Einbusse der medizinisch-theoretischen Arbeitsunfähigkeit (hier 50%). Mit
Rücksicht auf die reduzierte Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin selbst in einer
adaptierten Tätigkeit (Verlangsamung, Notwendigkeit regelmässiger Pausen) erscheint
ein zusätzlicher Abzug von 10% gerechtfertigt (vgl. BGE 126 V 75). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts zur gemischten Methode wird die erwerbliche
Teilinvalidität nun allerdings nach Massgabe der Differenz zwischen Pensum im
Gesundheitsfall und Arbeitsunfähigkeit, die vorliegend Null ergibt, ermittelt, sodass aus
dem Erwerbsteil nur der halbierte Leidensabzug, mithin 5 % zum Tragen kommt. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat diese Praxis vergeblich verworfen (so
ter
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etwa im Entscheid IV 2005/21 vom 9. August 2005; vgl. auch den Entscheid IV 2006/27
vom 20. Februar 2007, Erw. 3), ist damit aber nicht durchgedrungen (Entscheid
I 669/05 des Eidgenössischen Versicherungsgerichts bzw. des heutigen
Bundesgerichts in der erwähnten Sache vom 2. März 2006; vgl. ferner etwa die Urteile
I 156/04, I 669/05 und I 711/05). In Nachachtung der höchstrichterlichen Praxis ist
damit vorliegend für den Erwerbsteil von einem Teilinvaliditätsgrad von 5%
auszugehen.
3.7 Im Haushalt ist die Beschwerdeführerin – selbst wenn auf den Bericht des
Muskelzentrums vom 31. August 2007 abgestellt wird – höchstens zu 50%
eingeschränkt. Gewichtet entsprechend dem Anteil der Haushalttätigkeit an der
Gesamtaktivität der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall resultiert daraus ein
Teilinvaliditätsgrad von 25%.
3.8 Die Beanspruchung in den beiden Teilbereichen (Haushalt und Erwerbstätigkeit)
kann unter Umständen dazu führen, dass sich die Einschränkungen in den
Teilbereichen erhöhen. Dieser Wechselwirkung ist nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung (BGE 134 V 9) allerdings nur Rechnung zu tragen, sofern sie nicht
vermeidbar oder bei der Einschätzung der verbliebenen Leistungsfähigkeit in den
jeweiligen Aufgabenbereichen nicht bereits berücksichtigt worden ist. Eine allfällige
Wechselwirkung darf mit einem zusätzlichen Abzug von höchstens 15 % stets nur vom
anteilsmässig bedeutenderen zum weniger bedeutenderen Bereich berücksichtigt
werden; sofern Erwerbsteil und Haushalt mit je 50 % veranschlagt sind, ist die
Wechselwirkung dort beachtlich, wo sie sich stärker auswirkt. Vorliegend hat die
Beschwerdegegnerin sich mit der Frage, ob in Folge der Belastung der
Beschwerdeführerin im einen Tätigkeitsbereich ihr Leistungsvermögen im anderen
Bereich reduziert sein könnte, nicht auseinandergesetzt. Da die Beschwerdeführerin
ihre Resterwerbsfähigkeit nicht verwertet, ist im Sinn der höchstrichterlichen Praxis
davon auszugehen, dass allfällige Auswirkungen vom Haushalts- in den
Erwerbsbereich zu berücksichtigen wären. Selbst wenn dabei vorliegend der
Maximalabzug zugelassen würde, ergäbe dies noch keinen rentenbegründenden
Invaliditätsgrad: (10% + 15%) x 0.5 + (50% x 0.5) = 37.5% (vgl. zur Berechnung den
Entscheid 9C_49/08 des Bundesgerichts vom 28. Juli 2008). Damit hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Rente.
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4.
Massgeblich für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ist die Situation im
Zeitpunkt der Verfügung (2. Juli 2007). Sollte seit diesem Zeitpunkt eine weitere
Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin eingetreten sein,
was gemäss dem Verlaufsbericht des Muskelzentrums/ALS clinic des Kantonsspitals
St. Gallen vom 31. August 2007 nicht auszuschliessen ist, kann sich die
Beschwerdeführerin erneut bei der IV-Stelle anmelden. Diese hätte sodann neue
medizinische Abklärungen, gegebenenfalls unter Beizug eines Spezialisten für
Muskelkrankheiten, durchzuführen.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Die Gerichtskosten sind auf Fr. 600.- festzusetzen. Dem Ausgang des Verfahrens
gemäss sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG