Decision ID: d12c8033-acd9-5bc2-9322-3c95cca05620
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X. und Y. Z. (nachfolgend die Beschwerdegegner) sind Rentner und wohnen im
eigenen Einfamilienhaus in Q. in der Gemeinde R. Für das Jahr 2010 deklarierten sie
ein steuerbares Einkommen von Fr. 44'396.--. Die Veranlagungsbehörde nahm bei den
Unterhaltskosten für die Liegenschaft Korrekturen vor, indem sie einerseits nach dem
Frischwasserverbrauch bemessene Abwassergebühren von Fr. 240.-- nicht zum Abzug
zuliess und andererseits von den Kosten für den Ersatz einer Stützmauer von
Fr. 11'000.-- lediglich den im Jahr 2010 beglichenen Betrag von Fr. 3'000.--, nicht aber
die bereits im Vorjahr bezahlten Fr. 8'000.-- berücksichtigte. Die Beschwerdegegner
wurden am 19. April 2011 für die Staats- und Gemeindesteuern 2010 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 52'800.-- und ohne steuerbares Vermögen veranlagt.
B./ In der gegen die Veranlagung vom 19. April 2011 erhobenen Einsprache vom 5. Mai
2011 beanstandeten die Beschwerdegegner die Aufrechnung des im Jahr 2009 für den
Ersatz der Stützmauer bezahlten Betrags von Fr. 8'000.--. Sie machten geltend, die
Rechnungen des Baugeschäftes vom 15. Dezember 2009 von total Fr. 13'408.74
hätten die offerierten Baukosten um mehr als Fr. 5'000.-- überstiegen und seien
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deshalb nicht akzeptabel gewesen. Sie hätten deshalb am 18. Dezember 2009
zunächst lediglich Fr. 8'000.-- bezahlt. In den nachfolgenden Verhandlungen Anfang
2010 hätten sie sich mit dem Baumeister auf eine Baukostenpauschale von
Fr. 11'000.-- geeinigt. Den ausstehenden Betrag von Fr. 3'000.-- hätten sie daraufhin
am 23. Februar 2010 beglichen. Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am
20. Mai 2011 mit der Begründung ab, obwohl für das Jahr 2009 verschiedene
Positionen als Liegenschaftsunterhalt geltend gemacht worden seien, sei der im Jahr
2009 bezahlte Betrag von Fr. 8'000.-- nicht aufgeführt worden. Periodenfremde Abzüge
seien bei der Ermittlung des steuerbaren Einkommens nicht zu berücksichtigen.
C./ Gegen den Einsprache-Entscheid vom 20. Mai 2011 erhoben die
Beschwerdegegner mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 21. Juni 2011 Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission (nachfolgend Vorinstanz) und beantragten, die am
18. Dezember 2009 geleistete Anzahlung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zum Abzug zuzulassen. Mit Vernehmlassung vom 25. August 2011 beantragte die
Vorinstanz, der Rekurs sei unter Kostenfolge abzuweisen. Die Beschwerdegegner
nahmen zur vorinstanzlichen Vernehmlassung am 19. Oktober 2011 Stellung.
Mit Entscheid vom 19. Januar 2012 hiess die Vorinstanz den Rekurs gut und hob den
Einsprache-Entscheid des kantonalen Steueramtes vom 20. Mai 2011 auf. Der
Entscheid wurde im Wesentlichen damit begründet, dass der Umstand, dass auf dem
Formular 7 das Rechnungsdatum anzugeben sei, nichts am Grundsatz ändere, dass
Unterhaltskosten im privaten Bereich im Zeitpunkt der Bezahlung abzugsfähig seien.
Die Berücksichtigung der gesamten Kosten für die Errichtung der Stützmauer in der
Steuerperiode 2010 stehe diesem Grundsatz nicht entgegen, da es nachvollziehbar sei,
dass sie davon ausgegangen seien, dass noch keine im Sinne des Steuerrechts fällige
Rechnung vorgelegen habe. Die Beschwerdegegner seien dementsprechend mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 44'700.-- und ohne steuerbares Vermögen zu
veranlagen.
D./ Mit Eingabe vom 16. Februar 2012 erhob das kantonale Steueramt Beschwerde
gegen den Entscheid der Vorinstanz vom 19. Januar 2012. Es beantragte die
Aufhebung des Entscheides der Vorinstanz vom 19. Januar 2012 und die Bestätigung
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seines Einsprache-Entscheides vom 20. Mai 2011; unter Kostenfolge zulasten der
Beschwerdegegner.
Mit Vernehmlassung vom 23. Februar 2012 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
der Beschwerde. Die Beschwerdegegner liessen die bis zum 30. März 2012 erstreckte
Frist zur Vernehmlassung unbenützt verstreichen und verzichteten damit auf eine
Stellungnahme. Mit Eingabe vom 11. April 2012 nahm das kantonale Steueramt
abschliessend Stellung zum Ergebnis der Vernehmlassung.
Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird –
soweit erforderlich – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Nach Art. 44 Abs. 2 Satz 1 StG können bei Grundstücken des Privatvermögens die
Unterhaltskosten, die Kosten der Instandstellung von neu erworbenen Grundstücken,
die Versicherungsprämien und die Kosten der Verwaltung durch Dritte abgezogen
werden. Diese Regelung entspricht den Vorgaben von Art. 9 Abs. 3 Satz 1 StHG und
deckt sich inhaltlich mit Art. 32 Abs. 2 Satz 1 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt DBG). Vorliegend ist unbestritten, dass der Ersatz
der Stützmauer auf der Liegenschaft der Beschwerdegegner Liegenschaftsunterhalt
darstellt und die Kosten von Fr. 11'000.-- grundsätzlich abzugsfähig sind.
Streitgegenstand ist aber, in welchem Umfang die entstandenen Kosten im Steuerjahr
2010 zu berücksichtigen sind.
Die Vorinstanz vertritt die Meinung, dass der Baumeister erst im Jahr 2010 die gültige
Rechnung erstellte. Es sei nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegner für die
Abzugsfähigkeit der Unterhaltskosten auf den Zeitpunkt der Einigung über die zu
bezahlenden Kosten abgestellt hätten. Unter Berücksichtigung der konkreten Abläufe
der Rechnungsstellung könne die Zahlung von Fr. 8'000.-- ohne Weiteres als
Vorauszahlung beurteilt werden, die von den Beschwerdegegnern entsprechend der
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Offerte und im Hinblick auf eine glaubwürdige Position in der Verhandlung über den
endgültigen Rechnungsbetrag geleistet worden sei.
Das kantonale Steueramt vertritt demgegenüber die Meinung, dass die anfängliche
Uneinigkeit über den Rechnungsbetrag nichts an der grundsätzlichen Gültigkeit der
Rechnung vom 15. Dezember 2009 über Fr. 13'408.74 ändere. Offensichtlich seien
auch die Beschwerdegegner von der Gültigkeit der Rechnung ausgegangen, zumal sie
am 18. Dezember 2009 bereits einen Teil des Rechnungsbetrages bezahlten. Daraus
sei zu schliessen, dass sie die Rechnung vom 15. Dezember 2009 zumindest im
Umfang von Fr. 8'000.-- anerkannten. Die Zahlung von Fr. 8'000.-- stelle damit eine
faktische Akontozahlung dar, und es könne keine Rede von einer freiwilligen
Vorauszahlung sein. Der Baumeister habe zudem keine neue Rechnung gestellt,
sondern lediglich den in Rechnung gestellten Betrag von Fr. 13'408.74 auf Fr. 11'000.--
reduziert und damit nachträglich auf einen Teil der Forderung verzichtet. Im
vorliegenden Fall würde es zudem überhaupt keine Rolle spielen, ob auf die Ist- oder
die Soll-Methode abgestellt werde, da sowohl die Rechnung wie auch die
Akontozahlung von Fr. 8'000.-- in der Steuerperiode 2009 erfolgt seien.
2.1. Unterhaltskosten für Liegenschaften gelten als Gewinnungskosten des
Einkommens aus unbeweglichem Vermögen, weshalb sie in wirtschaftlicher und
zeitlicher Hinsicht in direktem und unmittelbarem Zusammenhang mit der
Einkommenserzielung stehen. Voraussetzung für die Erfassung von steuerbaren
Einkünften ist, dass sie dem Steuerpflichtigen im massgebenden Zeitpunkt zugeflossen
sind, für die Berücksichtigung von anrechenbaren Gewinnungskosten, dass diese
angefallen sind (Realisations- bzw. Ist-Prinzip). Einkünfte und Aufwendungen sind
demnach in zeitlicher Hinsicht abzugrenzen (Periodiziätsprinzip). Das aus dem
allgemeinen Einkommensprinzip des Reinvermögenszugangs stammende Ist-Prinzip
bedeutet bei den Aufwendungen nichts anderes, als dass der Zeitpunkt des effektiven
Abflusses beim Steuerpflichtigen massgebend sein muss. Damit ist es grundsätzlich
auch möglich, Akontorechnungen im Zeitpunkt ihrer Fälligkeit steuerlich zum Abzug zu
bringen (vgl. B. Zwahlen, in: Zweifel/Athanas (Hrsg.), Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Band I/2a, 2. Aufl., Basel 2008, N 9 zu Art. 32 DBG). Voraussetzung für die
Anrechenbarkeit der geltend gemachten Aufwendungen ist deren Fälligkeit, wobei in
der Praxis, insbesondere bei privaten Aufwendungen, auf den Zeitpunkt der
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tatsächlichen Zahlung abgestellt wird (StR 2003 S. 766, StE 2004 B 25.6. Nr. 51, beide
Kanton Freiburg; VerwGE B 2010/242, 243 vom 26. Januar 2011 E. 2.2., abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch), allenfalls auf den Zeitpunkt der Rechnungsstellung (vgl. StE 1993
B 25.6 Nr. 26). Im Schrifttum zum kantonalen Recht wie auch zum Bundesrecht wird
die Auffassung vertreten, dass bei Liegenschaftsunterhaltskosten der Zeitpunkt der
tatsächlichen Zahlung massgebend ist (Weidmann/Grossmann/ Zigerlig, Wegweiser
durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl., Muri-Bern 1999, S. 151; vgl. Zwahlen,
a.a.O., N 8 zu Art. 32 DBG; P. Funk, Der Begriff der Gewinnungskosten nach
Schweizerischem Einkommenssteuerrecht, Diss. St. Gallen, Grüsch 1989, S. 158 für
nicht buchführungspflichtige Eigentümer; vgl. zum Ganzen VerwGE B 2010/242, 243
vom 26. Januar 2011 E. 2.1., abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Reine
Vorauszahlungen und nicht in Rechnung gestellte Akontozahlungen sind noch nicht
abzugsfähig, gestellte Akontorechnungen sind dagegen abzugsfähig (Richner/ Frei/ 
Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl., Zürich 2009, N 107 zu Art. 210
DBG).
2.2. Die Beschwerdegegner haben im Jahr 2009 eine Stützmauer ersetzen lassen. Der
Baumeister stellte am 15. Dezember 2009 Rechnung über Fr. 7'251.95 für den
"Neubau Stützmauer" und über Fr. 6'156.80 für "zusätzliche Arbeiten". Dies entspricht
einem Gesamtbetrag von Fr. 13'408.74. Dieser Betrag überstieg jedoch die
ursprünglich offerierten Baukosten um mehr als Fr. 5'000.--. Die Beschwerdegegner
bezahlten deshalb am 18. Dezember 2009 vorerst lediglich Fr. 8'000.--. Anfang 2010
einigten sich die Beschwerdegegner mit dem Baumeister auf eine Baukostenpauschale
über 11'000.--. Dies wurde vom Baumeister mit einer auf den 15. Dezember 2009
datierten und mit der ursprünglichen Rechnungsnummer versehenen Rechnung
bestätigt. Den ausstehenden Restbetrag von Fr. 3'000.-- beglichen die
Beschwerdegegner am 23. Februar 2010.
2.3. Vor diesem Hintergrund ist richtig zu stellen, dass es sich bei der Zahlung von
Fr. 8'000.-- entgegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht um eine freiwillige
Vorauszahlung, sondern um eine Akontozahlung handelt und sie damit im Jahr 2009
abzugsfähig gewesen wäre.
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Die Vorinstanz macht geltend, das kantonale Steueramt verfolge keine einheitliche
Praxis bezüglich des Abstellens auf den Zeitpunkt der tatsächlichen Zahlung (Ist-
Methode) oder auf das Rechnungsdatum (Soll-Methode). Zudem müsse im Formular 7
der Steuererklärung bei den effektiven Unterhalts- und Verwaltungskosten jeweils das
Rechnungsdatum eingesetzt werden.
Dem ist zu entgegnen, dass es der Verwaltungspraxis entspricht, dass im privaten
Bereich die Unterhaltsaufwendungen im Zeitpunkt der Bezahlung abzugsfähig sind
(vgl. alte Fassung des Steuerbuches StB 44, Nr. 2, Ziff. 6). Daran hat sich auch mit der
Neuerung des Steuerbuches StB 44, Nr. 2, Ziff. 7 nichts geändert. Mit dieser wurde
lediglich - in der Annahme, dass Rechnungen jeweils im gleichen Jahr bezahlt werden -
eine Erleichterung dahingehend verfolgt, dass der Steuerpflichtige auf die Einreichung
von Zahlungsquittungen grundsätzlich verzichten kann. Der Vermerk des
Rechnungsdatums im Formular 7 zur Steuererklärung bedeutet daher nicht, dass das
Rechnungsdatum massgebend ist; vielmehr wird damit die eindeutige Zuordnung eines
Abzugs zu einer bestimmten Rechnung ermöglicht. Der Grundsatz, dass grundsätzlich
das Zahlungsdatum massgeblich ist, wird damit auf jeden Fall nicht berührt (vgl. zum
Ganzen auch VerwGE B 2010/242, 243 vom 26. Januar 2011 E. 2.2., abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch).
2.4. Aufgrund der bisherigen Ausführungen wären die Fr. 8'000.-- formal-juristisch im
Jahr 2009 abzugsfähig gewesen. Wie es sich mit den Fr. 3'000.-- verhält, kann
vorliegend offen gelassen werden, da sich die Verfahrensbeteiligten diesbezüglich einig
sind.
2.5. Andererseits gilt es zu berücksichtigen, dass es sich vorliegend um eine
Besteuerung im nicht-buchpflichtigen Privatbereich handelt. Hier scheint es nicht
sachgerecht, bezüglich des Periodizitätsprinzips gleich strenge Anforderungen zu
stellen wie im Bereich von buchpflichtigen Steuerpflichtigen. Diesen Ansatz verfolgte
offensichtlich bereits das kantonale Steueramt. So hielt es im Einsprache-Entscheid
vom 20. Mai 2011 fest, dass es gemäss dem Periodizitätsprinzip nicht möglich sei, im
Jahr 2010 einen Gesamtbetrag einer Rechnung in Abzug zu bringen, für den im Jahr
2009 eine Rechnung vorlag und auch bereits eine Teilzahlung getätigt wurde. Dennoch
liess es den Abzug von Fr. 3'000.-- im Jahr 2010 im Sinne eines Entgegenkommens zu.
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Hinzu kommt, dass es unter den dargelegten konkreten Umständen nachvollziehbar
ist, dass die Beschwerdegegner davon ausgegangen sind, dass am 15. Dezember
2010 noch keine steuerrechtlich massgebende Rechnung vorgelegen bzw. dass es
sich bei der Zahlung von Fr. 8'000.-- um eine nicht abzugsfähige Vorauszahlung
gehandelt hat. Hinzu kommt, dass die Deklaration der Fr. 8'000.- unbestrittenermassen
und gemäss den dem Verwaltungsgericht vorliegenden Akten in keiner Verbindung mit
einer Steuerplanung oder Steueroptimierung steht, sondern einzig auf der irrigen
Annahme der Beschwerdegegner basiert, dass die Rechnung vom 15. Dezember 2009
steuerrechtlich nicht relevant ist und die Zahlung eine nicht abzugsfähige
Vorauszahlung darstellt. Zudem führt die Berücksichtigung der Fr. 8'000.-- zu keiner
doppelten Berücksichtigung von Unterhaltskosten.
Folglich wäre vorliegend ein Abstellen auf das formal-juristisch korrekte Ergebnis
angesichts der konkreten Einzelfallumstände sachlich nicht gerechtfertigt und käme
einem überspitzten Formalismus gleich. Die Beschwerde ist dementsprechend
abzuweisen und der angefochtene Rekurs-Entscheid vom 19. Januar 2012 ist zu
stützen. Es bleibt somit für die Staats- und Gemeindesteuern 2010 bei einer
Veranlagung mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 44'700.-- ohne steuerbares
Vermögen.
3. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht