Decision ID: 8c5e455a-f043-4453-b009-e9bb29d788b9
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._ GmbH angestellt, als er am
9. Oktober 2020 einen bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) obligatorisch versicherten Arbeitsunfall auf einer Baustelle erlitt,
indem er über einen Abfallhaufen fiel (Suva-act. 2). Der Versicherte suchte noch am
Unfalltag die Zentrale Notfallaufnahme (ZNA) des Kantonsspitals St. Gallen
(nachfolgend: KSSG) auf, wo er starke Schmerzen am rechten Knie und am rechten
oberen Sprunggelenk (OSG) beklagte (Suva-act. 17). Eine Röntgenaufnahme zeigte laut
der zuständigen Ärztin vom Netzwerk Radiologie, Klinik für Radiologie und
Nuklearmedizin, hinsichtlich des rechten Knies eine Patella bipartita, eine initiale
Varusgonarthrose, eine Ansatzsehnenverkalkung der Quadrizepssehne und einen
kleinvolumigen Kniegelenkserguss. Ansonsten wurden die ossären Strukturen sowohl
des rechten Knies als auch des rechten OSG als normal beschrieben mit regelrechter
Artikulation ohne Frakturnachweis (Suva-act. 18). Die zuständigen Ärzte der ZNA
diagnostizierten ein Distorsionstrauma Knie und OSG mit Verdacht auf laterale
Bandläsion OSG rechts und Verdacht auf Binnentrauma Knie rechts sowie eine Patella
bipartita (Suva-act. 17) und attestierten dem Versicherten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 4).
A.a.
Am 14. Oktober 2020 wurde der Versicherte in der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des KSSG (nachfolgend: Klinik) untersucht, auch wurden
A.b.
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MRI des rechten Knies und des rechten OSG erstellt und dem Versicherten
Physiotherapie verordnet. Als Diagnosen nannten die behandelnden Orthopäden eine
OSG- und Kniedistorsion rechts mit schmerzhaftem Tractus iliotibialis-Ansatz nach
Arbeitsunfall, eine aktuell asymptomatische Innenmeniskusläsion Knie rechts und eine
Patella bipartita Knie rechts (Suva-act. 10 und 31). Die am rechten Knie durchgeführte
MRI-Untersuchung brachte laut Beurteilung der zuständigen Radiologin einen
kombiniert horizontalen und schrägen Riss im mittleren und posterioren Drittel des
moderat degenerierten Innenmeniskus mit Kontakt zur Ober- und Unterfläche, eine
höhergradige fokale Chondropahtie (Grad III) an der medialen Patellafacette, einen
allenfalls minimalen Gelenkserguss, eine geringe Insertionstendinose der
Popliteussehne mit peritendinösem Ganglion und ein ansonsten altersentsprechend
normales genuales Kernspintomogramm mit intakten Kreuz- und Kollateralbändern und
normalem lateralem Meniskus zur Darstellung (Suva-act. 19-2).
Anlässlich einer Sprechstunde in der Klinik vom 16. November 2020 beklagte der
Versicherte als Hauptbeschwerden Schmerzen im Bereich des rechten Kniegelenks,
insbesondere beim Treppensteigen (Suva-act. 15-1). Dr. med. C._ und PD Dr. med.
D._, beides Fachärzte für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, befanden, die Schmerzen um die Patella könnten nicht mit der
im MRI gesehenen Meniskusläsion erklärt werden. Bei der Verlaufskontrolle in sechs
Wochen solle erneutes Augenmerk auf die Klinik der Meniskusläsion gelegt werden
(Suva-act. 15-2). Im Anschluss an diese Sprechstunde unterzog der Versicherte sich
einer diagnostisch-therapeutischen Kniegelenksinfiltration rechts (Suva-act. 12), um
den Reizzustand des Kniegelenks zu nehmen und Physiotherapie unter besseren
Voraussetzungen durchführen zu können (Suva-act. 15-2).
A.c.
Am 8. Dezember 2020 nahm Kreisarzt Dr. med. E._, Arzt für Allgemeinmedizin
(D), für die Suva eine ärztliche Beurteilung vor. Er kam nach dem Studium der Berichte
des KSSG zum Schluss, dass beim Beschwerdebild des Versicherten Unfallfolgen bei
einer vorübergehenden, aber nicht objektivierbar richtunggebenden strukturellen
Schädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sechs bis acht Wochen nach dem
Ereignis keine Rolle mehr spielten (Suva-act. 21-4). Am 11. Dezember 2020 informierte
die Suva den Versicherten darüber, dass aufgrund der Beurteilung des Kreisarztes die
noch bestehenden Beschwerden am rechten Knie nicht mehr unfallbedingt seien. Der
A.d.
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Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall eingestellt hätte, sei spätestens am 4.
Dezember 2020 erreicht worden. Die Suva lehne deshalb den Anspruch auf weitere
Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilkosten) per 27. Dezember 2020 ab. Für eine
allfällig durchgeführte Operation vor dem 27. Dezember 2020 werde sodann keine
Kostenübernahme gewährt (Suva-act. 25). Entsprechendes verfügte sie am 17.
Dezember 2020 (Suva-act. 28).
Unter Bezugnahme auf eine Untersuchung vom 16. Dezember 2020 notierten Dr.
C._ und PD Dr. D._ von der Klinik in einem Bericht vom 21. Dezember 2020, der
Versicherte habe laut dessen Angaben von der diagnostisch/therapeutischen Infiltration
für fünf Stunden profitiert (Suva-act. 36-2). Die Knieschmerzen hätten sich bis auf einen
verbleibenden Schmerz medial beruhigt. Das OSG sei nicht mehr symptomatisch. Bei
nun guten Untersuchungsbedingungen bei ansonsten schmerzfreiem und gut
untersuchbarem Kniegelenk könnten die Beschwerden durch die mediale
Meniskusläsion erklärt werden. Es sei deshalb eine Kniegelenksarthroskopie mit
Teilmeniskektomie besprochen und für den 12. Januar 2021 geplant worden. Aufgrund
eines zwischenzeitlich guten Verlaufs sei der Eingriff durch den Versicherten storniert
worden (Suva-act. 36-3).
A.e.
Am 25. Januar 2021 attestierte die Hausärztin des Versicherten, Dr. med. F._,
Heiden, dem Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 12.
Januar bis 16. Februar 2021 (act. G1.6).
A.f.
Am 28. Januar 2021 erhob Rechtsanwalt lic. iur. L. Gmünder, St. Gallen, für den
Versicherten Einsprache gegen die Verfügung vom 17. Dezember 2020 und ersuchte
um Weiterausrichtung der gesetzlichen Leistungen (Suva-act. 45).
A.g.
Am 29. Januar 2021 schilderte Dr. C._ von der Klinik Rechtsanwalt Gmünder
den Behandlungsverlauf beim Versicherten (Suva-act. 47). Die
Untersuchungsbedingungen seien am Tag des Traumas aufgrund der starken
Schmerzen deutlich eingeschränkt gewesen. Auch am 14. Oktober 2020 habe der
Versicherte noch starke Schmerzen angegeben. Rein durch die im MRI gesehene
Meniskusläsion hätten die Schmerzen nicht erklärt werden können. Somit sei aus
orthopädischer Sicht zu diesem Zeitpunkt keine Operation indiziert gewesen (Suva-act.
A.h.
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B.
47-2). Bei der Kontrolle vom 16. November 2020 habe der Versicherte von deutlich
gebesserten Schmerzen berichtet. Anlässlich der nächsten Kontrolle vom 16.
Dezember 2020 sei das Kniegelenk erstmals reizarm und gut untersuchbar gewesen.
Verblieben seien ein medial betonter Schmerz über dem Gelenkspalt sowie angedeutet
positive mediale Meniskuszeichen vereinbar mit einer symptomatischen medialen
Meniskusläsion. Der Versicherte arbeite in einem körperlich schweren Beruf, habe aber
vor dem Unfallereignis zu keiner Zeit relevante Kniegelenksbeschwerden gehabt.
Folglich müsse der Arbeitsunfall als Auslöser gesehen werden (Suva-act. 47-3).
Kreisarzt Dr. E._ äusserte sich auf Ersuchen der Suva am 3. Februar 2021 zur
Eingabe von Rechtsanwalt Gmünder, zum Sprechstundenbericht der Klinik vom 21.
Dezember 2020 und zu Dr. C._s Stellungnahme vom 29. Januar 2021 und hielt an
seiner Einschätzung vom 8. Dezember 2020 fest (Suva-act. 49).
A.i.
Am 16. Februar 2021 verlängerte Dr. F._ das Attest der vollständigen
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten bis 2. März 2021 (act. G1.7).
A.j.
Mit Einspracheentscheid vom 11. März 2021 bestätigte die Suva ihre Verfügung
vom 17. Dezember 2020 (Suva-act. 53).
A.k.
Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Gmünder, am 26. April
2021 Beschwerde erheben und unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) das Folgende beantragen: Es sei der
Einspracheentscheid aufzuheben und es seien dem Beschwerdeführer weiterhin die
gesetzlich vorgesehenen Leistungen zu gewähren. Eventualiter seien weitere
medizinische Abklärungen durchzuführen. Zur Begründung wurde zusammenfassend
vorgebracht, die Beschwerdegegnerin habe den Nachweis nicht erbracht, dass der
Unfall vom 9. Oktober 2020 jegliche kausale Bedeutung für die Beschwerden des
Beschwerdeführers verloren habe. Die von der Beschwerdegegnerin angerufenen
Beurteilungen von Dr. E._ seien nicht beweistauglich. Die Leistungseinstellung
erweise sich damit als widerrechtlich (act. G1).
B.a.
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Erwägungen
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die im Nachgang zum Unfall vom
9. Oktober 2020 erbrachten Heilkosten- und Taggeldleistungen zu Recht per 27.
Dezember 2020 eingestellt und den Anspruch auf weitere Leistungen der
Unfallversicherung verneint hat (vgl. Suva-act. 28 und 53). Die Beschwerdegegnerin hat
die Leistungseinstellung im Wesentlichen damit begründet, dass die noch beklagten
Kniebeschwerden rechts nicht mehr kausal zum Unfall vom 9. Oktober 2020 seien
(Suva-act. 53). Die Beschwerden im rechten OSG hatten sich zum
Leistungseinstellungszeitpunkt bereits zurückgebildet (vgl. Suva-act. 36) und werden
folglich zu Recht von beiden Parteien nicht als verfahrensgegenständlich betrachtet
(vgl. Suva-act. 53 und act. G1).
In der Beschwerdeantwort vom 20. Mai 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G3).
B.b.
Mit Replik vom 6. September 2021 liess der Beschwerdeführer an den Anträgen
gemäss Beschwerde vom 26. April 2021 festhalten (act. G9).
B.c.
Auch die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 5. Oktober 2021 an ihrem
Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (act. G11).
B.d.
Am 22. Oktober 2021 liess Rechtsanwalt Gmünder dem Gericht seine
Honorarnote zukommen (act. G13). Diese wurde der Beschwerdegegnerin am 10.
November 2021 zur Kenntnis zugestellt (act. G14).
B.e.
Am 7. März 2022 ersuchte das Gericht Rechtsanwalt Gmünder um Einreichung des
Berichts der in der Beschwerde in Aussicht gestellten Operation am Meniskus des
Beschwerdeführers (act. G15). Am 17. März 2022 teilte Rechtsanwalt Gmünder dem
Gericht mit, dass der Beschwerdeführer sich entschieden habe, die ursprünglich
geplante Operation doch nicht durchführen zu lassen. Dies auch aufgrund der
Tatsache, dass die Ärzte ihm so oder so davon abgeraten hätten, je wieder eine
körperlich schwere Tätigkeit aufzunehmen (act. G16). Dies wurde der
Beschwerdegegnerin am 18. März 2022 zur Kenntnis gebracht (act. G17).
B.f.
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2.
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) hat der Unfallversicherer bei Vorliegen eines Unfalls (vgl. dazu Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]) für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als
dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten
Ereignis steht (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff.
zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG];
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten oder
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 66, 74 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 122 V 158 f.
E. b mit zahlreichen Hinweisen; SZS 2018 S. 357 f.). Bei physischen Unfallfolgen spielt
indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle (BGE 118 V 291 f. E. 3a).
2.1.
Ist es durch einen Unfall zu keinen neuen unfallbedingten strukturellen Schäden
gekommen, trifft er aber auf einen vorgeschädigten Körper, kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende oder richtungsgebende
Verschlimmerung des Vorzustandes in Betracht. Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers bei einem durch einen Unfall verschlimmerten oder überhaupt
manifest gewordenen Vorzustand entfällt erst, wenn der Unfall nicht (mehr) die
natürliche oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also
letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft
dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften oder andersartig geschädigten
Vorzustandes auch ohne den Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo
2.2.
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sine), erreicht ist (vgl. zum Ganzen RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54). Von einer richtungsgebenden Verschlimmerung spricht die
Rechtsprechung nur dann, wenn medizinischerseits feststeht, dass weder der Status
quo ante noch der Status quo sine je wieder erreicht werden können (Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2007, 8C_467/2007,
E. 3.1). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss
das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit
nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (BGE
129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N. 58 f.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
4).
Da es sich bei der Einstellung von Versicherungsleistungen um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast für den Wegfall der vom
Unfallversicherer zunächst anerkannten natürlichen Kausalität - anders als bei der
Frage, ob ein leistungsbegründender Kausalzusammenhang überhaupt je gegeben war
- nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U
363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen; BGE 117 V 261 f. E. 3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
54 f.). Allerdings tragen die Parteien im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten
jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 4, 55).
2.3.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
2.4.
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3.
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Insofern kann rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten,
welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren eigenen
Ärzten und Ärztinnen einholen, Beweiswert beigemessen werden. Auf deren Ergebnis
kann jedoch nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen. In diesem Fall sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4, 4.6 f.; Urteil des
Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2; SVR 2018 IV Nr. 4,
S. 12, E. 3.2).
Die Beschwerdegegnerin hat vorliegend unbestrittenermassen anerkannt, dass der
Beschwerdeführer am 9. Oktober 2020 einen Unfall im Sinne des Gesetzes mit einer
schädigenden Einwirkung auf unter anderem das rechte Knie erlitten hat, und hat ihm
mit Schreiben vom 20. Oktober 2020 Heilkosten- und Taggeldleistungen (Suva-act. 5)
und der Klinik mit Schreiben vom 21. Oktober 2020 Kostengutsprache für
Spitalbehandlungen des Beschwerdeführers zugesichert (Suva-act. 9). Diese
Anerkennung erfolgte offensichtlich basierend auf der in der Schadenmeldung UVG
vom 15. Oktober 2020 angegebenen Unfallbeschreibung "Beim Hinlaufen zur Baustelle
über einen Abfallhaufen hingefallen" und gestützt auf die darin unter anderem
angeführte Schädigung "Riss" im Bereich des rechten Knies (Suva-act. 2). Am 27.
Oktober 2020 ging ein Bericht der Klinik zu einer Untersuchung des Beschwerdeführers
vom 14. Oktober 2020 bei der Beschwerdegegnerin ein (Suva-act. 10). Am 23./25.
November 2020 erhielt die Beschwerdegegnerin einen gleichentags verfassten Bericht
zu einer Infiltration (Suva-act. 12) und einer Untersuchung (Suva-act. 15) des rechten
Knies vom 16. November 2020 in der Klinik. Nachdem die Beschwerdegegnerin den
Bericht der ZNA vom 9. Oktober 2020 (Suva-act. 17) sowie die Berichte des Netzwerks
Radiologie vom 9. Oktober 2020 (Suva-act. 18) und vom 14. Oktober 2020 (Suva-act.
19) zu den Akten genommen hatte, leitete sie erstmals eine Überprüfung struktureller
Unfallfolgen bei Kreisarzt Dr. E._ ein (Suva-act. 20; vgl. kreisärztliche Beurteilung vom
8. Dezember 2020 in Suva-act. 21). Wie bereits das Informationsschreiben vom
3.1.
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11. Dezember 2020 (Suva-act. 25) beinhalten die Verfügung vom 17. Dezember 2020
und der Einspracheentscheid vom 11. März 2021 einerseits die Anerkennung einer
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für eine vorübergehende Verschlimmerung
eines degenerativen Vorzustandes für acht Wochen bzw. bis 4. Dezember 2020 und
andererseits eine Verneinung einer Leistungspflicht für nach dem 27. Dezember 2020
aufgetretene Arbeitsunfähigkeiten/vorgenommene Heilbehandlungen (Suva-act. 28 und
53). Die Beschwerdegegnerin stützte sich dabei auf die Beurteilung von Dr. E._, der
befunden hatte, dass Unfallfolgen im Beschwerdebild des Beschwerdeführers bei einer
vorübergehenden, aber nicht objektivierbar richtungsgebenden strukturellen
Schädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sechs bis acht Wochen nach dem
Ereignis keine Rolle mehr spielten (Suva-act. 21 und 49).
Auch wenn ein "Riss" im Bereich des rechten Knies, wie vorstehend erwähnt,
bereits in der Schadenmeldung thematisiert worden war, ergibt sich aus der in E. 3.1
beschriebenen Sachlage, dass die Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des
Leistungszusageschreibens vom 20. Oktober 2020 ihre Untersuchungspflicht zu Recht
noch nicht als abgeschlossen betrachtete. Sie ergänzte ihre medizinischen Akten
fortlaufend und liess die Unfallkausalität der festgestellten gesundheitlichen Störungen
durch ihren kreisärztlichen Dienst beurteilen (Suva-act. 20). Erst mit der kreisärztlichen
Beurteilung vom 8. Dezember 2020 (Suva-act. 21) lagen der Beschwerdegegnerin
Angaben einer medizinischen Fachperson vor, aus denen ihrer Ansicht nach ein
Sachverhalt entsprechend einer nicht mehr überwiegend wahrscheinlichen
Unfallkausalität der geklagten Beschwerden hervorging. In dem bei der
Beschwerdegegnerin am 27. Oktober 2020 eingegangenen Bericht der Klinik vom
gleichen Tag wurde zwar basierend auf einer MRI-Untersuchung vom 14. Oktober 2020
eine Meniskusläsion diagnostiziert. Diese wurde jedoch als aktuell asymptomatisch
bezeichnet und auch die Infiltration vom 16. November 2020 diente offensichtlich nicht
der Behandlung der Meniskusläsion (vgl. Suva-act. 10 und 12; vgl. hinsichtlich der
Meniskusläsion auch nachfolgend E. 4.2). Auch wenn die Beschwerdegegnerin für die
ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten Taggeldleistungen erbracht und die
Heilbehandlungskosten übernommen hat, kann damit die Anerkennung einer
Leistungspflicht nicht auf die mittels MRI vom 14. Oktober 2020 objektivierte
Innenmeniskusläsion bezogen werden. Die Beweislast hinsichtlich der Frage, ob es
sich bei der Meniskusläsion um eine beim Unfall vom 9. Oktober 2020 erlittene
Verletzung handelt, liegt somit beim Beschwerdeführer (vgl. vorstehend Erwägung 2.3).
Eine Anerkennung einer Leistungspflicht ist wie vorstehend in E. 3.1 ausgeführt
hingegen für eine aus einem Sturzereignis resultierende vorübergehende
Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustandes erfolgt. Für die diesbezügliche
3.2.
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4.
Leistungseinstellung ist wie in E. 2.2 f. ausgeführt die Beschwerdegegnerin
beweisbelastet. Allerdings greifen diese Beweisregeln vorliegend mangels Erfüllung des
Untersuchungsgrundsatzes (vgl. hierzu nachstehend E. 4 f.) ohnehin noch nicht Platz
(vgl. vorstehend E. 2.3).
Vorliegend ist unter anderem entscheidend, ob die Innenmeniskusläsion eine
traumatische oder eine degenerative Ursache hat. Meniskusläsionen können als Folge
eines Traumas auftreten, indem die Menisken bei akuten schweren Knieverletzungen
ein- oder abreissen. Hinsichtlich Meniskusläsionen gilt es aber auch zu beachten, dass
die Kniegelenksmenisken zur Degeneration neigen. Zudem sind sie starker
mechanischer Beanspruchung ausgesetzt. Entsprechend wird der Meniskusriss in der
medizinischen Literatur im Regelfall als degenerative bzw. chronische Schädigung
beschrieben (vgl. Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl.
2002, S. 1056 f.; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 1146; Roche
Lexikon, Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 1204, 1852; Evalotta Samuelsson, Neuregelung der
unfallähnlichen Körperschädigung, Das Beispiel des Meniskusrisses, in: SZS 2018, S.
344 f.).
4.1.
Der Vergleich bildgebender Untersuchungsergebnisse aus der Zeit vor und nach
dem Unfall würde für die Abgrenzung Vorzustand bzw. neue unfallbedingte strukturelle
Schädigung eine bedeutsame Beweisgrundlage darstellen (vgl. dazu BGE 134 V 232 E.
5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E.
2). Im konkreten Fall liegen indes keine vor dem Unfall erstellten radiologischen Bilder
vor, weshalb diesbezügliche Erkenntnisse fehlen. Die Veränderungen des medialen
Meniskus rechts wurden im Rahmen der MRI-Untersuchung vom 14. Oktober 2020,
also zeitnah zum Unfall, erhoben (Suva-act. 19). Damit ist nicht ausgeschlossen, dass
sich der Beschwerdeführer die Meniskusschädigung beim Unfall vom 9. Oktober 2020
zugezogen hat. Sowohl die das MRI vom 14. Oktober 2020 beurteilende Radiologin als
auch die in der Klinik behandelnden Orthopäden und Dr. E._ nennen die Schädigung
einen Riss bzw. eine Läsion. Diese Ausdrücke allein sprechen jedoch weder deutlich
für eine traumatische noch für eine degenerative Verursachung der
Meniskusschädigung. Mit dem alleinigen Vorliegen von Rissen, Einrissen oder Läsionen
ist nicht in jedem Fall auch mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
die Unfallkausalität oder die degenerative Verursachung eines Risses, Einrisses oder
einer Läsion ausgewiesen (Debrunner, a.a.O., S. 412, 628, 724 f. 728 ff.; Roche
Lexikon, a.a.O., S. 1681; Pschyrembel, a.a.O., S. 1576, 1646). Es bleibt also immer
4.2.
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noch zu entscheiden, von welcher Kausalität der Meniskusschädigung des
Beschwerdeführers auszugehen ist.
Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, kann anhand der Einschätzung von
Dr. E._ vom 8. Dezember 2020 (Suva-act. 21) mit Ergänzung vom 3. Februar 2021
(Suva-act. 49) nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
beurteilt werden, ob die Meniskusschädigung des Beschwerdeführers durch den Unfall
vom 9. Oktober 2020 (mit)verursacht wurde.
4.3.
Dr. E._ weist darauf hin, dass in der ZNA (Bericht in Suva-act. 17) keine
äusseren objektivierbaren Verletzungszeichen, keine Schwellung, kein Hämatom und
kein Erguss/Hämarthros festgestellt worden seien. Sowohl in der konventionellen
Röntgendiagnostik als auch in der MRI-Folgeuntersuchung hätten sich keine frischen
Traumafolgen gezeigt (Suva-act. 21-4). Diese Feststellung ist jedoch angesichts des
Röntgenbefunds vom Unfalltag, welcher einen kleinvolumigen Kniegelenkserguss
ergab (Suva-act. 18), nicht nachvollziehbar. Allenfalls ist die fehlende Erwähnung durch
Dr. E._ darin begründet, dass der Erguss sich laut MRI-Befund vom 14. Oktober
2020 im femoropatellaren und nicht im medialen Kompartiment befand (vgl. Suva-
act. 19-1). Dr. E._ verzichtete jedoch auf eine entsprechende Erklärung, weshalb
nicht erstellt ist, ob er den Befund übersehen hat oder ob dieser tatsächlich nicht von
Relevanz ist für die Beurteilung der Unfallkausalität der Meniskusläsion.
4.3.1.
Der von Dr. E._ ebenfalls erwähnte Umstand der fehlenden Begleitverletzungen
("kein unfalltypisches Knochenmarksignal/Bone bruise, keine Fraktur und keine
frischen Verletzungen der Bandstrukturen oder relevante Weichteilverletzungen"; vgl.
Suva-act. 21-1) findet sodann als Begründung für einen degenerativen Meniskusriss in
der medizinischen Literatur und in der Rechtsprechung keine eindeutige Stütze.
Zumindest wird der isolierte traumatische Meniskusriss kontrovers diskutiert. Dafür,
dass das Auftreten von isolierten traumatischen Meniskusrissen im gesunden Meniskus
grundsätzlich verneint werden müsste, gibt es jedenfalls keinen gesicherten
Evidenznachweis. Der Meniskusriss sowie Verletzungen anderer Strukturen des Knies
werden als Kombinationsverletzungen und auch als eigenständige bzw. isolierte
Verletzungen beschrieben (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017,
S. 950 f. 997, 1146; Debrunner, a.a.O., S. 1060, 1098; Samuelsson, a.a.O., S. 345; vgl.
auch Urteile des Versicherungsgerichts vom 10. Juli 2020, UV 2019/18, E. 5.4, und 11.
September 2018, UV 2017/56, E. 4.3). Dass ein Meniskus nicht isoliert reissen kann
bzw. gleichzeitig mit einem traumatisch bedingten Meniskusriss Verletzungen
4.3.2.
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verschiedener Strukturen auftreten müssen, kann mithin nicht generell angenommen
werden.
Insoweit Dr. E._ seine Einschätzung mit dem Verweis auf die degenerative
Situation des Kniegelenks des Beschwerdeführers und den Hinweis auf die
Prädilektionsfaktoren der schweren beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers und
der Anlagevariante seiner Kniescheibe begründet, verzichtet er ebenfalls auf eine
ausführliche, nachvollziehbare Begründung (Suva-act. 21-4). Grundsätzlich ist
plausibel, dass angesichts der bildgebend objektivierten degenerativen Befunde eine
solche Schlussfolgerung gezogen wird. Mangels Begründung und vor dem
Hintergrund, dass die das MRI beurteilende Radiologin lediglich eine moderate
Degeneration des Innenmensikus sah (Suva-act. 19-1) und auch die Varusgonarthrose
sich laut zuständiger Radiologin in einem initialen Stadium befand (Suva-act. 18-1), ist
die Nachvollziehbarkeit jedoch nicht ohne Weiteres gegeben. Allein aufgrund dieses
von Dr. E._ angeführten Beurteilungskriteriums kann mithin eine traumatische
Meniskusläsion nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden. Dies insbesondere auch angesichts des Umstandes, dass die
zeitliche Nähe der Beschwerden und des entdeckten Meniskusrisses durchaus für
einen Zusammenhang mit dem Unfallereignis sprechen. Die Erstbehandlung hatte
bereits am Unfalltag in der ZNA stattgefunden, wobei eine konklusive klinische
Untersuchung des rechten Knies aufgrund der starken Schmerzen nicht erfolgen
konnte (Suva-act. 17-2). Noch am 14. Oktober 2020 konnten die behandelnden
Orthopäden der Klinik den Menisken-Provokationstest schmerzbedingt kaum
beurteilen (Suva-act. 10-3). Laut Bericht vom 18. November 2020 konnte zu diesem
Zeitpunkt die Beschwerdesymptomatik nicht mit der im MRI gesehenen
Meniskusläsion erklärt werden, gleichzeitig wurde allerdings für den nächsten
Untersuch vorgemerkt, dass erneutes Augenmerk auf die Klinik der Meniskusläsion zu
legen sei (Suva-act. 15-2). Vor diesem Hintergrund fasst die Feststellung in den ersten
beiden Berichten der Klinik, dass die Meniskusläsion asymptomatisch sei (vgl. Suva-
act. 10 und 15), wohl dahingehend zu kurz, als die Symptomatik nicht alleine durch die
Meniskusläsion erklärt werden konnte, und es ist durchaus wahrscheinlich, dass der
Meniskus zeitnah zum Unfall Beschwerden verursachte.
4.3.3.
Dass es Dr. E._ sowohl am Facharzttitel der Orthopädie als auch an der
Berufsausübungsbewilligung (vgl. zu dieser Thematik Urteile des Versicherungsgerichts
vom 2. Juni 2021, IV 2020/236 E. 2.5 und vom 2. Dezember 2021, IV 2020/249, E. 3)
fehlt, vermöchte zwar für sich alleine noch keinen relevanten Zweifel an seiner
Einschätzung zu begründen. Jedoch ist es durchaus nachvollziehbar, dass sich der
4.3.4.
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Rechtsvertreter des Beschwerdeführers an diesen beiden Umständen stört (vgl.
Vorbringen in act. G1 Rz. 25 f.).
Dr. E._ unterliess es, den im Rahmen einer Kausalitätsbeurteilung
grundsätzlich ein massgebendes Beurteilungskriterium bildenden Unfallmechanismus
zu diskutieren. Dr. C._ spricht demgegenüber von einer Verdrehung des Kniegelenks
(Suva-act. 47) und sämtlichen Berichten der Klinik ist die bereits im Anschluss an den
Unfall in der ZNA erhobene Diagnose einer Distorsion zu entnehmen (Suva-act. 17-1,
10-2, 15-1 und 36-2). Für Meniskusläsionen wird in der medizinischen Literatur eine
Distorsion oder ein Rotationstrauma (Verletzung durch Drehbewegung) gefordert, das
geeignet ist, eine solche Verletzung hervorzurufen (Debrunner, a.a.O., S. 1057;
Pschyrembel, a.a.O., S. 1146; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1146; Leitlinie der Orthopädie,
Hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
dem Berufsverband der Ärzte für Orthopädie, 2. erweiterte Aufl. 2002, S. 141; S2k
Leitlinie Meniskuserkrankung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und
Unfallchirurgie [DGOU], abrufbar unter https://gelenkzentrum-rheinmain.de/app/
uploads/2017/08/Allgemeine-Leitlinie-Meniskus.pdf, abgerufen am 2. Mai 2022). Damit
ist jedoch ein Indiz für eine traumatische Genese der Meniskusschädigung gegeben,
weshalb es störend ist, dass Dr. E._ sich mit diesem Beurteilungskriterium mit
keinem Wort befasste. Auch ist angesichts seiner Feststellung, dass der Unfall in einem
Sturzereignis bestand (Suva-act. 21-4 ad 3.1), nicht einmal klar, ob er ebenfalls von
einer Distorsion oder lediglich von einer Kontusion ausgegangen ist. Welcher Art die
von ihm angenommene Gesundheitsschädigung in Form einer vorübergehenden
Schädigung sein soll, bleibt bei Durchsicht seiner beiden Beurteilungen ungeklärt (vgl.
Suva-act. 21 und 49).
4.3.5.
Wie vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zu Recht geltend gemacht
wird, erfolgte die Beurteilung durch Dr. E._ darüber hinaus verfrüht. Seine
Beurteilung vom 8. Dezember 2020 war erfolgt, bevor das Knie des Beschwerdeführers
am 16. Dezember 2020 laut dem behandelnden Orthopäden erstmals gute
Untersuchungsbedingungen aufwies (vgl. Suva-act. 36-2 und 47-3). Zum Zeitpunkt
seiner ausführlicheren Beurteilung ging Dr. E._ wohl davon aus, dass die von der
Klinik diagnostizierte Meniskusläsion asymptomatisch sei. Ob dieser - allenfalls
unglücklich vorweggenommene - Umstand (vgl. hierzu vorstehend E. 4.3.3) Einfluss auf
seine Beurteilung zeitigte, geht aus letzterer nicht hervor. Für die Beweistauglichkeit
einer aktenbasierten Einschätzung ist entscheidend, dass genügend Unterlagen von
anderen persönlichen Untersuchungen vorliegen (RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371). Da der
Bericht der Klinik vom 21. Dezember 2020, in welchem nun festgehalten wurde, dass
4.3.6.
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5.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin als unfallkausale Verletzung gestützt
auf die kreisärztliche Beurteilung von Dr. E._, wie gesagt, eine vorübergehende
Verschlimmerung von degenerativen Vorzuständen. Hinsichtlich der Dauer, nach
welcher die nicht spezifizierte Schädigung keine Rolle mehr spielen soll, nennt Dr.
E._ ohne Begründung einen Zeitrahmen von sechs bis acht Wochen (Suva-act. 21-4).
Aufgrund der Fakten ist jedoch nicht auszuschliessen, dass selbst für den Fall einer
degenerativen Meniskusläsion (was anhand der vorliegenden medizinischen Akten wie
vorstehend in E. 4 ausgeführt nicht abschliessend beurteilt werden kann) über den 27.
Dezember 2020 hinaus von Unfallfolgen auszugehen wäre. Die von Dr. E._
angewandte Frist von sechs bis acht Wochen dürfte wohl auf einem Erfahrungswert
beruhen, nicht einmal dies wird von Dr. E._ jedoch in seinen Beurteilungen erläutert.
Mangels Ausführungen dazu geht aus den Beurteilungen von Dr. E._ wie gesagt
überhaupt nicht hervor, von welchem Gesundheitsschaden er bei seiner Einschätzung
ausging (vgl. vorstehend E. 4.3.5). Er spricht einzig von einer vorübergehenden
Verschlimmerung. Angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführer sich ab
dem Unfalltag bis mindestens Mitte Februar 2021 kontinuierlich in Behandlung befand
die Beschwerden durch die mediale Meniskusläsion erklärt werden könnten (Suva-act.
36-3), am 8. Dezember 2020 offensichtlich nicht aktenkundig sein konnte und es Dr.
E._ in seiner Einschätzung vom 3. Februar 2021 dabei beliess, auf den degenerativen
Zustand des Kniegelenks des Beschwerdeführers hinzuweisen, vermag auch letztere
Einschätzung die an seiner Beurteilung vom 8. Dezember 2020 bestehenden Zweifel
nicht auszuräumen. Dies wie vorstehend in E. 4.3.3 ausgeführt insbesondere vor dem
Hintergrund, dass die das MRI beurteilende Radiologin lediglich eine moderate
Degeneration des Innenmensikus sah (Suva-act. 19-1) und auch die Varusgonarthrose
sich laut Radiologin in einem initialen Stadium befand (Suva-act. 18-1).
Neben Dr. E._ äusserten sich PD Dr. D._ und Dr. C._ von der Klinik am 21.
Dezember 2020 (Suva-act. 36-3) und Dr. C._ nochmals am 29. Januar 2021 (Suva-
act. 47-2 f.) zur Unfallkausalität. Im Gegensatz zum Kreisarzt kamen die behandelnden
Orthopäden zum Schluss, dass die auf die symptomatische mediale Meniskusläsion
zurückführbaren Schmerzen am rechten Kniegelenk des Beschwerdeführers durch den
Unfall vom 9. Oktober 2020 verursacht worden seien (vgl. Suva-act. 36-3 und 47-2 f.).
Auch wenn die beiden lediglich rudimentär begründeten Einschätzungen der Klinik
alleine nicht als beweiswertig für eine traumatische Meniskusläsion qualifiziert werden
können (vgl. für die Voraussetzungen E. 2.4), so verstärken sie zumindest die
vorstehend in E. 4.3 erläuterten Zweifel an Dr. E._s Beurteilungen.
4.4.
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und fortwährend über Kniebeschwerden rechts klagte (14. Oktober, 16. November und
16. Dezember 2020 [vgl. Suva-act. 47], 12. und 25. Januar sowie 16. Februar 2021 [act.
G1.6 und 1.7]; vgl. in diesem Zusammenhang Urteil des Bundesgerichts vom 30. März
2022, 8C_605/2021, E. 7.1.2), ist nicht ohne Weiteres erkennbar, wieso genau Ende
Dezember 2020 von einer nicht mehr vorhandenen Schmerzhaftigkeit der durch den
Unfall verschlimmerten Vorzustände auszugehen wäre. Insgesamt kann jedenfalls nicht
gesagt werden, die Beschwerdegegnerin habe den Nachweis für das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung des Unfalls vom 9. Oktober 2020 für die über die
Leistungseinstellung hinaus bestehende und behandelte Kniegelenksproblematik mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erbracht. Auch in dieser
Hinsicht bestehen massgebliche Zweifel an der Beurteilung von Dr. E._.
6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt nicht spruchreif
abgeklärt ist. An der Beurteilung von Dr. E._ vom 8. Dezember 2020 mit Ergänzung
vom 3. Februar 2021 bestehen Zweifel und dem Gericht ist es nicht möglich, mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob die vorliegende
Meniskusläsion mindestens teilweise auf den Unfall vom 9. Oktober 2020
zurückzuführen ist respektive ob die unfallbedingte Verschlimmerung der
vorbestehenden Degeneration wirklich bereits ab dem 27. Dezember 2020 keine Rolle
mehr spielte. Angesichts des Gesagten wäre die Beschwerdegegnerin gestützt auf den
Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) zur Einholung einer weiteren
versicherungsinternen medizinischen Beurteilung oder zur Durchführung einer
Begutachtung verpflichtet gewesen (BGE 135 V 470 E. 4.4). Die Angelegenheit ist zur
Veranlassung einer solchen weiteren medizinischen Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Beschwerde ist dahingehend gutzuheissen, dass der Einspracheentscheid
vom 11. März 2021 aufzuheben und die Streitsache zu ergänzenden Abklärungen im
Sinn der Erwägungen und anschliessender neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
6.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).6.2. bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 f. E. 6). Somit unterliegt die
Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Die Parteientschädigung wird vom
6.3.
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