Decision ID: 2850b968-c067-521c-b756-874302abae79
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 5. November 2015 gemeinsam mit
seiner Ehefrau B._ (ebenfalls vorinstanzliches Verfahren N [...]) im
damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl
nach. Dort wurden beide im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) zu
ihren Personalien und summarisch zu ihrem Reiseweg befragt. Für den
Aufenthalt während der Dauer des Asylverfahrens wurden sie dem Kanton
C._ zugewiesen. Am 24. November 2017 wurden sie in Bern-Wa-
bern von einem Mitarbeiter des SEM zu ihren Fluchtgründen angehört.
A.b Anlässlich der BzP und der Anhörung machte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen geltend, er sei afghanischer Staatsangehöriger, ethni-
scher Hazara und stamme aus D._ (Distrikt E._, Provinz
F._ [vormals G._ beziehungsweise H._]). Während
der sowjetischen Besatzung sei er als Kleinkind mit seiner Familie in den
Iran geflohen, wo er die Schule bis zur (...). Klasse besucht habe. Im Jahr
1383 (afghanische Zeitrechnung; abendländischer Kalender: 2004 oder
2005) sei er nach Afghanistan zurückgekehrt. Er habe fünf Jahre lang an
der Universität von I._ (in J._, Provinz K._) studiert
und das Studium in "(...)" abgeschlossen. Ab etwa 2010 habe er in der (...)
des afghanischen Parlaments in Kabul gearbeitet und sei später zum (...)
ernannt worden. In Kabul habe er bei einem Freund zur Miete gewohnt.
Während seines Aufenthalts in Afghanistan habe er regelmässig seine im
Iran verbliebenen Angehörigen (Eltern und ein Bruder) besucht.
Es habe wiederholt Angriffe aufs Parlamentsgebäude gegeben, so auch im
vierten Monat des Jahres 1394 (Mitte des Jahres 2015). Eines Tages habe
er in seinem Büro einen Anruf auf sein privates Mobiltelefon erhalten, in
welchem der Anrufer sich als Taliban zu erkennen gegeben und ihn unter
Drohungen zur (...) sowie zur Mithilfe beim Transport von
Explosionsmaterial, Waffen und Menschen in die beiden Gebäude
aufgefordert habe. Er habe den Telefonanruf sowohl seinem direkten
Vorgesetzten als auch dem Sicherheitsbeauftragten gemeldet. Da er sich
draussen nicht mehr sicher gefühlt habe, habe ihm sein Vorgesetzter
bewilligt, fortan in seinem Büro im Parlamentsgebäude zu übernachten.
Rund eine Woche später seien zwei Männer verhaftet worden, die versucht
hätten, als Arbeiter verkleidet ins Gebäude einzudringen. Etwa zur
gleichen Zeit habe ihn derselbe Mann erneut angerufen und von ihm
wieder das Gleiche verlangt. Aus Furcht um sein Leben beziehungsweise
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weil er sich im Parlamentsgebäude wie ein Gefangener gefühlt habe, habe
er Urlaub beantragt und sei zu seinem anderen Bruder in den Distrikt
E._ gereist. Auf dem Weg dorthin sei er ein weiteres Mal von
Angehörigen der Taliban telefonisch kontaktiert und bedroht worden.
Einige Tage später habe er sich mit seinem Bruder im Auto auf dem
Rückweg vom Einkaufen befunden, als sie zwischen den Dörfern
L._ und M._ (Distrikt E._) von zwei bewaffneten
Männern, mutmasslich Angehörige der Taliban, zum Anhalten aufgefordert
worden seien. Sie hätten sich der Aufforderung jedoch widersetzt und
seien stattdessen mit erhöhter Geschwindigkeit weitergefahren. In der
Folge sei das Auto beschossen worden und sein Bruder sei an den
erlittenen Schussverletzungen verstorben. Vier oder fünf Tage später,
nach der Beerdigung seines Bruders, habe er die Region verlassen und
sei auch nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt; er vermute
nämlich, dass er beziehungsweise seine Arbeit im Parlamentsgebäude für
den Tod seines Bruders verantwortlich sei.
Nach dem Scheitern des ersten Ausreiseversuches sei der zweite Versuch
erfolgreich gewesen und er habe sich im Iran zu seiner Familie begeben.
Im Oktober 2015 habe er dort B._ geheiratet, bevor sie beide via
Türkei und die Balkanroute nach Deutschland und schliesslich am
5. November 2015 unter Umgehung der Grenzkontrollen in die Schweiz
gereist seien.
A.c Die Ehefrau B._ wurde ebenfalls am 11. November 2015 zu ih-
rer Person und zu ihrem Reiseweg befragt und am 24. November 2015
vertieft angehört. Sie gab an, ebenfalls als Kleinkind mit ihrer Familie Af-
ghanistan verlassen zu haben. Bis zu ihrer Ausreise im Oktober 2015 habe
sie im Iran gelebt, wo sie über eine Aufenthaltsberechtigung verfügt habe.
Sie habe während zehn Jahren die Schule besucht und danach als Sekre-
tärin und als Schneiderin gearbeitet. Sie sei im Iran keinen Schwierigkeiten
ausgesetzt gewesen, doch habe ihr Ehemann dort keine Aufenthaltsbewil-
ligung gehabt, weshalb sie gemeinsam das Land verlassen hätten.
A.d Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens gab der Beschwerdeführer
zahlreiche Dokumente und Beweismittel zu den Akten: Einen Arbeitsver-
trag mit den Behörden der afghanischen Regierung, einen Mitgliederaus-
weis des afghanischen (...), ein Arbeitszeugnis, einen Lohnausweis, vier
Zugangskarten zum Parlamentsgebäude, je einen Antrag und eine Bestä-
tigung für die Arbeit in der (...) und (...), ein Abschlussdiplom als (...), eine
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Ehrung für geleistete Arbeit, vier Weiterbildungsbestätigungen, verschie-
dene Fotos, ein Bestätigungsschreiben betreffend Auftrag für den (...) so-
wie einen Zeitungsartikel betreffend eine kulturelle Tätigkeit in der Schweiz.
B.
Mit Verfügung vom 29. März 2018 – eröffnet am 3. April 2018 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer und seine Ehefrau erfüllten die Flücht-
lingseigenschaft nicht, lehnte deren Asylgesuche ab und ordnete die Weg-
weisung an. Gleichzeitig erachtete es den Vollzug der Wegweisung nach
Afghanistan zurzeit als nicht zumutbar und ordnete die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers und seiner Frau in der Schweiz an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe
vom 2. Mai 2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean-
tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung seiner
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Asyls, eventualiter die
Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs und die vorläu-
fige Aufnahme als Flüchtling. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersucht.
Zur Untermauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen
wird – wurden eine am 11. April 2018 vom (...) ausgestellte Fürsorgeab-
hängigkeitsbestätigung sowie eine dem Internet entnommene Pressemit-
teilung, ein Foto und eine CD-ROM mit fünf Filmberichten betreffend An-
schläge auf das Parlament in Kabul zu den Akten gegeben.
D.
Die Instruktionsrichterin stellte mit Verfügung vom 8. Mai 2018 vorab fest,
im Rubrum der Beschwerde werde lediglich A._ als Beschwerde-
führer aufgeführt, aus den Rechtsbegehren und der Begründung gehe kein
Beschwerdewille der Ehefrau hervor und auch die Vollmacht für die
Rechtsvertreterin sei nur von ihm unterzeichnet worden, weshalb einzig
A._ als beschwerdeführende Partei betrachtet werde. Sodann
wurde festgehalten, der Beschwerdeführer dürfe – ungeachtet der von der
Vorinstanz verfügten vorläufigen Aufnahme – gestützt auf Art. 42 AsylG
(SR 142.31) den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abwarten.
Schliesslich wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) – unter dem Vorbehalt einer nachträg-
lichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers –
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gutgeheissen und es wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
(Art. 63 Abs. 4 VwVG) verzichtet.
E.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers brachte am (...) die gemeinsame
Tochter N._ zur Welt.
F.
Am 25. Oktober 2019 ging beim Zivilstandsamt (...) der am 10. Mai 2008
ausgestellte afghanische Reisepass des Beschwerdeführers im Original
ein.
G.
G.a Das Bundesverwaltungsgericht übermittelte die Akten am 20. Januar
2020 an das SEM und lud dieses zur Einreichung einer Vernehmlassung
ein.
G.b Mit Vernehmlassung vom 4. Februar 2020 beantragte das SEM sinn-
gemäss die Abweisung der Beschwerde.
G.c Das Bundesverwaltungsgericht liess dem Beschwerdeführer bezie-
hungsweise dessen Rechtsvertreterin am 11. Februar 2020 ein Doppel der
Vernehmlassung vom 4. Februar 2020 zukommen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VwVG und Art. 6 AsylG).
1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügungen besonders berührt und hat
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerden legitimiert, weshalb
auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist
(Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG).
1.5 Die Ehefrau des Beschwerdeführers reichte – wie bereits in der In-
struktionsverfügung vom 8. Mai 2018 festgehalten wurde (vgl. oben Sach-
verhalt Bst. D) – beim Bundesverwaltungsgericht keine Beschwerde ein.
Die SEM-Verfügung vom 29. März 2018 ist, soweit B._ betreffend,
unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Mangels entsprechender Wil-
lensäusserung seitens des Beschwerdeführers oder seiner Ehefrau wird
auch die Tochter N._ im vorliegenden Verfahren nicht als Be-
schwerdeführerin betrachtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; vielmehr müssen
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konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
4.
4.1 Das SEM zog weder die vom Beschwerdeführer geschilderte berufliche
Ausbildung noch dessen Anstellung und Funktion in der (...) des afghani-
schen Parlaments in Zweifel, erachtete aber die geltend gemachten, an-
geblich mit dieser Tätigkeit in Zusammenhang stehenden Probleme mit
den Taliban aufgrund einer Vielzahl an Ungereimtheiten, logischen Lücken
und Widersprüchen in seinen Aussagen als nicht glaubhaft im Sinne von
Art. 7 AsylG.
4.1.1 Dabei stellte es fest, es sei im Verlauf des Verfahrens ungeklärt ge-
blieben, wie genau es zum Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer und
den Taliban gekommen sei und weshalb gerade er für diesen Kontakt aus-
gewählt worden sei. Im Weiteren habe dieser erklärt, die Anrufe und For-
derungen der Taliban dem zuständigen Sicherheitsbeauftragten und sei-
nem direkten Vorgesetzten gemeldet zu haben. Letztere hätten sich aber
nicht veranlasst gesehen, deshalb spezielle Sicherheitsvorkehren zu tref-
fen; er habe aber beantragt, im eigenen Büro übernachten zu dürfen. An-
gesichts der geschilderten Reaktion des Sicherheitsbeauftragten erstaun-
ten die Befürchtungen des Beschwerdeführers, habe es sich doch offenbar
bei den vorgebrachten Ereignissen um nichts Ungewöhnliches gehandelt
und sei das Parlamentsgebäude auch ausreichend gesichert gewesen. Im
Übrigen habe der Beschwerdeführer die zu jenem Zeitpunkt wiederholt
stattgefundenen Angriffe auf das Parlamentsgebäude mit dem bevorste-
henden Besuch des indischen Ministerpräsidenten erklärt.
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4.1.2 Sodann sei "schleierhaft" geblieben, weshalb er trotz seiner Befürch-
tungen den zweiten, rund zwei Wochen nach der ersten Kontaktaufnahme
erfolgten Anruf seinen Vorgesetzten nicht mehr gemeldet habe, zumal er
sich angeblich zu jener Zeit auch nachts im Parlamentsgebäude versteckt
gehalten habe. Gemäss seinen Aussagen habe er sich zur Flucht aus Ka-
bul gezwungen gesehen, da es im Parlamentsgebäude zur Festnahme von
zwei Personen gekommen sei, die sich als Arbeiter ausgegeben hätten.
Seine diesbezüglichen Ausführungen vermöchten indessen insbesondere
deshalb nicht zu überzeugen, weil er unvereinbare Angaben zu seinem
Aufenthalt zum Zeitpunkt der Verhaftung der beiden Personen gemacht
habe. Während er zunächst angegeben habe, bei der Verhaftung nicht
mehr im Parlamentsgebäude gewohnt zu haben, habe er später erklärt,
sich auch noch nicht auf dem Weg zum Bruder befunden zu haben; zur
Festnahme sei es nach dem ersten Kontakt gekommen, mithin zum Zeit-
punkt, als er einige Male bei Freunden übernachtet habe. Die dazu abge-
gebene Erklärung, er sei schliesslich in die Provinz E._ gereist, da
er sich im Parlamentsgebäude wie ein Gefangener gefühlt habe, vermöge
wenig zu überzeugen.
4.1.3 Was die – angeblich zum Zeitpunkt, als er sich auf dem Weg zu sei-
nem Bruder in die Provinz E._ befunden habe, erfolgte – dritte Kon-
taktaufnahme betreffe, so erscheine es angesichts der geschilderten Ab-
sichten der Taliban logisch nicht nachvollziehbar, wieso diese den Be-
schwerdeführer gerade nach der Festnahme von zwei Eindringlingen ein
weiteres Mal kontaktiert haben sollen. Hinsichtlich deren Absichten wäre
vielmehr zu vermuten gewesen, dass die Taliban vorgängig alles daran ge-
setzt hätten, den Beschwerdeführer zum (...) beziehungsweise zum Ein-
schleusen von Material und Personen zu bringen, zumal dieser nach dem
ersten Anruf noch ausserhalb des Parlamentsgebäudes anzutreffen gewe-
sen wäre beziehungsweise auch während der Zeit seiner Übernachtung im
Büro auf Verbindungspersonen angewiesen gewesen sei. Auch dass der
Beschwerdeführer den Anrufer (beim ersten Anruf) als ruhig beziehungs-
weise (beim letzten Anruf) als ein bisschen wütend beschrieben habe und
der Mann ihn gewarnt habe, die Taliban würden ihn überall finden, sei we-
nig überzeugend. Hätten die Taliban ein derart grosses Interesse an der
Person des Beschwerdeführers gehabt, so wäre davon auszugehen, dass
sie ihn wesentlich offensiver verfolgt hätten.
4.1.4 Schliesslich vermöchten auch die Schilderungen zum angeblich ge-
zielt gegen die Person des Beschwerdeführers gerichteten Angriff im Rah-
men einer Strassenkontrolle wenig zu überzeugen. Es sei (ebenfalls)
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"schleierhaft" geblieben, wie er von Mitgliedern der Taliban in E._
bei einer Autokontrolle hätte wiedererkannt werden sollen, wobei auch der
diesbezügliche Erklärungsversuch daran nichts zu ändern vermöge. Im
Übrigen falle auf, dass der Beschwerdeführer in der Erstbefragung ange-
geben habe, sein Bruder sei bei einem Autounfall gestorben, sich der dann
in der Bundesanhörung geschilderte Hergang der Ereignisse jedoch kaum
unter einen Autounfall subsumieren lasse. Ausserdem habe der Beschwer-
deführer zuerst ausgeführt, die Drohungen der Taliban hätten nach dem
Tod seines Bruders zugenommen, um später anzugeben, er habe dann
seine Mobiltelefonkarte eliminiert und sei somit gar nicht mehr erreichbar
gewesen; diese Unstimmigkeit habe er auf entsprechenden Hinweis hin
nicht plausibel erklären können.
4.2 In der Beschwerdeschrift (vgl. S. 3–5) wird im Wesentlichen der anläss-
lich der Anhörung geschilderte Sachverhalt wiederholt und am Wahrheits-
gehalt der Aussagen festgehalten.
Sodann wird gerügt, das SEM habe die gefährliche Situation, in welcher
sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner Verantwortlichkeit beim Aufbau
des neuen Parlamentsgebäudes befunden habe, nicht korrekt erfasst. Die
eingereichten Ausweise (insbesondere derjenige, welcher speziell für den
Anlass vom 23.02.1390 [abendländischer Kalender: 13. April 2011 bezie-
hungsweise – recte – 13. Mai 2011] ausgestellt worden sei) würden bewei-
sen, dass der Beschwerdeführer nicht nur (...) der (...), sondern auch (...)
sowie (...) gewesen sei und daher freien Zugang zum ganzen Parlaments-
areal gehabt habe. Es sei deshalb nachvollziehbar und logisch, dass die
Taliban ihn zur Zusammenarbeit hätten bewegen wollen. Seit 2015 sei es
zu mehreren Selbstmordangriffen auf das (neue) Parlamentsgebäude
durch Taliban gekommen. Anhand der beigelegten CD-ROM könne die
Entwicklung (wie die Taliban versucht hätten, das Areal zu betreten, und
dann – nachdem ihnen dies nicht gelungen sei – mit Raketen das Gebäude
beschädigt hätten) beobachtet werden. Angesichts des unmenschlichen
und barbarischen Umgangs der Taliban mit ihren Kontrahenten sowie der
Tatsache, dass die Taliban weite Teile des Landes unter Kontrolle hätten
und ihre Kontrahenten ausspionieren, identifizieren und an anderen Orten
aus dem Gefecht ziehen würden, seien die Angaben des Beschwerdefüh-
rers durchaus nachvollziehbar und plausibel. Die Taliban seien nämlich
durch ihre vielen Anhänger und Spione in der Bevölkerung über dessen
Aufenthalt in E._ informiert worden. Dass der Beschwerdeführer in
der BzP noch nicht von der Begegnung mit den Taliban und der Art des
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Todes seines Bruders gesprochen beziehungsweise die Todesursache um-
gangssprachlich als Autounfall bezeichnet habe, liege an der Befragung
selber, sei es doch bei der Frage nach Beziehungen im Heimatstaat nicht
um die Umstände des Todes des Bruders gegangen. Der Beschwerdefüh-
rer versuche nun, den Polizeirapport über den Tod seines Bruders zu er-
halten (vgl. Beschwerde S. 5 f.).
4.3
4.3.1 Auch das Bundesverwaltungsgericht erachtet es aufgrund der einge-
reichten Beweismittel als erstellt, dass der Beschwerdeführer eine Anstel-
lung als (...) im afghanischen Parlament hatte und später zum (...) der (...)
ernannt wurde. Dabei wurden ihm wohl auch gewisse Aufgaben beim (...)
übertragen; so kann etwa einigen der zu den Akten gegebenen Fotos ent-
nommen werden, dass er im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit Kontakte
zu (...) Kollegen oder zu Vertretern der (...) Regierung hatte. Aufgrund sei-
ner verantwortungsvollen Position ist davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer tatsächlich Zugang zu den (...) gehabt hat. Demnach er-
scheint es grundsätzlich durchaus nachvollziehbar, dass die Taliban ein In-
teresse an seiner Person beziehungsweise an der Herausgabe von ihm
zugänglichen Informationen gehabt haben können.
Im Weiteren bestätigen öffentlich zugängliche Quellen, dass während des
Aufenthalts des Beschwerdeführers in Kabul wiederholt Bewaffnete ver-
sucht hatten, ins Parlamentsgebäude einzudringen. Am 22. Juni 2015
sprengte sich zudem während einer Parlamentssitzung ein Selbstmordat-
tentäter in einem Auto am West-Tor des Parlaments in die Luft, während
weitere Angreifer versuchten, ins Gebäude einzudringen; dabei seien die
sieben Angreifer getötet und mindestens 18 Zivilisten verletzt worden (vgl.
etwa https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/afghanistan-taliban-
anschlag-auf-kabuls-parlament-abgewehrt-13660849.html oder
https://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/afghanistan-kabul-taliban-an-
griff-parlament).
4.4 Dessen ungeachtet gelangt das Bundesverwaltungsgericht – nach ein-
gehender Prüfung der vorliegenden Akten und insbesondere auch unter
Berücksichtigung der vorstehenden Einwendungen – zum Schluss, dass
die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Ergebnis zu
Recht abgewiesen hat.
4.4.1 So weisen die Vorbringen des Beschwerdeführers zahlreiche Unge-
reimtheiten, logische Lücken und Widersprüche auf, wobei zur Vermeidung
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/afghanistan-taliban-anschlag-auf-kabuls-parlament-abgewehrt-13660849.html https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/afghanistan-taliban-anschlag-auf-kabuls-parlament-abgewehrt-13660849.html https://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/afghanistan-kabul-taliban-angriff-parlament https://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/afghanistan-kabul-taliban-angriff-parlament
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von unnötigen Wiederholungen auf die grundsätzlich zutreffenden Ausfüh-
rungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. Ziff. II 1.) verwiesen werden
kann. Zur Verdeutlichung der in der SEM-Verfügung vom 29. März 2018
enthaltenen, teilweise nicht immer ganz klar formulierten Darlegungen ist
jedoch nachfolgend auf verschiedene Punkte hinzuweisen, aufgrund wel-
cher Zweifel bestehen, dass der Beschwerdeführer als (...) der (...) des
afghanischen Parlaments von den Taliban gezielt verfolgt wurde und des-
halb im Herbst 2015 seine Heimat verlassen hat.
Wie das SEM zu Recht bemerkte, erscheint es nicht plausibel, dass weder
der Sicherheitsverantwortliche für das Parlament noch der direkte Vorge-
setzte des Beschwerdeführers nach Erhalt der Meldung betreffend die te-
lefonische Drohung durch einen Angehörigen der Taliban Schutzmassnah-
men getroffen haben sollen (vgl. Akten SEM A21 zu F40–44), zumal vom
Beschwerdeführer aufgrund seiner Stellung als (...) der (...) des Parla-
ments unter Umständen tatsächlich wichtige Informationen hätten erpresst
werden können. Sodann ist auch nicht nachvollziehbar, dass der Be-
schwerdeführer den zweiten Drohanruf, bei welchem von ihm wiederum
die (...) verlangt worden sei, nicht mehr gemeldet haben will (vgl. A21 zu
F70–73). Zudem verstrickte er sich bei den Aussagen zu seinem Aufent-
haltsort sowie zur Anzahl der erhaltenen Drohanrufe zum Zeitpunkt der
Verhaftung von zwei Personen, welche als Arbeiter verkleidet ins Parla-
mentsgebäude hätten eindringen wollen, verschiedentlich in Widersprüche
(vgl. A21 zu F59–67), welche er auch auf Nachfrage hin nicht auflösen
konnte. Seine Erklärung, er habe das Parlamentsgebäude, wo er seit dem
ersten Anruf gewohnt habe, verlassen, weil er sich dort zwar sicher, aber
wie ein Gefangener gefühlt habe (vgl. A21 zu F45 und F53), überzeugt an-
gesichts der behaupteten Gefährdungssituation ebenfalls nicht.
Ausserdem erscheint es in der Tat etwas befremdend, dass der Beschwer-
deführer den in Anhörung vom 24. November 2017 geschilderten (gewalt-
samen) Tod seines im Distrikt E._ wohnhaft gewesenen Bruders in
der BzP als Autounfall bezeichnet hatte (vgl. A5 Ziff. 3.01). Der in der Be-
schwerde (vgl. S. 6 unten) dazu angebrachte Hinweis auf die "Umgangs-
sprache" vermag dabei ebenso wenig zu überzeugen wie die Anmerkun-
gen, in Afghanistan bezeichne man alles, was mit einem Auto passiere, als
Autounfall, ausserdem habe der in der BzP anwesende Dolmetscher viel-
leicht nicht gut übersetzt, sei er doch ein Iraner gewesen (vgl. A21 zu
F103); bezüglich letzterer Bemerkung ist festzuhalten, dass der Beschwer-
deführer selber im Iran aufgewachsen ist und dort die Schule bis zur
(...). Klasse besucht hat (vgl. A21 zu F4). Dessen ungeachtet kann sich
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das Bundesverwaltungsgericht auch den von der Vorinstanz geäusserten
Zweifeln an der Darstellung des Beschwerdeführers, bei der Strassenkon-
trolle und den Schüssen auf das Auto seines Bruders habe es um einen
gezielt gegen seine Person gerichteten Angriff gehandelt, anschliessen,
zumal die Taliban an unzähligen Checkpoints, insbesondere in ländlichen
Gebieten Afghanistans, sämtliche Fahrzeuge – nötigenfalls mittels Schüs-
sen – zum Anhalten zwingen.
Die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel sind ebenfalls nicht
geeignet, zu einer anderen Beurteilung des Sachverhalts zu führen, haben
diese doch lediglich die – nicht angezweifelten – Angriffe auf das afghani-
sche Parlamentsgebäude zum Gegenstand. Im Übrigen wurden weder der
in der Beschwerde (vgl. S. 6 unten) in Aussicht gestellte Polizeirapport,
welcher Aufschluss über die Hintergründe des Todes des Bruders des Be-
schwerdeführers geben würde, noch allfällige weitere Unterlagen, welche
die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen beseitigen könnten, zu
den Akten gegeben.
4.4.2 Wie nachfolgend dargelegt wird, erweist sich die Frage der Glaubhaf-
tigkeit indessen vorliegend nicht als entscheidend.
4.4.2.1 Selbst wenn als glaubhaft erachtet wird, dass der Beschwerdefüh-
rer die von ihm geschilderten Anrufe erhalten hat, führt dies zu keinem an-
deren Ergebnis. Art. 3 Abs. 1 AsylG sowie auch das Abkommen vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30)
nennen abschliessend fünf Verfolgungsmotive: Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politische An-
schauung. Die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft ist aber gemäss gelten-
der Praxis nicht von einer bestimmten Definition eines Verfolgungsmotivs
abhängig, bestimmt doch letztlich der Verfolger allein, wen er weshalb ver-
folgt. Ausschlaggebend ist deshalb vielmehr, ob die Verfolgung wegen
äusserer oder innerer Merkmale erfolgt ist beziehungsweise künftig droht,
die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden
sind. Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes und der FK erfolgt immer we-
gen des Seins, nicht wegen des Tuns; zwar kann der Verfolger gleichfalls
oder sogar vordergründig hauptsächlich auf Handlungsweisen einer Per-
son abzielen; bedeutsam für die Flüchtlingseigenschaft wird der Eingriff
des Verfolgers aber nur, wenn dieser die hinter einer Handlungsweise ste-
ckende Eigenart und Gesinnung der entsprechenden Person treffen will
(Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2006 Nr. 32 E. 8.7.1 sowie WALTER STÖCKLI, Asyl, in:
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Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel
2009, Rz. 11.11).
Vorliegend gelangte der Beschwerdeführer aufgrund seiner Berufstätigkeit
mutmasslich ins Visier der Taliban. Diese vorgebrachte Gefährdung kann
jedoch weder als politisch, ethnisch, rassistisch, nationalistisch noch auf-
grund der sozialen Zugehörigkeit motivierte Behelligungen erklärt respek-
tive begründet werden, sondern wäre – soweit sich die Befürchtungen des
Beschwerdeführers erfüllt hätten – als krimineller Akt der Taliban (Erpres-
sung) im Kontext des Afghanistankonflikts zu qualifizieren, welchem nach
der Schweizer Asylpraxis keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zukommt.
Der vom Beschwerdeführer ausgeübte Beruf ist nicht untrennbar mit seiner
Persönlichkeit verknüpft. Es handelt sich somit um ein „Tun“ und nicht um
ein flüchtlingsrechtlich relevantes „Sein“. Somit fehlt es auch der geltend
gemachten Verfolgung beziehungsweise Verfolgungsfurcht am flüchtlings-
rechtlich relevanten Motiv (vgl. etwa Urteil des BVGer D-7288/2017 vom
18. Februar 2019 E. 5.2 f.).
4.4.2.2 Im Übrigen ist darauf hinzuweisen ist, dass der allgemein schwieri-
gen Lage in Afghanistan seitens der Vorinstanz durch die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AIG (SR 142.20) Rech-
nung getragen wurde (vgl. nachfolgend E. 5.2). Die Drohungen der Taliban
und somit von privaten Drittpersonen wären allenfalls – würde eine Schut-
zunfähigkeit oder -unwilligkeit der afghanischen Behörden festgestellt – im
Rahmen der Wegweisungsvollzugsprüfung relevant, da aufgrund dessen
der Wegweisungsvollzug im Sinne von Art. 3 EMRK unzulässig erscheinen
könnte. Jedoch ist diesbezüglich auf die alternative Natur der drei Bedin-
gungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässig-
keit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) zu verweisen. Sobald eine von ihnen
erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten
und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen
über die vorläufige Aufnahme zu regeln (BVGE 2009/51 E. 5.4). Falls die
Bedingungen für eine vorläufige Aufnahme bereits aus einem Grund erfüllt
sind, ist das SEM nicht verpflichtet, alle zusätzlichen Gründe, welche eben-
falls gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen, weiter zu prüfen, zumal
im Falle einer beabsichtigten Aufhebung der vorläufigen Aufnahme allemal
zu prüfen wäre, ob individuelle, in den persönlichen Verhältnissen des Asyl-
suchenden liegende Gründe einem Vollzug (weiterhin) entgegenstehen
würden. Die in der Beschwerdeschrift (vgl. S. 7 f.) – unter Hinweis auf zwei
online publizierte Berichte der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" – ge-
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machten Ausführungen, die allgemeine Sicherheitslage in Afghanistan, ins-
besondere auch in Kabul, habe sich weiter verschlechtert und die afghani-
sche Regierung sei nicht imstande, Privatpersonen wie dem Beschwerde-
führer genügend Schutz zu gewähren, vermögen daran nichts zu ändern.
4.5 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine
flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu
machen. Die Vorinstanz hat folglich zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. Die Ein-
wände in der Rechtsmitteleingabe vermögen keine andere Einschätzung
zu bewirken, und eine weitere Auseinandersetzung damit erübrigt sich.
Der Vollständigkeit halber ist der im vorinstanzlichen Verfahren einge-
reichte Zeitungsartikel vom 25. September 2017 zu erwähnen. Aus dem
Bericht ergibt sich lediglich, dass die Beschwerdeführerenden zu einem
Buffet im "(...)" in O._ beigetragen haben. Hinweise auf exilpoliti-
sche oder andere den Behörden des Heimatstaates allenfalls missliebig
erscheinende Aktivitäten des Beschwerdeführers können indessen weder
dem besagten Zeitungsartikel noch den übrigen Akten entnommen wer-
den, weshalb keine Veranlassung besteht, sich mit der Frage des Vorlie-
gens von subjektiven Nachfluchtgründen, welche zwar die Flüchtlingsei-
genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen könnten, jedoch gemäss
Art. 54 AsylG zum Ausschluss von Asyl führen würden, auseinanderzuset-
zen.
5.
5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37
E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
5.2 Da das SEM in seiner Verfügung vom 29. März 2018 die vorläufige
Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet hat, erübri-
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gen sich praxisgemäss – und ungeachtet der diesbezüglich in der Be-
schwerde (vgl. Antrag 3 und Begründung S. 8 f.) enthaltenen Begehren –
Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzu-
ges.
Es bleibt anzumerken, dass sich aus den vorstehenden Erwägungen nicht
der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei angesichts der heutigen
Lage in Afghanistan dort nicht gefährdet. Das SEM hat dieser generellen
Gefährdung – wie bereits vorstehend (vgl. E. 4.4.2.2) festgestellt wurde –
Rechnung getragen und den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 83 Abs. 4
AIG wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufge-
nommen.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit Zwischen-
verfügung vom 8. Mai 2018 die unentgeltliche Prozessführung im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und weiterhin von seiner pro-
zessualen Bedürftigkeit auszugehen ist, ist von der Kostenerhebung abzu-
sehen.
(Dispositiv nächste Seite)
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