Decision ID: 09fcfdb7-9dbd-4d41-807c-1985bde78142
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») führt gegen A. eine Strafunter-
suchung u.a. wegen Verdachts der Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
B. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2020 liess A. beantragen, es sei ihm vollstän-
dige Akteneinsicht zu gewähren, andernfalls die unvollständige Aktenein-
sicht in einer formellen Verfügung zu begründen sei (SV.17.0026, pag. 16-
102-1812).
C. Bezugnehmend auf das vorgenannte Schreiben vom 9. Oktober 2020 ver-
fügte die BA am 20. Oktober 2020 Folgendes (act. 1.2):
1. Der Antrag des Beschuldigten vom 9. Oktober 2020 auf vollständige Einsicht in die Ver-
fahrensakten wird abgelehnt und das Recht auf Akteneinsicht des Beschuldigten bleibt
vorübergehend im Sinne der Erwägungen, Ziff. 4, beschränkt.
2. Zustellung an: [...]
D. Dagegen gelangt A., vertreten durch Rechtsanwalt Philippe Currat, mit Be-
schwerde vom 2. November 2019 (recte: 2020) an die Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts mit folgenden Anträgen (act. 1):
A la forme
1. Recevoir le présent recours,
Au préalable
1. Admettre Monsieur A. au bénéfice de l’assistance juridique et commettre à la défense
de ses intérêts l’avocat soussigné.
Au fond
1. Annuler la décision du Ministère public de la Confédération, du 20 octobre 2020, notifiée
le 22 octobre 2020, dans la procédure SV.17.0026.
2. Garantir à Monsieur A. le plein accès au dossier de la procédure SV.17.0026.
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3. Condamner le Ministère public de la Confédération en tous les frais et dépens de l’ins-
tance.
E. Mit Beschwerdeantwort vom 9. November 2020 beantragt die BA, die Be-
schwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen (act. 4).
F. Die Beschwerdekammer erhielt im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
BB.2021.108 Kenntnis eines namentlich an Rechtsanwalt Philippe Currat ge-
richteten Schreibens der BA vom 8. April 2021 im Verfahren SV.17.0026,
insbesondere mit folgendem Inhalt (act. 6.1):
Sie erhalten auf beiliegendem verschlüsseltem Datenträger in rubrizierter Strafuntersuchung
eine umfassende Kopie der Akten, wobei die bis dato aufrechterhaltene Beschränkung der
Akteneinsicht weitgehend aufgehoben wird. Beschränkt bleibt derzeit lediglich die Einsicht in
die Akten zur noch zu befragenden Privatklägerschaft und die Rubriken betreffend die aus-
stehende Rechtshilfe eines Drittstaates sowie betreffend die Beweisanträge der Privatkläger.
G. Mit Schreiben vom 7. Mai 2021 lud die Beschwerdekammer A. und die BA
ein, zur Gegenstandslosigkeit des Beschwerdeverfahrens BB.2020.259 so-
wie zu den diesbezüglichen Kosten- und Entschädigungsfolgen zu äussern
(act. 6).
H. Am 20. Mai 2021 um 12:29:05 PM CEST (Heure du dépôt) reichte Rechts-
anwalt Philippe Currat eine Eingabe mit dem Betreff «BB.2020.259,
SV.17.0026, A.» elektronisch ein (act. 7). Am 20. Mai 2021 um 3:18:24 PM
CEST (Heure de dépôt) reichte Rechtsanwalt Philippe Currat eine weitere
Eingabe mit dem Betreff «BB.2020.259, SV.17.0026, A. – ANNULE ET
REMPLACE LA COMMUNICATION PRECEDENTE» elektronisch ein (act.
8). In letzterer Eingabe lässt A. an seinen Anträgen festhalten.
I. Die BA bestätigt mit Eingabe vom 20. Mai 2021 die sich aus der jüngsten
Akteneinsicht ergebende teilweise Gegenstandslosigkeit des Beschwerde-
verfahrens. Die Kosten seien vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzu-
erlegen (act. 9).
- 4 -
J. Die Stellungnahmen zur Gegenstandslosigkeit wurden den Parteien am
25. Mai 2021 gegenseitig zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wurden die
Parteien über den Beizug der von der BA mit Beschwerdeantwort vom 6. Mai
2021 im Beschwerdeverfahren BB.2021.108 eingereichten Akten informiert
(act. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 3 Abs. 3 StBOG ist die Verfahrenssprache Deutsch, Franzö-
sisch oder Italienisch. Nach konstanter Praxis der Beschwerdekammer defi-
niert die Sprache des angefochtenen Entscheids die Sprache im Beschwer-
deverfahren (TPF 2018 133 E. 1 mit Hinweisen). Davon abzuweichen be-
steht hier kein Grund. Der vorliegende Beschluss ergeht deshalb in deut-
scher Sprache, auch wenn der Beschwerdeführer die Beschwerde in franzö-
sischer Sprache eingereicht hat.
2.
2.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft
kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde er-
hoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Zur
Beschwerde berechtigt ist jede Partei oder jeder andere Verfahrensbetei-
ligte, welche oder welcher ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhe-
bung oder Änderung des angefochtenen Entscheides hat (Art. 382 Abs. 1
StPO; Art. 105 Abs. 1 lit. f und Abs. 2 StPO). Das Interesse an der Aufhebung
oder Änderung eines Entscheides hat zudem gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein aktuelles und praktisches
zu sein (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1153/2016 vom 23. Ja-
nuar 2018 E. 2.3.1). Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröff-
nete Entscheide ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet einzureichen
(Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt werden können gemäss Art. 393 Abs. 2
StPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch
des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die un-
vollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie die
Unangemessenheit (lit. c). Die Beschwerdekammer ist bei ihrem Entscheid
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nicht an die Anträge und Begründungen der Parteien gebunden (Art. 391
Abs. 1 StPO).
2.2 Mit Schreiben vom 8. April 2021 traf die Beschwerdegegnerin eine (neue)
Anordnung hinsichtlich der Akteneinsicht. Zwar enthält das Schreiben dies-
bezüglich weder eine Begründung (vgl. Art. 80 Abs. 2 StPO) noch eine