Decision ID: 92386c88-2221-4636-b243-b545c0a97cc5
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1977
,
besuchte in der
P
._
die Schule
und arbeitete anschliessend auf dem grosselterlichen Bauernhof mit
(
Urk.
13/5/6 und 13/5/14 ff.)
.
Am 2
8.
November 2004
reiste sie in die
Schweiz ein
(
Urk.
13/6/1
und 13/18/1
)
.
Hier
war
sie vom
1.
August bis zum 3
1.
Dezember 2005 im Rahmen eines befristeten Anstellungsverhältnisses als Reinigungskraft im
A._
der Stadt
Y._
, einem Dienstleistungsbetrieb der
Koordinations
stelle
für Arbeitsprojekte der Stadt
Y._
,
tätig
(
Urk.
13/5/6 und 13/5/11).
Im
Mai
2006
wurde
die Versicherte
Mutter einer Tochter (Urk.
13/4)
.
Zur beruf
lichen Standortbestimmung nahm sie im Oktober 2008 mit einem Pensum von 60
%
am Projekt
B._
teil (
Urk.
13/5/10).
Ab dem
1.
Februar 2009 war sie Teilnehmerin des Berufsintegrationsangebotes
C._
(
Urk.
13/5/9).
Von
Feb
ruar
bis Ende Oktober
2010
arbeitete sie
in der Kinderkrippe
D._
als Praktikantin
(
Urk.
13/5/8
und 13/15/2
).
Ab dem
28.
Februar 2011 war
sie
teil
zeitlich
(d.h. zuerst 1 x 1 Stunde pro Woche, später zusätzlich 2 x 2 Stunden pro Woche und 1 x 2 Stunden alle zwei Wochen) als Kinderbetreuerin
im Spiel
zimmer des
E._
angestellt (
Urk.
13/5/3, 13/15/2 und 13/16
).
Überdies trat
sie a
m
1.
Juni 2012 ein 14-monatiges
teilzeitliches
Prakti
kum
(à 35 Stunde
n
pro Woche)
als Kleinkinderbetreuerin
im
E._
an
(
vgl.
Urk.
13/5/1
,
13/15/2
und 13/24
)
.
Dr.
med.
F._
, Facharzt
FMH für Innere Medizin und Rheu
matologie,
attestierte ihr am 14. März 2013 eine bis zum 30. April 2013 dauernde 50%ige Arbeitsunfähig
keit
; es sollten keine regelmässigen schweren Gewichtsbelastungen über 10 kg erfolgen
(
Urk.
13/14/1).
Am
2
8.
März
2013 meldete sich die Versicherte bei der
Sozialversicherungs
an
stalt
des Ka
ntons Zürich, IV-Stelle, wegen eines Morbus
Bechterew
zum
Leis
tungs
bezug
an (Urk.
13
/
18
). Diese tätigte
darauf diverse medizinische
(vgl.
Urk.
13/14, 13/23
, 13/26 und 13/28
)
und
erwerbliche
(vgl.
Urk.
13/5
, 13/16, 13/24, 13/25
und 13/31
)
Abklä
rungen.
Mit Mitteilung vom 1
0.
Oktober 2013 erteilte sie Kostengutsprache für ein Bewerbungscoaching bei
G._
vom 15. Oktober 2013 bis zum 3
0.
April 2014 (
Urk.
13/40).
Seit dem
1.
April 2014 ist
die Versicherte
als Betreuungsmitarbeiterin im Stundenlohn bei
der Erwachse
nenbildung des Departements Schule und Sport der Stadt
Y._
angestellt
; eine Mindestarbeitszeit wurde nicht vereinbart
(Urk.
13/
54
).
Am 12.
Juni 2014 erstattete die
G._
ihren Schlussbericht (Urk.
13/58). Darauf schloss die IV-Stelle
die Arbeitsvermittlung mit Mitteilung vom 2
3.
Juni 2014 ab, da es nicht gelungen sei, die Versicherte innert angemessener Zeit neben ihrer Tätigkeit als Betreuungsmitarbeiterin im Stundenlohn in den Arbeitsmarkt zu integrieren (
Urk.
13/56).
Am
1
7.
Oktober
2014
erliess
die IV-Stelle
einen negativen Vorbe
scheid
(Urk.
13
/
62
). Dagegen liess der Versicherte Einwand erheben (Urk.
13
/
6
3
und 13/66
). Die IV-Stelle verneinte darauf mit Verfügung vom 14. November 2014 einen
Renten
anspruch (Urk. 2 = 13/
68
).
2.
Gegen die Verfügung vom 14. November 2014 liess die Versicherte mit Ein
gabe vom 9. Dezember 2014 Beschwerde erheben (
Urk.
1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei der Versi
cherten eine Invalidenrente zuzusprechen. Es seien der Versicherten berufliche (
Eingliederungs
)Massnahmen zuzusprechen und
diese
umgehend einzuleiten. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme von ergänzenden Abklärungen zurück
zuweisen und es sei die IV-Stelle anzuweisen, ein polydisziplinäres Gut
achten (evtl. BEFAS) in Auftrag zu geben.
Alles unter Kosten- und
Entschädi
gungsfolge
zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Ferner
wurde
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und um Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels
ersucht
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle
schloss am 28
.
Janua
r 201
5
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 12
). Mit Verfügung vom 24
.
Februar 2015 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Prozessfüh
rung
gewährt und Frist zur Einreichung einer Replik angesetzt
. In der Folge
liess sie
dem Gericht mit
teilen
, dass an den bisher gestellten Anträgen festge
halten werde (
Urk.
18).
Davon hat
die Gegenpartei mit Schreiben vom 17
. März
2015 Kenntnis erhalten (Urk. 19)
.
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
(der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüf
methoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
des
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.
2.1
Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 1
4.
November 2014 ist einzig der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente
(Urk. 2)
.
Die Arbeitsvermittlung wurde mit schriftlicher Mitteilung vom 2
3.
Juni 2014 ab
ge
schlossen
(
Urk.
13/56)
.
Soweit
mit der Beschwerde
die Gewährung
weiterer
beruflicher Massnahmen beantragt
wird
(Urk. 1
S. 2
), ist
mangels eines
Anfech
tungsobjektes
nicht darauf einzutreten.
2.2
Die Beschwerdegegnerin vertrat in der angefochtenen Verfügung die Auffas
sung,
dass die diagnostizierte rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, keinen invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Gesundheits
schaden
darstelle.
Es sei deshalb nicht auf die Beurteilung des Regionalen Ärzt
lichen Dienstes abzustellen,
welche
physische und psychische Einschränkungen
berücksichtige, sondern auf die
rheumatologische
Beurteilung durch
Dr.
F._
, gemäss welcher
seit Mai 2013 eine 100%ige Arbeits
tätigkeit
in einer leichten bis mittelschweren
wechselbelastenden
Tätigkeit zumutbar
sei
. Dieses
Belastungs
profil
entspreche
der bisherigen Tätigkeit der Versicherten
gemäss den Angaben des letzten Arbeitgebers
. Unter diesen Umständen erübri
ge sich ein
Einkom
mensvergleich
. Es könne kein Rentenanspruch entstehen
(Urk.
2)
.
Demgegenüber lässt die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
geltend machen,
das
s
die Beschwerdegegnerin
das
Zusammenspiel ihrer verschiedenen Erkran
kungen und deren Auswirkungen auf
ihre
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit nur unzure
ichend abgeklärt
habe. Damit habe sie den
Untersuchungsgrundsatz
massiv
verletzt (
Urk.
1)
.
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht lässt sich den Akten entnehmen, dass die Beschwer
de
führerin weg
en seit drei Monaten zunehmender chronischer
lumbale
r
Schmerzen
vom
2.
b
is zum
9.
November 2010
in der Klinik für Rheumatologie
des
H._
stationär behandelt
worden war
. Es wurden fol
gende Diagnosen
gestellt
(
Urk.
13/23/3):
1.
Seronegative
Spondylarthropat
hie
,
d
ifferential
diagnostisch Spondylitis
ankylosans
(Morbus
Bechterew
)
-
chronische postentzündliche ISG-Veränderungen beidseits ohne Zei
chen für eine aktive Entzündung, ausser einer kleinen
rechts
seitigen
Usur (MRI-
Sacrum
03.11.2010)
-
kleine fokale Diskushernie TH12/L1 ohne
Nervenwurzel
kom
pression
, keine entzündlichen Veränderungen (MRI-HWS/BWS 05.11.2010, MRI-LWS 03.11.2010)
-
Schmerzzunahme seit 3 Monaten, Nachtschmerzen,
Morgen
steifig
keit
-
rechtsseitig paravertebraler Hartspann,
gluteal
muskuläre
Trigger
punkte
, muskuläre
Dysbalance
2.
Colon
irritabile
-
unauffällige
Ileoskoloskopie
, histologisch keine Hinweise für eine Entzündung im terminalen Ileum 5/2010
-
Verdacht auf
eine
rezidivierende
posteriore
Analfissur, Sta
t
us nach
Ma
riskektomie
,
Botoxinjektion
, An
alfissur 09/2005
3.
Status nach
rechter
Pyelonephritis
04/2009
4.
Status nach akuter psychosozialer Belastungsreaktion mit
Tabletten
intoxi
kation
03/2005.
Vom
2.
bis zum 1
4.
November 2010 wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
13/23/5).
In einem Verlaufsbericht vom
7.
Februar 2011 wurden bei ansonsten unver
än
der
ten Diagnosen
lediglich
noch chronische postentzündliche ISG-Ver
änderun
gen beidseits (ISG-Arthritis) vermerkt (Urk.
13/14/3)
. Die 100%ige Arbeitsun
fähigkeit bestehe weiter
bis
zum 31. Januar
201
1.
D
a
nach sei die Patientin aus rheumatologischer Sicht wieder zu 100
%
arbeitsfähig für leichte wechselbe
lastende Tätigkeiten. Zu vermeiden sei eine Tätigkeit mit
langdauern
den
stereotypen Zwangshaltungen. Im Rahmen des Morbus
Bechterew
sei eine
regelmässige Bewegung und Betätigung auch ein therapeutischer Aspekt (
Urk.
13/14/4).
3.2
Ab dem 1
3.
Juli 2011 war die Beschwerdeführerin bei
Dr.
F._
in Behandlung
(
vgl.
Urk.
13/26/1
und 13/49/11
)
.
W
egen vermehrt geklagter
Lumboischialgien
überwies er sie
für
MRI-
Untersu
chungen der
Iliosakralgelenk
e
und der
Lenden
wirbelsäule
am 8. Februar 2013 in die
Klinik I._
. Die MRI-Untersuchun
gen
ergaben keine aktiv entzündlichen Veränderungen, sondern lediglich chro
nisch entzündliche Veränderungen im Bereich beider
Iliosakralgelenke
. Auch im Bereich der Wirbelsäule
waren
keine aktiv entzündlichen Veränderungen
vor
handen
.
Es
wurden einzelne, nur diskrete degenerative Veränderungen
erhoben. E
ine Kompression neurogener Strukturen
wurde
nicht festgestellt
(
Urk.
13/14/1).
Am 14. März 2013 attestierte
Dr.
F._
der Beschwerdeführerin eine bis zum 30. April 2013 dauernde 50%ige Arbeitsunfähigkeit; es sollten keine regelmäs
sigen schweren Gewichtsbelastungen über 10 kg erfolgen (Urk. 13/14/1)
I
n seinem Bericht vom
6.
Mai 2013
(
Urk.
13/26)
hielt
Dr.
F._
folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
1.
Morbus
Bechterew
-
Chronisch entzündliche ISG-Veränderungen beidseits ohne Zei
chen für eine aktive Entzündung, MR
Sakrum
03.11.10
-
MR ISG beidseits 12.10.12: Aktive Veränderungen im Sinne einer
Sakroilitis
, postentzündliche Veränderungen am rechten ISG
-
MR ISG vom 08.02.13: Keine aktiven entzündlichen Verände
rungen, nur chronische entzündliche Veränderungen im Bereich beider ISG, auch an der Wirbelsäule keine aktiven
entzündlichen Veränderungen
-
Zunehmend sympt
o
matisch
-
Biologica
-Therapie seit 9/11,
Humira
, 4/13 Wechsel auf
Remicade
bei klinisch unbefriedigender Effizienz
2.
Rezidivierende
Palpitationen
-
Nicht klassischer
anteriorer
Mitralklap
pen
prolaps
, minime
Mitralinsuffizienz
(Diagnose
Dr.
J._
12/11)
3.
Anamnestisch Colon
irritabile
-
Anamnestisch unauff
ällige
lIl
eokoloskopie
5/10
-
4/13 vermehrte
epigastrische
Beschwerden
4.
Rezidivierende depressive Episoden, Status nach Tablettenintoxikation 3/05.
Zur Prognose vermerkte
Dr.
F._
, dass diese ungewiss sei.
D
er Morbus
Bech
terew
sei
rein radiologisch
eigentlich stabil eingestellt
. Wahrscheinlich spiele auch eine psychosoziale Überlagerung eine Rolle.
Gemäss den
Angabe
n
der
Patientin finde eine psychiatrische Betreuung statt
; der Name der behandelnden Person sei ihm jedoch nicht bekannt. Allenfalls seien dort oder beim Hausarzt
,
Dr.
med.
K._
,
ergänzende Auskünfte einzuholen
.
Er selbst habe die
Beschwerdeführerin
aktuell
als Kinderbetreuerin zu 50
%
arbeitsunfähig geschrieben. Eine behinderungsangepasste Tätigk
eit sei medizi
nisch-theoretisch sofort zu 100
%
möglich. Er empfehle jedoch, den weiteren Verlauf abzuwarten, da eine Reintegration in den Arbeitsprozess medizinisch-theoretisch aus rheumatologischer Sicht auch am angestammten Arbeitsplatz möglich sein sollte. Prinzipiell möchte die Patientin eine Umschulung für eine ergonomisch etwas bessere Arbeitstätigkeit (Kinderkrippe) durchführen lassen (
Urk.
13/2
6
/2).
3.3
Vom 1
8.
April bis zum
3.
Mai 2013
hielt sich
die Beschwerdeführerin
stationär
im
L._
der
M._
auf. Im Kurzaustrittsbericht vom 1
7.
Mai 2013 (
Urk.
13/28) wurden eine mittelgradige depressive
Episode mit somatischen Symptom
e
n
(ICD-10: F32.11
) und ein Morbus
Bechterew
als Austrittsd
iagnosen festgehalten. Der Eintritt sei auf Empfehlung der zuständigen Sozialarbeiterin aufgrund von zunehmend belastenden psychosozialen Faktoren (unter anderem wegen Schmerzen aufgrund eines entzündlich aktiven Morbus
Bechterew
) erfolgt. Psy
chopathologisch hätten eine depressive Verstimmung, Zukunftsängste,
Gedan
kenkreisen
und
eine
innere Unruhe im Vordergrund gestanden. Zusätzlich seien vegetative Symptome wie
Herzklopfen, Zittern der Hände und
Schmerzen unter dem Brustbein
geklagt worden
. Im Verlauf des Kurzaufenthaltes sei es der Pati
entin gelungen, sich zu stabilisieren. Sie habe am 2
0.
April 2013 eine
antide
pressive
Therapie mit 25 mg
Sertralin
begonnen
,
am 2
3.
April 2013
sei
die Dosis
auf 50 mg erhöht worden
.
I
n einem gebesserten Zustand
sei die Patientin
in die alten Verhältnisse ausgetreten und werde neu von
Dr.
N._
ambulant
psychiatrisch
behandelt. Während der Dauer des stationären Aufenthaltes habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden
(
Urk.
13/28/3)
.
Ein ausführlicher
Bericht
wurde trotz einer entsprechenden Anfrage
der
Beschwer
degegnerin
wegen des damit verbundenen administrativen Aufwands
nicht
erstattet (vgl.
Urk.
13/35 und 35/36).
3.4
Nach
dem
Erhalt
der
Mitteilung, dass die ambulante psychiatrische Behandlung bei
Dr.
med.
O._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stattfinde (
Urk.
13/32)
,
forderte die Beschwerdegegnerin
dort
ein
en
Bericht
an
(vgl.
Urk.
13/38)
.
Dr.
O._
erstattete ihn
am 16. Oktober 2013 (Ur
k.
13/44)
und hielt fest,
dass
sich
die Beschwerdeführerin seit dem 18.
Juli 2013
bei
ihr
in ambulanter psychiatrischer
Behandlung befinde
.
Dr.
O._
diagnostizierte
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte dep
ressive Episode
(ICD
10: F33.0), und
äusserte den Verdacht auf eine posttraumatische
Belas
tungs
störung
(ICD-10: F43.1).
D
ie Patientin
habe erklärt, dass sie
in der
P._
aufgewachsen sei. 1984 sei sie in die
Q._
eingetreten und dann 11 Jahre lang Freiheitskämpferin gewesen, zuerst in den Bergen, dann im
R._
. Sie habe ein strenges und sehr reglemen
tiertes Leben geführt und habe funktionieren müssen. Während dieser Zeit habe sie viel Schlimmes gesehen und erlebt. Sie sei ständig in Alarmbereitschaft gewesen. Vor neun Jahren sei
sie
mit ihrem Ehemann zusammen, von dem sie jetzt geschieden sei, in die Schweiz gekommen. Die aus dieser Ehe stammende Tochter sei jetzt sieben Jahre alt. Mindestens seit
sie
in der Schweiz sei, leide sie immer wieder an Depressionen. Im April 2003 habe sie an einer ausgeprägten depressiven Episode mit Suizidalität gelitten und habe während zweier Wochen im
L._
betreut werden müssen. Danach
habe sie eine
ambulante psychotherapeutische Behandlung bei einer Psychologin
begonnen
, die jedoch ihre Tätigkeit bald
darauf
aufgegeben habe, so dass
sie
eine neue Therapeutin habe suchen müssen. Als sie im Juli 2013 zur Behandlung erschie
nen sei, sei sie erneut sehr depressiv gewesen. Im Verlauf habe sich
ihr
psychi
sche
r
Zustand deutlich gebessert. Nebst den psychischen Beeinträchtigungen leide sie an
einem
Morbus
Bechterew
und habe oft starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Zum Befund
vermerkte
Dr.
O._
, dass die Patientin allseits orientiert sei. Im for
malen Denken sei sie grübelnd. Sie habe leichte Konzentrationsstörungen und sei stimmungsmässig instabil, weine oft. Zeitweise gebe es stark verminderte Vitalgefühle, Alpträume und Flashbacks. Sie leide unter Schlafstörungen, vor allem schmerzbedingt. Durch ihre Gelenkschmerzen sei sie stark eingeschränkt.
Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit der Patientin als Praktikantin im
E._
aktuell kaum oder nur geringfügig eingeschränkt.
Es bestehe eine
Neigung zu depressiven Episoden und damit verbunden zeitweise
eine
leichte bis deutliche
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit wegen
einer
depressive
n
Stimmung, starken Stimmungsschwankungen, verminderten
Vital
ge
fühlen
und Konzentrationsstörungen
. Je nach Grad der Depression könne die Arbeitsfähigkeit zeitweise in unterschiedlichem Ausmass eingeschränkt sein
(
Urk.
13/44/2). Aktuell wäre aus psychiatrischer Sicht eine 70- bis 80%ige Tätig
keit zumutbar (
Urk.
13/44/3). Möglicherweise liessen sich die psychischen Einschränkungen durch Psychotherapie und durch Psychopharmaka verhindern (
Urk.
13/44/3).
Ferner
wies
Dr.
O._
darauf hin
, dass die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit schwie
rig sei, weil
sie
die Patientin noch nicht lange kenne und diese zurzeit lediglich eine 20
%
-Stelle habe, mit welcher sie nicht an ihre Belastungsgrenzen komme. Zudem wolle die Patientin unbedingt arbeiten und keine psychische Schwäche zeigen und zulassen, so dass sie ihre Beschwerden und Einschrän
kungen eher bagatellisiere. Die Arbeitsfähigkeit sei im April 2013
bestimmt
während einiger Wochen massiv eingeschränkt gewesen; ein zweiwöchiger Auf
enthalt im
L._
sei notwendig gewesen. Auch im Juli 2013 sei die Patientin auf
grund einer mittelgradigen depressiven Episode nur ca. 50
%
arbeitsfähig gewesen. Auf längere Sicht sei die Arbeitsfähigkeit aufgrund der psychischen Erkrankungen wahrscheinlich leicht eingeschränkt. Der weitere Verlauf könne aber in beide Richtungen gehen. Die Patientin sei gefährdet und ein negativer Verlauf sei sehr wohl möglich, da sie an einer sehr einschränkenden rheumato
logischen Erkrankung leide und eine belastende Vorgeschichte habe. Eine Unterstützung bei der beruflichen Integration sei sinnvoll und werde von der Patientin gewünscht. Es sei ein Beginn mit einem ca. 50%igen Pensum zu empfehlen, da so die Belastbarkeit beurteilt werden könne und die Gefahr klei
ner sei, dass die Patientin scheitere (
Urk.
13/44/4).
3.5
Der behandelnde Hausarzt
Dr.
K._
hielt
in seinem Bericht vom 25.
Oktober 2013 (
Urk.
13/49) einen Morbus
Bechterew
und eine Depression als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Seit dem 1
5.
März 2013 bis zum heutigen Zeitpunkt sei die Patientin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Kin
derbetreuerin
zu 50
%
arbeitsunfähig (13/49/5). Da
sie
sich wegen ihres
Grund
leidens
eigentlich in der Behandlung von
Dr.
F._
befinde, sollte dieser kon
taktiert und um eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ersucht werden. Er selbst springe lediglich immer wieder
bei Bagatellinfekten ein (Urk.
13/49/7).
3.6
Dr.
med.
S._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumato
logie
,
zertifizierter medizinischer Gutachter (SIM), Vertrauensarzt (SGV), vom Regionalen Ärztlichen Dienst vertrat nach Einsichtnahme in die vorhanden medizinischen Akten die Ansicht, dass
die Arztberichte von
Dr.
O._
vom 1
6.
Oktober
2013
und von
Dr.
F._
vom
6.
Mai 2013 plau
sibel seien. Demnach
könne in einer
angepasste
n
, leichte
n
bis mittelschwere
n
, wechselbelastende
n
Tätigkeit seit Oktober 2013 (bzw. nach Ablauf der Wartezeit)
von einer mindes
tens
75
%
igen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
(Urk.
13/65/5).
4.
4.1
Es ist unbestritten und mit den vorhandenen Arztberichten
belegt
, dass
sich bereits
Ende 2010 ein Morbus
Bechterew
bei der Beschwerdeführerin
bemerkbar
machte.
Zuletzt wurde ihr von den
ihre physischen Leiden
b
ehandelnden Är
z
t
en
Dr.
F._
und
Dr.
K._
eine seit Mitte März 2013 bestehende 50%ige Arbeitsunfähigkeit als Kleinkinderbetreuerin attestiert (vgl.
Urk.
13/14/1 und 13/26/2). Zur Arbeitsfähigkeit in dieser Tätigkeit hat sich
Dr.
S._
vom RAD
zwar nicht konkret geäussert, aber immerhin die Ausführungen von Dr.
F._
als plausibel bezeichnet (vgl. Urk. 13/65/5).
Unter diesen Umständen erscheint es zumindest als fraglich, ob die Beschwerdegegnerin lediglich unter Verweis auf
die
Arbeitgeberauskünfte davon ausgehen durfte, dass die angestammte Tätigkeit in somatischer Hinsicht behinderungsangepasst
und zu 100
%
zumut
bar
ist.
4.2
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass
Dr.
O._
am 1
6.
Oktober 2013 fach
ärztlich eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10: F33.0), diagnostiziert
e
, weswegen eine erwerblich
e
Tätigkeit lediglich im Umfang von
70- bis 80
%
zumutbar sei (Urk.
13/44/3).
Die
Beschwerdegegnerin
hat
der psychiatrischen Diagnose
und der in diesem
Zusam
mengang
attestierten Arbeitsunfähigkeit
jegliche
invalidenversicherungs
rechtliche
Relevanz
abgesprochen (
Urk.
2)
.
Zur Begründung ihres Standpunktes verweist sie in der Beschwerdeantwort auf das
bundesgerichtliche Urteil
9C_176/2011 vom 29. Juni 2011
(vgl.
Urk.
12 S. 2)
.
I
n der zitierten Erwägung 4.3
des erwähnten Entscheides wird jedoch
lediglich aus
geführt
, dass es sich bei einer leichten depressiven Episode definitionsgemäss um ei
n vorübergehendes Leiden hand
le
, auch wenn sie auf dem Boden einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33) best
ehe
.
Bei
einer solchen handle es
sich um einen Befund, der seinerseits durch wiederholte depressive Episoden charakterisiert sei. Die Besserung zwischen den Episoden sei im Allgemeinen vollständig. Im konkret zu beurteilenden Fall seien denn auch keine Anhaltspunkte für einen anhaltenden depressiven Zustand aktenkundig.
Mit anderen Worten vermag eine depressive Episode für sich allein das Krite
rium der Dauerhaftigkeit beziehungsweise der während einer längeren Zeit anhaltenden Dauer (vgl.
Art.
8 Abs. 1 ATSG)
in der Regel nicht zu erfüllen
.
Ausnahmen sind jedoch möglich, weshalb stets der konkrete Einzelfall zu prü
fen ist.
Mit Bezug auf die Situation der Beschwerdeführerin ist zu beachten, dass gemäss
Dr.
O._
bei Beginn der Behandlung am 1
8.
Juli 2013 aufgrund einer mittelgradigen depressiven Episode eine
50%ige
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen bestand
(
Urk.
13/44/4)
.
Am 1
6.
Oktober 2013 war die Beschwerdeführerin wegen einer leichten depressiven Episode zu 20 bis 30
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt (Urk. 13/44/3). Über den weiteren Verlauf bis zur angefochtenen Verfügung vom
14. November 2014 und damit verbun
den auch über die Dauer der letzten Episode sowie allfälliger weiterer depressi
ver Episoden ist nichts bekannt. Ohne
ergänzende
Sachverhaltsabklärungen lässt sich deshalb e
ine invalidisierende Wirkung der
diagnostizierten
psychi
schen
Erkrankung
nicht
einfach
verneinen.
Lediglich der Vollständigkeit halber ist anzumerken
, dass selbst mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
gelten. Die Behandelbarkeit eines psychischen Leidens,
welche
von
Dr.
O._
im konkreten Fall
ausdrücklich
als
möglich
bezeichnet
wurde (vgl.
Urk. 13/44/3), sagt jedoch,
für sich allein betrachtet, ebenfalls nichts Abschliessendes über dessen invalidi
sierenden Charakter aus (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_856/2013 vom
8.
Oktober 2014 E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen).
Als Zwischenergebnis ist daher festzuhalten, dass es nicht korrekt war, dass die Beschwerdegegnerin das psychische Leiden bei der vorhandenen rudimentären Aktenlage als unerheblich qualifiziert hat.
Vielmehr wird sie ergänzende Abklärungen
diesbezüglich
zu treffen haben. Unabhängig von deren Resultat war es
aber
richtig, dass die Beschwerdegegnerin nicht auf die
reine Aktenbeurteilung durch
Dr.
S._
vom RAD
abgestellt hat.
Die gesamthafte Bedeutung der somatischen und psy
chischen Befunde für die Arbeitsfähigkeit ist eine
noch
gänzlich ungeklärte Frage, weshalb
Dr.
S._
diesbezüglich auch keine korrekte Würdigung vor
nehmen konnte.
4.3
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde, soweit darauf ein
zu
treten
ist
, in dem Sinne gutzuheissen ist, dass die angefochtene Verfügung vom
14. Novem
ber 2014 aufzuheben und die Sache zur
Durchführung der notwendi
gen Abklärungen
und neuer Entscheidung an die
Beschwerde
geg
nerin
zurück
zuweisen ist (
§
26 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
5
.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
600.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Grundsätzlich hat die obsiegende Partei Anspruch auf den Ersatz der
Parteikos
ten
(§ 34 Abs. 1
GSVGer
). Da die Beschwerdeführerin durch
die Sozialen Dienste der Stadt
Y._
, eine
Institution der öffentlichen Sozialhilfe
,
ver
tre
ten wird
,
ist ihr
rechtsprechungsgemäss
keine Prozessentschädigung zuz
u
sprechen (
vgl. BGE 126 V 11).