Decision ID: 18ce5fbf-75d3-4a09-809d-e70fa6731280
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 4. August 2022 trat das SEM gestützt auf Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden vom
9. Mai 2022 nicht ein. Gleichzeitig ordnete es deren Wegweisung aus der
Schweiz und den Vollzug in den zuständigen Dublin-Staat Österreich an.
B.
Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-3503/2022 vom 18. August 2022 abgewie-
sen.
C.
Am 31. August 2022 richtete die in der Schweiz lebende Schwester der
Beschwerdeführerin eine als "Petition" bezeichnete Eingabe an die Vor-
instanz, worin sie und ihre Familie die Aufhebung des Wegweisungsvoll-
zugs der Beschwerdeführenden nach Österreich forderte. Der Eingabe la-
gen zwei ärztliche Bescheinigungen vom 11. August 2022 (bzgl. Vater der
Beschwerdeführerin) und vom 15. August 2022 (bzgl. Beschwerdeführerin)
bei sowie Kopien der Identitätsdokumente der in der Schweiz wohnhaften
Verwandten. Mit Schreiben vom 5. September 2022 teilte die Vorinstanz
der Schwester der Beschwerdeführerin mit, das Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts E-3503/2022 vom 18. August 2022 sei rechtskräftig gewor-
den. Zur erneuten Überprüfung des Entscheids sei von den Beschwerde-
führenden ein Wiedererwägungsgesuch einzureichen.
D.
Mit Eingabe vom 16. September 2022 richteten die Beschwerdeführenden
ein Wiedererwägungsgesuch an die Vorinstanz. Zur Begründung verwie-
sen sie auf die am 31. August 2022 als "Petition" bezeichnete Eingabe und
brachten im Wesentlichen vor, der gesundheitliche Zustand der Beschwer-
deführerin habe sich verschlechtert; sie sei am 13. September 2022 hospi-
talisiert worden. Der Beschwerdeführer leide ebenfalls an psychischen Be-
schwerden. Beide seien auf die Unterstützung ihrer in der Schweiz leben-
den Familienangehörigen angewiesen. Eine Trennung von der Familie in
der Schweiz würde sich traumatisierend auf ihre Kinder auswirken. Der Va-
ter der Beschwerdeführerin sei betagt, schwer krank und abhängig von der
Beschwerdeführerin und ihren Geschwistern. In Österreich würden sie die
Sprache nicht sprechen und niemanden kennen. Sie würden in der
Schweiz bleiben wollen.
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Es wurden ein Medic-Help Zuweisungsschreiben vom 29. August 2022 und
ein ärztlicher Kurzbericht vom 12. September 2022 (bzgl. Beschwerdefüh-
rer), ein Therapiebericht der Physiotherapie vom 12. September 2022
(bzgl. Beschwerdeführerin und Beschwerdeführer) sowie ein Medic-Help
Zuweisungsschreiben vom 1. September 2022 (bzgl. Beschwerdeführerin)
eingereicht.
E.
Mit Verfügung vom 28. September 2022 (eröffnet am 7. Oktober 2022)
wies die Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch ab, erklärte die Verfü-
gung vom 4. August 2022 für rechtskräftig und vollstreckbar und stellte fest,
einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
F.
Mit Eingabe vom 3. November 2022 erhoben die Beschwerdeführenden
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragen, die Verfü-
gung vom 28. September 2022 sei aufzuheben. Der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses zu verzichten.
Der Beschwerde war ein ärztlicher Fragebogen vom 27. Oktober 2022 die
Beschwerdeführerin betreffend beigelegt.
G.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 4. November 2022 setzte die In-
struktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden
einstweilen aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführenden sind
zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG [SR 142.31] und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
Der Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren,
ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist der Vor-
instanz innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes
schriftlich und begründet einzureichen.
4.2 In seiner praktisch relevantesten Form und so auch vorliegend be-
zweckt das Wiedererwägungsgesuch die Änderung einer ursprünglich feh-
lerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Verände-
rung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5).
4.3 Die Vorinstanz hat den Anspruch der Beschwerdeführenden auf Be-
handlung ihres Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt und ist
darauf eingetreten. Das Bundesverwaltungsgericht hat folglich zu prüfen,
ob die Vorinstanz in zutreffender Weise das Bestehen von Wiedererwä-
gungsgründen verneint und an ihrer ursprünglichen Verfügung vom 4. Au-
gust 2022 festgehalten hat, wobei praxisgemäss der sich präsentierende
Sachverhalt im Urteilszeitpunkt massgebend ist.
5.
5.1 Im Wiederwägungsgesuch vom 16. September 2022 berufen sich die
Beschwerdeführerenden auf eine wesentliche Veränderung der Sachlage
seit der Verfügung der Vorinstanz vom 4. August 2022 und dem Urteil
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E-3503/2022 vom 18. August 2022, da sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin verschlechtert habe und der Beschwerdeführer an
psychischen Problemen leide.
5.2 Die Vorinstanz verwies im abweisenden Wiedererwägungsentscheid
primär auf ihre Verfügung vom 4. August 2022 und das Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts E-3503/2022 vom 18. August 2022, worin dargelegt
worden sei, dass die Eltern und Geschwister der Beschwerdeführenden
nicht als Familienangehörige im Sinne der Dublin-Zuständigkeitsregeln
gelten würden, weshalb kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwi-
schen den Beschwerdeführenden und ihren bereits seit Längerem in der
Schweiz lebenden Verwandtenbestehen würde und sie daraus nichts zu
ihren Gunsten ableiten könnten (vgl. a.a.O. E. 5.2.2). Gemäss den im Wie-
dererwägungsverfahren eingereichten ärztlichen Berichten leide der Be-
schwerdeführer an einer Gonalgie bei muskulärer Insuffizienz (Knie-
schmerzen) und die Beschwerdeführerin am Schulter-Arm-Syndrom, wes-
halb sich beide in physiotherapeutischer Behandlung befinden würden.
Obwohl die Schmerzen bei beiden bereits hätten reduziert werden können,
sei eine Fortführung der Therapie angezeigt. Der Beschwerdeführer leide
zudem weiterhin an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)
und an Spannungskopfschmerzen. Eine Fortführung der Therapie werde
empfohlen. Bei der Beschwerdeführerin sei eine PTBS diagnostiziert wor-
den und sie habe eine schwere depressive Phase erlitten. Aufgrund von
Suizidgedanken sei sie hospitalisiert worden. Österreich verfüge über eine
ausgezeichnete medizinische Infrastruktur und sei gemäss der Richtlinie
2013/33/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 (sog. Aufnahmerichtlinie) verpflichtet, ihnen die nötige medizinische
Versorgung zu gewähren. Ihre Erkrankungen könnten nicht als derart
schwerwiegend erachtet werden, dass aus humanitären Gründen oder we-
gen der drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK von einer Überstellung
nach Österreich abgesehen werden müsse. Auch die Kinder würden in Ös-
terreich bei Bedarf behandelt werden können. Suizidalität stelle nach der
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts kein Vollzugshindernis
dar. In den Überstellungsmodalitäten seien die kantonalen Migrationsbe-
hörden bereits darauf hingewiesen worden, dass es sich bei den Be-
schwerdeführenden um Medizinalfälle handle und die für den Vollzug zu-
ständigen Behörden sowie die österreichischen Behörden seien über die
gesundheitlichen Probleme informiert worden. Es sei zudem vorgesehen
gewesen, die geplante Überstellung am 21. September 2022 durch einen
Sanitäter begleiten zu lassen. Die österreichischen Behörden würden auch
im weiteren Verfahrensverlauf über neu auftretende gesundheitlichen
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Probleme informiert werden. Einer allfällig weiterhin bestehenden Suizida-
lität werde bei der Vollzugsplanung Rechnung getragen. Zusammenfas-
send würden keine Gründe vorliegen, welche die Rechtskraft der ursprüng-
lichen Verfügung beseitigen könnten.
5.3 Die Beschwerdeführenden machen geltend, dem ärztlichen Fragebo-
gen vom 27. Oktober 2022 sei zu entnehmen, dass die Beschwerdeführe-
rin an einer massiven traumaassoziierten Symptomatik mit starker intrusi-
ver sowie konstruktiver Symptomatik, an körperlicher Überregung, körper-
lichen Schmerzen und an einer Schlafstörung leide. Von ihrem Transport
werde abgeraten. Aufgrund der traumatisierenden Ereignisse im Heimat-
land würde ihr Sohn Verhaltensauffälligkeiten zeigen und ihre Tochter an
ihren Fingernägeln kauen. Die Beschwerdeführenden würden nebst dem
medizinisch indizierten Behandlungsbedarf die moralische Unterstützung
der in der Schweiz lebenden Verwandten benötigen und es bestehe zwi-
schen ihnen zudem ein Abhängigkeitsverhältnis, weshalb aus humanitären
Gründen von einer Überstellung nach Österreich abzusehen sei.
6.
Wie im Urteil E-3503/2022 und im Wiedererwägungsentscheid bereits fest-
gestellt wurde, lässt sich aus Art. 16 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr.
604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013
zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied-
staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen
Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) keine Zuständigkeit der
Schweiz ableiten, da zwischen den Beschwerdeführenden und ihren Eltern
und Geschwistern kein Abhängigkeitsverhältnis besteht. Ihre Verwandten
wohnen bereits seit längerer Zeit in der Schweiz. Daraus geht hervor, dass
der Vater der Beschwerdeführerin in den vergangenen Jahren nicht auf ihre
Unterstützung angewiesen war. Eine allenfalls erforderliche Betreuung und
Unterstützung des Vaters der Beschwerdeführerin kann auch weiterhin von
seinen in der Schweiz lebenden Kindern und seiner Ehefrau wahrgenom-
men werden, wie dies in den vergangenen Jahren der Fall war. Die Be-
schwerdeführenden lebten bereits seit Jahren ohne ihre in der Schweiz le-
bende Verwandtschaft. Ihre Lage ist auch unter Würdigung der neuen Be-
weismittel nicht derart, dass sie auf diese angewiesen wäre, weshalb zwi-
schen ihnen ebenfalls kein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16
Abs. 1 Dublin-III-VO erkennen ist.
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7.
7.1 Gegenstand des Dublin-Verfahrens waren die zum damaligen Zeit-
punkt aktuellsten ärztlichen Berichte vom 15. August 2022, wonach der Be-
schwerdeführer an einer PTBS und die Beschwerdeführerin an einer
PTBS, dissoziativen sowie rezidivierenden depressiven Störung mit
Schlafstörung und an Albträumen leide. Diese Elemente wurden im Urteil
E-3503/2022 eingehend behandelt. In den im vorliegenden Wiedererwä-
gungsgesuch eingereichten Arztberichten wurden beim Beschwerdeführer
Knieschmerzen, Spannungskopfschmerzen und eine PTBS diagnostiziert.
Er befindet sich weiterhin in therapeutischer Behandlung und erhält Medi-
kamente sowie eine physiotherapeutische Behandlung. Bei der Beschwer-
deführerin wurde ein Schulter-Arm-Syndrom und eine PTBS festgestellt.
Zudem erlitt sie eine schwere depressive Phase. Sie wird nach wie vor
psychotherapeutisch sowie medikamentös behandelt und erhält zudem
eine physiotherapeutische Behandlung. Im ärztlichen Fragebogen vom
27. Oktober 2022 wurde ein Transport der Beschwerdeführerin mit einem
Wechsel in ein anderes Land zwar mit einem Gesundheitsrisiko verknüpft
und festgestellt, das Auftreten von akuter Suizidalität könne nicht ausge-
schlossen werden. Wie von der Vorinstanz und im Urteil E-3503/2022 fest-
gehalten, stellen gesundheitliche Probleme indes nur ganz ausnahms-
weise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK respektive ein Überstellungshin-
dernis dar (vgl. Urteil E-3503/2022 vom 18. August 2022 E. 5.2.3). Die ge-
sundheitlichen Beschwerden im vorliegenden Fall sind nicht zu verharmlo-
sen, sie bilden aber kein Überstellungshindernis im Sinne der restriktiven
Praxis. Nach Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Bundesverwal-
tungsgerichts stellt Suizidalität kein Vollzugshindernis dar (Urteil des BGer
2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1; Urteil des BVGer E-
2273/2022 vom 1. Juni 2022 E. 9.2). Auch die psychischen Beschwerden
des Sohnes (Verhaltensauffälligkeiten) und der Tochter (Fingernägel
kauen), die mangels gegenteiliger Hinweise in der Beschwerdeschrift bis-
lang keine ärztliche Konsultation benötigt zu haben scheinen, können in
Österreich bei Bedarf adäquat behandelt werden. Österreich ist sodann in
der Lage und verpflichtet (Art. 19 der Aufnahmerichtlinie), den Beschwer-
deführenden die notwendige und angemessene medizinische Weiterbe-
handlung zur Verfügung zu stellen, und verfügt über eine ausgezeichnete
medizinische Infrastruktur sowie über Fachstellen, wie von der Vorinstanz
zutreffend und ausführlich dargelegt. Weiter hat die Vorinstanz angezeigt,
die österreichischen Behörden vor einer Überstellung über die Situation
und die besonderen Bedürfnisse der Beschwerdeführenden umfassend zu
informieren, so dass diese in der Lage sein werden, entsprechende Vor-
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kehrungen zu treffen, und weitere Abklärungen, Behandlungen sowie Un-
terstützungsmassnahmen in Österreich ohne Unterbruch fortgeführt wer-
den können (vgl. insbesondere Art. 31 Abs. 2 Bst. a und Art. 32 Abs. 1 Dub-
lin-III-VO). Mithin ist auch davon auszugehen, dass die Beschwerdeführen-
den bei ihrer Überstellung nach Österreich zeitnah einen Asylantrag wer-
den stellen können und eine Registrierung erfolgt, womit sie Zugang zur
benötigten Infrastruktur haben werden. Ferner dürfte in Österreich durch
familienunterstützende Massnahmen auch dem Kindeswohl Rechnung ge-
tragen werden, verfügt Österreich doch über eine Kinder- und Jugendhilfe
(<https://www.bundeskanzleramt.gv.at/agenda/familie/begleitung-bera-
tung-hilfe/kinder-und-jugendhilfe/ziele-aufgaben.html>, abgerufen am
14. November 2022). Wie von der Vorinstanz korrekt festgestellt wurde,
droht folglich keine Verletzung von Art. 3 EMRK, weshalb die Schweiz nicht
zum Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichtet ist.
7.2 In seinem Urteil BVGE 2015/9 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest,
dass dem Gericht im Rahmen von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO i.V.m.
Art. 29a Abs. 3 AsylV1 (humanitäre Gründe) keine Beurteilungskompetenz
in Bezug auf den Ermessensentscheid des SEM (mehr) zukommt. Das
Bundesverwaltungsgericht greift nur ein, wenn das Staatsekretariat das
ihm eingeräumte Ermessen über- beziehungsweise unterschreitet oder
missbraucht und damit Bundesrecht verletzt. Da dies vorliegend nicht der
Fall ist, äussert sich das Gericht nicht zu den diesbezüglichen Erwägungen
der Vorinstanz.
7.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz das Wiederer-
wägungsgesuch der Beschwerdeführenden zu Recht abgewiesen hat.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1‘500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
https://www.bundeskanzleramt.gv.at/agenda/familie/begleitung-beratung-hilfe/kinder-und-jugendhilfe/ziele-aufgaben.html%3e,%20abgerufen%20am%2014 https://www.bundeskanzleramt.gv.at/agenda/familie/begleitung-beratung-hilfe/kinder-und-jugendhilfe/ziele-aufgaben.html%3e,%20abgerufen%20am%2014 https://www.bundeskanzleramt.gv.at/agenda/familie/begleitung-beratung-hilfe/kinder-und-jugendhilfe/ziele-aufgaben.html%3e,%20abgerufen%20am%2014
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10.
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 4. November 2022 verfügte Voll-
zugsstopp dahin.
(Dispositiv nächste Seite).
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