Decision ID: 968cec38-444e-4388-adeb-6c2838257bab
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._.
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Urs Christen, Weinbergstrasse 18, 8001 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 31. Mai 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Gesuchsformular gab sie u.a. an, sie habe den Beruf der Goldschmiedin erlernt. Später
habe sie eine Ausbildung als integrative Pädagogin absolviert (IV-act. 1). Dr. med.
B._, Facharzt FMH für Neurologie, berichtete der IV-Stelle am 5. Juli 2006, die
Versicherte sei als Pädagogin seit April 2003 zu 50% arbeitsunfähig. Diese
Einschränkung habe er dem Bericht über eine neuropsychologische Untersuchung vom
26. Oktober 2005 entnommen. Er sei nicht über den aktuellen Gesundheitszustand
informiert. Prof. Dr. phil. C._ von der Neurologischen Klinik und Poliklinik des
Universitätsspitals Zürich hatte am 26. Oktober 2005 berichtet, neuropsychologisch
fänden sich ein Aufmerksamkeitsdefizit sowie eine diskrete Leistungseinbusse in Lern-
und Umstellungsaufgaben. Die verminderte Belastbarkeit sei vorbestehend und durch
den Unfall und die schwierige Lebenssituation akzentuiert (IV-act. 7). Dr. med. D._
vom Paracelsus-Spital berichtete der IV-Stelle am 18. Juli 2006, die Versicherte leide
an einem Zervikalsyndrom bei St. n. Kopfprellung durch Auffahrunfall mit Roller (April
2003) und an rezidivierenden depressiven Episoden bei massiver psychosozialer
Belastung. Die Versicherte sei vom 1. April 2003 bis 31. März 2005 zu 50%, vom 1.
April 2005 bis 31. Juli 2005 zu 100% und vom 1. August 2005 bis 31. Oktober 2005 zu
50% arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 1. November 2005 bestehe wieder eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% (Erzieherin). Der Gesundheitszustand sei
besserungsfähig. Die Versicherte berichte über Konzentrationsschwierigkeiten und
Gedächtnisprobleme. Zeitweise komme es zu einer extremen Müdigkeit und zu Kopf-
und Rückenschmerzen. Bei der Zunahme der psychosozialen Belastung würden diese
Symptome massiv schlechter. Dr. D._ gab abschliessend an, eine Teilarbeitsfähigkeit
sei denkbar, wenn die psychosozialen Probleme (finanzielle Probleme, Finden einer
geeigneten Schule für den jüngeren Sohn) gelöst werden könnten (IV-act. 14). Dr. med.
E._, Arzt für Allgemeinmedizin FMH, führte in seinem Bericht an die IV-Stelle am 5.
Dezember 2006 aus, am 25. April 2003 habe die Versicherte einen Unfall erlitten. Dieser
habe eine posttraumatische Belastungsstörung mit Somatisierung bei Prellung am
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linken Unterarm, mit Schwindel, Konzentrationsstörung, Vergesslichkeit und kurzer
retrograder Amnesie ausgelöst. Zudem bestehe eine depressive Entwicklung bei
familiärer Überlastung. Die Versicherte habe einen Beistand und kümmere sich um
einen ihrer beiden Söhne, so dass sie glaube, keiner geregelten Arbeit nachgehen zu
können. In den vorangegangenen fünf Jahren habe sich eine Depression entwickelt,
weshalb es die Versicherte aufgegeben habe, nach einer Arbeit zu suchen. Eigentliche
medizinische Gründe lägen aber nicht vor. Die Versicherte habe eine Behandlung mit
Antidepressiva abgelehnt. Hingegen habe sie einer Behandlung mit Phytotherapeutika
bis März 2006 zugestimmt. Ausser der Erschöpfung, den gelegentlichen Rücken- und
Nackenschmerzen, den Konzentrationsstörungen und einem leichten Schwindel gebe
sie keine Beschwerden an. Es wäre ihr zumutbar, acht Stunden pro Tag zu arbeiten.
Dabei bestünde eine Reduktion der Leistung um 20%. Die Arbeitsfähigkeit könnte
durch Antidepressiva verbessert werden. Eine adaptierte Tätigkeit würde keine hohen
Anforderungen an die kognitive Leistung und an die Konzentration stellen. Die
Versicherte ertrage keine emotionale Belastung und kein Mobbing. Sie erledige den
Haushalt ohne Probleme (IV-act. 30).
B.
Die IV-Stelle beauftragte am 9. Juli 2007 die Thurgauer Klinik St. Katharinental mit einer
Begutachtung (IV-act. 37). Die Klinik führte in ihrem Gutachten vom 12. Februar 2008
aus, aktuell habe die Versicherte in erster Linie über Gedächtnisstörungen und speziell
Aufmerksamkeitsstörungen geklagt. Weiter habe sie angegeben, immer wieder, v. a.
beim Aufstehen und morgens, träten tieflumbale Rückenschmerzen links mit
Ausstrahlung über die Gesässregion auf. Nachts könne sie gut schlafen. Sie sei in einer
Craniosakraltherapie und zweiwöchentlich suche sie eine Psychologin auf.
Medikamentös nehme sie nur homöopathische Mittel bei Bedarf ein. Die Gutachter
führten weiter aus, klinisch hätten nur geringe Zeichen eines Lumbovertebralsyndroms
festgestellt werden können. Konventionell-radiologisch bestünden diskrete
degenerative Veränderungen der unteren LWS. Im Bereich der HWS habe weder
klinisch noch radiologisch ein pathologischer Befund erhoben werden können. Bei der
psychiatrischen und der neuropsychologischen Zusatzbegutachtung seien einerseits
eine Anpassungsstörung und andererseits ein leichtes Defizit der Aufmerksamkeit und
der Konzentration, speziell des Arbeitsgedächtnisses, festgestellt worden. Aufgrund
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der verminderten Ausdauer und Belastbarkeit sowie der raschen Ermüdbarkeit und der
Einschränkung bei der Strukturierung und Planung komplexer Anforderungen bestehe
eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Aus somatischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht
eingeschränkt. Aus psychiatrischer Sicht seien eine Fortsetzung der psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung mit der Klärung der aktuellen Problemfelder und
ein weiterer Ausbau der psychopharmakologischen Behandlung zu empfehlen. Bei
ungenügender Besserung sei eine teilstationäre Behandlung in Betracht zu ziehen (IV-
act. 47-1/27 bis 7/27). Der psychiatrische Sachverständige hatte in seinem
Teilgutachten vom 10. Januar 2008 die Diagnose einer Anpassungsstörung (längere
depressive Reaktion) und eines leichten Defizits der Aufmerksamkeit und der
Konzentration gestellt. Begründet hatte er seine Arbeitsfähigkeitsschätzung (50%) mit
der aufgrund der depressiven Symptomatik geminderten Ausdauer und Belastung, mit
der leichten Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und der Konzentrationsfähigkeit, mit
der raschen Ermüdbarkeit und mit der Einschränkung bei der Strukturierung und
Planung komplexerer Anforderungen. Die Arbeitsunfähigkeit von 50% bestehe seit
Oktober 2005. In bezug auf die Rehabilitationsmöglichkeiten gab er u.a. an, es sollte
noch einmal geprüft werden, ob die Möglichkeiten der psychopharmakologischen
Behandlung ausgeschöpft seien. Ein Behandlungsversuch mit einem potenteren
Antidepressivum als das aktuell verordnete pflanzliche Präparat sei sinnvoll. Allerdings
sei einschränkend festzuhalten, dass im Rahmen der stationären Behandlung ein
Therapieversich mit SSRI aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen habe abgebrochen
werden müssen (IV-act. 47-8/27 bis 27/27). Dr. med. F._ vom RAD hielt am 26. März
2008 u.a. fest, mit einer Fortsetzung der psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung könne die Resterwerbsfähigkeit möglicherweise erhalten werden. Mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit könne sie aber nicht verbessert werden. Das
Gutachten sei widerspruchsfrei, konsistent und nachvollziehbar (IV-act. 48).
C.
Am 26. Februar 2009 erfolgte eine Abklärung im Haushalt der Versicherten. Gemäss
dem entsprechenden Bericht vom 20. März 2009 gab die Versicherte dabei an, sie
nehme nur homöopathische Mittel ein. Andere Medikamente vertrage sie nicht. Ohne
den Gesundheitsschaden wäre sie zu 70% erwerbstätig. Bei der Haushaltführung
verzeichnete die Abklärungsperson in diesem Bericht keine Einschränkung. Bei der
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Ernährung ging die Abklärungsperson von einer zumutbaren Mitarbeit des zuhause
lebenden Sohnes aus, welche die Einschränkung der Versicherten vollumfänglich
kompensiere. Deshalb verzeichnete die Abklärungsperson auch bei der Ernährung
keine Einschränkung der Versicherten. Sie hielt weiter fest, bei der Wohnungspflege
habe die Versicherte angegeben, sie verrichte nur noch die täglichen leichteren
Arbeiten. Die schweren Arbeiten übernähmen die Spitex und der Sohn. Die
Abklärungsperson ging auch hier von einer zumutbaren Mitarbeit des Sohnes aus.
Deshalb nahm sie nicht die effektiv angegebene Einschränkung von 50%, sondern nur
eine solche von 30% an. Daraus resultierte eine anteilige Invalidität von 6,41%. Beim
Einkauf verneinte die Abklärungsperson ebenfalls eine Einschränkung, weil die
Versicherte sich die schweren Sachen liefern lasse. Bei der Wäsche/Kleiderpflege habe
die Versicherte als einzige Einschränkung angegeben, dass sie die Betten nicht mehr
selber beziehen könne. Die Abklärungsperson ging auch bei dieser Arbeit davon aus,
dass sie zumutbarerweise durch den zuhause lebenden Sohn erledigt werden könne.
Demnach bestand auch hier keine anteilige Invalidität. Bei der Gartenpflege nahm die
Abklärungsperson eine grössere Einschränkung, nämlich 50% an. Hier rechnete sie
keine Mithilfe des Sohnes an, allerdings ohne dies zu begründen. Für die Gartenpflege
resultierte so eine anteilige Invalidität von 1,6%. Insgesamt betrug die Invalidität der
Versicherten im Haushalt gemäss den Annahmen der Abklärungsperson 8,01%, bei
einem Haushaltanteil von 30% also 2,40% (IV-act. 65).
D.
Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. G._ berichtete der IV-Stelle am 9. April 2009,
die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit somatischem
Syndrom, gegenwärtig mittelgradige Episode, bei akzentuierten Persönlichkeitszügen
und erheblichen psychosozialen Belastungsfaktoren sowie an einem chronischen
thorakolumbalen Schmerzsyndrom bei St. n. Motorradunfall. Die desolate finanzielle
Situation und immer neue Widrigkeiten führten zu chronischer Erschöpfung,
Zukunftsängsten und Zuständen, in denen in immer kürzeren Abständen eine
stationäre psychiatrische Hilfe notwendig sei. Seit dem Sommer 2007 bestehe eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit. Diese könne durch medizinische Massnahmen nicht
vermindert werden (IV-act. 67). Dr. F._ vom RAD hielt dazu am 6. Mai 2009 fest, die
behandelnde Psychiaterin habe ebenso wie die Gutachter darauf hingewiesen, dass
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die Stabilisierung des sozialen Umfeldes und die familiäre Situation im Vordergrund
stünden. Dabei handle es sich um IV-fremde Faktoren, die nicht in die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit einfliessen dürften. Deshalb sei weiterhin von der gutachterlich
festgestellten Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen. Die Einschränkung im Haushalt
von 8% sei aus "RAD-Sicht" gut nachvollziehbar. Seit der Begutachtung habe sich also
keine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingestellt (IV-act. 68).
E.
Mit einem Vorbescheid vom 26. Mai 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
sie beabsichtige, das Leistungsbegehren abzuweisen, da der Invaliditätsgrad nur 37%
(Erwerb: 70% von 50% und Haushalt 30% von 8%) betrage und demnach unter der
Grenze von 40% liege (IV-act. 74). Die Versicherte wandte am 17. Juni 2009 ein, sie sei
zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 75). In einem zweiten Schreiben vom 17. Juni 2009 gab
die Versicherte an, sie würde, wenn sie gesund wäre, zu 70% im Angestelltenverhältnis
und zu 30% selbständig arbeiten. Es wäre ihr sehr wichtig, einen Erwerb "aus 100%"
zu erzielen, um die Ausbildung des Sohnes und die Wohnsituation beibehalten zu
können. Im Hort sei 2004/5 ein Pensum von 70% vorgesehen gewesen. Die restlichen
30% habe sie als Lernhilfebegleiterin abdecken wollen. Für die Lernhilfe habe sie
damals eine Zusatzausbildung begonnen. Nach dem Unfall habe sie kurz zu 40%
gearbeitet, das aber nicht verkraftet. Die anschliessende Tätigkeit zu 50% in einem
halbgeschützten Bereich als Näherin habe sie gesundheitsbedingt aufgeben müssen
(IV-act. 76-3/4 bis 4/4). Gemäss einem Schreiben der Versicherten vom 27. Juni 2009
(IV-act. 76-1/4) war die zweite Eingabe als massgebend zu betrachten. Die IV-Stelle
wies das Leistungsbegehren am 13. Juli 2009 ab. Sie führte zur Begründung
insbesondere aus, die Versicherte habe anlässlich der Abklärung im Haushalt
wiederholt bestätigt, dass sie ohne den Gesundheitsschaden zu einem Pensum von
70% ausserhäuslich erwerbstätig wäre. Der Aussage der ersten Stunde werde in
diesem Zusammenhang ein höherer Stellenwert beigemessen, da sie in der Regel
weniger von versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst sei (IV-act. 77).
F.
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Die Versicherte liess am 14. September 2009 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer halben, eventualiter einer Viertelsrente beantragen. Ausserdem liess sie darum
ersuchen, ihr die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu
bewilligen. Inhaltlich machte sie geltend, die Anwendung der gemischten Methode sei
falsch. Sie habe gegenüber der IV-Stelle gesagt, dass sie zu 70% ausserhäuslich
erwerbstätig und zu 30% zuhause selbständig arbeiten würde. Diese Absicht habe sie
gegenüber der IV-Stelle klar deklariert. Es gehe somit nicht um eine Aussage der ersten
Stunde, sondern um eine lückenhafte Protokollierung. Die konkreten Umstände
sprächen klar für eine volle Erwerbstätigkeit. Sie lebe in sehr beengten finanziellen
Verhältnissen, weshalb sie auf ein existenzsicherndes Einkommen angewiesen sei. Bei
einem 70%-Pensum könnte sie kein existenzsicherndes Einkommen erzielen. Der Sohn
erhalte vom Vater keine Unterhaltsleistungen und er erziele auch kein eigenes
Einkommen. Als Lernhilfelehrerin könnte sie gut zuhause arbeiten. Das gelte auch für
eine Arbeit als Goldschmiedin. Im übrigen sei die Einschränkung im Haushalt zu gering
festgesetzt worden. Die Mithilfe des Sohnes sei nämlich in einem unrealistischen und
unzumutbaren Mass berücksichtigt worden. Der Sohn habe einen langen Schulweg.
Ausserdem müsse er täglich zwei Stunden Hausaufgaben machen. Mit 17 Jahren
könne er nicht motiviert werden, ein bis zwei Stunden pro Tag bei der Besorgung des
Haushalts mitzuhelfen. Die Einschränkung im Haushalt betrage somit weit über 20%.
Beim Einkommensvergleich hätte ein "Leidensabzug" von 10% erfolgen müssen (act.
G1).
G.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. Oktober 2009 die Abweisung der
Beschwerde. Sie machte geltend, in den vergangenen zwanzig Jahren habe die
Beschwerdeführerin nur ein "besseres Taschengeld" verdient. Weder aus dem
bisherigen Lebenslauf noch aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit lasse sich eine
Erwerbstätigkeit von 70%, geschweige denn von 100% konstruieren. Die
Beschwerdeführerin hätte auch als Gesunde nur ein kleines Pensum gehabt. Sie sei als
höchstens zu 50% erwerbstätig zu betrachten. Dass die Einschränkung im Haushalt
nur 8% betrage, werde belegt durch den Umstand, dass der Sohn kaum mithelfe und
die Spitex nur für eine Stunde pro Woche benötigt werde. Auch das Fehlen
somatischer Leiden spreche gegen eine grössere Einschränkung. Beim
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Einkommensvergleich sei kein Leidensabzug zulässig, weil die Einschränkung in der
Leistungsfähigkeit bereits durch die Arbeitsunfähigkeit von 50% abgegolten sei. Bei
einem Invaliditätsgrad im Haushalt von 8% (anteilmässig 4%) und im Erwerb von 50%
(anteilmässig 25%) resultiere ein Invaliditätsgrad von lediglich 29% (act. G6).
H.
Die Gerichtsleitung bewilligte der Beschwerdeführerin am 27. Oktober 2009 die
unentgeltliche Prozessführung (act. G8). Sie liess sich am 6. November 2009 allfällige
Deckungsansprüche aus dem Rechtsschutzversicherungsvertrag der
Beschwerdeführerin mit der Fortuna Rechtsschutz-Versicherungs-Gesellschaft
abtreten (act. G12.1).
I.
Die Beschwerdeführerin liess in ihrer Replik vom 8. Dezember 2009 geltend machen,
sie sei zwar in der Vergangenheit nur teilzeitlich erwerbstätig gewesen. Das lasse sich
aber ohne weiteres durch die familiäre Situation erklären. Sie habe nämlich die 1988
und 1992 geborenen Kinder allein aufziehen müssen. Der Sohn habe an Legasthenie
gelitten und darum grosse Schulprobleme gehabt. Deshalb sei eine intensive
Betreuung erforderlich gewesen. Jetzt wohne nur noch er im gleichen Haushalt. Er
besuche ganztags eine Handelsschule. Deshalb müsse sie keine wesentliche
Betreuungsarbeit mehr leisten. Sie wäre also in der Lage, zu 100% einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen, wenn sie gesund wäre. Bei der Ermittlung der
Einschränkung im Haushalt hätte keine Mithilfe des Sohnes berücksichtigt werden
dürfen. Der "Leidensabzug" von wenigstens 10% sei durch ihr Alter, die schlechte
Integration am Arbeitsmarkt, die mangelnde Berufserfahrung, die gesundheitlichen
Probleme und die Defizite in den Bereichen Konzentration und Aufmerksamkeit
gerechtfertigt (act. G13).
J.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 15. Dezember 2009 auf eine Stellungnahme
zur Replik (act. G15).

Erwägungen:
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1.
Die Bestimmung der anwendbaren Methode zur Bemessung des Invaliditätsgrades
(Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich im Aufgabenbereich oder gemischte
Methode) richtet sich nach dem sogenannten Status, d.h. nach der hypothetischen
Situation im "Gesundheitsfall". Dieser Status "ergibt sich stets aus der Prüfung, was
die versicherte Person (bei sonst unverändert gegebenen Umständen) täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Massgebend für eine Beurteilung ist die
gesamte persönliche, familiäre, berufliche und soziale Situation [...]. Zu berücksichtigen
sind insbesondere die finanziellen Verhältnisse des Haushalts, die Erziehung der
Kinder, das Alter der versicherten Person, ihre berufliche Qualifikation, Bildung,
Affinitäten und persönlichen Talente [...]" (Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von
Ulrich Meyer, 2.A., S. 288). Die Beschwerdegegnerin beruft sich in erster Linie auf die
Überzeugungskraft der Aussage der ersten Stunde (vgl. zu dieser Maxime der
Beweiswürdigung etwa BGE 121 V 47), weil die Beschwerdeführerin damals die
nachteiligen Konsequenzen ihrer Aussage noch nicht gekannt habe. Das Abstellen auf
die besondere Überzeugungskraft der Aussage der ersten Stunde setzt allerdings
voraus, dass der genaue Inhalt dieser Aussage bekannt ist. Dies setzt eine vollständige
und korrekte Protokollierung voraus. Dazu gehört nicht nur die Wiedergabe der
Angaben der befragten versicherten Person, denn diese Aussage ist immer eine
Antwort auf eine Frage der Abklärungsperson. Vollständig und korrekt zu protokollieren
ist deshalb auch die der versicherten Person gestellte Frage, denn nur so kann die
Überzeugungskraft der Antwort gewürdigt werden. Das gilt ganz besonders im
Zusammenhang mit der Ermittlung der hypothetischen Situation im "Gesundheitsfall".
Die richtige Antwort auf die Frage, wie man sich im "Gesundheitsfall" verhalten würde,
setzt oft eine grosse Abstraktions- und Vorstellungsleistung voraus, denn die
versicherte Person ist u.U. schon jahrelang krank und ihre sozialen und beruflichen
Verhältnisse sind deshalb ganz anders, als sie wären, wenn die versicherte Person
immer gesund gewesen wäre. Die versicherte Person muss also nicht nur ihre
Krankheit "wegdenken", sondern sie muss sich auch vorstellen, wie ihre sozialen und
beruflichen Verhältnisse wären, wenn sie nicht krank geworden wäre. In einem solchen
Fall muss die Abklärungsperson die Fragestellung so mit Erklärungen verbinden, dass
die befragte versicherte Person in die Lage versetzt ist, die schwierige Abstraktions-
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und Vorstellungsleistung zu erbringen und sich in den hypothetischen
"Gesundheitsfall" zu versetzen. Die Abklärungsperson muss aber auch kontrollieren, ob
dies der versicherten Person tatsächlich gelungen ist. Die Protokollierung muss
demnach nicht nur die Antwort, sondern auch die Erklärungen, die Fragestellung selbst
und allfällige Kontrollfragen mitumfassen, denn nur so lässt sich belegen, dass die
befragte versicherte Person eine überzeugende Antwort auf die Frage nach ihrem
Status im hypothetischen "Gesundheitsfall" abgegeben hat. Der vorliegende Fall gehört
zu denjenigen, in denen die befragte versicherte Person eine grosse Abstraktions- und
Vorstellungsleistung zu erbringen hat, denn die Beschwerdeführerin ist schon seit
Jahren krank und ihre aktuellen sozialen Verhältnisse sind wahrscheinlich sehr stark
durch diese Krankheit geprägt. Trotzdem fehlt im Abklärungsbericht jede
Protokollierung der Erklärungen und der Fragestellung. Hinzu kommt, dass das
Protokoll der Antwort der Beschwerdeführerin nur aus dem folgenden Satz besteht:
"Nach ihren eigenen Angaben würde sie ohne Gesundheitsschaden heute zu 70%
erwerbstätig sein" (IV-act. 65-3/10). Dabei handelt es sich nicht um die protokollierte
Aussage der Beschwerdeführerin, sondern um die Wiedergabe der Interpretation der
Aussage der Beschwerdeführerin durch die Abklärungsperson. Die Abklärungsperson
hat zwar in ihrem Bericht die finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin
geschildert (Bezug von Sozialleistungen und Alimentenbevorschussung, Schulden, kein
Geld für private Transportmittel, Sohn in einer Privatschule), aber sie hat diese
Umstände nicht in ihre Würdigung des Status der Beschwerdeführerin einbezogen.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist es wenig wahrscheinlich, dass
die Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall" in der Lage wäre, mit
einem Beschäftigungsgrad von 70% (oder gemäss der in der Beschwerdeantwort
vertretenen Auffassung mit einem Beschäftigungsgrad von 50%) den Lebensunterhalt
für sich und für ihren Sohn zu bestreiten und sich damit aus der Sozialhilfebedürftigkeit
zu befreien. Weder das Lohnniveau der integrativen Pädagoginnen noch dasjenige der
Goldschmiedinnen dürfte so hoch sein, dass mit einem Einkommen von 70% des
Durchschnittslohns der Lebensunterhalt für zwei Personen gedeckt werden könnte. Die
finanziellen Umstände im hypothetischen "Gesundheitsfall" sprechen also für einen
Beschäftigungsgrad von 100%. Da die Abklärungsperson die Fragestellung überhaupt
nicht und die Antwort nur in der Form einer Interpretation festgehalten hat, fehlt nicht
nur die übliche Überzeugungskraft einer Aussage der ersten Stunde, sondern die
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Beschwerdegegnerin hat es sich selbst verunmöglicht nachzuweisen, dass die
späteren Angaben der Beschwerdeführerin nicht mit der Aussage der ersten Stunde
übereinstimmten. Deshalb muss davon ausgegangen werden, dass die neuere
Aussage der Beschwerdeführerin, sie wäre im hypothetischen Gesundheitsfall zu 70%
ausserhäuslich unselbständig und zu 30% zuhause selbständig erwerbstätig, erheblich
wahrscheinlicher ist, zumal sie mit den finanziellen Verhältnissen der
Beschwerdeführerin korrespondiert und zumal die Vermutung der Beschwerdeführerin,
sie könnte in bezug auf die zuhause auszuübende selbständige Erwerbstätigkeit von
der Abklärungsperson falsch verstanden worden sein, durchaus plausibel ist. Für den
hypothetischen "Gesundheitsfall" ist also von einem kombinierten erwerblichen
Beschäftigungsgrad der Beschwerdeführerin von 100% (70% unselbständig, 30%
selbständig) auszugehen. Die Beschwerdeführerin hat demnach den Status einer nur-
erwerbstätigen versicherten Person, d.h. ihre Invalidität ist mittels eines reinen
Einkommensvergleichs zu ermitteln.
2.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das eine versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und
des zumutbaren Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und
der Invalidenkarriere voraus. Die Validenkarriere kann allerdings nur hypothetisch
bestimmt werden, da die versicherte Person nicht mehr "valid", sondern eben invalid
ist.
2.1
Die Beschwerdeführerin hat zunächst den Beruf der Goldschmiedin erlernt, aber sie hat
diesen Beruf nur kurze Zeit ausgeübt. Dass sie nach mehr als zwanzig Jahren
Berufsabwesenheit ohne eine Wiedereinschulung (Art. 17 Abs. 2 IVG) in der Lage wäre,
wieder diesem Beruf nachzugehen, ist unwahrscheinlich. Die Validenkarriere richtet
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sich deshalb wohl nach dem zweiten Beruf, den die Beschwerdeführerin erlernt hat,
nämlich nach dem Beruf der integrativen Pädagogin. Allerdings lässt sich den Akten
nicht entnehmen, welche beruflichen Qualifikationen sich die Beschwerdeführerin bei
dieser Zweitausbildung effektiv erworben hat. Ebensowenig ist bekannt, ob es der
Beschwerdeführerin möglich wäre, diesen Beruf auch selbständig zuhause auszuüben.
Da die beruflichen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin nicht ausreichend geklärt sind,
lässt sich die Validenkarriere nicht mit der erforderlichen Genauigkeit bestimmen. Die
Beschwerdegegnerin wird diesbezüglich durch ihre Berufsberatung weitere
Abklärungen vornehmen lassen. In bezug auf die zumutbare Invalidenkarriere ist die
Beschwerdegegnerin ohne weiteres davon ausgegangen, dass es der
Beschwerdeführerin möglich wäre, ihrem zweiten Beruf nachzugehen. Sie hat
unbeachtet gelassen, dass die Arbeit mit einer Gruppe von Kindern hohe
Anforderungen an die Konzentrations- und an die Fähigkeit stellt, Probleme zu
bewältigen. Es ist fraglich, ob die Beschwerdeführerin in der Lage ist, in einem
Kinderhort oder in einer ähnlichen Institution zu arbeiten, wenn dort eine grössere
Gruppe von Kindern zu betreuen ist. Hingegen dürfte es der Beschwerdeführerin
tatsächlich möglich sein, mit einem Kind zu arbeiten. Wie sich dies auf dem
Arbeitsmarkt umsetzen liesse, muss von der Berufsberatung der Beschwerdegegnerin
noch ermittelt werden. Der Beruf als Goldschmiedin wäre den gesundheitlichen
Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin möglicherweise besser angepasst, da nur
geringe Anforderungen an die Fähigkeit, Probleme zu bewältigen und komplexere
Aufgaben zu planen und zu strukturieren, gestellt werden. Allerdings wäre die
Beschwerdeführerin in diesem Beruf wohl aufgrund ihrer Konzentrationsprobleme
eingeschränkt. Auch in bezug auf diese mögliche Invalidenkarriere (falls sie ohne
Wiedereinschulung möglich wäre) sind also weitere berufsberaterische Abklärungen
notwendig. Die Sache ist deshalb zur weiteren Abklärung der Grundlagen der
Bestimmung der Validen- und der Invalidenkarriere an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
2.2
Solange die massgebende Invalidenkarriere nicht bekannt ist, kann die medizinische
Arbeitsfähigkeitsschätzung nur generell, d.h. anhand einer idealtypischen, der
Behinderung angepassten Erwerbstätigkeit erfolgen. Der psychiatrische
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Sachverständige der Klinik St. Katharinental hat ansatzweise eine derartige angepasste
Tätigkeit beschrieben. Er hat das Arbeitsgedächtnis der Beschwerdeführerin als
besonders betroffen betrachtet und daraus abgeleitet, dass sie Schwierigkeiten bei der
Problembewältigung, bei der Planung komplexer Anforderungen und bei der
Strukturierung ihrer Möglichkeiten habe und dass sie in ihrer Ausdauer und bei der
Anpassung an sich ändernde Umstände eingeschränkt sei. Eine zusätzliche
Einschränkung der Leistungskonstanz und der Belastbarkeit resultiere aus der
depressiven Symptomatik. Ausgehend von diesen Beeinträchtigungen hat er auf eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% geschlossen. Dabei hat er aber nicht beachtet, dass in
einer der Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten Tätigkeit einige dieser Probleme
gar nicht auftauchen würden bzw. umgangen werden könnten. In einer der
Behinderung angepassten Tätigkeit wäre die Beschwerdeführerin beispielsweise nicht
gezwungen, sich mit komplexen Problemen zu befassen oder sich immer wieder mit
neuen Problemstellungen auseinanderzusetzen. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Klinik St. Katharinental hat sich bei genauer Betrachtung also nicht auf eine ideal
angepasste Tätigkeit, sondern auf eine Tätigkeit bezogen, die weitgehend derjenigen
entspricht, die von der Beschwerdeführerin ausgeübt würde, wenn sie in einem
Kinderhort oder einer vergleichbaren Institution tätig wäre. Dabei handelt es sich also
um eine Erwerbstätigkeit, bei der die Beschwerdeführerin durch die aufgelisteten
Beeinträchtigungen handicapiert wäre. Der psychiatrische Sachverständige hat sich bei
seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung also wohl nicht auf eine idealtypische
behinderungsangepasste Erwerbstätigkeit bezogen. Er scheint davon ausgegangen zu
sein, dass für die Beschwerdeführerin aufgrund der bestehenden beruflichen
Ausbildung gar keine andere, besser angepasste Tätigkeit in Frage kommen könne. Ob
dies zutrifft, kann erst beurteilt werden, wenn die Beschwerdeführerin berufsberaterisch
abgeklärt worden ist. Kommt tatsächlich nur eine Arbeit in einem Kinderhort oder in
einer ähnlichen Institution in Frage, weil alle anderen, der Behinderung besser
angepassten Erwerbstätigkeiten (z.B. mangels Umschulungsfähigkeit) ausgeschlossen
sind, so ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen der
Klinik St. Katharinental allenfalls doch die massgebende. Kann die Beschwerdeführerin
aber besser der Behinderung angepasste Erwerbstätigkeiten ausüben, so liefert das
Gutachten keine überzeugende Antwort auf die Frage nach der massgebenden
Arbeitsfähigkeit. Dr. E._ hat in seinem Bericht vom 5. Dezember 2006 bewusst auf
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eine angepasste Erwerbstätigkeit (keine Anforderung an hohe kognitive Leistungen und
an die Konzentration, keine emotionale Belastung, kein Mobbing) abgestellt, als er eine
Arbeitsunfähigkeit von 20% angegeben hat (vgl. IV-act. 30-3/5). Dr. G._ hat in ihrem
Bericht vom 9. April 2009 keine Angaben zur Qualität der Erwerbstätigkeit gemacht,
von der sie bei ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung ausgegangen ist. Sie dürfte von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Erwerbstätigkeiten ausgegangen sein
(vgl. IV-act. 67). Sie hat sich dabei aber keineswegs auf "IV-fremde" Faktoren
abgestützt, wie Dr. F._ vom RAD behauptet hat (vgl. IV-act. 68), denn eine Krankheit
ist nie IV-fremd in dem Sinn, dass die Arbeitsunfähigkeit, die von ihr bewirkt wird, IV-
rechtlich, d.h. für die Invaliditätsbemessung irrelevant wäre. IV-fremd und damit
irrelevant ist nur die rein subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung, die sich
ausschliesslich aus den nachteiligen oder belastenden sozialen Verhältnissen
entwickelt hat, in denen die versicherte Person lebt. Eine solche rein subjektive
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung beruht auf IV-fremden Faktoren, denn es liegt ihr keine
Krankheit zugrunde. Haben die nachteiligen oder belastenden sozialen Verhältnisse
aber dazu geführt, dass sich eine Krankheit entwickelt hat, und hat diese Krankheit
eine objektive Arbeitsunfähigkeit zur Folge, so kann diese Arbeitsunfähigkeit nicht als
IV-fremd, d.h. als irrelevant im Rahmen der Invaliditätsbemessung, qualifiziert werden,
denn nicht die sozialen Verhältnisse, sondern die daraus entstandene Krankheit ist die
Ursache der objektiv bestehenden Arbeitsunfähigkeit. Die Differenz zwischen der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Psychiaterin und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten der Klinik St. Katharinental (bzw. der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._) lässt sich also entgegen der Auffassung von
Dr. F._ vom RAD nicht damit erklären, dass die behandelnde Psychiaterin auch IV-
fremde Umstände berücksichtigt hätte (was allerdings nicht ausschliesst, dass sie - als
Folge einer rein therapeutischen Sicht - auch eine teilweise nur subjektiv bestehende
Arbeitsunfähigkeit als objektiv begründet betrachtet hat). Trotzdem ist mit Dr. F._
davon auszugehen, dass die von Dr. G._ angegebene hohe Arbeitsunfähigkeit nicht
auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der Begutachtung
zurückzuführen ist. Es fehlt nämlich jeder Hinweis auf eine derartige Verschlechterung.
Demnach ist zu vermuten, dass eine abweichende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
bei einem unveränderten Gesundheitszustand vorliegt. Diese Frage kann offen bleiben,
denn es besteht ein Bedarf nach einer weiteren Abklärung, weil keine der vorliegenden
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medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu überzeugen vermag. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik St. Katharinental beruht wohl auf einer nicht
ausreichend behinderungsangepassten Erwerbstätigkeit (Arbeit mit einer grösseren
Gruppe von Kindern). Dr. G._ hat (wohl aufgrund ihres rein therapeutischen Ansatzes)
allzu sehr auf die subjektiv empfundenen Beschwerden und damit auf die subjektive
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin abgestellt. Dr. E._ hat zwar
auf eine behinderungsangepasste Tätigkeit Bezug genommen, aber seine
Einschätzung vermag nicht zu überzeugen, weil ihm die notwendigen psychiatrischen
Fachkenntnisse und auch die entsprechende Erfahrung fehlen und weil ihm keine
Gelegenheit gegeben worden ist, sich mit den abweichenden Einschätzungen
auseinanderzusetzen. Bei allen medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzungen ist die
Frage der Schadenminderungspflicht vermittelst des Einsatzes von stärkeren
Antidepressiva zwar angesprochen, aber in bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung
nicht umgesetzt worden. Wenn solche Medikamente erfolgversprechend sind, so ist es
als zumutbar zu betrachten, sie auch einzunehmen, auch wenn die Beschwerdeführerin
sich bisher offenbar geweigert hat, etwas anderes als homöopathische Mittel zu
verwenden. Die von Dr. F._ in der Stellungnahme vom 26. März 2008 vertretene
Auffassung, von einer (auch medikamentösen) psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung sei keine weitere Besserung zu erwarten (vgl. IV-act. 48), ist nicht belegt
und vermag nicht zu überzeugen. Es muss zumindest ein längerfristiger Versuch mit
geeigneten Psychopharmaka unternommen werden, bevor eine abschliessende
Arbeitsfähigkeitsschätzung erfolgen kann. Die Sache ist somit auch zur Ermittlung der
objektiven Arbeitsunfähigkeit in einer der Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten
Erwerbstätigkeit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Im Sinn der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang ist in bezug auf
die Kostenfrage von einem vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin
auszugehen. Da die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die
Vertretungskosten vollumfänglich zu ersetzen hat, kommt die Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung nicht zum Tragen. Die Höhe der
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Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser beiden
Kriterien erweist sich eine Parteientschädigung von Fr. 3500.- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig.
Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat für die gesamten Kosten aufzukommen, so
dass auch die der Beschwerdeführerin bewilligte Befreiung von den Gerichtskosten
nicht zum Tragen kommt. Die Höhe der Gerichtsgebühr richtet sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gebühr von Fr. 600.- erweist sich
angesichts des durchschnittlichen Aufwands als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP