Decision ID: f59d8395-bbcf-4e9e-a69e-32d32bbbe811
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Oktober 2014 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe in ihrem Herkunftsland eine
Ausbildung zur Buchhalterin begonnen. Seit April 1999 arbeite sie als Mitarbeiterin in
einer Textilfabrik. Der Monatslohn belaufe sich aktuell auf 3’680 Franken pro Monat.
Die Arbeitgeberin bestätigte diese Angaben der Versicherten bezüglich des
Arbeitsverhältnisses (IV-act. 4). Der Allgemeinmediziner Dr. med. B._ berichtete im
Oktober 2014 (IV-act. 12), die Versicherte leide an einem lumbo-radiculären
Reizsyndrom mit einem leichten motorischen Ausfallsyndrom Typ L5 rechts bei einer
breitbasigen Discushernie L4/5. Sie sei am 16. Oktober 2014 an der Wirbelsäule
operiert worden und befinde sich noch in der postoperativen Rekonvaleszenzphase.
Die Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen gab am 18. November 2014
an (IV-act. 20), einen Monat nach der Operation sei die Wunde blande. Es bestünden
keinerlei neurologische Ausfälle. Der Lasègue-Test falle negativ aus. Die Versicherte
habe allerdings offenbar grosse Angst davor, dass etwas kaputt gehen könnte: Sie
bewege sich sehr steif und vorsichtig. Es sei kaum gelungen, ihre Bedenken zu
zerstreuen, obwohl sie nun die Belastung wieder auf das normale Alltagsniveau
steigern könne. Im Januar 2015 teilte Dr. B._ telefonisch mit (IV-act. 24), Ende
Dezember 2014 sei es zu einem Beschwerderezidiv gekommen, das in einer MRI-
Untersuchung einem paramedianen Bandscheibenprolaps mit einer rezessalen
Kompression der Nervenwurzel L5 zugeordnet worden sei. Die Klinik für Neurochirurgie
berichtete am 6. Februar 2015 (IV-act. 29–3 ff.), in einem MRI vom 5. Januar 2015 sei
ein deutlicher Rezidivvorfall L4/5 rechts festgestellt worden. Sensomotorische Ausfälle
hätten allerdings nicht objektiviert werden können. Am 29. Januar 2015 sei eine
Refenestration L4/5 rechts durchgeführt worden.
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A.b Im April 2015 gab Dr. B._ an (IV-act. 34), die Versicherte habe auf Veranlassung
der Krankentaggeldversicherung hin einen Arbeitsversuch mit einem Pensum von 20
Prozent begonnen. Diesen habe sie aber wegen ausgeprägten Schmerzen wieder
abbrechen müssen. Entgegen der Einschätzung der Neurochirurgen gehe es ihr
miserabel. Ein MRI vom 8. Juni 2015 zeigte an der Hals- und Brustwirbelsäule bis auf
leichte Bandscheibenvorwölbungen im Bereich der mittleren Halswirbelsäule mit
klinisch irrelevanten geringfügigen neuro-foraminalen Engen und bis auf eine geringe
Nervernwurzelbedrängung rezessal L5 keine Auffälligkeiten (IV-act. 36). Am 25. Juni
2015 teilte Dr. B._ mit (IV-act. 37), die Versicherte beteuere, dass sie schmerzbedingt
nicht mehr als 30 Prozent arbeiten könne. Das psychosoziale Umfeld der Versicherten
sei normal. Der RAD-Arzt Dr. med. C._ notierte, eine leichte, wechselbelastende
Tätigkeit ohne Zwangshaltungen könne der Versicherten zu mindestens 50 Prozent, bei
guter Adaption bald steigerbar, zugemutet werden. Die IV-Stelle prüfte in der Folge die
Durchführung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Ein
Eingliederungsverantwortlicher der IV-Stelle notierte im August 2015 (IV-act. 43), die
Versicherte scheine arbeitswillig zu sein. Sie habe angegeben, dass sie mittlerweile in
einem Pensum von 50 Prozent arbeite, sich damit aber an ihrer Belastungsgrenze
bewege. Sie müsse während der Arbeit alle zehn Minuten ihre Position wechseln. Mit
einer Mitteilung vom 13. November 2015 sprach die IV-Stelle der Versicherten im
Rahmen einer Frühinterventionsmassnahme ein ergonomisches Hilfsmittel für den
Arbeitsplatz zu (IV-act. 50). Mit einer zweiten Mitteilung vom 10. Dezember 2015 wies
die IV-Stelle das Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 53). Am 19.
Dezember 2015 berichtete Dr. B._ (IV-act. 55), die Versicherte sei infolge ihrer
Schmerzen nur knapp zu 50 Prozent arbeitsfähig.
A.c Am 22. März 2016 wurde die Versicherte vom RAD-Arzt Dr. med. D._
untersucht. In seinem Untersuchungsbericht vom 10. Mai 2016 hielt Dr. D._ fest (IV-
act. 72), bei der klinischen Untersuchung habe er segmentale Dysfunktionen der
Lendenwirbelsäule mit einer Einschränkung der Beweglichkeit und Zeichen einer
musculären Dysbalance im Beckenbereich rechts festgestellt. Radiculäre Zeichen
hätten keine bestanden. Das Lasègue-Zeichen sei beidseits negativ gewesen.
Verkürzungen an den unteren Extremitäten, wie sie häufig (gemeint wohl: bei Patienten
mit den geltend gemachten Rückenbeschwerden) aufträten, fehlten. Bei der forcierten
Flexion der Hüftgelenke in der Rückenlage habe die Versicherte keinerlei Beschwerden
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im Lendenwirbelsäulenbereich angegeben, was angesichts der doch drastischen
Beschwerdeschilderung erstaune. Ebenso erstaunlich sei, dass die Versicherte in der
Rückenlage spontan gymnastische Beinübungen in flüssiger Abfolge gezeigt habe und
dass das Anziehen nach der Untersuchung im Stehen erfolgt sei. Die aktuellen
bildgebenden Befunde seien eher bescheiden. Der Gesundheitsschaden im Bereich
der Lendenwirbelsäule könne zusammenfassend als eher gering bezeichnet werden.
Nebst dieser Diskrepanz zwischen den subjektiv geklagten Beschwerden und den
(geringfügigen) objektiven Befunde seien in der Untersuchung weitere Diskrepanzen
aufgefallen: Die Versicherte sei zur Begrüssung etwas demonstrativ vom Stuhl
aufgestanden und habe anschliessend ein Schonhinken auf dem „falschen“ linken Bein
gezeigt. Bei den Gehübungen sei dann kein Schonhinken mehr aufgefallen. Bei den
angegebenen Schmerzen wäre zu erwarten gewesen, dass die Kleider im Sitzen
angezogen würden; die Versicherte habe sich aber im Stehen angezogen. Angesichts
des insgesamt geringen Gesundheitsschadens am Bewegungsapparat könne für
adaptierte Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent attestiert werden. Die
objektiv festgestellten segmentalen Dysfunktionen rechtfertigten das Attest einer
Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent. Im Zeitraum von März 2014 bis Juli 2015 sei die
Versicherte allerdings vollständig arbeitsunfähig gewesen. Der RAD-Arzt Dr. C._
qualifizierte den Untersuchungsbericht des RAD-Arztes Dr. D._ als überzeugend (IV-
act. 74). Mit einem Vorbescheid vom 20. Mai 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe, weil der Invaliditätsgrad
lediglich 16 Prozent betrage (IV-act. 77). Dagegen wandte die Versicherte am 23. Juni
2016 sinngemäss ein, der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt; sie beantrage eine
neurochirurgische und rheumatologische Begutachtung (IV-act. 78). Mit einer
Verfügung vom 28. Juni 2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten
mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades von mindestens 40 Prozent ab
(IV-act. 79).
B.
B.a Am 29. August 2016 liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend:
die Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. Juni 2016
erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Zusprache einer Rente mit Wirkung ab dem 1. April 2015 sowie
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eventualiter die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen
Verfügung. Zur Begründung führte er an, die angefochtene Verfügung sei in Verletzung
des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör ergangen, denn sie
enthalte keine hinreichende Begründung des Dispositivs. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD-Arztes Dr. D._ sei willkürlich, denn er habe den
von ihm attestierten Arbeitsfähigkeitsgrad nicht begründet. Die Beschwerdeführerin
verwerte ihre verbliebene Restarbeitsfähigkeit vollumfänglich, indem sie in einem
Pensum von 50 Prozent arbeite. Schliesslich habe die Beschwerdegegnerin
rechtswidrig keinen Tabellenlohnabzug berücksichtigt.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 30. September 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie aus, der Verfügung lasse sich
entnehmen, wie der Invaliditätsgrad berechnet worden sei respektive worauf die
Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht abgestellt habe. Folglich liege keine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor. Der Untersuchungsbericht des
RAD-Arztes Dr. D._ enthalte alle notwendigen Angaben und eine überzeugende
Begründung für die Arbeitsfähigkeitsschätzung, weshalb darauf abgestellt werden
könne. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt gewesen.
B.c Am 4. Oktober 2016 bewilligte die verfahrensleitende Richterin die unentgeltliche
Rechtspflege (act. G 4).
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 30. November 2016 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 10 f.).

Erwägungen
1.
Als Erstes muss geprüft werden, ob die angefochtene Verfügung in Verletzung der
Begründungspflicht (Art. 49 Abs. 3 ATSG) ergangen ist, denn wenn dies der Fall wäre,
könnte die entsprechende Verfahrensrechtswidrigkeit nur durch eine Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und durch eine Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin zur Eröffnung einer neuen, nun hinreichend begründeten
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Verfügung behoben werden. Die Begründungspflicht verfolgt keinen Selbstzweck. Sie
dient vielmehr dazu, den Verfügungsadressaten in die Lage zu versetzen, sich in
Kenntnis der massgebenden Entscheidgründe für oder gegen eine Anfechtung der
Verfügung entscheiden und ein allfälliges Rechtsmittel hinreichend begründen zu
können. Der angefochtenen Verfügung lässt sich entnehmen, dass die
Beschwerdegegnerin gestützt auf den Untersuchungsbericht des RAD-Arztes Dr. D._
von einer Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 80 Prozent für leidensadaptierte
Tätigkeiten ausgegangen ist und dass sie ausgehend von dieser
Arbeitsfähigkeitsschätzung einen Invaliditätsgrad von lediglich 16 Prozent errechnet
hat. Der Verfügung lassen sich alle weiteren Details zu dieser
Invaliditätsgradberechnung entnehmen. Sie enthält damit zusammenfassend die
wichtigsten Entscheidgründe. Der Beschwerdeführerin ist es in der Folge ja auch
möglich gewesen, eine hinreichend begründete Beschwerde zu erheben und sich
gezielt gegen jene Punkte zu wenden, mit denen sie nicht einverstanden ist. Eine
Verletzung der Begründungspflicht ist folglich zu verneinen, weshalb kein Grund
besteht, die angefochtene Verfügung aus formalen Gründen aufzuheben.
2.
2.1 Laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss dem
Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach
der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
2.2 Die Beschwerdeführerin hat ab Ende 2013 an Rückenbeschwerden gelitten. Nach
mehreren Untersuchungen ist die Indikation für eine Operation am Rücken gestellt
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worden. Diese ist im Oktober 2014 durchgeführt worden. Aufgrund anhaltender
Beschwerden hat nach weiteren Untersuchungen im Januar 2015 eine zweite
Operation durchgeführt werden müssen. In der Folge hat die Beschwerdeführerin ihre
frühere Tätigkeit wieder aufnehmen und ihr Pensum schrittweise auf 50 Prozent (zum
Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung) steigern können. Die
medizinische Eingliederung hat gemäss den Ausführungen des RAD-Arztes Dr. D._
bis Juli 2015 gedauert. Erst ab diesem Zeitpunkt hat der Beschwerdeführerin eine
Wiedereingliederung ins Berufsleben zugemutet werden können. Da der Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung gemäss dem Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG (in
Übereinstimmung mit der Erwerbsunfähigkeitsdefinition im Art. 7 Abs. 1 ATSG und mit
der Invaliditätsgradbemessung gemäss dem Art. 16 ATSG) einen Abschluss der
medizinischen und beruflichen Eingliederung voraussetzt und da die medizinische
Eingliederung vorliegend erst im Juli 2015 abgeschlossen gewesen ist, kann ein
Anspruch auf eine Rente für die Zeit vor Juli 2015 zum Vorneherein nicht in Frage
kommen (vgl. dazu etwa den Entscheid IV 2012/172 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 27. August 2013, E. 2.2, mit Hinweisen).
2.3 Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung abgeschlossen, weshalb sie
nur Hilfsarbeiten hat verrichten können. An ihrem langjährigen Arbeitsplatz hat sie zwar
nur ein leicht unter dem Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne liegendes Einkommen
erzielt, aber in den Akten fehlen Hinweise darauf, dass sie vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung unterdurchschnittlich leistungsfähig gewesen wäre. Da
die Beschwerdeführerin angegeben hat, dass sie in ihrem Herkunftsland das
Gymnasium absolviert habe und dass sie danach gerne studiert hätte, muss sogar
davon ausgegangen werden, dass sie überdurchschnittlich intelligent ist und daher auf
dem massgebenden allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt ohne eine
Gesundheitsbeeinträchtigung in der Lage gewesen wäre, ein überdurchschnittliches
Hilfsarbeiterinneneinkommen zu erzielen. Nur Zwänge auf dem
invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten tatsächlichen Arbeitsmarkt können sie
folglich gezwungen haben, sich mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen zu
begnügen. Hätte sich ihr die Gelegenheit eines Stellenwechsels und der Erzielung eines
durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohns geboten, hätte sie davon sicherlich
Gebrauch gemacht. Die Validenkarriere besteht folglich in der Verrichtung einer
durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit. Das
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Valideneinkommen entspricht damit mindestens dem Zentralwert der
Hilfsarbeiterinnenlöhne.
2.4 Für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist die
medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung regelmässig von entscheidender Bedeutung.
Die Beschwerdegegnerin hat zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin von allen behandelnden Ärzten Berichte eingeholt und einen RAD-
Arzt mit einer persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin beauftragt. Dieser
hat alle Berichte der behandelnden Ärzte eingehend gewürdigt und die
Beschwerdeführerin eingehend persönlich untersucht. In seinem Untersuchungsbericht
hat er nicht nur die subjektiv geklagten Beschwerden ausführlich wiedergegeben,
sondern auch detailliert festgehalten, welche objektiven klinischen Befunde er erhoben
hatte. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenwürdigung und der von ihm selbst
erhobenen objektiven klinischen Befunde hat er seine Diagnosestellung und seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehbar und überzeugend begründet. Sein
Untersuchungsbericht enthält (aus der Sicht eines medizinischen Laien) keine
Unstimmigkeiten oder Widersprüchlichkeiten. Der behandelnde Allgemeinmediziner Dr.
B._ hat zwar geltend gemacht, der Beschwerdeführerin könne lediglich knapp ein
Pensum von 50 Prozent zugemutet werden, aber dieses Attest hat er nur mit den
subjektiven Schmerzangaben der Beschwerdeführerin und nicht etwa mit objektiven
klinischen oder bildgebenden Befunden begründen können. Zudem hat er die
angestammte Tätigkeit als nicht mehr zumutbar qualifiziert, was nicht zu überzeugen
vermag, da die Beschwerdeführerin ihre Arbeit wechselnd stehend und sitzend
verrichten kann und da sie keine schweren Lasten heben oder tragen und auch keine
Zwangshaltungen einnehmen muss. Ausserdem verfügt sie nun über einen speziellen
Stuhl und eine Matte, die ihr die Ausübung ihrer Arbeit erleichtern. Die Berichte von Dr.
B._ wecken vor diesem Hintergrund keinen Zweifel an der Diagnosestellung oder an
der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._. Eine ergänzende neurochirurgische
Abklärung ist nicht notwendig gewesen, da trotz zahlreicher bildgebender und
klinischer Untersuchungen kein Hinweis auf eine relevante neurologische Schädigung
hat festgestellt werden können, die eine vertiefte neurochirurgische Abklärung erfordert
hätte.
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2.5 Nun könnte eingewendet werden, ein RAD-Arzt könne als versicherungsinterner
Sachverständiger zum Vorneherein keinen medizinischen Bericht verfassen, der
dieselbe Überzeugungskraft wie ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten habe.
Tatsächlich sieht es das Bundesgericht gemäss seiner langjährigen, konstanten
Rechtsprechung als mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung vereinbar an,
medizinischen Berichten je nach Herkunft eine unterschiedliche Überzeugungskraft
zuzubilligen: Liegt ein Gerichtsgutachten vor, darf nicht ohne „zwingende Gründe“ von
der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen abgewichen werden (BGE 125 V
351 E. 3b/aa S. 352 f.); bei einem Administrativgutachten rechtfertigen „konkrete
Indizien“, die gegen die „Zuverlässigkeit der Expertise“ sprechen, ein Abweichen von
der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353);
von versicherungsinternen Gutachten muss dagegen abgewichen werden, sobald
„auch nur geringe Zweifel“ an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 135
V 465 E. 4.4 S. 470). Auf den ersten Blick scheint ein versicherungsinterner Mediziner
zwar wegen seines Angestelltenverhältnisses weniger objektiv als ein unabhängiger
externer Sachverständiger zu sein. Dieser Eindruck täuscht aber, denn das
Angestelltenverhältnis besteht ja zwischen dem medizinischen Sachverständigen und
einer Verwaltungsbehörde, die von Gesetzes wegen zur Objektivität verpflichtet ist, weil
sie das Legalitätsprinzip, das Gleichbehandlungsgebot und den
Verhältnismässigkeitsgrundsatz beachten muss. Nur einer in diesem Sinne völlig
neutralen und objektiven Behörde hat der Gesetzgeber die Kompetenz und die
Aufgabe übertragen können, hoheitlich Verwaltungsverfahren durchzuführen, das
heisst den massgebenden Sachverhalt umfassend zu ermitteln und – wie ein Gericht –
das geltende Recht auf diesen Sachverhalt anzuwenden respektive hoheitlich eine
bestimmte Rechtsfolge anzuordnen. Zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe ist eine in
diesem Sinne völlig objektive Verwaltung auf ebenso objektive Angaben von
Sachverständigen angewiesen. Ein angestellter Sachverständiger, der keine objektiven
Expertisen erstellt, ist für eine Verwaltungsbehörde, die ihre Aufgabe ernst nimmt,
untragbar, weil er die Erfüllung der ureigensten Aufgabe der Verwaltung, nämlich die
unabhängige, objektive Ermittlung des massgebenden Sachverhaltes, mit seinen nicht
objektiven Expertisen behindert. Eine Verwaltungsbehörde kann sich deshalb nur
neutrale und objektive Sachverständigen leisten. Vor diesem Hintergrund kann
hinsichtlich der Überzeugungskraft einer Expertise kein genereller Unterschied
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zwischen solchen von versicherungsinternen Sachverständigen, solchen von
versicherungsexternen Sachverständigen und solchen von vom Gericht bestellten
Sachverständigen bestehen. Allen drei Arten von Expertisen kommt grundsätzlich
dieselbe Beweiskraft zu; bei der Beweiswürdigung kann nur der Inhalt einer
bestimmten Expertise ausschlaggebend sein. Im Übrigen gelten RAD-Ärzte von
Gesetzes wegen als unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Vorliegend hat Dr. D._, wie
in der E. 2.4 dargelegt, eine in jeder Hinsicht überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Der Umstand, dass Dr. D._ als RAD-Arzt formal ein Angestellter der
Beschwerdegegnerin ist, mindert den Beweiswert seines Untersuchungsberichtes nach
dem oben Ausgeführten nicht.
2.6 Die Beschwerdeführerin hat schliesslich einwenden lassen, dass Dr. D._ sich an
den Fragenkatalog des Bundesamtes für Sozialversicherungen hätte halten müssen.
Dieser Einwand überzeugt nicht. Der erwähnte Fragenkatalog muss angesichts seiner
viel zu ausführlichen Fragestellung mit nicht weniger als 30 Fragen als ein untauglicher
Versuch zur Verbesserung der Qualität eines medizinischen Gutachtens qualifiziert
werden, denn bereits vor knapp zehn Jahren ist von medizinischer Seite mit einer
überzeugenden Begründung dargelegt worden, dass die Qualität eines medizinischen
Gutachtens mit zunehmender Anzahl der Fragen an den medizinischen
Sachverständigen sinkt und dass nicht einzusehen ist, weshalb eine
sozialversicherungsrechtliche Problemstellung die Beantwortung von mehr als fünf
oder sechs Fragen erfordern sollte (JÖRG JEGER, Gute Frage – Schlechte Frage: Der
Einfluss der Fragestellung auf das Gutachten, Sozialversicherungsrechtstagung 2009,
S. 196 f.). Insbesondere für mono- oder bidisziplinäre Gutachten erweist sich der
Fragenkatalog als deutlich überdimensioniert. Hätte die Beschwerdegegnerin Dr. D._
verpflichtet, sich an den Fragenkatalog zu halten, hätte dieser sicherlich nicht einen
qualitativ besseren Bericht erstattet.
2.7 Zusammenfassend überzeugt der Untersuchungsbericht von Dr. D._ also in
jeder Hinsicht, weshalb kein Bedarf nach weiteren medizinischen Abklärungen besteht
respektive weshalb ohne Weiteres von einer Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten ausgegangen werden kann. Da die Beschwerdeführerin
diese Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich in ihrer angestammten Tätigkeit
verwerten kann, entspricht der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
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Invalideneinkommens betraglich dem Valideneinkommen, weshalb der Invaliditätsgrad
anhand eines sogenannten Prozentvergleichs berechnet werden kann. Er entspricht
also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen allfälligen Abzug vom
Tabellenlohn. Da das Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Absenzen vorliegend
als gering qualifiziert werden muss, da die Beschwerdeführerin aber aufgrund der
Notwendigkeit, immer wieder mal Pausen einlegen zu müssen, ihre Arbeitsleistung
nicht konstant zuverlässig und auch nicht hinreichend flexibel respektive stets den
betrieblichen Anforderungen entsprechend erbringen können dürfte, könnte sich
praxisgemäss höchstens ein Tabellenlohnabzug von zehn Prozent rechtfertigen. Da die
Beschwerdeführerin aber als überdurchschnittlich intelligent qualifiziert werden muss
und da es ihr folglich auch mit der Gesundheitsbeeinträchtigung möglich wäre, einen
überdurchschnittlichen (d.h. über dem Zentralwert liegenden) Lohn zu erzielen, würde
ein entsprechender „Tabellenlohnzuschlag“ zumindest einen allfälligen
Tabellenlohnabzug kompensieren. Folglich ist kein Tabellenlohnabzug zu
berücksichtigen. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent resultiert damit ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 20 Prozent. Die angefochtene Verfügung
erweist sich damit im Ergebnis als rechtmässig.
3.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken wären an
sich der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung ist diese aber von der Pflicht zur Bezahlung der
Gerichtskosten befreit. Da ihr auch eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Beschwerdeverfahren bewilligt worden ist, hat der Staat ihrem Rechtsvertreter eine
Entschädigung von 80 Prozent (vgl. Art. 31 Abs. 3 AnwG) für den erforderlichen
Vertretungsaufwand auszurichten. Dieser ist als deutlich unterdurchschnittlich zu
qualifizieren, da für die Vertretung nur äusserst wenig Akten haben studiert werden
müssen. Die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist folglich
praxisgemäss auf 80 Prozent von 2’500 Franken, das heisst auf 2’000 Franken
festzusetzen. Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird die
Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können
(Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).
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