Decision ID: a1cd750d-2b03-5005-8b6e-a047241e4fa9
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Im Rahmen der Erhebung der Kostenabgeltung für den öffentlichen Regionalverkehr
für das Jahr 2007 wandte sich der Stadtpräsident von Lichtensteig mit Schreiben vom
13. April 2007 an das Amt für öffentlichen Verkehr und warf verschiedene Fragen zum
Kostenverteiler auf. Insbesondere hielt er fest, der Bahnhof Lichtensteig liege auf dem
Territorium der Gemeinde Wattwil. Weil der Bahnhof aber drei Gemeinden erschliesse,
nämlich Lichtensteig, Wattwil und Krinau, würden die Kosten wahrscheinlich aufgeteilt.
Er ersuche darum, über den Kostenverteiler informiert zu werden. In der Folge lud das
Amt für öffentlichen Verkehr die Gemeinderäte von Wattwil, Lichtensteig und Krinau zur
Stellungnahme zur Kostenaufteilung ein. Die Gemeinde Lichtensteig forderte eine
Anpassung des Verteilschlüssels an die geltenden rechtlichen Grundlagen sowie an die
tatsächlichen Erschliessungsfunktionen und ersuchte das Amt für öffentlichen Verkehr,
einen Verteilschlüssel auszuarbeiten und diejenigen Buslinien, welche nicht über das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gemeindegebiet von Lichtensteig führen würden und keine Erschliessungsfunktion für
Lichtensteig hätten, aus dem Verteiler zu nehmen. Das Amt für öffentlichen Verkehr
legte den beteiligten Gemeinden einen Kompromissvorschlag vor. Diesem stimmte der
Gemeinderat Lichtensteig am 24. September 2007 für ein Jahr zu. In seinem Beschluss
hielt er fest, es seien für eine künftige Regelung objektivierbare Kriterien zu erarbeiten
und gestützt darauf sei der Kostenverteiler anzupassen.
Das Amt für öffentlichen Verkehr legte in der Folge am 8. Oktober 2007 einen
Kostenverteiler fest, der seinem Vorschlag entsprach. Es hielt fest, sofern sich die
beteiligten Parteien über einen Kostenverteiler einigen würden, werde dies bei der
Berechnung der nächsten Gemeindeschlüssel berücksichtigt werden.
Nach Zustellung des Verteilschlüssels für das Jahr 2010 wandte sich der Gemeinderat
Lichtensteig am 7. Juni 2010 erneut an das Amt für öffentlichen Verkehr und hielt fest,
die Gemeinderäte Wattwil und Lichtensteig hätten sich im Jahr 2007 nicht über eine
Kostenregelung einigen können. Daher sei vom Amt für öffentlichen Verkehr ein
Kompromissvorschlag ausgearbeitet worden. Die Gemeinde Lichtensteig habe diesem
für ein Jahr zugestimmt. Das Amt für öffentlichen Verkehr werde eingeladen, nach einer
dreijährigen "Betrachtungsperiode" eine sachgerechte Lösung festzulegen. Das Amt für
öffentlichen Verkehr wandte sich in der Folge an die Gemeinderäte von Wattwil,
Lichtensteig und Krinau und lud diese ein, bis 30. August 2010 einen gemeinsamen
Vorschlag einzureichen. Ein solcher kam aber nicht zustande.
Am 5. Oktober 2010 beschloss die Regierung über die Gemeindeanteile für den
öffentlichen Personenverkehr für das Fahrplanjahr 2010 (13. Dezember 2009 bis 11.
Dezember 2010). Bei den Anteilen von Wattwil und Lichtensteig sowie Krinau war
vermerkt, dass die Zuordnung der Abfahrten für Bahnhof/Bushaltestelle Lichtensteig
provisorisch gelte. Sofern die drei beteiligten Gemeinden bis 30. September 2010 einen
gemeinsamen Vorschlag über einen neuen Kostenteiler einreichen würden, werde
dieser ab dem Jahr 2010 berücksichtigt.
Am 12. Oktober 2010 stellte das Volkswirtschaftsdepartement den Stadt- und
Gemeinderäten des Kantons St. Gallen den Regierungsbeschluss zu.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B./ Mit Eingabe vom 22. Oktober 2010 erhob der Gemeinderat Lichtensteig
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. In seiner Beschwerdeergänzung vom 22.
November 2010 beantragte er, der Entscheid der Regierung sei bezüglich des
Kostenteilers für Lichtensteig aufzuheben, der Kostenteiler für den Bahnhof
Lichtensteig sei neu zu regeln, eventualiter sei das Geschäft an die Vorinstanz zur
Neubeurteilung zurückzuweisen, subeventualiter sei das EG zum EBG für die Frage der
territorialen Zuständigkeit heranzuziehen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, bereits im Jahr 2007 habe die
Gemeinde Lichtensteig das Amt für öffentlichen Verkehr ersucht, die Zuordnung des
Bahnhofs Lichtensteig und der Bushaltestelle Bahnhof Lichtensteig neu zu prüfen. Die
Haltestellen lägen auf dem Gemeindegebiet von Wattwil, seien aber bis anhin zu 100 %
von der Gemeinde Lichtensteig finanziert worden. Trotz der Intervention durch das Amt
für öffentlichen Verkehr habe keine Lösung unter den Gemeinden Wattwil, Lichtensteig
und Krinau gefunden werden können. Die Berechnung des Amts für öffentlichen
Verkehr, die dem Regierungsbeschluss zugrunde liege, entspreche nicht den
tatsächlichen Verhältnissen. Es gebe keine gesicherten Zahlen, wie viele Einwohner der
Gemeinden den Bahnhof Lichtensteig tatsächlich benützen würden. Weil keine klare
Abgrenzung erfolgen könne, werde ein minimaler Zuschlag von 20 % für jene Personen
eingerechnet, welche auf dem Gemeindegebiet von Wattwil wohnten. Zudem befänden
sich verschiedene grössere Firmen in der Nähe des Bahnhofs Lichtensteig, welche auf
dem Gemeindegebiet Wattwil lägen. Die Abgeltung der Kosten richte sich nach der
Erschliessung der politischen Gemeinde durch die Transportunternehmungen und nach
der Einwohnerzahl. Das Verfahren sei nicht ordnungsgemäss durchgeführt worden und
deshalb an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Entscheid über die Kostenteilung habe
sich das Amt für öffentlichen Verkehr mit den Argumenten der Gemeinden nicht
auseinandergesetzt, sondern einfach die alte Regelung fortgeführt. Es sei angemessen,
dass der Kostenanteil der Gemeinde Lichtensteig massiv reduziert werde und die
Gemeinden Wattwil und Krinau einen adäquaten Beitrag leisten würden.
Das Volkswirtschaftsdepartement beantragte in seiner Vernehmlassung vom 3. Januar
2011, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit überhaupt darauf einzutreten sei.
Der Gemeinderat Wattwil beantragte in seiner Vernehmlassung vom 5. Januar 2011,
die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen. Er verwies auf sein Protokoll vom
21. September 2010 sowie auf die Vernehmlassung der Vorinstanz.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Politische Gemeinde Lichtensteig erhielt Gelegenheit, zu den Vernehmlassungen
Stellung zu nehmen. Dies tat sie mit Eingabe vom 25. Januar 2011.
Die Politische Gemeinde Krinau wurde zur Stellungnahme eingeladen; sie beteiligte
sich aber nicht am Verfahren.
Die weiteren Vorbringen der Beteiligten werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Politische Gemeinde Lichtensteig ist zur Beschwerde legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 22. Oktober 2010
und die Beschwerdeergänzung vom 22. November 2010 wurden rechtzeitig eingereicht
und enthalten einen Antrag, eine Sachdarstellung und eine Begründung (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Die Vorinstanz hält fest, ihres Erachtens sei auf das Hauptbegehren der
Beschwerdeführerin nicht einzutreten. Das Rechtsbegehren sei grundsätzlich so zu
formulieren, dass es zum Urteil erhoben werden könne, sofern der Antragsteller
obsiege. Diese Voraussetzungen erfülle das Hauptbegehren der Beschwerdeführerin
nicht. Diese beantrage lediglich, der Kostenteiler für den Bahnhof Lichtensteig sei neu
zu regeln.
Grundsätzlich ist es zutreffend, dass das Rechtsbegehren so zu formulieren ist, dass
es zum Urteil erhoben werden kann, sofern der Beschwerdeführer obsiegt (Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 915). Der
Hauptantrag der Beschwerdeführerin lautet dahingehend, der Entscheid der Regierung
sei aufzuheben und der Kostenteiler für den Bahnhof Lichtensteig sei neu zu regeln. Ein
ziffernmässiges Begehren wurde nicht gestellt. Ein solches konnte in der vorliegenden
Streitsache aber gar nicht gestellt werden, da das Begehren der Beschwerdeführerin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dahingehend lautet, dass die Gemeindeanteile nach bestimmten, konkret
nachvollziehbaren Grundsätzen festgelegt werden sollen, weshalb der beantragte
Anteil nicht ziffernmässig genau ausgedrückt werden konnte. Zudem ist durchaus
erkennbar, was die Beschwerdeführerin als Maximalvariante beantragt. Ihr Begehren
lautet nämlich dahingehend, der Beschluss der Regierung sei aufzuheben, was als
Maximalvariante eine Befreiung von jeglichen Kosten bedeuten würde. Da der
Regierungsbeschluss selbst lediglich die Beträge der Gemeindeanteile enthält, nicht
aber sämtliche Berechnungsgrundlagen, konnte in der Begründung der Beschwerde
auf diese nicht direkt Bezug genommen werden. Im übrigen werden nach der Praxis
weder an die Antragstellung noch an die Begründung einer Beschwerde strenge
Anforderungen gestellt (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 915 ff.). Vorliegend sind diese
Elemente der Beschwerde durchaus genügend.
Im Anhang zum Regierungsbeschluss wird festgehalten, dass die Zuordnung der
Abfahrten für Bahnhof/Bushaltestelle Lichtensteig für die Gemeinden Wattwil,
Lichtensteig und Krinau provisorisch gelte (Fussnote 3). Damit stellt sich die Frage, ob
überhaupt ein gültiges Anfechtungsobjekt vorliegt, nämlich eine rechtswirksame
Verfügung. In der Fussnote wird aber vermerkt, dass die provisorische Geltung
bestehe, sofern die drei beteiligten Gemeinden nicht bis 30. September 2010 einen
gemeinsamen Vorschlag einreichen würden. Der Regierungsbeschluss wurde am
5. Oktober 2010 und damit nach Ablauf der genannten Frist gefällt. Nachdem innert
jener Frist kein gemeinsamer Vorschlag der beteiligten Gemeinden eingereicht worden
war, ist der Entscheid der Regierung über die Kostenanteile als definitiv zu betrachten.
Dies bedeutet, dass ein gültiges Anfechtungsobjekt vorliegt.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist auf die Beschwerde einzutreten.
2. Rechtliche Grundlage für den Entscheid über die vorliegende Streitsache ist das
Einführungsgesetz zum eidgenössischen Eisenbahngesetz (sGS 713.1, abgekürzt EG
zum EBG) sowie die Verordnung zum EG zum EBG (sGS 713.11, abgekürzt
Verordnung).
2.1. Nach Art. 1 lic. c EG zum EBG trägt der Kanton mit dem Bund die Leistungen, die
den Transportunternehmungen auf dem Gebiet des Kantons St. Gallen nach dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eidgenössischen Eisenbahngesetz zur Abgeltung der ungedeckten Kosten des von
Bund und Kanton gemeinsam bestellten Verkehrsangebots zukommen. Die politischen
Gemeinden tragen nach Art. 3 EG zum EBG 35 % der Abgeltung nach Art. 1 lit. c und
Art. 2 sowie der Kosten nach Art. 2ter. Nach Art. 4 EG zum EBG richten sich die
Gemeindeanteile nach der Erschliessung der politischen Gemeinde durch
Transportunternehmungen und nach der Einwohnerzahl. Diese Bestimmung wird in
Art. 9 ff. der Verordnung konkretisiert.
Nach Art. 9 Abs. 1 der Verordnung werden für die Berechnung der Gemeindeanteile die
Erschliessung der politischen Gemeinde durch Transportunternehmungen zu drei
Vierteln und die Einwohnerzahl zu einem Viertel gewichtet. Die Gemeindeanteile
werden für ein Fahrplanjahr berechnet und im September und im März anteilmässig
erhoben (Art. 9 Abs. 2 der Verordnung). Vereinbarungen zwischen politischen
Gemeinden über die gegenseitige Verrechnung der Anteile werden bei der Erhebung
berücksichtigt (Art. 9 Abs. 3 der Verordnung).
Art. 10 der Verordnung regelt die Erschliessung. Nach Art. 10 Abs. 1 der Verordnung
wird die Erschliessung der politischen Gemeinde durch Transportunternehmungen
nach der Zahl aller gewichteten fahrplanmässigen Abfahrten auf den Linien nach dem
Anhang 1 zur Verordnung bemessen. Gezählt werden nach Abs. 2 die Abfahrten auf
dem Gemeindegebiet je Fahrplanjahr. Art. 13 Abs. 1 der Verordnung bestimmt, dass
das Volkswirtschaftsdepartement einen Haltepunkt mehreren politischen Gemeinden
oder einer anderen politischen Gemeinde als der Standortgemeinde zuordnen kann.
Die betroffenen politischen Gemeinden werden nach Art. 13 Abs. 2 der Verordnung
angehört.
2.2. Bereits im Jahr 2007 hatten die Gemeinden Lichtensteig und Wattwil
unterschiedliche Auffassungen über die Höhe der Abgeltungen für den Bahnhof
Lichtensteig bzw. die Bushaltestelle beim Bahnhof Lichtensteig. Ein gemeinsamer
Vorschlag kam aber nicht zustande. Daher war grundsätzlich das Amt für öffentlichen
Verkehr bzw. das Volkswirtschaftsdepartement berechtigt und verpflichtet, die
Gemeindeanteile festzulegen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass sich der Bahnhof Lichtensteig auf dem
Territorium der Politischen Gemeinde Wattwil befindet. Weiter steht fest, dass die
Erschliessung von Krinau über die Bushaltestelle beim Bahnhof Lichtensteig
abgewickelt wird. Dabei handelt es sich um die einzige Erschliessung von Krinau mit
dem öffentlichen Verkehr.
Wie die Kostenaufteilung früher vorgenommen wurde, ist im vorliegenden Streitfall
nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Offenbar wurde während Jahren eine
Abweichung vom Territorialprinzip stillschweigend toleriert. Allerdings ergaben sich in
dieser Zeit verschiedene Änderungen, indem beispielsweise Schnellzughalte am
Bahnhof Lichtensteig aufgehoben wurden und dadurch die Erschliessungsfunktion für
Lichtensteig beinträchtigt wurde. Im Jahr 2007 haben die beteiligten Gemeinden einem
Kompromissvorschlag des Amts für öffentlichen Verkehr zugestimmt, wobei die
Gemeinde Lichtensteig diese Zustimmung ausdrücklich nur für ein Jahr abgegeben
hat. Das Amt für öffentlichen Verkehr hat in seiner Mitteilung vom 8. Oktober 2007
ausgeführt, welche Aspekte es in seine Überlegungen einbezogen habe. Es hielt fest,
es würden möglichst wenig Ausnahmen vom Territorialprinzip gemacht. Einer Einigung
unter den Gemeinden werde Vorrang gegeben. Bei der Fahrplangestaltung der Buslinie
Krinau-Lichtensteig würden seit der Fusion der Schulgemeinden Wattwil und Krinau
hauptsächlich die Anliegen dieser politischen Gemeinden berücksichtigt, womit wieder
das Territorialprinzip zur Anwendung kommen sollte. Ausserdem hielt das Amt für
öffentlichen Verkehr fest, es gebe keine gesicherten Zahlen, wie viele Einwohner der
Gemeinden Lichtensteig und Wattwil den Bahnhof Lichtensteig benützen würden. Mit
dem genannten Kompromissvorschlag finanziere immer noch mehrheitlich Lichtensteig
die Bahnhofabfahrten. Ausserdem hielt das Amt für öffentlichen Verkehr fest, der Pro-
Kopf-Beitrag an den Abgeltungen des öffentlichen Regionalverkehrs betrage für das
Jahr 2007 unter Berücksichtigung des neuen Gemeindeschlüssels für Wattwil rund
Fr. 45.--; für Lichtensteig Fr. 62.-- und für Krinau Fr. 82.--.
Bei der Festlegung der Gemeindeanteile 2010 stützte sich das Amt für öffentlichen
Verkehr wiederum auf die von ihm für das Jahr 2007 vorgenommene Aufteilung der
Abfahrten, nämlich bei der Bahnhaltestelle Lichtensteig ein Anteil von einem Viertel
zulasten von Wattwil und von drei Vierteln zulasten von Lichtensteig und bei der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bushaltestelle am Bahnhof in Lichtensteig ein Anteil von einem Viertel zulasten von
Krinau und von drei Vierteln zulasten von Wattwil.
Aufgrund der vom Amt für öffentlichen Verkehr angeführten Kriterien lässt sich die
Aufteilung nicht nachvollziehen. Der Grundsatz des Territorialprinzips ist im Gesetz
verankert, und dass möglichst wenige Ausnahmen von diesem Grundsatz gemacht
werden, sagt an sich gar nichts über die sachgerechte Bestimmung der
Gemeindeanteile aus. Die Bestimmung von Gemeindeanteilen nach Art. 13 der
Verordnung impliziert eine Abweichung vom Territorialprinzip. Der Umstand, dass einer
Einigung unter den Gemeinden Vorrang gegeben wird, sagt ebenfalls nichts über die
Kriterien aus, welche der Kostenteilung zugrunde liegen, wenn die Gemeinden keine
Einigung erzielen. Insbesondere bilden die Vergleichsangebote einzelner Gemeinden
kein sachliches Kriterium, da solche Angebote taktisch motiviert sein können. Die
Erwägungen des Amts für öffentlichen Verkehr zur Buslinie Krinau-Lichtensteig sind im
vorliegenden Streitfall auch nicht nachvollziehbar, da nicht näher ausgeführt wird, in
welchen Punkten dort vom Territorialprinzip abgewichen wurde und welche weiteren
Aspekte berücksichtigt wurden. Nicht nachvollziehbar ist ausserdem, inwiefern die
absolute Höhe des Abgeltungsanteils pro Kopf der Bevölkerung einer Gemeinde für die
Angemessenheit der Aufteilung massgebend sein soll.
Wie erwähnt, sind nach Art. 9 Abs. 1 der Verordnung die Erschliessung und die
Einwohnerzahl massgebend. Die Einwohnerzahlen der Gebiete, die von der
Bahnhaltestelle Lichtensteig erschlossen werden, sind dem Amt für öffentlichen
Verkehr nach eigenem Bekunden unbekannt. Bei einer Abweichung vom
Territorialprinzip müssen die in Art. 9 Abs. 1 der Verordnung festgelegten Kriterien aber
beibehalten werden, ansonsten eine Aufteilung eines Haltepunktes keinen Sinn ergäbe.
Das Amt für öffentlichen Verkehr kommt daher nicht umhin, die Erschliessung der
einzelnen Gemeindeteile und die Einwohnerzahl dieser Gemeindeteile in ihre
Ermittlungen miteinzubeziehen. Der Kompromissvorschlag der Vorinstanz von einem
Viertel zu Lasten von Wattwil und drei Vierteln zu Lasten von Lichtensteig ist aufgrund
der vorliegenden Akten sowie der übrigen tatsächlichen Verhältnisse nicht
nachvollziehbar. Es handelt sich offenbar um eine Art Mittellösung zwischen den
Vorschlägen der Gemeinde Wattwil, welche 20 % zu übernehmen bereit war, und der
Gemeinde Lichtensteig, welche nur zwei Drittel übernehmen wollte. Sachliche, auf den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
örtlichen Gegebenheiten hinsichtlich Erschliessung und Bedeutung des Bahnhofs für
die Erschliessung der Gebiete auf dem Territorium der Gemeinde Lichtensteig
einerseits und dem Territorium der Gemeinde Wattwil anderseits basierende Kriterien
finden sich in der Begründung des Kompromissvorschlags des Amts für öffentlichen
Verkehr nicht. Die Gemeinde Lichtensteig hat zwar im Jahr 2007 der festgelegten
Kostenteilung zugestimmt, allerdings mit einem klaren Vorbehalt, dass die Zustimmung
nur für ein Jahr gelte. In der Folge hat die Gemeinde Lichtensteig erneut eine
transparente Ermittlung der Aufteilung verlangt. Gleichwohl stützte sich das Amt für
öffentlichen Verkehr wiederum auf seine im Jahr 2007 festgelegte Variante, wobei die
Kriterien der Aufteilung weiterhin nicht nachvollziehbar sind.
Die Vorinstanz wendet ein, dass das Territorialprinzip nicht Vorrang habe. Sie beruft
sich darauf, dass nicht Art. 4 EG zum EBG die Grundlage des Territorialprinzips sei,
sondern Art. 10 Abs. 2 Satz 1 der Verordnung, welcher auf der gleichen Normstufe wie
Art. 13 der Verordnung stehe. Dieser Einwand stösst aber ins Leere. Art. 10 Abs. 2 Satz
1 der Verordnung, wonach die Abfahrten auf dem Gemeindegebiet gezählt werden,
regelt die Erschliessung und gründet auf dem Territorialprinzip. Art. 13 der Verordnung
regelt den Ausnahmefall, dass ein Haltepunkt mehreren politischen Gemeinden oder
einer anderen politischen Gemeinde als der Standortgemeinde zugeordnet werden
kann. Dies bedeutet eine Abweichung vom Grundsatz, wonach die Abfahrten vom
Gemeindegebiet gezählt werden, und damit eine Abweichung vom Territorialprinzip.
Weiter trifft es zu, dass das Gesetz und die Verordnung keine Kriterien enthalten, nach
welchen das Volkswirtschaftsdepartement die Zuordnung gestützt auf Art. 13 der
Verordnung vorzunehmen hat. Die Zuordnung ist in der Tat eine Ermessensfrage.
Richtschnur ist dabei die Erschliessung, und zwar hinsichtlich Territorium und
Einwohnerzahl. Dies ergibt sich aus Art. 9 Abs. 1 lit. a und b der Verordnung.
Ausserdem ist das Ermessen nach transparenten Kriterien auszuüben. Insbesondere in
Fällen wie dem vorliegenden, wo hinreichende sachliche Anknüpfungspunkte für die
Ermessensbetätigung bestehen, rechtfertigt es sich nicht, lediglich die nicht
kompatiblen Vergleichsvorschläge der Beteiligten zu interpolieren. Dies bedeutet nicht,
dass die streitige Aufteilung zwingend falsch ist. Die Vorinstanz hält denn auch selber
fest, sie habe eine schematische Lösung angewendet. Die Vorinstanz kommt aber nicht
umhin, auf der Grundlage von sachlichen Elementen festzulegen, welche Kriterien
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
massgebend sind und wie stark sie ins Gewicht fallen. Solange die Kriterien und deren
Gewichtung nicht nachvollziehbar sind, haften dem Ergebnis die Merkmale der Willkür
und der fehlenden Transparenz an.
2.3. Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die
Beschwerde gutzuheissen ist. Der Beschluss der Regierung vom 5. Oktober 2010 ist
aufzuheben, soweit er die Aufteilung der Abgeltung zwischen Wattwil, Lichtensteig und
Krinau für die Bahnhaltestelle und die Bushaltestelle Lichtensteig-Bahnhof zum
Gegenstand hat. Die Angelegenheit ist gestützt auf Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 56 Abs. 2 VRP zur weiteren Feststellung des Sachverhalts und zu neuer
Beurteilung und Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Dies entspricht einer Gutheissung der Beschwerde.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten des Staates (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP).
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen, da politische Gemeinden keinen
Anspruch auf Kostenersatz haben (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 176).
Demnach hat das Verwaltungsgericht