Decision ID: 11fb0caa-a2ff-5f3f-971b-ada13624ccd9
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis auf Probe der Kategorie B am 12. Januar 2016. Dieser
wurde ihm mit Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts des Kantons
St. Gallen vom 23. Januar 2017 wegen einer mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften (unvorsichtiges Überholen und Verursachen eines Unfalls)
für einen Monat entzogen, und zwar vom 27. Januar bis 26. Februar 2017; zudem
wurde die Probezeit um ein Jahr bis 11. Januar 2020 verlängert.
B.- Am 22. August 2018 fuhr X auf der Überholspur der Autobahn A1 in Wil in
Fahrtrichtung Zürich. Als der vorausfahrende Lenker abbremsen musste, konnte X sein
Fahrzeug infolge Nichteinhaltens eines genügenden Abstands beim
Hintereinanderfahren nicht mehr rechtzeitig zum Stillstand bringen und kollidierte
frontal mit dem Heck des vor ihm stehenden Autos. Es entstand an beiden Fahrzeugen
Sachschaden, der von der Polizei auf insgesamt Fr. 11'000.– geschätzt wurde. Wegen
dieses Ereignisses stellte das Strassenverkehrsamt X am 9. November 2018 die
Annullierung des Führerausweises auf Probe in Aussicht und verbot ihm vorsorglich ab
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sofort das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien; einem allfälligen Rekurs
entzog es die aufschiebende Wirkung. Einen gegen den vorsorglichen
Führerausweisentzug erhobenen Rekurs vom 15. November 2018 wies der zuständige
Abteilungspräsident der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK)
am 8. Februar 2019 ab (IV-2018/169 P).
C.- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Gossau vom 13. Februar 2019 wurde X
wegen des Vorfalls vom 22. August 2018 der Verletzung der Verkehrsregeln schuldig
gesprochen und mit einer Busse von Fr. 200.– bestraft. Der Strafbefehl erwuchs
unangefochten in Rechtskraft. Hierauf nahm das Strassenverkehrsamt das
zwischenzeitlich sistierte Verfahren wieder auf und verfügte am 12. März 2019 die
Annullierung des Führerausweises auf Probe. Einem allfälligen Rekurs wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen. Dagegen liess X mit Eingabe seines Rechtsvertreters
vom 26. März 2019 Rekurs bei der VRK erheben. Er beantragte, die Verfügung vom
12. März 2019 sei aufzuheben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Das
Strassenverkehrsamt verzichtete am 12. April 2019 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 26. März 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
bis
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2.- Strittig ist vorliegend, ob das Strassenverkehrsamt den Führerausweis auf Probe als
Folge des Auffahrunfalls vom 22. August 2018 zu Recht annulliert hat.
a) Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird
zunächst auf Probe erteilt. Die Probezeit beträgt drei Jahre (Art. 15a Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Kommt es während der
Probezeit zu einem Entzug des Führerausweises, so wird die Probezeit um ein Jahr
verlängert (Art. 15a Abs. 3 SVG). Mit dem ersten Entzug des Führerausweises ist der
Neulenker gewarnt und es wird von ihm ein besonderes Mass an
Verantwortungsbewusstsein und sorgfältigem, künftigem Fahrverhalten erwartet.
Begeht er während der Probezeit eine zweite Widerhandlung, die zum Entzug des
Ausweises führt, verfällt der Führerausweis auf Probe (Art. 15a Abs. 4 SVG).
b) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn
nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle qualifizierenden
Bestandteile einer schweren Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999
S. 4487). Gemäss Art. 16a Abs. 2 SVG wird der Führerausweis nach einer leichten
Widerhandlung für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den vorangegangenen
zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere Administrativmassnahme
verfügt wurde. Massgebender Zeitpunkt für die Anwendung dieser Rückfallregel ist der
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Tag, an dem der frühere Ausweisentzug ablief (letzter Tag des Vollzugs; vgl.
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Vorbemerkungen zu Art. 16a
bis c N 11). In besonders leichten Fällen wird auf jegliche Massnahme verzichtet
(Art. 16a Abs. 4 SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung hat demgegenüber in jedem
Fall zwingend einen Führerausweisentzug zur Folge (Weissenberger, a.a.O., Art. 16b
N 5).
c) Die Vorinstanz begründet die Annullierung des Führerausweises auf Probe damit,
dass der Rekurrent durch einen ungenügenden Sicherheitsabstand beim
Hintereinanderfahren einen Auffahrunfall verursacht und dadurch eine mittelschwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften begangen habe. Mit dieser
zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des Ausweises führe, verfalle der
Führerausweis auf Probe gemäss Art. 15a Abs. 4 SVG.
d) Dagegen bringt der Rekurrent vor, beim Vorfall vom 22. August 2018 handle es sich
lediglich um einen besonders leichten Fall gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG. Er habe am
22. August 2018 in erster Linie Riesenpech gehabt. Er selber sei nicht zu schnell
gefahren und habe auch keinen zu geringen Abstand eingehalten. Er habe einfach zu
lange nicht realisiert, dass das Fahrzeug vor ihm einen Vollstopp machen müsse. Mit
einem derartigen Manöver des vorausfahrenden Lenkers habe er nicht rechnen
müssen. Er habe es zudem nur um wenige Zentimeter nicht geschafft, das Fahrzeug
bis zum Stillstand abzubremsen. Die Aufprallgeschwindigkeit sei sehr gering gewesen.
Der Airbag sei nicht ausgelöst worden und kein Beteiligter habe sich verletzt. Auch sei
nur geringer Sachschaden am Fahrzeug des Unfallgegners entstanden. Die vom
Staatsanwalt festgesetzte Bussenhöhe von Fr. 200.– spreche in Anbetracht der
Höchstgrenze für Ordnungsbussen von Fr. 300.– (Art. 1 Abs. 2 OBG) klar für einen
besonders leichten Fall gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG. Auch mit Blick auf das dem
ersten Führerausweisentzug zugrundeliegende Ereignis vom 10. Dezember 2016
(unvorsichtiges Überholen und Verursachen eines Verkehrsunfalls) habe er grosses
Pech gehabt und sei beide Male Opfer – zumindest in einem Fall – gravierender
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Fahrfehler anderer Verkehrsteilnehmer geworden. Sein Verschulden und die von ihm
ausgegangene Gefährdung seien beide Male sehr tief gewesen.
e) Dem Rekurrenten wurde der Führerausweis auf Probe während der Probezeit bereits
aufgrund einer mittelschweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
für die Dauer eines Monats vom 27. Januar bis 26. Februar 2017 entzogen, nachdem er
am 10. Dezember 2016 wegen unvorsichtigen Überholens einen Verkehrsunfall
verursacht hatte. Die Probezeit wurde in der Folge bis 11. Januar 2020 verlängert.
Nach rund eineinhalb Jahren seit Wiedererteilung des Führerausweises verursachte der
Rekurrent am 22. August 2018 während der Probezeit auf der Autobahn A1 in Wil in
Fahrtrichtung Zürich einen Auffahrunfall, wobei dieser gemäss Strafbefehl vom
13. Februar 2018 auf das Nichteinhalten eines genügenden Abstands beim
Hintereinanderfahren zurückzuführen war. Im Strafverfahren wurde der Rekurrent
wegen dieses Vorfalls rechtskräftig nach Art. 90 Abs. 1 SVG (einfache Verletzung der
Verkehrsregeln) verurteilt.
f) Wer ein Fahrzeug lenkt, muss gegenüber allen Strassenbenützern einen
ausreichenden Abstand wahren, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim
Neben- und Hintereinanderfahren (Art. 34 Abs. 4 SVG). Die Regel über die Wahrung
eines ausreichenden Abstandes beim Hintereinanderfahren ist von grundlegender
Bedeutung für die Verkehrssicherheit, ist doch deren Missachtung eine häufige
Unfallursache (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_26/2018 vom 15. Juni 2018 E. 5.1
mit Hinweisen). Nach Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11,
abgekürzt: VRV) muss der Fahrzeugführer beim Hintereinanderfahren auch bei
überraschendem oder brüskem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeuges rechtzeitig
halten können. Die Rechtsprechung hat keine allgemeinen Grundsätze entwickelt,
wann selbst bei günstigen Verhältnissen ein ausreichender Abstand gegeben ist. Bei
einer einfachen Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG sind im Sinne von
Faustregeln und Mindestgrundsätzen die Regel "halber Tacho" (entsprechend 1,8 s)
und die Zwei-Sekunden-Regel weiterherum bekannt; danach wäre z.B. bei einer
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Geschwindigkeit von 100 km/h ein Abstand von mindestens 50 bzw. 55 m einzuhalten
(vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 34 N 56 ff.).
g) aa) Unbestrittenermassen verursachte der Rekurrent am 22. August 2018 einen
Auffahrunfall. Dieser ereignete sich auf der Autobahn A1 kurz nach der
Autobahnauffahrt Wil in Fahrtrichtung Zürich. Der Polizeibericht vom 25. Oktober 2018
enthält zu den Geschwindigkeiten keine eindeutigen Angaben. Vor der ersten
Bremsung wird darin von Geschwindigkeiten von 90 bis 120 km/h ausgegangen und
bei der zweiten ("Schikanestopp" durch ein nicht unmittelbar vorausfahrendes
Fahrzeug) von ungefähr 60 bis 80 km/h (act. 9/12). Wie hoch letztlich die
Geschwindigkeit des Fahrzeugs des Rekurrenten war, als dieser ins Heck des
Fahrzeugs vor ihm prallte, geht auch aus den übrigen Akten nicht hervor und muss
offenbleiben. Die von der Kantonspolizei geschätzte Schadenhöhe von Fr. 11'000.– hilft
diesbezüglich auch nicht weiter, denn daraus lässt sich die Geschwindigkeit nicht
zuverlässig ableiten. Das Bundesgericht bejahte bereits bei Aufprallgeschwindigkeiten
zwischen ca. 10 und 15 km/h – auch ohne tatsächlichen Personenschaden – eine
konkrete Gefährdung des Unfallgegners und bestätigte im Ergebnis eine mittelschwere
Widerhandlung. Schon bei einer solchen Geschwindigkeit bestehe die ernsthafte
Gefahr, dass die durch den Stoss auf das Heck des vorderen Fahrzeugs bewirkte hohe
Rückwärtsbeschleunigung auf die Halswirbelsäule der betroffenen Fahrzeuginsassen
zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden führen könne (BGer 1C_575/2012 vom
5. Juli 2013 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen). Selbst wenn die Aufprallgeschwindigkeit
unter 10 km/h gelegen haben sollte, müsste vorliegend aber immerhin noch von einer
geringen Gefährdung im Sinn der leichten Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG ausgegangen werden. Auch ohne Personenschäden ist in der vorliegenden
Auffahrkollision eine nicht mehr nur abstrakte Gefährdung zu sehen. Eine solche wäre
allenfalls in Bezug auf die weiteren Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn zu erkennen,
wobei auch diese – mit Blick auf die gefahrenen Geschwindigkeiten – durchaus als
erhöht anzusehen wäre. Aufgrund des Ausmasses der verursachten
Gefährdungssituation ist ein besonders leichter Fall nach Art. 16a Abs. 4 SVG zu
verneinen. Von einer Annullierung des Führerausweises auf Probe könnte somit nur
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noch abgesehen werden, wenn dem Rekurrenten kein Verschulden vorgeworfen
werden könnte.
bb) Gemäss Art. 12 Abs. 1 VRV hat der Fahrzeugführer einen ausreichenden Abstand
einzuhalten, damit er auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden
Fahrzeugs rechtzeitig halten kann. Der Rekurrent kann sich nicht darauf berufen, er
habe die Situation weniger gut als sein Vorfahrer beurteilen können. Vielmehr ist
massgebend, dass mit Bezug auf das (unmittelbar) vorausfahrende Auto angehalten
werden können muss. Im Kolonnenverkehr muss damit gerechnet werden, dass
vorausfahrende Fahrzeuge ein überdurchschnittliches Bremsvermögen, insbesondere
ein grösseres als das eigene, aufweisen oder diese unversehens anhalten könnten
(Weissenberger, a.a.O., Art. 34 N 57 mit Hinweis auf BGE 91 IV 14). Für die Einhaltung
des angemessenen Abstandes hat der Fahrer des hinteren Fahrzeugs zu sorgen.
Dieser kann die vor ihm liegende Verkehrssituation ohne Schwierigkeiten überblicken,
womit er es auch in der Hand hat, seine Geschwindigkeit den Umständen anzupassen
und dadurch einen situationsgerechten Abstand herzustellen oder einzuhalten und eine
Behinderung oder Gefährdung der weiteren Verkehrsteilnehmer, insbesondere des
Vorausfahrenden, zu vermeiden (BGer 1C_26/2018 vom 15. Juni 2018 E. 5.1 mit
Hinweisen). Den weiteren Verkehrsteilnehmern ist es zudem – wenn vielleicht auch nur
durch glückliche Umstände – gelungen, rechtzeitig abzubremsen. Soweit die kritische
Verkehrsentwicklung zwischen den beiden vor ihm fahrenden Autos für den
Rekurrenten erkennbar war – gemäss eigenen Angaben habe er gesehen, wie sich die
beiden Fahrzeuglenker vor ihm stritten (act. 9/21) –, wäre er verpflichtet gewesen, dass
er den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug vergrössert. Umso mehr, wenn es
unmittelbar zuvor bereits zu einer unerwarteten Abbremsung gekommen und ihm die
Lücke zwischen den vorausfahrenden Fahrzeugen als "mega eng" aufgefallen war
(act. 9/23). Auch der stockende Feierabendverkehr (vgl. act. 9/21 f.) hätte ihn zum
Verlangsamen der Geschwindigkeit veranlassen sollen oder zumindest dazu, eine
erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen. Im Wissen um die vorgenannten Umstände
hat der Rekurrent den ungenügenden Abstand zum Vordermann jedoch gleichwohl
gehalten (act. 9/23), anstatt diesen zu vergrössern. Selbst wenn der Rekurrent vom
Zwist der beiden Fahrzeuglenker vor ihm nichts mitgekommen hätte, hätte er anhalten
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können müssen. Weshalb das Fahrzeug vor ihm bremste, spielt dabei keine Rolle; denn
Anlass zum Bremsen hätte etwa auch sein können, dass das Fahrzeug wegen eines
Tieres oder eines Gegenstands auf der Fahrbahn abbremst. Daran änderte letztlich
nichts, wenn anstelle eines ungenügenden Sicherheitsabstands eine mangelhafte
Aufmerksamkeit angenommen würde. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist
deshalb zumindest von einem leichten Verschulden auszugehen. Der Sachverhalt
ergibt sich genügend klar aus den Akten und den Eingaben des Rekurrenten; auf die
beantragte Befragung des Rekurrenten, des Unfallgegners, eines Unfallbeobachters
und des das Strafverfahren gegen den Fahrzeuglenker vor dem Unfallgegner leitenden
Staatsanwalts kann verzichtet werden.
3.- Ob dem Rekurrenten im Zusammenhang mit dem Auffahrunfall eine mittelschwere
Widerhandlung vorzuwerfen ist, erscheint hingegen fraglich. Eine strafrechtliche
Verurteilung wegen einfacher Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG lässt
auch Raum für die Annahme einer leichten Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 90 N 24). Selbst wenn von einer leichten
Widerhandlung ausgegangen würde, wäre dem Rekurrenten damit aber nicht geholfen.
Eine solche hat aufgrund der Rückfallregel ebenfalls einen erneuten Entzug zur Folge
und führt gestützt auf Art. 15a Abs. 4 SVG zum Verfall des Führerausweises auf Probe.
Die Beurteilung der Schwere der Widerhandlung kann letztlich aber offenbleiben, da es
sich mit dem Verfall gemäss Art. 15a Abs. 4 SVG so verhält, wie wenn gar nie ein
Führerausweis erteilt worden wäre (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 15a N 19).
Entgegen der Auffassung des Rekurrenten vermag auch die Kritik an der Beurteilung
des ersten Vorfalls vom 10. Dezember 2016 am Ergebnis nichts zu ändern. Jene
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft und kann in diesem Verfahren nicht
mehr überprüft werden. Dementsprechend sind die in diesem Zusammenhang
gestellten Beweisanträge abzuweisen. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
4.- Mit der Annullierung des Führerausweises auf Probe soll sichergestellt werden,
dass der Rekurrent ohne Nachweis seiner Fahrfähigkeit zum Schutz der Sicherheit der
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übrigen Verkehrsteilnehmer keine Motorfahrzeuge lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet,
würde ihm der Führerausweis während eines Beschwerdeverfahrens wiedererteilt.
Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende
Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 VRP).