Decision ID: a3e38279-b2bf-5493-8db9-408381b7d2ba
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Am 17. März 2020 meldete der Verein A._ Kurzarbeit ab 17. März 2020 für
27 von der Kurzarbeit betroffene Mitarbeitende an. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit
verfügte am 1. April 2020, sofern die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien,
könne die Arbeitslosenkasse ab 20. März 2020 Kurzarbeitsentschädigung ausrichten
(vgl. act. G3.14). Mit Schreiben vom 23. April 2020 teilte die Kantonale
Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Kasse) A._ mit, sein Antrag auf
Kurzarbeitsentschädigung für den Monat März 2020 sei unvollständig. Der
Handelsregisterauszug sowie die gesamten Sollstunden und die gesamte Lohnsumme
ohne Ausfall würden fehlen. Sie forderte ihn auf, die vollständigen Unterlagen erneut
und gesamthaft zuzustellen. Der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung müsse
innerhalb von drei Monaten geltend gemacht werden. Er verwirke für den Monat März
2020, wenn er nicht bis spätestens Ende Juni 2020 geltend gemacht werde
(act. G3.15).
A.a.
Mit Schreiben vom 22. Juli 2020 teilte die Kasse A._ mit, sein im Juni 2020
neuerlich eingereichter Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung für den Monat März 2020
(act. G3.9) sei unvollständig. Die Lohnjournale sowie die Übersicht der Arbeitszeit
nachweise (Soll-, Ist- und Ausfallstunden) aller 27 anspruchsberechtigten
Mitarbeitenden würden fehlen. Der Anspruch für den Monat März 2020 verwirke, wenn
diese Unterlagen nicht bis spätestens 5. August 2020 nachgereicht würden
(act. G3.13).
A.b.
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B.
Am 28. August 2020 reichte A._ einen neuerlichen Entschädigungsantrag für
den Monat März 2020 mit ergänzten Unterlagen ein mit dem Hinweis, dass von
27 Mitarbeitenden neun nicht AHV-pflichtig und somit nicht anspruchsberechtigt seien
(act. G3.8 und G3.9).
A.c.
Mit Verfügung vom 14. Oktober 2020 lehnte die Kasse das Gesuch um
Kurzarbeitsentschädigung für die Abrechnungsperiode März 2020 ab, da die Frist zur
Geltendmachung des Anspruchs abgelaufen sei und die Unterlagen nicht innert der
gesetzten Nachfrist eingegangen seien (act. G3.10).
A.d.
Am 29. Oktober 2020 erhob A._ gegen diese Verfügung Einsprache. Er habe die
Abrechnung von Kurzarbeit für die Abrechnungsperiode März 2020 am 19. Juni 2020
fristgerecht bei der Kasse eingereicht. Am 22. Juli 2020, also einen Monat nach seiner
Einreichung der Abrechnung, habe die Kasse zusätzliche Unterlagen verlangt. A._
habe bei der Post ein Vereinspostfach eröffnen müssen. Dabei werde ein Empfänger
hinterlegt und die Post an diesen weitergeleitet. Bei A._ sei der aktuelle Co-Präsident
B._ dieser Empfänger. Ihm sei das Schreiben der Kasse erst am 27. Juli 2020
weitergeleitet worden. Er sei aber vom 25. Juli bis zum 8. August 2020 im
Sommerurlaub gewesen. Bei einem Vereinspostfach könne die Post nicht durch ein
anderes Mitglied abgeholt werden. Aus diesem Grund habe A._ der Aufforderung der
Kasse erst am 27. August 2020 nachkommen können (act. G3.7).
A.e.
Mit Entscheid vom 24. November 2020 wies die Kasse die Einsprache ab. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Eingabe des Beschwerdeführers sei
mangelhaft bzw. unvollständig gewesen und nicht innert der angesetzten Frist
nachgebessert worden. Eine Fristwiederherstellung sei ausgeschlossen, da der
Beschwerdeführer Vorkehrungen hätte treffen können, um eine fristwahrende Eingabe
der Nachbesserung zu gewährleisten (act. G3.3).
A.f.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhebt A._ am 30. Dezember 2020
Beschwerde. Er beantragt sinngemäss die Zusprache von Kurzarbeitsentschädigung
für den Monat März 2020. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, die
Beschwerdegegnerin habe jeweils sehr spät reagiert und keine korrekte Postanschrift
B.a.
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Erwägungen
1.
verwendet, weshalb ihre Korrespondenz verspätet beim Beschwerdeführer eingetroffen
sei. Der Vorstand des Beschwerdeführers arbeite ohne Entschädigung und habe im
Jahr 2020 grosse Herausforderungen bewältigen müssen. Es habe immer wieder
geheissen, die Abwicklung der Kurzarbeitsentschädigung werde schnell und
unbürokratisch erfolgen. Jetzt werde der Beschwerdeführer bestraft, weil er die Fristen
nicht eingehalten habe. Er sei seinen Arbeitnehmenden zur Lohnfortzahlung
verpflichtet. Die Kurzarbeitsentschädigung sei von essentieller Bedeutung für den
Verein (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 19. Januar 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin
unter Verweis auf den Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G3).
B.b.
Wer eine Versicherungsleistung beansprucht, hat sich beim zuständigen Ver
sicherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung gültigen Form anzumelden
(Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Wird eine Anmeldung nicht formgerecht
eingereicht, so ist der anmeldenden Person eine Nachfrist zur Verbesserung
anzusetzen und ihr sind die Folgen der Nichtverbesserung anzudrohen. Erfolgt die
Nachbesserung fristgerecht, so ist für den Antrag der Zeitpunkt massgebend, in dem
die ursprüngliche nicht formgerechte Eingabe erfolgte (vgl. Art. 29 Abs. 3 ATSG und
Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 29 N 41).
1.1.
Der Arbeitgeber macht den Anspruch seiner Arbeitnehmenden auf Kurzarbeits
entschädigung innert dreier Monate nach Ablauf jeder Abrechnungsperiode gesamthaft
für den Betrieb bei der von ihm bezeichneten Kasse geltend (Art. 38 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Er reicht der Kasse namentlich die für die
weitere Beurteilung der Anspruchsberechtigung und die Berechnung der
Entschädigung erforderlichen Unterlagen ein (Art. 38 Abs. 3 lit. a AVIG). Die Kasse kann
wenn nötig weitere Unterlagen verlangen (vgl. Art. 38 Abs. 3 am Ende AVIG).
1.2.
Bei der Dreimonatsfrist nach Art. 38 Abs. 1 AVIG handelt es sich nicht um eine
blosse Ordnungsvorschrift, sondern um eine Verwirkungsfrist. Sie beginnt nach Ablauf
der jeweiligen Abrechnungsperiode (Barbara Kupfer Bucher, Rechtsprechung des
1.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/9
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Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2019, S. 292 f.). Die Frist zur
Geltendmachung ist nur gewahrt, wenn die Kurzarbeitsentschädigung in der durch
Art. 38 Abs. 3 AVIG vorgeschriebenen Form innert drei Monaten nach Ende der
Abrechnungsperiode beansprucht wird, was beinhaltet, dass der Arbeitgeber der
Kasse die Unterlagen gemäss Art. 38 Abs. 3 lit. a AVIG innert dieser Frist einreicht.
Andernfalls erlöscht der Anspruch. Die Beweislast für die Fristwahrung trägt der
Arbeitgeber (vgl. Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in SBVR, Bd. XIV,
3. Aufl., Basel/Genf/München 2016, Rz 523; Gerhard Gerhards, AVIG-Kommentar,
Bd. I, Art. 38-39 Rz 26 f.).
Macht ein Arbeitgeber den Entschädigungsanspruch innert dreier Monate geltend,
ohne alle notwendigen Unterlagen einzureichen, setzt die Arbeitslosenkasse ihm eine
angemessene Frist zur Vervollständigung mit dem Hinweis, dass der Anspruch erlischt,
wenn die Vervollständigung nicht bis zum Ablauf der dreimonatigen Verwirkungsfrist
erfolgt. Erfolgt die Geltendmachung kurz vor Ablauf der dreimonatigen
Verwirkungsfrist, setzt die Arbeitslosenkasse für eine allfällige Vervollständigung der
Unterlagen eine angemessene Frist an, die über die Verwirkungsfrist hinausgehen kann
(Kreisschreiben des Seco, AVIG-Praxis KAE, I7).
1.4.
Die Länge der Nachfrist ist nach der zu erfüllenden Voraussetzung zu bestimmen,
das heisst danach, wie viel Zeit allgemein benötigt wird, um die entsprechende
Handlung vorzunehmen. Dabei ist das Gebot der Verfahrensbeschleunigung und der
Rechtsgleichheit zu beachten. Gemäss Kieser wird bei Rechtsmitteln in der Regel eine
Frist von zehn Tagen angesetzt (vgl. Ueli Kieser, a.a.O., Art. 40 N 16 und Art. 61 N 99).
1.5.
Für die Dauer der Gerichtsferien (Art. 38 Abs. 4 ATSG) stehen die nach Tagen oder
Monaten bestimmten Fristen still. Der Fristenstillstand erfasst nebst den gesetzlichen
Fristen grundsätzlich auch behördliche Fristen, namentlich Nachfristen. Er gilt jedoch
nicht, wenn für den Fristablauf ein festes Datum (Termin) genannt wird (vgl. Kieser,
a.a.O., Art. 38 N 6 f. und N 35; Alfred Kölz/Isabelle Häner/Martin Bertschi,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013,
Rz 585).
1.6.
Die Wiederherstellung einer versäumten Frist für die Geltendmachung eines
Anspruchs auf Kurzarbeitsentschädigung ist möglich, wenn entschuldbare Gründe für
das Versäumnis nachgewiesen werden. Unverschuldet ist ein Versäumnis, wenn dafür
objektive Gründe vorliegen und der Partei keine Nachlässigkeit vorgeworfen werden
kann. Eine objektive Unmöglichkeit, die nicht in einer Nachlässigkeit begründet liegt, ist
beispielsweise bei derart schwerer Krankheit gegeben, dass die betroffene Person von
1.7.
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2.
der Rechtshandlung abgehalten wird und auch nicht in der Lage ist, eine Vertretung zu
bestellen, während blosse Ferienabwesenheit oder Arbeitsüberlastung nicht genügen,
ebenso wenig wie Rechtsunkenntnis im Zusammenhang mit Meldefristen. Es müssen
somit Gründe vorliegen, welche der Partei auch bei Aufwendung der üblichen Sorgfalt
die Wahrung ihrer Interessen verunmöglicht oder unzumutbar erschwert hätten. Dabei
ist ebenso zu prüfen, ob ein Fristerstreckungsgesuch hätte eingereicht werden können.
Die Rechtsprechung ist in Bezug auf die Fristwiederherstellung restriktiv (vgl. Kölz/
Häner/Bertschi, a.a.O., Rz 587 f., und Kupfer Bucher, a.a.O., S. 293).
Vorliegend ist unstreitig und ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer
den Anspruch seiner Arbeitnehmenden auf Kurzarbeitsentschädigung für den Monat
März bis spätestens 30. Juni 2020 geltend machen musste (Art. 38 Abs. 1 AVIG).
Entgegen seiner Ansicht (vgl. act. G3.7) genügte es jedoch nicht, lediglich das Formular
"Antrag und Abrechnung von Kurzarbeitsentschädigung" sowie eine
Zusammenstellung zu den Sollstunden der wirtschaftlich bedingten Ausfallstunden
sowie zur Lohnsumme der von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeitenden einzureichen, um
diese Frist zu wahren. Der Beschwerdeführer musste vielmehr bis Ende Juni 2020
sämtliche zur Prüfung dieses Antrags notwendigen Unterlagen einreichen (Art. 38
Abs. 3 AVIG). Die Beschwerdegegnerin hatte den Beschwerdeführer schon mit ihrem
Schreiben vom 23. April 2020 darauf hingewiesen, dass der Anspruch verwirke, wenn
er nicht bis Ende Juni 2020 geltend gemacht werde (siehe act. G3.15). Dem
Beschwerdeführer hätte deshalb klar sein müssen, dass die Einreichung des
Antragsformulars zur Fristwahrung nicht genügte. Zu den notwendigen Unterlagen
gehörten auch jene über die Soll-, Ist- und Ausfallstunden aller Arbeitnehmenden, da
die Beschwerdegegnerin den Anspruch sonst nicht prüfen konnte. Demnach konnte
der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung auch dadurch verwirken, dass der
Beschwerdeführer zwar fristgerecht einen Antrag stellte, diesem jedoch die Unterlagen
betreffend Soll-, Ist- und Ausfallstunden aller Arbeitnehmenden und die Lohnjournale
nicht beilegte (vgl. E. 1.3 vorstehend).
2.1.
Indem der Beschwerdeführer seinem Antrag nicht alle erforderlichen Unterlagen
beilegte, war seine Eingabe unvollständig und erfüllte die Formerfordernisse damit
nicht. Die Beschwerdegegnerin setzte ihm deshalb eine Nachfrist zur Vervollständigung
des Antrags. Da die unvollständige Eingabe vor Ende Juni 2020 erfolgte, die Nachfrist
aber nach Ende der Dreimonatsfrist gesetzt wurde, ging sie über diese Verwirkungsfrist
hinaus (vgl. E. 1.1 und 1.4 vorstehend). Zwar erfolgte die Nachfristansetzung in den
Gerichtsferien (Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG, 15. Juli bis 15. August; Sommerferienzeit). Da
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/9
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3.
die Beschwerdegegnerin jedoch keine Frist in Tagen ansetzte, sondern für die
Nachbesserung des Antrags einen fixen Termin (5. August 2020) bestimmte, ist dieses
Datum der letzte Tag für eine fristwahrende Eingabe. Ein Fristenstillstand während der
Gerichtsferien fand nicht statt (vgl. E. 1.6 vorstehend).
Bei Zustellung der per A-Post versendeten Fristansetzung vom 22. Juli 2020 am
Folgetag hatte der Beschwerdeführer eine Frist von 13 Tagen zur Verfügung, also eine
leicht längere Frist als gemäss Kieser gemäss kantonaler Praxis im
Rechtsmittelverfahren in der Regel angesetzt wird (vgl. E. 1.5 vorstehend). Zwar macht
der Beschwerdeführer geltend, er habe die von der Beschwerdegegnerin geforderten
Unterlagen zuerst noch erstellen müssen, was Zeit in Anspruch genommen habe. Dem
muss jedoch entgegengehalten werden, dass die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer bereits im April 2020 aufforderte, die gesamten Sollstunden und die
gesamte Lohnsumme ohne Ausfall zu deklarieren (vgl. act. G3.15). Der
Beschwerdeführer musste für die hier interessierende Abrechnungsperiode demnach
nur noch die Lohnjournale sowie die Übersicht der Arbeitszeitnachweise für die
Abrechnungsperiode März 2020 zusammenstellen, sodass der Aufwand sich in
Grenzen hielt. Dafür erscheint eine Frist von 13 Tagen unter den konkreten Umständen
als angemessen und der von der Beschwerdegegnerin angesetzte Termin vertretbar.
2.3.
Indem der Beschwerdeführer die verlangten Unterlagen nicht innert der
angesetzten Nachfrist bis 5. August 2020 einreichte, ist der Anspruch auf
Kurzarbeitsentschädigung für seine Arbeitnehmenden für die Abrechnungsperiode
März 2020 somit verwirkt.
2.4.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Beschwerdegegnerin habe eine falsche
Adresse verwendet, sodass die Zustellung verzögert worden sei. Eine verzögerte
Zustellung ist indes aus den Akten nicht ersichtlich. Die Beschwerdegegnerin hat ihr
Schreiben vom 22. Juli 2020 an A._ adressiert und mit den korrekten Angaben des
Postfachs, der Postleitzahl und der Ortschaft versehen (vgl. act. G3.13). Demnach
sollte es am 23. Juli 2020 im Postfach des Beschwerdeführers eingetroffen sein.
3.1.
Selbst wenn das Schreiben vom 22. Juli 2020, wie der Beschwerdeführer geltend
macht (act. G3.9), erst am 27. Juli 2020 bei ihm eingetroffen wäre, wären ihm noch
neun Tage Zeit verblieben, um die angeforderten Unterlagen fristgerecht einzureichen
oder zumindest eine Fristerstreckung zu beantragen (vgl. E. 1.7 vorstehend).
3.2.
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4.