Decision ID: b0113652-5670-51f4-b644-2d9bda0b7f6a
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rentenrevision / berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 19_, meldete sich am 28. September 2000 unter Hinweis auf
einen Unfall zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-
act. 35). Er gab an, keinen Beruf erlernt und in den Jahren 1995–1999 auf dem Bau
gearbeitet zu haben. Im Auftrag der Suva erstattete die Klinik Valens am 2. Oktober
2002 ein interdisziplinäres Gutachten (IV-act. 22; vgl. auch IV-act. 23 und 29). Die
Fachärzte führten aus, der Versicherte habe im Jahr 1999 zuerst einen Arbeitsunfall
erlitten, bei dem er sich den rechten Daumen gequetscht habe. Im Verlauf sei es zu
Komplikationen (Infektion, Morbus Sudeck) gekommen. Im selben Jahr habe der
Versicherte dann auch noch einen Verkehrsunfall erlitten, bei dem er sich unter
anderem eine Kopfverletzung zugezogen habe. In der Folge habe sich insbesondere
ein diffuses Schmerzsyndrom entwickelt. Die Schmerzen im Bereich des rechten
Daumens seien durch die Unfallfolgen erklärbar. Für die übrigen, diffusen Beschwerden
liege zwar insofern ein organischer Kern vor, als diese teilweise mit dem
pathophysiologischen Konzept der zentralen Sensitisation erklärt werden könnten.
Hauptsächlich seien sie aber als psychiatrischer Genese zu qualifizieren. Es seien
insbesondere eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ein chronisches cervico-vertebrales und
cervico-spondylogenes Syndrom sowie ein chronisches Schmerzsyndrom im Bereich
des rechten Daumens diagnostiziert worden. Dem Beschwerdeführer seien
grundsätzlich sämtliche Tätigkeiten, bei denen er die rechte Hand nur wenig und
möglichst ohne Kraftanwendungen einsetzen müsse, zeitlich und sachlich ohne
Einschränkungen zumutbar. Die schwere depressive Episode habe aber eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten zur Folge. Mit einer Verfügung
vom 27. Februar 2003 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine ganze Invalidenrente
mit Wirkung ab dem 1. März 2000 zu (IV-act. 30).
A.b Am 31. Mai 2010 füllte der Versicherte einen Fragebogen zur Überprüfung des
Rentenanspruchs, den ihm die IV-Stelle zugesandt hatte, aus (IV-act. 83). Er gab an,
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sein Gesundheitszustand habe sich nicht wesentlich verändert. Sein Hausarzt, Dr. med.
B._, bestätigte am 12. Juni 2010 (IV-act. 84), dass der Gesundheitszustand stationär
geblieben sei. Am 2. Juli 2010 forderte Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD) die Sachbearbeiterin der IV-Stelle auf, dem Versicherten
ergänzende Fragen zu einer allfälligen psychiatrischen bzw. psychotherapeutischen
Behandlung zu stellen (IV-act. 85). Auf diese Fragen (vgl. IV-act. 86) antwortete der
Versicherte wenige Tage später, er habe sich nie psychiatrisch behandeln lassen (IV-
act. 87). Daraufhin empfahl der RAD-Arzt Dr. C._ die Durchführung einer
persönlichen Untersuchung durch den RAD (IV-act. 89). Am 2. November 2010
untersuchte der RAD-Arzt Dr. med. D._ den Versicherten psychiatrisch. In seinem
Untersuchungsbericht vom 3. Dezember 2010 hielt er fest (IV-act. 91), er habe keine
psychiatrische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert. Der
Versicherte leide an einer Dysthymia, an einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren, an einer Migräne sowie unter einem
Schmerzmittelabusus. Die von der psychiatrischen Consiliargutachterin der Klinik
Valens diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung sei im Gutachten weder mit
schwerwiegenden psychosozialen Umständen noch mit einem unlösbar erscheinenden
innerseelischen Konflikt begründet worden. Obwohl die Gutachter eine konsequente
psychiatrische Behandlung und eine Nachuntersuchung nach zwei Jahren empfohlen
hätten, sei nach der Rentenzusprache weder das eine noch das andere umgesetzt
worden. Jedenfalls habe in der RAD-Untersuchung – im Gegensatz zur Untersuchung
im Jahr 2002 – keine eine Arbeitsunfähigkeit begründende Diagnose gestellt werden
können. Es bestehe auch kein depressiver Leidensdruck hin zu einer therapeutischen
Intervention. Eine schwere depressive Störung bestehe aktuell nicht und habe, soweit
zurück verfolgbar, auch in den vergangenen Jahren nicht bestanden. Aus psychiatri
scher Sicht sei der Versicherte für sämtliche leichten und mittelschweren körperlichen
Tätigkeiten ohne besondere Gebrauchsfunktion des rechten Daumens (feinmotorische
Tätigkeiten), aus wechselnder Ausgangslage, ohne Zwangshaltung des Rückens, ohne
häufiges Bücken, Tragen und Heben von schweren Lasten und ohne feststehende
Arbeitszeiten vollständig arbeitsfähig. Allerdings empfehle sich eine consiliarische
Beurteilung der Daumenfunktion rechts durch einen Facharzt. Aus therapeutischen
Überlegungen empfehle sich sodann ein vorgeschaltetes Arbeitstraining mit einem
Pensum von 50 Prozent, einer darauf folgenden Eingliederung in den ersten
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Arbeitsmarkt und einer langsamen Steigerung des Pensums auf 100 Prozent innerhalb
eines halben Jahres. Der RAD-Arzt Dr. C._ bezeichnete den Untersuchungsbericht
am 8. Dezember 2010 als umfassend, kohärent und widerspruchsfrei (IV-act. 93) und
hielt am 14. Februar 2011 dafür, keine ergänzenden Abklärungen betreffend die
Daumenfunktion rechts mehr durchzuführen (IV-act. 98). Mit einem Vorbescheid vom
4. April 2011 (IV-act. 101) teilte die IV-Stelle dem Versicherten deshalb mit, dass sie
plane, die Invalidenrente aufzuheben.
A.c Dagegen liess der Versicherte am 24. Mai 2011 einwenden (IV-act. 107), der
Untersuchungsgrundsatz verpflichte die IV-Stelle, eine ergänzende handchirurgische
Untersuchung durchzuführen. Hinsichtlich der psychischen Beschwerden liege
lediglich eine unterschiedliche Beurteilung eines unveränderten Sachverhaltes vor, die
eine Anpassung der Rente nicht rechtfertige. Sodann sei das Valideneinkommen falsch
festgelegt worden. In der rentenzusprechenden Verfügung der Suva sei von einem
Einkommen von 59’960 Franken ausgegangen worden. Darauf sei, unter
Berücksichtigung der Lohnentwicklung während der letzten zwölf Jahre, abzustellen.
Dem Versicherten sei ein geeigneter Arbeitsplatz für die vom RAD vorgeschlagene
Eingewöhnung in den Arbeitsprozess zuzuweisen. Schliesslich sei eine polydisziplinäre
Begutachtung durchzuführen. In der Folge beauftragte die IV-Stelle Dr. med. E._,
Fachärztin FMH für Chirurgie und Handchirurgie, den Versicherten fachärztlich zu
untersuchen. Dr. E._ teilte am 27. September 2011 mit (IV-act. 114), im Vergleich
zum Gutachten der Klinik Valens aus dem Jahr 2002 sei die Daumenfunktion in etwa
gleich geblieben. Eine angepasste Tätigkeit sollte dem Versicherten im Umfang von 80
Prozent zumutbar sein. Er könne den rechten Daumen nicht mehr länger dauernd mit
Kraft einsetzen. Auch die Feinmotorik und die Belastbarkeit der rechten Hand seien
insgesamt vermindert. Am 6. Oktober 2011 führte der RAD-Arzt Dr. med. F._ aus (IV-
act. 115), der Bericht von Dr. E._ überzeuge. Dennoch sei seines Erachtens von einer
Arbeitsfähigkeit von 100 Prozent für adaptierte Tätigkeiten auszugehen. Es könne im
Übrigen keine Rede davon sein, dass der RAD-Arzt Dr. D._ dieselben psychischen
Beschwerden lediglich anders beurteilt habe als die Klinik Valens. Mit einem weiteren
Vorbescheid vom 8. Dezember 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-
act. 119), sie sehe weiterhin vor, die Invalidenrente aufzuheben. Sie ging neu von einem
höheren Valideneinkommen von 54’057 Franken (statt 51’691 Franken) und von einem
tieferen Invalideneinkommen von 45’408 Franken (statt 51’691 Franken) aus, was aber
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lediglich einen Invaliditätsgrad von 16 Prozent ergab. Zur Begründung führte sie aus,
dass für die Ermittlung des Valideneinkommens von jenem gemäss der leis
tungszusprechenden Verfügung auszugehen sei (allerdings angepasst an die
zwischenzeitliche Nominallohnentwicklung), dass für die Ermittlung des
Invalideneinkommens von einer Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent auszugehen sei und
dass hinsichtlich der Eingewöhnung in den Arbeitsprozess bei Interesse ein Anspruch
auf Arbeitsvermittlung bestehe. Dagegen liess der Versicherte am 3. Januar 2012
einwenden (IV-act. 127), es sei nicht nachvollziehbar, weshalb bei einer Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit von 20 Prozent ein Invaliditätsgrad von 16 Prozent resultiere.
Weder bezüglich des Daumens noch bezüglich der psychischen Beschwerden sei
dargelegt worden, inwiefern sich der Gesundheitszustand seit der Rentenzusprache
relevant verändert haben sollte. Am 6. Januar 2012 verfügte die IV-Stelle die
Aufhebung der Invalidenrente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung
folgenden Monats, also per Ende Februar 2012 (IV-act. 128).
B.
B.a Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 27. Januar
2012 (Postaufgabe) eine Beschwerde erheben (act. G 1). Er liess die Weiterausrichtung
der bisherigen Rente, insbesondere bis Ende Februar 2012 („wie ... in der
angefochtenen Verfügung auch zugesichert“), eventualiter die Durchführung einer
polydisziplinären Abklärung und die Gewährung beruflicher Massnahmen
(„insbesondere Beihilfe zur Wiedereingliederung“) beantragen. Zur Begründung liess er
im Wesentlichen ausführen, die Beschwerdegegnerin habe die Rentenleistungen
bereits im April 2011 eingestellt, obwohl diese gemäss der angefochtenen Verfügung
bis Ende Februar 2012 auszurichten seien. In materieller Hinsicht habe sie der
Daumenproblematik zu wenig Rechnung getragen; die Beschwerden schränkten die
Arbeitsfähigkeit für praktisch sämtliche Tätigkeiten erheblich ein, weil der Daumen bei
jeglicher Tätigkeit von eminenter Bedeutung sei. Nach wie vor sei nicht bewiesen, dass
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Rentenzusprache
relevant verändert habe. Nötigenfalls sei eine neutrale Begutachtung durchzuführen.
Der RAD-Psychiater habe unter anderem nicht herausgefunden, dass der
Beschwerdeführer unter einer krankhaften Spielsucht leide und seine Familie ins
Verderben gestürzt habe. Die Spielschulden beliefen sich mittlerweile auf mehr als
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200’000 Franken. Der Psychiater habe also offenbar die wesentlichen Probleme nicht
erfassen können. Weiter sei das Valideneinkommen zu korrigieren; es müsse mehr als
60’000 Franken betragen. Die Beschwerdegegnerin habe auch Hand für eine berufliche
Wiedereingliederung zu bieten. Seiner Beschwerdeschrift liess der Beschwerdeführer
einen Auszug aus dem Betreibungsregister beilegen (act. G 1.1.3).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. März 2012 die Abweisung der Be
schwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, die Rente sei irrtümlich bereits per
Ende Mai 2011 eingestellt worden. Dieser Fehler sei mittlerweile behoben worden; mit
einer Verfügung vom 24. Januar 2012 sei eine Nachzahlung für die Monate Juni 2011
bis und mit Februar 2012 angeordnet worden. Im Übrigen sei die Beschwerde aber
unbegründet. Aus dem Bericht des RAD-Arztes Dr. D._ gehe hervor, dass sich der
psychische Zustand des Beschwerdeführers wesentlich verbessert habe.
Eingliederungsmassnahmen seien im Zusammenhang mit der Aufhebung der Rente
nicht angezeigt gewesen, da ein entsprechender Anspruch rechtsprechungsgemäss
nur für mindestens 55 Jahre alte Versicherte oder nur für solche, die die Rente während
mindestens 15 Jahren bezogen haben, bestehe. Auch wenn die Vergleichseinkommen
nicht exakt ermittelt und ein maximaler Tabellenlohnabzug von 25 Prozent gewährt
würden, resultiere angesichts der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von lediglich
20 Prozent kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
B.c Dagegen wandte der Beschwerdeführer am 17. April 2012 ein (act. G 6), die Suva
habe mittlerweile eine revisionsweise angepasste Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 20 Prozent zugesprochen. Der Invaliditätsgrad könne also im
Invalidenversicherungsverfahren nicht 16 Prozent betragen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1. Der Gegenstand der angefochtenen Verfügung ist die Aufhebung der
Invalidenrente des
Beschwerdeführers per Ende Februar 2012. Sie hat weder die Rentenzahlungen für die
Monate Juni 2011 bis und mit Februar 2012 noch berufliche
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Eingliederungsmassnahmen zum Gegenstand, weshalb darüber grundsätzlich in
diesem Beschwerdeverfahren auch nicht befunden werden kann. Weil allerdings
rechtsprechungsgemäss unter bestimmten Voraussetzungen eine revisionsweise
Aufhebung einer Invalidenrente zwingend berufliche Eingliederungsmassnahmen
voraussetzen soll („Eingliederung vor Rente“; vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
2. Aufl. 2009, Vorbemerkungen, N 47), gehört die Frage, ob solche hätten durchgeführt
werden müssen, zur hier interessierenden Frage der Rechtmässigkeit der
angefochtenen Verfügung. Folglich ist in diesem Entscheid auch auf den
entsprechenden Antrag des Beschwerdeführers einzugehen. Auf den Antrag auf
Nachzahlung der für die Monate Juni 2011 bis und mit Februar 2012 ist dagegen nicht
einzutreten, da es sich dabei nur um die Vollstreckung der Verfügung vom 27. Februar
2003 handelt.
2.
2.1 Eine Pflicht zur Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen im Rahmen
einer Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung lässt sich dem IVG nicht entnehmen.
Im Rahmen einer Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ist allerdings zwingend eine
Neuberechnung des Invaliditätsgrades durchzuführen. Diese Neuberechnung hat – wie
bei einer erstmaligen Berechnung des Invaliditätsgrades im Rahmen der Prüfung eines
Rentengesuches – in Anwendung von Art. 7 f. und 16 ATSG sowie Art. 28 Abs. 1 lit. a
IVG („Eingliederung vor Rente“; vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009,
Vorbemerkungen, N 47) zu erfolgen, denn das Gesetz sieht keine davon abweichende
Invaliditätsgradberechnung im Rahmen eines Revisionsverfahrens vor. Folglich setzt
die (Neu-) Berechnung des Invaliditätsgrades in einem Revisionsverfahren die
Durchführung sämtlicher Eingliederungsmassnahmen voraus, die geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit zu verbessern und dadurch den Invaliditätsgrad zu vermindern.
Verbessert sich also der Gesundheitszustand eines Rentenbezügers und steigt
dadurch dessen Arbeitsfähigkeit an, ist in einem Revisionsverfahren zu prüfen,
inwiefern sich diese Verbesserung auf die Erwerbsfähigkeit auswirkt. Eine blosse
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit kann nicht zu einer Rentenherabsetzung oder
Rentenaufhebung führen, weil die Invalidenrente nicht eine Arbeitsunfähigkeit, sondern
vielmehr eine Erwerbsunfähigkeit entschädigt. Aus diesem Grund kann nur eine
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit zu einer Rentenanpassung führen. Führt eine
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Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ohne Weiteres auch zu einer Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit auf dem massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt, ist die Rente
entsprechend herabzusetzen oder aufzuheben. Führt die Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit dagegen nicht ohne berufliche Eingliederungsmassnahmen auch zu
einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, kann die IV-Stelle nicht dessen ungeachtet
die Rente herabsetzen oder aufheben, denn der Invaliditätsgrad hat sich diesfalls ja
(noch) gar nicht verändert. Natürlich kann die versicherte Person aber in einem solchen
Fall nicht einfach behaupten, ihre Arbeitsfähigkeit habe sich zwar verbessert, aber
mangels einer Verbesserung ihrer Erwerbsfähigkeit dürfe die Rente nicht angepasst
werden. Kann nämlich mittels geeigneter und zumutbarer beruflicher
Eingliederungsmassnahmen (in Kombination mit der gestiegenen Arbeitsfähigkeit) eine
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit bewirkt werden, besteht eine Pflicht zur
Durchführung der entsprechenden Massnahmen. Die IV-Stelle und die versicherte
Person sind – wie auch in einem Verfahren betreffend die Prüfung eines
Rentengesuches – verpflichtet, alle beruflichen Eingliederungsmassnahmen
durchzuführen, die geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit zu verbessern und damit den
Invaliditätsgrad zu verringern. Weshalb das Bundesgericht diese Eingliederungspflicht
in seinem Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011 (vgl. E. 3.3) auf über 55 Jahre alte
oder über 15 Jahre eine Invlidenrente bezogen habende Personen beschränkt hat, ist
nicht nachvollziehbar. Offenbar ist es davon ausgegangen, es handle sich dabei nicht
um eine Pflicht, sondern um einen Anspruch der versicherten Person. Aus den soeben
dargelegten Gründen trifft dies allerdings nicht zu. Es handelt sich bei solchen
Wiedereingliederungsmassnahmen vielmehr um einen Ausfluss aus der IV-spezifischen
Schadenminderungspflicht, die selbstverständlich alle Versicherten gleichermassen
trifft.
2.2 Der Beschwerdeführer hat keinen Beruf erlernt und vor dem Eintritt der Gesund
heitsbeeinträchtigung als Hilfsarbeiter auf dem Bau gearbeitet. Wenn sich seine
Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten seit der Rentenzusprache tatsächlich
erheblich verbessert hat, was nachfolgend zu prüfen sein wird, ist die Steigerung der
Arbeitsfähigkeit ohne Weiteres auch mit einer Steigerung seiner Erwerbsfähigkeit ver
bunden. Der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
entspricht nämlich dem Valideneinkommen, also dem eines Hilfsarbeiters. Eine
quantitative Steigerung der Arbeitsfähigkeit muss deshalb zwingend mit einer
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entsprechenden Steigerung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
einher gehen. Bei Hilfsarbeiten spielt es in Bezug auf das erzielbare
Erwerbseinkommen keine wesentliche Rolle, welche Tätigkeit genau ausgeübt wird,
weil als Ausgangswert des Invalideneinkommens in jedem Fall der Durchschnittslohn
eines Hilfsarbeiters heranzuziehen ist. Sofern es Hilfsarbeiten gibt, die als
leidensadaptiert zu qualifizieren sind, können sich berufliche
Eingliederungsmassnahmen also gar nicht auf den Invaliditätsgrad auswirken, es sei
denn, es würde eine (so genannt höherwertige) Umschulung durchgeführt, mittels derer
das Lohnniveau über den Wert des Valideneinkommens angehoben würde. Die
Verwertung einer (zusätzlich) wieder gewonnenen Arbeitsfähigkeit setzt beim Be
schwerdeführer mit anderen Worten keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
voraus.
3.
3.1 Im Zeitpunkt der Rentenzusprache hatte der Beschwerdeführer gemäss dem Gut
achten der Klinik Valens vom 2. Oktober 2002 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
insbesondere an einer schweren depressiven Störung gelitten, die eine Erwerbstätig
keit völlig verunmöglicht hatte. Der RAD-Arzt Dr. D._ hat zwar in seinem Unter
suchungsbericht vom 3. Dezember 2010 gewisse Bedenken an der Zuverlässigkeit der
psychiatrischen Beurteilung aus dem Jahr 2002 geäussert. Seine entsprechenden
Ausführungen sind aber nicht geeignet, ernsthafte Zweifel am Gutachten der Klinik
Valens zu wecken. Augenscheinlich hat Dr. D._ auch nichts dergleichen bezwecken
wollen. Seine Beurteilung kann nämlich nicht dahingehend verstanden werden, dass
die frühere Einschätzung seiner Ansicht nach falsch gewesen sei und der
Beschwerdeführer bereits im Jahr 2002 nicht an einer depressiven Störung erheblicher
Schwere gelitten habe. Die Hauptaussage von Dr. D._ besteht vielmehr darin, dass er
lediglich noch eine Dysthymia, aber keine relevante depressive Störung mehr habe
nachweisen können. Hatte die Fachärztin der Klinik Valens noch einen reduzierten
Allgemeinzustand, ein eher ungepflegtes Erscheinungsbild (herunter getretene
Halbschuhe, heraushängendes Hemd, unfrisierte Haare), ein „im Stuhl Hängen“, einen
verminderten Antrieb, eine wenig lebhafte Mimik, eine rasche Ermüdbarkeit, eine
Abnahme der Konzentrationsfähigkeit im Gespräch und eine niedergeschlagene
Grundstimmung mit Hoffnungslosigkeit und leichter Gereiztheit festgestellt (IV-act. 29–
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5 f.), hat Dr. D._ einen ausreichend gepflegten Allgemeinzustand, einen gelegentlich
fast lauernden, streckenweise auch augenzwinkernd anmutenden und spitzbübisch
amüsiert wirkenden Gesichtsausdruck, eine hohe Aufmerksamkeit, Wachheit und
Konzentration und eine indifferente, dysthyme und dysphorisch unterlegte, aber nicht
depressive Stimmung bei ansonsten eher unauffälligem Befund festgestellt (IV-act. 91–
9 f.). Der psychische Befund ist also im Rahmen der RAD-Untersuchung ein anderer als
bei der Untersuchung im Jahr 2002 gewesen, was der Grund dafür ist, dass die
Beurteilungen entsprechend unterschiedlich ausgefallen sind. Dr. D._ hat denn auch
darauf hingewiesen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in den
vergangenen Jahren entsprechend verbessert haben müsse. Weil sich der
Beschwerdeführer nie in eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung
begeben hatte, hat Dr. D._ zwar den Zeitraum, in dem diese Verbesserung
eingetreten sein muss, nicht näher eingrenzen können. Daraus folgt aber nicht, dass
die Tatsache einer solchen Verbesserung unwahrscheinlich wäre. Folglich ist gestützt
auf den Untersuchungsbericht des RAD-Arztes Dr. D._ von einer erheblichen
Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes und damit einhergehend von
einer Wiedererlangung einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
3.2 Der Beschwerdeführer lässt einwenden, Dr. D._ habe ihn nicht genügend ein
gehend untersucht. Andernfalls hätte Dr. D._ bemerken müssen, dass er an einer
krankhaften Spielsucht leide. Die mangelnde Sorgfalt bzw. die Oberflächlichkeit der
Untersuchung zeige sich auch darin, dass erst auf ein Insistieren des Beschwerde
führers hin im Zuge einer weiteren fachärztlichen Untersuchung festgestellt worden sei,
dass die Daumenbeschwerden die Arbeitsfähigkeit auch für adaptierte Tätigkeiten um
20 Prozent einschränkten. Diese Ausführungen gehen insofern am Kern der Sache
vorbei, als Dr. D._ selbst eine weitere handchirurgische Abklärung empfohlen hat.
Selbstverständlich ist Dr. D._ als Psychiater nicht geeignet gewesen, eine
überzeugende handchirurgische Beurteilung abzugeben, weshalb insofern kein Grund
besteht, an der Zuverlässigkeit seiner Ausführungen zu zweifeln. Was die angebliche
Spielsucht betrifft, überzeugen die Einwände des Beschwerdeführers ebenfalls nicht.
Eine Spielsucht muss den psychischen Zustand nicht zwingend (in einer
versicherungsmedizinisch relevanten Weise) beeinträchtigen. Im Rahmen einer
einmaligen Untersuchung kann sich der Facharzt auch lediglich (aber immerhin)
anhand seiner Feststellungen und anhand der Akten einen Überblick über den
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Gesundheitszustand bezüglich seines Fachgebietes verschaffen. Selbstverständlich ist
es weder möglich noch notwendig, sämtliche Abweichungen von der Norm zu
entdecken, zumal wenn es sich dabei um Umstände handelt, die ein Explorand für
gewöhnlich lieber für sich behält (insbesondere Süchte). Leidet eine versicherte Person
unter einer Sucht, muss der Facharzt diese nicht zwingend „entdecken“. Falls sich die
Sucht nicht wesentlich auf die Fähigkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, auswirkt,
erübrigen sich entsprechende „Nachforschungen“. Den Schilderungen des
Beschwerdeführers betreffend seine angebliche Spielsucht lässt sich nicht entnehmen,
inwiefern sich dieser (in der RAD-Untersuchung unentdeckt gebliebene) Umstand
wesentlich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken sollte. Hinzu kommt, dass gemäss dem
eingereichten Auszug aus dem Betreibungsregister vor allem Schulden gegenüber dem
Staat (Steuerschulden) und der Krankenkasse bestehen. Die übrigen Schuldner sind
Privatpersonen, die dem Beschwerdeführer wohl Darlehen gegeben haben, wobei sich
dem Auszug aber nicht entnehmen lässt, wofür der Beschwerdeführer das Geld
benötigt bzw. verbraucht hat. Ob also überhaupt eine Spielsucht besteht, wie der
Beschwerdeführer behauptet, ist nicht bewiesen. Jedenfalls weckt der Hinweis auf eine
von Dr. D._ nicht bemerkte Spielsucht keine wesentlichen Zweifel an dessen
Schlussfolgerungen. Im Übrigen ist nicht ersichtlich, inwiefern sich die angebliche
Spielsucht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken sollte.
3.3 Der Bericht von Dr. E._ vermag grundsätzlich ebenfalls zu überzeugen, was
denn auch von keiner Partei in Abrede gestellt wird. Allerdings besteht insofern ein
Widerspruch, als Dr. E._ festgehalten hat, im Vergleich zur Untersuchung durch die
Klinik Valens habe sich der Zustand nicht relevant verändert, gleichzeitig aber eine von
der Einschätzung der Klinik Valens abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben hat. Sie hat nämlich aus somatischer eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent
für leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert, während die Ärzte der Klinik Valens eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert hatten. Da
eine Begründung für diese Abweichung fehlt, ist nicht auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ abzustellen, sondern von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten auszugehen.
4.
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4.1 Die Höhe des Valideneinkommens kann in diesem Verfahren nicht überprüft
werden, weil diesbezüglich keine Veränderung des Sachverhaltes bzw. (genauer) der
Sachverhaltsprognose aus dem Jahr 2003 vorliegt. Selbstverständlich kann ein Revi
sionsverfahren nicht Anlass für eine umfassende Überprüfung sämtlicher
Tatbestandselemente bilden, weil ansonsten jene Elemente, die keiner relevanten
Veränderung unterlegen sind, gewissermassen voraussetzungslos neu überprüft
würden, was auf eine unzulässige Wiedererwägung hinausliefe. Für die Berechnung
des Invaliditätsgrades ist deshalb auf das Valideneinkommen gemäss der
leistungszusprechenden Verfügung abzustellen. Zur Gewährleistung der sachlichen
Korrektheit des Vergleichs zwischen dem Validen- und dem Invalideneinkommen ist
das Valideneinkommen an die zwischenzeitliche Nominallohnentwicklung anzupassen.
Dies ist allerdings nicht als eine Modifikation der leistungszusprechenden Verfügung
hinsichtlich des Valideneinkommens, sondern bloss als konsequente Weiterführung der
entsprechenden Sachverhaltsprognose, nämlich dass sich das Valideneinkommen
nominal nicht mehr relevant verändern werde, zu qualifizieren.
4.2 Dasselbe muss für den Ausgangswert des Invalideneinkommens und für einen
allfälligen Tabellenlohnabzug gelten. Eine Anpassung einer dieser Berechnungsgrössen
wäre nur insofern möglich, wenn sich das entsprechende Sachverhaltselement seit der
Rentenzusprache relevant verändert hätte, was vorliegend aber nicht der Fall ist. Die
Beschwerdegegnerin ist bei der Berechnung des Invaliditätsgrades im Rahmen der
erstmaligen Prüfung des Rentengesuches davon ausgegangen, dass der
Ausgangswert des Invalideneinkommens dem Valideneinkommen entspreche (vgl. IV-
act. 17–2). Die Notwendigkeit eines Abzuges vom Tabellenlohn hat sie nicht geprüft,
weil das Invalideneinkommen angesichts der vollständigen Arbeitsunfähigkeit ohnehin
null Franken betragen hat. Vor diesem Hintergrund könnte argumentiert werden, über
einen Abzug vom Tabellenlohn sei noch nicht verfügt worden, weshalb diese Frage nun
frei zu prüfen sei. Selbst wenn dem so wäre, änderte dies nichts am Ergebnis, denn
angesichts der uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit resultierte nicht einmal bei
Gewährung eines nicht gerechtfertigten maximalen Abzuges von 25 Prozent (vgl. BGE
126 V 75) ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von 40 Prozent. So oder anders
besteht also kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente.
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5. Folglich ist die Beschwerde abzuweisen, soweit sie nicht die Vollstreckung der
Verfügung vom 27. Februar 2003 betrifft bzw. auf sie eingetreten werden kann. Die
gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen
Aufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind dem unterliegenden
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Ein Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht
nicht, da der Beschwerdeführer vollumfänglich unterliegt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP