Decision ID: e45b19bb-1b1a-4d62-82d3-5ab3e4413de2
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
X._, Jahrgang 1961, erwarb am 6. August 1980 den Führerausweis für
Personenwagen. Er ist ebenfalls im Besitz des Führerausweises für Lastwagen,
allerdings wurde ihm dieser mit Verfügung des Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamtes des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) vom 19.
Juni 2015 auf unbestimmte Zeit entzogen, weil er sich nicht der periodischen
verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung unterzogen hatte (act. Vorinstanz 4/5 ff.).
Nachdem X._ innerhalb von vier Monaten drei Verkehrsregelverletzung (Überschreiten
der Höchstgeschwindigkeit) begangen hatte, eröffnete das Strassenverkehrsamt ein
Verfahren zur Abklärung der Fahreignung und ordnete mit Verfügung vom 20. Oktober
2015 eine verkehrspsychologische Untersuchung an (act. Vorinstanz 4/44 ff). DDr. A._
A.a.
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konnte in ihrem verkehrspsychologischen Gutachten vom 26. November 2015 keine
abschliessende Beurteilung der charakterlichen Eignung von X._ abgeben. Es sei eine
verkehrsmedizinische Abklärung notwendig (act. Vorinstanz 4/54 ff). Gestützt auf
dieses Gutachten verfügte das Strassenverkehrsamt am 1. Dezember 2015 den
vorsorglichen Entzug des Führerausweises (act. Vorinstanz 4/67 ff.). Die notwendige
verkehrsmedizinische Abklärung ergab, dass X._ an einer Muskeldystrophie Typ II,
Diabetes mellitus Typ II und einem beidseitigen Katarakt leide. Wegen des
unzureichend eingestellten Diabetes mellitus befürwortete der Gutachter med. pract.
B._ die Fahreignung nicht (act. Vorinstanz 4/84 ff.). Daraufhin entzog das
Strassenverkehrsamt X._ den Führerausweis auf unbestimmte Zeit. Die Sperrfrist
wurde auf einen Monat festgesetzt, und ihm wurden Bedingungen für die Aufhebung
des Entzugs auferlegt (Verfügung vom 11. Juli 2016, act. Vorinstanz 4/104 ff.).
Trotz Führerausweisentzugs lenkte X._ wiederholt ein Fahrzeug (Personenwagen oder
Traktor, act. Vorinstanz 4/135, 4/152, 4/183, 4/222 und 4/265). Am 15. Mai 2018 fand
eine verkehrspsychologische Abklärung bei Dr.Dr. C._ statt. Der Gutachter attestierte
X._ keine charakterliche Problematik und bejahte die Fahreignung (act. Vorinstanz
4/242 ff.). Da das Strassenverkehrsamt das Gutachten von Dr.Dr. C._ nicht für
schlüssig hielt, ordnete es mit Verfügung vom 30. Mai 2018 eine weitere
verkehrspsychologische Untersuchung an (act. Vorinstanz 4/260 ff.). Im Gutachten vom
30. Juli 2018 kam Dr. phil. D._ zum Schluss, dass die Fahreignung von X._ aus
charakterlichen Gründen nicht gegeben sei. Dieser müsse sich Therapien unterziehen
(Neurotraining und Verkehrspsychologie, act. Vorinstanz 4/281 ff.). Nach diversen
Schreiben zwischen dem Strassenverkehrsamt und dem Rechtsvertreter von X._
sowie nach Eingang des Entscheides des Kreisgerichts Y._ vom 20. Dezember 2018,
gemäss welchem X._ unter anderem wegen mehrfachen Führens eines
Motorfahrzeugs trotz Entzugs des Ausweises schuldig gesprochen wurde, entzog das
Strassenverkehrsamt X._ mit Verfügung vom 1. März 2019 den Führerausweis für
immer (Ziff. 1 der Verfügung). Es stellte fest, dass diesem seit 1. Dezember 2015 das
Recht aberkannt sei, Motorfahrzeuge aller Kategorien zu führen (Ziff. 2), wovon auch
allfällige Lernfahrausweise sowie internationale oder ausländische Führerausweise
betroffen seien (Ziff. 3). Die Auflagen der Verfügung vom 11. Juli 2016 würden
widerrufen (Ziff. 4) und durch neue Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs ersetzt
(Ziff. 5). Auf die eingereichte Kostennote für eine ausseramtliche Parteientschädigung in
der Höhe von CHF 11'340.80 trat das Strassenverkehrsamt nicht ein, da die Anträge
auf Aufhebung des Führerausweisentzuges abzuweisen seien und im erstinstanzlichen
Verfahren in der Regel keine ausseramtlichen Kosten zugesprochen würden (Ziff. 6).
A.b.
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1. Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen und die Verfügung des
Strassenverkehrsamtes vom 1. März 2019 aufgehoben.
2. Die Sperrfrist beträgt sieben Monate (1. Dezember 2016 bis 31. Juni 2017).

3. Die Sache wird im Sinn der Erwägungen zu weiteren Abklärungen und zu neuer
Verfügung an das Strassenverkehrsamt zurückgewiesen.
4. Für das vorinstanzliche Verfahren wird keine Entschädigung der ausseramtlichen
Kosten zugesprochen.
5. Die amtlichen Kosten von CHF 2'400 haben der Rekurrent zu zwei Dritteln und der
Staat zu einem Drittel zu bezahlen. Der Kostenvorschuss von CHF 1'600 wird mit dem
Kostenanteil des Rekurrenten von CHF 1'600 verrechnet.
6. Es besteht kein Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten.
B.
B.a.
X._ (Beschwerdeführer) erhob am 17. Dezember 2019 durch seinen Rechtsvertreter
beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) und stellte die Rechtsbegehren:
1. Ziff. 4 des angefochtenen Entscheides sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer
sei eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 11'340.80 für das Verfahren vor
dem Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen zuzusprechen.
2. Ziff. 5 des angefochtenen Entscheides sei aufzuheben und die amtlichen Kosten
von CHF 2'400 seien auf die Staatskasse zu nehmen.
3. Ziff. 6 des angefochtenen Entscheides sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer
sei eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 7'840.55 für das Rekursverfahren
vor der Vorinstanz zuzusprechen.
Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziff. 7) und die
Verfahrenskosten auf CHF 790 festgesetzt (Ziff. 8, act. Vorinstanz 4/452 ff.).
Gegen diese Verfügung reichte der Rechtsvertreter am 18. März 2019 bei der
Verwaltungsrekurskommission Rekurs ein. Die Verwaltungsrekurskommission
entschied am 28. November 2019:
A.c.
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4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge; eventualiter sei auf die Erhebung der
Kosten zu verzichten.
B.b.
Am 28. Januar 2020 reichte der Rechtsvertreter eine umfangreiche
Beschwerdeergänzung ein. Mit Schreiben vom 29. Januar 2020 beanstandete der
Abteilungspräsident die 25-seitige Eingabe als weitschweifig und wies die
Beschwerdeergänzung deshalb zur Verbesserung, d.h. zur starken Kürzung und
Beschränkung auf das Wesentliche, zurück. Der Rechtsvertreter liess dem
Verwaltungsgericht mit Eingabe vom 20. Februar 2020 die gekürzte, 19-seitige
Beschwerdeergänzung zukommen.
B.c.
Mit Vernehmlassung vom 26. Februar 2020 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (Beschwerdegegnerin)
schloss mit Eingabe vom 28. Februar 2020 ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde.
Auf die Erwägungen der angefochtenen Entscheide und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
(...).
2.
Im angefochtenen Entscheid hiess die Vorinstanz den Rekurs teilweise gut und hob die
Verfügung des Beschwerdegegners auf. Die Sache wurde im Sinn der Erwägungen zu
weiteren Abklärungen und zu neuer Verfügung an den Beschwerdegegner
zurückgewiesen. Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, dass die Voraussetzungen
für einen Führerausweisentzug für immer nicht erfüllt seien (E. 4e). Die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung bedeute indessen nicht, dass der Führerausweis dem
2.1.
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Beschwerdeführer sofort wieder auszuhändigen sei. Dieser sei ihm nach wie vor
gestützt auf die rechtskräftige Verfügung vom 11. Juli 2016 zu Sicherungszwecken
entzogen. Der Beschwerdeführer habe mit Eingabe vom 14. Januar 2019 die
Wiedererteilung beantragt, worüber die Vorinstanz zu befinden habe. Für die
Wiedererteilung des Führerausweises müsse der Nachweis der Fahreignung des
Beschwerdeführers vorliegen (E. 6). Zusammengefasst führte sie aus, dass auf die zwei
zeitlich nahe beieinanderliegenden verkehrspsychologischen Gutachten mit
gegenteiligem Ergebnis nicht abgestellt werden könne. Für die Beurteilung der
Fahreignung müsse eine dritte verkehrspsychologische Begutachtung durch einen
bisher noch nicht involvierten Gutachter durchgeführt werden (E. 6c). Sobald ein positiv
lautendes verkehrspsychologisches Gutachten zur Fahreignung des
Beschwerdeführers vorliege, könne die verkehrsmedizinische Untersuchung in Auftrag
gegeben und schliesslich ein Termin für die Abklärung beim Technischen Dienst des
Strassenverkehrsamtes vereinbart werden. Wenn die erforderlichen Ergebnisse
vorliegen würden, habe der Beschwerdegegner neu zu verfügen (E. 6d). Zudem prüfte
die Vorinstanz eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Der Vorwurf, dass der
Beschwerdeführer zu dem vom Beschwerdegegner beabsichtigen
Führerausweisentzug für immer nicht habe Stellung nehmen können, treffe nicht zu.
Allerdings erweise sich die Begründung der Verfügung des Beschwerdegegners
angesichts der Schwere des Eingriffs als ungenügend. Diese Verletzung des
rechtlichen Gehörs sei im Rahmen der Kostenverlegung zu berücksichtigen (E. 3c). Für
das Verfahren vor dem Beschwerdegegner bestehe kein Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten in der vom Beschwerdeführer beantragten Höhe von
CHF 11'340.80 (E. 7). Mit der teilweisen Gutheissung und Rückweisung der Sache zu
weiteren Abklärungen sei weder den Hauptanträgen gemäss den Ziff. 1, 3 und 4 des
Rechtsbegehrens noch dem Eventualantrag Ziff. 2, sondern jenem gemäss Ziff. 5
entsprochen worden. Bei der Kostenverlegung sei ferner die Verletzung des rechtlichen
Gehörs zu berücksichtigen. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände seien die
Kosten zu zwei Dritteln dem Beschwerdeführer und zu einem Drittel dem Staat
aufzuerlegen (art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2'400 erscheine
angemessen. Ein Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten bestehe
aufgrund der präjudizierend wirkenden Verlegung der amtlichen Kosten von zwei
Dritteln zulasten des Beschwerdeführers nicht (E. 8).
Nicht bestritten wird die materielle Beurteilung der Vorinstanz hinsichtlich des
Führerausweisentzugs bzw. die Rückweisung zu weiteren Abklärungen an den
Beschwerdegegner. Streitgegenstand bilden die Kostenfolgen des vorinstanzlichen
2.2.
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3.
Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Entschädigung
ausseramtlicher Kosten nach Art. 98 VRP hat. Für das Verwaltungsverfahren vor dem
Beschwerdegegner verlangt er eine Parteientschädigung in der Höhe von
CHF 11'340.80 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer; act. Vorinstanz 4/435 ff.)
Entscheids und die ausseramtlichen Kosten sowohl im Rekursverfahren als auch im
Verfahren vor dem Beschwerdegegner.
In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung und (neuerer) Praxis des Verwaltungsgerichts gilt die Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz mit offenem Ausgang für die Frage der Auferlegung der
Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen,
unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt-
oder im Eventualantrag gestellt wird (vgl. BGer 5A_845/2016 vom 2. März 2018 E. 3.2
mit Hinweisen, VerwGE B 2019/38 vom 19. August 2019 E. 3.2, B 2017/76 vom
16. August 2018 E. 5). Im kantonalen Verfahren ist es bei analoger Ausgangslage
regelmässig willkürlich, nicht vom gänzlichen Obsiegen auszugehen (VerwGE
B 2017/76 vom 16. August 2018 E. 5).
2.3.
Im vorinstanzlichen Urteil wurde entschieden, dass die Verfügung des
Beschwerdegegners betreffend den Führerausweisentzug für immer aufzuheben ist.
Die vom Beschwerdeführer beantragte Wiedererteilung des Führerausweises ist vom
Beschwerdegegner zu prüfen. Nach Vorliegen der Ergebnisse der vorgenommenen
Abklärungen (verkehrspsychologisches Gutachten, verkehrsmedizinische
Untersuchung und Abklärung beim Technischen Dienst) hat der Beschwerdegegner
neu zu verfügen. Dementsprechend obsiegte der Beschwerdeführer durch die
Aufhebung der Verfügung betreffend den Führerausweisentzug für immer, und
hinsichtlich der Wiedererteilung des Führerausweises liegt eine Rückweisung der
Sache an den Beschwerdegegner mit offenem Ausgang vor. Folglich hat der
Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren im Sinne der soeben unter E. 2.3
dargestellten Praxis vollständig obsiegt. Die amtlichen Kosten von CHF 2'400 hat der
Staat zu tragen. Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der geleistete
Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 1'600 ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten. Insoweit ist die Beschwerde zu schützen und Ziff. 5 des
angefochtenen vorinstanzlichen Entscheids zu korrigieren.
2.4.
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und für das vorinstanzliche Verfahren von CHF 7'480.55 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer; act. Vorinstanz 21). Zudem wirft er der Vorinstanz eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs vor, da sie sich zu wenig mit seinen Ausführungen hinsichtlich der
Parteientschädigung (act. Vorinstanz 13 S. 36 f.) vor dem Beschwerdegegner sowie für
das Rekursverfahren befasst habe.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundeverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(SR 101, BV) sowie Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör.
Dieser ist formeller Natur. Seine Verletzung führt ungeachtet der materiellen
Begründetheit des Rechtsmittels grundsätzlich zur Gutheissung der Beschwerde und
zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (BGE 144 I 11 E. 5.3). Aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV fliesst zunächst die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen der von einem Entscheid in ihrer Rechtsstellung betroffenen
Person tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen
(BGE 136 I 229 E. 5.2, BGer 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018 E. 3.2.1). Als weiteren
Teilgehalt umfasst der Anspruch auf rechtliches Gehör die Begründungspflicht.
Letztere verlangt jedoch nicht, dass sich die Rechtsmittelinstanz mit sämtlichen
vorgebrachten Sachverhaltselementen, Beweismitteln und Rügen auseinandersetzt.
Vielmehr kann es sich auf die wesentlichen Überlegungen, welche zum Entscheid
geführt haben, beschränken, selbst wenn diese fehlerhaft sind. Die Begründung soll
dem Betroffenen ermöglichen, die Tragweite des Entscheides zu erfassen und diesen
in Kenntnis der Überlegungen der Rechtsmittelinstanz anzufechten (BGE 143 III 65 E.
5.2, 141 III 28 E. 3.2.4, BGer 2C_397/2018 vom 1. Mai 2019 E. 3.2, 2D_14/2018 vom
13. August 2018 E. 3.1.1). Die Begründungspflicht ist nur dann verletzt, wenn die
Rechtsmittelinstanz auf die für den Ausgang des Verfahrens wesentlichen Vorbringen
selbst implizit nicht eingeht (BGer 2C_878/2018 vom 23. Januar 2020 E. 3.2).
3.1.
Die Vorinstanz hat sich im angefochtenen Entscheid sowohl mit der Rechtsprechung
bezüglich einer Parteientschädigung im Verwaltungsverfahren als auch mit dem
vorliegenden Fall konkret auseinandergesetzt (E. 7, S. 16 bis 19). Sie erwog
zusammengefasst, dass offenbleiben könne, ob die Notwendigkeit eines
Rechtsvertreters ausgewiesen sei, da der Rekurrent/Beschwerdeführer mangels
mehrheitlichen Obsiegens ohnehin keinen Anspruch auf Ersatz der ausseramtlichen
Kosten habe. Es seien keine Gründe ersichtlich, die ein Abweichen vom
Verteilungsgrundsatz nach Obsiegen und Unterliegen rechtfertigen würden. Für den
3.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_878%2F2018&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-229%3Ade&number_of_ranks=0#page229 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_878%2F2018&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-III-65%3Ade&number_of_ranks=0#page65 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_878%2F2018&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-III-28%3Ade&number_of_ranks=0#page28
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Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten im Rekursverfahren verwies
sie auf die massgebenden Gesetzesbestimmungen sowie Literatur (E. 9 des
angefochtenen Entscheids). Damit konnte der Beschwerdeführer der Begründung des
angefochtenen Urteils die wesentlichen Überlegungen, von welchen sich die Vorinstanz
leiten liess, entnehmen. Grundsätzlich nicht notwendig ist, dass sich die Vorinstanz mit
sämtlichen Rügen bis ins Detail auseinandersetzt. Jedenfalls war es dem
Beschwerdeführer ohne weiteres möglich, den Entscheid der Vorinstanz sachgerecht
anzufechten. Wenn die Vorinstanz zum Schluss kam, dass vorliegend sowohl im
Verwaltungs- als auch im Rekursverfahren keine Parteientschädigung zuzusprechen
ist, ist dies also eine Rechtsfrage, nicht jedoch eine Frage des Vorliegens einer
Verletzung des rechtlichen Gehörs. Die Vorinstanz kam der verfassungsrechtlichen
Begründungspflicht somit nach, und der Gehörsanspruch des Beschwerdeführers
wurde nicht verletzt.
Weiter zählt der Beschwerdeführer eine Reihe von Verfahrensgarantien (Anspruch auf
gerechte Behandlung und faires Verfahren, Rechtsverweigerung, Rechtsweggarantie)
auf, welche seines Erachtens ebenfalls verletzt worden sein sollen. Allerdings legt er bei
keinem dieser Begriffe konkret dar, inwiefern tatsächlich eine Verletzung vorliegen
sollte (Rügeprinzip, vgl. Looser/Looser-Herzog, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.],
Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N
10 zu Art. 61 VRP). Der Vollständigkeit halber werden diese Verfahrensgarantien
trotzdem abgehandelt. Allerdings kann bereits vorab festgehalten werden, dass bei
keiner eine Verletzung ersichtlich ist.
3.3.
Nach Art. 29 Abs. 1 BV hat jede Person in Verfahren vor Gerichts- und
Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf
Beurteilung innert angemessener Frist. Diese Garantie umfasst eine Reihe von
Teilgehalten, wie beispielsweise das Verbot der formellen Rechtsverweigerung oder
das Verbot der Rechtverzögerung, und bildet zugleich den allgemeinen
Auffangtatbestand (G. Steinmann, in: B. Ehrenzeller u.w. [Hrsg.], Die schweizerische
Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 17 ff. zu Art. 29 BV). Eine
solche formelle Rechtsverweigerung liegt vor, wenn die Behörde auf eine ihr
unterbreitete Sache nicht eintritt, obschon sie darüber entscheiden müsste (BGE 135 I
6 E. 2.1). Offensichtlich erliess der Beschwerdegegner am 1. März 2019 eine Verfügung
und die Vorinstanz befasste sich – ohne Verletzung des rechtlichen Gehörs – mit
sämtlichen Vorbringen des Beschwerdeführers im angefochtenen Entscheid. Der
3.4.
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Anspruch auf ein gerechtes Verfahren umfasst weiter das Verbot des überspitzen
Formalismus, die unzulässige Einschränkung der Prüfungsbefugnis einer Behörde oder
des Gerichts sowie die richtige Zusammensetzung der Entscheidbehörde (vgl.
Steinmann, a.a.O., N 28 ff. zu Art. 29 BV). Sowohl im Verfahren vor dem
Beschwerdegegner als auch vor der Vorinstanz wurden diese Verfahrensgarantien
beachtet.
Das Recht, zur Wahrung der Interessen einen Rechtsvertreter beizuziehen, wird über
den Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV gewährt. Allerdings wird
verfassungsrechtlich – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – kein Anspruch
auf Entschädigung eines Rechtsvertreters im Falle eines Obsiegens anerkannt (vgl.
Steinmann, a.a.O., N 56 ff. zu Art. 29 BV). Die Kostenfolge stimmt insoweit mit dem
Vertretungsrecht nicht überein (BGer 1C_592/2012 vom 7. März 2013 E. 3.5). Weder
die BV noch die EMRK begründen einen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung,
weshalb die Kantone befugt sind, eine jeweilige Regelung zu erlassen (A. Linder, in:
Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 2 zu Art. 98 VRP). Auf die spezifischen
kantonalen Regelungen nach VRP bezüglich der einzelnen Verfahren wird nachfolgend
eingegangen. Einzig aus Art. 29 Abs. 3 BV ergibt sich ein Anspruch auf unentgeltlichen
Rechtsbeistand. Voraussetzung für einen solchen Anspruch ist das Vorliegen der
Bedürftigkeit eines Rechtssuchenden, die Nicht-Aussichtlosigkeit der Rechtssache
sowie die Notwendigkeit der Verbeiständung (ausführlich: Steinmann, a.a.O., N 62 ff.
zu Art. 29 BV). Darauf hat sich der Beschwerdeführer allerdings weder berufen noch
hat er eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung beantragt. Abschliessend kann auch
keine Verletzung der Rechtsweggarantie erkannt werden. Diese wird in Art. 29a BV
gewährleistet und gibt Anspruch darauf, Rechtsstreitigkeiten vor Gericht beurteilen zu
lassen, was vorliegend ohne Weiteres erfolgt ist.
Verwaltungsverfahren
Gemäss Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP werden in erstinstanzlichen und in
Einspracheverfahren in der Regel keine ausseramtlichen Kosten zugesprochen. Es wird
davon ausgegangen, dass es den Beteiligten möglich und zumutbar ist, in
erstinstanzlichen Verwaltungsverfahren ihre Rechte selbst zu wahren (R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen
2004, S. 155). Das Bundesgericht erachtete es nicht als willkürlich, wenn die kantonale
Rechtsnorm keine Entschädigung für das erstinstanzliche Verwaltungsverfahren
vorsieht (BGer 1C_544/2016 vom 20. März 2017 E. 3.4). Die Zusprechung einer
ausseramtlichen Entschädigung wird allerdings dann als gerechtfertigt erachtet, wenn
das Verfahren willkürlich eröffnet wurde bzw. der Entscheid willkürlich erging oder der
3.5.
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Beizug eines Rechtsvertreters zur Wahrung der Rechte des Betroffenen unbedingt
erforderlich war (R. Hirt, a.a.O., S. 156). Dies ist in sachgemässer Analogie zur Praxis
der Notwendigkeit einer Vertretung im Rekursverfahren (Art. 98 Abs. 2 VRP) bzw. der
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (vgl. Art. 29 Abs. 3 BV, Art. 99
Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 118 Abs. 1 lit. c der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO) zu beantworten. Abzustellen
ist insbesondere auf die Schwierigkeit der sich im Verfahren stellenden Fragen, die
Rechtskenntnisse der Beteiligten, die Bedeutung der Streitsache für die Betroffenen
und auf eine allfällige Rechtsvertretung der Gegenpartei, wobei im erstinstanzlichen
Verfahren tendenziell höhere Anforderungen als bei der Vertretung im Rekursverfahren
zu stellen sind (vgl. VerwGE B 2015/313 vom 29. Juni 2017 E. 2.1, B 2015/304 vom
20. Dezember 2016 E. 5, Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 845, R. Hirt, a.a.O., S. 157).
Die Vorinstanz sah keine willkürliche Verfahrenseröffnung des Beschwerdegegners. Die
Ausgangslage sei für den Beschwerdeführer nicht einfach gewesen, und für ihn als
Landwirt habe der Führerausweis eine grosse Bedeutung. Ob dies für einen Anspruch
auf ausseramtliche Entschädigung ausreiche, könne offenbleiben, da der
Beschwerdeführer mangels mehrheitlichen Obsiegens keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten habe. Dem Hauptantrag des Beschwerdeführers im
Verwaltungsverfahren auf sofortige auflagenfreie Herausgabe des Führerausweises
habe auch ohne Verfügung des ungerechtfertigten Sicherungsentzugs für immer nicht
entsprochen werden können.
Dagegen wendet der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein, die Vorinstanz habe
aktenwidrig festgestellt, dass er nicht mehrheitlich obsiegt habe. Es genüge, wenn er
zumindest zu einem Teil obsiege. Die Vorinstanz habe es unterlassen, seine
Rechtsbegehren gemäss seinen Stellungnahmen vom 21. August 2018 und 14. Januar
2019 zu würdigen und diese Rechtsbegehren mit dem Ergebnis ihres Entscheides zu
vergleichen. Auch seien die Ausführungen der Vorinstanz, dass die Rügen betreffend
die Verletzung des rechtlichen Gehörs das Rekursverfahren und nicht das Verfahren
vor dem Beschwerdegegner betreffen, unhaltbar. Der Beschwerdegegner habe das
rechtliche Gehör schwerwiegend verletzt. Nur deshalb habe er Rekurs einreichen
müssen. Somit betreffe dies das Verfahren vor dem Beschwerdegegner. Der durch den
Beschwerdegegner zu verantwortende Rechtsmissbrauch und die Verletzung des
rechtlichen Gehörs hätten dazu geführt, dass er in guten Treuen zur Prozessführung
3.5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/19
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veranlasst worden sei. Zudem würde aus diesen Gründen besondere Umstände
vorliegen, welche eine Verteilung nach dem Ausgang des Verfahrens als unbillig
erscheinen lassen würden (Art. 107 Abs. 1 lit. b und lit. f der Schweizerischen
Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO).
Entsprechend der Kostenverlegung der amtlichen Kosten hat der Beschwerdeführer
vollständig obsiegt. Die Begründung der Vorinstanz ist damit nicht mehr haltbar. Ob
der Beschwerdeführer allerdings tatsächlich Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung im Verwaltungsverfahren hat, wäre grundsätzlich von der Vorinstanz zu
prüfen, und die Sache wäre deshalb an sie zurückzuweisen. Gegen einen solchen
Rückweisungsentscheid könnte jedoch eingewendet werden, er habe einen
formalistischen Leerlauf zur Folge bzw. das Gebot der Verfahrensbeschleunigung
gebiete direkt eine materielle Entscheidung. Diesem Gebot kann Rechnung getragen
werden, wenn das Gericht bei unstrittigem Sachverhalt in der Lage ist, in der Sache
selbst abschliessend materiell zu entscheiden. Vorliegend kann gestützt auf die
Aktenlage und die massgebenden Gesetzesbestimmungen sowie die Rechtsprechung
der Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung im Verwaltungsverfahren ohne
Weiteres durch das Verwaltungsgericht bestimmt werden. Daher ist aus
verfahrensökonomischen Gründen von einer Rückweisung an die Vorinstanz
abzusehen und in der Sache materiell zu entscheiden.
3.5.2.
Für eine willkürliche Verfahrenseröffnung ergeben sich vorliegend keine Anhaltspunkte,
und solche werden vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht. Wie bereits
ausgeführt, werden im Verwaltungsverfahren grundsätzlich keine ausseramtlichen
Kosten zugesprochen. Daran ändert auch der Einwand des Beschwerdeführers nichts,
er habe obsiegt oder zumindest teilweise obsiegt. Eine allfällige Entschädigung wird
höchstens ausgerichtet, wenn eine Vertretung im Verwaltungsverfahren unbedingt
erforderlich bzw. notwendig war. Allerdings äussert sich der Beschwerdeführer in
seiner Eingabe nicht zu den einzelnen Kriterien (komplexe Rechtsfragen,
Rechtskenntnisse, Bedeutung der Streitsache), welche eine Notwendigkeit dartun
würden. Auch ist nicht ohne Weiteres ersichtlich, dass diese Kriterien vorliegend erfüllt
wären. Daher kann offengelassen werden, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausging,
dass ein länger dauernder Ausweisentzug für den Beschwerdeführer einen erheblichen
Eingriff in seine Persönlichkeit und Rechtstellung darstelle, da er aufgrund seiner
selbständigen Erwerbstätigkeit als Landwirt in hohem Mass auf den Führerausweis
angewiesen sei. Denn aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer gemäss
3.5.3.
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eigenen Angaben eine "75%-ige" IV-Rente bezieht (act. Vorinstanz 4/284 und 14/5 S.
4). Ein Anspruch auf eine IV-Rente besteht, wenn nach den beruflichen
Eingliederungsmassnahmen und nach Ablauf der einjährigen Wartezeit weiterhin eine
mindestens 40%-ige Erwerbsunfähigkeit besteht (siehe Art. 28 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung, SR 831.20, IVG und Art. 6 bis 8 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, SR 830.1, ATSG).
Angesichts der Zusprache der "75%-igen" IV-Rente ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer seinen bisherigen Beruf als Landwirt aufgrund seiner
gesundheitlichen Einschränkungen zu einem grossen Teil nicht mehr ausüben kann.
Insofern verfängt die Begründung nicht, dass der Beschwerdeführer zur Ausübung
seiner Tätigkeit als Landwirt in einem höheren Ausmass auf den Führerausweis
angewiesen sein soll als eine andere Person. Zudem begründen fehlende
Rechtskenntnisse für sich allein keine Notwendigkeit für den Beizug eines
Rechtsvertreters. Zumal der Beschwerdeführer vorliegend einzig auf die fett gedruckte,
kurze Schlussfolgerung im verkehrspsychologischen Gutachten von Dr.Dr. C._,
welches zu seinen Gunsten ausgefallen war, hätte verweisen müssen, ohne eine
detaillierte Auseinandersetzung mit sämtlichen Vorakten vorzunehmen.
Der Verweis des Beschwerdeführers auf die Anwendung von Art. 107 Abs. 1 lit. b und
lit. f ZPO ist ebenfalls nicht stichhaltig. Nach Art. 98 VRP wird die ZPO sachgemäss
angewandt. Art. 107 Abs. 1 lit. b ZPO regelt, dass das Gericht von den
Verteilungsgrundsätzen abweichen und die Prozesskosten nach Ermessen verteilen
kann, wenn eine Partei in guten Treuen zur Prozessführung veranlasst war. Dabei hatte
der Gesetzgeber insbesondere den Fall im Auge, dass ein Gericht eine Praxisänderung
beschliesst (Urwyler/Grütter, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische
Zivilprozessordnung, Kommentar, 2. Aufl. 2016, N 3 zu Art. 107 ZPO). Mit der
allgemeinen Voraussetzung des Vorliegens "besonderer Umstände" wird in Art. 107
Abs. 1 lit. f ZPO eine Generalklausel geschaffen für diejenigen Fälle, in welchen eine
Kostenverteilung nach Prozessausgang unbillig erscheint. Diese Bestimmung ist sehr
restriktiv zu handhaben (BGer 5A_482/2014 vom 14. Januar 2015 E. 6). Als
Anwendungsfall wird ein sehr ungleiches wirtschaftliches Kräfteverhältnis der
Prozessparteien genannt. Als beispielhafte Fälle gelten die Anfechtung eines
Beschlusses der Generalversammlung durch einen Kleinaktionär oder eine von diesem
erhobene Verantwortlichkeitsklage oder ein Prozess eines geschädigten Konsumenten
gegen einen marktmächtigen Anbieter (Rüegg/Rüegg, in: Spühler/Tenchio/Infanger
[Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2017, N 2 und
3.5.4.
ter
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9 zu Art. 107 ZPO, Urwyler/Grütter, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], a.a.O., N 9
zu Art. 107 ZPO, BGer 5A_482/2014 vom 14. Januar 2015 E. 6). Der vorliegende Fall
kann weder unter Art. 107 Abs. 1 lit. b noch lit. f ZPO subsumiert werden.
Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass die Rügen betreffend die Verletzung des
rechtlichen Gehörs nicht das Verfahren vor dem Beschwerdegegner, sondern das
Rekursverfahren betreffen. Ein Entscheid, der unter Verletzung der Gehörsansprüche
einer Partei ergeht, ist stets rechtsfehlerhaft, weshalb die Anfechtung grundsätzlich zu
Recht erfolgt. Die Rechtsmittelinstanz entschied vorliegend anstelle der ersten Instanz,
indem sie sich mit den in den Akten liegenden verkehrspsychologischen Gutachten
auseinandersetzte und die Zeugnisse des Haus- und Augenarztes sowie die
Therapieberichte berücksichtigte. Erst durch ihren Entscheid erfüllte sich der Anspruch
auf eine formell korrekte Streitentscheidung. Die Gerichtskosten des Rekursverfahrens
sind grundsätzlich vom Beschwerdegegner zu tragen, welcher die Gehörsverletzung,
die Anlass zur Rekurserhebung gab, zu verantworten hat. Zudem hat der
Beschwerdegegner dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer für das
Rekursverfahren eine angemessene Entschädigung auszurichten (vgl. BGer
1C_556/2013 vom 21. September 2016 E. 16.2, 1C_564/2013 vom 30. August 2013 E.
2.3). Auf die konkrete Entschädigung im Rekursverfahren wird in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen. Die Beschwerde erweist sich bezüglich der
Parteientschädigung im Verwaltungsverfahren als unbegründet und damit ist Ziff. 4 des
angefochtenen vorinstanzlichen Entscheids zu bestätigen.
3.5.5.
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Rekursverfahren
Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP besteht im Rekursverfahren kein unbedingter Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung, sondern nur soweit eine Entschädigung aufgrund der
Sach- und Rechtslage als notwendig und angemessen erscheint. Die ausseramtliche
Entschädigung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 98 VRP).
Entsprechend der Kostenverlegung der amtlichen Kosten hat der Beschwerdeführer
vollständig obsiegt und Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung im
Rekursverfahren. Der von der Vorinstanz festgestellten Gehörsverletzung kommt bei
diesem Verfahrensausgang keine eigenständige Bedeutung mehr zu. Im
Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes aufgrund der Rechts- und
Sachlage geboten.
3.6.
bis
Für die Angemessenheit der Entschädigung ist die Honorarordnung massgebend,
welche griffige Kriterien zur Verfügung stellt (vgl. A. Linder, a.a.O., N 14 zu Art. 98 VRP).
Die Honorarordnung (sGS 963.75; HonO) sieht in Art. 13 ff. verschiedene Formen der
Honorarbemessung vor: das Honorar nach Streitwert (Art. 13-18 HonO), die
Honorarpauschale (Art. 19-22 HonO) und das Honorar nach Zeitaufwand (Art. 23-24
HonO). Für die Verwaltungsrechtspflege ist die Form der Honorarpauschale
vorgesehen (Art. 22 HonO). Die Höhe bestimmt sich demnach in erster Linie nach der
Pauschale nach Art. 19 HonO in Verbindung mit Art. 22 HonO. Nach Art. 22 Abs. 1 lit. a
HonO beträgt das Honorar in der Verwaltungsrechtspflege vor der
Verwaltungsrekurskommission pauschal CHF 1'500 bis CHF 15'000. Innerhalb dieser
Pauschale wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach
Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den
wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO, vgl. BGer
1C_58/2019 vom 31. Dezember 2019 E. 3.3). Der vom Rechtsvertreter betriebene
Aufwand, wie er in der Honorarnote zum Ausdruck kommt, stellt lediglich eines von
verschiedenen Bemessungskriterien dar (VerwGE B 2019/56 vom 2. September 2019
E. 3.1, B 2016/38 vom 12. März 2018 E. 8.3, GVP 2015 Nr. 68 E. 4.2.1).
3.6.1.
Der Beschwerdeführer verlangte ein pauschales Honorar in der Höhe von CHF 7'000
zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer (act. Vorinstanz 21). Er macht geltend, dass
er umfangreiche Akten und mehrere Gutachten habe würdigen müssen und der Fall
sowohl in sachverhaltsmässiger als auch rechtlicher Hinsicht komplex sei. Es seien
3.6.2.
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erhebliche Aufwendungen und Bemühungen notwendig gewesen, zumal der
Beschwerdegegner das rechtliche Gehör und die Untersuchungsmaxime verletzt
hätten. Daher hätten die Anwaltskosten ein sehr hohes Ausmass erreicht.
Grundsätzlich wäre die Sache auch zur Festlegung der Höhe der ausseramtlichen
Entschädigung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Wie bereits unter E. 3.5.2
ausgeführt, kann vorliegend gestützt auf die Aktenlage und die massgebenden
Gesetzesbestimmungen die Höhe der ausseramtlichen Entschädigung im
Rekursverfahren ohne Weiteres durch das Verwaltungsgericht bestimmt werden. Daher
ist aus verfahrensökonomischen Gründen von einer Rückweisung an die Vorinstanz
abzusehen und in der Sache materiell zu entscheiden.
Die Eingabe des Rechtsvertreters gegen die fünfseitige Verfügung des
Beschwerdegegners beträgt 38 Seiten. Diese Rekursergänzung wurde bereits von der
Vorinstanz als umfangreich betitelt (angefochtener Entscheid, Sachverhalt lit. E, S. 5).
Zu prüfen waren im Wesentlichen die gesetzlichen Voraussetzungen für den
Führerausweisentzug für immer und die Nachvollziehbarkeit der beiden
verkehrspsychologischen Gutachten mit gegenteiligem Ergebnis (Dr.Dr. C._, neun
Seiten, und Dr. phil. D._, elfseitig mit drei Seiten Anhang). Weiter war ein Hinweis auf
das Vorliegen der ärztlichen Berichte gemäss Auflagen und auf die Verletzung des
rechtlichen Gehörs angebracht. Der Sachverhalt umfasst 13 Seiten. Dabei listet der
Rechtsvertreter praktisch jedes einzelne Aktenstück auf, was über die im Rahmen von
Art. 48 Abs. 2 VRP geforderte Darstellung des Sachverhalts hinausgeht. Zur
Begründung, dass ein Führerausweisentzug für immer nicht gerechtfertigt ist, benötigte
der Rechtsvertreter acht Seiten und für die in Frage stehende Wiedererteilung 13
Seiten. Die Eingabe des Rechtsvertreters steht in keinem Verhältnis zur angefochtenen
fünfseitigen Verfügung, obwohl diese infolge ungenügender Begründung das rechtliche
Gehör verletzte. Der angefochtene Entscheid fasst den Sachverhalt auf vier Seiten
zusammen und führte seine Erwägungen zu den wesentlichen Streitpunkten auf zehn
Seiten aus. Damit konnte selbst die Vorinstanz denselben Sachverhalt und die strittigen
Punkte wesentlich kürzer abhandeln, ohne dass dabei in den materiellen Ausführungen
Abstriche gemacht werden mussten. Demnach beschränkte sich der Rechtsvertreter in
seiner Eingabe nicht nur auf die wesentlichen Punkte, sondern machte weitschweifige
Ausführungen, welche in diesem Ausmass nicht notwendig waren. Abzugelten ist nur,
was aufgrund der Sach- und Rechtslage als angemessen erscheint. Zwar ist der
Aktenumfang im Vergleich zu anderen Strassenverkehrsfällen nicht als gering zu
3.6.3.
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4.
bezeichnen. Jedoch relativiert sich der Umfang insofern, als dass der Rechtsvertreter
den Beschwerdeführer bereits seit dem 7. November 2017 im Verfahren vor dem
Beschwerdegegner vertritt (act. Vorinstanz 4/202 ff.), ihm die Sachlage daher bereits
bestens bekannt war und diverse umfangreiche Schreiben sowie Beilagen von ihm
selbst stammen (fünfseitige Stellungnahme vom 22. Mai 2018, act. Vorinstanz 4/254 ff.,
19-seitige Stellungnahme vom 21. August 2018, act. Vorinstanz 4/299 ff., mit Beilagen,
act. Vorinstanz 4/321 bis 4/397, siebenseitige Stellungnahme vom 14. Januar 2019,
act. Vorinstanz 4/427 ff.). Insgesamt erscheint angesichts des Aktenumfangs, wobei
dem Rechtsvertreter der Sachverhalt bereits bekannt war, und der Prozessthemen im
Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen sowie unter Beachtung des Pauschalrahmens
nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO eine Entschädigung in der Höhe von CHF 2’500
zuzüglich CHF 100 Barauslagen (vier Prozent von CHF 2'500, Art. 28 Abs. 1 HonO)
und 7,7% Mehrwertsteuer als angemessen. Die Parteientschädigung muss nach
bundesgerichtlicher Praxis nicht sämtliche erforderlichen Kosten decken, sondern nur
einen Teil des nötigen Prozessaufwands (BGer 1C_58/2019 vom 31. Dezember 2019
E. 3.4). Ziff. 6 des angefochtenen Entscheids ist demnach aufzuheben.
bis
Zusammengefasst ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Ziff. 5 des
angefochtenen Entscheids ist aufzuheben und die amtlichen Kosten für das
Rekursverfahren in der Höhe von CHF 2'400 sind vom Beschwerdegegner zu tragen.
Auf die Erhebung ist zu verzichten. Ziff. 6 des angefochtenen Entscheides ist ebenfalls
aufzuheben. Der Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung für das Rekursverfahren, allerdings nicht in der von ihm beantragten
Höhe von CHF 7'840.55, sondern von pauschal CHF 2'600 (inklusive Barauslagen)
zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer. Im Verwaltungsverfahren vor dem Beschwerdegegner
steht dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zu. Ziff. 4 des angefochtenen
Entscheids ist demnach zu bestätigen und die Beschwerde insoweit abzuweisen.
3.7.
Nach den konkreten Umständen obsiegt der Beschwerdeführer teilweise. Mit Ziff. 1
seines Rechtsbegehrens dringt er nicht durch, mit Ziff. 2 vollständig und mit Ziff. 3
lediglich teilweise. Folglich obsiegt er rund hälftig und hat die amtlichen Kosten damit
zur Hälfte zu tragen. Eine Entscheidgebühr für das Beschwerdeverfahren von
CHF 1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Abs. 1 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenanteil des Beschwerdeführers von
CHF 750 ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 1'500 zu verrechnen;
4.1.
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CHF 750 sind ihm zurückzuerstatten. Dem Beschwerdegegner ist ein Kostenanteil von
CHF 750 aufzuerlegen. Gestützt auf Art. 95 Abs. 3 VRP ist auf die Erhebung zu
verzichten.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers rechtfertigen es die Umstände nicht, ihm
seinen Kostenanteil gestützt auf Art. 97 VRP zu erlassen. Ein Erlass wäre allenfalls bei
ausgewiesener Bedürftigkeit, bei erstmaliger Entscheidung einer Rechtsfrage oder
Änderung der Rechtsprechung, bei einem grob fehlerhaften vorinstanzlichen Entscheid
oder bei Unbilligkeit zu bejahen (R. von Rappard-Hirt, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.],
a.a.O., N 5 ff. zu Art. 97 VRP). Eine solche Konstellation wird weder vom
Beschwerdeführer dargetan noch ist sie aus den Akten ersichtlich.
Nachdem der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen nicht mehrheitlich
durchgedrungen ist, hat er im Beschwerdeverfahren keinen Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 VRP, R. Hirt, a.a.O., S. 183 f., A. Linder, in:
Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 16 zu Art. 98 VRP). Entgegen den
Ausführungen des Beschwerdeführers lässt auch sein Verweis auf die ZPO keinen
anderslautenden Schluss zu. Im Zivilprozessrecht wird beim teilweisen Obsiegen einer
Partei von den Parteikosten der mehrheitlich obsiegenden Partei ausgegangen. Dieser
Betrag wird multipliziert mit der Differenz zwischen den Bruchteilen, für welche die
Parteien als kostentragungspflichtig erklärt werden. Obsiegt beispielsweise der Kläger
zu einem Viertel und der Beklagte zu drei Vierteln, hat der Kläger den Beklagten mit der
Hälfte der diesem anfallenden Parteikosten zu entschädigen. Der Grundsatz, dass ein
Verfahrensbeteiligter nur bei mehrheitlichem Obsiegen eine Entschädigung
zugesprochen erhält, soll nicht davon abhängig sein, ob die Gegenpartei anwaltlich
vertreten ist oder nicht oder ob gar keine Gegenpartei im engeren Sinn, sondern
ausschliesslich das Gemeinwesen oder die verfügende Behörde bzw. als Vorinstanz
am Verfahren beteiligt ist (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 832, VerwGE B 222/1998 vom
20. April 1999 E. 2b und B 80/1989 vom 14. Februar 1990 E. 4). Dies bedeutet, dass
eine Entschädigung nach ständiger Praxis sowohl im Zivilprozess als auch im
Verwaltungsverfahrensrecht nur dann zugesprochen wird, wenn ein Beteiligter mehr als
zur Hälfte obsiegt hat, was vorliegend nicht der Fall ist. Wie bereits unter E. 3.5.4
ausgeführt, besteht auch kein Anspruch auf eine abweichende Kostenverteilung über
Art. 107 Abs. 1 lit. b und lit. f ZPO.
4.2.
bis
bis
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