Decision ID: 4a7c9603-6035-4277-8a06-3842e40c1c0b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Drohung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 9. Dezember 2020 (GB200050)
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Anklage:
Der die Anklageschrift ersetzende Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des
Kantons Zürich vom 28. Juli 2020 (Urk. D1/13) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 33 S. 17 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
− des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 5 Monaten, wovon 23 Tage
durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 200.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 2 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 2'937.65 amtliche Verteidigung bis 28.07.2020
Fr. 4'300.00 amtliche Verteidigung ab 28.07.2020
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die amtliche Verteidigung wird mit Fr. 4'300.– (inkl. Barauslagen und MwSt.; Zeitraum ab
28. Juli 2020) aus der Gerichtskasse entschädigt.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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9. (Mitteilungen)
10. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 52):
1. Es sei der Beschuldigte wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen
im Sinne von Art. 292 StGB schuldig zu sprechen und mit einer Busse von
Fr. 200.– zu bestrafen.
2. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 StGB freizusprechen.
3. Eventualiter seien die Dispositivziffer 2 und 3 des bezirksgerichtlichen Urteils
aufzuheben und stattdessen sei der Beschuldigte mit einer bedingten Geld-
strafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 10.– zu bestrafen.
4. Subeventualiter seien die Dispositivziffer 2 und 3 des bezirksgerichtlichen
Urteils aufzuheben und stattdessen sei der Beschuldigte mit einer unbeding-
ten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 10.– zu bestrafen.
5. Subsubeventualiter sei der Beschuldigte unter Aufhebung der Dispositivziffer
2 und 3 des bezirksgerichtlichen Urteils mit einer bedingten Freiheitsstrafe
von 30 Tagen zu bestrafen.
6. Es sei dem Beschuldigten unter Aufhebung der Dispositivziffer 7 des
bezirksgerichtlichen Urteils eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'200.– für
den 21-tägigen Freiheitsentzug zuzusprechen.
7. Die Dispositivziffer 7 des bezirksgerichtlichen Urteils sei aufzuheben und die
Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich
derjenigen der amtlichen Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen.
8. Die Gerichtskosten und die Kosten der amtlichen Verteidigung für Beru-
fungsverfahren seien auf die Staatskasse zu nehmen.
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9. Es sei im Berufungsverfahren die in der nachfolgenden Begründung be-
zeichneten Beweismittel zu berücksichtigen und in die Akten zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 43):
(schriftlich, sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Zum Verfahrensgang bis zum Erlass des erstinstanzlichen Urteils kann auf
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid ver-
wiesen werden (Urk. 33 S. 3). Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene
und mündlich eröffnete Urteil (vgl. Prot. I S. 14) liess der Beschuldigte innert
gesetzlicher Frist die Berufung anmelden (Urk. 24; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach
Zustellung des begründeten Urteils reichte der Beschuldigte sodann wiederum
fristgerecht seine Berufungserklärung ein (Urk. 34; Art. 399 Abs. 3 StPO). Sowohl
die Staatsanwaltschaft als auch die Privatklägerin erklärten daraufhin innert ihnen
angesetzter Frist, auf eine Anschlussberufung zu verzichten (Urk. 43 und 45). Die
Parteien wurden auf den 3. Juni 2021 zur Berufungsverhandlung vorgeladen, zu
welcher der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers erschien
(Prot. II S. 4).
2. Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Schuld-
spruchs der Drohung (Disp.-Ziffer 1, erstes Lemma) sowie des Strafpunkts
(Disp.-Ziffer 2 und 3) an. Aufgrund des Sachzusammenhangs zum Strafpunkt ist
darüber hinaus auch Disp.-Ziffer 4 betreffend die Ersatzfreiheitsstrafe als ange-
fochten zu betrachten. Weiter ficht der Beschuldigte die Kostenauflage an
(Disp.-Ziffer. 7), wobei Disp.-Ziffer 8 betreffend Auflage der Kosten der amtlichen
Verteidigung ebenfalls vom Ausgang des Berufungsverfahrens abhängt und als
angefochten zu betrachten ist. Vorab festzustellen ist demnach, dass das
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vorinstanzliche Urteil betreffend Disp. Ziffer 1, zweites Lemma, sowie Disp. Zif-
fer 5 und 6 in Rechtskraft erwachsen ist.
II. Schuldpunkt
1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten betreffend Dossier 1 vor,
seiner Ex-Frau, der Privatklägerin B._, am 1. Juli 2020 vier Audiosprach-
nachrichten gesandt zu haben, in welchen er auf Türkisch erklärt habe, dass er
sie liebe und entweder mit ihr oder ohne sie sterbe. Sie solle ihm verzeihen, er
habe viele Fehler gemacht, habe ihr viel Leid angetan, aber er liebe sie über alles.
Man werde ein schönes Leben zusammen haben; er werde sie nicht vergessen.
Er habe niemanden im Leben, entweder sterbe er mit ihr, oder ohne sie.
2.1 Der Beschuldigte zeigte sich hinsichtlich dieses Sachverhalts grundsätzlich
geständig (Urk. D1/3/1 Frage 19, 20, 27 und 29; D1/3/3, Frage 9 und 11 und
Prot. I S. 7, Urk. 51 S. 6 ff.), machte aber stets geltend, er sei stark alkoholisiert
gewesen, als er die fraglichen Nachrichten aufgenommen und versandt habe
(Urk. D1/3/1 Frage 22; Urk. D1/3/2 Frage 13; Prot. I S. 7 f., Urk. 51 S. 6 ff.). Vor
diesem Hintergrund stellt sich der Beschuldigte auf den Standpunkt, der subjekti-
ve Tatbestand der Drohung sei nicht erfüllt, da die für die Annahme eines Vorsat-
zes erforderliche Willenskomponente fehle (Urk. 21 S. 3; Urk. 52 S. 5).
2.2 Der Beschuldigte unterzog sich anlässlich seiner Verhaftung vom
3. Juli 2020 einem Alkoholtest, wobei ein Wert von 1.08 mg/l (=2.16 Promille) re-
sultierte (Urk. D1/10/3). Der Test wurde demnach nicht etwa zeitnah zum Tatzeit-
punkt am Abend des 1. Juli 2020, sondern erst ca. zwei Tage später durchgeführt.
Direkte Rückschlüsse auf die Alkoholisierung des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt
sind daraus nicht zu gewinnen. Die Aussage des Beschuldigten, wonach er sich
zum Tatzeitpunkt ebenfalls in alkoholisiertem Zustand befunden habe (vgl.
Urk. D1/3/1 Frage 22; Urk. D1/3/2 Frage 13; Prot. I S. 7 f.; Urk. 51 S. 6 ff.), ist in-
dessen ohne Weiteres glaubhaft, zumal er ebenfalls schilderte, dass er sich vor
seiner Verhaftung wegen seines bestehenden Alkoholproblems in der Klinik Sa-
natorium Kilchberg aufgehalten habe (vgl. Urk. D1/3/3 Fragen 18 ff. und 27), und
auch die Privatklägerin zu Protokoll gab, sie habe an der Stimme des Beschuldig-
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ten erkannt, dass dieser bei der Aufnahme der Sprachnachrichten alkoholisiert
gewesen sei (Urk. D1/4/1 Frage 12). Zu Gunsten des Beschuldigten ist entspre-
chend davon auszugehen, dass er sich auch im Tatzeitpunkt in alkoholisiertem
Zustand befand. Wenn der Beschuldigte vor diesem Hintergrund indessen geltend
machen will, dass er aufgrund der Alkoholisierung schuldunfähig sei bzw. ihm die
für den Vorsatz notwendige Willenskomponente gefehlt habe, so ist er – mit der
Vorinstanz (vgl. Urk. 33 S. 6 f. und S. 10 f.) – auf Folgendes hinzuweisen: Einer-
seits wäre auch bei Annahme einer gleich starken Alkoholisierung wie im Zeit-
punkt nach der Verhaftung noch keine schuldausschliessende Alkoholisierung
anzunehmen. Das Bundesgericht geht im Sinne einer Faustregel davon aus, dass
erst ca. ab 3 Promille eine Schuldunfähigkeit anzunehmen sei (BGE 122 IV 49;
119 IV 120, E. 2b und 2c; 117 IV 292, E. 2d). Dass der Beschuldigte im Tatzeit-
punkt gar noch stärker alkoholisiert gewesen sei, als dies im Anschluss an die
zwei Tage später erfolge Verhaftung festgestellt wurde, ist im Übrigen nicht er-
sichtlich. Weiter ist aufgrund des vom Beschuldigten selbst eingeräumten Alko-
holproblems (vgl. Urk. D1/3/3 Frage 18 ff.; Urk. 51 S. 2 ff.) und der damit notorisch
einhergehenden Gewöhnung an den Alkoholkonsum vorliegend umso weniger an
der Schuldfähigkeit zu zweifeln. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 52
S. 6) würde daran auch nichts ändern, sollte der Beschuldigte tatsächlich – wie
von ihm geschildert (vgl. Urk. 51 S. 6) – zwei Monate vor dem Tatzeitpunkt keinen
Alkohol konsumiert haben, da sich eine Gewöhnung nicht derart schnell wieder
zurückbildet. Ebenfalls gegen eine schuldausschliessende Alkoholisierung spricht,
dass der Beschuldigte immerhin in der Lage war, ganze vier Sprachnachrichten
aufzunehmen, die Nummer der Privatklägerin herauszusuchen und dieser sodann
die Nachrichten zuzustellen. Dies wäre bei einer schuldausschliessenden Alkoho-
lisierung jedenfalls nicht zu erwarten. Weiter überrascht, dass sich der Beschul-
digte genau an die getrunkenen Getränke erinnern können will, die er vor dem
Versand der Sprachnachrichten getrunken habe, gleichzeitig aber geltend macht,
zu diesem Zeitpunkt derart alkoholisiert gewesen zu sein, dass er als schuldunfä-
hig zu gelten habe. Die seitens der Verteidigung anlässlich der Berufungsver-
handlung vorgetragene Berechnung des mutmasslichen Blutalkoholgehalts des
Beschuldigten im Tatzeitpunkt (Urk. 52 S. 3 f.) beruht schliesslich auf blossen
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Mutmassungen und den nicht erstellten Behauptungen des Beschuldigten, wie
viel Alkohol er vor der Aufnahme bzw. dem Versand konsumiert habe, weshalb
dies nichts an den vorstehenden Ausführungen ändert, die klar gegen eine
schuldausschliessende Alkoholisierung im Tatzeitpunkt sprechen.
Mit der Vorinstanz ist entsprechend festzuhalten, dass der Beschuldigte zumin-
dest nicht derart stark alkoholisiert war, dass dies zu einer Aufhebung der Schuld-
fähigkeit führen würde. Die Alkoholisierung ist vielmehr im Rahmen der Strafzu-
messung als verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB zu
berücksichtigen.
3.1 Die Vorinstanz würdigt das dem Beschuldigten in Dossier 1 vorgeworfene
Verhalten als Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Urk. 33 S. 8 f.).
3.2 Der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB macht sich schuldig, wer
jemanden durch schwere Drohung in Angst und Schrecken versetzt. Erneut zu
betonen gilt es, dass es hierbei nicht einzig auf die geäusserten Worte ankommt.
Auch die übrigen Umstände sind bei der Frage zu berücksichtigen, ob ein ver-
ständiger Mensch mit einer durchschnittlichen Belastbarkeit durch diese Äusse-
rung in Angst und Schrecken versetzt worden wäre (vgl. BGE 99 IV 212, E. 1a;
BSK-DELNON/RÜDI, N 20 zu Art. 180 StGB).
3.3 Vorliegend teilte der Beschuldigte der Privatklägerin in den Sprachnachrich-
ten sinngemäss mit, dass er sie immer noch liebe und verzweifelt sei. Er werde
"entweder mit ihr oder ohne sie" sterben. Diese Äusserung machte er gar zwei-
fach, indem er nochmals sagte, er "habe niemanden im Leben, entweder sterbe
er mit ihr oder ohne sie". Vor dem Hintergrund der bereits seit längerer Zeit ge-
trennten Beziehung, im Rahmen welcher es schon früher zu Drohungen gegen-
über der Privatklägerin gekommen war (vgl. Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV
vom 28. Februar 2014; Beizugsakten Urk. 9), waren die erwähnten Äusserungen
ohne Weiteres geeignet, die Privatklägerin in Angst zu versetzen. Die Aussage, er
sterbe "entweder mit ihr oder ohne sie" war angesichts der stark belasteten Vor-
geschichte für die Privatklägerin als Androhung einer Tötung oder allenfalls eines
erweiterten Suizids zu verstehen. Die Privatklägerin wurde ihrerseits durch die
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Äusserung gemäss ihrer glaubhaften Darstellung in Angst versetzt und befürchte-
te, dass ihr der Beschuldigte – welchen sie bestens kennt und dessen Alkoholisie-
rung sie entsprechend einordnen konnte – auf der Strasse auflauern könnte. Sie
habe nach dem Abhören der Nachricht stark gezittert und habe ihre Arbeitsstelle
verlassen bzw. sei nach Hause gegangen (Urk. D1/4/1 Frage 11 ff.). Der objektive
Tatbestand der Drohung ist damit erfüllt.
Auch der Beschuldigte gab schliesslich zu Protokoll, er verstehe, dass die Privat-
klägerin durch die Sprachnachrichten in Angst versetzt worden sei, und führte gar
aus, er hätte an ihrer Stelle wohl genau so reagiert (Urk. D1/3/3 Frage 9). Er hat
demnach in Kauf genommen, dass die Privatklägerin durch sein Handeln in Angst
und Schrecken versetzt wird. Entsprechend ist von einem eventualvorsätzlichen
Handeln auszugehen, womit auch der subjektive Tatbestand zu bejahen ist.
Angesichts dieser Umstände ist der Schuldspruch der Vorinstanz betreffend
Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen der Drohung sowie die anwendbaren
Strafzumessungsregeln zutreffend dargelegt (Urk. 33 S. 11 ff.). Darauf wird ver-
wiesen.
2.1 Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die
Drohung verbal via Audio-Sprachnachrichten geäussert wurde. Obwohl der
Beschuldigte nicht ausdrücklich angedroht hat, der Privatklägerin etwas anzutun,
mussten seine Äusserungen im vorliegenden Kontext – wie erwähnt – als Todes-
drohung bzw. Androhung eines erweiterten Suizids verstanden werden. Im breiten
Spektrum von denkbaren Drohungen, stellt diese eine der schwerwiegendsten
dar, da das hohe Rechtsgut Leben in seinem Kern betroffen ist. Die Privatklägerin
wurde gemäss ihren glaubhaften Schilderungen dadurch sehr verängstigt. So er-
klärte sie, sie habe nach dem Abhören der Sprachnachrichten gezittert und die
Arbeitsstelle verlassen bzw. sei nach Hause gegangen (Urk. D1/4/1 Frage 11).
Gleichwohl resultierte keine weitergehende oder bleibende Beeinträchtigung. Ins-
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gesamt ist die objektive Tatschwere im Rahmen der denkbaren Tatvarianten einer
Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB als noch leicht zu bezeichnen.
2.2 In subjektiver Hinsicht ist zu erwähnen, dass der Beschuldigte die Drohung
unter Alkoholeinfluss aus einer Laune heraus geäussert hat. Ein planmässiges
Vorgehen ist nicht ersichtlich. Er hat mit seiner Äusserung darüber hinaus eine
Einschüchterung der Privatklägerin nicht primär angestrebt, sondern eine solche
vielmehr billigend in Kauf genommen. Primär beabsichtigte der Beschuldigte mit
seinen Sprachnachrichten, der Privatklägerin mitzuteilen, dass er sie noch immer
liebe und sein Leben mit ihr zusammen verbringen wolle (vgl. Urk. 3/1 Frage 21).
Dies obwohl er wusste bzw. ihm klar sein musste, dass die Beziehung zwischen
ihm und der Privatklägerin definitiv beendet war und entsprechende Kontakt-
aufnahmen seitens der Privatklägerin nicht erwünscht sind. Die subjektive
Tatschwere ist insgesamt ebenfalls als noch leicht zu bezeichnen.
2.3 Angesichts der objektiven und subjektiven Tatschwere rechtfertigt es sich,
eine Einsatzstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen bzw. 4 Monaten Freiheitsstrafe
festzusetzen.
3.1 Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten fallen
mit Ausnahme der nachfolgenden Aspekte neutral aus (Urk. 3/4 S. 2 f.; Prot. I
S. 5 ff.; Urk. 51 S. 1 ff.).
3.2 Der Beschuldigte weist zwei Vorstrafen auf. Einerseits wurde er im
Jahr 2012 wegen versuchten Betrugs sowie Urkundenfälschung zu einer beding-
ten Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse in Höhe von
Fr. 1'350.– verurteilt. Im Jahr 2014 wurde er sodann wegen mehrfacher Drohung
zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 90 Tagen verurteilt (Urk. 37). Einschlägig
ist hierbei insbesondere die Verurteilung aus dem Jahr 2014, zumal auch die da-
mals beurteilten mehrfachen Drohungen zum Nachteil der Privatklägerin geäus-
sert wurden (vgl. Beizugsakten, Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des Kan-
tons Zürich vom 28. Februar 2014, dort Urk. 9). Die Vorstrafen wirken sich merk-
lich straferhöhend aus.
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3.3 Ebenfalls negativ ins Gewicht fällt, dass der Beschuldigte während laufender
Strafuntersuchung delinquiert hat, indem er die Privatklägerin nach der Drohung
vom 1. Juli 2020 in Missachtung des gegen ihn verfügten Rayonverbots am
25. Juli 2020 zu Hause aufsuchte, dies notabene nach der Entlassung aus
21 Tagen Untersuchungshaft.
3.4 Die starke Alkoholisierung des Beschuldigten im Tatzeitpunkt ist demgegen-
über deutlich strafmindernd zu berücksichtigen (Art. 19 Abs. 2 StGB). Bloss leicht
strafmindernd wirkt sich im Übrigen aus, dass der Beschuldigte erklärte, er bereue
sein Verhalten und habe die Kontaktdaten der Privatklägerin mittlerweile gelöscht
(Prot. I S. 11), zumal diese Angaben einerseits nicht verifiziert werden können
und andererseits angesichts der bereits länger andauernden belasteten Vorge-
schichte zwischen ihm und der Privatklägerin auch nicht vollends überzeugend
wirken.
3.5 Insgesamt halten sich die straferhöhenden und die strafmindernden täter-
bezogenen Aspekte die Waage.
4.1 Bei einer Sanktion bis zu 180 Tagesätzen kann anstelle einer Geldstrafe
auch eine Freiheitsstrafe ausgefällt werden, wenn eine solche geboten erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten;
oder eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1
StGB). Die Wahl einer Freiheitsstrafe ist näher zu begründen (Art. 41 Abs. 2
StGB). Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmäs-
sigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein so-
ziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 82,
E. 4.1).
4.2 Der Beschuldigte wurde bereits im Jahr 2014 wegen mehrfachen Drohungen
zum Nachteil der Privatklägerin mit einer unbedingten Freiheitsstrafe bestraft. Die
vorliegend zu beurteilende Tat ist insoweit doppelt einschlägig, als sie sich wieder
gegen die Privatklägerin richtete und andererseits auch erneut eine Drohung zum
Gegenstand hat. Daraus wird ersichtlich, dass selbst die unbedingte Freiheitsstra-
fe den Beschuldigten nicht davon abhalten konnte, erneut einschlägig zum Nach-
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teil der Privatklägerin zu delinquieren. Wie die Vorinstanz bereits zutreffend aus-
geführt hat, besteht auch das Alkoholproblem des Beschuldigten weiterhin fort,
welches den Drohungen zum Nachteil der Privatklägerin zu Grunde liegt (Urk. 33
S. 12). Eine deutliche Verbesserung der Legalprognose ist daher – trotz der Be-
mühungen des Beschuldigten, sein Alkoholproblem mit Hilfe einer Therapie in den
Griff zu bekommen (vgl. Prot. I S. 6; Urk. 51 S. 2) – nicht zu erwarten. Angesichts
dieser (ungünstigen) Umstände würde die Ausfällung einer Geldstrafe voraus-
sichtlich keine ausreichende Warnwirkung entfalten. Es ist demnach im Zeichen
der präventiven Effizienz vorliegend die Ausfällung einer Freiheitsstrafe ange-
zeigt, um den Beschuldigten von der Begehung weiterer Delikte, insbesondere
zum Nachteil der Privatklägerin, abzuhalten.
Lediglich der Vollständigkeit halber ist im Übrigen – mit der Vorinstanz (Urk. 33
S. 12) – zu erwähnen, dass angesichts der prekären finanziellen Verhältnisse des
Beschuldigten zu erwarten wäre, dass er selbst eine Geldstrafe unter Anwendung
des gesetzlich minimal möglichen Tagessatzes von Fr. 10.– (Art. 34 Abs. 2 StGB)
nicht bezahlen könnte bzw. nicht bezahlen würde. So erklärte er, er sei arbeitslos
und werde derzeit von der Sozialhilfe unterstützt, welche zudem seine Miete und
die Krankenkasse bezahle. Eine Ausbildung habe er nicht gemacht. Vermögen
habe er keines, Schulden hingegen in Höhe von ca. Fr. 20'000.– (Urk. D1/3/4
Frage 1 ff., Prot. I S. 5 ff.). Eine Verbesserung der finanziellen Verhältnisse ist
insbesondere angesichts des nach wie vor bestehenden Alkoholproblems des
Beschuldigten zudem nicht zu erwarten. Entsprechend ist davon auszugehen,
dass selbst eine allfällige minimale Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen
werden könnte.
4.3 Die alternativen Voraussetzungen von Art. 41 Abs. 1 lit. a und b StGB sind
demnach beide erfüllt, weshalb vorliegend eine Freiheitsstrafe auszufällen ist.
5. Der Beschuldigte ist somit mit einer Freiheitsstrafe von 4 Monaten zu be-
strafen, wovon 23 Tage als durch Haft erstanden gelten (vgl. Urk. D1/10).
6. Zu bestätigten ist im Übrigen die von Vorinstanz für den Ungehorsam gegen
amtliche Verfügungen ausgefällte Busse in Höhe von Fr. 200.–. Praxisgemäss ist
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für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstra-
fe von 2 Tagen auszusprechen.
IV. Vollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geld- oder Freiheitsstrafe von höchs-
tens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig
erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen
abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Wurde der Täter innerhalb der letzten 5 Jahre
nicht zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt, so wird
grundsätzlich eine günstige Prognose vermutet (vgl. OFK-StGB HEIMGARTNER,
N 16 zu Art. 42 StGB).
2. Vorliegend ist dem Beschuldigten indessen – entgegen der Ansicht der Ver-
teidigung (Urk. 52 S. 7 ff.) – eine ungünstige Legalprognose zu stellen, da er ei-
nerseits mehrfach vorbestraft ist, wobei eine Vorstrafe einschlägig ist und zum
Nachteil der Privatklägerin begangen wurde (vgl. Urk. 37), und andererseits das
den Drohungen zu Grunde liegende Alkoholproblem nach wie vor bestehend ist.
Entgegen der Ansicht der Verteidigung ändert daran nichts, dass sich der Be-
schuldigte seit der letzten Verurteilung im Jahr 2014 während sechs Jahren nichts
zu Schulden kommen liess (vgl. Urk. 21 S. 6). Das vorliegend zu beurteilende
Verhalten hat vielmehr geradezu exemplarisch aufgezeigt, dass die weiterhin be-
stehende Alkoholproblematik beim Beschuldigten auch nach einer längeren Pha-
se des Wohlverhaltens als Auslöser weiterer Delinquenz in Erscheinung treten
kann. Die ungünstige Prognose manifestiert sich schliesslich auch durch die De-
linquenz während laufender Untersuchung und nach dreiwöchiger Untersu-
chungshaft. Auch wenn aus Ersterem nur eine Übertretung resultierte, zeigt das
Gebaren des Beschuldigten doch, dass er reichlich Mühe hat, sich an Regeln zu
halten. Die Freiheitsstrafe ist entsprechend zu vollziehen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsrege-
lung (Disp.-Ziffer 7 und 8) zu bestätigen, zumal es sich bei der vorzunehmenden
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leichten Strafreduktion um einen Ermessensentscheid des Gerichts handelt,
welcher keinen Einfluss auf die Verteilung der Kosten hat. Entgegen der Ansicht
der Verteidigung (Urk. 52 S. 14) ist eine Übernahme der Kosten des Verfahrens
auf die Staatskasse nicht angezeigt. Die schlechten finanziellen Verhältnisse ei-
ner Verfahrenspartei führen praxisgemäss nicht dazu, dass die Kosten nicht aus-
gangsgemäss verlegt würden. Vielmehr wird die Inkassobehörde zu prüfen ha-
ben, wie und zu welchem Zeitpunkt die vom Beschuldigten geschuldeten Beträge
eingetrieben werden können.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 3'000.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14
GebV OG).
3.1 Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Berufungsanträgen praktisch voll-
umfänglich, weshalb die Kosten des Berufungsverfahrens ihm aufzuerlegen sind.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Vorbehalten bleibt eine Rückforderung im Sinne von Art. 135 Abs. 4
StPO.
3.2 Im vorliegenden Fall, welcher im vorinstanzlichen Verfahren in die Kompe-
tenz des Einzelgerichts fiel, ist für die amtliche Verteidigung eine Entschädigung
im Rahmen zwischen Fr. 600.– und Fr. 8'000.– festzusetzen (§ 18 Abs. 1 i.V.m.
§ 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Der Fall erweist sich sodann im Rahmen der mögli-
chen Fälle mit Einzelrichterkompetenz als vergleichsweise übersichtlich. Der
Aktenumfang ist noch gering und auch der äussere Sachverhalt war stets unbe-
stritten. Insgesamt rechtfertigt sich, die amtliche Verteidigung mit einem Pau-
schalhonorar in Höhe von Fr. 3'000.– aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
4. Anspruch auf eine Entschädigung hat der Beschuldigte bei diesem Ausgang
des Verfahrens nicht.
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