Decision ID: 045e728e-f305-4979-b89a-55708d16397f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
gebor
en 1967, ist gelernte
Coi
f
feuse
. Sie war als angestellte
Coif
feuse
tätig gewesen, bevor sie sich am
1
8.
Oktober 2002 wegen
Schulter
-Arm
beschwerden
und eines
orthostatischen
Syndroms (
Urk.
7/7) bei der Eidgenös
sischen Invalidenversicherung anmeldete und eine Kostengutsprache für beruf
liche Massnahmen beantragte, was mit Verfügung vom 16. April 2003 abge
lehnt wurde
(Umschulung zur Kosmetikerin; Urk.
7
/2, Urk.
7
/3, Urk.
7
/9
;
vgl. zum Sachverhalt: Urteil des Sozialversicherungsgerichts
im Verfahren
Nr.
IV.2010.01067 vom 29. Juni 2012, Urk. 7/28
).
Am 27.
Mai 2010
ersuchte
die Versicherte
wegen Nacken- und
Schulterschmer
zen
um Wiedereinschulung in die bisherige Tätigkeit (Urk.
7/11).
Mit Verfügung vom 7.
Oktober 2010 verneinte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
einen Anspruch sowohl auf berufliche Massnahmen als auch auf eine Rente
(Urk.
7/21/4-5)
. Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 5.
November 2010 Beschwerde
(Urk.
7/21/3)
. Mit
dem unangefochtenen und in Rechtskraft erwachsenen
Urteil
IV
.
2010.01067
vom 29.
Juni 2012
hiess
das hiesige Gericht
diese Beschwerde in dem Sinne gut, dass es die Sache an die IV-Stelle zurückwies
, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägun
gen neu
über die Leistungspflicht
verfüge
(Urk.
7/28)
.
1.2
In Umsetzung des genannten Urteils liess die IV-Stelle die Versicherte am 1
5.
und 16.
Januar 2013 durch das
Y._
poly
disziplinär
medizinisch begutachten (Urk.
7/45/1-28
, Gutachten vom 1
1.
März 2013
).
Nach erfolgtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/48, Urk.
7/50) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten
um berufliche Massnahmen und eine Rente
mit Verfügung vom 10.
Juni 2013 erneut ab (Urk.
2).
2.
Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
lic
.
iur
. Tobias
Figi
, am 11.
Juli 2013 Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr mindestens eine halbe Invalidenrente auszurichten (Urk.
1). In der Beschwerdeantwort vom 6.
September 2013 (Urk.
6) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde
, was der Beschwerdeführerin am 9.
September 2013 mitgeteilt wurde (Urk.
8)
.
Auf die Ausführungen
der Parteien
und
die eingereichten
Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2012 sind die im Zuge der Revision 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Kraft getreten.
In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung
ist zwar am 1
0.
Juni 2013 ergangen
(Urk.
7/
2
1/4-5
). Der strittige und für die Rechtsfolgen relevante Sachverhalt reicht jedoch in die Zeit
vo
r Inkrafttreten der Revision 6a
und erstreckt sich bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechen
d den allgemeinen intertemporal
rechtlichen
Regeln
für die Zeit bis 3
1.
Dezember 2011
auf die Normen der 5. IV-Revision abzustellen
und für die Zeit ab
1.
Januar 2012 auf die seither gültigen Bestimmungen. Im Folgen
den werden, wo nichts anderes vermerkt ist, die Bestimmungen zitiert, wie sie ab
1.
Januar 2008 in Kraft standen
(vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
ff.; Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1
)
.
1
.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art.
4 Abs.
1
IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art.
4 Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art.
28 Abs.
2 IVG).
1.
4
Gemäss Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (Abs.
2).
Der An
spruch auf Umschulung
setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbs
tätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E.
4.2, 124 V 108 f. E.
2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S.
80
E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E.
3).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S.
70 E.
4b/cc).
1.6
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.
7
Der Anspruch auf rechtlich
es Gehör nach Art.
29 Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
sowie nach Art.
42 ATSG umfasst auch die Pflicht zur Beweisabnahme. Beweise sind indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Ent
scheidung der Streitsache erheblich sind. Auf ein beantragtes Beweismittel kann verzichtet werden, wenn der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, nicht ausreichend rechtserheblich ist, wenn bereits Feststehendes bewiesen werden soll, wenn von vornherein gewiss ist, dass der angebotene Beweis keine Abklä
rung herbeizuführen vermag, oder wenn die Behörde den Sachverhalt gestützt auf ihre eigene Sachkunde beziehungsweise jene ihrer fachkundigen Beamtin
nen und Beamten zu würdig
en vermag (BGE 104 V 209
E.
a).
2.
2.1
Im Urteil vom 2
9.
Juni 2012 hatte das Sozialversicherungsgericht festgestellt, dass sich die Sache mit Bezug auf eine allfällig eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustands als nicht spruchreif erweise. Insbesondere sei fachärzt
lich abzuklären, ob und seit wann die Beschwerdeführerin allenfalls aufgrund organisch bedingter Schwindelbeschwerden oder in ihrer psychischen Gesund
heit beeinträchtigt sei. Je nach Abklärungsergebnis werde auch zu prüfen sein, ob die Beschwerdeführerin tatsächlich als Vollzeiterwerbstätige zu gelten habe (
Urk.
7/28).
2.2
Die
IV-Stelle
gab beim
Y._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag
und die
Beschwerdeführerin wurde
in der Folge
von entsprechenden Fachärzten
des
Y._
rheumatologisch, psychiatrisch,
otorhinolaryngologisch
, neurologisch und
all
gemeininternistisch
abgeklärt
(
Urk.
7/45/1-28)
.
Weiter holte die IV-Stelle eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD
)
ein (
Urk.
7/46/3).
Ge
stützt auf das
Y._
-
Gutachten führte die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung
vom 10.
Juni 2013 aus, gemäss den medizinischen Abklärungen seien der Beschwerdeführerin keine körperlich schweren Tätigkeiten mehr zumutbar
, wo
bei es aus psychiatrischer und rheumatologischer Sicht keine Hinweise darauf gebe, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für leichte bis mittel
schwere Tätigkeiten in den vergangenen Jahren längerfristig relevant einge
schränkt gewesen sei. Es habe mit dem Beginn einer
otoneurologischen
Be
schwerdesymptomatik
im Jahr 2009 eine qualitative Einschränkung gegeben,
die Versicherte habe sturzgefährdende Tätigkeiten sowie Tätigkeiten mit häufi
gen Kopfrotationsbewegungen zu vermeiden
.
Für die Tätigkeit im Haushalt be
stehe bei freier Zeiteinteilung keine Einschränkung und der Beschwerdeführerin sei ihre bisherige Tätigkeit als
Coiffeuse
oder eine angepasste Tätigkeit seit jeher voll zumutbar
, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente
oder berufliche Massnahme
bestehe
. Der Entscheid könne auf das umfassende und schlüssige Gutachten de
s
Y._
vom 11.
März 2013 abgestützt werden (Urk.
2).
2.
3
Die
Versicherte
liess
in der Beschwerde
insbesondere geltend machen, der psychi
atrische Gutachter habe aktiv Einfluss
auf die
Einschätzung der Erwerbs
fähigkeit genommen
. Die Mediziner hätten über die Überwindbarkeitskriterien der
soma
toformen
Schmerzstörung entschieden, darüber müssten aber Juristen und nicht Mediziner befinden
. Das
Y._
-
Gutachten könne daher nicht mehr als neutral gewertet werden. Weiter sei
ihr
zuvor
von Dr.
med.
Z._
,
Fach
ärztin
für Rheumatologie, im Bereich der rechten Hand eine Sehnenscheiden
entzündung diagnostiziert worden.
Diese Diagnose habe der rheumatologische Gutachter de
s
Y._
mit keinem Wort erwähnt. Anlässlich von zwei Vorgesprä
chen
vor der Begutachtung
bei
Dr.
med.
A._
,
Assistenzarzt Psychiatrie und
Psychotherapie
,
sowie bei
Dr.
phil.
klin
. psych.
B._
,
klinischer
Psychologe und Supervisor, sei
eine mittelgradige Depression mit Krankheitswert diagnosti
ziert worden. Sie besuche wöchentliche Therapiegespräche und müsse Antide
pressiva einnehmen. Als
Coiffeuse
verrichte sie ihre Tätigkeit meist stehend und müsse den Kopf häufig rotieren, weshalb sie durch den Schwindel in ihrer Tätigkeit eingeschränkt sei. Insgesamt müsse angenommen werden, dass ihre Arbeitsfähigkeit lediglich noch zu 50
%
gegeben sei. Es ergebe sich
unter Berücksichtigung
der Parallelisierung de
r
Einkommen und eines
leidensbeding
ten
Abzugs beim Invalideneinkommen
ein Invaliditätsgrad von 5
5
% und ein Anspruch auf mindestens eine halbe Invalidenrente (Urk.
1).
3.
3.1
D
as
Y._
stellte in
seinem
Gutachten vom 11.
März 2013 folgende Diagnosen (Urk.
7/45
/25
):
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Intermittierende Schwindelsymptomatik (ICD-10 H82)
, am ehesten
zerviko
gen
bedingt
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Anhaltende
somat
oforme
Schmerzstörung (ICD-10 F
45.4)
generalisiertes
multilokuläres
Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.9)
Chronisches
zervikospondyl
o
genes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.1)
Chronisches
thorakolumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5)
Allgemeine Hypermobilität (ICD-10 M.35.7)
Leichtgradige
Hochtonschallempfindungsschwerhörigkeit rechts (ICD-10 H90.4)
Adipositas (ICD-10
E66.9
)
, BMI 30
,
5 kg/m
2
Anamnestisch Asthma bronchiale (ICD-10 J45.9)
Substituierte Hypothyreose (ICD-10 E03)
; aktuell: normale
Schilddrüsen
funktion
Anamnestisch Verdacht auf Vitamin B12 Mangel
; aktuell
normochro
mes
,
normozytäres
rotes Blutbild
3.2
Die Ärzte führten in der Gesamtbeurteilung aus
,
die Beschwerdeführerin
klage
über Ganzkörperschmerzen, Magenschmerzen, Schwindel und eine Neigung zu Obstipation. A
us
rheumatologischer Sicht finde sich ein chronisches
zervikos
pondylogenes
und
thorakolumbospondylogenes
Schmerzsyndrom ohne Hin
weise auf das Vorliegen einer
radikulären
Symptomatik,
zudem ein generali
siertes,
multi
lokuläres
Schmerzsyndrom wie auch eine allgemeine
Hypermobi
lität
.
Die durch
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Innere Medizin und
Rheumaer
krankungen
, am 15.
Juli 2010 gestellte Diagnose einer
Fibromyalgie
sei zum damaligen Zeitpunkt zutreffend gewesen. Mittlerweile sei es zu einer Auswei
tung der Beschwerdesymptomatik gekommen, wobei die Versicherte nun Druckstellen am ganzen Körper angebe, so dass mittlerweile die Diagnose eines generalisierten
multilokulären
Schmerzsyndroms gestellt werden müsse
.
Aus Sicht des Bewegungsapparates bestehe für die angestammte Tätigkeit als
Coif
feuse
wie auch für jede weitere leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100
%. Für schwere körperli
che Arbeiten bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit.
Aus psychiatrischer Sicht könne eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung festgestellt werden, welche jedoch zu keiner Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit führe.
Im Rahmen dieser
somatoformen
Schmerzstörung leide die Versicherte auch unter leichten depressiven Verstimmungen.
Die Stimmung der Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung sei herabge
setzt, leicht depressiv
,
gewesen. Sie habe einen wachen Eindruck gemacht und sei orientiert gewesen. Während der ganzen Untersuch
ungen
habe sie nie Zeichen von Konzentrationsschwäche gezeigt, sie habe gut auf die gestellten Fragen eingehen können, ihre Merkfähigkeit und ihre Gedächtnisleistungen seien intakt,
ihre
Ausführungen seien anschaulich und
das Denken sei nicht eingeengt gewesen
.
Eine eigenständige depressive Störung kön
ne nicht diag
nostiziert werden und die Versicherte leide vor allem unter zahlreichen psychosozialen Belastungen. Sie habe ihren Sohn praktisch alleine grossziehen müssen und arbeite seit Jahren alleine mit hohen Präsenzzeiten in ihrem
Coif
feursalon
, wobei sie sich kaum Ferien habe leisten können.
Aus
otorhinolaryngologischer
Sicht
bestünden aufgrund einer intermittierenden Schwindelsymptomatik, am ehesten
zervikogen
bedingt, qualitative Einschrän
kungen der Arbeitsfähigkeit. So bestehe eine Arbeitsunfähigkeit für
sturzge
fährdende
Tätigkeiten oder Tätigkeiten, welche eine häufige Kopfrotation voraussetzten. Unter Berücksichtigung dieser qualitativen Einschränkung bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit hinsichtlich einer angepassten Tätigkeit, einschliesslich jener als
Coiffeuse
.
Aus neurologischer und allgemeininternistischer Sicht könnten keine Befunde und Diagnosen erhoben werden, welche eine Arbeitsunfähigkeit begründen würden.
Zusammenfassend bestehe aus polydisziplinärer Sicht eine volle Arbeits
un
fähig
keit nur für schwere körperliche Tätigkeiten. Für körperlich leichte bis mittelschwere, adaptierte Tätigkeiten unter Wechselbelastung, ein
schliesslich jener als
Coiffeuse
, bestehe hingegen eine Arbeits- und Leistungsfä
higkeit von 100
%
. Die Gutachter kamen zum Schluss, dass die erwähnten qua
litativen Einschränkunge
n seit 2009 bestünden. Es fände
sich aus psychiatri
scher wie auch aus rheumatologischer Sicht kein Hinweis darauf, dass die Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten wie die der
Coiffeuse
in den vergangenen Jahren längerfristig relevant eingeschränkt gewesen sei
.
Es bestehe eine Diskrepanz zwischen der Beurteilung durch die Gutachter und der Selbsteinschätzung der Versicherten, die sich nur für 50
%
arbeitsfähig fühle. Eine schwere psychische oder somatische Erkrankung könnte jedoch nicht festgestellt werden (Urk. 7/45/13-14, Urk. 7/45/21, Urk. 7/45/26-28)
.
3.3
D
ie
von der Versicherten konsultierte
Dr.
Z._
hatte
am 22.
Februar 2011
neben einem
Panvertebralsyndrom
eine Ten
d
ovaginitis de
Quervain
(Sehnen
scheidenentzündung)
im Bereich der rechten Hand
diagnostiziert und klinische Hinweise auf ei
ne
mögliche
Fibromyalgie
gefunden
(Urk.
7/45/46).
3.4
Dr.
A._
und Dr.
phil.
klin
.
psych.
B._
hatte
n am 5.
Oktober 2012 eine mittelgradig
e
depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie eine
Fibromyalgie
(
ICD-10
M79.0)
diagnostiziert
.
Sie beschrieben
die Beschwerdeführerin
als
bewusst
seinsklar
und allseits orientiert sowie aktiv im Spontanverhalten. Ihre Stim
mung sei deutlich depressiv resigniert
und
im Gesprächsverlauf sei sie verbal mitteilungsaktiv gewesen. Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und das Gedächtnis seien verlangsamt beziehungsweise deutlich eingeschränkt
gewesen
. Das Denken sei formal beweglich, inhaltlich problemzentriert
gewe
sen
.
Sie führten aus, die Störung habe Krankheitswert
.
D
ie
Rehabilitationsfähig
keit
und
-
prognose sei
en
gut, wobei die Rehabilitationsziele in einer Reduzie
rung der Depression sowie der Schaffung einer beruflichen Perspektive bestün
den
. Die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit sei ein realistisches Ziel (Urk.
7/45/29)
.
4.
4.1
Die
Gutachter des
Y._
nahmen die
verschiedenen von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden zur Kenntnis
und nahmen die entsprechenden klini
schen Untersuchungen dazu vor
(
Urk.
7/45/1-28)
.
Es wurden auch die im Gut
achten aufgeführten
Vorakten
berücksichtigt, wobei im Gutachten Stellung
nahmen zu früheren ärztlichen Einschätzungen festgehalten sind
.
Offenbar gin
gen nachträglich Akten ein, die den Gutachtern bei der Erstellung des Gutach
tens vorlagen. Ausdrücklich wu
rde im Gutachten
der
Radiologiebefund
des
D._
vom 1
1.
Juni 2011
(
Urk.
7/45/51)
aufgeführt
und
es
wurde dazu erklärt
, dass die Versicherte die Bilder des MRT der Halswirbelsäule
der
Neuroadiologie
Schanze, Klinik
E._
vom 30.
September 2011 mitge
bracht habe
(
Urk.
7/45/15)
.
Den übrigen beigezogenen Berichten,
die nicht
explizit
im Gutachten aufgeführt
wurden (
Berichte des
F._
,
des
D._
,
der Klinik
G._
,
des
H._
,
Urk. 7/45/29-53
) ist
nichts
Wesentliches
zu entnehmen
, was den übrigen
Vorakten
widersprechen würde
.
Was die Schwindelsymptomatik betrifft, so
war
diese vor der
Y._
-
Untersuchung nicht medizinisch abgeklärt
worden
, was einer der Gründe für die Rückweisung durch das Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 2
9.
Juni 2012 war
(
Urk.
7/28)
.
Die neurologische Untersuchung im
Y._
durch den Facharzt
Dr.
med.
I._
ergab überhaupt keine auffälligen neurologischen Befunde und damit auch keine neurologische Diagnose für den sporadisch auftretenden Schwindel (
Urk.
7/45/17).
Anlässlich des Untersuchs
durch
Dr.
med.
J._
,
Facharzt für
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
,
konnten
ebenfalls
keine eindeutigen klinischen Befunde einer zentral
vestibulären
Funktionsstörung eruiert werden. Eine
zervikogen
bedingte
Schwindelsymptomatik (ICD-10 H82)
erklärt die anamnestischen intermittierenden Schwindelbeschwerden bei Kopfrotation, In
klination und
Reklination
, weshalb die im
Y._
-
Gutachten gestellte Diagnose eines Verdachts
einer solchen am ehesten
zervi
kogen
bedingten
Schwindel
symptomatik
zu überzeugen vermag
,
und bei den
Sturzvorkommen
ist gemäss Gutachter
von der Beteiligung einer
hämodynamischen
Komponente auszuge
hen
.
Was die Ganzkörperschm
erzen betrifft, wurden klinisch, labortechnisch, radiolo
gisch
,
skelettzintigraph
isch
und kernspintomographisch keine Hinweise für
ein
entzündlich rheumatisches Geschehen festgestellt. Für die von Seiten der Versicherten angegebenen Schmerzen und Funktionseinschränkungen des Bewegungsapparates konnte nur zum Teil ein entsprechendes morphologisches Korrelat gefunden werden.
Entsprechend wurden die Diagnosen eines generali
sierten
multiloku
t
aren
Schmerzsyndroms, eines chronischen
zervikospondylo
genen
Schmerzsyndroms und eines chronischen
thorakolumbospondylogenen
Schmerzsyndroms gestellt
. Dies deckt sich mit den übrigen medizinischen Berichten. Insbesondere vermag es zu überzeugen, dass
die von
Dr.
C._
am 1
5.
Juli 2010 gestellte Diagnose
(
Urk.
5/14/3-21)
einer
Fibromyalgie
damals zu
traf
, sich
die Beschwerdesymptomatik
jedoch
mittlerweile ausdehnte. Dies zeigt sich an den durch die Versicherte geklagten Schmerzen, welche inzwischen den ganzen Körper betreffen.
4.2
Ein weiterer Punkt, welcher zur Rückweisung durch das
Sozialversicherungsge
richt
mit Urteil vom 2
9.
Juni 2012 (
Urk.
7/28)
gef
ührt
hatte
, war
die
bis dahin ungenügende Abklärung der psychischen Gesundheit.
Dr.
med.
K._
,
Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
schildert im
Y._
-
Gutachten anschau
lich
das
Auftreten der Beschwerdeführer
in anlässlich der Untersuchung. G
emäss
seinen Feststellungen war die
Stimmung der Versicherten herabgesetzt und die Versicherte leicht depressiv, sie
war
jedoch wach,
drückte
sich differenziert aus,
zeigte
keine Zei
chen von Konzentrationsschwäche
,
konnte
gut auf die gestellten Fragen eingehen,
zeigte intakte
Merkfähigkeit und Gedächtnisleistungen und
verneinte
Lebensverleider
, Su
i
zidgedanken und Suizidphantasien
.
Dieses Ver
halten ist im Rahmen einer depressiven Verstimmung erklärbar und es sind darin keine Anzeichen einer schwereren Depression erkennbar.
Weiter ist belegt, dass die Versicherte in den letzten Jahren grossen psychosozialen Belastungen ausgesetzt war. Sie ist alleinerziehende Mutter, einer grossen Arbeitsbelastung ausgesetzt
und
mit ihrem
Coiffeursalon
ohne weitere Mitarbeitende alleine
in
einer Branche mit viel Konkurrenz
tätig
.
Nachdem sich die von der Beschwer
deführerin geklagten gesamtkörperlichen Schmerzen, die sie als sehr beein
trächtigend erlebt, objektiv somatisch nicht erklären liessen, daneben jedoch er
hebliche psychosoziale Probleme beschrieben wurden, die hinreichende Erklä
rung für die Stimmungslage der Versicherten darstellen,
vermag die
im
Y._
-
Gutachten gestellte
Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung
mit depressi
ver Verstimmung
(ICD-10 F45.4)
zu überzeugen.
Die Beschwerdeführerin macht unter Bezugnahme auf
de
n
Bericht von Dr.
A._
und
Dr.
phil.
klin
. psych.
B._
vom 5.
Oktober 2012 (Urk.
7/
45/29)
geltend, an einer mittelgradig depressiven Episode mit
Krank
heitswert
zu leiden (
Urk.
1 S. 7-8).
In der Begründung dieser Diagnose hatten die Ärzte von einer deutlich depressiv-resignierten Stimmung gesprochen und vor allem berichteten sie von einer eingeschränkten Aufmerksamkeit, Konzent
ration und einem verlangsamten Gedächtnis (
Urk.
7/45/30), wohingegen der Psychiater des
Y._
diese Punkte bei der Begutachtung durch ihn nicht verifi
zieren konnte. Er erwähnte im Gegenteil ausdrücklich eine gute Merkfähigkeit, gute Gedächtnisleistungen und keine Zeichen von Konzentrationsschwäche (
Urk.
7/45/28). Eine mittelschwere depressive Störung lag somit im Zeitpunkt der Begutachtung durch das
Y._
nicht vor. Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass die depressive Situation allenfalls während einer gewissen Zeit vor der Begutachtung schlimmer gewesen wäre und sich bereits durch die im Herbst 2012 begonnene - allerdings niedrig dosierte - medikamentöse Behandlung und Gesprächstherapie innert weniger Monate verbessert hätte, kann aufgrund der Aktenlage nicht gesagt werden, dass der gesundheitliche Zustand der Versi
cherten während eines relevanten Zeitraums vor der Begutachtung viel schlechter gewesen wäre und eine schwerere depressive Erkrankung vorgelegen hat.
Der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, dass ihr am 22. Februar 2011 unter anderem eine Tendovaginitis de
Quervain
im Bereich der rechten Hand
diagnostiziert worden war (Urk. 7/45/46). Dies
war
allerdings beinahe zwei Jahre vor dem
Y._
-Untersuch. Im
Y._
-
Gutachten vom 11. März 2013 wurde zur Untersuchung der peripheren Gelenke ausdrücklich festgehalten, dass beide Handgelenke bis auf eine Überstreckbarkeit altersentsprechend und schmerzfrei beweglich seien
,
sowie
,
dass
der Faustschluss beidseits komplett und kräftig sei. Es könnten weder im Bereich der grossen noch der kleinen Gelenke der oberen und unteren Extremitäten
Synovitiden
nachgewiesen werden (Urk. 7/45/19). Aufgrund der ausführlichen Untersuchung von Händen und Handgelenken durch Gutachterin Dr. med
.
L._
,
Fachärztin für Rhe
u
matologie,
steht fest, dass diese Sehnenscheidenentzündung im
Y._
-
Gutachten deshalb kein Thema war, weil sie am 1
5.
respektive 1
6.
Januar 2013 nicht mehr vorlag.
Zudem spre
chen keine Hinweise dafür, dass diese Sehnenscheidenentzündung die Versi
cherte während einer längeren Zeitspanne begleitete.
Zusammenfassend
haben sich die Gutachter
des
Y._
hinreichend mit den relevan
ten
Vorakten
, der Anamnese
und
den
Ansichten der übrigen Fachärzte
und
auch den geltend gemachten Beschwerden der Versicherten auseinander
gesetzt, die Beurteilung sodann aufgrund eigener fachärztlicher Untersuchungen gemacht und ihre Beurteilung damit hinreichend begründet und belegt.
4.
3
Was die
Relevanz der gestellten Diagnosen für die
Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin betrifft, so ist im Zusammenhang mit der
somatoformen
Schmerzstörung
unter welcher die Beschwerdeführerin leidet,
die diesbezügliche Rechtsprechung zu berücksichtig
en.
Danach begründet eine
fachärztlich (psychi
atrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung als sol
che noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somato
forme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren
Willensanstren
gung
überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitspro
zess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein sol
cher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progre
dienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beein
flussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder
stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zu
treffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare
Willens
anstrengung
zu verneinen (BGE 130 V 352; vgl. auch zur Publikation vorgese
henes Urteil des Bundesgerichts
8C_972/2012 vom 31.
Oktober 2013
E. 3 ff.).
Die
Beschwerdeführerin
macht geltend
,
die Äusserungen im Gutachten betref
fend Überwindbarkeit der somatischen Schmerzstörung verstiessen gegen die
Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten in der Eidgenössischen Invali
denversicherung der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psycho
therapie
[
SGPP
]
vom Februar 2012 (im Folgenden Qualitätsleitlinien)
und stell
ten die Neutralität des Gutachtens in Frage
(
Urk.
1 S. 6)
. Dazu ist festzuhalten, dass sich die entsprechende Äusserung von
Dr.
K._
zu den Kriterien der Unzumutbarkeit der willentlichen Schmerzüberwindungen sowohl mit den erwähnten Qualitätsleitlinien
, welche festhalten, dass es der Rechtsanwendung diene, wenn bei Vorliegen einer Schmerzstörung in Gutachten Angaben zu den fraglichen Kriterien gemacht würden (Anhang 2 der Qualitätsleitlinien)
,
als auch mit der Rechtsprechung
, gemäss welcher Ärzte sich zur objektiv zumutbaren Überwindbarkeit einer allfällig psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit äussern sollen (Urteil des Bundesgerichts 9C_408/2010 vom 22. November 2010 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen), übereinstimmt
.
Dr.
K._
kam mit den entsprechen
den Äusserungen lediglich seiner
Pflicht als Gutachter nach und beantwortete die
Zusatzfrage 4 zum polydisziplinären Gutachten
(Urk.
7/33/3
). Zur Erwerbs
fähigkeit oder
zur Invalidität
der Beschwerdeführerin äusserte sich
Dr.
K._
nicht
und es ist am Gericht, seine Ausführungen zu den Kriterien der Unzumut
barkeit der willentlichen Schmerzüberwindungen
im Rahmen der Würdigung des als
Beweismittel
vorliegenden Gutachtens
zu berücksichtigen
.
Bei
der Versicherten
liegt
keine psychische
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vor, da sie
wie bereits dargelegt
nicht an einer anhaltenden und ausgeprägten Depression leidet
. D
ie Versicherte hält sich
gemäss eigenen Angaben
noch immer täglich
von 9 Uhr
bis 18 oder 19 Uhr
in ihrem Geschäft auf und betreut Kundschaft
, wobei sie
gemäss ihren Angaben
monatlich zwischen Fr.
3‘500.-- bis
Fr.
4‘000.-- an Einnahmen erzielt
.
Sie
führte aus, sie
meide den Kontakt zu den Kundinnen etwas und es sei zum Teil zu Reklamationen der Kundschaft gekommen, weil sie diese nicht mehr so gut unterhalten habe.
Nach der Arbeit
kehre
sie
nach Hause zurück und
schlafe
oder erledig
e
zuvor noch kleine Einkäufe. Im Haushalt
erledige
sie kleinere
Reini
gungsarbeiten
und die Wäsche selbst. Das Nachtessen für ihren Sohn, welcher mit ihr zusammenleb
e
, bereite sie meist aus Fertigprodukten zu. Nachher
sei sie
meist im Bett und
schaue fern
, selten l
ese
sie.
Einen
Freundeskreis habe sie kaum, sie habe nur
eine
Kollegin
, welche sie ungefähr zweimal monatlich
treffe.
Weiter
habe sie
Kontakt zu einer Schwester und im Sommer 2
012 fünf
Ferien
tage
im Ferienhaus ihrer Schwester in der
M._
v
erbracht
. Für
Hobbies
habe sie
kaum Zeit und geh
e
nur gelegentlich im Hallenbad schwimmen. Früher habe sie mehr mit ihrem Sohn unternommen
, was dieser jetzt weniger oft wolle
(
Urk.
7/45/11 ff.)
.
Diese Schilderungen
der Versicherten betreffend ihren
übli
chen Tagesablauf sowie
ihre
sozialen Kontakte belegen lediglich einen leichten sozialen Rückzug,
da sie
sowohl mit Kundschaft als auch mit einigen wenigen Bezugspersonen
soziale
Kontakte pflegt
und einem normalen
,
kundenorientier
ten
Tagesablauf nachgeht
.
Auch ein ausgeprägter Krankheitsgewinn lässt sich den Akten nicht entnehmen.
Was bisherige unbefriedigende
Behandlungsergeb
nisse
betrifft, so bestehen noch Möglichkeiten von anderen Therapieansätzen - es
wurden
auch im
Y._
-
Gutachten
vom 11. März 2013
noch Möglichkeiten für
medizinische Massnahmen vorgeschlagen (Urk. 7/45/27).
G
ewisse somatische Beschwerden
sind zwar
vorhanden, doch die
s
allein genügt nicht, um
von einer Nichtüberwindbarkeit der
somatoformen
Schmerzstörung oder ihre Folgen
aus
zugehen
. Die für die Annahme eines ausnahmsweise invalidisierenden Charak
ters der
somatoformen
Schmerzstörung und der
Fibromyalgie
erforderlichen Voraussetzungen sind vorliegend nicht
beziehungsweise
nicht in genügendem Mass erfüllt.
Es ist somit festzuhalten, dass die
somatoforme
Schmerzstörung der Versicherten keinen invalidisierenden Charakter hat.
4.4
Die Beschwerdeführerin führt
e
aus, dass ihre Arbeitsfähigkeit von den behandeln
den Ärzten und Therapeuten auf 50
% geschätzt werde und offerierte Dr.
A._
und Dr.
phil.
klin
.
psych.
B._
als Zeugen (Urk.
1 S.
7-8).
Eine
m
ittelgradige depressive Episode bildet
rechtsprechungsgemäss regelmässig keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andau
ernde Depression im Sinne eines verselbstständigten Gesundheitsschadens, die es der be
troffenen Person verunmöglichte
, die Folgen der bestehenden Schmerzproblematik zu überwinden, weshalb in diesen Fällen grundsätzlich von keiner relevanten psychischen
Komorbidität
ausgegangen wird (Urteil
des Bun
desgerichts
8C_183/2012
vom 5.
Juni 2012
E. 7
mit weiteren Hinweisen). Somit würde das Vorliegen einer solchen mittelgradigen
depressiven
Episode nichts
an der
zuvor gezogenen Schlussfolgerung betreffend Überwindbarkeit der
somato
formen
Schmerzstörung
ändern
(vgl. E.
4.3)
. Auch eine von Ärzten geschätzte 50%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer solchen m
ittelgradig depressiven Episode
würde nichts an der festgestellten
willentlichen
Überwindbarkeit ändern
, da für eine mittelgradige depressive Episode diesbezüglich die gleichen
Kriterien zur Anwendung kämen wie für die
somatoforme
Schmerzstörung
. Es ist somit auf die Beweisabnahme der offerierten Zeugeneinvernahmen zu ver
zichten,
da
der Sachverhalt, den
die Beschwerdeführerin
beweisen will, nicht ausreichend rechtserheblich ist.
4.5
Die Schlussfolgerung des
Y._
-
Gutachtens, dass die Versicherte aufgrund ihrer Beschwerden keine
r
körperlich schweren Tätigkeit mehr nachgehen kann und ihr keine
sturzgefährdende Tätigkeiten und Tätigkeiten mit häufigen
Kopfrotati
onen
mehr zumutbar seien
(Urk.
7/45/24)
, ist nachvollziehbar, weshalb von einer in diesem Sinne qualitativ eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen ist
. Die Beschwerdeführerin macht
in diesem Zusammenhang
g
eltend, eine
Coiffeuse
verrichte ihre Arbeit meistens stehend und müsse häufig den Kopf rotieren.
Das
Y._
-
Gutachten habe die intermittierende Schwindelsymptomatik mit Sturzereignis bagatellisiert
(Urk. 1 S. 9)
.
Anlässlich der
Y._
-
Untersuchung berichtete die Beschwerdeführerin von zwei Stürzen (
Urk.
7/45/23
). Zum einen Sturz führte sie aus, dass sie am 5.
Mai 2012 in ihrem Geschäft von einer Leiter gestürzt sei (Urk.
7/45/18). Bei der Benutzung einer Leiter handelt es sich um eine sturzgefährdende Tätigkeit, welche
der Beschwerdeführerin nicht zumutbar ist, jedoch
nicht zu den üblichen Tätigkeiten einer
Coiffeuse
gehört.
Es ist der selbständig erwerbenden Beschwerdeführerin zuzumuten, ihr Geschäft so ein
zurichten, dass sich die Benutzung einer Leiter erübrigt oder für die seltenen Fälle, in welchen sie eine Leiter benutzen müsste, Hilfe beizuziehen.
Was die Kopfrotationen anbelangt, so muss eine
Coiffeuse
zwar ihren Kopf bewegen
, um Haare zu schneiden oder zu färben.
Sie kann dabei jedoch ihren Körper
mitbe
wegen
sowie ruckartige Bewegungen des Kopfes vermeiden.
Was die
behauptete
meist stehende Tätigkeit betrifft, so ist der Beschwerdeführerin überdies Abwechslung zwischen Steh- und Sitzarbeit zu empfehlen
und dies ist zumut
bar
, da langes Stehen in einseitiger Körperhaltung den Rücken belastet und zu Verspannungen im Schulter-Nackenbereich
führen kann
. Sitzende Tätigkeiten sind
im
Coiffeurberuf
mit Hilfe eines höhenverstellbaren Rollhockers möglich (vgl. Frage 22 und 23 der Checkliste für
Coiffeurgeschäfte
,
Nailstudios
der Eid
genössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit [EKAS]
vom November 2009
,
vgl.
www.ekas.admin.ch
).
4.
6
Das
Y._
-
Gutachten
vom 11.
März 2013
(Urk.
7/45/1-28)
, wonach die Beschwer
deführerin für körperlich leichte bis mittelschwere, adaptierte Tätigkeiten unter Wechselbelastung, einschliesslich jener als
Coiffeuse
, zu 100
% arbeits- und leistungsfähig ist, erweist sich somit als überzeugend und wird
,
wie ausgeführt
,
durch die Einwände der Beschwerdeführerin nicht in
Frage gestellt.
Die im Rückweisungsentscheid des Sozialversicherungsgerichts aufgeworfenen Fragen betreffend Schwindelproblematik und die psychischen
Beschwerden wurde durch das
Y._
-
Gutachten hinreichend geklärt. Aufgrund dieses Ergebnisses er
übrigten sich weitere Abklärungen zur Statusfrage
; eine Erwerbsunfähigkeit liegt nicht vor.
Die angefochtene Verfügung
vom 1
0.
Juni 2013
(Urk.
2) erweist sich somit als richtig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.