Decision ID: dd6f5fda-c26e-504f-b877-a80dd33512ff
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 03.03.2015 Art. 52 ATSG. Für die Überprüfung eines Einspracheentscheides sind die tatsächlichen Verhältnisse bis zum Erlass der einspracheweise angefochtenen Verfügung massgebend und nicht die Verhältnisse bis zum Erlass des Einspracheentscheides (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 2. März 2015, EL 2012/37, E. 2). Bei Art. 25 Abs. 4 ELV, gemäss welchem die Herabsetzung einer laufenden EL infolge der Anrechnung eines Mindesteinkommens nach den Art. 14a Abs. 2 und 14b erst sechs Monate nach Zustellung der entsprechenden Verfügung wirksam wird, handelt es sich um eine abschliessende Regelung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. März 2015, EL 2013/51).Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug undKarin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Lea LocherEntscheid vom 3. März 2015in SachenA._,Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendErgänzungsleistung zur IVSachverhalt:
A.
A.a A._ bezog seit dem 1. Juni 2004 eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung
(EL-act. 120-2). Am 2. Februar 2006 meldete sie sich zum Bezug einer jährlichen EL an
(EL-act. 119).
A.b Die EL-Durchführungsstelle teilte der Versicherten am 13. März 2006 mit, dass sie
sich beim RAV anmelden müsse, damit ihr kein hypothetisches Einkommen
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angerechnet werde (EL-act. 116). In der Folge informierte das RAV die EL-Durch
führungsstelle darüber, dass die Versicherte seit dem 16. März 2006 bei ihr als
stellensuchend eingetragen sei (EL-act. 115-2). Zurzeit seien für die Versicherte im
Raum B._ jedoch keine geeigneten Arbeitsstellen verfügbar: Die Versicherte habe in
zwei Einsatzprogrammen aus diversen Gründen wie einem Augenleiden,
Rückenproblemen, mangelnder Geduld und sprachlichen Problemen qualitativ und
quantitativ sehr geringe Leistungen gezeigt.
A.c Mit Verfügung vom 11. Mai 2006 wurde der Versicherten rückwirkend ab 1.
Februar 2006 eine jährliche EL zugesprochen (EL-act. 112). In einem Beiblatt (EL-act.
113) wurde ihr mitgeteilt, dass im Moment auf die Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens verzichtet werde, sie sich jedoch weiterhin aktiv und gezielt unter Mithilfe
des RAV um Stellen bemühen müsse. Die Stellenbemühungen würden zu einem
späteren Zeitpunkt überprüft werden. Bei ungenügender Arbeitsbereitschaft werde
umgehend ein hypothetisches Einkommen angerechnet werden.
A.d Im September und Oktober 2006 reichte die AHV-Zweigstelle Arbeitsunfähigkeits
atteste (100 %ige Arbeitsunfähigkeit) für die Zeit vom 16. August bis 30. November
2006 ein (EL-act. 110).
A.e Am 15. November 2006 forderte die EL-Durchführungsstelle die Versicherte auf,
alle Arbeitsbemühungen seit 1. Mai 2006 einzureichen (EL-act. 107). Am 4. Dezember
2006 reichte die AHV-Zweigstelle ein Arbeitsunfähigkeitsattest für die Zeit vom 16.
August bis 31. Dezember 2006 ein (100 %ige Arbeitsunfähigkeit; EL-act. 105). Am 8.
Dezember 2006 forderte die EL-Durchführungsstelle die Versicherte auf, ein
detailliertes Arztzeugnis einzureichen (EL-act. 104). Die Versicherte kam dieser
Aufforderung nicht nach. Im Januar 2007 reichte die AHV-Durchführungsstelle ein
Arbeitsunfähigkeitsattest für die Zeit vom 1. Januar bis 28. Februar 2007 ein (100 %ige
Arbeitsunfähigkeit; EL-act. 102).
A.f Am 25. Februar 2010 wurde der EL-Durchführungsstelle mitgeteilt, dass der IV-
Grad ab 1. April 2010 von bisher 63 % auf 42 % herabgesetzt werde (EL-act. 88).
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A.g Mit Verfügung vom 3. März 2010 (EL-act. 87) passte die EL-Durchführungsstelle
die EL per 1. April 2010 aufgrund der Herabsetzung der IV-Rente an. In der
Begründung wies die EL-Durchführungsstelle die Versicherte darauf hin, dass sie
vorläufig auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens verzichte. Die
Versicherte habe sich allerdings aktiv und gezielt um Stellen zu bemühen (mindestens
zehn Bewerbungen pro Monat). Die Nachweise der Arbeitsbemühungen müsse sie
aufbewahren und auf Verlangen vorlegen. Die EL-Durchführungsstelle behalte sich vor,
die getätigten Arbeitsbemühungen zu einem späteren Zeitpunkt zu überprüfen und bei
ungenügender Arbeitsbereitschaft ein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen.
A.h Am 7. April 2010 forderte die EL-Durchführungsstelle die Versicherte auf,
sämtliche Belege über die Arbeitsbemühungen für die Periode 1. Januar 2010 bis 6.
Mai 2010 einzureichen (EL-act. 85). Sie wies die Versicherte darauf hin, dass ab dem
Folgemonat ein hypothetisches Einkommen angerechnet würde, falls die getätigten
Arbeitsbemühungen ungenügend seien. Am 14. Mai 2010 teilte die Pro Infirmis der EL-
Durchführungsstelle mit (EL-act. 83), dass der Versicherten nicht bewusst gewesen sei,
dass sie ihre Restarbeitsfähigkeit verwerten müsse. Sie beziehe seit mehreren Jahren
EL, ein hypothetisches Einkommen sei ihr jedoch nie angerechnet worden. Aus diesem
Grund könne sie keine Arbeitsbemühungen nachweisen. Gestützt auf Art. 25 Abs. 4
ELV sei es nicht zulässig, die laufende EL auf den Folgemonat herabzusetzen.
A.i Mit Verfügung vom 28. Mai 2010 teilte die EL-Durchführungsstelle der Versicherten
mit, dass sie ab 1. Juni 2010 keinen Anspruch mehr auf EL habe (EL-act. 82). In der EL-
Berechnung wurde neu ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 24'960.--
berücksichtigt, weshalb ein Einnahmenüberschuss resultierte.
A.j Gegen diese Verfügung liess die Versicherte durch die Procap Einsprache erheben
(EL-act. 78). Zum einen brachte die Rechtsvertreterin vor, dass die IV-Rente der D._
AG (nachfolgend: D._) aufgrund der Herabsetzung des IV-Grades auf 42 % jährlich
nur noch Fr. 8'980.-- betrage. Zum anderen machte sie geltend, dass gemäss Art. 25
Abs. 4 ELV frühestens ab 1. Oktober 2010 ein hypothetisches Einkommen angerechnet
werden dürfe. Die Rechtsvertreterin wies zudem darauf hin, dass die Versicherte gegen
die Herabsetzung der Dreiviertelsrente auf eine Viertelsrente Beschwerde erhoben
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habe. Am 19. August 2010 teilte die EL-Durchführungsstelle der Rechtsvertreterin mit,
dass das Einspracheverfahren sistiert werde, bis das Beschwerdeverfahren betreffend
die IV-Rente abgeschlossen sei (EL-act. 76).
A.k Mit Verfügung vom 9. September 2010 (EL-act. 73) passte die EL-
Durchführungsstelle die EL-Berechnung für die Periode 1. Juni bis 31. August 2010 der
tieferen Rente der D._ an und sprach der Versicherten rückwirkend für diesen
Zeitraum eine EL zu. Mit Schreiben vom 21. September 2010 (EL-act. 72) wies die
Procap die EL-Durchführungsstelle darauf hin, dass die Rentenleistungen der D._
bereits ab 1. April 2010 herabgesetzt worden seien. Mit Verfügung vom 4. Oktober
2010 (EL-act. 70) passte die EL-Durchführungsstelle die EL-Berechnung für die Periode
1. April bis 31. Mai 2010 der tieferen Rente der D._ an und sprach der Versicherten
rückwirkend für diesen Zeitraum eine EL zu.
A.l Mit Verfügung vom 29. Dezember 2010 passte die EL-Durchführungsstelle die EL
per 1. Januar 2011 an (EL-act. 68). Am 12. Januar 2011 (EL-act. 64) reichte die Ver
sicherte ihre Arbeitsbemühungen für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2010
ein. Gemäss den eingereichten Unterlagen hatte sie sich im Oktober 2010 sieben Mal
beworben (EL-act. 63-27 ff.). Im November 2010 hatte sie sich acht Mal beworben,
wobei sie sich fünfmal spontan für 50 %-Anstellungen beworben hatte (EL-act. 63-13
ff.). Im Dezember 2010 hatte sich sie sich sieben Mal beworben, wobei fünfmal davon
spontan für 50 %-Anstellungen und einmal für eine ausgeschriebene 50 %-Stelle (EL-
act. 63-1 ff.).
A.mMit Verfügung vom 28. Juli 2011 wurde die EL rückwirkend per 1. Januar 2011
angepasst (EL-act. 49). Sie betrug neu Fr. 1'667.-- monatlich. In einem Kommentar zur
Berechnung hielt die EL-Durchführungsstelle fest, dass zurzeit auf die Anrechnung
eines hypothetischen Einkommens verzichtet werde, da die Versicherte eine
gesundheitliche Verschlechterung geltend gemacht habe. Je nach Verlauf des IV-
Verfahrens behalte sie sich vor, die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens
erneut zu prüfen. Sofern sich die Versicherte subjektiv arbeitsunfähig fühle, müsse sie
keine Bewerbungen tätigen. Sollte jedoch objektiv eine Resterwerbsfähigkeit von mehr
als 30 % verbleiben, müsse sie mit einer Anrechnung eines hypothetischen
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Einkommens rechnen. Mit Verfügung vom 28. Dezember 2011 wurde die EL ab
1. Januar 2012 auf Fr. 1'680.-- festgesetzt (EL-act. 43).
A.n Am 25. Oktober 2012 teilte die EL-Durchführungsstelle der Rechtsvertreterin mit
(EL-act. 40), die Sistierung des Einspracheverfahrens werde aufgehoben, da der
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 16. August 2012 betreffend die
Rentenherabsetzung inzwischen in Rechtskraft erwachsen sei. Sie forderte die
Rechtsvertreterin auf, ihr mitzuteilen, ob sie weiterhin an der Einsprache festhalte. Mit
Schreiben vom 6. November 2012 (EL-act. 36) teilte die Rechtsvertreterin mit, dass die
Versicherte an der Einsprache festhalte.
A.o Mit Verfügung vom 27. Dezember 2012 wurde die EL ab 1. Januar 2013 auf
Fr. 1'701.-- monatlich festgesetzt (EL-act. 25). Am 20. Mai 2013 verfügte die EL-
Durchführungsstelle die EL per 1. Mai 2013 neu, wobei die Höhe der monatlichen EL
unverändert blieb (EL-act. 10).
B.
Mit Einspracheentscheid vom 27. Juni 2013 (EL-act. 7) stellte die EL-Durchführungs
stelle fest, dass die Versicherte ab 1. Juni 2010 Anspruch auf eine monatliche EL von
Fr. 334.-- habe. Ab Januar 2011 betrage die monatlich EL Fr. 356.--, ab Januar 2012
Fr. 369.-- und ab Januar 2013 Fr. 377.--. Im Übrigen werde die Einsprache
abgewiesen. Zur Begründung führte die EL-Durchführungsstelle an, sie habe die
Versicherte bereits mit Schreiben vom 11. Mai 2006 darauf aufmerksam gemacht, dass
sie sich stets um Arbeitsstellen bemühen müsse, dass sie der EL-Durchführungsstelle
zu einem späteren Zeitpunkt die entsprechenden Nachweise vorlegen müsse und dass
bei ungenügender Arbeitsbereitschaft umgehend ein hypothetisches Einkommen
angerechnet werde. Die Versicherte habe sich deshalb zu Unrecht auf Art. 25 Abs. 4
ELV berufen. Insbesondere hätte sie nach der Herabsetzung ihrer Dreiviertelsrente auf
eine Viertelsrente per 25. Februar 2010 umso mehr Anlass gehabt, sich ernsthaft um
eine Arbeitsstelle zu bemühen. Dies habe sie bis heute nicht getan. Die _-jährige
Versicherte sei in einer körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren
wechselbelastenden Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig. Es sei verwaltungsnotorisch, dass
Arbeitsstellen vorhanden seien, bei denen nur körperlich leichte Tätigkeiten verrichtet
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werden müssen. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und des Umstandes, dass die
Versicherte schlecht qualifiziert sei, sei ihr lediglich das in Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV
vorgeschriebene jährliche Mindesteinkommen von Fr. 24'960.-- als Einnahme
angerechnet worden. Und schliesslich sei die EL zwischenzeitlich an die tieferen
Rentenleistungen der D._ angepasst worden.
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 21. August 2013 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids und die Nicht-
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens für die Zeit vom 1. Juni bis 31.
Dezember 2010. Zur Begründung brachte sie vor, dass der Anfechtungsgegenstand
der Einsprache die Verfügung vom 28. Mai 2013 und somit die Neuberechnung der EL
vom 1. Juni 2010 bis 31. Dezember 2010 sei. Soweit der Einspracheentscheid den EL-
Anspruch ab 1. Januar 2011 regle, könne er keine Gültigkeit entfalten, da dieser
Zeitraum nicht Anfechtungsobjekt sei. Mit der Einsprache sei nicht grundsätzlich
bestritten worden, dass ein hypothetisches Einkommen angerechnet werden dürfe. Es
sei nur moniert worden, dass die Fristen für die Anrechnung des hypothetischen
Einkommens zu kurz ausgefallen seien und die Beschwerdeführerin dadurch nur
ungenügend in der Lage gewesen sei, sich zu bewerben. Mit Verfügung vom 3. März
2010 sei die Beschwerdeführerin zwar aufgefordert worden, sich aktiv um Stellen zu
bemühen. Es sei ihr jedoch keine Frist angesetzt worden, innert welcher sie den
Beweis für ihre Bewerbungen einzureichen habe und ab welchem Datum bei
ungenügendem Nachweis die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens erfolge.
Bis ins Jahr 2010 habe die Beschwerdeführerin keine Nachweise für ihre
Arbeitsbemühungen erbringen müssen. Als sie am 7. April 2010 aufgefordert worden
sei, die Belege über die Arbeitsbemühungen einzureichen, sei sie zunächst überfordert
gewesen. Sie habe sich jedoch im Herbst beim RAV angemeldet und ab Oktober 2010
aktiv Stellen gesucht. Indem die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin per
sofort, d.h. per 1. Juni 2010, ein hypothetisches Einkommen angerechnet habe, habe
sie einerseits die gesetzlichen Fristen nicht eingehalten und andererseits der
Beschwerdeführerin keine "Anpassungs- und Probezeit" gewährt. Gemäss Art. 25 Abs.
4 ELV werde die Herabsetzung einer laufenden EL in Folge Anrechnung eines
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Mindesteinkommens nach Art. 14a Abs. 2 ELV erst sechs Monate nach Zustellung der
entsprechenden Verfügung wirksam. Der Anspruch auf EL hätte ohne Nachweis von
genügenden Arbeitsbemühungen deshalb erst ab 1. Oktober 2010 reduziert werden
dürfen. Da sich die Beschwerdeführerin ab Oktober 2010 jedoch regelmässig
beworben habe, sei für den ganzen Zeitraum, d.h. vom 1. Juni bis 31. Dezember 2010,
auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens zu verzichten.
C.b Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Replik (act. G 3).
C.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf Einsichtnahme in die Vorakten (act. G 4 f.).

Erwägungen:
1.
Zunächst ist zu prüfen, was Gegenstand des vorliegenden Einspracheverfahrens ist.
Die einspracheweise angefochtene Verfügung ist am 28. Mai 2010 ergangen. Im Ein
spracheentscheid vom 27. Juni 2013 hat die Beschwerdegegnerin die
Sachverhaltsentwicklung bis zur Eröffnung des Einspracheentscheides berücksichtigt.
Die Rechtsvertreterin hat sich auf den Standpunkt gestellt, dass nur der EL-Anspruch
für den Zeitraum 1. Juni bis 31. Dezember 2010 Anfechtungsobjekt sei. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird bei Erhebung einer Einsprache das
Verwaltungsverfahren erst durch den Einspracheentscheid abgeschlossen, welcher die
ursprüngliche Verfügung ersetzt. Für eine spätere richterliche Beurteilung sind gemäss
dem Bundesgericht deshalb grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des
Erlasses des strittigen Einspracheentscheides massgebend (BGE 131 V 407, E. 2.1.2.1
mit Hinweisen). Dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann aus den
nachstehenden Gründen jedoch nicht gefolgt werden: Bei der Einsprache handelt es
sich um ein förmliches Rechtsmittel, mit welcher eine Verfügung bei der verfügenden
Verwaltungsbehörde zwecks Neuüberprüfung angefochten werden kann (Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010, N 1815; BGE
131 V 407, E. 2.1.2.1. mit Hinweisen). Mit einem Rechtsmittel kann ein gerichtlicher
oder behördlicher Entscheid auf seine Rechtmässigkeit hin überprüft werden. Der
Streitgegenstand wird somit durch den Inhalt des angefochtenen Entscheides definiert.
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Mit der Einsprache kann folglich nur angefochten werden, was Gegenstand der
angefochtenen Verfügung gewesen ist (H. Seiler, Rechtsfragen des
Einspracheverfahrens in der Sozialversicherung [Art. 52 ATSG], in: Schaffhauser/
Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2007, S. 76). Die zukünftige
Sachverhaltsentwicklung kann daher nicht Streitgegenstand bilden. Wäre dies der Fall,
könnte die Beschwerdegegnerin den Streitgegenstand beliebig vergrössern, indem sie
mit dem Erlass des Einspracheentscheides möglichst lange zuwartet. Sodann würde
der Einsprache erhebenden Person für den Zeitraum zwischen dem Verfügungserlass
und dem Einspracheentscheid die Möglichkeit verweigert, Einsprache zu erheben (zum
Ganzen vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 2. März 2015, EL
2012/37, E. 2). Im vorliegenden Fall würde es sich um eine Verweigerung der
Einsprache für eine Zeitspanne von über drei Jahren handeln. Weiter müssten alle
Verfügungen, die seit der einspracheweise angefochtenen Verfügung ergangen sind,
für nichtig erklärt werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
bundesgerichtliche Praxis, wonach im Einspracheentscheid die Verhältnisse bis zum
Erlass des Einspracheentscheides zu berücksichtigen sind, zwar effizient sein mag. Es
geht jedoch nicht an, aus rein verfahrensökonomischen Überlegungen den EL-
beziehenden Personen den gesetzlich vorgesehenen Rechtsmittelweg zu beschneiden.
Es sind somit nur die Verhältnisse bis zum Verfügungserlass, d.h. dem 28. Mai 2010, zu
überprüfen.
2.
2.1 Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben und die
anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem Umfang auch das Vermögen
einbezogen ist, werden nach den in Art. 10 und 11 ELG sowie Art. 11 bis 18 der
Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) festgelegten Bestimmungen ermittelt. Als
Einnahmen anzurechnen sind nach Art. 11 Abs. 1 ELG unter anderem Einkünfte, auf die
verzichtet worden ist (lit. g). Eine Verzichtshandlung liegt vor, wenn die versicherte
Person ohne rechtliche Verpflichtung auf Vermögen verzichtet hat, wenn sie einen
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Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat, davon aber
faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte nicht durchsetzt oder wenn sie aus
von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und
zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (Urteil des EVG vom 9. Juli 2002, P 18/02, E. 1b;
BGE 121 V 204, E. 4a; AHI 2001 S. 133). Basierend auf Art. 9 Abs. 5 lit. c ELG be
treffend die Anrechnung von Einkünften aus einer zumutbaren Erwerbstätigkeit bei
teilinvaliden Personen sieht Art. 14a ELV vor, dass Invaliden als Erwerbseinkommen
grundsätzlich der Betrag angerechnet wird, den sie im massgebenden Zeitabschnitt
tatsächlich verdient haben (Abs. 1). Invaliden unter 60 Jahren ist bei einem
Invaliditätsgrad von 40 bis 50 Prozent jedoch mindestens der um einen Drittel erhöhte
Höchstbetrag für den Lebensbedarf von Alleinstehenden nach Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1
ELG als Erwerbseinkommen anzurechnen (Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann im Hinblick auf die berechtigten Interessen
der Vereinfachung und der rascheren Behandlung von Einzelfällen grundsätzlich davon
ausgegangen werden, dass es einer teilinvaliden versicherten Person vermutungsweise
möglich und zumutbar ist, im Rahmen ihres von den Organen der
Invalidenversicherung festgestellten verbliebenen Leistungsvermögens die in Art. 14a
Abs. 2 ELV festgelegten Grenzbeträge zu erzielen. Die gesetzliche Vermutung kann
durch den Beweis des Gegenteils umgestossen werden, indem der Ansprecher auch
Umstände geltend machen kann, welche bei der Bemessung der Invalidität ohne
Bedeutung waren, ihm jedoch verunmöglichen, seine theoretische Restarbeitsfähigkeit
wirtschaftlich zu nutzen (BGE 117 V 153, E. 2c).
2.2 Die Rechtsvertreterin hat geltend gemacht, dass der Beschwerdeführerin gestützt
auf Art. 25 Abs. 4 ELV erst ab 1. Oktober 2010 ein hypothetisches Einkommen an
gerechnet werden darf. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit der
ersten EL-Leistungsverfügung vom 11. Mai 2006 darauf hingewiesen, dass sie zurzeit
auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens verzichte, die
Beschwerdeführerin jedoch weiterhin ausreichende Arbeitsbemühungen tätigen müsse.
Hierauf reichte die Beschwerdeführerin diverse Arbeitsunfähigkeitsatteste ein. In der
Folge verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens, ohne die Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin zu überprüfen.
Erst mit der Anpassungsverfügung vom 3. März 2010 wies die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeführerin wieder darauf hin, dass sie ausreichende Arbeitsbemühungen
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tätigen müsse, damit ihr kein hypothetisches Einkommen angerechnet werde. Am
7. April 2010 forderte die Beschwerdegegnerin dann die Belege über die getätigten
Arbeitsbemühungen ein. Mit Verfügung vom 28. Mai 2010 stellte die
Beschwerdegegnerin die EL per 1. Juni 2010 ein, da aufgrund der Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens ein Ausgabenüberschuss resultierte. Gemäss Art. 25 Abs.
4 ELV wird die Herabsetzung einer laufenden Ergänzungsleistung infolge der
Anrechnung eines Mindesteinkommens nach Art. 14a Abs. 2 ELV erst sechs Monate
nach Zustellung der entsprechenden Verfügung wirksam. Sinn und Zweck des
Aufschubs der Herabsetzung einer laufenden EL ist es, der versicherten Person
Gelegenheit zu geben, sich auf die neue Situation einzustellen und nach einer
Erwerbstätigkeit Umschau zu halten (ZAK 1987 S. 546). Gemäss dem Bundesgericht
handelt es sich bei Art. 25 Abs. 4 ELV um eine abschliessende Regelung (Urteil des
Bundesgerichts vom 2. Mai 2007, P 3/07, E. 4.2.3). Der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kann gefolgt werden, da der Wortlaut der Verordnungsbestimmung
klar ist und keinen Interpretationsspielraum zulässt. Hinzu kommt, dass zwischen dem
ersten Hinweis der Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin ausreichende
Arbeitsbemühungen tätigen müsse, und der Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens, über vier Jahre vergangen sind. Die Beschwerdeführerin hat deshalb
nicht damit rechnen müssen, dass die Beschwerdegegnerin plötzlich
Arbeitsbemühungen einfordern würde. Es wäre daher auch gestützt auf Treu und
Glauben geboten gewesen, der Beschwerdeführerin eine angemessene
Anpassungszeit einzuräumen. Die Beschwerdeführerin ist mit Verfügung vom 3. März
2010 darauf hingewiesen worden, dass sie sich aktiv bewerben müsse. Unter
Berücksichtigung der sechsmonatigen Anpassungszeit kann der Beschwerdeführerin
somit erst ab 1. Oktober 2010 ein allfälliges hypothetisches Einkommen angerechnet
werden.
2.3 Ob die Beschwerdeführerin ab dem 1. Oktober 2010 genügende
Arbeitsbemühungen getätigt hat, ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens und wird von
der Beschwerdegegnerin noch zu prüfen sein.
2.4 Demnach ist der Einspracheentscheid vom 27. Juni 2013 in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur Neuberechnung der
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jährlichen Ergänzungsleistung ab 1. Juni 2010 sowie zur anschliessenden
Neuverfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
3.1 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
3.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die
vorliegend zu beurteilende Streitsache war, verglichen mit einem durchschnittlichen
EL-Fall, vom Aufwand her unterdurchschnittlich. Es hat denn auch nur ein
Schriftenwechsel stattgefunden. Eine Parteientschädigung von Fr. 2'400.-- erscheint
daher als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin
entsprechend mit Fr. 2'400.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP