Decision ID: feb15605-a2d4-5df3-9753-bd0bc35bf66a
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/5
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St.Galler Gerichte
A.- Am 4. Juni 2012 war X. mit seinem Motorfahrzeug auf der Hauptstrasse zwischen
A. und B. unterwegs. Dabei geriet er infolge einer anfallsartigen Bewusstseinsstörung
rechts von der Fahrbahn ab, fuhr über das Trottoir sowie die Böschung hinunter und
kollidierte schliesslich frontal mit einem Maschendrahtzaun. Der Führerausweis wurde
ihm von der Polizei auf der Stelle vorläufig abgenommen. Am 21. Juni 2012 verfügte
das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt einen vorsorglichen Führerausweisentzug.
B.- Bei X. waren bereits im Jahre 2011 und anfangs 2012 mehrere anfallsartige
Bewusstseinsstörungen aufgetreten. Die verkehrsmedizinische Begutachtung des
Instituts für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen (IRM) kam am 9. November
2012 zum Schluss, dass die Ursache der anfallsartig auftretenden
Bewusstseinsstörungen, insbesondere der unfallursächlichen, unklar bleibe. Die
Fahreignung sei dementsprechend nicht gegeben. Eine Neubeurteilung könne nur
erfolgen, falls sich neue Erkenntnisse über die Ursache der Bewusstseinsstörungen
ergeben würden und entsprechende Massnahmen (Therapie) eingeleitet worden seien
oder falls eine längerfristige Symptomfreiheit vorliege und ärztlich bestätigt worden sei.
Am 12. Dezember 2012 verfügte das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt den
Entzug des Führerausweises auf unbestimmte Zeit.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X. mit Eingabe vom 18. Dezember 2012 Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte sinngemäss die Wiedererteilung des
Führerausweises mindestens für Unter- oder Spezialkategorien, die ihm das Führen
eines Mofas, eines E-Bikes oder eines Elektrorollers bis zur Höchstgeschwindigkeit von
45 km/h erlauben würden. Die Vorinstanz verzichtete auf eine Vernehmlassung. Im
Rekursverfahren wurde ein verkehrsmedizinischer Bericht eingeholt; dieser bestätigte
die Fahreignung unter Auflagen.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seines Antrages wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. Dezember 2012 erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Führerausweis wird einer Person auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn ihre
körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein
Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a Strassenverkehrsgesetz,
abgekürzt: SVG).
a) In seiner Eingabe vom 18. Dezember 2012 bringt der Rekurrent sinngemäss vor, die
Ursache seiner anfallsartigen Bewusstseinsstörungen habe in der Zwischenzeit geklärt
werden können. So sei ihm im Regionalspital am 20. November 2012 um 14 Uhr ein
Recorder für ein 24-Stunden-EKG angehängt worden. Auf dem Heimweg, ca. um
18 Uhr, habe er dann eine Bewusstseinsstörung erlitten. Diese sei vom EKG
aufgezeichnet und dokumentiert worden. In der Folge habe man ihm im Kantonsspital
St. Gallen einen Herzschrittmacher eingepflanzt. Er gehe davon aus, dass er in Zukunft
keine anfallsartigen Bewusstseinsstörungen mehr erleiden werde. Damit würden neue
Erkenntnisse vorliegen. Sodann seien therapierende Massnahmen mit der Implantation
des Herzschrittmachers bereits getätigt worden. Als Beweis reichte er den
Kurzaustrittsbericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 7. Dezember 2012 ein.
b) Die Verwaltungsrekurskommission holte eine Stellungnahme des IRM ein. Aus der
verkehrsmedizinischen Aktenbeurteilung vom 4. März 2013 geht hervor, dass die
Ursache der unklaren Bewusstseinsstörungen ärztlich geklärt und anlässlich des
Eingriffs vom 29. November 2012 entsprechend therapiert worden, mithin die
Fahreignung wieder gegeben sei. Während der Hospitalisation seien aber bei
bekannter Zuckerkrankheit Typ II starke Blutzuckerschwankungen mit
Unterzuckerungen festgestellt worden. Es werde zudem vermutet, dass in den letzten
Monaten immer wieder Unterzuckerungen vorgekommen seien. Es seien deshalb
folgende Auflagen anzuordnen: Einhalten der Verhaltensregeln wie im Merkblatt für
Fahrzeuglenker mit Diabetes mellitus festgehalten sowie regelmässige
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Blutzuckerselbstmessungen mit Einreichen des Blutzuckertagebuches zur
verkehrsmedizinischen Aktenbeurteilung in drei Monaten (act. 12).
c) Da das IRM das Vorliegen neuer Erkenntnisse, eine entsprechende Therapierung und
in der Folge die Fahreignung des Rekurrenten bejaht, lässt sich eine Aufrechterhaltung
des Führerausweisentzuges nicht rechtfertigen. Aufgrund der vom Rekurrenten vor der
Verwaltungsrekurskommission geltend gemachten neuen Tatsachen ist die
angefochtene Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen,
die Wiedererteilung des Führerausweises unter Anordnung angemessener Auflagen zu
verfügen. Dabei hat sie sich an den Empfehlungen des IRM zu orientieren.
3.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen ist. Der Rekurrent
hätte die Vorinstanz vor Erlass der Verfügung über die neuen Erkenntnisse und
therapeutischen Massnahmen orientieren und so das Rekursverfahren verhindern
können. Obwohl eine Rückweisung einem Obsiegen entspricht, ist ihm unter den
gegebenen Umständen ein Teil der amtlichen Kosten, die sich aus der
Entscheidgebühr von Fr. 650.-- (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12) und den Barauslagen von Fr. 250.-- für das Aktengutachten zusammensetzen,
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 2 VRP). Es erscheint angemessen, die amtlichen Kosten von
insgesamt Fr. 900.-- dem Rekurrenten und der Vorinstanz je zur Hälfte aufzuerlegen.
Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- ist zu verrechnen und dem Rekurrenten im
Restbetrag von Fr. 1'050.-- zurückzuerstatten.