Decision ID: a4d6f2d1-90c8-4dbd-b147-b0f53c6d6b6a
Year: 2004
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Im Hinblick auf den bundesrechtlich auf Ende September 2006 vorgesehenen Ausstieg aus der Verwertung von Klärschlamm in der Landwirtschaft setzte der Regierungsrat des Kantons Zürich am 3. Dezember 2003 einen kantonalen Klärschlamm-Entsorgungsplan fest. Gemäss dessen Dispositiv-Ziffer I.1 wird der gesamte in zürcherischen Abwasserreinigungsanlagen anfallende Klärschlamm ab 1. Oktober 2006 über zürcherische Klärschlammverbrennungsanlagen oder in der Zementindustrie (Einsatz als Brennstoffersatz) entsorgt. Laut Dispositiv-Ziffern I.6 und II werden die Inhaber der kommunalen Abwasserreinigungsanlagen verpflichtet, den anfallenden Klärschlamm je nach Einzugsregion über eine bezeichnete Aufbereitungs- und Entsorgungsanlage zu entsorgen. Der Klärschlamm der hier interessierenden Abwasserreinigungsanlagen wird der Schlammverbrennungsanlage E in O (nachfolgend: SVA E) zugewiesen. Dispositiv-Ziffer III verpflichtet die Inhaber von öffentlichen Klein-Abwasserreinigungsanlagen, den anfallenden Klärschlamm entsprechend den kommunalen Festlegungen über die bezeichneten Aufbereitungs- und Entsorgungsanlagen zu entsorgen. Kurzfristige Abweichungen von den Zuordnungen im Rahmen des Notfallkonzepts sind gemäss Dispositiv-Ziffer IV dem kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) unverzüglich mitzuteilen. Die Inhaber der Abwasserreinigungsanlagen wurden zudem verpflichtet, die Verträge zur Sicherstellung der Entsorgungsoptionen und zur Festlegung angemessener finanzieller Beteiligung bis spätestens 31. März 2004 abzuschliessen und dem AWEL Vertragskopien einzureichen (Dispositiv-Ziffer V).
II.
Am 21. Januar 2004 gelangten der Kläranlageverband A (gebildet von den Gemeinden S, T, P und U), der Kläranlageverband B (gebildet von den Gemeinden V, Q, X, Y und Z) und die Gemeinde R als Inhaberin von Abwasserreinigungsanlagen sowie die C AG als Inhaberin einer Klärschlammaufbereitungsanlage (Klärschlammtrocknungsanlage) in R mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht. Sie beantragen, die Dispositiv-Ziffern I-V des Beschlusses vom 3. Dezember 2003 aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an den Regierungsrat als Beschwerdegegner zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschwerdegegners. Das AWEL beantragt für den Regierungsrat, die Beschwerde abzuweisen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Die Beschwerde richtet sich gegen einen Entscheid des Regierungsrats. Die funktionelle Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gemäss § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) grundsätzlich gegeben.
1.2 Der Überprüfung durch das Verwaltungsgericht entzogen ist allerdings die abstrakte Normenkontrolle. Nicht anfechtbar sind deshalb generell-abstrakte Erlasse. Diesbezüglich ist bloss eine akzessorische Kontrolle möglich (vgl. Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 41 N. 8, § 50 N. 117).
1.2.1 Gemäss Art. 31 Abs. 1 des Umweltschutzgesetzes vom 7. Oktober 1983 (USG) erstellen die Kantone eine Abfallplanung, ermitteln insbesondere ihren Bedarf an Abfallanlagen, vermeiden Überkapazitäten und legen die Standorte der Abfallanlagen fest. Siedlungsabfälle, Abfälle aus dem öffentlichen Strassenunterhalt und der öffentlichen Abwasserreinigung werden von den Kantonen entsorgt (Art. 31b Abs. 1 USG). Die Kantone legen für diese Abfälle Einzugsgebiete fest und sorgen für einen wirtschaftlichen Betrieb der Abfallanlagen. Der Inhaber muss die Abfälle den von den Kantonen vorgesehenen Sammlungen oder Sammelstellen übergeben (Abs. 2 und 3; vgl. ferner Art. 18 Abs. 1 der Technischen Verordnung über Abfälle vom 10. Dezember 1990).
1.2.2 Auf diesen Rechtsgrundlagen legte der Regierungsrat in Dispositiv-Ziffer I.1 des angefochtenen Beschlusses fest, dass der gesamte in zürcherischen Abwasserreinigungsanlagen anfallende Klärschlamm ab 1. Oktober 2006 über zürcherische Kehricht-, Klärschlammverbrennungsanlagen oder in der Zementindustrie entsorgt werde. Dazu würden die Abwasserreinigungsanlagen verschiedenen Einzugsgebieten zur Schlammentsorgung zugewiesen. Diese Zuweisung erfolge für zehn Jahre (Dispositiv-Ziffer I.6). Sodann enthält Dispositiv-Ziffer I zahlreiche weitere ergänzende Bestimmungen betreffend Notfallkonzept, Planung, Kontrolle und dergleichen. Für einzelne Abwasserreinigungsanlagen, welche vom vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht berührt sind, werden schliesslich Sonderregelungen getroffen.
Soweit es in dieser Dispositiv-Ziffer nicht um die letztgenannten Sonderregelungen für einzelne Abwasserreinigungsanlagen geht, liegt keine konkrete Anordnung vor. Es werden vielmehr die Grundzüge des Entsorgungskonzepts und die Pflichten der betroffenen Gemeinden und Gemeindeverbände in allgemeiner Weise festgelegt. Die Dispositiv-Ziffer richtet sich insofern auch gleichermassen an sämtliche Inhaber von öffentlichen Abwasserreinigungsanlagen. Jedenfalls mit Bezug auf die Beschwerdeführenden handelt es sich bei den Regelungen in Dispositiv-Ziffer I somit um generell-abstrakte Anordnungen. Auf den Antrag der Beschwerdeführenden, Dispositiv-Ziffer I des angefochtenen Beschlusses aufzuheben, ist demnach nicht einzutreten.
1.2.3 In den Dispositiv-Ziffern II-V erfolgt die individuelle Zuordnung der einzelnen kommunalen Abwasserreinigungsanlagen zu jeweils einer bestimmten Aufbereitungs- oder Entsorgungsanlage. Die Inhaber der Abwasserreinigungsanlagen werden ausdrücklich verpflichtet, den anfallenden Klärschlamm über die bezeichneten Anlagen zu entsorgen und die Verträge zur Sicherstellung der Entsorgungsoptionen und zur Festlegung angemessener finanzieller Beteiligung bis 31. März 2004 abzuschliessen.