Decision ID: f9a81223-0b68-5778-acc8-2ec0cf6c0a99
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (ehemals: X.X. bzw. X.Z.), geboren 1972, stammt aus Bosnien und
Herzegowina. Am 22. Februar 1992 heiratete sie in L., Bosnien, A.Z. Aus dieser Ehe
gingen die Kinder B., geboren 1992, und C., geboren 1999, hervor. Mit Urteil des
Gemeindegerichts von L. vom 22. Oktober 2002 wurde die Ehe geschieden und das
Sorgerecht für B. und C. der Mutter zugesprochen. Der mittlerweile 16-jährige Sohn C.
lebt im Einverständnis mit seiner Mutter seit Januar 2008 bei seinem Vater in L. und die
volljährige Tochter B., welche sich offenbar vorübergehend in Deutschland aufhielt, in
M., Bosnien (Vorakten Migrationsamt zu X.Y. [nachstehend: Dossier A], S. 216 und 223,
Vorakten Migrationsamt zu D.Y. [nachstehend: Dossier B], S. 103, sowie act. 10/16,
act. 1, S. 5 und act. 6.3).
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B.
D.Y., geboren 1972, ist kroatischer Staatsangehöriger. Am 7. April 1994 heiratete er in
P., Kroatien, E.Y. (ledig: F.). Am 17. Oktober 1994 reiste er im Familiennachzug zu
seiner aufenthaltsberechtigten Ehefrau in die Schweiz ein, wo ihm am 21. Oktober 1994
eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde. Gemäss Angaben der Politischen Gemeinde
Q. vom 9. Mai 1995 suchte seine Ehefrau im Januar und März 1995 das Frauenhaus
Liechtenstein auf, da sie von D.Y. bedroht und geschlagen worden sei. Im Jahr 1995
wurde ihre gemeinsame Tochter G. geboren. Mit Verfügungen des damaligen
Bezirksamtes Werdenberg vom 29. Dezember 1995, 6. Dezember 1996 und 10. Juni
1997 wurde D.Y. wegen Strassenverkehrsdelikten und fahrlässiger Störung von
Betrieben, die der Allgemeinheit dienen, gebüsst. Seit dem 20. Dezember 1999 verfügt
D.Y. über eine Niederlassungsbewilligung. Mit Urteil des Gemeindegerichts R.,
Kroatien, vom 17. Mai 2000 wurde die Ehe von D.Y. und E.Y. geschieden. Das
Sorgerecht für G. wurde der Mutter zugesprochen, welche mittlerweile mit ihrer Tochter
in T., Kroatien, lebt (Dossier B, S. 5, 8, 99-102, 156-158, 165 f., 169-173, 175, 178, 181,
184 und act. 6.3).
C.
Am 14. August 2009 heirateten X.Y. und D.Y. in R. Am 26. Juni 2011 reiste X.Y. im
Familiennachzug zu ihrem Ehemann in die Schweiz ein und erhielt eine bis am 25.
Dezember 2012 gültige Aufenthaltsbewilligung. Am 22. August 2011 schloss sie mit
dem Migrationsamt St. Gallen eine Integrationsvereinbarung ab. Im Jahr 2011 wurde
der gemeinsame Sohn H.Y. geboren. Er ist kroatischer Staatsangehöriger und verfügt
über eine Niederlassungsbewilligung. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes Uznach
vom 19. Januar 2012 wurde D.Y. wegen Führens eines Motorfahrzeuges in
fahrunfähigem Zustand zu einer bedingt ausgesprochen Geldstrafe von 10
Tagessätzen zu je Fr. 120.-- und einer Busse von Fr. 1500.-- verurteilt. Am 12.
September 2012 intervenierte die Kantonspolizei St. Gallen bei der Familie X.Y. und
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D.Y. im häuslichen Bereich. Mit Entscheid des Bezirksgerichtes Werdenberg-
Sarganserland betreffend Eheschutzmassnahmen vom 6. November 2012 wurde
festgestellt, dass die Eheleute X.Y. und D.Y. seit dem 12. September 2012 getrennt
leben. Der Sohn H.Y. wurde unter die alleinige Obhut von X.Y. gestellt. D.Y. wurde ein
begleitetes Besuchsrecht eingeräumt. Am 28. November 2012 zog X.Y. von S. nach
St. Gallen, wo sie zunächst als Haushaltshilfe (Pensum von 50 %) und nebenamtliche
Hauswartin arbeitete und seit dem 6. Januar 2014 als Mitarbeiterin im Hausdienst eines
Pflegeheims (Vollzeit) tätig ist. Mit Verfügungen vom 4. Dezember 2012 stellte das
Untersuchungsamt Altstätten die Strafverfahren gegen D.Y. bzw. X.Y. wegen
Tätlichkeiten resp. wegen Drohung im häuslichen Bereich ein. Am 13. Dezember 2012
ersuchte X.Y. um Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung. In der Folge scheiterte
offenbar ein Versuch der Eheleute X.Y. und D.Y., ihre eheliche Gemeinschaft wieder
aufzunehmen. Mit Verfügung vom 5. Juli 2013 verweigerte das Migrationsamt X.Y. die
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und forderte sie auf, die Schweiz bis
spätestens 10. September 2013 zu verlassen (Dossier A, S. 84-91, 114-118, 138-143,
145, 161-191, 197, 211-215, 221, 225-229, Dossier B, S. 9, 11-13, 86-88, 96 f.,
Vorakten Migrationsamt zu H.Y., S. 5, act. 10/1/2 und 3, act. 2/4).
D. Dagegen rekurrierte X.Y. am 11. Juli 2013 durch ihre Rechtsvertreterin beim
Sicherheits- und Justizdepartement (act. 10/1). Mit Entscheid vom 26. September 2014
(act. 2/2) wies das Departement den Rekurs ab und forderte das Migrationsamt auf,
X.Y. eine neue Ausreisefrist anzusetzen. Zur Begründung führte es im Wesentlichen
aus, es lägen keine wichtigen persönlichen Gründe vor, welche einen weiteren
Aufenthalt erforderlich machten. Der Vorfall vom 12. September 2012, dessen Hergang
strittig sei, stelle keine eheliche Gewalt dar. Weiter fehle es an einer intensiven
Beziehung zwischen H.Y. und seinem Vater. Auch sei es H.Y. zumutbar, zusammen mit
seiner Mutter nach Bosnien und Herzegowina auszureisen. Bei einem Aufenthalt von
erst gut drei Jahren in der Schweiz könne bei X.Y. nicht von einer fortgeschrittenen
Integration gesprochen werden. Es bestehe keine speziell enge Beziehung zu Schweiz.
Sie übe keine besonders qualifizierte Erwerbstätigkeit aus, die aus wirtschaftlicher oder
arbeitsmarktlicher Sicht eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung geböte. Das
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Interesse, die besseren wirtschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz zu nutzen, könne
für die Abwägung nicht entscheidend sein.
E.
Gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) vom
26. September 2014 liess X.Y. (Beschwerdeführerin) am 8. Oktober 2014 durch ihre
Rechtsvertreterin Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren
erheben, der Entscheid der Vorinstanz sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und deshalb
keine neue Ausreisefrist anzusetzen (act. 1). Mit verfahrensleitender Verfügung vom
10. Oktober 2014 stellte das Verwaltungsgericht unter anderem fest, der Beschwerde
komme von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu (act. 4). Mit Vernehmlassung
vom 3. November 2014 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 9).
Am 24. Juni 2015 und 23. November 2015 liess sich die Beschwerdeführerin nochmals
vernehmen (act. 16 und 20).
F.
Mit Urteil vom 5. Dezember 2013 wies das Gemeindegericht R. eine Scheidungsklage
des Ehemanns der Beschwerdeführerin vom 6. Oktober 2012 mangels Zuständigkeit
ab (act. 6.1 und 10/18, Dossier B, S. 24-27). Daraufhin liess dieser am 30. Januar 2014
erneut eine Scheidungsklage einreichen (act. 10/15), welche das Gemeindegericht R.
mit Urteil vom 25. September 2014 abwies (act. 6.4). Mit Entscheid vom
23. Februar 2015 hob das Kreisgericht U., Kroatien, das Urteil des Gemeindegerichts
R. auf und wies die Sache zu neuem Entscheid an das Gemeindegericht zurück (act.
12.3). In der Folge wurde die am 14. August 2009 geschlossene Ehe der
Beschwerdeführerin mit Urteil des Gemeindegerichts U. vom 27. Mai 2015 geschieden
und das alleinige Sorgerecht für den Sohn dem Vater übertragen. Der
Beschwerdeführerin wurde ein Besuchsrecht eingeräumt und sie wurde zur Zahlung
von Unterhaltsbeiträgen verpflichtet (act. 14.2 f.). Am 7. Oktober 2015 wies das
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Gespanschaftsgericht U. die gegen das Urteil des Gemeindegerichts U. vom 27. Mai
2015 von der Beschwerdeführerin eingelegte Berufung ab (act. 18.2 f.).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels befugt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 8. Oktober 2014 (act. 1) erfolgte
rechtzeitig und erfüllt formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist somit
grundsätzlich einzutreten. Da der Beschwerde von Gesetzes wegen die aufschiebende
Wirkung zukommt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 VRP, vgl. Verfügung vom
10. Oktober 2014, act. 4), fehlt der Beschwerdeführerin bezüglich des Antrags, der
Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ein schutzwürdiges Interesse.
Insoweit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin trägt vor, ihr sei es nicht zumutbar, weiterhin bei
einem Ehemann zu verbleiben, der schon einmal gewalttätig geworden sei, und darauf
zu warten, dass ein schlimmerer Vorfall passiere. Ihr Sohn habe das Recht, mit beiden
Elternteilen einen regelmässigen und intensiven Kontakt zu pflegen. Eine
Übersiedelung nach Bosnien werde einen solchen Kontakt verunmöglichen. Bei einer
Ausreise nach Bosnien bestünde überdies die Gefahr, dass ihr Sohn, welcher seit
seiner Geburt von ihr betreut werde, zivilrechtlich seinem Vater zugeteilt werde. Sie
werde es sich nicht leisten können, von Bosnien aus ihren Sohn in der Schweiz zu
besuchen. Trotz ihrer kurzen Anwesenheit in der Schweiz habe sie sehr gut Deutsch
gelernt, habe Arbeit gefunden, die sie sehr gut ausführe, und sei finanziell unabhängig.
Ihre Tätigkeit im Pflegebereich sei schwierig mit Schweizer Bürgern zu besetzen. Sie
sei ausserordentlich gut integriert und habe eine enge Beziehung zur Schweiz und
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ihren Bürgern aufgebaut. Ihre betagte Mutter und ihre 23-jährige Tochter könnten ihr
bei der Reintegration in Bosnien nicht behilflich sein. Beide lebten in wirtschaftlich
höchst prekären Verhältnissen. Als alleinerziehende Frau mit einem Kleinkind sei die
Integration in Bosnien nicht mehr möglich. Die von ihrem Ehemann erwirkten
kroatischen Urteile könnten in der Schweiz nicht anerkannt werden und seien deshalb
nicht zu beachten. Die kroatischen Gerichte seien für die Regelung der Kinderbelange
nicht zuständig, würden hinsichtlich des Wohnsitzes von H.Y. und seinem Vater von
einem falschen Sachverhalt ausgehen und hätten keinerlei Abklärungen über die
familiären Verhältnisse und das Kindeswohl getätigt.
2.1.
Ausländische Ehegatten von Niedergelassenen, auf welche, wie vorliegend, das
Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der
Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die
Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA) nicht zur Anwendung gelangt – die bilateralen
Verträge zwischen der Schweiz und der EU wurden mit dem EU-Beitritt Kroatiens am
1. Juni 2013 mit Ausnahme des FZA auf Kroatien ausgeweitet (www.eda.admin.ch) –,
haben unter Vorbehalt von Art. 51 Abs. 2 des Bundesgesetzes über Ausländerinnen
und Ausländer (Ausländergesetz; SR 142.20, AuG) Anspruch auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit ihrem Partner
zusammenwohnen (Art. 43 Abs. 1 AuG, siehe auch Art. 2 Abs. 2 AuG). Da die
Beschwerdeführerin seit dem 12. September 2012 (Dossier A, S. 117) getrennt von
ihrem Ehemann lebt, kommt diese Bestimmung nicht mehr zur Anwendung. Auch liegt
kein Anwendungsfall einer Ausnahme vom Erfordernis des Zusammenwohnens im
Sinne von Art. 49 AuG in Verbindung mit Art. 76 der Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) vor. Mangels dreijähriger
Ehegemeinschaft in der Schweiz bis zur Trennung am 12. September 2012 – die
Beschwerdeführerin reiste nach der Heirat am 14. August 2009 erst am 26. Juni 2011
in die Schweiz ein (Dossier A, S. 117 und 197, Dossier B, S. 96) – besteht überdies
gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG kein Bewilligungsanspruch (vgl. hierzu BGE 136 II
113 E. 3.3.5 und BGer 2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 5.1).
2.2.
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Zu entscheiden ist, ob wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der
Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG). Solche Gründe können nach
Art. 50 Abs. 2 AuG namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin Opfer ehelicher Gewalt
wurde, die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint
oder die Kombination dieser Voraussetzungen von Art. 50 Abs. 2 AuG wertungsmässig
einem nachehelichen Härtefall gleichkommt (vgl. BGer 2C_1072/2014 vom 9. Juli 2015
E. 2.1 mit Hinweisen). Überdies ist im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG jeweils den
Interessen allfälliger Kinder Rechnung zu tragen, falls eine enge Beziehung zu ihnen
besteht und sie in der Schweiz ihrerseits gut integriert sind (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.1
mit Hinweisen). Dabei sind die Anforderungen zu berücksichtigen, die sich aus Art. 8
der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(SR 0.101, EMRK) resp. Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) ergeben, denn die wichtigen persönlichen Gründe im
Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG können nicht einschränkender verstanden werden
als allfällige sich aus Art. 8 EMRK ergebende Ansprüche auf Erteilung bzw.
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung (vgl. BGer 2C_723/2014 vom 6. August 2015
E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 139 I 315 E. 2.1 sowie BGer 2C_930/2012 vom
10. Januar 2013 E. 4.1 und T. Hugi Yar, von Trennungen, Härtefällen und Delikten –
Ausländerrechtliches rund um die Ehe- und Familiengemeinschaft, in: Achermann/
Amarelle/Caroni/Epiney/Kälin/Uebersax [Hrsg.], Jahrbuch für Migrationsrecht
2012/2013, Bern 2013, S. 80). Bei der Beurteilung der wichtigen persönlichen Gründe
sind sämtliche Aspekte des Einzelfalles mitzuberücksichtigen (vgl. BGE 138 II 229 E.
3.1 mit Hinweis, vgl. zudem Art. 31 VZAE). Dabei ist nicht von Bedeutung, wie stark das
öffentliche Interesse an einer Begrenzung der Einwanderung gewichtet wird, sondern
allein, wie sich die Pflicht des Ausländers, die Schweiz verlassen zu müssen, nach der
gescheiterten Ehe auf seine persönliche Situation auswirkt (vgl. BGer 2C_930/2012
vom 10. Januar 2013 E. 4.1 mit Hinweisen). Ein persönlicher, nachehelicher Härtefall
setzt aufgrund der konkreten Umstände eine erhebliche Intensität der Konsequenzen
für das Privat- und Familienleben der ausländischen Person voraus, die mit ihrer
Lebenssituation nach dem Dahinfallen der gestützt auf Art. 43 Abs. 1 AuG abgeleiteten
Anwesenheitsberechtigung verbunden sind (vgl. 2C_765/2013 vom 2. Juni 2014 E. 3.1
mit Hinweisen). Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen
Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht
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begründen, wenn die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme
stellt. Entscheidend ist, ob die persönliche, berufliche und familiäre
Wiedereingliederung als stark gefährdet zu gelten hat und nicht, ob ein Leben in der
Schweiz einfacher wäre (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.1 und BGE 137 II 345 E. 3.2.3).
2.3.
Die Beschwerdeführerin ist die Mutter von H.Y. und kann sich auf Grund dieser
familiären Beziehung auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV berufen. Die EMRK
garantiert grundsätzlich keinen Anspruch auf Aufenthalt in einem Konventionsstaat. Es
ergibt sich daraus weder ein Recht auf Einreise noch auf Wahl des für das
Familienleben am geeignetsten erscheinenden Orts. Das in Art. 8 EMRK geschützte
Recht auf Achtung des Familienlebens kann nur angerufen werden, wenn eine
staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme zur Trennung von
Familienmitgliedern führt. Selbst dann gilt der Anspruch jedoch nicht absolut. Vielmehr
ist in diesem Fall eine Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK, welche auch
diejenige nach Art. 96 Abs. 1 AuG umfasst, vorzunehmen. Als zulässiges öffentliches
Interesse fällt dabei grundsätzlich auch das Durchsetzen einer restriktiven
Einwanderungspolitik in Betracht. Eine solche ist im Hinblick auf ein ausgewogenes
Verhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, auf die
Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz
bereits ansässigen Ausländer und die Verbesserung der Arbeitsmarktstruktur sowie auf
eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung im Lichte von Art. 8 Ziff. 2 EMRK zulässig
(vgl. BGE 137 I 247 E. 4.1.1 f. mit Hinweisen). Bei ausländischen Kindern genügt die
Zumutbarkeit der Ausreise des Kindes für eine Bewilligungsverweigerung an den
sorge- bzw. obhutsberechtigten Elternteil, wobei die Möglichkeit der Ausübung des
Besuchsrechts des in der Schweiz anwesenheitsberechtigten anderen Elternteils
sachgerecht mitberücksichtigt werden kann. Der nicht sorge- oder obhutsberechtigte
Elternteil hat gestützt auf Art. 8 EMRK ausnahmsweise einen Anspruch auf Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung, wenn er sich tadellos verhalten hat und zwischen ihm und
seinem Kind in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht eine besonders enge Beziehung
besteht, die – würde eine Bewilligung verweigert – wegen der Distanz zwischen der
Schweiz und dem Land, in welches der Ausländer vermutlich auszureisen hätte,
praktisch nicht aufrechterhalten werden könnte. Mit noch grösserer Zurückhaltung ist
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auf eine Pflicht zu schliessen, eine Bewilligung zu erteilen, wenn nicht der
besuchsberechtigte Ausländer selber im Hinblick auf die Ausübung seines
Besuchsrechts um die Bewilligung nachsucht, sondern der obhutsberechtigte Elternteil
die Bewilligung einzig zur Erleichterung der Ausübung des Besuchsrechts zwischen
dem Kind und dem anderen Elternteil erhältlich machen will. Dies ist nur bei Vorliegen
besonderer Umstände möglich (vgl. BGer 2C_942/2014 vom 10. August 2015 E. 4.1,
BGer 2C_648/2014 vom 6. Juli 2015 E. 2.2 sowie BGer 2C_1228/2012 vom 20. Juni
2013 E. 6.1 f. je mit Hinweisen).
2.3.1.
Mit Scheidungsurteil des Gemeindegerichts U., Kroatien, vom 27. Mai 2015, bestätigt
vom Gespanschaftsgericht U. mit Urteil vom 7. Oktober 2015 (act. 14.2 f. und 18.2),
wurde dem Ehemann der Beschwerdeführerin die alleinige elterliche Sorge zugeteilt
und der Beschwerdeführerin ein Besuchsrecht einräumt (vgl. hierzu Art. 133 Abs. 1 Ziff.
1 bis 3 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB). Vorfrageweise ist zu
prüfen, ob dieses kroatische Urteil – entgegen der in den Stellungnahmen vom
24. Juni 2015 und 23. November 2015 (act. 16 und 20) vertretenen Auffassung der
Beschwerdeführerin – in der Schweiz anerkannt werden kann. Da die Entscheidung im
Ausland ergangen ist, besteht im Rahmen der Anerkennung Internationalität im Sinne
von Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht (SR 291,
IPRG). Die Anerkennung ausländischer Entscheidungen in der Schweiz richtet sich
nach Art. 1 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 25 ff. IPRG, soweit diesen nicht bilaterale
oder multilaterale staatsvertragliche Regelungen vorgehen (Art. 1 Abs. 2 IPRG). Die
Anerkennung der im Heimatstaat des Ehemanns der Beschwerdeführerin
ausgesprochenen Scheidung richtet sich nach Art. 25 ff. in Verbindung mit
Art. 65 IPRG (vgl. I. Schwander, Anerkennung und Vollstreckbarerklärung
ausländischer Scheidungsurteile, in: FamPra.ch 2009, S. 832 ff.). Demgegenüber fällt
die Anerkennung von Sorge- und Besuchsrechtsregelungen im Scheidungsurteil in den
Anwendungsbereich des Übereinkommens über die Zuständigkeit, das anzuwendende
Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
elterlichen Verantwortung und der Massnahmen zum Schutz von Kindern (Haager
Kindesschutzübereinkommen, SR 0.211.231.011, HKsü, vgl. Art. 1 Abs. 2 IPRG und
Art. 85 Abs. 1 IPRG in Verbindung mit Art. 3 lit. b HKsü, Art. 4 HKsü e contrario und
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Art. 23 HKsü, siehe auch I. Schwander in: Honsell/Vogt/Schnyder/Berti [Hrsg.], Basler
Kommentar Internationales Privatrecht, Basel 2013, Art. 85 N 23), welches auch von
Kroatien ratifiziert wurde. Die im einen Konventionsstaat angeordnete Zuweisung der
elterlichen Sorge resp. Regelung des persönlichen Verkehrs (vgl. Art. 3 lit. a f. und Art.
1 Abs. 2 HKsü, vgl. auch Art. 18 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes, SR
0.107, KRK), wird in jedem anderen Konventionsstaat ohne spezielles Verfahren
anerkannt und ihre Wirkungen werden auf das Hoheitsgebiet aller Konventionsstaaten
erstreckt (Art. 23 Abs. 1 HKsü sowie I. Schwander, a.a.O, Art. 85 N 74). Die
Anerkennung kann jedoch insbesondere dann untersagt werden, wenn die Massnahme
von einer Behörde getroffen wurde, die nicht nach Kapitel II zuständig war (Art. 23 Abs.
2 lit. a HKsü, siehe auch Art. 25 lit. a IPRG). Nach Art. 3 lit. b in Verbindung mit Art. 5
Abs. 1 HKsü sind die Gerichte oder Verwaltungsbehörden des Vertragsstaates, in dem
das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, zuständig, das Sorgerecht sowie den
persönlichen Verkehr zu regeln (vgl. BGer 5A_40/2014 vom 17. April 2014 E. 4.2),
sofern die Zuständigkeit nicht im Sinne von Art. 8 f. HKsü abgetreten wird und keine
konkurrierende Zuständigkeit nach Art. 10 Abs. 1 HKsü besteht. Eine solche
konkurrierende Zuständigkeit setzt indessen unter anderem voraus, dass ein Elternteil
zu Beginn des Verfahrens seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Staat hat, in dem das
Verfahren auf Scheidung, Trennung oder Ungültigerklärung der Ehe hängig ist (Art. 10
Abs. 1 lit. a HKsü). Nach Art. 29 Abs. 3 IPRG kann das Verwaltungsgericht wie jede in
der Schweiz angerufene Behörde vorfrageweise, d.h. ohne Verbindlichkeit für die
sachkompetente Behörde, selber über die Anerkennung einer ausländischen
Entscheidung befinden (vgl. R. K. Däppen/R. Mabillard, in: Honsell/Vogt/Schnyder/Berti
[Hrsg.], Basler Kommentar Internationales Privatrecht, Basel 2013, Art. 29 N 14 für das
ausländerrechtliche Verfahren mit Hinweis auf BGer 2A.655/2004 vom 11. April 2005
E. 2.3.1 sowie I. Schwander, Kindes- und Erwachsenenschutz im internationalen
Verhältnis, in: AJP 2014, S. 1351 ff., S. 1373, vgl. allgemein zur vorfrageweisen Prüfung
zivilrechtlicher Fragen durch Behörden der Verwaltung und Verwaltungsrechtspflege
VerwGE B 2014/27 vom 30. Juni 2015 E. 3.4.3 und VerwGE B 2012/184 vom 4.
April 2013 E. 4.3 je mit Hinweis sowie K. Plüss in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar VRG,
Zürich 2014, § 1 N 55 ff., und Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht,
Bundesgerichtsgesetz, SR 173.110, BGG, sowie M. Boog, in: Niggli/Uebersax/
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Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Bundesgerichtsgesetz, Art. 31 N 1 ff., sieht
auch BGer 2C_195/2014 vom 12. Januar 2015 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Der in der Schweiz niedergelassene, vierjährige Sohn der Beschwerdeführerin, welcher
über die kroatische Staatsbürgerschaft verfügt, lebt seit seiner Geburt in der Schweiz.
Nicht aktenkundig ist, dass sein hier niedergelassener Vater oder gar seine Mutter den
Lebensmittelpunkt spätestens im Zeitpunkt der Einreichung der zweiten
Scheidungsklage am 30. Januar 2014 nach Kroatien verlegt hat (vgl. zum Begriff des
gewöhnlichen Aufenthalts nach Art. 5 Abs. 1 HKsü I. Schwander, a.a.O., Art. 85 N 42
f.). Im Urteil des Gespanschaftsgerichts U. vom 7. Oktober 2015 wurde offensichtlich
tatsachenwidrig festgestellt, dass der Sohn der Beschwerdeführerin und sein Vater
ihren Wohnsitz in Kroatien hätten (act. 18.2, S. 3 oben). Bei dieser Sachlage lässt sich
weder gestützt auf Art. 5 Abs. 1 HKsü noch auf Art. 10 Abs. 1 HKsü eine Zuständigkeit
der kroatischen Gerichte zur Zuteilung der elterlichen Sorge und der Regelung des
persönlichen Verkehrs ableiten, selbst wenn diese Gerichte – in Durchbrechung des
Grundsatzes der Einheit des Scheidungsurteils im Sinne von Art. 283 Abs. 1 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO) – für die
Scheidung und die Regelung der Unterhaltspflichten zuständig wären. Folglich sind die
Urteile des Gemeindegerichts resp. des Gespanschaftsgerichts U. vom 27. Mai 2015
resp. 7. Oktober 2015 hinsichtlich der Regelung des Sorgerechts bzw. des
persönlichen Verkehrs bereits aus diesem Grund vorfrageweise nicht anzuerkennen,
weshalb sich das Verwaltungsgericht daran nicht gebunden sieht. Ob gemäss Art. 23
Abs. 2 lit. b bis f HKsü weitere Gründe für eine Nichtanerkennung bestehen, braucht
daher nicht weiter geprüft zu werden. Die Nichtanerkennung der
Scheidungsnebenfolgen führt dazu, dass die schweizerischen Gerichte diese zu regeln
haben, solange sich die Beschwerdeführerin und ihr Sohn hier aufhalten. Da in der
Schweiz, soweit ersichtlich, kein entsprechendes zivilrechtliches Verfahren hängig ist,
ist hinsichtlich der Zuteilung der elterlichen Sorge und der Regelung des persönlichen
Verkehrs nach wie vor auf den Entscheid des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland
vom 6. November 2012 (Dossier A, S. 114-118) abzustellen (vgl. hierzu Art. 276 Abs. 2
ZPO). Dessen ungeachtet würde die Sorgerechtszuteilung an den Vater resp. das
monatliche Besuchsrecht der Beschwerdeführerin gemäss den kroatischen Urteilen
vom 27. Mai und 7. Oktober 2015 am Ergebnis der nachfolgenden Beurteilung der
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin nichts ändern,
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da die Beschwerdeführerin gleichermassen wie der Vater ihres Sohnes das
Besuchsrecht vom Ausland her ausüben könnte (vgl. Erwägung 2.3.2 hiernach).
2.3.2.
Besondere Umstände im Sinne der hiervor in Erwägung 2.3 zitierten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegen nicht vor. Dem hier niedergelassenen
Vater des Sohnes der Beschwerdeführerin wurde vom Kreisgericht Werdenberg-
Sarganserland mit Entscheid vom 6. November 2012 (Dossier A, S. 117) das Recht
eingeräumt, seinen Sohn jeweils an den Samstagen der ungeraden Kalenderwochen
von 9 Uhr bis 17 Uhr zu sich auf Besuch zu nehmen. Während der Ausübung des
Besuchsrechts hat er die Ausweise seines Sohnes nach Weisung des Beistandes zu
hinterlegen oder der Beschwerdeführerin abzugeben. Zur Überwachung und
Begleitung des Besuchsrechts wurde die Errichtung einer Beistandschaft nach Art. 308
Abs. 2 ZGB angeordnet. Angesichts der angeordneten Ausweishinterlegung und
Besuchsrechtsüberwachung ist nicht von einem reibungslos ausgeübten
gerichtsüblichen, sondern einem eingeschränkten Besuchsrecht auszugehen (vgl.
hierzu BGer 2C_123/2015 vom 30. September 2015 E. 2.5 mit Hinweisen sowie BGer
2C_728/2014 vom 3. Juni 2015 E. 3.1 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 139 I 315
E. 2.4 f.). Daran ändert nichts, dass der Vater von H.Y. gemäss Angaben der
Beschwerdeführerin (act. 1, S. 3) das Besuchsrecht mittlerweile einvernehmlich alle
zwei Wochen von Freitag- bis Sonntagabend ausübt. Abgesehen vom fehlenden
Ferienrecht ist nicht erkennbar, dass die Besuchsrechtsüberwachung oder die
Ausweishinterlegungspflicht damit hinfällig geworden wäre. Dem Vater von H.Y. scheint
es denn auch nach wie vor nicht zu gelingen, sein eigenes Verhältnis zur
Beschwerdeführerin im Interesse des Sohnes klar von demjenigen zwischen der
Beschwerdeführerin und H.Y. zu trennen (vgl. Art. 274 Abs. 1 ZGB). Ansonsten hätte er
sich kaum von einem dafür offensichtlich unzuständigen Gericht in Kroatien gegen den
Willen der Kindsmutter das alleinige Sorgerecht zuteilen lassen, nachdem sein Sohn
seit dem 6. November 2012 und damit seit über drei Jahren unter der alleinigen Obhut
seiner Mutter stand und keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass dies dem
Kindeswohl abträglich wäre (vgl. hierzu die Standortbestimmung der Kinderkrippe vom
3. Oktober 2014, act. 2/3, und demgegenüber das Gutachten des Sozialamtes R. vom
13. Dezember 2012, act. 6.3, welches einzig auf einem Gespräch eines örtlichen
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Sozialarbeiters mit dem Ehemann der Beschwerdeführerin basierte, ohne dass H.Y.
und dessen Mutter angehört worden wären). Die Vater-Sohn-Beziehung wird, eine
entsprechende Abänderung der bestehenden zivilrechtlichen Besuchsrechtsregelung in
der Schweiz vorausgesetzt, mittels Besuchen des Vaters in Bosnien und Herzegowina,
welches von der Schweiz aus gut erreichbar ist, sowie mittels Telefonaten, Brief- und
E-Mail-Verkehr oder anderen Formen der elektronischen Kommunikation
aufrechterhalten werden können. Mit Blick auf die Vater-Sohn-Beziehung erscheint es
somit für den Sohn der Beschwerdeführerin keineswegs unzumutbar, die Schweiz
zusammen mit seiner Mutter zu verlassen und die Beziehung zu seinem Vater vom
Ausland her zu pflegen, zumal seinem Vater dafür ausreichend finanzielle Mittel zur
Verfügung stehen (Nettolohn Fr. 6380.-, vgl. Dossier A, S. 115). Die faktische
Beeinträchtigung der Vater-Sohn-Beziehung resultiert aus der Trennung der Eltern und
nicht aus der einwanderungsrechtlichen staatlichen Weigerung, die
Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin zu verlängern.
2.3.3.
Die mittlerweile 43-jährige Beschwerdeführerin ist im Alter von 38 Jahren in die
Schweiz eingereist und hält sich mithin seit viereinhalb Jahren und damit erst seit
kürzerer Zeit hierzulande auf. Sie hat bisher keine Sozialhilfe bezogen und sich nichts
zuschulden kommen lassen. Das Strafverfahren gegen sie wegen Drohung im
häuslichen Bereich stellte das Untersuchungsamt Altstätten mit Verfügung vom 4.
Dezember 2012 ein (Dossier A, S. 138 f.). Eine Integration hat insofern stattgefunden,
als sie nach der Trennung von ihrem zweiten Ehemann am 12. September 2012
zunächst als Haushaltshilfe (Pensum von 50 %) und nebenamtliche Hauswartin
arbeitete und seit 6. Januar 2014 als Mitarbeiterin im Hausdienst eines Pflegeheims
(Vollzeit) tätig ist. Ihr Arbeitgeber attestiert ihr, über sehr gute Deutschkenntnisse zu
verfügen, sich ein gutes Fachwissen angeeignet, sich im Team sehr gut integriert sowie
die Arbeiten selbständig, zuverlässig, sauber und sehr gewissenhaft erledigt zu haben.
Im persönlichen Umgang verhalte sie sich sehr zuvorkommend, loyal, hilfsbereit und
respektvoll (vgl. Empfehlungsschreiben vom 6. Oktober 2014, act. 2/4). Das zitierte
Empfehlungsschreiben vermag die Beschwerdeführerin indessen nicht als
unverzichtbare Arbeitskraft zu qualifizieren. Trotz ihrer anzuerkennenden Leistungen im
Pflegebereich geht ihre berufliche Eingliederung nicht über das hinaus, was von einer
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Ausländerin oder auch einer schweizerischen Mitarbeiterin erwartet werden darf.
Insbesondere genügt es nicht, in genereller Weise auf den Arbeitskräftemangel im
Pflegebereich hinzuweisen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann ihr
privates Interesse und dasjenige ihres Arbeitsgebers, einem privatrechtlichen Verein an
einer Weiterbeschäftigung nicht mit einem gesamtwirtschaftlichen Interesse
gleichgesetzt werden. Im Weiteren finden sich keine Hinweise auf einen
schweizerischen Bekanntenkreis. Insgesamt kann nicht von engen Beziehungen zur
Schweiz oder, wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht (act. 1, S. 4 f.), einer
ausserordentlich guten Integration gesprochen werden. In Bosnien und Herzegowina
hat die Beschwerdeführerin bis zu ihrem 39. Lebensjahr und damit den grössten Teil
ihres Lebens gelebt, davon sechseinhalb Jahre als alleinerziehende Mutter. Die
Sprache und die dortigen Lebensumstände sind ihr bestens vertraut. Auch sozial ist sie
ihrer Heimat verbunden. Ihre beiden Kinder aus der ersten Ehe, deren Vater und ihre
Mutter leben in Bosnien. Dieses familiäre Beziehungsnetz dürfte ihr die Reintegration
erleichtern. Auch werden ihr die hier erworbenen Fähigkeiten, insbesondere ihre sehr
guten Deutschkenntnisse, bei der beruflichen Wiedereingliederung von Nutzen sein.
Anhaltspunkte, welche für eine starke Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im
Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG oder für Wegweisungshindernisse im Sinne von Art. 83
Abs. 1 bis 4 AuG sprechen würden, sind weder ersichtlich noch dargetan (vgl. hierzu
BGer 2C_20/2015 vom 21. Juli 2015 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 137 II 345 E. 3.2.2 und
3.3.2). Nach ihrem kürzeren Aufenthalt in der Schweiz kann der Beschwerdeführerin
zugemutet werden, in ihr Heimatland zurückzukehren. Daran ändert der Umstand
nichts, dass der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz in Bosnien und Herzegowina mit
Schwierigkeiten verbunden ist und die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben
weder von ihrer Mutter noch ihrer Tochter finanziell unterstützt wird. Bei den von der
Beschwerdeführerin geschilderten Nachteilen handelt es sich um allgemeine und
übliche Konsequenzen, die für einen Grossteil der Ausländer gelten, die in ein Land
zurückkehren müssen, das ihnen nicht dieselben finanziellen und sozialen
Möglichkeiten bieten kann wie die Schweiz. Im Übrigen kann sich die
Beschwerdeführerin, die Nichtanerkennung der entsprechenden kroatischen Urteile
vorausgesetzt, zur Durchsetzung der Unterhaltsansprüche gegen ihren zweiten
Ehemann nach Ziff. 7 des Entscheides des Kreisgerichts Werdenberg-Sargangserland
vom 6. November 2012 (Dossier A, S. 117), auf welche sie auch in ihrer Heimat
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Anspruch hat, auf das Übereinkommen über die Geltendmachung von
Unterhaltsansprüchen im Ausland (SR 0.274.15) stützen, welches sowohl von Bosnien
und Herzegowina als auch der Schweiz ratifiziert wurde. Mit Entscheid des
Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland vom 6. November 2012 (Dossier A, S. 117)
wurde H.Y. unter die alleinige Obhut der Beschwerdeführerin gestellt. Er ist vier Jahre
alt und befindet sich somit in einem anpassungsfähigen Alter. Weltweit ziehen viele
Kinder in vergleichbarem Alter zusammen mit ihren Eltern in fremde Länder; umso
mehr kann H.Y. zugemutet werden, seiner Mutter in deren Heimatland zu folgen (vgl.
BGer 2C_272/2014 vom 6. Februar 2015 E. 3.3 zweiter Absatz). Gesamthaft betrachtet
überwiegt das öffentliche Interesse an einer restriktiven Einwanderungspolitik die
privaten Interessen der Beschwerdeführerin.
2.4.
Im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG ist jede Form
ehelicher bzw. häuslicher Gewalt, sei sie körperlicher oder psychischer Natur, ernst zu
nehmen. Es handelt sich hierbei um einen Ausfluss der sich aus dem Verfassungs- und
Konventionsrecht ergebenden staatlichen Schutzpflichten (Art. 7 und Art. 35 Abs. 1
und 3 BV sowie Art. 3 und 8 EMRK, vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
Häusliche Gewalt bedeutet systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und
Kontrolle auszuüben, und nicht eine einmalige Tätlichkeit oder eine verbale
Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits. Die physische oder psychische
Zwangsausübung und deren Auswirkungen müssen vielmehr von einer gewissen
Konstanz bzw. Intensität sein (BGer 2C_20/2015 vom 21. Juli 2015 E. 4.1 mit
Hinweisen). Die ausländische Person trifft bei der Feststellung des entsprechenden
Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht (Art. 90 AuG). Sie muss die
eheliche Gewalt in geeigneter Weise glaubhaft machen. Allgemein gehaltene
Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen genügen nicht (vgl. BGer
2C_20/2015 vom 21. Juli 2015 E. 4.1 mit Hinweis auf BGE 138 II 229 E. 3.2.3 sowie Art.
77 Abs. 5 f. VZAE). Anders als im Strafrecht, wo ein strengeres Beweismass gilt
(Unschuldsvermutung), wird nicht der direkte Beweis für das Vorliegen
anspruchsbegründender ehelicher Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG
verlangt. Die Frage, ob eine Beeinträchtigung im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG besteht,
muss demnach ausländerrechtlich bis zu einem bestimmten Grad losgelöst von
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(eingestellten) Strafverfahren überprüft werden können (vgl. 2C_765/2013 vom 2.
Juni 2014 E. 4.1 und 4.3 mit Hinweisen).
Der Ehemann der Beschwerdeführerin wurde bis dato nie wegen Gewaltdelikten
strafrechtlich verurteilt. Das Verfahren gegen ihn wegen Tätlichkeiten anlässlich des
Streits mit der Beschwerdeführerin vom 12. September 2012 wurde durch das
Untersuchungsamt Altstätten mit Verfügung vom 4. Dezember 2012 eingestellt (Dossier
B, S. 11-13). Der von der Politischen Gemeinde Q. im Schreiben vom 9. Mai 1995
(Dossier B, S. 165) erhobene Vorwurf der häuslichen Gewalt gegen seine erste Ehefrau
ist nicht weiter belegt. Auch könnte gestützt darauf keine eheliche Gewalt gegenüber
der Beschwerdeführerin glaubhaft gemacht werden. Anlässlich der Einvernahme vom
12. September 2012 (Dossier A, S. 172-175) gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll,
dass sie ihren Lohn auf das Konto ihres Ehemanns überweisen müsse. Sie habe ihn
deshalb um Fr. 10.-- bitten müssen, woraufhin es zum Streit gekommen sei, in dessen
Folge ihr Mann mit seinem Kopf gegen ihr Gesicht geschlagen und sie an der
Nasenwurzel getroffen habe. Sie sei durch die Wucht des Schlages bewusstlos
geworden (vgl. hierzu den ärztlichen Bericht des Spitals Q. vom 12. September 2012,
Dossier A, S. 187 f., sowie die ärztliche Bestätigung der Klinik W. vom 12. Juli 2013,
Dossier A, S. 32). Selbst wenn der Tathergang der Darstellung der Beschwerdeführerin
entspräche, was von ihrem Ehemann bestritten wird (vgl. Dossier A, S. 166-169),
vermag diese einmalige Tätlichkeit im Verlauf eines eskalierenden Streites alleine,
welche gemäss der Einstellungsverfügung vom 4. Dezember 2012 kaum vorsätzlich
erfolgte (Dossier B, S. 13), noch keine eheliche Gewalt darzustellen. Es fehlt an einer
gewissen Konstanz bzw. Intensität, zumal im Dezember 2012 gemäss den Angaben
des Beistands des Sohnes der Beschwerdeführerin eine Wiederannäherung der
Eheleute stattfand (Dossier B, S. 9). Nichts zu ihren Gunsten abzuleiten vermag die
Beschwerdeführerin sodann aus dem Hinweis auf die von ihrem Ehemann ausgehende
Gefahr weiterer Gewaltdelikte, lebt sie doch seit dem 12. September 2012 getrennt von
ihm (Dossier A, S. 117). Im Übrigen wird eine psychische Druckausübung seitens ihres
Ehemannes weder von der Beschwerdeführerin geltend gemacht noch ist eine solche
erkennbar.
2.5.
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Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine spezifischen, auf ihrer Ehe bzw. deren
Auflösung beruhenden wichtigen persönlichen Gründe gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG
ersichtlich sind, die der Beschwerdeführerin einen Anspruch auf weiteren Verbleib in
der Schweiz verschaffen könnten. Der vorinstanzliche Entscheid verletzt weder Art. 50
Abs. 2 AuG noch Art. 8 EMRK oder Art. 13 Abs. 1 BV. Die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung erweist sich als verhältnismässig. Überdies ist nicht erkennbar,
dass die Vorinstanz innerhalb des Beurteilungsspielraums der Art. 18 bis 30 AuG einen
fehlerhaften Ermessensentscheid getroffen hätte (vgl. zur Kognition des
Verwaltungsgerichts Art. 61 VRP). Die Beschwerde ist abzuweisen.
3.
(...).