Decision ID: 2b45935c-ba0f-51c1-891e-03dc15b57469
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Beschwerdeführer verliess sein Herkunftsland (Iran) eigenen  zufolge im (...) und gelangte am (...) illegal in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 27. September 2007 erfolgte die Kurzbefragung im B._, am 11. Oktober 2007 die Nachbefragung des Beschwerdeführers zu seinem Alter und am 31. Oktober 2007 die Direktanhörung zu seinen Asylgründen durch das BFM.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer bei der Direktanhörung geltend, er sei afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer Hazara schiitischen Glaubens mit letztem Wohnsitz in C._ (Nähe [...]) im Iran. Seine Eltern stammten ursprünglich aus der (...) Provinz (...) und seien ein Jahr nach der Machtübernahme von Khomeini in den Iran geflüchtet, wo er am (...) geboren und mit seinen (...) aufgewachsen sei. Nach der Primar- und Mittelschule habe er wegen der (...) seines Vaters als Taglöhner mitgeholfen, den Lebensunterhalt seiner Familie mitzubestreiten. Die wirtschaftliche Situation sei für afghanische Flüchtlinge schlecht gewesen, die Schulen seiner (...) und die Aufenthaltsbewilligungen hätten viel Geld gekostet. Die iranischen Beamten hätten sich den Afghanen gegenüber willkürlich verhalten. Ungefähr drei Monate vor der Einreichung seines Asylgesuchs in der Schweiz habe er ein erstes Mal versucht, nach Europa zu gelangen. Beim Grenzübertritt in die Türkei seien er und (...) weitere Flüchtlinge gefasst und an die iranischen Behörden rückübergeben worden. Nach einem (...) Gefängnisaufenthalt und der Abnahme seiner Vermögenswerte sei er zusammen mit den anderen Flüchtlingen von den iranischen Beamten mit einem Bus nach Afghanistan ausgeschafft worden, wo er nach D._ und später nach E._ gereist sei. Nach weniger als einem Monat sei er zu seinen Eltern in den Iran zurückgekehrt, weil er in Afghanistan keine Lebensgrundlage gehabt habe und seine Bemühungen, einen afghanischen Reisepass zu erlangen, wegen  finanzieller Mittel erfolglos geblieben seien. Im (...) sei ihm schliesslich mit der finanziellen Hilfe seiner Eltern, die sich von Bekannten und Freunden Geld geborgt hätten, die Ausreise aus dem Iran und die Weiterreise in die Schweiz gelungen. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen und, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen.
Seite 2
E-1205/2008
Am 11. Oktober 2007 wurde dem Beschwerdeführer anlässlich der Nachbefragung zu seinem Alter das rechtliche Gehör zum Ergebnis der am 3. Oktober 2007 im Auftrag des BFM von einem Arzt für  Medizin vorgenommenen radiographischen Untersuchung,  ein Alter von 19 Jahren oder mehr ergab, gewährt.
Der Beschwerdeführer reichte im erstinstanzlichen Verfahren  seines iranischen Flüchtlingsausweises und der Tazkera () seines Vaters zu den Akten.
B. Mit Verfügung vom 23. Januar 2008 stellte das BFM fest, der  erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. Zur Begründung führte es aus, die  des Beschwerdeführers vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht zu genügen, weshalb darauf verzichtet werden könne, auf allfällige  in seinen Aussagen einzugehen. Insbesondere stellten die von ihm geltend gemachten schlechten sozialen und wirtschaftlichen  in Afghanistan keine asylrevanten Nachteile im Sinne des Asylgesetzes dar. Aus den Akten ergäben sich zudem keine Hinweise darauf, er sei in seinem Heimatstaat asylrelevanten  ausgesetzt gewesen. Auch aus dem Verhalten der iranischen Behörden gegenüber afghanischen Flüchtlingen im Iran könne der  keine asylrechtlich beachtlichen Nachteile ableiten.
Zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führte das Bundesamt  anderem an, gemäss Koordinationsurteil der vormals zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) vom 24. Januar 2006 sei die Wegweisung in jene Regionen Afghanistans grundsätzlich als zumutbar zu betrachten, in denen seit 2004 keine bedeutenden  Aktionen mehr bekannt geworden und die keiner permanent instabilen Lage ausgesetzt seien. Der Anteil der Hazara an der  Afghanistans werde auf rund 20 Prozent geschätzt und umfasse rund 5 Millionen Menschen. Ihr Hauptsiedlungsgebiet  im zentralen Hochland Afghanistans, dem Hazarajat. Dieses  50 000 Quadratkilometer grosse Gebiet umfasse die Provinz  sowie Teile der Provinzen Ghazni, Ghor, Daikondi, Oruzgan und Wardak. Zudem bildeten die Hazara in den Städten Kabul, (...) und Herat eine bedeutende ethnische Minderheitengruppe. Nach
Seite 3
E-1205/2008
übereinstimmender Einschätzung von Experten gehöre das Hazarajat im innerafghanischen Vergleich zu den sichereren Regi-onen des Landes. Seit dem Sturz der Taliban seien in dieser Region mit Ausnahme einzelner Vorfälle in der Provinz Daikondi keine  terroristischen oder militärischen Aktionen registriert . Dementsprechend könne im Hazarajat nicht von einer permanent instabilen Lage gesprochen werden.
Das Hazarajat gehöre zwar aufgrund seiner ungünstigen  Lage zu den ärmsten Gegenden Afghanistans. Es sei aber nach dem Sturz der Taliban zu einem bevorzugten Einsatzgebiet  Hilfsorganisationen geworden. Generell lasse sich feststellen, dass sich die Lage der mehrheitlich schiitischen Hazara, der drittgrössten ethnischen Minderheit des Landes, nach dem Ende der Taliban-Herrschaft insgesamt verbessert habe. Der Beschwerdeführer verfüge zudem „im Hazarajat mit seinem Onkel väterlicherseits in der Provinz F._, mit dem er auch in Kontakt stehe, über ein tragfähiges soziales Beziehungsnetz.“
Dem Beschwerdeführer stehe es grundsätzlich offen, eine  Wohnsitzalternative wahrzunehmen und sich beispielsweise im Grossraum Kabul niederzulassen. Es lägen keine Berichte über  oder religiös motivierte Übergriffe auf Hazara in Kabul vor, wo diese eine bedeutende Minderheitengruppe mit entsprechenden  bildeten. Er müsse deshalb nicht befürchten, auf Grund seiner ethnischen Zugehörigkeit im Grossraum Kabul Opfer asylrelevanter Nachteile zu werden. Er werde zwar auf ein schwieriges  Umfeld treffen, dank seiner achtjährigen Schulbildung und seiner im Iran erworbenen Erfahrungen und Kenntnisse als Arbeiter habe er indessen im Vergleich mit anderen in Kabul lebenden Hazara einen deutlichen Vorteil. Darüber hinaus handle es sich beim  um einen gesunden, jungen Mann, der in der Lage sein sollte, sich in Kabul eine eigene wirtschaftliche Existenz aufzubauen, womit er über eine zumutbare Wohnsitzalternative verfüge. Zudem stehe es ihm offen, in den Iran zurückzukehren, zumal er dort über einen  als Flüchtling und seine Familie verfüge.
C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 25. Februar 2008 (Poststempel)  der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin in  Hinsicht unter Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegwei-
Seite 4
E-1205/2008
sungsvollzugs und Anordnung der vorläufigen Aufnahme die teilweise Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung; in prozessualer Hinsicht  er unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er einen Internetartikel vom 1. Dezember 2007 zur Sicherheitslage in Afghanistan und eine Fürsorgebestätigung des (...) vom 15. Februar 2008 zu den Akten. Auf die Begründung der Rechtsbegehren und die eingereichten Dokumente wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
D. Mit Zwischenverfügung vom 29. Februar 2008 teilte der  dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des  in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig stellte er fest, dass lediglich der Vollzug der Wegweisung Gegenstand des Verfahrens bilde,  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verlegte den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege auf einen späteren Zeitpunkt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17.  2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der  ist durch die angefochtene Verfügung besonders  und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
Seite 5
E-1205/2008
hungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 und 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das  kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung eines  verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3. Die Ziffern 1, 2 und 3 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung sind in Rechtskraft erwachsen, da sich die Beschwerde einzig gegen den Vollzug der Wegweisung richtet. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit die Prüfung der Frage, ob das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärt hat.
4.
4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das  nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige  von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).
4.2 Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den  (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist der Vollzug als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Person in der Schweiz nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. Entscheidungen und  der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 6).
4.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
Seite 6
E-1205/2008
staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
5.
5.1 Die ARK setzte sich in EMARK 2003 Nr. 10 einlässlich mit der  Lage in Afghanistan, insbesondere in der Hauptstadt Kabul, auseinander und umschrieb in EMARK 2003 Nr. 30 die  für einen Wegweisungsvollzug nach Afghanistan. Infolge der  günstigeren Situation erachtete die ARK den  nach Kabul unter bestimmten strengen Voraussetzungen, insbesondere einem tragfähigen Beziehungsnetz und einer  Wohnsituation, als zumutbar. In EMARK 2006 Nr. 9 bestätigte und ergänzte sie ihre Rechtssprechung aus dem Jahr 2003. Zusätzlich zu Kabul erachtete die ARK den Wegweisungsvollzug in jene Regionen Afghanistans (die Provinzen Parwan, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul, Herat und die Gegend von Samangan, die nicht zum Hazarajat zu zählen ist), in welchen seit 2004 keine  militärischen Aktivitäten stattfanden oder die keiner dauernden Unsicherheit ausgesetzt waren, unter Beachtung der in EMARK 2003 Nr. 10 erwogenen strengen Bedingungen als grundsätzlich zumutbar. Vorliegend braucht nicht geprüft zu werden, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmasse sich die Situation in den vorgenannten Provinzen zwischenzeitlich verschlechtert hat.
In den übrigen östlichen, südlichen und südöstlichen Provinzen  hingegen weiterhin eine allgemeine Gewaltsituation, weshalb der Wegweisungsvollzug dorthin als unzumutbar zu betrachten sei (vgl. EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.5.3 und 7.8). Das  sieht in Berücksichtigung der jüngsten Entwicklung in Afghanistan (vgl. etwa Urteile des Bundesverwaltungsgerichtes D-4664/2006 vom 17. Juli 2009, D-4270/2006 vom 25. Juni 2009) keine Veranlassung, von dieser Lageeinschätzung abzuweichen.
Seite 7
E-1205/2008
5.2
5.2.1 Von der Vorinstanz wurde nicht in Zweifel gezogen, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen afghanischen Staatsangehörigen und ethnischen Hazara handelt, dessen Eltern aus der Provinz (...) stammen. Der Herkunftsort der Eltern des Beschwerdeführers befindet sich nach dem Gesagten nicht in einer der in EMARK 2006 Nr. 9 abschliessend aufgeführten Provinzen, in welche - neben Kabul - der Wegweisungsvollzug unter strengen Bedingungen als zumutbar  wird. Der Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers in das Herkunftsgebiet seiner Eltern muss demnach als unzumutbar  werden.
5.2.2 Es stellt sich die Frage, ob dem Beschwerdeführer allenfalls eine Aufenthaltsalternative in einem anderen Landesteil Afghanistans zur Verfügung steht. Die Bejahung einer zumutbaren innerstaatlichen  in Kabul oder in einer anderen Provinz, in der die allgemeine Situation eine Rückkehr unter bestimmten Umständen als zumutbar erscheinen liesse (vgl. EMARK 2006 Nr. 9), setzt  die dortige Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes sowie eine gesicherte Wohnsituation voraus.
Vorliegend ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in Kabul oder in einer der in EMARK 2006 Nr. 9 abschliessend  Provinzen über eine gesicherte Wohnsituation und ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt. Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt, zumal sich zum einen aus den Akten keinerlei Bezugspunkte des Beschwerdeführers zum Grossraum Kabul ergeben. Zum anderen erweist sich die Argumentation des BFM, der Beschwerdeführer  in der Provinz F._ mit seinem Onkel väterlicherseits, zu dem er Kontakt habe, über ein tragfähiges soziales Beziehungsnetz, als wenig stichhaltig. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bei der Direktanhörung aussagte, sein Vater habe nach Afghanistan zurückkehren wollen und immer wieder mit dem besagten Onkel telefoniert, um sich über die Lage zu informieren. Der Onkel habe seinem Vater gesagt, man könne zwar überleben, aber die Lage werde immer schlechter. Viele andere afghanische Familien seien wieder in den Iran zurückgekehrt. Dies habe dazu geführt, dass sein Vater sein Vorhaben, nach Afghanistan zurückzukehren, aufgegeben habe (Akten BFM A15/21 S. 7 und 8). Angesichts dieser Sachlage lässt der Umstand, dass er bei der Anhörung auf
Seite 8
E-1205/2008
entsprechende Frage die Telefonnummer seines in (...) (Provinz F._) wohnhaften Onkels bekanntgab (A15/21 S. 14), entgegen den Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung nicht darauf schliessen, dieser sei in der Lage, dem Beschwerdeführer ein tragfähiges Beziehungsnetz respektive eine gesicherte  zu bieten. Aufgrund der Aktenlage kann auch nicht ernsthaft davon ausgegangen werden, dass sich der Beschwerdeführer mit Hilfe von mutmasslich irgendwo in Afghanistan lebenden weiteren  im Grossraum Kabul oder in einer der anderen genannten Provinzen eine Existenzgrundlage aufbauen könnte.
5.2.3 Selbst wenn der Beschwerdeführer im Iran, wo er eigenen  zufolge seit seiner Geburt gelebt und gearbeitet hatte, einen  Aufenthaltstitel besass und über Verwandte verfügen würde, könnte der Vollzug der Wegweisung in dieses Land nur dann erfolgen, wenn die Möglichkeit einer legalen Wiedereinreise bestünde, was indessen nicht feststeht. Es ist in Berücksichtigung seiner  Aussagen, er sei von den iranischen Behörden zwangsweise nach Afghanistan ausgeschafft worden (A15/21 S. 8), vielmehr davon auszugehen, dass ihm eine legale Wiedereinreise in den Iran verwehrt ist.
5.3 Angesichts dieser Sachlage ist der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar zu bezeichnen. Einer vorläufigen Aufnahme stehen keine einschränkenden gesetzlichen Tatbestände entgegen (Art. 83 Abs. 7 AuG). Die Voraussetzungen für die Gewährung der vorläufigen  sind damit erfüllt.
6. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt sich eine  mit den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe und dem zur Stützung der Vorbringen eingereichten Internet-Ausdruck vom 1. Dezember 2007 zur Sicherheitslage in Afghanistan. Die Beschwerde ist gutzuheissen, und die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung vom 23. Januar 2008 sind aufzuheben. Das BFM ist anzuweisen, den  in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit des  vorläufig aufzunehmen (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 AuG).
Seite 9
E-1205/2008
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten  (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der  Rechtspflege wird damit gegenstandslos.
7.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten  (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht. Auf die  einer solchen kann indes verzichtet werden, da im  Verfahren der Aufwand für das Beschwerdeverfahren  abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In  der genannten Bestimmung und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist das BFM anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 600.− (inkl. Auslagen und allfälliger ) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 10
E-1205/2008