Decision ID: 9a15037b-ee60-41e4-9b88-35c383c28540
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959
,
gelernter kaufmännischer Angestellter und
diplo
mierter Krankenpfleger (vgl.
Urk.
7/10/1
-3
)
,
war
seit dem
1.
April 2015 in einem Pensum von
80
%
und ab dem
1.
November 2016 in einem Pens
um von 70
%
als Pflegefachmann bei der Alters- und Pflegeheim
Y._
,
Z._
,
tätig
(
Urk.
7/17
Ziff.
2.1-3
) und meldete sich am 1
9.
Mai 2017
u
nter Hinweis auf
eine seit etwa dem Jahr 2000 bestehende aktive aggressive Hepatitis C und ein seit Juli 2016 bestehendes
cervical
radikuläres
Reizsyndrom C6 links
bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/11
Ziff.
6.1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Krankentaggeldversicherung bei (
Urk.
7/38
) und
verneinte n
ach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/55
;
Urk.
7/56,
Urk.
7/59
)
mit
Ver
fügung vom
1
8.
Februar 2019
einen
Anspruch auf Leistungen der Invalidenver
sicherung
(
Urk.
7/62
=
Urk.
2)
.
2.
Der Versicherte erhob am
1
5.
März 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
8.
Februar 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
eine im Umfang noch zu bestimmende Invalidenrente
zuzusprechen, eventuell sei
die Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9.
Mai 2019
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
1
0.
Mai 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medi
kamentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetre
ten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheits
schadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkun
gen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständi
ger
Gesundheitsschädigungen darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störun
gen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentli
chen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der suchtbedingten psychosozialen Problematik wesentlich
bessern
(und die damit verbundene Beeinträchtigung des Leistungsvermögens sich ent
sprechend verringern) würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Ok
tober 2015 E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auf
lage 2014,
Rn
51 zu Art. 4) ist nicht entscheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrelevant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigen
ständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogen
sucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheitsschadens bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Be
fund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittelabhängigkeit
aufrecht erhält
oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unab
hängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2).
Im erwähnten Urteil 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 4 hat das Bundesge
richt entschieden, dass die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 psychosoma
tische Leiden betrifft und auf Suchtproblematiken nicht anwendbar ist (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_6/2016 vom 3. Februar 2016 E. 4.2.3 mit Hinweis auf die Kritik
von
Liebrenz
/
Uttinger
/Ebner, Sind Abhängigkeitserkrankungen aus höchstrichterlicher Sicht [weiterhin] nicht mit anderen psychischen Störungen [z.B. somatoformen Störungen] vergleichbar? - Eine Urteilsbesprechung von BGE 8C_582/2015 im Lichte der theoretischen Anwendbarkeit des ergebnisoffenen, strukturierten Beweisverfahrens, in: SZS 2016 S. 96; ferner:
Liebrenz
et
alii
, Das Suchtleiden bzw. die Abhängigkeitserkrankungen - Möglichkeiten der Begutach
tung nach
BGE 141 V 281
[= 9C_492/2014], in: SZS 2016 S. 12).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass aus den vorliegenden medizinischen Unterlagen ersichtlich sei, dass der Beschwerdeführer an einer Alkohol-
und Cannabisabhängigkeit leide.
Dies
e gesundheitliche Ein
schränkung
sei
für die Invalidenversicherung nicht relevant sei.
Die Diagnosen er
gäben
keine längerfristige und schwerwiegende Arbeitsunfähigkeit. Die Ursache für den Gesundheitszustand liege im
langjährigen Substanzgebrauch
(S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte der
Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
seine Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sei nicht wegen eines Drogenkonsums, son
dern wegen diverser eigenständiger Krankheitsbilder massiv eingeschränkt (S. 4 f.
Ziff.
12-18). Diese lägen
einerseits im neuropsychologischen/kognitiven und andererseits im somatischen Bereich.
Aufgrund
der Kombination von kognitiven und körperlichen Erkrankungen bestehe
nicht nur in der angestammten
Tätigkeit als Pflegefachmann eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, sondern
auch
in allen denkbaren Verweistätigkeiten (S. 6
Ziff.
20). Die Beschwerdegegnerin habe es un
terlassen, Berichte von den von ihm angegebenen Ärzte
n
einzuholen (S. 5
Ziff.
17) und hätte die vor dem Verfügungszeitpunkt initiierten Abklärungen im Rahmen ihrer abschliessenden Stellungnahme einbeziehen und würdigen müssen (S. 6
Ziff.
24-25). Selbst der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD)
gehe von einem sekundären
Gesundheitsschaden aus, der die Erwerbsfähigkeit nachhaltig ein
schränke (S. 7
Ziff.
26).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
3.
3.1
Dr.
med. A._
,
Facharzt für Neurologie,
stellte in
seinem auf den
1
2.
Dezem
ber 2017
datierten Bericht
(
Urk.
7/32)
folgende Diagnosen (S. 1):
-
Mild
Cognitive
Impairment
mit vorwiegend frontalen und temporalen De
fiziten, Erstdiagnose im Jahr 2017
-
im
MRI und im Liquor keine Hinweise auf eine symptomatische Ursa
che
-
cervikoradikuläres
Reizsyndrom beidseits, vorwiegend C6 und C7, Erstdi
agnose August 2016
-
intraforaminale
Einengungen
der Halswirbelkörper (
HWK
)
4-7 linksbe
tont
-
chronische Hepatitis C bei Status nach
Polytoxikomanie
, Status nach
Era
dikation
mit
Argoni
Juni bis August 2017
Dr.
A._
führte aus, er habe den Patienten
zuletzt am
1
5.
Februar 2018
zur Ver
laufskontrolle gesehen (S. 1 oben). Bezüglich der Beschwerden, die zur Erstkon
sultation 2016 geführt hätten und auf ein
cervikoradikuläres
Reizsyndrom C6 links zurückgeführt worden seien,
habe
sich die Situation inzwischen soweit ge
bessert, dass im Alltag keine relevante Beeinträchtigung mehr bestehe. Allerdings hätten sich die Beschwerden in den Händen deutlich verschlimmert. Elektrodiag
nostisch könne an der rechten Hand ein leichtes
Carpaltunnelsyndrom (
CTS
)
di
agnosti
zi
ert werden.
Im ergänzend durchgeführten MRI der
Halswirbelsäule (
HWS
)
zeige sich im Vergleich zur Voruntersuchung eine leichte Zunahme der
intraforaminalen
Einengungen, aber weiterhin keine Myelopathie. Es könne des
halb davon ausgegangen werden, dass die Fühlstörung in den Händen primär
cervikoradikulär
bedingt sei
(S. 3)
.
Daneben klage der Patient über multipelste neue Miss
empfindungen seit Sommer 201
7.
Bezüglich der Fühlstörung in den Füssen fänden sich elektrodiagnostisch
trotz suggestiver Anamnese kein
Hinweis auf eine Polyneuropathie. Eine lumbale Ursache habe im ergänzend durchgeführten MRI der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
ausgeschlossen werden können. Die Ursache der Fühlstörung in den Beinen bleibe deshalb unklar.
Initial sei die
Creatin-Kinase
(
CK
)
als Hinweis auf eine Muskelschädigung deutlich erhöht gewesen. Im Verlauf habe sich der Wert aber rasch normalisiert, ohne dass sich
die Beschwerden des Patienten gebessert hätten. Über die Ursache der vo
rübergehenden CK-Erhöhung könne deshalb nur spekuliert werden
(S. 3)
.
Dr.
A._
führte aus, als eigentlicher Hauptbefund fänden sich in der neuropsy
chologischen Untersuchung
vom 1
8.
Januar 2018
Defizite frontal und temporal (Gedächtnis), einem Mild
Cognitive
Impairment
entsprechend. Das Muster der Gedächtnisstörung sei nicht typisch für eine depressive Entwicklung, die trotzdem nicht ausgeschlossen werden könne. Im
ergänzend durchgeführten Schädel
-MRI und in der Lumbalpunktion fänden sich keine Hinweise auf eine symptomatische Ursache der kognitiven Defizite (
vgl. S. 2 unten,
S. 3). Seit dem
1.
Januar 2018 konsumiere
der Beschwerdeführer
wieder Haschisch
am Abend und könne dann wieder sechs
bis
sieben
Stunden schlafen, sei am Morgen aber nicht erholter
(S. 1 Mitte).
3.2
Dr.
A._
stellte
in seinem Bericht vom
2.
März 2018 (
Urk.
7/31)
folgende
Diag
nose
n (S. 1
Ziff.
2.5-6):
-
Mild
Cognitive
Impairment
mit vorw
iegend front
alen und temporalen De
fiziten, Erstdiagnose im Jahr 2017
-
im
MRI
und im
Liquor keine Hinweise auf eine symptomatische Ursa
che
-
cervikoradikuläres
Reizsyndrom beidseits, vorwiegend C6 und C7, Erstdi
agnose August 2016
-
intraforaminale
Einengungen HWK4-7 linksbetont
-
chronische Hepatitis C bei Status nach
Polytoxikomanie
, Status nach
Era
dikation
mit
Argoni
Juni bis August 2017
Dr.
A._
führte aus, die Erstbehandlung des Patienten habe am
5.
Oktober 2016 stattgefunden, und die letzte Kontrolle sei am 1
5.
Februar 2018 erfolgt (
Ziff.
1.1). Zur Arbeitsunfähigkeit seien keine genauen Angaben möglich. Schon im Jahr 2015 habe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, und in
letzter Zeit bestehe mindestens eine Arbeitsunfähigkeit von 70
%
bis 80
%
(
Ziff.
1.3). Der Patient ar
beite als Psychiatriepfleger. Aufgrund der Gedächtnisstörung und der Einschrän
kung der frontalen Funktionen (exekutive Funktionen) sei die Einhaltung eines geordneten Tage
sablaufs und die Führung von strukturierten Gesprächen mit d
en Patienten erheblich erschwert
(
Ziff.
3.1 und 3.4). Zur Fahreignung führte
Dr.
A._
aus, aufgrund der neurologischen und neuropsychologischen Befunde ergebe sich zum aktuellen Zeitpunkt keine
eindeutige
Einschränkung der Fahreignung (
Ziff.
3.6).
3.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie
,
stellte in seinem Bericht vom
6.
März 2018 (
Urk.
7/33) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (
Ziff.
2.5):
-
Polyneuropathie, bestehend seit
8.
November 2017
-
Neuroborreliose, bestehend seit 3
1.
Januar 2018
Dr.
B._
führte aus, der Beschwerdeführer sei seit dem
2.
Oktober 2017 bei ihm in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am
6.
März 2018 erfolgt (
Ziff.
1.1). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit habe vom 2
4.
August bis 3
1.
Dezember 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, vom 3
1.
Dezember
2017 bis 2
8.
Februar 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 70
%
und vom 2
6.
Januar bis 1
8.
März 2018 eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
bestanden (
Ziff.
1.3).
Zur Zeit sei der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig (
Ziff.
3.2,
Ziff.
4.1-2).
Es best
ünden kognitive, sensorische und motorische Defizite (
Ziff.
2.2). Die Kraft und Sensibilität distal aller Extremitäten sei niedrig, und der Beschwerdeführer leide an Konzentrationsbeschwerden und Ko
pfschmerzen. Er habe
s
tromschlag
-ähnliche Gefühle in den oberen Extremitä
ten (
Ziff.
2.4). Abschliessen
d
führte
Dr.
B._
aus,
der einzige positive Befund sei der
Borrelia
Western
Blot
und Test, weshalb eine Behandlung gegen
Borrelien
versucht werde
. Die Diagnose sei jedoch unsicher (
Ziff.
5).
3.4
Med.
pract
.
C._
, Leitend
er Arzt, und
lic
. phil. D._
, Fachleiterin Neuropsychologie,
E._
,
führten
in ihrem neuropsychologischen Untersuchungsbe
richt vom
6.
März 2018 (
Urk.
7/51
)
aus, dass sich im Gesamtbild eine mittelschwere kognitive Störung
habe
objekti
vieren lassen. Ätiologisch-
pathogenetisch
sei diese am ehesten multifaktoriell zu
interpretieren. Einerseits liege beim Patienten ein langjähriger erhöhter Konsum von Alkohol, Cannabis, Kokain und Heroin vor, wobei er angegeben habe, nach wie vor Alkohol un
d Cannabis zu konsumieren. Des W
eiteren bestehe ein Ver
dacht auf eine Borreliose, was ebenfalls kognitive Defizite verur
sachen könne. Bei einem Fragebo
gen zur Erfassung depressiver Symptome
habe der Patient zu
dem eine mittelgradige Ausprägung erreicht, wenngleich er im Kontakt nicht ty
pisch depressiv erscheine. Es sei aber dennoch möglich, dass eine affektive Betei
ligung zu den kognitiven Defiziten beitrage (S. 5 Mitte).
Die Fachpersonen führten zur Funktions- und Arbeitsfähigkeit aus, bei einer mit
telschweren kognitiven Störung sei die Funktionsfähigkeit im Alltag und unter den meisten
ber
uflichen Anforderungen deutlich
eingeschränkt. Es könnten nur noch einfachere Arbeiten ausgeführt werden. Aus rein neuropsychologischer Sicht wäre die Arbeitsunfähigkeit bei etwa 60
%
einzuschätzen, wobei die soma
tischen Befunde noch limitierend hinzukommen könnten. Das Aneignen neuer Informationen sei für den Patienten mit einem erhöhten Lernaufwand verbunden. Die Informationsaufnahme sollte durch wiederholtes Nachfragen und Aufschrei
ben sichergestellt werden.
Aufgrund der Aufmerksamkeitsdefizite sei mit einer erhöhten Fehleranfälligkeit zu rechnen
(S. 5 unten)
.
3.5
Dr.
med. F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte in ihrem Bericht
1
8.
April 2018 (
Urk.
7/37)
folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5)
:
-
mittelschwere kog
nitive Störung multifaktoriell, Diagnose im März 2018 durch
E._
, Symptome zunehmend seit dem Jahr 2016
-
Pol
ytoxikomanie
(ICD-10 F19.25), bestehend seit 1978
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie einen Sta
tus nach Hepatitis C Infektion (Diagnose im Jahr 2000) und einen Verdacht auf Borreli
ose III (Diagnose im Jahr 2018;
Ziff.
2.6).
Dr.
F._
führte aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 2
3.
Oktober 2017 bei ihr in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 1
1.
April 2018 erfolgt (
Ziff.
1.1). Sie habe formal keine Arbeitsunfähigkeiten attestiert, aber sie halte den Versicherten als Psychiatriepfleger als zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.3). In ihrer Prognose zur Arbeitsunfähigkeit führte
Dr.
F._
aus, sie gehe von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit aus (
Ziff.
2.7). Die bisherige und auch eine angepasste Tätigkeit seien
aufgrund der aufgeführten psychisch-kognitiven und körperlichen Erkrankungen
nicht mehr zumutbar (
Ziff.
4.1-4).
Es sei möglich, dass
der Beschwerdeführer
eine halbe Stunde pro Tag den Haushalt mache (
Ziff.
4.5).
3.6
Der in der gleichen Praxis wie
Dr.
B._
(vgl. vorstehend E. 3.3)
tätige
Dr.
med.
G._
, Facharzt für
Plastische,
Rekonstruktive
und Ästheti
sche Chirurgie
, führte in seinem
Schreiben
vom
1
3.
Juli 2018 (
Urk.
7/45) bezug
nehmend auf die Anfrage der Beschwerdegegnerin hinsichtlich der Krankheits
entwicklung der Neuroborreliose
aus, es sei ihnen leider ein Fehler unterlaufen. Es habe der Verdacht auf eine Neuroborreliose bestanden, welcher sich nicht be
stätigt habe
.
3.7
Pract
. med. H._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, RAD,
führte in seiner Stellungnahme vom 2
3.
Oktober 2018 (
Urk.
7/54/7-8) aus,
dass
aufgrund der be
stehenden mittelschweren kognitiven Störung die aktuelle Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Psychiatriepfleger nachvollziehbar
sei
. Die Ursache der kognitiven Störung werde als multifaktoriell beschrieben. Es bestehe ein Sta
tus nach
Polytoxikomanie
und ein aktueller Konsum von Alkohol und Cannabis.
A
us versicherungsmedizinischer Sicht sei diesbezüglich eine Abstinenz zu emp
fehlen. Der
Versicherte sei in der Lage gewesen, über lange Jahre abstinent zu sein. Der neuerliche Konsum von Alkohol und Cannabis werde in Verbindung mit der beruflichen Überforderung gebracht. Die
Verdachtsdiagnose Borreliose habe nicht bestätig
t
werden können, und
ein Teil der Beschwerden
werde im
Zusam
menhang mit der Therapie der Borreliose
gesehen.
Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit könne aus versicherungsme
dizinischer Sicht keine abschliessende Stellungnahme erfolgen.
Als
medizinische
Massnamen
würden
eine Abstinenz bezüglich Alkohol und Cannabis (unter ärzt
licher Betreuung/Therapie mit entsprechendem laborchemischem Nachweis), die Wiederaufnahme einer regelmässigen fachpsychiatrisch/psychotherapeutischen Behandlung (nach An
ruf von
Dr.
F._
vom 1
8.
Juli 2018 habe diese die Lizenz abgegeben
und
ihre Praxis schliessen müssen), sowie eine Kontrolle der neuropsychologischen Untersuchung nach der Abstinenz bezüglich Alkohol und Cannabis zu
r Verlaufskontrolle empfohlen.
Nach Durchführung der medizini
schen Massnahmen für mindestens sechs Monate könne eine Verbesserung des Gesundheitszustandes und eine Arbeitsfähigkeit zumindest in angepasster Tätig
keit erwartet werden.
3.8
Pract
. med.
H._
, RAD,
führte in seiner Stellungnahme vom
1
6.
November 2018 (
Urk.
7/54/9-10)
aus, eine definitive Ursache für die kognitive Störung sei der medizinischen Berichterstattung nicht zu entnehmen. Aktuell bleibe als Ur
sache der langjähri
ge Substanzmissbrauch.
Somit wä
re diesbezüglich von einem sekundären Ge
sundheitsschaden
bei Suchtgeschehen auszugehen.
Die empfohlenen medizinischen Massnahmen machten aus therapeutischer Sicht auf jeden Fall Sinn, da diese den Gesundheitszustand des Versicherten verbessern könnten. Ob sich hierdurch die Arbeitsfähigkeit steigern liesse, könne letztlich abschliessend erst nach der Behandlung beurteilt werden. Aufgrund des geschil
derten Verlaufes sei es aber aus arbeitsmedizinischer Sicht unwahrscheinlich, dass es zu einer wesentlichen Steigerung der Arbeitsfähigkeit kommen werde.
Ob eine medizin
isch
-theoretische Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf dem
1.
Arbeits
markt umsetzbar sein werde, hänge von verschiedensten auch psychosozialen Faktoren ab (Arbeitsmarktsituation, langjähriger Suchtmittelmissbrauch, tei
ls weiter
bestehende Arbeitslosigkeit, Alter, bisherige Tätigkeit wahrscheinlich nicht mehr möglich) und sei letztlich keine medizinische Frage. Aus arbeitsmedizini
scher Sicht erscheine eine Reintegration jedoch eher unwahrscheinlich.
3.
9
Dr.
F._
stellte in ihrem Bericht vom
1
5.
Januar 2019 (
Urk.
7/60)
fol
gende Diagnosen:
-
mittelschwere kognitive Störung, multifaktoriell bedingt (ICD-10 F06.7)
-
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21
)
-
Status nach
Polytoxikomanie
(ICD-10 F19.25)
-
intermi
ttierender Cannabis-Abusus (ICD-
10 F12.1)
Dr.
F._
führte aus,
der Beschwerdeführer sei vom 2
3.
Oktober 2017 bis 2
5.
Juni 2018 insgesamt 14 Mal in ihrer psychiatrischen Behandlung gewesen. Die Diagnosen seien auf der Grundlage ihrer Beurteilung der psychischen Situa
tion und der neuropsychologischen Abklärung im
E._
vom März 2018
gestellt worden
.
3.10
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte in seiner Stellungnahme vom
2
7.
Februar 2019 (
Urk.
7/65)
aus, er habe als betreuender Hausarzt den negativen Entscheid mit grossem Erstaunen zur Kenntnis genom
men.
Der Beschwerdeführer habe eine lange Leidensgeschichte mit Status nach
Polytoxikomanie
hinter sich, wobei er sich sozial bestens
reintegriert
und über viele Jahre erfolgreich als Psychiatriekrankenpfleger gearbeitet habe. Im Rahmen eines chronischen Erschöpfungszustandes mit chronischem Schmerzsyndrom sei es zu einem depressiven Zustandsbild mit kognitiven Einschränkungen gekom
men, was neurologisch fachärztlich habe bestätig
t
werden können.
Im
Rahmen des nun zunehmenden Erschöpfungszustande
s
, verbunden mit einer allgemeinen Überempfindlichkeit im somatosensorischen Bereich sowie der bereits genannten kognitiven Einschränkungen, bestehe seit gut einem Jahr eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit im bisherigen Arbeitsbereich als Psychiatriepfleger. Der Patient kon
sumiere nach wie vor in kleinem Umfang Cannabis und Alkohol zur Linderung seiner somatosensorischen Reizbeschwerden. Der Beschwerdeführer sei jedoch durchaus krankheitsei
nsichtig und kooperativ und stehe auch einer psychothera
peutischen Begleitung und allfälligen medikamentösen Behandlungen mit Ein
schränkungen positiv gegenüber.
Es sei jedoch bei der bisherigen Krankheitsent
wicklung von einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit im bisherigen verantwor
tungsvollen Arbeitsbereich als Psychiatriekrankenpfleger auszugehen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass kein invalidisieren
der Gesund
heitsschaden vorliege
und lediglich von einem primären Suchtgeschehen sowie von aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht ebenfalls unbeachtlichen
psy
chosozialen Belastungsfaktoren auszugehen sei
(vgl. vorstehend E. 2.1,
Urk.
7/54/10
).
4.2
Wie die Beschwerdegegnerin nach
der
Stellungnahme von
pract
. med.
H._
vom 1
6.
November 2018 (vgl. vorstehend E. 3.
8
) zum Schluss kam, dass auf ein primäres Suchtgeschehen sowie auf massgeblich das Beschwerdebild dominie
rende psychosoziale Belastungsfaktoren geschlossen werden k
önne
(vgl.
Urk.
7/54/10)
,
lässt sich nicht nachvollziehen.
Völlig unbeachtet blieb, das
pract
. med.
H._
bereits in seiner Stellungnahme vom 2
3.
Oktober 2018 (vgl. vor
stehend E. 3.7) festhielt,
dass die derzeitige medizinische Aktenlage keine Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zulasse und
sich
der aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht relevante Gesundheitsschaden aufgrund des fortgesetzten
Konsums von Alkoh
o
l und Cannabis nicht
abschlies
send feststellen lasse. Sodann sprach
pract
. med.
H._
in seiner Stellung
nahme vom 1
6.
November 2018 (vgl. vorstehend E. 3.8) nicht von einem pri
mären
Suchtgeschehen,
sondern schloss aufgrund der nach wie vor unklaren Ur
sache der kognitiven Störung auf einen sekundären Gesundheitsschaden bei Suchtgeschehen. Dass eine relevante Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf dem ers
ten Arbeitsmarkt selbst nach erfolgter Abstinenz eintreten würde, bezweifelte er unabhängig von allenfalls bestehenden psychosozialen Belastungsfaktoren.
Pract
. med.
H._
ist soweit beizupflichten, als dass sich die medizinische Aktenlage weder hinsichtlich des tatsächlich bestehenden Gesundheitsschadens noch hinsichtlich der noch bestehenden Arbeitsfähigkeit als hinreichend
schlüs
sig erweist.
Da verschiedentlich ein fortgesetzter Substanzgebrauch
von Cannabis und Alko
h
o
l
beschrieben wurde
(vgl. vorstehend
E. 3.1,
E.
3.4, E.
3.
9-
10)
, sind die erfolgten
neur
o
psychologischen Untersuchung
en
erheblich in Frage zu stellen, zumal nicht ausgeschlossen werden kann, d
ass die Testergebnisse dadurch beeinflusst
worden sind. Selbst med.
pract
.
C._
und
lic
. phil
.
D._
führten explizit aus, dass die anlässlich ihrer neuropsychologischen Untersuchung
vom
6.
März 2018
objektivierten kogn
itiven Defizite insbesondere vor
dem Hintergrund des aktuel
len Konsums von Alkohol und Cannabis
und damit im Rahmen eines primären Suchtgeschehens (vgl. vorstehend E. 1.3)
zu interpretieren seien (vgl. vorstehend E. 3.4).
Nicht vollends nachvollziehbar
erscheint
weiter der Umstand, dass med.
pract
.
C._
und
lic
. phil.
D._
im Rahmen der Verhaltensbeobachtung weitgehend unauffällige Befunde
feststellten und ausführten,
dass die Konzent
rationsf
ähigkeit
des Beschwerdeführers
über den Verlauf der Untersuchung
habe
aufrecht
erhalten werden
können
,
die
Fragen adäquat beantwortet worden seien und Inst
ruktionen den Fähigkeiten
entsprechend problemlos hätten u
mgese
tzt werden können (vgl.
Urk.
7/51
S. 3 oben). Im Gegensatz dazu ergab die testpsy
chologische Prüfung der kognitiven Funktionen hinsichtlich der Aufmerksam
keitsleistungen und der Konzentrationsfähigkeit teilweise weit unterdurchschnitt
liche Ergebnisse (
vgl.
Urk.
7/51
S. 3 unten).
Nicht
erklärbar bleibt
weiter die Ab
weichung zur am 1
8.
Januar 2018 durch
Dr.
A._
vorgenommen neuropsycho
logischen Untersuchung, welche lediglich leichte Defizite frontal und rechts tem
poral ergab
(vgl. vorstehend E. 3.1
)
,
und
weiter der Umstand, dass
es bei einem Status nach
Polytoxikomanie
und, wie
Dr.
I._
in seinem Bericht vom 2
7.
Februar 2019 (vgl. vorstehend E. 3.10) ausführte,
nach
erfolgreicher
Rein
tegration und langjähriger Tätigkeit als Psychiatriekrankenpfleger plötzlich zu einer derartigen Verschlechterung des Gesundheitszustandes respektive zum vor
liegenden Beschwerdebild gekommen ist
.
Die von
Dr.
B._
in seinem Bericht vom
6.
März 2018 (vgl. vorstehend E. 3.3) ge
stellte
Verdachtsd
iagnose einer Neu
roborreliose
konnte nicht bestätigt werden (vgl. vorstehend E. 3.6).
Auch im vom Beschwerdeführer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nachgereichten Bericht des
J._
vom 1
8.
Dezember 2018 (
Urk.
3/4) wurden die Symptome ledig
lich unter dem Oberbegriff «unklarer Beschwerdekomplex» zusammengefasst.
I
n psychischer Hinsicht erweist sich der Sachverhalt
ebenfalls
als weitgehend un
klar
.
Verschiedentlich wurde
zwar von den behandelnden Ärzten auf ein depres
sives Geschehen hingewiesen
respektive ein solches nicht ausgeschlossen
(vgl. vorstehend E.
3.1, E.
3.4
-5
und
E. 3.
9-
10
), jedoch mangelt es i
nsbesondere den
Berichte
n
der behandelnden Psychiaterin
Dr.
F._
vom 1
8.
April 2018 und vom
1
5.
Januar 2019
(vgl. vorstehend E. 3.5
und E. 3.9
)
an ei
ner objektiven Befundlage und hinreichenden Diagnostik, welche die
schlussendlich von ihr at
testierte vollständige Arbeitsunfähigkeit nachvollziehb
ar machen würde
n
. So nahm
Dr.
F._
weitestgehend eine
Vermischung mit fachfremden Diag
nosen vor
und
leitete die
Arbeitsunfähigkeit primär aus diesen
ab
.
Eine Beurtei
lung des Schweregrades der Einschränkungen des Beschwerdeführerführers und seiner Leistungsfähigkeit lassen ihre Berichte nicht zu. Abgesehen davon verlor sie laut
pract
. med.
H._
ihre Berufsausübungsbewilligung und musste die Praxis schliessen
(vgl.
vorstehend E. 3.7,
Urk.
7/54/6).
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.4
Aufgrund des Gesagten erweist sich der medizinische Sachve
rhalt als ungenü
gend abgeklärt.
Es fehlt demnach vorliegend an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers i
n soma
tischer und psych
ischer Hinsicht. Zur Beurteilung
seiner
invalidenversicherungs
rechtlichen Ansprüche bedarf es daher zusätzlicher medizinischer Grundlagen, wel
che sich zu den offenen Fragen
äussern
.
Die angefochtene Verfügung vom
18. Februar 2019
(Urk. 2) ist folglich aufzuhe
ben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem
Entscheid über den Anspruch des
Beschwerdeführer
s
auf Leis
tungen der Invalidenversicherung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (B
GE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der
vertretene Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und beim
massgebenden
Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2’7
00.-- (inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.