Decision ID: 5ad01166-58f6-561c-8b0c-2364d9ae4616
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X. besitzt den Führerausweis der Kategorien B und BE sowie der Unterkategorien
D1 und D1E seit dem 8. Februar 1960. Seit dem 1. April 2003 ist er zudem berechtigt,
Motorräder der Kategorie A zu lenken. Im Informationssystem über die
Verkehrszulassung (abgekürzt: IVZ; früher: Administrativmassnahmen-Register) ist er
nicht verzeichnet.
B.- Am 20. August 2019 erlitt X. einen ischämischen Hirninfarkt im Mediastromgebiet
rechts, weshalb er während einer Woche hospitalisiert werden musste und
anschliessend sechs Wochen zur Rehabilitation in der Klinik Zihlschlacht verbrachte.
Anlässlich der periodischen Kontrolluntersuchung durch den Hausarzt am
13. November 2019 hielt dieser mit Verweis auf den Austrittsbericht der Klinik
Zihlschlacht vom 1. November 2019 fest, dass die Fahrtauglichkeit gegeben, aber X.
die Auflage zu erteilen sei, die geplanten Verlaufskontrollen in der Klinik Zihlschlacht
einzuhalten. Mit Schreiben vom 14. November 2019 kündigte das Strassenverkehrs-
und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend Strassenverkehrsamt) X. an,
seinen Führerausweis unter anderem mit der Auflage zu versehen, dass er sich auf
unbestimmte Zeit jedes Jahr von seinem behandelnden Neurologen auf seine aktuelle
Fahreignung hin zu untersuchen habe. Dazu nahm X. mit Schreiben seiner damaligen
Rechtsvertreterin vom 4. Dezember 2019 ablehnend Stellung. Am 6. Dezember 2019
beauftragte das Strassenverkehrsamt die verkehrsmedizinische Abteilung des Instituts
für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen (IRM) mit einer Aktenbeurteilung. Der
Gutachter des IRM kam am 3. Januar 2020 zum Schluss, dass aus
verkehrsmedizinischer Sicht die Angaben zur Hirnleistung widersprüchlich seien. Aus
diesem Grund werde eine verkehrsmedizinische Abklärung bei einem Arzt der Stufe 4
empfohlen. Mit Schreiben vom 7. Januar 2020 stellte das Strassenverkehrsamt eine
verkehrsmedizinische Untersuchung beim IRM in Aussicht. Dazu liess sich X. durch
seinen Rechtsvertreter am 20. Januar 2020 vernehmen, reichte zugleich den
Untersuchungsbericht des Zentrums für Schlafmedizin vom 26. November 2019 ein
und stellte den Bericht einer neuropsychologischen Verlaufskontrolle in der Klinik
Zihlschlacht vom 10. Februar 2020 in Aussicht. Am 14. Februar 2020 reichte er das
diesbezügliche ärztliche Attest ein. Gleichentags beauftragte das Strassenverkehrsamt
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erneut das IRM mit einer Aktenbeurteilung. Der Gutachter des IRM hielt am 28. Februar
2020 an seiner Empfehlung vom 3. Januar 2020 fest. Daraufhin ordnete das
Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 4. März 2020 eine verkehrsmedizinische
Untersuchung beim IRM an.
C.- Dagegen erhob X. mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 19. März 2020 Rekurs
bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) mit den Anträgen,
es sei die Zwischenverfügung der Rekursgegnerin vom 4. März 2020 aufzuheben,
eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Rekursgegnerin
zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Das
Strassenverkehrsamt (nachfolgend Vorinstanz) liess sich mit Schreiben vom 14. April
2020 vernehmen und beantragte, der Rekurs sei abzuweisen. Am 28. September 2020
räumte der Abteilungspräsident dem Rekurrenten hinsichtlich der allfälligen Anordnung
einer verkehrspsychologischen Untersuchung das rechtliche Gehör ein. Mit Schreiben
seines Rechtsvertreters vom 8. Oktober 2020 nahm der Rekurrent dazu ablehnend
Stellung.
Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 19. März 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent bemängelt, dass die Vorinstanz den Untersuchungsbericht der Klinik
Zihlschlacht vom 10. Februar 2020 nicht eingeholt habe. Damit habe sie den
Untersuchungsgrundsatz verletzt.
a) Nach Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde den Sachverhalt und erhebt die
Beweise von Amtes wegen unter anderem durch den Beizug von Urkunden. Dabei
bis
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verfügt die Behörde über ein weites Ermessen, ob über eine Tatsache Beweis erhoben
werden soll, ab wann sie als bewiesen gilt oder ob zusätzliche Beweismittel notwendig
sind (PK VRP/SG-Märkli, Art. 12-13 N 20). Erachtet sie den rechtlich erheblichen
Sachverhalt aufgrund der bereits abgenommenen Beweise für genügend geklärt und
kann ohne Willkür vorweg die Annahme getroffen werden, die rechtliche Überzeugung
würde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert, ist eine antizipierende
Beweiswürdigung zulässig (BGE 122 V 157 E. 1d, PK VRP/SG-Märkli, a.a.O.). Der
Untersuchungsgrundsatz wird sodann relativiert durch die Mitwirkungspflicht der
Parteien: Denn gemäss Art. 12 Abs. 2 VRP sind nur die von den Verfahrensbeteiligten
angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsachen
aufzunehmen, sofern zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine besonderen
Erhebungen nötig sind. Dieser beschränkte Untersuchungsgrundsatz bedeutet, dass
die Behörden regelmässig nur die angebotenen Beweise berücksichtigen, sofern kein
öffentliches (oder privates) Interesse eine weiterführende Abklärung verlangt (Urteil des
Verwaltungsgerichts B 2016/18 vom 23. Oktober 2017 E. 2, im Internet abrufbar unter:
www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Rechtsprechung).
b) Die Vorinstanz stützte sich bei ihrer Verfügung auf den Austrittsbericht der Klinik
Zihlschlacht vom 1. November 2019, den Bericht der periodischen
Kontrolluntersuchung durch den Hausarzt vom 13. November 2019, den
Untersuchungsbericht des Zentrums für Schlafmedizin vom 26. November 2019, das
ärztliche Attest vom 13. Februar 2020 und die zwei Aktengutachten des IRM vom
3. Januar und 28. Februar 2020. Infolgedessen hat die Vorinstanz den
Untersuchungsgrundsatz nicht verletzt, indem sie keine weiteren Abklärungen zum
Sachverhalt traf. Vielmehr hätte der Rekurrent den aus seiner Sicht wesentlichen, aber
noch fehlenden ausführlichen Untersuchungsbericht über die neurologische
Verlaufskontrolle der Klinik Zihlschlacht vom 10. Februar 2020 bereits im Verfahren vor
der Vorinstanz einreichen können. Dies hat er jedoch erst im Rekursverfahren
nachgeholt.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung des Rekur-
renten zweifelte und mit der angefochtenen Verfügung eine verkehrsmedizinische
Untersuchung der Stufe 4 anordnete.
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a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist neben der
Fahrkompetenz die Fahreignung (Art. 14 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes,
SR 741.01, abgekürzt: SVG). Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen
Voraussetzungen, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die
Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Gemäss
Art. 14 Abs. 2 SVG verfügt über Fahreignung, wer das Mindestalter erreicht hat (lit. a),
die erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen
von Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c), und wer nach seinem bisherigen Verhalten
Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu beachten und auf die
Mitmenschen Rücksicht zu nehmen (lit. d).
Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Person, so wird diese einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen (Art. 15d Abs. 1 SVG). Absatz 1 von Art. 15d
SVG nennt in den lit. a bis e beispielhaft die fünf wichtigsten Fälle, die Zweifel an der
Fahreignung begründen und deren Abklärung erforderlich machen, und zwar bei
Fahren in angetrunkenem Zustand mit einer Blutalkoholkonzentration von
1,6 Gewichtspromille oder mehr oder mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg
Alkohol oder mehr (lit. a) oder Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln oder
bei Mitführen von Betäubungsmitteln, welche die Fahrfähigkeit stark beeinträchtigen
oder ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufweisen (lit. b), Verkehrsregelverletzungen,
die auf Rücksichtslosigkeit schliessen lassen (lit. c), der Meldung einer IV-Stelle nach
Art. 66c des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung
(SR 831.20; lit. d) oder der Meldung eines Arztes, dass eine Krankheit vorliege, die das
sichere Führen von Motorfahrzeugen ausschliesst (lit. e). Die Liste in Art. 15d Abs. 1
SVG ist nicht abschliessend. Sofern kein Sondertatbestand nach Art. 15d Abs. 1 lit. a
bis e SVG vorliegt, kann eine Fahreignungsuntersuchung auch gestützt auf die
Generalklausel in Abs. 1 angeordnet werden. Anlass für die Abklärung der Fahreignung
können deshalb grundsätzlich alle Hinweise auf eine Einschränkung der körperlichen
oder psychischen Leistungsfähigkeit geben, und zwar unabhängig davon, ob sie einen
Bezug zum Strassenverkehr aufweisen oder nicht. Sie drängt sich aber immer dann
auf, wenn hinreichend konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die ernsthafte Zweifel an der
Fahreignung des Betroffenen aufkommen lassen (Urteil des Bundesgerichts
1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2; BBl 2010 S. 8500).
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Durchblutungsstörungen und Blutungen im Gehirn (ischämischer Hirnschlag,
Hirnblutung) können einerseits herdförmige Schädigungen gewisser Hirnteile mit
motorischen Ausfällen, Beeinträchtigung der Sehfunktion und der Lokalisation
entsprechende neuropsychologische Veränderungen zur Folge haben, andererseits
ergeben sich schwere Allgemeinsymptome wie Beeinträchtigungen des
Gedächtnisses, rasche Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen oder auch
beträchtliche Persönlichkeitsveränderungen. Neben der in den meisten Fällen
bestehenden Halbseitenlähmung bestehen auch weniger gut erkennbare
Ausfallerscheinungen wie Gesichtsfeldstörungen, Blicklähmungen, Gefühlsstörungen
und andere neuropsychologische Ausfälle. Insbesondere Schädigungen im Bereich der
rechten Hirnhälfte sind oft mit einer Vernachlässigung der linken Körperseite und des
Raumes nach links verbunden. Ein erlittener ischämischer Hirnschlag oder eine
Hirnblutung stellt folglich einen medizinisch begründeten Verdacht auf eine
verkehrsrelevante Erkrankung dar, weshalb eine Abklärung der Fahreignung im
Interesse der Verkehrssicherheit grundsätzlich gerechtfertigt ist (Seeger, Neurologische
Erkrankungen und Fahreignung, in: Handbuch der verkehrsmedizinischen
Begutachtung, Bern 2005, S. 70).
b) Die angefochtene Verfügung hält fest, dass aufgrund des Aktengutachtens des IRM
vom 28. Februar 2020 weiterhin an der kognitiven Fahreignung des Rekurrenten
gezweifelt werde, weshalb an der verkehrsmedizinischen Untersuchung festgehalten
werde. Das angeordnete Gutachten solle sich insbesondere darüber äussern, ob aus
verkehrsmedizinischer Sicht eine wesentliche, die Fahreignung beeinflussende
gesundheitliche Problematik (körperliche oder psychische) bestehe (lit. a), ob andere
verkehrsmedizinisch relevante Befunde vorliegen (lit. b), ob sich konkrete Hinweise auf
das Vorliegen einer fehlenden Fahreignung ergeben (lit. c), und wenn ja, welche
Problematik bestehe und welche Massnahmen ergriffen werden sollen (lit. d) bzw.
wenn nein, ob Auflagen oder weitere Abklärungen notwendig seien (lit. e).
Demgegenüber macht der Rekurrent geltend, bei der von der Klinik Zihlschlacht im
Austrittsbericht angebrachten Bemerkung, er solle vorerst nur kürzere, bekanntere
Strecken fahren und ausreichend Erholungspausen einlegen, handle es sich lediglich
um eine unverbindliche Empfehlung. Auch die neuropsychologische Testung drei
Monate nach dem Austritt sei als therapeutische Empfehlung abgegeben worden. Er
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habe bereits mit Austrittsbericht vom 1. November 2019 und dann auch nach
ausführlicher neurologischer Testung am 10. Februar 2020 die Fahrfähigkeit
vollumfänglich attestiert erhalten. Der Verlauf des Schlafapnoe-Syndroms sei aus
schlafmedizinischer Sicht günstig und aus verkehrsmedizinischer Sicht könne dieser
abgewartet werden. Auch der Bericht des Hausarztes halte fest, dass keine
verkehrsmedizinisch relevanten Erkrankungen gegeben seien und die Fahreignung
nach dem Hirnschlag im August 2019 wieder hergestellt sei. Es sei lediglich die Auflage
erteilt worden, die geplanten Verlaufskontrollen in der Klinik Zihlschlacht einzuhalten.
Ansonsten habe der Hausarzt die normalen Kontrollabstände nach der
Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt: VZV) als genügend angesehen.
Es sei unangemessen, sein fortgeschrittenes Alter als Risiko zu bezeichnen. Er habe
einen sehr guten automobilistischen Leumund, was zu seinen Gunsten zu
berücksichtigen sei.
c) Der Austrittsbericht der Klinik Zihlschlacht vom 1. November 2019 hält fest, dass der
Rekurrent am 20. August 2019 einen ischämischen Hirninfarkt im Mediastromgebiet
rechts erlitten habe. Weiter leide er an einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom, einer
prädiabetischen Stoffwechsellage und an einer arteriellen Hypertonie. Der Oberarzt
empfiehlt eine nächste testpsychologische Testung zur Evaluation der restlichen
kognitiven Defizite ungefähr drei Monate nach dem Austritt aus dem stationären
Aufenthalt. Weiter hält er fest, dass aufgrund der fahrspezifischen Anamnese, der
testpsychologischen Untersuchungen und den Verhaltensbeobachtungen aus
neuropsychologischer Sicht keine Bedenken hinsichtlich der Fahreignung zur privaten
Nutzung bestünden. Die leistungsbezogenen Minimalanforderungen für die aktive
Teilnahme am motorisierten Strassenverkehr für die Ausweiskategorie A und B würden
erfüllt. Aufgrund der leicht fluktuierenden Aufmerksamkeitsleistung und der reduzierten
Belastbarkeit würden sie dem Rekurrenten empfehlen, vorerst nur kürzere, bekannte
Strecken zu fahren, ausreichend Erholungspausen einzulegen und das Autofahren bei
schlechten Sichtverhältnissen, erhöhter Müdigkeit oder unübersichtlichen
Verkehrssituationen zu vermeiden.
Der Hausarzt des Rekurrenten hielt anlässlich der periodischen
Fahreignungsuntersuchung am 13. November 2019 fest, die medizinischen
Mindestanforderungen seien nur mit der Auflage erfüllt, wenn der Rekurrent die
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geplanten Verlaufskontrollen in der Klinik Zihlschlacht einhalte. Die nächste
Kontrolluntersuchung finde im normalen Abstand von zwei Jahren statt.
Der Gutachter des IRM bemerkte in seinem ersten Aktengutachten vom 3. Januar
2020, aus verkehrsmedizinischer Sicht seien die Angaben bezüglich der Hirnleistung
widersprüchlich: Einerseits würden bezüglich der Fahreignung keine Bedenken
attestiert, andererseits würden Einschränkungen bezüglich des Fahrverhaltens und eine
neuropsychologische Verlaufstestung in bereits drei Monaten empfohlen. Aufgrund der
Daten liege überdies ein schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (Apnoe-
Hypopnoe-Index [nachfolgend AHI] 38,7/h) vor und der diesbezügliche Verlauf sei
unklar. Nicht zuletzt sei das fortgeschrittene Alter des Rekurrenten zu berücksichtigen
und es stelle sich die Frage, wie sich die Summe der derzeit vorliegenden
medizinischen Problemkreise auf die Fahreignung auswirke. Daher erachte er die
Durchführung einer verkehrsmedizinischen Abklärung auf Anerkennungsstufe 4 für
zwingend notwendig und nicht zuletzt müsse dabei auch die Frage beantwortet
werden, ob die ergänzende Durchführung einer ärztlich begleiteten Kontrollfahrt
indiziert sei.
Mit Eingabe vom 20. Januar 2020 reichte der Rekurrent den Untersuchungsbericht des
Zentrums für Schlafmedizin des Kantonsspitals St. Gallen vom 26. November 2019
nach. Dieser hält fest, dass der Rekurrent klinisch beschwerdefrei sei. Gemäss dessen
eigenen Angaben hätten sich die neurologischen Defizite komplett zurückgebildet und
es bestünden keine Symptome einer Schlafapnoe. Die Verlaufspolygraphie zeige nur
noch eine leichtgradige obstruktive Schlafapnoe (AHI 9/h), die ausschliesslich in
Rückenlage vorhanden sei. Aufgrund der Beschwerdefreiheit und des leichtgradigen
Befundes sei eine Therapie der Schlafapnoe nicht notwendig.
Das ärztliche Attest der Klinik Zihlschlacht vom 13. Februar 2020 hält sodann fest, dass
dem Rekurrenten aufgrund der ausführlichen neuropsychologischen Testung während
des stationären Aufenthalts vom 27. August bis 12. Oktober 2019 die Fahrtauglichkeit
vollumfänglich bestätigt worden sei. Die Empfehlung einer neuropsychologischen
Nachkontrolle beziehe sich nicht auf die Fahreignung, sondern lediglich auf noch
leichte kognitive Bereiche (richtig: Einschränkungen).
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Der Gutachter des IRM hielt in seinem zweiten verkehrsmedizinischen Aktengutachten
vom 28. Februar 2020 fest, dass der Verlauf der Schlafapnoe aus schlafmedizinischer
Sicht günstig sei und deshalb aus verkehrsmedizinischer Sicht dieser Verlauf ebenfalls
abgewartet werden könne. Das ärztliche Attest der Klinik Zihlschlacht vom 13. Februar
2020 könne aber die Bedenken bezüglich der kognitiven Fahreignung nicht entkräften.
Es sei zu bemängeln, dass kein ausführlicher Bericht der erwähnten
neuropsychologischen Untersuchung vom 10. Februar 2020 vorliege. Es sei deshalb
der Vorinstanz zu überlassen, ob das ärztliche Attest vom 13. Februar 2020 ausreiche.
Der Rekurrent reichte mit dem Rekurs den Bericht vom 18. März 2020 zur
neuropsychologischen Besprechung vom 10. Februar 2020 ein. Aus diesem geht
hervor, dass anlässlich dieses Termins auf eine neuropsychologische
Kontrolluntersuchung verzichtet wurde, weil beim Rekurrenten bei seinem Austritt aus
der stationären Rehabilitation im Oktober 2019 aus neuropsychologischer Sicht keine
Bedenken hinsichtlich seiner Fahreignung bestanden hätten. Es seien damals lediglich
allgemeine Empfehlungen zur Wiederaufnahme der Fahrpraxis nach längerer Abstinenz
festgehalten worden. Im Dezember 2019 (dieses Datum kann nicht stimmen, denn der
Rekurrent war am 12. Oktober 2019 aus der Klinik Zihlschlacht ausgetreten) hätten sich
bei der Aufmerksamkeitsteilung eine leichte Reaktionszeitverlangsamung auf auditive
Reize bei durchwegs unauffälliger Aufgabenqualität sowie eine leicht erhöhte
Fehleranzahl im Aufmerksamkeitswechsel (Flexibilität) bei gutem Tempo ergeben.
Diese sei aber mit grosser Wahrscheinlichkeit auf eine aphasische Symptomatik
rückführbar, da es sich bei der Testung um eine sprachgebundene Variante handle. Die
damals behandelnde Psychologin habe den Rekurrenten lediglich zur
neuropsychologischen Kontrolluntersuchung angemeldet, um dessen
Wiedereingliederung in den anforderungsreichen Alltag (Liquidation seiner
Unternehmungen, Erkrankung seiner Ehefrau) zu überprüfen. Bei einem ischämischen
Hirninfarkt handle es sich nicht um eine progrediente Erkrankung, weshalb
prognostisch nicht von einer Verschlechterung der kognitiven Leistungen auszugehen
sei.
d) Es ist unbestritten, dass der Rekurrent am 20. August 2019 einen ischämischen
Hirninfarkt im Mediastromgebiet rechts erlitt, welcher oft mit einer Vernachlässigung
der linken Körperseite und des Raumes nach links verbunden ist. Für Führer eines
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Motorfahrzeugs ist die linke Körperseite und der Raum nach links im Strassenverkehr
naturgemäss von besonderer Bedeutung. Während die behandelnde Neuropsychologin
der Klinik Zihlschlacht der Ansicht ist, dass die Fahreignung des Rekurrenten
inzwischen wieder vollständig hergestellt sei, hielt der Hausarzt fest, dass die
medizinischen Mindestanforderungen nur mit der Auflage erfüllt seien, wenn die
geplanten Verlaufskontrollen in der Klinik Zihlschlacht eingehalten werden. Sodann
äusserte der Verkehrsmediziner in seinem Aktengutachten weiterhin Bedenken
hinsichtlich der kognitiven Fahreignung des Rekurrenten.
Zwischen einer spezialärztlich-verkehrsmedizinischen Tätigkeit des eigentlichen
Sachverständigen einer verkehrsmedizinisch spezialisierten Institution einerseits und
andererseits der nur teilweise verkehrsmedizinisch tätigen Person, welche ansonsten
vorwiegend ärztlich-therapeutisch arbeitet, ist zu unterscheiden. Letztere bringt
mangels regelmässiger fachspezifischer Betätigung nicht gleichermassen viel
praktische Erfahrung und wissenschaftliche Weiterbildung mit ein. Weiter ist es
grundsätzlich problematisch, wenn der behandelnde Arzt bei seinem Patienten zum
Gutachter wird, d.h. wenn der therapeutische Arzt seinen eigenen Patienten
verkehrsmedizinisch zu beurteilen hat. Die dabei auftretende Befangenheit führt dabei
nämlich in vielen Fällen zu einem Mangel an Objektivität und letztlich nicht selten zur
Befürwortung der Fahreignung, obwohl aufgrund der Krankheitsproblematik des
Patienten zumindest erhebliche Zweifel an der weiteren Fahreignung aufkommen
müssten (vgl. Liniger, Verkehrsmedizin: Bericht über den Stand der Wissenschaft, in:
Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, Band 22, St. Gallen
2003, S. 94 ff.). Die Fahreignung des Rekurrenten wurde durch die behandelnde
Neuropsychologin der Klinik Zihlschlacht vollständig und durch den Hausarzt unter
Auflagen zwar bejaht. Damit fehlt es aber an einer neutralen Beurteilung durch einen
verkehrsmedizinisch erfahrenen Arzt. Weiter erfolgte anlässlich der neurologischen
Verlaufskontrolle in der Klinik Zihlschlacht am 10. Februar 2020 keine weitere
neurologische Testung, womit nur die Ergebnisse gemäss Austrittsbericht vom
1. November 2019 vorliegen. Dieser hält fest, dass beim Rekurrenten
Wortfindungsstörungen und eine leichte kognitive Störung mit einem
Defizitschwerpunkt im Aufmerksamkeitsbereich (leicht reduzierte geteilte
Aufmerksamkeit und leicht erschwerter Aufmerksamkeitswechsel) vorhanden seien,
weshalb bei zeitlich ausgedehnten Tätigkeiten ohne Pausen oder unter Zeitdruck, bei
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erhöhten Multitasking-Anforderungen sowie bei Störung/Ablenkung durch Umweltreize
mit einem Überforderungserleben und mit einem instabilen Leistungsvermögen
gerechnet werden müsse. Der Rekurrent weise eine leichte
Reaktionszeitverlangsamung und eine reduzierte Belastbarkeit auf. Der Oberarzt der
Klinik Zihlschlacht empfahl zur Evaluation der restlichen kognitiven Defizite eine erneute
neuropsychologische Testung in ungefähr drei Monaten. Auch wenn die behandelnde
Neuropsychologin der Klinik Zihlschlacht am 13. Februar 2020 festhielt, der Rekurrent
habe sich in der neuropsychologischen Besprechung klinisch unauffällig gezeigt und es
sei nicht von einer Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands auszugehen, ist
dennoch das Alter des Rekurrenten zu berücksichtigen. Denn ältere Menschen zeigen
nach einem Schlaganfall gemeinhin eine schlechtere Funktionserholung als jüngere.
Das Risiko für Komplikationen erhöht sich, wenn funktionsrelevante
Begleiterkrankungen wie beispielsweise ein Diabetes mellitus oder eine Herzinsuffizient
bestehen (vgl. Knecht/Hesse/Oster, Rehabilitation nach Schlaganfall, in: Deutsches
Ärzteblatt, Jahrgang 108, Heft 36, 9. September 2011, S. 604 f., im Internet abrufbar
unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/104395/Rehabilitation-nach-Schlaganfall).
Vorliegend leidet der Rekurrent an einer prädiabetischen Stoffwechsellage und an einer
arteriellen Hypertonie; davon erscheint insbesondere erstere als für die Frage der
Fahreignung relevant. Zum Zeitpunkt des ischämischen Hirninfarkts litt der Rekurrent
zudem an einer schweren, obstruktiven Form einer Schlafapnoe, die sich innerhalb von
drei Monaten in eine leichte Form abschwächte. Dies erscheint insofern
bemerkenswert, als dass sich lediglich leichte Formen der Schlafapnoe derart
zurückbilden können und vorliegend sämtliche weiteren Angaben zur erfolgten
Therapie fehlen. Aufgrund dieser Diagnosebilder erscheint es folglich angezeigt, die
Fahreignung des Rekurrenten mittels verkehrsmedizinischer Untersuchung zu
überprüfen.
e) Weiter ist zu prüfen, ob die Fahreignung zusätzlich mittels verkehrspsychologischer
Untersuchung zu überprüfen ist.
aa) Der Rekurrent ist der Ansicht, dass die Voraussetzungen für eine
verkehrspsychologische Untersuchung nicht erfüllt seien. Er sei anlässlich seines
stationären Aufenthalts in der Klinik Zihlschlacht ausführlich getestet worden und es
seien aus neuropsychologischer Sicht keine Bedenken hinsichtlich der Fahreignung
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geäussert worden. Auch bei der neuropsychologischen Verlaufsuntersuchung am
10. Februar 2020 habe die Fachpsychologin festgestellt, dass der klinische Eindruck
unauffällig sei und keine Indikation für eine neuropsychologische Abklärung vorliege.
Der Rekurrent bringt vor, dass er weiterhin regelmässig mit seinem Personenwagen
unterwegs sei (auch für längere Strecken) und es dabei zu keinen Problemen
gekommen sei.
bb) Eine verkehrspsychologische Untersuchung ist unter anderem bei Zweifeln an der
kognitiven Fahreignung angezeigt. Die Frage nach der kognitiven Fahreignung befasst
sich mit den verkehrsrelevanten Hirnleistungsfunktionen, die zum Führen eines
Motorfahrzeugs notwendig sind. Es handelt sich dabei um die psychophysische
Leistungsfähigkeit, welche den Bereich der optischen Orientierung, die Konzentration,
das Gedächtnis, die Vigilanz, die Fähigkeit zur Teilung der Aufmerksamkeit, die
Reaktionsfähigkeit und die Belastbarkeit umfasst (BGE 133 II 384 E. 3.5; Bächli-Biétry/
Haag-Dawoud, Vorbereitung auf die verkehrsmedizinische und -psychologische
Untersuchung, in: Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2008,
Band 56, St. Gallen 2008, S. 31). Die Notwendigkeit einer Abklärung der kognitiven
Hirnleistungsfunktionen kann auch als Ergänzung zu einer medizinischen Untersuchung
angezeigt sein (Haag/Grimm, Die verkehrspsychologische Untersuchung, in: Handbuch
der verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005, S. 85 ff.).
cc) Die Klinik Zihlschlacht stellte beim Rekurrenten zum Zeitpunkt seines Austritts ein
leichtes Aufmerksamkeitsdefizit, eine leichte Verlangsamung der Reaktion und eine
reduzierte Belastbarkeit fest. Es ist daher zu überprüfen, ob der Rekurrent aufgrund
seiner kognitiven Leistungen geeignet ist, ein Motorfahrzeug unter Einhaltung der
Verkehrsregeln auch in schwierigen Verkehrssituationen vorausschauend und mit
Rücksicht auf die übrigen Verkehrsteilnehmer zu führen, oder ob die zum damaligen
Zeitpunkt festgestellten psychophysischen Defizite in verkehrsrelevanter Ausprägung
vorhanden sind, so dass die Teilnahme am Strassenverkehr eine Überforderung
darstellen könnte.
f) Zusammenfassend ergibt sich, dass Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten
bestehen, die einer Abklärung mittels verkehrsmedizinischer Untersuchung bedürfen.
Da sich allerdings mit dieser die psychophysische Leistungsfähigkeit nicht überprüfen
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lässt, ist dessen Fahreignung zusätzlich mit einer verkehrspsychologischen
Untersuchung zu überprüfen. Dementsprechend ist das angeordnete
verkehrsmedizinische Gutachten mit einer Zusatzuntersuchung zu den
psychophysischen Beeinträchtigungen des Rekurrenten zu ergänzen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).