Decision ID: 69c6984b-a75e-5ac0-83f9-93f17a11107a
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. ist vollzeitlich als diplomierter Physiotherapeut am Kantonsspital St. Gallen
tätig. An seinem Wohnort im Kanton Thurgau leistet er Feuerwehrdienst. Im Herbst
2007 unterbreitete er dem Personaldienst des Kantonsspitals sein Anliegen, dass er im
April 2008 einen einwöchigen Feuerwehrkurs absolvieren möchte und er nach seiner
Auffassung während dieses Kurses Anspruch auf Lohnfortzahlung habe. Die
Bereichspersonalleiterin teilte ihm in der Folge mit, es stehe jedem Mitbürger frei,
aktiven Feuerwehrdienst zu leisten. Feuerwehrdienst gelte deshalb als
Freizeitbeschäftigung und könne nicht als Arbeitszeit abgegolten werden.
Feuerwehreinsatz müsse in der Freizeit geleistet werden. Das Kantonsspital stelle den
Mitarbeitern frei, ob sie den Feuerwehreinsatz in der Freizeit, während Kompensation
von allfälligen Mehrzeiten, im unbezahlten Urlaub oder während den Ferien leisten
würden. Nachdem X.Y. eine anfechtbare Verfügung verlangt hatte, wurde ihm
beschieden, für interne Weisungen des Kantonsspitals würden keine Verfügungen
erlassen. Die Handhabung betreffend Feuerwehrdienst am Kantonsspital sei definiert
und entspreche der erteilten Auskunft. Diese wurde von der Leitung des
Personaldienstes mit Schreiben vom 5. Oktober 2007 bestätigt. In der Folge wandte
sich X.Y. mit Schreiben vom 16. Oktober 2007 an den Verwaltungsrat der
Spitalverbunde und stellte ein Gesuch für die Bewilligung von bezahltem Urlaub bzw.
für Lohnfortzahlung für die einwöchige Ausbildung im Feuerwehrdienst vom 7. bis 11.
April 2008. Mit Schreiben vom 24. Oktober 2007 bestätigte der Verwaltungsrat unter
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Berufung auf eine Stellungnahme des Personalamts vom 26. September 2007 die
ablehnende Haltung des Personaldienstes des Kantonsspitals.
B./ Mit Eingabe vom 9. Januar 2008 stellte X.Y. beim Verwaltungsgericht einen Antrag
auf Lohnfortzahlung während des Feuerwehrdienstes. Er hielt fest, er komme in seiner
Freizeit seiner Pflicht nach und leiste Feuerwehrdienst. Um einen hohen
Qualitätsstandard erbringen zu können, erachte er den regelmässigen Besuch von
Weiterbildungen als wichtig. Im April möchte er einen einwöchigen Kurs besuchen. Der
Personaldienst und der Verwaltungsrat lehnten das Gesuch um Lohnfortzahlung unter
Berufung auf das kantonale Personalamt ab. Die Argumentation scheine ihm nicht
plausibel. Er habe durch Bezug von unbezahltem Urlaub weitere Nachteile, z.B.
fehlende AHV-Beiträge. Art. 18 der Besoldungsverordnung (sGS 143.2, abgekürzt
BesV) sehe für Rettungsdienste eine analoge Anwendung der Bestimmung über den
Militär- und Zivilschutzdienst vor. Die Feuerwehr sei Einsatzorganisation für Rettung
und allgemeine Schadenwehr und der Feuerwehrdienst damit Rettungsdienst im Sinn
von Art. 18 BesV, zumal er auf einer gesetzlichen Pflicht beruhe.
Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde beantragt in seiner Klageantwort vom
29. Januar 2008 die Abweisung des Begehrens. Zur Begründung verweist er auf die
Stellungnahme des kantonalen Personalamts vom 26. September 2007 sowie auf die
schriftliche Mitteilung an den Kläger vom 24. Oktober 2007 und hält fest, im übrigen
werde die Besoldung der Feuerwehrdienstpflichtigen durch die jeweilige politische
Gemeinde geregelt.
Dem Kläger wurde die Klageantwort zur Kenntnisnahme zugestellt. Ein weiterer
Schriftenwechsel erübrigte sich.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Das Verwaltungsgericht prüft die Sachurteilsvoraussetzungen von Amtes wegen
(Art. 80 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP).
Nach Art. 79bis VRP beurteilt das Verwaltungsgericht vermögensrechtliche Ansprüche
aus der Mitgliedschaft bei einer Behörde oder aus dem öffentlichen Beamten- oder
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Angestelltenverhältnis; ausgenommen sind Ansprüche von Behördemitgliedern,
Beamten und Angestellten aus öffentlich-rechtlichen Versicherungen.
Nach Auskunft des Personalamts an das Kantonsspital vom 26. September 2007
erfolgt die Ablehnung von Gesuchen um Gewährung von Urlaub gemäss fester Praxis
ohne Verfügung. Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde wies den Anspruch des
Klägers gestützt auf Art. 80 Abs. 2 VRP mit Schreiben vom 24. Oktober 2007 zurück.
Der streitige Anspruch kann daher gestützt auf Art. 79bis VRP mit Klage geltend
gemacht werden. Der Kläger beantragt eine Lohnfortzahlung für den einwöchigen
Feuerwehrkurs, den er im April 2008 zu absolvieren beabsichtigt. Darin ist ein
hinreichendes Rechtsbegehren zu erblicken. Die Eingabe vom 9. Januar 2008 enthält
ausserdem eine Darstellung des Sachverhalts und eine Begründung. Sie entspricht
somit formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 80 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Klage ist daher
einzutreten.
2. Art. 14 ff. BesV regelt die Besoldung unter besonderen Umständen. Art. 14 und 15
BesV haben die Besoldung während Krankheit und Unfall zum Gegenstand, während
Art. 16 BesV die Besoldung während der Mutterschaft betrifft. Art. 17 BesV enthält
Bestimmungen über die Besoldung während des Militärdienstes, des
Zivilschutzdienstes und des zivilen Ersatzdienstes. Art. 18 BesV hält fest, dass bei
gleichwertigen Einsätzen im Dienst der Allgemeinheit, insbesondere bei
Rettungsdiensten, die Bestimmungen nach Art. 17 BesV sachgemäss angewendet
werden können.
2.1. Der Feuerwehrdienst ist in Art. 14 ff. BesV, namentlich in Art. 17 und 18 BesV,
nicht explizit erwähnt. Unbestritten ist, dass sich das Merkmal der Gleichwertigkeit in
Art. 18 BesV auf die in Art. 17 BesV genannten Dienste bezieht. Dies ergibt sich
namentlich aus den Randtiteln "a) Grundsatz" zu Art. 17 BesV und "b) andere Dienste"
zu Art. 18 BesV. Der Kläger vertritt die Auffassung, Feuerwehrdienst sei den in Art. 17
BesV genannten Diensten gleichwertig und falle daher unter Art. 18 BesV.
2.2. In Art. 18 BesV werden die dem Militär- und Zivilschutzdienst gleichwertigen
Dienste nicht näher umschrieben. In der Botschaft der Regierung an den Kantonsrat
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vom 27. Februar 1996 zur Genehmigung der BesV wird ausgeführt, unter Art. 18 BesV
fielen z.B. Dienstleistungen im Schweizerischen Freiwilligenkorps für Katastrophenhilfe,
im Auftrag des Schweizerischen Roten Kreuzes oder des Internationalen Komitees vom
Roten Kreuz. Der Beklagte hält fest, der Feuerwehrdienst sei mit diesen
Dienstleistungen nicht vergleichbar. Deshalb sei er in Art. 18 BesV und in den
Materialien zur Besoldungsverordnung nicht erwähnt.
2.3. Zutreffend ist, dass der Feuerwehrdienst in Art. 17 und 18 BesV nicht erwähnt ist.
Art. 18 BesV enthält indessen einen unbestimmten Gesetzesbegriff. In der Botschaft
der Regierung werden die genannten Dienste nur beispielhaft aufgezählt, wie sich aus
der Verwendung des entsprechenden Begriffs ergibt. Insbesondere wird in der
Botschaft nicht festgehalten, die Aufzählung sei abschliessend und Feuerwehrdienst
falle nicht unter die Rettungsdienste gemäss Art. 18 BesV. Es ist daher nach Sinn und
Zweck sowie nach der Systematik der gesetzlichen Bestimmungen zu prüfen, ob das
Begehren des Klägers berechtigt ist.
2.4. In der Verordnung über den Staatsdienst (sGS 143.20, abgekürzt VStD) finden sich
keine Bestimmungen über die Lohnfortzahlung bei Feuerwehrdienst. Im Rahmen der
Besoldung unter besonderen Umständen sind lediglich die Leistungen bei Krankheit,
Unfall und Mutterschaft geregelt (Art. 42 ff. VStD). Art. 59 VStD enthält eine Regelung
für die Bekleidung öffentlicher Aemter, und Art. 21 f. VStD hat die Gewährung von
Urlaub zum Gegenstand.
Die Bestimmungen von Art. 14 ff. BesV über die Besoldung unter besonderen
Umständen regeln die Besoldung bei unverschuldeter Verhinderung des Angestellten
an der Arbeitsleistung. Im wesentlichen wird der Besoldungsanspruch in solchen Fällen
geregelt, in denen es dem Angestellten aus Gründen, die in seiner Person liegen,
unmöglich oder unzumutbar ist, die Arbeit zu leisten. Im zivilen Arbeitsrecht sind diese
Tatbestände in Art. 324a des Obligationenrechts (SR 220, abgekürzt OR) geregelt.
Diese Vorschrift bestimmt, dass bei unverschuldeten Verhinderungen an der
Arbeitsleistung aus Gründen, die in der Person des Arbeitnehmers liegen, wie
Krankheit, Unfall, Erfüllung gesetzlicher Pflichten oder Ausübung eines öffentlichen
Amtes der Arbeitgeber für eine beschränkte Zeit den darauf entfallenden Lohn zu
entrichten hat, samt einer angemessenen Vergütung für ausfallenden Naturallohn,
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sofern das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder für mehr als drei
Monate eingegangen wurde.
"Verhindert" im Sinn von Art. 324a OR bedeutet, dass die Arbeitsleistung dem
betroffenen Arbeitnehmer unmöglich oder unzumutbar ist. Nach Lehre und
Rechtsprechung zum zivilen Arbeitsrecht fallen neben Krankheit und Unfall
insbesondere auch der obligatorische Militär-, Schutz-, Feuerwehr- und Zivildienst
darunter (Portmann, Basler Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, 4. Aufl.,
Basel 2007, N 43 zu Art. 324a OR).
Vorliegend ist Art. 324a OR nicht unmittelbar anwendbar, da die Streitsache ein
öffentlich-rechtliches Angestelltenverhältnis zum Gegenstand hat. Die Bedeutung der
erwähnten privatrechtlichen Bestimmung wird lediglich zur Auslegung des Begriffs
"gleichwertige Einsätze im Dienst der Allgemeinheit" im Sinn von Art. 18 BesV
herangezogen. Der Standpunkt des Beklagten, es stehe jedem Mitbürger bzw. jeder
Mitbürgerin frei, aktiven Feuerwehrdienst zu leisten, weshalb dieser als
Freizeitbeschäftigung gelte, ist unhaltbar. Der Feuerwehrdienst ist eine gesetzlich
verankerte Pflicht, die im Kanton St. Gallen in Art. 34 ff. des Gesetzes über den
Feuerschutz (sGS 871.1, abgekürzt FSG) geregelt ist. Im Kanton Thurgau, dem
Wohnkanton des Klägers, verhält es sich gleich: Nach § 24 Abs. 1 des Thurgauer
Gesetzes über den Feuerschutz vom 19. Januar 1994 (sGS 708.1) besteht die
Feuerwehrpflicht für Männer und Frauen; sie ist am Wohnsitz zu erfüllen. Nach § 26
Abs. 1 bestimmt die Gemeindebehörde, wer Feuerwehrdienst zu leisten hat. Es besteht
daher kein Rechtsanspruch, von der persönlichen Dienstleistung befreit zu werden.
Das Gesetz schreibt lediglich vor, dass die Behörde neben den Bedürfnissen der
Feuerwehr die beruflichen und persönlichen Verhältnisse und Fähigkeiten der
Pflichtigen zu berücksichtigen hat (§ 26 Abs. 1 Satz 2 des Thurgauer
Feuerschutzgesetzes). § 26 Abs. 3 erklärt den Besuch von Uebungen und Kursen als
obligatorisch.
Der Standpunkt des Beklagten, es stehe im Belieben einer jeden pflichtigen Person,
aktiven Feuerwehrdienst zu leisten, verkennt damit die Rechtslage, und zwar sowohl
jene im Kanton St. Gallen als auch jene im Kanton Thurgau. Es wäre im übrigen auch
nicht entscheidend, ob die persönliche Dienstleistung auf einer freiwillig getroffenen
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Entscheidung des Pflichtigen beruht. Auch Dienste für das Katastrophenhilfekorps oder
für das Schweizerische Rote Kreuz oder das IKRK beruhen letztlich auf der freiwillig
getroffenen Entscheidung einer Person, den jeweiligen Organisationen beizutreten.
Auch öffentliche Aemter werden in der Regel freiwillig ausgeübt, und selbst gewisse
militärische Beförderungsdienste sind faktisch als freiwillig zu betrachten. Das
Bundesgericht hat z.B. den freiwilligen militärischen Frauendienst ausdrücklich als
unverschuldetes Hindernis an der Arbeitsleistung anerkannt und sogar die
Arbeitsleistung, die als Sanktion für die Verweigerung des Militärdienstes
ausgesprochen wurde, als unverschuldet qualifiziert (BGE 122 III 268, 271). Der
Angestellte ist nicht gehalten, jegliche Verpflichtungen ausserhalb der beruflichen
Tätigkeit abzulehnen, damit er möglichst wenig an der Arbeit gehindert wird. Dem
Angestellten ist es auch nicht verboten, in der Freizeit Sport zu treiben und sich damit
einem erhöhten Unfallrisiko auszusetzen. Selbst bei an sich riskanten Sportarten gelten
Unfälle grundsätzlich als unverschuldet (Portmann, a.a.O., N 28 zu Art. 324a OR, BGE
122 III 271). Umso weniger lässt es sich rechtfertigen, die Erfüllung einer gesetzlichen
Verpflichtung wie die Leistung von Feuerwehrdienst nicht zu den unverschuldeten
Verhinderungen an der Arbeitsleistung zu zählen.
Wohl wurden in der Botschaft der Regierung zur Genehmigung der
Besoldungsverordnung als Rettungseinsätze im Sinn von Art. 18 BesV lediglich
Dienstleistungen im Schweizerischen Freiwilligenkorps für Katastrophenhilfe, im
Auftrag des Schweizerischen Roten Kreuzes oder des IKRK erwähnt. Diesen
Dienstleistungen haftet weit mehr das Element der Freiwilligkeit an als dem
Feuerwehrdienst. Dieser ist wie erwähnt eine gesetzliche Pflicht, was bei den von der
Regierung erwähnten Rettungseinsätzen nicht der Fall ist. Insbesondere wäre auch
nicht einzusehen, weshalb freiwillige Einsätze im Ausland gegenüber solchen in der
Schweiz privilegiert würden. Im übrigen ist die Feuerwehr nach Art. 40 FSG allgemeine
Schadenwehr bei Ereignissen, die rasche und grössere Hilfe erfordern, und sie leistet
unverzüglich Hilfe insbesondere bei Bränden und Explosionen, Elementarereignissen
und Ereignissen, welche die Umwelt schädigen oder gefährden. Dies kennzeichnet die
Feuerwehr, wie der Kläger zutreffend ausführt, als Rettungsdienst im Sinn von Art. 18
BesV.
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2.5. Aus dem Gesagten folgt, dass die Klage gutzuheissen ist. Es ist festzuhalten, dass
der Feuerwehrdienst als Rettungsdienst im Sinne von Art. 18 BesV zu qualifizieren ist.
Da es sich um eine unmittelbar auf gesetzlicher Verpflichtung beruhende Dienstleistung
handelt, liegt eine unverschuldete Hinderung an der Arbeitsleistung vor, welche eine
Lohnfortzahlung analog den Vorschriften der BesV für den Militärdienst rechtfertigt.
Dem Kläger ist daher für den Besuch des Feuerwehrkurses die Besoldung gemäss Art.
17 BesV auszurichten.
3. Auf die Erhebung von amtlichen Kosten ist zu verzichten, da die Streitwertgrenze
von Art. 343 Abs. 2 OR nicht erreicht ist (Art. 97bis Abs. 1 lit. b VRP).
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98ter VRP in Verbindung mit
Art. 263 Abs. 3 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).
Demnach hat das Verwaltungsgericht