Decision ID: b6a11094-7cab-4dfc-91bf-f4f4f865ca39
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, bezog von September 2002 bis zu ihrem Tod am 1.
Februar 2020 Zusatzleistungen
zur Invalidenrente
in Form von Ergänzungs
leis
tungen (einschliesslich Krankheitskostenvergütungen; vgl. U
rk.
7/42-50, 7/55, 7/70-77 und 7/91-126).
Am 23. September 2016
war
der Vater der Versicherten,
Z._
, verstor
ben und hinterliess
nebst ihr und ihren zwei Geschwistern
,
A._
und
Y._
,
seine Ehefrau und Stiefmutter der drei Kinder,
B._
, als e
inzige gesetzliche Erben (Urk. 7
/22/3). Mit
der Ehefrau
hatte er am 3. Mai 1996 einen Erbvertrag geschlossen, mit dem Ziel der gegenseitigen Maxi
malbegünstigung im Todesfall (Urk. 7/25/3-8). Nach der Eröffnung des Erbver
trages am 3. Oktober 2016 durch das
Bezirksgericht C._
(Urk. 7/25/2 f.) verzichteten die drei Geschwister jeweils auf die Beanspruchung ihres Pflichtteils (Urk. 7/24/1), womit d
er gesamte Nachlass
an
B._
fiel. Am 12. April 2017 verstarb
A._
, welcher seine beiden Schwestern als gesetzliche Erb
inn
en
hinterliess (Urk. 7/26).
1.2
X._
war seit dem 30. Juni 2016 durch
D._
verbeiständet (Urk. 7/51). Mit Schreiben vom 28. Juni 2019 setzte dieser die leistungserbrin
gende Gemeinde
E._
, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend: Gemeinde
E._
), einerseits darüber in Kenntnis, dass
Z._
bereits am 23. September 2016 verstorben war und dass auf die Geltendmachung des Pflichtteils verzichtet
worden sei
. Andererseits teilte er mit, dass im Zusammenhang mit dem Tod des Bruders eine Erbschaft in der Höhe von ungefähr Fr. 80'000.-- angefal
len sei (Urk.
7/24/1; vgl. auch Urk. 7/1/1).
In der Folge forderte die Gemeinde
E._
von der Versicherten mit Verfü
gungen vom 20. November 2019 Ergänzungsleistungen im Gesamtbetrag von Fr.
58'361.-- zurück (Fr. 16'885.-- + Fr.
18'888.-- + Fr.
3'496.-- + Fr. 14'316.--
+ Fr. 4'776.--), welche ihr im Zeitraum vom 1. September 2016 bis 30. November 2019 zu viel ausgerichtet worden seien (Urk. 7/2/9, 7/3/7, 7/4/7, 7/6 und 7/7/7; vgl. auch Urk. 7/2/7 f.
und 7/27
). Dagegen erhob
D._
im Namen der Versicherten am 13. Dezember 2019 Einsprache (Urk. 7/131). Mit Schreiben vom 19. Dezember 2019 setzte ihn die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend: Durchführungs
stelle), darüber in Kenntnis, dass
ihr die Gemeinde
E._
die Abwicklung der Zusatzleistungen zur AHV/IV übertragen habe (Urk. 7/54). Am 23. Dezember 2019 verfügte die Durchführungsstelle sodann über den Leistungsanspruch der Versicherten ab dem 1. Januar 2020 (Urk. 7/126 f.), wogegen
D._
mit Schreiben vom 1. Januar 2020 ebenfalls opponierte
(Urk. 7/138). Mit Schreiben vom 7. Januar 2020 hielt daraufhin die Durchführungsstelle fest, die Einsprache
werde
zusammen mit derjenigen vom 13. Dezember 2019 behandelt Urk. 7/140).
Am 1. Februar 2020 verstarb auch die Versicherte und hinterliess als einzige gesetzliche Erbin ihre Schwester
Y._
(Urk. 7/144). Mit an diese gerichte
tem Einspracheentscheid vom 20.
Januar 2021 hiess die Durchfüh
rungs
stelle die Einsprache insofern teilweise gut, als sie den Rückforderungsbetrag auf Fr. 23'8
57.-- reduzierte (Urk. 2 = Urk.
7/148). Mit Verfügung gleichen Datums nahm sie ausserdem für den Zeitraum vom 1. September 2016 bis 29. Februar 2020 eine Neuberechnung des Leistungsanspruchs vor (Urk. 7/149-155). Auf die dagegen am 16. Februar 2021 erhobene Einsprache (Urk. 7/163) trat die Durch
führungsstelle mit Entscheid vom 8. März 2021 nicht ein (Urk. 7/166).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 20. Januar 2021 erhob
Y._
am 16. Februar 2021 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, dieser sei aufzuheben
und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, bei der Berechnung der jähr
li
chen
Ergänzungsleistungen von
X._
sel. für die Dauer vom 1. Septem
ber 2016 bis 30. November 2019 kein
en
Vermögensverzicht anzurechnen. In pro
zes
sualer Hinsicht seien ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen und der vor
malige
Beistand von
X._
sel.,
D._
,
zum Verfahren
beizu
laden (Urk. 1
S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 17. März 2021 schloss die Be
schwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), worüber die Beschwer
deführerin mit Ver
fügung vom 19. März 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 8).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung be
ziehungsweise eines Einspracheentscheids – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der Einspracheentscheid den beschwer
de
weise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein Einspracheentscheid ergangen ist (BGE 144 I 11 E. 4.3, 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E.
1a
).
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 20. Januar 2021
bezieht sich zum einen auf die Rückforderungsverfügungen vom 20. November 2019 (Urk. 7/2/9, 7/3/7, 7/4/7, 7/6 und 7/7/7)
, hat aber zum anderen auch den Leistungsanspruch für die Monate Januar und Februar 2020 zum Gegenstand (vgl. Urk.
7/126, 7/138 und
7/
140).
Von der gerichtlichen Prüfung umfasst ist des Weiteren die Verfü
gung der Beschwerdegegnerin vom 20. Januar 2021, mit welcher die Neube
rech
nung des Leistungsanspruchs für den Zeitraum vom 1. September 2016 bis
29.
Februar 2020 vorgenommen
wurde
(Urk. 7/149-155
). Darauf wies die Be
schwer
de
gegnerin im Einspracheentscheid vom 8.
März
2021 zutreffend hin (Urk.
7/166).
1.2
Am 1. Januar 2021 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver
siche
rung (ELG) und der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversicherung (ELV) wie auch des kantonalrechtlichen Zusatzleistungsgesetzes (ZLG) und der Zusatzleistungsverordnung (ZLV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Da
der Anspruch auf Zusatzleistungen für den
Zeitraum vom 1. September 2016 bis
29. Februar 2020
Gegenstand des Verfahrens bildet, sind die bis 31. Dezember 2020 gültig gewe
senen Normen auf den vorliegenden Fall anzuwenden und in dieser Fassung zu zitieren.
1.3
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraus
setzungen nach Art. 4-6 ELG erfüllen, Zusatzleistungen bestehend aus Ergän
zungs
leistungen, Beihilfen und Zuschüssen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (Art. 2 Abs. 1 ELG; §§ 1, 13, 15 und 20 Abs. 1 ZLG).
1.4
Zu den anrechenbaren Einnahmen gehören nach Art. 11 Abs. 1 lit. d ELG unter anderem Renten, Pensionen und andere wiederkehrende Leistungen, einschliess
lich Renten der AHV und der IV. Als Einkommen anzurechnen sind darüber hinaus auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG).
Eine Verzichtshandlung im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegen
leistung auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat, wenn sie einen Rechts
anspruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht oder ihre Rechte nicht durchsetzt, oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und zu
mutbaren Erwerbstätigkeit absieht
(BGE 140 V 267 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_435/2020 vom 14. Dezember 2020 mit Hinweisen). Für die Berücksichtigung eines Vermögensverzichts ist grundsätzlich unerheblich, wie weit die Verzichtshandlung zurückliegt (BGE 146 V 306 E. 2.3.1 mit Hinweis). Der anzurechnende Betrag von Vermögenswerten, auf die verzichtet worden ist, wird jährlich um Fr. 10'000.-- vermindert (Art. 17a Abs. 1 ELV).
1.5
1.5
.1
Gemäss Art. 1 Abs. 1 ELG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Ergänzungsleistungen zurückzuerstatten. Der Rückfor
de
rungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versiche
rungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Art. 25 Abs. 2 ATSG).
1.5
.2
Die Unrechtmässigkeit des Bezugs von Ergänzungsleistungen ergibt sich dadurch, dass die Berechnungsgrundlagen rückwirkend so angepasst werden, dass aus der Neuberechnung ein tieferer Anspruch resultiert, als ursprünglich ausgerichtet (
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 3. Auflage, Zürich
/Basel/Genf
2021, S. 134 Ziff. 346
).
Die Rückforderung rechtskräftig verfüg
ter Leistungen durch die Verwal
tung ist nur unter den für die Wiedererwägung oder die pro
zessuale Revision massgebenden Voraussetzungen zulässig (BGE 126 V
23 E. 4b, 42 E. 2b, je mit Hin
weisen). Mit der Wiedererwägung kann der V
ersicherungs
träger auf eine for
mell rechtskräftige Verfügung zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig und
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG).
Die Pflicht zur Rückerstattung unrechtmässig bezogener Ergän
zungsleistungen besteht unabhängig von einer allfälligen Meldepflichtver
letzun
g. Es geht darum, nach Entdeckung einer ursprünglich unrichtigen oder unvoll
ständigen Sachverhaltsfeststellung den rechtmässigen Zustand wieder herzu
stellen (
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 135 Ziff. 346).
2
.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog
im angefochtenen Einspracheentscheid vom 20. Januar 2021 zusammengefasst
,
die Gemeinde
E._
habe den Anspruch von
X._
auf Zusatzleistungen infolge Erbanspruchs neu berechnet. Der aus dem Nachlass von
A._
erhaltene Betrag von Fr. 78'568.05 sei ab
dem 1. Mai 2017 angerechnet worden. Auf den Pflichtteil im Nachlass von
Z._
habe
X._
verzichtet
(
Urk. 2 S. 1).
Per Todestag
von
Z._
(
23. September 2016
)
habe sich
sein
Reinvermögen auf Fr. 1'574'471.-- belaufen, wobei darin nebst Wertschriften eine Liegenschaft im
Kanton
Aargau und ein Ferienhaus im
Kanton
Tessin enthalten gewesen seien. Aus den mit der
Einsprache eingereichten Unterlagen
unter anderem einem Grundbuchaus
zu
g
-
sei jedoch ersichtlich, dass beide Liegenschaften bereits vor dem Tod ins Allein
eigentum von
B._
übergegangen seien. Folglich
bildeten
sie nicht Teil der Erbmasse und
der Nachlass betrage somit Fr.
1'072'913.--. Im Rahmen der güter- und erbrechtlichen Auseinandersetzung falle die Hälfte davon
(Fr.
536'456.50)
in den Nachlass
. Die Ehefrau erhalte die Hälfte der Erbschaft und der Pflich
tteil der Nachkommen betrage 3⁄4
.
Der Pflichtteilsanspruch jedes Nachkommens belaufe sich auf Fr. 67'057.--
(Fr. 536'456.
50 :
2 x 75 % : 3)
, welcher bei der Berechnung der Zusatzleistungen
von
X._
als Ver
mögensverzicht zu berücksichtigen sei
(Urk. 2 S. 2)
. Dieser
verringere
sich
jährlich um Fr.
10'000.
. Anhand des reduzierten Vermögensverzichts seien die Leis
tungen neu berechnet worden
, wobei für die Zeit vom 1. September 2016 bis 30. November 2019 eine Rückforderung in Höhe von Fr. 23'857.-- resultiere (Urk.
2 S.
3).
2
.2
In ihrer Beschwerdeschrift vom 16. Februar 2021 erklärte sich die Beschwerde
führerin mit der Anrechnung des Vermögen
sverzichts nicht einverstanden.
Im Wesentlichen hielt sie diesbezüglich fest,
Z._
und seine Ehefrau
B._
hätten am 3. Mai 1996 einen Erbvertrag abgeschlossen und sich
gegenseitig als Universalerben eingesetzt. Sämtliche übrigen gesetzlichen Erben
-
namentlich die drei Kinder von
Z._
seien durch diese Vereinbarung von ihrem Pflichtteil ausgeschlossen worden.
Im Weiteren könne dem Erbvertrag entnommen werden, dass
der gesamte dannzumal vorhandene Nachlass beider Ehegatten zu gleichen Teilen den Nachkommen des
Z._
zufallen soll
e
,
falls
die Ehegatten gleichzeitig oder nacheinander versterben
sollten
. Überdies sei festgelegt worden, dass die gesetzlichen Erben des
Z._
ihren jewei
ligen Pflichtteil zwar beanspruchen dürf
t
en, dies jedoch mit der Konsequenz
des Verlusts ihres
Erbanspruch
s
gegenüber
B._
(Urk. 1 S. 5).
Die
Zusatzleistungen beziehende
Schwester der Beschwerdeführerin sei seit vielen Jahren urteilsunfähig gewes
en, weshalb ihr persönlich keine Verzichtshandlung
angerechnet werden könne. Folglich sei das V
erhalten des für sie
handelnden Beistandes zu untersuchen (Urk. 1 S. 9).
Vorliegend hätten alle drei Kinder im Zeitpunkt des Todes des Vaters die Möglichkeit gehabt, entweder ihren Pflichtteil zu beanspruchen oder länger zuzuwarten, wodurch sich ihr erbrechtlicher An
spruch vergrössert hätte, da sie die Stiefmutter hätten beerben können.
Aus der Entscheidung für oder gegen die andere Handlungsmöglichkeit könne keine Ver
zichtshandlung abgeleitet werden, da mit jeder Entscheid
ung
für die eine Variante gleichzeitig eine Entscheidung gegen die andere Variante verknüpft
gewesen wäre
.
Es sei folglich falsch, vorliegend von einer Verzichtshandlung auszugehen, wenn sich eine versicherte Person
beziehungsweise ihr Beistand in einer Situation mit zwei Wahlmöglichkeiten für diejenige entscheide, die sich ex
post
betrachtet allenfalls als günstiger entpuppt hätte, wenn es genauso gut auch umgekehrt hätte laufen können (Urk. 1 S. 10 f.). Von der Anrechnung eines Vermögen
s
verzichts aufgrund des Erbgang
s des Vaters sei daher vollumfänglich abzusehen (Urk. 1 S. 12).
2
.3
Mit Beschwerdeantwort vom 17. März 2021 verwies die Beschwerdegegnerin zunächst auf ihre Ausführungen im angefochtenen Entscheid. Ergänzend äusserte sie sich
insbesondere
dahingehend,
Zweck der Ergänzungsleistungen sei die Deckung des Existenzbedarfs. Zu berücksichtigen seien die tatsächlich vorhan
denen Einkünfte sowie Vermögenswerte, über welche die
Leistungsansprecherin
verfügen könne (Urk. 6 S.
1).
X._
habe
damals
Anspruch auf den Pflichtteil aus dem Nachlass ihres
Vaters gehabt. Diesen hätte sie
im Zeitpunkt der Eröffnung des Erbganges beanspruchen müssen, stehe ihr dieser doch zu und könne als Vermögenswert für den Lebensbedarf verzehrt werden. Allfällige erbrechtliche Abwägungen, ob es günstiger sei, darauf zu verzichten, um dann bei einem späteren Erbgang einen grösseren Anteil am Nachlass zu erhalten, seien nicht entscheidend
. Eine solche Abwägung würde dem Sinn und Zweck der Zusatzleistungen zuwiderlaufen. Es seien alle Einkünfte und Vermögenswerte anzurechnen, auf welche
X._
Anspruch gehabt habe, namentlich auch der Pflichtteil aus dem Nachlass des verstorbenen Vaters
(Urk. 6 S. 2).
3.
3.1
In prozessualer Hinsicht stellt die Beschwerdeführerin den Antrag, der ehemalige
Beistand von
X._
,
D._
, sei zum Prozess beizuladen (Urk. 1 S.
2
). Begründet wird dies
zum einen mit der Haftungsfrage des Beistandes, welche sich stelle, falls eine Verzichtshandlung bejaht werde. Zum anderen
sei es unter Um
ständen angezeigt, Unterlagen zur Frage der Urteilsfähigkeit der
Verbeiständeten
einzuholen, welche durch den Beistand ins Verfahren einzubringen wären (Urk. 1
S. 3 Ziff. 5).
3.2
Das Gericht kann von Amtes wegen oder auf Antrag Dritte zum Verfahren bei
laden, wenn diese ein schutzwürdiges Interesse am Ausgang des Verfahrens haben oder wenn eine Partei ein schutzwürdiges Interesse an der Beiladung des Dritten geltend macht (§ 14 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungs
gericht, GSVGer). Mit der Beiladung werden Dritte, deren Interessen durch einen Entscheid berührt sind, in ein Verfahren einbezogen und daran beteiligt. Der Einbezug Beteiligter in den Schriftenwechsel bezweckt, die Rechtskraft des Urteils über die ursprünglichen Parteien hinaus auf die Beigeladenen auszudehnen, da
mit diese in einem später gegen sie angestrengten oder von ihnen ausgehenden Prozess das betreffende Urteil gegen sich gelten lassen müssen (Urteil des Bun
desgerichts 9C_245/2017 vom 11. Dezember 2017 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 130 V 501 E. 1.2).
Grundsätzlich besteht weder eine Pflicht zur Beiladung noch, als Korrelat dazu, ein Anspruch auf Beiladung (BGE 125 V 80 E. 8b; Volz, in: Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Aufl., Zürich 2009, § 14 Rz 5 mit Hinweis).
3.3
Betreffend die von der Beschwerdeführerin aufgeworfene Haftungsfrage ist fest
zuhalten, dass in diesem Verfahren allein über sozialversicherungsrechtliche Belange
konkret den Anspruch auf Zusatzleistungen von
X._
für den Zeitraum vom 1. September 2016 bis 29. Februar 2020
beziehungsweise die Rückerstattung von zu Unrecht bezogenen Zusatzleistungen
durch die Bezügerin beziehungsweise ihre Erbin, die Beschwerdeführerin
zu befinden ist.
Der Bei
stand ist von vornherein nicht rückerstattungspflichtig (
Carigiet
/Koch,
a.a.O., S.
136 Ziff. 351).
Ob
X._
des Weiteren
im Zeitpunkt der fraglichen Ver
zichtshandlung urteilsfähig war oder nicht, kann im Ergebnis dahingestellt bleiben.
Selbst wenn sie es nicht gewesen s
ein sollte, müsste
sie sich das Handeln
und die Kenntnisse
ihres Beistandes anrechnen lassen,
zumal dieser über weitre
i
chende Vertretungsbefugnisse in Bezug auf administrative Angelegenheiten verfügte (vgl. Urk. 7/51/1).
Rechtspr
e
chungsgemäss ist d
er Beistand in bestimmten, ihm übertragenen Aufgabenbereichen gesetzlicher Vertreter der
verbeiständeten
Person und handelt diesbezüglich mit Wirkung für diese. Dies gilt auch für die Belange der Meldepflichterfüllung (
BGE 112 V 97 E.
3b
;
Urteil
des Bundesgerichts 9C_588/2019 vom 14. Februar 2020 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
Weitere Abklärungen
hinsichtlich des
psychischen Gesundheitszustand
s
von
X._
erübrigen sich daher.
Dem Antrag auf Beiladung von
D._
ist
aus diesen Gründen
nicht zu entsprechen.
4
.
4.1
Die Beschwerdeführerin bestreitet die Rechtmässigkeit der Anrechnung eines Ver
mögensverzichts
im Zusammenhang mit dem Erbgang
des Vaters
Z._
.
Demgegenüber anerkennt sie
explizit, dass ihre Schwester aus dem Nachlass des
am 12. April 2017 verstorbenen
Bruders den Betrag von F
r.
78'568.05
(richtig: Fr. 78'567.95; vgl. U
rk. 7
/4/4)
erhielt. Die Berücksichtigung dieses Betrages im Rahmen der Neuberechnung des Leistungsanspruchs
ab Mai 2017 (vgl. Ur
k.
2 S. 1, Urk.
7
/
155/1)
wird nicht
in Frage gestellt
(Urk. 1 S. 6 Ziff. 10
und S. 12 Ziff. 19
).
Gegen die übrigen Positionen der
für den Zeitraum vom 1. September 2016 bis 29. Februar 2020 vorgenommenen
Neuberechnung
(vgl. Urk. 7/149-155) erhebt die Beschwerdeführerin ebenfalls keine Einwände.
Von gerichtlicher Seite besteht kein Anlass,
bezüglich der
nicht beanstandeten Berechnungselemente korrigierend einzugreifen, zumal sich aus den Akten eben
falls keine Anhaltspunkte für eine fehlerhafte Kalkulation ergeben (vgl. BGE 125 V 413 E. 2c).
Im Folgenden bleibt somit zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
von einem Vermögensverzicht
im Zusammenhang mit der Erbschaft des Vaters der Leistungsbezügerin
ausgegangen ist.
4.2
Aktenkundig und unbestritten ist
einerseits
, dass
X._
im
entscheid
rele
vanten
Zeitraum vom 1. September 2016 bis 29. Februar 2020 Zusatzleistungen ausgerichtet erhielt (vgl. Urk. 7/45-49, 7/126).
Andererseits ist erstellt, dass die Gemeinde
E._
erst mit Schreiben des Beistandes vom 28. Juni 2019
vom Tod des
Vaters
Z._
am 23. September 2016
und
dem Verzicht auf die Geltendmachung des Pflichtteils
erfuhr (Urk.
7/24
/1).
Aufgrund dieser
verspätet gemeldeten Sachverhaltsänderung mussten die Berechnungsgrundlagen rückwir
kend angepasst werden und es resultierte ein tieferer
Leistungsan
spruch
im Sinne einer zweifellos erheblichen
betraglichen
Differenz, weshalb die Beschwerde
gegnerin auf die ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügungen zurück
kom
m
en durfte.
Die Rückerstattungsverfügung vom 20. November 2019 erging innert der
damals anwendbaren
einjährigen Frist
gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG
, was unbestritten blieb.
Die unrechtmässig bezogenen Leistungen sind deshalb zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 ATSG)
, sofern die Neuberechnung zulässig ist, was im Folgenden zu prüfen ist.
4.
3
4.3.1
Rechtsprechungsgemäss liegt insbesondere dann
e
ine Verzichtshandlung im Sinne
von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf Einkünf
te oder Vermögen verzichtet hat oder
wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und
Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht ode
r ihre Rechte nicht durchsetzt (vgl. vorstehende E. 1.4). Dazu gehören auch erbrechtliche An
sprüche
. Der eigentliche Verzicht besteht in der Preisgabe der Möglichkeit, die Substanz der Vermögenswerte, auf die verzichtet wird, zum Zwecke der Finan
zierung des Lebensbedarfs zu verbrauchen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_198/2010
vom 9. August 2010 E. 3.1
mit Hinweisen
)
.
4.3.2
Die Beschwerdeführerin erachtet die Anrechnung eines Verzichtsvermögens mit Blick auf den
Erbvertrag, welchen
Z._
am 3. Mai 1996
mit seiner Ehefrau
B._
geschlossen hat
te
(Urk. 7/25/3-8)
, für
un
zulässig.
Darin setzten sich die Ehegatten gegenseitig als Universalerben ein und schlossen die übrigen gesetzlichen Erben vom Erbrecht aus.
Sie hielten zudem
fest, die Nach
kom
men beziehungsweise Pflichtteilserben des Ehemannes hätten das Recht, die finanzielle Abgeltung ihres Pflichtteilsanspruchs zu verlangen (Urk. 7/25
/4). Des Weiteren kamen sie überein, dass der Nachlass beider Ehegatten (im Falle des gleichzeitigen Versterbens) beziehungsweise der Nachlass des zweitversterbenden «Elternteiles» (im Falle des «Versterbens nacheinander») zu gleichen Teilen an die Nachkommen des Ehemannes, in allen Graden nach Stämmen, fallen solle. Diese
Begünstigung gelte nicht für denjenigen/diejenigen Nachkommen, welcher
/welche beim Tode des erstversterbenden Ehemannes ihren Pflichtteilsanspruch geltend gemacht hätten (Urk. 7/25/5).
In Anbetracht der im Erbvertrag getroffenen Regelungen mag
grundsätzlich
zu
treffen,
dass jedem der drei Nachkommen
beim Tod von
Z._
unab
hängig voneinander
zwei Möglichkeiten
offen standen
;
e
ntweder konnten sie ihren Pflichtteil
geltend machen
oder zuwarten, um zu einem späteren Zeitpunkt das Erbe ihrer Stiefmutter zu beanspruchen.
Der Beistand von
X._
hatte sich damals für letzteres Vorgehen entschieden
, wobei vorliegend unerheblich ist, ob er in diesem Zusammenhang der
Bewilligung
der Kindes- und Erwachsenen
schutzbehörde bedurft hätte
(vgl. Urk. 7/24/1)
. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin ist darin eine Verzichtshandlung
im Sinne von Art. 11 Abs. 1
lit. g ELG
zu sehen. Zunächst ist anzumerken, dass sich das von den Ergän
zungs
leistungen abgedeckte Risiko bei
X._
zum Zeitpunkt des Erbgangs ihres Vaters
bereits im September 2002, mithin vor rund 14 Jahren, verwirklicht hatte (vgl. Urk. 7/123-125). Gerade in solchen Fällen ist der allgemeinen Schadenmin
derungspflicht in noch stärkerem Masse nachzuleben
und von de
r
Leistungsbe
züger
i
n zu
erwarten, dass sie sämtliche Einkunftsmöglichkeiten, über die sie verfüg
t
, auch tatsächlich realisier
t
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_435/2020 vom 14. Dezember 2020 E.
4.3.2).
Hinzu kommt,
dass
B._
der Nachlass
d
es verstorbenen Ehemannes
zu Eigentum und nicht nur unter dem Rechtstitel einer Nutzniessung oder Vorerb
schaft zugefallen ist, welche
beide
– anders als das Eigentum -
von Gesetzes wegen
grundsätzlich mit einer Werterhaltungspflicht einhergehen
(vgl. Art. 490
Abs. 2
und Art.
764
Abs.
1
des Schwei
zerischen Zivilgesetzbuchs, ZGB)
.
Mit anderen Worten erlangte sie, nachdem die Nachkommen ihren jeweiligen Pflicht
teil nicht
eingeklagt hatten, die umfassende Verfügungsgewalt
über die ihr zuge
fallenen Vermögenswerte.
Mangels Sicherstellung des Erbes ihres Vaters war
für die Nachkommen respektive
X._
oder ihren
Beistand nicht vorher
seh
bar,
welchen Betrag sie
zukünftig
(allenfalls)
von
B._
erben würden.
Selbst wenn
diese
selbst vermögend sein
und über keine gesetzlichen Erben ver
fügen
sollte (vgl. Urk. 1
S. 5 Ziff. 8.2 und
S. 11 Ziff.
18.8),
stand zum Zeitpunkt des Verzichts auf die Geltendmachung des Pflichtteils keineswegs
fest, dass die
Leistungsbezügerin
beim Tod
von
B._
bessergestellt sein würde. Im Übrigen war das Vorgehen
von
X._
beziehungsweise
von ihrem
Bei
stand naturgemäss mit
der Unsicherheit
verbunden, dass sie vor
B._
versterben und
diese deshalb nicht beerben
könne
.
In Bezug auf
X._
im Speziellen
liegt nahe, dass
die Gefahr der Verwirklichung dieses Risikos
ange
sichts ihres
Gesundheitszustand
es
erhöht war
. So war sie bereits mehrere Jahre vor dem Tod ihres Vaters
schwer pflegebedürftig
und entsprechend in einem Pflegeheim untergebracht (vgl. Urk. 1 S. 9 Ziff. 18.1, Urk. 7/
55
).
4.3.3
Nach dem Gesagten
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin in Bezug auf den von
X._
respektive ihrem Beistand
im Erbgang des Vaters
nicht geltend gemachten Pflichtteil
von
einer V
erzichtshandlung ausging, da damit auf die Durchsetzung eines Rechts verzichtet wurde.
Das im Einspra
cheentscheid im Vergleich zu den Rückforderungsverfügungen reduzierte Ver
zichtsvermögen
(Fr. 67'057.--; Urk. 2 S. 2)
ist betragsmässig nicht mehr um
stritten. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht dem Umstand Rechnung getragen, dass
bereits vor dem Tod von
Z._
je eine Liegenschaft im Kanton Aargau und im Kanton Tessin in das Alleineigentum
seiner Ehefrau
B._
übergegangen waren (vgl. Urk. 7/24/4, 7/133) und
diese
deshalb nicht B
estandteil
e
der Erbmasse
bildeten.
Im Rahmen der Berechnung der Rückerstat
tungs
forderung berücksichtigte sie schliesslich auch den Umstand, dass
der anzu
rechnende Betrag von Vermögenswerten, auf die verzichtet worden ist, jährlich um Fr. 10'000.-- vermindert wird (vgl. vorstehende E. 1.4).
5
.
Zusammenfassend
erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid vom 20. Januar 2021 (Urk. 2) als rechtens. Die dagegen erhobene Beschwerde ist folglich abzuweisen.