Decision ID: 4d564c7c-088a-42fa-ae91-2d8d1330a074
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Josef Jacober, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ erlitt am 1. August 2006 einen Unfall. Nach einem stationären Aufenthalt
des Versicherten vom 7. März 2007 bis 25. April 2007 diagnostizierten die Ärzte der
Rehabilitationsklinik B._ in ihrem Austrittsbericht vom 10. Mai 2007 einen Verdacht
auf mediale Meniskusläsion links, einen Infekt nach arthroskopischer Innenmeniskus-
Hinterhornteilresektion, eine Infektion Knie links, einen Abszess antero-laterales Portal
Knie links, einen pseudomembranösen Abszess Unterschenkel links, einen
persistierenden subkutanen Abszess, eine infizierte Bursitis praepatellaris antero-
mediales Kniegelenk links, einen Status nach Gonarthritis links, eine Gonarthrose links,
eine arterielle Hypertonie, rezidivierende Phlebitiden der Vena saphena magna rechts,
ein chronisches Lumbalsyndrom sowie eine Omarthrose beidseits (IV-act. 98-23).
A.b Am 7. Mai 2007 meldete sich der Versicherte unter Angabe eines Status nach
Arthroskopie Knie links mit Kniegelenksinfekt und schwerem Knorpelschwund zum
Rentenbezug bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 110-1 ff.).
A.c Am 21. Mai 2007 erstattete Dr. med. C._, Facharzt Allgemeine Innere Medizin,
zuhanden der IV-Stelle einen Arztbericht. Er diagnostizierte eine arterielle Hypertonie,
eine Urolithiasis, ein chronisches Lumbalsyndrom sowie einen Status nach
rezidivierender oberflächlicher Thrombophlebitis der Vena saphena magna links 2002/
Vena saphena magna rechts 2004 und attestierte eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit als
Betriebsmitarbeiter seit 1. September 2006 (IV-act. 98-5 ff.).
A.d Am 22. Mai 2007 erstattete die Firma D._, einen Arbeitgeberbericht. Der
Versicherte sei seit dem 16. November 1998 als Hilfsarbeiter in der Drechslerei/
Spritzerei/Drahtverarbeitung im Betrieb tätig. Vor Eintritt des Gesundheitsschadens
habe er im Vollzeitpensum gearbeitet. Seit 1. August 2006 arbeite der Versicherte
aufgrund seiner 100 %igen Arbeitsunfähigkeit nicht mehr im Betrieb (IV-act. 105-1 ff.).
A.e Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, von der Klinik F._ am 18. Dezember 2007 ein psychiatrisches Gutachten mit
Untersuchungsdatum vom 13. Dezember 2007. Er führte aus, dass der Versicherte aus
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psychiatrischer Sicht sowohl in seiner angestammten als auch in einer körperlich
adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei (IV-act. 86-1 ff.).
A.f Am 25. Februar 2008 erstattete die Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und
Hygiene AG (AEH) Zürich im Auftrag der IV-Stelle ein Gutachten basierend auf
Untersuchungen vom 10. und 11. Dezember 2007. Die Gutachter diagnostizierten mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische Gonarthrose links, ein
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom sowie beidseitige Fersenschmerzen.
Sie führten aus, dass in der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit eine
effektive Leistungsgrenze infolge der Selbstlimitierung bei den Hebetests nicht habe
ermittelt werden können. Im Vordergrund habe das Schon- und Schmerzverhalten mit
frühzeitigen Testabbrüchen gestanden. Die Gutachter attestierten eine ganztägige
Arbeitsfähigkeit bei leichter vorwiegend sitzender Tätigkeit mit der Möglichkeit, kurz
aufzustehen, wobei vermehrte Pausen (insgesamt 1 Stunde pro Tag) zugestanden
werden sollten (IV-act. 83-1 ff.).
A.g Mit Vorbescheid vom 4. April 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Ab
weisung des Leistungsgesuchs in Aussicht. Der Invaliditätsgrad betrage 0 % (Validen-
und Invalideneinkommen je Fr. 46'147.--).
A.h Der Versicherte liess am 23. Juni 2008 Einwand erheben. Sein Rechtsvertreter
beantragte die Durchführung von beruflichen Massnahmen im Sinne von Art. 15 ff. IVG
(IV-act. 67-1 ff.).
A.i Mit Verfügung vom 21. Juli 2008 wies die IV-Stelle das Rentengesuch des Ver
sicherten basierend auf einem Invaliditätsgrad von 20 % ab (IV-act. 62-1 ff.).
A.j Am 20. August 2008 besprach ein Eingliederungsberater der IV-Stelle die
Situation mit dem Versicherten, am 25. August 2008 fand eine weitere Besprechung
auf dem RAV G._ statt (vgl. IV-act. 53). Daraufhin wurde offenbar am 27. November
2008 im Verzahnungsprogramm des Vereins H._ eine Abklärung durchgeführt (IV-
act. 52). Im Schlussbericht des IV-Eingliederungsberaters vom 28. November 2008
führte dieser aus, der Versicherte fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig und habe
wöchentlich mindestens einen Termin bei seinem Hausarzt Dr. C._ und monatliche
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Termine zwecks Gesprächstherapie bei Dr. med. I._, Fachärztin Psychiatrie und
Psychotherapie. Im Verzahnungsprogramm des Vereins H._ habe man die
Leistungsfähigkeit des Versicherten auf etwa 20 % eingeschätzt. Die
Arbeitslosenversicherung habe den Anspruch des Versicherten auf
Arbeitslosenentschädigung aufgrund seiner auf gesundheitlichen Gründen beruhenden
fehlenden Vermittlungsfähigkeit verneint. Der Sachbearbeiter beantragte daher die
Einholung aktueller medizinischer Unterlagen beim Hausarzt sowie bei Dr. I._ (IV-act.
51-1).
A.k Am 10. Januar 2009 erstattete Dr. C._ einen Arztbericht an die IV-Stelle. Er
diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Kniegelenks
infekt nach Kniearthroskopie und Teilmeniskektomie am 1. September 2006 wegen
degenerativen Innenmeniskus-Hinterhornschadens links, eine posttraumatische, medial
betonte femorotibiale Arthrose, ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei
degenerativen Veränderungen der LWS/muskulärer Dysbalance und Dekonditionierung
sowie eine mittelschwere Depression und attestierte eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit
ab 1. September 2006 bis auf Weiteres (IV-act. 48-1 ff.).
A.l Am 15. Januar 2009 erstattete Dr. I._ einen Arztbericht. Sie diagnostizierte mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode mit soma
tischem Syndrom (ICD-10: F 32.11), eine Kniedistorsion links beim Unfall am 1. August
2006, eine mediale Gonarthrose nach arthroskopischer Innenmeniskushinterhorn
resektion, einen Zustand nach Gonarthritis links, eine Varicositas beidseits seit 2004
sowie ein chronisches Lumbalsyndrom, mehrsegmentäre Spondylose, Dehydratation
der Disci L 2/3, L3/4, L4/5 und attestierte aus rein psychiatrischer Sicht eine 50 %ige
Arbeitsunfähigkeit ab 14. Oktober 2008 (IV-act. 47-1 ff.).
A.m Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Ostschweiz am 10. Juli 2009 ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten unter Ein
schluss eines orthopädischen und psychiatrischen Consiliargutachtens (IV-act. 41-1
ff.). Die Gutachter hielten fest, dass allein aus orthopädischer Sicht die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als nicht mehr zumutbar erachtet werde. Psychiatrischerseits
werde die Arbeitsunfähigkeit aktuell in einer adaptierten Tätigkeit im Ausmass von
höchstens 40 % eingeschätzt. Orthopädischerseits seien in einer adaptierten Tätigkeit
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qualitative Einschränkungen zu beachten, indem nur kurze Stehphasen und im Sitzen
halbstündliche Positionswechsel vorgenommen werden sollten. Arbeiten im Knien und
auf Leitern seien nicht möglich. Auch bei Berücksichtigung dieser Einschränkungen
bestehe eine zusätzliche zeitliche Reduktion infolge auftretender Schmerzen und
vermehrter Pausen im Umfang von 40 %. Somatischerseits müssten in einer
adaptierten Tätigkeit zusätzliche qualitative Einschränkungen berücksichtigt werden,
indem Wechselhaltung gewährleistet sein müsste. Zudem seien infolge Antikoagulation
Tätigkeiten mit erheblichem Verletzungspotential (Sturzgefährdung, Arbeiten mit
entsprechenden Maschinen) zu meiden. Polydisziplinär werde unter Berücksichtigung
der aufgeführten qualitativen Einschränkungen von einer rund 50 %ig eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Das Ausmass dieser Einschränkung bestehe seit dem
Austritt aus der Reha-Klinik B._ am 25. April 2007 (IV-act. 41-29).
A.n Mit Schreiben vom 20. Januar 2010 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung bestehe (IV-act. 27-1 f.).
A.o Mit Vorbescheid vom 20. Januar 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten ab
1. August 2007 die Zusprache einer Viertelsrente der Invalidenversicherung in Aussicht
(IV-act. 29-1 ff.). Der Invaliditätsgrad betrage 48 % (Valideneinkommen Fr. 46'512.--,
Invalideneinkommen Fr. 24'419.--).
A.p Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 15. Februar 2010 Einwand er
heben. Er beantragte die Aufhebung des Vorbescheids vom 20. Januar 2010 und
aufgrund eines Invaliditätsgrades von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente der
Invalidenversicherung. Als Begründung bemängelte er die Berechnung des Invaliden
einkommens (IV-act. 23-1 ff.).
A.q Mit Vorbescheid vom 27. April 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten ab
1. September 2008 die Zusprache einer halben Rente der Invalidenversicherung in
Aussicht (IV-act. 18-1 ff.). Der Invaliditätsgrad betrage 53 % (Valideneinkommen
Fr. 45'760.--, Invalideneinkommen Fr. 21'621.--).
A.r Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 21. Mai 2010 Einwand erheben
und aufgrund eines Invaliditätsgrades von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente der
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Invalidenversicherung beantragen. Als Begründung wurde wiederum die Berechnung
des Invalideneinkommens bemängelt (IV-act. 23-1 ff.).
A.s Mit Verfügung vom 27. Juli 2010 sprach die IV-Stelle dem Versicherten gemäss
dem zweiten Vorbescheid ab 1. September 2008 eine halbe Rente der Invalidenver
sicherung zu (IV-act. 8-1 ff.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die am 10. September 2010 erhobene Be
schwerde. Darin wird beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei
dem Beschwerdeführer ab 1. September 2008 mindestens eine Dreiviertelsrente zuzu
sprechen und ihm sei die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu
gewähren. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer
habe vor seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung Schwerarbeit verrichtet. Er sei nicht
mehr in der Lage, die bisherige oder eine andere Schwerarbeit auszuüben. Allein aus
diesem Grund rechtfertige sich bereits, einen Leidensabzug im Sinne eines allgemeinen
behinderungsbedingten Abzuges von mindestens 15 % vorzunehmen. Ausserdem
sei der Beschwerdeführer auch in einer angepassten Tätigkeit durch zahlreiche Ein
schränkungen behindert. Diese Einschränkungen beeinträchtigten seine Stellenauswahl
als Hilfsarbeiter erheblich und er sei deshalb auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz mit
einem Mitbewerber, der nicht physisch beeinträchtigt sei, stark benachteiligt. Die Ein
schränkungen würden sich auch auf das Lohnniveau auswirken. Aus all diesem
Gründen rechtfertige es sich, vom Invalideneinkommen einen Leidensabzug von
insgesamt 20 % vorzunehmen. Daher sei vom Invalideneinkommen von Fr. 24'024.--
zusätzlich zum vorgenommenen Teilzeitabzug ein Leidensabzug von 20 % angebracht,
was zu einem neuen Invalideneinkommen von Fr. 16'816.-- und zu einem Invaliditäts
grad von 63.25 % führe. Somit habe der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Drei
viertelsrente (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 14. Oktober 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Feststellung, dass der
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Beschwerdeführer keinen Rentenanspruch habe. Zur Begründung führt sie im
Wesentlichen aus, aufgrund der nach der in Rechtskraft erwachsenen,
rentenablehnenden Verfügung vom 28. Juli 2008 erfolgten weiteren medizinischen
Abklärungen sei die Beschwerdegegnerin implizit von einer Neuanmeldung des
Beschwerdeführers zum Bezug einer IV-Rente ausgegangen. Gemäss ständiger
Rechtsprechung des Bundesgerichtes gelte folgendes: Trete die Beschwerdegegnerin
auf eine Neuanmeldung ein, so habe sie die Sache materiell abzuklären und sich zu
vergewissern, ob die glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch
tatsächlich eingetreten sei. Sie gehe in analoger Weise vor wie bei einem Revisionsfall
nach Art. 17 ATSG. Im Beschwerdefall obliege die gleiche materielle Prüfungspflicht
auch dem Gericht. Es sei im Weiteren festzustellen, dass das MEDAS-Gutachten keine
Merkmale aufweise, welche dessen Beweiswertigkeit in Frage stellen könnte. Aus der
Begutachtung durch Dr. E._ vom Dezember 2007 gehe zwar eine Verschlechterung
des psychischen Zustandes hervor, jedoch wirke sich dies aus rechtlichen Gründen
nicht auf die Bemessung der Invalidität aus, da kein invalidisierender psychischer
Gesundheitsschaden vorliege. Bezüglich der somatischen Situation vermöge das
MEDAS-Gutachten keine wesentliche Veränderung der internistischen und
orthopädischen Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seit der Begutachtung
im AEH vom Dezember 2007 zu belegen. Der begutachtende Orthopäde der MEDAS
habe eine unterschiedliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eines wesentlich gleich
gebliebenen Sachverhaltes abgegeben, was keine revisionsbegründende Änderung
darstelle. Aus diesen Gründen könne nicht auf die Gesamtbeurteilung im MEDAS-
Gutachten abgestellt werden, wonach aus polydisziplinärer Sicht, unter Be
rücksichtigung der psychischen und somatischen Beeinträchtigungen, eine 50 %ige
Arbeitsunfähigkeit bestehen solle, sondern es sei davon auszugehen, dass der Be
schwerdeführer für adaptierte Tätigkeiten unverändert, entsprechend der Beurteilung
des AEH und von Dr. E._, ganztägig arbeitsfähig sei. Da es sich um eine Neuprüfung
eines Rentenanspruchs nach rechtskräftiger Rentenablehnung handle und sich im
Rahmen der Abklärungen keine erheblichen Änderungen der tatsächlichen Verhältnisse
in gesundheitlicher Hinsicht ergeben hätten, bestehe kein Anlass zur Durchführung
eines neuen Einkommensvergleichs. Vielmehr müsse es bei der Feststellung sein
Bewenden haben, dass nach wie vor kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe.
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Die IV-Stelle habe dem Beschwerdeführer mit der angefochtenen Verfügung also zu
Unrecht ab September 2008 eine halbe IV-Rente zugesprochen (act. G. 3).
B.c Am 19. Oktober 2010 wurde dem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsver
beiständung) entsprochen (act. G 5).
B.d Am 29. November 2010 liess der Beschwerdeführer Replik erstatten. Da das
Versicherungsgericht gemäss Art. 61 lit. d ATSG nicht an die Begehren der Partien ge
bunden sei, könne es die Verfügung zu Ungunsten der Beschwerde führenden Person
ändern (sog. reformatio in peius). In diesem Fall sei dem Beschwerdeführer Gelegenheit
zur Stellungnahme und zum Rückzug der Beschwerde zu geben. In materieller Hinsicht
führt er im Wesentlichen aus, dem MEDAS-Gutachten sei klar zu entnehmen, dass sich
beim Beschwerdeführer aufgrund seiner langwierigen Behandlungen und der zurückge
bliebenen Einschränkungen am Knie eine Depression entwickelt habe, welche auch
nach teilweise erfolgreicher medikamentöser Behandlung immer noch in Form einer
leicht- bis mittelgradigen Episode vorliege. Auch im psychiatrischen Gutachten der
Klinik F._ vom 18. Dezember 2007 sei festgehalten worden, dass die akute Schmerz
problematik, die mehrfachen Operationen mit doch objektiv bleibendem Gesundheits
schaden und der Mangel an Problemlösungsstrategien beim Beschwerdeführer eine
Anpassungsstörung ausgelöst hätten. Damit liege beim Beschwerdeführer klarerweise
eine fachärztlich festgestellte psychische Störung mit Krankheitswert vor, welche
weder durch psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren vordergründig mitbestimmt
werde oder lediglich als depressiver Verstimmungszustand zu qualifizieren sei. Im
Weiteren stehe gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Therapierbarkeit einer
psychischen Störung der Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente nicht ent
gegen. Betreffend die physischen Beschwerden wird angemerkt, dass der Regelfall für
eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades, welche Voraussetzung für eine Neu
anmeldung resp. Revision der Invalidenrente bilde, die Änderung des
Gesundheitszustandes sei, wobei nicht eine neue Diagnose gestellt werden müsse.
Vielmehr reiche aus, wenn die Verschlechterung des auf die gleiche medizinische
Ursache zurückzuführenden Gesundheitsschadens vorliege. Dass bei der MEDAS-
Begutachtung ein wesentlich schlechterer Gesundheitszustand als bei der
Begutachtung durch die AEH erhoben worden sei, zeige sich einerseits darin, dass
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neue zusätzliche Beschwerden diagnostiziert worden seien, sowie andererseits darin,
dass sich die bisherigen Beschwerden verschlimmert hätten. Dass die ursprünglichen
wie auch die neu hinzugetretenen Beschwerden ihre Ursache in der
Meniskusverletzung hätten, sei richtig, jedoch lasse sich daraus nicht ableiten, dass es
sich beim MEDAS-Gutachten lediglich um eine andere medizinische Beurteilung des
gleichen medizinischen Sachverhalts handle. Auch könne aus der Tatsache, dass das
MEDAS-Gutachten auf das Abklärungsergebnis im AEH-Gutachten nicht Bezug nehme
und eine gegenüber dem Vorgutachten eingetretene Verschlechterung nicht explizit
erwähne, nicht abgeleitet werden, dass eine solche nicht eingetreten wäre. Im Übrigen
könne es sich bei einer Beurteilungsdifferenz von 40 % in den
Arbeitsfähigkeitsschätzungen des AEH- und des MEDAS-Gutachtens nicht nur um eine
unterschiedliche medizinische Beurteilung des gleichen Sachverhaltes handeln (act. G
10).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 7. Dezember 2010 auf eine Duplik
(act. 12).
B.f Am 31. Juli 2012 wies die zuständige Verfahrensleiterin den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers auf eine nach einer möglichen Rückweisung der Streitsache an die
Verwaltung drohende Schlechterstellung (reformatio in peius) und auf die Möglichkeit,
einer solchen durch einen Beschwerderückzug zu entgehen, hin (act. G 14).
B.g Mit Schreiben vom 13. September 2012 wies die Beschwerdegegnerin darauf hin,
dass eine Rückweisung an die Verwaltung nach höchstrichterlicher Rechtsprechung
nur möglich sei, wenn die Rückweisung allein in der notwendigen Erhebung einer
bisher vollständig ungeklärten Frage begründet oder lediglich eine Klarstellung,
Präzisierung oder Ergänzung gutachterlicher Ausführungen erforderlich sei (act. G 17).
B.h Mit Schreiben vom 17. September 2012 hielt der Beschwerdeführer an der Be
schwerde fest und ersuchte um Erlass eines materiellen Entscheids (act. G 19).

Erwägungen:
1.
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Die Anmeldung zum IV-Leistungsbezug erfolgte im Mai 2007 und damit noch vor
Inkrafttreten der 5. IV-Revision. Grundsätzlich kann in übergangsrechtlicher Hinsicht
daher die Rechtslage Relevanz haben, wie sie sich bis Ende 2007 präsentiert hat (zur
übergangsrechtlichen Situation im Zusammenhang mit den IV-Revisionen 5 und
6a siehe etwa den Entscheid IV 2010/131 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 30. August 2012, Erw. 1). Dies hat gegebenenfalls auf einen allfälligen
Rentenbeginn Auswirkungen. Ansonsten haben die IV-Revisionen 5 und 6a auf die vor
liegend massgebenden Fragestellungen materiell keine Änderungen gebracht. Nach
folgend werden daher die Bestimmungen in der aktuell gültigen Fassung des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) wiedergegeben, sofern nicht
explizit auf die frühere Fassung verwiesen wird.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch ursprünglich mit Verfügung vom
21. Juli 2008 verneint (IV-act. 62). Anschliessend wollte sie offenbar noch Arbeits
vermittlung durchführen (vgl. IV-act. 60), was nicht zu beanstanden wäre. Es blieb dann
jedoch nicht bei einfacher Arbeitsvermittlung, sondern es wurden weitere Abklärungen
veranlasst, u.a. durch den Verein H._. Im Bericht über ein Auswertungsgespräch vom
27. November 2008 (IV-act. 52) wurde festgehalten, nach Angabe des Abteilungsleiters
erbringe der Beschwerdeführer eine konstante Arbeitsleistung von 40 bis 50%. Er
arbeite zwischen 2.5 und 4 Stunden. Eine Verlängerung der Präsenzzeit sei nach
Angaben des Beschwerdeführers nicht möglich. Eine Wiedereingliederung in den
Arbeitsmarkt sei unter den gegebenen Umständen nicht möglich, jedoch wäre es von
Vorteil, die Tagesstruktur weiterführen zu können. Der Eingliederungsberater hielt
daraufhin am 28. November 2011 (IV-act. 51) fest, aufgrund der gezeigten Leistungen
sei es derzeit nicht realistisch, den Beschwerdeführer im ersten Arbeitsmarkt zu
integrieren. Er bat die Sachbearbeitung um Einholung von aktuellen Arztberichten, was
veranlasst wurde und schliesslich zur Erteilung des Begutachtungsauftrags an die
MEDAS Ostschweiz führte. Dieses Verhalten der Beschwerdegegnerin kann – auch in
Berücksichtigung der Tatsache, dass keine Neuanmeldung des Beschwerdeführers
zum Rentenbezug vorliegt – nur so interpretiert werden, dass sie ihre rentenablehnende
Verfügung vom 21. Juli 2008 implizit widerrief und das Abklärungsverfahren umfassend
wiederaufnahm. Insofern ist entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin davon
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auszugehen, dass über den Rentenanspruch keine rechtskräftige Verfügung vorliegt.
Für die materielle Prüfung ist folglich nicht die Frage der Veränderung des
Gesundheitszustands relevant, sondern es ist von einer (fortgesetzten) erstmaligen und
umfassenden Leistungsprüfung auszugehen. Die Akten liefern keinen Anlass, von einer
impliziten Neuanmeldung des Versicherten auszugehen, lag doch der Effort zu weiteren
Abklärungen bei der Beschwerdegegnerin, ohne dass der Beschwerdeführer dazu
(etwa durch das Argument einer eingetretenen Verschlechterung nach Juli 2008) direkt
Anlass gegeben hätte.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls
auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsun
fähig ist (BGE 125 V 256 E. 4, S. 261 mit Hinweisen). Hinsichtlich des Beweiswerts
eines ärztlichen Berichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise be
gründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, S. 352).
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4.
4.1 In Beurteilung der somatischen Situation des Beschwerdeführers kam die AEH
AG nach den Untersuchungen vom Dezember 2007 zum Schluss, zumindest sehr
leichte, vorwiegend sitzende Arbeit könne der Beschwerdeführer ganztags und ohne
spezielle Einschränkungen ausführen. Pro Tag sollten vermehrte Pausen von insgesamt
einer Stunde zugestanden werden. Der Beschwerdeführer hatte angegeben, die Knie
schmerzen links stünden im Vordergrund. Thematisiert wurden zudem Probleme mit
den Fersen und an der zervikalen und lumbalen Wirbelsäule, schliesslich auch
Schmerzen an Schulter, Ellbogen und Handgelenken. Die Gutachter bezeichneten die
Problematik des linken Knies als teilweise nachvollziehbar, wiesen aber auch auf In
konsistenzen in der Untersuchung, beim Herumgehen mit den Stöcken und in der EFL
hin. Betreffend die anderweitigen gesundheitlichen Probleme stand gemäss den Gut
achtern eine ausgeprägte Dekonditionierung im Vordergrund.
4.2 Zu einer anderen Einschätzung gelangte der orthopädische Teilgutachter der
MEDAS Ostschweiz, Dr. med. J._, nach seiner Untersuchung vom 20. Mai 2009. Er
wies darauf hin, der Beschwerdeführer besuche zweimal wöchentlich eine
Physiotherapie mit Training auf dem Standvelo und Stossen mit den Beinen bis 30 kg.
Für die Beurteilung lagen Dr. J._ unter anderem Röntgenaufnahmen des Thorax vom
23. Januar 2008, des Kniegelenks links vom 28. November 2008 sowie MRI-
Aufnahmen des Kniegelenks vom 15. Januar 2009 und von Becken/Hüfte links vom
27. Februar 2009 vor. Von Becken, linkem Knie und HWS liess er selbst am 22. Mai
2009 Röntgenbilder anfertigen. In Würdigung derselben bezeichnete er am linken Hüft-
und Kniegelenk ausgeprägte degenerative Veränderungen als nachweisbar. Diese
würden die geäusserten Beschwerden erklären. Der aktuelle Zustand rechtfertige die
Benützung von Stöcken, allerdings sollten einige Schritte ohne möglich sein. Sowohl
an Knie- als auch an Hüftgelenk erachtete Dr. J._ die Implantation eines Kunst
gelenks als angezeigt. Wegen der Arthrosen sei sowohl die Steh- als auch die
Sitzdauer eingeschränkt. Im Stehen bestehe ausserdem eine Behinderung durch den
beidseitigen Fersenschmerz. Selbst in einer optimal adaptierten Tätigkeit (insbesondere
nur kurze Stehphasen, halbstündliche Positionswechsel beim Sitzen) verbleibt gemäss
Dr. J._ eine zeitliche Reduktion infolge der auftretenden Schmerzen und der
vermehrten Pausen im Umfang von 40%.
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4.3 Eine Stellungnahme zur deutlich optimistischeren Einschätzung der AEH AG
liefert Dr. J._ nicht. Ungeklärt ist, ob die Differenz mit einer unterdessen verfügbaren
genaueren Bildgebung oder aber mit einer allfälligen Verschlechterung des Zustands in
den zwischen den Begutachtungen liegenden anderthalb Jahren zu erklären ist (was
die Beschwerdegegnerin bestreitet). Diesbezüglich besteht Klärungsbedarf.
5.
5.1 Mit Blick auf die psychische Situation des Beschwerdeführers stellt sich die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort auf den Standpunkt, angesichts der
von Dr. K._ diagnostizierten leicht- bis mittelgradigen depressiven Episode liege
rechtsprechungsgemäss keine von depressiven Verstimmungszuständen klar
unterscheidbare andauernde Depression gemäss BGE 127 V 294 Erw. 5a im Sinne
eines verselbständigten invalidisierenden Gesundheitsschadens vor und verweist
diesbezüglich auf die Urteile 8C_144/2010 vom 4. August 2010 Erw. 3.5 und
9C_330/2007 vom 28. September 2007 Erw. 2.2. Die Beschwerdegegnerin führt weiter
aus, dass das Nichtvorliegen einer von depressiven Verstimmungszuständen klar
unterscheidbaren andauernden Depression umso wahrscheinlicher sei, weil Dr. K._
von einem verbesserungsfähigen psychischen Zustand gesprochen habe, woraus zu
schliessen sei, dass der innerseelische Verlauf angehbar und noch nicht verfestigt
gewesen sei. Aus rechtlicher Sicht liege somit keine mit dem psychischen Leiden
begründbare Arbeitsunfähigkeit vor (act. G 3, S. 5 f.).
5.2 Im psychiatrischen MEDAS-Consiliargutachten vom 27. Mai 2009 (IV-act. 41-34
ff.) führte Dr. K._ unter anderem aus, dass Dr. I._ dem Beschwerdeführer Medi
kamente verschrieben habe, was zu einer Besserung geführt habe (IV-act. 41-35). Der
Beschwerdeführer erscheine nicht stark depressiv, sondern eher etwas lust- und freud
los. Er habe berichtet, dass es im Laufe der psychiatrischen Behandlung zu einer
wesentlichen Besserung des psychischen Zustandes gekommen sei. Er sei ruhiger, der
Schlaf sei besser geworden (IV-act. 41-36). Der Gutachter hielt dafür, die psychi
atrische Behandlung solle fortgesetzt werden. Sie habe bereits gute Wirkung gezeigt
(IV-act. 41-38). Daraus ist zu folgern, dass bezüglich der von den Parteien diskutierten
sog. Überwindbarkeitspraxis des Bundesgerichts (BGE 130 V 352) das zu den sog.
"Foerster-Kriterien" zählende Kriterium des Scheiterns einer konsequent
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durchgeführten ambulanten Behandlung nicht (hinreichend) erfüllt ist (vgl. Urteil
9C_736/2011 vom 7. Februar 2012 Erw. 4.2.2.1 in fine). Wie es sich jedoch mit den
weiteren Kriterien (sozialer Rückzug, primärer Krankheitsgewinn, etc.), welche
hinreichend gehäuft und ausgeprägt erfüllt seien müssen, um eine
Schmerzüberwindung (ganz oder teilweise) unzumutbar scheinen zu lassen, verhält,
lässt sich weder dem psychiatrischen Consiliargutachten vom 27. Mai 2009 noch dem
MEDAS-Gesamtgutachten vom 10. Juli 2010 (IV-act. 41-1 ff.) entnehmen. Es ist
allgemein festzustellen, dass eine klar erkennbare Auseinandersetzung der Gutachter
mit der Überwindbarkeitspraxis (wie übrigens auch mit dem AEH-Gutachten vom
25. Februar 2008, IV-act. 83-1 ff.) fehlt.
5.3 Die Änderung bzw. Präzisierung der Rechtsprechung im Zusammenhang mit
sog. pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nach
weisbare organische Grundlage gemäss dem Leitentscheid BGE 130 V 352 stammt
aus dem Jahr 2004. Seither wurde die sog. Überwindbarkeitspraxis in der juristischen
wie medizinischen Lehre denn auch eingehend diskutiert (für eine Übersicht über
Praxis und Lehre vgl. Vivian Winzenried, Die Überwindbarkeitspraxis, in: Kieser/
Lendfers, Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, Zürich/St. Gallen 2012, S. 234
ff.). Auch die kontinuierlich erfolgte explizite Ausdehnung dieser Praxis auf weitere,
nach Ansicht des Bundesgerichts mit der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
vergleichbare Beschwerdebilder (vgl. mit Hinweisen auf Urteile betreffend Chronic
Fatigue Syndrom, Neurasthenie, dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
sowie Bewegungsstörungen BGE 136 V 279 E. 3.2.1 und betreffend nichtorganische
Hypersomnie BGE 137 V 64) fand in der Lehre Beachtung. Vor diesem Hintergrund ist
auszuschliessen, dass die erfahrenen, häufig mit derartigen Fragestellungen
konfrontierten Gutachter der MEDAS Ostschweiz bei der Erstellung des Gutachtens
vom 10. Juli 2009 keine Kenntnis von dieser Entwicklung gehabt haben. Es kann daher
nicht ohne weiteres angenommen werden, die Gutachter hätten keine Beurteilung
darüber vorgenommen, ob die vom Beschwerdeführer geklagten (physischen und
psychischen) Beschwerden bei der ihm objektiv zumutbaren Willensanstrengung
überwindbar seien. Festgehalten werden kann bei der vorliegenden Aktenlage lediglich,
dass eine Beurteilung der Zumutbarkeit der Schmerzüberwindung im Gutachten nicht
klar erkennbar ist. Aus psychiatrischer Sicht ist bei der festgestellten leichten bis
mittelgradigen depressiven Episode und dem Verdacht auf psychische Überlagerung
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der körperlichen Beschwerden grundsätzlich nicht ausgeschlossen, dass der
Beschwerdeführer selbst bei Aufbietung allen guten Willens nur eine teilweise
Überwindung der subjektiv empfundenen Schmerzen gelingt. Diesbezüglich wäre eine
Stellungnahme der begutachtenden Mediziner angezeigt.
5.4 Zudem ist im MEDAS-Gutachten nicht hinreichend begründet und daher nicht
nachvollziehbar, wieso die medizinischen Sachverständigen, bei einer psychiatrischen
(IV-act. 41-37) und orthopädischen (IV-act. 41-43) Schätzung des Arbeitsunfähigkeits
grades von je 40 %, polydisziplinär von einer um 50% eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
ausgegangen sind (IV-act. 41-29). Indem die Beschwerdegegnerin eine entsprechende
Rückfrage bei den Gutachtern des MEDAS unterlassen hat, hat sie die ihr obliegende
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) verletzt.
6.
Bei diesem Sachverhalt rechtfertigt es sich, die Sache zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Frage nach dem Grund für die abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzung aus somatischer Sicht der AEH AG einerseits und von
Dr. J._ andererseits, insbesondere die Frage, ob die nach dem AEH-Gutachten
stattgefundene Bildgebung und damit Objektivierung der geklagten Schmerzen die von
Dr. J._ attestierte Arbeitsunfähigkeit von 40% hinreichend begründen, könnte
gegebenenfalls durch eine einfache Aktenbeurteilung seitens eines Arzt des RAD
geschehen. Eine RAD-Ärztin beurteilte das MEDAS-Gutachten am 24. August 2009 (IV-
act. 40) immerhin als beweistauglich; betreffend die genannten Elemente hätte sie von
der Beschwerdegegnerin durch Rückfrage zur Stellungnahme angehalten werden
können. Die Frage, ob im Hinblick auf die psychiatrisch attestierte Einschränkung eine
Beurteilung der zumutbaren Willensanstrengung zur Überwindung der Schmerzüber
zeugung stattgefunden hat, wäre durch Rückfrage bei der MEDAS Ostschweiz zu
klären gewesen. Dabei wäre auch gleich zu klären gewesen, weshalb die
somatischerseits und psychiatrischerseits attestierten Arbeitsunfähigkeiten von je 40%
zu einer Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit auf insgesamt 50% führen. Die
Beschwerdegegnerin wird die entsprechende Klärung nachzuholen haben. Da dafür
möglicherweise die genannten Rückfragen ausreichen und nicht von Vornherein klar
ist, dass die Veranlassung eines weiteren (Ober-) Gutachtens notwendig ist, muss die
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Sache auch in Beachtung der Praxisänderung gemäss BGE 137 V 210 nicht durch das
Gericht geklärt werden, sondern kann an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen
werden (vgl. Erw. 4.4.1.4 des genannten Entscheids).
7.
7.1 Gemäss den obenstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung aufzu
heben und die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die Sache ist an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit diese im Sinn der Erwägungen weitere Abklärungen
vornehme und anschliessend über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu
verfüge.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- er
scheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6). Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
7.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei ins
besondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen ist
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung und dem
Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine Parteientschädigung von
pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer). Die bewilligte
unentgeltliche Prozessführung wird bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP