Decision ID: cfa3f4d3-4db3-4920-8ac7-786e533af0db
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, ist Inhaber des Einzelunte
rnehmens Y._
und der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Aus
gleichskasse, als
Selbständigerwerbender
angeschlossen. Am 7. Dezember 2020 und 7. Januar 2021 meldete er sich bei der Ausgleichskasse für den Bezug einer Erwerbsausfallentschä
digung gestützt auf
die Verordnung über Mass
nah
men bei
Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(
Covid
-19;
Covid
-19-Ver
ordnung Erwerbs
ausfall) an (Urk.
8/
74
-
76
; Aktenverzeichnis zu
Urk.
8/1-394
). In
den Anmel
dungs
formularen machte er im Wesentlichen geltend, dass sein Einzel
unternehmen aufgrund der behörd
lichen Massnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 in der Zeit
periode vom 17. September bis 31. Dezember 2020 eine wesentliche Umsatz
ein
busse erlitten habe (Urk.
8/
74
/3, Urk.
8/
75
/3, Urk.
8/
76
/3). Mit Verfügung vom 8. Januar 2021 wies die Ausgleichskasse den An
spruch von
X._
auf Ausrichtung einer Erwerbsausfallentschädigung für
den Zeit
raum
vom 17. Oktober (richtig: September) bis 31. Dezember 2020 ab
(Urk.
8/
99
). Die
hiergegen am 1
2.
Januar 2021
erho
bene Einsprache (Urk.
8/
91
) wies die Ausgleichskasse mit Einspracheentscheid vom
1
9
.
Februar 2021 ab (Urk. 8/109
).
Gegen diesen Entscheid erhob
X._
am 2
5.
März 202
1 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich (Urk.
8/353/3-5). Das Sozialversicherungsgericht wies die Beschwerde mit Urteil EE.2021.00014 vom 3
0.
Juni 2021
ab
(
Urk.
8/362). Auf die gegen dieses Urteil am 1
5.
September 2021 erhobene Beschwerde (
Urk.
8/358) trat das Bundesgericht mit Urteil 9C_495/2021 vom
1.
Oktober 2021 nicht ein (
Urk.
8/360).
1.2
Zuvor hatte sich
X._
am
2.
Februar,
9.
März, 1
1.
Mai, 1
8.
Juni, 1
3.
Juli
und
6.
August 2021 für die Monate
Januar
und Februar sowie April
bis und mit
Juli
2021
bei der Ausgleichskasse
für den Bezug einer Corona-Erwerbs
ausfallent
schä
digung ange
meldet
.
Zur Begründung verwies er
jeweils
auf eine wesentliche Um
satz
ein
busse
seines Einzelunternehmens
(
Urk.
8/77,
Urk.
8/79,
Urk.
8/80-
83; Aktenverzeichnis zu
Urk.
8/1-394).
Mit Ver
fügungen vom 16. Februar
, 2
6.
März und 1
2.
August
2021
verneinte
die Aus
gleichs
kasse
einen An
spruch auf
Corona-Erwerbs
ausfallentschädigung
(
Urk.
8/101
-103
)
.
In der Folge richtete
sie
ihm allerdings
am 2
5.
August 2021 gestützt auf die mittlerweile ergangene definitive Steuerveranlagung der Periode 2019
für den Monat Juli 2021 eine
Corona-Erwerbsaus
fall
entschädigung aus (
Urk.
8/114)
,
eben
so wie
auf Antrag vom
1
7.
September 2021 hin
für den nachfolgenden Monat August 2021 (
Urk.
8/85,
Urk.
8/115
; vgl.
Urk.
8/86
)
. Gegen die Verweigerung einer Entschä
digung für
den
Januar
, Februar, April, Mai und
Juni 2021 erhob
X._
mit
der Aus
gleichskasse
am
19. März 2021,
1.
April und 1
4.
Sep
tember 2021
zuge
gan
ge
nen Eingaben
jeweils
Einsprache (Urk. 8/
94-95
;
vgl.
Urk.
2 S. 1
)
.
Mit Ein
spracheentscheid vom 15. November 2021
wies die Aus
gleichskasse
die Ein
sprachen
ab (Urk. 2).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom
20
.
Dezember
2021 (Urk. 1)
Beschwerde. Er beantragte,
der
angefochtene Einsprache
ent
scheid
vom
15. November 2021 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, die Corona-Erwerbsausfall
entschädi
gung an ihn zu überweisen. Zudem bean
tragte er eine angemessene Entschädigung für seine das Beschwerdeverfahren betreffende Umtriebe (
Urk.
1 S. 3).
Der Beschwerdeführer
reichte
sodann
mit Ein
gabe vom 2
1.
Dezember 2021 (
Urk.
4) den Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom
3.
Dezember 2020 betreffend Corona-Erwerbsausfall
entschädi
gung
(
Urk.
5) ein.
2.2
Die Beschwerdegegnerin
beantragte mit Besc
hwerdeantwort vom
3
.
Februar
202
2
Abweisung d
er Beschwerde (Urk.
7
, unter Beilage der Kassenakten, Urk.
8/
1-
39
4), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
9
.
Febru
a
r 2022
angezeigt wurde (Urk.
9
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tat
bestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hin
weisen). Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1
;
s. a.
E. 3.2
.
1 des zur Publika
tion vorgesehenen Urteils des Bundesgerichts
9C_390/2021
vom
8.
Februar 2022).
1.1.2
Vorliegend ist zu beachten, dass
sich der Beschwerdeführer
am
2.
Februar,
9.
März, 1
1.
Mai, 1
8.
Juni und 1
3.
Juli 2021 für die Monate
Januar
/Februar und April
bis und mit Juni 2021 für den Bezug einer Corona-Erwerbsausfallentschä
di
gung ange
meldet hat (
Urk.
8/77,
Urk.
8/79,
Urk.
8/80-
82; Aktenverzeichnis zu
Urk.
8/1-394).
Mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
bestäti
gte die Beschwer
degegnerin ihre
Leistungsverweigerung für diese Zeitperiode
n
(
Urk.
2
).
Hier
sind somit
das Bundes
gesetz über die gesetzlichen Grundlagen für Verord
nungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Gesetz)
und die
vom Bundesrat
am 4. November 2020 rück
wirkend per 17. Septem
ber 2020 in Kraft gesetzten Art. 2 Abs. 3
bis
und Abs. 3
ter
der Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall
anwend
bar
, und zwar nach den in den Monaten
Januar bis und mit Juni 2021
gültig gewesenen Vorschriften. Soweit nicht anders vermerkt, werden sie nach
folgend in dieser Fassung zitiert.
1.
2
Gemäss
Art.
15
Abs.
1
Covid-19-Gesetz
kann
der Bundesrat
die Ausrichtung von Entschädigungen des Erwerbsausfalls bei Personen vorsehen, die ihre Erwerbs
tätigkeit aufgrund von Massnahmen im Zusammenhang mit der Bewältigung der Covid-19-Epidemie unterbrechen oder massgeblich einschränken müssen. Nur Personen mit einem Erwerbs- oder Lohnausfall, die i
n ihrer Unternehmung eine
bestimmte
Umsat
zeinbusse
(in der bis
18. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung
waren es 55 Prozent
;
vom
19. Dezember
2020 bis 31.
März 2021 waren es 40 Prozent und ab 1. April 2021 sind es 30 Prozent)
im Vergleich zum durch
schnittlichen Umsatz in den Jahren 2015
-
2019 haben, gelten in ihrer Erwerbs
t
ätig
keit als massgeblich einge
schränkt.
Zu den Anspruchsberechtigten gehören insbesondere auch Selbständige nach
Art.
12
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG)
sowie Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung
(Art.
15
Abs. 2
Covid-19-Gesetz
)
.
Gemäss Art.
15
Abs. 3
Covid-19-Gesetz
kann der Bundesrat Bestimmungen erlassen über:
a.
die anspruchsberechtigten Personen und insbesondere den Taggeldanspruch von besonders gefährdeten Personen;
b.
den Beginn und das Ende des Anspruchs auf Entschädigung;
c.
die Höchstmenge an Taggeldern;
d.
die Höhe und die Bemessung der Entschädigung;
e.
das Verfahren.
Der Bundesrat stellt sicher, dass Entschädigungen auf der Grundlage des selbst
deklarierten Erwerbsausfalls ausgerichtet werden. Die Richtigkeit der An
gaben wird insbesondere mittels Stichproben überprüft
(Art.
15
Abs. 4
Covid-19-Gesetz
)
.
Der Bundesrat kann die Bestimmungen des ATSG anwendbar erklären.
Er kann Abweichungen von Art.
24
Abs.
1 ATSG betreffend das Erlöschen des An
spruchs und Art.
49
Abs.
1 ATSG betreffend die Anwendbarkeit des formlosen Verfahrens vorsehen
(Art.
15
Abs. 5
Covid-19-Gesetz
)
.
1.3
Gemäss
der am ab 1
9.
Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung von
Art.
2
Abs.
3
bis
der
Covid
-19-Verordnun
g Erwerbsausfall
waren
Selbstän
digerwerbende
im Sinne von Art. 12 ATSG und Personen nach Art. 31 Abs. 3 lit. b und lit. c des
Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
siche
rung und die Insol
venzentschädigung (
AVIG
), welche im Sinne des Bundes
ge
setzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVG
) obli
gatorisch ver
sichert sind, anspruchs
berechtigt, wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Mass
nahmen
zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
s
ie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; un
d
c.
sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbsein
kom
men von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung
gilt sinngemäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurd
e; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraussetzung proportional zu deren Dauer.
1.
4
Für die Bemessung der Entschädigung anspruchsberechtigter
Selbständiger
wer
bender
nach Art. 2 Abs.
1
bis
lit. b Ziff. 2, Abs. 3 oder 3
bis
ist das AHV-pflichtige Erwerbseinkommen des Jahres 2019 massgebend. Sobald die Höhe der Entschä
digung festgesetzt wurde, kann sie nicht aufgrund einer aktuelleren Berech
nungs
grundlage neu festgesetzt werden (Art. 5 Abs. 2
ter
der Covid
-19-Verordnung Erwerbs
ausfall).
Gemäss dem vom Bundesrat am
1.
Juli 2021 in Kraft gesetzten
Art.
5
Abs.
2
ter0
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall werden ab jenem Tag künftige Entschä
digungen aufgrund der Steuerveranlagung 2019 bemessen, wenn diese
für anspruchsberechtigte
Selbstän
digerwerbende
nach
Art.
2
Abs.
1
bis
lit.
b
Ziff.
2,
Abs.
3, 3
bis
oder 3
quinquies
der Verordnung
ein höheres Erwerbs
einkommen als die Berechnungsgrundlage nach
Art.
5
Abs.
2
ter
der Verordnung (oder des hier nicht einschlä
gigen
Art.
5
Abs.
2
bis
der Verordnung) ausweist.
Diese Bestimmungen gelten sinngemäss nicht nur für die Bemessung der Ent
schädigung an sich, sondern auch für die Bemessung des Mindesteinkommens als
Anspruchsvoraussetzung nach
Art.
2
Abs.
2
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall (Härtefallregelung; vgl. auch BGE 147 V 278 E. 5.2).
1.
5
1.
5
.1
Gemäss Rz
.
1065 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (
KS
CE), in der ab 17. Septem
ber 2020 gültigen Version, bildet Grundlage für die Bemessung der Entschä
di
gung für selbständig Erwer
bende grundsätzlich das Erwerbseinkommen, welches
im Jahr 2019 erzielt wurde. Als Basis ist das Einkommen zu verwenden, welches für die Festsetzung der Beitragsrechnungen für das Jahr 2019 (
Akonto
rech
nun
gen
) herangezogen wurde. Liegt im Zeitpunkt der Festsetzung der Ent
schädigung die definitive Steuer
veranlagung für das Jahr 2019 bereits vor, ist auf diese abzustellen. Für An
spruchs
berechtige die bereits eine Entschädigung gemäss der
bis zum 16. Septem
ber 2020 geltenden Version der Covid-19-Verord
nung Erwerb
s
ausfall bezogen haben, bleibt die Berechnungsgrundlage die gleiche (vgl. auch
den hier nicht einschlägigen
Art. 5 Abs. 2
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall).
1.5.2
Bei
Selbständigerwerbenden
wird für die Berechnung der Entschädigung nach Rz. 1041.5 KS
CE
das den
Akontobeiträgen
zugrundeliegende Erwerbseinkommen herangezogen (Rz. 1065.1).
1.5.3
Für die Bemessung der Entschädigung
von Leistungsansprüchen
ab dem
1.
Juli 2021 muss das Einkommen der Steuerveranlagung 2019 – bei Vorhandensein – von Amtes wegen berücksichtigt werden, sofern dies für die versicherte Person vorteilhafter ist. Diese neue Bemessungsgrundlage hat keinen Einfluss auf Leistungen, die vor dem
1.
Juli 2021 beansprucht wurden (Rz. 1065.2
der KS CE Stand
1.
Juli 2021
).
1
.
5
.
4
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestre
ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwen
dung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
1
.
6
Mit Urteil EE.2020.00006 vom 2
9.
Oktober 2020 hat das hiesige Gericht erkannt, dass
Art.
5
Abs.
2 Satz 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall, Stand
6.
Juli 2020, sowie Rz. 1065.1 KS CE, Stand
3.
Juli 2020, jedenfalls insoweit gegen den verfassungsmässigen Grundsatz der Gleichbehandlung (
Art.
8 BV) verstossen, als dass für die Berechnung des mas
sgeblichen Einkommens 2019
respespektive
der Einkom
mensgrenzen
für die
Anspruchsprüfung
auf Grundlagen abgestellt wird, auf deren Aus
stellung die antragsstellende Person in zeitlicher Hinsicht keinen (alleinigen) Ein
fluss hat. Daraus folgerte das Gericht, der Beschwerdeführer habe einen Anspruch darauf, dass die definitive Steu
erveranlagung für das Jahr 2019 auch nach dem 16. September
2020 zu berück
sichtigen sei.
In nachfolgenden
Urteilen
(bspw.
EE.2020.00042 vom 3. Dezember 2020
E. 4.3.2 f. und EE.2020.00043 vom 10. Dezember 2020 E. 3.4 f.
)
hielt das Sozial
ver
siche
rungsgericht fest, dass eine
Anpassung
beziehungsweise
eine neue Prüfung der Anspruchs
voraussetzungen aufgrund
eine
r
nachträgliche
n
(nach dem 16. Sep
tember 2020 ergangene) Steuerveranlagung unterbleiben muss, wenn es
eine selbständige Person pflichtwidrig unterlassen hat, vor Inkrafttreten der Covid-
19-Verordnung Erwerbsausfall eine wesentliche Änderung des voraussichtlichen Einkom
mens zu melden. Sie kann sich
diesfalls
nicht darauf berufen, dass sie auf den Zeitpunkt der Veranlagung des AHV-pflichtigen Einkommens keinen Einfluss nehmen konnte.
Jedenfalls könne auf eine blosse Steuererklärung nicht abgestellt werden.
1
.
7
Mit
Urteil
9C_53/2021 vom 3
0.
Juni 2021, publiziert in
BGE 147 V 278
,
hat
das Bundesgericht
-
unter Hinweis auf die zu den Art. 11 Abs. 1 EOG und Art. 7 Abs. 1
EOV ergangene Recht
spre
chung -
entschieden, dass die Ausgleichskasse bei der
erstmaligen
Prüfung
der Anspruchsvoraussetzungen
eines Anspruchs
gemäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
(
in der vom 2
3.
April bis
5. Juli 2020 geltenden Fassung) auf die im Verfügungszeit
punkt aktuellste ihr vorliegende Beitragsverfügung für das Jahr 2019 abzustellen hat. Dabei kann es sich um die definitive Beitragsverfügung oder eine
(auch nach dem 1
7.
März 2020 bis zur erstmaligen Verfügung über den Corona-Erwerbsersatz ergangene)
Akonto
beitrags
verfügung
handeln. Bei Bestehen eines Missbrauchs
verdachts liege es an der Ausgleichskasse, die ver
sicherte Per
son aufzufordern, das von ihr gemeldete Einkommen näher zu plau
sibilisieren (BGE 147 V 278 E. 5.2 bis E. 5.4).
2.
2.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom
15
.
November
2021 hielt die Beschwer
degegnerin fest,
dass gemäss Rz. 1069.1 KS CE
für die Ermittlung des massgebenden durchschnittlichen Einkommens auf das für das Jahr 2019 de
kla
rierte AHV-pflichtige Erwerbseinkommen abgestellt werde. Anspruchs
berechtigt seien sodann
selbständigerwerbende
Personen, die im Jahr 2019 ein AHV-pflich
tiges Erwerbseinkommen von mindestens
Fr.
10'000.-- erzielt hätten (Rz. 1041.2 KS CE). Des Weiteren sei laut Rz. 1057 KS CE für die Berechnung der Zeitpunkt vor Beginn des jeweiligen ersten Entschädigungsanspruches massgebend (
Urk.
2 S. 1). Das Sozialversicherungsgericht habe mit Urteil vom 3
0.
Juni 2021 erkannt, dass für den Beschwerdeführer bezüglich der Anspruchs
prüfung das Einkommen in der Höhe von Fr. 4'900.--
massgebend sei,
auf
dem
die AHV-Beiträge 2019 erhoben worden seien (Urk. 2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass
er im Jahr 2019 ein Einkommen in der Höhe von Fr. 32'734.-- erzielt habe (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin habe diesen Verdienst mit ihrer Mitteilung bezüglich
Akontobeiträge
2019 vom
1.
März 2021 bestätigt (
Urk.
1 S. 2,
Urk.
3/5).
Die Steuer
unterlagen
habe er
der Beschwerdegegnerin ebenfalls vorgelegt. Sie habe diese Unterlagen aber nicht berücksichtigt (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerde
gegnerin sei seit März 20
21
über die definitive Steuerveranlagung dokumentiert gewesen. Seine Anträge hätten seit April 2021 gutgeheissen werden müssen. Laut Rz 1065
KS
CE
sei auf
die
definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019 abzustellen, wenn diese im Zeitpunkt der Festsetzung der Entschädigung bereits vorli
ege (Urk.
1 S. 3).
3.
3.1
Das Sozialversicherungsgericht hatte mit Urteil EE.2021.00014 vom 30.
Juni 2021
(Urk. 8/362)
den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Corona-Erwerbs
ausfallentschädigung für den Zeitraum vom 17. September bis 31. Dezem
ber 2020 zu beurteilen. Mit jenem Urteil erwog das Gericht, dass die Beschwerde
geg
nerin g
emäss der Mitteilung vom 29. Januar 2019 die
Akonto
beiträge
für das Jahr 2019 aufgrund eines voraussichtlichen beitragspflichtigen Einkommens in der Höhe von Fr. 4'900.--
erhoben habe
.
Der Beschwerdeführer habe es in der Folge in Kenntnis seiner Obliegenheit unterlassen,
ein wesentlich
höheres
beitragspflichtige
s
E
inkommen
2019
als Grundlage
zu melden, o
bwohl er nach eigenen Vorbringen seit Beginn seiner selbständigen Erwerbstätigkeit im Jahre 1999 jedes Jahr zwischen Fr. 25'000.-- und Fr. 65'000.-- verdient habe
und
das
in der Steuererklärung 2019
deklarierte Erwerbseinkommen in der Höhe von
Fr.
32'734.--
vo
n dem
den
Akontobeiträgen
2019 zugrundeliegenden Einkom
men in der Höhe von
Fr.
4
'900.--
deutlich
abweiche. Auch wenn der Beschwer
deführer sich bis Mitte März
beziehungsweise
Mitte April 2020 (Einführung der soge
nann
ten Härte
fallregelung für indirekt von den Pandemie-Massnahmen betroffene
Selbständigerwerbende
) nicht
habe bewusst sein könn
e
n
, welche Auswirkungen die pflichtwidrige Unterlassung seiner Meldepflicht für seinen
Entschädigungs
anspruch haben we
rd
e, mü
ss
e
er sich
die Unterlassung der Anpassung der
Akonto
beiträge
anrechnen lassen. Meldun
ge
n über Einkommensänderungen nach Inkraft
treten der
Covid-19-Verordnung Er
werbsausfall
müss
t
en angesichts der absehbaren Folgen sowie der Missbrauch
s
ge
fahr unbeachtlich bleiben.
Massge
bend
sei
somit
das Einkommen in der Höhe von Fr. 4'900.--,
auf welchem die
AHV-
Akontobeiträge
2019 e
rhoben wurden
(Urk.
8/
56/1)
. Da das AHV-pflichtige Einkommen 2019 unter Fr. 10'000.-- lag, hat
te
der Beschwerde
führer keinen Anspruch auf eine Corona-Erwerbsaus
fallentschä
digung (
Art. 2 Abs.
3
bis
lit. c
der
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall e
contrario
; E. 3.1.3 f. des Urteils EE.2021.00014 vom 30. Juni 2021
, Urk.
8/
362/8-9
).
3.
2
Für die vorliegend
ebenfalls
strittige Corona-Erwerbsausfallentschädigung
der folgenden Monate (
J
anuar
bis Juni 2021)
gilt das hiervor Gesagte.
Die bis Ende Juni 2021 geltenden Bestimmungen der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
sahen keine Anpassung der Entschädigungsberechnung nach erstmaliger Bemes
sung vor (vgl. E. 1.4)
. Dies muss mangels anderslautender Vorschriften
auch für den Entscheid über die A
nspruchsvoraussetzung des Mindesteinkommens
gelten.
D
ie der Beschwerdegegnerin
im Rahmen des
Einspracheverfahrens
betreffend
Entschädigungsperiode September bis D
ezemb
er 2020
(vgl. Verfahren
Pr
.-Nr. EE.2021.000
14
)
im Januar 2021 eingereichte
definitive Steuerveranlagung 2019 (
Urk.
8/93/3)
weist kein
AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen aus und
ist als Berechnungsgrundlage
zur Prüfung des anspruchsbegründenden Grenzwertes
zum Vornherein
untauglich. Die
gestützt auf die
mit Einsprache vom 1
2.
Januar 2021 (
Urk.
8/91)
aufgelegte Steuererklärung (Urk. 8/
107/1-3
)
von Amtes wegen vorgenommene
Anpassung der
Akontobeiträge
2019 erfolgte erst
mit Mitteilung vom
1.
März 2021 (
Urk.
8/102) und damit nach erstmaliger Prüfung der Anspruchs
voraussetzungen mit V
erfügung
vom
8.
Januar 2021
(
Urk.
8/74 f.)
. Diesem Ergebnis steht daher auch BGE 147 V 278 (E. 1.7) nicht entgegen. Eine
Meldung des Beschwerdeführers, die
Akontobeiträge
2019
den effektiven Ver
hältnissen anzupassen, ist unterblieben;
gegenteils
widersetzte
er sich
der
Bezah
lung der auf der Grundlage von F
r.
4'900.-- erhobenen
Akontobeiträge
und musste am
1.
Juli 2020 veranlagt werden (vgl. Prozess AB.2020.00076).
Nach
diesen Erwägungen bleibt für die Einkommensschwelle die
vom Beschwerde
führe
r unwidersprochen gebliebene
Mitteilung der
Akontobeiträge
2019 vom 2
9.
Januar 2019 massgeblich.
3.3
Am
1.
Juli 2021 trat neu
Art.
5
Abs.
1
ter0
der Covid-19-Verordnung Erwerbsaus
fall in Kraft, welche
r
eine Neubemessung gestützt auf die Steuerveranlagung 2019 zu Gunsten der Versicherten zulässt (vgl. E. 1.4)
, was sinngemäss auch für die Neuprüfung der Anspruchsvoraussetzung gelten muss.
Erst aber
i
mmerhin ab dem
1.
Juli 2021 ist daher auch die Einkommensschwelle anhand der Steuermel
dung vom 2
8.
April 2021 (
Urk.
8/373) bzw. der zugrundliegenden Steuerveran
lagung zu beachten
. D
iesem Umstand trug die Beschwerdegegnerin Rechnung (vgl.
Urk.
8/114 f.), was jedoch ausserhalb des hier zu beurteilenden Anfechtungs
gegenstandes liegt.
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde. Bei diesem Ausgang ist keine Prozessentschädigung geschuldet (
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
Art.
1 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall)
, zumal vorliegend die
bei
unver
tretenen
Beschwerdeführenden
erforderlichen Voraussetzungen für eine Prozess
entschädigung nicht gegeben wären
(Wilhelm, in: Gesetz über das Sozialver
sicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Aufl., 2009, N 5 zu § 34 GSVGer, mit weiteren Hinweisen).