Decision ID: 11e45d86-d9d0-4692-ac46-ec283b323ea0
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 11. Juli 2019 (GG180033)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 4. August 2017
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 2/26).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 48 S. 51 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, − des mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage
im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB sowie − der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB.
2. Das Verfahren wird hinsichtlich des Betrugs zulasten der Privatklägerin 2
(B._) in zwei Fällen (act. 2/26 S. 4 f.) eingestellt.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 9 Monaten Freiheitsstrafe.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. Sie ist zu vollziehen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 (B._) Schadenersatz in
der Höhe von Fr. 580.– zzgl. Zins von 5% seit 1. Januar 2015 zu bezahlen.
6. Die Privatklägerin 1 (C._) wird mit ihrer Forderung auf den Zivilweg verwiesen.
Der Beschuldigte wird indes verpflichtet, der Privatklägerin 1 (C._) eine Pro-
zessentschädigung von Fr. 200.– zu bezahlen.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'600.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 500.00 Auslagen ausserkantonale Verfahrenskosten
Fr. 3'702.80. amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen)
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
- 3 -
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausser diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
9. Die amtliche Verteidigerin RAin lic. iur. X._ wird für ihre Bemühungen und Aus-
lagen mit Fr. 3'702.80 (inkl. Barauslagen) aus der Gerichtskasse entschädigt.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 5)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 70 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei in Abänderung des vorinstanzlichen Urteils Disp. Ziff. 3
und 4 mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen,
deren Vollzug aufzuschieben sei.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 54; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
- 4 -

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 48 S. 4 f.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Horgen, Einzelgericht, vom 11. Juli 2019
wurde der Beschuldigte gemäss dem eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiv
in Abwesenheit schuldig gesprochen und bestraft. Die Verteidigung verzichtete
auf eine mündliche Eröffnung des Urteils, sodass das Urteil sogleich schriftlich
begründet eröffnet wurde. Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am
10. September 2019 zugestellt (Urk. 47), woraufhin die amtliche Verteidigung mit
Eingabe vom 26. September 2019 fristgerecht die Berufungserklärung beim hiesi-
gen Gericht einreichte (Urk. 49).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 28. Oktober 2019 wurde den Privatklägerinnen
sowie der Anklagebehörde Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären,
oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 52).
Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten in Anwendung von Art. 34 StGB Frist ge-
setzt, seine finanzielle Leistungsfähigkeit zu belegen (Urk. 52). Daraufhin teilte die
Anklagebehörde mit Eingabe vom 30. Oktober 2019 mit, sie beantrage die Bestä-
tigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 54). Sodann erklärte die amtliche Vertei-
digung, keinen Kontakt zum Beschuldigten zu haben, weshalb es ihr nicht möglich
sei, die verlangten Unterlagen einzureichen (Urk. 56). Die Privatklägerinnen lies-
sen sich nicht vernehmen.
1.4. Die amtliche Verteidigung stellte mit Eingabe vom 7. Februar 2020 das
Gesuch, die Verhandlung vom 17. Februar 2020 zu verschieben. Zur Begründung
führte sie an, der Beschuldigte weile an jenem Tag "noch im Ausland" (Urk. 62).
- 5 -
Wer verhindert ist, einer Vorladung Folge zu leisten, hat dies der vorladenden Be-
hörde unverzüglich mitzuteilen. Die Verhinderung ist zu begründen und soweit
möglich zu belegen (Art. 205 Abs. 2 StPO; vgl. auch Art. 92 StPO). Eine Vor-
ladung kann aus wichtigen Gründen widerrufen werden (Art. 205 Abs. 3 StPO).
Der Beschuldigte unterlässt es, den Verschiebungsgrund zu substantiieren ge-
schweige denn zu belegen. Mithin bleiben Ort, Dauer und Grund des behaupteten
Auslandaufenthalts unklar, obwohl es für den Beschuldigten ein Leichtes gewe-
sen wäre, die Verfahrensleitung entsprechend zu informieren. Insbesondere zeigt
er mit seinem pauschalen Hinweis einen wichtigen Grund nicht auf. Ebenso wenig
legt er dar, seit wann er vom behaupteten Hinderungsgrund Kenntnis hat und ob
er diesen so rasch als möglich kommunizierte (vgl. Art. 205 Abs. 2 1. Satzteil
StPO). Die Verfahrensleitung wies das Verschiebungsgesuch deshalb am
7. Februar 2020 ab (Art. 331 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 405 Abs. 1 StPO;
Urk. 65).
1.5. Am 17. Februar 2020 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher die
amtliche Verteidigerin des Beschuldigten, Rechtsanwältin lic. iur. X._, er-
schienen ist (Prot. II S. 5). Der Beschuldigte ist – trotz Kenntnis vom Verhand-
lungstermin – ohne Benachrichtigung – er hat weder das Gericht noch seine Ver-
teidigung informiert – nicht erschienen (Prot. II S. 5). Nach Art. 407 Abs. 1 lit. a
StPO "wird eine abwesende Partei, die sich rechtmässig vertreten lässt, nicht als
säumig betrachtet" (BBl 2006 1317). Der Beschuldigte wurde durch die amtliche
Verteidigung vertreten. Entsprechend war die Berufungsverhandlung ohne den
säumigen Beschuldigten durchzuführen. Ein Abwesenheitsverfahren findet in ei-
ner solchen Konstellation nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO e contrario; Urteil
6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). Vorfragen waren keine zu entschei-
den und es waren keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 6 f.). Die Parteien ver-
zichteten auf eine mündliche Urteilseröffnung (Prot. II S. 7). Das Urteil erging
noch gleichentags und wurde den Parteien vorab im Dispositiv schriftlich zuge-
stellt (Prot. II S. 8 ff.).
- 6 -
2. Umfang der Berufung
2.1. In ihrer Berufungserklärung vom 26. September 2019 beschränkt die amt-
liche Verteidigung des Beschuldigten die Berufung ausdrücklich auf die Bemes-
sung und die Art sowie die Vollzugsform der Strafe (Urteilsdispositiv-Ziff. 3 und 4;
Urk. 49 S. 1).
2.2. Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil in den Dispositiv Ziffern 1
(Schuldpunkt), 2 (Einstellungen), 5 und 6 (Entscheid Zivilforderungen), 7 (Kosten-
festsetzung), 8 (Kostenauflage) sowie 9 (Entschädigung amtliche Verteidigung)
nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Be-
schlusses festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 und Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit
Art. 437 StPO).
2.3. Im übrigen Umfang – für den nicht in Rechtskraft erwachsenen und ange-
fochtenen Teil des Urteils – steht das vorinstanzliche Urteil zwecks Überprüfung
unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes (Verbot der reformatio in peius)
zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
II. Sanktion
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von neun
Monaten bestraft (Urk. 48 S. 51). Die Anklagebehörde verlangte im Hauptver-
fahren eine Sanktion von neun Monaten Freiheitsstrafe und beantragt nun im Be-
rufungsverfahren die Bestätigung der angefochtenen Strafe (Urk. 54). Die Vertei-
digung beantragte im Hauptverfahren eventualiter, der Beschuldigte sei bei einem
Schuldspruch mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen
(Urk. 36 S. 9). Im Berufungsverfahren beantragt sie ebenfalls eine Geldstrafe von
180 Tagessätzen zu Fr. 30.– (Urk. 49). Die Verteidigung begründet ihren Antrag
anlässlich der Berufungsverhandlung wie folgt: Der Beschuldigte sei zwar vorbe-
straft, die Vorstrafen lägen aber alle schon länger zurück. Er sei seit vier Jahren
mehr oder weniger deliktsfrei, was ihm positiv anzurechnen sei. Weiter sei der
Beschuldigte noch nie mit einer spürbaren Geldstrafe bestraft worden. Sodann sei
- 7 -
allein die Tatsache, dass der Beschuldigte verschuldet sei, kein Grund, ihm die
Geldstrafe zu verwehren. Es sei demnach eine Geldstrafe und keine Freiheits-
strafe auszufällen. Betreffend die Tatkomponente sei bei allen Delikten von einem
sehr leichten bis leichten Verschulden auszugehen. Sodann müsse davon ausge-
gangen werden, dass die Vorinstanz die Vorstrafen deutlich zu stark strafer-
höhend gewichtet habe, zumal auch eine Vorstrafe erwähnt werde, welche heute
nicht mehr beachtet werden dürfe. Die verbleibenden, länger zurückliegenden
Vorstrafen seien nur wenig straferhöhend zu werten. Sodann müsse dem Be-
schuldigten positiv angerechnet werden, dass er in objektiver Hinsicht geständig
sei. Schliesslich sei die lange Verfahrensdauer zu berücksichtigen, welche primär
auf die Rückweisung des Verfahrens zurückzuführen sei und nur zu einem sehr
geringen Anteil durch das Verhalten des Beschuldigten verursacht worden sei
(Urk. 70 S. 3 f.).
1.2. Da einzig der Beschuldigte Berufung erhoben hat, stehen vorliegend auf-
grund des Verschlechterungsverbotes lediglich eine Bestätigung oder Reduktion
des von der Vorinstanz verhängten Strafmasses sowie die Strafart zur Diskussion
(Art. 391 Abs. 2 StPO).
2. Anwendbares Recht
2.1. Am 1. Januar 2018 ist das geänderte Sanktionenrecht des Schweizeri-
schen Strafgesetzbuches in Kraft getreten (AS 2016 1249). Der Beschuldigte
beging die heute zu beurteilenden Straftaten zwischen dem 24. Juni 2015 und
dem 4. April 2016 und damit vor Inkrafttreten des neuen Sanktionenrechts. Nach
neuem Recht wird grundsätzlich nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein
Delikt begangen hat (Art. 2 Abs. 1 StGB). Hat jedoch der Täter ein Verbrechen
oder Vergehen vor Inkrafttreten dieses Gesetzes begangen und erfolgt die Beur-
teilung erst nachher, so ist das neue Gesetz anzuwenden, wenn es für den Täter
milder ist (lex mitior, Art. 2 Abs. 2 StGB). Die Frage nach der lex mitior ist
nach Lehre und Rechtsprechung nicht abstrakt, sondern aufgrund der konkreten
Methode zu beantworten. Es sind sowohl das alte als auch das neue Recht an-
zuwenden und durch Vergleich der Ergebnisse zu prüfen, welches Recht für den
- 8 -
Täter das günstigere ist (statt vieler Urteil des Bundesgerichts 6B_102/2011 vom
14. Februar 2012, E. 1.3.1; PK StGB-TRECHSEL/VEST, 2018, Art. 2 N 11).
2.2. Zur Tatzeit betrug die Geldstrafe in aller Regel höchstens 360 Tagessätze
(Art. 34 Abs. 1 aStGB). Neu beträgt die Geldstrafe mindestens drei und höchstens
180 Tagessätze (Art. 34 Abs. 1 StGB). Wie noch zu zeigen sein wird, bewegt sich
die angemessene Strafe im angesprochenen Bereich des alten Rechts und über
den neurechtlichen Rahmen von 180 Strafeinheiten. Jedoch ist eine Geldstrafe
nicht mehr schuldangemessen und zweckmässig, weshalb eine Freiheitsstrafe
auszufällen sein wird. Damit ist das neue Sanktionenrecht für den Beschuldigten
nicht milder. Der Grundsatz der lex mitior (Art. 2 Abs. 2 StGB) steht nicht zur Dis-
kussion, weshalb das zum Tatzeitpunkt geltende Recht zur Anwendung gelangt.
3. Grundsätze/Strafrahmen
3.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen; vgl. auch 144 IV 313 E. 1
S. 316; 144 IV 217 E. 2.3 ff. S. 220 ff.; 142 IV 265 E. 2.3 ff. S. 267 ff.). Darauf so-
wie auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 48 S. 40 f. E. 2.1)
kann verwiesen werden.
3.2. Wie die Vorinstanz richtig aufzeigte, ist die Strafe bei Vorliegen einer
Deliktsmehrheit ausgehend von der schwersten Straftat festzusetzen und diese
angemessen zu asperieren, soweit die begangenen Straftaten mit gleichartigen
Strafen geahndet werden (Urk. 48 S. 40 f. mit Verweis auf Art. 49 Abs. 1 StGB).
Das Asperationsprinzip kommt nur zur Anwendung, wenn das Gericht im kon-
kreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt. Dass
die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen,
genügt nicht (BGE 144 IV 217 E. 2.2, 3.3 und 3.4 S. 119 ff.; 142 IV 265 E. 2.3.2
S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122 f.; je mit Hinweisen). Grundsätzlich kann das
Gericht nur auf eine Gesamtfreiheitsstrafe erkennen, wenn es bei separater Beur-
teilung jeder Tat je eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (konkrete Methode,
BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 122 f. mit Hinweis). Als schwerste Straftat gilt grund-
- 9 -
sätzlich jene, die mit dem schärfsten Strafrahmen bedroht ist. Sofern – wie vor-
liegend – für mehrere Delikte abstrakt derselbe Strafrahmen vorgesehen ist, er-
scheint es sinnvoll, von derjenigen Straftat auszugehen, die im konkreten Fall die
höchste Strafe nach sich zieht (BSK StGB I-ACKERMANN, 4. Auflage 2019, Art. 49
N 116 mit Verweis auf HANS MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2016, N 359).
Damit ist die Strafe im vorliegenden Fall (bei Fehlen aussergewöhnlicher Um-
stände) grundsätzlich innerhalb eines Strafrahmens von bis zu 5 Jahren Frei-
heitsstrafe oder Geldstrafe zu bemessen (Art. 146, Art. 147 und Art. 251 Ziff. 1
Abs. 4 StGB). Da sich hier – wie aufzuzeigen sein wird (vgl. nachfolgende Ziff. II
4) – für sämtliche Delikte eine Freiheitsstrafe als angemessene Sanktion erweist,
ist in Anwendung des Asperationsprinzips für sämtliche Delikte eine Gesamtstrafe
festzusetzen.
3.3. Die Vorinstanz beurteilte das Tatverschulden für den Betrug, den mehr-
fachen betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage sowie für die
mehrfache Urkundenfälschung aufgrund des engen Zusammenhangs gemeinsam
(Urk. 48 S. 41 f.). Gemäss den methodischen Vorgaben des Bundesgerichts wä-
ren diese Taten separat zu beurteilen gewesen. So hielt das Bundesgericht im
Zuge seiner jüngeren Rechtsprechung Folgendes fest: Die vom Bundesgericht in
letzter Zeit vermehrt geschaffenen und tolerierten Ausnahmen von der konkreten
Methode der Gesamtstrafenbildung, namentlich bei Seriendelikten und einer
mehrfachen Verwirklichung desselben Tatbestands, sei von Teilen der Lehre wie-
derholt kritisiert worden. Diese Kritik sei nicht von der Hand zu weisen. Die zahl-
reichen Ausnahmen vom Grundsatz der "konkreten Methode" trage nicht zur
Rechtssicherheit und einer einheitlichen Rechtsanwendung bei. Art. 49 Abs. 1
StGB sehe keine Ausnahmen für bestimmte Konstellationen mehrfacher Delikts-
begehung vor und schliesse die Anwendung des Asperationsprinzips bei mehr-
facher Begehung desselben Delikts gerade nicht aus (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4
S. 235 f. mit Hinweisen). Zusammengefasst schliesst das Bundesgericht die Aus-
fällung einer Einheitsstrafe im Sinne einer Gesamtbetrachtung aus. Diese Recht-
sprechung wurde wiederholt bestätigt (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2 S. 317 f. und
Urteile 6B_712/2018 vom 18. Dezember 2019 E. 3.1; 6B_1033/2019 vom
4. Dezember 2019 E. 5.2 und 5.3; 6B_166/2019 vom 6. August 2019 E. 3.2.4;
- 10 -
6B_409/2018 vom 7. Juni 2019 E. 2.3; 6B_884/2018 vom 5. Februar 2019
E. 1.2.2).
3.4. Da der Beschuldigte in der Zwischenzeit mit Urteil des Amtsgerichts
München vom 13. August 2019 – mithin mit einem ausländischen Urteil – wegen
Widerhandlung gegen ausländische Gesetzesbestimmungen zu einer Geldstrafe
von 50 Tagessätzen zu EUR 15 rechtskräftig verurteilt wurde (Urk. 69 S. 3), ist
auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach nur bei inlän-
dischen Urteilen eine Zusatzstrafe ausgefällt werden kann (BGE 142 IV 329
E. 1.4.1. S. 330 f.). Entsprechend muss vorliegend nicht geprüft werden, ob die
Voraussetzungen für die Ausfällung einer Zusatzstrafe gemäss Art. 49 Abs. 2
StGB erfüllt sind.
4. Wahl der Sanktionsart
4.1. Bei der Wahl der Sanktionsart sind als wichtige Kriterien die Zweckmäs-
sigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein
soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134
IV 97 E. 4.2 S. 100 mit Hinweisen). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit
soll nach konstanter Rechtsprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden
und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall
diejenige gewählt werden, die am wenigsten stark in die persönliche Freiheit
des Betroffenen eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; Urteil 6B_125/2018
vom 14. Juni 2018 E. 1.3.2; je mit Hinweis). Hält das Gericht im Rahmen der
Gesamtstrafenbildung für einzelne Delikte im konkret zu beurteilenden Fall unter
Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips eine Geldstrafe nicht mehr für
schuldadäquat und zweckmässig, hindert Art. 41 Abs. 1 aStGB es nicht daran, auf
Einzelfreiheitsstrafen von weniger als sechs Monaten zu erkennen, wenn die dar-
aus zu bildende Gesamtstrafe sechs Monate übersteigt (BGE 144 IV 217 E. 4.3
S. 239 f.). Das Gericht hat im Urteil die Wahl der Sanktionsart zu begründen
(Art. 50 StGB; Urteile 6B_449/2011 vom 12. September 2011 E. 3.6.1 und
6B_210/2017 vom 25. September 2017 E. 2.2.2 mit Hinweis).
- 11 -
4.2. Der Beschuldigte ist mehrfach vorbestraft, teilweise einschlägig, und hat
mehrmals während laufender Probezeit delinquiert (Urk. 51; Urk. 69). Auch die
vorliegend zu beurteilenden Straftaten hat der Beschuldigte während laufender
Probezeit begangen (vgl. Urk. 51 S. 3; Urk. 69 S. 3). Er hat sich weder durch die
früheren Untersuchungs- und Gerichtsverfahren, die Verurteilungen zu bedingten
Geldstrafen (Urteil des Bezirksgerichts Affoltern vom 6. Oktober 2009) respektive
unbedingten Geldstrafen (Staatsanwaltschaft Zug vom 31. Januar 2011 und
16. März 2011), die Verurteilung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von drei Mona-
ten (Amtsgericht München) noch durch eine weitere vom Amtsgericht Ebersberg
am 12. Juli 2013 ausgefällte empfindliche, bedingte Freiheitsstrafe von
10 Monaten abschrecken lassen (vgl. Urk. 51 S. 2). Seine Delinquenz muss des-
halb als hartnäckig bezeichnet werden. Daran ändert nichts, dass die letzte Verur-
teilung aus dem Jahre 2013 stammt, trat er doch keine zwei Jahre später bereits
wieder auf strafrechtlich relevante Art in Erscheinung. Er muss mithin als unein-
sichtig bezeichnet werden. Letzteres spiegelt sich auch in seinen Worten wider,
es sei ihm "so lang wie breit", ob es sich bei der Verurteilung aus dem Jahre 2013
um eine Vorstrafe handle (Urk. 2/7 Ziff. 90 in Verbindung mit Ziff. 94). Sodann
konnte weder der Beschuldigte – der durch sein Nichterscheinen gar keinen per-
sönlichen Eindruck hinterlassen konnte – noch die amtliche Verteidigung wesent-
liche Veränderungen im privaten Umfeld des Beschuldigten, welche auf eine Sta-
bilisierung seines Lebensweges hindeuten, darlegen (Urk. 70 S. 3 f.). Vor diesem
Hintergrund und der fehlenden Einsicht und Reue des Beschuldigten bestehen
– entgegen den Vorbringen der Verteidigung (Urk. 36 S. 8 f.; Urk. 70 S. 3) –
erhebliche Zweifel an der spezialpräventiven Wirkung einer Geldstrafe. Vielmehr
ist eine weitere Geldstrafe angesichts der bisherigen Wirkungslosigkeit von be-
dingten und unbedingten Geldstrafen sowie bedingten Freiheitsstrafen nicht
zweckmässig und erscheint es bei separater Beurteilung jeder Tat geboten, für
jedes der begangenen Delikte je eine Freiheitsstrafe auszufällen, um den Be-
schuldigten von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten.
- 12 -
5. Konkrete Strafzumessung
5.1. Tatkomponente
5.1.1. Hypothetische Einsatzstrafe: mehrfacher betrügerischer Missbrauch einer
Datenverarbeitungsanlage bezüglich Dossier 2
Als schwerste Straftat erscheint vorliegend der mehrfache betrügerische Miss-
brauch einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Dossier 2, welcher in seiner Ge-
samtheit zu betrachten ist. Entsprechend ist dafür eine Einsatzstrafe festzusetzen.
In Bezug auf die objektive Tatschwere ist festzuhalten, dass der Deliktsbetrag ei-
nen Gesamtwert von Fr. 2'360.40 beträgt. Der Beschuldigte setzte über einen
Zeitraum von fünf Monaten an verschiedenen Tankstellen in der Schweiz uner-
laubt die mittels Verwendung einer gefälschten Urkunde (vgl. Urkundenfälschung
bezüglich Dossier 2) erlangte ... card, lautend auf C._, ein, um Waren zu be-
ziehen. Der Beschuldigte handelte somit überlegt und planmässig. Dabei bezog
er eine ihm bekannte Drittperson mit ein. Es ist von einer nicht zu unterschätzen-
den kriminellen Energie auszugehen. Das objektive Tatverschulden ist insgesamt
als noch leicht einzustufen. In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte mit
direktem Vorsatz und aus rein finanziellen Motiven. Das subjektive Verschulden
vermag die objektive Tatschwere somit weder zu erhöhen noch zu relativieren.
Aufgrund der Tatumstände erscheint eine Einsatzstrafe im Bereich des unteren
Drittels, konkret von vier Monaten Freiheitsstrafe, als angemessen.
5.1.2. Asperation
5.1.2.1. Urkundenfälschung bezüglich Dossier 2
In objektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte ein Antrags-
formular für eine ... card im Namen der Privatklägerin C._, einer ihm bekann-
ten Person, ausgefüllt, unterschrieben und eingereicht hat. Dabei gab er seine ei-
gene Wohnadresse als Adresse an. Gestützt darauf wurde ihm die entsprechende
Karte, lautend auf C._, ausgestellt. Der Beschuldigte handelte wiederum
überlegt und planmässig. Das Vorgehen ist raffiniert und abgeklärt. Subjektiv liegt
direkter Vorsatz vor. Das Motiv ist egoistischer Natur. Im Ergebnis rechtfertigt es
- 13 -
sich – auch unter Berücksichtigung des engen Zusammenhangs mit dem obge-
nannten Verhalten –, für dieses Delikt die hypothetische Einsatzstrafe um einein-
halb Monate zu erhöhen.
5.1.2.2. Urkundenfälschung bezüglich Dossier 3
Praktisch identisch ist der Beschuldigte bei der hier zu beurteilenden Urkunden-
fälschung vorgegangen, weshalb weitestgehend auf die obigen Erwägungen ver-
wiesen werden kann (Ziff. II 5.1.2.1). Anstatt sich einer ihm bekannten Person als
Identität zu bedienen, um das Antragsformular für die Karte auszufüllen, erfand er
einen fiktiven Namen bzw. änderte seinen eigenen leicht ab. Entsprechend bezog
er keine Drittperson für seine Machenschaften mit ein. Es rechtfertigt sich, die hy-
pothetische Einsatzstrafe für dieses Delikt um einen Monat zu erhöhen.
5.1.2.3. Betrug bezüglich Dossier 4
Zur Tatschwere in Bezug auf das darin umschriebene Delikt ist Folgendes festzu-
halten: Zu einem nicht genauer bekannten Zeitpunkt zwischen Juli und Oktober
2015 bestellte der Beschuldigte Waren auf den Namen der Privatklägerin
C._ im Gesamtwert von Fr. 731.20. Um die Ware tatsächlich zu erhalten,
schrieb er seinen Briefkasten mit dem Namen C._ an. Entsprechend wurden
ihm die Waren auch zugestellt. Erneut zeigt sich, wie planmässig der Beschuldig-
te vorging, um die Geschädigte zu täuschen. Dabei handelte er direktvorsätzlich
und sein Motiv war egoistischer Natur. In Asperation rechtfertigt sich eine Erhö-
hung der hypothetischen Einsatzstrafe um einen Monat.
5.1.2.4. Mehrfacher betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage
bezüglich Dossier 6
In Bezug auf die objektive Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte über einen Zeitraum von zwei Monaten sich neun Mal unbefugt in den
Swisscom Account der Privatklägerin C._ mittels von ihr vorgängig gutgläu-
big preisgegebener Login-Daten eingeloggt und Guthabensaufladungen auf sein
Mobiltelefon bzw. dasjenige seiner Mutter im Betrag von Fr. 90.– bis Fr. 200.– tä-
tigte. Die Deliktssumme belief sich dabei insgesamt auf Fr. 990.–. Der Beschul-
- 14 -
digte ging raffiniert vor. Er erschlich sich das Vertrauen der Privatklägerin. Subjek-
tiv handelte er auch hier mit direktem Vorsatz und aus rein finanziellen Motiven.
Es rechtfertigt sich, die hypothetische Einsatzstrafe für dieses Delikt um einen
weiteren Monat zu erhöhen.
5.1.3. Zwischenfazit
In Anbetracht der Tatkomponenten erweist sich – in Anwendung des Aspera-
tionsprinzips – eine Einsatzstrafe von insgesamt 8-9 Monaten Freiheitsstrafe als
angemessen.
5.2. Täterkomponente
5.2.1. In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben des Be-
schuldigten kann auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen wer-
den (Urk. 48 S. 45 f.). Heute ergaben sich keine wesentlichen Änderungen. Die
persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten wirken sich strafzumessungsneutral
aus.
5.2.2. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, weist der Beschuldigte meh-
rere Vorstrafen, sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland, auf (Urk. 48
S. 45 f., Urk. 2/14/9 und Urk. 2/14/10). Die Vorstrafe vom 25. Mai 2007 ist indes
inzwischen aus dem Strafregister gelöscht worden, weshalb sie nicht mehr be-
rücksichtigt werden darf (Urk. 51; Urk. 69; Art. 369 Abs. 3 und Abs. 6 lit. a StGB;
Schlussbestimmungen der Änderung vom 13. Dezember 2002 Ziff. 3 Abs. 1
[AS 2006 3459; BBl 1999 1979]). Hervorzuheben ist, dass der Beschuldigte in
Bezug auf den Tatbestand des Betrugs eine – wenn auch länger zurückliegende –
einschlägige Vorstrafe aufweist und alle die hier zu beurteilenden Straftaten wäh-
rend laufender Probezeit begangen hat. Diese Vorstrafen, insbesondere die ein-
schlägige, sowie die Delinquenz während laufender Probezeit sind erheblich
straferhöhend zu berücksichtigen.
5.2.3. Sodann ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der Beschuldigte wenig bis
keine Einsicht in das Unrecht seiner Taten zeigt. Auch zeigt er keine aufrichtige
Reue (Urk. 48 S. 46). Des Weiteren ist der Beschuldigte zwar in weiten Teilen,
- 15 -
zumindest in objektiver Hinsicht, geständig. Jedoch bekannte und bekennt er
sich zu keinem Zeitpunkt für schuldig und sein Verhalten im Verfahren ist nicht als
kooperativ zu werten, weshalb ihm unter diesem Aspekt keine Strafreduktion zu-
zubilligen ist.
5.2.4. Der Beschuldigte hat die Konsequenzen aus seinem deliktischen Verhalten
zu tragen. Dass ihn diese härter als jeden anderen Delinquenten in gleicher oder
ähnlicher Situation treffen würden, ist nicht ersichtlich.
5.2.5. Zusammenfassend liegen aufgrund der Täterkomponente merklich strafer-
höhende Faktoren vor.
5.3. Die amtliche Verteidigung stellte sich im vorinstanzlichen Verfahren
(Urk. 36 S. 9) wie auch im Berufungsverfahren (Urk. 70 S. 4) auf den Standpunkt,
bei der Bemessung der Strafe sei der langen Verfahrensdauer Rechnung zu tra-
gen. In diesem Zusammenhang geht aus den Akten Folgendes hervor. Der
kantonspolizeiliche Rapport betreffend den mehrfachen betrügerischen Miss-
brauch einer Datenverarbeitungsanlage (Dossier 2) betrifft einen Deliktszeit-
raum bis zum 4. April 2016 und ging am 18. Mai 2016 bei der Staatsan-
waltschaft ein (Urk. D2/1). Die staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen des Be-
schuldigten und damit die ersten Konfrontationen mit den hier zu beurteilenden
Straftaten erfolgten am 6. April 2017 und 29. Juni 2017 (Urk. 2/5 und 2/7). Am
4. August 2017 erliess die Staatsanwaltschaft mehrere Einstellungsverfügun-
gen und erhob im Übrigen Anklage an das Bezirksgericht Horgen (Urk. 2/15,
2/17, 2/18 und 2/26). Das erste Urteil des Bezirksgerichts vom 6. Dezember
2017 (Proz.-Nr. GG170030) erfolgte im Abwesenheitsverfahren und hob die
hiesige Strafkammer am 31. Juli 2018 auf. Sie hielt fest, dass der Beschuldigte
nicht ordnungsgemäss zur Hauptverhandlung vorgeladen worden war und er
zudem vor Erstinstanz hätte amtlich verteidigt sein müssen (Urk. 1). Am
11. Juli 2019 verurteilte das Bezirksgericht den Beschuldigten wiederum in ei-
nem Abwesenheitsverfahren, nachdem ihm nach mehreren Zustellversuchen
die Vorladung (via Vater des Beschuldigten) ausgehändigt werden konnte. Die
schriftliche Urteilsbegründung ging der Verteidigung am 10. September 2019
zu. Die am 31. Juli 2018 erfolgte Rückweisung an die erste Instanz führte mit-
- 16 -
hin zu einer Verzögerung, die der Beschuldigte nicht zu vertreten hat. Eigent-
liche Bearbeitungslücken sind hingegen im Untersuchungsverfahren wie auch
im erstinstanzlichen Verfahren nicht erkennbar und vom Beschuldigten nicht
aufgezeigt. Gleiches gilt für das Berufungsverfahren. Nach Eingang der Beru-
fungserklärung am 27. September 2019 und nach den nötigen verfahrens-
leitenden Anordnungen am 28. Oktober 2019 gingen die Stellungnahmen am
31. Oktober 2019 und 18. November 2019 ein (Urk. 49, 52, 54 und 56). Am
9. Dezember 2019 wurden die Parteien zur heutigen Berufungsverhandlung
vorgeladen (Urk. 60).
Insgesamt nahmen weder die Gesamtheit noch die einzelnen Abschnitte des Ver-
fahrens übermässig viel Zeit in Anspruch. Eine Verletzung des Beschleuni-
gungsgebots liegt deshalb nicht vor (vgl. dazu BGE 143 IV 49 E. 1.8.2 S. 61;
130 I 269 E. 3.1 S. 273; je mit Hinweisen). Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass
die Verfahrensdauer auch strafmindernd berücksichtigt werden kann, wenn
das Beschleunigungsgebot nicht verletzt ist (Urteil 6B_988/2017 vom
26. Februar 2018 E. 2.4). Die Verfahrensdauer kann jedoch hier nicht als
übermässig lang bezeichnet werden und wirkt sich deshalb nicht strafmindernd
aus.
5.4. Ergebnis
Aufgrund aller relevanten Strafzumessungsgründe ist in Anwendung des Aspera-
tionsprinzips und Würdigung aller objektiven und subjektiven Komponenten der
begangenen Straftaten sowie in Berücksichtigung der Täterkomponenten die vor-
instanzliche Strafe von neun Monaten Freiheitsstrafe zu bestätigen. Eine höhere
Strafe fällt in Beachtung des Verschlechterungsverbotes ausser Betracht.
III. Vollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens
sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbeding-
te Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 aStGB). Wurde der Täter
- 17 -
innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten
Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten oder zu einer Geldstrafe von min-
destens 180 Tagessätzen verurteilt, so ist der Aufschub nur zulässig, wenn be-
sonders günstige Umstände vorliegen (Art. 42 Abs. 2 aStGB). Die Vorinstanz hat
zutreffend erwogen, dass der Beschuldigte mit Urteil des Amtsgerichts Ebersberg
vom 12. Juli 2013 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten verurteilt
wurde (vgl. Urk. 2/14/10). Dieses Urteil wegen Verletzung der Unterhaltspflicht im
Sinne von § 170 Abs. 1 D-StGB gilt es bei der Legalprognose zu berücksichtigen,
selbst wenn das Gesetz ausländische Urteile nicht (mehr) erwähnt (Urteil
6B_258/2015 vom 26. Oktober 2015 E. 2.2.2; BSK StGB I-SCHNEIDER/GARRÉ,
4. Auflage 2019, N. 96 zu Art. 42 StGB). Da der Beschuldigte die hier zu beurtei-
lenden Taten allesamt im Jahre 2015/2016 begangen hat, ist ein Aufschub der
Strafe nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen.
2. Mit der Vorinstanz sprechen vorliegend mehrere gewichtige Gründe nicht
für günstige Umstände, sondern lassen vielmehr auf eine ungünstige Legalprog-
nose schliessen, worauf verwiesen werden kann (Urk. 48 S. 48). Insbesondere
angesichts der Vorstrafen, wovon eine einschlägig ist, der Delinquenz während
laufender Probezeit und des Umstands, dass der Beschuldigte im August 2019
in Deutschland ein weiteres Mal wegen einer Straftat verurteilt wurde (Urk. 69),
liegen keine besonders günstigen Umstände vor. Sodann sind wesentliche Ver-
änderungen in seinem privaten Umfeld, welche auf eine Stabilisierung seines
Lebensweges hindeuten, – entgegen der Verteidigung (Urk. 70 S. 4) – nicht er-
sichtlich. Somit ist die Freiheitsstrafe zu vollziehen.
IV.Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 2'500.– festzusetzen.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
sind dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der-
- 18 -
jenigen der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzah-
lungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
3. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten reichte im Berufungsverfahren
eine Honorarnote für ihren Aufwand sowie Barauslagen ein und stellte einen Be-
trag von Fr. Fr. 2'045.60 in Rechnung (Urk. 67). Die Aufwände sind ausgewiesen
und erscheinen – abgesehen von der antizipierten Berufungsverhandlungsdauer
– angemessen–, weshalb die amtliche Verteidigung mit pauschal Fr. 2'000.–
(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.