Decision ID: c8f34cf8-2428-4407-885a-2f1583e3e161
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1956, ist diplomierte Pflegefachfrau und arbeitet seit Oktober 2009
bei
der
Y._
(
Urk.
11/3
Ziff.
5.3-4
,
Urk.
11/16
Ziff.
2.1
). Am 6. Juni 2012 meldete sie sich unter Hinweis auf
kog
nitive
Probleme und
Spra
chstörungen
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
11/3
Ziff.
6.2).
D
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medi
-
zini
sche
(
Urk.
11/4;
Urk.
11/17;
Urk.
11/25-26)
und erwerbliche
(
Urk.
11/11;
Urk.
11/13;
Urk.
11/16)
Situation ab
.
Nach durchgeführtem Vorbe
scheid
ver
fahren (
Urk.
11/19;
Urk.
11/21 und
Urk.
11/24
) verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom
19. Mai 2014 (
Urk.
11/28 =
Urk.
2) einen Anspruch der Versicher
ten auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Die Versicherte erhob am
11. und am 19. Juni 2014 (
Urk.
1 und
Urk.
5)
Be
schwerde gegen die Verfügung vom
19. Mai 2014
(
Urk.
2) und b
eantragte, diese sei aufzuheben,
und
die Angelegenheit sei zur weiteren Beurteilung an die Vo
rinstanz zurückzuweisen
(
Urk.
5
S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
18. Juli 2014
(
Urk.
10
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde
der Beschwerdeführerin am 13. August 2014
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
12
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teilt des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu er
halten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen er
füllt sind (
Abs.
1).
Die Ei
ngliederungsmassnahmen bestehen
unter anderem in Massnahmen be
-
rufli
cher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsver
mittlung, Kapitalhilfe;
Abs.
3 lit. b)
.
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus,
dass den beklagten Beschwerden kein organisch fassbares Substrat zugrunde liege und
keine anhaltenden Funktionsausfälle vorlägen und
dass eine Anpassungs
störung/
Belastungsreaktion keinen anhaltenden Gesundheitsschaden darstellten
(
Urk.
2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihren Beschwerden demgegenüber geltend, sie habe am 17. Dezember 2011 eine transitorische ischämische Atta
c
ke (TIA) erlitten und sei nicht mehr in der Lage, mehr als 40
%
zu arbeiten
(
Urk.
1)
.
Die behandelnden spezialisierten Ärzte hätten ausführlich dargelegt, dass lediglich noch eine beschränkte Arbeitsfähigkeit auch in einer angepassten Tätigkeit be
stehe. Auch der Arbeitgeber bestätige, dass eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit nicht möglich sei. Sofern nicht auf die aufliegenden Berichte abgestellt werden könne, sei ein neurologisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben, wozu die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei (
Urk.
5
Ziff.
2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Leistungen
der Invalidenversicherung und in diesem Zusammenhang insbesondere die Frage,
ob die vorliegenden mediz
inischen Akten zur Beurteilung ihres
Gesund
heitszustands und
ihrer
Arbeitsfähigkeit eine hinreichende Entscheidgrundlage bilden
.
3.
3.1
Vom 17. bis 23. Dezember 2011 war die Beschwerdeführerin im Universitätsspi
tal
Z._
, Klinik für Neurologie, hospitalisiert. In ihrem Austrittsbericht vom 19. Dezember 2011 (
Urk.
11/17/32-35) nannten die dortigen Ärzte als Haupt
-
di
agnose eine zerebrale Ischämie
im
Mediastromgebiet links am 17. Dezember 2011 (S. 1 Mitte). Sie berichteten, bei der Beschwerdeführerin seien plötzlich eine Sprachstörung und eine Ungeschicklichkeit der rechten Hand, welche am ehesten durch eine zerebrale Ischämie verursacht worden seien, aufgetreten. Diese hätten sich nach der Lysetherapie komplett zurückgebildet. Die Ursache der vermuteten zerebralen Durchblutungsstörung bleibe insgesamt unklar (S. 3 unten).
3.2
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
A._
, Allgemeine Medizin FMH, nannte in seinem Bericht vom 24. Februar 2012 (
Urk.
11/4/3) folgende Diagnose
n
(
Ziff.
1)
:
z
erebrale Ischämie
Mediastromgebiet links am 17. Dezember 201
1
motorisch betonte Aphasie
leichtes, armbetontes Hemisyndrom rechts
Ätiologie unklar
depressive Reaktion
offenes Foramen ovale
Er führte aus, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei
leicht einge
schränkt durch
das immer noch vorhandene, deutlich regrediente
Hemisyndrom
rechts und vor allem durch die
Aphasie,
die zwar ebenfalls regredient sei, aber noch deutlich bestehe. Dies sei mit dem Beruf als
Y._
-Mitarbeiterin nicht zu vereinbaren (
Ziff.
2). Am 1. Februar 2012 habe die Beschwerdeführerin ihre Ar
beitstätigkeit im Umfang von 10
%
wieder aufgenommen. Der weitere Verlauf bleibe abzuwarten (
Ziff.
5).
3.3
Aufgrund zunehmender Aphasie und einer Störung des Kurzzeitgedächtnisses war die Beschwerdeführerin auf Zuweisung von
Dr.
A._
hin v
om 11. bis
13. März 2013 im See-Spital
B._
hospitalisiert
(vgl.
Urk.
11/17/18 unten)
. Im Austrittsbericht vom 27. März 2013 (
Urk.
11/17/18-20) nannten die dortigen Ärzte
im Wesentlichen
folgende Diagnosen (S. 1):
u
nkla
res neurologisches Zustandsbild
am ehesten neurodegenerative Erkr
ankung, Differentialdiagnose
: psy
chosomatische Störung
zunehmende Aphasie, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, Verwir
rungszustände
kein Nachweis einer frischen Ischämie, Blutung oder Raumforderung
(Magnetresonanztomographie, MRI,
vom 11. März 2013, vgl.
Urk.
11/17/25)
kein Nachweis von Herzrhythmusstörungen
subklinische Hypothyreose
Status nach zerebraler Ischämie links im Dezember 2011
persistierendes Foramen ovale
Die Ärzte berichteten, e
s habe kein die Symptomatik ausreichend erklärendes
organisches pathologi
sches Korrelat für die Symptome gefunden werden kön
nen, sodass eine psychosomatische Genese der Beschwerden diskutiert worden sei.
In Rücksprache mit dem Neurologen sei eine neurodegenerative Genese der Beschwerdesymptomatik diskutiert worden. Die unauffällige Morphologie des Hirnparenchyms im MRI ohne Nachweis eines Infarktareals spreche gegen ein
ischämisches Ereignis als Ursache der Symptomatik. Zur weiteren Diagnostik sei eine genaue neuropsychologische Evaluation geplant (S. 2
Ziff.
1).
3.4
Am 29. April 2013 berichteten
Prof.
Dr.
phil.
C._
, Neuropsycholo
gin, und
Dr.
med.
D._
, FMH Neurologie, über die am 26. April 2013 er
folgte neuropsychologische Abklärung der Beschwerdeführerin (
Urk.
7/17/16-17).
Sie
führten aus, in der Untersuchung hätten sich keine
Störungen der Spra
che
und keine anderen fokalen Defizite der höheren Hirnleistung gezeigt. Hin
gegen habe sich eine verzögerte
Lernleistung und
eine
Schwierigkeit im ab
s
trakten konzeptuellen Denken
gefunden
.
Durch Zuspruch hätten sich fast alle leistungsorientierten Resultate steigern lassen. Insgesamt hätten sich keine Hin
weise auf fokale neuropsychologische Ausfälle, insbesondere linkshemisphäri
sche Funktionsstörungen, ergeben. Aufgrund des beobachteten Arbeitsverhal
tens und der Anamnese bestehe jedoch der Verdacht auf eine funktionelle Überlagerun
g
im Sinne einer Angstreaktion.
Aus
neuropsychologi
s
cher Sicht
sei die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt (S. 2 unten).
3.
5
Am 14. Mai 2013 wurde die Beschwerdeführerin durch
Dr.
med.
E._
, Fachärztin FMH für Neurologie, untersucht, welche am 24. Mai 2013 berichtete (
Urk.
11/17/12-15)
und
folgende Diagnosen
nannte
(S. 1):
seit dem 17. Dezember 2011 - damals mit akuter Präsentation und in
-
itia
ler Beurteilung als Stroke - Wortfindungsst
örungen und
Leistungs
knick mit subjektiver Abnahme des Gedächtnisses noch unklarer Ätiolo
gie
Status nach
intravenöser Lyse 160 Minuten nach Symptombeginn am 17. Dezember 2011, MRI Schädel vom März 2013 unauffällig
neuroangiologische und kardiologische Abklärungen sämtlich bland bis auf persistierend offenes Foramen ovale
Thrombophylie- und Vaskulitis-Screening negativ
Ätiologie: differentialdiagnostisch ist eine beginnende neurode
-
genera
tive Erkrankung wie zum Beispiel eine primäre pro
gressive Aphasie noch nicht sicher auszuschliessen
Dr.
E._
führte aus, das Ereignis vom 17. Dezember 2011 bleibe retrospektiv in seiner Ätiologie unklar (S. 3 unten). Im Moment bestünden lediglich zwei Er
klärungsmöglichkeiten:
Entweder
seien die
aktuellen Beschwerden der Be
schwerdeführerin residuell, allenfalls im Rahmen einer larvierten Depression und Angst-Symptomatik (was sie aber nicht wirklich glauben könne, so wie sie die Beschwerdeführerin erlebt habe), oder es handle sich um eine beginnende neurodegenerative
Erkrankung, welche noch
nicht näher differenziert werden könne und auch noch nicht diagnostisch
fassbar
sei (S. 4 Mitte)
.
Sie schlage vor, den Verlauf in den nächsten zum Beispiel sechs Monaten abzuwarten
.
Bei anhaltenden Beschwerden seien eine neuropsychologische Kontrolluntersu
chung und allenfalls eine nuklearmedizinische Abklärung zu empfehlen (S. 4 unten).
3.6
In seinem Bericht vom 30. Mai 2013 (
Urk.
11/17/5-6) führte
Dr.
A._
aus, die bisherige Diagnose eines
z
erebro-vaskulären Insults habe gemäss den h
eutig
en Resultaten annulliert werden müssen
(
Ziff.
1.1)
.
Damit bleibe das Ereignis vom 17. Dezember 2011 weiterhin ungeklärt (S. 2 oben).
Differentialdiagnostisch sei vom Beginn einer langsam progredienten ne
urodegenerativen Krankheit
(diese Diagnose sei der Beschwerdeführerin noch nicht mitgeteilt worden, da sie noch sehr unsicher sei)
oder
, was
eher unwahrscheinlich
sei, von einer
rein psycho
gene
n
Krankheit
auszugehen (
Ziff.
1.1, S. 2 Mitte).
Physisch sei die Beschwerdeführerin wieder gut belastbar, eine Knieoperation (Knieprothesenersatz wegen Gonarthrose links
im November 2012
, vgl.
Ziff.
1.1
und
Ziff.
1.3
)
habe sie problemlos überstanden
.
Psychisch bestehe eine vermin
derte Belastbarkeit.
Vor allem d
ie
Gedächtnisstörungen
hätten einen negativen Einfluss auf
ihr
e
Arbeit als
Y._
-Mitarbeiterin.
Deswegen sei ihr auch die Ver
antwortung für die Lehrtochter entzogen worden.
Zurzeit arbeite
die Beschwer
deführerin
zu 40
%
in ihrem Beruf (
Ziff.
1.7).
Dr.
A._
attestierte der Beschwerdeführerin ab 17. November 2011 Arbeits
-
unfä
higkeiten zwischen 60
%
und 100
%
, zuletzt ab 19. März 2013 eine solche von 60
%
(
Urk.
11/17/7).
3.7
In seiner Stellungnahme vom 15. August 2013 (
Urk.
11/18/2-3) hielt m
ed. pract.
F._
,
Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie,
Regionaler Ärztlicher Dienst
(
RAD
) der Beschwerdegegnerin fest,
bei bisher fehlenden organischen Substraten sollte die aufgrund der postulierten (bisher nicht nachgewiesenen) Diagnose einer Ischämie im Mediastromgebiet links attestierte Arbeitsunfähig
keit nicht als länger anhaltend beziehungsweise dauerhaft klassifiziert werden (
Urk.
11/18/3 unten).
3
.
8
Am 18. Dezember 2013 wurde die Beschwerdeführerin erneut durch
Dr.
E._
untersucht. In ihrem Bericht vom 19. Dezember 2013 (
Urk.
11/23/2-5) nannte
Dr.
E._
als Diagnose einen dringenden Verdacht auf ein
beginnendes de
mentielles Syndrom
vom kortik
alen Typ mit im Vordergrund stehender, zuneh
mender Aphasie (insbesondere sensorisch) und mit diskreten Frontalhirnsymp
tomen
(S
.
1 Mitte).
Dr.
E._
führte aus,
im Vergleich zu
r Voruntersuchung im Mai 2013 habe die aphasische Störung deutlich zugenommen. Insbesondere das auditive und schriftliche Sprachverständnis seien sc
hwer eingeschränkt
. Die Aufmerksamkeit sei
während der gesamten Untersuchung hervorragend gewesen. Die Beschwer
deführerin habe euthym gewirkt und sehr kooperativ und engagiert alle Aufga
ben durchgeführt. Differentialdiagnostisch
sei
in erster Linie nach wie vor an eine neurodegenerative Erkrankung
zu denken
, auf Grund des Verlaufes und des aktuellen klinischen Bildes entweder an eine primär progressive Aphasie oder
an eine fronto temporale Demenz.
Zur weiteren Abklärung habe sie die Beschwerdeführerin für eine FDG-Positronen Emissions Tomographie (PET)
an
gemeldet (S. 3 unten).
Aus
neurologischer
Sicht
sei die Beschwerdeführerin in ihrer
Tätigkeit bei der
Y._
derzeit
maximal zu
40
%
arbeitsfähig (S. 3 unten
)
.
3.9
Am 27. Januar 2014 (
Urk.
11/25/5-6)
berichtete
Dr.
E._
, die
FDG-
PET
habe kein spezifisches Muster für eine neurodegenerative
Erkrankung
ergeben, wobei aber berücksichtigt werden müsse, dass die Untersuchung nicht zu 100
%
sensi
tiv gewesen sei
.
Die
Prognose
sei offen
(S. 1 Mitte, S. 2 oben)
. Im Moment müsse der weitere Verlauf abgewartet werden
(
Ziff.
1.5)
. In ihrem Beruf als
Y._
-Mitarbeiterin sei die Beschwerdeführerin maximal zu
40
%
arbeitsfähig, al
lerdings in angepasster,
wenig verantwortungsvoller Tätigkeit
(
Ziff.
1.6).
3
.10
Am 2
5.
Februar 2014 berichtete
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurolo
gie FMH und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
vom
NeuroZent
ru
m Fluntern,
wo
die Beschwerdeführerin zwischen dem 2
4.
Januar und dem 2
5.
Februar 2014 neurologisch und neuropsychologisch
untersucht
wurde
(
Urk.
11/26
/1-2
).
Dr.
G._
nannte folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
Gedächtnis- und S
prechstörungen unklarer Ursache
Verdacht auf psychogene kognitive Störungen bei Anpassungsstö
rung/Belastun
gsreaktion
Dr.
G._
führte aus
,
anhand der Anamnese und der Ergebnisse der ausführli
chen neuropsychologischen Untersuchung
(vgl. dazu
Urk.
11/26/3-5)
er
achte
er das Vorliegen einer neurodegenerativen Erkrankung als eher nicht wahrscheinlich
e Ursache für die Gedächtnis- und Sprechstörungen
. Er gehe da
von aus, dass die leichtgradigen, in Belastungssituationen im beruflichen Alltag jedoch nachvollziehbar einschränkenden kognitiven Leistungsminderungen überwiegend als Folge einer
ängstliche
n
Selbstbeobachtung nach dem die Be
schwerdeführerin verständlicherweise verunsichernden zerebralen Ischämieer
eignis im Jahr 2011 zu interpretieren seien (S. 2 Mitte). Aus neurologischer und neuropsychologischer Sicht sei zu empfehlen, dass die Beschwerdeführerin zu
nächst weiterhin zu 50
%
arbeitsunfähig bleibe. Er habe ihr eine u
nterstützende Psychotherapie
auf kognitiv-verhaltenstherapeutischer Grundlage
empfohlen.
Der Erfolg der Behandlung und dann gegebenenfalls auch die Möglichkeit zu
einer schrittweisen Erhöhung des Arbeitspensums sollten nach frühestens sechs Monaten nochmals evaluiert werden
(S. 2 unten)
.
3.11
In seiner Stellungnahme vom
7.
März 2014 (
Urk.
11/27/3 Mitte) führte med. pract.
F._
, RAD, aus,
auch
die
gründliche
Untersuchung durch
Dr.
G._
habe keine organisch fassbare Grundlage für die geschilderten Ausfälle ergeben. Aus versicherungspsychiatrischer Sich
t stelle eine Anpas
sungsstörung/
Belastungsreaktion keinen anhaltenden Gesundheitsschaden dar. Insofern müsse die Beurteilung vom 1
1.
Februar 2014 nicht revidiert werden.
4.
4.1
Gegenstand der Beurteilung im vorliegenden Verfahren sind die
Auswirkungen der
von der Beschwerdeführeri
n beklagten Gedächtnis- und Spra
chstörungen. Ein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden im Zusammenhang mit dem Knieleiden der Beschwerdeführerin (vgl. vorstehend E. 3.6) ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgewiesen und wurde auch nicht geltend gemacht.
4.2
Aus
weislich der Akten traten bei der Beschwerdeführerin am 1
7.
Dezember 2011 erstmals
eine Sprachstörung
und ein armbetontes Hemisyndrom rechts auf
, welche von den
erstbehandelnden
Neurologen
des USZ
auf eine zerebrale
Ischämie
unklarer Ursache zurückgeführt wurden
(
vorstehend E. 3.1).
Nachdem die Beschwerden, insbesondere
die Aphasie, nach anfänglicher deutlicher Re
gredienz (vgl. vorstehend E. 3.2) wieder zugenommen hatte
n
, veranlass
t
e
der Hausarzt
Dr.
A._
weitere Abklärungen.
Im März 2013
diagnostizierten
die Ärzte des See-Spitals
B._
ein unklares
neurologisches
Zustandsbild, welches sie am ehesten einer neurodegenerativen Erkrankung zuordneten. Differentialdiagnostisch zogen sie das Vorliegen einer psychosomatischen Störung in Erwägung.
Während sie i
n Bezug auf das Ereig
nis vom Dezember 2011
von
eine
r
zerebrale
n
Ischämie
ausgingen, konnten sie ein (erneutes) ischämisches Ereignis nicht nachweisen
(
vorstehend E. 3.3).
Im Mai 2013 bezeichnete
Dr.
E._
die
Ätiologie der beklagten Störungen
und namentlich auch des Ereignisses vom 1
7.
Dezember 2011
als unklar.
Wie die Ärzte des See-Spitals
B._
erwog sie differentialdiagnostisch
das Vorliegen
eine
r
beginnende
n
neurodegenerative
n
Erkrankung. Eine psychische Erkran
kung erachtete sie demgegenüber als eher unwahrscheinlich (vorstehend E. 3.5)
.
Dr.
A._
schloss sich dieser Beurteilung an und revidierte insbesondere die von ihm in seinem Bericht vom Februar 2012 noch genannte (vgl. vorstehend
E. 3.2) Diagnose eines
zerebro-vaskulären
Insult
s (vorstehend E. 3.6).
Nach
weite
ren Untersuchung
en
äusserte
Dr.
E._
im Dezember 2013
den drin
-
genden Verdacht auf ein beginnendes dementielles Syndrom.
Differential
-
diagnostisch
zog sie weiterhin
eine neurodeg
enerative
Erkrankung in Erwägung
(vorstehend E. 3.8)
, wobei die in de
r Folge durchgeführte FDG-PET
kein spezif
isches Muster für eine neurodegenerative
Erkran
k
ung - al
lerdings bei nicht zu 100
%
sen
s
i
ti
ver Untersuchung - ergab
(vorstehend E. 3.9)
.
Dem
-
gegenüber ging
Dr.
G._
im Februar 2014
von
einem im Jahr 2011 stattgehabten zerebra
len Ischämieereignis aus
und interpretierte die
anhalten
-
den
Störungen
überwie
gend als Folge einer ängstlichen Selbstbeobachtung d
i
es
es
die Beschwerdefüh
rerin verunsichernden Ereignisses
.
Er diagnostizierte psychogene kognitive Störungen bei Anpassungsstörung/Belastungsreaktion, allerdings lediglich im Sinne einer Verdachtsdiagnose.
Eine neurodegenerative Erkrankung erachtete er
als
eher
un
wahrscheinlich (vorstehend E. 3.10).
4.3
Bezüglich der geklagten Beschwerden mit im Vordergrund stehender, zu
-
nehmen
der Aphasie
zeichnet die dargelegte medizinische Aktenlage
insofern kein einheitliches
Bild
,
als
die bislang mit der Beschwerdeführerin befassten Ärzte
unterschiedliche Ursachen
in Erwägung ziehen.
Eine gesicherte Diagnose konnte bislang jedoch nicht gestellt werden. W
eder ein beginnendes dementiel
les Syndrom noch eine neurodegenerative Erkrankung noch eine psychogene Störung bei Anpassungsstöru
ng/Belastungssitu
a
tion sind zum jetzigen Zeit
punkt sicher ausgewiesen
, was wohl nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass
bildgebend
bislang keine
Pathologien
objektiviert werden konnten.
4.4
Für die Entscheidfindung
von
zentral
er Bedeutung
ist
indes, dass
sowohl
Dr.
E._
und
Dr.
A._
als
auch
Dr.
G._
übereinstimmend
davon aus
g
ehe
n, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der beklagten
,
von
den
Ärzte
n nicht
in Frage gestellten Gedächtnis- und Sprachstörungen
jedenfalls
in ihrer angestammten Tätigkeit als
Y._
-Mitarbeiterin nur eingeschränkt arbeitsfähig ist
, was angesichts der Verantwortung
, welche diese
Tätigkeit
mit sich bringt,
nachvollziehbar
erscheint
. Während
Dr.
E._
und
Dr.
A._
der Beschwer
deführerin
in der angestammten Tätigkeit
eine A
rbeitsfähigkeit
von
lediglich
40
%
und dies
nur
für A
ufgaben mit wenig Verantwortung
attestierten
(
vorste
hend E. 3.6 und E. 3.9
), ging
Dr.
G._
in Bezug auf die Tätigkeit als
Y._
-Mitarbeiterin
von einer um
50
%
eingeschränkte
n
Arbeitsfähigkeit
aus (
vorstehend E. 3.10).
Vor diesem Hintergrund
kann aus dem
Umstand, dass die bisher
durchgeführten
Untersuchungen
bislang
ke
ine organisch fassbare Grundlage
für die beklagten Beschwerden ergaben,
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
ein
in
validitäts
relevanter Gesundheitsschaden nicht ohne weiteres verneint werden
. In diesem Zusammenhang beachtlich ist
nicht
zuletzt, dass auch die Arbeitgeberin
der Beschwerdeführerin
berichtete
, dass
die Beschwerdeführerin in ihrer ur
sprünglich zu 80
%
ausgeübten Tätigkeit nur noch im Umfang von 40
%
ein
gesetzt werden könne,
da sie bei einer Erhö
hung des Pensums - w
elche
mehr
fach versucht worden sei -
mit starken Wortfindungsstörungen
reagiere
, welche sie hi
nderten, klar Auskunft zu geben.
Weiter gab sie an, dass die Beschwerde
führerin
Dinge
vergesse
, wenn zu
viel auf einmal verlangt werde, und sich
bei Hektik und viel Arbeit
auch
ein Konzentrationsmangel
zeige
(Bericht der Ar
beitgeberin vom 1
0.
Dezember 2013,
Urk.
11/23/1 =
Urk.
3)
.
Nachdem
a
ber
die är
z
t
lichen Beurteilungen
sowohl in
Bezug auf die diagnosti
sche Einordung des beklagten Beschwerdebilds
als auch in Bezug auf die für die
angestammte Tätigkeit
attestierte (Rest-)Arbeitsfähigkeit divergieren
,
und da die aufliegenden Berichte
insbesondere keine
Aussage zur
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
enthalten
, fehlt es zum jetzigen Zeitpunkt an einer verlässlichen medizinischen Grundlage zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der
Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführer
in und damit an einer Grundlage für einen Entscheid.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, wenn mit dem angefochtenen Entscheid wie vorliegend eine Frage bislang vollständig ungeklärt geblieben und der Sachverhalt damit unge
nügend festgestellt wurde (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.1;
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
Eine Rückweisung wurde
a
uch
von der
Beschwerdeführerin
beantragt
(
Urk.
1 S. 2).
5.2
Vorliegend ist es
nach dem Gesagten
angezeigt, die Sache an die Beschwerde
-
geg
nerin zurückzuweisen, damit sie
ein polydisziplinäres
(neurolo
gisch
es
, neuropsychologisch
es
und psychiatrisch
es
)
Gutachten veranlasse, wel
ches sich zum Gesundheitszustand und
zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin in der angestammten und in einer leidensangepassten Tätigkeit äussert,
und hernach über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der In
validenversicherung
neu entscheide.
Die angefochtene Verfügung vom 1
9.
Mai 2014 (
Urk.
2) ist daher in Gutheis
sung der Beschwerde aufzuheben.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig
vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), auf
Fr.
700.-- anzusetzen und
der unterliegenden B
eschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Ausgangsgemäss hat die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf
eine Pro
zessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses (
§
34
Abs.
3 GSVGer) und beim
für in
einer Rechtsschutzversicherung tätige Juristen gerichtsübliche
n
Stundenansatz von
Fr.
170.-- auf
Fr.
900.
-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzuset
zen und von der Beschwerdegegnerin
zu bezahlen.