Decision ID: 6eea8152-7ab6-4559-a106-5ae454276230
Year: 2013
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

massgebend der Sachverhalt bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 9. August 2011 sei. Daher seien die danach ergangenen ärztlichen
Berichte nicht zu berücksichtigen. Dies gelte umso mehr, als aus den
nachgereichten Dokumenten nicht hervorgehe, dass sich der gesundheitliche
Zustand des Beschwerdeführers seit August 2009 verschlechtert hätte.
11. Nach der Urteilsberatung reichte die IV-Stelle dem Gericht mit Schreiben vom
24. Oktober 2012 weitere Unterlagen (Ermittlungsbericht der ... vom 9. Juli
samt dreier DVDs, Stellungnahme Dr. med. ... vom 23. August 2012,
Einspracheentscheid der Branchen Versicherung Schweiz vom 2. Oktober
2012) zur Vervollständigung der Akten ein. Die Unterlagen wurden dem
Beschwerdeführer am 29. Oktober 2012 zugestellt, worauf sich dieser mit
Schreiben vom 30. Oktober 2012 kurz dazu äusserte.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften sowie auf
die angefochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-
Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar.
Daraus und gestützt auf Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) ergibt sich die sachliche und
örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden zur
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 9. August 2011 betreffend berufliche
Massnahmen. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. a) Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob dem Beschwerdeführer ein Anspruch
auf Massnahmen beruflicher Art, insbesondere auf Umschulung, zusteht
respektive ob die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen auf den 9. August 2011
zu Recht abgeschlossen hat. Dabei ist nach konstanter Rechtsprechung
grundsätzlich auf die Verhältnisse abzustellen, die bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung, hier bis zum 9. August 2011, eingetreten sind.
Allfällige nach diesem Zeitpunkt eingetretene Rechts- und
Sachverhaltsänderungen sind vom Gericht nur insoweit berücksichtigt werden,
als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und
geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung zu
beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Februar 2012, 8C_692/2011
Erw. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
b) Gestützt auf diese Rechtsprechung erweisen sich die vom Beschwerdeführer
eingereichten Dokumente, welche den Sachverhalt nach dem 9. August 2011
betreffen, als unbeachtlich. Dabei geht es um den Bericht von Dr. med. ... vom
10. August 2011 (Beschwerdeführer [Bf]-act. 17), das Schreiben des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers an Dr. med. ... vom 9. September
2011 (Bf-act. 2), die Zeugnisse von Dr. med. ... vom 22. September 2011 (Bf-
act. 19; einfaches ärztliches Zeugnis betreffend Arbeitsunfähigkeit ab dem 12.
September 2011) und vom 7. November 2011 (Bf-act. 20; ärztlicher
Zwischenbericht für die Branchen Versicherung), das Schreiben der Klinik ...
vom 10. Oktober 2011 (Bf-act. 28) sowie um den Bericht von Dr. med. ... vom
15. Februar 2012, dessen E-Mail vom 23. Februar 2012 und den Bericht der
Klinik ... vom 2. Februar 2012, die der Beschwerdeführer dem Gericht
zusätzlich mit Schreiben vom 29. Februar 2012 überliess. Im Übrigen ergeben
sich aus diesen Berichten keine Hinweise auf eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers.
c) Auf die Ausführungen der Parteien im Zusammenhang mit dem seitens des
Beschwerdeführers ebenfalls gestellten Antrag auf Ausrichtung einer vollen IV-
Rente muss vorliegend nicht näher eingegangen werden. Allein aus der im
Rentenverfahren vorgebrachten Argumentation des Beschwerdeführers, er sei
zu 100 % arbeitsunfähig, kann vorliegend nicht auf mangelnde
Eingliederungsfähigkeit geschlossen und das Eingliederungs-
/Umschulungsbegehren einzig mit dieser Begründung abgelehnt werden. Die
Voraussetzungen für die Gewährung von beruflichen Massnahmen sind
nachfolgend im Einzelnen zu prüfen.
3. a) Gemäss Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) stellt das Versicherungsgericht
unter Mitwirkung der Parteien die für den Entscheid erheblichen Tatsachen fest;
es erhebt die notwendigen Beweise und ist in der Beweiswürdigung frei.
b) Der Beschwerdeführer stellte im Laufe des Verfahrens verschiedene
Beweisanträge. Sofern es um den Beizug der Akten der IV-Stelle in Sachen des
Beschwerdeführers und den Beizug der Akten des verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahrens S 11 66 betreffend IV-Taggelder geht, sind die
Begehren obsolet, befinden sich doch die entsprechenden Dokumente bei den
Akten respektive sind diese dem Gericht bekannt.
Der Beschwerdeführer beantragte ferner die Einholung sämtlicher ihn
betreffenden Unfallakten aus Händen der Branchen Versicherung und
begründete dies damit, dass sich darunter ein wesentlicher Teil der relevanten
medizinischen Unterlagen befände. Dieser Antrag ist abzuweisen, befinden sich
doch die wichtigsten Akten der Branchen Versicherung als Dokumente M1-M12
(IV-act. 13), M13 (IV-act. 18), M14-M15 (IV-act. 29-4/8 und 29-5/8), M16 (IV-
act. 34), M17 (IV-act. 35), M18 (IV-act. 41) und M20 (IV-act. 86), die
Leistungsabrechnungen der Branchen Versicherung (IV-act. 12-1/11-11/11)
sowie weitere Dokumente wie die Schadenmeldung, Standortgesprächsberichte
der ... Versicherungen und verschiedene Schreiben, unter anderen auch der ...
AG, (IV-act. 14, 15, 25, 26, 38, 58, 60, 65, 85, 92) bei den im Recht liegenden
IV-Akten. Aus der vom Beschwerdeführer ins Recht gelegten, von ihm
angefochtenen Verfügung vom 29. November 2011 der Branchen Versicherung
(Bf-act. 11) geht hervor, dass dieser bei ihrem Entscheid keine anderen als die
vorerwähnten Dokumente (insbesondere M2, M4, M5, M7, M10, M12, M13,
M14, M15, M17, M20) sowie ebenfalls das Gutachten des SAM Bellinzona vom
7. Oktober 2009 zur Verfügung gestanden hatten.
Ferner verlangte der Beschwerdeführer sämtliche ihn betreffenden Arztberichte
inklusive denjenigen des beigezogenen Neurologen Dr. med. ... vom 2.
Dezember 2008 zur Edition aus Händen der Klinik ... Auch dieser Antrag ist
abzuweisen. Einerseits befinden sich die Berichte des behandelnden Arztes,
Dr. med. ..., bereits bei den Akten der Sozialversicherungsanstalt Graubünden,
IV-Stelle. Der Beschwerdeführer gibt nicht einen spezifischen Bericht an, der
seiner Ansicht nach noch fehlen würde. Andererseits geht aus den Schreiben
von Dr. med. ... vom 14. März 2009 an Dr. med. ... (IV-act. 29-4/8), vom 10.
Februar 2009 an die Branchen Versicherung (IV-act. 18-1/2, auch M13; IV-act.
29-6/8) und vom 9. Dezember 2008 an Dr. med. ... (IV-act. 29-7/8) hervor, dass
die neurologischen Abklärungen bei Dr. med. ... keine auffälligen Befunde
ergeben hätten. Auf die Einholung des Berichts von Dr. med. ... vom 2.
Dezember 2008 kann somit verzichtet werden. Dasselbe gilt für den Antrag des
Beschwerdeführers, bei Dr. med. ... eine schriftliche Auskunft über die
neuropsychologische Behandlung des Beschwerdeführers einzuholen. Auch
diesbezüglich geht aus dem Schreiben von Dr. med. ... vom 26. Januar 2009
(IV-act. 29-8/8), von Dr. med. ... an Dr. med. ... vom 14. März 2009 (IV-act. 29-
4/8) und in der Zweitmeinung von Dr. med. ... vom 9. April 2009 (IV-act. 35-2/4)
hervor, dass in neuropsychologischer Hinsicht keinerlei Auffälligkeiten
festgestellt werden konnten.
Im Rahmen seiner Replik führte der Beschwerdeführer aus, dass er ab dem 12.
September 2011 von Dr. med. ... behandelt werde und dass dieser ab diesem
Zeitpunkt eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit bestätigt habe. Er verlangte die
Einholung eines aktualisierten ärztlichen Berichts respektive die Befragung des
behandelnden Arztes als Zeugen. Dieser Antrag wird abgelehnt. Die
Bestätigungen des Arztes können sich angesichts des Behandlungsbeginns im
September 2011 nur auf den Sachverhalt beziehen, der sich nach Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 9. August 2011 ergeben hat. Sie sind folglich
vorliegend nicht massgebend.
Der Beschwerdeführer stellte auch den Antrag, aus Händen der ...
Versicherungen AG seien sämtliche Akten im Zusammenhang mit dem
Unfallereignis vom 13. Dezember 2007, MFH 16.689.844/8, insbesondere
Fahrzeuganalysen, Fotos, Tatbestandsschilderungen, Expertisen, etc.
einzuholen. Er rügte in diesem Zusammenhang vor allem, dass die
begutachtenden Ärzte des SAM Bellinzona die Akten des
Haftpflichtversicherers des unfallverursachenden Fahrzeuglenkers zum
eigentlichen Verkehrsunfall nicht beigezogen und sich nicht mit dem genauen
Unfallhergang auseinandergesetzt hätten. Der Beschwerdeführer unterliess es,
aufzuzeigen, inwiefern der Beizug der Unfallakten - sowohl seitens des Gerichts
wie auch seitens des SAM Bellinzona - an der medizinischen Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit etwas hätte ändern sollen respektive für die gerichtliche
Beurteilung wesentlich sein sollte. Dies ist vorliegend auch nicht ersichtlich,
weshalb der entsprechende Antrag abzuweisen ist. Dasselbe gilt für den
vorsorglich gestellten Antrag auf Einholung eines
unfallanalytischen/biomechanischen Gutachtens.
c) Im Zusammenhang mit der Frage der Wiedereingliederung in das Erwerbsleben
verlangte der Beschwerdeführer die Edition sämtlicher den Beschwerdeführer
betreffenden Akten aus Händen der ... Arbeitslosenkasse und aus Händen des
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV). Der Beschwerdeführer will
damit offenbar beweisen, dass er von der Arbeitslosenversicherung Leistungen
erhalten hat, und den Vorwurf widerlegen, er habe die Bemühungen des RAV
hintertrieben. Diese Fragen sind für die vorliegend zu beurteilenden
Streitpunkte nicht relevant und es ist daher nicht ersichtlich, was der
Beschwerdeführer daraus zu seinen Gunsten, insbesondere im
Zusammenhang mit den zu beurteilenden Fragen der Arbeitsfähigkeit und des
hypothetischen Invalideneinkommens, Entscheidendes ableiten wollte. Die
entsprechenden Editionsbegehren sind daher abzuweisen.
Aus Händen des ... respektive von ... und aus Händen des ..., verlangte der
Beschwerdeführer je einen genauen Verlaufsbericht über den Arbeitsversuch,
genaue Angaben zu den ausgeführten Arbeiten während des Arbeitsversuchs
und zu den festgestellten Einschränkungen sowie Angaben zur Feinmotorik des
Versicherten im Zusammenhang mit den ausgeübten Tätigkeiten. Auch diese
Anträge sind abzulehnen, geben doch, wie aufzuzeigen sein wird, insbesondere
das eingeholte Gutachten des SAM Bellinzona und die Berichte der ... AG ein
genügend klares Bild der Arbeitsfähigkeit ab, die dem Beschwerdeführer trotz
seiner Beschwerden in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit verbleibt. Im
Übrigen erweist sich der Bericht der ... AG entgegen der Einschätzung des
Beschwerdeführers als ausführlich, seriös und plausibel abgefasst (vgl. auch
IV-act. 143-1/1).
d) Mit der beantragten Befragung der Zeugen ... (ehemalige Arbeitgeber), von ...
(alles ehemalige Mitarbeiter) möchte der Beschwerdeführer aufzeigen, welche
Tätigkeiten er im Betrieb des ehemaligen Arbeitgebers ausgeführt, dass seine
Funktion jener eines Metzgers mit besonderer Verantwortung entsprochen und
dass er Vorgesetztenfunktionen eingenommen hatte. Abgesehen davon, dass
Zeugenbefragungen im verwaltungsrechtlichen Verfahren ein subsidiäres
Beweismittel darstellen (Art. 12 Abs. 2 VRG), ergibt sich die erwerbliche
Situation des Beschwerdeführers vor dem Unfall in ausreichendem Mass aus
den IV-Akten, so insbesondere aus dem Fragebogen für Arbeitgebende (IV-act.
22-2 ff./9), weshalb die Zeugenbefragungen nicht notwendig sind.
Auch die beantragte Befragung von ..., ..., und ..., ist abzulehnen. Angaben zu
den durchgeführten Arbeitsversuchen ergeben sich aus den IV-Akten,
insbesondere dem Bericht der ... AG (IV-act. 146-17/27).
Als im vorliegenden Verfahren nicht notwendig, weil nicht entscheidrelevant,
erweist sich schliesslich die beantragte Befragung der Ehefrau des
Beschwerdeführers, die bestätigen solle, dass der Beschwerdeführer seit
Jahren nicht mehr auf die Jagd gegangen sei respektive dass ihre angebliche
Aussage nicht zutreffe, ihr Ehemann setze den linken Arm im Alltag ohne
grosse Einschränkungen ein.
e) Auf den vom Beschwerdeführer gestellten Antrag auf Durchführung einer
polydisziplinären Neubegutachtung wird in den nachfolgenden Erwägungen, im
Zusammenhang mit der Prüfung des Gutachtens des SAM Bellinzona vom 7.
Oktober 2009, eingegangen (Erw. 4).
4. a) Einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen haben gemäss Art. 8 Abs. 1
IVG Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte.
Vorausgesetzt wird, dass die Eingliederungsmassnahme notwendig und
geeignet ist, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich
zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (Art. 8 Abs. 1
lit. a) und dass die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen
Massnahmen erfüllt sind (lit. b).
Als invalid im Sinne von Art. 17 IVG und somit umschulungsberechtigt gilt eine
versicherte Person, wenn sie wegen der Art und Schwere des
Gesundheitsschadens in den bisher ausgeübten und in den für sie ohne
zusätzliche berufliche Ausbildung noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine
bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 % erleidet.
Bei dieser Grösse handelt es sich um einen Richtwert (BGE 130 V 488 Erw.
4.2, 124 V 108 mit Hinweis auf AHI 1997 S. 80 Erw. 1b und ZAK 1984 S. 91
oben, 1966 S. 439 Erw. 3). Die Erwerbseinbusse bemisst sich an dem vor
Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkommen (Ulrich Meyer,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, in: Murer/Stauffer [Hrsg.]:
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Zürich
2010, Art. 17, S. 191).
b) Um die durchschnittliche prozentuale Arbeitsfähigkeit in den für die versicherte
Person ohne zusätzliche berufliche Ausbildung noch zumutbaren
Erwerbstätigkeiten ermitteln zu können, ist das Gericht auf Unterlagen
angewiesen, die der Arzt und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 256 Erw. 4 [zur
Hilflosenentschädigung]). Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten der Versicherte arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4
mit zahlreichen Hinweisen). Einem Arztbericht kommt dann voller Beweiswert
zu, wenn er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung
der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchtet und wenn die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 351 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c mit Hinweisen).
Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Beschwerdeführer in einer
behinderungsgeeigneten Tätigkeit seit dem 1. April 2009 über eine auf dem
Arbeitsmarkt zumutbarerweise verwertbare Arbeitsfähigkeit von 100 % (ohne
Leistungseinschränkung) verfüge. Sie stellte dabei im Wesentlichen auf das
polydisziplinäre Gutachten des SAM Bellinzona vom 7. Oktober 2009, die
Stellungnahme des RAD Ostschweiz vom 29. Oktober 2009, die Stellungnahme
des SAM Bellinzona vom 24. November 2009 und den Bericht der ... AG über
die Arbeitsleistung des Beschwerdeführers beim ... ab.
Der Beschwerdeführer kritisierte das polydisziplinäre Gutachten des SAM
Bellinzona vom 7. Oktober 2009 sowohl in verfahrensrechtlicher wie auch
inhaltlicher Hinsicht und stellte Antrag auf Durchführung einer polydisziplinären
Neubegutachtung.
c) Der SAM Bellinzona stellte sein polydisziplinäres Gutachten der IV-Stelle am 7.
Oktober 2009 zu (IV-act. 47). Aufgrund der diagnostizierten Leiden wurde dem
Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Metzger eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit und in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit eine solche von
100 % ohne Leistungseinbusse attestiert.
Der Beschwerdeführer bemängelte einerseits, dass die behandelnden Ärzte
keinen Bezug auf die vom Beschwerdeführer vor dem Unfall ausgeübte
Tätigkeit als Metzger genommen (Schlachtarbeiten, Ausbeinen, Wursten und
Verkauf) und diesbezüglich rückwirkend eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert
hätten, und andererseits, dass die begutachtenden Ärzte sich nicht mit der
Einschätzung der behandelnden Ärzte auseinandergesetzt hätten, wonach er in
der bisherigen Tätigkeit als Metzger nicht mehr arbeitsfähig sei. Diese
Einwände sind vorliegend nicht zu hören. Dass der Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit als Metzger seit dem Unfall ununterbrochen, zum Teil
vollumfänglich, zum Teil teilweise arbeitsunfähig war, ist nicht bestritten.
Entscheidrelevant ist vielmehr, welches Erwerbseinkommen der Be-
schwerdeführer in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses erzielen konnte. Auf die mit den entsprechenden
Einwänden in Zusammenhang stehenden Ausführungen des
Beschwerdeführers ist daher nicht näher einzugehen.
Der Beschwerdeführer rügte die lange Dauer zwischen der Begutachtung im
Oktober 2009 und dem Erlass der Verfügung im August 2011 und
beanstandete, dass den begutachtenden Ärzten der Bericht von Dr. med. ...
vom 2. Dezember 2008, von Dr. med. ... vom 9. April 2009 und von Dr. med. ...
vom 9. April 2009 nicht zur Verfügung gestanden hätten. Zudem hätten sie die
sachbezogenen Akten des Haftpflichtversicherers zum eigentlichen
Verkehrsunfall nicht beigezogen und sich auch nicht mit dem Unfallereignis
auseinandergesetzt.
d) Wie aus dem Gutachtensauftrag vom 14. April 2009 (IV-act. 31) hervorgeht und
gemäss Angaben der Beschwerdegegnerin wurden dem SAM Bellinzona
sämtliche IV-Akten zur Verfügung gestellt. Dazu gehörten auch die Akten der
Unfallversicherung, die diese der Beschwerdegegnerin bis zu jenem Zeitpunkt
(14. April 2009) zugestellt hatte (IV-act. 1-30, davon M1-M15 der Branchen
Versicherung, vgl. dazu auch IV-act. 15-1/1 und 28-1/1). Zutreffend ist damit,
dass sich die der Beschwerdegegnerin nach dem 14. April 2009 oder gar nicht
zugegangenen Berichte, insbesondere jene von Dr. med. ... vom 9. April 2009
(IV-act. 34), von Dr. med. ... vom 9. April 2009 (IV-act. 35) und von Dr. med. ...
vom 2. Dezember 2008 (vgl. IV-act. 29-7/8) nicht bei den Akten der
begutachtenden Ärzte befanden.
Den Schreiben von Dr. med. ... vom 9. Dezember 2008 an Dr. med. ... (IV-act.
29-7/8) und vom 10. Februar 2009 an die Branchen Versicherung (IV-act. 29-
6/8), die den begutachtenden Ärzten auch zur Verfügung standen (IV-act. 47-
8/27), ist zu entnehmen, dass im Rahmen der Untersuchung bei Dr. med. ...
vom 2. Dezember 2008 keine neurologischen Ausfälle festgestellt werden
konnten. Angesichts dieses negativen Befundes und mangels gegenteiliger
Hinweise im Rahmen der persönlichen Konsultation konnten die
begutachtenden Ärzte ohne weiteres darauf verzichten, einen entsprechenden
Bericht von Dr. med. ... einzufordern. Die begutachtenden Ärzte sprachen mit
dem Beschwerdeführer über die bei Dr. med. ... im März 2009 durchgeführte
Untersuchung (IV-act. 47-8/27), die zur Abgabe der Zweitmeinung vom 9. April
2009 (IV-act. 35) geführt hatte. In diesem Zusammenhang berichtete der
Beschwerdeführer, er habe mit Dr. med. ... angesichts der nicht erklärbaren
Beschwerden und Einschränkungen der linken Schulter die Frage des weiteren
Vorgehens besprochen. Dr. med. ... habe von einer erneuten Operation mit
Revision und Reinsertion der Supraspinatussehne („intervento invasivo di
revisione“ und „reinserimento del tendine sovraspinato“) abgeraten. Der
Beschwerdeführer habe sich erinnern können, dass dieser Arzt von einer
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und der Notwendigkeit einer
Umschulung gesprochen habe. Auf diese Angaben durften die begutachtenden
Ärzte abstellen, sodass sie zumindest insoweit informiert waren, dass die
Zweitmeinung von Dr. med. ... keine neuen Erkenntnisse ergeben hatte.
Umgekehrt ist davon auszugehen, dass der behandelnde Arzt die
Gutachterstelle informiert hätte, wenn die Konsultation bei Dr. med. ... relevante
neue Erkenntnisse hervorgebracht hätte. Unter diesen Umständen durften die
begutachtenden Ärzte davon absehen, die Zweitmeinung von Dr. med. ...
nachträglich einzufordern und es ist nicht zu beanstanden, dass sie nicht in
deren Besitz waren. Dies und der Umstand, dass dem Gutachter einzig der
Bericht von Dr. med. ... vom 9. April 2009 (IV-act. 34), den die IV-Stelle am 22.
April 2009 von der Branchen Versicherung zugestellt erhielt, nicht zur
Verfügung stand, führen nicht dazu, dass das Gutachten des SAM Bellinzona
nicht verwertbar wäre, wie der Beschwerdeführer geltend machte. Dies gilt
umso mehr, als dass auch aus dieser ärztlichen Abklärung (IV-act. 34) mit
Ausnahme des Hinweises, man solle vermehrt auf die traumatisierte AC-
Arthrose schauen, keine neuen Erkenntnisse hervorgingen, und der Vorschlag,
mittels Infiltrationen in diesem Bereich eine eventuelle Schmerzkomponente
auszuschalten, mit den Vorschlägen des begutachtenden Rheumatologen
übereinstimmt (IV-act. 47-26/27 und 27/27).
Dasselbe gilt bezüglich des Vorwurfs des Beschwerdeführers, der SAM
Bellinzona habe keine sachbezogenen Akten das Haftpflichtversicherers zum
eigentlichen Verkehrsunfall beigezogen und sich nicht mit dem genauen
Unfallhergang auseinandergesetzt. Tatsächlich befand sich das Arztzeugnis
vom 25. Dezember 2007 mit dem stichwortartigen Beschrieb des
Unfallhergangs bei den Akten der Branchen Versicherung und damit auch bei
den Akten der Vorinstanz (IV-act. 13-12/12 / M1). Der ungefähre Unfallablauf
war den begutachtenden Ärzten somit bekannt. Wie die Beschwerdegegnerin
zu Recht ausführte, ist die Invalidenversicherung final ausgerichtet und die
begutachtenden Ärzte hatten den gesamten Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers zu beurteilen. Vorliegend ist nicht ersichtlich, inwiefern die
noch genauere Kenntnis des Unfallhergangs die Beurteilung der Ärzte hätte
beeinflussen können. Der Beschwerdeführer macht denn dazu auch keine
weiteren Angaben.
e) Der Beschwerdeführer brachte gegen das polydisziplinäre Gutachten des SAM
Bellinzona vor, dieses stelle faktisch ein Aktengutachten dar. Es fehlten
neurologischen Abklärungen, aktualisierte bildgebende Verfahren sowie eine
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL).
Der Einwand des Beschwerdeführers, der SAM Bellinzona habe lediglich eine
psychiatrische und eine rheumatologische Untersuchung durchgeführt, ist
unzutreffend. Der Beschwerdeführer wurde am 10., 11. und 12. August 2009
persönlich abgeklärt, wobei eine allgemeinmedizinische Untersuchung erfolgte,
sowohl eine psychiatrische (IV-act. 47-19/27) als auch eine rheumatologische
(IV-act. 47-/27) Konsultation stattfanden und im Rahmen der letzteren auch
eine neurologische, nämlich die allgemeine Prüfung des Nervensystems (IV-
act. 47-25/27 „sistema nervoso cursorio“), die unauffällig verlief. Nichts anderes
hatten die neurologische Untersuchung bei Dr. med. ... (vgl. IV-act. 29-4/8, 6/8
und 7/8) im Dezember 2008 und die viermalige psychiatrische Konsultation bei
Dr. med. ... (IV-act. 29-8/8), worüber der Beschwerdeführer den
begutachtenden Ärzten berichtete (IV-act. 47-8/27), ergeben. Damit bestand
aber für den SAM Bellinzona keinerlei Anlass, weitergehende neurologische
Untersuchungen vorzunehmen. Und der Vorwurf des Beschwerdeführers, es
liege faktisch ein Aktengutachten vor, erscheint angesichts der stattgefundenen
Untersuchungen als verfehlt.
Für die medizinische Beurteilung zogen die begutachtenden Ärzte auch die
Ergebnisse der labormedizinischen und der bildgebenden, mithin
radiologischen Untersuchungen (MRI) (IV-act. 47-12/27) bei. Dabei führten sie
kein eigenes MRI durch, sondern stellten auf das Arthro-MRI der linken Schulter
vom 3. März 2009 (IV-act. 29-5/8) ab. Der Beschwerdeführer machte geltend,
seit dem vorangegangenen MRI vom November 2008 sei eine
Verschlechterung der gesundheitlichen Situation eingetreten, weshalb im
Rahmen der Begutachtung die Durchführung eines aktualisierten MRI indiziert
gewesen wäre.
In seinem Bericht vom 5. März 2009 (IV-act. 29-5/8) erläuterte der Radiologe,
die „Befunde scheinen ähnlich [recte: wie] in der Voruntersuchung am
28.11.08“. Er bemerkte „eher zunehmende subacromiale Bursitis mit
zunehmender Flüssigkeitskollektion“ und „zunehmende reaktive
Veränderungen“ im Bereich des AC-Gelenks. Gleichzeitig hielt er fest, dass die
übrigen Befunde stationär seien. Dr. med. ... sprach im April 2009 in diesem
Zusammenhang lediglich von einer „Nicht-Verbesserung“ des Zustandes (IV-
act. 34-2/2). Bemerkenswert ist, dass das MRI vom 3. März 2009 insbesondere
keine Totalruptur der Sehne zeigte. Bei der seit November 2008 eingetretenen
Verschlechterung handelte es sich folglich, entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführers, nicht um eine „deutliche“, sondern um eine partielle. Ferner
sind, wie auch die Beschwerdegegnerin erwähnte, in den übrigen Akten keine
Hinweise auf eine seit dem MRI vom März 2009 eingetretene weitere
Verschlechterung ersichtlich. Dem entspricht, dass der Beschwerdeführer
gegenüber den begutachtenden Ärzten angab, die Schmerzen in der linken
Schulter hätten sich nach der Operation vom September 2008 eher verstärkt
(IV-act. 47-9/27, „disturbi soggettivi attuali”: “a suo dire quasi peggiorati dopo
l’intervento ortopedico del 23.09.2008“), jedoch ansonsten nicht über eine -
allenfalls kontinuierliche - Verschlimmerung der gesundheitlichen Situation
klagte. Bestehen somit keine Hinweise darauf, dass die ursprüngliche
Verschlechterung seit dem Arthro-MRI vom 3. März 2009 fortgeschritten wäre,
ist der Verzicht auf die Durchführung eines aktualisierten MRI nicht zu
beanstanden.
f) Der Beschwerdeführer brachte vor, die begutachtenden Ärzte hätten einen
stationären Rehabilitationsaufenthalt und Therapiemassnahmen (Infiltration von
Kortisonsteroiden in die Gelenkschulter) empfohlen, um die effektiven
funktionalen Defizite der versicherten Person beurteilen zu können. Folglich sei
der medizinische Sachverhalt noch gar nicht abschliessend beurteilbar
gewesen. In ihrem Bericht vom 24. November 2009 hätten die begutachtenden
Ärzte hervorgehoben, dass sie angesichts der weiterhin
behandlungsbedürftigen Schulter weder zur Invalidität noch zum
Integritätsschaden Stellung nehmen könnten. Dass der Gesundheitszustand
labil sei, habe auch die im Sommer 2011 begonnene Infiltrationsbehandlung
gezeigt, die eine gewisse Verbesserung der Funktionalität der Schulter und des
linken Arms gebracht habe. Sei aber eine Behandlungsbedürftigkeit
ausgewiesen, sei fraglich, auf welcher Grundlage die Gutachterstelle die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers überhaupt habe einschätzen können
und deren Schluss, der Beschwerdeführer sei in einer adaptierten Tätigkeit zu
100 % arbeitsfähig, sei nicht erklärbar. Im Übrigen vertrete auch der
Unfallversicherer, mit einer anderen Begründung allerdings, die Auffassung,
dass das Gutachten des SAM Bellinzona nicht verwertbar sei.
Die begutachtenden Ärzte gingen davon aus, dass die Prognose, ohne
Durchführung weiterer therapeutischer Massnahmen, mittel- bis langfristig
unverändert bleiben würde („la prognosi valetudinaria a medio-lungo termine
risulta stazionaria“) (IV-act. 47-17/27). Der begutachtende Rheumatologe
empfahl in seinem Bericht vom 16. August 2009 (IV-act. 47-22 ff./27) die
Fortführung der durchgeführten Wassergymnastik, am besten im Rahmen eines
Rehabilitationsaufenthalts, weil der Beschwerdeführer im funktionellen Bereich
gut darauf angesprochen hatte. Dabei könne man versuchen, mit
Kortisoninfiltrationen, welche die entzündlichen Ursachen der Schmerzen
lindern könnten, die Beweglichkeit der linken Schulter zu verbessern.
Möglicherweise, so der Rheumatologe, könne der Beschwerdeführer nach
durchgeführter Rehabilitation die Arbeitsfähigkeit in seiner bisherigen Tätigkeit
als Metzger noch steigern. Entgegen den Behauptungen des
Beschwerdeführers ist damit nicht von einem labilen, sondern von einem
allenfalls besserungsfähigen Gesundheitszustand auszugehen. Unter diesen
Umständen kann, wie auch die Beschwerdegegnerin ausführte, nicht
beanstandet werden, dass die Ärzte des SAM Bellinzona ihre Einschätzung auf
der Basis des damaligen Ist-Zustandes vornahmen. Wenn sie bereits zum
damaligen Zeitpunkt eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungsgeeigneten Tätigkeit bejahten, musste eine solche nach allfällig
erfolgreicher Durchführung von Therapie- und Rehabilitationsmassnahmen erst
recht gegeben sein. Folglich konnte davon abgesehen werden, das Ergebnis
solcher Massnahmen abzuwarten.
Dasselbe gilt für den Einwand des Beschwerdeführers, die begutachtenden
Ärzte hätten im Bericht des SAM Bellinzona vom 24. November 2009 (IV-act.
86-2/3) weder den UV-rechtlich massgeblichen Integritätsschaden noch den
medizinisch-theoretischen Schaden bestimmen können. Zur Begründung
führten die begutachtenden Ärzte an, aufgrund der Behandlungsvorschläge des
Rheumatologen sei nicht mit einer lebenslänglich gleich bleibenden
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen respektive eine Verbesserung
der Funktionalität der Schulter sei möglich (IV-act. 86-2/3 und 3/3). Diese
Angaben stellen die Schlussfolgerung der begutachtenden Ärzte, dass im
Zeitpunkt der Begutachtung eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten
Tätigkeit gegeben war, gerade nicht in Frage.
Unerheblich ist der Hinweis des Beschwerdeführers, dass auch die Branchen
Versicherung das Gutachten des SAM Bellinzona als unzureichend bewertet
habe. Tatsächlich kritisierte die Unfallversicherung in ihrer Verfügung vom 29.
November 2011, dass die begutachtenden Ärzte nicht im Besitz der
Zweitmeinung von Dr. med. ... waren, und dass der Beschwerdeführer
bezüglich der Konsultation bei diesem falsche Angaben gemacht habe (Bf-act.
11). Wie bereits ausgeführt, konnten die begutachtenden Ärzte davon absehen,
die Zeitmeinung von Dr. med. ... beizuziehen (vgl. vorstehend Erw. 4d). Im
Übrigen hatte der Beschwerdeführer gegenüber den begutachtenden Ärzten
angegeben, Dr. med. ... habe von einem erneuten operativen Eingriff abgeraten
(„sconsigliato“) (IV-act. 47-8/27). Dies stimmt, entgegen den Ausführungen der
Branchen Versicherung, insofern mit dem Bericht von Dr. med. ... überein, als
dieser einen solchen gerade nicht empfohlen hatte (IV-act. 35-4/4).
g) Der Beschwerdeführer bemängelte, dass sich die begutachtenden Ärzte nicht
mit der abweichenden Beurteilung der behandelnden Ärzte auseinandergesetzt
hätten. Gemäss Einschätzung des Beschwerdeführers stehen die
gutachterlichen Schlussfolgerungen in diametralem Widerspruch zu den
Berichten des behandelnden Arztes Dr. med. ... Insbesondere die Angaben des
Rheumatologen würden in praktisch allen wesentlichen Bereichen von den
Zumutbarkeitsbeurteilungen für behinderungsgeeignete Arbeiten von Dr. med.
... abweichen und seien somit nicht nachvollziehbar.
Der Rheumatologe stellte aufgrund der Akten, der Anamnese und der
klinischen Untersuchung fest, dass der Beschwerdeführer Gewichte bis zu den
Hüften heben und tragen könne, nämlich sehr häufig Gewichte bis 5 kg, häufig
Gewichte zwischen 5-10 kg, selten Gewichte zwischen 10-45 kg und nie
Gewichte über 45 kg. Bis über die Brust könne er häufig Gewichte bis zu 5 kg
heben, selten solche über 5 kg. Er könne sehr häufig Präzisionswerkzeuge
handhaben, sehr häufig Gegenstände mittlerer Grösse, manchmal schwere
Gegenstände und selten sehr schwere Gegenstände. Die Handbewegung sei
normal. Arbeiten über Kopf könne er selten durchführen, die Rotation des
Rumpfes sei sehr häufig möglich, sehr häufig auch das Sitzen und Stehen,
auch nach vorne geneigt und auch über längere Zeit, das Knien und in die Knie
gehen, das Gehen, auch über längere Strecken und über unebenen Boden (IV-
act. 47-27/27). Aufgrund dieser Resultate erkannten die begutachtenden Ärzte,
dass der Beschwerdeführer in seiner ursprünglichen Tätigkeit als Metzger zu
50 % und in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Auf
die in diesem Zusammenhang vorgebrachten Ausführungen des
Beschwerdeführers zu den Tätigkeiten wie Schlachten, Ausbeinen, Wursten
und Verkauf, die er bei der Metzgerei ausgeübt hatte respektive in der
bisherigen Tätigkeit ausüben müsste, ist nicht weiter einzugehen. Diese sind
vorliegend, wie bereits erwähnt, und entgegen dem Vorbringen des
Beschwerdeführers, nicht massgebend. Relevant ist vielmehr die verwertbare
Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit.
Dass die Einschätzung der begutachtenden Ärzte derjenigen von Dr. med. ...
diametral widerspreche, ist unzutreffend. Dem SAM Bellinzona standen der
Bericht von Dr. med. ... vom 6. März 2009 (IV-act. 21-3/10-5/10) und dessen
Schreiben an Dr. med. ... vom 14. März 2009 (IV-act. 29-4/8), an die
Branchenversicherung vom 10. Februar 2009 (IV-act. 29-6/8) und an Dr. med.
... vom 9. Dezember 2008 (IV-act. 29-7/8) zur Verfügung. In seinem Bericht
vom 6. März 2009 (IV-act. 21-3/10-5/10) beurteilte Dr. med. ... den Zustand und
die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für den Zeitraum seit dem Unfall
bis zum Frühjahr 2009. Dabei schätzte er die Chancen, dass der
Beschwerdeführer wieder eine körperlich stark beanspruchende Arbeit als
Metzger aufnehmen könne, als gering ein und empfahl als einzige
gewinnbringende Massnahme eine Umschulung auf einen körperlich weniger
anspruchsvollen Beruf. Auf die Fragen nach den unter Berücksichtigung der
bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen noch ausführbaren Arbeiten
stufte Dr. med. ... das Sitzen, Stehen, wechselbelastende Tätigkeiten, das
Bücken, Kauern, Knien, die Rotation im Stehen/Sitzen, und das Treppen-
Steigen als zumutbar, hingegen das Heben/Tragen von Gewichten, das Über-
Kopf-Arbeiten und das Steigen auf Leitern/Gerüste als unzumutbar ein. Davon
weicht die Einschätzung des begutachtenden Rheumatologen, der das Über-
Kopf-Arbeiten als selten möglich bezeichnete (vgl. IV-act 47-27/27) und nicht
problemlos, wie der Beschwerdeführer geltend machte, nur geringfügig ab. Für
das Heben von Gewichten gab Dr. med. ... keine Gewichtslimiten an,
währenddem die begutachtenden Ärzte beim Heben bis zu den Hüften
zwischen leichteren, mittelschweren und sehr schweren Gewichten
differenzierten und nur das Heben von sehr schweren Gewichten (über 45 kg)
ganz verneinten und das Heben über die Brust bei Gewichten bis zu 5 kg,
selten bei schwereren Gewichten als möglich erachteten. Wie die
Beschwerdegegnerin ausführte, ist es nicht ungewöhnlich, dass
Einschätzungen verschiedener Ärzte, insbesondere des behandelnden und des
begutachtenden Arztes teilweise voneinander abweichen. Vorliegend beruhte
die Einschätzung des behandelnden Arztes im Wesentlichen auf den
Selbstangaben des Beschwerdeführers, erwähnte Dr. med. ... doch mehrfach,
die vom Beschwerdeführer beschriebenen Schmerzen seien für ihn aufgrund
der objektiven Befunde nicht erklärbar (Schreiben von Dr. med. ... vom 14.
März 2009, IV-act. 29-4/8, und vom 27. April 2009, IV-act. 35-1/4). Die Angaben
des SAM Bellinzona hingegen, der darauf spezialisiert ist, die IV-rechtliche
Arbeitsfähigkeit objektiv zu beurteilen, erweisen sich vorliegend als wesentlich
differenzierter, in ihrer Gesamtheit nachvollziehbar und überzeugend. Der
Umstand also, dass die Angaben des behandelnden Arztes, Dr. med. ..., nicht
vollumfänglich damit übereinstimmen, vermag die Einschätzungen der
begutachtenden Ärzte nicht zu erschüttern. Im Übrigen werden die
gegenteiligen Ausführungen des Rheumatologen auch nicht dadurch in Frage
gestellt, dass der Beschwerdeführer behauptete, er habe sein
Feinmotorikgefühl in der linken Hand verloren, weshalb er eben gerade keine
Präzisionswerkzeuge bedienen könne. Entsprechende Beeinträchtigungen sind
in keinem der Arztberichte belegt, vielmehr führte Dr. med. ... in seiner
Zweitmeinung vom 9. April 2009 (IV-act. 35-3/4) ausdrücklich aus, die
Feinmotorik sei nicht eingeschränkt. Auch dem Bericht der ... AG (IV-act. 146-
24/27) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei seinem Einsatz im
Spital ... grosse Fleischstücke gut schneiden konnte und ihm lediglich das
Festhalten kleinerer Gegenstände mehr Schmerzen bereitete.
Nichts anderes ergibt sich aus dem Bericht von Dr. med. ... vom 3. Juli 2009 an
die Branchen Versicherung (IV-act. 41-1/1) und auch Dr. med. ... vom RAD
Ostschweiz stellte am 29. Oktober 2009 in seiner Abschlussbeurteilung (Case
Report, IV-act. 160-9/15) „unter Verweis auf die ausführliche Darlegung von
Biographie und klinischem Verlauf“ ohne Vorbehalte auf das Gutachten des
SAM Bellinzona ab. Unerheblich ist, dass Dr. med. ... von einer gegebenen
„Invalidität“ sprach, ist doch diese, mithin der Grad der Erwerbseinbusse,
anhand des Vergleichs von Validen- und Invalideneinkommen zu berechnen,
was nicht Aufgabe des Arztes ist. Damit erweist sich das Gutachten des SAM
Bellinzona vom 7. Oktober 2009 insgesamt und auch ohne Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit als schlüssig und nachvollziehbar. Auch der
vom Beschwerdeführer kritisierte Umstand, dass die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit rückwirkend abgegeben worden
ist, ändert daran nichts, zumal vorliegend ohnehin der Zeitpunkt des
Verfügungserlasses massgebend ist.
Im Übrigen bestehen auch keine Hinweise für eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers seit der Begutachtung des SAM
Bellinzona im August 2009 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung im
August 2011. Immerhin arbeitete der Beschwerdeführer im Rahmen eines
Arbeitseinsatzes im ... von Mitte Dezember 2010 bis Ende März 2011 in einem
Pensum von anfangs 50 %, das bis auf 100 % gesteigert wurde. Der Filialleiter
gab dazu an, der Beschwerdeführer habe „gute Arbeit geleistet“, habe „sich in
einer aufgestellten Form“ gezeigt, „12 kg abgenommen“ und gesundheitlich
gehe „es ihm sehr gut“ (146-19f./27). Der Betrieb beurteilte den Einsatz als
Bankmetzger (Mitarbeiter Verkauf) als zumutbar und der gesundheitlichen
Situation des Beschwerdeführers angepasst (IV-act. 66-2/2, 94-1/2, 100-1/1,
134-1/1, 148). Dass dies nicht zutreffe, weil sich ... im Nachgang zum
Arbeitsversuch geweigert hätte, dem Beschwerdeführer eine Festanstellung
anzubieten, wie der Beschwerdeführer behauptete, ist aktenwidrig. Wie aus
dem Schreiben von ... vom 17. Januar 2011 (IV-act. 93-2/2, vgl. auch IV-act.
95-1/1) hervorgeht, war bereits im Vorfeld ausdrücklich kommuniziert worden,
dass der Arbeitgeber keine Arbeitsstelle in Aussicht stelle. Von fehlender
Aktualität des Gutachtens kann unter diesen Umständen nicht gesprochen
werden. Damit gereicht die zweijährige Dauer zwischen Begutachtung und
Erlass der angefochtenen Verfügung dem Beschwerdeführer nicht zum
Nachteil, dies umso weniger, als für ihn in dieser Periode verschiedene
Arbeitstrainings tatsächlich organisiert und durchgeführt worden sind.
h) Die Kritik des Beschwerdeführers an den Ausführungen von Dr. med. ... in
seiner Zweitmeinung vom 9. April 2009 (IV-act. 35-2/4-4/4) ändert an der
Beurteilung des medizinischen Sachverhalts nichts. Dessen Einschätzung, dass
„ein grosser Teil der angegebenen Beschwerden und Ausfälle [...] nicht
objektiviert oder erklärt werden“ könne, stimmt mit derjenigen der übrigen
behandelnden und begutachtenden Ärzte überein. Dr. med. ... hatte
festgestellt, dass Schulter-Oberarm-Muskulatur des Beschwerdeführers
praktisch symmetrisch und die Hand- und Vorderarmmuskulatur nicht atroph
sei, was darauf hinweise, dass der Beschwerdeführer die linke Hand respektive
den linken Arm im Alltag ohne erhebliche Einschränkungen einsetze. Daraus
folgerte er, beim Beschwerdeführer herrsche eine Aggravationstendenz,
allenfalls auch eine gewisse Simulation vor. Diese vom Beschwerdeführer mit
verschiedenen Argumenten kritisierten Feststellungen ändern letztlich an der
Beurteilung, dass der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig ist, nichts.
i) In seiner Replik beanstandete der Beschwerdeführer schliesslich, dass die IV-
Stelle die Gutachterstelle im Vorfeld der Auftragserteilung nicht anhand der
Kriterien, die das Bundesgericht in BGE 137 V 210 aufgestellt hatte, evaluiert,
die Begutachtung sowie die zuständigen Gutachter nicht mittels
verfahrensrechtlicher Verfügung bestimmt und dem Beschwerdeführer nicht die
Möglichkeit eingeräumt habe, mittels eigener Fragestellungen auf die
gutachterliche Tätigkeit einzuwirken. Auch vor diesem Hintergrund rechtfertige
sich eine Neubegutachtung unter Wahrung der vom Bundesgericht definierten
Verfahrensgrundsätze.
Zutreffend ist, dass das Bundesgericht in dem am 28. Juni 2011 ergangenen
Urteil (BGE 137 V 210) seine Praxis änderte und festhielt, dass den latent
vorhandenen Gefährdungen der Verfahrensfairness mittels administrativer
Korrektive und einer Stärkung der Partizipationsrechte entgegenzutreten sei. So
müsse die Anordnung, eine Expertise einzuholen, in die Form einer
Zwischenverfügung gekleidet werden, wenn darüber kein Konsens bestehe
(Erw. 3.4.2.6). Vorliegend wurde dem Beschwerdeführer am 14. April 2009
mitgeteilt, dass eine Begutachtung durchgeführt und dass damit der SAM
Bellinzona beauftragt werde (IV-act. 30-1/1). Dazu und auch zur Einladung des
SAM Bellinzona vom 26. Juni 2009 mit Nennung des begutachtenden Arztes
und der beratenden Ärzte (IV-act. 39) äusserte sich der Beschwerdeführer
nicht, sondern präsentierte sich zum fraglichen Zeitpunkt ordnungsgemäss
beim SAM Bellinzona zur Begutachtung. Damit manifestierte er sein
Einverständnis mit dem Vorgehen der IV-Stelle und mit der beauftragten
Gutachterstelle, weshalb seine diesbezüglichen erst in der Replik, unter
Hinweis auf eine zwei Jahre nach dem fraglichen Vorgang ergangene
Rechtsprechung vorgebrachten Einwände nicht zu hören sind.
Des Weitern hielt das Bundesgericht fest, dass der versicherten Person die
Möglichkeit einzuräumen sei, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu
äussern. Es hielt aber explizit fest, dass die IV-Stellen der versicherten Person
den vorgesehenen Katalog der Expertenfragen zusammen mit der
verfügungsmässigen Anordnung der Begutachtung erst künftig zur
Stellungnahme unterbreiten müssten (Erw. 3.4.2.9). Nach der bisherigen
Rechtsprechung hatte die versicherte Person namentlich keinen Anspruch
darauf, sich vorgängig zu den Gutachterfragen der Verwaltung zu äussern
(BGE 133 V 446 Erw. 7). Aus der im Juni 2011 ergangenen Rechtsprechung
kann der Beschwerdeführer somit nichts zu seinen Gunsten ableiten. Das im
April 2009 von der IV-Stelle beobachtete Verfahren ist nicht zu beanstanden.
j) Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass das Gutachten des
SAM Bellinzona umfassend und ausreichend klar und schlüssig ist. Es beruht
auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die geklagten
Beschwerden, wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben und ist in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation nachvollziehbar und begründet. Somit kann vollumfänglich darauf
abgestellt werden und der seitens des Beschwerdeführers erhobene Antrag auf
Einholung eines weiteren polydisziplinären Gutachtens ist abzuweisen.
5. a) Gestützt auf die medizinischen Einschätzungen des SAM Bellinzona kam die
Vorinstanz zum Schluss, dass es für den Beschwerdeführer auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt neben den Tätigkeiten als Bankmetzger und
Mitarbeiter Metzgerei/Getränke genügend behinderungsgeeignete
Einsatzmöglichkeiten gebe (beispielsweise Kurierfahrten, Überführen von
Autos, Lenken von Reinigungsfahrzeugen, leichte Maschinenbedienung,
Kontrollfunktionen, leichte Sortier-, Prüf- und Verpackungsarbeiten sowie
leichtere Arbeiten im Bereich der zum Teil maschinell, mit Hubstapler usw.
unterstützten Lager- oder Ersatzteilbewirtschaftung). Bei der Berechnung des
Invalidenlohns für das Jahr 2009 stellte sie auf die Tabelle TA 1 der vom
Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) 2008 (Bruttolohn für einfache und repetitive
Tätigkeiten, Anforderungsniveau 4, im privaten Sektor bei Männern) ab und
errechnete, ohne Leidensabzug, bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von
41.7 Wochenstunden und einer Lohnentwicklung im Jahr 2009 von 1 % einen
Invalidenlohn von CHF 60'724.30.
Der Beschwerdeführer brachte vor, der von der Vorinstanz angenommene
Invalidenlohn liege deutlich über dem, was er Beschwerdeführer mit schlecht
bezahlten Aushilfstätigkeiten respektive als Bankmetzger erzielen könne. Im
Übrigen sei ihm die Tätigkeit eines Bankmetzgers oder eines Mitarbeiters
Metzgerei/Getränke nicht zumutbar und die Tätigkeit in den übrigen
angegebenen Berufsfeldern sei angesichts seiner gesundheitlichen Situation
unrealistisch.
b) Gemäss den Feststellungen der begutachtenden Ärzte unterliegt der linke Arm
des Beschwerdeführers Einschränkungen beim Heben von Gewichten, bei der
Handhabung von schweren und sehr schweren Gegenständen und beim Über-
Kopf-Arbeiten. Demgegenüber ist die Bedienung von Präzisionswerkzeugen
sehr häufig möglich und die Rotation mit der linken Hand ist normal. Die
gegenteilige Behauptung des Beschwerdeführers, wonach die Feinmotorik nicht
mehr gegeben sei, ist angesichts der Feststellungen von Dr. med. ... im Bericht
vom 9. April 2009 (IV-act. 35-3/4) und der ... AG (IV-act. 146-24/27) nicht
glaubhaft. Die Vorinstanz evaluierte verschiedene berufliche Tätigkeiten, deren
Ausübung dem Beschwerdeführer trotz der beschriebenen Einschränkungen
zumutbar ist. Der Beschwerdeführer verneinte dies mit Hinweis auf die sich bei
den Akten befindlichen DAP-Profile für die Arbeit eines Bankmetzgers und
eines Mitarbeiters Metzgerei/Getränke (IV-act. 146-2/27 und 146-10/27). Dieser
Einwand ist unbehelflich, zeigen doch gerade die DAP-Profile, dass in diesen
beiden beruflichen Tätigkeiten nie schwere und sehr schwere Gewichte bis
Lendenhöhe (über 25 kg) gehoben werden müssen, selten mittelschwere
Gewichte (10-25 kg) bis Lendenhöhe, selten (Bankmetzger) respektive
manchmal (Mitarbeiter Metzgerei/Getränke) Gewichte von weniger als 5 kg
über die Brusthöhe, selten (Bankmetzger) respektive nie (Mitarbeiter
Metzgerei/Getränke) Gewichte von mehr als 5 kg über die Brusthöhe sowie
selten Arbeiten über Kopfhöhe erforderlich sind. Der Vergleich mit den
Feststellungen des begutachtenden Rheumatologen (IV-act. 47-27/27) und
auch mit den Angaben des früheren Arbeitgebers, wonach der
Beschwerdeführer maximal Gewichte zwischen 10-25 kg habe heben müssen
(IV-act. 22-8/9), zeigt, dass der Beschwerdeführer das Anforderungsprofil für
die genannten beruflichen Tätigkeiten bestens erfüllt. Darüber hinaus ist nicht
einzusehen, weshalb der Beschwerdeführer, der unbestrittenermassen in der
Lage ist, mit dem Auto längere Strecken zu fahren, keine Kurierfahrten soll
vornehmen, keine Autos soll überführen und keine Reinigungsfahrzeuge soll
lenken können. Inwiefern zudem die Bedienung von leichten Maschinen, die
Ausübung von Kontrollfunktionen, leichten Sortier-, Prüf- und
Verpackungsarbeiten und leichteren Arbeiten im Bereich der Lager- oder
Ersatzteilbewirtschaftung unrealistisch sein soll, wie der Beschwerdeführer
behauptet, ist nicht nachvollziehbar. Vielmehr zeigte gerade der Arbeitseinsatz
beim ..., dass der Beschwerdeführer ohne weiteres in der Lage ist, einer
behinderungsgeeigneten Tätigkeit nachzugehen und dabei die volle Leistung zu
erbringen (vgl. IV-act. 66-2/2, 94-1/2, 100-1/1, 134-1/1, 146-19f./27:
„gesundheitlich geht es ihm sehr gut“, 148).
c) Der Beschwerdeführer erachtete das von der Vorinstanz errechnete
Invalideneinkommen von CHF 60'724.30 angesichts der
Verdienstmöglichkeiten in den angegebenen Berufen als unrealistisch. Dieser
Einwand überzeugt nicht. In dem vom ... Ostschweiz, Filiale ..., ausgefüllten
DAP-Profil für den Bankmetzger ist ein möglicher Jahreslohn von
CHF 55'900.00 bis CHF 67'600.00 (13 x CHF 4’300.00 respektive
CHF 5'200.00; IV-act. 146-3/27) aufgeführt, was einem Durchschnitt von
CHF 61'750.00 entspricht und im Bereich des von der Vorinstanz
angenommenen Invalideneinkommens liegt. Im Übrigen sind für die
Bestimmung des Invalidenlohns gemäss Rechtsprechung Tabellenlöhne
beizuziehen, wenn kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben ist,
namentlich weil der Versicherte nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine
oder jedenfalls keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit
aufgenommen hat (BGE 126 V 75 Erw. 3a/bb mit Hinweisen).
Die entsprechende Berechnung des Invalideneinkommens seitens der
Vorinstanz anhand der Lohnstrukturerhebungen (LSE) 2008 erfolgte
rechtsprechungsgemäss. Vorliegend ist daher von einem Invalideneinkommen
für das Jahr 2009 von CHF 60'724.30 auszugehen.
d) Der Beschwerdeführer machte geltend, die Vorinstanz habe zu Unrecht keinen
Leidensabzug vorgenommen. Dieser müsse mindestens 20 % betragen, zumal
er auch in einer adaptierten Tätigkeit die linke Schulter nicht uneingeschränkt
gebrauchen und aufgrund des Verlustes der Feinmotorik nur langsam arbeiten
könne. Dies habe insbesondere Dr. med. ... in seinem Bericht vom 6. März
2009 (IV-act. 21-5/10) detailliert begründet. Eine korrekte Auswertung der
Arbeitsversuche habe trotz entsprechender Aufforderungen seitens des
Beschwerdeführers nicht stattgefunden. Bereits ein Abzug von 5 % würde
vorliegend genügen, um aufgrund des von der Beschwerdegegnerin
angegebenen Validen- und Invalideneinkommens auf eine Erwerbseinbusse
von über 20 % zu kommen. Immerhin habe das Bundesgericht bei faktischer
Einhändigkeit Leidensabzüge von 20 % bis 25 % zugelassen. Die
Wiedereingliederungsbemühungen seien trotz professioneller Hilfe gescheitert.
Beim Beschwerdeführer seien auch das fortgeschrittene Alter und das tiefere
Lohnniveau im Raume Puschlav/Unterengadin/Münstertal zu beachten.
Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind,
hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten
Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei erlaubt ein
Abzug vom statistischen Lohn von insgesamt höchstens 25 %, den
verschiedenen Merkmalen, die das Erwerbseinkommen zu beeinflussen
vermögen, Rechnung zu tragen (BGE 126 V 75). Bei der Überprüfung des
gesamthaft vorzunehmenden Abzuges, der eine Schätzung darstellt und von
der Verwaltung kurz zu begründen ist, darf das Sozialversicherungsgericht sein
Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung
setzen (BGE 126 V 75).
Bezüglich der Frage der gesundheitlichen Einschränkungen ist vorliegend
vollumfänglich auf die Einschätzung des SAM Bellinzona abzustellen. Demnach
hat der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tätigkeit keine
Leistungseinschränkungen zu gewärtigen. Nichts anderes ergibt sich aus dem
Bericht von Dr. med. ... vom 6. März 2009 (IV-act. 21-5/10), und dasselbe zeigt
auch der bereits erwähnte Vergleich der DAP-Anforderungsprofile für einen
Bankmetzger und einen Mitarbeiter Metzgerei/Getränke mit den Feststellungen
des begutachtenden Rheumatologen (IV-act. 47). Dass eine faktische
Einhändigkeit vorliege, ist vor dem Hintergrund der Ergebnisse der
medizinischen Abklärungen gänzlich unzutreffend. Der Beschwerdeführer kann
sowohl den linken Arm wie die linke Hand gebrauchen, Einschränkungen hat er
insbesondere beim Heben von Gewichten, beim Über-Kopf-Arbeiten und beim
Steigen auf Leitern/Gerüste zu gewärtigen. Der Sachverhalt in dem vom
Beschwerdeführer zitierten Urteil des Bundesgerichts vom 17. September 2008
(9C_418/2008 Erw. 3.3.2) ist mit dem vorliegenden nicht vergleichbar,
bestanden doch in jenem Fall eine erhebliche Koordinationsstörung zwischen
Daumen und Langfingern der rechten Hand, eine massiv gestörte Feinmotorik
und eine hohe Schmerzempfindlichkeit in der Hohlhand, die verhinderte, dass
die rechte Hand als einfache Zudienhand eingesetzt werden konnte (Erw.
3.3.1). Das Schieben von nicht allzu schweren Gegenständen war lediglich mit
dem Handrücken seitlich möglich, die distale Vorderarmhälfte war aufgrund der
hohen Schmerzhaftigkeit ebenfalls nicht brauchbar (Erw. 3.3.1). Zudem litt der
Versicherte bedingt durch ein zusätzliches Rückenleiden an funktionellen
Einschränkungen (u.a. keine Arbeiten in Zwangshaltung und über Kopf, keine
Kälte-/Nässeeinwirkungen, auf Unebenheiten und Leitern mit Sturz- oder
Stolpergefahr; Erw. 3.3.1). Beim Beschwerdeführer kann keine Rede davon
sein, dass die Verwertbarkeit seiner Arbeitsfähigkeit in diesem Ausmass
erschwert wäre.
Sodann ergab die Konsultation bei Dr. med. ... vom 9. April 2009 (IV-act. 35-
2/4-3/4), dass die Muskulatur von Schulter und Oberarm links des
rechtshändigen Patienten praktisch identisch mit derjenigen der rechten Seite
und minim hypotroph links gegenüber rechts sei, und dass die Hand- und
Vorderarmmuskulatur nicht atroph sei. Gemäss Einschätzung von Dr. med. ...
zeige dies, dass der Beschwerdeführer den linken Arm im Alltag benutze, was
auch seine Ehefrau gegenüber Herrn ... von der ... AG anlässlich eines
Telefonats im Oktober 2010 (IV-act. 146-24/27) bestätigte. Selbst der
Beschwerdeführer hatte gegenüber Herrn ... erklärt, dass er, zwar mit
Schmerzen, jedoch in der Lage war, grosse Fleischstücke zu schneiden und
kleinere Gegenstände festzuhalten (IV-act. 146-24/27).
Keinerlei Anhaltspunkt für einen Leidensabzug, nämlich für die Annahme, dass
der Beschwerdeführer seine gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem
Erfolg verwerten könnte, ergibt sich aus dem Alter (Jahrgang 1967), der
(schweizerischen) Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers, dem angeblich
tieferen Lohnniveau im Raum Puschlav/Unterengadin/Münstertal und dessen
Schulbildung, den Berufs- und weiteren Kenntnissen (IV-act. 3-5/10, IV-act.
147-2/4 und 3/4). Diesbezüglich ist in Übereinstimmung mit den Ausführungen
der Vorinstanz festzuhalten, dass die Kenntnisse und die Berufserfahrung des
Beschwerdeführers, die er immerhin im Zusammenhang mit der Festlegung des
Validenlohns besonders hervorhob, im Anforderungsniveau 4 zumindest ein
Wettbewerbsvorteil sind respektive diese sogar eine Einordnung im
Anforderungsniveau 3 rechtfertigen könnten. Die Vorinstanz hat somit zu Recht
keinen Leidensabzug vorgenommen.
6. a) Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
als Gesunde tatsächlich verdienen würde, und nicht, was sie bestenfalls
verdienen könnte (BGE 135 V 58 Erw. 3.1, 131 V 51 Erw. 5.1.2, Urteil des
Bundesgerichts 9C_488/2008 vom 5. September 2008 Erw. 6.4). Dabei wird in
der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da
erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt
worden wäre. Ausnahmen von diesem Erfahrungssatz müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 Erw. 4.1, 129 V
222, Erw. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen).
Die Vorinstanz stellte sowohl auf das gegenüber der AHV deklarierte
Einkommen des Beschwerdeführers bis zum Unfall im Dezember 2007 von
CHF 66'300.00 (CHF 5'100.00 x 13) (IV-act. 16) als auch auf die nachträglich
korrigierten Lohnangaben des ehemaligen Arbeitgebers vom 21. März 2011 (IV-
act. 140-4/11) ab und ging von einem auf das Jahr 2009 hochgerechneten
Valideneinkommen von CHF 73'528.00 (CHF 5'600.00 x 13 x 1.01) aus. Sie
erachtete die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Lohnerhöhung per
Dezember 2007 um 33.33 % auf CHF 6'800.00 als unrealistisch, nahm jedoch
unter Berücksichtigung des scheinbar ab der Wintersaison 2007/2008 bevor
gestandenen Tätigkeitswechsels eine solche um fast 10 %, nämlich auf CHF
5'600.00 (x 13) an.
Der Beschwerdeführer machte geltend, es müsse von einem
Valideneinkommen von CHF 90'176.00 ausgegangen werden. Ihm sei nämlich
ab 1. Dezember 2007 eine massive Erhöhung des Lohnes zugesichert worden,
weil er einerseits verstärkt im Aussendienst hätte tätig sein sollen, andererseits
hervorragende Qualifikationen und Betriebstreue vorweisen könne und weil
schliesslich jahrelang auch keine Lohnerhöhungen gewährt worden seien.
Abzustellen sei auf die vom ehemaligen Arbeitgeber kurz nach dem Unfall
zuhanden des Unfallversicherers ausgestellte Schadenmeldung und die etwas
mehr als ein Jahr später gemachten Angaben der Metzgerei im Fragebogen für
Arbeitgebende der IV-Stelle. Dort sei für die Jahre 2007 und 2008 ein
Monatslohn von CHF 6'800.00 zuzüglich 13. Monatslohn deklariert worden.
Dabei handle es sich nicht um ein Missverständnis, immerhin habe der
ehemalige Arbeitgeber während mehr als eineinhalb Jahren auch auf dieser
Basis berechnete UVG-Taggelder bezogen. Die nachträglich vorgenommene
Lohnkorrektur sei auf den Beizug eines Rechtsvertreters hin erfolgt und müsse
im Zusammenhang mit dem gegen den ehemaligen Arbeitgeber instanzierten
Zivilprozess gesehen werden. Im Übrigen habe der ehemalige Arbeitgeber
keine korrekten Lohnabrechnungen und Lohnausweise erstellt, nicht die vollen
Taggelder überwiesen und nicht näher erklärbare Zahlungen auf das Konto des
Beschwerdeführers vorgenommen, sodass der Beschwerdeführer jeglichen
Überblick verloren habe. Im Übrigen verwies der Beschwerdeführer zur
weiteren Begründung auf die Beschwerde vom 16. Mai 2011 im Verfahren S 11
66 betreffend IV-Taggelder.
b) Das Gericht erachtet es aufgrund der Aktenlage als nicht plausibel, dass der
Lohn des Beschwerdeführers ab Dezember 2007 um einen Drittel, nämlich von
CHF 5'100.00 auf CHF 6'800.00, hätte erhöht werden sollen. Der ehemalige
Arbeitgeber korrigierte seine ursprünglich in der Unfallmeldung vom 25.
Dezember 2007 (IV-act. 14-5/5 und Bf-act. 8) und im Fragebogen für
Arbeitgebende vom 15. Februar 2009 (IV-act. 22) gemachten Angaben denn
auch nachträglich und stellte auf konkrete Nachfrage seitens der Branchen
Versicherung (IV-act. 92-1/4) und der IV-Stelle vom 13. Dezember 2010 klar
(IV-act. 90), dass kurz vor dem Unfall die Filiale in ... geschlossen worden und
beim Beschwerdeführer ab Dezember 2007 ein Tätigkeitswechsel vorgesehen
war, dass dieser nämlich neu im Aussendienst hätte tätig sein sollen und dafür
einen höheren Lohn von CHF 5'600.00 zuzüglich Kinderzulagen und Spesen
(was total circa CHF 6'800.00 ergibt) hätte beziehen sollen (IV-act. 91-2/2, 92-
1/4). Entsprechend fiel auch die Deklaration gegenüber der AHV-
Ausgleichskasse Metzger vom 21. März 2011 aus (IV-act. 140-4/11). Andere
Hinweise als die im November/Dezember 2010 und somit nachträglich
ausdrücklich als falsch zurückgenommenen Angaben des ehemaligen
Arbeitgebers für eine Lohnerhöhung auf CHF 6'800.00 - zu dem gemäss
Ansicht des Beschwerdeführers noch die Kinderzulagen hinzukommen sollten -
sind nicht vorhanden. Daran vermag auch der Umstand, dass im Case Report
der IV-Stelle (IV-act. 160-5/15) die ursprünglichen, nicht korrekten Angaben
übernommen respektive nach Richtigstellung der Lohnhöhe nicht geändert
worden sind, nichts zu ändern. Auch scheint die Tätigkeit, die der
Beschwerdeführer ab Dezember 2007 hätte ausüben sollen (Kundenbetreuung
/ Vertrieb / Lieferung der Fleischwaren etc.) (IV-act. 90-1/1), nicht wesentlich
anspruchsvoller als die ursprüngliche, die gemäss Angaben des
Beschwerdeführers zu einem grossen Teil im Liefern von Ware zu den Kunden
bestanden hatte (IV-act. 26-2/5). Der vom ehemaligen Arbeitgeber angegebene
Lohn von CHF 5'600.00 entspricht zudem auch eher den in der Beilage zum
allgemein verbindlich erklärten Gesamtarbeitsvertrag der Metzger (Beilage zu
den Löhnen, Ausgabe 2007, Verfahren S 11 66: Bf-act. 7) aufgeführten Löhnen,
wonach ein angestellter Metzger einen Mindestlohn von brutto CHF 3'850.00,
ein Metzger mit besonderer Verantwortung CHF 4'550.00 brutto pro Monat
verdienen sollte, und die Höhe des Lohnes bei einem Betriebsleiter oder einem
Arbeitnehmer mit gleichwertigen Funktionen der freien Vereinbarung unterliegt.
c) Im Verfahren S 11 66 betreffend IV-Taggelder beanstandete der
Beschwerdeführer zu Recht, dass das Valideneinkommen aufgrund der
Teuerung anstatt aufgrund der Nominallohnentwicklung aufgerechnet worden
sei, was zu einer Korrektur des Valideneinkommens seitens des Gerichts
führte. Vorliegend erweist sich eine solche Korrektur als obsolet, müsste doch
gleichzeitig auch das Invalideneinkommen entsprechend hochgerechnet
werden, womit die Erwerbseinbusse gleich bleiben würde. Der IV-Grad bleibt
unverändert.
Korrekterweise sind Kinderzulagen und Spesen bei der Festlegung des
Valideneinkommens nicht mitzuberücksichtigen, zumal sie gemäss Art. 28a IVG
nicht Bestandteil des Erwerbseinkommens darstellen (Ulrich Meyer, a.a.O., Art.
28a S. 291).
7. a) Angesichts des errechneten Invalideneinkommens von CHF 60'724.30 und des
ermittelten Valideneinkommens von CHF 73'528.00 beträgt der Invaliditätsgrad
17.4 %. Erreicht die Erwerbseinbusse für eine ohne zusätzliche berufliche
Ausbildung noch zumutbare Erwerbstätigkeit die Grenze von 20 % nicht, gilt der
Beschwerdeführer IV-rechtlich als in zureichender und zumutbarer Weise
eingegliedert (Art. 8 IVG). Ein Anspruch auf Umschulung besteht somit nicht.
b) Daran ändert auch der Hinweis des Beschwerdeführers auf das Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 18. Oktober 2000 (I 665/99)
nichts. In jenem Fall war einer zum Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit
(Autounfall) 27-jährigen Französin, welche im Gastgewerbe tätig gewesen war,
trotz eines IV-Grades von 18.52 % eine Umschulung gewährt worden. Das
Gericht hatte auf den Umstand verwiesen, dass die versicherte Person
aufgrund der Verletzungen am rechten Bein künftig nur noch, und lediglich zu
80 %, leichte und sitzende Tätigkeiten, die keine besondere Ausbildung
erforderten, würde ausüben können, und hatte es als gerechtfertigt und
verhältnismässig erachtet, der noch jungen und umschulungsfähigen („dotée de
capacités de reclassement“) Versicherten eine solche Massnahme zu
gewähren, um zu vermeiden, dass ihr Einkommen aufgrund ihrer Behinderung
dauerhaft um 18.5 % tiefer ausfallen würde (Erw. 4b). Der Sachverhalt in jenem
Urteil ist mit dem vorliegenden, bei dem mehrere Möglichkeiten zum beruflichen
Wiedereinstieg gegeben waren und immer noch sind, die unter anderem auch
an Motivationsproblemen des Beschwerdeführers (vgl. Bericht Knecht BSN AG,
IV-act. 146-17 ff./27; insbesondere auch Angaben von ..., Filialleiter ..., S. 22)
scheiterten, nicht zu vergleichen.
c) Der Beschwerdeführer wandte ein, die behandelnden Ärzte hätten mehrfach
und frühzeitig auf die Notwendigkeit der Umschulung hingewiesen. Es bestehe
auf jeden Fall Handlungsbedarf, da jegliche Bemühungen für einen beruflichen
Wiedereinstieg erfolglos verlaufen seien. Er werde auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt keinen Arbeitgeber finden, der das Risiko einer Anstellung unter
den gegebenen Umständen übernehmen würde. Bezüglich der Arbeitsversuche
fehlten im Übrigen qualifizierte Auswertungsberichte, zahlreiche
Protokolleinträge der ... AG würden den Sachverhalt nicht richtig wiedergeben,
weshalb mangels Abklärung des relevanten Sachverhalts der
Untersuchungsgrundsatz verletzt sei.
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers erscheint der Bericht der
... AG als ausführlich und nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer unterlässt es,
konkret anzugeben, welche Protokolleinträge nicht zutreffend seien, weshalb für
eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes keine Anhaltspunkte ersichtlich
sind.
Der Argumentation des Beschwerdeführers, eine Umschulung sei offensichtlich
erforderlich, weil eine Wiedereingliederung bis anhin gescheitert sei, kann nicht
gefolgt werden. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die es als
gerechtfertigt und verhältnismässig erscheinen liessen, von der von der
Rechtsprechung konstant geforderten Erwerbseinbusse von 20 %
abzuweichen.
8. a) Nebst dem Anspruch auf Umschulung machte der Beschwerdeführer unter
Hinweis auf die Empfehlungen des behandelnden Arztes Dr. med. ... und der
begutachtenden Ärzte des SAM Bellinzona weitere berufliche Massnahmen wie
Arbeitstraining, Arbeitsversuche (gestützt auf Art. 18a IVG) und
Arbeitsvermittlung geltend. Er erläuterte, dass er von der
Arbeitslosenversicherung ausgesteuert worden sei, weshalb er die Möglichkeit
eines Arbeitsversuchs und Unterstützung bei der Stellensuche erhalten müsse.
Wie die IV-Stelle zu Recht ausführte, trat Art. 18a IVG erst am 1. Januar 2012
in Kraft. Auf diese Bestimmung kann somit im Zusammenhang mit der
Beurteilung des geltend gemachten Anspruchs auf ein Arbeitstraining/einen
Arbeitsversuch nicht abgestellt werden. Setzte ein solcher Anspruch aber
gemäss den bis zum 31. Dezember 2011 geltenden Bestimmungen einen
Anspruch auf Umschulung voraus, besteht für den Beschwerdeführer
vorliegend auch kein Anspruch auf ein Arbeitstraining.
b) Gemäss Art. 18 IVG haben arbeitsunfähige Versicherte, welche
eingliederungsfähig sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche
eines geeigneten Arbeitsplatzes (lit. a) und begleitende Beratung im Hinblick
auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (lit. b). Dieser Anspruch besteht
in einer Naturalleistung, welche die IV-Stelle oder eine von ihr dafür
beigezogene spezialisierte Institution erbringt (Ulrich Meyer, a.a.O., Art. 18, S.
204) und setzt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung voraus, dass die
fehlende berufliche Eingliederung im Sinne der Verwertung der bestehenden
Arbeitsfähigkeit auf gesundheitlich bedingte Schwierigkeiten bei der
Stellensuche zurückzuführen ist (Ulrich Meyer, a.a.O., Art. 18, S. 205, mit
zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung). Ist die Arbeitsfähigkeit einzig
insoweit eingeschränkt, als dem Versicherten leichte Tätigkeiten voll zumutbar
sind, bedarf es zur Begründung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung
zusätzlich einer spezifischen Einschränkung gesundheitlicher Art (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. März 2010, 9C_416/2009 Erw. 5.2; Ulrich Meyer, a.a.O.,
Art. 18, S. 205).
Ein solcher Anspruch auf Arbeitsvermittlung ist vorliegend zu verneinen, zumal
der Beschwerdeführer in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit zu 100 % und
ohne Leistungseinschränkung arbeitsfähig ist. Es bestehen keine zusätzlichen
spezifischen Einschränkungen gesundheitlicher Art, welche die Stellensuche
erschweren würden. Vielmehr wurde dem Beschwerdeführer, insbesondere
auch im Rahmen der Stellenvermittlung durch die ... AG, genügend aufgezeigt,
welche behinderungsgeeigneten Tätigkeiten für ihn passend wären. Immerhin
hatte die für den Beschwerdeführer zuständige Person der ... AG in den
Bereichen Küche (Hotel, Restaurant, Spitäler, Kliniken), Beratung/Verkauf/Ein-
kauf in der Metzgerbranche, Post, Bahn, Gemeinde, Flughafen, etc., zahlreiche
Möglichkeiten aufgezeigt respektive mit geeigneten Betrieben auch selbst
Kontakt aufgenommen (IV-act. 146-17 ff./27) und diese mit dem
Beschwerdeführer besprochen.
9. a) Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die Beschwerde aus
den genannten Gründen abgewiesen und die angefochtene Verfügung vom 9.
August 2011 bestätigt wird.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG - bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Diese Kosten werden jeweils nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert der Sache im Rahmen von CHF 200.00 bis CHF
1‘000.00 festgelegt. Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens rechtfertigt es
sich vorliegend, dem unterliegenden Beschwerdeführer die Verfahrenskosten in
der Höhe von CHF 700.00 zu überbinden.
b) Eine ausseramtliche Entschädigung steht der obsiegenden
Beschwerdegegnerin nicht zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).