Decision ID: fb719fe3-3fc8-4d18-a13a-bdb22b9b0e8d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im April 2004 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Nachdem der behandelnde Psychiater Dr. med.
B._ aufgrund der Diagnose einer chronifizierten posttraumatischen Störung mit einer
andauernden Persönlichkeitsstörung nach einer extremen Belastung (ICD-10 F43.1,
F62.0) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte (Bericht vom 17. August
2014, vgl. IV-act. 21), sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit einer Verfügung vom
16. Dezember 2004 rückwirkend ab 1. Mai 2004 eine ganze Rente bei einem
Invaliditätsgrad von 100% zu (IV-act. 29).
A.a.
Die in den Jahren 2006/2007, 2009 und 2014 durchgeführten
Rentenrevisionsverfahren ergaben einen unveränderten Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente (vgl. die Mitteilungen vom 30. Januar 2007, 9. März 2009 und 14. Mai
2014, IV-act. 51, 59, 72).
A.b.
Im Jahr 2015 veranlasste die IV-Stelle im Rahmen eines internen Controllings eine
Überprüfung der medizinischen Sachlage durch den Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) und sie liess den Versicherten observieren (IV-act. 78, 80 ff., vgl. insb. den
Überwachungsbericht vom 3. Dezember 2015, IV-act. 85, die medizinische
Stellungnahme des RAD vom 20. Januar 2016, IV-act. 91, sowie das
Gesprächsprotokoll vom 10. Februar 2016, IV-act. 93, 97).
A.c.
In der Folge gab die IV-Stelle eine psychiatrische Begutachtung durch Dr. med.
C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie eine neuropsychologische
Testung in Auftrag (IV-act. 95 ff.). Dr. C._ kam im Gutachten vom 21. März 2017 (IV-
act. 107) zum Schluss, während des Untersuchungsgesprächs, das insgesamt drei
A.d.
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Stunden und 40 Minuten gedauert habe, sei der Eindruck entstanden, dass der
Versicherte seine mimischen Reaktionen willkürlich gebremst habe, denn sowohl seine
Körperhaltung als auch die Gestik hätten lebhaft, reichhaltig und fluent imponiert. Ein
im Gespräch dreimalig für den Versicherten unerwartet angebrachter intensiver
akustischer Reiz habe keine "Startle-Reaktion" bewirkt; teilweise habe der Versicherte
nicht einmal den Redefluss unterbrochen. Die Antworten auf die Fragen des
Sachverständigen seien jeweils prompt erfolgt. Teilweise habe der Versicherte mit den
Antworten schon begonnen, bevor die Dolmetscherin die Frage fertig übersetzt habe.
Die von ihm gebrauchten Ausdrücke hätten wohlklingend imponiert, seien aber
inhaltsarm gewesen. Präzisierende Nachfragen hätten ihr Ziel kaum erreicht. Der
Versicherte habe sich sthenisch und ausdauernd gezeigt. Die wiederholte
Konfrontation mit starken Diskrepanzen in den Angaben hätten beim Versicherten
lediglich eine flüchtige Reaktion bewirkt, wobei erhebliche Anhaltspunkte dafür
bestanden hätten, dass der Versicherte die jeweilige Reaktion gezielt gebremst habe.
Ermüdungserscheinungen seien nicht aufgefallen. In der Gesamtschau hätten sich
erhebliche und konsistente Anhaltspunkte für ein Malingering ergeben. Der
psychopathologische Befund habe bei einer stark eingeschränkten Mitwirkung nur
unvollständig erhoben werden können. Die erhobenen klinischen Befunde seien
unauffällig gewesen. Das Vorliegen einer stabilen und erheblichen Abweichung im
Denken, Handeln oder Fühlen von der Mehrheit der Bevölkerung im Sinne einer
Persönlichkeitsstörung könne weder von der Biographie noch vom aktuell erhobenen
Befund abgeleitet werden. Es hätten sich auch keine akzentuierten Persönlichkeitszüge
nachweisen lassen. Defizite in der Willensbildung seien nicht nachweisbar gewesen.
Der Versicherte habe sich sozial hinreichend kompetent mit einem hinreichenden Grad
an Sozialisierung in der hiesigen Gesellschaft – bis zur Aufnahme einer selbständigen
Tätigkeit – gezeigt. An seiner Fähigkeit, auch komplexe Zusammenhänge im sozialen
Kontext zu verstehen und entsprechend zu interpretieren, sei insbesondere unter
Berücksichtigung des in der Videographie gezeigten intakten interaktionellen
Verhaltens nicht zu zweifeln gewesen. Die Diskrepanz im Verhalten des Versicherten
gegenüber den Ärzten und der IV-Stelle einerseits und in vermeintlich unbeobachteten
Momenten andererseits könne nicht anders als durch eine bewusst getroffene
Entscheidung erklärt werden. Das Hinzuziehen einer anderen Entität zur Erklärung der
geschilderten Vorgänge, etwa einer erheblichen psychischen Störung, einer
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abweichenden Entwicklung in der Persönlichkeitsstruktur oder ähnliches, wäre
realitätsfremd und der objektiven Sachlage nicht entsprechend. Aus der Sicht des
psychiatrischen Fachgebietes liessen sich keine authentischen Funktionsstörungen
bestätigen. Mit anderen Worten lasse sich keine psychische Krankheit diagnostizieren
und folglich auch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestieren (IV-act. 107-1 ff.,
insb. 107-16 ff.). Die neuropsychologischen Sachverständigen führten aus, dass sie in
der Untersuchung multiple, eindeutige Belege für ein ausgeprägtes
beschwerdeverdeutlichendes Testverhalten festgestellt hätten. Die Leistung des
Versicherten sei in allen drei durchgeführten Beschwerdevalidierungsverfahren und
auch in Bezug auf verschiedene sogenannte „embedded effort factors“ auffällig
gewesen. In zwei Verfahren hätten die Leistungen im Bereich einer Zufallsverteilung
gelegen, was bedeute, dass der Versicherte so reagiert habe, als hätte er die visuellen
Reize gar nicht gesehen. Die Fähigkeit des Versicherten zum Führen eines Autos sei
mit den Leistungen in den Beschwerdevalidierungsverfahren nicht vereinbar. Die
Validität der Befunde sei angesichts der eindeutigen Hinweise auf ein
beschwerdeverdeutlichendes Testverhalten nicht gegeben (IV-act. 107-27 ff.).
Mit Verfügung vom 23. November 2017 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf
das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. Zur Begründung
führte sie aus, das Gutachten von Dr. C._ belege eine erhebliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes des Versicherten seit der ursprünglichen Rentenzusprache. Da
der Versicherte heute uneingeschränkt arbeitsfähig sei, bestehe kein Rentenanspruch
mehr. Angesichts der Hinweise darauf, dass der Versicherte bewusst falsche Angaben
gemacht habe, um eine Rente zu erwirken, wäre auch eine rückwirkende Aufhebung
der Rente denkbar. Darauf werde beim aktuellen Aktenstand aber verzichtet (IV-act.
126).
A.e.
Die gegen diese Verfügung am 9. Januar erhobene Beschwerde wurde vom
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid IV 2018/14 vom 27. April
2020 abgewiesen. Das Gericht hielt im Wesentlichen fest, dass das von Dr. C._
erstellte Gutachten in jeder Hinsicht überzeuge. Der Gutachter habe sorgfältig
zwischen den Selbstangaben des Versicherten und den objektiven klinischen Befunden
differenziert, weshalb auch für den medizinischen Laien erkennbar sei, dass eine
grosse Diskrepanz zwischen den Schilderungen des Versicherten und den objektiven
A.f.
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klinischen Befunden bestanden habe. Besonders auffällig sei der Umstand, dass der
Versicherte auf drei unerwartete intensive akustische Reize während der Untersuchung
keine besondere Reaktion gezeigt habe, denn dies lasse sich nicht mit den vom
Versicherten geschilderten Beschwerden als Folge der angeblichen mehrmonatigen
Folter im Herkunftsland vereinbaren. In der neuropsychologischen Testung habe der
Versicherte die Ergebnisse durch ein bewusstes oder zumindest bewusstseinsnahes
Verhalten so verfälscht, dass diesen keine Aussagekraft zugebilligt werden könne.
Auch in der psychiatrischen Exploration seien Diskrepanzen aufgefallen, die der
Gutachter Dr. C._ nicht anders als durch eine bewusste oder bewusstseinsnahe
Darstellung oder Schilderung von Beschwerden habe erklären können. Während der
gesamten Untersuchungsdauer habe sich der Versicherte ohne
Ermüdungserscheinungen sthenisch und ausdauernd gezeigt. Auf wiederholte
Konfrontationen mit starken Diskrepanzen in den subjektiven Angaben habe der
Versicherte jeweils nur flüchtig und gezielt gebremst reagiert. Vor diesem Hintergrund
überzeuge die Angabe des Gutachters Dr. C._, dass sich in der Gesamtschau
erhebliche und konsistente Anhaltspunkte für ein Malingering, also für eine bewusste
Verfälschung der Beschwerdeschilderungen und der Beschwerdepräsentation ergeben
hätten. Die behandelnden Ärzte hätten diesen offensichtlichen Diskrepanzen keine
Rechnung getragen, sondern unbesehen auf die Selbstangaben des
Beschwerdeführers abgestellt. Da diese Angaben aber gemäss den in jeder Hinsicht
überzeugenden Ausführungen von Dr. C._ nicht dem objektiven Gesundheitszustand
des Versicherten entsprochen hätten, könnten auch die von den behandelnden Ärzten
gestützt auf diese Angaben gezogenen Schlussfolgerungen nicht überzeugend sein.
Aus der Sicht des Versicherungsgerichtes sei nicht nachvollziehbar, weshalb sich Dr.
B._ nicht mit der offensichtlichen Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben des
Versicherte und dem Umstand befasst habe, dass der Versicherte in aller Regel für eine
Konsultation einen Weg von über vier Stunden Dauer selbständig mit dem eigenen
Auto zurückgelegt habe. Bereits diese objektive Tatsache habe sich nämlich nicht mit
den vom Versicherten angegebenen Gesundheitsbeeinträchtigungen vereinbaren
lassen. Die in den Berichten von Dr. B._ fehlende Auseinandersetzung mit dieser
Diskrepanz verstärke den objektiven Anschein der Befangenheit von Dr. B._
zugunsten des von ihm seit Jahren behandelten Versicherten. Angesichts der
Konsequenz, mit der der Versicherte gegenüber Dr. C._ falsche Angaben gemacht
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B.
und nicht vorhandene Beschwerden präsentiert habe, sei im Übrigen davon
auszugehen, dass er auch im Rahmen der stationären Behandlung in der
Psychiatrischen Klinik D._ gewisse Symptome simuliert haben könnte. Die Berichte
der Behandler seien jedenfalls nicht geeignet, wesentliche Zweifel an der
Überzeugungskraft des sorgfältig begründeten Gutachtens von Dr. C._ zu wecken.
Das Gericht hielt weiter fest, dass die Akten für die Zeit zwischen der Begutachtung
durch Dr. C._ im März 2017 und der Eröffnung der angefochtenen Verfügung im
November 2017 keinen Hinweis auf eine relevante Veränderung des medizinischen
Sachverhaltes enthielten. Der Versicherte habe sich zwar rund einen Monat nach der
Eröffnung der angefochtenen Verfügung für vier Monate in eine stationäre
psychiatrische Behandlung begeben, aber die Berichte der Psychiatrischen Klinik D._
vermöchten eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes des
Versicherten in der Zeit zwischen März und November 2017 nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Die
behandelnden Ärzte hätten ihre Beurteilung unkritisch auf die Selbstangaben und
Beschwerdepräsentationen des Versicherten, die gemäss den überzeugenden
Ausführungen von Dr. C._ keine zuverlässige Beurteilungsgrundlage bilden könnten,
gestützt. Zusammenfassend stehe gestützt auf das in jeder Hinsicht überzeugende
Gutachten von Dr. C._ mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass der Versicherte im Zeitpunkt der Begutachtung und auch
im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung an keiner nennenswerten
psychiatrischen Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten habe und dass er folglich aus
psychiatrischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen sei. Der Invaliditätsgrad
betrage 0%, weshalb der Versicherte ex nunc et pro futuro keinen Anspruch mehr auf
eine Rente der Invalidenversicherung habe (IV-act. 153).
Zwischenzeitlich hatte sich der Versicherte im März 2019 erneut zum Bezug von
Rentenleistungen angemeldet und Vergesslichkeit, eine starke Depression,
Ängstlichkeit, Gelenks- und Hüftschmerzen geltend gemacht (IV-act. 146). Nachdem
der Entscheid des Versicherungsgerichtes in Rechtskraft erwachsen war, teilte die IV-
Stelle dem Versicherten am 30. Juni 2020 mit, dass das Gesuch nun geprüft werde. Sie
forderte den Versicherten dazu auf, Dokumente einzureichen, aus welchen sich
B.a.
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Anhaltspunkte für das Vorliegen einer relevanten Änderung seines
Gesundheitszustandes ergäben. Würden die entsprechenden Nachweise bis zum 30.
Juli 2020 nicht beigebracht, könne sie auf sein neues Gesuch nicht eintreten (IV-act.
156).
Am 27. Juli 2020 berichtete der Psychiater Dr. B._ zuhanden der IV-Stelle, dass
im Gegensatz zu früheren Untersuchungen eine schwere depressive Störung mit
chronischem Verlauf sowie Ketten von somatischen Beschwerden, eine unverarbeitete
PTBS und eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach extremer Belastung
vorlägen. Sowohl der psychopathologische Befund nach AMDP als auch das Ergebnis
des MDI und der klinische Gesamteindruck wiesen auf eine schwere depressive
Störung hin. Aus fachspezifischer Sicht bestehe ein psychischer und somatischer
Gesundheitszustand im Sinne einer eher langandauernden oder dauerhaften
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 157-1 ff.). Der behandelnde Psychiater reichte zudem die
Berichte der Psychiatrie E._ (Psychiatrischen Klinik D._) vom 16. April und 31. Mai
2018 ein (IV-act. 157-3 ff.). In diesen Berichten war festgehalten worden, dass sich der
Versicherte vom 18. Dezember 2017 bis 18. April 2018 in einer stationären Behandlung
befunden habe. Der Versicherte leide insbesondere an einer rezidivierenden
depressiven Störung mit einer gegenwärtig schweren Episode ohne psychotische
Symptome sowie an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Während der Dauer
der Behandlung sei der Versicherte nachts aufgeschreckt, insbesondere wenn eine
männliche Nachtwache die Zimmer kontrolliert habe. Bei der Zimmerkontrolle sei der
Versicherte hochgeschreckt. Er habe sich zunächst in einem dissoziativen Zustand
befunden, habe die Orientierung verloren und sich in einem massiven Angstzustand
befunden. Aus der Sicht des Oberarztes handle es sich beim Versicherten um einen
schwer kranken, gebrochenen Mann. Eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
komme nicht mehr in Frage; die Arbeitsfähigkeit liege bei 0%.
B.b.
Am 20. November 2020 notierte RAD-Ärztin Dr. F._, dass weder die Angaben
des Versicherten im Anmeldeformular noch die eingereichten Berichte geeignet seien,
eine relevante, anhaltende Verschlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft zu
machen. Zudem habe sich das Gericht im Beschwerdeverfahren bereits umfassend mit
dem Bericht vom 16. April 2018 über die Hospitalisation des Versicherten
auseinandergesetzt und diesen in seinem Urteil vom 27. April 2020 berücksichtigt.
B.c.
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C.
Dabei sei das Gericht zum Schluss gekommen, dass dieser Bericht keine Hinweise auf
eine relevante Veränderung des medizinischen Sachverhalts für die Zeit zwischen der
Begutachtung im März 2017 und der Eröffnung der Verfügung im November 2017
enthalte (IV-act. 163).
Am 26. November 2020 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten mit Verweis auf
die Stellungnahme der RAD-Ärztin an, dass sie auf das neue Leistungsbegehren nicht
eintreten werde (IV-act. 164). Dagegen wandte der Versicherte am 12. Januar 2021 ein,
dass der Bericht der Psychiatrischen Klinik vom 31. Mai 2018 seine schlechte
psychische Verfassung bestätige. Dieser Bericht sei im Beschwerdeverfahren nicht
berücksichtigt worden, da er nicht mehr in den Überprüfungszeitraum gefallen sei (IV-
act. 165).
B.d.
Am 1. Februar 2021 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid das
Nichteintreten auf das neue Leistungsbegehren. Zu den Einwänden hielt sie fest, dass
die vom Versicherten eingereichten Berichte nicht geeignet seien, eine wesentliche
Veränderung glaubhaft zu machen, zumal der behandelnde Arzt im Wesentlichen die
gleichen Diagnosen gestellt habe wie früher (IV-act. 167).
B.e.
Dagegen liess der Versicherte am 4. März 2021 Beschwerde erheben. Seine
Rechtsvertreterin beantragte das Eintreten auf das Leistungsbegehren und die
Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente, eventualiter eine psychiatrische
Begutachtung. Zudem beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung. Die Rechtsvertreterin verwies hinsichtlich der
Beschwerdebegründung im Wesentlichen auf den Bericht der Psychiatrie E._ vom
31. Mai 2018 (act. G 1).
C.a.
Am 28. April 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Sie führte an,
Verfahrensgegenstand sei einzig die Frage, ob der Beschwerdeführer eine relevante
Verschlechterung habe glaubhaft machen können. Im Bericht der Psychiatrie E._
vom 31. Mai 2018 werde festgehalten, dass die Symptomatik der PTBS unverändert
geblieben sei. Diese Feststellung stehe der Annahme einer relevanten
C.b.
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D. Mit einer Replik vom 19. August 2021 und einer Duplik vom 5. Oktober 2021
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest; sie bestätigten im Wesentlichen ihre
Standpunkte (act. G 15, 17).

Erwägungen
1.
Verschlechterung diametral entgegen. Zudem habe sich das Gericht bereits mit den
Differenzen zwischen dem Gutachten von Dr. C._ und den Berichten der Behandler
befasst und festgehalten, dass diese nicht als Hinweis auf eine Veränderung zu
interpretieren seien, sondern darauf gründeten, dass sich die Behandler unkritisch auf
die Selbstangaben des Beschwerdeführers gestützt hätten. Dr. C._ habe
überzeugend aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer im vermeintlich unbeobachteten
Alltag nicht an den von ihm behaupteten und präsentierten Beschwerden leide. Es
gebe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sich daran etwas geändert hätte. Umso
weniger gelinge es dem Beschwerdeführer, mit den eingereichten Berichten eine
relevante Verschlechterung glaubhaft zu machen (act. G 6).
Am 27. Mai 2021 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 10).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin hat die seit dem 1. Mai 2004 laufende Rente des
Beschwerdeführers mit Verfügung vom 23. November 2017 aufgehoben. Diese
Renteneinstellung hat das Gericht mit einem rechtskräftigen Entscheid vom 27. April
2020 bestätigt. Im März 2019 hat der Beschwerdeführer erneut um Leistungen der
Invalidenversicherung ersucht. Auf diese Neuanmeldung ist die Beschwerdegegnerin
mit der Verfügung vom 1. Februar 2021 nicht eingetreten. Mit der vorliegenden
Beschwerde hat der Beschwerdeführer sowohl das Eintreten auf das
Leistungsbegehren als auch die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente bzw.
eventualiter eine psychiatrische Begutachtung beantragt. Da das vorliegende
Beschwerdeverfahren darauf abzielt, die angefochtene Nichteintretensverfügung vom
1. Februar 2021 auf ihre Rechtmässigkeit zu überprüfen, kann das Gericht nur der
Frage nachgehen, ob es rechtmässig gewesen ist, nicht auf die Begehren des
Beschwerdeführers einzutreten. Die materielle Prüfung der Anträge auf Leistungen
kann hingegen nicht Gegenstand des Verfahrens sein, da dies den Streitgegenstand in
1.1.
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2.
einer unzulässigen Weise ausdehnen würde. Auf die entsprechenden
Beschwerdeanträge kann deshalb nicht eingetreten werden.
Gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin
glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Diese Bestimmung soll verhindern, dass sich der
Sozialversicherungsträger nach vorangegangener rechtskräftiger
Leistungsverweigerung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher
begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen
befassen muss (BGE 117 V 198 E. 4a mit Hinweis). Die Anforderung, bei einer erneuten
Anmeldung eine Veränderung glaubhaft zu machen, bedeutet, dass es dem
Beschwerdeführer obliegt, entsprechende ärztliche Berichte erhältlich zu machen und
einzureichen. Die glaubhaft gemachte Veränderung muss so erheblich sein, dass mit
der Entstehung eines anspruchsbegründenden Invaliditätsgrades zu rechnen ist, falls
sich die glaubhaft gemachte Veränderung in einem anschliessenden umfassenden
Verwaltungsverfahren nachweisen lassen sollte. Die in Art. 87 Abs. 3 IVV aufgestellte
Eintretenshürde ist also insbesondere dann überwunden, wenn die sich neu
anmeldende versicherte Person glaubhaft machen kann, dass sich ihr
Gesundheitszustand verschlechtert hat und dass damit ihr Arbeitsunfähigkeitsgrad in
einem erheblichen Ausmass angestiegen ist. Da das Beweismass nur im
Glaubhaftmachen besteht, muss es genügen, wenn die Indizien auf den Eintritt einer
solchen Verschlechterung des Gesundheitszustandes hindeuten (vgl. den Entscheid
Versicherungsgericht St. Gallen vom 19. Juni 2018, IV 2017/450 E. 1.2). Die Frage, ob
eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen
Tatsachen eingetreten sein könnte, beurteilt sich durch den Vergleich des
Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Einstellungsverfügung bestanden hat, mit
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 130 V 73 ff. E. 3).
1.2.
Der Beschwerdeführer hat zur Glaubhaftmachung zwei Berichte der Psychiatrie
E._ vom 16. April und 31. Mai 2018 sowie einen aktuellen Bericht seines
behandelnden Psychiaters von Dr. B._ vom 27. Juli 2020 eingereicht.
2.1.
Das Gericht hat sich in seinem Entscheid vom 27. April 2020 eingehend mit der
Einschätzung und Diagnosestellung von Dr. B._ sowie dem Bericht der Psychiatrie
E._ vom 16. April 2018 befasst. Es hat insbesondere festgehalten, dass die
behandelnden Ärzte und insbesondere Dr. B._ unbesehen auf die Selbstangaben des
Beschwerdeführers abgestellt hätten. Da diese Angaben aber nicht dem objektiven
2.2.
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Gesundheitszustand des Beschwerdeführers entsprochen hätten, könnten auch die
von den behandelnden Ärzten gestützt auf diese Angaben gezogenen
Schlussfolgerungen nicht überzeugend sein. Das Gericht ist dabei von einem
objektiven Anschein der Befangenheit von Dr. B._ zugunsten des von ihm seit Jahren
behandelten Beschwerdeführers ausgegangen. Im vorliegend zur Glaubhaftmachung
einer Verschlechterung eingereichten Bericht vom 27. Juli 2020 hat Dr. B._ – wie
bereits im Zeitpunkt der Renteneinstellung und unbeachtet der gutachterlichen
Beurteilung – wiederum eine unverarbeitete PTBS und ein depressives Leiden
diagnostiziert. Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass sich der Behandler auch weiterhin nur auf die Beschwerdeangaben des
Beschwerdeführers gestützt hat. Der Bericht enthält damit keine überzeugenden
Hinweise auf eine objektive Verschlechterung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers.
Wie von der Beschwerdegegnerin zu Recht vorgebracht, hat das Gericht in seinem
Entscheid vom 27. April 2020 ausführlich dargelegt, dass der Bericht der
Psychiatrischen Klinik D._ bzw. Psychiatrie E._ vom 16. April 2018 über die
Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 18. Dezember 2017 bis 18. April 2018 eine
relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers in der
Zeit zwischen März und November 2017 nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen vermöge. Vielmehr hätten die
behandelnden Ärzte ihre Beurteilung unkritisch auf die Selbstangaben und
Beschwerdepräsentationen des Beschwerdeführers gestützt. Der (Austritts-)Bericht der
Psychiatrie E._ vom 31. Mai 2018, auf den sich die Rechtsvertreterin im Wesentlichen
stützt, betrifft ebenfalls die Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 18. Dezember
2017 bis 18. April 2018. Er beinhaltet in den wesentlichen Standpunkten, der
Diagnosestellung, der abschliessenden medizinischen Beurteilung sowie der
Arbeitsfähigkeitsschätzung die gleichen Aussagen mit teilweise identischem Wortlaut
wie der (Zwischen-)Bericht vom 16. April 2018. Damit ist der Bericht vom 31. Mai 2018
ebenfalls nicht geeignet, eine Verschlechterung für den relevanten Zeitraum zwischen
der Einstellungsverfügung vom 23. November 2017 und der Nichteintretensverfügung
vom 1. Februar 2021 glaubhaft zu machen.
2.3.
Insgesamt ist mit den eingereichten Arztberichten nicht glaubhaft gemacht
worden, dass sich der psychische Gesundheitszustand bzw. Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit relevant verschlechtert hätte und sich
dadurch der Invaliditätsgrad erhöht haben könnte. Zwar hat der Beschwerdeführer bei
der Neuanmeldung auch somatische Beschwerden angegeben (Gelenks- und
2.4.
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3.