Decision ID: 741479c2-aebb-59e1-a62f-79b783fd3154
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im April 2004 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe in seinem Herkunftsland eine
universitäre Ausbildung im Bereich Wirtschaft und Verwaltungsrecht absolviert. In der
Schweiz sei er von April 2002 bis Juni 2003 als Office-Mitarbeiter in einem Hotel tätig
gewesen. Der behandelnde Psychiater Dr. med. B._ berichtete der IV-Stelle im
August 2004 (IV-act. 21), der Versicherte leide an einer chronifizierten
posttraumatischen Störung mit einer andauernden Persönlichkeitsstörung nach einer
extremen Belastung. Er sei vollständig arbeitsunfähig. Im Jahr 1997 sei er in seinem
Herkunftsland verhaftet worden, weil er einer oppositionellen Gruppe angehört habe,
die einen Widerstand gegen das Regime betrieben habe. Der Versicherte sei 16
Monate lang inhaftiert gewesen. Dabei sei er massiv gefoltert worden. Im Jahr 1998
habe er ins benachbarte Ausland flüchten können; im Jahr 2001 sei er in die Schweiz
gekommen. Er sei ein anerkannter Flüchtling. Die vom Versicherten angegebenen
Beschwerden entsprächen dem Vollbild einer chronischen posttraumatischen
Belastungsstörung: Herzjagen, Druck auf der Brust, Spannungskopfschmerzen,
schwere Ein- und Durchschlafstörung sowie Albträume als Ausdruck
einer schweren chronifizierten Depression. Mit einer Verfügung vom 16. Dezember
2004 sprach die IV-Stelle dem Versicherten rückwirkend ab Mai 2004 eine ganze Rente
bei einem Invaliditätsgrad von 100 Prozent zu (IV-act. 29).
A.a.
Im Juli 2015 notierte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle (IV-act. 77), die
behandelnden Ärzte hätten sich in ihren Berichten ausschliesslich auf die Angaben des
Versicherten abgestützt. Dieser habe nach seiner Einreise in die Schweiz aber eine
berufliche Tätigkeit aufnehmen können, was in einem gewissen Widerspruch zur
A.b.
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geltend gemachten Traumatisierung stehe. Nach der Berentung sei der Versicherte
nochmals Vater eines Sohnes geworden. Diese Tatsache sei mit der von den Ärzten
beschriebenen Verwahrlosung nur schwer vereinbar. Im Auftrag der IV-Stelle
observierte die CX Partners GmbH den Versicherten. In ihrem Observationsbericht vom
3. Dezember 2015 hielt sie fest (IV-act. 86), während der vom 23. November 2015 bis
zum 30. November 2015 durchgeführten Überwachung habe der Versicherte mehreren
Personen Fahrstunden für Personenwagen der Kategorie B erteilt. Dabei habe er
jeweils eines der beiden auf ihn immatrikulierten Fahrzeuge benutzt. Einschränkungen
oder Beschwerden seien bei der Observation nicht aufgefallen. Der Versicherte habe
engagiert, aufmerksam und kommunikativ gewirkt. Er habe oft mit seinem Mobiltelefon
telefoniert und er habe mehrmals Personen gegrüsst oder diesen mit erhobener Hand
zugewinkt. Während der Lernfahrten habe er jeweils den Kopf gedreht und mit
erhobenen, nach vorne oder seitwärts gerichteten Händen gestikuliert respektive wohl
auf Verkehrssignale hingewiesen. Der Psychiater Dr. B._ teilte am 14. Januar 2016
mit (IV-act. 90), der Versicherte leide an einer chronifizierten posttraumatischen
Belastungsstörung mit einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach einer
extremen Belastung sowie an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einem
chronischen Verlauf und einem somatischen Syndrom. Er sei weiterhin vollständig
arbeitsunfähig. Die Krankheit sei schwerwiegend. Die Prognose sei ernst. Am 20.
Januar 2016 notierte Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD;
IV-act. 92), der Versicherte sei gemäss den Ergebnissen der Observation nicht nur in
der Lage, sich selbst routiniert im Strassenverkehr zu bewegen, sondern auch andere
Personen in dieser kognitiv komplexen Tätigkeit zu unterrichten. Das lasse sich nicht
mit der in den medizinischen Akten festgehaltenen Feststellung vereinbaren, dass der
Versicherte nicht in der Lage sei, unerwartete neue Situationen angemessen zu
beurteilen. Während der gesamten Observationszeit habe der Versicherte
kommunikativ, freundlich und situationsadäquat gewirkt. Zu keinem Zeitpunkt habe er
einen depressiven, ängstlichen oder schreckhaften Eindruck vermittelt. Er habe stets
überlegt und ruhig gewirkt und er habe sich den jeweiligen Situationen angepasst. Die
vom behandelnden Psychiater gemachten Angaben liessen sich nicht mit den
Observationsergebnissen vereinbaren. Der Versicherte sei täglich ausser Haus aktiv
gewesen. Er sei nicht nur häufig als alleiniger, routinierter Lenker von zwei
verschiedenen Fahrzeugen gesehen worden, sondern er habe auch täglich, teilweise
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stundenlang verschiedenen Personen Fahrunterricht erteilt. Diese Beobachtungen
seien mit den im aktuellen Bericht des behandelnden Psychiaters angeführten
affektiven und kognitiven Einschränkungen nicht vereinbar. Eine intakte Funktion dieser
Fähigkeiten sei eine zwingende Voraussetzung für das sichere Führen eines Fahrzeugs;
für das Erteilen von Fahrunterricht sei sie sogar absolut unerlässlich. Das Unterrichten
erfordere zudem soziale Kompetenzen im Sinne eines stets situationsadäquaten,
kontrollierten und absolut korrekten Verhaltens gegenüber Drittpersonen. Die
Anforderungen an Fähigkeiten wie höchste Konzentration, schnelles, richtiges Erfassen
einer Situation und rasche situationsadäquate Reaktion, die Übersicht und Ruhe
bewahren, Nachsicht und Geduld mit den Schülern seien gerade im Verkehr besonders
hoch, denn durch eventuelle Fahrfehler der Schüler könnten durchaus auch gefährliche
Situationen eintreten. Insgesamt sei aufgrund der Observationsergebnisse davon
auszugehen, dass das Funktionsniveau des Versicherten nicht dem vom behandelnden
Psychiater geschilderten klinischen Bild entspreche, weshalb sich eine psychiatrische
Begutachtung aufdränge (IV-act. 92). Bei einem Gespräch mit einem Mitarbeiter der IV-
Stelle am 10. Februar 2016 gab der Versicherte unter anderem an (IV-act. 94–1 ff.),
dass er den Weg zur 200 Kilometer von seinem Wohnort entfernten Praxis seines
behandelnden Psychiaters meistens mit dem Auto zurücklege, weil er gerne Auto fahre.
Insgesamt sei er jeweils mindestens vier Stunden mit dem Auto unterwegs.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. D._ am 21. März 2017 ein
psychiatrisches Gutachten (IV-act. 108). Er führte aus, während des
Untersuchungsgesprächs, das insgesamt drei Stunden und 40 Minuten gedauert habe,
sei der Eindruck entstanden, dass der Versicherte seine mimischen Reaktionen
willkürlich gebremst habe, denn sowohl seine Körperhaltung als auch die Gestik hätten
lebhaft, reichhaltig und fluent imponiert. Ein im Gespräch dreimalig für den Versicherten
unerwartet angebrachter intensiver akustischer Reiz habe keine Startle-Reaktion
bewirkt; teilweise habe der Versicherte nicht einmal den Redefluss unterbrochen. Die
Antworten auf die Fragen des Sachverständigen seien jeweils prompt erfolgt. Teilweise
habe der Versicherte mit den Antworten schon begonnen, bevor die Dolmetscherin die
Frage fertig übersetzt gehabt habe. Die von ihm gebrauchten Ausdrücke hätten
wohlklingend imponiert, seien aber inhaltsarm gewesen. Präzisierende Nachfragen
hätten ihr Ziel kaum erreicht. Der Versicherte habe sich sthenisch und ausdauernd
A.c.
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gezeigt. Die wiederholte Konfrontation mit starken Diskrepanzen in den Angaben des
Versicherten hätten bei diesem lediglich eine flüchtige Reaktion bewirkt, wobei
erhebliche Anhaltspunkte dafür bestanden hätten, dass der Versicherte die jeweilige
Reaktion gezielt gebremst habe. Ermüdungserscheinungen seien nicht aufgefallen. In
der Gesamtschau hätten sich erhebliche und konsistente Anhaltspunkte für ein
Malingering ergeben. Der psychopathologische Befund habe bei einer stark
eingeschränkten Mitwirkung nur unvollständig erhoben werden können. Die erhobenen
klinischen Befunde seien unauffällig gewesen. Das Vorliegen einer stabilen und
erheblichen Abweichung im Denken, Handeln oder Fühlen von der Mehrheit der
Bevölkerung im Sinne einer Persönlichkeitsstörung könne weder von der Biographie
noch vom aktuell erhobenen Befund abgeleitet werden. Es hätten sich auch keine
akzentuierten Persönlichkeitszüge nachweisen lassen. Defizite in der Willensbildung
seien nicht nachweisbar gewesen. Der Versicherte habe sich sozial hinreichend
kompetent mit einem hinreichenden Grad an Sozialisierung in der hiesigen Gesellschaft
– bis zur Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit – gezeigt. An seiner Fähigkeit, auch
komplexe Zusammenhänge im sozialen Kontext zu verstehen und entsprechend zu
interpretieren, sei insbesondere unter Berücksichtigung des in der Videographie
gezeigten intakten interaktionellen Verhaltens nicht zu zweifeln gewesen. Die
Diskrepanz im Verhalten des Versicherten gegenüber den Ärzten und der IV-Stelle
einerseits und in vermeintlich unbeobachteten Momenten andererseits könne nicht
anders als durch eine bewusst getroffene Entscheidung erklärt werden. Das Hin
zuziehen einer anderen Entität zur Erklärung der geschilderten Vorgänge, etwa einer
erheblichen psychischen Störung, einer abweichenden Entwicklung in der
Persönlichkeitsstruktur oder ähnliches, wäre realitätsfremd und der objektiven
Sachlage nicht entsprechend. Aus der Sicht des psychiatrischen Fachgebietes liessen
sich keine authentischen Funktionsstörungen bestätigen. Mit anderen Worten lasse
sich keine psychische Krankheit diagnostizieren und folglich auch keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit attestieren. Die neuropsychologischen Sachverständigen hatten
ausgeführt, dass sie in der Untersuchung multiple, eindeutige Belege für ein
ausgeprägtes beschwerdeverdeutlichendes Testverhalten festgestellt hätten. Die
Leistung des Versicherten sei in allen drei durchgeführten
Beschwerdevalidierungsverfahren und auch in Bezug auf verschiedene sogenannte
„embedded effort factors“ auffällig gewesen. In zwei Verfahren hätten die Leistungen
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im Bereich einer Zufallsverteilung gelegen, was bedeute, dass der Versicherte so
reagiert habe, als hätte er die visuellen Reize gar nicht gesehen. Die Fähigkeit des
Versicherten zum Führen eines Autos sei mit den Leistungen in den
Beschwerdevalidierungsverfahren nicht vereinbar. Die Validität der Befunde sei
angesichts der eindeutigen Hinweise auf ein beschwerdeverdeutlichendes
Testverhalten nicht gegeben. Die RAD-Ärztin Dr. C._ qualifizierte das Gutachten als
überzeugend (IV-act. 109). Sie hielt fest, das umfassende Gutachten leide nicht an
formellen Mängeln. Der Sachverständige Dr. D._ habe die Aktenlage vollständig
zusammengestellt und sorgfältig aufgearbeitet. Die Ableitung der Diagnosen und die
sich daraus ergebenden Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit – auch im gesamten
Verlauf – seien widerspruchsfrei, schlüssig und nachvollziehbar begründet. Die
Auseinandersetzung mit den früheren ärztlichen Einschätzungen sei überzeugend.
Mit einem Vorbescheid vom 23. August 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act. 112), dass sie die Aufhebung der Rente auf das Ende des der Zustellung
der noch zu erlassenden Verfügung folgenden Monats vorsehe. Zur Begründung führte
sie aus, das Gutachten von Dr. D._ belege eine erhebliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes des Versicherten seit der ursprünglichen Rentenzusprache. Da
der Versicherte heute uneingeschränkt arbeitsfähig sei, bestehe kein Rentenanspruch
mehr. Angesichts der Hinweise darauf, dass der Versicherte bewusst falsche Angaben
gemacht habe, um eine Rente zu erwirken, wäre auch eine rückwirkende Aufhebung
der Rente denkbar. Darauf werde beim aktuellen Aktenstand aber verzichtet. Am 5.
Oktober 2017 liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte einwenden (IV-act. 122),
er leide seit dem Jahr 2003 an einer schweren Angststörung, die mit Depressionen
gekoppelt sei. Sein Gesundheitszustand sei unverändert schlecht. Er sei vollständig
arbeitsunfähig. Das Gutachten von Dr. D._ sei nicht überzeugend. Die formale Kritik
von Dr. D._ an den Berichten von Dr. B._ belege nicht, dass dessen Beurteilung
des Gesundheitszustandes des Versicherten falsch gewesen sei. Die Zweifel an der
Folterung des Versicherten oder an deren Folgen für den Versicherten seien ein Hohn.
In formeller Hinsicht sei darauf hinzuweisen, dass kein Wiedererwägungsgrund
vorliege. Die Observation des Versicherten sei unzulässig gewesen. Abschliessend
liess der Versicherte die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Verwaltungsverfahren beantragen. Mit einer Verfügung vom 23. November 2017 hob
A.d.
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B.
die IV-Stelle die laufende Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung
folgenden Monats auf (IV-act. 127). Bezugnehmend auf die Einwände des Versicherten
hielt sie fest, die RAD-Ärztin Dr. C._ habe die Kritik am Gutachten von Dr. D._ als
untauglich qualifiziert, Zweifel an jenem Gutachten zu wecken. Die Verwertung des
Observationsmaterials sei nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes als zulässig
zu qualifizieren.
Am 9. Januar 2018 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. November 2017 erheben (act. G 1). Seine
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Befragung von Dr. B._ als Zeuge, die Weiterausrichtung einer vollen (recte: ganzen)
Invalidenrente sowie eventualiter eine erneute psychiatrische Begutachtung. Zur
Begründung führte sie aus, die von Dr. B._ gestellte Diagnose einer chronifizierten
posttraumatischen Belastungsstörung mit einer andauernden Persönlichkeitsänderung
nach einer extremen Belastung sei angesichts der vom Beschwerdeführer erlebten
Folterungen mehr als nachvollziehbar. Daran vermöge der völlig realitätsfremde
Einwand, die Folterung sei nicht dokumentiert, nichts zu ändern. Es verstehe sich von
selbst, dass angesichts des dramatischen Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers die Konklusion des Gutachtens von Dr. D._, das die IV-Stelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) in Auftrag gegeben habe, nicht nachvollzogen
werden könne, weshalb nicht auf es abzustellen sei. Angesichts des Umstandes, dass
sich der Beschwerdeführer bereits seit 14 Jahren in einer psychiatrischen Behandlung
befinde, könne nicht von einer Aggravation gesprochen werden. Der Umstand, dass
der Beschwerdeführer aktuell notfallmässig in eine stationäre Behandlung habe
eingewiesen werden müssen, bestätige die zutreffende Diagnosestellung von Dr. B._
eindrücklich. Die im Auftrag der Beschwerdegegnerin durchgeführte Observation sei
unzulässig und untauglich gewesen. Das Gutachten von Dr. D._ sei auch deshalb
nicht beweiskräftig, weil es sich unter anderem auf die Observationsergebnisse stütze.
Die Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. C._ sei schon darum unzutreffend, weil sich
der Beschwerdeführer bereits drei Wochen später notfallmässig in eine stationäre
Behandlung habe begeben müssen. In seiner Stellungnahme vom 5. Januar 2018 zum
Gutachten von Dr. D._ habe Dr. B._ überzeugend dargelegt, weshalb aus
B.a.
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medizinischer Sicht nicht auf das Gutachten abgestellt werden könne. Die Kriterien für
die Diagnose einer unverarbeiteten posttraumatischen Belastungsstörung, eine
chronifizierte depressive Störung mit Ketten von somatischen Beschwerden sowie eine
andauernde Persönlichkeitsänderung nach einer extremen Belastung seien gemäss Dr.
B._ erfüllt, da der Beschwerdeführer an Albträumen, an ständig sich aufdrängenden
Erinnerungen an die Ereignisse im Herkunftsland (Krieg, Gefängnis mit massiver
Folterung, Hinrichtung des Bruders, Flucht), an einer Schreckhaftigkeit, an quälenden
Ängsten und an einer vegetativen Übererregbarkeit leide. Als weiteres Symptom liege
eine Unfähigkeit einer realitätsgerechten Einschätzung einer unerwarteten Situation vor.
Bei der Begutachtung habe der Beschwerdeführer nicht aggraviert, sondern nur seine
Beschwerden verdeutlicht, was typisch sei, wenn bei einer versicherten Person die
Angst bestehe, dass sie ihre Beschwerden nicht deutlich genug darstellen könne. Der
Beschwerdeführer habe seine Meldepflicht nicht verletzt, da sich sein
Gesundheitszustand ja seit der ursprünglichen Rentenzusprache gar nicht verbessert
habe. Gemäss der aktuellen bundesgerichtlichen Rechtsprechung stehe die
Therapierbarkeit eines Leidens einer Rentenzusprache nicht entgegen, weshalb der
Einwand der RAD-Ärztin, der Beschwerdeführer habe seine Medikamente nicht
eingenommen, unbehelflich sei. Angesichts des unverändert schlechten
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers liege kein Wiedererwägungsgrund vor.
Abschliessend liess der Beschwerdeführer die Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde beantragen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. Februar 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, die Einweisung in eine stationäre
Behandlung sei kein Beleg für den angeblich jahrelangen miserablen
Gesundheitszustand. Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung müssten die
Observationsergebnisse als verwertbar qualifiziert werden. In Bezug auf die
Ausführungen von Dr. B._ sei zu berücksichtigen, dass dieser als behandelnder Arzt
grundsätzlich befangen sei. Der Sachverständige Dr. D._ habe eindeutig eine
bewusste Aggravation nachgewiesen. Da die behandelnden Ärzte in der Regel nicht
hinterfragten, ob die Angaben der Patienten der Wahrheit entsprächen, und da ihre
Einschätzungen folglich weitgehend auf den subjektiven Angaben der Patienten
basierten, verlören ihre Berichte jeglichen Beweiswert, wenn eine Aggravation oder
B.b.
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eine Simulation nachgewiesen werde. Dr. B._ habe keinerlei Angaben zu einer
allfälligen Überprüfung der Glaubwürdigkeit der Angaben des Beschwerdeführers
gemacht. Seine Berichte enthielten ja nicht einmal eine regelkonforme
Befundschilderung. Auf seine erichte könne folglich nicht abgestellt werden. Dr. D._
habe überzeugend aufgezeigt, dass die Berichte von Dr. B._ an diversen Mängeln
litten. Die Beschwerdegegnerin habe folglich zu Recht auf das Gutachten von Dr. D._
abgestellt. Der Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sei vorliegend
gerechtfertigt gewesen. Bezüglich der weiteren Punkte, die in der umfangreichen
Beschwerdeschrift angesprochen worden seien, sei auf die angefochtene Verfügung zu
verweisen.
Am 16. Februar 2018 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 6).
B.c.
Der Beschwerdeführer liess am 19. März 2018 an seinen Anträgen festhalten (act.
G 8). Am 17. April 2018 liess er einen Bericht der Psychiatrischen Klinik Wil vom 16.
April 2018 einreichen (act. G 10 und G 10.1). In diesem Bericht war festgehalten
worden, dass sich der Beschwerdeführer seit dem 18. Dezember 2017 in einer
stationären Behandlung befunden habe, die voraussichtlich am 18. April 2018 enden
werde. Der Beschwerdeführer leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit
einer gegenwärtig schweren Episode, an einer posttraumatischen Belastungsstörung
sowie an einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung.
Während der Dauer der Behandlung sei der Beschwerdeführer nachts aufgeschreckt,
insbesondere wenn eine männliche Nachtwache die Zimmer kontrolliert habe. Bei der
Zimmerkontrolle sei der Beschwerdeführer hochgeschreckt. Er habe sich zunächst in
einem dissoziativen Zustand befunden. Aus der Sicht des Oberarztes handle es sich
beim Beschwerdeführer um einen schwer kranken, gebrochenen Mann. Eine
Wiedereingliederung in eine Erwerbstätigkeit erscheine als ausgeschlossen.
B.d.
Die Beschwerdegegnerin hielt am 30. April 2018 an ihrem Antrag fest (act. G 12).
Sie hielt fest, im Bericht der Psychiatrischen Klinik Wil fehle ein ADMP-konformer
Befund. Nur das Hochschrecken in der Nacht sei als ein von aussen feststellbares
Phänomen festgehalten worden. Im Übrigen enthalte der Bericht nur die
Selbstangaben des Beschwerdeführers sowie allgemeine Ausführungen zur Diagnostik
B.e.
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Erwägungen
1.
Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich eindeutig um eine
Revisionsverfügung im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG. Das ergibt sich aus dem
Dispositiv und aus der Begründung der Verfügung, in der eine relevante
einer posttraumatischen Belastungsstörung. Den Angaben des Beschwerdeführers
müsse allerdings mit Zurückhaltung begegnet werden, da der Beschwerdeführer zum
Teil widersprüchliche Angaben zu verschiedenen Punkten gemacht habe und da Dr.
D._ eine Aggravation nachgewiesen habe. Bezüglich des traumatisierenden
Ereignisses liege deshalb keine hinreichend sichere Beweislage vor.
Der Beschwerdeführer liess am 15. Juni 2018 den Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik Wil vom 31. Mai 2018 einreichen (act. G 14 und G 14.1). Darin
war festgehalten worden, dass sich der Beschwerdeführer gegen Ende der Behandlung
habe erhängen wollen, nachdem er erfahren habe, dass sein Sohn nicht eingebürgert
werde. Nur durch Zufall sei er bei der Vorbereitung des Suizids entdeckt worden.
B.f.
Die Beschwerdegegnerin machte am 11. Juli 2018 geltend (act. G 16), der
vorliegende Fall zeige fast schon exemplarisch die unterschiedlichen Ansätze von
behandelnden und begutachtenden Fachärzten auf. Der Oberarzt der Psychiatrischen
Klinik Wil habe die Angaben des Beschwerdeführers nicht hinterfragt. Offenbar habe er
auch die IV-Akten nicht studiert.
B.g.
Mit einem Zwischenentscheid vom 17. August 2018 wies das
Versicherungsgericht das Begehren des Beschwerdeführers um die Wiederherstellung
der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde mit der Begründung ab, die Aussichten
in der Hauptsache seien nicht eindeutig, weshalb es sich nicht rechtfertige, von der
allgemeinen Regel abzuweichen, wonach dem Interesse des Versicherungsträgers an
der Vermeidung einer uneinbringlichen Rückforderung mehr Gewicht als dem Interesse
der versicherten Person an der Vermeidung einer Sozialhilfeabhängigkeit einzuräumen
sei (act. G 18).
B.h.
Am 4. September 2018 liess der Beschwerdeführer Stellung zur Eingabe der
Beschwerdegegnerin vom 11. Juli 2018 nehmen (act. G 19).
B.i.
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Sachverhaltsveränderung seit der ursprünglichen Rentenzusprache als Grund für die
Rentenaufhebung genannt wird. In diesem Beschwerdeverfahren ist deshalb
ausschliesslich zu prüfen, ob die revisionsweise Rentenaufhebung rechtmässig ist.
2.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss dem Art. 17 Abs. 1 ATSG für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt
oder aufgehoben. Für die Beantwortung der Frage, ob sich der massgebende
Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache erheblich verändert hat, ist der
Sachverhalt im Zeitpunkt des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens mit jenem im
Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenzusprache zu vergleichen. Ein solcher Vergleich setzt voraus,
dass der reale Sachverhalt für beide Vergleichszeitpunkte mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Das ist allerdings nicht
immer der Fall, denn in der Praxis treten immer wieder Fälle auf, in denen der im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache massgebende Sachverhalt nicht
hinreichend abgeklärt worden ist und in denen er sich im Rentenrevisionsverfahren
retrospektiv auch nicht mehr mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ermitteln lässt. In einem solchen Fall liegt eine objektive
Beweislosigkeit hinsichtlich des realen Sachverhaltes im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache vor. Diese würde an sich den Vergleich jenes Sachverhaltes mit dem
aktuellen Sachverhalt im Zeitpunkt des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens
verunmöglichen. Dadurch würde aber die auf einem ungenügend abgeklärten
Sachverhalt beruhende Rentenzusprache „revisionsresistent“, denn jede
Rentenrevision müsste zufolge der Unmöglichkeit des Sachverhaltsvergleichs
scheitern. Dies liefe offenkundig dem Sinn und Zweck des Art. 17 Abs. 1 ATSG
zuwider. Folglich muss die Revision einer Rente auch dann zulässig sein, wenn der
Sachverhalt zum Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. In einem
solchen Fall muss der (überwiegend wahrscheinliche) Sachverhalt im Zeitpunkt des
Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens mit jener Sachverhaltsannahme verglichen
werden, die bei der ursprünglichen Rentenzusprache unter den gesetzlichen
Tatbestand subsumiert und damit der rentenzusprechenden Verfügung zugrunde
gelegt worden ist. Ein Revisionsgrund liegt in einem solchen Fall vor, wenn der aktuelle
Sachverhalt nicht mehr jener Sachverhaltsannahme entspricht, auf die die IV-Stelle bei
der ursprünglichen Rentenzusprache abgestellt hat (vgl. dazu etwa den Entscheid
IV 2015/58 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 18. September 2017, E. 2.1).
2.1.
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Die ursprüngliche Rentenzusprache hat in medizinischer Hinsicht ausschliesslich
auf dem Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. B._ vom August 2004 beruht.
Dieser Bericht hat weder eine objektive Befundschilderung noch eine überzeugende
Begründung für das Attest einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche
Tätigkeiten enthalten. Der Sachverständige Dr. D._ hat den Bericht von Dr. B._
vom August 2004 in seinem Gutachten vom 21. März 2017 als nicht überzeugend
qualifiziert, was die Zweifel an der Beweiskraft des Berichtes von Dr. B._ vom August
2004 verstärkt. Retrospektiv betrachtet muss die Beweislage hinsichtlich des
massgebenden medizinischen Sachverhaltes im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache als ungenügend qualifiziert werden. Heute, knapp 16 Jahre später
erscheint es als ausgeschlossen, dass von weiteren medizinischen Abklärungen ein
wesentlicher Erkenntnisgewinn bezüglich des damaligen Sachverhaltes erwartet
werden könnte. Der medizinische Sachverhalt im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache lässt sich also nicht mehr mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststellen, weshalb diesbezüglich eine objektive
Beweislosigkeit vorliegt. Das bedeutet, dass der aktuelle Sachverhalt im Zeitpunkt der
Eröffnung der angefochtenen Verfügung mit jener Sachverhaltsannahme verglichen
werden muss, die der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung zugrunde gelegt
worden ist. Jene Sachverhaltsannahme hat darin bestanden, dass der
Beschwerdeführer damals wegen einer chronifizierten posttraumatischen Störung mit
einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach einer extremen Belastung vollständig
arbeitsunfähig für sämtliche Tätigkeiten gewesen sei.
2.2.
Der psychiatrische Sachverständige Dr. D._ hat den Beschwerdeführer während
über drei Stunden persönlich befragt und untersucht. Zusätzlich hat er eine
neuropsychologische Testung durchführen lassen. In seinem Gutachten hat er die vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und die von ihm sowie von den
neuropsychologischen Fachpersonen erhobenen objektiven Befunde ausführlich
wiedergegeben. Zudem hat sich Dr. D._ eingehend mit den medizinischen Berichten
der behandelnden Ärzte auseinander gesetzt. Es besteht kein Grund zur Annahme,
dass Dr. D._ etwas übersehen oder unberücksichtigt gelassen hätte. Sein Gutachten
belegt, dass er über eine umfassende Kenntnis des massgebenden medizinischen
Sachverhaltes verfügt hat. Da er sorgfältig zwischen den Selbstangaben des
Beschwerdeführers und den objektiven klinischen Befunden differenziert hat, ist auch
für den medizinischen Laien erkennbar, dass eine grosse Diskrepanz zwischen den
Schilderungen des Beschwerdeführers und den objektiven klinischen Befunden
bestanden hat. Besonders auffällig ist der Umstand, dass der Beschwerdeführer auf
drei unerwartete intensive akustische Reize während der Untersuchung keine
2.3.
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besondere Reaktion gezeigt hat, denn dies lässt sich nicht mit den vom
Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden als Folge der angeblichen mehr
monatigen Folter im Herkunftsland vereinbaren. In der neuropsychologischen Testung
hat der Beschwerdeführer die Ergebnisse durch ein bewusstes oder zumindest
bewusstseinsnahes Verhalten so verfälscht, dass diesen keine Aussagekraft zugebilligt
werden konnte. Auch in der psychiatrischen Exploration sind Diskrepanzen aufgefallen,
die der Sachverständige Dr. D._ nicht anders als durch eine bewusste oder
bewusstseinsnahe Darstellung oder Schilderung von Beschwerden hat erklären
können. So haben beispielsweise die Körperhaltung und die Gestik lebhaft, reichhaltig
und fluent imponiert, während der Beschwerdeführer aber seine mimischen Reaktionen
willkürlich gebremst hat, um einen verfälschten Eindruck seines Gesundheitszustandes
zu vermitteln. Der Beschwerdeführer hat die Fragen des Sachverständigen sehr prompt
beantwortet, aber seine Antworten sind durchgehend inhaltsarm gewesen.
Präzisierende Nachfragen haben ihr Ziel kaum erreicht. Während der gesamten (langen)
Untersuchungsdauer hat sich der Beschwerdeführer – ohne Ermüdungserscheinungen
– sthenisch und ausdauernd gezeigt. Auf wiederholte Konfrontationen mit starken
Diskrepanzen in den subjektiven Angaben hat der Beschwerdeführer jeweils nur
flüchtig – gezielt gebremst – reagiert. Vor diesem Hintergrund überzeugt die Angabe
des Sachverständigen Dr. D._, in der Gesamtschau hätten sich erhebliche und
konsistente Anhaltspunkte für ein Malingering, das heisst für eine bewusste
Verfälschung der Beschwerdeschilderungen und der Beschwerdepräsentation
ergeben. Dr. B._ und die behandelnden Ärzte der Psychiatrischen Klinik Wil haben
diesen offensichtlichen Diskrepanzen keine Rechnung getragen, sondern unbesehen
auf die Selbstangaben des Beschwerdeführers abgestellt. Da diese Angaben aber
gemäss den in jeder Hinsicht überzeugenden Ausführungen von Dr. D._ nicht dem
objektiven Gesundheitszustand des Beschwerdeführers entsprochen haben, können
auch die von den behandelnden Ärzten gestützt auf diese Angaben gezogenen
Schlussfolgerungen nicht überzeugend sein. Aus der Sicht des Versicherungsgerichtes
ist nicht nachvollziehbar, weshalb sich Dr. B._ nicht mit der offensichtlichen
Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und dem Dr.
B._ sicherlich bekannten Umstand befasst hat, dass der Beschwerdeführer in aller
Regel für eine Konsultation einen Weg von über vier Stunden Dauer selbständig mit
dem eigenen Auto zurückgelegt hat. Diese objektive Tatsache hat sich nämlich gemäss
den überzeugenden Ausführungen von Dr. C._ nicht mit den vom Beschwerdeführer
angegebenen Gesundheitsbeeinträchtigungen vereinbaren lassen. Die in den Berichten
von Dr. B._ fehlende Auseinandersetzung mit dieser Diskrepanz verstärkt den
objektiven Anschein der Befangenheit von Dr. B._ zugunsten des von ihm seit Jahren
behandelten Beschwerdeführers. Angesichts der Konsequenz, mit der der
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Beschwerdeführer gegenüber Dr. D._ falsche Angaben gemacht und nicht
vorhandene Beschwerden präsentiert hat, ist im Übrigen davon auszugehen, dass er
auch im Rahmen der stationären Behandlung gewisse Symptome simuliert haben
könnte. Die Berichte von Dr. B._ und der Psychiatrischen Klinik Wil sind jedenfalls
nicht geeignet, wesentliche Zweifel an der Überzeugungskraft des sorgfältig
begründeten Gutachtens von Dr. D._ zu wecken.
Der Beschwerdeführer hat eingewendet, dass das Gutachten von Dr. D._ nicht
beweiskräftig sei, weil Dr. D._ seine Schlussfolgerungen unter anderem auch auf die
Ergebnisse einer unzulässigen Observation gestützt habe. Das Bundesgericht hat in
zahlreichen Urteilen festgehalten, dass die Ergebnisse einer an sich unzulässigen
Observation durchaus verwertbar sein können. In seinem Leitentscheid BGE 143 I 377
hat es ausgeführt, dass die Frage nach der Verwertbarkeit von Observationsmaterial
anhand einer Interessenabwägung zwischen den privaten Interessen der versicherten
Person und den öffentlichen Interessen der Versichertengemeinschaft zu beantworten
sei. Die in der Folge ergangenen Urteile, auf die die Beschwerdegegnerin hingewiesen
hat, zeigen, dass die Verwertbarkeit von Observationsergebnissen vom Bundesgericht
generell bejaht wird. Im vorliegenden Fall kann kein Zweifel daran bestehen, dass das
Bundesgericht die Verwertbarkeit bejahen würde, da die Observation während eines
relativ kurzen Zeitraums erfolgt ist, da die effektiven Observationsphasen eher kurz
gewesen sind und nur an wenigen Tagen stattgefunden haben und da der
Beschwerdeführer ausschliesslich im öffentlichen Raum beobachtet worden ist. Zudem
hätte ohne die Observation wohl kaum je festgestellt werden können, dass der
Beschwerdeführer regelmässig – während der kurzen Observationsphase drei
verschiedenen Personen – Fahrstunden erteilt hat. Gerade angesichts der von Dr.
D._ eindeutig festgestellten Aggravations- oder Simulationstendenzen hat ein hohes
Interesse an objektiven fremdanamnestischen Angaben bestanden, die ohne eine
Observation nicht hätten erhältlich gemacht werden können. Zusammenfassend ist die
Verwertbarkeit der Observationsergebnisse zu bejahen, weshalb auch nicht
beanstandet werden kann, dass Dr. D._ das Observationsmaterial als
„fremdanamnestische Angaben“ mitberücksichtigt hat. Wie Dr. D._ überzeugend
aufgezeigt hat, hat das Observationsmaterial den von ihm in der Exploration und beim
Studium der Vorakten gewonnenen Eindruck bestätigt, dass der Beschwerdeführer im
vermeintlich unbeobachteten Alltag nicht an den von ihm behaupteten und
präsentierten Beschwerden leidet.
2.4.
Für die Zeit zwischen der Begutachtung durch Dr. D._ im März 2017 und der
Eröffnung der angefochtenen Verfügung im November 2017 enthalten die Akten keinen
2.5.
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Hinweis auf eine relevante Veränderung des medizinischen Sachverhaltes. Der
Beschwerdeführer hat sich zwar rund einen Monat nach der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung für vier Monate in eine stationäre psychiatrische Behandlung
begeben, aber die Berichte der Psychiatrischen Klinik Wil vermögen eine relevante
Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers in der Zeit
zwischen März und November 2017 nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen, weil die behandelnden Ärzte ihre
Beurteilung unkritisch auf die Selbstangaben und Beschwerdepräsentationen des
Beschwerdeführers gestützt haben, die gemäss den überzeugenden Ausführungen von
Dr. D._ keine zuverlässige Beurteilungsgrundlage haben bilden können.
Zusammenfassend steht gestützt auf das in jeder Hinsicht überzeugende Gutachten
von Dr. D._ mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Begutachtung
und auch im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung an keiner
nennenswerten psychiatrischen Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hat und dass er
folglich aus psychiatrischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen ist. Die der
ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung zugrunde gelegte Prognose, der
Beschwerdeführer werde wegen einer chronifizierten posttraumatischen Störung mit
einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach einer extremen Belastung vollständig
arbeitsunfähig bleiben, ist im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung
folglich nicht mehr zutreffend gewesen, weshalb sie revisionsweise durch eine neue,
auf dem aktuellen Sachverhalt beruhende Prognose hat ersetzt werden müssen.
Der Beschwerdeführer hat keine in der Schweiz anerkannte berufliche Ausbildung
absolviert, weshalb er als ein Hilfsarbeiter zu qualifizieren ist. Das Valideneinkommen
und der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
entsprechen folglich dem Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in der Schweiz.
Mathematisch kann der Betrag bei der Berechnung des Invaliditätsgrades keine Rolle
spielen. Der Invaliditätsgrad kann deshalb anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs berechnet werden, was bedeutet, dass er – nach einer allfälligen
Berücksichtigung eines zusätzlichen Lohnabzuges – dem Arbeitsunfähigkeitsgrad
entspricht. Da der Beschwerdeführer uneingeschränkt arbeitsfähig ist, beträgt der
Arbeitsunfähigkeitsgrad null Prozent. Gründe, die zur Berücksichtigung eines
Lohnabzuges führen müssten, sind nicht ersichtlich. Der Invaliditätsgrad beträgt
folglich null Prozent, weshalb der Beschwerdeführer ex nunc et pro futuro keinen
Anspruch mehr auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. Die angefochtene
Verfügung erweist sich somit als rechtmässig.
2.6.
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3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Der Verfahrensaufwand ist mit Blick auf die
Auseinandersetzung mit der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde als leicht
überdurchschnittlich zu qualifizieren, weshalb die Gerichtskosten auf 800 Franken
festzusetzen sind. Diese Kosten wären an sich dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung ist der
Beschwerdeführer aber von der Pflicht zur Bezahlung der Gerichtskosten befreit. Da
ihm auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat der Staat
seiner Rechtsvertreterin eine Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des
erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist vorliegend als leicht überdurchschnittlich zu qualifizieren, weil
im Zusammenhang mit der Frage nach der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
ein Zusatzaufwand angefallen ist. Die Entschädigung für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung ist deshalb auf 80 Prozent von 4’000 Franken, also auf 3’200
Franken festzusetzen. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten,
wird der Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur
Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).