Decision ID: c71f5edf-69ca-47d3-9977-f81ad61b4077
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis auf Probe für die Kategorie B am 22. August 2017. Im
Informationssystem über die Verkehrszulassung (IVZ; früher:
Administrativmassnahmen-Register) ist er nicht verzeichnet.
B.- Am 22. November 2018, 08.35 Uhr, lenkte X einen Lieferwagen IVECO 35C18 Daily
mit einem Sachentransportanhänger Hapert G 3500 auf der Autobahn A1, als die
Polizei den Schwerverkehr kontrollierte. Beim Polizeistützpunkt Thal wurde festgestellt,
dass sowohl beim Zugfahrzeug als auch beim mitgeführten Anhänger das jeweils
zulässige Gesamtgewicht überschritten war. Beim Zugfahrzeug betrug die
Überschreitung 419 kg (11,97 %) und beim Anhänger 690 kg (19,71 %). Für beide Teile
der Fahrzeugkombination beträgt das zulässige Gesamtgewicht gemäss
Fahrzeugausweis je 3'500 kg. Zudem wurde die zulässige Anhängelast um 690 kg
(19,71 %) überschritten. Das Gesamtgewicht der Fahrzeugkombination betrug somit
8'109 kg, und zwar jeweils nach Abzug von 3 % aufgrund der Geräte- und
Messunsicherheit. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts St. Gallen vom
17. Dezember 2018 wurde X wegen Missachtung des zulässigen Gesamtgewichts
schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 700.– verurteilt. Der Strafbefehl
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Nach dem Eingang des Strafbefehls eröffnete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen am 22. Januar 2019 ein
Administrativmassnahmeverfahren gegen X. Es stellte ihm wegen Missachtung des
zulässigen Gesamtgewichts beim Lieferwagen und Anhänger sowie Überschreitens der
zulässigen Anhängelast einen mindestens einmonatigen Führerausweisentzug in
Aussicht. Zusätzlich sollte die Probezeit um ein Jahr verlängert werden. X nahm dazu
am 14. Februar 2019 durch seine Rechtsschutzversicherung Stellung. Mit Verfügung
vom 25. Februar 2019 ordnete das Strassenverkehrsamt einen einmonatigen
Führerausweisentzug an; zudem verlängerte es die Probezeit des Führerausweises um
ein Jahr.
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D.- Dagegen liess X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 12. März 2019 Rekurs
bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) erheben. Er
beantragte, die Verfügung vom 25. Februar 2019 sei aufzuheben, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Prozessual verlangte er die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung. Das Strassenverkehrsamt liess sich am 4. April 2019 zum Rekurs
vernehmen und trug auf Abweisung des Rekurses an. Der Rekurrent nahm am 26. April
2019 nochmals schriftlich Stellung. Der Rechtsvertreter verzichtete am 25. November
2019 auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 12. März 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
materieller Hinsicht die Anforderungen von Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Der Rekurrent rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung seines Anspruchs auf
rechtliches Gehör. Die Vorinstanz habe in der angefochtenen Verfügung erstmals eine
erhöhte Gefährdung vorgebracht, weil sich die festgestellte Überlast auf den
Bremsweg und die Fahrstabilität auswirke. Dazu habe er deshalb keine Stellung
nehmen können. Zudem habe die Vorinstanz auch nicht begründet, weshalb sie von
der bislang bekannten Behördenpraxis abgewichen sei.
a) Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) gewährt den Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus leitet das Bundesgericht in ständiger
Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu
begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3, 133 I 270 E. 3.1, 129 I 232 E. 3.2). Als
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die
Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder der Verfügung in ihrer Rechtsstellung
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Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt und ihren Entscheid oder
ihre Verfügung vor diesem Hintergrund begründet (vgl. G. Steinmann, St. Galler
Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder einer
Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er den
Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III
439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1071). Dies ist nur möglich, wenn sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids
oder der Verfügung ein Bild machen können; in diesem Sinn müssen wenigstens kurz
die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf
welche sich ihr Entscheid oder ihre Verfügung stützt. Allerdings bedeutet dies nicht,
dass sich die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid oder die Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I
270 E. 3.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 1071). Umfang und Dichte der
Begründung richten sich generell nach den Umständen (Steinmann, a.a.O., N 49 zu
Art. 29 BV). Ist die Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann
ein Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der
Behörde – aufgrund von Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine
Vielzahl von in Betracht fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche
Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b, 104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., N 49
zu Art. 29 BV; Tschannen/Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 29
N 13). Die Begründungspflicht, welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im
Sinn von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst, hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in
Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die
Verfügung unter anderem die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2009/211 vom 18. März 2010
E. 2.1, im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter
Rechtsprechung).
b) Bei der Eröffnung des Administrativmassnahmeverfahrens wies die Vorinstanz am
22. Januar 2019 auf Art. 30 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01,
abgekürzt: SVG) hin (act. 10/5). Nach dieser Bestimmung dürfen Fahrzeuge nicht
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überladen werden. Im Weiteren teilte sie mit, dass sie das Überschreiten der zulässigen
Gesamtgewichte und der Anhängelast als mittelschwere Widerhandlung beurteile,
weshalb ein einmonatiger Führerausweisentzug vorgesehen sei. Der Rekurrent wusste
demnach, weshalb die Vorinstanz beabsichtigte, ihm den Führerausweis für einen
Monat zu entziehen, und konnte sich entsprechend zur Wehr setzen, was er am
14. Februar 2019 tat. Seine Rechtsschutzversicherung hielt dafür, dass nur eine leichte
Widerhandlung vorliege, die mit einer Verwarnung zu ahnden sei (act. 10/10 f.). Auf die
entsprechende Eingabe ging die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ein.
Insbesondere legte sie dar, weshalb nach ihrer Auffassung keine leichte Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften vorliege. Dass sie in diesem Zusammenhang
erstmals konkreter auf die aus ihrer Sicht mit der Überlast geschaffenen
Gefährdungslage einging, stellt keine Verletzung des verfassungsmässigen Anspruchs
auf rechtliches Gehör dar. Namentlich ist allgemein bekannt, dass Fahrzeuge vor allem
deshalb nicht überladen werden sollen, weil dies negative Auswirkungen auf die
Bremswirkung und die Fahrzeugstabilität hat. Dem Gericht ist zudem nicht bekannt, ob
es im Kanton St. Gallen eine Verwaltungspraxis bei der Sanktionierung von
überladenen Fahrzeugen gibt. Abgesehen davon käme einer solchen Praxis nur
Richtlinienfunktion zu und würde das Gericht nicht binden. Dasselbe gilt für eine
allfällige Praxis eines anderen Kantons in diesem Bereich. Der Vorwurf der
Gehörsverletzung ist somit unbegründet.
3.- Streitig ist, ob die Vorinstanz das Verhalten des Rekurrenten zu Recht als
mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG einstufte. Der
Rekurrent hält dafür, dass es sich höchstens um eine leichte Widerhandlung gemäss
Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG handle. Wie es sich damit verhält, ist im Folgenden zu prüfen.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Gemäss
Art. 16a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch Verletzung von
Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei
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nur ein leichtes Verschulden trifft (Abs. 1 lit. a). Die fehlbare Person wird verwarnt, wenn
in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und keine
andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Abs. 3). Gemäss Art. 16b SVG begeht
eine mittelschwere Widerhandlung, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Nach
einer mittelschweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens einen
Monat entzogen (Abs. 2 lit. a). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann
auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle
qualifizierenden Bestandteile einer schweren Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft,
in: BBl 1999 S. 4487).
Im Strafverfahren wurde der Rekurrent mit einem Strafbefehl wegen Missachtens des
zulässigen Gesamtgewichts zu einer Busse von Fr. 700.– verurteilt. Das Verfahren nach
dem OBG war nicht anwendbar, weil die Überlast bei beiden Teilen der
Fahrzeugkombination mehr als 5 % betrug (Ziff. 300.1 der
Ordnungsbussenverordnung, SR 741.031). Dementsprechend konnte der Rekurrent die
Fahrt nach der Wägung nicht fortsetzen, vielmehr musste er die Überlast vor der
Weiterfahrt umladen (act. 2/6 S. 2; Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG,
2. Aufl. 2015, Art. 30 SVG N 14). Die Voraussetzungen für die Anordnung einer
Administrativmassnahme sind damit erfüllt. Zu klären ist, ob das Fehlverhalten mit
einem Führerausweisentzug (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG, mittelschwere Widerhandlung)
oder einer Verwarnung (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG, leichte Widerhandlung) zu ahnden ist.
b) Fahrzeuge dürfen nur in betriebssicherem Zustand in Verkehr gesetzt werden
(Art. 29 SVG). Namentlich dürfen Fahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen nicht
überladen werden; zudem muss die Ladung sachgemäss verteilt und gesichert werden
(Art. 30 Abs. 2 SVG). Diese Bestimmungen werden konkretisiert durch Art. 67 der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV), der die maximalen Gewichte
und Lasten definiert. Diese Normen tragen zur Sicherheit im Strassenverkehr bei,
insbesondere auch auf Autobahnen, wo die Verkehrsteilnehmer mit hohen
Geschwindigkeiten unterwegs sind. Es handelt sich dabei um wichtige
Verkehrsvorschriften (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_588/2015 vom 14. April
2016 E. 2.3 mit Hinweisen).
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c) Das höchste Gewicht, mit dem der Lieferwagen und der Sachentransportanhänger
verkehren dürfen (sog. Gesamtgewicht; Art. 7 Abs. 4 der Verordnung über die
technischen Anforderungen an Strassenverkehrsfahrzeuge, SR 741.41, abgekürzt:
VTS), beträgt für den Lieferwagen und den Anhänger unbestrittenermassen je 3'500 kg.
Das zulässige Gesamtzugsgewicht (Gesamtgewicht der Fahrzeugkombination; Art. 7
Abs. 6 VTS) liegt demnach bei 7'000 kg. Die polizeiliche Wägung ergab für die
Fahrzeugkombination nach Abzug einer Messtoleranz von 3 % ein Gesamtgewicht von
8'109 kg; dieses liegt 1'109 kg bzw. 15,84 % über dem zulässigen
Gesamtzugsgewicht. Die Messwerte wurden nicht bestritten. Die Vorinstanz hält dem
Rekurrenten zudem vor, dass er die zulässige Anhängelast von 3'500 kg, das heisst
das im Fahrzeugausweis eingetragene Betriebsgewicht von Anhängern, die an einem
Zugfahrzeug mitgeführt werden dürfen (Art. 8 Abs. 3 VTS), um 690 kg bzw. 19,71 %
überschritten habe. Das Betriebsgewicht ist das jeweilige tatsächliche Gewicht des
Fahrzeugs und enthält namentlich auch das Gewicht der Fahrzeuginsassen, der
Ladung und bei Zugfahrzeugen die Stütz- bzw. Sattellast eines angekuppelten
Anhängers (Art. 7 Abs. 2 VTS).
d) Strafrechtlich wurde der Rekurrent nach den Bestimmungen von Art. 96 Abs. 1 lit. c
SVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 2 SVG sowie Art. 57 Abs. 1 VRV
und Art. 67 VRV verurteilt. Vom Strafurteil geht hinsichtlich der Rechtsanwendung
jedoch keine Bindungswirkung aus, auch wenn die Behörden vom gleichen
Sachverhalt ausgehen. Insbesondere ist die Würdigung des Verschuldens und der
Gefährdung durch den Strafrichter für die verwaltungsrechtliche Beurteilung des Falls
nicht verbindlich. In der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts ist die
Verwaltungsbehörde somit frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt stark von der
Würdigung von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, weil er den
Beschuldigten etwa persönlich einvernommen hat (Weissenberger, a.a.O.,
Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. SVG N 10; BGer 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015
E. 2.2, 1C_71/2008 vom 31. März 2008 E. 2.1 und 1C_585/2008 vom 14. Mai 2009
E. 3.1).
Der Rekurrent wurde im Strafverfahren, soweit ersichtlich, nicht persönlich
einvernommen. Der Sachbearbeiter, welcher den Strafbefehl erliess, stützte sich somit
auf dieselben Akten, die auch im Administrativmassnahmeverfahren zur Verfügung
bis
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stehen. Die Vorinstanz war deshalb an die rechtliche Qualifikation des Verhaltens des
Rekurrenten im Strafverfahren nicht gebunden. Wird ein Fahrzeuglenker wegen
Verletzung einer Strassenverkehrsvorschrift im Strafverfahren wegen einer Übertretung
zu einer Busse verurteilt, so zieht diese im Administrativmassnahmeverfahren entweder
eine Verwarnung (leichte Widerhandlung) oder einen Führerausweisentzug
(mittelschwere Widerhandlung) nach sich. Die straf- und
administrativmassnahmenrechtlichen Sanktionensysteme sind insoweit nicht
deckungsgleich (Entscheid der VRK [VRKE] IV-2018/177 vom 28. Februar 2019 E. 2c
[in: www.sg.ch/recht/gerichte] mit Hinweis auf BGer 1C_259/2011 vom 27. September
2011 E. 3.4).
e) aa) Das Strassenverkehrsamt ging davon aus, dass die festgestellte Überlast im
Strassenverkehr eine erhöhte abstrakte Gefährdung darstelle. Sie stufte die
Widerhandlung als mittelschwer ein, weil hinsichtlich der Gefährdung bei
unvorhergesehenen Brems- oder Ausweichmanövern wegen der beeinträchtigten
Fahrstabilität mit einer unerwarteten Reaktion des Anhängerzugs zu rechnen sei, wobei
auch ein Verrutschen der Ladung nicht ausgeschlossen werden könne. Damit liege
unabhängig vom Grad des Verschuldens ein mittelschwerer Fall vor, welcher einen
Führerausweisentzug zur Folge habe.
bb) Der Rekurrent macht demgegenüber geltend, es fehle am Nachweis, dass die
festgestellte Überlast zur Nichteinhaltung der Mindestverzögerungswerte geführt hätte.
Das Nennen blosser Messwerte mache nicht nachvollziehbar, weshalb es vorliegend zu
einer strengeren Qualifikation gekommen sei, als dies in vergleichbaren Fällen üblich
sei. Die in der angefochtenen Verfügung aufgestellten Behauptungen eines erhöhten
Bremswegs und einer schlechteren Fahrstabilität würden einen mittelschweren Fall
nicht zu begründen vermögen, zumal sich jede Erhöhung des Betriebsgewichts
irgendwie auf die Fahreigenschaften auswirke. Letztlich fehle es am Nachweis, dass
die gesetzlichen Mindestverzögerungswerte nicht mehr erreicht worden wären oder
auch keine genügende Fahrstabilität mehr vorhanden gewesen sei. In der Qualifikation
als mittelschwere Widerhandlung bestehe zudem auch ein Widerspruch zur bisherigen
Praxis. Dem Rekurrenten könne schliesslich nur eine äusserst geringfügige
Nachlässigkeit und mithin nur niederschwelliges Verschulden vorgeworfen werden.
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cc) Eine Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn von Art. 16a bis c SVG ist bei einer
konkreten oder auch bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung zu bejahen. Eine
konkrete Gefährdung im Strassenverkehr liegt vor, wenn durch das Verhalten eines
Verkehrsteilnehmers eine oder mehrere bestimmte Personen im Einzelfall der
tatsächlichen Gefahr einer Rechtsgutsverletzung ausgesetzt worden sind (BSK SVG-
Rütsche, Basel 2014, Art. 16 N 35).
dd) Dem Rekurrenten ist zwar darin zuzustimmen, dass sich letztlich jede Erhöhung
des Betriebsgewichts auf die Fahreigenschaften auswirkt. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist hingegen nicht erforderlich, dass sich das
Fahrverhalten durch die Überlast tatsächlich verändert hat; denn neben dem
Überschreiten des höchstzulässigen Gesamtgewichts müssen keine zusätzlichen
Gefahrenquellen, wie z.B. eine unsichere Fahrweise, vorliegen (BGer 1C_273/2016 vom
5. Dezember 2016 E. 5.5 mit Hinweis auf BGer 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015
E. 4.2). Demzufolge kommt es auch nicht darauf an, ob der Beweis für ein
Überschreiten der gesetzlichen Mindestverzögerungswerte erbracht wurde oder nicht.
Massgebend ist einzig die Tatsache der Überlast. Anders als im Bereich der
Geschwindigkeitsüberschreitungen, wo die Rechtsprechung im Interesse der
Rechtsgleichheit präzise Regeln festgelegt hat, um leichte, mittelschwere und schwere
Widerhandlungen voneinander abzugrenzen (BGer 1C_520/2016 vom 16. Februar 2017
E. 4.2), gibt es im Bereich der Überlast keine solche Kategorienbildung. Die
Beurteilung, ob eine erhöhte abstrakte Gefährdung vorliegt, hängt von den konkreten
Umständen im Einzelfall ab (BGer 1C_588/2015 vom 14. April 2016 E. 2.5). So ging das
Bundesgericht bei einem mit Düngersäcken beladenen Sattelschlepper, der das
zulässige Gesamtgewicht der Fahrzeugkombination von 40 t um 6,7 % oder 2,68 t
überschritten hatte, von einer geringfügigen Überladung, welche die Betriebssicherheit
des Sattelschleppers nicht oder jedenfalls nicht nennenswert beeinträchtigt habe, aus.
Da die unsachgemässe Art, wie die Paletten auf der Ladefläche verteilt wurden, zu teils
massiven Überschreitungen der zulässigen Sattel-, Achs- und Reifenbelastungen
führte, wurde der Führerausweis trotzdem wegen mittelschwerer Widerhandlung
gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG für einen Monat entzogen (BGer 1C_456/2011 vom
28. Februar 2012 E. 3). In einem anderen Fall überschritt ein Lastwagen mit
Sachentransportanhänger das im Fahrzeugausweis vermerkte, massgebliche
Gesamtzugsgewicht von 40 t um 5'880 kg. Das Bundesgericht bestätigte, dass mit der
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Überschreitung des gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgewichts um 11,25 % eine
erhöhte abstrakte Gefährdung geschaffen worden sei und es sich hierbei um eine
leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG handle (BGer 1C_273/2016
vom 5. Dezember 2016 E. 5.6). In BGer 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 E. 4.2
wurde eine Überschreitung der Anhängelast und des Betriebsgewichts des
Sachentransportanhängers um jeweils 12,5 % als geringfügig eingestuft. Da der
Personenwagenlenker die Ladung auf der Ladefläche unsachgemäss verteilte, wirkte
mehr als die zweifache bis gar fast die dreifache Belastung auf die Anhängerkupplung
und -deichsel, was zu einem Führerausweisentzug wegen schwerer Widerhandlung
führte. Ein Lieferwagenfahrer überschritt das zulässige Gesamtgewicht von 3'500 kg
um 1'194 kg oder um 34,11 %. Die Gewichtsüberschreitung von mehr als einem Drittel
des zulässigen Gesamtgewichts wurde nicht als leichte, sondern als mittelschwere
Widerhandlung qualifiziert (BGer 1C_181/2014 vom 8. Oktober 2014 E. 4). In einem
weiteren Fall wurde die Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts eines
Lieferwagens von 3'500 kg um 1'893 kg oder um 54,09 % massnahmerechtlich zufolge
ernstlicher Gefahr für die Sicherheit anderer als schwere Widerhandlung mit einem
dreimonatigen Führerausweisentzug sanktioniert (BGer 1C_690/2013 vom 4. Februar
2014 E. 4.2). Schliesslich wies das Bundesgericht einen Fall zu neuer Verfügung an die
Vorinstanz zurück, weil diese einem Lieferwagenfahrer zu Unrecht eine Überlast von
1'136 kg, was bei einem vermeintlich zulässigen Gesamtgewicht von 3'500 kg 32 %
entsprochen hätte, vorgeworfen und den Führerausweis für einen Monat wegen
mittelschwerer Widerhandlung entzogen hatte. Tatsächlich betrug die
Gewichtsüberschreitung 436 kg und damit 10,38 % (BGer 1C_512/2014 vom
24. Februar 2015 E. 3). Obwohl dieser Entscheid aus formellen Gründen aufgehoben
wurde (Verletzung des rechtlichen Gehörs), erscheint es möglich, dass das
Bundesgericht eine Gewichtsüberschreitung in diesem Ausmass in objektiver Hinsicht
noch als leichte Widerhandlung qualifizieren würde.
Hier geht es um Überlasten im Umfang von 11,97 % (Lieferwagen), 19,71 %
(Sachentransportanhänger und Anhängelast) und 15,84 % (Gesamtzugsgewicht),
welche, wenn auch teilweise knapp, alle unter 20 % liegen. Wird zudem berücksichtigt,
dass eine Administrativmassnahme grundsätzlich erst ab einer Überlast von mehr als
5 % zu verfügen ist und die Betriebsgefahr einer Fahrzeugkombination mit einem
Lieferwagen statt eines Sattelschleppers aufgrund des kleineren Gesamtgewichts
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bedeutend geringer ist, kann aufgrund der oben erwähnten bundesgerichtlichen Praxis
im vorliegenden Fall noch von einer geringen Gefährdung ausgegangen werden.
ee) In subjektiver Hinsicht setzt ein Warnungsentzug oder eine Verwarnung stets ein
schuldhaftes Verhalten voraus: Der Fahrzeugführer muss vorsätzlich oder fahrlässig
handeln. Von Vorsatz ist auszugehen, wenn dieser mit Wissen und Willen
Verkehrsregeln verletzt und dadurch eine Gefahr für die Sicherheit anderer schafft oder
– im Sinn des Eventualvorsatzes – die Gefährdung infolge einer
Verkehrsregelverletzung zumindest für möglich hält und in Kauf nimmt. Fahrlässig
handelt ein Fahrzeugführer, der die Gefährdung anderer Personen aus pflichtwidriger
Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt; pflichtwidrig ist die
Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den
Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist. Im
Strassenverkehr ist die gebotene Vorsicht bzw. Sorgfalt durch die Verkehrsregeln
definiert (BSK SVG-Rütsche, a.a.O., Art. 16 N 64 ff.).
Gemäss Art. 30 Abs. 2 SVG dürfen Fahrzeuge nicht überladen werden. Der
Fahrzeugführer hat sich zu vergewissern, dass Fahrzeug und Ladung in
vorschriftsgemässem Zustand sind (Art. 57 Abs. 1 VRV). Unabhängig davon, ob er die
Fahrzeugkombination selbst beladen hat, so äusserte sich der Rekurrent gegenüber
der Polizei (act. 2/6 S. 2), oder ob dies der Vorarbeiter getan hat, wie im Rekurs
ausgeführt wurde, ist er als Fahrzeuglenker verantwortlich für das Einhalten der
Gewichtslimiten. Zu berücksichtigen ist indessen, dass eine Ladung Kies
gewichtsmässig bedeutend schwieriger einzuschätzen ist, als eine Ladung mit Paletten
(z.B. Düngesäcke). Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Rekurrent bewusst
über die zulässigen Höchstgewichte hinweggesetzt hat. Vielmehr ist von Fahrlässigkeit
auszugehen, die aufgrund der nicht allzu erheblichen Überlasten noch als leicht
eingestuft werden kann.
f) Zusammenfassend ist dem Rekurrenten administrativmassnahmerechtlich eine
geringe Gefährdung sowie ein leichtes Verschulden vorzuwerfen. Dementsprechend
handelt es sich nicht um eine mittelschwere, sondern um eine leichte Widerhandlung
gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG.
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4.- Eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zieht eine Verwarnung
nach sich (Art. 16a Abs. 3 SVG). Dies gilt auch im vorliegenden Fall, denn in den
vorangegangenen zwei Jahren war der Führerausweis weder entzogen noch wurde
eine andere Administrativmassnahme verfügt (Art. 16a Abs. 2 SVG). Dementsprechend
ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und der Rekurrent antragsgemäss wegen
leichter Widerhandlung zu verwarnen.
5.- Ziff. 206.02.1 des Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1) sieht im Fall eines
Ausweisentzugs einen Gebührenrahmen von Fr. 100.– bis Fr. 800.– vor. Für eine
Verwarnung liegt dieser bei Fr. 70.– bis Fr. 250.– (Ziff. 206.01). Die Vorinstanz bezifferte
die Verfahrenskosten auf Fr. 290.– und bewegte sich damit in der für den Entzug von
Führerausweisen vorgesehenen Bandbreite. Nachdem nun aber feststeht, dass gegen
den Rekurrenten lediglich eine Verwarnung auszusprechen ist, müssen auch die
Verfahrenskosten entsprechend reduziert werden. Besteht für die Gebühr ein Mindest-
und ein Höchstansatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und der
Bedeutung der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der erforderlichen
Sachkenntnis zu bemessen (Art. 11 der Verordnung über Kosten und Entschädigungen
im Verwaltungsverfahren, sGS 821.1). Es erscheint angemessen, die vom Rekurrenten
zu bezahlende Gebühr für das vorinstanzliche Verfahren auf Fr. 150.– festzulegen.
6.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Staat aufzuerlegen. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist dem
Rekurrenten zurückzuerstatten.
7.- Der vollständig obsiegende Rekurrent liess sich anwaltlich vertreten. Er hat gemäss
Art. 98 Abs. 2 und 98 VRP Anspruch auf eine vollständige Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen. Der
Beizug eines Rechtsvertreters war im vorliegenden Rekursverfahren geboten.
Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet. Es beträgt zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
bis
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St.Galler Gerichte
Honorarordnung [sGS 963.75; abgekürzt HonO]). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht, weshalb die ausseramtliche Entschädigung nach richterlichem Ermessen
festzusetzen ist. Angesichts des Aktenumfangs, der sich stellenden Fragen in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht sowie des eingereichten Rekurses erscheint ein
Honorar von Fr. 2'500.– als angemessen. Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von
Fr. 100.– (4 % von Fr. 2'500.–; Art. 28 Abs. 1 HonO) und die Mehrwertsteuer von
Fr. 200.20 (7,7 % von Fr. 2'600.–; Art. 29 HonO). Die ausseramtliche Entschädigung
beträgt damit insgesamt Fr. 2'800.20; entschädigungspflichtig ist der Staat
(Strassenverkehrsamt).