Decision ID: 4f6d9c3e-0cee-5cb6-a9b1-41a0bc0d2efe
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 25. Januar 2016 in der Schweiz um Asyl
nach und wurde am 3. Februar 2016 im Rahmen der Befragung zur Person
(BzP, Akten SEM A4/10) zu seinen persönlichen Verhältnissen, summa-
risch zu seinen Asylgründen sowie zum Reiseweg befragt. Das SEM hörte
ihn am 5. Oktober 2017 vertieft zu seinen Asylgründen an (A15/10).
Zu seinem persönlichen Hintergrund führte er aus, er sei Staatsangehöri-
ger von Sri Lanka, ethnischer Tamile und in B._ geboren worden.
Er habe an verschiedenen Orten gelebt. In den Jahren 1990 bis 2004 hät-
ten er und seine Familie sich in Indien aufgehalten, von wo aus er wieder
nach Hause zurückgekehrt sei. In den Jahren 2008 bis 2011 habe er in
C._ und D._ gelebt. Vor seiner Ausreise habe er wieder im
B._-Distrikt gewohnt. Seine Ehefrau lebe dort mit den beiden ge-
meinsamen Töchtern nach wie vor an der angestammten Adresse. Sein
Vater sei im Jahr 2006 beim Fischen verschwunden und habe bis heute
nicht aufgefunden werden können, er (der Beschwerdeführer) habe jedoch
mitbekommen, dass die Marine auf ihn geschossen habe. Seine Mutter
und seine Schwester seien im Tsunami ums Leben gekommen. In Sri
Lanka würden heute, neben seiner Ehefrau und den Kindern, insbeson-
dere seine beiden Brüder, zwei Onkel und Verwandte seiner Ehefrau leben.
Bis zu seiner Ausreise habe er als Fischer und gelegentlich als Maler ge-
arbeitet.
Zur Begründung seines Asylgesuches brachte er im Wesentlichen vor,
noch während seiner Schulzeit sei er von den LTTE (Liberation Tigers of
Tamil Eelam) mehrere Monate lang in Sachen GPS (Global Positioning
System) unterrichtet worden und nach den A-Level Prüfungen hätte er of-
fiziell rekrutiert und eingesetzt werden sollen. Dazu sei es jedoch nicht ge-
kommen, da er die Region vorzeitig verlassen habe. Sein Onkel habe da-
mals bei den LTTE eine gute Position innegehabt. Er gehe davon aus, dass
dies der Grund dafür gewesen sei, dass er von den LTTE nicht besonders
streng behandelt worden sei. Sein Onkel sei mittlerweile rehabilitiert wor-
den. Als er (der Beschwerdeführer) das E._-Gebiet mit anderen
Personen Richtung C._ verlassen habe, sei er von der Marine fest-
genommen und der Spionage zugunsten der LTTE verdächtigt worden. Er
sei darauf zusammen mit sechs anderen jungen Männern drei Monate lang
auf einem Polizeiposten festgehalten worden. Er und sein Schwager seien
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die einzigen der Gruppe gewesen, welche keine Mitglieder der LTTE ge-
wesen seien. Schliesslich habe sich das IKRK für ihn eingesetzt und er-
wirkt, dass der Fall vor Gericht habe gelangen können, woraufhin alle Be-
teiligten freigelassen worden seien. Er sei auf Bezahlung einer Kaution und
mit der Auflage entlassen worden, das Land nicht verlassen zu dürfen.
Nach seiner Freilassung habe er mit seiner Ehefrau noch bis ins Jahr 2011
in C._ und D._ gelebt, wo er stets gearbeitet habe. Damals
habe er keine Probleme gehabt. Zwar hätten Personen des CID (Criminal
Investigation Departement) ab und zu nach ihm gesehen, ihn aber stets in
Ruhe gelassen, sobald er die Gerichtsunterlagen vorgewiesen habe. Erst
im Jahr 2015, als er zurück in B._ gewesen sei, habe die Regierung
angefangen, nach LTTE-Mitgliedern zu suchen, welche noch kein Rehabi-
litationsprogramm durchlaufen hätten. Einer der damaligen Mithäftlinge sei
deshalb in Colombo verhaftet worden. Auch gegen ihn (den Beschwerde-
führer) seien in der Folge entsprechende Ermittlungen aufgenommen wor-
den. Sowohl seine Schwiegermutter als auch seine Schwester hätten ihn
darüber orientiert, dass das CID nach ihm gesucht habe. Damals habe er
sich bei einem Cousin in N. aufgehalten, wo er aufgrund der Umstände
schliesslich solange geblieben sei, bis sein Onkel ihn nach Colombo be-
gleitet habe. Dieser habe im Bereich Transport gearbeitet und habe seine
Ausreise organisiert. In Colombo habe er (der Beschwerdeführer) einen
Pass beantragt und erhalten, woraufhin er am (...) 2015 Sri Lanka auf dem
Luftweg Richtung Iran verlassen habe.
Seine Ehefrau sei in der Vergangenheit zweieinhalb Jahre lang Mitglied bei
den LTTE gewesen. Sie sei deswegen aber weder im Gefängnis gewesen,
noch sei sie rehabilitiert worden. Gegenüber Dritten würde sie stets be-
haupten, die Rehabilitation durchlaufen zu haben. Er befürchte, im Falle
einer Rückkehr nach Sri Lanka jahrelang in Haft zu kommen.
Der Beschwerdeführer reichte einen Führerschein sowie Kopien seiner
Identitätskarte, seiner Geburtsurkunde, der Identitätskarte und der Ge-
burtsurkunde seiner Ehefrau, des Ehescheins und des Todesscheins sei-
ner Schwester zu den Akten. Zudem gab er ein Schreiben des Northern
Provincial Council, eine Familienkarte, Gerichtsunterlagen in Kopie, Unter-
lagen im Zusammenhang mit dem Verschwinden seines Vaters sowie zwei
Karten des IKRK, wovon eine auf den Namen des Beschwerdeführers lau-
tend, zu den vorinstanzlichen Akten.
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B.
Mit Verfügung vom 24. April 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zuständi-
gen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
Zur Begründung führte das SEM mit Verweisen auf die entsprechenden
Aktenstellen im Wesentlichen aus, es sei vor dem Hintergrund der sub-
stanzlosen, widersprüchlichen und wenig nachvollziehbaren Angaben des
Beschwerdeführers zu bezweifeln, dass eine persönliche Verbindung zu
den LTTE auf die Art und Weise zustande gekommen sei, wie von ihm gel-
tend gemacht. Schon deshalb könne vom SEM ein allfälliges Gefährdungs-
profil nicht abschliessend beurteilt werden.
Im Weiteren sei in Berücksichtigung der Aktenlage nicht nachvollziehbar,
weshalb der Beschwerdeführer im Oktober 2015 in einen negativen Fokus
des CID hätten gelangen sollen, nachdem er zuvor jahrelang grösstenteils
unbehelligt in der Heimat gelebt habe. Aus seinen Aussagen und den ein-
gereichten Unterlagen ergebe sich bezüglich der entsprechenden Vorbrin-
gen insgesamt kein konsistentes Bild. Seine Aussage, es sei wieder nach
ihm ermittelt worden, als das Militär im Jahr 2015 angefangen habe, nach
nicht rehabilitierten LTTE-Mitgliedern zu suchen, erscheine zudem gestützt
auf den Umstand, dass sowohl im Jahr 2015 als auch im Folgejahr ver-
gleichsweise wenig Rehabilitationen stattgefunden hätten (dazu Staats-
sekretariat für Migration: Focus Sri Lanka, Lage ehemaliger Mitglieder der
Liberation Tigers of Tamil Eelam, vom 15. März 2019, S. 14), realitätsfern.
Auch zum Vorbringen, wonach Leute des CID schliesslich nach ihm per-
sönlich gesucht hätten, und somit zu den Hintergründen des angeblich
fluchtauslösenden Ereignisses, habe er äusserst wenige und nur detail-
arme Angaben machen können, was nicht nachvollziehbar sei. In Anbe-
tracht dessen, dass er derart wenig über die entsprechenden Umstände
habe in Erfahrung bringen können, würden sich seine angeblichen Be-
fürchtungen im rein spekulativen Rahmen bewegen. Es sei nicht glaubhaft,
dass der Beschwerdeführer unmittelbar vor seiner Ausreise in asylbeacht-
licher Weise bedroht gewesen sei.
An der Einschätzung des SEM würden auch die vom Beschwerdeführer
eingereichten Unterlagen nichts ändern. Die Gerichtsunterlagen aus dem
Jahr 2008 würden teilweise nicht mit seinen Aussagen übereinstimmen.
Zudem gäben diese keinen Hinweis darauf, dass er im Jahr 2015 und somit
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kurz vor seiner Ausreise Probleme hätte erhalten haben können. Dem ein-
gereichten Schreiben seitens des Northern Provincial Parlaments aus dem
Jahr 2016, das ein reines Gefälligkeitsschreiben darstellen könne und dem
deshalb kein grosser Beweiswert zukomme, sei vor dem Hintergrund der
unglaubhaften Angaben des Beschwerdeführers zu den Fluchtgründen
auch keine massgebliche Bedeutung beizumessen.
Aus dem Umstand, dass der Vater des Beschwerdeführers im Jahr (...)
verschwunden und vermutungsweise erschossen worden sei, könne keine
Verbindung zu den übrigen Vorbringen erkannt werden. Dass der Be-
schwerdeführer in der Vergangenheit in Kontakt mit dem IKRK gestanden
habe, werde nicht bezweifelt. Die in diesem Zusammenhang eingereichten
Karten würden aber sein fluchtbegründendes Vorbringen aus dem Jahr
2015 nicht zu belegen vermögen, sondern seien lediglich ein Hinweis auf
einen allfälligen Kontakt mit dem IKRK, welcher seinen Angaben zufolge
bereits im Jahr (...) anlässlich der geltend gemachten Festnahme stattge-
funden habe.
Die Vorbringen des Beschwerdeführers bezüglich der geltend gemachten
Gründe für seine Ausreise aus dem Heimatland würden insgesamt den An-
forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht
standhalten.
Zudem lägen keine Risikofaktoren vor, wonach der Beschwerdeführer im
Falle der Rückkehr nach Sri Lanka begründete Furcht hegen müsste, dort
künftig Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu
sein.
Aufgrund der Aktenlagen sei nicht ersichtlich, dass ihm künftig die geltend
gemachte LTTE-Vergangenheit von Verwandten (Ehefrau und Onkel) zum
Nachteil erwachsen könnte.
Gestützt auf seine Angaben müsse davon ausgegangen werden, dass er
auf legalem Weg einen Pass beantragt und das Land verlassen habe. Auch
dieser Umstand spreche nicht dafür, dass er bei einer Rückkehr in einen
besonderen Fokus der Behörden gelangen könnte.
Den Akten seien auch keine Hinweise auf eine Verschärfung der persönli-
chen Situation des Beschwerdeführers aufgrund der Präsidentschaftswahl
vom 16. November 2019 zu entnehmen. Die Anforderungen an die An-
nahme einer begründeten Verfolgungsfurcht seien damit nicht gegeben.
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Die Rückkehr nach Sri Lanka erweise sich in landes- und völkerrechtlicher
Hinsicht als zulässig. Der Vollzug der Wegweisung sei in Berücksichtigung
der allgemeinen Situation in Sri Lanka und unter individuellen Aspekten
auch zumutbar sowie technisch möglich und praktisch durchführbar.
C.
Mit Eingabe vom 2. Juni 2020 erhob der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter gegen den vorinstanzlichen Entscheid beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung des
SEM vom 24. April 2020 aufzuheben und seine Flüchtlingseigenschaft fest-
zustellen sowie ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventu-
aliter sei die Unzulässigkeit und/oder die Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen.
Der vorliegenden Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen
und dem Beschwerdeführer zu gestatten, den Ausgang des Verfahrens in
der Schweiz abzuwarten. Es sei ihm für das Beschwerdeverfahren die in-
tegrale unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen, unter Beiordnung des
unterzeichneten Rechtsanwaltes als unentgeltlicher Rechtsbeistand.
Als Beschwerdegründe werden sodann angeführt, die Vorinstanz habe den
rechtserheblichen Sachverhalt weder vollständig noch richtig abgeklärt.
Zudem wird die Verletzung der Begründungspflicht gerügt und das SEM
habe das geltende Recht, insbesondere Art. 3 und 7 AsylG, Art. 83 AuG
(SR 142.20), Art. 3 EMRK und Art. 33 GFK, sowie Art. 12 VwVG verletzt.
In der Folge wird erklärt, als Hauptbegehren verlange der Beschwerdefüh-
rer die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 24. April 2020 und
damit die Feststellung der Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft und der Ge-
währung von Asyl in der Schweiz.
Zur Begründung der Beschwerde wird im Wesentlichen vorgebracht, ent-
gegen den Feststellungen der Vorinstanz seien die Ausführungen des Be-
schwerdeführers glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG und würden den An-
forderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhal-
ten.
Die vorgebrachten Asylgründe und die vor der Vorinstanz gemachten Aus-
sagen des Beschwerdeführers würden auch durch die neuen (noch nicht
aktenkundigen) Dokumente untermauert. Mit der Beschwerde wurden
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mehrere als Beweismittel bezeichnete Beilagen je mit Übersetzung in die
deutsche Sprache zu den Akten gereicht:
- Dokument „Northern Provincial Council" Nr. 19972 vom 30. Oktober 2017
(Bestätigungsschreiben eines Mitglieds des nördlichen Provinzrats)
- Eidesstattliche Erklärung vom 16. Mai 2020 der Schwägerin des Be-
schwerdeführers A.M.
- Dokument „Northern Provincial Council" vom 1. Oktober 2018 (Bestäti-
gungsschreiben nördlicher Provinzrat)
- Beglaubigtes Bestätigungsschreiben der Schwägerin des Beschwerde-
führers A. E. vom 16. Mai 2020
- Beglaubigtes Bestätigungsschreiben von J. Y. S. vom 21. Mai 2020
Die Dokumente würden bestätigen, was der Beschwerdeführer bereits bei
den Anhörungen zu seinen Asylgründen stets vorgebracht habe. Es müsse
davon ausgegangen werden, dass er aufgrund seiner früheren Verbindung
zu den LTTE in Sri Lanka einer unmittelbaren asylrelevanten Verfolgung
ausgesetzt sei und mit langer Haft unter Anwendung von Folter rechnen
müsste.
D.
Mit Schreiben des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. Juni 2020 wurde
dem Beschwerdeführer der Eingang der Beschwerde bestätigt, mit Kopie
an die zuständige kantonale Behörde.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2020 wurde klargestellt, dass das
Rechtsbegehren, der vorliegenden Beschwerde sei die aufschiebende Wir-
kung zu erteilen und dem Beschwerdeführer zu gestatten, den Ausgang
des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten, obsolet sei, da der Be-
schwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukomme (Art. 55
Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 105 AsylG) und diese vom SEM auch nicht entzo-
gen worden sei. Zudem dürfe der Beschwerdeführer vorliegend ebenso
von Gesetzes wegen den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten (Art. 42 AsylG).
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Es wurde festgehalten, auf die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung
und Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes werde zu einem späte-
ren Zeitpunkt eingegangen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wurde aktuell verzichtet.
Das SEM wurde eingeladen, sich innert Frist zur Beschwerdesache ver-
nehmen zu lassen.
F.
Mit Vernehmlassung vom 15. Juni 2020 stellte das SEM fest, die Be-
schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-
mittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten.
Es führte im Wesentlichen aus, es sei entgegen den Vorbringen in der Be-
schwerde nach wie vor nicht nachvollziehbar, dass sich der Beschwerde-
führer im Jahr 2015 vor einer Rehabilitation gefürchtet haben solle, wenn-
gleich er zuvor bei Kontrollen oder Besuchen des CID lediglich Dokumente
des Gerichts habe vorzeigen können, um danach in Ruhe gelassen zu wer-
den. Die Angabe in der Beschwerde, der Beschwerdeführer habe nach der
Entlassung aus der Haft im Jahre 2008 Sri Lanka verlassen und bis ins
Jahr 2011 in Indien gelebt, sei falsch. Vielmehr habe er angegeben, in den
Jahren 2008 bis 2011 in C._ und D._ gelebt zu haben, um
sich danach wieder in S. (seinem angestammten Wohnort) niederzulassen.
In Indien habe er nach eigenen Angaben in den Jahren 1994 bis 2004 ge-
lebt.
Zu den auf Beschwerdeebene nachgereichten Dokumenten entgegnete
das SEM, solche Schreiben könnten Gefälligkeitszeugnisse darstellen und
seien darüber hinaus einfach zu fälschen. Zudem vermöchten die Doku-
mente einerseits die angeblichen Probleme des Beschwerdeführers weder
zu belegen noch glaubhaft zu machen, ein weiteres Dokument bringe an-
dererseits keine wesentlichen neuen Tatsachen hervor, welche nicht be-
reits gewürdigt worden seien, und die Vorbringen in einem anderen Doku-
ment hätten als auf Beschwerdeebene nachgeschoben und unzulänglich
zu gelten.
G.
Mit Instruktionsverfügung vom 19. Juni 2020 wurde der Beschwerdeführer
zur Einreichung einer Replik innert Frist eingeladen.
H.
Nach mehrmaligen bewilligten Gesuchen um Fristerstreckung nahm der
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Beschwerdeführer mit Eingabe vom 7. September 2020 zur Vernehmlas-
sung Stellung. Dabei brachte er vor, zur Diskrepanz zwischen den Ausfüh-
rungen in der Beschwerdeschrift und seinen Aussagen betreffend die Zeit-
punkte und die Dauer seines Aufenthalts in Indien sei klarzustellen, dass
er nach der Haftentlassung im Jahr (...) nach Indien geflüchtet sei, da er
bereits in den Jahren von 1994 bis 2004 dort gelebt und sich folglich aus-
gekannt habe. Er habe diesen Umstand bei den Anhörungen verschwie-
gen, da er nachteilige Auswirkungen auf das Asylverfahren befürchtet
habe, weil er vorgängig bereits einmal beziehungsweise ein weiteres Mal
aus Sri Lanka nach Indien und im Jahr 2011 wieder nach Sri Lanka einge-
reist sei. Richtig seien somit die Daten, wie sie in der Beschwerdeschrift
wiedergegeben würden. Sollte dieser Umstand durch das Gericht als nicht
erwiesen erachtet werden, so wäre die Angelegenheit an die Vorinstanz
zurückzuweisen und der Beschwerdeführer durch diese betreffend diese
Angelegenheit neuerlich zu befragen, wobei auf das Rechtsbegehren Nr. 2
der Beschwerde vom 2. Juni 2020 verwiesen werde.
Bezüglich der eingereichten Dokumente wurde ausgeführt, die Vorinstanz
unterstelle dem Beschwerdeführer sinngemäss, gefälschte Dokumente zu
den Akten gegeben zu haben. Dafür bestünden keinerlei Anhaltspunkte,
womit ohne Weiteres von nicht gefälschten Beweismitteln auszugehen sei,
sofern nicht das Gegenteil erwiesen sei. Ebenso wenig sei nachzuvollzie-
hen, dass es sich bei diesen Urkunden um Gefälligkeitszeugnisse handeln
könnte. Es gehe nicht an, sämtliche seitens des Beschwerdeführers einge-
reichten Dokumente als mutmassliche Fälschungen oder Gefälligkeits-
zeugnisse zu qualifizieren. Vielmehr würden die eingereichten Unterlagen
die Aussagen des Beschwerdeführers stützen und seien gewichtige Indi-
zien, dass diese eben glaubhaft seien und dass er ernstliche Nachteile zu
befürchten hätte, würde er nach Sri Lanka zurückkehren.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
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Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden
Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG
ins AIG übernommen worden.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
in Asylsachen auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106
Abs. 1 AsylG). Im Zusammenhang mit dem Wegweisungsvollzug kann zu-
dem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49
VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Mit der Beschwerde wird gerügt, die Vorinstanz habe den rechtserheb-
lichen Sachverhalt weder vollständig noch richtig abgeklärt und habe somit
Art. 12 VwVG verletzt. Zudem wird die Verletzung der Begründungspflicht
gerügt. Diese Rügen sind vorab zu prüfen, da sie, sollten sie sich als be-
gründet erweisen, zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen
könnten.
3.2
3.2.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel
(Bstn. a-e). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mit-
wirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu ge-
hört unter anderem, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken
und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel voll-
ständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen (vgl. BVGE 2011/28
E. 3.4).
3.2.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht
bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist
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die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-
widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt
worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-
wesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ / HÄNER /
BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun-
des, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den rechtserheblichen Sach-
verhalt, wie ihn die Vorinstanz festgestellt hat, uneingeschränkt überprüfen
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es ist dazu in dem Masse verpflichtet, als die Be-
schwerdepartei die Sachverhaltsfeststellungen oder die ihr zugrunde lie-
gende Beweiswürdigung als fehlerhaft rügt und sich mit der angefochtenen
Verfügung sachbezogen auseinandersetzt (vgl. CHRISTOPH AUER, Streitge-
genstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltungsrechtlichen
Prozessmaximen, Diss. Bern 1997, S. 79 f.; Urteil des BVGer E-36/2008
vom 30. November 2011, E. 5.1).
3.2.4 Die Rüge, das SEM habe den rechtserheblichen Sachverhalt weder
vollständig noch richtig abgeklärt, wird vorliegend standartmässig und
ohne nähere Begründung in der Beschwerdeschrift vorgebracht. Aufgrund
der korrekt verlaufenen Anhörungen des Beschwerdeführers und der Ak-
tenlage ist nicht ersichtlich, inwiefern das SEM nicht pflichtgemäss dafür
gesorgt hätte, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig
abzuklären. Es ist nicht erkennbar, dass der rechtserhebliche Sachverhalt
nicht hinreichend erstellt wäre. Die Rüge ist unbegründet.
3.2.5 In der Replikschrift wird sodann bezüglich der Sachverhaltserstellung
vorgebracht, der Beschwerdeführer habe bei den Anhörungen den Aufent-
halt in Indien in den Jahren 2008 bis 2011 verschwiegen und beantragt,
sollte dieser Umstand durch das Gericht als nicht erwiesen erachtet wer-
den, so wäre die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen und der
Beschwerdeführer dazu neuerlich zu befragen. Dabei wird verkannt, dass
sich die Sachlage gerade umgekehrt verhält. Denn sollte das Gericht den
neu geltend gemachten Sachverhalt des Indienaufenthaltes als nicht
glaubhaft und somit als nicht tatsächliche Gegebenheit erachten, gäbe es
auch keinen Anlass, ihn hierzu zu befragen. Abgesehen davon wäre in Be-
rücksichtigung der nachstehenden Erwägungen auch bei Wahrunterstel-
lung ein weiterer Aufenthalt des Beschwerdeführers in Indien im genannten
Zeitraum in entscheidwesentlicher Hinsicht nicht ausschlaggebend und so-
mit kein Sachumstand von rechtserheblicher Bedeutung. Der Antrag auf
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neuerliche Befragung des Beschwerdeführers und Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz zu diesem Zweck ist demnach abzuweisen.
3.3
3.3.1 Mit der Beschwerde wird weiter gerügt, in der angefochtenen Verfü-
gung werde nicht einmal ansatzweise ausgeführt beziehungsweise be-
gründet, inwiefern die Angaben des Beschwerdeführers substanzlos, wi-
dersprüchlich und wenig nachvollziehbar sein sollten. Das rechtliche Gehör
des Beschwerdeführers sei damit verletzt, zumal die Ausführungen in der
angefochtenen Verfügung den Anforderungen an die Begründungspflicht
nicht standhalten würden.
3.3.2 Die Begründung der vorinstanzlichen Verfügung muss so abgefasst
sein, dass der oder die Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
3.3.3 Das SEM hat die Begründungspflicht offenkundig nicht verletzt. In der
angefochtenen Verfügung wird zum Teil gar unter Verweis auf die konkre-
ten entsprechenden Aktenstellen nachvollziehbar ausgeführt, von welchen
Überlegungen und Einschätzungen es sich zu den rechtlichen Folgerun-
gen leiten liess. Zudem zeigt die Beschwerde selbst denn auch auf, dass
eine sachgerechte Anfechtung möglich war. Soweit mit der Beschwerde die
Würdigung des Sachverhaltes durch das SEM gerügt wird, tangiert dies
nicht die Begründungspflicht. Darauf ist untenstehend einzugehen.
3.4 Es besteht demnach keine Veranlassung, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben. Das Begehren um Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz ist abzuweisen und das Gericht hat in der Sache zu entscheiden
(Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
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ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2015/3
E. 6.5.1).
5.
5.1 In Übereinstimmung mit der angefochtenen Verfügung kommt das Ge-
richt zum Schluss, dass den Akten keine hinreichend glaubhaften Anhalts-
punkte dafür zu entnehmen sind, der Beschwerdeführer sei aus Gründen,
die sich vor seiner Ausreise aus dem Heimatland verwirklicht hätten, im
Sinne des Gesetzes ernsthaften Nachteilen ausgesetzt worden oder
müsste bei einer Rückkehr begründeterweise befürchten, solchen in sei-
nem Heimatland mit erheblicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-
kunft ausgesetzt zu werden. Die Argumentationslinie in der vorinstanzli-
chen Verfügung und deren Folgerungen bieten weder in tatsächlicher noch
in rechtlicher Hinsicht Anlass zu Beanstandungen und es kann auf die ent-
sprechenden Erwägungen verwiesen werden.
5.2
5.2.1 Namentlich ist entgegen den Einwänden in der Beschwerde die Ein-
schätzung des SEM zu stützen, dass der Beschwerdeführer aufgrund sub-
stanzloser, widersprüchlicher und wenig nachvollziehbarer Angaben nicht
in der Lage war, glaubhaft darzulegen, dass eine persönliche Verbindung
zu den LTTE auf die Art und Weise zustande gekommen ist, wie von ihm
geltend gemacht. So hat er in der Tat im Zusammenhang mit der angebli-
chen Ausbildung erhebliche unterschiedliche Angaben in Bezug auf deren
Dauer gemacht und konnte den Widerspruch im Rahmen der Anhörung
nicht auflösen (A 15/10, F 69). Der Erklärungsversuch in der Beschwerde,
diesbezüglich sei kein relevanter Widerspruch ersichtlich, da der Be-
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schwerdeführer betreffend die Ausbildungsdauer lediglich ungefähre Zeit-
spannen angegeben habe, vermag nicht zu überzeugen. Zudem wird an-
geführt, er habe in der ersten Anhörung konkret ausgeführt, er sei während
etwa dreier Monate über GPS unterrichtet worden (A15/10, F60), und bei
der BzP habe er ausgeführt, er sei insgesamt sechs bis sieben Monate in
Ausbildung für GPS, Computer und so weiter gewesen (A4/13, Pt. 7.02),
womit entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung davon
auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer insgesamt rund sechs bis sie-
ben Monate bei den LTTE ausgebildet und davon rund drei Monate über
GPS unterrichtet worden sei. Auch dieser weitere Einwand erscheint nicht
stichhaltig und ist letztlich aktenwidrig. So hat der Beschwerdeführer an-
lässlich der Anhörung angegeben, neben der GPS-Ausbildung sei er auch
in Basiskenntnissen über Computer unterrichtet worden (A15/10, F66), und
bestätigte wiederholt entgegen der Angabe in der BzP, die Ausbildung habe
etwa drei Monate (A15/10, F67) oder etwas mehr (A15/10, F69) gedauert.
Der Widerspruch bleibt, wie das SEM zu Recht feststellte, bestehen.
Es ist auch mit dem SEM einig zu gehen, dass ungeachtet dessen, ob der
Unterricht über drei Monate oder ein halbes Jahr hinweg stattgefunden ha-
ben soll, nicht nachvollziehbar ist, weshalb der Beschwerdeführer – in An-
betracht der nicht unwesentlich langen Zeitspanne und den besonderen
Umständen des Unterrichts – dermassen wenige Angaben zum Inhalt der
Ausbildung machen konnte. Die gegenteilige Sichtweise in der Be-
schwerde ist nicht überzeugend. Dass er etwa bezüglich der konkreten
möglichen Auftragsziele, die mit GPS markiert worden seien, alles verges-
sen habe (A15/10, F63), ist in der Tat als unzulängliche Schutzbehauptung
hinsichtlich der diesbezüglichen Unkenntnis zu bezeichnen. Dies wäre
nicht zu erwarten, wenn er die entsprechende Ausbildung tatsächlich ab-
solviert hätte, zumal es sich dabei um einfach zu merkende Sachverhalte
gehandelt hätte. Entgegen dem Einwand in der Beschwerde wird denn
auch vom Beschwerdeführer nicht verlangt, etwa die technischen Funktio-
nen der GPS-Systeme im Zeitpunkt der Anhörung im Detail wiedergeben
zu können.
5.2.2 Im Weiteren ist im Sinne der vorinstanzlichen Erwägungen in Berück-
sichtigung der Aktenlage nicht hinreichend dargetan, dass der Beschwer-
deführer im Oktober 2015 einem verfolgungsnahen Augenmerk des CID
hätte ausgesetzt werden sollen, nachdem er zuvor jahrelang grösstenteils
unbehelligt in der Heimat gelebt hat. Es ist die Einschätzung des SEM zu
stützen, dass sich aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers und den
E-2860/2020
Seite 15
eingereichten Unterlagen bezüglich der entsprechenden Vorbringen insge-
samt kein konsistentes Bild ergibt und er auch zum Vorbringen, Leute des
CID hätten nach ihm persönlich gesucht, nur spärliche und detailarme An-
gaben machen konnte. In Würdigung dieser Umstände ist die Folgerung
des SEM nicht zu beanstanden, die entsprechenden angeblichen Befürch-
tungen würden sich im rein spekulativen Rahmen bewegen. Das SEM
stellte zu Recht fest, dass der Beschwerdeführer auf Nachfrage zur per-
sönlichen Suche nach ihm durch das CID lediglich anzugeben vermochte,
seine Schwester und seine Schwiegermutter hätten erzählt, dass nach ihm
gesucht worden sei. Das CID habe dabei nach ihm und seinem Schwager
gefragt. Auf die Frage, was seine konkreten Befürchtungen in diesem Zu-
sammenhang gewesen seien, gab der Beschwerdeführer an, dass ein
Freund von ihm vor fünf Jahren auf diese Weise verhaftet worden sei, was
ihm Angst bereiten würde (A15/14, F 107-108). Das SEM folgerte daraus
zutreffend, dass es nicht glaubhaft erscheinen könne, der Beschwerdefüh-
rer habe das Land verlassen, ohne zuvor nähere Informationen zur Situa-
tion einzuholen. Der Beschwerdeführer war nicht im Stande, hinreichend
substanziiert und nachvollziehbar darzulegen, dass er unmittelbar vor sei-
ner Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2015 in flüchtlingsrechtlich beachtlicher
Weise bedroht gewesen wäre. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass er
nie Mitglied der LTTE gewesen war, früher – wenn überhaupt – persönlich
nur marginal mit den LTTE in Kontakt kam und über Jahre vor der letzten
Ausreise an keinen sicherheitsrelevanten Aktivitäten beteiligt war. Zudem
beantragte und erhielt er im Herbst 2015 offenbar auf legalem Weg einen
Pass, mit dem er über den streng kontrollierten Flughafen von Colombo
sein Heimatland verlassen konnte. Es ist damit nicht davon auszugehen,
dass er in einer "Stop-List" vermerkt wäre. Dies spricht auch nicht dafür, er
wäre im Fokus der sri-lankischen Sicherheitsbehörden gestanden.
5.2.3 Die Entgegnungen in der Beschwerde und die als Beweismittel ein-
gereichten Dokumente vermögen diese Einschätzung in entscheidwesent-
licher Hinsicht nicht in einem anderem Licht erscheinen zu lassen. Der Be-
schwerdeführer bringt vor, es sei nicht als realitätsfern zu betrachten, dass
er erst im Jahr 2015 zum Zwecke der Rehabilitation gesucht worden sei.
Er sei zwar bereits im Jahre (...) aus der Haft entlassen worden, aber mit
der Auflage, ein Rehabilitationsprogramm zu durchlaufen, was auch aus
den eingereichten Dokumenten hervorgehe. Neu und entgegen den Anga-
ben im vorinstanzlichen Verfahren macht er nun geltend, er habe nach der
Entlassung aus der Haft Sri Lanka jedoch verlassen und bis zum Jahr 2011
in Indien gelebt. Dies wird in der Replik bestätigt und dazu ausgeführt, er
habe diesen Umstand bei den Anhörungen verschwiegen, da er nachteilige
E-2860/2020
Seite 16
Auswirkungen auf das Asylverfahren befürchtet habe, weil er vorgängig be-
reits einmal aus Sri Lanka nach Indien ausgereist und im Jahr 2011 wieder
nach Sri Lanka eingereist sei. In Anbetracht der Kenntnis des Beschwer-
deführers, im Asylverfahren nur wahrheitsgemässe Angaben zu machen,
erstaunt sein Aussageverhalten. Zudem ist die Begründung des Ver-
schweigens des erneuten Indienaufenthaltes nicht einleuchtend, da der
Beschwerdeführer zu diesem Zeitraum und zum nachfolgenden Zeitraum
seines erneuten Aufenthaltes in Sri Lanka in den Jahren 2011 bis 2015
ohnehin keine flüchtlingsrechtlich erheblichen Nachteile darlegte. Damit ist
auch – bei Wahrunterstellung – der nun neu geltend gemachte weitere Auf-
enthalt in Indien im genannten Zeitraum in entscheidwesentlicher Hinsicht
nicht ausschlaggebend und somit kein Sachumstand von rechtserheblicher
Bedeutung.
5.2.4 In der Vernehmlassung führte das SEM zu Recht aus, es habe in
seinem Entscheid bereits dargelegt, dass die Aussagen des Beschwerde-
führers und die eingereichten Dokumente kein konsistentes Bild über die
Wahrscheinlichkeit einer ausstehenden Rehabilitation ergäben und die
diesbezüglichen «Präzisierungen» in der Beschwerde müssten als nach-
geschobene Schutzbehauptungen bezeichnet werden. Aufgrund der oben
erwogenen Einschätzungen vermögen die Ausführungen in der Be-
schwerde nicht zu erklären, weshalb der Beschwerdeführer durch die Be-
hörden von Sri Lanka erst im Jahr 2015 einer angeblich ausstehenden Re-
habilitation hätte unterzogen werden sollen.
5.2.5 Das SEM ging in der Vernehmlassung auf die mit der Beschwerde
nachgereichten Dokumente explizit ein und führte im Einzelnen aus:
- Das Bestätigungsschreiben (Urkunden 4 und 5) eines Mitglieds des
nördlichen Provinzrates würde die Probleme bestätigen, welche die
Ehefrau des Beschwerdeführers nach einem «Identitätsklau» zum Er-
werb einer SIM-Karte gehabt habe. Solche Schreiben könnten Gefäl-
ligkeitszeugnisse darstellen und seien darüber hinaus einfach zu fäl-
schen. Zudem vermöge das Dokument die angeblichen Probleme des
Beschwerdeführers nicht zu belegen.
- Mit eidesstattlicher Erklärung vom 16. Mai 2020 (Urkunde 6 und 7) solle
die Schwägerin des Beschwerdeführers bestätigt haben, dass der Be-
schwerdeführer gezwungen worden sei, den LTTE beizutreten. Weiter
hätte er nach Kriegsende ein Rehabiliationsprogramm durchlaufen sol-
E-2860/2020
Seite 17
len. Auch nach seiner Flucht sei er vom CID gesucht worden. Auch die-
ses Dokument könne ein Gefälligkeitszeugnis darstellen, wovon im Zu-
sammenhang mit den insgesamt unglaubhaften Angaben zu den
Fluchtgründen auszugehen sei.
- Mit Schreiben vom 01. Oktober 2018 (Urkunden 8 und 9) bestätige der
nördliche Provinzrat, dass der Beschwerdeführer im Jahr (...) von der
Marine festgenommen worden sei. Dieser angebliche Umstand ändere
nichts daran, dass die Fluchtgründe aus dem Jahr 2015 nicht glaubhaft
dargelegt worden seien. Nach der Entlassung beziehungsweise seit
dem Jahre 2015 würden bei ihm und der Schwiegermutter des Be-
schwerdeführers zudem Befragungen durchgeführt werden, da der Be-
schwerdeführer wieder in Rehabilitation geschickt werden solle. Auch
dieses Schreiben habe jedoch keinen Beweiswert. Solche Schreiben
könnten leicht gefälscht werden und ebenfalls reine Gefälligkeitsschrei-
ben darstellen. Zudem bringe das Dokument keine wesentlichen neuen
Tatsachen hervor, welche nicht bereits gewürdigt worden seien.
- Gemäss beglaubigter Aussage der Schwägerin des Beschwerdefüh-
rers (Urkunde 10 und 11) habe dieser an keinem Rehabilitationspro-
gramm teilgenommen. Ihr Ehemann – und Bruder des Beschwerdefüh-
rers – sei deswegen ständig vom CID befragt worden. Am 14. Juli 2019
sei er erhängt aufgefunden worden. Zum Tod des Bruders und den an-
geblichen Umständen seien, neben diesem Schreiben, keine einschlä-
gigen Beweismittel eingereicht worden. Es könne nicht ohne Weiteres
davon ausgegangen werden, dass der angebliche Tod des Bruders in
Zusammenhang mit der Ausreise des Beschwerdeführers stehe. Zu-
dem wäre der Beschwerdeführer gehalten gewesen, das SEM über
neue Entwicklungen im Zusammenhang mit seinem Asylverfahren zu
orientieren. Das Vorbringen auf Beschwerdeebene sei somit nachge-
schoben und unzulänglich.
- Mit «Urkunde 12 und 13» sei ein weiteres Dokument auf Beschwerde-
ebene eingereicht worden, in welchem dem Beschwerdeführer mittels
beglaubigter Aussage attestiert werde, in Sri Lanka gesucht zu werden.
Für dieses Dokument gelte dasselbe wie für die anderen obengenann-
ten Dokumente. Auch dieses vermöge die Aussagen des Beschwerde-
führers weder zu belegen noch glaubhaft zu machen.
E-2860/2020
Seite 18
Das Gericht folgt den entsprechenden Ausführungen und Einschätzungen
des SEM. Diese sind nicht zu beanstanden. Die Entgegnungen in der Rep-
lik, die sich inhaltlich im Wesentlichen auf die Aussage beschränken, es
seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, die auf Gefälligkeitszeugnisse
schliessen liessen, sind in Berücksichtigung der gesamten Aktenlage und
der daraus zu ziehenden Folgerungen nicht geeignet, eine andere Sicht-
weise ernsthaft in Betracht zu ziehen. Auch dem Hinweis auf eidesstattli-
che Beglaubigung gewisser Dokumentsinhalte kann kein entscheidwesent-
liches Gewicht beigemessen werden. Es ist gerichtsnotorisch, dass ent-
sprechende Dokumente geradezu gewerbsmässig erstellt werden und
leicht käuflich erworben werden können. Dies ist in Würdigung der gesam-
ten Aktenlage auch vorliegend mit überwiegender Wahrscheinlichkeit an-
zunehmen. Schliesslich vermag der Einwand in der Replik, es verstehe
sich von selbst und sei geradezu exemplarisch, dass betreffend den To-
desfall des Bruders des Beschwerdeführers keine weiteren und insbeson-
dere keine amtlichen Dokumente beschafft werden könnten, nicht zu ver-
fangen. Es ist ebenso gerichtsnotorisch, dass im sri-lankischen Kontext als
authentisch zu erachtende amtliche Berichte und Todesbescheinigungen
regelmässig beigebracht werden können. Es ist auch vorliegend davon
auszugehen, dass ein amtlicher Bericht erstellt und eine Todesbestätigung
ausgestellt worden wäre, wenn der Bruder des Beschwerdeführers, wie
vorgebracht, in einem Waldgebiet aufgehängt gefunden worden wäre.
5.3 In einer Gesamtbetrachtung der geltend gemachten Begründung des
Asylgesuches des Beschwerdeführers ist davon auszugehen, dass er bis
zu seiner Ausreise aus dem Heimatland keinen ernsthaften Nachteilen wie
der Gefährdung seines Leibes, seines Lebens oder seiner Freiheit oder in
der Form von Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck
bewirken könnten, ausgesetzt war.
5.4 Es sind auch keine hinreichenden Anhaltspunkte gegeben, der Be-
schwerdeführer wäre künftig in seinem Heimatland mit erheblicher Wahr-
scheinlichkeit flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt. Ge-
mäss geltender Rechtsprechung werden eine tatsächliche oder vermeintli-
che, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der
„Stop List“ und die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlun-
gen als stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Beja-
hung einer begründeten Furcht führen könnten. Von den Rückkehrenden,
die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllen, hat jedoch nur jene
E-2860/2020
Seite 19
Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nach-
teile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lan-
kischen Behörden bestrebt ist, den tamilischen Separatismus wiederaufle-
ben zu lassen und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährdet.
Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung im Rahmen der Prüfung des
Risikoprofils des Beschwerdeführers die massgeblichen Kriterien hinrei-
chend dargelegt und abgewogen. Der Beschwerdeführer besitzt kein poli-
tisches Profil, das ernsthaft das Interesse der sri-lankischen Sicherheits-
kräfte wecken könnte, und aufgrund der Aktenlage ist nicht ersichtlich, wes-
halb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Be-
hörden geraten und in flüchtlingsrechtlicher Weise verfolgt werden sollte.
Er war nie aktives Mitglied der LTTE und weist auch persönlich keine aktu-
elle massgebliche direkte Verbindung zu diesen auf, womit in seiner Per-
son keine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder flüchtlingsrechtlich
erhebliche vergangene Verbindung zu den LTTE ersichtlich ist. Es ist, wie
bereits festgestellt, nicht davon auszugehen, dass er in einer "Stop-List"
vermerkt wäre und es sind keine exilpolitischen Aktivitäten des Beschwer-
deführers aktenkundig, die darauf schliessen lassen könnten, die sri-lanki-
schen Behörden hätten ein massgebliches Augenmerk auf ihn geworfen.
In Berücksichtigung aller Aspekte trifft es auf den Beschwerdeführer offen-
sichtlich nicht zu, dass er in den Augen und nach Ansicht der sri-lankischen
Behörden bestrebt gewesen wäre oder bestrebt wäre, den tamilischen Se-
paratismus wiederaufleben zu lassen, und so den sri-lankischen Einheits-
staat gefährdet.
Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend ausführte, ver-
mag daran auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl
mit dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa nichts zu ändern. Das Gericht teilt
die Einschätzung, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur An-
nahme gibt, ganze Volksgruppen wären unter Präsident Gotabaya Rajapa-
ksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Voraussetzung für die
Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahlen
vom 16. November 2019 wäre ein persönlicher Bezug der asylsuchenden
Person im Einzelfall zu eben diesem Ereignis respektive dessen Folgen,
was vorliegend nicht ansatzweise dargetan ist.
Entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Sichtweise erscheint
aufgrund der Aktenlage eine Furcht, der Beschwerdeführer würde künftig
in seinem Heimatland mit erheblicher Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrecht-
E-2860/2020
Seite 20
lich relevanten Nachteilen ausgesetzt, aus objektiver Sicht vernünftiger-
weise nicht begründet. Die entsprechenden Erklärungsversuche in der Be-
schwerde erscheinen nicht tauglich, den in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht
nicht erfolgversprechenden Sachschilderungen massgebliches Gewicht zu
verleihen. Daran vermag auch die auf Beschwerdeebene eingereichte
"Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 12. Januar 2018 zu Sri
Lanka: Entführungen von tamilischen Personen mit LTTE-Verbindungen im
Distrikt Jaffna und in der Nordprovinz" für den vorliegend zu beurteilenden
Einzelfall in entscheidwesentlicher Hinsicht nichts zu ändern.
5.5 Der Beschwerdeführer konnte keine asylrelevante Verfolgung vor sei-
ner Ausreise aus seinem Heimatland glaubhaft machen. Es bestehen auch
keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass ihm bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka persönlich ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
drohen würden. Entsprechendes ergibt sich auch nicht aus den Ausführun-
gen in der Beschwerde. Es erübrigt sich, auf diese weiter einzugehen, da
sie nicht geeignet sind, zu einer anderen Einschätzung zu führen. Die
Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abge-
lehnt.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-
genschaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen
(vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
E-2860/2020
Seite 21
Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung findet
mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung und es
sind keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar.
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen weder
die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig er-
scheinen (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 f. [als Refe-
renzurteil publiziert]). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen-
rechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon aus-
zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmensch-
liche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenom-
men werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. Sep-
tember 2013, 10466/11, Ziff. 37). Aus den Akten ergeben sich keine kon-
kreten Anhaltspunkte dafür, der Beschwerdeführer hätte bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen
zu befürchten, die über einen sogenannten „Backgroundcheck“ (Befragung
und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden
oder dass er dadurch persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist zulässig.
7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ebenfalls
zutreffend bejaht. Ihre Schlussfolgerungen sind nicht zu beanstanden. Der
bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE
ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder
Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Diese Einschätzung gilt
auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Situation.
Gemäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und
Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar-
keitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder so-
zialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2).
Gemäss Aktenlage lebt die Ehefrau des Beschwerdeführers nach wie vor
an der angestammten Wohnadresse in Sri Lanka. Auch besteht für den
E-2860/2020
Seite 22
Beschwerdeführer mit mehreren Verwandten ein breites familiäres Bezie-
hungsnetz. Es ist somit davon auszugehen, dass er bei seiner Rückkehr
von seiner Verwandtschaft in verschiedener Hinsicht unterstützt werden
kann. Der Beschwerdeführer verfügt über ein tragfähiges soziales Bezie-
hungsnetz in seiner Herkunftsregion. Gemäss eigenen Angaben konnte er
in der Vergangenheit mit seiner Arbeit ein ausreichendes Einkommen ge-
nerieren und für seine Ausreise gar beträchtliche finanzielle Mittel zur Seite
legen (A 15/18, F121-122). Bei einer Rückkehr in sein Heimatland kann er
von einer gesicherten Existenz- und Wohnsituation ausgehen. Auch in me-
dizinischer Hinsicht besteht kein Vollzugshindernis.
In der Beschwerde werden unter dem Titel der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzuges entgegen der Gesetzessystematik wiederum Aspekte ge-
nannt, die der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG oder
der Bestimmung von Art. 3 EMRK unterliegen. Es ist demnach darauf nicht
mehr weiter einzugehen.
Von einer konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers im Sinne des Ge-
setzes und der Rechtsprechung kann bei einer Rückkehr in sein Heimat-
land nicht ausgegangen werden. Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl
in genereller als auch in individueller Hinsicht zumutbar.
7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12).
Die aktuellen Massnahmen im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbrei-
tung der Coronavirus-Krankheit (Covid-19) sind aufgrund ihrer vorüberge-
henden Natur nicht geeignet, die obigen Schlussfolgerungen in Frage zu
stellen. Würden diese im vorliegenden Fall den Vollzug der Wegweisung
vorübergehend verzögern, so würde dieser zwangsläufig zu einem späte-
ren, angemessenen Zeitpunkt erfolgen (vgl. etwa Urteile der BVGer
D-1557/2020 und D-1554/2020 vom 23. April 2020 E. 7.4, E-895/2020 vom
15. April 2020 E. 9.6).
7.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Das entsprechende Even-
tualbegehren ist abzuweisen.
E-2860/2020
Seite 23
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege ist gutzuheissen, da von der Prozessbe-
dürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist und die Rechtsbegeh-
ren sich nicht als aussichtlos darstellten. Es sind keine Verfahrenskosten
zu erheben (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
9.2 Dem Beschwerdeführer ist sein Rechtsvertreter als amtlicher Rechts-
beistand zu bestellen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Die amtliche Rechtsver-
tretung ist unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen. Ent-
schädigt wird der sachlich notwendige Aufwand (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8
Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Die Festsetzung des Honorars erfolgt gemäss Art. 12 VGKE in sinngemäs-
ser Anwendung von Art. 8-11 sowie Art. 14 VGKE. Bei amtlicher Vertretung
geht das Gericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis
Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für
nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10
Abs. 2 VGKE).
Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Partei-
kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Unter Berücksichtigung des massgebenden Stundenansatzes von
Fr. 220.– ist dem Rechtsbeistand vom Bundesverwaltungsgericht ein Ho-
norar in der Höhe von insgesamt Fr. 1'300.– (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuerzuschlag) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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