Decision ID: 8000faa9-7f6b-5f62-ba7a-0e9b4a979aec
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eine kongolesische Staatsangehörige aus
D._ (Kongo) mit letztem Wohnsitz in E._ (Südafrika), er-
suchte am 17. Januar 2020 mit ihren beiden Kindern im Transitbereich des
Flughafens F._ um Asyl. Die Vorinstanz verweigerte ihnen gleichen-
tags vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies ihnen mit Verfügung
vom 21. Januar 2020 für die Dauer von maximal 60 Tagen den Transitbe-
reich des Flughafens F._ als Aufenthaltsort zu. Die Prüfung der von
den Beschwerdeführenden mitgeführten maltesischen Reisepässe durch
die Kantonspolizei F._ ergab, dass es sich um gefälschte Doku-
mente handelt.
B.
Am 31. Januar 2020 wurden die Personalien der Beschwerdeführerin er-
hoben und sie zum Reiseweg und summarisch zu den Ausreisegründen
befragt. Zudem wurde ihr das rechtliche Gehör zur Wegweisung nach Süd-
afrika gewährt. Die Beschwerdeführerin führte im Wesentlichen aus, sie
könnten nicht nach Südafrika zurückkehren, weil sie dort von einem Mann
umgebracht würden. Die Polizei könne ihr dort nicht helfen.
C.
Am 3. Februar 2020 bewilligte das SEM den Beschwerdeführenden zur
Prüfung ihrer Asylgesuche die Einreise in die Schweiz.
D.
Am 18. Februar 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Kopie des
Flüchtlings-Status in Südafrika, ausgestellt am 28. August 2018, eine Ko-
pie der Anzeige bei der Polizei in E._ vom 8. Dezember 2019, Fotos
der Situation der Flüchtlinge in E._ und einen Zeitungsartikel be-
treffend die Situation der Flüchtlinge und die Xenophobie in Südafrika ein.
E.
Am 21. Februar 2020 wurde die Beschwerdeführerin einlässlich zu ihren
Asylgründen angehört.
Die Beschwerdeführerin machte zur Asylbegründung im Wesentlichen gel-
tend, sie sei im Jahr 2011 von D._ zu ihrem Mann nach Südafrika
geflüchtet, der bereits seit 2007 dort ansässig gewesen sei. Ihre älteste
Tochter sei im Kongo geblieben. In Südafrika habe sie wie ihr Mann Asyl
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erhalten und sei als Flüchtling anerkannt worden. Ihre beiden jüngeren Kin-
der seien in Südafrika zur Welt gekommen. Sie hätten bis 2017 in
E._ gewohnt. Von 2017 bis Anfang November 2019 hätten sie dann
am (...) in G._ gelebt. Sie habe in Südafrika als (...) gearbeitet,
während ihr Mann als (...) und später als selbständiger (...) Geld verdient
habe. Anfang September 2019 sei es in G._ zu fremdenfeindlichen
Übergriffen gekommen. Ihr Mann habe am 3. oder 4. September 2019 Kin-
der zur Schule chauffiert und dann wieder von dort abgeholt. Als er das
letzte Kind nach Hause habe bringen wollen, sei sein Taxi von Südafrika-
nern angegriffen worden. Ihr Mann habe flüchten können. Das Auto sei in
Brand gesteckt worden, wobei das Schulkind in den Flammen umgekom-
men sei. Ihr Mann habe gleich nach dem Vorfall mit ihr telefoniert und ge-
sagt, dass er flüchten müsse. Er habe weiter erklärt, dass sie mit ihren
gemeinsamen Kindern ebenfalls flüchten müssten, da sich die Familie des
Schulkindes rächen wolle. Kurz darauf sei der Halbbruder ihres Mannes
bei ihnen zu Hause aufgetaucht und habe sie und ihre Kinder weggebracht.
Die nächsten drei Wochen hätten sie beim Halbbruder ihres Mannes ge-
wohnt. Nach drei Wochen sei der Halbbruder nicht mehr von der Arbeit
zurückgekehrt. Sie hätten erfahren, dass er aufgrund des Todes des Schul-
kindes ermordet worden sei. Die Ehefrau des Halbbruders habe sie darauf-
hin aufgefordert wegzugehen. Sie sei mit ihren Kindern mit dem Bus nach
E._ gefahren. Dort hätten sie zwei Tage bei einer Freundin an der
(...) gewohnt. Da noch eine andere Person im Haushalt ihrer Freundin ge-
wohnt habe, habe sie sich entschieden, mit ihren beiden Kindern im Stadt-
zentrum von E._ auf der Strasse zu leben. Damals hätten sich dort
in der Nähe des UNHCR-Sitzes beim H._ zahlreiche andere Flücht-
linge niedergelassen. Man habe ihr mitgeteilt, dass die dortigen Flüchtlinge
vom UNHCR in Drittstaaten übersiedelt würden. Am 8. Dezember 2019
habe man sie auf offener Strasse ausgeraubt. Die Räuber hätten ein Foto
von ihr auf sich getragen und gedroht, sie umzubringen. Sie habe den
Überfall bei der Polizei gemeldet. Die Polizei habe ihre Anzeige wegen des
Raubüberfalles aufgenommen, jedoch ihren Versuch, eine Vermisstenmel-
dung für ihren Mann abzugeben, ignoriert. Desgleichen habe sich die Poli-
zei nicht für den Tod des Schulkindes in G._ interessiert. Als sie sich
eines Tages wieder beim H._ in E._ aufgehalten habe, habe
sie ein Pastor angesprochen. Es sei ein vermögender Mann gewesen, dem
die Kirche «(...)» in D._ gehöre und der ebenfalls einen Kirchenab-
leger in E._ unterhalten habe. Der Pastor habe Mitleid mit ihr und
ihren Kindern gehabt. Er habe deshalb drei gefälschte maltesische Pässe
sowie die Flugtickets nach Kanada organisiert und ohne Gegenleistung fi-
nanziert. Schliesslich sei sie mit ihren zwei Kindern am 15. Januar 2020
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mit den gefälschten Dokumenten nach F._ geflogen. Als ihnen die
Weiterreise nach I._ verweigert worden sei, habe sie am 17. Januar
2020 ein Asylgesuch gestellt.
F.
Am 3. März 2020 gab das SEM der Rechtsvertretung die Gelegenheit, zum
Entscheidentwurf Stellung zu nehmen.
G.
Die Rechtsvertretung reichte am 4. März 2020 eine entsprechende Stel-
lungnahme ein, worin sie ausführte, aus welchen Gründen die Beschwer-
deführerin mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden sei. Die Be-
schwerdeführerin reichte ein Foto von sich und ihrer Tochter, ein südafrika-
nisches Dokument namens «The National Housing Code» und ein Doku-
ment zum südafrikanischen Asylverfahren ein.
H.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 5. März 2020 trat die Vorinstanz
auf das Asylgesuch in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c und Art. 31a
Abs. 1 Bst. e AsylG (SR 142.31) nicht ein, verfügte die Wegweisung nach
Südafrika und ordnete den Vollzug der Wegeweisung an.
I.
Mit Eingabe vom 12. März 2020 (Datum Poststempel) erhob die Beschwer-
deführerin durch ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben
und das SEM sei anzuweisen, auf das Asylgesuch der Beschwerdeführen-
den sei einzutreten. Eventualiter sei die Sache zwecks vollständiger Abklä-
rung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter
sei die Vorinstanz anzuweisen, eine individuelle Rückübernahmegarantie
zwecks Sicherstellung der Einreise von den südafrikanischen Behörden
einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie zudem, es sei
ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses zu verzichten.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legiti-
miert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die
frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37
VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist somit einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich aufgrund nachfolgender Erwä-
gungen als offensichtlich unbegründet, weshalb das Bundesverwaltungs-
gericht in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
entscheidet.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1. Bei Beschwerden gegen einen Nichteintretensentscheid ist die Beur-
teilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be-
schränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten
ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
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4.2. Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
5.
5.1. In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe den Sachverhalt un-
vollständig festgestellt und die Begründungspflicht verletzt, weil es sich zu
wenig mit dem Asylsystem Südafrikas beziehungsweise dem Vorhanden-
sein eines Refoulement-Schutzes auseinandergesetzt habe. Ferner habe
das SEM weder die effektive Einreise sichergestellt noch eine individuelle
Rückübernahmegarantie eingeholt.
5.2. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass vorliegend keine Zweifel beste-
hen, dass die Beschwerdeführerin in Südafrika im Jahr 2011 als Flüchtling
anerkannt worden ist und sich bis zur Ausreise am 15. Januar 2020 dort
aufgehalten hat. Angesicht der bereits erfolgten Anerkennung als Flüchtling
erübrigte es sich für das SEM auf das Refoulement-Gebot beziehungs-
weise das Asylsystem Südafrikas weiter einzugehen oder eine Rücküber-
nahmegarantie einzuholen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist
nicht festzustellen. Der Eventualantrag und das Subeventualbegehren sind
demnach abzuweisen.
6.
6.1. Gemäss Art. 31a Abs. 1 AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Regel
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat zurückkehren
können, in welchem sie sich vorher aufgehalten haben (Bst. c) oder in dem
Personen zu denen sie enge Beziehungen haben, oder nahe Angehörige
leben (Bst. e). Diese Bestimmungen finden keine Anwendung, wenn Hin-
weise darauf bestehen, dass im Drittstaat kein effektiver Schutz vor Rück-
schiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht (Art. 31a Abs. 2 AsylG).
7.
7.1. Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid im Wesentlichen damit,
dass die Beschwerdeführerin bereits in Südafrika schutzberechtigt sei. Seit
2011 verfüge sie über einen südafrikanischen Aufenthaltstitel als Flüchtling
und lebe dort gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren zwei jüngeren Kin-
dern. Südafrika sei dem Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
beigetreten und verpflichte sich somit zur Einhaltung des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) so-
wie des Non-Refoulement-Gebots (vgl. Art. 1 Abs. 1 des Protokolls über
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die Rechtsteilung der Flüchtlinge, wonach die Vertragsparteien des Proto-
kolls verpflichtet sind, Art. 2-34 FK anzuwenden). Gemäss dem Refugees
Act (Act 130, 1998), den Refugee Regulation (Forms and Procedures, dem
Immigration Act, 2002 (Act 13, 2002), der allgemeinen lmmigrationsregula-
tionen der südafrikanischen Gesetzgebung sowie unter Berücksichtigung
der relevanten internationalen Konventionen würden anerkannte Mitglieder
der Kernfamilie eines anerkannten Flüchtlings ebenfalls den Flüchtlings-
status beziehungsweise eine Niederlassungsbewilligung erhalten. Obwohl
die Ereignisse vom 1. bis 5. September 2019 betreffend die im Rahmen
von Plünderungen geschehenen fremdenfeindlichen Übergriffe insbeson-
dere in G._ in den Online-Medien gut dokumentiert seien, gebe es
keine entsprechenden Berichte über den von ihr geltend gemachten Vor-
fall, bei dem ein Schulkind getötet worden sei. Ihre Aussagen zu den dies-
bezüglich geltend gemachten Problemen mit Drittpersonen seien zudem
insgesamt unglaubhaft und würden lebensfremd wirken. Gemäss Internet-
recherchen gebe es die angegebene Adresse (...), G._ nicht, wäh-
rend die von ihr angegebene Wohnadresse (...) in E._ tatsächlich
existiere. Des Weiteren habe sie angegeben, von 2017 bis Anfang Novem-
ber 2019 in G._ gelebt zu haben. Der eingereichte Flüchtlingsaus-
weis beziehungsweise ihre südafrikanische Niederlassungsbewilligung sei
jedoch am 28. August 2018 in E._ ausgestellt worden. Es wäre je-
doch zu erwarten gewesen, dass sie ihre Aufenthaltsbewilligung in
G._ erhalten hätte, wenn sie zu diesem Zeitpunkt tatsächlich in
G._ gelebt habe. Diese Ungereimtheit verstärke den Verdacht,
dass ihre Angaben zum Aufenthalt in G._ nicht stimmen würden.
Ihre Aussagen zum Verschwinden ihres Mannes seien insgesamt diffus,
lebensfremd und würden konstruiert wirken. Als sie gebeten worden sei,
die Umstände während des damaligen Telefongesprächs detailliert zu be-
schreiben, habe sie lediglich die geltend gemachte Verfolgungsgeschichte
wiederholt. Sie habe erwähnt, dass ihr Mann angekündigt habe, sie aus
Sicherheitsgründen nicht mehr anzurufen. Es sei jedoch nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb Telefongespräche mit ihrem Mann ihre Sicherheit gefähr-
den solle. Es sei nämlich nicht ersichtlich, wie jemand aufgrund eines Te-
lefongesprächs ihren Aufenthaltsort hätte ausfindig machen können. Viel-
mehr sei der Eindruck entstanden, dass sie mit ihrer diesbezüglichen, je-
doch wenig plausiblen Aussage einen Kontaktverlust zwischen ihr und ih-
rem Mann in den folgenden Monaten habe erklären wollen, aber tatsäch-
lich nie von ihrem Mann getrennt gewesen sei. Zudem habe sie seit dem
angeblichen Verschwinden ihres Mannes gemäss ihren eigenen Angaben
selbst nichts Substantielles unternommen, um ihren Mann wieder zu fin-
den. Sie habe zwar erwähnt, dass sie einige Kollegen angerufen habe und
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sich besorgte Familienangehörige bei ihr gemeldet hätten. Es wäre jedoch
zu erwarten gewesen, dass sie aktiv nach ihrem Mann suchen würde. Sie
habe das Verschwinden ihres Mannes bis jetzt weder bei der Polizei in
G._ noch bei einer anderen Behörde, Menschenrechtsorganisation
oder dem Roten Kreuz gemeldet. Das erstaune umso mehr, da sie erklärt
habe, dass ein Bekannter aus Frankreich, der bei Amnesty International
arbeite, sie hier in der Schweiz unterstütze. Desgleichen habe sie sich we-
der bei den Medien gemeldet noch auf den sozialen Medien eine Suchak-
tion gestartet noch regelmässig oder intensiv in ihrem sozialen Umfeld
nachgefragt, um etwas über den Verbleib ihres Mannes zu erfahren. Ihre
Aussage, dass die Polizei in E._ ihre Vermisstenanzeige bezie-
hungsweise die Anzeige zum Tod eines Schulkindes nicht habe entgegen-
nehmen wollen, aber den Überfall auf sie rapportiert und ihr einen Anzei-
gebeleg ausgestellt habe, müsse ebenfalls als wenig glaubhaft angesehen
werden. Da sie keine Anstrengungen unternommen habe, ihren Mann zu
finden beziehungsweise ihre Angaben dazu nicht glaubhaft wirken würden,
verstärke sich der Eindruck, dass ihre Angaben zum Verschwinden ihres
Mannes fiktiv seien und dazu dienen würden, konstruierte Vorbringen zu
dramatisieren und allfällige Wegweisungshindernisse zu kreieren. Gemäss
der Datenbank CS-VIS habe ihr Ehemann im Oktober 2019 mit zwei ver-
schiedenen Pässen in Südafrika Schengen-Visa bei der italienischen be-
ziehungsweise französischen Vertretung in E._ beantragt. Dabei
habe ihr Ehemann als Wohnadresse (...), E._ angegeben. Die ent-
sprechenden Angaben würden darauf hinweisen, dass sie und ihr Ehe-
mann sich gleichzeitig in E._ aufgehalten haben. Dieser Umstand
sowie die Adressangaben in den Visumsanträgen würden den Verdacht er-
härten, dass sie und ihr Ehemann nie getrennt worden seien, sie bis zu
ihrer Ausreise gemeinsam in E._ beziehungsweise nie in
G._ gelebt hätten und sich ihr Ehemann weiterhin in Südafrika auf-
halte. Demgegenüber stünden ihre Aussagen, dass sie in den letzten bei-
den Monaten vor ihrer Ausreise alleine mit ihren beiden Kindern auf der
Strasse in der Nähe des H._ in Downtown E._ auf der
Strasse habe leben müssen. Ihre Erklärung, weshalb sie bei ihrer Freundin
in E._ ausgezogen seien, sei nicht schlüssig. Es sei nicht nachvoll-
ziehbar, dass sie mit zwei Kleinkindern freiwillig auf der Strasse gelebt
habe. Es wäre zumindest zu erwarten gewesen, dass sie bei ihrer Freundin
hätten wohnen bleiben können, bis sie eine neue Unterkunft gefunden hät-
ten. Die Zeltstadt am H._ sei im Rahmen einer Protestaktion von
asylsuchenden Personen, Menschen ohne Aufenthaltstitel und anerkann-
ten Flüchtlingen entstanden, um vom UNHCR, welches dort Büros unter-
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halte, eine Umsiedelung in einen Drittstaat zu erzwingen. Gemäss Presse-
berichten habe das UNHCR sämtliche Protestierenden, welche über eine
eigene Wohnmöglichkeit verfügt hätten, aufgefordert, an ihren Wohnort zu-
rückzukehren und Südafrika nicht zu verlassen. Die örtlichen Behörden
hätten vor Ort zudem jeder Person, die sich aufgrund von fremdenfeindli-
chen Übergriffen nicht sicher gefühlt habe, eine Umsiedelung in eine an-
dere Region von Südafrika offeriert. Es sei demnach nicht nachvollziehbar,
weshalb sie mit ihren Kindern bis zu ihrer Ausreise auf der Strasse gelebt
habe. Unbesehen der Glaubhaftigkeit ihrer diesbezüglichen Aussagen
stehe aber fest, dass sie nicht auf der Strasse hätten leben müssen und
die südafrikanischen Behörden Wohnalternativen und Schutz angeboten
hätten. Ihre Angaben, dass ein ihr unbekannter Pastor aus Mitleid und ohne
Gegenleistung die ganze Reise von mehreren tausend Dollars finanziert
habe, wirke realitätsfremd. Desgleichen wirke ihre Aussage, dass der vor-
genannte Pastor in ihrer Geburtsstadt D._ und gleichzeitig in
E._ eine Kirche betreibe, ad hoc konstruiert – ein Umstand der die
Zweifel an ihren Angaben weiter verstärke. Entgegen ihren Angaben sei
anzunehmen, dass sie und ihr Mann die Ausgaben für die Reise selber
finanziert hätten, was darauf hinweise, dass sie nicht aus ärmsten Verhält-
nissen stamme. Unbesehen, ob es sich um ein echtes Dokument handle,
seien dem eingereichten Polizeirapport keine Informationen auf eine Ver-
folgung zu entnehmen. Weder die Medienartikel noch die Fotografien hät-
ten einen direkten Bezug zu ihren Lebensumständen oder der geschilder-
ten Verfolgungsgeschichte. Sinngemäss habe sie weiter angegeben, dass
sie bei einer Rückkehr allgemein fremdenfeindliche Übergriffe befürchte.
Südafrika verfüge über ein funktionierendes Rechtssystem und die dorti-
gen Behörden seien schutzfähig und schutzwillig – insbesondere in Bezug
auf fremdenfeindliche Vorfälle. Insgesamt sei weder von einer permanen-
ten noch einer flächendeckenden Verfolgung von ausländischen Staatsan-
gehörigen in Südafrika auszugehen. Bei einer Rückkehr nach Südafrika
bestehe für sie somit keine imminente lebensbedrohliche Gefährdung. Sie
habe versucht den Aufenthaltsort ihres Ehemannes zu verschleiern und
habe somit ihre Mitwirkungspflicht verletzt. Das SEM gehe aufgrund obiger
Ausführungen davon aus, dass sich ihr Ehemann weiterhin in E._,
Südafrika, aufhalte. Ihr Mann sei gemäss ihren Aussagen anerkannter
Flüchtling in Südafrika und lebe seit 2007 dort. Gemäss der südafrikani-
schen Gesetzgebung habe sie Anrecht auf einen Aufenthaltsstatus als
Flüchtling in Südafrika.
7.2. In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen geltend ge-
macht, es gehe aus zahlreichen Länderberichten hervor, dass Südafrika
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nicht von einem funktionierenden Asylsystem auszugehen sei. Überdies
bestätige der Abgeordnete des Deputy Ministers of Home Affairs (DHA) die
extrem hohe Anzahl an Asylsuchenden und die daraus entstehenden gros-
sen Herausforderungen. Ausserdem habe es im Jahr 2019 zahlreiche xe-
nophobe Gewaltakte gegeben. Somit sei die Sicherheitslage für ausländi-
sche und insbesondere asylsuchende Personen in Südafrika nicht sicher.
Insbesondere kongolesische Flüchtlingsfrauen seien regelmässig Opfer
(sexueller Gewalt). Hinzu komme, dass Asylsuchende aus afrikanischen
Nachbarstaaten kaum Chancen hätten, tatsächlich als Flüchtlinge aner-
kannt zu werden. Unter anderem würden Staatsangehörige aus Simbabwe
direkt nach der Ankunft in ihr Heimatland deportiert, was eine indirekte Re-
foulement-Gefahr darstelle. Eine Wegweisung in den sicheren Drittstaat
Südafrika sei demnach unzulässig. Das SEM habe keine Ausführungen
dazu gemacht, ob die Beschaffung von Aufenthaltspapieren ohne jegliche
offiziellen Identitätspapiere, als kongolesische Staatsangehörige aus-
serhalb von Südafrika überhaupt möglich sei, abgesehen von der Frage
der Zumutbarkeit für eine alleinerziehende Mutter – und falls ja, wie dies
genau zu erfolgen habe. Ob die Beschwerdeführenden lediglich mit einem
(innerstaatlichen) Dokument bezüglich ihrer Flüchtlingseigenschaft effektiv
in Südafrika einreisen könnten, habe die Vorinstanz nicht abgeklärt. Die
Beschwerdeführenden würden weder über südafrikanische noch kongole-
sische gültige Reisepässe verfügen. Personen, welche über keine gültigen
Reisetitel verfügen würden, müssten damit rechnen, dass sie für weitere
Abklärungen vorübergehend in das Deportationszentrum Lindela überführt
würden. Zwar bestehe gemäss den offiziellen Einreisebestimmungen von
Südafrika theoretisch die Möglichkeit, dass anerkannte Flüchtlinge für ei-
nen «permanent residence permit» ersuchen könnten, wenn sie während
mindestens fünf Jahren unter diesem Status in Südafrika gelebt hätten. Al-
lerdings könnten die Beschwerdeführenden die entsprechenden Voraus-
setzungen nicht erfüllen. Sollte die südafrikanische Botschaft in der
Schweiz ihre Gesuche für einen «permanent residence permit» überhaupt
behandeln, würden zu deren Erlangung diverse Dokumente verlangt, unter
anderem die Einverständniserklärung des zweiten Elternteils bezüglich der
minderjährigen Kindern, welche die Beschwerdeführerin mangels Kontakt
zu ihrem Ehemann nicht beibringen könne. Unter den jetzigen Umständen
sei nicht ersichtlich, wie die Beschwerdeführenden, vor einer Rückkehr
nach Südafrika, eine Aufenthaltsbewilligung beschaffen sollten. Das SEM
sei in vorliegendem Fall verpflichtet, im Sinne einer vertieften Abklärung
der Rückkehrmöglichkeit vor Erlass des Nichteintretensentscheids vom
fraglichen Drittstaat eine Rückübernahmezusicherung einzuholen. Bei der
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Einholung der Rückübernahmezusicherung handle es sich um eine unab-
dingbare Sachurteilsvoraussetzung, sofern eine effektive Einreise nicht mit
Sicherheit festgestellt werden könne.
Die Vorinstanz vermute zu Unrecht und ohne hinreichende Belege, dass
die Beschwerdeführenden zum Ehemann beziehungsweise Vater zurück-
kehren könnten. Die Familie des Schwagers, bei welcher die Beschwerde-
führenden nach der Flucht des Ehemannes beziehungsweise Vaters vo-
rübergehend Unterschlupf gefunden hätten, habe Letztere nach dem Tod
des Schwagers vertrieben. Der Kontakt zu weiteren ehemaligen Bekann-
ten in G._ und E._ sei ebenfalls abgebrochen beziehungs-
weise es hätten keine enge Freundschaften bestanden. Und schliesslich
bestehe zum Ehemann beziehungsweise Vater seit dessen abrupten
Flucht im September 2019 keinen Kontakt mehr. Die Beschwerdeführerin
habe an beiden Befragungen ausführlich und nachvollziehbar geschildert,
wie sie ihren Ehemann am Morgen des 3. oder 4. September 2019 zum
letzten Mal gesehen habe, bevor dieser zur Arbeit gegangen sei. Die Be-
schwerdeführerin beschreibe das Gespräch mit zahlreichen Details, bei-
spielsweise, dass sie sich zum Zeitpunkt des Anrufes zu Hause aufgehal-
ten habe und am anderen Ende der Leitung kein Hintergrundlärm zu hören
gewesen sei. Den Wortwechsel gebe sie teilweise in direkter Rede wieder,
wobei sie die eindringlichen Aussagen wiederhole. Während dieser Schil-
derung habe die Beschwerdeführerin weinen müssen. Diese Ausführungen
seien nicht nur plausibel, sondern detailliert und bezögen sich nicht nur auf
den Inhalt des Gesprächs, sondern auch auf dessen Umstände. Der Vor-
halt der Vorinstanz, die Aussagen zum Verschwinden des Ehemannes und
insbesondere zum Telefongespräch würden diffus, oberflächlich und kon-
struiert wirken, sei umso weniger nachvollziehbar, als der Fachspezialist
des SEM selber die Beschwerdeführerin unterbrochen und das Thema ge-
wechselt habe. Dass keine Beweise oder Medienberichte zum Vorfall mit
dem getöteten Kind existieren würden, bedeute entgegen der Ansicht der
Vorinstanz nicht, dass der Unfall nicht passiert sei. Selbst in der Schweiz
werde nicht über jeden unnatürlichen Todesfall in den Medien berichtet. Die
Beschwerdeführerin habe sehr wohl versucht, ihren Ehemann zu finden.
So habe sie ihn angerufen, sei jedoch nicht durchgekommen. Sie habe sich
erst in E._ getraut, gleichzeitig mit der Anzeige betreffend den
Raubüberfall eine Vermisstenanzeige zu machen. Dass die Freundin die
Beschwerdeführerin mit den zwei Kleinkindern nicht auf unbestimmte Zeit
in der Wohnung, welche sie selber schon mit jemandem habe teilen müs-
sen, geduldet habe, sei nicht abwegig. Ebenso leuchte ein, dass die Be-
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schwerdeführerin einmal auf die Strasse gestellt, wie viele andere Flücht-
linge in der Nähe des UNHCR Zuflucht gesucht habe, in der Hoffnung, dass
ihr Gesuch um Reinstallation in ein anderes Land gutgeheissen werde.
Schliesslich sei nicht ersichtlich, warum die Beschwerdeführerin nicht in
G._ gelebt haben sollte, wie sie sogar mit einer Fotografie von ihr
und ihrer Tochter in der Metro von G._ untermauere. Immerhin lä-
gen keine Belege vor, die das Gegenteil nachweisen würden. Ein phone-
tisch korrekt, jedoch minim anders geschriebener Strassenname und die
Frage, ob der Flüchtlingsstatus alle vier oder alle zwei Jahre in E._
habe erneuert werden müsse, würden hierzu nicht ausreichen. Darüber
hinaus sei noch weniger ersichtlich, worauf sich die Vorinstanz bei der ge-
wagten Vermutung stütze, dass die Beschwerdeführerin mit dem Ehemann
beziehungsweise Kindsvater in E._ hätte zusammenwohnen sollen
oder die Reise zusammen finanziert hätten, da sie nicht aus ärmsten Ver-
hältnissen stammen würden, anstatt – wie die Beschwerdeführerin über-
zeugend dargelegt habe, hierzu von einem Pastor unterstützt worden
seien. Die Vermutungen der Vorinstanz würden sich auf keinerlei Belege
stützen. Selbst wenn man die Ausführungen der Beschwerdeführerin als
unglaubhaft qualifizieren sollte, bedeute dies mitnichten, dass sich im Asyl-
verfahren zu täuschen versucht habe. Damit sei genügend erstellt, dass
die Beschwerdeführerin keinen Kontakt zum Ehemann gehabt habe seit
seinem abrupten Verschwinden und ihr deshalb dessen Aufenthaltsort
nicht bekannt sei.
8.
8.1. Die Beschwerdeführerin hat in Südafrika während mehreren Jahren
als anerkannter Flüchtling gelebt, bevor sie mit ihren Kindern in die
Schweiz gereist ist. Südafrika ist dem Protokoll über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge beigetreten und verpflichtet sich somit zur Einhaltung des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge sowie
des Non-Refoulement-Gebots (vgl. Art. I Abs. 1 des Protokolls über die
Rechtstellung der Flüchtlinge, wonach die Vertragsparteien des Protokolls
verpflichtet sind, Art. 2–34 FK anzuwenden). Ferner verfügt Südafrika über
ein funktionierendes Rechtssystem und die dortigen Behörden sind schutz-
fähig und schutzwillig. Was die Beschwerdeführerin anlässlich des rechtli-
chen Gehörs und auf Beschwerdeebene vorbringt, ist nicht geeignet, diese
Regelvermutung umzustossen. Die von der Beschwerdeführerin in den
Länderberichten dargelegten Probleme, wie der Zugang zum Asylverfah-
ren oder die Gefahr vor einer Rückschiebung sind vorliegend nicht rele-
vant, da die Beschwerdeführerin bereits anerkannter Flüchtling ist und
demnach in Südafrika Schutz vor Verfolgung im Kongo erhalten hat.
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8.2. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung überzeugend dargelegt,
weshalb das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sie in Südafrika
von den Angehörigen des getöteten Kindes verfolgt werde, nicht glaubhaft
ist. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die zutreffenden Erwägun-
gen der Vorinstanz zu verweisen. Es trifft zwar zu, dass der Sachbearbeiter
anlässlich der Anhörung nach der Antwort der Beschwerdeführerin hin-
sichtlich des Telefongesprächs mit ihrem Ehemann diesbezüglich keine
weiteren Fragen stellte. Die Angaben zum Telefongespräch waren jedoch
entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht keineswegs detailliert
oder mit Realkennzeichen versehen (vgl. Akte 1061182-11/19 [nachfol-
gend A11/19] F51). Die Furcht der Beschwerdeführerin vor den Angehöri-
gen des angeblich getöteten Kindes und die angebliche Flucht des Ehe-
mannes ist deshalb als unglaubhaft zu erachten. Der von der Beschwerde-
führerin geltend gemachte Diebstahl in E._ meldete sie der Polizei,
welche die Anzeige entgegengenommen hat. Zudem hat die Beschwerde-
führerin nicht glaubhaft darlegen können, dass der Diebstahl auf ein asyl-
rechtlich relevantes Motiv zurückzuführen ist. Die mit der Beschwerde ein-
gereichten Beweismittel vermögen daran nichts zu ändern. Ferner beste-
hen hinsichtlich der geltend gemachten Organisation der Ausreise erhebli-
che Zweifel. Es kann auf die zutreffenden Ausführungen des SEM verwie-
sen werden. Zudem hat die Beschwerdeführerin einerseits angegeben, ihr
Kollege in Frankreich, welcher bei Amnesty International arbeite, habe ihre
Reise finanziert (vgl. A11/19 F25) und später gab sie an, der Pastor habe
die Reise bezahlt (vgl. A11/19 F90). Insgesamt ist deshalb nicht davon aus-
zugehen, dass die Beschwerdeführerin in Südafrika eine asylrelevante
Verfolgung von Dritten zu befürchten hat.
8.3. Die Beschwerdeführerin reichte ihren gültigen Flüchtlingsausweis im
Original ein, weshalb sie (im Gegensatz etwa zum Beschwerdeführer im
Verfahren D-277/2020) über ein Aufenthaltsrecht in Südafrika verfügt. Das
SEM war deshalb nicht gehalten eine Rückübernahmezusicherung von
den südafrikanischen Behörden einzuholen. Zusammenfassend kann fest-
gestellt werden, dass sich die Beschwerdeführerin acht Jahre in Südafrika
als Flüchtling aufgehalten hat und sie aufgrund ihres Flüchtlingsstatus ef-
fektiven Schutz vor Rückschiebung in den Kongo geniesst. Das SEM ist
demnach in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG auf das Asylge-
such der Beschwerdeführenden zu Recht nicht eingetreten ist. Es können
daher Ausführungen zum Nichteintretenstatbestand nach Art. 31a Abs. 1
Bst. e AsylG unterbleiben.
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9.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen.
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
10.
10.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.2. Das SEM wies in seiner angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass die Beschwerdeführerin von Südafrika als Flüchtling anerkannt
worden ist und damit bereits Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5
Abs. 1 AsylG geniesst, weshalb das Non-Refoulement-Gebot bezüglich
des Heimatsstaates nicht zu prüfen ist. Ferner ergeben sich aus den Akten
keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr und ihren Kindern im Falle einer Rück-
kehr in den Drittstaat Südafrika mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine
durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung droht. Der Vollzug
der Wegweisung nach Südafrika ist folglich zulässig.
10.3. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass weder die allgemeine
Lage Südafrikas noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung
der gesunden Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr schliessen
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lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist. Ins-
besondere macht die Beschwerdeführerin keine eigenen persönlichen
Gründe geltend, die einem Vollzug der Wegweisung entgegenstehen wür-
den. Sie hat rund acht Jahre in Südafrika gelebt, weshalb entgegen ihren
Ausführungen davon auszugehen ist, dass sie dort über ein Beziehungs-
netz aus Freunden verfügt. Die Beschwerdeführerin hat die Matura, spricht
mehrere Sprachen und hat als Haarflechterin gearbeitet, weshalb sie je-
denfalls in Kontakt mit Personen gestanden ist. Ihre beiden Kinder sind in
Südafrika zur Welt gekommen und es ist davon auszugehen, dass der Ehe-
mann und Kindsvater sich weiterhin in Südafrika aufhält und sie den Kon-
takt zu diesem wieder wird herstellen können, sofern der Kontakt über-
haupt unterbrochen gewesen war. Der Vater gab anlässlich seines Visa-
Antrags im Oktober 2019 eine Adresse in E._ an. Zudem verfügen
sie gemäss ihren Angaben über eine Wohnung in G._.
10.4. Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung in Be-
zug auf die Beschwerdeführerin (und ihrer Kinder), welche in als Flüchtling
anerkannt ist und Asyl erhalten hat, im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG mög-
lich ist, zumal keine objektiven Hindernisse aktenkundig sind.
10.5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen und
demnach die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.
12.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
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[VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kos-
tenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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