Decision ID: f327b96e-f191-5f9c-b901-3abaf06f9a4c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eine 1986 geborene brasilianische Staatsange-
hörige, wurde am 5. Dezember 2018 in Zürich polizeilich angehalten und
wegen Verdachts auf Missachtung ausländerrechtlicher Vorschriften fest-
genommen (Akten des Migrationsamtes Zürich [ZH-act.] 19/34 ff.).
Im Rahmen der gleichentags durchgeführten polizeilichen Einvernahme
gestand sie ein, sich – nach Aufenthalten in den Jahren 2014 und 2015
(vgl. ZH-act. 14 ff.) – im Februar 2018, von Anfang Juli bis Mitte August
2018, von Ende August bis Ende September 2018 sowie vom 5. Oktober
bis Ende Oktober 2018 und ab dem 3. November 2018 ununterbrochen in
der Schweiz aufgehalten zu haben. Eingereist sei sie jeweils nur mit ihrem
brasilianischen Reisepass und ohne Visum. Zwar habe sie über eine spa-
nische Aufenthaltsbewilligung verfügt. Diese sei aber inzwischen abgelau-
fen und eine von ihr im Mai oder Juni 2018 beantragte Verlängerung aus
ihr unbekannten Gründen bisher noch nicht erteilt worden. Dass sie sol-
chermassen die Voraussetzungen für Einreisen und Aufenthalte in der
Schweiz nicht erfüllt habe, sei ihr bewusst gewesen. Auf Vorhalt hin, wo-
nach sie sich im Zeitraum der letzten 180 Tage 48 Tage zu lange in der
Schweiz aufgehalten habe, meinte die Beschwerdeführerin, sie habe die
Schweiz in der Zwischenzeit nicht verlassen, weil sie hier habe heiraten
wollen. Entsprechende Vorbereitungen seien im Gange. Des Weiteren ge-
stand die Beschwerdeführerin ein, seit dem einwöchigen Aufenthalt im
Februar 2018 in der Schweiz regelmässig gearbeitet zu haben (Pedicure,
Coiffure, Kosmetik). Mit Prostitution hingegen habe sie nichts zu tun; das
entsprechend eingerichtete Zimmer, in dem sie sich aufhielt, werde von der
Wohnungsbesitzerin, einer Freundin von ihr, verwendet. Dass ihre Tätigkeit
bewilligungspflichtig gewesen wäre, habe sie gewusst. Auf einen weiteren
Vorhalt schliesslich bestritt die Beschwerdeführerin, an ihrem Reisepass
Manipulationen vorgenommen zu haben (das forensische Institut Zürich
hatte in dem Ausweis an zwei Schengen-Stempeln Veränderungen festge-
stellt) (ZH-act. 18/27 ff.).
Im Anschluss an die Einvernahme wurde der Beschwerdeführerin rechtli-
ches Gehör zur allfälligen Verhängung einer Entfernungs- und einer Fern-
haltemassnahme sowie zur Ausschreibung letzterer im Schengener Infor-
mationssystem (SIS II) zur Einreiseverweigerung im ganzen Schengen-
Raum gewährt (ZH-act. 17/24 ff.).
F-142/2019
Seite 3
B.
Mit einem ersten Strafbefehl vom 6. Dezember 2018 verurteilte die Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl die Beschwerdeführerin wegen Fälschung von
Ausweisen (Art. 252 StGB), rechtswidriger Einreise (Art. 115 Abs. 1 Bst. a
i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG [seit dem 1. Januar 2019 geändert in Aus-
länder- und Integrationsgesetz, AIG, SR 142.20; AS 2018 3171]), Erwerbs-
tätigkeit ohne Bewilligung (Art. 115 Abs. 1 Bst. c AuG i.V.m. Art. 11 Abs. 1
und Abs. 2 AuG) und rechtswidrigem Aufenthalt (Art. 115 Abs. 1 Bst. b
AuG) zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 30.– (ZH-
act. 25). Infolge Einsprache blieb der Strafbefehl indes ohne Wirkung.
C.
Am 7. Dezember 2018 verfügte das Migrationsamt des Kantons Zürich die
Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz per 16. Dezember
2018 (ZH-act. 29/66 ff.). Gegen diese Verfügung eingelegte Rechtsmittel
der Beschwerdeführerin blieben erfolglos. Zuletzt wies das Verwaltungsge-
richt des Kantons Zürich am 29. Mai 2019 eine Beschwerde ab, soweit es
darauf eintrat (ZH-act. 122/270 ff.).
D.
Ebenfalls am 7. Dezember 2018 erliess die Vorinstanz ein zweijähriges
Einreiseverbot gegen die Beschwerdeführerin, gültig für das Gebiet der
Schweiz und Liechtensteins ab dem 17. Dezember 2018. Einer allfälligen
Beschwerde dagegen entzog sie vorsorglich die aufschiebende Wirkung
(Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 5/13 ff.; ZH-act. 30/69).
E.
Gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 7. Dezember 2018 gelangte die
Beschwerdeführerin mit einer Rechtsmitteleingabe vom 7. Januar 2019 an
das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte darin die ersatzlose Aufhe-
bung des Einreiseverbots und in prozessualer Hinsicht die Wiederherstel-
lung der aufschiebenden Wirkung ihrer Beschwerde (Akten des Bundes-
verwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
F.
Am (...) 2019 verheiratete sich die Beschwerdeführerin im Kanton Zürich
mit einem Schweizer Staatsbürger (ZH-act. 90/196 f.) und am 23. Januar
2019 stellte sie ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zum
Verbleib beim Ehegatten (ZH-act. 90/193 ff.). Die kantonale Migrationsbe-
hörde tolerierte ihren weiteren Aufenthalt während dieses Verfahrens (ZH-
act. 132/292).
F-142/2019
Seite 4
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 28. Februar 2019 schloss die Vorinstanz auf
Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 6).
H.
Mit Zwischenverfügung vom 20. März 2019 lehnte es das Bundesverwal-
tungsgericht ab, die von der Vorinstanz einer Beschwerde vorsorglich ent-
zogene aufschiebende Wirkung wiederherzustellen und gab der Be-
schwerdeführerin Gelegenheit zur Replik (BVGer-act. 7).
I.
Am 16. April 2019 stellte die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl einen zweiten
Strafbefehl aus. Sie sprach die Beschwerdeführerin erneut der Fälschung
von Ausweisen, der rechtswidrigen Einreise, der Erwerbstätigkeit ohne Be-
willigung sowie des rechtswidrigen Aufenthalts für schuldig und verurteilte
sie wiederum zu einer bedingten Geldstrafe (ZH-act. 121). Der Strafbefehl
erwuchs in Rechtskraft.
J.
In einer Replik vom 6. Mai 2019 hielt die Beschwerdeführerin sinngemäss
an ihren bisherigen Anträgen fest. Ergänzend zeigte sie dem Bundesver-
waltungsgericht an, dass sie seit der Heirat am (...) 2019 bei ihrem Ehe-
mann in (...) lebe (BVGer-act. 8).
K.
Gemäss Wohnsitzbestätigung des Bevölkerungsamtes der Stadt (...) vom
19. August 2019 zogen gleichentags die beiden bisher in Brasilien leben-
den Töchter der Beschwerdeführerin – geboren 2004 beziehungsweise
2006 – zu ihr nach (...) (ZH-act. 158/339 f.).
L.
Mit Verfügung vom 4. Mai 2020 lehnte das Migrationsamt des Kantons Zü-
rich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Erteilung einer Aufenthalts-
bewilligung ab. Gleichzeitig wies es die Beschwerdeführerin und ihre Töch-
ter aus der Schweiz weg und setzte ihnen eine Ausreisefrist bis zum 4. Au-
gust 2020. Zur Begründung führte es aus, die sich aus diversen polizeili-
chen Rapporten und Befragungen ergebenden Indizien liessen einzig den
Schluss zu, dass die Beschwerdeführerin und ihr Schweizer Ehemann mit
der Heirat ausländerrechtliche Vorschriften umgehen wollten. Einen An-
spruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zufolge Familiennach-
zugs habe die Beschwerdeführerin deshalb nicht. Das öffentliche Interesse
F-142/2019
Seite 5
an ihrer Wegweisung überwiege ihre privaten Interessen an einem Aufent-
halt in der Schweiz. Die beiden Kinder hätten ihr ausländerrechtliches
Schicksal zu teilen (ZH-act. 189/443 ff.). Die Verfügung wurde gemäss
Auskunft der kantonalen Sicherheitsdirektion von der Beschwerdeführerin
angefochten und ein Rekursverfahren ist hängig (BVGer-act. 19).
M.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einreiseverbote sind mit Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5
VwVG und Art. 112 Abs. 1 AIG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde
legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt des Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2; 2011/43 E. 6.1).
F-142/2019
Seite 6
3.
3.1 Gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a in Verbindung mit Art. 67 Abs. 3 AIG kann
die Vorinstanz für die Dauer von höchstens fünf Jahren gegen ausländi-
sche Personen ein Einreiseverbot verfügen, wenn sie gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben
oder diese gefährden. Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung liegt vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfü-
gungen missachtet werden (vgl. Art. 77a Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom
24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE;
SR 142.201] bzw. aArt. 80 Abs. 1 Bst. a VZAE, in der bis 31. Dezember
2018 geltenden Fassung [AS 2007 5497, 5524]). Widerhandlungen gegen
Normen des Ausländerrechts, aber auch ganz allgemein gegen Normen
des Strafrechts fallen ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung und
können ein Einreiseverbot nach sich ziehen.
3.2 Die Beschwerdeführerin wurde – wie bereits erwähnt – in einem rechts-
kräftigen Strafbefehl vom 16. April 2019 durch die Staatsanwaltschaft Zü-
rich-Sihl der Fälschung von Ausweisen, der rechtswidrigen Einreise, der
Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung und des rechtswidrigen Aufenthalts für
schuldig befunden und mit einer Geldstrafe belegt. Die Rechtsvertreterin
beschränkt sich unter Bezugnahme auf die Begründung in der angefoch-
tenen Verfügung auf die sinngemässe Behauptung, wonach die Aufent-
haltsbewilligung der Beschwerdeführerin in Spanien während des dort lau-
fenden Rekursverfahrens gültig bleibe; sie demnach für die Einreise und
einen Aufenthalt in der Schweiz von bis zu 90 Tagen kein Visum benötigt
habe. Ebenfalls unter Berufung auf den Bestand einer gültigen, von einem
Schengen-Mitgliedstaat ausgestellten Aufenthaltsbewilligung bestreitet die
Rechtsvertreterin, dass die Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin ein
Visum vorausgesetzt hätte. Sie stellt sich damit sinngemäss auf den Stand-
punkt, dass weder die Einreise noch der Aufenthalt und auch nicht die Er-
werbstätigkeit widerrechtlich erfolgt seien.
3.3 Die Einwände der Beschwerdeführerin sind nicht stichhaltig. Was die
Voraussetzungen für die Einreise und den Aufenthalt betrifft, so übersieht
sie, dass ihre Einreisen zugegebenermassen bloss mit dem brasiliani-
schen Reisepass – also ohne Nachweis eines gültigen Aufenthaltsrechts
in einem Schengen-Mitgliedstaat – erfolgten, sie den Nachweis der fort-
dauernden Gültigkeit ihrer am 6. Juni 2018 abgelaufenen spanischen Auf-
enthaltsbewilligung schuldig blieb und ihr Gesamtaufenthalt in der Schweiz
F-142/2019
Seite 7
im heranzuziehenden Berechnungszeitraum – ebenfalls eingestandener-
massen – wesentlich länger als die bewilligungsfrei zulässigen 90 Tage
dauerte.
Gemäss Art. 11 Abs. 1 AIG benötigen Ausländerinnen und Ausländer, die
in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben wollen, unabhängig von der
Aufenthaltsdauer eine Bewilligung der am Arbeitsplatz zuständigen Be-
hörde. Soweit sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt stellt, als
Inhaberin einer spanischen Aufenthaltsbewilligung berechtigt gewesen zu
sein, in der Schweiz «ohne Visum» einer Erwerbstätigkeit nachzugehen,
versucht sie sich offenbar auf die besondere Regelung grenzüberschrei-
tender Tätigkeiten zu berufen. Demnach bedürfen Ausländerinnen und
Ausländer für eine Erwerbstätigkeit in der Schweiz dann keiner Bewilli-
gung, wenn sie während höchstens acht Tagen innerhalb eines Kalender-
jahres eine grenzüberschreitende Dienstleistung erbringen oder (in diesem
zeitlichen Umfang) im Auftrag eines ausländischen Arbeitgebers erwerbs-
tätig sind (Art. 14 Abs. 1 VZAE). Die Beschwerdeführerin kann sich in Be-
zug auf die von ihr ausgeübte Tätigkeit aber ganz offensichtlich weder auf
das Eine noch das Andere berufen. Sie ist eingestandenermassen in we-
sentlich grösserem zeitlichem Umfang im Raume Zürich einer selbständi-
gen Erwerbstätigkeit nachgegangen.
3.4 Entsprechend besteht für das Bundesverwaltungsgericht kein Anlass,
in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht vom rechtskräftigen Strafbefehl
abzuweichen (vgl. dazu ganz allgemein: BGE 139 II 95 E. 3.2; 136 II 447
E. 3.1; 124 II 103 E. 1c; Urteil des BVGer F-2040/2019 vom 19. März 2020
E. 3.2). Die Beschwerdeführerin hat unbestreitbar ausländerrechtliche
Bestimmungen verletzt und sich der Verfälschung eines Ausweises schul-
dig gemacht. Damit hat sie gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung
verstossen und einen Fernhaltegrund im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a
AIG gesetzt.
4.
Zu prüfen bleibt, ob das angefochtene Einreiseverbot als solches und in
seiner Dauer in pflichtgemässer Ermessensausübung angeordnet wurde
und vor dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit standhält. Erforderlich ist
eine einzelfallbezogene Interessenabwägung unter Berücksichtigung
sämtlicher wesentlicher Umstände. Ausgangspunkt der Überlegungen bil-
den die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Beson-
derheiten des ordnungswidrigen Verhaltens, die persönlichen Verhältnisse
F-142/2019
Seite 8
der Beschwerdeführerin und das von ihr ausgehende, zukünftige Gefähr-
dungspotenzial (Art. 5 Abs. 2 BV, Art. 96 AIG; BGE 139 II 121 6.5.1;
BVGE 2017 VII/2 E. 4.5; 2016/33 E. 9; 2014/20 E. 8.1).
4.1 Die Verstösse der Beschwerdeführerin gegen ausländerrechtliche
Bestimmungen und die von ihr zu verantwortende Verfälschung ihres Rei-
sepasses wiegen objektiv nicht leicht. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass
der Einhaltung ausländerrechtlicher Normen eine zentrale Bedeutung zu-
kommt, geht es doch für die zuständigen Behörden darum, eine funktionie-
rende Rechtsordnung gewährleisten zu können (BVGE 2014/20 E. 8.2; Ur-
teil des BVGer F-5785/2019 vom 30. April 2020 E. 7.2). Vorliegend besteht
daher bereits aus generalpräventiven Gründen ein gewichtiges Interesse
an der Fernhaltung der Beschwerdeführerin. Die ausländerrechtliche Ord-
nung ist durch eine konsequente Massnahmenpraxis zu schützen. Anläss-
lich ihrer polizeilichen Einvernahme vom 5. Dezember 2018 gestand die
Beschwerdeführerin ein, gewusst zu haben, dass sie mit ihren Einreisen
und Aufenthalten, aber auch mit ihrer Erwerbstätigkeit in der Schweiz be-
stehende Vorschriften missachtete. Vor diesem Hintergrund erscheint die
Verhängung einer Fernhaltemassnahme auch unter spezialpräventiven
Aspekten als angezeigt.
4.2 Dem öffentlichen Fernhalteinteresse hält die Beschwerdeführerin in ih-
ren Rechtsschriften keine expliziten privaten Interessen entgegen. Solche
sind zwar im weitesten Sinne in der von ihr geltend gemachten Beziehung
zu einem Schweizer Bürger zu erkennen, mit dem sie sich in der Zwischen-
zeit verheiratet hat. Damit sind allerdings die dargelegten öffentlichen Inte-
ressen nicht zurückzudrängen. Denn zum einen kann nicht von einer im
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vorbestandenen eheähnlichen Be-
ziehung ausgegangen werden. Vielmehr wurde eine solche selbst von der
Beschwerdeführerin erst nachträglich behauptet. Zum anderen hat die Be-
schwerdeführerin die nach Erlass der angefochtenen Verfügung eingegan-
gene Ehe korrekterweise zum Anlass genommen, ein Aufenthaltsbewilli-
gungsverfahren einzuleiten. Und völlig zu Recht hat die Vorinstanz in ihrer
Vernehmlassung darauf hingewiesen, dass in Bezug auf das streitige Ein-
reiseverbot ein Wiedererwägungsgrund geschaffen würde, sollte die zu-
ständige kantonale Migrationsbehörde gestützt auf diese Heirat die Ertei-
lung einer Aufenthaltsbewilligung befürworten. Das ist allerdings bis dato
nicht geschehen, vielmehr hat die zuständige kantonale Behörde eine sol-
che Bewilligung erstinstanzlich abgelehnt, weil sie von einer rechtsmiss-
bräuchlichen Berufung auf die Ehe durch die Beschwerdeführerin ausgeht.
F-142/2019
Seite 9
4.3 Demzufolge führt eine wertende Gewichtung der gegenläufigen öffent-
lichen und privaten Interessen das Bundesverwaltungsgericht zum Ergeb-
nis, dass das auf zwei Jahre bemessene Einreiseverbot dem Grundsatz
nach und in Bezug auf seine Dauer – es entspricht darin einer allgemeinen
Praxis – eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum
Schutz der öffentlichen Ordnung und Sicherheit darstellt. Entsprechend hat
die Vorinstanz mit der angefochtenen Verfügung kein Bundesrecht verletzt
(Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
5.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie sind in An-
wendung von Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,
SR 173.320.2) auf Fr. 1'000.– festzusetzen.
6.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
(Dispositiv nächste Seite)
F-142/2019
Seite 10