Decision ID: 7e46f93b-e323-52dc-8e8e-cd5c09b092d6
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 24.03.2015 Disziplinarverfahren, Verwarnung; Art. 43 Abs. 1 lit. a MedBG; Art. 12 und 13 VRP.Die Mitwirkungsrechte im Beweisverfahren werden verletzt, wenn der Sachverständige seine Schlussfolgerungen auf telefonische Befragungen des Patienten und des nachbehandelnden Zahnarztes stützt, an denen sich die Person, gegen die sich das Disziplinarverfahren richtet, nicht beteiligen konnte und deren Inhalt nicht bekannt ist (Verwaltungsgericht, B 2013/251).Entscheid vom 24. März 2015 BesetzungPräsident Eugster; Verwaltungsrichter Linder, Heer, Bietenharder; Ersatzrichter Somm; Gerichtsschreiber ScherrerVerfahrensbeteiligteDr. med. dent. X.Y., Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Remi Kaufmann, Marktgasse 20, 9000 St. Gallen,gegenGesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,Vorinstanz,GegenstandDisziplinarverfahren wegen Verletzung der BerufspflichtenDas Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Dr. med. dent. X.Y. (geb. 1950) war ab 11. August 2008 an der Zahnärztlichen
Klinik (seit Juni 2011: Zahnärztliches Zentrum) Q. AG (gelöscht am 3. März 2014) als
Zahnarzt angestellt (act. 13/25, Beilage 21). Am 28. Juli 2010 ersuchte er das
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen um Bewilligung der Berufsausübung
als Zahnarzt (act 13/3). Wegen der fehlenden Bewilligung kündigte die Zahnärztliche
Klinik Q. AG, vertreten unter anderem durch med. dent. B.K., das Arbeitsverhältnis mit
X.Y. am 22. Dezember 2010 per 31. März 2010 (richtig: 2011) und stellte ihn umgehend
frei (act. 8/10). Am 8. Juli 2011 erteilte das Gesundheitsdepartement X.Y. die
Bewilligung zur selbständigen Berufsausübung unter der Auflage, für die Zeit von der
Eröffnung der Verfügung bis 31. Dezember 2012 75 Stunden Fortbildung nachzuweisen
(act. 13/28). Ein während des Bewilligungsverfahrens (B 10-1414) wegen des Verdachts
der Tätigkeit ohne Bewilligung und der Verletzung von Berufspflichten (Behandlung von
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A.T. und D.W.) eröffnetes Disziplinarverfahren (D 10-6015; auch AB 10-6513 gegen die
Zahnärztliche Klinik Q. AG und Dr. med. dent. E.Z., Geschäftsführer bis 19. August
2010) wurde am 15. August 2011 nach Bereinigung der Vorwürfe als gegenstandslos
abgeschrieben (act. 13/29).
B. Am 16. April 2012 reichte das Zahnärztliche Zentrum Q. AG, vertreten durch
B.K., beim Gesundheitsdepartement eine von F.O., der von August 2008 bis Januar
2010 Patient von X.Y. war, am 20. Februar 2012 unterzeichnete Aufsichtsbeschwerde
ein (act. 13/33). F.O. wurde im November 2011 von B.K. behandelt, nachdem die von
X.Y. am 27. Januar 2010 auf dem Zahn 47 eingesetzte Krone herausgefallen war. Das
Gesundheitsdepartement eröffnete am 14. Juni 2012 ein
Aufsichtsbeschwerdeverfahren (AB 12-6519, act. 13/35) und zog das Patientendossier
bei (act. 13/34 und 36.1). X.Y. nahm am 15. August 2012 Stellung (act. 13/38). Das
Gesundheitsdepartement schlug am 12. September 2012 eine Beurteilung durch Dr.
med. Dr. med. dent. G.U. vor (act. 13/40). X.Y. wandte sich am 28. September 2012
und am 15. November 2012 gegen die geplante Begutachtung. Im Zeitpunkt der
Einreichung der Beschwerde sei er in einer Auseinandersetzung mit seiner früheren
Arbeitgeberin, der Zahnärztlichen Klinik Q. AG, gestanden. Die Beschwerde habe dazu
dienen sollen, seine zivilrechtlichen Ansprüche abzuwehren. Ob sie an einem
Willensmangel leide, könne nur durch Befragung von F.O. verifiziert werden. Eine
antizipierte Beweiswürdigung ergebe sodann, dass vom Gutachten relevante
Antworten gar nicht erwartet werden könnten, weil nicht mehr nachweisbar sei, wie
sich die Situation unmittelbar nach der letzten Behandlung am 27. Januar 2010
präsentierte. Zur Person des Gutachters und zum Gutachtensauftrag äusserte er sich
ausdrücklich nicht (act. 13/42 und 45). Auf die Aufforderung des
Gesundheitsdepartements vom 20. Dezember 2012, die Krankenakten sämtlicher
Patientinnen und Patienten, die X.Y. zwischen Januar und Dezember 2010
eigenverantwortlich behandelt hatte, einzureichen (act. 13/50), reagierte dessen frühere
Arbeitgeberin am 10. Januar 2013 mit einer Desinteresseerklärung betreffend allfälliger
hängiger Beschwerden (act. 13/51).
Mit dem Einverständnis von X.Y. (act. 13/52.1) beauftragte das
Gesundheitsdepartement am 17. Januar 2013 G.U. mit der Beurteilung der Frage, ob
die von X.Y. an F.O. durchgeführte Behandlung gestützt auf die Unterlagen
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(Krankengeschichte, Beschwerdeanzeige, Stellungnahme vom 15. August 2012) sowie
allfällige ergänzend bei den (nach-)behandelnden Zahnärzten eingeholte Auskünfte als
lege artis zu bezeichnen sei (act. 13/53). G.U. kam am 27. März 2013 gestützt auf die
Akten, telefonische Auskünfte von F.O. und Dr. (sic!) B.K. sowie bei F.O. eingeholte
Röntgenaufnahmen zum Schluss, die Krankengeschichte sei rudimentär, ungenau und
teilweise fehlerhaft geführt worden, die Befundaufnahme erscheine unvollständig, beim
Behandlungsplan fehle ein systematisches Vorgehen und das Herausfallen der Krone
bereits nach 22 Monaten spreche für eine minderwertige qualitative Versorgung. Das
therapeutische Vorgehen entspreche nicht den Qualitätsrichtlinien der Schweizerischen
Zahnärztegesellschaft und sei qualitativ ungenügend (act. 13/56). X.Y. nahm am 3. Mai
2013 zur Beurteilung Stellung (act. 13/60). In der Folge stellte das
Gesundheitsdepartement G.U. Zusatzfragen, die dieser am 30. Mai 2013 beantwortete
(act. 13/61 und 62). X.Y. nahm am 2. Juli 2013 zu den Ergänzungen Stellung (act.
13/66). G.U. hielt am 23. Juli 2013 daran fest, die Behandlung sei in der Diagnostik, in
der Planung und in der Ausführung mangelhaft gewesen. Er empfahl, X.Y. die
Röntgenbilder zuzustellen (act. 13/68). Am 30. August 2013 nahm X.Y. Stellung und
beantragte, es seien ihm die digitalen Röntgenbilder, auf deren Ausdrucke sich die
Beurteilung offenbar stütze, zur Verfügung zu stellen (act. 13/70). Ohne diesem
Ersuchen nachzukommen, stellte das Gesundheitsdepartement am 14. November
2013 eine Verletzung von Berufspflichten fest und verwarnte X.Y.
C. X.Y. (Beschwerdeführer) erhob mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29.
November 2013 und Ergänzung vom 16. Januar 2014 gegen die Verfügung des
Gesundheitsdepartements (Vorinstanz) Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Anträgen, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben. Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 25. Februar 2014, die
Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen. Der Beschwerdeführer nahm dazu am
2. April 2014 Stellung und hielt an seinen Anträgen fest. Auf die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid sowie die Begründungen der Anträge des
Beschwerdeführers und der Vorinstanz und die Akten wird, soweit wesentlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
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2. Der Beschwerdeführer rügt eine unvollständige Feststellung des
Sachverhalts. Er beanstandet den mangelnden Beizug der Akten des Verfahrens AB
10-6513. Die Vorinstanz bringt vor, die Akten beträfen nicht den Beschwerdeführer,
sondern ein Aufsichtsverfahren gegen die ehemalige Zahnärztliche Klinik Q. AG und
könnten aus Gründen des Amtsgeheimnisses nicht ediert werden.
Die Vorinstanz begründet die Verwarnung des Beschwerdeführers mit Fehlern bei der
Behandlung von F.O. Dem Verfahren AB 10-6513, welches die Behandlungen von A.T.
und D.W. zum Gegenstand hatte und sich gegen die Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers und deren Geschäftsführer richtete, entnahm sie keine den
Beschwerdeführer belastenden Tatsachen. Soweit die Behandlungen von A.T. und
D.W. Gegenstand eines gegen den Beschwerdeführer geführten und am 15. August
2011 als gegenstandslos abgeschriebenen Disziplinarverfahrens waren (D 10-6015,
act. 13/29), sind die Akten Bestandteil der Vorakten (act. 13/1 und 2). Der
Beschwerdeführer legt auch nicht dar, inwieweit möglicherweise in den Akten des
Verfahrens AB 10-6513 enthaltene Angaben zur Frage, ob sich die Klinik tatsächlich um
alle administrativen Belange – insbesondere aber um die Einholung einer
Berufsausübungsbewilligung – hätte kümmern sollen, die Beurteilung seines
therapeutischen Vorgehens bei der Behandlung von F.O. in einem anderen Licht
erscheinen lassen könnte. Da einzig zu klären ist, ob dem Beschwerdeführer Fehler bei
der Behandlung von F.O. vorzuwerfen sind, ist auch nicht von Belang, ob die Akten des
Verfahrens gegen die frühere Arbeitgeberin des Beschwerdeführers von Bedeutung
sind für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Aufsichtsbeschwerde, welche der
Präsident des Verwaltungsrates und Geschäftsführer der Zahnärztlichen Klinik Q. AG
veranlasste. Die Rüge der unvollständigen Feststellung des Sachverhalts erweist sich
dementsprechend diesbezüglich als unbegründet.
3. Umstritten ist, ob die Vorinstanz den Beschwerdeführer, der von August 2008
bis Dezember 2010 in Q. unselbständig als Zahnarzt tätig war und seit Juli 2011 die
Bewilligung zur – selbständigen – Ausübung des Berufs als Zahnarzt besitzt, zu Recht
wegen schuldhafter Verletzung der Berufspflichten bei der Behandlung von F.O. in der
Zeit von August 2008 bis Januar 2010 verwarnt hat.
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3.1. Gemäss Art. 43 Abs. 1 Ingress und lit. a des Bundesgesetzes über die
universitären Medizinalberufe (Medizinalberufegesetz; SR 811.11, MedBG) kann die
Aufsichtsbehörde bei Verletzung der Berufspflichten, der Vorschriften dieses Gesetzes
oder von Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetz eine Verwarnung anordnen.
Art. 40 MedBG regelt die bei der selbständigen Ausübung eines Medizinalberufs zu
beachtenden Berufspflichten. Art. 40 MedBG verpflichtet in allgemeiner Weise zur
sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung (lit. a) sowie zur Wahrung der Rechte
und Interessen der Patienten (lit. c und e). Wer den Beruf eines Zahnarztes – sei es
selbständig, sei es unselbständig – ausübt, hält sich an die anerkannten Grundsätze
des Berufs und der Ethik, beachtet die berufsspezifischen Sorgfaltspflichten und
handelt nach den Regeln der Fachkunde (vgl. Art. 3 Abs. 1 Ingress und lit. b, Art. 4 Abs.
1 Ingress und lit. a und b sowie Art. 11 der Verordnung über die Ausübung der
medizinischen Berufe; sGS 312.0, VMB).
3.2.
3.2.1. Die Vorinstanz stützt ihre Feststellung, der Beschwerdeführer habe in der
Angelegenheit F.O. Berufspflichten verletzt, auf die als "Begutachtung" bezeichnete
Beurteilung durch Dr. med. Dr. med. dent. G.U. vom 27. März 2013 (act. 13/56) sowie
seine ergänzenden Stellungnahmen vom 30. Mai 2013 (act. 13/62) und vom 23. Juli
2013 (act. 13/68). G.U. ist Beisitzer der Zahnärztlichen Begutachtungskommission der
Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO, Sektion St. Gallen-Appenzell (www.sso-
stgallen.ch). Der Beschwerdeführer bezweifelt dessen fachliche Befähigung zur
Beurteilung der zahnärztlichen Versorgung von F.O. nicht. Hingegen sieht er den
Grundsatz der Unabhängigkeit des Gutachters (dazu nachfolgend Erwägung 3.2.2) und
verfahrensrechtliche Regeln bei der Erarbeitung des Gutachtens (dazu nachfolgend
Erwägung 3.2.3) verletzt.
3.2.2. Der Beschwerdeführer rügt, G.U. sei vorbefasst, weil er in der Angelegenheit
D.W., die ebenfalls vom Beschwerdeführer behandelt worden war, am 26. Mai 2010 ein
– ungünstiges – Privatgutachten erstattet habe (act. 13/2.4).
Sachverständige haben gemäss Art. 7 Abs. 1 Ingress und lit. c VRP in den Ausstand zu
treten, wenn sie – aus anderen als den in lit. a und b genannten Gründen – befangen
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erscheinen. Dabei genügt, dass Umstände vorliegen, die den Anschein der
Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Allein
das persönliche Empfinden einer Partei reicht nicht aus. Vernünftige Gründe müssen
das Misstrauen in die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit objektiv rechtfertigen (vgl.
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 191;
BGer 2P.170/2000 vom 27. Oktober 2000 E. 4b/aa). Solche Umstände können in einem
bestimmten Verhalten des Sachverständigen oder in gewissen äusseren
Gegebenheiten funktioneller und organisatorischer Natur begründet sein. Der Anschein
der Befangenheit und Voreingenommenheit kann auch dadurch erweckt werden, dass
die sachverständige Person in einem früheren Zeitpunkt mit der konkreten Sache
schon zu tun hatte (sogenannte Vorbefassung). Ob eine unzulässige, den
Verfahrensausgang vorwegnehmende Vorbefassung vorliegt, kann nicht generell
gesagt werden. Es ist vielmehr in jedem Einzelfall anhand aller tatsächlicher und
verfahrensrechtlicher Umstände zu untersuchen, ob die konkret zu entscheidende
Frage trotz Vorbefassung als noch offen erscheint. Die blosse wiederholte
Begutachtung durch denselben Sachverständigen beziehungsweise der Umstand,
dass sich ein Sachverständiger schon einmal mit einer Person befasst hat, vermag für
sich allein nicht den Anschein der Befangenheit oder Voreingenommenheit
hervorzurufen. Eine unzulässige Vorbefassung liegt auch nicht vor, wenn der
Sachverständige zu (für eine Partei) ungünstigen Schlussfolgerungen gelangt ist.
Anderes gilt, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die
Gefahr der Voreingenommenheit objektiv zu begründen vermögen (BGer 6B_285/2011
vom 22. August 2011 E. 1.3.2 mit Hinweis auf BGE 132 V 93 E. 7.2.2).
Mit Blick auf diese bundesgerichtliche Rechtsprechung ist der Umstand, dass G.U.
bereits früher eine Arbeit des Beschwerdeführers ungünstig beurteilte, nicht geeignet,
ihn als befangen erscheinen zu lassen. Weitere Umstände, die objektiv einen Anschein
der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermöchten,
werden nicht geltend gemacht und sind nicht ersichtlich. Offen bleiben kann damit, ob
die Rüge – nachdem der Beschwerdeführer einer Beurteilung durch G.U. ausdrücklich
zugestimmt hat – im Beschwerdeverfahren noch erhoben werden kann. Es besteht
deshalb auch kein Anlass, die Beurteilung vom 27. März 2013 und die ergänzenden
Stellungnahmen als Privatgutachten zu bezeichnen und ihnen einen geringeren
Beweiswert zuzugestehen.
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3.2.3. Der Beschwerdeführer rügt, der Gutachter habe den Patienten F.O. nicht
untersucht sowie den Beschwerdeführer nicht und B.K., den nachbehandelnden
Zahnarzt, und F.O. ohne Beteiligung des Beschwerdeführers befragt. Er rügt damit eine
Verletzung seiner Mitwirkungsrechte im Beweisverfahren.
Gemäss Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr beauftragte
Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen unter
anderem durch Beizug von Sachverständigen. Für den Beweis durch Parteiaussagen,
Zeugen und Sachverständige gelten gemäss Art. 13 VRP sachgemäss die Vorschriften
der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (SR 272, ZPO). Das
Beweisverfahren wird vor allem durch den Anspruch der Verfahrensbeteiligten auf
rechtliches Gehör bestimmt (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 988). Der durch Art. 29 Abs.
2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
gewährleistete Grundsatz des rechtlichen Gehörs garantiert den betroffenen Personen
ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht im Verfahren. Sie sollen an der
Erhebung von Beweisen mitwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis äussern
können (BGE 137 II 266 E. 3.2). Gemäss Art. 186 Abs. 1 ZPO kann die sachverständige
Person mit Zustimmung des Gerichts eigene Abklärungen vornehmen; sie hat sie im
Gutachten offen zu legen. Der Sachverständige muss den Parteien
Augenscheintermine und dergleichen frühzeitig mitteilen, damit sie teilnehmen
beziehungsweise sich vertreten lassen und (unter anderem) auch allfällige Versuche
einer unzulässigen Beeinflussung des Sachverständigen durch die Gegenpartei
unterbinden können. Die Parteien haben zwar keinen absoluten Anspruch auf
Teilnahme an den Abklärungen des Sachverständigen, doch ist beim Ausschluss der
Parteien von solchen Abklärungen grosse Zurückhaltung geboten. Ein Ausschluss einer
Partei ist etwa dann angezeigt, wenn der Schutz von Geschäftsgeheimnissen dies
gebietet oder wenn der Sachverständige an einer der Parteien eine körperliche oder
psychiatrische Untersuchung durchzuführen hat (vgl. Th. Weibel, in: Sutter-Somm/
Hasenböhler/ Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N 7 zu Art. 186 ZPO).
Der Beschwerdeführer erhielt am 12. September 2012 Gelegenheit, sich zur Person
des vorgeschlagenen Sachverständigen und zum Gutachtensauftrag zu äussern (act.
13/40). Am 17. Januar 2013 stimmte er einer Beurteilung durch G.U. zu (act. 13/52.1).
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Die Vorinstanz händigte dem Sachverständigen die Patientenbeschwerde, die
Stellungnahme des Beschwerdeführers und die Krankengeschichte aus; hinsichtlich
der Röntgenbilder verwies sie ihn an die frühere Arbeitgeberin des Beschwerdeführers.
Sie ermächtigte ihn zudem, beim behandelnden Zahnarzt und beim nachbehandelnden
Zahnarzt, B.K., Auskünfte einzuholen (act. 13/53). In der Begutachtung vom 27. März
2013 stützte sich der Sachverständige nicht nur auf das Beschwerdeformular (act.
13/53.1), einen Auszug aus der Krankengeschichte (act. 13/53.2) und die
Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 15. August 2012 (act. 13/53.3), sondern
auch auf telefonische Auskünfte von F.O. und B.K. sowie auf "von Herrn F.O. selbst
zugeschickte Röntgenbilder" (act. 13/56). Weder erstellte der Sachverständige
Aktennotizen zu den Telefongesprächen noch ist ersichtlich, welche Röntgenbilder ihm
in welcher Form vorlagen. Insbesondere lagen weder der Beurteilung vom 27. März
2013 noch den ergänzenden Stellungnahmen vom 30. Mai 2013 und vom 23. Juli 2013
Röntgenbilder im Original oder in Kopie bei. Obwohl der Beschwerdeführer in seiner
Stellungnahme vom 30. August 2013 ausdrücklich verlangte, die digitalen
Röntgenbilder seien ihm zur Verfügung zu stellen (act. 13/70 Seite 4), verfügte die
Vorinstanz am 14. November 2013, ohne dem Ersuchen nachzukommen.
Welche Röntgenbilder dem Gutachter vorlagen, steht nicht mit Sicherheit fest. Inhalt
und Verlauf der Telefongespräche des Sachverständigen mit F.O. und B.K., der nicht
nur nachbehandelnder Zahnarzt, sondern auch früherer Arbeitgeber des
Beschwerdeführers war, sind unbekannt. Insbesondere ist offen, ob sich der
Sachverständige mit ihnen auch über die – offenbar zentrale – Frage von Schmerzen
beim Zahn 47 und die Umstände der Abfassung und Unterzeichnung der Beschwerde
unterhalten hat. Der Beschwerdeführer konnte sich dementsprechend nicht im
verfahrensrechtlich gebotenen Mass an der Sachverhaltsermittlung durch den
Sachverständigen beteiligen. Dies fällt umso mehr ins Gewicht, als die Umstände der
Einreichung der Patientenanzeige an der Bedeutung der Rüge durchaus Zweifel
wecken. Gemäss Krankengeschichte (act. 13/36.1) wurde F.O. vom 21. August 2008
bis 27. Januar 2010 durch den Beschwerdeführer in der Zahnärztlichen Klinik Q. AG
zahnärztlich betreut. Unbestritten ist, dass die Zahnärztliche Klinik Q. AG, handelnd
unter anderem durch B.K., das Arbeitsverhältnis mit dem Beschwerdeführer am 22.
Dezember 2010 per 31. März 2011 mit dem Hinweis auf die nicht vorhandene
Berufsausübungsbewilligung kündigte und ihn gleichzeitig freistellte (act. 8/10 und 11).
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Am 10. November 2011 erschien F.O. in der Zahnärztlichen Klinik Q. AG mit einer
herausgefallenen Krone auf dem Zahn 47. Auf seine Frage vom 16. November 2011,
wie es sein könne, dass zwei Jahre nach der Kronenzementierung so eine Entzündung
auftrete, gab B.K. gemäss Eintrag in der Krankengeschichte zur Auskunft, darüber
könne man nur spekulieren, es seien verschiedene Ursachen denkbar. In diesem
Zeitpunkt ging der nachbehandelnde Zahnarzt offenbar nicht davon aus, es komme in
erster Linie ein Behandlungsfehler des Beschwerdeführers in Betracht. Die
Aufsichtsbeschwerde gegen den Beschwerdeführer unterzeichnete F.O. denn auch
erst am 20. Februar 2012 (act. 13/33.1); B.K. leitete sie schliesslich am 16. April 2012
an die Vorinstanz weiter (act. 13/33). Die Darstellung des Beschwerdeführers, er habe
sich Ende 2011, anfangs 2012 in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung mit seiner
früheren Arbeitgeberin befunden (vgl. act. 13/70 Seiten 3 und 4), ist unbestritten.
Warum die Beschwerde an die Vorinstanz erst rund drei Monate nach der
Notfallbehandlung ausgestellt und unterzeichnet wurde und sich der nachbehandelnde
Zahnarzt anschliessend weitere rund zwei Monate Zeit für die Weiterleitung liess, wenn
er von unsachgemässen Behandlungsmethoden des Beschwerdeführers ausging, ist
nicht nachvollziehbar.
Unter den dargelegten Umständen erscheint verständlich, dass der Beschwerdeführer
davon ausgeht, eine genügende Abklärung des Sachverhalts hätte auch eine
Befragung von F.O. zum genauen Vorgang der Vorbereitung und Unterzeichnung der
Aufsichtsbeschwerde erfordert. Zudem ist der Inhalt der telefonischen Befragungen
von F.O. und B.K. durch den Sachverständigen unbekannt. Abgesehen von der
grundsätzlichen Problematik telefonischer Befragungen erweist sich der Vorwurf, die
Beurteilung der Behandlung von F.O. beruhe auf Abklärungen des Sachverständigen,
die unter Missachtung der Verfahrensrechte des Beschwerdeführers zustande
gekommen sind, deshalb als begründet.
3.3. Die Ansprüche auf Gewährung des rechtlichen Gehörs im Beweisverfahren
sind "formeller Natur" und führen bei ihrer Verletzung grundsätzlich zu einer Aufhebung
des betreffenden Entscheides (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 990). Da der
Gehörsanspruch insbesondere im Bereich der Beweiserhebung und Beweiswürdigung
sicherstellen soll, dass keine Partei durch ein Urteil belastet wird, das zufolge
missachteter Mitwirkungsrechte zu einem unrichtigen Ergebnis geführt hat, kann von
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einer Aufhebung des angefochtenen Entscheides abgesehen werden, wenn nicht
ersichtlich ist, dass das Verfahren, wäre es verfassungskonform durchgeführt worden,
eine andere Wende genommen hätte (vgl. 4P.189/2002 vom 9. Dezember 2002 E.
3.2.3; vgl. auch BGE 138 I 97). Der Inhalt der Gespräche des Sachverständigen mit
dem Patienten und dem nachbehandelnden Zahnarzt ist für die Nachvollziehbarkeit der
Schlussfolgerungen von einer Bedeutung, welche eine abweichende Würdigung der
Nachvollziehbarkeit und Schlüssigkeit der Beurteilung durch den Sachverständigen
nicht ausschliesst.
Eine Heilung ist sodann zulässig, wenn der Rechtsmittelinstanz die gleiche Kognition
zusteht wie der Vorinstanz und wenn dem Betroffenen die gleichen Mitwirkungsrechte
zustehen. Nach der kantonalen Praxis drängt sich eine Rückweisung an die Vorinstanz
auf, wenn dieser bei ihrem Entscheid ein erheblicher Beurteilungsspielraum zukommt
(vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 990 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
insbesondere des Bundesgerichts). Da mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht
– nebst der Rüge des unrichtig oder unvollständig festgestellten Sachverhalts – einzig
Rechtsverletzungen geltend gemacht werden können (vgl. Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP)
und die Beurteilung, ob die Darlegungen des Sachverständigen schlüssig und
nachvollziehbar erscheinen, Sachkenntnis verlangt, über welches die Vorinstanz in
breiterem Mass verfügt als das Verwaltungsgericht, ist der angefochtene Entscheid
aufzuheben und die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sie wird darüber
zu befinden haben, ob und welche weiteren Abklärungen sie – insbesondere auch unter
Berücksichtigung der aktuellen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGer
2C_504/2014 vom 13. Januar 2015 E. 6) – in der Angelegenheit anordnen will, und
schliesslich eine neue Entscheidung zu fällen haben (Art. 64 in Verbindung mit Art. 56
Abs. 2 VRP).
4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die angefochtene Verfügung der Vorinstanz vom 14. November 2013 aufzuheben
ist. Die Angelegenheit ist im Sinn der Erwägungen zu weiteren Abklärungen und zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
5. (...).