Decision ID: 0f4b4119-c2f1-595c-9cc7-980a0a11a5b5
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Integritätsentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der B._ AG als Monteur tätig und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen
versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 24. September 2002 war der Versicherte am 7.
Mai 2002 bei einer Schienenmontage gestürzt und klagte seither über Probleme im
linken Knie (act. G 5.4/1). Dr. med. C._, Orthopädische Chirurgie FMH, stellte eine
ausgedehnte traumatisierte medio-lateropatelläre Plica des linken Knies, persistierende
Rotationsschmerzen, rezidivierende Kniegelenksschwellungen und eine klinisch
mediale Meniskussymptomatik fest, worauf er am 29. November 2002 eine
diagnostische Kniegelenksarthroskopie links und eine arthroskopische Resektion der
medio-patellären und latero-patellären Plica durchführte (act. G 5.4/5). Wie in den
ärztlichen Zwischenberichten sowie kreisärztlicher Untersuchung festgehalten, litt der
Versicherte in den nachfolgenden Jahren unter, vor allem belastungsabhängigen,
Beschwerden (act. G 5.4/11, 12, 16, 19, 22, 24, 27 und 30).
A.b Mit Unfallmeldung vom 4. Oktober 2005 hatte die Arbeitgeberin mittgeteilt, der
Versicherte habe sich am 1. Oktober 2005 ein Schultergelenks-Distorsionstrauma
rechts zugezogen, als er beim Zusammenschrauben des Rollgerüsts ein schweres
Gewicht mit der rechten Hand auffangen wollte und gegen die Wand gedrückt worden
sei (act. G 5.1/1). Dr. med. D._, KSSG, diagnostizierte AC-Gelenksbeschwerden
rechts mit Verdacht auf Bufort-Komplex und Bicepssehnenankerdegeneration rechts
sowie ein leichtes subacromiales Impingement (act. G 5.1/11). Am 29. November 2005
erlitt der Versicherte gemäss Unfallmeldung vom 15. Juni 2006 erneut einen Unfall. Er
sei bei der Montage mit dem rechten Bein in eine Aussparung gerutscht (act. G 5.3/1).
Die Kernspintomographie vom 22. Juni 2006 zeigte gemäss Dr. med. E._, Klinik
Stephanshorn, einen minimalen Gelenkerguss, eine geringfügige Signalalteration des
femoralen Ansatzes des ansonsten intakten Innenbands, eine ausgedehnte Kontur
irregularität/multiple Einrisse an der meniskalen Unterfläche des Innenmeniskuscorpus/
Hinterhorns sowie eine mässiggradige Chondropathie des medialen femoro-tibialen
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Kompartiments (act. G 5.3/5). Bei der ärztlichen Untersuchung vom 11. August 2006
durch Dr. D._ klagte der Versicherte über belastungsabhängige Schmerzen im
Bereich des Trapezius rechtsseitig, als deren Ursache degenerative Veränderungen der
Halswirbelsäule festgehalten wurden (act. 5.1/17).
A.c Suva-Kreisarzt Dr. med. F._, Facharzt für Chirurgie FMH, beurteilte den
Gesundheitszustand des Versicherten in der kreisärztliche Untersuchung vom
18. September 2006 wie folgt: "Schulterkontusion rechts mit fortgesetzter
Muskelfunktionsstörung im Bereich des Musculus trapezius und Musculus deltoideus,
unfallunabhängige Spondylararthrose mit Diskopathien C III bis C VI mit rechtsbetonter
Muskelverspannung, Zustand nach Kniedistorsion beidseits mit vorbeschriebenem
Meniskusganglion/Meniskuszyste Innenmeniskus links, Zustand nach Kniedistorsion
rechts und Einrissen/Ausfransungen des Innenmeniskus und unfallunabhängiger
mässiggradiger Chondropathie mediales-femorotibiales Kompartiment Grad II,
fortgeschrittene Chondropathia patellae Grad II bis III" (act. G 5.1/22). Der Versicherte
gab in der Folge an, über persistierende Schmerzen in der rechten
Schultergelenksregion, Verspannungen in der rechten Nackenseite (act. G 5.1/22, 25,
34 und 35) und Beschwerden im linken, wie auch im rechten Knie zu leiden (act. G
5.1/26 und 34). Am 26. Oktober 2007 unterzog sich der Versicherte in der Schulthess
Klinik in Zürich einer therapeutischen Schulterarthroskopie rechts mit SLAP-Refixation
sowie Bursektomie, Acromioplastik und AC-Resektion, durchgeführt von Dr. med.
G._, Facharzt für Chirurgie FMH (act. G 5.1/43). Eine weitere Operation
(diagnostische Kniegelenksarthroskopie links, arthroskopische mediale
Meniskusoperation und Glättung an der Patellarückfläche) fand am 11. Januar 2008
durch Dr. C._ statt (act. G 5.4/49). Nach den Operationen klagte der Versicherte über
speziell belastungsabhängige Schmerzen in der rechten Schulter. Zudem verspüre er
im linken Knie noch Beschwerden, wenn er Treppen steige oder über eine längere
Zeitspanne Lasten tragen müsse (act. G 5.1/51). Dr. med. H._, Kantonsspital St.
Gallen, verneinte im Arztbericht vom 6. November 2008 einen Zusammenhang
zwischen dem vorliegenden radikulären Reizsyndrom C7 rechts und dem
Schultertrauma bzw. der Operation (act. G 5.1/89).
A.d Mit Schreiben vom 28. Januar 2010 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass
kein Anspruch auf Integritätsentschädigung bestehe, da die medizinischen Unterlagen
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keine erhebliche Schädigung der körperlichen Integrität aufzeigen würden (act. G
5.1/100). Darauf beantragte Rechtsanwältin lic. iur. Larissa Egli Gamma von der DAS-
Rechtsschutz-Versicherung AG, St. Gallen, im Namen des Versicherten eine MRI-
Untersuchung und eine anschliessende kreisärztliche Untersuchung, welche den
Integritätsschaden unter Berücksichtigung der Schulter- und Kniebeschwerden
festzulegen habe (act. G 5.2/104). Diesem Antrag folgend erachtete Kreisarzt-
Stellvertreter Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, eine
Entschädigung aufgrund eines Integritätsschadens von 2,5% für die Beschwerden in
der rechten Schulter als gerechtfertigt, weil der Versicherte an einer mässigen Arthrose
leide, die bereits teilweise vorbestanden habe. Die Beschwerden im rechten Kniegelenk
(beginnende, mässige Arthrose mit Zystenbildung im Tibiakopf, Knorpelschäden)
entsprächen einer Integritätseinbusse von 5%. Die Summe aus den beiden
Integritätseinbussen betrage dementsprechend 7,5% (act. G 5.2/117). Für diese
Beeinträchtigungen richtete die Suva mit Verfügung vom 5. Juni 2010 eine
Integritätsentschädigung aufgrund einer Integritätseinbusse von 7,5% aus (act. G
5.2/120).
B.
B.a Mit Einsprache vom 2. Juli 2010 (Begründung der Einsprache vom 3. August
2010) beantragte Rechtsanwältin Egli Gamma im Namen des Versicherten, die
Verfügung vom 5. Juni 2010 sei aufzuheben und es sei ihm eine höhere
Integritätsentschädigung auszurichten. Zudem sei auch für das linke Knie eine
Integritätsentschädigung auszurichten. Insbesondere seien die eingeschränkte
Beweglichkeit der rechten Schulter sowie die Beschwerden des linken Knies in die
Beurteilung der Integritätsentschädigung einzubeziehen (act. 5.2/126 und 128). Der
Versicherte holte einen ärztlichen Bericht bei Dr. med. J._, Klinik im Zentrum, ein.
Dieser führte am 17. August und am 25. September 2010 aus, dass hinsichtlich der
rechten Schulter ein Integritätsschaden von ca. 5% als sinnvoll zu erachten sei. Für die
Beschwerden im linken Knie sei allenfalls ein gleichwertiger Integritätsschaden wie im
Bereich des rechten Kniegelenks zu erwägen (act. G 5.2/130 und 134). Kreisarzt-
Stellvertreter Dr. I._ stellte demgegenüber am 26. Oktober 2010 fest, dass für das
linke Knie keine Integritätsentschädigung geschuldet sei. Dr. J._ habe mehr im Sinn
eines Verdachts die Beschwerden auf eine Chondropathie zurückgeführt. Ausserdem
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sei, wie von Dr. J._ richtigerweise erwähnt, die Unfallfolge keineswegs gesichert, so
dass die Leistungspflicht der Suva ohnehin entfalle (act. G 5.2/138).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 24. November 2010 wies die Suva die Einsprache
vom 2. Juli 2010 ab. Die kreisärztliche Beurteilung vom 11. Mai 2010 sei nicht zu
beanstanden, daran vermöchten auch die ins Recht gelegten Berichte von Dr. J._
nichts zu ändern. Die Suva habe die Integritätsentschädigung korrekt bemessen (act. G
5.2/140).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Marco
Büchel, Oberuzwil, im Namen des Versicherten erhobene Beschwerde vom 24.
Dezember 2010 (Beschwerdeergänzung vom 27. Januar 2011) mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 24. November 2010 bzw. die Verfügung vom 5. Juni 2010
seien aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei eine höhere Integritätsentschädigung
auszurichten; auch für das linke Knie sei eine angemessene Integritätsentschädigung
auszurichten; eventualiter sei ein gerichtliches Gutachten einzuholen, welches die
Integritätsentschädigung aus den Unfallereignissen vom 7. Mai 2002, 1. Oktober 2005
sowie 29. November 2005 festlege; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Den
gesamten Akten lasse sich nicht entnehmen, dass für die Beschwerden im linken Knie
unfallfremde Faktoren vorhanden seien. Ausserdem könne aus der Aussage von Dr.
J._ vom 25. September 2010 keineswegs der Schluss gezogen werden, dass dieser
die Unfallkausalität verneint habe. Auch nachträglich auftretende unfallfremde Faktoren
seien nicht dokumentiert. Somit sei für die Beschwerden im linken Knie von einem
Integritätsschaden von 5% auszugehen. Die Schmerzen in der rechten Schulter
könnten nicht auf die Halswirbelsäule zurückgeführt werden, weshalb für die Kürzung
der Integritätsentschädigung wegen eines Vorschadens um die Hälfte auf 2,5% keine
Veranlassung bestehe. Insgesamt ergebe die Integritätseinbusse 15%, je 5% für die
Beschwerden im linken und im rechten Knie und 5% für jene im Schultergelenk rechts
(act. G 1 und 3).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 18. Februar 2011 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der Integritätsschaden sei
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korrekt festgelegt worden. Aus dem Bericht von Dr. J._ könne kein überwiegend
wahrscheinlicher unfallkausaler Integritätsschaden am linken Knie abgeleitet werden.
Die darin behauptete Chondropathie könne nicht mit dem Unfall vom 7. Mai 2002
zusammenhängen, da dieser keine Knorpelschäden verursacht habe; Dr. J._ habe
sich nicht zur Unfallkausalität geäussert. Zudem habe der Beschwerdeführer bei der
ärztlichen Abschlussuntersuchung vom 10. Mai 2010 keine Kniebeschwerden links
geltend gemacht. Der ins Recht gelegte Bericht von Dr. J._ vermöge die schlüssige
und überzeugende Beurteilung des Kreisarztes nicht umzustossen. Die Einwände
hinsichtlich der Schulterbeschwerden entbehrten jeglicher Grundlage, weil die
Problematik der Halswirbelsäule bei der Ermittlung des Integritätsschadens an der
rechten Schulter nicht berücksichtigt worden sei. Ausserdem seien die Ausführungen
von Dr. J._ beweismässig bedeutungslos. Dieser sei als Privatgutachter beigezogen
worden und lasse jegliche Objektivität vermissen (act. G 5).
C.c Mit Replik vom 14. März 2011 hält der Beschwerdeführer an den Anträgen der
Beschwerde fest. Gemäss ärztlichem Zwischenbericht vom 18. Dezember 2009 von Dr.
med. K._, Orthopädie am Park, spielten unfallfremde Faktoren, wie eine
vorbestehende Arthrose bei den Beschwerden in der rechten Schulter keine Rolle, so
dass eine Kürzung des Integritätsschadens nicht zu rechtfertigen sei. Entgegen den
Ausführungen der Beschwerdegegnerin seien Privatgutachten geeignet, zur
Sachverhaltsabklärung beizutragen. Zudem seien weder deren Beweistauglichkeit
noch Beweiswert grundsätzlich in Frage zu stellen (act. G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
1.1 Erleidet eine versicherte Person durch einen Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie laut Art.
24 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) Anspruch
auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Die Integritätsentschädigung wird mit
der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der
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Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt. Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über
die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) definiert einen Schaden als dauernd, wenn
dieser voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang
besteht. Die medizinisch-theoretische Schwere des Gesundheitsschadens muss also
voraussichtlich lebenslänglich mindestens einen erheblichen Grad erreichen. Erheblich
ist ein Schaden, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der
Erwerbstätigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (vgl. RKUV 1998 Nr. U 303
S. 354; Thomas Frei, Die Integritätsentschädigung nach Art. 24 und 25 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung, Freiburg 1998, S. 33 ff.).
1.2 Die Bemessung der Integritätsentschädigung richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG
nach der Schwere des Integritätsschadens, welcher sich wiederum nach dem
medizinischen Befund richtet. Beim gleichen medizinischen Befund ist der
Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen.
Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei unberücksichtigt (BGE
124 V 35 f. E. 3c; BGE 113 V 221 E. 4b). Die Bemessung des Integritätsschadens hängt
somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls ab; es geht vielmehr um die
medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen und/oder
geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser acht zu lassen sind (BGE
115 V 147 E. 1). Die Schätzung des Integritätsschadens ist eine ausschliesslich
ärztliche Angelegenheit. Die Skala der Integritätsschäden im Anhang 3 zur UVV erlaubt
es dem Arzt, grundsätzlich jeden Integritätsschaden annähernd vergleichbaren
Integritätsschäden in dieser Skala zuzuordnen. Trotzdem hat sich in der Praxis ein
Bedürfnis zur differenzierten listenmässigen Erfassung der Integritätsschäden
manifestiert. Der ärztliche Dienst der Suva hat in der Folge, basierend auf der
erwähnten Skala und unter Berücksichtigung dieser absolut verbindlichen Werte,
weitere Schätzungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet (Mitteilungen der
Medizinischen Abteilung der Suva Nr. 57 bis 59, Tabellen 1 bis 16; teilweise geändert
und ergänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66). Diese von der Verwaltung
herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien
nicht verbindlich. Soweit sie jedoch lediglich als Richtwerte angesehen werden, mit
denen die Gleichbehandlung aller versicherten Personen gewährleistet werden soll,
sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 113 V 218; RKUV 1987 Nr. U 21 S.
328 und Nr. U 31 S. 438).
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1.3 Wenn ein oder mehrere versicherte Ereignisse zusammen zu mehreren
körperlichen, geistigen oder psychischen Beschwerden führen, ist eine
Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung festzusetzen (Art. 36
Abs. 3 UVV). Zuerst empfiehlt sich die gesonderte Schätzung der einzelnen Schäden
um anschliessend den Gesamtwert ermitteln zu können. Einzelwerte, welche die
erforderliche Erheblichkeitsgrenze von 5% nicht erreichen, sind dessen ungeachtet in
die Berechnung einzubeziehen, wozu auch Schäden aus früheren Unfällen gehören, die
als unerheblich qualifiziert worden sind. Eine einfache Addition der Einzelwerte drängt
sich dabei vor allem auf, wenn es sich um Schäden handelt, die völlig unabhängig
voneinander bestehen. Als Grenze gilt laut Art. 25 Abs. 1 UVG der Höchstbetrag des
versicherten Jahresverdienstes. Die Gesamtentschädigung darf diesen nicht
übersteigen (Thomas Frei, a.a.O., S. 44 ff.). Wenn mehrere, teils versicherte, teils nicht
versicherte Ereignisse zu einem Integritätsschaden führen, so ist die
Integritätseinbusse vorab nach Anhang 3 UVV zu schätzen, und dann nach Massgabe
von Art. 36 Abs. 2 UVG zu kürzen. Führen mehrere, teils versicherte, teils nicht
versicherte Ereignisse zu verschiedenen Integritätsschäden, bemisst sich die
Integritätsentschädigung nach den Folgen des oder der versicherten Ereignisse(s)
(Alexandra Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl. Zürich 2003, S. 166).
1.4 Die Schätzung der Integritätseinbusse einer versicherten Person ist ein
Ermessensentscheid. Bei dessen Überprüfung geht es um die Frage, ob der Entscheid,
den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen
Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise
anders hätte ausfallen sollen. Das Sozialversicherungsgericht darf sein Ermessen nicht
ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich auf
Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als
naheliegender erscheinen lassen (vgl. BGE 126 V 81 E. 6 bzw. BGE 123 V 15 E. 2 mit
Hinweisen).
2.
2.1 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
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Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Ausschlaggebend für den
Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3.a mit Hinweisen).
2.2 Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. So kommt den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in
sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die
Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum
Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf
Befangenheit schliessen. Hierzu bedarf es besonderer Umstände, die das Misstrauen
in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Allerdings ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzulegen
(BGE 125 V 353 f. E. 3.b.ee mit Hinweis). Auch Parteigutachten können nützliche
Äusserungen über den medizinischen Sachverhalt enthalten. Der Umstand allein, dass
eine Partei eine ärztliche Stellungnahme einholt und in das Verfahren einbringt,
rechtfertigt nicht, Zweifel am Beweiswert dieses Parteigutachtens zu hegen (BGE 125 V
353 E. 3.b.dd). Trotzdem besitzt ein solches Gutachten nicht den gleichen Rang wie ein
vom Gericht oder von einem Unfallversicherer nach dem vorgegebenen
Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten. Indessen verpflichtet ein Privatgutachten – wie
jede substantiiert vorgetragene Einwendung gegen ein solches Gutachten – den
Richter zu prüfen, ob es in den rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und
Schlussfolgerungen des vom Gericht oder vom Unfallversicherer förmlich bestellten
Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (BGE 125 V 354
E. 3.c).
3.
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Streitgegenstand bildet vorliegend die Höhe der auszurichtenden
Integritätsentschädigung. Andere Ansprüche, insbesondere eine allfällige
Invalidenrente, werden in der Einsprache vom 2. Juli 2010 nicht geltend gemacht,
sodass die Verfügung vom 5. Juni 2010, welche das Bestehen eines solchen
Rentenanspruchs verneinte, diesbezüglich in Teilrechtskraft erwachsen ist. Umstritten
und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Integritätsentschädigung richtig
beurteilt hat, indem sie für die Beschwerden im rechten Knie den Integritätsschaden
auf 5%, für jene in der rechten Schulter auf 2,5% festgesetzt und eine
Integritätsentschädigung betreffend das linke Knie verneint hat.
3.1 Als Grundlage für die Verfügung vom 5. Juni 2010 bzw. für den
Einspracheentscheid vom 24. November 2010 dienten offenbar die ärztliche
Abschlussuntersuchung vom 10. Mai 2010 bzw. die ärztliche Stellungnahme vom 26.
Oktober 2010, worin Kreisarzt-Stellvertreter Dr. I._ die Integritätsschäden beurteilte
(act. G 5.2/117 und 138).
3.2 Zu den Schulterbeschwerden rechts führte Dr. I._ aus: "Die rechte Schulter
weist einen Status nach erheblicher Traumatisierung im Jahre 2005 auf, seither
chronischer Schmerzzustand, der auch durch eine Operation 2007 nicht nachhaltig
gebessert werden konnte. Es besteht allerdings eine kernspintomographisch seinerzeit
bereits evidente Arthrose des Acromioclaviculargelenks, die als Vorschaden ins Kalkül
gezogen werden muss." Die AC-Gelenksarthrose sei "sicher vorbestehend gewesen".
Gemäss Tabellenwerk der Suva sei bei einer mässigen bis schweren Arthrose eine
Integritätsentschädigung von 5 bis 10% angezeigt (Tabelle 5: Integritätsentschädigung
bei Arthrosen). Aufgrund der Vorschädigung sei ein hälftiger Abzug und somit eine
Entschädigung von 2,5% gerechtfertigt (act. G 5.2/117). Der Beschwerdeführer rügt,
dass für eine Kürzung der Integritätseinbusse wegen eines Vorschadens kein Anlass
bestehe, da vor dem Unfall vom 1. Oktober 2005 keine Arthrose im Schultergelenk
bestanden habe (act. G 3).
Der kreisärztliche Abschlussbericht von 10. Mai 2010 ist nachvollziehbar begründet
und erklärt in schlüssiger Weise, dass die AC-Arthrose vorbestanden, jedoch aufgrund
des Unfalls zugenommen hat und deshalb in den Akten von einer posttraumatischen
Arthrose die Rede ist. Zudem wird dieser Befund durch die Kernspintomographie
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bildgebend ausgewiesen. Dr. I._ widerspricht sich nicht, wie dies der
Beschwerdeführer behauptet, wenn er zuerst von einer Arthrose des AC-Gelenks als
Vorschaden ausgeht und dann eine eher mässige Arthrose feststellt. Gemäss Tabelle 5
der Mitteilungen der Medizinischen Abteilung der Suva Nr. 57 bis 59 erreicht erst eine
schwere AC-Arthrose den Erheblichkeitsgrad von 5%. Die Ausführungen von Dr. I._
können nur so interpretiert werden, dass dieser von einer schweren, aber an der
Grenze zu einer mässigen Arthrose liegenden Pathologie ausgeht. Des Weiteren hat
der Kreisarzt-Stellvertreter das radikuläre Reizsyndrom C7
(Halswirbelsäuleproblematik), das mit dem Unfall vom 1. Oktober 2005 nicht in
Zusammenhang steht, nicht in die Beurteilung des Integritätsschadens einbezogen,
weshalb auch hier der angeführten Kritik des Beschwerdeführers nicht entsprochen
werden kann. Dem vom Beschwerdeführer ins Recht gelegten Arztbericht vom 17.
August 2010, verfasst von Dr. J._, in dem dieser von einer sehr glaubhaften
Beschwerdesymptomatik passend zum pathologischen Befund spricht und einen
Integritätsschaden von 5% als "sinnvoll" betrachtet, kann nicht gefolgt werden (act. G
5.2/130). Der Bericht nimmt insbesondere keinen Bezug auf die AC-Arthrose bzw.
deren Kausalanteile. Indem nicht aufgezeigt ist, weshalb konkret eine
Integritätsentschädigung auszurichten ist, sondern gar noch ein
Verbesserungspotenzial angesprochen wird, vermag der Bericht von Dr. J._ keine
Zweifel am Bericht von Dr. I._ hervorzurufen. Die Integritätseinbusse von 2,5%
aufgrund der AC-Arthrose ist nicht zu beanstanden.
3.3 Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 5.
Juni 2010 eine Integritätsentschädigung für die Beschwerden im rechten Knie
zugesprochen und die Integritätseinbusse mit 5% bemessen. Kreisarzt-Stellvertreter
Dr. I._ hat eine mässige, noch nicht wesentlich in Erscheinung getretene Arthrose im
rechten Kniegelenk diagnostiziert (act. G 5.2/117). Unter Einbezug der gesamten
medizinischen Akten ist diese Beurteilung nachvollziehbar und schlüssig und wird vom
Beschwerdeführer auch nicht bestritten. Weitere Ausführungen dazu erübrigen sich.
Die Beschwerdegegnerin anerkannte zu Recht eine Integritätsentschädigung für das
rechte Kniegelenk auf der Grundlage eines Integritätsschadens von 5%.
3.4 In der kreisärztlichen Untersuchung vom 10. Mai 2010 werden die Beschwerden
des linken Knies nicht beurteilt. Dr. I._ nimmt einzig Bezug auf das MRI des linken
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Knies vom 9. März 2010, geht aber nicht näher darauf ein und berechnet insbesondere
keinen Integritätsschaden, worauf die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer in
der Verfügung vom 5. Juni 2010 für die Knieschmerzen links keine
Integritätsentschädigung zusprach (act. G 5.2/117 und 120). Da der Beschwerdeführer
in der Einsprache vom 2. Juli 2010 eine Integritätsentschädigung für das linke Knie
geltend machte und folgend einen Bericht von Dr. J._ vom 25. September 2010 in
das Verfahren einbrachte, nahm die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom
24. November 2010 dazu Stellung. Sie wies den Antrag mit der Begründung ab, Dr.
I._ habe in seinen Ausführungen vom 26. Oktober 2010 eine Integritätsentschädigung
für die Schmerzen im linken Knie verneint (act. G 5.2/126, 128, 134, 138 und 140).
Gemäss Dr. I._ sei eine Arthrose bis heute ausgeblieben, so dass keine
Entschädigung geschuldet sei. Im Bericht vom 25. September 2010 hielt Dr. J._ fest,
dass die Beschwerden des Beschwerdeführers am ehesten auf die Chondropathie des
medialen femorotibialen Kompartiments zurückzuführen seien. Linksseitig zeige sich
die Chondropathie etwas weniger ausgeprägt als im rechten Knie, dafür bestehe eine
stärkere Beschwerdesymptomatik. Falls es sich um eine Unfallfolge handeln würde,
wäre hier ein gleichwertiger Integritätsschaden wie im Bereich des rechten
Kniegelenkes zu erwägen (act. G 5.2/134). Diese Darlegungen vermögen die
Beurteilung von Dr. I._ vom 26. Oktober 2010 nicht in Zweifel zu ziehen. Vielmehr
nimmt Dr. I._ Bezug auf den Bericht von Dr. J._, der vorschlägt, eine
Integritätsentschädigung für die Kniebeschwerden links "zu erwägen". Dies hat Dr.
I._ gemacht und nachvollziehbar einen Integritätsschaden aufgrund der Anamnese
mit ursprünglichem Plicaschaden - keine sonstige Binnenläsion - und fehlender
Arthrose ausgeschlossen. Des Weiteren ist eine Integritätsentschädigung nicht am
subjektiven Faktor der Beschwerdesymptomatik, wie dies Dr. J._ beim
Beschwerdeführer feststellte, zu messen, sondern an objektiv feststellbaren
pathologischen Schäden. Schliesslich sprechen sich weder Dr. J._ noch Dr. I._ für
einen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit natürlichen Kausalzusammenhang aus,
weshalb ein solcher zu verneinen ist. Folglich hat die Beschwerdegegnerin zu Recht
keine Integritätsentschädigung für die Beeinträchtigungen im linken Kniegelenk
entrichtet.
4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dem Antrag des Beschwerdeführers, es sei ein gerichtliches Gutachten einzuholen,
welches die Integritätsentschädigung aus den Unfallereignissen vom 7. Mai 2002,
1. Oktober 2005 und 29. November 2005 festlegt, ist nicht stattzugeben. Da nicht
anzunehmen ist, dass weitere medizinische Abklärungen für die Beurteilung des
vorliegenden Sachverhalts neue Erkenntnisse bringen, kann darauf verzichtet werden
(antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 94 E. 4b; Pra 88 Nr. 117; SVR-UV 1996
Nr. 62.211).
5.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu Recht eine
Integritätsentschädigung basierend auf einer gesamthaften Integritätseinbusse von
7,5% entrichtet.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 1. Dezember 2009 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP