Decision ID: 754ec715-af74-4982-b35c-682e2d48576c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1988,
absolvierte die Grund- und Sekundarschule
im Kanton Graubünden
und begann
dort
im Jahr 2006
eine Ausbildung zur Pflege
fachfrau, welche sie
im Jahr 2007 aufgrund von Prüfungsangst abbrechen musste
(Urk. 11/143/3
, Urk. 11/2/5
, Urk. 11/13/3, Urk. 11/63/2
).
Hernach
war sie arbeits
los und bezog Arbeitslosenentschädigung (Urk. 11/2/7).
Am
13. März 2008
meldete sie sich
unter Hinweis auf eine Borderline-Persönlichkeitsstörung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/2). Die
damals zuständige
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle
,
führte daraufhin Eingliederungsmassnahmen durch (vgl.
etwa
Urk. 11/83,
Urk.
11/89). Im Rahmen der
am 26. Juni und 10. Dezember 2012 sowie am 13. Juni und 17. Juli 2013 erteilten
Kostengutsprache
n
für die erstmalige berufliche Ausbildung (Urk. 11/118, Urk. 11/123
, Urk. 11/129, Urk. 11/136
)
erlangte die Versicherte im Jahr 2013 das Bürofach- und im Jahr 2014 das Handelsdiplom VSH (Urk.
11/
141
, Urk. 11
/143/2).
Danach gewährte die IV-Stelle
Graubünden
in den Jahren
2014-201
5
Kosten
gut
sprachen für
zwei
Arbeitsversuche
im Bereich Sachbearbeitung
, wobei die Versi
cherte dort jeweils mit einem Pensum von 50 % arbeitete.
Begleitend dazu
über
nahm die
IV-Stelle die
Kosten für ein Job Coaching (
Urk. 11/139/2
,
Urk. 11/
150,
Urk. 11/161/2,
Urk. 11/163).
Vom 29. Oktober 2015 bis 30. April 2016 folgte
überdies
ein externes Jobcoaching (Urk.
11/192
). Zuletzt erteilte die IV-Stelle
Graubünden
a
m 20. Mai 2016 Kostengutsprache für einen Arbeits
versuch
inklu
sive Job Coaching
vom 1. Juni
2016
bis
30. Juni 2017
im
Z._
, wo die Versicherte
mit
einem Pensum vo
n
50 %
als Tätowiererin
tätig war
(Urk. 11/198
,
Urk.
11/230, Urk.
11/242, Ur
k.
11/256
, Urk. 11/263/1
, Urk. 11/265
).
Zudem liess die IV-Stelle
Graubünden
die Versicherte durch die
A._
begutachten (Gutachten vom 15. Mai 2017, Urk. 11/253).
Mit Verfügung vom
19. Oktober 2017
sprach die IV
Stelle
Grau
bünden
der Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 52 %
mit Wirkung ab
1.
Juli 2017
eine halbe Rente zu (Urk. 11/292, Urk. 11/278).
Am 23. Oktober 2017 schloss
sie
die Eingliederungsmassnahmen ab (Urk. 11/
296
)
.
1.2
Nachdem die Versicherte in den Kanton Zürich umgezogen
war
, trat die IV-Stelle des Kantons Graubünden das Dossier am 27. März 2018 an die
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
ab (Urk. 11/307). Die Versicherte
ersuchte
sodann
am 13. Juni 2018 um eine Rentenerhöhung (Urk. 11/312) und reichte einen Bericht ihres behandel
nden Psychiaters, Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. August 2018 ein (Urk. 11/317). Die
IV-Stelle
holte
in der Folge
ein
bidisziplinäres
Gutachten (Psychiatrie/Neuropsychologie) bei
C._
ein, welches am 13. März 2019 erstattet wurde (Urk. 11/327).
Mit Vorbescheid vom 17. April 2019 stellte sie der Versicherten die Abweisung des
Rentene
rhöhungsgesuches in Aussicht (Urk. 11/330). Dagegen erhob diese am 25. April respektive am 28. Juni 2019 Einwand (Urk. 11/331, Urk. 11/340).
Am 9. Dezember 2019 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 11/346 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 27. Januar 2020 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 9. Dezember 2019 sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Dazu reichte sie zwei Berichte von Dr.
B._
vom 1
3.
Juni 2019 und 24. Januar 2020 sowie ein
en Bericht von Dr. med. D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin vom 23.
Januar 2020 ein (Urk. 3/4, Urk. 3/5, Urk. 6).
Am 17. April 2020 erstattete die Beschwerd
egegnerin ihre Beschwerdeantwort
und schloss auf Abweisung (Urk. 10). Die Beschwerdeführerin
hielt
daraufhin
mit Replik vom
7. Mai 2020
an ihrem Rechtsbegehren fest
(Urk. 13).
A
m
3.
Juni 2020
verzichtete die Beschwerde
gegnerin
auf das Einreichen einer Duplik, was der Beschwerde
führerin am 10. Juni 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125
V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, der Beschwer
de
führerin sei mit Verfügung der IV-Stelle Graubünden vom 19. Oktober 2017 eine
halbe Rente zugesprochen worden
(Urk. 2 S. 1 f.)
. Gemäss dieser Verfügung
sei
ihr
eine kaufmännische Tätigkeit zumutbar, jedoch mit einer Leistungsein
busse von 48 %. Der Invaliditätsgrad sei daher auf 52 % festgelegt worden. Gemäss
ihren eigenen
Abklärungen sei jedoch eine kaufmännische
Tätigkeit
höchstens in einem Pensum
von 30 % und eine angepasste Tätigkeit in einem Pensum von 60 % zumutbar. Nach durchgeführtem Einkommensvergleich ergebe sich nicht ein Invaliditätsgrad von 52 %, sondern ein solcher von 56 %, was jedoch keinen Einfluss auf den Rentenanspruch habe. Die medizinische Abklä
rung habe ergeben, dass zwar eine minime Verschlechterung des Gesundheitszu
standes vorliege. Diese habe jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit. Der Rentenanspruch bleibe unverändert (Urk. 2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor, das
C._
-Gutachten vermöge den Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten nicht zu genügen. Dem Bericht von Dr.
B._
vom 24. Januar 2020 sei zu entnehmen, dass das im Gut
achten beschriebene Belastungsprofil einer Tätigkeit im geschützten Rahmen gleichkomme. Entsprechend sei ihr nur noch eine
solche
zumutbar.
Es sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes anzunehm
en (Urk. 1 S. 8). I
m Ver
lauf
habe sich
gezeigt, dass alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt – selbst unter Begleitung eines Job Coaches – gescheitert seien
. Es sei ihr daher eine ganze Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 9
,
Urk.
13
).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin, seit der letzten Verfügung vom 19. Oktober 2017 habe sich allein aus gesundheitlicher Sicht keine Veränderung ergeben, die geeignet sei, den Invaliditätsgrad zu beein
flussen. Die Gutachter würden von einer Verschlechterung der depressiven Erkrankung berichten, die jedoch nach wie vor leicht ausgeprägt sei (Urk. 10 S. 1).
Auch der behandelnde Arzt messe der depressiven Erkrankung eine unter
geordnete Rolle bei. Somit liege mit Bezug auf die gesundheitliche Situation eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes vor (Urk. 10 S. 2).
2.
4
Strittig und zu prüfen ist, ob
bis zum Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 9. Dezember 2019
eine anspruchserhebliche Änderung des Gesundheitszustandes eingetreten ist
, welche Anspruch auf
mehr als eine halbe
Rente
gibt
. Zeitlicher Referenzpunkt bildet dabei die rentenzusprechende Verfü
gung vom 19. Oktober 2017, mit welcher der Beschwerdeführerin eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 52 % zugesprochen wurde (Urk. 11/278, Urk. 11/292). Diese Verfügung beruhte auf einer
rechtskonformen
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Be
weiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (BGE 133 V 108 E. 5.4).
3.
Der rentenzusprechenden Verfügung vom 19. Oktober 2017 lag das
A._
-Gut
achten vom 15. Mai 2017 (Urk. 11/253) zugrunde.
Darin nannten die Gutachter als Hauptdiagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (IC
D
-10 F60.31) sowie eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0). Als Neben
diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine post
trauma
tische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), chronifiziert, eine Panikstörung (ICD
10 F41.0), eine dissoziative Störung (ICD-10 F44.7) sowie eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0). Diagnosen ohne leistungsmindernde Wirkung nannten sie keine (Urk. 11/253/57).
Dazu führten
die Gutachter
aus, in Anlehnung an
den Mini-ICF-APP
bestünden deutliche Beeinträchtigungen in der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung sowie in der Fähigkeit zur Flexibilität und Umstellung (Urk. 11/253/43, Urk. 11/253/52). Die Entscheidungs-
sowie
Urteilsfähigkeit sei
en
leicht
und die
Kontaktfähigkeit
zu Dritten
sei
mittelgradig bis deutlich
eingeschränkt
(Urk. 11/253/53). Zu den krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen zähle auch die trotz adäquater medikamentöser Behandlung bestehende Konzentra
tions
störung, auf welche sich zeitlicher Druck sowie der Erhalt mehrerer
parallel
laufender
Aufgaben
aggravierend
auswirken würden
(Urk. 11/253/54).
Aus den genannten Funktionsdefiziten resultierten eine reduzierte Belastbarkeit mit erhöhtem Pausenbedarf, Defizite im persönlichen Kontakt, beziehungsweise
hin
sichtlich der
Korrespondenz zu den Kunden sowie starke Schwankungen in der Arbeitsqualität. Die Ausübung der bisherigen Tätigkeit im kaufmännischen Bereich sowie auch der aktuellen Tätigkeit in der kreativen Branche sei aus medizinischer Sicht an maximal acht Stunden pro Tag möglich
(Urk. 11/253/60). Sofern es eine Tätigkeit wie die jetzige
erlaube
(individueller Pausenbezug, kleines Arbeitsteam bestehend aus drei Mitarbeitern, relativ flexible Einsatzplanung), bestehe derzeit aus medizinischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, bei redu
zierter Leistungsfähigkeit. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit mit adaptierter Leistungsfähigkeit von 60-80
% werde bei gutem Verlauf in identischer Tätigkeit auf maximal 80 % möglich sein
(Urk. 11/235/61)
.
Eine leidensadaptierte Tätigkeit umfasse einen erhöhten Pausenbedarf, ein kleines Arbeitsteam sowie im Falle mehrerer Arbeitstage pro Woche mindestens einen arbeitsfreien Tag zwischen zwei Arbeitstagen. Des Weiteren seien Arbeiten unter zeitlichem Druck sowie Arbeiten mit «Multitasking-Anforderungen» zu vermei
den. Ferner erscheine
eine
engmaschige Betreuung durch den Vorgesetzten sinn
voll und empfehlenswert. Aus medizinsicher Sicht spreche nichts gegen eine
leichte körperlich
e
Tätigkeit. Eine angepasste Tätigkeit sei an maximal acht Stun
den pro Tag möglich. Die Leistungsfähigkeit werde bei einem 80 %-Pensum auf maximal 60-80 % geschätzt (Urk. 11/263/62).
4.
4.1
Beim Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung waren die folgenden
medi
zinischen Unterlagen
aktenkundig:
4.2
Dr. med. E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie
,
behandelte die Beschwerdeführerin vom 28. Oktober 2016 bis 9. April 201
8.
In ihrem Bericht vom 9. Mai 2018
hielt
sie
fest
, eine Arbeitsunfähigkeit
habe
vorübergehend im Dezember 2017 und kontinuierlich ab Februar 2018 bestanden (Urk. 11/317/4). Die Diagnose der Aufmerksamkeitsstörung sei mit zirk
a 13
Jahren gestellt worden. Ab November 2016 sei eine Neurofeed
back
behandlung mit gutem Effekt erfolgt.
Ab Herbst 2016 sei es zu vermehrten Kopf
schmerzen gekommen. Im April 2017 sei eine Abklärung beim Neurologen erfolgt und im Mai 2017 sei es
diesbezüglich
nochmals zu einer Verschlechterung gekommen
(Urk. 11/317/3). Eine intensivierte Kopfschmerz
behandlung sei ange
dacht worden (Urk. 11/317/3 f.).
4.3
Mit Bericht vom 17. August 2018
nannte
Dr.
B._
die Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10 F60.31), eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode (ICD-10 F33.1). Als Nebendiagnose bezeichnete er eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), chronifiziert, eine Panikstörung (IC
D
-10 F41.0) sowie eine dissoziative Störung (ICD-10 F44.7, Urk. 11/317/2). Trotz der guten Ressourcen für kreative Arbeiten und anfänglich positiver Rückmeldungen habe sich rasch gezeigt, dass die Beschwerdeführerin auch beim Ausüben der «angepassten» Tätigkeit im Tattoo-Studio mit einem 50 %-Pensum im Berufsall
tag (häufiger Kundenkontakt, Zeitdruck, etc.) schnell an ihre Belastbarkeitsgrenze komme. Im November 2017 sei sie dekompensiert und habe die Tätigkeit im Tattoo-Studio infolge Überforderung mit den Anforderungen des ersten Arbeits
marktes aufgeben müssen (Urk. 11/317/1 f.).
Im Vordergrund stünden eine aus
geprägte Stressintoler
a
nz, niedrige Frustrationstoleranz, emotionale Instabilität, Schwierigkeiten bei sozialen Interaktionen, eine reduzierte Anpassungsfähigkeit und ein Erschwernis,
sich in Strukturen einzu
finden
. Daraus resultierten eine reduzierte psychophysische Leistungs
fähigkeit und eine erhöhte Fehlerhäufigkeit im beruflichen Kontext beziehungsweise bei Überforderung. Die Belastbarkeit sei
insgesamt deutlich eingeschränkt und es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes genügen könne, auch nicht mit einem 50 %-Pensum (Urk. 11/317/2).
4.
4
4.4.1
Am 13. März 2019 erstattete das
C._
sein
bidisziplinäres
Gutachten
in den Bereichen Psychiatrie und Neuropsychologie
.
Dr. med
.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vermerkte
in seinem psychiatrischen Gutach
ten als
Diagnosen mit Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10 F60.31), eine einfache
Akti
vitäts
- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F330). Ohne leistungs
mindernde Wirkung sei demgegenüber die posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1, Urk. 11/327/12).
Die Beschwerdeführerin berichte, dass es ihr seit Ende 2017 schlechter gehe. Sie sei wieder stärker depressiv (Urk. 11/327/6). Die Gutachter hielten diesbezüglich fest, es liege aktuell eine leichte depressive Episode vor. Dies ergebe sich zum einen daraus, dass allenfalls von einer gering
fügigen
Antriebsminderung
auszugehen sei. Darüber hinaus gehe die Beschwer
deführerin durchaus positiv besetzten Aktivitäten nach, nehme regelmässig soziale Kontakte wahr und eine stärker ausgeprägte Verminderung von Interesse und Freude sei nicht feststellbar. Zwar zeige sich eine durchgehende Depressivi
tät, aber eher im leichteren Ausmass. Deutlich traurig, ratlos bis resignativ sei die Beschwerdeführerin nur themenbezogen, bei Thematisierung der schwierigen beruflichen Situation (Urk. 11/327/11).
N
ach dem monodisziplinären psychiatri
schen Gutachten vom 15. Mai 2017
sei es
zu keiner wesentlichen Verschlechte
rung gekommen. Etwas verstärkt habe sich die depressive
Symptomatik im Zusammenhang mit den beruflichen Schwierigkeiten. Es liege aber immer noch eindeutig nur ein Schweregrad im Sinne einer leichten depressiven Episode vor (Urk. 11/327/12).
Nach dem
A._
-Gutachten sei ausschliesslich eine ambulante psychiatrische Behandlung erfolgt. Es seien keinerlei intensivere psychiatrische Therapiemass
nahmen wie teil- oder vollstationäre Behandlungen durchgeführt worden. Dies spreche noch einmal deutlich gegen eine stärker ausgeprägte Verschlechterung des Krankheitsbildes. Die Beschwerdeführerin sehe sich nur einen Tag in der Woche zu beruflicher Tätigkeit in der Lage. Dies sei diskrepant zu den Aktivitäten
niveaus in den Bereichen Freizeit und Haushalt (Urk. 11/327/13).
Mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt der psychiatrische Gutachter fest,
die Beschwerdeführerin sei zuletzt in einem Tattoo-Studio tätig gewesen. Auf der
einen Seite sei ihr diese Tätigkeit im Hinblick auf die dortigen Anforderungen in kreativer Hinsicht gelegen. Auf der anderen Seite gehöre zur Tätigkeit in einem Tattoo-Studio aber auch, die Kunden im Wesentlichen selbst zu akquirieren, was der Beschwerdeführerin überhaupt nicht gelegen habe.
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit könne
sie
fünf Stunden täglich anwesend sein mit einer Leistungs
min
derung von 50 %. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit werde bezogen auf ein 100 %-Pensum auf 30 % geschätzt (Urk. 11/327/15). Im mono
disziplinären Gutachten des
A._
sei damals eine Arbeitsfähigkeit von 50 % gesehen worden. Die Problematik der Kundena
k
quisition sei aber nicht ausrei
chend berücksichtigt worden. Es werde eingeschätzt, dass nur eine Arbeitsfähig
keit von 30 % vorgelegen habe und dass sich diese auch nicht gebessert habe (Urk. 11/327/16).
In einer behinderungsangepassten Tätigkeit könne die Beschwerdeführerin sechseinhalb Stunden pro Tag anwesend sein mit einer Leistungsminderung von 20 %. Die Arbeitsfähigkeit werde auf 60 % geschätzt. Geeignet sei eine überwiegend sachbetonte Tätigkeit ohne besonderen Zeitdruck und ohne erhöhte Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit. Die Beschwer
deführerin solle in ruhiger Umgebung arbeiten können, ohne Ablenkung und ohne Anforderungen an
Multitaskingfähigkeiten
. Sie solle eine Arbeitsaufgabe nach der anderen abarbeiten und eher für sich alleine arbeiten können. Eine Abstimmung mit Vorgesetzten oder Kollegen solle nur in geringem Ausmass erforderlich sein. Kundenkontakt soll
e
nicht oder allenfalls in geringem Ausmass erforderlich sein. Die Beschwerdeführerin habe Interesse im kreativ-handwerkli
chen Bereich, verfüge
dort
auch, soweit aus den Unterlagen nachvollziehbar, über gute Fähigkeiten, so dass eine Tätigkeit in diesem Bereich als besonders geeignet
er
scheine (Urk. 11/327/16).
Betreffend den Verlauf der Arbeitsfähigkeit
erwog
der Gutachter, im Gutachten des
A._
sei in einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % gese
hen worden. Dies werde aktuell anders beurteilt. Es werde geschätzt, dass damals eine Arbeitsfähigkeit von 60 % vorgelegen habe, dabei sei es geblieben. Die depressive Symptomatik habe sich im Zusammenhang mit den beruflichen Schwierigkeiten ab Ende 2017 nur in mässigem Ausmass verschlechtert. Eine Verringerung der Arbeitsfähigkeit ergebe sich daraus nicht (Urk. 11/327/16).
4.4.2
Dr. phil
.
G._
stellte in ihrem neuropsychologischen Gut
achten die Diagnose einer leichten neuropsychologischen Störung mit kognitiven Minderleistungen im Bereich der Aufmerksamkeit (Aktivierungs
bereitschaft, fokussierte Aufmerksamkeit, kognitive Verarbeitungs
geschwindig
keit) und in Teilbereichen der Exekutivfunktionen (verbaler Antrieb, Arbeits
gedächtnis, Intrusionstendenz) sowie eine verminderte Belastbarkeit (kognitiv und psychisch) beziehungsweise
eine rasche Ermüdbarkeit (Urk. 11/327/38).
Die objektivierten Befunde seien gut im Rahmen einer Aufmerksamkeitsstörung, unter Berücksich
tigung der aktuell objektivierten Befunde, der Verhaltens
beobachtung, der schulischen und berufsanamnestischen Angaben und der Angaben aus den aktuellen Fragebogenverfahren, am ehesten im Sinne unaufmerksamer, nicht aber hyperaktiver/impulsiver Symptome zu erklären (Urk. 11/327/39).
Es sei von validen beziehungsweise authentischen Befunden auszugehen (Urk. 11/327/40).
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Tätowiererin werde auf zirka 50 % geschätzt (Urk. 11/327/42). In einer optimal angepassten Tätigkeit werde die Arbeitsfähigkeit auf zirka 60 % geschätzt (Urk. 11/327/43). Da anzunehmen sei, dass die neuropsychologische Störung seit der Kindheit bestehe, sei von keiner Veränderung im Verlauf auszugehen (Urk. 11/327/42 f.).
4.5
In seiner Stellungnahme vom 19. März 2019 erklärte
RAD
-Arzt Dr. med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, auf das Gutachten könne abgestellt werden, allerdings mit dem Vorbehalt, dass die Diagnose einer Border
line-Persönlichkeitsstörung im Widerspruch
stehe zu
dem in weiten Teilen unauffälligen psychopathologischen Befund und der Angabe, dass die beruflichen Massnahmen im Tattoo-Studio wegen der Persönlichkeitsstruktur mit deutlich selbstunsicheren Zügen der Beschwerdeführerin gescheitert sei
en
. Zudem sei die neuropsychologische Beschwerdevalidierung nur mit einem Testverfahren geprüft worden (Urk. 11/329/5).
4.
6
Mit Bericht vom 13. Juni 2019 wandte Dr.
B._
gegen das
C._
-Gut
achten ein,
laut dem
psychiatrische
n
Gutachter sei
es
nach dem
A._
-Gutachten vom 15. Mai 2017 zu keiner wesentlichen Verschlechterung gekommen.
Der Gutachter
stelle diese angebliche Einschätzung in den Raum,
begründe sie aber nicht und
g
ebe
keine
Quelle an (Urk. 3/4 S. 1).
Die sekundär vorliegende und fluktuierend verlaufende depressive Symptomatik stehe hin
sichtlich der Beur
teilung einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht im Vordergrund, weswegen die Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode, in seinem Schreiben auch an dritter Stelle angeführt werde. Limitierend bei der Umsetzung einer ver
wertbaren Arbeits
fähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt seien vorrangig die Aus
wirkungen der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ. Daraus
resul
tierten
eine reduzierte psychophysische Leistungsfähigkeit und eine erhöhte Fehlerhäufigkeit im beruflichen Kontext beziehungsweise bei Überforde
rung.
Der Gutachter habe angegeben, dass der Beschwerdeführerin die Kunden
a
k
quirierung überhaupt nicht liege
,
und stelle in diesem Zusammenhang keinen Bezug zu den genannten Krankheitsbildern und deren Auswirkungen auf die Anforderungen im ersten
Arbeitsmarkt her. Dieses Vorgehen stelle die Unbe
fangenheit des Autors in Frage, da eine gewisse
Willkür
bei der Auseinander
setzung mit den eigen
anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin erkenn
bar sei.
Das vom Gut
achter beschriebene Belastungsprofil entspreche nicht einer beruflichen Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt, sondern
in
einer geschützten Arbeits
umgebung (Urk. 3/4 S. 2).
Die zuletzt von der Beschwerdeführerin in einem Tattoo-Studio ausgeführte Tätigkeit könne als leidensangepasst gewertet werden, da
sie
versucht habe, ihre kreative Begabung zu nutzen. Infolge eines invalidi
sierenden komplexen psychiatrischen Krankheitsbildes sei
ihr
eine beruf
liche Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt dauerhaft nicht zumutbar (Urk. 3/4 S. 3)
.
4.7
Am 23. Januar 2020 berichtete Dr.
D._
, die Beschwerdeführerin stehe seit dem 18. März 2019 zur Schmerztherapie bei ihr in neuraltherapeutischer Behandlung. Es lägen eine ausgeprägte T
r
igeminusneuralgie und Migräne vor, welche wahr
scheinlich durch ein Trauma bedingt seien. Aufgrund der starken Schmerz
symptomatik bei Trigeminusneuralgie und Migräne sei vereinbart worden, dass eine Neuraltherapie nach
Huneke
durchgeführt werde, um die Schmerzsympto
matik behandeln zu können (Urk. 6).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin
vertrat gestützt
auf das
C._
-Gutachten
die Auf
fassung, seit der rentenzusprechenden Verfügung vom 19. Oktober 2017 sei k
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Auswirkungen auf den Invalidi
tätsgrad
eingetreten
(Urk. 2 S. 2, Urk. 10 S. 1).
5.2
5.2.1
Das
C._
-
Gutachten
erfüllt die formalen
Anforderungen
an den
Beweiswert
einer Expertise
(
vgl.
E. 1.
4
vorstehend
) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen de
r
Beschwerde
führe
rin
, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden
und
ihr
Verhalten
und wurde in Kenntnis
und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten (Anamnese) abgegeben.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
sowie
in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar
begründete Schlussfolgerungen.
Entgegen der Ansicht des RAD-Arztes begründeten sowohl die Gutachter der
A._
als auch
jene
der
C._
mit Verweis auf die Diagnosekriterien des ICD-10 sowie DSM-5
eingehend
,
weshalb bei der Beschwerdeführerin von einer Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ auszugehen sei
(Urk. 11/253/49 f., Urk. 11/327/11).
Darauf ist abzustellen.
Die
Beurteilung
des Gutachters, wonach aktuell eine weitgehend identische gesundheitliche Situation wie anlässlich der Begutachtung durch die
A._
gegeben sei und lediglich eine leicht ausgeprägte Verschlechterung der depressi
ven Symptomatik vorliege
(Urk. 11/327/17)
,
korreliert
insbesondere
mit
den
im Wesentlichen
ähnlichen
Befunden im Gutachten de
r
A._
sowie im
C._
-Gut
achten.
In beiden Gutachten wurden keine Hinweise auf Or
ientierungs
störungen,
Zwangssymptome oder Phobien
festgehalten. Zudem wurden
jeweils
eine ungestörte Auffassung sowie Auffälligkeiten hinsichtlich der
Konzentration
vermerkt (Urk. 11/253/42, Urk. 11/327/
9 f.).
Denken, Sprache und Wahrnehmung präsentierten sich in den Untersuchungssituationen
ebenfalls
weitgehend unauf
fällig (Urk. 11/253/42 f., Urk. 11/327/9)
.
Weiter berichtete die
Beschwerdeführe
rin
sowohl anlässlich der Begutachtung durch die
A._
als auch in der aktuellen Untersuchung über «Blackouts» im Rahmen von Spannungszuständen und Stress (Urk. 11/253/46, Urk. 11/327/9).
Eine Veränderung zeigte sich hingegen insbesondere im Bereich der Affektivität. Anlässlich der Begutachtung
durch die
A._
vom
September/Oktober 2016 prä
sentierte sich die Beschwerdeführerin im Affekt leicht ratlos, mit eine
r
leichten Gefühllosigkeit, nicht affektarm, ohne Störung der Vitalgefühle, leicht deprimiert, leicht hoffnungslos, leicht ängstlich, nicht euphorisch, nicht dysphorisch, leicht gereizt, innerlich
mittelgradig
unruhig, nicht klagsam, mit schweren Insuffizienz
gefühlen, ohne gesteigerte Selbstwertgefühle
,
ohne Schuld- und Verarmungsge
fühle, nicht ambivalent, ohne
Parathymie
, leicht affektlabil und
nicht affektstarr. Sie gab sich ferner im Antrieb leicht gehemmt, nicht arm, leicht gesteigert und leicht motorisch unruhig (Urk. 11/253/42 f.).
Hingegen stellte der psychiatrische
C._
-Gutachter anlässlich seiner Untersuchung im Februar 2019
bei der Beschwerdeführerin eine bedrückte Grundstimmung fest und erwähnte,
sie
zeige sich bei Thematisierung der schwierigen beruflichen Situation und des geschei
terten Versuches, als Tätowiererin in einem Tattoo-Studio tätig zu werden, sehr traurig sowie ratlos bis resignativ.
Des Weiteren erkannte er eine leicht reduzierte affektive Schwingungsfähigkeit
und im Gegensatz zum Gutachten der
A._
eine anamnestisch leichte Antriebsminderung
.
Allerdings verwies er auch auf die ver
schiedenen positiven Tätigkeiten, denen die Beschwerdeführerin im Alltag nach
geht (Spaziergänge mit dem Hund, zum Teil mit der Nachbarin, Lesen,
Netflix
schauen, Interesse für kreative Tätigkeiten
, Urk. 11/327/10
)
. Schliesslich fand im Verlauf nach der Begutachtung durch
die
A._
auch ausschliesslich eine ambulante psychiatrische Behandlung bei
Dr.
E._
und
Dr.
B._
(
Urk
.
11/317/2
)
statt und es wurden keine intensivere
n
psychiatrische
n
Behand
lungen
im
teil- oder vollstationäre
n Setting
durchgeführt, was gegen eine stärker
e
A
us
prägung
des Krankheitsbildes spricht (Urk. 11/327/13).
Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass seit der rentenbegründenden Verfügung vom 1
9
. Okto
ber 2017 zwar eine leicht
ausgeprägte
re
depressive Symptomatik eingetreten ist, diese jedoch wie zum Zeitpunkt des
A._
-Gutachtens im leichtgradigen Bereich liegt und keine Verringerung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hatte (Urk. 11/327/16
f.).
5.2.2
Die Beschwerdeführerin
vertritt
die Auffassung,
das
C._
-Gutachten sei nicht beweiswertig
,
und
beruft sich
dabei auf die Berichte von Dr.
B._
vom 13. Juni 2019 und 24. Ja
nuar 2020
(Urk. 1 S. 8)
. Entgegen
der Ansicht von Dr.
B._
(Urk. 3/4 S. 1)
begründete der psychiatrische
C._
-
Gut
achter
wie vorstehend dargelegt
-
insbesondere mit Bezug auf die Alltags
aktivitäten und die durchgeführten Therapiemassnahmen
ausführlich,
dass
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
nicht wesentlich verschlechtert hat und nach wie vor eine leichte depressive Symptomatik vorliegt (Urk. 11/327/12 f. und 17).
Weshalb im Gegensatz zum
C._
-Gutachten
aktuell
eine
rezidivierende depressive Störung, mittelschwere Episode (ICD-10 F33.1
)
,
vorliegen sollte
(
Urk. 11/317/2),
begründete Dr.
B._
nicht näher
und
schilderte auch
keine neue
n
, objektiv fassbare
Aspekte
, die dem
Sachverständigen
entgangen sind
. Zudem
machte er keine Angaben zum psychopathologischen Befund, sodass seine
Diagnosestellung nicht nachvollzogen werden kann
. Ferner erklärte er
selbst
,
die sekundär und fluktuierend verlaufende depressive Sympto
matik stehe hinsichtlich der Beurteilung einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht im Vordergrund
, sondern die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ.
Die von Dr.
B._
mit Bezug auf die Borderline-Störung
festgehaltenen Einschränkungen (ausgeprägte Stress
i
ntoleranz, niedrige Frustrationstoleranz, emotionale Instabilität, Schwierigkeiten bei sozialen Interaktionen, reduzierte Anpassungsfähigkeit und Erschwernis, sich in Strukturen einzufinden,
Urk. 3/4 S. 2)
wurden bereits im Gutachten der
A._
genannt
und waren Gegenstand der damaligen Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
(Urk. 11/317/2)
.
Inwiefern sich diesbezüglich seit der letzten Begutachtung eine Verschlechterung eingestellt hätte, legt
e
er nicht dar
, weshalb sein Bericht nicht geeignet ist, das Gutachten zu entkräften.
Ihre
Behauptung
,
die Persönlichkeitsstörung beziehungsweise deren Auswirkun
gen habe sich
beim Versuch, sich in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern, stärker ausgeprägt und
ihre
Frustrationstoleranz
habe sich verschlechtert (Urk. 1 S. 8),
untermauerte
die Beschwerdeführerin
nicht mit medizinischen
Unterlagen
.
Auf diese subjektive Wahrnehmung kann nicht abgestellt werden.
Mit Bezug auf die Kopfschmerzproblematik ist festzuhalten, dass sich diese gemäss Bericht von Dr.
E._
vom 9. Mai 2018 bereits im April/Mai
2017 und
damit vor Erlass der rentenzusprechenden Verfügung vom 19.
Oktober
2017 manifestiert hatte (Urk. 11/317/3)
. Die Beschwerdeführerin erwähnte diese denn auch gegenüber den Gutachtern der
A._
(Urk. 11/253/41)
. Eine seit diesem Zeitpunkt eingetretene Verschlechterung lässt sich
weder
dem Bericht
von Dr.
E._
noch jenem von Dr.
D._
entnehmen
. Auch die
neuropsychologi
sche Gutachterin
der
C._
konnte aus
neuropsychologischer Sicht
unter Hin
weis auf die seit der Kindheit bestehende neuropsychologische Störung
keine Ver
änderung seit der rentenzusprechenden Verfügung vom 19. Oktober 2017 erkennen (Urk. 11/327/43)
. Dies leuchtet mit Blick auf die wenigen Monate, die zwischen dem Referenzzeitpunkt und der am 1
3.
Juni 2018 geltend gemachten Verschlechterung liegen, ohne Weiteres ein
.
5.2.3
Dr.
B._
hielt weiter fest,
das
im
C._
-Gutachten
beschriebene Belastungsprofil
entspreche
nicht einer beruflichen Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt, sondern einer geschützten Arbeitsumgebung (Urk. 3/4 S. 2)
und die Beschwerdeführerin verfüge nicht über die notwendigen Ressourcen, den Anfor
derungen des ersten Arbeitsmarktes zu genügen (Urk. 3/4 S. 3, Urk. 3/5)
.
Diesbe
züglich ist jedoch darauf hinzuweisen, dass
die Beurteilung der
Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit im Sinne einer umfassenden und «allseitigen» Prüfung des Rentenanspruchs erst dann vorgenommen wird, wenn ein Revisionsgrund respektive eine
w
esentliche Änderung des Gesundheitszustandes
ausgewiesen ist (E. 1.3 vorstehend).
Dies
e
liegt – wie soeben dargelegt – nicht vor
, womit es sich erübrigt, auf die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin einzuge
hen
.
Zusammenfassend ist aus psychiatrischer Sicht seit der letztmaligen Renten
prüfung keine Verschlechterung des Gesundheitszustands im Sinne von Art. 17 ATSG
nachgewiesen
.
Damit hat es bei der zugesprochenen halben Invalidenrente zu bleiben, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung (Urk. 1 S. 2).
6.2
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechts
vor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex
ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren unge
fähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend
ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei ver
nünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht des
halb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hin
weisen).
6.3
Im vorliegenden Verfahren war
vorab
die Frage
strittig
, ob eine wesentliche Ver
änderung des Gesundheitszustandes de
r
Beschwerdeführer
in
vorliegt.
Die vo
n der
Beschwerdeführer
in
gegen
das
Gutachten vorgebrachten
Einwände sind offen
sichtlich nicht stichhaltig,
so dass von einer erfolgversprechenden Anfechtung der Verfügung nicht die Rede sein kann.
Die Beschwerdeführerin vermochte ins
besondere nicht darzulegen, dass
in der kurzen Zeit
seit der letzten Begutachtung durch das
A._
eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes
einge
treten ist. Da auch Dr.
B._
in seinen Berichten keine solche Veränderung postulierte, sondern im Wesentlichen
die
– erst nach Vorliegen eines Revisions
grundes zu prüfende –
Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
thematisierte
, waren die Aussichten auf die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ex ante betrachtet erheblich geringer als die Chancen auf eine Abweisung des Rechtsbegehrens.
Insgesamt können die Erfolgsaussichten der Beschwerde daher nicht als ernsthaft bezeichnet werden, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abzuweisen ist.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der
unterliegenden Beschwerde
führer
in
aufzuerlegen.