Decision ID: de9455fe-dc69-4317-9577-30c2de8807db
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Nötigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 31. Januar 2018 (GG170222)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 10. Oktober 2017
(Urk. 21) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 34)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte B._ ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Die Zivilklage der Privatklägerin wird abgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die Gerichtskasse
genommen.
4. Die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin wird mit Fr. 5'617.00 (inkl. 7.7 bzw.
8% MwSt) entschädigt. Diese Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.
5. Dem Beschuldigten wird eine Umtriebsentschädigung von Fr. 400.00 aus der Gerichtskasse
zugesprochen.
6. (Mitteilungen)
7. (Rechtsmittel)."
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 f.)
a) Der unentgeltlichen Rechtvertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 52 S. 1)
1. In Aufhebung von Ziff. 1 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom
31. Januar 2018 sei der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 Abs. 4 StGB, der mehrfachen
Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 180 Abs. 1 lit. a
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StGB sowie der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB schuldig zu
sprechen.
2. Der Beschuldigte sei angemessen zu bestrafen.
3. In Aufhebung von Ziff. 2 des erwähnten Urteils sei der Beschuldigte zu
verpflichten, der Geschädigten eine Genugtuung von Fr. 8'000.– zu-
züglich Zins zu 5 % seit 1. August 2016 (mittlerer Verfall) zu bezahlen.
Sodann sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Ge-
schädigten grundsätzlich schadenersatzpflichtig ist und es sei davon
Vormerk zu nehmen, dass die spätere Geltendmachung einer Scha-
denersatzforderung vorbehalten bleibt.
4. In Aufhebung von Ziff. 3 des vorinstanzlichen Urteils seien die Kosten
des Strafverfahrens inklusive diejenigen der unentgeltlichen Geschä-
digtenvertretung dem Beschuldigten aufzuerlegen.
5. Ziff. 5 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben.
Beweisantrag: Einvernahme der Privatklägerin.
b) Des Beschuldigten:
(sinngemäss)
Vollumfänglicher Freispruch.
c) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 40)
Verzicht auf Anschlussberufung.
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Erwägungen
I. Verfahrensgang
1. Anzeige, Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren
Eine Vertrauensperson der Privatklägerin meldete der Stadtpolizei Winterthur,
dass die Privatklägerin durch ihren Ehemann, den Beschuldigten, über längere
Zeit Gewalt erlebt habe, sowohl im Ausland als auch in der Schweiz (Urk. 1 S. 2).
Hierauf wurde die Privatklägerin zu einer polizeilichen Befragung am 17. März
2017 vorgeladen. Nach durchgeführter Untersuchung erhob die Staatsanwalt-
schaft am 12. Oktober 2017 beim Bezirksgericht Zürich Anklage gegen den Be-
schuldigten wegen Körperverletzung, Drohung und Nötigung (Urk. 21). Mit ein-
gangs im Dispositiv aufgeführtem Urteil vom 31. Januar 2018 sprach der Einzel-
richter des Bezirksgerichts Zürich den Beschuldigten von diesen Vorwürfen frei
(Urk. 34).
2. Berufungsverfahren
Gegen das mündlich eröffnete Urteil liess die Privatklägerin durch ihre unentgelt-
liche Rechtsvertreterin innert der 10-tägigen Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO
am 8. Februar 2018 (Datum Poststempel) Berufung anmelden (Urk. 29). Der
schriftlich begründete Entscheid der Vorinstanz wurde der Privatklägerin am
4. Mai 2018 zugestellt (Urk. 32/2). Die Berufungserklärung ging innert der
20-tägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO am 25. Mai 2018 (Poststempel 24. Mai
2018) hierorts ein (Urk. 36). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Anschluss-
berufung und Anträge zur Berufung (Urk. 40). Der Beschuldigte liess sich innert
angesetzter Frist nicht vernehmen bzw. reichte einzig das Datenerfassungsblatt
betreffend seinen persönlichen und finanziellen Verhältnisse ein (Urk. 38 und 39).
Zur Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte persönlich sowie die
unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin, RAin lic. iur. X._ (Prot. II
S. 4).
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II. Umfang der Berufung, Prozessuales
1. Berufungsumfang
Mit Ausnahme der Festsetzung der Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsver-
tretung der Privatklägerin und Übernahme durch die Gerichtskasse (Dispositiv-
ziffer 4), wurde das gesamte vorinstanzliche Urteil angefochten (Urk. 36 S. 2;
Urk. 52 S. 1; Prot. II S. 4-6). Die genannte Dispositivziffer ist somit in Rechtskraft
erwachsen (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2. Beweisantrag
2.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt die unentgeltliche Rechtsvertre-
terin der Privatklägerschaft am Beweisantrag auf Einvernahme der Privatklägerin
fest (Prot. II S. 6; vgl. Urk. 46 und Urk. 52 S. 2 f.).
2.2. Gemäss Art. 6 StPO klären die Strafbehörden von Amtes wegen alle für
die Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsachen ab
(Abs. 1). Dabei untersuchen sie die belastenden und entlastenden Umstände mit
gleicher Sorgfalt (Abs. 2). Die Strafbehörden setzen zur Wahrheitsfindung alle
nach dem Stand von Wissenschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel ein,
die rechtlich zulässig sind. Über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, der
Strafbehörde bereits bekannt oder rechtsgenügend erwiesen sind, wird nicht
Beweis geführt (Art. 139 Abs. 1 und 2 StPO). Der Anspruch auf rechtliches Gehör
umfasst auch die Pflicht der Behörde, die Argumente und Verfahrensanträge der
Parteien entgegenzunehmen und zu prüfen sowie die ihr rechtzeitig und form-
richtig angebotenen Beweismittel abzunehmen (BGE 138 V 125 E. 2.1; Urteil des
Bundesgerichts 6B_492/2012 vom 22. Februar 2013 E. 5.3). Das hindert das
Gericht nicht, einen Beweisantrag abzulehnen, wenn es in willkürfreier Würdigung
der bereits abgenommenen Beweise zur Überzeugung gelangt, der rechtlich er-
hebliche Sachverhalt sei genügend abgeklärt, und es überdies in willkürfreier an-
tizipierter Würdigung der zusätzlich beantragten Beweise annehmen kann, seine
Überzeugung werde dadurch nicht mehr geändert (BGE 136 I 229 E. 5.3; Urteil
des Bundesgerichts 6B_441/2013 vom 4. November 2013 E. 6.1). Eine Sachver-
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haltsfeststellung bzw. Beweiswürdigung ist nur willkürlich, wenn das Gericht Sinn
und Tragweite eines Beweismittels offensichtlich verkannt hat, wenn es ohne
sachlichen Grund ein wichtiges und entscheidwesentliches Beweismittel un-
berücksichtigt gelassen oder wenn es auf der Grundlage der festgestellten Tat-
sachen unhaltbare Schlussfolgerungen gezogen hat (BGE 140 III 264 E. 2.3).
Art. 343 Abs. 3 StPO verpflichtet das Gericht im Vorverfahren ordnungsgemäss
erhobene Beweise nochmals zu erheben, sofern die unmittelbare Kenntnis des
Beweismittels für die Urteilsfällung notwendig erscheint. Eine unmittelbare Ab-
nahme eines Beweismittels ist notwendig im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO,
wenn sie den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann. Dies ist namentlich der
Fall, wenn die Kraft des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck
abhängt, der bei seiner Präsentation entsteht, beispielsweise wenn es in beson-
derem Masse auf den unmittelbaren Eindruck einer Zeugenaussage ankommt, so
wenn die Aussage das einzige direkte Beweismittel (Aussage gegen Aussage)
darstellt (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1 f.).
2.3. Bei verschiedenen hier zu beurteilenden Delikten liegt eine Aussage-
gegen-Aussage-Konstellation vor bzw. handelt es sich um sogenannte Vier-
Augen-Delikte. Wie in den nachfolgenden Erwägungen zu zeigen sein wird, er-
weisen sich die verschiedenen bereits im Recht liegenden Aussagen der Privat-
klägerin in hohem Masse widersprüchlich, mangelhaft und damit unglaubhaft.
Eine erneute Einvernahme im Berufungsverfahren mehr als zwei Jahre nach dem
Vorfall würde diese augenfälligen Mängel und Inkonsistenzen in den bisherigen
Aussagen der Privatklägerin nicht zu kompensieren vermögen. Selbst wenn die
Privatklägerin im Berufungsverfahren isoliert betrachtet in sich stimmig aussagen
würde, wären die bisherigen (unglaubhaften) Aussagen nicht vom Tisch. Auch
würde sich diesfalls die Frage aufdrängen, weshalb die Privatklägerin erst mehr
als zwei Jahre nach dem Vorfall eine kohärente Aussage zu Protokoll geben
kann, wohingegen die tatnäheren Aussagen derart unglaubhaft ausfallen. Bei ei-
ner derartigen Ausgangslage muss im Sinne von Art. 139 StPO antizipierend kon-
statiert werden, dass selbst im Berufungsverfahren gemachte (isoliert betrachtet)
stimmige Aussagen nichts am Ergebnis einer gesamthaften Würdigung der Aus-
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sagen ändern würden. Hinzu kommt, dass es sich bei den Vorfällen auf der ...-
Wiese nicht um eine Aussage-gegen-Aussage-Konstellation handelt, sondern da-
zu weitere Personalbeweismittel (die Aussagen des Zeugen C._) im Recht
liegen.
2.4. Vor diesem Hintergrund ist der Beweisantrag der Privatklägerin abzuwei-
sen.
III. Sachverhalt
1. Standpunkt der Privatklägerin
1.1. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin bringt im Beru-
fungsverfahren – wie bereits an der Hauptverhandlung von Bezirksgericht – vor,
dass die Aussagen des Beschuldigten nicht glaubhaft seien (Urk. 25 S. 2; Urk. 52
S. 5). Demgegenüber habe die Privatklägerin detailliert, widerspruchsfrei und zu-
rückhaltend ausgesagt. Bei der Auslegung ihrer Aussagen sei zu berücksichtigen,
dass sie Analphabetin und durch die Vorfälle traumatisiert sei (Urk. 25 S. 4;
Urk. 52 S. 3). Bei den Zeugen sei zu beachten, dass diese freundschaftlich zum
Beschuldigten stünden, was erkläre, dass sie diesen auch nicht belastet haben
(Urk. 25 S. 3; Urk. 52 S. 5 f.).
1.2. Der Auffassung der Rechtsbeiständin, wonach die Aussagen der Privat-
klägerin glaubhaft seien, kann nicht gefolgt werden (Urk. 25 S. 4; Urk. 52 S. 3 ff.).
Das Gegenteil ist der Fall. Die Aussagen der Privatklägerin sind teilweise sonder-
bar, befremdlich bis hin zu bizarr. Zwar mag zutreffen, dass die niedrige Validität
ihrer Aussagen auch auf geringe Intelligenz und Bildung zurückzuführen ist. Auch
sprachliche und erhebliche psychische Probleme haben wohl dazu beigetragen.
Die Privatklägerin befindet sich nach eigenen Angaben in psychologischer Be-
handlung bei Dr. D._. Auf die Frage, weswegen, gab sie an: "Ich muss dort-
hin gehen wegen meiner Kopf-, Zahn- und Ohrenschmerzen" (Urk. 5 Antwort
132). All diese Umstände dürfen jedoch nicht dazu verleiten, über die tiefe Quali-
tät ihrer Aussagen einfach hinweg zu sehen und in Verletzung des rechts-
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staatlichen Grundsatzes in dubio pro reo auf blosse Vermutungen abzustellen.
Unglaubhafte Aussagen werden nicht deshalb zu glaubhaften Aussagen, weil
man für die schlechte Qualität eine Erklärung hat. Es geht nicht an, aufgrund der
vermutlich hohen Dunkelziffer im Bereich häuslicher Gewalt die Beweisanforde-
rungen im Einzelfall aus rechtspolitischen Gründen herabzusetzen und so die
Verletzung anderer rechtsstaatlicher Grundsätze, insbesondere der Unschulds-
vermutung, in Kauf zu nehmen. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht befunden,
dass die Beweislage für eine Verurteilung des Beschuldigten nicht ausreicht
(Urk. 34 S. 25).
1.3. Zuzustimmen ist der Rechtsbeiständin der Privatklägerin (vgl. Urk. 52 S. 5),
dass auch die Aussagen des Beschuldigten keine hohe Validität aufweisen, weil
er meistens knapp und detailarm aussagte. Allerdings kann man Vorwürfe, die
nicht stattgefunden haben, auch schwerlich detailliert bestreiten. Es fällt vor allem
auf, dass er das eheliche Verhältnis zur Privatklägerin sehr beschönigt, d.h. un-
glaubhaft positiv darstellte (Urk. 8 Antwort 28; so auch anlässlich der Berufungs-
verhandlung, Urk. 51 S. 5-7). Dieser Umstand fällt aber bei der Sachverhaltswür-
digung nicht entscheidend ins Gewicht. Im Übrigen kann auf die zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 34 S. 18; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Zeitpunkt und Urheberin der Anzeige
Bedenken erweckt zunächst der Umstand, dass das Strafverfahren nicht von der
Privatklägerin selbst, sondern von einer Vertrauensperson von ihr in Gang gesetzt
wurde (Urk. 1 S. 2). Eine solche Dienstleistung Dritter ist nicht a priori falsch, aber
man kann nie ausschliessen, dass eine Privatklägerin in einen gewissen Hand-
lungszwang gerät, nun Aussagen gegen einen Beschuldigten machen muss,
welche sie aus eigenem Antrieb nicht gemacht hätte, oder Dinge bestätigt, welche
sie zuvor vielleicht unbedarft oder ungenau gegenüber der Vertrauensperson
geschildert hatte. Es ist eine allgemeine Erfahrungstatsache, dass Aussagen,
welche auf Veranlassung, Drängen oder Überreden durch eine Drittperson erfol-
gen, nicht denselben Wert haben wie Aussagen aus eigenem Antrieb. Ebenso
wirkt sich für die Privatklägerin ungünstig aus, dass die Strafanzeige im März
2017, das heisst erst rund vier bis acht Monate nach den beanzeigten Vorfällen
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erfolgte. Eine fundierte Sachverhaltsermittlung mit spontanen, unmittelbaren Aus-
sagen wurde mit dieser verzögerten Anzeige praktisch vereitelt. Das darf sich
nicht zum Nachteil der beschuldigten Person auswirken. Solche Umstände mögen
im Einzelfall durchaus plausibel erklärbar sein, vorliegend fehlt es jedoch an einer
überzeugenden Erklärung. Es mag sein, dass die Privatklägerin mit den hiesigen
Verhältnissen nicht so vertraut ist wie jemand, der hier aufgewachsen ist. Immer-
hin lebte sie im Zeitpunkt der Anzeige aber bereits seit vier Jahren in der Schweiz
und hätte zumindest unmittelbar nach der behaupteten Gewalttat eine Drittperson
um Hilfe ersuchen können, beispielsweise eines ihrer vier erwachsenen Kinder im
Kosovo bzw. in Mazedonien. Allein das Argument, die Privatklägerin sei eben
hilflos und emotional bzw. aus Angst vor dem Beschuldigten nicht zu selbstän-
digem und sofortigem Handeln imstande gewesen, ändert nichts daran, dass
dadurch Vorbehalte gegenüber ihrer Glaubwürdigkeit angebracht sind.
3. Fragwürdiges Motiv für die Strafanzeige
3.1. Die Privatklägerin gab in ihren Befragungen an, ihr Ehemann, der Beschul-
digte, lebe schon 34 Jahre lang in der Schweiz, während denen sie selbst zu-
sammen mit den gemeinsamen Kindern im Kosovo geblieben sei (Urk. 3 Antwort
15). Die Kinder seien dann nach Montenegro ausgewandert und sie habe sich im
Kosovo alleine gefühlt und geweint, weshalb sie dann zum Beschuldigten in die
Schweiz gekommen sei (Urk. 3 Antwort 16). Sie habe hierher kommen wollen, um
mit dem Beschuldigten zusammen zu sein, mit ihm zusammen zu leben (Urk. 5
Antwort 11). Hier habe sie mit dem Beschuldigten in einem Zimmer an der
E._-/F._-Strasse gelebt. Das Badezimmer auf dem Flur hätten sie zu-
sammen mit anderen Leuten teilen müssen. Nach zwei Wochen habe der Be-
schuldigte dann angefangen gewalttätig zu werden (Urk. 3 Antworten 18 - 22).
Probleme habe er ihr allerdings auch schon im Kosovo bereitet (Urk. 3 Antwort
67). Er habe ihr dort die Zähne gebrochen (Urk. 5 Antwort 43).
3.2. Auffällig ist ein gewisser Meinungsumschwung bei der Privatklägerin. In
der polizeilichen Befragung vom 17. März 2017 machte sie noch geltend, nach
den ersten Todesdrohungen und Schlägen des Beschuldigten hier in der Schweiz
habe sie wieder in den Kosovo gehen und nie mehr in die Schweiz kommen wol-
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len (Urk. 3 Antwort 65). Er habe sie aufgefordert in den Kosovo zurück zu kehren.
Sie habe ihm gesagt, ja sie gehe zurück, er müsse ihr aber ein Rückreisebillet
besorgen (Urk. 3 Antwort 23). Lieber esse und trinke sie nichts, als mit ihm im
Streit zu leben. Sie habe ihren Kindern geschildert, ihr Vater, der Beschuldigte,
sei immer betrunken und aggressiv. Die Tochter habe dann allerdings gemeint, im
Kosovo könne auch niemand für sie schauen und sie solle besser wieder in die
Schweiz zurückgehen. Die Privatklägerin habe der Tochter darauf erwidert, dass
dies aber ein grosses Risiko sei, wenn sie wieder in die Schweiz gehe (Urk. 3
Antwort 65). Wenn es tatsächlich zu Drohungen oder körperlichen Übergriffen des
Beschuldigten gekommen war, würden diese Äusserungen durchaus Sinn ma-
chen und deshalb glaubhaft erscheinen.
Jedoch sagte die Privatklägerin dann in ihrer staatsanwaltschaftlichen Befragung
sechs Monate später aus, sie habe Angst in den Kosovo zurück zu kehren
(Urk. 5). Auf die Frage nach dem Grund gab sie die merkwürdige Antwort zu Pro-
tokoll: "Er hat gesagt, dass er mich nicht in Ruhe lassen wolle und wir nicht am
gleichen Ort bleiben können. Die Kinder haben auch gesagt, dass ich zum Vater
gehen solle und er mir die Bewilligung machen soll. Jetzt habe ich von ihm und
auch den Kindern nichts." Auf Nachhaken der Staatsanwältin, weshalb sie denn
nicht in den Kosovo zurückkehren wolle, verstärkte sie diese Aussage noch: "Ich
darf nicht. Er hat gesagt, er werde kommen und alle umbringen" (Urk. 5 Antworten
24 und 25). Es erscheint widersprüchlich, wenn die Privatklägerin behauptet, sie
habe im Kosovo mehr Angst vor dem Beschuldigten, als wenn sie hier in der
Schweiz sei, insbesondere wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass sie dort
bereits 30 Jahre lang verheiratet, aber getrennt vom Beschuldigten gelebt hatte.
Die Aussage ist auch merkwürdig vor dem Hintergrund, dass die Privatklägerin
aufgrund von behördlichen Massnahmen zwischen ihrer polizeilichen Befragung
im März 2017 und der staatsanwaltlichen Befragung im August 2017 gar keinen
Kontakt mit dem Beschuldigten hatte. Die behaupteten Drohungen des Beschul-
digten wären ihr deshalb auch bereits bei ihrer ersten Befragung bekannt gewe-
sen, und trotzdem wollte sie damals noch zurück in den Kosovo. Bemerkenswert
offen dann auch die Antwort der Privatklägerin auf die Frage, was sie mit ihrer
Strafanzeige gegen den Beschuldigten erreichen wolle: "Ich möchte meine Auf-
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enthaltsbewilligung und die Papiere haben und da bleiben" (Urk. 5 Antwort 38).
Es ist realitätsfremd, dass der Beschuldigte die Privatklägerin im Kosovo wie be-
hauptet terrorisieren oder sogar umbringen würde, wenn das Zusammenleben
hier in der Schweiz offenbar auch für ihn derart unerträglich gewesen sei. Wenn
er nach Darstellung der Privatklägerin so hasserfüllt und gewalttätig gegenüber ihr
geworden sei, dann müsste er ja froh sein, wenn die Beschuldigte wieder in den
Kosovo zurückginge und er seine Ruhe hätte. Wie stark bei der Privatklägerin
aufenthaltsrechtliche Motive mitspielen, zeigt sich auch in anderen Äusserungen:
"Hier könnte ich überleben. Wenn ich nach Kosovo gehen müsste, dann sollte ich
mich lieber umbringen. (...) Ich kann dort nicht leben, dort habe ich Angst.(...)
Habe Angst vor den Kindern, vor ihm, alle sind gegen mich" (Urk. 5 Antworten
31 - 33). Ebenso erwähnte die Privatklägerin, dass es im Kosovo kein Geld gebe
(Urk. 3 S. 10). Dieser Eindruck wird verstärkt mit Blick auf die Aufenthaltsregelung
im Ausländergesetz. Danach besteht für die Ehefrau bei Getrenntleben grund-
sätzlich kein selbständiger Aufenthaltstitel mehr. Eine Aufenthaltsbewilligung kann
indes ausnahmsweise erteilt bzw. verlängert werden, wenn die Ehegattin – wie
vorliegend behauptet – Opfer ehelicher Gewalt wurde (Art. 50 Abs. 2 AuG).
4. Unglaubhafte Aussagen zu den behaupteten Übergriffen
4.1. Den Aussagen der Privatklägerin über die gewalttätigen Vorfälle mangelt
es an Qualitätsmerkmalen, welche nach den empirischen Erkenntnissen der
Aussagenpsychologie bei der Erzählung von realitätsbegründeten Erlebnissen
zu erwarten wären. Die Aussagen der Privatklägerin sind weitgehend detailarm,
unpräzise, ohne Einbettung in äussere Umstände oder lebensnah geschilderten
Emotionen. Sie erscheinen teilweise unlogisch bis hin zu widersprüchlich. So
fehlen beispielsweise in ihren Aussagen jegliche Angaben, weshalb es zu den
Streitigkeiten gekommen war oder wie sich hernach jeweils das Zusammenleben
gestaltete.
4.2. Die Privatklägerin gab bei der Polizei auf die Frage, welcher Art die Ge-
waltanwendung des Beschuldigten gewesen seien, an: "Er betrank sich, stritt mit
mir, er schlug mich mit der Faust auf den Kopf" (Urk. 3 Antwort 23). "Er schlug
mich mit der Faust gegen den Kopf und packte mich an der Kehle. Er hat mich mit
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dem Teller auf den Kopf geschlagen. Das sieht man doch." Auf den Hinweis der
einvernehmenden Polizeibeamtin, wonach sie keine Verletzung sehen könne,
erwiderte die Privatklägerin: "Nein, man sieht es nicht mehr, es ist 10 Monate her
oder mehr" (Urk. 3 Antwort 26). Dann führte sie aus: "Er hat mich gewöhnlich an
der Nase gepackt, immer und meine Nase auch gedreht" (Urk. 3 Antwort 26). Auf
die Frage, wie stark der Beschuldigte mit der Faust gegen den Kopf geschlagen
habe, antwortete die Privatklägerin: "Am meisten mit dem Teller" (Urk. 3 Antwort
28), und auf Wiederholung der Frage: "Mit der Faust auch, aber da der Kopf stark
ist, hat es mir nicht so geschadet. Aber mit dem Teller hat er mir am Kopf Ver-
letzungen zugefügt, die ich vom Arzt behandeln lassen musste" (Urk. 3 S. 4 Ant-
wort 29). Diese Antwort liess bei der befragenden Polizeibeamtin offenbar die
Hoffnung aufkeimen, dass man die Gewaltanwendung bzw. die Verletzung zu-
mindest etwas objektivieren könne, doch auf Nachfrage nach der medizinischen
Behandlung gab die Privatklägerin dann wiederum ausweichende Antworten bzw.
sie machte einen Rückzieher. "Ich sagte, ich möchte zum Doktor, doch er brachte
mich nicht zum Doktor. Als ich dann in den Kosovo ging, wollte ich dort ein CT
machen, da etwas nicht stimmte" (Urk. 3 Antwort 30). Auf die Frage, ob man auf
jenem CT etwas habe feststellen können, gab die Privatklägerin zu Protokoll: "Ich
habe nur die CD dabei, ich hatte keine Zeit, diese im Kosovo anzuschauen." Auf
die Frage, ob denn kein Arzt im Kosovo diese CD angeschaut habe, fuhr die Pri-
vatklägerin fort: "Unten nicht, aber hier weiss ich nicht, ob eine Frau sie an einem
Tag mal angeschaut hatte" (Urk. 3 Antwort 35). In der staatsanwaltlichen Befra-
gung sagte die Privatklägerin dann aus: "Ich habe dort auch ein CT gemacht. Der
Arzt sagte, dass mein Hirn kleiner geworden sei. Er hat mir auch irgendwelche
Ampullen zum Trinken gegeben und auch anderer Medikamente. Irgendwelche
Tabletten, damit das Hirn Nahrung bekommt." (...) "Ich trinke immer noch Me-
dikamente" (..) "Etwas für mein Gehirn. Ich nehme etwas, weil ich auch Sachen
vergesse. Es tut mir auch im Rippenbogen weh, da habe ich ein EKG gemacht.
Etwas stimmt dort nicht, manchmal kann ich nicht atmen" (Urk. 5 Antwort 110).
Auf die Frage, ob sie auch in der Schweiz in ärztlicher Behandlung sei, erklärte
die Privatklägerin: "Ja, ich war auch hier an zwei oder drei Orten. Auch wegen
meines Ohres, das mir weh tut" (Urk. 5 Antwort 116).
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4.3. Auf die Frage, ob es denn nach den Schlägen des Beschuldigten am Kopf
geblutet habe, erklärte die Privatklägerin: "Nein, es blutete nicht, aber mein Hirn
hat es durchgerüttelt und ich dachte, ich würde verrückt" (Urk. 3 Antwort 32).
Wenngleich es zwar vorkommen kann, so ist es doch sehr ungewöhnlich, dass
heftige Schläge mit einem Teller an den Kopf kein einziges Mal eine blutende
Wunde hinterlassen haben. Erfahrungsgemäss ist die Kopfhaut stark durchblutet,
weshalb es auch bei leichten Schlägen oder beim Anstossen des Kopfes häufig
zu einer Schramme oder Platzwunde kommt.
4.4. Ebenfalls unglaubhaft sind die Angaben der Privatklägerin zum angeb-
lichen Würgen. "Er hat mich fest an der Kehle gepackt. Als er mich fest packte,
wusste ich, dass ich sterben würde. Dann hat er mich auf das Bett geworfen. Ich
habe die Augen gewaschen. Ich konnte mich nicht mehr beruhigen. Er wollte ein-
fach nur raus. Er war sich nicht gewohnt, drinnen zu bleiben" (Urk. 3 Antwort 43).
Zum einen Befremden die Strukturbrüche in dieser Darstellung: Die sprunghafte
Darstellung der Privatklägerin lässt für den unbefangenen Leser sofort zahlreiche
Fragen offen. Was geschah zwischen dem Wurf auf das Bett und dem Augenwa-
schen? Weshalb hat sich die Privatklägerin die Augen waschen wollen, wenn sie
an der Kehle gewürgt worden sei und weshalb erwähnt die Privatklägerin völlig
unvermittelt, dass der Beschuldigte nicht gewohnt sei, drinnen zu bleiben? Was
hat dieser Hinweis mit dem Würgevorwurf zu tun? Schlecht nachvollziehbar ist
auch die Darstellung der Privatklägerin, wonach es geblutet habe: "Als er mich an
der Kehle drückte, hatte ich Blut ins Lavabo gespuckt. Er sagte, dies sei nichts"
(Urk. 3 Antwort 48). Es ist völlig ungewöhnlich bis ausgeschlossen, dass Würgen
mit den Händen am Hals zu blutenden Wunden im Rachen oder innerhalb des
Halses führt. Wenn schon, dann wären eher äussere blutende Kratzer oder
Schürfungen zu erwarten gewesen. Nota bene gab die Privatklägerin in ihrer spä-
teren Einvernahme an, sie habe 'sehr stark' Blut gespuckt (Urk. 5 Antwort 124).
4.5. Verschiedenenorts gab die Privatklägerin auch Antworten, die unlogisch
oder aus dem Zusammenhang gerissen erscheinen. Auf die Frage, ob sie beim
Würgen Urinabgang gehabt oder bewusstlos geworden sei, gab sie zu Protokoll:
"Kein Urinabgang, aber ich hatte sehr grosse Angst und ich machte mir Sorgen,
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dass ich in der Schweiz sterben werde" (...) "Fast, ich musste mich zwingen die
Kontrolle zu behalten, doch ich verlor trotzdem die Kontrolle" (Urk. 3 Antwort 49).
Auf Nachhaken der einvernehmenden Polizeibeamtin, was sie mit dem Ausdruck
'Kontrolle verloren' meine, ergänzte die Privatklägerin: "Zuerst hat er ich mit dem
Teller geschlagen, dann hat er mich auch gewürgt, das dritte Mal stand er bei der
Türe, doch er liess mich nicht raus. Ich wollte fliehen" (Urk. 3 Antwort 50). Eine
solche Aussagenweise – anstelle einer Antwort auf eine einfache, klare Frage,
aus dem Zusammenhang gerissene Bemerkungen – mag zwar bei jemandem
vorkommen, der noch unter dem Schock eines unmittelbar zuvor stattgefundenen
Vorfalles steht, aber nicht, wenn die behaupteten Vorfälle schon Monate zurück
liegen. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Privatklägerin in
ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 22. August 2017 dann spontan
von sich aus zu Protokoll gab: "Er hat mich dann mit der Hand am Hals gehalten,
das war so schlimm, es war schrecklich und ich habe Wasser gelassen" (Urk. 5
Antwort 69). Solche Widersprüche sind deutliche Lügensignale. Es hilft der
Privatklägerin auch wenig, wenn sie dann darauf angesprochen, dass sie bei der
polizeilichen Befragung eine Urinabgang noch verneint habe, erklärt, sie sei eben
bei der Polizei sehr verwirrt gewesen und habe sich möglicherweise auch ge-
schämt (Urk. 5 Antwort 82). Das tönt weit mehr nach einer Ausrede für eine Lüge
als einer glaubhaften Erklärung. Wer eine falsche Aussage macht, weil er sich für
ein Verhalten schämt, schildert dieses Verhalten nicht später aus eigenem Antrieb
und er kann sich später auch daran erinnern, ob er sich bei der Frage geschämt
hat oder nicht und stellt nicht eine blosse Möglichkeit in den Raum. Das Motiv für
diese Aussagenänderung der Privatklägerin ist offenkundig: Aufgrund der Frage
in der polizeilichen Einvernahme nach dem Urinabgang hat sie realisiert, dass
dies für die Strafbehörden offenbar ein wichtiges Indiz für massives Würgen ist.
Dementsprechend baute sie dieses Indiz später in ihre Aussage ein.
4.6. Die Beweiskraft der Aussagen der Privatklägerin wird auch durch die Ge-
schichte mit dem Messer bzw. den Messern massiv herabgesetzt. Aus eigenem
Antrieb schilderte die Privatklägerin Schläge mit der Faust, dem Teller und das
Würgen. Erst auf die Frage, ob es auch noch andere Gewaltanwendungen ge-
geben habe, erwiderte sie: "Alles mögliche habe ich erlebt. Er ist mit dem Messer
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gerannt. Er hat mich mit dem Messer bedroht. Auch im Kosovo hat er Probleme
gemacht" (Urk. 3 Antwort 67). Es ist völlig ungewöhnlich, dass jemand solch
massive Drohungen mit einem Messer – wie nachfolgend noch dargelegt wird –
erst auf Nachfrage hin erwähnt und dies zunächst derart leblos pauschal schildert.
Auf Frage, was der Beschuldigte denn genau mit dem Messer gemacht habe, gab
die Privatklägerin zu Protokoll: "Er hat es an die Kehle gehalten. Es war ein
Messer mit Zacken, ein Sägemesser. Er hat an diesem Tag das Messer in den
Park genommen. Ich hatte Angst, dass er meine Kehle aufschneiden würde und
meinen Kopf abschneiden würde im Park" (Urk. 3 Antwort 68). Auf Nachfrage, ob
das mit dem Messer also im Park passiert sei, fuhr die Privatklägerin fort: "Zuerst
hat er in der Wohnung begonnen, dann sind wir in den Park rausgegangen"
(Urk. 3 Antwort 69). Die Privatklägerin präzisierte auf Frage hin, dass das mit dem
Messer unmittelbar nach dem Würgen, als sie Blut ins Lavabo gespuckt habe,
passiert sei (Urk. 5 Antwort 57 und 66). Schon diese Darstellung erscheint
abstrus. Da soll der Beschuldigte die Privatklägerin also in der Wohnung massiv
gewürgt und ihr ein Messer an den Hals gesetzt haben, und dann geht man ge-
meinsam in den Park, um sich gemütlich auf einer Bank niederzulassen? Auf
Frage, wie genau der Beschuldigte das Messer gehalten habe, präzisierte die
Privatklägerin: "Mit der Schneidekante gegen den Hals, nur dass er nicht ge-
schnitten hatte" (Urk. 3 Antwort 73). Irgendwelche Details, weshalb die Situation
im Park dann wiederum eskalierte, schilderte die Privatklägerin nicht.
Auch bezüglich der Art des Messers, verwickelte sie sich in einen groben Wider-
spruch. So gab sie in der polizeilichen Befragung zunächst an: "Das Messer ist
schwarz. Es ist ein Haushaltsmesser". Auf Frage hin bekräftigte sie nochmals:
"Ja, der Griff ist schwarz" (Urk. 3 Antwort 73). Im Widerspruch dazu behauptet sie
dann in der staatsanwaltlichen Einvernahme auf die Frage, woher der Beschuldig-
te das Messer gehabt habe: "Er hatte das Messer immer in seinem Hosensack."
(...) "das Messer war rot. Der Griff war rot"(..) Man muss es mit beiden Händen
öffnen." (Urk. 5 Antworten 61 - 64). Die Frage nach der Klingenlänge beantworte-
te sie wie folgt: "Das was in der Hand war, war rot. Die Klinge war ca. 7 - 8 cm"
(Urk. 5 Antwort 65). Die Staatsanwältin hielt darauf der Privatklägerin vor, dass
sie bei der Polizei noch ausgesagt habe, es habe sich um ein Haushaltsmesser
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mit schwarzem Griff gehandelt. Darauf die Privatklägerin: "Das mit dem schwar-
zen Messer war in der Wohnung, das mit dem roten war im Park" (Urk. 5 Antwort
67). Solche nachgeschobenen Erklärungen sind im Allgemeinen deutliche Lügen-
signale. Natürlich kann nicht zwingend ausgeschlossen werden, dass der Be-
schuldigte auch bereits in der Wohnung mit einem Messer gedroht hat, aber
weshalb erwähnte dies die Privatklägerin in ihrer Schilderung mit keinem Wort
bzw. erst auf Nachfrage und ohne jegliche Details?
4.7. Vollkommen lebensfremd sind auch die Schilderungen der Privatklägerin in
Bezug auf Zeugen bzw. Passanten beim Vorfall auf der Parkbank. Die Privatklä-
gerin führte aus, nachdem sie wegen dem Würgen habe urinieren müssen, habe
sie die Kleider gewechselt. "Also er hat dann gesagt, dass ich etwas essen sollte.
Ich nahm etwas Brot, konnte es aber nicht schlucken, da mein Hals schmerzte.
Ich konnte auch nicht essen, da ich mich nicht gut fühlte. Als er gegessen hatte,
sind wir in den Park gegangen" (Urk. 5 Antwort 83). Nur nebenbei: Bereits an die-
ser Stelle fragt sich der Leser, wo denn nun in der Darstellung der Privatklägerin
die Geschichte mit der Bedrohung mit dem schwarzen Messer in der Wohnung
plötzlich geblieben ist. Die Privatklägerin fährt fort, dass sie ca. um 16:00 Uhr im
Park angekommen seien und die Drohung mit dem Messer sei dann um ca.
16:30 Uhr vorgefallen (Urk. 5 Antwort 85). Auf die Frage nach anderen Leuten
gab die Privatklägerin zu Protokoll: "Es hatte schon andere Leute an einem Bank
nebendran. Die Leute haben es auch gesehen und gehört. Aber niemand wollte
sich einmischen" (Urk. 5 Antwort 87). "C'._ war auch mit uns" [Zeuge
C._; zu dessen Aussage weiter unten]. Ich schaute, ob vielleicht die Polizei
kommt. Ich sah, wie sie ein wenig geschaut haben, sie sind dann aber wieder
gegangen" (Urk. 5 Antwort 88). Es ist allgemein bekannt, dass kriminelle Taten
manchmal auch in der Öffentlichkeit stattfinden und Passanten aus Angst oder
Gleichgültigkeit nicht eingreifen. Trotzdem darf es aber mit Fug als äusserst
merkwürdig bezeichnet werden, dass der Beschuldigte vor den Augen seines
Kollegen C._ und weiterer Personen in unmittelbarer Nähe nachmittags um
halb fünf Uhr in einem öffentliche Park der Privatklägerin ein Messer an den Hals
hält – wohlverstanden aus Wut und nicht aus Spass –, sämtliche Leute aber
keinerlei Reaktionen auf eine solche Tat zeigen. Auch die Geschichte mit den
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Polizisten ist insoweit merkwürdig, als die Privatklägerin auf die Frage, ob sie
denn um Hilfe gerufen habe, mit einem kurzen und knappen "Nein" antwortete
(Urk. 5 Antwort 88). Auf Vorhalt, weshalb sie denn die Polizisten nicht gerufen
habe, erwiderte die Privatklägerin: "Ich konnte nicht reden und wusste nicht, was
ich reden sollte mit der Polizei" (Urk. 5 Antwort 90). Zu solchen unverständlichen
Äusserungen kann man nur sagen, kein normaler Mensch verhält sich so, wenn
er um sein Leben fürchtet, weil ihm ein Messer an den Hals gehalten wird. Auch
das Verhalten der Privatklägerin danach erscheint lebensfremd. Auf die Frage,
was sie nach dem Vorfall mit dem Messer im Park getan habe, gab sie zu Proto-
koll: "Nichts. Sie haben mich geschickt Bier zu kaufen. Ich habe dann auch die
Polizei in der Nähe gesehen, aber ich konnte nichts machen, ich kann mit ihnen
nicht sprechen." (Urk. 5 Antwort 102).
4.8. C._ sagte in seiner Befragung als Zeuge aus, er gehe praktisch jeden
Tag zusammen mit dem Beschuldigten in den Park, der ... Wiese (Urk. 7 Antwort
10). Er habe sowohl zum Beschuldigten als auch zur Privatklägerin ein gutes Ver-
hältnis (Urk. 7 S. 15). Seines Wissens pflegten diese ein gutes Eheleben. Von
Tätlichkeiten oder Drohungen habe er nie etwas mitbekommen (Urk. 7 Antworten
16 - 18). Konflikte habe es im Zusammenhang mit ihren Kindern gegeben. Diese
verlangten vom Beschuldigten Geld und manchmal habe er eben kein Geld.
Wenn er aber Geld habe, dann schicke er es den Kindern (Urk. 7 Antwort 27).
Wenn er [C._] zusammen mit dem Beschuldigten in den Park gehe, sei auch
die Privatklägerin ab und zu dabei (Urk. 7 Antwort 29). Dass der Beschuldigte der
Privatklägerin ein Messer an den Hals gehalten habe, habe er aber nie gesehen
(Urk. 7 Antwort 38).
4.9. Auch hinsichtlich der in der Anklage aufgeführten Drohungen des Be-
schuldigten gegenüber der Privatklägerin blieb Letztere in ihren Aussagen sehr
pauschal bzw. wenig konkret. Sie schilderte mehrheitlich weder den genauen
Zeitpunkt noch die genauen Umstände, wie es zu den angeblichen Drohungen
gekommen sei.
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5. Fazit
Die Aussagen der Privatklägerin sind in weiten Teilen derart unglaubhaft, dass
gestützt darauf erhebliche und nicht überwindliche Zweifel daran bestehen, dass
sich der Sachverhalt so abgespielt hat, wie in der Anklage aufgeführt. Nicht aus-
zuschliessen ist, dass die Ehe der beiden konfliktträchtig war und dass es deshalb
und aufgrund der beengten Verhältnisse in der Wohnung sowie der Alkohol-
probleme des Beschuldigten zu einer – wie auch immer gearteten – Auseinander-
setzung kam. Ausgeschlossen werden muss bei der vorliegenden Beweislage
allerdings, dass sich der Konflikt so, wie zur Anklage gebracht, abgespielt hat. Der
Beschuldigte ist deshalb vollumfänglich frei zu sprechen.
Ausgangsgemäss fehlt es auch an einer rechtlichen Grundlage für die Zivil-
ansprüche der Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten, weshalb diese ab-
zuweisen sind.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Privatklägerin un-
terliegt vollumfänglich mit ihren Anträgen, weshalb ihr die Kosten für das Rechts-
mittelverfahren aufzuerlegen sind. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädi-
gungsdispositiv (Ziff. 3 - 5) ist zu bestätigen.
2. Die Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerin sind
einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen. In Bezug auf eine mögliche Rück-
erstattung hat das Bundesgericht in einem neueren Entscheid vom 16. März 2017
festgehalten (BGE 143 IV 154 E. 2.3.5):
Anders verhält es sich bezüglich der Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung im
Rechtsmittelverfahren, wenn es wie vorliegend bereits erstinstanzlich zu einem Frei-
spruch kam, der Freispruch auch im Berufungsverfahren bestätigt wurde und schliesslich
in Rechtskraft erwuchs. In solchen Fällen muss es möglich sein, von der Privatkläger-
schaft, welche als Opfer im Sinne von Art. 116 StPO Berufung erhob, bei verbesserten
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wirtschaftlichen Verhältnissen die Rückerstattung der Kosten der unentgeltlichen Ver-
beiständung im Berufungsverfahren zu verlangen, auch wenn das Rechtsbegehren auf
Schuldigsprechung nicht aussichtslos erschien (was Voraussetzung dafür ist, dass der
Privatklägerschaft überhaupt ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt werden kann,
vgl. Art. 136 Abs. 1 lit. b StPO). Insoweit geht die in Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4
lit. a StPO statuierte Pflicht zur Rückerstattung der Kosten der unentgeltlichen Ver-
beiständung im Rechtsmittelverfahren Art. 30 Abs. 3 OHG vor. Dies trägt dem Geiste des
Opferhilfegesetzes Rechnung und leistet möglichen Missbräuchen Vorschub. Art. 30
Abs. 3 OHG räumt der bedürftigen Privatklägerschaft, welche eine Opferstellung geltend
macht, keinen Anspruch darauf ein, ohne jegliches Kostenrisiko über alle Instanzen
hinweg zu prozessieren. Die Beschwerdeführerin kann sich für die Rückerstattung der
Kosten ihrer unentgeltlichen Verbeiständung im Berufungsverfahren folglich nicht auf
Art. 30 Abs. 3 OHG berufen.
Es ist deshalb ein Rückforderungsvorgehalt im Sinne von Art. 138 Abs. 1 StPO
i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO anzubringen für den Fall, dass die Privatklägerin über
ausreichende wirtschaftliche Mittel verfügt. Die unentgeltliche Rechtsvertretung
ist für ihre (ausgewiesenen, vgl. Urk. 49 f.) Aufwendungen mit Fr. 3'000.– zu
entschädigen.