Decision ID: 9b566ca4-1191-5805-8e83-d20a029e28d9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 28. Januar 2020 in der Schweiz um
Asyl nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region
B._ zugewiesen, wo am 31. Januar 2020 die Personalienaufnahme
(PA) stattfand.
Anlässlich der PA trug die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, dass
sie chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie sei und aus
C._, D._, E._ (Tibet), stamme. 2014 sei sie mit ihrer
Mutter nach Nepal geflohen, wo sie sich bis zu ihrer Ausreise aufgehalten
und in einem Kloster gelebt habe.
B.
Ein am 3. Februar 2020 durgeführter Abgleich mit dem europäischen Vi-
sumsystem (CS-VIS) ergab, dass die Beschwerdeführerin am 2. Juli 2019
bei der (...) Vertretung in Neu-Delhi (Indien) ein Schengenvisum beantragt
hatte, dessen Ausstellung ihr mit Entscheid vom 3. Juli 2019 verweigert
worden war. Ferner ergab der Abgleich, dass die Beschwerdeführerin am
20. November 2019 bei der spanischen Vertretung in Neu-Delhi ebenfalls
ein Schengenvisum beantragt hatte und ihr die spanische Vertretung mit
Entscheid vom 4. Dezember 2019 ein vom 9. Dezember 2019 bis zum
7. Januar 2020 gültiges Touristenvisum ausgestellt hatte.
C.
Am 11. Februar 2020 fand das persönliche Gespräch (nachfolgend: Dub-
lin-Gespräch) gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), statt.
Anlässlich des Dublin-Gesprächs trug die Beschwerdeführerin vor, dass
sie ihr Heimatland im Jahr 2014 verlassen habe und nach Nepal gegangen
sei. Nepal habe sie Ende Dezember 2019 verlassen. Ein Mönch habe dazu
einen Schlepper für sie organisiert.
Im Rahmen des Dublin-Gespräches wurde der Beschwerdeführerin auch
das rechtliche Gehör zu einer möglichen Zuständigkeit Spaniens gewährt,
wobei die Beschwerdeführerin erklärte, dass sie in der Schweiz bleiben
möchte, da ihr Vater und ihr Bruder (beide N [...]) hier leben würden.
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D.
Gleichentags ersuchte die Vorinstanz die spanischen Behörden gestützt
auf Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO um Übernahme der Beschwerdeführerin.
E.
Am 19. Februar 2020 lehnten die spanischen Behörden das Übernahme-
ersuchen ab, woraufhin das SEM das Dublin-Verfahren mit Schreiben vom
gleichen Tag für beendet erklärte und das nationale Asyl- und Wegwei-
sungsverfahren wiederaufnahm.
F.
Am 12. März 2020 wurde die Beschwerdeführerin von der Vorinstanz ge-
stützt auf Art. 29 AsylG (SR 142.31) angehört.
Anlässlich der Anhörung führte die Beschwerdeführerin aus, dass sie Tibet
im Jahr 2014 mit ihren zwei Brüdern und ihrer Mutter im Alter von ungefähr
14 beziehungsweise 15 Jahren verlassen habe. Von 2014 bis 2017 hätten
sie in einem Kloster gelebt, bevor ihre Mutter mit dem älteren Bruder weg-
gegangen sei, wobei sie nicht wisse wohin. Ihr jüngerer Bruder sei hier
beim Vater in der Schweiz. Nepal habe sie Ende Dezember 2019 verlas-
sen. Durch welche Länder sie auf dem Weg in die Schweiz gereist sei,
wisse sie nicht, aber "das letzte Mal" (Anmerkung des Gerichts: Dublin-
Gespräch) habe man ihr gesagt, sie sei über Spanien gekommen und das
Dokument, welches sie gehabt habe, sei von Indien. Wie dieses Dokument
ausgestellt worden sei, wisse sie nicht. Für die Ausstellung des Visums sei
sie von einem Mönch nach Indien mitgenommen worden. Sie habe in Ne-
pal gelebt und nicht in Indien, sei aber zwei bis drei Mal in Indien gewesen.
G.
Mit Schreiben vom 18. Mai 2020 gewährte die Vorinstanz der Beschwer-
deführerin das rechtliche Gehör zum Umstand, dass aus den Visaunterla-
gen der (...) und spanischen Behörden hervorgehe, dass sie in Indien unter
der Identität F._, geboren am (...) in G._, H._, über
ein Identity Certificate (IC) mit der Nummer (...), ausgestellt am 29. Okto-
ber 2015, gültig bis am 28. Oktober 2015, verfüge und somit für Indien eine
gültige Aufenthaltsbewilligung habe. Ferner gehe aus den Visaunterlagen
hervor, dass sie mit ihrem IC und einem kanadischen (...)visum am
28. Juni 2017 von Indien nach Kanada gereist sei und am 19. Juli 2017
problemlos wieder nach Indien habe einreisen können. In den spanischen
Visumsunterlagen würden sich zudem weitere Dokumente befinden, die
darauf hinwiesen oder belegten, dass sie vor der Ankunft in die Schweiz in
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Indien gelebt habe und dort über einen geregelten und gültigen Aufent-
haltsstatus verfüge. Dazu gehöre unter anderem ein Brief ihrer Mutter vom
18. November 2019, in welchem diese bestätige, dass sie in I._ im
Bundesstaat J._ ein Restaurant besitze, wo auch sie (Beschwerde-
führerin) zu diesem Zeitpunkt mitgearbeitet habe. Gestützt auf den festge-
stellten Sachverhalt sei davon auszugehen, dass sie nach Indien zurück-
kehren beziehungsweise weiterreisen könne. Bei Indien handle es sich um
einen vom Bundesrat als verfolgungssicheren bezeichneten Heimat- oder
Herkunftsstaat und einen Drittstaat, der effektiven Schutz vor Rückschie-
bung biete. Die Ausnahmeklausel von Art. 31a Abs. 2 AsylG gelange des-
halb nicht zur Anwendung. Nach dem Gesagten erwäge man, gemäss Art.
31a Abs. 1 Bst. c AsylG nicht auf das Asylgesuch einzutreten und sie nach
Indien wegzuweisen.
H.
In ihrer Stellungnahme vom 27. Mai 2020 führte die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen aus, dass die Ausstellung des IC durch den Mönch ver-
anlasst worden sei, welchen sie bereits genannt habe. Sie habe ihm dafür
nur ein Foto von sich geben müssen. Fingerabdrücke habe sie zwecks die-
ser Ausstellung nicht abgeben müssen, zumal der Mönch alles für sie or-
ganisiert und erledigt habe. So sei es auch dazu gekommen, dass das in
der IC erfasste Geburtsdatum nicht stimme. Es sei unklar, ob es sich bei
dem Dokument um eine Fälschung oder ein echtes behördlich ausgestell-
tes Dokument handle. Über den Vorgang der Beschaffung beziehungs-
weise Ausstellung habe sie keine genaueren Informationen. Sie sei nach
Indien gereist, um ihren Vater zu besuchen. Das erste Mal, als sie nach
Indien gereist sei, sei 2017 und das zweite Mal (zwei Mal) sei 2019 gewe-
sen. Das Visum nach Kanada sei ein Angebot des Klosters in Nepal gewe-
sen; sie habe so die Möglichkeit erhalten eine Auslandreise nach Kanada
zu unternehmen. Es handle sich um ein Angebot, welches das Kloster je-
des Jahr den ärmeren Jugendlichen sponsere. Sie habe in Kanada jedoch
nicht (...), sondern sei zwecks (...) beziehungsweise (...) dorthin geflogen.
Sowohl das Visum auf der spanischen Botschaft wie auch das beantragte,
aber verweigerte Visum auf der (...) Botschaft hätten zum Ziel gehabt,
zwecks Familienvereinigung in die Schweiz zum Vater zu fliehen. Der an-
gebliche Brief der Mutter vom 18. November 2019 sei eine Fälschung,
denn ihre Mutter sei Analphabetin und könne den Brief nicht selber verfasst
und die Unterschrift nicht gegeben haben. Der Brief sei höchstwahrschein-
lich von der Lehrperson des Klosters gefälscht worden, damit sie das Vi-
sum bekomme und nach Europa reisen könne.
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Die Beschwerdeführerin ersuchte die Vorinstanz sodann um Auskunft dar-
über, ob bezüglich des kanadischen Visums Abklärungen im Gange seien
und ob der Aufenthaltsort ihrer Mutter habe ausfindig gemacht werden kön-
nen beziehungsweise ob im Hinblick auf das IC eine Botschaftsabklärung
gemacht worden sei. Weiter ersuchte sie um Mitteilung, welche weiteren,
sich in den Visumsunterlagen befindlichen Belege beziehungsweise Doku-
mente darauf hinweisen würden, dass sie bereits vor ihrer Ankunft in der
Schweiz legal in Indien gelebt habe. Schliesslich ersuchte sie um die An-
setzung einer ergänzenden Anhörung.
I.
Mit Verfügung vom 29. Juni 2020 – eröffnet am 30. Juni 2020 – trat die Vor-
instanz auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, unter gleich-
zeitiger Anordnung der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs, wobei
der Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China explizit ausgeschlos-
sen wurde. Der Beschwerdeführerin wurde – unter Berücksichtigung der
aktuellen COVID-19-Pandemie – eine Ausreisefrist bis zum 31. Juli 2020
angesetzt. Weiter wurden ihr die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-
verzeichnis ausgehändigt.
J.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 7. Juli 2020 erhob die Beschwer-
deführerin gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht. Darin beantragte sie, es seien die Dispositivziffern 1
bis 5 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und es sei die Vorinstanz
anzuweisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten. Ferner sei die Vorinstanz an-
zuweisen, eine Botschaftsabklärung durchzuführen und sie erneut anzu-
hören. Sodann ersuchte die Beschwerdeführerin um die Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung, die Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdeer-
gänzung sowie um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung,
einschliesslich des Verzichts auf Erhebung eines Kostenvorschusses, und
um die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der Person ihrer
Rechtsvertreterin.
K.
Mit Schreiben vom 8. Juli 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.
L.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
8. Juli 1010 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
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M.
Mit Eingabe vom 13. Juli 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Fürsor-
gebestätigung der (...) vom 10. Juli 2020 zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwer-
deführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Der vorliegenden Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschie-
bende Wirkung zu (vgl. Art. 55 VwVG) und die Vorinstanz hat diese auch
nicht entzogen. Auf den entsprechenden Antrag ist deshalb mangels
Rechtsschutzinteresse nicht einzutreten.
1.3 Im Hinblick auf die von der Beschwerdeführerin beantragte Nachfrist
zur Beschwerdeergänzung ist festzuhalten, dass keine Gründe im Sinne
von Art. 53 VwVG dargetan wurden, sondern der Antrag lediglich damit be-
gründet wird, die Rechtsvertreterin habe erst am 6. Juli 2020 das Mandat
übernommen und die bei der Vorinstanz bestellten Akten noch nicht erhal-
ten. Der Antrag ist nach dem Gesagten abzuweisen, zumal der Beschwer-
deführerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis mit der
Eröffnung der Verfügung ausgehändigt worden sind.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
4.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-
instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1-3 AsylG) ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das
SEM eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbe-
züglich volle Kognition zukommt.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst in formeller Hinsicht, die Vor-
instanz habe den Sachverhalt nicht genügend abgeklärt beziehungsweise
den Untersuchungsgrundsatz verletzt. So habe die Vorinstanz weder ab-
geklärt, ob sie sich tatsächlich vor der Einreise in die Schweiz in Indien
aufgehalten habe, noch ob sie nach Indien "zurückkehren" könne. Unklar
sei nämlich, ob sie über ein Aufenthaltsrecht in Indien verfüge. Unklar sei
auch, ob der Wegweisungsvollzug in diesem Fall zumutbar wäre. Die Vor-
instanz hätte zur Klärung dieser Fragen eine Botschaftsabklärung durch-
führen müssen. Auch sei ihre Anhörung äusserst knapp ausgefallen.
5.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat
die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die für das Ver-
fahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich
relevanten Umstände abklären sowie ordnungsgemäss darüber Beweis
führen (beispielsweise durch die Einholung eines Gutachtens). Dieser
Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat in der
Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG).
Trotz des Untersuchungsgrundsatzes kann sich nämlich die entscheidende
Behörde in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen eines Gesuch-
stellers zu würdigen und die von ihm angebotenen Beweise abzunehmen,
ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Eine ergänzende Un-
tersuchung kann sich jedoch aufdrängen, wenn aufgrund dieser Vorbrin-
gen und Beweismittel berechtigte Zweifel oder Unsicherheiten bestehen,
die voraussichtlich nur mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden
können. Vorliegend begründete die Vorinstanz einlässlich, weshalb sie von
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der Authentizität der Visaunterlagen beziehungsweise vom Umstand aus-
gehe, dass sich die Beschwerdeführerin zuvor in Indien aufgehalten habe,
und erläuterte auch, weshalb die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht
geeignet seien, zu einer anderen Einschätzung zu führen oder ernsthafte
Zweifel zu wecken, zumal sie auch keinerlei Beweismittel eingereicht habe.
Mithin ging die Vorinstanz davon aus, dass der rechtserhebliche Sachver-
halt als erstellt gelten könne und keine weiteren Beweismassnahmen vor-
zunehmen seien. So gilt ein Sachverhalt erst dann als unvollständig fest-
gestellt, wenn in der Begründung des Entscheides ein rechtswesentlicher
Sachumstand übergangen beziehungsweise überhaupt nicht beachtet wird
(vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983,
S. 286). Die Vorinstanz gelangte nach einer gesamtheitlichen Würdigung
der aktenkundigen Parteivorbringen und der im damaligen Zeitpunkt vor-
liegenden Akten zu einem anderen Schluss als die Beschwerdeführerin,
was, entgegen der im vorinstanzlichen Verfahren und auf Beschwerde-
ebene vertretenen Ansicht der Beschwerdeführerin, weder eine Verletzung
des Untersuchungsgrundsatzes noch eine unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhaltes darstellt.
Insofern die Beschwerdeführerin rügt, die Anhörung sei äusserst kurz aus-
gefallen, kann darin ebenso wenig eine unvollständige beziehungsweise
unrichtige Ermittlung des Sachverhalts erblickt werden. Zunächst fand die
Anhörung im Beisein ihrer damaligen Rechtsvertretung stattfand, welche
gegen Ende der Anhörung verneinte, dass es zum gegenwärtigen Zeit-
punkt noch unbeantwortete Fragen gebe. Auch wurde die Beschwerdefüh-
rerin zum Schluss der Anhörung noch explizit danach gefragt, ob sie alles
habe sagen können, was sie für das Asylgesuch als wesentlich erachte.
Die Beschwerdeführerin führte hierzu lediglich aus, sie habe die ihr gestell-
ten Fragen beantwortet, und unterliess es, auf ungeklärte Fragen aufmerk-
sam zu machen. Schliesslich hat sie die Vollständigkeit des Protokolls auch
unterschriftlich bestätigt ([...]).
5.3 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, den angefochtenen
Entscheid aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Die Anträge, es seien eine ergänzende Anhörung
sowie eine Botschaftsabklärung durchzuführen, sind abzuweisen.
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Seite 9
6.
6.1 Die Vorinstanz erwog in der angefochtenen Verfügung, dass auf Asyl-
gesuche in der Regel nicht eingetreten werde, wenn Asylsuchende in einen
Drittstaat zurückkehren könnten, in welchem sie sich vorher aufgehalten
hätten (Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG). Falls chinesische Staatsangehörige
tibetischer Ethnie mit einer Aufenthaltsregelung in einem Drittstaat in der
Schweiz um Asyl nachsuchten, so sei gemäss der in Art. 31a Abs. 1 Bst. c
AsylG verankerten Drittstaatenklausel auf deren Asylgesuch nicht einzu-
treten, wenn die Rückkehr in den Drittstaat, in welchem sie sich zuvor auf-
gehalten hätten, rechtmässig erfolgen könne und der Vollzug der Wegwei-
sung dorthin zulässig, zumutbar und möglich sei.
Gestützt auf den festgestellten Sachverhalt habe sie sich vor der Einreise
in die Schweiz nachweislich in Indien aufgehalten. Aus den Visaunterlagen
der (...) und spanischen Vertretungen in Neu-Delhi gehe hervor, dass sie
mit dem indischen Fremdenpass mit der Nummer (...) (Ausstellungsdatum
29. Oktober 2015, Ablaufdatum 28. Oktober 2025) bei den beiden Vertre-
tungen unter der Identität F._, geboren am (...), Schengenvisa be-
antragt habe und ihr die spanische Vertretung am 4. Dezember 2019 ein
Touristenvisum für 30 Tage ausgestellt habe. Aus einem Schreiben in den
spanischen Visaunterlagen, welches den spanischen Behörden im Rah-
men des Visumsantrags eingereicht worden sei, gehe überdies hervor,
dass ihre Mutter in I._ im Bundesstaat J._ (Indien) ein Res-
taurant namens (...) besitze und sie in diesem Restaurant mitgearbeitet
habe. Anhand der Kopie des indischen Fremdenpasses, welcher den (...)
und spanischen Visaunterlagen ebenfalls beiliege, lasse sich zudem die
Wohnadresse in Indien ([...]) zum Zeitpunkt der Ausstellung des Doku-
ments entnehmen. Ferner werde daraus ersichtlich, dass ihr im Jahre 2017
ein kanadisches Visum der Kategorie (...) ausgestellt worden sei und dass
sie Indien am 28. Juni 2017 bereits einmal verlassen habe und am
19. Juli 2017 mit demselben Dokument wieder nach Indien zurückgekehrt
sei.
Mit Schreiben vom 18. Mai 2020 sei ihr das rechtliche Gehör zu einem all-
fälligen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG ge-
währt worden, da aufgrund des indischen Fremdenpasses und den vor-
gängigen Erwägungen davon auszugehen sei, dass sie eine gültige indi-
sche Aufenthaltsbewilligung besitze und somit nach Indien zurückkehren
könne. Im Hinblick auf ihre Stellungnahme (vgl. Sachverhalt H.) gelte es
festzustellen, dass sie mit dem indischen Fremdenpass erwiesenermassen
von zwei verschiedenen Botschaften ein Visum ausgestellt bekommen
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Seite 10
habe. Da es zweimal zur Ausstellung eines Visums gekommen sei, sei da-
von auszugehen, dass weder die spanische noch die kanadische Botschaft
Zweifel an der Echtheit des Fremdenpasses gehabt hätten. Kanada habe
sie mit dem Dokument zudem ein- und ausreisen lassen, was weiter für die
Echtheit des Dokuments spreche, zumal sie in ihrer Stellungnahme die
Reise auch nicht abgestritten, sondern lediglich den Visumszweck hinter-
fragt habe. Auch die indischen Behörden hätten sie mit dem Fremdenpass
bereits zweimal ausreisen und einmal wieder einreisen lassen. Des Weite-
ren seien offenbar auch ihre Visaunterlagen von mindestens zwei Bot-
schaften geprüft worden, ohne dass Zweifel an deren Echtheit oder Inhalt
aufgekommen wären. Es sei deshalb zweifelsfrei davon auszugehen, dass
der indische Fremdenpass echt sei, von ihr persönlich beantragt und er-
halten worden sei und sie mindestens seit 2015 legal in Indien gelebt habe.
Ihre Angaben während der Anhörung und in ihrer Stellungnahme würden
daran nichts ändern. Dasselbe gelte für ihre Bemühungen, Zweifel an der
Echtheit des indischen Fremdenpasses aufkommen zu lassen. Vielmehr
bestärkten ihre mehrheitlich vagen sowie teilweise widersprüchlichen und
realitätsfremden Angaben zu ihrem Reiseweg, ihren Aufenthalten in Indien
und dem Bruder den Verdacht, dass sie ihre Aufenthaltsorte und die ihrer
Familie vor und nach der Reise in die Schweiz bewusst zu verschleiern
suche. So habe sie anlässlich des Dublin-Gesprächs erklärt, sie habe Ne-
pal Ende Dezember 2019 verlassen und sei von dort über ihr unbekannte
Länder in die Schweiz gereist. Auf das von Spanien ausgestellte Visum
angesprochen, habe sie angegeben, dass sie von diesem Visum nichts
gewusst habe. Der Schlepper habe sie an einen Ort gebracht, wo ihr die
Fingerabdrücke abgenommen worden seien, und ihr gesagt, dass sie zu
ihrem Vater reisen könne. Anlässlich der Anhörung habe sie an einer Stelle
gesagt, sie sei von Indien nach Spanien gereist. Dass sie über Spanien
gereist sei, habe sie zuerst nicht gewusst, das sei ihr "das letzte Mal" (Dub-
lin-Gespräch) gesagt worden. Zu einem späteren Zeitpunkt habe sie dann
wiederum erklärt, sie könne keine Stationen ihrer Reise in die Schweiz nen-
nen, weder Länder noch Ortschaften. Diese Aussage, wonach sie nicht ge-
wusst habe, durch welche Länder sie in die Schweiz gereist sei, sei vor
dem Hintergrund, dass sie gemäss ihren Angaben ein wenig Englisch spre-
che und lesen könne, mit einem englischsprachigen Schlepper unterwegs
gewesen sei und 2017 schon einmal nach Kanada gereist sei, völlig un-
plausibel. Auf den Umstand angesprochen, dass es angesichts der Tatsa-
che, dass Flughäfen und Flugzeuge angeschrieben seien, dass es Durch-
sagen gebe und sie auch Englisch verstehen könne, schwierig zu glauben
sei, dass sie keine Stationen ihrer Reise von Nepal in die Schweiz kenne,
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habe sie erklärt, sie sei zum ersten Mal geflogen und habe dementspre-
chend kein Interesse daran gehabt zu erfahren, wo sie jeweils hinreise,
beziehungsweise sie sei nicht aufmerksam genug gewesen. Diese Erklä-
rungen vermöchten in keiner Weise zu überzeugen und müssten daher
eindeutig als unglaubhaft respektive Schutzbehauptung eingestuft werden.
Dies gelte umso mehr, als dass sie anlässlich der Stellungnahme zum
rechtlichen Gehör erklärt habe, sie sei bereits einmal mit vierzehn anderen
Mädchen nach Kanada geflogen. Des Weiteren habe sie anlässlich der An-
hörung, als sie unter anderem mit dem Vorhandensein eines indischen
Fremdenpasses konfrontiert worden sei, erklärt, sie sei lediglich im Jahre
2019 zwei bis dreimal für zwei bis drei Tage in Indien gewesen. Nach dem
Grund der Besuche gefragt, habe sie geantwortet, den Grund dafür habe
der Mönch, der sie hingebracht habe, nicht genannt. Einmal sei sie dort
gewesen, um ihre Fingerabdrücke zu hinterlegen. Der Mönch habe ihr ge-
sagt, sie müsse mitgehen, damit sie zum Vater reisen könne. In ihrer Stel-
lungnahme habe sie hingegen angegeben, sie sei primär nach Indien ge-
reist, um ihren Vater zu besuchen. Sie sei 2017 einmal und 2019 zweimal
nach Indien gereist. Auch diese inkonsistenten Angaben wiesen eindeutig
darauf hin, dass sie den genauen Aufenthalt vor ihrer Reise in die Schweiz
bewusst zu verschleiern versuche. Ihre mehrheitlich ausweichenden oder
äusserst vagen Aussagen zum Erhalt der Reisepapiere/Visum sowie zum
Reiseweg und ihre inkonsistenten Angaben zum Aufenthalt in Indien seien
nicht glaubhaft und vermöchten somit die Einschätzung, dass sie in Indien
über einen legalen Aufenthaltsstatus verfügt habe und mit einem ihr zu-
stehenden indischen Fremdenpass und einem spanischen Visum legal aus
Indien ausgereist sei, nicht umzustossen.
Ferner habe sie anlässlich der Anhörung dann erklärt, sie wisse nicht, wo
sich ihre Mutter und der ältere Bruder befinden würden. Sie wisse nicht, wo
die Mutter hingegangen sei. Diese habe eines Tages im Jahre 2017 den
Bruder mitgenommen und sie in Nepal zurückgelassen, wobei sie ihr nicht
gesagt habe, wo sie hingehe. Eine nachvollziehbare Erklärung, warum die
Mutter und der Bruder sie ohne Erklärung oder Kontaktdaten in Nepal zu-
rücklassen sollten, habe sie trotz mehrmaliger Nachfrage nicht liefern kön-
nen. Diese Aussagen seien eindeutig als realitätsfremd und somit unglaub-
haft einzustufen und gleichzeitig dränge sich der Verdacht auf, dass sie
den Aufenthaltsort der Mutter und des Bruders sehr wohl kenne, ihn ge-
genüber dem SEM jedoch nicht preisgeben wolle, vermutlich um zu ver-
schleiern, dass diese genau wie sie in Indien über einen Aufenthaltsstatus
verfügten. Dies gelte umso mehr, als sie auf Nachfrage ihrer damaligen
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Rechtsvertretung während der Anhörung erklärt habe, sie habe mit ihrer
Mutter eine normale Mutter-Tochter-Beziehung gehabt.
Zusammenfassend stehe fest, dass sie sich vor der Einreise in die Schweiz
in Indien aufgehalten habe, über einem indischen Fremdenpass und folg-
lich in Indien über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht verfüge. Aus diesen
Gründen erübrige es sich, wie von ihr beziehungsweise der Rechtsvertre-
tung gefordert, eine erneute Anhörung anzusetzen oder eine Botschafts-
abklärung durchzuführen. Ihr sei die Gelegenheit gegeben worden, schrift-
lich zu den Abklärungsergebnissen Stellung zu nehmen, und ihr wäre es –
bei Bedarf – auch durchaus möglich und zumutbar gewesen, diese weiter
zu ergänzen oder mit Beweismitteln zu untermauern. An dieser Stelle sei
überdies in Bezug auf die weiteren in ihrer Stellungnahme aufgeworfenen
Fragen beziehungsweise Anträge (vgl. Sachverhalt H.) festzuhalten, dass
es nicht die Aufgabe des SEM sei, den Aufenthaltsort der Mutter ausfindig
zu machen, zumal sie volljährig sei und aus den bereits erwähnten Grün-
den Zweifel daran bestehen würden, dass sie deren Aufenthaltsort nicht
kenne. Schliesslich gehe das SEM davon aus, dass die kanadischen Be-
hörden ihr ein (...)visum ausgestellt hätten, weil dieses unter der Kategorie
(...) ausgestellt worden sei. Ob sie trotz (...)visum lediglich zu (...) Zwe-
cken nach Kanada gereist sei, sei unerheblich. Auf eine weitere Mitteilung,
welche im Rahmen des rechtlichen Gehörs nicht zugestellten Visumsun-
terlagen ebenfalls darauf hinweisen würden, dass sie vor der Ankunft in der
Schweiz bereits legal in Indien gelebt habe, könne ebenfalls verzichtet wer-
den. Erstens sei davon auszugehen, dass ihr diese Unterlagen als eigent-
liche Gesuchstellerin bekannt seien, und zweitens stütze sich der Ent-
scheid insbesondere auf den ihr zustehenden gültigen indischen Fremden-
pass, der einerseits ihren legalen Aufenthaltsstatus in Indien belege und
ihr andererseits eine Rückkehr dorthin ermögliche. Die Visaunterlagen wür-
den ihr jedoch im Rahmen der Akteneinsicht mit dem Entscheid in vollstän-
diger, aber anonymisierter Form zur Verfügung gestellt.
Nach dem Gesagten lasse sich festhalten, dass sie in ihrer Stellungnahme
nichts zu ihren Gunsten habe vorbringen können. Auch habe sie bis anhin
keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere oder sonstige Dokumente, wel-
che die geltend gemachten Aufenthalte vor der Reise in die Schweiz und
diejenigen ihrer Mutter und ihres älteren Bruders belegen könnten, zu den
Akten gereicht. Es stehe fest, dass sie sich vor ihrer Einreise in die Schweiz
in Indien aufgehalten habe und über einen bis am 28. Oktober 2025 gülti-
gen indischen Fremdenpass und folglich in Indien über ein gefestigtes Auf-
enthaltsrecht verfüge. Sie könne somit nach Indien zurückkehren.
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Der Bundesrat habe Indien als verfolgungssicheren Heimat- oder Her-
kunftsstaat bezeichnet. Indien sei zwar nicht Signatarstaat der Flüchtlings-
konvention, aber nehme seit Jahren grosszügig Tibeterinnen und Tibeter
auf, die auch Zugang zu den Arbeits- und Bildungsstrukturen hätten. Über-
dies sei nicht bekannt, das Tibeterinnen und Tibeter von Indien nach China
ausgewiesen würden. Sie verfüge in Indien aufgrund ihres Fremdenpasses
über einen rechtlichen Status, der ihr effektiven Schutz vor einer Rück-
schiebung biete. Schliesslich ergäben sich aus den Akten keinerlei Hin-
weise dafür, dass sie in Indien eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG
zu befürchten hätte. Auf die Frage, was sie bei einer Rückkehr nach Indien
zu befürchten hätte, habe sie lediglich geantwortet, sie habe dort keine Fa-
milienmitglieder und keinerlei Gründe dorthin zurückzukehren. Der Weg-
weisungsvollzug nach Indien sei somit zulässig. Er sei auch zumutbar, zu-
mal in Indien nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder von kriege-
rischen oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen werden
könne. Es sei darauf hinzuweisen, dass der Bundesrat Indien als verfol-
gungssicheren Drittstaat (Safe Country) bezeichnet habe. Zudem sprä-
chen auch keine persönlichen Gründe gegen die Zumutbarkeit. Sie sei jung
und gemäss Aktenlage gesund und somit arbeitsfähig. Zudem könne auch
ihr Schweiz wohnhafter Vater sie bei der Wiedereingliederung in Indien fi-
nanziell unterstützen. Weil sie nicht bereit gewesen sei, wahrheitsgemässe
Aussagen zu ihren Aufenthaltsorten und ihren Lebensumständen vor ihrer
Ausreise und zum aktuellen Aufenthaltsort der Mutter und des Bruders zu
machen, müsse davon ausgegangen werden, dass auch sonst keine indi-
viduellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprä-
chen. Namentlich sei davon auszugehen, dass sie in Indien über ein sozi-
ales Beziehungsnetz verfüge, dass ihre Reintegration unterstützen könne.
Höchstwahrscheinlich habe sie auch Familienangehöriger und/oder Ver-
wandte respektive Bekannte in Indien. Es sei jedoch nicht Aufgabe des
SEM über solche, eine Rückkehr begünstigende Umstände zu spekulieren.
Des Weiteren genügten blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten,
von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen sei, nicht,
um auf eine konkrete Gefährdung zu schliessen zu können. Im Hinblick auf
die gegenwärtig grassierende Corona-Pandemie sei festzuhalten, dass
derzeit in fast allen Staaten der Welt das Risiko einer Infizierung mit SARS-
CoV-2 bestehe. Die blosse Möglichkeit einer Ansteckung vermöge indes-
sen für sich alleine nicht der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges ent-
gegenzustehen. Vielmehr müssten im Einzelfall konkrete Hinweise beste-
hen, im Falle einer Rückkehr in den Herkunftsstaat in eine medizinische
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Notlage oder in eine existenzbedrohende Situation zu geraten. Solche kon-
kreten Hinweise würden sich indessen weder aus ihren Ausführungen noch
aus den Akten ergeben.
Der Wegweisungsvollzug sei schliesslich auch als möglich zu erachten,
weil ihr bis zum 28. Oktober 2025 gültige Fremdenpass die Funktion eines
Reisepasses habe, der es ihr ermögliche nach Indien zurückzukehren. Es
stehe somit fest, dass sie in Indien über einen geregelten Aufenthalt ver-
füge und mit einem Rückreisevisum dorthin zurückkehren könne. Unter
Verweis auf das Urteil des BVGer D-6211/2012 vom 4. März 2013 sei zu-
dem festzuhalten, dass sie die Möglichkeit habe, ihr Residence Certificate
(RC, Registrierungsausweis) nach ihrer Ankunft in Indien verlängern zu
lassen, sollte dieses inzwischen abgelaufen sein. Sie sei mit ihrem Frem-
denpass zudem bereits einmal nach Kanada gereist und habe nach ihrem
Auslandsaufenthalt wieder problemlos nach Indien einreisen können. Ge-
mäss Auskunft der Schweizer Botschaft in Neu-Delhi hätten Besitzer eines
indischen Fremdenpasses für die Dauer seiner Gültigkeit das Recht, nach
Indien zurückzukehren. Sollte sie mithin nicht mehr im Besitz des Originals
sein, würde dies die Durchführung des Wegweisungsvollzuges zwar er-
schweren aber keineswegs verunmöglichen.
6.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe bestritt die Beschwerdeführerin die An-
sicht der Vorinstanz, sie verfüge in einem Drittstaat über ein Aufenthalts-
recht und könne deshalb nach Indien zurückkehren. Zunächst sei es nicht
richtig, dass sie sich vor ihrer Ausreise in Indien aufgehalten habe. Richtig
sei, dass sie ab dem Jahr 2014 bis zur Ausreise in Nepal gelebt habe. Dem
Schluss, dass sie sich widersprüchlich zu ihren Indienaufenthalten geäus-
sert haben solle, könne nicht gefolgt werden. Richtig sei, dass sie sich nie
länger in Indien aufgehalten habe. Sie sei lediglich nach Indien gereist, um
zusammen mit dem Mönch das gefälschte indische Dokument beziehungs-
weise Reisen zu organisieren. Da sie nicht im Besitz von Dokumenten ge-
wesen sei, habe der dem Vater bekannte Mönch für sie gegen Bezahlung
den indischen Fremdenpass organisiert. Hierfür habe sie nach Indien rei-
sen müssen. Damit habe sie sich diesbezüglich nicht widersprüchlich ge-
äussert. Dies habe sie anlässlich der Anhörung auch eindeutig zu Protokoll
gegeben. Sie sei lediglich ein paar Mal mit dem Mönch nach Indien gegan-
gen, um die Dokumente zu organisieren. Daran ändere der Umstand
nichts, dass sich den Visaunterlagen eine indische Adresse sowie ein
Schreiben, in welchem behauptet werde, ihre Mutter führe in Indien ein
Restaurant, befänden. Der Mönch habe für sie den Fremdenpass und die
Visa organisiert. Dafür habe eine indische Adresse angegeben werden und
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offensichtlich auch ein Referenzschreiben eingereicht werden müssen.
Dieses sei jedoch nicht echt. Der indische Fremdenpass sei, da er gegen
Bezahlung erlangt worden sei, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht echt. Es
sei zwar richtig, dass durch die Vermittlung des Mönches von der kanadi-
schen und der spanischen Botschaft Visa ausgestellt worden seien, doch
könne dies nicht zum Schluss führen, dass der indische Fremdenpass echt
sei und sie über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in Indien verfüge. Es sei
auch nicht ersichtlich, ob die Botschaften die Echtheit des indischen Frem-
denpasses je überprüft hätten.
Dass sie sich sodann nur vage zum indischen Fremdenpass habe äussern
können, liege eben daran, dass es sich dabei um ein unter der Hand be-
schafftes Dokument handle. Sie wisse schlicht nicht mehr darüber, da sie
eben nie in Indien gelebt habe und sich mit dem Pass, bis auf die Reisen,
die wiederum der Mönch für sie organisiert habe, nie beschäftigt habe. Die
vagen Aussagen würden somit ebenso dafür sprechen, dass das Doku-
ment nicht echt sei beziehungsweise dass sie in Indien nie einen legalen
Aufenthaltsstatus gehabt und dort gelebt habe. Wäre solches der Fall ge-
wesen, hätte sie genauere Aussagen dazu machen können. Zu berück-
sichtigen gelte es in diesem Kontext auch, dass sie in Tibet nie die Schule
besucht habe, in ihrer Heimat nie im Besitz von Papieren gewesen und in
einer sehr ländlichen Gegend aufgewachsen sei. Dies belege auch der
Umstand, dass sie nicht einmal gewusst habe, dass ein spanisches Visum
für sie ausgestellt worden sei. Auch sei ihr nicht einmal klar gewesen, dass
sie über Spanien gereist sei, als sie nach Europa gekommen sei. Weiter
habe sie auf die Frage, ob sie je Dokumente besessen habe, gesagt, sie
habe ein gelbes Büchlein besessen, wisse aber nicht, was das gewesen
sei. Offensichtlich habe sie also keine Ahnung gehabt, worum es sich bei
dem IC handle beziehungsweise sei ihr nicht einmal genau klar gewesen,
wofür es benutzt werde. Nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen,
vermöge sodann der Umstand, dass sie aufgrund des Aufenthalts im Klos-
ter gebrochen Englisch spreche. Davon könne nicht auf ihr Bildungsniveau
geschlossen werden. Vielmehr ergebe sich aus dem Anhörungsprotokoll
und aus den Aussagen, dass sie ein niedriges Bildungsniveau und wenig
Bezug zum Reisen beziehungsweise Dokumenten habe. Auch gelte es zu
beachten, dass sie im Zeitpunkt der Beschaffung des Dokumentes erst
17 Jahre alt und im Zeitpunkt der Ausreise knappe 21 Jahre alt gewesen
sei. Unberücksichtigt lasse die Vorinstanz sodann ihre kohärenten Aussa-
gen zur Ausreise aus China und zum Reiseweg von Nepal in die Schweiz.
Auch diese zeugten davon, dass sie nie in Indien gelebt habe, sondern,
wie durchwegs von ihr bekräftigt, in Nepal. In Bezug auf den indischen
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Fremdenpass müsse sodann festgehalten werden, dass der Schluss der
Vorinstanz, dass es sich zweifelsfrei um ein echtes Dokument handle, nicht
zulässig sei. Dass es in Indien einfach sei, gefälschte Dokumente zu erhal-
ten würden mehrere Berichte bestätigen. Aufgrund der Umstände, unter
denen sie das Dokument erlangt habe und unter Berücksichtigung dieser
Berichte müssten zumindest Zweifel an der Echtheit des Fremdenpasses
bestehen, die ausgeräumt werden müssten, bevor die Vorinstanz einen so
gewichtigen Entscheid treffen könne. Bevor auf ihr Gesuch nicht eingetre-
ten werde, müsse somit zuerst abschliessend abgeklärt werden, ob sie tat-
sächlich über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in Indien verfüge. Soweit
sich die Vorinstanz sodann auf den Standpunkt stelle, es sei realitätsfremd,
dass sie nicht wisse, wo sich ihre Mutter und ihr Bruder aufhielten, sei dem
entgegenzuhalten, dass sie dies anlässlich ihrer Anhörung durchaus erläu-
tert habe. Zu berücksichtigen gelte es ferner, dass sie, als die Mutter sie im
Kloster zurückgelassen habe, gerade mal 19 Jahre alt gewesen sei.
Insgesamt habe sie somit entgegen der Einschätzung der Vorinstanz dar-
legen können, dass sie nie in Indien gelebt habe. Sie habe kohärent erläu-
tert, dass sie in der Volksrepublik China aufgewachsen, im Jahr 2014 nach
Nepal und schliesslich im Jahr 2019 in die Schweiz gekommen sei. Ebenso
habe sie erklärt, dass sie über einen legalen Aufenthaltsstatus nichts
wisse, da sie den Fremdenpass nicht selbst beschafft habe und dieser ge-
gen Bestechung für sie organisiert worden sei. Folglich liege der von der
Vorinstanz angerufene Nichteintretensgrund gar nicht vor. Schliesslich
habe die Vorinstanz auch keine Rückübernahmezusicherung von Indien
eingeholt, was jedoch Voraussetzung für einen Nichteintretensentscheid
sei.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten in
Übereinstimmung mit dem SEM zum Schluss, dass die Beschwerdeführe-
rin unwahre Angaben zu ihrem Aufenthalt vor ihrer Einreise in die Schweiz
gemacht hat. Aufgrund der beschafften Visaunterlagen steht fest, dass sie
sich spätestens seit 2015 in Indien aufgehalten hat und dorthin zurückkeh-
ren kann. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vollumfänglich auf
die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden denen
das Gericht sich anschliesst (vgl. E. 6.1).
Bei Indien handelt es sich um einen Drittstaat, der effektiven Schutz vor
Rückschiebung und Verfolgung bietet (vgl. Urteile des BVGer D-1262/2020
vom 12. März 2020, D-3318/2017 vom 20. Juni 2017 sowie D-3337/2011
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vom 8. März 2013 [zur altrechtlichen Bestimmung aArt. 34 Abs. 3 Bst. c
AsylG]). Die Ausnahmeklausel von Art. 31a Abs. 2 AsylG gelangt deshalb
nicht zur Anwendung.
Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe sind nicht geeignet, zu einer
anderen Einschätzung zu führen, zumal sie sich in Wiederholungen des
aktenkundigen Sachverhaltes und Erklärungsversuchen erschöpfen und
zum Teile neue Widersprüche generieren. So wird unter anderem darge-
legt, die Beschwerdeführerin sei bereits 2015 zwecks der Ausstellung des
IC in Indien gewesen ([...]), obwohl die Beschwerdeführerin selbst in der
Anhörung zu Protokoll gegeben hatte, die Aufenthalte in Indien hätten erst
im Jahr 2019 stattgefunden und keine Erklärung dafür hatte, dass das Do-
kument bereits 2015 ausgestellt worden sei ([...]). In der Stellungnahme
wiederum hatte die Beschwerdeführerin dann dargelegt, sie sei das erste
Mal im Jahr 2017 nach Indien gereist ([...]).
Die Argumentation der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz hätte bei der
Würdigung ihrer Aussagen ihr (angeblich) niedriges Bildungsniveau be-
rücksichtigen müssen, vermag ebenso nicht zu überzeugen. Vielmehr
durfte die Vorinstanz von ihr erwarten, dass sie ihre Vorbringen kohärent
und in zentralen Bereichen hinreichend ausführlich und nachvollziehbar
schildert. Es bestanden auch keinerlei Hinweise auf eine mangelnde Fä-
higkeit der Beschwerdeführerin, sich auszudrücken und Erlebnisse zusam-
menhängend zu schildern. Eine besondere Geschicklichkeit dürfte für das
Wiedergeben von tatsächlich erlebten Begebenheiten nicht nötig sein res-
pektive wird bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit im Asylverfahren auch
nicht vorausgesetzt. Auch aus ihrem Alter vermag die Beschwerdeführerin
nichts zu ihren Gunsten abzuleiten, zumal sie sich zur Zeit der Ereignisse
bereits an der Schwelle zum Erwachsenenalter befunden hat.
Sodann hat die Beschwerdeführerin bis dato keinerlei Beweismittel zur
Stützung ihres Sachverhaltsvortrags eingereicht.
Schliesslich stellt entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht eine
formelle Zusicherung des Drittstaates gegenüber den Schweizer Behörden
zur Rückübernahme von Asylsuchenden nicht eine Voraussetzung für das
Fällen eines Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. c
AsylG dar. Die in der Botschaft zur Revision des Asylgesetzes erwähnte
Zusicherung beschlägt vielmehr die Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs
und stellt eine Vollzugsmodalität dar (vgl. BBI 2002 6684).
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7.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz somit zu Recht auf
das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
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EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Dass der Beschwerdeführerin in Indien ein effektiver Schutz vor
Rückschiebung nach China zur Verfügung steht und sie nicht befürchten
muss, von Indien nach China zurückgeschoben zu werden, ist bereits im
Rahmen der Prüfung der Nichteintretensvoraussetzungen bejaht worden
(vgl. oben E. 7.1). Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Be-
schwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für
den Fall einer Rückführung nach Indien dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder
Behandlung ausgesetzt wäre. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der
Wegweisung nach Indien zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Der Wegweisungsvollzug nach Indien ist als zumutbar zu erachten,
nachdem keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Beschwerde-
führerin dort im Sinne dieser Bestimmung konkret gefährdet sein könnte.
Zur Vermeidung von Wiederholungen kann diesbezüglich vollumfänglich
auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung ver-
wiesen werden (vgl. oben E. 6.1).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
D-3449/2020
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutre-
ten ist.
11.
11.1 Mit dem vorliegenden Direktentscheid wird das Gesuch um Verzicht
auf Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. Der Antrag auf
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG ist ungeachtet der ausgewiesenen Mittellosigkeit abzuwei-
sen, weil die Begehren, wie sich aus den vorliegenden Erwägungen ergibt
– als aussichtslos zu bezeichnen sind, womit eine der kumulativen Voraus-
setzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt ist. Dementsprechend ist
auch das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung abzuweisen.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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