Decision ID: b23ba1db-9d62-4941-a01e-d4542b78681d
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli, advokatur am brühl,
Scheffelstrasse 2, 9000 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1952 geborene D._ bezog für die Zeit ab Januar 2005 eine
Ergänzungsleistung zur IV (Verfügung vom 19. Januar 2006). Die IV hatte ihr mit
Verfügungen vom 25. August 2005 bei einem Invaliditätsgrad von 65 % ab
1. Dezember 2003 eine halbe und ab 1. Januar 2004 eine Dreiviertelsrente
zugesprochen. Die Versicherte hatte die IV-Verfügung angefochten und die Ausrichtung
einer ganzen Rente beantragt (Abweisung durch Einspracheentscheid vom 28. Oktober
2005; Beschwerde am 29. November 2005).
A.b Ende März 2006 lief der ALV-Taggeldanspruch aus, worauf die EL-Bezügerin von
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (als EL-Durchführungsstelle) zur
Anmeldung beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) aufgefordert wurde.
Das RAV meldete am 3. Mai 2006, die EL-Bezügerin habe sich um Stellen beworben.
Für sie seien zurzeit infolge ihrer gesundheitlichen Probleme und ihres Alters keine
geeigneten Stellen in der Region verfügbar. Die Sozialversicherungsanstalt nahm die
EL-Berechnung in der Folge am 18. Mai 2006 (ab April 2006) ohne Berücksichtigung
eines hypothetischen Einkommens vor, wies die Bezügerin aber darauf hin, dass sie
sich weiterhin (mindestens zehn Mal pro Monat) zu bewerben habe (act. 28 f.). Nach
einer Überprüfung der Bewerbungen ab Mai 2006 wurde am 3. Januar 2007 (act. 26)
festgehalten, die Bewerbungen bewegten sich im bisherigen Rahmen, es werde
weiterhin auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens verzichtet, die EL-
Bezügerin werde sich weiterhin aktiv und gezielt, künftig unter Mithilfe des RAV auch
schriftlich und überprüfbarer als bisher, zu bewerben haben. Die EL-Bezügerin wurde
am 11. Januar 2007 (act. 22) entsprechend orientiert. Bei fehlenden oder
unvollständigen Arbeitsbemühungen habe sie mit einer Kürzung der Leistungen zu
rechnen.
A.c Am 25. September/14. November 2007 (act. 19-1/11, act. 21) bemängelte die
Verwaltung intern erstmals die Qualität der dannzumal geprüften Stellenbewerbungen
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seit Januar 2007 und sah vor, die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens
anzukündigen.
A.d Am 21. Dezember 2007 (act. 16) setzte sie den EL-Anspruch (weiterhin ohne
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens) ab Januar 2008 auf monatlich Fr.
1'011.-- herauf (leicht erhöhter IPV-Betrag 2008).
A.e Mit Schreiben vom 7. Februar 2008 (act. 15) stellte sie der EL-Bezügerin - wie im
November 2007 vorgesehen - die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens ab
Mai 2008 in Aussicht. Entgegen dem Schreiben vom 11. Januar 2007 habe sie sich
immer wieder beim selben Arbeitgeber beworben, und zwar telefonisch, nicht
überprüfbar und ungezielt. Auf den Einwand (act. 14) hin, die Arbeitgeber hielten ein
Pensum von 25 % für zu knapp für eine Anstellung, die EL-Bezügerin habe sich bei
mehr als 70 Unternehmen beworben, und alle Stellen kämen für sie nicht in Frage
(namentlich nicht jene mit einem Erfordernis von Ausbildung oder Erfahrung), setzte die
Sozialversicherungsanstalt die Anrechnung aber mit Schreiben vom 17. April 2008
(act. 12) vorläufig aus.
A.f Im Mai 2008 fand eine periodische Überprüfung statt.
A.g Am 13. Juni 2008 (act. 8) gab die Sozialversicherungsanstalt der damaligen
Rechtsvertretung der EL-Bezügerin bekannt, das angegebene Arbeitspensum von
25 % lasse sich nicht nachvollziehen. Die EL-Bezügerin könnte gemäss dem Entscheid
des Bundesgerichts eine Erwerbstätigkeit mit einem Lohn von ca. Fr. 20'000.-- pro
Jahr realisieren. Es werde ab 1. Juli 2008 ein hypothetisches Einkommen angerechnet
werden. Mit dem Bundesgerichtsentscheid in der IV-Sache war eine Beschwerde der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen gegen einen IV-Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen gutgeheissen worden, welcher der Beschwerdeführerin anstelle
der verfügten halben und nachfolgenden Dreiviertels-Rente (bei einem Invaliditätsgrad
von jeweils 65 %) eine ganze Rente (ab Dezember 2003 durchgehend, bei einem
Invaliditätsgrad von 69.9 %) zugesprochen hatte.
A.h Mit Verfügung vom 19. Juni 2008 (act. 7) nahm die Sozialversicherungsanstalt
entsprechend ab 1. Juli 2008 eine Herabsetzung der laufenden EL auf Fr. 394.--
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monatlich (zufolge der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens mit einem
Ausgangspunkt bei Fr. 12'093.--) vor.
A.i Die EL-Bezügerin erhob hiergegen am 23. Juni 2008 (act. 6) Einsprache,
beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung und brachte unter Hinweis auf
beigelegte Arbeitsbemühungsnachweise von März bis Juni 2008 vor, sie habe nach
einer Arbeit im Umfang von 35 % gesucht.
A.j Am 17. Juli 2008 verfügte die Sozialversicherungsanstalt - unter Vorbehalt des
Abklärungsergebnisses betreffend das hypothetische Erwerbseinkommen - eine
Herabsetzung des EL-Anspruchs ab 1. August 2008 auf monatlich Fr. 373.--, welche
ihren Grund in der periodischen Überprüfung vom Mai 2008 hatte.
A.k Mit Entscheid vom 16. September 2008 wies die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen die Einsprache ab. Die medizinischen Grundlagen der
Invaliditätsbemessung seien hier nicht überprüfbar; diesbezüglich sei die EL an die
Feststellungen der IV gebunden. Es sei davon auszugehen, dass die EL-Bezügerin die
Resterwerbsfähigkeit von 35 % verwerten könne. Hieran ändere auch eine ungünstige
Arbeitsmarktlage nichts. Das zurzeit angerechnete hypothetische Einkommen liege bei
rund Fr. 12'000.-- und entspreche ungefähr demjenigen aus einer Anstellung zu 35 %.
Dieses Einkommen, welches bei 100 % rund Fr. 34'000.-- ausmache, sei weit
unterdurchschnittlich, so dass die EL-Bezügerin ihre Arbeitskraft in Erfüllung der
Schadenminderungspflicht zu einem tiefen "Preis" hätte anbieten können. Auch die
eingereichten Belege über erfolglose Arbeitsbemühungen führten nicht zur
Umstossung der Vermutung von Art. 14a Abs. 2 lit. c ELV. Die Überprüfung der
Arbeitsbemühungen im September 2007 habe ergeben, dass sich die EL-Bezügerin in
völlig ungenügender Weise um Stellen beworben habe. Sie habe in jener Zeit die IV-
Rentenverfügung angefochten mit dem Ziel, eine ganze Rente zu erhalten. Ein
stellensuchender Behinderter, der - wie die EL-Bezügerin - einem potentiellen
Arbeitgeber signalisiere, dass er sich selber nicht mehr für arbeitsfähig halte, könne gar
nicht erfolgreich sein. Die Bezügerin habe sich erst nach mehreren Mahnungen etwas
nachhaltiger, aber bis zum Schluss ungenügend beworben. Sie habe sich einerseits gar
nicht für ein ihr mögliches 35 %-Pensum beworben und anderseits scheine sie die
Bewerbungen jeweils relativ ziellos versandt zu haben. In Frage kämen auch eine
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Tätigkeit als Hausdienstangestellte oder als Angestellte in einem Putzvermittlungs
institut. In diese Richtung habe die EL-Bezügerin keinen Versuch unternommen. Die
gesetzliche Vermutung komme zum Zug.
B.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Kurt
Gemperli am 15. Oktober 2008 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin beantragt, ihr die Ergänzungsleistungen auch für die Zeit ab 1. Juli
2008 ohne Anrechnung eines hypothetischen Einkommens auszurichten. In der
ergänzenden Begründung vom 15. Dezember 2008 legt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin dar, die Beschwerdeführerin sei als Hilfsköchin tätig gewesen,
zuletzt bis 2003 mit einem Pensum von 60 % in einem Pflegeheim. Im Jahr 2003 habe
sie praktisch nicht mehr gearbeitet. Von Mai 2004 bis April 2006 habe sie
Arbeitslosenentschädigung bezogen. Auch danach habe sie ihre Arbeitsbemühungen
fortgesetzt und diese im Einspracheverfahren breit dokumentiert. Sie sei aber nie in die
Lage gekommen, auch nur als aussichtsreiche Bewerberin zu gelten. Diese
Erfolglosigkeit verwundere nicht, sei doch bereits im beigelegten medizinischen
Gutachten von März 2005 davon ausgegangen worden, dass sie ihre
Restarbeitsfähigkeit von 40 % aus wirtschaftlichen Gründen nicht werde realisieren
können. Die Gutachter hätten den Vorbehalt angebracht, die für die IV massgebliche
Restarbeitsfähigkeit gelte für den realen Arbeitsmarkt nicht. Die im Einspracheverfahren
eingereichten umfangreichen Belege seien gänzlich ungewürdigt geblieben. Dass die
Beschwerdeführerin durchwegs schematisch und ziellos "Stellenbewerbungen
versende, nicht mit dem ernsthaften Ziel, eine Stelle zu finden, sondern um eine
ungekürzte EL zu erlangen", wie es in einer Stellungnahme heisse, sei eine pauschale
Unterstellung ohne Auseinandersetzung mit der Aktenlage und ohne auch nur
halbwegs realistischen Blick auf den Arbeitsmarkt, der sich der Beschwerdeführerin
konkret biete. Auf eine Anstellung in einen gehobenen Privathaushalt habe die
Beschwerdeführerin von ihrer Herkunft, Erscheinung und psychischen Verfassung her
keine Chance. Als Leih-Putzfrau sei sie von den körperlichen Einschränkungen her
nicht geeignet. Im Unterschied zum IV-Bereich sei bei der Zusprechung von
Ergänzungsleistungen nicht der ausgeglichene Arbeitsmarkt massgebend, sondern zu
ermitteln seien die konkreten Aussichten, auf dem realen Markt eine Stelle zu finden.
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Eine ungünstige Arbeitsmarktlage sei entgegen der Schilderung der
Beschwerdegegnerin sehr wohl zu berücksichtigen. Es sei nicht nachvollziehbar,
weshalb man die Beurteilung der Arbeitsmarkt-Fachleute des RAV ignoriert habe.
Schon aus den richterlichen Erkenntnissen über den IV-Rentenanspruch ergebe sich,
dass die gesetzliche Vermutung von Art. 14a ELV nicht spiele, indem dort in
Abgrenzung von den realen Verhältnissen auf den hypothetisch ausgeglichenen
Arbeitsmarkt abgestellt worden sei. Zu ergänzen sei, dass sich die gesundheitlichen
Verhältnisse der Beschwerdeführerin seit 2005 erheblich verschlechtert hätten, wie sich
aus verschiedenen beigelegten Arztzeugnissen von Dr. med. A._, Innere Medizin
FMH, aus der Zeit vom 18. August bis 1. November 2008 ergebe. In diesen Tagen
werde ein IV-Revisionsverfahren beantragt werden. Dr. A._ hatte in zwei ärztlichen
Zeugnissen vom 18. August 2008 zuhanden des RAV bestätigt, dass die
Beschwerdeführerin nicht vermittlungsfähig bzw. vom 18. August 2008 bis
30. September 2008 arbeitsunfähig sei. Sie leide an Herzproblemen, an Folgen einer
Durchblutungsstörung im Kopf und an Schmerzen im Rücken und beiden
Hüftgelenken. Eventuell werde in nächster Zukunft eine Operation nötig sein. Die
chronischen Schmerzen führten zu Schlaflosigkeit, was die Beschwerdeführerin
tagsüber zusätzlich belaste. Am 29. September 2008 hatte der Arzt das
Arbeitsunfähigkeitsattest auf den Oktober 2008 ausgedehnt. Und am 1. November
2008 hatte er dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin berichtet, im Vordergrund
der gesundheitlichen Verschlechterung habe im laufenden Jahr eine
Gallenblasenoperation am 2. Juli 2008 gestanden. Der erfolgreiche Eingriff habe die
Beschwerdeführerin körperlich geschwächt. Zu schaffen machten ihr auch die Cox-
und Gonarthrosen mit starken Schmerzen. Starke chronische Rückenschmerzen
zwängen sie ausserdem, regelmässig starke Schmerzmittel einzunehmen. Aufgrund
einer Hypertonie habe sich eine regelmässig kontrollbedürftige Aortenektasie ergeben.
Wieder gebessert sei inzwischen eine schwere Entzündung am linken Unterschenkel,
die sich in den letzten Monaten entwickelt habe. Die zahlreichen körperlichen Leiden
hätten zu einer depressiven Verstimmung geführt.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 6. Januar 2009 beantragt die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen die Abweisung der
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Beschwerde. Das Bundesgericht habe festgestellt, dass der Beschwerdeführerin ein
Invalideneinkommen von Fr. 20'000.-- angerechnet werden könne. Würden aus
ergänzungsleistungsrechtlicher Sicht der aktuelle Arbeitsmarkt und Schwierigkeiten bei
der Stellensuche berücksichtigt, könnte dies - analog zur Beurteilung des kantonalen
Versicherungsgerichts - im Rahmen eines Abzugs von 10 % vom Tabellenlohn
geschehen. Das Einkommen, das sich damit ergäbe, wäre immer noch weit höher als
das angerechnete hypothetische Einkommen. Die geltend gemachte gesundheitliche
Verschlechterung sei auf dem Weg der Revision der Invalidenrente zum Tragen zu
bringen. Aufgrund der Bindung der EL-Stelle an die medizinischen Feststellungen der
IV-Stelle könne sie vorliegend nicht berücksichtigt werden.
D.
Mit Eingabe vom 17. April 2008 (recte: 2009) bringt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin vor, die IV-Stelle habe auf die mit der Beschwerdeergänzung vom
15. Dezember 2008 eingereichten medizinischen Belege für eine Verschlechterung der
gesundheitlichen Verhältnisse mit der Anordnung einer Begutachtung reagiert. Diese
Unterlagen seien somit ernst zu nehmen. Auf die Erstattung einer Replik hat der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 20. Mai 2009 verzichtet.

Erwägungen:
1.
Strittig ist der Entscheid vom 16. September 2008, mit welchem die
Beschwerdegegnerin die Einsprache gegen die Anpassungsverfügung vom 19. Juni
2008 abgewiesen hatte. Der Beschwerdeführerin war damit ab 1. Juli 2008 erstmals ein
hypothetisches Einkommen angerechnet worden.
2.
2.1 Die jährliche Ergänzungsleistung hat dem Betrag zu entsprechen, um den die
anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG).
Als Einnahmen werden nach Art. 11 Abs. 1 ELG angerechnet unter anderem
Erwerbseinkünfte in Geld oder Naturalien (lit. a) und Einkünfte, auf die verzichtet
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worden ist (lit. g). Eine Verzichtshandlung liegt unter anderem vor, wenn die versicherte
Person aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen
und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S Y. vom 9. Juli 2002, P 18/02; BGE 121 V 205 E. 4a; AHI 2001
S. 133 E. 1b).
2.2 Basierend auf Art. 9 Abs. 5 lit. c ELG betreffend die Anrechnung von Einkünften
aus einer zumutbaren Erwerbstätigkeit bei teilinvaliden Personen sieht Art. 14a ELV vor,
dass Invaliden als Erwerbseinkommen grundsätzlich der Betrag angerechnet wird, den
sie im massgebenden Zeitabschnitt tatsächlich verdient haben (Abs. 1), dass Invaliden
unter 60 Jahren aber bei einem Invaliditätsgrad von 60 bis unter 70 % mindestens zwei
Drittel des Höchstbetrags für den Lebensbedarf von Alleinstehenden nach Art. 10
Abs. 1 lit. a ELG anzurechnen ist (Art. 14a Abs. 2 lit. c ELV, vgl. lit. a). Dieser
Höchstbetrag belief sich im Jahr 2008 auf Fr. 18'140.--. Das zutreffende
Erwerbseinkommen betrug demnach Fr. 12'093.--.
2.3 Nach der Rechtsprechung kann im Hinblick auf die berechtigten Interessen der
Vereinfachung und der rascheren Behandlung von Einzelfällen grundsätzlich davon
ausgegangen werden, dass es einer teilinvaliden versicherten Person vermutungsweise
möglich und zumutbar ist, im Rahmen ihres von den Organen der
Invalidenversicherung festgestellten verbliebenen Leistungsvermögens die in Art. 14a
ELV festgelegten Grenzbeträge zu erzielen. Die gesetzliche Vermutung kann durch den
Beweis des Gegenteils umgestossen werden, indem der Ansprecher auch Umstände
geltend machen kann, welche bei der Bemessung der Invalidität ohne Bedeutung
waren, ihm jedoch verunmöglichen, seine theoretische Restarbeitsfähigkeit
wirtschaftlich zu nutzen. Bei der Prüfung der Frage, ob der teilinvaliden versicherten
Person die Ausübung einer Tätigkeit in grundsätzlicher wie masslicher Hinsicht möglich
und zumutbar ist, sind - entsprechend der Zielsetzung der Ergänzungsleistungen -
sämtliche Umstände zu berücksichtigen, welche die Realisierung eines Einkommens
verhindern oder erschweren, wie Alter, mangelnde Ausbildung oder Sprachkenntnisse,
aber auch persönliche Umstände, die es dem Leistungsansprecher verunmöglichen,
seine verbliebene Erwerbsfähigkeit in zumutbarer Weise auszunützen (BGE 117 V 156
E. 2c).
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2.4 Bei der Beschwerdeführerin liegt (gemäss dem IV-Einspracheentscheid vom
28. Oktober 2005 bzw. dem Urteil des Bundesgerichts vom 8. November 2007) ein
Invaliditätsgrad von 65 bzw. 64 % vor. Sie besitzt nach den IV-Urteilen eine verbliebene
Arbeitsfähigkeit von 40 %. Gemäss dem Gutachten vom 24. März 2005, das für die
Invaliditätsbemessung massgebend war, sind ihr somatisch gesehen noch
rückenadaptierte Tätigkeiten zumutbar, bei denen sie nicht dauernd über 15 kg heben
und nicht dauernd vornüber gebeugt arbeiten muss. Die Beschwerdeführerin ist aus
psychischen Gründen vermindert belastbar, verfügt über ein vermindertes
Durchhaltevermögen und kann nicht unter dauernder Hektik eingesetzt werden.
2.5 Die Beschwerdegegnerin hatte aufgrund der Beurteilung durch das RAV vom
3. Mai 2006, wonach für die Beschwerdeführerin infolge ihrer gesundheitlichen
Probleme und ihres Alters keine geeigneten Stellen in der Region verfügbar seien, und
nach Kenntnisnahme von ihren Arbeitsbemühungen in der ersten Zeit nach dem
Wegfall des Taggeldes von der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
abgesehen.
3.
3.1 Mit der hier strittigen Anordnung (Einspracheentscheid basierend auf der
Verfügung vom 19. Juni 2008) hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin
anpassungsweise erstmals ab Juli 2008 ein hypothetisches Einkommen von
Fr. 12'093.-- gemäss Art. 14a Abs. 2 lit. c ELV angerechnet.
3.2 Nach Art. 17 Abs. 2 ATSG wird jede formell rechtskräftig zugesprochene
Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich
verändert hat. Nach Art. 25 Abs. 1 ELV ist die jährliche Ergänzungsleistung bei Eintritt
einer voraussichtlich längere Zeit dauernden Verminderung oder Erhöhung der vom
ELG anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen sowie des Vermögens zu
erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben (vgl. lit. c). Die Herabsetzung einer laufenden
Ergänzungsleistung infolge der Anwendung eines Mindesteinkommens nach den Art.
14a Abs. 2 und 14b ELV wird erst sechs Monate nach Zustellung der entsprechenden
Verfügung wirksam (Art. 25 Abs. 4 ELV).
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3.3 Die Beschwerdegegnerin hielt dafür, die Arbeitsbemühungen der
Beschwerdeführerin seien seit Januar 2007 nurmehr ungezielt, bei immer wieder den
selben potentiellen Arbeitgebern, unter Angabe eines zu tiefen nachgesuchten
Pensums und unüberprüfbar erfolgt, weshalb die gesetzliche Vermutung nun zum
Tragen komme. Aus den Akten geht hervor, dass sich die Beschwerdeführerin in der
massgeblichen Zeit verschiedentlich beworben hat. Im Jahr 2007 waren es meist
telefonische Bemühungen, vereinzelt persönliche Vorsprachen, ab März 2008 nach
entsprechender Aufforderung durch die Beschwerdegegnerin auch schriftliche
Bewerbungen. Die Beschwerdeführerin suchte jeweils eine Teilzeitstelle im Umfang von
25 % (für 2007 vgl. den Einwand vom 18. Februar 2008) bis 30 %, obwohl ihr nach
dem damaligen Gutachten ein Pensum von 40 % zuzumuten gewesen wäre.
Diesbezüglich deutet aber nichts auf eine Veränderung im Vergleich zu den früheren
Stellenbewerbungen hin. Die genannte Beschränkung auf dieses Pensum mag ihre
Anstellungsaussichten zwar womöglich geschmälert haben, doch ist diesem Umstand
keine ausschlaggebende Bedeutung zuzumessen. Dass Intensität und Qualität der
Bewerbungen in einer Weise nachgelassen hätten, dass deswegen ein
Anpassungsgrund ausgewiesen wäre, muss nicht angenommen werden.
3.4 Ob sich allenfalls arbeitsmarktlich eine Veränderung ergeben habe, hat die
Beschwerdegegnerin nicht abgeklärt. Eine neuere Stellungnahme des RAV wurde nicht
eingeholt.
3.5 Gegen eine Verwertbarkeit auf dem konkreten Arbeitsmarkt sprechen aber
weiterhin die Vorgaben, welche die Beschwerdeführerin leidensbedingt bei der
Arbeitssuche berücksichtigen muss, nämlich dass sie auf eine rückenadaptierte
Tätigkeit (mit Beschränkung der Hebebelastung und mit Vermeiden vornübergebeugter
Arbeit) angewiesen ist. Nebst der somatischen Einschränkung ist sie auch psychisch
beeinträchtigt (vermindert belastbar, vermindert im Durchhaltevermögen und nicht
fähig, unter dauernder Hektik eingesetzt zu werden). Bei der Festsetzung des
anrechenbaren Einkommens Teilinvalider gemäss Art. 14a Abs. 2 ELV haben sich EL-
Organe und Sozialversicherungsgerichte zwar mit Bezug auf die invaliditätsbedingte
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit grundsätzlich an die Invaliditätsbemessung
durch die Invalidenversicherung zu halten, weil es zu vermeiden gilt, dass der gleiche
Sachverhalt unter denselben Gesichtspunkten von verschiedenen Instanzen
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unterschiedlich beurteilt wird (Bundesgerichtsentscheid i/S B. vom 6. Februar 2008,
8C_172/2007, BGE 117 V 202 E. 2b). Gegen diese Koordination verstösst aber nicht,
solche die konkrete Arbeitsplatzauswahl beeinflussenden und sie einschränkenden
Merkmale zu berücksichtigen. Ausserdem gingen die Gutachter offenbar davon aus,
dass neben der in die Arbeitsfähigkeitsschätzung eingeflossenen Sachlage noch
psychosoziale Belastungsfaktoren vorhanden seien, die sie (weil sie invaliditätsfremd
seien) nicht berücksichtigen könnten. Für die Belange der Ergänzungsleistungen, die
auf die konkreten Chancen auf dem realen Arbeitsmarkt zu achten haben, sind auch
solche Faktoren von Bedeutung.
3.6 Ein relevanter Grund, die Ergänzungsleistung der Beschwerdeführerin insofern
anzupassen, als wegen Einkommensverzichts ein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen gewesen wäre, weil der Beweis der Nichtverwertbarkeit nicht mehr als
erbracht zu betrachten ist, lässt sich unter diesen Umständen nicht ausmachen.
3.7 Dazu kommt, dass in der Beschwerde eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin geltend gemacht wird. Dem Bericht vom
1. November 2008 von Dr. A._ lässt sich unter anderem entnehmen, dass sich die
Beschwerdeführerin am 2. Juli 2008 - demnach etwa zu der Zeit, ab welcher die
Herabsetzung der Ergänzungsleistung verfügt wurde - einer Gallenblasenoperation hat
unterziehen müssen, in deren Folge sie, obwohl der Eingriff erfolgreich gewesen sei,
körperlich geschwächt worden sei. Es bestünden auch starke Schmerzen an Hüften,
Knien und Rücken, die eine regelmässige Einnahme starker Schmerzmittel erforderten
und weitere Leiden (schwere Entzündung am Unterschenkel, depressive Verstimmung).
In den beigelegten Zeugnissen hatte der Arzt zwar eine Arbeitsunfähigkeit erst ab
18. August 2008 attestiert, doch erscheint nach der neuen Aktenlage eine für die EL-
Belange relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands für den hier
massgeblichen Zeitraum ab Juli 2008 nicht ausgeschlossen. Es bestehen gemäss
Dr. A._ ferner Herzprobleme, Folgen einer Durchblutungsstörung im Kopf und
Schlaflosigkeit, die zu einer zusätzlichen Belastung tagsüber führe. Wenn eine allfällige
Verschlechterung auch erst im Beschwerdeverfahren geltend gemacht und belegt
wurde, beziehen sich die medizinischen Feststellungen doch auf den hier
massgeblichen Zeitraum, weshalb sie berücksichtigt werden können (vgl.
Bundesgerichtsentscheid i/S B. vom 6. Februar 2008, 8C_172/2007). Die Belege waren
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im Übrigen offenbar geeignet, eine gesundheitliche Verschlechterung im IV-Bereich
glaubhaft zu machen, hat die IV-Stelle doch eine Begutachtung in Auftrag gegeben und
ist somit auf ein IV-Anpassungsgesuch eingetreten. EL-rechtlich könnte auch eine
lediglich vorübergehende gesundheitliche Verschlechterung (etwa mit höherer
Arbeitsunfähigkeit bei längerem Spitalaufenthalt) in die Würdigung miteinbezogen
werden, die allenfalls IV-rechtlich noch nicht ausschlaggebend wäre.
3.8 Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die angeordnete Anpassung eines
erheblichen Grundes entbehrt.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 16. September 2008 zu schützen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat die
Beschwerdeführerin bei diesem Ausgang des Verfahrens Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung der Streitsache
und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG