Decision ID: dd25884f-edfb-43e7-95f6-a6d0dc66d55a
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1983, Vater von drei Kindern, Jahrgang 2009, 2011 und 2014, schloss im Jahr 2003 eine Lehre als
Automatiker
mit Fähigkeits
zeugnis ab (
Urk.
6/25/18). Nachdem er
die Maturitätsschule für Erwachsene absol
viert hatte, studierte er ab September 2010 an der philo
sophischen Fakultät der
Y._
Geschichte, Wirtschafts
wissens
chaften und Ethnologie
(
Urk.
6/25/4). Den Studiengang schloss er im
Januar 2014
auf Bachelorstufe ab
(
Urk.
6/25/
19)
und
schrieb sich für das Masterstudium an der
Y._
ein (vgl.
Urk.
6/94).
Daneben
war er
bei der
Z._
seit
2
5.
November 2008 in einem Teilz
eitpensum von wöchentlich 8.75 Stunden
und seit
1
0.
März
bis
zur Kündigung am 3
0.
September 2014 in einem Pen
sum von 4.5 Stunden pro Woche
tätig
(
Urk.
6/43/1-14
Ziff.
2.1 und
Ziff.
2.9
f.).
1.2
Unter
Angabe einer starken Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit Februar 2014 aufgrund eines seit 2002 bestehenden Visual Snow-Syndroms, einer Aura-Migräne und eines
Keratokonus
meldete er sich am 1
9.
November 2014
zum Bezug von Leistungen der In
validenversicherung an (
Urk.
6/25/1-7
Ziff.
6.2 f.). Das zuständige Sozialversicherungszentrum Thurgau
tätigte Abklä
rungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht
und zog die Akten des Kran
kentaggeldversicherers bei (
Urk.
6/52)
.
1.3
Nachdem mitgeteilt w
o
rde
n war
, dass der Versicherte ab
2.
September 2015
seinen Wohnsitz nach Bar
celona
(Spanien)
verlegt habe (
Urk.
6/60
-
61),
überwies
das Sozialversicherungszentrum
Thurgau
das Dossier an die
I
nvalidenversiche
rungs
-
Stelle fü
r Versicherte im Ausland
(IVSTA
;
Urk.
6/
64-
65).
Diese
tätigte wei
tere Abklärungen und holte insbesondere einen Bericht über die Tätigkeit des Versicherten
im
Haushaltsbereich
in Spanien
ein
(vgl.
Urk.
6/75/6
-9) und legte den Fall
i
hrem
Service
médical
régional
(
SMR
)
zur Stellungnahme vor
(
vgl.
Urk.
6
/92). M
it
Vorbescheid vom
8.
April 2016 (
Urk.
6/93)
stellte sie
die Vernei
nung
eines
Rentenanspruchs
in Aussicht. Nach
Einwendungen
des
Versicherten
(
Urk.
6/95) holte
sie weitere
Auskünfte
zu dessen beruflichem
Werdegang
ein
(vgl.
Urk.
6/110 und
Urk.
6/114/7-13)
.
Z
ufolge Wohnsitz
verlegung ab
1.
Juli 2017 nach Winterthur (
Urk. 6
/125)
überwies
die IVSTA
das Dossier
an die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Züric
h, IV
Stelle (
Urk.
6/126). Die IV-Stelle
hielt
mit Verfügung vom 1
4.
September
2017 (
Urk.
2)
an der Verneinung des
Anspruch
s
auf
eine Invalidenrente
fest und wies das Leistungsbegehren ab
.
2.
Gegen die Verfügung vom
1
4.
September 2017 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 1
6.
Oktober
2017 Beschwerde und beantragte (
Urk. 1 S. 2
), die Verfügung sei aufzuheben und
es
seien zusätzliche medizinische Abklärungen und berufliche Massnahmen durchzuführen. Eventualiter sei eine Invalidenrente ab wann rech
tens zuzusprechen
. Die IV-Stelle schloss in
ihrer Beschwerdeantwort vom
22
.
November
2017 mit Verweis auf die Akten (
Urk.
5) auf Abweisung der Beschwerde.
Hiervon wurde dem Beschwerdeführer am 2
4.
November 2017 Kenntnis gegeben (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unver
änderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall
zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhält
nisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegen
über Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Mass
gebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Ver
waltungs
verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeüb
ten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialver
sicherungs
recht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
1.3
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstäti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgaben
be
reich
weiterhin
summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invalidi
täts
grads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die ver
sicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
1
.4
Gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindes
tens zu 60
Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50
Prozent, oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindest
ens zu 40 Prozent invalid sind
.
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.7
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versi
cherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD
Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
D
ie Beschwerdegegnerin begründete
die
Verneinung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente
(
Urk.
2) da
mit, dass die Tätigkeit als
Automatiker
aufgrund der gesundheitlichen Situation nicht mehr zumutbar sei. Die medizinischen Abklä
rungen hätten jedoch ergeben, dass eine 100%
ige
Arbeitsfähigkeit für
eine Tätig
keit
vorliege, welche kein tadelloses Sehen und kei
ne perfekte Vision voraussetze
und
für die
keine
ganztätige intensiv
e Konzentration notwendig sei. Auch f
ür die Tätigkeit als Studierender und diejenige als Kinderbetreuer bestehe keine Arbeits
unfähigkeit
(S. 1)
.
In einer Hilfsarbeitertätigkeit mit dem erwähnten Belastungsprofil könnte ein jährliches Einkommen von
Fr.
65'177.15 erzielt werden. Bei guter Gesundheit sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der Automatik arbeiten würde. Dabei könnte er gestützt auf statistische Anga
ben ein Einkommen von Fr.
72'160.20 erzielen. In Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen resultiere ein Invaliditätsgrad von 10
%,
weshalb kein Anspruch auf Rentenleistungen bestehe (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber auf de
n Standpunkt (
Urk.
1 S.
3), er habe ein Studium abs
olviert und daneben teilzeitig
im erlernten Beruf als
Automatiker
gearbeitet, was zusammen einem Vollzeitpensum entsprochen habe. Beide Tätigkeiten habe er wegen des Augenleidens aufgeben müssen. Es werde zu Unrecht davon ausgegangen, dass er ohne Gesundheitsschaden als
Auto
mati
ker
tätig wäre
, sondern es
sei davon auszugehen, dass er ohne gesund
heitliche Beeinträchtigung mittlerweile sein Masterstudium an der Universität abge
schlossen hätte
(S. 3 f.)
. Das
Valideneinkommen
sei damit nicht auf der Basis des Lohnes eines
Automatikers
,
sondern
eines
Akademiker
s
festzulegen. Beim Inva
liden
einkommen sei das Abstellen auf eine Hilfsarbeitertätigkeit nicht sachge
recht
. Das Studium habe
er
krankheitsbedingt nicht fortsetzen können
, u
nter anderem
,
weil die Teilnahme an einem Seminar aufgrund der krank
heitsbedingt eingeschränkten Konzentration und
der
schnelleren Ermüdung nicht mehr mög
lich gewesen sei. Zudem leide er unter permanenter Benommenheit, was seine Leistungs- und Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränke
(S. 4 f.)
. Nebst
zusätzli
chen
medizinischen
Abklärungen
seien berufspraktische Abk
lärungen angezeigt und entsprechend dem Grundsatz
«
Eingliederung vor Rente
»
seien
vorab
solche Abklärungen notwendig
(S. 5).
3.
Im Streit liegt die Verfügung vom 1
4.
September 2017 (
Urk.
2)
,
mit
der
ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint wurde.
Nicht Streitgegenstand sind demgegenüber berufliche Eingliederungsmassnahmen, über welche die Beschwerdegegnerin
gar nicht
entschieden hat.
Eingliederungsmassnahmen
waren
denn
auch nicht Thema des Vorbescheides vom
8.
April 2016 (
Urk.
6/9
3
)
und
des Einwandes vom 2
0.
April 2016 (
Urk.
6/95).
Im Weiteren gab der Beschwerdeführer
a
nlässlich des Erstgesprächs b
ei der IV-Stelle Thurgau am 11.
Dezember 2014
(
Urk.
6/31)
selber bekannt
, dass er sich für keine Tätigkeit
mehr
als arbeitsfähig erachte und die Rentenprüfung wünsche (vgl. Case Report vom
20.
Januar 2015,
Urk.
6/62/3).
Die Anmeldung
zum Leistungsbezug erfolgte am 1
9.
November 201
4.
Damit fällt ein möglicher Ren
tenanspruch frühestens ab Mai
2015
in Betracht
(
Art.
29
Abs.
1 IVG)
. Mit Blick auf das Wartejahr sind
damit grundsätzlich
die medizinisch begründeten Arbeitsunfähigkeiten ab
Mai 2014
mit den entsprechenden Bericht
erstattungen relevant (vgl. E. 1.2 hiervor). Im Weiteren ist z
u berück
sichtigen, dass sich der Beschwerdeführer
von September 2015 bis Ende Juni 2017
zusammen mit seiner Frau
und den drei Kindern in
Spanien
aufhielt
und
sich um den
Haushalt
und die Kinder kümmerte,
während seine Frau
zu 100
%
als Kindergärtnerin an der
A._
in Barcelona
tätig war (
Urk.
6/114/13
). Ferner ist
zu
beachten, dass sich die
gerichtliche Überprüfungs
befugnis auf den Zeitraum bis zur vorliegen
d angefochtenen Verfügung vom 1
4.
September
2017 beschränkt.
3.1
Im Eintrag zur Krankengeschichte über
den
Kontrolluntersuch vom 2
8.
Juli 2009
berichteten
Dres
. med.
B._
und
C._
, Fachärzte für Neurol
ogie
(
Urk.
6/8), die Beschwerden hätten sich seit der Kontrolle
im Juni 2002 nicht ver
ändert, d
er Beschwerdeführer beschreibe
diese
aber etwas anders. Beim Gehen habe er konstant ein leichtes Flimmern vor Augen mit kleinen Punkten
,
wie bei einer Bildstörung am Fernsehen. Vor allem wenn er einen dunklen Hintergrund anschaue, sehe er das Flimmern verstärkt und dadurch habe er den Eindruck, dass sich das Bild leicht bewege. Wegen der Sehstörung habe er die Autoprüfung nicht
machen können. Auch Basketball habe er
nicht mehr spielen können, weil ihm die Bewegungen zu schnell gewesen seien, er den Bildern nicht mehr habe folgen können und ihm schwindlig geworden sei.
Es sei a
uc
h längeres Lesen dadurch
deutlich ers
chwert. Die Sehbeschwerden
verstärkten sich
nach Anstrengungen oder bei Müdigkeit,
wobei
die
Symptomatik
jedoch
dauernd vor
handen und nicht
attackenartig
sei
. Ungefähr fünfmal pro Jahr habe
er ein Augenflimmern, das
sich von einer Seite langsam
über
das Gesichtsfeld schiebe und
nach
fünf bis zehn Minuten langsam verschwinde
, dann
habe er einseiti
ge Kopfschmerzen ohne weitere Symptome. Dieses Flimmern
sei deutlich anders als
die übrige Sympto
matik
. Bis vor sechs Jahren habe er am Wochenende regelmässig Cannab
is geraucht.
Im
Untersuchungsbefund
zeige sich
ein guter Allgemeinzustand und eine unauf
fällige
Augenmotilität
ohne gestörte
Sakkaden
und ohne pathologische
n
Nystag
mus. Bei der
Funduskopie
sei
k
ein Nystagmus sichtbar und auch der
übrige detaillierte Neurostatus
sei
normal.
A
us neurologischer Sicht
könnten die Beschwerden insgesamt
nicht erklär
t werd
en
.
3.2
Im
undatierten, am 7. März 2014 bei der Beschwerdegegnerin registrierten
Bericht der
D._
(
Urk.
6/13) führte der zuständige Arzt aus, der Beschwe
rdeführer habe seit 12 Jahren "
v
isual
snow
". Vor einer Woche habe er
eine
Migräne
gehabt
, die
normalerweise zwei Tage daure
. Diesmal sei
en aber die Augen schlecht gebli
eben, so schlecht
,
dass
er fast nichts mehr machen könne. Es wackle und blende.
Alle bekannten Sym
ptome seien
verstär
kt. Er müsst
e
e
igentlich
am Montag
a
rbeiten und er überlege
sich
einen
Studiumsabbr
uch
,
weil es immer schlimmer werde. Er wolle eine
MRI-Anmeldung
.
3.3
In der
Magnetresonanztomografie (MRI) des Schädels vom 1
0.
März 2014
führte der zuständige Radiologe aus
(
Urk.
6/14)
, es
sei
en
normal angelegte supra- und
infratentorielle
Hirnanteile
ersichtlich
, ohne Diffusionsrestriktion, ohne Nachweis einer kontrastmittelanreichernden Läsion und
mit
normale
r
Darstellung der Orbitae und der darin enthaltenen Strukturen. Hinweis
e
auf eine Pathologie im Verlaufe des
Nervus
opticus
und der
Sehbahn
ergäben sich keine
. Sichtbar seien mehrere kleine Retentionszyst
en im Sinus
maxillaris
beidseits.
Das Schädel-MRI sei unauffällig und es
seien
k
ein
e
Hinweis
e
auf einen Tumor
oder eine
Parenchymveränderung
vorhanden
,
welche die Klinik erklären könnte
n
.
3.4
Im Eintrag in die Krankengeschichte vom
1
9.
März 2014
hielt
Dr.
B._
fest
(
Urk.
6/19)
,
d
er
Beschwerdeführer
gebe
an, er habe
eine Woche vor Ver
schlechterung der aktuellen Symptomatik sein Studium in Geschichte
, welches
er seit 2010 mache
wieder aufgenommen
und
möchte nun nach dem Bachelor
den Master
machen. Schon auf dem We
g zu den ersten Vorl
esungen u
nd auch während den Vorlesungen
respektive einem Seminar
sei
das Sehen schon schlech
ter
gewesen
und er
habe
sich irgendwie unwohl
gefühlt.
Einmal pro Woche arbeite
er noch in sei
nem angestammten Beruf als Elektromechaniker, wobei
er wegen der Sehstörungen in dieser Zeit nicht
habe arbeiten können.
Er lebe mit seiner Ehefrau und seinen zwei
Kindern zusammen,
wobei
die Frau
aktuell wieder schwanger sei.
Er
berichte
über
die gleichen Sehstör
ungen wie
sie
sc
hon seit mehr als zehn Jahren bestünden
. Sämtliche
bisherigen Untersuchungen
seien
jedoch unauffällig gewesen,
sowohl
von ophthalmologischer Seite
her als auch vom aktuellen
Neurostatus
her und
a
uch das Schädel-MRI
(
vom
1
0.
März 2014)
zeige keine
wegweisenden Befunde und a
uch die
am Folgetag durch
geführte
augen
ärztliche Kontrolle
sei gemäss Auskunft des Beschwerde
führers
unauffällig gewe
sen
.
Der
Beschwerdeführer
sei deshalb
nochmals für eine Untersuchung in
der
E._
angemel
det
worden
.
Insgesamt
bestehe der dringende Verdacht auf eine funktionelle Symptomatik, die unter aktueller
Stresssituation (F
amilie, Studium) akzentuiert sei. Er
habe
den Beschwerdeführer
vorerst 50
%
krankgeschrieben und dieser
soll
e
versuche
n, mindestens einen halben Tag als Elektromonteur
zu arbeiten
.
3.5
3.5.1
Am 1
6.
Juli 2014 hielten die Ärzte der
E._
die folgenden Diagnosen fest (
Urk.
6/23):
-
Mikrostrabismus
convergens
rechts
-
Augenflimmern
(Visual-Snow)
-
Visuelle Aura bei Migräne sine Migräne
-
positive Familienanamnese für Migräne
-
Keratokonus
Erstdiagnose ca. 2008
Bei der
Sehstörung hand
l
e es sich am ehesten um Augenrauschen und um ein eigenständ
ig benignes klinisches Syndrom, welches klar von einer Migrä
ne abgegrenzt werden sollte. Es be
stehe
je
doch eine hohe Komorbidität mit
Migrä
neleiden; auch
sei
die Familienanamnese für Migräne bei den betrof
fenen Patienten häufig positiv. Zurzeit
gebe
es keine allgemein gültig wirksame Thera
pie. E
ine Aufklärung und Erfassung der genauen
Behandlungsmög
lichkeit dieser Krankheit stehe noch aus
.
B
ei
manchen Patienten
sei eine
Besserung unte
r
Lamotrigin
erreicht worden
,
was
bei
hohem Leidensdruck probatorisch mit
eine
r
langsame
n
Aufdosierung
des genannten
Anti
e
pileptikums
unter eng
masch
iger
neurologischer Kontrolle zu empfehlen sei.
3.5.2
Im Bericht der
E._
vom 1
6.
Dezember 2014 (
Urk.
6/51) wurde fest
gehal
ten, dem behandelnden Neurologen sei ein Therapieversuch beim Beschwerde
führer mit
Lamictal
empfohlen worden. Arbeitsunfähigkeiten seien keine ausge
stellt worden. Dieser sei ehemals Elektromechaniker gewesen, habe ein Geschichtsstudium begonnen, dieses jedoch per 3
0.
September 2014 abgebrochen und aktuell sei er als Hausmann tätig.
3.6
3.6.1
Im Eintrag
in die Krankengeschichte
vom 1
7.
Dezember 2014
hielt
Dr.
B._
fest
(
Urk.
6/
4
0
/12), zwischenzeitlich
sei
das
Lamotrigin
auf 2 x 150 mg
auf
dosiert
worden. Das Medikament habe auf das Augenrauschen keinen Einfluss, aber die Episoden mit
isolierter Migräneaura mit Flimmerskotom seien seither verschwunden.
Es sei geraten worden
,
das
Lamictal
auf 2 x 100 mg
zu reduzieren, da es ja doch einen
Effekt auf die Migräneaura habe. Der Beschwerdeführer habe i
n der Zwischenzeit
ganz aufgehört zu arbeiten. Seine Ehefrau arbeite als Kinder
gärtnerin und er mache
den Haushalt und betreu
e
die Kinder. Auch bei der Haus
arbeit
ermüde
er sehr schnell
und
sei
wegen der
Anstrengung der Augen
erschöpft.
Der Beschwerdeführer wünsche eine Zweitmeinung durch Prof.
Dr.
med.
F._
, Direktor Neurologie und Chefarzt an der
G._
,
und sei deshalb dort angemeldet worden.
3.6.2
Im
Eintrag vom 2
4.
Juni 2015
führte
Dr.
B._
aus
(
Urk.
6/57), der Beschwerdeführer sei zwischenzeitlich bei Prof.
F._
gewesen, welcher offen
bar die Diagnose bestätigt habe, wobei
noch
kein Bericht vorliege. Neben der Basisbehandlung mit
Lamotrigin
sei
en
zusätzlich
Cymbalta
60 mg, Vitamin B2
100 mg sowie Magnesium empfohlen worden. Der Beschwerdeführer nehme seither diese Kombinationsbehandlung, wobei er bisher keinen positiven Effekt auf die Sehstörungen habe bemerken können.
Der Beschwerdeführer berichte auch
, dass er in einem Monat zusammen mit der Familie nach Barcelona
aus
wandern werde und
dort
w
ahr
scheinlich für zwei Jahre
bleibe
.
3.7
Im Schreiben vom 1
9.
Oktober 2015 an das Sozialversicherungszentrum Thurgau hielt Prof.
Dr.
F._
fest
(
Urk.
6/74)
, er habe den Beschwerdeführer im Rahmen einer Zweitmeinung einmalig am 1
0.
Juni 2015 aus klinischer und wissen
sch
aft
licher Perspektive gesehen.
Die Konsultation habe sich auf
eine
rein klinische Fragestellung bei einem seltenen Krankheitsbild bezogen und er habe keinerlei Aufmerksamkeit auf versicherungstechnische und/oder arbeitsmedizi
nische Aspekte der Krankheit gelegt. Vor diesem Hintergrund könne er den ausführli
chen Bericht vom 1
1.
Juni 2015 zustellen, bitte aber darum, bezüglich der versi
cherungsmedizinischen Aspekte des Leiden
s
auf den betreuenden Neuro
logen
Dr.
B._
abzustellen.
3.8
Auf Anfrage der IVSTA (vgl.
Urk.
6/117) hielt
Dr.
med.
H._
, FMH Neurologie
,
vom
Service
médical
régional
(
SMR
) in ihrer Stellungnahme vom
2.
Juni 2017
(
Urk.
6/120/1-5)
folgendes
fest
(S. 4):
«Selon
les
documents
à
notre
disposition
, les
troubles
visuels
de Monsieur
X._
sont
pré
sents
depuis
2002 et
n'
avait
pas
influencé
son
activité
professionnelle
avant 201
4.
Dans les
documents
de 2014
une
ag
gravation
de
ces
troubles
est
dé
crite
mais
il
n'est
pas
mesurable
ni
objectivable
. Dans les
articles
mentionnés
plus haut on
peut
é
galement
trouver
des
images
correspondantes
à la
perception
visuelle des
patients
.
Selon
ces
images
, la
perception
visuelle
est
modifié
e
mais
les
images
son
t
visualisées
entiè
rement
.
Dans
ce
contexte
,
une
difficulté
pour
les
activités
qui
né
cessitent
une
manipula
tion
des
petit
s
objets
, les
machines
ave
c
risque
de
traumatisme
et la
l
e
cture
et
écriture
durant
plusieurs
heures
peuvent
être
limité
es
.
U
ne
fatigue
visuelle en
cas
de
nécessité
de
r
é
aliser
ces
activités
peut
être
acceptée
.
Toutefois
,
une
activité
qui
respecte
ces
limitatio
ns
fonctionnelles
est
exigible
à 100%
chez
cet
homme
jeune
qui
n'a
aucun
autre
problè
me
de
santé
qui
pourrait
influencer
sa
capacité
de
travail
.
Je
propos
e
donc
de
retenir
une
incapacité
de
travail
à 100
%
pour
l'activité
d'automaticien
et
d'é
tudiant
dè
s
le 29.09.2014,
date
d'arrêt
de
travail
,
qui
correspond
à la
pé
riode
qu'une
aggravation
des
troubles
est
dé
crite
.
Pour
une
activité
qui
respecte
l
es
limitations
fonctionnelles
dé
crits
plus haut je ne
propose
aucune
incapacité
de
travail
(0
%
).
Pour
les
act
ivités
du
mé
nage
dans
le
questionnaire
remplit
par Monsi
eur
X._
ainsi
que
dans
la
lettre
qu'il
nous
a
adressé
,
il
est
clairement
dé
crit
qu'il
ne
presente
pas
de
limitations
importants
. Dans
ce
questionnaire
il
est
précisé
que
Monsieur
X._
a
besoin
d'aide
pou
r
faire les
courses
en grosse
quantité
,
car
il
ne
peut
pas
conduire
. Dans
ce
con
texte
,
j'
e
stime
que
l'incapacité
de
travail
pour
les
activités
du
mé
nage
est
1
%
[...]»
.
4.
4.1
Ausw
eislich der medizinischen Akten
leidet der Beschwerdeführer n
eben einer Migräne
teilweise
mit und
teilweise
ohne Aura
primär
an einer Sehstörung, die bereits
im
Jahr 2002 behandlungs
bedürftig wurde
. N
eurologisch
konnte die Stö
rung nicht erklärt werden und wurde
vorerst
im Zusammenhang
mit
dem Konsum von Cannabis
gesehen
und später
einer
funktionelle
n
Symptomatik
zug
e
schr
i
e
ben,
die
sich unter
Stresssituation
en
(Familie, Studium)
akzentuier
e
(E.
3.1
bis
E. 3.4
)
.
Im Juli
2014
wurde
die Sehstörung
erstmals
unter der
Diagnose eines sogenannten Augenflimmerns
/Augenrauschen
«Visual-Snow»
gefasst
und
ein
em
eigenständig
en benignen
klinische
n
Syndrom
zugeschrieben
(E. 3.5). Die Behand
lung der Störung mittels des
Antiepileptikums
Lamictal
zeigte
keinen
Einfluss auf das Augenrauschen, brachte
jedoch
die Episoden mit isolierter Migräneaura mit Flimmerskotom
zum Verschwinden (E. 3.6)
.
Den
Bericht von Prof.
Dr.
F._
, welcher den Beschwerdeführer
im Rahmen einer Zweitmeinung
am 1
0.
Juni 2015
konsultierte
,
holte
die
Be
schwerdegegnerin nicht ein
, obschon
Dr.
F._
in seinem Schreiben an die Beschwerdegegnerin ausdrücklich auf seinen ausführli
chen Bericht vom 1
1.
Juni 2015 verwies und anbot, diesen der Beschwerde
gegnerin zuzustellen
(vgl. E.
3.7
und
Urk.
6/120/2 «
mais
nous
n’avons
pas
ce
rapport
à
disposition
»).
Dr.
H._
schloss unter Einbezug der aktuellen Fachlite
ratur auf eine organische Beeinträchtigung, die durch die gängigen neurologi
schen und
ophtalmologischen
Untersuchungen nicht objektivierbar sei und deren Diagnose im Wesentlichen auf der Anamnese und dem Ausschluss anderer Erkrankungen beruhe (
Urk.
6/120/4 oben: «Il
s’agit
d’une
atteinte
qui
ne
peut
pas
être
objectivée
par les
examens
neurologiques
ou
ophtalmologiques
courants
et le
diagnostic
se
base
essentiellement
sur
l’anamnèse
et
l’exclusion
d’autres
atteintes
neurologiques
et
ophtalmologiques
.
Toutefois
, [...]
il
s’agit
d’une
atteinte
organique
qui
a
été
mentionnée
plusieurs
fois
dans
la
littérature
internationale.»
).
4.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte eine Invalidenrente – wie erwähnt - mit der Begründung, dass
für die Tätigkeit als Studierender und diejenige als Kinderbe
treuer keine Arbeitsunfähigkeit
bestehe und im Erwerbsbereich lediglich ein Invaliditätsgrad von 10
%
resultiere (vgl. E. 2.1 hiervor).
Die
se
Auffassung
deckt sich
insofern nicht mit der Aktenbeurteilung
der
beraten
de
n Neurologin
Dr.
H._
vom SMR
,
als
sie
den Beschwerdeführer
au
fgrund der visuellen Störungen
für die Tätigkei
t als Studierender
ab
29.
September 2014
als
zu
100
%
arbeitsunfähig
erachtet
hat
(
«
incapacité
de
travail
à 100
%
pour
l'acti
vité
d'automaticien
et
d'étudian
t
»
; E.
3.8 hiervor).
D
abei stellte
Dr.
H._
augen
scheinlich
auf die Berichterstattung der
E._
vom
16.
Dezember 2014
ab
[«Dans le
rapport
ophta
lmologique
du 16.12.2014, les
mê
mes
diagnostics
sont
mentionnés
. Le
médecin
précise
que
son
patient
a
arrêté
les
études
le 30.09.2014.»
;
Urk.
6/120/2
],
wobei in diesem Bericht ausdrücklich festgehalten wurde
, dass
aktenanamnestisch durch das
E._
keine Arbeitsunfähigkeiten attestiert wurden (
Urk.
6/51).
Eine
aussagekräftige medizinische Beurteilung
der Auswirkungen der Sehstörung auf die Tätigkeit
als Studierender
, welches
der Beschwerdeführer
nach
dreieinhalb Jahren (September 2010 bis Januar 2014) auf Bachelorstufe abgeschlossen hatte,
liegt damit nicht vor.
Sodann fehlt auch der
Bericht von Prof.
Dr.
F._
, welcher den Beschwerdeführer im Rahmen einer Zweitmein
ung am 1
0.
Juni 2015
konsul
tiert
hatte.
4.3
4.3.1
In
erwerblicher
Hinsicht macht
der Beschwerdeführer gelte
nd
, er habe sein Stu
dium krankheitsbedingt nicht fortsetzen können und würde mittlerweile bei guter
Gesundheit als Akademiker ein
Valideneinkommen
erzielen (
Urk. 1.
S. 4
).
Dazu und zur Statusfrage äussert sich die Beschwerdegegnerin
weder in ihrer Verfü
gung noch in der
Beschwerdeantwo
rt
.
Aktenkundig ist
, dass der Beschwerdeführer
spätestens seit
2.
September 2015 (Anmeldedatum;
Urk.
6/61) bis 3
0.
Juni 2017 mit seiner Familie in Spanien wohnte und in dieser Zeit weder erwerbstätig war noch sein Studium fortsetzte.
Die
dortige Tätigkeit als Hausmann mit der Betreuung
der
drei Kinder
begründet
e
er
damit
, dass seine Frau mit einem Arbeitsvertrag für zwei Jahre zu 100
%
als Entsandte a
n der
A._
tätig gewesen sei und er
daher
keine Möglich
keit gehabt habe
,
eine andere Tätigkeit aufzunehmen (vgl.
Urk.
6/114/13).
Der
Unterbruch
kann
damit jedenfalls nicht als verpasste Studienzeit
zufolge Krank
heit
angerechnet
werden
,
sondern
die Arbeitsfähigkeit
ist
zumindest in diesem Zeitraum (
September
2015 bis
Juni
2017
) aufgrund d
er Tätigkeit als Hausmann
zu beurteilen (vorstehend E. 1.2)
.
D
ie diesbezüglichen
Abklärungen
tätigte d
ie
IVSTA
praxisgemäss
durch
die
Zustellung des Formulars «Fragebogen für die im Haushalt tätigen Versicherte
n» (vgl.
Urk.
6/114). Dabei gab der Beschwerdeführer als einzige
Ei
nschränkungen im Haushalt
im Bereich «Aushilfekräfte» an,
dass er
bei
grösseren Anschaffungen
die Hilfe
seine
r
Frau
benötige
, da er aufgrund der gesundheitlichen Probleme nicht in der Lage sei Auto zu fahren
, wobei aber gleichzeitig festgehalten wurde,
dass sie
in Barcelona
gar
kein Auto besitzen
würden (vgl.
Urk.
6/114/3).
Vor diesem Hintergrund erachtete
Dr.
H._
Einschränkungen im Haushalt
be
reich von 1
%
für ausgewiesen
(
Urk.
6/120 S. 4 und S. 8
vgl.
E. 3.8 hiervor), was mit Blick darauf, dass
die Angaben vom Beschwerdeführer selber stammen, nicht zu beanstanden
ist
.
Bei Einschränkungen im Haushaltsbereich von 1
%
fällt damit ein Rentensprach
für die Dauer des Auslandaufenthaltes
von
September
2015
bis und mit Juni
2017
jedenfalls
ausser Betracht.
4.3.2
Auch
mit Blick auf
ein
en möglichen
Rentenanspruch von Mai bis
August
2015
und von
Juni
bis September 2017 (Verfügungszeitpunkt, vgl. E. 3.1)
wäre
vorab
die Frage der Qualifikation (Hausmann, Studierender, Erwerbs- oder Teilzeit
er
werbstätiger)
zu klären gewesen
, wozu sich weder der angefochtenen Verfügung noch der Beschwerdeantwort eine Aussage entnehmen lässt.
Aus den
Akten
ergibt sich zwar
, dass
der Beschwerdeführer
nach dem Abschluss seines Studiums auf Bachelorstufe
im
Januar 2014
bereit
s
für den weiteren Studiengang auf Masterstufe eingeschrieben
hatte
(
Urk.
6/94).
Zusätzlich
war er bis März 2014 an einem Tag pro Woche (8.75 Stunden) und danach
noch 4.5
Stunden pro Woche
bis 3
0.
September 2014 in seinem
bisherigen
Beruf als
Automatiker
tätig (
Urk.
6/43
/1-14
Ziff.
2.1 und
Ziff.
2.9).
Eigenen Angaben zufolge brach er das Studium im März 2014 ab und musste seine Arbeit per Ende September 2014 aufgrund eines verschlechterten Gesundheitszustands aufgeben, weshalb seine Ehefrau ihr Arbeitspensum auf 100
%
habe erhöhen müssen (Urk. 6/114/6
Ziff.
4 und 6).
Daraus könnte geschlossen werden
, dass
er nach Abschluss des Bachelorstudiums
bei guter Gesundheit
in gleicher Weise auch das Masterstudium inklusive Nebenerwerbstätigkeit
– gemäss seinen Ausführungen einem Vollpensum entsprechend (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
2)
bis zu seinem Ausland
aufenthalt beibehalten hätte. Zu berücksichtigen ist aber auch die Aufgaben
tei
lung
zwischen dem Beschwerdeführer und
seine
r
erwerbstätigen
Ehegattin, wel
che
am
1
2.
Juni 2014
den
drit
te
n
Sohn gebor
en
hatte
(
Urk.
6/25/13)
.
Nicht aus
zuschliessen ist in diesem Zusammenhang
, dass sich der Beschwerdeführer bereits vor dem Auslandaufenthalt entschieden hatte
,
zur Unterstützung seiner Ehegattin zu
100
%
im Haushalt tätig zu sein
. Gegen eine
vollzeitige
Erwerbstä
tigkeit
könnte
sodann
die
Erwerbsbiographie gemäss dem individuellen Konto
sprechen
, die nahe legt, dass
der Beschwerdeführer
seit
seinem Lehrab
schluss im Jahr 2003 nur teilzeitig erwerbstätig war (vgl.
Urk.
6/35).
Im
Weiteren führte er
in seinem
Einwand
aus
,
dass
er
-
sofern er kein Studium absolviert hätte
-
, an vier Tagen (80
%
) erwerbstätig
wäre
(vgl.
Urk.
6
/95/2).
Wie es sich damit verhält,
braucht
mit Blick auf die Rückweisung der Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung der Restarbeitsfähigkeit im vorliegenden Verfahren
nicht
abschliessend beantwortet
zu werden. Dasselbe gilt auch für
die Qualifikation nach
d
er
Rückkehr aus dem zweijährigen Auslandaufenthalt
, wel
che
die Beschwerdegegnerin
,
nachdem der Sachverhalt grundsätzlich
im Verfü
gungszeitpunkt
zu erheben ist, erneut
hätte abklären müssen.
4.4
Zusammenfassend und a
ngesichts dessen, dass die Beschwerdegegnerin im Ver
waltungsverfahren keine eigenen medizin
ischen Ab
klärungen getätigt und
rele
vante Akten nicht beigezogen hat
und es bei einer unzureichenden Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit ohne
rechtsgenügliche
Auseinandersetzung mit der Akten
lage bewenden liess, rechtfertigt es sich im Lichte der bundes
gerichtlichen Recht
sprechung (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4) nicht, bereits zu diesem Zeitpunkt der Abklärungen ein
gerichtliches Gutachten einzuholen, zumal der Sachverhalt auch in
Bezug auf die Statusfrage
und das
Valideneinkommen
nicht
rechtsgenüglich
abgeklärt und ein gerichtliches Gutachten auch nicht
beantragt wurde. D
ie Sache
ist
damit unter Aufhebung de
r angefochtenen Verfügung vom 1
4.
September
2017 (
Urk.
2) an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit sie die notwen
digen Abklärungen veranlasse und hernac
h über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
1’0
00.-- fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, d
em Beschwerdeführer
eine angemessene Prozessentschädigung (inklusive Barauslagen und Mehrwer
t
steuer) in der Höhe von
Fr.
1‘7
0
0.
-- zu bezahlen
.