Decision ID: 38adf7a7-4985-5947-b96a-d1eec9095282
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch B._,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente; berufliche Massnahmen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 25. August 2008 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Gemäss den telephonischen Angaben der Psychiatrie-Dienste Süd vom 4.
Dezember 2008 (IV-act. 13) litt er an einem organischen Psychosyndrom nach
Schädelhirntrauma mit persistierenden kognitiven Defiziten, an einem St. n.
Anpassungsstörung mit länger andauernder depressiver Reaktion und an
Alkoholabhängigkeit. Eine neuropsychologische Testung hatte ein neurokognitives
Funktionsniveau ergeben, das auf dem IQ-Niveau von 70 lag. Laut einem Gutachten
von Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 25. Juni
2008 (IV-act. 23) lauteten die Diagnosen: Anpassungsstörung bei länger dauernder
depressiver Reaktion und Störungen durch Alkohol (Abhängigkeit). Die nur noch
diskreten Symptome hatten keine Arbeitsunfähigkeit mehr gerechtfertigt. Die
Psychiatrie-Dienste Süd berichteten der IV-Stelle am 2. Juni 2009 (IV-act. 35), die
aktuellen Symptome bestünden in einem umständlichen Denken,
Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen und eingeschränkten kognitiven
Fähigkeiten mit Auswirkung auf den Alltag. Beispielsweise bezahle der Versicherte
seine Rechnungen nicht mehr selbst und es falle ihm schwer, Termine zeitgerecht
einzuhalten. Das Schweizerische Institut für Versicherungsmedizin (SIVM) in Luzern
führte in seinem Gutachten vom 23. Juli 2009 (Fremdakten) aus, bei der Untersuchung
seien sowohl Verhaltensauffälligkeiten (ausschweifende, unpräzise, unfokussierte
Antworten, geringe Besorgtheit) als auch deutliche Gedächtnisstörungen aufgefallen.
Die auch in einer adaptierten Erwerbstätigkeit bestehende Arbeitsunfähigkeit (20%)
ergebe sich aus der verstärkten Ermüdbarkeit, der verminderten Leistungsfähigkeit und
der Schwierigkeit, sich im Alltag zu organisieren, also aus Behinderungen, die
chronisch diffusen Hirnfunktionsstörungen eigen seien.
A.b Am 21. Dezember 2009 unterzeichnete der Versicherte einen Eingliederungsplan
(IV-act. 41-2). Dieser enthielt folgende Liste konkreter Massnahmen: Anmeldung RAV
zur Stellensuche, komplettes Bewerbungsdossier erstellen, aktive eigene Stellensuche,
Networking/Beziehungsnetz einbeziehen. In einem mit "Mahn- und
Bedenkzeitverfahren" betitelten Schreiben vom 13. Januar 2010 (IV-act. 44) teilte die
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IV-Sachbearbeiterin dem Versicherten mit, dass er wiederholt darum gebeten worden
sei, sich auf dem RAV anzumelden. Dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen.
Gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG werde er aufgefordert, sich bis spätestens 25. Januar
2010 auf den RAV anzumelden, ansonsten sein Leistungsgesuch wegen fehlender
Mitwirkung abgewiesen werden müsse. Vom RAV erfuhr die IV-Stelle am 1. März 2010
(IV-act. 45), dass der Versicherte dem Aufnahmetermin (15. Februar 2010)
unentschuldigt ferngeblieben war. Mit einem Vorbescheid vom 9. März 2010 (IV-act.
50) kündigte sie dem Versicherten die Abweisung seines Leistungsbegehrens an.
Dieser teilte am 19. April 2010 mit (IV-act. 51), er habe im Januar bzw. Februar 2010
einen Unfall gehabt. Am 3. Juni 2010 forderte die IV-Stelle ihn auf, bis 11. Juni 2010
persönlich bei der Gemeindeverwaltung Maienfeld vorzusprechen und sich arbeitslos
zu melden (IV-act. 57). Er gab am 16. Juni 2010 an, er habe am 27. Mai 2010 einen
Unfall erlitten. Gemäss dem Arztzeugnis sei er bis 8. Juli 2010 arbeitsunfähig. In einem
Verlaufsprotokoll (IV-act. 65) hielt die Eingliederungsberaterin am 16. Juni 2010 fest, sie
erachte eine Arbeitserprobung in einem Einsatzprogramm als angezeigt. Diese
Erprobung solle Aufschluss über die Motivation und die Leistungsfähigkeit des
Versicherten geben. Dieser habe grosse Mühe, Termine einzuhalten (Angst, Scham).
Deshalb werde mit der Arbeitslosmeldung noch zugewartet. Gemäss einem weiteren
Eintrag in diesem Verlaufsprotokoll vom 24. August 2010 besichtigte der Versicherte an
diesem Tag den Werkbahnhof D._, wo die Arbeitserprobung durchgeführt werden
sollte. Mit ihm wurde ein Einsatz vom 1. September bis 30. November 2010 vereinbart.
Ebenfalls gemäss dem Verlaufsprotokoll teilte ein Mitarbeiter des Werkbahnhofs D._
am 6. September 2010 mit, der Versicherte sei am 1. September 2010 nicht
erschienen. Er habe stattdessen angerufen und andere Termine geltend gemacht. Die
Abmachung, dass er am 3. September 2010 anfangen werde, habe der Versicherte
nicht eingehalten. Er sei telephonisch nicht erreichbar gewesen. In einem an den
Versicherten gerichteten, mit Mahn- und Bedenkzeitverfahren betitelten Schreiben vom
13. September 2010 (IV-act. 64) führte die IV-Sachbearbeiterin aus, er habe am 13.
Januar 2010 ein erstes Mahnschreiben erhalten, weil er Termine mit der
Eingliederungsberaterin und dem RAV nicht eingehalten habe. Erst nach dem Erhalt
eines abweisenden Vorbescheids habe er sich wieder gemeldet, worauf die
Eingliederungsbemühungen wieder aufgenommen worden seien. Nach der
Besichtigung des Werkbahnhofs D._ sei eine berufliche Abklärung vereinbart
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worden, die am 1. September 2010 hätte beginnen sollen. Er habe sich weder an
diesem Termin noch zu einem späteren Zeitpunkt bei der Abklärungsstelle oder bei der
IV-Stelle gemeldet. Ohne seine Mitwirkung sei eine berufliche Eingliederung nicht
möglich. Wenn er seiner Auskunfts- oder Mitwirkungspflicht in unentschuldbarer Weise
nicht nachkomme, könne auf Grund der Akten verfügt werden oder die Erhebungen
könnten eingestellt und Nichteintreten beschlossen werden. Die IV-Sachbearbeiterin
verwies dazu auf Art. 43 Abs. 3 ATSG. Sie forderte den Versicherten letztmals auf, sich
bis spätestens Montag 20. September 2010 bei der Abklärungsstelle Werkbahnhof in
D._ einzufinden, andernfalls aufgrund der Akten entschieden, d.h. das
Leistungsgesuch abgewiesen werde. Am 20. September 2010 erfuhr die IV-Stelle von
der Abklärungsstelle, dass der Versicherte nicht erschienen war (IV-act. 65-2). Die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 27. September 2010, der
Versicherte sei seiner Mitwirkungspflicht ein zweites Mal nicht nachgekommen, indem
er die Auflagen gemäss dem Schreiben vom 13. September 2010 nicht erfüllt und sich
nicht gemeldet habe. Die Eingliederungsbemühungen müssten unter diesen
Umständen mangels Mitwirkung als definitiv nicht durchführbar betrachtet werden (IV-
act. 66). Am 30. September 2010 erliess die IV-Stelle eine mit "Verfügung: Keine
Kostengutsprache für berufliche Massnahmen und Rentenleistungen" überschriebene
Verfügung, mit der sie das Leistungsbegehren des Versicherten abwies (IV-act. 67). Zur
Begründung führte sie an, der Versicherte sei gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG verpflichtet,
die Durchführung aller Massnahmen zu erleichtern, die zur Eingliederung ins
Erwerbsleben getroffen würden. Am 13. Januar 2010 sei er auf die Folgen der
Verweigerung von Eingliederungsmassnahmen aufmerksam gemacht worden. Er
widersetze sich jedoch nach wie vor. Er habe den Aufnahmetermin auf dem RAV
unentschuldigt nicht wahrgenommen. Infolge fehlender Mitwirkung werde das Gesuch
um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen abgewiesen. Nach Erhalt des
Vorbescheids vom 9. März 2010 habe er sich bereit erklärt, aktiv an der beruflichen
Eingliederung mitzuwirken. Zum vereinbarten Einsatzprogramm im D._ sei er nicht
erschienen; er sei auch telephonisch nicht erreichbar gewesen. Im Schreiben vom
13. September 2010 sei er auf seine Mitwirkungspflicht und die Folgen bei
Nichteinhalten aufmerksam gemacht worden. Er habe sich aber nicht mehr gemeldet
und damit seiner Mitwirkungspflicht zum zweiten Mal nicht nachgekommen.
B.
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B.a Der Versicherte liess am 29. Oktober 2010 Beschwerde erheben und die
Aufhebung der Verfügung vom 30. September 2010 beantragen (act. G 1). Zur
Begründung liess er insbesondere geltend machen, es sei ihm nicht möglich gewesen,
die Termine einzuhalten, weil er durch den Einfluss von starken Medikamenten
abhängig sei. Diese Medikamente setzten einen Patienten in einen Tiefschlaf, so dass
er beispielsweise seine Telephonanrufe vielfach nicht wahrgenommen habe. Eine
Eingliederung sei aufgrund der Arbeitsunfähigkeit gar nicht möglich. Der Vertreter des
Beschwerdeführers reichte am 15. November 2010 drei Arztzeugnisse nach (act. G 3).
Die Psychiatrie-Dienste Süd hatten am 19. Oktober 2010 angegeben (act. G 3.1), es
könne davon ausgegangen werden, dass die Symptomatik einen negativen Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit habe. Dementsprechend könne die fehlende Mitwirkung bei den
geplanten Massnahmen teilweise auf die mit der Symptomatik verbundenen
Einschränkungen zurückgeführt werden. Um genaue Angaben machen zu können,
seien weitere Abklärungen notwendig. Das Kantonsspital Graubünden bestätigte eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 27. Mai bis 8. Juli 2010 (act. G 3.2), Dr. med. F._
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 27. Mai bis 31. Oktober 2010 (act. G 3.3).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. Januar 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Sie machte geltend, gemäss Art. 7 Abs. 2 IVG habe eine
versicherte Person an allen zumutbaren Eingliederungsmassnahmen aktiv
teilzunehmen. Die Leistungen könnten gemäss Art. 7b Abs. 1 IVG gekürzt oder
verweigert werden, wenn die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht nicht
nachkomme. Die Mitwirkung des Beschwerdeführers sei von Anfang an mangelhaft
gewesen. Trotz der schriftlichen Mahnung vom 13. September 2010 sei er schliesslich
nicht bei der Abklärungsstelle erschienen. Er habe sich auch nicht bei der IV-Stelle
gemeldet. Nachdem er mehrmals auf seine Mitwirkungspflicht und die Folgen
aufmerksam gemacht worden sei, er dieser Pflicht aber immer wieder nicht
nachgekommen sei, habe sie das Leistungsgesuch zu Recht abgewiesen. Im Übrigen
gehe selbst aus dem Bericht der behandelnden Psychologin vom 19. Oktober 2010
hervor, dass die fehlende Mitwirkung nur zum Teil auf die psychiatrische Symptomatik
zurückzuführen sei.
B.c Der Vertreter des Beschwerdeführers wandte am 6. Februar 2011 u.a. ein (act. G
7), die zuständige Betreuerin habe die Situation des Krankheitszustands ignoriert, wie
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die ärztlichen Zeugnisse zeigten. Die schwierige finanzielle Situation habe einen
zusätzlichen Druck auf den gesundheitlich angeschlagenen Beschwerdeführer
ausgeübt.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 11. Februar 2011 auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Würde man den Wortlaut der angefochtenen Verfügung ernst nehmen, müsste
man annehmen, die Abweisung des Leistungsbegehrens diene sowohl der
Sanktionierung der Verletzung der Mitwirkungspflicht durch Nichterscheinen auf dem
RAV gemäss der Abmahnung vom 13. Januar 2010 als auch der Sanktionierung der
Verletzung der Mitwirkungspflicht durch Nichterscheinen im D._ gemäss der
Abmahnung vom 13. September 2010. Nun hat die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung aber auch darauf hingewiesen, dass die in der Abmahnung
vom 13. Januar 2010 angesprochene Mitwirkungspflicht hinfällig geworden sei, als der
Beschwerdeführer sich bereit erklärt habe, aktiv an der Eingliederung mitzuwirken. Von
Bedeutung dürfte dabei auch der Umstand gewesen sein, dass der Beschwerdeführer
in der Zwischenzeit wegen eines Velounfalls arbeitsunfähig und damit nicht
vermittlungsfähig war, so dass eine Anmeldung beim RAV nichts gebracht hätte. Unter
diesen Umständen wäre es rechtswidrig, wenn die angefochtene Verfügung auch eine
Sanktionierung der Verletzung der Mitwirkungspflicht in der Form des Unterlassens der
Anmeldung zur Stellensuche beim RAV enthalten würde. Das kann der angefochtenen
Verfügung nicht unterstellt werden. Bei einer korrekten Interpretation muss also die in
der angefochtenen Verfügung enthaltene Aussage ignoriert werden, das Gesuch um
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen sei abzuweisen, weil der
Aufnahmetermin auf dem RAV unentschuldigt nicht wahrgenommen worden sei. Nach
dem effektiven Inhalt der angefochtenen Verfügung kann nur die Verletzung der
Mitwirkungspflicht im Zusammenhang mit dem Einsatzprogramm im Werkbahnhof
D._ im September 2010 die Ursache der Anordnung einer sanktionsweisen
Gesuchsabweisung sein.
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1.2 Der angefochtenen Verfügung ist kein Vorbescheid vorausgegangen. Darin ist
keine Verletzung des Art. 57a Abs. 1 IVG zu erblicken, denn eine korrekte und
vollständige Abmahnung der konkreten Mitwirkungspflicht enthält all jene Elemente, die
auch Inhalt eines Vorbescheids gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 73 Abs. 1 IVV
für eine Sanktionsverfügung gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG sein müssen. Der Erlass
eines Vorbescheids wäre demnach nichts anderes als die inhaltliche Wiederholung der
Abmahnung und damit eine reine Formalie, an der kein schützenswertes Interesse
bestehen kann.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat die Abmahnung vom 13. September 2010 noch mit Art.
43 Abs. 3 ATSG erklärt, d.h. sie ist davon ausgegangen, dass eine Pflicht des
Beschwerdeführers bestehe, bei der Abklärung des massgebenden Sachverhalts (Art.
43 Abs. 1 ATSG) mitzuwirken, und dass der Beschwerdeführer dazu gebracht werden
müsse, diese Pflicht auch zu erfüllen. Darauf weist auch die Begründung der
Abmahnung hin, denn es ist dort von einer beruflichen Abklärung und von einer
Abklärungsstelle (d.h. dem D._) die Rede. Gemäss dem von der
Eingliederungsverantwortlichen geführten Verlaufsprotokoll (abgeschlossen am 27.
Oktober 2010) diente das Beratungsgespräch vom 16. Juni 2010 dazu, den
Beschwerdeführer zu überzeugen, eine Arbeitserprobung in einem Einsatzprogramm zu
absolvieren. Von dieser Arbeitserprobung erhoffte sich die
Eingliederungsverantwortliche Aufschluss über die Motivation und die
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Sie hat allerdings nicht angegeben, ob
diese Abklärung nur der Prüfung und der allfälligen Verbesserung der Chancen der
Arbeitsvermittlungsbemühungen (Art. 18 IVG) dienen sollte oder ob auch noch die
Möglichkeit einer Umschulung (Art. 17 Abs. 1 IVG) geprüft werden sollte. Es ist davon
auszugehen, dass nur die Arbeitsvermittlung zur Diskussion stand, denn angesichts der
bescheidenen intellektuellen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers erschien eine
qualifizierte Umschulung in der Form einer Berufsausbildung zum vornherein als
aussichtslos. Dass die Abklärungsmassnahme im D._ als Nebenzweck offenbar auch
noch der sozial-beruflichen Rehabilitation (Art. 7d Abs. 2 lit. e IVG) dienen sollte, wie
sich dem von der Eingliederungsverantwortlichen geführten Verlaufsprotokoll unter
dem Datum 24. August 2010 entnehmen lässt (Ziel des Einsatzprogramms sollte u.a.
bis
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das Erhalten einer Tagesstruktur sein), ändert nichts am eigentlichen Zweck der
Arbeitserprobung, die Motivation und die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers im
Hinblick auf die Vermittlung eines angepassten Arbeitsplatzes zu klären. Die
Abmahnung vom 13. September 2010 hat also der Durchsetzung der
Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des massgebenden Sachverhalts (nämlich der
Vermittlungsfähigkeit gemäss Art. 18 IVG) gedient. Da der Beschwerdeführer die ihm
gesetzte Frist zur Teilnahme am Einsatzprogramm im D._ unbenützt hat verstreichen
lassen, ohne dieses Verhalten gegenüber der Leitung des Einsatzprogramms oder
gegenüber der Beschwerdegegnerin zu rechtfertigen, hat er seine Mitwirkungspflicht
verletzt und die Beschwerdegegnerin veranlasst, die angedrohte Sanktion
verfügungsweise anzuordnen. Mit der angefochtenen Verfügung vom 30. September
2010 hat die Beschwerdegegnerin das (gesamte) Leistungsbegehren des
Beschwerdeführers sanktionsweise abgewiesen. Allerdings ist in der Begründung
dieser Verfügung nicht mehr auf Art. 43 Abs. 3 ATSG, d.h. auf die Mitwirkungspflicht
bei der Sachverhaltsabklärung, sondern auf Art. 21 Abs. 4 ATSG verwiesen worden.
Diese Bestimmung regelt die sozialversicherungsspezifische
Schadenminderungspflicht. Der Verweis auf Art. 21 Abs. 4 ATSG ist in der
Beschwerdeantwort bestätigt worden, denn die Beschwerdegegnerin hat dort
argumentiert, der Beschwerdeführer habe seine Mitwirkungspflicht nach Art. 7 Abs. 2
IVG verletzt. Bei dieser Gesetzesbestimmung handelt es sich um nichts anderes als um
die IV-spezifische Ausprägung der in Art. 21 Abs. 4 ATSG vorausgesetzten
Schadenminderungspflicht (also die medizinische oder berufliche
Eingliederungspflicht). Weder in der Verfügung noch in der Beschwerdeantwort ist
erklärt worden, weshalb die Teilnahme am Einsatzprogramm im D._ nun nicht mehr
als Abklärungsmassnahme im Hinblick auf die Vermittlung einer passenden
Arbeitsstelle, sondern als berufliche Eingliederungsmassnahme zu qualifizieren sei.
Tatsächlich dürfte es sich beim Verweis auf Art. 21 Abs.4 ATSG bzw. auf die
Schadenminderungspflicht um ein Versehen handeln, denn es ist offensichtlich, dass
mit der Absolvierung des Einsatzprogramms kein beruflicher Eingliederungserfolg
verbunden gewesen wäre. Damit wäre nämlich kein Umschulungseffekt verbunden
gewesen, weil der Beschwerdeführer während des Einsatzprogramms keine neuen
beruflichen Fähigkeiten erworben hätte, die es ihm erlaubt hätten, einen neuen,
behinderungsadaptierten Beruf auszuüben und damit die Arbeitsunfähigkeit im
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bisherigen Beruf adäquat, d.h. rentenausschliessend zu kompensieren. Die
Begründung der Abweisung des Leistungsbegehrens mit der Missachtung der
Mitwirkungspflicht bei der Schadenminderung/beruflichen Eingliederung nach Art. 21
Abs. 4 ATSG und Art. 7 Abs. 2 IVG ist somit falsch. Die Beschwerdegegnerin hat den
Beschwerdeführer mit einer Sanktion belegt, weil er seine Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung i.S. von Art. 43 Abs. 3 ATSG verletzt hat.
3.
Nach dem oben Ausgeführten ist davon auszugehen, dass die Teilnahme am
Einsatzprogramm des D._ nur der Abklärung der noch in Frage kommenden Art von
Arbeitsplätzen und der Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers gedient hätte.
Diese Abklärungsmassnahme hat also nur die Prüfung eines Anspruchs auf
Arbeitsvermittlungsbemühungen gemäss Art. 18 Abs. 1 IVG beinhaltet. Die
Beschwerdegegnerin hat ihre Sanktion nicht auf diese Leistungsart beschränkt. Sie hat
nämlich das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers als Ganzes abgewiesen.
Dieses Leistungsbegehren hat jedenfalls auch ein Rentenbegehren, allenfalls auch ein
Begehren um andere berufliche Eingliederungsmassnahmen umfasst. Zwischen der
Arbeitsvermittlung und der Invalidenrente fehlt die als Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A., Vorbemerkungen N. 47) bekannte
Beziehung. Die Arbeitsvermittlung ist nämlich unter den beruflichen
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung ein Fremdkörper, da sie nicht
das soziale Risiko der (allenfalls nur drohenden) Invalidität, sondern ausschliesslich das
soziale Risiko der Arbeitslosigkeit abdeckt. Daran vermag auch der Umstand nichts zu
ändern, dass die Arbeitslosigkeit in aller Regel durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung
verursacht worden ist. Die Vermittlung einer behinderungsadaptierten Arbeitsstelle
kann die rentenspezifische Invalidität nicht beeinflussen, weil deren Berechnung
unabhängig davon erfolgt, ob das zumutbare Invalideneinkommen tatsächlich erzielt
wird oder nicht. Auch einer arbeitslosen Person wird nämlich gemäss Art. 16 ATSG ein
Invalideneinkommen angerechnet und dieses Invalideneinkommen entspricht dem
Lohn, den die versicherte Person erzielen würde, wenn sie nicht arbeitslos wäre,
sondern einer behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit nachginge. Die Sanktion einer
Verletzung der Mitwirkungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG, die über die
Leistungsart hinausgeht, auf die ein Anspruch zu prüfen ist, (hier also die Abklärung der
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Anspruchsvoraussetzungen einer Arbeitsvermittlung) ist deshalb als unverhältnismässig
zu betrachten. Die Sanktion muss auf die zur Diskussion stehende Leistungsart
beschränkt sein, so dass die schärfste Sanktion die Verweigerung der Leistung ist, auf
die ein Anspruch nicht hat geklärt werden können, weil die Mitwirkung bei der
Sachverhaltsabklärung verweigert worden ist. Die Sanktion kann nicht weiter gehen als
die aus der Sicht des Gesuchstellers nachteiligste Entscheidung in der Sache, also als
die Abweisung des Gesuchs um die entsprechende Leistung. Es schiesst weit über das
Ziel hinaus, die Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung in
Bezug auf die Arbeitsvermittlung mit einer Verweigerung auch der Invalidenrente zu
sanktionieren, denn der Beschwerdeführer wäre damit erheblich schlechter gestellt, als
wenn sein Gesuch um Arbeitsvermittlungsbemühungen definitiv (d.h. nicht nur
sanktionsweise) abgewiesen würde. Soweit die angefochtene Verfügung auch die
Ausrichtung einer Invalidenrente und allenfalls die Ausrichtung anderer beruflicher
Eingliederungsmassnahmen verweigern will, ist sie als unverhältnismässig und damit
als rechtswidrig aufzuheben.
4.
Zu prüfen bleibt, ob die sanktionsweise Verweigerung von
Arbeitsvermittlungsbemühungen rechtmässig ist. "Die Verletzung der Auskunfts- oder
Mitwirkungspflicht ist nur relevant, wenn sie in unentschuldbarer Weise erfolgt" (U.
Kieser, a.a.O., N. 51 zu Art. 43 ATSG). Dr. F._ hat am 9. November 2010 eine
unfallbedingte vollständige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bis 31. Oktober
2010 angegeben. Behandelnde Ärzte neigen erfahrungsgemäss dazu, die allzu
pessimistische Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung vieler ihrer Patienten zu übernehmen.
Deshalb ist fraglich, ob der Beschwerdeführer tatsächlich auch für das
Einsatzprogramm im D._ arbeitsunfähig gewesen ist. Mit dem
Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. F._ lässt sich die Verletzung der
Mitwirkungspflicht also nicht überzeugend rechtfertigen. Das gilt insbesondere
deshalb, weil es dem Beschwerdeführer selbst bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit (und
eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten) möglich und zumutbar gewesen wäre,
entweder selbst telephonisch mitzuteilen, dass er nicht am Einsatzprogramm
teilnehmen könne, oder Dr. F._ dazu zu bringen, dies der Beschwerdegegnerin
mitzuteilen. Kann das Verhalten des Beschwerdeführers nicht durch ein ärztliches
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Arbeitsunfähigkeitszeugnis gerechtfertigt werden, so stellt sich die Frage, ob die
Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten als Rechtfertigung herangezogen werden
kann. Auch hier gilt, dass es dem Beschwerdeführer mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit möglich und zumutbar gewesen wäre, zwischen dem 1. September
2010, als er telephonischen Kontakt mit dem D._ hatte, und dem 20. September
2010, dem letzten Tag der ihm eingeräumten Frist, telephonisch oder brieflich auf eine
wie auch immer geartete Unfähigkeit zur Teilnahme am Einsatzprogramm hätte
aufmerksam machen können. Zusammenfassend lässt sich die völlige Passivität des
Beschwerdeführers als weder mit einer unfallbedingten vollständigen Arbeitsunfähigkeit
noch mit einer krankheitsbedingten Einschränkung in den kognitiven Fähigkeiten und
damit der Alltagsgestaltung rechtfertigen. Dies würde an sich für die Zulässigkeit der
sanktionsweisen Verweigerung einer Arbeitsvermittlung sprechen. Dem ist aber
entgegen zu halten, dass die Eingliederungsverantwortliche und die Sachbearbeiterin
der Beschwerdegegnerin aufgrund der ihnen vorliegenden medizinischen Akten um die
krankheitsbedingten Schwierigkeiten des Beschwerdeführers wussten und diese auch
schon in der Form einer ersten Abmahnung praktisch erfahren hatten. Da die
pflichtwidrige Verhaltensweise des Beschwerdeführers auf eine Krankheit
zurückzuführen war, hätten sie sich darüber im Klaren sein müssen, dass der
Beschwerdeführer mit der schriftlichen Mahnung allein überfordert sein könnte. Sie
hätten also entweder einen anderen Weg als die schriftliche Abmahnung wählen
müssen, um dem Beschwerdeführer bei der Überwindung seiner krankheitsbedingten
Schwierigkeiten im Rahmen der Teilnahme am Einsatzprogramm des D._ zu helfen
(telephonische Aufforderung, persönliche Aufforderung, allenfalls sogar persönliche
Begleitung zum D._) oder sie hätten die schriftliche Mahnung durch den persönlichen
Kontakt ergänzen müssen, um dem Beschwerdeführer bei der Erfüllung seiner
Mitwirkungspflicht zu helfen und so den Erfolg der Abklärungsmassnahme
sicherzustellen. Oberstes Ziel hätte nämlich sein müssen, zu den Informationen zu
kommen, die zur Beurteilung des Gesuchs um Arbeitsvermittlung notwendig waren.
Unter diesen Umständen kann nicht von einer unentschuldbaren Verletzung der
Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung ausgegangen werden. Damit erweist
sich die angefochtene Verfügung auch im verbliebenen, die Arbeitsvermittlung
betreffenden Teil als rechtswidrig. Sie ist vollumfänglich und ersatzlos aufzuheben. Die
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Anmeldung beantragten Leistungen weiterzuführen haben.
5.
Die angefochtene Verfügung vom 30. September 2010 ist aufzuheben. Die
unterliegende Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten zu übernehmen. Diese sind
angesichts des durchschnittlichen Aufwandes praxisgemäss auf Fr. 600.--
festzusetzen. Der vom Beschwerdeführer in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
wird zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP