Decision ID: de3fd8e2-8b0c-441b-b63d-c8aea3354db3
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend schwere Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 3. April 2019 (DG180213)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 7. September 2018
(Urk. 21) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 61 S. 49 ff.)
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der schweren Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB sowie der Sachbeschädigung im Sinne von
Art. 144 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 1 Tag
durch Haft erstanden ist.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
3 Jahre festgesetzt.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, sich innert 30 Tagen ab Eintritt der
Rechtskraft des Urteils bei der Kantonspolizei Zürich, Erkennungsdienst,
Zeughausstrasse 11, Zürich, zwecks Abnahme einer DNA-Probe und Erstel-
lung eines DNA-Profils im Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes zur er-
kennungsdienstlichen Behandlung mit Wangenschleimhautabnahme zu
melden.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Schadenersatz
von Fr. 55.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren
abgewiesen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ eine Genugtu-
ung von Fr. 3'000.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbe-
gehren abgewiesen.
7. Das von der Kantonspolizei Zürich sichergestellte und unter der Sachkaution
Nr. 33086 bei den Akten liegende Plastik-Röhrchen mit 2 Kunstglassplittern
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von der Brille des Privatklägers (Asservaten-Nr. A010'797'032) wird definitiv
eingezogen und als Beweismittel bei den Akten belassen.
8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'500.– Gebühr für das Vorverfahren Fr. 9'974.65 amtliche Verteidigung Fr. 6'393.– unentgeltliche Rechtsbeistandschaft Privatkläger.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-
lich derjenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen
Rechtsvertretung des Privatklägers, werden dem Beschuldigten auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsver-
tretung des Privatklägers werden einstweilen auf die Gerichtskasse genom-
men; vorbehalten bleibt eine Nachforderung nach Art. 135 Abs. 4 und
Art. 426 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 85 S. 2 f.)
"Hauptanträge:
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen; 2. Die Zivilansprüche des Privatklägers seien abzuweisen, eventualiter
auf den Zivilweg zu verweisen; 3. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens, des vorinstanzlichen Ver-
fahrens und des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen;
4. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung es Privatklägers seien definitiv auf die  zu nehmen.
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Eventualanträge:
1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der einfachen  im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB;
2. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von  255 Tagessätzen à 30 Franken (entsprechend CHF 7'650.00) als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft  vom 31. März 2019, unter Anrechnung von 1 Tag Haft;
3. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren;
4. Die Schadenersatzforderung des Privatklägers sei auf den  zu verweisen;
5. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine  von höchstens CHF 1'500.00 zu bezahlen;
6. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens und des  Verfahrens seien dem Beschuldigten je zur Hälfte und die Kosten des Berufungsverfahrens zu einem Drittel aufzuerlegen, im weiteren Umfang jedoch auf die Staatskasse zu nehmen;
7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung des Privatklägers seien auf die  zu nehmen, unter Vorbehalt der Rückforderung von jeweils der Hälfte bzw. einem Drittel dieser Kosten beim Beschuldigten."
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 87 S. 1)
"1. Bestätigung der vorinstanzlichen Schuldsprüche; 2. Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jah-
ren; 3. Teilweiser Vollzug dieser Strafe für die Dauer von 12 Monaten
und im übrigen Gewährung des bedingten Vollzugs für den  Strafteil von 24 Monaten, unter Ansetzung einer  von drei Jahren;
4. Im Übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils; 5. Unter Kostenauflage zulasten des Beschuldigten."
c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 82, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete
Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 3. April 2019 meldete die
vormalige amtliche Verteidigung mit Eingabe vom 5. April 2019 Berufung an
(Prot. I S. 21 ff.; Urk. 54; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach der Zustellung des begrün-
deten Urteils am 16. Mai 2019 reichte die vormalige Verteidigung am 31. Mai
2019 (Poststempel) rechtzeitig die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399
Abs. 3 StPO ein (Urk. 60/2; Urk. 64). Mit Präsidialverfügung vom 5. Juni 2019
wurde der Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger die Berufungserklärung des
Beschuldigten zugestellt und Frist für Anschlussberufung oder einen Nichteintre-
tensantrag angesetzt (Urk. 65). Mit Präsidialverfügung vom selben Tag wurde der
vormaligen amtlichen Verteidigung zudem Frist angesetzt, um die beantragte Ent-
lassung aus dem Mandat näher zu begründen (Urk. 66). Mit Eingabe vom 7. Juni
2019 erhob die Staatsanwaltschaft eine auf den Strafpunkt beschränkte An-
schlussberufung und beantragte eine Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jahren (Urk. 69).
Am 17. Juni 2019 ging die Begründung der vormaligen amtlichen Verteidigung
ein, worauf diese mit Präsidialverfügung vom 21. Juni 2019 entlassen wurde
(Urk. 70 f.). Mit Präsidialverfügung vom 15. Juli 2019 wurde die neue amtliche
Verteidigung bestellt und die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft dem Be-
schuldigten und dem Privatkläger zugestellt (Urk. 75 f.). Der Privatkläger liess sich
nicht vernehmen. Beweisanträge wurden keine gestellt.
2. Am 24. Dezember 2019 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung
auf den 17. April 2020 vorgeladen (Urk. 78), welche infolge der Corona-Pandemie
aber auf den 5. Juni 2020 verschoben wurde (Urk. 80). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung stellten der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft die eingangs
aufgeführten Anträge, wobei die Staatsanwaltschaft die in ihrer Berufungserklä-
rung geforderte Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 3 1⁄2
Jahren auf 3 Jahre reduzierte (Urk. 85 S. 2 f. und Urk. 87 S.1). Das Verfahren er-
weist sich als spruchreif.
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II. Prozessuales
1. Mit der Berufung des Beschuldigten wurde ein Freispruch beantragt. Die
Staatsanwaltschaft verlangt mit ihrer Anschlussberufung eine Bestrafung mit 3
Jahren Freiheitsstrafe. Der Privatkläger hat kein Rechtsmittel ergriffen. Gemäss
Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefoch-
tenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem die Urteilsdisposi-
tivziffern 5 und 6, jeweils 2. Satz (Abweisung Zivilansprüche im Mehrbetrag), 7
(Einziehung), und 8 (Kostenfestsetzung), unangefochten blieben, ist mittels Be-
schluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in
Rechtskraft erwachsen ist.
2. Die Verteidigung macht im Berufungsverfahren geltend, dass die vor der
Bestellung der amtlichen Verteidigung am 19. April 2018 durchgeführten Einver-
nahmen nicht zulasten des Beschuldigten verwertbar seien. Sie begründet dies
damit, dass das Verfahren mit der polizeilichen Einvernahme des Privatklägers
am 1. Juni 2017 formell in Gang gebracht worden sei, worauf weitere polizeiliche
Einvernahmen mit dem Zeugen C._ und dem Beschuldigten durchgeführt
worden seien, bevor die Polizei schliesslich am 21. Juli 2017 der Staatsanwalt-
schaft rapportiert habe (Urk. 85 S. 4). Diese habe die Strafuntersuchung nicht mit-
tels Verfügung formell eröffnet, sondern am 26. Juli 2017 die Polizei mit weiterfüh-
renden Ermittlungen, konkret mit der Durchführung weiterer Einvernahmen, be-
auftragt. Dabei habe die Staatsanwaltschaft explizit darauf hingewiesen, dass die
Untersuchung bereits eröffnet worden sei. Deshalb sei davon auszugehen, dass
die Untersuchung spätestens mit der Rapportierung an die Anklägerin und dem
damit bei dieser zwingend hervorgerufenen hinreichenden Tatverdacht am 21. Ju-
li 2017 materiell eröffnet worden sei. Zu diesem Zeitpunkt sei schliesslich auch
erkennbar gewesen, dass es sich um einen Fall von notwendiger Verteidigung
handle. Zwar sei die Anzeigeerstattung wegen einfacher Körperverletzung und
Sachbeschädigung erfolgt und die Strafuntersuchung eine längere Zeit lang we-
gen des Verdachts auf blosse einfache Körperverletzung geführt worden, jedoch
sei bereits im Polizeirapport erwähnt worden, dass der Privatkläger erhebliche
Schnittverletzungen nahe des Auges erlitten habe, wobei dem Rapport auch ent-
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sprechende Verletzungsfotos beigelegen haben. Ohne dass wesentliche neue
Untersuchungsergebnisse vorgelegen hätten, habe der Tatverdacht ab April 2018
plötzlich offiziell auf schwere Körperverletzung gelautet. Wenn die Anklägerin
aber tatsächlich von einem Verdacht auf schwere Körperverletzung ausgegangen
sei, hätte sie das Verfahren nicht über längere Zeit unter dem Deckmantel der
einfachen Körperverletzung führen dürfen. Im Übrigen hätte die Anklägerin unter
den gegebenen Umständen und angesichts der Strafandrohung von Art. 123 Ziff.
1 StGB auch im Falle einer Untersuchung wegen blosser einfacher Körperverlet-
zung davon ausgehen müssen, dass dem Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von
mehr als einem Jahr drohen würde. Damit hätte die Staatsanwaltschaft spätes-
tens am 21. Juli 2017 die Verteidigung des Beschuldigten sicherstellen müssen
und nicht erst ein knappes Jahr später und nach der Durchführung diverser weite-
rer Einvernahmen (Urk. 85 S. 4 f.). Die Unverwertbarkeit der fraglichen Einver-
nahmen ergebe sich im Übrigen auch daraus, dass die Polizei trotz der eröffneten
Untersuchung und der expliziten staatsanwaltschaftlichen Delegation die befrag-
ten Personen auch weiterhin als polizeiliche Auskunftspersonen und nicht als
Zeugen bzw. Auskunftspersonen einvernommen habe. Zudem sei dem Beschul-
digten keine Gelegenheit gegeben worden, an den delegierten Einvernahmen
teilzunehmen, wobei eine Heilung dieser Unverwertbarkeit durch spätere Gewäh-
rung des Teilnahmerechts nicht möglich sei (Urk. 85 S.6).
2.1. Der Argumentation der Verteidigung (Urk. 85 S. 4 ff.) ist dahingehend
zu folgen, dass angesichts der Schwere der vom Privatkläger aufgrund des
Faustschlages erlittenen Verletzungen (komplexe Schnittverletzungen in unmittel-
barer Augennähe, Bruch des Orbitabogens, Notwendigkeit einer operativen
Wundversorgung in Intubationsnarkose des Privatklägers; vgl. Urk. 11/2) von An-
fang erkennbar war, dass es sich nicht um eine Körperverletzung im Bagatellbe-
reich handelte, sondern um eine Tathandlung, für welche – selbst bei einer Sub-
sumtion unter den Tatbestand der einfachen Körperverletzung – die Bestrafung
mit einer Freiheitsstrafe von mehr als 12 Monaten im Raum stand. Da dem Be-
schuldigten dennoch erst am 19. April 2018 ein amtlicher Verteidiger bestellt wur-
de, ist hinsichtlich der bis zu diesem Zeitpunkt erfolgten Beweiserhebungen das
Beweisverwertungsverbot im Sinne von Art. 131 Abs. 3 StPO zu beachten. Ent-
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gegen der Ansicht der Verteidigung sind aber nicht sämtliche vor dem 19. April
2018 durchgeführten Einvernahmen vom Beweisverwertungsverbot betroffen.
2.2. Die am 23. Juni 2017 durchgeführte polizeiliche (Erst-)Einvernahme
(Urk. 5/1) des damals – trotz erkennbarer Notwendigkeit – nicht verteidigten Be-
schuldigten ist zweifellos nicht zu dessen Lasten verwertbar (LIEBER, in: Do-
natsch/ Hansjakob/Lieber, StPO Kommentar, 2. Auflage 2014, N 8 zu Art. 131
StPO). Ebenfalls nicht zulasten des Beschuldigten verwertbar sind die polizeili-
chen Einvernahmen des Privatklägers vom 21. September 2017 (Urk. 6/2) sowie
diejenigen der Zeugen D._ vom 6. September 2017 (Urk. 7/4), E._ vom
7. September 2017(Urk. 7/6) und F._ vom 8. September 2017 (Urk. 7/8).
2.3. Die Kantonspolizei Zürich rapportierte den Vorfall vom 28. Mai 2017 am
21. Juli 2017 der Staatsanwaltschaft, wobei dem Polizeirapport die Protokolle der
polizeilichen (Erst-)Einvernahmen des Beschuldigten, des Privatklägers und des
Zeugen C._, eine Fotodokumentation der vom Privatkläger erlittenen Verlet-
zungen sowie Arztberichte des Universitätsspitals Zürich beilagen (vgl. Urk. 1
S. 4). Damit bestanden seit dem 21. Juli 2017 konkrete und erhebliche Hinweise
auf eine strafbare Handlung des Beschuldigten, womit ein hinreichender Tatver-
dacht im Sinne von Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO gegeben war und die Strafuntersu-
chung durch die Staatsanwaltschaft formell zu eröffnen gewesen wäre (Art. 309
Abs. 3 StPO). Dass in den Untersuchungsakten keine formelle Untersuchungser-
öffnung dokumentiert ist, ist unbeachtlich, da der Eröffnungsverfügung i.S.v. Art.
309 Abs. 3 StPO lediglich amtsinterne, rein deklaratorische Bedeutung, ohne ma-
teriell-prozessrechtliche Funktion zukommt (Urteile des Bundesgerichtes
6B_178/2017, 6B_191/2017 vom 25. Oktober, E. 2.5).
2.4. Mit der materiellen Eröffnung der Strafuntersuchung am 21. Juli 2017
ging die Verfahrensherrschaft auf die Staatsanwaltschaft über, wobei Letztere der
Kantonspolizei Zürich mit Ermittlungsauftrag vom 26. Juli 2017 damit beauftragte,
E._, F._, D._ und G._ "G'._" ausfindig zu machen und
zur Sache zu befragen (Urk. 13). An den in der Folge von 6. bis 8. September
2017 von der Kantonspolizei Zürich durchgeführten delegierten Einvernahmen
von E._, D._ und F._ sowie des Privatklägers vom 21. September
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2019, hätte dem Beschuldigten ein Teilnahmerecht zugestanden (Art. 312 Abs. 2
i.V.m. Art. 147 Abs. 1 StPO). Dieses wurde ihm jedoch nicht gewährt, weshalb die
entsprechenden Einvernahmen nicht zu seinen Lasten verwertbar sind (Art. 147
Abs. 4 StPO).
2.5. Hinsichtlich der polizeilichen Ersteinvernahmen des Privatklägers vom
1. Juni 2017 (Urk. 6/1) und des Zeugen C._ vom 13. Juni 2017 (Urk. 7/1),
welche noch vor der materiellen Eröffnung der Strafuntersuchung am 21. Juli
2017 durchgeführt wurden, kam dem Beschuldigten dagegen kein Teilnahmerecht
zu (BSK StPO-SCHLEIMINGER METTLER, 2. Auflage 2014, N 7a zu Art. 147 StPO).
An diesem Umstand hätte sich denn auch nichts geändert, wenn bereits im dama-
ligen Zeitpunkt die notwendige Verteidigung sichergestellt gewesen wäre. Eine
Verletzung der Verfahrensrechte des Beschuldigten in diesem Zusammenhang ist
nicht gegeben, weshalb die polizeilichen Ersteinvernahmen des Privatklägers vom
1. Juni 2017 und des Zeugen C._ vom 13. Juni 2017 verwertbar sind.
2.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vor der Bestellung der
amtlichen Verteidigung am 19. April 2018 durchgeführten polizeilichen (Erst-)Ein-
vernahme des Beschuldigten vom 23. Juni 2017 (Urk. 5/1), die delegierten polizei-
lichen Einvernahmen der Zeugen D._ vom 6. September 2017 (Urk. 7/4),
E._ vom 7. September 2017(Urk. 7/6) und F._ vom 8. September 2017
(Urk. 7/8) sowie die delegierte polizeiliche Einvernahme des Privatklägers vom
21. September 2017 (Urk. 6/2) nicht zulasten des Beschuldigten verwertbar sind.
Dagegen sind die polizeilichen (Erst-)Einvernahmen des Privatklägers vom 1. Juni
2017 (Urk. 6/1) und des Zeugen C._ vom 13. Juni 2017 (Urk. 7/1) – wie auch
sämtliche nach dem 19. April 2018 durchgeführten Einvernahmen – verwertbar.
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 7. September 2018 im
Wesentlichen vorgeworfen, am Sonntag, 28. Mai 2017, ca. 00.30 Uhr, an der
Seepromenade, Höhe H._ ..., ... Zürich, nach einem verbalen Streit zwi-
schen mehreren unbekannten Personen, an dem er nicht beteiligt gewesen sei,
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den der Privatkläger zu schlichten versucht habe, diesem unvermittelt mit der
rechten Faust mit derart grosser Wucht auf die linke Gesichtsseite geschlagen zu
haben, dass dessen Brille zersplittert sei. Dadurch habe er dem Privatkläger eine
komplexe Fraktur der Augenhöhle, eine streifenförmige Hornhautverletzung und
komplexe Schnittverletzungen im oberen Wangenbereich links zugefügt, so dass
noch gleichentags eine längere Operation notwendig geworden sei. Die Verlet-
zungen seien nicht lebensgefährlich gewesen, hätten jedoch zu einer sehr auffäl-
lig konfigurierten und entstellenden Narbe im Bereich der linken Wange geführt,
die bestehen bleibe und zu einem bleibenden Nachteil führe. Zudem habe der
Faustschlag zur Folge gehabt, dass der Privatkläger 15 Tage arbeitsunfähig ge-
wesen sei. Diesen Faustschlag gegen den Kopf-/Gesichtsbereich bzw. das Auge
des Privatklägers, welcher Brillenträger sei, habe der Beschuldigte im Wissen
ausgeführt, diesen durch Glassplitter der Brille schwer im Gesicht verletzen bzw.
dessen Gesicht entstellen zu können. Dies habe er gewollt oder zumindest in
Kauf genommen. Eventualiter habe der Beschuldigte im Wissen gehandelt und es
gewollt oder zumindest in Kauf genommen, dass der beschriebene Faustschlag
schwere oder lebensgefährliche Verletzungsfolgen hätte haben und das Auge des
Privatklägers hätte unbrauchbar machen bzw. dessen Gesicht hätte entstellen
können. Durch den Faustschlag auf das Auge und die Brille sei diese zerbrochen,
wodurch der Beschuldigte dem Privatkläger einen Sachschaden von ca. Fr. 600.–
verursacht habe, was er zumindest in Kauf genommen habe (Urk. 21 S. 2 f.).
2. Soweit der Beschuldigte nicht von seinem Aussageverweigerungsrecht
Gebrauch machte, stellte er die Begehung der ihm zur Last gelegten Tat konstant
in Abrede (Urk. 5/2 S. 2 ff.; Urk. 46 S. 8 ff.). So gab er im Wesentlichen an, sich
nicht mehr daran zu erinnern, wo er am 28. Mai 2017 zur anklagegegenständli-
chen Zeit gewesen sei bzw. was er in der fraglichen Zeit gemacht habe (Urk. 46
S. 7 f.; Prot. II S. 15 f.). Dementsprechend ist der Anklagesachverhalt aufgrund
der Verfahrensakten (insbesondere den verwertbaren Aussagen des Beschuldig-
ten [Urk. 5/2; Urk. 46 und Prot. II S. 15 ff.], des Privatklägers [Urk. 6/1,3-4] und der
Zeugen C._ [Urk. 7/1-3], D._ [Urk. 7/5], E._ [Urk. 7/7] und F._
[Urk. 7/9] sowie der Fotodokumentation der Verletzungen des Privatklägers
[Urk. 10] und der medizinischen Akten [Urk. 11]) und der vor Gericht vorgebrach-
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ten Argumente nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu erstellen. Den Aus-
sagen des Zeugen C._ kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da die-
ser als einziger Zeuge angab, den gegen den Privatkläger geführten Faustschlag
mit eigenen Augen gesehen zu haben. Dementsprechend ist nachfolgend insbe-
sondere zu klären, ob sich die Aussagen des Hauptbelastungszeugen C._
als glaubhaft und seine Identifikation des Beschuldigten als Täter als zuverlässig
erweist.
2.1. Die bei der richterlichen Beweis- und Aussagenwürdigung anzuwen-
denden rechtstheoretischen Grundsätze und Regeln wurden von der Vorinstanz
zutreffend dargelegt und die Aussagen des Beschuldigten sowie des Privatklä-
gers und der Zeugen C._, E._, D._ und F._ korrekt zusam-
mengefasst wiedergeben. Darauf kann – soweit die zusammengefassten Aussa-
gen verwertbar sind – verwiesen werden (Urk. 61 S. 9 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der befragten Personen ist in Bezug
auf den Beschuldigten festzuhalten, dass diesen keine Pflicht zu wahrheitsge-
mässer Aussage trifft und er ein – grundsätzlich legitimes – Interesse daran ha-
ben dürfte, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Inso-
fern ist grundsätzlich eine vorsichtige Würdigung seiner Depositionen angebracht.
Es liegen aber keine konkreten Anhaltspunkte vor, welche von vornherein gegen
seine Glaubwürdigkeit sprechen würden. Gleiches gilt in Bezug auf den Privatklä-
ger, welcher als direkt Geschädigter dem anklagegegenständlichen Vorgang nicht
gänzlich neutral entgegensteht und angesichts der von ihm gestellten Zivilforde-
rungen auch ein finanzielles Interesse am Ausgang des Strafverfahrens hat. Hin-
sichtlich der Glaubwürdigkeit der befragten Zeugen ist schliesslich zu berücksich-
tigen, dass diese allesamt zum Freundeskreis des Privatklägers zählen, weshalb
ihre Aussagen grundsätzlich mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen sind. Vor
dem Hintergrund, dass keine konkreten Anhaltspunkte für eine Falschbelastung
des Beschuldigten durch die befragten Zeugen ersichtlich sind, bleibt es jedoch
bei lediglich theoretischen Zweifeln hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit.
2.3. Die vom Privatkläger am 28. Mai 2017 erlittenen Schnittverletzungen
sind durch die polizeiliche Fotodokumentation (Urk. 10) und die medizinischen Ak-
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ten (Urk. 11/2,3 und 5) erstellt. Aus dem Bericht der Augenklinik des Universitäts-
spitals Zürich vom 10. August 2017 geht hervor, dass die vom Privatkläger erlitte-
nen Verletzungen (komplexe Fraktur der Augenhöhle, streifenförmige Hornhaut-
verletzung und komplexe Schnittverletzungen im oberen Wangenbereich) mit dem
in der Anklage umschriebenen Tatvorgehen (Faustschlag auf die Brille des Pri-
vatklägers) vereinbar sind (Urk. 11/5 S. 2). Damit ist auch rechtsgenügend erstellt,
dass der gegen den Privatkläger geführte Faustschlag die Ursache für die von
ihm erlittenen Verletzungen und die Beschädigung seiner Brille bildet, zumal die-
ser Umstand auch von der Verteidigung nicht in Abrede gestellt wird (Urk. 85
S. 24).
2.4. Von den zum Vorfall vom 28. Mai 2017 einvernommenen Personen gab
einzig der Zeuge C._ an, den gegen den Privatkläger geführten Faustschlag
beobachtet zu haben, weshalb die Erstellung des Anklagesachverhalts massge-
blich von der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen abhängt.
2.4.1. C._ gab in seinen Einvernahmen zum Vorfall vom 28. Mai 2017
zusammengefasst an, dass er sich am fraglichen Abend mit seiner Gruppe am
H._ bei einer Sitzbank aufgehalten habe. Zu Beginn des Treffens habe sich
ihnen gegenüber eine weitere Personengruppe bei einer Sitzbank platziert. Dann
sei eine Gruppe mit einer Frau und einem Hund aufgetaucht, wobei einige aus der
gegenüber platzierten Gruppe diesen Hund hätten streicheln wollen. Die Hunde-
besitzerin habe dies aber nicht gewollt. Aus dieser Situation heraus sei schliess-
lich ein Streit entstanden. Zu Beginn hätten sich zwei Personen gegenseitig ge-
schlagen. Jedoch hätten sich immer mehr Personen in die Auseinandersetzung
eingemischt. Der Pulk habe sich dann von links nach rechts verlagert und sei auf
eine weitere Personengruppe gestossen, welche sich ebenfalls in die Auseinan-
dersetzung eingemischt habe (Urk. 7/1 S. 1; Urk. 7/2 S. 3; Urk. 7/3 S. 6).
Schliesslich habe er bemerkt, dass der Privatkläger und der Zeuge D._ mit-
ten in dieser Personenansammlung gestanden seien, wobei der Privatkläger ver-
sucht habe, die Auseinandersetzung "mit Worten" zu beenden. Der Privatkläger
habe mit einem älteren, recht wütenden Mann diskutiert und diesen zu beruhigen
versucht. Der ältere Mann habe den Privatkläger angeschrien und gesagt, "dass
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es okay sei" und sich schliesslich entfernt. Dann sei plötzlich der Beschuldigte
angerannt gekommen und habe den Privatkläger mit der Faust ins Gesicht ge-
schlagen (Urk. 7/1 S. 1 und 3; Urk. 7/2 S. 3 f.). Der Beschuldigte habe den Privat-
kläger lediglich ein einziges Mal ins Gesicht geschlagen, wobei es so ausgesehen
habe, als ob jemand in einen "Boxkasten" schlagen würde. Auf einer Stärkeskala
von 1-10 würde er den Faustschlag mit einer 8 bewerten. Als die Brillengläser des
Privatklägers zersprungen seien, habe es sich angehört, als ob eine Flasche zer-
schlagen worden sei (Urk. 7/1 S. 2; Urk. 7/2 S. 5 f.; Urk. 7/3 S. 7). Nach dem
Faustschlag sei er zum Privatkläger gerannt, habe diesen aus der Menge geholt
und zu den Sitzbänken gebracht, wo er gesehen habe, dass dieser eine Wunde
habe, aus welcher viel Blut austrete. Er habe dann noch einen grauen Pullover
gefunden, welcher bei ihnen gelegen sei. Dann habe er jemanden die Worte "wo
ist mein Pullover?" schreien gehört. Daraufhin sei der Beschuldigte gekommen,
worauf er diesen gefragt habe, ob dies sein Pullover sei, was der Beschuldigte
bejaht habe und gegangen sei. In der Folge habe er sich zusammen mit
G'._, dem Privatkläger sowie den Zeugen E._, D._ und F._
vom Ereignisort in Richtung I._ bzw. J._-platz entfernt. Dort habe
G'._ den Namen des Beschuldigten genannt, wobei sie ihn davon hätten
überzeugen müssen, den Namen des Beschuldigten preiszugeben. G'._ ha-
be dies eigentlich nicht gewollt, da er mit dem Beschuldigten befreundet gewesen
sei. Aufgrund des von G'._ genannten Namens habe ein Kollege dann eine
Facebook-Suche durchgeführt, um sicherzustellen, dass es sich wirklich um den
Beschuldigten handle. Auf dem Foto, welches der Kollege gezeigt habe, habe er
den Beschuldigten sofort wiedererkannt (Urk. 7/1 S. 2; Urk. 7/2 S. 3 f.; Urk. 7/3
S. 8). Anschliessend seien sie mit dem Privatkläger zunächst in die Apotheke und
dann ins Universitätsspital Zürich gegangen (Urk. 7/1 S. 2; Urk. 7/2 S. 4).
2.4.2. Der Zeuge C._ vermochte auf anschauliche und nachvollziehba-
re Weise zu schildern, wie es zu einer Auseinandersetzung zwischen Personen
verschiedener Gruppen kam, in welche der Privatkläger schlichtend eingegriffen
habe, worauf diesem vom Beschuldigten ein Faustschlag gegen das Gesicht ve-
setzt worden sei. Seine Schilderungen erweisen sich sowohl in Bezug auf das
Randgeschehen als auch auf das Kerngeschehen als detailliert und authentisch,
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was dafür spricht, dass es sich bei seinen Angaben um selbst Erlebtes handelt.
Für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht zudem auch, dass diese keine
Übertreibungen aufweisen und den Beschuldigten nicht übermässig belasten. So
gab der Zeuge C._ von Beginn der Strafuntersuchung weg an, dass der Be-
schuldigte dem Privatkläger zwar einen heftigen, aber lediglich einen einzigen
Faustschlag versetzt habe. Schliesslich ist auch nicht ersichtlich, weshalb der
Zeuge C._ den Beschuldigten fälschlicherweise belasten sollte, zumal er
gemäss eigenen Aussagen in keinerlei Beziehung zum Beschuldigten stehe
(Urk. 7/1 S. 2; Urk. 7/2 S. 9; Urk. 7/3 S. 3) und auch der Beschuldigte selbst an-
gab, den Zeugen C._ nicht zu kennen (Prot. II S. 18). Vor diesem Hinter-
grund sind die Aussagen des Zeugen C._ grundsätzlich als glaubhaft zu wer-
ten. Soweit die Verteidigung die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Zeugen
C._ in Zweifel zieht (Urk. 85 S. 19, 23), weil dieser gewisse Umstände (Be-
grüssung des Beschuldigten durch G'._ zu Beginn des Treffens an der
Seepromenade, Abholen eines grauen Pullovers durch den Beschuldigten) erst in
den Einvernahmen nach seiner polizeilichen Ersteinvernahme erwähnte (vgl.
Urk. 7/2 S. 4 und Urk. 7/3 S. 4 ff.), ist ihr entgegenzuhalten, dass es sich dabei
um Elemente des Randgeschehens handelt, welche keinen entscheidenden Ein-
fluss auf die Erstellung der Täterschaft des Beschuldigten haben (so auch die
Verteidigung selbst in Urk. 85 S. 15 f.). Eine marginale Aussagenerweiterung hin-
sichtlich des Randgeschehens vermag die Glaubhaftigkeit der Aussagen des
Zeugen C._ dementsprechend nicht massgeblich zu erschüttern, zumal sich
seine Aussagen in Bezug auf das Kerngeschehen von Beginn der Strafuntersu-
chung an als konstant und übereinstimmend erweisen.
2.4.3. Die Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Zeugen C._ wird
schliesslich dadurch verstärkt, dass diese in den vom Privatkläger sowie der Zeu-
gen D._, E._ und F._ erstatteten Aussagen zu den allgemeinen
Geschehnissen rund um den Vorfall vom 28. Mai 2017 eine Entsprechung finden.
2.4.3.1. So gab der Privatkläger zu den Geschehnissen am 28. Mai 2017 an,
dass er sich mit den Zeugen C._, E._, D._ und F._ bei einer
Parkbank an der Seepromenade am H._ aufgehalten habe, worauf zwei Per-
- 16 -
sonen eine Schlägerei angefangen hätten, an welcher plötzlich sechs Personen
beteiligt gewesen seien. Der Zeuge D._ habe die Situation klären und
schlichten wollen und sei zu den sich schlagenden Personen gegangen. Er (der
Privatkläger) sei ebenfalls zu den streitenden Personen gegangen und habe ver-
sucht mit Worten die Situation zu beruhigen. Er habe zu einer Person gesagt,
dass sie sich beruhigen solle, worauf diese Person sich zurückgezogen habe
bzw. weggegangen sei. Daraufhin habe er wieder zur Parkbank zurückkehren
wollen und sich von derjenigen Person, mit welcher er zuvor gesprochen habe,
abgedreht, worauf er plötzlich einen Schlag auf seinem linken Auge bzw. seiner
Brille verspürt und seine Hände auf sein Auge gelegt habe. Dann seien seine Kol-
legen bzw. der Zeuge C._ gekommen und hätten ihn zur Parkbank zurück-
gebracht. Sie hätten versucht, die Blutung zu stoppen, aber als dies nicht ge-
klappt habe, seien sie in die Apotheke beim K._ gegangen, wo sie zur Not-
aufnahme des Universitätsspitals Zürich geschickt worden seien (Urk. 6/1 S. 2 f.;
Urk. 6/3 S. 5 und 7 ff.). Wer ihm den Faustschlag verpasst habe, habe er nicht
gesehen. Er habe lediglich von seinen Kollegen erfahren, dass der Beschuldigte
ihm den Faustschlag versetzt habe. Der Zeuge C._ habe den Faustschlag
beobachten können und den Beschuldigten anhand eines Profilbildes wiederer-
kannt (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/3 S. 5). G'._ habe ihm eine Woche nach dem
Vorfall zudem noch mitgeteilt, dass es dem Beschuldigten leid tue ("[...] dann ha-
be ich durch G'._ im Nachhinein erfahren, es täte ihm, dem A._, leid.",
Urk. 6/3 S. 5; "Er hat einfach gesagt, dass es dem A._ leid tue, was er getan
habe.", Urk. 6/3 S. 6).
2.4.3.2. Derselbe Handlungsablauf wird denn auch von den Zeugen
D._, E._ und F._ beschrieben. So seien sie am fraglichen Datum
an der Seepromenade gewesen, worauf eine Schlägerei entstanden sei ("Wir ha-
ben dann gesehen, dass eine Schlägerei entstanden ist, zwei Personen waren
am Ringen, am Boden. Der eine war auf dem anderen drauf.", Urk. 7/5 S.3
[D._]; "Wir beobachteten eine Schlägerei. Es gingen Leute aufeinander los,
wer genau weiss ich nicht.", Urk. 7/7 S. 3 [E._]; "Dann hat es wegen einem
Hund oder so eine Schlägerei gegeben. Zwei Gruppen waren am "schleglä".",
Urk. 7/9 S. 3 [F._]. Daraufhin seien der Privatkläger und der Zeuge D._
- 17 -
in die Personenmenge hineingegangen und hätten versucht zu schlichten ("Dann
bin ich und B._ dorthingegangen, sehr neutral, nicht aggressiv. Wir haben
versucht, die beiden auseinander zu nehmen. Wir haben sie nicht einfach ausei-
nandergerissen, sondern auf die Schulter geklopft und gesagt, es lohne sich
nicht.", Urk. 7/5 S. 3 [D._]; "D._ und B._ gingen dann dort rein, um
zu schlichten. D._ stand eher links und B._ eher rechts, redete mit je-
mandem", Urk. 7/7 S. 3 [E._]; "Dann ging B._ rein, um den Streit zu
schlichten, da es keinen Sinn mache, wegen einem Hund so zu streiten.", Urk. 7/9
S. 3 [F._]). Schliesslich sei der Zeuge C._ in die Menge gerannt und
habe den blutenden Privatkläger zu den Sitzbänken gebracht, worauf sie mit ihm
zuerst in die Apotheke und dann ins Universitätsspital Zürich gegangen seien
(Urk. 7/5 S. 3 [D._]; Urk. 7/7 S. 3 [E._]; Urk. 7/9 S. 3 [F._]).
2.4.3.3. Auch wenn der Privatkläger und die Zeugen E._, D._ und
F._ keine aus eigener Wahrnehmung stammenden Angaben zum Ablauf der
eigentlichen Tathandlung bzw. zur Täterschaft machen konnten, so schilderten
sie dennoch übereinstimmend, nachvollziehbar und lebensnah, wie es zur Ausei-
nandersetzung zwischen mehreren fremden Personen kam, in welche der Privat-
kläger und der Zeuge D._ schlichtend eingriffen, worauf der Privatkläger vom
Zeugen C._ aus der Menge geholt und aufgrund seiner stark blutenden
Wunde zunächst in die Apotheke und anschliessend in das Universitätsspital ge-
bracht wurde. Die Aussagen des Privatklägers und der Zeugen D._, E._
und F._ weisen weder Übertreibungen auf noch belasten sie den Beschuldig-
ten übermässig. So gaben sie allesamt ausdrücklich an, den anklagegegenständ-
lichen Faustschlag gar nicht beobachtet zu haben (D._, E._, F._)
bzw. nicht selbst gesehen zu haben, wer diesen ausgeführt habe (Privatkläger).
Der Privatkläger selbst machte zudem auch nie geltend, von mehr als nur einem
einzelnen Faustschlag getroffen worden zu sein. Konkrete Hinweise für eine Ab-
sprache der Aussagen zwischen dem Privatkläger und den Zeugen sind nicht er-
kennbar. Die Aussagen des Privatklägers und der Zeugen D._, E._ und
F._ sind damit grundsätzlich als glaubhaft zu qualifizieren.
- 18 -
2.4.3.4. Angesichts der glaubhaften Aussagen des Hauptbelastungszeugen
C._, welche in Bezug auf das allgemeine Tatgeschehen mit den ebenfalls
glaubhaften Aussagen des Privatklägers sowie der Zeugen D._, E._
und F._ übereinstimmen, ist der Anklagesachverhalt in Bezug auf den Tat-
hergang rechtsgenügend erstellt.
2.5. Was die Täterschaft betrifft, zweifelt die Verteidigung im Berufungsver-
fahren die Zuverlässigkeit der Identifikation des Beschuldigten als Täter durch den
Zeugen C._ an. So handle es sich beim Beschuldigten nicht um einen op-
tisch besonders auffälligen dunkelhäutigen jungen Mann, welcher angesichts der
im Tatzeitpunkt – gemäss den Aussagen der befragten Personen – herrschenden
schlechten Lichtverhältnisse ohne Weiteres mit einer anderen Person mit glei-
chem Signalement hätte verwechselt werden können. Angesichts der konkreten
Umstände scheine es bereits wenig wahrscheinlich, dass der Zeuge C._ die
spontane, sekundenbruchteile dauernde Tat und damit den Täter überhaupt so
gut habe sehen können, um ihn später zweifelsfrei identifizieren zu können
(Urk. 85 S. 17 f.). Hinzu komme, dass der Zeuge C._ den Beschuldigten
nicht durchwegs mit Sicherheit als Täter identifiziert habe. So sei er sich lediglich
"ziemlich" oder "eigentlich" sicher gewesen, dass es sich beim Beschuldigten um
den Täter handle und dies zudem erst nachdem er Rückendeckung durch die
Aussagen des Zeugen E._ erhalten habe, wobei der Zeuge E._ den an-
klagegegenständlichen Faustschlag gar nie beobachtet habe (Urk. 85 S. 18).
Schliesslich sei die Identifikation des Beschuldigten als Täter durch den Zeugen
C._ beweismässig praktisch wertlos. Dieser habe den Beschuldigten nie aus
einer Auswahl von möglichen Tätern identifiziert, sondern lediglich anhand eines
Profilbildes auf Facebook, welches ihm alternativlos vorgehalten worden sei, mit
dem Hinweis, dass es sich dabei um den Täter handeln könne. Folglich sei es
nicht erstaunlich, dass er unter diesen Umständen geglaubt habe, den Beschul-
digten als Täter zu identifizieren. Dass der Zeuge C._ den Beschuldigten
schliesslich anlässlich der Konfrontationseinvernahme mehr als ein Jahr später
erneut als Täter identifiziert haben wolle, ändere sodann nichts, zumal sich das
Bild des Beschuldigten als Täter inzwischen in den Kopf des Zeugen C._
eingebrannt habe und die Gegenüberstellung bei der Staatsanwaltschaft erneut
- 19 -
alternativlos durchgeführt worden sei. Dass der Zeuge C._ den Beschuldig-
ten als Täter identifiziert habe, sei insgesamt eher den stark suggestiven Umstän-
den geschuldet, als einer tatsächlich zuverlässigen Wiedererkennung (Urk. 85
S. 20 ff.).
2.5.1. Zur Durchführung einer Identifizierungsgegenüberstellung existieren
weder besondere Vorschriften noch eine gefestigte Praxis. Allerdings wurden von
Lehre und Rechtsprechung immerhin einzelne Empfehlungen ausgearbeitet (Ur-
teil des Bundesgerichtes 1P.104/2004 vom 10. Mai 2004, E. 3 und 4; ZR
106/2007 S. 276 E. 5.2.b; Urteile des Obergerichtes Zürich SB140133 vom
28. November 2014, E. 6.1, SB150197 vom 13. November 2015, E. II.3.2.1.1,
SB150243 vom 11. Januar 2016, E. II.5.1, SB170172 vom 31. Oktober 2017,
E. II.3.1; GODENZI, in: DONATSCH/HANSJAKOB/ LIEBER, Kommentar zu Schweizeri-
schen Strafprozessordnung, Zürich 2014, N 11 zu Art. 146 StPO; BSK StPO - HÄ-
RING, N 11 zu Art. 146 StPO; BLÄTTLER, Zur Problematik der Täteridentifikation im
Rahmen einer Konfrontation aus der Sicht der polizeilichen Praxis, AJP 2000
1374; GARBADE, Mindestanforderungen bei Täteridentifikationen - Forum "Redlich
aber falsch" Bern, 20. Mai 2000, AJP 2000 1375). Im Interesse einer möglichst
zuverlässigen Täteridentifikation wird beispielsweise empfohlen, dem Zeugen –
falls keine Täterbeschreibung vorliegt – Fotos von mehreren Vergleichspersonen
vorzulegen, welche dem Verdächtigen bezüglich Aussehen und Körperhaltung
ähnlich sind und von ihm auch nicht durch äussere Merkmale (etwa Kleidung)
stark unterschieden werden können. Ein vorgeschriebenes Mindestmass heran-
zuziehender Vergleichspersonen (oder -fotos) gibt es dabei nicht (vgl. zum Gan-
zen Urteil des Bundesgerichtes 1P.104/2004 vom 10. Mai 2004, E. 3 und 4; ZR
106/2007 S. 276 E. 5.2.b; Urteile des Obergerichtes Zürich SB140133 vom
28. November 2014, E. 6.1, SB150197 vom 13. November 2015, E. II.3.2.1.1,
SB150243 vom 11. Januar 2016, E. II.5.1, SB170172 vom 31. Oktober 2017,
E. II.3.1; GODENZI, in: DONATSCH/HANSJAKOB/ LIEBER, Kommentar zu Schweizeri-
schen Strafprozessordnung, Zürich 2014, N 11-14 zu Art. 146 StPO; HÄRING, in:
NIGGLI/HEER/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar Strafprozessordnung [nachfol-
gend BSK StPO], 2. Auflage, Basel 2014, N 11 zu Art. 146 StPO; BLÄTTLER, Zur
Problematik der Täteridentifikation im Rahmen einer Konfrontation aus der Sicht
- 20 -
der polizeilichen Praxis, AJP 2000 1374; GARBADE, Mindestanforderungen bei Tä-
teridentifikationen - Forum "Redlich aber falsch" Bern, 20. Mai 2000, AJP 2000
1375).
2.5.2. Bei der Beurteilung der Zuverlässigkeit der erfolgten Täteridentifikati-
on sind gemäss diesen Empfehlungen zunächst die während der Tat bestehen-
den Umstände zu berücksichtigen, namentlich die Dauer der Beobachtung, die
Erkennbarkeit des Täters auf Grund der Licht- und Wetterverhältnisse, die Ent-
fernung des Standorts des Zeugen zum Täter, der Blickwinkel, die Auffälligkeit
des Täters, sonstige Umstände der Beobachtung (gezielt oder zufällig) oder die
Aufmerksamkeit des Beobachters. Dadurch kann festgestellt werden, inwieweit
die befragte Person die Möglichkeit hatte, das Aussehen des Täters bewusst
wahrzunehmen. In einem nächsten Schritt, ist zu erörtern, ob Anhaltspunkte für
eine suggerierte Aussage bestehen (GODENZI, a.a.O., N 11 zu Art. 146 StPO;
HÄRING-BSK StPO, N 11 zu Art. 146 StPO). Hierzu sind die zur Erkennung von
suggerierten Aussagen ausgearbeiteten Grundlagen der Aussagenpsychologie
heranzuziehen. Diese besagen u.a., dass sich aus der chronologischen Rekon-
struktion der Aussageentstehung und Aussageentwicklung ergibt, inwiefern es
sich bei den Aussagen der beobachtenden Person um suggerierte oder um erleb-
nisbasierte Aussagen zur Täterbeschreibung handelt. Denn der Wahrheitsgehalt
einer Aussage kann nur beurteilt werden, wenn ihr Zustandekommen bekannt ist
(BENDER/NACK/ TREUER, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, 3. Aufl., München
2007, N 253 ff.; LUDEWIG/TAVOR/BAUMER, Wie können aussagepsychologische Er-
kenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, AJP 2011 1415,
1433; Urteile des Obergerichtes Zürich SB140133 vom 28. November 2014, E.
6.1, SB150197 vom 13. November 2015, E. II.3.2.1.1, SB150243 vom 11. Januar
2016, E. II.5.1, SB170172 vom 31. Oktober 2017, E. II.3.1). Schliesslich ist zu be-
achten, dass sich Fehler im Identifizierungsverfahren im Allgemeinen nachträglich
nicht mehr korrigieren lassen (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., N 1174; BLÄTTLER,
AJP 2000 1374; GODENZI, a.a.O., N 15 zu Art. 146 StPO).
2.5.3. Bei diesen Empfehlungen handelt es sich weder um besondere Vor-
schriften noch um eine gefestigte Praxis. Folglich vermag deren Nichtbeachtung
- 21 -
nicht von vornherein die Unverwertbarkeit des so abgenommenen Beweises zu
bewirken. Verlangt wird diesfalls immerhin, dass eine solche Konstellation im
Rahmen der freien Beweiswürdigung zu berücksichtigen und der so erfolgten Tä-
teridentifikation allenfalls einen geringeren Beweiswert zuzuerkennen ist (BLÄTT-
LER, AJP 2000 1374; GARBADE, AJP 2000 1375; GODENZI, a.a.O., N 12 - 14 zu
Art. 146 StPO; HÄRING-BSK StPO, N 11 zu Art. 146 StPO). Es ist demnach Sache
des Richters, dieser Problematik bei der frei vorzunehmenden Beweiswürdigung
Rechnung zu tragen. Dabei ist auf die konkreten Umstände des Einzelfalles ab-
zustellen (Urteil des Bundesgerichtes vom 10. Mai 2004 [1P.104/2004] E. 4; Urtei-
le des Obergerichtes Zürich SB140133 vom 28. November 2014, E. 6.1,
SB150243 vom 11. Januar 2016, E. II.5.1, SB170172 vom 31. Oktober 2017, E.
II.3.1, SB150197 vom 13. November 2015, E. II.3.2.1.1).
2.5.4. Ausgehend von diesen Empfehlungen ist nachfolgend zu prüfen, ob
die vom Zeugen C._ vorgenommene Täteridentifikation an Mängeln leidet,
welche deren Zuverlässigkeit in Frage stellen.
2.5.4.1. In Bezug auf die Wahrnehmungsumstände wies die Verteidigung
grundsätzlich zutreffend darauf hin (Urk. 85 S. 17), dass der Zeuge C._ die
Lichtverhältnisse im Zeitpunkt des anklagegegenständlichen Faustschlages mit
den Worten "nicht so beleuchtet" charakterisierte (Urk. 7/2 S. 7). Aus dieser Be-
schreibung kann indessen nicht abgeleitet werden, dass es im Tatzeitpunkt am
Tatort so dunkel war, dass er die Tathandlung und den Täter nicht richtig habe
wahrnehmen können. Hinzu kommt, dass der Zeuge C._ gemäss eigenen
Angaben im Zeitpunkt des anklagegegenständlichen Faustschlages in einer Dis-
tanz von zwei bis drei Metern zum Privatkläger (Urk. 7/2 S. 7) aufgehalten habe.
Selbst wenn also die Lichtverhältnisse im Tatzeitpunkt nicht ideal waren, wird die-
ser Umstand durch die grosse Nähe des Zeugen C._ zum Tatgeschehen re-
lativiert. Dafür spricht auch, dass der Zeuge C._ die Geschehnisse rund um
den Privatkläger detailliert zu schildern vermochte ("B._ war damit beschäf-
tigt mit einem älteren Herrn zu diskutieren und versuchte ihn zu beruhigen. Der
Mann schrie B._ an und sagte, dass es okay sei und entfernte sich von der
Gruppe. Aus der Richtung, in welcher der Mann davon ging, mit welchem
- 22 -
B._ zuvor diskutiert hatte, kam A._ angerannt und schlug B._ mit
der Faust ins Gesicht.", Urk. 7/1 S. 1; "Als ich merkte, dass sie begonnen haben
zu "schlägle" und mein Kollege, B._ und mein Cousin D._ waren auch in
diesem Geschehen drin. Dann beobachtete ich, wie B._ mit einem älteren
Mann diskutierte, der war recht wütend. Als der ältere Mann sich umdrehte, sie
fertig geredet haben, kam A._ und verpasste B._ einen Schlag ins Ge-
sicht.", Urk. 7/2 S. 3). Aufgrund der Schilderungen des Zeugen C._ wird
denn auch ersichtlich, dass er den Geschehnissen rund um den Privatkläger nicht
erst im Moment des Faustschlages, sondern bereits zuvor seine volle Aufmerk-
samkeit widmete. Vor diesem Hintergrund bestehen keine im Sinne von Art. 10
Abs. 3 StPO unüberwindbaren Zweifel daran, dass der Zeuge C._ im Tat-
zeitpunkt dazu in der Lage war, das Gesicht des Täters bewusst wahrzunehmen
und sich dieses einzuprägen.
2.5.4.2. Was den Hergang der Täteridentifikation durch den Zeugen
C._ betrifft, ist der Verteidigung insofern zuzustimmen, als diese auf unge-
wöhnliche Weise erfolgte. So gab der Zeuge C._ hierzu an, dass er und die
übrigen Zeugen sowie der Privatkläger G'._ nach der Tat davon hätten über-
zeugen müssen, den Namen des Täters zu nennen. G'._ habe ihnen den
Namen nicht sagen wollen, da er auch mit dem Beschuldigten befreundet sei und
mit dem Ganzen nichts hätte zu tun haben wollen. G'._ habe ihnen den Na-
men schliesslich doch genannt, worauf ein Kollege diesen bei Facebook eingege-
ben und ihm (C._) das entsprechende Foto gezeigt habe, worauf er den Be-
schuldigten sofort wiedererkannt habe (Urk. 7/1 S. 2; Urk. 7/2 S. 4 f.; Urk. 7/3 S. 7
f.). Aus diesen Aussagen des Zeugen C._ geht hervor, dass er von Anfang
an über ein konkretes Bild des Täters verfügt hatte. Andernfalls wäre es ihm gar
nicht erst möglich gewesen, eine Verbindung zwischen dem Täter und G'._
herzustellen bzw. hätte er sich nicht dazu veranlasst gesehen, G'._ davon zu
überzeugen, den Namen des Täters zu nennen. Entgegen der Ansicht der Vertei-
digung erfolgte die Identifikation des Beschuldigten als Täter also nicht so, dass
dem Zeugen C._ einfach ein beliebiges Facebook-Foto eines möglichen Tä-
ters vorgehalten wurde. Der Zeuge C._ wusste vielmehr bereits, wer der Tä-
ter war, kannte aber den Namen dieser Person nicht, weshalb er sich diesen von
- 23 -
G'._ nennen liess. Anhand des zu diesem Namen gehörenden Facebook-
Profilbildes stellte der Zeuge C._ schliesslich fest, dass es sich bei der von
Person auf dem Facebook-Profilbild und dem von ihm beobachteten Täter tat-
sächlich um dieselbe Person handelte. Vor diesem Hintergrund kann eine auf
Suggestion basierte Identifikation des Beschuldigten als Täter ausgeschlossen
werden, zumal der Zeuge C._ von Beginn der Strafuntersuchung an klar und
eindeutig angab, wie der von ihm als Täter identifizierte Beschuldigte dem Privat-
kläger einen Faustschlag versetzt habe und er von dieser Belastung auch nie zu-
rücktrat.
2.5.5. Vor dem Hintergrund vorstehender Erwägungen bestehen keine
rechtserheblichen Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO an der Zuverlässig-
keit der Identifikation des Beschuldigten als Täter durch den Zeugen C._. An
diesem Ergebnis vermag schliesslich auch der Einwand der Verteidigung nichts
zu ändern, gemäss welchem die Strafverfolgungsbehörden in ihrer Untersuchung
den entlastenden Elementen nicht genügend nachgegangen seien, indem sie ei-
ne nachträgliche Ortung des Mobiltelefons des Beschuldigten unterlassen und
dessen Hand unmittelbar nach der tatnahen Anzeigeerstattung durch den Privat-
kläger nicht auf Verletzungen hin untersucht hätten (Urk. 85 S. 12).
2.5.5.1 So könnte durch das Ergebnis einer Telefonortung die Täterschaft
des Beschuldigten weder eindeutig belegt noch widerlegt werden. Einerseits hätte
der Beschuldigte sein Telefon am fraglichen Abend nicht zwingend bei sich tragen
müssen. Andererseits könnte die Ortung seines Telefons am Tatort am fraglichen
Tatabend höchstens seine Anwesenheit, nicht aber seine Täterschaft belegen.
2.5.5.2. Hinsichtlich der von der Verteidigung erwähnten Untersuchung der
Hand des Beschuldigten auf Verletzungsmerkmale ist sodann anzumerken, dass
der Umstand, dass der Privatkläger durch den gegen seine Brille geführten
Faustschlag gravierende Verletzungen in seinem Gesicht erlitt, nicht zwangsläufig
bedeutet, dass auch der Beschuldigte eine gleich schwere Verletzung seiner
Schlaghand erlitten haben muss. Auch das Fehlen von Verletzungen an dessen
Hand hätte mithin nicht automatisch zum Ausschluss seiner Täterschaft geführt.
- 24 -
2.6. Zusammenfassend bestehen nach der Würdigung sämtlicher verfügba-
rer Beweismittel keine im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO unüberwindlichen Zweifel
daran, dass sich der anklagegegenständliche Vorfall vom 28. Mai 2017, wie in der
Anklageschrift vom 7. September 2018 umschrieben, abgespielt hat. Der Ankla-
gesachverhalt ist damit rechtsgenügend erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz würdigte die Tat des Beschuldigten als schwere Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB und Sachbeschädigung im Sinne
von Art. 144 Abs. 1 StGB (Urk. 61 S. 32 ff. und S. 49).
1.1. Wie bereits die vormalige Verteidigung vor Vorinstanz (Urk. 50 S. 8 f.;
Prot. I S. 17), macht die aktuelle Verteidigung auch im Berufungsverfahren gel-
tend, dass die anklagegegenständliche Tat keine schwere Körperverletzung dar-
stelle. So liege kein Nachweis für eine arge und bleibende Entstellung des Ge-
sichtes des Privatklägers vor. Den aktenkundigen ärztlichen Berichten könne le-
diglich entnommen werden, welche Folgen die Tat für den Privatkläger in Zukunft
möglicherweise haben könnte. Das tatsächliche Vorliegen der in der Anklage be-
haupteten Verletzungsfolgen würde dadurch aber nicht bewiesen. Die bei den Ak-
ten liegenden, kurz nach der Tat aufgenommenen Fotos würden zwar schlimm
aussehende Verletzungen des Privatklägers zeigen, jedoch seien tatnahe Fotos
für den Beleg einer schweren Körperverletzung nicht relevant, solange völlig un-
terschiedliche Heilungsverläufe möglich seien. Entscheidend sei nicht, wie ent-
stellend die Verletzungen nach der Tat gewesen seien, sondern dass die Verlet-
zungen auch nach deren vollständigen Verheilung bzw. Vernarbung für einen arg
entstellenden Eindruck des Gesichtes sorgen würden. Dass im Arztbericht vom
27. August 2017 behauptet werde, dass die Narbe des Privatklägers bleibend
entstellend sei, beantworte schliesslich auch nicht die Frage, ob ein bleibender,
arg entstellender Eindruck des Gesichtes im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB ge-
geben sei. Die Beantwortung dieser Rechtsfrage könne denn auch nicht durch ei-
nen Arzt erfolgen, welcher bei Narben im Gesicht schnell einmal das Wort "ent-
stellend" verwende, sondern müsse durch das Gericht entschieden werden. Dies
- 25 -
sei nur durch eine Dokumentation des aktuellen und vollständig verheilten Ge-
sichtes des Privatklägers möglich, welche dem Gericht aber nicht vorliege. Im Üb-
rigen sei es auch bei einem Vergleich mit anderen Fällen naheliegend, dass keine
schwere Körperverletzung vorliege (Urk. 85 S. 24 ff.).
1.2. Die Staatsanwaltschaft hat mit ihrer Anschlussberufung die Bestätigung
der vorinstanzlichen Schuldsprüche beantragt (Urk. 69 S. 2).
2. Bereits die Vorinstanz hat dazu zutreffend erwogen, dass zu keinem Zeit-
punkt eine unmittelbare Lebensgefahr beim Privatkläger bestand, dass die Augen
indessen zu den wichtigen Organen im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB zählen,
wobei es bei paarigen Sinnesorganen genügt, wenn ein einzelnes Teilorgan, wie
ein Auge, beeinträchtigt wurde (ROTH/BERKEMEIER, in: Basler Kommentar Straf-
recht I, 4. Auflage 2019, N 13 zu Art. 122 StGB). Dabei reicht nicht jede geringfü-
gige Verletzung eines solchen Organs aus. Diese muss vielmehr schwer sein. Ei-
ne arge und bleibende Entstellung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB kann bei-
spielsweise bei einer deutlichen Narbe im Gesicht vorliegen (ROTH/BERKEMEIER,
a.a.O., N 18 zu Art. 122 StGB).
2.1. Der Privatkläger hatte sich am der Tatnacht folgenden Tag einer 75-
minütigen Operation unter Intubationsnarkose zu unterziehen, in welcher ihm zwei
grössere und ein sehr kleiner Brillenglassplitter aus Plastik aus der Wunde im
Wangenbereich entfernt und ein Hämatom ausgereinigt werden musste
(Urk. 11/2). Durch den Faustschlag des Beschuldigten erlitt er eine komplexe
Schnittverletzung durch die Brillenglassplitter im oberen Wangenbereich links mit
Ausdehnung bis zur unteren nasalen Lidkante und zum nasalen Lidwinkel, eine
streifenförmige Hornhautverletzung mit verbleibender mittelperipherer oberflächli-
cher Hornhautnarbe und eine komplexe Fraktur der Augenhöhle (Urk. 11/5). Die
lebenswichtigen Kopforgane befanden sich in unmittelbarer Nähe zu den Verlet-
zungen. Die durch die Brillenglassplitter entstanden Schnittverletzungen waren
tief und reichten bis auf den Knochen.
2.2. Laut dem ärztlichen Befund von Dr. med. L._, Oberarzt an der Or-
thoptischen Abteilung der Augenklinik des Universitätsspitals Zürich vom 10. Au-
- 26 -
gust 2017 bleibt im Wangenbereich des Privatklägers langfristig eine sehr deutli-
che und entstellende Narbe zurück: "Die sehr auffällig konfigurierte und entstel-
lende Narbe im Bereich der linken Wange wird bestehen bleiben." (Urk. 11/5 S. 2,
Ziff. 7). Eine Narbenkorrektur sei zu einem späteren Zeitpunkt grundsätzlich
denkbar, aufgrund der Nähe der Narbe zur Lidkante könne eine erneute Operati-
on jedoch auch zu weiteren Problemen, zum Beispiel mit dem Lidschluss, führen.
Nach einem solchen Trauma könne es auch später noch zu einem Einsinken des
Augapfels und zum Entstehen von Doppelbildern kommen. Ebenfalls sei möglich,
dass es zu einem späteren Zeitpunkt zu einem sekundären Vernarben des Trä-
nenkanals komme, was ein ständig tränendes Auge zur Folge haben könne. Die
verbleibende Narbe auf der Hornhaut des linken Auges mache dem Privatkläger
zum jetzigen Zeitpunkt keine Probleme, es sei jedoch denkbar, dass es später zu
einem Blendegefühl oder zu einer Einschränkung der Sehschärfe kommen könne.
Der Privatkläger sei vom 28. Mai 2017 bis 11. Juni 2017 zu 100% arbeitsunfähig
gewesen Urk. 11/5).
2.3. Entgegen den Vorbringen der Verteidigung (Urk. 85 S. 24 ff.) kann zur
Beurteilung des Vorliegens einer bleibenden, argen Entstellung im Sinne von
Art. 122 Abs. 2 StGB auf den vorerwähnten Arztbericht vom 10. August 2017, wie
auch auf die bei den Akten liegende Fotodokumentation des tatnahen Verlet-
zungsbildes abgestellt werden. So erhellt aufgrund der Verletzungsfotos, dass die
vom Privatkläger erlittene Schnittverletzung einerseits keinen sauberen und gera-
den Verlauf aufweist, was naturgemäss ein narbenfreies Abheilen begünstigen
würde, sondern dass es sich um eine flächige und fransige Wundfläche mit ge-
zacktem Verlauf handelt. So wird die Verletzung des Privatklägers im Operations-
bericht der Augenklinik des Universitätsspitals Zürich vom 28. Mai 2017 denn
auch als "zerfetzte Rissquetschwunde" bzw. als "zerfetzte und klaffende RQW"
bezeichnet. Dass es sich um kein gewöhnliches Verletzungsbild handelt, geht zu-
dem aus der im selben Operationsbericht enthaltenen Information vor, wonach
der Privatkläger im Vorfeld der Operation über das "komplexe Verletzungsmuster
und die zurückbleibende auffällige Narbe bei zerfetzter Haut bis in den Epikan-
thusbereich" aufgeklärt wurde (Urk. 11/2). Diese unmittelbar nach der Tat abge-
gebene ärztliche Einschätzung wird im zweieinhalb Monate später erstatteten Be-
- 27 -
richt der Augenklinik des Universitätsspitals Zürich vom 10. August 2017 bestätigt.
Darin wird nochmals festgehalten, dass es sich bei der vom Privatkläger erlittenen
Verletzung um eine "ausgedehnte komplexe Schnittverletzung" handelt und dass
die "sehr auffällig konfigurierte und entstellende Narbe im Bereich der linken
Wange bestehen bleiben" werde (Urk. 11/5 S. 2). Gründe dafür, an dieser ärztli-
chen Einschätzung zu zweifeln, sind keine ersichtlich, zumal diese nicht aus-
schliesslich auf dem Tat nahen Verletzungsbild basiert, sondern auch den Hei-
lungsverlauf in den darauffolgenden zweieinhalb Monaten berücksichtigt, welcher
anlässlich dreier Verlaufskontrollen am 30. Mai 2017, am 6. Juni 2017 sowie am
9. August 2017 überprüft wurde (Urk. 11/5 S.1). Dass die Narbe durch den be-
richterstattenden Arzt Dr. med. M._ leichtfertig mit dem Prädikat "entstellend"
versehen worden sei, wie dies von der Verteidigung geltend gemacht wird
(Urk. 85 S. 26), kann vor diesem Hintergrund ausgeschlossen werden. Dies gilt
umso mehr, als dass im ärztlichen Bericht vom 10. August 2017 auch die Frage
nach einer späteren Narbenkorrektur aufgeworfen wird (Urk. 11/5 S. 2). So würde
sich bei einer unauffälligen bzw. nach dem Abheilen nicht mehr sichtbaren und
damit nicht bleibend und arg entstellenden Narbe gar nicht erst die Frage nach
einer solchen Korrektur stellen. Dass auch deutlich gravierendere und grössere
Narben, als die des Privatklägers vorstellbar sind, wie dies von der Verteidigung
vorgebracht wird (Urk. 85 S. 26), bedeutet nicht, dass das Gesicht des Privatklä-
gers nicht arg und bleibend im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB entstellt ist, zumal
die Narbe gemäss der ärztlichen Einschätzung auch nach dem Abheilen sichtbar
bleiben wird und diese aufgrund ihrer äusserst prominenten Lage im Bereich der
linken Wange direkt am bzw. unterhalb des linken Auges des Privatklägers auch
für jedermann sofort erkennbar ist (vgl. BGE 115 IV 17 E. 2b.).
2.4. Zusammengefasst erfüllte der Beschuldigte den objektiven Tatbestand
der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB, indem er den
Privatkläger heftig auf die linke Augenpartie schlug und diesem dadurch die ent-
stellende Narbe im Gesicht verursachte.
2.5. Vorsätzlich handelt auch, wer die Verwirklichung der Tat auch nur für
möglich hält und in Kauf nimmt, namentlich wer mit Eventualvorsatz handelt
- 28 -
(Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Eventualvorsatz liegt vor, wenn sich dem Beschul-
digten der tatbestandsmässige Erfolg seines Verhaltens als so wahrscheinlich
aufdrängte, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme dieses Er-
folges ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3).
2.5.1. Dass der Beschuldigte dem Privatkläger mit direktem Vorsatz eine
schwere Körperverletzung zufügen wollte, diesen somit dauerhaft entstellen oder
lebensgefährlich verletzen wollte, lässt sich nicht nachweisen. Indessen musste
auch dem Beschuldigten die Sensibilität und Wichtigkeit des Auges klar sein. Es
bedarf keiner besonderen Ausbildung oder Kenntnisse, um zu wissen, dass ein
wuchtiger Schlag mit der Faust auf das Auge zu schweren Verletzungen führen
kann; dies erst recht, wenn das Opfer unvorbereitet ist und vom Schlag völlig
überraschend und aus dem Nichts getroffen wird, ohne dass ein Abwenden des
Kopfes oder ein anderer Schutz des Gesichts möglich wäre. Wer trotz des Wis-
sens um die möglichen, schwer verletzenden Folgen wuchtig, sei es gezielt oder
unkontrolliert, mit der Faust ins Gesicht eines ahnungs- und wehrlosen Menschen
schlägt, nimmt insbesondere bei Treffern im Bereich der Augen des Gegenübers
schwere und bleibende Verletzungen der Sinnesorgane sowie bleibende und arg
entstellende Narben in Kauf, dies erst recht, wenn der Geschlagene eine Brille
trägt, deren Gläser bersten können, sodass durch einen derart gefährlichen
Schlag mit hoher Wahrscheinlichkeit das Auge zerstört oder durch massive
Schnittverletzungen im Augenbereich in arge und möglicherweise bleibende Mit-
leidenschaft gezogen werden kann. Indem der Beschuldigte trotz dieses Begleit-
wissens auf den Privatkläger einschlug, handelte er hinsichtlich der schweren
Körperverletzung somit eventualvorsätzlich.
2.5.2. An diesem Ergebnis vermag auch das Vorbringen der Verteidigung
nichts zu ändern, wonach der Beschuldigte aufgrund seiner Angriffsposition und
behaupteter schlechter Lichtverhältnisse nicht habe erkennen können, dass der
Privatkläger im Zeitpunkt des Angriffs eine Brille getragen habe (Urk. 85 S. 27 f.).
2.5.2.1. Wenn es für den Beschuldigten im Tatzeitpunkt nicht erkennbar ge-
wesen wäre, ob der Privatkläger eine Brille trägt, hätte er dies umgekehrt auch
nicht ausschliessen können, zumal das Tragen einer Brille, sowohl aus medizini-
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schen, als auch aus modischen Gründen, gang und gäbe ist. Dass der Beschul-
digte unter diesen von der Verteidigung behaupteten Umständen dennoch völlig
unvermittelt einen Faustschlag in Richtung des Kopfes des Privatklägers führte,
so dass er sich vorab gar nicht darüber vergewissern konnte, ob der Privatkläger
eine Brille trägt oder nicht, kann folglich nicht anders aufgefasst werden, als dass
es ihm egal war, wem er ins Gesicht schlug und er folglich auch in Kauf nahm,
dass es sich beim Privatkläger um einen Brillenträger handelt.
2.5.2.2. Weiter wird das eventualvorsätzliche Handeln des Beschuldigten
auch nicht durch das Argument der Verteidigung widerlegt, wonach der Schlag
des Beschuldigten gegen den Hinterkopf des Privatklägers gerichtet gewesen sei
und nur deshalb das Gesicht des Privatklägers getroffen habe, weil sich dieser
just im Moment des Schlages abgedreht habe (Urk. 85 S. 28 f.). So konnte sich
der Beschuldigte angesichts des unvermittelt und mit grosser Wucht gegen den
Kopf des völlig arglosen Privatklägers gerichteten Schlages nicht darauf verlas-
sen, dass der Privatkläger still in einer Position verharrt, zumal eine Drehung des
Kopfes oder ein Abdrehen des Körpers jederzeit und augenblicklich erfolgen
kann. Dem Argument der Verteidigung, wonach der gegen den Privatkläger ge-
führte Schlag zu wenig kräftig ausgefallen sei, um sich auf die Verursachung einer
schweren Körperverletzung zu beziehen (Urk. 85 S. 28) ist entgegenzuhalten,
dass einerseits der Tatzeuge C._ den Schlag auf einer Stärkeskala von 1-10
mit einer 8 bewertete (Urk. 7/2 S. 6) und im Übrigen auch die vom Privatkläger er-
littenen Verletzungen (komplexe Fraktur der Augenhöhle und komplexe Schnitt-
verletzungen im linken Wangenbereich, welche bis auf den Knochen reichten;
Urk. 11/5 S. 1) die vom Zeugen C._ beobachtete Heftigkeit des Schlages be-
legen.
3. In Bezug auf die Sachbeschädigung lässt der Beschuldigte nicht infrage
stellen, dass die Beschädigung der Brille des Privatklägers den objektiven Tatbe-
stand von Art. 144 Abs. 1 StGB erfüllt. Jedoch lässt er die Erfüllung des subjekti-
ven Tatbestands bestreiten. So könne der Vorsatz eines Täters keine Sachbe-
schädigung umfasst haben, da eine Brille, von deren Existenz ein Täter nichts
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wisse bzw. mit deren Existenz ein Täter nicht rechnen müsse, auch nicht (eventu-
al-)vorsätzlich beschädigt werden könne (Urk. 85 S. 29).
3.1. Wie bereits in Ziff. 2.5.2. erwogen wurde, konnte der Beschuldigte nicht
ausschliessen, dass der Privatkläger im Tatzeitpunkt eine Brille trug, welche er
mit dem von ihm gegen den Kopf des Privatklägers gerichteten Schlag treffen und
beschädigen könnte. Indem er derart unvermittelt und heftig zuschlug, so dass er
sich im Vorfeld des Angriffs gar nicht darüber vergewissern konnte, ob der Privat-
kläger eine Brille trägt oder nicht, kann nur von einer Inkaufnahme eines entspre-
chenden tatbestandsmässigen Erfolges ausgegangen werden. Im Übrigen kann
vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zum Tatbestand
der Sachbeschädigung und die Höhe des Schadens von mehr als Fr. 300.– ver-
wiesen werden (Urk. 61 S. 35 f.; Art. 82 Abs. 4 StGB).
3.2. Der erforderliche Strafantrag des Privatklägers gegen den Beschuldig-
ten wegen Sachbeschädigung liegt vor und datiert vom 30. Mai 2017 (Urk. 4).
4. Somit ist der Beschuldigte wegen schwerer Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 Abs. 2 StGB und Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung
1. Im angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte mit einer bedingten Frei-
heitsstrafe von 24 Monaten bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde aufge-
schoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt (Urk. 61 S. 37 ff., S. 49). Die
Anklagebehörde hatte vor Vorinstanz eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 4 Mo-
naten beantragt. Mit ihrer Anschlussberufung verlangt sie nunmehr eine Freiheits-
strafe von 3 Jahren (Urk. 87 S. 1).
2. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumes-
sung korrekt wiedergegeben, zurecht das alte Sanktionenrecht angewendet, und
für den Fall, dass ein Beschuldigter die Voraussetzungen für mehrere Strafen er-
füllt, bei der Bildung einer allfälligen Gesamtstrafe zutreffend darauf hingewiesen,
dass eine solche bloss bei gleichartigen Strafen ausgesprochen werden kann,
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während ungleichartige Strafen kumulativ zu verhängen sind (Urk. 61 S. 36 ff.).
Dies braucht nicht im Einzelnen wiederholt zu werden.
2.1. Die Vorderrichter haben die Sachbeschädigung nicht kumulativ mit einer
separaten Geldstrafe geahndet, sondern unter Hinweis auf die frühere höchstrich-
terliche Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichtes 6B_1196/2015 vom 27. Juni
2016, E. 2.4.2, so bereits 6B_1011/2014 vom 16. März 2015 E. 4.4) eine Aus-
nahmeregelung angerufen, wonach das Gericht von der sog. konkreten Methode
abweichen könne, sofern die einzelnen Straftaten zeitlich und sachlich derart eng
miteinander verknüpft sind, dass sich diese nicht sinnvoll auftrennen und separat
beurteilen lassen (Urk. 61 S. 37, Ziff. 1.2. und S. 39, Ziff. 2.3.).
2.2. Angesichts des sehr leichten Verschuldens bei der Sachbeschädigung
(vgl. nachfolgend, Erw. 4.) wäre für diese grundsätzlich eine separate Geldstrafe
auszufällen (BGE 144 IV 217 E. 2.4 f. und E. 3 ff., S. 222 ff.). Da sich die sehr
leichte Verschuldensschwere indessen nicht merklich auf die Strafhöhe auszuwir-
ken vermag, das Verschulden des Beschuldigten betreffend die Sachbeschädi-
gung bereits als von der für die schwere Körperverletzung festzusetzende Frei-
heitsstrafe abgegolten betrachtet werden kann, erscheint das Vorgehen der Vor-
instanz in concreto aber als sachgerecht und angemessen.
3. Der massgebliche Strafrahmen für die schwere Körperverletzung umfasst
Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen
(Art. 122 Abs. 4 StGB). Aussergewöhnliche Umstände, die eine Erweiterung des
ordentlichen Strafrahmens rechtfertigen würden, liegen nicht vor. Strafschärfungs-
oder Strafmilderungsgründe sind nicht gegeben.
3.1. Bei der objektiven Tatschwere der schweren Körperverletzung ist zu
gewichten, dass der Beschuldigte den ihm völlig unbekannten, ahnungs- und
wehrlosen Privatkläger, ohne dass dieser ihm irgend einen Anlass dazu geboten
hätte, mithin ohne nachvollziehbaren Grund, völlig überraschend aus dem Nichts
heraus, mit einem mit Anlauf und grosser Wucht direkt ins Gesicht ausgeführten
heftigen Faustschlag verletzte. Aufgrund seines Tatvorgehens liess er dem Pri-
vatkläger keine Chance, dem Schlag auszuweichen oder diesen irgendwie abzu-
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wehren, zumal dieser ihn gar nicht kommen sah. Dieses brutale Vorgehen des
Beschuldigten ist als äusserst hinterhältig und rücksichtslos einzustufen und zeugt
von einer erschreckenden Gewaltbereitschaft und bedenklichen Geringschätzung
gegenüber der körperlichen Unversehrtheit und Gesundheit eines anderen Men-
schen. Zudem manifestierte der Beschuldigte damit seine kriminelle Energie und
Gefährlichkeit.
3.2. Mit seinem Faustschlag in das Gesicht des Privatklägers und dem damit
verbundenen Zersplittern von dessen Brille fügte der Beschuldigte dem Privatklä-
ger komplexe Schnittverletzungen im oberen Wangenbereich links mit Ausdeh-
nung bis zur unteren nasalen Lidkante und zum nasalen Lidwinkel, eine streifen-
förmige Hornhautverletzung mit verbleibender mittelperipherer oberflächlicher
Hornhautnarbe und eine komplexe Fraktur der Augenhöhle (gebrochene Orbita-
wand). Die lebenswichtigen Kopforgane befanden sich in unmittelbarer Nähe der
Verletzungen. Unmittelbare Lebensgefahr bestand indessen zu keinem Zeitpunkt.
Die durch die Brillenglassplitter entstanden Schnittverletzungen waren tief und
reichten bis auf den Knochen. Der Privatkläger hatte sich aufgrund der Folgen
dieses brutalen Faustschlages am folgenden Tag unter Intubationsnarkose einer
75-minütigen Operation zu unterziehen, in welcher ihm zwei grössere und ein
sehr kleiner Brillenglassplitter aus Plastik aus der Wunde im Wangenbereich ent-
fernt und ein Hämatom ausgereinigt werden musste. Neben den zu erduldenden
Schmerzen war der Privatkläger als weitere Folge dieses Faustschlages vom
28. Mai 2017 bis 11. Juni 2017 zu 100% arbeitsunfähig. Das Erlebte hatte nach-
vollziehbaren Einfluss auf sein allgemeines Wohlbefinden und sein Lebensgefühl.
Da die Orbitawand gebrochen war, bringt dies die Gefahr eines möglichen späte-
ren Einsinkens des Augenapfels mit sich. Zudem wurde die Netzhaut verletzt.
Diese ist bleibend vernarbt, was zukünftig zu einer Einschränkung bzw. Beein-
trächtigung der Sehfähigkeit führen kann. Schliesslich entstellt die direkt vom Au-
ge ausgehende, grosse und auffällige Narbe das Gesicht des Privatklägers arg
und bleibend (vgl. Urk. 11/2; Urk. 11/5).
3.3. Marginal verschuldensmindernd ist zu berücksichtigen, dass die arge
und bleibende Entstellung des Privatklägers durch die entstandene Narbe im
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Spektrum aller möglichen schweren Körperverletzungen nach Art. 122 StGB eher
im unteren Bereich anzusiedeln ist. Es sind mithin weitaus gravierendere schwere
Körperverletzungen denkbar. Insgesamt wiegt die objektive Schwere der Tat des
Beschuldigten aber keineswegs mehr leicht.
3.4. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist dem Umstand, dass der
Beschuldigte hinsichtlich der schweren Körperverletzung eventualvorsätzlich han-
delte, mithin den schliesslich eingetretenen tatbestandsmässigen Erfolg nicht di-
rektvorsätzlich anstrebte, verschuldensmindernd Rechnung zu tragen. Dagegen
handelt jemand mit einem derartigen Faustschlag auf die Augenpartie eines ande-
ren Menschen fraglos mit direktem Vorsatz, diesen generell zu verletzen. Auch
dass die Tat nicht geplant oder gezielt erfolgte, sondern eher im Sinne eines
plötzlichen, unerklärlichen Gewaltausbruches spontan, führt zu keiner merklichen
Minderung des subjektiven Verschuldens, zumal es weder nachvollziehbare noch
entschuldigende Erklärungen für diesen völlig hemmungs- und rücksichtlosen
Gewaltexzess des Beschuldigten gibt.
3.5. Insgesamt vermag die subjektive Schwere der Tat die objektive Tat-
schwere kaum zu relativieren. Es rechtfertigt sich daher, das Verschulden als kei-
neswegs mehr leicht einzustufen. Aufgrund der gesamten Tatumstände erscheint
eine hypothetische Einsatzstrafe in der Grössenordnung von 30 Monaten Frei-
heitsstrafe als angemessen.
4. Bei der objektiven Tatschwere der Sachbeschädigung ist zu berücksichti-
gen, dass das Kunstglas der Brille des Privatklägers zu Bruch ging, als der Be-
schuldigte derart fest auf dessen Gesicht schlug. Die Höhe des von ihm verur-
sachten Schadens liegt nur knapp über der Grenze zur geringfügigen Sachbe-
schädigung, weshalb eine zu gewichtende Rechtsgutverletzung im untersten Be-
reich des Grundtatbestandes der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1
StGB gegeben ist. Der Privatkläger gab dem Beschuldigten keinerlei Anlass dazu,
dessen Brille zu zerstören. Die unverständlichen Tatumstände sind identisch mit
jenen der schweren Körperverletzung. Da die Zerstörung der Brille des Privatklä-
ger wohl nicht das Handlungsziel des Beschuldigten war, ist die eventualvorsätzli-
che Tatbegehung verschuldensmindernd zu gewichten. Insgesamt ist das Tatver-
- 34 -
schulden daher als sehr leicht zu qualifizieren. Wie bereits erwogen wurde, legt
der enge sachliche und situative Zusammenhang mit der schweren Körperverlet-
zung sodann nahe, dass auch für die Sachbeschädigung eine Freiheitsstrafe als
adäquate Sanktion zu bestimmen ist (Erw. 2.2.). Angesichts der sehr geringen
Verschuldensschwere bei der Sachbeschädigung, welche sich nicht merklich auf
die Strafhöhe auszuwirken vermag, rechtfertigt es sich jedoch, das Verschulden
des Beschuldigten betreffend die Sachbeschädigung bereits als von den 30 Mo-
naten Freiheitsstrafe für die schwere Körperverletzung abgegolten zu betrachten
und von einer Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe abzusehen.
5. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (HEIMGARTNER, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER,
Kommentar zum StGB, 20. Auflage, Zürich 2018, N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
5.1. Der Beschuldigte ist am tt. April 1998 in Zürich geboren. Er ist Bürger
von Zürich und hier aufgewachsen. Seine Eltern stammen aus N._, er hat ei-
nen Bruder und eine Schwester und verfügt über einen Sekundarabschluss der
Stufe C. Er hatte eine Lehre als Logistiker beim O._ in P._ angefangen,
diese wurde ihm ca. im Jahre 2015 nach zwei Lehrjahren indessen gekündigt, wo-
raufhin er Lehrstellen gesucht und ein dreimonatiges Praktikum bei Q._ ab-
solviert hatte. Ab und zu arbeitete der Beschuldigte in der Folge tageweise in der
Transportfirma des Vaters eines Freundes. Zur Zeit der vorinstanzlichen Haupt-
verhandlung absolvierte er im Rahmen einer Reintegrationsstelle der Stadt Zürich
ein sechsmonatiges Praktikum als Reinigungskraft, welches bis Mitte September
2019 andauerte. Der Beschuldigte ist nicht verbeiständet und wurde zur Zeit des
Vorverfahrens mit monatlich Fr. 850.–, zuzüglich Kosten für Miete und Kranken-
kasse, durch die Sozialhilfe wirtschaftlich unterstützt (Urk. 5/1 S. 4; Urk. 5/2
S. 10 f.; Urk. 3; Urk. 43 S. 1 ff.).
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5.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zu seinen
aktuellen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen ergänzend an, dass er
seit der Hauptverhandlung vor Bezirksgericht eine Art Arbeitsintegration absolviert
habe. Er gehe im Bereich der Gebäudereinigung einer Temporärarbeit nach, wo-
bei er das letzte Mal vor zwei Wochen einen Einsatz als Reinigungsmitarbeiter
gehabt habe. Weiter schreibe er aktuell auch Bewerbungen (Prot. II S. 11 f. und
15). Bei der Bestreitung seines Lebensunterhaltes werde er nach wie vor vom
Sozialamt unterstützt (Prot. II S. 11 f.). Ersparnisse habe er keine. Jedoch habe er
Schulden in der Höhe von mehr als Fr. 5'000.– (Prot. II S. 13). Nach seinen Zu-
kunftsplänen gefragt, gab der Beschuldigte an, auf jeden Fall noch eine Ausbil-
dung im Bereich Logistik absolvieren zu wollen, da ihm das eigentlich noch gefal-
len habe (Prot. II S.14).
5.3. Aus seinem Werdegang und den aktuellen persönlichen Verhältnissen
des Beschuldigten ergeben sich weder straferhöhende noch strafmindernde Fak-
toren.
5.4. Der Beschuldigte weist im Auszug aus dem Schweizerischen Strafregis-
ter vom 24. März 2020 einen Eintrag wegen Beschimpfung, Hinderung einer
Amtshandlung und unberechtigten Verwendens eines Motorfahrrades auf. Er
wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 31. März 2019 we-
gen dieser Delikte mit einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 40.–
und mit Fr. 500.– Busse bestraft. Die bei der aufgeschobenen Geldstrafe laufende
Probezeit wurde auf 2 Jahre festgesetzt (Urk. 84; vgl. auch Urk. 68/9). Da der Be-
schuldigte die Tat zum Nachteil des Privatklägers vor dieser Vorstrafe beging,
stellt sie keinen Straferhöhungsgrund dar. Dagegen delinquierte er offenkundig
während des laufenden Strafverfahrens wegen schwerer Körperverletzung, was
marginal, mithin kaum spürbar straferhöhend zu berücksichtigen ist.
5.5. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse können eine
Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Das
Geständnis, das kooperative Verhalten bei der Aufklärung von Straftaten sowie
die Einsicht und Reue wirken strafmindernd. Der Grad der Strafminderung hängt
aber insbesondere davon ab, in welchem Stadium des Verfahrens das Geständ-
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nis erfolgte (WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Auflage,
Basel 2019, N 169 ff. zu Art. 47 StGB). Der Beschuldigte stellt seine Täterschaft
und den Anklagevorwurf nach wie vor in Abrede (Prot. II S. 15 ff.), weshalb eine
mögliche Strafminderung beim Nachtatverhalten entfällt.
5.6. Da sich aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten und sei-
nem Nachtatverhalten weder strafmindernde noch spürbare straferhöhende Fak-
toren ergeben, bleibt es bei der für die Tatkomponente der schweren Körperver-
letzung und der Sachbeschädigung festgesetzten hypothetischen Gesamtstrafe
von 30 Monaten Freiheitsstrafe. Einer Anrechnung des durch Haft erstandenen
Tages (vgl. Urk. 19/1) steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
VI. Vollzug
1. Die Dauer von 30 Monaten bzw. 2 1⁄2 Jahren verunmöglicht es, den Voll-
zug der gesamten Freiheitsstrafe aufzuschieben (aArt. 42 Abs. 1 StGB).
2. Nach aArt. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheits-
strafe von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschie-
ben, wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rech-
nung zu tragen. Gemäss den Abs. 2 und 3 derselben Bestimmung darf der unbe-
dingt vollziehbare Teil die Hälfte der Strafe nicht übersteigen und muss sowohl
der aufgeschobene wie auch der zu vollziehende Teil mindestens sechs Monate
betragen.
2.1. Die teilbedingte Strafe im Sinne von aArt. 43 StGB setzt eine begründe-
te Aussicht auf Bewährung voraus. Wenn und soweit die Legalprognose nicht
schlecht ausfällt, muss der Vollzug jedenfalls eines Teils der Strafe auf Bewäh-
rung ausgesetzt werden. Andererseits ist bei einer schlechten Prognose auch ein
bloss teilweiser Aufschub der Strafe ausgeschlossen. Bemessungsregel bei der
Festsetzung des aufzuschiebenden und des zu vollziehenden Strafteils bildet das
Ausmass des Verschuldens. Das Verhältnis der Strafteile ist so festzusetzen,
dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters einerseits und
dessen Einzeltatschuld anderseits hinreichend zum Ausdruck kommen. Je gün-
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stiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat, desto grösser muss
der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein. Der unbedingte Strafteil darf das
unter Verschuldensgesichtspunkten (Art. 47 StGB) gebotene Mass nicht unter-
schreiten. Dem Sachgericht steht bei der Festsetzung des aufzuschiebenden und
des zu vollziehenden Strafteils gemäss aArt. 43 StGB ein erheblicher Spielraum
des Ermessens zu (BGE 144 IV 277 E. 3.1.1 f.; BGE 134 IV 1 E. 5.6). Das Bun-
desgericht greift in dieses nur ein, wenn das Sachgericht es über- bzw. unter-
schreitet oder missbraucht und damit Bundesrecht verletzt (BGE 136 IV 55 E. 5.6;
Urteil des Bundesgerichtes 6B_1095/2014 vom 24. März 2015 E. 3.1).
2.2. Die subjektiven Voraussetzungen des teilbedingten Vollzugs richten
sich nach denselben Kriterien, welche auch für den vollbedingten Vollzug gemäss
aArt. 42 StGB gelten (BGE 139 IV 270 E. 3.3; BGE 134 IV 1 E. 5.3.1. Wurde der
Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbe-
dingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten oder zu einer Geldstrafe
von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt, so ist auch der teilbedingte Aufschub
der neuen Strafe nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen
(aArt. 43 Abs. 1 i.V.m. aArt. 42 Abs. 2 StGB).
2.3. Der Beschuldigte wurde innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat
nicht zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs
Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt,
weshalb keine besonders günstigen Umstände als Voraussetzung für einen teil-
bedingten Aufschub der Strafe gegeben sein müssen. Dagegen hat er während
des laufenden Verfahrens erneut delinquiert (vgl. vorstehend, Erw. IV.5.4.). Jene
Vergehen richteten sich jedoch nicht gegen die körperliche Unversehrtheit und
waren somit nicht einschlägig. Seither hat sich der Beschuldigte wohlverhalten.
Angesichts seiner Aussagen, wonach er an einem Arbeitsintegrationsprogramm
teilgenommen hat, einer Temporärarbeit als Reinigungsmitarbeiter nachgeht und
sich zurzeit im Bewerbungsprozess befindet (vorstehend, Erw. IV.5.2.), scheint es
auch so, als ob sich der Beschuldigte auch in beruflicher Hinsicht gefangen habe.
Auch das Tatverschulden bei der schweren Körperverletzung bewegt sich noch in
einem Bereich (keineswegs mehr leicht), der es als angemessen erscheinen
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lässt, den zu vollziehenden Teil der Freiheitsstrafe auf das gesetzliche Minimum
von 6 Monaten festzulegen. Bei dieser Dauer des Freiheitsentzuges ist unter der
Voraussetzung, dass der Beschuldigte einer geregelten Arbeit, Ausbildung oder
Beschäftigung von mindestens 20 Stunden pro Woche nachgeht, auch eine Ver-
büssung in Halbgefangenschaft möglich (vgl. Art. 77b Abs. 1 StGB). Es besteht
die berechtigte Hoffnung, dass diese Vollzugsform- und -dauer den Beschuldigten
genügend nachhaltig beeindrucken wird, um sich inskünftig wohlzuverhalten. Den
bestehenden Restbedenken ist mit der Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren
Rechnung zu tragen.
2.4. Somit ist der Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 2 Jahren aufzu-
schieben und die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen. Im Übrigen (6 Monate) ist
die Freiheitsstrafe zu vollziehen.
VII. Anordnung DNA-Probenahme
1. Gemäss Art. 5 lit. b DNA-Profil-Gesetz kann eine Person zur Abgabe ei-
ner DNA-Probe zwecks Erstellung eines DNA-Profils verpflichtet werden, wenn
sie wegen eines vorsätzlich begangenen Verbrechens oder Vergehens gegen
Leib und Leben oder die sexuelle Integrität rechtskräftig verurteilt worden ist.
2. Der Beschuldigte hat sich einer schweren Körperverletzung, mithin eines
vorsätzlichen Verbrechens gegen Leib und Leben, schuldig gemacht, weshalb er
dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend zu verpflichten ist, nach Eintritt
der Vollstreckbarkeit dieses Urteils eine DNA-Probe zur Erstellung eines DNA-
Profils abzugeben.
VIII. Zivilansprüche
1. Hinsichtlich der tatsächlichen Voraussetzungen zur Geltendmachung und
Bemessung von Zivilansprüchen durch den Privatkläger und die dabei zu beach-
ten rechtlichen Grundlagen kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen
im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 61 S. 45 ff.).
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2. Die Vorderrichter haben den Beschuldigten verpflichtet, dem Privatkläger
Fr. 55.– als Schadenersatz und Fr. 3'000.– als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag haben sie dessen Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren abge-
wiesen (Urk. 61 S. 50, Dispositivziffern 5 und 6). Der Privatkläger hat diese An-
ordnungen nicht angefochten.
2.1. Der Beschuldigte zerstörte vorsätzlich die Brille des Privatklägers und
handelte dabei widerrechtlich und schuldhaft. Er ist somit grundsätzlich schaden-
ersatzpflichtig. Der dem Privatkläger entstandene Schaden im Sinne der Diffe-
renztheorie besteht darin, dass er sich als Ersatz seiner zerstörten Brille eine
neue Brille kaufen musste. Zufolge Deckung durch die R._ Versicherung
kostete dies den Privatkläger letztlich Fr. 55.– (Urk. 49), welche ihm vom Be-
schuldigten zu ersetzen sind.
2.2. Der Privatkläger hatte sich aufgrund der ihm vom Beschuldigten zuge-
fügten Verletzungen einer Operation unter Intubationsnarkose unterziehen, wobei
ihm die Glassplitter des zerbrochenen Brillenglases entfernt werden mussten. Er
war deswegen während zwei Wochen zu 100 % arbeitsunfähig. Sodann steht
fest, dass die Verletzungen beim Privatkläger eine markante, bleibende und ent-
stellende Narbe am linken Auge zulassen werden, die für jedermann und nicht zu-
letzt den Privatkläger tagtäglich gut sichtbar ist. Eine kosmetische Operation er-
achten die Ärzte angesichts der Position und der Tiefe der Verletzung als risiko-
reich. Was die Spätfolgen bzw. allfällige später auftretende und bleibende Beein-
trächtigungen anbelangt, sind solche derzeit einstweilen weder sicher feststellbar
noch auszuschliessen. Als mögliche bleibende Schädigungen stehen unkontrol-
lierter Tränenfluss und eine Beeinträchtigung des Visus zufolge der Vernarbung
der Netzhaut im Raum. Ebenfalls könnte der Augenapfel zufolge der Orbitafraktur
einsinken (Urk. 11/5). Der Privatkläger trug keinerlei Verschulden an der Tat,
vielmehr schlug der Beschuldigte vorsätzlich ohne jeglichen Anlass unvermittelt
zu. Gestützt auf sein Verschulden und unter Berücksichtigung der Folgen der Tat
für den Privatkläger erscheint eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 3'000.– als
angemessen. Ein Zins wurde nicht beantragt.
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IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kosten- und Ent-
schädigungsregelung (Dispositivziffer 9) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO), mit
der Korrektur, dass die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privat-
klägers angesichts der finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten vollumfänglich
auf die Gerichtskasse zu nehmen sind (Art. 426 Abs. 4 StPO).
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldig-
te schuldig gesprochen wird, mithin mit seiner Berufung im Wesentlichen unter-
liegt, die Staatsanwaltschaft bei der Strafhöhe nur teilweise durchdringt, sind ihm
die Kosten des Berufungsverfahren, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Ver-
teidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers, zu zwei
Dritteln aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bezüglich der Kosten der amtlichen Ver-
teidigung im Umfang der Kostenauflage ist gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzu-
behalten.
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG un-
ter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit-
aufwands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
2.2. Die unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers und die aktuelle
amtliche Verteidigung sind für ihre Aufwendungen im Berufungsverfahren gemäss
ihren Honorarnoten (Urk. 83 und Urk. 86) mit Fr. 513.– (inkl. Auslagen und
MWST) bzw. Fr. 8'431.– (inkl. Auslagen und MWST) aus der Gerichtskasse zu
entschädigen. Die frühere amtliche Verteidigung wurde für ihre Aufwendungen
bereits gemäss ihrer Honorarnote (Urk. 73) mit Fr. 902.20 aus der Gerichtskasse
entschädigt.
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