Decision ID: 1efce971-c2c8-4bbc-9439-cfa42ee44a11
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1969, meldete sich erstmals am 27. September 2010 unter Hinweis auf eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine chronische
Schmerz
störung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/4). Nachdem die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV
Stelle, die medi
zinische (Urk. 7/12-13, Urk. 7/19) und erwerbliche Situation (Urk. 7/8, Urk. 7/9) abgeklärt hatte, verneinte sie mit Verfügung vom 23. April 2012 (Urk. 7/45) einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente. Die da
gegen von der Ver
sicher
ten erhobene Beschwerde wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 12. August 2013 (Urk. 7/54, Verfahren Nr. IV.2012.00533) abge
wiesen.
1.2
Am 4. August 2016 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine Chroni
fi
zierung ihrer seit 2003 bestehenden Beschwerden erneut zum Leis
tungsbezug an (Urk. 7/62) und reichte zwei medizinische Berichte ein (Urk. 7/69).
N
ach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk. 7/71-73
)
trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. November 2016 (Urk. 7/74 = Urk. 2) auf das neue Leistungs
begehren der Versicherten nicht ein.
2.
Gegen die Verfügung vom 1. November 2016 (Urk. 2) erhob die Versicherte am
29. November 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, diese sei aufzuheben, und die IV-Stelle sei anzuweisen, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten (S. 2 Ziff. 1 und 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2017 (Urk. 6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 26. Januar 2017 wurden
antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 3 und 4) die unentgeltliche Pro
zessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaub
haft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Ver
änderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat dem
nach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräfti
gen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Ver
ände
rung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu be
ja
hen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche ma
terielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die
Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurück
liegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anfor
derungen stellen (ZAK 1966 S.
279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E.
2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungs
spielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die ver
sicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine rich
terliche Beurtei
lung der
Ein
tretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein
getreten ist (BGE
109 V 108 E. 2b).
1.3
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV
soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverwei
ge
rung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a, 264 E.
3). Hingegen kann diese
Eintretensvor
schrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Ände
rung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Ver
waltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sach
verhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung er
heblichen Tatsachen
spektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Ver
waltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstver
ständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig
zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 7
2 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.4
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsa
chenänderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E.
5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend ge
machten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhalts
punkt
e bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Er
heblich ist eine Sachverhaltsän
derung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Inva
lidenrente sei begründet, falls sich die gel
tend gemach
ten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesge
richts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.5
Da die versicherte Person im Rahmen der Neuanmeldung die massgebliche
Tatsa
chenänderung glaubhaft zu machen hat, spielt der Untersuchungs
grund
satz
, wonach das Gericht (oder die Verwaltung) für die richtige und voll
ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat, inso
weit nicht. M
ithin
kommt der versicherten Person
ausnahmsweise eine Be
weis
führungslast
zu. Wird in der Neuanmeldung kein
Eintretenstatbestand
glaubhaft gemacht, sondern bloss auf ergänzende Beweismittel, insbesondere Arztberichte hinge
wiesen, die noch beigebracht würden oder von der Ver
waltung beizuziehen seien, ist der versicherten Person eine angemessene Frist
zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen. Diese Massnahme setzt voraus, dass die ergänzenden Beweisvorkehren geeignet sind, den entspre
chenden Beweis zu erbringen. Sie ist mit der Androhung zu verbinden, dass ansonsten gegebenenfalls auf Nichtein
treten zu erkennen sei. Dasselbe gilt, wenn der Neuanmeldung zwar ärztliche Berichte beigelegt sind, diese indes
sen so wenig substanziiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfertigen würde.
Diesfalls
ist die IV-Stelle zur Nachforderung weiterer Angaben nur ver
pflichtet, wenn den – für sich allein
genommen nicht Glaubhaftigkeit begrün
denden – Arztberichten kon
krete Hin
weise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit wei
teren
Erhebungen erstellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt. Ergeht eine
Nich
t
eintretensverfügung
im Rahmen des Ver
waltungsverfahrens, das den Erfor
der
nissen betreffend Fristansetzung und Androhung der Säumnis
folgen ge
nüg
t, legen die Gerichte ihrer beschwerdewei
sen Überprüfung den Sachver
halt zu Grunde, wie er sich der Verwaltung bot. Für das Beibringen neuer Beweismittel bleibt im anschliessenden Gerichtsver
fahren kein Raum mehr (BGE 130 V 64 E. 5.2.5, Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom 5. Juni 2013 E. 2.1-2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest, mit dem neuen Gesuch sei nicht glaubhaft dargelegt worden, dass sich die tatsächli
chen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten. Es liege lediglich eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts vor. Auf das neue Leistungsbegehren werde daher nicht eingetreten (S. 1).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1
), aus dem ausführlichen und sorgfältigen Bericht des Medizinischen Zentrums Y._ gehe hervor, dass sich ihr Gesundheitszustand seit 2011 verschlechtert habe.
So seien unter anderem auch die Symptome einer rezidi
vierenden depressiven Störung und einer posttraumatischen Belastungsstörung erfüllt. Gestützt darauf sei sie als zu 100 % arbeitsunfähig beurteilt worden, und zwar auch für angepasste Tätigkeiten (S. 4 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin – mangels einer glaubhaft gemachten Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der letztmaligen materiellen Prüfung - zu Recht nicht auf das neue Leistungsbegehren eingetre
ten ist.
3.
3.1
Die massgebende medizinische Aktenlage stellte sich bei der letztmaligen mate
riellen Prüfung, in deren Rahmen ein Rentenanspruch verneint wurde (vgl. Verfügung vom 23. April 2012, Urk. 7/45; Urteil des hiesigen Gerichts vom 12. August 2013, Urk. 7/54), wie folgt dar:
3.2
Die Ärzte des Universitätsspitals Z._, Klinik für Psychiatrie und Psycho
therapie, berichteten am 24. Januar 2011 (Urk. 7/13) und nannten fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. 1.1):
-
posttraumatische Belastungsstörung ICD-10 F43.1, diagnostiziert seit 15. Dezember 2009
-
mittelgradige depressive Episode ICD-10 F32.1 bei anhaltender psycho-sozi
aler Belastungssituation, diagnostiziert seit 4. November 2004
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung ICD-10 F45.4, diagnostiziert seit 4. November 2004
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen Zustand nach Thyreoiditis (Hashimoto), aktuell nicht substitutionspflichtig (S. 2 Ziff. 1.1). Als somatische Diagnosen nannten sie ein Karpaltunnelsyndrom beid
seitig, ein
lumbospondylogenes
und
zervikocephales
Syndrom sowie ein
thorako
spondylogenes
Syndrom bei
kostovertebraler
Dysfunktion und führten aus, diesbezüglich könnten sie den Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht beur
teilen.
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin sei kurdische Türkin. Sie sei aufgrund der politischen Tätigkeit ihres Mannes zweimal verhaftet und gefoltert worden. Sie sei mehrfach traumatisiert durch ein schweres Erdbeben in Istanbul, durch Gefangenschaft, Folter, sexuelle Übergriffe und häusliche Gewalt durch ihren zweiten Ehemann. Im letzten Jahr seien die Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung wie Intrusionen, Vermeidungsverhalten, Übererregung und dissoziatives Verhalten immer deutlicher und auch zu erlebten Traumatisierun
gen zuordenbar geworden. Die Beschwerdeführerin zeige alle Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie leide unter verschiedenen intrusiven Erinnerungen wie dem Gefühl zu fallen, Blitze in den Augen oder dem Hören von Schreien der Gefolterten im Gefängnis. Sie zeige zudem ein generalisiertes Vermeidungsverhalten. Die depressive Symptomatik erscheine sekundär, als Folge dauernder und anhaltender negativer Erfahrungen und Belastungen (S. 3 Ziff. 1.4).
Somatisch leide die Beschwerdeführerin unter verschiedenen chronischen Schmer
zen. Diese seien zum Teil spannungsbedingt, zum Teil die Folge von vorliegenden akuten und chronischen somatischen Erkrankungen. Einen weite
ren Einfluss auf die Gesamtsituation habe die anhaltend belastende soziale Situ
ation (S. 4 Ziff. 1.4).
Die Beschwerdeführerin sei im letzten Jahr aufgrund verschiedenster sich kumu
lierender und gegenseitig verstärkender psychischer, somatischer und so
zialer Belastungen nicht arbeitsfähig gewesen. Eine Einschätzung auf längere Sicht sei zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich. Wenn die Psychotherapie weitergeführt werden könne und sich die soziale Situation beruhigt habe, sollte eine
Arbeitsfähigkeit in einem reduzierten Pensum von 20–40 % erreichbar sein (S. 2 oben).
3.3
Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein psychiatrisches Gutachten am 5. Juli 2011 (Urk. 7/19) gestützt auf eine persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin am 21. März 2011 sowie die Akten. Er nannte folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (S. 10 Ziff. 5.2):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei psychosozialer Belastungssituation und Problemen am Arbeitsplatz (ICD-10 F43.21, ICD-10 Z56)
Er führte aus, die Beschwerdeführerin wirke psychisch nicht auffällig. Sie sei kohärent im formalen Denken und es fänden sich keine Hinweise auf ein wahn
haftes Erleben, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Im Affekt wirke sie etwas herabgestimmt, sei aber gut spürbar und schwingungsfähig. Weiter fänden sich keine Hinweise auf akute Suizidalität oder Fremdgefährdung (S. 10 Ziff. 4). Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe zur Zeit der Untersuchung keine Arbeits
unfähigkeit (S. 11 oben).
Gemäss ICD-10-Definition der posttraumatischen Belastungsstörung folge der Beginn der Symptomatik dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern könne. Dies treffe im vorliegenden Fall nicht zu. Demzufolge könne hier keine posttraumatische Belastungsstörung nach ICD-10 diagnosti
ziert werden. Die beschriebenen unspezifischen psychischen und körperlichen Beschwerden seien im Rahmen einer langjährigen, schweren, aber IV-fremden psychosozialen Belastungssituation aufgetreten. Es gebe keine klaren, nachvoll
ziehbaren Hinweise auf eine relevante psychische Störung, die eine langfristige Arbeitsunfähigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht rechtfertige (S. 11 f.).
Die übrigen Diagnosen aus dem Bericht des Universitätsspitals Z._ seien nicht ausreichend begrün
det
und deshalb nicht nachvollziehbar. Insbesondere fehle die Abgren
zung zwischen psychischer Erkrankung und psychosozialer Belastung. Zudem seien die Angaben bezüglich der Arbeitsfähigkeit im Bericht des Universitätsspitals Z._ recht unklar, wobei allerdings von einer günstigen Prognose ausgegangen werde (S. 12 oben).
In Bezug auf die aktuelle psychiatrische Behandlung falle auf, dass die Beschwer
deführerin nur eine sehr kleine Dosis antidepressiver Medikamente einnehme (
Cipralex
5 mg/d), was sie mit einer Magenunverträglichkeit begründe. Für die adäquate Behandlung der geschilderten Symptome sei diese Dosis jedoch nicht ausreichend. Zusammenfassend fänden sich aus psychiatri
scher Sicht weder in den
Vorakten
noch in der aktuellen gutachterlichen Untersuchung klare, nachvollziehbare Hinweise auf einen schweren psychischen Gesundheitsschaden, der eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit rechtfertige
(S. 12 Mitte).
3.4
Die Ärzte des Universitätsspitals Z._, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, nahmen am 22. Sep
tember 2011 Stellung (Urk. 7/34), bestätigten die früher genannten Diagnosen und führten aus, neben dem Ereigniskriterium sei die posttrauma
tische Belastungsstörung durch die Symptomcluster Wiedererleben, Vermeidung und vegetative Übererregbarkeit definiert, welche bei der Beschwerdeführerin alle erfüllt seien (S. 1 f.). Damit sei die Diagnose einer posttraumatischen Belas
tungsstörung gemäss Diagnosekriterien der ICD-10 per definitionem zu stellen. IV-fremde Faktoren wirkten hier begünstigend, jedoch keinesfalls kausal. Die Latenz zwischen Trauma und Auftreten der Symptome sei nicht entscheidend (S. 2 unten). Die bei der Beschwerdeführerin ausserdem vorhandenen ausge
prägten dissoziativen Symptome würden diagnostisch nicht als eigene Störung konzeptualisiert, sondern als pathognomonische Folge der posttraumatischen
Belastungsstörung gewertet (S. 3 oben). Mit dem Vorliegen von fünf Neben- und drei Hauptkriterien sei eigentlich gemäss Definitionskriterien des ICD-10 eine schwere depressive Episode zu diagnostizieren. Die Quantifizierung der Depressionssymptome mittels Hopkins Symptoms Checklist habe jedoch eine mit
telschwere Symptomatik ergeben, was auch dem aktuellen klinischen Eindruck entspreche (S. 3 unten). Die posttraumatische Belastungsstörung inklu
sive dis
soziativer Symptome sei ursächlich anzusehen für Schlafstörungen, Alpträume, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, psychische Absenzen und interaktionelle Auffälligkeiten. Auch die Schmerz
störung sei zu
mindest teilweise in Zusammenhang mit den traumatischen Ereignissen zu se
hen. Die depressive Symptomatik überlappe sich teilweise mit derjenigen der posttraumatischen Belastungsstörung, was zu einer kumulativen Verstärkung führe. Alle drei Faktoren hätten in ihrer Summe erhebliche Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Generell sei von einer stark einge
schränkten Belastbarkeit und schneller Überforderung auszugehen. Die genannte Rest
arbeitsfähigkeit von 20–40 % in der angestammten Tätigkeit müsse leider weiter ein
geschränkt wer
den. Ein Arbeitsversuch in einem Arbeitsintegrations
pro
gramm mit einer Arbeitsbelastung von 2-3 Stunden an zwei Tagen pro Woche sei gescheitert. Die Beschwerdeführerin müsse unter diesen Bedingungen in den letzten Monaten immer noch zu 100 % krankgeschrieben werden. Nach einer Eingewöhnungs- und Aufbauphase könne sie mittelfristig wieder zu 30 % arbeiten (S. 4).
3.5
Dr. A._ nahm am 29. Februar 2012 zu den neu eingereichten medizinischen Unterlagen Stellung (Urk. 7/41) und führte aus, für die Schweizer Versiche
rungsmedizin sei in erster Linie das Diagnosemanual ICD-10 massgebend. Die Latenz zwischen den beschriebenen traumatischen Erlebnissen im Heimatland und dem Beginn der psychischen Beschwerden sei
in den
Vorakten
gut doku
mentiert und könne weder ignoriert noch in Abrede gestellt werden. So gehe aus dem IV-Arztbericht des Universitätsspitals Z._ vom 24. Januar 2011 hervor, dass die Beschwerdeführerin im Jahre 2001 in die Schweiz einreiste. Erst im Jahre 2009 sei bei ihr die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung gestellt worden, obwohl sie seit dem Jahre 2004 auf Grund von somatoformen Schmerzstörun
gen in ambulanter Behandlung gewesen sei. Im Widerspruch zum eigenen Arzt
bericht vom 24. Januar 2011 attestierten die Ärzte des Universitätsspitals Z._ nun neu eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in den letzten Monaten. Es bestehe aber die Aus
sicht auf eine 30%ige Arbeitsfähigkeit. Diese Angaben seien unklar und würden nicht nachvollziehbar begründet. Zusammenfassend beschränke sich das Universitätsspital Z._ im Bericht vom 22. September 2011 darauf, die aus den
Vorakten
bekannte ei
gene Beurteilung vom 24. Januar 2011 zu bekräftigen. Es würden keine neuen Informationen geliefert. Abschliessend sei an seiner Beurteilung im erwähnten Gutachten vom 5. Juli 2011 vollumfänglich festzuhalten, sowohl diagnostisch als auch bezüglich der Arbeitsfähigkeit (S. 2).
3.6
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 12. August 2013 (Urk. 7/54) wurde zusam
menfassend festgehalten, dass insgesamt die von Seiten der Ärzte des Universitätsspitals Z._ vor
gebrachten Kritikpunkte die Verwertbarkeit des Gutachtens von Dr. A._ nicht in Frage zu stellen vermöchten. Die Beurteilung und Diagnose von Dr. A._ erweise sich als überzeugend und es sei darauf abzustellen, womit sich die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht auf
recht
er
halten lasse (S. 12 oben).
4.
4.1
Bei der vorliegenden Neuanmeldung lag der Beschwerdegegnerin im Zeit
punkt des Verfügungserlasses am 1. November 2016 Folgendes vor:
4.2
Die Ärzte des Medizinischen Zentrums Y._ berichteten am 18. August 2016 (Urk. 7/69/5-11) und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom
-
thorakovertebrales
Schmerzsyndrom
-
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Karpaltunnelsyndrom beidseits
-
Knieschmerzen beidseits
-
Fibromyalgie
-
Mammahyperplasie
-
Adipositas
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
Sie führten aus, dass die Beschwerdeführerin gemäss Tochter noch leichte Arbei
ten im Haushalt machen könne (S. 3). Die Beschwerdeführerin habe seit 2011 mehrmals Rückenblockaden gehabt. Sitzen, Gehen und Stehen sei nur eine halbe Stunde möglich. Auch das Liegen sei nur begrenzt möglich. Die grossen Gelenke zeigten gemäss Akten ausser einem im MRI nachgewiesenen Knorpel
schaden
femoropatellär
keine Hinweise auf degenerative Veränderungen. Seit zwei Jahren bestehe eine progrediente Verschlechterung der Beschwerden (S. 6). Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin sowohl subjektiv wie auch objektiv 100 % arbeitsunfähig auch für angepasste Tätigkeiten. Aus rein ortho
pädischer Sicht könne keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit in leichter Arbeit ohne viel Treppensteigen oder Besteigen
von Leitern attestiert werden. Aus wir
belsäulenchirurgischer Sicht könne der Beschwerdeführerin aufgrund der kom
plexen Problematik mit
generalisiertem Schmerzsyndrom und vor allem belas
tungsabhängigen Beschwerden bei multiplen Problemen am Bewegungsapparat keine Tätigkeit zugemutet werden (S. 6). Von Seiten des rheumatologischen Fachgebietes sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsfähig. Unter Berück
sichtigung aller Facetten der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin und aus schmerztherapeutischer Sicht sei sie zu 100 % arbeitsunfähig, obwohl keine wesentlichen funktionellen Einschränkungen bestünden. Aus somatischer wie auch aus psychiatrischer Sicht bestehe gemäss Konsens-Beurteilung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 7).
4.3
Die Ärzte des Medizinischen Zentrums Y._ berichteten erneut am 25. August 2016 (Urk. 7/69/1-4) und nannten folgende Diagnosen für das Jahr 2016 (S. 3 f.):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Status nach 2 Suizidversuchen 2004
-
Adipositas
-
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom
-
thorakovertebrales
Schmerzsyndrom
-
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Karpaltunnelsyndrom beidseits
-
Knieschmerzen beidseits
-
Fibromyalgie
-
Mammahyperplasie
Sie führten aus, im Jahre 2011 seien als Symptome Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Schafstörungen und Ängste beschrieben worden. Im Jahre 2016 sei erstmals nach dem Gutachten von Dr. A._ vom Universitätsspital Z._ eine posttraumati
sche Belastungsstörung diagnostiziert worden. Es seien sieben Merkmale der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
sowie die Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung erfüllt (S. 2 f.). Auf
grund des positiven und negativen Leistungsbildes sowie der neuropsychologi
schen Einschränkung sei die Beschwerdeführerin 100 % arbeitsunfähig auch für angepasste Tätigkeiten (S. 4)
4.4
Dr. med. B._, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 17. September 2016 Stellung (Urk. 7/70/2-3) und führte aus, dass keine Veränderungen ausgewiesen seien.
5.
5.1
Mit den im Rahmen der Neuanmeldung eingereichten Berichten (vorstehend E. 4) vermag die Beschwerdeführerin entgegen ihren Ausführungen keine rele
vante Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes glaubhaft darzutun.
5.2
So sind sämtliche Diagnosen bereits seit längerem bekannt und wurden auch im Rahmen der letztmaligen materiellen Beurteilung berücksichtigt (vgl. insbeson
dere das Urteil des hiesigen Gerichts vom 12. August 2013, Urk. 7/54). Eine diesbezügliche Verschlechterung lässt sich anhand der aktuell erhobenen Befunde nicht erkennen. So gehen aus den aktuellen Berichten des Medizinischen Zentrums Y._ keine neuen Erkenntnisse hervor. Insbesondere wurde die Frage nach der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung, welche vorliegend mit dem Hinweis auf einen Bericht des Universitätsspitals Z._ aus dem Jahre 2011 aufgeführt wird (vgl. Urk. 7/69/1-4 S. 3), bereits im Jahre 2012 gerichtlich beurteilt. Es kann darauf verweisen werden (vgl. Urk. 7/54 E. 4.3 ff.).
5.3
Die Verschlechterung des Gesundheitszustandes wird sodann in den Berichten des Medizinischen Zentrums Y._ mit Symptomen unter Hinweisen auf Angaben aus den Jahren 2002, 2003 und 2004 begründet (vgl. Urk. 7/69/1-4 S. 2). Selbst
die Beschwerde
führerin gab bei ihrer Anmeldung an, die gesundheitlichen Beeinträchtigungen bestünden seit 2003 (vgl. Urk. 7/62 Ziff. 6.1). Schliesslich fehlen sodann Hin
weise, dass die von den Ärzten des Medizinischen Zentrums Y._ neu genannten somatischen Beschwer
den die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigten. So wird der Beschwerdeführerin sowohl aus orthopädisch-chirurgischer als auch aus rheu
matologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 7/69/5-11 S. 6 f.).
5.4
Insgesamt sind den Berichten des Medizinischen Zentrums Y._ weder neue Befunde noch Diagnosen zu entnehmen. Sämtliche genannten Diagnosen wurden als schon vor der letzten ablehnenden Verfügung (April 2012) bestehend bezeichnet. Aus den aktuellen Berichten der Ärzte des Medizinischen Zentrums Y._ geht somit nicht hervor, dass sich der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin dauernd verschlechtert hätte. Es wurde zwar über eine
Chronifizierung des Zustandes
berichtet
,
die Ärzte des Medizinischen Zentrums Y._
unterliessen es aber, in nachvollziehbarer Weise darzulegen, inwiefern die Kri
terien für das Vor
liegen einer Verschlechterung der krankheitswertigen psychi
schen Störung erfüllt sein sollten. Zudem gingen die
Y._
-Ärzte davon aus, dass die von ihnen gestellten Di
agnosen seit 2002/2003/2004 bestehen
. Folglich
erscheint die von ihnen erwähnte Verschlechterung des Zustandes nicht nach
vollziehbar.
Sodann sind aus den
Y._
-Berichten und den darin geschilderten psychopathologischen ob
jektiven Befunden keine neuen medizinischen
Ele
mente
zu erkennen, die nicht bereits im Zeitpunkt der Urteilsfällung des hiesi
gen Gerichts im
August
201
3
vorhanden waren.
Die Ärzte des Medizinischen Zentrums Y._ begründeten schliesslich die attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht, sondern hielten pauschali
sierend fest, dass die Beschwerdeführerin auch für
angepasste Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Dies vermag keine Ver
schlechterung
zu belegen
.
5.5
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass verglichen mit der letztmaligen Beurteilung eine erhebliche gesundheitliche Verschlechterung nicht glaubhaft dargelegt wurde. Die Beschwerdegegnerin traf somit keine Pflicht zur Vornahme von weiteren Abklärungen des Sachverhalts (vorstehend E. 1.5).
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen,
infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen, unter Hin
weis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgerichts (
GSVGer
), auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung wird gestützt auf § 8 in Verbindung mit § 7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschä
digungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) nach dem Zeitauf
wand und den Barauslagen bemessen. Der unentgeltliche Rechts
vertreter reicht dem Gericht hierzu vor dem Endentscheid eine detaillierte Zusammenstellung über
seinen
Zeitaufwand und
seine
Barauslagen ein. Im Unterlassungsfall setzt das Gericht die Entschädigung nach Ermessen fest.
Da
der unentgeltliche Rechtsvertreter
trotz des Hinweises durch das Gericht (vgl. Urk. 8 Ziff. 3
)
keine Kostennote eingereicht hat, ist die Entschädigung nach Ermessen auf Fr. 1‘
70
0.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzu
setzen.