Decision ID: e7736cb9-6fa5-5832-9d55-5f8fcb8fb4e2
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Z._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Sabrina Schneider, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
Z._ (Jg. 1964) meldete sich am 7. März 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Anmeldeformular gab sie u.a. an, sie habe drei Kinder (Jg. 1992, 1993 und 1997). In
Mazedonien habe sie eine Lehre als Schneiderin absolviert. Dr. med. A._ berichtete
der IV-Stelle am 27. März 2006, die Versicherte leide an Schmerzen im ganzen rechten
Arm aufgrund einer in Fehlstellung konsolidierten distalen Radiusfraktur rechts. Seit
dem 19. April 2005 sei die Versicherte in ihrer zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit zu
100% arbeitsunfähig. Aus medizinischer Sicht sei wahrscheinlich die Indikation zu einer
operativen Korrektur gegeben. Allerdings sei ungewiss, wie weit das zu einer
Schmerzreduktion führen würde. Die B._ GmbH teilte der IV-Stelle am 22. Mai 2006
mit, sie beschäftige die Versicherte als Aushilfe für Buffet und Office an zwei Stunden
pro Tag an fünf Tagen in der Woche. Der Lohn betrage Fr. 500.- bis Fr. 570.-
monatlich. Dr. med. C._ hatte Dr. med. A._ am 27. Juni 2006 berichtet, die
Versicherte klage über Belastungsschmerzen im rechten Handgelenk mit Schmerzen
vor allem im ulnakarpalen Bereich und mit einer reaktiven, schmerzhaften Verspannung
bis in die Schulter-Halspartie. Es bestehe eine klinisch gute Beweglichkeit im rechten
Handgelenk mit Einschränkung der Palmarfunktion und eindeutiger ulnakarpaler
Überlastung. Eine Korrekturosteotomie würde eine Besserung bringen. Auch die
reaktive neuromuskuläre Entgleisung der Schulter-Halspartie würde sich bessern. Der
Tennisclub D._ teilte am 9. September 2006 mit, die Versicherte habe jeden Tag
während etwa einer Stunde Reinigungsarbeit geleistet. Der Lohn habe Fr. 4400.- pro
Jahr betragen. Dr. med. E._ vom RAD Ostschweiz empfahl am 8. November 2006
eine polydisziplinäre Abklärung.
B.
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Am 5. Juni 2007 erfolgte eine Haushaltabklärung. Gemäss dem entsprechenden
Bericht gab die Versicherte dabei an, sie müsste eigentlich operiert werde. Das wolle
sie aber nicht, weil sie grosse Angst habe. Sie nehme nur das Schmerzmittel Dafalgan
ein. Ohne den Gesundheitsschaden wäre sie weiterhin zu 50% bei B._ und zu 10%
beim Tennisclub tätig. Da die Versicherte angab, im Haushalt überhaupt keine Arbeiten
mehr erledigen zu können, ermittelte die Abklärungsperson eine Arbeitsunfähigkeit im
Haushalt von 81,3%. Wegen der zwingenden Mithilfe der Familienangehörigen im
Haushalt reduzierte sie die Arbeitsunfähigkeit der Versicherten dann aber um einen
Viertel auf 56,3%. Die Abklärungsperson gab weiter an, die älteste Tochter habe als
Dolmetscherin fungiert, da die Versicherte sehr schlecht Deutsch spreche.
C.
C.a Die Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) berichtete in ihrem Gutachten
vom 31. Dezember 2007, die Versicherte habe angegeben, sie habe dauernd
Schmerzen im rechten Unterarm und in der rechten Hand, die auch in Ruhe aufträten.
Unter Belastung verspüre sie auch Schmerzen im rechten Oberarm und in der rechten
Schulter. Da sie Rechtshänderin sei, sei sie auf den Gebrauch der rechten Hand
angewiesen. Es sei ihr beinahe unmöglich, etwas mit der linken Hand zu machen. Der
neurologische Sachverständige habe ein chronisches Schmerzsyndrom der rechten
oberen Extremität, initial am Handgelenk, nun auch im Schulterbereich auftretend mit/
bei in Fehlstellung konsolidierter distaler Radiusfraktur rechts ohne objektivierbares
fokalneurologisches Defizit (DD: begleitendes posttraumatisches Karpaltunnelsyndrom,
Schmerzausweitung) diagnostiziert. Bei der neurologischen Untersuchung habe er
keine Inaktivitätsatrophie der rechten oberen Extremität festgestellt, was gegen eine
längerdauernde Ruhigstellung spreche. Beim reflexartigen Abstützen auf der
Untersuchungsliege, um den Körper nach hinten zu verlagern, habe die Versicherte das
rechte Handgelenk problemlos extendieren können. Sie habe beide Hände völlig
uneingeschränkt und schmerzfrei eingesetzt, was in einem deutlichen Gegensatz zu
der demonstrativen Schonhaltung des rechten Arms während der Exploration stehe.
Die Einzelkraftprüfung sei bei schmerzbedingtem Giving-way-Phänomen nicht
konklusiv beurteilbar gewesen. Die angegebenen Sensibilitätsstörungen mit lateral
betonter Hypästhesie des gesamten rechten Unterarms sowie sämtlicher Finger habe
anatomisch und nosologisch nicht zugeordnet werden können. Sie entsprächen weder
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einem peripheren noch einem radikulären oder einem zentralen Versorgungsgebiet.
Eine Brachialgia nocturna sei von der Versicherten verneint worden, klinische Zeichen
eines Karpaltunnelsyndroms oder eines Sulcus-ulnaris-Syndroms hätten gefehlt. Die
Reflexe seien symmetrisch seitengleich gewesen. Die angegebenen Schmerzen seien
nicht eindeutig zuzuordnen. Gegen eine Armplexusneuritis sprächen die fehlende
Angabe von reissenden, ziehenden Schmerzen, das Fehlen von Paresen sowie der
unbehinderte Einsatz des rechten Arms bei reflexartigen Bewegungen.
Pathophysiologisch wäre noch an die Entwicklung eines frozen-shoulder-Syndroms zu
denken, allerdings habe die Versicherte bei der passiven Bewegung des rechten Arms
keine schmerzhaften Blockaden gezeigt. Am wahrscheinlichsten sei eine
muskuloskelettale Genese der Schmerzen. Als medizinische Massnahmen kämen die
psychosomatische Unterstützung und der Einsatz eines Antidepressivums mit dem Ziel
einer schmerzmodulierenden und –distanzierenden Wirkung in Frage. Aus rein
neurologischer Sicht sei die Versicherte für sämtliche Arbeiten zu 90% arbeitsfähig. Die
Einschränkung um 10% sei schmerzbedingt.
C.b Weiter wurde im asim-Gutachten ausgeführt, der psychiatrische Sachverständige
habe eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F 43.21) und
ein Schmerzsyndrom unklarer Aetiologie (DD: somatische Aetiologie, DD: beginnende
Schmerzverarbeitungsstörung) diagnostiziert. Er habe berichtet, die Versicherte erfülle
die Kriterien einer somatoformen Schmerzstörung nicht. Untypisch für diese
Schmerzverarbeitungsstörung seien die noch recht differenzierte Beschreibung des
Schmerzes, die mässige Schmerzbewertung auf einer 10er Skala (VAS 5), die
Kenntnisse darüber, was die Symptome verstärke und vermindere, und vor allem die
kurzzeitige Schmerzfreiheit in bestimmten Situationen. Da die Versicherte aber eine
deutliche Schonhaltung einnehme und bereits ihre gesamte Verantwortung an ihre
Umgebung abgegeben habe, wäre eine spezifisch psychiatrisch-psychotherapeutische
Betreuung notwendig, um eine weitere Chronifizierung und eine Ausbildung einer
solchen Störung zu verhindern. Die Anpassungsstörung schränke die Arbeitsfähigkeit
nicht ein. Eine medikamentöse antidepressive Therapie mit Serotonin- und
Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer könnte zu einer Reduktion der augenblicklichen
Schmerzmedikation führen.
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C.c Schliesslich wurde im asim-Gutachten berichtet, die handchirurgische
Sachverständige habe angegeben, die Schmerzen hätten sich chronifiziert und das
Nacken-/
Schulter-/Armproblem sei nicht einfach in den Griff zu bekommen. Trotzdem sei eine
Korrekturosteotomie des distalen Radius zu empfehlen. Damit würde die Fehlstellung
korrigiert und das Impaktationssyndrom der distalen Ulna würde verringert. Der Eingriff
sei zumutbar und führe auf jeden Fall zu einer Verbesserung der Schmerzen.
C.d Zusammenfassend hielten die Sachverständigen fest, in einer körperlich
angepassten Tätigkeit mit vorwiegender Benützung des linken Arms und der linken
Hand bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50% entsprechend 4,2 Std. pro Tag. Die
Einschränkung basiere auf den dauernden Schmerzen im rechten Arm und in der
rechten Hand. Als Allrounderin und als Reinigerin sei die Versicherte vollständig
arbeitsunfähig. Die Korrekturosteotomie des distalen Radius würde die Arbeitsfähigkeit
wahrscheinlich verbessern.
D.
Dr. med. F._ vom RAD hielt am 29. Januar 2008 fest, es könne vollumfänglich auf
das Gutachten des asim abgestellt werden. Die Versicherte sei eine beinahe
vollständige funktionale Einhänderin. Der rechte Arm und die rechte Hand dienten nur
noch zu Hilfszwecken. Die Durchsetzung der Schadenminderungspflicht sei nicht
angezeigt, da der Erfolg der vorgeschlagenen Therapien bezüglich Arbeitsfähigkeit zu
unsicher sei. Die Haushaltabklärung sei plausibel. Die IV-Stelle qualifizierte die
Versicherte als zu 40% im Haushalt tätig und zu 60% erwerbstätig. Für den Haushalt
ging sie von dem bei der Abklärung an Ort und Stelle ermittelten
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 56,3% aus, den sie entsprechend dem Haushaltanteil von
40% auf 22,52% reduzierte. Beim Einkommensvergleich stellte sie auf ein auf 60%
reduziertes durchschnittliches Einkommen einer Hilfsarbeiterin von Fr. 28'812.- als
Valideneinkommen ab. Sie ermittelte das zumutbare Invalideneinkommen, indem sie
dasselbe durchschnittliche Einkommen einer Hilfsarbeiterin von Fr. 28'812.- um 50%
und in einem zweiten Schritt um weitere 10% reduzierte. Es belief sich auf Fr. 21'616.-.
Die daraus resultierende Erwerbseinbusse von 25% wurde entsprechend der
Erwerbsquote von 60% auf 15% reduziert. Zusammen mit der anteiligen Invalidität im
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Haushalt von 22,52% resultierte ein Invaliditätsgrad von 37,52%. Mit einem
Vorbescheid vom 7. Februar 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie
beabsichtige, das Rentengesuch abzuweisen. Die Versicherte liess am 28. Februar
2008 die Ausrichtung einer ganzen Rente beantragen. Die dem Rechtsvertreter der
Versicherten eingeräumte Nachfrist zu einer detaillierten Stellungnahme verstrich
unbenützt. Mit einer Verfügung vom 6. Mai 2008 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren der Versicherten ab.
E.
Die Versicherte liess am 28. Mai 2008 Beschwerde erheben und die Ausrichtung
mindestens einer Viertelsrente beantragen. In der Beschwerdebegründung vom 1. Juli
2008 liess sie sinngemäss ausführen, der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt
weise keine Stellen für funktionell einhändige Personen auf, so dass die medizinisch-
theoretische Arbeitsfähigkeit von 50% nicht verwertbar sei. Weil beinahe jede Arbeit im
Haushalt als Allroundtätigkeit zu interpretieren sei, müsse die Arbeitsunfähigkeit dort
mehr als 56,3% betragen. Daran ändere auch die Mitarbeit der Familienangehörigen
nichts, denn die Umstände (Alter der Kinder, Vorstellungen über die Mithilfe in der
Haushaltsbesorgung) erlaubten keine Mithilfe in einem konstanten und befriedigenden
Ausmass. Beim Einkommensvergleich hätte ein Leidensabzug von mindestens 20%
erfolgen müssen.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 27. Oktober 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, die Aufteilung in 40% Haushalt und 60% Erwerb sei von der
Versicherten nicht bestritten worden. Darauf sei die Versicherte zu behaften. Auf das
asim-Gutachten könne abgestellt werden. Die behinderungsbedingte Einschränkung
der Versicherten bestehe nicht darin, dass die rechte Hand und der rechte Arm nicht
mehr gebraucht werden könnten. Deshalb seien nicht nur einarmige Arbeiten denkbar.
Der rechte Arm dürfe nur nicht zu lange und nicht für schwerere Arbeiten gebraucht
werden. Möglich seien beispielsweise die Maschinenbedienung und -überwachung, die
optische Endprüfung von Produkten und die Qualitätssicherung. Im Haushalt könne die
Versicherte die meisten Arbeiten noch erledigen. Sie sei dabei einfach langsamer. Ein
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höherer Leidensabzug als 10% komme nicht in Frage, weil die Einschränkungen ja
schon eine Arbeitsunfähigkeit von 50% begründeten. Die von der Versicherten für den
Haushalt angegebenen massiven Einschränkungen seien übernommen worden.
Jedoch sei eine Mithilfe der Familienmitglieder von einer Stunde pro Tag berücksichtigt
worden. Da die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung 50% betrage, sei die ermittelte
Arbeitsunfähigkeit von 56,3% grosszügig.
G.
Die Versicherte liess am 23. Januar 2009 in ihrer Replik die Ausrichtung einer halben,
eventualiter einer Viertelsrente beantragen. Sie führte zur Begründung aus,
entsprechend dem verminderten Aufwand für die Kinderbetreuung und aufgrund der
Mithilfe der Familie im Haushalt hätte sie ihre Erwerbstätigkeit auf 100% ausgedehnt.
Sie habe nie eine Erwerbsquote von 60% anerkannt. Die ihr anlässlich der
Haushaltabklärung gestellte Frage zur fiktiven Erwerbsquote habe nicht ausgereicht,
um ihr die notwendige hohe Abstraktions- und Analyseleistung zu ermöglichen, die für
eine überzeugende Antwort nötig gewesen wäre. Zumindest müsste von einer deutlich
unter 40% liegenden Haushaltquote ausgegangen werden. Ein Leidensabzug von
mindestens 20% sei angezeigt. Der Wechselwirkung zwischen Erwerb und Haushalt sei
nicht Rechnung getragen worden.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 2. Februar 2009 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 IVG bestimmt sich die Invalidität
einer erwachsenen Person nach der Unmöglichkeit, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen, wenn dieser Person nicht zugemutet werden kann, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies gilt auch für Personen, die nur zum Teil
erwerbstätig und daneben in einem Aufgabenbereich tätig sind (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Gemäss Art. 27bis IVV erfolgt nur ein Einkommensvergleich, wenn anzunehmen ist,
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dass die teilerwerbstätige Person ohne den Gesundheitsschaden ganztägig
erwerbstätig wäre. In ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob
und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den
Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen
Verhaltensweise der versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dabei
abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamte Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren
berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen ausschlaggebend sein.
Abzustellen sei auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie
sich bis zum massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V
150). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hält sich seit dem
Bundesgerichtsurteil vom 6. August 2007 (I 126/07) an diese Methode, dies entgegen
einer früheren Praxis, die auf eine objektive Zumutbarkeit im fiktiven "Gesundheitsfall"
abstellte (vgl. statt vieler das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 26. November 2008, IV 2007/332).
1.2 Nach dieser früheren Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
wäre die Beschwerdeführerin als nur erwerbstätig zu qualifizieren, denn die beiden
älteren Kinder waren im massgebenden Zeitpunkt (2006) tagsüber nicht mehr auf eine
Betreuung angewiesen. Die Betreuung des jüngsten, 1997 geborenen Kindes hätte
anderweitig sichergestellt werden können, zumal die Beschwerdeführerin als
Mitarbeiterin in einem Café und als Raumpflegerin zumindest teilweise in den
Randzeiten tätig gewesen wäre, so dass der Ehemann oder die beiden älteren Kinder
während ihrer Abwesenheit das jüngste Kind hätten betreuen können. Im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens hat die Beschwerdeführerin geltend gemacht, sie müsse auch
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung als nur erwerbstätig qualifiziert werden,
denn sie hätte ihre Erwerbstätigkeit im fiktiven "Gesundheitsfall" als Folge des
verminderten Aufwandes für die Kinderbetreuung und dank der Mithilfe der Familie bei
der Besorgung des Haushalts auf 100% ausgedehnt. Im Bericht über die
Haushaltabklärung findet sich dazu nur ein Satz: "Ohne Gesundheitsschaden wäre sie
heute weiterhin zu 50% bei B._ und zu 10% beim Tennisclub ausserhäuslich
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erwerbstätig". Die Beschwerdeführerin hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die
Beantwortung der Frage nach einem fiktiven Verhalten in der hypothetischen Situation
ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung und damit ohne die Beeinträchtigung der
Leistungsfähigkeit (die effektiv aber den Alltag der versicherten Person beherrscht) eine
hohe Abstraktions- und Analyseleistung voraussetzt. Diese Leistung kann in aller Regel
nur erbracht werden, wenn die Abklärungsperson der IV-Stelle die versicherte Person
dabei unterstützt, sich in die hypothetische Situation hineinzuversetzen. Dazu reicht der
im Formular für den Haushaltabklärungsbericht vorgedruckte Frage: "Würde heute
ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausgeübt? Begründung?", offensichtlich nicht.
Da die Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin die konkrete Fragestellung nicht
protokolliert hat, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, ob es der Beschwerdeführerin
ermöglicht worden ist, die Frage korrekt zu beantworten. Hinzu kommt, dass die
Befragung der Beschwerdeführerin mittels einer Übersetzerin erfolgt ist und dass es
sich bei der Übersetzerin um das älteste Kind der Beschwerdeführerin gehandelt hat.
Ob sich das Kind der Pflicht bewusst gewesen ist, nur zu übersetzen, also nicht auch
die eigene Meinung einfliessen zu lassen, ob es selbst die Frage der Abklärungsperson
verstanden und korrekt übersetzt hat, ob es die Frage so übersetzt hat, dass die
Beschwerdeführerin die Notwendigkeit erkannt hat, sich in eine hypothetische Situation
ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung zu versetzen, und ob es der
Beschwerdeführerin auch vermittelt hat, dass sich die Antwort aus einer längerfristigen
Betrachtung der fiktiven erwerblichen Situation im "Gesundheitsfall" ergeben müsse,
ist nicht bekannt. Das bedeutet, dass der Haushaltabklärungsbericht die Erwerbsquote
von 60% nicht mit dem erforderlichen Beweismass zu belegen vermag.
1.3 Dasselbe gilt für die Angabe einer Erwerbsquote von 100% in der Replik, denn
diese Antwort dürfte vom Wissen über die nachteiligen Folgen der Anwendung der
sogenannten gemischten Methode der Invaliditätsbemessung in der vom
Bundesgericht vertretenen, die Zusprache einer Rente beinahe immer
ausschliessenden Variante beeinflusst gewesen sein. Da unter diesen Umständen von
weiteren Abklärungen kein näherer Aufschluss über die fiktive Erwerbsquote zu
erwarten ist, bleibt nichts anderes übrig, als die Frage zu beantworten, indem vom in
der Situation der Beschwerdeführerin vernünftigsten Verhalten im fiktiven
"Gesundheitsfall" ausgegangen wird. Dieses bestünde angesichts der finanziellen
Situation der Familie, die als einzige weitere Einnahmenquelle den Hilfsarbeiterlohn des
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Ehemannes hat, in einer Ausdehnung der Erwerbsquote auf 100%, denn auch die
Beschwerdeführerin würde ja nur einen Hilfsarbeiterinnenlohn erzielen. Wie oben
bereits dargelegt wurde, stünde die Kinderbetreuung einem solchen Verhalten nicht im
Weg. Die übrigen Familienmitglieder könnten sich nach ihren jeweiligen Möglichkeiten
an der Besorgung des Haushalts beteiligen und die restlichen Arbeiten könnten von der
– gesunden – Beschwerdeführerin ausserhalb ihrer Arbeitszeiten oder an arbeitsfreien
Tagen erledigt werden. Die Beschwerdeführerin ist deshalb als nur erwerbstätig zu
qualifizieren. Da die Sachverhaltsermittlung im Beschwerdeverfahren ausschliesslich in
Anwendung des Untersuchungsgrundsatzes erfolgt, ist kein Platz für eine Anerkennung
einer Sachverhaltsbehauptung der einen Partei durch die andere Partei. Solches ist
dem Zivilprozess vorbehalten.
2.
2.1 Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Ausgangspunkt der Ermittlung
des zumutbaren Invalideneinkommens ist die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person.
Im Gutachten des asim vom 31. Dezember 2007 ist für körperlich angepasste
Tätigkeiten mit vorwiegender Benützung des linken Arms und der linken Hand eine
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50% (4,2 Std. pro Tag) angegeben
worden. Begründet worden ist diese Einschätzung nur mit den dauernden Schmerzen.
Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung weicht massiv von den Einschätzungen der einzelnen
Sachverständigen ab. Der neurologische Sachverständige hat eine Arbeitsfähigkeit von
90% für sämtliche Arten von Arbeiten angegeben. Er hat die Reduktion um 10% mit
den Schmerzen erklärt. Der psychiatrische Sachverständige hat eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin angegeben. Die handchirurgische
Sachverständige hat überhaupt keine Arbeitsfähigkeitsschätzung vorgenommen und
auch die internistische Abklärung hat zu keiner Arbeitsfähigkeitsschätzung Anlass
gegeben. Es ist zwar durchaus möglich, dass eine Gesamtschau der
Gesundheitsbeeinträchtigungen tatsächlich eine Arbeitsunfähigkeit von 50% ergibt,
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aber im Gutachten des asim fehlt eine Begründung für diese hohe Arbeitsunfähigkeit
und damit auch für die massive Abweichung von fachspezifischen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen. Das Gutachten des asim vermag deshalb den
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen. Daran ändert die Aussage von Dr med. F._ vom
29. Januar 2008 nichts, denn das Gutachten erfüllt eben gerade nicht die "üblichen
Qualitätskriterien", weil eine Begründung für die Höhe der Arbeitsunfähigkeit und für
die Abweichung von den Einschätzungen aus der Sicht der einzelnen beteiligten
medizinischen Fachgebiete fehlt. Hinzu kommt, dass einzelne Ergebnisse der
klinischen Untersuchung gegen eine Arbeitsunfähigkeit von 50% sprechen, welche
auch mit einer zumutbaren Willensanstrengung nicht zu überwinden wäre. Gemeint
sind insbesondere das Fehlen von Inaktivitätsatrophien, die problemlose Extension im
Handgelenk und der uneingeschränkte und schmerzfreie Einsatz der Hände bei den
Körperverlagerungen auf der Untersuchungsliege sowie die Unmöglichkeit, die
angegebenen Sensibilitätsstörungen anatomisch und nosologisch zuzuordnen.
2.2 Hinzu kommt, dass die Sachverständigen des asim sich offenbar nicht
ausreichend mit der Schmerzmitteltherapie auseinandergesetzt haben, obwohl es
gerade die Schmerzen sind, welche angeblich die hohe Arbeitsunfähigkeit auslösen. Im
Gutachten wird zwar mehrfach auf die Schmerzmittel hingewiesen, die von der
Beschwerdeführerin gemäss deren eigenen Angaben eingenommen werden. Aber es
fehlen Ausführungen dazu, wie die Schmerzmitteltherapie im Einzelnen ausgestaltet ist
und wie die im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit optimale
Schmerzmitteltherapie aussehen müsste. Einzig der psychiatrische Sachverständige
hat sich zu einer Verbesserungsmöglichkeit geäussert, indem er angegeben hat, eine
medikamentöse antidepressive Therapie könnte die Schmerzmedikation beeinflussen.
Bei der Durchführung einer optimalen medikamentösen Therapie zur Beherrschung der
Schmerzsituation handelt es sich zwar um einen Anwendungsbereich der allgemeinen
Schadenminderungspflicht, aber in der Begutachtungspraxis wird dieser Möglichkeit,
die Arbeitsunfähigkeit so tief wie möglich zu halten, oft zu wenig Beachtung geschenkt.
Das führt dazu, dass eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben wird, die zur
Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens unbrauchbar ist, weil es der
versicherten Person möglich und zumutbar wäre, die Arbeitsfähigkeit durch eine
optimale Medikation zu verbessern. Dabei handelt es sich um eine jener
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Schadenminderungspflichten, die sich aus dem gesunden Menschenverstand ergeben
und deshalb nicht in Anwendung von Art. 21 Abs. 4 ATSG abgemahnt werden müssen,
bevor sie wirksam werden. Dieser häufige Mangel medizinischer Begutachtungen ist
auch im vorliegenden Fall vorhanden. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die im
Gutachten des asim angegebene Arbeitsfähigkeit von 50% als Folge der
verschiedenen Mängel dieses Gutachtens nicht zu überzeugen vermag. Das Gutachten
des asim belegt also nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit,
dass die Beschwerdeführerin nur zu 50% arbeitsfähig ist. Da der massgebende
Sachverhalt unzureichend abgeklärt ist, erweist sich die angefochtene Verfügung
wegen einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes als rechtswidrig. Sie ist
aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ob diese weitere Abklärung in einer Ergänzung
des Gutachtens durch die Sachverständigen des asim bestehen soll oder ob die
polydisziplinäre Abklärung durch eine andere Begutachtungsstelle wiederholt und
gleichzeitig aktualisiert werden soll, bleibt der Beschwerdegegnerin überlassen.
2.3 Die Invaliditätsbemessung kann erst erfolgen, wenn alle in Frage kommenden
Eingliederungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind (sogenannter Grundsatz der
Eingliederung vor Rente, vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., Vorbemerkungen N.
47). Die handchirurgische Sachverständige des asim hat angegeben, eine
Korrekturosteotomie des distalen Radius würde auf alle Fälle zu einer Verbesserung
der Schmerzsituation führen. Da die Schmerzen offenbar die Hauptursache einer
allfälligen Arbeitsunfähigkeit sind und da die Möglichkeit besteht, die Schmerzen durch
eine medizinische Massnahme zu reduzieren und damit die Arbeitsfähigkeit dauernd zu
erhöhen, besteht grundsätzlich eine Schadenminderungspflicht in der Form der
medizinischen Eingliederung vor Rente. Die von Dr. med. F._ am 29. Januar 2008
vertretene Auffassung, der Erfolg einer solchen Operation sei zu unsicher, weshalb
keine Pflicht der Beschwerdeführerin bestehe, sich einer solchen Operation zu
unterziehen, entbehrt einer Begründung und vermag angesichts der klaren Aussagen
im Gutachten des asim nicht zu überzeugen. Die Sachverständigen des asim haben
diese Operation als zumutbar betrachtet. Auch in diesem Punkt ist die Sache also zur
weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sollte die
Abklärungen in bezug auf die aktuelle Arbeitsunfähigkeit ergeben, dass diese ein Mass
aufweist, das bei der Durchführung eines vorläufigen Einkommensvergleichs eine
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Erwerbseinbusse von 40% oder mehr bewirken würde, so wird die
Beschwerdegegnerin die medizinische Eingliederung mittels einer Korrekturosteotomie
des distalen Radius gestützt auf Art. 21 Abs. 4 ATSG durchsetzen müssen. Vorgängig
wird sie allerdings abklären, ob allenfalls Umstände vorliegen, die gegen die
Zumutbarkeit einer solchen Operation sprechen und die von den Sachverständigen des
asim übersehen worden sind oder gar nicht haben erkannt werden können.
3.
Käme die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung zur Anwendung, wäre die
Sache ebenfalls zur weiteren Abklärung in bezug auf die Invalidität im Aufgabenbereich
Haushalt an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Selbst wenn man die
Übersetzung durch das älteste Kind akzeptierte, d.h. davon ausgehen würde, dass das
Kind die Fragen und die Antworten korrekt übersetzt habe und dass es keine eigenen
Aussagen zur Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Haushalt in die
Übersetzung habe einfliessen lassen, entbehrt der Bericht über die Haushaltabklärung
jeder Überzeugungskraft. Es hat sich nämlich nicht um eine Abklärung an Ort und
Stelle, sondern nur um eine Befragung an Ort und Stelle gehandelt. Der
Abklärungsbericht enthält keinen Hinweis darauf, dass die Abklärungsperson die
Beschwerdeführerin bei der Arbeit beobachtet oder sie sogar getestet hätte. Selbst
wenn das geschehen wäre, hätten die Beobachtungen nur geringe Überzeugungskraft,
denn zum Zeitpunkt der Abklärung fehlte noch eine ausreichende Kenntnis des
Gesundheitszustandes und damit der medizinisch objektiv möglichen und zumutbaren
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Haushalt, an welcher die Plausibilität der
Angaben der Beschwerdeführerin hätte gemessen werden können. Der entscheidende
Mangel der Haushaltabklärung vom 5. Juni 2007 besteht darin, dass eine an einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion leidende Person, die ihre
Schmerzen als so stark betrachtet, dass sie auch im Haushalt völlig arbeitsunfähig sei,
gar keine objektive Auskunft über die verbleibende Arbeitsfähigkeit im eigenen
Haushalt geben kann. Dasselbe gilt für die Angaben der Familienangehörigen, falls
diese als Auskunftspersonen befragt werden, denn die Familienangehörigen können
sich nur am Verhalten der versicherten Person und damit im Ergebnis an deren völlig
subjektiver Selbsteinschätzung orientieren. Sie sind deshalb in der Regel nicht in der
Lage, Angaben zur objektiven Leistungsfähigkeit der versicherten Person zu machen.
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Die auf den Haushalt bezogene Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten des asim ist
unbrauchbar, es sei denn, man würde den Satz, die Arbeitsfähigkeit von 50% gelte
auch für angepasste Tätigkeiten im Haushalt, so interpretieren, dass für nicht
angepasste Tätigkeiten im Haushalt eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Aber
auch damit würde die Arbeitsfähigkeitsschätzung noch keinen ausreichenden
Beweiswert entfalten, denn alle Umstände, die gegen die Überzeugungskraft der auf
eine adaptierte Erwerbstätigkeit bezogene Arbeitsfähigkeitsschätzung des asim
sprechen, wirken sich auch auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung für den Haushalt aus.
Wäre die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Beschwerdeführerin im Haushalt relevant,
müsste also ebenfalls zunächst eine überzeugende medizinische
Arbeitsfähigkeitsschätzung eingeholt werden. Diese Schätzung könnte sich aber
naturgemäss nur auf einen Durchschnittshaushalt beziehen, da die medizinischen
Sachverständigen den konkreten Haushalt nicht kennen. Die anschliessend
vorzunehmende Haushaltabklärung hätte also den Zweck, die in bezug auf den
Aufgabenbereich zu allgemeine ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung auf den konkreten
Haushalt zur Anwendung zu bringen und damit die Invalidität im Haushalt zu ermitteln.
Sie hätte nicht das Ziel, die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung zu kontrollieren und
gegebenenfalls zu ersetzen, wie in der Verwaltungspraxis immer unterstellt wird. Die
Haushaltabklärung auf der Grundlage einer überzeugenden ärztlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung läuft also analog der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens auf der Grundlage einer ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung für
eine der Behinderung adaptierte Erwerbstätigkeit ab. Da das Ziel der ärztlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf den Haushalt und der sich darauf stützenden
Haushaltabklärung darin besteht, die Invalidität der versicherten Person im eigenen
Haushalt zu ermitteln, kann es keine Invaliditätsverminderungspflicht durch die Mithilfe
von Familienangehörigen geben, denn dies liefe auf eine Bemessung der "Invalidität"
der Familie der versicherten Person als Haushaltteam hinaus. Eine derartige
"Invalidität" ist aber in bezug auf eine allfällige Rentenberechtigung offenkundig völlig
irrelevant. Die Haushaltabklärung würde sich also darauf beschränken, die Fähigkeit
der Beschwerdeführerin zu ermitteln, den eigenen Haushalt trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin so weit wie möglich selbst zu erledigen (zur
angeblichen Schadenminderungspflicht vgl. Hardy Landolt, Hauswirtschaftliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schadenminderungspflicht von Angehörigen bei der Invaliditätsbemessung, in:
Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2007, S. 115 ff.).
4.
Im Sinne der Erwägungen 1 und 2 ist die angefochtene Verfügung vom 6. Mai 2008
aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen
Verfügung über das Rentengesuch der Beschwerdeführerin an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dieser Verfahrensausgang ist praxisgemäss in
bezug auf den Anspruch auf eine Parteientschädigung und in bezug auf die Tragung
der Gerichtskosten als vollumfängliches Obsiegen zu werten. Die Beschwerdeführerin
hat deshalb einen Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung. Diese bemisst
sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich die geltend gemachte
Parteientschädigung von Fr. 2238.10 als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat die
Beschwerdeführerin in diesem Umfang zu entschädigen. Die Beschwerdegegnerin hat
auch die gesamten Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen. Diese bemessen sich
nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-
erscheint als angemessen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG