Decision ID: 9420749d-03d2-4042-ade3-ac52f2802aed
Year: 2012
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Mit Verfügung vom 1. Juni 2012 stellte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,
Hauptabteilung Laufen, in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. b und c StPO das Strafverfahren
gegen C._ (nachfolgend Beschuldigter) betreffend die Tatbestände der üblen Nachrede und
der Verleumdung ein. Anlass der Strafuntersuchung war ein vom Beschuldigten verfasstes
Schlichtungsbegehren an die Schlichtungsstelle für Mietangelegenheiten vom
23. Februar 2011, welches unter anderem die Äusserung enthielt: "[...] es lagen Tatsachen vor,
welche beweisen konnten, dass A._ bzw. deren Vertreter betrügerisch und mit krimineller
Energie handelten [...]". Anlässlich dieses Schlichtungsbegehrens reichten A._ und B._ am
1. Juni 2011 eine Strafanzeige gegen den Beschuldigten wegen angeblicher Ehrverletzungsde-
likte ein.
B. Mit Eingaben vom 14. Juni 2012 erhoben A._ und B._ je Beschwerde gegen die
Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 1. Juni 2012. In den identischen Rechtschrif-
ten begehrten die Beschwerdeführer, die Einstellungsverfügung vom 1. Juni 2012 sei aufzuhe-
ben und die Strafuntersuchung bzw. Strafverfolgung sei fortzuführen, alles unter o/e Kostenfol-
ge. Zur Begründung führten die Beschwerdeführer aus, aufgrund der kurzen Beschwerdezeit
sowie infolge Abwesenheit sei es ihnen noch nicht möglich gewesen, die Untersuchungsakten
einzusehen, weshalb sie um eine Fristerstreckung zur Begründung des Rechtsbegehrens und
zur Einreichung der Beweismittel ersuchen würden.
C. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom
18. Juni 2012 wurde festgestellt, dass es sich bei der zehntägigen Beschwerdefrist von Art. 396
Abs. 1 StPO um eine gesetzliche und damit nicht erstreckbare Frist handelt.
D. Die Beschwerdeführer beantragten mit Eingaben vom 28. Juni 2012, es sei ihnen die
Gelegenheit zur Stellungnahme zu der von der Beschwerdegegnerin eingereichten Vernehm-
lassung zu gewähren.
E. Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Stellungnahme vom 29. Juni 2012, die Be-
schwerde der Privatkläger sei vollumfänglich unter o/e Kostenfolge abzuweisen. Es wurde im
Wesentlichen dargelegt, die Beschwerde vom 14. Juni 2012 sei nicht begründet, weshalb auch
nicht bekannt sei, gegen welche Argumente der angefochtenen Verfügung sie sich richte. Die
Einstellung des Verfahrens gegen den Beschuldigten sei ausführlich begründet.
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F. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom
2. Juli 2012 wurde festgestellt, dass der Beschuldigte innert Frist keine Stellungnahme einge-
reicht hat.
G. Die Beschwerdeführerin, A._, reichte am 13. Juli 2012 eine Replik inklusive Beilagen
ein. Darin führte sie im Wesentlichen aus, ihr sei keine Nachfrist im Sinne von Art. 385 Abs. 2
StPO gewährt worden, obwohl sie nicht anwaltlich vertreten sei. Die Beschwerde vom
14. Juni 2012 sei erhoben worden, weil der Sachverhalt unvollständig und unrichtig festgestellt,
das rechtliche Gehör verletzt und die Beweiserhebung unvollständig ausgeführt worden sei.
H. Mit Schreiben vom 27. Juli 2012 reichte die Staatsanwaltschaft eine duplizierende Stel-
lungnahme ein.

Erwägungen
1. Formelles
1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung
Strafrecht, als Beschwerdeinstanz ist gemäss § 15 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur
Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO, SGS 250) gegeben. Die Beschwerde ist ge-
mäss Art. 393 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) zulässig
gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertre-
tungsstrafbehörden. Gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO können Rechtsverletzungen, die falsche
Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden. Da mit der Beschwer-
de alle Mängel des angefochtenen Entscheids geltend gemacht werden können, verfügt die
Rechtsmittelinstanz über volle Kognition (STEPHENSON/THIRIET, Basler Kommentar StPO, 2011,
Art. 393, N 15). Die Beschwerdefrist gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide be-
trägt zehn Tage. Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes In-
teresse an der Aufhebung oder Abänderung der angefochtenen Verfügung hat, zur Beschwerde
legitimiert.
1.2 Mit der vorliegenden Beschwerde wird die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel-
Landschaft, Hauptabteilung Laufen, vom 1. Juni 2012 angefochten, welche ein taugliches Be-
schwerdeobjekt darstellt. Die Beschwerdeführer rügen sinngemäss eine Rechtsverletzung und
bringen somit einen gültigen Beschwerdegrund vor. Die Einstellungsverfügung datiert vom
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1. Juni 2012 und wurde den Beschwerdeführern am 4. Juni 2012 zugestellt. Mit Eingabe vom
15. Juni 2012 wurde die Rechtsmittelfrist somit gewahrt. Als Privatkläger sowie Geschädigte
sind die Beschwerdeführer durch die Verfügung unmittelbar in ihren Rechten betroffen und so-
mit beschwert.
1.3 Eine Beschwerde ist gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO schriftlich und begründet bei der
Beschwerdeinstanz einzureichen. Die Beschwerdefrist kann als gesetzliche Frist weder unter-
brochen noch erstreckt werden (Art. 396 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 89 StPO). Verlangt das
Gesetz, dass das Rechtsmittel begründet wird, so hat gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO die Person
oder die Behörde, die das Rechtsmittel ergreift genau anzugeben, welche Punkte des Ent-
scheids sie anficht (lit. a), welche Gründe einen anderen Entscheid nahe legen (lit. b) und wel-
che Beweismittel sie anruft (lit. c). Erfüllt die Eingabe diese Anforderung nicht, so weist die
Rechtsmittelinstanz sie zur Verbesserung innerhalb einer kurzen Nachfrist zurück. Genügt die
Eingabe auch nach Ablauf der Nachfrist den Anforderungen nicht, so tritt die Rechtsmit-
telinstanz nicht auf das Rechtsmittel ein (Art. 385 Abs. 2 StPO).
1.4 Die von den Beschwerdeführern am 14. Juni 2012 eingereichte Beschwerde enthält
keine Begründung. Die Beschwerdeführer begehren zwar die Aufhebung der Einstellungsverfü-
gung vom 1. Juni 2012, es wird jedoch nicht dargelegt, welche Gründe einen anderen Ent-
scheid nahelegen und welche Beweismittel angerufen werden. Unter dem Titel "Begründung"
führen die Beschwerdeführer aus, es sei ihnen in der kurzen Beschwerdezeit, unter anderem
infolge Abwesenheit, noch nicht möglich gewesen, die Verfahrensakten einzusehen, weshalb
ihnen eine Fristerstreckung zur Begründung des Rechtsbegehrens zu gewähren sei. Wie be-
reits dargelegt, handelt es sich bei der Beschwerdefrist um eine gesetzliche Frist. Gesetzliche
Fristen können gemäss Art. 89 Abs. 1 StPO nicht erstreckt werden. Eine Erstreckung der Frist
zur Einreichung der Begründung ist somit grundsätzlich nicht möglich. Als Ausfluss der in
Art. 396 Abs. 1 StPO statuierten Begründungpflicht kann die Frist indes verlängert werden,
wenn eine rechtzeitig beantragte Akteneinsicht aus irgendeinem Grund nicht innert der zehntä-
gigen Beschwerdefrist möglich war. Dies gilt jedoch nur insofern, als das Hindernis nicht durch
die Beschwerdeführer selbst verschuldet wurde (STEPHENSON/THIERET, a.a.O., Art. 396, N 6).
Die Beschwerdeführer machen vorliegend geltend, es sei ihnen unter anderem infolge Abwe-
senheit nicht möglich gewesen, die Verfahrensakten rechtzeitig einzusehen. Es liegt somit of-
fensichtlich kein unverschuldetes Hindernis vor, weshalb die Frist zur Begründung der Be-
schwerde nicht zu verlängern war.
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1.5 Die vorliegende Beschwerde ist sodann auch nicht gemäss Art. 385 Abs. 2 StPO zur
Verbesserung an die Beschwerdeführer zurückzuweisen. Denn in casu liegt keine mangelhafte
Beschwerde im Sinne von Art. 385 Abs. 2 StPO vor. Den Beschwerdeführern war durchaus
bewusst, dass eine Beschwerde begründet werden muss, ersuchten sie doch − wie bereits dar-
gelegt − um eine Fristerstreckung zur Nachreichung der Begründung. Es ist eben gerade nicht
der Zweck von Art. 385 Abs. 2 StGB, die relativ kurze Frist zur Begründung der Beschwerde
nach Art. 396 Abs. 1 StPO zu umgehen. Auch ist der in der Einstellungsverfügung vom