Decision ID: e91d6da2-6355-5580-95e7-c5f9600c5432
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 26. Juni 2012 in der Schweiz um
Asyl nach. Dabei gab er an, er sei eritreischer Staatsangehöriger, tigrini-
scher Ethnie, orthodoxen Glaubens und sein Name sei A._. Er sei
in B._, Eritrea geboren. Seine Mutter sei bei seiner Geburt verstor-
ben, weshalb er bei seiner Grossmutter in C._ aufgewachsen sei.
Im Jahr (...) habe ihn sein Vater zu sich nach Äthiopien geholt. Die (...) bis
zur (...) Klasse habe er in D._ besucht. Von 1996 bis 1998 habe er
mit seinem Vater in E._ gelebt. Im Jahr 1998 habe er die Schule
abbrechen müssen, weil viele Eritreer von Äthiopien nach Eritrea deportiert
worden seien. Von 1998 bis 2002 habe er wiederum in C._, Eritrea
gelebt. Einen Beruf habe er nicht erlernt. Zuletzt habe er bei einem (...)
gearbeitet. Im (...) 2002 habe er Eritrea illegal verlassen. Bis im Jahr 2008
habe er keinen festen Wohnsitz gehabt. Von 2008 bis 2011 habe er in
F._, Äthiopien, respektive im Sudan gelebt. Im Jahr (...) habe er
sich mit G._, einer äthiopischen Staatsangehörigen, in F._
religiös getraut. Seine Ehefrau lebe in F._ respektive er wisse nicht,
wo sie sich aufhalte. Er habe keinen Kontakt mit ihr.
Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus, während der Ar-
beit sei er mehrmals von den Behörden aufgesucht worden. Sie hätten ihm
vorgeworfen, Personen bei der Flucht über die Grenze zu helfen. Eines
Abends sei er von Soldaten abgeholt und auf die Polizeistation gebracht
worden. Er sei geschlagen worden. Nach etwa zwei Wochen sei ihm die
Flucht gelungen.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer eine Kopie eines Taufscheins
zu den Akten.
A.b Mit Verfügung vom 28. August 2014 anerkannte die Vorinstanz den
Beschwerdeführer als Flüchtling und gewährte ihm infolge Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme. Grundlage für die
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft bildete die illegale Ausreise des
Beschwerdeführers aus Eritrea.
B.
B.a Am 19. Oktober 2015 stellte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz
einen Antrag auf Namensänderung. Zur Begründung führte er im Wesent-
lichen aus, nach der eritreischen Tradition der orthodoxen Kirche habe er
seinen Taufnamen A._ unmittelbar nach der Geburt erhalten. Als er
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mit sieben Jahren schulpflichtig geworden sei, habe er von den eritreischen
Behörden seinen bürgerlichen Namen H._ erhalten. In der Schweiz
habe er sich mit seinem «kirchlichen Namen» registrieren lassen. Im Jahr
(...) habe er in E._ unter seinem «behördlichen Namen» geheiratet.
Bei einer auf einen späteren Zeitpunkt geplanten Familienzusammenfüh-
rung müsste sein Name mit der Heiratsurkunde übereinstimmen. Zudem
habe er eine emotionale Bindung zu seinem verstorbenen Vater,
I._, der ihn allein grossgezogen habe, da seine Mutter bei der Ge-
burt verstorben sei.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer eine Geburtsurkunde vom
18. Juni 2009 des «(...)» in J._ im Original, ein Dokument des
«(...)» vom 23. Januar 1992, seinen F-Ausweis und einen Auszug aus dem
Schweizerischen Strafregister – jeweils in Kopie – zu den Akten.
B.b Im Hinblick auf eine allfällige Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft
und Aufhebung der vorläufigen Aufnahme gewährte die Vorinstanz dem
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 6. Juni 2017 das rechtliche Gehör
und gab ihm Gelegenheit zur Einreichung einer Stellungnahme.
B.c Mit Schreiben vom 13. Juli 2017 nahm der Beschwerdeführer Stellung.
C.
Mit Verfügung vom 28. August 2017 aberkannte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, hob die mit Verfügung vom
28. August 2014 angeordnete vorläufige Aufnahme auf, forderte den Be-
schwerdeführer auf, die Schweiz spätestens bis am 28. September 2017
zu verlassen und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der
Wegweisung. Gleichzeitig zog sie die Geburtsurkunde, den Taufschein und
den Reiseausweis für Flüchtlinge ein.
D.
Mit Eingabe vom 29. September 2017 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der
Vorinstanz sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei ihm nicht abzu-
erkennen und die vorläufige Aufnahme sei nicht aufzuheben. Eventualiter
sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Prozessual sei ihm die unentgeltliche Pro-
zessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses, und die amtliche Verbeiständung zu gewähren.
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Seite 4
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
2. Oktober 2017 den Eingang der Beschwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und verzichtete auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig forderte sie den Be-
schwerdeführer auf, eine Rechtsvertretung zu bezeichnen und zu bevoll-
mächtigen, welche ihm als amtliche Rechtsvertretung beigeordnet werden
soll.
G.
Mit Eingabe vom 4. Februar 2020 kam der Beschwerdeführer dieser Auf-
forderung fristgerecht nach.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 7. Februar 2020 setzte die Instruktionsrichte-
rin MLaw Janine Hess als amtliche Vertreterin des Beschwerdeführers ein.
Gleichzeitig forderte sie den Beschwerdeführer auf, sich detailliert und mit
entsprechenden Beweismitteln belegt, zu seiner persönlichen Situation in
der Schweiz, namentlich zu seiner Ausbildung, seinen Arbeitseinsätzen
und seinem persönlichen Umfeld zu äussern.
I.
Am 10. März 2020 kam der Beschwerdeführer – innert erstreckter Frist –
dieser Aufforderung nach und gab diverse Ausbildungsunterlagen sowie
Arbeitszeugnisse zu den Akten.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2020 lud die Instruktionsrichterin die
Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
K.
In der Vernehmlassung vom 27. März 2020 hielt die Vorinstanz an ihren
Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
L.
Am 2. April 2020 wurde die Vernehmlassung dem Beschwerdeführer zur
Kenntnisnahme zugestellt.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Art. 63 AsylG regelt die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und
den Widerruf des Asyls. Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG wird die Flücht-
lingseigenschaft aberkannt und/oder das Asyl widerrufen, wenn die aus-
ländische Person das Asyl oder die Flüchtlingseigenschaft durch falsche
Angaben oder Verschweigen wesentlicher Tatsachen erschlichen hat.
4.2 Die Mitwirkungspflicht in Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG verlangt von Asyl-
suchenden, dass sie bei der Anhörung angeben, weshalb sie um Asyl
nachsuchen, wobei diese Angaben wahr sein müssen und dabei keine we-
sentlichen Tatsachen verschwiegen werden dürfen (vgl. SCHWEIZERISCHE
FLÜCHTLINGSHILFE SFH, Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren,
2. Aufl. 2009, S. 234 f.).
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4.3 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft
grundsätzlich aberkannt, wenn die Voraussetzungen, die zur Anerkennung
geführt haben, bereits von Anfang an nicht bestanden hatten. Die Anwen-
dung dieser Widerrufsbestimmung ist auf Fallkonstellationen beschränkt,
bei denen die Asylbehörden erst nach der Anerkennung Kenntnis von
Sachverhaltselementen erhalten, die zu einer Verneinung der Flüchtlings-
eigenschaft geführt hätten, wenn sie bereits während des Asylverfahrens
bekannt gewesen wären. Diese Intention entspricht dem allgemeinen Prin-
zip des Verwaltungsrechts, dass eine gewährte Rechtsstellung widerrufen
wird, falls sich später herausstellt, dass die Voraussetzungen von Anfang
an nicht bestanden hatten und diese Rechtsstellung erschlichen worden
war. Mit dem Terminus "erschleichen" weist der Gesetzgeber darauf hin,
dass für einen Widerruf gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG eine verse-
hentliche oder unbewusste Falschaussage nicht genügt; vielmehr bedarf
es wissentlicher und willentlicher Falschangaben (vgl. zum Ganzen statt
vieler: Urteil des BVGer E-3469/2018 vom 3. Juli 2019 E. 5.2. m.w.H.).
4.4 Die Beweislast für die Voraussetzungen einer Aberkennung der Flücht-
lingseigenschaft liegt nach den allgemeinen Regeln des Verwaltungsrechts
bei den Asylbehörden, da diese aus den zu beweisenden Tatsachen
Rechtsfolgen ableiten wollen (vgl. Urteil des BVGer E-3469/2018 vom
3. Juli 2019 E. 5.3 m.w.H.). Bezüglich des Beweismasses haben die
Asylbehörden die relevanten Tatsachen grundsätzlich zu beweisen. Soweit
relevante Tatsachen nur mit unverhältnismässigem Aufwand oder mit den
Behörden zur Verfügung stehenden Mitteln gar nicht bewiesen werden
können, müssen sie mindestens überwiegend wahrscheinlich gemacht
werden (analog Art. 7 AsylG; vgl. Urteile des BVGer E-6465/2019 vom
22. Januar 2020 E. 4.4, E-3144/2017 E. 5.3 vom 19. Dezember 2019).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Bedingungen von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG betreffend das Erschlei-
chen der Flüchtlingseigenschaft seien erfüllt.
Die vom Beschwerdeführer eingereichte Geburtsurkunde sei gemäss einer
internen Dokumentenanalyse eine Totalfälschung. Sie weise einen ande-
ren Stempel auf, als im (...) nachweislich auf vergleichbaren Geburtsur-
kunden verwendet worden sei. Das Layout (unter anderem die Schriftart)
und die Druckqualität würden erheblich vom Vergleichsmaterial abwei-
chen. Sodann weise das Schulzeugnis nicht auf eine eritreische, sondern
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Seite 7
auf eine äthiopische Herkunft hin. Ferner belege der im Asylverfahren ein-
gereichte Taufschein einen Namen «K._» und den Namen des Va-
ters «L._» und nicht wie im Schreiben vom 19. Oktober 2015 be-
hauptet «I._». Ausserdem bestehe ein eritreischer Taufname nur
aus einem Namen (wie «K._») und nicht wie vom Beschwerdefüh-
rer behauptet, aus zwei Namen («A._»). Überdies werde der Tauf-
name nur bei der Taufe und nicht in anderem Zusammenhang verwendet.
Gemäss seinen Ausführungen in der Stellungnahme vom 13. Juli 2017
fühle sich der Beschwerdeführer mit dem muslimischen Namen stärker ver-
bunden. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, dass er im bisherigen Asyl-
verfahren zunächst einen christlich-orthodoxen Namen angegeben habe,
und nun behaupte, sein bürgerlicher Name sei arabisch und damit musli-
misch. Ebenfalls nicht nachvollziehbar sei, dass er gemäss den Angaben
in der BzP von 2008 bis 2011 in F._ gewohnt habe, jedoch sich am
(...) 2009 bei den eritreischen Behörden gemäss der Geburtsurkunde unter
dem muslimischen Namen registriert worden sei. Ferner sei zu berücksich-
tigen, dass Eritrea erst seit dem Jahr 1993 unabhängig sei. Nach äthiopi-
schem Recht hätten bis zu diesem Zeitpunkt alle Eritreer respektive alle in
Äthiopien wohnhaften Personen tigrinischer Ethnie als äthiopische Staats-
angehörige gegolten. Demnach sei davon auszugehen, dass auch der Be-
schwerdeführer, gemäss seinen Angaben im Jahr (...) geboren, äthiopi-
scher Staatsangehöriger sei. Zudem habe er die (...) in Äthiopien besucht.
Diese Tatsache und das eingereichte Schulzeugnis aus Äthiopien würden
den Eindruck verstärken, dass er nicht eritreischer Staatsangehöriger sei.
Aufgrund dieser Unstimmigkeiten, der gefälschten Geburtsurkunde und
weiterer nicht nachvollziehbarer Angaben seien die Vorbringen des Be-
schwerdeführers bezüglich seiner Identität und Staatsangehörigkeit nicht
glaubhaft. Demzufolge sei er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich-
keit nicht eritreischer Staatsangehöriger, sondern besitze die äthiopische
Staatsangehörigkeit, welche er in Verletzung seiner Mitwirkungspflicht dem
SEM verschwiegen habe. Schliesslich habe der Beschwerdeführer auch
nach wiederholter Aufforderung kein Identitätspapier eingereicht, welches
seinen bürgerlichen Namen und seine eritreische Staatsangehörigkeit be-
stätigen würde.
Da der Beschwerdeführer falsche Angaben gemacht beziehungsweise we-
sentliche Tatsachen verschwiegen habe, könne die Flüchtlingseigenschaft
im Sinne von Art. 63 Abs. 1 AsylG grundsätzlich aberkannt werden. Es
müssten jedoch wesentliche Tatsachen betroffen sein, so dass das Asyl-
verfahren ohne die Täuschung einen anderen Ausgang genommen hätte.
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Seite 8
Der Beschwerdeführer wäre bei einer anderen Identität und Staatsangehö-
rigkeit – wie vorliegend die äthiopische – nicht als Flüchtling anerkannt und
infolge dessen vorläufig aufgenommen worden.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend,
sämtliche Angaben, welche er betreffend Änderung der Personalien ge-
macht habe, würden mit denjenigen im Rahmen des Asylverfahrens über-
einstimmen. Zum Schulzeugnis sei festzuhalten, dass dieses im Jahr 1992
ausgestellt worden sei und er sowohl in der BzP als auch anlässlich der
Anhörung erklärt habe, zu dieser Zeit in Äthiopien gelebt zu haben. Das
SEM lasse ausser Acht, dass er zwischen zwei Kulturen und Religionen
aufgewachsen sei. Als er (...) Jahre alt gewesen sei, habe ihn sein Vater
nach Äthiopien gebracht. Dort sei er in einem muslimischen Umfeld aufge-
wachsen und habe den Namen H._ erhalten. Die eingereichte Ge-
burtsurkunde habe er nachträglich ausstellen lassen. Wie das Dokument
genau beschafft worden sei, wisse er nicht. Es sei möglich, dass es sich
um eine Fälschung handle. Die neuen Informationen, welche er im Zusam-
menhang mit dem Gesuch um Namensänderung dem SEM zur Verfügung
gestellt habe, würden sodann nicht seine Staatsangehörigkeit, sondern le-
diglich seinen Namen betreffen. Es bestehe demnach kein kausaler Zu-
sammenhang zwischen den neuen Informationen und den Gründen für die
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Sollte dies dennoch der Fall sein,
so sei zu berücksichtigen, dass er nicht wissentlich und willentlich falsche
Angaben gemacht habe.
5.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, die Identitäts- und Her-
kunftstäuschung einschliesslich dem Einreichen gefälschter Dokumente
habe eine zentrale Bedeutung für die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft gehabt. Ohne die verschwiegenen beziehungsweise falschen Anga-
ben hätte das Verfahren einen anderen Ausgang genommen. Der Ein-
wand, wonach der Beschwerdeführer die Falschangaben nicht wissentlich
und willentlich gemacht habe, vermöge nicht zu überzeugen. Er sei mehr-
mals auf seine Wahrheits- und Mitwirkungspflicht hingewiesen worden. Be-
züglich der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme sei festzuhalten, dass der
Vollzug der Wegweisung nach Äthiopien als zulässig, zumutbar und mög-
lich zu bezeichnen sei. Für eine existenzbedrohende Situation würden
keine Anhaltspunkte bestehen. Betreffend der vom Beschwerdeführer dar-
gelegten Integration sei feststellen, dass er die hierfür notwendige vorläu-
fige Aufnahme letztlich aufgrund einer Falschaussage und damit einherge-
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Seite 9
hend einer ungerechtfertigten Rechtsposition erhalten habe, weshalb da-
rauf unter Hinweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-5134/2019 vom 27. Februar 2020 nicht näher einzugehen sei.
6.
6.1 Im Zeitpunkt der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft stützte sich
die Vorinstanz im Wesentlichen auf die Aussagen des Beschwerdeführers
anlässlich der BzP und der Anhörung. Als Beweismittel reichte der Be-
schwerdeführer damals lediglich eine Kopie eines Taufscheins einer christ-
lich-orthodoxen Kirche ein. Gestützt auf diese Angaben ging die Vorinstanz
von der eritreischen Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers aus und
anerkannte die Flüchtlingseigenschaft aufgrund einer illegalen Ausreise
aus Eritrea.
Im Rahmen seines Gesuchs um Namensänderung vom 15. Oktober 2015
reichte der Beschwerdeführer eine Geburtsurkunde ein, welche sich als
Totalfälschung erwies. In der Rechtsmitteleingabe führt er dazu selbst aus,
es wisse nicht, wie das Dokument beschafft worden sei und gesteht ein,
dass es sich um eine Fälschung handeln könne. Betreffend das Schulzeug-
nis ist dem Beschwerdeführer zwar beizupflichten, dass er im Asylverfah-
ren angab, im Zeitpunkt der Ausstellung desselben im Jahr 1992 in Äthio-
pien gelebt zu haben. Jedoch ergeben sich aus dem Zeugnis weitere Un-
gereimtheiten. Diesem lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer
im Jahr 1992 (...) Jahre alt war, was nicht mit seinem angegebenen Ge-
burtsjahr von (...) in Einklang zu bringen ist. Ferner habe er im Jahr 1991
die (...) Klasse besucht, was wiederum im Widerspruch zu seiner Aussage
steht, er habe im Jahr 1998 die (...) Klasse wegen der Deportation nach
Eritrea abbrechen müssen. Weiter ist festzuhalten, dass der Beschwerde-
führer der Aufforderung des SEM, weitere Beweismittel einzureichen, wel-
che seine Identität und Staatsangehörigkeit beweisen, nicht nachgekom-
men ist. Sodann begründete er sein Gesuch um Namensänderung im We-
sentlichen damit, dass er im Jahr (...) in E._ geheiratet habe und
seine Frau in die Schweiz nachziehen wolle. Bei einem Gesuch um Fami-
lienzusammenführung müsste sein Name mit demjenigen auf der Heirats-
urkunde übereinstimmen. Letztere reichte er aber nicht ein. Darüber hinaus
ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der BzP angab, er
habe in F._ geheiratet (vgl. SEM-Akten A6/11 Ziff. 1.14), was nicht
mit den Angaben in der Rechtsmitteleingabe übereinstimmt, wonach er
sich in E._ getraut habe. Ferner bleibt unklar, wo der Beschwerde-
führer die letzten Jahre vor seiner Ausreise gelebt hat. Zunächst sprach er
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Seite 10
anlässlich der Anhörung davon, er habe sich in Libyen und Äthiopien auf-
gehalten (SEM-Akten A14/15 F30 ff.), dann wiederum vom Sudan und Äthi-
opien (SEM-Akten a.a.O. F110 ff.). Schliesslich hat der Beschwerdeführer
bis heute nicht plausibel erklären können, weshalb er im Asylverfahren zu-
nächst einen christlich-orthodoxen Namen angegeben hat und nun vor-
bringt, er habe einen muslimischen Namen. Seine Erklärung, er habe eine
emotionale Beziehung zu seinem verstorbenen Vater, I._, gehabt,
vermag keineswegs zu überzeugen. Dies insbesondere vor dem Hinter-
grund, dass der Vater gemäss den Angaben des Beschwerdeführers be-
reits im Jahr (...) verstorben ist und damit Jahre vor der Einreichung des
Asylgesuchs in der Schweiz. Weitergehend kann, um Wiederholungen zu
vermeiden, auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in der Verfü-
gung und der Vernehmlassung verwiesen werden.
6.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen gilt als erstellt, dass der
Beschwerdeführer durch Falschangaben und Verschweigen wesentlicher
Tatsachen die Schweizer Asylbehörden vorsätzlich getäuscht und so die
Flüchtlingseigenschaft erschlichen hat. Die Vorinstanz führte zutreffend
aus, dass der Beschwerdeführer nur deshalb als Flüchtling anerkannt wur-
de, weil von seiner eritreischen Staatsangehörigkeit ausgegangen wurde.
Die Vorinstanz erachtete in der Folge als glaubhaft, dass er illegal aus
Eritrea ausgereist war und anerkannte ihn deshalb als Flüchtling. Die vom
Beschwerdeführer gemachten falschen Angaben bezüglich wesentlicher
Tatsachen waren somit kausal für die Anerkennung der Flüchtlings-
eigenschaft, womit vorliegend die Voraussetzungen von Art. 63 Abs. 1
Bst. a AsylG für eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft erfüllt sind.
7.
7.1 Das SEM hebt die vorläufige Aufnahme auf und ordnet den Vollzug der
Wegweisung an, wenn die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme
nicht mehr gegeben sind (Art. 84 Abs. 2 AIG). Die Voraussetzungen sind
nicht mehr gegeben, wenn der Vollzug der rechtskräftig angeordneten
Wegweisung zulässig (Art. 83 Abs. 3 AIG) und es der ausländischen Per-
son möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AIG) ist, sich
rechtmässig in ihren Heimat-, in den Herkunfts- oder in einen Drittstaat zu
begeben. Wegweisungsvollzugshindernisse sind zu beweisen, wenn der
strikte Beweis möglich ist, andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen
(vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
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Seite 11
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein
Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr
läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5
Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung
unterworfen werden.
7.2.1 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Das SEM hat die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers – soweit er vorgab eritrei-
scher Staatsangehöriger und in Eritrea verfolgt zu sein – zu Recht aber-
kannt. In Bezug auf Äthiopien machte der Beschwerdeführer keine Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG geltend, weder in der damaligen Stellung-
nahme vom 13. Juli 2017 noch in der Beschwerdeschrift. Der in
Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung findet im vorlie-
genden Verfahren somit keine Anwendung. Eine Rückkehr des Beschwer-
deführers nach Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG
rechtmässig.
7.2.2 Den Akten sind aufgrund der vorstehenden Erwägungen zur Frage
der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft auch keine Anhaltspunkte da-
für zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach
Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter
und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung
oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Äthiopien lässt
den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-
scheinen. Der Vollzug der Wegweisung nach Äthiopien erweist sich dem-
nach sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen als zulässig.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
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Seite 12
7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von der
grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen
Äthiopiens aus (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 12.2.,
in Bestätigung von BVGE 2011/25 E. 8.3).
7.3.2 Zur individuellen Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung führte
die Vorinstanz aus, aufgrund der Akten gäbe es keine Anhaltspunkte, wel-
che gegen eine Rückkehr nach Äthiopien sprechen würden. Gemäss sei-
nen eigenen Angaben habe der Beschwerdeführer mehrere Jahre in Äthi-
opien gelebt und dort die Primar- sowie Sekundarschule besucht. Es sei
somit davon auszugehen, dass er in Äthiopien über ein tragfähiges Bezie-
hungsnetz verfüge. Im Übrigen sei bei Verletzungen der Mitwirkungspflicht
vermutungsweise davon auszugehen, dass einer Wegweisung keine Hin-
dernisse entgegenstehen würden.
7.3.3 Das Gericht schliesst sich vollumfänglich den Ausführungen der Vor-
instanz zur individuellen Zumutbarkeit der Wegweisung an, zumal der Be-
schwerdeführer diesen in der Rechtsmitteleingabe nichts entgegensetzt.
Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Vollzug der Wegweisung
des Beschwerdeführers nach Äthiopien zulässig, zumutbar und möglich ist.
8.
8.1 Gemäss Art. 96 Abs. 1 AIG berücksichtigen die zuständigen Behörden
bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönli-
chen Verhältnisse sowie die Integration der Ausländerinnen und Ausländer.
8.2 Grundsätzlich besteht ein erhebliches öffentliches Interesse daran,
dass Personen, welche die Voraussetzungen der Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen und bei denen auch das Vorliegen von anderweitigen Weg-
weisungsvollzugshindernissen verneint wird, das Land verlassen, sofern
sie nicht über einen anderweitigen (ausländerrechtlichen) Aufenthaltstitel
verfügen.
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Seite 13
8.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe sich in der Schweiz sehr
gut integriert, weshalb sein privates Interesse am Verbleib höher zu ge-
wichten sei als das öffentliche Interesse an einer Wegweisung.
8.3.1 Den eingereichten Unterlagen lässt sich entnehmen, dass der Be-
schwerdeführer in der Schweiz erstmals im Jahr 2013 erwerbstätig war und
an verschiedenen Pilotprojekten für Asylsuchende im Bereich des (...) teil-
nahm. Im (...) 2017 wurde er «(...)» an der (...) aufgenommen und zum
(...)studium zugelassen. Während des ersten Studienjahres brach der Be-
schwerdeführer sein Studium ab. Ab (...) 2017 war er in einem (...) Pensum
als (...) am (...) und (...) tätig. Von (...) bis (...) 2018 absolvierte er ein
Praktikum bei der (...) in der (...)abteilung. Von (...) bis (...) 2019 arbeitete
er für die Stiftung (...) im Bereich (...). Danach war er bis im (...) 2020 bei
der (...) als «(...)» in der Abteilung «(...)» tätig. Seit (...) 2020 ist er bei
«(...)» beschäftigt und nimmt an Bildungsmodulen teil. Der Bestätigung des
(...) vom (...) 2020 lässt sich entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer
stets sehr bemüht hat, eine Arbeit zu finden und dies auch nachweist.
Durch die aktive Teilnahme an arbeitsmarktlichen Massnahmen erhöhe er
seine Arbeitsmarktfähigkeit. Leider sei es ihm bisher nicht gelungen, eine
längerfristige Anstellung zu finden, wobei sich der Status der vorläufigen
Aufnahme erschwerend auf die Stellensuche auswirke.
Nebst diesen Tätigkeiten besuchte der Beschwerdeführer von (...) bis (...)
2016 einen Deutschkurs der Stufe «B1» des (...). Von (...) 2018 bis (...)
2019 absolvierte er einen Kurs der Stufe «B2».
Die zahlreichen Arbeitszeugnisse attestieren dem Beschwerdeführer eine
sorgfältige sowie speditive Arbeitsweise, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft
und Teamfähigkeit. Den weiteren eingereichten Referenzschreiben lässt
sich entnehmen, dass er sehr um eine berufliche und kulturelle Integration
in der Schweiz bemüht ist. Gemäss dem Schreiben des Vereins (...) ist der
Beschwerdeführer immer bereit, bei Anlässen mitzuhelfen und leistet sehr
gute Arbeit. Auch engagiert er sich bei einer (...)gruppe, in welcher er sich
nicht nur als (...) beteiligte, sondern auch Einfluss in die Ausgestaltung der
(...), der (...) und die (...) des (...) nimmt.
8.3.2 Der Beschwerdeführer hat die Aberkennung der Flüchtlingseigen-
schaft aufgrund seiner Falschangaben im Asylverfahren selbst verschul-
det. Zudem hat er im Rahmen des Verfahrens um Aberkennung der Flücht-
lingseigenschaft ein gefälschtes Beweismittel eingereicht. Dies spricht ge-
gen den Beschwerdeführer, mithin liegt insoweit ein öffentliches Interesse
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an seiner Fernhaltung vor. Demgegenüber ist aber festzustellen, dass der
Beschwerdeführer offensichtlich erhebliche Anstrengungen unternommen
hat, um sich in der Schweiz sprachlich sowie gesellschaftlich zu integrieren
und im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Dies ergibt sich aus den verschiede-
nen Arbeitszeugnissen, welche ihm sowohl sehr gute Leistungen als auch
eine hohe Sozialkompetenz attestieren. Das Gericht gelangt im vorliegen-
den Einzelfall aufgrund der besonderen Konstellation zum Schluss, dass
das private Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz
das öffentliche Interesse am Vollzug der Wegweisung überwiegt. Die Auf-
hebung der vorläufigen Aufnahme durch die Vorinstanz erscheint nicht ver-
hältnismässig. Die Vorinstanz hat somit zu Unrecht die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers aufgehoben. Nachdem keine Ausschluss-
gründe im Sinn von Art. 83 Abs. 7 AIG vorliegen, hat die am 28. August
2014 angeordnete vorläufige Aufnahme weiterhin Bestand.
9.
Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen. Die Dispositivziffern
2, 3 und 4 der Verfügung vom 28. August 2017 sind aufzuheben. Der Be-
schwerdeführer bleibt vorläufig aufgenommen. Im Übrigen ist die Be-
schwerde abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist von einem hälftigen Obsie-
gen des Beschwerdeführers auszugehen. Demnach hätte der Beschwer-
deführer die Verfahrenskosten zur Hälfte zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1
VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2020 die unent-
geltliche Prozessführung gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu
erheben.
10.2 Angesichts des hälftigen Obsiegens ist dem Beschwerdeführer in An-
wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21.
Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine reduzierte Entschädigung für
die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es
wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die Parteikosten
aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die
Rechtsmitteleingabe hat der Beschwerdeführer selbst verfasst. Für die Ein-
gaben vom 4. Februar 2020 und 10. März 2020 ist dem Beschwerdeführer
zu Lasten der Vorinstanz eine um die Hälfte reduzierte Parteientschädi-
gung von Fr. 250.– (inkl. Auslagen) auszurichten.
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10.3 Mit Zwischenverfügung vom 7. Februar 2020 wurde dem Beschwer-
deführer die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt und MLaw
Janine Hess als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Ausgehend vom
hälftigen Unterliegen ist das amtliche Honorar auf Fr. 250.– festzusetzen.
Dieser Betrag ist der amtlich eingesetzten Rechtsbeiständin vom Bundes-
verwaltungsgericht auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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