Decision ID: 95102426-ddae-58c0-87e5-a91f0eb2bfb4
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist Architekt und Geschäftsführer der X GmbH, an welcher er von der Gründung
im Jahr 1995 bis August 2013 zu 50% als Miteigentümer beteiligt war. Seit 26. August
2013 ist er Alleinaktionär der in R ansässigen Firma. Zusammen mit seiner
Lebenspartnerin wohnt er in einem Einfamilienhaus an der B-Strasse 00 in R. Daneben
ist er im Besitz eines Ferienhauses in G, Tessin, und Eigentümer der vermieteten
Grundstücke Z-Strasse 000 (Grundstück-Nr. 000) und G-Strasse (Grundstück-Nr.
0000/0000) in R. Dazu beteiligte sich X an der Baugesellschaft Y, mit welcher er im
Rahmen einer selbständigen Nebenerwerbstätigkeit die Überbauung "O" in R mit zehn
Wohneinheiten und vierzehn Tiefgaragenplätzen realisierte. Die letzten Teilverkäufe der
Überbauung fanden in den Jahren 2006 und 2010 statt. Derzeit steht noch ein
Tiefgaragenplatz (Grundstück-Nr. 0000) zum Verkauf.
B.- Am 17. Juni 2014 wurde X für die Kantons- und Gemeindesteuer 2012 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 535‘000.– und einem steuerbaren Vermögen von
Fr. 4‘329‘000.– sowie hinsichtlich der direkten Bundessteuer 2012 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 494‘100.– veranlagt. Dabei qualifizierte die
Veranlagungsbehörde X als ʺQuasi-Liegenschaftenhändlerʺ und ordnete die
Grundstücke Z-Strasse 000 und G-Strasse 000 sowie den noch zum Verkauf
stehenden Tiefgaragenplatz der Überbauung "O" dem Geschäftsvermögen zu. Nach
Abzug der Schuldzinsen und Unterhaltskosten berücksichtigte die
Veranlagungsbehörde die diesbezüglichen Liegenschaftserträge von Fr. 149‘824.– als
Einkommen aus selbständiger Nebenerwerbstätigkeit und reduzierte die von X
deklarierten Erträge aus Miet- und Pachtzinsen entsprechend. Gegen diese
Veranlagungsverfügungen erhob X mit Eingabe seiner damaligen Vertreterin am 17. Juli
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2014 Einsprache. Nach Durchführung einer Einspracheverhandlung am 5. Februar 2015
hiess das kantonale Steueramt die Einsprache mit Entscheiden vom 9. April 2015
teilweise gut und erhöhte den Mietertrag der Z-Strasse 000 antragsgemäss um
Fr. 9‘360.–. An der gerügten Zuordnung der Grundstücke Z-Strasse 000 und G-Strasse
zum Geschäftsvermögen hielt es indessen fest.
C.- Gegen die beiden Einspracheentscheide vom 9. April 2015 erhob X mit Eingabe
seiner Vertreterin vom 8. Mai 2015 Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, es seien die angefochtenen
Einspracheentscheide aufzuheben und die Grundstücke Nr. 0000/0000 G-Strasse, R,
und das Grundstück Nr. 000 Z-Strasse 000, R, dem Privatvermögen statt dem
Geschäftsvermögen zuzuweisen, so dass die daraus fliessenden Liegenschaftserträge
und Grundstück-Vermögenswerte nicht Gegenstand der Meldung an die AHV-
Ausgleichskasse bilden. Eventualiter sei die Zuordnung zum Privatvermögen mittels
eines Feststellungsentscheides festzulegen und subeventualiter sei der Entscheid an
das Kantonale Steueramt St. Gallen zur Neubeurteilung aufzuheben und die Sache zur
näheren Abklärung – nötigenfalls unter ergänzendem Beizug von weiteren Akten – zum
Neuentscheid zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten
der Rekursgegner. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 2. Juli 2015
die Abweisung des Rekurses und der Beschwerde. Die Eidgenössische
Steuerverwaltung verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung zur
Beschwerde.
Auf weitere Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Veranlagungen der
Kantons- und Gemeindesteuer 2012 sowie der direkten Bundessteuer 2012. Zwar
müssen für Rekurs und Beschwerde verschiedene Entscheide ergehen; sie können
indessen in einem einzigen Dokument mit Verweisungen und einem gemeinsamen
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Dispositiv, das die beiden Steuern allerdings ausdrücklich auseinanderhält, enthalten
sein (vgl. BGE 130 II 509 = Pra 2005 Nr. 114 E. 8.3, BGE 135 II 260 = Pra 2010 Nr. 37
E. 1.3.1).
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen.
a) Die Verwaltungsrekurskommission ist zum Entscheid zuständig. Der Rekurs und die
Beschwerde vom 8. Mai 2015 gegen die Einspracheentscheide vom 9. April 2015 sind
rechtzeitig eingereicht worden und erfüllen in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1; Art. 140
Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt:
DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS
815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
b) Nach Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur Erhebung des Rekurses berechtigt, wer an der
Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des Entscheids ein eigenes
schutzwürdiges Interesse dartut. Gleiches gilt für die Erhebung der Beschwerde im
Bereich der direkten Bundessteuer (vgl. Art. 140 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 12 zu Art. 140).
c) Streitig ist einzig die vorinstanzliche Zuordnung der Grundstücke Z-Strasse 000 und
G-Strasse zum Geschäftsvermögen. In betraglicher Hinsicht werden die in den
Einspracheentscheiden festgesetzten steuerbaren Einkünfte und Vermögenswerte des
Steuerjahres 2012 vom Rekurrenten und Beschwerdeführer anerkannt (act. 1, S. 5).
Ebenfalls unbestritten ist, dass die Erträge aus der Baugesellschaft Y der Besteuerung
aus selbständiger Erwerbstätigkeit unterliegen (act. 1, S. 9). In den angefochtenen
Einspracheentscheiden vom 9. April 2015 kündigte die Vorinstanz an, nach Rechtskraft
der Veranlagungen der AHV-Ausgleichskasse (auch) die Erträge aus den
Liegenschaften Z-Strasse 000 und G-Strasse als Einkommen aus selbständiger
Nebenerwerbstätigkeit zu melden (act. 2/2, S. 3 und 2/3, S. 2). Der Rekurrent und
Beschwerdeführer leitet daraus einen für ihn nicht wieder gut zu machenden Nachteil
ab, da seiner Auffassung nach die Meldungen der Steuerbehörden für die
Ausgleichskasse verbindlich seien und die steuerrechtliche Zuordnung der beiden
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Liegenschaften zum Geschäftsvermögen demnach für ihn eine künftige AHV-
Beitragspflicht nach sich ziehen würde (act. 1, S. 5 f.).
d) Das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit und das im Betrieb eingesetzte
Kapital werden von den kantonalen Steuerbehörden ermittelt und den
Ausgleichskassen gemeldet (vgl. Art. 9 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Alters-
und Hinterlassenenversicherung, SR 831.10). Nach Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über
die Alters- und Hinterlassenenversicherung (SR 831.101, abgekürzt: AHVV) ermitteln
die kantonalen Steuerbehörden das für die Bemessung der Beiträge massgebende
Erwerbseinkommen auf Grund der rechtskräftigen Veranlagung für die direkte
Bundessteuer, das im Betrieb investierte Eigenkapital auf Grund der entsprechenden
rechtskräftigen kantonalen Veranlagung unter Berücksichtigung der interkantonalen
Repartitionswerte. Die Angaben der kantonalen Steuerbehörden sind für die
Ausgleichskassen verbindlich (Art. 23 Abs. 4 AHVV).
Die absolute Verbindlichkeit der Angaben der Steuerbehörden für die Ausgleichskassen
und die daraus abgeleitete relative Bindung des Sozialversicherungsgerichts an die
rechtskräftigen Steuertaxationen sind auf die Bemessung des massgebenden
Einkommens und des betrieblichen Eigenkapitals beschränkt. Diese Bindung betrifft
also nicht die beitragsrechtliche Qualifikation und beschlägt daher nicht die Fragen, ob
überhaupt Erwerbseinkommen und gegebenenfalls solches aus selbständiger oder
unselbständiger Tätigkeit vorliegt und ob die Person, die das Einkommen bezogen hat,
beitragspflichtig ist. Somit haben die Ausgleichskassen ohne Bindung an die
Steuermeldung auf Grund des Rechts der Alters- und Hinterlassenenversicherung zu
beurteilen, wer für ein von der Steuerbehörde gemeldetes Einkommen beitragspflichtig
ist (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 9C_803/2011 vom 23. August 2012 E. 3.5.2 und
9C_506/2012 vom 27. September 2012 E. 3.1; BGE 121 V 80 E. 2c mit Hinweisen;
Wegleitung über die Beiträge der Selbständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in
der AHV, IV und EO (WSN), Ziff. 8.7 und 8.8). Das gilt namentlich auch für die
Qualifikation eines Vermögensbestandteils als Privat- oder Geschäftsvermögen, zumal
diese Unterscheidung steuerrechtlich häufig ohne Belang ist, da der Ertrag sowohl aus
Privat- als auch aus Geschäftsvermögen steuerbar ist. Die Steuermeldung ist daher mit
Bezug auf den Vermögensertrag keine zuverlässige Grundlage für die AHV-
Beitragsfestsetzung, weshalb die Qualifikation als beitragsfreier Kapitalertrag auf
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Privatvermögen oder beitragspflichtiges Einkommen aus Geschäftsvermögen im
Beitragsfestsetzungsverfahren erfolgen muss (BGer 9C_803/2011 vom 23. August
2012 E. 3.5.2; Urteil H 361/96 vom 2. Juli 1997 E. 2c). In Bezug auf den
Vermögensgewinn ist demgegenüber auch steuerrechtlich die Unterscheidung von
Geschäfts- und Privatvermögen von Bedeutung, weshalb sich die AHV-Behörden in
der Regel auf die Steuermeldungen verlassen können und eigene Abklärungen nur
dann vornehmen müssen, wenn sich ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit der
Steuermeldung ergeben (BGer 9C_803/2011 vom 23. August 2012 E. 3.5.2; BGE 134 V
250 E. 3.3 mit Hinweisen).
e) Ob eine Liegenschaft zum Geschäfts- oder Privatvermögen gehört und die durch die
Liegenschaften erzielten Erträge beitragspflichtiges Einkommen aus selbständiger
Erwerbstätigkeit oder beitragsfreie Kapitalerträge darstellen, ist nach dem Gesagten
vorliegend unabhängig von der Auffassung der Steuerbehörden von der
Ausgleichskasse eigenständig und frei zu prüfen. Eine diesbezügliche Bindung an die
Betrachtungsweise der Steuerbehörden besteht nicht, zumal die steuerrechtliche
Qualifikation der Grundstücke für den Rekurrenten und Beschwerdeführer ohne
Steuerfolgen bleibt (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 19. März 2015, AHV 2014/2 E. 2 und AHV 2008/9 E. 2.1, in: www.gerichte.sg.ch).
Es handelt sich ʺlediglichʺ um Erträge aus den Liegenschaften und nicht um einen
Vermögensgewinn. Dazu blieben sowohl das in den angefochtenen
Einspracheentscheiden festgesetzte steuerbare Einkommen als auch das festgestellte
steuerbare Vermögen im Vergleich zur Steuerdeklaration betragsmässig unverändert
und wurden die Steuerfaktoren vom Rekurrenten und Beschwerdeführer ausdrücklich
anerkannt. Mithin ist der Rekurrent und Beschwerdeführer durch die steuerrechtliche
Zuordnung der Grundstücke Z-Strasse 000 und G-Strasse zum Geschäftsvermögen –
jedenfalls zum aktuellen Zeitpunkt – nicht beschwert (vgl. BGer 2C_306/2009 und
2C_307/2009 vom 25. Januar 2010, je E. 3.2). Insgesamt fehlt es damit an einem
konkreten und aktuellen Interesse an der Klärung der umstrittenen Rechtsfrage. Es
erübrigt sich somit, die materiellen Fragen, ob die Liegenschaftserträge Einkommen
aus selbständiger Erwerbstätigkeit oder privater Vermögensertrag darstellen und ob die
Liegenschaften dem Geschäfts- oder Privatvermögen zuzuordnen sind, zu prüfen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Verwaltungsrekurskommission vom 19.04.2016 Art. 45 Abs. 1 VRP (sGS 951.1), Art. 140 Abs. 1 DBG (SR 642.11), Art. 9 Abs. 3 AHVG (SR 831.10), Art. 23 AHVV (SR 831.101). Die Veranlagungsbehörde wies zwei Grundstücke des Steuerpflichtigen dem Geschäftsvermögen zu. An den Erträgen änderte sich nichts, weshalb die Zuordnung zum Geschäfts- oder Privatvermögen keinen Einfluss auf die Steuerfaktoren hatte. Der Eigentümer focht die Veranlagungen an mit der Begründung, bei einer Zuordnung zum Geschäftsvermögen seien die Erträge für die Sozialversicherungen abgabepflichtig. Bei Einkünften aus Liegenschaften sind die Sozialversicherungsbehörden aber nicht an den Entscheid der Steuerbehörden gebunden, sondern entscheiden selbständig über den Charakter von Einkünften als Vermögensertrag oder Erwerbseinkommen, weshalb das Steuergericht bei unveränderten Steuerfaktoren nicht über die Zuordnung zum Geschäftsvermögen oder Privatvermögen entscheiden kann (Urteil der Verwaltungsrekurskommission, Abteilung I/1, vom 19. April 2016, VRKE I/1-2015/110, 111).
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2021-09-19T08:39:33+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen