Decision ID: 0dfcb80b-cccc-5b07-b9f3-bdcbd643fd64
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, war seit dem 1. Januar 2019 bei der
Y._
GmbH als
Bauspengler
angestellt und im Rahmen dieser Anstellung bei der Suva obligatorisch gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert. Am 24. April 2020 erlitt er zufolge der Schadenmeldung vom 18. Mai 2020 einen Unfall, als er beim Abkanten
von
Bleche
n
seine beiden Daumen einklemmte (Urk. 7/1).
Die erst
behandelnden Ärzte am
Z._
erstellten am Unfalltag Röntgen
aufnahmen beider Hände (Urk. 7/14+24) und
diagnostizierten eine offene, mehr
fragmentäre Fraktur der Endphalanx Daumen links sowie eine offene, nicht dislo
zierte Fraktur der Endphalanx Daumen rechts (Urk. 7/13).
Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Urk. 7/3).
Am
28. Mai 2020 führte Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates
sowie
Oberarzt an der Klinik für Plastische Chirurgie und Hand
chirurgie des
B._
,
am linken Daumen des
Versicher
ten
eine offene Reposition und K
irschner
-Draht-Osteosynthese
mitsamt Naht des Nagelbetts
durch
(Urk. 7/5).
Nachdem
Dr.
A._
am 28. September 2020 eine Verlaufsbeurteilung erstattet hatte (Urk. 7/33), legte die Suva das Dossier
ihrem Kreisarzt
zur Beurteilung eines unfallbedingten Integritätsschadens
vor (Stellung
nahme
Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
vom 11. März 2021 [Urk. 7/36])
.
Mit Verfügung vom 15. März 2021
verneinte die Suva einen Anspruch des Versicherten auf eine Integritätsentschädigung (Urk. 7/37).
Die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 7/38) wurde mit Einspracheentscheid vom 19. Mai 2021 abge
wiesen (Urk. 2 = Urk. 7/41).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 18. Juni 2021 Beschwerde und beantragte, die körperliche und berufliche Beeinträchtigung sei nach Abschluss des Heilungsverlaufes zu bestimmen. Es sei der Bericht vom behandelnden Arzt Dr.
med.
D._
, Praktischer Arzt,
vom 15. Juni 2021 zu berücksichtigen, der Entscheid der Suva aufzuheben und zur Neubeurteilung unter Berücksichti
g
ung der Anträge
1 und 2 zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Seiner Beschwerde legte der
Beschwerdeführer
einen ärztlichen Bericht von Dr.
D._
vom 15. Juni 2021 bei (Urk. 3). In ihrer Beschwerdeantwort vom 11. August 2021 schloss die Suva auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem
Beschwerdeführer
mit Verfü
gung vom
16. August 2021
mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
1.2.1
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
Gebrauch gemacht. Abs. 1 bestimmt,
dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht; er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig
oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integri
tätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs
3.
Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträch
tigung festgesetzt. Die Gesamtentschädigung darf den Höchstbetrag des versi
cherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und bereits nach dem Gesetz bezo
gene Entschädigungen werden prozentual angerechnet (Abs. 3). Voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens werden angemessen berücksichtigt. Revisionen sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war (Abs. 4).
1.2.2
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E.
1b
mit Hinweisen) häufig vorkommende
und typische Schäden prozentual gewichtet. Für die darin genannten Integritäts
schäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädi
gung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1 Abs. 3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2).
1.2.3
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrät
lichen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinras
ter) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für das Gericht nicht verbindlich, umso weniger als Ziff. 1 Abs. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, der in der Skala angegebene Prozentsatz des Integritätsschadens gelte im Regelfall, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewähr
leistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E.
1c
, 116 V 156 E.
3a
).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E.
3a
mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E.
3b
/ee). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch
nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung des angefochtenen Entscheides aus,
vorliegend bestehe kein Grund, um von der kreisärztlichen Beurteilung von
Dr.
C._
vom 11. März 2021
abzuweichen, wonach
gestützt auf die Befunde des
B._
vom 28. September 2020
keine auf das Ereignis vom 24. April 2020 zurückzuführende
erhebliche und dauernde Schädigung der körperlichen Integ
rität entstanden sei.
Dass die im Abschlussbericht des
B._
vom 28. September 2020 beschriebenen Restfolgen die
Erheblichkeitsgrenze
für eine Integritäts
entschädigung nicht erreiche
n würden
, erscheine auch für einen Laien plausibel, nachdem gemäss Anhang 3 zur UVV erst der Verlust eines Gliedes des Daumens einem Integritätsschaden von 5 % entspreche. Dabei sei darauf hinzuweisen, dass sich der Integritätsschaden einzig aufgrund der bei Abschluss der Behandlung verbleibenden Beeinträchtigungen bemesse; Einschränkungen im Beruf oder Alltag könnt
en nicht berücksichtigt werden
(Urk. 2 S. 5 f.).
2.2
Der
Beschwerdeführer
führte zur Begründung seiner Beschwerde aus,
d
ie Suva habe
sich in ihrem Einspracheentscheid auf
die
ärztliche Beurteilung
des
B._
vom 28. September 2020 abgestützt, welche vor Abschluss des Heilungsverlaufes erstellt worden sei. Zu diesem Zeitpunkt sei er noch nicht voll arbeitsfähig gewesen und im Nachgang zu dieser Untersuchung auch noch von Dr.
D._
weiterbetreut worden. Die Suva hätte zumindest den vollen Heilungsverlauf
abwarten müssen – also den Zeitpunkt, auf welchen der Arzt eine
100%ige
Arbeitsfähigkeit attestiert habe und erst dann den Integritätsschaden beurteilen müssen. Zudem hätte sie auch die
Akten des behandelnden Arztes Dr.
D._
berücksichtigen müssen, weil diese den weiteren Heilungsverlauf dokumen
tierten.
Der Ende
September 2020
am
B._
gemachte Test sei aber nicht nur verfrüht, sondern auch ungeeignet gewesen, um seine Fingerfertigkeit als Speng
ler zu messen.
Er könne seinen
linken Daumen für die Ausübung seines Berufes nicht mehr seinem Zweck entsprechend gebrauchen. Auch aus diesem Grund habe Dr.
D._
eine dauerhafte körperliche Beeinträchtigung attestiert, welche bei der Beurteilung des Falles ebenfalls zu berücksichtigen sei. Ferner sei zu bemän
geln, dass sich die Suva bei ihrem Entscheid lediglich auf eine Aktennotiz ihres Kreisarztes vom 11. März 2021 stütz
t
e,
obwohl sie
aufgrund der verfrühten
Befunde durch das
B._
und dem noch offenen
Heilungsverlauf zumindest eine neuerliche Untersuchung
hätte in die Wege leiten müssen
(Urk. 1)
.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort
hielt
die
Beschwerdegegnerin
fest
, in
Anbetracht der Geringfügigkeit der aktuell noch ausgewiesenen Unfallfolgen könne jedenfalls nicht davon ausgegangen werden, dass eine weitere Behandlung noch eine namhafte Besserung bringen würde, weshalb von einer B
eendigung der ärztlichen Behandlung und damit vom Zeitpunkt für die Prüfung des Anspruches auf eine Integritätsentschädigung a
usz
ugehen sei. Dem Bericht von Dr.
D._
vom 15. Juni 2021 könne nicht entnommen werden, dass noch eine weitere Behandlung mit der realistischen Aussicht auf eine ins Gewicht fallende Besserung durchgeführt würde. Die Befunde des
B._
vom 28. September 2020
würden im Wesentlichen mit jenen übereinstimmen, welche Dr.
D._
in seinem
Bericht vom 15. Juni 2021 beschreibe. Auf welche Skalen und Tabellen sich Dr.
D._
bei seiner Einschätzung eines unfallbedingten Integritätsschadens von 25
% beziehe, sei nicht erkennbar
(Urk. 6)
.
3.
3.1
In ihrem
Notfallbericht vom 24. April 2020 stellten die Ärzte des Seespitals Horgen folgende Diagnosen (Urk. 7/13/2):
-
Offene, mehrfragmentäre Fraktur der Endphalanx Daumen links
-
Offene, nicht dislozierte Fraktur der Endphalanx Daumen rechts
Die Ärzte führten aus, der
Beschwerdeführer
habe den rechten Daumen
initial
nicht bewegen können,
mittlerweile
sei
dies
aber wieder möglich. Am rechten Daumen habe keine
Druckdolenz
bestanden. Es habe sich eine
1 cm
grosse, gut adaptiere Rissquetschwunde
ulnar
des Nagels gezeigt. Die Bewegung sei aktiv und passiv vollumfänglich möglich
gewesen
. Der Nagel sei fest und die
periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität (
pDMS
) intakt
gewesen
. Am linken Daumen habe eine
Druckdolenz
über dem
Endglied
sowie eine punkt
förmige Rissquetschwunde bestanden. Die Bewegung sei aktiv und passiv voll
umfänglich möglich gewesen. Der Nagel sei fest und die
pDMS
intakt gewesen. Das Röntgen vom 24. April 2020 habe am linken Daumen eine mehrfragmentäre,
extraartikuläre
Fraktur der Endphalanx
Digitus
I bei regelrechten Stellungs
verhältnissen ergeben. Am rechten Daumen zeigten die Röntgenaufnahmen
zwei
kleine maximal 2 mm messende Fragmente am radialen Aspekt der Endphalanx
Digitus
I
bei
regelrechten Stellungsverhältnissen
(Urk. 7/13+24)
. Es sei eine Ruhigstellung in der Alufingerschiene für drei Tage vorzunehmen. Zudem sei eine antibiotische Therapie mittels Co-
Amoxicillin
bis einschliesslich dem 30. April
2020 durchzuführen.
Als Bauarbeiter
bestehe
vom 24. April bis am 3. Mai 2020 eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/13).
3.2
In ihrem
Bericht vom 27. Mai 2020
hielten die Ärzte des
B._
am rechten Daumen eine intakte
pDMS
fest
. Über der Endphalanx habe eine leichte
Dolenz
bestanden. Flexion/Extension, Abduktion und Adduktion seien intakt gewesen. Am linken Daumen sei die Aluschiene entfernt worden. Die Sensibilität sei reduziert gewesen, es habe eine
Dolenz
über der Endphalanx bestanden, Flexion/Extension seien nicht möglich gewesen. Der Nagel habe sich intakt gezeigt. Die Röntgen
bilder vom 26. Mai 2020 zeigten eine allseits erhaltene Artikulation an beiden Daumen
, am linken Daumen seien indes die Frakturfragmente
nac
h
ulnar
und radial disloziert
.
Mit dem
Beschwerdeführer
sei besprochen worden, dass aufgrund des Zeitpunkts der Konsultation, vier Wochen posttraumatisch und somit
während
beginnende
r
Konsolidation die Verbesserung durch eine Operation nicht garantiert sei. Er habe
aber
explizit eine Operation gewünscht auch bei minimer Besserung, da er primär eine Handarbeit
aus
führe und es ihm sehr wichtig sei, die Daumenfunktion so gut wie möglich zu erhalten
. Die Operation sei auf den 28. Mai 2020 terminiert worden
(Urk. 7/6).
3.3
Dem Bericht von Dr.
A._
vom 7. Juli 2020 lässt sich entnehmen, dass der
Beschwerdeführer
von einer tendenziellen klinischen Verbesserung berichtet
e
. Am rechten Daumen seien die
pDMS
intakt gewesen und es habe eine leichte
Dolenz
über der Endphalanx bestanden. Flexion/Extension, Abduktion und Adduktion seien intakt gewesen. Das Nagel-Wachstum habe 50 % betragen. Am linken Daumen habe weniger
Dolenz
über der Endphalanx bestanden. Flexion/Extension hätten 0-20° betragen. Der Draht und der künstliche Nagel seien entfernt worden. Die Bildgebung vom 7. Juli 2020 habe eine gute Stellung sowie Konsolidierungs-Zeichen gezeigt.
Als Procedere wurde die Mobilisation der Hand
ohne
Belastung für vier Wochen festgehalten. Am 6. August 2020 finde eine erneute Kontrolle statt, Handtherapie sei nicht nötig. Der
Beschwerdeführer
sei ab dem 3. August 2020 arbeitsfähig (Urk. 7/16).
3.4
In seinem Bericht vom 6. August 2020 hielt Dr.
A._
fest,
der
Beschwerdeführer
habe von einer tendenziellen klinischen Verbesserung berichtet.
G
estützt auf die Bildgebung des linken Daumens
bestehe
im Vergleich
mit der Voruntersuchung vom 7. Juli 2020 nun ein Status nach Entfernung der Spickdrahtost
eosynthese
.
Ansonsten sei der
Befund
unverändert
bei Status nach offener mehrfragmentärer Fraktur im Endphalanx
Dig
. I. Es sei eine Selbstmobilisation der Finger
durchzuführen
. Eine neue klinische und radiologische Kontrolle finde in zwei Monaten statt (Urk. 7/20).
3.5
Dr.
A._
führte
zum
Verlauf
am
28. September 2020
aus
, der
Beschwerdeführer
habe
generell von einer tendenziellen klinischen Verbesserung
berichtet
. Er habe noch Schmerzen am Finger. Die Wundheilung sei reizlos verlaufen. Dr.
A._
erhob folgenden Befund: Daumen links
pDMS
intakt,
Dolenz
über Endphalanx. Flexion/Extension, Abduktion und Adduktion intakt. IP-Beweglichkeit 0-45°. Nagel-Wachs
t
um 70 %.
Jamar
-Test: 40 kg vs. 41 kg. Die am 28. September 2020 erstellte Bildgebung des Finger
s
I links
a.p.
und lateral wü
rde eine Konsolidierung zeigen.
Der
Beschwerdeführer
wolle
den Fall heute abschliessen. Er werde sich bei erneuten Beschwerden selbständig melden (Urk. 7/33
).
3.6
I
n seiner kreisärztlichen Stellungnahme vom 11. März 2021
hielt Dr.
C._
fest,
dem
Beschwerdeführer
sei aufgrund des Ereignisses keine erhebliche und dauernde Schädigung der körperlichen Integrität entstanden. Der Daumen sei erhalten, «Befund Daumen links
pDMS
intakt,
Dolenz
über Endphalanx. Flexion/Extension, Abduktion und Adduktion intakt. IP-Beweglichkeit: 0-45°. Nagel-Wachs
t
um
70 %.
Jamar
-Test: 40 kg
vs
41 k
g. Bildgebung Finger lin
ks
a.p.
und lateral vom 28.9.20
Konsolidierung»
(Urk. 7/36).
3.7
Dr.
D._
führte in seinem Bericht vom 15. Juni 2021 aus, beim
Beschwerdeführer
bestehe ein unfallbedingter Integritätsschaden von 25 % als Folgeschaden des Arbeits
unfalls vom 24. April 2020, wo
er mit beiden Daumen
in
eine Presse geraten und Quetschverletzungen beider Daumen mit Knochenzertrümmerungen erlitten habe. Anlässlich der Untersuchung vom 24. März 2021 habe sich am rechten Daumen eine Schwellung im Bereich des M
ittelgelenkes sowie eine Druckschmerzhaftigkeit
bei einer
Flexio
n
von
80° (10° Einschränkung)
gezeigt
. Das Daumengrundgelenk sei frei beweglich und es bestehe
dort
kein Druck
schmerz. Am linken Daumen habe sich eine generalisierte Muskelatrophie gezeigt, insbesondere
im Daumenendglied. Eine Daumenopposition sei möglich, es bestehe aber eine Taubheit im
Kuppenbereich
und die Feinmotorik sei wegen Sensibilitätsverlust ausgefallen. Die Flexion im Daumenmittelgelenk betrage 50° und sei damit um 40° eingeschränkt. Faustschluss und Beweglichkeit im
linken
Daumengrundgel
enk seien unauffällig (Urk. 3).
4.
4.1
Vorwegzunehmen ist, dass sich die Verfügung der
Beschwerdegegnerin
vom 15. März 2021
(Urk. 7/37)
sowie auch der
vorliegend angefochtene
Einsprache
entscheid vom 19. Mai 2021
(Urk. 2)
ausschliesslich
damit befassen
, ob dem
Beschwerdeführer
ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung zusteht.
Soweit der
Beschwerdeführer
mit seinem Antrag «Die körperliche und berufliche Beeinträchtigung sei nach Abschluss des H
eilungsverlaufes zu bestimmen» (Urk. 1 S. 2 Antrag 1) sinngemäss um Ausrichtung einer Invalidenrente ersucht,
fehlt es im vorliegenden Verfahren an einem Anfechtungsgegenstand und damit an einer Sachurteilsvoraussetzung (
Urteil des Bundesgerichts
8C_787
/2020 vom 26. Mai 2021 E. 2.3 mit Hinweis
en
auf
BGE 131 V 164 E. 2.1
und 125 V 414 E.
1a
)
. Entsprechend kann insofern nicht auf die Beschwerde eingetreten werden.
4.2
Die
Beschwerdegegnerin
verneinte eine aufgrund des
Unfalls vom 24. April 2020
entstandene erhebliche und dauernde Schädig
ung der körperlichen Integrität und stützte sich dabei
a
us medizinischer Sicht auf die kreisärztliche Aktenbeurteilung von Dr.
C._
vom 11. März 2021 (E. 2.1)
. Dr.
C._
legte seiner
Einschät
zung
insbesondere die von
Dr.
A._
anlässlich
der
Untersuchun
g vom 28. September 2020
erhobenen
Befunde
zugrunde
(E. 3.5
) und begründete seine Beurteilung
primär damit, dass der Daumen erhalten sei (E. 3.6). Daran, dass
an
beiden
Daumen des
Beschwerdeführer
s sämtliche Glieder
erhalten sind, ergeben sich
auch
mit Blick auf die weiteren Akten keine Zweifel (E. 3
.1-3.5, E. 3.7, Urk. 7/5, Urk. 7/12, Urk. 7/14
).
Unter Berücksichtigung
, dass ein erheblicher Integritätsschaden gemäss
der in
Anhang 3 der UVV enthaltenen Skala der Integritätsentschädigung erst bei Verlust von mindestens zwei Gliedern eines Langfingers oder eines Gliedes des Daumens anzunehmen
ist, erweist sich der Schluss von Dr.
C._
als nachvollziehbar
.
Zum selben Ergebnis führt auch ein Blick auf die
vorliegend anwendbare
Suva-Tabelle 3 (Integritätsschäden bei einfachen oder kombinierten Finger-, Hand- und Armverlusten
;
Tabelle
3.2
Abbildung
1-4).
4.
3
Mit dem Vorbringen
, die
Beschwerdegegnerin
hätte bei der Beurteilung des Falles den Bericht von Dr.
D._
vom 15. Juni 2021 berücksichtigen müssen, in welchem der weitere Heilungsverlauf dokumentiert und eine dauerhafte körperliche Beein
trächtigung attestiert worden
sei (E.
2.2), vermag der Beschwerdeführer nicht durchzudringen. Aus dem Bericht von
Dr.
D._
ergibt sich nichts, was zu einer anderen Beurteilung hinsichtlich Integritätsentschädigung führen könnte. Insbe
sondere lassen sich keinerlei Hinweise dafür finden, dass ein substantieller Verlust des operativ sanierten linken Daumenendglieds oder dessen gänzlicher faktischer Ausfall, was den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung von maximal 5
%
begründen könnte (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts U 224/05 vom
5.
August 2005 E. 2.2), drohen würde. Im Gegenteil ist dem Beschwerdeführer gestützt auf den Bericht von Dr.
D._
jedenfalls die Daumenopposition möglich und zeigten sich Faustschluss sowie Beweglichkeit im Da
umengrundgelenk unauffällig (E.
3.7).
Die funktionelle Einschränkung im Daumenmittelgelenk fand sodann in der kreisärztlichen Stellungnahme Berücksichtigung (E. 3.6).
Dass die unfallkausale Heilbehandlung
bereits
im Zeitpunkt der Untersuchung vom 28. September 2020
weitgehend
abgeschlossen war
und gestützt auf die derzeit
erstellte Bildgebung sowie die
erhobenen Befunde über den Anspruch auf eine Integritätsentschädi
gung entschieden werden konnte
,
steht auch in Einklang mit den weiteren medi
zinischen Akten:
Nach
dem er den
Beschwerdeführer
am
28. Mai 2020
operiert hatte
(Urk. 7/5)
,
hielt Dr.
A._
in seinen Berichten
jeweils eine tendenzielle klinische Verbesserung fest (E. 3.3-3.5).
D
ie am 7. Juli 2020 erstellte Bildgebung
zeigte
eine gute Stellung sowie Konsolidierungs-Zeichen (E. 3.3)
.
Am
28. Septem
ber 2020
war die
Konsolidierung
eingetreten
(E. 3.5).
Auch der
Beschwerdeführer
selbst
äusserte sich am
28. September 2020
gegenüber Dr.
A._
dahingehend,
dass
er den Fall abschliessen
wolle
(E. 3.5).
Die Notwendigkeit einer Handtherapie war von Dr.
A._
bereits am 7. Juli 2020 verneint worden (E. 3.3).
Nach der Operation empfahl er lediglich eine Selbstmobilisation der Hand beziehungsweise der Finger (E. 3.3-3.4).
Eine nach der
Untersuchung vom 28. September 2020
stattgehabte
Behandlung
unfallkausaler
Restfolge
n
wurde von Dr.
D._
nicht berichtet (vgl. E. 3.7) und auch in den weiteren Akten nicht dokumentiert. Das Vorbringen des
Beschwerdeführer
s, die Heilbehandlung sei anlässlich der Unter
suchung am
B._
vom 28. September 2020 noch nicht abgeschlossen gewesen (E. 2.2), erweist sich somit als unbegründet.
Soweit der
Beschwerdeführer
auf eine eingeschränkte Feinmotorik seines linken Daumens hinweist (E. 2.2) ist
ergänzend
festzuhalten, dass die Bemessung der Integritätsentschädigung auf einer medizinisch-theoretischen Einschätzung der Beeinträchtigung der (hier körperlichen) Integrität fusst. Von den individuellen Auswirkungen des Gesundheitsschadens wird somit abstrahiert. Dass sich der
Beschwerdeführer
durch Einschränkungen der Feinmotorik des linken Daumens stark eingeschränkt fühlt, ist auf die besonders belastende und somit ungünstige Arbeit
als
Bauspengler
zurückzuführen (vgl. Urk. 7/15/2
, vgl. auch Urk. 7/6
/2
[primär Handarbeit]
).
Bei der Bemessung der hier interessierenden Leistung
dürfen die betreffenden Einschränkungen
demnach
keine Rolle spielen (Urteil des Bundesgerichts U 326/03 vom 17. Januar 2005 E. 1.2, vgl. auch
8C_78
/2010 vom 8. Juni 2010 E. 6 mit Hinweis).
Vor dem Hintergrund, dass
weder die in Anhang 3 der UVV enthaltene Skala der Integritätsentschädigung noch die Suva-
Tabelle
3
eine
Abstufung nach dem Schmerzempfinden
ausweis
t
, wie das etwa bei der
Suva-
Tabelle
7 (
Integritätsentschädigung
bei Wirbelsäulenaffektionen) der Fall ist, besteht denn vorliegend
auch
kein Raum für eine Berücksichtigung der geklagten Schmerzen (vgl. auch Urteil des
Sozialversicherungsgerichts des
Kantons Zürich
UV.2018.00185
vom 17. Februar 2020
E. 8.3 mit Hinweis).
Hinreichende Anhaltspunkte für eine – dem Verlust gleichzustellende (Anhang 3 Ziff. 2 UVV) – Gebrauchsunfähigkeit eines
Daumen
end
glieds oder gar eines ganzen
Daumens lasse
n sich auch dem Bericht von Dr.
D._
nicht entnehmen.
Zusammengefasst
mangelt es
dem Bericht von Dr.
D._
vom 15. Juni 2021
an einer
nachvollziehbare
n
Begründung dafür, weshalb beim
Beschwerdeführer
– entgegen der kreisärztlichen
Einschätzung
– eine erhebliche und andauernde Einschränkung der
körperlichen Integrität
bestehen
soll
te
.
Ebenfalls unklar
geblieben ist, worauf Dr.
D._
seine Einschätzung eines Integritätsschadens von 25 % stützte. Dass sich diese nicht als verlässlich erweist
,
zeigt
auch
ein Blick auf
andere in Anhang 3 der UVV sowie der Suva-Tab
elle 3 aufgeführte Schädi
gungen
.
So wird der Verlust eines Daumens mit einem Integritätsschaden von 20 % (Anhang 3 UVV) und der gleichzeitige Verlust eines Daumens
sowie
eines Fingers mit 25 % bemessen (Suva-Tabelle 3.4
Abbildungen
19-21), wohingegen der Beschwerdeführer i
m Vergleich dazu
ungleich
bessergestellt ist, zumal er noch über sämtliche Glieder seiner Daumen und F
inger verfügt und
damit
bereits die
E
rheblichkeitsschwelle
gemäss Anhang 3
UVV
und Suva-Tabelle 3 nicht erreicht
wird
.
4.4
Da nach
dem Gesagten weder
die Vorbringen
des
Beschwerdeführers noch die Berichte der behandelnden Ärzte den Beweiswert der Stellungnahme von Dr.
C._
vom
11. März 2021
in
Frage zu stellen vermögen
,
durfte die
Beschwerdegegnerin
im Rahmen ihrer Beweiswürdigung auf die kreisärztliche Beurteilung des Integritätsschadens abstellen.
Daran ändert auch der Umstand nichts, dass
Dr.
C._
den Beschwerdeführer
n
icht persönlich untersucht hat, zumal vorliegend bei an
sich feststehendem medizinischem Sachverhalt die direkte fachärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt
e
(vgl. Urteile des
Bundesgerichts
9C_558
/2016 vom
4. November 2016 E. 6.1 mit Hinweis,
8C_855
/2018 vom 14. März 2019 E. 6.1).
Für weitere medizi
nische Abklärungen
besteht
kein An
lass, zumal davon keine anderen
entscheid
relevanten
Erkenntnisse zu er
warten sind (BGE 124 V 90 E.
4b
mit Hinweisen).
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist (vgl. E. 4.1 vorstehend).