Decision ID: b09c3a7f-99c1-4853-b32e-7df807e1910c
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 29.01.2008 Art. 17 Abs. 1 ATSG, Art. 87 Abs. 2 IVV: Revisionsgrund nicht gegeben, da die von der Verwaltung behauptete Sachverhaltsänderung nicht nachgewiesen ist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. Januar 2008, IV 2006/159).
Vizepräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei,
Versicherungsrichter Franz Schlauri; Gerichtsschreiber Jürg Schutzbach
Entscheid vom 29. Januar 2008
in Sachen
Z._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Roos, Postgasse 5, Postfach,
9620 Lichtensteig,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision
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Sachverhalt:
A.
A.a Z._ meldete sich am 5. April 2003 zum Bezug von Leistungen der IV an
(Berufsberatung, Rente). Der Hausarzt Dr. med. A._ gab in seinem Arztbericht vom 8.
Mai 2003 an, die Versicherte leide an einem Fibromyalgiesyndrom mit
Wirbelsäulenfehlform und Fehlhaltung sowie muskulärer Dysbalance. Die medizinische
Arbeitsunfähigkeit der Versicherten bezifferte er auf 100 % ab 29. Mai 2002 (Reha-
Aufenthalt Valens) bzw. auf 50 % ab 19. Juni 2002. Ihre bisherige Tätigkeit als
Verkäuferin Food bei B._ könne sie noch zu 50 % (4,5 h/Tag) ausüben (act. G
6.2/11). Mit Verfügungen vom 21. April und 5. Mai 2004 richtete die IV-Stelle des
Kantons St. Gallen der Versicherten, unter Berücksichtigung eines IV-Grades von 59
%, ab 1. Mai 2003 eine halbe IV-Rente aus (act. G 6.2/27-28).
A.b Am 10. Mai/24. Mai 2004 liess die Versicherte über ihren Hausarzt Antrag auf
Abklärung von beruflichen Massnahmen stellen, da sie im Zusammenhang mit
Umstellungen am Arbeitsplatz zunehmend unter Druck gerate (act. G 6.2/31.3). Am 4.
Juni 2004 gab der Arbeitgeber an, dass die Versicherte seit 1. April 2004 einen neuen
Teilzeit-Arbeitsvertrag mit einem Pensum von 50 % habe. Nun könne sie ihre
angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben und eine weiter angepasste Tätigkeit stehe
nicht zur Verfügung (act. G 6.2/36). Dr. A._ diagnostizierte neu (zusätzlich) in seinem
Bericht vom 15. Juni 2004 eine chronisch depressive Entwicklung. Ausserdem teilte er
mit, dass die Versicherte nun am Arbeitsplatz als "Springerin" eingesetzt werde, was zu
einer Zunahme des Überforderungsgefühls und von depressiven Symptomen führe. Es
sei absehbar, dass sie ihren Arbeitsplatz verliere (act. G 6.2/37). Vorgesehenen
Bemühungen um eine Arbeitsplatzerhaltung durch den Berufsberater der IV kam der
Arbeitgeber zuvor, indem er das Arbeitsverhältnis per 30. September 2004 auflöste
(vgl. act. G 6.2/42). Die Versicherte fühlte sich in der Folge weder in der Lage eine neue
Arbeit zu suchen noch eine Umschulung zu absolvieren. Gegenüber dem Berufsberater
äusserte sie, dass sie eine Erhöhung der Rente anstrebe (act. G 6.2/42). In der Folge
ordnete die IV-Stelle eine medizinische Abklärung beim ABI Basel an. Geklärt werden
sollte die Frage, ob die Versicherte auf Grund der depressiven Entwicklung wesentlich
in der Vermittlungsfähigkeit eingeschränkt sei (act. G 6.2/44 - 51). Mit Gutachten vom
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30. März 2006 gelangte das ABI zum Schluss, dass bei der Versicherten sowohl in der
angestammten als auch in jeder anderen körperlich leichten bis mittelschweren
Tätigkeit mit nur intermittierend schweren Anteilen sowie bei der Hausarbeit eine
zumutbare Arbeitsfähigkeit von 100 % bestehe. Berufliche Massnahmen seien nicht
vorzuschlagen (act. G 6.2/53.19).
A.c Gestützt auf dieses Gutachten wies die IV-Stelle mit Verfügungen vom 29. Mai
2006 das Gesuch um berufliche Massnahmen ab. Zudem stellte sie die Auszahlung der
halben Rente per Ende Juni 2006 ein (act. G 6.2/59 - 60). Mit Einsprache vom 29. Juni
2006 beantragte die Versicherte die Aufhebung der beiden Verfügungen. Zudem
beantragte sie die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Einsprache
gegen die Rentenrevisionsverfügung sowie das Einholen eines rheumatologischen
Gutachtens. Schliesslich sei das Verfahren betreffend berufliche Massnahmen bis zum
rechtskräftigen Entscheid über die Ausrichtung der Rente zu sistieren. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass nicht auf das ABI-Gutachten abgestellt
werden könne, da die Gutachter voreingenommen gewesen seien und die
wirtschaftliche Perspektive der Beschwerdeführerin völlig verkannt hätten (act. G
6.2/63). Mit Verfügung vom 3. Juli 2006 wurde das Verfahren betreffend berufliche
Massnahmen sistiert (act. G 6.2/65). Mit Entscheid vom 14. August 2006 wies die IV-
Stelle die Einsprache gegen die Rentenrevisionsverfügung sowie das Gesuch um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab. Ebenso wurde einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen. Entgegen der Ansicht der
Einsprecherin ergäben sich keine Anhaltspunkte, dass diese im ABI nicht umfassend
und sachgerecht untersucht worden sei (act. G 6.2/71).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 11.
September 2006 mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids. Ausserdem sei die Sozialversicherungsanstalt St. Gallen zu
verpflichten, der Beschwerdeführerin die ab 1. Juli 2006 eingestellten Leistungen
wieder auszurichten. Zur Begründung macht der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin zunächst geltend, dieser sei im Einspracheverfahren das rechtliche
Gehör verweigert worden. So habe sich die IV-Stelle weder zur respektlosen
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Behandlung der Beschwerdeführerin im ABI noch zur Einholung eines
rheumatologischen Gutachtens geäussert. Weiter rügt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin, das ABI-Gutachten sei nicht beweistauglich. Bei der Fibromyalgie
handle es sich um eine rheumatologische Krankheit. Nachdem das ABI-Gutachten nur
auf eine orthopädische sowie eine psychologische Untersuchung abstelle, sei dieses
nicht vollständig. So seien etwa nicht die elf Tender Points untersucht, sondern
lediglich die Beweglichkeit der Gelenke geprüft worden. Auch sei die psychiatrische
Begutachtung entgegen der Ansicht der Sozialversicherungsanstalt nicht schlüssig.
Diese versuche mittels Interpretation des Liebes- und Privatlebens der
Beschwerdeführerin das Nichtvorhandensein einer Fibromyalgie zu beweisen. Es sei
jedoch im Gegenteil die Fibromyalgie, die das Liebes- und Privatleben der
Beschwerdeführerin bestimme.
In Bezug auf die Untersuchung am ABI wird vorgebracht, diese sei respektlos erfolgt.
Das Gutachten erweise sich denn auch als tendenziös und sexistisch. So habe der
untersuchende Arzt von vornherein klar gemacht, dass es für ihn die Krankheit
Fibromyalgie nicht gebe. Die Beschwerdeführerin habe sich deshalb nicht ernst
genommen gefühlt. Auch in Bezug auf das Liebes- und Privatleben sei die
Beschwerdeführerin falsch interpretiert worden. So gelte gerade der Verlust des
geschlechtlichen Verlangens als klares Symptom einer Fibromyalgie. Gewisse
Bemerkungen seien gar persönlichkeitsverletzend, etwa, dass die Beschwerdeführerin
nach wie vor wie ein kleines Kind zu Hause lebe. Dabei sei die Beschwerdeführerin auf
Grund der tiefen Renten auf eine Fixkosten minimierende Wohnart angewiesen.
Schliesslich sei auch die Annahme, die Beschwerdeführerin sei in jeder körperlich
leichten bis mittelschweren Tätigkeit voll arbeitsfähig, haltlos.
Zusammenfassend sei die Beschwerdeführerin nur aus einer eingeschränkten
psychologischen Perspektive betrachtet worden, nicht jedoch aus der körperlichen und
wirtschaftlichen. In sachlicher Hinsicht genügten bei einer rheumatologischen Krankheit
ein orthopädisches und ein psychiatrisches Gutachten nicht, um die Krankheit
beurteilen zu können. Vielmehr sei auch ein rheumatologisches Gutachten einzuholen
(act. G 2).
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B.b Mit Gesuch vom 5. September 2006 ersucht der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsvertretung (act. G 1).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 18. September 2006 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Der ABI-Gutachter Dr. med. C._ sei als Orthopäde
fachärztlich kompetent, die Befunde für eine Fibromyalgie zu evaluieren. Der
Orthopäde beschäftige sich mit den Erkrankungen des Bewegungsapparates, also der
Knochen, Gelenke, Muskeln, Bänder und Sehnen. Es gebe keine Hinweise, dass die
Untersuchung mangelhaft durchgeführt worden sei. Selbst wenn aber die
Beschwerdeführerin an einer Fibromyalgie litte, wäre diese nicht invalidisierend, weil
die vom Eidgenössischen Versicherungsgericht geforderten Bedingungen für die
ausnahmsweise Anerkennung einer Invalidität bei Fibromyalgie bei der
Beschwerdeführerin offensichtlich nicht gegeben seien (act. G 6).
B.d Mit Replik vom 6. Dezember 2006 führt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin aus, dass die Fibromyalgie gerade nicht unter das fachärztliche
Gebiet der Orthopädie falle. Vielmehr falle diese in das Gebiet der Rheumatologie,
weshalb die Untersuchung durch einen Rheumatologen vorzunehmen sei. Im Weiteren
bemängelt der Rechtsvertreter die Reputation des ABI Basel. So klagten viele
Patienten über die kurze und unpersönliche Begutachtung. Ausserdem werde den
unter Fibromyalgie leidenden Patienten das Gefühl vermittelt, nicht ernst genommen zu
werden. Es müsse davon ausgegangen werden, dass das ABI durch
versicherungsfreundliche Gutachten den zahlenden Auftraggeber positiv stimmen
möchte. Nachdem kein aussagekräftiges Gutachten vorliege, könne der
Beschwerdegegnerin auch nicht darin zugestimmt werden, dass die
Beschwerdeführerin selbst bei Vorliegen einer Fibromyalgie nicht invalid wäre. Eine
private Untersuchung bei einem Rheumatologen habe ergeben, dass das
Krankheitsbild der Beschwerdeführerin zu einer Fibromyalgie passe. Es werde deshalb
beantragt, ein neues, unabhängiges und von unvoreingenommenen Gutachtern
erstelltes Gutachten einzuholen (act. G 14). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf
eine Duplik (act. G 16).

Erwägungen:
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1.
Die Beschwerdeführerin verlangt die Wiederausrichtung der ihr mit Verfügungen vom
21. April und 5. Mai 2004 zugesprochenen und mit Revisionsverfügung vom 29. Mai
2006 wieder entzogenen halben IV-Rente.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügungen eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
Erw. 1b), sind auf die angefochtene Verfügung die bis zum 31. Dezember 2007
geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) besteht
der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens
zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe
Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine
Viertelsrente.
2.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Eine
Revision von Amtes wegen wird unter anderem durchgeführt, wenn Tatsachen bekannt
werden, die eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades als möglich erscheinen
lassen (Art. 87 Abs. 2 IVV). Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen
Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die
erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes
erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Eine bloss unterschiedliche
Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes stellt dagegen
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praxisgemäss keine revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 E. 2b; SVR
1996 IV Nr. 70 S. 203). Ob eine revisionsbegründende Änderung eingetreten ist,
beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen
Verfügung bzw. derjenigen Verfügung bestanden hat, welche die laufende Rente auf
Grund eines neu festgesetzten Invaliditätsgrades letztmals geändert hat (BGE 109
V 265 E. 4a; vgl. BGE 105 V 30; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
i/S L. vom 28. Juli 2005, I 276/04), mit dem Sachverhalt zur Zeit der streitigen
Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 E. 2; ZAK 1984 S. 350 E. 4a; ZAK 1987 S. 36) bzw.
des Einspracheentscheids.
2.4 Im Übrigen erfolgt die Ermittlung des Invaliditätsgrades im Revisionsverfahren
nach den allgemeinen, für die Invaliditätsbemessung geltenden Vorschriften (Rz 5015
des vom Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über Invalidität
und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH). Die Invaliditätsbemessung soll
das Mass der Zurücksetzung der erwerblichen Leistungsfähigkeit infolge
gesundheitlicher Beeinträchtigung ergeben. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu
können, sind daher zunächst medizinische Grundlagen wesentlich. Aufgabe des Arztes
oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage
für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 Erw. 4). Die IV-Stelle hat zu prüfen, wie sich
die invaliditätsbedingten Faktoren auf die Vermittlungsfähigkeit und die
Erwerbsmöglichkeiten auswirken. Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare
Tätigkeit auch tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen
unerheblich.
3.
3.1 Die leistungszusprechenden Verfügungen erfolgten seinerzeit einzig gestützt auf
die Arztberichte von Dr. A._ vom 8. Mai 2003 und vom 26. Januar 2004/12. Februar
2004, der eine Fibromyalgie diagnostizierte (act. G 6.2/11 und 16). Damals machte die
Beschwerdegegnerin auch noch nicht geltend, dass selbst bei Vorliegen einer
Fibromyalgie keine Invalidisierung resultieren würde. Eine Revision war per 1. Februar
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2007 geplant (act. G 6.2/24.1). In der Revisionsverfügung vom 29. Mai 2006 und im
Einspracheentscheid vom 14. August 2006 geht die Beschwerdegegnerin gestützt auf
das ABI-Gutachten vom 30. März 2006 (act. G 6.2/53) - jedoch ohne nähere
Begründung - davon aus, dass nun keine Fibromyalgie mehr vorliege und sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin demzufolge verbessert habe. Deshalb sei
ein Revisionsgrund im Sinn von Art. 88a Abs. 1 IVV gegeben. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin lässt sich dem besagten ABI-Gutachten jedoch nicht entnehmen,
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit Zusprache der IV-
Rente verbessert. Diese Frage wurde dem begutachtenden ABI weder gestellt noch
nahm es von sich aus dazu Stellung. Vielmehr macht das ABI-Gutachten lediglich eine
für den Zeitpunkt der Untersuchung gültige Aussage, und geht wohl implizit davon aus,
dass von Anfang an keine massgebende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
vorgelegen hat (vgl. Ziff. 6.5 des Gutachtens, act. G 6.2/53.18). Dementsprechend geht
das ABI sowohl für die angestammte als auch für jede andere körperlich leichte bis
mittelschwere Tätigkeit mit nur intermittierend schweren Anteilen von einer 100 %-igen
Arbeitsfähigkeit aus (vgl. zur Problematik von "Revisionsgutachten" auch VSGE vom
15. Januar 2008 [IV 2007/128], Erw. 2.2). Diese - im Widerspruch zur Beurteilung des
Hausarztes und der Klinik Valens stehende - Beurteilung des ABI beruht im
Wesentlichen auf der Tatsache, dass das ABI weder ein Fibromyalgiesyndrom noch
relevante depressive Verstimmungszustände diagnostizieren konnte (act. G 6.2/53.18 -
19). Auch aus den übrigen Akten ergibt sich keine Veränderung, jedenfalls keine
Verbesserung des Gesundheitszustands. So ging auch die Beschwerdegegnerin selber
vor der Begutachtung durch das ABI am 25. August 2004 noch davon aus, dass die
Invalidität ausgewiesen sei und dass - wegen des drohenden Arbeitsplatzverlusts und
des sich verschlechternden Gesundheitszustands - der Berufsberater eingeschaltet
werden solle (act. G 6.2/40 und 41). Mithin ist nicht auszuschliessen, dass es sich bei
der Beurteilung durch das ABI lediglich um eine andere Beurteilung eines (im Vergleich
zum Zeitpunkt der Rentenzusprache) im Wesentlichen gleichen Sachverhalts handelt.
Eine solche abweichende medizinische Beurteilung darf jedoch nicht als nachträgliche
Sachverhaltsveränderung interpretiert werden, sondern sie könnte allenfalls eine
Wiedererwägung der ursprünglichen formell-rechtskräftigen Rentenzusprache
rechtfertigen. Im Übrigen ist mit dem Rechtsvertreter festzustellen, dass eine lediglich
orthopädische und psychiatrische Begutachtung - unter Auslassung einer
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rheumatologischen Begutachtung - kaum geeignet ist, das fragliche Beschwerdebild
der Fibromyalgie umfassend zu beurteilen. Die Frage braucht jedoch nicht
abschliessend geklärt zu werden, denn vorliegend fehlt jedenfalls der Nachweis einer
nach der Rentenzusprache eingetretenen Veränderung des leistungserheblichen
Sachverhalts. Die Voraussetzungen zur Vornahme einer Revision im Sinn vom Art. 17
Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 88a Abs. 1 IVV sind deshalb nicht erfüllt, weshalb
der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben ist.
3.2 Bei diesem Ergebnis ist es der Beschwerdegegnerin unbenommen, allenfalls unter
den Voraussetzungen der Wiedererwägung auf die frühere, rechtskräftige
Rentenverfügung zurückzukommen, was voraussetzt, dass die ursprüngliche Diagnose
und Arbeitsunfähigkeitsschätzung sich als zweifellos unrichtig erwiesen oder aber,
dass von einem offensichtlich ungenügend abgeklärten Sachverhalt und damit von der
Nichtanwendung massgeblicher Verfahrensbestimmungen (Untersuchungsgrundsatz)
auszugehen wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Januar 2006 [I 379/05] E.
2.4). Im Weiteren wäre nach vertieften Abklärungen eine Neubeurteilung unter dem
Gesichtspunkt der veränderten Rechtslage denkbar, da das Vorliegen eines
Fibromyalgiesyndrom nach der heutigen Rechtsprechung nur bei Bestehen zusätzlicher
Faktoren zu einer Invalidität zu führen vermag (Entscheid vom 8. Februar 2006 (I
336/04, E. 4.1). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bildet eine Änderung
der Rechtsprechung zwar grundsätzlich weder Anlass für eine prozessuale Revision
noch für eine Wiedererwägung. Dies selbst dann, wenn es um die Ausrichtung von
periodisch wiederkehrenden Leistungen geht. Eine Ausnahme von diesem Prinzip gilt
jedoch, wenn die neue Rechtsprechung eine derart allgemeine Tragweite entfaltet,
dass es einem Verstoss gegen das Gleichbehandlungsgebot gleichkäme, wenn sie
nicht auf alle Fälle angewendet würde, namentlich dann, wenn es darum geht, eine
frühere Verfügung für einen einzigen Versicherten oder eine kleine Anzahl von
Versicherten aufrechtzuerhalten. Ist diese Bedingung erfüllt, wird die Änderung im
Allgemeinen nur für die Zukunft Wirkungen entfalten, jedenfalls dann, wenn die
Anwendung einer neuen Rechtsprechung sich zum Nachteil der rechtsunterworfenen
Personen auswirken würde (BGE 119 V 413 [=Pra 83, Nr. 260], Erw. 3a und b mit
Hinweisen). Das Vorhandensein dieser Voraussetzungen hätte ebenfalls die
Beschwerdegegnerin darzulegen.
4.
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4.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids gutzuheissen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG, vgl. Rechtslage vor der
Änderung des IVG vom 16. Dezember 2005, lit. b der betreffenden
Übergangsbestimmungen). Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1).
Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung sowie Befreiung von allfälligen Verfahrenskosten
als gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG