Decision ID: 138436eb-03bd-57e5-91b2-400960e36dae
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 2. September 2020 in der Schweiz um
Asyl nach. Er gab an, am (...)1384 (umgerechnet: ... 2005) geboren und
damit minderjährig zu sein. Zur Untermauerung seiner Minderjährigkeit
reichte er eine Kopie seiner Tazkara zu den Akten.
B.
Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Euro-
dac"-Datenbank durch das SEM ergab, dass er am 12. August 2020 in Ita-
lien aufgegriffen und tags darauf daktyloskopisch erfasst worden war.
C.
Im Rahmen der Erstbefragung von unbegleiteten minderjährigen Asylsu-
chenden (UMA) vom 24. September 2020 führte der Beschwerdeführer –
im Beisein der ihm zugewiesenen Rechtsvertreterin beziehungsweise Ver-
trauensperson – angesprochen auf die von ihm in Kopie eingereichte Taz-
kara im Wesentlichen aus, er habe sich diese vor fünf Jahren ausstellen
lassen, weil er seine erste Tazkara verloren habe. Bei der Ausstellung sei
er persönlich dabei gewesen. Zudem habe er ein Foto der Tazkara bereits
in Afghanistan respektive bei seiner Ausreise anfangs März 2019 bei sich
gehabt. Vom SEM auf das Ausstellungsdatum seiner Tazkara (12. Septem-
ber 2020) aufmerksam gemacht, erklärte er zunächst nichts und nach
Durchführung einer Pause, er habe aufgrund von Stress vergessen, dass
ihm die eingereichte Kopie seiner Tazkara von seinem Onkel geschickt
worden sei. Seine alte Tazkara, die er vor fünf Jahren habe ausstellen las-
sen, habe er verloren. Er werde seinen Onkel fragen, ob er ihm das Original
zusenden könne.
D.
D.a Das SEM liess in der Folge eine Altersabklärung durch das Institut für
Rechtsmedizin des Kantonsspitals B._ durchführen. Das entspre-
chende Gutachten datiert vom 7. Oktober 2020.
D.b Mit Schreiben vom 12. Oktober 2020 teilte es dem Beschwerdeführer
mit, das Altersgutachten habe ergeben, dass er zum Zeitpunkt der Unter-
suchung das 18. Lebensjahr mit Sicherheit vollendet habe. Es orientierte
ihn darüber, dass es ihn daher sowie aufgrund seiner widersprüchlichen
Aussagen betreffend seine Tazkara für das weitere Verfahren als volljährig
betrachte und beabsichtige, sein Geburtsdatum im Zentralen Migrationsin-
formationssystem (ZEMIS) auf den 1. Januar 2002 anzupassen, was zur
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Folge habe, dass das Dublin-Verfahren durchgeführt werde. Dazu und zu
einer möglichen Wegweisung nach Italien gewährte es ihm das rechtliche
Gehör.
D.c In seiner Stellungnahme vom 15. Oktober 2020 machte der Beschwer-
deführer (ergänzende) Ausführungen im Zusammenhang mit seiner Tazka-
ra und bekräftige sein von ihm angegebenes Alter respektive Geburtsda-
tum. Ausserdem brachte er seine Einwände gegen eine Überstellung nach
Italien vor.
E.
Am 15. Oktober 2020 wurde das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im
ZEMIS auf den 1. Januar 2002 angepasst und mit einem Bestreitungsver-
merk versehen.
F.
Am 16. Oktober 2020 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um
Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verord-
nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Die italieni-
schen Behörden nahmen zum Übernahmeersuchen des SEM innerhalb
der vorgesehenen Frist keine Stellung.
G.
G.a Mit Verfügung vom 6. Januar 2021 – eröffnet am 8. Januar 2021 – trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Weg-
weisung aus der Schweiz nach Italien an und forderte ihn auf, die Schweiz
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig ver-
fügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, ei-
ner allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie-
bende Wirkung zu.
G.b Betreffend die geltend gemachte Minderjährigkeit des Beschwerdefüh-
rers hielt das SEM in seiner Begründung im Wesentlichen fest, dass diese
lediglich behauptet werde, aufgrund der Aktenlage jedoch insgesamt nichts
dafürspreche, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Antragstellung
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tatsächlich noch minderjährig gewesen sei. Seine Angaben zu seiner Min-
derjährigkeit würden sich über weite Teile in Behauptungen, Bekräftigun-
gen und nachgeschobenen Berichtigungen erschöpfen. Im Einzelnen sei
dennoch festzuhalten, dass seine angegebenen Altersangaben einen
mehrjährigen Abweichungsfaktor zum Ergebnis der durchgeführten medi-
zinischen Altersabklärung vorweisen würden, zu dessen Ergebnis er sich
anlässlich des rechtlichen Gehörs nicht geäussert habe. Des Weiteren
komme der von ihm eingereichten Kopie seiner angeblichen Tazkara nur
ein geringer Beweiswert zu. Nur am Rande sei zu erwähnen, dass das an-
gebliche Original seiner Tazkara bis zum Entscheidzeitpunkt nicht beim
SEM eingereicht worden sei. Der Beschwerdeführer sei mithin weder sei-
ner Wahrheitspflicht, noch seiner Beweispflicht genügend nachgekommen.
H.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
14. Januar 2021 (Datum Poststempel: 15. Januar 2021) – handelnd durch
seine Rechtsvertreterin – Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
und beantragte dabei in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung
sei vollständig aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüglichen Begrün-
dung sowie zur richtigen Sachverhaltsfeststellung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen, eventualiter sei das SEM anzuweisen, sein Geburtsdatum
im ZEMIS auf den (...) 2005 zu ändern, auf das Asylgesuch einzutreten
und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei der Beschwerde die aufschie-
bende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien im Sinne einer
superprovisorischen vorsorglichen Massnahme unverzüglich anzuweisen,
von seiner Überstellung nach Italien abzusehen, bis das Bundesverwal-
tungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden
habe. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und
es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
Der Beschwerdeschrift lagen – neben Akten des vorinstanzlichen Verfah-
rens – drei anonymisierte Altersgutachten des Instituts für Rechtsmedizin
des Kantonsspitals B._ sowie ein Artikel aus der Schweizerischen
Monatsschrift für Zahnmedizin bei.
I.
Die vorinstanzlichen Akten – darunter auch ein Arztbericht (inkl. Behand-
lungseinträge) – lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 18. Januar
2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Gleichentags
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setzte die Instruktionsrichterin mit superprovisorischer Massnahme den
Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
– unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung – einzutreten.
1.3 Mit der vorliegenden Verfügung hat die Vorinstanz im Dispositiv keine
Anordnungen zum ZEMIS-Eintrag getroffen, weshalb diesbezüglich kein
Anfechtungsobjekt vorliegt. Auf den entsprechenden Eventualantrag be-
züglich Änderung des Geburtsdatums des Beschwerdeführers im ZEMIS
ist daher nicht einzutreten. Der Beschwerdeführer müsste zur Änderung
seines Geburtsdatums im ZEMIS vielmehr ein separates Verfahren bei der
Vorinstanz anstrengen (vgl. bspw. Urteil des BVGer F-3255/2020 vom
2. Juli 2020 E. 3).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
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(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
2.3 Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt
– als offensichtlich begründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines
Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG wird in der Regel auf Asylgesuche
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kön-
nen, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens
staatsvertraglich zuständig ist. Zur Bestimmung des staatsvertraglich zu-
ständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien nach der Dub-
lin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitglied-
staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nach-
dem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstel-
lung zugestimmt hat – oder bei fingierter Zustimmung – auf das Asylgesuch
grundsätzlich nicht ein.
3.2 Im Falle von unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre Anknüp-
fungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4
Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem der Minderjährige seinen
Antrag gestellt hat, sofern es dem Wohl des Minderjährigen dient. Eine An-
wendung dieser Bestimmung würde im vorliegenden Fall eine vorrangige
Zuständigkeit der Schweiz begründen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-
Verordnung, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8).
4.
4.1 Das SEM führte vorliegend wegen Zweifeln an der Minderjährigkeit des
Beschwerdeführers eine Altersabklärung durch. Im entsprechenden Gut-
achten vom 7. Oktober 2020 kam das Institut für Rechtsmedizin des Kan-
tonsspitals B._ zum Schluss, dass sich beim Beschwerdeführer ein
durchschnittliches Lebensalter von 18 bis 21 Jahren ergebe, das wahr-
scheinlichste Alter basierend auf dem Medianwert der radiologischen Un-
tersuchung der Hand bei 18 Jahren liege und sich bei ihm in Zusammen-
schau aller Untersuchungsbefunde zum Zeitpunkt der Untersuchung ein
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Mindestalter von 18 Jahren ermitteln lasse. Das von ihm angegebene Ge-
burtsdatum könne somit aufgrund der Ergebnisse der forensischen Alters-
schätzung nicht zutreffen und eine Vollendung des 18. Lebensjahres kön-
ne mit der notwendigen Sicherheit belegt werden.
4.2
4.2.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht
bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG; vgl. auch
E. 2.1). Der Beschwerdeführer bringt in Bezug auf das Altersgutachten ent-
sprechende Rügen vor.
4.2.2 Die in der Beschwerdeschrift aufgeworfenen Fragen erscheinen be-
rechtigt. Gemäss dem in der Beschwerde zitierten BVGE 2018 VI/3 sind
von den in der Schweiz angewandten Methoden der medizinischen Alters-
abklärung nur die Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse und die
zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch die Handknochenaltersanalyse
und die ärztliche körperliche Untersuchung) zum Beweis der Minder- be-
ziehungsweise Volljährigkeit einer Person geeignet und lässt sich anhand
der medizinischen Altersabklärung keine Aussage zur Minder- beziehungs-
weise Volljährigkeit einer Person machen, wenn das Mindestalter bei der
zahnärztlichen Untersuchung und der Schlüsselbein- respektive Skelettal-
tersanalyse unter 18 Jahren liegt (vgl. ebenda E. 4.2.1 f.).
Im Altersgutachten wurde bezüglich des Skelettalters des Beschwerdefüh-
rers festgehalten, dass die Wachstumsfugen der inneren Schlüsselbeinan-
teile beidseits Normvarianten aufweisen würden, sodass sie für die Alters-
diagnostik nicht konklusiv zu beurteilen seien. Mithin konnte aufgrund der
Schlüsselbeinaltersanalyse keine Altersangabe gemacht werden. Bezüg-
lich des Zahnalters wurde unter anderem angeführt, dass sich an den
Weisheitszähnen in Regio 18, 28, 38 und 48 jeweils ein Mineralisationssta-
dium von "G" nach Demirjian gefunden habe. Daraus würden sich Entwick-
lungsstadien ergeben, welche nach Olze auf ein Durchschnittsalter von 20
bis 21 Jahren schliessen lassen würden. Für das Mineralisationsstadium
"G" der Weisheitszähne sei nach Knell et al. kein Mindestalter angegeben.
In diesem Zusammenhang wurde in der Beschwerdeschrift darauf hinge-
wiesen, dass nach Knell et al. das Mineralisationsstadium "H" der Weis-
heitszähne, welches ein Stadium weiterentwickelt sei als das beim Be-
schwerdeführer vorliegende Mineralisationsstadium "G" (vgl. den mit der
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Beschwerdeschrift eingereichten Artikel aus der Schweizerischen Monats-
schrift für Zahnmedizin [BM10]), auf ein Mindestalter von nur 17 Jahren
schliessen lasse (vgl. die eingereichten "Vergleichsgutachten").
Die eingereichten "Vergleichsgutachten" kamen sodann – bei tieferen
(resp. knapp höheren) Mindestalter der Schlüsselbeinaltersanalysen und
im Übrigen mit zum vorliegenden Altersgutachten identischen Ausführun-
gen zur Handknochenanalyse – zur Schlussfolgerung, dass sich bei den
betreffenden Personen in Zusammenschau aller Untersuchungsbefunde
ein Mindestalter von 17 Jahren ermitteln lasse, wobei in diesem Zusam-
menhang darauf hinzuweisen ist, dass das höchste Mindestalter für die
Bestimmung des definitiven Mindestalters massgeblich ist, wenn sich aus
mehreren Untersuchungen ein Mindestalter ergibt (vgl. Ausführungen in
den Gutachten unter dem Titel "1. Methoden und Begriffe"). Weiter wurde
in den "Vergleichsgutachten" – jedenfalls in jenen vom 28. Oktober und
18. November 2020 (BM 7 und 8) – festgehalten, dass eine Vollendung des
18. Lebensjahres nicht mit der notwendigen Sicherheit belegt werden kön-
ne.
4.3 Nach dem Gesagten ist auch für das Gericht das in der Schlussfolge-
rung des vorliegenden Altersgutachtens angegebene Mindestalter von
18 Jahren sowie die Feststellung, dass eine Vollendung des 18. Lebens-
jahres mit der notwendigen Sicherheit belegt werden könne, nicht genü-
gend nachvollziehbar. Insbesondere erscheinen die Ausführungen in Be-
zug auf das für den Beschwerdeführer attestierte Mineralisationsstadium
"G" im Vergleich zu den Ausführungen in den als Beweismittel eingereich-
ten Gutachten zum Mineralisationsstadium "H" erläuterungsbedürftig. Dies
umso mehr, als sich aus der Schlüsselbeinanalyse keine verwertbaren Er-
kenntnisse ergaben. Das SEM hat sich in seiner Begründung zwar nicht
wesentlich und insbesondere nicht auf ebendiese Schlussfolgerungen des
Gutachtens abgestützt (respektive ist unklar, auf welches im Gutachten ge-
nannte Alter es sich bei seiner Erwägung bezüglich mehrjährigem Abwei-
chungsfaktor stützte). Das ist indes zweitrangig. Da es das SEM überhaupt
als notwendig erachtete, ein Altersgutachten durchführen zu lassen, es
dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör dazu einräumte und sich aus
der angefochtenen Verfügung nicht ergibt, dass das Gutachten in keiner
Weise berücksichtigt worden wäre, hätte es angesichts der festgestellten
Unklarheiten weitere Abklärungen treffen respektive das Institut für Rechts-
medizin des Kantonsspitals B._ um entsprechende Klärung ersu-
chen müssen. Die angefochtene Verfügung erging mithin in Verletzung des
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Untersuchungsgrundsatzes und gestützt auf einen unvollständig bezie-
hungsweise unrichtig festgestellten Sachverhalt.
5.
Aufgrund des Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit darauf
einzutreten ist. Die Verfügung vom 6. Januar 2021 ist aufzuheben und die
Sache im Sinne der Erwägungen zur weiteren Sachverhaltsabklärung und
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Angesichts der
Rückweisung der Sache erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den
weiteren Vorbringen in der Beschwerdeschrift.
6.
6.1 Mit vorliegendem Entscheid ist das Beschwerdeverfahren abgeschlos-
sen. Die Gesuche um Gewährung der aufschiebenden Wirkung und um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sind damit gegen-
standslos geworden.
6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung ist folglich hinfällig.
6.3 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist für das Beschwerdeverfahren
keine Parteientschädigung auszurichten, da es sich vorliegend um eine zu-
gewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG
handelt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG
entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater AsylG).
(Dispositiv nächste Seite)
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