Decision ID: 4c576c46-c1f0-4429-b17c-c3bc6c316b95
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965, reiste
am 2
8.
Oktober
2002
(
Urk.
10/4/3)
in die Schweiz ein und meldete sich am 1
1.
Juni 2010 (Eingangsdatum) erstmals bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Züric
h, IV-Stelle, zum
Leis
tungsbezug
an (
Urk.
10/3). Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen un
d holte das
bidisziplinäre
Gutachten
von med.
pract
.
Y._
,
Facharzt für Rheumatologie und Inne
re Medizin, und
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3
0.
Januar 2011 (
Urk.
10/19
; vgl. rheumatologisches Teilgutachten,
Urk.
10/18
), ein. Mit Zusatzgesuch vom
9.
Juni 2011 (
Urk.
10/28) ersuchte die Versicherte um berufliche Massnahmen, woraufhin die IV-Stelle Kosten
gutspr
achen für
Arbeitsvermittlung und weitere
Eingliederungsmassnahmen erteilte
(
Urk.
10/37
,
Urk.
10/40 und
Urk.
10/54). Mit Verfügung vom 2
3.
Dezember 2011 (
Urk.
10/60; Verfügungsteil 2,
Urk.
10/55) sprach die
IV-Stelle der Versicherten gestützt auf einen Inval
i
ditätsgrad von 55
%
ab dem
1.
Dezember 2010 eine halbe Rente zu.
Mit Verfügung vom 1
2.
Juni 2012 wurde die Arbeitsvermittlung abgeschlossen (
Urk.
10/76
/3
).
Am
1.
November 2012 ersuchte die Versicherte erneut um Unterstützung bei der Arbeitsvermittlung (
Urk.
10/77).
Mit Mitteilung vom 1
9.
Dezember 2012
gewährte
die IV-Stelle
Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die Stellenvermittlung (
Urk.
10/79)
.
Im Jahr 2013 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen eine Rentenrevision ein (Revisionsfragebogen vom
5.
Juni 2013,
Urk.
10/90). Mit Schreiben vom 2
5.
Juni 2013 wurde die Arbeitsvermittlung abgeschlossen, da sich die Versi
cherte aufgrund gesundheitlicher Gründe nicht in der Lage fühlte, eine
Stelle zu suchen (
Urk.
10/93; vgl. auch
Urk.
10/94;
Urk.
10/97;
Urk
10/98/2 f.). Nachdem die IV-Stelle einen aktuellen Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
10/99) sowie den Bericht von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom 1
9.
August 2013 (
Urk.
10/100) eingeholt hatte,
teilte
sie
der Versicherten
am 1
4.
Oktober 2013 mit, dass sie gestützt auf einen unveränderten Invaliditätsgrad von 55
%
weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente habe (
Urk.
10/103).
Im November 2013 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen eine Überprüfu
ng der Rente ein (
Urk.
10/104). Mit Vorbescheid vom 2
8.
März 2014 stellte die IV-Stelle die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 2
3.
De
-
zember
2011 sowie die
Einstellung
der Rente in
Aussicht (
Urk.
10/111),
wogegen
die Versicherte
am 1
6.
April 2014
Einwand
erhob
(
Urk.
10/114; ergänzende
Einwandbegründung
vom 2
0.
Juni 2014,
Urk.
10/123)
.
Die
IV-Stelle
tätigte
weitere medizinische und erwerbliche Abklärungen und holte insbesondere das polydisziplinäre Gutachten des
B._
vom
5.
N
ovember 2015 ein (
Urk.
10/150), wozu d
ie
Versicherte am
9.
Dezember 2015 Stellung
nahm
(
Urk.
10/154). Mit Verfügung vom
4.
Januar 2016 hob die IV-Stelle die Verfügung vom 2
3.
Dezember 2011 - wie vorbeschieden - wiedererwägungsweise auf und verfügte die Renteneinstellung auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am
4.
Februar 2016 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei in Gutheissung der Beschwerde auf
zuheben und es sei ihr weiterhin die bisherige halbe Invalidenrente auszu
richten. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltli
chen Prozessführung sowie Bestellung von Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
als unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
1). Mit
Beschwerde
antwort
vom 1
4.
März 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
10/1-163), was der Beschwerdeführerin am 2
2.
März 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegan
gen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt dafür, dass die Beschwerdeführerin bereits bei der Einreise in die Schweiz am 2
8.
Oktober 2002 zu mindestens 40
%
erwerbsunfähig gewesen sei, so dass der Eintritt der Invalidität bereits im Ausland erfolgt sei. Damit habe kein Anspruch auf Versicherungsleistungen bestanden und die Verfügung vom 2
3.
Dezember 2011 sei zweifellos unrich
tig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung (
Urk.
2).
In der Beschwerdeantwort brachte die Beschwerdegegnerin demgegenüber vor, dass gestützt auf die Beurteilung des
B._
vom
5.
November 2015 seit der Ein
reise im Jahr 2002 aus rechtlicher Sicht kein dauerhafter,
rentenbegründen
der
Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Die Diagnose einer Angst und
Depression gemischt begründe rechtsprechungsgemäss keinen
leistungsrele
vanten
Gesundheitsschaden (Urk. 9).
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
dass erstmals nach der Geburt der Tochter im Jahr 2005 die Arbeitsfähigkeit ein
schränkende psychische Probleme aufgetreten seien. Bei der Einreise i
n die Schweiz im Jahr 2002 sei
mit Sicherheit keine gesundheitliche Beeinträchti
gung in leistungsbegründendem Ausmass vorgelegen. Des Weiteren hätten die Gutachter des
B._
ausgeführt, dass ab Einreise eine Rendement-Vermin
derung bestanden haben dürfte - entsprechend könne nicht auf eine absolute Sicherheit dieser Aussage geschlossen werden.
Des Weiteren liege der ursprünglichen
Rentenzusprache
ein ärztliches Gutachten und Berichte der behandelnden Spezialisten zugrunde - demnach erscheine die
Rentenzuspra
che
zumindest als vertretbar. Eine zweifellose Unrichtigkeit liege nicht vor (
Urk.
1).
2.
2.1
Gemäss einem allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts kann die Verwaltung auf formell rechtskräf
tige Verfügungen oder
Einspracheent
scheide
, die nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zurückkommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2
des Bundesgeset
zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
; BGE 133 V 50 E. 4.1).
Die Wiedererwägung rechtskräftiger Verfügungen fällt nur in Betracht, wenn es um die Korrektur grober Fehler der Verwaltung geht. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - denkbar. Zurückhaltung ist bei der Annahme zweifelloser Unrichtigkeit stets dann geboten, wenn der
Wiedererwägungs
grund
eine materielle Anspruchsvoraussetzung betrifft, deren Beurteilung
massgeblich
auf Schätzungen oder Beweiswürdigung und damit auf Ele
menten beruht, die
notwendigerweise
Ermessenszüge aufweisen. Eine vor dem Hintergrund der seinerzeitigen Rechtspraxis vertretbare Beurteilung der (
invaliditätsmässigen
) Anspruchsvoraussetzungen kann nicht zweifellos unrichtig sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_396/2012 vom 13. März 2012
E.
2.2 mit Hinweisen).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
2.3
Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die bei Eintritt der Invalidität während mindestens
einem Jahr (
Art.
36
Abs.
1 IVG in der Fas
sung gültig bis 3
1.
Dezember 2007) bzw.
drei Jahren Beiträge geleistet haben (
Art.
36
Abs.
1 IVG
in der Fassung gültig ab
1.
Januar 2008
). Türkische Staatsangehörige haben unter den gleichen Voraussetzungen wie Schweizer
bürger Anspruch auf ordentliche Renten der schweizerischen Invalidenversi
cherung (
Art.
10
Abs.
1 des Abkommens zwischen der Schweiz und der Republik Türkei über soziale Sicherheit).
Bei der Ermittlung der
Beitrags
dauer
, die als Bemessungsgrundlage für die ordentliche schweizerische Inva
lidenrente eines türkischen oder schweizerischen Staatsangehörigen dient, werden die nach den türkischen Rechtsvorschriften zurückgelegten
Beitrags
zeiten
wie schweizerische Beitragszeiten berücksichtigt, soweit sie sich n
icht mit solchen überschneiden
(
Art.
10
Abs.
3
des Abkommens zwischen der Schweiz und der Republik Türkei über soziale Sicherheit
).
3.
3.1
Die Verfügung vom
2
3.
Dezember 2011 basierte in medizinischer Hinsicht auf dem
bidisziplinären
Gutachten von
Dr.
Z._
und
med.
pract
.
Y._
vom
3
0.
Januar 2011 (
Urk.
10/
19; vgl.
Urk.
10/18 und
Feststel
lungsblatt
vom 1
9.
Mai 2011,
Urk.
10/22/4 ff.).
Sowohl im rheumatologi
schen und psychiatrischen Teilgutachten
werden die bis zur B
egutachtung der Beschwerdeführerin
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammen
gefasst (
Urk.
10/18/2
ff.
und
Urk.
10/19/2 f.
), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.2
Die Gutachter notierten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die A
rbeitsfähigkeit (
Urk.
10/19/6):
andauernde Persönlichkeitsänderu
ng nach Extrembelastung (ICD-10
F62.0) seit etwa 2007
Chronisches Schmer
zsyndrom im Fussbereich (ICD-10 M
79.6)
anamnestisch intermittierendes
cervical
u
nd lumbal betontes
Panver
tebralsyndrom
(ICD-10
M54.0)
Carpaltunnelsyndrom beidseits
, klinisch rechtsbetont (I
C
D-10
G56.0)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie folgendes:
Status nach posttraumati
scher Belastungsstörung (ICD-10
F43.1)
Chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Fakto
ren (ICD-10
F45.41)
AC-Gelenkssymptomatik links (ohne funktionelle Limitierung)
Femoropatellarsymptomatik
(ICD-10 M22.2
, ohne funktionelle Limitie
rung)
Dr.
Z._
konstatierte,
dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine
45-jährige Frau aus der
Türkei handle, welche als mittleres von 5 Kin
de
rn
in Istanbul
aufgewachsen sei. Sie habe das Statistik-Studium abgebro
chen und sei danach b
ei einer führenden Wirtschaftszeitung
tätig gewesen. Daneben sei sie
als Journalistin für eine illegale Zeitung aktiv
und
mit einem Araber, ebenfalls im Widerstand tätig
, befreundet gewesen
. Einige Male
sei sie kurz
in U-Haft
gewesen
,
w
eshalb
sie
nach Syrien
geflüchtet sei
, wo sie Mitte 1995 zusammen mit dem Freund verhaftet
worden
sei. Sie sei in U-Haft gekommen und
dabei vielfach gefoltert wo
rde
n (Schlä
ge auf die Fusssohlen). Sie sei
monatelang in Dunkelhaft
gewesen,
habe
Hungerstreiks durchgeführt
und
sei
ohne Prozess
ge
blieb
en
. A
uf Betreiben ihres Bruders und mit Hilfe
von Amnesty International
sei sie
schl
iesslich im Oktober 2002 in die Schweiz
gekom
m
en
. Sie
habe
beim Bruder
gelebt
,
sei
kaum ausser Haus
gegangen
und sei zu Frau
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
in psychiatrische Behandlung gekommen. Im
Kurden
verein
habe sie sich mit einem vier Jahre älteren Mann befreundet und sei
geplant schwanger von ihm
geworden. Durch
die Schwangerschaft
habe
sich aber die Beziehung
verändert
, er
habe
sie nicht
unterstützt.
I
m Oktober 2005
sei
die Tochter zur Welt
gekommen
, im April 2006
sei
sie in die heutige Wohnung
gezogen
und
habe
sich bald einmal vom Vater des Kindes
getrennt
. Sie
sei
nach der Geburt am
D._
(
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
)
behandelt worden und als
Dr.
A._
Chefarzt
in
E._
gewo
rde
n sei
,
sei
sie weiter in seiner Behandlung
geblieben
.
Die Beschwerdeführerin habe
einige Male
versucht
zu putzen, was jedoch wegen ihrer Fussbeschwerden
nicht lange ge
g
angen sei
(
zweimal, höchstens einen Monat).
E
in Versuch im spezi
fischen Ar
beitsintegrationsprogramm für traumatisierte Immigranten
sei
nach wenigen Wochen an ihrer misstrauischen Empfindlichkeit
gescheitert
.
Sie lebe
mit ihrer Tochter zusammen in eine
r kleinen 3-Zimmerwohnung, sorge
für die Tochter, besuche
zweimal pro
Woche einen Deutschkurs und habe
zwei gute Freundinnen. Bei
der eigenen Untersuchung finde
sich eine für hiesige Verhältnisse unauffällig gekleidete Frau von mittlerer Statur,
mit freier
Psychom
otorik, die lebhaft erzähle, holprig Deutsch spreche, sich aber gut
ausdrücken kö
nn
e
, emotional wenig spürbar und wenig modulierend
sei. Sie verneine Alpträume und Flash-Backs,
ein
Hyperarrousal
sei nicht spür
bar.
S
ie berichte
adäquat über die schwierige Ze
it, die sie erlebt habe. Heute leide
sie hauptsächlich unter
Unsicherheit, Beargwöhnung und
habe
manch
mal A
ngstanfälle, die sie
wegatmen
kö
nn
e
.
D
ie Konzentration
sei
vermindert (durch den d2-Test objektiviert), die körperliche Belastbarkeit durch bei Belastung auftretende Schmerzen eingesc
hränkt.
F
remdanamnestisch wü
rden eine erhöhte Kränkbarkeit und Misstrauen berichtet. V
erschiedene andere Bereiche seien instabil -
der Schlaf mal gut, mal schlecht, die Stimmung mal hoch, mal tief, der Appetit mal nicht gut u
nd dann gebe
es Essattacken. Während die Symptome der posttraumatischen B
elastungsstörung weitge
hend verschwunden seien (was auch
Dr.
A._
bestätige) finde
sich eine per
sistierende Symptomatik von Unsicherheit, ständigem
Bedrohtsein
, Miss
trauen, erhöhter Kränkbarkeit und Irritierbarkeit, welche Symptomatik diag
nostisch am ehesten als andauerndes Persönlichkeitssyndrom nach
Extrem
belastung
einzuordnen sei. Die Schmerzsymptomatik sei
bei der
psychiatri
schen
Untersuchung
ganz im Hintergrund, immerhin lie
ssen die Angaben des Hausarztes und des behandelnden Psychiaters vermuten, dass die Schmerzen
zeitweise grössere Bedeutung hätten
und unter Belastung bedeutsamer
wer
den könnten. Körperlich seien
sie im angegebenen Ausmass - siehe rheuma
tologisches Gutachten - kaum erklärbar, weshalb eine chronische
Schmerz
störung
mit somatischen und psy
chischen Faktoren anzunehmen sei (
Urk.
10/19/7).
Rheumatologisch bestünden s
eitens des Bewegungsapparates keine hinreichen
den Erklärungen für die geltend gemachten Beschwerden im
Fuss
bereich
infolge der stat
tgehabten Folterungen, doch seien
die
beschriebenen Symptome nach Fol
terungen wie den stattgehabten hinlänglich bekannt und von psychiatrischer Seite bereits gewertet.
Zudem beklage
die Beschwerde
führerin
intermittierende, vo
rnehmlich im Bereich der Lenden
wirbelsäule auftr
etende, aber auch thorakal und l
umbal manifeste Beschwerden
spondy
logenen
Charakters, die bei fehlender sportlicher Betätigung und infolge
de
r Fussbeschwerden limitierten Betätigungsmöglichkeiten im Rahmen einer all
gemeinen körperlichen
Dekonditi
onierung
nachvollziehbar erschie
nen. Anhaltspunkte für eine
Kompromittierung
neuromeningealer
Strukturen im B
ereich der Lenden-, Hals- und Bru
stwirbe
lsäule bestünd
en nicht. Dagegen zeig
t
en sich klinische Anhaltspunkte für ein rechtsbetontes
Carpaltunnelsyn
drom
, das angeblich erstmals im Rahmen der Schwangerschaft
vor fünf Jah
ren aufgetreten
und von neurologischer Seite diagnostiziert und zunächst
ko
nservativ behandelt wo
rde
n sei
. Im Rahmen der C
arpaltunnelsymptomatik erscheine die Belastbar
keit der rechten Hand für feinmotorische und repeti
tive Aufgaben sowie den kraftfordernden Einsatz limitiert. Lediglich in der klinischen Untersuchung fassbar und im
All
tag n
icht als limitierend beklagt, fä
nden sich Hinweise auf eine AC-Gelenksproblematik links sowie eine rechtsseitige
Femoropatellarproblematik
, möglicherweise
Chondropathia
patellae
begünstigt durch Trainingsdefizite der
Quadrizepsmuskulatur
mit dann ungünstiger Führung der Patella im Gleitlager. Die in der rheumatolo
gischen Vorbeurteilung festgestellte beginnende Pol
yarthrose der Fingerge
lenke sei
in der aktuellen Röntgenuntersuchung, wie dem klinischen Status nicht mit einem die Arbeitsfähigkeit ta
ngierenden Korr
elat fassbar. Ebenso erschi
e
nen die allenfalls
leichtgradigen
Veränderungen des Fussskeletts mit beginnend
Hallux
valgus
und Senkspreizfussdeformität (leicht vermehrte
Beschwielung
am Fussballen erkennbar) nicht geeignet, die geltend gemach
ten Fußsymptome hinrei
chend zu erklären. Rein aufgrund der organisch am Bewegungsapparat festzumachenden Befunde er
scheine
die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
somit aus rheumatologischer Sicht, in Übereinstim
mung mit dem vorliegenden Vorbericht
,
in eine
r leichten
wirbelsäulen
adap
tierten
Tätigkeit, wie im Haushalt nicht limitier
t. Bezüglich
Reintegrations
bemühungen
resultiere
jedoch aus den gestellten Diagnosen eine Einschrän
kung für körperlich schwere Tätigkeiten mit Rückenbelastung sowie für Auf
gaben in rein sitzenden Tätigkeiten in monotoner Körperhaltung, sowie mit Handbelastung rechts. Di
e chronischen Fussbeschwerden lie
ssen, wenngleich organisch nicht fassbar, mit Vorteil einen Einsatz in sitzenden Tätigkeiten, wie vormals im Bürobereich am PC oder als Journalisti
n ausgeübt
,
sinnvoll erscheinen (
Urk.
10/19/8).
Die heute relevante, die Arbeitsfähigkeit einschränken
de (psychiatrische) Diag
nose sei
die andauernde Persönlichkeitsände
ru
ng nach Extrembelastung.
Von rheumatologischer Seite fie
len das chronische Schmerzsyndrom im Fussbereich, das anamnestisc
h bekannte intermittierende
cerv
ical
und lumbal betonte
Panvertebralsyndrom
sowie das Carpaltunnelsyndrom ins Gewicht bezüglich in Frage kom
mender Tätigkeiten (
Urk.
10/19/8 f.).
Die psychiatrisch beschriebene anhaltende Persönlich
keitsveränderung bein
halte
erhöhte Kränkbarkeit, v
ermehrtes Misstrauen, erhöhte Irr
tierbarkeit, Unsicherheit und Ängstlichkeit und dadurch eine Einschränkung von Kon
z
entrationsfähigkeit und zeitlic
her Belastbarkeit und natürlich eine vermin
derte Teamfähig
keit. Dadurch sei
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für einfache Tätigkeiten im Rahmen von 50
%
gegeben
, und zwar seit etwa 2008
(über den vorherigen Zustand Angaben zu machen wäre rein spekulativ). Die frühere Tätigkeit a
ls Journalis
tin/Statistikerin komme
aus sprachlichen Grün
den nicht in Frage. Die gemachten Angaben g
ä
lten für ein Pensum von 100
%
. Unklar sei
vorläufig die Einstufung Erwerbstätige/Hausfrau, da ja
die Beschwerdeführerin
als alleinerziehende Mutter eines gut 5-jährigen Kindes doch schon sehr gefordert
sei
. Eine Einschränkung im Haushaltbereich aus psychiatrischer Sicht
sähe er
nicht für gegeben. Aus
rheumatologischer Sicht bestehe
in körperlich leichten Tätigkeiten in wirbelsäulenadaptierten
Wech
selpositionen
ohne Überbelastung der rechten Hand eine 100%ige Arbeitsfä
higkeit. Ein Einsatz in sitzenden Tätigkeiten mit Möglichkeit zu
Wechse
l
po
sitionen
, wie vormals im Bürobereich am PC oder als Journalistin ausge
übt, erscheine
sinnvoll.
Bidisziplinär
bestehe
also insgesamt eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit für
eine
nach rheumatologischen Gesich
tspunkten adaptierte Tätigkeit (
Urk.
10/19/9).
4.
4.1
Vor
liegend
ist zu prüfen, ob die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfü
gung vom
2
3.
Dezember 2011
zu Recht erfolgte, wobei
mit Blick auf den Charakter der
da
mit zugesprochenen Invalidenrente als periodischer Dauerleistung die Voraussetzung der erheblichen Bedeutung der Berichtigung zu bejahen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_342/2008 vom 20. November 2008 E. 5.1 mit Hinweisen). Zu prüfen bleibt, ob die Verfü
gung vom
2
3.
Dezember 2011
zweifellos unrichtig und daher der erfolgten Wiedererwägung zugänglich war.
4.2
4.2.1
Die Beschwerdegegnerin brachte in der angefochtenen Verfügung vor, dass die Beschwerdeführerin bereits bei Einreise in die S
chweiz zu mindestens 40
% erwerbsunfähig gewesen sei, so
dass der Eintritt der Invalidität bereits im Ausland erfolgt sei
und kein Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente bestehe
.
Die Gutachter
Dr.
Z._
und
Dr.
Y._
notierten, dass die Einschrän
kung von 50
%
seit etwa 2008 bestehe und hielten fest, dass es rein spekulativ wäre, über den vorherigen Zustand Angaben
zu machen (
Urk.
10/19/9).
Dr.
Z._
hatte für seine Einschätzung auch
Drittaus
künfte
von
Dr.
A._
sowie von
Dr.
C._
eingeholt, die
die Beschwerdefüh
rerin vom 2
2.
September 2003 bis zum
7.
November 2005 behandelt
hatte
.
Dr.
C._
gab
gegenüber
Dr.
Z._
an, dass die Beschwerdeführerin damals depressiv, verunsichert und desorientiert gewesen sei. Sie habe lange auf die Aufenthaltsbewilligung warten müssen, dann sei sie bald schwanger geworden, die Beziehung habe aber nicht geklappt wegen
Charakterunver
träglichkeiten
. Das Thema Eingliederung habe gar nicht erst angepackt wer
den können (
Urk.
10/19/6).
Die damalige Annahme, dass die
versicherungs
mässigen
Voraussetzungen erfüllt seien, erweist sich vor diesem Hintergrund nicht als zweifelsohne unrichtig. Insbesondere hielt auch
Dr.
Z._
fest
, dass die Einschränkung seit etwa
2007, bzw.
2008 bestehe.
Der
behand
elnde Psychiater
Dr.
A._
führte
in seinem von der
Beschwerde
gegnerin
eingeholte
n Bericht vom 2
2.
Juli 2010 aus
, dass die Beschwerde
führerin nach der Geburt der Tochter im Oktober 2005 in ambulante psychi
atrisch-psychotherapeutische Behandlung gekommen sei, da sie im Zusam
menhang mit der Erziehung des Kindes überfordert gewesen sei und sich zunehmend psychische Symptome einschränkend bemerkbar gemacht hätten (
Urk.
10/10/2 oben). Er gab an, dass die Beschwerdeführerin mittelgradig im Konzentrationsvermögen, in der Anpassungsfähigkeit und der Belastbarkeit eingeschränkt sei. Die Angaben gälten seit 2006
(Urk.
10/10/5).
Auch aus den weiteren damals im Recht liegenden Arztberichte geht nicht hervor, dass die Invalidität bereits bei Einreise in die Schweiz eingetreten war (vgl. Bericht von
Dr.
med.
F._
, Oberärztin Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin
des
G._
,
Urk.
10/8/5; Bericht von
Dr.
med. H._
, Facharzt für Allgemeine Medizin,
vom
15.
Juli 2010,
Urk.
10/9;
Bericht von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, vom
8.
Juni 2005,
Urk.
10/18/14 f.).
Dass d
ie Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 2
3.
Dezember 2011 fest
hielt, dass die Beschwerdeführerin seit
Januar 2007
erheblich in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei
und entsprechend einen Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente bejahte
, erweist sich demnach nicht als zweifellos unrichtig.
4.2.2
An dieser Beurteilung
vermögen
auch der von der Beschwerdegegnerin
im Rahmen der Überprüfung der Rente
eingeholte Bericht von
Dr.
C._
vom
4.
März 2014 (
Urk.
10/107) und das polydisziplinäre Gutachten des
B._
nichts zu ändern:
Dr.
C._
führte aus, dass sie die Arbeitsfähigkeit im Nachhinein aufgrund ihrer Aufzeichnungen schlecht bestimmen könne. Gemäss ihren Angaben vom 1
0.
Juli 2004 habe sie im Sommer 2004 während 3 Monaten im Imbiss ihres Bruders gearbeitet, wobei sie nicht spezifiziert habe, wie viele Stunden.
Am 2
9.
Oktober 2004 habe sie angegeben, im neu eröffneten Restaurant ihres Bruders zu arbeiten, auch hier ohne Stundenangabe. Angesichts der damals diagnostizierten mittelgradigen depressiven Episode veranschlage sie die Arbeitsfähigkeit während ihrer Behandlungszeit auf ca. 50
% in einer ange
passten Tätigkeit
(
Urk.
10/107/3). Diese retrospektive Beurteilung lässt die Verfügung nicht als zweifellos unrichtig erscheinen, hält
doch Dr.
C._
selbst fest, dass die Arbeitsfähigkeit im Nachhinein schlecht bestimmt werden k
önne. Ob die Einschränkung bereits damals ein invaliditätsbegründendes Ausmass hatte oder
sie sich
- wie der Bericht von
Dr.
A._
vom 2
2.
Juli 2010
und das Gutachten von
Dr.
Z._
und
Dr.
Y._
vermuten lassen - über die Jahre und insbesondere nach der Geburt der Tochter ver
schlimmerten und die Invalidität damit erst später eintrat, ist entsprechend nicht abschliessend festzustellen.
Aus psychiatrischer Sicht wurde im
B._
-Gut
achten folgendes festgehalten (
Urk.
10/150/63): „Zusammenfassend besteht unserer Ansicht nach
plausib
lerweise
Angst und Depression mindestens seit der Einreise in die Schweiz. Entsprechend dürfte ab Einreise eine Rendement-Verminderung bestanden haben. Versicherungspsychiatrisch attestieren wir eine 20%ige Rendement-Verminderung seit dieser Zeit.“
. Diese Einschätzung lässt allerdings die Eröffnung des Wartejahrs ab Januar 2007 nicht als zweifellos unrichtig erscheinen
.
Im Übrigen ist eine Rendement-Verminderung um 20 % noch nicht
rentenbe
gründend
und daher bezüglich Rentenanspruch noch nicht invalidi
sierend, weshalb die Einreise mit einer Einschränkung in diesem Ausmass einem späteren Rentenanspruch von vornherein nicht entgegensteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_682/2013
vom 25. Februar 2014, E. 3.1.2).
Dass die ursprüngliche
Rentenzusprache
noch aus anderen Gründen zweifel
los unrichtig gewesen ist, macht die Beschwerdegegnerin weder geltend, noch ergibt sich dies aus den Akten.
4.
3
D
ie Verfügung vom
2
3.
Dezember 2011
ist entsprechend nicht zweifellos unrichtig im Sinne der Rechtsprechung (vgl. E. 2.1) und die
wiedererwä
gungsweise
Aufhebung erweist sich als nicht gerechtfertigt. Die angefochtene Verfügung vom
4.
Januar 2016 (
Urk.
2)
ist folglich in
Gutheissung
der Beschwerde aufzuheben, was zu
r
Weiterausrichtung
der
halben
Rente ent
sprechend der Verfügung
vom 2
3.
Dezember 2011
(
Urk.
10/60 und
Urk.
10/55)
führt.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Die
anwaltlich vertretene Beschwerdeführer
in
hat gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf Fr. 2‘0
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) fest
zusetzen ist.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche
Rechtsver
tretung
vom
4.
Februar 2016 (
Urk.
1)
erweist sich damit als gegenstandslos.