Decision ID: fa39bec7-48ef-5541-a811-bc6b41a99150
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein syrischer Staatsangehöriger arabischer Ethnie
aus B._, suchte am 1. Februar 2017 in der Schweiz um Asyl nach.
Am 9. Februar 2017 erfolgte die Befragung zur Person (BzP) und am
21. Juni 2018 beziehungsweise am 17. Januar 2020 die vertiefte Anhö-
rung. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei anlässlich seines
Militärdienstes in Syrien im Jahr (...) vom Sohn des (...) mehrmals beleidigt
worden, worauf er gleichenjahres aus dem Militärdienst desertiert sei. Als
er sich zirka ein Jahr später den syrischen Behörden gestellt habe, sei er
festgenommen, inhaftiert und gefoltert worden. Ende (...) beziehungsweise
Anfang (...) habe er sich anlässlich eines Hafturlaubs in die Türkei abge-
setzt und sei 2017 via Griechenland (im Rahmen des europäischen Relo-
cation-Programms) in die Schweiz gelangt. Im Weiteren habe er 2012 wäh-
rend zweier Monate an Aktivitäten der « (...) » teilgenommen.
B.
Mit am 26. Februar 2020 eröffneter Verfügung vom 24. Februar 2020 stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs die vorläufige Aufnahme an.
C.
Mit Eingabe vom 24. März 2020 reichte der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er
als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht sei die un-
entgeltliche Prozessführung zu bewilligen und auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses zu verzichten.
D.
Mit Schreiben vom 25. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom
26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende
Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-
gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
in Asylsachen auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106
Abs. 1 AsylG).
3.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.3 Der Wegweisungsvollzug bildet nicht Gegenstand der Beschwerde,
nachdem die Vorinstanz die vorläufige Aufnahme angeordnet hat.
3.4 Während der Beschwerdeführer berechtigt ist, die Feststellung seiner
Flüchtlingseigenschaft zu beantragen, ist er betreffend den Antrag auf Ge-
währung der vorläufigen Aufnahme nicht beschwert, da er dieselbe mit der
angefochtenen Verfügung bereits erhalten hat und deren Anspruchsvo-
raussetzungen (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit des Weg-
weisungsvollzuges) alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). In-
soweit ist daher auf die Beschwerde nicht einzutreten.
4.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land,
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in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-
gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, ihm drohe aufgrund seiner De-
sertion in Syrien asylbeachtliche Verfolgung.
5.2 Mit dem Grundsatzentscheid BVGE 2015/3 vom 18. Februar 2015 hat
das Bundesverwaltungsgericht festgestellt, eine Wehrdienstverweigerung
oder Desertion vermöge die Flüchtlingseigenschaft nicht per se zu begrün-
den, sondern nur dann, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3
Abs. 1 AsylG verbunden sei. Mit anderen Worten muss die betroffene Per-
son aus den in dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Natio-
nalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische
Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine
Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss
Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. In Bezug auf die spezifische Situation in
Syrien erwog das Gericht weiter, die genannten Voraussetzungen seien im
Falle eines syrischen Refraktärs erfüllt, welcher der kurdischen Ethnie an-
gehöre, einer oppositionell aktiven Familie entstamme und bereits in der
Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheits-
kräfte auf sich gezogen habe (BVGE 2015/3 E. 6.7.3).
5.3 Im vorliegenden Fall liegt keine mit BVGE 2015/3 vergleichbare Kons-
tellation vor. Die Familie des Beschwerdeführers gehört zur arabischen
Mehrheitsbevölkerung und ist nicht oppositionell aktiv. Auch sonst vermag
der Beschwerdeführer kein politisches Profil darzutun, zumal er selbst aus-
führt, die « (...) » nach zwei Monaten bereits wieder verlassen zu haben
und politisch nicht interessiert gewesen zu sein (vgl. act. A18/22,
F118/119). Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (vgl. da-
selbst, S. 16) geltend macht, das SEM habe in anderen Fällen asylsu-
chende syrische Staatsangehörige bereits aufgrund der illegalen Ausreise
aus ihrem Heimatstaat oder aufgrund des Umstandes, dass sie sich im
dienst- und reservedienstpflichten Alter befinden, als Flüchtlinge aner-
kannt, weshalb ihm aus Gründen der Rechtsgleichheit ebenfalls die Flücht-
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lingseigenschaft zuzuerkennen sei, ist festzuhalten, dass die Verwaltungs-
behörde stets Einzelfälle zu beurteilen hat. Der Umstand, dass in Fällen
mit ähnlich erscheinenden Eckdaten unterschiedliche Entscheide getroffen
wurden, lässt noch nicht auf eine Ungleichbehandlung schliessen. Die an-
geblich vergleichbaren tatsächlichen Verhältnisse in den aufgeführten Ver-
gleichsfällen werden in der Beschwerde zudem auch nicht in ausreichen-
dem Masse spezifiziert. Im Weiteren existiert keine allgemeine Praxis, wo-
nach bei einer geltend gemachten illegalen Ausreise die Flüchtlingseigen-
schaft zu bejahen wäre. Die illegale Ausreise aus Syrien kann per se pra-
xisgemäss keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten, sofern keine aus-
gewiesene Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG und keine be-
sondere individuelle Vorbelastung vorliegen (vgl. zur Praxis des BVGer be-
treffend die illegale Ausreise aus Syrien u.a. Urteile des BVGer
D-4666/2019 vom 26. November 2019 E.7.5, E-5587/2017 vom 5. Dezem-
ber 2017 E. 6.4, E-3692/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 4.7, je m.w.H.).
Schliesslich vermag der Beschwerdeführer auch aus dem Umstand, dass
er angeblich auf dem Internetportal « (...) » gelistet ist (vgl. Beschwerde,
S. 8 f. und Beschwerdebeilage 2), nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, da
sich die Authentizität solcher Listen nicht überprüfen lässt (vgl. Urteil des
Bundesverwaltungsgericht E-4716/2015 vom 21. Februar 2017, E. 6.1.
m.w.H.). Damit ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine zum
Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien bestehende oder drohende asylrecht-
lich relevante Gefährdung nachzuweisen. Es erübrigt sich, auf weitere Be-
schwerdevorbringen näher einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts än-
dern können. Das SEM hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt sie nicht darauf ein,
so verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Im Lichte dieser Bestimmung hat die Vor-
instanz die Wegweisung zu Recht angeordnet.
6.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 24. Februar
2020 die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz an-
geordnet. Demnach erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zuläs-
sigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
7.
Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
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Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als von vornherein aus-
sichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Vo-
raussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) somit
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit dem vor-
liegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses gegenstandslos geworden.
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