Decision ID: 633edd47-7cd7-4e54-81a4-f0e9bf2632d0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2006 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Er gab an, acht Jahre die Volksschule besucht
und eine Ausbildung als Mechaniker absolviert zu haben. Betreffend die
gesundheitlichen Beeinträchtigungen verwies er auf die sich beim Hausarzt Dr. med.
B._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, befindlichen Unterlagen. Dr. B._ berichtete
am 23./24. August 2006 unter Verweis auf Abklärungen im Z._ (IV-act. 14), der
Versicherte leide an einem chronischen spondylogenen Syndrom der LWS (bei einer
Spondylosis hyperostotica). In seinem bisherigen Beruf als Gipser sei er nicht mehr
arbeitsfähig. In einem Arbeitgeberbericht teilte die C._ AG am 29. August 2006 mit
(IV-act. 15), der Versicherte sei von Mai 1998 bis Juni 2002 als Gipser bei ihr angestellt
gewesen. Ohne Gesundheitsschaden würde der Versicherte Fr. 5'500.-- monatlich
verdienen.
A.a.
Am 18./19. März 2008 wurde der Versicherte polydisziplinär (internistisch,
orthopädisch und psychiatrisch) durch die Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH
(ABI) abgeklärt (IV-act. 33). Im Gutachten vom 11. April 2008 gaben die
Sachverständigen folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-
act. 33-15): Chronisches thorakolumbales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Ausfälle
und Spreizfuss beidseits. Sie attestierten dem Versicherten eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit für schwere körperliche Tätigkeiten und damit für die angestammte
Tätigkeit als Gipser. In einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit beurteilten
sie eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit für den Versicherten als zumutbar.
Den Beginn der Arbeitsunfähigkeit datierten sie auf den 31. Oktober 2005.
A.b.
Mit einer Verfügung vom 17. Juni 2009 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren bei
einem IV-Grad von 17% ab (IV-act. 51). Zur Begründung gab sie an, eine körperlich
schwere Tätigkeit sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. In einer körperlich
leichten bis mittelschweren Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Beim
A.c.
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Valideneinkommen (Fr. 71'500.--) stützte sie sich auf die Arbeitgeberauskunft der C._
AG vom August 2006 und beim Invalideneinkommen (Fr. 59'197.--) auf den
statistischen Zentralwert des Einkommens für Hilfsarbeiter im Jahr 2006 gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik. Der Versicherte erhob dagegen
am 25. August 2009 eine Beschwerde (IV-act. 57). Nachdem er am 5. Oktober 2009
einen neuen Arztbericht der Klinik Valens vom 10. September 2009 eingereicht hatte
(IV-act. 62), widerrief die IV-Stelle am 16. November 2009 die Verfügung vom 17. Juni
2009 (IV-act. 70). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen schrieb das
Verfahren mit einer Verfügung vom 16. Dezember 2009 als gegenstandslos ab (IV-
act. 74).
Die IV-Stelle holte weitere Berichte ein: Von Dr. med. D._, Pneumologe FMH,
vom 6. Juli 2011 (IV-act. 99), vom Zentrum für Schlafmedizin des Z._ vom
2. Dezember 2011 (IV-act. 113) und von der Pneumologie des Z._ vom 3. Januar
2012 (IV-act. 115) und 23. Februar 2012 (IV-act. 155), alle betreffend die Abklärung
eines Schlafapnoe-Syndroms; vom Z._ vom 27. März 2012 bezüglich eines
stationären Aufenthalts vom 5. bis 9. März 2012 wegen einer schweren
gastrointestinalen Blutung (IV-act. 133); vom Spital E._ vom 16. April 2012 bezüglich
eines stationären Aufenthalts vom 31. März bis 5. April 2012 wegen Schwindel und
Übelkeit (IV-act. 150-4; darin sind als Diagnosen unter anderem ein Verdacht auf eine
Hypoglykämie und ein metabolisches Syndrom festgehalten worden); von der
Rheumatologie des Z._ vom 22. Mai 2012 (IV-act. 151) und vom Schmerzzentrum
des Z._ vom 26. September 2012 und 25. Oktober 2012 (IV-act. 148, 159). Der RAD-
Arzt Dr. med. F._ empfahl am 9. November 2012 eine polydisziplinäre Begutachtung
(IV-act. 165).
A.d.
Am 21./22./23. Mai 2013 und 13./14. Juni 2013 wurde der Versicherte durch das
asim des Universitätsspitals Basel polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch,
rheumatologisch, neurologisch und pneumologisch) abgeklärt. Im Gutachten vom
3. September 2013 gaben die Sachverständigen folgende Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit an (vollständige Liste vgl. IV-act. 172-32 f.): Ein chronisches
lumbal und zervikal betontes vertebragenes Schmerzsyndrom mit
Generalisierungstendenz und unspezifischen peripheren diffusen arthralgischen
Beschwerden, ein schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom mit zusätzlich
A.e.
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nächtlicher Hypoventilation bei Adipositas und Opiatkonsum und eine sekundäre
Insomnie mit Durchschlafstörung (i.R. Schmerzproblematik). Als Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit notierten die Sachverständigen eine Entwicklung
psychischer Symptome aus somatischen Gründen (ICD-10 F54), eine Adipositas per
magna, eine mögliche minime Hautpsoriasis, eine minime Erhöhung von CRP und BSR
bis 08/2012, einen Status nach Unterschenkelfraktur links in der Kindheit und ein
inaktives Nebennieren-Inzidentalom links. Der internistische Gutachter hielt
insbesondere fest (IV-act. 172-22), der Beschwerdeführer habe deutlich dekonditioniert
gewirkt und die Fragen weitschweifend beantwortet. Er nehme eine
Symptomverdeutlichung an. Der psychiatrische Gutachter führte aus (IV-act. 172-23 f.),
sowohl im affektiven als auch in anderen Bereichen des psychischen Funktionierens
habe der Versicherte keine Defizite präsentiert, welche eine Diagnose gemäss ICD-10
hätten rechtfertigen können. Die Situation habe sich seit der Vorbegutachtung durch
das ABI im Jahr 2008 nicht verändert. Im Vordergrund des klinischen Bildes hätten
innere Unruhe und Nervosität, welche eine sehr klare Verbindung zu den
Schmerzbeschwerden aufgewiesen hätten, gestanden. Eine anhaltende affektive
Problematik, insbesondere eine depressive Episode, habe nicht festgestellt werden
können. Der Versicherte habe seit der Vorbegutachtung auch nicht in einer
psychiatrischen Behandlung gestanden. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte
vollständig arbeitsfähig. Im psychiatrischen Teilgutachten vom 29. Mai 2013 hielt er
zudem fest (IV-act. 172-55), der Versicherte habe bei der detaillierten Prüfung der
Merkfähigkeit eine unerklärlich tiefe Leistung demonstriert. Bei der Screening-
Diagnostik (Rey Memory-Test) zur Beantwortung der Frage nach dem Vorliegen von
Aggravation/Simulation habe der Versicherte einen sehr auffälligen Wert erzielt, welcher
mit dem Vorliegen eines zumindest aggravatorischen Verhaltens vereinbar gewesen
sei. Der rheumatologische Gutachter notierte im Wesentlichen (IV-act. 172-27 f.), das
muskuloskelettäre Beschwerdebild sei weitgehend vergleichbar mit jenem in der
gutachterlichen Beurteilung durch das ABI im Jahr 2008 und den konsiliar-
rheumatologischen Beurteilungen in den Jahren 2006 und 2012. Es bestünden
zweifellos deutliche degenerative Veränderungen des thorakolumbalen Achsenskeletts.
Zudem hätten sich leichte beginnende Fingergelenksosteoarthrosen gefunden. Eine
gewisse im Vergleich zu den früheren bildgebenden Abklärungen im Jahr 2006 wohl
stattgefundene degenerative Progression des zervikalen und lumbalen Achsenskeletts
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sei denkbar. Die früheren Fersenschmerzen hätten dagegen zurzeit kein Korrelat
gefunden. Für körperlich angepasste Tätigkeiten bestehe, wie bereits im ABI-
Gutachten angegeben, weiterhin eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Wie schon
früher in den Akten vermerkt worden sei, bestehe beim Versicherten überlagernd ein
ausgeprägtes Schmerzverdeutlichungsverhalten und eine fixierte Krankheits- und
Behinderungsüberzeugung. Das Ausmass an der de facto-Dekonditionierung im Alltag,
wie es sich aus der Anamnese ergebe, sei mit den klinischen und
radiomorphologischen Befunden nicht erklärbar gewesen. Im rheumatologischen
Teilgutachten vom 5. August 2013 berichtete der Gutachter überdies (IV-act. 172-63),
während der muskuloskelettären Untersuchung sei zunehmend ein
schmerzverdeutlichendes Grimassieren und Seufzen zu beobachten gewesen. Es
hätten sich muskuläre Gegeninnervationen und Ausweichbewegungen und eine
eindrucksmässig sehr starke theatralische Symptom-Vermittlungskomponente gezeigt.
Die neurologischen Gutachter berichteten (IV-act. 172-30), als relevante Diagnosen
lägen ein lumbal betontes Panvertebralsyndrom und ein damit einhergehendes
intermittierendes Zervikozephalsyndrom vor. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
und in einer adaptierten Tätigkeit werde dadurch nicht eingeschränkt. In der aktuellen
klinisch-neurologischen Untersuchung hätten keine Hinweise auf das Vorliegen einer
Radikulopathie objektiviert werden können. Die berichteten Ausstrahlungsschmerzen
seien keinem Ausbreitungsgebiet von Nervenwurzeln zuordenbar gewesen. Während
der Untersuchung sei ein zum Teil demonstrativ anmutendes Verhalten bezüglich der
Schmerzen aufgefallen. Im Vergleich zum ABI-Gutachten hätten sich keine neuen
Aspekte ergeben. Die pneumologischen Gutachter hielten schliesslich fest (IV-
act. 172-31, 172-36), das schwere obstruktive Schlafapnoe-Syndrom habe bestätigt
werden können, allerdings hätten sie eine ungenügende Therapie-Compliance
festgestellt. In der Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf eine pulmonale
Einschränkung der Leistungsfähigkeit ergeben. Aufgrund mangelnder Kooperation (in
der Spiroergometrie vom 14. Juni 2016, vgl. IV-act. 172-81) habe sich die tatsächliche
Leistungsfähigkeit jedoch nicht objektivieren lassen. Aus pneumologischer Sicht
bestehe in einer körperlich wenig belastenden Tätigkeit bei einer konsequenten
Therapie-Compliance der Atemstörung mit der verordneten Maske eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Vor der Aufnahme einer Tätigkeit mit Umgang
potentiell gefährlicher Maschinen oder vor dem Führen eines Fahrzeuges müsse eine
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konsequente Compliance der nächtlichen Überdrucktherapie nachgewiesen werden
und eine Fahrtauglichkeitsprüfung erfolgen. In der Gesamtbeurteilung (IV-act. 172-37)
attestierten die Sachverständigen für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Gipser
aufgrund der rheumatologischen Diagnosen weiterhin und bleibend eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. In körperlich leichten, höchstens gelegentlich mittelschweren
Tätigkeiten, ohne das Heben, Stossen und Ziehen von Lasten von mehr als 7 kg bis
gelegentlich 12 kg, ohne kniend oder kauernd und ohne ausschliesslich im Stehen oder
Gehen oder mit wiederholten rotativen Oberkörperbewegungen ausgeübte Tätigkeiten
attestierten sie eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Sie hielten fest, seit dem ABI-
Gutachten habe sich keine wesentliche Änderung des Gesundheitszustands und damit
der möglichen Arbeitstätigkeit ergeben. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei deshalb
gleich wie im ABI-Gutachten festzusetzen.
Der RAD-Arzt Dr. F._ notierte am 12. September 2013 (IV-act. 173), auf die
Schlussfolgerungen des Gutachtens könne abgestellt werden. Zu erwähnen sei jedoch,
dass bei einem bekannten, medikamentös behandelten und scheinbar unzureichend
eingestellten Diabetes mellitus weder eine Urin- noch eine Blutzuckerbestimmung,
sondern lediglich eine Bestimmung eines Blutzucker-Langzeitparameters durchgeführt
worden sei. Auch sei die Diagnose im Gutachten nicht aufgeführt worden. Ein
suboptimal eingestellter Diabetes mellitus sollte jedoch keine nennenswerte Änderung
der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bedingen.
A.f.
Der fallführende Gutachter des asim teilte am 4. April 2014 – nach der Vorlage
eines Einwands des Beschwerdeführers zum Vorbescheid vom 16. Oktober 2013,
worin der Beschwerdeführer unter anderem geltend gemacht hatte, die Gutachter
hätten die Diagnose des Diabetes mellitus Typ II weder genannt noch in der
Gesamtbeurteilung gewürdigt (vgl. IV-act. 177, 178) – mit (IV-act. 186), der Diabetes
mellitus sei, unter anderem durch eine ausführliche Labordiagnostik, in die
Begutachtung einbezogen worden. Da ein Diabetes mellitus Typ II aus
arbeitsmedizinischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bedeute, sei die
Diagnose nicht weiter diskutiert worden, zumal die muskuloskelettären Beschwerden
im Vordergrund gestanden hätten.
A.g.
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B.
Am 9. Mai 2014 teilte der Versicherte mit (IV-act. 189), sein Gesundheitszustand
habe sich verschlechtert. Er befinde sich seit Beginn des Jahres 2014 bei Dr. med.
G._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in psychiatrischer Behandlung. Dr. G._
berichtete am 7. Juli 2014 (IV-act. 191), der Versicherte sei seit Jahren zunehmend
niedergeschlagen, reizbar, nervös und ängstlich. Er fürchte sich vor einem Herzinfarkt
(der Bruder sei im Jahr 2011 an einem Herzinfarkt verstorben) und leide oft an
Panikattacken mit Dyspnoe und Palpitationen. Er sei antriebs- und lustlos und sitze
zuhause nur herum. Im Gespräch sei er wortkarg. Dr. G._ diagnostizierte eine
mittelgradige depressive Episode mit einem somatischen Syndrom (ICD-10 F32.11)
und eine Panikstörung (ICD-10 F41.0). Er hielt fest, der Versicherte sei seit Januar 2011
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Bauarbeiter zu 80% arbeitsunfähig.
A.h.
Der RAD-Arzt Dr. F._ notierte am 29. Juli 2014 (IV-act. 192), der psychiatrische
Gutachter des asim habe ähnliche Befunde erhoben, diese aber anders bewertet.
A.i.
Mit einer Verfügung vom 26. August 2014 (IV-act. 194) wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren bei einem IV-Grad von 8% ab. Zur Begründung gab sie an, für
körperlich leichte, höchstens gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine
100%ige Arbeitsfähigkeit. Dabei sollten keine Lasten von mehr als 7 kg bis gelegentlich
12 kg gehoben, gezogen oder gestossen werden müssen. Ausgeschlossen seien auch
kniend oder kauernd und ausschliesslich im Stehen oder Gehen ausgeübte Tätigkeiten
oder Tätigkeiten mit wiederholten rotativen Oberkörperbewegungen. Beim
Valideneinkommen (Fr. 66'931.--) stütze sie sich auf das "Listeneinkommen" des
Bundesamts für Statistik im Baugewerbe für das Jahr 2011 und beim
Invalideneinkommen (Fr. 61'776.--) auf den statistischen Zentralwert des Einkommens
für Hilfsarbeiter gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik für
das Jahr 2011. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.j.
Am 5. Mai 2016 (Posteingang: 9. Mai 2016) meldete sich der Versicherte erneut
zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 196). Er reichte einen Bericht von Dr. G._
vom 13. April 2016 (IV-act. 198) und einen Bericht von Dr. med. H._, Oberärztin der
I._, vom 18. Januar 2016 (IV-act. 197) ein. Er gab an, sein psychischer
Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Dr. G._ hatte festgehalten, der
B.a.
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Versicherte leide nach wie vor an einer chronifizierten, mindestens mittelgradigen
depressiven Störung (ICD-10 F32.11) und an einer Panikstörung (ICD-10 F41.0).
Dr. H._ hatte über einen stationären Aufenthalt des Versicherten vom 18. November
2015 bis 16. Dezember 2015 in der Klinik J._ berichtet. Sie hatte eine chronifizierte
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und eine Panikstörung (ICD-10 F41.0)
diagnostiziert. Als Befund hatte sie im Wesentlichen angegeben, der Versicherte sei
beim Eintritt im formalen Denken umständlich und vorbeiredend bei normaler
Denkgeschwindigkeit gewesen. Der Versicherte habe über optische Halluzinationen
und Stimmenhören sowie über nicht näher beschriebene
Fremdbeeinflussungserlebnisse berichtet. Er habe Angst vor Kontrollverlust und
Todesangst mit ausgeprägten vegetativen Symptomen sowie Traurigkeit infolge
psychotischer Symptome und Albträume gehabt. Der Antrieb sei leicht reduziert
gewesen. Er habe über Ein- und Durchschlafstörungen, über einen sozialen Rückzug
und über Gedanken eines (erweiterten) Suizids berichtet. Handlungsabsichten habe er
verneint. Beim Austritt habe er sich im Kontakt freundlich gezeigt. Die Grundstimmung
sei durch Sorgen um seinen Sohn niedergedrückt und die Schwingungsfähigkeit sei
stark eingeengt gewesen. Die deutliche Krankheitsangst habe weiterhin bestanden.
Gedanklich sei er auf seine Themen eingeengt geblieben. Er habe nach wie vor über
optische und akustische Halluzinationen berichtet. Das Suizidrisiko sei beim Eintritt
wohl überschätzt worden. Der Versicherte sei mit der Alltagsbewältigung überfordert
gewesen und habe im Stationsalltag bei vielen Belangen des täglichen Lebens
Unterstützung benötigt. Aufgrund der chronifizierten depressiven Symptomatik und der
schweren somatischen Einschränkungen sei von einer dauerhaft nicht gegebenen
Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Der RAD-Arzt Dr. med. K._ notierte am 3. Oktober 2016, eine chronifizierte
mittelgradige depressive Störung sei anhand der Unterlagen bislang nicht verifiziert
worden. Er empfahl eine polydisziplinäre Verlaufsbegutachtung (IV-act. 210).
B.b.
Am 31. Januar 2017 und 1./2./9. Februar 2017 wurde der Versicherte durch das
asim des Universitätsspitals Basel erneut polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch,
rheumatologisch, neurologisch und pneumologisch) abgeklärt. Im Gutachten vom
30. Mai 2017 gaben die Sachverständigen als Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbalbetontes panvertebrales Schmerzsyndrom an.
B.c.
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Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit notierten die
Sachverständigen unter anderem chronifizierte diffuse Arm- und Handbeschwerden
beidseits, femoropatelläre Knieschmerzen beidseits, Valgus-Knick-Senkfussdeformität
beidseits, atypische Thoraxschmerzen links ventral, Status nach Tibiafraktur links in der
Kindheit, aktenanamnestisch schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom,
metabolisches Syndrom und klinisch Verdacht auf diabetische Polyneuropathie
(vollständige Liste vgl. IV-act. 217-11 f.). Der internistische Gutachter führte im
Wesentlichen aus (IV-act. 217-14 f.), der Versicherte habe die Beschwerden am
Bewegungsapparat ausgiebig demonstriert; es müsse eine Symptomverdeutlichung
angenommen werden. Der Versicherte habe auffällig dekonditioniert gewirkt, wobei
nicht gepasst habe, dass er einerseits angegeben habe, er könne maximal 150 m
gehen, und andererseits seine Enkel in die Schule bzw. den Kindergarten begleite. Die
Laborwerte seien vergleichbar zu jenen im Jahr 2013 gewesen. Bis auf eine
Gewichtserhöhung habe keine Änderung zum Vorbefund gesehen werden können. Die
psychiatrische Gutachterin gab an (IV-act. 217-15), aufgrund verschiedener, teils
massiver Inkonsistenzen im Verhalten und in den Angaben des Versicherten und der
Präsentation einer Symptomatik, welche nicht klar einer oder mehreren psychiatrischen
Diagnosen zuzuordnen gewesen sei, habe keine Diagnose mit oder ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können. Der Versicherte habe eine
Symptomatik mit Ängsten, Albträumen und einer Gefühlsstörung geschildert. Genau
wie im Jahr 2013 sei dies durch eine Verdeutlichungs- und Aggravationstendenz
überlagert gewesen. Die nach ICD-10 erforderlichen Kriterien für eine depressive
Episode seien nicht erfüllt gewesen. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit habe nicht
begründet werden können. Im psychiatrischen Teilgutachten vom 22. April 2017 führte
die Gutachterin zudem aus (IV-act. 217-64 ff.), der Gesprächsablauf habe sich sehr
schwierig gestaltet. Der Versicherte habe sehr einsilbig und vage geantwortet und
teilweise kurz zuvor erteilte Antworten verneint. Manchmal habe er die gestellten
Fragen trotz mehrfacher Wiederholung gar nicht oder nur mit einer starken Latenz
beantwortet. Die Leistungen in der orientierenden Konzentrations- und
Gedächtnisprüfung seien nicht nachvollziehbar gewesen. Die Durchführung des Rey
Memory-Tests habe nach etwa einer Minute abgebrochen werden müssen, da der
Versicherte über Unwohlsein geklagt habe und sich das Gesicht habe waschen wollen.
Während der Erhebung des psychopathologischen Befundes sei er dreimal vom Stuhl
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aufgestanden, habe sein Gesicht schmerzverzerrt verzogen und dabei laut gestöhnt.
Zwischendurch habe er die Augen geschlossen und erst reagiert, als er sehr laut
angesprochen worden sei. Er habe klagsam, jammerig, theatralisch und dramatisierend
gewirkt. Themenbezogen sei er schwingungsfähig und überwiegend dysphorisch-
gereizt gewesen. Mimik und Gestik seien rege gewesen. Nach der Untersuchung habe
er gebeten, den freiwilligen Helfer, der ihn zur Untersuchung gefahren habe, anzurufen.
Nachdem er die Nummer des Fahrers nicht habe finden können, sei er mit einem
Rollstuhl in das Parkhaus gefahren worden. Der Fahrer sei nicht dort gewesen.
Daraufhin sei die Telefonnummer des Fahrers durch den Empfang ausfindig gemacht
worden. Auf Nachfrage habe der Versicherte angegeben, ohne Rollstuhl in die
Tiefgarage gehen zu können, er aber eine Begleitung benötige, da er sich nicht an den
Weg habe erinnern können. Der Fahrer habe angegeben, am Morgen sei der
Versicherte alleine und selbstständig aus der Garage zur Gutachterstelle gelaufen. Das
Zustandsbild des Versicherten habe sich ähnlich wie im Rahmen der Begutachtung im
Jahr 2013 gezeigt. Es bestünden Hinweise darauf, dass weiterhin die Diagnose einer
Entwicklung psychischer Symptome aus somatischen Gründen (ICD-10 F54) vorliege.
Aufgrund der teils massiven Verdeutlichungstendenzen und der zusätzlich dramatisiert
dargestellten Symptomüberlagerungen sei eine diagnostische Abgrenzung jedoch nicht
möglich gewesen. Das hochauffällige Verhalten des Versicherten sei nicht im Rahmen
einer psychischen Störung zu erklären. Der rheumatologische Gutachter hielt fest (IV-
act. 217-14), das chronische thorako-lumbovertebrale Schmerzsyndrom habe bestätigt
werden können. In der aktuellen Bildgebung hätten sich ausgedehnte degenerative
Spondylophytenbildungen der BWS, aber nur geringe Osteochondrosen ohne
Stenosierungen gezeigt. Zudem hätten keine entzündlichen Veränderungen erkannt
werden können. Der muskuloskelettäre Gesundheitszustand sei ansonsten weitgehend
gleich geblieben wie im Jahr 2013. Unverändert sei ein Schmerzvermeidungs- und
Verdeutlichungsverhalten festzustellen gewesen, welches in der Art und Ausprägung
vergleichbar mit demjenigen im Jahr 2013 gewesen sei. Aus muskuloskelettärer Sicht
hätten sich aus den Akten und der Anamnese keine Zäsur gebenden Ereignisse seit der
letzten Begutachtung identifizieren lassen. Im rheumatologischen Teilgutachten vom
9. Februar 2017 führte der Gutachter aus (IV-act. 217-87), wie bereits im Jahr 2013
festgehalten worden sei, bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Gipser oder in Bauarbeitertätigkeiten. In Tätigkeiten ohne das
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Hantieren mit Lasten von mehr als 7 kg bis höchstens 12 kg, ohne gehäuft gebückt,
kniend oder kauernd zu verrichtende Tätigkeiten, ohne ausschliesslich im Stehen oder
Gehen (erlaubt bis zu 2/3 der Zeit) oder mit wiederholten rotativen
Oberkörperbewegungen oder gehäuft über Kopf zu verrichtenden Tätigkeiten bestehe
eine vollständige Arbeitsfähigkeit ohne eine Einschränkung von Präsenzzeit oder
Leistungsgeschwindigkeit. Der neurologische Gutachter notierte (IV-act. 217-14),
bezüglich des chronisch lumbalbetonten panvertebralen Schmerzsyndroms hätten
keine fokal-neurologischen Defizite gesehen werden können. Im Vergleich zur
Begutachtung im Jahr 2013 hätten sich keine neuen Diagnosen ergeben. Hinsichtlich
der vermuteten diabetischen Polyneuropathie sei die Untersuchung asymptomatisch
gewesen. Der Versicherte gehe zweimal pro Woche zur Physiotherapie. Eine
Symptomausweitung bzw. ein Verdeutlichungsverhalten sei auch hier diskutiert
worden. Im neurologischen Teilgutachten vom 2. Februar 2017 hielt der Gutachter
zudem fest (IV-act. 217-95 ff.), aufgrund der Schmerzen des Versicherten sei die
neurologische Untersuchung eingeschränkt beurteilbar gewesen. Schmerz lasse sich
formal nicht objektivieren. Die einzigen in der neurologischen Untersuchung
objektivierbaren pathologischen Befunde – nicht auslösbare ASR, herabgesetzter
Vibrationssinn in den Füssen, die auf eine diabetische Polyneuropathie hindeuteten –
hätten beim Versicherten aktuell keine funktionelle Relevanz gehabt. Auch wenn es
angesichts der starken Beschwerden des Versicherten paradox erscheine, gebe es aus
neurologischer Sicht keine Diagnose, welche die Arbeitsfähigkeit als Gipser
einschränken würde. Aufgrund der Beschwerden könne dem Versicherten eine 20%ige
Arbeitsunfähigkeit im Sinne eines erhöhten Pausenbedarfs zugebilligt werden. Dies
gelte auch für jegliche Verweistätigkeit. Die pneumologischen Gutachter teilten mit (IV-
act. 172-14), aufgrund des frühzeitigen Abbruchs sei der 6-Minuten-Gehtest nur
begrenzt verwertbar gewesen. Die Lungenfunktion sei unauffällig gewesen. Die
Polygraphie sei nicht ganz zufriedenstellend gewesen; da aber eine Schlafapnoe mit
einer Maskentherapie adäquat behandelt werden könne, könne hieraus keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden. Im pneumologischen
Teilgutachten vom 6. Februar 2017 gaben sie zudem an (IV-act. 217-102), im Vergleich
zur Begutachtung im Jahr 2013 habe sich ein stationäres Bild gezeigt. Vordergründig
habe sich keine pneumologische Limitierung objektivieren lassen. Bezugnehmend auf
die Lungenfunktion bestehe in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit
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eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. In der Gesamtbeurteilung kamen die Sachverständigen
zum Schluss (IV-act. 217-16 ff.), als günstig zu bewerten sei die familiäre Anbindung
des Versicherten. Die Haltung des Versicherten sei defizitorientiert, passiv und auf die
Schmerzen fixiert. Die innere Überzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, sei
mehrfach kommuniziert worden. Aufgrund des Antwortverhaltens, der
Symptomdarstellung und der Präsentation der Beschwerden seien teils erhebliche
Hinweise auf starke Verdeutlichungs- bzw. Aggravationstendenzen festzustellen
gewesen. Aufgefallen sei, dass der Versicherte seine Symptome nicht detailliert und
teilweise gar nicht habe schildern können. Teilweise habe er seine Angaben auch
revidiert. Die Angabe des Versicherten, in den letzten zehn Jahren habe er alles
Mögliche getan, um seine Gesundheit zu verbessern, stehe im Widerspruch zu den
schlechten Laborwerten in den Jahren 2013 und 2017 und den Hinweisen auf eine
Incompliance bezüglich des Medikamentenspiegels. Insgesamt sei das hochauffällige
Verhalten in der Untersuchungssituation nicht im Rahmen einer psychischen Störung
zu erklären gewesen. Es entspreche auch nicht den Diagnosekriterien einer oder
mehrerer psychiatrischer Diagnosen. Die Sachverständigen attestierten dem
Versicherten – gleich wie in der Begutachtung im Jahr 2013 – eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gipser oder in
Bauarbeitertätigkeiten. Ohne eine Einschränkung der Präsenzzeit oder
Leistungsgeschwindigkeit seien Tätigkeiten ohne das Hantieren mit Lasten von mehr
als 7 kg bis höchstens 12 kg, ohne gehäuft gebückt, kniend oder kauernd zu
verrichtende Tätigkeiten, ohne ausschliesslich im Stehen oder Gehen (erlaubt bis zu
2/3 der Zeit) oder mit wiederholten rotativen Oberkörperbewegungen oder gehäuft über
Kopf zu verrichtende Tätigkeiten möglich. Sie hielten fest, die Einschätzung des
Beginns der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei identisch mit jener im
Gutachten aus dem Jahr 2013.
Mit einem Vorbescheid vom 16. Juni 2017 (IV-act. 224) teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, sie beabsichtige, das Rentenbegehren bei einem IV-Grad von 4%
abzuweisen. Zur Begründung gab sie an, die erneute Abklärung durch das asim habe
ergeben, dass der Versicherte in der zuletzt ausgeübten, angestammten Tätigkeit zu
100% arbeitsunfähig sei. In einer adaptierten Tätigkeit sei er dagegen ohne eine
Einschränkung der Präsenzzeit oder der Leistungsgeschwindigkeit zu 100%
B.d.
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C.
arbeitsfähig. Dem Beschwerdeführer wäre es ohne gesundheitliche Beeinträchtigung
möglich, ein mutmassliches Jahreseinkommen in der Höhe von Fr. 69'169.-- (der
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2015 angepasstes Einkommen des Jahres 2014
im Baugewerbe gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik) zu
erzielen. In einer adaptierten Tätigkeit könnte er ein Einkommen in der Höhe von
Fr. 66'719.-- (Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik, Privater Sektor,
Niveau 1, der Nominallohnentwicklung auf das Jahr 2015 angepasstes Einkommen im
Jahr 2014, vgl. IV-act. 223) erzielen. Der Versicherte erhob dagegen keinen Einwand.
Mit einer Verfügung vom 4. September 2017 (IV-act. 226) wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren ab.
B.e.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 30. September 2017
(Postaufgabe: 2. Oktober 2017) eine Beschwerde (act. G 1). Er beantragte die
Aufhebung der Verfügung vom 4. September 2017 und die Zusprache einer ganzen
Rente. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Zur Begründung
führte er sinngemäss an, sein Gesundheitszustand habe sich seit dem Jahr 2009
verschlechtert. Dies sei auch im Gutachten des asim vom 30. Mai 2017 festgestellt
worden. Dr. G._ werde noch separat zum Gutachten Stellung nehmen. Gemäss
Dr. G._ sei er zu 100% arbeitsunfähig. Die Gutachter des asim seien nicht
unabhängig. Ihm sei gesagt worden, dass er krank sei und nicht arbeiten könne. Er sei
anlässlich der Begutachtung sogar von Ärzten mit dem Rollstuhl zum Parkplatz
gebracht worden.
C.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 7. Dezember
2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, das asim-Gutachten vom 30. Mai 2017 sei ausführlich abgefasst
worden und dessen Schlussfolgerungen seien zusammen mit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung in jeder Hinsicht nachvollziehbar. Die psychiatrische
Gutachterin habe sich mit den beiden Arztberichten von Dr. G._ vom 7. Juli 2014 und
13. April 2016 auseinandergesetzt und zu Recht ausgeführt, Dr. G._ habe keine
exakten Befunde aufgeführt und das erheblich inkonsistente Verhalten des
Beschwerdeführers nicht gewürdigt. Dr. G._ habe seine Arbeitsfähigkeitsschätzung
C.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
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Erwägungen
1.
schwergewichtig auf die Schilderungen des Beschwerdeführers gestützt. Die
Arbeitsfähigkeit eines Versicherten sei jedoch aufgrund von objektiven Faktoren zu
bestimmen. Der Beschwerdeführer berufe sich daher zu Unrecht auf die Berichte von
Dr. G._.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. act. G 7).C.c.
Der Beschwerdeführer hat sich am 5. Mai 2016 (Posteingang: 9. Mai 2016),
nachdem die Beschwerdegegnerin mit einer Verfügung vom 26. August 2014 einen
Rentenanspruch abgewiesen hatte, erneut zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet.
Die Verfügung vom 26. August 2014 ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Bei
der Anmeldung vom 5. Mai 2016 handelt es sich somit um eine Neuanmeldung.
1.1.
Gemäss Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Der Beschwerdeführer hat mit der Anmeldung einen Bericht von
Dr. G._ vom 13. April 2016 und einen Bericht von Dr. H._ vom 18. Januar 2016
eingereicht. Dr. G._ hat angegeben, das Zustandsbild des Beschwerdeführers habe
sich trotz verschiedener Versuche mit Antidepressiva nicht gebessert. Auch eine
psychiatrische Hospitalisation habe bezüglich der Symptome kaum eine Veränderung
gebracht. Der Beschwerdeführer leide nach wie vor an einer chronifizierten, mindestens
mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10 F32.11) und an einer Panikstörung (ICD-10
F41.0). Im Bericht vom 7. Juli 2014 hatte er eine mittelgradige depressive Episode mit
einem somatischen Syndrom (ICD-10 F32.11) und eine Panikstörung (ICD-10 F41.0)
festgehalten. Bis auf den Hinweis, dass der Beschwerdeführer psychiatrisch
hospitalisiert gewesen sei, enthält der Bericht von Dr. G._ vom 13. April 2016 keine
Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des Gesundheitszustands. Der
Beschwerdeführer hat sich vom 18. November 2015 bis 16. Dezember 2015 in der
Klinik J._ aufgehalten. Dr. H._ hat im Bericht vom 18. Januar 2016 als Diagnosen
ebenfalls eine chronifizierte mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und eine
Panikstörung (ICD-10 F41.0) angegeben. Im Befund hat sie unter anderem notiert, der
Beschwerdeführer habe bei Klinikeintritt und -austritt über optische Halluzinationen und
Stimmenhören berichtet ("er sehe seinen verstorbenen Bruder, welcher ihn auch rufe").
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
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2.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 4. September
2017 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad von 4%
verneint. Strittig ist somit, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente
hat.
3.
Über diese Befunde ist zuvor nicht berichtet worden. Aufgrund der Tatsache, dass bei
der stationären psychiatrischen Behandlung neue Befunde erhoben worden sind, hat
die Möglichkeit bestanden, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
nach Erlass der Verfügung vom 26. August 2014 verschlechtert haben könnte. Damit
ist eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht gewesen. Die
Beschwerdegegnerin ist somit zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
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4.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu das
asim des Universitätsspitals Basel mit der Erstellung eines polydisziplinären
Gutachtens (internistisch, psychiatrisch, rheumatologisch, neurologisch und
pneumologisch) beauftragt. Im Gutachten vom 30. Mai 2017 ist angegeben worden, in
der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gipser oder in Bauarbeitertätigkeiten bestehe eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit. Ohne eine Einschränkung der Präsenzzeit oder
Leistungsgeschwindigkeit seien Tätigkeiten ohne das Hantieren mit Lasten von mehr
als 7 kg bis höchstens 12 kg, ohne gehäuft gebückt, kniend oder kauernd zu
verrichtende Tätigkeiten, ohne ausschliesslich im Stehen oder Gehen (erlaubt bis zu
2/3 der Zeit) oder mit wiederholten rotativen Oberkörperbewegungen oder gehäuft über
Kopf zu verrichtende Tätigkeiten möglich. Den Beginn der Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit schätzten die Gutachter als identisch mit jenem im asim-
Gutachten aus dem Jahr 2013, also seit dem 31. Oktober 2005, ein. Strittig und im
Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob
es die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.
4.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass die psychiatrische Gutachterin die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
4.2.
Alle Sachverständigen des asim haben den Beschwerdeführer persönlich
untersucht und seine subjektiven Klagen aufgenommen. Sie haben die objektiven
klinischen Befunde wiedergegeben, umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt
und diese gewürdigt. Bis auf die psychiatrische Gutachterin haben alle
Sachverständigen aus objektiver Sicht eine Diagnose stellen und eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgeben können respektive festgehalten, dass keine
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
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Befunde vorgelegen hätten, gestützt auf die sie eine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit hätten stellen können. Nur der neurologische Gutachter hat im
Teilgutachten trotz fehlender, die Arbeitsfähigkeit einschränkender Diagnose wegen der
starken Beschwerden eine Arbeitsunfähigkeit von 20% in der angestammten Tätigkeit
und in jeglicher Verweistätigkeit im Sinne eines erhöhten Pausenbedarfs attestiert.
Diese Einschätzung ist – aus der Sicht eines medizinischen Laien – nicht überzeugend.
Der neurologische Gutachter hat sich dabei nämlich auf Befunde aus einem
fachfremdem Gebiet, der Rheumatologie, gestützt; die Diagnose eines chronischen
thorako-lumbovertebralen Schmerzsyndroms hat der rheumatologische Gutachter
gestellt. In der Gesamtbeurteilung sind die Gutachter zum Schluss gelangt, dass in
einer adaptierten Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Der
neurologische Gutachter hat das Gutachten vom 30. Mai 2017 unterzeichnet (IV-
act. 217-21). Offensichtlich hat er anlässlich der Konsensbesprechung seine
Beurteilung korrigiert und ist davon ausgegangen, dass aus neurologischer Sicht keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit besteht. Die
psychiatrische Gutachterin hat keine Diagnose mit oder ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit stellen können. Aus dem psychiatrischen Teilgutachten geht klar
hervor, dass der Beschwerdeführer sowohl während als auch nach der Untersuchung
ein inkonsistentes, hochauffälliges Verhalten gezeigt hat und nicht bloss ein
Verdeutlichungsverhalten, sondern Aggravationstendenzen festzustellen gewesen sind.
Wegen diesen Verdeutlichungs- und Aggravationstendenzen hat die psychiatrische
Gutachterin keine Diagnose stellen können. Immerhin hat sie feststellen können, dass
das Zustandsbild des Beschwerdeführers sehr ähnlich demjenigen gewesen ist,
welches der Beschwerdeführer anlässlich der Begutachtung im Jahr 2013 gezeigt
hatte. Sie hat ausgeführt, es hätten Hinweise darauf bestanden, dass die Diagnose
einer Entwicklung psychischer Symptome aus somatischen Gründen (ICD-10 F54)
weiterhin vorliege. Schliesslich hat sie die nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung anwendbaren Standardindikatoren berücksichtigt; aufgrund der
Aggravationstendenzen hat sie jedoch nicht zu sämtlichen Standardindikatoren eine
medizinische Beurteilung abgeben können. Da die psychiatrische Gutachterin keine
Veränderung des Gesundheitszustands hat feststellen können, da auch der
internistische und der rheumatologische Gutachter eine Symptomverdeutlichung bzw.
ein Schmerzvermeidungs- und Verdeutlichungsverhalten festgestellt haben und da
bereits im asim-Gutachten vom 3. September 2013 über Verdeutlichungs- und
Aggravationstendenzen berichtet worden war, ist es überwiegend wahrscheinlich, dass
sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der
Begutachtung im Jahr 2013 nicht verschlechtert und damit keine die Arbeitsfähigkeit
einschränkende psychische Störung vorgelegen hat. In Bezug auf die Berichte von
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Dr. G._ und Dr. H._, welche dem Beschwerdeführer schwerwiegendere
psychiatrische Diagnosen attestiert haben als der psychiatrische Gutachter des asim
Gutachten vom 3. September 2013 und damit – implizit – auch der psychiatrischen
Gutachterin im Gutachten vom 30. Mai 2017, ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer in den entsprechenden Untersuchungen ebenfalls ein
Verdeutlichungs- und Aggravationsverhalten gezeigt hat. Dr. H._ hat bei der
Psychopathologie beim Eintritt sogar festgehalten, die Angaben des
Beschwerdeführers seien mehrmals widersprüchlich und sehr wechselhaft gewesen.
Im formalen Denken sei der Beschwerdeführer umständlich und vorbeiredend bei
normaler Denkgeschwindigkeit gewesen. Bei der Würdigung der Angaben von
Dr. G._ und Dr. H._ ist im Übrigen der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
dass die behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im
Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und dazu neigen, die
pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu
qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353, E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03, E. 2.4.2). Die Berichte von Dr. G._
und Dr. H._ vermögen den Beweiswert des Gutachtens daher nicht zu schmälern.
Zu prüfen bleibt, ob die Einwände des Beschwerdeführers Zweifel am Gutachten
zu wecken vermögen. Der Beschwerdeführer hat sinngemäss geltend gemacht, sein
Gesundheitszustand habe sich seit dem Jahr 2009 verschlechtert. Dies sei auch im
asim-Gutachten vom 30. Mai 2017 festgestellt worden. Tatsächlich ist im asim-
Gutachten keine Verschlechterung des Gesundheitszustands mit einer Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit festgestellt worden. Der
Beschwerdeführer hat sein Vorbringen weder näher ausgeführt noch entsprechende
Arztberichte eingereicht. Dieser Einwand ist somit nicht stichhaltig. Des Weiteren hat er
eingewendet, Dr. G._ habe ihm eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. In den
Akten ist kein Bericht oder Zeugnis von Dr. G._ enthalten, in dem eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden wäre. Der vom Beschwerdeführer in Aussicht
gestellte Bericht von Dr. G._ zum Gutachten ist nicht eingegangen. Da angesichts
der obigen Ausführungen betreffend die Berichte von Dr. G._ nicht zu erwarten
gewesen ist, dass die Einholung eines Berichts zu neuen Erkenntnissen geführt hätte,
hat das Versicherungsgericht darauf verzichten können. Auch dieser Einwand ist damit
nicht stichhaltig. Der Beschwerdeführer hat weiter geltend gemacht, die Gutachter des
asim seien nicht unabhängig. Ihm sei nämlich gesagt worden, dass er krank sei und
nicht arbeiten könne. Anlässlich der Begutachtung sei er sogar von Ärzten mit dem
Rollstuhl zum Parkplatz gebracht worden. Warum dies auf eine mögliche Befangenheit
der Gutachter schliessen lassen sollte, ist nicht nachvollziehbar.
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
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5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einwände des Beschwerdeführers
keine Zweifel am asim-Gutachten vom 30. Mai 2017 zu wecken vermögen. Dieses ist in
Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung als beweiskräftig einzustufen. Damit ist mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der
Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Gipser und auch in anderen
Bauarbeitertätigkeiten seit dem 31. Oktober 2005 vollständig arbeitsunfähig gewesen
ist. Ohne eine Einschränkung der Präsenzzeit oder Leistungsgeschwindigkeit sind
Tätigkeiten ohne das Hantieren mit Lasten von mehr als 7 kg bis höchstens 12 kg,
ohne gehäuft gebückt, kniend oder kauernd zu verrichtende Tätigkeiten, ohne
ausschliesslich im Stehen oder Gehen (erlaubt bis zu 2/3 der Zeit) oder mit
wiederholten rotativen Oberkörperbewegungen oder gehäuft über Kopf zu
verrichtenden Tätigkeiten möglich gewesen.
4.5.
Nachdem der Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, ist der von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene Einkommensvergleich zu überprüfen. Zunächst ist massgebend, auf
welcher Basis der Einkommensvergleich durchzuführen ist. Der Rentenanspruch
entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung des
Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG). Anspruch auf eine Rente haben Versicherte,
die unter anderem während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG). Der Beschwerdeführer ist in der Tätigkeit als Gipser überwiegend wahrscheinlich
seit dem 31. Oktober 2005 vollständig arbeitsunfähig gewesen. Das Wartejahr ist damit
am 30. September 2006 erfüllt gewesen. Im Mai 2016 hat er sich erneut zum
Leistungsbezug angemeldet. Der potentielle Rentenbeginn ist damit auf den
1. November 2016 festzusetzen. Basis für den Einkommensvergleich bilden somit die
Verhältnisse im Jahr 2016.
5.1.
Der Beschwerdeführer hat angegeben, in seinem Heimatland eine Ausbildung zum
Mechaniker absolviert zu haben. In der Schweiz hat er seit 1981 – mit Unterbrüchen –
als angelernter Gipser gearbeitet. Bei der C._ AG ist er von Mai 1998 bis Juni 2002
als Gipser angestellt gewesen (IV-act. 15). Anschliessend hat er temporär als Gipser
gearbeitet, Arbeitslosengelder bezogen und sich in einem Beschäftigungsprogramm
betätigt (vgl. IK-Auszug, IV-act. 201; ABI-Gutachten vom 11. April 2008, IV-act. 33-6).
Ab dem Jahr 2010 ist er nicht mehr erwerbstätig gewesen. Wenn der
Beschwerdeführer nicht arbeitslos geworden wäre, hätte er überwiegend
wahrscheinlich bis zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit am 31. Oktober 2005 weiterhin
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
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als Gipser gearbeitet. Die Validenkarriere besteht damit in einer Tätigkeit als
angelernter Gipser. Die C._ AG hat im August 2006 angegeben, der
Beschwerdeführer würde ohne Gesundheitsschaden aktuell Fr. 5'500.-- monatlich
verdienen. Dies ergibt für das Jahr 2006 ein Jahreseinkommen in der Höhe von
Fr. 71'500.-- (inklusive 13. Monatslohn, vgl. Art. 9.6 des Gesamtarbeitsvertrags
2016-2019 für das Maler- und Gipsergewerbe, gültig ab 1. Juni 2016). Dies stimmt mit
den Angaben im IK-Auszug weitgehend überein, laut denen der Beschwerdeführer im
Jahr 2000 (Januar bis Dezember) Fr. 68'400.--, im Jahr 2001 (Januar bis Dezember)
Fr. 69'540.-- und im Jahr 2002 (Januar bis Juni) Fr. 35'185.-- verdient hat. Das
Valideneinkommen hat somit im Jahr 2006 Fr. 71'500.-- betragen. Dieses ist anhand
des Nominallohnindex 1993-2010 und 2011-2018 des Bundesamts für Statistik, T1.93,
Baugewerbe, aufzurechnen. Für das Jahr 2016 beträgt es somit Fr. 78'390.--
(Fr. 71'500.-- x 126.3 : 115.2 = Fr. 78'390.--).
In Bezug auf die Bemessung des Invalideneinkommens ist massgebend, dass der
Beschwerdeführer in der Schweiz keine Berufsausbildung absolviert hat. Ihm steht
daher einzig eine Karriere als Hilfsarbeiter offen. Praxisgemäss ist auf den statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne, vorliegend Fr. 66'803.-- für das Jahr 2016 gemäss
der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (vgl. Anhang 2 der IV-Ausgabe
der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019), abzustellen. Der Beschwerdeführer hat
aufgrund des Anforderungsprofils für adaptierte Tätigkeiten (kein Hantieren mit Lasten
von mehr als 7 kg bis höchstens 12 kg, keine gehäuft gebückt, kniend oder kauernd zu
verrichtende Tätigkeiten, keine ausschliesslich im Stehen oder Gehen [erlaubt bis zu
2/3 der Zeit] oder mit wiederholten rotativen Oberkörperbewegungen oder gehäuft über
Kopf zu verrichtende Tätigkeiten) im Vergleich zu einem gesunden Hilfsarbeiter keine
Möglichkeit mehr, ein Einkommen in der Höhe von Fr. 66'803.-- zu erzielen. Aus der
Sicht eines betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnden Arbeitgebers ist der Wert
der Arbeitsleistung des Beschwerdeführers vermindert. Er wäre unfähig, bei einem
betrieblichen Bedarf vorübergehend Überstunden zu leisten oder sich an einem nicht
adaptierten Arbeitsplatz einsetzen zu lassen. Längerfristig betrachtet bestünde zudem
das Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Absenzen. Geht man von einem
ökonomischen Invaliditätsbegriff aus bzw. will man einen Soziallohnanteil ausscheiden,
ist wegen diesen Nachteilen, die zwingend zu einem Minderlohn führen würden, bei der
Ermittlung des Ausgangswerts des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
eine Korrektur vom Zentralwert vorzunehmen. Bei einer grosszügigen Vorgehensweise
beträgt der Tabellenlohnabzug vorliegend maximal 10%. Damit beläuft sich das
zumutbare Invalideneinkommen auf Fr. 60'123.--. Die Arbeitsfähigkeit von 100% in
einer behinderungsangepassten Hilfstätigkeit ist verwertbar. Dem Beschwerdeführer ist
5.3.
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6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Sie ist durch den von diesem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt.