Decision ID: 6d871a41-c45c-54ef-8e09-484ada8b2fbb
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ nachfolgend: Versicherte oder Beschwerdeführerin), geboren
am (...) 1964, ist schweizerische und türkische Staatsangehörige. Sie ist
seit 20. Mai 2014 wieder verheiratet und hat einen Sohn und zwei Töchter
(geb. 1981, 1988 und 2006; vgl. Vorakten der IV, auch: «IV-Akten» [IV] 209,
218, 230, 267.3). Sie lebte und arbeitete seit 1979 (oder 1973 [vgl. IV 2] in
der Schweiz, zuletzt als Pflegehilfe und Küchenangestellte im städtischen
Alters- und Pflegeheim in (...) (IV 6.3, 11, 16, 119, 210). Ab 1. Oktober 2011
wohnte sie in der Türkei in (...) (IV 149, 150.12-14, 151). Per 1. Oktober
2015 meldete sie sich wieder in der Schweiz in (...) an (IV 270 f.). Per
1. September 2017 kehrte sie in die Türkei zurück (IV 310).
B.
B.a Am 30. November 2001 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle
B._ zum Bezug von IV-Leistungen an und machte eine Behinde-
rung beim Stehen und Gehen wegen eines Mortonneuroms Digitum III-IV
links mit postoperativ persistierendem Schmerzsyndrom, verschlimmert
seit September 1999, geltend (IV 6, 13-15, 24-25, 29-30, 35-38). Ab August
2003 wurde sie wegen einer depressiven Episode bei psychosozialer Be-
lastungssituation (ICD-10 F32.11) und «schädlichem Gebrauch von Alko-
hol in Krisensituationen» (F11.1) im Psychiatriezentrum C._ statio-
när, danach in der Tagesklinik und vom 28. September – 22. Dezember
2004 nochmals stationär behandelt. Im Bericht des Psychiatriezentrums
vom 31. Dezember 2004 wurden Halswirbelsäulenbeschwerden seit ca.
3 1⁄2 Jahren angegeben (IV 44-46, 51-53, 65-69, 75-77). Mit Verfügungen
vom 29. April und 28. Juni 2005 sprach die IV-Stelle B._ der Versi-
cherten ab Januar 2002 – Oktober 2003 eine halbe IV-Rente (bei 59%-IV-
Grad), eine ganze Rente von November 2003 – Oktober 2004 sowie eine
halbe Rente ab November 2004 (bei 54.41 % IV-Grad), je mit einer Kinder-
rente für die Tochter D._, zu. Die Rentennachzahlungen für Januar
2002 – April 2005 erfolgten direkt an die Sozialen Dienste (...) (vgl. IV 81
f., 84-86, 94-95, 101-107).
B.b Am 12. Januar 2007 leitete die IV-Stelle B._ ein Revisionsver-
fahren ein und am 16. März 2007 machte die Versicherte eine Verschlech-
terung ihres Gesundheitszustands geltend (IV 116, 122). Nach Einholung
je eines Berichts des Psychiatriezentrums C._, des Regionalärztli-
chen Dienstes (nachfolgend: RAD) und der Erstellung eines Erwerbsver-
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Seite 3
gleichs (IV 120 f., 123, 126.3, 130), teilte die IV-Stelle B._ der Ver-
sicherten mit Verfügung vom 6. September 2007 mit, eine Verschlechte-
rung des Gesundheitszustandes sei nicht ausgewiesen, es liege ein
IV-Grad von 55 % vor. Die laufende halbe IV-Rente werde deshalb nicht
erhöht (IV 137).
B.c Die für die mittlerweile in die Türkei umgezogene Versicherte zustän-
dige IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend auch: Vor-
instanz; vgl. IV 151, 156 f.) prüfte ab Februar 2013 die Durchführung einer
zweiten Revision (IV 223-225). Am 30. Oktober 2013 stellte ihr medizini-
scher Dienst gestützt auf einen eingeholten psychiatrischen Kurzbericht
vom 1. Oktober 2013 (IV 252-253) fest, eine Verbesserung könne nicht
nachgewiesen werden, und empfahl die Einholung einer psychiatrischen
Untersuchung (IV 260.1-3). Gestützt darauf teilte die IVSTA der Versicher-
ten am 6. November 2013 mit, die Überprüfung des Invaliditätsgrades
habe keine anspruchsbeeinflussende Änderung ergeben. Es bestehe wei-
terhin ein Anspruch auf die entsprechenden Leistungen (IV 261).
B.d
B.d.a Am 28. Juni 2016 stellte die seit 1. Oktober 2015 wieder in (...) wohn-
hafte Versicherte (IV 270) bei der IV-Stelle B._ einen Revisionsan-
trag zur Erhöhung ihrer Invalidenrente wegen einer Verschlechterung ihres
Gesundheitszustands (IV 274). Sie übermittelte einen Bericht der psychi-
atrischen Universitätsklinik E._ vom 2. Februar 2016 zum stationä-
ren Aufenthalt vom 5. Januar – 2. Februar 2016, einen Bericht des in der
Türkei behandelnden Psychiaters vom 4. September 2015 sowie Angaben
zu den in der Schweiz aktuell behandelnden Ärzten (IV 272-273). Im ein-
gereichten Fragebogen vom 23. August 2016 machte sie ausser der psy-
chiatrischen Behandlung eine Behandlung wegen eines Bandscheibenvor-
falls geltend (IV 277.2).
B.d.b Nachdem die IV-Stelle B._ ihre Unzuständigkeit festgestellt
hatte, übermittelte sie das Gesuch an die IV-Stelle F._ (IV 275). Die
IV Stelle F._ holte in der Folge bei der IVSTA das Aktendossier, Ver-
laufsberichte der in der Schweiz behandelnden Ärzte (IV 278 ff., 282-285)
und auf Anweisung des RAD (vgl. IV 304.3-4) ein bidisziplinäres Gutachten
Neurologie-Psychiatrie bei Dr. G._, Neurologe und Psychiater, ein.
Dieses wurde am 29. Mai 2017 erstattet und vom Gutachter auf Nachfrage
der IV-Stelle F._ am 21. Juni 2017 ergänzt (IV 296, 299). Am 5. Juli
2017 nahm der RAD nochmals Stellung (IV 304.5). Mit Vorbescheid vom
C-6444/2017
Seite 4
24. Juli 2017 teilte die IV-Stelle F._ der Versicherten mit, die Rente
werde nach Zustellung der Verfügung per Ende des folgenden Monats auf-
gehoben und einer Beschwerde gegen diese Verfügung werde die auf-
schiebende Wirkung entzogen. Am 25. September 2017 verfügte die
IV-Stelle F._ wie angekündigt (IV 305, 308).
B.d.c Weil die Versicherte seit 1. September 2017 wieder in der Türkei
wohnhaft war, stellte die IV-Stelle F._ intern fest, sie sei im Verfü-
gungszeitpunkt vom 25. September 2017 für die Verfügung unzuständig
gewesen (vgl. IV 310). Demzufolge verfügte die IVSTA am 10. Oktober
2017 neu über die Einstellung der Invalidenrente der Versicherten – ent-
sprechend der ursprünglichen Verfügung vom 25. September 2017
(IV 321.1-2). Am 29. November 2017 übermittelte die IV-Stelle F._
die Akten an die IVSTA (IV 313 f., 316).
C.
C.a Mit Eingabe vom 15. November 2017 erhob die Beschwerdeführerin –
vertreten durch Rechtsanwältin Korinna Fröhlich – gegen die Verfügung
vom 10. Oktober 2017 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei festzu-
stellen, dass sie weiterhin einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
habe, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Vorinstanz.
Sie rügte im Wesentlichen die Verletzung ihres rechtlichen Gehörs im Hin-
blick auf die Unvollständigkeit der Akten und die Begründung der Verfü-
gung. Auch der Sachverhalt sei nicht korrekt abgeklärt worden. Sie bean-
tragte ausserdem die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde (Beschwerdeakten [B-act.] 1). Mit Eingabe vom 6. Dezember
2017 ergänzte sie (nach Eingang der Akten der IV-Stelle F._; vgl.
IV 314) ihre Anträge und ihre Begründung (B-act. 4).
C.b Am 23. Januar 2018 ging innert erstreckter Frist (vgl. B-act. 6) der auf-
erlegte Kostenvorschuss von Fr. 800.– ein (B-act. 8).
C.c In ihrer Vernehmlassung zur Frage nach der Erteilung der aufschie-
benden Wirkung beantragte die Vorinstanz am 13. Februar 2018 – nach
Einholung einer Stellungnahme der IV-Stelle F._ vom 9. Februar
2018 – die Abweisung des Antrags (B-act. 10). Mit Zwischenverfügung vom
22. Februar 2018 wies das Bundesverwaltungsgericht den Antrag auf Wie-
derherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ab (B-act.
11).
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Seite 5
C.d Nachdem die Beschwerdeführerin weitere aktuelle medizinische Be-
richte von Februar und März 2018 eingereicht hatte, beantragte die
IV-Stelle F._ am 25. April 2018 vernehmlassungsweise die Abwei-
sung der Beschwerde und verwies vollumfänglich auf ihre Vorakten. Die
Vorinstanz schloss sich der Vernehmlassung der IV-Stelle F._ am
30. April 2018 an (B-act. 15).
C.e Mit Verfügung vom 14. Mai 2018 übermittelte der Instruktionsrichter die
Vernehmlassungen an die Beschwerdeführerin zur Kenntnisnahme und
schloss den Schriftenwechsel ab (B-act. 16).
C.f Am 21. Februar 2019 teilte die Rechtsvertreterin Korinna Fröhlich mit,
sie vertrete die Beschwerdeführerin wegen Geschäftsaufgabe ab sofort
nicht mehr (B-act. 17). Am 23. April 2019 teilte die Rechtsanwältin Claudia
Mock Eigenmann unter Vorlage einer unterzeichneten Vollmacht mit, sie
vertrete die Beschwerdeführerin neu (B-act. 18).
D.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird
– soweit erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG (SR 831.20) sowie Art. 5 VwVG beurteilt das Bundesver-
waltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügun-
gen der IVSTA. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Zum in Frage stehenden Anfechtungsobjekt ergibt sich Folgendes.
1.2.1 Das Voraktendossier enthält zwei im Wesentlichen gleichlautende
Verfügungen betreffend die Aufhebung der IV-Rente der Versicherten, die-
jenige vom 25. September 2017, welche die IV-Stelle F._ verfügte
(IV 308), und die im vorliegenden Verfahren angefochtene Verfügung der
IVSTA vom 10. Oktober 2019 (IV 321.1-2).
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Seite 6
1.2.2 Die IV-Stelle F._ geht davon aus, dass die von ihr ausgestellte
Verfügung vom 25. September 2017 der Versicherten – die ihren Wohnsitz
seit 1. September in der Türkei hatte – zufolge Umzugs nicht eröffnet wer-
den konnte, und dass sie zudem gar nicht mehr für die Beschwerdeführerin
zuständig gewesen sei, um über den Anspruch der Versicherten zu verfü-
gen. Sie beauftragte deshalb die Vorinstanz, die Verfügung der Beschwer-
deführerin nochmals rechtmässig zu eröffnen (vgl. IV 310 und hiernach
E. 2.2). Es finden sich in den Akten jedoch keine Hinweise dazu, dass die
IV-Stelle F._ die Verfügung explizit für ungültig erklärt oder aufge-
hoben hätte.
1.2.3 Die Beschwerdeführerin äussert sich nicht zu dieser Konstellation,
sie fordert die IVSTA einzig per E-Mail auf, ihr zu bestätigen, dass sie die
angefochtene Verfügung vom 10. Oktober 2017 am 30. Oktober 2017 er-
halten habe (IV 321.9). Explizit angefochten hat sie die Verfügung vom
25. September 2017 – auch nachdem sie im Verwaltungsgerichtsverfahren
Kenntnis von den Akten der IV-Stelle F._ genommen hatte – nicht.
1.2.4 Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass die Verfügung vom 25. Sep-
tember 2017 der Versicherten eröffnet worden wäre. Dies wird von den
Parteien auch nicht behauptet. Demnach konnte sie ihr gegenüber auch
keine Rechtswirksamkeit entfalten, da ihr aus einer mangelhaften Eröff-
nung kein Nachteil erwachsen darf (Art. 38 VwVG). Die Verfügung vom
25. September 2017 ist demnach – wie die IV-Stelle F._ davon aus-
zugehen scheint – als nicht rechtsgültig eröffnet zu betrachten. Sie konnte
damit nicht wirksam werden, zumal sie durch die IVSTA am 10. Oktober
2017 neu verfügt wurde.
1.2.5 Demnach ergibt sich, dass im vorliegenden Verfahren einzig die von
der IVSTA am 10. Oktober 2017 datierte Verfügung das Anfechtungsobjekt
darstellt, für deren Beurteilung das Bundesverwaltungsgericht zuständig ist
(oben E. 1.1).
1.3 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Indes findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das ATSG (SR 830.1) anwend-
bar ist.
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1.4 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; sie ist durch die angefochtene Verfügung vom 10. Oktober 2017 be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59
ATSG). Sie ist daher zur Beschwerde legitimiert.
1.5 Die angefochtene Verfügung wurde am 10. Oktober 2017 datiert und
der Beschwerdeführerin mit Rückschein eröffnet (vgl. IV 321.1). Die Be-
schwerde wurde am 15. November 2017 (Poststempel) eingereicht. In Be-
rücksichtigung des Postlaufs von der Schweiz in die Türkei, sowie der Tat-
sache, dass die betreffend die Einhaltung der Beschwerdefrist rechtspre-
chungsgemäss mit der Beweislast beschwerte Vorinstanz (vgl. BGE 124
V 400 E. 2a m. H und z. B. Urteil des BVGer C-5180/2018 vom 11. März
2019 S. 3 in fine m. H. auf das Urteil des EVGE I 458/01 vom 11. Septem-
ber 2001 E. 2b) weder den Rückschein einreicht noch bestreitet, dass die
Beschwerde fristgerecht eingereicht wurde, ist von der fristgerechten Ein-
reichung der Beschwerde auszugehen (vgl. ATSG 60 i.V.m. Art. 38 Abs. 1
und 2 ATSG).
1.6 Da die Beschwerde im Übrigen formgerecht eingereicht und der Kos-
tenvorschuss fristgerecht geleistet wurde (oben Bst. C.b), ist auf die Be-
schwerde einzutreten (Art. 52 VwVG und Art. 63 Abs. 4 VwVG).
2.
2.1 Gemäss Art. 40 Abs. 2quater IVV (SR 831.201) geht die Zuständigkeit an
die IV-Stelle für Versicherte im Ausland über, wenn eine versicherte Per-
son, die ihren Wohnsitz in der Schweiz hat, während des Verfahrens ihren
Wohnsitz ins Ausland verlegt.
2.2 Da die Beschwerdeführerin während dem hier in Frage stehenden
IV-Revisionsverfahren seit 28. Juni 2016 ihren Wohnsitz im Kanton
K._ hatte, war die IV-Stelle F._ zur Prüfung des Revisions-
verfahrens zuständig. Da die Beschwerdeführerin per 1. September 2017
ihren Wohnsitz in die Türkei verlegte, wechselte die Zuständigkeit im Sinne
von Art. 40 Abs. 2quater IVV vor Abschluss des Verfahrens und wurde die
angefochtene Verfügung vom 10. Oktober 2017 zu Recht von der IVSTA
erlassen.
3.
Angefochten ist die Verfügung der IVSTA vom 10. Oktober 2017, in welcher
eine halbe Invalidenrente revisionsweise aufgehoben wurde.
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Seite 8
3.1 Die Beschwerdeführerin ist schweizerische und türkische Staatsange-
hörige und wohnt in der Türkei. Die Prüfung ihres Anspruchs auf eine Rente
der schweizerischen Invalidenversicherung richtetet sich jedoch ungeach-
tet des am 1. Januar 1972 in Kraft getretenen Abkommens vom
1. Mai 1969 zwischen der Schweiz und der Republik Türkei über soziale
Sicherheit (SR 0.831.109. 763.1; nachfolgend: Sozialversicherungsab-
kommen) aufgrund der schweizerischen Staatsangehörigkeit allein nach
den schweizerischen Rechtsvorschriften.
3.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 10. Oktober 2017 in Kraft standen; weiter aber auch
Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren,
die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprü-
che von Belang sind.
3.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 10. Oktober 2017) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither ver-
ändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs-
verfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
4.
Die angefochtene Verfügung verstösst – wie nachfolgend aufzuzeigen ist
– sowohl in formeller (vgl. E. 4.1 ff.) wie auch in materieller Hinsicht
(E. 6.1 ff.) gegen Bundesrecht.
4.1 Die Beschwerdeführerin reichte zusammen mit der Beschwerde das
von der IVSTA erhaltene Aktenverzeichnis (B-act. 1 Bl. 3 = IV 321.3 ff.) ein
und rügte, die Akten seien unvollständig, insbesondere fehle das massge-
bende Gutachten von Dr. G._ und die Beurteilung des RAD. Sie sei
daher nicht in der Lage nachzuvollziehen, weshalb die Rente aufgehoben
worden sei. In der Folge übermittelte die IV-Stelle F._ der Be-
schwerdeführerin ihr Aktendossier (vgl. IV 314; «IV-Akten»).
4.1.1 Gemäss ständiger Rechtsprechung bildet die Aktenführungspflicht
von Verwaltung und Behörden das Gegenstück zum (aus Art. 29 Abs. 2 BV
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Seite 9
fliessenden) Akteneinsichts- und Beweisführungsrecht, indem die Wahr-
nehmung des Akteneinsichtsrechts durch die versicherte Person eine Ak-
tenführungspflicht der Verwaltung voraussetzt (BGE 130 II 473 E. 4.1, 124
V 372 E. 3b, 124 V 389 E. 3a).
4.1.2 Die Behörde ist verpflichtet, ein vollständiges Aktendossier über das
Verfahren zu führen, um gegebenenfalls ordnungsgemäss Akteneinsicht
gewähren und bei einem Weiterzug diese Unterlagen an die Rechtsmittel-
instanz weiterleiten zu können. Die Behörde hat alles in den Akten festzu-
halten, was zur Sache gehört. Der verfassungsmässige Anspruch auf eine
geordnete und übersichtliche Aktenführung verpflichtet die Behörden und
Gerichte, die Vollständigkeit der im Verfahren eingebrachten und erstellten
Akten sicherzustellen. Für die dem Allgemeinen Teil des Sozialversiche-
rungsrechts unterstellten Versicherer wurde in Art. 46 ATSG die Aktenfüh-
rungspflicht auf Gesetzesstufe konkretisiert. Danach sind für jedes Sozial-
versicherungsverfahren alle Unterlagen, die massgeblich sein können,
vom Versicherungsträger systematisch zu erfassen. Ferner sind die Unter-
lagen von Beginn weg in chronologischer Reihenfolge abzulegen; bei Vor-
liegen eines Gesuchs um Akteneinsicht und spätestens im Zeitpunkt des
Entscheids ist das Dossier zudem durchgehend zu paginieren. In der Re-
gel ist auch ein Aktenverzeichnis zu erstellen, welches eine chronologische
Auflistung sämtlicher in einem Verfahren gemachter Eingaben enthält (vgl.
zum Ganzen: Urteil des BVGer C-4400/2014 E. 3.1 ff. vom 26. Mai 2016
mit Hinweisen).
4.1.3 Am 13. Februar 2018 reichte die Vorinstanz dem Bundesverwal-
tungsgericht die IV-Akten der IV-Stelle F._ («IV-Akten») zusammen
mit deren Vernehmlassung zur aufschiebenden Wirkung (oben Bst. C.c)
ein. Allfällige eigene Akten der IVSTA wurden nicht eingereicht. Insbeson-
dere fehlen die IVSTA-Akten nach der Rücküberweisung an die IVSTA ab
Oktober 2017 (bspw. die Mitteilung, die Versicherte sei in die Türkei umge-
zogen und die IVSTA sei nunmehr zuständig [vgl. IV 310] und der Rück-
schein zur Verfügung vom 10. Oktober 2017). Zudem ist unklar betreffend
den Zeitraum von November 2011 – September 2015, in welcher die Be-
schwerdeführerin zwischenzeitlich in der Türkei lebte, ob die in den Akten
der IV-Stelle F._ befindlichen Akten der IVSTA (ca. IV 149 – 271)
den Angaben gemäss Aktenverzeichnis der IVSTA (vgl. IV 321.3 ff =
B-act. 1 Beil. 3) entsprechen, wobei die Aktennummerierung in IV 321.3 ff.
von der Nummerierung in den eingereichten Akten der IV-Stelle F._
abweicht. Weiter fällt bei den eingereichten «IV-Akten» auf, dass (u. a.)
medizinische Akten konsequent doppelt abgelegt wurden (z. B. IV 4 = 5,
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Seite 10
13.1-2 =14, 13.3-4 = 15, 24 = 25, etc.) und im Rahmen der Wechsel der
IV-Stellen dieselben Akten mehrfach aktenkundig sind (vgl. z. B. 99-100 =
150.7-10 [in unterschiedlicher Reihenfolge], 108 = 154.3-18 [in unter-
schiedlicher Reihenfolge] = 202). Weiter unklar bleibt, ob die IV-Stelle
B._ auch noch ein IV-Dossier der Beschwerdeführerin führt und die
IV-Stelle F._ alle Akten abgelegt hat (vgl. IV 275 f.: Schreiben vom
14.7.2016 ist nicht aktenkundig, IV 309). Aus dem Aktenverzeichnis ist im
Übrigen nicht nachvollziehbar, welche Dokumente an den genannten Da-
ten erfasst wurden (bspw. am 6.12.2011: 1 Dokument «Abtretung an an-
dere IVST», 5 Dokumente «Arbeitgeberfragebogen», 6 Dokumente «Aus-
bildungsbericht Institution, 22 Dokumente «Feststellungsblatt» [zu IV 157-
190], etc.).
4.1.4 Insgesamt genügt das eingereichte Aktendossier den oben dargeleg-
ten Anforderungen an eine systematische Aktenführung nicht. Es erweist
sich zudem als unklar, ob alle massgebenden Akten eingereicht wurden.
Die Vorinstanz wird daher ihre Akten auf Unvollständigkeiten zu überprü-
fen, entsprechend zu ergänzen und chronologisch zu ordnen haben.
4.2 Weiter ist die Vorinstanz ihrer Begründungspflicht nicht nachgekom-
men, was die Beschwerdeführerin zu Recht beanstandet.
4.2.1 Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Zum Gehörsanspruch gehört insbesondere das Recht des Betroffe-
nen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, er-
hebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit er-
heblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesent-
licher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweiser-
gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflus-
sen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht alle
Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah-
ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 135 II 286
E. 5.1, 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.2.2 Wesentlicher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist die
Begründungspflicht. Diese soll verhindern, dass sich die Behörde von un-
sachlichen Motiven leiten lässt, und dem Betroffenen ermöglichen, die Ver-
fügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich,
wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite
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Seite 11
des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigs-
tens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde
hat leiten lassen und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Dies bedeutet
indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be-
hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Viel-
mehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken. Die Vorinstanz hat im Übrigen im Rahmen des IV-Verfahrens
ein Vorbescheidverfahren durchzuführen und sich in ihrer Verfügung mit
den im Vorbescheidverfahren (vgl. Art. 57a Abs. 1 IVG) vorgebrachten, re-
levanten Einwänden auseinanderzusetzen (Art. 74 Abs. 2 IVV; vgl. hierzu
ausführlich BVGer C-4400/2014 vom 26. Mai 2016 mit vielen Hinweisen).
4.2.3 In der Begründung der angefochtenen Verfügung (wie auch im Vor-
bescheid) verweist die Vorinstanz auf die Vorgeschichte ab Anmeldung im
November 2001, die Verfügungen vom 29. April 2005 sowie auf das Revi-
sionsgesuch der Beschwerdeführerin auf Erhöhung der Rente vom 11. Juli
(recte: 28. Juni) 2016. Sie verweist in der Folge auf (nicht weiter bezeich-
nete) einverlangte Akten und das eingeholte Gutachten von
Dr. G._. Gestützt auf dieses Gutachten führt sie aus, dass ab
13. September 2016 eine kontinuierliche Reduktion der Arbeitsfähigkeit
von 100 % auf 0 % stattgefunden habe. Deshalb bestehe seit Mai 2017
keine Einschränkung mehr auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit. Ein IV-Grad
sei nicht mehr ausgewiesen.
4.2.4 Aus dieser Begründung geht nicht hervor, weshalb die Vorinstanz
respektive der Gutachter zum Schluss kam, die anerkannte volle Arbeits-
unfähigkeit von September 2016 sei bis im Mai 2017 vollständig weggefal-
len, zumal die behandelnden Ärzte der Beschwerdeführerin Akten einge-
reicht hatten, die ihr ab Januar 2016 eine schwere depressive Episode und
bis November 2016 eine volle Arbeitsunfähigkeit beschieden, und die Vor-
instanz es auch unterliess, der Beschwerdeführerin spätestens mit der Ver-
fügung die Akten zuzustellen, auf welche sie sich bezog (Gutachten und
Ausführungen des RAD). Gemäss den Akten wurde der Beschwerdeführe-
rin zudem auch der Vorbescheid nicht zugestellt (IV 310).
4.3 Angesichts der ungenügenden Aktenführung, der Unvollständigkeit der
Akten, der ungenügenden Begründung, der nicht rechtzeitig gewährten Ak-
teneinsicht und des nicht korrekt durchgeführten Vorbescheidverfahrens,
liegt eine schwerwiegende Verletzung der formellen Verfahrensregeln und
des rechtlichen Gehörs vor. Die Verfügung ist deshalb schon aus diesem
C-6444/2017
Seite 12
Grund aufzuheben. Die Sache ist indessen – ungeachtet formellen Ver-
säumnisse – auch wegen der ungenügenden Klärung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen, wie nachfolgend
darzulegen ist.
5.
In materieller Hinsicht umstritten und durch das Bundesverwaltungsgericht
zu prüfen wäre, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
rentenrelevant verbessert – oder gemäss der Beschwerdeführerin – ver-
schlechtert hat. Letztere macht indes zu Recht geltend, der Sachverhalt sei
nicht rechtskonform ermittelt worden.
5.1 Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der erstinstanzliche Sozi-
alversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
(vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; Art. 61 Bst. c ATSG; Art. 12 VwVG). Danach hat
die Verwaltung und im Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes we-
gen für die richtige und vollständige Abklärung des erheblichen Sachver-
halts zu sorgen (vgl. BGE 136 V 376 E. 4.1.1). Sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, gilt im Sozialversicherungsrecht der Be-
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 143 V 168 E. 2; 138
V 218 E. 6).
5.2
5.2.1 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwal-
tung und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztli-
chen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stel-
len sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
C-6444/2017
Seite 13
5.2.2 Zwar gilt für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsver-
fahren der Grundsatz der freien Beweiswürdigung, doch hat die Rechtspre-
chung in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gut-
achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufgestellt (vgl. BGE 125 V 351
E. 3b). So kommt den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten
Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Be-
obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
BGE 137 V 210 E. 2.2.2, BGE 135 V 465 E. 4.4, BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
Berichte behandelnder Ärzte sind aufgrund deren auftragsrechtlichen Ver-
trauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen. Dies gilt für den
allgemein praktizierenden Hausarzt wie den behandelnden Spezialarzt
(Urteil des EVG I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 m.H. auf BGE 125 V
351 E. 3b/cc). Allerdings dürfen auch die potentiellen Stärken der Berichte
behandelnder Ärzte nicht vergessen werden, namentlich wenn sie wichtige
– und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – As-
pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder unge-
würdigt geblieben sind (Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008
E. 2.3.2 m. H.). Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte
kommt ebenfalls Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nach-
vollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indi-
zien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der
befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger
steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Miss-
trauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet er-
scheinen lassen (BGE 135 V 465 E. 4.4 m. H. auf 125 V 351 E. 3b/ee). Die
Stellungnahmen des RAD und des medizinischen Dienstes der IVSTA sind
als versicherungsinterne Berichte zu würdigen (vgl. betreffend RAD Urteile
des BGer 9C_159/2016 vom 2. November 2016 E. 2.2 f.; 8C_197/2014
vom 3. Oktober 2014 E. 4). Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, wel-
che den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Un-
parteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen.
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig-
keit der ärztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medizini-
sche Begutachtung im Verfahren nach Art. 44 ATSG oder ein Gerichtsgut-
achten anzuordnen (vgl. Urteil des BGer 8C_800/2011 vom 31. Januar
2012 E. 2 mit Verweis auf BGE 135 V 465 E. 4.4 und BGE 122 V 157 E. 1d;
C-6444/2017
Seite 14
vgl. auch BGE 125 V 351 E. 3b/ee sowie UELI KIESER, ATSG-Kommentar,
3. Aufl. 2015, Art. 43 Rz. 55).
5.2.3 Im vorliegenden Verfahren – in welchem ausser einem externen fach-
ärztlichen Gutachten (IV 296, 299) auch eingeholte Verlaufsberichte des
behandelnden Psychiaters und des Hausarztes sowie des behandelnden
Neurologen vorliegen (vgl. IV 282, 284.1-4, 284.5-10) – verfügen diese Be-
richte gemäss der dargelegten Rechtsprechung hiervor nicht über den Be-
weiswert eines verwaltungsexternen Gutachtens, sind jedoch grundsätz-
lich zu beachten, was auch in reduziertem Mass für die aus der Türkei
stammenden Berichte und Atteste gilt (siehe hiernach E. 6.2.3).
5.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Ren-
tenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge-
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho-
ben (Art. 17 Abs. 1 ATSG; vgl. auch Art. 87 Abs. 2 und 3, Art. 88a und
Art. 88bis IVV). Anlass zur Revision von Invalidenrenten gibt jede Änderung
in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 343 E. 3.5
m.H.). Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Ab-
schluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräf-
tige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durch-
führung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch
SVR 2010 IV Nr. 54 [9C_899/ 2009] E. 2.1).
5.4 Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung, ob sich der Gesundheitszu-
stand der Beschwerdeführerin in anspruchsrelevanter Weise verändert
hat, bildet frühestens die Rentenverfügung der IV-Stelle B._ vom
6. September 2007, die auf einer eingeholten Stellungnahme des Psychi-
atriezentrums C._ vom 16. März 2007 und der Beurteilung des RAD
vom 9. Mai 2007 (IV 120 = 121 und 123; 126.3 = 128.3) sowie auf einem
Erwerbsvergleich vom 29. Juni 2007 (IV 130) basiert. Gestützt auf die Be-
urteilung des RAD ergab sich bei der Rentenrevision vom September 2007
weiterhin eine gesundheitliche Einschränkung in rein psychischer Hinsicht
(oben Bst. B.b). Die ursprünglich geltend gemachten Beschwerden des lin-
ken Fusses (Mortonneurom Digitum III-IV links) waren nicht mehr aus-
schlaggebend (oben Bst. B.a). Die rentenbestätigende Mitteilung der
IVSTA vom 6. November 2013 (oben Bst. B.c) erfolgte nicht aufgrund einer
eingehenden Prüfung der Aktenlage im Sinne der bundesgerichtlichen
C-6444/2017
Seite 15
Rechtsprechung. Demnach sind die entsprechenden Akten nicht als Refe-
renzpunkt zu berücksichtigen.
6.
6.1 Die Beschwerdeführerin begründet ihre Beschwerde im Wesentlichen
damit, dass sich ihr Gesundheitszustand nicht verbessert habe und min-
destens gleich schlecht geblieben sei (B-act. 1). Sie verweist auf die akten-
kundig ausstehende, im Gutachten nicht geprüfte Abklärung der Rücken-
problematik (in neurologischer Hinsicht). Die gutachterliche Beurteilung
und die angenommene Verbesserung des Gesundheitszustands sei wider-
sprüchlich und nicht einleuchtend. Soweit der Gutachter davon ausgegan-
gen sei, dass die rezidivierende Depression remittiert sei, entspreche dies
nicht dem aktuellen Zustand, zumal die seit dem Jahr 2003 bestehende
rezidivierende Depression nicht geheilt sei (B-act. 4 mit Beilage).
6.2 Das extern eingeholte bidisziplinäre psychiatrisch-neurologische Gut-
achten von Dr. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
sowie Facharzt für Neurologie, auf welches sich die Vorinstanz in ihrer Ver-
fügung stützt, erweist sich in verschiedener Hinsicht als ungenügend, zu-
mal es unvollständig und im Ergebnis auch nicht nachvollziehbar ist.
6.2.1 Zum Hauptthema im vorliegenden Verfahren, der Depression der Be-
schwerdeführerin und deren Auswirkungen auf ihre Arbeitsfähigkeit, liegen
aus dem Jahr 2016 genügende Akten vor, die ein Wiederaufflammen der
rezidivierenden Depression im schweren Ausmass belegen. Weshalb nach
einem stationären Aufenthalt von einem Monat in einer psychiatrischen
Universitätsklinik (IV 272.1-5), einer anschliessend weiterhin als schwer
bezeichneten rezidivierenden Depression ohne psychotische Symptome
(F33.2) mit anschliessend regelmässiger zweiwöchentlicher Psychothera-
pie nebst medikamentöser Therapie und einer zu diesem Zeitpunkt be-
scheinigten Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Bericht vom 4. Oktober 2016
[IV 282]), einer im November 2016 bescheinigten Arbeitsunfähigkeit im
Wesentlichen wegen der langjährigen schweren Depression (IV 284.1-4)
und einem Notfall-Aufgebot von Schutz und Rettung wegen eines psychi-
schen Ausnahmezustands respektive Suizidversuchs am 12. November
2016 (vgl. IV 285.7-8) sich bis Mai 2017 die Depression vollständig remit-
tiert haben sollte – mit einer Arbeitsunfähigkeit von 0 % –, ist nicht nach-
vollziehbar, zumal sich auch keine tatsächliche Auseinandersetzung des
Gutachters mit den psychiatrischen Vorakten ausmachen lässt. Das Gut-
C-6444/2017
Seite 16
achten ist beispielsweise dahingehend nicht logisch, als die Beschwerde-
führerin anlässlich der Begutachtung vom 3. Mai 2017 angab, die Gesprä-
che mit dem Psychiater fänden weiter monatlich statt und sie nehme wei-
terhin Psychopharmaka. Die Beschwerdeführerin als medizinischer Laie
bezeichnete diese Gespräche mit dem Psychiater, bei welchen über «alles,
Probleme mit den Kindern» gesprochen werde, zwar nicht als Psychothe-
rapie. Die Behauptung des Gutachters, die Explorandin habe keine Psy-
chotherapie, steht dazu jedoch im Widerspruch. Auch seine Aussage, sie
nehme ihre Medikamente nur sporadisch, deckt sich nicht mit seinen La-
borergebnissen, in welchen er beide Psychopharmaka nachweisen konnte.
Die naheliegende Möglichkeit, dass die Beschwerdeführerin das eine Me-
dikament am Abend zuvor ordnungsgemäss eingenommen hatte («weil es
ohne nicht geht») und das Antidepressivum am Morgen wegen der Begut-
achtung nicht einnahm, wird nicht in Betracht gezogen oder die Exploran-
din dahingehend befragt. Auch die Behauptung des Gutachters, aus dem
psychiatrischen Universitätsklinik E._-Bericht gehe «nur» eine
schwere depressive Episode, nicht aber eine rezidivierende schwere de-
pressive Episode hervor, erweist sich deshalb als unpräzis, als die Fach-
ärzte der psychiatrischen Universitätsklinik E._ den ICD-10-Code
F33.2 (rezidivierende schwere depressive Episode) verwendeten und auf
frühere Episoden (mit stationärer Behandlung) und die ambulante Behand-
lung in der Türkei verwiesen. Es mag zwar zutreffen, dass sich der Ge-
sundheitszustand der Beschwerdeführerin bei der Begutachtung im Mai
2017 (mit nunmehr korrekt eingestellter psychopharmazeutischer Medika-
tion und regelmässiger Gesprächstherapie) im Vergleich zum Zustand im
Herbst zuvor (schwere depressive Episode) etwas verbessert hatte. Eine
vollständige Remission respektive Abheilung der langjährigen, jedenfalls
von den behandelnden Schweizer Psychiatern über Jahre wiederholt fest-
gestellten rezidivierenden Depression verschieden ausgeprägter Schwere
(F33) erweist sich hingegen nicht als überwiegend wahrscheinlich, was
sich auf die Feststellung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit durch die Vor-
instanz auswirkt.
6.2.2 Dazu kommt, dass im Gutachten eine vollständige respektive nach-
vollziehbare Prüfung der Einschränkungen gemäss dem strukturellen Be-
weisverfahren im Sinne von BGE 141 V 281 trotz eines aktenkundig vor-
handenen Schmerzsyndroms (vgl. z. B. IV 284.1) fehlt. Gemäss der präzi-
sierten Rechtsprechung nach BGE 143 V 418 (Urteil BGer 8C_130/2017
vom 3. November 2017) wird die Prüfung durch die Vorinstanz einem struk-
turellen Beweisverfahren zu unterziehen sein, zumal nunmehr sämtliche
psychischen Erkrankungen diesem Prüfverfahren zu unterstellen sind.
C-6444/2017
Seite 17
6.2.3 Zum zeitlichen Verlauf und den Schlussfolgerungen der Vorinstanz
erweist sich zudem Folgendes als unklar: Ab Januar 2016 wird eine anhal-
tende depressive Erkrankung diagnostiziert. Der Bericht über die statio-
näre Behandlung in der psychiatrischen Universitätsklinik E._ vom
5. Januar – 2. Februar 2016 verfügt über einen hohen Beweiswert. Für den
Zeitraum unmittelbar danach ergeben sich deutliche Hinweise auf einen
chronifizierten Verlauf (fachpsychiatrische Beurteilung) mit Bestätigung der
Depression durch den Hausarzt im November 2016 und eines Suizidver-
suchs am 12. November 2016. Somit ergibt sich, dass jedenfalls bis Mitte
November 2016 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem
verbesserten Gesundheitszustand bei der Beschwerdeführerin – ausge-
hend von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit Anfang 2016 – ausge-
gangen werden kann.
Aus den Berichten aus der Türkei geht im Hinblick auf den zeitlichen Ver-
lauf weiter hervor, dass die Beschwerdeführerin während ihrem Aufenthalt
in der Türkei von Oktober 2011 bis September 2015 am 1. Oktober 2013
wegen einer diagnostizierten Depression Psychopharmaka verschrieben
erhielt (mit Kontrolltermin nach fünf Wochen) und ab Dezember 2014 bis
zu ihrer Rückkehr in die Schweiz in der psychiatrischen Polyklinik
H._ in regelmässiger Behandlung war und ebenfalls Psychophar-
maka verschrieben erhielt (IV 252 = 253, 272.6-7).
6.2.4 In (somatisch-)medizinischer Hinsicht werden als invaliditätsrelevan-
te Beschwerden ein essentieller Händetremor und Rückenprobleme
(Bandscheibenvorfall, panvertebrales Schmerzsyndrom [vgl. IV 277.2,
284.1, 284.5-6]) geltend gemacht. Im Dossier fehlen zunächst die Ergeb-
nisse der Rückenuntersuchung des Neurologen Dr. I._ vom 17. No-
vember 2016 (vgl. IV 284.6), wie die Beschwerdeführerin zu Recht rügt.
Darüber hinaus findet sich auch im Gutachten von Dr. G._ weder
eine (neurologische) Prüfung der Rückenschmerzen noch eine Auseinan-
dersetzung mit den Erkenntnissen von Dr. I._ zu den Rückenbe-
schwerden. Ob die im Dossier fehlenden Akten auch dem Gutachter nicht
zur Verfügung standen, bleibt offen. Weiter fehlt bei der Behauptung des
Gutachters, ein Schmerzsyndrom liege nicht (mehr) vor, eine nachvollzieh-
bare Prüfung und Begründung seiner Behauptung (insbesondere hinsicht-
lich der Rückenschmerzen). Was seine Ausführungen zu Beschwerden
aufgrund des Mortonneuroms betrifft (IV 299), erweisen sich diese wegen
der fehlenden Massgeblichkeit dieses Leidens spätestens seit 2007 nicht
als relevant (oben E. 5.4), im Gegensatz zu den wiederkehrend geltend
gemachten (ungeprüften) Rückenschmerzen. Was schliesslich allfällige
C-6444/2017
Seite 18
Auswirkungen des Handtremors der Beschwerdeführerin betrifft, hat
Dr. G._ sich zwar dazu geäussert. Seine Schlussfolgerung, der mit
Medikamenten eingestellte Handtremor habe keine einschränkenden Aus-
wirkungen mehr auf ihre angestammte Arbeitstätigkeit, erweist sich im Hin-
blick auf die notwendige intensive Verwendung der Hände in den ange-
stammten Tätigkeiten (als Küchenhilfe in einem Pflegheim und als Pflege-
hilfe) ohne weitere Auseinandersetzung dazu nicht als abschliessend
nachvollziehbar.
6.3 Es bleibt anzufügen, dass auf die Einschätzungen des RAD-Arztes
pract. med. J._ (IV 304.3-5), der als Neurologe nicht über eine Spe-
zialisierung in Psychiatrie verfügt, schon aufgrund der fehlenden Fachkom-
petenz hinsichtlich der hier im Wesentlichen in psychiatrischer Hinsicht vor-
liegenden gesundheitlichen Einschränkungen nicht abgestellt werden
kann. Dasselbe gilt für seine nichtmedizinisch-invaliditätsrechtlichen Aus-
führungen (z. B. zu den rechtlichen Auswirkungen bezüglich der Verwer-
tung der Restarbeitsfähigkeit).
6.4 Soweit die fallführende IV-Stelle aufgrund der nur rudimentär vorhan-
denen medizinischen Dokumentation im Zeitraum nach März 2007 (IV 123)
bis Januar 2016 (IV 272.1 ff.) zu erwägen scheint, die medizinisch-(psychi-
atrische) Behandlung der Beschwerdeführerin sei über längere Zeitdauer
nicht respektive kaum dokumentiert [siehe oben E. 6.2.3 in fine]) und die
Beschwerdeführerin sei daher in diesem Zeitraum auch nicht (oder nur we-
nig) in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen (vgl. IV 304.3), ver-
kennt sie einerseits, dass die IV-Rente der Beschwerdeführerin ohne Zwei-
fel gestützt auf eine medizinische und rechtliche Beurteilung zugesprochen
respektive weiter gewährt wurde. Andererseits waren die IV-Stellen ge-
mäss dem Untersuchungsgrundsatz für die Verfahrensführung in den Re-
visionsverfahren und damit für die jeweilige Sachverhaltsabklärung zustän-
dig (oben E. 5.1). Dass die medizinischen Abklärungen nach März 2007
nur rudimentär erfolgten, ist demnach der jeweils zuständigen IV-Stelle –
und nicht der Beschwerdeführerin – anzulasten. Dies betrifft auch das im
Herbst 2013 durchgeführte Revisionsverfahren, in welchem die IVSTA, ent-
gegen dem Rat ihres medizinischen Dienstes, die Rente ohne weitere Ab-
klärungen bestätigte (oben Bst. B.c). Entgegen der Auffassung der
IV-Stelle können demnach für den Zeitraum von 2007 – 4. Januar 2016
keine Schlüsse im Hinblick auf eine allfällige Veränderung der Arbeitsfähig-
keit der Beschwerdeführerin gezogen werden.
C-6444/2017
Seite 19
6.5 Betreffend den hier zu prüfenden Zeitraum des Rentenanspruchs (An-
trag vom 28. Juni 2016 und oben E. 5.4) bleibt zu ergänzen, dass unter
Berücksichtigung der aktuellen Aktenlage ab 5. Januar 2016 von einer vol-
len Arbeitsunfähigkeit wegen einer schweren depressiven Episode auszu-
gehen und wie dargelegt eine Verbesserung des Gesundheitszustands
(ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 %) vor November 2016
nicht überwiegend wahrscheinlich ist (oben E. 6.2.3). Ausser der Frage, ob
eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist, wird die Vorinstanz
deshalb auch die Frage nach einer Verschlechterung seit September 2007
(IV-Grad: 55 %) bei Revisionsantrag vom 28. Juni 2016 zu prüfen haben.
6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Sachverhalt ungenügend
abgeklärt. Die angefochtene Verfügung ist demnach auch aus diesem
Grund aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit
diese den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin mittels Einholung
eines MEDAS-Gutachtens gemäss Art. 44 ATSG in den Disziplinen Allge-
meine/Innere Medizin, Rheumatologie (oder Orthopädie), Neurologie und
Psychiatrie (und allenfalls weiterer gemäss Einschätzung der IV-Stelle not-
wendigen Disziplinen) unter Vornahme eines strukturierten Beweisverfah-
rens (vgl. BGE 143 V 418) einholt. Die Vorinstanz wird zusätzlich den Ver-
lauf der Arbeits(un)fähigkeit ab der geltend gemachten Verschlechterung
seit Juni 2016 und gegebenenfalls in erwerblicher Hinsicht abzuklären ha-
ben.
6.7 Einzugehen bleibt auf die Frage, ob die Vorinstanz die langjährig lau-
fende (im Wesentlichen halbe) IV-Rente der Beschwerdeführerin unter den
vorliegenden Umständen aufheben durfte. Soweit die Beschwerdeführerin
die Aufhebung als nicht rechtmässig betrachtet, ist ihr entgegen zu halten,
dass seit November 2004 ununterbrochen (bis zum Rentenerhöhungsge-
such vom 28. Juni 2016) eine Restarbeitsfähigkeit von rund 45 % bei einem
Anspruch auf eine halbe IV-Rente bestand. Diese Restarbeitsfähigkeit
hätte ausgereicht, einer Desintegration entgegenzuwirken. Die Beschwer-
deführerin hat ihre Restarbeitsfähigkeit im Rahmen der zumutbaren Selbst-
eingliederung jedoch nie ersichtlich verwertet (vgl. Urteil des BGer
8C_1/2018 vom 16. August 2018 E. 5.2). Sie kann daher allein aus der
Tatsache, dass sie seit mehr als 15 Jahren im Wesentlichen eine halbe
Rente der Invalidenversicherung bezogen hat, nichts zu ihren Gunsten ab-
leiten. Unter diesen Umständen bleibt die aufschiebende Wirkung der an-
gefochtenen Verfügung entzogen und kann die per Ende 2017 eingestellte
IV-Rente praxisgemäss bis zur abschliessenden Klärung des Sachverhalts
C-6444/2017
Seite 20
(vgl. Zwischenverfügung vom 22. Februar 2018; oben Bst. C.c) nicht weiter
ausbezahlt werden.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in formel-
ler und in materieller Hinsicht Bundesrecht verletzt. Sie ist deshalb aufzu-
heben. Die Sache ist zu ergänzenden Abklärungen in medizinischer und
allenfalls erwerblicher Hinsicht gemäss den Erwägungen hiervor an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Zunächst wird die Vorinstanz jedoch ihre Ak-
ten anhand der bei drei IV-Stellen geführten Dossiers zu überprüfen, sor-
tieren, vervollständigen und mit einem neuen aussagekräftigen Aktenver-
zeichnis zu versehen haben in Anbetracht dessen, dass die MEDAS darauf
angewiesen sein wird, die Untersuchung anhand vollständiger und (chro-
nologisch) geordneter Akten durchzuführen (vgl. Referat DR. J. JEGER,
Themenarbeit Recht: Fragestellungen beim Gutachten; Tagung «Gutach-
ten – affaire à suivre», Bern, vom 21. März 2019). Nach erfolgter Abklärung
wird die Vorinstanz vor Erlass einer neuen Verfügung ein rechtskonformes
Vorbescheidverfahren durchzuführen haben. In diesem Sinne ist die Ver-
fügung gutzuheissen.
8.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG
die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Eine Rück-
weisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der beschwerdeführenden Partei
(BGE 132 V 215 E. 6), sodass vorliegend keine Verfahrenskosten zu erhe-
ben sind. Der am 23. Januar 2018 geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 800.– ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils auf ein von ihr anzugebendes Konto zurückzuerstatten.
Der unterliegenden Vorinstanz werden keine Verfahrenskosten auferlegt
(Art. 63 Abs. 2 VwVG).
8.2 Die ganz oder teilweise obsiegende Partei hat Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG i. V. m. Art. 7 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die obsiegende Beschwer-
deführerin ist anwaltlich vertreten. Ihr ist in Berücksichtigung des als not-
C-6444/2017
Seite 21
wendig zu erachtenden Aufwandes zu Lasten der Vorinstanz eine Partei-
entschädigung von pauschal Fr. 2'800.– (inkl. Spesen, ohne Mehrwert-
steuer, die bei Wohnsitz der Beschwerdeführerin im Ausland nicht geschul-
det ist [vgl. dazu z.B. Urteil des BVGer C-6173/2009 vom 29. August 2011
m.H.]; Art. 9 Abs. 1 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) zuzusprechen.
Die unterliegende Vorinstanz hat keinen Anspruch auf eine Parteientschä-
digung (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
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