Decision ID: 0d75637b-203d-453b-bee1-6fd0b24ca9bd
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- das Bayerische Staatsministerium der Justiz mit Schreiben vom 21. Januar
2021 die Schweiz um Auslieferung des rumänischen Staatsangehörigen
A. im Hinblick auf die Vollstreckung einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Mo-
naten aus den Urteilen des Amtsgerichts Landshut vom 11. Dezember 2013
und 21. August 2014 sowie einer Freiheitsstrafe von neun Monaten aus dem
Urteil des Amtsgerichts Landshut vom 30. Juli 2018 ersuchte (act. 8.1);
- das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») die Kantonale Staatsanwalt-
schaft des Kantons Aargau mit der Einvernahme von A. beauftragte
(act. 8.2);
- sich A. anlässlich der Einvernahme vom 12. Februar 2021 mit der Ausliefe-
rung an Deutschland nicht einverstanden erklärte (act. 8.3);
- A. das BJ mit Eingabe vom 12. April 2021 unter Verweis auf seinen Gesund-
heitszustand ersuchte, von der Auslieferung an Deutschland abzusehen so-
wie um Einholung eines Gutachtens zum Beweis der behaupteten Haft- und
Auslieferungsunfähigkeit (act. 8.5);
- das BJ am 23. April 2021 die Auslieferung von A. an Deutschland für die im
Ersuchen vom 21. Januar 2021 zugrundeliegenden Straftaten bewilligte
(act. 1.2);
- A., vertreten durch Rechtsanwalt Hubertus Werner (nachfolgend «RA Wer-
ner»), mit Faxeingabe vom 18. Mai 2021 bei der Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts Beschwerde erheben liess und die Aufhebung des Aus-
lieferungsentscheids des BJ vom am 23. April 2021 beantragte (act. 1);
- das Gericht den Rechtsvertreter von A. mit Schreiben vom 18. Mai 2021 auf
die Formerfordernisse gemäss Art. 11 Abs. 2, Art. 21 Abs. 1 und Art. 52
VwVG hinwies (act. 2);
- RA Werner der Beschwerdekammer mittels des Kurierdienstes DHL die
(nicht unterzeichnete) Beschwerde vom 19. Mai 2021 überreichen liess
(act. 1);
- das Gericht RA Werner mit Schreiben vom 25. Mai 2021 aufforderte, bis zum
4. Juni 2021 eine unterzeichnete Beschwerde nachzureichen und ein Zu-
stelldomizil in der Schweiz zu bezeichnen (act. 3);
- RA Werner der Aufforderung des Gerichts mit Eingabe vom 25. Mai 2021
nachkam (act. 4, 5);
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- das BJ der Beschwerdekammer am 28. Mai 2021 aufforderungsgemäss die
Akten des Auslieferungsverfahrens übermittelte (act. 8).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland primär
die einschlägigen Staatsverträge, namentlich das Europäische Ausliefe-
rungsübereinkommen vom 13. Dezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1), die
hierzu ergangenen Zusatzprotokolle vom 17. März 1978 (ZPII EAUe;
SR 0.353.12) und vom 10. November 2010 (ZPIII EAUe; SR 0.353.13) sowie
der Vertrag vom 13. November 1969 zwischen der Schweizerischen Eidge-
nossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland über die Ergänzung des
EAUe und die Erleichterung seiner Anwendung (ZV EAUe;
SR 0.353.913.61) massgebend sind;
- überdies das Schengener Durchführungsübereinkommen vom 14. Juni 1985
(SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19-62) i.V.m. dem Beschluss
des Rates über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des SIS der
zweiten Generation (SIS II), namentlich Art. 26-31 (ABl. L 205 vom 7. August
2007, S. 63-84) anwendbar ist, wobei die zwischen den Vertragsparteien
geltenden weitergehenden Bestimmungen aufgrund bilateraler Abkommen
unberührt bleiben (Art. 59 Abs. 2 SDÜ);
- soweit die staatsvertraglichen Bestimmungen gewisse Fragen nicht ab-
schliessend regeln, auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das
Recht des ersuchten Staates (Art. 22 EAUe), namentlich das Bundesgesetz
vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechts-
hilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Verordnung vom
24. Februar 1982 (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11) Anwendung
finden;
- das innerstaatliche Recht nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur An-
wendung gelangt, wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe
stellt (BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82
E. 3.1); die Wahrung der Menschenrechte vorbehalten bleibt (BGE 135 IV
212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2016 65 E. 1.2; 2008 24 E. 1.1);
- für das Beschwerdeverfahren zudem die Bestimmungen des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungs-
verfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021; vgl. Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37
Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG) gelten;
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- gegen Auslieferungsentscheide des BJ innert 30 Tagen seit der Eröffnung
des Entscheides bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Be-
schwerde geführt werden kann (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG;
Art. 50 Abs. 1 VwVG);
- der Beschwerdeführer als von der Auslieferung Betroffener beschwerdebe-
fugt ist; auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten
ist;
- der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde geltend macht, er sei lebens-
bedrohlich erkrankt und drohe im Zuge des Auslieferungsverfahrens zu ster-
ben; er sei namentlich besorgt, aufgrund der mit der Auslieferung verbunde-
nen Aufregung und der bei ihm bestehenden Klaustrophobie einer Herzatta-
cke zu unterliegen oder sich im Zuge der mit der Auslieferung verbundenen
Panikattacken zu suizidieren (act. 1);
- der Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 19. Mai 2021 somit lediglich
seinen psychischen und physischen Gesundheitszustand als Auslieferungs-
hindernis geltend gemacht;
- das EAUe und das IRSG keine Möglichkeit vorsehen, eine Auslieferung aus
gesundheitlichen Gründen zu verweigern und weder die Schweiz noch
Deutschland einen entsprechenden Vorbehalt zum EAUe gemacht haben;
- daher ein Auslieferungsersuchen nach ständiger Rechtsprechung grund-
sätzlich nicht wegen des schlechten Gesundheitszustands des Verfolgten
abgelehnt werden kann; es Sache des ersuchenden Staates dafür zu sorgen
ist, dass die auszuliefernde Person eine angemessene medizinische Be-
handlung bekommt und ihrem Gesundheitszustand entsprechend unterge-
bracht oder allenfalls, mangels Hafterstehungsfähigkeit, aus der Haft entlas-
sen wird (vgl. nicht veröffentlichte E. 8 von BGE 129 II 56; Urteil des Bun-
desgerichts 1A.116/2003 vom 26. Juni 2003 E. 2.1 mit Hinweisen);
- die Frage, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Vollzugs des rechts-
kräftigen Entscheids transportfähig ist bzw. ob der Vollzug deswegen aufge-
schoben werden müsste (vgl. HEIMGARTNER, Basler Kommentar, 2015,
Art. 56 IRSG N. 9), nicht Gegenstand des hier angefochtenen Auslieferungs-
entscheids bildet und der Beschwerdegegner die Transportfähigkeit des Be-
schwerdeführers – falls nötig – zu gegebener Zeit abzuklären haben wird;
- im Übrigen nicht ersichtlich ist, inwiefern die vorgebrachten gesundheitlichen
Beschwerden wie Klaustrophobie, Herzprobleme und Bluthochdruck dem
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Vollzug der Auslieferung des Beschwerdeführers entgegenstünden, denen
nicht mit medizinischer Unterstützung begegnet werden könnte;
- dem vom Beschwerdeführer ins Recht gelegten ärztlichen Attest vom
22. Februar 2021 suizidale Tendenzen oder Absichten nicht zu entnehmen
sind (act. 1.4=8.3);
- sich die Beschwerde nach dem Gesagten als unbegründet erweist;
- sich aus den vorliegenden Akten auch anderweitig keine Auslieferungshin-
dernisse ergeben;
- die Beschwerde demnach ohne Durchführung eines Schriftenwechsels ab-
zuweisen ist (vgl. Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario);
- der Beschwerdeführer bei diesem Ausgang des Verfahrens die Verfahrens-
kosten zu tragen hat (Art. 63 Abs. 1 VwVG); die Gerichtsgebühr auf
Fr. 1'000.-- festzusetzen und dem Beschwerdeführer aufzuerlegen ist (vgl.
Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a
BStKR).
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