Decision ID: efc61e10-638f-4d23-8487-e8f6b3913582
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist am 9. Juli 1971 geboren und wohnt in seinem Einfamilienhaus in A. Er arbeitet
als Bereichsleiter des Flugbetriebs der Kantonspolizei Zürich und ist für die
Einsatzplanung und Organisation zuständig.
B.- Für das Jahr 2013 deklarierte X kein steuerbares Einkommen und ein steuerbares
Vermögen von Fr. 51'213.–. In der Steuererklärung machte er Weiterbildungs- und
Umschulungskosten in der Höhe von Fr. 118'634.– geltend. Die Veranlagungsbehörde
reduzierte den Abzug auf Fr. 400.–. Sie begründete dies damit, dass als
Weiterbildungskosten Aufwendungen gelten würden, die für die Erhaltung, Sicherung
sowie die Vertiefung der beruflichen Kenntnisse dienen würden, soweit sie in
unmittelbarem Zusammenhang mit der gegenwärtigen Berufsausübung stünden und
eine gewisse Notwendigkeit dafür ausgewiesen sei; trotz grosszügiger Praxis könne die
Ausbildung zum Piloten nicht als Weiterbildungsaufwand anerkannt werden. In der
Folge veranlagte sie X am 20. August 2014 hinsichtlich der Kantons- und
Gemeindesteuer 2013 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 88'900.– und einem
steuerbaren Vermögen von Fr. 51'000.– sowie hinsichtlich der direkten Bundessteuer
2013 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 88'400.–. Die gegen diese
Veranlagungen erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt am 17. Oktober
2014 ab.
C.- Mit Eingabe vom 10. November 2014 erhob X gegen die Einspracheentscheide
Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
geltend gemachten Weiterbildungskosten von Fr. 118'634.– seien zum Abzug
zuzulassen und das steuerbare Einkommen 2013 entsprechend auf Fr. 0.– zu
reduzieren. Die Vorinstanz verzichtete am 12. Dezember 2014 auf eine
Vernehmlassung. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich zur Beschwerde
nicht vernehmen.

Auf weitere Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Veranlagungen der
Kantons- und Gemeindesteuern 2013 sowie der direkten Bundessteuer 2013. Zwar
müssen für Rekurs und Beschwerde verschiedene Entscheide ergehen; sie können
indessen in einem einzigen Dokument mit Verweisungen und einem gemeinsamen
Dispositiv, das die beiden Steuern allerdings ausdrücklich auseinanderhält, enthalten
sein (vgl. BGE 130 II 509 = Pra 2005 Nr. 114 E. 8.3, BGE 135 II 260 = Pra 2010 Nr. 37
E. 1.3.1).
2.- Die Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis
zur Rekurs- und Beschwerdeerhebung ist gegeben. Der Rekurs und die Beschwerde
vom 10. November 2014 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG, bzw. Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und
Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf den Rekurs und die Beschwerde ist einzutreten.
3.- Der Rekurrent und Beschwerdeführer rügt vorab, dass sowohl die Veranlagungen
vom 20. August 2014 als auch die Einspracheentscheide vom 17. Oktober 2014 von
derselben Person vorgenommen bzw. entschieden worden seien.
Einsprachebehörde ist dieselbe Behörde, die bereits die Veranlagung vorgenommen
hat, nämlich die Veranlagungsbehörde. Das Gesetz verlangt nicht, dass dieselbe
Person wie im Veranlagungsverfahren die Einsprache zu behandeln hat, schliesst es
dementsprechend aber auch nicht aus (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 7 f. zu Art. 132 DBG; M. Zweifel, in:
Zweifel/Athanas, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, I/2b, 2. Aufl. 2008, N 5
zu Art. 132 DBG; Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014,
S. 404). Die Behandlung durch dieselbe Person stellt vielmehr ein Wesensmerkmal der
Einsprache dar. Dass vorliegend derselbe Steuerkommissär sowohl die Veranlagungen
vorgenommen als auch über die Einsprachen entschieden hat, ist somit nicht zu
beanstanden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.- Im Rekurs und in der Beschwerde ist umstritten, ob die Aufwendungen des
Steuerpflichtigen für die Berufspiloten-Kurse von total Fr. 118'633.85 als
Weiterbildungskosten abzugsfähig sind.
a) Die Vorinstanz führt im Einspracheentscheid aus, der Rekurrent und
Beschwerdeführer habe nach eigenen Angaben im Jahr 1995 die Grundausbildung als
Polizist absolviert. Er arbeite bei der Kantonspolizei Zürich im Bereich Flugbetrieb, wo
er für den Einsatz und die Organisation zuständig sei. Die Arbeitgeberin habe bestätigt,
dass die Weiterbildung zum Helikopterpiloten gefordert werde, damit der Rekurrent
und Beschwerdeführer die Funktion des Polizeihelikopterpiloten ausführen könne. Aus
dieser Aussage könne nicht abgeleitet werden, dass er zwingend die Ausbildung zum
Helikopterpiloten absolvieren müsse, sondern einzig, dass für eine Tätigkeit als
Polizeihelikopterpilot die Ausbildung nötig sei. Dass sich die Arbeitgeberin nicht an den
Kosten beteiligt habe, lasse ebenfalls keinen anderen Schluss zu. Die Kosten könnten
damit nicht als solche für Massnahmen zur Erhaltung, Sicherung sowie die Vertiefung
der beruflichen Kenntnisse qualifiziert werden. Zudem bestehe keine objektive
Notwendigkeit für eine Umschulung.
Der Rekurrent und Beschwerdeführer stellt sich hingegen auf den Standpunkt, für die
Aufgabe als Postholder Mission & Organisation seien vertiefte Kenntnisse über die
Luftfahrtgesetze, Verordnungen und deren Zusammenhänge unabdingbar. Um dieses
Wissen erarbeiten zu können, habe er den Weg der Weiterbildung zum Helikopter-
Berufspilot gewählt, um damit alle relevanten Themenbereiche des Postholder Mission
& Organisation abzudecken. Dies sei als Massnahme zur Sicherung und Vertiefung der
beruflichen Kenntnisse zu qualifizieren. Weiter müsse auf die persönlichen Umstände
des Steuerpflichtigen, seine ursprüngliche Ausbildung, den heutigen Stand seiner
Kenntnisse, den beruflichen Werdegang und den Inhalt der in Frage stehenden
Weiterbildung abgestellt werden. Entsprechend der speziellen Situation, in der er sich
befinde, sei der Abzug als Weiterbildung zu qualifizieren.
b) Unselbständigerwerbende können die mit dem Beruf zusammenhängenden
Weiterbildungskosten zum Abzug bringen (Art. 39 Abs. 1 lit. d StG; Art. 26 Abs. 1 lit. d
DBG). Als Weiterbildungskosten gelten Aufwendungen für die Erhaltung, Sicherung
sowie die Vertiefung der beruflichen Kenntnisse, die in unmittelbarem Zusammenhang
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mit der Berufsausübung stehen und für die eine gewisse Notwendigkeit ausgewiesen
ist. Die Weiterbildung umfasst neben den Anstrengungen, bereits erworbene
Fähigkeiten zu erhalten, auch den Erwerb verbesserter Kenntnisse für die Ausübung
des gleichen Berufs. Zu den abziehbaren Weiterbildungskosten gehören insbesondere
Auslagen für Fachliteratur, Teilnahme an Fachkursen, -seminaren und -kongressen,
Studien- und Sprachaufenthalte im eigenen Fachbereich mit Kurs- oder Schulbesuch
sowie Mitgliederbeiträge für wissenschaftliche Vereine. Abzugsfähig sind die belegten
Aufwendungen. Massgeblich für die Anerkennung als abzugsfähige
Weiterbildungskosten ist, ob die Aufwendungen für die Erzielung des
Erwerbseinkommens nützlich sind und nach der Verkehrsauffassung im Rahmen des
Üblichen liegen. Ohne Nachweis wird in der Praxis ein Pauschalabzug gewährt, wenn
aufgrund der beruflichen Stellung die Notwendigkeit einer gewissen Weiterbildung
glaubhaft ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 2C_666/2014 vom 16. Februar 2015
E. 2.1.2; StB 39 Nr. 6; Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., S. 43 f.; Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, a.a.O., N 59 ff. zu Art. 26 DBG).
Ausbildungskosten, und damit nicht abzugsfähig, sind die Kosten für die erstmalige
Aufnahme einer Berufstätigkeit bzw. für einen neuen oder zusätzlichen Beruf. Auslagen
für eine Fortbildung, die zum Aufstieg in eine eindeutig vom bisherigen Beruf zu
unterscheidende höhere Berufsstellung (sog. Berufsaufstiegskosten) oder gar zum
Umstieg in einen anderen Beruf dient, sind keine Weiterbildungskosten im Sinn von
Art. 39 Abs. 1 lit. d StG bzw. Art. 26 Abs. 1 lit. d DBG. Sie werden nicht für eine
Weiterbildung im Rahmen des bereits erlernten und ausgeübten Berufs erbracht,
sondern letztlich für eine neue Ausbildung. Auslagen, die anfallen, um die notwendigen
Fähigkeiten und Kenntnisse zur Ausübung eines eigentlichen Berufs zu erlernen sind
demnach als Ausbildungskosten auch dann nicht abziehbar, wenn die Fortbildung
berufsbegleitend absolviert wird, im Ergebnis aber dem Aufstieg in eine vom bisherigen
Beruf eindeutig unterscheidbare höhere Berufsstellung dient. Um
Berufsaufstiegskosten handelt es sich auch dann, wenn die absolvierte Ausbildung zu
wesentlichen Zusatzkenntnissen mit eigenem Wert führt und die Berufsaussichten
deutlich verbessert, im Gegensatz zu einer blossen Aktualisierung und Vertiefung
vorhandener Kenntnisse (vgl. BGer 2C_666/2014 vom 16. Februar 2015 E. 2.2 mit
Hinweisen). Die Weiterbildungsmassnahmen müssen demnach einen konkreten
Erwerbsbezug haben. Es reicht nicht, dass sie für irgendeine Erwerbstätigkeit von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nutzen sein könnten (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 64 zu Art. 26 DBG;
Urteil des Verwaltungsgerichts B 2007/122 vom 18. Dezember 2007 E. 2.2, in
www.gerichte.sg.ch; VRKE I/1-2012/187 vom 19. März 2013, in: www.gerichte.sg.ch).
c) Der Rekurrent und Beschwerdeführer besuchte gemäss eigenen Angaben im Jahr
1995 die Polizeischule. In der Steuerperiode 2013 war er bei der Kantonspolizei Zürich,
Abteilung Flugbetrieb, als "Postholder Mission & Organisation" tätig. Die Arbeitgeberin
bestätigte dabei, dass die "Weiterbildung (Commercial Pilot Licence Helicopter)"
erforderlich sei, damit der Rekurrent und Beschwerdeführer die Funktion des
Polizeihelikopterpiloten ausführen könne (act. 6/I/11). Für seine aktuelle Tätigkeit als
Einsatzleiter muss er somit nicht Helikopterpilot sein, wehalb es sich beim Erlangen
dieser Funktion um eine zusätzliche Ausbildung handelt. Er macht überdies nicht
geltend und es ergibt sich nicht aus den Akten, dass seine Arbeitgeberin das Erlernen
oder Ausüben einer entsprechenden Tätigkeit als Helikopterpilot nahegelegt oder sogar
vorgeschrieben hätte. Schliesslich geht aus seiner Schilderung der Sachlage
gegenüber der Vorinstanz hervor, dass er zeitweise als fliegender Einsatzleiter an der
Front tätig sei und durch die neue Funktion als Helikopterpilot den Platz im Helikopter
wechseln könne (vgl. act. 6/I/10). Auch dieser Umstand bringt zum Ausdruck, dass es
sich bei der Funktion als Pilot um eine grundlegend andere als die Funktion als
Einsatzleiter handelt. Widersprüchlich und nicht nachvollziehbar ist weiter die Aussage,
die Aufgabe als fliegender Einsatzleiter müsse jeder Pilot weiterhin erledigen. Gemäss
seiner derzeitigen Tätigkeit ist offenbar die Tätigkeit als fliegender Einsatzleiter nicht
zwingend mit der Funktion des Piloten verbunden. Soweit der Rekurrent und
Beschwerdeführer jedoch geltend macht, als Einsatzleiter vertiefte Kenntnisse über die
Luftfahrtgesetze, Verordnungen und deren Zusammenhänge zu benötigen, kann darin
ein funktionaler Zusammenhang zu seiner Tätigkeit erblickt werden. Eine anteilmässige
Anerkennung der theoretischen Kurskosten als Weiterbildungsaufwand ist daher
gerechtfertigt. Sämtliche Kosten im Zusammenhang mit der praktischen Ausbildung
zum Helikopterpiloten sind dagegen nicht zu berücksichtigen. Bezugnehmend auf die
"Aufstellung der Weiterbildungskosten 2013" des Rekurrenten und Beschwerdeführers
(act. 6/I/11) handelt es sich – soweit nachvollziehbar – bei ca. Fr. 7'000.– um Kosten,
welche im Rahmen von Schulungsunterlagen und Theoriekursen angefallen sind
(Beleg-Nrn. 2-5, 18, 21, 25, 29-30, 33). Die theoretischen Grundlagen dienten dabei
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hauptsächlich der Erlangung der Pilotenlizenz, weshalb es sich rechtfertigt, etwa einen
Drittel dieser Auslagen als Weiterbildungskosten zu berücksichtigen, mithin Fr. 2'300.–.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs und die Beschwerde teilweise
gutzuheissen sind. Die angefochtenen Einspracheentscheide vom 17. Oktober 2014
sind aufzuheben. Unter Berücksichtigung der als Weiterbildungskosten anerkannten
Auslagen von Fr. 2'300.– ist der Rekurrent und Beschwerdeführer für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2013 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 87'000.– sowie für
die direkte Bundessteuer 2013 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 86'500.– zu
veranlagen. Das steuerbare Vermögen von Fr. 51'000.– bleibt unverändert.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend – der Rekurrent und Beschwerdeführer
unterliegt weitestgehend – sind die Kosten des Verfahrens dem Rekurrenten und
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP und Art. 144 Abs. 1 DBG). Da das
Rekurs- und Beschwerdeverfahren in ein und demselben Entscheid behandelt werden,
ist eine Entscheidgebühr von je Fr. 600.– (insgesamt Fr. 1’200.–) angemessen (vgl.
Art. 144 Abs. 5 DBG i.V.m. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von total Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.