Decision ID: 9a8d0fe4-016d-4758-9ca7-04b95eeb3e92
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im September 2006 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit, Rente) an
(IV-act. 1). Seitens der Klinik B._, wo die Versicherte sich vom 6. bis 25. April 2006 in
einem stationären Aufenthalt befunden hatte, war am 3. Juli 2006 eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden. Der Bericht ging bis 30. April
2006 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit, ab dem 1. Mai 2006 von einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit - nach Absprache mit dem nachbehandelnden Arzt - aus (IV-act.
6-9). Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, stellte in seinem Arztbericht vom 21.
Oktober 2006 zuhanden der IV-Stelle folgende Diagnosen: Anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, erhebliche psychosoziale Problematik. Eine Integration in den freien
Arbeitsmarkt sei nicht möglich, hingegen sei die Versicherte in der Lage, eine Tätigkeit
in einem geschützten Rahmen ganztags auszuüben (IV-act. 6-2). Der Regionale
Ärztliche Dienst Ostschweiz (RAD) empfahl am 18. Januar 2007 eine polydisziplinäre
Begutachtung (IV-act. 12). Die IV-Stelle veranlasste am 30. April 2007 eine
medizinische Abklärung durch die Aerztliche Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), Basel.
Nachdem die Versicherte nicht zum vorgesehenen Untersuchungstermin vom 18.
September 2007 erschienen war, forderte die IV-Stelle sie mit Schreiben vom 21.
September 2007 auf, sich bis zum 3. Oktober 2007 beim ABI zu melden, um einen
neuen Termin zu vereinbaren. Die Versicherte wurde auf die gesetzlichen Folgen eines
erneuten unentschuldigten Fernbleibens von der Untersuchung aufmerksam gemacht
(IV-act. 17). Die Versicherte unterliess es, sich beim ABI zu melden. Mit Verfügung vom
19. Oktober 2007 wies die IV-Stelle ihr Leistungsbegehren ab (IV-act. 22). Dieser
Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.b Im Februar 2009 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug
(Massnahmen für die berufliche Eingliederung, Rente) an. Das Psychiatrische Zentrum
Y._ stellte am 24. August 2009 folgende Diagnosen: Anpassungsstörung, Angst und
depressive Reaktion gemischt; Verdacht auf undifferenzierte Schizophrenie
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(Beobachtungszeitraum weniger als ein Jahr); Somatisierungsstörung. Angesichts des
lange andauernden Verlaufs der psychischen Störung sowie der mangelnden
Krankheitseinsicht und der fehlenden Behandlungsbereitschaft sei die Prognose
bezüglich der Arbeitsfähigkeit als eher ungünstig einzuschätzen (IV-act. 35). In seinem
Verlaufsbericht vom 15. Februar 2010 hielt das Psychiatrische Zentrum Y._ fest, der
Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär, die Diagnosen präsentierten sich
unverändert. Nach wie vor bestünden starke Somatisierungstendenzen. Die Versicherte
sei immer noch überzeugt, an einer schweren somatischen Erkrankung zu leiden,
bezüglich der psychiatrischen Erkrankung zeige sie keine Krankheitseinsicht (IV-act.
41).
A.c Die IV-Stelle veranlasste am 28. Mai 2010 gestützt auf eine Stellungnahme des
RAD eine medizinische Abklärung durch das ABI. Die Versicherte wurde am 28.
Oktober 2008 einer polydisziplinären Begutachtung (internistischer-allgemeiner Teil
durch PD Dr. D._, fallführender Facharzt; psychiatrischer Teil durch Dr. med. E._,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie; orthopädischer Teil durch Dr. med. F._, FMH
Orthopädische Chirurgie) unterzogen. Das Gutachten vom 17. November 2010 gelangt
zum Ergebnis, bei der Versicherten bestehe für sämtliche körperlich leichten bis
mittelschweren, wechselnd belastenden Tätigkeiten eine uneingeschränkte Arbeits-
und Leistungsfähigkeit (IV-act. 55).
A.d Mit Vorbescheid vom 3. Januar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 59). Dagegen erhob die
Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, am 15. März 2011
Einwand. Darin beantragte sie die Zusprechung einer ganzen Rente. Zur Begründung
verwies sie im Wesentlichen auf einen Bericht von Dr. med. G._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, betreffend eine medizinische Untersuchung vom
16. Februar 2011, welche vom Rechtsvertreter veranlasst worden war. Gemäss diesem
Bericht liege bei der Versicherten eine paranoide coenästhetische Schizophrenie vor,
die Arbeitsunfähigkeit betrage 100% (IV-act. 64-1ff.). Mit Schreiben vom 16. Mai 2011
nahm der begutachtende Psychiater Dr. E._ zum Bericht von Dr. G._ Stellung (IV-
act. 67).
A.e Die IV-Stelle verfügte am 24. Juni 2011 im Sinn des Vorbescheids (IV-act. 70).
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B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde der durch
Rechtsanwalt Mussato vertretenen Versicherten vom 26. August 2011. Unter Kosten-
und Entschädigungsfolge lässt sie beantragen, es sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben und es sei ihr eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur
Begründung lässt sie sinngemäss ausführen, die bei ihr vorliegende Diagnose einer
Schizophrenie bedeute Vollinvalidität. Die IV-Stelle stütze ihren Entscheid auf das
Gutachten des ABI bzw. die Stellungnahme des RAD, welche eine Schizophrenie in
unzutreffender Weise verneint hätten (act. G 1). In ihrer Beschwerdeergänzung vom 28.
September 2011 legt die Beschwerdeführerin dar, gemäss den Einschätzungen von Dr.
G._ sei von einer unsorgfältigen Befunderhebung durch das ABI auszugehen. Das
Gutachten sei undifferenziert und nicht nachvollziehbar. Angesichts der zweifelhaften
Grundlagen, auf welchen die angefochtene Verfügung beruhe, sei ihr entweder direkt
eine ganze Rente zuzusprechen oder aber es seien in dieser Sache weitere
Abklärungen zu tätigen. Die Versicherte legte der Beschwerdeergänzung eine
Stellungnahme von Dr. G._ vom 6. Juni 2011 bei (act. G 5).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 15. November 2011 beantragt die Beschwerde
gegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung führt sie aus, das
Gutachten erfülle sämtliche rechtsprechungsgemässen Kriterien der Beweistaug
lichkeit, weshalb vollumfänglich darauf abzustellen sei. Die Einschätzungen von
Dr. G._ seien nicht schlüssig. Es sei hier auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu
tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Stellung zugunsten
ihrer Patienten aussagen würden (act. G 8).
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 12).

Erwägungen:
1.
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1.1 Zwischen den Parteien ist der Invalidenrentenanspruch der Beschwerdeführerin
streitig.
1.2 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366 E.
1b), sind für den bis 31. Dezember 2007 verwirklichten Sachverhalt die altrechtlichen,
danach die bis 31. Dezember 2011 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
Die am 1. Januar 2012 in Kraft getretene IV-Revision 6A ist für dieses Verfahren nicht
von Bedeutung.
1.3 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).
1.4 Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG (heute Art. 28 Abs. 2 IVG) besteht der Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Nach aArt. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in
dem die versicherte Person mindestens zu 40 % bleibend erwerbsunfähig geworden ist
(lit. a) oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen war (lit. b). Nach der ab 1. Januar 2008
geltenden Regelung entsteht ein Anspruch nur noch nach der zweiten Variante (Art. 28
Abs. 1 IVG). Zusätzlich muss eine Karenzzeit von sechs Monaten seit Anmeldung
bestanden werden (Art. 29 Abs. 1 IVG).
2.
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2.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder
der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen,
in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes
wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi
nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Bei der Würdigung von Berichten der behandelnden Ärzte
ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Erfahrungstatsache Rechnung zu
tragen, dass es ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung wegen mitunter vorkommt,
dass sie in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (so etwa der
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 6. Dezember 2006, I
329/06; BGE 125 V 353 E. 3b/cc; vgl. Ulrich Meyer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, S. 229 f.). Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom
behandelnden Mediziner stammt, darf aber nicht dazu führen, sie als von vornherein
unbeachtlich einzustufen (vgl. BGE vom 27. Mai 2008, 9C_24/08).
2.2 Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
Die Beschwerdegegnerin stützt die rentenablehnende Verfügung vom 24. Juni 2011 auf
das ABI-Gutachten vom 17. November 2010 (IV-act. 55). Das Gutachten stellt keine
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Unter den Diagnosen ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit sind aufgeführt: Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10:
F45.4) [unspezifisches multilokuläres Schmerzsyndrom (ICD-10: R52.9); Vitamin B12-
Mangel, Tinnitus rechts. Bei der Beschwerdeführerin bestehe für sämtliche körperlich
leichten bis mittelschweren, wechselnd belastenden Tätigkeiten eine uneingeschränkte
Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Lediglich körperlich schwere Tätigkeiten sollten ihr in
Anbetracht ihrer körperlichen Konstitution nicht zugemutet werden. Berufliche
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Massnahmen seien angesichts der fixierten Krankheits- und Invaliditätsüberzeugung
der Beschwerdeführerin nicht sinnvoll durchführbar (act. 55-16ff.).
2.3
2.3.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob bzw. inwieweit auf das interdisziplinäre Gut
achten abgestellt werden kann. Die Beschwerdeführerin bringt in Bezug auf das
psychiatrische Teilgutachten vor, dieses sei gemäss den Einschätzungen von Dr. G._
nicht beweistauglich. Dr. G._ habe die Schlussfolgerung des ABI, es liege keine
Schizophrenie vor, als nicht nachvollziehbar erachtet. Dr. G._ diagnostizierte bei der
Beschwerdeführerin eine paranoide und coenästhetische Schizophrenie (ICD-10: F20.0
und F20.8). Die Beschwerdeführerin leide an einer ausgeprägten wahnhaften
Wahrnehmung. Dabei handle es sich einerseits um paranoide, andererseits aber vor
allem um coenästhetische Wahninhalte. Diese seien gekennzeichnet durch eigene
Körperwahrnehmungen, zum Beispiel Taubheitsgefühle, Schmerzsensationen und
thermische Sensationen. Alle diese Symptome würden bei der Beschwerdeführerin
vorliegen. Des Weiteren imponiere bei ihr auch die psychotische Wahrnehmung dieser
Körpermissempfindungen, z.B. habe sie angegeben, dass die rote und gelbe
Flüssigkeit zu viel sei und aus ihrem Hinterkopf austrete und dass man dies sehen
könne. Die Nähe zur Somatisierungsstörung und hypochondrischen Wahrnehmung
seien gegeben, die wahnhaften Symptome seien jedoch derart deutlich, dass es sich
dabei ohne Zweifel um eine Form der Schizophrenie handle. Anamnestisch hätten
diese Symptome vermutlich nach ihrer einzigen Arbeitsstelle eingesetzt, ca. im Jahr
1998. Ebenfalls klar für eine wahnhafte Erkrankung spreche die Anamnese mit der
sozialen Isolation der Beschwerdeführerin. Dass die fulminanten Symptome weder von
der Klinik B._ noch vom ABI erkannt worden seien, sei wohl auf eine fehlende
eingehende Untersuchung zurückzuführen. Die Beschwerdeführerin sei schwierig zu
führen, spreche oft in Rätseln und man sei im Gespräch oft geneigt, nicht genauer
nachzuhaken, da eine normale Konversation mit ihr kaum möglich und das Gespräch
sehr anstrengend sei. Völlig falsch sei die Feststellung des ABI, wonach das
Neuroleptikum, welches die Beschwerdeführerin während eines Monats eingenommen
und welches ihren Zustand nicht verändert habe, für das Fehlen einer schizophrenen
Störung spreche (IV-act. 64-7ff.).
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2.3.2 Das ABI erörterte im Zusammenhang mit den psychopathologischen
Befunden, die Beschwerdeführerin sei allseits orientiert und bewusstseinsklar. Die
Aufmerksamkeit habe für die Dauer des Gesprächs durchgehend aufrecht erhalten
werden können. Die Konzentration und die Auffassung seien ungestört gewesen.
Merkfähigkeitsstörungen hätten sich keine gezeigt. Im formalen Gedankengang sei die
Beschwerdeführerin geordnet gewesen. Hinweise auf Sinnestäuschungen in Form von
Halluzinationen oder illusionären Verkennungen hätten sich nicht ergeben. Auch
inhaltliche Denkstörungen in Form von wahnhaften Gedanken, Wahnwahrnehmungen
oder einer systematisch wahnhaften Denkstruktur hätten nicht vorgelegen und es
hätten keine Hinweise für Ich-Störungen in Form eines Fremdbeeinflussungserlebens
bestanden. Anzeichen für eine hypochondrische Erlebnisverarbeitung im engeren Sinn
seien nicht festzustellen gewesen, ebenso wenig phobische Gedankengänge.
Zwanghafte Handlungen oder Zwangsgedanken seien bei der Beschwerdeführerin
nicht eruierbar gewesen und sie habe keine paroxysmalen Ängste erwähnt. Circadiane
Besonderheiten hätten sich nicht gefunden. Weiter hätten keine Hinweise für einen
ausgeprägten sozialen Rückzug, Aggressivität, Suizidalität oder Selbstschädigung
bestanden. Die Realitätsprüfung und die Urteilsbildung hätten sich als ungestört
präsentiert. Anzeichen für eine mangelnde Affektsteuerung und fehlende
Impulskontrolle hätten sich nicht ergeben wie auch nicht für eine gestörte
Intentionalität oder einen gestörten Antrieb. Der Selbstwert sei ausgeglichen gewesen
(IV-act. 55-10f.). Im Zusammenhang mit der vom Psychiatriezentrum Y._ geäusserten
Verdachtsdiagnose einer Schizophrenie führte das ABI aus, es hätten sich keine
Grundsymptome einer schizophrenen Erkrankung gefunden. Die Beschwerdeführerin
zeige keine Denk- und Affektstörungen, ihre affektiven Äusserungen seien einfühlbar
gewesen. Die betreffenden Symptome müssten indes zwingend vorhanden sein, damit
die Diagnose einer Schizophrenie gestellt werden könnte. Dass die Beschwerdeführerin
ihrem Ex-Mann und den Ämtern Vorwürfe mache und in ihnen den Grund für ihre
Schwierigkeiten sehe, sei in ihrer Neigung begründet, die Umgebung für ihre
Schwierigkeiten verantwortlich zu machen und wenig Verantwortung für sich zu
übernehmen. Es handle sich somit nicht um eine paranoische Einstellung der Welt
gegenüber. Es seien auch nie produktive Symptome festgestellt worden (IV-act.
55-11f.). In seiner Stellungnahme zum Arztbericht von Dr. G._ vom 16. Mai 2011
bestätigte das ABI seine gutachterliche Beurteilung grundsätzlich und wies namentlich
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erneut darauf hin, für die Diagnose einer Schizophrenie sei es zwingend notwendig,
dass bestimmte Grundsymptome vorhanden seien, so zerfahrenes Denken oder inad
äquate bzw. verflachte Affekte. Auch könnten Schmerzwahrnehmungen, die somatisch
nicht zu erklären seien, nicht einfach als Symptome einer coenästhetischen
Schizophrenie klassifiziert werden. Die Beschwerdeführerin lebe sozial schon seit jeher
sehr zurückgezogen, verfüge kaum über Deutschkenntnisse, sei in der Schweiz total
isoliert. Die mangelnde soziale Integration sei nicht Ausdruck einer Schizophrenie,
sondern hänge mit der fehlenden Motivation der Beschwerdeführerin zusammen, sich
hier zu integrieren. Sie wolle im Prinzip am liebsten in ihre Heimat zurückkehren, wenn
sie dafür die notwendigen finanziellen Voraussetzungen hätte (IV-act. 67).
2.3.3 Vorliegend ist festzuhalten, dass die Beurteilung des ABI, weshalb bei der
Beschwerdeführerin keine schizophrene Erkrankung vorliegen könne, schlüssig und
nachvollziehbar erscheint. Die gestützt auf die Einschätzungen von Dr. G._ erhobene
Kritik der Beschwerdeführerin, das ABI habe sie nicht ausreichend erfasst, erscheint
nicht angebracht. Die Schilderungen des ABI über den Verlauf des Gesprächs mit der
Beschwerdeführerin präsentieren sich im Wesentlichen gleich wie jene von Dr. G._.
So wurde auch von Seiten des ABI beschrieben, die Beschwerdeführerin sei immer
wieder in ihre Opferhaltung geraten, habe den Ärzten und Ämtern Vorwürfe gemacht,
dass sie von ihnen schlecht behandelt werde. Die Beschwerdeführerin habe zum Teil
Mühe gehabt, auf die gestellten Fragen einzugehen und sie habe sich in endlosen
Monologen über ihr Opferdasein wiederholt. Ebenso hat die Beschwerdeführerin
offenbar im Rahmen der orthopädischen Untersuchung von Wasser und Blut berichtet,
welches aus ihrem Hinterkopf herausfliesse (IV-act. 55-11f.). Weiter hat das ABI in
seiner Stellungnahme vom 16. Mai 2011 plausibel näher ausgeführt, weshalb das
Neuroleptikum, welches die Beschwerdeführerin während eines Monats eingenommen
habe, für das Fehlen einer psychischen Störung spreche. Demnach führten
Neuroleptika zu einem deutlichen Rückgang der positiven Symptomatik, d.h. der
Halluzinationen. Wenn die Beschwerdeführerin nun unter Symptomen einer
Schizophrenie leiden würde, hätte sich die Schmerzwahrnehmung nach Einnahme der
Neuroleptika deutlich gebessert. Produktive Symptome im Rahmen einer
Schizophrenie liessen sich durch Neuroleptika sehr gut behandeln. Bei der
Beschwerdeführerin habe sich indes keine Besserung gezeigt. Die Tatsache, dass die
Schmerzwahrnehmung durch die Neuroleptika sich nicht gebessert habe, sei ein
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eindeutiger Hinweis, dass das Symptom Schmerz nicht Ausdruck einer Schizophrenie
sei, sondern dass es sich hierbei um psychische Überlagerungen im Rahmen einer
Schmerzverarbeitungsstörung handle.
2.3.4 Was die Einschätzungen der Klinik B._ und des Psychiatriezentrums
Y._ betrifft, so ist aufgrund derselben ebenfalls nicht von einer schizophrenen
Erkrankung auszugehen. Die Klinik B._ erwähnte in ihrem Bericht vom 3. Juli 2006
nichts von einer Schizophrenie, als Diagnose gab sie einzig eine anhaltende somato
forme Schmerzstörung an (IV-act. 6-9). Der Vorwurf der mangelhaften Untersuchung,
welchen die Beschwerdeführerin auch gegenüber der Klinik B._ erhebt, findet in den
Akten keine Stütze. Das Psychiatriezentrum Y._ wiederum führte in seinem Bericht
vom 24. August 2009 die undifferenzierte Schizophrenie nur als Verdachtsdiagnose auf
(IV-act. 35). Das ABI erwähnte ausserdem in seiner Stellungnahme vom 16. Mai 2011,
das Psychiatriezentrum beschreibe keine positiven Symptome einer Schizophrenie. Die
Erkenntnisse des Psychiatriezentrums müssen ohnehin in Frage gestellt werden, hatte
dieses doch selber erklärt, die von ihm durchgeführte testpsychologische
Untersuchung sei aufgrund der bei der Beschwerdeführerin bestehenden
Einschränkungen nicht aussagekräftig.
2.3.5 Gesamthaft ist nicht ersichtlich, inwieweit die psychiatrische Beurteilung
durch das ABI rechtsfehlerhaft sein soll. Die neuerliche Kritik an den gutachterlichen
Einschätzungen durch Dr. G._ in dessen Schreiben vom 6. Juni 2011 (IV-act. 77-1)
ändert an dieser Feststellung nichts. Es findet in dem Bericht auch keine Auseinan
dersetzung mit der Stellungnahme des ABI vom 16. Mai 2011 statt, obwohl dort
namentlich in Bezug auf die neuroleptische Behandlung im Vergleich zum Gutachten
vom 17. November 2010 wesentliche neue Aussagen gemacht werden. Im Ergebnis ist
mit dem ABI-Gutachten davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin keine
psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt.
2.4 Was das orthopädische Teilgutachten betrifft, beruht dieses auf eigenständigen
Abklärungen und ist es für die streitigen Belange umfassend. Die medizinischen
Vorakten wurden verwertet und die von der Beschwerdeführerin geklagten
Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Bei der Beschwerdeführerin ist somit auch
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aus orthopädischer Sicht keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
anzunehmen.
2.5 Zusammenfassend kann auf das Gutachten des ABI vollumfänglich abgestellt
werden. Es ist somit festzustellen, dass bei der Beschwerdeführerin für sämtliche
körperlich leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeiten eine uneinge
schränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit besteht.
3.
3.1 Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen zu prüfen. In Bezug auf die Berechnung des Valideneinkommens ist den
Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Herkunftsland Serbien eine
Anlehre als Mechanikerin absolviert habe, ohne jedoch einen zertifizierten Abschluss zu
erlangen. Nach ihrer Einreise in die Schweiz habe sie in den Jahren 1991/92 in einer
Metzgerei gearbeitet. Anschliessend habe sie mit Ausnahme einer einjährigen Tätigkeit
als Reinigungskraft im Jahr 1999 nicht mehr gearbeitet. In den Jahren 2002/03 und
2004/05 habe sie noch an Reintegrationsprojekten im Business House in Goldach
teilgenommen, wo sie Recycling- bzw. Näharbeiten ausgeübt habe. Vorliegend ist
festzuhalten, dass eine angestammte Tätigkeit nicht klar definiert ist. Es kann deshalb
nicht auf ein bisher erzieltes Einkommen abgestellt werden. Das Valideneinkommen ist
vielmehr auf derselben Grundlage wie das Invalideneinkommen zu erheben. Sind
Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen,
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung
des Abzugs vom Tabellenlohn (SVR 2008 IV Nr. 2, I 697/05 E. 5.4). Im Rahmen dieses
Abzugs ist der Tatsache Rechnung zu tragen, dass persönliche und berufliche
Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die
Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa) und je nach Ausprägung die
versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg
verwerten kann (BGE 126 V 80 E. 5b/aa). Der Abzug darf 25% nicht übersteigen (BGE
134 V 327 E. 5.2).
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3.2 Vorliegend ist festzustellen, dass bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit auch bei Gewährung des höchstzulässigen Tabellenlohn
abzugs von 25% offensichtlich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren
würde. Die von der Beschwerdegegnerin verfügte Abweisung des Rentenanspruchs
erweist sich im Ergebnis als korrekt.
4.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen. Die Beschwerdeführerin hat gemäss Art. 69
Abs. 1 IVG die Gerichtsgebühr, die angesichts des durchschnittlichen Aufwands auf
Fr. 600.-- festgelegt wird, zu bezahlen, wobei diese durch den in gleicher Höhe geleis
teten Kostenvorschuss gedeckt ist. Ein Anspruch auf Parteientschädigung besteht
ausgangsgemäss nicht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP