Decision ID: c5f30bda-4816-4b6c-b8c3-7436967baa3f
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 4. Oktober 2013 zur Arbeitsvermittlung beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) St. Gallen und am 8. Oktober 2013 zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung ab 1. Januar 2014 bei der kantonalen Arbeitslosenkasse
an. Dabei gab er an, dass er bereit und in der Lage sei, Vollzeit zu arbeiten (act. G 3.1,
B4 und Aa15). Der Versicherte arbeitete zuletzt vom 1. November 2011 bis am 31.
Dezember 2013 bei der B._ AG (act. G 3.1, B17). Am 27. September 2013 war dem
Versicherten aus wirtschaftlichen Gründen das Arbeitsverhältnis gekündet worden (act.
G 3.1, B3).
A.b Mit Schreiben vom 5. März 2014 wurde der Versicherte per 31. März 2014 von
der Arbeitsvermittlung abgemeldet, da er per 1. April 2014 mit der selbstständigen
Tätigkeit im eigenen Restaurant starten wolle (act. G 3.1, Aa32 f.).
A.c Am 9. April 2014 meldete sich der Versicherte erneut zur Arbeitsvermittlung und
am 14. April 2014 zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung an (act. G 3.1, A4, B23 f.
und B34).
A.d Mit Verfügung vom 12. Mai 2014 wurde der Beschwerdeführer wegen verspätet
eingereichter und zudem auch ungenügender Arbeitsbemühungen für den Monat April
2014 ab 1. Mai 2014 für fünf Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt (act. G 3.1,
A15).
A.e In den Formularen „Angaben der versicherten Person“ für die Monate Januar,
Februar, März, April und Mai 2014 gab der Versicherte jeweils an, dass er keine
selbstständige Tätigkeit ausgeübt habe (act. G 3.1, B14, B20, B25, B28 und B41).
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A.f Mit Schreiben vom 20. Mai 2014 forderte das RAV den Versicherten zur
Stellungnahme betreffend Vermittlungsfähigkeit auf. Die Arbeitslosenkasse zweifle
rückwirkend an seiner Vermittlungsfähigkeit ab dem 1. Januar 2014. Sie gingen davon
aus, dass er seine volle Aufmerksamkeit der Eröffnung des Restaurants gewidmet habe
und nicht mehr an einer dauerhaften unselbstständigen Tätigkeit als Arbeitnehmer
interessiert gewesen sei (act. G 3.1, A17).
A.g Mit E-Mail vom 30. Mai 2014 meldete sich der Versicherte beim RAV ab, da er im
nächsten Monat ins Militär müsse, momentan sowieso kein Geld erhalte und nach dem
Militär die selbstständige Tätigkeit in Angriff nehme (act. G 3.1, A24).
A.h Mit Verfügung vom 17. Juni 2014 wurde der Versicherte ab 1. Juni 2014 für neun
Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt, da er für die Kontrollperiode Mai 2014
den Nachweis der Arbeitsbemühungen nicht eingereicht habe (act. G 3.1, A27).
A.i Mit Schreiben vom 15. Juli 2014 nahm der Versicherte zur Vermittlungsfähigkeit
Stellung. Bis am 31. Dezember 2013 habe er bei der B._ AG gearbeitet. Danach habe
er sich beim RAV angemeldet, da er auf Arbeitssuche gewesen sei. Er habe bis Ende
März 2014 keine Arbeitsstelle gefunden, dann habe er sich selbstständig machen
wollen, weshalb er sich per 31. März 2014 beim RAV abgemeldet habe. Er habe sich
jedoch nicht selbstständig machen können, weil das marketing- und
organisationstechnisch nicht funktioniert habe. Da er auch in finanzieller Not gewesen
sei, habe er sich per 9. April wieder beim RAV angemeldet, da er dringend eine
Arbeitsstelle gebraucht hätte. Leider sei nicht verstanden worden, weshalb es zu dieser
Lage gekommen sei. Als er gesehen habe, dass es kompliziert und er missverstanden
werde und er zudem keinen Lohn erhalten habe, habe er sich abgemeldet. Er habe
dann auf eigene Faust einen Job gesucht, bis er im Juni 2014 für drei Wochen in den
WK gemusst habe. Mittlerweile habe sein Lokal geöffnet, aber auch nicht offiziell, da
immer noch Arbeiten offen seien und die Marketingabteilung nicht vorwärts mache.
Offizielle Veranstaltungen habe er jedoch am 9. Juni 2014 gehabt. Das Lokal sei auch
während der C._ in Betrieb gewesen, er suche jedoch immer noch eine Arbeit. Er sei
immer noch vermittlungsfähig, da er ohne Werbung keine Einnahmen im Laden habe.
Damit das Lokal nicht weiter vermittelt werde, habe er sich eingemietet und
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entsprechend auch den Mietvertrag unterschrieben. Die erste Miete und Kaution habe
er am 30. April 2014 bezahlt (act. G 3.1, A29).
A.j Mit Verfügung vom 22. August 2014 stellte das RAV fest, dass der Versicherte
ab 1. Januar 2014 nicht vermittlungsfähig gewesen sei. Es bestehe die begründete
Annahme, dass die Vermittlungsfähigkeit des Versicherten bereits ab 1. Januar 2014
nicht gegeben gewesen sei. Die hierfür notwendigen Unterlagen und Auskünfte habe
der Versicherte trotz schriftlicher Mahnung und Hinweis auf die Folgen nicht
eingereicht. Seine Sachverhaltsdarstellung könne daher nicht weiter überprüft werden.
Deshalb werde die Vermittlungsfähigkeit aufgrund der Aktenlage rückwirkend verneint
(act. G 3.1, A31).
A.k Am 27. August 2014 verfügte die Arbeitslosenkasse die Rückzahlung zu viel
bezogener Taggeldleistungen im Totalbetrag von netto Fr. 7‘734.40 (act. G 3.1, B51).
A.l Mit Schreiben vom 19. September 2014 erhob der Versicherte Einsprache
gegen die RAV-Verfügung vom 22. August 2014 und gleichzeitig auch Einsprache
gegen die Verfügung vom 27. August 2014 der Arbeitslosenkasse. Er sei im WK
gewesen und habe nicht mitbekommen, dass die geforderten Unterlagen nicht
abgeschickt worden seien. Der Versicherte reichte diese mit der Einsprache zusammen
nachträglich ein. In der Zeit vom 1. Januar 2014 bis 31. März 2014 habe er Arbeit
gesucht und sei vermittlungsfähig gewesen. Er sei auch all seinen Pflichten gegenüber
dem RAV und der Arbeitslosenkasse nachgekommen und habe offen über die geplante
Selbstständigkeit kommuniziert. Er habe sich beworben, um für die Zeit bis zur
Eröffnung des Lokals ein normales Einkommen zu haben. Das Eröffnungsdatum habe
wegen Umbauarbeiten des Vermieters nicht festgelegt werden können. Nachdem er
seiner selbstständigen Arbeit noch nicht habe nachgehen können, habe er sich am 9.
April 2014 wieder beim RAV angemeldet. Da er jedoch kein Taggeld bekommen habe,
habe er sein Lokal gezwungenermassen eröffnen müssen, da er keinen Lohn erhalten
habe. Er habe das Lokal hauptsächlich für seine Freundin aufgemacht, da sie längere
Jahre keinen Job gefunden habe und beim RAV ausgesteuert gewesen sei. Er habe
das Patent gemacht und sein ganzes Erspartes in das Lokal investiert. Leider habe sie
nicht gekonnt oder gewollt und viele Kunden vertrieben. Er habe die Beziehung
beendet und sich dem Lokal gewidmet, deshalb habe er sich am 2. Juni 2014 auch
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beim RAV abgemeldet. Der Versicherte beantragte auf die Rückforderung zu
verzichten, da der Vorwurf nicht stimme, dass er nicht vermittlungsfähig gewesen sei
(act. G 3.1, A34 und B53).
A.m Mit Zwischenverfügung vom 30. September 2014 sistierte die Arbeitslosenkasse
das Einspracheverfahren gegen die Verfügung vom 28. August 2014 bis zum
rechtskräftigen Entscheid über die Vermittlungsfähigkeit beim RAV (act. G 3.1, B56).
A.n Mit Einspracheentscheid vom 15. Oktober 2014 wies das RAV die Einsprache ab
und bestätigte die Verfügung vom 22. August 2014. Bei der Überprüfung der Angaben
des Versicherten sei festgestellt worden, dass das Lokal über eine eigene Facebook-
Seite verfüge, anhand welcher die Einwände in der Einsprache als auch die Angaben
über die „zeitliche Verfügbarkeit“ widerlegt werden könnten. So würden die Einträge
vom 5. März 2014 ein bereits renoviertes und eingerichtetes Ladenlokal zeigen. Die
erste Veranstaltung sei auf den 14. März 2014 angekündigt. Von der Kalenderwoche 11
sei ein kompletter Menü-Plan gepostet worden und am 12. März 2014 habe der
Versicherte ein Foto des Lokals ins Netz gestellt, auf welchem die grosse
Beschilderung des Lokals zu sehen sei. In kurzen Abständen wiederkehrend seien
Mittagsmenüs, Veranstaltungen im Lokal und Fotos oder Videos der Tätigkeit des
Versicherten bei der Zubereitung der Gerichte gepostet worden. Die Öffnungszeiten
würden von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr angegeben und in einem Video teile der
Versicherte mit, dass er als Geschäftsführer und sein Team die Gäste gerne bewirten
würden. All diese Angaben würden die Aussagen in Bezug auf die subjektive wie auch
die objektive Bereitschaft, einer anderweitigen Tätigkeit nachzugehen, widerlegen. Die
Eröffnung des Ladenlokals habe bei der Anmeldung zur Arbeitslosenversicherung
unmittelbar bevor bestanden und sei nicht gezwungenermassen aufgrund der
Einstellung der Arbeitslosentaggelder erfolgt. Der Umbau sei nachweislich bereits
abgeschlossen gewesen. Dass das Lokal noch nicht wie erhofft laufe, stelle ein
übliches Unternehmerrisiko dar und könne nicht mittels Arbeitslosenentschädigung
aufgefangen werden (act. G 3.1, A36).
B.
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B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 15. Oktober 2014 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 14. November 2014. Der Beschwerdeführer macht
geltend, dass er vom 1. Januar 2014 bis und mit 31. März 2014 vermittlungsfähig
gewesen sei. Ab 9. April 2014 bis 2. Juni 2014 sei er dann mehr im Lokal tätig
gewesen. Da er für diese Zeit sowieso keine Arbeitslosenentschädigung erhalten habe,
verzichte er auch darauf. Er beharre jedoch auf der Arbeitslosenentschädigung für die
Zeit vom 1. Januar 2014 bis 31. März 2014 und die Rückforderung sei zu erlassen. Er
habe von Anfang an offen kommuniziert, dass er in ein Lokal investiere und dieses
aufbaue. Die Renovationen seien immer noch nicht fertig und die Bilder und Menüpläne
seien nur zwecks Promotion entstanden, um die Leute auf das Lokal aufmerksam zu
machen (act. G 1).
B.b Der Beschwerdegegner beantragt in der Beschwerdeantwort vom 5. Januar
2015 die Abweisung der Beschwerde. Es stehe fest, dass der Beschwerdeführer seit
dem 5. März 2014 das Restaurant im Internet so präsentiert habe, dass in diesem auch
eine Bewirtschaftung stattfinde, daher habe er auch jederzeit mit Gästen rechnen
müssen. Der Auftritt weise in keiner Weise auf eine baldige Eröffnung des Lokals hin,
sondern vermittle klar, dass das Restaurant bereits geöffnet habe. Dies wäre nicht
möglich gewesen, hätte der Beschwerdeführer nicht vorgängig bereits intensive
Vorbereitungs- und Aufbauarbeiten in das Restaurant gesteckt. Es sei daher davon
auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer im Januar und Februar 2014 ganz der
Einrichtung und des Aufbaus des Restaurants gewidmet und dabei nicht die Absicht
verfolgt habe, in dieser Zeit dem Arbeitsmarkt effektiv zur Verfügung zu stehen. Die
Vermittlungsfähigkeit sei seit Antrag auf Arbeitslosenentschädigung per 1. Januar 2014
nicht gegeben gewesen (act. G 2).
B.c In der Replik vom 13. März 2015 führt der Beschwerdeführer aus, dass sein
Arbeitsverhältnis als Logistiker bei der B._ AG Ende September 2013 per 31.
Dezember 2013 gekündigt worden sei. Er habe sich im Oktober 2013 beim RAV auf
den 1. Januar 2014 als Arbeitssuchender angemeldet. Er habe beim Erstgespräch sein
Vorhaben erwähnt, dass er sich selbstständig machen wolle. Ebenfalls habe er
ausdrücklich erwähnt, dass er bis dahin dringend Arbeit suche, um zahlungsfähig zu
bleiben. Im November 2013 habe er einen Mietvertrag für ein Lokal unterschrieben, bei
welchem jedoch noch Bauarbeiten/Renovationen durchgeführt worden seien. Das
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Lokal habe frühestens im April richtig bezogen werden können. Daher habe es keine
andere Möglichkeit gegeben, als schnellstmöglich wieder einen Job zu finden. Er habe
alle Auflagen des RAV erfüllt, um Arbeitslosengeld in Anspruch zu nehmen. Er habe in
dieser Zeit trotz vieler Bewerbungen, Telefonate und Vorstellungsgespräche keinen Job
finden können. Am 31. März 2014 habe er sich vom RAV abgemeldet, damit er für
seine selbstständige Erwerbstätigkeit Vorbereitungen habe treffen können. Anfangs
April habe er sein eigenes Restaurant offiziell eröffnet. In der ersten Aprilwoche habe er
bemerkt, dass er für eine Eröffnung noch nicht bereit sei, da teilweise Renovationen
noch nicht vollständig ausgeführt worden seien. Daher habe er sich am 9. April 2014
erneut beim RAV angemeldet. Ab diesem Datum habe er wiederum alle Auflagen des
RAV erfüllt. Vom 1. Januar 2014 bis 31. März 2014 sei er keinem selbstständigen
Erwerb nachgegangen (act. G 7). In der Stellungnahme vom 10. Mai 2015 ergänzte der
Beschwerdeführer, dass die Vorwürfe für den Zeitraum Januar bis März 2014 nicht
vermittlungsfähig gewesen zu sein, falsch seien. Er habe offen kommuniziert, dass er
sich selbstständig machen wolle, und alle seine Pflichten erfüllt. Deshalb hätte schon
damals und nicht erst nachträglich eine Reaktion erfolgen müssen. Weiter habe er in
der Zeit ab 9. April 2014 keine Taggelder erhalten, womit kein Anspruch für eine
allfällige Rückzahlung für die „Dienstleistung“ der Beraterin bestehe. Aus den
Stellungnahmen der Beraterin ergebe sich nicht, wie sie zu den Vorwürfen gekommen
sei, dies seien nur vage Vermutungen. Die Vorwürfe, dass er beispielsweise an keiner
Anstellung interessiert gewesen sei, lasse ihn eher darüber zweifeln, ob sie daran
interessiert gewesen sei, ihm beim Finden einer Anstellung behilflich zu sein (act. G 9).
B.d Der Beschwerdegegner verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G
10).

Erwägungen
1.
1.1 Da im vorliegenden Fall bereits Arbeitslosenentschädigung ausbezahlt wurde,
womit die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers implizit bestätigt wurde,
konnte der Beschwerdegegner formell bloss im Rahmen einer Wiedererwägung
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gemäss Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) darauf zurückkommen.
1.2 Eine Wiedererwägung ist nur möglich, wenn die Verfügung zweifellos unrichtig
war und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Eine
zweifellose Unrichtigkeit liegt nicht nur vor, wenn die in Wiedererwägung zu ziehende
Verfügung auf Grund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde,
sondern auch, wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt
wurden. Eine gesetzeswidrige Leistungszusprechung gilt regelmässig als zweifellos
unrichtig (BGE 126 V 401; vgl. auch ARV 1996/97 Nr. 28, S. 158 E. 3c, BGE 103 V 128).
1.3 Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung ist die Vermittlungsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 lit. f des
Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die arbeitslose Person ist vermittlungsfähig,
wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und
an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (Art. 15 Abs. 1 AVIG). Zur
Vermittlungsfähigkeit gehört demnach auch die persönliche Bereitschaft, die
Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen, während der üblichen
Arbeitszeit einzusetzen (BGE 125 V 58 E. 6a, mit Hinweisen). Wesentliches Merkmal
der Vermittlungsbereitschaft ist dabei im Allgemeinen die Bereitschaft zur Annahme
einer Dauerstelle (ARV 2004 Nr. 13 S. 126 E. 2.3 mit Hinweisen = Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. Juni 2003, C272/02). Die Bereitschaft der
versicherten Person, eine neue Stelle anzutreten, ist aufgrund objektiver Kriterien zu
prüfen. Der Wille allein oder die bloss verbal erklärte Vermittlungsbereitschaft der
versicherten Person genügen nicht (BGE 122 V 266 f. E. 4).
1.4 Vermittlungsunfähigkeit liegt unter anderem vor, wenn eine versicherte Person
aus persönlichen Gründen ihre Arbeitskraft nicht so einsetzen kann oder will, wie es
eine Arbeitgeberin normalerweise verlangt. Sind einer versicherten Person bei der
Auswahl des Arbeitsplatzes so enge Grenzen gesetzt, dass das Finden einer Stelle sehr
ungewiss ist, muss Vermittlungsunfähigkeit angenommen werden. Der Grund für die
Einschränkung in den Arbeitsmöglichkeiten spielt dabei keine Rolle (BGE 120 V 388 E.
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3a mit Hinweisen). Eine auf Dauer ausgerichtete selbstständige Erwerbstätigkeit
schliesst die Vermittlungsfähigkeit dagegen nicht grundsätzlich aus. Im Einzelfall bleibt
abzuklären, ob sich das Ausmass der Ausübung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit
auf die Verfügbarkeit der versicherten Person auswirkt (ARV 1986 N 20 S. 82 E. 3b). Bei
einer versicherten Person mit Gastgewerbepatent erfordert die Feststellung der
Vermittlungsunfähigkeit einen Kausalzusammenhang zwischen den Verpflichtungen,
die sich aufgrund der Gastgewerbegesetzgebung ergeben und der ungenügenden
Verfügbarkeit (vgl. hierzu ARV 2004 N 12 S. 123 E. 3.2). Hinsichtlich der
Vermittlungsfähigkeit, namentlich in Bezug auf die Verfügbarkeit, muss eine versicherte
Person mit Gastgewerbepatent die gleichen Bedingungen erfüllen wie alle anderen
Personen. Es liegt somit an ihr, die auf Dauer ausgerichtete selbstständige
Erwerbstätigkeit so zu gestalten, dass sie nicht daran gehindert ist, im Umfang des
geltend gemachten Beschäftigungsgrads bzw. Arbeitsausfalls einer unselbstständigen
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Verunmöglicht die selbstständige Erwerbstätigkeit in
zeitlicher Hinsicht die Aufnahme einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit, ist die
versicherte Person vermittlungsunfähig (AVIG-Praxis ALE, gültig ab 1. Januar 2015, Rz
B242).
2.
2.1 Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner die
Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit den Anspruch des
Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung für die Zeit ab 1. Januar 2014 zu
Recht verneint hat. Diese Frage beurteilt sich prospektiv, d.h. von jenem Zeitpunkt aus;
dabei sind die tatsächlichen Verhältnisse mitzuberücksichtigen, wie sie sich bis zum
Erlass des Einspracheentscheids entwickelt haben (vgl. BGE 120 V 385 E. 2, mit
weiteren Hinweisen)
2.2 Der Beschwerdegegner begründet seinen ablehnenden Entscheid unter
anderem damit, dass das Restaurant des Beschwerdeführers ab 5. März 2014 geöffnet
gewesen sei und er jederzeit mit Gästen habe rechnen müssen. Dabei verweist der
Beschwerdegegner auch darauf, dass der Beschwerdeführer als Patentinhaber gemäss
dem Gastwirtschaftsgesetz während der überwiegenden Dauer der Öffnungszeit im
Betrieb anwesend zu sein habe. Zudem sei die Eröffnung nicht ohne intensive
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Vorbereitungs- und Aufbauarbeiten möglich gewesen. Es sei davon auszugehen, dass
sich der Beschwerdeführer im Januar und Februar 2014 ganz der Einrichtung und dem
Aufbau des Restaurants gewidmet und dabei nicht die Absicht gehabt habe, in dieser
Zeit dem Arbeitsmarkt effektiv zur Verfügung zu stehen (act. G 3).
2.3 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, dass er vom 1. Januar
2014 bis und mit 31. März 2014 voll vermittlungsfähig gewesen sei. Er sei zu dieser Zeit
keiner selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgegangen (act. G 7). Weiter bringt der
Beschwerdeführer vor, dass er – nachdem er nach der zweiten Anmeldung ab dem 9.
April 2014 keine Taggelder mehr bekommen habe – aus finanziellen Gründen
gezwungen gewesen sei, das Restaurant zu eröffnen, weshalb er das Lokal
"improvisierend" eröffnet habe (act. G 3.1, A34).
2.4 Der Beschwerdegegner stützt sich bezüglich der Eröffnung des Restaurants vor
allem auf die entsprechende Facebook-Seite des Beschwerdeführers. Am 5. März 2014
ist der Beschwerdeführer mit seinem Restaurant Facebook beigetreten. Vom selben
Datum stammt auch ein Video, in welchem ein eingerichtetes und dekoriertes Lokal zu
sehen ist. Der erste Eintrag wurde am 5. März 2014 gepostet. Am 6. März 2014 wurden
ein Bild der Karte mit dem Tagesmenü und auch ein Bild des Essens gepostet. Am 7.
März 2014 postete der Beschwerdeführer „[...]“. Am 10. März 2014 postete der
Beschwerdeführer ein Foto mit dem Menü-Plan für die Woche vom 10. bis 14. März
2014 mit einem Menü für jeden Tag. Ausserdem würden auch andere Speisen [...].
angeboten. Dem Menü-Plan ist auch zu entnehmen, dass von Montag bis Freitag ab
08:00 Uhr [...] erhältlich seien. Am 11. März 2014 schrieb der Beschwerdeführer auf der
Facebook-Seite „[...]“ und postete zwei Bilder, auf welchen eine grosse Werbeplane mit
dem Namen des Restaurants an der Fassade zu erkennen ist. Für den Freitag 14. März
2014, 10:00 bis 17:00 Uhr, organisierte der Beschwerdeführer eine Facebook-
Veranstaltung, mit dem Namen „[...]“ und postete dazu „[...]“. In der Folge wurden
mehrmals wöchentlich die jeweiligen Tagesmenüs, der Wochenmenü-Plan, sowie
weitere Veranstaltungen und Bilder gepostet. Die Öffnungszeit des Restaurants wurde
auf der Facebook-Seite mit 08:00 bis 20:00 Uhr angegeben (act. G 3.1, A37).
2.5 Aus der Facebook-Seite des Beschwerdeführers geht klar hervor, dass sein
Restaurant ab dem 6. März 2014 jeweils von Montag bis Freitag von 08:00 bis 20:00
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Uhr geöffnet war. Die Aussage des Beschwerdeführers, dass die Bilder und Menü-
Pläne nur Promotion gewesen seien (act. G 1, S. 2), überzeugen nicht, schliesslich geht
aus verschiedenen Posts klar hervor, dass das Lokal bereits geöffnet war und auch
besucht wurde. Die vom Beschwerdeführer vorgelegten Fotos (vgl. act. G 1, S. 2)
zeigen zwar, dass es gut möglich ist, dass noch gewisse bauliche Anpassungen nötig
waren, dies täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass das Restaurant bereits in
Betrieb war und Gäste bewirtete. Somit sind die Aussagen des Beschwerdeführers,
dass das Lokal frühestens im April 2014 richtig habe bezogen werden können und
dass er das Restaurant anfangs April 2014 eröffnet habe (act. G 7, S. 1) sowie dass er
bis am 31. März 2014 keiner selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgegangen sei (act.
G 7, S. 2) widerlegt. Nicht beachtlich ist dabei, dass sich der Beschwerdeführer in
dieser Zeit noch in der Aufbauphase befunden und allenfalls noch keinen Umsatz
respektive Gewinn erzielt hat (act. G 3.1, A34), da dies zum Unternehmerrisiko gehört,
welches nicht von der Arbeitslosenversicherung abgedeckt wird.
2.6 Die Vermittlungsfähigkeit eines Versicherten, welcher während seiner
Arbeitslosigkeit eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, ist nur solange gegeben,
als die selbstständige Erwerbstätigkeit ausserhalb der normalen Arbeitszeit ausgeübt
werden kann. Ist anhand der Umstände hingegen ausgewiesen, dass die
selbstständige Erwerbstätigkeit ein derartiges Ausmass angenommen hat, dass
daneben eine Arbeitnehmertätigkeit nicht mehr möglich erscheint, ist die
Vermittlungsfähigkeit nicht mehr gegeben (vgl. hierzu ARV 1996/1997 N 36 S. 203 E. 3).
Seit dem 6. März 2014 war das Restaurant des Beschwerdeführers von 08:00 Uhr bis
20:00 Uhr geöffnet. Wie der Beschwerdegegner geltend macht, hat der
Beschwerdeführer als Patentinhaber gemäss Art. 20 Abs. 2 des
Gastwirtschaftsgesetzes (sGS 553.1) während der überwiegenden Dauer der
Öffnungszeit, insbesondere während der Hauptbetriebszeiten, im Betrieb anwesend zu
sein. Damit kann der Beschwerdeführer auch nichts zu seinen Gunsten daraus ableiten,
dass er das Restaurant für seine Ex-Freundin aufgemacht habe. Zudem musste der
Beschwerdeführer auch selber vor Ort anwesend sein, da er offenbar kein Personal
beschäftigte (act. G 3.1, A34). Somit war es dem Beschwerdeführer seit dem 6. März
2014 nicht mehr möglich, die selbstständige Erwerbstätigkeit ausserhalb der normalen
Arbeitszeit auszuüben, weshalb die Vermittlungsfähigkeit nicht gegeben war.
3.
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3.1 Für die Monate Januar und Februar 2014 macht der Beschwerdegegner geltend,
dass sich der Beschwerdeführer in dieser Zeit ganz der Einrichtung und dem Aufbau
des Restaurants gewidmet und nicht die Absicht gehabt habe, dem Arbeitsmarkt
effektiv zur Verfügung zu stehen (act. G 3, S. 2). Aus den Akten lässt sich aber nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ableiten, dass es dem Beschwerdeführer nicht
möglich gewesen wäre, den Aufbau des Restaurants ausserhalb der normalen
Arbeitszeiten zu planen und durchzuführen.
3.2 Eine versicherte Person, die auf einen bestimmten Termin anderweitig disponiert
hat und deshalb für eine neue Beschäftigung nur noch während relativ kurzer Zeit zur
Verfügung steht, gilt in der Regel als nicht vermittlungsfähig (BGE 123 V 214 E. 5a). In
einem solchen Fall sind nämlich die Aussichten, zwischen dem Verlust der alten
Arbeitsstelle und dem Zeitpunkt der anderweitigen Disposition von einem Arbeitgeber
angestellt zu werden, verhältnismässig gering. Entscheidend für die Beurteilung des
Einzelfalls ist dabei, ob mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit angenommen werden
kann, dass ein Arbeitgeber die versicherte Person für die konkret zur Verfügung
stehende Zeit noch einstellen würde (SVR-ALV 2000 Nr. 1 E. 2a mit Hinweisen). Sind
die Anstellungschancen unter den gegebenen Umständen als gering zu bezeichnen, so
muss die Vermittlungsfähigkeit im Sinne von Art. 15 Abs. 1 AVIG verneint werden (ARV
1991 Nr. 3 S. 24 E.2a in fine mit Hinweisen). Gemäss Rechtsprechung und
Verwaltungspraxis wird davon ausgegangen, dass die Vermittlungsfähigkeit zu bejahen
ist, wenn die versicherte Person dem Arbeitsmarkt für mindestens drei Monate zur
Verfügung steht. Steht die versicherte Person dem Arbeitsmarkt weniger als drei
Monate zur Verfügung, so wird die Vermittlungsfähigkeit anhand der konkreten
Umstände näher geprüft (AVIG-Praxis ALE, Rz B227).
3.3 Der Beschwerdeführer hat am 1. Dezember 2013 den Mietvertrag für sein
Restaurant mit Mietbeginn ab 1. Januar 2014 unterschrieben. Zusätzlich gibt er an, sich
im Dezember 2013 entschlossen zu haben, sich selbstständig zu machen (act. G 3.1,
A34). Am 15. Januar 2014 gab der Beschwerdeführer gegenüber dem RAV an, dass er
das Restaurant eigentlich schon im Februar 2014 habe eröffnen wollen, er sehe nun
aber selber, dass dieser Termin nicht realistisch sei (act. G 3.1, Aa24). Im Gespräch
vom 20. Januar 2014 gab er weiter an, dass er intensiv in der Vorbereitung zum
(Ess-)Restaurant stecke (act. G 3.1, Aa32).
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3.4 Der Beschwerdeführer, welcher seit dem 1. Januar 2014 arbeitslos war, hat am
6. März 2014 sein Restaurant eröffnet. Damit stand er dem Arbeitsmarkt höchstens
während rund 2 Monaten zur Verfügung, weshalb die Vermittlungsfähigkeit anhand der
konkreten Umstände näher zu prüfen ist. Diesbezüglich ist die Angabe des
Beschwerdeführers zu beachten, dass er das Restaurant ursprünglich bereits im
Februar 2014 habe eröffnen wollen. Nach seiner Planung wäre er dem Arbeitsmarkt
damit höchstens einen Monat zur Verfügung gestanden. Während dieser Zeit war der
Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben auch intensiv mit Vorbereitungsarbeiten für
sein Restaurant beschäftigt. Im Formular bezüglich zeitliche Verfügbarkeit für den
Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis 31. März 2014, gab der Beschwerdeführer an, dass er
jeweils von Montag bis Freitag von 06:00 Uhr bis 18:00 Uhr bereit und in der Lage sei,
auf Dauer regelmässig eine unselbstständige Tätigkeit auszuüben (act. G 3.1, A34).
Diese Angaben müssen jedoch angezweifelt werden, denn zumindest für den Monat
März 2014 wurde vorgängig aufgezeigt, dass mit der Eröffnung des Restaurants eine
solche Verfügbarkeit nicht mehr gegeben war. Insgesamt muss festgehalten werden,
dass die Anstellungschancen des Beschwerdeführers aufgrund der sehr kurzen zur
Verfügung stehenden Zeit – zuerst nur ein Monat, da der Beschwerdeführer davon
ausging, das Restaurant bereits im Februar zu eröffnen – gering waren. Erschwerend
kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer zusätzlich mit Vorbereitungsarbeiten für sein
Restaurant belastet war, weshalb zu bezweifeln ist, dass er tatsächlich
uneingeschränkt einer vollen Arbeitstätigkeit hätte nachgehen können. Im Ergebnis war
die Vermittlungsfähigkeit für den Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis 31. März 2014 klar
nicht gegeben, weshalb der Beschwerdegegner berechtigt war, die ursprüngliche
Verfügung in Wiedererwägung zu ziehen und dem Beschwerdeführer die
Vermittlungsfähigkeit ab 1. Januar 2014 abzuerkennen.
4.
Soweit der Beschwerdeführer einen Erlass der Rückforderung beantragt, liegt noch
kein anfechtbarer Einspracheentscheid vor, weshalb auf dieses Begehren nicht
eingetreten werden kann. Im Rahmen des noch durchzuführenden Erlassverfahrens
wird der Beschwerdegegner dann auch die Frage des guten Glaubens zu prüfen
haben.
5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 14. November 2014 abzuweisen, soweit
auf diese einzutreten ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).