Decision ID: 2fc403b4-5558-4929-b48c-283916aebaf6
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Misswirtschaft etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 6. Februar 2019 (GG180028)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
21. September 2018 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 18).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 43 S. 45 f.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB wird
die Beschuldigte freigesprochen.
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu
Fr. 120.– (entsprechend Fr. 9'600.–).
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-
gesetzt.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 900.– Gebühr für das Vorverfahren.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Be-
schuldigten zu zwei Dritteln auferlegt. Der verbleibende Drittel der Kosten der Un-
tersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden auf die Gerichtkasse ge-
nommen.
7. Der Beschuldigten wird eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 4'008.50
(inkl. MwSt.) für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten
(Urk. 58 S. 2; Prot. II S. 6):
1.1. Das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 6. Februar 2019 (Geschäfts-Nr.
GG180028) sei mit Ausnahme von Dispositiv-Ziff. 2 aufzuheben und die
Beschuldigte sei von jeglicher Schuld und Strafe freizusprechen;
1.2. der vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf der Unterlassung der Buch-
führung i.S.v. Art. 166 StGB (Dispositiv-Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgerichts
Horgen vom 06.02.2019) sei zu bestätigen;
2. der Beschuldigten sei für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrens-
rechte eine Entschädigung von CHF 18'500.00 zuzusprechen;
3. sämtliche Untersuchungs- und Verfahrenskosten seien vollumfänglich auf
die Staatskasse zu nehmen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft
(schriftlich):
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Einleitung
1. Ausgangslage und Prozessgeschichte
1.1. Den Ursprung der Strafuntersuchung gegen die Beschuldigte bildete eine
Ermittlung gegen B._ wegen Konkursreiterei in grossem Stil. Dort ergab sich
offenbar ein Verdacht betreffend Konkursdelikte ehemaliger Organe von Gesell-
schaften, welche anschliessend von besagtem B._ übernommen worden wa-
ren (Urk. 1 S. 2). In diesem Zusammenhang geriet die am tt. April 2012 gegründe-
te und am tt. September 2015 in Konkurs gefallene
C._ GmbH in den Fokus der Strafuntersuchungsbehörden, war doch
B._ ab August 2015 Gesellschafter und Geschäftsführer dieser Gesellschaft
(Urk. 3/3).
1.2. Zunächst waren allerdings die Beschuldigte, A._, als Gesellschafterin
und Vorsitzende der Geschäftsführung, sowie die in einem separaten Verfahren
Beschuldigte D._, ebenfalls als Gesellschafterin und Geschäftsführerin der
C._ GmbH, im Handelsregister eingetragen (Urk. 3/3). Die Gesellschaft be-
zweckte die Ausführung von Gebäudeisolationen. Zur Firmengründung kam es,
nachdem sich die Ehemänner der beiden gerade erwähnten eingetragenen Ge-
sellschafterinnen, E._ sowie F._, entschieden hatten, sich in diesem Be-
reich selbständig zu machen. Da die beiden Männer jedoch lediglich über die
Aufenthaltsbewilligung B verfügten, konnten sie selbst anscheinend nicht als Or-
gane ins Handelsregister eingetragen werden (Urk. 2/4 S. 3; vgl. aber Urk. 2/3 S.
3); sie führten jedoch die operative Tätigkeiten aus und trafen die unternehmeri-
schen Entscheide (Urk. 2/4 S. 4; Urk. 2/3 S. 4 f.; Urk. 2/5 S. 8). Die Beschuldigte
und D._ führten administrative Aufgaben aus (Urk. 2/5 S. 8 f.). Nachdem die
Gesellschaft 2012 und 2013 einen durchaus erfreulichen Geschäftsgang zeigte,
kam es schon 2013 zu Zwistigkeiten zwischen E._ und F._ bzw. den
beiden Ehepaaren und 2014 schliesslich zum Bruch (Urk. 2/4 S. 4; Urk. 2/3 S. 6;
Urk. 2/5 S. 10). Eine ordentliche Auseinandersetzung bzw. Aufteilung der Ge-
schäftstätigkeit gelang in der Folge jedoch nicht (Urk. 2/4 S. 5). Zunächst gründe-
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te D._ bzw. E._ im März 2014 eine eigene GmbH und stellte seine Ar-
beitsleistungen für die C._ GmbH ein (Urk. 3/12; Urk. 2/3 S. 2; Urk. 2/4 S. 5;
Urk. 2/5 S. 10 f.). Im August 2014 tat F._ dasselbe (Urk. 3/11). Die Beschul-
digte trat ihre Stammanteile im September 2014 an eine Drittperson, G._, ab
und erklärte ihren Rücktritt als Geschäftsführerin. Dasselbe tat D._, indem
sie im März 2015 ihre Stammanteile an B._ abtrat und als Geschäftsführerin
zurücktrat. Am 9. Juli 2015 schloss D._ einen weiteren Vertrag zur Abtretung
ihrer Stammanteile mit G._ (Urk. 3/6+9; Urk. 2/3 S. 8 ff.). Kurze Zeit später
geriet die C._ GmbH wie schon erwähnt in Konkurs.
1.3. Alsdann wurde gegen die Beschuldigte und D._, wie auch gegen ihre
Ehemänner F._ und E._ – als faktische Organe der C._ GmbH –
eine Strafuntersuchung geführt. Gegen jede der vier Personen wurde am 21. Sep-
tember 2018 separat beim Bezirksgericht Horgen Anklage erhoben (Urk. 18 bis
20).
1.4. Der Ablauf des erstinstanzlichen Gerichtsverfahren wird im angefochtenen
Entscheid dargelegt, worauf verwiesen werden kann (Urk. 43 S. 3). Ergänzend ist
festzuhalten, dass – soweit ersichtlich – alle vier Beschuldigten auf den gleichen
Tag, nämlich den 6. Februar 2019, zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung vorge-
laden wurden. Anhand des Protokolls der die Beschuldigte betreffenden Haupt-
verhandlung fehlen jedoch Anhaltspunkte dafür, dass eine gemeinsame Haupt-
verhandlung durchgeführt wurde. Insbesondere wurde protokollarisch festge-
halten, dass die erstinstanzlichen Befragungen der drei weiteren beschuldigten
Personen keine Beweismittel im Verfahren der Beschuldigten darstellen würden
(Prot. I S. 5). Wie die drei anderen Verfahren endeten, lässt sich den Verfahrens-
akten der Beschuldigten nicht entnehmen.
1.5. Die Beschuldigte jedenfalls wurde mit Urteil vom 6. Februar 2019 der
Misswirtschaft schuldig, vom Vorwurf der Unterlassung der Buchführung jedoch
freigesprochen und mit einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je
Fr. 120.– bestraft (Urk. 36). Sowohl die Verteidigung als auch die Anklagebehörde
meldeten fristgerecht Berufung an (Urk. 37 bis 39). Das begründete Urteils-
exemplar wurde der Anklagebehörde am 19. und der Verteidigung am 20. August
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2019 zugestellt (Urk. 42/1-2). Die Verteidigung erstattete ihre Berufungserklärung
mit den oben wiedergegebenen Anträgen am 28. August 2019 (Urk. 44). Mit Ein-
gabe vom 5. September 2019 erklärte die Anklagebehörde, ihre Berufung zurück-
zuziehen (Urk. 46). Am 7. Oktober 2019 teilte sie ferner mit, auf die Erhebung
einer Anschlussberufung zu verzichten (Urk. 50). Die Verteidigung reichte am
28. Oktober 2019 das ausgefüllte Datenerfassungsblatt und Unterlagen zu den
finanziellen Verhältnissen der Beschuldigten ein (Urk. 52). Am 7. November 2019
wurde auf den 3. Februar 2020 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 55).
1.6. Die Berufungsverhandlung fand mit heutigem Datum in Anwesenheit der
Beschuldigten und ihres Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. X._, statt (Prot. II
S. 4 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Beschuldigte verlangt die Aufhebung des angefochtenen Urteils bzw.
einen Freispruch von jeglicher Schuld und Strafe sowie eine Entschädigung und
Kostenübernahme durch die Staatskasse (Urk. 44 S. 2; Urk. 58 S. 2).
2.2. Diese Anträge sind so zu verstehen, dass die Beschuldigte das angefoch-
tene Urteilsdispositiv mit Ausnahme des bereits erfolgten Freispruchs in Ziffer 2
und der Kostenfestsetzung in Ziffer 5 anficht.
2.3. Nachdem die Anklagebehörde ihre Berufung mit Eingabe vom 5. Septem-
ber 2018 zurückgezogen hat, was vorzumerken ist, stehen somit die Dispositiv-
Ziffern 1, 3, 4, 6 und 7 unter dem Vorbehalt des Verschlechterungsverbots zur
Disposition. Im Übrigen ist die Rechtskraft des angefochtenen Entscheides in
Form eines Beschlusses festzuhalten.
II. Vorfragen
1. Anklageprinzip
1.1. Die Beschuldigte macht geltend, die vorinstanzlichen Erwägungen würden
klarerweise gegen das in Art. 9 StPO statuierte Anklageprinzip verstossen. Auf-
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grund des Anklagesachverhalts bleibe unklar, was ihr in strafrechtlicher Hinsicht
genau angelastet werde bzw. inwiefern sie sich strafrechtlich relevant verhalten
habe. Insbesondere gehe aus dem fraglichen Anklagesachverhalt nicht klar her-
vor, durch welche konkrete Tathandlungen sie den Straftatbestand der Misswirt-
schaft erfüllt haben soll. Was die Anklagebehörde mit der Formulierung, die Ge-
sellschaft C._ GmbH sei von Beginn weg ungenügend kapitalisiert und die
Auftragslage sei von Anfang an schlecht gewesen, vorwerfen wolle, bleibe unklar
(Urk. 34 S. 4; Urk. 58 S. 3).
1.2. Die Vorinstanz hat sich im angefochtenen Entscheid mit dieser Kritik nicht
weiter auseinandergesetzt. An dieser Stelle ist einstweilen lediglich festzuhalten,
dass die in der Anklageschrift formulierten Vorwürfe sich nicht schlechthin als un-
genügend erweisen. Was die vorgeworfenen Handlungen bzw. Versäumnisse im
engeren Sinn anbelangt, stellen insbesondere die Vorhalte in den Abschnitten 1,
3 und 4 von der äusseren Gestalt her eine genügende Umschreibung des Sach-
verhalts der Misswirtschaft dar, namentlich insofern, als der Beschuldigten unter-
stellt wird, sie hätte aufgrund von Betreibungen am 27. November 2014 und wei-
terer regelmässiger Betreibungen die Finanzkrise, in welcher die C._ GmbH
gesteckt habe, erkennen müssen, es aber dennoch unterlassen, ihren gesetz-
lichen Pflichten nachzukommen, d.h. eine durch einen Revisor geprüfte Zwi-
schenbilanz erstellen zu lassen oder die Bilanz zu deponieren (Urk. 18 S. 3).
1.3. Sofern sich aus diesem Sachverhaltsteil kein strafbares Verhalten der
Beschuldigten konstruieren lassen wird – was, wie die Erwägungen zu den ma-
teriellen Aspekten zeigen werden, tatsächlich so ist –, rückt die Frage, ob sich
andere rechtgenügend formulierte Verfehlungen in der Anklage finden, wieder in
den Fokus. Diese Problematik ist im Rahmen der materiellen Prüfung wieder
aufzugreifen.
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III. Vorwurf der Misswirtschaft
1. Anklagevorwurf
1.1. Im angefochtenen Entscheid wird ausführlich wiedergegeben, wie die
Anklagebehörde den Vorwurf der Misswirtschaft gegen die Beschuldigte in der
Anklageschrift begründet (Urk. 43 S. 4 f.). Darauf kann grundsätzlich verwiesen
werden.
1.2. Daher ist nur im Sinne einer kurzen Zusammenfassung festzuhalten, dass
die Anklagebehörde sich auf den Standpunkt stellt, die Beschuldigte habe ge-
wusst, dass die C._ GmbH von Beginn weg mit ungenügend finanziellen Mit-
teln ausgestattet gewesen sei. Ende November 2014 hätten zudem Rechnungen
nicht mehr bezahlt werden können, und es hätten regelmässige Betreibungen
eingesetzt. Ab diesem Zeitpunkt sei die Überschuldung angewachsen, bis
schliesslich am tt. September 2015 der Konkurs eröffnet worden sei, in dessen
Zeitpunkt Schulden der Gesellschaft in Höhe von über Fr. 60'000.00, jedoch kei-
nerlei Aktiven zu verzeichnen gewesen seien. Obwohl die Beschuldigte insbeson-
dere aufgrund von Betreibungen des Staates Zürich und der Gemeinde Horgen
im Betrag von Fr. 2'263.45 bereits am 27. November 2014 hätte erkennen müs-
sen, dass sich die Gesellschaft in einer Finanzkrise befinde und dass somit eine
begründete Besorgnis der Überschuldung bestanden habe, habe sie es unterlas-
sen, ihren gesetzlichen Pflichten im Sinne von Art. 725 Abs. 2 OR in Verbindung
mit Art. 810 Abs. 2 Ziff. 7 OR und Art. 820 Abs. 2 OR nachzukommen und sofort,
mithin innert Monatsfrist eine Zwischenbilanz zu erstellen und durch einen zuge-
lassenen Revisor prüfen zu lassen oder sofort die Bilanz zu deponieren. Stattdes-
sen habe die Beschuldigte ihre Stammanteile der Gesellschaft am 14. Januar
2015 im Wissen um deren Überschuldung übertragen. Die Unterlassungen der
Beschuldigten hätten eine Verschlimmerung der Vermögenslage der Gesellschaft
und eine Verschleppung des Konkurses bewirkt. Dies habe aufgrund der laufen-
den Kosten zu einer Verschlimmerung der Vermögenslage der C._ GmbH
geführt. Namentlich Berufsvorsorge- und andere Versicherungskosten sowie
Lohnzahlungen und Lohnnebenkosten seien in der Zwischenzeit aufgelaufen.
Dass die C._ GmbH gar keine Aussicht auf Fortführung der Geschäftstätig-
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keit mehr gehabt habe und keine Gegenwerte mehr habe generieren können, sei
für die Beschuldigte aufgrund des Umstandes, dass ihr Ehemann F._, der als
faktischer Gesellschafter der C._ GmbH tätig gewesen sei, am 18. August
2014 eine neue Gesellschaft, die Gebrüder AF._ GmbH gegründet habe und
in der Folge für diese tätig gewesen sei, erkennbar gewesen (act. 18 S. 3).
2. Tatbestand der Misswirtschaft
2.1. Der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB macht sich schuldig, wer
als Schuldner, namentlich durch arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung oder
Vermögensverwaltung, seine Überschuldung herbeiführt oder verschlimmert, sei-
ne Zahlungsunfähigkeit herbeiführt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähig-
keit seine Vermögenslage verschlimmert, sofern über ihn der Konkurs eröffnet
oder gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt worden ist. Täter kann eines der in
Art. 29 StGB genannten Organe des Schuldners sein (BSK StGB II-Hagenstein,
4. Auflage, Art. 165 N 4). Der gesetzlich formulierte Tatbestand ist durch seine
offene Formulierung ausnehmend unpräzise, was vor dem Hintergrund des zu
wahrenden Legalitätsprinzips heikel ist und wodurch dem erkennenden Gericht
ein sehr weitgehendes Ermessen zukommt. Unter Strafe zu stellen ist lediglich die
krasse Sorgfaltspflichtverletzung angesichts des drohenden Vermögensverfalls.
Tatbestandsmässig ist daher nur ein krasses wirtschaftliches Fehlverhalten und
nicht jede Nachlässigkeit. Unternehmerische Entscheide sind aus der damaligen
Perspektive und nicht ex post zu prüfen. Eine arge Nachlässigkeit in der Berufs-
ausübung liegt jedenfalls bei Missachtung gesetzlicher Bestimmungen der Unter-
nehmensführung vor. Dazu gehören die Vernachlässigung der Rechnungslegung
oder die Verletzung der Pflicht der zuständigen Organe einer Gesellschaft, im
Falle der Überschuldung den Richter zu benachrichtigen (vgl. dazu BSK StGB II-
Hagenstein, a.a.O., Art. 165 N 9 ff.; BGer Urteile 6B_985/2016 vom 27. Februar
2017 E. 4.1.1; 6B_199/2016 vom 8. Dezember 2016 E. 2.3.3; 6B_1047/2015 vom
28. April 2016 E. 4.3; 6B_366/2015 vom 9. Februar 2016 E. 2.3.2; B_242/2015
vom 6. Oktober 2015 E. 1.3.1; 6B_492/2009 vom 18. Januar 2010 E. 2.2; je mit
Hinweisen). Mit Bezug auf den subjektiven Tatbestand der Misswirtschaft be-
stehen Kontroversen, zumal es als Vorsatzdelikt mit Fahrlässigkeitselementen
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ausgestaltet ist (vgl. dazu BSK StGB II-Hagenstein, 3. Auflage, Art. 165 N 70 ff.;
Gessler, Wirtschaftsstrafrecht der Schweiz, 2013, Insolvenzsstrafrecht, S. 487).
Das Bundesgericht geht in seiner langjährigen Rechtsprechung davon aus, dass
Vorsatz hinsichtlich der Bankrotthandlung erforderlich ist, in Bezug auf die
Vermögenseinbusse aber grobe Fahrlässigkeit genügt (vgl. BGer Urteile
6B_985/2016 vom 27. Februar 2017 E. 4.1.1; 6B_199/2016 vom 8. Dezember
2016 E. 2.3.3; 6B_54/2008 vom 9. Mai 2008 E. 7.3.3; je mit Hinweisen).
2.2. Unter Umständen kann das zuständige Organ bei Vorliegen einer Über-
schuldung die Benachrichtigung des Richters zwar für eine kurze Zeitspanne
aufschieben (BGE 132 III 564 E. 5.1 S. 573; BGer Urteile 6B_985/2016 vom
27. Februar 2017 E. 4.2.1; 6B_492/2009 vom 18. Januar 2010 E. 2.2). Doch setzt
dieser Aufschub begründete und konkrete Aussichten auf eine aussergerichtliche
finanzielle Sanierung und Wiederherstellung der Ertragskraft voraus. Übertriebene
Erwartungen oder vage Hoffnungen genügen hierfür allerdings nicht (BGE 127 IV
110 E. 5a). Soweit die beabsichtigten Sanierungsmassnahmen den Unter-
nehmenszusammenbruch lediglich hinauszögern, darf mit der Benachrichtigung
des Richters somit nicht zugewartet werden (BGer Urteil 6B_985/2016 vom
27. Februar 2017 E. 4.2.1).
2.3. Da im Polizeirapport von einer Ermittlung wegen Konkursreiterei die Rede
war, ist der Vollständigkeit halber zu präzisieren, dass damit in der Regel ein Vor-
gang bezeichnet wird, bei welchem die Aktien oder Stammanteile einer kleinen
AG oder GmbH, welcher wegen Liquiditätsknappheit oder Überschuldung bereits
der Konkurs droht, unter Mitwirkung eines Vermittlers gegen Erstattung von Ge-
bühren auf einen einschlägig interessierten Dritten (=Bestatter), übertragen wer-
den, welcher anschliessend als Verwaltungsrat oder Geschäftsführer eingesetzt
wird. Die alte Eigentümerschaft erhofft sich, so dem Konkursverfahren und Ver-
antwortlichkeitsansprüchen ausweichen und die eigene Bonität retten zu können.
Regelmässig wird in der Folge der Sitz der Gesellschaft verlegt, um wegen des
dort noch unauffälligen Betreibungsregisterauszugs den Eindruck der Schulden-
freiheit vermittelt. Anschliessend werden auf den Namen der Gesellschaft Ver-
bindlichkeiten eingegangen, ohne dass eine Geschäftstätigkeit aufgenommen,
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geschweige denn alte und neue Verbindlichkeiten getilgt werden, worauf der Kon-
kurs jeweils innerhalb eines Jahres eröffnet wird (Kälin, Konkursreiterei und
Misswirtschaft, Strafrechtliche Gefahren für den Treuhänder, S. 498).
3. Verhalten der Beschuldigten als Gesellschafterin und Geschäftsführerin der C._ GmbH
3.1. Die Vorinstanz hielt fest, dass die Beschuldigte die C._ GmbH unter
Aufwendung ihrer gesamten damaligen Ersparnisse mitgegründet habe, deren
Geschäftsführerin gewesen sei, dabei unter anderem mit dem Treuhänder
korrespondiert sowie Löhne und Rechnungen bezahlt habe und somit die dieser
Position immanenten unentziehbaren und unübertragbaren Aufgaben wahrzu-
nehmen gehabt habe, so die Benachrichtigung des Gerichts im Fall einer Über-
schuldung gemäss Art. 810 Abs. 2 Ziff. 7 OR. Indem sie sodann zutreffend aus-
führte, dass die Beschuldigte aufgrund eines Gesellschafterversammlungsbe-
schlusses vom 26. September 2014, welcher zu ihren Gunsten als gültig zu er-
achten sei, und infolge Übertragung ihrer Stammanteile an G._ bereits per
diesem Datum als Gesellschafterin und Geschäftsführerin aus der Gesellschaft
ausgeschieden sei (Urk. 43 S. 11 f.), folgte sie entsprechenden kritischen Bemer-
kungen der Verteidigung zu Recht (Urk. 34 S. 6 ff.). Dem ist nichts Weiteres bei-
zufügen. Damit ergibt sich, dass die vorliegende Prüfung auf allfällige strafbare
Versäumnisse der Beschuldigten im Zeitraum zwischen April 2012 und 26. Sep-
tember 2014 beschränkt bleiben muss, die Beschuldigte währenddessen aber die
Pflicht hatte, unter den gegebenen Voraussetzungen, d.h. bei begründeter Be-
sorgnis einer Überschuldung eine geprüfte Zwischenbilanz erstellen zu lassen
bzw. bei bereits eingetretener Überschuldung den Richter zu benachrichtigen, bei
Aussichten auf eine aussergerichtliche finanzielle Sanierung und Wieder-
herstellung der Ertragskraft, zumindest aber zeitgerecht Sanierungsmassnahmen
zu prüfen und zu veranlassen.
3.2. In Übereinstimmung mit der Verteidigung (Urk. 34 S. 5; siehe auch Urk. 58
S. 9) taxierte die Vorinstanz die Behauptung der Anklagebehörde, dass die
C._ GmbH von Beginn weg mit ungenügenden finanziellen Mitteln ausgestat-
tet gewesen sei, als falsch. Die Gesellschaft habe vielmehr anlässlich ihrer Grün-
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dung am 12 April 2012 die Vorschrift gemäss Art. 773 OR erfüllt und von Beginn
weg gute Gewinne erzielt. Dass die Gesellschaft in den Geschäftsjahren 2012
und 2013 mit ungenügenden Mitteln ausgestattet gewesen wäre, lasse sich daher
nicht erkennen. Damit sei es für die Beschuldigte auch nicht möglich gewesen zu
erkennen, dass die Gesellschaft alleine mit dem Gründungskapital nicht über-
leben könne (Urk. 43 S. 15). Mit diesen Überlegungen, welchen in allen Teilen
beizupflichten ist, trug die Vorinstanz der Kritik der Verteidigung (Urk. 34 S. 5 f.)
hinlänglich und zutreffend Rechnung, weshalb auf diese nicht weiter eingegangen
werden braucht. Demnach steht fest, dass der Beschuldigten mit Bezug auf die
Kapitalausstattung der Gesellschaft ab deren Gründung bis und mit Geschäftsjahr
2013 kein Vorwurf gemacht werden kann.
3.3. In Widerspruch zur Auffassung der Verteidigung, welche sich auf den
Standpunkt stellt, die C._ GmbH habe sich im September 2014, als die Be-
schuldigte ausgeschieden sei, definitiv noch nicht in einer finanziellen Schieflage
befunden (Urk. 34 S. 10 ff.; siehe auch Urk. 58 S. 7), gelangte die Vorinstanz auf-
grund der Untersuchungsakten zu einem anderen Ergebnis. So sei die Gesell-
schaft bereits ab 30. August 2014 illiquide gewesen, zumal die flüssigen Mittel
schon damals nicht mehr ausgereicht hätten, nur schon die Rechnung der Ar-
beitslosenkasse betreffend Rückforderung der Schlechtwetterentschädigung vom
11. März 2014 zu begleichen (Urk. 43 S. 17). Schon in diesem Zeitpunkt habe für
die Beschuldigte somit begründete Besorgnis einer Überschuldung bestanden
bzw. hätte sie diese Besorgnis haben müssen. Sodann habe die Beschuldigte am
12. September 2014 die Überschuldung der C._ GmbH sogar erkannt oder
hätte diese erkennen müssen. Dies weil die C._ GmbH bereits seit 18. Au-
gust 2014 weder über Fahrzeuge, Werkzeuge und Geräte noch über ein Kassa-
guthaben verfügt habe und der in diesem Zeitpunkt auf dem Geschäftskonto noch
vorhandene Saldo von Fr. 36'402.65 bis 12. September 2014 auf Fr. 561.80 ge-
sunken sei, wobei noch Aktiven in Höhe von Fr. 15'425.10 vorhanden gewesen
seien. Halte man sich vor Augen, dass nur schon die erwähnte offene Schuld für
die Schlechtwetterentschädigung Fr. 32'308.60 betragen habe, sei die Gesell-
schaft ab diesem Zeitpunkt massiv überschuldet gewesen (Urk. 43 S. 16,
S. 18 f.). Da die Staatsanwaltschaft der Beschuldigten vorwerfe, sie hätte spätes-
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tens am 27. November 2014 erkennen müssen, dass eine begründete Besorgnis
der Überschuldung bestanden habe, sei der Sachverhalt in diesem Punkt erstellt,
zumal die Erkennbarkeit bereits vor dem 27. November 2014 gegeben gewesen
sei (Urk. 43 S. 23). Die Beschuldigte habe indessen, d.h. obwohl sie die Über-
schuldung der Gesellschaft gekannt habe oder hätte erkennen können, weder
Sanierungsmassnahmen ergriffen noch die Bilanz deponiert, sondern ihre
Stammanteile an G._ verkauft (Urk. 43 S. 23).
3.4. Der von der Vorinstanz ganz offensichtlich vertretenen Meinung, die im
Rahmen ihrer aufwendigen und sorgfältigen Prüfung der Unterlagen ausfindig
gemachten Versäumnisse der Beschuldigten, welche sich auf den Zeitraum
August und September 2014 konzentriert haben sollen, seien von der Formulie-
rung des Sachverhalts in der Anklageschrift abgedeckt, ist zu widersprechen.
Nachdem, wie vorher dargelegt, in Übereinstimmung mit der Vorinstanz nicht von
einer vorbestehenden ungenügenden Ausstattung der C._ GmbH mit finan-
ziellen Mitteln ausgegangen werden darf, reduziert sich der in der Anklageschrift
konkret geäusserte Vorwurf nämlich darauf, dass die Beschuldigte spätestens
aufgrund der Betreibungen des Staates Zürich und der Gemeinde Horgen im Be-
trag von Fr. 2'263.45 am 27. November 2014 bzw. der daraufhin einsetzenden
regelmässigen Betreibungen hätte erkennen müssen, dass die Gesellschaft in ei-
ner Finanzkrise sei und dass sie es ab diesem Zeitpunkt unterlassen habe, ihren
gesetzlichen Pflichten, eine geprüfte Zwischenbilanz zu veranlassen oder die Bi-
lanz zu deponieren, nachzukommen (Urk. 18 S. 3). Die Verwendung des Wortes
"spätestens" mag zwar nahelegen, dass die Anklage davon ausgeht, es habe be-
reits davor Indizien für eine Finanzkrise bzw. sich abzeichnende Überschuldung
gegeben. Es verletzt jedoch den Anklagegrundsatz, wenn solche Anhaltspunkte,
deren Missachtung gerade die arge Nachlässigkeit im Sinne von Art. 165 Abs. 1
StGB und damit den Kern der Tatbestandsmässigkeit darstellen sollen, nicht eini-
germassen konkret, wenigstens aber grob in der Anklage aufgelistet werden; dies
umso mehr, als der Frage, in welchem Zeitraum sich die Situation der Gesell-
schaft für die Beschuldigte wie präsentierte, vorliegend eine herausragende Be-
deutung zukommt. Inwieweit sich die Vermögenslage der C._ GmbH bereits
vor der ersten Betreibung verschlechtert hatte, so dass die Beschuldigte zu inter-
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venieren verpflichtet gewesen wäre und woran sie das hätte erkennen können,
wird in der Anklageschrift jedoch nicht ansatzweise dargelegt. Eine Verurteilung
der Beschuldigten aufgrund solcher Hinweise könnte ohne Verletzung des Ankla-
geprinzips daher nicht erfolgen.
3.5. Dies stellt jedoch nicht das einzige Problem der vorinstanzlich erfolgten
Verurteilung der Beschuldigten dar. So wird im angefochtenen Entscheid mehr-
fach betont, dass namentlich eine Rückforderung für Schlechtwetterentschädi-
gung durch die Arbeitslosenkasse vom 11. März 2014 in Höhe von Fr. 32'308.60
offen (Urk. 43 S. 13, S. 16) und im Zug des zunehmendem Rückgang der Liquidi-
tät bzw. des Vermögensstandes der C._ GmbH bereits ab dem 30. August
2014 ersichtlich gewesen sei, dass die noch verbleibenden Mittel alleine zur Be-
gleichung dieser Rechnung nicht mehr ausreichen würden (Urk. 43 S. 17). Der
Beschuldigten wird dabei unterstellt, diese Forderung der Arbeitslosenkasse ge-
kannt zu haben. Dies schliesst die Vorinstanz einerseits daraus, dass die Be-
schuldigte eingestanden habe, die Rechnungen für die C._ GmbH bis im
Mai 2014 von E._ und D._, an deren Wohnsitz sich auch der Ge-
schäftssitz der Gesellschaft und somit deren Zustelladresse befand, weitergeleitet
erhalten zu haben (Urk. 43 S. 17). Die Beschuldigte wurde lediglich einmal im
Verfahren explizit zur hier fraglichen Verfügung der Arbeitslosenkasse betreffend
Rückforderung der Schlechtwetterentschädigung befragt, nämlich anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung. Damals erklärte sie auf entsprechenden
Vorhalt, das Dokument noch nie gesehen zu haben (Prot. I S. 12). Aus ihrem
grundsätzlichen Eingeständnis, bis im Mai 2014 die Rechnungen der Gesellschaft
von den D._/E._ weitergeleitet erhalten zu haben, abzuleiten, es sei
rechtsgenügend erstellt, dass sie jedwelche Rechnung und namentlich die fragli-
che Verfügung der Arbeitslosenkasse tatsächlich erhalten bzw. zur Kenntnis ge-
nommen hat, geht nicht an. Richtig ist anderseits aber, dass der Betrag der Rück-
forderung von Fr. 32'308.60, wie die Vorinstanz erwägt (Urk. 43 S. 18), bereits in
der Bilanz des Jahres 2013 aufgeführt war, wobei es sich um eine Minusposition
unter dem Aktivposten "Forderungen" und unter der Bezeichnung "Arbeitslosen-
kasse" handelte (Urk. 7/8 Bilanz 2013 S. 1). Dass es dabei um eine Rückforde-
rung für Schlechtwetterentschädigung ging, liess sich der Bilanz somit nicht aus-
- 15 -
drücklich entnehmen, und die Beschuldigte sagte im bisherigen Verlauf des Straf-
verfahrens nie etwas zu dieser Bilanzposition noch wurde sie dazu befragt. Zu-
dem ist nicht ersichtlich, dass die fragliche Minusposition, für welche in der Bilanz
offensichtlich eine Art Rückstellung gebildet worden war, wohl ohne dass bereits
ein Rückforderungsentscheid der Arbeitslosenkasse vorlag, am Bilanzstichtag ein
finanzielles Problem für die Gesellschaft dargestellt hätte, weshalb kein Anlass
bestand, ein besonderes Augenmerk darauf zu legen. Unklar ist zudem, wann die
Bilanz 2013 effektiv erstellt und der Beschuldigten zur Kenntnis gegeben worden
war bzw. was mit ihr in diesem Zuge besprochen worden war. In aller Regel lie-
gen Geschäftsabschlüsse nicht bereits am 31. Dezember des betreffenden Jah-
res vor, sondern erst mit einer Verzögerung von Wochen oder gar Monaten im
Folgejahr. Von der Treuhänderin der C._ GmbH, der H._ GmbH, wurde
der Abschluss 2013 am 8. September 2017 in die Strafakten ediert, ausgedruckt
wurde die Bilanz 2013 gemäss entsprechendem Vermerk im Dokument selbst of-
fenbar am 6. Juni 2014 (Urk. 7/8). Dies dürfte ein Hinweis darauf sein, dass die
Bilanz erst nach diesem Datum zur Verfügung stand. Dabei ist eine Bemerkung
des Ehemannes der Beschuldigten in anderem Zusammenhang zu berücksichti-
gen, wonach die (ehemalige) Treuhänderin, eben die H._ GmbH, ohne sein
Wissen im Februar 2014 die neue Gesellschaft für die D._/E._ gegrün-
det habe. Ungefähr ab Juni 2014 habe er keinen Überblick mehr über die
C._ GmbH mehr gehabt. Er habe zwar mehrmals Kontakt mit der ehemali-
gen Treuhänderin gehabt bzw. versucht, solchen herzustellen, aber keine Antwor-
ten mehr erhalten (Urk. 2/4 S. 6). Zu Gunsten der Beschuldigten ist gestützt auf
diese plausiblen Ausführungen davon auszugehen, dass das Verhältnis zwischen
ihr und ihrem Ehemann auf der einen und der ehemaligen Treuhänderin der
C._ GmbH auf der anderen Seite getrübt war. Daher und nachdem das
Druckdatum vermuten lässt, dass der Geschäftsabschluss 2013 der C._
GmbH erst im Juni 2014 erstellt wurde, ist keineswegs sicher, in welchem Zeit-
punkt die Beschuldigte mit der Bilanz 2013 tatsächlich bedient wurde. Wie die Vo-
rinstanz zwar zutreffend festhält, datiert auch die von der Beschuldigten mitunter-
zeichnete Steuererklärung des Jahres 2013 vom 6. Juni 2014 (Urk. 7/8). Dieses
Datum dürfte angesichts der Übereinstimmung mit dem Druckdatum der Bilanz
- 16 -
von der Treuhänderin eingesetzt worden sei und lässt daher ebenfalls keine kla-
ren Rückschlüsse auf den tatsächlichen Ablauf, insbesondere den konkreten
Zeitpunkt der Leistung der Unterschrift der Beschuldigten und Kenntnisnahme der
Bilanzdetails zu. Bereits vor diesem Hintergrund lässt sich mit der Argumentation
im angefochtenen Entscheid ein Nachweis, dass die Beschuldigte im relevanten
Zeitraum tatsächlich von der bereits verfügten und im Übrigen auch bereits fälli-
gen Rückforderung der Arbeitslosenkasse für Schlechtwetterentschädigung wuss-
te, nicht genügend erbringen.
3.6. Nicht zu verschweigen ist jedoch, dass dem von D._ vorgelegten Do-
kument "Firmentrennung - Vereinbarung C._ GmbH am 28.02.2014" zu ent-
nehmen ist, dass die Rückzahlung der Schlechtwetterentschädigung zwischen
F._ und E._ im Rahmen dieser Vereinbarung ausdrücklich thematisiert
worden war, wobei man vorsah, die Forderung hälftig auf beide aufzuteilen (Urk.
2/1, Anhang; vgl. auch Urk. 2/3 S. 2 f.). F._ sagte in der Untersuchung in
Abwesenheit der Beschuldigten aus, diese Vereinbarung sei eine von mehreren
gewesen, welche ihnen von den D._/E._ geschickt worden sei. Es sei
die letzte gewesen, mit welcher sie (d.h. anscheinend er und die Beschuldigte)
schliesslich einverstanden gewesen seien. Tatsächlich sei es aber nie zur formel-
len Trennung gekommen, d.h. die Vereinbarung sei nie vollzogen worden
(Urk. 2/4 S. 13). E._ führte aus, es sei nur ein Teil dieser Vereinbarung voll-
zogen worden (Urk. 2/5 S. 12). Die Vereinbarung sei (jedoch erst) am
17. März 2014 unterzeichnet worden; gemäss F._ könnte es sogar später
gewesen sein (Urk. 2/5 S. 13). Beide Männer sprachen davon, dass die Treu-
handfirma H._ GmbH die Vereinbarung vorbereitet gehabt habe; inwiefern
die Beschuldigte in diese Vorgänge eingebunden war, ist dagegen nicht zuverläs-
sig ersichtlich. Beachtung verdient sodann, dass der von ihnen genannte Zeit-
raum der Unterschriftsleistung ungefähr mit dem Zeitpunkt des Versands,
allenfalls Empfangs der Verfügung der Arbeitslosenkasse vom 11. März 2013
zusammengefallen sein dürfte; aufgesetzt musste sie aber davor worden sein. Ein
genügender Nachweis, dass bzw. wann die Beschuldigte vom Bestehen einer tat-
sächlich verbindlichen und auch fälligen Schuld gegenüber der Arbeitslosenkasse
- 17 -
wusste, lässt sich somit auch aus diesen Aussagen und Abläufen nicht konstruie-
ren.
3.7. Das im angefochtenen Entscheid gezogene Fazit, der Beschuldigten hätte
bewusst gewesen sein müssen bzw. sie hätte wissen müssen, dass ab
4. September 2014 Illiquidität und ab 12. September 2014 eine massive Über-
schuldung bestand, kann unter diesen Gesichtspunkten nicht geteilt werden. Da-
ran ändert nichts, dass ihre Darstellung, der C._ GmbH sei es zum Zeitpunkt
des Verkaufs der Anteile am 26. September 2014 sehr gut gegangen und sie ha-
be keine Schulden gehabt (act. 2/5 S. 20), ebenso wenig zu überzeugen vermag.
3.8. Im Rahmen der Gesamtwürdigung und angesichts des weiten richterlichen
Ermessens, welches beim Straftatbestand der Misswirtschaft zum Tragen kommt,
verdienen ferner die bereits angesprochenen speziellen Umstände des Nieder-
gangs der C._ GmbH Berücksichtigung. Die zunächst prosperierende und ih-
re Verbindlichkeiten soweit ersichtlich grundsätzlich zuverlässig bezahlende Ge-
sellschaft fiel letztlich dem Zwist der beiden Teilhaberseiten zum Opfer. Nachdem
sich der Bruch als endgültig erwies, gelang es den beteiligten Personen nicht,
eine Einigung über die Aufteilung des Geschäfts zu finden. F._ versicherte
glaubhaft, daran interessiert gewesen zu sein, die C._ GmbH zusammen mit
seiner Ehefrau, der Beschuldigten, weiterzuführen, währenddem E._ und
D._ sich schon relativ früh für einen Ausstieg entschieden. Die Darstellung
der Beteiligten vermittelt den Eindruck, dass die Lösung einer einvernehmlichen
Trennung zwar zum Greifen nah war, jedoch an Missverständnissen und gegen-
seitigem Misstrauen scheiterte. Als prekär erwies sich in dieser Situation zudem
die bei der Gründung implementierte Organisation, gemäss welcher sich der Sitz
der Gesellschaft beim Ehepaar D._/E._ und nicht beim nunmehr an der
Weiterführung interessierten Ehepaar A._/F._ befand. Dass die haupt-
sächlich mit der Administration betraute Beschuldigte nach dem Zerwürfnis und
mangels direkten Zugangs zur Korrespondenz fürchtete, die Übersicht zu verlie-
ren bzw. diese tatsächlich verlor und angesichts der verfahrenen und für sie nicht
kontrollierbaren Lage resignierte, erstaunt nicht. Darin und nicht in der Absicht,
sich eines bereits konkursreifen Gebildes zu entledigen, liegt der Grund für ihren
- 18 -
damaligen dringenden und nachvollziehbaren Wunsch sich aus der Gesellschaft
zurückziehen zu wollen. In diesem Sinn sind auch die Aussagen der Beschuldig-
ten, sie hätte die Anteile an der C._ GmbH auch für Fr. 0.– verkauft, damit ihr
Name aus dem Handelsregister gelöscht werde (act. 2/2 Rz. 55; act. 2/5 S. 20;
Prot. S. 14; Urk. 57 S. 4), zu verstehen. Aus solchen Bemerkungen zu schliessen,
die Beschuldigte habe entgegen ihrer Beteuerungen bereits damals gewusst, wie
es um die Gesellschaft gestanden sei (Urk. 43 S. 18 f.), ginge abermals zu weit.
3.9. Die Vorinstanz ermittelte – wie gesagt in Verletzung des Anklageprinzips –
eine Verschlechterung der Vermögenslage der C._ GmbH in einem Aus-
mass, das eine Intervention der Beschuldigten im Sinne von Art. 820 und Art. 810
Abs. 2 Ziff. 7 in Verbindung mit Art. 725 OR erfordert hätte. Am 30. August 2014
habe Illiquidität und damit begründete Besorgnis einer Überschuldung der Gesell-
schaft bestanden, weil die flüssigen Mittel auf dem Geschäftskonto der C._
GmbH zu keinem Zeitpunkt mehr gereicht hätten, um nur schon die zu diesem
Zeitpunkt noch offene höchste Rechnung betreffend Rückforderung der
Schlechtwetterentschädigung zu begleichen. Ab dem 4. September 2014 sei die-
se Forderung auch nicht mehr unter Berücksichtigung der späteren Geldzuflüsse
zu decken gewesen, womit eine Überschuldung vorgelegen habe, was am 12.
September 2014 augenscheinlich geworden sei (Urk. 43 S. 17 und S. 19). Die Illi-
quidität und die erkennbaren Überschuldung traten – soweit die vorinstanzlichen
Überlegungen zutreffen – nur wenige Tage vor der Übertragung der Stammanteile
der Beschuldigten und ihrem Rücktritt als Geschäftsführerin ein, also dem – ge-
mäss überzeugender Auffassung der Vorinstanz (Urk. 43 S. 9-12, S. 25) – erfolg-
ten Verlust ihrer Schuldnereigenschaft im Sinne Art. 165 Ziff. 1 StGB.
3.10. Sollte die Beschuldigte ungeachtet der vorstehenden Ausführungen den-
noch weiterhin unterstellt werden können, vom verbindlichen Bestehen und einer
bereits eingetretenen Fälligkeit der Rückforderung der Arbeitslosenkasse für
Schlechtwetterentschädigung und in diesem Zug vom Liquiditätsproblem sowie
der gemäss Vorinstanz eingetretenen Überschuldung gewusst zu haben, fragt
sich zudem, inwieweit ihr eine gewisse Reaktionszeit zur Ergreifung von Mass-
nahmen gemäss Art. 725 Abs. 2 OR in Verbindung mit Art. 820 Abs. 2 OR und
- 19 -
Art. 810 Abs. 2 OR hätte zugestanden werden müssen. Immerhin wird selbst in
der Anklageschrift davon ausgegangen, dass im Falle begründeter Besorgnis ei-
ner Überschuldung, von welcher gemäss angefochtenem Entscheid am 30. Au-
gust 2014 habe ausgegangen werden müssen, innert maximal eines Monats, hier
also bis spätestens 30. September 2014, als die Beschuldigte die Position der
Gesellschafterin und Geschäftsführerin bereits eingebüsst hatte, eine Zwischen-
bilanz zu erstellen gewesen wäre. Bei bereits eingetretener Überschuldung kann
die Benachrichtigung des Richters gemäss Art. 725 Abs. 2 OR in Verbindung mit
Art. 820 Abs. 2 OR und Art. 810 Abs. 2 OR überdies unter gewissen Umständen
für eine kurze Zeitspanne aufgeschoben werden, wobei ein solcher Aufschub
begründete und konkrete Aussichten auf eine aussergerichtliche finanzielle Sanie-
rung und Wiederherstellung der Ertragskraft voraussetzt, ohne dass übertriebene
Erwartungen oder vage Hoffnungen genügen würden. Was die Dauer einer sol-
chen Toleranzfrist anbelangt, verweist das Bundesgericht in einem neueren Ent-
scheid auf einen Aufsatz und auf die Botschaft zur Änderung des Obligationen-
rechts vom 23. November 2016 (Urteil des Bundesgerichts 6B_985/2016 vom 24.
Februar 2017 E. 4.2.1). Im zitierten Aufsatz wird auf die erhebliche Rechtsunsi-
cherheit im Hinblick auf die mögliche Länge der Toleranzfrist hingewiesen und die
bundesgerichtlichen Äusserungen zu dieser Frage rekapituliert ("maximal 60 Tage
ab Feststellung der Überschuldung", "wenige Wochen", "unzulässiges Aufschie-
ben der Anzeige um 94 Tage"; vgl. Konopatsch, Verspätete Überschuldungsan-
zeige als Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB, ZStR 134/2016 S. 201 f.).
Der Vorentwurf zur Revision des Aktienrechts vom 28. November 2014, auf wel-
chen das Bundesgericht ebenfalls verweist, sieht im neu gefassten Art. 725b
Abs. 4 Ziff. 2 VE-OR eine Toleranzfrist von höchstens 90 Tagen nach Vorliegen
der Zwischenbilanz vor, unter der Voraussetzung, dass eine begründete Aussicht
besteht, die Überschuldung spätestens mit Ablauf dieser Frist zu beheben.
Diese Toleranzen in zeitlicher Hinsicht erfordern angesichts des Umstandes, dass
die Beschuldigte nur bis 26. September 2014 die Position der Geschäftsführerin
bekleidete, eine vertiefte Prüfung. Bereits die vorinstanzlichen Feststellungen
dass Illiquidität und Überschuldung erst kurz davor eintraten, lassen Zweifel an
einer strafrechtlichen Verfehlung der Beschuldigten aufkommen. Im Einzelnen ist
- 20 -
dabei wiederum zu Gunsten der Beschuldigten anzunehmen, dass die mit
G._ getroffene vertragliche Regelung eine gewisse Vorbereitung erfordert
hatte; mithin dürfte die Beschuldigte bereits deutlich vor dem 26. September 2014
im Begriff gewesen sein, diese Lösung in Form ihres Ausstiegs bzw. Übertragung
ihrer Stammanteile und der Geschäftsführung an ihn aufzugleisen. Weiter ist von
Bedeutung, dass die Vorinstanz den Anklagevorwurf, die Beschuldigte habe er-
kannt habe oder hätte erkennen müssen, dass die C._ GmbH nach dem ihr
bekannten Austritt ihres Ehemannes F._ aus der Gesellschaft am 18. August
2014 keine Aussicht auf Fortführung der Geschäftstätigkeit mehr gehabt habe, als
nicht erstellbar betrachtete. Es gebe – so die Vorinstanz – keine Anhaltspunkte,
aus welchen geschlossen werden könnte, die Beschuldigte habe die Erkenntnis
gewonnen, dass nach diesem Austritt niemand, auch nicht G._ die Gesell-
schaft gewinnbringend weiterführen würde. Damit habe sie auch nicht erkennen
können, dass in Zukunft keine brauchbaren Gegenwerte mehr geschaffen werden
würden (Urk. 43 S. 21). Nicht zuletzt vor dem Hintergrund dieser plausiblen Über-
legungen darf der Beschuldigten zu Gute gehalten werden, dass der Verkauf der
Unternehmung aus ihrer damaligen Sicht und in der damaligen Lage als durchaus
adäquate Alternative zur verfahrenen Pattsituation erschien. Ferner ist ihr ange-
sichts der Neuformulierung des Geschäftszwecks nach dem Verkauf ihrer
Stammanteile, gemäss welcher die Firma (weiterhin) das Ausführen von Isolatio-
nen an der Gebäudehülle bezwecken sollte und aufgrund ihrer eigenen Erfahrun-
gen mit dem zunächst erfolgreichen Geschäftsgang der C._ GmbH im Be-
reich Isolierungen zuzugestehen, Anlass zur Annahme gehabt zu haben, dass die
Ertragskraft der Gesellschaft mit der neuen Führung und einer Wiederaufnahme
der operativen Tätigkeit im Bereich Isolierungen durch ein neues Team in kurzer
Zeit wiederhergestellt sein würde. Der schriftliche Vertrag zwischen der Beschul-
digten und G._ betreffend Übertragung der Stammanteile liegt vor (Urk.
33/4). Daraus ist ersichtlich, dass erstere für ihre Anteile einen Betrag von Fr.
2'885.– erhielt. Mangels aktenkundiger, geschweige denn verwertbarer Informati-
onen zu anderen, womöglich gegenteiligen Details und Hintergründen dieser
Transaktion fehlen Hinweise dafür, dass es sich dabei aus damaliger Sicht der
Beschuldigten um eine übertriebene Erwartung oder eine lediglich vage Hoffnung
- 21 -
der Beschuldigten oder sogar um einen Fall von Konkursreiterei gehandelt haben
könnte. Namentlich gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die neue Treuhände-
rin lediglich dazu berufen war, ein Geschäft zu vermitteln, um sich einer konkurs-
reifen Gesellschaft zu erledigen. Weder fielen im Verfahren Äusserungen in die-
ser Hinsicht, noch sind Hinweise bekannt, dass die Treuhänderin für eine ent-
sprechende Vermittlungstätigkeit oder der Käufer für die Übernahme bezahlt wur-
den, und schliesslich erfolgte auch keine Verlegung des Firmensitzes. Dass und
inwiefern nach dem Verkauf durch die neuen Eigentümer neue Verbindlichkeiten
auf den Namen der Gesellschaft eingegangen wurden, ohne eine operative Ge-
schäftstätigkeit aufgezogen zu haben, ist aus den Akten ebenfalls nicht ersicht-
lich. Weder G._, noch B._ oder Exponenten der vermittelnden Treu-
handfirmen wurden je zu diesen Fragen einvernommen. Zu Gunsten der Be-
schuldigten muss somit davon ausgegangen werden, dass sie Grund für die Er-
wartung hatte, mit ihrem Ausstieg Bewegung in die verfahrene Situation zu brin-
gen, so dass die Gesellschaft in finanzieller Hinsicht gesunden sowie in der Lage
sein würde, die aufgelaufenen und zukünftigen Verbindlichkeiten in einem befrie-
digenden Zeitrahmen zu begleichen. Eine Verletzung ihrer Pflichten gemäss
Art. 725 Abs. 2 OR in Verbindung mit Art. 820 Abs. 2 OR und Art. 810 Abs. 2 OR
tritt damit nicht, keinesfalls aber in einer Deutlichkeit zutage, die auf eine arge
Nachlässigkeit im Sinne von Art. 165 StGB schliessen lassen würde.
4. Ergebnis
4.1. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich eine Verurteilung der Be-
schuldigten auf der Basis des Wortlautes der Anklageschrift als nicht möglich er-
weist. Der von der Vorinstanz ausgefällte Schuldspruch erfolgte gestützt auf einen
in der Anklageschrift nicht umschriebenen Sachverhalt und damit in Verletzung
des Anklageprinzips.
4.2. Auf eine Rückweisung der Anklage zur Verbesserung oder Ergänzung im
Sinne der vorinstanzlichen tatsächlichen Feststellungen ist jedoch zu verzichten,
zumal die Beschuldigte auch unter Berücksichtigung der Argumentation im ange-
fochtenen Entscheid freizusprechen wäre.
- 22 -
4.3. Insgesamt ergibt sich, dass die Beschuldigte der Misswirtschaft nicht
schuldig und (auch) von diesem Vorwurf freizusprechen ist, obwohl über die
C._ GmbH am tt. September 2015 der Konkurs eröffnet und kurz darauf
mangels Aktiven eingestellt wurde, wobei Verlustscheine in der Höhe von
Fr. 64'994.25 resultierten.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten
1.1. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens sind angesichts des nun
vollständigen Freispruchs der Beschuldigten und da kein Grund für eine dennoch
gerechtfertigte Kostenauflage ersichtlich ist, insgesamt auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 426 Abs. 2 StPO).
1.2. Da die Beschuldigte mit ihren Anträgen im Berufungsverfahren obsiegt,
hat sie auch im Rechtsmittelverfahren keine Kosten zu tragen; vielmehr fällt die
zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ausser Ansatz (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO).
2. Prozessentschädigung
2.1. Vorbemerkungen
2.1.1. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie im Weiteren An-
spruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung
ihrer Verfahrensrechte sowie Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die
aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (Art. 429
Abs. 1 lit. a-c StPO). Es geht damit um den (vollen) Ausgleich des Schadens im
haftpflichtrechtlichen Sinn (Schmid/Jositsch, Handbuch des Schweizerisches
Strafprozessrechts, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2017, N 1803 f.).
2.1.2. Der durch die Beschuldigte erfolgte Beizug einer anwaltlichen Verteidigung
war gerechtfertigt. Zu entschädigen ist jedoch nur die angemessene Ausübung
der Verfahrensrechte. Die einer freizusprechenden beschuldigten Person zu
vergütenden Anwaltskosten richten sich nach der seit dem 1. Januar 2011 in Kraft
- 23 -
stehenden Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (An-
waltsgebührenverordnung, LS 215.3, nachstehend: AnwGebV). Diese setzt sich
aus einer Gebühr sowie den notwendigen Auslagen zusammen (§ 1 Abs. 2 Anw-
GebV). Dabei müssen die Verteidigungskosten in einem vernünftigen Verhältnis
zur Schwierigkeit des Falles bzw. zur Wichtigkeit der Sache stehen; unnötige und
übersetzte Kosten sind nicht zu entschädigen (BSK StPO-Wehrenberg/Bernhard,
2. Auflage, Basel 2014, N 15 zu Art. 429).
2.2. Vorverfahren und erste Instanz
2.2.1. Im Vorverfahren bemisst sich die Gebühr des Verteidigers nach dem not-
wendigen Zeitaufwand (§ 16 Abs. 1 AnwGebV). Die Gebühr für die Führung eines
Strafprozesses vor den Gerichtsinstanzen beträgt im Bereich der Zuständigkeit
des Einzelgerichts – und im Übrigen auch im Berufungsverfahren – in der Regel
zwischen Fr. 600.– und Fr. 8'000.– (§ 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. a Anw-
GebV). Innerhalb dieses Rahmens wird die Grundgebühr nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen und Schwierig-
keiten des Falles, bemessen (vgl. § 2 AnwGebV). Die Grundgebühr umfasst die
gewöhnlichen, d.h. regelmässig anfallenden Bemühungen des Verteidigers im
Rahmen des gerichtlichen Verfahrens sowie deren Vorbereitung. Dazu zählen
namentlich eine Besprechung mit dem Beschuldigten, das Aktenstudium, die
Vorbereitung und Teilnahme an der Hauptverhandlung (inkl. Verfassen des
Plädoyers) sowie das Studium des Urteils (ZR 101 (2002) Nr. 10 E. 3b). Zur
Grundgebühr werden für weitere Verhandlungen bzw. Verhandlungstage und wei-
tere notwendige Rechtsschriften Zuschläge berechnet (§ 17 Abs. 2 AnwGebV).
Notwendige Auslagen sind namentlich bezahlte Gerichtskosten, Reisespesen,
Porti, Kosten für Telekommunikation und Fotokopien (§ 22 Abs. 1 AnwGebV).
2.2.2. Der Verteidiger reichte zur Bezifferung seines Entschädigungsanspruchs
für das Vorverfahren und den erstinstanzlichen Prozess bis zu dessen Abschluss
zwei Honorarnoten samt Aufstellung seiner Bemühungen ein (Urk. 35/1-2). Ins-
gesamt wird hierfür eine Entschädigung von Fr. 14'256.10 inkl. Mehrwertsteuer
gefordert (vgl. Urk. 35/1-2). Die Beschuldigte war eine von vier im Strafverfahren
beschuldigten Personen und der Vorinstanz ist beizupflichten, wenn sie von einer
- 24 -
leicht überdurchschnittlichen Komplexität des Falles spricht (Urk. 43 S. 44). Kom-
plexere und aufwendigere Sachverhaltsfragen stellten sich schliesslich vor allem
aufgrund der gegenüber der Anklageschrift viel weitergehenden Begründung des
angefochtenen Entscheides. Vor diesem Hintergrund erscheinen die von der
Verteidigung für das Vorverfahren und erstinstanzliche Verfahren gesamthaft in
Rechnung gestellten Aufwendungen im Verhältnis zur Bedeutung, zum Umfang
und zu den Schwierigkeiten des Falles in Übereinstimmung mit der Auffassung
der Vorinstanz zwar eher hoch, aber grundsätzlich noch im Rahmen des Ver-
tretbaren. Die Aufwände von 18. Juli 2016 bis 2. Oktober 2018 im Umfang von
18.6 Stunden betreffen den Zeitraum des nach Aufwand zu entschädigenden
Vorverfahrens. Mit Ausnahme der Position "Beratungsgespräch betreffend Firma
Ehemann (Gebrüder A._/F._)" von 1.6 Stunden, die – auch gemäss Zu-
geständnissen der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S.
6) – offensichtlich nicht der Strafuntersuchung gegen die Beschuldigte zuzurech-
nen ist, ist die Aufstellung nicht zu beanstanden, womit ein Betrag von Fr. 4'760.–
zuzüglich Fr. 127.90 Auslagen und Mehrwertsteuer für das Vorverfahren ange-
messen erscheint. Was das erstinstanzliche Gerichtsverfahren anbelangt, er-
scheint es gerechtfertigt, die beantragten rund Fr. 8'555.– (inkl. Mehrwertsteuer
und Spesen), auch wenn diese leicht über dem Rahmen nach § 2 AnwGebV lie-
gen, zuzusprechen.
2.2.3. Insgesamt ist die Entschädigung für das Vorverfahren und den erstinstanz-
lichen Prozess auf Fr. 13'820.– inklusive Mehrwertsteuer festzusetzen.
2.3. Berufungsverfahren
Der für das Berufungsverfahren geltend gemachte Aufwand von Fr. 4'683.65 er-
scheint, wiederum unter Berücksichtigung der konkreten Bedeutung und Schwie-
rigkeit des Falles (§ 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. a und § 1 Abs. 2 AnwGebV),
angemessen (Urk. 59).
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2.4. Gesamtentschädigung
Demnach ist der Beschuldigten für das gesamte Verfahren eine Entschädigung
für ihre anwaltliche Verteidigung in Höhe von insgesamt Fr. 18'500.– (einschliess-
lich Auslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse zuzusprechen.