Decision ID: 2f8986d8-a37d-4bdd-b289-b64a46d19063
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Ergänzungsleistung zur IV (Erlass Rückforderung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 10. Mai 2005 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
ihrer Rente der Invalidenversicherung an. Am 25. August 2005 sprach ihr die EL-
Durchführungsstelle eine jährliche Ergänzungsleistung ab Mai 2005 zu. In der Folge
eröffnete die EL-Durchführungsstelle der Versicherten diverse Anpassungsverfügungen
betreffend ihren EL-Anspruch (act. G 7.1).
A.b Per 1. Januar 2009 wurde dem Ehemann der Versicherten, B._, eine ordentliche
Altersrente der Alters- und Hinterlassenenversicherung zugesprochen. Am 4. Februar
2009 eröffnete die EL-Durchführungsstelle dem Ehemann eine Verfügung, mit der sie
ihm mit Wirkung ab dem 1. Januar 2009 eine jährliche Ergänzungsleistung von 689
Franken pro Monat zusprach, ohne dass sich dieser vorgängig zum Bezug
von Ergänzungsleistungen angemeldet hatte. Bei der Berechnung der jährlichen
Ergänzungsleistung rechnete die EL-Durchführungsstelle die Krankenkassenpauschale
des Ehemannes und der Ehefrau, Sozialversicherungsbeiträge für Nichterwerbstätige,
die Wohnkosten und eine Pauschale für den allgemeinen Lebensbedarf als anerkannte
Ausgaben an. Als Einnahmen rechnete sie die Rentenleistungen der ersten Säule bzw.
nebst der IV-Rente der Ehefrau die AHV-Rente des Ehemannes und Zinserträge an (EL-
act. 41).
A.c Am 28. Dezember 2009 eröffnete die EL-Durchführungsstelle dem Ehemann eine
Anpassungsverfügung, mit welcher sie seinen EL-Anspruch mit Wirkung ab dem
1. Januar 2010 auf monatlich 747 Franken erhöhte (EL-act. 40). Am 29. Dezember 2010
eröffnete sie ihm eine weitere Anpassungsverfügung, mit welcher sein EL-Anspruch mit
Wirkung ab dem 1. Januar 2011 auf 820 Franken pro Monat erhöht wurde (EL-act. 35).
Am 27. Januar 2011 setzte die EL-Durchführungsstelle den EL-Anspruch rückwirkend
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per 1. Januar 2011 auf 779 Franken herab. Zur Begründung für die Herabsetzung
wurde ausgeführt, es seien zu Unrecht Beiträge für Nichterwerbstätige als relevante
Ausgaben anerkannt worden (EL-act. 31).
A.d Am 12. April 2011 forderte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten auf, ein
Formular zur Überprüfung seines Leistungsanspruchs auszufüllen und unterschrieben
mitsamt den massgebenden Unterlagen zu retournieren (EL-act. 29). Dieser
Aufforderung kam der Versicherte am 21. April 2011 nach. Im Formular gab er unter
anderem an, er erhalte seit dem 1. Februar 2009 eine Rente aus beruflicher Vorsorge
im Betrag von 772,20 Franken pro Monat (EL-act. 22). Dem Formular legte er unter
anderem eine Mitteilung der zuständigen Sammelstiftung bei, der sich die Zusprache
der Rente im angegebenen Betrag entnehmen liess (EL-act. 23–7). Mit einer Verfügung
vom 1. Dezember 2011 setzte die EL-Durchführungsstelle den EL-Anspruch des
Versicherten rückwirkend neu fest. Sie hielt fest, dass der Versicherte im Zeitraum von
Februar 2009 bis und mit Dezember 2010 keinen EL-Anspruch und im Jahr 2011 bloss
einen solchen von 652 Franken pro Monat gehabt habe, weshalb gesamthaft zu viel
ausgerichtete Ergänzungsleistungen von 18’067 Franken zurückzufordern seien. Dieses
Ergebnis sei die Folge der Anrechnung der davor nicht bekannten Rente aus
beruflicher Vorsorge (EL-act. 18). Der Verfügung lagen die Berechnungsblätter für die
Zeiträume von Januar bis und mit Dezember 2010 (EL-act. 19), von Februar bis und mit
Dezember 2009 (EL-act. 20) und von Januar bis und mit Dezember 2011 (EL-act. 21)
bei. Den Berechnungsblättern liess sich im Vergleich mit den früheren
Berechnungsblättern betreffend dieselben Zeiträume entnehmen, dass jeweils
zusätzlich die Rente aus beruflicher Vorsorge im Betrag von jährlich 9’266 Franken als
Einnahme angerechnet worden war.
A.e Am 11. Dezember 2011 reichte der Versicherte ein mit „Erlassgesuch“ betiteltes
Schreiben ein. Darin führt er aus, er habe sich das Freizügigkeitsguthaben auszahlen
lassen wollen, was aber abgelehnt worden sei. Deshalb erhalte er nun nach über
40 Jahren harter Arbeit in der Schweiz eine IV-Rente (gemeint wohl: Altersrente)
aus beruflicher Vorsorge. Er habe während der vergangenen Jahre nie
Ergänzungsleistungen in Anspruch genommen. Von der Rückforderungsverfügung sei
er überrascht worden. Er frage sich, wie ein Rentner eine derart hohe Summe
aufbringen solle (EL-act. 16). Am 15. Dezember 2011 teilte die EL-Durchführungsstelle
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mit, dass sie das Erlassgesuch erst nach dem Eintritt der Rechtskraft der
Rückforderungsverfügung behandelt werde. Sie ersuchte den Versicherten, Belege
über den aktuellen Kontostand einzureichen (EL-act. 15). Dieser Aufforderung kam der
Versicherte in der Folge nach (EL-act. 14). Am 23. Dezember 2011 reichte er ein mit
„Einsprache gegen die Rückforderung der Ergänzungsleistungen“ betiteltes Schreiben
ein. Er führte aus, er habe die Ergänzungsleistungen in gutem Glauben bezogen. Es
lägen weder absichtliche Täuschungen noch absichtliche Fälschungen vor. Es sei nicht
sein Fehler, dass er zu hohe Ergänzungsleistungen erhalten habe. Aus finanziellen
Gründen könne er den Betrag unmöglich zurückerstatten (EL-act. 8). Am 30. Dezember
2011 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit, dass die Einsprache vom
23. Dezember 2011 eingegangen sei. Die Bearbeitung werde rund drei Monate in
Anspruch nehmen (EL-act. 7). Mit einer Verfügung vom 4. Januar 2012 wies die EL-
Durchführungsstelle das Erlassgesuch ab. Zur Begründung führte sie aus, der
Versicherte habe nicht angegeben, dass er eine Rente aus beruflicher Vorsorge
beziehe. Damit habe er seine Meldepflicht verletzt. Der unrechtmässige
Leistungsbezug sei deshalb nicht gutgläubig erfolgt, was einen Erlass der
Rückforderung ausschliesse (EL-act. 6). Dagegen erhob der Versicherte am 20. Januar
2012 Einsprache. Er ersuchte um die Zustellung einer Kopie des Antragsformulars, um
die Entstehung des Fehlers nachvollziehen zu können. Er führte sodann aus, er habe
die zu viel ausgerichteten Ergänzungsleistungen in gutem Glauben bezogen (EL-act. 2).
Zuhanden des Rechtsdienstes der Sozialversicherungsanstalt führte die zuständige
Sachbearbeiterin am 15. Februar 2012 aus, die Ergänzungsleistungen seien im
Zeitpunkt der Pensionierung des Versicherten neu berechnet worden. Dafür sei kein
neues Antragsformular einverlangt worden. Bezüglich einer allfälligen Rente aus
beruflicher Vorsorge seien keine Abklärungen getätigt worden. Der Versicherte habe
aber die entsprechende Anpassungsverfügung wie auch weitere
Anpassungsverfügungen erhalten. Diesen habe er entnehmen können, dass die Rente
aus beruflicher Vorsorge fälschlicherweise nicht angerechnet worden sei. Indem er die
EL-Durchführungsstelle nicht auf diesen Fehler hingewiesen habe, habe er seine
Sorgfaltspflicht verletzt. Das Erlassgesuch sei vor diesem Hintergrund zu Recht
abgewiesen worden (EL-act. 1). Am 31. Mai 2012 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt in Vertretung der EL-Durchführungsstelle die Einsprache
gegen die Verfügung vom 4. Januar 2012 ab. Zur Begründung führte er aus, der
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Versicherte hätte bei pflichtgemässer Prüfung der Verfügungen bzw.
Berechnungsblätter feststellen müssen, dass die Rente aus beruflicher Vorsorge nicht
angerechnet worden sei. Dies hätte er melden müssen. Indem er dies nicht getan habe,
habe er seine Meldepflicht verletzt, was den guten Glauben hinsichtlich des
unrechtmässigen Leistungsbezuges ausschliesse (EL-act. 42).
B.
B.a Am 28. Juni 2012 (Datum der Postaufgabe) reichte der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) ein mit „Einsprache gegen die Ablehnung des Erlassgesuchs“
betiteltes Schreiben bei der Sozialversicherungsanstalt ein. Diese leitete diese Eingabe
am 2. Juli 2012 an das Versicherungsgericht weiter (act. G 0). Der Beschwerdeführer
hatte in seiner Eingabe den Erlass des Rückforderungsbetrages beantragt und
nochmals um die Zustellung eines Antragsformulars ersucht (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 17. Juli

2012 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen
im angefochtenen Einspracheentscheid (act. G 4).
B.c Am 9. Juli 2013 forderte das Versicherungsgericht weitere Akten bei der
Beschwerdegegnerin an (act. G 6), die am 15. Juli 2013 eingereicht wurden (act. G 7
und G 7.1). Der Beschwerdeführer machte am 22. Juli 2013 von seinem Recht auf
Akteneinsicht Gebrauch (act. G 9).
Erwägungen:
1.
1.1 Die Aufgabe des kantonalen Versicherungsgerichtes ist es, angefochtene
Entscheide umfassend auf deren Rechtmässigkeit zu überprüfen. Jede
Rechtswidrigkeit – ob sie gerügt worden ist oder nicht – zwingt zu einer Korrektur des
angefochtenen Entscheides. Dies gebieten das Legalitätsprinzip und das
Gleichbehandlungsgebot. Ein wie auch immer definiertes Rügeprinzip würde diese
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Pflicht im Ergebnis beschränken, was letztlich zu einer unzulässigen Beeinträchtigung
des Legalitätsprinzips und des Gleichhandlungsgebotes führen würde. Das
Bundesgericht vertritt zwar die Auffassung, die Beschwerdeinstanz habe nicht zu
prüfen, ob sich die angefochtenen Entscheide unter allen in Frage kommenden
Aspekten als korrekt erweisen, sondern im Prinzip nur die vorgebrachten
Beanstandungen zu untersuchen. Von den Verfahrensbeteiligten nicht aufgeworfene
Rechtsfragen seien nur zu prüfen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder
anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass bestehe
(BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit Hinweisen). Das Rügeprinzip solle den Bereich der
verwaltungsgerichtlichen Prüfung von der Befugnis zur aufsichtsmässigen Herstellung
des gesetzmässigen Zustandes abgrenzen, welche in der Rechtsprechungskompetenz
nicht inbegriffen sei (BGE 110 V 48 E. 4a S. 53 mit Hinweisen). Diese Abgrenzung
zwischen der „verwaltungsgerichtlichen Prüfung“ und der „aufsichtsmässigen
Herstellung des gesetzmässigen Zustandes“ leuchtet allerdings nicht ein. Es ist nicht
ersichtlich, inwiefern die Herstellung des gesetzmässigen Zustandes
„aufsichtsmässigen“ Charakter haben sollte. Wenn das kantonale Versicherungsgericht
seiner eigentlichen Aufgabe, nämlich der im Rahmen (der durch den Streitgegenstand
gesetzten Grenzen) umfassenden Überprüfung angefochtener Entscheide auf deren
Rechtmässigkeit hin, nachkommt, masst es sich keine aufsichtsrechtlichen
Kompetenzen an. Es überprüft damit nicht den Versicherungsträger bzw. dessen
Verhalten, was Aufgabe der Aufsichtsbehörde ist, sondern bloss dessen Entscheid. Die
Überprüfung angefochtener Entscheide hat keinen „aufsichtsmässigen“ Charakter,
auch wenn sie umfassend erfolgt. Auch wenn dem allerdings so wäre, würde dies nicht
die Einschränkung des Legalitätsprinzips und des Gleichbehandlungsgrundsatzes
rechtfertigen. Die Pflicht, sich nicht Kompetenzen der Aufsichtsbehörde anzumassen,
geht jedenfalls dem Legalitätsprinzip und dem Gleichbehandlungsgebot nicht vor. Dies
müsste aber der Fall sein, um die Einschränkung dieser Prinzipien rechtfertigen zu
können. Das Versicherungsgericht hat deshalb die angefochtenen Entscheide
umfassend auf deren Rechtmässigkeit hin zu überprüfen, ohne Bindung an ein
irgendwie geartetes Rügeprinzip. Aus diesem Grund ist vorliegend unter anderem auch
die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die „Einsprache“ des Beschwerdeführers vom
23. Dezember 2011 zu Recht als Erlassgesuch behandelt hat, zu beantworten, obwohl
der Beschwerdeführer das Vorgehen der Beschwerdegegnerin nicht gerügt hat.
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1.2 Der Beschwerdeführer hat seine Eingabe vom 23. Dezember 2011 zwar als
„Einsprache“ betitelt. Er hat aber keinen expliziten Antrag gestellt, anhand dessen
ermittelt werden könnte, was er mit seiner Eingabe bezwecken wollte. Die
Ausführungen in der besagten Eingabe beschränken sich auf die Frage des guten
Glaubens und die (finanzielle) Unmöglichkeit, den Betrag zurückzuerstatten. Diese
Ausführungen lassen keinen anderen Schluss zu, als dass der Beschwerdeführer mit
dieser Eingabe nur um den Erlass der Rückforderung ersucht hat. Zwar leuchtet nicht
ein, weshalb der Beschwerdeführer sein Erlassgesuch vom 11. Dezember 2011 am
23. Dezember 2011 ergänzt hat, zumal die zweite Eingabe keine neuen Gesichtspunkte
enthält. Es finden sich aber keine Anhaltspunkte für einen Einsprachewillen, weshalb
die Eingabe vom 23. Dezember 2011 nicht als Einsprache gegen die
Rückforderungsverfügung qualifiziert werden kann. Ausserdem hatte der
Beschwerdeführer bereits am 11. Dezember 2011 ein Erlassgesuch gestellt, welches
von der Beschwerdegegnerin zu Recht als solches entgegen genommen worden war.
Es ist überaus unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer zuerst um Erlass
ersuchen und danach Einsprache erheben wollte. Daran ändert auch das Schreiben
der Beschwerdegegnerin vom 30. Dezember 2011, die Eingabe vom 23. Dezember
2011 sei als Einsprache entgegen genommen worden und werde als solche behandelt,
nichts. Erfahrungsgemäss handelt es sich dabei um einen Standardbrief, der ohne
vorgängige Interpretation der betreffenden Eingabe versandt wird. Allein anhand dieser
Mitteilung kann daher nicht darauf geschlossen werden, die Beschwerdegegnerin sei
auf eine Einsprache gegen die Rückforderungsverfügung eingetreten bzw. habe ein
Einspracheverfahren eröffnet. Die Beschwerdegegnerin hat die Eingabe vom
23. Dezember 2011 zusammenfassend zu Recht als Ergänzung des Erlassgesuchs
vom 11. Dezember 2011 qualifiziert. Eine Rechtsverletzung ist in ihrem Vorgehen
deshalb nicht zu erblicken.
1.3 Der Beschwerdeführer hat in seiner Einsprache vom 20. Januar 2012 gegen die
den Erlass ablehnende Verfügung vom 4. Januar 2012 um die Zustellung eines
Antragsformulars ersucht. Offenbar ist er davon ausgegangen, er habe sich bei seiner
Pensionierung zum Bezug von Ergänzungsleistungen angemeldet. Weil die
Beschwerdegegnerin aber im Zeitpunkt seiner Pensionierung ohne einen Antrag eine
„Neuberechnung“ der Ergänzungsleistungen vorgenommen hat, liegt ein solches
Antragsformular nicht bei den Akten. Der Beschwerdeführer kann deshalb mit dem
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„Antragsformular“ nur das Formular zur Überprüfung des Leistungsanspruchs gemeint
haben. Es trifft zwar zu, dass er darin die Rente aus beruflicher Vorsorge korrekt ange
geben hat. Dies hilft ihm aber, wie aus nachfolgenden Erwägungen hervorgeht, nicht
weiter.
1.4 Das Verfahren beschränkt sich auf die Frage, ob das Erlassgesuch des
Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen worden ist. Nicht Gegenstand des
Verfahrens bildet die Frage, ob und in welchem Umfang die Rückforderung
rechtmässig ist, denn die entsprechende Verfügung ist unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsen und damit für die Parteien und das Gericht verbindlich.
2.
2.1 Unrechtmässig bezogene Leistungen sind gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) zurückzuerstatten. Als unrechtmässig bezogen sind jene Leistungen zu
qualifizieren, die nicht gestützt auf eine formell rechtskräftige Verfügung ausgerichtet
worden sind. Leistungen, die gestützt auf eine formell rechtskräftige Verfügung
ausgerichtet werden, werden nicht unrechtmässig bezogen. Dies gilt selbst dann, wenn
die fragliche Verfügung rechtsfehlerhaft ist. Wenn die EL-Durchführungsstelle einem
Versicherten eine jährliche Ergänzungsleistung zuspricht, obwohl dieser die
Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt, bezieht er die Ergänzungsleistung nicht
unrechtmässig im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG, solange die entsprechende
Verfügung Bestand hat. Dasselbe gilt, wenn die EL-Durchführungsstelle bei der
Berechnung des EL-Anspruchs eine bestimmte Einnahme nicht berücksichtigt und
deshalb dem Anspruchsberechtigten eine zu hohe Ergänzungsleistung zuspricht. Das
Vorhandensein einer Diskrepanz zwischen einer formell rechtskräftigen Verfügung und
der massgebenden Rechtslage bedeutet mit anderen Worten nicht, dass die fraglichen
Leistungen unrechtmässig bezogen werden. Eine Rückforderung solcher Leistungen ist
nicht zulässig. Wenn die Verwaltung allerdings den Fehler korrigiert, namentlich indem
sie die fragliche Verfügung in Wiedererwägung oder in (so genannt prozessuale)
Revision zieht (vgl. Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG), „verschiebt“ sich die Diskrepanz
zunächst: Anstelle einer Abweichung zwischen der Verfügung (und den ausgerichteten
Leistungen) und der massgebenden Rechtslage liegt danach eine Abweichung
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zwischen den ausgerichteten Leistungen und der (neuen) Verfügung (und der
massgebenden Rechtslage) vor. Die (neue) verbindliche Verfügung entspricht dann der
massgebenden Rechtslage, aber die Korrektur hat zur Folge, dass die bezogenen
Leistungen sich zumindest teilweise nicht mehr auf eine verbindliche Verfügung
stützen. Erst dann erweisen sich die fraglichen Leistungen als unrechtmässig bezogen
im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG. Mittels einer Rückforderung dieser
Leistungen soll die Diskrepanz definitiv behoben werden. Werden die Leistungen
nämlich zurückerstattet, stimmen die massgebende Rechtslage, die formell
rechtskräftige Verfügung und die Höhe der ausgerichteten Leistungen überein. Nur so
ist dem Legalitätsprinzip und dem Gleichbehandlungsgebot Genüge getan. Die beiden
Grundsätze fordern nämlich nicht nur die Korrektur einer (qualifiziert) rechtsfehlerhaften
Verfügung, sondern auch die faktische Umsetzung einer solchen Korrektur, das heisst
die Rückforderung unrechtmässig bezogener Leistungen (oder die Nachzahlung zu
Unrecht nicht ausgerichteter Leistungen).
2.2 Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG, laut dem Leistungen nicht zurückzuerstatten sind,
wenn sie in gutem Glauben empfangen worden sind und eine grosse Härte vorliegt, ist
als Ausnahme von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG zu verstehen. Jeder Erlass stellt vor dem
Hintergrund der soeben dargelegten Grundsätze eine (zwar durch eine andere Norm
gerechtfertigte) Verletzung des Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG und gleichzeitig auch des
Gebots der rechtsgleichen Behandlung der Betroffenen dar. Wer in den Genuss eines
Erlasses kommt, wird anders behandelt als grundsätzlich alle Versicherten behandelt
werden, die unrechtmässige Leistungen bezogen haben. Der Erlass ist angesichts
dessen als (systemfremde) Rechtswohltat zu qualifizieren. Die Einschränkung des
Gleichbehandlungsgebotes verlangt, dass an die Gewährung eines Erlasses im
Einzelfall hohe Anforderungen gestellt werden. In den Genuss dieser Rechtswohltat
sollen die Versicherten deshalb nur unter strengen Voraussetzungen gelangen. Der
erforderliche gute Glaube darf daher nur restriktiv bejaht werden.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer hat keine Gelegenheit gehabt, die Ausrichtung der Rente
aus beruflicher Vorsorge vor der (Neu-) Festsetzung seines
Ergänzungsleistungsanspruchs zu melden, denn er hat ja kein Gesuch um Ausrichtung
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von Ergänzungsleistungen gestellt. Vielmehr hat die Beschwerdegegnerin ohne Antrag
und damit von Amtes wegen eine „Neuberechnung“ des Anspruchs vorgenommen.
Wenn die entsprechende Verfügung nicht in formelle Rechtskraft erwachsen wäre,
wäre zu prüfen, ob diese „Neuberechnung“ überhaupt zulässig gewesen ist. Auf diese
Frage ist hier aber nicht einzugehen, weil die entsprechende Verfügung verbindlich ist.
Von Interesse ist in diesem Verfahren nur die Tatsache, dass es dem Beschwerdeführer
nicht möglich gewesen ist, die Ausrichtung der Rente aus beruflicher Vorsorge zu
melden, bevor der EL-Anspruch festgesetzt worden ist.
3.2 Allerdings hat der Beschwerdeführer eine Verfügung betreffend diese
„Neuberechnung“ erhalten. Dieser Verfügung hat ein Berechnungsblatt beigelegen.
Bereits bei einer oberflächlichen Kontrolle des Berechnungsblattes ist für den
Beschwerdeführer objektiv ersichtlich gewesen, dass keine Rente aus beruflicher
Vorsorge angerechnet worden ist. Dieser Fehler ist so offensichtlich, dass er dem
Beschwerdeführer hätte auffallen müssen. Auf dem Berechnungsblatt wird nämlich als
einzige namhafte Einnahme das Total der beiden Renten der ersten Säule aufgeführt,
was den Schluss nahe legen muss, sämtliche Rentenleistungen seien für die
Berechnung der Ergänzungsleistung von Relevanz, und es erlaubt, auf den ersten Blick
festzustellen, dass die Rente aus beruflicher Vorsorge nicht berücksichtigt worden ist.
Direkt unterhalb der Renten der ersten Säule wird als mögliche Position aufgeführt:
„Andere Renten und Pensionen aller Art“. Auch für Personen, die nicht über nähere
Kenntnisse des Ergänzungsleistungsrechts verfügen, muss aufgrund der so
formulierten Erwähnung weiterer möglicher Rentenleistungen klar sein, dass eine Rente
aus beruflicher Vorsorge bei der Berechnung des EL-Anspruchs zu berücksichtigen ist.
Auf der Verfügung selbst wird schliesslich darauf hingewiesen, dass jede Erhöhung
oder Verminderung des Einkommens zu melden ist, wobei Renten und Pensionen
namentlich genannt werden. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer trotz all dieser
Hinweise nicht gemeldet hat, dass die Rente aus beruflicher Vorsorge fälschlicherweise
nicht angerechnet worden war, ist entweder darauf zurückzuführen, dass er ihn nicht
bemerkt hat, was bedeuten würde, dass er seiner Kontrollpflicht nicht genügend
nachgekommen ist, oder darauf, dass er ihn bemerkt, aber nicht gemeldet hat, was
bedeuten würde, dass er seiner Meldepflicht nicht genügend nachgekommen ist. Die
eine wie die andere Pflichtverletzung schliesst die Bejahung des guten Glaubens aus.
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3.3 Daran ändert der Umstand, dass per 1. Januar 2009 ein Wechsel in der
Anspruchsberechtigung erfolgt ist, nichts. Wohl ist davor die Ehefrau des
Beschwerdeführers die alleinige Anspruchsberechtigte gewesen und wohl hat sich der
Beschwerdeführer nicht zum Bezug von Ergänzungsleistungen angemeldet. Die
Verfügung vom 4. Februar 2009 wie auch sämtliche nachfolgenden Verfügungen sind
aber nicht mehr seiner Ehefrau, sondern ihm eröffnet worden. Zudem ist auf sämtlichen
entsprechenden Berechnungsblättern sein Name in der Kopfzeile aufgeführt und nicht
mehr jener seiner Ehefrau, wie dies bei den vorhergehenden Berechnungsblättern der
Fall gewesen ist. Auch als juristischer Laie muss der Beschwerdeführer diesen Wechsel
bemerkt haben. Er kann sich deshalb nicht auf den Standpunkt stellen, er sei davon
ausgegangen, die Sorgfaltspflichten würden nach wie vor bloss seine Ehefrau treffen.
Wer immer eine persönlich an ihn adressierte Verfügung erhält, mit der ihm persönlich
Leistungen zugesprochen werden, hat diese Verfügung auf ihre Rechtmässigkeit zu
kontrollieren. Diese Pflicht muss jedem juristischen Laien bewusst sein. Der
Beschwerdeführer hat vor diesem Hintergrund seine Sorgfaltspflicht verletzt, was den
guten Glauben hinsichtlich des unrechtmässigen Leistungsbezugs ausschliesst. Da die
Erlassvoraussetzungen des guten Glaubens und der grossen Härte kumulativ erfüllt
sein müssen, kann demnach kein Anspruch auf einen Erlass der Rückforderung
bestehen.
3.4 Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Gerichtskosten sind gemäss Art. 61
lit. a ATSG keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP