Decision ID: ba155d80-5a65-4f15-89a5-d19da83551ce
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1933,
war in der Gemeinde
C._
wohnhaft, als er
am
1
6.
November 2011 in das
in der Gemeinde
G._
gelegene
Pflegezentrum
(nachfolgend: Pflegeheim
G._
) eintrat (
vgl.
Urk.
2/3/2/
2
,
Urk.
11/7)
,
welches
von dem
unter anderem aus
der Gemeinde
C._
bestehenden
E._
(vgl.
Urk.
2/3/6/1) betrieben wird
.
Am 1
5.
Juni 2012 trat der V
ersicherte aus dem Pflegeheim
G._
aus und trat in das
in
F._
gelegene,
von der
D._
betriebene
Pflegeheim
(
nachfolgend:
Pflegeheim
F._
)
ein (
Urk.
16/4)
. Dort
verblieb
er
bis zu seinem Tod am 2
9.
August 2015 (Urk.
30/1).
Mit
Verfügung vom 2
3.
Oktober 2012 (
Urk.
2
/2
) verneinte die Gemeinde
C._
einen Anspruch des Versicherten auf Übernahme der Mehrkosten bezie
hungsweise der ungedeckten Pflegekosten
der
Pflegeheim
e
G._
und
F._
.
2.
2.1
Gegen die
Verfügung vom 2
3.
Oktober 2012 (
Urk.
2
/2
) erhob der Versicherte am 2
6.
November 2012 beim Bezirksrat
G._
Rekurs und beantragte, die ange
fochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihm die Mehrkosten zu ent
schä
digen (
Urk.
2/3/1 S. 2). Am 1
5.
Februar 2013 beantragte die Gemeinde
C._
die Abweisung des Rekurses (
Urk.
2/3/6 S.
2). Mit
Präsidialver
fü
gun
g
vom 1
3.
Juni 2014 (
Urk.
1) trat der Bezirksrat
G._
auf den Rekurs vom 2
6.
November 2012 nicht ein und überwies die Sache zuständigkeitshalber
an das hiesige
Gericht.
2.2
Mit Replik vom 1
4.
Oktober 2014 (
Urk.
6) hielt der Versicherte an seinen Anträ
gen auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 2
3.
Oktober 2012 und auf Übernahme der Mehrkosten beziehungsweise der ungedeckten Pflegekosten der Pflegeheime
G._
und
F._
fest (S.
2), worauf die Gemeinde
C._
mit Duplik vom 2
4.
November 2014 (
Urk.
10) an ihrem Antrag auf Abweisung der
Beschwerde festhielt (S. 2).
2.3
Mit Verfügung vom
1.
Dezember 2014 (
Urk.
13)
wurden die Pflegeheime
G._
und
F._
sowie die Gemeinden
G._
und
F._
zum Prozess beigeladen und es wurden beim Krankenversicherer des Versicherten, der
Aqui
lana
Versicherungen, die Akten betreffend die Aufenthalte des Versicherten in den Pflegeheimen
G._
und
F._
der Jahre 2011 und 2012 beigezo
gen (
Urk.
16/1-5).
Mit Eingabe vom 1
6.
Dezember 2014 (
Urk.
17) beantragte das Pflegeheim
G._
die Abweisung der Beschwerde. Das Pflegeheim
F._
und die Gemein
den
G._
und
F._
liessen sich nicht vernehmen. Die
Beschwerdegeg
nerin
nahm am
6.
Februar 2015 (
Urk.
20) und der Beschwerdeführer am
5.
März 2015 (
Urk.
22)
zur Eingabe des Pflegeheims
G._
vom 1
6.
Dezember 2014 und
zu den Akten der
Aquilana
Versicherungen Stellung.
Kopien dieser Ein
gaben wurden am
9.
März 2015 den übrigen Verfahrensbeteiligten zugestellt (Ur
k
. 24/1-6).
2.4
Am 2
9.
August 2015 verstarb der
Versicherte
(Urk
.
30/1). Mit Verfügung vom
4.
Dezember 2015 (
Urk.
27) wurde der Prozess sistiert, bis über den Antritt der Erbschaft des
Versicherten
entschieden ist. Mit Eingabe vom 2
2.
Dezember 2015 (
Urk.
29) beantrag
t
en die Erben des verstorbenen
Versicherten
,
Y._
, geboren 1939,
Z._
, geboren 1968,
A._
, geboren 1969, und
B._C._
, geboren 1971, die Weiterführung des Prozesses. Mit Eingabe vom 2
5.
Januar 2016 (
Urk.
34) hielten die Beschwerdeführenden an den vom verstor
benen
Versicherten
gestellten Anträgen fest, wovon den übrigen Ver
fahrens
be
teiligten am 1
6.
Februar 2016 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
35).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung haben die aner
kannten Krankenkassen die Kosten für die Leistungen gemäss
Art.
25 - 31 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) nach Massgabe der in
Art.
32 - 34 KVG festgelegten Voraussetzungen zu übernehmen (
Art.
24 KVG). Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt die Kosten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen (
Art.
25
Abs.
1 KVG). Diese Leistungen umfassen unter anderem die Untersuchungen und Behandlungen, die ambulant, stationär oder in einem Pflege
heim, sowie die Pflegeleistungen, die in einem Spital durchgeführt werden von Ärzten oder Ärztinnen,
Chiropraktoren
oder
Chiropraktorinnen
sowie Per
so
nen, die auf Anordnung eines Arztes oder einer Ärztin beziehungsweise eines
Chiro
praktors
oder einer
Chiropraktorin
Leistungen erbringen (
Art.
25
Abs.
2
lit
. a
Ziff.
1-3 KVG)
,
sowie den Aufenthalt im Spital entsprechend dem Standard der allgemeinen Abteilung (
Art.
25
Abs.
2
lit
. e KVG).
1.2
Gemäss dem im Rahmen der neuen Pflegefinanzierung (vgl.
Botschaft zum Bun
desgesetz über die Neuordnung der Pflegefinanzierung;
BBl
2004 2033 ff.) eingeführte
n und am
1.
Januar 2011 in Kraft getretenen
Art.
25a
Abs.
1 KVG
er
bringt die obligatorische Krankenpflegeversicherung einen Beitrag an die
Pfle
geleistungen
, welche aufgrund einer ärztlichen Anordnung und eines aus
ge
wie
senen Pflegebedarfs ambulant, auch in Tages- oder Nachtstrukturen
,
er
bracht werden.
In
Abs.
3 dieser Bestimmung wird dem Bundesrat die Kompetenz ein
geräumt, die Pflegeleistungen zu bezeichnen und das Verfahren der
Bedarfs
er
mittlung
zu regeln
.
1.3
In
Art.
33
lit
. i der
Verordnung über die Krankenversicherung (KVV)
hat der Bundesrat die Kompetenz der Bezeichnung des Beitrags an die Pflegeleistungen dem Departement des Innern (EDI) übertragen, welches
davon
mit Erlass
von
Art.
7 ff.
der
Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen
Kran
kenpflegeversicherung
(
KLV)
, in den ab
1.
Januar
2011 geltenden Fassungen,
Ge
brauch
gemacht
hat
. Die übernahmepflichtigen Leistungstypen werden unter
teilt in Massnahmen der Abklärung und der Beratung (
Art.
7
Abs.
2
lit
. a KLV), in Massnahmen der Untersuchung und Behandlung (
Art.
7
Abs.
2
lit
. b KLV) und in Massnahmen der Grundpflege (
Art.
7
Abs.
2
lit
. c KLV). Die Leistungen kön
nen ambulant oder in einem Pflegeheim übernommen werden. Sie können
auch ausschliesslich während des Tages oder während der Nacht erbracht werden
(
Art.
7
Abs.
2
ter
KLV).
Für die entsprechenden Leistungen werden von der Kran
kenversicherung pauschalisierte, nach dem Pflegebedarf abgestufte Beiträge gewährt (vgl.
Art.
7a KLV).
1.4
Gemäss
Art.
39
Abs.
1 KVG sind Anstalten oder deren Abteilungen, die der sta
tio
nären Behandlung akuter Krankheiten oder der stationären Durchführung von
Massnahmen der medizinischen Rehabilitation dienen (Spitäler), zugelas
sen, wenn
sie ausreichende ärztliche Betreuung gewährleisten (
lit
. a); über das erfor
derliche Fachpersonal verfügen (
lit
. b); über zweckentsprechende medizi
nische Einrichtungen verfügen und eine zweckentsprechende pharmazeutische Ver
sor
gung gewährleisten (
lit
. c); der von einem oder mehreren Kantonen ge
meinsam aufgestellten Planung für eine bedarfsgerechte Spitalversorgung ent
sprechen, wobei private Trägerschaften angemessen in die Planung einzubezie
hen sind (
lit
. d); auf der nach Leistungsaufträgen in Kategorien gegliederten Spitalliste des Kantons aufgeführt sind (
lit
. e).
Art.
39
Abs.
3 KVG bestimmt, dass die
Zulassungvoraussetzungen
von
Art.
39
Abs.
1 KVG
sinngemäss
auch
für Anstalten, Einrichtungen oder ihre Abteilun
gen
gelten
, die der Pflege und medizinischen Betreuung sowie der Rehabili
tation von Langzeitpatienten und -patientinnen dienen (Pflegeheim
e
).
1.
5
Für die Akut- und Übergangspflege gilt eine besondere Kostenverteilungsregel: Für die nach einem Spitalaufenthalt noch im Spital ärztlich angeordnete not
wendige Pflege werden die Kosten für längstens zwei Wochen nach den Regeln
der Spitalfinanzierung vergütet (
Art.
25a
Abs.
2 KVG).
Art.
7b
Abs.
1 KLV schreibt
sodann eine anteilsmässige Übernahme der
Kosten der Leistungen der
Akut- und Übergangspflege
durch den
Wohnkanton und
durch
die Versicherer
vor, wobei der
kantonale Anteil mindestens 55 Prozent
betragen muss
.
1.6
Gemäss
Art.
25a
Abs.
5 KVG
dürfen den versicherten Personen
von den nicht
von Sozialversicherungen gedeckten Pflegekosten höchstens 20 Prozent des höchs
t
en vom Bundesrat festgesetzten Pflegebeitrages überwälzt werden. Die
Rest
finanzierung
haben die Kantone zu regeln.
Diese müssen sicherstellen, dass Betroffene nicht über den Maximalbeitrag nach
Art.
25a
Abs.
5 KVG für
Pflege
kosten
belastet werden (sogenannter Tarifschutz nach
Art.
44 KVG
; vgl.
auch
Peter
Mösch
Payot
, Pflegerestkostenfinanzierung durch die Kantone nach
Art.
25a
Abs.
5 KVG, in: Zwischen Schutz und Selbstbestimmung – Festschrift für Professor Christoph Häfeli zum 7
0.
Geburtstag, Bern 2013, S. 240)
.
Mit dem Erlass von
Art.
25a
Abs.
5 KVG begrenzte der Gesetzgeber aus sozialpolitischen Gründen die von den Heimbewohnern zu leistenden Pflegekosten betragsmäs
sig. Der verbleibende Betrag, der weder von der Krankenversicherung noch von den Bewohnern bezahlt wird, ist von der öffentlichen Hand (Kanton oder Gemeinden) zu übernehmen. Für die Regelung der Restfinanzie
rung sind die Kan
tone zuständig.
Leistungserbringer sind - je nach kantonaler Regelung
-
Kan
tone oder Gemeinden
und damit
Personen öffentlichen
Rechts, die grund
sätz
lich nicht dem KVG unterstellt sind, zumal sie ihre Leistungen nicht zu Las
ten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung abrechnen (BGE 140 V 563
E. 2.2 und BGE 138 V 377 E. 5.2).
1.7
§
5
Abs.
1
des
am
1.
Januar 2011 in Kraft getretenen kantonalen
Pflegegesetzes (
PfleG
) sieht vor, dass
die
Gemeinden für eine bedarfs- und fachgerechte statio
näre Pflegeversorgung ihrer Einwohnerinnen und Einwohner
sorgen, und dass sie
zu diesem Zweck eigene Einrichtungen
betreiben
oder von Dritten betriebene Pflegeheime
beauftragen.
Laut
§
6
PfleG
vermittelt die Gemeinde auf Verlangen
einer pflegebedürftigen
Person
dieser
innert angemessener Frist e
inen anderen Leistungserbringer, wenn
sie nicht durch Leistungserbringer gemäss
§
5
Abs.
1
PfleG
versorgt werden kann.
1.8
Gemäss
§
9
Abs.
2
PfleG
sind die
nicht von Sozialversicherungen gedeckten
Kosten von
Pflegeleistungen von Pflegeheimen
den Leistungsbezügerinnen und -bezügern, welche das 1
8.
Altersjahr vollendet haben,
in dem gemäss
Art.
25a
Abs.
5 KVG höchstzulässigen Umfang
zu überbinden, wobei die Gemeinden diese
Kostenbeteiligung ganz oder teilweise übernehmen
können (
§
9
Abs.
3
PfleG
). Die restlichen Kosten von
Leistungserbringern gemäss
§
5
Abs.
1
PfleG
sind
von der Gemeinde zu tragen
(
§
9
Abs.
4
PfleG
, in der ab
1.
Januar 2012 geltenden Fassung)
.
§
9
Abs.
5
PfleG
bestimmt, dass bei
Pflegeleistungen von Pflegeheimen die Gemeindebeiträge
von der
jenigen
Gemeinde zu leisten
sind
, in der die pflegebe
dürftige Person vor dem Eintritt in das Pflegeheim ihren
zivilrechtlichen Wohn
sitz hatte, wobei der
Aufenthalt in einem Pflegeheim keine neue Zustän
digkeit
begründet
.
1.9
§
9
Abs.
5
PfleG
regelt indes lediglich die innerkantonale Zuständigkeit. Im interkantonalen Verhältnis bestimmt sich die Finanzierungszuständigkeit nach der Rechtsprechung (bis zum Inkrafttreten einer bundesrechtlichen Regelung)
nach
dem Wohnsitzprinzip (BGE 140 V 563 E. 5.4.1
f.; Urteil des Bundesgerichts 9C_822/2015 vom
6.
Januar 2016 E. 2.1 f.
).
2.
2.1
Gemäss
der Rechtsprechung (BGE 140 V 58 E. 4.1) ist
die
Gesetzgebungs
kompe
tenz der Kantone
gemäss
Art.
25a
Abs.
5 Satz 2 KVG
auf die Regelung der
Rest
finanzierung
der
Pflegekosten beschrä
nkt, wogegen die abschliessende
Nor
mie
rung der Leistungen der obligatorischen Krankenversicherung in der Kom
pe
tenz
der Bundesgesetzgebung
verbleibt. Des Weiteren stellt
der grund
sätzliche An
spruch auf Übernahme der ungedeckten Pflegekosten durch die öf
fentliche Hand
(Kanton oder Gemeinden)
gemäss
d
er Rechtsprechung
keine Leistung
autono
men
kantonalen Rechts, sondern ein
en
bundesrechtliche
n
An
spruch
dar
(vgl. BGE 138 I 410 E. 4.2 und 4.3).
2.2
Ob die kantonale Kompetenz auch das Verfahren umfasst, hat das Bundesge
richt offengelassen, unter Hinweis darauf, dass im Bundesgesetz vom 1
3.
Juni 2008
über die Neuordnung der Pflegefinanzierung keine explizite
Anwendbar
keitserklärung
des
Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts
(ATSG)
erfolgte, weil diese für den Gesetzgeber selbstverständ
lich war
(
BGE 138 V 377 E. 5.3
)
.
Das Bundesgericht hat indes entschieden, dass das Verfahren gemäss ATSG jedenfalls dann auf Streitigkeiten über die
Rest
finan
zierung
von Pflegeleistungen Anwendung finde, wenn der kantonale Ge
setzgeber keine oder keine abweichende Regelung getroffen hat
(
BGE 138 V 377 E. 5.6
)
.
Für eine Anwendung der
verfahrensrechtlichen Bestimmungen des ATSG sprich
t nach der Rechtsprechung
insbesondere
der Um
stand, dass gemäss der Bestim
mung
von
Art.
1
lit
. b ATSG auf
Sozialversicherungs
recht
des Bundes die ver
f
ahrensrechtlichen Bestimmungen des ATSG Anwen
dung finden sollen, und dass
das
mit dem ATSG (unter anderem) verfolgte ge
setzgeberische Ziel einer
Ver
fahrensvereinheitlichung
(
Art.
1
lit
. b ATSG) nur erreicht werden
kann
, wenn das einschlägige Verfahrensrecht möglichst um
fassend und - vorbehältlich ge
setzlich geregelter Ausnahmen - insbesondere für die Beurteilung
bundes
so
zial
versicherungs
rechtlicher
Ansprüche angewendet
wird
, und dass es
zu einem wenig wünschbaren, der Maxime der einheitlichen Anwendung des
Bundes
rechts
widersprechenden Zustand
führte
, wenn für den gleichen (bundessozial
versicherungsrechtlichen) Anspruch in gewissen Kanto
nen das ATSG als
Bun
des
recht
, in anderen das ATSG als subsidiäres kantonales Recht und wieder in anderen Kantonen das ATSG überhaupt nicht zur Anwen
dung gelangte.
Es sei daher davon auszugehen, dass
Art.
25a
Abs.
5 Satz 2 KVG mit Bezug auf das Verfahrensrecht keinen (expliziten) Vorbehalt des
Bundesge
setzgebers
zu Gun
sten des kantonalen Rechts
enthalte,
weil
der Gesetzgeber wohl selbstverständ
lich von der Anwendbarkeit des ATSG aus
gegangen sei
(BGE 140 V 58 E. 4.2)
.
2.3
In Bezug auf die im Kanton Zürich geltende Rechtslage erwog das Bundesge
richt
, dass weder das
PfleG
noch die zugehörige Ver
ordnung das Verfahren bei Streitigkeiten über die Restfinanzierung von
Pflege
kosten
regle, und dass sich den Materialen keine Hinweise darauf entnehmen liessen, dass der kantonale
Gesetzgeber eine vom ATSG abweichende
Verfah
rensordnung
beabsichtigt gehabt
hätte,
weshalb
im Kanton Zürich
auf
Streitig
keiten betreffend die
Pflege
finan
zierung
zwischen der versicherten Person und dem Kanton (beziehungsweise der
Gemeinde)
gemäss
Art.
25a Abs.
5 KVG die verfahrensrechtlichen Bestim
mung
en des ATSG
und insbesondere dessen
Rechtspflege
bestimmungen
(
Art.
56 ff.
ATSG)
zur Anwendung gelang
t
en (BGE 140 V 58 E. 5.3)
.
2.4
Nicht zuletzt
würden im Kanton Zürich
spezifische kantonalrechtliche
Prakti
kabilitäts
gründe
für die Anwendbarkeit des ATSG
sprechen
.
Da die
Zuständig
keit für die Restfinanzierung im Kanton Zürich in den kommunalen Kompe
tenz
bereich
falle
(
§
21
Abs.
1
Pfle
G
)
, und da m
angels Verfügungskompetenz ei
ner Gemeinde gegenüber einer gemeindefremden öffentlich-rechtlichen oder ei
ner
privatrechtlichen Pflegeinstitution die Anfechtung einer abgelehnten Über
nahme
ungedeckter Pflegebeiträge mittels Rekurs (
§
19
Abs.
1
lit
. a in Verbin
dung mit
§
19b
Abs.
2
lit
. c
des Verwaltungsrechtspflegegesetzes,
VRG) in die
sen Fällen
ausgeschlossen
wäre
, müsste ein Klageverfahren vor Verwaltungsge
richt als einziger Instanz angehoben werden (
§
81
lit
. a VRG).
Es sei indes nicht anzu
nehmen, dass
der
kantonale
Gesetzgeber für die Pflegefinanzierung unter
schied
liche Rechtswege
habe vorsehen wollen
, je nachdem, ob sich eine Person in
einer gemeindeeigenen öffentlich-rechtlichen Pflegeinstitution oder in einer aus
wärtigen Pflegeeinrichtung beziehungsweise in einer privat
rechtlichen In
sti
tu
tion befinde. Dies
umso weniger, als das
PfleG
in
§
9
Abs.
4 und 5 die Tra
gung der ungedeckt
en Pflegekosten detailliert reg
l
e
, während das Verfahrens
recht keinerlei Erwähnung
finde (BGE 140 V 58 E. 5.2)
.
3.
Als
Zwischenergebnis
steht daher
fest,
dass
es sich bei vorliegender Streitigkeit um eine solche
betreffend die Pflegefinanzierung gemäss
Art.
25a Abs.
5 KVG zwischen
einer
versicherten Person und
einer Gemeinde
handelt
,
weshalb
die verfahrensrechtlichen Bestimmungen des ATSG
zur Anwendung gelangen.
4.
4.1
Nach Art. 49 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forderun
gen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die be
trof
fe
ne Person nicht einverstanden ist, schriftliche Verfügungen zu erlassen. Ge
mäss Art. 49 Abs. 3 ATSG werden die Verfügungen mit einer Rechtsmittel
be
lehrung verse
hen. Sie sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen. Aus einer mangelhaften Eröffnung einer Verfügung darf der be
troffenen Person kein Nachteil erwachsen.
4.2
Gemäss 52 Abs. 1 ATSG kann gegen Verfügungen innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausge
nommen sind
prozess- und verfahrensleitende Verfügungen. Mit der Einsprache wird eine Ver
fügung - einem Rechtsmittel gleich - angefochten (BGE 125 V 121 E. 2a). Die Einsprache ist kein
devolutives
Rechtsmittel, das die
Entscheidungs
zu
stän
digkeit
an eine Rechtsmittelinstanz übergehen lässt. Vielmehr erhält die
verfü
gende Stelle die Möglichkeit, die angefochtene Verfügung nochmals zu über
prü
fen
und über die bestrittenen Punkte zu entscheiden, bevor allenfalls die Be
schwerde
in
stanz angerufen wird. Die Verwaltung nimmt in diesem Rahmen
soweit nötig - weitere Abklärungen vor und überprüft die eigenen Anordnun
gen aufgrund des vervollständigten Sachverhalts. Bei Erhebung einer Einspra
che wird das
Ver
waltungsverfahren
erst durch den
Einspracheentscheid
abge
schlossen, welcher
die ursprüngliche Verfügung ersetzt, weshalb für eine spätere richterliche Beur
teilung grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses des strittigen
Einspracheentscheids
massgebend sind (BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1).
4.3
Gegen
Einsprache
entscheide
oder Verfü
gungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann gemäss Art. 56 Abs. 1 ATSG Beschwerde erhoben wer
den. Zuständig für die Beurteilung der Beschwerde ist das
Versi
cherungs
gericht
desjenigen Kan
tons, in welchem die versicherte Per
son oder der Beschwerde führende Dritte zur Zeit der
Be
schwerdeerhebung
Wohnsitz hat (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
4.4
Nach der Rechtsprechung sind die formellen Gültigkeitserfordernisse des
Rechts
mittelverfahrens
von Amtes wegen zu prüfen. Hat die Vorinstanz überse
hen, dass es an einer Prozessvoraussetzung fehlt, und hat sie materiell dennoch ent
schieden, ist dies im Rechtsmittelverfahren von Amtes wegen zu berücksich
ti
gen
mit der Folge, dass der angefochtene Entscheid aufzuheben ist (BGE 123 V 280 E. 1, 122 V 320 E. 1 und 372 E. 1, je mit Hinweisen).
5.
5.1
Den Akten ist zu entnehmen,
dass die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 2
3.
Oktober 2012 (
Urk.
2
/2
) einen Anspruch des
Versicherten
auf Übernahme der ungedeckten Pflegekosten der Pflegeheime
G._
und
F._
ver
neinte. Ein
Einspracheentscheid
befindet sich indes nicht bei den Akten.
5.2
Bei der angefochtenen Verfügung vom 2
3.
Oktober 2012
(Urk. 2
/2
) handelt es sich vo
m Gehalt her um eine Verfügung,
worin der Anspruch des
Versicher
ten
auf Übernahme ungedeckter Pflegekosten im Sinne von
Art.
25a
Abs.
5 KVG verneint wurde. Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich daher um eine solche über erhebliche Leistungen im Sinne von
Art.
49
Abs.
1 ATSG und nicht um eine prozess- und verfahrensleitende Verfügung im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 letzter Satzteil ATSG
, gegen welche direkt Beschwerde erhoben werden könnte (
Art.
52
Abs.
1 letzter Satzteil in Verbindung mit
Art.
56
Abs.
1 ATSG).
5.3
Nach Gesagtem stellt
der Rekurs beziehungsweise die Beschwerde vom 2
6.
Novem
ber 2012
(
Urk.
2/1)
vo
m Ge
halt her eine Einsprache gegen die Verfügung vom
2
3.
Oktober 2012 (
Urk.
2
/2
)
dar
.
Gemäss Art. 52
Abs.
1 erster Satzteil
ATSG ist gegen eine Verfügung
im Sinne von
Art.
49
Abs.
1 ATSG
indes
vorerst Einsprache zu erheben, und es kann vom
Beschwer
derecht
erst nach Vorliegen eines
Einspracheentscheids
Gebrauch ge
macht werden (Urk. 56
Abs.
1
ATSG).
5.4
Mangels funktioneller Zuständigkeit kann auf die Beschwerde vom
2
6.
Novem
ber
2012 daher nicht eingetreten werden, und die Sache ist nach Eintritt der Rechts
kraft an die
Be
schwerdegegnerin
zu überweisen, damit diese die Eingabe
vom
2
6.
November
2012 als Einsprache
im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 erster Satzteil ATSG
gegen die Verfügung vom
2
6.
November
2012 prüfe und an
schliessend
mit Erlass eines
Einspracheentscheids
darüber befinde.
6.
6.1
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
6.2
Im Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht
wird Behörden oder mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen
grundsätzlich
keine
Partei
ent
schädigung
zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen
(BGE 126 V 143 E. 4a;
Urteile des Bundegerichts 8C_606/2007 vom 2
7.
August 2008 E. 11 und
8C_186/2
008 vom
4.
November 2008 E. 4.2).
De
r
Beschwerdegegnerin
, bei welcher es sich um eine
mit öffentlic
h-rechtlichen Aufgaben betraute
Organisation in ihrem amtlichen Wirkungskreis handelt,
ist
daher
keine Prozessentschädigung zuzusprechen.