Decision ID: 10991dc3-7720-4e93-b108-acde83651832
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich erstmals im November 2005 wegen
eines Impingement-Syndroms der linken Schulter zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Zuletzt war er bei B._ als Z._ tätig gewesen
(IV-act. 12). Nach Durchsicht der eingereichten Arztberichte der Behandler hielt der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) fest, der Versicherte weise eine Ruptur der
Supraspinatussehne an der linken Schulter auf. Daneben bestünden noch diverse
internistische Krankheitsbilder, so etwa eine behandlungsbedürftige hypertensive
Kardiopathie, eine leichte Niereninsuffizienz bei Verdacht auf hypertensive
Nephropathie sowie ein latenter Diabetes mellitus bei Adipositas. In der angestammten
Tätigkeit als Z._ mit der Notwendigkeit von Überkopfarbeiten sowie von Heben und
Tragen von Lasten über 10 kg sei die Arbeitsfähigkeit massiv eingeschränkt. Die
Arbeitsunfähigkeit als Z._ betrage mindestens 50 %, tendenziell sogar mehr. Von
einer mindestens 20%-igen Einschränkung könne mit Sicherheit ausgegangen werden.
In einer adaptierten Tätigkeit (ohne Überkopfarbeiten sowie ohne Heben und Tragen
von Lasten über 10 kg) könne von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
(IV-act. 14).
A.a.
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B.
C.
Nach beruflicher Abklärung und Arbeitstraining bei C._ erteilte die IV-Stelle mit
Mitteilung vom 23. Oktober 2006 Kostengutsprache für einen Anfänger-Pizzaiolo-Kurs
an der Y._ GmbH (IV-act. 43). Dem Schlussbericht vom 4. Dezember 2006 ist zu
entnehmen, dass der Versicherte den Kurs zum Pizzaiolo erfolgreich mit Diplom
abgeschlossen habe. Einen Praktikumsplatz habe er allerdings trotz Unterstützung der
Schule nicht finden können (IV-act. 47).
A.b.
Am 14. Juni 2007 unterzeichnete der Versicherte bei der D._ GmbH einen
Arbeitsvertrag als X._-mitarbeiter (IV-act. 70-2). Daraufhin teilte die IV-Stelle dem
Versicherten am 3. August 2007 mit, dass die Arbeitsvermittlung erfolgreich habe
abgeschlossen werden können. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2007 wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren um Rentenleistungen bei einem Invaliditätsgrad von 25 % ab
(IV-act. 82).
A.c.
Im August 2008 wurde der Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 83 ff.). Im Bericht vom 18. August 2008
führte Dr. med. E._, Facharzt für Rheumatologie, aus, der arbeitswillige Versicherte
habe nach fast 2-jähriger Arbeitslosigkeit eine neue Anstellung in einer X._ gefunden.
Dabei habe er eine Lohneinbusse von ca. Fr 2'500.-- monatlich hinzunehmen. Klinisch
hätten sich indes gegenüber den früheren Untersuchungen keine wesentlichen neuen
Gesichtspunkte von Relevanz ergeben (IV-act. 83).
B.a.
Nach getätigten Abklärungen schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung am
26. März 2010 ab. Sie hielt fest, in der Tätigkeit als X._-mitarbeiter könne der
Versicherte eine volle Arbeitsleistung erbringen. Eine Anpassung des Arbeitsplatzes sei
nicht möglich (IV-act. 139). Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens wurde der
Anspruch auf eine Invalidenrente mit Verfügung vom 21. Juni 2010 abgelehnt
(Vorbescheid vom 6. Mai 2010, IV-act. 145; Verfügung vom 21. Juni 2010, IV-act. 146).
B.b.
Im Dezember 2016 meldete sich der Versicherte abermals zum Leistungsbezug
bei der IV-Stelle an (IV-act. 147). Der RAD-Arzt Dr. med. F._ hielt in einer internen
Stellungnahme vom 15. Dezember 2016 fest, mit den mit der Wiederanmeldung
C.a.
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eingereichten medizinischen Unterlagen lasse sich eine Veränderung des
Gesundheitszustandes mit Relevanz und mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht
hinreichend plausibel nachvollziehen (IV-act. 154).
Mit Vorbescheid vom 9. Januar 2017 wurde die Ablehnung des
Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt (IV-act. 160). Dagegen liess der Versicherte am
26. Januar 2017 bzw. am 3. März 2017 mündlich Einwand erheben (IV-act. 161). Dazu
reichte er unter anderem eine Kurzbeurteilung von Dr. med. G._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, zuhanden der SWICA vom 20. Januar
2017 ein. Zudem informierte er, dass er die Kündigung per 30. April 2017 erhalten
habe. Von August 2016 bis Februar 2017 habe er aufgrund einer gesundheitlichen
Beeinträchtigung lediglich zu 50 % als W._-schleifer arbeiten können. Im Jahr 2013
habe er einen Rollerunfall mit Verletzungen an der Schulter und am Knie erlitten. Im
November 2013 sei eine Meniskusoperation erfolgt (IV-act. 164).
C.b.
Nach Einholung weiterer medizinischer Unterlagen führte die RAD-Ärztin Dr. med.
H._, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, in der Stellungnahme
vom 2. Juni 2017 aus, im Vergleich zur medizinischen Referenzsachlage habe sich der
Gesundheitszustand verschlechtert. Zur bekannten Schulterdiagnose sei eine Arthrose
am linken Kniegelenk und eine koronare Herzerkrankung hinzugekommen (IV-act. 172).
C.c.
Am 3. November 2017 wurde beim Versicherten eine Knieteilprothese eingesetzt
(Operationsbericht vom 3. November 2017, IV-act. 193-2 f.).
C.d.
In der von der SWICA in Auftrag gegebenen Schnelluntersuchung vom 27. März
2018 attestierte Dr. med. I._, Medbase J._, dem Versicherten eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit in seiner angestammten Tätigkeit, wobei es sich dabei bereits um
eine Art Schonarbeitsplatz gehandelt habe. Eingeschränkt sei er vor allem beim Heben
von Lasten über Hüfthöhe und bei schnellerem Gehen. Für einen optimal adaptierten
Arbeitsplatz (leichte Tätigkeiten, wechselbelastend unter Vermeidung von Arbeiten über
Hüfthöhe) könnte auch eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit postuliert werden. Dies wäre
auch mit den kardialen Einschränkungen des Versicherten vereinbar. Realistisch sei
dies jedoch nicht. Er sehe eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsparkt für eine Tätigkeit, wie er sie zuletzt ausgeübt habe (Fremdakten-act. 4).
C.e.
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Am 6. April 2018 berichtete Dr. med. K._, Orthopädie, aus orthopädischer Sicht
sei von einem sehr guten Verlauf fünf Monate nach der Implantation einer medialen
Teilprothese am linken Knie auszugehen. Er attestierte dem Versicherten in seiner
angestammten Tätigkeit als W._-mitarbeiter eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit. Dass
bei einem optimal adaptierten Arbeitsplatz eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit erreicht
werden könne, sei theoretisch (IV-act. 205).
C.f.
Mit Mitteilung vom 20. Juli 2018 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für
Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 211).
C.g.
Dr. med. L._, Radiologie M._, berichtete am 5. November 2018 von einer
anfänglichen Lumbalgie (mittlere-obere); derzeit von einem L4-Defizitsyndrom links
(Quadrizepsschwäche und Hypästhesie; IV-act. 228-17). Am 8. November 2018 wurde
eine CT-gesteuerte Infiltrationsanästhesie LWK 4/5 durchgeführt (IV-act. 228-19).
C.h.
Dr. med. N._, Allgemeinmedizin, berichtete am 18. März 2019 von keiner
wesentlichen Besserung des L4 Defizitsyndroms links nach CT-gesteuerten
Infiltrationsanästhesie vom 8. November 2018. Der Verlauf sei jedoch mässig. Der
Versicherte klage nach wie vor über LWS-Schmerzen bis zum linken Fuss (IV-act. 233).
C.i.
In der internen Stellungnahme vom 23. April 2019 führte die RAD-Ärztin Dr. H._
aus, der Gesundheitszustand habe sich im Vergleich zum Gutachten von Dr. I._ vom
27. März 2018 nicht wesentlich verändert. Es könne auf eine Arbeitsfähigkeit
angestammt und adaptiert von 50 % ausgegangen werden (IV-act. 239).
C.j.
Am 24. April 2019 wurde das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen
abgewiesen (IV-act. 242).
C.k.
In einem internen Feststellungsblatt notierte der zuständige Sachbearbeiter der IV-
Stelle, aus rechtlicher Sicht sei in Beachtung des Berichts von Dr. I._ nicht
nachvollziehbar, weshalb der RAD in einer optimal adaptierten Tätigkeit von einer 50%-
igen Arbeitsfähigkeit ausgehe, obwohl Dr. I._ eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit
attestiert habe. Unter Berücksichtigung einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit ermittelte er ein IV-Grad von 18 % (IV-act. 244). Gestützt darauf teilte die IV-
Stelle dem Versicherten am 23. September 2019 mit, dass kein Anspruch auf eine
C.l.
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Invalidenrente bestehe (Vorbescheid, IV-act. 246). Dagegen liess der Versicherte
Einwand erheben (IV-act. 252). Am 3. Dezember 2019 verfügte die IV-Stelle die
Abweisung des Rentenanspruchs des Versicherten (IV-act. 253).
Mit Beschwerde vom 20. Januar 2020 liess der Versicherte die Aufhebung der
Verfügung vom 3. Dezember 2019 beantragen. Zur Begründung liess er unter anderem
einen Arztbericht von Dr. N._ vom 17. Januar 2020 einreichen. Diesem war zu
entnehmen, dass die schlechte Lungenfunktion sowie die psychische Erkrankung, ein
reaktives depressives Leiden, nicht berücksichtigt worden seien (IV-act. 256).
C.m.
Am 4. Februar 2020 reichte Dr. med. O._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, einen psychiatrischen Bericht zuhanden der IV-Stelle ein. Darin wurde
festgehalten, dass sich der Versicherte seit dem 24. August 2018 in psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung befinde. Er leide unter einer mittelgradigen
depressiven Störung mit somatischem Syndrom (ICS-10: F33.11). Das psychische
Leiden sei bislang gegenüber einer fachgerechten Behandlung resistent geblieben. Es
habe Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 258).
C.n.
Daraufhin widerrief die IV-Stelle am 14. Februar 2020 die Verfügung vom
3. Dezember 2019 (Verfügung vom 14. Februar 2020, IV-act. 260; interne
Stellungnahme vom 14. Februar 2020, IV-act. 261) und das Versicherungsgericht
schrieb das Verfahren am 30. März 2020 ab (IV-act. 267).
C.o.
Nach Einholung weiterer Arztberichte teilte die IV-Stelle dem Versicherten am
3. August 2020 mit, zur Klärung der Leistungsansprüche erachte sie eine medizinische
Untersuchung (Allgemeine/Innere Medizin, Orthopädie und Psychiatrie) als notwendig
(IV-act. 280). Am 12. und 30. Oktober sowie am 4. November 2020 wurde der
Versicherte im Zentrum für Interdisziplinäre Medizinische Begutachtungen AG (ZIMB)
begutachtet. Die Sachverständigen erhoben folgende Diagnosen, denen sie eine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimassen: ein chronisches lumbovertebrales bzw.
lumbosakrales Schmerzsyndrom (ICD-10: M54.10), eine Belastungsbeschränkung des
rechten und linken Schultergelenks (ICD-10: M19.1), eine Belastungs- und
Bewegungseinschränkung des rechten und linken Hüftgelenks mit einer
Aussenrotationseinschränkung von 2/3 bei Coxa magna und einer Coxarthrose Grad
C.p.
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Kellgren II-III (ICD-10: M16.0), eine Belastungseinschränkung des rechten Kniegelenks
bei medial betonter Gonarthrose mit einer Chondropathie Grad Kellgren II-III (ICD-10:
M17.0), eine Belastungs- und Bewegungseinschränkung des linken Kniegelenks
(ICD-10: M17.0) sowie ein Anstrengungsdyspnoe multifaktorieller Ätiolgie. Als Leiden
ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie ein metabolisches
Syndrom, ein mittelgradiges Schlafapnoesyndrom (Erstdiagnose im Dezember 2018),
eine leichte Niereninsuffizienz (KDIGO Stadium 3a) sowie eine depressive
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.21). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als W._
bestehe aus internistischer und orthopädischer Sicht seit der am 3. November 2017
erfolgten Implantation einer medialen Schlittenprothese auf Dauer keine
Arbeitsfähigkeit mehr. Bezogen auf leidensadaptierte Tätigkeiten attestierten ihm die
Sachverständigen in der Konsensbeurteilung eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit mit
diversen qualitativen Schonkriterien (IV-act. 293-17 ff.).
Am 21. April 2021 notierte die RAD-Ärztin Dr. H._, das polydisziplinäre
Gutachten sei ausführlich, schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf abgestellt
werden könne (IV-act. 294).
C.q.
Mit Vorbescheid vom 18. Juni 2021 bzw. mit Korrektur vom 22. Juni 2021 stellte
die IV-Stelle dem Versicherten die Zusprache eine ganze IV-Rente ab 1. November
2017 und einer halben Rente ab 1. Mai bis 31. Mai 2018 in Aussicht. Die getätigten
Abklärungen hätten ergeben, dass aus versicherungsrechtlicher Sicht in einer
körperlich schweren Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. In einer adaptierten
körperlich leichten Tätigkeit habe vom 3. November bis 31. Dezember 2017 eine volle,
vom 1. bis 31. Januar 2018 eine 80%-ige Arbeitsunfähigkeit, vom 1. bis 27. Februar
2018 eine 50%-ige und vom 1. bis 31. März 2018 eine 80%-ige Arbeitsfähigkeit
bestanden. Ab dem 1. April 2018 sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Der
Versicherte habe somit ab 1. November 2017 Anspruch auf eine ganze Rente und ab
1. Mai 2018 bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 54 % Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente, welche per 31. Mai 2018 eingestellt werde (IV-act. 296 und 298).
Dagegen liess der Versicherte am 30. Juni bzw. 22. August 2021 Einwand erheben und
weitere Arztberichte einreichen (IV-act. 299 ff. und 313 f.). Unter anderem nahm
Dr. O._ am 17. August 2021 Stellung zum psychiatrischen Gutachten. Die Diagnose
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
C.r.
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D.
(ICD-10: F45.41) sei bereits im August 2018 gestellt worden. Dies sei im Gutachten
ausser Acht gelassen worden. Der psychiatrische Gutachter stelle die Diagnose einer
depressiven Anpassungsstörung, was an sich mit der Diagnose einer längeren
depressiven Reaktion auf Belastungs- und Anpassungsstörung einhergehe. Der
Gutachter habe aber nicht berücksichtigt, dass laut ICD-10 die Diagnose F43.21 die
depressive Reaktion auf eine länger anhaltende Belastungssituation zwei Jahre nicht
überschreite. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte seit dem 24. August 2018
anhaltend zu 50 % arbeitsunfähig, sowohl in angestammter als auch in adaptierter
Tätigkeit (IV-act. 316).
Die RAD-Ärztin Dr. H._ erkannte aus den eingereichten Arztberichten und der
Stellungnahme von Dr. O._ keine Gründe, die das Gutachten in Zweifel ziehen
würden (IV-act. 322). Mit Verfügung vom 8. Februar 2022 hiess die IV-Stelle das
Leistungsbegehren teilweise gut und sprach dem Versicherten ab 1. November 2017
bis 30. April 2018 eine ganze IV-Rente zu (IV-act. 332). Gleichentags verfügte die IV-
Stelle die Zusprache einer halben IV-Rente ab 1. bis 31. Mai 2018 (IV-act. 334).
C.s.
Gegen die Verfügungen vom 8. Februar 2022 erhebt der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Marco Bivetti, am 11. März 2022
(Postaufgabe) Beschwerde. Er beantragt, die angefochtenen Verfügungen seien
aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer eine angemessene Rente der
Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme
weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (inkl. MwSt.). Er bemängelt zunächst den Beginn des
Rentenanspruchs. Gestützt auf das Gutachten erblicke die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) spätestens seit dem 3. November 2017 eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 %. Über den Grad der Einschränkung der Erwerbstätigkeit vor der Operation
schweige sich das Gutachten aus. Im Rahmen des Untersuchungsverfahrens habe er
anhand von zahlreichen Arztzeugnissen aufzeigen können, dass sich sein
Gesundheitszustand seit der letzten Anmeldung verschlechtert habe. Spätestens ab
Frühjahr 2017 sei sein Gesundheitszustand sowohl von der Schulterproblematik, der
aufgetretenen Knieproblematik, aber auch von akuten Herzproblemen beherrscht
D.a.
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gewesen. Im Weiteren sei ihm gemäss der angefochtenen Verfügung lediglich bis zum
30. April 2018 eine ganze Invalidenrente zugesprochen worden. Über diesen Zeitpunkt
hinaus habe die Beschwerdegegnerin soweit nachvollziehbar nicht verfügt. Im
Vorbescheid sei ihm noch mitgeteilt worden, zumindest bis zum 31. Mai 2018
Anspruch auf eine halbe Rente zu haben. Die angefochtene Verfügung schweige sich
sodann auch darüber aus, weshalb ihm zuerst die ganze Rente auf eine halbe Rente
gekürzt werde und diese dann ganz wegfalle. Die Entwicklung der Erwerbstätigkeit
fusse auf den Feststellungen des orthopädischen Teilgutachtens. Den Ausführungen
des Gutachters lasse sich indes nicht entnehmen, weshalb sich der
Arbeitsunfähigkeitsgrad im Verlauf des 1. Halbjahres 2018 in regelmässigen Abständen
von 100 % auf 0 % reduziert habe. Das Gutachten sei damit im Kern seiner Aussagen
nicht nachvollziehbar. Aus dem orthopädischen Teilgutachten ergebe sich sodann
nicht, inwieweit die HWS-Problematik in die Beurteilung aufgenommen worden sei.
Weiter übersehe die Beschwerdegegnerin, dass die behandelnden bzw. die
begutachtenden Ärzte die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit durchaus als
kritisch erachten würden. Entgegen den entsprechenden Ausführungen habe Dr. I._
keine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 100 % attestiert. Vielmehr gehe aus
dessen Bericht hervor, dass etwas Derartiges unrealistisch sei. Auch das
psychiatrische Teilgutachten sei mangelhaft. Es weiche in seiner Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit (und der Diagnosen) insbesondere deshalb vom Bericht des
behandelnden Psychiaters ab, weil gemäss Aussage des Gutachters der Versicherte
selbst seine Schmerzen nicht in den Vordergrund gestellt habe. Dabei übersehe der
psychiatrische Gutachter, dass die Gedanken des Beschwerdeführers hauptsächlich
um die Verschlimmerung seines Asthmas kreisen würden und die damit verbundene
Angst, unter der Belastung keine Luft mehr zu bekommen. Vor diesem Hintergrund sei
rätselhaft, weshalb kein pneumologisches Teilgutachten eingeholt worden sei.
Geradezu aktenwidrig sei die Äusserung des RAD, wonach keine konsequente
Psychotherapie und keine konsequente antidepressive Therapie stattfände.
Schliesslich sei aus der angefochtenen Verfügung nicht ersichtlich, auf welches
Valideneinkommen die Beschwerdegegnerin zurückgreife. Ausgehend von seinem
Lohn als V._ bei der P._ AG und unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung sei das Valideneinkommen auf Fr. 87'439.-- festzusetzen. Es
sei sodann auch von einem wesentlich tieferen Invalideneinkommen auszugehen. Es
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sei illusorisch anzunehmen, er sei in der Lage, ein Einkommen von Fr. 73'575.-- zu
erzielen. Sollte das angerufene Gericht wider Erwarten zur Ansicht gelangen, seine
Restarbeitsfähigkeit sei verwertbar, wäre von einem entsprechenden
Vergleichseinkommen schliesslich ein maximaler Leidensabzug von 25 %
vorzunehmen (act. G1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2022
die Abweisung der Beschwerde. Sie führt im Wesentlichen aus, als Beginn des
Rentenanspruchs sei der 3. November 2017 festgelegt worden. Bis zu diesem
Zeitpunkt sei der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit arbeitsfähig gewesen.
Das Arbeitsverhältnis als W._ sei zwar per 31. Mai 2017 aufgelöst worden, weil er in
seinem angestammten Tätigkeitsbereich nur noch 50 % arbeitsfähig gewesen sei. Das
heisse aber nur, dass er zu diesem Zeitpunkt in seiner angestammten schweren
Tätigkeit als W._ arbeitsunfähig gewesen sei, nicht aber in einer leichten Tätigkeit.
Der Beschwerdeführer bemängle sodann das Gutachten. Bei diesem handle es sich
aber um eine detailliert begründete und umfassende Expertise, welche die
versicherungsmedizinischen Anforderungen erfülle. In Bezug auf die Ermittlung des
Valideneinkommens sei zu erwähnen, dass entscheidend sei, was der
Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Invaliditätsbemessung überwiegend wahrscheinlich
als Gesunder tatsächlich verdient hätte. Es sei überwiegend wahrscheinlich, dass
dieser ohne Gesundheitsschaden weiterhin als Z._ arbeiten würde. Das
Valideneinkommen müsse daher auf der Grundlage seines Einkommens als Z._
festgelegt werden. Massgebend sei damit sein zuletzt erzieltes Erwerbseinkommen bei
B._. Das Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 73'575. -- sei entsprechend korrekt
ermittelt worden. Für die Bestimmung des Invalideneinkommens sei auf die LSE
abgestellt worden. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers seien ihm mit dem
festgelegten Belastungsprofil etwa leichte Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-
und Prüfarbeiten zumutbar. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt kenne durchaus Stellen,
welche dieses Anforderungsprofil erfüllten. Zudem bestehe kein Grund für einen
leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn, zumal dieser im Kompetenzniveau 1 bereits
eine Vielzahl von leichten Tätigkeiten umfasse (act. G6).
D.b.
In der Replik vom 4. Juli 2022 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G8).
D.c.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie den
Inhalt der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G10).D.d.
Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung des rechtlichen Gehörs,
indem ihm formell nur bis 30. April 2018 eine ganze Rente zugesprochen worden sei
(act. G1 Rz. 21 f.).
1.1.
Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV, SR 101] und Art. 42
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits
stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids
dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift (BGE 116 V 182, E. 1.a; Urteil
des Bundesgerichts vom 23. Januar 2019, 8C_305/2018, E. 2). Ebenfalls aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör folgt, dass Verfügungen zu begründen sind, wenn sie
den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 ATSG). Die
Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn
gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch
die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen
können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden,
von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid
stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen
muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/dd mit Hinweis; BGE 118 V 56 E. 5b).
1.2.
Aktenkundig sind zwei Verfügungen, welche beide vom 8. Februar 2022 datieren.
Mit der einen, dem Beschwerdeführer nachweislich zugestellten Verfügung, wurde ihm
eine ganze IV-Rente für den Zeitraum vom 1. November 2017 bis 30. April 2018
zugesprochen. Mit der anderen Verfügung wurde ihm für den Monat Mai 2018 eine
halbe IV-Rente zugesprochen. Auch wenn die Beschwerdegegnerin nicht in der Lage
sein würde, den direkten Nachweis der ordnungsgemässen Zustellung dieser
1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/27
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2.
letztgenannten Verfügung zu erbringen, hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
spätestens am 8. März 2022 um die Existenz beider Verfügungen vom 8. Februar 2022
gewusst und hat über die elektronische Akteneinsicht den Inhalt und die vollständige
Begründung der Verfügungen erfahren können (vgl. Akteneinsichtsgesuch vom 7. März
2022 [IV-act. 335]; Zustellung Akten in elektronischer Form [IV-act. 336]). Es ist somit
nicht ersichtlich, inwiefern sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt sein sollte. Es
war dem Beschwerdeführer ohne Weiteres möglich, die Verfügung sachgerecht
anzufechten, zumal er bereits im Vorbescheidsverfahren über die rechtserheblichen
Standpunkte der Beschwerdegegnerin informiert worden war und dagegen
sachgerecht Einwand erhoben hatte.
Soweit der Beschwerdeführer rügt, der Verfügungsteil 2 sei bereits im Dezember
2021 ergangen, und sich damit etwas zu seinen Gunsten ableiten will (vgl. act. G3), ist
darauf hinzuweisen, dass dieses Vorgehen üblich und im Übrigen nicht zu beanstanden
ist (vgl. Art. 60 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG;
SR 831.20] bezgl. Aufgabenteilung IV-Stelle/Ausgleichskasse; BGE 134 V 97 E. 2.3 ff.).
Ein formeller Mangel kann darin jedenfalls nicht erblickt werden.
1.4.
Zu prüfen bleibt somit der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.2.1.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des IVG und der dazugehörigen
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. Die
vorliegend angefochtene Verfügung datiert vom 8. Februar 2022 hat jedoch einen noch
unter Geltung des vormaligen Rechts entstandenen Rentenanspruch zum Gegenstand.
Daher sind die Bestimmungen in der bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung
massgebend (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1; Kreisschreiben über Invalidität und Rente in
der Invalidenversicherung [KSIR], Rz. 9101).
2.2.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen,
solange die Möglichkeit zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1 und 1 nicht
ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
2.3.
bis ter
bis
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Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2021
gültigen Fassung; vgl. E. 2.2) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
2.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
gemäss Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -
ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/27
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3.
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210
E. 1.3.4; Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
Anders verhält es sich nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht
werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet
sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (vgl. statt vieler: Urteile des
Bundesgerichts vom 17. Februar 2021, 8C_783/2020, E. 5.2 und vom 15. Oktober
2020, 8C_370/2020., E. 7.2).
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob der
medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin
stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf das polydisziplinäre ZIMB-Gutachten,
welchem gemäss dem Beschwerdeführer verschiedene Mängel anhaften. Am
orthopädisch-chirurgischen Teilgutachten moniert er, es lasse sich den Ausführungen
des Gutachters nicht entnehmen, weshalb sich sein Arbeitsunfähigkeitsgrad im Verlauf
des 1. Halbjahres 2018 in regelmässigen Abständen von 100 % auf 0 % reduziert
habe. Es ergebe sich im Weiteren nicht, inwieweit die HWS-Problematik in die
Beurteilung aufgenommen und das chronische lumbovertebrale bzw. lumbosakrale
Schmerzsyndrom berücksichtigt worden sei. Überdies habe auch Dr. I._ keine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 100 % attestiert.
3.1.
Der orthopädisch-chirurgische Sachverständige hat den Beschwerdeführer
persönlich untersucht und nahm seine subjektiven Klagen auf. Er hat den
Gesundheitszustand umfassend und mit breitem Fokus abgeklärt sowie eine
sorgfältige klinische Untersuchung des gesamten Bewegungsapparates (insbesondere
der Halswirbelsäule) vorgenommen. Nach rund vierseitigen Ausführungen zur
Halswirbelsäule hielt der Sachverständige schliesslich fest, klinisch funktionell ergäben
sich keine Hinweise auf eine segmentale dysfunktionale Störung im Bereich der
Halswirbelsäule oder eine zervikale Nervenwurzelreizung (IV-act. 293-91 f.). Anlässlich
der Begutachtung gab der Beschwerdeführer im Hinblick auf die HWS-Problematik im
Übrigen an, beschwerdefrei zu sein (IV-act. 293-105). Auch das chronische
lumbovertebrale bzw. lumbosakrale Schmerzsyndrom wurde entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers berücksichtigt, zumal der Sachverständige dieses
Schmerzsyndrom als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit anerkannt hat
(IV-act. 293-103). Ein Hinweis darauf, dass der orthopädisch-chirurgische ZIMB-
Sachverständige diesbezüglich etwas vergessen/übersehen hätte, ist nicht ersichtlich
3.1.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/27
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und wird vom Beschwerdeführer im Übrigen auch nicht substantiiert vorgebracht. Ein
Mangel ist somit nicht zu erkennen.
Im Einwandverfahren reichte der Beschwerdeführer sodann einen Arztbericht von
Dr. N._ ein. Dabei führte der Hausarzt des Beschwerdeführers aus, er sei mit dem
Gutachten in keiner Weise einverstanden. Die orthopädische Beurteilung erachte er als
falsch, da dem Beschwerdeführer eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit in sitzender Stellung
attestiert werde. Die beigelegten Berichte des KSSG (Diagnose: Persistierende
Schmerzen bei lumbalen Diskushernien links L3/4, L4/5, L5/S1) und der Radiologie
M._ (Klinische Angaben: Lumboradikuläres Schmerzsyndrom links und
Fragestellung: DD Discushernie links) würden dieser Beurteilung widersprechen. Mit
den aktuellen Beschwerden könne er keine ganztags sitzende Tätigkeit ausführen (IV-
act. 315-1). Dabei gilt es anzumerken, dass ein den Beweisanforderungen
grundsätzlich genügendes medizinisches Gutachten nicht stets in Frage gestellt
werden und Anlass zu weiteren Abklärungen bieten kann, wenn und sobald die
behandelnden medizinischen Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen
Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen
festhalten. Anders verhält es sich nur, wenn – was vorliegend nicht zutrifft – objektiv
feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu
führen (vgl. vorstehend E. 2.5). Dr. L._ diagnostizierte bereits am 5. November 2018
eine mässig bis mittelgradige lumbale Spondylarthrose L4-S1 beidseits sowie eine
mehrsegmenträre Chondrose und eine stellenweise fortgeschnittene, partiell
überbrückende Spondylosis deformans TH10-L5 und eine fortgeschnittene
Osteochondrose mit Höhenminderung des Intervertebralraums L5/S1, ebenfalls
begleitet von einer leichten ventralen Spondylose (IV-act. 228-18). Am 8. November
2018 wurde eine CT-gesteuerte Infiltrationsanästhesie durchgeführt (IV-act. 228-19).
Die entsprechenden Berichte waren dem Sachverständigen bekannt (vgl. IV-act.
293-47). Dieser untersuchte den gesamten Bewegungsapparat des Beschwerdeführers
auch mit Blick auf die geschilderte Problematik und gelangte zum Schluss, dass eine
überwiegend sitzende Tätigkeit dem Beschwerdeführer zugemutet werden könne.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers erwähnte der Gutachter in seiner
Beurteilung nicht, dass er ausschliesslich eine sitzende Tätigkeit ausführen könne,
vielmehr empfahl er eine wechselbelastende Tätigkeit (vgl. IV-act. 293-116). Dass der
Gutachter angesichts der erhobenen Befunde und Diagnosen von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit und von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit
in leidensadaptierter Tätigkeit ausging, ist nachvollziehbar und vermag zu überzeugen.
3.1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/27
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Nicht gefolgt werden kann dem Beschwerdeführer mit seiner Rüge am
orthopädisch-chirurgischen Teilgutachten, wonach nicht nachvollziehbar sei, weshalb
sich die Arbeitsfähigkeit im Verlauf des 1. Halbjahres 2018 in regelmässigen Abständen
verbessert habe. Am 3. November 2017 wurde beim Beschwerdeführer eine
Knieteilprothese eingesetzt. Dass sich die Arbeitsfähigkeit nach einer solchen
Operation etappenweise verbessert, leuchtet ein und deckt sich im Übrigen mit den
Arztberichten von Dr. K._, gemäss welchen sich ein regelrechter Heilungsverlauf
gezeigt habe (vgl. etwa IV-act. 202 und 205).
3.1.3.
Unzutreffend ist schliesslich die Auffassung des Beschwerdeführers, Dr. I._ sei
von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen. In seinem Bericht vom
22. März 2018 führte Dr. I._ aus, für einen optimal adaptierten Arbeitsplatz (leichte
Tätigkeiten, wechselbelastend unter Vermeidung von Arbeiten über Hüfthöhe) könnte
auch eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit postuliert werden. Dies wäre auch mit den
kardialen Einschränkungen des Versicherten vereinbar (Fremdenakten-act. 4). Dass Dr.
I._ schliesslich die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt als nicht realistisch erachtete, ist für die Frage der massgeblichen
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit nicht von Bedeutung und hat vorliegend
unberücksichtigt zu bleiben.
3.1.4.
Gegen das psychiatrische ZIMB-Teilgutachten wendet der Beschwerdeführer ein,
es sei nicht nachvollziehbar, auf welcher Grundlage der Sachverständige zum Schluss
habe kommen können, der Beschwerdeführer würde seine Schmerzen bzw.
Beschwerden nicht in den Vordergrund stellen. Überdies werde im Gutachten der
Aspekt unberücksichtigt gelassen, dass nach ICD-10 die depressive Reaktion einer
länger anhaltenden Belastungssituation zwei Jahren nicht überschreite. Bei annähernd
vier Jahren sei von einer depressiven Episode auszugehen. Dabei beruft er sich auf die
Stellungnahme von Dr. O._ vom 17. August 2021 (IV-act. 316).
3.2.
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Die
(psychiatrische) Diagnose ist für die Belange der Invalidenversicherung grundsätzlich
nicht ausschlaggebend (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 23. April 2019,
9C_184/2019, E. 4.2 und vom 27. September 2017, 8C_820/2016, E. 5.4 m.w.H.). Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; vgl. schon BGE 102 V 165). Sämtliche
psychischen Erkrankungen sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten
3.2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/27
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Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.). Die
funktionellen Folgen der Gesundheitsschädigung sind danach qualitativ zu erfassen
und quantitativ einzuschätzen. Für die Beurteilung des funktionellen
Leistungsvermögens sind in der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich, die in
zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich einerseits in der Kategorie des
funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz.
Dr. O._ notierte am 19. Mai 2020 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit: eine Verschlechterung des psychopathologischen Zustands mit
Übergang von einer längeren depressiven Reaktion auf eine Belastungs- und
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.21) in eine depressive Episode mittelgradig bis
schwerer Ausprägung (ICD-10: F32.1/F32.2) und eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41). Er schilderte, der
Beschwerdeführer sei bewusstseinsklar, allseits orientiert, abgearbeitet und zum Teil
vernachlässigt aussehend. Es falle ihm jeweils schwer, zur psychiatrischen
Konsultation zu kommen. Das formale Denken sei auf depressive und somatische
Beschwerden eingeengt. Er lasse sich kaum davon ablenken. Die
Konzentrationsfähigkeit und die Merkfähigkeit seien erheblich beeinträchtigt.
Mittelgradig beeinträchtigt sei das Gedächtnis und zum Teil die Auffassung. Das
inhaltliche Denken sei frei von Wahn oder Halluzinationen, jedoch geprägt von diffusen
Ängsten. Im Affekt sei er niedergeschlagen, klagsam-jämmerlich, die
Modulationsfähigkeit sei stark eingeschränkt. Er wirke hoffnungslos, verzweifelt,
innerlich gequält. Der affektive Rapport sei mässig aufnehmbar. Mimik und Gestik seien
verarmt. Der Antrieb sei herabgesetzt. Beim Gefühl von Lebensüberdruss würden
immer wieder Selbstmordgedanken auftreten (IV-act. 274-4).
3.2.2.
In seinem Teilgutachten vom 30. Oktober 2020 verzeichnete Dr. med. Q._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, einen bewusstseinsklaren und wachen
sowie zu allen Qualitäten voll orientierten Beschwerdeführer. Im formalen
Gedankengang sei er geordnet ohne Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen,
Wahnwahrnehmungen oder Halluzinationen. Der Beschwerdeführer habe während der
gesamten Untersuchung psychomotorisch adäquat gewirkt und es seien keine
Hinweise auf eine Unruhe, auch im Sinne einer psychischen Äquivalenz erkennbar
gewesen. Der Affekt sei während der Untersuchung euthym gewesen. Er sei insgesamt
besorgt, teilweise aufgrund seiner finanziellen Lage und den Konflikten mit seiner
Ehefrau verzweifelt. Es bestehe ein relativer sozialer Rückzug, sein Selbstvertrauen und
sein Selbstwertgefühl seien vermindert. Der Sachverständige stellte in der Folge die
Diagnose einer depressiven Anpassungsstörung (ICD-10: F43.21), welche keine
3.2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/27
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Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. In den Unterlagen gebe es einen Befund des
behandelnden Psychiaters Dr. O._, den es zu würdigen gelte. Im Gegensatz zu dem
dort erhobenen psychopathologischen Befund sei der Beschwerdeführer hier
gedanklich nicht eingeengt, auch nicht auf depressive Beschwerden konzentriert
gewesen. Konzentrationsschwierigkeiten und Merkfähigkeit seien während der
Untersuchung völlig unauffällig gewesen, der Affekt sei besorgt, aber nicht
niedergeschlagen. Er sei klagsam, die Modulationsschwierigkeit sei jedoch nicht
reduziert. Es habe während der Untersuchung keinen Hinweis auf einen reduzierten
Antrieb bestanden. Diagnostisch bestehe eine Übereinstimmung mit der zunächst
gestellten Diagnose einer Anpassungsstörung bzw. einer längeren depressiven
Reaktion. Schwer falle jedoch die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren nachzuvollziehen, vor allem weil der
Beschwerdeführer selbst seine Schmerzen nicht in den Vordergrund gestellt habe.
Auch die gegebene antidepressive Medikation mit 50 mg Trittico entspreche nicht der
Behandlung einer mittelschweren Depression, sondern, wenn überhaupt, einer eher
leichten depressiven Symptomatik. Der Beschwerdeführer besitze ausreichend
Ressourcen im sozial-kommunikativen Bereich und auch im Bereich der körperlichen
Leistungsfähigkeit. Seine Funktionsfähigkeiten seien aus psychiatrischer Sicht
qualitativ leicht eingeschränkt im Sinne des ICF-APP, im Bereich der Flexibilität, der
Umstellungsfähigkeit und auch der Stresstoleranz. Aus psychiatrischer Sicht liessen
sich quantitativ keine Einschränkungen identifizieren (IV-act. 293-134).
Wie bereits das internistische und das orthopädische Teilgutachten erfüllt auch
das psychiatrische Fachgutachten zweifelsohne die rechtsprechungsgemäss
erforderlichen Kriterien an ein beweiskräftiges verwaltungsexternes Gutachten. Zwar ist
mit dem Beschwerdeführer festzuhalten, dass eine Anpassungsstörung mit einer
längeren depressiven Reaktion (ICD: F43.21) einen leichten depressiven Zustand als
Reaktion auf eine länger anhaltende Belastungssituation darstellt, der aber nicht länger
als zwei Jahre dauert (Horst Dilling/Werner Mombour/Martin H. Schmidt (Hrsg.),
Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-
diagnostische Leitlinie, 10. Auflage, Bern 2015). Die Ausführungen von Dr. O._ stehen
jedoch – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – nicht in dem Masse diametral
zur Einschätzung des Gutachters, als dass sie geeignet wären, konkrete Zweifel an der
Validität des Gutachtens zu wecken, zumal die Diagnose an sich nicht
ausschlaggebend ist (vgl. hierzu vorstehend E. 3.2.1). Dies bestätigte Dr. O._ in der
Stellungnahme vom 17. August 2021 schliesslich selber, indem er ausführte, der
psychiatrische Gutachter stelle die Diagnose einer depressiven Anpassungsstörung,
3.2.4.
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was an sich mit der Diagnose einer längeren depressiven Reaktion auf eine
Belastungs- und Anpassungsstörung einhergehe (IV-act. 316-2). Das psychiatrische
Fachgutachten beruht sodann ebenfalls auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt
– entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – sämtliche geklagten Beschwerden
und ist verglichen mit den Einschätzungen seines behandelnden Arztes insbesondere
in Kenntnis der gesamten medizinischen Aktenlage abgegeben worden. Es äussert sich
zudem detailliert zu den dem Beschwerdeführer noch verbleibenden Ressourcen und
kommt namentlich auf der Basis einer umfassenden und evidenzbasierten Analyse
auch psychosozialer Belastungsfaktoren zum Schluss, dass zwar seine
Funktionsfähigkeiten leicht eingeschränkt sind, dies sich aber nicht auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkt. Diese Schlussfolgerung ist nachvollziehbar und nicht zu
beanstanden. Im Übrigen ist bei der Würdigung des Beweiswerts der Berichte
behandelnder Ärzte der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde
Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten
ihrer Patienten auszusagen pflegen und zudem dazu neigen, die pessimistischen
Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu akzeptieren (vgl.
etwa BGE 125 V 351 E. 3b.cc).
Abschliessend ist zu erwähnen, dass die Kritik von Dr. O._ am psychiatrischen
Teilgutachten, wonach die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) aktenwidrig ausser Acht
gelassen worden sei, nicht vollends nachvollziehbar erscheint. Eine Schmerzstörung
nach ICD-10: F45.4 charakterisiert sich dadurch, dass der andauernde, schwere und
quälende Schmerz durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung
nicht vollständig erklärt werden kann (vgl. Horst Dilling/Werner Mombour/Martin H.
Schmidt (Hrsg.), a.a.O., S. 233). Die körperlichen Beschwerden des Beschwerdeführers
sind jedoch aktenkundig und vollständig physiologisch erklärbar.
3.2.5.
Der Beschwerdeführer moniert schliesslich, es sei unverständlich, weshalb er nicht
auch pneumologisch begutachtet worden sei, zumal seine Gedanken hauptsächlich um
die Verschlimmerung seines Asthmas gekreist hätten (vgl. act. G1). Am 3. Januar 2019
wurde beim Beschwerdeführer erstmals ein Asthma bronchiale diagnostiziert (IV-
act. 225). Bereits Ende Januar zeigte sich eine erste Besserung nach einer
Inhalationsbehandlung (IV-act. 228-11 ff.). Am 4. April 2019 berichtete das Zentrum für
Schlafmedizin des KSSG, beim Beschwerdeführer bestehe ein Asthma bronchiale,
welches eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Die Frage, welche
Funktionseinschränkungen bestünden, konnten die behandelnden Ärzte nicht
beantworten (IV-act. 235). Im Arztbericht vom 5. Dezember 2019 hielten sie eine
3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/27
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4.
altersentsprechend eingeschränkte Leistungsfähigkeit bezüglich der geleisteten Arbeit,
als auch bezüglich der maximalen Sauerstoffaufnahme fest. Spiroergometrisch
bestünde neben einem Trainingsmangel, einem hypertensiven Kreislaufverhalten sowie
einer allergisch exogenen kardialen Limitierung (Herzfrequenz noch erhalten unter
Betablockade) auch elektrische Hinweise auf eine Ischämie. Die Symptomatik des
Beschwerdeführers sei etwas schwer fassbar, eine kardiale Genese, wie 2017 von Dr.
R._ postuliert, sei aber möglich. Trotzdem bestünde ein Ansprechen auf die
inhalative Therapie. Als wichtigste Massnahme sowohl pulmonal als auch kardial sei
der unbedingte Tabakrauchstopp (IV-act. 278-5 ff.). Die Gutachter, insbesondere der
Internist, erachteten auch nach umfassender Untersuchung der Atmungsorgane (vgl.
IV-act. 293-63) ein pneumologisches Teilgutachten nicht als notwendig, andernfalls
dieses vorgeschlagen worden wäre. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass der
Beschwerdeführer nicht noch von einem Pneumologen untersucht worden ist, zumal
die Pneumologie ein Teilgebiet der Inneren Medizin ist und der internistische
Teilgutachter und Facharzt für Innere Medizin eine detaillierte Untersuchung
(insbesondere der Atmungsorgane [IV-act. 293-63 und 293-74 f.]) vorgenommen hat.
Anzeichen dafür, dass sich die Beschwerden des Beschwerdeführers seit den
vorgenannten Arztberichten weiter verschlechtert hätten, bestanden nicht (vgl. etwa IV-
act. 293-57).
Nach dem Gesagten ist auf das polydisziplinäre ZIMB-Gutachten, insbesondere
auf die Schätzung der Arbeitsfähigkeit abzustellen. Somit ist der Beschwerdeführer in
seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig und in einer adaptierten
Tätigkeit als zu 100 % arbeitsfähig zu betrachten.
3.3.1.
Zu prüfen bleibt die Rechtsfrage, ob der Beschwerdeführer seine medizinisch-
theoretische Restarbeitsfähigkeit von 100 % auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
überhaupt noch verwerten kann.
4.1.
Bei der Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit handelt es sich um eine
rechtliche Frage, welche von den medizinischen Sachverständigen nicht alleine
beantwortet werden kann. Referenzpunkt für die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit
ist der hypothetisch ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der
Rechtsprechung handelt es sich dabei um einen theoretischen und abstrakten Begriff,
welcher die konkrete Arbeitsmarktfrage nicht berücksichtigt (BGE 134 V 64 E. 4.2.1),
und dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von demjenigen der
Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits ein
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/27
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bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach
Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen
Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar sowohl bezüglich der dafür
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob
die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten,
und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE
110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b). Daraus folgt, dass für die
Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide Person unter den
konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob
sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI-
Praxis 6/1998 S. 291). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen
Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer
Arbeitsgelegenheit kann dann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare
Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher von vornherein ausgeschlossen erscheint (siehe
zum Ganzen: Urteile des Bundesgerichts vom 30. Januar 2019, 8C_710/2018, E. 7.1
und vom 25. September 2018, 8C_290/2018, E. 5.4, je mit Hinweisen).
Die Rechtsprechung anerkennt, dass das (vorgerückte) Alter zusammen mit
weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer
versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird. Massgebend sind die
Umstände des konkreten Falles, etwa die Art und Beschaffenheit des
Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und
Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur,
vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder
Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich. Massgeblicher
Stichtag für die Beantwortung der Frage nach der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter ist der Zeitpunkt, in welchem die
medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit feststeht. Dies ist der Fall,
sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige
Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 143 V 431 E. 4.5.1; 138 V 457 E. 3.3).
4.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/27
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Das Verlaufsgutachten wurde am 16. April 2021 erstattet. Die letzte für das
Gutachten massgebende Untersuchung fand jedoch bereits am 4. November 2020
statt. Weiterführende Abklärungen mussten keine getätigt werden. Als massgebender
Zeitpunkt für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit ist somit der 4. November 2020
(Untersuchungsbefunde von Dr. S._) anzunehmen. In diesem Zeitpunkt war der
Beschwerdeführer knapp 62 Jahre alt. Im polydisziplinären Gutachten gingen die
Sachverständigen in Bezug auf die Restarbeitsfähigkeit davon aus, dass dem
Beschwerdeführer sehr leichte bis leichte wechselbelastende, überwiegend sitzende
Tätigkeiten zu 100 % zumutbar seien (IV-act. 292 ff.). Aus orthopädischer Sicht
bestehe eine limitierte Arbeitsfähigkeit für überwiegend im Stehen und Gehen
ausgeübte Tätigkeiten sowie für Tätigkeiten, die in kniender Körperposition oder im
Hocksitz durchzuführen seien. Tätigkeit mit einem beidhändigen, körperfernen Heben
von mehr als 5 kg bis Brustniveau und einem beidhändigen, körpernahen Heben von
mehr als 8 kg bis Brustniveau seien zu vermeiden. Auch das mehr als gelegentliche
Treppensteigen sowie Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten oder schrägen Ebenen
sowie Tätigkeiten mit einer Gehdauer von mehr als 20 Minuten ohne Pause seien nicht
zumutbar. Im Hinblick auf die Beschwerdesymptomatik im Bereich der Schultergelenke
seien jedwede Tätigkeiten über Schulterniveau zu meiden, auch mit einer Limitierung
hinsichtlich repetitiver, kraftvoller Drehbewegungen der beiden Arme. Dabei fielen
Tätigkeiten, welche ein mehr als gelegentliches, kraftvolles Stossen, Zug- und
Drehbewegungen, axiales Abstützen, Schläge sowie repetitives, kräftiges Zupacken
verlangten, ausser Betracht. Dies würden auch repetitive Drehbewegungen der
Schultergelenke unter gleichzeitigem Anheben von Gegenständen über 1 kg
(Kassentätigkeit an einem Förderband) ausschliessen. Überdies seien Tätigkeiten im
Freien ohne Schutz vor Kälte, Zugluft, Nässe sowie Tätigkeiten auf regen- und
eisglatten Untergrund sowie Tätigkeiten unter Zeitdruck und Akkordarbeiten zu
vermeiden (IV-act. 293-115 f.). Aus allgemein-internistischer Sicht sei überdies darauf
zu achten, dass keine Tätigkeit mit Staub-, Dampf-, oder Rauchexposition oder
Expositionen mit inhalativen Allergenen ausgeführt würden (IV-act. 293-77). Aus
psychiatrischer Sicht sei eine Tätigkeit ohne Nachtschicht, ohne hohen Zeitdruck und
ohne hohes Stressniveau empfohlen (IV-act. 293-134).
4.4.
Das Bundesgericht verneinte unter anderem die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit einer 62 1/2-jährigen Beschwerdeführerin ohne erlernten Beruf, die
zuletzt während 7 Jahren als Montagemitarbeiterin tätig war und diese Arbeit nicht
mehr ausüben konnte. Ihr waren körperlich leichte bis teilweise mittelschwere
wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zeitdruck und Hektik vollumfänglich zumutbar
(Urteil des Bundesgerichts vom 14. Oktober 2016, 9C_416/2016, E. 3 und 5.1). Gleich
4.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/27
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entschied es in Bezug auf eine ebenfalls 62 1/2-jährige Beschwerdeführerin, die
während rund 20 Jahren ein eigenes Reinigungsinstitut geführt hatte und der sämtliche
bisher ausgeübten Tätigkeiten nicht mehr zumutbar waren (Urteil des Bundesgerichts
vom 7. Oktober 2019, 9C_642/2018, E. 3.6 f.). Ebenfalls verneinte es die Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit eines 61-jährigen ehemaligen Kunststoffbeschichters, der
aufgrund einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit nur noch vor allem
feinmotorische Tätigkeiten hätte ausführen können, in denen er nie Vorkenntnisse
erwerben konnte (Urteil des Eidgenössichen Versicherungsgerichts [EVG] vom
23. Oktober 2003, I 392/02, E. 3.2 f.). Hingegen bejahte es die Verwertbarkeit bei einem
im massgeblichen Zeitpunkt 63 1/2-jährigen Beschwerdeführer, der in angepassten
Tätigkeiten – Gewichtslimite von 10 kg und eher sitzend – zu 100 % arbeitsfähig war.
Im Unterschied zum vorliegenden verfügte der Beschwerdeführer in jenem Fall über
Deutschkenntnisse und war ausgebildeter Servicetechniker mit Berufserfahrung auch
als Hauswart. Das Bundesgericht erwog, dass ihm angesichts des erworbenen
Handelsdiploms nebst Sortier- und Überwachungsaufgaben auch einfache
Bürotätigkeiten offen stünden (Urteil vom 30. Dezember 2015, 9C_847/2015, E. 4.2 f.).
Zur selben Erkenntnis kam es im Fall eines 61-jährigen Beschwerdeführers, der – im
Unterschied zum hier zu beurteilenden Fall – für feinmotorische Tätigkeiten geeignet
war (Urteil des Bundesgerichts vom 19. August 2015, 8C_330/2015, E. 3.2).
Dem Beschwerdeführer verbleiben mit seinen beinahe 62 Jahren lediglich noch gut
drei Jahre bis zur ordentlichen Pensionierung. Zudem ist das beschriebene
medizinische Zumutbarkeitsprofil nicht nur hinsichtlich der in Frage kommenden
Tätigkeiten (sehr leichte bis leichte wechselbelastende Tätigkeit, ohne Heben von
schweren Lasten [5 bzw. 8 kg], ohne Heben über Brustniveau, etc.), sondern auch in
Bezug auf die zu beachtenden Rahmenbedingungen (u.a. kein Zeitdruck, keine
Akkordarbeiten, ein stressfreies Klima, keine Nachtschicht, keine Staub-, Dampf-, oder
Rauchexpositionen) sehr einschränkend (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juni
2022, 9C_21/2022, E. 3.2.3). Zwar bietet der ausgeglichene Arbeitsmarkt durchaus
auch Nischenarbeitsplätze an, bei welchen beeinträchtigte Personen mit einem
sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Erschwerend
kommt jedoch vorliegend hinzu, dass der Beschwerdeführer zwar über eine vor vielen
Jahren in Italien absolvierte Berufsausbildung als Radiotechniker verfügt (vgl. IV-
act. 19), er aber gemäss Schlussbericht der C._ über kaum mechanisches
Grundwissen verfügt und ihm feinmotorische Arbeiten grosse Mühe bereiten (vgl. IV-
act. 29-2) und entsprechend für ihn nicht geeignet sind. Da ihm nur noch sehr leichte
bis leichte Tätigkeiten zugemutet werden können, kann er seine bisher gewonnene
Berufserfahrung als Z._ und W._-schleifer in keiner Weise mehr nutzen. Trotz der
4.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 24/27
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5.
medizinisch-theoretisch hohen Arbeitsfähigkeit wäre der zu erbringende Umstellungs-
und Einarbeitungsaufwand somit auch in einer Hilfsarbeitertätigkeit beträchtlich.
Die Beschwerdegegnerin geht zwar davon aus, dass der Beschwerdeführer
leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier- und Prüfarbeiten ausführen könne
(act. G6). Dabei übersieht sie, dass die beispielhaft aufgezählten Tätigkeiten gestützt
auf das besagte medizinische Profil dem Beschwerdeführer nicht zumutbar sind: So
wird er als Hilfsarbeiter in Produktionsbetrieben entweder in einer staub-, dampf- oder
rauchbelasteten Umgebung und/oder unter Zeitdruck oder im Akkord arbeiten müssen.
Auch repetitive Drehbewegungen liessen sich nicht vermeiden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 3.3.2). Hinzu kommt, dass
für diese Tätigkeiten oftmals feinmotorische Fähigkeiten notwendig sind, für die der
Beschwerdeführer jedoch aktenkundig nicht mehr geeignet ist (vgl. HPV Schlussbericht
[act. 29-2]).
4.7.
Aus der Gesamtwürdigung der für die Zumutbarkeitsfrage vorliegend
massgebenden objektiven und subjektiven Umstände resultiert, dass die dem
Beschwerdeführer verbliebene Einsatzfähigkeit mit einer Vielzahl von Einschränkungen
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit Blick auf sein fortgeschrittenes Alter nicht
mehr nachgefragt worden wäre. Deren Verwertung war ihm somit auch gestützt auf
seine Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zuzumuten (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 10. Mai 2013, 9C_954/2012, E. 3.2). Da es nach dem Gesagten an einer
wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt fehlt, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, weshalb ein Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente besteht.
4.8.
Betreffend Rentenbeginn ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer am
13. Dezember 2016 (erneut) zum Leistungsbezug angemeldet hat. Nachdem eine
relevante Arbeitsunfähigkeit frühestens ab 3. August 2016 (vgl. Fremdenakten-act. 1-6)
bestanden hat, würde der Rentenbeginn in Beachtung von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
(Wartejahr) und Art. 29 Abs. 1 IVG (Karenzfrist) frühestens auf August 2017 fallen,
zumal zwischen August 2016 und August 2017 eine mind. 50%-ige Arbeitsunfähigkeit
in der früheren Tätigkeit ausgewiesen ist.
5.1.
Soweit sich der Beschwerdeführer bezüglich Rentenbeginn auf Art. 88a i.V.m.
Art. 29 IVV beruft, ist anzumerken, dass es sich beim chronischen lumbovertebralen
Schmerzsyndrom, bei den Belastungs- und Bewegungseinschränkungen der
Hüftgelenke, der Belastungseinschränkungen der Kniegelenke sowie bei der
5.2. bis
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Anstrengungsdyspnoe multifaktorieller Äthologie um neue Beschwerden handelt.
Überdies liegt die letzte Anmeldung zum Leistungsbezug über acht Jahre zurück.
Art. 88a i.V.m. Art. 29 IVV ist somit nicht anwendbar. Es bleibt die Arbeitsfähigkeit ab
August 2017 zu prüfen.
bis
Die Gutachter kamen in einer retrospektiven Arbeitsfähigkeitsschätzung zum
Schluss, der Beschwerdeführer sei in seiner angestammten Tätigkeit als W._ sowie
einer als vergleichbar einzustufenden körperlich schweren Tätigkeit mit Belastung der
Lendenwirbelsäule sowie der Schulter-, Knie- und Hüftgelenke spätestens seit der am
3. November 2017 erfolgten Implantation einer medialen Schlittenprothese auf Dauer
nicht mehr arbeitsfähig (IV-act. 293-19). In der Kurzbeurteilung zuhanden der SWICA
vom 20. Januar 2017 attestierte Dr. G._ dem Beschwerdeführer eine 50%-ige
Arbeitsfähigkeit in der angestammten und eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in
leidensangepassten Tätigkeiten (IV-act. 165). Bis Mitte März 2017 war der
Beschwerdeführer noch bei der V._ AG als Anlagebediener tätig (IV-act. 176).
Dr. K._ berichtete am 16. August 2017 von einer deutlichen Beschwerdebesserung
und führte aus, es sei unklar, ob die Schuheinlagen dafür verantwortlich seien.
Jedenfalls habe der Leidensdruck erheblich abgenommen (IV-act. 184). Am
24. Oktober 2017 notierte Dr. K._, die Knieteilprothese werde am 3. November 2017
auf Wunsch des Beschwerdeführers implantiert (IV-act. 191). Gestützt auf die
aktenkundigen Arztberichte ist somit nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der
Beschwerdeführer vor dem 3. November 2017 in einer adaptierten Tätigkeit
arbeitsunfähig war.
5.3.
Nicht zu beanstanden ist im Weiteren die retrospektive Beurteilung der Gutachter
ab dem 3. November 2017. So ist nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer seine
Arbeitsfähigkeit nach der Implantation der Knieteilprothese etappenweise wieder
steigern konnte (vgl. E. 3.1.3). Dr. I._ ging in seinem Bericht vom 27. März 2018
zuhanden der SWICA ebenfalls von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit in angestammter
und von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit aus (Fremdenakten-
act. 4). Vom 1. Mai bis 20. Juli 2018 konnte der Beschwerdeführer sodann an einem
Einsatzprogramm teilnehmen. Dabei konnte die Arbeitsleistung von anfänglich 70 %
auf 90 % gesteigert werden, wobei sich der Beschwerdeführer (subjektiv) nicht mehr
als 50 % zugetraut habe (IV-act. 213). Erst am 24. August 2018 stellte der Behandler
beim Beschwerdeführer die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11). Das L4-Defizitsyndrom wurde schliesslich am
5. November 2018 (IV-act. 228-17 f.) und ein Asthma bronchiale am 3. Januar 2019 (IV-
act. 225) diagnostiziert. Da das Spektrum möglicher Tätigkeiten damit nach
5.4.
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6.
Durchführung des Einsatzprogramms noch enger geworden ist, war unter
Berücksichtigung der noch verbleibenden Ressourcen und des Alters des
Beschwerdeführers die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit erst im Zeitpunkt der
Begutachtung nicht mehr gegeben. Ein Mangel an der retrospektiven medizinisch-
theoretischen Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter kann somit nicht erblickt
werden.
Nach dem Dargelegten steht fest, dass die befristete IV-Rente vom 1. November
2017 bis 31. Mai 2018 (anfänglich volle IV-Rente, ab 1. bis 31. Mai 2018 halbe IV-
Rente) gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten korrekt ist. Da wie unter E. 4
dargelegt, die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund des vorgerückten
Alters ab 4. November 2020 (massgebender Zeitpunkt für die Beurteilung der
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit) nicht mehr verwertbar war, liegt seit diesem
Zeitpunkt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor (vgl. Urteil des Bundesgerichts 10.
Mai 2013, 9C_954/2012, E. 4.2). In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die
angefochtene Verfügung vom 8. Februar 2022 betreffend Einstellung der IV-Rente bzw.
Abweisung des Leistungsgesuchs ab 1. Juni 2018 insoweit aufzuheben, als dass dem
Beschwerdeführer ab dem 1. November 2020 eine ganze (unbefristete) Invalidenrente
zuzusprechen ist. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der Leistung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.5.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Gemessen
an den gestellten Anträgen hat der Beschwerdeführer nur teilweise obsiegt. Ihm sind
daher ermessensweise die Hälfte der Kosten, d.h. Fr. 300.--, aufzuerlegen. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm im Umfang von Fr. 300.-- daran
anzurechnen und im Umfang von Fr. 300.-- zurückzuerstatten. Den Restbetrag von
Fr. 300.-- hat die Beschwerdegegnerin zu bezahlen.
6.1.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
6.2.
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