Decision ID: 3f6e8d7c-3e9d-55ee-a42b-9cfe019625d2
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war bei der B._ GmbH tätig und dadurch bei der Allianz Suisse
Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Allianz) obligatorisch gegen die Folgen
von Unfällen versichert, als ihm am 10. Dezember 2018 beim Tragen eines
Konservenkartons plötzlich das rechte Bein auf die Seite wegrutschte und er stürzte
(UV-act. 1, 6). Der gleichentags erstbehandelnde Dr. med. C._, Innere Medizin FMH,
diagnostizierte eine Muskelverletzung im Bereich der Adduktoren-Gruppe am
Oberschenkel rechts. Er verordnete dem Versicherten ein nicht steroidales
Antiphlogistikum (NSAR), empfahl eine Ruhigstellung und attestierte ihm vom 10. bis
19. Dezember 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, vom 21. Dezember 2018 bis
12. Februar 2019 eine solche von 90 % und vom 13. Februar bis 10. März 2019 eine
solche von 80 % (UV-act. 8 f., 14). Die Allianz kam für die Folgen des Unfalls auf (vgl.
UV-act. 11 f.).
A.a.
Dr. C._ berichtete am 24. April 2019 über einen regulären, wenn auch etwas
protrahierten Heilungsverlauf. Der Versicherte werde mit NSAR und Physiotherapie
behandelt. Seit 11. März 2019 sei er zu 50 % arbeitsfähig. Die Prognose sei günstig,
die Behandlung dauere wahrscheinlich noch bis Ende April 2019 (UV-act. 20, vgl. UV-
act. 19).
A.b.
Am 9. Mai 2019 teilte die Allianz Dr. C._ mit, aus Sicht ihres beratenden Arztes,
Dr. med. D._, Spezialarzt für Allgemein- und Unfallchirurgie FMH, sei eine
A.c.
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B.
Arbeitsunfähigkeit aus chirurgischer Sicht nicht nachvollziehbar. Ein genauer Befund
sei den Arztberichten nicht zu entnehmen. Dr. D._ bitte um eine erneute, plausible
Erklärung der Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 23).
Dr. C._ attestierte dem Versicherten ab 20. Mai 2019 wieder eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % (UV-act. 24). Am 27. August 2019 berichtete er, in der
Erstuntersuchung vom 10. Dezember 2018 habe er nebst der lokalen Druckdolenz im
Bereich der mittleren Adduktorengruppe einen Schmerz bei Adduktion des rechten
Beins gegen Widerstand sowie bei forcierter Flexion erhoben. Es habe der Verdacht
einer traumatischen Adduktorenzerrung rechts bestanden. Bereits zwei Tage darauf
habe der Versicherte ihn erneut konsultiert. Sonographisch habe sich nebst einem
subfaszialen Bluterguss ein Integrationsschaden des Adduktorenmuskels gezeigt,
weshalb er den Verdacht auf einen Muskelfaserriss gehabt habe. Der weitere
therapeutische Ansatz sei konservativ gewesen mit Schonung, Abschwellung und im
Verlauf physiotherapeutischen Massnahmen. Mit kontinuierlicher Belastungssteigerung
im Rahmen seiner Tätigkeit bei der B._ GmbH habe sich der Versicherte langsam
erholt. Die Behandlung habe er per 31. Mai 2019 abgeschlossen (UV-act. 31).
A.d.
Im Auftrag der Allianz erstellte Dr. D._ am 6. September 2019 ein
Aktengutachten. Er befand, ab dem 11. März 2019 sei eine weitere Arbeitsunfähigkeit
nicht mehr nachvollziehbar und eine "bein-knieadaptierte" Arbeitsfähigkeit von 100 %
in der Tätigkeit eines Betriebsinhabers zumutbar (UV-act. 32).
A.e.
Mit Verfügung vom 12. September 2019 stellte die Allianz die
Versicherungsleistungen rückwirkend per 11. März 2019 ein (UV-act. 35).
A.f.
Dagegen liess der Versicherte durch seine Rechtsschutzversicherung am 11.
Oktober 2019 Einsprache erheben (UV-act. 38, vgl. UV-act. 41). Am 19. Dezember
2019 liess er diese begründen und eine Beurteilung von Dr. med. E._, Fachärztin für
Chirurgie FMH, vom 15. Dezember 2019 einreichen. Diese hatte die von Dr. C._
attestierte (Teil-)Arbeitsunfähigkeit bis zum 19. Mai 2019 für die angestammte Tätigkeit
des Versicherten als ausgewiesen erachtet (UV-act. 43).
B.a.
Mit Entscheid vom 29. Juli 2020 wies die Allianz die Einsprache ab (UV-act. 46).B.b.
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C.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf vorübergehende Versicherungsleistungen (Heilbehandlung,
Taggelder) gegenüber der Beschwerdegegnerin im Zeitraum vom 12. März bis 31. Mai
2019. Der Beschwerdeführer beantragte in seiner Beschwerde zwar
Versicherungsleistungen bis Ende Mai 2020. Bei der Jahreszahl handelt es sich aber
offensichtlich um einen Verschrieb, zumal er selbst von einem Behandlungsabschluss
und einer vollen Arbeitsfähigkeit spätestens per Ende Mai 2019 ausging (act. G1).
Dagegen erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavas, Muolen, am 14. September 2020 Beschwerde. Er
beantragte darin, der Einspracheentscheid vom 29. Juli 2020 sei aufzuheben und die
Allianz (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, die
Unfallversicherungsleistungen - insbesondere die Taggelder und die Heilbehandlung -
bis Ende Mai 2020 (vgl. bezüglich der fehlerhaften Jahreszahl E. 1) zu übernehmen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).
C.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 10. November 2020 die vollumfängliche
Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G6). Sie
verwies dabei unter anderem auf eine Stellungnahme von Dr. D._ vom 30. Oktober
2020 (UV-act. 49).
C.b.
Mit Replik vom 18. Januar 2021 und Duplik vom 1. Februar 2021 hielten die
Parteien an ihren Anträgen fest (act. G10, G12).
C.c.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Anspruch auf Taggeld
entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der Wiedererlangung der
vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten
1.1.
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Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Die versicherte Person hat zudem Anspruch auf die
zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f.; André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2018,
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 66 zu Art. 6, in Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.).
Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs (bzw. des Wegfalls desselben) wird
in erster Linie mittels Angaben der medizinischen Fachpersonen geführt (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. September 2008, 8C_522/2007, E. 4.3.2; KOSS UVG-Nabold,
N 53 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55). Bei
physischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle (BGE 135 V 250 E. 4 mit Hinweisen, 118 V 291 f. E. 3.a, 117 V 365
mit Hinweisen; SVR 2000 Nr. 14 S. 45). Das Vorliegen eines natürlichen
Kausalzusammenhangs bzw. das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
verneint werden können bzw. nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich
fehlender Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (Thomas Locher/Thomas Gächter,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N. 58 f.; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 4).
1.2.
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall
nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache der fortdauernd geklagten
Beschwerden darstellt, d.h., wenn die Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf
unfallfremden Ursachen beruhen. Im Rahmen der Prüfung des Dahinfallens der
Leistungspflicht des Unfallversicherers genügt es mithin für die Bejahung des
fortbestehenden natürlichen Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für die fragliche
gesundheitliche Störung immer noch eine Teilursache darstellt. Gemäss Art. 36 Abs. 1
1.3.
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UVG werden die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die Taggelder und
Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur
teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese Bestimmung beinhaltet eine Durchbrechung des
Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen ein Gesundheitsschaden durch das
Zusammenwirken konkurrierender, teils unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen
bewirkt worden ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. Februar 2003,
U 287/02, E. 4.4). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
4; Thomas Locher/Thomas Gächter, a.a.O., § 70 N. 58). Da es sich um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage,
ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei
der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46
E. 2 mit Hinweisen, 1994 Nr. U 206 S. 328; siehe ebenso BGE 117 V 261 E. 3b). Dieser
muss jedoch nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen erbringen. Ebenso wenig
geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein
Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller
Gesundheit sei (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2008, 8C_465/2007, E. 3.1 mit
Hinweisen). Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist unerheblich.
Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens
ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind. Die Leistungspflicht
des Unfallversicherers bei einem durch den Unfall verschlimmerten oder überhaupt erst
manifest gewordenen krankhaften Vorzustand entfällt erst, wenn entweder der
(krankhafte) Gesundheitszustand erreicht ist, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine; vgl. zum Ganzen RKUV 1994 Nr. U 206
S. 328 f. E. 3b mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juni 2007, U 290/06,
E. 3.3).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
1.4.
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gestatten. Um den Gesundheitszustand und insbesondere das Ausmass der
Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweisen). Den Berichten und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen oder von beratenden Ärzten und Ärztinnen
einholen, kann rechtsprechungsgemäss ebenfalls Beweiswert beigemessen werden
(BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In solchen
Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen.
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 f. E. 1a).
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass auch reine Beurteilungen aufgrund der Akten,
wie sie vorliegend von den Dres. D._ und E._ erstellt wurden (UV-act. 32, 43, 49),
beweiskräftig sein können, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden
medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der
versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni
2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1).
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2.
Die Beschwerdegegnerin kam bis zum 11. März 2019 für die Folgen des Unfalls vom
10. Dezember 2018 auf. Danach verneinte sie die Unfallkausalität der noch
bestehenden Beschwerden gestützt auf die Beurteilung von Dr. D._ vom 6.
September 2019 (UV-act. 32). Während des Beschwerdeverfahrens holte sie eine
weitere Stellungnahme von Dr. D._ ein und hielt basierend darauf an ihrem
Standpunkt fest (UV-act. 49, act. G6). Der Beschwerdeführer macht einen weiteren
Leistungsanspruch bis Ende Mai 2019 (vgl. E. 1) geltend und verweist dabei auf die
Einschätzungen von Dr. E._ vom 15. Dezember 2019 (UV-act. 43) sowie Dr. C._
(insbesondere vom 27. August 2019; vgl. UV-act. 31).
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die mittels apparativer
Untersuchungsmethoden (wie Röntgen, Sonographie, Kernspintomographie,
Computertomographie, Arthroskopie) erhoben worden sind (vgl. BGE 134 V 121 E. 9,
134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen, 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4
mit Hinweisen [U 479/05]; Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008,
8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen).
2.1.
Vorerst ist festzuhalten, dass sich ein relevanter Vorzustand bezüglich des rechten
Oberschenkels aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachweisen lässt. Im Gesprächsprotokoll der für die Beschwerdegegnerin tätigen
Schadeninspektorin vom 2. Mai 2019 ist zwar vermerkt, dass der Beschwerdeführer
bereits am 23. März 2018 und 1. Juni 2018 Unfälle gemeldet habe. Diese hätten jedoch
den linken Ellbogen und den Rücken betroffen (UV-act. 22). Auch ist keine nach dem
Unfall vom 10. Dezember 2018 eingetretene, mit den Beschwerden am Oberschenkel
rechts in Zusammenhang stehende Erkrankung bekannt. Die Beschwerdegegnerin
stellte Dr. D._ am 23. Oktober 2010 Fragen bezüglich des Zeitpunkts des "Status
quo ante/sine" (vgl. UV-act. 48). Die Problematik eines Status quo sine erübrigt sich
jedoch mangels Nachweises eines relevanten Vorzustands. Dasselbe gilt grundsätzlich
auch bezüglich der vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Frage nach der
Anwendbarkeit von Art. 36 Abs. 1 UVG (keine Kürzung von Versicherungsleistungen bei
einer Gesundheitsschädigung, die nur teilweise Unfallfolge ist; act. G1, G10). Wie sich
jedoch nachfolgend ergibt, ist ein Leistungsanspruch bis zum 20. Mai 2019 ohnehin zu
bejahen. Dies selbst wenn ein relevanter Vorzustand beständen hätte und die
Gesundheitsschädigung teilweise unfallfremd wäre.
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/16
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Vorliegend steht eine Arbeitsunfähigkeit vom 10. Dezember 2018 bis maximal 20.
Mai 2019, mithin von gut fünf Monaten, im Raum (vgl. UV-act. 31). Für die Beurteilung
des Taggeldanspruchs ist damit unbestritten die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit ausschlaggebend (Art. 16 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 6 ATSG; Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 96 ff. zu Art. 6). Umstritten ist jedoch, was die
angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers genau beinhaltete (vgl. act. G1, G6,
G10). Dieser ist als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der B._ GmbH im
Handelsregister eingetragen (vgl. den entsprechenden Eintrag in www.zefix.ch). Am 2.
Mai 2019 führte der Beschwerdeführer gegenüber der zuständigen Schadeninspektorin
der Beschwerdegegnerin aus, er führe zusammen mit seiner Ehefrau einen grösseren
Verkaufsladen mit vorwiegend Lebensmitteln. Das Hauptgeschäft bestehe in den
Auslieferungen an diverse Zwischenhändler und Restaurants in der Umgebung. Diese
bestellten bei ihm Ware, unter anderem 20 kg schwere Säcke, und er liefere diese mit
dem Lieferwagen aus. Seine Haupttätigkeit sei vorwiegend die Auslieferung, diese
mache rund 80 bis 90 % seiner Tätigkeit aus. Seine Ehefrau betreue eher den Laden
für die "Laufkundschaft". Er und seine Ehefrau arbeiteten beide zu 100 %. Mitarbeiter
würden nicht fix beschäftigt, jedoch zeitweise Aushilfen für den Transport von
schweren Lasten; insbesondere die grossen Säcke seien sehr schwer (UV-act. 22,
Aushilfen nur ad hoc bzw. auf Abruf zu einem Pensum von rund 10 %; vgl. act. G10).
Zum Lokal gehörten drei Parkplätze im Hinterhof für den Lieferwagen sowie ein
Magazin im Keller. Die bestellten Waren müssten immer sehr schnell ausgeliefert
werden, es gehe relativ hektisch zu und her (UV-act. 22). Es ist somit davon
auszugehen, dass die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers vorwiegend in
der Auslieferung von Waren bestand. Dabei musste er regelmässig rund 20 kg schwere
Säcke tragen sowie den Lieferwagen be- und entladen. Dementsprechend ist
entscheidend, ob und in welchem Umfang er diese Tätigkeit ausführen konnte.
2.3.
Dr. C._ hielt in seinem Arztzeugnis vom 4. Februar 2019 fest, der
Beschwerdeführer sei am 10. Dezember 2018 auf nasser Unterlage ausgerutscht, nach
vorne gestürzt und habe sich das rechte Bein verdreht. Anlässlich der
Erstuntersuchung am Unfalltag habe er als Befund einen Schmerz am medialen
Oberschenkel rechts, vor allem bei Adduktion (dort fälschlicherweise festgehalten:
Abduktion; vgl. UV-act. 31), und ein palpables Hämatom festgestellt. Er habe eine
Muskelverletzung im Bereich der Adduktoren-Gruppe Oberschenkel rechts
diagnostiziert, eine Ruhigstellung veranlasst und dem Beschwerdeführer Mefenacid
verordnet (UV-act. 8). Am 27. August 2019 führte Dr. C._ aus, bereits zwei Tage nach
dem Unfall habe ihn der Beschwerdeführer erneut konsultiert. Dieser habe dann einen
deutlichen, relativ scharf begrenzten Bluterguss am medialen rechten Oberschenkel im
2.4.
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proximalen bis mittleren Drittel und eine leichte Überwärmung aufgewiesen.
Sonographisch habe er, Dr. C._, nebst dem subfaszialen Bluterguss einen
Integrationsschaden des Adduktorenmuskels gesehen und damit den Verdacht auf
einen Muskelfaserriss gehabt. Der weitere therapeutische Ansatz sei konservativ
gewesen mit Schonung, Abschwellung und im Verlauf physiotherapeutischen
Massnahmen (UV-act. 31). Mit dem sonographischen Nachweis eines
Muskelfaserrisses bzw. mindestens dem Verdacht auf einen solchen lag unbestritten
eine organisch objektivierbare Körperschädigung vor. Der von Dr. C._ beschriebene
Behandlungsverlauf ist nachvollziehbar. Dies gilt auch für die kontinuierliche Steigerung
der Arbeitsfähigkeit während der Erholung des Beschwerdeführers. Dr. C._
attestierte dem Beschwerdeführer vom 10. bis 19. Dezember 2018 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 %, vom 20. Dezember 2018 bis 12. Februar 2019 von 90 %,
vom 13. Februar bis 10. März 2019 von 80 %, vom 11. März bis 19. Mai 2019 von 50
% und ab 20. Mai 2019 von 0 %. Er hielt am 27. August 2019 fest, die Behandlung sei
Ende Mai (31. Mai 2019) abgeschlossen worden (UV-act. 31). Am 24. April 2019 war Dr.
C._ noch von einem wahrscheinlichen Behandlungsabschluss Ende April 2019
ausgegangen. Er hatte jedoch über einen etwas protrahierten (aber regulären)
Heilungsverlauf berichtet (UV-act. 20). Die weitere Verzögerung des Behandlungsendes
bis 31. Mai 2019 ist damit plausibel. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Dr. C._
dem Beschwerdeführer erst am 26. März 2019 Physiotherapie verordnet hatte und
diese mindestens bis Anfang Mai 2019 andauerte (vgl. UV-act. 22). Als Ziel der
Physiotherapie hatte er eine Analgesie/Entzündungshemmung, die Verbesserung der
Gelenks- und Muskelfunktion sowie der Propriozeption/ Koordination angegeben (vgl.
act. G10.1).
Dr. E._ beurteilte am 15. Dezember 2019 aufgrund der Akten, der
Beschwerdeführer habe sich am 10. Dezember 2019 eine Adduktorenzerrung mit
Muskelfaserriss und konsekutivem Hämatom zugezogen. Es handle sich um eine Grad
III-Läsion (Muskelriss und Hämatombildung). Eine intensive körperliche Aktivität sei
unter Umständen während Monaten nicht möglich. Insbesondere das Gehen und
Bewegen sei schmerzhaft, teilweise träten auch Krämpfe auf. Dies, da die Adduktoren-
Hauptfunktion darin bestehe, das Bein zurück Richtung Mittellinie zu ziehen. Es sei in
diesem Zusammenhang anzumerken, dass vorliegend keine radiologische Bildgebung
erfolgt sei (ausser einem Ultraschall). Bezüglich weiterführenden Verletzungen der
Muskeln ursprungsnah sei also nichts bekannt. Die Arbeitsfähigkeit bei einer
Adduktorenzerrung vom Grad III könne nicht vom Bürostuhl aus beurteilt werden, sie
werde von der Klinik bestimmt. Es sei auch nicht so, dass die Verletzung nach drei
Monaten ausgeheilt sei und das Bein nach dieser Zeit problemlos wiederbelastet
2.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/16
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werden könne. Die Rehabilitation erfolge schrittweise, was vorliegend in der
schrittweisen Reduktion der Arbeitsunfähigkeit seitens des Hausarztes Dr. C._ zum
Ausdruck komme. Es sei nachvollziehbar, dass die Haupttätigkeit des
Beschwerdeführers (Auslieferung der Produkte) längere Zeit nicht möglich gewesen sei.
Die Physiotherapie sei erst im April/Mai 2019 aufgenommen worden. Vorliegend sei bei
einer Adduktorenzerrung vom Grad III rechts die hausärztlich attestierte
Arbeitsunfähigkeit, inklusive der 50%igen Arbeitsunfähigkeit vom 11. März bis 19. Mai
2019 für die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers von ärztlicher Seite
ausgewiesen (UV-act. 43). Dr. E._ bestätigte damit im Wesentlichen die Beurteilung
von Dr. C._. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (act. G6) bezog sie sich
dabei durchaus auf die konkrete Situation des Beschwerdeführers, auch wenn sie
teilweise allgemeine Erfahrungstatsachen bei Muskelfaserrissen wiedergab.
Gegenüber der Schadeninspektorin führte der Beschwerdeführer am 2. Mai 2019
aus, er habe anfangs (nach dem Unfall) extreme Schmerzen wegen des Hämatoms
gehabt und habe kaum gehen können. Der Bluterguss habe zwei bis drei Wochen
angedauert, noch im Januar 2019 habe er Schmerzen gehabt. Die Arbeitsunfähigkeit
sei damit begründet, dass er die schweren Säcke (20 kg) wegen des Beins nicht tragen
und entsprechend auch keine Auslieferungen machen könne. Er könne derzeit die
Ware wegen des Beins weder Ein- noch Ausladen und sei deshalb eher im Laden
beschäftigt; das heisse, er fülle das Magazin mit Dosen etc. auf, erledige etwas
Büroarbeiten und Telefonate, wobei die Büroarbeiten keinen grossen Zeitbedarf in
Anspruch nähmen. Er nehme immer noch Schmerzmittel ein, wolle diese aber in einer
Woche weglassen. Derzeit arbeite er nur halbtags, meist morgens. Die Auslieferungen
mache aktuell seine Ehefrau, manchmal mit Hilfe einer Aushilfsperson. Er habe durch
die Unfälle auch eine Umsatzeinbusse erlitten, da er teilweise nicht mehr alle Kunden
habe beliefern können. Vor kurzem habe er mit Physiotherapie begonnen und besuche
diese einmal pro Woche. Die Physiotherapie sei ihm erst jetzt verordnet worden, weil
man nicht damit gerechnet habe, dass der Bluterguss so lange anhalten würde. Vor
zwei Tagen habe ihm der Physiotherapeut wegen des restlichen Hämatoms ein Pflaster
abgegeben, welches er drei bis fünf Tage am Bein belassen müsse (UV-act. 22). Aus
dem Gesprächsprotokoll ergibt sich damit zusammenfassend, dass der
Beschwerdeführer am 2. Mai 2019 noch Beschwerden hatte und deshalb seine übliche
Tätigkeit nicht in vollem Umfang ausüben konnte.
2.6.
Die Beschwerdegegnerin stützt ihren Standpunkt abweichend von der Ansicht der
Dres. C._ und E._ auf die Beurteilungen von Dr. D._.
2.7.
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Dr. D._ befand am 6. September 2019, der Beschwerdeführer habe anlässlich
des Gesprächs mit der Schadeninspektorin selber bestätigt, dass der Bluterguss noch
zwei bis drei Wochen angedauert habe, was durchaus einem allgemein bekannten
biologischen Erfahrungswert entspreche. Der Sonographiebefund von Dr. C._
entspreche zweifelsfrei einem Muskelfaserriss der Oberschenkeladduktorengruppe mit
der konsekutiv festgehaltenen Hämatombildung. Ab dem Attest einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 % am 11. März 2019 sei eine weitere Arbeitsunfähigkeit aber
nicht mehr nachvollziehbar und eine "bein-knieadaptierte" Arbeitsfähigkeit von 100 %
in der Tätigkeit eines Betriebsinhabers zumutbar. Dies entsprechend folgender
Definition: leichte wechselbelastende Tätigkeiten, überwiegend sitzend, ohne Heben,
Tragen und Bewegen von Lasten über 20 kg, ohne Steigen auf Leitern und Gerüste,
ohne kniende und kniebeugende Körperhaltungen. Zumindest seien ab März 2019
keine klinischen Befunde bzw. morphologisch fassbaren unfallkausalen Korrelate mehr
vorhanden, welche eine weitere (Teil-)Arbeitsunfähigkeit versicherungsmedizinisch
nachvollziehen liessen (UV-act. 32). Dr. D._ stützte sich bei seiner Beurteilung im
Wesentlichen auf allgemeine Erfahrungswerte einer Heilung bei einem Muskelfaserriss
und nicht auf die konkrete Situation des Beschwerdeführers. Insbesondere setzte er
sich nicht damit auseinander, dass der Heilungsverlauf entsprechend der Angabe von
Dr. C._ etwas protrahiert war (vgl. UV-act. 20) und der Beschwerdeführer sich auch
Anfang Mai 2019 noch in physiotherapeutischer Behandlung befand (diese verordnete
Dr. C._ erst am 26. März 2019; vgl. UV-act. 22, act. G10.1). Wie Dr. E._ zudem zu
Recht bemängelte (vgl. UV-act. 43), entsprechen die von Dr. D._ formulierten
Adaptionskriterien nicht der tatsächlichen Tätigkeit des Beschwerdeführers. Diese
bestand - wie erwähnt (vgl. E. 2.3) - im Wesentlichen in der Auslieferung von
Produkten, unter anderem von Säcken mit einem Gewicht von bis zu 20 kg. Diese
Tätigkeit kann kaum als "bein-knieadaptiert" gelten. Eine volle Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit ab 11. März 2019 ist damit nicht nachvollziehbar. Wie Dr.
E._ zu Recht ausführte (UV-act. 43), ist nicht entscheidend, dass der
Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt wohl eine adaptierte Tätigkeit zu 100 % hätte
ausüben können. Daran ändert auch nichts, dass mindestens ein Teil der üblicherweise
vom Beschwerdeführer ausgeführten Liefertätigkeiten anscheinend durch dessen
Ehefrau und eine Aushilfsperson hatte erledigt werden können (vgl. UV-act. 22, E. 2.5).
Dies zumal dem Beschwerdeführer damit gemäss seinen Angaben (UV-act. 22, act.
G1, G10) zusätzliche Auslagen bzw. Umsatzeinbussen entstanden und von ihm nicht
verlangt werden durfte, infolge seiner vorübergehenden (weniger als sechs Monate
dauernden) (Teil-)Arbeitsunfähigkeit die Abläufe bzw. Arbeitsverteilung in seinem
Betrieb grundlegend anzupassen oder gar zusätzliches Personal einzustellen. Dr. D._
2.7.1.
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hielt am 6. September 2019 weiter fest, auffallend sei im vorliegenden Dossier die
repetitive Attestierung einer unangemessenen Arbeitsunfähigkeit beim
Beschwerdeführer nach Ereignissen, welche zwar vorhanden, aber pathologisch-
anatomisch und strukturell wiederholt nicht hinreichend begründet worden seien (UV-
act. 32). Wie Dr. E._ erwähnte (vgl. UV-act. 43), darf die vorliegend interessierende
Beurteilung der durch die Beschwerden am Oberschenkel rechts verursachten
Arbeitsunfähigkeit jedoch nicht von anderen, davon unabhängigen, Unfallereignissen
beeinflusst werden.
Während des Beschwerdeverfahrens ersuchte die Beschwerdegegnerin Dr.
D._ um eine ergänzende Stellungnahme (UV-act. 48). In Kenntnis des Berichts von
Dr. E._ (vgl. UV-act. 43) führte Dr. D._ am 30. Oktober 2020 aus, mangels eines
relevanten morphologisch fassbaren Korrelats sowie der durchschnittlichen Verläufe
nach einem Muskelriss (drei Monate nach einem Ereignis mit dem vorliegend
beschriebenen Energieaufkommen) sei der Status quo ante ab dem 12. März 2019
erreicht. Ab diesem Zeitpunkt lägen in der Dokumentation keine nachvollziehbaren
klinischen, radiologischen oder bildgebend fassbaren Befunde mehr vor, welche ein
Beschwerdebild plausibel erklärten, das Arbeitsprozesse mit Autofahren, Heben und
kurzstreckigem Déplacement von 20 kg schweren Säcken nach drei Monaten nicht
zumutbar erscheinen liessen. Das subjektive Einfühlungsvermögen eines Hausarztes
reiche zur Begründung einer weiteren Arbeitsunfähigkeit sachlich nicht aus und selbst
Dr. E._ habe eingestanden, dass eine Arbeitsfähigkeit nicht "vom Bürostuhl aus"
beurteilt werden könne (UV-act. 49). Es ist zwar korrekt, dass ab 12. März 2019 keine
bildgebenden oder klinischen Befunde mehr dokumentiert sind. Eine bildgebende
Untersuchung (Sonographie) fand nur zwei Tage nach dem Unfall zur Abklärung der
Verletzung statt (vgl. UV-act. 31). Danach erachtete der behandelnde Dr. C._ weitere
bildgebende Untersuchungen offenbar nicht mehr für notwendig. Rein aus dem Fehlen
derselben kann jedoch nicht auf eine volle Arbeitsfähigkeit ab 12. März 2019
geschlossen werden. Dies zumal Hinweise auf einen Verlauf bestehen, welche nicht
dem von Dr. D._ erwähnten "Standardfall" einer kompletten Ausheilung innerhalb
dreier Monate entsprechen. Der Verlauf war - wie gesagt - gemäss Dr. C._ etwas
protrahiert (vgl. UV-act. 19) und der Beschwerdeführer wurde auch im Mai 2019 noch
physiotherapeutisch behandelt (vgl. UV-act. 22). Die rein auf den medizinischen Akten
basierende Beurteilung von Dr. D._ einer vollen Arbeitsfähigkeit von 100 % in der
angestammten Tätigkeit ab 12. März 2019 überzeugt damit nicht. Zudem ist darauf
hinzuweisen, dass auch Dr. D._ selbst offenbar gewisse Vorbehalte hatte. So führte
er am 30. Oktober 2020 aus, der angegebene Wert, dass 80 bis 90 % der
2.7.2.
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erforderlichen Tätigkeit im Ausliefern bzw. Heben von 20 kg schweren Säcken
bestünden, entspreche einer versicherungsmedizinischen und damit sachlich nicht
nachvollziehbaren Arbeitsplatzbeschreibung, welche im vorliegenden Fall
arbeitsmedizinisch zu überprüfen wäre. Auch die Anzahl der erfolgten Lieferungen vor
dem Ereignis vom 10. Dezember 2018 und in der Zeit der Arbeitsfähigkeit bis zum 19.
Mai 2019 wäre zeitlich zu überprüfen. In der vorliegend strittigen Forderung wäre ab
dem 12. März 2019 eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) ein
taugliches Mittel gewesen (UV-act. 49). Daraus lässt sich schliessen, dass auch aus
Sicht von Dr. D._ die Arbeitsfähigkeit anhand der Akten nicht eindeutig beurteilbar
war. Er bemerkte weiter, der zeitliche Anteil im Prozess der Lieferung mit Heben eines
Sackes von 20 kg entspreche ab dem 12. März 2019 dem physiotherapeutisch-
rehabilitiv wünschbaren Muskelaufbau auf dem Weg in eine wieder erreichte normale
Muskelfunktion. In der Rehabilitation eines Muskelrisses sei von einem bestimmten
Zeitpunkt an unbestritten, dass ein muskulärer Aufbau des nicht gerissenen
Restmuskelgewebes nur durch Belastung erwirkt werden könne. Es seien ihm keine
Studien bekannt, welche belegen würden, dass eine möglichst lange Schonung des
Muskelgewebes für den Wiederaufbau von atrophierter, noch intakter Restmuskulatur
förderlich wäre (UV-act. 49). Diese medizinische Erfahrungstatsache scheint vorliegend
unbestritten, zumal der Beschwerdeführer seine Arbeitstätigkeit entsprechend der
Arbeitsunfähigkeitsatteste von Dr. C._ gerade schrittweise steigerte und dabei zu
einem muskulären Aufbau beitrug (vgl. UV-act. 31).
Insgesamt bestehen damit Zweifel an den Beurteilungen von Dr. D._.2.7.3.
Gestützt auf die vorhandenen Akten sind eine volle Arbeitsfähigkeit und der
fehlende Bedarf einer weiteren unfallkausalen medizinischen Behandlung ab 12. März
2019 damit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Die
Beurteilungen der Dres. C._ und E._ sowie der Bericht der Schadeninspektorin
lassen auf eine weitergehende Arbeitsunfähigkeit und einen Behandlungsbedarf bis
zum 19. bzw. 31. Mai 2019 schliessen (UV-act. 22, 31, 43). Zusätzliche medizinische
Abklärungen sind insofern nicht zielführend, als der Beschwerdeführer seit 20. Mai
2019 unbestritten wieder voll arbeitsfähig ist und eine rückwirkende Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit im Zeitraum vom 13. März bis 19. Mai 2019 kaum als beweiskräftig
erachtet werden könnte. Insbesondere die von Dr. D._ erwähnte EFL (vgl. UV-act. 49)
erweist sich rückwirkend als unmöglich. Da die Beschwerdegegnerin die Beweislast für
das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen des
Gesundheitsschadens trägt, ist sie vor dem Hintergrund der beschriebenen
medizinischen Aktenlage zu verpflichten, bis zum 19. Mai 2019 weiterhin Taggelder zu
2.8.
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