Decision ID: f7f8b7fb-e4e2-5052-815d-d7669a8c874c
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 5. Februar 2010 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie
führte aus, unter Morbus Hodgkin (1992), Rückenschmerzen seit ca. 2004, Rheuma
und Depression seit Mai 2009 zu leiden (IV-act. 1). Am 30. Januar 2010 war sie in einen
Verkehrsunfall auf der Autobahn verwickelt worden. Ihr Hausarzt Dr. med. B._ hatte
im Arztzeugnis UVG ein Schleudertrauma der HWS nach Kollision diagnostiziert (IV-
Fremdakten). Gemäss dem Protokoll über ein Gespräch zwischen dem RAD-Arzt Dr.
med. C._ und Dr. med. D._, Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Ambulatorium E._, vom 18. März 2010 diagnostizierte Letztere eine
Anpassungsstörung mit Depression und Angst gemischt im Rahmen einer
Ehetrennungsproblematik sowie eine psychophysische Erschöpfung. Seit der
Ehetrennung im Mai 2009 würden die psychiatrischen Diagnosen die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigen (IV-act. 12). Laut dem Gesprächsprotokoll zwischen dem RAD-Arzt und
dem Hausarzt der Versicherten vom 19. März 2010 lagen die Diagnosen eines M.
Hodgkin, ED 1992, chemotherapeutisch behandelt, gelegentliche Nachkontrollen,
Rückenbeschwerden und aktuell ein HWS-Distorsionstrauma vor. Die Versicherte sei
derzeit zu 100% arbeitsunfähig, da sie unter Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in
den rechten Arm leide (IV-act. 14). Vom 12. Mai bis 16. Juni 2010 wurde die Versicherte
stationär in der Rehaklinik Bellikon behandelt. Ab 16. Juni 2010 attestierten ihr die
behandelnden Ärzte eine Arbeitsunfähigkeit von 50%, ab 12. Juli 2010 sei sie in Bezug
auf ihr bisheriges Pensum von 60% wieder voll arbeitsfähig (IV-Fremdakten,
Austrittsbericht Bellikon vom 21. Juni 2010). Am 7. Juni 2010 hatte die IV-Stelle der
Versicherten mitgeteilt, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien (IV-act. 20).
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A.b Mit Stellungnahme vom 21. Oktober 2010 äusserte sich Dr. C._ zum
Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom „14.06.2010“. Er kam zum Schluss, die
"Reha-Massnahmen" hätten zu einer deutlichen Besserung der Schmerzproblematik
wie auch des psychophysischen Zustands geführt. Die Diagnose "Anpassungsstörung
mit Depression und Angst gemischt im Rahmen einer Ehetrennungsproblematik und
damit verbundener psychophysischer Erschöpfung" sei nach dem Ergebnis der Reha-
Behandlung abgeklungen, so dass sich derzeit aus psychiatrischer Sicht keine
Limitierung der Arbeitsfähigkeit darstelle. Auch die somatischen Befunde hätten sich
stabilisiert (IV-act. 22-2).
A.c Die SUVA leistete infolge des Autounfalls Taggelder und Heilungskosten und
stellte diese per 31. Oktober 2010 ein (vgl. SUVA-Verfügung vom 7. März 2012, IV-
Fremdakten).
A.d Auf Anfrage der IV-Stelle vom 10. November 2010 hinsichtlich der erwerblichen
Situation der Versicherten hielt jene im Antwortschreiben (eingegangen bei der IV-Stelle
am 24. November 2010) fest, aktuell bei der Post zu 60% und bei F._ zu 40%
erwerbstätig zu sein. Seit 1. September 2010 arbeite sie zu 100%. Aktuell habe sie
keine Erwartungen an die Invalidenversicherung (IV-act. 24).
A.e Im Vorbescheid vom 24. Februar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Anspruchs auf Invalidenrente in Aussicht (IV-act. 32). Dagegen erhob
die Versicherte am 24. März 2011 Einwand mit der Begründung, dass ihre
Arbeitsfähigkeit in den letzten Wochen kontinuierlich abgenommen habe. Gemäss den
Zeugnissen von Dr. B._ sei sie in den letzten Wochen zu 100% arbeitsunfähig
gewesen. Vor Erlass einer Verfügung seien Erkundigungen bei ihrem Hausarzt
vorzunehmen (IV-act. 33).
A.f Mit Arztbericht vom 7. April 2011 hielt Dr. B._ fest, die Versicherte leide seit 2003
unter Fibromyalgie, einer allgemeinen Müdigkeit seit der Behandlung des Morbus
Hodgkin bei Status nach Behandlung des Morbus Hodgkin 1992, unter
Zervikobrachialgie beidseits nach Unfall (2010) und einer Depression (seit 2009). Vom
8. Februar 2011 bis 31. April 2011 und weiter sei sie zu 100% arbeitsunfähig. Aus
medizinischer Sicht sei die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar (IV-act. 34). Laut
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Stellungnahme von Dr. C._ vom 13. April 2011 ergaben sich aus dem Arztbericht von
Dr. B._ keine neuen entscheidrelevanten medizinischen Tatsachen mit Auswirkung
auf die bisherige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 35).
A.g Mit Verfügung vom 15. April 2011 wies die IV-Stelle einen Anspruch der
Versicherten auf Invalidenrente ab (IV-act. 36). Dagegen liess die Versicherte am 26.
Mai 2011 durch Rechtsanwältin Néomie Nicolet, syndicom, Gewerkschaft Medien und
Kommunikation, Beschwerde ans Versicherungsgericht erheben (IV-act. 41).
A.h Vom 5. bis 25. August 2011 weilte die Versicherte in der Klinik Gais zur stationären
psychosomatischen Rehabilitation (IV-act. 69).
A.i Mit Urteil vom 17. April 2013 hiess die Einzelrichterin des Versicherungsgerichts
die Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. April 2011 teilweise gut, hob die
Verfügung auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung und anschliessenden
Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurück. Nachdem Dr. D._ in ihren
Berichten vom 25. Juli 2011 und 24. Januar 2013 von einer Verschlechterung ausgehe
und gestützt auf eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.2) und eine
Neurasthenie (ICD-10 F48.0) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiere, sei der
gesundheitliche Verlauf der Versicherten weiter abzuklären (IV-act. 74).
A.j Am 12. April 2012 hatte die Versicherte einen Sohn geboren. Gemäss der
behandelnden Psychiaterin Dr. D._ war ihre Alltagsfunktionalität in der Folge nahezu
aufgehoben. Es ergebe sich eine Hilfsbedürftigkeit auf mehreren Ebenen. Die
Versicherte sei auf die Unterstützung ihrer Familie, naher Bezugspersonen,
Kinderbetreuungsdienste und Psychiatrie Spitex angewiesen, da sie ansonsten den
Alltag nicht bewältigen könnte (vgl. Bericht vom 24. Januar 2013, IV-act. 73-3). Im
Bericht vom 2. August 2013 diagnostizierte Dr. D._ eine mittelgradige depressive
Episode (ICD-10 F32.2) auf dem Boden einer impulshaften / Borderline
Persönlichkeitsakzentuierung, eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0) sowie einen Status
nach Beschleunigungstrauma im Januar 2010 mit Schulter- und Nackenschmerzen. Die
Versicherte sei in einem stark reduzierten Allgemeinzustand, in gutem
Ernährungszustand, bewusstseinsklar und allseits orientiert. Affektiv sei sie
niedergestimmt, berichte von verschiedenen Schmerzen im Nacken, der Schulter sowie
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über eine ausgeprägte Erschöpfbarkeit. Es bestünden massive
Stimmungsschwankungen, Impulsivität und Selbstverletzungstendenzen. Sie gebe
Suizidgedanken an, würde sich jedoch wegen ihres Sohnes nichts antun (IV-act. 87-1
f.).
A.k Mit Verfügung vom 14. November 2012 hatte G._ das Arbeitsverhältnis mit der
Versicherten per 31. Mai 2013 aufgelöst (IV-act. 90-8 f.).
A.l Gemäss Bericht des neuen Hausarztes der Versicherten, Dr. med. H._, vom 14.
Januar 2014 wurde die Versicherte an drei Tagen pro Woche in der Tagesklinik der
Psychiatrischen Klinik I._ behandelt (IV-act. 101). Die Behandlung startete am 1.
Oktober 2013 und war für sechs Monate geplant (IV-act. 109).
A.m Im Austrittsbericht vom 21. Mai 2014 berichtete Dr. D._, dass die Versicherte im
Zeitpunkt der Beendigung der Behandlung in der Tagesklinik nach wie vor sehr
erschöpft sei. Der Antrieb sei deutlich reduziert. Affektiv sei sie schwingungsfähiger als
am Anfang der Behandlung, jedoch sehr schwankend. Sie gebe verschiedene
Schmerzen im Nacken, der Schulter sowie eine ausgeprägte Erschöpfbarkeit an. Nach
wie vor sei eine engmaschige sozialarbeiterische Unterstützung empfehlenswert. Die
Versicherte werde sich zu 20% beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
anmelden (IV-act. 111). Im Arztbericht vom 25. August 2014 gab Dr. D._ an, die
Versicherte arbeite inzwischen zu 20% in einem Einsatzprogramm des RAV. Sie
erachte sie als zu 80% arbeitsunfähig (IV-act. 113).
A.n Gestützt auf die Untersuchung vom 30. September 2014 berichtete Prof. Dr. med.
J._, Gesundheitszentrum K._, bei der Versicherten liege am ehesten eine
chronische tumorassoziierte Fatigue und eine rezidivierende depressive Störung vor
(Bericht vom 8. Oktober 2014, IV-act. 122).
A.o Am 25. und 26. November 2014 sowie 16. Januar 2015 wurde die Versicherte
polydisziplinär im Zentrum für Interdisziplinäre Medizinische Begutachtungen AG
(ZIMB)
begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.21). Von
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Februar 2011 bis August 2013 nahmen sie für alle Tätigkeitsbereiche eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% an, ab August 2013 schätzten sie die Arbeitsfähigkeit auf
50% und ab dem Begutachtungszeitpunkt befanden sie die Versicherte sowohl in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Briefsortiererin bei G._ als auch in sonstigen optimal
angepassten Verweistätigkeiten als zu 70% arbeitsfähig (IV-act. 127-51 und 127-60).
A.p RAD-Arzt Dr. med. C._ hielt mit Stellungnahme vom 11. Februar 2015 fest, dass
dem Gutachten insgesamt bis auf einige Punkte gefolgt werden könne. Insbesondere
könne die Codierung F32.21 für eine mittelschwere depressive Episode nicht zutreffen,
denn diese würde eine schwere Depression ohne psychotische Symptome bedeuten;
in diesem Fall würde dann jedoch kein somatisches Syndrom mehr codiert. Zudem
werde das auffällige Verhalten bei den somatischen Untersuchern in die Betrachtung
von Verdeutlichung versus Aggravation bei der konsensuellen Beurteilung nicht
miteinbezogen (IV-act. 128).
A.q Nachdem die Versicherte im Fragebogen „Haushalt“ vom 23. Oktober 2013
angegeben hatte, sie würde heute ohne Behinderung wegen gesundheitlicher
Probleme keiner Erwerbstätigkeit nachgehen (vgl. IV-act. 95-1), veranlasste die IV-
Stelle eine Abklärung an Ort und Stelle. Diese fand am 23. April 2015 statt. Hier erklärte
die Versicherte, sie würde ohne Behinderung aus finanziellen Gründen zu 100% einer
Erwerbstätigkeit nachgehen. Gestützt auf einen Einkommensvergleich ermittelte die
Abklärungsperson einen Invaliditätsgrad von 30% (IV-act. 142).
A.r Mit Vorbescheid vom 9. Juni 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten gestützt auf
einen Invaliditätsgrad von 30% die Rentenabweisung in Aussicht (IV-act. 145). Am 27.
August 2015 verfügte sie im Sinne des Vorbescheids die Abweisung des
Rentenanspruchs (IV-act. 147).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde der Versicherten
vom 25. September 2015 mit dem Antrag auf deren Aufhebung und Feststellung einer
Arbeitsunfähigkeit von 100% bzw. 80% sowie auf Rückweisung der Angelegenheit an
die Vorinstanz zur neuen Ermittlung des IV-Grades ab Februar 2011. Eventualiter sei
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ein Gerichtsgutachten zu veranlassen zwecks eindeutiger Feststellung der
Arbeitsfähigkeit; unter Entschädigungsfolgen. Zur Begründung machte die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass die
Arbeitsunfähigkeitsschätzung von Dr. D._ derjenigen der Gutachter widerspreche
(act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2016 beantragt die Beschwerdegegnerin
die teilweise Gutheissung der Beschwerde insofern, als der Beschwerdeführerin vom 1.
Februar 2012 bis 31. Oktober 2013 eine ganze sowie ab 1. November 2013 bis 1. Juni
2015 eine halbe Rente zu gewähren sei. Gestützt auf die schlüssigen
Arbeitsunfähigkeitsschätzungen des ZIMB-Gutachtens sei eine vorübergehende
rentenrelevante Invalidität gegeben (act. G 6).
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtet auf die Einreichung einer Replik (act. G 8).
B.d Am 6. Juni 2016 beschliesst das Gericht, beim Zentrum für Begutachtung (ZMB),
Basel, ein polydisziplinäres (internistisches, onkologisches und psychiatrisches)
Gutachten einzuholen (act. G 10). Nachdem die Parteien zur Einholung der in Aussicht
genommenen Begutachtung keine grundsätzlichen Einwände erheben (vgl. act. G 11),
erteilt die Abteilungspräsidentin dem ZMB mit Schreiben vom 29. Juni 2016 den
Begutachtungsauftrag (act. G 12).
B.e Mit Schreiben vom 16. August 2016 ersucht das ZMB um eine Ausdehnung des
Begutachtungsauftrags auf die Disziplinen der Neuropsychologie und der Orthopädie
oder Rheumatologie, um eine umfassende und rechtsgenügliche Beurteilung abgeben
zu können (act. G 13). Die Abteilungspräsidentin erteilt dem ZMB am 18. August 2016
dafür die Zustimmung (act. G 14).
B.f Vom 26. bis 29. September 2016 wird die Beschwerdeführerin während eines
stationären Aufenthalts im ZMB begutachtet. Gestützt auf ihre Untersuchungen
befinden die Gutachter die Beschwerdeführerin im Gutachten vom 24. Januar 2017 in
der Arbeitsfähigkeit als zu 30% eingeschränkt (act. G 18).
B.g Mit Eingabe vom 9. Februar 2017 geht die Beschwerdegegnerin davon aus, dass
ab 1. Juni 2015 kein Rentenanspruch mehr besteht. Zudem sei für die Zeit von August
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2013 bis Januar 2015 gemäss dem ausführlicheren ZIMB-Gutachten von einer
50%igen adaptierten Arbeitsfähigkeit auszugehen (act. G 23).
B.h Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Stellungnahme vom 17. Februar 2017 im
Wesentlichen geltend, dass der Morbus Hodgkin bereits 1992 diagnostiziert und
erfolgreich behandelt worden sei. Sie habe in der Folge uneingeschränkt arbeiten
können, so dass für die Annahme eines Chronic-Fatigue-Syndroms nach Morbus
Hodgkin kein Raum bleibe. Dies verdeutliche, dass im Februar 2011 tatsächlich eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands aufgetreten sei und zwar wegen der
psychischen Befunde. Die Neurasthenie habe die Arbeitsfähigkeit somit zusätzlich
beeinträchtigt. Da die Gutachter hinsichtlich der Arbeitsfähigkeitsschätzung 50% von
derjenigen der behandelnden Psychiaterin abweichen würden, seien die Anforderungen
an den Beweiswert des Gutachtens höher zu setzen. Die von der Beurteilung der
behandelnden Psychiaterin erheblich abweichende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
sei durch die Gutachter jedoch weder besonders gut nachvollziehbar noch schlüssig
begründet, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Gemäss Dr. D._ bestehe
ab April 2014 nach wie vor eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit. Daher habe die
Beschwerdeführerin nach Ablauf des Wartejahres, ab März 2011, Anspruch auf eine
ganze IV-Rente (act. G 24).

Erwägungen
1.
1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
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einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Bezüglich Gerichtsgutachten hat die
Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht weiche "nicht ohne zwingende Gründe" von
den Einschätzungen der medizinischen Experten ab. Auch der Europäische Gerichtshof
für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung eines von einem Gericht
ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung vermutungsweise hohes
Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen).
2.
2.1 Umstritten ist in erster Linie, welche Schlüsse aus den vorhandenen ärztlichen
Unterlagen zu ziehen sind bzw. ob auf die vorhandenen medizinischen Akten abgestellt
werden kann.
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2.2 Gemäss den ZMB-Gutachtern leidet die Beschwerdeführerin an einer
somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), einer mittelschweren depressiven
Episode (ICD-10 F32.1), akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1), einem
chronischen cervikovertebrogenen Schmerzsyndrom, unter Eisenmangel ohne Anämie
und einem Status nach Morbus Hodgkin, aktuell: klinisch, radiologisch und
laborchemisch seit Abschluss der Therapie im Dezember 1992 anhaltende komplette
Remission (act. G 18 S. 60f.). Von internistischer Seite fanden sich keine
pathologischen Befunde und es liess sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
begründen. Aus onkologischer Sicht nahmen die Gutachter Bezug zur Diagnose von
Prof. J._, der erstmals am 8. Oktober 2014 von einem chronischen Tumor-
assoziierten Fatigue-Syndrom sprach. Zwar würden sich die ausgeprägte Müdigkeit
und Fatigue sowie die damit eingeschränkte Leistungsfähigkeit im Alltag, zum jetzigen
Zeitpunkt theoretisch als Langzeitresiduen eines therapieassoziierten mittelstark
ausgeprägten „cancer related fatigue syndrome“ erklären, dennoch würden sie im
Rahmen der langjährigen Tumorfreiheit und der damit verbundenen jahrzehntelangen
Rekonvaleszenz-Periode als unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen,
erscheinen. Von orthopädischer Seite werde ein chronisches cervikovertebrogenes
Schmerzsyndrom mit lokalen Tendomyosen und möglicher
Spannungskopfschmerzsymptomatik diagnostiziert. Klinisch finde sich eine
skoliotische Fehlhaltung im Bereich der HWS, eine muskuläre Dysbalance, bildgebend
ventrale Spondylophyten von C4 bis C7, eine atlantodentale und cervikothorakale
Facettenarthrose. Die HWS-Beweglichkeit sei in den unteren Segmenten eingeschränkt
gewesen. Ferner sei eine Schmerzsymptomatik im Schultergürtelbereich linksbetont
genannt worden, die linke Schulter sei diffus druck- und bewegungsschmerzhaft
gewesen, klinisch habe sich eine unauffällige Funktion ohne Hinweise auf
Koordinationsstörungen oder Defekte der Rotatorenmanschette gefunden.
Radiologisch sei an der linken Schulter kein pathologischer Befund zu erheben. Im
Bereich der LWS gingen die Gutachter von einem chronischen lumbovertebrogenen
Syndrom aus mit aktivierten Facettenarthrosen und perisakraler Ligamentopathie.
Ursächlich für diese lumbale Schmerzsymptomatik seien eine muskuläre Dysbalance
und eine Skoliose mit einem Cobb-Winkel von 15° zu sehen. Bildgebend fänden sich
leichte degenerative Veränderungen. Die Funktion der LWS sei frei. Ferner habe die
Beschwerdeführerin über multilokuläre Arthralgien an diversen Gelenken geklagt.
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Klinisch hätten sich diesbezüglich keine entsprechenden pathomorphologischen
Korrelate gefunden. Zusammenfassend könnten die fassbaren Funktionsstörungen auf
orthopädischem Fachgebiet als leicht eingeschätzt werden, die Beschwerden im
Wirbelsäulenbereich seien als charakteristische statisch-funktionelle
Dekompensationsmerkmale an HWS, BWS und LWS bei Wirbelsäulenfehlstatik,
muskulärer Insuffizienz und Dysbalance bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar.
Die resultierenden degenerativen Veränderungen seien zwar gering, eine
belastungsabhängige Irritation dieser degenerativen Veränderungen (Facetten-,
atlantodentale Arthrose) an den charakteristischen Prädilektionsstellen (subokzipital,
cervikothorakal und lumbosakral) sei in Anbetracht der objektivierbaren Veränderungen
gegeben. Das Ausmass und die Intensität der Klagen sowie die von der
Beschwerdeführerin angegebene Einschränkung im Alltag auf Grund ihrer
Schmerzsymptomatik liessen sich aber mit den oben benannten Befunden nicht ohne
weiteres erklären. Eine zusätzliche nicht-somatische Komponente sei anzunehmen.
Diese Diskrepanz zwischen intensiven und invalidisierenden Beschwerden und wenig
ausgeprägten morphologischen Befunden finde sich am ausgeprägtesten im Bereich
der peripheren Gelenke. In diesem Bereich habe die Beschwerdeführerin über
multilokuläre Arthralgien geklagt, hier seien jedoch keine entsprechenden
morphologischen Befunde und/oder Funktionseinschränkungen gefunden worden. Im
Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung hätten sich sodann keine
neurokognitiven Einschränkungen gezeigt (act. G 18 S. 65ff.). In psychiatrischer
Hinsicht führten die Gutachter aus, die Beschwerdeführerin sei in einer komplexen
Familienstruktur aufgewachsen mit verschiedenen Belastungsfaktoren (unsichere
Bindungssituation, politische Kriegswirren, Krebserkrankung in jungen Jahren,
sexueller Missbrauch durch Onkel, kinderlos gebliebene erste Ehe, etc.). Eine erste
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung habe ab 08/2009 auf Grund einer
depressiven Symptomatik bei belastenden psychosozialen Faktoren im
Psychiatrischen Zentrum L._ stattgefunden. Damals sei die behandelnde
Psychiaterin Dr. D._ gewesen, bei welcher die Beschwerdeführerin bis heute in
Behandlung stehe. Ab 2011 seien durch die Psychiaterin die anhaltende Erschöpfung,
Schlafstörungen sowie die psychosomatischen Symptome beschrieben worden. Die
Schwangerschaft habe sich kurz nach dieser Krankschreibung eingestellt. Während
dieser Schwangerschaft sei die Beschwerdeführerin vom 5. bis 25. August 2011 in Gais
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hospitalisiert gewesen. Dort seien die chronische Müdigkeit und die
Schmerzsymptomatik im Vordergrund gestanden. Eine Müdigkeit komme allerdings in
der Frühschwangerschaft häufig vor. Die Beschwerdeführerin sei weiter
krankgeschrieben worden. Im 01/2013 habe die behandelnde Psychiaterin auf Grund
einer mittelgradigen depressiven Episode und einer Neurasthenie weiterhin eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert; der psychische Zustand der Beschwerdeführerin
sei als verschlechtert beschrieben worden. Neu habe die Behandlerin massive
Stimmungsschwankungen beschrieben, die diagnostisch auf eine Borderline-
Persönlichkeitsstörung zurückzuführen seien. Die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung, allerdings einer vom impulsiven Typ, hielten die Gutachter nicht
für gerechtfertigt. Sie deuteten die impulsive Symptomatik als Ausdruck von
akzentuierten Persönlichkeitszügen. Auf Grund der Anamnese bestehe bei der
Beschwerdeführerin eine starke Impulskontrollstörung, die dazu führe, dass sie in
Phasen mit grösserer Belastung sowohl ihr Kind wie auch ihren Ehemann tätlich
angehe. Die Persönlichkeitsakzentuierung manifestiere sich bei der
Beschwerdeführerin hauptsächlich im Bereich der privaten zwischenmenschlichen
Beziehungen. Offenbar sei sie jedoch an ihren bisherigen Arbeitsplätzen deswegen
nicht aufgefallen. Zumindest sei in den Akten nichts Diesbezügliches eruierbar. Auch
dies spreche eher für eine Persönlichkeitsakzentuierung als für eine
Persönlichkeitsstörung. In der aktuellen psychiatrischen Untersuchung seien
vorwiegend die subjektiven Symptome im Vordergrund gestanden. Neben einer leicht
bis mittelgradigen depressiven Symptomatik habe die Beschwerdeführerin v.a.
Schmerzen an diversen Körperstellen angegeben. Zudem hätten sich zahlreiche
psychosoziale Belastungsmomente ausmachen lassen. Die Schmerzsymptomatik,
welche durch die somatischen Befunde nicht vollumfänglich erklärt werden könne, sei
von diffusem Charakter, generalisiert und stehe eindeutig in Zusammenhang mit den
psychosozialen Belastungen. Der Schmerz trete in Verbindung mit emotionalen
Konflikten oder psychosozialen Problemen auf (act. G 18 S. 67ff., vgl. auch S. 65). Die
Gutachter diagnostizierten deshalb eine somatoforme Schmerzstörung. Sie kamen zum
Schluss, dass auf Grund der subjektiven Inanspruchnahme durch diese
Schmerzproblematik die Durchhaltefähigkeit der Beschwerdeführerin schwer
beeinträchtigt sei. Ansonsten sei die psychische Funktionsfähigkeit aber nur leicht bis
gar nicht beeinträchtigt. So bestünden weiterhin soziale Kontakte, die
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Beschwerdeführerin sei in der Lage, sich an Strukturen und Regeln zu halten, sie sei
absprachefähig, ihre Fachkompetenz sei objektiv nicht beeinträchtigt und die
neuropsychologische Untersuchung habe auch keine kognitive Beeinträchtigung
gezeigt. Zusammenfassend lasse sich aus rein psychiatrischer Sicht keine vollständige
Arbeitsunfähigkeit begründen. Es habe sich bei der Beschwerdeführerin eine deutliche
Überlagerung mit psychosozialen Elementen gezeigt, so sei der Beginn der
krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit einerseits einhergehend mit ihrer
Schwangerschaft, andererseits auch mit der Ablehnung des Rentenanspruchs. Auf
Grund der verminderten Durchhaltefähigkeit, welche durch die Schmerzsymptomatik
bedingt sei, befanden die Gutachter die Beschwerdeführerin in ihrem angestammten
Beruf als Briefsortiererin als zu 30% eingeschränkt. Dies sei begründet durch einen
vermehrten Erholungs- und Pausenbedarf. Die multilokuläre bzw. generalisierte
Schmerzsymptomatik, die lediglich im Bereich der Wirbelsäule mit den klinischen und
radiologischen Befunden zum Teil somatisch erklärbar sei, habe sich seit dem
Unfallereignis von 01/2010 ausgeweitet und stehe nun in der psychiatrischen
Exploration deutlich im Vordergrund der Erhebungen (act. G 18 S. 69).
2.3 Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, dass sich auf Grund der
somatischen, insbesondere der orthopädischen Befunde eine Einschränkung für
körperlich schwere Tätigkeiten begründen lasse und für Tätigkeiten mit der
Notwendigkeit, körperliche Zwangshaltungen einzunehmen. Von onkologischer Seite
resultiere auf Grund der tumorassoziierten Fatigue eine geringgradige Einschränkung
von 20%. Von psychiatrischer Seite lasse sich auf Grund der Durchhaltefähigkeit,
welche schwer beeinträchtigt sei, eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30%
begründen. In der angestammten Tätigkeit als Briefsortiererin bei G._, welche zugleich
eine optimal adaptierte Tätigkeit sei, bestehe auf Grund der Einschränkung der
Durchhaltefähigkeit aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung von 30%. Die aus
onkologischer Sicht angegebene Einschränkung von 20% sei in der 30%igen
Einschränkung bereits enthalten (act. G 18 S. 70f.). Die Tätigkeit in der Reinigung,
welche die Beschwerdeführerin teilzeitlich von September 2010 bis Februar 2011
verrichtet habe, befanden die ZMB-Gutachter aus orthopädischer Sicht nicht für
günstig auf Grund der genannten Befunde mit Skoliose und muskulärer Dysbalance
(act. G 18 S. 74).
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2.4 Gestützt auf die Akten sei ab dem Autounfall im Januar 2010 bis drei Monate
danach von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten auszugehen.
Drei Monate nach dem Unfall habe aus somatischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit für
die angestammte Tätigkeit als Briefsortiererin sowie für adaptierte, leidensangepasste
Tätigkeiten bis heute bestanden. Unter Berücksichtigung der tumorassoziierten Fatigue
sei drei Monate nach dem Unfall eine Einschränkung von 20% zu attestieren. Aus
psychiatrischer Sicht bestand gemäss den ZMB-Gutachtern ab Juli 2011 (attestiert
durch die behandelnde Psychiaterin Dr. D._) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auf
Grund der Depression. Ab Februar 2015 sei durch die ZIMB-Gutachter aus
psychiatrischer Sicht nachvollziehbar eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche
Tätigkeiten attestiert worden, welche bis heute gelte (act. G 18 S. 74).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin bringt gegen das ZMB-Gutachten vor, dass der
psychiatrische Gutachter die von Dr. D._ im Februar 2011 eingetretene
Verschlechterung des Gesundheitszustands als nicht nachvollziehbar befunden habe,
überzeuge nicht. Da zu diesem Zeitpunkt erstmals die Diagnose einer mittelgradigen
depressiven Episode sowie einer Neurasthenie gestellt worden sei, welche einige
Monate später habe stationär behandelt werden müssen, vermöge der Gutachter die
damals attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit rückwirkend nicht mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in Frage zu stellen (act. G 24). Die ZMB-
Gutachter hielten dazu fest, es sei medizinisch nicht nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin ab September 2010 bis Februar 2011 in ihrer angestammten
Tätigkeit zu 60% gearbeitet habe und dann plötzlich ab Februar 2011 durch den
Hausarzt zu 100% arbeitsunfähig geschrieben worden sei. Diese plötzliche
Verschlechterung des Gesundheitszustands lasse sich nicht nachvollziehen und nicht
begründen. In den Akten seien auch keine neuen diagnostischen Aspekte erwähnt, der
Hausarzt habe die Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit mit der Vergesslichkeit,
Müdigkeit und Erschöpfung begründet, mit einer Symptomatik also, die als allgemein
psychosomatische Symptomatik umschrieben werden könne und eine Symptomatik,
welche schon seit langem vorgelegen habe und in Kenntnis des gesamten Querverlaufs
im Rahmen der psychosomatischen Fehlentwicklung in Richtung somatoforme
Schmerzstörung erklärt werden könne. Es bleibe offen, weshalb diese
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Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit geltend gemacht worden sei, obwohl keine
neuen erschwerenden Umstände hinzugekommen seien, allenfalls sei die Tatsache,
dass sich die Versicherte in einer neuen Ehe befunden habe und auch Mutter
geworden sei, Teil der Überforderungssituation gewesen. Auffällig sei auch, dass die
Krankschreibung mit dem ablehnenden IV-Entscheid zeitlich korreliert habe (act. G 18
S. 72f.). Zum letzteren ist immerhin zu erwähnen, dass der IV-Vorbescheid vom 24.
Februar 2011 datierte, wogegen der Hausarzt im Bericht vom 4. April 2011 angab, die
Beschwerdeführerin sei ab 9. Februar 2011 zu 100% arbeitsunfähig gewesen (IV-act.
34-2). Damit wäre die Arbeitsunfähigkeit zeitlich doch einen halben Monat vor dem
abweisenden Vorbescheid eingetreten. Dennoch fällt auf, dass die 100%ige
Arbeitsunfähigkeit ab Februar 2011 ohne konkrete Beschreibung einer
Verschlechterung und ohne Diagnoseänderung von Hausarzt Dr. B._ attestiert wurde,
während Dr. D._ diesbezüglich keine echtzeitliche Einschätzung abgegeben hatte.
3.2 Die ZMB-Gutachter stellen darauf ab, dass Dr. D._ im Bericht vom 25. Juli 2011
„aktuell“ eine Verschlechterung des psychischen Zustands mit depressiver
Symptomatik, anhaltender Erschöpfung, dauernden Schlafstörungen, Ameisenlaufen in
den Fingern, geschwollenen Handballen, Reizbarkeit, Unruhe und Impulsivität
beschrieben hat (vgl. IV-act. 51-2). Hier wurden auch erstmals die Diagnosen einer
mittelgradigen depressiven Episode und einer Neurasthenie genannt, weshalb die
Gutachter von einer erst ab diesem Zeitpunkt belegten Verschlechterung ausgingen.
Damit übereinstimmend berichtete auch der neue Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr. H._, am 20. Januar 2013 (IV-act. 73-1), dass sich nach vorübergehend etwas
besserem Befinden ab Juli zunehmend depressive Symptome eingestellt hätten, so
dass die Beschwerdeführerin vom 5. bis 25. August 2011 in M._ habe hospitalisiert
werden müssen. Da Dr. H._ die Beschwerdeführerin seit Mai 2011 behandelte (IV-
act. 101-1, 79-2 sowie 78, dagegen ein fehlerhaftes Jahr in IV-act.73-1), ist seinen
Ausführungen mit den ZMB-Gutachtern zu folgen. Damit ist die Annahme im ZMB-
Gutachten bezüglich einer Verschlechterung ab Juli 2011 nachvollziehbar und es ist auf
sie abzustellen.
3.3 Die von Dr. D._ diagnostizierte mittelgradig depressive Episode befanden die
ZMB-Gutachter als überzeugend. Demgegenüber hielten sie eine Neurasthenie für
nicht gegeben, weil sie die Hauptsymptomatik als Ausdruck von realen psychosozialen
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Belastungen bei einer verminderten Belastbarkeit auf Grund von fehlenden Ressourcen
deuteten und nicht als Ausdruck eines innerseelischen Konfliktes. Die Gutachter gingen
davon aus, dass die Hauptsymptomatik die geklagten Schmerzen darstellten, weshalb
sie die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung als plausibler erachteten. Die
Kombination von zwei unterschiedlichen Diagnosen im Spektrum der
psychosomatischen Erkrankungen hielten sie nicht für sinnvoll. Erst im Jahr 2014 sei
die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gestellt worden. Diese habe sich sicherlich
nicht erst zu diesem Zeitpunkt ergeben, sondern habe im Sinne von akzentuierten
Persönlichkeitszügen bereits vorher bestanden. Die psychiatrische Beurteilung durch
das ZIMB (mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, und akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
emotional instabilen und abhängigen Zügen sowie chronifiziertem Ganzkörper-
Schmerzsyndrom, je ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) konnten die ZMB-
Gutachter gut nachvollziehen. Tatsache sei, dass die Beschwerdeführerin trotz dieser
Fehlentwicklung habe arbeiten können, das bedeute, die Persönlichkeitsaspekte seien
höchstens angesichts der vermehrten psychosozialen Belastungen (Doppelbelastung,
finanzielle Belastung) infolge einer verminderten Resilienz von Belang. Auch der
Ausschluss einer posttraumatischen Belastungsstörung (vgl. IV-act. 127-41) konnte
von den Gutachtern nachvollzogen werden. Sie begründeten dies damit, dass sich
keine typische Symptomatik einer posttraumatischen Belastungsstörung finden lasse.
So fehlten Flashbacks und intrusive Elemente (act. G 18 S. 54f.).
3.4 Die Beschwerdegegnerin bringt gegen das ZMB-Gutachten vor, dass die
Diskussion zum Beginn und Verlauf der Arbeitsunfähigkeit im ZIMB-Gutachten
wesentlich ausführlicher und überzeugender daherkomme, weswegen von August
2013 bis Januar 2015 von einer 50%igen und nicht von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (act. G 23). Die ZIMB-Gutachter leiteten aus dem
Bericht von Dr. D._ vom 2. August 2013 ab, dass zum damaligen Zeitpunkt nicht
mehr eine 100%ige, sondern schätzungsweise eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen haben dürfte. So habe die Psychiaterin ausgeführt, dass durch die
psychotherapeutischen Gespräche und die Behandlung mit Psychopharmaka eine
gewisse Stabilisierung des psychischen Zustandsbildes habe erreicht werden können,
die psychiatrische Spitex habe mittlerweile sistiert werden können. Daher sei ab
diesem Zeitpunkt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht mehr nachvollziehbar (act. G
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127-59). Dagegen befanden die ZMB-Gutachter diese Einschätzung als nicht
genügend fundiert. Infolge fehlender anderslautender echtzeitlicher Einschätzungen
stellten sie auf die Beurteilung der behandelnden Psychiaterin Dr. D._ ab, welche ab
Juli 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auf Grund der Depression attestiert hatte
(vgl. act. G 18 S. 74). Ab dem Gutachten des ZIMB (Februar 2015) habe jedoch eine
Einschränkung von 30% bestanden. Zur Begründung führten sie aus, dass bei einer
depressiven Erkrankung sehr wohl Schwankungen der Stimmung möglich seien.
Insofern lasse sich die von Dr. D._ attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit von Juli
2011 bis Februar 2015 mit einer solchen gesundheitlich bedingten Schwankung
erklären (act. G 18 S. 75f.). Diese Ausführungen der ZMB-Gutachter erscheinen
nachvollziehbar. So stellten sie darauf ab, was nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt war. Schliesslich war die
Beschwerdeführerin vom 1. Oktober 2013 bis 10. April 2014 tagesklinisch behandelt
worden (vgl. IV-act. 111). Die Annahme einer ab August 2013 durchgehend erhöhten
Arbeitsfähigkeit auf 50%, wie sie die ZIMB-Gutachter trafen (IV-act. 127-42f.), lässt
sich damit nicht in Übereinstimmung bringen. Auch aus dem echtzeitlich vorhandenen
Bericht von Dr. D._ vom 2. August 2013 geht keine derartige Verbesserung hervor
(IV-act. 87).
3.5 Demnach ist mit dem ZMB-Gutachten davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin vom 30. Januar 2010 bis 30. April 2010 zu 100% und ab Mai 2010
bzw. nach dem stationären Aufenthalt in Bellikon ab Juli 2010 zu 20% arbeitsunfähig
war. Von Juli 2011 bis Ende Januar 2015 lag eine Arbeitsunfähigkeit in Höhe von 100%
vor und ab Februar 2015 ist sodann von einer solchen von 30% auszugehen (vgl. act.
G 18 S. 73f.).
4.
4.1 Zu prüfen bleibt damit die erwerbliche Auswirkung der festgestellten
Restarbeitsfähigkeiten.
4.2 Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin als Gesunde im Vergleich zum
durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn kein überdurchschnittliches Einkommen erzielt hat
(siehe IV-act. 11) und sie die ihr medizinisch-theoretisch zumutbare 70%ige
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Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten unbestrittenermassen nicht
verwertet, ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung die Vergleichseinkommen gestützt auf die gleiche
betragliche Grundlage ermittelte (IV-act. 147). Dies führt faktisch zu einem
Prozentvergleich.
4.3 Hinsichtlich der Festsetzung des Invalideneinkommens verbleibt damit noch die
Prüfung eines allfälligen Tabellenlohnabzugs. Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu
berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten
Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und
entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind
und deshalb mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird
dem Umstand Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale
einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2).
4.4 Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin mit
Jahrgang 19_ (IV-act. 1) bezüglich Hilfsarbeiten einen Lohnnachteil zu befürchten
hätte. Damit entfällt ein Abzug vom Tabellenlohn.
4.5 Für die Dauer vom 1. Juli 2011 bis 31. Januar 2015 war die Beschwerdeführerin
vollständig arbeitsunfähig. Während diesem Zeitraum beträgt der Invaliditätsgrad (nach
Ablauf des Wartejahres, vgl. nachfolgend E. 4.6) 100%. Ausgehend von einer Erhöhung
der Arbeitsfähigkeit ab Februar 2015 auf 70% resultiert im Rahmen eines
Prozentvergleichs ein nicht mehr rentenbegründender Invaliditätsgrad von 30%.
4.6 Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG haben Anspruch auf eine Rente versicherte
Personen, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (lit. c). Nachdem das Wartejahr bei der
Beschwerdeführerin somit am 1. Oktober 2011 abgelaufen ist (von 1. Oktober 2010 bis
30. Juni 2011 bestand eine Arbeitsunfähigkeit von 20% und von 1. Juli bis 30.
September 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100%), hat sie einen befristeten Anspruch
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auf eine ganze Rente mit Beginn ab 1. Oktober 2011 (vgl. Urteil des
Versicherungsgerichts vom 27. August 2015, IV 2013/162). Auf die rückwirkende
Zusprache einer abgestuften und/oder befristeten Invalidenrente sind die für die
Rentenrevision geltenden Normen (Art. 17 ATSG i.V.m. Art. 88a IVV) analog
anzuwenden (BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis, BGE 109 V 125 E. 4a). Wird
rückwirkend eine derartige Rente zugesprochen, sind daher einerseits der Moment des
Rentenbeginns und andererseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a
Abs. 1 IVV festzusetzende Zeitpunkt der Rentenherabsetzung oder -aufhebung die
massgebenden zeitlichen Vergleichsgrössen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23.
November 2010, 8C_468/2010, E. 2 sowie vom 25. Mai 2010, 8C_834/2009, E. 2 mit
Hinweis). Ist auf Grund eines Gutachtens überwiegend wahrscheinlich, dass sich der
Gesundheitszustand verbessert hat, nicht aber ersichtlich, in welchem Zeitpunkt diese
Besserung stattgefunden hat, so kann es sich rechtfertigen, die Rente bereits auf den
Zeitpunkt des Gutachtens hin herabzusetzen oder aufzuheben (Urteil vom 10. Februar
2012, 8C_670/2011, E. 4.1 mit Hinweisen). Vorliegend besteht somit ein befristeter
Anspruch auf eine ganze Rente vom 1. Oktober 2011 bis 31. Januar 2015.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzuheissen, als
die Verfügung vom 27. August 2015 aufgehoben und der Beschwerdeführerin für die
Dauer vom 1. Oktober 2011 bis 31. Januar 2015 eine ganze Rente zugesprochen wird.
Die Sache wird zur Festsetzung der Rentenhöhe sowie zur Ausrichtung der
geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Auf Grund der Einholung eines
Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Zusatzaufwands erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als
angemessen. Der unterliegenden Beschwerdegegnerin sind die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 1'000.-- aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
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5.3 Die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 19'943.20 (act. G 20) hat die
Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
5.4 Gemäss Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) hat die obsiegende beschwerdeführende
Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint wegen des im Zusammenhang mit dem Gerichtsgutachten
verbundenen Mehraufwands eine Parteientschädigung Fr. 4'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.