Decision ID: 7503e084-94f6-40cb-a24f-6315892ae41d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde gestützt auf das MEDAS-Gutachten Zentralschweiz vom 31. Juli 1998
mit Verfügung der IV-Stelle vom 12. November 1998 ab 1. November 1996 eine ganze
Rente samt entsprechenden Zusatzrenten zugesprochen (IV-act. 59). Im
polydisziplinären (neurologischen, rheumatologischen, kardiologischen und
psychiatrischen) MEDAS-Gutachten hatten die Experten mit wesentlicher
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit eine ausgeprägt polysymptomatische dissoziative
Störung sowie einen Verdacht auf eine passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
diagnostiziert. Der Versicherte sei sowohl für die angestammten Tätigkeiten als Kellner
und Lieferwagenchauffeur als auch für sämtliche anderen Tätigkeiten zu 100%
arbeitsunfähig (IV-act. 53-10f.).
A.a.
Im Rahmen der Rentenrevisionen der Jahre 2000 (IV-act. 70, 73) und 2006 (IV-act.
82, 90) bestätigte die IV-Stelle den Anspruch auf eine ganze Rente.
A.b.
Am 23. September 2009 meldete die Wohnsitzgemeinde des Versicherten der IV-
Stelle Ungereimtheiten, welche bei ihr den Verdacht auf IV-Betrug hatten aufkommen
lassen. So habe der Versicherte eine Visitenkarte vorgelegt, worin er sich als
Investment Broker ausgebe. Zudem habe er erzählt, ein Hotel in B._ zu besitzen. Er
habe auch von Geschäftsreisen in C._ gesprochen und pflege gegen aussen ein sehr
auffallendes Auftreten als Geschäftsmann (E-Mail vom 22. September 2009, IV-act.
96-1f.; vgl. ferner Telefonnotiz vom 12. April 2010, IV-act. 97).
A.c.
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Am 12. Mai 2010 beauftragte die IV-Stelle ein Ermittlungsbüro mit der
Überwachung des Versicherten (IV-act. 99). Im Juni 2010 leitete sie erneut eine
Revision von Amtes wegen ein. Darauf gab der Versicherte im Fragebogen vom 20.
Juni 2010 an, sein Zustand habe sich in den letzten beiden Jahren verschlechtert (IV-
act. 101). Am 22. September 2010 wurde der Versicherte im Rahmen eines
"Standortgesprächs" bei der IV-Stelle zu seinem Gesundheitszustand und weiteren
persönlichen Verhältnissen befragt. Dabei gab er an, seit der Rentenzusprache immer
noch die gleichen grossen Schmerzen im Rücken, Nacken, in der Brust, im Magen und
im Kopf zu haben. Auch benötige er die Hilfe von Dritten bei der Körperpflege und dem
An- und Auskleiden sowie dem Aufstehen/Absitzen/Abliegen. In den letzten sechs
Monaten sei er nur einmal von zu Hause bis zu D._ Auto gefahren. Zudem könne er
nur in einer speziellen Position sitzen, anders sei es extrem schmerzhaft. An das
Gespräch zur SVA sei er in Begleitung seiner Frau mit dem Bus gekommen (IV-act.
111). RAD-Arzt Dr. med. E._ befand in der Stellungnahme vom 28. Oktober 2010 zu
den Observationsergebnissen und den Ergebnissen des Standortgesprächs, dass
keine der vom Versicherten geltend gemachten Behinderungen bei der Observation
auch nur annäherungsweise festgestellt hätten werden können. Der Versicherte könne
seinen Funktionsverlust sehr zielgerichtet kontrollieren. Das Vorliegen einer
dissoziativen Störung könne deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden. Eine behandlungsbedingte Arbeitsunfähigkeit habe etwa vom
1. Februar 1996 an für drei bis allerhöchstens sechs Monate wegen der Operation des
Sakraldermoids bestanden. Um diese Episode herum und bis aktuell habe keine
Arbeitsunfähigkeit bestanden (IV-act. 113-4).
A.d.
Am 7. Februar 2011 erhob die IV-Stelle gestützt auf die ergangenen
Überwachungsvideos (vgl. IV-act. 112) beim Untersuchungsamt F._ gegen den
Versicherten Straf- und Zivilklage wegen Betrugs und Widerhandlungen gegen Art. 70
IVG i.V.m. Art. 87 AHVG (IV-act. 115). In der Folge fand am 11. März 2011 beim
Versicherten eine Hausdurchsuchung durch die Kantonspolizei St. Gallen statt. Diese
stellte nebst schriftlichen Unterlagen und Fotoaufnahmen auch eine Videokamera mit
dazugehörigen Kassetten sowie zwei Laptops sicher (IV-act. 142-2).
A.e.
Mit Verfügung vom 5. April 2011 stellte die IV-Stelle die Rente des Versicherten
vorsorglich per sofort ein (IV-act. 129). Dagegen liess der Versicherte durch
A.f.
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Rechtsanwalt lic. iur. R. Niedermann am 20. Mai 2011 Beschwerde erheben und die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragen. Weiter beantragte er, dass
unverzüglich eine MEDAS-Untersuchung einzuleiten sei, um seine Rentenansprüche
abzuklären (IV-act. 137). Am 14. Mai 2012 beauftragte das Untersuchungsamt F._ Dr.
med. G._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter Forensischer
Psychiater SGFP, mit einer psychiatrischen Begutachtung des Versicherten (IV-act.
172).
Mit Urteil vom 18. Juli 2012, IV 2011/174, wies das Versicherungsgericht die
Beschwerde gegen die Verfügung vom 5. April 2011 ab. Es hielt fest, dass die
vorsorgliche sofortige Renteneinstellung zu Recht erfolgt sei. Entgegen der Auffassung
des Versicherten erscheine eine monodisziplinäre psychiatrische Begutachtung für die
Beurteilung des Rentenanspruchs geeignet. Für die Vornahme einer polydisziplinären
Beurteilung bestehe kein zwingender Anlass, seien doch vorliegend
unbestrittenermassen psychische Leiden zu beurteilen. Nach Vorliegen des
psychiatrischen Gutachtens werde die IV-Stelle unverzüglich über die Hauptsache zu
entscheiden haben, ansonsten sie Gefahr laufe, dass die Aufrechterhaltung der
vorsorglichen Massnahme rechtswidrig werde (IV-act. 179).
A.g.
Am 24. und 28. August 2012 wurde der Versicherte durch Dr. G._ psychiatrisch
untersucht. Dieser kam im Gutachten vom 18. September 2012 zum Schluss, es könne
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit festgehalten werden, dass die vom
Versicherten gegenüber der SVA und den behandelnden/beurteilten Ärzten
präsentierte, "invalidisierende" Symptomatik weder somatisch noch psychiatrisch
erklärt werden könne. Bezüglich dem Ausmass sei festzuhalten, dass beim Abszess
am Gesäss und bei der Schilddrüsenoperation aggraviert worden sei/werde. Der ganze
Rest sei simuliert (IV-act. 194-83).
A.h.
Mit Vorbescheid vom 12. November 2012 stellte die IV-Stelle in Aussicht, dass sie
die Verfügung vom 12. November 1998 aufheben und feststellen wolle, dass der
Versicherte keinen Anspruch auf eine IV-Rente habe. Zudem seien sämtliche IV-
Leistungen zurückzuerstatten (IV-act. 191). Gemäss der Aufstellung der IV-Stelle zu
Handen des Untersuchungsamts F._ beliefen sich die gesamten bisher erbrachten
Leistungen an den Versicherten auf Fr. 453'229.-- (IV-act. 192).
A.i.
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B.
Am 13. Dezember 2012 liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter gegen
den Vorbescheid Einwand erheben. Dieser wies auf ein ärztliches Zeugnis des
Hausarztes des Versicherten vom 17. August 2011 hin, welcher immer noch von einer
somatoformen Schmerzstörung ausging (IV-act. 195).
A.j.
Mit Verfügung vom 14. Januar 2013 hob die IV-Stelle die Verfügung vom 12.
November 1998 auf und stellte fest, dass der Versicherte keinen Anspruch auf eine IV-
Rente habe. Zudem seien sämtliche IV-Leistungen zurückzuerstatten und einer

allfälligen Beschwerde sei im Sinne der Erwägungen die aufschiebende Wirkung zu
entziehen (IV-act. 199).
A.k.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 14. Februar
2013 mit dem Antrag auf deren Aufhebung. Es sei dem Beschwerdeführer weiterhin
eine ganze IV-Rente rückwirkend ab Einstellung per April 2011 auszurichten.
Eventualiter sei im Sinne der nachstehenden Ausführungen ein polydisziplinäres
MEDAS-Gutachten einzuholen. Es sei auf die Rückerstattung sämtlicher IV-Leistungen
zu verzichten. Bis zum Vorliegen des Gutachtens sei im Sinne einer vorsorglichen
Massnahme die ganze Rente allenfalls rückwirkend per Einstellung unverzüglich wieder
an den Beschwerdeführer auszurichten. Zudem sei der vorliegenden Beschwerde die
aufschiebende Wirkung wieder zu erteilen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge
(act. G 1)
B.a.
Gestützt auf ein Gesuch des Beschwerdeführers um Sistierung des
Beschwerdeverfahrens infolge des laufenden Strafverfahrens wegen IV-Betrugs vom 2.
Juli 2013 (act. G 10) sistiert das Versicherungsgericht das Verfahren am 26. Juli 2013
vorläufig bis längstens 30. September 2013 (act. G 12). Mit Schreiben vom 9. August
2013 äussert die IV-Stelle, dass die ihr gewährte Frist zur Stellungnahme zum
Sistierungsgesuch in die Gerichtsferien gefallen sei und sie hiermit fristgerecht Stellung
nehme. Auf Grund der Klarheit des Falles und wegen drohender Verjährung beantragt
sie, das Sistierungsgesuch abzuweisen (act. G 13). In der Folge hebt das Gericht die
Sistierung auf und erteilt dem Beschwerdeführer Nachfrist zur ergänzenden
Beschwerdebegründung (act. G 14).
B.b.
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Mit Eingabe vom 4. September 2013 sieht sich der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers nicht in der Lage, eine (ergänzende) Beschwerdebegründung
einzureichen, solange das Strafverfahren noch laufe. Am 22. November 2013 sei
diesbezüglich das Hauptverfahren vor dem Kreisgericht H._ angesetzt worden (act.
G 15).
B.c.
Mit Beschwerdeantwort vom 7. Oktober 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 17).
B.d.
Am 21. November 2013 verfügt die Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer
habe unrechtmässig bezogene Rentenleistungen in Höhe von insgesamt Fr. 444'634.--
zurückzuerstatten. Dagegen erhebt der Beschwerdeführer am 6. Januar 2014
Beschwerde. Das diesbezügliche Verfahren ist sistiert (vgl. IV 2014/10).
B.e.
Am 15. November 2013 ersucht der Beschwerdeführer für die Replik um
Fristerstreckung bis 15. Dezember 2013, damit er die Hauptverhandlung vor dem
Kreisgericht H._ vom 22. November 2013 abwarten könne (act. G 20). Mit Schreiben
vom 13. Dezember 2013 ersucht der Beschwerdeführer erneut um Sistierung des
Verfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens. In der Beilage reicht
er den Entscheid des Kreisgerichts H._ vom 27. November 2013 ein, worin der
Beschwerdeführer des gewerbsmässigen Betrugs sowie der groben Verletzung der
Verkehrsregeln schuldig erklärt wird. Bezüglich der angeklagten Sachverhalte, die
Delikte vor dem 17. März 2001 betreffen, wird das Verfahren infolge Verjährung
eingestellt (act. G 22, 22.2). Gegen den Entscheid des Kreisgerichts H._ hat der
Rechtsvertreter im Namen des Beschwerdeführers Berufung angemeldet (act. G 22.1).
Die Beschwerdegegnerin hält im Schreiben vom 8. Januar 2014 fest, es seien keine
Gründe ersichtlich, weshalb der rechtskräftige Abschluss des Strafverfahrens
abgewartet werden müsse. Immerhin halte sie es aber für angezeigt, die
Urteilsbegründung des Kreisgerichts H._ abzuwarten (act. G 24).
B.f.
Mit Entscheid vom 24. Januar 2014 sistiert die Abteilungspräsidentin das
Beschwerdeverfahren vorläufig bis zum Vorliegen des begründeten erstinstanzlichen
Strafurteils (act. G 25). Am 26. Februar 2014 reicht die Beschwerdegegnerin den
begründeten Entscheid des Kreisgerichts H._ ein (act. G 26 und 26.1).
B.g.
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Mit Schreiben vom 2. April 2014 teilt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
dem Gericht mit, er habe gegen das erstinstanzliche Strafurteil beim Kantonsgericht St.
Gallen Berufung eingereicht und die vollumfängliche Freisprechung des
Beschwerdeführers vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs im Zusammenhang
mit den angeblich ertrogenen IV-Renten beantragt. Weiter habe er den Beweisantrag
auf Durchführung eines neuen forensisch-psychiatrischen Gutachtens bzw.
Obergutachtens gestellt. Da sich die angefochtene IV-Verfügung des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens ebenfalls auf das unzuverlässige Gutachten von Dr. G._
stütze, ersuche er um eine weitere Verfahrenssistierung bis ein allfälliges neues
Gutachten bzw. ein rechtskräftiges Urteil vorliege (act. G 28). Die Beschwerdegegnerin
beantragt mit Eingabe vom 9. April 2014 die Abweisung des Sistierungsgesuchs, da es
nicht hinreichend begründet sei und sich das Kreisgericht H._ bereits hinlänglich mit
den Argumenten gegen das Gutachten von Dr. G._ auseinandergesetzt habe (act.
G 30).
B.h.
Mit Entscheid vom 16. April 2014 sistiert die Abteilungspräsidentin das Verfahren
vorläufig bis zum Vorliegen des zweitinstanzlichen Strafurteils, zunächst längstens bis
30. November 2014 (act. G 32).
B.i.
Im Beschluss vom 12. August 2014 hält das Kantonsgericht St. Gallen fest, dass
die SVA St. Gallen im Strafverfahren nicht als Partei zugelassen werde (act. G 33.1).
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ersucht in der Folge mit Schreiben vom
28. November 2014 um eine weitere Sistierung des Beschwerdeverfahrens, da das
Kantonsgericht in der Sache selber dabei sei, Gutachter zu ernennen (act. G 33). Am 4.
Dezember 2014 teilt er dem Gericht mit, das Kantonsgericht lasse den
Beschwerdeführer durch die asim Begutachtung, Basel, polydisziplinär begutachten
(act. G 35, 35.1).
B.j.
Am 2. Dezember 2014 hält das Versicherungsgericht an einer weiteren Sistierung
fest (act. G 34). Mit Schreiben vom 17. Februar 2016 ersucht es den Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers um Information über den Stand des Gutachtens im Verfahren
vor dem Kantonsgericht (act. G 42). Der Rechtsvertreter reicht dem Gericht am 29.
Februar 2016 das Gutachten des asim vom 23. Dezember 2015 ein (act. G 43, 43.1).
B.k.
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Der Beschwerdeführer war von den asim-Gutachtern in der Zeit vom 16. bis 18.
Juni 2015 untersucht worden. Die Experten hatten befunden, dass die durch den
Beschwerdeführer laut Akten vorgebrachten Beschwerden an Ausmass und
anatomischer Ausbreitung die nach heutigem Wissensstand auf Grund der bildgebend
objektivierbaren Veränderungen an der Wirbelsäule gemeinhin erwartbaren Symptome
erheblich überschritten hätten. Die zugehörigen korrekten wirbelsäulenspezifischen
Diagnosen seien ärztlicherseits nicht gestellt worden, vermutlich, weil das Ausmass der
Aggravation so ausgeprägt gewesen sei, dass der Fokus auf die psychiatrischen
Diagnosen gelegt worden sei. Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich, dass die
Stellungnahmen der behandelnden Ärzte in der angesprochenen Zeitperiode von einer
schwersten psychischen Störung ausgegangen seien, die retrospektiv auf Grund
aktueller Beurteilung so nicht aufrecht erhalten werden könne, da eine relevante
Aggravation der Beschwerden früh im Verlauf angenommen werden müsse. Zu Beginn
der Symptomatik sei retrospektiv eine krankheitswerte psychische Störung um 1996
durchaus erkennbar gewesen. Deren massive Ausweitung 1998 mit der dann auch
diagnostizierten schweren Störung (MEDAS 1998) weise allerdings bereits Hinweise auf
für erhebliche Inkonsistenzen bei bizarrer Symptompräsentation. Eine
Auseinandersetzung mit diesen Inkonsistenzen habe jedoch nach den vorliegenden
Dokumenten nicht stattgefunden. Es könne deshalb mit Sicherheit nur für den aktuellen
Zeitpunkt ausgesagt werden, dass eine solche schwere psychische Störung mit
entsprechend schwerer Einschränkung der Leistungsfähigkeit nicht (mehr) vorliege.
Das Observationsmaterial von 2010 lasse erst ab dem Observationszeitpunkt und nicht
rückwirkend Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit des Observierten zu. Mit Sicherheit
könne zum Zeitpunkt der Observation von der vollen Leistung in leidensadaptierten
Tätigkeiten ausgegangen werden mit zeitlicher Einschränkung der vollen täglichen
Regelarbeitszeit um eine Stunde wegen der sich in aufrechter Körperhaltung auch bei
angepassten Tätigkeiten über die Zeit aufsummierenden Rückenbeschwerden (act.
G 43.1 S. 19f. i.V.m. S. 16).
B.l.
In der Eingabe vom 14. Dezember 2016 bezieht sich der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
(EGMR) vom 18. Oktober 2016 im Fall Vukota-Bojic gegen die Schweiz (Nr. 61838/10).
Darin habe der EGMR eine unzureichende rechtliche Grundlage für
B.m.
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Überwachungsmassnahmen durch die Unfallversicherer festgestellt. Gestützt darauf
bestehe auch in der Invalidenversicherung nur eine ungenügende Rechtsgrundlage,
weshalb sämtliche Observationsunterlagen sowie alle Folgeakten wie das Protokoll
über das Standortgespräch vom 22. September 2010, die medizinische Stellungnahme
von RAD-Arzt Dr. E._ vom 28. Oktober 2010, das Gutachten von Dr. G._ sowie das
Obergutachten des asim aus dem Recht zu weisen seien. Sobald der Prozessstoff
bereinigt sei, könne über die vorliegende Beschwerde entschieden werden (act. G 47).
Ein im Einverständnis der Parteien durch das Gericht ausgearbeiteter
Vergleichsvorschlag scheitert (vgl. act. G 48ff.).
B.n.
Am 12. Juni 2017 sistiert die Abteilungspräsidentin das Verfahren nach Eingang
des Einverständnisses der Parteien vom 5. und 22. Mai 2017 (vgl. act. G 64f.) bis zum
Vorliegen eines bundesgerichtlichen Grundsatzentscheides betreffend die Zulässigkeit
von Observationen im Bereich der IV (act. G 66).
B.o.
Mit Schreiben vom 16. August 2017 orientiert der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers das Gericht über den Eingang des Ergänzungsgutachtens des asim
vom 8. Juni 2017 (act. G 67). Darin hielten die Gutachter mit Bezug auf die
beschlagnahmten Bildaufnahmen des Beschwerdeführers fest, es sei davon
auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt der
Rentenrevision im Februar 2006 derjenigen entsprochen haben dürfte, welche im asim-
Gutachten 08/2015 festgelegt worden sei (act. G 69.1).
B.p.
Am 11. September 2017 teilt die Abteilungspräsidentin den Parteien mit, dass in
der Zwischenzeit zwar ein bundesgerichtlicher Grundsatzentscheid betreffend die
Zulässigkeit von Observationen im Bereich IV vorliege. Demnach fehle es in der
Invalidenversicherung an einer genügenden gesetzlichen Grundlage für die
Durchführung von Observationen, weshalb diese sich als widerrechtlich erwiesen.
Dennoch gehe das Bundesgericht davon aus, dass unter bestimmten Voraussetzungen
das im Rahmen der Observation widerrechtlich gesammelte Material beweismässig
verwertbar sei. Unter diesen Umständen erscheine es sinnvoll, das
Beschwerdeverfahren weiterhin sistiert zu lassen bis zumindest das Strafverfahren
beim Kantonsgericht St. Gallen abgeschlossen sei (act. G 70).
B.q.
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Mit Eingabe vom 26. September 2017 teilt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers mit, dass sein Mandat inzwischen erloschen sei (act. G 71). In der
Eingabe vom 14. Dezember 2017 informiert der Beschwerdeführer das Gericht, dass
das Kantonsgericht zwar das Urteil des Kreisgerichts aufgehoben habe, er aber
dennoch wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt worden sei. Da dieser Entscheid
falsch sei, werde er ihn vor Bundesgericht anfechten (act. G 74). Mit Schreiben vom
21. Dezember 2017 wird der Beschwerdeführer um Zustellung des
kantonsgerichtlichen Urteils ersucht, sobald der begründete Entscheid vorliege (act.
G 75).
B.r.
Mit Schreiben vom 23. März 2018 reicht die Beschwerdegegnerin dem Gericht das
Urteil des Kantonsgerichts vom 14. Dezember 2017 ein. Darin wurde der Entscheid des
Kreisgerichts H._ vom 27. November 2013 aufgehoben. Bezüglich der angeklagten
Sachverhalte, die Delikte vor dem 17. März 2001 betrafen, blieb das Verfahren infolge
Verjährung eingestellt. Der Beschwerdeführer wurde des gewerbsmässigen Betrugs
sowie der groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig erklärt und zu einer
Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt. Der Vollzug wurde mit einer Probezeit von
zwei Jahren aufgeschoben. Zudem wurde er zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen
zu je Fr. 30.-- verurteilt und deren Vollzug mit einer Probezeit von zwei Jahren
aufgeschoben (act. G 76, 76.1). Auf Aufforderung des Versicherungsgerichts vom 6.
April 2018 (act. G 77) reicht der Beschwerdeführer am 8. Mai 2018 eine Stellungnahme
ein. Darin hält er daran fest, das Urteil des Kantonsgerichts ans Bundesgericht
weiterziehen zu wollen. Zudem ersucht er um eine weitere Verfahrenssistierung bis zum
Vorliegen des Entscheids des Bundesgerichts (act. G 78).
B.s.
Mit Schreiben vom 14. Mai 2018 teilt das Gericht den Parteien mit, es werde das
Verfahren - ohne ihren allfälligen Gegenbericht - bis zum Eingang des
bundesgerichtlichen Urteils weiterhin sistiert halten (act. G 80).
B.t.
Am 31. Juli 2019 weist das Bundesgericht, soweit es darauf eintritt, die
Beschwerde des Versicherten gegen das Strafurteil des Kantonsgerichts ab
(6B_428/2018, act. G 82). Am 13. August 2019 wird die Sistierung des vorliegenden
Verfahrens aufgehoben (act. G 83).
B.u.
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Erwägungen
1.
Während der dem Beschwerdeführer vom Versicherungsgericht mit Schreiben
vom 13. August 2019 eingeräumten Frist zur Replik (act. G 83) geht keine
Stellungnahme ein, worauf der Schriftenwechsel abgeschlossen wird (act. G 85). Mit
Eingabe vom 17. Oktober 2019 ersucht der Beschwerdeführer, neu vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter, um Wiederherstellung der versäumten Frist und um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für den Fall, dass die
Rechtsschutzversicherung eine Leistungspflicht verweigere (act. G 86). Gestützt darauf
informiert ihn das Gericht, es stehe ihm frei, bis zum Entscheid in der Sache weitere
Eingaben einzureichen, da es sich bei der Frist zur Einreichung einer Replik nicht um
eine peremptorische Frist handle (act. G 87).
B.v.
Mit Schreiben vom 4. November 2019 reicht der Beschwerdeführer ein
verkehrsmedizinisches Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin des Kantonsspitals
St. Gallen (KSSG) vom 26. September 2018 ein. Darin wird die Fahreignung des
Beschwerdeführers zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus verkehrsmedizinischer Sicht
verneint. Gestützt darauf beantragt der Rechtsvertreter, dass ein unabhängiges
psychiatrisches Gutachten über die psychiatrisch-psychologisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit in einer bisherigen und in einer angestammten Tätigkeit des
Beschwerdeführers zu erstellen sei (act. G 88, 88.1).
B.w.
Am 6. November 2019 reicht der Rechtsvertreter dem Gericht den Erstbericht von
Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
Praxisgemeinschaften J._, vom 21. Oktober 2019 ein, wonach der Beschwerdeführer
unter einer depressiven Störung und komplizierter Trauer auf Grund des Todes einer
seiner Töchter leide. Auch gestützt auf diesen Bericht werde am Gesuch um eine neue
Begutachtung festgehalten (act. G 89, 89.1).
B.x.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom
12. November 1998 zu Recht aufgehoben und einen Anspruch des Beschwerdeführers
auf IV-Rente verneint hat (vgl. angefochtene IV-Verfügung vom 14. Januar 2013, IV-act.
199). Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens IV 2013/78, sondern des
1.1.
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2.
Verfahrens IV 2014/10 (vgl. dort: Verfügung vom 21. November 2013), ist die Frage, ob
und gegebenenfalls in welchem Umfang der Beschwerdeführer widerrechtlich
bezogene Leistungen nach den Vorgaben von Art. 25 ATSG zurückzuerstatten hat
(siehe hierzu Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2014, 8C_203/2014, E. 2.3).
Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung
einer Streitsache auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier:
14. Januar 2013) eingetretenen Sachverhalt ab (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2 und 129 V 169
E. 1, je mit Hinweis). Berichte, welche nach diesem Zeitpunkt datieren, sind zu
berücksichtigen, sofern sie Rückschlüsse in Bezug auf die im Zeitpunkt der Verfügung
bestehende Situation erlauben (BGE 121 V 366 E. 1b, 99 V 102, je mit Hinweisen).
Berichte über nachträgliche Veränderungen des Gesundheitszustandes sind für das
vorliegende Beschwerdeverfahren nicht relevant. Folglich sind das mit Eingabe vom
4. November 2019 eingereichte verkehrsmedizinische Gutachten vom 26. September
2018 (act. G 88.1), das die forensisch-toxikologischen Untersuchungsbefunde vom 23.
August 2018 mit einer allfälligen Aussagekraft für ungefähr die letzten sechs Monate
beinhaltet, sowie der Erstbericht von Dr. I._ vom 21. Oktober 2019 (act. G 89.1) im
vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen.
1.2.
Vorab verlangt der Beschwerdeführer, dass sämtliche Unterlagen, welche im
Zusammenhang mit der Observation stünden und durch das Observationsmaterial
kontaminiert seien, als rechtswidrige Beweismittel vollständig aus den Gerichtsakten zu
entfernen seien (act. G 47). Somit ist zu prüfen, ob auf das vorhandene Aktenmaterial
vollständig abgestellt werden kann. Zwar sind per 1. Oktober 2019 die neuen
Bestimmungen über die Regelung von Observationen in Art. 43a f. des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) in Kraft getreten. Da in zeitlicher Hinsicht aber grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467 E. 1), und weil ferner das
Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis
zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügungen (hier: vom 14. Januar 2013)
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 121 V 366 E. 1b), sind im vorliegenden Fall die
alten ATSG-Bestimmungen anwendbar, welche keine Regelung betreffend die
Observation von versicherten Personen kannten.
2.1.
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) entschied am 18.
Oktober 2016 (Urteil 61838/10 i. S. Vukota-Bojic gegen Schweiz) betreffend einer
2.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2019&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+V+4&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-V-466%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page467 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2019&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+V+4&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-V-362%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page366
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Observation im Anwendungsbereich des Unfallversicherungsgesetzes (UVG;
SR 832.20), auch wenn es sich um Observierungen auf öffentlichem Grund handelte,
habe der Unfallversicherer in das Recht auf Achtung des Privatlebens eingegriffen, weil
er Daten in systematischer Weise und für konkrete Zwecke erhoben habe. Es fehle eine
hinsichtlich des Rechts- und Missbrauchsschutzes ausreichend bestimmte gesetzliche
Grundlage, aus welcher hervorgehe, wann und für welche Dauer Observierungen
vorgenommen oder wie die so erhobenen Daten aufbewahrt und verwendet werden
dürften. Das Bundesgericht erkannte das Fehlen einer ausreichenden gesetzlichen
Grundlage auch im Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20).
Mithin sei die Observation an und für sich rechtswidrig, das heisse in Verletzung von
Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK;
SR 0.101) bzw. Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV; SR 101) erfolgt (BGE 143 I 384, E. 4; vgl. auch Urteil vom 18. August 2017,
8C_69/2017, E. 4.1). Es stelle sich daher die von der Rechtswidrigkeit zu
unterscheidende und nach schweizerischem Recht zu beurteilende Frage nach deren
beweismässiger Verwertbarkeit (vgl. BGE 143 I 384, E. 5). Dafür sei hauptsächlich die
Abwägung zwischen privaten und öffentlichen Interessen massgebend (BGE 143 I
385 f., E. 5.1.1). Das öffentliche Interesse an der Überwachung liege in der
Verhinderung des Versicherungsmissbrauchs (Urteil des Bundesgerichts vom
14. November 2017, 9C_261/2017, E. 4.1 f. mit Verweisen) bzw. daran, dass keine
nicht geschuldeten Leistungen erbracht würden, um die Gemeinschaft der Versicherten
nicht zu schädigen (BGE 135 I 169, E. 5.5; BGE 137 I 327, E. 5.3). Die Verwertung der
Observationsergebnisse sei - in Anbetracht auch der bald zu schaffenden
ausreichenden gesetzlichen Grundlage - grundsätzlich zulässig, es sei denn, die
privaten Interessen würden überwiegen (Urteile vom 14. Mai 2018, 9C_462/2017,
E. 2.3, vom 9. Mai 2018, 8C_605/2017, E. 6.3, vom 18. Februar 2018, 8C_2/2018,
E. 4.2, vom 25. April 2018, 9C_347/2017, E. 4.3, vom 26. Juli 2017, 8C_45/2017,
E. 4.3.2 f.). Als auch aus dem Gebot der Verfahrensfairness abgeleitete
Voraussetzungen der Verwertbarkeit ist gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zu prüfen, ob die versicherte Person im öffentlichen Raum überwacht
und nicht beeinflusst wurde, ob ein hinreichender Anfangsverdacht bestand und ob die
versicherte Person nicht systematisch oder ständig überwacht wurde (BGE 143 I 385
E. 5.1.1). Einem absoluten Verwertungsverbot unterliegt Beweismaterial, das im nicht
öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen wurde (BGE 143 I 386, E. 5.1.3;
Urteile vom 14. Mai 2018, 9C_462/2017, E. 2.3, vom 9. Mai 2018, 8C_605/2017, E. 6.3,
vom 18. Februar 2018, 8C_2/2018, E. 4.2, vom 25. April 2018, 9C_347/2017, E. 4.3,
vom 26. Juli 2017, 8C_45/2017, E. 4.3.2).
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Hinsichtlich des ausreichenden Anfangsverdachts führte das Bundesgericht in
BGE 137 I 327, E. 5.4.2.1 aus, die objektive Gebotenheit der Überwachung erfordere
das Vorliegen konkreter Anhaltspunkte, die Zweifel an den geäusserten
gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit
aufkommen liessen. Solche Anhaltspunkte könnten beispielsweise gegeben sein bei
widersprüchlichem Verhalten, bei Zweifel an der Redlichkeit (eventuell durch Angaben
und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, sowie bei Aggravation, Simulation und Selbstschädigung. Diese
Elemente können einzeln oder in Kombination zureichende Hinweise liefern, die zur
objektiven Gebotenheit der Observation führen.
2.3.
Anlass für die Observation des Beschwerdeführers gaben seine Visitenkarte als
Investment Broker sowie sein Auftreten gegenüber der Wohnsitzgemeinde als
Geschäftsmann und seine Erzählungen, ein Hotel in B._ zu besitzen. Diese Hinweise
gingen durch Meldung seiner Wohnsitzgemeinde bzw. der entsprechenden AHV-
Zweigstelle betreffend eines möglichen Versicherungsmissbrauchs bei der
Beschwerdegegnerin ein (IV-act. 96-1f., 97). Damit wurde die Überwachung auf Grund
ausgewiesener Zweifel über die angebliche vollständige Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers eingeleitet.
2.4.
Der Beschwerdeführer wurde am 1. Juni 2010 sowie in der Zeit vom
21. September bis 2. Oktober 2010 an insgesamt neun Tagen observiert, wobei er nur
an fünf Tagen bei rückschlussfähigen Handlungen beobachtet werden konnte (IV-act.
112). Die Observation erstreckte sich mithin über eine verhältnismässig kurze Dauer.
Dabei war er sechsmal als Lenker eines Personenwagens unterwegs, trug einmal ein
Kleinkind auf dem linken Arm haltend zum Auto und setzte es mit gebücktem
Oberkörper auf die hintere Sitzreihe. Ein andermal trug er mit beiden Händen zwei
K._-Harasse, gefüllt mit leeren Glasflaschen, auf den Garagenvorplatz, wo er sie
aufeinanderstapelte (IV-act. 112). Es wurden keine Beobachtungen in einem
ausschliesslich privat zugänglichen Raum erhoben oder der Privatsphäre zugehörige
Tätigkeiten observiert. Weder eine Beeinflussung noch eine systematische, ständige
Beobachtung liegen vor. Damit bewegt sich die Observation im Rahmen eines nicht
schweren Grundrechtseingriffs. Folglich erweist sich die Observation als geeignet und
erforderlich, mit Bezug auf die geltend gemachten Einschränkungen weitere
Erkenntnisse zu gewinnen, und die Verwertung von deren Ergebnissen trotz
mangelhafter gesetzlicher Grundlage als insgesamt verhältnismässig. Im Übrigen stellte
das Kantonsgericht in seinem Entscheid vom 14. Dezember 2017 fest, dass die
Staatsanwaltschaft Überwachungsmassnahmen selber hätte anordnen können, wenn
2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/28
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3.
sie über die entsprechenden Informationen verfügt hätte. Die Ergebnisse der
Überwachung sowie sämtliche darauf gründende Beweismittel seien deshalb
verwertbar. Auch das Bundesgericht befand in seinem Strafurteil vom 31. Juli 2019
(6B_428/2018), dass eine Verwertung der aus der Überwachung des
Beschwerdeführers erlangten Ergebnisse kein Bundesrecht verletzt habe (vgl.
Erwägung 1.4 des zitierten Urteils).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/28
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4.
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Mit ihrer Verfügung vom 14. Januar 2013 kam die Beschwerdegegnerin auf die
ursprüngliche Verfügung vom 12. November 1998 zurück, wobei sie einen
Rentenanspruch ab November 1996 verneinte. Dabei ging sie von einer prozessualen
Revision aus (IV-act. 199).
4.1.
Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder
der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder
Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (prozessuale
Revision). Solche neuen Tatsachen oder Beweismittel sind innert 90 Tagen nach deren
Entdeckung geltend zu machen; zudem gilt eine absolute zehnjährige Frist, die mit der
Eröffnung der Verfügung zu laufen beginnt (Art. 67 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021] in Verbindung mit Art. 55 Abs. 1 ATSG).
Ergeben sich aus den neu entdeckten Tatsachen und Beweismitteln (lediglich)
gewichtige Indizien für das Vorliegen eines prozessualen Revisionsgrunds, sind innert
angemessener Frist zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, um diesbezüglich
hinreichende Sicherheit zu erhalten. In solchen Fällen beginnt die relative 90-tägige
Revisionsfrist erst zu laufen, wenn die Unterlagen die Prüfung der Erheblichkeit des
geltend gemachten Revisionsgrundes erlauben oder bei Säumnis in dem Zeitpunkt, in
dem der Versicherungsträger den unvollständigen Sachverhalt mit dem erforderlichen
und zumutbaren Einsatz hätte hinreichend ergänzen können (Urteil des Bundesgerichts
vom 15. Mai 2014, 8C_203/2014, E. 2.2 mit Hinweisen). In Analogie zum VwVG läuft die
relative Frist bei der Berufung auf ein Verbrechen oder Vergehen in der Regel ab dem
Eintritt der Rechtskraft des Strafurteils (vgl. August Mächler, in: Kommentar zum VwVG,
Christoph Auer, Markus Müller, Benjamin Schindler (Hrsg.), 2. Aufl. St. Gallen 2019,
Rz 2 zu Art. 67). Obgleich die Revisionsbestimmungen in Art. 53 Abs. 1 ATSG enger
umschrieben sind als in Art. 61 lit. i ATSG, wo die Einwirkung durch Verbrechen oder
Vergehen als Revisionsgrund mit Bezug auf das Verfahren vor Versicherungsgericht
genannt wird, ist davon auszugehen, dass der Gesetzgeber diesen zusätzlichen
4.2.
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Revisionsgrund nicht durch qualifiziertes Schweigen ausschliessen wollte. Vielmehr ist
von einer ausfüllungsbedürftigen Lücke in Art. 53 Abs. 1 ATSG auszugehen (vgl. Miriam
Lendfers, Möglichkeiten und Grenzen der Korrektur von Dauerleistungen mittels
prozessualer Revision, in: Sozialversicherungsrechtstagung 2011, St. Gallen 2012,
S. 200). Zu bedenken ist, dass derselbe durch Art. 66 Abs. 1 VwVG als massgebender
Revisionsgrund bezeichnet wird; zwar bezieht sich diese Bestimmung auf das
Beschwerdeverfahren, doch wird im Schrifttum die analoge Anwendung auf das
Verwaltungsverfahren als zutreffend bezeichnet (zur subsidiären Anwendung des VwVG
im Übrigen Art. 55 Abs. 1 ATSG). Kommt hinzu, dass dieser Revisionsgrund ohnehin
einen allgemeinen verwaltungsrechtlichen Verfahrensgrundsatz darstellt, weshalb im
Ergebnis die Einwirkung durch Verbrechen und Vergehen - über den Wortlaut von Art.
53 Abs. 1 ATSG hinaus - als Revisionsgrund zu qualifizieren ist (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. Zürich 2015, Rz 22 zu Art. 53 mit weiteren Hinweisen). Diesfalls gilt
die absolute Revisionsfrist von zehn Jahren nicht. Folglich kann unter Berufung auf den
Revisionsgrund eines Verbrechens und Vergehens auch nach Ablauf der
Zehnjahresfrist noch Revision verlangt werden (vgl. analog: August Mächler, in:
Kommentar zum VwVG, Christoph Auer, Markus Müller, Benjamin Schindler (Hrsg.),
2. Aufl. St. Gallen 2019, Rz 8 zu Art. 67).
Stehen invalidenversicherungsrechtliche Aspekte zur Diskussion, gilt es
grundsätzlich, mit Wirkung ex nunc et pro futuro einen rechtskonformen Zustand
herzustellen. Die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente erfolgt in diesem Bereich
daher in der Regel auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats.
Rückwirkend wird die Rente nur herabgesetzt oder aufgehoben, wenn die unrichtige
Ausrichtung einer Leistung darauf zurückzuführen ist, dass der Bezüger sie
unrechtmässig erwirkt hat oder er der ihm gemäss Art. 77 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) zumutbaren Meldepflicht nicht
nachgekommen ist (Art. 85 Abs. 2 i.V.m. Art. 88 Abs. 2 IVV).
4.3.
bis
Die ursprüngliche Rentenzusprache (Verfügung vom 12. November 1998, IV-
act. 59) erfolgte in medizinischer Hinsicht gestützt auf die Beurteilung der MEDAS-
Zentralschweiz vom 31. Juli 1998. Die MEDAS-Gutachter hatten beim
Beschwerdeführer eine ausgeprägt polysymptomatische dissoziative Störung sowie
einen Verdacht auf eine passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Sie
befanden ihn in jeglicher Tätigkeit als vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 53-10f.). An
dieser Arbeitsunfähigkeit wurde auch anlässlich der Rentenrevisionen von 2000/2001
(IV-act. 73) und 2006 (IV-act. 82, 87f., 90) festgehalten, obwohl der psychiatrische
Behandler Dr. med. L._, Psychiatrie und Psychotherapie, im Verlaufsbericht vom
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/28
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5.
13. Mai 2006 eine Arbeitsfähigkeit von 2.5 Stunden/Tag als möglich erachtete und
ausführte, dass die Frage der verminderten Leistungsfähigkeit für eine solche
adaptierte Tätigkeit von einer neutralen sachverständigen Person beurteilt werden
müsste (IV-act. 88-4).
Sowohl aus dem Observationsmaterial (Bericht vom 5. Oktober 2010, IV-act. 112),
dem Gesprächsprotokoll mit der SVA vom 22. September 2010 (IV-act. 111), dem
Ermittlungsbericht der Kantonspolizei St. Gallen vom 21. September 2011 (IV-act. 143),
als auch aus dem jene Unterlagen würdigenden asim-Gutachten vom 23. Dezember
2015 (act. G 43.1) und der Stellungnahme des asim vom 8. Juni 2017 (act. G 67.1)
gehen u.a. Inkonsistenzen und Widersprüche bezüglich der vom Beschwerdeführer
geklagten Leiden sowie Hinweise auf Aggravation hervor. Die asim-Gutachter sprachen
von "eklatantem Widerspruch zu den im MEDAS Gutachten 1998 gezeigten grotesk
anmutenden Bewegungseinschränkungen" und gingen ausdrücklich von einer
Aggravation, nicht einer Simulation aus (act. G 67.1). Nachfolgend ist daher der
medizinische Sachverhalt gestützt auf die neuen Erkenntnisse zu prüfen.
4.5.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vorab auf
die Ausführungen von Dr. E._ vom 28. Oktober 2010 und das psychiatrische
Gutachten von Dr. G._ vom 18. September 2012. Nachdem im Rahmen des
Strafverfahrens das Gutachten von Dr. G._ wegen Zweifeln an der notwendigen
Objektivität und Distanz bzw. erforderlichen Unabhängigkeit als qualitativ unbrauchbar
eingestuft und der Gesundheitszustand neu polydisziplinär durch ein Gutachten der
asim Begutachtung, Universitätsspital Basel, vom 23. Dezember 2015 (act. G 43.1)
sowie durch Ergänzungsfragen mit Stellungnahme vom 8. Juni 2017 (act. G 67.1)
abgeklärt worden ist, sind diese weiteren Ergebnisse im Folgenden zu würdigen.
5.1.
Im Gutachten vom 23. Dezember 2015 (act. G 43.1) führten die Fachärzte des asim
aus, es sei aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass auf orthopädischem Gebiet eine
nachweisbare strukturelle Fehlhaltung im Sinne eines konstitutionellen sog.
Totalrundrückens schon im Zeitpunkt der Rentenzusprache bestanden und zumindest
den Kern der beklagten Rückenschmerzen objektiv zu begründen vermocht habe.
Aktuell sei die physiologische Lendenlordose aufgehoben und die Brustkyphose reiche
bis zum unteren Ende der Lendenwirbelsäule. Am Brust-Lendenübergang (Th12/L1)
bestehe eine fixierte ca. 10-gradige Kyphoseabwinkelung durch
Osteochondroseausbildung mit, wie bereits das MRI vom 21.01.2011 zeige, ventralen
schnabelförmigen Knochenanbauten, Bandscheibenerniedrigung und dorsaler
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/28
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Diskusprotrusion mit Eindellung des Duralschlauches (ohne Impression neuraler
Strukturen). Wirbelsäulen dieser Form kämen eher selten vor, seien aber statistisch
häufiger als die übrigen Formvarianten mit Rückenschmerzen verbunden und
beförderten wohl auch, wie in casu an der ganzen LWS und bei Th7/8 nachzuweisen,
langsame degenerative Veränderungen an den ventralen Abschnitten der Wirbelsäule.
Dagegen stelle die geringfügige hochthorakale Skoliose einen Zufallsbefund ohne
Krankheitswert und ohne funktionelle Bedeutung dar. Der bei der aktuellen
Untersuchung vom Beschwerdeführer präsentierte klinische Befund von Seiten der
Stammwirbelsäule unterscheide sich nur im Ausmass der vorgeführten Symptome von
dem bildgebend Erklärbaren - in der Art würden diese zum Vollbild eines Morbus
Bechterew passen mit der Sitzhaltung, mit dem In-die-Knie-Gehen zur Reklination des
Rumpfes durch Entkippen des Beckens (in casu bei der Messung der flèche cervicale)
und mit dem Bericht, ein grosses Kissen unter dem Bauch zu benötigen, um überhaupt
in Bauchlage liegen zu können. Eine komplette Wirbelsäulen-Versteifung und ein
Morbus Bechterew seien jedoch bei 20-jährigem Verlauf ohne Röntgenzeichen (und
negativem HLA-B*27) praktisch auszuschliessen. Die Gutachter beurteilten daher das
vom Beschwerdeführer während der (aktuellen) Untersuchung gebotene Symptombild
hinsichtlich seiner Stammwirbelsäule als eine Aggravation auf der Basis einer objektiv
nachweisbaren, für Schwerstbelastungen und definierbare Tätigkeiten ungünstigen und
dort schmerzauslösenden konstitutionellen Wirbelsäulenform mit glaubhafter Potenz zu
banalen Rückenbeschwerden auch ausserhalb von Überlastungen, die jedoch das
Alltagsleben dank Vermeidbarkeit von ungünstigen Verhaltensweisen nicht
beeinträchtigen würden. Der objektive somatische Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers hinsichtlich des Bewegungsapparates dürfe auch für 2010 und
2000 als im ungünstigsten Fall gleich wie bei der Begutachtung 2015 angenommen
werden, da ja für die gegebenen Veränderungen keine spontane Rückbildung möglich
sei, sondern allenfalls eine Degenerationszunahme hätte eintreten können (act. G 43.1,
S. 12). Gemäss den Akten sei mit Ausnahme des Rates von Prof. M._ zur Operation
des HWS-Segmentes C4/5 vom 25.06.1997 wegen "Diskushernie" und
"Instabilität" (nicht nachvollziehbar: im MRI 2011 C4/5 normales Segment, mässige
Osteochondrose bei C5/6) nie von somatischen Untersuchern eine Diagnose genannt
worden, die die Beschwerden hätten erklären wollen. Allerdings fänden sich in den
Befundbeschreibungen z.B. der MEDAS Zentralschweiz doch schon Hinweise auf eine
bereits damals manifeste Kyphose. Diese Befunde seien aber im Rahmen des
grotesken Bildes, das der Beschwerdeführer geboten habe, wohl als hochgradig
funktionell überlagert gewertet und nicht als eigenständige Diagnose geführt worden.
Neurologische Ausfälle hätten zu keiner Zeit objektiviert werden können. Die (teilweise)
nachvollziehbaren Schmerzen im Rücken seien hochgradig aggraviert und funktionell
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überlagert worden. Im Verlauf bis zum MEDAS-Gutachten hätten sich insbesondere die
neurologisch anmutenden Symptome (Bild einer Hemisymptomatik) zunehmend
gesteigert und ihr Maximum während des MEDAS-Gutachtens erreicht, v.a. was den
Einbezug auch des linken Armes betreffe. Diese funktionelle Ausgestaltung sei von den
MEDAS-Gutachtern erkannt und diagnostisch psychiatrisch im Sinne einer
dissoziativen Störung zugeordnet worden. Ob diese Symptome danach weiter
persistierten und gegebenenfalls wie lange und in welcher Ausprägung, könne mangels
zeitnaher Berichte nicht sicher beurteilt werden. Mit Sicherheit lägen die
pseudoneurologischen Symptome zum Zeitpunkt der Observationen nicht mehr vor
(act. G 43.1, S. 13).
Die Frage, ob diese psychiatrische diagnostische Zuordnung richtig gewesen sei
oder nicht, lässt sich gemäss asim-Gutachten aus aktueller Sicht nicht mit letzter
Sicherheit abschätzen. Wie im psychiatrischen Gutachten im Detail begründet, sei eine
exakte Einschätzung von Funktionalitäten des Beschwerdeführers auch auf Grund der
erheblichen Aggravation nur annähernd möglich. Dies gelte für die aktuelle Situation,
natürlich aber auch für die früheren Zeiträume einschliesslich der Zeitpunkte der
Rentenzusprache und der Rentenrevisionen. Zusammenfassend könne aus
psychiatrischer Sicht festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer sehr
wahrscheinlich primär (ab 1992 bis 1998, fraglich auch später) unter einer klinisch
relevanten somatoformen Störung gelitten habe mit partiell wohl auch dissoziativen
Symptomen, also eine psychische Störung von Krankheitswert mit relevantem
Leidensdruck vorgelegen habe. Diese Störung sei durch persönlichkeitsbedingte
Faktoren ungünstig beeinflusst worden. Die diagnostische Einordnung als dissoziative
Störung und v.a. die Einschätzung des so erheblichen Schweregrads dieser Störung
durch die MEDAS-Gutachter 1998 sei aus den vorliegenden Unterlagen jedoch nicht
zwanglos nachvollziehbar (act. G 43.1, S. 13). Im Sinne einer Hypothese sei die
Schwere der Störung falsch eingeschätzt worden. Grund dafür dürfte einerseits die
geringe Explorationstiefe der damaligen Begutachtung, zum anderen aber auch eine
bereits damals anzunehmende Aggravation sein. Eine detaillierte
versicherungsmedizinische Beurteilung des damaligen Zustandes sei retrospektiv nicht
möglich. Im Verlauf bis heute, insbesondere durch die Dokumentation ab 2010
begründbar, müsse angenommen werden, dass die angegebenen Beschwerden
jedoch nicht (mehr) den realen Beschwerden entsprechen würden. In der Konsequenz
sei es in der Vergangenheit (Revisionen) zu einer fortgesetzten Fehleinschätzung des
tatsächlichen Leistungsvermögens des Beschwerdeführers gekommen. Allerdings sei
nach dem MEDAS-Gutachten keine vertiefte Überprüfung von Diagnose und
Schweregrad mehr vorgenommen, sondern im Wesentlichen die frühere Beurteilung
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/28
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fortgeschrieben worden. Auf Grund der eingeschränkten Kooperation und der bewusst
verzerrten und dramatisierenden Darstellung der Symptome lasse sich auf der anderen
Seite jedoch nicht ausschliessen, dass eine leichtgradigere, psychiatrische
Symptomatik im Rahmen einer psychischen Störung bestehe, deren explorativer
Zugang aktuell nicht gegeben sei. Im Sinne einer aus Sicht des aktuellen
psychiatrischen Gutachtens wahrscheinlichen Hypothese sei es plausibler und
begründeter, davon auszugehen, dass es früh zu einer somatoformen Schmerzstörung
gekommen sei (wie 1996 auch durch Dr. L._ diagnostiziert) mit einem durchaus
erheblichen Leidensdruck. Diese Störung habe dann bei früh ärztlich gesehener hoher
bis vollständiger Arbeitsunfähigkeit (offizialisiert dann durch das Gutachten der MEDAS
im 1998) zu einem erheblichen primären, wie auch sekundären Krankheitsgewinn
geführt. Der Lösungscharakter der Störung für den Beschwerdeführer, der über Jahre
in Hilfstätigkeiten nach eigener Einschätzung unter seinem Niveau fremdbestimmt
gewesen und ausgenutzt worden sei, sei dabei offensichtlich. Nach allen vorliegenden
Informationen müsse man davon ausgehen, dass es in lockerer zeitlicher Korrelation
durch die massive Entlastung des Beschwerdeführers (Rentenzuspruch, keine
Arbeitstätigkeit mehr etc.) zu einer Rückbildung der primär reaktiv-neurotischen
Beschwerdesymptomatik gekommen sei und der Beschwerdeführer mit hoher
Wahrscheinlichkeit bereits damals auf Grund seiner offensichtlichen Ressourcen
wieder partiell oder auch vollumfänglich arbeitsfähig gewesen sei. Auf Grund der seit
1998 sehr geringen Dokumentationsdichte sei die retrospektive Einschätzung, ab wann
eine bewusstseinsnahe/bewusste Symptompräsentation dominiert habe, spekulativ. Da
der Beschwerdeführer aktuell praktisch eine identische Symptomatik wie in den Jahren
1996/1998 biete und diese Symptomatik nicht einem psychiatrischen Krankheitsbild
zugeordnet werden könne, bestehe natürlich der Verdacht, dass bereits damals eine
relevante Aggravation bestanden habe. Belegen lasse sich dies jedoch nicht. Das
gutachterlich im Jahr 1998 diagnostizierte schwere psychiatrische Krankheitsbild sei
durch den Gutachter wesentlich auch damit begründet worden, dass er nach
Rücksprache mit dem behandelnden Psychiater Dr. L._ zu der Erkenntnis gekommen
sei, dass der Beschwerdeführer auch unbeobachtet auf der Strasse das gleiche
Zustandsbild bieten würde. Aus aktueller Sicht sei das damalige psychiatrische
Gutachten jedoch ausgesprochen knapp formuliert und biete wenig Informationen (2-
seitig), die bezüglich der Konsistenz der Beschwerden Aufschluss geben würden (act.
G 43.1 S. 14). Aktuell jedoch (wie auch sehr detailliert im forensischen Gutachten 2012
abgeleitet) würden klare Hinweise bestehen, dass das Verhalten des
Beschwerdeführers in den letzten Jahren zwischen ärztlicher und gesellschaftlicher
Präsentation massiv in psychiatrisch nicht zu erklärender Weise kontextabhängig
divergiert habe. Diese kritische Sicht werde noch unterstützt durch durchaus
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erkennbare dissoziale Anteile der Persönlichkeitsstruktur mit der Tendenz zur
manipulativen Darstellung von Fakten. Von allen involvierten Ärzten und v.a. den
Gutachtern 1998 sei diese Aggravation durchaus gesehen und auch beschrieben
worden. Dabei sei bei orthopädisch objektivierbarem somatischem Kern für die
Rückenbeschwerden von einer Aggravation, nicht einer Simulation auszugehen. Es
könne - nicht zuletzt auf Grund des nur kurzen Berichts - nicht mit Sicherheit
ausgesagt werden, ob es sich um eine Fehldiagnose (Überinterpretation) der damals
präsentierten Symptome handle oder ob zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich eine
dissoziative Störung vorgelegen habe, die sich aber mit aller Wahrscheinlichkeit nach
der Entlastung durch Berentung (primär und sekundärer Krankheitsgewinn) rasch
zurückgebildet haben dürfte (act. G 43.1, S. 15). Eine leichte wechselbelastende
Tätigkeit ohne ungünstige Dauerhaltungen, ohne mehrfaches Bücken und ohne
Hantieren in Vorbeuge oder Armvorhalte sei zumutbar. Dabei könne eine volle Leistung
erbracht werden mit einer zeitlichen Einschränkung der vollen täglichen
Regelarbeitszeit um 1 Stunde wegen der sich in aufrechter Körperhaltung auch bei
angepassten Tätigkeiten über die Zeit aufsummierenden Rückenbeschwerden. Dies
gelte mindestens seit der letzten Rentenrevision 2010, auch wenn damals kein
Wirbelsäulenstatus fachärztlich erhoben worden sei, denn der somatische Befund sei
für den damaligen Zeitpunkt durch das MRI vom 21. Januar 2011 objektivierbar. Da der
Totalrundrücken als der leistungsmindernde Ausgangspunkt anlagebedingt sei und die
Entwicklung der sekundären degenerativen Veränderungen lange Zeiträume erfordert
habe, sei es zulässig, die gleiche somatische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch
schon lange vor 2011 zu postulieren (überdeckt durch die damals massgeblichen
psychiatrischen Diagnosen; act. G 43.1, S. 16).
Die im Rahmen der Hausdurchsuchung von der Polizei beschlagnahmten
Filmaufnahmen zeigen den Beschwerdeführer - soweit sie sich einem Datum zuordnen
lassen - in verschiedenen Lebenssituationen. Auf den Aufnahmen vom 27. Juli 1997
befand sich der Beschwerdeführer mit seiner Familie am Meer. Es ist zu sehen, wie er
sich bückt, er im Wasser schwimmt und Steine aufhebt, um sie übers Wasser gleiten
zu lassen. Auf einer weiteren Sequenz (Datumsvermerk: 28. Juli 1997) winkt der
Beschwerdeführer in die Kamera und joggt über einen Sandstrand. Eine Aufnahme
vom 13. November 2001 zeigt ihn, wie er im Winter bei Schneefall mit einer Schaufel in
der Hand ohne sichtbare Probleme über eine Wiese geht und anschliessend - teilweise
zusammen mit seiner Ehefrau - bei einem bereits begonnenen Aushub einen
"Spatenstich" vornimmt. Auf den sichergestellten Fotos ist der Beschwerdeführer
mehrfach in aufrecht sitzender Position zu sehen (so am Flughafen N._ im April 2001;
"Weihnachten 2002"; "Juli/August 2003" in O._; "Weihnachten 2004", vgl. act. G 69.1
5.4.
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sowie Disk 3: Akten der Staatsanwaltschaft St. Gallen). In der Stellungnahme vom
8. Juni 2017 hielten die asim-Gutachter dazu fest, bezüglich der Aufnahmen anlässlich
eines Familienfestes würden sich keine Hinweise auf Bewegungseinschränkungen oder
Gleichgewichtsstörungen zeigen. Es würden vielfältige Bewegungsmuster koordiniert
(gehend, Flasche haltend, gleichzeitiges Einschenken) ohne Einschränkung ausgeführt.
Auch habe der Beschwerdeführer keine sichtbaren Einschränkungen beim (geringen)
Reklinieren des Kopfes und danach gezeigt. Ebenfalls bestünden keine Hinweise auf
Schmerzen (act. G 69.1, S. 2). Zusammenfassend würden sämtliche Videoaufnahmen
in unterschiedlichsten Lebenslagen und bei unterschiedlichen Bewegungsabläufen eine
weitgehend normale und unbehinderte Bewegungsfähigkeit des Beschwerdeführers
zeigen. Dies beinhalte komplexe Bewegungen wie verschiedene Schwimmstile (Crawl,
Brust) wie auch kraftvolle Bewegungen wie Spatenstiche und koordinative
Bewegungsabläufe. Damit sei auf Grund dieser Videosequenzen, welche
datumsmässig dem 27. Juli 1997 und dem 13. November 2001 (nebst anderen nicht
klar datierten) zuzuordnen seien, über diesen Zeitraum keine relevante
Bewegungseinschränkung oder Einschränkung in der sozialen Interaktionsfähigkeit
belegbar, vielmehr wirke der Beschwerdeführer auf diesen Aufnahmen vital, gesund,
entspannt und interaktiv. Die Fotografien seien aus ärztlicher Sicht wenig
aufschlussreich im Hinblick auf die Bewegungsfähigkeit, sie belegten jedoch die im
Sachverhalt geschilderten Aktivitäten zu den entsprechenden Zeitpunkten. In
Ergänzung zu ihrem Gutachten vom 23. Dezember 2015 befanden die asim-Gutachter,
die Beobachtungen der Bewegungsfähigkeit im 07/1997 stünden in eklatantem
Widerspruch zu den im MEDAS-Gutachten 1998 gezeigten grotesk anmutenden
Bewegungseinschränkungen und damals beklagten Schmerzen. Sowohl für die Zeit vor
07/1997 (insbesondere Klinik Valens) als auch nach 07/1997 (insbesondere MEDAS-
Gutachten 1998) fänden sich stark von der Beobachtung der Bewegungsfähigkeit
07/1997 abweichende Verhaltensweisen. Wenn auf Grund der orthopädischen
Beurteilung des asim 08/2015 angenommen werde, dass im Rahmen einer Kyphose
ein organischer Kern einer Minderbelastbarkeit vorhanden sei und weiterhin gemäss
der psychiatrischen Einschätzung von einer führenden somatoformen Schmerzstörung
(nicht jedoch einer dissoziativen Störung wie im MEDAS-Gutachten 1998 postuliert)
ausgegangen werde, dann würden sie die zum Zeitpunkt der ärztlichen Kontakte
(Behandlung, Rehabilitation, Gutachten 1998) gezeigten Verhaltensweisen als Ausdruck
der im Rahmen der somatoformen Störung dargebotenen erheblichen
Symptomausweitung erklären. Zumindest für körperlich anstrengendere Tätigkeiten (im
Sinne einer Berufstätigkeit und nicht nur einmaligen Gebrauchs wie 13.11.2001) dürfte
eine Einschränkung ab 1996 (IV-Anmeldung) nachvollziehbar sein. Für eine körperlich
angepasste Tätigkeit wäre auf Grund der zeitnahen Videosequenzen wohl eine volle
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Arbeitsfähigkeit gegeben gewesen (wie schon im Rheumagutachten 09.07.1998
beurteilt). Diese Schlussfolgerung werde durch die Videoaufnahmen 1997 und 2001
gestützt (act. G 69.1, S. 7f.).
Die asim-Gutachter führten weiter aus, es sei in der Vergangenheit (Revisionen) zu
einer fortgesetzten Fehleinschätzung des tatsächlichen Leistungsvermögens des
Beschwerdeführers gekommen. So sei nach dem MEDAS-Gutachten auch keine
weitere vertiefte Überprüfung von Diagnose und Schweregrad mehr vorgenommen,
sondern im Wesentlichen die frühere Beurteilung fortgeschrieben worden (act. G 69.1,
S. 8f.). Hinsichtlich der anlässlich der Rentenrevision im Februar 2006 vom
Beschwerdeführer geschilderten Verschlechterung des Gesundheitszustands befanden
die Gutachter, dass sich eine solche im 2006 medizinisch nicht erklären lasse. Im
Längsverlauf würden die Gutachter die (auch aktuell zu stellenden) psychiatrischen
Diagnosen als nicht für die Arbeitsfähigkeit relevant beurteilen. Es sei davon
auszugehen, dass zum Zeitpunkt der Rentenrevision die Arbeitsfähigkeit derjenigen
entsprochen haben dürfte, welche im asim Gutachten 08/2015 festgelegt worden sei.
Aus orthopädischer Sicht hätte sich die Situation eher verschlimmert haben müssen
(Chronifizierung, Alterungsprozess), so dass retrospektiv nicht eine höhere
Arbeitsunfähigkeit als 08/2015 anzunehmen sei, zumal damals in den Akten keine
relevanten zusätzlichen Aspekte ersichtlich seien. Aus psychiatrischer Sicht würden sie
die Arbeitsfähigkeit ebenfalls seit 2006 (wahrscheinlich deutlich davor) für nicht relevant
eingeschränkt halten (act. G 69.1, S. 9f.).
5.5.
Diese Ausführungen der asim-Gutachter sind in sich konkludent und
nachvollziehbar. Die Experten haben im Rahmen ihrer Begutachtung sämtliche
medizinischen Akten sowie auch die anlässlich der Hausdurchsuchung im
Strafverfahren erlangten Video- und Fotoaufnahmen und die durch die Observation
erhaltenen Bilder berücksichtigt und in ihre Beurteilung einfliessen lassen. Diese ist in
sich schlüssig und vollständig. So ging der psychiatrische Gutachter Prof. Dr. med.
P._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, im
psychiatrischen Fachgutachten auch integrierend sowohl auf die gleichlautenden und
die von seiner Beurteilung teilweise abweichenden Ausführungen von Dr. G._, der im
Gegensatz zu Dr. P._ retrospektiv eine somatoforme Schmerzstörung ausschloss
und nicht von Aggravation, sondern Simulation ausging, ein (vgl. insbesondere act.
G 43.1 Beilage 2 S. 19f.). Zudem hat der Beschwerdeführer keine gegenteiligen
Beweise vorbringen können, was auch im Strafverfahren zum vollständigen Abstellen
auf die Beurteilungen des asim geführt hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 31. Juli
2019, a.a.O., Erwägung 2.4). Selbst der Nachweis, dass im Blut die Medikamente
5.6.
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6.
Gestützt auf diesen medizinischen Sachverhalt wurde im Strafverfahren festgestellt,
dass beim Beschwerdeführer in dubio pro reo erst ab Februar 2006 von einem
strafrechtlich relevanten Verhalten ausgegangen werden kann. Da somit vor diesem
Zeitpunkt kein strafbares Verhalten nachgewiesen ist, gilt für ein Zurückkommen auf
die Verfügung vom 12. November 1998 eine absolute zehnjährige Frist (vgl. Erwägung
4.2). Eine prozessuale Revision dieser Verfügung war im Zeitpunkt der vorliegend
angefochtenen Verfügung folglich nicht mehr möglich. Demgegenüber steht fest, dass
im Zeitpunkt der amtlichen Revision im Februar 2006 (vgl. IV-act. 82) die
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers gestützt auf das asim-Gutachten kaum
mehr eingeschränkt war und ihm einerseits eine Meldepflichtverletzung nach Art. 31
ATSG und andererseits gemäss Bundesgerichtsurteil vom 31. Juli 2019 (6B_428/2018)
ein strafbares Verhalten vorzuwerfen ist (beim gewerbsmässigen Betrug nach Art. 146
des Schweizerischen Strafgesetzbuchs [StGB; SR 311.0] handelt es sich um ein
Tramadol (Analgetika) und Citalopram (Antidepressiva) nachgewiesen wurden (vgl. act.
G 43.1 Beilage 1), vermag nichts an der von den Gutachtern festgestellten
Arbeitsfähigkeit zu ändern. Da schliesslich das in den Eingaben des
Beschwerdeführers vom 4. und 6. November 2019 (act. G 88f.) gestellte Gesuch um
Erstellung eines neuen psychiatrischen Gutachtens zur Höhe der Arbeitsfähigkeit
lediglich mit aktuelleren ärztlichen Berichten begründet wird, welche keinen Bezug auf
die Zeit bis zur hier strittigen Verfügung nehmen, ist es abzuweisen. Folglich sind das
asim-Gutachten vom 23. Dezember 2015 sowie die ergänzende Stellungnahme des
asim vom 8. Juni 2017 für die vorliegende Streitsache beweiskräftig und es kann darauf
abgestellt werden. Somit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass dem Beschwerdeführer spätestens seit dem Zeitpunkt der Rentenrevision im
Februar 2006 - unter Ausschluss von körperlich schweren und mittelschweren
Tätigkeiten - eine Arbeitsfähigkeit in leichten wechselbelastenden Tätigkeiten (vgl.
Erwägung 5.3 gegen Ende) mit einer zeitlichen Einschränkung der vollen täglichen
Regelarbeitszeit um eine Stunde zumutbar ist (vgl. act. G 43.1 S. 20, 67.1 S. 10).
Obgleich die Gutachter die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auch für die Zeit
vor Februar 2006 bzw. "wahrscheinlich deutlich davor" für nicht relevant eingeschränkt
hielten (vgl. act. G 67.1 S. 10), kann auf Grund von fehlenden medizinischen Unterlagen
für jene Zeit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Eintritt einer früheren
Verbesserung in psychischer Hinsicht ausgegangen werden. Auch im Entscheid des
Kantonsgerichts vom 14. Dezember 2017 wurde erst ab diesem Zeitpunkt von einem
strafrechtlich relevanten Täuschungsverhalten ausgegangen. Damit ist der
Revisionszeitpunkt rückwirkend auf Februar 2006 festzulegen.
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Verbrechen [Art. 10 Abs. 2 StGB]). Damit ist ab Februar 2006 ein Revisionsgrund nach
Art. 17 ATSG ausgewiesen.
7.
Da gemäss asim eine Veränderung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
spätestens für die Zeit ab Februar 2006 zu bejahen ist, sind die Auswirkungen der ab
dann bestehenden Arbeitsfähigkeit zu prüfen. Infolge der "nahezu" vollen
Arbeitsfähigkeit, welche einzig in zeitlicher Hinsicht um eine Stunde eingeschränkt sei,
ist von einer Arbeitsfähigkeit von ca. 88% auszugehen (7.34h x 5 / 41.7h).
7.1.
Gestützt darauf ist nachfolgend der Invaliditätsgrad zu bestimmen. Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Art. 16 ATSG).
7.2.
Der ungelernte Beschwerdeführer war vor Eintritt seiner Arbeitsunfähigkeit als
Chauffeur für eine Metzgerei tätig. Angesichts dessen, dass die bescheinigte 88%ige
Arbeitsfähigkeit auf Grund der Adaptionskriterien auch für die angestammte Tätigkeit
als zumutbar erscheint, besteht offensichtlich kein rentenbegründender
Mindestinvaliditätsgrad von 40%, weshalb sich die Vornahme eines konkreten
Einkommensvergleichs erübrigt. Nichts anderes ergäbe sich auch bei Zuhilfenahme
von LSE-Löhnen für Hilfsarbeiter. Hierzu bleibt anzufügen, dass sodann ebenfalls kein
Grund für die zusätzliche Gewährung eines Tabellenlohnabzugs (vgl. zum sog.
Leidensabzug: BGE 126 V 79) ersichtlich wäre, nachdem die asim-Gutachter in ihrer
Arbeitsfähigkeitsschätzung für adaptierte Tätigkeiten von einer vollen
Leistungsfähigkeit ausgingen und dabei die sich auf Grund der aufrechten
Körperhaltung über die Zeit aufsummierenden Rückenbeschwerden bereits durch eine
zeitliche Einschränkung von einer Stunde berücksichtigt haben. Somit hatte der
Beschwerdeführer längstens bis 31. Januar 2006 (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV) Anspruch
auf eine ganze Rente. Nachdem der Beschwerdeführer bezüglich der eingetretenen
Verbesserung seines Gesundheitszustands die Meldepflicht verletzt hat, ist die Rente
ab 1. Februar 2006 (Einleitung des Revisionsverfahrens, IV-act. 82) aufzuheben (vgl.
Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV).
7.3.
bis
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8.