Decision ID: f421130f-1bc6-4f88-ab78-cfcd88cb1a92
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführer,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur AHV
Sachverhalt:
A.
A.a K._, Jahrgang 1931, bezieht eine Rente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHV). Im Oktober 2008 meldete er sich zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (EL) an. Die EL-Durchführungsstelle ermittelte einen
Einnahmenüberschuss von Fr. 17'291.-, wobei sie dem Versicherten einen
Vermögensverzicht von Fr. 267'463.- anrechnete. Entsprechend verneinte sie mit
Verfügung vom 21. Mai 2009 den Anspruch auf EL (EL-act. 8). Der Versicherte erhob
am 10. Juni 2009 Einsprache gegen diese Verfügung, beantragte deren Aufhebung und
die Ausrichtung von EL. Er habe nicht auf Vermögen verzichtet, sondern einen
unfreiwilligen Vermögensverlust als Folge der absolut einmaligen Vorgänge im
Zusammenhang mit der universellen Finanzkrise vor allem im Herbst 2008 erlitten. Er
habe weder absichtlich noch fahrlässig auf Vermögen verzichtet (EL-act. 4). Mit
Einspracheentscheid vom 25. August 2009 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) die Einsprache in Vertretung
der EL-Durchführungsstelle ab. Bei Aktienoptionen sei ein Totalverlust für den
Optionenschuldner bereits bei einer negativen Kursentwicklung möglich. Er müsse in
einem solchen Fall gegen seinen Willen eine Verlustrealisierung hinnehmen, wenn er
einer Bank die Deckungsnachforderungen nicht mehr bezahlen könne. Das Risiko von
Aktienoptionen sei vor allem deshalb sehr hoch, weil die Deckung, die ein
Optionenschuldner beim Eingehen einer solchen Verpflichtung leisten müsse, nicht bis
zum Ende der Laufzeit der Option gleich bleibe, sondern variabel sei und von der
Kursentwicklung eines Titels und der allgemeinen Risikobewertung der eine
Aktienoption gewährenden Bank abhängt. Daher bestehe die Gefahr, dass einem
Optionenschuldner während der Laufzeit einer Aktienoption aufgrund der
Nachforderungen der Bank die finanziellen Mittel ausgingen und er das Schliessen
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einer Option zu einem nicht idealen Zeitpunkt nicht abwehren könne. Hinzu komme,
dass die Bank in einem solchen Fall zusätzlich hohe Closinggebühren verlange, um
sich schadlos zu halten. Zudem habe der Versicherte seine Optionsgeschäfte
ausschliesslich mit Festgeldanlagen in Britischen Pfund (GBP) abgesichert. Eine solche
Absicherung berge von vornherein ein deutlich höheres Risiko als eine Deckung in
Schweizer Franken. Insgesamt ergebe sich, dass Aktienoptionen per se mit einem
hohen Risiko behaftet seien, weshalb EL-rechtlich im Fall eines Verlusts immer ein
Vermögensverzicht anzunehmen sei (act. G 1.7).
A.b Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde des Versicherten
vom 8. September 2009. Er beantragt die Aufhebung des Entscheids und die
Anerkennung seines EL-Anspruchs. Seine Anlagestrategie habe darin bestanden,
vorsichtshalber die Basisanlage weder in Aktien noch Obligationen noch in Derivat-
Konstruktionen zu halten, sondern als Festgeld bei einer sicheren Bank. Ausserdem
sollte eine bescheidene Rendite-Aufbesserung erzielt werden durch eine spezielle Art
von Aktienoptionen mit überschaubarem Risiko, wofür die Basisanlage als reichliche
Deckung gedient habe. Die Risiken der Anlagestrategie seien nicht kausal gewesen für
den Totalverlust. Dieser habe andere Ursachen gehabt, für die er, der Versicherte, nicht
verantwortlich gewesen sei. Die Festgeldanlage in GBP habe keinesfalls ein
erkennbares, ausserordentliches Risiko dargestellt. Betreffend Optionen habe er die
Methode des sogenannten "bottom fishing" gewählt. Diese sei nicht auf spekulative
Gewinne aus. Vielmehr versuche man, bei überschaubarem Risiko relativ bescheidene
Prämien zu kassieren, indem man die Ausübungspreise derart ansetze, dass eine
Ausübung höchst unwahrscheinlich sei und die Option aller Wahrscheinlichkeit nach
verfalle. Aus den Akten sei eindeutig ersichtlich, dass keine einzige Ausübung bzw.
Andienung von Aktien erfolgt sei. Die von ihm getätigte Art von Options-Einsatz sei
weder übermässig risikoreich noch spekulativ oder fahrlässig gewesen. Die
eingesetzten Anlagevehikel seien für den Totalverlust nicht kausal gewesen. Die
krisenhaften Vorgänge an der Börse habe man als Anleger nach Treu und Glauben
nicht vorhersehen und noch weniger beeinflussen können (act. G 1).
A.c Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 11. September
2009 die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer sei nicht nur das Risiko
eingegangen, Aktien zu einem relativ hohen Preis jemandem abzukaufen bzw. zu einem
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"Schleuderpreis" verkaufen zu müssen, dies immer in Relation zum jeweiligen
Börsenkurs. Aus seiner Beschwerde gehe vielmehr hervor, dass er quasi auf Gedeih
und Verderb der diese Optionsgeschäfte vermittelnden Bank ausgeliefert gewesen sei
und diese ihn in vertraglich zulässiger Weise mit dem Schliessen von Optionen
mangels nicht mehr möglicher weiterer Deckungen um sein ganzes Vermögen habe
bringen können. Man halte somit am Standpunkt fest, dass Aktienoptionen per se mit
einem hohen Risiko behaftet seien und deshalb im Fall einer Verlustrealisierung stets
ein Vermögensverzicht vorliege (act. G 3).
A.d In der Replik vom 18. September 2009 hält der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen sinngemäss fest. Die Beschwerdegegnerin berücksichtige die spezielle und
vorsichtige Art und Weise, wie hier die Optionen verwendet worden seien, überhaupt
nicht. Die Ausübungspreise seien derart tief (bei Puts) bzw. derart hoch (bei Calls)
angesetzt worden, dass eine Andienung (bei Puts) bzw. ein Abruf (bei Calls) völlig
unwahrscheinlich gewesen sei und in der Tat auch keine einzige Ausübung erfolgt sei.
Entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin sei dies eben keine spekulative Wette
auf Baisse oder Hausse gewesen, sondern die Absicht, jeweils eine bescheidene
Prämie zu kassieren durch den höchstwahrscheinlichen Verfall der Option dank der
extrem angesetzten Ausübungspreise. Selbst wenn einzelne Aktien wider jede
Erwartung angedient worden wären, wäre die Übernahme durch die hohe Basisanlage
in Festgeld gesichert gewesen und die günstig erworbenen Papiere hätten wahlweise
gehalten oder mit geringem Verlust gleich wieder veräussert werden können (act. G 5).
A.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 22. September 2009 auf die Einreichung
einer Duplik (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG;
SR 831.30) ist Personen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz,
die eine Altersrente der AHV beziehen, ein Anspruch auf EL einzuräumen, wenn die von
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diesem Gesetz anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Die
anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem
Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in den Art. 10 und 11
ELG und nach den in Art. 11 bis Art. 18 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) festgelegten
Bestimmungen ermittelt. Als Einkommen anzurechnen sind unter anderem Einkünfte
und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG). Eine
Verzichtshandlung liegt etwa vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche
Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf Vermögen verzichtet hat oder
wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat,
davon aber faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte nicht durchsetzt (BGE 121
V 205 neues Fenster Erw. 4a, 131 V 330). Anrechnung und Amortisation von
Verzichtsvermögen sind in Art. 17a ELV geregelt. Nach dieser Bestimmung vermindert
sich der anzurechnende Betrag von Vermögenswerten, auf die verzichtet wurde,
grundsätzlich jährlich um Fr. 10'000.- ("10'000 Franken-Regel").
2.
2.1 Im Zeitpunkt der Anmeldung des Beschwerdeführers zum EL-Bezug im Oktober
2008 war der Totalverlust aus dem Optionsgeschäft bereits eingetreten (vgl. etwa EL-
act. 7-3). Das Vermögen stand dem Beschwerdeführer somit nicht mehr in der von der
Rechtsprechung geforderten Weise als praktisch vorhanden und rechtlich
ungeschmälert zur Verfügung (vgl. EVGE P 47/02 vom 31. Januar 2003, Erw. 2.3). Die
Beschwerdegegnerin prüfte daher zu Recht, ob die Investition in Optionen als
Verzichtsvermögen im Sinn von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zu betrachten ist.
2.2 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts entscheidet über den
Verzichtscharakter einer Vermögensanlage nicht in erster Linie das Fehlen einer
Rechtspflicht und einer adäquaten Gegenleistung, sondern das Ausmass des Risikos,
das im Zeitpunkt der Investition eingegangen wird (Urteile des Bundesgerichts P 55/05
vom 26. Januar 2007, Erw. 3.2 am Ende, 8C_567/2007 vom 2. Juli 2008, Erw. 6.5). Das
mit einer Investition verbundene Risiko hänge in erster Linie von der Bonität des
Schuldners und der Möglichkeit ab, den Anspruch auf Rückzahlung des angelegten
Betrags und Leistung von Zinsen gegebenenfalls durchzusetzen. Während öffentliche
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Anleihen westlicher Industrienationen im Allgemeinen als sicher gelten könnten, treffe
dies bei privaten Unternehmen in stark unterschiedlichem Mass zu. Insbesondere
Gesellschaften, deren Struktur nicht oder nicht genügend transparent sei, böten unter
Umständen nur geringe Gewähr für die Begleichung künftiger Forderungen, so das
Bundesgericht im Entscheid P 12/06 vom 2. Februar 2007 (Erw. 3.3).
2.3 Die Erkennbarkeit eines "ausserordentlich hohen Risikos" hat das Bundesgericht
bejaht bei einer Investition in eine ausländische, nicht börsenkotierte und in keinem
Rating figurierende, kaum transparente Gesellschaft, die für das investierte Geld eine
Verzinsung von 12% versprochen hatte. Insbesondere dieser hohe Zinssatz habe
angesichts des damaligen niedrigen Zinsniveaus auf die äusserst fragliche Bonität der
Schuldnerin hingewiesen, hätte diese doch andernfalls zu wesentlich günstigeren
Konditionen Finanzmittel beschaffen können. Das Bundesgericht sprach von einem
"massiv erhöhten Risiko eines Verlustes der hingegebenen Gelder" und von einem
"ausgesprochenen Risikogeschäft" (Urteil P 12/06, Erw. 3.4). Das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen ging im unangefochten in Rechtskraft erwachsenen unver
öffentlichten Urteil EL 2001/107 vom 30. April 2002 bei einem Darlehen mit einem im
Erfolgsfall geschuldeten Zins von mindestens 20% von einer unüblichen, sehr
risikobelasteten Darlehensgewährung aus, bei welcher der Darlehensgläubiger die
drohende Gefahr eines völligen Verlusts von Anfang an bewusst in Kauf genommen
hatte (Erw. 2a).
3.
3.1 Der Effektenhändler (vorliegend also die A._) hat gegenüber seinen Kunden nach
Art. 11 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Börsen und den Effektenhandel (BEHG;
SR 954.1) eine Informationspflicht; er weist sie insbesondere auf die mit einer
bestimmten Geschäftsart verbundenen Risiken hin (lit. a). Zudem trifft ihn eine
Sorgfaltspflicht; er stellt insbesondere sicher, dass die Aufträge seiner Kunden
bestmöglich erfüllt werden und diese die Abwicklung seiner Geschäfte nachvollziehen
können (lit. b). Vor dem Hintergrund dieser gesetzlichen Verpflichtung erliess die
schweizerische Bankiervereinigung die Broschüre "Besondere Risiken im
Effektenhandel" (abrufbar unter www.swissbanking.org/11308_d.pdf [Stand:
2. Dezember 2009]). Die A._ übernahm daraus die Informationen zu Geschäftsarten
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mit besonderem Risiko, unter anderem auch Aufklärung zu Optionsgeschäften. Ihre
Broschüre "Chancen und Risiken im Wertschriftengeschäft" (https://www.A._.ch/
A._/tools/quickform/prospekte/A._ChanceRisiken.pdf neues Fenster[ Stand:
2. Dezember 2009]) wurde dem Beschwerdeführer offenbar mit dem Kreditvertrag über
Fr. 500'000.-, den er im Februar 2006 unterzeichnete, übergeben. Er bestätigte
unterschriftlich, die Broschüre erhalten zu haben und über die Chancen und Risiken
aufgeklärt worden zu sein. Insbesondere seien ihm die Risiken von Geschäften mit
Margenerfordernis (Leerverkäufe von Calls und Puts, Handel von Futures) bekannt (EL-
act. 16-10). Der Broschüre ist zu entnehmen, dass Effekten- und vor allem
Derivatgeschäfte finanzielle Risiken mit sich bringen. Bei gewissen Derivaten bestehe
ein unbegrenztes Risiko, der Anleger laufe Gefahr, unter Umständen über den
investierten Betrag hinaus Geld nachschiessen zu müssen. Eine solche
Nachschusspflicht könne ein Mehrfaches des Kaufpreises betragen. Zu den Produkten
mit unbegrenztem Risiko zählten insbesondere der Verkauf (das Schreiben) einer Call-
Option ohne Deckung, der Verkauf (das Schreiben) einer Put-Option oder der
Abschluss eines Termingeschäfts (Ziff. 1.2, S. 5 f. der Broschüre).
3.2 In der Broschüre wurde im Weiteren darüber informiert, dass die Bank gemäss
BEHG nicht verpflichtet sei, über übliche Risiken zu informieren. Als üblich gälten
insbesondere Risiken herkömmlicher, verbreiteter Finanzinstrumente wie Aktien,
Obligationen und kollektiver Kapitalanlagen (Ziff. 1.3, S. 6 der Broschüre). Zur
Ausgestaltung der Optionen weist die Broschüre darauf hin, dass man als Käufer einer
Option bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (Verfalltag) eine gewisse Menge eines
Basiswerts zu einem vorbestimmten Preis vom Verkäufer kaufen (Call-Option) oder
diesem verkaufen (Put-Option) dürfe. Der Preis, den man für dieses Recht bezahle,
heisse Prämie. Als Verkäufer (Schreiber) einer Option müsse man, unabhängig vom
aktuellen Kurs des Basiswerts, dem Käufer den Basiswert bis zum Verfalltag zum
Ausübungspreis verkaufen (Call-Option) oder den Basiswert zum Ausübungspreis vom
Käufer kaufen (Put-Option), wenn er die Option ausübe (Ziff. 2.1, S. 8 der Broschüre).
Verkaufe man eine Option, so müsse man während der gesamten Laufzeit entweder
die entsprechende Anzahl Basiswerte oder andere Sicherheiten hinterlegen. Die Höhe
dieser Sicherheit (Marge) werde vom Effektenhändler festgelegt. Für Traded Options
schreibe die Börse eine Mindestmarge vor. Erweise sich die Margendeckung als
ungenügend, könne der Effektenhändler vom Stillhalter weitere Sicherheiten verlangen
https://www.a._.ch/A._/tools/quickform/prospekte/A._ChanceRisiken.pdf https://www.a._.ch/A._/tools/quickform/prospekte/A._ChanceRisiken.pdf https://www.a._.ch/A._/tools/quickform/prospekte/A._ChanceRisiken.pdf
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(Nachschusspflicht; S. 10 der Broschüre). Explizit wird in der Broschüre darauf
hingewiesen, dass der Verkäufer (Schreiber) einer ungedeckten Call-Option ein
unbestimmbares und theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko trage, da der Kurs des
Basiswerts den Ausübungspreis erheblich übersteigen könne. Insbesondere (aber nicht
nur) bei amerikanischen Optionen (die im Gegensatz zu europäischen Optionen
während eines bestimmten Zeitraums und nicht nur am Ende der Laufzeit ausgeübt
werden können) müsse der Stillhalter damit rechnen, dass die Ausübung auch in sehr
ungünstigen, verlustreichen Marktsituationen erfolgen könne. Wenn er zur physischen
Lieferung verpflichtet sei, könne es sehr teuer oder sogar unmöglich sein, die
Basiswerte zu beschaffen. Der Stillhalter müsse sich bewusst sein, dass ein möglicher
Verlust die Sicherheiten (Margendeckung), die bei Vertragsschluss oder nachträglich
hinterlegt würden, bei Weitem überschreiten könne. Als Schreiber einer Put-Option
müsse man mit erheblichen Verlusten rechnen, falls der Kurs des Basiswerts unter den
Ausübungspreis sinke. Auch betreffend Put-Option wurde darauf hingewiesen, dass
dem Stillhalter Verluste drohen, die allfällig hinterlegte Sicherheiten bei Weitem
überschreiten könnten. Im schlimmsten Fall könne der Stillhalter das gesamte
investierte Kapital verlieren (S. 11 der Broschüre). Die Risiken des Stillhaltergeschäfts
werden separat erläutert. Bei Stillhaltergeschäften bestehe keine Absicherung gegen
Kursverluste des Basiswerts. Liege der Kurs des Basiswerts unter dem
Ausübungspreis, werde dieser dem Stillhalter bei Optionen mit physischer Lieferung
ausgehändigt. In diesem Fall trage der Stillhalter das volle Risiko des Basiswerts (S. 12
der Broschüre).
3.3 Vorliegend schrieb der Beschwerdeführer mit einem Grossteil seines Vermögens
Call- und Put-Optionen, er wurde Stillhalter. Bereits im Einspracheverfahren machte er
geltend, im Zusammenhang mit den Optionsgeschäften sei er sehr konservativ
vorgegangen. Die Ausübungspreise der Puts seien tief angesetzt worden, sodass
mehrheitlich Verfall und nicht Ausübung zu erwarten gewesen sei und bei teilweiser
Ausübung bzw. Andienung die Aktien mehrheitlich zu ausserordentlich günstigen
Preisen hereingenommen worden wären, also ein sichereres Verfahren als die Haltung
von Aktien selbst. Die Verfalldaten seien zeitlich stark gestaffelt worden, was mehr
Handlungsspielraum gelassen habe und bei möglichen Andienungen ein Klumpenrisiko
verhindert hätte. Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, er sei keinerlei Optionen
auf (aus damaliger Sicht) riskanten Aktien eingegangen, sondern nur auf Blue Chips,
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und diese seien auch noch auf verschiedene Sektoren zur Vermeidung von
Klumpenrisiken aufgeteilt worden. Bemerkenswerter Beleg für die Vorsicht bei der
Öffnung der Put-Optionen sei der Umstand, dass keine einzige Put-Position ausgeübt
bzw. angedient worden sei. Als weitere Vorsichtsmassnahme habe er Gegenpositionen
als Calls geschrieben als Gegengewicht bei fallenden Kursen. Auch die
Ausübungspreise der Calls seien im sicheren Bereich gewählt worden, sodass eine
Ausübung höchst unwahrscheinlich gewesen sei (EL-act. 4-2).
3.4 Die vom Beschwerdeführer geschilderte Anlagestrategie verdeutlicht, dass er nicht
als aggressiver Spekulant einzustufen ist. Der Beschwerdegegnerin ist dennoch darin
zuzustimmen, dass Optionsgeschäfte insgesamt im Vergleich zur ganzen Bandbreite
von Geldanlagemöglichkeiten als risikoreich zu gelten haben. Es kann durchaus zu
einem Totalverlust kommen. Über die Risiken war der Beschwerdeführer informiert.
Durch die Lektüre der Broschüre der A._ musste ihm bewusst sein, dass
Optionsgeschäfte generell als Geschäfte mit besonderem Risiko gelten und
entsprechend ein erhöhtes Schutz- und Informationsbedürfnis der Anleger auslösen,
dies im Gegensatz zu gewöhnlichen Aktiengeschäften, die im Verständnis des BEHG
und der Schweizerischen Bankiervereinigung als Geschäfte mit üblichem Risiko
betrachtet werden. Entscheidet man sich für das Schreiben von Optionen und wird
Stillhalter, so erhöht sich das Risiko nochmals erheblich, weil aufgrund der
Nachdeckungspflicht gegenüber dem Effektenhändler eine Schuld in theoretisch
unbegrenzter Höhe entstehen kann. Dem Beschwerdeführer ist zwar zugute zu halten,
dass er Blue Chips gekauft hat und auf eine Breite verschiedenartiger Unternehmen
gesetzt hat, sodass das Risiko verteilt wurde. Andererseits ist zu beachten, dass der
Beschwerdeführer und seine Ehefrau nur über eine Altersrente der ersten Säule
verfügen und sonst keinerlei Einnahmen generieren. Bei einer solchen Ausgangslage
darf die Priorität nicht darauf liegen, das Vermögen gewinnbringend zu investieren,
sondern in erster Linie müssten die Bestrebungen auf eine sichere Anlage hinauslaufen.
So wäre etwa das Erwerben einer Leibrente eine sinnvolle Ergänzung zur
angespannten Rentensituation gewesen. Angesichts der knappen Altersleistungen
wäre selbst ein Verbrauch des Vermögens an sich die sicherere und besser planbare
Variante gewesen als die Anlage an der Börse mit zwar deutlich höheren, aber ebenso
deutlich unsichereren Einnahmechancen. Die Nachschüsse, die der Beschwerdeführer
zur Margendeckung aufbringen musste, liegen unter anderem darin begründet, dass er
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die ursprüngliche Sicherheit in Form einer Festgeldanlage in GBP gewährt hatte. Mit
dieser Fremdwährungsanlage ging er aufgrund der Kursschwankungen ein weiteres
Risiko ein; daran ändert nichts, dass das Ausmass des Kurssturzes des GBP nicht
vorhersehbar war. Zwar ist dem Beschwerdeführer im Weiteren zuzustimmen, dass er
als gewöhnlicher Anleger den Börsencrash insbesondere im zweiten Halbjahr 2008
nicht vorhersehen konnte. Die Erfahrungen der Jahre und Jahrzehnte zuvor hätten aber
doch zumindest eine höhere Vorsicht veranlassen müssen, zumal erhebliche
Schwankungen auf den Aktienmärkten bereits vor 2008 nicht unbekannt waren. Dass
die A._ die prozentualen Deckungserfordernisse heraufsetzte, mag für den
Beschwerdeführer zwar nicht direkt vorhersehbar gewesen sein; ein solches Risiko war
jedoch von Beginn weg grundsätzlich erkennbar. Mit der Investition seines annähernd
gesamten Vermögens in Optionen ist der Beschwerdeführer insgesamt ein seinen
finanziellen Verhältnisse unangemessenes, sehr hohes Risiko eingegangen. Ein EL-
rechtlicher Verzichtstatbestand erscheint daher als ausgewiesen.
3.5 Die Beschwerdegegnerin schloss vom Gesamtvermögen von Fr. 374'081.- per
Ende 2007 auf ein hypothetisches Vermögen per Ende 2008 von Fr. 363'659.-. Davon
brachte sie die negative Entwicklung des Swiss Market Index (SMI) von -34.8% beim
Vergleich Ende 2007 (5'534.53 Punkte) mit Ende 2008 (8484.46 Punkte) in Abzug,
wodurch ein hypothetisches Vermögen von Fr. 237'105.- resultierte. Dieses setzte sie
als Verzichtsvermögen in die Berechnung ein (EL-act. 1-2; 2). Dieses Vorgehen
berücksichtigt die negative Entwicklung an der Börse angemessen. Selbst wenn man
zugunsten des Beschwerdeführers einen noch kleineren Teil des erlittenen Verlusts als
Verzicht qualifizieren würde und die im eingetretenen Ausmass unvorhersehbaren
Entwicklungen an der Börse als etwa zur Hälfte kausal für den Verlust betrachten
würde, resultiert kein EL-Anspruch. Das anrechenbare Verzichtsvermögen würde sich
auf Fr. 181'830.- belaufen (50% von 363'659.-), was zuzüglich dem Wert des
Fahrzeugs von Fr. 10'939.- und abzüglich des Freibetrags von Fr. 40'000.- ein
anrechenbares Vermögen von Fr. 152'769.- ergäbe. Jährlich wäre 1/10 davon, also
Fr. 15'277.-, als zumutbarer Vermögensverzehr anzurechnen. Es bliebe also bei einem
deutlichen Einnahmenüberschuss (vgl. betreffend die übrigen Einnahmen- und
Ausgabenpositionen die Berechnungsblätter in EL-act. 2).
4.
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4.1 Gemäss den oben stehenden Erwägungen ist der angefochtene
Einspracheentscheid nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53