Decision ID: 07a7bed0-f309-577f-896f-0924698d886a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 27. Juni 2016 in der Schweiz um Asyl nach-
suchte,
dass er im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 15. Juli 2016
angab, in Eritrea geboren und als Kleinkind mit seiner Familie nach Äthio-
pien (B._) gezogen zu sein (vgl. SEM-Protokoll A4 S. 3),
dass er die äthiopische Staatsangehörigkeit nicht besitze (vgl. A4 S. 6),
dass er bei seiner Halbschwester gelebt, sich mit ihr gestritten und
schliesslich auf der Strasse gelebt habe (vgl. A4 S. 5),
dass er anlässlich der Anhörung vom 23. Juli 2018 eingestand, entgegen
seiner bisherigen Angabe nicht eritreischer, sondern äthiopischer Staats-
angehöriger und ethnischer Kimant zu sein, aus B._ zu stammen,
wo seine Eltern lebten und ein florierendes Unternehmen betrieben, (Kaf-
feehandel),
dass sich in B._ auch seine ältere, verheiratete Schwester und in
der Umgebung von B._ weitere Verwandten (Onkel und Tanten)
aufhielten,
dass er ein Selbststudium am (...) aufgenommen und parallel dazu seine
Eltern im Kaffeegeschäft unterstützt habe,
dass der amharische Steuerbeamte C._ von den Eltern ansehnli-
che Bestechungsgelder verlangt habe, welche sein Vater stets geleistet
habe,
dass er, der Beschwerdeführer, aufgrund einer von seiner Mutter ausge-
stellten Vollmacht berechtigt gewesen sei, die Forderungen von C._
abzulehnen, was er auch getan habe,
dass er in der Folge von C._ bedroht und in dessen Auftrag zusam-
mengeschlagen worden sei, worauf er sich zuerst in die Ortschaft
D._ und später auf Anraten seiner Eltern aus Furcht vor weiteren
Behelligungen in den E._ begeben habe, von wo er in die Schweiz
gereist sei,
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dass er zur Stützung seiner Vorbringen mehrere Dokumente im Original
einreichte (äthiopischer Einwohnerausweis, Studienunterlagen, Ge-
schäftslizenz, Vertretungsvollmacht),
dass das SEM mit Verfügung vom 15. November 2019 (Eröffnung am
25. November 2019) das Asylgesuch des Beschwerdeführers ablehnte,
dessen Wegweisung aus der Schweiz anordnete und den Vollzug als zu-
lässig, zumutbar und möglich erachtete,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 17. Dezember 2019 an das
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung und die Asylgewährung (beziehungsweise
die Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs) beantragte,
dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht darum ersuchte, die aufschie-
bende Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustellen und die zuständi-
gen kantonalen Behörden seien anzuweisen, vom Wegweisungsvollzug
abzusehen,
dass ihm im Weiteren unter Verzicht auf das Erheben eines Kostenvor-
schusses die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und
2 VwVG zu gewähren sei,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 3. Januar 2020
den Eingang der Beschwerde bestätigte,
dass mit Eingabe vom 2. Februar 2020 mehrere Referenzschreiben einge-
reicht wurden,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entschei-
det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG
[SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,
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dass am 1. März 2019 die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101) in Kraft getreten ist und für das vorliegende Verfahren das bis-
herige Recht gilt (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – mit
nachfolgendem Vorbehalt – einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-
kommt (vgl. Art. 42 AsylG), weshalb auf das Gesuch in der Beschwerde,
bis zum Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts sei der Wegweisungs-
vollzug auszusetzen, nicht einzutreten ist,
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass in Anwendung von Art. 111a Abs. 1 AsylG auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet wurde,
dass sich die Beschwerde als offensichtlich unbegründet erweist und im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln ist
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1
AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG),
dass das SEM die Vorbringen des Beschwerdeführers unabhängig von de-
ren Glaubhaftigkeit als nicht asylrelevant erachtete,
dass die geltend gemachten Behelligungen durch den Steuerbeamten
C._ nicht aus einem flüchtlingsrelevanten Motiv erfolgt seien und
ohnehin eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe,
dass die weiteren Vorbringen, aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit zu
den Kemant und der islamischen Religionszugehörigkeit Nachteilen aus-
gesetzt gewesen zu sein, als Ausdruck der allgemeinen politischen, wirt-
schaftlichen oder sozialen Lebensbedingungen zu betrachten seien und
daher keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG bedeuteten,
dass in der Beschwerde im Wesentlichen geltend gemacht wurde, dass die
Kemant in Äthiopien von den Amharen diskriminiert würden und er als
Kemant, der sich den widerrechtlichen Forderungen eines amharischen
Chefbeamten widersetze, in Äthiopien keine Möglichkeit eines menschen-
würdigen Lebens habe,
dass nach telefonischer Auskunft eines Onkels seine Eltern vor drei Mona-
ten in ein Dorf (F._) geflüchtet seien, von wo kein Kontakt möglich
sei,
dass er ohne seine Eltern in Äthiopien keine Existenz aufbauen könne und
der Wegweisungsvollzug daher nicht zumutbar sei,
dass als erstes darauf hinzuweisen ist, dass die Tatsache, dass der Be-
schwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren unterschiedliche Angaben
zu seiner Herkunft, familiären Verhältnissen und den Ausreisegründen an-
gab, dessen Glaubwürdigkeit fraglich erscheinen lässt,
dass somit auch die Glaubhaftigkeit der erstmals anlässlich der Anhörung
geltend gemachten Behelligungen durch einen amharischen Steuerbeam-
ten in Frage gestellt ist,
dass indessen unabhängig von der Frage der Glaubhaftigkeit die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers mangels erforderlicher Intensität und aufgrund
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der Möglichkeit einer innerstaatlichen Fluchtalternative ohnehin nicht asyl-
relevant sind,
dass es sich bei den seit 2015 vorkommenden Zusammenstössen zwi-
schen Amharen und Kemant um vereinzelte, örtlich beschränkte Konflikte
handelt, die zu Fluchtbewegungen im Raum B._ führen können,
dass aus diesen Gründen das SEM die Vorbringen des Beschwerdeführers
zu Recht als nicht asylrelevant erachtet und das Asylgesuch abgewiesen
hat,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 44 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt
hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl.
BVGE 2013/37 E 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die verfügte Weg-
weisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und dem-
nach vom Staatssekretariat zu Recht angeordnet wurde,
dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration [AIG, SR 142.20]),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),
dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung dieser mass-
geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da es
dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in
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Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoule-
ment im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet,
dass sodann nach den vorstehenden Erwägungen auch keine Anhalts-
punkte für eine im Heimatstaat drohende menschenrechtswidrige Behand-
lung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Pra-
xis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar
erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG),
dass weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers
noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer
Rückkehr schliessen lassen,
dass die Familie des Beschwerdeführers durch den Kaffeehandel ein ver-
gleichsweise privilegiertes Leben führen konnte und der Beschwerdeführer
eine Ausbildung am (...) begonnen hatte,
dass die nicht näher belegte Behauptung auf Beschwerdeebene, wonach
die Eltern des Beschwerdeführers in das benachbarte Dorf F._ ge-
flüchtet seien, nichts an der Einschätzung des bestehenden familiären Be-
ziehungsnetzes ändert, ist es doch dem Beschwerdeführer möglich, den
Kontakt zu seinen Eltern, wenn notwendig über andere Verwandte (Onkel),
herzustellen,
dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den Heimat-
staat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen
(Art. 83 Abs. 2 AIG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, falls überhaupt
erforderlich, bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl.
Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12),
dass nach dem Gesagten die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in
der Schweiz ausser Betracht fällt, womit die Anordnung des Wegweisungs-
vollzuges zu bestätigen ist,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig oder vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
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AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass mit Ergehen des vorliegenden Urteils das Gesuch um Verzicht auf
das Erheben eines Kostenvorschusses gegenstandslos wird,
dass die Beschwerde im Zeitpunkt der Einreichung als aussichtslos er-
schien, weshalb die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG abzuweisen sind,
dass bei diesem Ausgang die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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