Decision ID: a4348171-c491-44fe-b987-14ccc5ba4b47
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1994, Staatsangehöriger der Dominikanischen Republik, reiste am
4. Oktober 2019 von Italien, wo er zuvor gelebt hatte, in die Schweiz ein und heiratete
gleichentags die in der Schweiz niedergelassene Landsfrau B._, geb. 1990. Am
6. Dezember 2019 stellte ihm das Migrationsamt des Kantons St. Gallen eine
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs, gültig bis 5. Dezember 2020,
aus. Am 16. Dezember 2019 unterzeichnete das Ehepaar eine
Integrationsvereinbarung. Mit Entscheid des Kreisgerichtes St. Gallen vom 9. Juni 2020
wurde die Ehe geschieden, nachdem A._ den gemeinsamen Haushalt am
28. Dezember 2019 verlassen hatte.
B.
Mit Verfügung vom 3. September 2020 widerrief das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von A._. Zur Begründung hielt es unter anderem fest, dass die
eheliche Gemeinschaft in der Schweiz weniger als drei Jahre bestanden habe. Wichtige
Gründe für den Beibehalt der Aufenthaltsbewilligung seien nicht nachgewiesen. Eine
Rückkehr in sein Heimatland oder allenfalls nach Italien sei aufgrund der kurzen
Aufenthaltsdauer zumutbar und verhältnismässig. (act. 9/1.1). Den gegen diese
Verfügung erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement des
Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 7. Januar 2021 ab (act. 2).
C.
Gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz)
erhob A._ (Beschwerdeführer) mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 29. Januar
2021 Beschwerde mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die
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Aufenthaltsbewilligung zu verlängern, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Vernehmlassung vom 8. März 2021 beantragte die Vorinstanz unter Verweis auf
den angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde. Auf die Vorbringen in
der Beschwerde und die Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den

nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
(...).
2.
Ausländische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung haben unter
anderem Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen
zusammenwohnen (Art. 43 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen
und Ausländer und über die Integration, SR 142.20, AIG). Der Bewilligungsanspruch
besteht trotz Auflösung bzw. definitiven Scheiterns der Ehegemeinschaft fort, wenn
diese mindestens drei Jahre gedauert hat und die Integrationskriterien nach Art. 58a
AIG erfüllt sind (Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG) oder wenn wichtige persönliche Gründe einen
Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Die Ansprüche nach Art. 43, 48
und 50 AIG erlöschen, wenn Widerrufsgründe nach Art. 62 AIG vorliegen (Art. 51 Abs. 2
AIG). Die zuständige Behörde kann Bewilligungen, ausgenommen die
Niederlassungsbewilligung, und andere Verfügungen widerrufen, wenn die Ausländerin
oder der Ausländer eine mit der Verfügung verbundene Bedingung nicht einhält (Art. 62
Abs. 1 lit. d AIG). Als Bedingung gilt dabei auch der Zweck, zu welchem einer
ausländischen Person der Aufenthalt in der Schweiz bewilligt wurde, so beispielsweise
die eheliche Gemeinschaft (vgl. L. Ott, in: Caroni/Gächter/Thurnherr (Hrsg.),
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Handkommentar, Bern 2010,
N 43 zu Art. 62 AuG).
2.1.
Die Ehe des Beschwerdeführers mit B._ dauerte vom 4. Oktober 2019 (Heirat
unmittelbar nach der Einreise in die Schweiz) bis 9. Juli 2020 (Scheidung). Da der
Beschwerdeführer den gemeinsamen Haushalt bereits am 28. Dezember 2019 verliess,
2.2.
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3.
lebten die Eheleute nur knapp drei Monate zusammen. Damit fehlt es offensichtlich an
der Voraussetzung der Dreijahresfrist gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG, weshalb sich
eine Prüfung der Integrationsvoraussetzungen – der Beschwerdeführer absolvierte
Deutschkurse mit Erfolg und arbeitet im Rahmen einer Festanstellung – erübrigt. Ein
Anspruch auf Belassen bzw. Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung besteht somit
gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG nicht. Ein solcher wird vom Beschwerdeführer auch
nicht geltend gemacht. Vielmehr beruft er sich auf den sogenannten nachehelichen
Härtefall nach Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AIG.
Neben Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG (Ehedauer und erfolgreiche Integration) hat der
Gesetzgeber als nachehelichen ausländerrechtlichen Härtefall einen Rechtsanspruch
auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung für den Fall vorgesehen,
dass wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG einen weiteren
Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Dies kann namentlich dann der Fall
sein, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe
nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im
Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG). Ein persönlicher,
nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der gesamten Umstände eine erhebliche
Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der
Lebenssituation nach dem Dahinfallen der Anwesenheitsberechtigung verbunden sein
muss (BGE 139 II 393 E. 6; BGer 2C_837/2016 vom 23. Dezember 2016 E. 4.3.1).
3.1.
Eheliche Gewalt liegt insbesondere dann vor, wenn Personen innerhalb einer
bestehenden oder aufgelösten ehelichen Beziehung psychische, physische oder
sexuelle Gewalt ausüben oder androhen (vgl. M. Caroni, in: Caroni/Gächter/Thurnherr
(Hrsg.), Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Handkommentar, Bern
2010, N 32 zu Art. 50 AuG). Häusliche Gewalt bedeutet systematische Misshandlung
mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben und nicht eine einmalige Ohrfeige oder
eine verbale Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits. Die physische oder
psychische Zwangsausübung und deren Auswirkungen müssen vielmehr von einer
gewissen Konstanz bzw. Intensität sein. Nicht jede unglückliche, belastende und nicht
den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung begründet
indessen bereits einen nachehelichen Härtefall (BGE 138 II 229 E. 3.2.1 f.). Die
betroffene Person muss die eheliche Gewalt bzw. häusliche Oppression in geeigneter
3.1.1.
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Weise glaubhaft machen (Arztberichte oder psychiatrische Gutachten, Polizeirapporte,
Berichte/Einschätzungen von Fachstellen [Frauenhäuser, Opferhilfe usw.],
glaubwürdige Zeugenaussagen von weiteren Angehörigen oder Nachbarn etc.).
Allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen
genügen nicht.
Nebst der ehelichen Gewalt stellt auch die starke Gefährdung der sozialen
Wiedereingliederung im Herkunftsland einen wichtigen persönlichen Grund im Sinne
von Art. 50 Abs. 2 AIG dar. Bei der Beurteilung der wichtigen persönlichen Gründe sind
sämtliche Aspekte des Einzelfalles mitzuberücksichtigen. Entscheidend ist, ob die
persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung als stark gefährdet zu gelten
hat, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.1).
Auch hier genügen allgemeine Hinweise nicht; die befürchtete Beeinträchtigung muss
im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände glaubhaft erscheinen (BGer
2C_765/2013 vom 2. Juni 2014 E. 4.1). Wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz
geknüpft und war der Aufenthalt im Land nur von kürzerer Dauer, besteht
praxisgemäss kein Anspruch auf einen weiteren Verbleib, wenn die erneute Integration
im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt (BGE 138 II 229 E. 3.1). Dies gilt
auch, wenn die betroffene ausländische Person hier nicht straffällig geworden ist,
gearbeitet hat und inzwischen auch gut Deutsch spricht (BGer 2C_17/2012 vom
24. Januar 2012 E. 2.3.1; VerwGE B 2013/234 vom 11. November 2014 E. 2.6). Eine
erfolgreiche Integration ist zusammen mit der dreijährigen Ehegemeinschaft in der
Schweiz Voraussetzung für einen Anspruch nach Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. a AIG.
Daher kann sie allein grundsätzlich nicht bereits ausreichen, um die
Bewilligungsvoraussetzungen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG zu erfüllen, wenn es im
Übrigen an der dreijährigen Ehegemeinschaft fehlt (BGer 2C_575/2013 vom 7. Februar
2014 E. 4.3.2 mit Hinweisen auf 2C_857/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2,
2C_635/2009 vom 26. März 2010 E. 5.3.2, 2C_803/2010 vom 14. Juni 2011 E. 2.3.4).
3.1.2.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, beim Entscheid über den
Verbleib in der Schweiz verfüge die Behörde über einen gewissen
Beurteilungsspielraum. Massgebend seien die konkreten Umstände des Einzelfalles.
Die Trennung von der Ehefrau sei erfolgt, da diese ihm gegenüber mehrfach
handgreiflich geworden sei. Er habe seit seinem 15. Altersjahr in Italien gelebt. Zu
seinem Heimatland, der Dominikanischen Republik, habe er aufgrund der langen
Abwesenheit keine Beziehung, und er verfüge dort auch über keinerlei familiäres oder
3.2.
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soziales Netz. In den ersten 14 Lebensjahren, die er dort verbracht habe, sei einzig die
Kernfamilie im Zentrum gestanden. Jene Zeit sei daher hinsichtlich des sozialen
Umfelds und der geografischen Umgebung für ihn nicht prägend gewesen. Er habe
dort nie gearbeitet, weshalb eine Wiedereingliederung stark gefährdet sei. Prägend
seien für ihn vielmehr die letzten zwölf Jahre gewesen, die er in Europa verbracht habe.
Hier sei der Einstieg ins Berufsleben erfolgt. Zwischenzeitlich sei er in der Schweiz
sowohl persönlich als auch beruflich sehr gut integriert, er spreche Deutsch und
vermöge seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Seit März 2020 habe er eine
unbefristete Stelle bei der Q._ AG AG. Er werde von seiner Arbeitgeberin sehr
geschätzt. Die Firma habe bestätigt, dass sie auf dem schweizerischen und
europäischen Arbeitsmarkt seit Jahren vergeblich qualifizierte Mitarbeiter suche. Es
bestehe ein öffentliches Interesse, dass Berufsleute, die gut in den Arbeitsmarkt
integriert seien, in der Schweiz bleiben könnten. Die gute Integration stelle ein
entscheidendes Kriterium dar. Sie sei unter anderem ausschlaggebend dafür, ob von
einem schwerwiegenden persönlichen Härtefall bzw. persönlichen Gründen im Sinn
von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG auszugehen sei. Seine Familie, namentlich die Mutter und
der jüngere Bruder, befänden sich hier in der Schweiz. Er lebe mit diesen zusammen.
Zum Bruder pflege er eine sehr enge Beziehung, er betreue ihn regelmässig. Für diesen
wäre es daher sehr traumatisch und würde eine grosse Härte darstellen, wenn er (der
Beschwerdeführer) die Schweiz verlassen müsste. Es liege ein qualifiziertes, effektives
Familienleben vor, weshalb der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung einen Eingriff in
das Recht auf Familien- und Privatleben darstelle. Insgesamt wiege die massive
Verschlechterung der Lebensbedingungen im Heimatland schwer und sei als
gewichtiges Argument in die Interessenabwägung einzubeziehen. Die persönlichen
Interessen in der Schweiz, insbesondere die engen familiären Beziehungen, würden
das öffentliche Interesse an der Wegweisung überwiegen. Der Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung führe zu einer schwerwiegenden persönlichen Härte und sei
nicht verhältnismässig.
Der Beschwerdeführer macht nicht geltend, die Heirat habe nicht auf freiem Willen
basiert. Insofern er vorbringt, seine frühere Ehefrau sei ihm gegenüber mehrfach
handgreiflich geworden, liegen weder konkrete Angaben über Häufigkeit, Intensität, Art
und Weise und Systematik der angeblichen Übergriffe noch irgendwelche Beweise
dazu vor. Das Vorbringen des Beschwerdeführers erschöpft sich in einer allgemeinen,
nicht näher substantiierten und unbelegten Behauptung. Unter diesen Umständen ist
nicht von einem nachehelichen Härtefall als Folge von Ausübung ehelicher Gewalt
auszugehen.
3.3.
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Die Vorinstanz hat zu Recht ausgeführt, dass auch hinsichtlich der Gefährdung der
sozialen Wiedereingliederung in der Heimat kein wichtiger persönlicher Grund vorliegt:
Der Beschwerdeführer ist jung, gesund und kinderlos. Aufgrund der kurzen
Aufenthaltsdauer von lediglich rund eineinhalb Jahren in der Schweiz kann nicht von
einer fortgeschrittenen persönlichen Integration und besonders starken Verwurzelung
in der Schweiz ausgegangen werden. Daran ändert nichts, dass er hier arbeitet, keine
Schulden hat und Deutschkurse besucht. Das Scheitern der Ehe selbst stellt keinen
wichtigen persönlichen Grund dar. Es ist davon auszugehen, dass dem
Beschwerdeführer die Sprache und die kulturellen Verhältnisse in der Dominikanischen
Republik, wo er sich bis zum 15. Lebensjahr aufhielt und die Schule besuchte,
hinreichend bekannt sind. Dass er sich danach während zehn Jahren in Italien aufhielt,
vermag daran nichts zu ändern. Es erscheint zumutbar, dass er sich in seinem
Heimatland, wo er die Kindheit verbrachte, nach seiner Rückkehr ein neues soziales
und berufliches Umfeld aufbaut. Da er über wertvolle Arbeitserfahrungen in
verschiedenen Branchen in Italien und der Schweiz verfügt und nebst seiner
Muttersprache auch Italienisch und Deutsch spricht, sind seine Chancen auf eine
erfolgreiche berufliche Integration in seiner Heimat durchaus intakt. Dass sich der
Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz für den Beschwerdeführer dort schwieriger
gestaltet als in der Schweiz, mag zutreffen, hat aber keine Unzumutbarkeit der
Rückkehr zur Folge. Seine persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung in
der Dominikanischen Republik erscheint somit nicht stark gefährdet.
Es sind auch keine anderen wichtigen persönlichen Gründe im Sinn von Art. 50 Abs. 2
AIG ersichtlich, welche einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erfordern würden. Das
Zusammenleben mit der Mutter und dem jüngeren Bruder stellt keinen solchen Grund
dar. Die Mutter und der Bruder reisten offenbar bereits im April 2018 in die Schweiz ein
(act. 9/8), der Beschwerdeführer hingegen erst im Oktober 2019. Er lebte somit vor der
Eheschliessung während längerer Zeit nicht mit Mutter und Bruder in einem
gemeinsamen Haushalt, was nicht auf eine besondere enge Beziehung hindeutet.
Weshalb es ihm nun nach der Auflösung der Ehe plötzlich nicht zumutbar sein sollte,
getrennt von Mutter und Bruder zu leben, ist vor diesem Hintergrund nicht
nachvollziehbar. Daran vermöchten auch entsprechende Angaben der Mutter nichts zu
ändern, weshalb auf deren Befragung verzichtet werden kann. Der Beschwerdeführer
kann diese Beziehungen durch gegenseitige Ferienbesuche und mit modernen
Kommunikationsmitteln aufrechterhalten.
Aus den Akten geht sodann nicht hervor, über welchen Aufenthaltstitel der
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Beschwerdeführer in Italien verfügt oder verfügte. Feststeht, dass er vor seiner Einreise
in die Schweiz im Oktober 2019 während zehn Jahren legal in Italien lebte und
arbeitete. Seine Mutter verfügt zudem über die italienische Staatsbürgerschaft (act.
9/8). Der Beschwerdeführer macht nicht geltend, er könne nicht nach Italien
zurückkehren. Sofern er nicht in sein Heimatland ausreisen möchte, erscheint unter
diesen Umständen eine Rückkehr nach Italien nicht von Vornherein als
ausgeschlossen. Auch wenn dies nicht zutreffen sollte, ändert dies am vorliegenden
Entscheid nichts.
Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, erfüllt der Beschwerdeführer die
Voraussetzungen für einen nachehelichen Härtefall nach Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2
AIG nicht, womit ein Widerrufsgrund nach Art. 62 lit. d AIG vorliegt. Er konnte weder
glaubhaft machen, dass er Opfer ehelicher Gewalt war, noch, dass die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint oder andere wichtigen
persönlichen Gründe vorliegen. Bei Wegfall des ursprünglichen Aufenthaltszwecks ist
eine neue Bewilligung erforderlich. Besteht darauf kein Anspruch, so liegt die Frage
nach der Wegweisung bzw. nach der erneuten Bewilligungserteilung im behördlichen
Ermessen (P. Bolzli, in: Spescha/Zünd/ Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar
Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 4 zu Art. 33 AIG). Das Verwaltungsgericht greift nicht
in die Ermessensausübung der Vorinstanzen ein, wenn diese nicht mit einem
Rechtsfehler behaftet ist (Art. 61 Abs. 1 VRP; Cavelti/ Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 739 ff.; VerwGE
B 2015/45 vom 19. Juli 2016 E. 6.1, B 2016/131 vom 16. Januar 2018 E. 3.6).
Der Gesetzgeber hat mit der Regelung, wonach der Anspruch auf Aufenthalt von
Ausländerinnen und Ausländern, deren Ehe mit in der Schweiz über ein gefestigtes
Anwesenheitsrecht verfügenden Ehepartnerinnen und Ehepartnern vor Ablauf dreier
Jahre gescheitert ist, untergeht, ein grundsätzlich überwiegendes öffentliches Interesse
daran zum Ausdruck gebracht, dass diese Personen die Schweiz wieder verlassen. Die
Vorinstanz hat das öffentliche Interesse an einer restriktiven Migrationspolitik
vorliegend höher gewichtet als die privaten Interessen des erst seit kurzer Zeit hier
lebenden Beschwerdeführers am weiteren Verbleib in der Schweiz. Der 26-jährige
Beschwerdeführer hat einen prägenden Teil seines Lebens im Heimatland verbracht
hat. Er ist mit dessen Sitten und Gebräuchen nach wie vor vertraut. Dass die
Wiedereingliederung nicht mit besonderen Schwierigkeiten verbunden sein wird, wurde
bereits ausgeführt. Der Beschwerdeführer geht zwar in der Schweiz einer Arbeit nach,
ist finanziell unabhängig, bemüht sich aktiv um die Erlernung der deutschen Sprache
3.4.
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4.
Die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung wäre nur aus einem alternativen
Zulassungsgrund möglich. Ein solcher ist jedoch nicht ersichtlich, wie aus den
folgenden Erwägungen hervorgeht.
und wohnt mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder zusammen. Diese durchaus
positiv zu würdigenden Umstände lassen die vorinstanzliche Ermessensausübung
jedoch nicht als rechtsfehlerhaft erscheinen. Insbesondere ist nicht ersichtlich und wird
vom Beschwerdeführer auch nicht weiter nachgewiesen, inwiefern er in der Schweiz
besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Bindungen
gesellschaftlicher oder beruflicher Natur bzw. entsprechend vertiefte soziale
Beziehungen zum ausserfamiliären bzw. ausserhäuslichen Bereich unterhält. Das
öffentliche Interesse daran, dass Ausländerinnen und Ausländer, bei denen die
familiären Voraussetzungen, die für die Erteilung des Aufenthaltsrechts massgebend
waren, nach kurzer Zeit wegfallen, die Schweiz wieder verlassen, überwiegt klar (vgl.
VerwGE B 2018/76 vom 25. Juli 2018 E. 5.2, B 2012/105 vom 13. November 2012
E. 7).
Mit der Feststellung, dass keine wichtigen persönlichen Gründe vorliegen, die einen
weiteren Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz erforderlich machen, wird
gleichzeitig die Frage, ob dessen Aufenthalt wegen eines schwerwiegenden
persönlichen Härtefalls nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG in Abweichung von den
ordentlichen Zulassungsvoraussetzungen geregelt werden kann, negativ beantwortet
(BVGer C-6133/2008 vom 15. Juli 2011 E. 8.3).
4.1.
Die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit aus
arbeitsmarktrechtlichen Gründen gestützt auf Art. 23 Abs. 1 AIG kommt ebenfalls nicht
in Frage, da eine solche nur Führungskräften, Spezialistinnen und Spezialisten und
anderen qualifizierten Arbeitskräften vorbehalten ist. Der Beschwerdeführer ist seit
einem Jahr als Auskleider für Schwimmbadfolien tätig. Bei Stellenantritt verfügte er
über keine spezifische Berufsausbildung auf diesem Gebiet, ja nicht einmal ganz
allgemein im handwerklichen Bereich oder in der Baubranche. Es ist deshalb davon
auszugehen, dass diese Tätigkeit keine besonderen Kenntnisse und Erfahrungen
erfordert und somit nicht als qualifiziert im Sinn von Art. 23 Abs. 1 AIG gilt. Selbst bei
bestehender Nachfrage können unqualifizierte Arbeitskräfte nicht unter diese
Bestimmung subsumiert werden (vgl. Ott, a.a.O., N 6 zu Art. 23 AuG). Dass die
Rekrutierung von entsprechendem Personal in der Schweiz gemäss Angaben der
4.2.
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Arbeitgeberin des Beschwerdeführers sich schwierig gestaltet, ist daher nicht
entscheidend.
Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK,
SR 0.101) verschafft praxisgemäss keinen Anspruch auf Einreise und Aufenthalt oder
auf einen Aufenthaltstitel. Er hindert Konventionsstaaten nicht daran, die Anwesenheit
auf ihrem Staatsgebiet zu regeln und den Aufenthalt ausländischer Personen unter
Beachtung überwiegender Interessen des Familien- und Privatlebens gegebenenfalls
auch wieder zu beenden. Dennoch kann das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101)
verankerte Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens berührt sein, wenn einer
ausländischen Person mit in der Schweiz aufenthaltsberechtigten Familienangehörigen
das Zusammenleben verunmöglicht wird (Caroni, a.a.O., N 60 ff. der Vorbemerkungen
zu Art. 42-52 AuG). Dies kommt in Betracht, wenn einem Ausländer, dessen
Angehörige hier weilen und über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen, die
Anwesenheit untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird (BGE 135 1 143
E. 1.3.1). Art. 8 EMRK schützt in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der
Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (BGE 135 1 143 E. 1.3.2; BGE 127 II 60
E. 1). Andere familiäre Beziehungen stehen nur in besonderen Fällen unter dem Schutz
dieser Bestimmung. Ausnahmsweise kann auch die Beziehung zwischen Eltern und
ihren volljährigen Kindern ein Anwesenheitsrecht verschaffen. Dies ist jedoch nur dann
der Fall, wenn ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis vorliegt (BGE 129 II 11 E. 2 S.
14; 120 Ib 257 E. 1d und e S. 261; 115 Ib 1 E. 2 S. 4 ff.). Ein solches kann sich aus
Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen bei körperlichen oder geistigen Behinderungen
und schwerwiegenden Krankheiten ergeben. Denkbar ist dies etwa bei einem Kind,
welches aufgrund einer schweren Behinderung über das Erreichen der Volljährigkeit
hinaus auf Betreuung durch seine in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Eltern
angewiesen ist (BGE 115 Ib 1 E. 2d; BGer 2C_546/2013 vom 5. Dezember 2013 E. 4),
oder bei einem schwerwiegend erkrankten Elternteil, bei welchem die Betreuung durch
ein hier lebendes erwachsenes Kind als unabdingbar erscheint (BGE 120 Ib 257 E. 1d;
Meyer-Ladewig/Nettesheim/von raumer [Hrsg.], Handkommentar EMRK, 4. Aufl. 2017,
N 61 zu Art. 8 EMRK mit Hinweisen). Liegt kein derartiges Abhängigkeitsverhältnis vor,
ist Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV durch die Verweigerung einer Bewilligung
von Vornherein nicht betroffen. Bei anderer Betrachtungsweise würde faktisch ein
voraussetzungsloser Anspruch auf Familiennachzug von Angehörigen ausserhalb der
Kernfamilie resultieren, welchen der Gesetzgeber mit Art. 42 ff. AIG gerade
ausgeschlossen hat (vgl. BGer 2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.2).
4.3.
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5.
Zusammenfassend können der Vorinstanz keine Rechtsfehler vorgeworfen werden,
wenn sie den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers nach
Durchführung der gebotenen Interessenabwägung bestätigte bzw. die
Aufenthaltsbewilligung nicht verlängerte. Der Grund für die Aufenthaltsbewilligung ist
mit der Auflösung der Ehe dahingefallen. Ein Anspruch auf Erteilung bzw. Verlängerung
einer Aufenthaltsbewilligung lässt sich sodann weder aus Art. 50 Abs. 1 lit. b, Art. 23
bzw. Art. 30 Abs. 1 lit. b noch Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV ableiten. Die
Beschwerde erweist sich folglich als unbegründet und ist abzuweisen.
6.
(...).