Decision ID: c0ec141f-92f8-4883-b052-61eb662d3f7f
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ ist seit vielen Jahren bei der deutschen C._ Krankenversicherung
(nachfolgend: C._) versichert (KV-act. 2 Beilage 1). Nachdem sie im Jahr 2015 von
D._ nach E._ im Kanton Glarus gezogen war (act. G 1 S. 4 in KV 2019/4), stellte sie
unter Hinweis auf diese Versicherung ein Gesuch um Befreiung von der Schweizer
Krankenversicherungspflicht. Die zuständige Kontrollstelle lehnte dieses Gesuch ab,
was vom Verwaltungsgericht des Kantons Glarus mit Urteil vom 26. Oktober 2017 (VG.
2017.00031; KV-act. 4) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 20. Februar 2018,
9C_875/2017 (KV-act. 5) bestätigt wurde.
A.a.
Am 27. August 2018 nahm A._ Wohnsitz in der Gemeinde B._ im Kanton St.
Gallen (KV-act. 3 S. 2). Sie reichte ihrer neuen Wohngemeinde am 5. November 2018
einen Versicherungsschein der C._ ein und erklärte, diese habe die Befreiung von der
Versicherungspflicht in der Schweiz bestätigt (vgl. KV-act. 2).
A.b.
Mit Verfügung vom 28. November 2018 lehnte die Kontrollstelle für
Krankenversicherung der politischen Gemeinde B._ (nachfolgend: Kontrollstelle) das
Gesuch um Befreiung von der Schweizer Krankenversicherungspflicht ab. Gleichzeitig
wurde A._ eine Frist bis zum 13. Dezember 2018 eingeräumt, um für sich eine
Krankenversicherungs-Police ab dem 27. August 2018 in der Schweiz abzuschliessen.
Sollte der Kontrollstelle innert dieser Frist kein entsprechender Versicherungsnachweis
vorgelegt werden, müsste sie A._ umgehend amtlich einem Versicherer zuweisen
(KV-act. 3).
A.c.
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B.
C.
Am 14. Dezember 2018 erhob A._ Einsprache gegen die Verfügung der
Kontrollstelle vom 28. November 2018 und beantragte im Wesentlichen, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben (KV-act. 6).
A.d.
Mit Verfügung vom 24. Januar 2019 wies die Kontrollstelle A._ rückwirkend per
Zuzugsdatum am 27. August 2018 der CSS Krankenversicherung AG (nachfolgend:
CSS) zu (KV-act. 8).
A.e.
Am 5. Februar 2019 reichte A._ der Gemeinsamen Einrichtung KVG ein Gesuch
vom 26. Januar 2019 um Befreiung von der Krankenversicherungspflicht für Personen
mit einer Aufenthaltsbewilligung ein (KV-act. 9). Dieses Gesuch leitete die Gemeinsame
Einrichtung KVG am 6. Februar 2019 mangels Zuständigkeit "an die zuständige
Einwohnergemeinde B._ zur weiteren Bearbeitung" weiter (KV-act. 9).
A.f.
Am 8. Februar 2019 erhob A._ Einsprache gegen die Verfügung der
Kontrollstelle vom 24. Januar 2019 betreffend Zuweisung zur obligatorischen
Krankenpflegeversicherung (KV-act. 12).
A.g.
Mit Einspracheentscheid vom 16. Januar 2019 wies die Kontrollstelle die
Einsprache vom 14. Dezember 2018 gegen die Verfügung vom 28. November 2018
betreffend Befreiung vom Krankenversicherungsobligatorium ab (KV-act. 7).
B.a.
Mit Einspracheentscheid vom 25. Februar 2019 wies die Kontrollstelle die
Einsprache vom 8. Februar 2019 gegen die Verfügung vom 24. Januar 2019 betreffend
Zuweisung zur obligatorischen Krankenversicherung ab (KV-act. 13).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 16. Januar 2019 erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 8. Februar 2019 Beschwerde. Darin beantragte sie die
Aufhebung dieses Einspracheentscheides des Einwohneramtes der Gemeinde B._
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin), eventuell sei die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Weiter beantragte sie, es sei festzustellen, dass sie über eine
ausreichende private Krankenversicherung verfüge. Aufgrund ihres Alters und ihres
gesundheitlichen Vorzustandes sei ihr zu bewilligen, die bestehende private
C.a.
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Krankenversicherung beizubehalten. Sodann sei der Fall bis zum Entscheid der
eidgenössischen Behörde über die Gewährung von Ausnahmebewilligungen zu
sistieren. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1 in KV 2019/4 = KV-act.
11).
Gegen den Einspracheentscheid vom 25. Februar 2019 erhob die
Beschwerdeführerin am 11. März 2019 ebenfalls Beschwerde, mit welcher sie auch die
Aufhebung dieses Einspracheentscheides beantragte. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, das Verwaltungsgericht des Kantons Glarus und das Bundesgericht
hätten nur den Unterschied zwischen der deutschen und der schweizerischen
Grundversicherung untersucht. Es sei völlig absurd, dass sie einer zweiten
schweizerischen Krankenversicherung zugewiesen werde, nachdem sie nachgewiesen
habe, dass sie über eine ausländische Versicherung verfüge, die sämtliche Leistungen
der schweizerischen Grundversicherung decke (act. G 1 in KV 2019/5 = KV-act. 14).
C.b.
Mit Schreiben vom 20. März 2019 setzte die Verfahrensleitung der
Beschwerdegegnerin Frist zur Erstattung der Beschwerdeantwort bis zum 6. Mai 2019
und ersuchte sie, sich namentlich zur Frage zu äussern, ob sie angesichts des Urteils
des Bundesgerichts vom 20. Februar 2018 berechtigt gewesen sei, erneut über ein
Gesuch zur Befreiung vom Versicherungsobligatorium zu verfügen. Gleichzeitig teilte
die Verfahrensleitung der Beschwerdegegnerin mit, dass vorgesehen sei, die beiden
Beschwerdeverfahren zu vereinigen, weshalb ein einheitlicher Schriftenwechsel
durchgeführt werde (act. G 3 in KV 2019/4 und act. G 2 in KV 2019/5).
C.c.
Am 1. Mai 2019 erstattete die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeantwort und
beantragte die Abweisung der Beschwerden vom 16. Januar und 25. Februar 2019
unter allfälligen Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdeführerin
(act. G 4 in KV 2019/4 und G 3 in KV 2019/5). Gleichzeitig reichte sie die Vorakten ein
(KV-act. 1 bis 15, jeweils in KV 2019/4 und in KV 2019/5) und hielt im Wesentlichen
fest, die Beschwerdeführerin habe während des Verfahrens in Glarus über dieselbe
private Versicherungslösung der C._ verfügt. Es handle sich beim vorliegend zu
beurteilenden Sachverhalt um denselben Sachverhalt, welcher bereits rechtskräftig
durch ein kantonales Gericht entschieden und das Bundesgericht bestätigt worden sei
(act. G 4 in KV 2019/4 und G 3 in KV 2019/5, S. 8 f. Ziff. 2). Die Deckungsbestätigung
C.d.
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der C._ vom 31. Januar 2019 datiere nach dem Einspracheentscheid vom 16. Januar
2019. Die Pflegekosten seien durch die private Versicherungslösung der
Beschwerdeführerin schlechter gedeckt als durch die obligatorische schweizerische
Krankenpflegeversicherung. Diesen schwerwiegenden Mangel vermöchten Vorteile der
Versicherung der Beschwerdeführerin nicht zu kompensieren (act. G 4 in KV 2019/4
und G 3 in KV 2019/5, S. 9 ff. Ziff. 3 bis 5).
Mit Vernehmlassung vom 9. September 2019 hielt die Beschwerdeführerin an
ihren Anträgen gemäss Beschwerden fest und führte unter Hinweis auf Literatur im
Wesentlichen aus, für jedes Urteil und jede Verfügung müsse der aktuelle
Wissensstand zum Zeitpunkt der Verfügung oder des Urteils Grundlage sein. Zwischen
dem Urteil des Verwaltungsgerichts Glarus und dem neuen Gesuch liege ein Zeitraum
von knapp zwei Jahren und eine angesichts neuer Dokumente völlig neue Rechtslage.
Auch fehle es verwaltungsrechtlichen Urteilen an materieller Rechtskraft. Den Glarner
Behörden und auch dem Bundesgericht hätten die richtigen Grundlagen zur
Beurteilung der versicherten Leistungen gefehlt. Sie sei seit dem ergangenen Urteil bis
zum Erlass eines neuen Urteils zwei Jahre älter und nicht mehr in der Lage, in der
Schweiz eine entsprechende gleichwertige Privatversicherung zu annehmbaren
Bedingungen abzuschliessen (act. G 12 in KV 2019/4 und act. G 11 in KV 2019/5, je S.
2 f. und S. 8 f.).
C.e.
Mit Schreiben vom 30. Dezember 2019 ersuchte das Versicherungsgericht
St.Gallen die C._ um Auskünfte (act. G 18 in KV 2019/4 und act. G 17 in KV 2019/5),
welche die Versicherung aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erstattete (vgl. act.
G 19 in KV 2019/4 und act. G 18 in KV 2019/5). Deshalb gewährte das Gericht der
Beschwerdeführerin Frist, um die C._ um diese Auskünfte zu bitten (act. G 20 in KV
2019/4 und act. G 19 in KV 2019/5). Mit Schreiben vom 17. März 2019 liess die
Beschwerdeführerin dem Gericht die ihr von der C._ zugestellten Unterlagen
zukommen (act. G 21 in KV 2019/4 und act. G 20 in KV 2019/5).
C.f.
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Erwägungen
1.
2.
Betreffend die von der Beschwerdegegnerin in den Beschwerdeantworten
aufgeworfene Frage nach der Rechtsmittelfrist im Verwaltungsverfahren und gegen ihre
Einspracheentscheide ist darauf hinzuweisen, dass die Bestimmungen des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) auf die Krankenversicherung anwendbar sind, soweit das Bundesgesetz über
die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) nicht ausdrücklich eine Abweichung vom
ATSG vorsieht (Art. 1 Abs. 1 KVG). Letzteres ist insbesondere betreffend Zulassung
und Ausschluss von Leistungserbringern, Tarife, Preise und Globalbudget, Ausrichtung
der Prämienverbilligung sowie die Beiträge des Bundes an die Kantone, Streitigkeiten
Grundsätzlich bildet jeder vorinstanzliche Entscheid ein selbständiges
Anfechtungsobjekt und ist deshalb einzeln anzufechten und einzeln zu beurteilen. Es ist
gerechtfertigt, von diesem Grundsatz abzuweichen und die Anfechtung in einem
gemeinsamen Verfahren mit einem einzigen Urteil zuzulassen, wenn die einzelnen
Sachverhalte in einem engen inhaltlichen Zusammenhang stehen, sich in allen Fällen
gleiche oder ähnliche Rechtsfragen stellen und sich dieselben Parteien
gegenüberstehen (vgl. BGE 123 V 215 E. 1). Ein solches Vorgehen dient der
Verfahrensökonomie und liegt im Interesse aller Beteiligten (André Moser, in André
Moser/Peter Uebersax, Prozessieren vor eidgenössischen Rekurskommissionen, Basel
und Frankfurt am Main 1998, Rz 3.12).
1.1.
Es stehen sich in den Verfahren KV 2019/4 und KV 2019/5 dieselben Parteien
gegenüber. Zur Beurteilung steht die fehlende Befreiung von der obligatorischen
Versicherungspflicht (KV 2019/4) und die darauf basierende Zuweisung an einen
schweizerischen Versicherer (KV 2019/5). Es stellen sich folglich überschneidend
gleiche Rechtsfragen, womit die Sachverhalte in einem engen inhaltlichen
Zusammenhang stehen. Auch stellen die Parteien eine Vereinigung nicht in Frage und
haben ihre Eingaben ab der Beschwerdeantwort jeweils für beide Verfahren zusammen
eingereicht (vgl. beispielsweise Beschwerdeantwort vom 1. Mai 2019 [act. G 4 in KV
2019/4 und G 3 in KV 2019/5, je S. 2 Ziff. 2] sowie Vernehmlassung vom 9. September
2019 [act. G 12 in KV 2019/4 und G 11 in KV 2019/5]). Die Voraussetzungen für eine
Vereinigung der Verfahren sind folglich erfüllt. Die Beschwerdefahren KV 2019/4 und
KV 2019/5 werden hiermit vereinigt.
1.2.
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der Versicherer unter sich sowie die Verfahren vor dem kantonalen Schiedsgericht der
Fall (vgl. Art. 1 Abs. 2 KVG), nicht jedoch betreffend die vorliegend strittigen
Rechtsfragen. Folglich gilt im Verwaltungsverfahren Art. 52 Abs. 1 ATSG mit seiner 30-
tägigen Frist zur Einspracheerhebung und im Beschwerdeverfahren Art. 60 ATSG mit
seiner 30-tägigen Frist zur Beschwerdeerhebung. Die von der Beschwerdegegnerin in
diesem Zusammenhang eingeholte Auskunft des Gesundheitsdepartements des
Kantons St.Gallen basiert auf einem Urteil des hiesigen Gerichts vom 15. Dezember
2015 (KV-SG 2015/12), welches die Frage der Ausrichtung einer Prämienverbilligung
betraf (KV-act. 15), für welche das ATSG wie vorstehend ausgeführt nicht anwendbar
ist.
3.
Dem Verfahrensantrag der Beschwerdeführerin um Sistierung des vorliegenden
Verfahrens bis zum Entscheid "der eidgenössischen Behörde über die Gewährung von
Ausnahmebewilligungen" (act. G1 S. 2 f. in KV 2019/4) kann nicht stattgegeben
werden. Denn bereits am 6. Februar 2019 hatte die angerufene Gemeinsame
Einrichtung KVG sich zuhanden der Beschwerdeführerin als unzuständig erklärt und
auf die diesbezügliche Zuständigkeit der Beschwerdegegnerin verwiesen (KV-act. 9).
Dies ist korrekt, denn gemäss Art. 6 Abs. 1 KVG sorgen die Kantone für die Einhaltung
der Versicherungspflicht (Art. 6 Abs. 2 KVG). Im Kanton St. Gallen vollzieht die
politische Gemeinde die Bestimmungen über die Versicherungspflicht und bezeichnet
eine Kontrollstelle für die Krankenversicherung (vgl. Art. 4 und Art. 6 Abs. 1 des
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung [EG
KVG; sGS 331.11]). Gemäss Art. 4 der Verordnung zum Einführungsgesetz zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (V EG KVG; sGS 331.111) ist die
Kontrollstelle für Krankenversicherung jener politischen Gemeinde zuständig, in
welcher die versicherungspflichtige Person ihren Wohnsitz hat. Wer eine Ausnahme
von der Versicherungspflicht beansprucht, reicht das Gesuch der Kontrollstelle ein (Art.
7 V EG KVG). Ob und wie die Beschwerdegegnerin das neuerliche Gesuch der
Beschwerdeführerin um Befreiung von der schweizerischen Versicherungspflicht
behandelt hat, ist nicht aktenkundig. Angesichts der nachstehenden Ausführungen
wäre jedenfalls eine neuerliche materielle Behandlung dieses Gesuchs nicht statthaft,
da bereits rechtswirksam über diese Frage entschieden worden ist.
4.
Mit Urteil vom 26. Oktober 2017 wies das Verwaltungsgericht des Kantons Glarus eine
Beschwerde der Beschwerdeführerin gegen einen Einspracheentscheid des
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Departements Finanzen und Gesundheit des Kantons Glarus ab, mit welchem
entschieden worden war, dass die Versicherung der Beschwerdeführerin bei der C._
nicht gleichwertig mit der schweizerischen Krankenpflegeversicherung und folglich eine
Befreiung nicht möglich sei (vgl. KV-act. 4). Dieses Urteil wurde vom Bundesgericht am
20. Februar 2018 bestätigt (KV-act. 5). Vor diesem Hintergrund ist vorab zu prüfen, ob
bezüglich der Beschwerde vom 8. Februar 2019 allenfalls der Grundsatz der
abgeurteilten Sache (res iudicata) zum Tragen kommt. Eine solche ist zu bejahen, wenn
der streitige Anspruch mit einem schon rechtskräftig beurteilten identisch ist. Dies trifft
zu, wenn der Anspruch dem Gericht aus demselben Rechtsgrund und gestützt auf den
gleichen Sachverhalt abermals zur Beurteilung unterbreitet wird (Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Dezember 2016, 9C_527/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Es
müsste sich um denselben Streitgegenstand bezüglich der Tatsachen- und Rechtslage
zur Zeit der vorliegend zu beurteilenden Verfügung handeln (vgl. hierzu René Rhinow/
Heinrich Koller/Christian Kiss/Daniela Thurnherr/Denise Brühl-Moser, Öffentliches
Prozessrecht, 3. Aufl. Basel 2014, Rz. 955). Bei den den genannten Urteilen zu Grunde
liegenden Verfahren war ein Befreiungsgesuch von der schweizerischen
obligatorischen Krankenversicherung der Beschwerdeführerin vom 24. Oktober 2016
zu prüfen (KV-act. 4 S. 2 E. 1.1 sowie KV-act. 5 S. 2 Sachverhalt A.). Dem vorliegenden
Verfahren liegt ein Gesuch vom 5. November 2018 zu Grunde (KV-act. 2). Auch wenn
die Versicherungslösung der Beschwerdeführerin bei der C._ nach wie vor dieselbe
ist (vgl. beispielsweise act. G 1 in KV 2019/4), wäre angesichts des im Zeitpunkt des
zweiten Gesuchs weiter fortgeschrittenen Alters der Beschwerdeführerin ein
vollumfängliches Nichteintreten auf die Beschwerde vom 8. Februar 2019 unter
Hinweis auf eine res iudicata-Wirkung nicht statthaft. Folglich ist auch diese
Beschwerde grundsätzlich materiell zu überprüfen (vgl. hierzu nachstehend Erwägung
7).
5.
Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin angesichts ihrer Wohnsitznahme in
B._ vom 27. August 2018 grundsätzlich der Schweizer Krankenversicherungspflicht
untersteht. Strittig und zu prüfen ist das Gesuch um Befreiung von der Schweizer
Versicherungspflicht (vgl. nachstehend Erwägungen 6.1 und 7) sowie die Zuweisung zu
einer Schweizer Versicherung (vgl. nachstehend Erwägungen 6.2 und 8). Die
Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin nicht von dieser
Versicherungspflicht befreit werden kann (KV-act. 3 und 7), weshalb sie sie der CSS
zuwies (KV-act. 8 und 13). Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Meinung,
von der Versicherungspflicht befreit werden zu müssen, da sie über eine mindestens
gleichwertige Deckung im Ausland verfüge (act. G 1 in KV 2019/4). Aus diesem Grund
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sei die Zuweisung an einen Schweizer Versicherer nicht rechtens (act. G1 in KV
2019/5).
6.
7.
Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz muss sich nach Art. 3 Abs. 1 KVG innert
drei Monaten nach der Wohnsitznahme oder der Geburt in der Schweiz für
Krankenpflege versichern oder versichern lassen, soweit keiner der
Ausnahmetatbestände eine Befreiung von der Versicherungspflicht vorsieht (vgl. Art. 3
Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 KVG und Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 ff. der Verordnung über die
Krankenversicherung [KVV, SR 832.102]). Der einzige Ausnahmetatbestand, welcher
vorliegend in Frage kommen könnte, ist in Art. 2 Abs. 8 KVV geregelt. Dieser
Verordnungsbestimmung zufolge sind auf Gesuch hin von der Versicherungspflicht
ausgenommen Personen, für welche eine Unterstellung unter die schweizerische
Versicherung eine klare Verschlechterung des bisherigen Versicherungsschutzes oder
der bisherigen Kostendeckung zur Folge hätte und die sich auf Grund ihres Alters und/
oder ihres Gesundheitszustandes nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen im
bisherigen Umfang zusatzversichern könnten.
6.1.
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 KVG sorgen die Kantone für die Einhaltung der
Versicherungspflicht. Personen, die ihrer Versicherungspflicht nicht rechtzeitig
nachkommen, hat die vom Kanton bezeichnete Behörde einem Versicherer zuzuweisen
(Art. 6 Abs. 2 KVG). Im Kanton St.Gallen hat die politische Gemeinde eine Kontrollstelle
für Krankenversicherung zu bezeichnen (vgl. 10 Abs. 2 KVV sowie Art. 6 Abs. 1 EG
KVG) und gemäss Art. 4 Abs. 1 V EG KVG ist die Kontrollstelle für Krankenversicherung
jener politischen Gemeinde zuständig, in der die versicherungspflichtige Person ihren
zivilrechtlichen Wohnsitz hat. Nach Art. 6 Abs. 2 EG KVG ist die versicherungspflichtige
Person, die keine Auskunft über ihre Versicherung erteilt oder nicht versichert ist, von
der Kontrollstelle aufzufordern, sich unverzüglich versichern zu lassen.
Versicherungspflichtige Personen, welche dieser Aufforderung nicht innert vierzehn
Tagen nachkommen, hat die Kontrollstelle einer Versicherung zur Aufnahme
zuzuweisen (Art. 6 Abs. 3 EG KVG).
6.2.
Zu prüfen ist nach dem Gesagten als Erstes, ob die Unterstellung der
Beschwerdeführerin unter die Schweizer Versicherung eine klare Verschlechterung des
bisherigen Versicherungsschutzes oder der bisherigen Kostendeckung zur Folge hätte
und ob sie sich auf Grund ihres Alters und/oder ihres Gesundheitszustandes nicht oder
nur zu kaum tragbaren Bedingungen im bisherigen Umfang zusatzversichern könnte
7.1.
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(Art. 2 Abs. 8 KVV). Diese Bestimmung soll gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
nicht den Nachteil verhindern, den eine Person dadurch erleidet, dass das
schweizerische System den Versicherungsschutz, den sie bisher unter dem
ausländischen System genoss, überhaupt nicht oder nicht zu gleich günstigen
Bedingungen vorsieht. Er soll vielmehr den Nachteil vermeiden, der daraus resultiert,
dass eine Person bis zum Erreichen ihres bisherigen ausländischen
Versicherungsniveaus von in der Schweiz tatsächlich vorhandenen Angeboten wegen
ihres Alters und/oder Gesundheitszustandes nicht oder nur zu kaum tragbaren
Bedingungen Gebrauch machen kann. Für diese unterschiedliche Behandlung von
Personen, bei denen solche Gründe des Alters und/oder Gesundheitszustandes
vorliegen, auf der einen und von Personen, bei denen solche Gründe fehlen, auf der
andern Seite gibt es einen vernünftigen Grund. Dieser liegt im Zweck des
Obligatoriums, der nicht nur darin besteht zu verhindern, dass infolge Fehlens einer
Versicherung unter Umständen bei Risikoeintritt das Gemeinwesen für höhere oder alle
Kosten aufkommen muss, sondern auch darin, die Solidarität zwischen Gesunden und
Kranken zu gewährleisten. Diese Funktion des Obligatoriums würde nämlich vereitelt,
wenn sich sogenannte gute Risiken generell durch Abschluss einer vorteilhafteren
privaten Versicherung von der durch das Obligatorium bezweckten
Solidargemeinschaft befreien könnten, was die Kosten für die in dieser Gemeinschaft
verbleibenden Personen in die Höhe triebe. Für die Anwendung von Art. 2 Abs. 8 KVV
sind daher strenge Massstäbe anzuwenden (BGE 132 V 310 E. 8.5.6 mit Hinweis; Urteil
des Bundesgerichts 9C_921/2008 vom 23. April 2009 E. 4.3; Gebhard Eugster,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Krankenversicherung, 2. Auflage, Zürich Basel Genf 2018, Art. 3 Rz 12
[nachfolgend zitiert als Eugster, Rechtsprechung], sowie Gebhard Eugster,
Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht (SBVR), Band XIV,
Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Basel 2016, S. 427 f. Rz 59 f. mit weiteren Hinweisen auf
die Rechtsprechung [nachfolgend zitiert als Eugster, Soziale Sicherzeit]).
Grundvoraussetzung für die Annahme einer klaren Verschlechterung ist, dass die
ausländische Versicherung insgesamt einen dem Leistungsrecht der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung gleichwertigen Versicherungsschutz bietet (BGE 134 V 34
E. 5 ff. sowie Urteil des Bundesgerichts 9C_510/2011 E. 4.4.2 vom 12. September
2011).
.
Die C._ hat am 31. Januar 2019 das Formular "Gesuch um Befreiung von der
Krankenversicherungspflicht für Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung" ausgefüllt
und unterschriftlich unter anderem bestätigt, dass die Versicherung der gesetzlichen
Krankenversicherung in der Schweiz gleichwertig ist (KV-act. 9). Auf explizite
7.2.
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Nachfrage des hiesigen Gerichts, ob im Pflegefall der Beschwerdeführerin die
Leistungen entgegen den Tarifbedingungen "Tarif PV mit Tarifstufen PVN und PVB"
ohne die jeweilige Limitierung bezahlt würden (act. G 18 und G 20 in KV 2019/4 und
act. G 17 und G 19 in KV 2019/5), reichte die Beschwerdeführerin resp. die C._
erneut diese Tarifbedingungen ein (act. G 21 in KV 2019/4 und act. G 20 in KV 2019/5).
Diesen für die Beschwerdeführerin geltenden Tarifbedingungen "Tarif PV mit
Tarifstufen PVN und PVB" der C._ sind teilweise Maximalbeiträge zu entnehmen
(insbesondere bei Aufwendungen für häusliche Pflegehilfe, Pflegegeld, Aufwendungen
für Pflegeleistungen bei teilstationärer Pflege, vollstationäre Pflege und Pflege in
vollstationären Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen). Die ausländische
Krankenversicherung darf aber keine Limitierungen wie maximale Kosten pro Tag bzw.
Versicherungsdeckung aufweisen (Eugster, Rechtsprechung, a.a.O., N 13 zu Art. 3 mit
Hinweisen). Unabdingbar und praktisch nicht kompensierbar ist namentlich, wenn die
Erstattung der Kosten für die Pflege in einem Pflegeheim und für die häusliche
Krankenpflege den Umfang und die Leistungsdauer nicht wenigstens annähernd
erreicht (Eugster, Rechtsprechung, a.a.O., N 19 zu Art. 3 mit Hinweisen). Im Übrigen
erachtet sich das Gericht ohnehin als an die diesbezüglichen Feststellungen des
Verwaltungsgerichts Glarus resp. des Bundesgerichts gebunden. Denn hinsichtlich der
Frage der Kompensierbarkeit dieses Mangels mit anderen der Beschwerdeführerin bei
der C._ zustehenden Leistungen ist eine abgeurteilte Sache zu bejahen, stellte sich
doch gestützt auf den identischen Sachverhalt die identische Frage dem
Verwaltungsgericht Glarus und dem Bundesgericht. Die Figur der materiellen
Rechtskraft ist im Verwaltungsverfahren genau auf Erkenntnisse einer
Rechtsmittelbehörde zugeschnitten und geht soweit, als über den geltend gemachten
Anspruch entschieden wurde (vgl. dazu beispielsweise das Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts vom 11. März 2013, B-4598/2012, E. 5.2 f. mit Hinweisen).
Soweit die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter in diesem Zusammenhang
geltend machen lässt, die Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons Glarus und
des Bundesgerichts seien ohne jeglichen Belang, da sie nur den Unterschied zwischen
der deutschen und der schweizerischen Grundversicherung untersucht hätten (vgl.
beispielsweise act. G 1 S. 3 und S. 8 in KV 2019/4), kann ihr also nicht gefolgt werden.
Darüber hinaus ist dies auch nicht korrekt, ist doch dem Urteil des Verwaltungsgerichts
des Kantons Glarus zu entnehmen, dass das Gericht die Allgemeinen
Versicherungsbedingungen der C._ für private Pflegeversicherung (MB/PPV, Stand 1.
Januar 2017) und die Tarifbedingungen zu den Tarifstufen PVN und PVB von Amtes
wegen beigezogen hat (KV-act. 4 S. 8 f. E 4.3.2). Unter Berücksichtigung dieser
Bestimmungen kam das Gericht zum Schluss, dass die Versicherung der
Beschwerdeführerin eine betragliche Obergrenze für die Deckung von Pflegeleistungen
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8.
kenne, welche der obligatorischen Krankenpflegeversicherung grundsätzlich fremd sei.
Dass die Pflegekosten durch die Versicherung der Beschwerdeführerin weitaus
schlechter gedeckt würden als durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung,
stelle einen schweren Mangel dar. Diesen schwerwiegenden Mangel vermöchten die
Vorteile der Versicherung der Beschwerdeführerin nicht hinreichend zu kompensieren
(KV-act. 4 S. 9 f. E 4.3.4 f.).
Zusammenfassend kann nicht gesagt werden, die Unterstellung der
Beschwerdeführerin unter das schweizerische Versicherungsobligatorium bewirke eine
klare Verschlechterung des bisherigen Versicherungsschutzes, weshalb eine Befreiung
von der Versicherungspflicht gemäss Art. 2 Abs. 8 KVV ausser Betracht fällt. Hieran
vermag der Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin auf Grund ihres Alters und/
oder ihres Gesundheitszustandes wohl nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen
im bisherigen Umfang zusatzversichern könnte, nichts zu ändern, müssten die
Voraussetzungen gemäss dieser Verordungsbestimmung doch kumulativ erfüllt sein.
7.3.
Mit Verfügung vom 24. Januar und Einspracheentscheid vom 25. Februar 2019 hat
die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin per 27. August 2018 in die
obligatorische Krankenpflegeversicherung der CSS zwangszugewiesen. Dies, nachdem
sie der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 28. November 2018 eine Frist bis zum
13. Dezember 2018 eingeräumt hatte, um für sich eine KVG-Police ab dem 27. August
2018 in der Schweiz abzuschliessen (KV-act. 3).
8.1.
Dieses Vorgehen entspricht dem Gesetz, denn nach Art. 6 Abs. 2 EG KVG ist eine
versicherungspflichtige Person, die nicht versichert ist, von der Kontrollstelle
aufzufordern, sich unverzüglich versichern zu lassen. Versicherungspflichtige Personen,
welche dieser Aufforderung nicht innert vierzehn Tagen nachkommen, hat die
Kontrollstelle einer Versicherung zur Aufnahme zuzuweisen (Art. 6 Abs. 3 EG KVG).
Nachdem das Bundesgericht mit Urteil vom 20. Februar 2018 festgestellt hatte, dass
bei der Beschwerdeführerin kein Ausnahmetatbestand von der Versicherungspflicht
erfüllt sei, musste die Beschwerdeführerin davon ausgehen, dass auch ein neuerliches
Gesuch zu keinem anderen Ergebnis führen wird und sie sich bei einem Schweizer
Versicherer versichern muss. Nachdem sie dies gar trotz expliziter Aufforderung unter
Fristansetzung und Androhung der Säumnisfolgen von Seiten Beschwerdegegnerin
(vgl. KV-act. 3) nicht getan hat, musste die Beschwerdegegnerin sie in Ausübung ihrer
gesetzlichen Pflichten einem Schweizer Versicherer zwangszuweisen.
8.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
9.