Decision ID: f7e0b577-d28a-4ecb-9772-ad36de4e3eb7
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde im März 1980 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
angemeldet (IV-act. 5). Der Neuropädiater Dr. med. B._ berichtete im März 1983 (IV-
act. 16 f.), der Versicherte leide an einem schwersten frühinfantilen organischen
Psychosyndrom, an einer schwersten Lese- und Schreibschwäche, an einer
schwersten grapho-motorischen Behinderung sowie an einem Bewegungsbild einer
spastischen Tetraparese mit einer statischen und kinetischen Ataxie. Zudem bestehe
ein hochgradiger Verdacht auf eine Epilepsie. Der Versicherte wurde verspätet
eingeschult und er wechselte von der gewöhnlichen in eine Sprachheilschule und von
dieser später in eine Sonderschule, wo er eine positive Entwicklung durchlief. Er konnte
zuletzt in eine öffentliche Werkklasse wechseln. Im August 1995 konnte er eine von der
Invalidenversicherung mitfinanzierte erstmalige berufliche Ausbildung zum C._
abschliessen (IV-act. 81). Aufgrund einer Empfindlichkeit bezüglich Weizen- und
Roggenmehl beantragte er im Jahr 1999 eine Umschulung zum Programmierer. Die
Invalidenversicherung vergütete die Kosten für einen Kurs zum „Web-Publisher“ und
für einen Handelskurs (IV-act. 112). Im April 2002 schloss der Versicherte eine
schulische Ausbildung zum kaufmännischen Sachbearbeiter ab (IV-act. 145 f.). Im Mai
2006 erlangte der Versicherte ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Informatiker
(IV-act. 163–2). In den Jahren 2008–2010 nahm er an einem Lehrgang zum
diplomierten Projektmanager teil (IV-act. 153 und 163–1).
A.a.
Im Mai 2011 meldete der Versicherte sich erneut zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 151). Im Oktober 2011 berichtete das Psychiatrie-
Zentrum D._ (IV-act. 167), der Versicherte leide anamnestisch an einem ADHS im
Erwachsenenalter und an einer Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven
Reaktion. Zudem bestehe der Verdacht auf eine bipolare Störung mit einer gemischten
Episode und auf eine Störung durch Alkohol und Cannabis bei einem schädlichen
A.b.
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Gebrauch. Der Versicherte könne keiner geregelten Arbeit auf dem freien Arbeitsmarkt
nachgehen. Im November 2011 teilte der Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit, dass
sich sein Gesundheitszustand verbessert habe (IV-act. 173). Das Psychiatrie-Zentrum
D._ berichtete dagegen im Januar 2012 über einen unveränderten
Gesundheitszustand mit einer nach wie vor bestehenden Unfähigkeit zur
Selbstreflexion (IV-act. 179). Im Dezember 2012 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit,
dass er sich – entgegen der Empfehlung der behandelnden Ärzte – als voll
vermittlungsfähig beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum anmelden werde (IV-act.
210). Das Psychiatrie-Zentrum D._ berichtete im Januar 2013 über eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit einem hypomanischen Zustandsbild
und einer starken Angetriebenheit; es empfahl eine volle Berentung (IV-act. 212). Der
neu behandelnde Psychiater Dr. med. E._ empfahl eine psychiatrische Begutachtung
(IV-act. 243–8 f.). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. F._ am 22. Januar 2014
ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 259). Er hielt fest, der Versicherte leide an einer
einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung sowie an einer bipolaren affektiven
Störung mit einer gegenwärtig manischen Phase. Obwohl der Versicherte in der
neuropsychologischen Testung eine gute und in manchen Bereichen sogar eine
überdurchschnittliche Intelligenz gezeigt habe und obwohl er über eine grosse
Bereitschaft verfüge, berufliche und private Ziele mit einer maximalen
Willensanspannung zu verfolgen, bedingten die ständigen Wechsel zwischen
manischen und depressiven Phasen sowie das mehr oder weniger unbehandelte ADHS
letztlich eine weitestgehende Einschränkung der privaten und beruflichen
Alltagstauglichkeit. Solange der Versicherte nicht angemessen behandelt werde, könne
keine berufliche Integration durchgeführt werden. Aus fachärztlicher Sicht sei es sehr
unwahrscheinlich, dass der Versicherte eine ausreichende Behandlungscompliance
entwickeln werde. Maniker liessen sich erfahrungsgemäss zu gar nichts zwingen. Mit
einer Verfügung vom 18. Juli 2014 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung
ab dem 1. Januar 2012 eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 94 Prozent zu
(IV-act. 271).
In der Zeit zwischen August 2014 und Mai 2015 ersuchte der Versicherte mehrfach
um berufliche Massnahmen, insbesondere um eine Kapitalhilfe (IV-act. 272 ff.). Die IV-
Stelle hatte ihn bereits am 9. Dezember 2014 darauf hingewiesen, dass sie auf ein
A.c.
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neues Leistungsbegehren nur eintreten werde, wenn eine relevante Veränderung der
wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Situation glaubhaft gemacht worden sei und
wenn die Anmeldung mittels des standardisierten Anmeldeformulars erfolge (IV-act.
299). Im Mai 2015 reichte der Versicherte ein ausgefülltes Anmeldeformular ein (IV-act.
318). Mit einem Vorbescheid vom 11. Juni 2015 teilte ihm die IV-Stelle mit, dass sie
vorsehe, mangels einer relevanten Sachverhaltsveränderung nicht auf sein
Leistungsbegehren einzutreten (IV-act. 326). Dagegen wandte der nun als
Geschäftsführer seiner Unternehmung „G._ GmbH“ auftretende Versicherte am 21.
Juni 2015 ein (IV-act. 328), der ihm von der IV-Stelle unterstellte Gesundheitsschaden
sei gar nicht vorhanden. Er habe die Rente nur akzeptiert, weil er auf das Geld
angewiesen gewesen sei. Aktuell arbeite er an sieben Tagen pro Woche, um zehn
Projekte an verschiedenen Standorten in der Schweiz zu realisieren. Er verlange eine
Kapitalhilfe. Der Kapitalbedarf betrage zwei Millionen Franken. Der Schadenfall könne
mit einer Kapitalerhöhung von 1’980’000 Franken und einer Genugtuung von 20’000
Franken erledigt werden. Er erwarte einen Anruf der IV-Stelle innert der nächsten fünf
Tage. Mit einer Verfügung vom 25. Juni 2015 trat die IV-Stelle nicht auf das
Leistungsbegehren ein (IV-act. 329). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
wies eine dagegen erhobene Beschwerde mit einem Entscheid vom 7. Juli 2016 (IV
2015/229) ab, soweit es überhaupt darauf eingetreten war (vgl. IV-act. 361). Das
Bundesgericht trat auf eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde mangels
ausreichender Begründung nicht ein (Urteil des Bundesgerichtes 8C_256/2016 vom 4.
Oktober 2016). Bereits am 18. August 2016 hatte die IV-Stelle dem Versicherten
mitgeteilt, dass sie auf sein Wiedererwägungsgesuch betreffend die Vergütung von
Ausbildungskosten nicht eintrete (IV-act. 363).
Ab Ende Oktober 2016 wandte sich der Versicherte erneut mehrfach mit dem
sinngemässen Begehren um die Vergütung von beruflichen Massnahmen an die IV-
Stelle (IV-act. 369 ff.). Am 30. Mai 2017 teilte der behandelnde Psychiater Dr. E._ der
IV-Stelle mit (IV-act. 388), dass er zwar einer selbständigen Tätigkeit des Versicherten
skeptisch gegenüberstehe, aber trotzdem eine nochmalige vertiefte Abklärung von
möglichen beruflichen Massnahmen empfehle. Von den intellektuellen
Grundvoraussetzungen und auch von seiner Aufmerksamkeits- und
Konzentrationsfähigkeit her sei der Versicherte grundsätzlich durchaus in der Lage,
A.d.
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eine höhere schulische Ausbildung erfolgreich abzuschliessen. Am 14. Juli 2017
notierte Dr. med. H._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), eine
wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes des Versicherten seit der
Begutachtung durch Dr. F._ sei nicht auszumachen (IV-act. 400). Mit einer Mitteilung
vom 17. Juli 2017 informierte die IV-Stelle den Versicherten darüber, dass er weiterhin
einen unveränderten Anspruch auf die laufende ganze Rente habe (IV-act. 402).
Im Januar 2018 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei der
IV-Stelle an (IV-act. 403). Die IV-Stelle interpretierte diese Anmeldung als ein Gesuch
um die Gewährung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Mit einer Verfügung
vom 19. Januar 2018 trat sie mangels Glaubhaftmachung einer relevanten
Sachverhaltsveränderung nicht auf diese Neuanmeldung ein (IV-act. 406). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess eine gegen diese Verfügung
erhobene Beschwerde mit einem Entscheid vom 18. Dezember 2018 (IV 2018/77) gut;
es verpflichtete die IV-Stelle, auf die Neuanmeldung einzutreten (vgl. IV-act. 429). Zur
Begründung führte es an, der Art. 87 Abs. 3 IVV könne weder von seinem klaren
Wortlaut her noch aus teleologischen oder systematischen Überlegungen analog auf
Neuanmeldungen betreffend berufliche Eingliederungsmassnahmen angewendet
werden. Die IV-Stelle müsse folglich auf die Neuanmeldung eintreten und diese
materiell beurteilen. Das Bundesgericht trat auf eine von der IV-Stelle gegen diesen
Entscheid erhobene Beschwerde nicht ein (Urteil des Bundesgerichtes 8C_91/2019
vom 16. April 2019; vgl. IV-act. 442). Zur Begründung führte es aus, der von der IV-
Stelle geltend gemachte nicht wieder gutzumachende Nachteil sei
verfahrensrechtlicher Natur; das Eintreten auf eine Beschwerde an das Bundesgericht
sei aber nur zulässig, wenn ein materieller nicht wieder gutzumachender Nachteil
vorliege.
A.e.
Auf eine Aufforderung der IV-Stelle hin teilte Dr. E._ am 6. August 2019 mit (IV-
act. 455), die im Gutachten von Dr. F._ gestellte Diagnose einer manisch-depressiven
Erkrankung greife zu kurz. Der Versicherte zeige zwar Stimmungsschwankungen und
die von ihm präsentierten Ideen hätten teilweise einen manischen Charakter, aber im
Verlauf der Therapie sei nie eine wirkliche Manie festzustellen gewesen. Auch habe es
keine eigentlichen depressiven Episoden gegeben. Die Grössenphantasien und die
unrealistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und Grenzen seien wohl eher
A.f.
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Symptome einer Persönlichkeitsstörung, die aber diagnostisch schwer zu fassen sei. In
der Vergangenheit sei der Versicherte mit seinen Projekten und mit seinen
Ausbildungsversuchen immer wieder gescheitert, aber er könne das offenbar nicht
akzeptieren. Die Chancen einer erfolgreichen beruflichen Eingliederung stünden
schlecht. Zudem werde der Versicherte wohl kaum in ein Team eingebunden werden
können. Grundsätzlich sei eine erneute umfassende Begutachtung zu empfehlen, die
sich mit der Frage nach einer allfälligen Ausbildungsfähigkeit zu befassen hätte. Mit
einer Verfügung vom 3. Februar 2020 wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten
um eine Umschulung mit der Begründung ab, eine solche sei nicht geeignet, seine
Erwerbsfähigkeit zu erhalten oder wesentlich zu verbessern (IV-act. 480). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies eine gegen diese Verfügung
erhobene Beschwerde mit einem Entscheid vom 8. September 2020 (IV 2020/44) ab,
soweit es überhaupt darauf eingetreten war (vgl. IV-act. 503). Zur Begründung führte es
an, der Versicherte sei zwar umschulungsspezifisch invalid, aber die Symptome, die die
Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf begründeten, hätten von ihrer Art her in jedem
anderen Beruf denselben Arbeitsunfähigkeitsgrad zur Folge, weshalb der Versicherte
nicht in der Lage sei, einen wesentlichen Eingliederungs- respektive
Umschulungserfolg zu erzielen. Die Akten weckten zudem erhebliche Zweifel an der
Ausbildungsfähigkeit des Versicherten, denn dieser sei bereits wiederholt in von ihm
selbst in die Wege geleiteten Weiterbildungen gescheitert. Das Bundesgericht trat auf
eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde des Versicherten nicht ein (Urteil
des Bundesgerichtes 9C_616/2020 vom 19. Oktober 2020; vgl. IV-act. 506).
Am 3. November 2020 meldete sich der Versicherte unter Verwendung des
Formulars „Anmeldung für Erwachsene: Berufliche Integration/Rente“ erneut zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 508). Am 9. November
2020 bestätigte die IV-Stelle den Eingang der Anmeldung; das Schreiben enthielt
keinen Hinweis auf die Notwendigkeit der Glaubhaftmachung einer relevanten
Sachverhaltsveränderung (IV-act. 511). Mit einem Vorbescheid vom 11. November
2020 teilte die IV-Stelle ihm mit, dass sie vorsehe, nicht auf sein Leistungsbegehren
einzutreten, weil er keine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht habe
(IV-act. 513). Am 14. Dezember 2020 liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte
beantragen, dass mit dem Erlass der Nichteintretensverfügung zugewartet werde, bis
A.g.
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B.
ein in Aussicht gestellter Bericht der Psychiatrischen Dienste I._ eingegangen und
gewürdigt worden sei (IV-act. 515). Der erwähnte Bericht wurde am 31. Dezember 2020
erstattet (IV-act. 517). Er betraf eine einmalige ambulante Untersuchung des
Versicherten. Der untersuchende Assistenzarzt hatte einen merkbaren euphorischen
Zustand sowie ein gesteigertes Redebedürfnis festgestellt. Die früheren medizinischen
Akten hatten ihm offenkundig nicht vorgelegen; für die Anamneseerhebung hatte er
sich ausschliesslich auf die subjektiven Schilderungen des Versicherten gestützt. Er
hatte eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert. Der RAD-
Arzt J._ notierte am 10. Februar 2021 (IV-act. 518), der Bericht der Psychiatrischen
Dienste I._ enthalte zwar keine umfassende Befundschilderung, aber angesichts der
bestens bekannten Vorgeschichte und der Ausführungen im Bericht könne davon
ausgegangen werden, dass der Versicherte tatsächlich nach wie vor an einem ADHS
leide. Das Verhalten des Versicherten bezüglich seiner geschäftlichen Projekte, aber
auch gegenüber der IV-Stelle und den Gerichten spreche für einen aufgehobenen
Realitätsbezug, der sich sehr gut im Rahmen der gutachterlich diagnostizierten
bipolaren Störung erklären lasse. Der im aktuellen Bericht geschilderte euphorische
Zustand mit einem erhöhten Redebedürfnis stelle ein Leitsymptom für die Diagnose
einer Manie im Rahmen einer bipolaren affektiven Störung dar. Zusammenfassend
habe sich der Gesundheitszustand des Versicherten somit nicht verändert. Mit einer
Verfügung vom 12. Februar 2021 trat die IV-Stelle nicht auf das Leistungsbegehren des
Versicherten ein (IV-act. 519).
Am 10. März 2021 erhob der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. Februar 2021 (act. G 1). Er beantragte
sinngemäss die Gewährung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen sowie eines
Taggeldes. Zur Begründung führte er aus, er sei schon seit Januar 2013 voll
arbeitsfähig. Ihm sei nur das wahrheitswidrige Zeugnis des Psychiatrie-Zentrums D._
zum Verhängnis geworden. Weil er gar kein Maniker sein könne, habe er am 22.
Februar 2021 eine Strafanzeige wegen eines falschen ärztlichen Zeugnisses
eingereicht. Nun müsse dringend eine neue Begutachtung durchgeführt werden. In der
Folge müsse die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) die berufliche
Eingliederung in die Wege leiten. Am 24. März 2021 machte er ergänzend geltend, im
B.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/14
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Das Verwaltungsverfahren hat sich auf die
Frage beschränkt, ob auf das neue Leistungsbegehren einzutreten sei. Die
Beschwerdegegnerin hat diese Frage verneint und dementsprechend die nun
beschwerdeweise angefochtene Nichteintretensverfügung erlassen. In diesem
Beschwerdeverfahren kann deshalb ausschliesslich geprüft werden, ob die
Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung vom 3. November 2020 hätte eintreten
müssen. Der in diesem Beschwerdeverfahren nicht anwaltlich vertretene
Beschwerdeführer hat sich in seinen Eingaben nur zu materiellen Fragen geäussert.
stehe eine Schadenersatzforderung von mindestens 150’000–200’000 Franken zu (act.
G 3). Am 6. April 2021 und am 13. April 2021 verfasste er weitere Stellungnahmen
zuhanden des Versicherungsgerichtes, die sich auf materielle Fragen wie die
Ausbildungsfähigkeit, die Tätigkeiten für die eigene Unternehmung und
Schadenersatzansprüche bezogen (act. G 4 und G 6).
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. Juni 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie an, der Beschwerdeführer habe
keine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht. Zudem sei er
voraussichtlich nicht fähig, seine Erwerbsfähigkeit erheblich zu verbessern. Die
Ausbildungsfähigkeit sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen.
B.b.
Am 4. Juli 2021 hielt der Beschwerdeführer sinngemäss an seinen Anträgen fest
(act. G 13).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 16). Am 23.
August 2021 leitete sie auf Wunsch des Beschwerdeführers dessen Eingabe an sie
vom 19. August 2021 an das Versicherungsgericht weiter (act. G 15 und G 15.1). Darin
hatte der Beschwerdeführer sinngemäss geltend gemacht, es sei nicht sein Fehler,
dass das Geschäft mit der Windenergie in der Schweiz nicht zum Laufen komme. Die
Umschulung müsse nicht in dieser, sondern in einer anderen Branche erfolgen.
B.d.
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Seine sinngemäss gestellten Anträge sind allesamt materieller Natur gewesen. Auf
diese materiellen Anträge kann nicht eingetreten werden, weil ansonsten der
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens rechtswidrig von der Frage des Eintretens
auf das Leistungsgesuch auf die Frage des Bestehens eines Leistungsanspruchs
ausgedehnt würde. Allerdings wäre es überspitzt formalistisch, dem Beschwerdeführer
vorzuwerfen, er hätte explizit das Eintreten auf seine Neuanmeldung vom 3. November
2020 beantragen müssen, denn indem er materielle Begehren gestellt hat, hat er –
wenn für ihn als juristischen Laien auch nicht ersichtlich – implizit auch das für die
materielle Beurteilung zwingend erforderliche vorgängige Eintreten auf seine
Neuanmeldung beantragen müssen. Bei einer sorgfältigen Interpretation drängt sich
folglich eine lückenfüllende Ergänzung der Beschwerdeschrift auf: Die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, auf die Neuanmeldung vom 3. November
2020 einzutreten. Auf dieses Beschwerdebegehren ist einzutreten. Auf die materiellen
Beschwerdebegehren kann hingegen nicht eingetreten werden.
2.
Das Versicherungsgericht hat bereits in seinem Entscheid IV 2018/77 vom 18.
Dezember 2018 ausführlich dargelegt, dass das Eintreten auf eine Neuanmeldung
betreffend berufliche Eingliederungsmassnahmen keine Glaubhaftmachung einer
relevanten Sachverhaltsveränderung erfordert. Der Art. 29 ATSG sieht ein jederzeitiges
Anmelderecht in Bezug auf Sozialversicherungsleistungen und damit notwendigerweise
auch einen Anspruch auf ein Eintreten auf jede Anmeldung beziehungsweise auf eine
materielle Behandlung jeder Anmeldung vor. Bei diesem Recht auf eine materielle
Behandlung jeder Anmeldung handelt es sich um einen elementaren Grundsatz des
Sozialversicherungsleistungsrechtes, denn es stellt einen wichtigen Baustein für die
Durchsetzung des Prinzips dar, dass jede versicherte Person jene gesetzlich
vorgesehenen Sozialversicherungsleistungen erhalten soll, die sie benötigt. Da im Art.
29 ATSG nicht zwischen einer erstmaligen Anmeldung und einer sogenannten Neu-
oder Wiederanmeldung (also einer erneuten Anmeldung nach einer formell
rechtskräftigen Abweisung eines früheren Gesuchs) unterschieden wird und da sich
eine solche Unterscheidung auch nicht mit dem Sinn und Zweck des Anmelderechtes
vereinbaren liesse, muss der uneingeschränkte Anspruch auf ein Eintreten auf ein
Leistungsbegehren auch für Neuanmeldungen gelten. Dieser Anspruch wird vom Art.
87 Abs. 3 IVV nur für ganz bestimmte Leistungen der Invalidenversicherung ein
geschränkt, nämlich für die Rente, für die Hilflosenentschädigung und für den
Assistenzbeitrag. Die ratio legis des Art. 87 Abs. 3 IVV besteht darin, die IV-Stellen vor
jenem Aufwand zu schützen, mit dem diese konfrontiert wären, wenn Versicherte
repetitiv Anmeldungen zum Leistungsbezug einreichen könnten, die von den IV-Stellen
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jedes Mal wieder umfassend materiell geprüft werden müssten. Der Art. 87 Abs. 3 IVV
dient also allein der Verfahrensökonomie, bei der es sich anerkanntermassen um kein
besonders schützenswertes öffentliches Interesse handelt. Das ist umso
problematischer, als die Anwendung des Art. 87 Abs. 3 IVV eine Durchbrechung des –
elementar wichtigen – jederzeitigen Anspruchs auf eine materielle Prüfung einer
Anmeldung zur Folge hat. Dennoch kann der Art. 87 Abs. 3 IVV wohl gerade noch als
gesetzmässig qualifiziert werden, denn die Sachverhaltsabklärung bezüglich der in
dieser Verordnungsbestimmung genannten Leistungen – Rente,
Hilflosenentschädigung und Assistenzbeitrag – erweist sich in aller Regel als äusserst
aufwendig, weshalb diesbezüglich ein gewisser „Schutzbedarf“ der Verwaltung vor
repetitiven Neuanmeldungen anerkannt werden kann. Auch wenn sich der Art. 87 Abs.
3 IVV nicht auf eine explizite gesetzliche Grundlage stützen kann, die eine
Einschränkung des im Art. 29 ATSG verankerten uneingeschränkten Anspruchs auf ein
Eintreten auf ein Leistungsbegehren erlauben würde, trägt er also doch offenkundig
einem wesentlichen praktischen Interesse Rechnung, ohne dafür die gesetzliche
Regelung im Art. 29 ATSG in einem unverhältnismässig hohen Mass einzuschränken.
Er dürfte also gerade noch vom Vollzugsverordnungsauftrag im Art. 86 Abs. 2 Satz 1
IVG abgedeckt sein. Die Anwendung des Art. 87 Abs. 3 IVV führt auch nicht zu einer
rechtsungleichen Behandlung der Versicherten, denn die Eintretenshürde stützt sich
auf einen sachlichen Grund, nämlich auf die Vermeidung eines unnötigen
Verfahrensaufwandes bei repetitiven Neuanmeldungen. Über andere
Leistungsansprüche als die Rente, die Hilflosenentschädigung und den
Assistenzbeitrag kann dagegen regelmässig mit einem eher geringen
Abklärungsaufwand entschieden werden. Eine Ausweitung des Anwendungsbereichs
des (sich nicht auf eine explizite gesetzliche Grundlage stützenden und einen
elementaren Grundsatz des Sozialversicherungsleistungsrechts aus blossen
verfahrensökonomischen Überlegungen unterlaufenden) Art. 87 Abs. 3 IVV auf von
dessen Wortlaut nicht erfasste Leistungen der Invalidenversicherung ist dagegen nicht
zu rechtfertigen, weil damit die Gefahr einer eigentlichen Untergrabung des im Art. 29
ATSG verankerten Grundsatzes des uneingeschränkten Anspruchs auf ein Eintreten auf
ein Leistungsbegehren verbunden wäre. Eine Anwendung des Art. 87 Abs. 3 IVV auf
von diesem nicht namentlich erwähnte Leistungen könnte nämlich nur in Betracht
kommen, wenn deren Prüfung eine ebenso aufwendige Sachverhaltsabklärung wie die
Prüfung eines Rentenbegehrens, eines Begehrens um eine Hilflosenentschädigung
oder eines Begehrens um einen Assistenzbeitrag erfordern würde. Das würde jedoch
voraussetzen, dass der Verordnungsgeber es versehentlich versäumt hätte, diese
weiteren Leistungen zu erwähnen. Für die Annahme einer entsprechenden
ausfüllungsbedürftigen Verordnungslücke fehlt aber jeder Hinweis. Selbst als der
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Verordnungsgeber den Wortlaut im Zuge der Einführung des Assistenzbeitrages
ergänzen musste, hat er ganz offensichtlich bewusst nur den Assistenzbeitrag als dritte
Leistung angeführt, in Bezug auf die eine Neuanmeldung die sogenannte
„Eintretenshürde“ meistern muss. Er hat weder weitere Leistungen genannt noch den
Art. 87 Abs. 3 IVV auf alle Leistungen der Invalidenversicherung ausgedehnt. Dabei
kann es sich augenscheinlich nicht um ein Versehen gehandelt haben. Deshalb muss
die im Art. 87 Abs. 3 IVV enthaltene Aufzählung als vollständig und damit
abschliessend qualifiziert werden. Auf Neuanmeldungen betreffend berufliche
Massnahmen kann der Art. 87 Abs. 3 IVV also offensichtlich nicht angewendet werden,
denn die Prüfung einer entsprechenden Neuanmeldung erfordert in aller Regel keinen
Sachverhaltsabklärungsaufwand, der mit jenem betreffend eine Rente, eine
Hilflosenentschädigung oder einen Assistenzbeitrag verglichen werden könnte. Folglich
rechtfertigt es sich nicht, die IV-Stellen – in Abweichung vom Wortlaut des Art. 29
ATSG – vor jenem Aufwand zu schützen, der für die Prüfung eines (erneuten)
Begehrens um berufliche Massnahmen notwendig ist. Mit anderen Worten muss bei
einer Neuanmeldung betreffend berufliche Massnahmen nicht erst glaubhaft gemacht
werden, dass sich der anspruchsbegründende Sachverhalt seit der letzten
Leistungsverweigerung wesentlich verändert hat. Auf jede Neuanmeldung ist
einzutreten, das heisst jede Neuanmeldung ist materiell zu prüfen. Die
Beschwerdegegnerin hätte folglich auf das Begehren vom 3. November 2020 eintreten
müssen, auch wenn keine Veränderung des massgebenden Sachverhaltes nach der
letzten Leistungsverweigerung glaubhaft gemacht war (vgl. zum Ganzen auch den
Entscheid IV 2016/268 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 24. Januar 2018, E.
3.1). Der angefochtene Nichteintretensentscheid ist deshalb aufzuheben und durch den
verfahrensleitenden Entscheid zu ersetzen, dass auf die Neuanmeldung einzutreten
und das Leistungsbegehren materiell zu prüfen sei. Die Beschwerdegegnerin wird den
massgebenden Sachverhalt umfassend abklären und dann über einen Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine berufliche Eingliederungsmassnahme verfügen.
3.
Selbst wenn das Eintreten auf die Neuanmeldung betreffend berufliche
Eingliederungsmassnahmen vom 3. November 2020 ein Glaubhaftmachen einer
relevanten Sachverhaltsveränderung erfordert hätte, müsste die angefochtene
Nichteintretensverfügung aus den nachfolgenden Gründen als rechtswidrig aufgehoben
werden. Die Anmeldung zum Leistungsbezug hat mittels des dafür vorgesehenen
Formulars zu erfolgen (Art. 29 Abs. 2 ATSG). Versicherte, die sich nach der Abweisung
eines früheren Leistungsbegehrens erneut zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung anmelden wollen (sog. Neu- oder Wiederanmeldung), haben
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genau dasselbe Formular auszufüllen wie Versicherte, die sich erstmalig zum
Leistungsbezug anmelden. Dieses Formular enthält keinen Hinweis darauf, dass bei
einer Neuanmeldung eine relevante Sachverhaltsveränderung seit der Abweisung des
früheren Leistungsbegehrens glaubhaft gemacht werden muss (vgl. Art. 87 Abs. 3 IVV).
Eine versicherte Person, die sich nicht zum ersten Mal, sondern – nach der Abweisung
eines früheren Leistungsbegehrens – erneut zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung anmeldet, kann folglich nicht wissen, dass sie im Rahmen dieser
Neuanmeldung eine zusätzliche Hürde zu meistern hat, die sie bei der erstmaligen
Anmeldung zum Leistungsbezug noch nicht hatte meistern müssen. Die zuständige IV-
Stelle ist deshalb nach dem Eingang einer Neuanmeldung verpflichtet, die versicherte
Person auf diese zusätzliche Hürde aufmerksam zu machen und sie anzuhalten, eine
relevante Sachverhaltsveränderung seit der Abweisung des letzten Leistungsbegehrens
glaubhaft zu machen. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer nicht darauf
hingewiesen, dass er eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft machen
müsse, und sie hat ihm auch keine Gelegenheit eingeräumt, eine solche
Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen, sondern sie hat direkt einen
Vorbescheid erlassen, mit dem sie dem Beschwerdeführer angekündigt hat, dass sie
nicht auf sein Leistungsbegehren eintreten werde. Man könnte sich nun auf den
Standpunkt stellen, dass der Beschwerdeführer ja im sogenannten
„Vorbescheidsverfahren“ noch die Möglichkeit gehabt habe, eine
Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen. Dem ist entgegen zu halten, dass der
Vorbescheid nach dem klaren Wortlaut des Art. 57a Abs. 1 IVG die Ankündigung des
vorgesehenen Entscheides enthalten muss, dass aber eine Entscheidfindung nicht
möglich sein kann, bevor die Sachverhaltsabklärung abgeschlossen ist, weil die
Entscheidfindung die Würdigung des vollständig ermittelten Sachverhaltes unter die
massgebenden Gesetzesnormen erfordert. Die Eröffnung eines Vorbescheides, mit
dem ein Nichteintreten auf eine Neuanmeldung angekündigt wird, setzt deshalb
zwingend voraus, dass der versicherten Person vorher die Gelegenheit eingeräumt
worden ist, eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen. Das ergibt
sich bereits aus dem im Art. 29 Abs. 2 ATSG enthaltenen Formularzwang. Wenn
nämlich die Versicherten verpflichtet werden, für die Anmeldung zum Leistungsbezug
die von den Sozialversicherungsträgern abgegebenen Formulare zu verwenden, dann
müssen selbstverständlich die Sozialversicherungsträger verpflichtet sein, ihre
Formulare so zu gestalten, dass diese es den Versicherten erlauben, sich in einer
Weise zum Leistungsbezug anzumelden, die ein Eintreten auf das Leistungsbegehren
erlaubt. Die Formulare müssen also geeignet sein, alle erforderlichen Informationen
abzufragen. An sich müsste deshalb für Neuanmeldungen ein anderes Formular als für
erstmalige Anmeldungen verwendet werden, nämlich eines, das die Frage nach einer
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relevanten Sachverhaltsveränderung seit der Abweisung des früheren
Leistungsbegehrens enthält. Das würde allerdings wohl regelmässig zu Verwirrung
führen, weil es für einen Versicherten schwierig ist zu beurteilen, ob er sich nun
erstmals oder wiederholt zum Bezug einer bestimmten Leistung anmeldet. Die IV-
Stellen geben deshalb ein und dieselben Formulare für erstmalige Anmeldungen und
für Neuanmeldungen ab. Geht eine Anmeldung ein, prüfen sie, ob es sich um eine
Neuanmeldung handelt. Ist das der Fall, fordern sie den Versicherten auf, eine
relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen. Diese Aufforderung ist also
nichts anderes als eine nachträgliche Ergänzung eines – für die Neuanmeldung –
unvollständigen Formulars. Die Pflicht, eine solche Rückfrage zu stellen, ergibt sich
damit direkt aus dem im Art. 29 Abs. 2 ATSG vorgesehenen Formularzwang, denn es
wäre rechtsmissbräuchlich, wenn eine IV-Stelle einen Versicherten zur Anmeldung
mittels eines unvollständigen Formulars zwingen und sich anschliessend auf den
Standpunkt stellen würde, der Versicherte habe die – nicht abgefragte – Information
nicht geliefert. Wäre also der Beschwerdeführer tatsächlich verpflichtet gewesen, eine
relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen, wie die Beschwerdegegnerin
behauptet hat, hätte sie ihn nach dem Erhalt des Anmeldeformulars dazu auffordern
müssen. Da sie dies nicht getan hat, müsste die angefochtene Verfügung aus formalen
Gründen aufgehoben werden.
4.
Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzu
setzenden Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet.