Decision ID: 85b64623-fb43-5aa6-8449-387fe0ea15b4
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ H.K., geb. 1948, absolvierte eine Berufslehre als Chemielaborant. 1976 erlangte er
das Primarlehrerpatent des Kantons St. Gallen. Von 1976 bis 1984 unterrichtete er die
sechste bis achte Klasse in S. Von 1984 bis 1998 war er als Mittelstufenlehrer in S.
tätig. Seit Beginn des Schuljahres 1998/99 ist H.K. im freiwilligen zehnten Schuljahr in
B. tätig und unterrichtet dort ein Vollpensum. Im April 2002 erwarb H.K. das Diplom der
Schweizerischen Weiterbildung von Lehrkräften in Berufswahlvorbereitung.
Am 16. April 2003 ersuchte der Schulrat B. den Erziehungsrat um Anerkennung der
Wahlfähigkeit von H.K. als Fachlehrkraft Berufswahl. In der Folge reichte der Schulrat
auf Begehren des Erziehungsrates Visitationsberichte des Bezirksschulrates W. sowie
des Schulrates B. ein. In diesen Berichten wird der Unterricht von H.K. positiv beurteilt.
Der Erziehungsrat entschied am 21. Januar 2004 über das Gesuch. Er hielt fest, die
Voraussetzungen für die Erteilung der Wahlfähigkeit als Fachlehrkraft
Berufswahlvorbereitung seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben. Die Ausbildung
von H.K. sei von der Dauer und Intensität her gesehen nicht vergleichbar mit dem
Reallehrerdiplom, obwohl diese lohnmässig einander gleichstünden. Als diplomierte
Fachlehrkraft für Berufswahl stehe H.K. im zweiten Unterrichtsjahr. Der Erziehungsrat
erachte es als Voraussetzung für die Erteilung der Wahlfähigkeit, dass der
Gesuchsteller fünf Jahre Unterrichtserfahrung als diplomierte Fachlehrkraft Berufswahl
vorweisen könne, was bedeute, dass er sein Gesuch nach Ablauf dieser Frist
frühestens auf Beginn des Schuljahres 2007/08 erneut einreichen könne.
B./ Mit Eingaben vom 13. Februar und 12. März 2004 erhob der Schulrat B.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die Verfügung des
Erziehungsrates vom 21. Januar 2004 sei aufzuheben und es sei H.K. die Wahlfähigkeit
als Fachlehrkraft Berufswahlvorbereitung zu erteilen, eventuell sei die Angelegenheit
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zur umgehenden Erteilung der Wahlfähigkeit von H.K. als Fachlehrkraft
Berufswahlvorbereitung an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, der Schulrat
verkenne nicht, dass die von H.K. absolvierte Ausbildung in bezug auf Dauer und
Intensität das Reallehrer-Ausbildungsniveau nicht ganz erreiche. Die Weiterbildung
zeichne sich indessen durch eine hohe Konzentration der Stoffvermittlung aus. Der
Unterricht vermittle vertiefte Kenntnisse in den für den Berufswahlunterricht relevanten
Fächern. Es sei nicht einzusehen, weshalb das geringfügige Ungleichgewicht durch
eine künftig noch zu holende Berufserfahrung aufgewogen werden solle. Der
Gesuchsteller könne bereits fünfeinhalb Jahre Unterrichtserfahrung als
Berufswahllehrer vorweisen. Er erfülle damit den geforderten Zeitraum bereits heute.
Dass davon rund drei Jahre in die Zeit vor der Diplomierung in der Weiterbildung
gefallen seien, spiele keine Rolle.
Der Erziehungsrat beantragte in seiner Vernehmlassung vom 25. März 2004 die
Abweisung der Beschwerde. Er macht geltend, die Ausbildung zur Fachlehrkraft
Berufswahl unterscheide sich hinsichtlich Dauer, Intensität und Inhalt von derjenigen
zum Reallehrer. Diese dauere drei Semester als Vollzeitstudium. Die Ausbildung zur
Fachlehrkraft Berufswahl hingegen gleiche einem Nachdiplomstudium. Die geforderte
fünfjährige Unterrichtspraxis solle im vorliegenden Fall die fehlende Aequivalenz der
Ausbildung aufwiegen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Eine
Schulgemeinde ist nach der Rechtsprechung legitimiert, gegen eine Verfügung des
Erziehungsrates über eine vom Schulrat beantragte Wahlfähigkeit Beschwerde zu
erheben (VerwGE vom 20. August 1996 i.S. Schulgemeinde L.). Die
Beschwerdeerklärung vom 13. Februar 2004 und deren Ergänzung vom 12. März 2004
wurden rechtzeitig eingereicht und entsprechen formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2./ Nach Art. 60 Abs. 1 des Volksschulgesetzes (sGS 213.1, abgekürzt VSG) ist
wahlfähig, wer ein st. gallisches oder ein anderes vom Staat anerkanntes Lehrdiplom
oder einen gleichwertigen Ausweis besitzt. Der Erziehungsrat entscheidet über die
Gleichwertigkeit.
a) Das Verwaltungsgericht hat im zitierten Urteil vom 20. August 1996 i.S.
Schulgemeinde L. ausführlich die Anforderungen umschrieben, die an die Begründung
eines Entscheides des Erziehungsrates über die Gleichwertigkeit im Sinne von Art. 60
Abs. 1 VSG gestellt werden. Es erwog insbesondere, die Gleichwertigkeit könne nicht
allein aufgrund der unterschiedlichen Ausbildungen verneint werden. Insbesondere
genüge auch die Verweisung auf verschiedene methodisch- didaktische Belange beim
Unterricht an verschiedenen Schultypen nicht. Vielmehr sei darzulegen, welche
methodisch-didaktischen Belange massgebend seien, inwiefern sich diese auf den
verschiedenen Schultypen unterscheiden würden und weshalb die betroffene Lehrkraft
trotz der angeführten besonderen Umstände den Anforderungen der beantragten
Wahlfähigkeitsstufe nicht genüge. Das Gesetz bestimme ausdrücklich, dass die
Gleichwertigkeit massgebend sei, was bedeute, dass die formalen Unterschiede nicht
zum allgemein gültigen Massstab gemacht werden dürften, sondern die materiellen
Unterschiede zu berücksichtigen und zu gewichten seien.
Inwiefern die Begründung des angefochtenen Entscheides den dargelegten
Anforderungen entspricht, ist fraglich. Der Erziehungsrat hielt im wesentlichen fest, die
Ausbildung von H.K. sei von der Dauer und Intensität her gesehen nicht vergleichbar
mit dem Reallehrerdiplom, obwohl sie lohnmässig einander gleichstehen würden. Wie
es sich damit verhält, kann indessen offenbleiben.
b) H.K. unterrichtet seit Beginn des Schuljahres 1998/99 im freiwilligen zehnten
Schuljahr. Diese Unterrichtstätigkeit wird vom Erziehungsrat als Tätigkeit einer
Fachlehrkraft eingestuft. Nach Art. 3 des Gesetzes über die Besoldung der
Volksschullehrer (sGS 213.51) regelt die Regierung durch Verordnung die
Gehaltseinstufung von Fachlehrern. Eine solche Verordnung mit konkreten
Einstufungen für Fachlehrkräfte erging bislang jedoch nicht. Die Verordnung über das
Dienstverhältnis der Volksschul-Lehrkräfte (sGS 213.14, abgekürzt VDL) enthält
lediglich allgemeine Bestimmungen über die Besoldung bei nicht spezifischer
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Wahlfähigkeit und bei Fachunterricht. Art. 17 Abs. 1 lit. a VDL bestimmt, dass die
Lehrkraft, die höher besoldeten Unterricht erteilt, als es der Wahlfähigkeit entspricht,
die Besoldung der Klasse A 1 für den erteilten Unterricht erhält. Art. 18 Abs. 1 lit. a VDL
bestimmt, dass die Lehrkraft, die Fachunterricht mit Wahlfähigkeit für das Fach erteilt,
die Besoldung wie die wahlfähige Klassen-Lehrkraft erhält. Lehrkräfte ohne
Wahlfähigkeit erhalten die Besoldung der Klasse A 1 nach lit. a ohne 13. Monatsgehalt
(Art. 18 Abs. 1 lit. b VDL).
Aus der Begründung der erziehungsrätlichen Verfügung, wonach die Ausbildung von
H.K. von der Dauer und Intensität her gesehen nicht vergleichbar mit dem
Reallehrerdiplom sei, obwohl sie lohnmässig einander gleichstehen würden, geht
hervor, dass in der Praxis offenbar Lehrkräfte mit Wahlfähigkeit als Fachlehrkraft
Berufswahl gleich besoldet werden wie Reallehrer. Der Erziehungsrat bringt denn auch
keine Gründe vor, inwiefern eine Besoldung einer Lehrkraft als Fachlehrer Berufswahl
im zehnten Schuljahr geringer sein soll als die Besoldung eines Reallehrers mit einer
Klasse im siebten bis neunten Schuljahr. Der Beschwerdebeteiligte erteilt somit höher
besoldeten Unterricht, als es der Wahlfähigkeit aufgrund seines Primarlehrerdiploms
entspricht.
c) Anforderungen an die Wahlfähigkeit als Fachlehrkraft Berufswahl werden in den
einschlägigen Erlassen nicht umschrieben. Die Verfahrensbeteiligten gehen
unbestrittenermassen davon aus, dass die Voraussetzungen für die Erteilung der
Wahlfähigkeit als Fachlehrkraft die Fachkompetenz sowie die Fachdidaktik oder
langjährige Unterrichtserfahrung sind.
H.K. verfügt über eine Berufsausbildung als Chemielaborant, über das
Primarlehrerdiplom und über 27 Jahre Unterrichtserfahrung, wovon acht Jahre an der
Oberstufe und über fünf Jahre als Fachlehrer Berufswahl, sowie über eine besondere
Ausbildung für die von ihm ausgeübte Fachlehrertätigkeit.
Es ist unbestritten, dass der Studiengang für die Reallehrerausbildung von
Primarlehrkräften hinsichtlich Dauer, Intensität und Inhalt nicht identisch ist mit der vom
Beschwerdebeteiligten absolvierten Ausbildung. Dies allein ist aber wie erwähnt nicht
ausschlaggebend. Entscheidend ist, ob der Ausweis des Beschwerdebeteiligten dem
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Ausweis eines Fachlehrers Berufswahl gleichwertig ist. Diesbezüglich vermögen die
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und in der Beschwerdevernehmlassung
nicht vollends zu überzeugen. Zwar werden die Unterschiede der Ausbildung von H.K.
zur Reallehrerausbildung ausführlich dargelegt. Nicht gewürdigt wird aber, dass die
zusätzliche Ausbildung von H.K. offenbar spezifisch auf die Fachausbildung des
zehnten Schuljahres zugeschnitten ist. Jedenfalls ist nicht ohne weiteres
nachvollziehbar, inwiefern die Ausbildung und Berufserfahrung von H.K. gegenüber
einer Reallehrerausbildung für den Unterricht im zehnten Schuljahr nicht als
gleichwertig einzustufen ist.
Hinzu kommt, dass die absolvierte Weiterbildung in der Regel nur für Inhaber der
Lehrbefähigung auf der Sekundarstufe I oder II offen steht und Inhaber anderer
Lehrdiplome nur in Ausnahmefällen aufgrund eines Entscheids der
Aufsichtskommission zugelassen werden (vgl. die Anforderungen für die Zulassung
zum Lehrgang, in: www.w-a-b.ch). Beim Beschwerdebeteiligten waren diese
ausnahmsweisen Zulassungsvoraussetzungen offenbar erfüllt. Im weiteren ist die
langjährige Unterrichtserfahrung auf der Oberstufe einerseits und auf der
Berufswahlstufe anderseits zu berücksichtigen.
Nicht schlüssig ist schliesslich auch, weshalb die Berufserfahrung von H.K. als Lehrer
am 10. Schuljahr lediglich soweit berücksichtigt wird, als sie nach dem Erwerb des
Diploms als Fachlehrkraft Berufswahlvorbereitung erworben wurde. Die
Berufserfahrung wird beim Fehlen bestimmter Ausweise als zusätzliches
qualifizierendes Element in Betracht gezogen. Diesbezüglich ist es nicht einsichtig,
weshalb Berufserfahrung lediglich beim Inhaber eines Diploms für den ausgeübten
Unterricht berücksichtigt wird, beim Inhaber eines stufenfremden Lehrdiploms
hingegen nicht.
d) Zusammenfassend ist aufgrund der vorstehenden Erwägungen festzuhalten, dass
aufgrund der Diplome als Primarlehrer und der Schweizerischen Weiterbildung von
Lehrkräften in Berufswahlvorbereitung sowie der langjährigen Unterrichtserfahrung als
Oberstufenlehrkraft und als Fachlehrer Berufswahl die vom Erziehungsrat angeführten
Gründe nicht genügen, um eine Anerkennung der Wahlfähigkeit als Fachlehrkraft
Berufswahl zu verweigern. Folglich ist die Beschwerde gutzuheissen und die Verfügung
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des Erziehungsrates vom 21. Januar 2004 aufzuheben. Die Angelegenheit ist zur neuen
Beurteilung im Sinne der Erwägungen und zu neuer Entscheidung an den
Erziehungsrat zurückzuweisen.
3./ Der Ausgang des Verfahrens entspricht einer teilweisen Gutheissung der
Beschwerde, da dem Begehren der Beschwerdeführerin nicht vollumfänglich
entsprochen wird. Folglich sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens je zur
Hälfte dem Staat und der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Auf ihre Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Ausseramtliche Kosten sind bei einer hälftigen Auflage der amtlichen Kosten nicht zu
entschädigen (Art. 98bis VRP; GVP 1983 Nr. 56).