Decision ID: 987b83b7-bd73-52a7-a8fb-6b2fab4fc401
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war als Leiterin Care bei der B._ erwerbstätig und bei der SWICA
Versicherungen AG obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen versichert, als sie am 31. Dezember 2003 stürzte. Dabei verletzte
sie sich an beiden Knien, der rechten Hüfte und der rechten Schulter (Bagatellunfall-
Meldung vom 28. Januar 2004, UV-act. 1). Der erstbehandelnde Dr. med. C._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, diagnostizierte im Arztschein vom 4. März
2004 eine Läsion der rechten Schulter (UV-act. 2). Die SWICA Versicherungen AG
erbrachte in der Folge Heilbehandlungsleistungen und Taggelder (vgl. zum Ganzen den
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 16. Januar 2008, UV 2007/71, UV-act. 171,
und das Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2008, 8C_185/2008, UV-act.
182).
A.b Die SWICA Versicherungen AG erteilte am 9. Januar 2009 Kostengutsprache für
einen operativen Eingriff wegen „V.a. Instabilität rechte Schulter, DD Limbusabriss, DD
Partialruptur Supraspin.“ (UV-act. 180 f.). Dr. C._ führte am 16. Januar 2009 eine
Schulterarthroskopie rechts, eine Narbenresektion im Bereich des Lig. glenohumerale
medius und eine Nachresektion des Bizepsstumpfes durch (UV-act. 186). Am 2.
Dezember 2009 berichtete er, nach inzwischen dreimaliger Schulterarthroskopie sowie
Bizepstenodese, Débridement der Supraspinatussehne und Limbusrepair sei sicher
Zurückhaltung angezeigt. Es müsse befürchtet werden, dass sich ein chronisches
Schmerzgeschehen entwickle. Da die Versicherte bei der Arbeit am Computer
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verlangsamt sei, bestehe weiterhin eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 199). Im
Bericht vom 28. Januar 2010 ergänzte Dr. C._, der zurzeit erreichte Zustand müsse
wahrscheinlich als endgültig akzeptiert werden. Den unfallbedingten Integritätsschaden
an der rechten Schulter schätzte er auf 17.5% (UV-act. 201). Am 5. April 2010 verfügte
die SWICA Versicherungen AG die Einstellung der Heilbehandlungs- und
Taggeldleistungen per 1. März 2010, da der erreichte Zustand an der rechten Schulter
endgültig sei. Entgegenkommenderweise zeigte sie sich bereit, die Kosten der
Schmerzmedikamente, der Muskellockerung sowie der notwendigen Verbände nach
ärztlicher Verordnung weiterhin zu übernehmen. Sie sprach der Versicherten zudem
eine Integritätsentschädigung für einen 17.5%igen Integritätsschaden im Betrag von Fr.
18‘690.-- zu (UV-act. 208). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.c Die Versicherte meldete am 23. November 2011 einen Rückfall und eine im
Dezember 2011 geplante Arthroskopie und Operation an der rechten Schulter (UV-act.
209). Dr. C._ berichtete am 13. Dezember 2011, trotz mehreren arthroskopischen
Eingriffen sei keine befriedigende Schmerzbesserung eingetreten. Deshalb sei durch
ihn am 2. Dezember 2011 eine Arthroskopie mit Limbusrepair und Tenolyse der
Subscapularissehne vorgenommen worden. Es bestehe kein Zweifel, dass die
Verklebungen in der Folge der Tenodese der Bizepssehne und der früheren Tenolyse
entstanden seien und dass auch die Desinsertion des Limbus nach Reinsertion im
kranialen Anteil einzig Folge des Sturzes vom 31. Dezember 2003 sei (UV-act. 214;
zum Operationsbericht siehe UV-act. 215). Dr. C._ bescheinigte für die der Operation
folgenden zwei Monate eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 217). Die SWICA
Versicherungen AG übernahm die Kosten der Heilbehandlung und richtete Taggelder
aus (Leistungszusage vom 16. Januar 2012, UV-act. 218). Dr. C._ gab im Bericht
vom 3. Juli 2012 zum Beschwerdeverlauf an, die Beweglichkeit der rechten Schulter
habe stufenweise verbessert werden können. Die Versicherte merke noch einen
Schmerz ventral an der Schulter beim Bedienen der Computermaus und beim
Autofahren. Für den Fall, dass das AC-Gelenk weiterhin Beschwerden mache, empfahl
er Dehnen und allenfalls Infiltrationen des Gelenks. Ab 27. Februar 2012 habe die
Versicherte über eine 80%ige und ab 18. April 2012 über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
verfügt (UV-act. 233).
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A.d Noch zuvor, am 18. Juni 2012, hatte sich die Versicherte wegen einer
Arthrofibrose bei Status nach Schulteroperationen rechts einem von Dr. med. D._,
Facharzt für Chirurgie, durchgeführten operativen Eingriff („SAS, arthr. ausgedehnte
Arthrolyse sowie Neurolyse des Nervus axillaris“; Operationsbericht vom 19. Juni 2010,
UV-act. 239) unterzogen. Dieser berichtete am 8. Januar 2013, die Beschwerden der
Versicherten hätten sich seit Juni 2012 massiv gebessert. Die Beweglichkeit sei fast
frei. Es sei zur Behandlung Physiotherapie vorgesehen (UV-act. 242; vgl. auch den
Bericht von Dr. D._ vom 12. Februar 2014, UV-act. 245).
A.e Eine am 19. Dezember 2013 durchgeführte Arthro-MRI-Untersuchung der rechten
Schulter ergab: 1. eine höhergradige chondrale Defektzone im Bereich der cranialen
Zirkumferenz des Humeruskopfes und einen Verdacht auf freie Gelenkkörper; 2. eine
Insertionstendinose der Supraspinatussehne ohne Nachweis einer Ruptur (UV-act.
244). Am 7. Januar 2014 unterzog sich die Versicherte einer
durchleuchtungsgesteuerten Schultergelenksinfiltration rechts (UV-act. 244).
A.f Dr. D._ teilte auf Anfrage der SWICA Versicherungen AG am 20. Februar 2014
mit, der Unfall vom 31. Dezember 2003 bilde äusserst wahrscheinlich immer noch die
Ursache der Beschwerden bzw. sei eine überwiegend wahrscheinliche Mitursache der
jetzigen Gesundheitsstörungen (UV-act. 247). Eine 3-Phasen-Skelett-Szintigrafie vom
3. März 2014 ergab einen diskreten Reizzustand an der rechten Schulter. Wesentliche
Hinweise auf einen Low-Grade-Infekt lagen nicht vor. Zeichen eines subacromialen
Impingements mit einer Überlastungszone kranioventral am Humeruskopf zeigten sich
mit einem kleinen hot spot an dieser Stelle in der Spätphase (UV-act. 248). Dr. D._
führte am 1. Juli 2014 aus, eine neurologische (siehe hierzu den unvollständigen
Bericht von Dr. med. E._, Facharzt für Neurologie FMH, vom 24. Februar 2014; UV-
act. 248) und szintigrafische Untersuchung hätten keine Auffälligkeiten ergeben. Somit
bestehe nur eine Arthrose. Vorläufig fände eine Behandlung mit Analgetika statt. Erst
bei Zunahme der Beschwerden wäre eine erneute Evaluation vorzunehmen, ob eine
prothetische Versorgung nötig sei (UV-act. 252; vgl. auch die Telefonauskunft vom 15.
Juli 2014, UV-act. 253).
A.g Am 18. Juli 2014 verfügte die SWICA Versicherungen AG die Einstellung der
Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen für den aktuellen Rückfall per 1. August 2014.
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Gemäss Dr. D._ könne nicht mehr mit einer namhaften Besserung des
Gesundheitszustands gerechnet werden. In der Verfügung vom 5. April 2010 sei „auf
freiwilliger Basis“ eine Kostenübernahme für Schmerzmittel „zugesichert“ worden.
Seither habe sich die „ständige Rechtsprechung weiter entwickelt“. Gemäss BGE 134
V 109 dürfe der Unfallversicherer keine Leistungen mehr erbringen, sobald ein
medizinischer Endzustand bestätigt worden sei (UV-act. 255). Dagegen erhob die
Versicherte am 21. Juli 2014 Einsprache (UV-act. 256; zu den ergänzenden Eingaben
vom 23. Dezember 2014 und 9. Januar 2015 samt E-Mail von Dr. D._ vom 31.
Dezember 2014 siehe UV-act. 262 und UV-act. 264). Die SWICA Versicherungen AG
wies die Einsprache am 11. Dezember 2015 ab. Bezüglich einer Parteientschädigung
führte sie in der Begründung aus, eine solche sei im Einspracheverfahren nicht
geschuldet. Das Dispositiv zu den Kosten- und Entschädigungsfolgen formulierte sie
wie folgt: „Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Parteikosten von CHF 3‘361.50
werden übernommen“ (Einspracheentscheid vom 11. Dezember 2015, UV-act. 266).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 11. Dezember 2015 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 21. Januar 2016. Die Beschwerdeführerin beantragt,
dieser sei dahingehend abzuändern, dass die Beschwerdegegnerin ihr weiterhin (über
den 31. Juli 2014 hinaus) die gesetzlichen Leistungen aus der obligatorischen
Unfallversicherung zu erbringen habe. Eventualiter sei die Sache in Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids zu ergänzenden Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Des Weiteren sei die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten, ihr eine Parteientschädigung für das Einspracheverfahren zuzusprechen;
alles unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zunächst rügt
die Beschwerdeführerin eine Gehörsverletzung, da die Beschwerdegegnerin ihrer
Begründungspflicht im angefochtenen Einspracheentscheid nicht nachgekommen sei.
Des Weiteren nimmt die Beschwerdeführerin Ausführungen zur natürlichen Kausalität
vor und bestreitet, dass der medizinische Endzustand bereits erreicht worden sei.
Schliesslich bringt die Beschwerdeführerin vor, der Einspracheentscheid sei
hinsichtlich des Anspruchs auf eine Parteientschädigung im Einspracheverfahren sehr
widersprüchlich. Ihr stehe ein solcher Anspruch zu (act. G 1). Mit der Beschwerde
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reichte die Beschwerdeführerin u.a. einen Bericht von Dr. med. F._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom 3. Februar 2015 ein (act. G 1.3).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 1. März 2016
die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass von weiteren
medizinischen Massnahmen keine weitere Verbesserung des Gesundheitszustands
erwartet werden könne, weshalb die angeordnete Leistungseinstellung zu Recht erfolgt
sei. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin zum natürlichen Kausalzusammenhang,
der gar nicht bestritten werde, würden fehl gehen. Die Beschwerdeführerin vermische
die Leistungseinstellung aufgrund des Erreichens des Endzustands und die
Leistungseinstellung aufgrund des Erreichens des status quo sine. Eine
Gehörsverletzung liege nicht vor, da nicht erwartet werden könne, dass sie (die
Beschwerdegegnerin) sich inhaltlich ausführlich mit unbestrittenen Tatsachen im
Einspracheentscheid auseinandersetze. Eine Parteientschädigung für das
Einspracheverfahren sei nicht geschuldet. Dies sei in der Begründung des
angefochtenen Einspracheentscheids korrekt festgehalten, jedoch bedauerlicherweise
im Dispositiv offensichtlich falsch vermerkt worden (act. G 3).
B.c In der Replik vom 23. März 2016 hält die Beschwerdeführerin unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 5).
B.d Die Beschwerdegegnerin hält ihrerseits unverändert an der beantragten
Beschwerdeabweisung fest. Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin in der
Replik liege seit dem 30. August 2012 angeblich keine 100%ige Arbeitsfähigkeit vor.
Aus den Akten gehe jedoch nichts hervor, was diese Behauptung stützen würde. Die
Beschwerdeführerin habe auch keine entsprechenden Belege eingereicht (act. G 7).
B.e Am 20. August 2016 teilte der bisherige Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
dem Versicherungsgericht mit, dass er deren Interessen nicht mehr vertrete (act. G 9).

Erwägungen
1.
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Gegenstand der Verfügung vom 18. Juli 2014 (UV-act. 255) bildete ausschliesslich der
Anspruch auf vorübergehende Leistungen (Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen im
Sinn von Art. 10 bzw. Art. 16 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG;
SR 832.20]) bzw. deren Einstellung. Nicht Gegenstand bildeten die Leistungen für
Dauerschäden wie etwa in Form einer Rente (Art. 18 ff. UVG) oder der Heilbehandlung
nach Festsetzung der Rente (Art. 21 UVG). Der Streitgegenstand der Verfügung fand im
Einspracheverfahren lediglich insoweit eine Ergänzung, als im angefochtenen
Einspracheentscheid zusätzlich über das Gesuch der Beschwerdeführerin um eine
Parteientschädigung befunden wurde. Die Beschwerdegegnerin wies in der
Beschwerdeantwort vom 1. März 2016 denn auch darauf hin, dass der
Rentenanspruch nicht weiter geprüft worden sei (act. G 3, S. 7). Entgegen der
Sichtweise der Beschwerdeführerin (act. G 1, S. 11) bildet daher namentlich der
Anspruch auf eine Rente nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. Es bestehen
vorliegend keine Gründe und solche werden auch nicht dargetan, die eine Ausdehnung
des Beschwerdeverfahrens über den Anfechtungsgegenstand hinaus rechtfertigen
würden. Die Beschwerdegegnerin, deren Anträge sich auf die Weiterausrichtung der
bisherigen vorübergehenden Leistungen konzentrieren, hat denn auch keinen
Rentenantrag gestellt.
2.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des UVG und der Verordnung
über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des UVG vom 25. September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben,
und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher, nachdem der Streitigkeit ein
Ereignis aus dem Jahr 2003 zugrunde liegt, die bis 31. Dezember 2016 gültigen
Bestimmungen Anwendung.
3.
In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihres Anspruchs auf
rechtliches Gehör. Sie wirft der Beschwerdegegnerin vor, die ihr obliegende
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Begründungspflicht verletzt zu haben. Es fehle im angefochtenen Einspracheentscheid
eine konkrete, nachvollziehbare inhaltliche Auseinandersetzung mit den von ihr im
Einspracheverfahren erhobenen Vorbringen (act. G 1, S. 7 f.; act. G 5, S. 3).
3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) haben die Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör (siehe auch Art. 42 Satz 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Ausfluss des
Gehörsanspruchs ist u.a. die Verpflichtung der Versicherungsträger, sich mit den
Vorbringen der Partei auseinander zu setzen. Dies schliesst etwa aus, dass der
Versicherungsträger stillschweigend über Einwendungen hinweggeht. Aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör folgt auch ein Mindestanspruch auf Begründung einer
Verfügung. Die Begründung entspricht den Anforderungen von Art. 29 Abs. 2 BV, wenn
die Betroffenen dadurch in die Lage versetzt werden, die Tragweite der Entscheidung
zu beurteilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz
weiterzuziehen. Die Behörde ist aber nicht verpflichtet, sich zu allen Vorbringen der
Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken. Es genügt, wenn ersichtlich ist, von welchen
Überlegungen sich die Behörde leiten liess (vgl. anstatt vieler etwa das Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Juni 2017, 8C_286/2017, E. 2.2 mit Hinweis).
3.2 Bereits in der Verfügung vom 18. Juli 2014 hat die Beschwerdegegnerin
ausführlich und unter Bezugnahme auf die Aktenlage begründet, weshalb aus ihrer
Sicht ein medizinischer Endzustand erreicht sei, der (bereits für sich allein) zur
Einstellung der Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen führe. Sie führte des Weiteren
auch aus, weshalb aus ihrer Sicht die Verfügung vom 5. April 2010 der
Leistungseinstellung nicht entgegenstehe (UV-act. 255). Die vom ehemaligen
Rechtsvertreter verfasste umfangreiche Einsprachebegründung vom 23. Dezember
2014 beinhaltet grösstenteils eine Wiedergabe der medizinischen Aktenlage und
Ausführungen zur von der Beschwerdegegnerin nicht bestrittenen Unfallkausalität. Die
Einsprachebegründung enthält keine substantiierten Vorbringen zum relevanten
Streitthema (Leistungseinstellung infolge medizinischen Endzustands), die im Rahmen
des Einspracheentscheids einer ausführlichen Auseinandersetzung bedurft hätten (UV-
act. 262). Ausserdem floss auch die weitere Eingabe der Beschwerdeführerin vom 9.
Januar 2015 (UV-act. 264) in den Einspracheentscheid ein (UV-act. 266, S. 1). Der
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dieser beiliegenden E-Mail von Dr. D._, worin er sich rudimentär und unverbindlich zu
einem möglichen prothetischen Ersatz äussert (UV-act. 264), lassen sich im Vergleich
zu seinen bisherigen Angaben keine relevanten neuen Erkenntnisse entnehmen, die
eine eingehende Auseinandersetzung im Einspracheverfahren erforderlich gemacht
hätten. Auch wenn die Begründung des Einspracheentscheids in der Tat knapp
erscheint, so enthält sie doch die wesentlichen Überlegungen, weshalb an der
verfügten Leistungseinstellung festgehalten wurde. Daher und angesichts der
vorgängigen ausführlich begründeten Verfügung war es der Beschwerdeführerin denn
auch ohne weiteres möglich, den Einspracheentscheid inhaltlich anzufechten. Eine
Verletzung des Gehörsanspruchs liegt somit nicht vor, womit die Frage nach deren
Heilung offen bleiben kann.
4.
Materiell zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der Einstellung der Heilbehandlungs- und
Taggeldleistungen per 1. August 2014.
4.1 Die Unfallversicherer haben während der medizinisch instabilen Schadensphase
vorübergehende Leistungen zu erbringen. Darunter fallen die
Heilbehandlungsleistungen gemäss Art. 10 UVG und das Taggeld gemäss Art. 16 UVG.
Weder die Bestimmungen unter dem Kapitel Pflegeleistungen und Kostenvergütungen
(Art. 10 ff. UVG) noch die Vorschriften über das Taggeld (Art. 16 f. UVG) legen fest,
wann die medizinisch instabile Schadensphase bzw. der Anspruch auf vorübergehende
Leistungen endet. Das Ende der medizinisch instabilen Schadensphase wird in Art. 19
Abs. 1 und Abs. 3 UVG geregelt. Dieser Zeitpunkt ist erreicht und die bisherigen
Ansprüche auf vorübergehende Leistungen erlöschen, wenn von der Fortsetzung der
ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der
versicherten Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG; vgl. anstatt vieler
das Urteil des Bundesgerichts vom 18. September 2012, 8C_425/2012, E. 4.2). Die
Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber verdeutlicht, dass die
durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss.
Unbedeutende Verbesserungen genügen ebensowenig wie die blosse Möglichkeit
einer Besserung (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2016,
8C_156/2016, E. 4.1.1 mit Hinweisen).
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4.2 Die Frage, ob von einer ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands erwartet werden kann, beurteilt sich gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung nach dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 21.
Juli 2010, 8C_346/2010, E. 2.2). Es handelt sich um die Einschätzung einer zukünftigen
Sachverhaltsentwicklung, weshalb eine prospektive Beurteilung dieser Rechtsfrage zu
erfolgen hat. Entscheidgrundlagen bilden in erster Linie die Auskünfte medizinischer
Fachpersonen zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Gesundheitsentwicklung,
die in der Regel unter dem Begriff «Prognose» erfasst werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Dezember 2016, 8C_651/2016, E. 4.1).
4.3 Dr. D._ berichtete am 1. Juli 2014, dass vorläufig eine Behandlung mit Analgetika
stattfinde. Erst bei Zunahme der Beschwerden wäre eine erneute Evaluation der Frage
vorzunehmen, ob eine Prothese nötig sei (UV-act. 252). Anlässlich des
Telefongesprächs vom 15. Juli 2014 wurde ergänzt, dass ein medizinischer
Endzustand erreicht sei. Es seien zwar noch Massnahmen mittels Analgetika verordnet,
diese dienten aber lediglich der Linderung der Schmerzen. Bekannt sei, dass es
irgendwann zu einer Schulterprothese kommen werde (UV-act. 253). In der E-Mail vom
31. Dezember 2014 an den Rechtsvertreter gab Dr. D._ an, dass eine definitive
Aussage zum Bedarf einer prothetischen Versorgung äusserst schwierig sei. Es sei
aber so, dass er bei Persistenz der Beschwerden persönlich nur noch eine allfällige
Möglichkeit in der Verbesserung der Funktion mittels prothetischem Ersatz sehe (UV-
act. 264). Dr. F._ berichtete der Beschwerdeführerin am 3. Februar 2015, betreffend
die rechte Schulter sehe er abgesehen von einer Implantation einer anatomischen
Schulterarthroplastik keine sinnvollen operativen Schritte mehr. Allerdings bestehe hier
sicher noch kein dringender Handlungsbedarf. Eine Prothesenimplantation würde er
erst bei zunehmendem Leidensdruck empfehlen (act. G 1.3, S. 2 unten).
4.4 Aus der vorstehend dargestellten medizinischen Aktenlage ergibt sich, dass (noch)
keine Indikation für ein weiteres operatives Vorgehen an der rechten Schulter gegeben
ist. Der Gesundheitszustand erweist sich damit spätestens seit den Ausführungen von
Dr. D._ im Juli 2014 als stabil und einer namhaften Verbesserung nicht mehr
zugänglich. An dieser Betrachtungsweise ändert der Einsatz der Schmerzmittel nichts.
Dieser dient der Linderung der Schmerzen als Symptome des stabilen
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Gesundheitsschadens an der rechten Schulter. Weder geltend gemacht noch
ersichtlich ist, dass der Schmerzmittelkonsum zu einer namhaften Besserung des
Gesundheitszustands führt bzw. führen kann. Massnahmen, die lediglich der
Symptombekämpfung dienen und nicht auf die Heilung des Gesundheitsschadens
gerichtet sind, stellen daher rechtsprechungsgemäss keine ärztliche Behandlung dar,
von der eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 20. Juni 2006, U 111/05, E. 2.2;
siehe bezüglich blosser symptomatischer Behandlungen auch Urteil des
Bundesgerichts vom 27. Mai 2010, 8C_29/2010, E. 4.2). Vor diesem Hintergrund ist
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin nicht mehr von einem instabilen
medizinischen Gesundheitszustand ausgegangen ist und per 1. August 2014 die
Taggeldleistungen und die Heilbehandlungsleistungen im Sinn von Art. 10 UVG
eingestellt hat. Nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet ein
allfälliger Anspruch auf Heilbehandlung im Sinn von Art. 21 UVG, weshalb sich
Ausführungen hierzu erübrigen. Der Vollständigkeit halber bleibt zu erwähnen, dass die
vorliegend beurteilte Einstellung der vorübergehenden Leistungen einer späteren
erneuten Erbringung von Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen aufgrund einer
allfälligen zukünftigen unfallbedingten Verschlechterung des Gesundheitszustands
nicht entgegensteht (vgl. Art. 11 UVV).
4.5 Der von der Beschwerdegegnerin angeordneten Einstellung der vorübergehenden
Leistungen steht die Verfügung vom 5. April 2010 nicht entgegen. Darin wurden - nebst
der Zusprache einer Integritätsentschädigung - die bis dahin erbrachten
Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen eingestellt. „Entgegenkommenderweise“
zeigte sich die Beschwerdegegnerin damals bereit, die Kosten der
Schmerzmedikamente, der Muskellockerung sowie der notwendigen Verbände nach
ärztlicher Verordnung weiterhin zu übernehmen (UV-act. 208). Vorliegend kann offen
bleiben, ob diese, sich nicht auf eine gesetzliche Grundlage stützende, rein
gefälligkeitshalber erfolgte Leistungsbereitschaft überhaupt eine verbindliche
Leistungszusicherung darstellt. Denn selbst wenn dies bejaht würde, so ist vorliegend
entscheidend, dass sich der Gesundheitszustand, wie er der Verfügung vom 5. April
2010 zugrunde lag, später wieder erheblich verschlechtert hat. Die
Beschwerdegegnerin kam deshalb auf die früher verfügte Leistungseinstellung zurück
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und erbrachte für die neuerliche Phase eines instabilen Gesundheitszustands
Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen. Die Rechtskraftwirkung der Verfügung vom
5. April 2010 beschränkt sich daher auf den ihr zugrunde liegenden Sachverhalt und
erfasst dessen spätere erhebliche Veränderung nicht. Sie steht daher dem vorliegend
angefochtenen Einstellungsentscheid nicht entgegen. Im Licht dieser Ausführungen
kann offen bleiben, ob Kulanzleistungen in der Sozialversicherung mit dem
Legalitätsprinzip zu vereinbaren sind und verneinendenfalls einen Grund für eine
Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) darstellen würden.
4.6 Aus dem weder näher substantiierten noch durch medizinische Belege
untermauerten Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei seit August 2012 nicht zu
100% arbeitsfähig gewesen (act. G 5), vermag sie nichts gegen die Einstellung der
vorübergehenden Leistungen abzuleiten. Denn es ergibt sich daraus nichts, was gegen
die Annahme eines stabilen Gesundheitszustands im Zeitpunkt der von der
Beschwerdegegnerin angeordneten Leistungseinstellung spricht.
5.
Zu prüfen bleibt damit der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Parteientschädigung im Einspracheverfahren.
5.1 Die Beschwerdegegnerin verneinte in der Begründung des Einspracheentscheids
einen Anspruch auf eine Parteientschädigung im Einspracheverfahren. Im
offensichtlichen Widerspruch hierzu hielt sie im Dispositiv des Einspracheentscheids
fest, „Parteikosten von CHF 3‘361.50 werden übernommen“ (UV-act. 266). In der
Beschwerdeantwort legte die Beschwerdegegnerin plausibel dar, dass das Dispositiv
auf einem Versehen beruht (act. G 3, S. 7). Es ist deshalb bei korrekter Auslegung des
Dispositivinhalts entgegen dem Dispositiv-Wortlaut davon auszugehen, dass die
Beschwerdegegnerin das bislang weder bezifferte noch sonstwie substanziierte
Gesuch um eine Parteientschädigung für das Einspracheverfahren („Unter
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Einsprachegegnerin“, UV-act. 262, S. 2)
abgewiesen hat. Diese Betrachtungsweise teilt offenbar auch die Beschwerdeführerin,
welche in den Beschwerdeanträgen ausdrücklich die Zusprache einer
Parteientschädigung für das Einspracheverfahren beantragt (act. G 1, S. 2; vgl. auch
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deren Ausführungen zur Widersprüchlichkeit in act. G 1, S. 12) und die Darstellung der
Beschwerdegegnerin zum Dispositiv-Versehen nicht bestreitet (vgl. act. G 5).
5.2 Gemäss Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG werden in der Regel für das
Einspracheverfahren keine Parteientschädigungen ausgerichtet. Die bedeutendste
Ausnahme von dieser Regel liegt vor, wenn die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
für das Einspracheverfahren bewilligt worden ist (vgl. BGE 130 V 570). Gemäss den
Materialien zu Art. 52 Abs. 3 ATSG hat der Gesetzgeber nur an diese eine Ausnahme
ausdrücklich gedacht (vgl. insbesondere BBl 1991 II 201 und 262 sowie BBl 1999
4612). Der Wortlaut des Art. 52 Abs. 3 ATSG schliesst allerdings nicht aus, dass auch
unter anderen besonderen Umständen eine Parteientschädigung zugesprochen
werden kann. Die vom Gesetzgeber verwendete Terminologie („in der Regel“) ist
unspezifisch. Art. 52 Abs. 3 ATSG bezweckt, das Einspracheverfahren grundsätzlich
kostenneutral zu halten, also die Entstehung von amtlichen und ausseramtlichen
Kosten zu verhindern. Für das Beschwerdeverfahren hat der Gesetzgeber die
gegenteilige Lösung gewählt: Gemäss Art. 61 lit. g ATSG besteht ein Anspruch der
obsiegenden versicherten Person auf eine Parteientschädigung. Augenscheinlich ist er
davon ausgegangen, dass im Einspracheverfahren - anders als im
Beschwerdeverfahren - in der Regel keine Notwendigkeit für eine Vertretung bestehe.
Damit stimmt auch der Umstand überein, dass eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren erforderlich (Art. 37 Abs. 4 ATSG), im
Beschwerdeverfahren dagegen „nur“ gerechtfertigt (Art. 61 lit. g ATSG) sein muss. Da
ein Einspracheverfahren aber zumindest unter besonderen Umständen ebenso
komplex und anspruchsvoll wie ein Beschwerdeverfahren sein und da folglich
entgegen der Regel bildenden Annahme des Gesetzgebers ein Bedarf nach einer
fachkundigen Rechtsvertretung im Einspracheverfahren bestehen kann, darf die
Zusprache einer Parteientschädigung nicht absolut ausgeschlossen sein. Angesichts
der generellen Stossrichtung des Art. 52 Abs. 3 ATSG ist die Ausnahmeregelung aber
eingeschränkt zu verstehen, das heisst es sind hohe Anforderungen an die
Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Einspracheverfahren zu stellen
(Entscheid des Versicherungsgerichts vom 24. Mai 2016, EL 2014/51, E. 6 mit
Hinweisen; bestätigt im Urteil des Bundesgerichts vom 31. Januar 2017, 9C_740/2016,
E. 3.1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
5.3 Vorliegend ist weder erkennbar noch von der Beschwerdeführerin geltend gemacht
worden, dass das Einspracheverfahren besondere Anforderungen an sie gestellt oder
besonders komplexe Fragen beinhaltet hätte. Vielmehr beschränkte sich die
massgebende Frage auf die Zulässigkeit der Einstellung der vorübergehenden
Leistungen infolge Fehlens namhafter Besserungsmöglichkeiten im Sinn von Art. 19
Abs. 1 UVG. Dass der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin von sich aus in der
Einsprachebegründung vom 23. Dezember 2014 über mehrere Seiten ausführliche
Überlegungen zur natürlichen Kausalität bzw. deren Fortbestand anstellte, vermag eine
besondere Schwierigkeit nicht darzutun, zumal er damit am für die Leistungseinstellung
wesentlichen Streitthema vorbeizielte (vgl. vorstehende E. 3.2). Im Übrigen wurde die
Einsprache zu Recht abgewiesen, weshalb auch der Ausgang des
Einspracheverfahrens gegen einen Anspruch auf eine Parteientschädigung spricht.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung.