Decision ID: 9f954cb3-79ea-460e-830c-e044495fca51
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KG
Chamber: SG_KG_002
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: civil_law

Sachverhalt:
A. (Kläger), der als Arzt tätig ist, überwies am 17. April 2013 € 7'440.– und am 22. April
2013 Fr. 30'000.– an die B. AG (Beklagte), einer in W. ansässigen Textilhandels-
Gesellschaft mit internationalen Geschäftsbeziehungen nach Afrika, auf deren Konto
bei der C.-Bank in W., welche Geldwerte er nunmehr aus ungerechtfertigter
Bereicherung zurückfordert. Er macht geltend, im Mai 2012 eine Frau kennengelernt zu
haben, die sich als X. vorgestellt und angegeben habe, Edelsteinhändlerin zu sein und
aus beruflichen Gründen nach Johannesburg zu reisen. Im Zuge dieser Kontakte habe
sie ihm einen Check über € 260'000.– zur Aufbewahrung bis zu ihrer Rückkehr
zugesandt, sei in der Folge aber in Südafrika in angeblich immer neue Schwierigkeiten
geraten, weshalb er für sie diverse Geldbeträge dorthin transferiert habe. Im August/
September 2012 sei er dann darüber informiert worden, dass X. in Südafrika
Selbstmord begangen habe. Testamentarisch seien er als alleiniger Erbe ihres
Vermögens im Umfang von 20 Mio. US$ und ein Rechtsanwalt Y. als
Testamentsvollstrecker eingesetzt gewesen. Dieser habe ihn im April 2013 im
Zusammenhang mit der vermeintlichen Abwicklung des Nachlasses bzw. dem
angeblichen Verkauf eines Diamanten aus dem Nachlass für 2.8 Mio. US$ an eine
Chinesin namens Z. kontaktiert und vorgegeben, für diverse behördliche Dokumente
Geld zu benötigen, zunächst € 7'440.–, anschliessend zusätzlich Fr. 30'000.–. Y. habe
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weiter angegeben, einen Freund in der Schweiz zu haben, an welchen das Geld
überwiesen werden solle, und habe die Kontoverbindung der Beklagten bei der C.-
Bank in W. angegeben; der Freund werde Y. dann das Geld per Western Union
zukommen lassen. Er, der Kläger, habe in der Folge die beiden geforderten Beträge an
die Beklagte überwiesen. Am 23. April 2013 sei ihm schliesslich von Z. mitgeteilt
worden, dass Y. mit dem gesendeten Geld auf dem Weg zum Flughafen überfallen
worden sei. Dieser habe überlebt, dessen Anwaltsfreund aber sei erschossen und das
Geld gestohlen worden.
Eigener Darstellung zufolge erhielt die Beklagte im März 2013 in W. Besuch eines
langjährigen Kunden aus Nigeria, D. von der Textilfirma T., der dabei eine Bestellung
aufgegeben habe. Die Ware werde allerdings im Afrika-Geschäft üblicherweise erst
versandt, wenn die Zahlung eingegangen sei. Mit E-Mail vom 25. April 2013 habe D. ihr
Kopien von C.-Bank-Belegen über die erfolgten Zahlungen von Fr. 30'000.– und
€ 7'440.– zugestellt. Zur gleichen Zeit habe sie Gutschriftsanzeigen ihrer Bank für die
Zahlungen des Klägers erhalten. Am 25. April 2013 habe ihr
einzelzeichnungsberechtigter Verwaltungsratspräsident, V., deswegen telefonisch beim
Kläger nachgefragt. Nach dessen OK seien im Anschluss die bestellten Textilien am
29. April, 1. Mai und 16. Mai 2013 an D. ausgeliefert worden.

Aus den Erwägungen:
III.
1. Zu prüfen ist zunächst, ob dem Kläger vorliegend ein bereicherungsrechtlicher
Rückforderungsanspruch i.S.v. Art. 62 OR zusteht. Erstellt und letztlich auch gar nicht
bestritten ist, dass er durch die beiden Überweisungen an die Beklagte vom 17.
und 22. April 2013 entreichert ist. Ebenfalls keiner weiterer Erörterung bedarf der
Umstand, dass bei der Beklagten zumindest im Zeitpunkt dieser Transaktionen ein
unmittelbarer Vermögenszuwachs stattgefunden hat.
a) Gemäss Art. 62 OR hat derjenige, der in ungerechtfertigter Weise aus dem
Vermögen eines anderen bereichert worden ist, die Bereicherung zurückzuerstatten
(Abs. 1). Diese Verbindlichkeit tritt insbesondere dann ein, wenn jemand ohne jeden
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gültigen Grund oder aus einem nicht verwirklichten oder nachträglich weggefallenen
Grund eine Zuwendung erhalten hat (Abs. 2). Zuwendungen können aus drei Gründen
erfolgen: Erstens um eine Verpflichtung zu erfüllen (causa solvendi), zweitens um mit
der Zuwendung an den anderen eine Zuwendung von diesem als Äquivalent zu
erhalten (causa credendi; z.B. Verträge mit Austauschverhältnis) oder drittens um dem
Empfänger einen Vorteil zuzuwenden, ohne dafür ein Äquivalent zu erhalten (causa
donandi; insbesondere Schenkung). Wenn keiner dieser Rechtsgründe vorliegt, ist die
Zuwendung ohne Rechtsgrund und damit ungerechtfertigt erfolgt (BSK OR I-Schulin,
Art. 62 N 10; Von Tuhr/Peter, Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obligationenrechts,
Band I, S. 200 f.). Dabei wird unterschieden zwischen Zuwendungen ohne jeden
gültigen Grund (condictio sine causa), Zuwendungen aus einem nicht verwirklichten
Grund (condictio ob causam futuram) oder Zuwendungen aus einem nachträglich
weggefallenen Grund (condictio ob causam finitam). Ein Verschulden des Bereicherten
wird nicht vorausgesetzt (BSK OR I-Schulin, Art. 62 N 11 ff.; Guhl/Koller, Das
Schweizerische Obligationenrecht, § 27 N 6 ff.; KUKO OR-Oberhammer/Fraefel, Art. 62
N 15 ff.; Schwenzer, OR AT, N 56.02 ff.).
b) Die Beklagte beruft sich – wie bereits vor Vorinstanz – darauf, dass zwischen D.
bzw. der T., dem Kläger und ihr ein Anweisungsverhältnis bestanden habe, und macht
geltend, die Annahme der Anweisung könne formfrei erfolgen. Bei einer konkludenten
Annahme müsse der Anweisungsempfänger in guten Treuen davon ausgehen dürfen,
dass der Angewiesene sich ihm gegenüber verpflichten wolle. Sie führte mit Hinweisen
auf Lehre und Rechtsprechung an, es sei von zentraler Bedeutung, wie der
Anweisungsempfänger aufgrund seines Wissenshorizonts die Beziehung zwischen
Anweisendem und Angewiesenem nach Treu und Glauben werten müsse und könne.
Die Vorinstanz demgegenüber erachtete das behauptete Anweisungsverhältnis als
nicht belegt. Als einziges Dokument für dessen Nachweis könne die Beklagte die E-
Mail vom 25. April 2013 von R. an die Adresse d@yahoo.com beibringen. Es sei unklar,
wie sie in den Besitz dieser E-Mail gelangt sei; sie sei weder als Adressatin noch als
Empfängerin einer Kopie aufgeführt. Alleine gestützt auf diese E-Mail könne nicht
angenommen werden, dass die Beklagte in guten Treuen von einem
Anweisungsverhältnis zwischen der T. und dem Kläger habe ausgehen dürfen. Sie
könne ihre behauptete Rolle als Anweisungsempfängerin nicht belegen. Auch sei nicht
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erstellt, wie die Beklagte vom behaupteten Dreiecksverhältnis ursprünglich Kenntnis
erhalten habe und in guten Treuen habe annehmen dürfen, der Kläger sei zur Zahlung
an sie durch D. angewiesen worden.
c) Gemäss Art. 466 OR wird der Angewiesene durch die Anweisung ermächtigt, Geld,
Wertpapiere oder andere vertretbare Sachen auf Rechnung des Anweisenden an den
Anweisungsempfänger zu leisten, und dieser, die Leistung von jenem in eigenem
Namen zu erheben. Die Anweisung schafft dabei für die vom Angewiesenen dem
Anweisungsempfänger erbrachte Leistung einen Rechtsgrund, der eine Rückforderung
nach Bereicherungsrecht ausschliesst (BSK OR I-Koller, Art. 466 N 3; OFK-Friz,
OR 466 N 2).
d) Aus den Akten geht hervor, dass der Kläger von Y., nicht aber von D. bzw. der T.
zur Zahlung an die Beklagte aufgefordert wurde, und es wird von der Beklagten nicht
bestritten, dass D. bzw. die T. dem Kläger nie eine Anweisung erteilt hat. Die Beklagte
beruft sich vielmehr darauf, dass sie aufgrund der sich ihr präsentierenden Umstände
nach Treu und Glauben von einem Anweisungsverhältnis habe ausgehen dürfen und
müssen. Hat aber der (angeblich) Angewiesene aufgrund einer nicht erteilten
Anweisung eine Leistung erbracht, kann er sie vom Empfänger gestützt auf das
Bereicherungsrecht (sogenannte Direktkondiktion) zurückverlangen. Bei Fällen der
fehlenden Anweisung hat der (vermeintlich) Anweisende keine Ursache geschaffen; das
Leisten des (vermeintlich) Angewiesenen kann daher dem (vermeintlich) Anweisenden
nicht zugerechnet werden, sondern bleibt eine Leistung des (vermeintlich)
Angewiesenen. Dabei kommt es für die Zulassung einer Direktkondiktion nicht darauf
an, ob der (vermeintlich) Begünstigte (Anweisungsempfänger) in Bezug auf seine
Berechtigung zum Empfang des Erhaltenen gut- oder bösgläubig war, denn der
(vermeintlich) Begünstigte wird durch die Möglichkeit der Einwendung der nicht mehr
vorhandenen Bereicherung nach Art. 64 OR umfassend gegenüber dem
Bereicherungsanspruch des (vermeintlich) Angewiesenen geschützt; eines darüber
hinausgehenden Vertrauensschutzes bedarf es nicht (vgl. BSK OR I-Schulin, Art. 62 N
33 f., mit weiteren Hinweisen). Die von der Beklagten in diesem Zusammenhang zitierte
Lehre und Rechtsprechung zu Treu und Glauben (vgl. BSK OR I-Koller, Art. 468 N 4
und BGE 135 III 562 E. 3.4) ist nicht einschlägig, bezieht sie sich doch auf die Annahme
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einer (erteilten) Anweisung durch den Angewiesenen bzw. auf die Entstehung einer
Leistungspflicht des Angewiesenen gegenüber dem Anweisungsempfänger, nicht aber
auf die Erteilung der Anweisung als solche. Vorliegend besteht indessen kein
Anweisungsverhältnis zwischen D. bzw. der T., dem Kläger und der Beklagten, fehlt es
doch an einer dem Kläger von D. bzw. der T. gültig erteilten Anweisung. Mit der
Vorinstanz ist somit davon auszugehen, der Kläger habe die beiden Zahlungen von
€ 7'440.– und Fr. 30'000.– ohne Rechtsgrund und freiwillig an die Beklagte geleistet.
e) Soweit der Kläger im Berufungsverfahren neu behauptet, es habe zwischen ihm
und Y. eine zu erfüllende Verpflichtung bzw. ein Rechtsverhältnis bestanden, und es
habe zwischen jenem und der Beklagten ein Stellvertretungsverhältnis vorgelegen, ist
er nicht zu hören (vgl. vorne E. II.3). Abgesehen davon vermöchte der Kläger mit seiner
Darstellung, wonach seine Leistung gestützt auf einen nachträglich weggefallenen
Rechtsgrund erfolgt sei, ohnehin nicht durchzudringen, führt er doch zum behaupteten
Rechtsverhältnis bzw. zu einer Schuldpflicht zwischen ihm und bzw. gegenüber Y.
auch im Berufungsverfahren nichts (Genaueres) aus. Aus der erwähnten Absicht, Geld
bereitzustellen, um die Erbschaft einbringlich zu machen, lässt sich jedenfalls noch
keine Schuldpflicht herleiten. Aus den Ausführungen des Klägers im vorinstanzlichen
Verfahren und aus den Akten, insbesondere dem Mailverkehr, geht vielmehr hervor,
dass die Zahlungen im Zusammenhang mit dem (angeblichen) Verkauf eines
Diamanten getätigt wurden. Es fehlt demnach schon an der für das Vorliegen einer
Schuldpflicht gegenüber Y. erforderlichen Substantiierung und auch an deren
Nachweis. Auf das behauptete Stellvertretungsverhältnis ist daher nicht weiter
einzugehen. Es ist einzig festzuhalten, dass bei einem Dissens, wie ihn der Kläger
mehrfach geltend machte, gar nie ein Rechtsgeschäft zustande gekommen und nicht
erst mangels Genehmigung wieder dahingefallen wäre.
f) Nach dem Gesagten ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass die
Zuwendung an die Beklagte ohne gültigen Grund (condictio sine causa) erfolgt ist.
2.a) Bei einer Zuwendung ohne gültigen Grund handelt es sich regelmässig um die
Leistung einer Nichtschuld i.S.v. Art. 63 OR (BSK OR I-Schulin, Art. 62 N 11; OFK-
Schwander, OR 62 N 3). Art. 63 OR stellt einen Untertatbestand der
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Leistungskondiktion i.S.v. Art. 62 Abs. 1 OR dar. Er setzt also Bereicherung,
Entreicherung und Grundlosigkeit der Leistung voraus. Zusätzlich verlangt Art. 63 Abs.
1 OR Irrtum über die Schuldpflicht bei der Leistungserbringung. Der Irrtum des
Leistenden muss sich dabei auf die Schuldpflicht beziehen, d.h. auf den Rechtsgrund
der Leistung. Auf die Wesentlichkeit des Irrtums kommt es nicht an (BSK OR I-Schulin,
Art. 63 N 1 und N 4; Schwenzer, a.a.O., N 56.07; CHK-Hahn, OR 63 N 2). Die
Beweislast für den Irrtum liegt beim Leistenden. Für den Beweis des Irrtums ist
allerdings kein strenger Massstab anzulegen, wenn die übrigen Voraussetzungen
bewiesen sind (BSK OR I-Schulin, Art. 63 N 9; CHK-Hahn, OR 63 N 5).
b) Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass sich der Kläger gegenüber der Beklagten
nicht über seine Schuldpflicht geirrt habe. Einen solchen Irrtum habe er denn auch nie
geltend gemacht. Der von ihm behauptete Irrtum beziehe sich darauf, dass er nicht
gewusst habe, dass die Beklagte das Geld nicht an Y. weiterleiten würde. Mangels
Irrtums stehe dem Kläger somit kein Rückforderungsanspruch gestützt auf Art. 63
Abs. 1 OR zu. In der Berufung macht der Kläger nun geltend, es liege entgegen der
Auffassung der Vorinstanz im vorliegenden Fall sehr wohl ein Irrtum vor; seine
Vorstellung über den Rechtsgrund der Leistung, nämlich die Zahlung an Y. über die
Beklagte als Stellvertreterin, habe nicht der Realität entsprochen. Zwischen ihm und Y.
sei nach seiner irrigen Meinung ein Rechtsverhältnis vorhanden gewesen. Die Beklagte
habe dabei als verlängerter Arm von Y. fungiert. Als vermeintliche Stellvertreterin von Y.
müsse die Beklagte sich diese Rechtsbeziehung zwischen ihr und Y. anrechnen lassen.
c) Wie schon ausgeführt (vgl. vorne E. II.3), sind die klägerischen Vorbringen, es habe
zwischen ihm und Y. ein Rechtsverhältnis bzw. eine Schuldpflicht bestanden und es
liege ein Stellvertretungsverhältnis zwischen Letzterem und der Beklagten vor, neu. Will
der Kläger einwenden, er habe sich über diese – neu behauptete – Schuldpflicht
gegenüber Y. geirrt, so ist diese Behauptung ebenfalls neu und kann vorliegend
ebenso wenig berücksichtigt werden (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Ohnehin geht aus den
Ausführungen des Klägers nicht zweifelsfrei hervor, über welches Rechtsverhältnis
bzw. welche Rechtsverhältnisse er sich geirrt haben will, und welches Rechtsverhältnis
sich denn nun welche Person anrechnen lassen muss. Jedenfalls vermag der Kläger
nicht (substantiiert) darzutun und zu beweisen, dass er sich über eine Schuldpflicht
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gegenüber der Beklagten im Irrtum befunden hat. Nur darauf kommt es bei Art. 63 OR
aber an. Eine Rückforderung des Geleisteten bei der Beklagten aus ungerechtfertigter
Bereicherung ist daher nicht möglich und die Berufung ist bereits aus diesem Grund
abzuweisen.
3. Die Vorinstanz erwog im Sinne einer Eventualbegründung, dass dem
Rückforderungsanspruch des Klägers auch Art. 64 OR entgegenstehe.
a) Gemäss Art. 64 OR kann die Rückerstattung insoweit nicht gefordert werden, als
der Empfänger nachweisbar zur Zeit der Rückforderung nicht mehr bereichert ist, es
sei denn, dass er sich der Bereicherung entäusserte und hierbei nicht im guten
Glauben war, oder doch mit einer Rückerstattung rechnen musste. Der gute Glaube
des Bereicherten wird nach Art. 3 Abs. 1 ZGB vermutet. Dies bedeutet, dass nicht der
gute, sondern der böse Glaube zu beweisen ist. Vorliegend obliegt dieser Beweis dem
Kläger (vgl. BSK ZGB I-Honsell, Art. 3 N 29). Entsprechend besitzt dieser zwei
Möglichkeiten: Entweder zerstört er die Vermutung des guten Glaubens, indem er
beweist, dass die Beklagte den rechtlichen Mangel kannte und folglich bösgläubig war,
oder er geht von dieser Vermutung aus, legt jedoch in Übereinstimmung mit Art. 3
Abs. 2 ZGB dar, dass die Beklagte nicht berechtigt war, sich auf den guten Glauben zu
berufen, weil dieser nicht mit der Aufmerksamkeit zu vereinbaren ist, die von ihr
aufgrund der Umstände verlangt werden durfte (BGer 4A_208/2014 bzw. 4A_212/2014,
je E. 5.2.1; zum Mass der verlangten Aufmerksamkeit vgl. BGE 131 III 418 E. 3.2.3). Der
gute Glaube muss im Zeitpunkt der Entäusserung vorliegen; er richtet sich auf das
Fehlen einer Rückerstattungspflicht (BSK OR I-Schulin, Art. 64 N 9).
b) Gemäss Vorinstanz hatte sich die Beklagte zum Zeitpunkt der Einleitung des
Verfahrens am 31. März 2015 der Zahlungen des Klägers längst entäussert. Sie habe
rechtsgenügend erstellt, dass sie das Erlangte als Vorauszahlung für die Unternehmung
T. entgegengenommen und in diesem Umfang Textilwaren nach ... versandt habe. Es
stelle sich somit die Frage, ob dem Kläger der Beweis der Bösgläubigkeit der
Beklagten im Zeitpunkt der Bereicherungsentäusserung gelinge. Der gute Glaube der
Beklagten sei dann nicht gegeben, wenn diese gewusst habe oder hätte wissen
müssen, dass der Kläger nicht beabsichtigt habe, durch seine Zahlungen
Vorauszahlungen für Textilwaren zugunsten der T. zu leisten. Die Beklagte habe zwar
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eingeräumt, dass mit den Überweisungen des Klägers Fragen aufgetaucht seien.
Dieses Misstrauen vermöge den guten Glauben jedoch nicht zu zerstören, sondern es
habe bloss die Verpflichtung zu weiteren Erkundigungen begründet. Dieser Pflicht sei
die Beklagte mit ihrem Anruf beim Kläger nachgekommen – sie hätten sich dabei nicht
nur über die Ordnungsmässigkeit der Zahlung, sondern vor dem Hintergrund von
möglichen Betrugsfällen auch über deren Legalität unterhalten. Der genaue Zeitpunkt
des Gesprächs sei denn zur Beurteilung der Gutgläubigkeit der Beklagten nicht
ausschlaggebend; es sei aber weitestgehend unbestritten, dass es auf Initiative von V.
hin nach dem verzeichneten Zahlungseingang stattgefunden habe. Für die Beurteilung
des guten Glaubens unerheblich sei auch, ob die Bestellungen der T. vor oder nach
dem Zahlungseingang getätigt worden seien. Der gute Glaube müsse einzig im
Zeitpunkt der Entäusserung vorliegen und sich auf das Fehlen einer
Rückerstattungspflicht beziehen. Gestützt auf das Telefonat, welches
unbestrittenermassen vor dem Versand der Ware stattgefunden habe, habe die
Beklagte davon ausgehen dürfen, dass der Vermögensvorteil rechtmässig erlangt
worden sei. Es könne ihr somit weder ein böser Glaube noch ein Missachten der
gebotenen Sorgfalt vorgeworfen werden. Es könne davon ausgegangen werden, dass
die Beklagte sich der durch die Zahlungen des Klägers erlangten Bereicherung durch
die Warenlieferungen an die T. gutgläubig und vollumfänglich entäussert habe.
c) Der Kläger wendet sich im Berufungsverfahren nicht gegen die Feststellung der
Vorinstanz, wonach die Beklagte sich der Bereicherung vollumfänglich entäussert
habe. Ebenso wenig macht er geltend, die Beklagte sei bösgläubig gewesen. Er stellt
sich hingegen auf den Standpunkt, diese habe aufgrund mangelnder Sorgfalt bzw.
Aufmerksamkeit nicht gutgläubig sein können, und macht geltend, die Beklagte habe
ihren guten Glauben im vorinstanzlichen Verfahren nicht nachzuweisen vermocht bzw.
die Vorinstanz habe einen solchen zu leichtfertig angenommen. Nach Art. 3 Abs. 2 ZGB
könne sich derjenige nicht auf den guten Glauben berufen, der bei der Aufmerksamkeit,
wie sie nach den Umständen von ihm hätte verlangt werden können, nicht habe
gutgläubig sein können. Allein schon die Zahlungsströme und die beteiligten Personen
seien suspekt. Es habe ein Arzt in der Schweiz die Bestellung eines Kunden aus
Nigeria bezahlt, Überweisungen von Dritten als Zahlung für Kundenbestellungen seien
selbst nach Angaben der Beklagten selten und der Überweisungsauftrag habe für Y.,
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nicht T. gelautet. All dies hätte die Beklagte misstrauisch werden lassen müssen. Die
Vorinstanz habe dies ignoriert bzw. ausgeblendet. Das Telefonat sei
unbestrittenermassen kurz gewesen, die Beklagte hätte aber aufgrund der genannten
Umstände genauer nachfragen müssen; eine T. oder eine Stofflieferung habe sie nicht
erwähnt. Die Beklagte habe denn auch erst rund eineinhalb Jahre später bei ihrem
Kunden genauer nachgefragt. Damit sei sie ihren geforderten Pflichten nach
Aufmerksamkeit nicht nachgekommen. Das falsche Datum für das Telefongespräch auf
dem Zahlungsbeleg zeige gerade, wie schlampig und nachlässig die Beklagte bei der
Prüfung der Zahlung vorgegangen sei. Der seltene Vorgang, dass ein Dritter die Ware
bezahle, werde im Übrigen noch aussergewöhnlicher dadurch, dass die Beklagte
zuerst zwei Zahlungen im Betrag von € 7'440.– und Fr. 30'000.– erhalten habe und erst
nachträglich aus diesen zwei Zahlungen heraus einen Zusammenhang zu drei
Lieferungen zu unterschiedlichen Auslieferungszeitpunkten und differierenden Beträgen
herstellen wolle. Jedem normal denkenden Händler hätten doch Zweifel aufkommen
müssen, die sich nicht einfach mit einem Kurztelefon hätten beseitigen lassen können.
Durch die Wechselquittung, welche die Beklagte erst im Herbst 2014 erhalten habe,
wolle sie im Nachhinein einen guten Glauben konstruieren. Diese Quittung stelle
ohnehin keinen Beleg dar für die Version der Beklagten, wonach das Geld in der
Wechselstube in Afrika verschwunden sein solle, sondern sei lediglich eine von vielen
Fälschungen der Betrugsbande, der beide Parteien aufgesessen seien. Die Beklagte
habe dabei trotz der Umstände, welche bei ihr sämtliche Alarmglocken hätten läuten
lassen müssen, nicht die nötige Sorgfalt gemäss Art. 3 ZGB walten lassen; es könne ihr
daher kein guter Glaube attestiert werden.
d) Zuzustimmen ist dem Kläger insoweit, als die Abwicklung des Textilgeschäfts
durch die Beklagte etwas ungewöhnlich anmutet. Auch geht aus den Akten nicht
zweifelsfrei hervor, wann die Bestellung getätigt wurde, und es bleibt die Frage offen,
weshalb der Kunde die Ware mit zwei Zahlungen in unterschiedlicher Höhe und in
unterschiedlichen Währungen (Euro und Schweizer Franken) begleichen liess, während
die Bestellung gar auf eine dritte Währung (US-Dollar) lautete. Die Zahlungseingänge
enthielten sodann keinen Hinweis auf den afrikanischen Kunden der Beklagten,
sondern auf Y. Schliesslich blieb im Dunkeln, wie die Beklagte gewusst hat, dass es
der Kläger war, der die Warenlieferung an die T. bezahlen werde. Der von V. auf
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Nachfrage des Verfahrensleiters der Vorinstanz behauptete Anruf von D. lässt sich
jedenfalls nicht belegen, womit auch offenbleiben kann, ob dieses erst im Nachgang zu
den Parteivorträgen in der Hauptverhandlung erfolgte Vorbringen nicht ohnehin
verspätet wäre. Ebenso wenig ist ersichtlich, wie das einzige in diesem
Zusammenhang vorliegende Dokument, die E-Mail vom 25. April 2013 von R. an D., in
den Besitz der Beklagten gelangt ist. Umgekehrt ist Letztere im Afrika-Geschäft tätig
und gab an, dass die Ware immer zurückbehalten werde, bis die Zahlung eingegangen
sei, und dass die Zahlungsabwicklung – wenn auch selten – auch über Drittpersonen
erfolge, was plausibel erscheint und letztlich unbestritten blieb. Mangels Bestreitung
als erstellt zu gelten hat sodann auch die Behauptung, dass die afrikanischen Kunden
meist nicht über ein Bankkonto verfügten, mit dem sie Zahlungen ins Ausland tätigen
könnten. Immerhin war für V. auffallend, dass die Zahlungen im fraglichen Geschäft
durch einen Arzt aus der Schweiz vorgenommen worden waren, weshalb er zum
Telefon griff und beim Kläger nachfragte. Schon allein deshalb kann der Beklagten
nicht vorgeworfen werden, jegliches Misstrauen missachtet und alle
Vorsichtsmassnahmen ausser Acht gelassen zu haben – ein Vorwurf, der vor dem
Hintergrund des Verhaltens des Klägers ohnehin seltsam anmutet (vgl. in diesem
Zusammenhang insbesondere dessen E-Mail-Verkehr mit Y. und Z.). Die Vorinstanz
stellte zutreffend fest, dass Misstrauen alleine noch nicht genüge, den guten Glauben
zu zerstören, sondern bloss die Verpflichtung zu weiteren Erkundigungen begründe.
Sie verwies dabei auf den Entscheid des Handelsgerichts, HG.2013.56-HGK, vom
27. Oktober 2015, E. 5. Durchaus vergleichbar mit dem vorliegenden Sachverhalt traf
die Begünstigte im damaligen Fall Abklärungen beim Auslöser der Begünstigung, was
auch das Bundesgericht im Beschwerdeverfahren als ausreichend betrachtete (Urteil
BGer 4A_91/2016 vom 3. August 2016). Vorliegend kam die Beklagte ihrer
Sorgfaltspflicht insofern ohne Weiteres nach, als sie sich mit dem Kläger in Verbindung
setzte. Aufgrund der Ausführungen der Parteien sowie der Akten ist dabei davon
auszugehen, dass bei diesem Gespräch über die Ordnungsmässigkeit der Zahlung
gesprochen wurde und dass V. den Kläger auf die Möglichkeit eines Betrugsfalls
aufmerksam gemacht hat. Dabei wusste Letzterer, dass V. für die Beklagte anrief, und
dass Letztere im Stoffhandel tätig ist, was aus seinem E-Mail-Verkehr mit Y. und aus
seiner Strafanzeige hervorgeht. Das Gespräch war zwar unbestrittenermassen kurz,
was aber kaum der Beklagten anzulasten ist, führte doch der Kläger selber aus, zum
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Zeitpunkt des Anrufs gerade in der Sprechstunde mit einem Patienten gewesen zu
sein. Dennoch nahm er das Gespräch an und bestätigte trotz Warnung von V., dass die
Zahlungen in Ordnung seien. Er rief die Beklagte denn auch nicht nochmals an, obwohl
er deren Telefonnummer besass und ihn der Hinweis auf den Betrug offensichtlich im
Nachhinein sehr wohl beschäftigte (vgl. E-Mail an Y.). Die Beklagte sprach zwar nicht
über weitere Details wie etwa den Namen des Kunden. Umstritten ist auch, ob der
Verwendungszweck der Zahlungen Gegenstand des Gesprächs bildete. Die Beklagte
hatte dazu allerdings aufgrund der Bestätigung des Klägers und des Umstands, dass
dieser gar keine Zeit hatte, ein längeres Gespräch zu führen, auch keinen Anlass bzw.
keine Gelegenheit dazu. Unter diesen Umständen und insbesondere nach der
Bestätigung durch den Kläger durfte die Beklagte davon ausgehen, dass die Zahlungen
für die Ware der T. bestimmt waren. Jedenfalls bestand für sie in diesem Moment kein
Anlass zur Annahme, für die beiden Überweisungen habe ein anderer Zahlungsgrund
bestanden. Auch aus dem Umstand, dass die Beklagte erst eineinhalb Jahre später bei
ihrem Kunden konkreter nachfragte, kann der Kläger nichts zu Ungunsten der
Beklagten ableiten, erfolgte diese Nachfrage doch offensichtlich im Zusammenhang
mit dem Strafverfahren. Vorher hatte die Beklagte – wie bereits festgehalten – unter
diesen Umständen keinen Anlass für eine (weitere) Nachfrage. Dass sich der genaue
Zeitpunkt des Telefongesprächs zwischen den Parteien – der 23. oder der 25. April
2013 – weder mit der E-Mail-Zusammenstellung noch mit den von der Beklagten
eingereichten Akten zweifelsfrei festlegen lässt, ist für die Frage nach dem guten
Glauben der Beklagten unerheblich. Schon gar nicht lässt sich daraus eine allgemeine
Schlampigkeit bzw. Unsorgfältigkeit in der Geschäftsführung der Beklagten ableiten,
wie dies der Kläger geltend macht. Somit kann der Beklagten zum Zeitpunkt der
Warenlieferung an ihren Kunden, also zum Zeitpunkt der Entäusserung der
Bereicherung, keine mangelnde Aufmerksamkeit und damit kein böser Glaube
unterstellt werden. Selbst dann, wenn es sich nicht um die Leistung einer Nichtschuld
gemäss Art. 63 OR handeln würde, wäre demnach eine Rückforderung der Zahlungen
bei der Beklagten gestützt auf Art. 62 ff. OR nicht möglich. Die Berufung wäre auch in
diesem Fall abzuweisen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 10.04.2018 Art. 466 OR (SR 220): Kein Anweisungsverhältnis mangels gültig erteilter Anweisung.Art. 63 OR (SR 220): Bezahlung einer Nichtschuld. Irrtum über die Schuldpflicht verneint.Art. 64 OR (SR 220): Keine Rückerstattung zufolge Entäusserung der Bereicherung und Vorliegen des Guten Glaubens (Kantonsgericht, III. Zivilkammer, 10. April 2018, BO.2017.20).
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