Decision ID: e8b80472-fa0e-4767-a6f0-7744d61f896a
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, arbeitete seit 1998 als Finanzberater für die
Firma Y._
(vgl.
Urk.
2/4). Die Ar
beitgeberin hatte für ihre Mitarbeiter bei der
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
(nachfolgend: Zürich)
für krankheitsbedingten Erwerbsausfall eine Taggeld
versicherung abgeschlossen (Police Nr.
E._
, gültig ab 1.
Januar 2011
;
Urk.
9/B1
).
Für die Personengruppe 1, zu der André
Travé
gehörte, war
für die Dauer von 730 Tagen, abzüglich einer Wartefrist von 14 Tagen,
ein Taggeld im
Umfang von 80 %
des
Verdienstes versichert (
Urk.
9/B1
S. 4
; vgl. auch
Urk.
2/1
).
1.2
Ab
1.
September 2011
wurde dem Versicherten ärztlich eine krankheitsbedingte
vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl.
Schadenmeldung vom 20.
Septem
ber 2011 sowie diverse Arztatteste und -berichte;
Urk.
2/4-7).
Ab 15.
September 2011 richtete die Zürich Taggelder aus (
Fr.
422.54 entsprechend 80 % des in der
Schadenmeldung angegebenen Verdienstes von
Fr.
192‘781.50 pro Jahr; Urk. 2/8/1-5).
Die Taggeldzahlungen erfolgten bis
und mit 2
9.
Februar 2012
(vgl.
Urk.
2/8/5). Gemäss vertrauensärztl
icher Beurteilung bestand ab 1.
März 2012
wieder eine
volle Arbeitsfähigkeit (Urk. 2/7 S. 3).
B
e
reits z
uvor, das heisst am 31.
Januar 2012
,
hatten der Versich
erte und die Arbeitgeberin das Ar
beits
ver
hältnis per sofort einvernehmlich aufgehoben (Urk. 2/3).
Mit Schreiben vom
3.
April 2012
orientierte die Zürich den V
ersicherten über die Möglichkeit zum Übertritt von der Kollektiv- in eine
Einzeltaggeldversiche
rung
(Urk. 2/10). Am
2.
Mai 2012 ersuchte der Versicherte u
m eine Offerte (Urk. 2/11).
A
m
9.
Mai 2012
erstellte
die Zürich
eine schriftliche V
e
r
tragsofferte
(Urk. 9/B4).
1.3
In der Nacht vom
2
2.
auf den 2
3.
Februar 2013
liess sich
d
er Ver
sicherte
not
fallmässig
ambulant
in der
Klinik A._
behandeln
(Urk. 2/12)
. H
ernach folgten Abklärungen im Hinblick auf
die weitere
Behand
lung des Versicherten (vgl.
Urk.
2/13 und
Urk.
9/B7
) und vom
2
5.
März bis zum 1
9.
April 2013
ein
stationärer
Aufenthalt
in der
Herberge
B._
(Urk. 2/14)
sowie
eine Nachbehandlung
in Form eines Gesundheits- und
Berufs
coachings
bei der
Firma C._
in Zusammenarbeit mit
dem Hausarzt
Dr.
med.
Z._
, Fach
arzt für Allgemeinmedizin (Urk.
2/15). Seit 17.
September 2013 befand
sich der Versiche
rte zudem in Behandlung bei Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (Urk. 2/23).
F
ür die Zeit
ab Aufnahme
der Behandlung
im
Februar 2013
und
auch bereits für
die Zeit
zuvor
attestierten sowohl D
r.
Z._
als auch
Dr.
D._
Arbeitsunfä
hig
keiten
(Urk. 2/16/1-5
,
Urk.
2/17,
Urk.
2
/21,
Urk.
2/23
).
Die Ausrichtung
wei
terer
Taggeldzahlungen für die Zeit ab März 2012 lehnte die Zürich
jedoch
ab (vgl.
Urk.
2/26-29).
2.
Am 1
3.
Deze
mber 2013 erhob der Versicherte
Klage ge
gen die Zürich. Er stellte das R
echtsbegehren, die Zürich sei zu verpflichten, ihm
Fr.
231‘551.92 zuzüg
lich 5 % Zins seit
1.
Januar 2014 zu bezahlen (Urk. 1). Die Zürich bean
tragte in der Klageantwort vom
4.
März 2014 die Abweisung der Klage (Urk. 8). In Replik (Urk. 13) und Duplik (Urk. 17) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesge
setz
über die Krankenversicher
ung (KVG) unterstehen nach Art. 12 Abs.
3 KVG dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG).
Dazu gehören auch
Strei
tigkeiten aus Krankentaggeldversicherungen nach
dem
VVG
(BGE 138 III 2, 558 E. 2).
Die
Kantone können gestützt auf Art.
7 der Schweizerischen Zivilpro
zess
ordnung (ZPO) ein Gericht bezeichnen, w
elches als einzige kantonale In
stanz
für
Streitigkeiten in diesem Gebiet sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die
Zuständigkeit beim Sozialversicherungsgericht (§ 2 Abs. 2
lit
. b des Ge
setzes über
das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Das Verfahren richtet sich
nach der ZPO, wobei das vereinfa
chte Verfahren zur Anwendung ge
langt (Art. 243
Abs. 2
lit
.
f ZPO) und die Klage direkt beim
Sozialversicherungs
g
ericht anhängig zu machen ist (
BGE 138 III 558
E.
3.2 und
E.
4.6).
Die sachliche und ört
liche Zu
ständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage
sind unstrittig gegeben
.
2.
2.1
Das Gericht stellt den Sachverhalt unabhängig v
om Streitwert von Amtes we
gen
fest (Art. 247 Abs. 2
lit
.
a ZPO
).
Der Unters
uchungsgrundsatz, wonach das Ge
richt
alle rechtserheblichen Sachverhaltselemente zu berücksichtigen hat, die sich
im Verlaufe des Verfahrens ergeben, auch wenn die Parteien diese
nicht ange
führt haben, gilt nicht uneingeschränkt; er
findet sein Korrelat in den
Mitwir
kungs
pflich
ten
der Parteien. Er entbindet die Parteien nicht davon, Beweise bei
zu
bring
en und bei der Erstellung des Sachverhalts mitzuwirken (BGE 125 III 231
E. 4a;
Mazan
in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessord
nung, 2. Auf
lage
, 2013, N 9 und N 13 zu Art. 247). Ebenso sch
liesst er die anti
zipierte
Be
weis
würdigung
nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 5C.206/2006 vom 9. Novem
ber 200
6 E. 2.1) und verleiht den Parteien keinen Anspruch, dass alle
möglichen Be
weise abge
nommen werden, und auch keinen Anspruch auf ein be
stimmtes Be
weis
mittel (BGE 125 III 231; Urteil des Bundesgerichts 5C.34/2006 vom 27. Juni 2006 E. 2a).
2
.2
Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, hat
gemäss Art. 8 des Zivilgesetzbu
ches
(ZGB) derjenige das Vorhandensein eine
r behaupteten Tatsache zu bewei
sen, der
aus ihr Rechte ableitet.
Nach dieser
Grundregel hat der Anspruchsbe
rechtigte
die
Tatsachen zur "Begründung des Versicherungsanspruches" (Margi
nalie zu Art. 39
VVG) zu beweisen, also
name
ntlich das Bestehen eines Versi
cherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des An
spruchs. Den Versi
che
rer trifft die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Ver
wei
gerung der vertraglichen Leistung berechtigen oder die den
Versicherungsver
tra
g
gegenüber dem Anspruchsbe
rechtigten unverbindlich ma
chen (
BGE 130 III 321
E.
3.1).
Im Privatv
ersicherungsrecht müssen die an
spruchsbegründenden Tatsa
chen
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erwiesen sein (BGE 130 III 321 E. 3.5). Das gilt au
ch für den Beweis von
anspruchshin
dernden
Tatsachen, für welche die Beweislast aufgrund von Art. 8 ZGB beim Ver
sicherer liegt (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Bundesgerichts vom 22. November 1990]).
3.
3.1
D
er Kläger
vertritt den Standpunkt
, seine krankheitsbedingte Arbeitsunfähig
keit
habe über den
von
der Beklagten anerkannten Zeitpunkt hinaus bis zum 3
1.
Dezem
ber 2013 angedauert
, weswegen
nicht nur bis 2
9.
Februar 2012, son
dern
auch
ab März 2012 bis zum Erreichen der maximalen Bezugsdauer An
spruch auf Taggelder bestehe
.
Zwar sei das Arbeitsverhältnis bereits per 3
1.
Janu
ar
2012 einvernehmlich beendet worden, jedoch bestehe gemäss den anwend
ba
ren
ergänzenden Vertragsbedingungen zu den Allgemeinen Vertrags
bedingung
en
(AVB)
für die Kranken-Lohnausfallversicherung nach VVG
(Aus
gabe 1/2007, auf die in der Police
E._
verwiesen wird; vgl.
Urk.
9/B/1/1 S.
10)
nach Be
endigung des Versicherungsschutzes für denselben Krankheit
sfall Anspruch auf Nachleistung (Urk. 1 S. 9 ff.
Ziff.
3.1-2).
3.2
Die Beklagte
ist
hingegen
der Auffassung
,
für die Zeit ab März 2012 sei eine Arbeitsunfähigkeit des Klägers nicht nachgewiesen. Ausser am 1
8.
Januar 2012
habe er im gesamten Jahr 2012 im Zusammenhang mit dem behaupteten Leiden keinen Arzt aufgesu
cht.
Den
Arbeitsunfähigkeitsatteste
n
für die betreffende Zeit lägen keine echtzeitlich
en Feststellungen zu Grunde
(Urk. 8 S. 8
Ziff.
29 f.
).
4.
4.1
Am 2
0.
September 2011 o
rientierte die
Firma
Y._
die Beklagte
ü
ber eine seit dem
1.
September 2011 bestehende
Arbeitsunfähigkeit
des Klägers, die voraussicht
lich
30 Tage dauern werde. Behandelnder Arzt sei
Dr.
Z._
(Urk. 2/4).
4.2
Dr.
Z._
ging
in der Folge
von einer
vollständige
n
Arbeitsunfähigkeit bis
31.
Januar 2012
aus
(Ur
k. 2/5/1-4). Im Bericht vom 12.
Dezember 2011 nannte er als Diagnose den Verdacht auf ein Burn-out. Er habe den Kläger überzeugen können, dass er psychologische Hilfe brauche. Eine entsprechende Behandlung sei eingeleitet worden (Urk. 2/6).
4.3
Am 2
4.
Januar 2012 erstattete
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie sowie Pharmazeutische Medizin, zu
Handen
der Beklagten ein konsiliarisches Gutachten.
Dr.
F._
untersuchte den Kläger am 11.
Janu
ar 2012 und diagnostizierte eine Anpassungsstörung mit längerer de
pressiver Reaktion (ICD-10 F. 43.21). Er stellte fest, das Krankheitsbild sei mittler
weile
fast vollständig rückläufig. Eine weitere ärztliche Behandlung, ins
be
sondere durch
Dr.
Z._
, sei
jedoch
weiterhin angezeigt, dies im Hinblick auf die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit nach längerer
krankheits
be
ding
ter
Arbeitsunfähigkeit und Stellenverlust. Dem Kläger sei nachdrücklich ge
raten worden, sich eng an die Vorgaben des Arztes zu halten. Die laufende Be
hand
lung sei medizinisch notwendig und zweckmässig und sie folge allgemein
aner
kannten fachlichen Grundsätzen. Die attestierte Arbeitsunfähigkeit als
Finan
z
berater
sei aus psychiatrischer Sicht angemessen gewesen. Gemäss der
aktu
ellen Befundlage könne eine solche noch bis Ende Februar
bestätigt
werden.
Hernach sei der Kläger als Finanzberater wieder voll arbeitsfähig
(
Urk.
2/7 S. 3
Ziff.
4-5)
.
Die Prognose sei günstig. In der Regel sei eine längere depressive Reaktion
innerhalb weniger Monate wieder rückläufig. Beim Kläger habe mittlerweile eine
fast vollständige Remission erreicht werden können. In Rechnung zu stel
len sei
nach der Kündigung des langjährigen Arbeitsverhältnisses
die schwierige beruf
liche Situation des Klägers
. Dessen ungeachtet sei die Erkrankung nun
mehr fast vollständig rückläufig und psychosozialen Belastungsfaktoren komme für sich
genommen noch kein Krankheitswert zu. Wichtig sei die Fortsetz
ung der Be
hand
lung (Urk. 2/7 S.
3 f
.
Ziff.
4-6
).
5.
5.1
Z
um
gesundheitlichen
Verlauf ab März 2012
führte der
Kläger
aus
, nach der
Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der
Firma Y._
per
3
1.
Januar
2012 be
ziehungsweise nach der durch
Dr.
F._
prognostizierten Wiedererlangung der Arbeits
fähigkeit ab
1.
März 2012 habe er sich eine Auszeit genommen. Er habe in
Ruhe seine berufliche Zukunft planen und sich nach einer geeigneten Ar
beitsstelle umsehen wollen.
In der Folge
habe
er
aber erkennen müssen, dass er aus
psychischer Sicht nicht in der Lage gewes
en sei, eine Stelle anzutreten
(Urk.
1 S. 4 f
.
Ziff.
2.5
f.
)
.
5.2
Nahm sich der Kläger ab
1.
März 2012 zunächst eine Auszeit, schliesst dies ei
nen
Tagge
ldanspruch
im vornherein
aus, denn d
er
damit verbundene
Erwerb
sausfall
war Folge einer persönlichen Entscheidung des Klägers, nicht jedoch Folge einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit. Es fehlte mit anderen Worten am erfor
der
lichen Kausalzusammenhang
zwischen Erwerbsausfall und
beei
nträchtigtem Gesundheitszustand.
5.3
Offen ist, wie lange die Phase der Auszeit
geplant war respektive wie lange sie effektiv andauerte
.
D
ie Auszeit
diente
nach Darstellung des Klägers
der berufli
chen Neuorientierung und der Stellensuche (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
2.5).
Ohne dies zeit
lich einzugrenzen wies der Kläger darauf hin, er habe erkennen müssen, dass er aus psychischer Sicht nicht in der Lage gewesen sei, eine
neue Stelle an
zutreten (Urk.
1 S. 5
Ziff.
2.6). Ein konkretes Stellenangebot habe er im Juli 2012 aus
gesundheitlichen Gründen ablehnen müssen (Urk. 13 S.
3
Ziff.
3; vgl. auch
Urk.
2/24).
Bereits ab März 2012 habe er sich in einer psychisch schlech
ten Ver
fassung befunden. B
is Juni 2012 habe er zurückgezogen und ohne sozi
ale Kon
tak
te in seiner Eigentumswohnung gelebt. Nach deren Verkauf habe er vorüber
gehend bei seiner Schwester gewohnt. Auch dort habe er sich praktisch in seinem Zimmer eingeschlossen und nicht die Kraft
aufbringen können
,
sich um se
ine Angelegenheiten zu kümmern
(Urk. 13 S. 3 f.
Ziff.
3).
Einerseits schilderte d
er
Kläger
den Verlauf
ab März 2012
als ungünstig
,
ande
rerseits a
ber su
chte er ab März 2012
effektiv
eine neue Stelle
. Einzelheiten zu seinen Bemühungen machte der Kläger nicht aktenkundig, jedoch ist davon auszugehen,
dass
ihm gemäss seiner Darstellung im
Juli 2012
schliesslich ein
kon
kretes
Stellenangebot
gemacht wurde
.
Das Angebot schlug der
Kläger
in der Folge zwar aus, doch lässt der Umstand, dass er sich
bis Juli 2012 um s
einen beruflichen Wiedereinstieg
bemühte, nur den Schluss zu, dass er sich auch sub
jektiv als grundsätzlich arbeitsfähig einstufte. Erst mit der Ablehnung der ange
botenen Stelle änderte sich
diese
Überzeugung.
Eine krankheitsbedingte Ar
beit
s
unfähigkeit
ist
somit bis Juli
2012 nicht überwiegend wahrscheinlich
.
5.4
Für die
Zeit nach
der Ablehnung
der angebotenen Stelle,
namentlich
ab August 2012 macht der
Kläger
eine
deutliche
Verschlechterung seines
psychischen Zu
standes geltend
.
Ausschlagegebend dafür war nach seiner Darstellung
vor allem
der Tod seines Vaters (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
2.6, Urk. 13 S. 3 f.
Ziff.
3).
A
b August 2012 ist einzig eine Konsultation b
eim Hausarzt
Dr.
Z._
am
28.
September 2012 aufgrund eines akuten
Hautproblems dokumentiert (Urk.
2/21
).
Echtzeitliche Berichte oder Atteste
über
ab März 2012 erfolg
te
Arzt
konsultationen
oder Behandlungen im Zusammenhang mit einer erneu
ten psy
chischen Dekompensation fehlen
unbestrittenermassen
(vgl. Urk. 1 S. 4
Ziff.
3). Der Kläger hielt fest, er habe es unterlassen, sich ab März 2012 weiter ärztlich behandeln zu lassen (Urk. 1 S. 5
Ziff.
2.6).
Eine Behandlung im Zusam
menhang mit psychischen Problemen fand
erstmals wieder im
Februar 2013 (
Behandlung in der
Klinik A._
am 2
2.
Februar 2013;
Urk.
2/12) statt.
Ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die Arbeitsfähigkeit des
Kläger
s vor
der Behandlung in der
Klinik A._
im Februar 2013
beeinträchtigt war,
kann
entgegen der Auffassung des
Klägers
retrospektiv nicht zuverlässig
beur
teil
t
werden
.
Auf die Frage des Rechtsvertreters des
Klägers
, ob Ang
aben zur Arbeits
fähigkeit ab 1.
März 2012 bis 3
1.
Januar 2013 möglich
seien, hielt
Dr.
Z._
am 29.
Oktober 2013
fest
,
theoretisch könne er
dazu keine Angaben
machen
, weil er den Kläger seit dem 2
5.
Februar 2012
,
abgesehen von einer Konsultation
am 2
8.
September 2012 wegen eines Hautproblems
,
bis zum 2
5.
Februar 2013 nicht mehr behandelt habe. Aus der Schilderung des Klägers
und
derjenigen seiner Schwester sei
allerdings
zu schliessen, dass er auch in der Zeit da
zwischen
wahrscheinlich arbeitsunfähig gewesen sei (Urk. 2/21).
Die blosse Wahrscheinlichkeit
einer Arbeitsunfähigkeit
genügt als Beweis nicht.
Nötig ist eine überwiegende Wahrscheinlichkeit.
Hierfür wären zeitnahe ärztli
che
Feststellungen nötig.
Angaben
von
Familienangehörig
e
n oder
Freunde
n
(
vgl. Urk.
13 S. 4
) vermö
gen
eine
zeitnahe
ärztliche
Beurteilung nicht zu erset
zen
. Es fehlt somit auch für die Zeit ab August 2012 am Na
chweis einer Ar
beitsun
fähig
keit.
5.5
Am 2
2.
Februar 2013 begab sich der Kläger notfallmässig in die
Klinik A._
, wo er bis zum 2
3.
Februar 2013 behandelt wurde. Im Austrittsbericht vom 2
6.
Februar 2013 nannten die Ärzte der Klinik als Diagnose eine
Anpas
sung
s
störung
mit depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) und als Differentialdiag
nose eine depressive Störung. Ferner führten die Ärzte aus, der Eintritt sei auf
grund einer Exazerbation ein
er Burnout-
Symptomatik mit starkem sozialem Rück
zug
seit drei Tagen und nicht auszuschliessender suizidaler Krise infolge familiärer Belastungsfaktoren
erfolgt
(Urk. 2/12).
Am
8.
März 2013 liess sich der Kläger von
Dr.
med.
G._
,
Fachärz
tin
FMH für Innere Medizin sowie Psychosomatische
und Psychosoziale Medi
zin,
Oberärztin der
Klinik H._
, untersuchen. Diese nannte am 1
1.
März 2013 als
Diagnose
eine mittelschwere depressive Episode mit so
ma
tischem Syndrom, teilweise agitiert (ICD-10 F 32.11)
,
mit sozialem Rückzug und mu
l
tipler sozialer Belastung (
ICD-10 Z63.0, Z63.4, Z56, Z59)
.
Bisher sei er hausärztlich betreut worden. Auf eine Psychotherapie
habe er sich bisher nicht eingelassen.
A
ktuell
sei es zu einer
krisenartigen Zuspitzung der Situation mit sozialem Rückzug und suizidalen Gedanken gekommen.
Momentan sei einer stationären
Behandlung
der Vorzug zu geben
(Urk. 9/B/6).
Eine stationäre Behandlung des Klägers erfolgte vom 2
5.
März bis 1
9.
April 2013
in der Herberge
B._
. Dem Bericht der Therapieeinrichtung vom 1
7.
Mai 2013 ist zu entnehmen, der Kläger habe sich stark mit seinen Schat
tenseiten und seinen verdrängten Ängsten auseinanderg
esetzt. Er habe begon
nen, seine
finanzielle Situation zu regeln und
er habe
erste Schritte
in Richtung berufliche
Neuorientierung getan. Im Laufe des Aufenthaltes habe sich der Klä
ger neue Einsichten und Erkenntnisse erarbeitet, um aus immer wiederkehren
den Verhal
tens
mustern aussteigen zu können. Jedo
ch benötige er noch einiges an Z
eit und
Nachbetreuung, um die gewonnenen Erkenntnisse umsetzen zu können (Urk. 2/14)
.
Dem Bericht
der
Firma C._
vom
5.
Juni 2013
über die Nachbetreuung
in Form
eines Gesundheits- und Berufscoachings ist zu entnehmen, die
Nachbe
treu
ung
habe zu einer Stabilisierung und Verbesserung des Gesundheitszustan
des ge
führt
. Für das letzte Quartal 2013 könne mit einer vollständigen Gene
sung gerechnet werden
. Die Gesundschreibung werde durch den Hausarzt
Dr.
Z._
erfolgen
(Urk. 2/15).
Zur Arbeitsfähigkeit äusserte sich
der Hausarzt
Dr.
Z._
in verschiedenen
Attesten. In diesen ging er von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
ab 1.
Febru
ar bis Ende Juni 2013 aus (Urk. 2/16/1-5). Im Bericht vom 2
3.
Juni 2013 zu
Handen
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, hielt er
sodann
fest, e
s bestehe
bereits seit 1.
September 2011
bis dato
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 2/17 S. 4
Ziff.
1.6). Im Kurzbericht vom 2
3.
Juni 2013 zu
Handen
der Beklagten hielt Dr.
Z._
fest, realistisch sei ein Arbeitsbeginn im vierten Quartal 2013 (Urk. 2/19).
Auf die Frage des Rechts
vertreters des Klägers, wie sich die Arbeitsfähigkeit seit dem
1.
Juli 2013 entwi
ckelt
habe, hielt
Dr.
Z._
am 29.
Oktober 2013 fest, dies könne er nicht
be
urteilen, da er nach dem 21.
Juni 2013 keinen Kontakt mehr mit dem Kläger gehabt habe (Urk. 2/21).
Der behandelnde Psychiater
Dr.
D._
führte in einem undatierten Schreiben an den Rechtsvertreter des Klägers (die vorangehende Anfrage des Rechtsvertreters datiert vom 2
8.
Oktober 2013; vgl.
Urk.
2/22) aus, er erachte den Kläger in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Finanzplaner als zu 100 % arbeitsunfähig. In einer geeigneten Tätigkeit mit geregelter Arbeitszeit, fixem Salär, im Innendienst und ohne Vorgesetztenfunktion sei von einer Ar
beitsfähigkeit von 50 % ab
1.
Januar 2014 auszugehen (Urk. 2/23).
5.
6
Der Austrittsbericht der
Klinik A._
vom
2
6.
Februar 2013
dokumen
tiert erstmals seit Februar 2012
wieder eine ärztliche Behandlung psychischer Beschwerden am 2
2.
und 2
3.
Februar 2
01
3.
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde von den Ärzten der
Klinik A._
nicht attestiert.
Eine krankheitsbedingte
vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestierte
hingegen
Dr.
G._
am 1
1.
März 201
3.
Diese hatte den
Kläger
am
8.
März 2013
untersucht (Urk. 9/B/6).
Auch
Dr.
Z._
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit. Im Attest vom 2
8.
Mai 2013 nannte er eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab 1. Februar 2013 (Urk. 2/16/1). Im Bericht vom 2
3.
Juni 2013 zu
Handen
der IV-Stelle erwähnte er
zudem
eine
ununterbrochene vollständige Arbeitsunfähigkeit seit
1.
September 2011 (Urk. 2/17
S. 4
Ziff.
1.6).
Mit der attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit seit September 2011 wider
spricht
Dr.
Z._
nicht nur seiner Einschätzung im Januar 2012 (vgl.
Urk.
2/5/4), sondern auch seinen Angaben vom 2
9.
Oktober 2013, als er fest
hielt
, theoretisch könne er zu einer Arbeitsunfähigkeit ab
1.
März 2012 keine Anga
ben machen, weil er den Kläger seit dem 2
5.
Februar 2012, abgese
hen von einer
Konsultation am 2
8.
September 2012 wegen eines Hautproblems, bis zum 2
5.
Febru
ar 2013 nicht mehr behandelt habe (vgl. Urk. 2/21
Ziff.
4).
Ebenso wenig kann auf die ab
1.
Februar 2013 attestierte Arbeitsunfähigkeit abge
stellt werden, da
Dr.
Z._
den
Kläger
im Jahr 2013 erstmals am 2
5.
Februar 2013 wegen
Erschöpfungsdepression und Burn
out wieder behandelt hat
te
(vgl.
Urk.
2/21
Ziff.
1-2). Die erste nach der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit im März 2012 (vgl. vorstehende E
. 4
) nachvollziehbar attes
tierte Arbeitsunfähigkeit
bezieht sich somit auf den 25.
Februar 2013
und die Folgezeit
.
Ob bereits am 2
2.
Februar 201
3
, anlässlich der Behandlung in der
Klinik A._
respektive beim Austritt am Tag darauf eine Arbeitsunfä
higkeit bestand, bleibt mangels
eines
entsprechende
n
Attest
s
der dort behan
deln
den Ärzte offen.
6
.
6.1
Die
ergänzenden Vertragsbedingungen zu den AVB
sehen in
Ziff.
8.6
lit
. h eine
Nachdeckung für Versicherungsfälle vor, die nach Erlöschen des Versiche
rungs
schutzes noch nicht abgeschlossen sind (
Urk.
2/2 S.
7). Für
die versicher
ten Arbeit
nehmer endet der Versicherungsschutz mit dem 3
0.
Tag nach dem Tage, an
dem
der Anspruch auf mindestens den halben Lohn aufhört (
Ziff.
16.2
lit
a der
AVB
;
Urk.
2/2 S. 9).
Die
Firma Y._
und der Kläger lösten ihre Zusammenarbeit am 3
1.
Januar 2012 ein
vernehmlich per sofort auf. Damit
erloschen
auch
die Lohnansprüche des Klä
gers
(Urk. 2/3).
Der Versicherungsschutz aus der Kollektivversicherung endete am 3
0.
Tag nach dem 3
1.
Januar 2012, das heisst am
1.
März 2012 (2012 war ein Schaltjahr).
Bereits per
2
9.
Februar 2012
hatte die Beklagte den am 20.
September 2011 gemeldeten Schadensfall ab
geschlossen (vgl.
Urk.
2/8/5,
Urk.
2/9)
. Ab
1.
März
2012
war der Kläger aus ärztlicher Sicht wieder
arbeits
fähig (Urk. 2/17 S.
3 f.).
Da der Versicherungsfall noch vor dem Erlöschen des
Ver
sicherungsschutzes abgeschlossen
war
,
fällt
ein Nachdeckungsanspruch
ausse
r Betracht
.
6.2
Das erneute Auftreten einer Krankheit
(Rückfall)
gilt gemäss den ergänzenden Vertragsbedingungen zu den AVB
hinsichtlich Leistungsdauer und Wartefrist - sofern diese pro Krankheitsfall vereinbart wurden - als neuer Krankheitsfall, wenn die versicherte Person ihretwegen während 12
Monaten ununterbrochen nicht arbeitsun
fähig war
(
Ziff.
8.7;
Urk.
2/2 S. 7).
Im Zusammenhang mit dem
am 2
0.
September 2011 gemeldeten Schadensfall
(Arbeitsunfähigkeit infolge psychischer Erkrankung)
war der Kläger ab
1.
März 2012 wieder voll ar
beitsfähig (vgl. vorstehende E
. 4).
Eine erneute ärztlich
at
te
stierte Arbeitsunfähigkeit
(
wiederum infolge psychischer Erkrankung) bestand
frühestens ab 2
5.
Februar 2013
(vgl. vorstehende E
.
5.6
).
Auf die Zeit dazwi
sche
n entfallen
mithin
nicht ganz zwölf Monate, während denen von einer un
unter
brochenen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. Die Voraussetzung gemäss
Ziff.
8.7 der ergänzenden Vertragsbedingungen zu den AVB ist damit zwar grund
sätzlich erfüllt, jedoch ist zu berüc
ksichtigen, dass für den Kläger
der Versicherungs
schutz aus der Kollektivversicherung am
1.
März 2012 endete.
Gestützt auf die genannte Versicherungsbestimmung kann er somit keinen Anspruch auf Tag
gelder geltend machen.
6.3
Gemäss
Ziff.
18.1 der AVB kann die in der Schweiz oder Lichtenstein wohn
hafte versicher
te Person bei Austritt aus dem K
reis der Versicherten oder bei Auflösung des Vertrages in die Einzelversicherung übertreten. Das
Übertritts
recht
ist innert 90 Tagen entweder nach dem Austritt, der Auflösung des Ver
trages oder dem Ende des Leistungsbezuges g
eltend zu machen (
Urk.
2/2 S. 9).
Am
2.
Mai 2012
ersuchte der Kläger in Form einer
Offertanfrage
um den Über
tritt in die Einzelversicherung
(Urk. 2/11). Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl seit
dem Ende des Leistungsbezuges am 2
9.
Februar 2012 als auch seit dem Aus
tritt aus dem Kreis der versicherten Personen am
1.
März 2012 noch keine 90 Tage verstrichen.
Die Beklagte reichte mit der Klageantwort eine am
9.
Mai 2012
ausgefertigte
Vertragsofferte
für eine Einzeltaggeldversicherung ein
(Urk. 9/B/4).
Ob diese dem Kläger tatsächlich auch zugestellt wurde, ist nicht aktenkundig.
Fest steht
indessen
, dass es in der Folge zu keinem Vertragsabschluss kam. Der Kläger machte in der Klageschrift geltend, seine
Offertanfrage
vom
2.
Mai 2012
sei
unbeantwortet geblieben (Urk. 1 S. 4
Ziff.
2.5). Die Beklagte machte in der
Kla
geantwort
geltend, der Kläger habe seinerseits auf die Offerte nicht reagiert (Urk. 8 S. 4
Ziff.
16). Der Kläger
liess
in der Replik die
Behauptung
der Beklag
ten
unwidersprochen
.
Es ist somit davon auszugehen, dass der Kläger, aus wel
chen Gründen auch immer, die Offerte nicht retournierte und auf einen Übertritt in die Einzelversicherung verzichtete.
Aus den dargelegten Gründen (
diese Erwägung und
vorstehende E.
8-9
)
steht fest, dass der
Kläger
keinen Anspruch auf weitere Taggelder mehr hat. Mit den
von der Beklagten geleisteten Taggelder
n
(1
5.
September 2011 bis 2
9.
Februar 2012
im Schadensfall 278/11-368‘473)
;
Urk.
2/8/1-5)
hat es sein Bewenden.
Auf weitere von den
Parteien
erörterte Aspekte (u.a. teilweise von der Beklagte
n
für das Jahr 2013 anerkannte Arbeitsunfähigkeit, Verletzung vertraglicher Oblie
gen
heiten durch den Kläger) ist bei der gegebenen Sach- und Rechtslage nicht einzugehen, sondern es ist die Klage abzuweisen.
7
.
Ausgangsgemäss hat
die vertretene Beklagte
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine
Pro
zessentschädigung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
3‘700
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.