Decision ID: d8ea2ce0-b875-4803-963f-3b327741a9ed
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1933
, ist Bezügerin einer Altersrente (
Urk.
7/25)
, zog am 20. Mai 2014 in eine Seniorenresidenz (vgl.
Urk.
7/9,
Urk.
7/11/3)
und meldete sich am 16. Juli 2014 zum Bezug von Zusatzleistungen an (
Urk.
7/1, vgl.
Urk.
7/28 S. 1 Mitte). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen AHV/IV
(SVA)
, verneinte mit Verfügung vom 5. September 2014 (
Urk.
7/28) und
Einspracheentscheid
vom 13. November 2014 (
Urk.
7/38 =
Urk.
2) einen Leistungsanspruch.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 13. November 2014 (
Urk.
2) erhob die Versi
cherte am 16. Dezember 2014 Beschwerde und beantragte, es sei die Höhe des anrechenbaren Einkommens festzustellen und die Sache zur Neuberechnung an die
Vorinstanz zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 1 unten).
Die SVA beantragte mit Beschwerdeantwort vom 28. Januar 2015 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 5. Februar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraussetzungen nach Art. 4-6 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zusatz
leistungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (Art. 2
Abs.
1 ELG, §
§
1, 13, 15 und 20
Abs.
1 des Zusatzleistungsgesetzes des Kantons Zürich, ZLG).
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9
Abs.
1 ELG).
1.2
Als anrechenbare Einnahmen angerechnet werden zwei Drittel der Erwerbsein
künfte in Geld oder Naturalien, soweit sie bei alleinstehenden Personen jährlich
Fr.
1‘000.-- und bei Ehepaaren und Personen mit rentenberechtigten Waisen oder mit Kindern, die einen Anspruch auf eine Kinderrente der AHV oder IV be
gründen,
Fr.
1‘500.-- übersteigen; bei invaliden Personen mit einem Anspruch auf ein Taggeld der IV wird das Erwerbseinkommen voll angerechnet (Art. 11
Abs.
1
lit
. a ELG). Angerechnet werden des Weiteren Einkünfte aus beweglichem und unbeweglichem Vermögen (Art. 11
Abs.
1
lit
. b ELG). Bei
Altersrentnerin
nen
und Altersrentnern wird zudem ein Zehntel des Reinvermögens angerech
net, soweit es bei alleinstehenden Personen
Fr.
37‘500.-- Franken übersteigt; gehört der Bezügerin oder dem Bezüger oder einer Person, die in die Berech
nung der Ergänzungsleistung eingeschlossen ist, eine Liegenschaft, die mindes
tens von einer dieser Personen bewohnt wird, so ist nur der
Fr.
112‘500.-- Franken übersteigende Wert der Liegenschaft beim Vermögen zu berücksichti
gen (Art. 11
Abs.
1
lit
. c ELG). Für in Heimen oder Spitälern lebende Personen können die Kantone den Vermögensverzehr abweichend von
Abs.
1
lit
. c festle
gen. Die Kantone können den Vermögensverzehr auf höchstens einen Fünftel erhöhen (Art. 11
Abs.
2 ELG). Gemäss
§
11
Abs.
3 ZLG beträgt der
Vermögens
verzehr
für Personen in Heimen und Spitälern nach
Art.
11
Abs.
1
lit
. c und
Abs.
2 ELG einen Fünftel bei Altersrentnerinnen und -rentnern und einen Fünf
zehntel bei den übrigen Personen.
Zu berücksichtigen sind auch Vermögenswerte und Einkünfte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG).
1.3
Eine Verzichtshandlung liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung oder ohne adäquate Gegenleistung auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 28. April 2010, E. 3 mit Hinweisen).
Für die Annahme einer Verzichtshandlung ist nicht erforderlich, dass beim Ver
zicht der Gedanke an Ergänzungsleistungen tatsächlich eine Rolle gespielt hat. Es ist also nicht wesentlich, dass sich die versicherte Person über die sozialver
sicherungsrechtlichen Konsequenzen ihres Tuns im Klaren war. Eine
Verzichts
handlung
setzt aber schon begrifflich - Verzicht - voraus, dass die
Vermögens
verminderung
mit Wissen und Wollen der versicherten Person geschehen ist. Dabei ist nur, aber immerhin erforderlich, dass die versicherte Person hinsicht
lich der Vermögensverminderung an sich urteilsfähig war, nicht aber, dass sie von der möglichen ergänzungsleistungsrechtlichen Qualifikation als
Verzichts
handlung
wusste und eine solche in Kauf nahm (Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 28. April 2010, E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
1.4
Nach
Art.
5
Abs.
3
der Bundesverfassung (
BV
)
handeln staatliche Organe und Private nach Treu und Glauben. Gemäss dem für die gesamte Rechtsordnung geltenden
Art.
2
Abs.
2
des Schweizerischen
Zivilgesetzbuch
s
(ZGB)
findet der offenbare Missbrauch eines Rechts keinen Rechtsschutz. Rechtsmissbrauch liegt vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen will
(BGE
137 I 247
E. 5.1.1, 131 I 166 E. 6.1
). Das zweckwidrig und rechtsmissbräuchlich
ver
-
wendete Institut wird zwar nicht nichtig, jedoch ist ihm die Anwendung zu versagen (
vgl. BGE 131 V 97
E. 4.3.6
).
2.
2.1
Als Ausgaben hat die Beschwerdegegnerin in ihrer Berechnung
Fr.
36‘766.-- eingesetzt (
Urk.
7/30 S. 1). Dieser Betrag ist nicht strittig (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3).
2.2
Unterschiede bestehen bei
einzelne
n
Positionen
der
anrechenbaren Einnahmen (
Urk.
7/30,
Urk.
1 S. 3
Ziff.
5), die von den Parteien wie folgt beziffert wurden (in Fr.):
Beschwerdegeg
nerin
Beschwerdefüh
rerin
Sparguthaben / Wertschriften
337‘867
199‘439
Vermögensverzicht
(
520‘000
)
0
./. Darlehensschuld
0
780‘172
Erträge Sparguthaben / Wertschriften
8‘390
7‘765
Erträge Vermögensverzicht
(
1‘040
)
0
2.3
Zur Position „Sparguthaben / Wertschriften“ machte die Beschwerdeführerin u
nter Hinweis auf einen Steuerausweis
Z._
vom 24. Februar 2014
und
zwei Steuerausweise
A._
per 31. Dezember 2013 (
Urk.
3/5/1) geltend,
es seien
Fr.
199‘439.-- einzusetzen (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
10). Die Beschwerdegegnerin machte geltend, es würde noch immer ein Einkommensüberschuss resultieren, selbst wenn dieser Betrag eingesetzt würde (
Urk.
2 S. 3 f.
Ziff.
3e,
Urk.
6 S. 1 f.
lit
. b).
Betreffend Vermögensverzicht ging die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 5. September 2014 davon aus, der Beschwerdeführerin hätte
erbrechtlich eine Quote von 1⁄2 und nicht lediglich 1⁄4 zugestanden, weshalb ein
Vermögens
verzicht
von
Fr.
520‘000.-- anzurechnen sei (
Urk.
7/28 S. 1 unten). Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, anwendbar seien die erbrechtlichen Bestim
mungen im Zeitpunkt des Hinschieds des Erblassers (
Urk.
7/34 S. 2
Ziff.
5). Dem schloss sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid an (
Urk.
2 S. 3
Ziff.
3b), so dass die
Frage der
Erbquote
nunmehr nicht mehr strittig ist, wes
halb
die entsprechenden Beträge
vorstehend (E. 2.2) in Klammern gesetzt
sind
.
Schliesslich machte d
ie Beschwerdeführerin geltend, aus der am
2.
Juni 2014 mit ihrer Tochter vollzogenen Erbteilung resultiere eine Schuld in der Höhe von
Fr.
780‘172.-- in Form eines ihr von
de
r Tochter gewährten zinslosen Darlehens (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
8). Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, die betreffende Schuld sei nicht hinreichend ausgewiesen
(
Urk.
2 S. 3
Ziff.
3d) beziehungsweise nicht glaubwürdig und nicht nachvollziehbar (
Urk.
6 S. 1
lit
. a).
2.4
Der wesentliche Streitpunkt ist somit, wie es sich mit der von der
Beschwer
-
defüh
rerin
angeführten Schuld aufgrund der erfolgten Erbteilung ver
hält.
3.
3.1
3.1.1
Aus der Teilungsvereinbarung vom
2.
Juni 2014 (
Urk.
7/7 =
Urk.
3/
4
) ergibt sich, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin am 11. September 1987 ver
starb; einzige Nachkommen waren die Beschwerdeführerin und ihre Tochter
(S. 1).
3.1.2
Bei der Feststellung des zu teilenden Ver
mögens setzten die Parteien folgende Aktiven ein (S. 4 ff.
Ziff.
II.A)
Liegenschaft
B._
zum Verkehrswert von
Fr.
1‘450‘000.-- (
lit
. a)
Wertschriften und Barvermögen:
Fr.
216‘689.-- (
lit
. b)
anrechenbare Bezüge der Beschwerdeführerin (
lit
. c):
Vermögensverzehr abzüglich Hypothekenamortisation:
Fr.
60‘207
.--
„aufgestauter Mietertrag“ (25 Jahre à
Fr.
46‘000.--):
Fr.
1‘150‘000.--
3.1.3
Als Passiven setzten sie
Fr.
335‘000.-- (Hypothekardarlehen) und
Fr.
15‘000.-- (Kosten Erbteilung) ein (S. 6
Ziff.
II.B).
3.1.4
Den erbrechtlichen Anspruch der Beschwerdeführerin bezifferten sie mit 1⁄4 des Nachlasses im Gesamtbetrag von
Fr.
2‘526‘896.--, mithin
Fr.
631‘724.-- (S. 8
Ziff.
IV.B.a
).
Diesen Anspruch erklärten sie als getilgt durch die Zuweisung des Wertschrif
ten- und Barvermögens (abzüglich Kosten der Erbteilung) von
Fr.
201‘689.--
und die anrechenbaren Werte gemäss
Ziff.
II.A.c
(Vermögensverzehr + „aufge
stauter Mietertrag“) von
Fr.
1‘210‘207.--, abzüglich „Anspruch ihrer Tochter, den diese ihrer Mutter gegenüber als zinsloses Darlehen stehen lässt, kündbar jeweils auf das Ende eines Jahres mit einer Kündigungsfrist von 6 Monaten“ im Betrag von
Fr.
780‘172.-- (S. 9
Ziff.
IV.C.a
).
3.1.5
Der Anspruch der Tochter wurde als getilgt erklärt durch die Zuweisung Liegen
schaft (abzüglich Hypothekarschuld) und den Anspruch gegenüber der Be
schwerdeführerin in Form eines Darlehens in der genannten Höhe (S. 10
Ziff.
IV.C.b
).
3.2
Als Begründung, weshalb sie sich im Rahmen der Erbteilung einen Mietzins anrechnen lassen müsse, führte die Beschwerdeführerin aus, sie habe die mit der Vermietung der Einliegerwohnung erzielten Einnahmen verbraucht und ihrer
seits unentgeltlich in der Liegenschaft gewohnt (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
8).
In der Teilungsvereinbarung wurde d
er „aufgestaute“ jährliche Mietzins von
Fr.
46‘000.-- wie folgt ermittelt (
Urk.
7/
7
S. 5 unten):
Mietzinsertrag analog Berechnung für die Kapitalisierung einer Nutznies
sung (5
%
vom Verkehrswert):
Fr.
72‘500.--
abzüglich von der Beschwerdeführerin bezahlter Hypothekarzins: durch
schnittlich zirka
Fr.
12‘000.--
abzüglich Unterhalt (20
%
vom Mietzinsertrag):
Fr.
14‘500.--
Für die Zeitspanne von 1989 bis 2014 resultierte so ein Total von
Fr.
1‘150‘000.-- (25 x
Fr.
46‘000.--; S. 6 oben).
4.
4.1
Die vorstehend wiedergegebene Erbteilung weist einige Besonderheiten auf.
So wurde sie am
2.
Juni 2014 vereinbart, also wenige Wochen bevor sich die Beschwerdeführerin am 16. Juli 2014 zum Bezug von Zusatzleistungen anmel
dete.
4.2
Für eine Verpflichtung der Beschwerdeführerin zur Bezahlung eines Mietzinses für den von ihr bewohnten Teil der Liegenschaft gibt es keinerlei Beleg. Es kann ausgeschlossen werden, dass die Beteiligten beim Antritt der Erbschaft oder in einem späteren Zeitpunkt
eine mündliche oder schriftliche Vereinbarung ge
troffen haben, wonach die Beschwerdeführerin der Erbmasse für das Bewohnen der Liegenschaft etwas schulde, denn die Beschwerdeführerin selber machte geltend, ihre Schuld sei erst mit der Auflösung der Erbengemeinschaft am
2.
Juni 2014 entstanden (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
9).
4.3
Die beiden Erbinnen waren in der Ausgestaltung
der Teilung
weitgehend frei, insbesondere was die Frage eines allfälligen rückwirkend in Rechnung zu stel
lenden Mietertrag
es
betrifft. So hätten sie auch einvernehmlich die Zeit bis zur Teilung der Erbschaft als eine Periode der Nutzniessung durch die Beschwerde
führerin auffassen und den sogenannten aufgestauten Mietertrag mit Null ein
setzen können. Der Nachlass hätte dann
Fr.
1‘376‘896.-- und der erbrechtliche Anspruch der Beschwerdeführerin
Fr.
344‘224.-- betragen
. Gegenüber dem der Beschwerdeführerin übertragenen Wertschriften- und Barvermögen von
Fr.
201‘689.-- und dem ihr angerechneten Vermögensverzehr von netto
Fr.
60‘207.-- (zusammen
Fr.
261‘896.--) verbliebe damit eine Differenz von
Fr.
82‘332.--, mithin eine Ausgleichspflicht der Tochter gegenüber der Be
schwerdeführerin
in dieser Höhe
.
Nach eigenem Ermessen konnten
also
die Erbinnen die Teilung so ausgestalten, dass eine Schuld der Beschwerdeführerin gegenüber der Tochter von rund
Fr.
780‘000.-- oder aber ein Guthaben der Beschwerdeführerin gegenüber der Tochter von rund
Fr.
82‘000.-- resultierte.
4.4
Das
der Beschwerdeführerin
von
ihr
er Tochter gewährte „Darlehen“ erweist sich als weitgehend fiktiv, denn
es ist
bis auf das übertragene Wertschriften- und Barvermögen in Ermangelung entsprechender Mittel der Beschwerdeführerin objektiv uneinbring
lich
.
Die Fiktion
wird
sich vollends
verwirklichen
mit dem Hinschied der Beschwerde
führerin. Denn dann werden infolge Erbgangs die Gläubigerin
und die Schuldnerin
des Darlehens in der Person der Tochter als einziger Erbin zu
sammenfallen
, womit sich das Darlehen in Nichts auflös
en wird
.
4.5
Dass die Erbteilung so und nicht anders vereinbart wurde, ist angesichts der fiktionalen Qualität der resultierenden Darlehensschuld wenig einleuchtend.
D
ass die Tochter und Miterbin während 25 Jahren offensichtlich zu keinem Zeitpunkt finanzielle Ansprüche
gegenüber der Beschwerdeführerin erhoben hat
,
macht es überwiegend wahrscheinlich
, dass sie
gar
keine solchen Ansprü
che zu erheben gedachte
. M
ithin wurden
solche erst im Rahmen der Erbteilun
g rückwirkend konstruiert.
Als einzige nachvollziehbare Begründung dafür, dass
sich
die Beschwerdeführe
rin an einer für sie ausgesprochen
nachteilig ausgestalteten Erbteilung beteiligt hat, ist die Auswirkung, welche die vereinbarte Regelung auf allfällige Ansprü
che auf Zusatzleistungen hat, denn diesbezüglich ist die Beschwerdeführerin in einer vorteilhafteren Ausgangsposition, wenn sie
(möglichst hohe)
Schulden anführen kann.
4.6
Die Beschwerdeführerin und ihre Tochter haben die Erbteilung so ausgestaltet, dass eine „Schuld“ der Beschwerdeführerin gegenüber der Tochter von rund
Fr.
780‘000.-- resultierte; sie hätten sie auch so ausgestalten können, dass statt einer Schuld der Beschwerdeführerin eine solche der Tochter resultiert hätte. Solches ist im Innenverhältnis der beiden
als
Ausdruck der ihnen zustehenden Vertragsautonomie nicht zu beanstanden. Die einzige reale
Konsequenz
der ge
wählten Ausge
staltung hingegen ist die erzielte Aussenwirkung, nämlich dass sich die Beschwerdeführerin auf dem Papier als hoch verschuldet präsentiert. Dies wiederum ist - zu ihrem Vorteil - einzig und allein im Hinblick auf allfäl
lige Zusatzleistungen von (dort allerdings möglicherweise
anspruchsent
scheidender
) Bedeutung. Sollte die Beschwerdeführerin dank des gewählten Vorgehens in den Genuss von Zusatzleistungen kommen, käme die damit er
möglichte Schonung ihres Wertschriften- und Barvermögens überdies ihrer Tochter als
präsumtiver
Erbin zugute.
4.7
Die Beschwerdeführerin und ihre Tochter haben mit anderen Worten das Instru
ment der einvernehmlichen Erbschaftsteilung
in einer Weise ausgestaltet, wel
che dazu führt, dass ein Zusatzleistungsanspruch entsteht und so das reale
Vermögen der Beschwerdeführerin und ihrer
präsumtiven
Erbin geschont wer
den kann. Wird so vorgegangen, vermeidet man den eigenen Vermögensverzehr mit Mitteln, die von der öffentlichen Hand aufgebracht werden.
Zwar nicht die einvernehmliche Teilung als solche, sehr wohl aber deren kon
krete Ausgestaltung stellt
damit
eine
zweckwidrig
e
Interessenv
erwirklichung
dar, was zusammenfassend als Rechtsmissbrauch
(vorstehend E. 1.4)
zu qualifi
zieren ist.
Dies ändert nichts am Bestand der Teilungsvereinbarung, jedoch ist die mit ihr generierte „Schuld“ von rund
Fr.
780‘000.-- im Zusammenhang mit dem allfäl
ligen Anspruch auf Zusatzleistungen nicht zu berücksichtigen.
Damit
stehen den Ausgaben von
Fr.
36‘766.-- folgende Einnahmen gegenüber
(in Fr.)
:
Vermögen:
Sparguthaben / Wertschriften
199‘439
Fahrzeuge
3‘255
Bruttovermögen
202‘694
abzüglich Freibetrag
37‘500
anrechenbares Vermögen
165‘194
Einnahmen
:
1/10 anrechenbares Vermögen
16‘519
AHV-Rente
28‘080
Erträge aus Sparguthaben/Wertschriften
7‘765
Total Einnahmen
52‘364
Es
resultiert
somit
nicht der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
Aus
-
ga
benüberschuss
(
Urk.
1 S.
6
Ziff.
14
), sondern ein Einnahmenüberschuss von
Fr.
15‘598.--
, womit kein Anspruch auf Zusatzleistungen besteht.
5.
5.1
Würde das Vorliegen von Rechtsmissbrauch verneint, so führt die nachstehende alternative Betrachtung zum gleichen Ergebnis, denn soweit die Beschwerde
führerin ohne rechtliche Verpflichtung oder ohne adäquate Gegenleistung auf Vermögen verzichtet hat, ist dies als Verzichtsvermögen bei den Einnahmen zu berücksichtigen (vorstehend E. 1.3).
5.2
Die Beschwerdeführerin hat sich bei der Berechnung des „aufgestauten Miet
er
trags“ einen jährlichen Mietzinsertrag von
Fr.
72‘500.-- (brutto) anrechnen las
sen, und sie hat dessen Berücksichtigung über ganze 25 Jahre akzeptiert, was ein Total von
Fr.
1‘150‘000.-- (vorstehend E. 3.2) ergeben hat.
5.3
Der eingesetzte Mietzinsertrag von mehr als
Fr.
6‘000.-- pro Monat ist - abgese
hen vom Fehlen einer rechtlichen Verpflichtung (vorstehend E. 4.2) - weit übersetzt. Dies zeigen die von der Beschwerdeführerin versteuerten Vergleichs
werte. Gemäss der Steuererklärung 2012 (
Urk.
7/26) betrug der Eigenmietwert für den von
ihr
bewohnten Teil der Liegenschaft
Fr.
14‘700.-- (
Ziff.
6.1 / Posi
tion
1
8
0
) und der Ertrag der fremdvermieteten Wohnung
Fr.
20‘400.-- (
Ziff.
6.1 Position 181).
Der Eigenmietwert ergibt sich aufgrund eines Einschlags von 30
%
auf dem Ausgangswert (
Weisung des Regierungsrates an die Steuerbehörden über die Bewertung von Liegenschaften und die Festsetzung der Eigenmietwerte ab
Steu
erperiode
2009
,
LS 631.32
,
Ziff.
66
)
. Der Ausgangswert für die eigene Wohnung beläuft sich somit auf
Fr.
21‘000.-- (
Fr.
14‘700.--
:
0.7).
Der Mietzinsertrag beträgt somit brutto
Fr.
41‘400.-- (
Fr.
21‘000.-- +
Fr.
20‘400.--) beziehungsweise nach Abzug der Unterhaltspauschale von 20
%
auf
Fr.
33‘120.-- (
Fr.
41‘400.-- x 0.8).
Dem so ermittelten Mietzinsertrag steht die Zahlung der Hypothekarzinsen im Betrag von durchschnittlich
Fr.
12‘000.-- (vorstehend E. 3.2) gegenüber, womit pro Jahr
Fr.
21‘120.-- resultieren.
5.4
Forderungen
unter anderem
für Miet-, Pacht- und Kapitalzin
sen
verjähren mit Ablauf von fünf Jahren (
Art.
128
Ziff.
1
des
Obligationenrecht
s, OR
).
Es ist so
mit nicht gerechtfertigt, das genannte
Jahresbetreffnis
mit 25 zu multiplizieren, richtig ist einzig die Berücksichtigung der letzten 5 Jahre.
Damit beläuft sich der „aufgestaute“ Mietzins auf
Fr.
105‘600.-- (
Fr.
21‘120.-- x 5).
5.
5
Anstelle des
bestenfalls
zu rechtfertigenden Betrags von
Fr.
105‘600.-- hat die Beschwerdeführer
in
aber
den Betrag von
Fr.
1‘150‘
000.-- akzeptiert. Die resul
tieren
de Differenz von
Fr.
1‘044‘400.-- stellt Verzichtsvermögen dar.
5.6
Der mit der gewählten Ausgestaltung der Teilungsvereinbarung generierten „
Dar
lehensschuld
“ von
Fr.
780‘102.-- steht somit ein aus der gleichen
Teilungs
vereinbarung
resultierendes Verzichtsvermögen von
Fr.
1‘044‘400.-- gegenüber;
Vermögen:
Sparguthaben / Wertschriften
199‘439
Fahrzeuge
3‘255
Vermögensverzicht
1‘044
‘
400
Bruttovermögen
1‘247‘094
abzüglich Darlehensschuld
780‘172
abzüglich Freibetrag
37‘500
anrechenbares Vermögen
429‘422
Einnahmen:
1/10 anrechenbares Vermögen
42‘942
AHV-Rente
28‘080
Erträge aus Sparguthaben/Wertschriften
7‘765
Erträge aus
Vermögensverzicht
2‘089
Total Einnahmen
80‘876
Es resultiert somit nicht der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
Ausga
benüberschuss
(
Urk.
1 S. 6
Ziff.
14), sondern ein Einnahmenüberschuss von
Fr.
44‘110
.--, womit kein Anspruch auf Zusatzleistungen besteht.
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass kein Anspruch auf Zusatzleistungen besteht. In diesem Sinn ist der angefochtene Entscheid nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.