Decision ID: a8cd9e03-edc0-4dfb-a3d7-35e48ad75ffb
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1989, meldete am 2. Dezember 2019 einen Anspruch
auf Arbeitslosenversicherungstaggeld im Umfang von 100 % ab selbigem
Datum an. Zuletzt war er als Sicherheitsangestellter tätig. In der Folge
richtete die Arbeitslosenkasse Graubünden ab diesem Datum Leistungen
aus.
2. Anlässlich des Beratungsgesprächs vom 27. Januar 2020 teilte A._
seiner Personalberaterin des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums
(RAV) B._ mit, dass er sich der Arbeitsvermittlung ab dem
1. Februar 2020 nur noch zu 80 % zur Verfügung stelle. Dies gab A._
auch entsprechend auf dem Formular «Angaben der versicherten Person»
für den Monat Januar 2020 an.
3. In der Folge rechnete die Arbeitslosenkasse Graubünden weiterhin
Leistungen ab, ohne die Reduktion im Vermittlungsumfang zu
berücksichtigen. Anlässlich einer Revision stellte die Arbeitslosenkasse
Graubünden dies fest, weshalb sie mit Verfügung vom 1. Juli 2020
Leistungen in der Höhe von CHF 614.05 zurückforderte.
4. Gegen diese Verfügung erhob A._ am 7. Juli 2020 Einsprache.
Begründend brachte er zusammengefasst vor, er habe nicht bemerkt,
dass er zu Unrecht Leistungen der Versicherung erhalten habe. Er sei
davon ausgegangen, dass seine Personalberaterin des RAV die neu
abgemachte Vermittlungsbereitschaft von 80 % ab dem 1. Februar 2020
der Arbeitslosenkasse Graubünden mitgeteilt habe. Zudem sei auch aus
dem Formular «Angaben der versicherten Person» ersichtlich gewesen,
dass er ab dem 1. Februar 2020 eine Vermittlungsbereitschaft von 80 %
wünsche. Der Fehler liege somit nicht bei ihm.
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5. Das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (KIGA) lehnte die
Einsprache mit Entscheid vom 15. Juli 2020 ab. Zur Begründung führte es
hauptsächlich aus, A._ habe im vorliegenden Fall tatsächlich keinen
Fehler gemacht. Er habe transparent sowohl die zuständige
Personalberaterin als auch den zuständigen Sachbearbeiter bei der
Arbeitslosenkasse Graubünden darüber informiert, dass er sich ab
Februar 2020 nur noch im Umfang von 80 % einer Vollzeitstelle zur
Verfügung stellen möchte. Die Arbeitslosenkasse sei jedoch verpflichtet,
auch Leistungen zurückzufordern, wenn die fehlerhafte Auszahlung auf
ein Versehen bei der Arbeitslosenkasse selbst zurückzuführen sei.
6. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 27. Juli
2020 (Datum Poststempel; Posteingang 3. August 2020) sinngemäss eine
Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und
beantragte sinngemäss, der angefochtene Einspracheentscheid sei
aufzuheben und von der Rückforderung von CHF 614.05 sei abzusehen.
Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, er habe alle nötigen
Angaben fristgerecht, transparent und korrekt der Arbeitslosenkasse
sowie dem RAV mitgeteilt. Da er keinen Fehler gemacht habe, sei er mit
der Rückforderung nicht einverstanden. Für ihn als Geringverdiener sei
der zu Unrecht erhaltene Betrag von CHF 614.25 (recte: CHF 614.05),
welchen er im guten Glauben erhalten und nicht mehr zur Verfügung habe,
eine sehr grosse Summe.
7. Mit Stellungnahme vom 27. August 2020 beantragte das KIGA
(nachfolgend Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung brachte er im Wesentlichen vor, die zu hoch ausgefallenen
Leistungen der Arbeitslosenkasse Graubünden seien nicht auf Fehler des
Beschwerdeführers zurückzuführen. So habe die zuständige
Sachbearbeiterin der Arbeitslosenkasse Graubünden in der
Kontrollperiode Januar 2020 bei der ersten Abrechnung ein Einkommen
aus Zwischenverdienst nicht miteingerechnet. Weiter habe sie bei der
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Abrechnung der Kontrollperiode April 2020 nicht berücksichtigt, dass der
Beschwerdeführer seinen Vermittlungsumfang auf 80 % reduziert habe.
Allerdings müsse die zuständige Arbeitslosenkasse zu Unrecht
ausgerichtete Leistungen auch dann zurückfordern, wenn die zu hohen
Zahlungen nicht auf ein Fehlverhalten der versicherten Person
zurückzuführen seien.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
auf den angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht
liegenden Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 15. Juli 2020 (Beilage
des Beschwerdeführers [Bf-act.] 1). Nach Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs.
1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung
Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden.
Gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung
(AVIV; SR 837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen
Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom KIGA als kantonale
Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die örtliche
Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist. Die sachliche
Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ergibt sich aus Art. 57 ATSG
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i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Der Beschwerdeführer ist
als formeller und materieller Adressat des Einspracheentscheids zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 59 ATSG), weshalb auf die im Übrigen
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 ATSG)
einzutreten ist.
2. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG entscheidet das Verwaltungsgericht in
einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der Streitwert CHF 5'000 nicht
überschreitet und keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG)
vorgeschrieben ist. Im vorliegenden Fall beträgt der Streitwert der geltend
gemachten Rückforderung CHF 614.05, womit die einzelrichterliche
Spruchkompetenz gegeben ist.
3. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner berechtigt war,
bereits ausgerichtete Arbeitslosenentschädigung im Umfang von
CHF 614.05 zurückzufordern.
4. Nach Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 ATSG sind
unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Den formell
rechtskräftigen Verfügungen gleichgestellt sind auch die im formlosen
Verfahren ergangenen Entscheide, soweit sie eine mit dem Ablauf der
Beschwerdefrist bei formellen Verfügungen vergleichbare
Rechtsbeständigkeit erreicht haben (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4.
Auflage, 2020, Art. 53 Rz. 52). Taggeldabrechnungen der
Arbeitslosenversicherung, die nicht in die Form einer formellen Verfügung
gekleidet werden, weisen materiell Verfügungscharakter auf (BGE 125 V
475 E.1). Rechtsprechungsgemäss kann der Versicherungsträger, der
einen formlosen Entscheid erlassen hat, diesen nur innerhalb einer Frist
von 30 Tagen voraussetzungslos abändern. Die Frist von 30 Tagen läuft
ab Erlass der zu berichtigenden Verfügung oder ab Leistungsausrichtung
(vgl. Kreisschreiben über Rückforderung, Verrechnung, Erlass und
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Inkasso [AVIG-Praxis RVEI], Januar 2014, Rz. A3; BGE 129 V 110
E.1.2.3). Zu einem späteren Zeitpunkt bedarf demnach das
Zurückkommen auf eine faktische Verfügung, z.B. auf eine
Taggeldabrechnung, eines Rückkommenstitels in Form einer
Wiedererwägung oder einer prozessualen Revision (BGE 129 V 110
E.1.2.3).
5.1. Vorliegend ist die konkrete Berechnung der Rückforderungssumme
zwischen den Parteien nicht umstritten. Ebenso ist unbestritten, dass die
zu viel geleisteten Zahlungen fälschlicherweise erfolgten. Zu
unterscheiden ist im vorliegenden Fall zwischen der Taggeldabrechnung
für den Monat Januar 2020 (Beilage Beschwerdegegner [Bg-act.] 7) und
derjenigen für den Monat April 2020 (Bg-act. 10). In der
Taggeldabrechnung des Monats Januar 2020 vom 25. Februar 2020 (Bg-
act. 7) wurde ein vom Beschwerdeführer erzielter Zwischenverdienst im
Umfang von CHF 357.50 nicht berücksichtigt. Dies wurde mit Abrechnung
vom 27. Februar 2020 korrigiert, woraus eine Rückforderung von
CHF 189.75 resultierte. Da diese Korrektur der Abrechnung innert zwei
Tagen – und damit innert der Frist von 30 Tagen – erfolgte, konnte die
Arbeitslosenkasse Graubünden voraussetzungslos auf diese
Leistungsausrichtung zurückkommen. In Bezug auf die
Taggeldabrechnung vom 27. Februar 2020 (Bg-act. 7 S. 2 f.) ist sodann
Rechtsbeständigkeit eingetreten. Bei formlosen Verwaltungsakten, wozu
Taggeldabrechnungen zu zählen sind, gilt die Rechtsbeständigkeit als
eingetreten, wenn anzunehmen ist, ein Versicherter habe sich mit einer
getroffenen Regelung abgefunden, was dann der Fall ist, wenn die nach
den Umständen zu bemessende Überlegungs- und Prüfungsfrist
abgelaufen ist. Bei Taggeldabrechnungen wird dabei von einer Frist von
90 Tagen ausgegangen (BGE 129 V 110 E. 1.2.2; KUPFER BUCHER,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Auflage, 2019, S. 448
f. mit Hinweisen). Da der Beschwerdeführer die Rückforderung erstmals
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mit Einsprache vom 7. Juli 2020 (Bf-act. 2) rügte, steht die
Rechtsbeständigkeit der Taggeldabrechnung vom 27. Februar 2020 (Bg-
act. 10 S. 2 f.) fest. Damit stellen die zuviel zugesprochenen Taggelder in
Höhe von CHF 189.75 unrechtmässig bezogene Leistungen dar, die
zurückzuerstatten sind.
5.2. Bei der Taggeldabrechnung des Monats April 2020 vom 18. Mai 2020 (Bg-
act. 10) wurde nicht berücksichtigt, dass der Vermittlungsumfang des
Beschwerdeführers nur noch bei 80 % lag und diesem demzufolge für
diesen Monat zu viel Leistungen ausbezahlt wurden. Die diesbezügliche
Rückforderung verfügte die Arbeitslosenkasse Graubünden erst am 1. Juli
2020 (Bg-act. 1) und damit nach der Frist von 30 Tagen, weshalb die
Arbeitslosenkasse Graubünden die mit der Taggeldabrechnung vom
18. Mai 2020 (Bg-act. 10) zugesprochenen Leistungen nur unten den
Voraussetzungen der Wiedererwägung oder prozessualen Revision
zurückfordern durfte. Hier steht eine Wiedererwägung zur Diskussion.
Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen,
wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von
erheblicher Bedeutung ist. Voraussetzung einer Wiedererwägung ist
einerseits, dass kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der
Verfügung (gemeint ist hiermit immer auch ein allfälliger
Einspracheentscheid) besteht. Dieses Erfordernis ist in der Regel erfüllt,
wenn eine Leistungszusprache aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgt ist
oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt
worden sind. Andererseits setzt die Wiedererwägung voraus, dass die
Berichtigung der zweifellos unrichtigen Verfügung von erheblicher
Bedeutung ist. Massgebend für die Beantwortung dieser Frage sind nach
der Rechtsprechung die gesamten Umstände des Einzelfalls, zu denen
auch die Zeitspanne gehört, die seit der zu Unrecht erfolgten
Leistungsgewährung verstrichen ist. Eine allgemeingültige betragliche
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Grenze lässt sich allerdings nicht festlegen. Bei periodischen Leistungen
wird die Erheblichkeit praktisch immer bejaht, während bei punktuellen
Leistungen die Grenze praxisgemäss bei einigen hundert Franken liegt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_18/2017 vom 4. Mai 2017 E.3.2.1 ff.;
KIESER, ATSG-Kommentar, a.a.O., Art. 53 Rz. 65 ff., AVIG-Praxis RVEI,
Rz. A7). Das Eidgenössische Versicherungsgericht (heute:
Bundesgericht) bejahte die Erheblichkeit in Bezug auf einen weniger als
ein Jahr nach der Leistungszusprechung zurückgeforderten Betrag von
CHF 706.25 (ARV 2000 Nr. 40 S. 208), verneinte sie aber bei einer nur
wenige Monate nach der Leistungszusprechung erfolgten Rückforderung
in der Höhe von CHF 494.-- (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts C 44/02 vom 6. Juni 2002 E.3b) und bei einer über
zwei Jahre nach der Leistungszusprechung erfolgten Rückforderung in der
Höhe von CHF 601.20 (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
C 205/00 vom 8. Oktober 2002 E.5). Nach der bisherigen Rechtsprechung
ist eine erhebliche Bedeutung jedenfalls dann noch nicht anzunehmen,
wenn ein Betrag von wenigen (oder allenfalls: einigen) Hundert Franken
auf dem Spiel steht (erhebliche Bedeutung abgelehnt bei Beträgen von
CHF 165.90, CHF 265.20 sowie CHF 568.10 pro Jahr [vgl. ZAK 1989 518]
bzw. von CHF 954.25 [vgl. SVR 1995 KZ Nr. 13]) (KIESER, ATSG-
Kommentar, a.a.O., Art. 53 Rz. 66).
5.3. Es ist unbestritten, dass die Taggeldabrechnung des Monats April 2020
vom 18. Mai 2020 (Bg-act. 10) zweifellos unrichtig ist, da bei einer
Berücksichtigung des korrekten Vermittlungsumfangs des
Beschwerdeführers von 80 % und des erzielten Zwischenverdienstes von
CHF 1'939.10 brutto kein Anspruch auf Leistungen bestanden hätte.
Demzufolge hat der Beschwerdeführer für den Monat April 2020 CHF
424.30 zu viel Leistungen erhalten. Soweit der Beschwerdeführer
diesbezüglich geltend macht, der Fehler, der zu Unrecht bezogenen
Leistungen geführt habe, habe nicht bei ihm gelegen, ist festzuhalten,
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dass es bei einer rückwirkenden Korrektur einer Leistungsausrichtung
keine Rolle spielt, wer die fehlerhafte Leistungsausrichtung zu
verantworten hat. Selbst wenn der unrechtmässige Bezug – wie
vorliegend – auf das Verhalten des Versicherungsträgers zurückzuführen
ist, kann sich eine Rückerstattungspflicht ergeben (UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, a.a.O., Art. 25 Rz. 29). Damit zielt dieser Einwand ins Leere.
Es fragt sich allerdings, ob die Voraussetzung der erheblichen Bedeutung
der Berichtigung vorliegt. Der vorliegend von der Arbeitslosenkasse
Graubünden zurückgeforderte Betrag beläuft sich auf CHF 614.05, wobei
in Bezug auf den Rückforderungsbetrag im Umfang von CHF 189.75
Rechtsbeständigkeit vorliegt (vgl. Erwägung 4.1 vorstehend). Der
zurückgeforderte Betrag für den Monat April 2020 von CHF 424.30
erscheint bei Würdigung der gesamten Umstände nicht als derart
erheblich, dass das Interesse der Verwaltung an der richtigen
Durchführung des objektiven Rechts gegenüber demjenigen an der
Rechtssicherheit überwiegen würde, zumal ein schuldhaftes Verhalten
des Versicherten weder behauptet wird noch erstellt ist. Demnach ist die
Wiedererwägungsvoraussetzung der erheblichen Bedeutung der
Berichtigung im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Eine
wiedererwägungsweise Rückforderung der unrechtmässig ausgerichteten
Taggelder im Betrag von CHF 424.30 ist deshalb in casu nicht zulässig.
5.4. Eine prozessuale Revision der Taggeldabrechnung für den Monat April
2020 kommt von vornherein nicht in Betracht, da der Arbeitslosenkasse
Graubünden im Zeitpunkt der Erstellung dieser faktischen Verfügung am
18. Mai 2020 zumindest das Formular "Angaben der versicherten Person"
für den Monat Januar 2020 (Bg-act. 6) vorlag. In diesem hatte der
Beschwerdeführer explizit angegeben, dass er ab dem 1. Februar 2020
nur noch eine Vermittlungsbereitschaft von 80 % wünsche. Von einer
bereits im Zeitpunkt der Erstbeurteilung bestehenden
unverschuldeterweise unbekannt gewesenen oder unbewiesen
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gebliebenen Tatsache im Sinne der prozessualen Revision kann mithin
keine Rede sein.
6. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass eine
Rückforderung der zu Unrecht bezogenen Taggeldleistungen im Umfang
von CHF 424.30 mangels Erfüllung der Rückkommensvoraussetzungen
(Wiedererwägung oder prozessuale Revision) nicht zulässig ist.
Demgegenüber ist eine Rückforderung im Umfang von CHF 189.75
aufgrund rechtsbeständiger Taggeldabrechnung vom 27. Februar 2020
(Bg-act. 10 S. 2 f.) rechtens.
7. Die Beschwerde erweist sich demnach teilweise als begründet, weshalb
sie in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 15. Juli
2020 teilweise gutzuheissen und die Rückforderung der zu Unrecht
bezogenen Leistungen auf CHF 189.75 zu reduzieren ist.
8. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass nach Art. 25 Abs. 1
Satz 2 ATSG derjenige, der Leistungen in gutem Glauben empfangen hat,
diese nicht zurückerstatten muss, wenn eine grosse Härte vorliegt. Soweit
der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren geltend macht, für ihn
als Geringverdiener sei der zu Unrecht erhaltene Betrag, welchen er im
guten Glauben erhalten und nicht mehr zur Verfügung habe, eine sehr
grosse Summe, ist er darauf aufmerksam zu machen, dass er ein
entsprechendes Erlassgesuch zu stellen befugt ist, dieses aber bei der
Arbeitslosenkasse Graubünden einzureichen ist. Nach Art. 95 Abs. 3
AVIG hat die Kasse ein solches Erlassgesuch der kantonalen Amtsstelle
zum Entscheid zu unterbreiten. Über ein allfälliges Erlassgesuch wird
allerdings erst zu befinden sein, wenn die Rückforderungsverfügung
rechtskräftig geworden ist.
9. Gemäss aArt. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 82a ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen – ausser bei
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leichtsinniger oder mutwilliger Prozessführung – kostenlos, weshalb
vorliegend keine Kosten zu erheben sind. Dem nicht anwaltlich
vertretenen und nur teilweise obsiegenden Beschwerdegegner steht kein
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu. Dem Beschwerdegegner steht
ebenfalls keine Parteientschädigung zu, weil er lediglich – sofern
überhaupt – in seinem amtlichen Wirkungskreis obsiegt (vgl. Art. 61 lit. g
ATSG).