Decision ID: 2523489f-70c5-4732-bbd1-ddd84c51807d
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1982,
meldete sich am 14. Januar 2003 unter Hinweis auf die nach einem
Unfall
am 4. Januar 2002
bestehenden Beeinträchtigungen bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 7/2 Ziff. 7.2-3).
Mit Verfügung vom 18. November 2003 teilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten mit, derzeit seien keine beruflichen Massnahmen möglich (Urk. 7/18).
Nach weiteren Abklärungen erteilte die IV-Stelle mit Verfügungen vom 12. Januar 2006 beziehungsweise 12. Oktober 2007 Kostengutsprache für eine erstmalige beruf
liche Ausbildung (Urk. 7/62, Urk. 7/84). Gestützt auf ein Gutachten des
Y._
vom 24. November 2010 (Urk. 7/136) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 9. Juni 2011 mit Wirkung ab 1. April 2009 eine
Dreiviertelsrente
zu (Urk. 7/149).
1.2
Im Rahmen der am 31. März 2015 eingeleiteten Rentenrevision (Urk. 7/166) wurde der Versicherte erneut polydisziplinär begutachtet (Gutachten
des Begutachtungszentrums
Z._
vom 28. November 2016, Urk. 7/222)
und in der Folge mit Verfügung vom 9. Februar 2017 die bisherige Rente mit Wirkung ab 1. August 2015 auf eine ganze Rente erhöht (Urk. 7/231).
1.3
Mit Schreiben vom 12. Mai 2020
leitete die IV-Stelle erneut ein Revisions
verfahren ein (Urk. 7/233, Urk. 7/242) und tätigte in der Folge erwerbliche (Urk. 7/234, Urk. 7/238
, Urk. 7/243, Urk. 7/247-248, Urk. 7/251
) und medizinische Abklärungen
(Urk. 7/249-250
). Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 7/255-256, Urk. 7/261) hob die IV-Stelle die bisherige Rente mit Verfügung vom
2.
Juni 2021 rückwirkend per Mai 2020 auf (Urk. 7/265 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 9. Juni 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2. Juni 2021 (Urk. 2) und beantragte, es sei ihm weiterhin eine Invalidenrente auszurichten
(Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 8. Juli 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am
15. Juli 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 8). Am 6. August 2021 reichte der Beschwerdeführer seine Replik
, mit der er an seinen Rechtsbegehren festhielt,
ein
(Urk. 9), welche
Eingabe
der Beschwerdegegnerin am 20. September 2021
zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus, die Überprüfungen hätten ergeben, dass seit spätestens Mai 2020 eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation eingetreten sei (S. 1). Es sei dem Beschwerdeführer möglich, einer Tätigkeit nachzugehen und ein Einkommen in der Höhe von Fr. 100'000.-- zu erzielen. Da keine Meldung betreffend die Verbesserung der Situation erfolgt und ein Soziallohn nicht mehr gerechtfertigt sei, sei von einer Meldepflichtverletzung auszugehen. Spätestens seit Mai 2020 sei von einer funktionellen Verbesserung
auszugehen. Die Arbeitsfähigkeit betrage seither so
wohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit 100 %.
Bei einem Invaliditätsgrad von 39 % bestehe kein Anspruch mehr auf eine Invaliden
rente. Die Aufhebung erfolge rückwirkend per Mai 2020 (S. 2).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort vom 8. Juli 2021 (Urk. 6)
wies
die Beschwerdegegnerin
darauf hin
,
dass seit der Behauptung im Februar 2021, wo
nach auch beim neuen Arbeitsverhältnis ein Teil des Einkommens als Soziallohn zu betrachten sei, weder eine entsprechende Bestätigung des Arbeitsgebers noch der vermeintlich neu aufgesetzte Arbeitsvertrag eingereicht worden sei. Diese nicht belegten Behauptungen könnten damit nicht berücksichtigt werden (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend (Urk. 1), es sei weder eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation noch der Arbeitsfähigkeit einge
treten. Aus diesem Grund bestehe auch keine Meldepflichtverletzung (S. 2
Rz
1). Nachdem der Verdacht auf eine Entzündung der Hirnhaut bestehe, sei er weiter
hin in Behandlung in der Neurochirurgischen Abteilung des Universitätsspitals
A._
. Die Beschwerdegegnerin habe die medizinische Situation in keiner Weise beurteilt (S. 2 f.
Rz
2). Ein Arbeitsvertrag sei nie in der Lage, eine Arbeitsfähigkeit zu beurteilen (S. 3).
Im Rahmen der Replik vom
6. August 2021 (Urk. 9) führte der Beschwerdeführer weiter aus, im Gutachten des Begutachtungszentrums
Z._
vom 28. November 2016 sei eine seit Mai 2015 bestehende Arbeits- und Leistungsfähigkeit im geschützten Rahmen von 30 % festgestellt worden (S. 2
Rz
3). RAD-Arzt Dr.
B._
habe sodann am 23. Oktober 2020 festgehalten, es werde keine Verbesserung der gesundheitlichen Situation berichtet, aus medizinischer Sicht sei es unwahr
scheinlich, dass es zu einer namhaften Besserung der kognitiven Leistung gekommen sei. Die Möglichkeit einer zu schlechten Beurteilung durch die Gut
achter des
Z._
könne erst dann diskutiert werden, wenn ausgewiesen sei, dass das zuletzt erwirtschaftete Einkommen wirklich unter einwandfreien Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes
erzielt worden sei (S. 3
Rz
4). Dieser Nachweis sei nicht erbracht worden. Zudem habe der RAD-Arzt Dr.
C._
behauptet, es sei von einer funktionellen Verbesserung auszugehen, ohne dies weiter zu begründen. Er habe auch keine Stellung zum
zwei bis drei Monate früher erstellten,
abweichenden Bericht von RAD-Arzt Dr.
B._
genommen. Dieser habe einen insgesamt stabilen Gesundheitszustand festgestellt (S. 3
Rz
5). Auch im aktuellen Arbeitsverhältnis bei der
D._
AG bestehe ein entscheidender
verwandtschaftlicher
Bezug, nachdem die Eltern
über die
D._
AG zu rund 49 % an der
D._
AG beteiligt seien. Gemäss Arbeitsvertrag erziele er bei einem Pensum von 40 % ein Einkommen in der Höhe von Fr. 40'000.--. Auch diese Entschädigung sei teilweise als Soziallohn zu betrachten (S. 3 f.
Rz
6). Seit August 2015 habe sich der Gesundheitszustand eher noch verschlechtert (S. 4
Rz
7). Angesichts der medizinischen Akten könne niemals von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit die Rede sein. Es handle sich bei der Beurteilung durch den Hausarzt Dr.
E._
um eine viel optimistischere Beurteilung eines bestenfalls unveränderten, eher aber verschlechterten Gesund
heitszustandes. Dies könne für die Rentenrevision nicht relevant sein (S. 5
Rz
9).
2.3
Strittig und zu prüfen
ist demnach der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers und dabei insbesondere die Frage
, ob die Beschwerdegegnerin die bisher aus
gerichtete Rente aufgrund einer Verbesserung der funktionellen Leistungs
fähigkeit zu Recht aufgehoben hat.
3.
3.1
Im Rahmen des
ersten
Rentenrevisionsverfahrens wurde der Beschwerdeführer im Oktober sowie November 2016 durch Ärzte des Begutachtungszentrums
Z._
internistisch, neurologisch sowie neuropsychologisch begutachtet. In ihrem Gutachten vom 28. November 2016 (Urk. 7/222) nannten die Ärzte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 65 Ziff. V):
-
Zustand nach schwerer rechtshemisphärischer Hirnverletzung infolge einer akzidentellen Kopfschussverletzung vom 4. Januar 2002
-
a
usgedehnte Hirnkontusion rechts
temporo-parieto-occipital
residuell
mit
-
s
ensomotorischer spastischer Hemiparese rechts mit weitgehender Funktionseinschränkung der linken oberen Extremität, spastisch-ata
ktischer Gangstörung links und weitgehender
Plegie
des linken Fusses
-
homonymer Hemianopsie nach links
-
Hemineglect
links
-
posttraumatischer Epilepsie mit primär fokalen und selten sekundär-generalisierten Anfällen
-
schwerer neuropsychologischer Funktionsstörung und hirn
organischer Wesensveränderung
-
Zustand nach Schädelhirntrauma vom Mai 2015 mit
-
intrazerebralem Hämatom
-
Fraktur der
osteolytisch
veränderten Schädelkalotten-Fragmente
-
Status nach neurochirurgischer Revision, Einlage eines
ventrikuloperitonealen
Shunts sowie zwei Shunt-Umstellungen
-
posttraumatisch akzentuiertem neuropathischer Gesichtsschmerz links
, unter Neuraltherapie partiell gebessert
Es bestehe seit vielen Jahren ein Residualzustand. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes mit medizinischen Massnahmen sei beim eingetretenen Residualzustand nicht zu erreichen. Zur Vermeidung einer Zustands
verschlechterung seien bei Bedarf physio- und ergotherapeutische Massnahmen einzusetzen. Ferner sei bis auf Weiteres die regelmässige antiepileptische Medikation fortzuführen. Im Sinne einer Schadenminderungspflicht sei dem Beschwerdeführer ein restriktiver Umgang mit Alkohol aufzuerlegen; dieser sollte den vom Beschwerdeführer gegenwärtig angegebenen Umfang von einem Glas Wein an zwei Abenden pro Woche nicht überschreiten. Der Beschwerdeführer sei an einem quasi geschützten Arbeitsplatz integriert. Von neuropsychologischer Seite würden sich keine konkreten Massnahmen mit Aussicht auf eine wesentliche Verbesserung der kognitiven Funktions- und Leistungsfähigkeit und damit Arbeitsfähigkeit empfehlen lassen
. Berufliche Massnahmen seien nicht um
setzbar (S. 66 f. Ziff. VI).
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Ärzte
zunächst aus neurologischer Sicht
aus, zum Zeitpunkt des schweren Schädelhirntraumas vom 4. Januar 2002 sei der Beschwerdeführer 19-jährig gewesen und habe über ein Handelsdiplom verfügt. Nach langdauernde
n
R
ehabehandlungen
und mit Hilfe intensiver Betreuung und Unterstützung sei es dem Beschwerdeführer im Verlauf gelungen, im Jahre 2005 die Berufsmaturität zu erlangen und 2007 einen Abschluss als Betriebsökonom zu
erlangen
. Diese beruflichen Schritte hätten gewissermassen einen geschützten Rahmen erfordert. Ohne zeitliche Anpassungen und intensive Unterstützungs
massnahmen wären sie in Anbetracht der schweren verhaltensneurologischen Residuen kaum realisierbar gewesen. Im
Y._
-Gutachten aus dem Jahre 2010 sei gesamtmedizinisch eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % bescheinigt worden (S. 67 Ziff. VIII). Ab Januar 2011 habe der Beschwerdeführer in der Immobilien
firma seines Vaters eine Stelle im 60 %-Pensum als Sachbearbeiter und Mieter-/Kundenbetreuer antreten können. Es sei davon auszugehen, dass es sich im Familienbetrieb um einen Nischenarbeitsplatz handle, wo die Leistungs
einschränkungen und Leistungsschwankungen angemessen berücksichtigt werden könnten. An einem anderen Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt wäre der Beschwerdeführer aufgrund der namhaften gesundheitlichen Einschränkungen nicht in der Lage, eine 60%ige Arbeitsleistung zu erbringen. Zeitlich sei aus neurologischer Sicht ein 60%-Pensum zumutbar, aufgrund der bestehenden Ein
schränkungen und Verlangsamung sei dabei zusätzlich eine Leistungs
einschränkung zu berücksichtigen, entsprechend einer verbleibenden Arbeits-/Leistungsfähigkeit von 50 % aus rein somatisch-neurologischer Sicht, über
einstimmend mit der neurologischen Einschätzung anlässlich der poly
disziplinären Begutachtung im Jahre 201
0.
Die dort vorgenommene gesamt
medizinische Einschätzung einer verbleibenden
Arbeits-/Leistungsfähigkeit von 40 % sei unter zusätzlicher Berücksichtigung der organischen Wesens
veränderung und der neuropsychologischen Defizite aus Sicht des neurologischen Gutachters gut nachvollziehbar. Eine angepasste Tätigkeit habe die folgenden körperlichen Einschränkungen zu berücksichtigen. Ungeeignet seien Tätigkeiten, die einen regelmässigen
bimanuellen
Einsatz erforderten, die linke Hand könne lediglich als Hilfs- und Stützhand eingesetzt werden. Ungeeignet sei ferner eine Tätigkeit, welche regelmässig oder gar überwiegend im Stehen und Gehen ver
richtet werden müsse. Durch die spastische Hemiparese und weitgehende
Plegie
des linken Fusses sei die Belastbarkeit im Stehen und Gehen erheblich vermindert und verlangsamt. Ungeeignet seien
auch
Tätigkeiten, die ein intaktes Gesichtsfeld erforderten.
Die hirnorganische Wesensveränderung und neuropsychologische Funktionsstörung erforderten eine Anpassung der kognitiven und emotionalen Belastung. Der Beschwerdeführer solle ohne Zeitdruck, nach Möglichkeit mit eigenstrukturiertem Pausenmanagement arbeiten können. Die gegenwärtig aus
geübte Tätigkeit könne als optimal angepasst gelten (S. 68 f.).
Aus neuropsychologischer Sicht bestehe eine schwere neuropsychologische Störung mit den im Fachgutachten aufgeführten, multiplen Hirnfunktions
schwächen. In Folge seiner erlittenen Hirnschädigung sei er unter anderem
mental enorm ermüdbar, kognitiv deutlich verlangsamt, in seinen komplexeren Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen sowie modalitätsübergreifend in seinen mnestischen Funktionen deutlich eingeschränkt. Darüber hinaus habe er im Alltag mit seiner Hemiplegie und seinem partiellen
Heminegle
c
t
nach links zurechtzukommen. Sein kognitives Leistungsvermögen sowie seine allgemeine Belastbarkeit und Ausdauer hätten sich seit dem letzten Unfall im Mai 2015 deutlich verschlechtert respektive zusätzlichen Schaden genommen. Bis zu diesem Unfall hin dürfte aus neuropsychologischer Sicht die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer seinen Ressourcen adaptierten Tätigkeit bei einer zumutbaren, arbeitszeitlichen Beanspruchung von 60 % und einem etwa zu einem Drittel reduzierten Rendement bei etwa 40 % gelegen haben.
Bei seiner aktuellen kognitiven Ressourcenlage, respektive angesichts der seit Mai 2015 offenbar eingetretenen diesbezüglichen Verschlechterung sei beim Beschwerde
führer von einer sowohl arbeitszeitlich als auch leistungsseitig nochmals deutlich geringeren Arbeitsfähigkeit auszugehen. Diese sei zudem nur an einem geschützten, ihm respektive seinen Handicaps und Restressourcen adaptierten Nischenarbeitsplatz zu verwerten (S. 69)
.
Gesamtmedizinisch sei davon auszugehen, dass es sich im Familienbetrieb um einen Nischenarbeitsplatz handle, wo die Leistungseinschränkungen und Leistungsschwankungen angemessen berücksichtigt werden könnten. An einem anderen Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt sei der Beschwerdeführer aufgrund der namhaften gesundheitlichen Einschränkungen nicht in der Lage, eine 60%ige Arbeitsleistung zu erbringen. Zeitlich sei ein 60 %-Pensum zumutbar, aufgrund der bestehenden Einschränkungen und Verlangsamung sei dabei zusätzlich eine Leistungseinschränkung zu berücksichtigen, entsprechend einer verbleibenden Arbeits-/Leistungsfähigkeit von 50 % aus rein somatisch-neurologischer Sicht, übereinstimmend mit der neurologischen Einschätzung anlässlich des poly
disziplinären Vorgutachtens im
Y._
201
0.
Die gesamte Arbeits-/Leistungs
fähigkeit von 40 % sei bis April 2015 zu bestätigen. Im Mai 2015 sei es zu einer Verschlechterung gekommen. Seither könne dem Beschwerdeführer gesamt
medizinisch noch eine 30%ige Arbeits-/Leistungsfähigkeit attestiert werden, aber nur in einem geschützten Rahmen (S. 70)
.
3.
2
Der behandelnde Neurologe PD
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Neuro
logie, führte in seinem Bericht vom 19. Dezember 2017 (Urk. 10/2a) nach einer
elektroenzephalographischen
Untersuchung aus,
es bestehe eine strukturelle Epilepsie mit fokalen Anfällen seit dem Jahre 2007 bei Status nach offenem Schädelhirntrauma rechts
temporo
-parietal im Rahmen einer Kopfschuss
verletzung mit dem Sturmgewehr im Januar 200
2.
Bezüglich der Anfalls
phänomenologie hielt PD Dr.
F._
fest, es komme zu einer vegetativen Dysregulation mit Schwitzen und Nausea, tonischer Verkrampfung und Flexion des linken Armes, dann zu
Klonien
der Hand.
Konkomitierend
sei auf den
chronischen Benzodiazepin- und Alkoholkonsum
hinzuweisen. I
m Vergleich zur letzten verfügbaren EEG-Untersuchung im Juni 2016 bestehe ein im
Wesent
lichen
unveränderter Befund
, dieser sei nicht richtungsweisend betreffend Ursachenklärung des Sturzereignisse
s vom 18. Dezember 2017 (S. 1).
3.
3
Am 19. Februar 2018 hielt PD Dr.
F._
linkshemisphärisch eine leichte All
gemeinveränderung,
eine
deutliche, medikamentös induzierte Betavermehrung sowie Zeichen von Müdigkeit fest. Rechtshemisphärisch bestehe
posterior
-betont eine durchgehende, im Vergleich zum Befund im Dezember 2017 klar akzentuierte
Kurvensuppression. Links frontal lasse sich ein intermittierend mässiger Herdbefund mit wiederholt
epileptiformen
Potentialen, ebenfalls klar akzentuiert im Vergleich zu den Befunden im Dezember 2017, feststellen (Urk. 10/2b S.
2
)
.
3.
4
In seinem Bericht vom 1. März 2018
(Urk. 10/2c)
beurteilte PD Dr.
F._
die Grundaktivität linkshemisphärisch als normal. Es seien eine medikamentös indu
zierte Betavermehrung sowie leichte
Vigilanzschwankungen
feststellbar. Über dem rechten
posterioren
Quadranten bestehe eine durchgehende Kurven
suppression. Der Herdbefund links frontal sei intermittierend mässig, leicht
irritativ
. Im Vergleich zum EEG vom 19. Februar 2018 sei eine klare Befund
verbesserung feststellbar, sowohl hinsichtlich der rechts
posterioren
Kurven
suppression als auch des links frontalen epileptischen Fokus. Eine Modifikation der AE-Medikation sei bei anhaltendem Substanzkonsum und wahrscheinlich mehrheitlich in diesem Zusammenhang provozierten Anfällen bei zugrunde
liegender posttraumatischer Epilepsie nicht sinnvoll (S. 2).
3.
5
Nach einer VP-Shunt-Revision am 20. März 2018 im Neuro
z
entrum
G._
erlitt der Beschwerdeführer einen epileptischen Anfall.
In seinem Bericht vom 22. März 2018 führte PD Dr.
F._
aus, bei einer initial unter
Sedation
poly
morphen Komakurve sei es nach Sistieren der
Sedation
innerhalb von Minuten zu einem Übergang in mässige Allgemeinveränderung mit durchgehender Kurvensuppression rechts
posterior
und intermittierenden Herdbefunden sowohl links temporal als auch rechts
fronto
-präzentral, deutlich
irritativ
, gekommen. Im Vergleich zum EEG vom 1. März 2018 liege eine klare Befundverschlechterung vor (Urk. 10/2d S. 1).
3.
6
Am 4. September 2019 führte der Arzt der Klinik für Neurochirurgie, Uni
versitätsspital
A._
, bei bekannten Diagnosen aus, dem Beschwerdeführer gehe es inzwischen relativ gut. Er beklage keinerlei Kopfschmerzen und keinerlei Schwindel.
Auch die bekannten Schmerzen der linken Gesichtshälfte und des Armes
seien gegenwärtig un
ter
Atlastherapie deutlich gebessert. Gelegentlich würden noch fokale Anfälle mit Zuckungen in der rechten Hand bestehen. Ins
gesamt bestehe die
Hemihypästhesie
der ganzen linken Körperhälfte, darüber hin
aus ein rechtsseitiger Tinnitus und eine linksseitige spastische Hemiparese mit
Steppergang
. Der neurologische Befund sei gegenüber dem Befund von vor einem Jahr unverändert (Urk. 7/250/5-6 S. 1).
3.
7
Der Hausarzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, hielt in seinem Bericht vom 20. November 2019 fest, der Beschwerdeführer wolle
beantragen, dass er seine Jagdgewehre wieder zurückerhalte. Er kenne den Beschwerdeführer und seine Familie seit vielen Jahren. Unter ungünstiger familiärer Situation habe sich der damals 19-jährige Beschwerdeführer ein Schusstrauma von Schädel und Hirn zugezogen. Es seien ein langwieriger Heilungsverlauf und eine lange Rehabilitation erforderlich gewesen. Als Folge des Schusstraumas habe er unter epileptischen Anfällen, einem leicht spastischen sensomotorischen
Hemisyndrom
links und einer Hemianopsie nach links kaudal gelitten. Wegen dieser Seh
schwäche sei er operiert worden, so dass er heute nicht mehr schiele. Der letzte Epilepsie-Anfall liege Jahre zurück. Das letzte EEG in der Klinik für Neurologie,
Uni
versitätsspital A._
, im Jahre 2018 habe unverändert zum Vor-EEG im Jahre 2012 eine normale Grundaktivität ergeben. Unterdessen habe der Beschwerdeführer geheiratet und mache einen unauffälligen, ruhigen Eindruck. Er trage eine Brille, schiele aber nicht mehr. Autofahren dürfe er nach der Augenoperation noch nicht. Er führe ein ruhiges Leben, trinke nie mehr Alkohol und habe sich sehr gut gefangen.
Seiner Ansicht nach dürfe
der Beschwerdeführer seine Schusswaffen ohne Weiteres wiederhaben. E
r
sei ein ruhiger Mann geworden und habe seit Jahren keinen epileptischen Anfall mehr gehabt. Er führe weder ein ausschweifendes Leben noch trinke er Alkohol, vielmehr achte er auf seinen Schlafrhythmus. Klinisch mache er einen vernünftigen, unauffälligen Eindruck (Urk. 7/250/9).
3.
8
In ihrem Bericht vom 12. Mai 2020 (Urk. 7/249/5-7) diagnostizierten die Ärzte der Klinik für Neurologie,
Uni
versitätsspital A._
,
eine symptomatische Epilepsie bei schweren Schädel-Hirn-Traumata in den Jahren 2002, 2012 und 2017 mit mehrfachen operativen Eingriffen zur Revision der plastischen Deckung und des VP-Shunts (S. 1).
Der Beschwerdeführer sei Geschäftsführer einer Immobilienfirma und mache aktuell die Ausbildung zum Immobilien-Treuhänder
. Seit einem Jahr trinke er keinen Alkohol mehr und versuche
,
sich gesund zu ernähren.
Erfreulicherweise lasse sich seit der letzten Konsultation vor einem Jahr ein an
fallsfreier Verlauf unter regelmässig eingenommener antikonvulsiver Medikation eruieren. Der EEG-Befund zeige sich stabil.
Die nächste Kontrolle sei in einem Jahr geplant. Angaben zur Arbeitsfähigkeit machten die Ärzte keine (S. 3).
3.
9
Dr.
E._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 18. September 2020 eine
Hemispastizität
rechts, ein Skotom sowie ein gelegentliches Gefühl von fokalen Anfällen, welche sich in Form von Zuckungen bemerkbar machten (Urk. 7/250/1-4 Ziff. 1.2).
Der Beschwerdeführer, den er seit seiner Jugend persönlich kenne, sei heute ein ruhiger, besonnener Mensch. Er sei verheiratet, trinke nie mehr Alkohol und konsumiere keine Drogen oder Nikotin. Vor kurzem habe er auch seine Waffen zurückerhalten, die er als Jäger benutze (Ziff. 1.3). Er sei absolut selbständig und brauche keine Hilfe von Dritten (Ziff. 1.4). Der Beschwerdeführer arbeite regelmässig als Liegenschaftsverwalter, diese Tätigkeit könne er problem
los ausführen. Eine Verminderung der Leistungsfähigkeit bestehe nicht (Ziff. 2.1). Es seien ihm auch körperlich mittelschwere Tätigkeiten zumutbar (Ziff. 2.2). Konsultationen würden unregelmässig stattfinden, vor allem, wenn der Beschwerdeführer neue Rezepte für seine Medikamente benötige
. Die letzte tele
fonische Besprechung sei am 27. Mai 2020 erfolgt
(Ziff. 3.1). Die Prognose sei unverändert und gut. Der Beschwerdeführer werde regelmässig in der Klinik für Neurologie des
Uni
versitätsspital
s
A._
kontrolliert. Seine Seheinschränkung werde aber bleiben, weshalb auch künftig Autofahren nicht möglich sein werde (Ziff. 3.3). Eine Ver
besserung der Arbeitsunfähigkeit sei durch medizinische Massnahmen nicht mög
lich, da der Beschwerdeführer bereits jetzt voll arbeitsfähig sei (Ziff. 4.1). Es bestünden keine Faktoren, welche die Krankheit aufrechterhalten würden. Viel
mehr führe der Beschwerdeführer ein ruhiges Familienleben, erfülle seine beruf
lichen Aufgaben vollständig, trinke nie mehr Alkohol und sei stabil und unauf
fällig. Seiner Meinung nach brauche der Beschwerdeführer keine Rente mehr, da er voll arbeitsfähig sei und ein Einkommen beziehe, welches wahrscheinlich höher sei als die bezogene Rente (Ziff. 4.4).
3.
10
Nach einer Computertomographie des
Neurocraniums
wiesen die Ärzte der Klinik für Neuroradiologie,
Uni
versitätsspital A._
, in ihrem Bericht vom 9. Oktober 2020 darauf hin, die Lage des über links parietal eingebrachten
Shuntsystems
sei stationär ohne Hin
weise für eine
Diskonnektion
mit weiterhin kollabiertem
Ventrikelsystem
. Eine Fraktur oder Blutung sei nicht nachweisbar (Urk. 10/3a S. 1 f.).
3.
11
PD
Dr.
med. univ.
B._
, Facharzt für Neurologie, RAD,
hielt am 23.Oktober 2020 fest, seit dem Jahre 2016 sei es zu wiederholten Verletzungen am Schädel mit erneutem mehrfachem Operationsbedarf und konsekutiv diversen namhaften Komplikationen gekommen. Trotzdem dürfte das Outcome erstaunlich gut sein. Bezüglich der Epilepsie bestehe Anfallsfreiheit, der Beschwerdeführer lebe abstinent und der Waffenbesitz sei wieder erlaubt worden. Bezüglich der rein neurologischen Symptomatik werde ein unveränderter Zustand berichtet. Dass sich die funktionelle Leistungsfähigkeit wesentlich gebessert habe, werde aber nicht berichtet, sondern insgesamt ein stabiler Gesundheitszustand. Insbesondere würden aktuell keine strukturierten Angaben zur kognitiven Leistungsfähigkeit vorgelegt, welche bei der Begutachtung im Jahre 2016 ja ausschlaggebend gewesen seien, mit damals einer deutlichen Verschlechterung seit einem Schädel-Hirn-Trauma im Mai 2015 sowie einer schweren neuropsychologischen Störung
im August 2016
mit abnormer Ermüdbarkeit, deutlicher Verlangsamung, deutlich eingeschränkter
Mnestik
und part
i
elle
m
Hemineglect
nach links sowie einer deut
lichen Persönlichkeitsveränderung. D
iesbezüglich werde keine Verbesserung berichtet und bei der gesamten Vorgeschichte sei es aus medizinischer Sicht eigentlich unwahrscheinlich, dass es zu einer namhaften Besserung der kognitiven Leistung gekommen sei. Die gemäss dem Auszug aus dem Individuellen Konto erwirtschafteten, namhaften Einkommen würden im aktuellen Arbeitgeberbericht als zu
aus
70 % Soziallohn bestehend beschrieben. Der Arbeitgeber dürfte die eigene Familie sein. Dass hier ein renten
ausschliessendes Einkommen erwirtschaftet worden sei, würde den Nachweis von Arbeitsbedingungen des ersten Arbeitsmarktes erfordern. Dies sei offensichtlich fraglich, wenn nicht sowieso explizit nicht der Fall (Urk. 7/254 S. 5 f.). Ob es sich um einen rentenausschliessenden Soziallohn in der eigenen Familie handle, sei keine medizinisch zu beantwortende Frage. Insgesamt würden die Befunde den Hinweis auf einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand und eine unveränderte Arbeitsfähigkeit liefern. Die Möglichkeit einer Fehlbeurteilung im polydisziplinären Gutachten
würde er erst dann als diskussionswürdig erachten, wenn ausgewiesen werden könne, dass das zuletzt erwirtschaftete Einkommen wirklich unter einwandfreien Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes erzielt wor
den sei (S. 6).
3.
12
Am 28. Dezember 2020 führte
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
RAD,
aus, gemäss den Ausführungen von PD Dr.
B._
sei rein organisch von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen.
Der Hausarzt Dr.
E._
habe berichtet, dass der Beschwerdeführer voll arbeitsfähig sei, ein Einkommen beziehe und sogar seine Jagdwaffen zurückerhalten habe. Auch die Ärzte der Klini
k
für Neurochirurgie
,
Uni
versitätsspital A._
,
hätten bemerkt, dass es ihm inzwischen relativ gut gehe, er keinerlei Kopfschmerzen und Schwindel mehr beklage und auch die Gesichtsschmerzen deutlich gebessert hätten. Der organische neurologische Befund sei unverändert. Spätestens seit Mai 2020 sei jedoch von einer funktionellen gesundheitlichen Verbesserung auszugehen. Gemäss behandelndem Hausarzt könne ab Mai 2020 von einer 100%igen Arbeits
fähigkeit sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Liegenschaftsverwalter als auch in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werden. Das Belastungsprofil um
fasse körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten ohne besondere Anforderungen an die Sehkraft, ohne das Lenken von Kraftfahrzeugen, ohne Leiter-/Gerüstarbeiten, ohne Kontrolle und Aufsicht von Schutzbefohlenen sowie ohne das Führen von gefährlichen Maschinen und Anlagen und ohne rege
l
mässige
triggernde
Sinnesreizungen (Urk. 7/254 S. 7)
.
3.
13
In ihrem Bericht vom 27. Januar 2021 nannten die Ärzte der Klinik für Neuro
chirurgie,
Uni
versitätsspital A._
, folgende Diagnosen (Urk. 10/3b S. 1):
-
Strabismus
divergens
intermittens im Endstadium rechts mit Strabismus
sursumvergens
rechts
-
Hyperopie
und Astigmatismus beidseits
-
homonyme Hemianopsie nach links
-
Hemiparese links
-
symptomatische Epilepsie
-
Status nach schwerem Schädel-Hirn-Trauma 2002
-
Sturz mit Dislokation der Schädeldachplastik 19. Dezember 2017
Der Beschwerdeführer berichte Wohlbefinden. Er habe keine Kopfschmerzen, gelegentlich nehme er
Novalgin
bei auftretenden Kopfschmerzen ein. Seit der Einnahme von
Vimpat
beobachte er ein zunehmendes Schlafwandeln. Grund
sätzlich gehe es ihm aber gut. Als einzige Auffälligkeit gebe er eine kleine, schlecht verheilende Stelle im Verlauf der Operationsnarbe über dem rechten Ohr an. Es störe ihn eigentlich nicht, er wäre trotzdem dankbar, wenn diese Stelle verheilen könnte. Der kleine Hautdefekt bestehe seit zwei Jahren. Grundsätzlich halte er es nicht für sinnvoll, diesen Befund unbehandelt zu lassen. Der Beschwerdeführer werde daher zu einer gemeinsamen Sprechstunde mit dem Chefarzt der Plastischen Chirurgie aufgeboten, um die Behandlungsoptionen zu besprechen (S. 2).
3.14
In ihrem Bericht vom 26. Mai 2021 hielten die Ärzte der Klinik für Neuro
radiologie,
Uni
versitätsspital A._
, nach einer Computertomographie des
Neurocraniums
fest, die Lage des Shunt-Systems sei unverändert regelrecht, ohne Hinweis auf eine
Diskonnektion
. Es bestehe eine weiterhin schlitzförmige Konfiguration des
Ventrikelsystems
. Hinweise auf eine intrakranielle Blutung, eine frische Ischämie, einen
Infektfokus
oder eine Sinusvenenthrombose seien nicht feststellbar (Urk. 10/3c).
4.
4.1
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
wies
der RAD-Arzt
und Neurologe PD
Dr.
B._
im Oktober 2020
zunächst
darauf hin
, dass keine Verbesserung berichtet werde
, und ging g
estützt auf die Befunde von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand
sowie
einer unveränderten Arbeitsfähigkeit aus.
Eine wesentliche Besserung der funktionellen Leistungsfähigkeit erachtete PD Dr.
B._
bei fehlenden strukturierten Angaben als nicht nachgewiesen
und eine namhafte Besserung der kognitiven Leistungsfähigkeit bei der gesamten Vor
geschichte aus medizinischer Sicht als eigentlich unwahrscheinlich.
Die Möglich
keit einer Fehlbeurteilung im
Z._
-Gutachten sei erst dann diskussionswürdig, wenn Arbeitsbedingungen des ersten Arbeitsmarktes nachgewiesen seien. Die weiteren Ausführungen von PD Dr.
B._
betreffen nicht die medizinische Situation an sich, sondern vielmehr die Qualifikation des Einkommens als Soziallohn (E. 3.11).
Die zweite Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch den RAD erfolgte sodann im Dezember 2020 durch
den Orthopädischen Chirurgen
Dr.
C._
. Dieser bestätigte die Beurteilung durch PD Dr.
B._
, wonach rein organisch von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen sei
.
Unter Berücksichtigung der hausärztlichen Ausführungen zur Leistungsfähigkeit sowie Hinweisen im Bericht der Klinik für Neurochirurgie,
Uni
versitätsspital A._
,
gelangte
Dr.
C._
jedoch zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und ging
von einer funktionellen gesundheitlichen Verbesserung aus
(E. 3.12).
Übereinstimmend beurteilten demnach beide RAD-Ärzte
die
organischen Befunde
als grundsätzlich unverändert.
Hingegen bestehen Unterschiede in der Ein
schätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit. Eine Fehlbeurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit im
Z._
-Gutachten steht
demnach
nicht zur Diskussion, vielmehr ist die Frage zu beurteilen, ob der Beschwerde
führer wider Erwarten im Arbeitsleben
besser
funktioniert
und
sich die erwerb
lichen Auswirkungen bei gleichgebliebenem Gesundheitszustand verändert haben.
4.2
Bezüglich
der aktuellen Leistungsfähigkeit führte der Hausarzt Dr.
E._
im September 2020 aus, der Beschwerdeführer arbeite regelmässig als Liegenschafts
verwalter und könne diese Tätigkeit problemlos ausführen. Eine Verminderung der Leistungsfähigkeit verneinte Dr.
E._
ausdrücklich und wies darauf hin, dass ihm auch körperlich mittelschwere Tätigkeiten zugemutet werden könnten. Der Beschwerdeführer sei absolut selbständig und brauche keine Hilfe. Er sei voll arbeitsfähig und erfülle seine beruflichen Aufgaben vollständig. Dr.
E._
äusserte sogar
explizit
seine Ansicht, dass der Beschwerdeführer keine Rente mehr brauche (E. 3.9)
.
Aus den vorliegenden medizinischen Akten ist ersichtlich, dass sich der Beschwerdeführer nach
dem
Kopfschuss vom 4. Januar 2002 erstaunlich schnell und gut
von den schweren Folgen
erholt hat und es ihm gelungen ist, zwar mit Unterstützung, aber doch innert drei Jahren die Berufsmaturität
zu erlangen
und weitere zwei Jahre später eine
Ausbildung zum Betriebsökonom
zu
absolviere
n
(vgl. E. 3.1). Gemäss seinen eigenen Angaben gegenüber den Ärzten der Klinik für Neurologie,
Uni
versitätsspital A._
, arbeitete er im Mai 2020 als Geschäftsführer einer Immobilienfirma und stand in der Ausbildung zum Immobilien-Treuhänder (E. 3.8). Diese berufliche Entwicklung trotz der erlittenen schweren neuro
logischen Verletzungen zeugt von
überdurchschnittlichen
Ressourcen. Dass die im Gutachten vom November 2016 festgestellten funktionellen Einschränkungen wie enorme mentale Ermüdbarkeit, deutliche kognitive Verlangsamung sowie deutliche Einschränkung in komplexen Aufmerksamkeits- und Exekutiv
funktionen sowie modalitätsübergreifend in mnestischen Funktionen nach wie vor im selben Umfang bestehen sollen, ist dabei - und auch vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer seine Jagdwaffen wieder zurückerhalten hat (vgl. E. 3.9) - nur sehr schwer
vorstell
bar.
Gestützt wird diese
Beurteilung sodann durch die Ausführungen im Bericht der Klinik für Neurochirurgie,
Uni
versitätsspital A._
, vom
4.
September 2019,
gemäss welchen keiner
lei Kopfschmerzen oder Schwindel mehr bestehen
und
auch
eine deutliche Besserung der Schmerzen der linken Gesichtshälfte und des Armes konstatiert wurde (E. 3.6).
Auch im Januar 2021
berichtete der Beschwerdeführer gegenüber den Ärzten der Klinik für Neurochirurgie Wohlbefinden, es gehe ihm gut. Als einzige Auffälligkeit nannte der Beschwerdeführer eine schlecht heilende Operationsnarbe über dem rechten Ohr (E. 3.13).
Was sodann die strukturelle Epilepsie betrifft, ist die Situation nach der Befund
verschlechterung in den Jahren 2017 und 2018 gemäss den Ausführungen der Ärzte der Klinik für Neurologie,
Uni
versitätsspital A._
, wieder stabil und die Kontrollen sind einmal jährlich geplant (E. 3.8). Es liegen zudem Hinweise dafür bei den Akten, dass die epileptischen Anfälle in den Jahren 2017 und 2018 durch einen anhaltenden Benzodiazepin- und Alkoholkonsum verursacht wurde
n
(vgl. E. 3.2-3.4 und E. 3.8).
Gemäss den Angaben des Hausarztes und der Ärzte der Klinik für Neuro
logie trinkt der Beschwerdeführer jedoch seit einiger Zeit keinen Alkohol mehr und es ist seither zu keinen Anfällen mehr gekommen (E. 3.7-3.9).
Grösseres Gewicht erhält die Beurteilung durch Dr.
E._
ausserdem
durch die Tatsache, dass dieser den Beschwerdeführer
gemäss seinen eigenen Angaben
seit dessen Jugend und auch die Familie persönlich kennt
(E. 3.7, E. 3.9)
. Dr.
E._
erlebte
damit
sowohl den Unfall vom 4. Januar 2002 als auch den
gesamten
weiteren
Verlauf der gesundheitlichen Situation
mit
und kennt die tatsächlichen Lebensumstände des Beschwerdeführers offensichtlich gut
.
4.3
Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände
ist davon auszugehen, dass sich die funktionelle Leistungsfähigkeit bei unveränderten Befunden tatsäch
l
ich ver
bessert hat
und der Beschwerdeführer spätestens seit der letzten
telefonischen
Konsultation bei Dr.
E._
im Mai 2020 wieder vollständig arbeitsfähig ist.
5.
5.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der bestehenden Ein
schränkungen mittels Einkommensvergleich.
5.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.
3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Für die Berechnung des
Valideneinkommens
stützte sich die Beschwerdegegnerin auf dieselben Zahlen wie bei der ursprünglichen Rentenberechnung im Jahre 2015 (vgl. Urk. 7/254 S. 8 mit Hinweis auf Urk. 7/226 S. 8 und Urk. 7/175 S. 1) und ging davon aus, dass der Beschwerdeführer, welcher vor Eintritt des Gesundheitsschadens eine Ausbildung zum Handelsdiplom absolviert hatte, den Abschluss der Berufsmaturität sowie eines Studiums
in Richtung Marketing plante (Urk. 7/175 S. 1). Dementsprechend stützte sie sich auf die
Tabellenlöhne
gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohn
strukturerhebungen (LSE). Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden
und wurde vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten (E. 2.2)
. Der mittlere Lohn für Männer, die einen akademischen Beruf ausüben, betrug im Jahr
2012
Fr.
9‘019.-- (LSE 2012, Tabelle 17, Ziffer 2, Akademische Berufe, Total), mithin Fr. 108‘228.-- im Jahr (Fr. 9‘019.-- x 12). Unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden (betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten) sowie der Nominal
lohnerhöhung (Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Männer, Stand 2012: 2188, Stand 2020: 2298; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung) ergibt dies für das Jahr 2020 ein
Valideneinkommen
von rund Fr. 118‘500.-- (Fr. 108‘228.-- : 40 x 41.7 : 2188 x 2298).
5.4
5.4.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch heraus
gegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Der Beschwerdeführer war von Januar 2011 bis August 2020 bei der
H._
AG angestellt (vgl. Urk. 7/
173 Ziff. 2.1, Urk. 7/247)
und ist nun seit
1.
November 2020 für die
D._
AG tätig
(Urk. 7/251). Strittig ist dabei die Frage, ob das vom Beschwerdeführer erzielte Einkommen einem Leistungslohn ent
spricht oder mindestens teilweise als Soziallohn zu qualifizieren ist.
5.4.2
Nach Art. 25 Abs. 1
lit
. b IVV gehören Lohnbestandteile, für die der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin nachgewiesenermassen wegen beschränkter Arbeits
fähigkeit keine Gegenleistung erbringen kann, nicht zu dem für die Invaliditäts
bemessung massgebenden Erwerbseinkommen. Praxisgemäss sind an den Nach
weis von Soziallohn indessen strenge Anforderungen zu stellen, da vom Grund
satz ausgegangen werden muss, dass ausbezahlte Löhne normalerweise das Äquivalent einer entsprechenden Arbeitsleistung sind (BGE 117 V 8 E. 2c/
aa
mit Hinweisen). Bei der richterlichen Würdigung von Arbeitgeberbescheinigungen ist auch zu bedenken, dass ein Arbeitgeber oder eine Arbeitgeberin ein eigenes Interesse daran haben kann, die Bezahlung von Soziallohn zu behaupten (BGE 110 V 273, 104 V 90; ZAK 1980 S. 345 E. 2b). Als Indiz für eine freiwillige Sozialleistung fallen insbesondere verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin und der versicherten Person oder eine lange Dauer des Arbeitsverhältnisses in Betracht (Urteil des Bundesgerichts 8C_320/2012 vom 11. September 2012 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
20 ff. zu Art. 28a).
Gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist damit der ausbezahlte Lohn vermutungsweise Äquivalent einer entsprechenden Arbeitsleistung. Die wirt
schaftliche Verbindung der Arbeitgeberin mit den Eltern des Beschwerdeführers ist nur ein Indiz für einen Soziallohn, es sind jedoch alle Umstände des konkreten Falles zu würdigen.
5.4.3
Zu berücksichtigen sind zunächst die in den vergangenen Jahren erzielten Ein
kommen sowie die Angaben der früheren Arbeitgeberin
H._
AG. Im Jahre 2014 lag das Einkommen gemäss IK-Auszug (Urk. 7/234) bei Fr. 32'415.-- und stieg in den folgenden Jahren kontinuierlich weiter an, wie die nachstehende Übersicht zeigt:
2015
Fr.
36'169.--
2016
Fr.
37'312.--
2017
Fr.
45'789.--
2018
Fr.
53'962.--
2019
Fr.
112'221.--
Anlässlich einer telefonischen Besprechung am 3. Juli 2020 erklärte der ver
antwortliche Mitarbeiter der
H._
AG den Anstieg des erzielten Einkommens seit dem Jahre 2015 damit, dass die
Unternehmung
damals noch im Aufbau gewesen sei und im Verlauf der Jahre immer bessere Aufträge erhalten habe. Der hohe Lohn im Jahre 2019 sei auf einen sehr grossen Auftrag eines Neubau
projektes zurückzuführen. Gesundheitlich sei der Beschwerdeführer weiterhin an
geschlagen, praktisch unverändert wie im Jahre 2015 (Urk. 7/243). Der Anstieg des Lohnes ist dementsprechend nicht mit einer Erhöhung des Soziallohnes zu erklären, sondern mit dem unternehmerischen Erfolg der
Arbeitgeberin
. Auf
fallend dabei ist, dass das erzielte Einkommen insbesondere in den Jahre
n
2017 und 2018 angestiegen ist und damit genau in der Zeit, in welcher es zu wieder
holten Untersuchungen sowie einer Verschlechterung der neurologischen Situation gekommen ist (vgl. E. 3.2-3.5).
Weiter sind die Angaben in den beiden Arbeitgeberberichten der Jahre 2015 so
wie 2020 zu würdigen. Gemäss dem Arbeitgeberbericht vom 21. August 2015 arbeitete der Beschwerdeführer seit Dezember 2013 in einem Pensum von zirka 60 % und erzielte dabei ein monatliches Einkommen von Fr. 2'705.--
.
Die Arbeit
geberin wies zudem ausdrücklich darauf hin, dass dieser Lohn der tatsächlich erbrachten Leistung entspreche (Urk. 7/173 Ziff. 2.9-10). Im Arbeitgeberbericht vom 3. September 2020 (Urk. 7/248), während des laufenden Rentenrevisions
verfahrens, wurde bei einem Pensum von 100 % der ausbezahlte Lohn auf ins
gesamt Fr. 8'000.-- beziffert, wobei lediglich ein Anteil von 30 % beziehungs
weise Fr. 2'400.-- der tatsächlich erbrachten Leistung entspreche. Hinzu komme ein Anteil Soziallohn in der Höhe von Fr. 5'600.-- (Ziff. 2.3 und Ziff. 5.2).
Die Angaben der früheren Arbeitgeberin erweisen sich damit insgesamt als widersprüchlich. Während der Personalverantwortliche anlässlich der tele
fonischen Besprechung im Juli 2020 ausführte, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei im Vergleich zum Jahre 2015 praktisch unverändert, wurde die tatsächlich erbrachte Leistung im Arbeitgeberbericht vom August 2015 auf zirka 60 % festgelegt, im September 2020 jedoch lediglich auf 30 %.
Gegen die Annahme eines Soziallohnanteils spricht sodann die ausführliche und mehrfach ausdrücklich geäusserte Beurteilung durch den langjährigen und auch persönlich mit dem Beschwerdeführer und dessen Familie bekannten Hausarzt Dr.
E._
, welcher von einer Verbesserung der erwerblichen Auswirkungen der neurologischen Beeinträchtigungen ausging und eine vollständige Arbeits
fähigkeit attestierte. Der Beschwerdeführer selber erklärte gegenüber den Ärzten der Klinik für Neurologie,
Uni
versitätsspital A._
, er sei als Geschäftsführer einer Immobilienfirma tätig (E. 3.8). Aus dem Handelsregisterauszug ergibt sich denn auch, dass er
für die
H._
AG
zur Kollektivunterschrift zu
z
weien berechtigt
ist
. Dass dem Beschwerdeführer eine solche Kollektivunterschrift eingeräumt wurde, obschon er gemäss den Ausführungen des Personalverantwortlichen
bei administrativen Angelegenheiten komplett untergehen soll, ist nicht ohne Weiteres nachvoll
ziehbar. Ebenso ist e
ine
Geschäftsführert
ätigkeit nur schwer mit einer effektiven Leistungsfähigkeit von ledigl
ich 30 % in Einklang zu bringen
.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Nachreichung des neuen Arbeitsvertrages bei
einer anderen,
wirtschaftlich
ebenfalls zu grossen Teilen
von der Familie
des Beschwerdeführers
kontrollierten
Unternehmung
nachgeschoben
. Im Arbeits
vertrag vom 27. Oktober 2020
wird denn auch kein Anteil Soziallohn fest
gehalten
, obschon dem Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt bereits bewusst war, dass die Frage des Soziallohnes im Raum stand
(Urk. 7/251, Urk. 10/1). Auf
fällig ist
zudem
, dass der Arbeitsvertrag mit der
H._
AG nicht eingereicht wurde
, obschon
er
bei dieser
unverändert
im Handelsregister eingetragen ist
.
5.4.4
Im Rahmen der Replik beantragte der Beschwerdeführer die Befragung seines Vaters als Zeuge
(Urk. 9 S. 4). Nachdem dieser nicht selber für die
D._
AG tätig, sondern lediglich wirtschaftlich mit ihr verbunden ist,
ist nicht nachvollziehbar
,
was
er
zur Einschätzung der
konkrete
n
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers im Arbeitsalltag
beitragen könnte
. Bezüglich seiner finanziellen Beteiligung an der
D._
AG liegt eine schriftliche Aus
sage bei den Akten (Mail vom 30. Juli 2021, Urk. 10/6), so dass
in antizipierter Beweiswürdigung
(BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, je mit Hinweisen)
auf eine persönliche Befragung verzichtet werden kann.
5.4.5
Insgesamt und unter Würdigung der gesamten Umstände ist damit das Vorliegen eines Soziallohnanteils zu verneinen und es ist davon auszugehen, dass das er
zielte Einkommen
ein Entgelt für die
effektiv erbrachte Leistung
ist
.
D
em
entsprechend ist beim
dem Beschwerdeführer zumutbaren Pensum von 100 % von einem
erzielbaren
Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 100'000.-- aus
zugehen.
Dies entspricht sowohl dem auf ein volles Pensum hochgerechnete
n
Einkommen bei der aktuellen Arbeitgeberin als auch knapp dem im Jahre 2019 erzielte
n
Einkommen bei der
H._
AG.
5.
5
Bei einem Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 100'000.-- (vorstehend E. 5.4.5) sowie einem
Valideneinkommen
von Fr. 118'500.-- (vorstehend E. 5.3) ergibt sich eine Einkommenseinbusse von Fr. 18'500.--, was einem renten
ausschliessenden Invaliditätsgrad von 15.6 %
entspricht.
Insgesamt erweist sich die angefochtene Verfügung vom 2. Juni 2021 als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.