Decision ID: e40a5ba8-7070-5ed0-9679-53ddd55e1448
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin (geb. 1959), brasilianische Staatsangehörige
reiste am 12. Februar 2004 mit einem Touristenvisum in die Schweiz ein.
Hier lebte sie unter anderem bei ihrer im Kanton X._ wohnhaften
Schwester oder deren Familienangehörigen. Im März 2004 begab sie
sich nach F._ (Deutschland), um eine weitere, dort ansässige
Schwester zu besuchen und gelangte am 8. Mai 2004 zurück in die
Schweiz. Am 8. August 2004 heiratete sie den Schweizer K._
(geb. 1929), worauf ihr am 28. September 2004 vom Kanton X._
eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann erteilt wurde.
Diese wurde erstmals am 13. Juli 2005 bis zum 6. August 2006 verlän-
gert.
B.
Ab 1. Februar 2005 trat die Beschwerdeführerin eine 40% Stelle als "All-
rounderin" in einer Wellness-Praxis in A._ im Kanton L._ an.
Ihre aus einer früheren Beziehung in Brasilien hervorgegangene Tochter
(geb. 1989) reiste am 3. März 2005 von Deutschland her kommend in die
Schweiz ein, nahm bei ihrer Mutter Wohnsitz und besuchte fortan die Se-
kundarschule in A._. Am 29. August 2005 ersuchte die Beschwer-
deführerin für sich sowie für ihre Tochter beim Migrationsamt des Kantons
L._ um Bewilligung des Zuzugs bzw. um Erteilung einer Aufent-
haltsbewilligung, weil der eheliche Wohnsitz ab 1. November 2005 nach
A._ verlegt werden sollte.
C.
Am 22. September 2005 verstarb der Ehemann der Beschwerdeführerin
am damaligen Wohnsitz im Kanton X._ unerwartet an einem Herz-
infarkt.
D.
Das Migrationsamt des Kantons L._ erteilte der Beschwerdeführe-
rin am 30. September 2005 die beantragte Aufenthaltsbewilligung. Nach-
dem es vom Tod des Ehemannes Kenntnis erlangt hatte, gelangte es am
4. Oktober 2005 zur Feststellung des Sachverhalts an die Beschwerde-
führerin und forderte diese zur Stellungnahme auf. Das Migrationsamt
des Kantons L._ wies am 9. Dezember 2005 nunmehr das Ge-
such vom 29. August 2005 um Zuzug bzw. Erteilung einer Aufenthaltsbe-
willigung im Kanton L._ ab, verweigerte den weiteren Aufenthalt
und setzte eine Frist zum Verlassen des Kantonsgebiets bis zum 2. Feb-
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ruar 2006. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, mit dem Tod
des Ehegatten sei die Ehe aufgelöst worden, was zum Wegfall des Zu-
lassungsgrundes für den Aufenthalt geführt habe. Gemäss Praxis werde
die Aufenthaltsbewilligung im Kanton L._ in einem solchen Fall
nicht verlängert. Es bestehe jedoch für die Beschwerdeführerin die Mög-
lichkeit in den Kanton X._ zurückzukehren.
E.
In einer weiteren Verfügung betreffend die Tochter der Beschwerdeführe-
rin vom 9. Dezember 2005 hielt das Migrationsamt des Kantons
L._ fest, diese sei im Jahre 2001 in die Schweiz eingereist und
habe im Kanton X._ eine befristete Aufenthaltsbewilligung als
Pflegekind zur künftigen Adoption erhalten. Zwei Jahre später sei sie ins
Ausland weggezogen und am 3. März 2005, von Deutschland her kom-
mend, erneut in die Schweiz eingereist. Ihr Aufenthalt in der Schweiz sei
widerrechtlich. Gestützt auf diese Verfügung wurde die Kantonspolizei
L._ um die Erstattung von Strafanzeigen ersucht und mit der Be-
aufsichtigung der fristgerechten Ausreise betraut.
F.
Die Beschwerdeführerin meldete sich in der Folge per 31. Januar 2006
nach M._, Kanton X._, ab und ihre Tochter kehrte nach
Brasilien zurück. Mit Schreiben vom 24. April 2006 teilte die Fremdenpoli-
zei des Kantons X._ der Beschwerdeführerin mit, dass mit dem
Hinscheiden ihres Ehegatten die Voraussetzung für eine Bewilligungsver-
längerung weggefallen sei und erwogen werde, die am 6. August 2006
ablaufende Aufenthaltsbewilligung nicht zu verlängern. Im Sinne des
rechtlichen Gehörs erhielt die Beschwerdeführerin Gelegenheit zur Stel-
lungnahme und nahm diese mit Eingabe vom 31. Mai 2006 wahr. Hierauf
wurde ihr die Aufenthaltsbewilligung ohne weitere Begründung alljährlich
verlängert, zuletzt bis zum 6. August 2009.
G.
Mit Gesuch vom 30. Juni 2009 beantragte die Beschwerdeführerin bei der
Gemeinde N._ im Kanton B._ - ihrem neuen Wohnsitz ab
1. Juli 2009 - die Verlängerung bzw. Erteilung der Aufenthaltsbewilligung.
Weiter gelangte sie am 20. Juli 2009 mit einem Gesuch um Bewilligung
des Kantonswechsels direkt an das Migrationsamt des Kantons
B._. Dieses unterbreitete die weitere Aufenthaltsregelung am 23.
September 2009 dem BFM zur Zustimmung.
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Da das BFM in Erwägung zog, die beantragte Zustimmung zu verweigern
und die Beschwerdeführerin aus der Schweiz wegzuweisen, gewährte es
ihr mit Schreiben vom 24. September 2009 das rechtliche Gehör.
H.
Mit Eingabe vom 23. Oktober 2009 liess die Beschwerdeführerin durch ih-
ren damaligen Rechtsvertreter im Wesentlichen ausführen, nach dem Tod
des Ehegatten im Jahre 2005 sei die Aufenthaltsbewilligung stets verlän-
gert worden, was impliziere, dass die entsprechenden Voraussetzungen
erfüllt gewesen sein dürften. Die weitere Verlängerung dränge sich folg-
lich schon aufgrund einer konstanten Behördenpraxis auf. Seit ihrer Ein-
reise in die Schweiz sei sie nie straffällig geworden, habe rege am Wirt-
schaftsleben teilgenommen und arbeite nun schon lange in mehreren Be-
trieben und Haushalten als Reinigungskraft, betreue Kinder und erledige
weitere Aufgaben. Nach ihrem Umzug am 1. Juli 2009 habe sie es innert
kürzester Zeit geschafft, am neuen Wohnort bei verschiedenen Arbeitge-
bern als Haushaltshilfe angestellt zu werden und sei inzwischen beinahe
im Vollpensum beschäftigt. Sie werde geschätzt, sei beliebt und sehr ge-
fragt bei den Arbeitgebern. Auch die Tatsache, dass sie nach dem Umzug
ohne Mühe wieder Arbeit gefunden habe, deute auf eine gute Integration
hin. Zudem sei sie nicht auf Unterstützung durch die öffentliche Hand an-
gewiesen und habe nie Sozialhilfe bezogen. Es treffe zwar zu, dass in
den Jahren 2007 und 2008 Betreibungen eingeleitet worden seien, doch
sei dafür nicht ihre finanzielle Situation ursächlich gewesen. Dies sei
vielmehr geschehen, weil sie aufgrund des langen Arbeitsweges ihren
privaten Angelegenheiten zu wenig Beachtung geschenkt habe. Zwi-
schenzeitlich seien die Rechnungen jedoch beglichen. Weiter habe sie
sich für einen Deutschkurs angemeldet. Dieser sei dann aufgrund zu ge-
ringer Anmeldezahlen nicht durchgeführt worden. Der Tod des Ehegatten
habe sie sehr hart getroffen und nachdem sie sich hier inzwischen ein
neues Umfeld aufgebaut habe, wäre eine Nichtverlängerung der Aufent-
haltsbewilligung unverhältnismässig. Es gelte zudem zu berücksichtigen,
dass sie zu den zwei in der Schweiz wohnhaften Schwestern eine sehr
enge Beziehung pflege. Der Umstand, dass ihre beiden Kinder in Brasi-
lien lebten, spreche nicht gegen einen Verbleib in der Schweiz. Vielmehr
würde sie durch die "Ausweisung" ihre Existenz verlieren. Die Ausbildung
der Kinder könnte sie dann ebenfalls nicht mehr finanzieren.
I.
Die Vorinstanz verweigerte mit Verfügung vom 10. Dezember 2009 die
Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und wies die
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Beschwerdeführerin aus der Schweiz weg. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin scheine ihren "Anspruch" aus
der durch den Tod des Ehegatten einseitig herbeigeführten Auflösung der
Ehe herleiten zu wollen, was indessen per se kein wichtiger persönlicher
Grund gemäss Art. 50 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005
(AuG, SR 142.20) darstelle. Im Übrigen müsse bei der Heirat eines
75-jährigen damit gerechnet werden, dass die Ehe nur von kurzer Dauer
sein könne. Das Migrationsamt des Kantons L._ habe bereits mit
Verfügung vom 9. Dezember 2005 den Aufenthalt wegen Wegfalls des
Zulassungsgrundes nicht mehr verlängert. Die Beschwerdeführerin habe
sich der Ausdehnung der Wegweisung lediglich dadurch entziehen kön-
nen, dass sie im Kanton X._ wieder Wohnsitz genommen habe.
Demnach habe ihr bewusst sein müssen, dass die mit einem Schweizer
Bürger geführte Kurzehe ein weiteres Aufenthaltsrecht nicht vorausset-
zungslos gewährleiste. Die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach
dem Ableben des Ehegatten verdanke sie offenbar einzig einem Irrtum
der Migrationsbehörde des Kantons X._. Sie habe den grössten
Teil ihres Lebens in Brasilien verbracht und halte sich nicht sehr lange in
der Schweiz auf. Sie führe auch keine berufliche Tätigkeit aus, welche sie
für den schweizerischen Arbeitsmarkt in besonderer Weise interessant
und unentbehrlich erscheinen lasse. Weder der Kontakt zu den in der
Schweiz lebenden Schwestern noch die Unterstützungspflicht gegenüber
ihren Kindern stellten Elemente dar, welche für eine Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung sprächen.
J.
Die Beschwerdeführerin gelangte am 14. Januar 2010 rechtsmittelweise
an das Bundesverwaltungsgericht. Sinngemäss beantragt sie die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung und die Erteilung der Zustimmung zur
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Dazu führt sie im Wesentlichen
aus, sie habe stets ohne Weiteres eine Anstellung in Haushalten ver-
schiedener angesehener Schweizer Familien gefunden. Das monatliche
Einkommen betrage mittlerweilen rund Fr. 4'000.-. Ihre Erfahrung habe
entgegen den Ausführungen der Vorinstanz gezeigt, dass es in diesem
Dienstleistungssektor an qualifizierten Arbeitskräften mangle. Ihr Ehegat-
te sei kurze Zeit nach der Eheschliessung erkrankt, worauf sie ihn bis zu
seinem plötzlichen Tod zu Hause gepflegt habe. Mit der Aussage des
BFM, sie habe damit rechnen müssen, dass ihre Ehe möglicherweise nur
von kurzer Dauer sei könnte, habe sie emotional Schwierigkeiten. In den
vergangenen Jahren seien die Kinder der Familie Q._ - einer der
Familien, welche sie bei der Kinderbetreuung sowie im Haushalt unter-
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stütze - wie ihre eigenen geworden. Sie habe in der Freizeit und an den
Wochenenden viel Zeit mit ihnen verbracht. Zudem seien ihre beiden
Schwestern in der Nähe. Mutter und Vater seien verstorben, ausser den
beiden Kindern habe sie in der Heimat niemanden mehr. Die Tochter sei
zudem weiterhin auf ihre finanzielle Unterstützung angewiesen.
Der Beschwerde waren diverse Arbeitsbestätigungen, Zeugnisse und Un-
terstützungsschreiben beigelegt, darunter ein Schreiben der Familie
Q._ vom 20. Oktober 2009, wonach ihr Umzug in den Kanton
B._ die Beschwerdeführerin veranlasst habe, in dieselbe Gemein-
de zu ziehen.
K.
In ihrer Vernehmlassung vom 29. März 2010 beantragt die Vorinstanz un-
ter Erläuterung der bisherigen Begründung die Abweisung der Beschwer-
de. Zusätzlich führt sie aus, die Mithilfe im Haushalt und die Verrichtung
von Reinigungsarbeiten stellten keine besonders qualifizierte Tätigkeit
dar, für welche sich nicht eine Person aus dem EU-EFTA Raum finden
lasse. Die finanzielle Unterstützung der Tochter sei auch von der Heimat
aus möglich, oder die Tochter könne ihr Studium mittels eines Zusatzver-
dienstes selbständig finanzieren.
L.
Die Beschwerdeführerin hält mit Replik vom 30. April 2010 an ihren
Rechtsbegehren fest.
M.
Mit Eingabe vom 19. Februar 2012 führt die Beschwerdeführerin – zur Ak-
tualisierung des Sachverhalts aufgefordert – im Wesentlichen aus, sie sei
mehrheitlich bei den selben Arbeitgebern tätig. Ihr Freundeskreis bestehe
vornehmlich aus Schweizern, welche sie grösstenteils über ihre Arbeitge-
ber kennengelernt habe. Seit einigen Monaten sei sie mit dem Schweize-
risch-Italienischen Doppelbürger P._ (geb. 1947) liiert. Nachdem
sie sich näher kennengelernt hätten, seien sie überzeugt, die Zukunft
gemeinsam verbringen zu wollen. Dank ihres zukünftigen Ehegatten habe
sie ihre soziale Integration in der Schweiz vertiefen und ihre Sprach-
kenntnisse weiter verbessern können. Nach wie vor unterstütze sie ihre
Tochter finanziell, welche auf diese Weise ihre Ausbildung abschliessen
könne. Diesem Umstand sei bei der Entscheidfindung ebenfalls Rech-
nung zu tragen.
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N.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwä-
gungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe-
halt der in Art. 32 genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer der in Art. 33
aufgeführten Behörden erlassen wurden. Darunter fallen Verfügungen
des BFM, welche sowohl die Zustimmung zur Erteilung bzw. Verlänge-
rung einer Aufenthaltsbewilligung als auch die Wegweisung betreffen.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet endgültig, soweit nicht die
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-
gericht offen steht (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 2 und 4 des Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2. Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht nach dem VwVG, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt.
1.3. Als Adressatin der Verfügung ist die Beschwerdeführerin zu deren
Anfechtung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerechte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts und – soweit nicht eine kantonale Behörde als
Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 sowie Urteil
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des Bundesverwaltungsgerichts A-2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2
und 1.3).
3.
3.1. Am 1. Januar 2008 trat das neue AuG und seine Ausführungsbe-
stimmungen in Kraft - unter anderem die Verordnung vom 24. Oktober
2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR
142.201). In Verfahren, die vor diesem Zeitpunkt anhängig gemacht wur-
den, bleibt nach der übergangsrechtlichen Ordnung des AuG das alte ma-
terielle Recht anwendbar, wobei es ohne Belang ist, ob das Verfahren auf
Gesuch hin - so explizit Art. 126 Abs. 1 AuG - oder von Amtes wegen er-
öffnet wurde (vgl. BVGE 2008/1 E. 2).
3.2. Der Beschwerdeführerin ist zwar noch unter dem Geltungsbereich
des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Nieder-
lassung der Ausländer (ANAG, BS 1 121) eine erstmalige Aufenthalts-
bewilligung erteilt worden, da sie jedoch mit Gesuch vom 30. Juni 2009
die Zustimmung zum Kantonswechsel, bzw. die Aufenthaltsbewilligung
beantragt hat, gelangt vorliegend neues Recht zur Anwendung.
3.3. Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung und
Verlängerung von Bewilligungen. Vorbehalten bleibt jedoch die Zustim-
mung durch das BFM. Dessen Zustimmungserfordernis ergibt sich im
vorliegenden Fall aus Art. 99 AuG i.V.m. Art. 85 Abs. 1 Bst. a VZAE.
Letztgenannte Bestimmung wird präzisiert durch die Weisungen des BFM
im Ausländerbereich in der Fassung vom 30. September 2011 (online ab-
rufbar unter: www.bfm.admin.ch > Dokumentation > Rechtliche Grundla-
gen > Weisungen und Kreisschreiben > I. Ausländerbereich > 1. Verfah-
ren und Zuständigkeiten). Danach ist die Verlängerung der Aufenthalts-
bewilligung einer Ausländerin oder eines Ausländers nach der Auflösung
der ehelichen Gemeinschaft mit dem schweizerischen oder ausländi-
schen Ehegatten oder nach dessen Tod, falls die Ausländerin oder der
Ausländer nicht aus einem Mitgliedstaat der EG oder der EFTA stammt,
dem BFM zur Zustimmung zu unterbreiten.
4.
4.1. Gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten von
Schweizerinnen und Schweizern, wenn sie mit diesen zusammenwoh-
nen, Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
und – nach einem ordnungsgemässen und ununterbrochenen Aufenthalt
von fünf Jahren - Anspruch auf Erteilung einer Niederlassungsbewilligung
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(Art. 42 Abs. 3 AuG). Nach Auflösung der Ehe oder Familiengemeinschaft
- mitgemeint ist auch die eheliche Gemeinschaft - besteht der Anspruch
auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung weiter, wenn
die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine er-
folgreiche Integration besteht (Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG) oder wenn wich-
tige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erfor-
derlich machen (Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG).
4.2. Gemäss Art. 51 Abs. 1 Bst. a und Abs. 2 Bst. a AuG erlöschen An-
sprüche aus Art. 42 ff. AuG, wenn sie rechtsmissbräuchlich geltend ge-
macht werden, namentlich um Vorschriften des Ausländergesetzes und
seiner Ausführungsbestimmungen zu umgehen. Dazu hat das Bundesge-
richt in einem neueren Urteil erwogen, dass das Rechtsmissbrauchsver-
bot unter der Herrschaft des AuG stärker auf seinen Kernbereich zu be-
schränken sei, d.h. auf eigentliche Machenschaften, um die Behörden zu
täuschen bzw. eine Bewilligung zu erschleichen (BGE 137 I 247 E. 5.1.1.
S. 252). Zu solchen Machenschaften gehört eine eheliche Haushaltge-
meinschaft, die nur dem äusseren Schein nach besteht (BGE 136 II 113
E. 3.2 S. 116), sei es weil die Ehe von Anfang an ausschliesslich auslän-
derrechtlich motiviert war (Scheinehe, vgl. BGE 137 I 247 E. 5.1.2. S. 252
f.), sei es weil die Ehe mit der Zeit zu einer inhaltsleeren Rechtshülle zer-
fiel, die ohne Aussicht auf Besserung aufrecht erhalten wird, um eine dar-
an anknüpfende ausländerrechtliche Vorzugsbehandlung nicht zu ver-
lieren. Indessen darf Rechtsmissbrauch nicht leichthin angenommen wer-
den. Verlangt werden klare und eindeutige Indizien. Ein Altersunterschied
von 30 Jahren sowie das fortgeschrittene Alter des verstorbenen Ehegat-
ten, genügen in diesem Zusammenhang nicht. Es müssen andere Indi-
zien hinzutreten, die in ihrer Gesamtheit den klaren Schluss zulassen,
dass eine eheliche Lebensgemeinschaft in Wahrheit nicht oder nicht mehr
gewollt ist und die Ehe nur aus ausländerrechtlichen Gründen besteht. In
der vorliegenden Streitsache sind solche zusätzlichen Indizien nicht zu
erkennen.
5.
5.1. Die Beschwerdeführerin führt in ihrer Rechtsmitteleingabe aus, die
Härtefallvoraussetzungen seien nach dem Tod des Ehegatten offensicht-
lich weiterhin erfüllt gewesen, sei ihr doch die Aufenthaltsbewilligung re-
gelmässig verlängert worden. Eine weitere Verlängerung dränge sich da-
her bereits gestützt auf eine konstante Behördenpraxis auf.
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5.2. Die Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung nach der Auflösung
der ehelichen Gemeinschaft oder nach dem Tod des schweizerischen
Ehegatten bedarf der Zustimmung des BFM. Eine ohne Zustimmung
ausgestellte Aufenthaltsbewilligung ist ungültig. Diese Rechtslage wurde
weiter oben bereits dargelegt (E. 3.3.). Mit Wegfall der Anspruchsvoraus-
setzungen nach Art. 42 Abs. 1 AuG fehlte damit der Fremdenpolizei des
Kantons X._ die Zuständigkeit, die Verlängerung der Aufenthalts-
bewilligung in eigener Kompetenz vorbehaltlos vorzunehmen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 2C_594/2011 vom 21. Juli 2011 E. 2.2 mit Hinwei-
sen).
5.3. In diesem Zusammenhang verweist die Vorinstanz auf die Verfügung
des Migrationsamtes des Kantons L._ vom 9. Dezember 2005
hinsichtlich Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung, wonach der Be-
schwerdeführerin hätte bewusst sein müssen, dass ihre durch Tod aufge-
löste Ehe ein weiteres Aufenthaltsrecht in der Schweiz nicht ohne Weite-
res gewährleiste. Dem kann nicht vorbehaltlos zugestimmt werden. Zu-
nächst gilt festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin auf ihr Gesuch vom
29. August 2005 hin am 30. September 2005 eine Aufenthaltsbewilligung
im Kanton L._ gültig bis zum 6. August 2006 ausgestellt worden
ist, welche - soweit aktenkundig - nicht widerrufen wurde. Die Verfügung
vom 9. Dezember 2005 nimmt sodann erneut Bezug auf das Gesuch vom
29. August 2005, ohne Berücksichtigung bzw. Widerruf der bereits erteil-
ten Aufenthaltsbewilligung. Die Ausführungen zur kantonalen Praxis bei
Todesfällen erfolgten sodann in Bezug auf die Frage der Verlängerung,
nicht der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Inwiefern diese beiden
Entscheide einander gegenüberzustellen und zu beurteilen sind, ist je-
doch nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Fest steht indessen, dass die
daraus entstehenden Diskrepanzen der Beschwerdeführerin nicht zum
Nachteil gereichen dürfen. Was die weiteren aufenthaltsrechtlichen Um-
stände betrifft, wurden diese in jener Verfügung ebenfalls missverständ-
lich dargestellt. So wurde explizit festgehalten, im Kanton L._ be-
stehe kein Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung, die Gesuchstellerin
habe aber die Möglichkeit, in den Kanton X._ zurückzukehren.
Diese Feststellung erweckt den Anschein, dass die Beschwerdeführerin
im Kanton X._ die Voraussetzungen für die Erteilung bzw. Verlän-
gerung einer Aufenthaltsbewilligung erfülle. Insgesamt waren die Um-
stände des Erlasses dieser Verfügung sowie deren Inhalt nicht geeignet,
die aufenthaltsrechtliche Situation der Beschwerdeführerin in der Schweiz
nachvollziehbar darzulegen, sodass sie davon ausgehen durfte, die Vor-
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aussetzungen für die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Kanton
X._ zu erfüllen.
5.4. Entsprechend hat die Fremdenpolizei des Kantons X._ - an-
ders als das Migrationsamt des Kantons L._ - die Aufenthaltsbe-
willigung ohne weitere Begründung immer wieder eigenständig verlän-
gert, zuletzt bis zum 6. August 2009. Dies geschah im Bewusstsein über
das Ableben des Ehegatten und somit in Kenntnis des Wegfalls des ur-
sprünglichen Zulassungsgrundes. Erst nachdem die Beschwerdeführerin
in den Kanton B._ umgezogen war, wurde die Sache, nunmehr
von der zuständigen Behörde des Kantons Thurgau, dem BFM zur Zu-
stimmung unterbreitet. Aus der mehrmaligen Verlängerung der Aufent-
haltsbewilligung durch die zuvor zuständige Behörde des Kantons
X._, kann die Beschwerdeführerin indessen, mit Verweis auf Ziff.
5.2. hiervor, keinen Anspruch zu ihren Gunsten ableiten. Die umstrittene
Bewilligungsverlängerung stand von Gesetzeswegen unter dem Vorbe-
halt der Bundesgenehmigung. Eine Verletzung des Vertrauensschutzes
liegt mithin nicht vor.
6.
6.1. Wie aus dem Sachverhalt hervorgeht, hat die Beschwerdeführerin
am 8. August 2004 in H._ einen Schweizer Bürger geheiratet. Be-
reits am 22. September 2005 verstarb der Ehemann, womit die Ehe ledig-
lich etwas mehr als 13 Monate dauerte.
Im Ergebnis steht damit fest, dass die eheliche Gemeinschaft der Be-
schwerdeführerin vor Ablauf der gesetzlichen Dreijahresfrist beendet war.
Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG findet mit anderen Worten keine Anwendung.
Zumindest im Rahmen dieser Bestimmung kommt es auf die behauptete
Integration - die ein kumulatives Kriterium wäre - nicht mehr an.
7.
Gemäss Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG besteht der Anspruch auf Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung - unabhängig von der bisherigen Dauer der
Ehegemeinschaft - auch dann fort, wenn wichtige persönliche Gründe ei-
nen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Solche
Gründe können namentlich - so explizit Art. 50 Abs. 2 AuG - vorliegen,
wenn der betreffende Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde und seine
soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint;
beide Bedingungen müssen jedoch nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 136
II 1 E. 5 S. 3 ff.). Bei der Anwendung von Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG geht
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Seite 12
es darum, Härtefälle bei der Bewilligungsverlängerung nach der Auflö-
sung der ehelichen Gemeinschaft zu vermeiden. Massgeblich ist, wie sich
die Verpflichtung der ausländischen Person, nach der Ehe die Schweiz zu
verlassen, auf ihre persönliche Situation auswirkt bzw. ob sie für die be-
troffene Person aufgrund der konkreten Umstände einen Härtefall dar-
stellt. Weitere wichtige - und im Zusammenhang mit der Ehe stehende
Gründe - können sich auch daraus ergeben, dass der in der Schweiz le-
bende Ehegatte gestorben ist oder gemeinsame Kinder vorhanden sind
und stets sind auch die Umstände, die zur Auflösung der Ehe geführt ha-
ben, zu berücksichtigen (vgl. MARC SPESCHA, in: Spescha/Thür/
Zünd/Bolzli, Kommentar Migrationsrecht, Zürich 2009, Art. 50 N 7 sowie
MARTINA CARONI in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Hand-
kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer,
Art. 50 N 23 f.). Ein wichtiger persönlicher Grund kann sich aber auch aus
anderen Umständen oder Aspekten im In- oder Herkunftsland der betrof-
fenen Person ergeben. Die in Art. 31 Abs. 1 VZAE erwähnten Gesichts-
punkte können bei der Beurteilung eine Rolle spielen, auch wenn sie ein-
zeln betrachtet grundsätzlich noch keinen Härtefall zu begründen vermö-
gen (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.3 f. S. 349 f. mit weiterem Hinweis). Es
handelt sich hierbei um den Grad der Integration, die Respektierung der
Rechtsordnung, die Familienverhältnisse, die finanziellen Verhältnisse,
die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz und den Gesundheitszustand.
Hat der Aufenthalt in der Schweiz nur kürzere Zeit gedauert und wurden
keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein Anspruch
auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die Reintegration im Her-
kunftsland keine besonderen Probleme stellt (vgl. zum Ganzen BGE 137
II 1 E. 4.1 S. 7 sowie BGE 137 II 345 E. 3.2.1 ff. S. 348 ff. je mit Hinwei-
sen sowie bspw. Urteil des Bundesgerichts 2C_150/2011 vom 5. Juli 2011
E. 2.3).
8.
8.1. Das Ableben des Ehepartners begründet nicht automatisch einen
Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG (vgl. BGE 137 II 1 E. 3.1
mit Hinweisen). So trifft die Verpflichtung – die Schweiz nach dem Able-
ben des Ehegatten zu verlassen – die betroffene Person denn auch nicht
immer derart schwer, dass darunter ein ausländerrechtlicher Härtefall zu
verstehen ist. Vielmehr wird aufgrund der konkreten Umstände des Ein-
zelfalls eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und
Familienleben vorausgesetzt, die mit der Lebenssituation nach dem Da-
hinfallen der aus der ehelichen Gemeinschaft abgeleiteten Anwesen-
heitsberechtigung verbunden sind. Die Vorinstanz hält in der angefochte-
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nen Verfügung diesbezüglich korrekt fest, der Tod per se stelle noch kei-
nen wichtigen persönlichen Grund im Sinne von Art. 50 AuG dar. Weiter
führt sie dann jedoch aus, bei der Eheschliessung mit einem 75-Jährigen
müsse damit gerechnet werden, dass die Ehe möglicherweise nur von
kurzer Dauer sein könne. Die Verneinung eines Anspruchs gestützt auf
Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG infolge Auflösung der Ehe durch Tod kann je-
doch nicht einzig gestützt auf dieses Argument erfolgen.
8.2. Die Ehe der Beschwerdeführerin dauerte gut 13 Monate und blieb
kinderlos. Über die Beziehung der Beschwerdeführerin zum Ehegatten ist
lediglich bekannt, dass sie sich gut ein Jahr vor der Hochzeit bei einem
Besuch der Beschwerdeführerin ihrer Schwester in der Schweiz kennen
gelernt haben. Im Zeitraum bis zur Hochzeit dürften sie vorwiegend eine
Fernbeziehung geführt haben. Bereits kurz nach der Eheschliessung ist
der Ehegatte erkrankt und war fortan auf die Pflege durch die Beschwer-
deführerin angewiesen. Da die Todesursache nicht in direktem Zusam-
menhang mit der Erkrankung stand, war sein Ableben unerwartet.
Der grosse Altersunterschied sowie das fortgeschrittene Alter des ver-
storbenen Ehegatten stellen sodann lediglich äussere Umstände dar,
welche für sich allein noch keine endgültigen Schlüsse erlauben. Ent-
sprechend hat es die Vorinstanz versäumt, sich mit den weiteren Elemen-
ten des Einzelfalles auseinanderzusetzen. Dies, obwohl sie gehalten ge-
wesen wäre, sämtliche Faktoren der gelebten Beziehung sowie die Um-
stände der Auflösung zu prüfen und diese in die Gesamtwürdigung ein-
zubeziehen. Folglich fällt es zugunsten der Beschwerdeführerin aus, dass
sie ihrem Ehemann nach dessen Erkrankung beigestanden ist und ihn bis
zu seinem unerwarteten Tod gepflegt hat.
8.3. Eine Auflösung der Ehe durch Tod rechtfertigt - selbst wenn für sich
allein keine eigene Anspruchsgrundlage begründend - einen milderen
Massstab bei der Beurteilung der Härtefallsituation (bezogen auf die alt-
rechtliche Regelung vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-195/2008 vom 25. Mai 2011 E.6.3, mit Hinweisen). Da die Aufgabe der
ehelichen Gemeinschaft nicht auf einer entsprechenden Entscheidung
der Ehegatten beruhte, sind vor diesem Hintergrund Gründe der Pietät
geeignet, die Anforderungen an die private Interessenlage entscheidend
herabzusetzen. In dem Sinne gilt es die besondere Ausgangslage zu
Gunsten der Beschwerdeführerin mit zu berücksichtigen.
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9.
9.1. Da die persönliche Situation des jeweils Betroffenen massgebend ist,
können auch die in Art. 31 Abs. 1 VZAE aufgelisteten, aber nicht erschöp-
fenden Kriterien für die Beurteilung eines (nachehelichen) Härtefalles he-
rangezogen werden und eine wesentliche Rolle spielen, auch wenn sie
einzeln betrachtet grundsätzlich noch keinen Härtefall zu begründen ver-
mögen (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.3). Ausdrücklich aufgeführt werden
dort die Integration (Bst. a), die Respektierung der Rechtsordnung (Bst.
b), die Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse sowie
der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung
(Bst. d), die Dauer der Anwesenheit (Bst. e), der Gesundheitszustand
(Bst. f) und die Möglichkeiten der Wiedereingliederung im Herkunftsland
(Bst. g; siehe hierzu MARTINA CARONI in: Caroni/Gächter/Thurnherr
[Hrsg.], a.a.O., Art. 50 N 23 f.). Schliesslich sind auch die Umstände, die
zur Auflösung der Ehe geführt haben, zu berücksichtigen (zum Ganzen
vgl. BGE 137 II 1 E. 4.1 S. 7 f.).
9.2. Die unbescholtene Beschwerdeführerin hält sich inzwischen knapp
acht Jahre in der Schweiz auf. Während dieser Zeit ist es ihr in hohem
Masse gelungen, sich in die schweizerischen Lebensverhältnisse ein-
zugliedern. Sie baute sich - nicht zuletzt dank ihrer Arbeit - selbständig
ein funktionierendes soziales Netz mit zum Teil sehr engen Kontakten auf
und aus. So ist sie in gewissen Haushalten (vgl. Bestätigungsschreiben)
zu einem Teil der Familie geworden. Die Bindung zur Familie Q._
ist derart eng geworden, dass die Beschwerdeführerin ausserhalb der Ar-
beit viel Zeit mit deren Kindern verbringt und der Familie nach deren Um-
zug in den Kanton B._ gefolgt ist. Inzwischen hat sie in der
Schweiz einen neuen Lebenspartner gefunden, mit welchem sie zusam-
menzuziehen möchte. Das Paar hegt bereits konkrete Heiratspläne. In
dieser Beziehung konnte sie zudem ihre Sprachkenntnisse weiterentwi-
ckeln und sich weiter in der Schweiz integrieren. Überdies lebt eine ihrer
Schwestern mit ihrer Familie in der Schweiz und eine andere befindet
sich im benachbarten Ausland, wo sie verwurzelt sind. Mit beiden unter-
hält sie eine enge Beziehung.
9.3. Auch die berufliche und wirtschaftliche Integration kann als erfolg-
reich bezeichnet werden. Bereits wenige Monate nach der Hochzeit fand
die Beschwerdeführerin eine Arbeitsstelle als "Allrounderin" in einem
Wellnessunternehmen. Später war sie vermehrt in Privathaushalten als
Reinigungskraft, Haushälterin und Kinderbetreuerin tätig. Aus den zahl-
reichen Eingaben von Arbeitgebern geht hervor, dass ihre Leistungen,
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wie auch ihre Person sehr geschätzt werden. Entsprechend weist die Be-
schwerdeführerin darauf hin, dass sie, trotz Umzugs, beruflich sehr bald
wieder voll ausgelastet gewesen sei und die Nachfrage ihre Kapazitäten
sogar übersteige. Sie war während ihres gesamten Aufenthaltes in der
Schweiz wirtschaftlich unabhängig und kam ihren finanziellen Verpflich-
tungen grösstenteils nach. Zwar übt sie keine qualifizierte Tätigkeit aus,
auch kann sie auf beruflicher Ebene keine Weiterbildungen vorweisen.
Jedoch werden ihre Arbeit und ihre charakterlichen Eigenschaften sehr
geschätzt. Die Tätigkeit in Privathaushalten erfordert sodann eine gewis-
se Organisationsfähigkeit und setzt voraus, dass die Beschwerdeführerin
an ihrem Wohnort als vertrauenswürdig gilt, sowie bekannt und gernge-
sehen ist. Mittels ihrer Arbeit konnte sie sich gut in die Gemeinde einglie-
dern und weitere soziale Kontakte knüpfen, was ihren Integrationspro-
zess bis heute stetig fördert. Sodann ist auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung zu verweisen, wonach eine gelungene wirtschaftliche In-
tegration nach Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG bereits bei finanzieller Unabhän-
gigkeit vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_430/2011 vom 11. Ok-
tober 2011 E. 4.2). Diese Voraussetzung ist vorliegend erfüllt.
9.4. Die Beschwerdeführerin ist im Alter von 45 Jahren in die Schweiz ge-
kommen und hat den grössten Teil ihres Lebens in Brasilien verbracht.
Sie ist mit der dortigen Sprache, Kultur und Lebensweise vertraut. Als
wichtige Verbindung zur Heimat gelten ihre beiden Kinder sowie einige
Geschwister. Ihre Eltern, welche sie und ihre Kinder finanziell unterstütz-
ten und bei denen sie leben durften, sind verstorben. Nach ihrem Tod war
die Beschwerdeführerin derart überfordert, dass sie ihre Tochter zur
Adoption an die Schwester in die Schweiz freigeben musste. In Brasilien
war sie nicht mehr in der Lage, für sie zu sorgen. Hier hat die Beschwer-
deführerin eine Basis und Kontinuität gefunden. Dies stellt eine grosse
Leistung dar, wenn man berücksichtigt, dass sie ihr hiesiges Leben ohne
fremde Unterstützung gemeistert hat. Zwar kann die unfreiwillige Aufgabe
der über Jahre hinweg aufgebauten Existenz und des sozialen Netzes
zwar nicht als schlichtweg unzumutbar beurteilt werden. Es besteht in-
dessen kein Zweifel, dass eine verweigerte Aufenthaltsregelung und
Wegweisung bei den aktuellen Begebenheiten und unter Berücksichti-
gung der schwierigen persönlichen Lebensumstände in der Vergangen-
heit, einen erheblichen Eingriff in die Lebensverhältnisse der Beschwer-
deführerin darstellen würde. Obwohl eine Reintegration grundsätzlich
möglich erscheint, sähe sie sich beim Neuaufbau einer Existenz mit zahl-
reichen Schwierigkeiten konfrontiert.
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9.5. In Berücksichtigung sämtlicher Faktoren und Besonderheiten dieses
Einzelfalls (unerwarteter Todesfall, Verlängerung der Aufenthaltsbewilli-
gung während mehreren Jahren nach Wegfall des ursprünglichen Zulas-
sungsgrundes sowie fortgeschrittene Integration und klagloses Verhalten)
gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass ein wichtiger
persönlicher Grund im Sinne eines nachehelichen Härtefalles gemäss
Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG vorliegt, welcher der Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung einräumt. Indem
die Vorinstanz die Zustimmung zu einer weiteren Regelung des Anwe-
senheitsrechts hierzulande verweigert hat, erweist sich ihre Anordnung
als rechtsfehlerhaft.
10.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht verletzt (Art. 49 Bst. a VwVG). Die Beschwerde
ist deshalb gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und
der Verlängerung der kantonalen Aufenthaltsbewilligung zuzustimmen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Eine Parteient-
schädigung ist nicht auszurichten, da der nicht vertretenen Beschwerde-
führerin keine notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten entstan-
den sind (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 4 des Reglements vom 21.
Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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