Decision ID: 3247fd57-7c58-42b7-b65d-9df11f177c5d
Year: 2000
Language: de
Court: CH_BGer
Chamber: CH_BGer_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.-
Die Eduard Waldburger AG ist Eigentümerin des
Grundstücks Parz.Nr. 2218, Grundbuch St. Gallen-Bruggen,
sowie der westlich angrenzenden Grundstücke Parz.Nrn. 2952
und 3153, Grundbuch Gossau. Auf der Parzelle Nr. 2218 be-
treibt sie seit 1951 ein Tanklager. Die Parzellen Nrn. 2952
und 3153 grenzen auf ihrer Nordseite an die St. Gallen und
Gossau verbindende Staatsstrasse Nr. 2 (St. Gallerstrasse).
Die Zufahrt zum Tanklager verläuft ab der St. Gallerstrasse
über die Parzelle Nr. 2952, die Ausfahrt über eine rückwär-
tige, in die Schoretshuebstrasse mündende Privatstrasse.
Diese führt über die im Eigentum der Stadt St. Gallen ste-
hende Parzelle Nr. 2217; die Eduard Waldburger AG verfügt
darauf seit September 1997 über ein dienstbarkeitsvertrag-
lich gesichertes unbeschränktes Fuss- und Fahrwegrecht. Die
Schoretshuebstrasse mündet an einer mit Lichtsignalanlage
gesicherten Kreuzung wieder in die St. Gallerstrasse.
B.-
Am 18. Juni 1996/25. Februar 1997 genehmigte die
Regierung des Kantons St. Gallen ein Projekt für die Er-
stellung eines Radstreifens beidseits der St. Gallerstrasse
und das Anbringen neuer Bodenmarkierungen mit Linksabbiege-
spuren in die Richtung Gossau führende Schlachthofstrasse
sowie in die in der Verlängerung der Schoretshuebstrasse
nordwärts führende Breitfeldstrasse. Zudem sieht das Projekt
auf der Südseite der St. Gallerstrasse, wo sich die Grund-
stücke der Eduard Waldburger AG befinden, die Anordnung
einer Zutrittsverbotslinie vor.
Die Regierung des Kantons St. Gallen wies eine
Einsprache der Eduard Waldburger AG gegen das Projekt am
21. Oktober 1997 ab. Die Eduard Waldburger AG gelangte gegen
diesen Entscheid erfolglos an das kantonale Verwaltungsge-
richt.
C.-
Das Bundesgericht hat eine gegen das Urteil des
Verwaltungsgerichts vom 18. März 1998 erhobene staatsrecht-
liche Beschwerde der Eduard Waldburger AG am 10. Juli 1998
gutgeheissen und das angefochtene Urteil wegen Verweigerung
des rechtlichen Gehörs aufgehoben (Verfahren 1P.259/1998).
D.-
In der Folge gab das Verwaltungsgericht bei Prof.
K. Dietrich vom Institut für Verkehrsplanung, Transport-
technik, Strassen- und Eisenbahnbau der ETH Zürich (IVT)
eine verkehrstechnische Expertise in Auftrag, welche der
Experte am 7. Juni 1999 erstattete. Gestützt darauf bejahte
das Verwaltungsgericht, dass die umstrittene Zutrittsver-
botslinie unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit
geboten sei. Hingegen stellte es nochmals fest, dass die
Regierung der Beschwerdeführerin zu Unrecht für das Ein-
spracheverfahren Kosten auferlegt hatte. Es hiess daher die
Beschwerde mit Urteil vom 26. Oktober 1999 in diesem Punkt
gut und wies sie im Übrigen ab.
E.-
Die Eduard Waldburger AG hat gegen dieses Urteil am
6. Dezember 1999 erneut staatsrechtliche Beschwerde an das
Bundesgericht erhoben. Sie beantragt die Aufhebung des ange-
fochtenen Entscheides, soweit ihre Beschwerde damit abgewie-
sen wurde, und die Aufhebung des angefochtenen Staatsstras-
senprojektes, soweit dadurch die bestehende direkte Zufahrt
von der Staatsstrasse zu den Grundstücken der Beschwerdefüh-
rerin aufgehoben oder beschränkt wird. Eventualiter bean-
tragt sie die Rückweisung der Sache zu neuer Entscheidung
an die Vorinstanz. Sie rügt die Verletzung der Eigentums-
garantie, des Willkürverbots und des Anspruchs auf recht-
liches Gehör sowie auf eine öffentliche Verhandlung gemäss
Art. 6 Ziff. 1 EMRK.
Die Regierung, vertreten durch das Baudepartement,
und das Verwaltungsgericht beantragen, die Beschwerde sei
abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
F.-
Der Präsident der I. öffentlichrechtlichen Abtei-
lung des Bundesgerichts hat der Beschwerde am 6. Januar 2000
in näher umschriebenem Umfang die aufschiebende Wirkung zu-
erkannt.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.-
a) Hinsichtlich der Eintretensvoraussetzungen kann
zunächst auf das in der gleichen Sache ergangene Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Juli 1998 verwiesen werden. Demnach
ist ohne weiteres auf die Beschwerde einzutreten, soweit die
Beschwerdeführerin die Verletzung in verfahrensrechtlichen
Rechten geltend macht.
b) Dagegen bedarf näherer Prüfung, ob auf die Be-
schwerde auch insoweit einzutreten ist, als damit eine Ver-
letzung der Eigentumsgarantie (Art. 22ter aBV bzw. Art. 26
BV) gerügt wird.
aa) Nach einer bereits weit zurückreichenden Recht-
sprechung hat der Anstösser kein besseres Recht auf Benüt-
zung einer im Gemeingebrauch stehenden Strasse als andere
Personen, soweit ihm nicht das kantonale Recht eine beson-
dere Rechtsstellung verschafft. Der Anstösser verfügt also
- unter Vorbehalt einer abweichenden kantonalen Regelung -
bloss über eine tatsächliche Vorzugsstellung und nicht über
ein unter dem Schutz der Eigentumsgarantie stehendes Recht
auf Zugang und Benützung einer an sein Land angrenzenden
Strasse. Es wird dem Anstösser daher die Legitimation ab-
gesprochen, sich unter Berufung auf die Eigentumsgarantie
gegen die Aufhebung oder Einschränkung des Gemeingebrauchs
der Strasse mit staatsrechtlicher Beschwerde zur Wehr zu
setzen (BGE 61 I 225 E. 5 S. 230 f.; 79 I 199 E. 2 S. 205;
105 Ia 219 E. 2 S. 221 f.).
In einem Entscheid, in dem die Nichterneuerung
einer kantonalen Bewilligung für einen privaten Seezugang im
Streit lag, erklärte das Bundesgericht unter Verweis auf die
erwähnte Praxis, ein Seeanstösser habe kein unter dem Schutz
der Eigentumsgarantie stehendes Recht auf eine den Gemeinge-
brauch überschreitende Nutzung eines öffentlichen Gewässers
und sei daher bei Aufhebung oder Einschränkung des Seean-
stosses nicht berechtigt, die Wiederherstellung oder eine
Entschädigung zu verlangen. Wenn jedoch ein Eigentümer sein
ordnungsgemäss errichtetes, von der Bewilligung für den See-
zugang nicht betroffenes Bootshaus nicht mehr ordnungsgemäss
nutzen könne, weil ihm die Bewilligung zur Beibehaltung
eines Bootshafens verweigert werde, liege eine Beeinträchti-
gung des Eigentumsrechts vor (Entscheid des Bundesgerichts
vom 30. März 1984 in ZBl 87/1986 S. 372 E. 4). In einem
neueren Entscheid trat das Bundesgericht auf die Beschwerde
verschiedener Anstösser gegen ein saisonales Fahrverbot auf
einer Kantonsstrasse ein. Es erwog unter anderem, die An-
stösser könnten die Handels- und Gewerbefreiheit anrufen,
wenn der bisherige Gemeingebrauch an einer Strasse aufge-
hoben werden solle, sofern der Weiterbestand dieses Gemein-
gebrauchs Voraussetzung für die Ausübung eines Gewerbes der
Anstösser bilde. Ob sich die Anstösser darüber hinaus eben-
falls auf die Eigentumsgarantie hätten berufen können, liess
das Bundesgericht offen (Entscheid vom 14. Oktober 1994 in
ZBl 96/1995 S. 510 f. E. 3c und d).
bb) In der Lehre ist die Unterscheidung zwischen
bloss faktischen Vorteilen und rechtlichen, durch die Eigen-
tumsgarantie geschützten Interessen verschiedentlich kriti-
siert worden. Wesentlicher als diese Unterscheidung sei
die Frage, wie schwer ein Eingriff in die Eigentümerstel-
lung wiege oder die Ausübung eines Gewerbes beeinträchtige
( Georg Müller, Kommentar BV, Art. 22ter, Rz. 5 f.; ders.,
Rechtsstellung von Anstössern an öffentlichen Strassen,
recht 1996, S. 218, 223 f.; Urs Saxer, Die Grundrechte und
die Benutzung öffentlicher Strassen, Diss. Zürich 1988,
S. 187 f.; Marcel Bolz, Das Verhältnis von Schutzobjekt
und Schranken der Grundrechte, Diss. Zürich 1991, S. 53 ff.,
69 f.; Jörg Paul Müller, Grundrechte in der Schweiz, 3. Aufl.,
Bern 1999, S. 604; Peter Saladin, Grundrechte im Wandel,
3. Aufl., Bern 1982, S. 135 ff.).
Es erscheint in der Tat problematisch, bei der Ab-
grenzung des Schutzbereichs der Eigentumsgarantie darauf
abzustellen, ob durch die fragliche Massnahme ein recht-
liches oder bloss ein faktisches Interesse betroffen sei.
Bereits in einzelnen bisherigen Entscheiden wurde anerkannt,
dass auch der Entzug faktischer Vorteile den Eigentümer im
Ergebnis gleichermassen treffen kann wie eine Einschränkung
seiner rechtlichen Befugnisse (vgl. die zitierten Entscheide
des Bundesgerichts vom 30. März 1984 und vom 14. Oktober
1994). An der Rechtsprechung, die Anstössern von vornherein
das Recht abspricht, sich gegenüber einer Aufhebung oder
Einschränkung des Gemeingebrauchs einer öffentlichen Sache
auf die Eigentumsgarantie zu berufen, kann daher nicht fest-
gehalten werden. Auf diese Weise wird der Tatsache Rechnung
getragen, dass sich der Schutzbereich der Eigentumsgarantie
nicht nur auf die unmittelbar aus dem Eigentum fliessenden
rechtlichen Befugnisse, sondern auch auf gewisse faktische
Voraussetzungen zur Ausübung dieser Befugnisse erstreckt.
Das Interesse an deren Erhaltung ist insoweit nicht bloss
faktischer Natur, sondern auch rechtlich geschützt.
cc) Die Beschwerdeführerin sieht in der Festsetzung
einer Zutrittsverbotslinie im Bereich ihrer Parzellen einen
unzulässigen Eingriff in die Eigentumsgarantie. Zu dieser
Rüge ist sie nach dem Dargelegten legitimiert. Ob die um-
strittene Massnahme tatsächlich in das verfassungsrechtlich
geschützte Eigentum eingreift und dieses verletzt, bildet
Gegenstand der materiellen Beurteilung. Auf die Beschwerde
ist daher auch insoweit einzutreten, als darin eine Verlet-
zung der Eigentumsgarantie gerügt wird. Dasselbe gilt mit
Bezug auf die geltend gemachte willkürliche Anwendung des
kantonalen Strassengesetzes vom 12. Juni 1988 (StrG), da
die fraglichen Bestimmungen den Anstössern bestimmte Rechte
einräumen.
c) Auf das Rechtsmittel ist demgegenüber nicht ein-
zutreten, soweit damit mehr verlangt wird als die Aufhebung
des angefochtenen Entscheids, denn die staatsrechtliche Be-
schwerde ist - von nicht zutreffenden Ausnahmen abgesehen -
rein kassatorischer Natur (BGE 124 I 327 E. 4a S. 332).
2.-
Die Beschwerdeführerin macht geltend, auch im zwei-
ten Verfahren habe das Verwaltungsgericht Art. 6 Ziff. 1
EMRK verletzt, weil es weder einen zweiten Augenschein noch
eine mündliche Verhandlung durchgeführt habe. Zudem sei der
Anspruch auf Begründung verletzt, weil das Verwaltungsge-
richt sich immer noch nicht mit den Ausführungen der Be-
schwerdeführerin anlässlich des Augenscheins vom 18. März
1998 auseinandergesetzt habe.
Die Kritik der Beschwerdeführerin ist verständlich.
Namentlich kann dem Verwaltungsgericht nicht beigepflichtet
werden, wenn es die Auffassung vertritt, auf das Protokoll
eines Augenscheins könne verzichtet werden, wenn das Gericht
an diesem Anlass vollzählig anwesend gewesen sei. Das Proto-
koll dient nicht nur dem Gericht selbst, sondern soll den
Gang der Verhandlung auch für Dritte, z.B. das Bundesge-
richt, nachvollziehbar machen. Sofern die Äusserungen der
Parteien im Urteil nicht hinlänglich wiedergegeben werden,
kann auf ein Protokoll grundsätzlich nicht verzichtet
werden.
Vorliegend ist indes zu berücksichtigen, dass das
Bundesgericht im Urteil vom 10. Juli 1998 die fehlende Aus-
einandersetzung mit den Argumenten der Beschwerdeführerin
vor allem deshalb als gehörsverweigernd ansah, weil das Ver-
waltungsgericht seine Begründung auch nicht auf die von der
Beschwerdeführerin beantragte Expertise stützen konnte.
Inzwischen liegt eine Expertise vor, deren Ergebnisse, wie
noch zu zeigen ist, schlüssig sind. Unter diesen Umständen
ist es nicht verfassungswidrig, dass das Verwaltungsgericht
auf die anlässlich des Augenscheins vorgebrachten Einwände
der Beschwerdeführerin nicht mehr eingegangen ist. Dabei
durfte das Gericht auch berücksichtigen, dass die Beschwer-
deführerin eine nochmalige Verhandlung zum ganzen Prozess-
thema nicht mehr verlangt hatte, obwohl auf Grund seines
Beweisbeschlusses vom 18. Februar 1999 ungewiss war, ob es
von sich aus einen zweiten Augenschein durchführen würde,
und eine nochmalige Verhandlung damit unsicher war. Keine
Verweigerung des rechtlichen Gehörs lag im Verzicht auf
den von der Beschwerdeführerin beantragten Augenschein zur
Frage, ob es noch eine weitere private Zufahrt in die
St. Gallerstrasse gebe oder nicht, weil das Verwaltungsge-
richt diese Frage mit Recht als nicht entscheidwesentlich
ansah. Am 2. März 1999 hatte die Beschwerdeführerin nicht
einen Augenschein des Gerichts verlangt, sondern beantragt,
dass ein allfälliger Augenschein des Experten im Beisein
der Parteien stattfinde. Nachdem das Verwaltungsgericht im
ersten Verfahren eine mündliche Verhandlung durchgeführt
hatte und im zweiten Verfahren eine Expertise einholte, zu
der sich die Parteien vernehmen lassen konnten, verstösst
es nicht gegen Art. 6 EMRK und den Anspruch auf rechtliches
Gehör, dass das Verwaltungsgericht auf eine weitere münd-
liche Verhandlung verzichtet hat.
3.-
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die angefoch-
tene Massnahme beruhe nicht auf einer ausreichenden gesetz-
lichen Grundlage und verletze daher die Eigentumsgarantie.
Das Verwaltungsgericht stütze sich zu Unrecht auf Art. 101
Abs. 3 StrG und lege diese Norm willkürlich aus. Danach sei
es nur möglich, den seitlichen Zutritt, nicht aber das Ver-
lassen der Strasse zu verbieten. Massgeblich sei Art. 65
Abs. 2 StrG, der die Beschränkung von Zufahrten und Zugängen
an strengere Voraussetzungen knüpfe. Das Verwaltungsgericht
habe demgegenüber erwogen, massgeblich sei allein Art. 101
Abs. 3 StrG. Der darin verwendete Begriff "Zutritt" bedeute
nicht nur Zutritt im engen Wortsinn, sondern auch Zufahrt,
und zwar sowohl vom Anstössergrundstück zur Strasse hin als
auch in umgekehrter Richtung.
a) Die umstrittene Zutrittsverbotslinie bewirkt,
dass nicht mehr direkt von der Kantonsstrasse zum Tanklager
der Beschwerdeführerin gefahren werden kann. Ob darin ein
Eingriff in das verfassungsmässig geschützte Eigentum liegt,
erscheint fraglich, da die rückwärtige Erschliessung und
damit die Nutzbarkeit des Landes der Beschwerdeführerin
erhalten bleibt. Wie es sich in dieser Hinsicht verhält,
kann aber offen bleiben. Selbst wenn von einem Eingriff in
das Eigentum ausgegangen würde, wäre dieser jedenfalls nicht
schwer, so dass nach der Rechtsprechung die Auslegung und
Anwendung des massgebenden kantonalen Rechts nur auf Willkür
hin überprüft werden könnte (BGE 123 I 313 E. 2b S. 317).
Da die Beschwerdeführerin in materieller Hinsicht einzig
die Anwendung des kantonalen Rechts beanstandet, vermöchte
ihr die Eigentumsgarantie vorliegend keinen weiterreichenden
Schutz zu vermitteln als das von ihr ebenfalls angerufene
Willkürverbot.
Es ist daher zu prüfen, ob das Verwaltungsgericht
ohne Willkür die Anwendbarkeit von Art. 65 Abs. 2 StrG ver-
neinen und seinen Entscheid auf Art. 101 Abs. 3 StrG stützen
konnte, und ob es diese Bestimmung willkürfrei ausgelegt
hat. Das Verwaltungsgericht hat in diesem Zusammenhang zu
Unrecht angenommen, die Beschwerdeführerin bestreite nicht
mehr, dass Art. 101 Abs. 3 StrG die gesetzliche Grundlage
für die vorgesehene Zutrittsverbotslinie darstelle. Weil
das ergänzende Verfahren auf die Einholung der Expertise
beschränkt war, hatte die Beschwerdeführerin keinen Anlass,
ihre Ausführungen im ersten Verfahren zu wiederholen. Aus
ihrem Stillschweigen kann daher nicht abgeleitet werden, die
Beschwerdeführerin habe ihre im ersten Verfahren vorgebrach-
ten Einwände fallen gelassen.
b) Willkür liegt nach der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung nicht schon vor, wenn eine andere Lösung ebenfalls
vertretbar erscheint oder sogar vorzuziehen wäre. Das Bundes-
gericht hebt einen kantonalen Entscheid wegen materieller
Rechtsverweigerung nur auf, wenn er offensichtlich unhaltbar
ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch
steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz
krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeits-
gedanken zuwiderläuft. Willkür liegt nur vor, wenn nicht
bloss die Begründung, sondern auch das Ergebnis unhaltbar
ist (BGE 125 II 129 E. 5b S. 134).
c) Die Beschwerdeführerin erblickt Willkür darin,
dass die kantonalen Instanzen das streitige Zutrittsverbot
nicht auf Art. 65 Abs. 2 StrG, sondern auf Art. 101 Abs. 3
StrG abstützten. Indessen scheint die Praxis Art. 65 Abs. 2
StrG so zu verstehen, dass darin nur vorübergehende Be-
schränkungen von Zufahrten und Zugängen geregelt werden
(vgl. Markus Möhr, Kurzkommentar zum st. gallischen Stras-
sengesetz vom 12. Juni 1988, hrsg. von Guido Germann,
St. Gallen 1989, N 3 zu Art. 65). Die Beschwerdeführerin
behauptet nicht, diese Praxis bestehe nicht. Das Verwal-
tungsgericht hat ohne weitere Begründung angenommen, dass
Art. 101 StrG die massgebende Norm sei, offenbar weil diese
Vorschrift zu den "strassenpolizeilichen Bestimmungen" zählt
und nicht wie Art. 65 StrG bei den "besonderen Bestimmungen"
eingeordnet ist. Die Beschwerdeführerin bringt nichts vor,
was die Zuordnung des Streitfalls zu Art. 101 StrG durch die
kantonalen Instanzen als willkürlich erscheinen liesse. Es
trifft wohl zu, dass sich Art. 65 StrG mit bestehenden Zu-
fahrten und Zugängen befasst; hingegen ist nicht dargetan,
dass Art. 101 Abs. 3 StrG nur bei neuen Strassen zur Anwen-
dung gelangen darf.
Selbst wenn aber Art. 65 Abs. 2 StrG als die mass-
gebliche Norm anzusehen wäre, so könnte dem Verwaltungsge-
richt im Ergebnis nicht Willkür vorgeworfen werden. Nach
dieser Bestimmung können Zufahrten und Zugänge beschränkt
oder aufgehoben werden, wenn Verkehrssicherheit oder Stras-
senbau es erfordern. Ob die Verkehrssicherheit eine lokale
Zugangsbeschränkung erfordert, ist entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführerin in erster Linie eine Rechtsfrage,
abhängig von der Anwendung des unbestimmten Rechtsbegriffs
"Verkehrssicherheit", bei deren Beantwortung den Verwal-
tungsbehörden ein Entscheidungsspielraum offen steht (vgl.
Erich Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aargau, Kommentar,
2. Aufl., Aarau 1985, N 36 f. der Einleitung; Ulrich
Häfelin/Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwal-
tungsrechts, 3. Aufl., Zürich 1998, Rz. 344 ff., 361 ff.).
Den Behörden steht es frei, bei der Anwendung dieser Be-
stimmung einen relativ strengen Massstab anzulegen. Ein
wesentlicher Unterschied zur Voraussetzung für die Anwendung
von Art. 101 Abs. 3 StrG ist daher nicht auszumachen.
d) Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
ist der Ausdruck "Zutritt" in Art. 101 Abs. 3 StrG nicht
klar, sondern auslegungsbedürftig. Die Bestimmung würde näm-
lich wenig Sinn machen, wenn sie sich auf die Regelung des
zu Fuss erfolgenden Zutritts beschränken würde. Die Frage
nach ihrer weiteren Bedeutung ist daher unvermeidlich.
Es trifft zu, dass sich das Verwaltungsgericht zur
Begründung seiner Auffassung nur auf den bereits erwähnten
Kurzkommentar zum st. gallischen Strassengesetz ( Dölf Gmür,
a.a.O., N 7 zu Art. 101) beruft und dass dort keine nähere
Begründung für diese Auslegung gegeben wird. Immerhin wird
in den Vorbemerkungen zu Art. 100-108 (N 3) darauf hinge-
wiesen, dass das neue Strassengesetz nach Möglichkeit ge-
strafft und deshalb darauf verzichtet wurde, eine Vielzahl
von Einzeltatbeständen zu normieren. Das spricht dafür, dass
einzelne Begriffe im Zweifel eher weiter auszulegen sind,
als wenn das Gesetz zahlreiche Detailregelungen enthalten
würde. Eine weite Auslegung des Begriffs "Zutritt" entbehrt
zudem nicht der inneren Logik. So kann das Ziel des Zu-
trittsverbots, eine Bündelung der Zufahrten zur Erhöhung
der Verkehrssicherheit, eher erreicht werden, wenn darunter
auch Ausfahrten verstanden werden, womit Brems- und Abbiege-
manöver sowie Strassenüberquerungen an diesen Stellen ganz
entfallen und das Verkehrsgeschehen vereinfacht wird. Der
von der Beschwerdeführerin hervorgehobene Umstand, dass eine
Ausfahrt aus einem Grundstück ein grösseres Gefahrenpoten-
zial enthält als eine blosse Einfahrt, ändert daran nichts.
Schliesslich entspricht die Auslegung des Verwaltungsge-
richts dem in der Literatur anzutreffenden Verständnis
(vgl. Richard A. Koch, Das Strassenrecht des Kantons
Zürich (Strassenpolizeirecht), Zürich 1997, S. 135 Fn. 1;
Zimmerlin, a.a.O., N 1 zu § 75).
Insgesamt erweist sich somit die Auslegung von
Art. 101 Abs. 3 StrG durch das Verwaltungsgericht als will-
kürfrei.
4.-
Das Verwaltungsgericht hat bereits in seinem
ersten Entscheid massgeblich darauf abgestellt, dass die
St. Gallerstrasse eine stark belastete Hauptverkehrsstrasse
sei, bei der im Hinblick auf die Wahrung der Verkehrssicher-
heit der Erlass einer Zutrittsverbotslinie geboten sei. Das
vom Gericht eingeholte Gutachten bestätigt diese Schluss-
folgerung und widerspricht den Auffassungen der Beschwerde-
führerin. Die Einwände der Beschwerdeführerin belegen keine
Willkür in der Würdigung des Gutachtens.
a) Die Beschwerdeführerin machte im kantonalen Ver-
fahren geltend, der Experte habe sein Gutachten auf eine un-
zutreffende Norm der Vereinigung Schweizerischer Strassen-
fachleute gestützt und deshalb die Begriffe "inner-/ausser-
orts" bzw. "inner-/ausserhalb besiedelter Gebiete" verwech-
selt. Das Verwaltungsgericht erwog dazu, unabhängig davon,
ob sich die fraglichen Grundstücke im besiedelten Gebiet
befänden, sei nach allen in Frage kommenden SN-Normen eine
rückwärtige Erschliessung jedenfalls dann erforderlich, wenn
die Grundstückszufahrt die Sicherheit des Verkehrs auf der
Strasse bzw. dem Radweg beeinträchtige. Entgegen der Behaup-
tung der Beschwerdeführerin stützt sich der im Gutachten
gezogene Schluss, die Verkehrssicherheit werde durch die
umstrittene Zufahrt beeinträchtigt, in erster Linie auf den
Charakter der Hauptverkehrsstrasse (Verkehrsbelastung, Aus-
baustandard) und nur in zweiter Linie auf die darin zitier-
ten SN-Normen. Mit dem Verwaltungsgericht ist zudem festzu-
stellen, dass auch gemäss der von der Beschwerdeführerin als
massgeblich angesehenen SN-Norm auf Hauptverkehrsstrassen
ausserhalb besiedelter Gebiete Grundstückszufahrten grund-
sätzlich zu vermeiden und innerhalb besiedelter Gebiete nur
ausnahmsweise anzuordnen sind, wobei eine rückwärtige Er-
schliessung oder zumindest die Zusammenfassung nebeneinan-
derliegender Erschliessungen stets anzustreben ist. Welche
der von der Beschwerdeführerin erwähnten Normen als massgeb-
lich angesehen wird, spielt daher keine ausschlaggebende
Rolle. Es kann keine Rede davon sein, dass das Gutachten
von den üblichen Methoden oder Normen abgewichen ist und das
Verwaltungsgericht daher eine Ergänzung hätte veranlassen
müssen.
b) Das Verwaltungsgericht hat festgestellt, das
Gutachten habe berücksichtigt, dass der Auslastungsgrad der
Kantonsstrasse bei der Zählstelle Gossau-Mettendorf tiefer
sei als bei der Zählstelle St. Gallen-Zürcherstrasse/Bild.
Dennoch habe es die St. Gallerstrasse als stark belastet
eingestuft. In weitgehend appellatorischer Kritik macht die
Beschwerdeführerin geltend, das Gutachten beruhe auf irrtüm-
lichen Feststellungen; es sei nötig gewesen, eine zusätz-
liche Verkehrszählung vorzunehmen bzw. zu berücksichtigen.
Es ist zweifelhaft, ob die Kritik der Beschwerdeführerin
in diesem Punkt ausreichend begründet ist (Art. 90 Abs. 1
lit. b OG); jedenfalls ist sie in der Sache unbegründet.
Das Gutachten gibt die Verkehrsmengen bei den erwähnten
Zählstellen an und schliesst daraus, dass es sich bei der
St. Gallerstrasse trotz der parallel verlaufenden Autobahn
bereits heute um eine stark belastete Hauptverkehrsstrasse
handle, und dies bei inhomogenen Querschnittsverhältnissen.
Es ist nicht willkürlich, dass die Gutachter auch die Zahlen
des Zählers St. Gallen-Zürcherstrasse/Bild berücksichtigt
haben, liegt doch die Kreuzung Schoretshuebstrasse zwischen
den beiden Zählstellen und ist auf Grund der vorhandenen
Strassen und Abzweigungen anzunehmen, dass dort die Ver-
kehrsbelastung Werte erreicht, die zwischen jenen der beiden
Zählstellen liegen. Zudem steht fest, dass bereits beim
Zähler Gossau-Mettendorf die grösste Verkehrsmenge am Werk-
tag über 20'000 Fahrzeuge pro Tag, d.h. gut 80 % der theo-
retischen Leistungsfähigkeit der Strasse, beträgt. Zusätz-
liche Abklärungen konnten ohne Willkür unterbleiben.
c) Das Verwaltungsgericht hat den Antrag der Be-
schwerdeführerin abgelehnt, vom Gutachter zusätzliche An-
gaben zum Unfallgeschehen einzufordern. Es hat dazu erwogen,
dass das Gutachten nicht von auffälligen Unfallhäufungen
ausgehe. Selbst wenn es zutreffe, dass im fraglichen Ab-
schnitt in den letzten Jahren keine polizeilich registrier-
ten Unfälle mit Radfahrerbeteiligung dokumentiert seien,
sei entscheidend, dass auf Grund der aktuellen Situation im
fraglichen Abschnitt Auffahrunfälle begünstigt und Radfahrer
gefährdet würden. Die Beschwerdeführerin bringt nichts vor,
was diese Erwägung als willkürlich erscheinen lässt. Daher
konnte das Verwaltungsgericht auch auf die genauere Abklä-
rung der bisherigen Unfallzahlen verzichten. In diesem Ver-
zicht liegt keine Verweigerung des rechtlichen Gehörs.
d) Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, das
Gutachten habe die Frage, ob der Sperrstreifen vor der um-
strittenen Ausfahrt gekürzt oder aufgehoben werden könnte,
um so die Linksabbiegespur auch für die Zufahrt zum Grund-
stück der Beschwerdeführerin zur Verfügung zu stellen, nicht
beantwortet. Die Aussage im Gutachten, der "vorhandene"
Stauraum werde künftig für den Verkehr Richtung Schlachthof-
strasse benötigt, kann nur so verstanden werden, dass damit
der physisch vorhandene Stauraum gemeint ist, inklusive der
Strecke von rund 20 m, die heute durch Sperrstreifen mar-
kiert ist. Das Gutachten verweist in diesem Zusammenhang
darauf, dass die heute markierte Abbiegespur nur rund 50 m
lang ist, und dass die noch zu erwartende Überbauung zu
zusätzlichem Schwerverkehr zur Schlachthofstrasse führen
wird. Damit hat das Gutachten die gestellte Frage beant-
wortet.
e) Zur Frage der Gefährdung durch von Westen her-
kommende, nach rechts in die Einfahrt abbiegende Fahrzeuge
hat das Verwaltungsgericht nicht auf die (nicht vorhandenen)
Aussagen des Gutachtens, sondern auf eigene Erwägungen abge-
stellt. Die Beschwerdeführerin rügt dies zu Unrecht als
Willkür. Die Gefährdung der schwächeren Verkehrsteilnehmer
durch nach rechts abbiegende Lastwagen ist notorisch. Diesem
Aspekt kommt zwar bei der umstrittenen Verkehrsmassnahme
keine ausschlaggebende Bedeutung zu. Indessen durfte ihn das
Verwaltungsgericht zusammen mit anderen, im Gutachten behan-
delten Aspekten berücksichtigen, und zwar ohne Ergänzung des
Gutachtens. Dies gilt grundsätzlich unabhängig davon, ob ein
Radstreifen markiert wird, da die Gefährdung der Radfahrer
in jedem Fall auftritt. Das Gericht durfte zudem ohne Will-
kür in Rechnung stellen, dass durch den Radstreifen die
ganze Strecke für Radfahrende aufgewertet und sicherer ge-
staltet werden soll.
f) Wie bereits dargelegt (E. 3c), ist die Frage, ob
die Aufhebung der Zufahrt aus Gründen der Verkehrssicherheit
geboten ist, eine Entscheidungsspielräume eröffnende Rechts-
frage. Während ein beigezogener Fachgutachter die Tatfragen
klären kann, die sich hinsichtlich der Sicherheit bzw. der
Gefährdung durch das Verkehrsgeschehen stellen, ist es Sache
der zuständigen Behörden und nicht des Gutachters, die er-
forderlichen rechtlichen Schlüsse zu ziehen (vgl. BGE 125
II 541 E. 5d S. 549). Die Formulierung von Frage 1c erweist
sich insofern als zu weit. Daher spielt es auch keine Rolle,
ob der Gutachter darauf direkt oder eher ausweichend geant-
wortet hat. Es genügt, dass das Verwaltungsgericht gestützt
auf die tatsächlichen und verkehrstechnischen Auskünfte im
Gutachten zum Schluss gelangt ist, die Zutrittsverbotslinie
sei geboten (bzw. erforderlich im Sinne von Art. 65 Abs. 2
StrG).
g) Zusammenfassend ergibt sich, dass das Gutachten
keine Mängel aufweist, die eine Ergänzung unumgänglich mach-
ten, und dass daher das Verwaltungsgericht darauf abstellen
konnte. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das Gut-
achten unter Beizug von Mitarbeitern des Instituts für Ver-
kehrsplanung, Transporttechnik, Strassen- und Eisenbahnbau
(IVT) erstellt wurde. Massgeblich ist, dass das Gutachten
vom beauftragten Gutachter unterzeichnet und damit verant-
wortet wurde.
5.-
Die Beschwerdeführerin bringt nichts vor, was eine
Verfassungswidrigkeit des angefochtenen Entscheids begrün-
det. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit darauf ein-
getreten werden kann.
Bei diesem Ausgang sind die Kosten des bundesge-
richtlichen Verfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 156 Abs. 1 OG). Parteientschädigungen sind nicht zuzu-
sprechen (Art. 159 Abs. 2 OG).