Decision ID: ddc49fb8-6756-486b-bc07-e1425a75402c
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Amt für AHV und IV des Kantons Thurgau, Ausgleichskasse, Postfach 31,
8501 Frauenfeld,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 25. August 2005 zum Bezug einer Ergänzungsleistung zur
Invalidenrente an (act. 4). Bei der Anspruchsberechnung berücksichtigte die EL-
Durchführungsstelle auf der Einnahmenseite u.a. ein hypothetisches Erwerbsein
kommen von Fr. 17'640.-- bzw. Fr. 11'093.-- und eine Rente aus der beruflichen Vor
sorge von Fr. 13'440.-- (act. 5-3). Mit einer Verfügung vom 15. September 2005 sprach
die EL-Durchführungsstelle der Versicherten mit Wirkung ab September 2005 eine
Ergänzungsleistung von Fr. 322.-- zu (act. 5-1). Am 13. Oktober 2005 liess die
Versicherte Einsprache erheben. Ihr Vertreter beantragte eine Neuberechnung der
Ergänzungsleistung ohne hypothetisches Erwerbseinkommen (act. 6-1). Am 28. Juni
2006 wies die EL-Durchführungsstelle die Versicherte darauf hin, dass eine reformatio
in peius drohe. Es hätte nämlich eine Rente aus der beruflichen Vorsorge von Fr.
18'720.-- berücksichtigt werden müssen. Weil an der Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens festzuhalten sei, resultiere bei einer korrekten
Anspruchsberechnung ein Einnahmenüberschuss. Da die Versicherte innert der ihr
angesetzten Frist nicht reagierte, erliess die EL-Durchführungsstelle am 15. August
2006 einen Einspracheentscheid, mit dem sie rückwirkend ab September 2005 einen
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung verneinte (act. 17). Am gleichen Tag erliess sie
eine Verfügung, mit der sie die zwischen September 2005 und August 2006 zu Unrecht
ausgerichteten Ergänzungsleistungen im Gesamtbetrag von Fr. 4'808.-- von der
Versicherten zurückforderte (act. 21). Der Einspracheentscheid und die Verfügung
erwuchsen unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.b Die Versicherte liess am 13. Oktober 2006 beantragen, die Ergänzungsleistung ab
September 2005 neu zu berechnen und auf die Rückforderung von Fr. 4'808.-- zu
verzichten (act. 26-1 ff.). Ihr Vertreter konnte belegen, dass die Rente aus der
beruflichen Vorsorge tatsächlich nur Fr. 13'440.-- betragen hatte. Am 8. Juni 2007 teilte
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die EL-Durchführungsstelle mit (act. 38), es sei ein Wiedererwägungsgesuch pendent.
Diesem Gesuch werde sehr wahrscheinlich demnächst entsprochen werden. Die
Ergänzungsleistung werde dann neu berechnet. Am 1. November 2007 gab die EL-
Durchführungsstelle an (act. 44), sämtliche Akten inklusive derjenigen der
Invalidenversicherung würden nochmals geprüft. In Bezug auf die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens sei der Ausgang des laufenden
Rentenrevisionsverfahrens der Invalidenversicherung abzuwarten. Die zuständige
Gemeindezweigstelle wurde am 8. Januar 2009 mit der Einholung verschiedener
Unterlagen (Mietvertrag etc.) beauftragt (act. 53). Die Versicherte reichte die
entsprechenden Belege am 20. März 2009 ein (act. 56-3 ff.). Mit einem "Entscheid"
vom 20. Oktober 2011 (act. 64) wies die EL-Durchführungsstelle das gegen den
Einspracheentscheid vom 15. August 2006 und gegen die Rückforderungsverfügung
vom 16. August 2006 gerichtete Wiedererwägungsgesuch ab. Sie führte zur
Begründung aus, die jährliche Rente aus der beruflichen Vorsorge habe zwar
tatsächlich nur Fr. 13'440.-- betragen. Das hypothetische Erwerbseinkommen müsse
aber angerechnet werden, da das Revisionsverfahren weiterhin einen Anspruch auf
eine halbe Invalidenrente ergeben habe. Zudem müssten neu individuelle Prämien
verbilligungen von Fr. 1'250.-- (2005) und Fr. 1'300.-- (2006) sowie der neue Mietzins
ab 1. April 2006 angerechnet werden. Damit resultiere wieder ein
Einnahmenüberschuss. Für den Zeitraum September 2005 bis August 2006 bestehe
deshalb kein Anspruch auf eine Ergänzungsleistung. Die Rückforderung betrage Fr.
4'808.--. Die EL-Durchführungsstelle wies abschliessend darauf hin, dass über die
Periode September 2006 bis 31. März 2011 (Wegzug in den Kanton St. Gallen) eine
separate Verfügung ergehen werde. Die Anspruchsberechnungen für die Zeit ab
September 2006 ergaben alle einen Einnahmenüberschuss (act. 68-79). Deshalb
verneinte die EL-Durchführungsstelle mit einer Verfügung vom 27. April 2012 auch für
die Zeit bis 31. März 2011 einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung (EL-act. 80).
A.c Die Versicherte erhob am 25. Mai 2012 Einsprache gegen die Verfügung vom
27. April 2012 betreffend die Periode "von 2005 - März 2011" (act. 82). Sie machte
sinngemäss geltend, ihr Invaliditätsgrad sei nicht erhöht worden, obschon ihr offizieller
IV-Grad von 56% nicht mehr ihrer (schlechteren) körperlichen Verfassung entspreche.
Sie habe sich ständig bemüht und sie bemühe sich weiter, eine angemessene
Arbeitsstelle zu ca. 40% zu finden. Wegen ihres Alters sowie wegen ihrer
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Teilbehinderung sei sie trotz unzähliger Bemühungen und Eigeninseraten nicht fündig
geworden. Es sei schwierig, im Nachhinein alle Arbeitsbemühungen nachzuvollziehen
und darzustellen. Jedenfalls seien diese "vielzählig und umfangreich" gewesen. Das
angerechnete hypothetische Erwerbseinkommen sei nicht realistisch, da sie trotz
unzähliger Bemühungen nicht die Gelegenheit gefunden habe, einen Zusatzverdienst
zur Rente zu erzielen. Sie bitte darum, "diese hypothetischen Lohnabzüge zu erlassen
und aufzuheben". Abschliessend listete die Versicherte diverse Arbeitsbemühungen
aus den Jahren 2006 bis 2011 auf. Der zuständige Sachbearbeiter der EL-
Durchführungsstelle notierte am 12. Juli 2012, es bestehe kein Grund, das
hypothetische Erwerbseinkommen aus der Berechnung zu nehmen, denn man habe
nie schriftliche Bewerbungen erhalten (act. 84). Die Einsprache wurde am 8. August
2012 abgewiesen (act. 85). Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt, die
Versicherte habe ihre Arbeitsbemühungen ohne Zeitangabe aufgelistet.
Bewerbungsschreiben mit den entsprechenden Antworten fehlten aber. Die Versicherte
habe zudem für die Zeit von 2006 bis 2011 nur 24 Arbeitsbemühungen aufgezählt.
Selbst wenn die entsprechenden Bewerbungen und Absagebriefe nachgeliefert
würden, wäre diese Zahl nicht ausreichend, um ernsthafte Arbeitsbemühungen zu
belegen. Deshalb sei zu Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet
worden.
A.d Die EL-Durchführungsstelle erliess am 20. August 2012 eine Verfügung, mit der sie
der Versicherten eine Krankheitskostenvergütung über Fr. 901.30 zusprach und
gleichzeitig die Verrechnung mit der offenen Rückforderung von Fr. 4'808.-- anordnete
(act. 88). Die Restforderung belief sich auf Fr. 3'906.70 (act. 90).
A.e In einem an die EL-Durchführungsstelle adressierten und mit "Einsprache/Erlass
gesuch gegen ihren Entscheid vom 20. Aug. 2012" betitelten Schreiben machte die
Versicherte am 7. September 2012 geltend (act. 91), sie sei nicht in der Lage, den
Forderungsbetrag von Fr. 3'906.70 zu begleichen, weil sie seit langer Zeit keine feste
Arbeitsstelle gefunden habe und weil sich ihr Gesundheitszustand seit längerer Zeit
verschlechtert habe. Da sie mittellos sei und bei ihr eine grosse Härte bestehe, bitte sie
um den Erlass des noch offenen Betrages. Die EL-Durchführungsstelle bestätigte den
Eingang dieses Erlassgesuches am 13. September 2012 (act. 92).
B.
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B.a Ebenfalls am 7. September 2012 richtete die Versicherte (nachfolgend: Be
schwerdeführerin) ein mit "Einsprache/Erlassgesuch gegen ihren Entscheid vom
8.08.2012" betiteltes Schreiben an das Verwaltungsgericht Thurgau (act. G 1). Sie
machte geltend, sie sei nicht in der Lage, den Rückforderungsbetrag von Fr. 3'906.70
zu begleichen und sie bitte um den Erlass der Rückforderung. Das Verwaltungsgericht
Thurgau überwies die Eingabe zuständigkeitshalber an das Versicherungsgericht St.
Gallen (act. G 2).
B.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
4. Januar 2013 das Nichteintreten auf die Eingabe der Beschwerdeführerin (act. G 5).
Zur Begründung führte sie aus, die formell rechtskräftige Verfügung vom 16. August
2006 sei nicht innerhalb der Rechtsmittelfrist angefochten worden und auf ein Wieder
erwägungsgesuch sei nicht eingetreten worden, weshalb es an einem Anfechtungs
gegenstand mangle.
B.c Die Beschwerdeführerin liess sich nicht ergänzend vernehmen (act. G 7).
B.d Am 12. Februar 2014 forderte das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
die Beschwerdeführerin auf (act. G 8), ihre Beschwerde zu verbessern, d.h. ein
Beschwerdebegehren und eine kurze Begründung nachzuliefern. Am 3. März 2014
beantragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung des Einspracheentscheides vom
8. August 2012 (act. G 10). Sie führte aus, die Beschwerdegegnerin habe die
ursprünglich zugesprochenen Ergänzungsleistungen aufgrund eines Fehlers
aufgehoben und zurückgefordert. Nachdem der Fehler korrigiert worden sei, sei aber
keine Weiterausrichtung und Nachzahlung der Ergänzungsleistungen erfolgt.
Stattdessen würden von ihr nun wiederum Ergänzungsleistungen zurückgefordert,
wovon aber gar nicht die Rede sein könne.
B.e Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. März 2014 wiederum das Nichtein
treten auf die Beschwerde (act. G 12).

Erwägungen:
1.
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1.1 Gegen Einspracheentscheide kann Beschwerde an das kantonale
Versicherungsgericht erhoben werden (Art. 56 f. ATSG). Zuständig ist das
Versicherungsgericht des Kantons, in dem die Beschwerde führende Person im
Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat (Art. 58 Abs. 1 ATSG). Da die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz im Kanton
St. Gallen hatte, ist das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen zur Beurteilung
ihrer Eingabe vom 7. September 2012 (act. G 1) örtlich zuständig.
1.2 Gegen die Verfügung vom 20. Oktober 2011, mit der die Beschwerdegegnerin das
gegen den Einspracheentscheid vom 15. August 2006 und gegen die dazugehörige
Rückforderungsverfügung vom 16. August 2006 gerichtete Wiedererwägungsgesuch
abgewiesen hatte, hat die Beschwerdeführerin keine Einsprache erhoben, so dass die
Abweisungsverfügung in formelle Rechtskraft erwachsen ist. Damit steht fest, dass die
Beschwerdeführerin für die Periode September 2005 bis August 2006 keinen Anspruch
auf eine Ergänzungsleistung hatte und deshalb zu Unrecht bezogene
Ergänzungsleistungen im Gesamtbetrag von Fr. 4'808.-- zurückzuerstatten hat. Diese
Rückforderung ist im Zusammenhang mit der am 20. August 2012 verfügten
Krankheitskostenvergütung wieder thematisiert worden, weil die Beschwerdegegnerin
die Verrechnung der Vergütung mit der Rückforderung von Fr. 4'808.-- verfügt hat.
Dies erklärt, weshalb die Beschwerdeführerin in ihrer an die Beschwerdegegnerin
gerichteten Eingabe vom 7. September 2012 nicht auf die Verfügung vom 20. Oktober
2011 (bzw. auf die Verfügung vom 16. August 2006) Bezug genommen hat. Die Frage,
ob es sich bei dieser Eingabe nur um ein Erlassgesuch oder auch um eine Einsprache
gegen die am 20. August 2012 verfügte Verrechnung gehandelt hat, wird von der
Beschwerdegegnerin erstinstanzlich zu beantworten sein. Die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin diese Eingabe an die Beschwerdegegnerin gerichtet hat, belegt,
dass sie sich des Umstands bewusst gewesen ist, dass die Rückforderung nichts mit
dem Einspracheentscheid vom 8. August 2012 zu tun hatte, denn sonst hätte sie eine
Beschwerde an das Versicherungsgericht erhoben. Ihr ist also bewusst gewesen, dass
sie diesen Einspracheentscheid anfechten musste, nicht um einen Erlass der
Rückforderung zu erlangen, sondern um für die Periode September 2006 bis März
2011 eine Nachzahlung zu erhalten. Dementsprechend hat sie denn auch in einer
zweiten, an das Verwaltungsgericht Thurgau gerichteten Eingabe vom 7. September
2012 den Einspracheentscheid vom 8. August 2012 als den Anfechtungsgegenstand
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bezeichnet. Dass sie dabei die falsche Rechtsfrage, nämlich diejenige nach der
Möglichkeit des Erlasses der Rückforderung, zum Gegenstand ihrer Begründung
gemacht hat, kann nur als Versehen interpretiert werden. Dieses Versehen hat seine
Ursache wohl darin gehabt, dass die Beschwerdeführerin zeitgleich die entsprechende
Eingabe an die Beschwerdegegnerin abgefasst hat. Trotz dieses Fehlers hat die
Beschwerdeführerin dem Gericht deutlich ihren Anfechtungswillen (d.h. den Willen, die
Anspruchsberechtigung für September 2006 bis März 2011 gerichtlich überprüfen zu
lassen) geäussert, indem sie den Einspracheentscheid vom 8. August 2012 als
Anfechtungsgegenstand bezeichnet und ihre Eingabe an das Verwaltungsgericht
Thurgau gerichtet hat. Im Übrigen wäre es offensichtlich unsinnig gewesen, sowohl bei
der Beschwerdegegnerin als auch - entgegen der entsprechenden Rechtsbelehrung -
beim Gericht den Erlass der Rückforderung zu beantragen. Damit steht entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin fest, dass die Beschwerdeführerin eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8. August 2012 hat erheben wollen.
Deshalb hat sie gemäss Art. 61 lit. b Satz 2 ATSG einen Anspruch darauf gehabt, die
Möglichkeit zu einer Verbesserung/Vervollständigung der Beschwerde zu erhalten. Sie
hat diese Möglichkeit genutzt, indem sie ein Beschwerdebegehren (Nachzahlung von
mindestens Fr. 21'000.--) gestellt und dieses auch begründet hat. Angesichts der im
angefochtenen Einspracheentscheid enthaltenen ausführlichen Sachverhaltsdarstellung
wäre es überspitzt formalistisch gewesen, das Eintreten auf die Beschwerde auch noch
von einer kurzen Sachverhaltsdarstellung abhängig zu machen. Demnach ist auf die
Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 Strittig ist die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens im Zeitraum
September 2006 bis März 2011. Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. f i.V.m. lit. a ELG sind
Erwerbseinkünfte, auf deren Erzielung verzichtet wird, als hypothetische Einnahmen
anzurechnen. Für Bezüger einer Invalidenrente sieht Art. 14a Abs. 2 ELV die
Anrechnung eines hypothetischen Mindesterwerbseinkommens vor. Bei einem
Invaliditätsgrad von 50% bis unter 60% (die Beschwerdeführerin ist gemäss ihren
eigenen Angaben zu 56% invalid) entspricht das anzurechnende hypothetische
Erwerbseinkommen mindestens dem Höchstbetrag für den Lebensbedarf gemäss Art.
10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin für das Jahr
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2006 ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 17'640.--, für die Jahre 2007/8
von Fr. 18'140.--, für die Jahre 2009/10 von Fr. 18'720.-- und für 2011 von Fr. 19'050.--
angerechnet. Praxisgemäss begründet Art. 14a Abs. 2 ELV die Vermutung, dass der
EL-Ansprecher in der Lage sei, ein Erwerbseinkommen in der vorgesehenen
Mindesthöhe zu erzielen. Dabei handelt es sich um eine Vermutung. Diese kann durch
den Nachweis der objektiven Unfähigkeit zur Erzielung eines Erwerbseinkommens
widerlegt werden. Als Ursachen für eine solche Unfähigkeit kommen insbesondere die
Gesundheitsbeeinträchtigung bzw. die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit und die
(unverschuldete) Arbeitslosigkeit in Frage.
2.2 Da die Vermutung an einen bestimmten Invaliditätsgrad anknüpft, der von einem
anderen Sozialversicherungsträger ermittelt worden ist, kann es nicht die Aufgabe der
EL-Durchführungsstelle sein, eigenständig den Invaliditätsgrad eines EL-Ansprechers
zu ermitteln, um dann gestützt auf das Ergebnis dieser Invaliditätsbemessung zu ent
scheiden, ob und wie Art. 14a Abs. 2 ELV zur Anwendung gelangen muss. Der Inva
liditätsgrad, welcher der IV-Rentenverfügung zugrunde liegt, bildet also Teil des für die
EL-Durchführungsstelle massgebenden Sachverhalts, d.h. er kann nie das Resultat
einer eigenständigen rechtlichen Würdigung des IV-spezifischen Sachverhalts durch
die EL-Durchführungsstelle sein. Auf diesen Sachverhalt stützt sich die Vermutung,
dass noch ein bestimmtes Erwerbseinkommen erzielt werden könnte. Bringt der EL-
Ansprecher die zuständige IV-Stelle dazu, dass sie den Invaliditätsgrad (i.d.R. durch ein
Rentenrevisionsverfahren) massgeblich erhöht, wird also nicht die Vermutung des
Art. 14a Abs. 2 ELV widerlegt, sondern Art. 14a Abs. 2 ELV sieht aufgrund eines
veränderten Sachverhalts eine andere Vermutung und damit ein anderes
hypothetisches Erwerbseinkommen vor. Trotzdem kann die Vermutung des Art. 14a
Abs. 2 ELV ausnahmsweise unter Berufung auf den aktuellen Gesundheitszustand
wiederlegt werden, nämlich wenn nach der IV-Rentenzusprache eine Veränderung des
Gesundheitszustands eintritt, die dem Invaliditätsgrad, auf den sich die IV-
Rentenzusprache gestützt hat, offensichtlich nicht mehr entspricht, und wenn aus
irgendeinem Grund anzunehmen ist, dass diese Veränderung zu keiner Erhöhung des
Invaliditätsgrades führen wird. Das ist etwa dann der Fall, wenn ein erwerbsloser,
teilinvalider EL-Ansprecher aufgrund eines Unfalls mehrere Monate stationär behandelt
werden muss und deshalb in dieser Zeit objektiv keiner Erwerbstätigkeit nachgehen
könnte. Für die Dauer dieser Behandlung ist die sich auf den Invaliditätsgrad
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abstützende Vermutung, dass der EL-Ansprecher noch teilzeitlich einer
Erwerbstätigkeit nachgehen und ein Einkommen erzielen könnte, widerlegt. Die
Beschwerdegegnerin hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin
mit der behaupteten zunehmenden Verschlechterung ihres Gesundheitszustands die
Vermutung des Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV nicht habe widerlegen können, zumal die
jüngste Rentenrevision darauf schliessen lasse, dass objektiv keine Verschlechterung
eingetreten sei.
2.3 Zu prüfen bleibt, ob es der Beschwerdeführerin gelungen ist, die Vermutung des
Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV damit zu widerlegen, dass sie im fraglichen Zeitraum nach
weislich unverschuldet arbeitslos gewesen ist. Die ernsthafte und (verhältnismässig)
intensive Stellensuche ist eine EL-spezifische Schadenminderungspflicht, die sich aus
Art. 11 Abs. 1 lit. f ELG ableitet, die aber in aller Regel, auch im vorliegenden Fall, nicht
gestützt auf Art. 21 Abs. 4 ATSG abgemahnt werden muss, da sie auch von einem "EL-
Laien" als selbstverständlich zu betrachten ist. Die Arbeitsbemühungen lassen sich
nicht ohne die Mithilfe des EL-Ansprechers nachweisen. Deshalb kommt die
Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung (deren Existenz in Art. 43 Abs. 3
ATSG vorausgesetzt wird) zur Anwendung. Der EL-Ansprecher muss die Belege für
seine Arbeitsbemühungen, für deren Ernsthaftigkeit und für deren Zahl, aber auch für
deren Erfolglosigkeit, einreichen, weil er beim Widerlegen der Vermutung des Art. 14a
Abs. 2 ELV die Beweisführungslast trägt und weil die EL-Durchführungsstelle die
entsprechenden Beweise naturgemäss nicht selbst sammeln kann. Die Notwendigkeit,
die Arbeitsbemühungen zu belegen, um die Vermutung des Art. 14a Abs. 2 ELV
widerlegen zu können, ist für den "EL-Laien" nicht ohne weiteres erkennbar. Die EL-
Durchführungsstelle muss ihn deshalb, soweit dies zeitlich möglich ist, auf diese
Anforderung hinweisen, wie es bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) im
Rahmen des Vollzugs der Arbeitslosenversicherung üblich ist. Die Beschwerdeführerin
ist - trotz der de facto-Sistierung der Behandlung ihres Wiedererwägungsgesuchs über
mehrere Jahre - von der Beschwerdegegnerin nicht auf ihre Beweisführungslast und
damit auf die Notwendigkeit, die Belege für die Arbeitsbemühungen zu sammeln und
einzureichen, hingewiesen worden. Es verstösst deshalb gegen den Grundsatz von
Treu und Glauben, wenn die Beschwerdegegnerin nun aus dem Unvermögen der
Beschwerdeführerin, ihre Arbeitsbemühungen in den Jahren 2006 bis 2011 hinreichend
zu dokumentieren, und aus dem Nichteinreichen der noch vorhandenen Belege einen
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Vorteil ableitet und geltend macht, es sei der Beschwerdeführerin nicht gelungen, die
Vermutung des Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV durch den Nachweis der durchgehend unver
schuldeten Arbeitslosigkeit zu widerlegen. Das Unterlassen des Hinweises auf die
Notwendigkeit des Sammelns der Belege für die Arbeitsbemühungen kann nun nicht
mehr korrigiert werden. Aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin ist nämlich
davon auszugehen, dass die notwendigen Belege nicht mehr oder nur noch
unvollständig vorhanden sind. Deshalb kann eine Aufforderung an die
Beschwerdeführerin, dem Gericht die entsprechenden Belege einzureichen,
unterbleiben. In antizipierender Beweiswürdigung ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin sich ihren Verhältnissen entsprechend ausreichend und
durchgehend um einen angepassten Arbeitsplatz bemüht hat, dabei aber
unverschuldet erfolglos geblieben ist. Das lässt sich insbesondere daraus ableiten,
dass die Beschwerdeführerin, ihren glaubhaften Angaben gemäss, sogar selbst
Anzeigen aufgegeben hat, um eine Arbeitsstelle zu finden. Nur wer wirklich ernsthaft
Arbeit sucht, beschränkt sich nicht darauf, auf Stelleninserate zu reagieren, sondern
wirbt aktiv um eine Arbeitsstelle. Unter diesen Umständen kann davon ausgegangen
werden, dass sich die Beschwerdeführerin zwischen 2006 und 2011 in dem ihr zumut
baren Ausmass und mit der ihr zumutbaren Intensität um eine passende Arbeitsstelle
bemüht hat. Sie ist demnach unverschuldet arbeitslos gewesen. Damit ist die Ver
mutung des Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV widerlegt und es steht fest, dass die Beschwer
deführerin nicht im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. f ELG auf die Erzielung eines Er
werbseinkommens verzichtet hat. Die Beschwerdegegnerin hat ihr deshalb zu Unrecht
ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet.
3. Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und die Sache ist zur entsprechenden
Neuberechnung der Ergänzungsleistungen für die Zeit vom 1. September 2006 bis zum
31. März 2011 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Gerichtskosten sind ge
mäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP