Decision ID: 0ea420db-7e9c-5a40-b1bc-e19982e2ea08
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X (geb. 1963) ist geschieden, in H. wohnhaft und als EDV-Techniker unselbständig
erwerbstätig. Aus seiner früheren Ehe gingen drei Kinder hervor, darunter Sohn Y
(geb. 30. Dezember 1991), der im Juli 2010 seine Ausbildung zum Schreinerpraktiker
beendete.
X deklarierte für das Jahr 2010 ein steuerbares Einkommen von Fr. 29'249.-- und
machte dabei einen Abzug von Unterhaltsbeiträgen für minderjährige Kinder im
Umfang von Fr. 33'000.-- geltend. Die Veranlagungsbehörde anerkannte die
Leistungen für Sohn Y nicht und reduzierte den Abzug um Fr. 10'680.-- auf
Fr. 22'320.--. Sie veranlagte X für die Kantons- und Gemeindesteuern 2010 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 39'900.-- und einem steuerbaren Vermögen von Fr.
302'000.--.
Gegen die Veranlagung erhob X mit Schreiben vom 2. Januar 2013 Einsprache mit der
Erklärung, er sei mit der Veranlagung bzw. mit dem Abzug für Unterhaltsbeiträge nicht
einverstanden. Mit Einspracheentscheid vom 6. Februar 2013 wies das kantonale
Steueramt die Einsprache ab. Zur Begründung führte es aus, dass ein Abzug von
Unterhaltsbeiträgen für Kinder nur möglich sei, wenn diese das Mündigkeitsalter noch
nicht erreicht hätten und ein Kinderabzug nur dann gewährt werden könne, sofern sich
das Kind (auch wenn volljährig) per Stichtag am 31. Dezember 2010 in der schulischen
oder beruflichen Ausbildung befinde. Vorliegend seien die jeweiligen Voraussetzungen
jedoch nicht erfüllt, da Sohn Y seit dem 30. Dezember 2009 volljährig sei und seine
Ausbildung zum Schreinerpraktiker bereits im Juli 2010 beendet habe.
B.- Mit Eingabe vom 3. März 2013 erhob X Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission und ergänzte diesen mit Eingabe vom 15. März 2013. Er
beantragt, für das Steuerjahr 2010 sei ihm der Steuerabzug für die entsprechenden
Unterhaltsbeiträge an Y zu gewähren und die Veranlagung entsprechend zu korrigieren
bzw. es sei das steuerbare Einkommen um Fr. 10'680.-- auf Fr. 29'249.-- zu
reduzieren.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 23. April 2013 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die kostenfällige Abweisung des
Rekurses.
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Auf die weiteren Erwägungen des angefochtenen Entscheides sowie die Ausführungen
des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 3. März 2013 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG, und Art. 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 6. Februar
2013. Umstritten ist, ob X die Zahlungen von Fr. 10'680.-- an seinen Sohn Y für das
Jahr 2010 in Abzug bringen kann.
a) Der Steuerpflichtige, welcher Unterhaltsbeiträge an den anderen, getrennt von ihm
lebenden Elternteil für die unter dessen elterlicher Sorge oder Obhut stehenden,
minderjährigen Kinder leistet, kann diese gestützt auf Art. 45 Abs. 1 lit. c StG von
seinen Einkünften in Abzug bringen. Auf der anderen Seite hat der Empfänger der
Unterhaltsbeiträge diese als Einkommen zu versteuern (Art. 36 lit. f StG; StB 48 Nr. 1
Ziff. 2.3). Der Abzug beim Leistenden einerseits und die Besteuerung beim Empfänger
andererseits setzen jedoch voraus, dass die Kinder, für welche die Unterhaltsbeiträge
bestimmt sind, unter der elterlichen Sorge und Obhut des einen Elternteils stehen (StB
36 Nr. 3 Ziff. 4.3). Demnach entfällt der Abzug der Kinderalimente, wenn diese einem
volljährigen und damit selbständig steuerpflichtigen Kind zufliessen. Dem
Steuerpflichtigen steht zudem für jedes minderjährige, unter seiner elterlichen Sorge
stehende Kind und für jedes volljährige, in der beruflichen Ausbildung stehende Kind
ein Kinderabzug zu, wenn er für den Unterhalt aufkommt. Dieser kann vom
Steuerpflichtigen gemäss Art. 48 Abs. 1 lit. a StG geltend gemacht werden, wenn er
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einerseits für den Unterhalt des Kindes zur Hauptsache aufkommt und andererseits
seine Unterhaltsaufwendungen nicht als Unterhaltsbeiträge gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. c
StG in Abzug bringen kann.
Steuersystematisch ist zwischen den allgemeinen Abzügen und den Sozialabzügen zu
unterscheiden (Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl.
2002, S. 241 ff.). Mit den Sozialabzügen trägt das Steuergesetz, ähnlich wie mit den
allgemeinen Abzügen, den besonderen wirtschaftlichen Belastungen der
Steuerpflichtigen schematisch Rechnung. Anders als die allgemeinen Abzüge lassen
die Sozialabzüge jedoch nicht den Abzug angefallener Aufwendungen zu; vielmehr
kann bei Vorliegen einer bestimmten persönlichen Situation ein gesetzlich festgelegter
Betrag ihres Einkommens steuerfrei gelassen werden (Weidmann/Grossmann/Zigerlig,
Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 165). Der Kinderabzug
stellt einen Sozialabzug dar und untersteht, da er beim Vorliegen bestimmter
Verhältnisse gewährt wird, dem Stichtagsprinzip (vgl. Art. 48 Abs. 2 StG). Der Wegfall
dieser Voraussetzungen während der Steuerperiode hat zur Folge, dass der Abzug
nicht gewährt wird. Das Stichtagsprinzip ist eine typische Massnahme einer
gesetzlichen Vereinfachung im Rahmen des Steuervollzugs, indem Veränderungen der
persönlichen Verhältnisse nicht laufend, sondern nur einmal; namentlich am Ende der
Steuerperiode, berücksichtigt werden. Bei dieser Gesamtbetrachtung wird eine
steuerliche Bevorzugung oder Benachteiligung eines Steuerpflichtigen im Einzelfall in
Kauf genommen. Eine daraus resultierende, nicht nach der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit erfolgte Besteuerung ist hinzunehmen, wenn diese Regelung nicht in
genereller Weise zu Ungerechtigkeiten führt. Das Stichtagsprinzip führt durch seine
schematische Erfassung der persönlichen Verhältnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt
gerade nicht zu einer generellen Benachteiligung, da sich diese zum Vorteil des
Steuerpflichtigen auswirken kann, wenn sich die Veränderungen in seinen persönlichen
Verhältnissen erst gegen Ende, bis am massgeblichen Stichtag ergaben, aber auch zu
dessen Nachteil, wenn die Voraussetzungen des Sozialabzugs lange bestanden, aber
kurz vor dem Stichtag entfallen (vgl. dazu VRKE I/1-2004/173 vom 25. Mai 2005 und I/
1-2012/87 vom 25. September 2012, in: www.gerichte.sg.ch; diese Entscheide
betreffen die direkten Bundessteuern, doch sind die Grundsätze auch für die Kantons-
und Gemeindesteuern massgebend).
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b) Der Rekurrent bringt vor, die Abweisung der Einsprache bzw. der vorinstanzliche
Entscheid sei ungerechtfertigt, da er zu den Unterhaltszahlungen gerichtlich verpflichtet
worden sei und diese, selbst wenn das Alter des Unterhaltsberechtigten massgebend
sei, gemäss Steuergesetz abziehbar seien. Sollten die Unterhaltszahlungen steuerlich
dennoch nicht in Abzug gebracht werden können, müssten diese als Schenkung
betrachtet werden und somit steuerlich abzugsfähig sein. Da er den besagten Betrag
nachweislich an seine frühere Ehefrau ausbezahlt habe, sei es für ihn nicht
nachvollziehbar, weshalb er ihr Einkommen ebenfalls versteuern müsse. In diesem Fall
liege seines Erachtens eine Doppelbesteuerung vor.
c) Vorliegend steht fest, dass der Rekurrent im Steuerjahr 2010 Zahlungen von
monatlich Fr. 890.-- (insgesamt Fr. 10'680.--) an seinen Sohn Y leistete. Dieser ist aber
seit dem 30. Dezember 2009 volljährig und beendete im Juli 2010 seine Ausbildung
zum Schreinerpraktiker. Dementsprechend gewährte die Vorinstanz den Abzug der
Unterhaltsbeiträge für das Jahr 2010 zu Recht nicht, da dieser Abzug gemäss Art. 45
Abs. 1 lit. c StG die Unmündigkeit des entsprechenden Empfängers voraussetzt, Sohn
Y jedoch seit dem 30. Dezember 2009 mündig ist. Nach Erreichen der Volljährigkeit
flossen die Zahlungen, obwohl sie auf das Konto der Mutter überwiesen wurden, direkt
dem Sohn zu, sodass sie von ihr nicht mehr als Alimente versteuert werden mussten.
Sodann erweist sich die vorinstanzliche Würdigung hinsichtlich der Nichtanerkennung
des Kinderabzuges als korrekt, zumal Sohn Y seine Ausbildung zum Schreinerpraktiker
im Juli 2010 beendete, d.h. noch vor dem für die Anwendung von Art. 48 Abs. 1 lit. a
Ziff. 2 StG massgeblichen Stichtag am 31. Dezember 2010.
Im Scheidungsurteil vom 19. Dezember 2012 wurde zwar ein Ausgleichsbeitrag von
Fr. 26'000.-- vereinbart, jedoch ist nichts darüber vermerkt, dass dieser Betrag
Unterhaltsleistungen an Sohn Y umfasst. Der Rechtsgrund der Leistungen wurde damit
nicht vor 2010 begründet.
Der Rekurrent macht geltend, die Zuwendungen müssten als Schenkung betrachtet
werden, falls sie nicht als Unterhaltsbeiträge abgezogen werden könnten. Dazu bleibt
festzuhalten, dass Zuwendungen i.S. von Schenkungen an den Ehegatten, die
Nachkommen, sowie Stief- und Pflegekinder gemäss Art. 146 Abs. 1 StG zwar beim
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Empfänger steuerfrei sind, aber vom Zuwender auch nicht in Abzug gebracht werden
können.
Wenngleich bei der steuerlichen Behandlung von Unterhaltsbeiträgen grundsätzlich
das Kongruenz- oder Korrespondenzprinzip zur Anwendung gelangt, wonach der
Abzug des Leistenden beim Empfänger entsprechend steuerpflichtig ist, bleiben bei
Trennungen oder Scheidungen gewisse Konstellationen davon ausgenommen. Im
vorliegenden Fall trifft es allerdings nicht zu, dass die Zahlung an Y bei der früheren
Ehefrau steuerlich erfasst wurde, wie sich aus der entsprechenden
Veranlagungsberechnung zweifelsfrei ergibt.
3.- Der Rekurrent hat demnach weder Anspruch auf einen Abzug für Unterhaltsbeiträge
an minderjährige Kinder noch auf einen Kinderabzug. Folglich ist der Rekurs
abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Rekurrenten
zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.-- ist angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
von Fr. 500.-- ist zu verrechnen.