Decision ID: 3be10593-f92c-5fae-84bd-bfe9710be395
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Vedat Erduran, advokatur collegius,
Zürcherstrasse 1, Postfach 54, 7320 Sargans,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 11. April 2006 hatte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen ein
Leistungsbegehren des 1955 geborenen A._ abgewiesen (IV-act. 48). Dabei hatte sie
folgende Erkenntnisse heranzogen (vgl. Feststellungsblatt, IV-act. 45), zu welchen die
liechtensteinische Invalidenversicherung im Entscheid vom 20. März 2006 gelangt war
(IV-act. 43): Der Versicherte war gemäss Bericht der Klinik B._ vom 28. Februar 2005
(IV-act. 23/18) aus rheumatologischer Sicht zu 100% arbeitsfähig - und dies für leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten, wobei repetitive rückenbelastende Arbeit zu vermeiden
sei und vorgeneigte Positionen nur manchmal vorkommen sollten; er war gemäss
Einschätzung des Vertrauenspsychiaters der Concordia vom 17. Juni 2005 (IV-act. 27)
vollständig arbeitsfähig.
B.
B.a Der Versicherte meldete sich am 19. Juni 2007 erneut zum Leistungsbezug an
und wies dabei auf Rückenschmerzen mit Ausstrahlungen in die Beine sowie auf zwei
Operationen im Beckenbereich hin (IV-act. 49).
B.b Der IV-interne Regionale Ärztliche Dienst (RAD) hielt in einer Stellungnahme vom
24. September 2007 fest, dass zumindest mit dem im Spital C._ behandelten Hüft
leiden eine neue Gesundheitsschädigung aufgetreten sei; er empfahl daher eine
rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung (IV-act. 54).
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B.c Am 13. April 2008 erstellte D._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin
FMH, das bidisziplinäre Gutachten (IV-64/1-17), unter Einbezug des psychiatrischen
Untergutachtens von Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom
6. April 2008, gemäss welchem der Versicherte aus psychiatrischer Sicht in der
Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt sei (IV-act. 65). Der Rheumatologe seinerseits
stellte die Diagnosen einer Periarthropathia Coxae beidseits u.a. bei Status nach Hüft-
TP beidseits (2006 rechts, November 2007 links) und eines chronischen
lumbospondylogenen Syndroms beidseits. Der Versicherte befinde sich noch in der
Rehabilitationsphase und sei zu 100% arbeitsunfähig. Je nachdem, wie der Heilverlauf
der operierten Hüften sich gestalte, dürfte mittelfristig eine zumindest 50%ige
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit vertretbar
sein (IV-64/14 und 16).
B.d In einem Bericht der Klinik B._ für Rheumatologie und Rehabilitation des
Bewegungsapparates vom 28. Juli 2008 wies Dr. med. F._, Chefarzt, aufgrund einer
Untersuchung des Versicherten am 28. Juli 2008 auf deutliche objektivierbare
Strukturveränderungen sowie Funktionsdefizite (Hüftgelenke, Lendenwirbelsäule,
rechte Schulter) hin und erachtete eine intensive stationäre Rehabilitation als angezeigt
(IV-act. 77/5).
B.e Der Versicherte begab sich vom 5. bis 30. August 2008 in stationäre Behandlung
in die Klinik B._. Gemäss Austrittsbericht vom 4. September 2008 war er während
des Klinikaufenthalts zu 100% arbeitsunfähig. Er sei nach seinem Austritt für eine
leichte wechselbelastende Verweistätigkeit mit Gewichtsbelastungen bis 7,5 kg
arbeitsfähig (IV-act. 82).
B.f Gemäss Aktennotiz vom 6. Februar 2009 beurteilte der RAD die Arbeitsfähigkeit
in einer leidensangepassten Tätigkeit aufgrund der Akten wie folgt: Der Versicherte sei
zu 100% arbeitsunfähig gewesen in der Zeitspanne vom 14. November 2006 bis
13. Mai 2007 und vom 11. September 2007 bis 30. August 2008; vom 14. Mai 2007 bis
10. September 2007 und dann seit dem 31. August 2008 sei er zu 100% arbeitsfähig
(IV-act. 85).
C.
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C.a Ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung wurde am 9. September 2009 abgelehnt,
weil sich der Versicherte aufgrund der geklagten Beschwerden nicht imstande fühle,
einer Arbeit nachzugehen (IV-act. 110).
C.b Nach Durchführung eines Vorbescheidsverfahrens (IV-act. 89, 91 96, 103, 109)
wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. September 2009 das Rentenbegehren ab, mit
der Begründung, dem Versicherten sei nach den Hüftoperationen, nämlich seit dem
31. August 2008 eine adaptierte Tätigkeit zu 100% zumutbar. Bei Verwertung dieser
Arbeitsfähigkeit müsse er bei einem Invaliditätsgrad von 6% keine rentenrelevante
Erwerbseinbusse hinnehmen (IV-act. 111).
C.c Dagegen wurde am 12. Oktober 2009 Beschwerde erhoben (IV-act. 116).
Nachdem der RAD in einer Stellungnahme vom 5. November 2009 eine interdisziplinäre
MEDAS-Begutachtung empfohlen hatte (IV-act. 124), widerrief die IV-Stelle am
9. November 2009 die angefochtene Verfügung und stellte weitere Abklärungen in
Aussicht (IV-act. 128). Infolgedessen schrieb das Versicherungsgericht mit
Präsidialverfügung vom 16. November 2009 das Beschwerdeverfahren ab (IV-act. 139).
D.
D.a Am 12. April 2010 erstellten Dr. med. G._, Allgemeine Medizin FMH, Facharzt
für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Dr. med. H._, Innere
Medizin/Rheumatologie FMH, für die MEDAS-Ostschweiz ein interdisziplinäres
Gutachten (IV-act. 145/1-20) unter Einbezug des psychiatrischen Konsiliargutachtens
von Dr. med. I._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. Januar
2010 (IV-act. 145/22-27). Die Sachverständigen stellten die Hauptdiagnosen eines
chronifizierten, lumbalbetonten panvertebralen Schmerzsyndroms mit Ausweitung im
Sinne eines diffusen, generalisierten Schmerzsyndroms sowie einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung, einhergehend mit einer mittelschweren depressiven
Störung mit somatischem Syndrom bei zugrunde liegenden chronifizierten körperlichen
Erkrankungen und psychosozialer Belastung. Gestützt darauf sei der Versicherte in der
zuletzt ausgeführten Tätigkeit als Metallarbeiter vollständig arbeitsunfähig; in einer
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten bis
7,5 kg sei er zu 50% arbeitsfähig (IV-act. 145/14 und 18).
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D.b In einer Stellungnahme vom 15. April 2010 hielt der RAD-Arzt fest, das
interdisziplinäre Gutachten der MEDAS-Ostschweiz sei umfassend und
widerspruchsfrei. Die Einschätzungen der Restarbeitsfähigkeit seien durch die
beschriebenen Funktionsausfälle begründet und nachvollziehbar. Die geschätzte
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer und somatischer Sicht von 50% sei ab Ende der
vollständigen Arbeitsunfähigkeit im August 2008 eingetreten (IV-act. 146).
E.
E.a Mit Vorbescheid vom 9. November 2010 teilte die IV-Stelle die vorgesehene
Abweisung des Leistungsbegehrens mit. Sie legte das MEDAS-Gutachten vom
12. April 2010 so aus, dass dem Versicherten aus somatischer Sicht körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten uneingeschränkt zumutbar seien, zumal keine
schwerwiegenden pathologischen Befunde am Bewegungsapparat festgestellt worden
seien. Gemäss Rechtsprechung betreffend somatoforme Schmerzstörungen könne
vorliegend keine mit psychischen Leiden begründete Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit angenommen werden. Denn die mittelgradige depressive Episode
bilde weder eine Komorbidität zur somatoformen Schmerzstörung, noch habe sie die
erforderliche Schwere, Ausprägung und Dauer - selbst wenn sie sich verselbständigt
hätte. Andere qualifizierte Kriterien, die einem adäquaten Umgang mit den geklagten
Schmerzen entgegenstehen könnten, seien nicht (hinreichend) erfüllt. Von der
gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung von 50% aus psychiatrischer Sicht sei
abzuweichen und rechtlich von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in
leidensadaptierten Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 155).
E.b Hierzu brachte Rechtsanwalt lic. iur. V. Erduran, Sargans, für den Versicherten am
15. Dezember 2010 sowie 10. Januar 2011 Einwände vor. Die IV-Stelle habe den
psychiatrischen Konsiliargutachter zu ersuchen, Ergänzungsfragen im Zusammenhang
mit der somatoformen Schmerzstörung zu beantworten (IV-act. 156 und 159).
E.c Am 19. Januar 2011 verfügte die IV-Stelle im Sinn des Vorbescheids.
Ergänzungsfragen an den psychiatrischen Konsiliargutachter kämen nicht in Betracht,
weil die Frage, ob eine erhebliche Komorbidität vorliege, von rechtlicher Natur sei und
damit den rechtsanwendenden Behörden obliege (IV-act. 160).
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F.
F.a Dagegen erhob Rechtsanwalt lic. iur. B. Motor, Sargans, für den Versicherten am
21. Februar 2011 Beschwerde mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und die Angelegenheit sei im Hinblick auf die Beantwortung von
Ergänzungsfragen durch den psychiatrischen Konsiliargutachter an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. In
prozessualer Hinsicht macht der Rechtsvertreter eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs geltend. Materiell-rechtlich führt er im Wesentlichen aus, die Frage des
Vorliegens einer erheblichen Komorbidität sei zwar rechtlicher Natur; die rechtliche
Einschätzung ihrer Schwere, Ausprägung und Dauer sowie der anderen qualifizierten
Kriterien, die gegen einen Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess sprechen könnten,
könne aber nur auf medizinischen Feststellungen beruhen. Dazu gebe das
psychiatrische Konsiliargutachten jedoch keine umfassende Auskunft; allerdings stelle
dieses zumindest zweierlei fest: einen sozialen Rückzug und das Scheitern der
Behandlungsbemühungen. Eine Ergänzung des Gutachtens erscheine unerlässlich.
Zudem sei wegen starker Anzeichen von Suizidalität ein Verlaufsbericht betreffend die
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung einzuholen (act. G 1).
F.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. April 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie hält eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, wenn
überhaupt gegeben, für heilbar. Des Weiteren führt sie an, dem MEDAS-Gutachten sei
in Bezug auf die medizinischen Tatsachenfeststellungen voller Beweiswert
beizumessen. Anders verhalte es sich mit den rechtlichen Fragen der erheblichen
psychischen Komorbidität und der zumutbaren Willensanstrengung. Einerseits sei die
diagnostizierte depressive Störung unter den konkreten Umständen als
Begleiterscheinung der somatoformen Schmerzstörung anzusehen. Andererseits sei
die Vermutung der Überwindbarkeit der Schmerzstörung nicht widerlegt worden, weil
die relevanten Kriterien nicht hinreichend gehäuft und ausgeprägt erfüllt seien. Der
Antrag auf Ergänzungsfragen an den psychiatrischen Konsiliargutachter sei
abzulehnen, zumal dieser sich über die Kriterien zur Annahme einer invalidisierenden
Wirkung der Schmerzproblematik rechtsgenüglich geäussert habe. Aus somatischer
Sicht sei der Beschwerdeführer für jede Verweistätigkeit arbeitsfähig. Insgesamt stehe
somit eine volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit fest. Ein Vergleich
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zwischen dem Einkommen, das der Beschwerdeführer in der letzten Tätigkeit für das
Jahr 2007 erzielt hätte, und demjenigen, das er nach Tabellenlohn und unter Rücksicht
auf seine Behinderung erzielen könnte, führe zu keinem Invaliditätsgrad im
rentenbegründenden Ausmass (act. G 5).
F.c Gestützt auf eine Vollmacht vom 17. Juni 2011 übernimmt Rechtsanwalt lic. iur.
V. Erduran, Sargans, wiederum die Vertretung des Beschwerdeführers (act. G 13.1) und
erstattet am 30. Juni 2011 Replik. Er hält an den gestellten Anträgen fest. Sollte das
Versicherungsgericht die Rückweisung der Angelegenheit zur Ergänzung des
Gutachtens ablehnen, dann sei von einer psychisch ausgewiesenen Komorbidität und
der Unüberwindbarkeit der Schmerzproblematik auszugehen. Eine Arbeitsunfähigkeit
von mindestens 50% sei ausgewiesen und ein Abzug vom Tabellenlohn von 20% sei
vorzunehmen (act. G 13).
F.d Die Beschwerdegegnerin hat explizit auf eine Duplik verzichtet (act. G 15).
F.e Mit Eingabe vom 7. Januar 2013 bringt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers unter Beilage von medizinischen Unterlagen eine Verschlechterung
der körperlichen Beschwerden vor. Er reicht zudem eine Honorarnote im Betrag von
Fr. 4 ́000.-- zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer ein (act. G 17.5).
F.f Am 6. Februar 2013 reicht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen
Zwischenbericht des Hausarztes J._, Facharzt Allgemeinmedizin FMH, Chirotherapie,
Sportmedizin, vom 31. Januar 2013 ein (act. G 18).
G.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtschriften sowie den Inhalt der weiteren
Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
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Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids bzw. im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V 467 E. 1,
126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 19. Januar 2011
ergangen (IV-act. 160), wobei im Wesentlichen ein Sachverhalt zu beurteilen war, der
vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 begonnen hat. Daher ist für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des EVG
[Eidgenössisches Versicherungsgericht; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. Juni 2006 [I 428/04] E. 1). Diese
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine materiell-rechtlichen Folgen, da die
5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
brachte. Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des
ATSG und IVG wiedergegeben.
2.
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.1 Anspruch auf eine solche Rente hat die versicherte Person, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern kann, während einer einjährigen Wartefrist durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen ist und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG). Die Invalidität im rechtlichen Sinn ist
die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 4
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG); sie umfasst mit anderen Worten die erwerblichen
Folgen der Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit.
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2.2 Die Invalidität setzt daher voraus, dass der Gesundheitsschaden sowie dessen
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zuerst durch ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute festgestellt worden sind. Aufgabe der Medizinalpersonen ist es, den
Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4; vgl. BGE 105 V 158 E. 1 und ZAK 1982 S. 34). Aufgabe der IV-
Stelle und der Sozialversicherungsgerichte ist es zu würdigen, ob die ärztlichen
Aussagen und Schätzungen die zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs
erlauben. Wenn dies der Fall ist, ist gestützt auf diese medizinischen Feststellungen
und, in der Regel, anhand eines Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) der
Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f. E. 3.2 f.). Nur ein Invaliditätsgrad
von zumindest 40% wird von der Invalidenversicherung rentenmässig entschädigt (vgl.
Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.
Vorliegend steht zur Diskussion, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von der im
MEDAS-Gutachten vom 12. April 2010 attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50% abge
wichen ist. Dabei stellt sich insbesondere die Frage, ob sie von der Überwindbarkeit
der Folgen des psychischen Leidens ausgehen durfte.
3.1 Vorwegzunehmen ist, dass die angefochtene Verfügung nicht ausdrücklich auf
die Einwände zum Vorbescheid eingegangen ist, wie Art. 74 Abs. 2 IVV es vorschreibt.
Denn die Verwaltung darf sich nicht damit begnügen, die vorgebrachten Einwendungen
zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen; sie hat ihre Überlegungen der betroffenen
Person gegenüber auch namhaft zu machen und sich dabei ausdrücklich mit den
Einwendungen auseinanderzusetzen oder zumindest die Gründe anzugeben, weshalb
sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (BGE 124 V 182 f. E. 2b). Die
fragliche rentenverweigernde Verfügung legt knapp, aber genügend dar, weshalb die
Beschwerdegegnerin vom MEDAS-Gutachten im Lichte der zur anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung ergangenen Rechtsprechung abgewichen ist. Sie
beruft sich dabei auf die rechtliche Natur der Frage, ob eine erhebliche Komorbidität
vorliege, woraus nach der Auffassung der Beschwerdegegnerin abgeleitet werden
kann, dass sich Ergänzungsfragen an den psychiatrischen Gutachter erübrigen würden
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(vgl. act. G 5). Da die Beschwerdegegnerin den Entscheid so abfasste, dass der
Betroffene diesen sachgerecht anfechten konnte, indem die Überlegungen genannt
wurden, von denen sich die Behörde leiten liess (vgl. BGE 112 Ia 107 E. 2b mit
Hinweisen; BGE 118 V 58), wurden die Begründungspflicht und damit das rechtliche
Gehör nicht verletzt.
3.2 Anhaltende somatoforme Schmerzstörungen sind grundsätzlich als psychisches
Leiden anzusehen. Ein solches kann in gleicher Weise wie körperliche
Gesundheitsschäden die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen und eine Invalidität
begründen (vgl. Art. 6 und 7 ATSG). Das Bundesgericht hält bei einer fachärztlich
ausgewiesenen somatoformen Schmerzstörung besondere Beweisschwierigkeiten für
gegeben: Die medizinische Beurteilung stütze sich zwangsläufig zunächst auf die
Angaben der versicherten Person; eine rechtsgleiche Beurteilung der Rentenansprüche
lasse sich jedoch erst gewährleisten, wenn die Schmerzangaben durch damit
korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar seien
(BGE 130 V 353 E. 2.2.2 mit Hinweisen auf Urteile R. vom 2. Dezember 2002 [I 53/02]
E. 2.2 und W. vom 9. Oktober 2001 [I 382/00] E. 2b).
3.2.1 Vor diesem Hintergrund hält die höchstrichterliche Rechtsprechung fest,
das Vorliegen eines fachärztlich ausgewiesenen psychischen Leidens mit
Krankheitswert sei aus rechtlicher Sicht wohl Voraussetzung, nicht aber hinreichende
Basis für die Annahme einer invalidisierenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Vielmehr gälten die somatoformen Störungen oder ihre Folgen als überwindbar, indem
der versicherten Person zumutbar sei, allen guten Willen aufzubringen, um trotz der
geklagten Beschwerden einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (BGE 131 V 50 E. 1.2;
BGE 130 V 353 f. E. 2.2.3). Die Annahme der Überwindbarkeit stütze sich auf
medizinische Empirie und die allgemeine Lebenserfahrung (BGE 137 V 66 E. 1.2).
Somit handelt es sich dabei um eine tatsächliche Vermutung, die als Beweisregel
(Rechtsfrage) angewendet wird: Der Rechtsanwender zieht bei der Diagnose einer
somatoformen Störung (Vermutungsbasis) - aufgrund eines (nicht untermauerten)
Erfahrungssatzes - die Schlussfolgerung der "Überwindbarkeit der
Schmerzen" (Vermutungsfolge). Tatsächliche Vermutungen können durch
Gegenbeweise widerlegt oder, zumindest, durch medizinisch begründete Zweifel
erschüttert werden (vgl. Liliana Scasascia Kleiser/Evalotta Samuelsson, Wiewiel Leid ist
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zumutbar, in: Jusletter 17. Dezember 2012, S. 3 f.; vgl. Christoph Leuenberger/Beatrice
Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, Kap. 9, Rz 9.20 und
9.152).
3.2.2 Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und
konstant behindern, können nach der bundesrichterlichen Praxis den Wiedereinstieg in
den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person gegebenenfalls
nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfüge.
Die angenommene Überwindbarkeit der Schmerzfolgen könne nämlich widerlegt
werden, wenn die betroffene Person unter einer psychischen Begleiterkrankung von
erheblicher Schwere, Intensität und Dauer leide (sogenannte Komorbidität) oder mit
gewisser Intensität und Konstanz qualifizierte Kriterien erfülle: Erstens, chronische
körperliche Begleiterkrankungen und mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter
oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Rückbildung; zweitens, ein
ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; drittens, ein
verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich
missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheitsgewinn) oder, viertens, das Scheitern einer konsequent durchgeführten
ambulanten oder stationären Behandlung trotz kooperativer Haltung der versicherten
Person (BGE 136 V 281 E. 3.2.1; BGE 130 V 354 f. E. 2.2.3). Je mehr diese Kriterien
zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen würden,
desto eher seien die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu
verneinen (BGE 131 V 50 f. E. 1.2). Nicht erforderlich ist, dass sich eine psychiatrische
Expertise in jedem Fall über jedes einzelne der genannten Kriterien ausspricht;
massgeblich ist eine Gesamtwürdigung der Situation (SVR 2005 IV Nr.6 S.21, I 457/02
E. 7.4 mit Hinweis, nicht publiziert in: BGE 130 V 396).
3.2.3 Die höchstrichterliche Rechtsprechung hat die Gesamtheit dieser
ursprünglich als fachpsychiatrische Prognosekriterien formulierten Gesichtspunkte zu
einem rechtlichen Anforderungsprofil verselbstständigt (Urteil des Bundesgerichtes
9C_936/2011 vom 21. März 2012, E. 2.2 mit Hinweis unter anderem auf BGE 135 V 212
E. 7.1.2): Einerseits habe der begutachtende Mediziner die Tatsache festzustellen, ob
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vorliege, und bejahendenfalls sodann,
ob eine psychische Komorbidität oder weitere Umstände gegeben seien, welche die
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Schmerzbewältigung behindern würden; andererseits habe die rechtsanwendende
Behörde gestützt auf die fachärztliche Beurteilung als Rechtsfrage zu prüfen, ob eine
festgestellte psychische Komorbidität hinreichend erheblich sei und ob einzelne oder
mehrere der festgestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz
vorlägen, um gesamthaft den Schluss auf eine nicht mit zumutbarer
Willensanstrengung überwindbare Schmerzstörung und somit auf eine invalidisierende
Gesundheitsschädigung zu gestatten (BGE 137 V 66 E. 1.2 mit Hinweis auf SVR 2008
IV Nr. 23 S. 72, I 683/06 E. 2.2). Die rechtliche Prüfung schliesse die Beurteilung der
Frage ein, inwiefern die ärztliche Einschätzung der psychisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit invaliditätsfremde Gesichtspunkte (insbesondere psychosoziale und
soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtige, welche vom
sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich seien (Urteile des
Bundesgerichtes 9C_651/2009 vom 7. Mai 2010 E. 5.1 und 9C_1040/2010 vom 6. Juni
2011 E. 3.4.1). Die rechtsanwendende Behörde dürfe sich somit weder über die
medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen
Einschätzungen und Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer
konkreten sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen
(BGE 136 V 284 E. 3.3).
3.3 Vorliegend hält sich die Beschwerdegegnerin nicht konsequent an die
höchstrichterliche Rechtsprechung, soweit sie sich in der angefochtenen Verfügung
vom 19. Januar 2011 über medizinische Tatsachenfeststellungen hinwegsetzt.
Letzteres, obwohl das MEDAS-Gutachten vom 12. April 2010 - nach Einschätzung der
Beschwerdegegnerin - den beweisrechtlichen Anforderungen gemäss BGE 125 V 352
(E. 3a) genügt (vgl. IV-act. 146 und act. G 5).
3.3.1 Das MEDAS-Gutachten stellt auf somatischer und psychischer Grundlage
eine Arbeitsunfähigkeit von 50% fest (IV-act. 145/17 f.; vgl. IV-act. 146/2). Gemäss den
Gutachtern lässt sich das Ausmass der geklagten körperlichen Beschwerden durch
klinische und bildgebende Befunde zwar nicht ausreichend erklären. Daraus allein kann
aber entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 160/2) nicht
geschlossen werden, dass dem Beschwerdeführer eine adaptierte Tätigkeit aus
somatischer Sicht uneingeschränkt (und zwar von Anfang an) zumutbar gewesen wäre.
Vielmehr beschreiben die MEDAS-Gutachter einen Verlauf, in dem zunächst somatisch
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objektivierbare Pathologien festgestellt worden waren: Im Vordergrund habe ein
lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit pseudoradikulären Ausstrahlungen beidseits
gestanden. Das Erstgutachten vom 13. August 2008 habe aus somatischer Sicht eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% nachvollziehbar attestiert und diese gelte bis am
30. August 2008 bzw. zum Abschluss der stationären Rehabilitation in L._; daraufhin
habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50% in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit
bestanden. Bis wann diese Arbeitsunfähigkeit auf somatischer Grundlage zu gelten hat,
sagen die Gutachter nicht. Sie erklären des Weiteren, das Beschwerdebild habe sich
aktuell im Sinn eines tendenziell chronifizierten, diffusen, generalisierten
Schmerzsyndroms ausgeweitet. Allmählich habe sich ein psychiatrisches
Krankheitsbild in den Vordergrund gedrängt: Derzeit bestehe eine mittegradige
depressive Störung mit somatischem Syndrom, welche hauptsächlich für die attestierte
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers verantwortlich sei (IV-act. 145/17-19).
Folgerichtig legte der RAD am 15. April 2010 eine gesamte Arbeitsunfähigkeit von 50%
in einer adaptierten Tätigkeit seit September 2008 fest - dabei seien die psychosozialen
Belastungen nicht übersehen, sondern ausgeblendet worden (IV-act. 146/2).
3.3.2 Der Konsiliargutachter stellt die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und bejaht die Frage des Vorliegens einer psychischen Komorbidität
(IV-act. 145/27). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann eine
diagnostizierte leichte depressive Episode eine psychische Komorbidität nach
Massgabe der Rechtsprechungsgrundsätze begründen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_958/2010 und 8C_1039/2010 vom 25. Februar 2011 E. 6.2.2.2.
sowie 9C_1041/2010 vom 30. März 2011 E. 5.2). Entscheidend sind die Umstände im
Einzelfall. Soweit die Beschwerdegegnerin den geschilderten Krankheitsverlauf so
auslegt, dass die mittelschwere depressive Störung keine psychiatrisch relevante
Komorbidität zur somatoformen Schmerzstörung bilde (IV-act. 160/2), verkennt sie eine
medizinische Feststellung und geht damit über ihre Kompetenzen hinaus. Zwar seien
hier die Krankheitsbilder klinisch kaum auseinander zu halten: Die depressive
Symptomatik habe sich teilweise aufgrund der aktenkundigen körperlichen
Erkrankungen entwickelt und das somatische Syndrom gehe innerhalb des
depressiven Bildes mit den Symptomen der körperlichen Erkrankung einher. Es handelt
sich aber mit der Depression um ein abgrenzbares Krankheits- oder Störungsbild, das
im Sinn einer Komorbidität zusätzlich zu einer Grunderkrankung (Schmerzproblematik)
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aufgetreten ist. Massgebend sind die medizinischen Aussagen, dass die
Krankheitsbilder sich gegenseitig verstärken und den Zugang zu einer effektiven
Behandlung erschweren würden (IV-act. 145/26), und die Kormobidität die zumutbare
Willensanstrengung zur Schmerzüberwindung mittelgradig einschränke (IV-
act. 145/27). Die Komorbidität ist fachpsychiatrisch schlüssig nachgewiesen - darauf
ist abzustellen.
3.4 Zu beantworten ist nachfolgend die umstrittene Frage, ob die
Beschwerdegegnerin gestützt auf sozialversicherungsrechtliche Überlegungen die
gutachterlich somatisch-psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit von 50% ausser
Acht lassen durfte.
3.4.1 Die Sachverständigen der MEDAS haben erkannt, dass sich psychosoziale
und soziokulturelle Belastungsfaktoren auf die Leistungsfähigkeit auswirken; aber bei
ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung haben sie diese Auswirkung zu Recht ausgeklammert
- unter diesem Aspekt kann das MEDAS-Gutachten nicht beanstandet werden.
3.4.2 Bevor das psychiatrische Krankheitsbild in den Vordergrund getreten war,
galt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50% auf somatischer Grundlage -
davon darf die Beschwerdegegnerin gestützt auf die zur anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung ergangene Rechtsprechung nicht abweichen.
3.5 Deshalb stellt sich die Frage, wieweit die medizinisch geschätzte
Arbeitsunfähigkeit, soweit sie fachpsychiatrisch begründet ist, als überwindbar nach
rechtlichen Kriterien gelten kann. Dies kann nicht mit allgemeinen Verweisen auf die
Rechtsprechung entschieden werden, sondern nur gestützt auf die konkreten
Feststellungen des Sachverhalts durch die Mediziner beurteilt werden.
3.5.1 Der psychiatrische Konsiliargutachter Dr. I._ begründet im
Untergutachten vom 21. Januar 2011 eine andauernde Arbeitsunfähigkeit damit, dass
die mittelgradige depressive Störung als psychische Komorbidität eine erhebliche
Dauer und Schwere zeige, eine chronische langjährige körperliche Begleiterkrankung
vorliege, ein umfassender sozialer Rückzug ausgewiesen sei und sich die
Behandlungsbemühungen als unbefriedigend erwiesen (IV-act. 145/27).
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3.5.2 Dem hält die Beschwerdegegnerin einerseits entgegen, dass - selbst wenn
eine psychische Komorbidität bestünde - die rechtsprechungsgemäss notwendige
Erheblichkeit nicht dargetan wäre. Sie verweist dabei auf BGE 130 V 352 E. 2.3.3 und
das Bundesgerichtsurteil 8C_144/2010 vom 4. August 2010 E. 3.5. Die zitierte
Erwägung im Leitentscheid gibt aber nur die allgemeine Argumentation über die
Zumutbarkeit einer Schmerzbewältigung wieder, und die Erheblichkeit der
Komorbidität im anderen Urteil wurde verneint, weil der begutachtende Psychiater mit
Blick auf die erhebliche Dauer festgehalten habe, dass der innerseelische Verlauf noch
angehbar und nicht verfestigt sei. Die Begründung in der angefochtenen Verfügung ist
deshalb nicht stichhaltig, weil sie die Frage, ob die Komorbidität erheblich sei,
schlussendlich pauschal mit Hinweis auf die Rechtsprechung beantwortet, ohne
sachverhaltsbezogene Würdigung - die Behauptung, dass die depressive Störung nicht
als selbständiges Leiden anzusehen sei, begründet nur die Auffassung der
Beschwerdegegnerin, dass keine Komorbidität vorliege: sie beantwortet aber nicht die
rechtliche Frage der Erheblichkeit (vgl. IV-act. 160/2, 4). An dieser Stelle ist jedoch
darauf hinzuweisen, dass nach dem oben Gesagten (E. 3.3.2) die medizinische Frage
der Komorbidität vom psychiatrischen Konsiliargutachter überzeugend bejaht wurde.
Ob diese Komorbidität rechtlich erheblich ist, muss hier offen bleiben, weil die Frage
der Überwindbarkeit der Schmerzfolgen eine Gesamtbeurteilung verlangt und der
vorliegende Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt ist, wie sich aus folgenden
Erwägungen ergibt.
3.5.3 Die Beschwerdegegnerin bringt andererseits vor, andere relevante
Kriterien, die auf die Unzumutbarkeit eines adäquaten Umgangs mit den geklagten
Schmerzen hinwiesen, seien nicht (hinreichend) erfüllt (IV-act. 160/3).
3.5.4 Die Beschwerdegegnerin stellt sich gestützt auf höchstrichterliche
Rechtsprechung auf den Standpunkt, das chronifizierte, lumbalbetonte panvertebrale
Schmerzsyndrom könne nicht als chronische körperliche Begleiterkrankung gelten, da
es dasjenige Leiden sei, welches die anhaltende Schmerzstörung aufrechterhalte (Urteil
des Bundesgerichtes 9C_111/2008 vom 27. Januar 2009 E. 3.2 in fine); der mehrjährige
Krankheitsverlauf mit weitgehend unveränderter Symptomatik ohne längerfristige
Rückbildung sei zwar nachgewiesen, falle aber nicht ins Gewicht, weil er bei einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung diagnosespezifisch sei (Urteil des
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Bundesgerichtes 8C_195/2008 vom 16. Dezember 2008 E. 7.3). Vorliegend ist aber zu
beachten, dass das psychiatrische Krankheitsbild gegenüber den somatischen
Befunden zwar den Vorrang bei der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erlangt hat (IV-
act. 145/18 f.), der psychiatrische Konsiliargutachter jedoch von einer chronischen
langjährigen körperlichen Begleiterkrankung ausgegangen ist (IV-act. 145/27). Daraus
folgt, dass sich die körperliche Begleiterkrankung immerhin auf die Ressourcen des
Beschwerdeführers auswirkt. In welchem Ausmass dieser Umstand den Umgang mit
der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung negativ beeinflusse, muss der
psychiatrische Konsiliargutachter zur rechtlichen Würdigung durch die
Beschwerdegegnerin ergänzend beantworten.
3.5.5 Ein gewisser sozialer Rückzug steht gemäss der Beschwerdegegnerin zwar
fest, er gelte aber nicht für alle Lebensbereiche, denn der Beschwerdeführer wohne
immer noch mit seiner Ehefrau zusammen und der Umzug der jüngsten Töchter aus
der elterlichen Wohnung per 1. Juli 2009 (act. G. 1.1.5) lasse einen regelmässigen
Kontakt weiterhin zu (act. G 5/9). Dies sagt zwar noch nichts über die Qualität der
Beziehung innerhalb der Familie. Der Beschwerdeführer hat sich aber, soweit
ersichtlich, nicht aus dem Familienleben zurückgezogen, weil er sein Leben auf das
Schmerzerleben reduziert hätte; vielmehr zeigt er sich mit der Familiensituation
(fehlender Kontakt, Krankheiten) unglücklich (IV-act. 145/25 f.), was auf Sorgen um die
Familie und nicht auf eine krankheitsbedingte Isolierung hinweist. Es bestehen keine
Anhaltspunkte dafür, dass die Beziehung zur Ehefrau als zerrüttet zu bezeichnen wäre
oder er auf die jüngste Tochter nicht zählen könnte (vgl. IV-act. 145/24). Deshalb ist ein
sozialer Rückzug nicht in allen Lebensbereichen nachgewiesen, zumindest nicht infolge
der Fixierung auf die Krankheit. Daran vermag das mit der Beschwerdeschrift
eingereichte Schreiben des seit 8. Mai 2009 behandelnden Arztes Dr. med. K._,
Psychiatrie FMH, vom 10. Februar 2011 (act. G 1.1.6) nichts zu ändern: Er macht einen
sozialen Rückzug im Zusammenhang mit der depressiven Symptomatik geltend,
begründet diese Aussage jedoch nicht, weshalb diese sich als beweisuntauglich
erweist.
3.5.6 Der psychiatrische Konsiliargutachter erachtet die bisherige psychiatrische
Behandlung als geeignet und empfiehlt, dass sie weitergeführt werden sollte. Daraus
folgt aber nicht, dass die Behandlung erfolgreich gewesen sei oder dass in der Zukunft
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erhebliche Erfolgsaussichten bestünden. Es geht wohl in erster Linie darum zu
verhindern, dass sich der Zustand noch verschlimmert. Besorgniserregend sei zudem
die latente Suizidalität. Die Prognose sei aufgrund des Involutionsalters - wie auch der
zugrunde liegenden körperlichen Erkrankungen - schlecht (IV-act. 145/26). Damit ist
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin das Kriterium der gescheiterten
Behandlung als erfüllt anzusehen.
3.6 Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt
teilweise unrichtig festgestellt hat, indem sie bei einem beweiskräftigen Gutachten me
dizinische Feststellungen beiseite geschoben und die darin enthaltene (medizinische)
Arbeitsfähigkeitsschätzung gleichsam durch eine rechtliche Arbeitsfähigkeitsschätzung
ersetzt hat. Die Arbeitsfähigkeit lässt sich nicht nur psychiatrisch, sondern auch
somatisch begründen - wenn auch letzteres zum Zeitpunkt der Begutachtung in
reduziertem Umfang. Der Konsiliargutachter hat aber bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung einen sozialen Rückzug in allen Lebensbereichen
berücksichtigt, der nach dem oben Gesagten aus rechtlicher Sicht nicht berücksichtigt
werden kann (siehe E. 3.5.5). Das Scheitern der Behandlung ist hingegen zu Recht vom
Konsiliargutachter einbezogen worden. Andererseits ist die Tragweite der körperliche
Begleiterkrankung für die Unüberwindbarkeit des psychischen Leidens näher zu
begründen (siehe oben E. 3.5.4). Ebenso hat der Konsiliargutachter zu erklären,
inwieweit die festgestellte psychische Komorbidität (mittelschwere depressive Störung)
den adäquaten Umgang mit den Schmerzen beeinträchtigt. Es rechtfertigt sich daher,
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit die MEDAS-Experten
unter Einbezug der vorliegenden Erwägungen das Gutachten ergänzen sowie eine neue
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vornehmen, und die Verwaltung gestützt darauf neu
verfüge. Insbesondere haben die Gutachter nicht nur zur Arbeitsfähigkeit zum
Zeitpunkt der Begutachtung Stellung zu nehmen, sondern für den ganzen Zeitraum seit
dem 14. November 2006. Es ist dabei, soweit möglich, insbesondere abzuklären, bis
wann eine Arbeitsunfähigkeit auf rein somatischer Grundlage bestanden hat. Aufgrund
der vorliegenden Rückweisung haben die Gutachter neue Erkenntnisse zu
berücksichtigen: Deshalb sind ihnen die Berichte des Spitals C._ vom 30. Oktober
2012, 27. November 2012 und 5. Dezember 2012 sowie der Bericht von Dr. med. J._
vom 31. Januar 2013 zuzustellen, welche der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
mit Eingaben vom 7. Januar 2013 und 6. Februar 2013 eingereicht hat. Sollte sich aus
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medizinischer Sicht der Bedarf nach weiteren Abklärungen ergeben, wird die
Beschwerdegegnerin diese zu veranlassen haben.
4.
4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
19. Januar 2011 aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden Abklärung und zu neuer
Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- für das
Beschwerdeverfahren erscheint hier als angemessen. Die Rückweisung zur
Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit
unterliegt die Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss des
Beschwerdeführers von Fr. 600.-- ist ihm zurückzuerstatten.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt V. Erduran, hat am 7. Januar 2013 ein
pauschales Honorar von Fr. 4 ́490.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
geltend gemacht, welches den eigenen anwaltlichen Aufwand sowie denjenigen seines
Vorgängers berücksichtigt. Bei einer Rechtsvertretung im gesamten
Beschwerdeverfahren wird in invalidenversicherungsrechtlichen Fällen praxisgemäss
eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) gesprochen. Ein höherer Aufwand erscheint mit Rücksicht auf
vergleichbare Fälle (vgl. etwa Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 18. Februar 2011, IV 2009/123) nicht angemessen. Da Rechtsanwalt V. Erduran
die Vertretung des Beschwerdeführers im Lauf des Beschwerdeverfahrens
übernommen hat, ist ihm die gesamte Parteientschädigung erfüllungshalber
auszuzahlen. Er hat aber mit seinem Vorgänger Rechtsanwalt B. Motor abzurechnen.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP