Decision ID: de514c16-c292-50a2-b372-fd13ecad242b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ hatte im Kindesalter wegen verschiedener Geburtsgebrechen (u.a.
angeborene Epilepsie und Strabismus) medizinische Massnahmen von der
Invalidenversicherung bezogen. Am 24. Februar 2016 wurde er im Rahmen der
Früherfassung durch seine Arbeitgeberin, die B._ AG, der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen gemeldet (IV-act. 136f.). Dr. med. C._, Chiropraktor SCG/ECU, hatte dem
Produktionsmitarbeiter ab 1. Februar 2016 auf Grund von Bandscheibenvorfällen in
den Fächern BWK 10/11 und BWK 11/12 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
(IV-act. 138-4, 144). Nach erfolgter Operation nahm der Versicherte seine Arbeit am
8. Mai 2016 wieder auf, so dass eine IV-Anmeldung vorerst unterblieb (IV-act. 149). Am
20. August 2018 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle schliesslich wegen
Gelenkproblemen zum Leistungsbezug an (IV-act. 151). PD Dr. med. D._, Chefärztin
Wirbelsäulenzentrum der Klinik E._, hielt als Diagnosen im Bericht vom 24. Oktober
2018 ein ausgeprägtes DISH-Syndrom (diffuse idiopathische skelettale Hyperostose)
der ganzen Wirbelsäule mit quasi allsegmentären Osteochondrosen, zum Teil
Spontanfusionen und mehretagigen Spinalkanaleinengungen, einen Status nach
Sequestrektomie TH10/11 bei Bandscheibenvorfall rechts, wohl einen Status nach
Schulterinfiltration beidseits, einen Status nach Meniskektomie des linken Knies und
einen Meniskusschaden rechts sowie einen Status wohl nach mehrfacher Gastritis fest.
Sie befand den Versicherten in seinen angestammten Berufen als sicher nicht mehr
arbeitsfähig und in leicht belastenden Tätigkeiten wahrscheinlich als nicht vermittelbar
(IV-act. 161). Auch seine Hausärztin Dr. med. F._ attestierte dem Versicherten im
Arztbericht vom 2. November 2018, dass keine Tätigkeit mehr zumutbar sei (IV-act.
162-7).
A.a.
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Mit Bericht vom 11. Dezember 2018 bestätigte Prof. Dr. med. G._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation,
die Diagnosen von Dr. F._. Er empfahl die Vornahme einer ambulanten
Physiotherapie (IV-act. 169).
A.b.
Am 3. Januar 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sein
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde, da er sich nicht in
der Lage sehe, an Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 172-1).
A.c.
Mit Bericht vom 2. Mai 2019 informierte die Hausärztin die IV-Stelle, dass der
Versicherte von der einmalig durchgeführten Physiotherapie wenig profitiert habe,
weshalb die physiotherapeutischen Massnahmen nicht mehr weitergeführt worden
seien (IV-act. 177).
A.d.
Im August und September 2019 wurde der Versicherte durch Gutachter der
MEDAS Bern psychiatrisch, orthopädisch und allgemein-internistisch untersucht und
abgeklärt. Im Gutachten vom 5. November 2019 diagnostizierten sie mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit, insbesondere mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit als
Produktionsmitarbeiter, eine DISH, welche die ganze Wirbelsäule betreffe. Daraus
ergab sich für die Fachärzte insgesamt in der bisherigen Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit
mehr. In einer angepassten, rein gehenden Tätigkeit im Rahmen des
Zumutbarkeitsprofils attestierten sie rein medizinisch-theoretisch eine 45%-ige
Arbeitsfähigkeit ab 22. Juni 2018 (IV-act. 190-4f.). RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt
Chirurgie FMH, befand das Gutachten mit Stellungnahme vom 12. Dezember 2019 als
nachvollziehbar, weshalb darauf abgestützt werden könne (IV-act. 191).
A.e.
Mit Vorbescheid vom 17. Dezember 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Zusprache einer Dreiviertelsrente ab 1. Juni 2019 in Aussicht, unter Berücksichtigung
eines Leidensabzugs und eines Teilzeitabzugs von je 10% (IV-act. 195). Dagegen liess
dieser durch Rechtsanwältin Dr. iur. S. Baumann Wey, Luzern, am 30. Januar 2020
Einwand erheben und die Ausrichtung einer ganzen Rente beantragen. Zur
Begründung machte die Rechtsvertreterin vorwiegend geltend, dass auf Grund von
Kniebeschwerden eventuell neue Abklärungen nötig seien (IV-act. 206). RAD-Arzt
Dr. H._ empfahl in der Folge die Vornahme weiterer Abklärungen (Stellungnahme
A.f.
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B.
vom 18. Februar 2020, IV-act. 207). Nach Eingang der entsprechenden Unterlagen hielt
Dr. H._ am 19. März 2020 fest, dass unter Abstützung auf das weiterhin
beweiskräftige Gutachten ein stabiler Gesundheitszustand vorliege (IV-act. 216).
Mit Verfügungen vom 5. und 12. Mai 2020 hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid
fest und sprach dem Versicherten ab 1. Juni 2019 gestützt auf einen IV-Grad von 66%
eine Dreiviertelsrente zu. Gemäss dem Antrag des Versicherten wurde dabei ein
maximal möglicher Leidensabzug von 25% gewährt (IV-act. 225, 228, 230).
A.g.
Gegen diese Verfügungen richtet sich die vorliegende Beschwerde von
Rechtsanwältin Dr. iur. S. Baumann Wey im Namen des Versicherten vom 2. Juni 2020.
Der Beschwerdeführer lässt darin deren Aufhebung und die Zusprache einer ganzen
Rente ab 1. Juni 2019 sowie eine Erhöhung des massgeblichen durchschnittlichen
Jahreseinkommens auf Fr. 37'343.-- (mit folglich einem Tabellenwert von Fr. 38'394.--)
und eine entsprechende Anpassung des Betrags der monatlichen Rente anhand von
Skala 44 beantragen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt
die Anwältin im Wesentlichen vor, dass dem Beschwerdeführer lediglich noch gehende
Arbeiten bei weiteren Einschränkungen zeitlicher und körperlicher Art zumutbar seien.
Mit Spazieren lasse sich aber kein Einkommen erzielen und mit zeitlich sowie
leistungsmässig massiv eingeschränktem und an vielen Tagen auch immer wieder
gänzlich unmöglichem Spazieren schon gar nicht. Daher sei die Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit augenscheinlich. Des Weiteren habe der Versicherte im Jahr 2018
nicht während zwölf Monaten Lohn von der B._ AG bezogen, sondern lediglich von
Januar bis August 2018, und das ausbezahlte AHV-pflichtige Einkommen im Jahr 2018
habe nicht Fr. 39'831.--, sondern Fr. 45'144.-- betragen. Dies ergebe sich aus dem
Lohnkonto der Arbeitgeberin, weshalb bei der Ausgleichskasse ein Gesuch um
Berichtigung der Einträge im individuellen Konto (IK) gestellt worden sei (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 2. September 2020 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Gestützt auf die Stellungnahme
aus dem Bereich der beruflichen Integration vom 21. Juli 2020 seien dem
Beschwerdeführer trotz seiner körperlichen Einschränkungen sehr wohl Tätigkeiten auf
dem ersten Arbeitsmarkt zumutbar. Zudem habe auch die Nachfrage an die
B.b.
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Erwägungen
1.
Rechtsprechungsgemäss hat das Sozialversicherungsgericht auf den bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen
(BGE 143 V 411 E. 21; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Oktober 2020, 8C_505/2020,
E. 5.1 mit Hinweisen). Später eingetretene Tatsachen, die zu einer Änderung des
Sachverhalts geführt haben, sind grundsätzlich nicht im Rahmen des hängigen,
sondern im Rahmen eines weiteren Verfahrens zu berücksichtigen (BGE 121 V 366
E. 1b mit Hinweisen). Indes sind Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, im
hängigen Verfahren soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in
engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt
des Erlasses der Verfügung zu beeinflussen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27.
Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.1). Nachdem die mit Eingabe vom 9. März 2021
eingereichten Befundberichte betreffend die Wirbelsäule des Beschwerdeführers (act.
G 10.1, 10.2) lediglich eine teilweise und zudem geringfügige Progredienz zeigen, sind
sie für die Feststellung des vorliegend zu beurteilenden Sachverhalts bis zum Zeitpunkt
der angefochtenen Verfügungen nicht relevant und daher auch nicht zu
berücksichtigen.
Ausgleichskasse ergeben, dass nach Überprüfung daran festgehalten werde, dass die
verbuchten Lohnbestandteile auf dem individuellen Konto des Beschwerdeführers
richtig verbucht worden seien. Somit sei die Rentenberechnung korrekt (act. G 4).
In der Replik vom 17. September 2020 (act. G 6) hält der Beschwerdeführer an
seinem Antrag auf eine ganze IV-Rente fest. Demgegenüber wird derjenige auf
Erhöhung des durchschnittlichen Jahreseinkommens fallen gelassen (act. G 6).
B.c.
Mit Eingabe vom 9. März 2021 informiert die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers das Gericht über die neuesten medizinischen Befundberichte. Da
die Beschwerden und Bewegungseinschränkungen zwischenzeitlich deutlich
zugenommen hätten, sei der Anspruch auf eine ganze Rente weiterhin und umso mehr
ausgewiesen (act. G 10).
B.d.
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2.
Umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Höhe des Rentenanspruchs des
Beschwerdeführers.
2.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a);
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
im Sinne von Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) invalid sind (lit. c).
2.2.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
2.5.
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3.
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a).
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16
ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dieser legt fest, dass für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.6.
Zunächst ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt
wurde. Den angefochtenen Verfügungen liegt das polydisziplinäre Gutachten der
MEDAS Bern zugrunde. Der Beschwerdeführer bemängelt daran, dass seine Knie- und
Schulterbeschwerden beidseits zu zusätzlichen Einschränkungen führten, welche im
Gutachten zu Unrecht nicht berücksichtigt worden seien.
3.1.
Die orthopädische Gutachterin Dr. med. I._, Fachärztin für Orthopädische
Chirurgie u. Traumatologie d. Bewegungsapparates, zertifizierte med. Gutachterin SIM,
diagnostizierte auf Grund der gutachterlichen Untersuchung und der radiologischen
Befunde mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit als Produktionsmitarbeiter (schwere
stehende Arbeit) eine DISH, welche die ganze Wirbelsäule betreffe. Ohne Relevanz für
die Arbeitsfähigkeit seien Knieschmerzen beidseits bei einem Status nach vorderer
Kniebandplastik und Meniskektomie links vor 25 Jahren, bei beginnender
Pangonarthrose links, bei leichter vorderer Instabilität links, bei beginnender
Chondrokalzinose medial und lateral rechts sowie bei anamnestischer Meniskusläsion
rechts - klinisch momentan ohne Hinweise dafür. Zudem lägen die Diagnosen einer
beginnenden AC-Gelenksarthrose beidseits, momentan beschwerdefrei, sowie ein
Status nach Sequestrektomie TH10/11 bei Bandscheibenvorfall rechts (Neurochirurgie
Kantonsspital St. Gallen 2016) vor (IV-act. 190-35). Auf die persönlichen Ressourcen
bzw. das Zumutbarkeitsprofil hätten die Gesundheitsstörungen Auswirkungen in dem
Sinne, als Heben und Tragen von schweren Lasten von mehr als 3kg nicht mehr
zumutbar seien wie auch Arbeiten verbunden mit Zwangshaltungen des Kopfes und
des Rumpfes und ständige Überkopfarbeiten, wie auch Arbeiten in gebückter, kniender
und gehockter Stellung. Stehende und sitzende Arbeiten seien nicht mehr zumutbar.
Rein gehende Arbeiten seien mit verlängerten Pausen momentan noch zumutbar. Rein
orthopädisch sei die Prognose schwierig einzuschätzen. Die DISH sei eine progressive
3.2.
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Erkrankung der Wirbelsäule mit schlussendlich schlechter Prognose und schwieriger
Therapierbarkeit. Als mögliche weitere Behandlungsoptionen nannte die Orthopädin
Wassertherapie, Physiotherapie und Schmerztherapie. Diese sollten das chronisch
progrediente Leiden verlangsamen. Diskrepanzen zwischen den Schmerzangaben des
Beschwerdeführers und den objektivierbaren klinischen und radiologischen Befunden
bestünden keine. Der Beschwerdeführer sei sehr authentisch. Er sei gut integriert in
einen kleinen Kollegenkreis. Rein orthopädisch gesehen sei eine Eingliederung gemäss
der Gutachterin zu versuchen, jedoch nur im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils. Dabei
sei zu beachten, dass die DISH eine chronische progressive Erkrankung der
Wirbelsäule sei, sodass die Ressourcen des Beschwerdeführers in Zukunft
schicksalshaft abnehmen würden. Auf Grund ihrer gutachterlichen Untersuchung und
der neuen radiologischen Untersuchungen konnte die Gutachterin die Beurteilungen
auf Grund der Akten nachvollziehen, was bedeute, dass ab 22. Juni 2018 in der
angestammten Tätigkeit als Heizungsmonteur wie auch als Strassenbauer dauerhaft
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Medizinisch-theoretisch könne auf Grund der
aktuellen klinischen und radiologischen Befundlage und der damit nachvollziehbaren
Aussagen des Beschwerdeführers eine 45%ige Arbeitsfähigkeit in einer rein gehenden
Tätigkeit im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils ebenfalls ab diesem Datum attestiert
werden (IV-act. 190-37f.). Dr. I._ hielt in ihrem Teilgutachten offenbar auf Grund der
Schilderungen des Beschwerdeführers fest, dass die Schulterschmerzen momentan
nach beidseitigen Infiltrationen ruhig seien. Es bestünden Knieschmerzen beidseitig (IV-
act. 190-36). Auch führte sie sämtliche die Schultern als auch die Knie betreffenden
Diagnosen auf (IV-act. 190-35), befand jedoch nachvollziehbar gestützt sowohl auf die
Schilderungen des Beschwerdeführers als auch das ausgewiesene Ausmass der
Einschränkungen, dass diese die Arbeitsfähigkeit in quantitativer Hinsicht zum
Zeitpunkt der Begutachtung nicht beeinflussen würden (vgl. IV-act. 190-38). Die
verlängerten Pausen bei rein gehenden Arbeiten berücksichtigte sie jedoch bereits in
der rein medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von 45% (vgl. IV-act. 190-38).
Qualitativ trug sie allfälligen Schulter- und Knieschmerzen mit dem vorliegenden
Zumutbarkeitsprofil ebenfalls genügend Rechnung. Schliesslich befanden die beiden
weiteren Gutachter den Beschwerdeführer weder aus psychiatrischer noch aus
allgemein-internistischer Sicht als in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (vgl. IV-act.
190-23, 190-53).
Ergänzend ist festzuhalten, dass auch die im Rahmen des Einwandschreibens
geltend gemachte Verschlechterung des Gesundheitszustandes hinsichtlich der Knie-
sowie Schulterbeschwerden auf Grund der Aktenlage vom RAD überzeugend und
nachvollziehbar ausgeschlossen wurde (RAD-Stellungnahmen vom 19. März 2020 und
3.3.
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4.
20. April 2020, IV-act. 216 und 221, zum Einwand sowie zu den zusätzlichen
medizinischen Berichten, vgl. IV-act. 206ff.).
Folglich ist gestützt auf die von der orthopädischen Gutachterin schlüssig
vorgenommene und mit den übrigen Akten, insbesondere dem bildgebenden Material
und den vorangegangenen Arztberichten, übereinstimmende Beurteilung beim
Beschwerdeführer auf eine 45%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
abzustellen.
3.4.
Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass seine
Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwertbar sei. So könne ihm die Verwaltung keine
konkreten Arbeitsmöglichkeiten aufzählen, die ihm noch zumutbar wären.
4.1.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist bei der Berechnung des
Invalideneinkommens von einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG)
auszugehen. Dieser ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen
Angebot an und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster
Tätigkeiten auf (BGE 110 V 273 E. 4b S. 276, vgl. auch BGE 134 V 64 E. 4.2.1). Das gilt
sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen
wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Dabei ist nicht von realitätsfremden
Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter
Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des
Einzelfalls zumutbar sind (Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2012, 9C_910/2011,
E. 3.1). Je restriktiver das medizinische Anforderungsprofil umschrieben ist, desto
eingehender ist in der Regel die Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
abzuklären und nachzuweisen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2018,
9C_898/2017, E. 3.3.1). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil
des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2018, 8C_458/2018, E. 4.2; SVR 2019 IV 22). Von
einer Arbeitsgelegenheit kann jedoch dann nicht mehr gesprochen werden, wenn die
zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteile
des Bundesgerichts vom 6. Juli 2017, 9C_253/2017, E. 2.2.1 mit Hinweis und vom 26.
Juni 2018, 8C_133/2018, E. 2.2.1). Auf dem massgebenden hypothetischen
4.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-273%3Ade&number_of_ranks=0#page273
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5.
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) werden Hilfsarbeiten prinzipiell
altersunabhängig nachgefragt und erfordern grundsätzlich weder gute Kenntnisse der
deutschen Sprache noch eine Ausbildung (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober
2018, 9C_898/2017, E. 3.4).
Der Beschwerdeführer war vor Eintritt seiner Arbeitsunfähigkeit zuerst im
Strassenbau, als Maurer, als Sesselbahnmaschinist, auf einer Alp, später als Wirt und
schliesslich als Montagemitarbeiter tätig (vgl. IV-act. 190-31, 190-49). Laut Dr. I._
sind ihm alle diese Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Mit dem von Dr. I._ definierten
Zumutbarkeitsprofil einer optimal angepassten Tätigkeit (vgl. Erwägung 3.2 und IV-act.
190-38) stehen dem Beschwerdeführer jedoch noch verschiedene Tätigkeiten offen
und es kann seiner Argumentation nicht gefolgt werden, die Einschränkungen seien
dermassen stark, dass eine Verwertbarkeit unrealistisch wäre. Zwar ist mit ihm
übereinzustimmen, dass eine Tätigkeit als Stadtführer für den gelernten Strassenbauer
mit dem oben erwähnten beruflichen Werdegang kaum in Frage kommt. Dazu wären
nicht nur die vorhandenen guten Deutsch-, sondern auch gute
Fremdsprachenkenntnisse, eine gute Rhetorik, Geschichtskenntnisse und eine gute
Allgemeinbildung sowie wohl eine spezifische Weiterbildung (vgl. act. G 6.1) notwendig.
Im Rahmen der IV-Begutachtung gab der Beschwerdeführer jedoch an, er habe nun
eine Bekannte, die eine Hundeschule führe, weshalb er mit Hunden von dort drei bis
vier Stunden spazieren gehe (IV-act. 190-49, vgl. auch 190-31). Somit ist davon
auszugehen, dass er sich mit Tieren bzw. insbesondere mit Hunden gut auskennt und
auch eine Tätigkeit in diesem Bereich in Betracht ziehen könnte. In Frage käme da die
Tätigkeit als Hundesitter oder auch eine leichtere Tätigkeit in einem Tierheim. Aber
auch eine Tätigkeit als Zusteller beispielsweise von Werbeprospekten wäre denkbar,
da hierbei lediglich beim Einladen der Broschüren auf einen Wagen/Anhänger oder ins
Auto darauf zu achten wäre, dass die 3kg-Gewichtslimite einzuhalten ist.
Aufsichtstätigkeiten in Museen und allenfalls Platzzuweisungen in Theatern, bei denen
kein Stillstehen notwendig ist, kämen sodann ebenfalls in Betracht. Mit Blick auf die
gesundheitlichen Probleme und Einschränkungen des Beschwerdeführers ist somit
davon auszugehen, dass es ihm möglich sein sollte, eine Reihe von Tätigkeiten zu
übernehmen. Folglich ist beim Beschwerdeführer mit der Beschwerdegegnerin von
einer Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auszugehen.
4.3.
Bei der Berechnung des Invaliditätsgrads ging die Beschwerdegegnerin beim
Valideneinkommen des Beschwerdeführers zu Recht vom Lohn aus, den er gemäss IK-
Auszug vor Eintritt der Invalidität als Produktionsmitarbeiter verdient hatte. Zudem
5.1.
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6.
Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Der Beschwerdeführer hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von ihm geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.