Decision ID: 25133c98-f955-4ef5-a720-0cd4f51855fe
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 8. Dezember 2003 wegen einer Kinderlähmung mit
Verkürzung/Schwäche des linken Beins zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Die IV-Stelle wies das Leistungsgesuch ab (Einspracheentscheid vom 31. August 2004,
IV-act. 26).
A.b Am 7. Januar 2008 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 38). Mit Verfügung vom 3. Februar 2009 wies die IV-Stelle das
neue Leistungsgesuch ab (IV-act. 81). Das Versicherungsgericht hiess die dagegen
vom Versicherten am 5. März 2009 erhobene Beschwerde (IV-act. 85-2 ff.) teilweise gut
und wies die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung zurück (Entscheid vom
8. Januar 2010, IV 2009/81, IV-act. 94).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 17. und 26. Mai 2010 in der ABI
Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (internistisch/allgemeinmedizi-
nisch, psychiatrisch und orthopädisch) untersucht. Die Gutachter stellten folgende
Diagnosen, denen sie einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimassen: 1. eine
Beinlängenverkürzung links von ca. 5 cm bei Status nach Poliomyelitis im Kindesalter
(ICD-10: B91); 2. ein chronisches thorako- und lumbovertebrales Schmerzsyndrom
ohne radikuläre Ausfälle (ICD-10: M54.6/M54.5). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
sei u.a. eine Adipositas (BMI 34 kg/m ; ICD-10: E66.0). Anlässlich der psychiatrischen
Begutachtung hätten keine pathologischen Befunde erhoben werden können. Für eine
körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit in vorwiegend sitzender Position
verfüge der Versicherte über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Körperlich schwere und
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mittelschwere Tätigkeiten seien ihm nicht zumutbar (Gutachten vom 2. August 2010,
IV-act. 101). Die RAD-Ärztin Dr. med. B._, Fachärztin für Arbeitsmedizin, hielt die
gutachterliche Beurteilung für nachvollziehbar (Stellungnahme vom 18. August 2010,
IV-act. 102). Am 6. Oktober 2010 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsgesuchs (IV-act. 107).
A.d Der Versicherte stellte am 19. August 2014 ein neuerliches Leistungsgesuch bei
der IV-Stelle (IV-act. 109). Die behandelnde Dr. med. C._, Fachärztin für
Allgemeinmedizin FMH, berichtete am 18. September 2014, der Versicherte könne
wegen zunehmender Schmerzen keine Orthese mehr tragen. Durch die ausgeprägte
Verkürzung des linken Beins komme es zu einer konsekutiven Beckenschieflage und
Skoliose. Mit zunehmendem Alter und asymmetrischer Abnützung der Gelenke und
Wirbelsäule verstärkten sich die Schmerzen. Aktuell leide der Versicherte deshalb unter
starken Rückenschmerzen, zum Teil auch an Schulterschmerzen. Die Schmerzen
hätten in den letzten Monaten deutlich an Intensität zugenommen. Ihres Erachtens sei
der Versicherte höchstens zu 50% arbeitsfähig und auch dies nur in sitzender und
wechselnder Tätigkeit ohne körperliche Belastung (IV-act. 117).
A.e Mit Vorbescheid vom 30. Oktober 2014 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, auf sein neues Leistungsgesuch nicht einzutreten, weil damit eine
wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nicht glaubhaft gemacht
worden sei (IV-act. 128). Dagegen erhob der Versicherte am 9. Dezember 2014
Einwand und reichte einen Bericht von Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, vom 18. November 2014 ein.
Dieser diagnostizierte eine fixierte Skoliose bei Status nach Poliomyelitis am linken
Bein mit Verkürzung um 7,5 cm. "Ganz klar sehe ich hier eine Invalidenrente von 50%
als gegeben an bei dieser schweren Deformation sowohl des Rückens, wie des Beines,
da die Skoliose klinisch mindestens 50% beträgt" (IV-act. 129; siehe auch die
ergänzende Einwandbegründung vom 10. Februar 2015 samt weiterer Stellungnahme
von Dr. D._ vom 6. Februar 2015, IV-act. 134). Der RAD-Arzt Dr. med. E._,
Facharzt für Chirurgie, empfahl nach der Durchsicht der neuen Unterlagen eine
monodisziplinäre orthopädische Begutachtung durch die ABI (Stellungnahme vom
27. Mai 2015, IV-act. 137).
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A.f Am 2. November 2015 wurde der Versicherte in der ABI von Dr. med. F._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, untersucht. Im orthopädischen Gutachten
vom 16. November 2015 (IV-act. 157) führte er folgende Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit auf: 1. Schlaffe Lähmung und Verkürzung des linken Beins von etwa
6 cm (ICD-10: G83.1/M21.70) bei Status nach Poliomyelitis im Kleinkindalter (ICD-10:
B91); 2. ein chronisches thorakolumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne
ausstrahlende Symptomatik (ICD-10: M54.85; im Stehen ausgeprägte thorakolumbale
Verkrümmung durch die Beinlängendifferenz, klinisch und bildgebend keine eindeutige
strukturelle Komponente, IV-act. 157-11). Im Sitzen habe sich eine weitgehend
orthograde Haltung der ganzen Wirbelsäule gezeigt und die zuvor (im Stehen) sichtbare
deutliche Verkrümmung sei kaum mehr zu erkennen. Palpatorisch lasse sich eine
höhergradige Abweichung der Wirbelsäulenachse nicht erkennen. Somit sei davon
auszugehen, dass es sich im Wesentlichen um eine kompensatorische Verkrümmung
handle, die aufgrund der unterschiedlichen Beinlänge im Stehen und Gehen entstehe,
im Sitzen aber verschwinde. Eine wesentliche strukturelle Komponente sei jedenfalls
nicht zu erkennen (IV-act. 157-12). In der Annahme, dass sich zwischenzeitlich im
Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses gewisse Abnützungserscheinungen
entwickelt hätten und diese aufgrund der Grunderkrankung etwas schlechter
kompensiert werden könnten, lasse sich heute eine leichte Einschränkung der
Leistungsfähigkeit begründen. Unter Berücksichtigung eines erhöhten Pausenbedarfs
verfüge der Versicherte bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit über eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 80% (IV-act. 157-14). Der RAD-Arzt Dr. E._ hielt das
orthopädische Gutachten für aussagekräftig (Stellungnahme vom 3. Dezember 2015,
IV-act. 158).
A.g Ein von der IV-Stelle organisiertes Einsatzprogramm im G._ (Projekt H._) im
Bereich Feinrecycling brach der Versicherte am ersten Tag (1. Juni 2016) ab (Schreiben
der Stiftung G._ vom 8. Juni 2016, IV-act. 190; siehe auch das Verlaufsprotokoll der
Eingliederungsberatung vom 7. Juni 2016, IV-act. 188).
A.h Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie FMH, der den Versicherten am 14. Juni
2016 untersucht hatte, berichtete Dr. C._ am 21. Juni 2016, der Versicherte leide an
den Folgen einer schweren Poliomyelitis. Aktuell im Vordergrund stehe eine diskrete
schlaffe Parese des linken Arms mit vereinzelt unwillkürlichen Myoklonien sowie eine
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schlaffe Plegie und Hypotrophie der gesamten linken unteren Extremität. Als Folge des
dadurch bedingten unergonomischen Gangbilds mit schwerem Hinken links leide er an
einem chronischen thorako-lumbo-vertebralen Schmerzsyndrom mit radikulärer und
pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung. Anhaltspunkte für eine Beteiligung der
Hirnnerven (bulbäres Syndrom) bestünden anamnestisch und auch aufgrund des
aktuellen Untersuchungsbefunds keine. Er empfehle eine ausführliche neurologische
Untersuchung zur Klärung der in Frage kommenden Differenzialdiagnosen.
Grundsätzlich gehe er davon aus, dass der Versicherte mit den aktuellen Beschwerden
und unter der Annahme, dass diese in den kommenden Jahren zunehmen würden, zu
100% arbeitsunfähig sei (IV-act. 195). Der RAD-Arzt Dr. E._ hielt die
Schlussfolgerungen von Dr. I._ für nicht hinreichend plausibel. Daher empfahl er in
Ergänzung des orthopädischen Gutachtens von Dr. F._ eine monodisziplinäre
neurologische Begutachtung in der ABI, damit dort unter Berücksichtigung des
orthopädischen Gutachtens der Gesundheitszustand mit seiner Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit beurteilt werden könne (Stellungnahme vom 28. Juni 2016, IV-
act. 198).
A.i Am 25. Oktober 2016 wurde der Versicherte in der ABI von Dr. med. J._, Facharzt
für Neurologie FMH, untersucht. Dieser diagnostizierte 1. einen Status nach
Poliomyelitis im Kleinkindesalter mit hochgradiger schlaffer Parese des linken Beins
(ICD-10: B91) mit möglicherweise zusätzlich diskreter Parese am linken Arm und 2. ein
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10: R52.2). Für Tätigkeiten, die
im Stehen oder Gehen ausgeübt würden, könne der Versicherte nicht eingesetzt
werden. In einer angepassten Tätigkeit, die weitgehend im Sitzen durchgeführt werden
könne, bestünden zeitlich keine relevanten Einschränkungen. Es sei jedoch
nachvollziehbar, dass der Versicherte aufgrund seiner Behinderung in der
Leistungsfähigkeit leicht eingeschränkt sei und somit insgesamt eine Leistungsfähigkeit
in adaptierten Tätigkeiten von 80% resultiere (neurologisches Gutachten vom
9. November 2016, IV-act. 203). Der RAD-Arzt Dr. E._ hielt die Beurteilung des
neurologischen ABI-Experten für schlüssig (Stellungnahme vom 24. November 2016,
IV-act. 205).
A.j Ausgehend von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
ermittelte die IV-Stelle einen 20%igen Invaliditätsgrad und stellte dem Versicherten mit
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Vorbescheid vom 29. März 2017 die Abweisung seines Rentengesuchs in Aussicht (IV-
act. 214). Dagegen erhob der Versicherte am 11. Mai 2017 Einwand (IV-act. 216). Die
IV-Stelle verfügte am 18. Mai 2017 die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 217).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 18. Mai 2017 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 31. Mai 2017. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung und die
Zusprechung einer ganzen Invalidenrente mit Wirkung ab Januar 2015. Eventualiter sei
ein medizinisches Gerichtsgutachten einzuholen; subeventualiter sei die Sache zu
weiteren medizinischen Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
wobei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, über ihn (den Beschwerdeführer)
ein neues, polydisziplinäres Gutachten einzuholen und zusätzlich die Fachdisziplinen
Innere Medizin und Schlafmedizin/Pneumologie einzubeziehen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, die Beurteilungen
der ABI-Experten seien mangelhaft. Des Weiteren hält er bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens einen Tabellenlohnabzug von 25% für gerechtfertigt (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 29. August
2017 die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, dass der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers durch die neurologischen und
orthopädischen ABI-Experten spruchreif abgeklärt worden sei und gestützt darauf von
einer 80%igen Restarbeitsfähigkeit auszugehen sei. Umstände, die zusätzlich zu den
bereits im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigten
Beeinträchtigungen einen Tabellenlohnabzug begründen würden, verneint sie (act.
G 3).
B.c Mit Verfügung vom 7. September 2017 wird dem Gesuch des Beschwerdeführers
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten
und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor
Versicherungsgericht entsprochen (act. G 4).
B.d In der Replik vom 27. September 2017 hält der Beschwerdeführer unverändert an
der Beschwerde fest und reicht eine konsiliarische Beurteilung von Dr. I._ vom
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26. Juni 2017 ein (act. G 6). Darin führte dieser aus, die Beurteilung einer medizinisch
begründeten Arbeitsunfähigkeit sei schwierig. In der Gesamtschau des bisherigen
Verlaufs, der Schwere der Betroffenheit - vor allem des linken Beins und weniger auch
des linken Arms - sei grundsätzlich von einer signifikanten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit auszugehen. Im Gesamtkontext sei auch die Ausbildung des
Beschwerdeführers, seine Herkunft und insbesondere die realistische
Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt der Schweiz mitzuberücksichtigen (was aus
versicherungsmedizinischer Sicht jedoch nicht berücksichtigt werde). Eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit sei mit diesem klinischen Bild bei Zustand nach schwerer Poliomyelitis
nicht realistisch (act. G 6.1).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 8).
B.f Am 8. November 2017 reicht die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine
Honorarnote bezüglich ihrer Aufwände ein (act. G 10).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der (am 19. August
2014 wiederangemeldete) Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
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dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
2.
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Zunächst ist zu prüfen, ob der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht spruchreif
abgeklärt worden ist und eine verlässliche Grundlage für die Beurteilung des
umstrittenen Rentenanspruchs besteht. Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der
angefochtenen Verfügung auf das orthopädische ABI-Gutachten vom 16. November
2015 (IV-act. 157) und das neurologische ABI-Gutachten vom 9. November 2016 (IV-
act. 203). Der Beschwerdeführer bringt daran verschiedene Mängel vor (act. G 1 und
G 6).
2.1 Der Beschwerdeführer rügt vorab, dass zur Beurteilung des Rentenanspruchs ein
zufallsbasiertes polydisziplinäres Gutachten von der Beschwerdegegnerin hätte
eingeholt werden müssen. Aufgrund seines starken Übergewichts, der diagnostizierten
Vitaminmängel (D und B12) sowie der Tagesmüdigkeit wäre insbesondere eine
internistische Beurteilung erforderlich gewesen. Die Beschwerdegegnerin habe das
Zufallsprinzip der MED@P durch ihr Vorgehen, zunächst lediglich ein monodisziplinäres
orthopädisches Gutachten und anschliessend ein neurologisches Gutachten
einzuholen und von einer internistischen Begutachtung abzusehen, bewusst umgangen
(act. G 1, Rz 28). Bei der gutachterlichen Beurteilung seien das massive Übergewicht
und der diagnostizierte Vitaminmangel völlig ignoriert worden (act. G 1, Rz 32; siehe
betreffend das Übergewicht auch act. G 6, Rz 5 und Rz 7). Zu Unrecht nicht weiter
abgeklärt worden sei ferner die Verdachtsdiagnose eines Schlafapnoe-Syndroms, die
zur Anamnese passen würde und die Tagesmüdigkeit erklären könnte (act. G 1, Rz 33).
2.1.1 Die Begutachtung zielte u.a. auf eine Verlaufsbeurteilung ab (siehe die
Zusatzfragen in Ziff. 8.5 des Fragekatalogs, IV-act. 140-5). Deshalb stellt es keinen
Mangel dar, dass die Beschwerdegegnerin die bereits mit dem Fall des
Beschwerdeführers vertraute ABI mit einer (Verlaufs-)Begutachtung beauftragte. Es
entspricht denn auch der bundesgerichtlichen Praxis, dass mit dem Fall der
versicherten Personen bereits vertraute Gutachter sinnvoller Weise mit einer
Verlaufsbegutachtung beauftragt werden (BGE 132 V 110 E. 7.2.2; bestätigt etwa im
Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 2014, 9C_441/2014, E. 2.2.2 f.).
2.1.2 Da der Beschwerdeführer im Wesentlichen zur Begründung der von ihm geltend
gemachten gesundheitlichen Verschlechterung auf in das Fachgebiet der Orthopädie
fallende Leiden und die Einschätzung des behandelnden Orthopäden verwies (siehe
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etwa den Einwand vom 9. Dezember 2014 und den Bericht von Dr. D._ vom
14. November 2014, IV-act. 129), ist es naheliegend und nicht zu beanstanden, dass
die Beschwerdegegnerin die Abklärungen zunächst auf das Fachgebiet der Orthopädie
beschränkte.
2.1.3 Der Beschwerdeführer zeigte sich denn auch mit der Anordnung einer
monodisziplinären orthopädischen (Verlaufs-)Begutachtung bei der ABI an sich
einverstanden. Er äusserte ausschliesslich bezüglich der Person des bereits mit der
Erstbegutachtung betrauten orthopädischen Experten Bedenken (IV-act. 143 und IV-
act. 144). Diesem Anliegen entsprach die Beschwerdegegnerin im Übrigen und
beauftragte stattdessen Dr. F._ mit der Begutachtung (IV-act. 153).
2.1.4 Auch in der erst später angeordneten neurologischen Begutachtung durch die
ABI kann kein Mangel am Begutachtungsverfahren und namentlich keine vom
Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin vorgeworfene Umgehungsabsicht erblickt
werden. Anlass für die zusätzliche neurologische Begutachtung bildete die
konsiliarische Beurteilung von Dr. I._ vom 21. Juni 2016 (siehe hierzu IV-act. 195-6 f.;
zu deren Würdigung und nachvollziehbaren Abklärungsempfehlung des RAD-Arztes
Dr. E._ siehe die Stellungnahme vom 28. Juni 2016, IV-act. 198). Diese wurde,
nachdem die beklagten Beschwerden massiv zugenommen hatten, erst nach der
orthopädischen (Verlaufs-)Begutachtung eingeholt (vgl. hierzu die Bemerkungen im
Abklärungsauftrag BM vom 27. Mai 2016, IV-act. 185). Vor diesem Hintergrund
erscheint es zumindest vertretbar (zum grossen Ermessensspielraum der
Beschwerdegegnerin bei der Wahl von Abklärungsmassnahmen siehe etwa das Urteil
des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2013, 8C_815/2012, E. 3.2.1), dass die
Beschwerdegegnerin die zusätzlichen Abklärungen auf die neurologische Fachdisziplin
beschränkte und wiederum der bereits mit dem Fall vertrauten ABI den
Gutachtensauftrag erteilte (Mitteilung vom 27. Juli 2016, IV-act. 199). Der
Beschwerdeführer erhob dagegen im ganzen Verwaltungsverfahren keine Einwände,
sondern bringt solche erstmals im Beschwerdeverfahren vor, was nicht frei von
widersprüchlichem Verhalten ist.
2.1.5 Die vom Beschwerdeführer ins Feld geführten Umstände des starken
Übergewichts, der diagnostizierten Vitaminmängel sowie der Tagesmüdigkeit
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vermögen keinen Bedarf an einer zusätzlichen gutachterlichen Beurteilung zu
begründen. Zunächst lassen sich weder den Ausführungen des Beschwerdeführers
noch den Akten konkrete Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass das Übergewicht
bezogen auf leichte und weitgehend im Sitzen durchzuführende Tätigkeiten zu einer
zusätzlichen Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit führen könnte. Auch Dr. I._
betrachtet das Übergewicht primär lediglich als Risikofaktor und empfiehlt eine
Gewichtsabnahme zur "Reduktion des Risikos weiterer Beschwerden" (IV-act. 195-8).
Seine Aussagen sind mit denjenigen des orthopädischen ABI-Gutachters (IV-
act. 157-15 unten) zu vereinbaren. Bezüglich der Vitaminmängel ergibt sich bereits aus
der Beurteilung von Dr. I._, dass diese ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sind
(IV-act. 195-2). Im Übrigen lassen sich diese Mängel und allfällige
Mangelerscheinungen (wie etwa die vom Beschwerdeführer geltend gemachte
Tagesmüdigkeit, act. G 1, Rz 32) ohne weiteres und schnell mit der Einnahme
entsprechender Präparate beheben. Hinsichtlich der angeführten Tagesmüdigkeit
ergeben sich weder aus den Akten noch den Ausführungen des Beschwerdeführers
Hinweise, dass diese zu einer relevanten zusätzlichen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten führte. Insbesondere gehen auch
aus der neurologischen Beurteilung von Dr. I._ keine relevanten aus objektiver Sicht
bestehenden Müdigkeitssymptome oder entsprechende kognitive Defizite hervor. Der
Beschwerdeführer wurde anlässlich der neurologischen Untersuchung vom 14. Juni
2016 als "wach" wahrgenommen (IV-act. 195-7; siehe insbesondere auch den
neurologischen Status in der konsiliarischen Beurteilung vom 26. Juni 2017 in act.
G 6.1, S. 2 f.). Im Übrigen erscheint fraglich, ob die vom Beschwerdeführer beklagte
Tagesmüdigkeit weniger Symptom einer Krankheit als vielmehr auf seine
Alltagsgestaltung zurückzuführen ist. Nach seinen Angaben geht er normalerweise
nämlich erst um 2:00 Uhr zu Bett (IV-act. 203-8). Unter diesen Umständen leuchtet die
Beurteilung des neurologischen ABI-Gutachters ein, dass eine Abklärung bezüglich
eines allfälligen Schlafapnoe-Syndroms lediglich aus therapeutischer Sicht von
Bedeutung wäre (IV-act. 203-11). Aus den Ausführungen von Dr. I._ zu einem
möglichen Schlafapnoe-Syndrom (act. G 6.1, S. 4) ergibt sich nichts Gegenteiliges.
2.2 Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer gegen die Beurteilung der beiden ABI-
Gutachter die davon abweichenden Einschätzungen von Dr. C._, Dr. D._, Dr. I._
und der Eingliederungsberaterin vor (act. G 1, Rz 29, und act. G 6, Rz 5).
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2.2.1 In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass ein den
Beweisanforderungen grundsätzlich genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V
351 f. E. 3a und b) nicht in Frage gestellt werden kann und nicht Anlass zu weiteren
Abklärungen besteht, wenn und sobald die behandelnden medizinischen
Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an
vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich
nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, welche im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer
anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008,
9C_830/2007, E. 4.3 mit Hinweisen).
2.2.2 Die Arbeitsunfähigkeitsatteste von Dr. C._ (siehe etwa das
Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 7. Juni 2016, IV-act. 187) sind - wenn überhaupt - nur
knapp begründet und enthalten auch keine objektiv relevanten Gesichtspunkte (siehe
etwa das ärztliche Zeugnis vom 18. September 2014, IV-act. 117), welche die
Gutachter übersehen hätten und welche die gutachterlichen Beurteilungen in Frage zu
stellen vermögen.
2.2.3 Bei der Würdigung der Einschätzung durch den behandelnden Dr. D._ fällt
zunächst auf, dass er sich in seinen Schlussfolgerungen dezidiert zum nicht in die
medizinische Fachkompetenz fallenden Rentenanspruch des Beschwerdeführers
äussert. So führte er im Bericht vom 18. November 2014 aus, "ganz klar sehe ich hier
eine Invalidenrente von 50% als gegeben an" bei dieser schweren Deformation sowohl
des Rückens als auch des Beins, da die (fixe) Skoliose klinisch mindestens 50%
betrage. Daher und aufgrund der Eindeutigkeit bei der nicht in das medizinische
Fachwissen fallenden Beurteilung des Rentenanspruchs bestehen erhebliche Zweifel
an der Unvoreingenommenheit von Dr. D._. Seine medizinische Beurteilung vermag
zudem inhaltlich nicht zu überzeugen. Denn die nach seiner Auffassung bestehende
fixierte Skoliose diagnostizierte er nicht gestützt auf Ergebnisse bildgebender
Abklärungen (zu den [noch] nicht vorgenommenen radiologischen Abklärungen siehe
die Stellungnahme von Dr. D._ vom 6. Februar 2015, IV-act. 134-2), sondern
ausschliesslich aufgrund einer klinischen Untersuchung des Beschwerdeführers im
Stehen (IV-act. 129-6). Der orthopädische ABI-Gutachter hat im Rahmen seiner
ausführlichen klinischen Untersuchung des sitzenden Beschwerdeführers dargelegt,
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dass keine (fixe) Skoliose besteht (IV-act. 157-12 und IV-act. 157-14). Im Gegensatz zu
Dr. D._ hat er auch die Ergebnisse der am 5. Juni 2015 durchgeführten bildgebenden
Abklärungen berücksichtigt. Er hat plausibel und dabei die Auffassung von Dr. D._
diskutierend ausgeführt, dass abgesehen des infolge der ausgeprägten
Beinlängendifferenz verursachten starken Beckenschiefstands keine wesentlichen
Auffälligkeiten bestünden (IV-act. 157-10 und -13 f.). In damit zu vereinbarender Weise
gehen auch aus den Berichten von Dr. I._ vom 21. Juni 2016 (IV-act. 195-6 ff.) und
vom 26. Juni 2017 (act. G 6.1) keine Anhaltspunkte hervor, welche die von Dr. D._
diagnostizierte fixe Skoliose bestätigen würden. Dr. I._ spricht denn auch von durch
den sehr unergonomischen Gang verursachten belastungsabhängigen
Rückenschmerzen (act. G 6.1, S. 2). Insbesondere lassen sich aus der Würdigung der
in Streckstellung der LWS im Liegen am 6. November 2015 erstellten lumbalen-
vertebrospinalen Kernspintomographie keine Hinweise auf eine fixe Skoliose, wie sie
von Dr. D._ geltend gemacht wird, entnehmen. Anlässlich der bildgebenden
Abklärung vom 5. Juni 2015 wurde in der Untersuchungsposition lediglich eine
"diskrete linkskonvexe skoliotische Fehlhaltung der LWS" beschrieben (act. G 6.1, S. 3
unten). Schliesslich setzt sich Dr. D._ mit seiner Ansicht, die fixe Skoliose habe schon
längere Zeit vor der ABI-Erstbegutachtung vom 17. und 26. Mai 2010 (siehe hierzu IV-
act. 101) bestanden bzw. sei wahrscheinlich in der Pubertät eingetreten (IV-act. 134-2),
in Widerspruch zu seiner früheren Beurteilung, mit der er sich nicht auseinandersetzte
(Berichte vom 11. Juni und vom 28. Juli 2008, IV-act. 68-10 ff.).
2.2.4 Aus den neurologischen Beurteilungen von Dr. I._ vom 21. Juni 2016 (IV-
act. 195-6 ff.) und vom 26. Juni 2017 (act. G 6.1) ergeben sich keine objektiven
Gesichtspunkte, die im Rahmen der beiden ABI-Gutachten ausser Acht geblieben
wären. Zwar trifft es zu, dass die bildgebende Untersuchung vom 6. November 2015
(lumbale-vertebrospinale Kernspintomographie) keine Berücksichtigung in den beiden
Gutachten fand und diese insoweit unvollständig sind (zur Kritik des
Beschwerdeführers siehe act. G 6, Rz 6). Allerdings fand die orthopädische
Begutachtung bereits am 2. November 2015 statt (IV-act. 157-1). Weder aus den Akten
noch aus den Angaben des Beschwerdeführers ergaben sich für den orthopädischen
Gutachter Hinweise auf eine entsprechende Abklärung. Von Bedeutung für die
Beweiswürdigung der beiden ABI-Gutachten ist aber ohnehin, dass aus der lumbalen-
vertebrospinalen Kernspintomographie vom 6. November 2015 keine neuen, für die
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Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wesentlichen Erkenntnisse hervorgehen. Dr. I._
führte diesbezüglich nämlich aus, es hätten neben leichtgradigen degenerativen
Veränderungen keine Kompressionen neuraler Strukturen festgestellt werden können
(act. G 6.1, S. 4).
2.2.5 Hinzu kommt, dass weder Dr. I._, Dr. D._ noch Dr. C._ die
Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers und dessen Leidensangaben objektiv-
kritisch geprüft haben. Aus der Beurteilung der ABI-Gutachter ergeben sich mehrere
Hinweise auf eine Selbstlimitierung (IV-act. 157-12 f.), auf Symptomausweitung (IV-
act. 157-12 unten, IV-act. 203-10 unten) und Inkonsistenzen (IV-act. 203-8 unten f., -9
unten und -10), denen im Rahmen einer beweiskräftigen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
ebenfalls Rechnung zu tragen ist. Hiermit haben sich Dr. I._, Dr. D._ und Dr. C._
jedoch nicht (in erkennbarer Weise) auseinandergesetzt.
2.2.6 Ferner ergeben sich auch aus der Eingliederungsberatung keine wesentlichen
Gesichtspunkte, die gegen die gutachterlichen Beurteilungen sprechen. Vielmehr
lassen sich daraus lediglich Rückschlüsse auf die Selbsteinschätzung des
Beschwerdeführers ziehen. So gab die Abklärungsperson des G._ am 3. Juni 2016
an, der Beschwerdeführer sei am 1. Juni 2016 erschienen. Bereits nach einer halben
Stunde habe er gesagt, er habe zu starke Schmerzen, um zu arbeiten. Der
Beschwerdeführer habe es nicht einmal richtig versucht, die Arbeit auszuführen (IV-
act. 188-2).
2.3 Aus der Sicht des Beschwerdeführers hätten die ABI-Gutachter seine
Einschränkungen allein wegen der von ihm mit dem Auto absolvierten An- und
Rückreise zu Unrecht verharmlost. Dies sei unhaltbar und decke sich auch nicht mit
den von ihm geschilderten Alltagsaktivitäten (act. G 1, Rz 30). Diesem Einwand kann
nicht gefolgt werden. Zunächst durften die ABI-Gutachter die selbstständige An- und
Rückreise mit dem Auto nach K._ als Ressource bei der Beurteilung der vom
Beschwerdeführer auch beim Sitzen beklagten Leiden berücksichtigen, zumal sie dies
in einer sachlichen Art vornahmen (IV-act. 157-12). Zudem stellten sie bei der
Beurteilung der Rückenschmerzen nicht bloss darauf ab, sondern berücksichtigten -
nebst u.a. der umfassenden klinischen Untersuchungen -, dass es dem
Beschwerdeführer "problemlos möglich war, während der länger dauernden
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Anamneseerhebung ruhig zu sitzen (circa 1 Stunde)" (IV-act. 203-9 unten). Im Übrigen
ergeben sich auch aus den vom Beschwerdeführer geschilderten Alltagsaktivitäten
durchaus Ressourcen. So vermag er regelmässig in ein Hallenbad schwimmen zu
gehen (IV-act. 165-2 oben und IV-act. 176-2 oben). Er beschäftigt sich mit dem
Computer sowie Internet und begleitet seine Ehefrau beim Einkaufen - wobei er sich
wegen Müdigkeit zuweilen ins Auto zurückziehe (IV-act. 203-8). Im Übrigen wies der
orthopädische Gutachter darauf hin, "selbstverständlich sei damit nicht gesagt, dass
der Explorand nicht eine erhebliche Einschränkung der Funktionalität am
Bewegungsapparat aufweist. Diese beschränkt sich aber im Wesentlichen auf das linke
Bein und bei Aktivitäten, wo diesem Umstand Rechnung getragen wird, fällt die
Problematik nicht stark ins Gewicht" (IV-act. 157-13).
2.4 Ausserdem hält der Beschwerdeführer den ABI-Gutachtern vor, sie hätten die
Einschränkungen in Verbindung mit einem Arbeitsweg nicht berücksichtigt (act. G 1,
Rz 31). Dieses Vorbringen trifft nicht zu und steht in Widerspruch zur Rüge bezüglich
der von den Gutachtern berücksichtigten Fähigkeit zur längeren An- und Rückreise
(siehe hierzu vorstehende E. 2.3). Ausserdem wies der neurologische ABI-Gutachter
ausdrücklich darauf hin, dass der Beschwerdeführer vom Parkplatz bis zu den
Untersuchungsräumlichkeiten mehr als 100 Meter zu Fuss zurückzulegen vermochte
(IV-act. 203-11). Dem Gesichtspunkt der Mobilität wurde somit im Rahmen der
gutachterlichen Beurteilung Rechnung getragen. Dr. I._ geht im Übrigen von einer
zumutbaren Gehdistanz von 200 bis 300 Metern aus (act. G 6.1). Auch die
Alltagsaktivitäten lassen diesbezüglich auf gewisse Ressourcen schliessen (siehe zu
den regelmässigen Hallenbadbesuchen und Einkäufen vorstehende E. 2.3).
2.5 Nicht nachvollziehbar für den Beschwerdeführer ist die gutachterliche Ansicht, dass
sich die Rückenschmerzen einstellten und die Wirbelsäule aufrichte, sobald eine
sitzende Position eingenommen werde (act. G 1, Rz 31). Bezüglich der ausführlichen
gutachterlichen Würdigung des Rückenleidens kann auf die Ausführungen unter
vorstehender E. 2.2.3 betreffend Skoliose und unter vorstehender E. 2.3 betreffend
Ressourcen im Sitzen verwiesen werden. Anzufügen bleibt, dass auch Dr. I._ von
durch den sehr unergonomischen Gang verursachten belastungsabhängigen
Schmerzen ausging (act. G 6.1, S. 2).
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2.6 Ein weiterer Mangel am orthopädischen ABI-Gutachten erblickt der
Beschwerdeführer im Umstand, dass der Experte auf aktuelle bildgebende
Abklärungen verzichtet habe (act. G 1, Rz 31). Der orthopädische ABI-Gutachter
berücksichtigte wenige Monate vor der Untersuchung vom 2. November 2015 am
5. Juni 2015 erstellte bildgebende Abklärungsergebnisse (IV-act. 157-9 f. und -13).
Deren Würdigung durch ihn ist plausibel und lässt sich mit derjenigen von Dr. I._
vereinbaren (act. G 6.1, S. 3). Aus der später am 6. November 2015 durchgeführten
Kernspintomographie (siehe act. G 6.1, S. 4) ergeben sich keine neuen wesentlichen
Gesichtspunkte, welche den Verzicht auf weitere bildgebende Abklärungen als
mangelhaft erscheinen lassen (siehe zum Ganzen vorstehende E. 2.2.3).
2.7 Aufgrund der traumatischen Erlebnisse in der Biografie hält der Beschwerdeführer
den medizinischen Sachverhalt auch aus psychiatrischer Sicht weiter
abklärungsbedürftig (act. G 6, Rz 7). Im Rahmen der bei der Erstbegutachtung
durchgeführten psychiatrischen Abklärung gelangte die psychiatrische ABI-Gutachterin
zum Schluss, auf dem psychischen Fachgebiet sehe sich der Beschwerdeführer als
gesund und einsatzfähig an. Hierzu bestünden aus gutachterlicher Sicht keine
Diskrepanzen (IV-act. 101-10). Weder aus den Akten noch den Ausführungen des
Beschwerdeführers ergeben sich Hinweise darauf, dass diese Beurteilung nicht
zugetroffen hätte oder seither ein relevanter psychischer Gesundheitsschaden
aufgetreten wäre. Der Beschwerdeführer hat denn auch seither offenbar keine
psychotherapeutische Behandlung in Anspruch genommen, die auf einen
krankheitswertigen psychischen Leidensdruck schliessen lassen würde. Damit steht
die Aussage von Dr. I._ im Einklang, dass keine depressive Verstimmung bestehe
(act. G 6.1, S. 2).
2.8 Nach dem Gesagten bestehen keine ernsthaften Zweifel, welche die Beweiskraft
der beiden ABI-Gutachten zu erschüttern vermögen. Diese beinhalten eine umfassende
Würdigung der für die Arbeitsfähigkeit relevanten Leiden, eine plausible Ressourcen-
und Konsistenzbeurteilung sowie eine schlüssige Diskussion der Vorakten. Ein
zusätzlicher Abklärungsbedarf ist zu verneinen. Gestützt auf die gutachterliche
Beurteilung ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für eine
leidensangepasste Tätigkeit über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit verfügt.
3.
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Gestützt auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung verbleibt die Ermittlung des
Invaliditätsgrads im Rahmen eines Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG). Die
Beschwerdegegnerin hat dem ermittelten 20%igen Invaliditätsgrad bzw. dem
Einkommensvergleich identische betragliche Einkommen zu Grunde gelegt (IV-
act. 217) und damit faktisch einen Prozentvergleich vorgenommen, was vom
Beschwerdeführer zu Recht unbestritten blieb. Er macht indessen geltend, bei der
Bestimmung des Invalideneinkommens sei ein 25%iger Tabellenlohnabzug
vorzunehmen (act. G 1, Rz 35 f., und act. G 6, Rz 8).
3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei auf einen Behindertenparkplatz
angewiesen (zur Parkkarte für behinderte Personen siehe act. G 6.5). Dieser Umstand
und sein starkes Hinken würden potentielle Arbeitgeber abschrecken (act. G 1, Rz 36).
Zunächst ist davon auszugehen, dass eine ausreichende Anzahl von Arbeitsplätzen
besteht, die über einen behindertengerechten Zugang samt Behindertenparkplätzen
verfügen. Massgebend für allfällige lohnwirksame Nachteile ist zudem der in Betracht
fallende (hypothetisch) ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG) und damit rein
betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnde Arbeitgeber. Soweit - wie für die
vorliegend als leidensangepasst formulierten Hilfsarbeitertätigkeiten - die Gehfähigkeit
oder die optische Wirkung des Beschwerdeführers beim Gehen für eine
Leistungserbringung nicht relevant sind, wird ein betriebswirtschaftlich-ökonomisch
handelnder Arbeitgeber allein aus diesen Gründen wohl keinen Anlass für eine
(relevante) Lohnreduktion sehen.
3.2 Des Weiteren hält der Beschwerdeführer auch aufgrund seines
Migrationshintergrunds und der Tatsache, dass er weder über eine anerkannte
abgeschlossene Berufsausbildung noch über eine namhafte Berufstätigkeit in der
Schweiz oder einen lückenlosen Lebenslauf verfügt, einen Abzug für gerechtfertigt (act.
G 1, Rz 36). Vorliegend bestehen keine konkreten Anhaltspunkte, weshalb der
Beschwerdeführer allein wegen des Migrationshintergrunds einen lohnwirksamen
Nachteil zu befürchten hätte. So verfügt er über die Niederlassungsbewilligung C (IV-
act. 110) und spricht gut deutsch (act. G 6.1, S. 2 unten). Allerdings kann eine lange
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt einen Abzugsgrund darstellen (siehe etwa die Urteile
des Bundesgerichts vom 10. Februar 2011, 9C_617/2010, E. 4.3, und vom 15. Juli
2009, 9C_524/2008, E. 4. und E. 4.2), was im Fall des Beschwerdeführers, der seit
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seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 1998 (IV-act. 1-3) faktisch auf dem Arbeitsmarkt
nicht Fuss zu fassen vermochte in Kombination mit dem von ihm ins Feld geführten
fehlenden beruflichen Rüstzeug, umso mehr gilt (siehe auch die Einträge im
individuellen Konto in IV-act. 119). Der Beschwerdeführer konkurriert denn auch bei
den in Betracht fallenden Hilfsarbeiten mit gesunden Personen, die über berufliche
Erfahrung mit einhergehender nachgewiesener Leistungsfähigkeit verfügen bzw. die
über ein für einen betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnden Arbeitgeber
attraktiveres berufliches Rüstzeug für Hilfsarbeitertätigkeiten verfügen.
3.3 Die genaue Bemessung des Tabellenlohnabzugs kann indessen vorliegend
offenbleiben, da zumindest keine Umstände vorliegen, die den nach der
Rechtsprechung höchstzulässigen Abzug von 25% (BGE 126 V 75) rechtfertigen
würden. Ein solcher wäre aber für eine rentenbegründende Invalidität unabdingbar, da
selbst ein 20%iger Tabellenlohnabzug zu einem Invaliditätsgrad von lediglich 36%
führen würde (20% + [80% x 20%]).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
4.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG).In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
bis
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pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
hat am 8. November 2017 eine Honorarnote eingereicht. Darin macht sie eine
Parteientschädigung von insgesamt Fr. 4'664.10 (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) für einen zeitlichen Aufwand von 16.61 Stunden geltend (act. G 10).
Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass nicht der geltend gemachte, sondern nur der
notwendige Aufwand zu entschädigen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar
2009, 8C_140/2008, E. 11.4 mit Hinweisen). Entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin entspricht das IV-Aktendossier von 225 Akten einem
durchschnittlichen IV-Rentenfall. Der Umfang der medizinischen Akten, insbesondere
der beiden Administrativgutachten (insgesamt 27 Seiten), ist ebenfalls nicht
überdurchschnittlich. Auch die sich stellenden Rechtsfragen nach der Beweiskraft der
administrativgutachterlichen Beurteilung sowie der Höhe des Tabellenlohnabzugs sind
nicht geeignet, die Notwendigkeit eines im Vergleich zum durchschnittlichen IV-
Rentenfall bei Wiederanmeldung erhöhten Aufwands zu begründen. In vergleichbaren
Fällen spricht das Versicherungsgericht regelmässig eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zu (siehe etwa den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 23. Januar 2017, IV 2014/513, E. 4.3). Eine solche erscheint
für den vorliegenden Fall ebenfalls angemessen, zumal die Honorarnote nicht
notwendige Aufwände enthält. Auch wenn der Beizug eines erfahreneren
Anwaltskollegen für die Beschwerdeführung (siehe die Aufwände vom 30. Mai
[Schlussredaktion und Besprechen Beschwerde] und 26. September 2017
[Schlussredaktion/Besprechen Replik], act. G 10) ohne Zweifel wertvoll erscheint, fehlt
ihm die für die Beschwerdeführung und damit für die Bemessung der
Parteientschädigung erforderliche Notwendigkeit. Es ist vielmehr davon auszugehen,
dass die mit der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung beauftragte Rechtsvertreterin
ohne weitere Unterstützung Gewähr für eine hinreichend notwendige
Beschwerdeführung bietet. Zudem erscheint die mit 90 Minuten veranschlagte Reserve
eher grosszügig bemessen. Die Parteientschädigung ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'800.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
4.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
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Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).