Decision ID: 4fa735a5-aeb1-51c9-ae1c-d5112eb48316
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
X._, geboren am _ 1944, ist deutscher Staatsangehöriger
(IV-act. 437) und wohnhaft in Portugal. Der gelernte Bäcker und Konditor
war in der Schweiz zwischen 1973 und 1991 zunächst als Bäcker, dann
als Parkettleger tätig (IV-act. 348). Er entrichtete in dieser Zeit Beiträge
an die Schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(AHV/IV).
Am 18. Juli 1975 meldete er sich wegen eines Wirbelsäulenleidens erst-
mals bei der schweizerischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an (IV-act. 11). Mit Verfügung vom 23. Februar 1977 sprach die Aus-
gleichskasse des Kantons Bern dem Versicherten bei einem Invaliditäts-
grad von 1⁄2 rückwirkend ab dem 1. Oktober 1975 eine halbe Invalidenren-
te zu (IV-act. 30). Per 31. August 1978 stellte die Ausgleichskasse des
Kantons Bern die Auszahlung der bisherigen halben Invalidenrente man-
gels rentenbegründender Invalidität ein (Verfügung vom 7. August 1978,
IV-act. 59). Nachdem sich der Versicherte am 13. Oktober 1982 wegen
seit ca. 1974 bestehender Rückenschmerzen wieder bei der schweizeri-
schen Invalidenversicherung zum Bezug von Leistungen angemeldet hat-
te (IV-act. 78), sprach ihm die Ausgleichskasse des Kantons Bern mit Ver-
fügung vom 31. Oktober 1984 bei einem Invaliditätsgrad von 1⁄2 rückwir-
kend ab dem 1. April 1984 erneut eine unbefristete halbe Invalidenrente
zu (IV-act. 114).
B.
Am 15. Dezember 1991 erlitt X._ in Portugal einen Unfall (vgl.
zum Beispiel IV-act. 366), bei dem er sich eine geschlossene Fraktur der
beiden Beinknochen links zuzog (ärztliches Gutachten von Dr.
A._ vom 21. Januar 2008). Die Schweizerische Unfallversiche-
rungsanstalt (SUVA) als zuständige Unfallversicherung erbrachte die ge-
setzlichen Leistungen. Seit diesem Unfall arbeitete X._ nicht mehr
(vgl. IV-act. 407 und 411).
Mit Verfügung vom 9. Juni 1993 (IV-act. 286) bzw. rückwirkend mit Verfü-
gung vom 3. August 1993 (IV-act. 297) hob die IV-Stelle für Versicherte im
Ausland (IVSTA, nachfolgend auch: Vorinstanz) die bisherige halbe Inva-
lidenrente des unterdessen in Portugal wohnenden Versicherten wegen
Verweigerung der zur Einkommensermittlung notwendigen Auskünfte per
1. August 1993 auf. Mit Urteil vom 1. Dezember 1994 (IV-act. 303) wies
B-1084/2011
Seite 3
die Eidgenössische Rekurskommission der AHV/IV für Personen im Aus-
land die dagegen erhobene Beschwerde ab.
C.
Am 30. Juni 2003 ersuchte die Landesversicherungsanstalt B._
(Deutschland) die schweizerische Invalidenversicherung für den Versi-
cherten um Einleitung des Rentenverfahrens (IV-act. 310). Die IVSTA
wies mit Verfügung vom 15. September 2004 (IV-act. 336) das neue Leis-
tungsgesuch des Versicherten sowie mit Entscheid vom 19. Mai 2005 die
hiergegen erhobene Einsprache (IV-act. 338) ab. Der dagegen erhobene
Rekurs wurde von der Eidgenössischen Rekurskommission der AHV/IV
für die im Ausland wohnenden Personen (Urteil vom 4. Juli 2006, IV-act.
346) und vom Schweizerischen Bundesgericht (Urteil I 740/06 vom
1. März 2007, IV-act. 348) abgewiesen.
D.
Am 25. September 2008 meldete sich der Versicherte wegen Rücken-
problemen, einer Kürzung [des linken Beins] und Dauerschmerzen im lin-
ken Bein, einem Prostatatumor sowie einem Herzinfarkt, bestehend seit
dem Jahr 1974 und nach "criminellem Unfall" im Dezember 1991, erneut
zum Bezug von Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung
an (IV-act. 361). Die IVSTA holte daraufhin Angaben über die Arbeits- und
Lohnverhältnisse bezüglich der zuletzt ausgeübten unselbständigen Tä-
tigkeit (IV-act. 403-405), Angaben des Versicherten (Versichertenfragebo-
gen vom 24. Januar 2010 [IV-act. 406], und Anmeldungsergänzungsblatt
R[ückgriff] vom 31. März 2010 [IV-act. 409]) sowie Stellungnahmen ihres
internen medizinischen Dienstes (Stellungnahme vom 12. Juni 2010 [IV-
act. 415] und vom 17. Juli 2010 [IV-act. 417]) ein. Die SUVA entrichtete
X._ zwischenzeitlich infolge seines Unfalls vom 15. Dezember
1991 eine Integritätsentschädigung von 15 %. Zudem zahlt die SUVA
rückwirkend seit dem 1. Februar 1999 eine 20%ige Rente aus (Verfügung
der SUVA vom 5. Dezember 2008, IV-act. 366). Seit dem 1. Juni 2009 ist
X._ AHV-Rentner (vgl. IV-act. 373-374 und 411).
Mit Vorbescheid vom 31. August 2010 gab die IVSTA dem Versicherten
bekannt, dass das Leistungsbegehren abgewiesen werden müsse. Ge-
gen diesen Vorbescheid erhob X._ am 24. September 2010 Ein-
wand (IV-act. 421, unter Beilage zweier ärztlicher Berichte), welchen er
am 1. November 2010 ergänzte (IV-act. 427). Nachdem die IVSTA dazu
eine Stellungnahme des IV-internen medizinischen Dienstes (Stellung-
nahme vom 21. November 2010, IV-act. 431) eingeholt hatte, wies sie mit
B-1084/2011
Seite 4
Verfügung vom 21. Dezember 2010 das Leistungsbegehren des Versi-
cherten ab.
E.
Hiergegen erhob X._ mit Eingabe vom 8. Februar 2011 fristge-
recht Beschwerde mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, die ange-
fochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm Leistungen der schweizeri-
schen Invalidenversicherung zuzusprechen. Er legte seiner Beschwerde
insbesondere mehrere ärztliche Berichte bei.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 26. April 2011 hat das Bundesverwaltungs-
gericht den Beschwerdeführer aufgefordert, einen Kostenvorschuss von
Fr. 400.– zu leisten. Der Beschwerdeführer kam dieser Aufforderung
nach.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 14. Juli 2011 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde.
H.
Am 27. Juli 2011 (Poststempel) reichte der Beschwerdeführer einen me-
dizinischen Bericht von Dr. C._, Neuroradiologin in Portugal, vom
20. Juli 2011 sowie eine dazugehörige CD-Rom nach. In seiner Replik
vom 21. August 2011 hielt der Beschwerdeführer sinngemäss an seinen
Anträgen fest.
I.
In ihrer Duplik vom 4. Oktober 2011 hielt die Vorinstanz an ihrem Antrag
auf Abweisung der Beschwerde fest.
J.
Mit Verfügung vom 11. Oktober 2011 hat das Bundesverwaltungsgericht
den Schriftenwechsel einstweilen abgeschlossen.
K.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unter-
lagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen darauf
eingegangen.
B-1084/2011
Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das
Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 69
Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invaliden-
versicherung (IVG, SR 831.20) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht
Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen der IV-Stelle
für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist demnach für die Beurtei-
lung der Beschwerde zuständig.
1.2 Das Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG; SR 172.021) findet keine Anwendung in Sozialversi-
cherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1)
anwendbar ist (Art. 3 Bst. d bis VwVG). Nach Art. 1 Abs. 1 IVG finden die
Vorschriften des ATSG auf die Invalidenversicherung (Art. 1a bis 26 bis
IVG
und Art. 28 bis 70 IVG) Anwendung, soweit das IVG nicht ausdrücklich
eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
1.3 Nach Art. 59 ATSG ist zur Beschwerdeführung vor dem Bundesver-
waltungsgericht legitimiert, wer durch die angefochtene Verfügung berührt
ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung
hat (vgl. auch Art. 48 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am vor-
instanzlichen Verfahren als Partei teilgenommen. Als Verfügungsadressat
ist er durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat an
deren Aufhebung bzw. Änderung ein schutzwürdiges Interesse. Er ist da-
her zur Beschwerde legitimiert.
1.4 Der Beschwerdeführer hat frist- und formgerecht (Art. 60 ATSG; vgl.
auch Art. 50 und Art. 52 VwVG) Beschwerde erhoben. Nachdem auch der
Verfahrenskostenvorschuss innert Frist geleistet wurde, ist auf das ergrif-
fene Rechtsmittel einzutreten.
1.5 Gemäss Art. 19 Abs. 3 VGG sind die Richter und Richterinnen des
Bundesverwaltungsgerichts zur Aushilfe in anderen Abteilungen verpflich-
tet. Die Abteilung II des Bundesverwaltungsgerichts hat das vorliegende
Beschwerdeverfahren im Zuge einer Entlastungsmassnahme der Abtei-
lung III übernommen. Die bisherige Verfahrensnummer C-1084/2011 lau-
tet deshalb fortan B-1084/2011.
B-1084/2011
Seite 6
1.6 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung und des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.
2.1 Im vorliegenden Verfahren ist streitig und vom Bundesverwaltungsge-
richt zu prüfen, ob die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu
Recht das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung einer Invali-
denrente abgewiesen hat.
2.2 Der Beschwerdeführer begründete seine Beschwerde vom 8. Februar
2011 im Wesentlichen damit, dass er seit dem 18. Juni 1991 zu 100 %
krank geschrieben sei. Wenn er in der Schweiz geblieben wäre, hätte er
schon lange seine IV-Leistungen bekommen. Die IV-Stelle habe ge-
schrieben, dass sie keine halbe Rente für Schweizer oder Ausländer ins
Ausland bezahle. In seiner Replik vom 21. August 2011 führte der Be-
schwerdeführer aus, dass er seine gesundheitlichen Probleme seit dem
Jahr 1974 habe.
2.3 Als Begründung der angefochtenen Verfügung führte die IVSTA an,
ein früher eingereichtes Gesuch sei mit in Rechtskraft erwachsener Ver-
fügung vom 15. September 2004 abgewiesen worden. Vor dem Erreichen
des 62. bis 65. Altersjahrs habe seit dem 6. Februar 2004 in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestanden, wäh-
rend die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % zumut-
bar gewesen sei, mit einer rentenausschliessenden Erwerbseinbusse von
25 %. Der Gesundheitszustand habe sich seit dem Jahr 2004 nicht we-
sentlich verändert. Eine Verschlechterung der seit 2004 bekannten dege-
nerativen Beeinträchtigungen sei vor dem AHV-Rentenalter, dem 1. Okto-
ber 2009, nicht nachvollziehbar. In ihrer Vernehmlassung verwies die Vor-
instanz mangels neuer Sachverhaltselemente im Beschwerdeverfahren
auf die in der Verfügung vom 21. Dezember 2010 gemachten Ausführun-
gen. In ihrer Duplik schrieb die Vorinstanz, dass die neu vorgelegten Me-
dizinialberichte gemäss dem IV-ärztlichen Dienst keine neuen Sachver-
haltselemente darlegten. Eine gesundheitliche Verschlechterung sei erst
nach Erreichen des gesetzlichen AHV-Rentenalters eingetreten.
B-1084/2011
Seite 7
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist in Portugal wohnhafter deutscher Staatsan-
gehöriger, weshalb das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen
vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft ei-
nerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedsstaaten
andererseits über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681) zu beachten
ist.
3.1.1 Anhang II des FZA betreffend die Koordinierung der Systeme der
sozialen Sicherheit wurde per 1. April 2012 geändert (Beschluss
Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom 31. März 2012; AS 2012
2345). Vorliegend ist angesichts des Verfügungszeitpunktes auf die bis
Ende März 2012 gültige Fassung (vgl. namentlich AS 2002 1527, AS
2006 979 und 995, AS 2006 5851, AS 2009 2411 und 2421) abzustellen,
wonach die Vertragsparteien untereinander insbesondere folgende
Rechtsakte (oder gleichwertige Vorschriften) anwenden (Art. 1 Abs. 1
i.V.m. Abschnitt A Anhang II des FZA): die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71
des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen
Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie deren Familienan-
gehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (AS 2004
121 [vgl. auch AS 2008 4219, AS 2009 4831]; nachfolgend: Verordnung
Nr. 1408/71) sowie die Verordnung (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom
21. März 1972 über die Durchführung der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71
über die Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitneh-
mer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb
der Gemeinschaft zu- und abwandern (AS 2005 3909 [vgl. auch AS 2009
621, AS 2009 4845]). Im Rahmen des FZA ist auch die Schweiz als "Mit-
gliedstaat" im Sinn dieser Koordinierungsverordnungen zu betrachten
(Art. 1 Abs. 2 Anhang II des FZA).
3.1.2 Soweit das FZA bzw. die auf dieser Grundlage anwendbaren ge-
meinschaftsrechtlichen Rechtsakte keine abweichenden Bestimmungen
vorsehen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens sowie die Prü-
fung der Anspruchsvoraussetzungen einer schweizerischen Invalidenren-
te grundsätzlich nach der innerstaatlichen Rechtsordnung (BGE 130 V
257 E. 2.4). Dass die im FZA erwähnten Verordnungen – insbesondere
die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971
(SR 0.831.109.268.1) – am 1. April 2012 durch die Verordnungen (EG)
Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit so-
B-1084/2011
Seite 8
wie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung
der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Systeme
der sozialen Sicherheit abgelöst worden sind, ändert vorliegend an der
Geltung des Schweizer Rechts nichts (vgl. hierzu auch Urteile des Bun-
desverwaltungsgerichts B-194/2013 vom 22. Juli 2013 E. 3.1 und
C-3985/2012 vom 25. Februar 2013 E. 2.1). Entsprechend bestimmt sich
vorliegend der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente der Inva-
lidenversicherung ausschliesslich nach dem innerstaatlichen schweizeri-
schen Recht, insbesondere nach dem IVG sowie der Verordnung über die
Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 831.210).
3.1.3 Nach Art. 40 Abs. 4 der Verordnung Nr. 1408/71 ist die vom Träger
eines Staates getroffene Entscheidung über die Invalidität eines An-
tragstellers für den Träger eines anderen betroffenen Staates nur dann
verbindlich, wenn die in den Rechtsvorschriften dieser Staaten festgeleg-
ten Tatbestandsmerkmale der Invalidität in Anhang V dieser Verordnung
als übereinstimmend anerkannt sind – was für die schweizerischen bzw.
deutschen Rechtsvorschriften nicht zutrifft. Demnach bestimmt sich die
Frage ob und gegebenenfalls ab wann Anspruch auf Leistungen der
schweizerischen Invalidenversicherung besteht, allein aufgrund der
schweizerischen Rechtsvorschriften und es besteht für die rechtsanwen-
denden Behörden in der Schweiz keine Bindung an Feststellungen und
Entscheide ausländischer Versicherungsträger, Krankenkassen, Behör-
den und Ärzte bezüglich Invaliditätsgrad und Anspruchsbeginn (vgl. BGE
130 V 253 E. 2.4; AHI-Praxis 1996, S. 179; vgl. auch ZAK 1989 S. 320
E. 2). Vielmehr unterstehen die aus dem Ausland stammenden Beweis-
mittel der freien Beweiswürdigung durch das Gericht (vgl. Urteil des Eid-
genössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 11. Dezember 1981 i.S.
D. und BGE 125 V 351 E. 3a).
3.2 In zeitlicher Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass Rechts- und
Sachverhaltsänderungen, die nach dem massgebenden Zeitpunkt des Er-
lasses der streitigen Verfügung (hier: 21. Dezember 2010) bzw. des zuvor
eingetretenen AHV-Alters des Beschwerdeführers (1. Juni 2009) eintra-
ten, im vorliegenden Verfahren grundsätzlich nicht zu berücksichtigen
sind (vgl. BGE 130 V 329, 130 V 138 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b sowie 129 V
1 E. 1.2, je mit Hinweisen).
Die Sache beurteilt sich grundsätzlich nach denjenigen materiellen
Rechtssätzen, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tat-
B-1084/2011
Seite 9
bestandes Geltung hatten (vgl. BGE 130 V 329). Ein allfälliger Leistungs-
anspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisheri-
gen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (vgl.
BGE 130 V 445 sowie Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
C-8639/2007 vom 20. Januar 2012 E. 2.4 und C-196/2010 vom 19. Juli
2011 E. 3.2).
3.3 Im vorliegenden Verfahren finden demnach grundsätzlich jene
schweizerischen Rechtsvorschriften Anwendung, die bei Erlass der ange-
fochtenen Verfügung vom 21. Dezember 2010 in Kraft standen; weiter
aber auch solche Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser
Kraft getreten waren, die aber für die Beurteilung der streitigen Verfügung
im vorliegend massgeblichen Zeitraum von Belang sind (für das IVG: ab
dem 1. Januar 2004 in der Fassung vom 21. März 2003 [AS 2003 3837;
4. IVG-Revision] und ab dem 1. Januar 2008 in der Fassung vom 6. Ok-
tober 2006 [AS 2007 5129; 5. IV-Revision]; die Verordnung vom 17. Ja-
nuar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV, SR 831.201] in den ent-
sprechenden Fassungen der 4. und 5. IV-Revision). Noch keine Anwen-
dung findet vorliegend das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene erste
Massnahmenpaket der 6. IV-Revision (IVG in der Fassung vom 18. März
2011 [AS 2011 5659]). Da die 5. IV-Revision für die Invaliditätsbemessung
keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis zum 31. Dezember
2007 gültig gewesenen Rechtslage brachte, ist die zur altrechtlichen Re-
gelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_373/2008 vom 28. August 2008 E. 2.1).
3.4 Ferner sind das ATSG und die Verordnung vom 11. September 2002
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV, SR
830.11) anwendbar. Die im ATSG enthaltenen Formulierungen der Ar-
beitsunfähigkeit (Art. 6), Erwerbsunfähigkeit (Art. 7), Invalidität (Art. 8)
sowie der Revision der Invalidenrente und anderer Dauerleistungen
(Art. 17) entsprechen den bisherigen von der Rechtsprechung zur Invali-
denversicherung entwickelten Begriffen und Grundsätzen (vgl. BGE 130
V 343 E. 3.1, 3.2 und 3.3). Daran hat sich auch nach Inkrafttreten der Re-
vision des IVG und des ATSG vom 6. Oktober 2006 sowie der IVV und
ATSV vom 28. September 2007 (5. IV-Revision [AS 2007 5129 bzw. AS
2007 5155], in Kraft seit 1. Januar 2008) nichts geändert, weshalb im Fol-
genden auf die dortigen Begriffsbestimmungen verwiesen wird.
B-1084/2011
Seite 10
4.
4.1 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinn des Gesetzes ist (Art. 7, 8, 16 ATSG; Art. 4, 28,
28a, 29 IVG) und beim Versicherungsfall während mindestens eines vol-
len Jahres (Art. 36 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 geltenden
Fassung) bzw. mindestens dreier Jahre (Art. 36 Abs. 1 IVG in der seit
1. Januar 2008 geltenden Fassung) Beiträge an die Alters-, Hinterlasse-
nen- und Invalidenversicherung geleistet hat. Diese zwei Bedingungen
müssen kumulativ erfüllt sein. Vorliegend sind die beitragsmässigen Vor-
aussetzungen für den Bezug einer ordentlichen Invalidenrente erfüllt. Zu
prüfen bleibt damit, ob und gegebenenfalls ab wann und in welchem Um-
fang der Beschwerdeführer im rechtsrelevanten Zeitraum als invalid im
Sinn des Gesetzes zu betrachten ist.
4.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invali-
dität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör-
perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf
oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird
auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbe-
reich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
4.3 Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen ge-
ben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent
Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindes-
tens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente
(Art. 28 Abs. 2 IVG). Gemäss Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die ei-
nem Invaliditätsgrad von weniger als 50 Prozent entsprechen, nur an
Versicherte ausgerichtet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt
(Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, soweit nicht völkerrechtliche Ver-
einbarungen eine abweichende Regelung vorsehen, was für die Staaten
der Europäischen Union (EU) der Fall ist. Nach der bundesgerichtlichen
B-1084/2011
Seite 11
Rechtsprechung stellt diese Vorschrift nicht eine blosse Auszahlungsvor-
schrift, sondern eine besondere Anspruchsvoraussetzung dar (BGE 121
V 275 E. 6c).
Gemäss Art. 30 IVG erlischt der Anspruch auf eine Invalidenrente mit
dem Entstehen des Anspruchs auf eine Altersrente der Alters- und Hinter-
lassenenversicherung (AHV). Dieser Anspruch entsteht bei Männern im
Zeitpunkt, in dem sie das 65. Altersjahr vollendet haben (aufgrund von
Art. 21 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlas-
senenversicherung vom 20. Dezember 1946, AHVG). Beim Beschwerde-
führer war dies am 1. Juni 2009 der Fall.
4.4
4.4.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Ge-
sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in wel-
chem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinwei-
sen). Die – arbeitsmedizinische – Aufgabe der Ärzte und Ärztinnen be-
steht darin, sich dazu zu äussern, inwiefern die versicherte Person in ih-
ren körperlichen oder geistigen Funktionen leidensbedingt eingeschränkt
ist.
4.4.2 Auf Grund des im gesamten Sozialversicherungsrecht geltenden
Grundsatzes der Schadenminderungspflicht ist ein invalider Versicherter
gehalten, innert nützlicher Frist Arbeit im angestammten oder einem an-
deren Berufs- oder Erwerbszweig zu suchen und anzunehmen, soweit sie
möglich und zumutbar erscheint (BGE 113 V 28 E. 4a, 111 V 239 E. 2a).
Deshalb ist es am behandelnden Arzt bzw. am Vertrauensarzt einer IV-
Stelle aus medizinischer Sicht zu bestimmen, in welchem Ausmass ein
Versicherter seine verbliebene Arbeitsfähigkeit bei zumutbarer Tätigkeit
und zumutbarem Einsatz auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt einsetzen
kann. Diese Arbeitsmöglichkeit hat sich der Versicherte anrechnen zu
lassen.
B-1084/2011
Seite 12
4.5
4.5.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades ver-
weigert, so wird nach Art. 87 Abs. 4 IVV eine neue Anmeldung nur ge-
prüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung er-
füllt sind. Danach ist im Leistungsbegehren gleich wie im Revisionsge-
such glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versi-
cherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert
hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache
materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicher-
ten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch
tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei ei-
nem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (vgl. dazu BGE
130 V 71; AHI 1999 S. 83 E. 1b mit Hinweisen). Stellt sie fest, dass der
Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine
Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls
hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt,
um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und
hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle
Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 130 V 71 E. 3.2.2 f.).
4.5.2 Eine Änderung des Invaliditätsgrades setzt stets auch eine Ände-
rung der tatsächlichen Verhältnisse voraus. Zu vergleichen ist dabei der
Sachverhalt im Zeitpunkt der letzten der versicherten Person eröffneten
rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren-
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi-
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk-
ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesund-
heitszustandes) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wie-
dererwägung und prozessualen Revision (BGE 130 V 71 E. 3.2.3). Ferner
muss die Veränderung der Verhältnisse erheblich, d.h. hinsichtlich der
Auswirkungen auf den Invaliditätsgrad rentenwirksam sein (siehe Art. 17
ATSG, BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Unter revisionsrechtlichen
Gesichtspunkten – welche gleichermassen für das Neuanmeldungsver-
fahren gelten (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.2; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 658/05 vom 27. März 2006 E. 4.4) – ist die unter
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Sachverhaltes unerheblich (BGE 112 V 371 E. 2b mit Hinweisen; SVR
1996 IV Nr. 70 S. 204 E. 3a).
B-1084/2011
Seite 13
4.5.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheb-
lichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige
Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche
oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invalidi-
tätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3
und Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit
Hinweisen).
4.6
4.6.1 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel
zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfah-
ren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versi-
cherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das
heisst ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen.
4.6.2 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-
tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und
Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund-
sätzlich somit weder die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeich-
nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Be-
richt oder als Gutachten (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts
I 268/2005 vom 26. Januar 2006 E. 1.2, mit Hinweis auf BGE 125 V 352
E. 3a).
5.
5.1 Somit ist vorliegend zu prüfen, ob seit dem 15. September 2004 bis
zum Erreichen des AHV-Alters – und damit des Erlöschens des An-
spruchs auf eine Invalidenrente (vgl. E. 4.3 hiervor) – am 1. Juni 2009 ei-
ne erhebliche Änderung der Verhältnisse eingetreten ist, welche (rückwir-
kend) einen Rentenanspruch begründet.
5.2 Die Vorinstanz stützte ihre letztmalige rentenabweisende Verfügung
vom 15. September 2004 (IV-act. 336) nach durchgeführter Sachverhalts-
abklärung auf das orthopädische Gutachten von Dr. D._ vom
B-1084/2011
Seite 14
18. März 2004 sowie die Stellungnahmen von Dr. E._, Arzt des
vorinstanzlichen medizinischen Dienstes, vom 16. Mai 2004 und
27. August 2004 (vgl. IV-act. 348).
 Gemäss dem orthopädischen Gutachten von Dr. D._ vom
18. März 2004 bestand aufgrund der schweren degenerativen Ver-
änderungen der lumbalen Wirbelsegmente eine markante Verminde-
rung der körperlichen Belastbarkeit. Diese Verminderung habe einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Zum Begutachtungszeitpunkt erklär-
ten die starken invalidisierenden Rückenschmerzen vorwiegend im
Lendenbereich die angegebene Behinderung weitgehend. Als Folge
des Unfalls vom 15. Dezember 1991 liege keine messbare Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit vor. Diesbezüglich seien dem Be-
schwerdeführer sämtliche körperlichen Tätigkeiten uneingeschränkt
zumutbar.
 In seiner Stellungnahme vom 16. Mai 2004 führte Dr. E._ aus,
es hätten sich bei der Untersuchung durch Dr. D._ eindeutige
objektive Befunde gefunden, welche die Arbeitsfähigkeit beeinfluss-
ten. Der Beschwerdeführer sei ab dem 6. Februar 2004, dem Begut-
achtungsdatum, als Bodenleger nur noch zu 50 % einsatzfähig. In
seinem zweiten Beruf als Bäcker könne er hingegen ohne Weiteres
leichte bis mittelschwere Arbeiten vollzeitig ausführen. Einschrän-
kungen bestünden höchstens beim Heben von schweren Lasten,
was in diesem Beruf kaum vorkomme (IV-act. 327). In einer Verwei-
sungstätigkeit sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsfähig (IV-
act. 326). Als Diagnosen gab Dr. E._ folgende an (IV-act.
327):
 ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei massiven degenerati-
ven Veränderungen der gesamten Lumbalwirbelsäule,
 einen Status nach Unfall am 15. Dezember 1991 mit Unterschen-
kelfraktur links, residuellem Schmerzsyndrom im linken Bein und
Fibularisrestparese links,
 degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule,
 eine beginnende Rhizarthrose links sowie
 ein Karpaltunnelsyndrom links.
B-1084/2011
Seite 15
In seiner ergänzenden Stellungnahme vom 27. August 2004 wies
Dr. E._ darauf hin, dass der Beschwerdeführer leichte bis
fallweise mittelschwere Arbeiten sitzend oder in wechselnder Positi-
on, zum Beispiel Montagearbeiten oder Arbeiten als nicht qualifizier-
ter Arbeiter, vollschichtig ab dem 6. Februar 2004 übernehmen kön-
ne. Als einzelner Bäcker in einer Backstube wäre er sicher überfor-
dert. In einem grösseren Betrieb oder einer Fabrik könne er hingegen
die formulierten Einschränkungen einhalten (IV-act. 334).
Zusammenfassend geht aus diesen ärztlichen Berichten hervor, dass der
Beschwerdeführer damals aufgrund eines lumbovertebralen Schmerz-
syndroms bei massiven degenerativen Veränderungen der gesamten
Lumbalwirbelsäule in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Bodenleger
dauerhaft zu 50 % arbeitsunfähig, in leidensangepassten Tätigkeiten in-
klusive in einer solchen als Bäcker hingegen dauerhaft zu 100 % arbeits-
fähig eingeschätzt worden ist. Die übrigen gesundheitlichen Leiden – Fol-
gen des Unfalles vom 15. Dezember 1991, degenerative Veränderungen
der Halswirbelsäule, beginnende Rhizarthrose links und Karpaltunnel-
syndrom links – wurden nicht als Ursache einer dauerhaften Arbeitsunfä-
higkeit erachtet. Angesichts dessen begründete die Vorinstanz ihre Verfü-
gung vom 15. September 2004 damit, dass die letzte Tätigkeit zwar nicht
mehr vollzeitig zumutbar sei, leichtere Tätigkeiten jedoch noch ausgeübt
werden könnten (IV-act. 336).
5.3
5.3.1 Dr. A._, Oberarzt der Abteilung für Orthopädie und Trauma-
tologie des Bewegungsapparats der Klinik F._, schrieb in seinem
orthopädischen Gutachten vom 21. Januar 2008 zuhanden der SUVA, er
habe nicht den Eindruck, dass der Beschwerdeführer im sehr umfassen-
den und allgemeinen Sinn des Worts invalid sei. Als derzeitige Gründe
dafür, dass der Beschwerdeführer keine Erwerbstätigkeit in Form einer
Arbeit, die körperliche Anstrengungen erfordere, mehr ausüben könne,
nannte Dr. A._ die Lumbalarthrose und die Magerkeit sowie die
physische und psychische Schwäche. Letztere beiden führte er auf eine
nach dem Beinbruch im Dezember 1991 eingetretene Dekompensation
zurück. Dr. A._ wies dabei darauf hin, dass der Beschwerdeführer
nie wieder berufstätig geworden sei, obwohl er zwei Jahre nach dem
1991 erlittenen Beinbruch wohl unter Beibehaltung seiner generellen kör-
perlichen Kondition und seines Allgemeinzustands zumindest eine Er-
werbstätigkeit mit 50 % manueller Arbeit und 50 % Verwaltungstätigkeit
B-1084/2011
Seite 16
hätte wieder aufnehmen können. Die Folgen des im Dezember 1991 erlit-
tenen Beinbruchs schätzte Dr. A._ als geringfügig und ohne Aus-
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein. Auch andere somatische Leiden mit
seit September 2004 wesentlich veränderter Auswirkung auf die verblei-
bende Arbeitsfähigkeit nannte Dr. A._ nicht. Er hat jedoch die Ein-
holung eines neurologischen und psychiatrischen Gutachtens für die Ein-
schätzung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit in einer Verweisungs-
tätigkeit empfohlen.
Die orthopädische Begutachtung von Dr. A._ zeigt damit im Ver-
gleich mit dem vorstehend in E. 5.2 dargestellten Gesundheitszustand
Mitte September 2004 keine aktuelle wesentliche Verschlechterung auf.
Eine physische und psychische Schwäche sowie Magerkeit infolge De-
kompensation vermögen keinen invalidenversicherungsrechtlich relevan-
ten Krankheitswert darzustellen. Daher bleibt nur das bereits Mitte Sep-
tember 2004 bekannte Lumballeiden als krankheitsbedingter Grund für
die von Dr. A._ erwähnte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit üb-
rig. Eine seitherige dauerhafte Verschlechterung dieses Leidens bezüg-
lich der Arbeitsfähigkeit erwähnt Dr. A._ nicht. Körperlich anstren-
gende Tätigkeiten waren dem Beschwerdeführer bereits damals als nicht
zumutbar erachtet worden (vgl. E. 5.2 hiervor). Schon Mitte September
2004 wurden die Folgen des Beinbruchs als geringfügig und ohne Aus-
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingeschätzt (vgl. ebenfalls E. 5.2 hier-
vor).
5.3.2 Die übrigen medizinischen Berichte vermögen die Einschätzung
Dr. A._s, dessen Expertise schlüssig und nachvollziehbar ist, nicht
zu erschüttern.
5.3.2.1 Aus dem Bericht von Dr. G._, Facharzt FMH für orthopädi-
sche Chirurgie, vom 16. Januar 2006 zuhanden des "Versichertenge-
richts" (IV-act. 410) gehen keine wesentliche Veränderungen des Ge-
sundheitszustands seit dem 15. September 2004 hervor. Dr. G._
nahm bloss Stellung zum Bericht von Dr. D._ für die SUVA vom
18. März 2004 (zu diesem in E. 5.2 hiervor).
5.3.2.2 Der behandelnde Orthopäde Dr. H._, Portugal, attestierte
in seinem Bericht vom 4. Juni 2007 dem Beschwerdeführer eine dauer-
hafte Arbeitsunfähigkeit infolge seines Wirbelsäulenleidens. Dr.
H._ wies auf das Alter des Beschwerdeführers hin.
B-1084/2011
Seite 17
Zum quantitativen Umfang der Arbeitsunfähigkeit, zu ihrer qualitativen Art
und der allfälligen Zumutbarkeit leidensangepasster Tätigkeiten, der zeit-
lichen Entwicklung der allfällig verbleibenden Arbeitsfähigkeit sowie zu ei-
ner allfälligen wesentlichen Veränderung gegenüber dem Gesundheitszu-
stand im September 2004 äusserte sich Dr. H._ nicht. Auch hat
Dr. H._ die pauschal bescheinigte Arbeitsunfähigkeit nicht im Ein-
zelnen objektiv begründet. Bereits Mitte September 2004 waren massive
deformative Veränderungen der Wirbelsäule bekannt (vgl. E. 5.2 hiervor).
Aus dem Attest von Dr. H._ kann keine mögliche Entwicklung
durch Vergleich mit dem Zustand im September 2004 ersehen werden.
Demgemäss ist aus dem Bericht von Dr. H._ mangels Beschrei-
bung einer allfälligen Entwicklung keine wesentliche Veränderung gegen-
über dem damaligen Zustand ersichtlich.
Dr. A._ berücksichtigte in seinem nachvollziehbaren und schlüssi-
gen Gutachten vom 21. Januar 2008 die von Dr. H._ beschriebe-
nen Leiden insbesondere mittels bildgebender Aufnahmen der Lenden-
wirbelsäule und des Beckens vom 29. Mai bzw. 6. September 2007. Inso-
fern enthält der damalige Zustand zweifellos kein wesentliches medizini-
sches Element, das von Dr. A._ nicht gewürdigt wurde. Der Gut-
achter konnte insbesondere die von Dr. H._ bescheinigte Band-
scheibenerkrankung zwischen L4 und S1 nicht als Bandscheibenvorfall in
L5/S1 und L4/5 mit Beeinträchtigung der rechten Nervenwurzel bestäti-
gen. Der Gutachter wich also von der Sicht des behandelnden Arztes Dr.
H._s ab. Angesichts dieser unterschiedlichen ärztlichen Beurtei-
lung ist darauf hinzuweisen, dass Berichte der behandelnden Ärzte auf-
grund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Patienten mit
Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies gilt für den
allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für den behandelnden Spe-
zialarzt (Urteil des Bundesgerichts I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 mit
Hinweisen; vgl. aber Urteil des Bundesgerichts 9C_24/2008 vom 27. Mai
2008 E. 2.3.2).
5.3.2.3 Dr. I._, Spezialist in Orthopädie und Traumatologie, eben-
falls Portugal, schliesslich hielt in seiner Stellungnahme vom 27. Juni
2008 zuhanden der SUVA fest, dass der Unfall vom 15. Dezember 1991
zu erheblichen Einschränkungen der beruflichen Aktivitäten geführt habe.
Zur Frage, welchen qualitativen und quantitativen Umfang die verbleiben-
de Arbeitsfähigkeit hat, welche Tätigkeiten behinderungsangepasst wären
und ob im Vergleich zum Zustand von Mitte September 2004 eine we-
sentliche Veränderung des Gesundheitszustands eingetreten ist, äusserte
B-1084/2011
Seite 18
sich Dr. I._ aber ebenfalls nicht. Er führte vielmehr die von ihm at-
testierten erheblichen Einschränkungen der Erwerbstätigkeit ohne zeitli-
che Einordnung in den Zeitraum seit September 2004 und ohne nähere
objektive Begründung pauschal zurück auf folgende Leiden: Schmerzen,
Gehstörungen, axiale Längenveränderungen und degenerative Verände-
rungen der Wirbelsäule infolge der Dissymmetrie auf der Höhe von Be-
cken und Wirbelsäule, neurologische Veränderungen im Bereich des ex-
ternen poplitealen Ischias und die neurogenen Klaudikation, die seit dem
Unfall aufträten.
Dass der Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall ein Wirbelsäulenlei-
den hatte und wie weit fortgeschritten dieses schon zum Unfallzeitpunkt
war, berücksichtigte Dr. I._ nicht. Eine differenzierte Auseinander-
setzung mit dem zeitlichen Verlauf der vorhandenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen fehlt gänzlich. Dr. I._ beschreibt nur Befunde,
bei denen aufgrund des Gutachtens von Dr. A._ auszugehen ist,
dass sie bereits Mitte September 2004 vorhanden waren. Inwiefern seit
September 2004 eine Verschlechterung des Gesundheitszustands einge-
treten sein könnte, kann den Aussagen Dr. I._s nicht entnommen
werden. Auch sie vermögen damit die fundierten Einschätzungen
Dr. A._s nicht in Zweifel zu ziehen.
5.3.3 Dr. J._, Arzt des IV-internen medizinischen Dienstes, hat die
Empfehlung Dr. A._s, ein neurologisches und psychiatrisches
Gutachten für die Einschätzung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit in ei-
ner Verweisungstätigkeit einzuholen, nicht berücksichtigt. Die Einschät-
zungen Dr. J._s sind daher nur in orthopädischer Hinsicht nach-
vollziehbar und schlüssig. Orthopädischerseits ist es gemäss Dr.
J._ nicht möglich, eine Verschlechterung des osteoartikulären Ge-
sundheitszustands seit Mitte September 2004 festzulegen. Denn keine
der zahlreich eingereichten medizinischen Unterlagen weise diesbezüg-
lich eine Verschlechterung bis 2009 nach (Stellungnahme vom 17. Juli
2010, IV-act. 417). Eine Verstärkung der degenerativen Beschwerden vor
dem Eintritt ins AHV-Alter ist gemäss Dr. J._ aus den medizini-
schen Akten nicht ersichtlich (vgl. Stellungnahme vom 21. November
2010, IV-act. 431) bzw. nicht beweisbar (vgl. Stellungnahme vom 2. De-
zember 2011). In den medizinischen Berichten ist, wie Dr. J._
feststellt (vgl. Stellungnahme vom 2. Dezember 2011), für die Zeit vor
dem 1. Juni 2009 – dem Eintritt des Beschwerdeführers ins AHV-Alter –
keine Verstärkung der degenerativen Beschwerden dokumentiert. Diese
Sachlage wird auch durch den im Beschwerdeverfahren eingereichten
B-1084/2011
Seite 19
medizinischen Bericht von Dr. C._ vom 20. Juli 2011 (inkl. beige-
legte CD-ROM) nicht erschüttert. Da dieser Bericht erst nach Verfü-
gungserlass erstellt wurde, ist er für den vorliegend relevanten Zeitraum
bis zum 1. Juni 2009 zum Vornherein nur begrenzt aussagekräftig. Eine
nachfolgend eingetretene Verschlechterung ist nicht zu berücksichtigen
(vgl. E. 3.2 hiervor).
5.3.4 Die übrigen ärztlichen Akten äussern sich weder in orthopädischer
noch in neurologischer noch psychiatrischer Hinsicht zur verbleibenden
Arbeitsfähigkeit. Wie aus verschiedenen ärztlichen Berichten hervorgeht,
leidet der Beschwerdeführer jedoch im Vergleich mit seinem am 15. Sep-
tember 2004 gegebenen Gesundheitszustand neu zusätzlich an Prosta-
takrebs, einer Koronarkrankheit und einem Diabetes Typ II. Ob diese
neuen Leiden aus neurologischer bzw. psychiatrischer Perspektive unmit-
telbar oder aus interdisziplinär-gesamtheitlicher Sicht eine andauernde
wesentliche Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit in einer Verweisungstä-
tigkeit seit dem Jahr 2004 zur Folge haben, kann den vorliegenden medi-
zinischen Akten nicht entnommen werden. Gemäss Dr. J._ lassen
diese neuen Leiden nur die Anerkennung einer Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit zu, wie sie im Jahr 2004 definiert wurde
(Stellungnahme vom 12. Juni 2010, IV-act. 415). Im Übrigen erachtete er
diese Leiden als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. Stellung-
nahme vom 17. Juli 2010, IV-act. 417). Nach Ansicht Dr. J._s war
der Beschwerdeführer nach wie vor zur Hauptsache durch die bereits Mit-
te September 2004 bekannten chronischen Lumbalgien bei beträchtlichen
degenerativen Beschwerden in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, oh-
ne dass sich diese wesentlich verschlechterte. Es habe nach wie vor eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und eine
100%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten bestanden
(Stellungnahme vom 17. Juli 2010, IV-act. 417). Diese Einschätzung
stützt sich aber nicht auf entsprechende fachärztliche Aussagen und auch
nicht auf ein neurologisches und psychiatrisches Gutachten, wie es
Dr. A._ empfohlen hat. Denn ein solches wurde von der Vorin-
stanz nicht eingeholt. Insbesondere wurde weder eine spezialärztliche
neurologische und psychiatrische noch eine darauf folgende gesamtheit-
liche Untersuchung und Würdigung mit Blick auch auf die neuen Leiden
von der Vorinstanz durchgeführt. Somit sind diese neuen gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen – Prostatakrebs, Koronarkrankheit und Diabetes
Typ II – nicht gesamtheitlich auf eine allfällige Rentenwirksamkeit über-
prüft worden. Diese können gemäss allgemeiner Lebenserfahrung jedoch
B-1084/2011
Seite 20
gesamthaft wohl geeignet sein, eine wesentliche Verschlechterung des
Gesundheitszustands herbeizuführen.
5.3.5 Wie eben vorstehend in E. 5.3.4 dargelegt, trifft die Feststellung
Dr. J._s für die Zeit vom 15. September 2004 bis Juni 2009 (vgl.
Stellungnahme vom 17. Juli 2010, IV-act. 417) nicht zu. Dr. J._ be-
rücksichtigt nicht, dass die neuen Leiden Prostatakrebs, Koronarkrankheit
und Diabetes Typ II allenfalls eine zwischenzeitlich eingetretene wesentli-
che Verschlechterung des Gesundheitszustandes bewirkt haben (vgl.
E. 5.3.4 hiervor). Wie sich diese zusätzlichen Leiden auf die verbleibende
Arbeitsfähigkeit aus neurologischer und psychiatrischer Perspektive so-
wie alsdann auch in ganzheitlicher Betrachtung auswirken, bedarf des-
halb einer nachträglichen fachärztlichen Überprüfung.
5.4
5.4.1 Festzustellen ist somit, dass die vorinstanzliche Würdigung nament-
lich in neurologischer, psychiatrischer und interdisziplinär-gesamthafter
Hinsicht Mängel aufweist. Daher ist eine abschliessende Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers insbesondere in einer angepass-
ten Verweistätigkeit im vorliegend zu überprüfenden Zeitraum vom
15. September 2004 bis 1. Juni 2009 nicht möglich. Insbesondere kann
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf eine
nach wie vor vorhandene 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit und 100%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten
geschlossen werden. Insgesamt stellt das Bundesverwaltungsgericht fest,
dass die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig
festgestellt und gewürdigt hat (vgl. Art. 43 ff. ATSG sowie Art. 12 VwVG).
5.4.2 Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung hat das Gericht, das
den Sachverhalt als ungenügend abgeklärt erachtet, die Wahl, die Sache
zur weiteren Beweiserhebung an die Verwaltung zurückzuweisen oder
selber die nötigen Instruktionen vorzunehmen. Bei festgestellter Abklä-
rungsbedürftigkeit verletzt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung
als solche weder den Untersuchungsgrundsatz noch das Gebot eines
einfachen und raschen Verfahrens. Anders verhielte es sich nur dann,
wenn die Rückweisung an die Verwaltung einer Verweigerung des ge-
richtlichen Rechtsschutzes gleichkäme (beispielsweise dann, wenn auf
Grund besonderer Gegebenheiten nur ein Gerichtsgutachten bzw. andere
gerichtliche Beweismassnahmen geeignet wären, zur Abklärung des
Sachverhalts beizutragen, vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4), oder wenn die
B-1084/2011
Seite 21
Rückweisung nach den konkreten Umständen als unverhältnismässig be-
zeichnet werden müsste (BGE 122 V 163 E. 1d). Vorliegend sind keine
Gründe ersichtlich, die der Rückweisung der Sache zur weiteren Abklä-
rung an die Vorinstanz entgegenstehen würden.
5.4.3 Die Beschwerde vom 8. Februar 2011 ist daher insoweit gutzuheis-
sen, als die angefochtene Verfügung vom 21. Dezember 2010 aufzuhe-
ben und an die Vorinstanz zur Vornahme ergänzender Abklärungen in
neurologischer und psychiatrischer Hinsicht und darauf gestützter inter-
disziplinär-gesamtheitlicher Betrachtung sowie anschliessender neuen
Verfügung zurückzuweisen ist.
Dabei hat die Vorinstanz nach Vorliegen der Ergebnisse der ärztlichen
Beurteilung gegebenenfalls ergänzende Abklärungen hinsichtlich der Ver-
wertbarkeit der Arbeitsfähigkeit in die Wege zu leiten und einen neuen
Einkommensvergleich durchzuführen. In Bezug auf die Verwertbarkeit ist
von der Vorinstanz insbesondere zu prüfen, ob angesichts des langjähri-
gen (endgültigen) Ausscheidens aus dem Erwerbsleben und angesichts
des fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers im konkreten Fall
noch objektiv von einer echten Vermittlungsfähigkeit im Zeitraum vom
15. September 2004 bis Juni 2009 auch für eine leichte Tätigkeit ausge-
gangen werden kann (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-4304/2011 vom 8. Juli 2013 E. 6.3).
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1
VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Eine
Rückweisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der beschwerdeführenden
Partei (BGE 132 V 215 E. 6), so dass dem Beschwerdeführer keine Ver-
fahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihm ist der geleistete Kostenvorschuss
in der Höhe von Fr. 400.– nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden
Entscheids auf ein von ihm bekannt zu gebendes Konto zurückzuerstat-
ten.
Der unterliegenden Vorinstanz sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 2 VwVG).
6.2 Dem nicht berufsmässig vertretenen Beschwerdeführer sind keine un-
verhältnismässig hohen Kosten entstanden, weshalb ihm keine Parteient-
schädigung zuzusprechen ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario, Art. 7
Abs. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
B-1084/2011
Seite 22
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Die unterliegende Vorinstanz hat nach Art. 7 Abs. 3 VGKE ebenfalls kei-
nen Anspruch auf eine Parteientschädigung.