Decision ID: 8c312acf-828a-4fc4-8753-78cf475e10da
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- A. mit Schreiben vom 14. April 2020 an das Bundesamt für Polizei (Fedpol) gelangte mit einer «Anzeige gegen Unbekannt»;
- A. darin ausführte, dass er in den letzten 25 Jahren Opfer zahlreicher Delikte
geworden sei; ihn aus perversen, sexuellen Motiven einige schweizerische Medienchefs mit organisierten Methoden, auch in Deutschland, demütigen und plagen würden; in diese üble, kriminelle Geschichte seine Familie, einige Nachbarn, verschiedene Ärzte, Beamte und Politiker aller Stufen und  lügnerisch, betrügerisch und/oder korrupt verwickelt seien; Dr. med. B. der mutmassliche Drahtzieher im Hintergrund der ihn plagenden  sei; C. als ehemalige Regierungsrätin [...] alle Nichteintretensentscheide auf seine Anzeigen und Anfragen zu verantworten habe; die Bundesjustiz ebenfalls völlig willkürlich innert kürzester Zeit immer Nichteintreten  habe; auch die verantwortlichen Bundesrätinnen [...], D. und C., ihm geantwortet hätten, sie seien für die Vorgänge an seinem Wohnort nicht zuständig; in der Anzeige auch E. («[...], er interviewe den wichtigsten schweizer Politiker: F. [...]»), G. («[D]amals im UVEK, musste auf Druck der SP Fraktionspräsidentin H. wegen Abhör-, Internet-, Medieninstallation [...] als Bundesrat zurücktreten») und I. und J. («waren damals die Präsidenten der zuständigen Gerichtskommissionen des schweizerischen Parlaments») genannt werden (act. 4.2);
- das Fedpol A. mit Schreiben vom 26. Mai 2020 mitteilte, aufgrund des im
Schreiben vom 14. April 2020 geschilderten Sachverhaltes sei es nicht , die Sachlage genau zu verstehen, das Fedpol für die Bearbeitung der vorliegenden Angelegenheit jedoch nicht zuständig sei; das Fedpol A. riet, sich bei der Kantonspolizei zu melden und dort persönlich die Angelegenheit beziehungsweise die Vorfälle zur Anzeige zu bringen (act. 4.1);
- A. unter Beilage seiner Anzeige vom 14. April 2020 und des Schreibens des
Fedpol vom 16. Mai 2020 mit Eingabe vom 18. Juni 2020 an das  gelangte und eine Strafuntersuchung gegen Unbekannt  (act. 4);
- die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts A. mit Schreiben vom
19. Juni 2020 eine Frist bis zum 2. Juli 2020 ansetzte, um mitzuteilen, ob er Beschwerde gegen das Schreiben des Fedpol vom 26. Mai 2020 erheben wolle; die Beschwerdekammer insbesondere auf Art. 385 Abs. 1 StPO , falls A. Beschwerde erheben wolle (act. 3);
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- A. mit Eingabe vom 27. Juni 2020 bei der Beschwerdekammer Beschwerde gegen das Schreiben des Fedpol vom 26. Mai 2020 erhebt und geltend macht, in seinem Fall sei die Bundesjustiz zuständig, da er unter anderem Opfer von organisiertem Verbrechen sei; in seinen Fall zahlreiche hohe  und Bundespolitiker involviert seien, wie «Exbundesrat G. mit seiner Partnerin K., Bundesrätin C., zahlreiche eidg. Parlamentarier I., J., L. (Kommission Gerichte) Gesundheits, Kultur, -Sozialversicherung,  u.s.w.» (act. 1);
- das Fedpol in seiner Beschwerdeantwort vom 14. Juli 2020 beantragt, auf
die Beschwerde sei nicht einzutreten; eventualiter die Beschwerde  sei (act. 6);
- die Beschwerdeantwort des Fedpol A. am 20. Juli 2020 zur Kenntnis zuge-
stellt worden ist (act. 7).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Polizei innert 10 Tagen
bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde erhoben werden kann (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO und Art. 396 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG);
- die Beschwerde insbesondere gegen die Nichtanhandnahme einer Strafan-
zeige durch die Polizei zulässig ist (GUIDON, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 8 zu Art. 393 StPO);
- somit entgegen der Ansicht des Beschwerdegegners dessen Schreiben vom
26. Mai 2020, mit welchem die Strafanzeige des Beschwerdeführers nicht anhand genommen worden ist, weil sich der Beschwerdegegner als nicht zuständig erachtete, ein zulässiges Beschwerdeobjekt im Sinne von Art. 393 Abs. 1 StPO darstellt;
- die zehntägige Beschwerdefrist mit der Zustellung des Entscheides an den
Adressaten zu laufen beginnt (Art. 384 lit. b StPO);
- die Zustellung durch eingeschriebene Postsendung oder auf andere Weise
gegen Empfangsbestätigung, insbesondere durch die Polizei erfolgt (Art. 85 Abs. 2 StPO);
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- die Beweislast für die Zustellung des Entscheids und den Beginn des  stets bei der vorinstanzlichen Strafbehörde liegt (Urteil des  6B_390/2013 vom 6. Februar 2014 E. 2.3.2);
- im Falle, da der genaue Beginn nicht feststeht, weil die Verfügung mit A- oder
B-Post verschickt worden ist, im Zweifel angenommen werden muss, die  sei rechtzeitig erhoben worden (Beschluss des  BB.2011.56 vom 4. Juli 2011 E. 1.2; GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, N. 431);
- vorliegend das angefochtene Schreiben des Fedpol vom 26. Mai 2020 datiert
und dieses – soweit ersichtlich – mittels keiner in Art. 85 Abs. 2 StPO  Versandarten zugestellt worden;
- mithin sowohl das Versand- wie auch das Zustelldatum unbekannt sind, wes-
halb zugunsten des Beschwerdeführers davon auszugehen ist, die  sei rechtzeitig erhoben worden, weshalb auf die Beschwerde  ist;
- eine Erklärung einer Person gegenüber einer Behörde nur dann als Strafan-
zeige zu betrachten (und entsprechend zu behandeln) ist, wenn sie auf eine konkrete angeblich strafbare Handlung Bezug nimmt;
- die Strafanzeige somit eine Erklärung ist, aus der sich ergibt, wer welchen
Sachverhalt aufgrund welcher Informationen oder Erkenntnis den  im Hinblick auf die Anhandnahme von Ermittlungen zur Kenntnis gibt (LANDSHUT/BOSSHARD, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 2 zu Art. 301 StPO);
- aus dem Legalitätsprinzip (Art. 7 StPO) und Art. 302 Abs. 1 StPO folgt, dass
grundsätzlich jede Strafanzeige an die Hand zu nehmen und zu erledigen bzw. bei fehlender eigener Zuständigkeit an die kompetente Behörde  ist;
- eine Pflicht zur förmlichen Behandlung jedoch dann nicht besteht, wenn die
Anschuldigungen offensichtlich aus der Luft gegriffen sind, daher nie zur  einer Untersuchung führen können und keine formalisierten  durchgeführt worden sind (LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 5 zu Art. 301 StPO; RIEDO/BONER, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 11 zu Art. 301 StPO);
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- unklare oder unvollständige Anzeigen dem Anzeigeerstatter unter  zur Klärung und Ergänzung zurückgegeben werden können (vgl. Art. 110 Abs. 4 StPO);
- aus der vorliegenden Strafanzeige des Beschwerdeführers vom 14. April
2020 weder der Sachverhalt noch irgendein konkretes strafbares Verhalten gegen die in der Anzeige genannten Personen oder gegen Unbekannt  sind; es sich vielmehr um pauschale Anschuldigungen gegen  Medien wie Radio und Fernsehen sowie gegen vereinzelte  des Bundes handelt ohne Hinweis auf einen spezifischen Sachverhalt;
- der Beschwerdeführer auch im Rahmen seiner Beschwerde nichts Klären-
des zu dem von ihm angezeigten Sachverhalt ausgeführt hat;
- unter den gegebenen Umständen es nicht zu beanstanden ist, wenn der Be-
schwerdegegner die Anzeige nicht weiter behandelt hat, ohne dem  vorgängig die Gelegenheit zur Nachbesserung der  einzuräumen;
- die Beschwerde damit abzuweisen ist;
- bei diesem Verfahrensausgang die Gerichtskosten dem unterliegenden Be-
schwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO);
- die Gerichtsgebühr auf das gesetzliche Minimum von Fr. 200.-- festzusetzen
ist (vgl. Art. 63 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 BStKR).
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