Decision ID: edbecfd2-caff-4500-839a-33637df69f94
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 1. November 2009 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Sie gab als
gesundheitliche Beeinträchtigungen Schwindel mit Sturzgefahr, Kopfschmerzen sowie
Angstzustände an. Diese Beschwerden bestünden seit einem Unfall am 12. Februar
2009 (IV-act. 1).
A.b Gemäss einem FI-Gesprächsprotokoll des IV-internen Regionalen Ärztlichen
Dienstes (RAD) vom 13. November 2009 hatte der Hausarzt der Versicherten, Dr. med.
B._, Allgemeinmedizin FMH, als Diagnose insbesondere einen posttraumatischen
Schwindel nach einer Commotio labyrinthi angegeben. Diese habe sich die Versicherte
nach einem Sturz auf den Hinterkopf am 12. Februar 2009 zugezogen. In der Folge sei
die Mobilisation anfänglich nur mit einem Rollator möglich gewesen, aktuell könne die
Versicherte aber auch den Wänden entlang gehen. Unter Schwindeleinwirkung sei die
Versicherte am 10. März 2009 erneut gestürzt. Dabei habe sie sich eine
Orbitadachfraktur rechts zugezogen, welche operativ versorgt worden sei (vgl. Ope
rationsbericht vom 3. Juni 2010, gemäss welchem bei der Beschwerdeführerin am
25. März 2009 eine Orbitabodenrevision mit Ethisorbmembraneinlage durchgeführt
wurde; IV-act. 25-9). Als weitere Diagnose nannte der Hausarzt laut Protokoll eine
posttraumatische depressive Störung mit Angst und Panikattacken. Diesbezüglich sei
die Versicherte seit Oktober 2009 in psychiatrischer Behandlung. Betreffend die
Arbeitsfähigkeit sei die Versicherte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegehelferin
durch den schweren Schwindel immer noch vollumfänglich eingeschränkt. Auch in
einer angepassten Tätigkeit bestehe zurzeit keine Arbeitsfähigkeit (IV-act. 5, 10).
Gemäss den vom Hausarzt eingereichten weiteren Arztberichten war die Versicherte
otologisch und kardiologisch untersucht und beurteilt worden, wobei keine Ursache für
die beklagten Beschwerden hatte gefunden werden können (vgl. IV-act. 7-1, 7-13).
Dr. med. C._, Neurologie FMH, hatte gemäss seinem Bericht vom 16. August 2009
folgende Diagnosen erhoben: Commotio cerebri und commotio labyrinthi nach
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Treppensturz am 12. Februar 2009, ausgedehnte Marklagergliosen beider
Hemisphären unklarer Ätiologie, Migräne ohne Aura sowie arterielle Hypertonie. Zur
Beurteilung hatte er festgehalten, dass in der klinisch-neurologischen Untersuchung
vor allem eine erhebliche Gangunsicherheit aufgefallen sei, ansonsten aber keine
offenkundigen neurologischen Defizite vorlägen. Auffällig pathologisch seien allerdings
die kortikalen SEP Latenzen gewesen, passend zu den im MRI beschriebenen
Marklagergliosen (IV-act. 7-9). Nach einer Liquor-Untersuchung im Mai 2010 konnte
Dr. C._ eine entzündliche ZNS-Erkrankung sicher ausschliessen. Im Weiteren führte
er aus, dass es sich bei den Marklagerläsionen um unspezifische Gliosen handle,
welche entweder mikroangiopathisch bedingt seien oder allenfalls auch als Folge des
Schädelhirntraumas aufgetreten seien. Eine ursächliche Therapie gebe es hierfür
allerdings nicht (IV-act. 21-1).
A.c Gemäss einer Aktennotiz des RAD vom 11. Januar 2010 berichtete der Hausarzt
Dr. B._ bezüglich des Verlaufs telefonisch, dass sich der Schwindel praktisch nicht
zurückgebildet habe. Die Versicherte gehe zwar nicht mehr den Wänden entlang, lasse
aber ein übervorsichtiges Gangbild erkennen und berichte über eine anhaltende Sturz
gefahr sowie über vereinzelt Stürze. Weiter hielt der RAD fest, der Hausarzt habe die
Versicherte dem Psychiater Dr. D._ zugewiesen, welcher einerseits eine An
passungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion und andererseits eine erhebliche
Benzodiazepinabhängigkeit diagnostiziert habe. Dem vom Psychiater vorgeschlagenen
Benzodiazepinabbau stehe der Hausarzt skeptisch gegenüber, da er ihn nicht für um
setzbar halte. Der RAD kam zum Schluss, dass sich der Gesundheitsschaden der Ver
sicherten längst chronifiziert habe. Als wichtigstes Element sei nicht der Schwindel zu
betrachten, sondern die psychische Störung sowie die Benzodiazepinabhängigkeit (IV-
act. 13).
A.d Mit einer Mitteilung vom 28. Mai 2010 lehnte die IV-Stelle einen derzeitigen
Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen mit Verweis auf den
Gesundheitszustand der Versicherten ab (IV-act. 23).
A.e Am 3. Juni 2010 erstattete Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
einen Bericht. Als psychiatrische Diagnosen führte er ein organisches Psychosyndrom
nach Schädel-Hirn-Trauma, differentialdiagnostisch eine Anpassungsstörung mit Angst
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und depressiver Reaktion, sowie eine Benzodiazepinabhängigkeit auf. Zur Beurteilung
hielt er fest, die Versicherte habe nach dem Sturz und den damit verbundenen
Beschwerden eine depressive Verstimmung mit ängstlicher Vermeidungshaltung
entwickelt. Sie habe sich von der Vorgesetzten des Pflegeheims unter Druck gesetzt
gefühlt, möglichst schnell wieder arbeiten zu gehen, und sei in Panik geraten, weil ihre
Gehfähigkeit trotz Rehabilitationsmassnahmen weiter eingeschränkt geblieben sei. Er
habe nach der Zuweisung durch den Hausarzt mit der Versicherten begonnen, deren
schwere Lebensereignisse (Tod des Sohnes, der Eltern, des Ehemannes) aufzu
arbeiten. Im Weiteren sei eine antidepressive Medikation erfolgt. Ein Abbau der wegen
der möglichen Verstärkung des Schwindels und möglichen Suchtentwicklung ungünsti
gen Benzodiazepine habe bisher nicht bis zum Absetzen des Medikaments fortgesetzt
werden können, da die Versicherte immer wieder panikartige Ängste gehabt habe. Ins
gesamt habe die psychiatrische Behandlung die Symptomatik nur unwesentlich be
einflussen können. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit oder die Bereitschaft zu
einem Arbeitsversuch hätten sich nicht erarbeiten lassen. Aufgrund der vorliegenden
objektiven Befunde und der Tatsache, dass die Versicherte ungenügend auf die anti
depressive Medikation und die psychotherapeutischen Interventionen angesprochen
habe, halte er die zunächst gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung mit Angst und
depressiver Reaktion nicht mehr für zutreffend und beurteile die Symptomatik als
organisches Psychosyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma. Eine Prognose sei zurzeit
nicht möglich, da die Sturzursachen und die Ursache des Schwindels nicht genügend
abgeklärt worden seien. Die Arbeitsfähigkeit könne auf längere Sicht nicht gesteigert
werden, weshalb er eine Berentung für angebracht halte. Alternativ kämen umfang
reiche berufliche Massnahmen mit dem Versuch einer schrittweisen Erhöhung der
Arbeitsfähigkeit bei vorhandender Motivation theoretisch in Frage. Es bestehe eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 12. Februar 2009 bis auf Weiteres (IV-act. 25).
A.f Die Versicherte wurde auf Veranlassung der Unfallversicherung Helsana (nach
folgend: UV) vom 18. Juni bis 9. August 2010 observiert. Gemäss dem entsprechenden
Bericht vom 9. August 2010 hätten während der Überwachungen zu keiner Zeit
Beschwerden wie Schwindel, Sehstörungen, Gangunsicherheiten oder psychische
Probleme festgestellt werden können. Es wurde festgehalten, dass die Versicherte
beim Autofahren beobachtet worden sei, wobei sie keine Mühe gehabt habe. Im
Weiteren sei sie beim Einkaufen ohne ersichtliche Beschwerden beobachtet worden.
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Weder beim Spazieren mit dem Hund noch auf dem Hundetrainingsplatz, wo die
Versicherte teilweise während längerer Zeit in gebückter Stellung und auch kniend
gesehen worden sei, hätten Beschwerden oder Bewegungseinschränkungen
festgestellt werden können (Fremdakten der UV).
A.g Mit einem Arbeitgeberbericht vom 20. August 2010 teilte die Verantwortliche des
Pflegeheims E._ mit, dass die Versicherte seit dem 13. Oktober 2008 als
Pflegeassistentin mit einem 90%-Pensum angestellt sei. Seit dem 10. März 2009 sei
die Versicherte bis auf Weiteres vollständig arbeitsunfähig. In einem dem Bericht
beigelegten Schreiben führte die Verantwortliche aus, dass sich die Kommunikation mit
der Versicherten als äusserst schwierig erweise. Sie sei seit Beginn der
Arbeitsunfähigkeit nicht mehr im Betrieb erschienen, habe sich nicht gemeldet und sei
nicht bereit gewesen, ihre Tätigkeit teilweise, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wieder
aufzunehmen (IV-act. 32-8).
A.h Der RAD stellte am 21. September 2010 fest, dass sich der Gesundheitszustand
der Versicherten auf einem relativ tiefen Niveau stabilisiert habe. Der behandelnde
Psychiater halte zu Recht fest, dass die psychiatrische Therapie nicht in der Lage sei,
den Gesundheitsschaden so günstig zu beeinflussen, dass mit einer Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne. Entgegen der Empfehlung von Dr. D._
bedürfe es vorläufig keiner weiteren internistischen Abklärung betreffend die Sturz
ursache, da die Versicherte bereits umfassend (otologisch, neurologisch, kardiologisch)
abgeklärt worden sei und keine neuen Ergebnisse zu erwarten seien. Während
Dr. D._ von einer erst seit Juni 2009 bestehenden Benzodiazepinabhängigkeit aus
gehe, habe die erstuntersuchende Psychiaterin Dr. F._ in ihrem Bericht (vom 12. Ok
tober 2009, Fremdakten der UV) ausgeführt, dass die Versicherte als Reaktion auf den
Tod ihres Ehemannes seit 1996 hohe Dosen von Lexotanil einnehme. Es sei daher nicht
auszuschliessen, dass der gesamte Gesundheitsschaden, einschliesslich des Sturz
ereignisses vom 12. Februar 2009, im Lichte dieser möglicherweise schweren Ab
hängigkeit zu betrachten sei. Dr. D._ werde in den nächsten Monaten wohl eine
vollständige Abstinenz anstreben, womit sich der Einfluss der Benzodiazepinabhängig
keit auf die Arbeitsfähigkeit verringern dürfte (IV-act. 33).
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A.i Der Vertrauensarzt Dr. med. G._, Rechtsmedizin FMH, nahm im Auftrag der
Unfallversicherung am 18. Oktober 2010 Stellung zu den Videoaufnahmen, welche
anlässlich der Observation der Versicherten erstellt worden waren. Er hielt zur
Beurteilung fest, dass sich die geklagten Beschwerden und die Feststellungen der
Ärzte, namentlich werde von einer anhaltenden Schwindelsymptomatik gesprochen,
vorliegend nicht im Alltag der Versicherten auswirkten. Der beobachtete Gang sei zwar
auffällig, plump und watschelig wirkend, aber durchaus immer sicher und zielgerichtet.
Ein Schwanken könne weder beim Gehen noch beim Stehen gesehen werden, obwohl
die Mehrzahl der Aufnahmen gerade diese Tätigkeiten umfassten. Es würden sogar
üblicherweise Schwindel auslösende Handlungen vorgenommen wie rasches Kopf
schütteln, abrupte Drehbewegungen, in die Knie gehen und Bücken, ohne dass danach
eine Reaktion zu erkennen wäre. Im Weiteren ergäben sich auch keine Hinweise für
eine sich ungünstig auswirkende Psychopathologie. Die Versicherte sei in der Lage, ein
Auto zielgerichtet zu lenken, zielgerichtet Einkäufe zu tätigen und sich auch über eine
lange Zeitspanne intensiv mit einer Aufgabe (Hundeschule) zu beschäftigen. Sie pflege
Sozialkontakte in Form von Gesprächen mit Dritten. Zusammengefasst ergäben sich
aus den wiederholt beobachteten Alltagssituationen keine Hinweise auf das Vorliegen
einer behindernden gesundheitlichen Problematik, insbesondere keine Hinweise auf
eine chronische Schwindelsymptomatik mit Schwankschwindel. Auch eine alltags
relevante Psychopathologie lasse sich aus dem Verhalten nicht ableiten. Somit sei es
nicht nachvollziehbar, weshalb die Versicherte mit einer ihr sicherlich zumutbaren
Willensanstrengung nicht wieder ihre berufliche Tätigkeit aufnehmen könne. Aufgrund
des gezeigten Verhaltens müsse von einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit
im Stammberuf von 100% ausgegangen werden (Fremdakten der UV).
A.j Am 17. November 2010 erstattete Dr. D._ einen Verlaufsbericht. Er führte aus,
dass er die Diagnose eines ausgeprägten organischen Psychosyndroms aufgrund der
Videobeobachtungen nicht mehr für sehr wahrscheinlich halte. In Anbetracht aller Um
stände müsse die psychiatrische Diagnose wohl weiter gefasst und neben einer An
passungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion eine Persönlichkeitsstörung
postuliert werden. Aufgrund der unklaren Stürze mit mindestens einer
schwerwiegenden Verletzung (Orbitabodenfraktur) und der emotionalen Instabilität
denke er dabei an eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-
Typus. Die psychische Symptomatik habe sich gegenüber dem Vorbericht vom 3. Juni
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2010 nicht grundsätzlich verändert. Bezüglich der Benzodiazepinabhängigkeit
erscheine ein gänzliches Absetzen der Medikamente in nächster Zeit als wenig
wahrscheinlich. Grund seien die massiven Ängste, welche die Versicherte immer
wieder die Dosis von Lexotanil erhöhen liessen, wobei sie eine Abhängigkeit klar
verleugne. Die Sturztendenz und der Schwindel dürften aber eher Ausdruck einer
dissoziativen Komponente im Rahmen der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung
sein als eine Folge der Lexotanil-Medikation, so dass der Erfolg einer
Entzugsbehandlung unsicher und nicht voraussagbar sei (IV-act. 39).
A.k Am 23. Februar 2011 stellte der RAD fest, dass die gemäss den Abklärungen
wenigen Arztkontakte der Versicherten in den Jahren vor dem Auftreten des aktuellen
Gesundheitsschadens Zweifel an der von Dr. D._ gestellten Diagnose einer emotional
instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ aufkommen liessen. Es sei kaum
anzunehmen, dass dieses Krankheitsbild nach dem Unfall vom 12. Februar 2009 nun
erstmals in Erscheinung trete, ohne in den Jahren zuvor jemals aufgefallen zu sein.
Dagegen spreche auch die wissenschaftlich gesicherte Erfahrung, dass diese Affektion
in der Pubertät auftrete, im Alter um 20 Jahre ihren Höhepunkt erreiche und ab dem
35. Altersjahr in eine sozial verträgliche Form übergehe. Differentialdiagnostisch rücke
die Benzodiazepinabhängigkeit in den Vordergrund. Ein Abhängigkeitssyndrom sei
einerseits nicht auszuschliessen und erklärte andererseits einen grossen Teil der seit
2009 bekannten Verhaltensauffälligkeiten (IV-act. 45).
A.l Gemäss den eingereichten Akten der Unfallversicherung hatte diese am
1. November 2010 mit der Versicherten einen Vergleich geschlossen. Laut diesem
Vergleich hatten die Abklärungen der Unfallversicherung ergeben, dass aus den Folgen
der Ereignisse vom 12. Februar und 10. März 2009 ab dem 19. Juni 2010 weder eine
Arbeits- noch eine Erwerbsunfähigkeit resultierten, weshalb sämtliche Geldleistungen
eingestellt würden. Bezüglich der zu Unrecht bezogenen Taggelder wurde keine Rück
forderung gestellt (Fremdakten der UV). Gemäss einer Aktennotiz vom 6. Mai 2011
teilte ein Mitarbeiter der Unfallversicherung auf Nachfrage der IV-Stelle (IV-act. 51)
telefonisch mit, dass mit der Versicherten nach der Observation eine Befragung bei ihr
zu Hause durchgeführt worden sei. Anschliessend sei sie mit den Observationsergeb
nissen konfrontiert worden, wovon es jedoch kein Protokoll gebe. Die Konfrontation
habe direkt vor Ort zu einem Vergleich geführt. Auf eine Rückforderung der Taggeld
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leistungen sei verzichtet worden, weil man den Fall zum Abschluss habe bringen
wollen, so dass keine weiteren Leistungen mehr hätten ausgerichtet werden müssen.
Der Grund für den Verzicht sei nicht gewesen, dass die Observationsergebnisse nicht
ausreichend dokumentiert worden seien. Die Aufzeichnungen seien eindeutig gewesen
und die Versicherte habe nach anfänglichem Bestreiten den unterbreiteten Vergleich
akzeptiert (IV-act. 52). Anlässlich eines telefonischen Gesprächs mit der Versicherten
vom 16. Mai 2011 erklärte diese gemäss einer Aktennotiz, dass sie dem Vergleich der
Unfallversicherung nur zugestimmt habe, weil sie unter Druck gesetzt worden sei und
Angst vor einer finanziellen Notlage gehabt habe, wenn sie die Taggelder hätte zurück
zahlen müssen (IV-act. 54).
A.m Der RAD kam am 5. Juli 2011 zum Schluss, dass sich die durch den Sturz vom
12. Februar 2009 aufgetretene Schwindelsymptomatik aktuell nicht mehr auf die
Arbeitsfähigkeit auswirke. Es gebe keinen Grund, sich bei der Beurteilung dieser
Problematik nicht auf die sorgfältige und mit Akribie durchgeführte, video-assistierte
Expertise von Dr. G._ zu stützen. Dieser sei zum lapidaren und völlig nach
vollziehbaren Schluss gelangt, dass aufgrund des gezeigten Verhaltens der Ver
sicherten im Alltag mit nie beobachtbarer eindeutig und relevant beeinträchtigender
Symptomatik von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit im Stammberuf ausgegangen
werden müsse. Der Sturz sei am ehesten durch die zu diesem Zeitpunkt aktenkundige
Benzodiazepinabhängigkeit hervorgerufen worden. Weitere Abklärungen des
Schwindels bedürfe es zurzeit nicht. Die von Dr. D._ seit dem 12. Februar 2009
bestätigte 100%-ige Arbeitsunfähigkeit könne spätestens seit Beginn der von der
Unfallversicherung in Auftrag gegebenen Observation nicht nachvollzogen werden. Die
von ihm diagnostizierte emotional instabile Persönlichkeitsstörung sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit schon früher vorhanden gewesen, habe sich jedoch
– wie es dem von der Versicherten eingereichten Lebenslauf zu entnehmen sei – nicht
einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt. Als Fazit sei bei der Versicherten
sowohl in der angestammten als auch einer angepassten Tätigkeit – unter Ausblendung
der Benzodiazepinabhängigkeit – seit Juni 2010 von einer vollen Arbeitsfähigkeit
auszugehen (IV-act. 62).
A.n Mit einem Vorbescheid vom 10. August 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten
die Abweisung des Rentenanspruchs in Aussicht. Zur Begründung führte sie an, die
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Abklärungen hätten ergeben, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden zu 90%
ihrer bisherigen Tätigkeit als Pflegeassistentin und zu 10% der Haushaltführung
nachgehen würde. Da der Versicherten aus ärztlicher Sicht die Ausübung der
bisherigen Erwerbstätigkeit sowie einer angepassten Tätigkeit vollumfänglich zumutbar
sei, könne sie das bisherige Einkommen weiterhin generieren. Im Haushalt bestehe
ebenfalls keine Einschränkung. Daher ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 0% und kein
Anspruch auf eine Rente (IV-act. 65).
A.o Am 29. August 2011 wendete die Versicherte gegen den Vorbescheid ein, sie sei
nicht mehr in der Lage, ihren Beruf als Pflegeassistentin auszuüben. Zwar habe sie die
Schwindelsymptomatik besser im Griff, aber eine Tätigkeit mit Stehen, Laufen und
Heben könne sie nicht mehr ausüben. Das Knie und die Schulter seien überdies seit
dem Unfall defekt und sie benötige selbst für leichte Tätigkeiten Schmerzmittel. Eine
sitzende Tätigkeit erachte sie unter der Einnahme von Schmerzmitteln für möglich.
Einer Umschulung im Rahmen ihrer Möglichkeiten würde sie zustimmen (IV-act. 66).
Mit ihrem Schreiben reichte die Versicherte orthopädische Berichte betreffend ihre
Knie- und Schulterbeschwerden ein. Gemäss einem Bericht des Spitals H._,
Departement Chirurgie und Orthopädie, vom 4. August 2010 war bei der Versicherten
ein Impingement-Syndrom an der Schulter rechts (posttraumatisch) festgestellt
worden. Die durchgeführte Infiltration habe zu einer deutlichen Beschwerdebesserung
geführt (IV-act. 66-2). Gemäss einem Folgebericht vom 30. September 2010 war der
Verdacht auf eine Frozen shoulder rechts erhoben worden. Der behandelnde Arzt hatte
festgehalten, dass sich keine Rotatorenmanschettenläsion oder Bizepssehnenläsion
nachweisen lasse, weshalb er von einer Frozen shoulder ausgehe, wobei die
Versicherte in das Stadium II übergehe mit einer Reduktion der Beschwerden und einer
zunehmenden Bewegungseinschränkung (IV-act. 66-3). Anlässlich der Untersuchung
vom 3. März 2011 hatte der behandelnde Arzt zusätzlich eine Varus-Gonarthrose am
Knie rechts festgestellt. Aufgrund der angegebenen Beschwerden und dem
radiologischen Befund war der Versicherten zu einer prothetischen Versorgung geraten
worden (IV-act. 66-5). Der RAD hielt am 18. Oktober 2011 fest, dass die Versicherte im
Rahmen ihres Einwands erstmals orthopädische Berichte eingereicht habe. Die von
den Orthopäden beschriebenen funktionellen Einschränkungen seien nicht plausibel
nachvollziehbar und stünden in krasser Weise den Ergebnissen der Video-Observation
entgegen. Die Versicherte habe beobachtet werden können, wie sie beim Öffnen ihrer
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Autoheckklappe den rechten Arm senkrecht nach oben gestreckt habe und wie sie
bezüglich der Knie eine volle Mobilität aufgewiesen habe (IV-act. 67). Auf Nachfrage
des RAD wurde noch das Resultat des vom Orthopäden veranlassten Arthro-MRIs der
Schulter vom 27. September 2010 eingereicht (IV-act. 70-2). Bezüglich der
Kniebeschwerden teilte der behandelnde Arzt dem RAD mit, dass die Versicherte den
OP-Termin auf unbestimmte Zeit verschoben habe (IV-act. 72-2). Daraufhin stellte der
RAD am 28. Oktober 2011 fest, dass die MR-Arthrographie des rechten
Schultergelenks mit Ausnahme der AC-Arthrose mit geringem Impressionseffekt
normale Befunde erkennen lasse. Insgesamt bildeten die Befunde die anlässlich der
Observation beobachtete Funktionstüchtigkeit der rechten Schulter gut ab. Ein
Impingement könne angesichts der intakten Rotatorenmanschette ausgeschlossen
werden. Dafür spreche auch die Tatsache, dass die Versicherte nach dem
30. September 2010 keine Konsultation mehr wahrgenommen habe. Der Leidensdruck
seitens der im März 2011 diagnostizierten Kniegelenksarthrosen sei offenbar so gering,
dass es sich die Versicherte leisten könne, den Termin für die von den Orthopäden
vorgeschlagenen Totalprothese auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Die beiden
genannten Gesundheitsschäden seien somit nicht von gravierendem Ausmass, so dass
es der Versicherten zugemutet werden könne, in ihrer bisherigen Tätigkeit als
Pflegeassistentin oder in einer anderen Tätigkeit ein 90%-Pensum wahrzunehmen (IV-
act. 71).
A.p Mit einer Verfügung vom 28. Dezember 2011 wies die IV-Stelle einen
Rentenanspruch der Versicherten ab (IV-act. 73).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 26. Januar
2012. Die Beschwerdeführerin beantragt sinngemäss berufliche Massnahmen in Form
einer Umschulung, da sie als Pflegeassistentin aufgrund der Schwindelanfälle nicht
mehr arbeitsfähig sei. Im Alltag habe sie gelernt, mit den ab und zu auftretenden
Schwindelanfällen zu leben, wobei sie jedoch auch starke Schmerzmittel und Anti
depressiva einnehme. Sie würde gerne eine sitzende Tätigkeit, beispielsweise im Büro,
ausüben (act. G 1).
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B.b Am 4. April 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass der medizinische Sachverhalt als
Basis für den ablehnenden Rentenentscheid ausreichend abgeklärt sei. Es sei noch
mals ein Bericht des Hausarztes Dr. B._ einverlangt worden, welcher jedoch trotz
einer Mahnung vom 15. März 2012 nicht eingegangen sei. Der Hausarzt habe aber
schon früher Angaben gemacht und spezialärztliche Berichte eingereicht. Es werde da
her an der Einschätzung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der
bisherigen wie einer angepassten Tätigkeit festgehalten. Die Beschwerdeführerin be
antrage in der Beschwerde explizit keine Rentenleistungen (mehr), sondern (wohl
eventuell) berufliche Massnahmen. Nachdem sich der Gesundheitszustand als schlecht
und instabil präsentiert habe, sei auf die Durchführung von beruflichen Massnahmen
verzichtet und vorderhand nur der Rentenanspruch geprüft worden. Grundsätzlich
noch offen und durchzuführen wären allfällige berufliche Massnahmen. Der
Versicherten sei es unbenommen, zu erklären, dass sie eine solche Prüfung wünsche.
Dies setze einerseits voraus, dass sich die Versicherte selbst zu mindestens 50%
arbeits- bzw. eingliederungsfähig sehe und andererseits, dass sie die gemäss den
Akten vorhandene Medikamentenabhängigkeit angehe (act. G 4).
B.c Mit einer Replik vom 5. Mai 2005 hält die Beschwerdeführerin fest, nach wie vor
eine Rente zu beantragen. Zudem wünscht sie sinngemäss die Hilfe der
Beschwerdegegnerin bei der beruflichen Wiedereingliederung. Zur Begründung führt
sie aus, dass sie nach wie vor an Schwindelanfällen leide, welche sich zwar verbessert
hätten, aber nie gänzlich verschwunden seien. Die Knieoperation habe sie nicht wegen
geringer Beschwerden, sondern aufgrund der grossen Risiken und der ungewissen
Erfolgsaussichten zurückgestellt. Ihr Ziel sei es, mit Hilfe der Invalidenversicherung
wieder eine Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten sitzenden Tätigkeit zu
erreichen. Die Antidepressiva nehme sie nicht mehr ein, da sie diese nicht brauche,
wenn sie nur zu Hause sei. Sie habe lediglich vermehrt Medikamente genommen, wenn
sie nach draussen habe gehen müssen. Da sie in diesen Situationen immer unter dem
Einfluss von Schmerz- und Beruhigungsmitteln gestanden habe, seien auch die
Videoaufnahmen nicht aussagekräftig. Den Vergleich mit der Unfallversicherung habe
sie unter Zwang und aus Angst, in eine Schuldenfalle zu geraten, unterschrieben. In
den Jahren vor den Unfällen sei sie nie ernsthaft krank gewesen und habe daher auch
keinen Arzt gebraucht (act. G 6).
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B.d Mit einem Schreiben vom 16. Mai 2012 hat die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 0% abgelehnt. Die
Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Beschwerde berufliche Massnahmen in Form
von Umschulungsmassnahmen. Aus der Replik geht jedoch ausdrücklich hervor, dass
sie an ihrem Rentenbegehren festhält. Strittig und zu prüfen ist daher entsprechend
dem Gegenstand der angefochtenen Verfügung der Rentenanspruch der Beschwerde
führerin. Ergäbe sich allerdings, dass ohne Eingliederungsmassnahmen eine Rentenan
spruch in Frage steht, so gehörte zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die
Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und ent
sprechende berufliche Massnahmen geprüft hat.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die
Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen).
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2.2 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a); in
diesem Sinn trifft die Verwaltung grundsätzlich auch die Beweisführungslast. Rechts
erheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen
Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
3.
3.1 Zu klären ist vorerst die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die
Beschwerdegegnerin geht von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Pflegeassistentin als auch in
einer leidensangepassten Tätigkeit aus. Dabei stützt sie sich im Wesentlichen auf die
Observationsergebnisse sowie den Bericht von Dr. G._ zu Handen der
Unfallversicherung vom 18. Oktober 2010.
3.2 Auf Veranlassung der Unfallversicherung ist die Beschwerdeführerin in der Zeit
vom 18. Juni bis 9. August 2010 an verschiedenen Tagen durch Privatdetektive
überwacht worden. Da sich die Beschwerdegegnerin vorliegend wesentlich auf die
Observationsergebnisse abstützt, ist zunächst zu prüfen, ob die erfolgte Überwachung
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rechtmässig war und die Ergebnisse der von der Unfallversicherung veranlassten
Observation als Beweismittel im IV-Verfahren verwertbar sind. Durch die
privatdetektivliche Observation einer versicherten Person sollen Tatsachen, welche
sich im öffentlichen Raum verwirklichen und von jedermann wahrgenommen werden
können, systematisch gesammelt und erwahrt werden. Die beauftrage
Überwachungsperson hat sich insbesondere an den durch Art. 179 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) vorgegebenen Rahmen zu
halten. Vorliegend hat sich die Überwachung der Beschwerdeführerin auf den
öffentlichen Raum beschränkt und es sind keine Hinweise auf eine Verletzung des
strafrechtlich geltenden Rahmens ersichtlich. Dennoch beschlägt sowohl die
Anordnung der Observation als auch die Verwertung der Ergebnisse grundsätzlich den
Schutzbereich des Grundrechts des Schutzes der Privatsphäre gemäss Art. 13 Abs. 1
der Bundesverfassung (BV; SR 101). Für eine Rechtfertigung der
Grundrechtseinschränkung ist gemäss Art. 36 BV erforderlich, dass eine gesetzliche
Grundlage vorliegt (Abs. 1), ein öffentliches Interesse an der Einschränkung besteht
(Abs. 2), die Einschränkung verhältnismässig ist (Abs. 3) und der Kerngehalt des
Grundrechts nicht angegriffen wird (Abs. 4). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung stellt Art. 43 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), wonach dem Versicherungsträger die
Vornahme der notwendigen Abklärungen obliegt, in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2
ATSG, welcher eine allgemeine Auskunftspflicht der versicherten Person statuiert, eine
genügende gesetzliche Grundlage für die Anordnung einer Observation dar (BGE 135 I
169 E. 4). Das öffentliche Interesse an der Einschränkung des Schutzes der
Privatsphäre liegt darin, keine nicht geschuldeten Leistungen zu erbringen, um die
Gemeinschaft der Versicherten nicht zu schädigen. Bezüglich der Verhältnismässigkeit
ist die Anordnung einer Observation zur Erreichung des angestrebten Ziels (wirksame
Bekämpfung von Missbräuchen) geeignet. Im Hinblick auf die Erforderlichkeit ist
rechtsprechungsgemäss vorauszusetzen, dass die unmittelbare Wahrnehmung durch
eine Observation aufgrund der Umstände objektiv geboten ist, um Erkenntnisse in
Bezug auf das Ausmass der tatsächlichen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zu
erlangen. Die objektive Gebotenheit ist gegeben, wenn konkrete Anhaltspunkte
vorliegen, die Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder
der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen. Solche Anhaltspunkte
qutater
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können beispielsweise bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person, bei
Zweifel an ihrer Redlichkeit (eventuell gestützt auf Angaben und Beobachtungen
Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen Untersuchung, bei
Aggravation, Simulation, Selbstschädigung oder bei ähnlichen Sachverhalten gegeben
sein (BGE 137 I 327 E. 5.4.2.1). In den Akten der Unfallversicherung findet sich ein Be
richt von Dr. med. I._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 14. Mai 2010.
Dieser hat ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin trotz eines angeblichen
Schwindels beim Stehen und Gehen fähig sei, selbstständig Auto zu fahren und
kleinere Einkäufe zu tätigen, was darauf hinweise, dass die angegebenen
Schwindelbeschwerden hinterfragt werden müssten. Beim Autofahren sei sie gemäss
den Akten offensichtlich von zwei ehemaligen Mitarbeitern beobachtet worden. Die
Annahme einer Aggravation oder gar Simulation sei aufgrund solcher Beobachtungen
naheliegend (Fremdakten der UV). Gemäss einem Bericht von Dr. G._ vom 4. Juni
2010 hat dieser festgehalten, dass eine massive Inkonsistenz in Bezug auf den
Schweregrad der Auswirkungen des Schwindels unter den definierten
Umgebungsbedingungen der Praxis bzw. des Spitals bestehe. Während nach dem
ersten Unfall der Schwindel bis auf den zweiten Sturz am 10. März 2009 keine
relevante Behinderung beim Stehen und Gehen hervorgerufen zu haben schien, habe
die Beschwerdeführerin ab dem 25. März 2009 mit einem Rollator mobilisiert werden
müssen. Weiter sprächen die Ergebnisse der Steh- und Gehversuche der Fachärzte im
Mai und Juni 2009 sogar gegen einen Stockeinsatz als stabilisierende Gehhilfe,
während die Beschwerdeführerin gemäss dem Hausarzt erst im Oktober 2009 wieder
vom Rollator entwöhnt worden sei. Ein Bezug zum effektiv gelebten Alltag werde von
keinem der Ärzte gemacht. Es sei beispielsweise völlig unklar, wie die Beschwer
deführerin mit angeblich schwerem Schwindel und einer Gehbeeinträchtigung
überhaupt Arzttermine im entfernten Ort J._ habe wahrnehmen können. Eine erneute
neurologische Begutachtung dürfte aufgrund der bisherigen Widersprüche kaum zur
Klärung der Diskrepanzen beitragen (Fremdakten der UV). Vor diesem Hintergrund
lagen genügend Anhaltspunkte vor, welche an den von der Beschwerdeführerin
geltend gemachten Beschwerden zweifeln liessen. Das Bundesgericht hat im Übrigen
verschiedentlich zum Ausdruck gebracht, dass es an die Zulässigkeit einer Observation
im Einzelfall keine hohen Anforderungen stellt (vgl. etwa BGE 137 I 327 mit Hinweisen
auf weitere Urteile). Auch erachtet es eine auf den öffentlichen Raum beschränkte
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regelmässige Observation als einen relativ geringfügigen Eingriff in die grundrechtliche
Position der überwachten Person. Dem gegenüber steht das höherwertige öffentliche
Interesse einer wirksamen Missbrauchsbekämpfung, womit die Anordnung einer
Observation auch im engeren Sinn verhältnismässig ist. Da schliesslich auch der
Kerngehalt von Art. 13 BV durch die Anordnung einer solchen Überwachung nicht
angetastet wird (BGE 135 I 169 E. 5.4; 129 V 323 E. 3.3.3), ist die erfolgte
Überwachung der Beschwerdeführerin als rechtmässig zu qualifizieren. Die
Observationsergebnisse können folglich auch im vorliegenden Verfahren gestützt auf
Art. 61 lit. c ATSG als Beweismittel verwertet werden (vgl. BGE 132 V 241 E. 2.5.1).
3.3 Zusammen mit einer ärztlichen Aktenbeurteilung sind Observationsergebnisse
grundsätzlich geeignet, eine genügende Basis für Sachverhaltsfeststellungen
betreffend den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person zu
bilden (SVR 2010 UV Nr. 17 S. 63, 8C_239/2008 E. 7; Urteil des Bundesgerichts vom
31. Dezember 2010, 9C_891/2010, E. 5.2). Dr. G._ hat in seinem Bericht vom
18. Oktober 2010 die Observationsergebnisse aus medizinischer Sicht gewürdigt.
Dafür hat er ausführlich und detailliert die für die medizinische Beurteilung relevanten
Videosequenzen schriftlich wiedergegeben. Zusammenfassend hat er dazu festge
halten, dass die Beschwerdeführerin an vier Wochentagen observiert worden sei,
wobei sich teilweise sehr lange Sequenzen fänden, bei denen sie intensiv in der
Hundeschule beschäftigt sei. Sie könne mit einer Ausnahme sicher gehen und stehen.
Sie könne rasche und teils abrupt eingeleitete Bewegungen mit dem ganzen Körper
und auch mit dem Kopf ausführen. Sie könne absitzen, sich bücken und auch
niederknien sowie ohne grössere Probleme wieder aufstehen. Sie könne auch mit
beiden Händen ohne Schwierigkeiten Tätigkeiten über dem Kopf ausführen
(Gegenstände aus Regalen nehmen, Heckklappe öffnen und schliessen). Die
Bewegungsabläufe seien immer flüssig und würden nie unerwartet und unerklärlich
abgebrochen. Der Gang sei zwar auffällig, behindere die Beschwerdeführerin aber im
Alltag nicht in der Fortbewegung. Lediglich in einer Szene im rund vier Stunden
umfassendem Videomaterial hätten zwei Unsicherheiten beim Gehen beobachtet
werden können, als die Beschwerdeführerin auf einem recht schmalen Trottoir einer
Personengruppe begegnet sei. Aus dem Kontext erkläre sich die Unsicherheit am
ehesten durch ein Ausweichen auf unebenem Untergrund. Ein kurzer Schwindelanfall
könne aber nicht sicher ausgeschlossen werden. Kurz danach könne ein eher
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vorsichtiges, aber dennoch sicheres Treppenabsteigen gesehen werden. Auffallend
seien die je über eine Stunde dauernden Trainingseinheiten auf dem
Hundeübungsplatz. Dabei sehe man an zwei verschiedenen Tagen, dass sich die Be
schwerdeführerin intensiv mit einer Sache beschäftige, welche sie sowohl intellektuell
als auch körperlich fordere. Sie müsse sich auf den Hund und die Übungen kon
zentrieren. Daneben würden zahlreiche Bewegungen ausgeführt und immer wieder für
den Alltag eher ungewöhnliche Körperpositionen problemlos und spontan
eingenommen wie längeres Bücken und auch einseitiges Knien. Einzig beim Aufstehen
aus der knienden Position müsse sich die Beschwerdeführerin jeweils kurz mit den
Händen abstützen. Während des gut einstündigen Trainings seien keine Ermüdungser
scheinungen zu beobachten. Im Übrigen sei es der Beschwerdeführerin auch möglich,
sich ohne speziellen Schutz längere Zeit in der Sonne aufzuhalten. Zur Beurteilung hat
Dr. G._ ausgeführt, dass gemäss den medizinischen Akten eine anhaltende
Schwindelsymptomatik in Form eines Schwankschwindels beim Stehen und Gehen
beschrieben werde. Dem gegenüber stünden die Observationsergebnisse, wo ein
Schwanken weder beim Gehen noch beim Stehen zu sehen sei. Der beobachtete Gang
sei zwar auffällig, plump und watschelig wirkend, aber durchaus immer sicher und ziel
gerichtet. Die medizinische Ursache des auffälligen Gangbildes, welches die
Beschwerdeführerin jedenfalls nicht behindere, könne anhand der Videos nicht
festgestellt werden. Im einfachsten Fall sei es auf das Übergewicht mit beginnenden
Verschleisserscheinungen der unteren Gelenke zurückzuführen. Die
Beschwerdeführerin habe nie sichtbar Ausfallschritte neben der eingeschlagenen
Gehrichtung durchgeführt, welche als stabilisierende Massnahme bei einem
Schwindelanfall dienen würden. Sie habe sich mit einer Ausnahme (Laternenpfahl bei
Kreuzung einer Personengruppe auf schmalen Gehweg) nie abstützen oder festhalten
müssen. Es würden sogar üblicherweise Schwindel auslösende Handlungen
vorgenommen wie rasches Kopfschütteln, abrupte Drehbewegungen, in die Knie gehen
und Bücken, ohne dass danach eine Reaktion zu erkennen wäre. Die einmalig gezeigte
Unsicherheit beim Kreuzen einer Gruppe auf einem engen Gehweg könne nicht
eindeutig interpretiert werden. Selbst wenn es sich bei diesem Vorfall um eine
Schwindelattacke gehandelt haben sollte, so sei diese angesichts der Einmaligkeit
während der Observationsphase von völlig untergeordneter Bedeutung. Im Weiteren
ergäben sich auch keine Hinweise für eine sich ungünstig auswirkende
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Psychopathologie. Die Versicherte sei in der Lage, ein Auto zielgerichtet zu lenken,
zielgerichtet Einkäufe zu tätigen und sich auch über eine lange Zeitspanne intensiv mit
einer Aufgabe zu beschäftigen. Sie pflege Sozialkontakte in Form von Gesprächen mit
Dritten. Zusammengefasst ergäben sich aus den wiederholt beobachteten
Alltagssituationen keine Hinweise auf das Vorliegen einer behindernden
gesundheitlichen Problematik und insbesondere keine Hinweise auf eine chronische
Schwindelsymptomatik mit Schwankschwindel. Auch eine alltagsrelevante Psycho
pathologie lasse sich aus dem Verhalten nicht ableiten. Somit sei es nicht nachvollzieh
bar, weshalb die Versicherte mit einer ihr sicherlich zumutbaren Willensanstrengung
nicht wieder ihre berufliche Tätigkeit aufnehmen könne. Aufgrund des gezeigten Ver
haltens müsse von einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit im Stammberuf
von 100% ausgegangen werden (Fremdakten der UV).
3.4 Der Bericht von Dr. G._ vom 18. Oktober 2010 ist ergänzend zu seinem Bericht
vom 4. Juni 2010 erfolgt, mit welchem er bereits eine Beurteilung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung sämtlicher
medizinischer Vorakten vorgenommen hat. Während er gemäss seinem Bericht vom
4. Juni 2010 noch weitergehende medizinische Abklärungen für notwendig gehalten
hat, ist er nach Würdigung der Observationsergebnisse auch ohne weitere Abklärungen
zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit zu
100% arbeitsfähig ist. Diese Einschätzung lässt sich im Hinblick auf die
Schwindelsymptomatik gut mit den übrigen medizinischen Akten vereinbaren. In
seinem Bericht vom 4. Juni 2010 hat Dr. G._ festgehalten, dass sich aufgrund der
medizinischen Aktenlage ein organisches Leiden, welches die Schwindelzustände
auslöse oder erklären würde, mit praktischer Gewissheit ausschliessen lasse
(Fremdakten UV). Die Beschwerdeführerin ist umfassend, namentlich otologisch,
kardiologisch und neurologisch, abgeklärt worden. Jedoch hat keine der Abklärungen
eine Ursache für den Schwindel ergeben (vgl. IV-act. 7-1, 7-3, 7-9). Bezüglich der im
Rahmen der neurologischen Untersuchung durch Dr. C._ festgestellten
Marklagerläsionen hat eine entzündliche Erkrankung mittels einer Liquor-Untersuchung
sicher ausgeschlossen werden können. Dr. C._ hat die Läsionen schliesslich als
unspezifische Gliosen qualifiziert (vgl. IV-act. 21-1). Gestützt auf die
Observationsergebnisse, die Einschätzung von Dr. G._ sowie die übrigen
diesbezüglichen medizinischen Akten kann eine Schwindelsymptomatik mit einer
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relevanten Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden. Diese Schlussfolgerung lässt sich aufgrund des
aufschlussreichen und sehr sorgfältigen Berichts von Dr. G._ vom 18. Oktober 2010
auch ohne eine Sichtung der Original-Observationsvideos, welche sich nicht bei den
dem Gericht vorliegenden Akten befinden, ziehen.
3.5 In psychiatrischer Hinsicht hat sich die Beschwerdeführerin im August 2009
wegen zunehmender Angstzustände und Stimmungsschwankungen selbst in
Behandlung begeben. Die erstuntersuchende Psychiaterin Dr. med. F._, Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, hat anlässlich der Untersuchung am 21. August 2009 die
vorläufigen Diagnosen einer Panikstörung, Angst und depressiven Störung gemischt,
differentialdiagnostisch einer organischen depressiven und Angststörung sowie eines
Verdachts auf Störungen durch Sedativa (Benzodiazepine), gegenwärtig
Substanzgebrauch, eventuell iatrogen, gestellt. Dazu hat Dr. F._ festgehalten, es sei
anamnestisch eine Phase längerer Benzodiazepineinnahme nach dem plötzlichen Tod
des Ehemannes der Beschwerdeführerin im Jahr 1996 und nach dem tragischen
Unfalltod ihres Sohnes, welcher im Alter von 16 Jahren erstickt sei, bekannt
(Fremdakten der UV). Der Hausarzt hat die Beschwerdeführerin in der Folge Dr. D._
zugewiesen, welcher am 16. Dezember 2009 eine Anpassungsstörung mit Angst und
depressiver Reaktion sowie eine Benzodiazepinabhängigkeit diagnostiziert hat (vgl. IV-
act. 15-1). Gemäss seinem Bericht vom 3. Juni 2010 hat er die Diagnose einer
Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion nicht mehr für zutreffend
gehalten. Er hat ausgeführt, dass er aufgrund der vorliegenden (somatischen) Befunde,
des ungenügenden Ansprechens auf die antidepressive Medikation und der
psychotherapeutischen Interventionen die Symptomatik als organisches
Psychosyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma beurteile. Die Benzodiazepine, welche sich
möglicherweise verstärkend auf den Schwindel und die Sturzgefahr auswirkten, hätten
bisher nicht abgesetzt werden können, da die Versicherte immer wieder panikartige
Ängste gehabt habe. Es bestehe ab dem 12. Februar 2009 eine 100%-ige
Arbeitsfähigkeit bis auf Weiteres und wahrscheinlich dauernd. Diese Einschränkung
ergebe sich dadurch, dass übermässiger emotionaler Stress bei der
Beschwerdeführerin zu panikartigen Ängsten, emotionaler Erschöpfung, massiven
Überforderungsgefühlen, Reizbarkeit, impulsiven Ausbrüchen sowie depressiven Ver
stimmungen und Suizidgedanken führe. Es komme bei der Arbeit daher zu Konflikten
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mit Mitarbeitern und Vorgesetzten, zu Fehlern bei der Arbeit durch verminderte
Konzentrationsfähigkeit, zu einem verminderten Durchhaltevermögen und zu
emotionaler Instabilität (vgl. IV-act. 25-4). Im Verlaufsbericht vom 17. November 2010
hat Dr. D._ festgehalten, dass er nach Sichtung der Observationsergebnisse die
Diagnose eines ausgeprägten organischen Psychosyndroms nicht mehr für sehr
wahrscheinlich halte. Die Beurteilung gestalte sich schwierig. Einerseits lägen klare
medizinische Befunde wie die ausgedehnten Gliosen, die verzögerten SEP-Latenzen
sowie die Orbitabodenfraktur rechts vor, welche nicht simuliert werden könnten.
Zudem wirke die psychische Symptomatik mit Verzweiflung, Hilflosigkeit, Depression,
Ängsten, Ratlosigkeit und gelegentlicher Wut nicht aufgesetzt, sondern scheine dem
Befinden der Beschwerdeführerin zu entsprechen. Andererseits widersprächen dieser
Annahme die Videobeobachtungen der Beschwerdeführerin im Alltag. In Anbetracht
aller Umstände müsse die psychiatrische Diagnose wohl weiter gefasst werden. Neben
einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion sei aufgrund der
unklaren Stürze und der emotionalen Instabilität von einer emotional instabilen
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus auszugehen. Die Sturztendenz und der
Schwindel erachte er eventuell eher als Ausdruck einer dissoziativen Komponente im
Rahmen der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung denn als eine Folge der immer
noch bestehenden Benzodiazepinabhängigkeit (vgl. IV-act. 39). Dr. D._ hat im
Verlaufsbericht keine ausdrückliche Arbeitsfähigkeitsschätzung vorgenommen. Da er
jedoch davon ausgegangen ist, dass sich die psychische Symptomatik der
Beschwerdeführerin seit seinem Bericht vom 3. Juni 2010 nicht grundsätzlich verändert
habe, hat er wohl trotz der geänderten Diagnose weiterhin eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit angenommen.
3.6 RAD-Arzt Dr. med. K._, Facharzt für Innere Medizin, hat gemäss seiner
Stellungnahme vom 23. Februar 2011 die Diagnose einer emotional instabilen Persön
lichkeitsstörung in Zweifel gezogen und ausgeführt, es sei angesichts der
wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Krankheitsverlauf sehr unwahrscheinlich, dass
diese Erkrankung erstmals nach dem Unfall vom 12. Februar 2009 in Erscheinung
getreten und in den Jahren davor nie aufgefallen sei. Es stehe vielmehr die
Benzodiazepinabhängigkeit im Vordergrund (vgl. IV-act. 45). Am 5. Juli 2011 hat Dr.
K._ ausgeführt, dass die von Dr. D._ seit dem 12. Februar 2009 bestätigte 100%-
ige Arbeitsunfähigkeit spätestens seit Beginn der von der Unfallversicherung in Auftrag
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gegebenen Observation nicht nachvollzogen werden könne. Die von ihm
diagnostizierte emotional instabile Persönlichkeitsstörung sei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit schon früher vorhanden gewesen, habe sich jedoch gemäss dem
eingereichten Lebenslauf der Beschwerdeführerin nie einschränkend auf ihre
Arbeitsfähigkeit ausgewirkt. Der Sturz sei am ehesten durch die zu diesem Zeitpunkt
aktenkundige Benzodiazepinabhängigkeit hervorgerufen worden. Unter Ausblendung
dieser Abhängigkeit sei seit Juni 2010 sowohl in der bisherigen wie auch in einer
angepassten Tätigkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Versicherten auszugehen
(vgl. IV-act. 62; zu den Voraussetzungen, unter denen auch ein schädlicher
Substanzgebrauch [Sucht] Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben kann vgl. Urteil
des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 22. Oktober 2012, IV 2010/443, E. 2.2).
3.7 Aus den psychiatrischen Berichten ergibt sich zunächst, dass bei der
Beschwerdeführerin eine Benzodiazepinabhängigkeit besteht. Der Beginn der
Abhängigkeit kann nicht klar eruiert werden (vgl. IV-act. 33). Ob der Schwindel und die
Sturztendenz – wie von Dr. K._ geltend gemacht – auf die
Benzodiazepinabhängigkeit zurückzuführen sind oder nicht, kann vorliegend offen
bleiben. Die Observationsergebnisse und der Bericht von Dr. G._ haben
nachvollziehbar gezeigt, dass es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass die
Beschwerdeführerin im Alltag aufgrund einer Schwindelsymptomatik eingeschränkt ist,
womit sich der Schwindel auch überwiegend wahrscheinlich nicht relevant auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt. Neben der
Benzodiazepinabhängigkeit hat die Beschwerdeführerin jedoch offenbar eine weitere
psychische Symptomatik gezeigt. Gemäss Dr. D._ besteht diese aus Verzweiflung,
Hilflosigkeit, Depression, Ängsten, Ratlosigkeit, gelegentlicher Wut und
Suizidgedanken (vgl. IV-act. 39-3). Eine klare Diagnosestellung anhand dieser
Symptomatik ist wohl nicht möglich gewesen, weshalb Dr. D._ im Verlauf seine
Diagnosen bei grundsätzlich stationärem Befund mehrfach geändert hat. Zuletzt ist er
davon ausgegangen, dass die Symptomatik mit Ängsten, depressiven Verstimmungen
und emotionalen Ausbrüchen am ehesten Ausdruck einer emotional instabilen
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus sei. Diese Erkrankung werde überlagert
von einer Anpassungsstörung an tatsächliche medizinische Störungen (Commotio,
Orbitafraktur rechts) mit Angst und depressiver Reaktion (vgl. IV-act. 29-2). Dr. K._
hat eine Auswirkung der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung auf die
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Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit der Begründung verneint, dass diese sich
in den Jahren zuvor nie einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe. Dies
lässt sich jedoch allein anhand des eingereichten Lebenslaufs der Beschwerdeführerin
sowie des Umstands, dass sie vor dem ersten Unfall wohl nur wenige Male beim Arzt
gewesen war, nicht abschliessend sagen. Im Weiteren hat Dr. D._ nebst der
Persönlichkeitsstörung auch eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion diagnostiziert, welche erst nach dem Unfall aufgrund der erlittenen
Verletzungen aufgetreten ist. Zwar hat Dr. G._ bei der Auswertung der
Observationsergebnisse keine Hinweise auf eine alltagsrelevante Psychopathologie
erkennen können, jedoch erscheinen Videoaufnahmen – wenn überhaupt – nur bedingt
geeignet, eine solche Pathologie festzustellen. Dr. G._ hat auch ausdrücklich
festgehalten, dass er die Mimik der Beschwerdeführerin infolge fehlender
Nahaufnahmen nicht beurteilen könne (vgl. Fremdakten der UV, S. 14 des Berichts vom
18. Oktober 2010). Aufgrund der Observationsergebnisse kann daher eine psychische
Erkrankung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht ausgeschlossen werden.
Die Berichte von Dr. D._ sind im Gegensatz zu den Stellungnahmen von Dr. K._,
welcher eine fachfremde Beurteilung vorgenommen und die Beschwerdeführerin nie
selbst untersucht hat, fundiert und ausführlich begründet. Dennoch erscheint eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin allein aufgrund der aufge
führten Symptomatik nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Vor diesem Hintergrund
wären weitergehende Abklärungen des psychischen Gesundheitszustandes der Be
schwerdeführerin angezeigt gewesen.
3.8 Im Vorbescheidverfahren hat die Beschwerdeführerin erstmals orthopädische
Berichte betreffend ihre Schulter- und Kniebeschwerden eingereicht. Aus diesen ergibt
sich, dass der Orthopäde von einer Frozen shoulder rechts ausgegangen ist, welche
gemäss einem Bericht vom 30. September 2010 in das Stadium II mit einer Reduktion
der Beschwerden und zunehmender Bewegungseinschränkung übergegangen ist (IV-
act. 66-3). Bezüglich der Kniebeschwerden ist anlässlich der Untersuchung vom
3. März 2011 eine Varus-Gonarthrose am rechten Knie festgestellt worden. Der
behandelnde Orthopäde hat festgehalten, dass die Beschwerdeführerin
belastungsabhängige Schmerzen im rechten Kniegelenk und nächtliche Ruhe- und
Anlaufschmerzen angegeben habe, womit sie in ihrer Mobilität deutlich eingeschränkt
sei. Aufgrund der angegebenen Beschwerden und dem radiologischen Befund hat er
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der Beschwerdeführerin zu einer Prothese geraten (vgl. IV-act. 66-5). RAD-Arzt
Dr. K._ hat festgestellt, dass die vom Orthopäden beschriebenen
Funktionseinschränkungen in krasser Weise den Ergebnissen der Videoobservation
entgegenstünden, wo ein volle Mobilität der Arme und Knie habe beobachtet werden
können (vgl. IV-act. 67). Dazu ist festzuhalten, dass die Observationsergebnisse
bezüglich der orthopädischen Probleme nur Indiziencharakter haben. Zwar hat
Dr. G._ in den beobachteten Alltagssituationen keinerlei Hinweise darauf gesehen,
dass eine behindernde gesundheitliche Problematik bestünde, jedoch ist seine
Beurteilung auf die geltend gemachte Schwindelsymptomatik und Psychopathologie
ausgerichtet gewesen. Über die vorliegenden orthopädischen Probleme hat er mangels
entsprechender Berichte in den Akten keine Kenntnis gehabt und hat die
Videoaufnahmen nicht unter diesem Gesichtspunkt würdigen können. Immerhin hat er
festgehalten, dass sich die Beschwerdeführerin beim Aufstehen aus kniender Position
jeweils mit einer oder beiden Händen kurz habe abstützen müssen (vgl. Fremdakten
der UV, S. 14 des Berichts vom 18. Oktober 2010), was auf eine gesundheitliche
Einschränkung hindeuten könnte. Die Beschwerdeführerin hat in der Beschwerde
vorgebracht, dass die Videobeobachtungen nicht aussagekräftig seien, da sie
draussen immer unter dem Einfluss von Schmerz- und Beruhigungsmitteln gestanden
habe (vgl. act. G 6). Dieser Einwand ist in Bezug auf die orthopädischen Probleme
durchaus zu beachten und mindert den Beweiswert der Observationsergebnisse dies
bezüglich zusätzlich. Gestützt auf die Videoüberwachung lässt sich eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht jedenfalls nicht abschliessend verneinen.
Auf Nachfrage des RAD ist das Resultat des vom Orthopäden veranlassten Athro-MRIs
der Schulter vom 27. September 2010 eingereicht worden. Dieses hat ergeben, dass
das Labrum und die gesamte Rotatorenmanschette einschliesslich der langen Bizeps
sehne intakt sind. Es hat sich jedoch eine AC-Arthrose mit geringem Impressionseffekt
auf den musculoligamentären Übergang sowie ein muskulär strassenförmiges Ödem
des Musculus supraspinatus gezeigt (vgl. IV-act. 70-2). Dr. K._ hat dazu festgestellt,
dass die bis auf eine Ausnahme unauffälligen Befunde mit der anlässlich der Obser
vation beobachteten Funktionstüchtigkeit der rechten Schulter gut zu vereinbaren
seien. Bezüglich der Kniebeschwerden hat der behandelnde Orthopäde dem RAD
mitgeteilt, dass die Beschwerdeführerin den OP-Termin auf unbestimmte Zeit
verschoben habe (IV-act. 72-2). Daraus hat Dr. K._ geschlossen, dass der
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Leidensdruck der Beschwerdeführerin nur gering sein könne. Zusammengefasst hat er
festgehalten, dass die orthopädischen Gesundheitseinschränkungen somit nicht von
gravierendem Ausmass seien, so dass der Beschwerdeführerin eine vollständige
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen oder einer anderen Tätigkeit zugemutet werden könne
(vgl. IV-act. 71). Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Insbesondere die vom
Orthopäden wegen der Kniebeschwerden als indiziert erachtete Totalprothese lässt auf
eine doch weit fortgeschrittene Arthrose mit entsprechenden Beschwerden schliessen,
was zu einer relevanten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen kann. Die
Beschwerdeführerin erklärt die Aufschiebung der Operation mit Bedenken wegen der
hohen Risiken und der fehlenden Erfolgsgarantie, was nachvollziehbar erscheint. Unter
diesen Umständen wäre eine fachärztliche orthopädische Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit vor Erlass der angefochtenen Verfügung erforderlich gewesen.
3.9 Zusammengefasst lässt sich eine relevante Auswirkung der
Schwindelsymptomatik auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gestützt auf
die Observationsergebnisse sowie die medizinischen Akten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ausschliessen. Ob und in welchem Ausmass aus psychiatrischer
und orthopädischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gegeben ist, lässt
sich anhand der vorliegenden Akten nicht abschliessend beurteilen. Eine
Einschränkung kann diesbezüglich jedenfalls nicht mit Verweis auf die
Observationsergebnisse verneint werden. Es wären weitere Abklärungen vor Erlass der
angefochtenen Verfügung, etwa in Form einer psychiatrischen und orthopädischen
Begutachtung, jeweils unter Berücksichtigung der Observationsergebnisse, angezeigt
gewesen. Dies wird die Beschwerdegegnerin nachzuholen haben. Folglich ist die
Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.
Neben der erfolgten medizinischen Abklärung ist auch der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen, welchen sie im Beschwerdeverfahren
erneut geltend gemacht hat, neu zu prüfen.
5.
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5.1 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung
der angefochtenen Verfügung vom 28. Dezember 2011 teilweise gutzuheissen und die
Angelegenheit zur weiteren medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen und
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6). Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von der
Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP