Decision ID: 3006b252-e8d9-4279-b27a-88b224530ceb
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Januar 2009 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zur IV
an. Mit IV-Verfügungen vom 12. und vom 19. März 2009 (IV-act. 54 ff.) wurde ihr ab
November 2006 eine ganze IV-Invalidenrente (Invaliditätsgrad 100 %; Rentengesuch
vom November 2007) zugesprochen. Am 16. Juli und 5. August 2009 verfügte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle, der Versicherten stehe ab April 2008 auch eine
Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit zu (IV-act. 76 f.). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen als EL-Durchführungsstelle sprach
ihr am 3. September 2009 (EL-Doss. 5 act. 118) für die Zeit von November 2007 bis
Dezember 2008 und ab August 2009 (ordentliche) Ergänzungsleistungen zur IV zu.
Einen Anspruch für Januar bis April 2009 wies sie ab; über einen Anspruch für die
Monate Mai bis Juli 2009 verfügte sie nicht. Ab April 2008 setzte sie den Betrag der
Hilflosenentschädigung der Bezügerin als Erwerbseinkommen ihres Ehemannes in die
Berechnung ein (ab 2009: Fr. 13'680.--; vgl. EL-Doss. 5 act. 115-3). Die EL-Bezügerin
liess am 8. Oktober/8. Dezember 2009 (EL-Doss. 5 act. 114, 101) Einsprache erheben
und ab August 2009 Anerkennung von zusätzlichen Mietkosten von monatlich Fr.
130.-- und Fr. 50.-- beantragen. Mit einer Verfügung vom 12. Februar 2010 dann wies
die Sozialversicherungsanstalt einen EL-Anspruch für Mai bis Juli 2009 ab (EL-Doss. 5
act. 79). Eine Einsprache dagegen wies sie am 12. Mai 2010 ab (EL-Doss. 5 act. 70).
Dieser Einspracheentscheid wurde vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
mit Entscheid vom 15. November 2010 aufgehoben (EL-Doss. 5 act. 44). Im
Gerichtsentscheid wurde festgehalten, die Sozialversicherungsanstalt werde im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rahmen des nach wie vor hängigen Einspracheverfahrens betreffend die Verfügung
vom 3. September 2009 noch lückenlos über den EL-Anspruch zu entscheiden haben.
A.b Am 29. Dezember 2010 setzte die Sozialversicherungsanstalt den EL-Anspruch
der Bezügerin ab 1. Januar 2011 auf monatlich Fr. 651.-- fest (EL-Doss. 5 act. 38 f.;
ohne IPV; die Fr. 13'680.-- Erwerbseinkommen wurden in der Berechnung erstmals als
der EL-Bezügerin zugehörig bezeichnet). Gegen diese Verfügung liess die Bezügerin
am 2. Februar 2011 Einsprache erheben, da nicht nachvollziehbar sei, weshalb ihr als
Bezügerin einer ganzen Rente ein hypothetisches Einkommen angerechnet werde (EL-
Doss. 5 act. 29). Am 23. März 2011 verfügte die Sozialversicherungsanstalt, der EL-
Anspruch betrage ab 1. Januar 2011 Fr. 1'303.-- (EL-Doss. 5 act. 22 f.). Als Ausgaben
waren neu die Prämienpauschalen für die Krankenversicherung IPV von Fr. 7'824.--
angerechnet, als Einnahme war wiederum das Erwerbseinkommen aus unselbständiger
Tätigkeit von Fr. 13'680.-- eingesetzt worden (davon anrechenbar Fr. 8'120.--).
A.c Am 18. April 2011 (Eingang; EL-Doss. 5 act. 20) meldete die Bezügerin, sie und ihr
Ehemann würden die Schweiz am 31. Juli 2011 für längere Zeit (mehr als 90 Tage)
verlassen. Die Sozialversicherungsanstalt stellte die Ausrichtung der
Ergänzungsleistungen mit Verfügung vom 20. April 2011 auf den 31. Juli 2011 ein (EL-
Doss. 5 act. 18). - Mit IV-Verfügung vom 31. Mai 2011 (IV-act. 111) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle eine Rückforderung der für die Monate Mai und
Juni 2011 ausbezahlten Hilflosenentschädigung im Betrag von zusammen Fr. 2'320.--.
Implizit hatte sie eine rückwirkende Anpassung des entsprechenden IV-Anspruchs ab
1. Mai 2011 (Einstellung der Leistungen) vorgenommen, weil die Versicherte seit Ende
April 2011 den Wohnsitz nicht mehr in der Schweiz habe. Diese IV-Verfügung focht die
Versicherte im Juni 2011 (IV-act. 115) an und erklärte, sie werde die Schweiz wie
mitgeteilt erst Ende Juli 2011 für längere Zeit verlassen. Im IV-Gerichtsverfahren (in der
Beschwerdeantwort vom 27. September 2011; IV-act. 126) äusserte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle Zweifel, ob die gesundheitlichen Voraussetzungen
eines Anspruchs auf Hilflosenentschädigung bestünden.
A.d Mit Schreiben vom 24. Februar 2012 teilte die EL-Bezügerin - namentlich
bezugnehmend auf die Ansprüche auf Ergänzungsleistungen und
Hilflosenentschädigung - mit, sie seien seit diesem Tag wieder in der Schweiz
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wohnhaft (EL-Doss. 5 act. 7-3; IV-act. 135). Am 5./6. März 2012 (EL-Doss. 4 act. 13)
füllte sie eine neue EL-Anmeldung aus. Am 14. März 2012 (EL-Doss. 5 act. 2) reichte
sie einen Mietvertrag ein. In einem Schreiben vom 30. April 2012 (EL-Doss. 4 act. 9)
erklärte sie, ihr Ehemann übernehme seit mehreren Jahren ihre Betreuung. Daneben
könne er nur während einer oder zwei Stunden pro Tag einer ausserhäuslichen Arbeit
nachgehen und auch das sei abhängig von ihrer gesundheitlichen Verfassung.
A.e Die Sozialversicherungsanstalt sah am 18. Mai 2012 (EL-Doss. 4 act. 7 und EL-
Doss. 2 act. 36) vor, dem Ehemann ein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen, da die Bezügerin zwar einen Unterstützungsbedarf von 100 % durch ihn
geltend mache, zurzeit aber weder eine Hilflosenentschädigung zugesprochen noch ein
ärztliches Attest vorhanden sei. - Mit Schreiben vom 21. Mai 2012 sistierte die
Sozialversicherungsanstalt die Bearbeitung der EL-Anmeldung bis zum Zeitpunkt, da
der Entscheid über die Hilflosenentschädigung vorliege (EL-Doss. 4 act. 8). Mit Eingabe
vom 26. Mai 2012 (EL-Doss. 4 act. 6) wandte sich die Betroffene gegen die Sistierung.
Sie und ihr Ehemann seien zwingend auf die Ausrichtung der Ergänzungsleistungen
angewiesen. Er übernehme ihre rund um die Uhr notwendige Betreuung und könne
daher keiner Arbeit nachgehen. Zurzeit nähmen sie einzig die IV-Rente ein. Das reiche
für den Lebensunterhalt nicht aus. Eine Anspruchsberechnung sei möglich und habe
von den aktuellen Gegebenheiten auszugehen. - Am 31. Mai 2012 erliess die
Sozialversicherungsanstalt die Verfügung, dass ab März 2012 kein Anspruch auf
Ergänzungsleistungen bestehe (EL-Doss. 4 act. 3 bis 5). Dem Ehemann war darin ein
hypothetisches Erwerbseinkommen ausgehend von einem Betrag von nun Fr. 53'114.--
angerechnet worden (nämlich Fr. 34'409.--). Die endgültige Beurteilung der
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens könne erst nach dem Entscheid über
die Hilflosenentschädigung erfolgen.
A.f Mit Einsprache vom 5. Juli 2012 (EL-Doss. 3 act. 5) liess die Betroffene beantragen,
die Verfügung vom 31. Mai 2012 sei aufzuheben und es seien ihr für Februar und März
2012 Ergänzungsleistungen von monatlich Fr. 1'002.-- und ab April 2012 von jährlich
Fr. 23'543.--, eventualiter von Fr. 22'143.--, auszubezahlen. Eventualiter sei das
Verfahren bis zum Entscheid der IV-Stelle über den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung zu sistieren. Ausserdem sei die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Die Wohnkosten für Februar und März 2012 seien
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
korrekt erfasst. Ab April 2012 betrage der Bruttomietzins Fr. 23'280.--. Dazu sei ein
Zuschlag zu setzen, weil die Wohnung entsprechend dem Bedürfnis der Einsprecherin
rollstuhlgängig sei. Dem Ehemann sei weiterhin nur der Betrag der
Hilflosenentschädigung (zurzeit Fr. 13'920.--), welche ihr demnächst zugesprochen
werde, als hypothetisches Einkommen anzurechnen. Denn ihr Gesundheitszustand
habe sich in den rund sieben Monaten des Auslandaufenthalts nicht grundlegend
verändert.
A.g Die Sozialversicherungsanstalt sistierte das Einspracheverfahren mit Verfügung
vom 23. August 2012 (EL-Doss. 2 act. 21), bis rechtskräftige Entscheide der
Invalidenversicherung vorliegen würden. Das Verfahren betreffend die
Hilflosenentschädigung sei sistiert, weil ein Rentenrevisionsverfahren pendent sei. Es
sei unklar, welche gesundheitlichen Einschränkungen bestünden und in welchem Mass
Hilflosigkeit vorliege.
A.h Mit IV-Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15.
Januar 2013 (IV-act. 187) wurde die IV-Verfügung vom 31. Mai 2011 - mit dem
Gegenstand einer Rückforderung von Hilflosenentschädigung für zwei Monate und
implizit rückwirkender Einstellung des Anspruchs ab 1. Mai 2011 - aufgehoben.
A.i Die Betroffene liess am 28. März 2013 (EL-Doss. 2 act. 17) die IV-Verfügung der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle vom 22. März 2013 einreichen, womit ihr eine
Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades (von Mai bis Juli 2011 und ab März
2012, mit Unterbruch also von August 2011 bis Februar 2012) zugesprochen worden
war, und liess um Aufhebung der Verfahrenssistierung ersuchen. Mit Schreiben vom
17. Mai 2013 (EL-Doss. 2 act. 8) liess sie vorbringen, für das EL-Einspracheverfahren
sei nicht länger relevant, dass im Rentenrevisionsverfahren der IV eine medizinische
Abklärung im Gang sei. Über den neu entstandenen Hilflosenentschädigungsanspruch
sei rechtskräftig entschieden. - Die Sozialversicherungsanstalt entgegnete am 24. Mai
2013 (EL-Doss. 2 act. 10), nach Aufhebung der Einstellungsverfügung betreffend die
Hilflosenentschädigung seien die ursprünglichen Verfügungen wieder wirksam
geworden. Mit der Hilflosenentschädigungsverfügung vom 22. März 2013 habe sie
lediglich die Nach- und Wiederauszahlung sowie die Sistierung (d.h. hier: die
vorübergehende Einstellung) der Leistungen von August 2011 bis Februar 2012
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
umgesetzt. - Am 14. Juni 2013 (EL-Doss. 2 act. 6) liess die Betroffene am Antrag auf
Aufhebung der Sistierung festhalten. - Die Sozialversicherungsanstalt erklärte am 28.
Juni 2013 (EL-Doss. 2 act. 5), ob und in welchem Umfang eine Unterstützung der IV-
Versicherten durch ihren Ehemann erforderlich und durch ihn zu erbringen und
inwiefern ihm verunmöglicht sei, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, werde sie (die EL-
Durchführungsstelle) aufgrund der noch ausstehenden Ergebnisse der IV-Abklärungen
in Erfahrung bringen können. Dass er wegen der Pflege seiner Frau nicht arbeiten
könne, ergebe sich nicht etwa aus den bisherigen Akten. Anlässlich der telefonischen
Abklärung vom 21. April 2009 sei festgehalten worden, eine ständige persönliche
Überwachung der Versicherten sei nicht nötig und sie sei praktisch den ganzen Tag
allein zuhause. - Am 2. Juli 2013 (EL-Doss. 2 act. 4) liess die Betroffene die Aufhebung
der Sistierung und den Erlass des Einspracheentscheids oder eines anfechtbaren
Entscheids innert einer gesetzten Frist beantragen. Andernfalls werde
Rechtsverweigerungsbeschwerde erhoben. - Die Sozialversicherungsanstalt stellte sich
am 5. Juli 2013 (EL-Doss. 2 act. 3) auf den Standpunkt, ohne die Abklärungsergebnisse
der IV könne die EL-Sache nicht beurteilt werden. Bei gegenwärtiger Sachlage wäre die
angefochtene EL-Verfügung schlicht zu bestätigen. Bei Aufrechterhaltung der
Sistierung ergebe sich für die Einsprecherin kein Nachteil. Die IV-Abklärungen seien
zurzeit durch deren Beschwerde blockiert.
A.j Am 10. Juli 2013 (EL-Doss. 2 act. 1) liess die EL-Bezügerin
Rechtsverweigerungsbeschwerde erheben mit dem Antrag, die
Sozialversicherungsanstalt sei anzuweisen, unverzüglich über die EL-Einsprache vom
5. Juli 2012 zu entscheiden. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle habe ihren
Anspruch auf Hilflosenentschädigung am 22. März 2013 bejaht und richte diese
Leistung auch wieder aus. Mit Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 20. Januar 2014 (EL-Doss. 1 act. 4) wurde diese Beschwerde gutgeheissen
und die Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle angewiesen, das
Einspracheverfahren gegen die Verfügung vom 31. Mai 2012 fortzuführen.
A.k Mit Entscheid vom 24. März 2014 (EL-Doss. 1 act. 3) wies die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen die Einsprache der EL-Bezügerin
gegen die Verfügung vom 31. Mai 2012 ab. Die beantragte Anrechnung der
Hilflosenentschädigung der EL-Bezügerin als hypothetisches Einkommen des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ehemannes als solche käme nach der Rechtsprechung einer der gesetzlichen
Regelung widersprechenden Anrechnung dieser Entschädigung gleich. Ob und in
welchem Umfang eine Unterstützung der EL-Bezügerin durch ihren arbeitsfähigen
Ehemann nötig sei und geleistet werde, sei in keiner Art und Weise dargetan. Es fehlten
insbesondere Belege zur aktuellen medizinischen Situation, zu den Diagnosen,
Beeinträchtigungen und Behandlungen, zum Tagesablauf, zu den Hilfeleistungen usw.
Zur Beurteilung der Sachlage seien, wie mehrfach dargelegt, die noch ausstehenden
Ergebnisse der Abklärungen der IV-Stelle erforderlich. Dass der Ehemann wegen der
Pflege der EL-Bezügerin nicht arbeiten könne, ergebe sich auch nicht aus den Akten.
Mit der IV-Verfügung vom 22. März 2013 habe die IV-Stelle nicht - wie behauptet - den
Anspruch auf Hilflosenentschädigung nach neuer Abklärung zugesprochen. Die IV-
Abklärung sei durch die Diskussion über den Ort der Begutachtung (Streit am
Bundesgericht anhängig) blockiert. Aussagekräftige medizinische Grundlagen seien
auch nicht durch die der IV-Stelle am 14. Juni 2013 eingereichten medizinischen
Berichte geschaffen worden. Da es sich um eine EL-Neuanmeldung handle, habe das
hypothetische Einkommen für den Ehemann ohne Abmahnung oder Einhaltung einer
Karenzfrist angerechnet werden dürfen. Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
werde nicht bewilligt. Eine Bewilligung werde nur in Ausnahmefällen erteilt. Da die EL-
Ansprecherin ohne weiteres selber hätte geltend machen können, dass ihr Ehemann
sie pflegen müsse und deshalb nicht ausserhäuslich erwerbstätig sein könne, sei der
Beizug eines Anwalts nicht sachlich geboten gewesen. Für die
Rechtsverweigerungsbeschwerde in diesem Zusammenhang sei eine
Parteientschädigung zugesprochen worden.
B.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur.
Nadeshna Ley am 9. Mai 2014 für die Betroffene erhobene Beschwerde. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragt, der Entscheid sei aufzuheben und
der Beschwerdeführerin seien folgende Ergänzungsleistungen zuzusprechen: für
Februar und März 2012 je Fr. 1'608.20, für April bis September 2012 monatlich Fr.
2'421.50, für Oktober bis Dezember 2012 monatlich Fr. 2'321.50, für das Jahr 2013 Fr.
29'427.-- und ab Januar 2014 jährlich Fr. 29'715.--. Ausserdem sei der
Beschwerdeführerin für das Einsprache- und für das Beschwerdeverfahren die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Die Beschwerdeführerin sei zufolge
des Cogan-I-Syndroms voll arbeits- und erwerbsunfähig und beziehe seit dem 1.
November 2006 eine ganze Rente. Zurzeit sei über die Frage, ob die Gutachterstelle für
eine von der IV-Stelle vorgesehene Begutachtung entgegen dem ausdrücklichen
Gesuch um Einigungsversuch hoheitlich nach dem Zufallsprinzip bestimmt werden
dürfe, ein Verfahren vor Bundesgericht hängig. Die IV-Stelle habe mit Verfügung vom
22. März 2013 den Anspruch auf Hilflosenentschädigung (für Hilflosigkeit mittleren
Grades) dennoch bejaht und die Leistung ab März 2012 ausgerichtet. Nach der
Rückkehr aus dem Ausland hätten die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann zuerst
rund zwei Monate lang bei ihrer Tochter zur Untermiete gewohnt. Auf den 1. April 2012
hätten sie eine rollstuhlgängige Wohnung mit einem Bruttomietzins von jährlich Fr.
23'280.-- bezogen, ab 1. Oktober 2012 eine andere mit einem Bruttomietzins von Fr.
17'400.--. Das Einkommen der Eheleute beschränke sich auf die (ganze) Rente und die
Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung. Wie fachärztlich erhoben worden
sei, leide die Beschwerdeführerin an massivem Schwindel mit rezidivierenden Stürzen,
Geh- und Stehunsicherheit, beidseitiger symmetrischer sensoneuraler Schwerhörigkeit
und Sehstörung in Form von unscharfem Sehen, seit 2010 auch an rheumatischen
Beschwerden. Zudem habe eine Magenbandimplantation in jüngerer Vergangenheit
wieder Probleme bereitet und leide die Beschwerdeführerin an arterieller Hypertonie.
Seit etwa Herbst 2006 sei die Beschwerdeführerin infolge ihrer Erkrankungen auch bei
den alltäglichen Lebensverrichtungen zunehmend auf Hilfe Dritter angewiesen.
2009/2010 seien Essen und Verrichten der Notdurft noch ohne Unterstützung möglich
gewesen, derzeit benötige die Beschwerdeführerin aber in nahezu sämtlichen
Verrichtungen Hilfe. Diese leiste seit je der Ehemann. Ihm sei es aufgrund der
inzwischen fast durchgängig erforderlichen Präsenz nicht mehr möglich, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die Beschwerdegegnerin habe dies früher bereits
anerkannt (Verfügungen vom 3. September 2009). Die damalige Anrechnung des
Betrags der Hilflosenentschädigung als Erwerbseinkommen betrachte die
Beschwerdegegnerin allerdings nun gemäss einem Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Juli 2009 (EL 2009/5) als
rechtswidrig, weshalb die Verfügungen wiedererwägungsweise zugunsten der
Beschwerdeführerin zu korrigieren wären. Auf den 31. Juli 2011 hin sei allerdings der
Anspruch auf Hilflosenentschädigung (wie jener auf EL) wegen des als dauerhaft
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
geplanten Wegzug ins Ausland erloschen. Er sei nach der Rückkehr nicht einfach
wieder aufgelebt, sondern nach Art. 42 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 35 Abs. 1 IVV neu
entstanden, weshalb die Voraussetzungen ab März 2012 zu prüfen gewesen seien. Mit
der Verfügung vom 22. März 2013 sei der Anspruch bejaht worden (Hilflosigkeit in vier
Lebensverrichtungen). Das Abwarten der medizinischen Begutachtung sei dafür
augenscheinlich nicht nötig gewesen. Diese Zusprache sei nicht die Folge des
Entscheids des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Januar 2013
gewesen, denn die Wiederausrichtung der Hilflosenentschädigung nach der Rückkehr
habe dort nicht Streitgegenstand gebildet. Ein künftiges Gutachten hätte nur noch
revisionsrechtliche Bedeutung. Die sachverhaltliche Feststellung der IV-Stelle vom 22.
März 2013 über die Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin sei auch für die
Beschwerdegegnerin verbindlich, denn es gehe nicht an, dass dieselbe Behörde in
derselben Frage unterschiedlich entscheide. Die erforderliche Hilfe erbringe der
Ehemann, der deswegen nicht anderweitig erwerbstätig sein könne. Für ihn könne kein
hypothetisches Einkommen angerechnet werden. Strittig sei daher vorliegend gar nicht
mehr die Frage, ob der Ehemann der Beschwerdeführerin erwerbstätig sein könne oder
nicht. Für diese rechtliche Argumentation sei der Beizug einer Rechtsanwältin sachlich
geboten gewesen. Sie habe denn auch eine Verfahrenssistierung so lange (als
rechtmässig) anerkannt, als der Sachverhalt noch nicht verbindlich geklärt gewesen
sei, also bis zur Rechtskraft der Verfügung vom 22. März 2013. Die
Parteientschädigung sei für die Rechtsverweigerungsbeschwerde, nicht für den
Aufwand im Einspracheverfahren zugesprochen worden.
C.
Die Beschwerdegegnerin beantragt am 10. Juni 2014 die Abweisung der Beschwerde.
- Die Beschwerdeführerin lässt am 23. Juni 2014 an ihren Ausführungen festhalten.
D.
Am 26. Juni 2014 hat die Gerichtsleitung dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen.
E.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E.a Mit Eingabe vom 13. November 2015 gibt die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin bekannt, die IV-Stelle habe die Beschwerdeführerin im Rahmen
eines IV-Rentenrevisionsverfahrens begutachten lassen. Die IV-Stelle habe aufgrund
des Begutachtungsergebnisses einer vollen Erwerbsunfähigkeit und Hilfsbedürftigkeit
bekannten Ausmasses im August 2015 den unveränderten Anspruch auf eine ganze
Rente und auf eine Hilflosenentschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit bestätigt und
Kostengutsprache für einen Rollator geleistet. Strittig sei, ob und inwiefern das
Ergebnis der Begutachtung für die Beurteilung des EL-Anspruchs massgeblich sei.
Daran, dass der EL-Anspruch bereits im Frühjahr 2013 hätte bejaht werden können und
müssen, ändere das Gutachten nichts. Es bestätige im Gegenteil die Überlegungen der
Beschwerdeführerin. Dass seine Ergebnisse nun aber vorlägen, möge zu einer raschen
Erledigung und Zusprache von EL führen. - Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
des Kantons St. Gallen hatte am 14. August 2015 mitgeteilt, es bestehe hinsichtlich
des Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung keine anspruchsbeeinflussende
Änderung. Die Beschwerdeführerin habe weiterhin Anspruch auf die bisherige
Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit (act. G 8.3).
E.b In ihrer Stellungnahme vom 5. Januar 2016 bringt die Beschwerdegegnerin - unter
Beilage der angeforderten IV-Akten - vor, im polydisziplinären Konsens des Gutachtens
seien die im Hinblick auf eine Hilflosigkeit und auf die dadurch objektiv notwendige
Betreuung gestellten Fragen leider nicht ausführlich beantwortet worden. Soweit
ersichtlich habe sich einzig der Gutachter der Rheumatologie konkret hierzu geäussert.
Er habe lediglich bestätigen können, dass eine schmerzhafte Funktionseinschränkung
im rechten Schultergelenk bestehe. Die unteren Extremitäten hätten jedoch im Sitzen
und im Liegen problemlos bewegt werden können und die Rumpfbeweglichkeit sei
nicht relevant eingeschränkt gewesen. Eine Einschränkung der linken Schulter beim
Nach-hinten-Greifen habe ebenfalls nicht bestanden. Die Beschwerdeführerin habe
ferner selbständig vom Bett bzw. vom Stuhl aufstehen können. Sie habe sich im
Untersuchungszimmer beim Stehen und Gehen an den Wänden und Möbeln
abgestützt. Ihr Ehemann bereite ihr die Medikamente zur Einnahme vor. Aufgrund
dieser Feststellungen sei die Bestätigung einer Hilflosigkeit leichten (recte: mittleren)
Grades als grosszügig zu werten und zu bestreiten, dass bei Berücksichtigung der
Schadenminderungspflicht im angegebenen Mass Hilfe nötig sei und dass
ausschliesslich ihr Ehemann der Beschwerdeführerin die Hilfeleistungen erbringen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

müsse. Ausserdem sei auf die Erwägungen 6 und 8 des angefochtenen
Einspracheentscheids hinzuweisen.
E.c Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin bringt am 8. März 2016 vor, der
Beschwerdegegnerin stehe die Beurteilung der Hilflosigkeit und des
Unterstützungsbedarfs der Beschwerdeführerin nicht zu. Die EL-Organe hätten sich an
die Beurteilung der IV zu halten, verfügten sie doch nicht über die fachlichen
Voraussetzungen für eine selbständige Beurteilung der Invalidität und gelte es
unterschiedliche Beurteilungen verschiedener Instanzen zu vermeiden. Die von der
Beschwerdeführerin benötigte Unterstützung erfordere die nahezu durchgehende
Anwesenheit der betreuenden Person. Dem Ehemann, der diese Unterstützung leiste,
sei es deshalb grundsätzlich nicht möglich, einer geregelten Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Eine Ausnahme hiervon sei allerdings für das Jahr 2015 zu machen, weil
die Tochter der Beschwerdeführerin, die mit ihrer Familie die Wohnung direkt neben
jener der Beschwerdeführerin habe beziehen können, zurzeit als Mutter eines
Kleinkinds und in Erwartung eines zweiten nicht als Berufsfrau verpflichtet sei und
tagsüber ebenfalls Betreuungsaufgaben zugunsten der Beschwerdeführerin
übernehmen könne. Der Ehemann der Beschwerdeführerin habe deshalb in jenem Jahr
ein Erwerbseinkommen von Fr. 33'420.70 erzielen können, und zwar mit stundenweise
geleisteten Einsätzen, die er insbesondere je nach Verfügbarkeit der Tochter habe
annehmen können. Das Annehmen einer verbindlicheren Verpflichtung gegenüber
einem Arbeitgeber im Sinn eines festen Arbeitspensums und/oder von regelmässigen
Arbeitszeiten sei jedoch weiterhin ausgeschlossen. Auch unter den optimalen
Bedingungen sei ein Einkommen, wie es die Beschwerdegegnerin angerechnet habe,
zu erreichen nicht möglich. Inwieweit das Einkommen in Zukunft werde erzielt werden
können, sei fraglich. Ob und in welchem Ausmass sich die Tochter mit fortschreitender
Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes noch um die Beschwerdeführerin
werde kümmern können, werde sich erst weisen müssen. Ab 2015 seien die
tatsächlichen Einkünfte des Ehemannes anzurechnen, so lange er sie erzielen könne.
Erwägungen
1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.1 Mit dem angefochtenen Entscheid vom 24. März 2014 hat die
Beschwerdegegnerin eine Einsprache gegen ihre Verfügung vom 31. Mai 2012
abgewiesen und das in der Einsprache gestellte Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren abgewiesen. - Mit der Verfügung vom
31. Mai 2012 hatte sie in einer EL-Anspruchsberechnung für die Beschwerdeführerin
ab März 2012 ein hypothetisches Erwerbseinkommen ihres Ehemannes von Fr.
53'114.-- eingesetzt (davon anrechenbar Fr. 34'409.--), womit sich eine Abweisung des
EL-Anspruchs ergab. Es handelte sich um die Beurteilung einer Neuanmeldung vom
Februar/März 2012 im Anschluss an eine Aufhebung des Anspruchs durch formell
rechtskräftige Verfügung vom 20. April 2011 (auf den 31. Juli 2011; infolge eines
Auslandaufenthalts, mit welchem der gewöhnliche Aufenthalt in der Schweiz
aufgegeben worden war, was den EL-Anspruch gemäss Art. 12 Abs. 3 ELG erlöschen
lässt). Die Verfügung vom 31. Mai 2012 war unter den Vorbehalt gesetzt worden, dass
eine endgültige Beurteilung der Frage des hypothetischen Einkommens erst nach dem
Entscheid über die Hilflosenentschädigung erfolgen könne (bzw. nach Auffassung der
Beschwerdegegnerin allgemein erst nach Kenntnis vom Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin aufgrund der Ergebnisse aus einer polydisziplinären medizinischen
Abklärung durch die IV). - Auch im Einspracheentscheid hielt die Beschwerdegegnerin
fest, bevor die IV-Stelle ihre Abklärungen nicht habe abschliessen können, ergebe sich
kein Anlass, von der bisherigen Beurteilung abzuweichen.
1.2 Der Streitgegenstand dieses Beschwerdeverfahrens beschränkt sich nach der
Rechtsprechung des hiesigen Gerichts auf den Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass
der Verfügung vom 31. Mai 2012 entwickelt hat (und nicht des Einspracheentscheids
vom 24. März 2014, wie es nach BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1 der Fall wäre): Denn mit der
Einsprache konnte nur angefochten werden, was Gegenstand der angefochtenen
Verfügung war, ist der Einspracheentscheid doch ein Entscheid über ein formelles
Rechtsmittel. Würde der Streitgegenstand des Einspracheverfahrens nicht nur die
Sachverhaltsentwicklung bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung, sondern auch
die weitere Sachverhaltsentwicklung bis zum Tag des Erlasses des
Einspracheentscheids umfassen, wäre er im Umfang des Entscheids über
nachträgliche Sachverhaltsveränderungen nicht mehr Rechtsmittelentscheid, sondern
wesensmässig Verfügung, denn diesem Teil des Streitgegenstands läge weder eine
formelle Verfügung noch eine Einsprache zugrunde. Jede Veränderung im Zeitablauf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
stellt aber neue Sachverhalts- und Rechtsfragen, die jeweils wieder zuerst durch
Verfügung zum Gegenstand einer allfälligen Auseinandersetzung gemacht werden
müssen (vgl. zum Ganzen die Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 2. März 2015, EL 2012/37 E. 2, und vom 3. März 2015, EL 2013/51 E. 1).
Andernfalls gäbe es für Sachverhaltsentwicklungen im Zeitraum zwischen dem Erlass
der mit Einsprache angefochtenen Verfügung und dem Einspracheentscheid kein
zweistufiges Verwaltungsverfahren mehr. Der Gegenstand des mit dem angefochtenen
Entscheid abgeschlossenen Einspracheverfahrens - und entsprechend des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens - muss auf die Sachverhaltsentwicklungen bis
zum 31. Mai 2012 beschränkt sein.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hatte vorliegend wie erwähnt die EL-Neuanmeldung der
Beschwerdeführerin nach der Wiedereinreise in die Schweiz zu beurteilen. Die
Beschwerdeführerin hatte die Wiedereinreise bereits im Februar 2012 angezeigt und im
März 2012 das Anmeldeformular ausgefüllt.
2.2 Der Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung besteht ab Beginn des
Monats, in dem die Anmeldung eingereicht worden ist, sofern sämtliche gesetzlichen
Voraussetzungen erfüllt sind (Art. 12 Abs. 1 ELG). Wer eine Versicherungsleistung
beansprucht, hat sich beim zuständigen Versicherungsträger in der für die jeweilige
Sozialversicherung gültigen Form anzumelden (Art. 29 Abs. 1 ATSG). Der Anspruch auf
eine jährliche Ergänzungsleistung wird durch eine schriftliche Anmeldung geltend
gemacht. Art. 67 Abs. 1 AHVV ist sinngemäss anwendbar (Art. 20 Abs. 1 ELV). Nach
Art. 67 Abs. 1 AHVV wird der Anspruch auf eine Rente oder Hilflosenentschädigung
durch Einreichen eines ausgefüllten Anmeldeformulars geltend gemacht. Das
Anmeldeformular hat Aufschluss zu geben über die Personalien und die Einkommens-
und Vermögensverhältnisse aller in die EL-Berechnung eingeschlossenen Personen
(Art. 20 Abs. 2 ELV). Entspricht eine Anmeldung nicht den formellen Anforderungen,
macht die versicherte Person ihren Anspruch also etwa durch formloses Schreiben
geltend, so hat ihr die Versicherung nach der Rechtsprechung ein entsprechendes
Formular zur Ausfüllung zuzustellen und Gelegenheit zu einer Verbesserung zu geben.
Die Wirkungen der Anmeldung werden diesfalls auf den Eingang des ersten Schreibens
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zurückbezogen (vgl. BGE 103 V 70; vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. A. 2015, N
50 und N 39 zu Art. 29 ATSG; derselbe, Das Verwaltungsverfahren in der
Sozialversicherung, Rz 394). - Der EL-Anspruch der Beschwerdeführerin ist daher
bereits ab Februar 2012 zu prüfen.
3.
3.1 Personen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz haben
Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wenn sie unter anderem Anspruch haben auf eine
Rente der Invalidenversicherung (vgl. Art. 4 Abs. 1 lit. c ELG). Die jährliche
Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG). Die anerkannten Ausgaben
sowie die anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten werden zusammengerechnet (vgl.
Art. 9 Abs. 2 ELG). Als Einnahmen werden nach Art. 11 Abs. 1 ELG des Weiteren zwei
Drittel der Erwerbseinkünfte in Geld oder Naturalien, soweit sie bei Ehepaaren Fr.
1'500.-- übersteigen (lit. a), und Einkünfte und Vermögenswerte angerechnet, auf die
verzichtet worden ist (lit. g).
3.2 Eine Verzichtshandlung liegt unter anderem vor, wenn die versicherte Person aus
von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und
zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (BGE 140 V 267). Unter dem Titel des
Verzichtseinkommens ist gemäss der Rechtsprechung auch ein hypothetisches
Einkommen des Ehegatten eines EL-Ansprechers anzurechnen, sofern auf eine
zumutbare Erwerbstätigkeit oder deren zumutbare Ausdehnung verzichtet wird. Bei der
Ermittlung einer allfälligen zumutbaren Erwerbstätigkeit der Ehefrau oder des
Ehemannes ist der konkrete Einzelfall unter Anwendung familienrechtlicher Grundsätze
(vgl. Art. 163 ZGB) zu berücksichtigen. Dementsprechend ist auf das Alter, den
Gesundheitszustand, die Sprachkenntnisse, die Ausbildung, die bisherige Tätigkeit, die
konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls auf die Dauer der Abwesenheit vom
Berufsleben abzustellen. Ferner ist bei der Festlegung eines hypothetischen
Einkommens zu berücksichtigen, dass für die Aufnahme und Ausdehnung der
Erwerbstätigkeit eine gewisse Anpassungsperiode erforderlich und nach einer langen
Abwesenheit vom Berufsleben die volle Integration in den Arbeitsmarkt in einem
gewissen Alter nicht mehr möglich ist. Dem wird im Rahmen der Ergänzungsleistung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dadurch Rechnung getragen, dass der betreffenden Person allenfalls eine realistische
Übergangsfrist für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder Erhöhung des
Arbeitspensums zuzugestehen ist, bevor ein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet wird (BGE 142 V 12 E. 3.2). Kann vom Ehegatten die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit verlangt werden, ist der Lohn festzusetzen, den dieser bei gutem
Willen erzielen könnte (ZAK 1992 S. 328 E. 3c).
3.3 Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin in ihrer EL-
Anspruchsberechnung ab März 2012 für ihren Ehemann ein hypothetisches
Einkommen von Fr. 53'114.-- angerechnet. Bei den früheren Anspruchsberechnungen
war ihr für die Zeit ab der Entstehung ihres Hilflosenentschädigungsanspruchs (April
2008) lediglich ein hypothetisches Einkommen in dessen jeweiliger Höhe angerechnet
worden. Hieran war die Beschwerdegegnerin allerdings bei der Beurteilung der
Neuanmeldung nicht mehr durch Rechtskraft gebunden.
3.4 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, ihr Ehemann könne nicht
(anderweitig) erwerbstätig sein und kein Einkommen erzielen, weil er ihr die
Hilfeleistungen erbringe, welche sie wegen ihrer Hilfsbedürftigkeit benötige.
3.5 Bei Verfügungserlass war der Ehemann der Beschwerdeführerin nach der
Aktenlage 39 Jahre alt. Unbestritten geblieben ist, dass er arbeitsfähig ist. Die
Beschwerdeführerin hat bei ihrer medizinischen Begutachtung erklärt, er sei gesund,
sei ausgebildeter Polymechaniker und umgeschulter Informatiker und sei nebst der
Pflegetätigkeit für sie noch teilzeitlich als Hauswart tätig (IV-act. 235-25 f.). Von Seiten
der Gesundheit, des Alters und der Ausbildung steht der Zumutbarkeit einer
Erwerbstätigkeit des Ehemannes demnach nichts entgegen.
3.6
3.6.1 Zu entscheiden ist weiter, wie es sich mit dem Einwand der Hilfsbedürftigkeit
der Beschwerdeführerin im vorliegend relevanten Zeitraum von Februar 2012 bis Mai
2012 verhält.
3.6.2 Die IV-Stelle hatte der Beschwerdeführerin am 16. Juli und 5. August 2009 ab
April 2008 eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit zugesprochen (IV-act. 76
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
f.). - Anlässlich einer Revision der Rente/Hilflosenentschädigung hielt die
Beschwerdeführerin am 19. November 2010 dafür, ihr Gesundheitszustand habe sich
seit Juli 2009 verschlechtert. Sie sei nun auch beim Verrichten der Notdurft
hilfsbedürftig. Nachdem dies von einer Klinik am 10. Dezember 2010 in Abrede gestellt
worden war, blieb es gemäss Mitteilungen vom 11. Januar 2011 bei den unveränderten
Ansprüchen auf Rente und Hilflosenentschädigung. - Mit IV-Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Januar 2013 (IV-act. 187) wurde
die IV-Verfügung vom 31. Mai 2011 - mit dem Gegenstand einer Rückforderung von
Hilflosenentschädigung für zwei Monate und implizit rückwirkender Einstellung des
Anspruchs ab 1. Mai 2011 - aufgehoben. Gemäss dem Gerichtsentscheid liess sich die
Rückforderung (bzw. die rückwirkende Leistungseinstellung) weder mit der
Sachverhaltsänderung eines Wegfalls der Anspruchsvoraussetzungen wegen
Verlegung des Wohnsitzes oder gewöhnlichen Aufenthalts ins Ausland oder jener eines
Wegfalls der Hilflosigkeit noch mit einer Sanktion für eine Meldepflichtverletzung oder
mit einer Wiedererwägung, weil noch nie Hilflosigkeit bestanden hätte, rechtfertigen.
Was die Anspruchsvoraussetzungen der Hilflosigkeit betreffe, wären für Anpassung
und Wiedererwägung Abklärungen zu den Anspruchsvoraussetzungen der Hilflosigkeit
(samt medizinischer Beurteilung) unabdingbar gewesen. - Mit einer IV-Verfügung vom
22. März 2013 sprach die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Beschwerdeführerin
in der Folge die Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades (von Mai bis Juli 2011
und ab März 2012) wieder zu.
3.6.3 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts haben sich EL-Organe und
Sozialversicherungsgerichte mit Bezug auf die invaliditätsbedingte Beeinträchtigung
der Erwerbsfähigkeit grundsätzlich an die Invaliditätsbemessung durch die
Invalidenversicherung zu halten (vgl. BGE 140 V 267). Vorliegend steht zur Beurteilung
nicht der enge Konnex, wie er zwischen einer IV-Rente und der sie ergänzenden
Ergänzungsleistung gegeben (und im Zusammenhang mit einem hypothetischen
Einkommen des Rentenbezügers von Bedeutung) ist, aber immerhin ein indirekter
Zusammenhang zwischen der von der Invalidenversicherung zu beurteilenden
Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin und der Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit ihres
in die EL-Berechnung eingeschlossenen Ehemannes. Die EL-Organe und das Gericht
können (und sollen) sich für ihre Entscheidung betreffend den (nebst weiteren
Gegebenheiten) relevanten Umstand der allfälligen Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
jedenfalls die Erkenntnisse aus den Sachverhaltsabklärungen zu eigen machen, welche
die IV-Stelle (als für solche Abklärungen qualifizierte Stelle) diesbezüglich gewinnt oder
gewonnen hat.
3.6.4 Am 25. Juli 2015 hat die MEDAS Zentralschweiz ein Gutachten über den
Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erstattet (IV-act.
235), in welchem sie auch Angaben zum früheren Sachverhalt machte. Danach war bei
der Begutachtung aus ophthalmologischer und HNO-Sicht für alle Tätigkeiten volle
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin anzunehmen. Die detaillierten Fragen der
IV-Stelle im Hinblick auf die Beurteilung der Funktionen, die für die alltäglichen
Lebensverrichtungen erforderlich sind, wurden im MEDAS-Gutachten zwar nicht
ausdrücklich beantwortet. Ophthalmologisch waren aber beidseits eine verminderte
zentrale Sehschärfe und eine massive konzentrische Gesichtsfeldeinschränkung zu
verzeichnen (IV-act. 235-34 f.). Von Seiten der Oto-Rhino-Laryngologie (ORL;
gleichbedeutend HNO) wurden eine ausgeprägte Hörverminderung beidseits, welche
unbedingt mit Hörgeräten versorgt werden sollte, und eine deutliche Einschränkung
des peripher vestibulären Systems beidseits festgestellt (IV-act. 235-32). Der
Rheumatologe fand eine schmerzhafte Funktionseinschränkung des rechten
Schultergelenks vor (IV-act. 235-34). Die Neurologin beschrieb eine massive Stand-
und Gangunsicherheit, die für das Gehen Fremdhilfe erfordere, ausserdem eine
Falltendenz (IV-act. 235-33). Bei der Gesamtbeurteilung wurde zudem festgehalten,
dass sämtliche Gutachter der Auffassung seien, die von der Beschwerdeführerin
beklagten, anamnestisch und klinisch erhobenen Beschwerden seien konsistent und
würden sich funktionell auswirken (IV-act. 235-39, vgl. allerdings IV-act. 235-31, 33 f.
und 36). Die genannte Feststellung lässt auf verschiedene Einschränkungen schliessen,
etwa darauf, dass die Beschwerdeführerin wegen Schwindels und der entsprechenden
Stand- und Gangunsicherheit einen Rollator und einen Gehstock einsetzen muss und
beim An- und Auskleiden, beim Duschen, bei körperlichen hygienischen Verrichtungen
und bei der Vorbereitung des Essens ebenfalls eine Fremdhilfe nötig ist (IV-act. 235-32
f.). - Im Jahr 2008 dagegen waren gemäss dem Gutachten nebst einer
Innenohrschwerhörigkeit noch keine weiteren Leiden der beiden Kategorien
Ophthalmologie und ORL (namentlich noch keine vestibuläre Funktionsstörung und
weder Visusreduktion noch konzentrische Gesichtsfeldeinschränkung) gefunden
worden. Es sei seither (d.h. zwischen 2008 und März/April 2015) von einer chronisch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
progredienten Verschlechterung auszugehen (IV-act. 235-38 f.; es würden sich im
Übrigen weitere Abklärungen empfehlen). - Für den vorliegend massgeblichen
Sachverhalt vom Frühjahr 2012, einer Zeit nach der Hälfte der genannten Phase der
Verschlechterung, lässt sich daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit annehmen,
dass bei der Beschwerdeführerin eine erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigung bereits
eingetreten war und die genannten Einschränkungen bereits vorgelegen hatten,
allerdings in damals noch etwas weniger gravierender Form als zur Zeit der
Begutachtung.
3.7 Ist dementsprechend von einem Bedarf der Beschwerdeführerin an Dritthilfe
auszugehen, so ist des Weiteren zu klären, ob und gegebenenfalls inwiefern ihr
Ehemann dadurch an der Ausübung einer Erwerbstätigkeit verhindert sei. Zu
berücksichtigen ist, dass die Beschwerdeführerin zunächst die erforderlichen
Hilfsmittel (Hörgeräte, Rollator, Gehstöcke) einzusetzen hat, womit sich die
Notwendigkeit von persönlicher Unterstützung verringert. Die Beschaffung von
zumutbaren Hilfsmitteln wird infolge der Schadenminderungspflicht schon bei der
Bestimmung des Anspruchs auf Hilflosenentschädigung vorausgesetzt (vgl. Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S M. vom 6. Mai 2003, I 568/02 E. 3.3;
wie schon dem Verordnungswortlaut zu entnehmen ist, vgl. Art. 37 Abs. 2 und 3 IVV
Ingress: "trotz der Abgabe von Hilfsmitteln"). Ein Rollator ist der Beschwerdeführerin
nach der vorliegend massgeblichen Zeit denn auch zugesprochen worden (vgl. act. G
8.2). Eine Dritthilfe ist bei der Beschwerdeführerin nach der Aktenlage zudem
hauptsächlich abends und morgens erforderlich (An- und Auskleiden, Duschen,
körperliche hygienische Verrichtungen), während es tagsüber - nebst einer allfälligen
Essenszubereitung, die offenbar aber entfällt - im Wesentlichen um eine
"Rufbereitschaft" (vgl. IV-act. 235-26 f.) geht. Bei dem beschriebenen Leiden erscheint
die Möglichkeit einer plötzlich auftretenden Notwendigkeit einzugreifen (etwa wegen
eines Sturzes) nachvollziehbar. Wie häufig ein solcher Interventionsbedarf tatsächlich
auftritt, wird nicht ersichtlich, doch dürfte es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
um Ausnahmen handeln. Des Weiteren könnte der erforderliche Bedarf an
Unterstützung bzw. Intervention auch anderweitig gedeckt werden. Zu denken ist bei
allfälliger Notwendigkeit namentlich an eine Zuhilfenahme von Spitex-Leistungen (für
die Bereitstellung von Medikamenten oder für Pflegeleistungen). Ausserdem steht die
(IV-)Hilflosenentschädigung gerade auch für die Beanspruchung von Fremdhilfe zur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Überwindung der Hilflosigkeit zur Verfügung. So könnte die Beschwerdeführerin
beispielsweise für das Bereitstellen von Mahlzeiten tagsüber oder für gelegentliche
Spaziergänge die Pro Senectute beiziehen. Zusammenfassend sind die Erfordernisse,
welche der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin stellt, jedenfalls nicht als so
einschränkend zu bewerten, dass sie eine Erwerbstätigkeit ihres Ehemannes
weitgehend ausschliessen würden. Zumindest eine Teilzeittätigkeit im Umfang eines
Dreiviertels-Pensums muss mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als möglich
betrachtet und ihm zugemutet werden. Ob ihm auch ein höheres Pensum zumutbar ist,
kann offen bleiben. Zu bedenken ist im Übrigen, dass ihm als Informatiker allenfalls
auch Arbeitsgelegenheiten offen stehen, die er von zuhause aus wahrnehmen kann.
3.8 Wie die Beschwerdeführerin darlegen lässt, konnte ihr Ehemann später, im Jahr
2015, denn auch ein Erwerbseinkommen von Fr. 33'420.70 erzielen. Sie stellt sich
jedoch auf den Standpunkt, das sei nur deswegen möglich gewesen, weil ihre Tochter,
die direkt neben ihr wohne und zurzeit nicht erwerbstätig sei, damals tagsüber
Betreuungsaufgaben habe übernehmen können, und der Ehemann damit in der Lage
gewesen sei, je nach ihrer Verfügbarkeit stundenweise Einsätze zu leisten. Eine
Bedingtheit der Erwerbsmöglichkeiten des Ehemannes in der vorgebrachten Art kann
nicht erkannt werden, zumal die Ausführungen der Beschwerdeführerin bei der
Begutachtung (vgl. IV-act. 235-28 4. Ab¬satz) gegen eine solche Annahme sprechen.
3.9 Der Beschwerdeführerin in der EL-Berechnung ein hypothetisches
Erwerbseinkommen ihres Ehemannes anzurechnen, geht im Weiteren nur an, wenn
dieser auf die Erzielung verzichtete, was voraussetzt, dass er bei entsprechendem
Bemühen eine Stelle hätte finden können. Dass dies nicht der Fall wäre, könnte nur
durch den Nachweis entsprechender, erfolgloser Stellenbewerbungen belegt werden
(vgl. Entscheide des Ver¬sicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S EL 2014/4 vom
2. November 2015 und i/S EL 2006/42 vom 20. März 2007), und ist vorliegend nicht
anzunehmen (vgl. auch IV-act. 235-62).
3.10 Angesichts der von der Beschwerdeführerin angegebenen Ausbildung ihres
Ehemannes kann angenommen werden, dass er einen Lohn im Bereich des
statistischen Durchschnitts der Löhne von Männern im privaten Sektor mindestens des
Kompetenzniveaus 2 (für praktische Tätigkeiten wie Verkauf/Pflege/Datenverarbeitung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und Administration/Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten/
Sicherheitsdienst/Fahrdienst) erzielen könnte. Dieser Durchschnitt lag gemäss der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik im Jahr
2012 angesichts einer damals betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.7
Stunden pro Woche bei rund Fr. 70'468.-- (12x Fr. 5'633.-- x 41.7/40). Die Annahme,
ein Lohnniveau dieser Höhe sei erreichbar, wird dadurch gestützt, dass der Ehemann
der Beschwerdeführerin den Lohn von Fr. 33'420.70 aus dem Jahr 2015 mit lediglich
stundenweise geleisteten Einsätzen erzielen konnte. Wird davon ausgegangen, dass er
im vorliegend massgeblichen Zeitraum zumutbarerweise auch nur in einem Dreiviertels-
Pensums hätte angestellt sein können, ergibt sich ein durchschnittlicher Jahreslohn
von rund Fr. 52'851.-- (0.75 x Fr. 70'468.--). Nach Abzug der diesfalls hypothetisch zu
erwartenden Sozialversicherungsbeiträge von 6.25 % (aufgerundet Fr. 3'304.--)
verbleiben davon Fr. 49'547.--. Von einem solchen Erwerbseinkommen sind gemäss
Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG nach Abzug des Freibetrags von Fr. 1'500.-- zwei Drittel
anrechenbar, somit in diesem Fall Fr. 32'031.--. Bei Anrechnung bereits dieses als
minimales zu betrachtenden Erwerbseinkommens ergibt sich in der EL-Berechnung für
die Beschwerdeführerin - bei unveränderten übrigen Positionen - ein
Einnahmenüberschuss.
3.11 Zu berücksichtigen ist vorliegend, dass es sich um eine Neuanmeldung der
Beschwerdeführerin bei den Ergänzungsleistungen nach der Wiedereinreise des
Ehepaars in die Schweiz nach einem längeren Auslandaufenthalt handelt. Es fragt sich
daher, ob danach eine kurze Übergangsfrist im Sinn einer erforderlichen
Anpassungszeit einzuräumen sei, bevor von einem Verzicht auf Erwerbseinkommen
auszugehen ist. Das ist nicht erforderlich. Der Ehemann der Beschwerdeführerin, der
schon vor der Ausreise kein tatsächliches Erwerbseinkommen erzielt hat, wäre stets
dazu gehalten gewesen, sich um eine Anstellung zu bemühen. Eine Anpassungszeit
war daher nicht erforderlich. Es rechtfertigt sich nicht, dem nach der Aktenlage frei
gewählten Auslandaufenthalt die Folge zuzuschreiben, dass das hypothetische
Erwerbseinkommen nach Wiederentstehen des EL-Anspruchs erst mit einem zeitlichen
Aufschub angerechnet würde.
4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, auf den 1. April 2012 hätten sie und ihr
Ehemann eine rollstuhlgängige Wohnung mit einem Bruttomietzins von jährlich Fr.
23'280.-- bezogen. Bei der notwendigen Miete einer rollstuhlgängigen Wohnung sind
als jährlicher Höchstbetrag zusätzlich zu den Fr. 15'000.-- (gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. b
Ziff. 2 ELG) noch Fr. 3'600.-- als Ausgaben anerkannt (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 ELG).
Da die Beschwerdeführerin im März 2012 den Mietvertrag eingereicht hat, worin
festgehalten ist, es handle sich um eine rollstuhlgängige Wohnung, kann (unter dem
Aspekt der ordentlichen Ergänzungsleistungen) für den Mietzins von einer
Höchstgrenze von Fr. 18'600.-- ausgegangen werden. Dennoch zeigt sich ein
Einnahmenüberschuss. - Die weitere, geltend gemachte Änderung vom 1. Oktober
2012 betrifft nicht mehr den Streitgegenstand dieses Verfahrens.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin einen EL-Anspruch
der Beschwerdeführerin zu Recht abgewiesen hat. Die dagegen gerichtete Beschwerde
ist abzuweisen.
6.
6.1 Mit dem angefochtenen Einspracheentscheid hat die Beschwerdegegnerin wie
erwähnt auch eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren
abgelehnt.
6.2 Wo die Verhältnisse es erfordern, wird der gesuchstellenden Person nach Art. 37
Abs. 4 ATSG (eingeordnet unter dem Titel "Sozialversicherungsverfahren", geltend also
für das ganze Verwaltungsverfahren, vgl. Ueli Kieser, a.a.O., N 20 zu Art. 37) ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Vorausgesetzt ist, dass die Partei nicht über
die erforderlichen Mittel verfügt, dass ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint
und dass die Verbeiständung zur Wahrung ihrer Rechte konkret notwendig ist (vgl.
BGE 132 V 200 E. 4.1).
6.3 An die sachliche Gebotenheit der Verbeiständung ist im Zusammenhang mit Art.
37 Abs. 4 ATSG rechtsprechungsgemäss ein strenger Massstab anzulegen (vgl.
Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom 28. Juni 2012, 8C_438/12). Die Notwendigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einer anwaltlichen Vertretung ist mit Blick darauf, dass der Untersuchungsgrundsatz
(Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG) gilt, die Versicherungsträger und Durchführungsorgane
der einzelnen Sozialversicherungen also den rechtserheblichen Sachverhalt unter
Mitwirkung der Parteien nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität,
Neutralität und Gesetzesgebundenheit zu ermitteln haben, nur in Ausnahmefällen zu
bejahen. Es müssen sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen und
eine Interessenwahrung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere
Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen) muss ausser Betracht fallen. Zu
berücksichtigen sind die Umstände des Einzelfalles, die Eigenheiten der anwendbaren
Verfahrensvorschriften sowie die Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Dabei
fallen neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des
Sachverhalts auch in der Person des Betroffenen liegende Gründe in Betracht, wie
etwa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden (vgl.
Bundesgerichtsentscheide vom 28. Januar 2015, 8C_572/14, und i/S K. vom 22.
Februar 2013, 9C_908/12, BGE 132 V 200).
6.4 Die Beschwerdegegnerin hält dafür, eine anwaltliche Rechtsvertretung sei
vorliegend nicht im Sinn dieser Rechtsprechung geboten gewesen, da die
Beschwerdeführerin ohne weiteres selber hätte geltend machen können, dass ihr
Ehemann wegen ihrer Pflegebedürftigkeit keiner ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit
nachgehen könne. Die Beschwerdeführerin dagegen stellt sich auf den Standpunkt, im
vorliegenden Prozess sei gar nicht diese Frage strittig gewesen, sei sie doch durch die
IV-Verfügung vom 22. März 2013 bereits verbindlich beantwortet worden. Ohne Beizug
einer Rechtsanwältin hätte die Beschwerdeführerin ihren Standpunkt kaum wirksam zur
Geltung bringen können und hätte den Einspracheentscheid zu früh verlangt. Eine
Schwierigkeit, welche das vorliegende Verfahren zum Ausnahmefall im oben
dargelegten Sinn machen würde, ist jedoch nicht festzustellen. Hieran vermögen sein
verfahrensmässiger Aspekt und der Berührungspunkt zwischen dem für die
Ergänzungsleistungen und dem für die Invalidenversicherung relevanten Sachverhalt
nichts zu ändern. Die Abhängigkeit der strittigen Frage eines allfälligen
Verzichtseinkommens ihres Ehemannes von ihrem Gesundheitszustand und ihrer
Hilflosigkeit hätte die Beschwerdeführerin auch ohne Beizug eines Rechtsanwalts oder
einer Rechtsanwältin aufzuzeigen und geltend zu machen vermocht. In der mit
Einsprache anzufechtenden Verfügung vom 31. Mai 2012 war im Übrigen bereits zum
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausdruck gebracht worden, dass ein solcher Zusammenhang bestehe. Auch wenn die
Beschwerdeführerin früher auf den Erlass eines Einspracheentscheids gedrungen
hätte, wäre kein Rechtsverlust zu befürchten gewesen.
6.5 Die Voraussetzungen der Gewährung unentgeltlicher Rechtsverbeiständung im
Einspracheverfahren waren demnach nicht erfüllt. Die Beschwerdegegnerin hat das
Gesuch zu Recht abgewiesen. Auch diesbezüglich ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
7.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
7.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch
auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS
951.1). Ihre Rechtsvertreterin hat hingegen zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung vom 26. Juni 2014 gegen den Staat Anspruch auf eine
Entschädigung an die Kosten der Prozessführung und Vertretung. Deren Höhe ist
ermessensweise festzusetzen. Unter Berücksichtigung des Aufwandes und der
Bedeutung der Streitsache erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Dieser Betrag ist
gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) auf Fr. 2'800.--
herabzusetzen. - Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann die
Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet
werden (vgl. Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).