Decision ID: 0bf1f1d7-f1c4-59a5-85e7-bba90abb8f86
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im März 2007 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 22). Er gab an, er habe den Malerberuf erlernt. In seinem Lebenslauf gab er an, von
1987 bis 2005 als Maler teils selbständig, teils festangestellt tätig gewesen zu sein (IV-
act. 26). Gemäss dem beigelegten Lohnausweis hatte der Bruttolohn des Versicherten
im Jahre 2004 Fr. 73'705.-- betragen (IV-act. 23). Dr. med. B._, Facharzt für
Allgemeine Medizin FMH, berichtete am 29. Mai 2007, der Versicherte sei infolge der
Schulterbeschwerden seit dem 23. Mai 2007 als Maler zu 100% arbeitsunfähig (IV-act.
35). Dr. med. C._ vom Wirbelsäulenzentrum D._ gab am 27. Februar 2008
gegenüber Dr. B._ an, der Versicherte leide unter einer grossen medio rechts nach
kaudal sequestrierenden Diskushernie L3/4 mit rechtsrezessaler Stenose und
rechtsforaminaler Hernie L4/5 (IV-act. 85). Gemäss seiner Einschätzung vom 2. April
2008 sei dem Versicherten nach den vorgenommenen Facetteninfiltrationen L4/5 vom
29. Februar und vom 14. März 2008 eine Tätigkeit mit Wechselbelastung zwischen
Sitzen, Stehen und Gehen, ohne Gewichtsbelastung über 10kg, ohne Arbeiten in einer
vorgeneigten Position oder in einer anderen Zwangshaltung und ohne Arbeiten über
Brusthöhe vollschichtig zumutbar (IV-act. 92). Auch die BEFAS, welche den
Versicherten im Auftrag der IV-Stelle abklärte, gab in ihrem Schlussbericht vom 10. Juli
2008 an, dass der Versicherte künftig nur körperlich und speziell den Rücken und die
Gelenke wenig belastende Tätigkeiten ausführen sollte. In einer solchen adaptierten
leichten Tätigkeit mit der Möglichkeit des Einnehmens von Wechselpositionen und
ohne grössere Kraftaufwendungen sei er jedoch voll arbeitsfähig (IV-act. 102).
A.a.
Am 3. Dezember 2009 erstattete die Klinik St. Katharinental im Auftrag der IV-
Stelle ein bidisziplinäres (Rheumatologie und Psychiatrie) Gutachten (IV-act. 150). Die
A.b.
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B.
Sachverständigen gaben an, der Versicherte leide an folgenden Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit: Chronisches lumbospondylogenes Syndrom beidseits,
beginnende Coxarthrose rechts, chronische Periarthropathia humero-scapularis rechts,
anamnestisch Anpassungsstörung und kurze depressive Reaktionen für einen Zeitraum
von maximal 4 Wochen im Februar 2008. Gemäss der gemeinsamen
Arbeitsfähigkeitsschätzung könne der Versicherten eine adaptierte Tätigkeit
uneingeschränkt ausüben, da die bei einer körperlich mindestens leichten,
angepassten Tätigkeit auftretenden Schmerzen mit einer zumutbaren
Willensanstrengung überwindbar seien.
Mit einer Verfügung vom 25. Februar 2010 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
des Versicherten aufgrund eines mittels Einkommensvergleich errechneten
Invaliditätsgrades von 30% ab (IV-act. 157). Das Versicherungsgericht des Kantons
St.Gallen wies die dagegen erhobene Beschwerde des Versicherten mit dem Entscheid
vom 24. August 2011 ab (IV 2010/135; IV-act. 175). Das Bundesgericht wies die
Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts am 21. August 2012 ab
(IV-act. 186).
A.c.
Der Versicherte meldete sich am 7. November 2012 erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 189). Am 2. November 2011 hatte Dr. med. E._, Facharzt für
Innere Medizin und Rheumatologie FMH, neu eine Psoriasis-Arthritis mit Haut- und
Nagelbefall sowie Arthralgien (seit ca. 10 Jahren) angegeben (IV-act- 192). Dr. med.
F._, Fachärztin für Neurologie FMH, hatte am 22. Oktober 2012 berichtet, die
Ursache für die intermittierenden Dysästhesien im Bereich der rechten oberen
Extremität sei eine Kompromittierung der Wurzel C7 bei degenerativen HWS-
Veränderungen, u.a. einer mediorechtslateralen und teils foraminalen Diskushernie C6/
C7 sowie kleinen Spondylophyten mit einer mittelgradigen rechtsforaminalen Stenose.
Eine neurologische Ausfallsymptomatik sei nicht fassbar (IV-act. 194). Am 15. Januar
2013 berichtete Dr. med. G._, Facharzt für Neurochirurgie FMH, dass die Prothese
auf Höhe L5/S1 in die Deckplatte eingebrochen sei (IV-act. 201). Der Versicherte habe
eine Spondylodese L5/S1 bis anhin abgelehnt. Als Maler sei er voll arbeitsunfähig; in
B.a.
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einer körperlich leichten, rückengerechten Tätigkeit bestehe eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit.
Am 28. November 2013 erstattete die Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH
(ABI) im Auftrag der IV-Stelle ein polydisziplinäres (Allgemeine Innere Medizin,
Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Rheumatologie) Gutachten (IV-act. 212,
217). Folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden erhoben:
Psoriasis-Arthritis mit einem vorwiegenden Befall beider Hände, chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, chronische Schulterschmerzen rechts,
beginnende Coxarthrose rechts bei einem femoro-acetabulären Impingement mit
Labrumläsion und OS acetabuli. In der angestammten Tätigkeit als Maler und in
sämtlichen körperlich schweren und mittelschweren Tätigkeiten bestehe eine volle
Arbeitsunfähigkeit. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden, adaptierten
Tätigkeit sei eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 70% realisierbar. Als Hausmann
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 20%.
B.b.
Mit einer Verfügung vom 28. Mai 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
des Versicherten infolge eines mittels Einkommensvergleich ermittelten IV-Grades von
30% ab (IV-act. 232). Am 27. Juni 2014 liess der Versicherte Beschwerde gegen die
Verfügung vom 28. Mai 2014 erheben. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Ausrichtung einer Dreiviertelsrente seit dem 8. Mai 2013 (IV-act.
234). Das Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen wies die Sache am 1. Juni 2017
zur Fortführung des Verwaltungsverfahrens im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle
zurück (IV-act. 258). In seiner Urteilsbegründung führte es aus, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung im ABI-Gutachten überzeuge aufgrund von
Unstimmigkeiten weder für die adaptierte Tätigkeit noch für die Tätigkeit als
Hausmann. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, wieso der rheumatologische
Sachverständige dem Versicherten für eine angepasste leichte körperliche Tätigkeit
aufgrund der vorliegenden Psoriasis-Arthritis und der labilen Situation im Bereich der
Lendenwirbelsäule eine 30% eingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert, dann aber für
eine Tätigkeit als Hausmann mit teilweise sogar mittelstarker körperlicher Belastung nur
eine Einschränkung von 20% zugestanden habe. Der Arbeitsfähigkeitsgrad als
Hausmann müsste aufgrund der zu bewältigenden, teilweise nicht leidensangepassten
Aufgaben deutlich unter jenem in einer adaptierten Tätigkeit liegen. Am 8. August 2017
B.c.
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berichtete Dr. B._ (IV-act. 297), der Versicherte leide mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit an einem chronischen lumbospondylogenen Syndrom bei einer
lumbosacralen Übergangsanomalie mit einer rudimentären Bandscheibe S1/2, bei
einem Status nach einer ventralen Mikrodiskektomie und Prothesenimplantation L3 bis
S1 am 16.08.2010, nach der Entfernung der Schrauben S 1 beidseits am 30.10.2015,
nach der Aufrichte-Spondylodese L1 bis S1 01.2015 und nach der
Schraubenentfernung L5 beidseits bei einem Schraubenbruch am 21.04.2017, einer
beginnenden Coxarthrose rechts mit einem femoroacetabulären Impingement bei
Labrum-Läsion bei os acetabuli und diskreten Gelenksknorpelirregularitäten, einer
chronischen periarthropathia humeroscapularis rechts mit einem subacromialen
Impingement-Syndrom, chronischen Gelenkbeschwerden bei Psoriasis-Arthritis, einer
rezidivierenden depressiven Störung gegenwärtig mittelgradig bis schwer und einer
Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung. Dem Versicherten sei es nicht
möglich, schulter- und rückenbelastende Tätigkeiten auszuüben. Zudem bestehe eine
generalisierte Gelenksproblematik im Rahmen der Psoriasis-Arthritis. Die bisherige
Tätigkeit sei daher nicht mehr zumutbar. Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, berichtete am 7. Oktober 2017 (IV-act. 301), er habe beim
Versicherten die folgenden psychiatrischen Diagnosen erhoben: Rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig, ausgeprägte Legasthenie und
Rechenschwäche und Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung. Als
Einschränkungen bestünden ausgeprägte Stimmungsschwankungen, erhebliche
Leistungseinschränkungen, reduzierte Ausdauerleistung, kognitive Störung, massive
Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Die Arbeitsfähigkeit sei erheblich
vermindert; die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Mit einer Wiederaufnahme
der beruflichen Tätigkeit sei nicht zu rechnen. Am 7. November 2017 notierte die RAD-
Ärztin Dr. med. H._ (IV-act. 306), auf das ABI-Gutachten vom November 2013 könne
nicht mehr abgestellt werden, da sich der Gesundheitszustand gemäss den Akten
zwischenzeitlich verändert habe (Rückenoperationen, depressive Verschlechterung seit
zwei Jahren). Zur Klärung sei eine neue polydisziplinäre Begutachtung erforderlich.
Die ABI GmbH erstattete am 2. Mai 2018 im Auftrag der IV-Stelle ein
polydisziplinäres (Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Rheumatologie und
Psychiatrie) Gutachten (IV-act. 314). Der psychiatrische Sachverständige führte aus,
B.d.
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beim Versicherten bestehe diagnostisch eine leichte depressive Episode,
gekennzeichnet durch leichte depressive Verstimmungen, erhöhte Ermüdbarkeit,
Schlafstörungen und Schuldgedanken gegenüber der Familie. Der Antrieb sei etwas
vermindert; der Versicherte habe jedoch durchaus Interessen, denen er auch
nachgehe. Die Prognose sei aufgrund des chronischen Verlaufs und der deutlich
ausgeprägten Krankheits- und Behinderungsüberzeugung ungünstig. Ein
aggravatorisches Verhalten bestehe nicht. Ressourcen seien vorhanden (ursprünglicher
Berufsabschluss, mehrjährige Berufserfahrung, Familiengründung). Die derzeitige
Behandlung sei adäquat. Die Arbeitsfähigkeit müsse insbesondere aus somatischer
Sicht beurteilt werden. Eine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei
nicht gegeben. Die von Dr. I._ diagnostizierte andauernde
Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung habe sich nicht bestätigt.
Lebensgeschichtlich bestünden frühe Belastungen (wiederholt erlebte häusliche Gewalt
durch den Vater bis ins frühe erwachsene Alter), die eine deutliche Relevanz haben
könnten, um sich negativ auf die Gesundheitsentwicklung auszuwirken. Trotzdem habe
der Versicherte einen Berufsabschluss machen können und er sei mehrere Jahre mit
voller Leistung berufstätig gewesen. Auch fehle eine Abstumpfung der Umgebung
gegenüber und ein ständiges Angespanntsein und Misstrauen gegenüber anderen.
Vielmehr sei der Versicherte im Untersuchungsgespräch gut zugänglich gewesen. Er
lebe in einer stabilen Beziehung mit der Ehefrau und habe schulpflichtige Töchter. Er
nehme durchaus interessiert am Leben teil und kümmere sich um die Hunde der
Tochter, wenn dies nötig sei. Unter Berücksichtigung der diagnostischen Kriterien
gemäss ICD-10 handle es sich um eine leichte depressive Episode. Letztere sei auch
mit den täglichen Aktivitäten des Versicherten vereinbar. Ein rezidivierender Verlauf der
Depression mit deutlichen Phasen der Verschlechterung, Verbesserung und
symptomfreien Intervallen sei nicht erwiesen. Die derzeitige Behandlung sei adäquat,
wobei auf eine regelmässige Medikamenteneinnahme geachtet werden sollte. Der
orthopädische Sachverständige gab an, dass sich ein postoperativer Zustand nach
einer langstreckigen Spondylodese von LWK1 bis SWK1 finde. Dabei sei es nicht zu
einem stabilen ossären Durchbau gekommen, was zu einer Überlastung der Schrauben
geführt habe, sodass sich diese gelockert bzw. frakturiert hätten. Dies sei eventuell
durch die Knochenqualität des Versicherten erklärbar; auch der Nikotinabusus bilde
einen negativen prädiktiven Faktor. Es liege eine allgemein verminderte
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Belastungsfähigkeit der unteren Rumpfregion vor, wodurch die Hebe- und Traglimite
stark limitiert sei, was eine regelmässige Änderung der Körperposition erfordere. Bei
den Schultern bestünden nur marginale Einschränkungen mit unwesentlichen
Auswirkungen auf die gesamte Funktionalität. Insgesamt seien nur noch Aktivitäten mit
leichten körperlichen Ansprüchen möglich; für diese bestünden keine wesentlichen
Einschränkungen. Hinweise darauf, dass es seit der letzten Begutachtung im
Dezember 2013 zu einer Verschlechterung der Gesamtsituation gekommen wäre, lägen
nicht vor. Dies widerspiegle sich auch in den Alltagsaktivitäten des Versicherten, die
bereits seit Jahren in der Führung des eigenen Vierpersonenhaushaltes bestünden, den
er weiterhin in fast voller Verantwortung bewältige. Daneben sei er in einem
Hundeverein sehr rege aktiv, was ebenfalls nicht auf eine höhergradige Einschränkung
bei körperlich leichten Aktivitäten hinweise. Entsprechend sei auch die Einschätzung
von Dr. G._ vom 15. Januar 2018 nicht nachvollziehbar, wonach dem Versicherte
eine körperlich leichte Tätigkeit zu 30% zumutbar sei und er keine Gewichte über 10kg
heben könne. Während die Gewichtslimite eher hoch sei, sei die höhergradige
quantitative Einschränkung rein unter Berücksichtigung der Alltagsaktivitäten des
Versicherten nicht ausreichend zu begründen. Die Besorgung des
Vierpersonenhaushalts und die übrigen Aktivitäten seien kaum mit einer
Arbeitsfähigkeit von lediglich 30% gleichzusetzen. Der rheumatologische
Sachverständige führte aus, dass mindestens seit September 2015 unter einer
fortgeführten immunsupprimierenden Biologika-Therapie mit Enbrel eine komplette
Remission der Psoriasis-Arthropathie vorliege; daraus gingen keine Einschränkung im
Bewegungsapparat und auch keine Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit
hervor. Zusammenfassend hielten die Sachverständigen folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest: Chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik, Coxarthrose beidseits, rechts > links,
anamnestisch subakromiales Impingement Schulter beidseits, rechts > links. Ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erhoben sie folgende Diagnosen: Klinisch in
Remission stehende Psoriasis-Arthropathie, leichte depressive Episode und
chronischer Nikotinabusus. Aus allgemeininternistischer, rheumatologischer und
psychiatrischer Sicht fänden sich keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit. Aus orthopädischer Sicht bestehe aufgrund der gestellten Diagnosen eine
andauernde volle Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Maler sowie in
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jeder anderen körperlich belastenden Tätigkeit. Körperlich leichte Aktivitäten in
wechselnder Position, bei denen eine Hebe- und Traglimite von 5kg nicht überschritten
werde und keine Zwangshaltungen des Rumpfes oder der unteren Extremitäten und
keine repetitiven Überkopfbewegungen der Arme vorkämen, seien hingegen
uneingeschränkt möglich. In einem durchschnittlichen Haushalt ohne Berücksichtigung
von Gartenarbeiten liege eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit vor; dies stimme gut mit der
aktuellen Situation im Haushalt überein. Insgesamt bestehe eine deutliche Diskrepanz
zwischen der Beurteilung der Gutachter und der Selbsteinschätzung des Versicherten;
letzterer halte sich für gar nicht mehr arbeitsfähig. Die Ursache dafür liege in IV-
fremden Faktoren wie der jahrelangen Arbeitsabstinenz, dem schwierigen Arbeitsmarkt
und einem eventuell vorhandenen sekundären Krankheitsgewinn. Die RAD-Ärztin Dr.
H._ notierte am 14. Mai 2018 (IV-act. 315), dass auf das ABI-Gutachten vom 2. Mai
2018 abgestellt werden könne. Mit einem Vorbescheid vom 31. Mai 2018 kündigte die
IV-Stelle dem Versicherten aufgrund eines errechneten Invaliditätsgrades von 12% die
Abweisung des Leistungsbegehrens an. Am 5. Juli 2018 liess der Versicherte einen
Einwand erheben (IV-act. 331). Sein Rechtsvertreter führte aus, dass zu klären sei,
weshalb aus rheumatologischer Sicht im neuen Gutachten die Diagnosen gemäss Ziff.
4.2.3. Ziff. 2-4 des ABI-Gutachten 2013 nicht erwähnt worden seien, wieso die im
Gutachten 2013 erwähnte Arbeitsunfähigkeit von 20% und 30% auf 0% sinke, weshalb
trotz einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes eine Verbesserung desselben
angenommen werde, weshalb die bescheidenen Haushalts- und administrativen
Freizeitaktivitäten dazu führten, dass im Vergleich zu 2013 die Arbeitsfähigkeit erhöht
worden seien, weshalb Diskrepanzen nicht nur zwischen der Beurteilung durch das ABI
und der Selbsteinschätzung des Versicherten, sondern auch gegenüber den
unabhängigen Arztberichten bestünden und welche Möglichkeiten der beruflichen
Eingliederung offenstünden. Zudem seien weitere medizinische Abklärungen
vorzunehmen und insbesondere seien ein neues psychiatrisches Gutachten und
Berichte bezüglich der Arthritis im Rücken und die alle 3 Monate stattfindenden
Infiltrationen einzuholen. Weiter führte der Rechtsvertreter aus, die IV-Stelle habe ein zu
tiefes Valideneinkommen und ein zu hohes Invalideneinkommen angenommen. In einer
adaptierten Tätigkeit sei der Versicherte höchstens 70% arbeitsfähig. Die Arbeit in
einem Farbenladen oder einem Grossmarkt sei nicht möglich, da dort auch schwere
Gegenstände gehoben werden müssten. Aufgrund der Umstände (Schmerzen,
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überdurchschnittliche Arbeitsabsenzen etc.) sei ein Tabellenlohnabzug von 20%
gerechtfertigt. Weiter sei ein Teilzeitabzug von 5% zu berücksichtigen. Aufgrund des
Einkommensvergleichs resultiere ein IV-Grad von 65%. Dem Einwand lagen unter
anderem ein Schreiben von Dr. G._ vom 27. Juni 2018 (IV-act. 331-9) und eine E-Mail
von Dr. I._ vom 4. Juli 2018 (IV-act. 331-10) bei. Dr. G._ hatte ausgeführt, dass
beim Versicherten zwischen 2014 und 2018 eine klinische Verschlechterung
eingetreten sei. Seit der letzten Behandlung des Schraubenbruchs im April 2017 seien
die radiologische und die klinische Situation stabil. Die Belastungsfähigkeit des
Versicherten sei aber deutlich eingeschränkt; auf Dauer sei eine körperlich leichte,
rückengerechte Arbeit maximal zu 50% möglich. Dr. I._ hatte in seiner Mail
ausgeführt, er habe die Beurteilung durch die ABI GmbH nicht nachvollziehen können.
Die dauerhafte Arbeitsunfähigkeit betrage aus psychiatrischer Sicht mindestens 50%.
Der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit der ersten Begutachtung
deutlich verschlechtert; der Versicherte müsse seit Jahren intensiv psychiatrisch-
psychotherapeutisch behandelt werden. Die hochdosierte multiple medikamentöse
Behandlungsmassnahme führe u.a. zu der anhaltenden ausreichenden Stabilität im
Alltag. Am 23. Juli 2018 liess der Versicherte einen Bericht von Dr. med. J._,
Fachärztin für Neurochirurgie FMH, vom 28. Juni 2018 nachreichen (IV-act. 333). Diese
hatte angegeben, sie habe beim Versicherten folgende Diagnosen erhoben:
Multilokuläres, gemischt nozizeptiv neuropathisches Schmerzsyndrom mit einem
Chronifizierungsgrad nach Gerbershagen III, aktuell mit im Vordergrund stehender
Schmerzproblematik des rechten Hüftgelenks bei bekannten, nicht fusionierten
Epiphysenkernen beidseits am Acetabulum und einer rechtsbetonten Coxarthrose mit
deutlicher subchondraler Gelenkflächensklerosierung des Hüftpfannendaches ohne
beginnende osteophytäre Anbauten am Hüftkopf rechts sowie chronischen tief
lumbalen Schmerzen und chronischen Schulterschmerzen rechtsseitig im Rahmen
einer Arthrose. Am 28. August 2018 liess der Versicherte einen Bericht von Dr. med.
K._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates FMH., vom 21. August 2018 einreichen (IV-act. 336 f.). Darin
hatte Dr. K._ ausgeführt, der Versicherte leide an einer symptomatisch
fortgeschrittenen Coxarthrose rechts und an einer symptomatischen
Schultergelenksarthropathie rechts. Die RAD-Ärztin Dr. H._ führte am 24. Juli 2018
aus (IV-act. 338), Dr. I._ habe keine neuen Fakten geliefert; er habe den hohen
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Medikamentenbedarf als Beleg für die gesundheitliche Verschlechterung erachtet; im
Gutachten sei der Medikamentenspiegel jedoch bereits als tief bzw. als im
therapeutischen Bereich beurteilt worden. Dr. G._ habe widersprüchliche
Arbeitsfähigkeitsschätzungen abgegeben; im Gutachten sei ausgeführt worden,
weshalb die Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. G._ nicht nachvollziehbar seien.
Gemäss Dr. J._ stünden die Hüftschmerzen aktuell im Vordergrund. Die
Sachverständigen seien jedoch zum Schluss gekommen, dass die Beschwerden an
Hüften und Schulter im Hintergrund stünden. Zusammenfassend seien mit den
eingereichten Berichten keine neuen medizinischen Fakten geltend gemacht worden.
Ob eine Veränderung der rechten Hüfte und der rechten Schulter vorliege, werde noch
abgeklärt. Dr. K._ berichtete am 21. August 2018 zudem (IV-act. 337), beim
Versicherten bestehe eine fortgeschrittene Coxarthrose mit radiologisch allen Zeichen
einer klassischen Arthrose. Die Beweglichkeit sei insbesondere bezüglich der
Innenrotation bereits aufgehoben. Die Situation seitens der Hüfte werde sich mit
konservativen Massnahmen langfristig nicht stabilisieren lassen. Weiter bestehe beim
Versicherten klinisch ein subacromiales Impingement. Eine Bildgebung der Schulter
liege nicht vor. Die Rotatorenmanschette sei symptomatisch. Er schlage eine
diesbezügliche Bildgebung vor. Er werde eine diagnostisch-therapeutische Infiltration
der Hüfte vornehmen, um dem Versicherten zu demonstrieren, welcher Schmerzanteil
der Hüfte geschuldet sei. Am 9. Oktober 2018 gab die RAD-Ärztin Dr. H._ an (IV-act.
339), anhand des Berichts von Dr. K._ müsse davon ausgegangen werden, dass sich
der Gesundheitszustand seit der Begutachtung verändert haben könnte. Aus dem
Bericht lasse sich ableiten, dass derzeit ein instabiler Gesundheitszustand vorliege,
wobei eine weitere Bildgebung der Schulter, eine Infiltration der Hüfte und
gegebenenfalls der Schulter geplant sei. Die entsprechenden Berichte von Dr. K._
seien einzuholen. Am 17. September 2018 hatte Dr. K._ berichtet, durch die am 3.
September 2018 durchgeführte diagnostisch therapeutische Infiltration der Hüfte habe
die Schmerzursache der hüftnahen Schmerzen dargestellt werden können. Der
Versicherte sei durch den Steroideffekt nach wie vor beschwerdeärmer als vor der
Infiltration. Unmittelbar nach der Infiltration sei der Versicherte während 6-8 Stunden
völlig beschwerdefrei gewesen. Das Gangbild in der Sprechstunde vom 17. September
2018 sei jedoch nach wie vor hinkend gewesen. Mittelfristig sei bei der rechten Hüfte
nicht mit einem konservativen Therapieerfolg zu rechnen. Der Versicherte benötige eine
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endoprothetische Versorgung. Linksseitig bestehe ebenfalls bereits eine Coxarthrose.
Die Schultergelenksarthropathie sei anhand des Bildmaterials und der Klinik
besprochen worden. Hier sei ein konservatives Vorgehen angezeigt. Eine Infiltration der
Schulter werde noch durchgeführt und eine Physiotherapie sei rezeptiert. Am 2.
November 2018 gab die RAD-Ärztin Dr. H._ an (IV-act. 342), dass die Beschwerden
der rechten Hüfte durch die Hüftgelenksinfiltration hätten gebessert werden können.
Nun werde noch eine Infiltration der rechten Schulter durchgeführt.
Am 12. Dezember 2018 berichtete Dr. B._ (IV-act. 346), der Gesundheitszustand
des Versicherten habe sich bei gleichgebliebenen Diagnosen verschlechtert. Die nach
wie vor teils sehr starken Lumbalgien hätten sich eher verschlechtert und die
Coxarthrosebeschwerden nähmen zu. Die psychische Befindlichkeit sei wechselhaft
entsprechend auch den wechselhaften Schmerzzuständen. Dr. B._ reichte unter
anderem einen Infiltrationsbericht von Dr. K._ vom 21. September 2018 (IV-act.
345-7 ff.) sowie einen Bericht des Zentrums für Neurochirurgie der Q._ vom 21.
November 2018 (IV-act. 345-10 ff.) ein. Dr. K._ hatte im Bericht vom 21. September
2018 angegeben, dass nach der Infiltration der rechten Hüfte vor ca. zwei Wochen ein
anfänglich positiver Verlauf vorhanden gewesen sei; jetzt berichte der Versicherte aber,
dass die Schmerzen langsam zurückkämen. Insofern sei nicht mit einem anhaltenden
Steroideffekt zu rechnen. Ein weiterer Steroidversuch der Hüfte scheide aus. Eine
Infiltration des (rechten) Schultergelenks sei heute vorgenommen worden. Der Facharzt
des L._ berichtete, er habe den Versicherten am 19. November 2018 untersucht.
Diesem sei das Laufen und das Sitzen je etwa eine Stunde möglich. Unter stärkerer
Belastung könne ein VAS von 9-10 leicht erreicht werden. Die Hüftbeweglichkeit rechts
sei bei der Innen- wie auch bei der Aussenrotation schmerzhaft deutlich eingeschränkt;
links habe der Versicherte keine Schmerzangabe gemacht. Das MRI der LWS vom 7.
November 2018 zeige bei recht deutlichen Artefakten aufgrund der Diskusprothesen
den Verdacht auf eine rezessale Einengung der Wurzel S1 rechts. Eine Infiltration (der
rechten Hüfte) sei heute vorgenommen worden. Die RAD-Ärztin Dr. H._ hielt am 11.
Januar 2019 fest (IV-act. 348), seit der Begutachtung hätten gemäss den letzten
Abklärungen die Beschwerden von Seiten der Coxarthrose rechts zugenommen. Dr.
K._ empfehle daher ein künstliches Hüftgelenk; eine Operation sei noch nicht
geplant. Nach der Infiltration an der rechten Schulter habe sich der Versicherte nicht
B.e.
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mehr gemeldet. Das ABI-Gutachten vom Mai 2018 habe eine volle Arbeitsfähigkeit für
leidensadaptierte, an die Beschwerden des Rückens, der Hüfte und der Schultern
adaptierte Tätigkeiten attestiert. Dies habe weiterhin Gültigkeit.
Am 14. Januar 2019 gab die IV-Stelle dem Versicherten bekannt (IV-act. 349), dass
aufgrund der neuen Unterlagen am bisherigen Entscheid festgehalten werde, wonach
ihm keine Rente zustehe. Nach dem Eingang seiner Stellungnahme werde die
beschwerdefähige Verfügung ausgestellt. Am 12. Februar 2019 liess der Versicherte
geltend machen, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Er liess einen
Bericht von Dr. J._ vom 6. Februar 2019 einreichen (IV-act. 352-3 f.). Dr. J._ hatte
darin berichtet, dass sich beim Versicherten eine deutliche symptomatische
fortgeschrittene Coxarthrose rechts mit zunehmenden Schmerzen zeige. Auch die
lumbalen Schmerzen bedürften hochdosierter Opiate. Es würden repetitive
Facettengelenksinfiltrationen durchgeführt. Trotz multipler lumbaler Operationen
bestehe ein ausgeprägtes chronisches lumbales Schmerzsyndrom, das mittlerweile als
eigenständiges Krankheitsbild anzusehen sei. Chronische Schmerzen seien nicht mehr
mit den Konzepten der Akutmedizin beurteilbar. Im Rahmen des bio-psychosozialen
Schmerzmodells müssten auch psychische Faktoren in die Beurteilung miteinfliessen.
Insgesamt liege eine Verschlechterung der Schmerzsituation vor. Aus orthopädischer
Sicht sei eine endoprothetische Versorgung notwendig, die verständlicherweise
aufgrund des Alters und der Gesamtschmerzsituation mit multipelsten, erfolglosen
Rückenoperationen zurückhaltend diskutiert werde. Seitens des Versicherten stehe
diese Versorgung noch im Raum. Zusammenfassend sei eine deutliche Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit vorhanden. Am 8. März 2019 notierte die RAD-Ärztin Dr. H._ (IV-
act. 353), dass sie zur Klärung des weiteren Vorgehens eine interdisziplinäre
Besprechung des RAD vorschlage. Gemäss dem Besprechungsprotokoll der IV-Stelle
vom 3. April 2019 (IV-act. 354) war das ausgeprägte chronische lumbale
Schmerzsyndrom nach mehreren Operationen, das Dr. J._ im Bericht vom 6. Februar
2019 erwähnt hatte, im Begutachtungszeitpunkt bekannt gewesen. Gemäss dem ABI-
Gutachten liege keine schwerwiegende psychische Komorbidität vor. Die von Dr. J._
ebenfalls erwähnten Pathologien (Schmerzproblematik der rechten Hüfte und der
rechten Schulter) seien ebenfalls bekannt gekannt gewesen und von den ABI-
Gutachtern bei der Spezifikation der adaptierten Tätigkeit berücksichtigt worden. Mit
B.f.
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C.
einem Schreiben vom 3. April 2019 gab die IV-Stelle dem Versicherten erneut bekannt
(IV-act. 355), sie halte am bisherigen Entscheid fest, dass ihm keine Rente zustehe.
Nach dem Eingang seiner Stellungnahme werde die beschwerdefähige Verfügung
ausgestellt. Am 17. April 2019 liess der Versicherte einwenden (IV-act. 356), dass von
der Hirslanden Klinik Q._ nicht sämtliche Unterlagen eingeholt worden seien. Die
RAD-Ärztin Dr. H._ notierte am 13. Mai 2019 (IV-act. 357), den Ausführungen des
Versicherten, wonach keine Unterlagen der Klinik Q._ eingeholt worden seien, könne
nicht gefolgt werden. Am 17. Mai 2019 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsbegehrens (IV-act. 358).
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) liess am 20. Juni 2019
Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
vom 17. Mai 2019 erheben (act. G 1). Er beantragte deren Aufhebung und die
Ausrichtung einer Dreiviertelsrente seit dem 8. Mai 2013. Zur Begründung machte sein
Rechtsvertreter geltend, im neuen ABI-Gutachten vom 12. März 2018 werde für eine
angepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70% zugemutet. Die Röntgenbilder der
Klinik Q._ seien nicht einverlangt worden. Der Versicherte habe nie ein Angebot
erhalten, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen.
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 6. August 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Sie führte aus, der
Beschwerdeführer habe zur zweiten ABI-Begutachtung ein CT seiner LWS vom Januar
2018 der Klinik Q._ mitgebracht. Zudem habe den Sachverständigen auch der
entsprechende Befundbericht der Klinik Q._ vom 9. Januar 2018 vorgelegen. Im
Gegensatz zum ersten ABI-Gutachten, in welchem dem Beschwerdeführer aus
rheumatologischer Sicht eine 70%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei, resultiere
gemäss dem zweiten ABI Gutachten keine rheumatologisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit mehr. Ab September 2015 sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auszugehen. Vor diesem Zeitpunkt betrage die Arbeitsfähigkeit
70% in einer adaptierten Tätigkeit. Auch bei einer 70%igen Arbeitsfähigkeit bestehe
kein Rentenanspruch.
C.b.
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In der Replik vom 16. September 2019 liess der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen festhalten (act. G 6). Er liess ergänzend ausführen, dass er seit der letzten
Beurteilung durch die Beschwerdegegnerin diverse Wirbel habe versteifen müsse,
stärkere Medikamente bekomme und regelmässig schmerzlindernde Infiltrationen
benötige. Dies weise nach, dass sich sein Gesundheitszustand nicht verbessert habe.
Die Begutachtung sei zwei Mal durch das ABI durchgeführt worden; es stelle sich
wegen möglicher Voreingenommenheit die Frage, ob ein Gutachten bei einer
alternativen Begutachtungsstelle einzuholen sei. Seit dem 12. März 2019 gebe es neue
Röntgenbilder in der Klinik Q._, welche die Beschwerdegegnerin nie angeschaut
habe.
C.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 7).C.d.
Am 23. März 2021 liess der Beschwerdeführer einen Bericht der Rheumatologie
am Rosenberg AG vom 22. März 2021 einreichen (act. G 9). Die Fachärzte führten aus,
der Versicherte leide an einer axialen und peripheren Spondyloarthritis bei Psoriasis,
einer mittelschweren bis schweren obstruktiven Schlafapnoe, Impakt Gruppe B, einem
multilokulären gemischt nozizeptiv neuropathischen Schmerzsyndrom mit einem
Chronifizierungsgrad nach Gerbershagen III, aktuell mit im Vordergrund stehender
Schmerzproblematik des rechten Hüftgelenks bei bekanntem, nicht fusioniertem
Epiphysenkern beidseits am Acetabulum und einer rechtsbetonten Coxarthrose mit
deutlicher subchondraler Gelenksflächensklerosierung des Hüftpfannendaches ohne
beginnende osteophytäre Anbauten am Hüftkopf rechts sowie chronischen, tief
lumbalen Schmerzen, chronischen Schulterschmerzen rechtsseitig im Rahmen einer
Arthrose und einem symptomatischen Thoracic-Outlet-Syndrom (bei Überkopfarbeiten)
bei Halsrippe C7 beidseits.
C.e.
Am 7. April 2021 stellte das Versicherungsgericht eine Nachfrage bezüglich des
Verlaufs der Arbeitsfähigkeitsschätzung für adaptierte Tätigkeiten an die ABI GmbH
(act. G 11). Im Gutachten vom 10/2013 hätten die Sachverständigen der ABI GmbH
den Beschwerdeführer für die angestammte Tätigkeit als Maler voll arbeitsunfähig und
in einer körperlich leichten, adaptierten Tätigkeit als 70% arbeits- respektive
leistungsfähig erachtet. Da sich die Psoriasis-Arthritis ab September 2015
anamnestisch in Remission befinde, hätten die Sachverständigen der ABI GmbH ab
C.f.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/25
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Erwägungen
1.
diesem Zeitpunkt eine vollständige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
angenommen. Das Versicherungsgericht habe in seinem Entscheid vom 1. Juni 2017
(IV 2014/330) jedoch festgehalten (vgl. Erw. 3), dass nicht auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung im ersten Gutachten vom 28. November 2013 abgestellt
werden dürfe. Trotzdem hätten die Sachverständigen in ihrem zweiten Gutachten nur
auf die nicht verwertbare Arbeitsfähigkeitsschätzung im ersten Gutachten verwiesen.
Die neu abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung vermöge aufgrund dieses blossen
Verweises auf eine nicht verwertbare, frühere Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu
überzeugen. Daher fragte das Versicherungsgericht die Sachverständigen der ABI
GmbH an (act. G 11), wie hoch die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
behinderungsadaptierten Tätigkeit vom November 2012 (IV-Anmeldung) bis und mit
August 2015 gewesen sei. Die Sachverständigen der ABI GmbH antworteten am 19.
April 2021 (act. G 12), dass die im Gutachten von 2018 festgestellte 25%ige
Einschränkung im Haushalt und die im vorangehenden Gutachten von 2013 mit damals
faktisch noch höherer Arbeitsunfähigkeit im adaptierten Erwerbsbereich und nur
20%iger Einschränkung im Haushalt wahrscheinlich dadurch zu erklären sei, dass im
Jahr 2013 die Mithilfe der Familienmitglieder, die den Beschwerdeführer vom Haushalt
entlasteten, bereits einbezogen worden sei, wie dies bei den Haushaltsabklärungen der
IV üblich sei. Rein medizinisch dürften allerdings diese Entlastungen nicht einbezogen
werden, wodurch die Diskrepanz erklärbar werde. Retrospektiv könne somit die
70%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten bis August 2015 mit
einer anschliessend nicht mehr eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in diesen Tätigkeiten
bestätigt werden. Die Leistungsfähigkeit im Haushalt sei zu korrigieren; dort liege eine
40%ige Einschränkung statt einer 20%igen Einschränkung vor, mit einer Reduktion auf
eine noch 25%ige Einschränkung nach dem August 2015. Am 27. April 2021 liess der
Beschwerdeführer einwenden (act. G 14), dass die Sachverständigen der ABI GmbH in
ihrer Antwort nach wie vor auf die alte, nicht verwertbare Arbeitsfähigkeitsschätzung
verwiesen. Ebenfalls am 27. April 2021 gab die Beschwerdegegnerin an, sie beantrage
weiterhin die Abweisung der Beschwerde (act. G 15).
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/25
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Mit der angefochtenen Verfügung vom 17. Mai 2019 hat die Beschwerdegegnerin das
Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen. Da das Beschwerdeverfahren
die Prüfung der Rechtmässigkeit dieser Verfügung zum Ziel hat, muss es sich auf den
in der Verfügung enthaltenen Gegenstand beschränken. Folglich ist nur zu prüfen, ob
der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
Auf den sinngemässen Antrag um die Zusprache von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen kann nicht eingetreten werden.
2.
2.1. Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2. Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Die drei Abteilungen des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen haben im Frühjahr 2019 in einem
Verfahren nach Art. 54 des Gerichtsgesetzes (sGS 941.1) folgende Frage mehrheitlich
bejaht: "Haben Versicherte, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
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durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und die nach
Ablauf dieses Jahres weiterhin zu mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig sind,
grundsätzlich Anspruch auf eine Rente, obwohl zumutbare
Eingliederungsmassnahmen, welche ihre Arbeitsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherstellen, erhalten oder verbessern können,
nicht abgeschlossen sind?" Damit hat das Versicherungsgericht im Ergebnis einen
alternativen Invaliditätsbegriff geschaffen, der sich von dem im Art. 8 Abs. 1 ATSG
definierten Invaliditätsbegriff darin unterscheidet, dass der Grundsatz der Eingliederung
vor Rente (vgl. etwa U. Kieser, ATSG-Kommentar, 4. A., Vorbemerkungen N. 86 ff.)
nicht zur Anwendung kommt. Der entsprechende Invaliditätsgrad wird in analoger
Anwendung des Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Valideneinkommen einem Invalideneinkommen gegenübergestellt wird, das ausgehend
von einer (i.d.R. fiktiven) Erwerbstätigkeit, die vor dem Beginn bzw. vor dem Abschluss
der (medizinischen und/oder beruflichen) Eingliederung ausgeübt wird bzw. ausgeübt
werden könnte. Massgebend ist der jeweils aktuelle Arbeitsfähigkeitsgrad einer in
dieser Situation zumutbaren Erwerbstätigkeit.
3.
3.1. Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG hat das sogenannte Wartejahr mit dem Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit als Maler am 23. Mai 2007 (vgl. IV-act. 33) zu laufen begonnen. Bei
der (Wieder-)Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen am 7. November 2012 ist das
Wartejahr offensichtlich schon erfüllt gewesen. Unter der Berücksichtigung der
sechsmonatigen Verzögerung gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG ist der potentielle
Rentenbeginn auf den 1. Mai 2013 festzusetzen.
3.2. Der Beschwerdeführer hat eine Berufslehre als Maler abgeschlossen. Vor Eintritt
der gesundheitlichen Einschränkung ist der Beschwerdeführer mehrere Jahre als Maler
teils selbständig, teils festangestellt tätig gewesen. Zuletzt ist er im ersten Quartal des
Jahres 2005 als Maler tätig gewesen. Gemäss dem entsprechenden Lohnausweis (IV-
act. 23-2) hat er dabei ein Einkommen von Fr. 19'595.-, umgerechnet auf ein Jahr also
Fr. 78'380.- erzielt. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung im
Baugewerbe (2005: 100%; 2008: 104,9%, vgl. die Tabelle T1.05 im Anhang zu der vom
Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnentwicklung 2009) resultiert für das
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Jahr 2008 somit ein Jahreslohn von Fr. 82'220.--, wie dies das Versicherungsgericht
St.Gallen auch in seinem Entscheid vom 24. August 2011 festgestellt hatte (IV
2010/135, Erw. 4). Der Nominallohnindex für Männer hat sich im Jahr 2008 im Bereich
Baugewebe auf 104.8 Punkte und im Jahr 2010 auf 107.7 Punkte belaufen (Bundesamt
für Statistik, Nominallohnentwicklung Männer, 2006-2010, T1.1.05, Baugewerbe).
Daraus ergäbe sich für das Jahr 2010 ein Jahreslohn von Fr. 84'495.15. Bei der
weiteren Annahme 2010=100 Punkte ist für das Jahr 2013 für Männer im Bereich
Baugewebe ein Nominallohnindex von 102.3 Punkten gegeben (Bundesamt für
Statistik, Nominallohnentwicklung Männer, 2011-2019, T1.1.10, Baugewerbe). Für das
Jahr 2013 resultiert somit ein Jahreslohn von Fr. 86'438.55. Dieser Betrag ist als
Valideneinkommen in den Einkommensvergleich einzusetzen.
3.3. Die Beschwerdegegnerin hat auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung im zweiten
Gutachten der ABI GmbH abgestellt. Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (vgl.
etwa BGE 125 V 351, E. 3a). Sämtliche Akten der Beschwerdegegnerin mit den darin
zu diesem Zeitpunkt enthaltenen medizinischen Berichten haben den
Sachverständigen der ABI GmbH zur Verfügung gestanden. Die Sachverständigen
haben diese Akten verarbeitet und in ihre medizinische Beurteilung einbezogen. Sie
haben den Beschwerdeführer befragt und ihn untersucht. In ihren Teilgutachten haben
sie die von ihnen erhobenen objektiven klinischen Befunde anschaulich und vollständig
dargelegt (S. 20, S 23, S. 28 ff., S. 35 f.) und in ihrer Art und Schwere gewürdigt, wobei
sie sich auch mit den Angaben des Beschwerdeführers auseinandergesetzt haben. Sie
haben ihre versicherungsmedizinische Beurteilung detailliert begründet (S. 23 f., S. 30
ff., S. 36 f.). Die jeweils erhobenen Diagnosen und die Angaben zu den jeweiligen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen sind nachvollziehbar. Die von den ABI-Sachverständigen
abschliessend abgegebene interdisziplinäre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist
einleuchtend und mit dem in den einzelnen Teilgutachten vereinbar. Ein Indiz dafür,
dass die Sachverständigen eine relevante Gesundheitsbeeinträchtigung übersehen
oder nicht hinreichend erfasst hätten, ist nicht ersichtlich; das Gutachten ist im Sinne
der Rechtsprechung (BGE 125 V 351) inhaltlich vollständig, umfassend und frei von
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Widersprüchen. Die zuständige RAD-Ärztin Dr. H._ hat am 14. Mai 2018 angegeben,
auf das ABI-Gutachten vom Mai 2018 könne abgestellt werden (IV-act. 74).
3.4. Auch die Einwände des Beschwerdeführers vermögen keine Zweifel am Gutachten
zu erwecken. Insbesondere haben dem ABI aktuelle Röntgenbilder der Klinik Q._
vorgelegen; diese hat der Beschwerdeführer selbst zur Untersuchung mitgebracht.
Beim Zweiten Gutachten handelt es sich um ein Verlaufsgutachten, dessen Zweck es
war, die vom Versicherungsgericht St. Gallen mit Entscheid vom 1. Juni 2017 (IV
2014/330) gerügten Widersprüche (insb. in der Arbeitsfähigkeitsschätzung bezüglich
der adaptierten Tätigkeit) aufzulösen. Rechtsprechungsgemäss ist eine
Gutachtenstelle, die bereits das Erstgutachten erstattet hat, für die Beurteilung des
Verlaufs der Arbeitsfähigkeit und der Entwicklung des Gesundheitszustands seit der
Erstbegutachtung im Vergleich mit noch nicht mit dem Fall einer versicherten Person
befassten Gutachtenstellen prädestiniert (Urteil des Bundesgerichts vom 14.
September 2009, 9C_273/2009, E. 4.3; vgl. auch BGE 132 V 110 E. 7.2.2). Der
Umstand, dass sich das Gutachtensinstitut schon einmal mit der versicherten Person
befasst hat, schliesst dessen späteren Beizug daher nur aus, wenn Gesichtspunkte
vorliegen, die den Anschein der Befangenheit objektiv zu begründen vermögen, etwa
wenn das ursprüngliche Gutachten nicht neutral und sachlich abgefasst worden ist
(vgl. den einen Sachverständigen betreffenden Entscheid des Bundesgerichts vom
21. August 2015, 9C_700/2014, E. 4.2.2). Hier fehlt – über die Erstbegutachtung hinaus
– jeder Hinweis auf ein voreingenommenes oder sonst wie sachfremdes Verhalten der
ABI GmbH. Im Übrigen liegt für sich allein keine unzulässige Vorbefassung vor, wenn
das ursprüngliche Gutachten (für eine Partei) ungünstige Schlussfolgerungen enthalten
hat (vgl. BGE 132 V 110 E. 7.2.2). Der vom Beschwerdeführer erhobene Vorwurf der
Befangenheit erweist sich damit als ungerechtfertigt.
3.5. Auf Nachfrage des Versicherungsgerichts hat die ABI GmbH in ihrem Schreiben
vom 19. April 2021 bestätigt (act. G 12), dass der Beschwerdeführer in adaptierten
Tätigkeiten bis August 2015 zu 70% und anschliessend uneingeschränkt arbeitsfähig
gewesen sei. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat moniert (act. G 14), dass
dies weiterhin ein Verweis auf das Gutachten aus dem Jahr 2013 sei, welches das
Versicherungsgericht als nicht verwertbar angesehen habe. Diese Ansicht geht fehl,
denn im Gutachten von 2018 hat die ABI GmbH folgendes ausgeführt (IV-act. 314-39
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/25
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f.): "Eine bleibende Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Maler wurde
bereits in unserem letzten Gutachten von 10/2013 festgestellt. Damals erachteten wir
den Exploranden in einer körperlich leichten, adaptierten Tätigkeit als 70% arbeits-
respektive leistungsfähig. Da sich die Psoriasis-Arthritis ab September 2015
anamnestisch in Remission befindet, kann ab diesem Zeitpunkt eine vollständige
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten angenommen werden." Bei dieser Aussage
hat es sich um einen blossen Verweis auf das frühere, nicht verwertbare Gutachten
gehandelt. Im Schreiben vom 19. April 2021 hat die ABI GmbH nun aber retrospektiv
bestätigt, dass diese Arbeitsfähigkeitsschätzung aufgrund der Erkenntnisse der
Begutachtung im Jahr 2018 nach wie vor gelte. Damit hat sie nicht bloss auf die
gemäss dem Urteil des Versicherungsgerichts vom 1. Juni 2017 (IV 2014/330)
nichtverwertbare Schätzung verwiesen, sondern angegeben, dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzung mit jener von 2013 übereinstimme. Aus dem Schreiben geht
hervor, dass im Jahr 2013 nicht die Arbeitsfähigkeitsschätzung für adaptierte
Tätigkeiten fehlerhaft gewesen ist, sondern die Schätzung bezüglich der Einschränkung
im Haushalt. Die ABI GmbH hat ihre diesbezügliche frühere Einschätzung mit einer
überzeugenden Begründung korrigiert und angegeben, die Einschränkung im Haushalt
habe sich bis August 2015 auf 40% und danach auf 25% belaufen. Auch dies ist
nachvollziehbar und mit der abgegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzung für adaptierte
Tätigkeiten vereinbar.
3.6. Die folgenden Behandlerberichte wurden nach der Gutachtenserstellung bis zum
Verfügungszeitpunkt neu eingereicht: Bericht von Dr. G._ vom 27. Juni 2018 (IV-act.
331-9), Berichte von Dr. J._ vom 28. Juni 2018 (IV-act. 333-2 ff.) und 6. Februar 2019
(IV-act. 352-3 f.), E-Mail von Dr. I._ vom 4. Juli 2018 (IV-act. 331-10), Berichte von Dr.
K._ vom 21. August 2018 (IV-act. 337), 17. September 2018 (IV-act. 341-2 ff.) und 21.
September 2018 (IV-act. 345-7 f.), Bericht von Dr. M._ vom 3. September 2018 (IV-
act. 341-5), Bericht von Dr. N._ vom 21. November 2018 (IV-act. 345-10 f., beinhaltet
auch Würdigung von Bericht von Dr. O._ vom 7. November 2018 [IV-act. 345-9]),
Bericht von Dr. B._ vom 12. Dezember 2018 (IV-act. 346). Über die von Dr. G._ im
Bericht vom 27. Juni 2018 berichteten Behebungen der Schraubenbrüche im Jahr 2015
und 2017 sind die Gutachter bereits informiert gewesen; der Bericht beinhaltet keine
wesentlichen neuen Informationen. Aus dem Bericht vom 21. November 2018 geht
auch nichts hervor, das objektiv eine Verschlechterung der Schmerzen am Rücken
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/25
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erklären würde. Auch die in den Berichten vom 28. Juni 2018, 21. August 2018, 3.
September 2018, 17. September 2018, 21. September 2018, 6. Februar 2019
angegebenen Hüft- und Schulterschmerzen sind den Sachverständigen der ABI GmbH
bekannt gewesen. So haben die Gutachter eine Coxarthrose beidseits (rechts mehr als
links) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten und diese
somit auch bei der Schätzung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit mitberücksichtigt.
Aus den Röntgenbildern vom 18. Juni 2018 gehen denn auch keine Veränderungen
gegenüber vorangehenden Darstellungen hervor (IV-act. 333-3), die eine
Verschlechterung der Schmerzsituation erklären würden. Auch Dr. B._ hat in seinem
Bericht vom 12. Dezember 2018 keine neuen Diagnosen angegeben und sich auf seine
früheren Berichte bezogen, die den Gutachtern bereits bekannt gewesen sind.
Detaillierte und objektiv nachvollziehbare Angaben zu veränderten Befunden fehlen.
Insgesamt beinhalten die Behandlerberichte damit keinen ausreichenden Hinweis auf
eine objektive Verschlechterung der Schmerzsituation beim Hüft- und beim
Schultergelenk des Beschwerdeführers nach der Begutachtung. Im Übrigen hätte eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes an den Hüftgelenken ohnehin keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, da der Arbeitsplatz
diesbezüglich angepasst werden kann (z.B. sitzende Tätigkeit). Auch in psychiatrischer
Hinsicht geht aus den später eingereichten Berichten keine Verschlechterung hervor.
Insbesondere können dem Bericht von Dr. I._ (IV-act. 331-10) keine neuen
Erkenntnisse entnommen werden, die den Gutachtern nicht bereits bekannt gewesen
wären. Er hat lediglich auf seine bisherigen Berichte verwiesen; Ausführungen (bspw.
aktuelle Befunderhebung und Diagnoseauflistung), die eine Veränderung des
psychiatrischen Gesundheitszustandes seit der Begutachtung aufzeigen würden,
fehlen auch hier gänzlich. Zu prüfen bleibt, ob die nach dem Erlass der angefochtenen
Verfügung bzw. während des laufenden Beschwerdeverfahrens eingereichten
Behandlerberichte geeignet sind, den medizinischen Sachverhalt bis zum
Verfügungserlass zu erhellen. In seinem Bericht vom 22. März 2021 hat Dr. P._
(Rheumatologie am Q._ AG) angegeben, der Beschwerdeführer leide an einer
mittelschweren bis schweren obstruktiven Schlafapnoe, die eine Tagesmüdigkeit und
ein übermässiges Schlafbedürfnis bewirke. Der Schlafapnoe werde mit einem Gerät
abgeholfen, allerdings müsse die richtige Maske noch gefunden werden.
Erfahrungsgemäss kann einer Schlafapnoe mit der korrekten Geräteversorgung so weit
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/25
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begegnet werden, dass keine arbeitsfähigkeitsrelevanten Einschränkungen bestehen.
Dem Bericht von Dr. P._ lässt sich nicht entnehmen, dass dies auf den
Beschwerdeführer nicht zutreffen würde. Bezüglich der Gelenk- und der
Hautbeschwerden enthalten die später eingereichten Berichte keinen Hinweis auf eine
Verschlechterung; im Gegenteil ist eine stabile Situation angegeben worden.
Zusammenfassend enthalten die nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung
eingereichten medizinischen Akten nichts, das für die Beurteilung relevant wäre.
3.7. Zusammenfassend sind die Einwände des Beschwerdeführers sowie die
nachträglich eingereichten Behandlerberichte nicht geeignet, Zweifel an der
Überzeugungskraft des Gutachtens vom 2. Mai 2018 und der Stellungnahme vom 19.
April 2021 der ABI GmbH zu wecken. Damit steht mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer in der
angestammten Tätigkeit als Maler voll arbeitsunfähig und in einer adaptierten Tätigkeit
bis und mit August 2015 70% und seit dem September 2015 voll arbeitsfähig ist.
3.8. Da die Tätigkeit als Maler gemäss den überzeugenden Ausführungen sämtlicher
medizinischer Fachpersonen nicht mehr zumutbar ist, kommt als ("vorläufige")
Invalidenkarriere nur die Verrichtung einer ideal leidensadaptierten Hilfsarbeit in Frage.
Zumutbar sind lediglich noch körperlich leichte adaptierte Tätigkeiten. Da die Akten
keine Hinweise darauf enthalten, dass der Beschwerdeführer erheblich über- oder
unterdurchschnittlich leistungsfähig wäre, und da kein statistischer Nachweis dafür
existiert, dass körperlich leichte Hilfsarbeiten wesentlich tiefer als körperlich
anstrengende Hilfsarbeiten entlöhnt würden, ist der statistische Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne als Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens heranzuziehen. Das durchschnittliche jährliche Einkommen eines
Hilfsarbeiters hat im Jahr 2013 Fr. 65'654.-- brutto betragen. Nun stellt sich die Frage,
ob der Beschwerdeführer zusätzliche Lohnnachteile in Kauf zu nehmen hat. Bei
Personen, die in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sind, können im Vergleich zu
gesunden Arbeitnehmern nämlich Lohnnachteile entstehen, da der Wert der
Arbeitsleistung aus der Sicht eines betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnden
Arbeitgebers vermindert ist. Eine gesundheitlich beeinträchtigte Person wäre nämlich
z.B. unfähig, sich vorübergehend an einem nicht adaptierten Arbeitsplatz einsetzen zu
lassen. Längerfristig betrachtet bestünde zudem das Risiko von vermehrten
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/25
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krankheitsbedingten Absenzen. Geht man von einem ökonomischen Invaliditätsbegriff
aus bzw. will man einen Soziallohnanteil ausscheiden, ist wegen diesen Nachteilen, die
betriebswirtschaftlich zu einem Minderlohn zwingen würden, bei der Ermittlung des
Ausgangswerts des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ein zusätzlicher
Abzug vorzunehmen. Aufgrund der bestehenden Psoriasis-Arthritis rechtfertigt sich bis
und mit August 2015 ein Tabellenlohnabzug von zehn Prozent. Unter Berücksichtigung
dieses Tabellenlohnabzuges und des Arbeitsunfähigkeitsgrades von 30 Prozent ergibt
sich für die Zeit vom Mai 2013 bis und mit August 2015 ein zumutbarerweise
erzielbares Invalideneinkommen von Fr. 41'362.-- (65'654x0.9x0.7) und damit ein
Invaliditätsgrad von 52.15%. Nach der Remission der Psoriasis-Arthritis ab September
2015 bestehen keine Hinweise mehr dafür, dass der Beschwerdeführer seine volle
Arbeitsfähigkeit in einer ideal adaptierten Tätigkeit nur mit einem
unterdurchschnittlichen betriebswirtschaftlich-ökonomischen Erfolg hätte verwerten
können. Selbst aus der Sicht eines konsequent betriebswirtschaftlich-ökonomisch
denkenden Arbeitgebers liegen also keine Gründe vor, die dazu zwingen würden, den
Lohn des Beschwerdeführers nach dem Abheilen der Psoriasis-Arthritis tiefer als jenen
eines gesunden Arbeitnehmers anzusetzen. Deshalb ist ab September 2015 kein
Tabellenlohnabzug zu berücksichtigen, womit ab dann ein IV-Grad von 22.89%
besteht.
3.9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer von Mai 2013 bis
und mit August 2015 zu 52.15 % invalid gewesen ist und damit gestützt auf die Praxis
des Versicherungsgerichts (vgl. Erw. 3.2) Anspruch auf eine halbe Rente hat. Ab
September 2015 besteht bei einem IV-Grad von 22.89% kein Anspruch mehr auf eine
Invalidenrente. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist bei der
rückwirkenden Zusprache einer befristeten Invalidenrente Art. 88a Abs. 1 IVV analog
anzuwenden, wenn noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine
anspruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist. Dies bedeutet, dass die bisherige
höhere Rente grundsätzlich drei Monate über die Verbesserung des
Gesundheitszustands hinaus gewährt wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. April
2019, 8C_36/2019, E. 5). Infolge dieser dreimonatigen Verzögerung ist dem
Beschwerdeführer vom 1. Mai 2013 bis zum 30. November 2015 eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen. Anzufügen bleibt, dass berufliche
Eingliederungsmassnahmen i.S. des Grundsatzes "Eingliederung vor Rente" bei der
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Zusprache einer befristeten Invalidenrente für die Vergangenheit nicht zur Diskussion
stehen können.
3.10. Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 17. Mai 2019 aufzuheben und es
ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung vom 1. Mai 2013 bis zum 30.
November 2015 einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat. Die Sache ist zur
Festsetzung und Ausrichtung des Rentenbetrags an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Für die Zeit ab 1. Dezember 2015 besteht kein Anspruch auf eine
Invalidenrente.
4.
4.1. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss wird dem Beschwerdeführer
zurückerstattet.
4.2. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Honorarnote
eingereicht. In einem durchschnittlich aufwändigen IV-Rentenfall spricht das
Versicherungsgericht neu eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- zu. In
einer Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 haben die Versicherungsrichterinnen und
Versicherungsrichter nämlich beschlossen, die durchschnittlichen Ansätze für die
Parteientschädigungen um Fr. 500.-- zu erhöhen. Aus Praktikabilitätsgründen soll diese
Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle Anwendung finden. Diese
Übergangsregelung führt dazu, dass die Beschwerdegegnerin einen Nachteil erleidet,
bis
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 25/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
denn sie hat nur deswegen eine um Fr. 500.-- höhere Parteientschädigung
auszurichten, weil die Beschwerde erst nach dem Plenumsbeschluss vom 25. Mai
2021 beurteilt wird. Die Beschwerdegegnerin soll dies gemäss dem Beschluss des
Richterplenums allerdings im Interesse der Praktikabilität in Kauf nehmen müssen. Der
Vertretungsaufwand erweist sich als leicht überdurchschnittlich, da der
Beschwerdeführer in seiner Replik diverse Behandlerberichte hat einreichen lassen, die
vom Gericht auch gewürdigt worden sind. Deshalb besteht ein Anspruch auf eine
Parteientschädigung von Fr. 4'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).