Decision ID: 1ecf81d1-e4e2-42ba-bf99-de0336e98820
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Betrug
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Dietikon, Einzelgericht, vom 7. Juli 2021 (GG210017)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 24. März 2021
(Urk. 30) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 51 S. 19 ff.)
«Es wird erkannt:
1. Das Verfahren wird in Bezug auf die vor dem 7. Juli 2006 mutmasslich begangen
Taten infolge Verjährung eingestellt.
2. Der Beschuldigte ist schuldig des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB be-
treffend die Tatvorwürfe ab dem 28. April 2014.
Im Übrigen wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 900.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.– Gebühr für das Vorverfahren
6. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Vertei-
diger aus der Gerichtskasse mit Fr. 11'468.85 (inkl. 7.7 % MwSt.) entschädigt.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
9. [Mitteilungen]
10. [Rechtsmittel]»
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 53):
Es sei das angefochtene Urteil in den Disp. Ziff. 2, 3, 4 aufzuheben und der
Berufungskläger von Schuld und Strafe freizusprechen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Gunsten des Berufungsklägers.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 61):
(schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Gang der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens
1.1. Die Stadt B._, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV, erstattete am
8. März 2018 bei der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis Strafanzeige gegen
A._ und dessen Ehefrau wegen strafbarer Verletzungen von Meldepflichten
als Bezüger von Zusatzleistungen zur AHV/IV (Urk. 1 f.).
Dieser Strafanzeige voran gegangen war eine schon seit Längerem laufende und
damals noch andauernde sozialversicherungsrechtliche Auseinandersetzung: Ei-
ne Überprüfung des Dossiers seitens der Durchführungsstelle hatte bei dieser
Mitte 2015 den Verdacht erweckt, dass Renteneinkünfte und Konti im Kosovo
nicht gemeldet worden waren (Urk. 2/242). Im Zuge ihrer Revision bekam das
Amt dann, im Sommer 2015, neu auch Kenntnis davon, dass A._ in der ko-
sovarischen Gemeinde C._ (Ortschaft D._) über Grundeigentum verfügt
(Urk. 2/251 ff.). Die gewonnenen Erkenntnisse führten zu einer rückwirkenden
Neuberechnung des Anspruchs auf Zusatzleistungen. Das Amt für Zusatzleistun-
gen zur AHV/IV erliess am 22. März 2016 mehrere Einstellungs- und Rückerstat-
tungsverfügungen (Urk. 2/262, 2/264 und 2/265), wogegen die Eheleute A._,
anwaltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._, Einsprache erhoben
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(Urk. 2/ 270–272). Gegen deren Abweisung (Urk. 2/291) reichten sie am
27. Dezember 2017 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons
Zürich ein (sub Urk. 2/293 = Urk. 20/1). Im Zeitpunkt der eingangs erwähnten
Strafanzeige war das sozialversicherungsrechtliche Verfahren noch am Sozial-
versicherungsgericht hängig (vgl. Urk. 20/6).
Nachdem nun also Strafanzeige erstattet war (Urk. 1 und 3), beauftragte die
Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis zunächst, am 7. Mai 2018, die Kantonspolizei
Zürich mit ergänzenden Ermittlungen (Urk. 8/1). In der Folge ordnete sie, am 5.
Juli 2018, eine Hausdurchsuchung an (Urk. 10/1). Spätestens damit war die
Strafuntersuchung eröffnet (Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO).
Nach erfolgter Hausdurchsuchung (Urk. 10/2) und polizeilicher Befragung der
Eheleute A._ (Urk. 4 und 6) rapportierte die Kantonspolizei am 23. Oktober
2018 der Untersuchungsbehörde (Urk. 3). Diese wartete – angesichts des unkla-
ren Wertes des nicht deklarierten Immobilienvermögens im Kosovo – den Aus-
gang des sozialversicherungsrechtlichen Verfahrens ab, wo diese Frage ebenfalls
Thema war, und sistierte dementsprechend das Strafverfahren in Anwendung von
Art. 314 Abs. 1 lit. b StPO (Urk. 16).
Am 4. September 2019 erging der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts
(Urk. 20/6). Erfolg beschieden war der Beschwerde insoweit, als der Rückerstat-
tungsanspruch tiefer bemessen wurde. Die Bewertung des Immobilienvermögens
mit Fr. 176'696.– (im Jahr 2015) wurde demgegenüber geschützt (Urk. 20/6, E.
5.1 S. 16). Die gegen diesen Entscheid erhobene bundesrechtliche Beschwerde
wurde mit Urteil des Bundesgerichts 9C_716/2019 vom 26. Februar 2020 abge-
wiesen (Urk. 20/7 S. 5).
Nach der Wiederaufnahme der Untersuchung wurden am 27. Januar 2021 und
am 10. Februar 2021 weitere Einvernahmen der Eheleute A._ durch die
Staatsanwaltschaft durchgeführt (Urk. 21–23). Nachdem in der Folge über Be-
weisergänzungsanträge der Verteidigung (wiederum zum Wert des Immobilien-
vermögens, vgl. Urk. 25/5–9) abschlägig entschieden worden war (Urk. 25/10),
erhob die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis am 24. März 2021 beim Einzelge-
richt in Strafsachen des Bezirksgerichts Dietikon Anklage (Urk. 34).
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1.2. Das Einzelgericht sprach den Beschuldigten nach durchgeführtem Haupt-
verfahren am 7. Juli 2021 des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB schul-
dig betreffend die Tatvorwürfe ab dem 28. April 2014. Was die Tatvorwürfe für die
Zeit vor dem 7. Juli 2006 betrifft, stellte die Vorinstanz das Verfahren wegen Ver-
jährung ein; in Bezug auf die Zeit dazwischen erging ein Freispruch. Als Strafe
fällte die Vorinstanz eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten aus, deren Vollzug bei ei-
ner Probezeit von 3 Jahren aufzuschieben sei. Die Kostenfolgen wurden aus-
gangsgemäss geregelt (Urk. 51 S. 19 f.).
1.3. Am 16. Juli 2021 und damit fristgerecht liess der Beschuldigte Berufung
anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 48). Das begründete Urteil wurde dem Ver-
teidiger am 27. September 2021 zugestellt (Urk. 50/2). Mit Eingabe vom 7. Okto-
ber 2021 reichte dieser innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO
die Berufungserklärung für den Beschuldigten ein, womit Beweisanträge verbun-
den waren (Urk. 53). Nach entsprechender Aufforderung (Urk. 55) wurden letztere
mit Eingabe vom 22. Oktober 2021 innert Frist begründet (Urk. 57).
Mit Präsidialverfügung vom 25. Oktober 2021 wurde der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis Frist angesetzt (Urk. 38/1), einerseits um gegebenenfalls
Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu bean-
tragen sowie andererseits um zu den Beweisanträgen des Beschuldigten Stellung
zu nehmen (Urk. 59). Die Anklagebehörde teilte darauf am 11. November 2021
mit, dass auf Anschlussberufung verzichtet und die Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils beantragt werde. Sodann hielt sie dafür, die Beweisanträge abzuwei-
sen, nachdem der Verkehrswert der in Frage stehenden Liegenschaft bereits im
Verwaltungsverfahren rechtsgenügend bestimmt worden sei (Urk. 61).
Mit Präsidialverfügung vom 15. November 2021 wurden die Beweisanträge des
Beschuldigten abgewiesen (Urk. 63), und am 10. Dezember 2021 wurde zur
Berufungsverhandlung auf den heutigen Tag vorgeladen (Urk. 65).
1.4. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte und sein
Verteidiger (Prot. II S. 5); der Vertreter der Anklagebehörde hatte sich dispensie-
ren lassen (Urk. 61).
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1.5. Der amtliche Verteidiger stellte anlässlich der Berufungsverhandlung –
erneut – den Beweisantrag, es sei gerichtlich anzuordnen, hinsichtlich der frag-
lichen Liegenschaften im Kosovo eine Verkehrswert- und Ertragswertschätzung
durchzuführen, und es sei E._ (der Sohn des Beschuldigten) als Zeuge zu
befragen (Prot. II S. 6 ff.). Es ist an dieser Stelle auf die nachfolgenden
Erwägungen zu den diesem Urteil zugrunde zu legenden Wertannahmen bezüg-
lich der Liegenschaften zu verweisen. Wie noch zu zeigen sein wird, kann auf die
Ergänzung der Beweise verzichtet werden, da die Sachlage auch ohne solche
ausreichend geklärt ist (vgl. nachfolgend E. II/5.3).
1.6. Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung
(Prot. II S. 14 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Gemäss Art. 402 in Verbindung mit Art. 437 StPO hat die Berufung im
Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung. Insoweit wird die Rechtskraft
gehemmt.
Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gemäss seiner Berufungserklärung
vom 7. Oktober 2021 (Urk. 53 S. 2) gegen den vorinstanzlich ergangenen Schuld-
spruch (Disp.-Ziff. 2), gegen die damit zusammenhängenden Sanktionsfolgen
(Disp.-Ziff. 3 und 4) sowie gegen die Kostenauflage (Disp.-Ziff. 7 und 8). Einzig
die partielle Einstellung des Verfahrens infolge Verjährung (Disp.-Ziff. 1), die Kos-
tenfestsetzung (Disp.-Ziff. 5) und die der amtlichen Verteidigung zugesprochene
Entschädigung aus der Gerichtskasse (Disp.-Ziff. 6) blieben unangefochten.
Demgegenüber beantragt die Anklagebehörde die Bestätigung des angefochte-
nen Entscheids (Urk. 61).
2.2. In Rechtskraft erwachsen sind damit einzig die vorinstanzliche partielle
Einstellung des Verfahrens infolge Verjährung (Disp.-Ziff. 1), der Teilfreispruch
(sub Disp.-Ziff. 2) sowie die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Disp.-Ziff. 5) und
Zusprechung des Honorars der amtlichen Verteidigung für das erstinstanzliche
Verfahren (Disp.-Ziff. 6).
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Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404
StPO).
In allen übrigen Teilen steht das vorinstanzliche Urteil im Sinne von Art. 398
Abs. 2 StPO – unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes (Verbot der refor-
matio in peius; Art. 391 Abs. 2 StPO) – zur Disposition.
II. Schuldpunkt
1. Ausgangslage
1.1. Soweit im Berufungsverfahren noch verfahrensgegenständlich, wirft die
Anklage in tatsächlicher Hinsicht dem Beschuldigten das nachstehende Verhalten
vor (Urk. 30 S. 2 f.):
Seit ca. 1990, spätestens aber seit dem Jahr 1999 sei der Beschuldigte  von drei teils bebauten Liegenschaften in C._, im Kosovo, , welche einen erheblichen Wert aufgewiesen hätten – bezogen aufs Jahr 2015 einen Wert von Fr. 146'100.–.
Trotz dieser Tatsache habe der Beschuldigte, der schon seit 2002  zur Invalidenrente bezogen habe, am 28. April 2014 auf dem Formular «periodische Überprüfung der Zusatzleistungen zur AHV/IV-Rente»  angegeben, über keine Liegenschaften zu verfügen, weder im In- noch im Ausland. Dadurch seien die zuständigen Mitarbeitenden der Stadt B._ in den irrigen Glauben versetzt worden, der Beschuldigte (und seine Ehefrau) seien berechtigt, Zusatzleistungen zur AHV/IV zu beziehen.
Gestützt auf die falsche Annahme seien total Fr. 18'528.– (vom 1. Mai 2014 bis zum 30. Juni 2015: 3 x Fr. 1'418.– + 5 x Fr. 1'278.– + 6 x Fr. 1'314.–) zu viel an Ergänzungsleistungen an den Beschuldigten (und seine Ehefrau)  worden.
Der Beschuldigte habe das erwähnte Formular wahrheitswidrig ausgefüllt, um von der Stadt B._ höhere Unterstützungsbeiträge zu erhalten, als er  bei korrekter Deklaration der Liegenschaften zugute gehabt hätte. Er habe dabei zumindest in Kauf genommen, dass eine Überprüfung der  für die zuständigen Mitarbeitenden der Stadt B._ nicht oder nur mit
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grosser Mühe durchführbar gewesen wäre, beziehungsweise dass eine  Überprüfung ausbleiben würde.
In rechtlicher Hinsicht erhebt die Staatsanwaltschaft den Vorwurf des Betrugs im
Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB.
1.2. Wegen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB ist strafbar, wer in der
Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch
Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in ei-
nem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt,
wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt.
Was die Vorinstanz zu den allgemeinen Voraussetzungen zur Erfüllung des
Betrugstatbestands ausführte (Urk. 51 E. III/2.2.1–2.2.4 S. 9 ff., jeweils die ersten
Absätze, sowie E. III/2.3.1 S. 12), ist nicht zu beanstanden, und es kann darauf
verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Insoweit nachstehend nochmals auf die-
se Grundlagen eingegangen wird, soll dies nur der Verdeutlichung und teilweise
der Ergänzung dienen.
1.3. Der Standpunkt des Beschuldigten im vorliegenden Strafverfahren ergibt
sich aus den nachstehend zusammengefassten Vorbringen:
Von der Polizei befragt, räumte der Beschuldigte ein, dass er von seiner Mutter im
Jahr 1999 Grundeigentum in seinem Heimatdorf D._ (Gemeinde C._) im
Kosovo erworben hatte und seither besass (Urk. 4 S. 11 F/A 105). Dieses Grund-
eigentum, beinhaltend unter anderem ein Haus, habe einen nur sehr geringen
Wert. Er habe es dem Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV deshalb nicht so-
gleich, von sich aus deklariert, weil er damals geglaubt habe, dass es wegen des
geringen Werts und weil er keine Einnahmen daraus erziele, keine Rolle spiele
bei der Beurteilung der Zusatzleistungen (Urk. 4 S. 14 F/A 138). Dies sei rückbli-
ckend betrachtet sicher ein Fehler gewesen; er glaube aber nicht, dass die Anga-
be bei der Festsetzung der Zusatzleistungen eine Rolle gespielt hätte (Urk. 4
S. 15 F/A 141).
Ähnliche Angaben machte der Beschuldigte auch vor der Staatsanwaltschaft
(Urk. 21 S. 7 f.): Es sei ihm damals nicht bewusst gewesen, dass er dieses «klei-
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ne» Vermögen hätte angeben müssen; man könne die Liegenschaften weder ver-
kaufen noch vermieten; niemand habe Interesse daran. Weil es einen Null-Wert
aufweise, sei es ihm nicht in den Sinn gekommen, das Grundeigentum zu erwäh-
nen (Urk. 22 S. 6 F/A 9).
An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung erneut mit seiner Nichtdeklaration
konfrontiert, führte der Beschuldigte aus, er habe immer wieder unter Depressio-
nen gelitten, sei unter Medikamenteneinfluss gestanden und habe da vielleicht
Fehler gemacht (Prot. I S. 9 f.). Ausserdem habe er nicht gedacht, die Liegen-
schaften angeben zu müssen, nachdem er sie von seinen Eltern geerbt habe
(Prot. I S. 10).
An der heutigen Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte abermals fest, dass
er zwar anerkenne, einen Fehler gemacht zu haben, es seien aber keine bösen
Absichten dahinter gestanden. Er habe angenommen, die Grundstücke im Koso-
vo, welche er von seinem Onkel väterlicherseits geerbt habe, nicht angeben zu
müssen, da sie praktisch keinen Wert gehabt hätten bzw. für ihn fast wertlos ge-
wesen seien. Nachdem er von seinem Anwalt auf den Fehler aufmerksam ge-
macht worden sei, habe er die Grundstücke den Behörden angegeben (Urk. 68
S. 7 ff.).
1.4. Die Argumentation der Verteidigung vor Vorinstanz ging einerseits dahin,
dass im Strafverfahren nicht unbesehen auf die Erkenntnisse aus dem Ver-
waltungsverfahren abgestellt werden könne, weil unterschiedliche Verfahrens-
grundsätze bestünden. Damit zielt die Verteidigung namentlich auf die Wertan-
nahmen der Anklage hinsichtlich des Immobilienvermögens des Beschuldigten,
welche sie als zu hoch hält und bezüglich welcher sie den Beweis nicht als er-
bracht sieht (Prot. I S. 15 f.). Bei der unbestritten unterbliebenen Deklaration frage
sich dann aber vor allem, wie die Einschätzung des Beschuldigten zu den Werten
gewesen sei. Wenn er begründet davon habe ausgehen dürfen, dass der Ge-
samtwert der Liegenschaften unter der Freibetragsgrenze liege, so mangle es ihm
am Vorsatz, etwas unrechtmässig zu beziehen. Die subjektive Seite des Vorsat-
zes sei daher bestritten. Es müsse angenommen werden, der ortskundige Be-
schuldigte sei davon ausgegangen, dass die Liegenschaften weit unter der Frei-
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betragsgrenze lägen. Damit habe ihm die Absicht gefehlt, unrechtmässig Ergän-
zungsleistungen zu beziehen (Prot. I S. 17 f.).
An der Berufungsverhandlung nahm die Verteidigung diese Argumentation noch-
mals auf und ergänzte bzw. vertiefte sie. Vorgebracht wurde insbesondere, es lie-
ge keine Arglist vor, da für das Amt für Zusatzleistungen und dessen Fachleute,
welche oft mit kosovarischen Staatsangehörigen zu tun hätten, die Angaben des
Beschuldigten hätten überprüfen können bzw. müssen. Im Übrigen könne dem
Beschuldigten auch kein Vorsatz und keine Bereicherungsabsicht nachgewiesen
werden, da er davon ausgegangen sei, dass er aufgrund des geringen Werts der
Liegenschaften diese nicht anzugeben habe. Dies sei zwar eine objektiv falsche
Überlegung, führe aber dazu, dass der Vorsatz betreffend eine Täuschungs-
handlung und einen Vermögensschaden ebenso wie eine Bereicherungsabsicht
zu verneinen seien. Im Übrigen stellte sich die Verteidigung auch erneut auf den
Standpunkt, man könne die Erkenntnisse aus dem Verwaltungsverfahren auf-
grund der unterschiedlichen Verfahrensgrundsätze nicht unbesehen ins Strafver-
fahren übertragen (Urk. 69 S. 1 ff.; Prot. II S. 8 ff.).
1.5. Die Vorinstanz sah von Beweisergänzungen zum Wert der Liegenschaften
des Beschuldigten ab. Sie erwog, dass darüber bereits intensive Abklärungen im
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren gemacht worden seien; der Wert sei in
einem rechtskräftigen Entscheid festgehalten. Des Weiteren sei davon auszu-
gehen, dass das Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt B._ seine
Schätzung auch dann als Grundlage für die Auszahlung von Ergänzungsleistun-
gen gebraucht hätte, selbst wenn diese falsch gewesen wäre. Es sei nicht von
Relevanz, von welchem Wert der Beschuldigte ausgegangen sei, da er auch dann
zur Deklaration verpflichtet gewesen wäre (so die Vorinstanz), wenn er davon
ausgegangen wäre, die Liegenschaften würden gar keinen Wert aufweisen (Urk.
51 E. I/1 S. 3).
Sodann führt die Vorinstanz in ihrem Entscheid aus, dass der Beschuldigte ein-
fach nach Liegenschaften im Ausland und nicht nach Liegenschaften im Ausland
mit einem bestimmten (Mindest-)Wert gefragt worden sei. Falls er der Ansicht
gewesen wäre, die Liegenschaften hätten einen geringen bzw. gar keinen Wert
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und würden daher unter der Freibetragsgrenze liegen, so hätte er doch – so die
Vorinstanz weiter – die Liegenschaften problemlos angeben können, da er dann
nach eigener Auffassung ja nicht Gefahr gelaufen wäre, keine bzw. tiefere Ergän-
zungsleistungen zu erhalten. Hierzu merkte die Vorinstanz noch an, dass insbe-
sondere nicht nachvollziehbar erscheine, woher der Beschuldigte, welcher der
deutschen Sprache nur beschränkt mächtig sei und welcher gemäss eigener
Aussage aufgrund seiner vielfältigen Probleme den Überblick über seine administ-
rativen Angelegenheiten verloren gehabt habe, hätte wissen sollen, was eine
Freibetragsgrenze ist, dass eine solche im Verfahren betreffend Ergänzungsleis-
tungen zur Anwendung kommt und wie hoch diese ist. Der Beschuldigte müsse
bei der Nichtdeklaration seiner Liegenschaften vielmehr davon ausgegangen sein,
dass der Besitz von allfälligen Liegenschaften im Ausland für die Beurteilung sei-
nes Anspruchs auf Ergänzungsleistungen von Relevanz wäre. Darauf basierend
schloss die Vorinstanz, dass der Beschuldigte zumindest in Kauf genommen ha-
be, durch die Nichtdeklaration der Liegenschaften höhere Ergänzungsleistungen
zu erhalten (Urk. 51 E. II/3.3 S. 7).
Das Vorbringen zu den unterschiedlichen Verfahrensgrundsätzen im Verwal-
tungs- bzw. Strafverfahren aufnehmend, ging die Vorinstanz zwar mit der Vertei-
digung einig, dass der im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren festgehaltene
Wert der Liegenschaften nicht leichthin ins Strafverfahren übernommen werden
könne. Angesichts dessen aber, dass selbst der Beschuldigte nicht von einem
Null-Wert der Liegenschaften ausgehe, sondern Schätzungen auf Euro 24'800.–
eingereicht habe, könne der tatsächliche Wert der Liegenschaften offen bleiben.
Unabhängig von seiner persönlichen Einschätzung und unabhängig vom Wert –
so die Vorinstanz – hätte der Beschuldigte die Liegenschaften deklarieren müs-
sen. Folglich habe er in Kauf genommen, unrechtmässig Leistungen zu erhalten
(Urk. 51 E. II/3.4 S. 8).
2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung
Was die Vorinstanz zu den Anforderungen an einen rechtsgenügenden Schuld-
beweis und zu den allgemeinen Grundsätzen der Beweiswürdigung im Strafver-
fahren, namentlich zur Erstellung des inneren bzw. subjektiven Sachverhalts, aus-
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führte (Urk. 51 E. II/1.2, II/2.1 und II/2.2, S. 4 f.), ist nicht zu beanstanden. Zu be-
tonen bzw. zu ergänzen ist in diesem Zusammenhang aber was folgt: Gemäss
der aus Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK sowie Art. 10
Abs. 3 StPO verankerten Maxime «in dubio pro reo» ist bis zum gesetzlichen
Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der einer strafbaren Handlung Be-
schuldigte unschuldig ist (Art. 10 Abs. 1 StPO; BGE 127 I 38 E. 2a; Urteil BGer
6B_617/2013 vom 4. April 2014 E. 1.2). Aus der Unschuldsvermutung – als Be-
weislastregel – ergibt sich, dass es Sache der Anklagebehörde ist, die Schuld des
Beschuldigten zu beweisen, und dass nicht dieser seine Unschuld nachweisen
muss (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO, 3. Aufl., 2017, N 216 f.; BSK StPO-
TOPHINKE, Art. 10 N 19, 80; BGE 127 I 40; BGE 120 Ia 37).
3. Glaubwürdigkeit des Beschuldigten
Nicht vorbehaltlos beigepflichtet werden kann den Ausführungen der Vorinstanz
zur generellen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten. Hierzu erwog sie, dass er als
beschuldigte Person nicht unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB zu
wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet gewesen sei. Er dürfte als direkt vom
Ausgang des vorliegenden Verfahrens Betroffener ein – insoweit legitimes und
natürliches – Interesse daran haben, sich selbst nicht zu belasten und gegebe-
nenfalls die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Die Aus-
sagen des Beschuldigten seien «unter diesen Vorzeichen zu würdigen» (Urk. 51
E. II/3.1 S. 5).
Diese häufig so oder ähnlich in Entscheiden verwendete Formulierung hält ge-
nauerer Betrachtung nicht stand. Besondere Vorzeichen gibt es bei der Würdi-
gung von Aussagen nicht; die Würdigung hat stets unvoreingenommen zu erfol-
gen. Zur Unterscheidung von wahren und erfundenen Aussagen ist die prozessu-
ale Stellung ein untaugliches Kriterium, weil ein Unschuldiger dasselbe Interesse
hat; oder es ist ein Zirkelschluss, indem von vornherein – tendenziell zumindest –
von der Schuld des Beschuldigten ausgegangen wird. Die prozessuale Stellung
einer Partei vermag für die Sachverhaltserstellung nie etwas beizutragen, weder
im positiven noch im negativen Sinne (vgl. Urteil der erkennenden Kammer
SB180079-O/U vom 18. Oktober 2018 E. 3.1 S. 9). Korrekt ist stattdessen
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schlicht, dem Beschuldigten grundsätzlich Glaubwürdigkeit zu attestieren. Es
handelt sich aber ohnehin um ein untergeordnetes Detail – im Vordergrund steht
die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen resp. deren Überzeugungskraft (da-
hingehend auch die Vorinstanz in Urk. 51 E. II/2.2 S. 5).
4. Beweislage und Verwertbarkeit der Beweismittel
4.1. Die Vorinstanz hat ihre Sachverhaltserstellung auf die Aussagen des
Beschuldigten, die Akten der Stadt B._ betreffend Ergänzungsleistungen,
das Formular «Periodische Überprüfung der Zusatzleistungen zur AHV/IV-Rente»
sowie die Akten des Verfahrens Nr. ZL.2017.00115 vor dem Sozialversicherungs-
gericht des Kantons Zürich abgestützt (vgl. Urk. 51 E. II/1.3 S. 4).
Anlass zu Bemerkungen gibt diesbezüglich das Abstellen auf Erkenntnisse aus
dem Verwaltungsverfahren:
4.2. Die Strafbehörden setzen zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand der
Wissenschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel ein, die rechtlich zulässig
sind (Art. 139 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 194 Abs. 1 StPO ziehen die Strafbehör-
den und die Gerichte Akten anderer Verfahren bei, wenn dies für den Nachweis
des Sachverhalts oder die Beurteilung der beschuldigten Person erforderlich ist.
Die beizuziehenden Akten können insbesondere aus Verwaltungsverfahren
stammen (ZK StPO-DONATSCH, Art. 194 N 4). Bei den beigezogenen Verfahrens-
akten handelt es sich um sachliche Beweismittel, die in einem Strafprozess
grundsätzlich verwertet werden dürfen und der freien richterlichen Beweiswürdi-
gung unterliegen.
4.3. Näher auszuleuchten ist jedoch der Umstand, dass die Sozialabteilung der
Stadt B._ eine Verwaltungsbehörde und keine Strafuntersuchungsbehörde
ist.
Fällen von mutmasslich unrechtmässigem Bezug von Leistungen von Sozialver-
sicherungen oder Sozialhilfe ist es bis zu einem gewissen Grad immanent, dass
sich zunächst eine Verwaltungsbehörde, allenfalls auch ein Sozialversicherungs-
gericht, der Angelegenheit annimmt. Eine Strafanzeige kann, muss aber nicht
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gleichzeitig mit dem Verwaltungsverfahren erstattet werden. Ein und derselbe
Sachverhalt kann Anlass zur Eröffnung mehrerer, gleichzeitig oder nacheinander
stattfindender Verfahren geben. Trotz der sachlich oft engen Verbindung zwi-
schen Verwaltungsverfahren und Strafverfahren sind die beiden Verfahren grund-
sätzlich strikt zu unterscheiden. Ein verwaltungsrechtliches Verfahren hat keine
präjudizierende Wirkung für ein nachgelagertes Strafverfahren. Die beiden Ver-
fahren sind voneinander unabhängig und folgen je unterschiedlichen Prozess-
grundsätzen, worauf denn auch die Verteidigung zu Recht hinweist (Prot. I S. 15;
Urk. 69; Prot. II S. 7).
Zu nennen ist in diesem Zusammenhang der bereits von der Vorinstanz (in Urk.
51 E. II/3.4 S. 8) erwähnte «nemo tenetur»-Grundsatz, welchem im Strafprozess
eine zentrale Bedeutung zukommt. Das Prinzip von «nemo tenetur» ist als ein all-
gemeiner Grundsatz des Strafprozessrechts anerkannt; eine ausdrückliche völ-
ker- und verfassungsrechtliche Statuierung hat der Grundsatz allerdings nur in
Art. 14 Abs. 3 lit. g IPBPR erfahren. Das Verbot erzwungener Selbstbelastung
wird aber auch durch den Anspruch auf ein faires Verfahren im Sinne von Art. 6
Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 29 BV gewährleistet (ZK StPO-WOHLERS, Art. 3 N 25).
Gemäss Art. 113 Abs. 1 StPO muss sich die beschuldigte Person sodann nicht
selber belasten. Sie hat namentlich das Recht, die Aussage und ihre Mitwirkung
im Strafverfahren zu verweigern (Art. 113 Abs. 1 Satz 2 StPO). Der «nemo tene-
tur»-Grundsatz statuiert das Recht eines Beschuldigten, eigenverantwortlich über
seine inhaltliche Mitwirkung an einem Strafverfahren zu entscheiden. Diese Ent-
scheidung umfasst die Möglichkeit, entweder durch eigene Mitteilungen und sons-
tige Aufklärungshandlungen am Verfahren teilzunehmen oder auf eine entspre-
chende Mitwirkung zu verzichten (vgl. ZK StPO-LIEBER, Art. 113 N 1 und N 19).
Die Anklage soll gezwungen sein, die notwendigen Beweise ohne Rückgriff auf
Beweismittel zu erbringen, die gegen den Willen des Beschuldigten durch unge-
rechtfertigten Zwang erlangt wurden (BGE 144 I 245 E. 1.2.1). Durch die Beru-
fung auf den «nemo tenetur»-Grundsatz darf einer beschuldigten Person grund-
sätzlich auch kein Nachteil erwachsen.
Ganz anders ist dies im Verwaltungsverfahrensrecht, das regelmässig eine Mit-
wirkungspflicht der beteiligten Parteien gegenüber der für das Verfahren zustän-
- 15 -
digen Verwaltungsbehörde vorsieht. Die Mitwirkungspflicht dient der Erlangung
von Informationen, welche eine Partei besser kennt als die Behörden und welche
diese ohne Mitwirkung einer Partei gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand
erheben könnte (vgl. BGE 124 II 361 E. 2a; BGE 122 II 385 E. 4c/cc). Soweit eine
Partei der notwendigen Mitwirkung nicht oder nicht in ausreichender Weise nach-
kommt, können daraus zulässigerweise Rückschlüsse gezogen werden. Diese
Mitwirkungspflicht wird in Art. 13 VwVG in allgemeiner Weise für Parteien statu-
iert, welche ein Verfahren einleiten oder in dessen Ablauf Anträge stellen. Art. 13
Abs. 1 lit. c VwVG sieht zudem vor, dass die Parteien verpflichtet sind, an der
Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken, soweit ihnen nach einem anderen
Bundesgesetz eine weitergehende Auskunfts- oder Offenbarungspflicht obliegt,
was für den Bereich der Ergänzungsleistungen zur AHV/IV der Fall ist (vgl. Art. 1
ELG in Verbindung mit Art. 28 ATSG).
Um auch in einem Strafprozess verwertet werden zu können, muss die ent-
sprechende Beweisabnahme den in einem Strafprozess geltenden Grundsätzen
entsprechen. Dabei ist von vordringlicher Bedeutung, ob die Beweiserhebung im
Verwaltungsverfahren unter hinreichender Beachtung des nemo tenetur-Grund-
satzes erfolgt ist. Denn es darf als anerkannt gelten, dass das Selbstbelastungs-
privileg im Strafverfahren durch die Mitwirkungspflicht im Verwaltungsverfahren
nicht ausgehebelt werden darf (Urteil BGer 1B_365/2019 vom 7. April 2020 E.
4.2; Urteil BStrG CA.2020.10 vom 2. August 2021 E. 2.1.5.6 und 2.1.5.9).
4.4. Das Sozialversicherungsgericht hat sich in seinem Urteil vom 4. September
2019 (ZL.2017.00115; Urk. 20/6) einlässlich mit der Bewertung des Immobilien-
vermögens des Beschuldigten auseinandergesetzt und kam zum Schluss, dass
es korrekt gewesen sei, dass die Sozialabteilung der Stadt B._ das Immobi-
lienvermögen des Beschuldigten mit Fr. 176'696.– (im Jahr 2015) berücksichtigte
(E. 5.1 S. 16).
Folgende Zitate bzw. Stellen im erwähnten Urteil (Urk. 20/6) belegen, dass der
nemo tenetur-Grundsatz bei der Entscheidfindung des Sozialversicherungsge-
richts keine Beachtung fand:
- 16 -
E. 1.3 S. 6: «Im Bereich der Ergänzungsleistungen trägt der Leistungs- ansprecher die Beweislast für das (ganze oder teilweise) Fehlen von Einkommen und Vermögen, wobei der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt [...].»
E. 3.3 S. 12: Der von den Beschwerdeführenden geltend gemachte  erscheine nicht «als überwiegend wahrscheinlich».
a.a.O.: Auch sonst lasse sich aus den beigebrachten behördlichen  «nichts zu Gunsten der Sachverhaltsdarstellung der » ableiten.
a.a.O.: Der Erklärungsversuch der Beschwerdeführenden sei «daher als unzutreffend zu werten, zumal auch ihre Vorbringen betreffend die Garage in den Akten keine Stütze» fänden.
E. 3.5 S. 13: Dass die Beschwerdegegnerin keine Verkehrswertschätzung eingeholt habe, hätten die Beschwerdeführenden «zu vertreten, da sie [...] die dafür erforderlichen Angaben nicht geliefert» hätten. Namentlich hätten sie es «versäumt, die von der Beschwerdegegnerin [...] angeforderten Katasterauszüge [...] beizubringen».
a.a.O.: Das Fehlen einer durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag  Expertise sei «in Anbetracht der Verletzung der Mitwirkungspflicht durch die Beschwerdeführenden nicht zu bemängeln».
Damit ist eine Grundvoraussetzung für die Verwertbarkeit nicht erfüllt und dürfen
die gezogenen Schlüsse nicht unbesehen ins Strafverfahren übernommen wer-
den. Vielmehr hat im Strafverfahren eine eigenständige Beweisführung (nament-
lich Beweiswürdigung) stattzufinden.
Unproblematisch ist demgegenüber, auch die Unterlagen aus dem Verwaltungs-
verfahren im Sinne von sachlichen Beweismitteln in die Würdigung einzubezie-
hen, zumal diese grossmehrheitlich zeitlich vor der Eröffnung der Strafuntersu-
chung anfangs Juli 2018 gesammelt wurden, also noch bevor die Verfahrensrech-
te einer im strafprozessualen Sinne beschuldigten Person (namentlich Beleh-
rungspflichten) zu beachten waren (vgl. Art. 111 Abs. 1 StPO und einlässlich zu
diesem Aspekt Urteil BStrG CA.2020.10 vom 2. August 2021 E. 2.1.4.2).
5. Vorfrage: Im Strafverfahren massgeblicher Wert des Immobilienvermögens
5.1. Von welchem Wert des Immobilienvermögens des Beschuldigten ausge-
gangen wird, ist vorliegend namentlich relevant für die Frage, wie hoch gegebe-
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nenfalls der bei einer Irreführung (Nichtdeklaration) entstandene Vermögens-
schaden bei der Stadt B._ war. Ferner kann dieses Element auch bei der
Beweiswürdigung zum inneren bzw. subjektiven Sachverhalt von Belang sein, wo
es um das Vorstellungsbild des Beschuldigten geht resp. sein Vorbringen, er habe
eine Deklaration infolge Geringfügigkeit nicht in Erwägung gezogen. Angespro-
chen ist damit die als Tatbestandsmerkmal zu erstellende Bereicherungsabsicht
nebst dem Vorsatz. Die Höhe des Vermögensschadens hat sodann regelmässig
Einfluss auf die Strafzumessung (objektive Tatschwere).
5.2. Einige Verwirrung entstand darüber, was überhaupt alles zum Bestand des
Grundeigentums des Beschuldigten in C._, Kosovo, gehört. Die Diskussion
darüber und über die Frage der Bewertung des Immobilienvermögens entwickelte
sich im Verwaltungsverfahren wie folgt:
13.08.2015 Laut einer Aktennotiz der Fallbearbeitenden der Stadt B._ (Urk. 2/251) soll der (von Rechtsanwalt X._ begleitete) Beschuldigte angegeben haben, dass er über «Liegenschaften» im Kosovo verfüge; einige Spezifikationen wurden in die Notiz aufgenommen (C._; Haus mit Wasser und Elektrizität,  1973, keine Investitionen oder Renovationen, 1 Stockwerk, 31⁄2-Zimmer-Wohnung mit Balkon, 80m2 Wohnfläche; Angaben zur Grundstücksfläche könnten keine gemacht werden).
17.08.2015 Laut E-Mail von Rechtsanwalt X._ an die Fallbearbeitende der Stadt B._ wurden wie zuvor angekündigt Unterlagen : u.a. «3 Steuerveranlagung (Property Tax) Grundstück/ Liegenschaft Kosovo». (Ein Anhang zur E-Mail liegt nicht bei den Akten sub Urk. 2.)
22.03.2016 In der Aktenverfügung der Stadt B._, Zusatzleistungen zur AHV/IV, betreffend Neuberechnung der Zusatzleistungen (Urk. 2/ 262) wurde das Immobiliarvermögen mit Fr. 176'969.– eingesetzt. Erläuterungen, wie es zu dieser Zahl kam, fehlen in der Verfügung.
03.05.2016 In der Einsprache gegen die obige Aktenverfügung, verfasst von Rechtsanwalt X._ (Urk. 2/270), heisst es wörtlich: «Der Einsprecher hat als ausländischer Vermögenswert eine , welche im Jahr 2015 falsch berechnet wurde; statt eine Fläche von insgesamt 172 m2 mit einem Wert von Euro 34'000.–,
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hat die Liegenschaft nur eine Wohnfläche von 92 m2 mit einem Wert von Euro 18'400.– sowie eine landwirtschaftliche Fläche von 80 m2 mit einem Schätzwert von 6'400.– Euro. Es handelt sich dabei nur um Schätzwerte, da effektiv diese Liegenschaft nichts wert sind [recte: ist]. Im Dorf, wo diese Liegenschaft liegt, sind über 200 Häuser völlig leerstehend, da keine Nachfrage bestehe. Irgend ein Einkommen oder Ertrag kann daraus nicht erzielt .»
Beigelegt dieser Einsprache war u.a. eine Bescheinigung ( 3, etwas holprig in die deutsche Sprache übersetzt), woraus sich was folgt ergibt: Die Finanzbehörde der Gemeinde C._ bestätigt, dass A._s Anlage insgesamt 172 m2 umfasst,  die Wohnfläche 92 m2 und die landwirtschaftliche Anlage, teilweise als Garage genutzt, 80 m2 beträgt. Die Wohnfläche habe einen Wert von Euro 18'400.–. Die Vermögenssteuerrechnung 2015 enthalte mit Euro 34'000.– eine falsche Berechnung.
Auch die soeben erwähnte Vermögenssteuerrechnung 2015, ausgestellt am 17. August 2015, war samt deutscher Übersetzung beigelegt. Daraus ergibt sich ein Schätzwert von Euro 34'400.– (Bewertungszone III) für eine Fläche von 172 m2, wobei das  als steuerbefreit bezeichnet wird.
21.11.2017 Im Einspracheentscheid der Stadt B._, Zusatzleistungen zur AHV/IV (Urk. 2/291), nimmt das Amt – explizit basierend auf Empfehlungen bzw. der Praxis des Fachverbands für  des Kantons Zürich – folgende Bewertungen vor (Rz 51):
Fr. 30'596.– 15'318 m2 Landwirtschaftsland à Fr. 2.–/m2 Fr. 42'000.– «Liegenschaft 1 92 m2 Steuerwert Euro
18'400.–» Fr. 21'600.– «Liegenschaft 2 80 m2 Steuerwert Euro
6'400.–» Fr. 82'500.– «Liegenschaft 3 172 m2 Steuerwert Euro
34'400.–»
27.12.2017 In der Beschwerde ans Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, verfasst von Rechtsanwalt X._ (Beizugsakten SozversGer ZL.2017.00115-Urk. 1 = Urk. 20/1), wird u.a. , dass es sich nicht um drei, sondern effektiv bloss um zwei «Liegenschaften» handle, nämlich eine mit einer Wohnfläche von 92 m2 und eine weitere mit einer Wohnfläche von 80 m2.
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Beigelegt dieser Beschwerde waren u.a. drei  der Gemeinde C._ (Property Tax Bill) fürs Jahr 2016 (Beilage 5):
0 m2 mit einem Schätzwert von Euro 0 (Bewertungszone III), Rechnungs-Nr. 1/2 (dabei liegend auch eine geänderte Rechnung 2015 mit den gleichen Null-Werten und mit der gleichen Rechnungs-Nr.)
92 m2 mit einem Schätzwert von Euro 18'400.– ( III) samt Bild mit Wohnhaus, Rechnungs-Nr. 1/ 3
80 m2 mit einem Schätzwert von Euro 6'400.– (Bewertungszone III) samt Bild mit Garage, Rechnungs-Nr. 1/4
30.04.2018 Auf Aufforderung des Amts für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt B._ (Urk. 2/296) reicht Rechtsanwalt X._ weitere, offenbar in der Zwischenzeit vom Beschuldigten beschaffte  zum Grundeigentum nach (Urk. 20/2), u.a.:
a) Ein Katasterauszug der Gemeinde C._ vom 17. April 2018, welcher den Beschuldigten als Eigentümer von 14  Landwirtschaftsgrundstücken mit Flächen von 40 bis 2468 m2
ausweist, insgesamt 15'318 m2 (Beilage 1).
b) Eine Bescheinigung (Beilage 3, etwas holprig in die deutsche Sprache übersetzt), woraus sich was folgt ergibt: Die  der Gemeinde C._, Kosovo, bestätigt, dass A._ Eigentümer der Grundstücke 1/3 (techn. Nr./ .)/Haus mit einem Wert von Euro 14'720.– sowie 1/4/landw.  mit Euro 5'120.–, beides auf der Parzelle P- 5, sei.  sind Vermögenssteuerrechnungen fürs Jahr 2018, woraus die erwähnten Wertangaben hervorgehen.
c) Kopie eines Schenkungsvertrags (inkl. deutsche Übersetzung), datierend vom 26. August 1994, wonach A._ von seiner  17 Grundstücke geschenkt erhalte (Beilage 6). Die  Nr. 9 und 10 scheinen inzwischen vereinigt (vgl. den in lit. a erwähnten Katasterauszug), und bei den Nrn. 12 und 13 dürfte es sich um die bebauten Grundstücke zu handeln (Parz. 6).
d) Satelliten- bzw. 3D-Bilder von div.  (Beilage 7).
e) Immobilienbewertungsbericht vom 15. April 2018 von F._, lizenzierter Immobilienbewerter, Pristina/Kosovo (samt deutscher Übersetzung), über 15 landwirtschaftliche Grundstücke mit einer
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Fläche von insgesamt 15'672 m2, welche sich über das ganze Gebiet des Dorfes D._ verteilen würden, teils nah am  lägen, teils schwierig zu erreichen und schwierig zu  seien. Insgesamt wird der Marktwert (Realwert) des Landwirtschaftslandes auf Euro 15'672.– bemessen, somit 1 Euro pro Quadratmeter (Beilagen 8–10).
f) Eine Art eidesstattliche Erklärung (inkl. deutsche Übersetzung) von G._ und H._, beides offenbar Einwohner von D._, welche bestätigen, dass ihr Nachbar A._  eines Hauses in D._ mit 92 m2 Wohnfläche sei (Beilage 13).
06.06.2018 Rechtsanwalt X._ nimmt gegenüber dem  Stellung zu einer Eingabe des Amts für  zur AHV/IV der Stadt B._ ans selbe Gericht (Urk. 20/3): Er beharrt darauf, dass es sich um zwei und nicht um drei «Liegenschaften» handle mit 92 bzw. 80 m2.
04.09.2019 Urteil ZL.2017.00115 des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich (Urk. 20/6), womit der Einspracheentscheid der Stadt B._, Zusatzleistungen zur AHV/IV (Urk. 2/291) – was die Immobilienbewertung betrifft – geschützt wird.
25.10.2019 Beschwerde ans Bundesgericht, verfasst von Rechtsanwalt X._ (Urk. 20/5), worin erneut darauf beharrt wird, dass es (nebst den Landwirtschaftsparzellen) nicht um drei, sondern um zwei «Liegenschaften» gehe (mit 92 m2 bzw. 80 m2 Fläche). Beim Landwirtschaftsland von ca. 15'000 m2 handle es sich um , verstreut liegende Parzellen, welche  wertlos seien und maximal zu 1 bis 2 Euro pro Quadratmeter veranschlagt werden könnten.
Beigelegt war dieser Beschwerde u.a. eine  von I._ und J._, lizenzierte Immobilienschätzer in Pristina/Kosovo, datierend vom 18. Oktober 2019 (Beilage 6), welche dem Anwesen «Street of ...» Nr. 14, D._/ C._ – beinhaltend das Wohnhaus mit 92 m2 Gebäudegrundfläche und das Garagengebäude mit 80 m2 Gebäudegrundfläche, beide auf einer gesamten Grundstücksfläche von 1'950 m2 stehend – einen Verkehrswert von Euro 27'332.– beimessen. Dabei wurde für das Land allein von einem Wert von 2 Euro pro Quadratmeter .
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26.02.2020 Mit Urteil BGer 9C_716/2019 vom 26. Februar 2020 (Urk. 20/7) wird die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten des Beschuldigten abgewiesen – unter Verweis auf die  Kognition des Bundesgerichts (Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG) und eine ungenügende Begründung. Insbesondere sei die Beweiswürdigung des Sozialversicherungsgerichts nicht  unhaltbar, zur tatsächlichen Situation in klarem  oder auf einem offenkundigen Fehler beruhend. Eine  sei nicht bereits dann willkürlich, wenn eine  Lösung ebenfalls vertretbar erscheine oder gar vorzuzuziehen wäre, sondern erst, wenn der Entscheid offensichtlich unhaltbar sei. Hinzu komme, dass neu eingereichte Unterlagen ( der Finanzbehörde C._ und Verkehrswertschätzung vom 18. Oktober 2019) unzulässige echte Noven darstellten und daher unbeachtlich seien (E. 2.1). Der Schätzung des  würde nichts Substanzielles entgegen gehalten (E. 2.2).
5.3. Die rückblickende Betrachtung der vorstehend referierten Unterlagen und
Argumente im Gesamtzusammenhang gibt Anlass zu folgenden Bemerkungen:
Das fragmentarische Aktenmaterial, das erst nach und nach zusammengetragen
wurde, machte es fraglos schwierig, sich schon früh ein klares Bild der Situation
zu verschaffen.
Es zeigt sich sodann, dass in der Auseinandersetzung verschiedentlich Missver-
ständnisse entstanden aufgrund unpräziser Verwendung von Begriffen. So wurde
etwa der Begriff «Liegenschaft» verschiedentlich in einem landläufigen, nicht juris-
tischen Sprachgebrauch verwendet als bebautes Grundstück, statt als Parzelle
resp. als umgrenzte Bodenfläche (wie es in Art. 2 lit. a der schweizerischen
Grundbuchverordnung definiert ist; vgl. auch Art. 655 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB). Ver-
schiedentlich wurden aber auch einzelne Bauten als «Liegenschaften» bezeich-
net. Auch die Flächenangaben stifteten Verwirrung: Teils scheinen sie sich auf die
Gebäudegrundfläche bzw. Wohn-/Nutzfläche bezogen zu haben, teils wurden sie
gleichgesetzt mit der Grundstücksfläche. So scheint es zu – vermeintlichen –
Widersprüchen und zu Missinterpretationen gekommen zu sein.
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Was die Nummern zur Bezeichnung von Grundstücken, Gebäuden, Steuerobjek-
ten etc. betrifft, so kann es im Laufe der Jahre zu Änderungen kommen, gerade in
noch jungen Staaten wie dem Kosovo. Es dürfte ausserdem vereinzelt zu Grund-
stücksmutationen, namentlich Grundstücksvereinigungen gekommen zu sein, was
an sich kein unüblicher Vorgang ist.
Auch der Umstand, dass Informationen aus verschiedenen Quellen stammen
(teils Finanzbehörde/Steueramt, teils Katasteramt), welche offensichtlich mit un-
terschiedlichen Registraturen arbeiten, dürfte mit zur Verwirrung beigetragen ha-
ben – umso mehr, wenn dann noch Steuerrechnungen korrigiert/angepasst wer-
den, wie bezüglich der steuerlichen Betrachtung der bebauten Liegenschaft –
letztlich unwiderlegbar – geltend gemacht wurde.
Der Umstand, dass bei der Finanzbehörde C._ im Zusammenhang mit der
Veranlagung von Vermögenssteuern drei verschiedene Steuerobjekte geführt und
mit je eigenen Objekt-/«Eigentumsnummern» registriert wurden, mag zwar ein In-
diz dafür sein, dass dem auch drei Liegenschaften zugrunde liegen (vgl. Urk. 20/6
E. 3.3 S. 12). Vor dem Hintergrund aber, dass es sich offenbar um eine gemischte
Nutzung Wohnen/Landwirtschaft handelt mit vermutlich unterschiedlichen Steuer-
sätzen, und nachdem Korrekturen (bezüglich der Objekte und auch der Schätz-
werte) behördlich bescheinigt wurden (Urk. 2/270 Beilage 3; Urk. 20/2 Beilage 3),
kann der Besonderheit der drei Nummern keine entscheidende Bedeutung zu-
kommen. Wie aus dem Zusammenhang heraus klar wird, werden in C._
Gebäude und nicht Parzellen oder Liegenschaften besteuert und kommt der
Wohnfläche bei der Steuerbemessung Bedeutung zu. Dass die im Verwaltungs-
verfahren als dritte berücksichtigte «Liegenschaft» (wenn schon wohl eher drittes
Gebäude) eine Grundfläche von just der Summe der andern zwei aufweist (92 m2
+ 80 m2 = 172 m2), lässt in der Tat (mit der Verteidigung) gewisse Zweifel daran
aufkommen, dass effektiv noch ein drittes Steuerobjekt bestand, das dem Be-
schuldigten gehört. Letztlich lässt sich der Verdacht bloss gestützt auf die drei
Nummern nicht erhärten.
Entscheidend sind letztlich die Expertisen zur Verkehrswertschätzung (Parteigut-
achten), welche der Beschuldigte nachträglich noch zu seiner Verteidigung ins
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Recht legte – einerseits die Verkehrswertschätzung von I._ und J._, da-
tierend vom 18. Oktober 2019 zum überbauten Anwesen (Urk. 20/5, Beilage 6),
andererseits der Immobilienbewertungsbericht von F._ betreffend die Land-
wirtschaftsgrundstücke, datierend vom 15. April 2018 (Urk. 20/ 2, Beilagen 8–10).
Diesen beiden Urkunden lässt sich in Kombination mit den weiteren Unterlagen
ausreichend plausibel entnehmen, was alles zum Bestand des Grundeigentums
gehört. Beweisergänzungen erweisen sich damit als nicht nötig.
5.4. Vorliegend massgebend ist der Immobilienbestand am 28. April 2014,
nämlich zum Zeitpunkt der Falschdeklaration des Beschuldigten. Nach dem Ge-
sagten ist im Strafverfahren davon auszugehen, dass der Beschuldigte damals
was folgt als sein Eigentum besass:
• ein Anwesen (Parzelle/Liegenschaft) in D._ (C._), das überbaut ist
einerseits mit einem Wohnhaus, bei dem die Steuerbehörden von 92 m2 Wohn-
fläche ausgehen, und andererseits einem Ökonomie-/Garagengebäude,
welchem die Steuerbehörden 80 m2 Nutzfläche beimessen, sowie
• 14 kleinere Landwirtschaftsgrundstücke in D._ (C._) mit Flächen von
40 bis 2'468 m2, insgesamt 15'318 m2.
5.5. Was nun die Bewertung dieses Grundeigentums angeht, gilt es zu unter-
scheiden zwischen einerseits den Annahmen, von welchem Durchführungsstellen
für Zusatzleistungen zur AHV/IV ausgehen dürfen, wenn – so wie hier gesche-
hen – der Leistungsbezüger seiner Mitwirkungspflicht nicht rechtzeitig nach-
kommt, und andererseits dem grundsätzlich massgebenden Verkehrswert
(Marktwert; vgl. Art. 17 Abs. 4 ELV in der Fassung vom 1. Januar 2013 sowie Ur-
teil BGer P 49/05 vom 9. Juni 2006 E. 2.1 mit Hinweisen). Das Amt für Zusatzleis-
tungen zur AHV/IV der Stadt B._ (Urk. 2/291 Rz 54) und auch das Sozialver-
sicherungsgericht (Urk. 20/6 E. 3.5 S. 15) gingen davon aus, dass der Beschul-
digte seine Mitwirkungspflicht verletzt habe. Es kamen deshalb alternative, verein-
fachte Schätzmethoden zur Anwendung, was vom Sozialversicherungsgericht
(und letztlich auch vom Bundesgericht) für das sozialversicherungsrechtliche Ver-
fahren ausdrücklich geschützt wurde (Urk. 20/6 E. 3.5 S. 14 f.).
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Im vorliegenden Strafverfahren hingegen, wo es darum geht, einerseits einen
Vermögensschaden (die Entreicherung des Gemeinwesens) als Element des
objektiven Tatbestands eines Betrugs zu bestimmen, andererseits aber auch eine
Würdigung des subjektiven Vorstellungsbilds des Beschuldigten vorzunehmen, ist
eine individuell-konkrete Bewertung vorzuziehen.
Überbautes Anwesen:
Vom Anwesen mit einem einstöckigen Wohnhaus und einem Annexbau (Garage)
mit einer Grundstücksfläche von 1'950 m2 liegt eine vom Beschuldigten selbst in
Auftrag gegebene Verkehrswertschätzung, datierend vom 18. Oktober 2019, im
Recht (Urk. 20/5, Beilage 6). Laut Angaben im Gutachten wurde dieses von ein-
heimischen Immobilienfachleuten erstellt, von I._ und J._, beides lizen-
zierte Immobilienschätzer mit Domizil in Pristina (Kosovo). Das Gutachten sei
nach den Europäischen Standards für Immobilienbewertung der TEGoVa (The
European Group of Valuers' Association) erstellt worden. Im Gutachten wird un-
terteilt zwischen Gebäudewerten (Euro 17'480.– fürs Wohnhaus, Euro 5'952.– für
den Annexbau) und Landwert (2 Euro pro Quadratmeter; Ziff. 2.6). So kommen
die Schätzer für das gesamte Anwesen auf einen Marktwert von Euro 27'332.–.
Dies mag zunächst tief erscheinen. Die Gutachter erläutern dazu aber plausibel,
dass in der fraglichen Ortschaft in einem ländlichen Gebiet des Kosovo Immobili-
enverkäufe allgemein selten seien. In die Beurteilung eingeflossen seien immer-
hin drei Verkäufe nahegelegener Immobilien sowie Durchschnittswerte von Ver-
käufen aus der Umgebung. Hinzu komme, dass die Immobilie Tendenzen aufwei-
se, im Wert abzunehmen. Die Verkäuflichkeit wird als eingeschränkt eingestuft,
zumal es keinen Mietmarkt in dieser ländlichen Umgebung gebe (Ziff. 2.9).
Die Stadt C._, von der das Anwesen knapp 9 km entfernt liegt (Ziff. 1.3), ist
eine Stadt im Osten des Kosovo. Es kann als allgemeinbekannt gelten, dass sol-
che ländlichen Gebiete im Kosovo eine eher schlechte Infrastruktur aufweisen
und auch kaum von Touristen frequentiert werden. Auch bei der Finanzbehörden
waren für die Gebäude Schätzwerte in der gleichen Grössenordnung registriert
(2016 Euro 18'400.– fürs Wohnhaus, Euro 6'400.– für die Garage).
- 25 -
Klare Anhaltspunkte für eine Gefälligkeitsschätzung liegen jedenfalls nicht vor.
Auch ist nicht davon auszugehen, dass sich der Wert in den gut fünf Jahren, die
zwischen der Nichtdeklaration (April 2014) und der Schätzung (Oktober 2019),
erheblich verändert hätte.
Insgesamt muss konstatiert werden, dass dem Beschuldigen anhand der vorlie-
genden Informationen nicht widerlegt werden kann, dass das Gutachten den Ver-
kehrswert realistisch wiedergibt mit Euro 27'332.–, was bei einem Wechselkurs
von 1 Euro : 1.22 CHF (Frühling 2014) einem Wert von rund Fr. 33'300.– . Hiervon ist im Strafverfahren auszugehen.
Landwirtschaftsland:
Auch diesbezüglich legte der Beschuldigte ein Privatgutachten vor. Der betreffen-
de Immobilienbewertungsbericht (Urk. 20/2, Beilagen 8–10, inkl. deutsche Über-
setzung) datiert vom 15. April 2018 und wurde gemäss den darin enthaltenen An-
gaben von F._, einem einheimischen Immobilienfachmann und lizenzierten
Immobilienschätzer mit Domizil in Pristina (Kosovo), im Auftrag des Beschuldigten
ausgearbeitet. Die Expertise enthält eine Darlegung der angewandten Methode
zur Bestimmung des Marktwerts (Realwert) sowie eine allgemeine Beschreibung
der Objekte, welche sich über das ganze Gebiet des Dorfes D._ verteilen
würden, teils nah am Strassennetz lägen, teils schwierig zu erreichen und schwie-
rig zu bewirtschaften seien. Der Bericht schliesst mit einer Bewertung des Land-
wirtschaftslandes von 1 Euro pro Quadratmeter.
Auch dieser Wert wirkt auf den ersten Blick eher tief. Auch er muss aber im Zu-
sammenhang gesehen werden zur Situation im Kosovo im Allgemeinen und des-
sen Landwirtschaft im Speziellen. Zur Landwirtschaft im Kosovo finden sich im In-
ternet folgende Informationen:
«Die landwirtschaftlichen Betriebe im Kosovo sind sehr klein und  semi-subsistent. Der durchschnittliche Grundbesitz je Familie beträgt etwa 3,2 ha, davon im Durchschnitt 1,6 ha Ackerland, das sich normalerweise auf sechs bis acht Parzellen verteilt. 97% der Betriebe besitzen weniger als 5 ha und weniger als 1% der Betriebe mehr als 10 ha.
Ähnlich sind auch die Tierbestände nicht gross. Die meisten  Haushalte halten 1–3 Kühe. Die Landwirtschaft ist nicht nur einer der
- 26 -
wichtigsten Wirtschaftszweige, sondern bietet auch ein soziales  für viele arme und ältere Menschen, die zur Sicherung ihres  von der Subsistenzlandwirtschaft abhängig sind. Die Ausgaben für Nahrungsmittel machen einen hohen Anteil an den Gesamtausgaben der privaten Haushalte aus.» (Quelle: off. Website der Europäischen Union, Europ. Kommission; www.ec.europa.eu > Landwirtschaft > Internationale Zusammenarbeit > Erweiterung > Landwirtschaft und EU-Erweiterung > potenzielle Kandidatenländer; heute zuletzt besucht.)
Vorliegend geht es um gut 1,5 ha Agrarland, das verstreut um das Dorf D._
(Kosovo), in einer ländlichen Umgebung, liegt. Von einer bevorstehenden Güter-
zusammenlegung ist nichts bekannt.
Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, verfolgt die Entwicklung
der Bodenpreise in der Europäischen Union für landwirtschaftliche Fläche. Für
den Kosovo als Nicht-EU-Land fehlen selbstredend Angaben, hingegen wurden
solche publiziert für vergleichbare Länder wie etwa Bulgarien oder Kroatien (wo-
bei über die Jahre die Tendenz der Preise steigend ist). Für Kroatien wurde fürs
Jahr 2016 ein durchschnittlicher nationaler Wert pro Hektare (!) von nur gerade
Euro 2'809.– ermittelt. Für die Region K._ im Südwesten Bulgariens, nur gut
100 km Luftlinie östlich von C._ entfernt, beträgt der Wert sogar nur gerade
durchschnittlich Euro 1'165.– pro Hektare (Quelle: Eurostat-Pressestelle
[www.ec.europa.eu], Pressemitteilung 48/2018 vom 21. März 2018 mit darin ent-
haltenen Links zum Quellendatensatz). Vor diesem Hintergrund wirkt die Schät-
zung von F._ – Euro 10'000.– pro Hektare – keineswegs als Gefälligkeits-
schätzung. Dessen Bewertung erscheint vielmehr insgesamt als plausibel. Von
einem eigentlichen Preiszerfall innert der rund vier Jahre zwischen der Nichtde-
klaration im April 2014 und der Schätzung im April 2018 ist nicht auszugehen. Es
erscheint daher angebracht, basierend auf den Angaben des Beschuldigten selbst
und einem Wechselkurs von wiederum 1 Euro : 1.22 CHF (Frühling 2014) einen
Wert von Fr. 1.22 pro Quadratmeter einzusetzen, was bei 15'318 m2 Land zu ei-
nem gesamten Wert des Landwirtschaftslandes von rund Fr. 18'700.– führt.
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Zwischenfazit:
Damit ist – im Strafverfahren – von einem Wert des nicht deklarierten Immobilien-
vermögens im Frühling 2014 von Fr. 52'000.– auszugehen (Fr. 33'300.– für das überbaute Anwesen und Fr. 18'700.– für das Landwirtschaftsland).
6. Arglistige Täuschung
6.1. Es ist unbestritten und mit dem ausgefüllten und unterzeichneten Deklara-
tionsformular vom 28. April 2014 (Urk. 2/203 = Urk. 5/2) auch belegt, dass der
Beschuldigte dem Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt B._
verschwieg, Grundeigentum im Kosovo zu haben.
Damit ging eine Täuschung der Mitarbeitenden des Amts für Zusatzleistungen zur
AHV/IV der Stadt B._ im Sinne der genannten Strafbestimmung einher, denn
wer als Bezüger von Sozialversicherungsleistungen falsche oder unvollständige
Angaben zu seinen Einkommens- oder Vermögensverhältnissen macht, täuscht
nach ständiger Rechtsprechung durch zumindest konkludentes Handeln aktiv
(Urteil BGer 6B_787/2021 vom 21. November 2021 E. 1.1 mit weiteren Hinwei-
sen; vgl. bereits die Vorinstanz in Urk. 51 E. III/2.2.1 S. 9 f.).
6.2. Die Täuschung muss zudem arglistig sein. Auch zur Frage der Arglist hat
sich bereits die Vorinstanz zutreffend geäussert (Urk. 51 E. III/2.2.2 S. 10). Arglist
wegen Opfermitverantwortung ist lediglich ausnahmsweise dann zu verneinen,
wenn das Opfer die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet (zum
Ganzen BGE 142 IV 153 E. 2.2.; BGE 135 IV 76 E. 5.2 mit Hinweisen). Nach der
im Bereich der Sozialhilfe ergangenen Rechtsprechung, die auch im Sozialver-
sicherungsrecht Anwendung findet, handelt eine Behörde dann leichtfertig, wenn
sie eingereichte Belege nicht prüft oder es unterlässt, die um Sozialhil-
fe/Sozialleistungen ersuchende Person aufzufordern, die für die Abklärung der
Einkommens- und Vermögensverhältnisse relevanten Unterlagen einzureichen
(Urteil BGer 6B_787/2021 vom 21. November 2021 E. 1.1 mit weiteren Hinwei-
sen).
- 28 -
Dem Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt B._ kann solches nicht
vorgeworfen werden. Sozialbehörden sind nur schon aus Kostengründen enge
Grenzen bei der Überprüfung der Anträge um Zusatzleistungen gesetzt. Zudem
verfügen sie nicht über die notwendigen Instrumente für eine umfassende Über-
prüfung, wie sie beispielsweise die Strafverfolgungsbehörden haben. Es handelte
sich bei den nicht deklarierten Vermögenswerten um Liegenschaften im Kosovo,
welche sich behördlich nicht leicht überprüfen lassen. Dahingehende Abklärungen
durch das Amt, ohne vorbestehenden konkreten Verdacht, nur weil viele auslän-
dische Gesuchsteller Grundeigentum in ihrem Herkunftsland haben (dahingehend
die Verteidigung in Prot. I S. 21 und auch heute Prot. II S. 12 f.), wären unverhält-
nismässig und unzumutbar gewesen. Der Beschuldigte konnte vielmehr damit
rechnen, dass die Behörden die gemachten Angaben nicht oder nur mit besonde-
rer Anstrengung überprüfen können und sie ihm die nachgesuchten Leistungen
ohne Berücksichtigung dieser Vermögenswerte, aufgrund bloss der angegebenen
Informationen, ausbezahlen würden. Wenn man sich später doch noch zur Dekla-
ration entscheidet, entfällt ein arglistiges Verhalten selbstredend nicht rückwirkend
(so implizit die Verteidigung in Prot. I S. 21), kann aber Auswirkungen bei der
Strafzumessung haben (dazu hinten E. III/3.5).
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz eine arglistige
Täuschung des Beschuldigten bejahte. Das ist zu übernehmen.
7. Irrtum und Vermögensdisposition
Es ist evident, dass die Mitarbeitenden der Stadt B._ aufgrund der täuschen-
den Angaben des Beschuldigten im Formular vom 28. April 2014 davon ausgin-
gen, dass dieser keine Liegenschaften im In- und/oder Ausland besitze. Somit
sind sie dadurch in einen Irrtum versetzt worden. In der Folge richtete die Stadt
B._ aufgrund dieser Annahme, dass der Beschuldigte in dieser Höhe darauf
Anspruch habe, Ergänzungsleistungen aus (so bereits die Vorinstanz in Urk. 51
E. III/2.2.3 S. 11).
- 29 -
8. Schaden
8.1. Eine Verurteilung wegen Betrugs setzt einen Vermögensschaden als un-
mittelbare Folge der Vermögensdisposition voraus. Im Sozialversicherungsrecht
ist ein Vermögensschaden gegeben, wenn der Versicherte auf die ausbezahlten
Leistungen keinen oder nicht den vollen Anspruch hatte (Urteile BGer
6B_646/2012 vom 12. April 2013 E. 2.4.2 und 6B_519/2011 vom 20. Februar
2012 E. 3.2). Dass es vorliegend zu einem Schaden kam, ist mit der Vorinstanz
(Urk. 51 E. III/2.2.4 S. 11f.) zu bejahen.
8.2. Die Staatsanwaltschaft bezifferte die Summe der wegen verschwiegenem
Vermögen zu viel ausbezahlter Zusatzleistungen zur AVH/IV in der noch verfah-
rensgegenständlichen Zeitspanne auf total Fr. 18'528.– (vgl. Urk. 30 S. 3 f.). Die
Vorinstanz sah von einer zahlenmässigen Bezifferung ab (Urk. 51 E. 2.2.4 S. 12).
8.3. Auf die unvollständige Deklaration vom 28. April 2014 folgte mit der Akten-
verfügung vom 4. August 2014 die Neuberechnung der Zusatzleistungen u.a. für
die Zeit ab Januar 2014 (Urk. 2/216). Aus der Berechnungstabelle ergibt sich,
dass der Berechnung ein Reinvermögen des Beschuldigten von Fr. 48'871.–  gelegt wurde, welcher Wert zwar unter dem Vermögensfreibetrag von
Fr. 60'000.– lag, wodurch es aber immerhin zu einem (hypothetischen) Vermö-
gensertrag von Fr. 67.– kam.
Auch in den Jahren zuvor wurden in den Bemessungsverfügungen Vermögens-
zahlen in dieser Grössenordnung eingesetzt, was jeweils zu ähnlichen (hypotheti-
schen) Vermögenserträgen führte (vgl. bspw. Urk. 2/157, 2/142, 2/129 oder
2/118). Nach den vorliegenden Akten der Stadt B._ zu schliessen, wurden
dem Beschuldigten nebst geringen liquiden Mitteln (Bankguthaben) schon seit
dem Jahr 2006 Anteile an der L._ GmbH Investment Immobilien (Stammka-
pital sowie privat gehaltenes Gesellschaftsvermögen) als Vermögen in die Rech-
nung eingesetzt (vgl. Urk. 2/32 und 2/26; sodann auch Urk. 2/86, 2/90 und 2/115).
Diese Gesellschaft hatte der Beschuldigte im Jahr 1993 mitgegründet (vgl.
Urk. 2/25). Ob sie im April 2014 noch aktiv war und ob dieser Vermögenswert in
der Berechnung effektiv (noch) eine Berechtigung hatte, lässt sich anhand der
- 30 -
vorliegenden Unterlagen nicht restlos klären. Der Beschuldigte vermochte sich
heute nicht mehr daran zu erinnern (Urk. 68 S. 9). Die Verteidigung führte in ih-
rem Plädoyer aus, die Gesellschaft sei bereits seit längerer Zeit brach gelegen
und sei mittlerweile auch formell liquidiert worden (Prot. II S. 9). Kraft seiner Mit-
wirkungspflicht im Verwaltungsverfahren wäre es aber ohnehin am Beschuldigten
gewesen, gegebenenfalls nachzuweisen, wenn er und seine Ehefrau tatsächlich
nur noch über ganz geringe Mittel verfügten hätten, sodass von einem geringeren
Vermögen auszugehen gewesen wäre. Fakt ist, dass er die Zahl seit Jahren in
den Berechnungen akzeptiert hatte.
8.4. Unabhängig von der genauen Höhe des sonstigen Vermögens spielte es
eine Rolle für die Berechnung der Zusatzleistungen, ob das kosovarische Immobi-
lienvermögen bekannt war oder nicht. Ob ein Reinvermögen von Fr. 100'871.–
(Fr. 52'000.– Grundeigentum + Fr. 48'871.– anderweitiges Vermögen) oder bloss
ein solches von Fr. 48'871.– in die Leistungsberechnung einfliesst, beeinflusst
deren Ergebnis. Dem ist namentlich so, weil nach Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG (in der
Fassung vom 1. Januar 2013) ein Fünfzehntel bzw. bei Altersrentnerinnen und
Altersrentnern ein Zehntel des Reinvermögens als Einnahmen berücksichtigt wird,
insoweit es Fr. 60'000.– (bei Ehepaaren) übersteigt. Ausserdem wird regelmässig
auch ein (hypothetischer) Liegenschaftsertrag im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. b
und g ELG (in der Fassung vom 1. Januar 2013) als Einnahme mit eingerechnet.
Bei Liegenschaften, die keinen ernsthaften Mangel aufweisen, besteht eine natür-
liche Vermutung für eine Verwertbarkeit der Nutzungsmöglichkeiten zu einem an-
gemessenen Preis (JÖHL/USINGER-EGGER, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in:
Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV, 3. Aufl. 2016, S. 1838 f. Rz 157; illustrativ auch
Urteil SozversG ZH ZL.2019.00067 vom 22. Dezember 2020 E. 4, wo es um den
Ertrag einer unbewohnten Liegenschaft in Serbien ging). Ob es dem Beschuldig-
ten gelungen wäre nachzuweisen, dass er sein Grundeigentum in D._ objek-
tiv gesehen weder vermieten bzw. verpachten könnte, kann angesichts der Kumu-
lation mit den weiteren Umständen offen gelassen werden. Das Sozialversiche-
rungsgericht hat übrigens die Annahme eines Vermögensertrags in der konkreten
Situation geschützt (vgl. Urk. 20/6 E. 3.6 S. 15).
- 31 -
8.5. Wenn man mit den vorstehend eruierten Werten eine gestaffelte Neube-
rechnung vornimmt und diese mit den Berechnungen in Urk. 2/216 und 2/217
vergleicht, so resultieren für die verfahrensgegenständliche Zeitspanne (1. Mai
2014 bis 30. Juni 2015) tiefere Leistungen, wobei die Differenzsumme ungefähr
Fr. 5'000.– beträgt. Aus strafrechtlicher Sicht stellt dies den von der Stadt B._ aufgrund der Nichtdeklaration erlittenen Schaden dar.
9. Innerer Sachverhalt, subjektiver Tatbestand
9.1. Wie bereits erwähnt, wirft die Anklage dem Beschuldigten vor, er habe
das fragliche Deklarationsformular wahrheitswidrig ausgefüllt, um von der Stadt
B._ höhere Unterstützungsbeiträge zu erhalten, als er effektiv bei korrekter
Deklaration der Liegenschaften zugute gehabt hätte (Urk. 30 S. 3).
9.2. In subjektiver Hinsicht erfordert Art. 146 Abs. 1 StGB Vorsatz im Sinne von
Art. 12 Abs. 2 StGB. Der Vorsatz muss sich auf alle objektiven Merkmale und den
Kausalzusammenhang zwischen ihnen erstrecken, wobei Eventualvorsatz ge-
nügt. Für den Vorsatz der Täuschung ist erforderlich, dass der Täter die Bedeu-
tung seiner falschen Angaben für die vom Geschädigten begehrte Vermögensdis-
position erkennt. Auch die tatsächlichen Umstände, welche Arglist begründen,
müssen vom Vorsatz umfasst sein. Der Täter muss in Absicht unrechtmässiger
Bereicherung handeln. Eine Bereicherung ist eine dauernde oder bloss vorüber-
gehende wirtschaftliche Besserstellung im Sinne des Vermögensbegriffs. Un-
rechtmässig ist die Bereicherung, wenn sie im Widerspruch zu einer oder mehre-
ren Rechtsnormen steht. Die Absicht unrechtmässiger Bereicherung fehlt, wenn
sich der Täter mit der Sache nicht wirtschaftlich besser stellen will, wenn der Täter
der Auffassung ist, darauf einen Anspruch zu haben bzw. wenn er der Auffassung
ist, die Bereicherung stehe nicht im Widerspruch zur Rechtsordnung (BGE 81 IV
25 E. 1). Nach Auffassung des Bundesgerichts genügt eine «eventuelle Absicht»
(BGE 105 IV 29 E. 3).
9.3. Dass der Beschuldigte objektiv gesehen keinen begründeten Anlass hatte
davon auszugehen, die Deklaration seines Grundeigentums im Kosovo habe
keinen Einfluss auf die Bemessung der Zusatzleistungen, wurde bereits dargelegt
- 32 -
(E. II/8.4). Entscheidend ist im Übrigen nicht die Frage «Ergänzungsleistungen Ja
oder Nein?» – um sich strafbar zu machen, genügt bereits, wenn man mit unwah-
ren Angaben die Leistungshöhe zu seinen Gunsten beeinflusst.
Der Beschuldigte bezog schon seit rund 12 Jahren Ergänzungsleistungen vom
Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt B._ (vgl. Urk. 2/1). Es gab im
Laufe der Zeit zahlreiche Neuberechnungen und dementsprechend immer wieder
Aus-einandersetzungen über die Bemessungsgrundlagen und die Leistungshöhe.
Seit geraumer Zeit bekam der Beschuldigte nicht nur Unterstützung durch einen
Treuhänder (vgl. bspw. Urk. 2/98: M._ GmbH), sondern überdies in rechtli-
chen Fragen durch einen Anwalt (vgl. Urk. 2/34: Rechtsanwalt X._). Der Be-
schuldigte wurde zahlreich auf seine Meldepflichten aufmerksam gemacht, auch
im Formular, das er am 28. April 2014 unterzeichnete (Urk. 2/203). Als er dieses
unterschrieb, war er rund zwei Jahre zuvor nach einer Meldepflichtverletzung ge-
genüber demselben Amt wegen Betrugs verurteilt worden (Urk. 2/185). Er musste
also wissen, dass die Inanspruchnahme von Sozialversicherungsleistungen unter
unvollständigen bzw. zu spät eingereichten Angaben strafrechtlich verfolgt wird.
Verständigungsprobleme lassen sich ebenfalls ausschliessen; der Beschuldigte
ist der deutschen Sprache ausreichend mächtig und war überdies anwaltlich bera-
ten. Auch die Verteidigung machte heute geltend, es sei fraglich, ob der Beschul-
digte als «unbedarft» bezeichnet werden dürfe (Urk. 69 S. 2; Prot. II S. 11). Es ist
daher schlechterdings undenkbar, dass der Beschuldigte nie daran dachte, dass
er sein Immobilienvermögen in seiner Heimat eigentlich melden müsste, und zwar
unabhängig davon, ob er dieses geerbt oder geschenkt erhalten hatte. Ein Lapsus
lässt sich ausschliessen, da dies geradezu lebensfremd wäre.
Die Version des Beschuldigten überzeugt damit nicht, sondern ist als reine
Schutzbehauptung zu würdigen. Er muss um seine Meldepflicht gewusst und wil-
lentlich und mit der bewussten Inkaufnahme einer Täuschung der Mitarbeitenden
des Amts dagegen verstossen haben, um mehr Geld zur Verfügung zu haben.
- 33 -
10. Fazit
Abschliessend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte den objektiven und subjek-
tiven Tatbestand des Betruges gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB erfüllt hat. Mangels
Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe hat er sich schuldig gemacht.
III. Sanktion
1. Ausgangslage
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 6 Mona-
ten, deren Vollzug aufzuschieben sei bei einer Probezeit von 3 Jahren (Urk. 51
S. 19). Da einzig der Beschuldigte Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil er-
hob, fällt heute aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) ei-
ne strengere Bestrafung als jene der Vorinstanz von vornherein ausser Betracht.
2. Anwendbares Sanktionenrecht
Nachdem auf den 1. Januar 2018 die Änderung des Sanktionenrechts gemäss
dem Bundesgesetz vom 19. Juni 2015 in Kraft trat (AS 2016 1249), die vorliegend
zu beurteilende Tat aber davor ausgeübt wurde, fragt sich, ob das alte oder das
neue Recht anzuwenden sei. Im vorinstanzlichen Urteil finden sich bereits zutref-
fende allgemeine Ausführungen zur Thematik (Urk. 51 E. IV/1.1 S. 14). Die Vor-
instanz schloss, dass das neue Sanktionenrecht nicht zu einem milderen Ergeb-
nis führen würde, weshalb das tatzeitaktuelle alte Recht anwendbar sei.
Dem kann zugestimmt werden, jedenfalls wenn man – wie es die Vorinstanz tat
(Urk. 51 E. V/2 S. 18) – bei der Frage des Vollzugs dem Beschuldigten besonders
günstige Umstände im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB zubilligt. Hintergrund dieser
Fragestellung ist, dass der Beschuldigte innerhalb von fünf Jahren vor der heute
zu beurteilenden Tat, im März 2012, zu einer (bedingten) Geldstrafe von 180 Ta-
ges-sätzen verurteilt wurde (Urk. 52), womit nach altem Recht beurteilt die Ver-
mutung der günstigen Prognose gerade nicht mehr greift (Art. 42 Abs. 2 aStGB:
Verurteilung zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen), während
nach neuem Recht die Vermutung einer günstigen Prognose gerade noch greift
- 34 -
(Art. 42 Abs. 2 StGB in Verbindung mit der Übergangsbestimmung: Verurteilung
zu einer Geldstrafe von mehr als 180 Tagessätzen).
3. Strafzumessungsregeln, Strafrahmen
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. StGB
wiederholt dargelegt (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Auch im vo-
rinstanzlichen Urteil finden sich zutreffende Erwägungen zu den Strafzumes-
sungsregeln (Urk. 51 E. IV/4 S. 15). Auch diese brauchen nicht wiederholt zu
werden.
Der ordentliche Strafrahmen reicht bei Art. 146 Abs. 1 StGB von 1 Tagessatz
Geldstrafe (Art. 34 Abs. 1 aStGB) bis zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren. Die
Wahl der Strafart hat erst nach der Bemessung der konkreten Strafhöhe zu erfol-
gen, wenn es um ein Delikt geht, für das der Straftatbestand unterschiedliche
Strafarten vorsieht (vgl. MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl., Basel 2019,
N 466 f.; insofern methodisch nicht ganz korrekt die Vorinstanz in Urk. 51 E. IV/3
S. 15, die umgekehrt vorging).
4. Tatverschulden
Der Deliktszeitraum beschlägt rund 151⁄2 Monate, vom 28. April 2014 bis Mitte
August 2015. Der Deliktsbetrag kann mit Fr. 5'000.– als geringfügig bezeichnet
werden. Der Beschuldigte betrieb keinen besonderen Täuschungsaufwand; er
verschwieg jedoch trotz Kenntnis der Meldepflicht bewusst das vor vielen Jahren
schon von seinen Eltern übernommene Grundeigentum in seiner Heimat. Auf die-
se Weise vermochte er, zum finanziellen Nachteil des Gemeinwesens die Ein-
künfte von ihm und seiner Ehefrau um durchschnittlich ca. Fr. 320.– pro Monat
aufzubessern. Der Betrug am Gemeinwesen wiegt dabei erschwerend, zumal der
Beschuldigte damit dazu beigetragen hat, das Vertrauen der Bevölkerung in eine
Institution zu schwächen, welche für finanziell schlechter gestellte Bevölkerungs-
anteile essentiell ist. Dass der Gesetzgeber den Betrug am Gemeinwesen als
besonders verwerflich einstuft, zeigt sich auch daran, dass der Sozialhilfebetrug
eine Katalogtat für eine Landesverweisung darstellt (Art. 66a Abs. 1 lit. e StGB).
Die Sozialhilfebehörden können indessen nicht ohne Weiteres mit dem Amt für
- 35 -
Zusatzleistungen gleichgesetzt werden. Im ganzen Spektrum denkbarer Betrugs-
handlungen wiegt die objektive Tatschwere angesichts des Deliktszeitraums, des
Deliktsbetrags und des Tatvorgehens aber noch als leicht.
Was die subjektive Seite des Tatverschuldens betrifft, ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte direktvorsätzlich und offensichtlich aus finanziellem Motiv handelte.
Nicht zu verkennen ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 51 E. IV/5.2
S. 16) –, dass der Beschuldigte und seine Ehefrau im Tatzeitraum in engen finan-
ziellen Verhältnissen lebten. Überdies war er psychisch und physisch angeschla-
gen. Von nachvollziehbaren Beweggründen und Zielen kann dennoch nicht ge-
sprochen werden. Immerhin ist dem Beschuldigten aber zuzugestehen, dass die
subjektive Tatschwere die objektive leicht relativiert.
Im Ergebnis erscheint die Gewichtung des Tatverschuldens innerhalb des breiten
Spektrums von Betrugsfällen nach Art. 146 Abs. 1 StGB mit «leicht» als ange-
messen und damit eine hypothetische Einsatzstrafe von 120 Strafeinheiten als
gerechtfertigt.
5. Täterkomponente
Was die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten anbelangt, lässt sich was
folgt festhalten: Der Beschuldigte stammt aus dem Kosovo, wo er nach der obli-
gatorischen Schulzeit eine Mittelschule für Tourismus absolvierte. 1971 immigrier-
te er als Saisonnier in die Schweiz und lebt seither überwiegend hier, wo er bis zu
einem Verkehrsunfall im Jahr 1989 zunächst als Maschinenführer auf dem Bau
und sodann in der Tourismusbranche (Organisation von Reisen für Landsleute ins
Heimatland) tätig war. Mittlerweile verfügt der Beschuldigte über die C-Nieder-
lassungsbewilligung. Der Beschuldigte ist verheiratet mit einer Landsfrau, mit
welcher er einen heute erwachsenen Sohn hat (der im Bankwesen tätig ist). Von
diesem erhält er zwischendurch finanzielle Unterstützung in Höhe (Urk. 22 S. 9;
Urk. 68 S. 4 ff.). Insgesamt sind die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
strafzumessungsirrelevant.
Zu berücksichtigen ist hingegen, dass der Beschuldigte eine einschlägige Vorstra-
fe aufweist: Am 2. März 2012 wurde er schon einmal wegen einer nicht erfolgten
- 36 -
Meldung ans Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV (damals bezüglich erzielter
Erwerbseinkünfte seiner Ehefrau als Reinigungskraft) verurteilt, und zwar zu
180 Tagessätzen Geldstrafe (bedingt aufgeschoben bei 3 Jahren Probezeit) und
einer Busse von Fr. 1'800.– (Urk. 52 und 2/185). Nur etwas mehr als zwei Jahre
später, noch innerhalb der Probezeit, beging der Beschuldigte die heute zu beur-
teilende Betrugshandlung. Dies zeugt doch von einer gewissen Uneinsichtigkeit.
Ein Widerruf des bedingten Strafvollzugs der Vorstrafe kommt heute gemäss
Art. 46 Abs. 5 StGB nicht mehr in Frage. Beide Delikte liegen nun schon recht
lange zurück. Dies und aber auch der Umstand, dass die Vorstrafe ihre Wirkung
offenkundig verfehlt hatte, lässt eine moderate Straferhöhung als angezeigt er-
scheinen.
Von einer tatsächlichen Einsicht und Reue ins Unrecht seiner Tat kann beim
Beschuldigten zwar nicht gesprochen werden; er scheint sein Fehlverhalten als
kleinen Lapsus zu sehen. Strafmindernd zu berücksichtigen ist aber dennoch,
dass der Beschuldigte sein Grundeigentum zwar einige Jahre verspätet, letztlich
aber doch aus eigenen Stücken selber deklariert hat. Im Übrigen ist aber keine
konkrete Wiedergutmachungsbemühung auszumachen. In Teilen des äusseren
Sachverhalts zeigte er sich sogleich geständig, was die Untersuchung erleichter-
te.
Insgesamt halten sich straferhöhende und strafmindernde Aspekte in etwa die
Waage, so dass 120 Strafeinheiten als Strafe ausreichend erscheinen.
6. Strafart
In der tatzeitaktuellen Fassung sah das Gesetz für Strafen von weniger als sechs
Monaten nur in Ausnahmefällen kurze unbedingte Freiheitsstrafen vor (Art. 41
Abs. 1 aStGB). Für Strafen von mehr als sechs Monaten bis zu einem Jahr waren
alternativ Freiheitsstrafe oder Geldstrafe möglich (Art. 34 Abs. 1 aStGB), wobei
bei der Wahl der Sanktionsart als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer
bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld
sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen waren. Bei alternativ zur Ver-
fügung stehenden Sanktionen war (und ist auch heute noch) entsprechend dem
Prinzip der Verhältnismässigkeit die Geldstrafe als weniger eingriffsintensive
- 37 -
Sanktion zu bevorzugen (BGE 134 IV 82 E. 4.1; Urteil BGer 6B_112/2020 vom
7. Oktober 2020 E. 3.2).
Nachdem die auszufällende Strafe vorliegend unter sechs Monaten zu liegen
kommt und weil nur schon wegen des Verschlechterungsverbots der bedingte
Strafvollzug zu gewähren sein wird, scheidet eine Freiheitsstrafe vorliegend aus
und ist auf eine Geldstrafe zu erkennen.
7. Tagessatzhöhe
Wird eine Geldstrafe ausgefällt, bemisst sich die Höhe des Tagessatzes nach den
persönlichen und finanziellen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils,
namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Fami-
lien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs.
2 StGB).
Der Beschuldigte lebt unter dem Existenzminimum. Er erhält eine AHV-Rente in
der Höhe von Fr. 1'440.– pro Monat, seine Ehefrau eine solche von Fr. 830.–. Aus
der Pensionskasse erhält der Beschuldigte eine zusätzliche Rente in Höhe von
Fr. 900.– pro Monat. Das (Immobilien-) Vermögen des Beschuldigten scheint
nicht liquid. Abgesehen von seinem Grundeigentum im Kosovo erscheint der Be-
schuldigte heute als mittellos. Schulden hat der Beschuldigte nach eigener Dar-
stellung nur noch in Höhe von Fr. 2'000.– bis Fr. 3'000.– bei persönlich bekannten
Privatpersonen (Urk. 68 S. 2 ff.). Es ist daher gerechtfertigt, den Tagessatz auf
nur gerade Fr. 10.– festzulegen (vgl. BGE 135 IV 180 E. 1.4).
8. Vollzug
Die Vorinstanz gewährte dem Beschuldigten den bedingten Strafvollzug und setz-
te eine Probezeit von 3 Jahren an. Sie billigte dem Beschuldigten mit Blick auf die
verstrichene Zeit seit der Tat, sein seitheriges Wohlverhalten und sein fortge-
schrittenes Alter besonders günstige Umstände hinsichtlich des Rückfallrisikos zu
(Urk. 51 E. V/2). Diese Prognosestellung erfolgte zwar vor dem Hintergrund der
Abschreckwirkung einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe. Angesichts gegebener
objektiver Voraussetzung (Geldstrafe, Art. 42 Abs. 1 aStGB) und des erheblichen
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Aufwands, welcher dem Beschuldigten durch die verspätete Offenlegung seines
Grundeigentums insgesamt entstand (im Verwaltungs- und im Strafverfahren), ist
aber doch anzunehmen, dass er künftig die verlangte Sorgfalt im Umgang mit der
Meldepflicht anwenden wird. Es erscheint daher gerade noch gerechtfertigt, die
Strafe bedingt aufzuschieben bei einer Probezeit von 3 Jahren.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kostenfolgen
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage ge-
mäss den Dispositivziffern 7 und 8 zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Kosten des Berufungsverfahrens
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
Die Kostenauflage erfolgt im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen (Art. 428
Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mehrheitlich, obsiegt aber bezüglich der
Strafe (Strafhöhe, Strafart). Es rechtfertigt sich somit, die zweitinstanzlichen Kos-
ten – mit Ausnahme der Entschädigung der amtlichen Verteidigung – zu 2/3 dem
Beschuldigten aufzuerlegen und zu 1/3 auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung sind – unter Vorbehalt der Rückforderung im
Umfang der Kostenauflage – auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4
StPO).
3. Entschädigung der amtlichen Verteidigung
Der amtliche Verteidiger macht für das Berufungsverfahren – inkl. einer Schät-
zung des Aufwands für die Berufungsverhandlung – einen Aufwand von
Fr. 4'377.45 geltend (Urk. 70). Der von ihm bezifferte Aufwand ist ausgewiesen
und erscheint angemessen. Unter Berücksichtigung der tatsächlichen Dauer der
Berufungsverhandlung (vgl. Prot. II S. 5 ff.) und Zuschlägen für Weg und Nachbe-
sprechung ist die amtliche Verteidigung mit pauschal Fr. 4'600.– (inkl. Mehrwert-
steuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
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