Decision ID: cee94402-3f4f-4c06-9060-e4ad62a50b39
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X, geb. 8. Sept. 1963, ist unselbständig erwerbend, geschieden und lebt in einer 3-
Zimmerwohnung in A. Er ist Eigentümer eines vermieteten Einfamilienhauses in B,
dessen Verkehrswert im Jahre 2005 auf Fr. 540'000.-- geschätzt wurde. Per Ende 2008
war die Immobilie mit Grundpfandschulden in der Höhe von Fr. 553'750.-- belastet.
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In der Steuererklärung 2008 deklarierte X ein steuerbares Einkommen von Fr. 27'767.--
und kein steuerbares Vermögen. In der Folge wurde er für die Staats- und
Gemeindesteuern 2008 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 27'700. und ohne
steuerbares Vermögen veranlagt, was einem Steuerbetrag von Fr. 2'883.05 entspricht.
B.- Am 25. Mai 2009 stellte X ein Erlassgesuch für die ausstehenden Staats- und
Gemeindesteuern 2008 in der Höhe von Fr. 2'277.-- und reichte gleichzeitig den
Fragebogen betreffend Erlassgesuch ein. Mit Entscheid vom 19. Februar 2010 wies
das kantonale Steueramt das Gesuch ab.
C.- Mit Eingabe vom 1. März 2010 erhob X gegen den ablehnenden Erlassentscheid
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die Staats- und
Gemeindesteuern 2008 seien zu erlassen. Am 14. März 2010 ergänzte er den Rekurs
und reichte das Formular zur Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse ein. Die
Vorinstanz reichte die Vorakten am 12. April 2010 ein. Am 27. April 2010 leistete X den
Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 500.--.
Mit Vernehmlassung vom 22. Juni 2010 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des
Rekurses. X nahm dazu mit Eingabe vom 12. Juli 2010 Stellung. Auf die von den
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen und die

Akten wird, soweit notwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 1. März 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 und Art. 224 Abs. 4 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG;
Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Steuerpflichtigen, die in Not geraten sind oder für welche die Bezahlung der
Steuern, der Zinsen, der Bussen oder der Kosten eine grosse Härte bedeutet, kann der
geschuldete Betrag gestundet oder ganz oder teilweise erlassen werden (Art. 224
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Abs. 1 StG). Dem Wesen nach handelt es sich beim Steuererlass um den
nachträglichen Verzicht des Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden
steuerrechtlichen Anspruch. Anlass dazu geben vor allem Rücksichten auf die Person
des Schuldners. Dieser soll aus humanitären, sozialpolitischen oder
volkswirtschaftlichen Gründen nicht in seiner wirtschaftlichen Existenz gefährdet
werden. Die Grundsätze einer gesetzmässigen Verwaltung und der Rechtsgleichheit
legen es allerdings nahe, dass der Gesetzgeber klare Vorgaben schafft. Die Tendenz,
den Steuererlass nicht mehr bloss dem freien Ermessen der zuständigen Behörde
anheim zu stellen, sondern von näher umschriebenen Voraussetzungen abhängig zu
machen und dann auch einen eigentlichen, durchsetzbaren Rechtsanspruch zu
begründen, setzt sich immer mehr durch.
Während im Kanton St. Gallen keine näheren Vollzugsvorschriften auf Gesetzes- oder
Verordnungsstufe existieren, gibt es auf Bundesebene die Verordnung des
Eidgenössischen Finanzdepartements über die Behandlung von Erlassgesuchen für die
direkte Bundessteuer (SR 642.121, abgekürzt: Steuererlassverordnung). Im Kanton St.
Gallen sind weitere Erläuterungen dem Steuerbuch zu entnehmen (StB 224). Der
Steuererlass ist ausschliesslich im Zusammenhang mit der Steuervollstreckung zu
verstehen. Es kann nicht darum gehen, die Begründetheit einer Steuerforderung zu
prüfen und allenfalls die Veranlagung zu korrigieren. Das Erlassverfahren ersetzt weder
das Rechtsmittel-, noch das Revisionsverfahren (Zweifel/Casanova, Schweizerisches
Steuerverfahrensrecht: Direkte Steuern, Zürich 2008, § 31 N 3 f.; StB 224 Nr. 1 Ziff. 1.1
und 1.2). Aus Gründen der rechtsgleichen Behandlung der Steuerpflichtigen muss der
Steuererlass eine seltene Ausnahme bleiben, welche nur unter bestimmten
Voraussetzungen gewährt wird (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. Juni
2009, A-3663/2007, E. 2.2, publiziert in StR 2009 S. 672 ff.).
Eine Notlage liegt vor, wenn der gesamte geschuldete Betrag in einem Missverhältnis
zur finanziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person steht. Dies trifft
insbesondere dann zu, wenn die Steuerschuld trotz Einschränkung der
Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum in absehbarer Zeit nicht
vollumfänglich getilgt werden kann. In jedem Fall liegt eine Notlage vor bei
Einkommens- und Vermögenslosigkeit oder wenn die öffentliche Hand für die
Lebenshaltungskosten der steuerpflichtigen Person und deren Familie aufkommen
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muss (Zweifel/Casanova, a.a.O., § 31 N 10; StB 224 Nr. 1 Ziff. 1.4). Eine grosse Härte
ist gegeben, wenn die Entrichtung der Steuern für den Pflichtigen ein Opfer bedeuten
würde, das in einem krassen Missverhältnis zu seiner finanziellen Leistungsfähigkeit
steht und ihm billigerweise nicht zugemutet werden kann. Dies trifft etwa zu, wenn die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person durch besondere
Umstände wie aussergewöhnliche Belastungen durch den Unterhalt der Familie,
dauernde Arbeitslosigkeit oder Krankheit, Unglücksfälle usw. erheblich beeinträchtigt
wird (StR 2009 S. 677).
Vorhandenes Vermögen schliesst den Steuererlass nicht von Vornherein aus.
Massgebend ist vielmehr, ob die Belastung oder Verwertung dieses Vermögens als
zumutbar erscheint (Zweifel/Casanova, a.a.O., § 31 N 15). Ist eine steuerpflichtige
Person überschuldet, so befindet sie sich zwar in besonders schwierigen Verhältnissen.
Weil ihre Mittel aber nicht zur Befriedigung aller Gläubiger ausreichen, würde nicht sie
selbst von einem Verzicht der Steuerbehörden profitieren, sondern primär ihre übrigen
Gläubiger, welche beim Zugriff auf das pfändbare Einkommen und Vermögen einen
Konkurrenten verlieren. Es ist daher sachlich haltbar, wenn unter diesen Umständen
von einem Steuererlass abgesehen wird. Wenn jedoch sämtliche Gläubiger in gleichem
Mass wie die Steuerbehörden auf ihre Forderung verzichten, kommt ein Steuererlass
trotz Überschuldung in Frage (StR 2009 S. 674; BGE 2P.307/2004; vgl. dazu auch Art.
10 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 Steuererlassverordnung).
Massgebend sind die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen
Person im Zeitpunkt des Entscheids, wobei jedoch auch die Entwicklung seit der
Veranlagung, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, sowie die Zukunftsaussichten zu
berücksichtigen sind. Übliche Einkommensschwankungen als solche begründen noch
keine Notlage (Zweifel/Casanova, a.a.O., § 31 N 12; StB 224 Nr. 1 Ziff. 1.3).
b) Der Rekurrent macht geltend, sein aktueller Lohn betrage nach Abzug der
geschuldeten Kinderalimente nur noch Fr. 2'650.--. Davon bezahle er Fr. 1'190.-- für
die Miete der 3-Zimmerwohnung. Diese benötige er dringend, damit er seine drei
Kinder regelmässig beherbergen könne. Im Weiteren zahle er monatlich Fr. 200.-- an
das Steueramt. Die bestehenden Betreibungen und Verlustscheine seien Folgen der
Trennung. Er habe keine Möglichkeit, diese Schulden zu begleichen. Insgesamt
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bestünde kein finanzieller Spielraum und folglich fehle es an den notwendigen Mitteln,
um die bestehenden Steuerschulden zu begleichen. Im Gegenteil, im Zusammenhang
mit der Rekurserhebung habe er das zinslose Darlehen von Y um Fr. 500.-- auf Fr.
5'500.-- erhöhen müssen. Diese Situation würde sich nicht ändern, bis die jüngste
Tochter ihre Erstausbildung abgeschlossen habe. Die älteste Tochter erhalte immer
noch monatlich Fr. 750.--, obwohl sie eine Lehre begonnen habe und für ihren
Lebensunterhalt jetzt teilweise selbst aufkommen könnte. Um die gerichtliche
Herabsetzung der Alimentenzahlung habe er sich schon früher bemüht, dies sei aber
abgelehnt worden.
Die Vorinstanz weist darauf hin, dass der Steuererlass ausschliesslich im
Zusammenhang mit der Steuervollstreckung zu verstehen sei. Anordnungen des
Zivilrichters in einem Scheidungsurteil, die eine andere Verteilung der Steuerlast
beziehungsweise der Tilgung vorsehen, seien für den Bezug der Steuern
bedeutungslos. Es liege deshalb in der Verantwortung des Rekurrenten, sich um die
Herabsetzung der Alimentenzahlungen zu bemühen. Im Weiteren müsse der Erlass
dem Steuerschuldner zugutekommen und nicht dessen Gläubigern. Der Rekurrent
weise Schulden von insgesamt Fr. 5'600.-- gegenüber Dritten aus. Es sei nicht
akzeptabel, die Tilgung von Forderungen gegenüber Dritten jenen der
steuerberechtigten Gemeinwesen voranzustellen. Auch dann nicht, wenn die
erarbeiteten Mittel des Rekurrenten nicht ausreichten, das betreibungsrechtliche
Existenzminimum zu decken und die Steuerschulden zu begleichen. Auf die
Berechnung der frei verfügbaren Quote könne deshalb verzichtet werden.
c) Entscheidend für das Vorliegen einer Notlage ist, dass der Rekurrent trotz
Einschränkung der Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum die noch offene
Steuerschuld 2008 von Fr. 2'277.-- mit seinen Einkünften in absehbarer Zeit nicht
vollumfänglich tilgen kann. Abzustellen ist dabei praxisgemäss auf das
betreibungsrechtliche Existenzminimum nach Art. 93 SchKG (Art. 3 Abs. 2
Steuererlassverordnung; StR 2009 S. 677). Das Existenzminimum errechnet sich nach
den Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums
(Notbedarf) nach Art. 93 SchKG der Konferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten
Schweiz (KS BKB CH) beziehungsweise dem Kreisschreiben über die Berechnung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums (Notbedarf) der Aufsichtsbehörde für
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Schuldbetreibung und Konkurs des Kantons St. Gallen (KS AB SG). Demnach setzt
sich das Existenzminimum zur Hauptsache aus einem monatlichen Grundbetrag, aus
den konkreten Wohn- und Heizungskosten, den Kosten für Krankenkasse,
Berufsauslagen, Ausbildungskosten sowie für Unterhaltsleistungen zusammen.
aa) Der Grundbetrag enthält Aufwendungen für Nahrung, Kleidung, Wäsche, Körper-
und Gesundheitspflege, Unterhalt der Wohnungseinrichtung, Auslagen für
Beleuchtung, Kochenergie, Radio-, TV- und Telefongebühren sowie für kulturelle
Bedürfnisse und Freizeitgestaltung (Ziff. 3 KS AB SG). Für alleinstehende Personen
beträgt er im Kanton St. Gallen Fr. 1'230.--. Er ist damit höher als jener der Richtlinien
für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe von Fr. 983.-- (ohne
situationsbedingte Leistungen und Integrationszulagen, indexiert auf Stand 2008, vgl.
unter www.skos.ch). Unter den Wohnkosten ist der effektive Mietzins für eine Wohnung
oder ein Zimmer zu verstehen. Ein den wirtschaftlichen Verhältnissen und persönlichen
Bedürfnissen nicht angemessener Mietzins ist nach Ablauf des nächsten
Kündigungstermins auf ein ortsübliches Normalmass herabzusetzen (Ziff. 4.1 KS AB
SG). Dabei ist jedoch auch zu beachten, dass bei einem Wohnungsumzug weitere
Kosten entstehen. Bei einer geringen Differenz zwischen dem effektiven Mietzins und
dem ortsüblichen Normalzins kann sich eine Herabsetzung daher unter Umständen als
nicht verhältnismässig erweisen. Bei der Krankenversicherung werden nur die Prämien
für die Grundversicherung angerechnet (Ziff. 4.3 KS AB SG). Die unter die
Jahresfranchise fallenden und vom Schuldner tatsächlich zu bezahlenden
Gesundheitskosten sind in voller Höhe zu berücksichtigen (Ziff. 4.3 KS AB SG).
Gemäss Ziff. 10.1 KS AB SG werden die laufenden Steuern bei der Berechnung des
Existenzminimums berücksichtigt, wenn diese bisher bezahlt wurden und auf einer
Veranlagung beruhen (vgl. auch GVP 2002 Nr. 108).
bb) Die Vorinstanz hat in der Vernehmlassung zum Rekurs auf die Berechnung der frei
verfügbaren Quote aufgrund der bestehenden Schulden gegenüber Dritten verzichtet.
Bei der Beurteilung des Erlassgesuches hat sie aber für den Rekurrenten folgendes
Existenzminimum ermittelt:
Grundbedarf Fr. 1'230.--
anrechenbarer MietzinsFr. 1'100.--
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Krankenkasse Fr. 290.--
Pauschale für besondere Aufwendungen Fr. 250.--
Unterhaltsbeiträge Fr. 1'900.--
anderer ausgewiesener Notbedarfsaufwand Fr. 1'700.--
Total monatliche Kosten Fr. 6'470.--
Die Vorinstanz stellte die monatlichen Kosten dem monatlichen Einkommen von
Fr. 4'783.-- und dem Liegenschaftsertrag von Fr. 2'300.-- gegenüber und errechnete
eine freie Quote von Fr. 613.--, die für monatliche Teilzahlungen von Fr. 550.-- genutzt
werden könnte. Auf diese Weise wäre es möglich die Steuerschuld von Fr. 2'277.--
innert 5 Monaten zurückzuzahlen.
cc) Die Berechnung des Rekurrenten unterscheidet sich von jener der Vorinstanz in den
angeführten Positionen nicht wesentlich. Er gibt jedoch an, sein finanzieller Spielraum
sei durch nicht näher bezifferte Arztkosten, die laufenden Steuern in der
Grössenordnung von ungefähr Fr. 300.-- pro Monat (act. 1) und die zu hohen
Alimentenzahlungen erheblich eingeschränkt (act. 5).
Gemäss dem KS AB SG ist es zulässig, die effektiven Arztkosten unter der
Jahresfranchise in voller Höhe zu berücksichtigen. Im Fragebogen betreffend
Erlassgesuch vom 25. Mai 2009 gibt der Rekurrent Kosten in der Höhe von Fr. 22.--
pro Monat an. In der Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse für den Erlass vom
14. März 2010 bezifferte er die Kosten nicht mehr, sondern hält nur fest, die unter der
Franchise von Fr. 2'500.-- liegenden Arztkosten würden die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit schmälern. Der Einbezug der laufenden Steuern kann nur in Betracht
gezogen werden, wenn die Steuern in der Vergangenheit immer bezahlt wurden (GVP
2002 Nr. 108). Das hat der Rekurrent nicht getan. Das Betreibungsamt weist per 9.
März 2010 vier Verlustscheine in der Höhe von insgesamt Fr. 8'229.05 zugunsten des
Gemeindesteueramts W aus (act.9/Va). Ebenfalls nicht zu berücksichtigen sind die
seiner Meinung nach überhöhten Alimentenzahlungen. Der Rekurrent muss auf dem
zivilrechtlichen Weg versuchen, die Zahlungen auf ein den veränderten Umständen
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angemessenes Mass zu reduzieren. Folglich sind bis auf die angegebenen Arztkosten
keine Ausgaben dargetan, welche die von der Vorinstanz berechnete verfügbare Quote
entscheidend verringern würden.
dd) Einen wesentlichen Einfluss auf die Liquidität des Rekurrenten hat die Liegenschaft
in B. Aus dem Vergleich der den Akten angefügten Steuerklärungen 2008 und 2009 ist
zu erkennen, dass die auf der Liegenschaft in B lastende Hypothek im Jahre 2009 von
Fr. 553'750.-- auf Fr. 545'000.-- reduziert wurde; dies entspricht einer Amortisation von
Fr. 729.15 pro Monat (act. 6/1; 9/1k). Aus den Akten ergibt sich für das Jahr 2009
folgendes Bild:
Mittelabfluss Mittelzufluss
MietzinseinnahmeFr. 2'300.00
Schuldzinsen Fr. 1'340.00
Prämien Fr. 290.00
Unterhalt Fr. 279.00
Saldo Liegenschaftsrechnung Fr. 1'909.00Fr. 2'300.00
Amortisation Fr. 729.15
Zuschuss aus Einkommen Fr. 338.15
Total Fr. 2'638.15 Fr. 2'638.15
Die Berechnung zeigt, dass der Rekurrent mit der Liegenschaft einen monatlichen
Überschuss von Fr. 391.-- erzielte. Dieser Betrag reichte jedoch nicht aus, um die
monatlichen Amortisationszahlungen in der Höhe von Fr. 729.15 zu leisten. Die
fehlenden Fr. 338.15 mussten aus dem laufenden Erwerbseinkommen bestritten
werden. Dieser Betrag stand folglich für die Bezahlung der Steuerschuld nicht zur
Verfügung. Der Rekurrent hat somit der Amortisation privater Schulden den Vorzug
gegeben. Dem Steuerpflichtigen wird jedoch zugemutet, dass er seinen
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Zahlungspflichten gegenüber dem Fiskus in gleichem Umfang wie gegenüber privaten
Gläubigern nachkommt (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st.
gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 411). Dies ist auch in Art. 10 Abs. 2 der
Steuererlassverordnung so vorgesehen. Bei Vorliegen einer Notlage aufgrund hoher
Grundpfandschulden ist ein Erlass der Steuerschuld nur im Rahmen des Verzichts der
anderen Gläubiger zulässig.
ee) Im Zusammenhang mit der Liegenschaft stellt sich zudem die Frage, ob nicht ein
Vermögenssubstrat besteht, welches ausreichen würde, um die bestehende
Steuerschuld zu decken. Die Liegenschaft wurde in der Steuererklärung 2009 mit
einem Verkehrswert von Fr. 540'000.-- und einer hypothekarischen Belastung von
Fr. 545'000.-- erfasst. Der Verkehrswert basiert auf einer Schätzung aus dem Jahre
2005 (Verkehrswertschätzung 1993: Fr. 190'000.-- [act. 9/IVk]). Er entspricht einem
mittleren Marktwert, welcher unter Zuhilfenahme von Real- und Ertragswert berechnet
wurde (act. 9/IVh). Geht man von der üblichen Praxis der kreditgebenden
Raiffeisenbank A aus, ein Objekt bis maximal 80% seines Wertes zu belehnen (vgl.
www.raiffeisen.ch, Privatkunden/Finanzieren/Zinssätze und Konditionen), ist
anzunehmen, dass die Bank anlässlich der Hypothezierung von einem deutlich höheren
Wert ausging. Es ist deshalb nicht auszuschliessen, dass mit dem Verkauf des Objekts
ein über dem Verkehrswert liegender Erlös erzielbar wäre, der über die Tilgung der
Hypothekarschuld hinaus zur Rückzahlung weiterer Schulden verwendet werden
könnte. Das Betreibungsregister weist gegenüber dem Rekurrenten Forderungen in der
Höhe von insgesamt Fr. 8'829.05 aus. Es bestehen vier Verlustscheine zugunsten des
Gemeindesteueramtes W in der Höhe von Fr. 8'229.05 und einer zugunsten des
Kreisgerichts Werdenberg-Sargans in der Höhe von Fr. 600.-- (act. 9/If). Eine weitere
Schuldposition besteht nach Angaben des Rekurrenten in Form eines zinslosen
Privatdarlehens in der Höhe von Fr. 5'500.-- (act. 9/Ix und 16). Unter Hinzurechnung
der geschuldeten Staats- und Gemeindesteuern für das Jahr 2008 ergeben sich somit
Schulden gegenüber dem Fiskus in der Höhe von Fr. 10'506.05 und gegenüber Dritten
im Betrag von Fr. 6'100.--. Folglich würde ein gegenüber dem Verkehrswert um drei bis
vier Prozent erhöhter Verkaufspreis die Rückzahlung aller Schulden ermöglichen.
Das Vorhandensein von Vermögen schliesst einen Erlass jedoch nicht aus, wenn die
Verwertung des zum Verkehrswert bewerteten Vermögens nicht zumutbar ist (vgl.
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Richner/Frei/ Kaufmann/ Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Auflage Zürich 2009,
Art. 167 N 31). Davon ist aber im vorliegenden Fall nicht auszugehen. Der Rekurrent
bewohnt das Haus nicht selber; er vermietet es an eine Drittperson. Weitere Gründe,
die einen Verkauf unzumutbar erscheinen liessen, können den Akten nicht entnommen
werden.
d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die dem Rekurrenten monatlich
verbleibende Quote von Fr. 613.-- ausreicht, um die Steuerschuld in wenigen Monaten
abzuzahlen. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass ihm im Jahre 2009 genügend
flüssige Mittel zur Verfügung standen, um die Grundpfandschuld um Fr. 8'750.-- zu
reduzieren. Somit hat der Rekurrent einen privaten Gläubiger gegenüber dem Fiskus
bevorzugt. Angesichts der gesamten Schuldensituation ist davon auszugehen, dass
von einem Verzicht der Steuerbehörden auch weiterhin Drittgläubiger profitieren
würden. Damit wäre der Zweck des Steuererlasses verfehlt, der eben gerade darin
liegt, dass er dem Steuerpflichtigen und nicht Dritten zugutekommt (Urteil des
Bundesgerichtes 2P.307/2004 vom 9. Dezember 2004, E. 3.2). Im Weiteren bestehen
zumindest Anhaltspunkte dafür, dass die Notsituation des Rekurrenten durch den
Verkauf der Liegenschaft in B umfassend behoben werden könnte. Unter diesen
Umständen ist es nicht sachgerecht, dass der Fiskus vorauseilend auf seine
Forderungen verzichtet. Ein Verzicht wäre erst dann angezeigt, wenn die übrigen
Gläubiger im Rahmen einer Gesamtsanierung im gleichen Umfang auf Forderungen
verzichten würden und die Situation des Rekurrenten dadurch nachhaltig verbessert
werden könnte. Deshalb ist von einem Steuererlass abzusehen und der Rekurs
abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen ist eine Entscheidgebühr von Fr. 500.--
(vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 500.-- ist zu verrechnen.