Decision ID: f5471ce8-6464-5c9d-8b19-eb712748b7a6
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eheleute X. und Y.wohnen mit ihrem 1992 geborenen Sohn B. in St. Gallen. X.
ist bei der C. AG angestellt, deren Verwaltungsratspräsident er auch ist. Y.ist ebenfalls
unselbständig erwerbstätig. In der Steuererklärung 2002 deklarierten die Eheleute ein
steuerbares Einkommen von Fr. 201'124.-- und ein steuerbares Vermögen von
Fr. 1'387'500.--. Sie wurden vom kantonalen Steueramt mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 197'100.-- zum Satz von Fr. 203'600.-- und einem steuerbaren
Vermögen von Fr. 1'246'000.-- zum Satz von Fr. 1'395'000.-- veranlagt. Für die Staats-
und Gemeindesteuern 2003 reichten sie keine Steuererklärung ein. Sie wurden in der
Folge am 21. September 2005 ermessensweise mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 224'500.-- zum Satz von Fr. 230'300.-- und einem steuerbaren Vermögen von
Fr. 1'204'000.-- zum Satz von Fr. 1'348'000.-- veranlagt.
Im Wertschriftenverzeichnis der Steuererklärung 2004 deklarierten die Eheleute den
Erhalt einer Erbschaft bzw. eines Vermächtnisses von M. im Betrag von
Fr. 2'300'000.--. M. war am .. Oktober 2002 in Spanien verstorben und hatte in ihrem
Testament X. und B. je mit einem Vermächtnis bedacht. Die Teilung des Nachlasses
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fand am .. Oktober 2003 statt. Das kantonale Steueramt veranlasste am 9. Mai 2007
die Einleitung eines Nachsteuer- und allenfalls Strafsteuerverfahrens gegen Y.
Am 12. Dezember 2007 orientierte das kantonale Steueramt Y.über die Einleitung des
Nachsteuerverfahrens. Nach weiteren Abklärungen teilte es ihnen mit, im
Nachsteuerverfahren seien für 2002 nicht erfasste Vermögenswerte von Fr. 498'000.--
und für 2003 nicht erfasste Einkünfte von Fr. 23'000.-- und nicht erfasste
Vermögenswerte von Fr. 2'300'000.-- festgestellt worden. Ausserdem wurde die
Einleitung eines Untersuchungsverfahrens wegen Steuerhinterziehung angekündigt.
Am 25. März 2008 wurde eine Nachsteuer für die Staats- und Gemeindesteuern der
Jahre 2002 und 2003 im Betrag von Fr. 25'204.45 veranlagt. Diese Veranlagung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Am 8. Mai 2008 leitete das kantonale Steueramt wegen des nicht deklarierten
Vermögenszuwachses aufgrund des Todes von M. in den Steuererklärungen 2002 und
2003 gegen X. und Y.ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung ein. Mit Strafbescheid
vom 31. Oktober 2008 wurde Y. wegen Steuerhinterziehung mit Fr. 11'812.25 gebüsst,
und es wurden ihr Verfahrenskosten von Fr. 550.-- auferlegt. Mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 3. Dezember 2008 erhob Y. Einsprache gegen den
Strafbescheid. Das kantonale Steueramt übermittelte in der Folge die Angelegenheit
der Verwaltungsrekurskommission zur gerichtlichen Beurteilung. Diese behandelte die
Angelegenheit an einer öffentlichen Verhandlung. Mit Entscheid vom 18. Dezember
2008 sprach sie Y. der Steuerhinterziehung hinsichtlich des Vermächtnisses des
Sohnes für die Steuerjahre 2002 und 2003 schuldig und bestrafte sie mit einer Busse
von Fr. 2'000.-- (Ziff. 2). Vom Vorwurf der Steuerhinterziehung hinsichtlich des
Vermächtnisses ihres Ehemannes sprach sie Y.frei (Ziff. 1). Die Kosten des
Untersuchungsverfahrens von Fr. 550.-- und des Gerichtsverfahrens von Fr. 1'500.--
wurden zu einem Sechstel Y. und zu fünf Sechsteln dem Staat auferlegt (Ziff. 3). Der
Staat wurde ausserdem verpflichtet, Y. mit Fr. 5'159.40 zu entschädigen. Die
Verwaltungsrekurskommission erwog, X. und dessen Sohn hätten bereits mit dem Tod
von M. die Forderungen aus den Vermächtnissen erworben, selbst wenn diese
anfänglich nur unter der Bedingung bestanden, dass die Erbschaft angenommen
werden würde. Die Vermächtnisforderungen seien daher ab dem Todestag zum
Vermögen der Bedachten zu rechnen. Folglich hätte Y. im Wertschriftenverzeichnis die
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Frage nach dem Erhalt eines Vermächtnisses im Jahr 2002 als gesetzliche Vertreterin
ihres Sohnes bejahen müssen. Für 2003 sei eine Ermessensveranlagung vorgenommen
worden. Dabei hätte Y. ohne weiteres erkennen können, dass das Vermögen nach
Erhalt des Legates ihres Sohnes im Jahr 2003 um Fr. 700'000.-- zu tief ausgefallen und
damit unvollständig gewesen sei. Sie wäre daher verpflichtet gewesen, Einsprache zu
erheben und die Vorinstanz vollumfänglich über das höhere Vermögen zu informieren.
Ab Erhalt der Vermächtnisse am 21. November 2003 sei auch deren Ertrag steuerbar
gewesen. Mit der Hinnahme der Ermessensveranlagung, in welcher der Ertrag des neu
zugeflossenen Vermögens des Sohnes nicht erfasst gewesen und wodurch eine
Steuerverkürzung eingetreten sei, sei der objektive Tatbestand der Steuerhinterziehung
auch bezüglich des steuerbaren Einkommens 2003 erfüllt. In subjektiver Hinsicht ging
die Verwaltungsrekurskommission davon aus, Y. habe ihrem Ehemann vertraut und die
Steuererklärung unterzeichnet, ohne deren Inhalt zu prüfen. Wer bewusst ungelesene
Urkunden unterzeichne, könne sich nicht darauf berufen, den wahren Inhalt nicht
gekannt zu haben. Durch ihr passives Verhalten habe sie eine Steuerhinterziehung
zumindest in Kauf genommen, ebenso bei der Ermessensveranlagung 2003.
B./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 15. Januar und 17. Februar 2010 erhob
Y.Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission vom 18. Dezember 2009 sei in Ziff. 2 bis 4
vollumfänglich aufzuheben, sie sei von Schuld und Strafe betreffend Staats- und
Gemeindesteuern 2002 und 2003 vollumfänglich freizusprechen, es seien ihr sowohl im
Untersuchungsverfahren als auch im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen und es sei der Staat zu verpflichten, ihr die im
Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission geltend gemachten ausseramtlichen
Kosten im Betrag von Fr. 13'957.10 vollumfänglich zu entschädigen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. Zur Begründung wird im wesentlichen
vorgebracht, der Sachverhalt in bezug auf das Steuerjahr 2002 sei unrichtig und
unvollständig festgestellt worden. Es treffe nicht zu, dass ihr Sohn im Jahr 2002 ein
Vermächtnis erhalten habe. Auch sei der Sachverhalt in bezug auf das Steuerjahr 2003
falsch und unvollständig festgestellt worden. Die Vorinstanz habe in krasser Verletzung
des rechtlichen Gehörs und des Untersuchungsgrundsatzes sowie der
Unschuldsvermutung die Tatsache völlig übergangen, dass ihr Ehemann am
24. August 2005 ein fünftes Fristerstreckungsgesuch eingereicht habe. Wenn die
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Steuerbehörde das Fristverlängerungsgesuch entgegen ihrer Aktenführungspflicht
unter den Tisch wische, um eine Ermessensveranlagung und danach ein
Hinterziehungs- und Strafverfahren durchzuführen, so missbrauche sie ihre
Amtsgewalt. Es könne nicht Aufgabe der Steuerbehörde sein, ein
Fristverlängerungsgesuch mit einer kurzen einmonatigen Frist zu ignorieren, um ohne
Ankündigung eine Ermessensveranlagung und in der Folge ein Nach- und
Strafsteuerverfahren durchzuführen. Ausserdem sei der subjektive Tatbestand falsch
und unvollständig festgestellt worden. Ihr Sohn habe im Jahr 2002 keinen
Vermächtnisanspruch gehabt. Hinsichtlich des Jahres 2003 habe ihr Ehemann nach
der zu Unrecht vorgenommenen Ermessensveranlagung der Steuerbehörde mitgeteilt,
dass sich das Vermögen verändert habe. Die Erhebung einer Strafsteuer im Jahr 2003
verstosse daher gegen Treu und Glauben.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 2. März 2010 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der Beschwerde.
Das kantonale Steueramt beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen und ihr
Entscheid vom 18. Dezember 2009 sei zu bestätigen.
Die Beschwerdeführerin erhielt Gelegenheit, zur Vernehmlassung des kantonalen
Steueramts Stellung zu nehmen. Dies tat sie mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
18. Mai 2010.
Auf die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin wird, soweit notwendig, in den
nachstehenden Erwägungen näher eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 270 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeführerin ist zur
Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert, und ihre Eingaben vom 15. Januar und
17. Februar 2010 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 270 StG in Verbindung mit Art. 269 und Art. 161 StG sowie Art. 64
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Somit ist auf die Beschwerde einzutreten.
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Die Beschwerdeführerin hat in Ziff. 1 bis 6 ihrer Beschwerdebegründung vom 17.
Februar 2010 die Beschwerdeschrift ihres Ehemannes wiederholt. In Ziff. 7 und 8
werden spezifische Rügen gegen die der Beschwerdeführerin auferlegte Busse
vorgebracht. Soweit unbesehen die Argumente des Ehemannes vorgebracht werden,
ist auf die Beschwerde insoweit einzutreten, als der Ehemann wie die
Beschwerdeführerin gesetzliche Vertreter ihres Sohnes waren.
Das kantonale Steueramt beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen und sein
Entscheid vom 18. Dezember 2009 sei zu bestätigen. Diesem Antrag kann nicht
entsprochen werden. Erhebt die verurteilte Person Einsprache gegen den
Strafbescheid, gilt dieser als Anklage (Art. 265 Abs. 2 StG). Im Rahmen der
gerichtlichen Beurteilung nach Art. 264 ff. StG hat ein Schuldspruch und/oder ein
Freispruch zu ergehen. Im Beschwerdeverfahren kann der Strafbescheid bzw. die
Anklageschrift nicht bestätigt werden. Lediglich Freisprüche und Schuldsprüche
können aufgehoben oder bestätigt werden. Das Verwaltungsgericht ist an die Anträge
der Beteiligten nicht gebunden (Art. 270 in Verbindung mit Art. 269 und Art. 56 Abs. 1
VRP). Daher wird im Steuerverfahren auch eine sog. Anschlussbeschwerde zugelassen.
2. Soweit das kantonale Steueramt geltend macht, die Beschwerdeführerin sei auch
der Steuerhinterziehung bezüglich des Legates ihres Ehemannes schuldig zu sprechen,
sind seine Ausführungen unbegründet. Nach Art. 253 Abs. 2 StG vermag das
Unterzeichnen der Steuererklärung für sich allein bezüglich der Faktoren des anderen
Ehegatten keine Mitwirkung im Sinn von Art. 250 Abs. 1 StG zu begründen. Andere
Mitwirkungen an der Steuerhinterziehung des Ehemannes sind nicht nachgewiesen.
Eine solche Mitwirkung war auch nicht Gegenstand der Untersuchung. Im übrigen hat
ein Ehegatte keine Rechtspflicht zur Überprüfung der Deklaration der Steuerfaktoren
des anderen Ehegatten. Da keine zusätzlichen, über das Unterzeichnen der
Steuererklärung hinausgehenden Mitwirkungshandlungen nachgewiesen sind, erfolgte
der Freispruch in diesem Punkt zu Recht.
3. Nach Art. 250 Abs. 1 und 2 StG wird ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit des
Steuerpflichtigen mit Busse bis zu Fr. 10'000.--, in schweren Fällen oder im
Wiederholungsfall bis Fr. 50'000.-- bestraft, wer vorsätzlich als Vertreter des
Steuerpflichtigen eine Steuerhinterziehung bewirkt oder an einer solchen mitwirkt.
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3.1. Während der Ehe üben die Eltern die elterliche Sorge über unmündige Kinder
gemeinsam aus (Art. 296 Abs. 1 und 297 Abs. 1 ZGB). Nach Art. 20 Abs. 2 StG werden
Einkommen und Vermögen von Kindern unter elterlicher Sorge bis zum Beginn des
Jahres, in dem sie mündig werden, dem Inhaber der elterlichen Sorge zugerechnet.
Diesem Grundsatz der Familienbesteuerung entsprechend vertreten die Eltern als
Inhaber der elterlichen Sorge ihre unmündigen Kinder im Steuerverfahren. Als Vertreter
im Sinn von Art. 250 Abs. 1 StG gelten daher auch Eltern als Inhaber der elterlichen
Sorge bzw. als gesetzliche Vertreter ihrer unmündigen Kinder (vgl. für die direkte
Bundessteuer Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl.,
Zürich 2009, N 12 zu Art. 177 DBG; R. Sieber, in: Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Band I/2b, 2. Aufl., Basel 2008, N 14 zu Art. 177 DBG). Somit war die
Beschwerdeführerin - gemeinsam mit ihrem Ehemann - Inhaberin der elterlichen Sorge
und gesetzliche Vertreterin des gemeinsamen Sohnes. Eine ausschliessliche
rechtsgeschäftliche Vertretung des Sohnes durch den Vater bzw. Ehemann der
Beschwerdeführerin, falls eine Übertragung der elterlichen Sorge bzw. gesetzlichen
Vertretung auf den anderen Ehegatten überhaupt zulässig wäre, ist nicht
nachgewiesen. Daher gilt die Beschwerdeführerin auch als Vertreterin ihres Sohnes. Ihr
Einwand, es liege keine Vertretung im Sinn von Art. 250 Abs. 1 StG vor, erweist sich
daher als unbehelflich.
3.2. Weiter wird in der Beschwerde geltend gemacht, die Vorinstanz sei zu Unrecht
davon ausgegangen, dass ab dem Todestag von M. die Vermächtnisforderungen zum
Vermögen des Sohnes der Beschwerdeführerin zu rechnen gewesen wären. Als
persönlicher Anspruch richte sich der Vermächtnisanspruch gegen den Beschwerten
oder den/die Erben. Einen absoluten Anspruch gegen den Besitzer des
Vermächtnisgegenstandes als solchen habe der Bedachte nach schweizerischem
Recht nicht. Wenn wie im vorliegenden Fall Erben beschwert seien, entstünden
Vermächtnisansprüche gemäss Art. 562 Abs. 2 ZGB erst, sobald die Erben die
Erbschaft angenommen hätten oder sie nicht mehr ausschlagen könnten. M. habe die
Schweizer Berghilfe als Alleinerbin eingesetzt. Vater und Sohn seien je mit einem
Vermächtnis bedacht worden. Die Ausschlagungsfrist habe drei Monate betragen. Für
den eingesetzten Erben habe diese Frist erst mit dem Tag zu laufen begonnen, an
welchem ihm die amtliche Mitteilung der Verfügung der Erblasserin zukomme. Es sei
eine gerichtsnotorische Tatsache, dass die amtliche Mitteilung vom zuständigen
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spanischen Amt erst im Jahr 2003 an die Schweizer Berghilfe ergangen sei. In der
Befragung vor der Vorinstanz habe der Ehemann denn auch ausgesagt, dass ihm von
der Willensvollstreckerin erst irgendwann im Jahr 2003 eröffnet worden sei, dass ein
Testament existiere und er darin mit einem Vermächtnis bedacht worden sei.
Diese Rüge betrifft an sich die rechtliche Würdigung von Tatsachen, nicht eine
fehlerhafte Feststellung des Sachverhalts. In bezug auf den objektiven Tatbestand der
Steuerhinterziehung ist in diesem Punkt zu prüfen, ob der Sohn der
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Todes von M. einen Anspruch erworben hat, der
dem steuerbaren Vermögen zuzurechnen ist.
Nach Art. 53 Abs. 1 StG unterliegt das gesamte Reinvermögen der Vermögenssteuer.
Unter dem steuerrechtlichen Begriff des Vermögens wird gemeinhin der "Inbegriff der
einer Person privatrechtlich zustehenden Sachen und geldwerten Rechte" verstanden
(vgl. Blumenstein/Locher, System des Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 167 mit
Hinweisen). Diese privatrechtlich zustehenden geldwerten Rechte können sowohl
dinglicher als auch obligatorischer Natur sein (Blumenstein/Locher, a.a.O., S. 167).
Art. 562 Abs. 1 ZGB bestimmt, dass die Vermächtnisnehmer gegen den Beschwerten
bzw. gegen die gesetzlichen oder eingesetzten Erben einen persönlichen Anspruch
haben. Wenn aus der Verfügung nichts anderes hervorgeht, so wird der Anspruch
fällig, sobald der Beschwerte die Erbschaft angenommen hat oder sie nicht mehr
ausschlagen kann (Art. 562 Abs. 2 ZGB).
Die Forderung des Vermächtnisnehmers entsteht ipso iure beim Tod des Erblassers.
Die an keine Frist gebundene Ausschlagung lässt die Forderung rückwirkend erlöschen
(vgl. P. Piotet, Schweizerisches Privatrecht, Bd. IV/2, Basel und Stuttgart 1981, S. 580).
Der Bedachte erwirbt durch das ihm zugewendete Vermächtnis regelmässig eine
Forderung gegen den Beschwerten. Obwohl das Gesetz in Art. 562 Abs. 1 ZGB den
Begriff "Anspruch" verwendet, entsteht mit dem Tod des Erblassers erst die
Forderung, denn der Anspruch setzt die Fälligkeit der Obligation voraus (B. Huwiler,
Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2007, N 1 zu Art. 562 ZGB mit Hinweisen auf die
Lehre). Auch für den Vermächtnisnehmer gilt der Grundsatz des eo-ipso-Erwerbs,
insofern keine besondere Annahmeerklärung nötig ist. Dagegen erlangt der
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Vermächtnisnehmer nur einen obligatorischen Anspruch gegen den Beschwerten auf
Verschaffung des ihm vom Erblasser zugedachten Vorteils (Tuor/Schnyder/Schmid/
Rumo-Jungo, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 13. Aufl., Zürich 2009, S. 724).
Soweit sich die Beschwerdeführerin auf den Beitrag von P. Weimar (in FS Druey, Zürich
2002, S. 275 ff.) beruft, lässt sich daraus kein Argument gegen das Entstehen einer
Forderung im Zeitpunkt des Todes des Erblassers ableiten. Weimar hält fest, dass der
Bedachte keinen absoluten Anspruch gegen den Besitzer des
Vermächtnisgegenstands hat. Er führt dann unmittelbar anschliessend aus, das
subjektive Recht, das der Bedachte mit der Eröffnung des Erbgangs (dem Tod des
Erblassers, Art. 537 Abs. 1 ZGB [Anmerkung des Gerichts]) gegen den Beschwerten
erwirbt, sei nach allgemeiner Auffassung eine Forderung. Diese hat wie ein
gewöhnliches Schuldverhältnis die vom Erblasser verbindlich umschriebene Leistung
zum Inhalt (Tuor/Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo, a.a.O., S. 725). Weimar führt aus, der
Bedachte erwerbe mit dem Erbgang ein forderungsähnliches Recht gegen den
Beschwerten auf Gewährung des Vermögensvorteils. Dieses Recht könne der
Bedachte, sobald es fällig geworden sei, mit einem persönlichen Anspruch
durchsetzen (Weimar, Berner Kommentar, Bern 2009, N 2 zu Art. 484 ZGB). Aufgrund
der zivilrechtlichen Regelung ist das Vermächtnis mit dem Erbgang in das steuerbare
Vermögen des Bedachten übergegangen. Dass die Forderung im Zeitpunkt des
Vermögensübergangs noch nicht fällig ist, ändert daran nichts. Die Fälligkeit einer
Forderung ist nicht Voraussetzung für die Zurechnung zum steuerbaren Vermögen. Im
übrigen ist es grundsätzlich möglich, Risiken und Unsicherheiten einer Forderung bei
der Veranlagung des steuerbaren Vermögens zu berücksichtigen. Nach Art. 56 Abs. 2
StG wird die Verlustwahrscheinlichkeit bei der Bewertung umstrittener oder unsicherer
Rechte und Forderungen berücksichtigt. In objektiver Hinsicht bestehen im
vorliegenden Fall allerdings keine solchen Unsicherheiten. Weder sind
Steuerforderungen noch Schulden der Erblasserin nachgewiesen, die zu einer
Gefährdung oder einem Verlust des Vermächtnisses führten. Solche Umstände
müssten nach dem von der Beschwerdeführerin zitierten Verfasser einer Abhandlung
zum Zufluss bzw. zur Realisation von Einkommen zumindest eine "erhebliche
Unsicherheit" begründen (M. Weidmann, Realisation und Zurechnung des
Einkommens, in: IFF Forum für Steuerrecht 2003, S. 99). Die Frage, ob aufgrund der
konkreten Umstände davon ausgegangen werden durfte, die Erfüllung des
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Vermächtnisanspruchs sei aufgrund verschiedener Umstände gefährdet, ist ohnehin im
Rahmen des objektiven Tatbestands nicht entscheidend.
Da die rechtskräftigen Vermögensveranlagungen der Jahre 2002 und 2003
unvollständig waren, hat die Vorinstanz den Tatbestand der Steuerhinterziehung beim
Vermögen in objektiver Hinsicht zu Recht bejaht.
3.3. In subjektiver Hinsicht ist vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln Voraussetzung
für eine Busse wegen Steuerhinterziehung (Art. 248 Abs. 1 StG). Wie die Vorinstanz
zutreffend festhält, handelt vorsätzlich, wer eine Tat mit Wissen und Willen ausführt;
eventualvorsätzlich handelt, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf
nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Steht mit hinreichender Sicherheit fest, dass sich der
Steuerpflichtige der Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gegenüber der
Steuerbehörde gemachten Angaben bewusst war, kann der Wille zur
Steuerhinterziehung vorausgesetzt werden (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O.,
N 43 ff. zu Art. 175 DBG). Fahrlässig handelt nach Art. 12 Abs. 3 StGB, wer die Folge
seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht
Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht
nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen
Verhältnissen verpflichtet ist. Der Begriff der Fahrlässigkeit richtet sich nach Art. 12
Abs. 3 StGB (vgl. BGE 135 II 86).
Die Beschwerdeführerin machte vor der Vorinstanz an Schranken geltend, sie habe von
den Vermächtnissen an ihren Ehemann und ihren Sohn nichts gewusst. Sie habe sich
nicht in die Erbangelegenheiten ihres Mannes eingemischt. Für Steuerangelegenheiten
sei immer ihr Ehemann zuständig gewesen. Auf die Frage nach ihrer Unterschrift auf
dem Wertschriftenverzeichnis 2002 erklärte sie, sie unterzeichne alles, was ihr Mann ihr
vorlege. Sie habe volles Vertrauen zu ihm. Die Frage, ob sie die Ermessensveranlagung
2003 erhalten und eingesehen habe, beantwortete sie nicht.
Die Beschwerdeführerin hat somit die Steuererklärung 2002 unterzeichnet, ohne sich
um deren Inhalt zu kümmern. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, kann sie daraus
nichts zu ihren Gunsten ableiten und sich nicht darauf berufen, den Inhalt der
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Steuererklärung nicht gekannt zu haben. Wer sich überhaupt nicht darum kümmert, ob
seine Angaben richtig sind, handelt eventualvorsätzlich (StE 2002, 101.21 Nr. 15).
Für das Steuerjahr 2003 ist der Beschwerdeführerin vorzuwerfen, sich nicht um ihre
gesetzliche Verpflichtung zur Einreichung der Steuererklärung gekümmert zu haben.
Damit nahm sie eine Steuerhinterziehung zumindest in Kauf, wie die Vorinstanz unter
Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zutreffend festhält (angefochtener
Entscheid S. 18 f.).
Im übrigen erscheint es weder bezüglich des Legats an ihren Ehemann noch bezüglich
des Legats an ihren Sohn glaubhaft, dass die Ehefrau nichts davon wusste. Dies
widerspricht bei Zuwendungen dieses Umfangs jeglicher Lebenserfahrung. Hinsichtlich
des Sohnes ist dies aber nicht ausschlaggebend, da ungeachtet des Wissens um das
Legat ein subjektiv vorwerfbares Fehlverhalten vorliegt, wie oben dargelegt wurde, und
auch hinsichtlich des Ehemannes wäre dieser Umstand irrelevant, da die Ehefrau nicht
Vertreterin ihres Ehemannes ist und sie keine Rechtspflicht für die Vornahme einer
zutreffenden Deklaration von Sachverhalten zur Steuerpflicht ihres Ehemannes trifft.
Die persönlichen Verhältnisse sind nach Darstellung der Vorinstanz im
Untersuchungsverfahren praktisch nicht abgeklärt worden. Die Beschwerdeführerin
verweigerte aber an Schranken Aussagen zu den persönlichen Verhältnissen. Die
Busse musste daher nach den bekannten Umständen bemessen werden. Die Busse
von Fr. 2'000.-- bewegt sich im untersten Fünftel des Strafrahmens und unter dem
Betrag der hinterzogenen Steuer von rund Fr. 2'500.--. Ihre Angemessenheit ist nicht
zu beanstanden.
3.4. Nach Art. 269 StG gelten im Verfahren vor der Vorinstanz die Vorschriften über das
Rekursverfahren sachgemäss. Gegenüber dem Strafbescheid wurde die Busse auf
rund einen Sechstel reduziert. Damit ist die Kostenauflage von einem Sechstel zulasten
der Beschwerdeführerin im Verfahren vor der Vorinstanz gerechtfertigt.
Bei einer Kostenauflage von einem Sechstel ist die ausseramtliche Entschädigung auf
zwei Drittel der vollen Entschädigung festzulegen. Dies entspricht gesetzlicher
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Vorschrift (Art. 98bis VRP) und ständiger Praxis (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 183).
Die Vorinstanz hat den Ansatz für die volle Entschädigung auf Fr. 7'000.-- zuzügl. der
ausgewiesenen Barauslagen von Fr. 192.50 festgelegt. Dies ergibt einen Betrag von
Fr. 4'795.-- für ein Obsiegen zu fünf Sechsteln. Die in der Kostennote geltend
gemachte Entschädigung von 103 Stunden à Fr. 250.-- für das Verfahren der
Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes wurde von der Vorinstanz zu Recht
reduziert, da weder besonders komplexe Tat- und Rechtsfragen noch ausserordentlich
umfangreiche Akten vorlagen.
3.5. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 270 StG in
Verbindung mit Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist
angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- ist anzurechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Die Beschwerdeführerin ist
unterlegen (Art. 98bis VRP), und der Beschwerdegegner hat keinen Anspruch auf
Kostenersatz (vgl. Hirt, a.a.O., S. 176).
Demnach hat das Verwaltungsgericht