Decision ID: e0cf9247-ec5f-5822-890b-dbc0e9133557
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war durch ihre Tätigkeit als Verkäuferin bei der
B._ GmbH bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von
Unfällen versichert. Am 27. April 2016 meldete die Arbeitgeberin der AXA einen Unfall
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vom 2. März 2016. Die Versicherte habe während der Arbeit im Lager beim
Hinuntersteigen von einer Leiter mit dem rechten Fuss zwei Tritte auf einmal
genommen und sich dabei an der Achillessehne verletzt (act. A1).
A.b Eine Erstbehandlung hatte am 14. März 2016 bei Dr. med. C._, FMH Chirurgie,
Altstätten, stattgefunden, der eine Achillodynie rechts diagnostiziert, Schonung,
Hochlagerung und lokale Kühlung verordnet und eine Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte
(act. M1). Dr. C._ hatte die Versicherte gleichentags ans Departement Orthopädie
des Spitals D._ überwiesen (Untersuchungen am 14. März und 8. April 2016; act. M2,
M3). Nach einem Hausarztwechsel wurde die Versicherte von Dr. med. E._,
Allgemeine Innere Medizin FMH (vgl. dazu act. A8, M9), für eine MRI-Untersuchung des
rechten Mittelfusses der Radiologie F._, Diagnosezentrum G._ (Untersuchung am
16. Juni 2016; act. M6) und für eine weitere fachärztliche Beurteilung Dr. med. H._,
FMH Orthopädie und Traumatologie, Sportmedizin SGSM (Untersuchungsbericht vom
29. Juni 2016; act. M9), zugewiesen, der zur weiteren Diagnostik eine MRI-
Untersuchung des Unterschenkels rechts in der Radiologie F._ veranlasste
(Untersuchung am 22. Juni 2016; act. M6-3). Dr. H._ überwies die Versicherte an Dr.
med. I._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Orthopädie J._ (Untersuchung am 18. Juli 2016; act. M5-2,
M8), welcher die Versicherte zudem durch Dr. med. K._, FMH Allgemeinmedizin,
Sportmedizin, untersuchen liess (Untersuchung am 20. Juli 2016; act. M4). Darüber
hinaus wurde die Versicherte durch Dr. med. L._, Facharzt FMH für Neurologie,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht (Untersuchung am 21.
Juli 2016; act. M7). Am 11. August 2016 folgte nochmals eine Verlaufskonsultation bei
Dr. I._ (act. M5), der daraufhin bei der Versicherten am 19. September 2016 eine
Arthroskopie im Bereich des rechten Vorfusses mit einer Adhäsiolyse OSG und USG
mit einer Os trigonum-Abtragung und einer perkutanen Achillessehnenverlängerung
rechts durchführte (act. M13). Inzwischen hatte Dr. H._ mit Schreiben vom 16.
September 2016 gegenüber der AXA zum Ursachenzusammenhang der Beschwerden
Stellung genommen (act. M12). Mit Schreiben vom 5. Oktober 2016 äusserte sich auch
Dr. K._ zum Schadenfall der Versicherten (act. M11).
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A.c Zwischenzeitlich hatte die Versicherte der AXA am 18. Mai 2016 einen die
Schadenmeldung ergänzenden Fragebogen mit einer Schilderung des Ereignisses vom
2. März 2016 eingereicht (act. A3). Die AXA hatte daraufhin mit Schreiben vom 22. Juni
2016 einen Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Versicherung verneint und
ihre Leistungsablehnung damit begründet, beim Ereignis vom 2. März 2016 handle es
sich weder um einen Unfall noch liege eine unfallähnliche Körperschädigung vor (act.
A4).
A.d Nach einer am 14. September 2016 von der Versicherten per E-Mail eingereichten
Stellungnahme (act. A8) und einer mit ihr am selben Tag durchgeführten telefonischen
Besprechung (act. A9) hielt die AXA mit Verfügung vom 17. Oktober 2016 an ihrer
Leistungsablehnung fest (act. A14).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 17. Oktober 2016 erhob die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin M.A. HSG in Law Karin Herzog, St. Gallen, mit Schreiben vom 7.
November 2016 Einsprache (act. A16). Am 27. Februar 2017 reichte die
Rechtsvertreterin die Einsprachebegründung nach (act. A23). Bereits am 9. November
2016 hatte die Krankenversicherung Sanitas ebenfalls Einsprache erhoben und
Akteneinsicht beantragt (act. A17), den Rechtsbehelf jedoch am 17. November 2016
nach Einsichtnahme in die Unterlagen zurückgezogen (act. A21).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 27. April 2017 wies die AXA die Einsprache der
Versicherten ab (act. A24).
C.
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C.a Mit Eingabe vom 29. Mai 2017 liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) durch ihre Rechtsvertreterin gegen den Einspracheentscheid vom
27. April 2017 Beschwerde erheben mit den Anträgen, dieser sei aufzuheben und das
Ereignis vom 2. März 2016 sei als Unfall und/oder als unfallähnliche Körperschädigung
anzuerkennen und der Beschwerdeführerin seien die gesetzlichen Leistungen
(insbesondere Heilbehandlungen, Taggelder, Integritätsentschädigung) zuzusprechen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 6. September 2017 beantragte die AXA (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G5). Zusammen mit der
Beschwerdeantwort reichte die Beschwerdegegnerin eine Stellungnahme ihres
beratenden Arztes Dr. M._, Spezialarzt FMH Chirurgie, vom 11. Juli 2017 ein (act.
M14).
C.c In der Replik vom 9. Oktober 2017 hielt die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin unverändert an den Beschwerdeanträgen fest (act. G8).
C.d Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom 8. November 2017 ihrerseits an
der beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G10).
C.e Mit Schreiben vom 21. November 2017 unterbreitete die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin eine Honorarnote über insgesamt Fr. 4'279.40 (act. G12). Mit
Schreiben vom 29. Januar 2019 beantragte sie zusätzlich zum geltend gemachten
Honorar die Entschädigung der Mehrwertsteuer (act. G14).

Erwägungen
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1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin in Bezug auf das Ereignis vom 2.
März 2016 zu Recht ihre Leistungspflicht verneint hat.
2.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2016 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
3.
3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor
selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere
Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ein
äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
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Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV
2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit
Hinweisen).
3.2 Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren
Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung
bestehen. Der ungewöhnliche äussere Faktor liegt in solchen Fällen darin, dass die
natürliche körperliche Bewegung durch einen in der Aussenwelt begründeten Umstand
"programmwidrig" gestört wird. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der
ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung
zwischen Körper und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit
zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 7. Oktober 2003, U 32/02, E. 2.2; RKUV 1996 Nr. U
253 S. 204 E. 4c und 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2 mit Hinweisen). Freilich tritt schon bei
einer normalen Bewegung des Körpers, wie beispielsweise beim normalen Aufstehen
aus der tiefen Hocke, eine sinnfällige Veränderung der Aussenwelt ein. Dieser äussere
Faktor ist aber nicht zugleich ein ungewöhnlicher Faktor; denn die Bewegung des
Körpers ist, äusserlich betrachtet, normal verlaufen, also nicht durch eine in der
Aussenwelt begründete Ursache in ihrem Ablauf gestört worden. Der Unfallbegriff ist
nicht erfüllt. Unter unkoordinierten Bewegungen versteht man also nur körperliche
Bewegungen, die in ihrem Ablauf durch etwas Programmwidriges bzw. Sinnfälliges,
d.h. durch einen ungewöhnlichen Faktor, gestört werden, so dass einzelne Muskeln
oder Muskelgruppen übermässig beansprucht werden; daraus können Muskel- und
Sehnenschäden, ja selbst Knochenbrüche resultieren. Von einer programmwidrigen
Störung der körperlichen Bewegung ist beispielsweise dann auszugehen, wenn die
versicherte Person stürzt, stolpert, ausgleitet oder sich an einem Gegenstand anstösst
oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung
ausführt oder auszuführen versucht (ALFRED MAURER, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 176 f.; ALEXANDRA RUMO-JUNGO/
ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
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Basel/ Genf 2012, S. 40 f.; RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422
E. 2b). Der Nachweis eines Unfalls bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere
beschränken, unterliegt insofern strengen Anforderungen, als die unmittelbare Ursache
der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss; denn
ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren
Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein
krankheitsbedingter Ursachen besteht (RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4d).
3.3 Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der
leistungsansprechenden Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung
nicht nach, indem unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben gemacht
werden, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig
erscheinen lassen, so besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers.
Insbesondere ist zu verlangen, dass die Schilderungen mit den vorhandenen Indizien
im Wesentlichen übereinstimmen. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob
die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der
Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen
Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Wird
auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht -,
so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch
erhebenden Person auswirkt (vgl. BGE 116 V 140 E. 4b mit Hinweis; Urteile des
Bundesgerichts vom 31. Januar 2011, 8C_709/2010, E. 2.2, und vom 20. Februar 2007,
U 346/05, E. 2.2, je mit weiteren Hinweisen). Bei sich widersprechenden Angaben der
versicherten Person über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime
abgestellt werden, wonach die sogenannten spontanen „Aussagen der ersten Stunde“
in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die
bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher
oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung
im Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht
hat, in der Regel grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer
Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 E. 1a mit Hinweisen; RUMO-
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JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 29 f.). Bauen spätere Aussagen auf früheren Aussagen auf
bzw. zeichnen sich erstere einzig durch einen höheren Detaillierungsgrad aus, kann
auch ein im Nachhinein dargelegter Sachverhalt als ausgewiesen gelten bzw.
berücksichtigt werden. Die verschiedenen Aussagen müssen jedoch in sich kongruent
und miteinander vereinbar sein. Wird dagegen zu einem späteren Zeitpunkt ein neuer,
mit der bisherigen Schilderung nicht zu vereinbarender Sachverhalt hinzugefügt, ist
dessen überwiegend wahrscheinliches Geschehen als zweifelhaft bzw. lediglich als
möglich zu betrachten. Das Gericht stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es
von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste hält (LOCHER/
GÄCHTER, a.a.O., § 70 N. 58 f.).
3.4 Die detaillierte Erhebung der tatsächlichen Verhältnisse durch den
Unfallversicherer erfolgt oft mittels Frageblättern. Im Vordergrund stehen entsprechend
Fragen betreffend die für die Leistungspflicht des Unfallversicherers massgebenden
Voraussetzungen des Unfallgeschehens. Sofern der Unfallversicherer die tatsächlichen
Verhältnisse mittels Frageblättern detailliert erhoben hat, ist er dem
Untersuchungsgrundsatz bzw. seiner Verpflichtung zur richtigen und vollständigen
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts grundsätzlich rechtsgenüglich
nachgekommen und es überzeugt rechtsprechungsgemäss nicht, wenn die versicherte
Person einen bestimmten bedeutsamen Sachverhalt bzw. Umstand als
Schadensursache erst nach der abschlägigen, einlässlich begründeten Verfügung
erwähnt bzw. bis zum Einspracheverfahren unerwähnt lässt. Der Unfallversicherer ist
nicht gehalten, die versicherte Person im Nachgang zu umfassenden Erhebungen zur
weiteren Substantiierung des gemeldeten Geschehens aufzufordern (Urteil des
Bundesgerichts vom 4. Juni 2013, 8C_215/2013, E. 4).
4.
4.1 Im vorliegenden Fall ist unumstritten, dass die Beschwerdeführerin - wie im
Fragebogen am 18. Mai 2016 (act. A3), in der Einsprachebegründung vom 27. Februar
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2016 (act. A23) und in der Beschwerde vom 29. Mai 2017 (act. G1) im Wesentlichen
einheitlich geschildert - am 2. März 2016 für eine Kundin im Lager ein Kissen vom
Regal holen wollte und dazu eine Leiter besteigen musste. Beim Hinuntersteigen stand
sie mit dem linken Fuss auf der zweituntersten Stufe der Leiter, nahm mit dem rechten
Fuss zwei Stufen gleichzeitig und trat mit diesem "mit etwas Wucht" (vgl. act. A3),
"wuchtig" (act. A23) bzw. "mit Wucht" auf dem Boden auf. Das Unfallbegriffsmerkmal
des ungewöhnlichen äusseren Faktors muss in Bezug auf diesen Bewegungsablauf
verneint werden. Der für die Beschwerdeführerin alltägliche Vorgang des Absteigens
von einer Leiter (siehe hierzu deren Antwort zur Frage 4 des Fragebogens vom 18. Mai
2016, act. A3) muss auch dann als gewöhnlich betrachtet werden, wenn zum Schluss
zwei Stufen gleichzeitig genommen werden und dadurch eine Distanz von 50 bis 60 cm
zu überwinden ist (vgl. dazu act. A26). Der Körper einer erwachsenen Person kann eine
solche Bewegung im Allgemeinen bewältigen. In der Überwindung zweier Leiterstufen
ist nichts Aussergewöhnliches zu sehen. Auch das wuchtige Auftreten mit dem rechten
Fuss auf dem Boden stellt für sich allein genommen keinen Vorgang
aussergewöhnlicher Art dar. Der Begriff der "Wucht" ist nicht klar definierbar. Die
subjektive Betrachtungsweise der betroffenen Person bestimmt entscheidend mit, was
als wuchtig wahrgenommen wird und was nicht. Insofern kann allein aus den obigen
Formulierungen keine Ungewöhnlichkeit abgeleitet werden. Im konkreten Sachverhalt
kann damit keine für den Unfallbegriff letztlich entscheidende Programmwidrigkeit
erblickt werden, welche den Rahmen des Normalen und Üblichen beim
Hinuntersteigen von einer Leiter sprengen würde. Es kann sich nicht anders verhalten
als bei jenem Versicherten, der beim Ausstieg aus einem Wagen der S-Bahn bei einer
Tritthöhe von etwa 43 cm mit dem rechten Fuss hart auf dem Perron auftrat und in der
Folge von der Lendengegend ins Bein ausstrahlende Schmerzen verspürte (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. November 2009, 8C_718/2009, E. 5.2 mit Hinweis auf das
nicht veröffentlichte Urteil des EVG vom 2. Dezember 1993, U 82/92) oder bei
demjenigen Versicherten, der beim Bergabgehen in felsigem Gelände ohne gesicherten
Weg einen Absatz bzw. Höhenunterschied von ca. 1.50 m überwinden musste und mit
der linken Ferse hart auf dem Boden aufschlug (Urteil des EVG vom 23. November
2006, U 258/04, E. 3.2). Das Ausmass der angegebenen Wucht dürfte im Übrigen auch
insofern zu relativieren sein, als sich die Beschwerdeführerin mit einer Hand an der
Leiter festgehalten und mit dem linken Fuss auf einem Leitertritt gestanden hat (vgl.
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insbesondere act. A23). Die Beschwerdegegnerin leitet daraus in der
Beschwerdeantwort vom 6. September 2017 (act. G5) überzeugend ab, dass die
Aufprallenergie nicht ungewöhnlich hoch gewesen sein kann. Im Gegensatz zur
Aussage in der Einsprache vom 27. Februar 2017 (act. A23, Ziff. 1: die
Beschwerdeführerin sei fälschlicherlicherweise davon ausgegangen, mit dem linken
Fuss auf der untersten Leiterstufe zu stehen) hatte die Beschwerdeführerin in dem am
18. Mai 2016 ausgefüllten Fragebogen und dessen Beilage in keiner Weise von einem
Irrtum bzw. Versehen gesprochen (act. A3). Ohnehin ist entscheidend, wie die
Bewegung letztlich wirklich abgelaufen ist und nicht was sich eine versicherte Person
gedanklich vorgestellt hat. Das Unfallbegriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit wäre also
nur dann erfüllt, wenn der Ablauf der Bewegung zusätzlich durch eine unwillkürliche
oder unkoordinierte Bewegung gestört worden wäre, was beispielsweise dann
zutreffen würde, wenn die Beschwerdeführerin gestürzt, ausgeglitten oder mit dem
Fuss umgeknickt wäre (vgl. MAURER, a.a.O., S. 176 f.; RUMO-JUNGO/HOLZER,
a.a.O., S. 40; Erwägung 3.2). In der obgenannten Sachverhaltsschilderung ist jedoch
nichts derartiges auszumachen. Danach ist die Beschwerdeführerin offensichtlich
normal, d.h. ohne Abknicken oder Ausrutschen, mit dem rechten Fuss aufgetreten. Auf
die entsprechende Frage im Fragebogen (Frage 5) antwortete sie am 18. Mai 2016 nur
"von der Leiter" (act. A3), womit sie einzig auf das im Zusammenhang mit der Leiter
stehende, unbestrittene Ereignis Bezug nimmt. Die Präzisierung, die sie anlässlich des
Telefongesprächs mit der Beschwerdegegnerin vom 14. September 2016 (act. A9)
vorgenommen hat - sie sei beim Abstieg ausgerutscht - ist nicht mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Zum einen wurde diese
potentielle Programmwidrigkeit bzw. dieses für die Anerkennung eines
Unfallereignisses wichtige Sachverhaltselement erst in Kenntnis des
Leistungsablehnungsschreibens der Beschwerdegegnerin vom 22. Juni 2016 (act. A4)
vorgebracht, zum andern wurde ein Ausrutschen in der Einsprachebegründung vom
27. Februar 2017 (act. A23) und der Beschwerde vom 29. Mai 2017 (act. G1) nicht
mehr und damit nur einmalig erwähnt. Mit den obigen Darlegungen soll nicht in Abrede
gestellt werden, dass der beschriebene Vorgang vom 2. März 2016 den Auslösefaktor
für den plötzlich aufgetretenen Schmerz im rechten Fuss bildete, doch handelte es sich
bei diesem Schmerz eben um die Wirkung eines programmkonformen Vorgangs, der
für sich allein nicht für eine Aussergewöhnlichkeit des äusseren Faktors spricht (BGE
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134 V 79 f. E. 4.3.1, 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a; RKUV 2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2009, 8C_656/2008, E. 3.2;
RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 31; vgl. Erwägung 3.1).
4.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass anhand des am 18. Mai 2016
ausgefüllten Fragebogens und des von der Beschwerdeführerin in dessen Beilage
bezüglich des Ereignisses vom 2. Mai 2016 detailliert geschilderten Sachverhalts ein
Unfallereignis gemäss Art. 4 ATSG bzw. das Unfallbegriffsmerkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit dargetan ist. Damit entfällt eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 4 ATSG.
5.
Zu verneinen ist auch ein unfallähnliches Ereignis.
5.1 Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich
sind, in die Versicherung einbeziehen (Art. 6 Abs. 2 UVG). In Art. 9 Abs. 2 lit. a - h UVV
hat er von dieser Kompetenz in einer abschliessenden Aufzählung (vgl. dazu BGE 114
V 302 E. 3d; RKUV 1990 Nr. U 112 S. 374 E. 2b) Gebrauch gemacht. Eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers ist jedoch - auch wenn einer der in Art. 9 Abs. 2
UVV aufgeführten Befunde erhoben wird - nur gegeben, wenn die Verletzung, wie in
Art. 4 ATSG vorgesehen, auf eine plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines äusseren Faktors zurückzuführen ist. Bei den unfallähnlichen
Körperschädigungen im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV entfällt im Vergleich zu den
eigentlichen Unfällen nach Art. 4 ATSG einzig das Tatbestandselement der
Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors. Alle übrigen
Begriffsmerkmale eines Unfalls müssen hingegen auch bei den unfallähnlichen
Körperschädigungen erfüllt sein. Dies gilt namentlich für das Erfordernis des
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einwirkenden äusseren Faktors an sich, worunter ein ausserhalb des Körpers liegender,
objektiv feststellbarer, sinnfälliger - eben unfallähnlicher - Einfluss auf den Körper zu
verstehen ist. Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer körpereigenen
Bewegung bestehen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2014, 8C_147/2014, E.
2.3; BGE 129 V 466).
5.2 Das Auftreten von Schmerzen allein gilt noch nicht als äusserer Faktor im Sinn der
Rechtsprechung zu Art. 9 Abs. 2 UVV. Ein solcher ist also nicht gegeben, wenn die
versicherte Person einzig das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen angibt, aber keine
gleichzeitig mitwirkende äussere Komponente zu benennen vermag (BGE 129 V 469 E.
4.2.1). Auch ist das Erfordernis eines schädigenden äusseren Faktors nicht erfüllt,
wenn das Auftreten von Schmerzen bloss mit einem von der versicherten Person
beschriebenen gewöhnlichen Bewegungsablauf einhergeht. Verlangt wird vielmehr ein
Geschehen, welchem ein gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt, was zutrifft,
wenn die als Schmerzauslöser angegebene Betätigung im Rahmen einer allgemein
gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies bei vielen sportlichen
Aktivitäten der Fall ist. Ein äusserer Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial ist
sodann auch zu bejahen, wenn die zur Diskussion stehende Betätigung mit einer mehr
als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des
Körpers verbunden ist (BGE 139 V 329 E. 3.3.1). Schmerzen als Symptome einer
Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV fallen deshalb als massgebender äusserer Faktor
nicht in Betracht, wenn sie bei einer alltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne
dass ein davon unterscheidbares äusseres Moment mitspielen würde. Wer also etwa
beim blossen Aufstehen, Absitzen und Abliegen, bei der Bewegung im Raum und bei
Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz verspürt, kann allein deswegen
noch keine unfallähnliche Körperschädigung geltend machen. Die nur physiologische
Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen
äusseren Faktor dar, dem ein gegenüber der alltäglichen körperlichen Belastung
gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnen würde (BGE 129 V 470 E. 4.2.2). Erfüllt
ist das Erfordernis des schädigenden äusseren Faktors demgegenüber bei Änderungen
der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen
Traumen führen können, so etwa beim plötzlichen Aufstehen aus der Hocke, bei
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heftigen belastenden Bewegungen oder bei einer wegen äusserer Einflüsse
unkontrollierbar gewordenen Positionsänderung (BGE 129 V 470 E. 4.2.3). Für die
Bejahung eines äusseren Faktors ist demnach ein gesteigertes Schädigungspotenzial
vonnöten, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch
Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit einer an sich alltäglichen Verrichtung
führenden Elementes (BGE 139 V 329 E. 3.3.1, BGE 129 V 471 f. E. 4.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 16. Juli 2014, 8C_147/2014, E. 2.3 f.). Der Auslösungsfaktor kann
dabei alltäglich und diskret sein. Es muss sich indessen um ein plötzliches Ereignis
handeln, wie eine heftige Bewegung. Dabei kommt es beim Begriffsmerkmal der
Plötzlichkeit im Rahmen der unfallähnlichen Körperschädigungen nicht in erster Linie
auf die Dauer der schädigenden Einwirkung an als vielmehr auf deren Einmaligkeit.
Keine unfallähnliche Körperschädigung liegt demgemäss vor, wenn eine Verletzung
ausschliesslich auf wiederholte, im täglichen Leben laufend auftretende Mikrotraumata
zurückzuführen ist, welche eine allmähliche Abnützung bewirken und schliesslich zu
einem behandlungsbedürftigen Gesundheitsschaden führen (Urteil des Bundesgerichts
vom 31. Juli 2009, 8C_65/2009, E. 2.2.1 mit Hinweisen).
5.3 Die Beschwerdeführerin hat durch das Hinuntersteigen von der Leiter eine
Körperbewegung ausgeführt, welche den Auslöser für ihre Beschwerden im Bereich
des rechten Fusses gebildet hat. So gab die Beschwerdeführerin am 18. Mai 2016 im
Fragebogen an, beim Auftritt auf den Boden einen Schmerz verspürt zu haben (act.
A3). Das Auftreten von Schmerzen als solches ist jedoch, wie dargelegt (vgl. Erwägung
5.2), kein schädigender äusserer Faktor. In Bezug auf den Bewegungsablauf der
Beschwerdeführerin steht sodann in beweisrechtlicher Hinsicht fest, dass sie beim
Hinuntersteigen von der Leiter zwei Stufen gleichzeitig überwunden hat. Das
Hinuntersteigen von einer Leiter stellt auch dann eine alltägliche Lebensverrichtung dar
(siehe zur alltäglichen Nutzung der Leiter die Antwort der Beschwerdeführerin zur Frage
4 des Fragebogens vom 18. Mai 2016, act. A3), wenn zwei Stufen gleichzeitig
überwunden werden. Eine erhöhte Krafteinwirkung auf den Fuss mit einem
gesteigerten Schädigungspotential ist daraus jedenfalls nicht abzuleiten. Nicht
erkennbar ist auch ein zum Bewegungsablauf der Beschwerdeführerin hinzugetretener
Faktor, der zur Unkontrollierbarkeit der von ihr vorgenommenen alltäglichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
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Lebensverrichtung geführt hätte. Ein solcher kann auch nicht in der von ihr
beschriebenen Wucht des Auftretens gesehen werden. Wie in Erwägung 4.1 dargelegt,
ist der Begriff "Wucht" nicht klar definierbar und ist im Übrigen das Ausmass der
angegebenen Wucht im konkreten Fall zu relativieren. Vielmehr ist von einer normalen,
kontrollierten sowie beherrschten und ohne Irrtum vollzogenen, planmässig zu Ende
gebrachten Bewegung der Beschwerdeführerin auszugehen. Gleich beurteilte das
Bundesgericht den Fall einer versicherten Person, die von einem ca. 120 cm hohen
Schwedenkasten herunterstieg (Urteil vom 25. September 2018, 8C_333/2018).
5.4 Angesichts dessen, dass es an einem unfallähnlichen Ereignis fehlt, ist die strittige
Frage, ob eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG i.V.m.
Art. 9 Abs. 2 lit. d (Muskelriss) oder lit. e (Muskelzerrung) UVV vorliegt, nicht mehr zu
prüfen. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht für die Folgen des
Ereignisses vom 2. März 2016 somit zu Recht abgelehnt.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 29. Mai 2017
abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.