Decision ID: bae45895-3a06-523b-88b4-9973b560d5c9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden suchten am 28. September 2015 in der
Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragungen zur Person (BzP) vom
28. September 2015 und der Anhörungen vom 7. Februar 2017 machten
sie im Wesentlichen Folgendes geltend:
Sie seien syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie und seien in
E._ geboren und aufgewachsen. Seit dem Jahr 1990 (Beschwer-
deführer) beziehungsweise 2006 (Beschwerdeführerin) bis zu ihrer Aus-
reise hätten sie in F._ in der Provinz Al Hasaka gelebt.
Der Beschwerdeführer habe ein (...) besessen und als Tagelöhner (...),
(...) und (...) transportiert. Sein Sohn, welcher ein (...) geführt habe, habe
ihm oft Lieferaufträge erteilt. Ungefähr im Juni 2015 habe er einen Anruf
erhalten beziehungsweise zwei Männer auf einem Motorrad seien beim
Geschäft seines Sohnes erschienen; dabei sei von ihm verlangt worden
einem Anhänger des sogenannten Islamischen Staats (IS) vier bezie-
hungsweise zwei Fässer Heizöl zu liefern. Er habe erwidert, dass er nicht
für den IS ausliefere. Aufgrund dessen sei er dann bedroht worden. In der
Nähe des (...) habe sich ein Posten der von der PYD (Partiya Yekitîya De-
mokrat, Partei der Demokratischen Union) gegründeten Asayish (Asayiş,
interne Sicherheitskräfte) beziehungsweise des militärischen Arms der
PYD, der YPG (Yekîneyên Parastina Gel, Volksverteidigungseinheiten) be-
funden. Im Anschluss an den Vorfall habe er gemeinsam mit seinem Sohn
diesen Kontrollposten aufgesucht und die Sicherheitsangestellten über das
Erlebte informiert. Diese hätte ihm versichert, dass ihnen nichts zustossen
würde. Tags darauf beziehungsweise drei bis vier Tage später seien drei
maskierte Personen in ihr Haus gestürmt und hätten sie geschlagen. Dabei
habe es sich mutmasslich um Anhänger des IS gehandelt. Sie hätten den
Beschwerdeführer gefragt, warum er die verlangte Lieferung an den IS
nicht ausgeführt habe. Bei dem Gespräch sei es aber dann eigentlich gar
nicht mehr um das Heizöl gegangen, sondern darum, dass der IS gewollt
habe, dass er für sie als Spitzel arbeite und die YPG sowie die Asayish
ausspioniere. Als die Nachbarn den Streit mitbekommen hätten, seien die
Angreifer umgehend geflohen. Sie hätten aber gedroht, wiederzukommen.
Die Asayish habe einen beziehungsweise zwei der Angreifer festnehmen
können. Nachts hätten unbekannte Personen den Beschwerdeführer an-
gerufen und beschimpft. Kurz nach diesem Vorfall hätten sie das Dorf
F._ verlassen. Während rund einem Monat beziehungsweise drei
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bis sechs Monaten hätten sie sich in G._ bei verschiedenen Fami-
lien aufgehalten.
Die syrische Armee habe gewollt, dass ihre Söhne Militärdienst leisten. Die
Armeeangehörigen hätten den Beschwerdeführer mehrmals zu sich beru-
fen und beschuldigt seine Söhne bei sich zu Hause zu verstecken. Danach
hätten sie ihn jeweils wieder gehen lassen. Seit die Asayish die Kontrolle
über das Dorf übernommen habe, hätten die behördlichen Behelligungen
aufgehört. Zwei seiner Söhne seien in den Nordirak geflüchtet.
Die in der Schweiz lebende Tochter habe für die ganze Familie ein Einrei-
sevisum beantragt. Gestützt hierauf seien sie ungefähr im August 2015
nach E._ gefahren, hätten dort ein Flugzeug bestiegen und seien
nach Damaskus gereist. Von dort aus hätten sie sich mit einem Personen-
wagen nach Libanon begeben und seien von Beirut über Abu Dhabi mit
dem Flugzeug in die Schweiz eingereist.
Als Nachweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden die Identi-
tätskarten betreffend A._ und B._, das Laissez-Passer der
Familie sowie ihr Familienbüchlein – jeweils im Original – ein. Zudem reich-
ten sie den Invalidenausweis des Beschwerdeführers sowie eine Fotokopie
der Aufenthaltsbewilligung B seiner in der Schweiz lebenden Tochter zu
den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 20. November 2018 – eröffnet am 23. November 2018
– verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh-
renden (Dispositivziffer 1), lehnte ihre Asylgesuche ab (Dispositivziffer 2)
und verfügte ihre Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3). Der
Vollzug der Wegweisung wurde wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer
vorläufigen Aufnahme aufgeschoben (Dispositivziffer 4).
C.
Mit Beschwerde vom 20. Dezember 2018 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung der angefoch-
tenen Verfügung in den Dispositivziffern 1–3, die Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers und die Gewährung von Asyl.
In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
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D.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2018 (Datum Poststempel) reichten die
Beschwerdeführenden sodann medizinische Unterlagen betreffend den
Beschwerdeführer vom 15. September 2016, vom 7. April 2017 sowie vom
18. Dezember 2018 – jeweils in Kopie – nach.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2019 lehnte der zuständige Instruk-
tionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung ab und erhob – unter Androhung des Nichteintretens im Unterlas-
sungsfall – einen Kostenvorschuss.
F.
Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht beglichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
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und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 In der Beschwerdeschrift wird der Vorinstanz sinngemäss eine Verlet-
zung des Untersuchungsgrundsatzes und somit des rechtlichen Gehörs
vorgeworfen. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls
geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu
bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).
4.2
4.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ih-
rer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt
(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dem verfassungsmässigen Grundsatz des
rechtlichen Gehörs erwachsen behördliche Pflichten, wie unter anderem
die Untersuchungspflicht (vgl. E. 4.2.2). Das AsylG als lex specialis zum
VwVG sieht für das Asylverfahren besondere Verfahrensbestimmungen
vor (Art. 6–17 AsylG).
4.2.2 Die behördliche Untersuchungspflicht beinhaltet die richtige und voll-
ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, die Beschaffung
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der für das Verfahren notwendigen Unterlagen, die Abklärung der rechtlich
relevanten Umstände sowie die entsprechende, ordnungsgemässe Be-
weisführung. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfü-
gung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder
wenn die Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des
Sachverhalts prüfte, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache
zu Unrecht verneinte. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn
nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt
wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Im Asylverfahren
wird der Untersuchungsgrundsatz durch Art. 13 VwVG in Verbindung mit
Art. 8 AsylG beschränkt, weil diese im Asylverfahren eine Mitwirkungs-
pflicht der asylsuchenden Person bei der Sachverhaltsermittlung verlan-
gen.
4.3
4.3.1 Die Beschwerdeführenden machen implizit geltend, die Vorinstanz
habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem sie darauf verzichtet
habe, eine somatische und psychiatrische Begutachtung des Beschwerde-
führers zu veranlassen. Er leide unter (...). Sein Gesundheitszustand sei
vom SEM unbeachtet geblieben.
Es ist nicht zu erkennen, inwiefern der Gesundheitszustand des Beschwer-
deführers einen Einfluss auf seine Vernehmungsfähigkeit oder seine be-
hauptete Verfolgungssituation im Heimatland zeitigen sollte. Dies wird in
der Beschwerdeschrift auch nicht näher substantiiert. In den Akten finden
sich keinerlei Hinweise auf eine Einschränkung der Vernehmungsfähigkeit.
Ganz im Gegenteil ist festzuhalten, dass er seine Asylvorbringen vollstän-
dig darlegen konnte. Überdies sah sich auch die an der Anhörung anwe-
sende Hilfswerksvertretung nicht veranlasst, Schwierigkeiten in der Befra-
gung oder eine mangelnde Vernehmungsfähigkeit des Beschwerdeführers
festzuhalten (vgl. SEM-Akten A12, Unterschriftenblatt der Hilfswerks-
vertretung).
4.3.2 Weiter wird von den Beschwerdeführenden gerügt, dass ein gewich-
tiger Aspekt ihrer Asylvorbringen von der Vorinstanz unberücksichtigt ge-
blieben sei. Ihre vorgebrachte Verfolgung durch die syrische
Befreiungsarmee Al-Jaish Al-Hur, die mit dem Beschwerdeführer hätten
zusammenarbeiten wollen, um an geheime Informationen zu gelangen, sei
nicht gewürdigt worden. Hierbei habe es sich um das zentrale
Hauptargument ihrer Asylvorbringen gehandelt.
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Die Rüge der Beschwerdeführenden findet in den Akten keine Stütze.
Entgegen ihren Vorbringen in der Beschwerdeschrift haben die
Beschwerdeführenden in ihren Befragungen keine Bedrohung durch die
syrische Befreiungsarmee geltend gemacht. Vielmehr haben sie klar und
deutlich vorgebracht, dass sie aufgrund der ausbleibenden Lieferung von
Heizöl für den IS und der darauffolgenden Verfolgung durch denselben aus
ihrem Heimatland ausgereist seien (vgl. A2 Ziffer 7.01; A3 Ziffer 7.01; A11
F44, F54; A12 F11). Die Beschwerdeführerin erwähnte vielmehr, dass die
IS-Anhänger, welche angeblich in ihr Haus gestürmt seien, von ihrem
Ehemann verlangt hätten, für sie als Spitzel zu arbeiten, um die YPG und
die Asayish auszuspionieren (vgl. A11 F44, F54). Im bisherigen
Asylverfahren haben die Beschwerdeführenden zu keinem Zeitpunkt eine
Verfolgung durch die syrische Befreiungsarmee geltend gemacht. Die
entsprechende Rüge erweist sich daher als unbegründet.
4.3.3 Weiter ist festzustellen, dass das Bundesverwaltungsgericht den Ak-
ten auch sonst keinerlei Hinweise entnehmen kann, dass die Vorinstanz
den Sachverhalt nicht ausreichend erstellt hätte.
4.4 Nach dem Ausgeführten ist eine Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz nicht angezeigt. Folglich hat das Gericht in der Sache zu entschei-
den (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Zur Begründung ihres Asylentscheids führte die Vorinstanz aus, die
Vorbringen der Beschwerdeführenden seien aufgrund zahlreicher Wider-
sprüche unglaubhaft. Anlässlich der BzP habe der Beschwerdeführer an-
gegeben, per Telefonanruf aufgefordert worden zu sein, das Heizöl auszu-
liefern. Demgegenüber habe er in der Anhörung zu Protokoll gegeben, die-
sen Auftrag persönlich von zwei Männern erhalten zu haben, als diese auf
einem Motorrad vorbeigekommen seien. Sein Erklärungsversuch, er habe
schon bei der BzP davon gesprochen, dass die Männer auch persönlich im
Geschäft erschienen seien, sei nicht überzeugend. Während die Be-
schwerdeführenden anlässlich der BzP ausgesagt hätten, zwei der drei An-
greifer seien gefasst worden, hätten sie in der Anhörung angegeben, dass
nur einer der drei Angreifer festgenommen worden sei. Weiter habe der
Beschwerdeführer in der Anhörung erwähnt, er sei mit der Lieferung von
zwei Ölfässern beauftragt worden. In der BzP sei aber von vier Ölfässern
die Rede gewesen. Bezüglich des Drohanrufs habe er angeführt, 15 Tage
vor dem geltend gemachten Angriff bei ihm zuhause einen Drohanruf er-
halten zu haben. Im Gegensatz dazu habe die Beschwerdeführerin ange-
geben, dass der Drohanruf erst nach dem Überfall ergangen sei.
In Bezug auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, seine beiden Söhne
seien aufgefordert worden, in den Militärdienst einzurücken und die syri-
schen Behörden hätten ihn zu diesem Zweck mehrmals aufgesucht, fehle
es an der Asylrelevanz. Er habe selbst dargelegt, dass er aufgrund der
Rekrutierungsversuche selber keine Schwierigkeiten gehabt habe.
Ebenso sei das Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihr Bruder sei anläss-
lich einer Razzia der syrischen Behörden mitgenommen worden und seit-
her verschwunden, nicht asylrelevant. Es ergäben sich aus den Akten
keine Hinweise dafür, dass sie deswegen eine asylrelevante Verfolgung zu
befürchten habe.
Aus den Akten ergäben sich auch keine Hinweise dafür, dass der Be-
schwerdeführer aufgrund seiner in der Schweiz lebenden Tochter eine
flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu befürchten habe.
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6.2 Die Beschwerdeführenden halten diesen Erwägungen in ihrer Be-
schwerdeschrift entgegen, sie hätten ausgesagt, dass die Männer mit dem
Motorrad nur zwei Ölfässer hätten transportieren können. Die Männer hät-
ten dem Beschwerdeführer gesagt, dass sie wiederkommen würden, um
die anderen zwei Ölfässer abzuholen. In den Befragungen hätten sie über-
einstimmend zu Protokoll gegeben, dass sie den obengenannten Drohan-
ruf nach dem Überfall erhalten hätten. An den genauen Zeitpunkt könnten
sie sich wegen massiven Konzentrations- und Gedächtnisproblemen nicht
erinnern. Die Festnahme der Angreifer beziehungsweise des Angreifers
hätten sie nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern hätten diese Infor-
mation von der YPG erhalten.
7.
7.1 Die Vorinstanz ist zur zutreffenden Einschätzung gelangt, dass die Vor-
bringen der Beschwerdeführenden unglaubhaft sind. Es gelingt ihnen in
der Beschwerdeeingabe nicht die zahlreichen Widersprüche und Unstim-
migkeiten ihrer Angaben – die als reine Gegenbehauptungen zu qualifizie-
ren sind – zu klären. Ganz im Gegenteil. So werden durch die Vorbringen
in der Beschwerdeschrift gar noch weitere Widersprüche generiert. Mit den
nachfolgenden Erwägungen kann daher zur Vermeidung von Wiederholun-
gen auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden.
7.2 Zunächst ist betreffend die erstmals auf Beschwerdeebene vorge-
brachte Verfolgung durch die syrische Befreiungsarmee festzuhalten, dass
diese Darstellung der Fluchtgründe keinerlei Stütze in den Akten findet (vgl.
E. 4.3.2) und somit als nachgeschoben zu qualifizieren ist. Weitere Ausfüh-
rungen oder Substantiierungen hierzu fehlen in der Beschwerdeschrift voll-
ständig. Dieses Vorbringen ist somit als unglaubhaft zu qualifizieren.
Die Erklärungsversuche der Beschwerdeführenden hinsichtlich dem an-
geblichen Lieferungsauftrag an den IS sowie die genauen Umstände der
danach aufgetretenen Probleme vermögen nicht zu überzeugen. So brin-
gen die Beschwerdeführenden vor, sie hätten in der Anhörung davon ge-
sprochen, dass die Mitglieder des IS nur zwei Ölfässer hätten transportie-
ren wollen, weil nicht mehr Fässer auf deren Motorrad gepasst hätten. Der
Beschwerdeführer hat jedoch explizit erwähnt, es sei von ihm selber ver-
langt worden, zwei Heizölfässer auszuliefern (vgl. A12 F11). An einer spä-
teren Stelle in der Anhörung versuchte er den Widerspruch aufzulösen, in-
dem er zu Protokoll gab: "Vielleicht hätten sie später noch verlangt, dass
ich noch zwei andere ausliefere" (vgl. A12 F46). Diese Aussage, welche
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auf einer reinen Vermutung basiert, ist wiederum nicht in Einklang zu brin-
gen mit ihrer Angabe in der Beschwerdeschrift. Dort führten die Beschwer-
deführenden aus, die Männer auf dem Motorrad hätten nur zwei Ölfässer
transportieren können. Sie hätten ihnen gesagt, nochmals zu kommen, um
die restlichen zwei Ölfässer abzuholen. In der Beschwerdeschrift ist somit
erstmals die Rede davon, dass die IS-Anhänger die Ölfässer selbst hätten
transportieren wollen. Demgegenüber haben sie in den Anhörungen aus-
gesagt, dass der Beschwerdeführer diese an den gewünschten Ort hätte
ausliefern sollen (vgl. A11 F44, F49; A12 F11, F46). Die Schilderungen der
Beschwerdeführenden zum entsprechenden Geschehnisablauf weisen so-
mit klare Widersprüche und Unstimmigkeiten auf.
Auch die Ausführungen der angeblichen Drohungen erweisen sich als stark
widerspruchsbehaftet. Anlässlich der Anhörung hat der Beschwerdeführer
hierzu ausgeführt, ungefähr 15 Tage vor dem Überfall telefonisch bedroht
worden zu sein (vgl. A12 F32). Seit er ein Nummernanzeigegerät montiert
habe, habe er keine Drohanrufe mehr erhalten (vgl. A12 F31). Die Behaup-
tung der Beschwerdeführenden, sie hätten übereinstimmend dargelegt,
nach dem Überfall einen Drohanruf erhalten zu haben, trifft somit nach-
weislich nicht zu.
Weiter weisen auch die Vorbringen hinsichtlich der Verhaftung ihrer angeb-
lichen Bedroher klare Unstimmigkeiten auf. Mit ihrem Erklärungsversuch,
sie hätten die Festnahme der Angreifer nicht mit eigenen Augen gesehen,
sondern hätten diese Information von der YPG erhalten, vermögen sie so-
dann den Widerspruch betreffend der Anzahl der festgenommenen Angrei-
fer nicht aufzulösen. Zumal die Angreifer ihnen angedroht hätten, wieder-
zukommen und es sich beim Überfall um den angeblich fluchtauslösenden
Moment handelt, wäre zweifelsfrei davon auszugehen, dass sie sich daran
erinnern würden, wie viele der Personen, vor denen sie sich primär fürch-
teten, überhaupt noch auf freiem Fuss gewesen wären.
7.3 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge-
bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder
zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat daher ihre Asylgesu-
che zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
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Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Da das SEM in seiner Verfügung vom 20. November 2018 die vorläufige
Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz angeordnet hat, er-
übrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit
und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dabei ist zur Begleichung der Verfahrens-
kosten der in selber Höhe geleistete Kostenvorschuss zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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