Decision ID: 3a82431d-c249-471a-b86e-4436ce0bf9f3
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1977
geborene X._
begann nach der Sekundarschule eine Lehre als Automechanikerin und war nach deren
gesundheitlich bedingte
n
Abbruch (
Frühjahr
1996)
im Gastgewerbe
tätig (Urk. 7/3
/1, Urk. 7/10
)
.
Am 3. November 1999
meldete
sie
sich unter Hinweis auf ein Carpaltunnel-Syndrom bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (Umschulung) an (Urk. 7/6). Am 14. Juni 2000
wurden
der Versicherten
für die Zeit vom 10. August 1999 bis 31. Juli 2001 berufliche Massnahmen in Form einer erstmaligen beruflichen
Ausbildung zur Kaufmännischen Angestellten mit Abschluss
Handelsdiplom
VHS
gewährt
(Urk. 7/21).
Nachdem die Versicherte die Ausbildung am 11. Januar 2001 aus gesundheitlichen Gr
ünden
(Verkehrsunfall vom 26. Dezember 2000
,
Urk.
7/93-94
)
hatte
unterbre
chen
müssen
(vgl. Urk. 7/2
9
-30
), stellte sie am 18. April 200
2 den Antrag um Wiederaufnahme der beruflichen Massnahmen (Urk. 7/34). Mit Verfügung vom 28. Juni 2002
wurden
ihr
für den Zeitraum vom 20.
August 2002 bis 4. Juli 2003 erneut berufliche Massnahmen im Sinne einer
erstmaligen beruflichen Ausbildung als
K
aufmännische Angestellte zugespro
chen
(Urk. 7/39)
, welche die Versicherte erfolgreich abschloss (Urk. 7/49; vgl. auch Urk. 7/52, Urk. 7/56, Urk. 7/58, Urk. 7/61 und Urk. 7/63)
.
Am 19. Februar 2007 meldete sich die Versicherte
unter Hinweis darauf, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sei, im kaufmännischen Bereich tätig zu sein,
erneut bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug
(Umschu
lung) an
(Urk. 7/68).
Die
IV-Stelle
wies
das Gesuch am 15. Januar
2008
ab
(Urk. 7/80). Die dagegen von der Versicherten erhobene Beschwerde (Urk. 7
/85
/3-
7, Urk. 7/87/3-6
) hiess das Sozialversicherungsgericht
am 30. September 2008
in dem Sinne gut, als dass
es
die a
ngefochtene Verfügung aufhob
und die Sache an die IV-Stelle zwecks weiterer Abklärungen und anschliessend neuer Entschei
dung zurückwies
, da sich die tatsächliche Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit im kaufmännischen Bereich nicht abschliessend beurteilen lasse
(Urk. 7/90).
Nach
dem die IV-Ste
lle bei der
Medas
Y._
(
Medas
) ein polydiszi
plinäres Gutachten
(Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie und Neuro
psychologie
)
eingeholt hatte
(Urk. 7/
99),
verneinte sie
mit Verfügung vom 11. Oktober 2010 (Urk. 7/118)
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen und
eine
Invalidenrente
.
Am 24. März 2019 meldete sich die Versicherte
–
seit 1. März 2012 mit einem Pensum von 10 bis 20 % als kaufmännische Angestellte be
i der Z._
GmbH tätig
(Urk. 7/130/2, Urk. 7/130/10, Urk. 7/131 S. 6)
–
unter Hinweis auf
den Verkehrsunfall vom 26. Dezember 2000 und vorbestehende gesundheitliche
Einschränkungen in Form von psychischen Beschwerden, mithin
eine
r
Persön
lich
keits
störung vom schizoiden Typ
respektive
eine
r
bipolare
n
affektive
n
Störung
, abermals bei der Invalidenversicherung an (Urk. 7/131).
Die IV-Stelle stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 20. Juni 2019 (Urk. 7/140)
das Nichteintreten auf das Leistungsgesuch in Aussicht, wogegen letztere am 1. Juli
2019 Einwand (Urk. 7/141, Urk. 7/152) erhob. Am 25. November 2019 infor
mierte
die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass auf das Gesuch eingetreten werde (Urk. 7/153)
,
und nahm in der Folge medizinische
und erwerbliche Abklärungen vor
, wobei sie
insbesondere
eine psychiatrische und neuropsychologische Begut
achtung
bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic
. phil.
B._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP
veranlasste
(Expertisen vom 20. September
2020
und 1. Oktober 2020 (Urk. 7/168/83-92, Urk. 7/168/1-81). Mit Vorbescheid vom 10. März 2021 (Urk. 7/171) stellte die IV-Stelle der Versi
cher
ten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht,
wogegen
letztere am 22. April 2021 Einwand (Urk. 7/176) erhob. Am 10. Juni 2021 verneinte die IV-Stelle verfügungsweise einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversiche
rung (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 12. Juli 2021 Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, es sei die Verfügung vom 10. Juni 2021 aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventuell sei eine medizinische Exper
tise durch das Gericht einzuholen und es seien ihr danach die gesetzlichen Leis
tungen zuzusprechen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 14. September 2021 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführerin am 21. September 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten
Bestimmungen
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
ver
si
cherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatb
estandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V
210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretene
n Sachverhalt abstellt (BGE 144 V
210 E. 4.3.1,
132 V
215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Er
werbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3
Bei einer Neuanmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung finden die Grundsätze zur Rentenrevision analog Anwendung (Art. 17 Abs. 1
ATSG; Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV;
BGE 133 V 108 E. 5.2,
130 V 71,
117 V 198 E. 3a).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt
oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes revidierbar. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beur
teilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
recht
lichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeits
un
fähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend ge
machten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlech
terten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021
vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisions
grund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht um
fassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere
Beurteilungen besteht (BGE 141 V
9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
4
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bildet bei der Neuanmeldung die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht. Dem
gemäss sind die Verhältnisse bei Erlass der strittigen Verwaltungsverfügung mit denjenigen im Zeitpunkt der letzten materiellen Anspruchsverneinung zu verglei
chen (BGE 130 V 64 E. 2, 130
V
71 E. 3, 133 V
108 E. 5.2 und E. 5.4).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol
ge
rungen der E
xperten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass aufgrund
der psychiatrischen
und
neuropsychologischen Untersuchungen
keine Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten erhoben werden können. Die gesundheitliche Situation sei im Vergleich zu den medizinischen Abklärungen
aus dem Jahre 2009
im Wesentlichen
unverändert, weshalb die Beschwerdeführerin mit einer Arbeitsfähigkeit von 70 bis 100 % nach wie vor ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne. Entsprechend bestehe kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung und es seien bei
diesem praktisch unveränderten medizinischen Sachverhalt keine Einglied
e
rungs
mass
nahmen angezeigt (S. 1 f.). Im Weiteren führte die Beschwerdegegnerin aus, dass die psychiatrische Expertise
von Dr.
A._
keine Mängel oder Widersprüche enthalte, weshalb kein Anlass bestehe, nicht auf das Gutachten abzustellen (S. 2 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
das psychiatrische Gutachten von Dr.
A._
sei
weder medizini
sch begründet noch schlüssig
, so dass
nicht darauf abgestellt werden
könne
(S. 7 ff. Ziff. 25 ff.)
.
Es sei vielmehr auf die nachvollziehbare Beurteilung der behandelnden Psychia
terin Dr. med.
C._
, Fachärztin für Ps
ychiatrie
und Psychotherapie FMH, abzustellen,
weshalb
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit und einer 10%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit im geschützten Rahmen auszugehen sei. Für den Fall, dass das Gericht ni
cht auf die Beurteilung von Dr.
C._
abstelle
, sei ein gerichtlic
hes Gutachten einzu
holen (S. 10 Ziff. 38 f.
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob seit
der
leistungsabweisenden Verfügung vom
11. Oktober 2010 (Urk. 7/118
) eine erhebliche Veränderung des G
esundheitszu
stands der Beschwer
deführerin eingetreten ist und ihr infolgedessen ein Anspru
ch auf Leistungen der Invaliden
versicherung zusteht.
Dabei stehen einzig psychische Besc
hwerden zur Diskussion, nachdem
im vorliegenden Beschwerdeverfahren keine somatischen Beschwerden
thematisiert wurde
n
.
3.
3.1
3.1.1
Der
leistungsabweisenden
Verfügung vom 11. Oktober 2010 (Urk. 7/118) lag im Wesentlichen folgender medizinischer Sachverhalt zugrun
de (vgl. Urk. 7/117/2-3
):
3
.
1.2
Dr.
med.
D._
, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in seinem psychiatrischen
Medas
-
Gutachten vom 24. April 2009 (Urk. 7/99/46-55) folgende Diagnose (S. 6 f.):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Persönlichkeitsstörung vom
schizoiden Typ (ICD-10 F60.1)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
Der Experte
führte aus, dass sich während der Exploration
bei der Beschwerde
führerin
keinerlei Ermüdungszeichen
gezeig
t hätten
,
ihre
Aufmerksamkeit sehr
gut
und
sie ihm zugewandt gewesen sei und sich eine gute emotionale Schwin
gungsfähigkeit, ein gutes Mitgehen und adäquate Affekte gezeigt hätten. Insge
samt sei sie in einer ausgeglichenen Stimmungslage gewesen (S. 6).
Dr.
D._
ging von einer tiefgreifenden und praktisch sicher bereits vor dem Unfall bestehenden Persönlichkeitsstörung aus, welche es der Beschwerdeführerin verunmögliche, sich normenkonform mit Themen auseinander zu setzen. Regeln würden dann tatsächlich als bedeutungsarm eingestuft, allerdings nicht wegen einer unfallbedingten Hirnleistungsschwäche, sondern wegen der ungenügenden
Integration in soziale Kontexte.
Dr.
D._
wies weiter darauf hin, dass der ganze Beziehungsbereich der Beschwerdeführerin nach den Kriterien der schizoiden Persönlichkeitsstörung gestaltet werde. Eine zehnjährige Beziehung nur aus Langeweile aufzugeben sei besonders und es frage sich, ob die Beschwerdefüh
rerin während diese Beziehung überhaupt die zu erwartenden Emotionen erlebt habe oder nicht. Vor- und nachher sei es zu keinen überdauernden Kontakten gekommen und auch in den übrigen Bereichen seien heftige Emotionen und Gefühle der Freude oder Wut nicht
nachweisbar. Die Inkohärenzen und
Inkon
sistenzen könne man durchaus als Teil der Persönlichkeitsstörung
auffassen
, als krankheitsbedingt wechselnde Gewichtungen in einer Realitätswahrnehmung, die sich nicht mit den üblichen Bezugssystemen decke. Differenzialdiagnostisch könnten auch andere Formen der Persönlich
keitsstörung
in Erwägung gezogen werden, wobei dafür aber
entscheidende Momente fehlten
(S. 8).
Ein Zusammen
hang mit dem Unfall sei aus psychiatrische
r
Sicht äusserst unwahrscheinlich. Dagegen sprächen die gute neuropsychologische Testung, die merkwürdige Schil
de
rung des Ablaufs und das erstaunliche Leistungsniveau über gewisse Zeitab
schnitte
, zum Beispiel während Prüfungen
. Die Schilderung
des Verkehrsunfalles
sei sinnbildhaft für die verzerrte Einschätzung der Realität, welche
er – so
der Gutachter
–
für ein wesentliches Teilproblem der schizoiden Persön
lichkeits
stö
rung
halte
(S.
9
).
Unter dem Titel Arbeitsunfähigkeit führte Dr.
D._
aus,
dass die Beschwerde
führerin in einer Tätigkeit im kaufmännischen Bereich oder im Gastgewerbe aus psychiatrischer
Sicht
weitgehend arbeitsfähig sei. Sie werde dabei Schwierig
keiten haben, sich auf neue Situationen einzustellen,
sich auf Veränderungen der Beziehungsstruktur einzulassen und
sich mit Abläufen auseinander
zu
setzen, welche für andere Perso
nen selbstverständlich seien
, weshalb von einer Arbeits
un
fähigkeit von 30 % auszugehen sei. Die Beschwerdeführerin habe mehr Mühe, sich im sozialen Kontext zu integrieren, was ein Versagen bei voller Leistungs
anforderung wahrscheinlich mache und eine Reduktion des Pensums auf 70 % erfordere
(S. 9)
.
3.1.3
Die neuropsychologischen
Meda
s
-Gutachterinnen
lic
. phil. E._ und
lic
. phil. F._
führten am 20.
April
2009 aus, dass sich bei der Beschwerdeführerin eine alters- und ausbildungsadäquate mentale Leistungsfähigkeit finde. Es zeigten sich keine Hinweise für eine unfallbedingte oder unfallfremde
hirnorganische
Schädi
gung.
Die Beschwerdeführerin erbringe durchgehend durchschnittliche bis über
durchschnittliche Ergebnisse. Sie arbeite schnell und genau, wechsle flexibel zwischen den verschiedenen Anforderungen und zeige ein stabiles Aufmerksam
keits
vermögen.
Die Arbeitsfähigkeit sei aus rein neuropsychologischer Sicht wede
r
in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit eingeschränkt (Urk. 7/99/40-45 S. 5 f.).
3.
1.4
Der damals
seit April 2008
behandelnde Psychiater
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie,
führte am 6. Juli 2010 folgende Diagnosen auf (Urk. 7/113
/6-11 S. 1
):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
MDK
(manisch-depressive Krankheit)
im Sinne eines Rapid
Cycling
(ICD-10
F31.8), vom Ausprägungsgrad der manischen Symptomatik am ehesten i
m Sinne einer Bipolar II-Erkran
kung
-
Differenzialdiagnose: MDK mit gemischten Z
uständen (manisch und de
pres
siv
gemischt, ICD-10 F31.9)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
Dr.
G._
führte aus
, dass die im
Medas
-
Gutachten gestellte Diagnose einer schizoiden Persönlichkeitsstörung verwundere, da die Beschwerdeführerin eine sozial sehr integrierte und fürsorgliche Kollegin im Rahmen ihres Freun
des
kreises sei. Keine
s
der im ICD-10 beschriebenen Kernsymptome (emotionale Dis
tan
ziertheit, übermässige In
an
spruchnahme durch Phantasie und Introspektion, mangelnde Sensibilität für das Erkennen/Befolgen von sozialen Regeln) beschrei
be die Beschwerdeführerin auch nur im weitesten Sinne, weshalb diese Diagnose falsch sei (S. 4).
Von Mitte Oktober 2008 bis Mitte Juni 2009 habe eine starke depressive Krise
mit starker Suizidalität
, unterbrochen durch kurze submanische
Phasen
,
bestanden. Nach
mehreren
Medikamentenwechsel
n
sei es
in der Zeit
von Juli bis Oktober 2009 zu einer symptomfreien Phase ohne Stimmungsschwankungen gekommen. Ende Oktober 2009 habe ein kurzer depressiver Einbruch mit Stimmungsschwan
kungen ausschliesslich im depressiven Bereich stattgefunden und seit der an
schliessenden Medikamentenerhöhung habe die Beschwerdeführerin von Symp
tom
freiheit berichtet (S. 5).
Aktuell habe das psychiatrische Zustandsbild keine
n
Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit (S. 5).
3.1.5
Die
mit der Beschwerdeführerin befasste
Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD), Dr.
med.
H._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie,
erachtete
am 5. August 2010
die von Dr.
G._
gestellte Diagnose
als
plausibler
als jene im
psychiatrischen
Medas
-Gutachten. Betreffend den Umfang der Arbeits
fähigkeit
stellte
sie unter Hinweis auf die von Dr.
G._
erwähnte
,
erst kurze Zeit vorherrschende Symptomfreiheit
auf die
im
Medas
-Gutachten atte
stierte Arbeitsunfähigkeit von 30 %
ab
(Urk. 7/117/3).
3
.
2
3.2.1
Im Rahmen der vorliegenden Neuanmeldung präsentierte sich der medizinische Sachverhalt im Wesentlichen wie folgt:
3.2.2
Li
c
. phil.
B._
führte
in seinem neuropsychologischen Gutachten vom 20. Se
ptem
ber 2020 (Urk. 7/168/83
-92)
aus, die Intelligenz der Beschwerdeführerin liege im
oberen Erwartungsbereich und es bestünden keine Hinweise auf eine neuropsy
cho
logische Hirnfunktionsstörung (S. 6). Betreffend
die Konzentrationsleistung
und Daueraufmerksamkeit
zeigten sich stabile
und altersentsprechende qualita
tiv
e und quantitative Leistungen. Bei der geteilten Aufmerksamkeit seien quali
tativ gute Leistungen vorgelegen
, quantitativ bei Testbeginn knapp altersentspre
chend, mit zunehmender Gewöhnung sei eine deutliche Steigerung erfolgt
(S. 7)
. Bezüg
lich
Lernen/Gedächtnis lägen
(
über
-
)
durchschnittliche Leistungen (Infor
ma
tions
auf
nah
me), recht stabile Leistungen im oberen Erwartungsbereich (Arbeits-/
Kurz
zeit
gedächtnis) respektive weit überdurchschnittliche Leistungen (Langzeitge
dächt
nis) vor.
Bei der Wahrnehmung bestünden durchschnittlich rasche Leistun
gen
von guter Qualität
(visuelle Detailwahrnehmung) respektive im oberen Durch
schnitts
bereich liegende Leistungen (Beurteilung von visuellen Vorgaben). Weit über
durch
schnittliche Leistungen zeigten sich bei der räumlichen Verarbeitung. Bei
den komplexen/exekutiven Funktionen seien überdurchschnittliche (Abstrak
tions
fähigkeit), durchschnittliche (Erfassen von Analogien, kognitive Flexibili
tät
/
Um
stellfähigkeit
, Wortgeläufigkeit nach lexikalischer Vorgabe, Entscheiden unter Stressbedingungen) beziehungsweise im oberen Durchschnittsbereich
(Erfassen von Zusammenhängen)
liegende Leistungen erzielt
worden. Die Impulskontrolle zeige sich
problemlos
. Das Verarbeitungstempo sei leicht unterdurchschnittlich, aber stabil (Aufmerksamkeit/Konzentration)
, respektive
im oberen Durchschnitts
bereich liegend
bis
weit überdurchschnittlich (verbale und nonverbale Anforde
rungen)
. Die kognitive Ausdauer präsentiere sich ebenfalls weit überdurch
schnitt
lich
(S. 8
f.
; vgl. auch Urk. 7/168/93-98
).
Im Weiteren führte der Gutachter aus, dass in der angestammten Tätigkeit all
fällige Einschränkungen nicht durch neuropsychologische
Defizite
verursacht
würden. Alle beruflichen Tätigkeiten, bei denen die Beschwerdeführerin ihre gute
n
bis überdurchschnittlichen intellektuellen/kognitiven Leistu
ngsmöglich
keiten
ein
setzen könne, seien aus neuropsychologisc
her Sicht adaptiert. Sie verfüg
e über gut altersentsprechende intellektuelle Fähigkeiten und auf neuropsychologischer Informationsverarbeitungsebene über weitgehend gut durchschnittliche bis weit überdurchschnittliche Voraussetzungen
. Die aktuell erhobenen Befunde deckten sich gut mit jenen, welche anlässlich der neuropsychologischen Voruntersuchung im Jahr 2009 gezeigt worden seien
(S. 9).
3.2.3
Der psychiatrische Gutachter Dr.
A._
stellte am 1. Oktober 2020 folgende Dia
gnose (Urk. 7/
168/1-81 S. 72
):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Dysthymie
(ICD-10 F34.
1
)
Dr.
A._
führte aus,
dass sich im Rahmen der Untersuchung keinerlei Hinweise für das Vorliegen einer organischen, einschliesslich einer symptomatischen psy
chischen Störung, einer Störung durch psychotrope Substanzen, einer Schizo
phrenie oder einer
schizotypen
respektive
wahnhaften Störung gefunden hätten.
D
ie Grundstimmung der Beschwerdeführerin
sei
etwas zum depressiven Pol hin verschoben und die affektive Modulationsfähigkeit sei etwas eingeschränkt ge
wesen. Sie habe Schuldgefühle, Insuffizienzgefühle und eine innere Unruhe beschrieben und
angegeben,
die Stimmung sei seit zehn Jahren schlecht
. Sie spüre aber auch Freude, welche
durch ihre Hunde, ihren Mann oder
ihre
Eltern
her
vorgerufen würde
. Es sei auch eine
Antriebsminderung
geschildert worden, wobei die Mimik und Gestik unauffällig gewesen seien. Bei dieser Beschreibung komme die Diagnose einer depressiven Episode nicht in Frage. Bei der Beschwerde
füh
rerin bestehe aktuell
lediglich
eine diskrete Verstimmung
, wobei
die Ansprech
barkeit auf d
ie jeweiligen Lebensumstände
gemäss den Angaben der Beschwerde
führerin gegeben
sei
. Im Gespräch sei de
r affektive Rapport herstellbar und
die Schwingungsfähigkeit sei geg
eben, we
nn auch etwas erschwert
.
In den Akten
seien
verschiedentlich depressive Episoden beschrieben
worden
; teilweise werde sogar von einer bipolaren affektiven Störung ausgegangen
. Abgesehen von der Stellungnahme von Dr.
G._
fänden sich
aber
keine eindeutigen Hin
weise für hypomanische oder manische Episoden und auch die Beschwerde
füh
rerin selbst habe betont, nie manisch gewesen zu sein. Lange Zeit habe keine psychiatrische Behandlung stattgefunden und es fänden sich entsprechend auch keine psychiatrischen Krankenunterlagen. Der Hausarzt
und Dr.
C._
beschrieben eine chronische depressive Erkrankung respektive eine mittelgradige depressive Episode
bei rezidivierender depressiver Störung
, wobei unklar sei,
ob
früher tatsächlich einmal die Kriterien einer eigentlichen depressive
n Episode erfüllt gewesen seien. Fremdanamnestisch sei angegeben worden, dass die jetzige Ausprägung der depressiven Symptomatik seit 2012 beobachtet worden sei, was bedeuten würde, dass die Beschwerdeführerin über lange Zeit trotz der deutlichen
depressiven Verstimmung keine psychiatrische Behandlung in Anspruch genom
men
habe. Der von Dr.
C._
am 11. Februar 2020 beschriebene Psycho
status entspreche dem, was die Beschwerdeführerin bei der aktuellen Unter
suchung
angegeben habe. Sie habe über eine seit Jahren bestehende anhaltende Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit berichtet, wobei diese jedoch nicht an
haltend seien und die Stimmung vor allem nicht auf die jeweiligen Lebens
umstände reagiere.
Es bestehe seit Jahren eine anhaltende, aber nicht sehr stark ausgeprägte depressive Verstimmung, die zumindest aktuell nicht die Kriterien einer depressiven Episode nach ICD-10 erfülle. Die Diagnose
Dysthymie
be
schreibe
dabei
das Erleben der Beschwerdeführerin am besten
(S. 66 ff.)
.
Im Wei
teren führte der psychiatrische Gutachter aus, dass die Kriterien für eine
post
traumatische Belastungsstörung (
PTBS
)
nicht erfüllt seien, wobei es insbesondere an einer
eindeutigen diesbezüglichen
Symptomatik sowie am Zeitkriterium fehle (S. 69 f.). Dr.
A._
verneinte
zudem
das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung (S. 70 f.).
Der psychiatrische Experte
wiederholte
, dass die Beschwerdeführerin über eine lange Zeit keine Behandlung in Anspruch genommen habe. Die aktuelle
Therapie
habe sie im Zusammenhang mit der IV-Wiederanmeldung aufgenommen. Es finde nun eine regelmässige ambulante psychiatrische Behandlung statt, wobei auf Wunsch der Beschwerdeführerin keine medikamentöse Behandlung
erfolge
(S. 75).
Die
Dysthymie
begründe keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit und die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig (S. 75, S. 77 f.).
Betreffend den
zeitlichen
Verlauf der Arbeitsfähigkeit
wies
Dr.
A._
darauf hin
, dass im
Medas
-Gutachten
eine schizoide Persönlichkeitsstörung dia
gnostiziert und damit eine 30%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit begrün
det worden sei. Eine depressive Verstimmung sei damals nicht beschrieben oder diagnostiziert worden. Allerdings fänden sich auch schon in den früheren Akten Klagen über Erschöpfung und eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit
–
insbeson
dere auch eine
beeinträchtigte
kognitive Leistungsfähigkeit – und es sei schon
früh eine Diskrepanz zwischen diesen Klagen und der tatsächlich ermittelten kognitiven Leistungsfähigkeit beschrieben
worden
. In der neuropsychologischen Untersuchung
im
Jahre 2002 werde insgesamt ein
gut
durchschnittliches bis überdurchschnittliches Leistungsniveau beschrieben. Es sei möglich, dass dazwi
schen vorübergehend auch die Kriterien einer depressiven Episode erfüllt gewesen seien, es
spreche
indes nichts eindeutig dafür, dass dies über längere Zeit anhal
tend der Fall gewesen wäre. Vielmehr spreche sehr viel dafür, dass die Be
schwerdeführerin seit langer Zeit unter einer anhaltenden leichten chronischen depressiven Verstimmung im Sinne einer
Dysthymie
leide.
Damit sei
die
Situation im Verglei
ch zum
Medas
-Gutachten
im Wesentlichen
unverändert
, wobei
er –
Dr.
A._
–
die Situation anders einschätze als der Vorgutachter.
Namentlich
gehe e
r nicht von einer Persönlichkeits
störung
aus und deshalb auch nicht von einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit (S. 78).
4.
4.1
Ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person (BGE 133 V 454 E. 7.1). Dazu gehört namentlich der Gesundheitszustand. Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer an
deren Diagnose oder einer unter
schiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung ge
schlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 14. Dezember 2016 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen). Auch das Hinzutreten einer neuen Diagnose stellt nicht per se einen Revisionsgrund dar, weil damit das quantitative Element der (erheblichen) Gesundheitsverschlechterung nicht zwingend ausgewiesen ist (BGE 141 V 9 E. 5.2 mit Hinweisen). Massgebend ist einzig, ob beziehungsweise in welchem Ausmass – unabhängig von der Di
agnose und grundsätzlich unbe
se
hen der Ätiologie – den medizinischen Akten eine Verschlechterung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsfähigkeit im relevanten Zeitraum entnommen werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom 25. Januar 2018 E. 9
,
9C_799/2016 vom 21. März 2017 E. 5.2.1 mit weiteren Hinweisen).
4.2
Die
Gutachten von
lic
. p
hil.
B._
und Dr.
A._
vom 20. September
und 1. Oktober 2020 (vgl. E. 3.2.2-3
)
entsprechen
den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer
medizinischen Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.5)
. So
sind sie
für die st
reitigen Belange umfassend, geben sie
doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit de
r Beschwerdefüh
rer
in
. Sie beruhen
sodann auf den notwendigen psychiatrischen
und neuropsychologischen
Untersuchungen. D
ie
Gutachter berücksich
tigte
n
de
tail
liert die geklagten Beschwerden und setzte
n
sich damit auseinander (Urk. 7/
168/1-
81 S. 45 ff., S. 72 ff.,
Urk. 7/168/83-92 S. 4
ff.
).
Die Expertise
n
wurde
n
sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich
die
Gutachter zur Krankheitsentwicklung äussert
e
n
und Bezug auf d
ie medizinischen
Vorakten
nahm
en
(Urk. 7/
168/1-81 S.
7 ff., S
.
47 ff.; Urk. 7/168/83-92
S. 2 f.
, S. 9
)
.
Sie
kommentierten insbesondere abweichende
Einschätzungen anderer Arztpersonen und würdigten diese in einleuchtender Weise
(
Urk. 7/
168/1-81
S. 67 ff., S. 76 f.).
Schliesslich leuchten
die Expertise
n
in der Da
rlegung der medi
zinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation e
in und die Schlussfolgerungen in den
Gutachten sind begründet.
In diesem Sinne
beschrieb
Dr.
A._
einleuchtend,
dass bei der Beschwerde
führerin eine seit Jahren anhaltende leicht ausgeprägte depressive Stimmung besteht, die nicht die Kriterien e
iner depressiven Episode erfüllt
und diagnostisch
als
Dysthymie
(ICD-10 F34.1)
einzuordnen ist,
welcher keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zukomm
t
. Der
psychiatrische
Gutachter legte
schlüssig dar, dass keine Hinweise auf eine Schizophrenie,
schizotype
oder wahnhafte Störung, Depression, PTBS oder eine Persönlichkeitsstörung vorliegen (
Urk. 7/
168/1-81 S. 66 ff.)
,
und – in revisionsrechtlicher Hinsicht massgeblich – verneinte in nach
vollziehbarer Weise eine Veränderung des psychischen Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin seit April 2009 (S. 78).
Unter neuropsychologischen Ge
sichtspunkten
ging
lic
. phil.
B._
einleuch
tend
von einer Intelligenz im oberen
Erwartungsbereich, fehlenden Hinweisen auf eine neuropsychologische Hirn
funk
tions
störung sowie von durchgehend
guten
bis gar weit überdurchschnittlichen Leistungen
in den einzelnen kognitiven Funktionsbereichen
aus und verneinte
in neuropsychologischer Hinsicht
Einschränkungen in der bisherigen Tätigkeit (Urk. 7/168/83-92 S. 6 ff.).
Die Expertise
n erfüllen
demnach die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines
ärztlichen Gut
achtens (
vgl. E. 1.5
), weshalb für die
Entscheidfindung
darauf abzustellen ist.
4.3
An dieser Beurteilung
vermögen die von der Beschwerdeführerin gegen das psy
chiatrische Gutachten
von Dr.
A._
vorgebrachten Einwände (Urk. 1 S.
7
ff.
Ziff. 25 ff.
) nichts zu ändern
, wobei
an dieser Stelle
anzumerken ist
, dass die neuropsychologische Expertise
des
lic
. phil.
B._
nicht beanstandet wurde.
Was
den
Hinweis
der
Beschwerdeführerin
betrifft, die von Dr.
A._
gestellte Dia
gnose stehe in krassem Widerspruch zu den übrigen in den Akten dokumentierten Befunden und Diagnosen
(S. 7 Ziff. 25
, vgl. auch Urk. 7/175 S. 2
)
, ist in Erinne
rung zu rufen, dass es
im Rahmen der Invaliditätsbemessung
grundsätzlich nicht auf die
Diagnose ankommt, sondern einzig darauf, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat
.
Schliesslich kann die psychiatrische Be
gutachtung von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen; sie eröffnet der sachverständigen Person deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb welchem verschiedene Interpretationen möglich, zulässig und im Rah
men einer Exploration lege
artis
zu respektieren sind (vgl. statt vieler Bun
desgerichtsurteil 9C_190/2016 vom 20. Juni 2016 E. 4;
vgl.
auch
E. 4.1).
Bezüglich des Vorbringens der Beschwerdeführerin, d
ie vom psychiatrischen Gutachter
diagnostizierte
Dysthymie
lasse sich nicht in Einklang bringen mit ihren massiven Einschränkungen, welche sich insbesondere aus den persönlichen Notizen vom 24. September 2
020 (Urk. 7/168/103-128
) ergäben
(Urk. 1 S. 7 Ziff. 26 f.)
, ist Folgendes
zu bemerken
: Bei den in den Notizen wiedergegebenen
Angaben
handelt es sich
lediglich
um
die subjektiven Einschätzungen
der Be
schwerdeführeri
n
.
Soweit sie von kognitiven
Einschränkungen
berichtet (Urk. 7/168/103-128 S. 17), ist darauf hinzuweisen, dass das Vorliegen relevanter kognitiver Defizite im neuropsychologischen Gutachten vom 20. September 2020 (
Urk. 7/168/83-92 S. 6 ff.)
– wie auch bereits im
Medas
-Gutachten vom
20
. April 2009
(Urk. 7/99/40-45 S. 5 f.)
– verneint
wurde. Im Übrigen lagen Dr.
A._
die persönlichen Notizen
der Beschwerdeführerin
bei der Ausarbeitung des psychia
trischen Gutachtens vor und wurden von ihm auch
angemessen
berücksichtigt (
Urk. 7/
168/1-81
S. 7,
S. 69).
Was d
as
Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend die psychiatrische
The
rapie
angeht (Urk. 1 S. 7
f.
Ziff. 28 f.), ist festzuhalten, dass sie – was von ihr nicht bestritten wurde
(Ziff. 28)
– lange keine
fachärztliche
Behandlung in Anspruch genommen hat.
Nach der Aktenlage stand
die
Beschwerdeführerin
vom 2. April 2008 bis 23. Februar 2010 bei Dr.
G._
in
psychiatrischer Behandlung
(Urk. 7/113/6-11 S. 1 Ziff. 1.2) und
begab sich
danach erst wieder am 2. August 2019
– mithin
nach dem Vorbescheid betreffend Nichteintreten
vom 20. Juni 2019
(Urk. 7/140)
–
in psychiatris
che Therapie bei Dr.
C._
(Urk. 7/160 S. 2 Ziff. 1.
1
). Die Begründung der Beschwerdeführerin für diese mehrjährige Therapiepause
(Urk. 1 S. 8 Ziff. 29)
ist wenig plausibel
(vgl. auch Urk. 7/168/1-81 S. 68)
,
nachdem
sich gemäss den Angaben von Dr.
C._
der Gesundheitszustand
Ende 2011
erheblich verschlechtert
und
seit 2012
unun
ter
brochen
eine mittelgradige depressive Episode vorgelegen habe
(Urk. 7/151 S. 1
, Urk. 7/160 S. 3
f.
Ziff. 2.1
)
.
Mit Bezug auf die von
der Beschwerdeführerin
im Zusammenhang mit der PTBS
gemachten
Hinweise
auf die Einschätzung
von Dr.
C._
(Urk. 1
S. 8 ff. Ziff. 32 ff.
, vgl. auch Urk. 7/175
)
ist Folgendes zu bemerken:
Die Vorfälle mit dem Primarschullehrer wurden von der Beschwerdeführerin in ihren persönlichen
, zur Begutachtung mitgebrachten
Notizen
vom 24. September 2020
ausführlich ge
schildert (Urk. 7/168/103-128 S. 3) und von Dr.
A._
im
Gutachten angemessen berücksichtigt
(
Urk. 7/
168/1-81
S. 7,
S. 51).
Der
psychiatrische
Experte
legte die Gründe, aufgrund welcher er das Vorliegen einer PTBS verneinte,
nachvollziehbar
dar. Dabei beschri
eb er einleuchtend, weshalb die
in Frage stehenden
Vorfälle
das
Kriterium für ein
Trauma auslösendes Ereignis (Situation ausserge
wöhnlicher Be
drohung oder katastrophenartigen
Ausmasses) gemäss ICD-10 F43.1
nicht
erfül
len und es
zudem
auch am Zeitkriterium (Latenz, die Wochen bis Monate dauern kann, doch selten mehr als se
chs Monate nach dem Trauma; vgl.
Dil
ling
/
Mom
bour
/Schmid [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen; ICD-10
Kapitel V [F] Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl., 2015, S. 207 f., vgl. auch
BGE
142 V 342
E. 5.1 und E. 5.2.2) mangelt (
Urk. 7/
168/1-81
S.
69 f.).
Ins Leere geht sodann der
Hinweis
der Beschwerdeführerin, der
psychiatrische
Experte habe die Vorfälle mit dem Primar
schul
lehrer heruntergespielt (Urk. 1 S. 9 Ziff. 35
; vgl. auch Urk. 7/175 S. 2
).
Dr.
A._
stellte die von der Beschwerdeführerin geschil
derten Ereignisse nicht in Frage, sondern verneinte in sachlicher Weise das Vor
liegen von
Trauma
auslösenden Situationen (
Urk. 7/
168/1-81 S. 69).
Insoweit die Beschwerdeführerin
geltend macht
,
dass
ihre Befragung im Rahmen der psychia
trischen Exploration nicht ausreichend gewesen sei (Urk. 1 S. 9 Ziff. 33)
, ist zu berücksichtigen,
dass ihr Interview im entsprechenden Gutachten
auf
1
8
Seiten wiedergegeben wurde (
Urk. 7/
168/1-81 S. 45 -
S. 6
3
) und
Dr.
A._
zudem die
ihm anlässlich der Exploration ausgehändigten
ausführlichen persönlichen Notizen
der Beschwerdeführerin
vom 24. September 2020
(
Urk. 7/168/7,
Urk. 7/168/103-128)
vorlagen.
Was den Hinweis betreffend die fehlende Erhebung einer Fremd
anamnese
im Zusammenhang mit der PTBS
angeht (Urk. 1 S. 9
Ziff. 33
), ist zu bemerken, dass solche Anamnesen zwar oftmals wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich sind und deren Einholung im Ermessen des Gutachters lieg
t
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_323/2014 vom 23. Juli 2014 E
.
5.2.1
). Vo
r
liegend ist nicht ersichtlich – und wird seitens der Beschwerdeführerin auch nicht näher ausgeführt – inwiefern eine Fremdanamnese weitere relevante Erkenntnisse erschliesst, zumal die Vorfälle mit dem Primarschullehrer mehr als
30 Jahre zurückliegen
und bislang zu keiner andauernden invalidisierenden Arbeitsun
fähigkeit geführt haben
.
Was den
Einwand
der Beschwerdeführerin betrifft, es sei im Einklang mit der Einschätzung der behandelnden Psychiaterin von einer 100%igen Arbeitsun
fähig
keit in angestammter und einer 10%igen Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit im geschützten Rahmen auszugehen (Urk. 1 S. 10 Ziff. 38; vgl. auch Urk.
7/
175 S. 4), ist Folgendes zu
festzuhalten
: Dr.
C._
begründete die
nur
10%ige Arbeitsfähigkeit
insbesondere
mit kognitiven Einschränkungen (Urk. 7/160 S. 6
f.
Ziff. 3.4), wobei dies im Widerspruch zur nachvollziehbaren neuropsychologischen Begutachtung
von
lic
. phil.
B._
steht,
wonach
durch
gehend durch- bis gar
(weit)
überdurchschnittliche kognitive Leistungen
bestan
den
(Urk. 7/168/83-92 S.
6 ff.).
In diesem Zusammenhang ist
sodann
der Hinweis
von
Dr.
A._
zu berücksichtigen
,
wonach
bei
m
Bestehen einer langjährigen depressiven Verstimmung im Ausmass einer mittelgradigen depressiven Episode oder einer PTBS
zu erwarten wäre
, dass sich gewisse
kognitive
Einschränkungen auch in der neuropsychol
ogischen Abklärung zeigen würden
(
Urk. 7/
168/1-81 S. 77).
Im Übrigen ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behan
delnde Ärzte und Ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten
aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
4.4
Aus
psychi
atrischer
Sicht
lässt
die Gegen
überstel
lung der bei der letzten Renten
prüfung vorhandenen mit den seither eingegangenen medizinischen Berichten auf keine wesentliche Veränderung beziehungsweise Verschlechterung des Ge
su
ndheitszustand
s der Beschwerde
führerin schliessen
.
Eine solche wurde
von
Dr.
A._
ausdrücklich verneint
,
postulierte
er doch
einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand
im Vergleich zur Situation
im Rahmen
der
Medas
-Begutachtung im Jahr 2009
(
Urk. 7/
168/1-81 S. 80)
.
Anlässlich der seit der erneuten Anmeldung erfolgten Abklärungen wurden keine neuen psychopa
thologischen Befunde erhoben, die eine wesentliche Einschränkung der funk
tio
nellen Le
is
tungsfähigkeit begründen könnten und nicht bereits zum Zeitpunkt der letzten Rentenprüfung bekannt gewesen wären.
Der Umstand, dass Dr.
A._
von einer anderen Diagnose als
der psychiatrische
Medas
-Gutachter
Dr.
D._
(vgl. E. 3.1.2)
ausging, ändert daran nichts, handelt es sich dabei doch um eine
im Vergleich zu
r
Medas
-
Expertise
unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens, welche indes nicht genügt, um auf einen veränderten Gesundheitszu
stand zu schliessen (vgl. E. 1.3
).
Mit Bezug auf die von Dr.
C._
statuierte Verschlechterung seit Ende 2011 (Urk. 7/151 S. 1) ist darauf hinzuweisen, dass
diese
die Beschwerdeführerin
erst
seit August 2019
behandelte
(Urk. 7/160 S. 2 Ziff. 1.1)
und die genannte Veränderung
mit de
m Auftreten der
PTBS
begründete
, welche
Einschätzung
nach dem Ausgeführten
indes
nicht
über
zeugt
(
vgl.
E. 4.3).
Die Attestierung einer höheren Arbeitsunfähigkeit genügt
so
dann
praxisgemäss bei unveränderter Befundlage nicht für die Anerkennung eines
verschlechterten Gesundheitszustandes (vgl. E. 1.3).
Darüber hinaus
wurde eine seit 2011 eingetretene Verschlechterung
lediglich und ohne nähere Begrün
dung
– ausgehend von einer chronischen depressiven Erkrankung –
vom Haus
arzt der Beschwerdeführerin
postuliert
, welcher
allerdings
über keinen Fach
arzt
titel in Psychiatrie verfügt (Urk. 7/137 S. 1).
Ebenso wenig ist unter neuropsy
cho
logischen Gesichtspunkten eine relevante Veränderung des Gesundheitszu
stands ausgewie
sen, nachdem
lic
. phil.
B._
das Vorliegen relevanter kognitiver Leistungsein
schränkungen verneinte (Urk. 7/168/83-92 S. 9).
Zusammen
fassend ist som
it seit
der letztmaligen Renten
prüfung aus psychiatrischer
und neuropsychologischer
Sicht keine Verschlechterung des Gesundhei
tszustands
, mithin kein Revisions
grund
im Sinne von Art. 17
ATSG
(vgl. E. 1.3)
ausgewiesen
.
4.5
Der Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sind
nach dem Gesagten aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt. Von
weiteren Untersuchungen
sind
diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse zu er
war
ten
, weshalb
darauf zu verzichten
ist
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124
V 90 E 4b,
122 V 157 E. 1.d,
136 I 229 E 5.3)
.
4.6
Es ist demnach weiterhin von einer jedenfalls 70%igen Arbeitsfähigkeit
in jeg
licher Tätigkeit
auszugehen, womit unverändert kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung besteht.
Der angefochtene Entscheid ist somit rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.