Decision ID: e5f36515-29d8-4fc2-a8a6-871e99f06db6
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 3. März 2016 bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 1). Sie war zu diesem Zeitpunkt als Betriebsmitarbeiterin
bei der Firma B._ angestellt gewesen (IV-act. 12). Seit einem Unfall vom
_. November 2015, bei dem die Versicherte als Fussgängerin von einem Auto
angefahren worden war (vgl. act. G 6.2.1 S. 26 ff. und S. 85) und sich dabei
Schambeinastfrakturen rechts, eine Exkoriation des distalen Oberschenkels rechts und
eine Kontusion des Hemithorax rechts zugezogen hatte (act. G 6.2.1 S. 16 f., S. 22 f.
und S. 59 f.), war sie jedoch von der damaligen Hausärztin Dr. med. C._, Fachärztin
FMH für Allgemeinmedizin, zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden (vgl. act. G
6.2.1 S. 14 und 6.2.4 S. 2). Der Unfall hatte einen 10-tägigen stationären Aufenthalt in
der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) sowie einen anschliessenden dreiwöchigen
stationären Rehabilitationsaufenthalt notwendig gemacht (vgl. IV-act. 35 S. 11; act. G
6.2.1 S. 22 f.). Ab Januar 2016 hatte sich die Versicherte wegen einer
Chronifizierungstendenz der Schmerzen und einer depressiven Entwicklung in das
Ambulatorium der psychiatrischen Klinik J._ in Behandlung begeben. Ab März 2016
wurde die Versicherte wegen besserer Sprachverständigung durch Dr. med. D._,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, weiterbehandelt (act. G 6.2.2 S. 1 f.). In einem
Bericht vom 15. März 2016 nannten die behandelnden Ärzte der psychiatrischen Klinik
J._ als Diagnosen eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
sowie den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung (act. G 6.2.2 S. 2).
A.a.
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Gleichentags berichteten die behandelnden Ärzte der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG, dass sich bei der
Versicherten radiologisch ein regelrechter Verlauf zeige. Die diffusen Schmerzen der
rechten Körperhälfte stünden nicht im Zusammenhang mit der Schambeinastfraktur.
Gehstöcke seien nicht mehr notwendig. Weitere Kontrollen seien nicht mehr geplant
(IV-act. 35 S. 7 f.; vgl. ferner IV-act. 35 S. 9 f.). Am 8. April 2016 diagnostizierte Dr.
D._ eine posttraumatische Belastungsstörung und hielt fest, sie habe mit der
Versicherten vereinbart, dass diese die seitens der Unfallversicherung empfohlene
Arbeit in der Wäscherei der Arbeitgeberin für eine Stunde pro Tag aufnehme (act. G
6.2.11). In einem bei der IV-Stelle am 20. April 2016 eingegangen Bericht hielt einer der
behandelnden Ärzte des KSSG fest, dass im Verlauf mit einer Wiederaufnahme der
beruflichen Tätigkeit im Umfang von 100 % gerechnet werden könne (IV-act. 21 S. 3).
Ab dem 27. April 2016 unternahm die Versicherte in der Wäscherei ihrer Arbeitgeberin
an einem Schonarbeitsplatz einen Arbeitsversuch für die Dauer von einer Stunde
täglich (vgl. act. G 6.2.14 S. 1, 6.2.15 S. 2 und 6.2.23 S. 1). Am 28. April 2016 fand im
Auftrag der Unfallversicherung eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med. E._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
statt. In seiner gleichentags verfassten Beurteilung nannte er als Diagnose verbliebene
inguinale Belastungsschmerzen rechts und endphasige Bewegungsschmerzen rechtes
Hüftgelenk nach Unfallereignis vom _. November 2015 durch Erfassen eines
schleudernden Autos mit erlittener oberer und unterer Schambeinastfraktur rechts,
Weichteilverletzung proximaler Unterschenkel medial, Kontusion Oberarm rechts und
Hemithorax rechts (act. G 6.2.15 S. 4). Weiter hielt er fest, dass in der angestammten
stehenden Tätigkeit derzeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Eine
überwiegend sitzende Schontätigkeit mit zeitweisem Gehen für ein bis zwei Stunden
sei für weitere zwei Wochen zumutbar. Unter zeitlich sukzessiver Steigerung sollte in
einer solchen Schontätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ab Anfang Juni 2016
möglich sein. In der angestammten Tätigkeit betrage die zumutbare Arbeitsfähigkeit ab
Anfang Juni 2016 50 %. Eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
sollte ab Juli 2016 möglich sein (act. G 6.2.15 S. 5).
Am 17. Mai 2016 gewährte die IV-Stelle der Versicherten gestützt auf eine von
dieser am 2. Mai 2016 unterzeichnete Zielvereinbarung (vgl. IV-act. 28) Beratung und
A.b.
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Unterstützung beim Erhalt des derzeitigen Arbeitsplatzes (IV-act. 30). Ab August 2016
erhöhte die Versicherte ihr tägliches Arbeitspensum auf zwei Stunden (act. G 6.2.23
S. 1 und 6.2.33 S. 1). Am 8. September 2016 erlitt die Versicherte während der Arbeit
einen Bewusstseinsverlust unklarer Ätiologie (vgl. act. G 6.2.39 und 6.2.50 S. 2 f.),
weshalb sie notfallmässig ins Spital K._ gebracht wurde (act. G 6.2.50 S. 2 f.). Ein
gleichentags angefertigtes CT des Neurocraniums zeigte altersentsprechende Befunde
ohne Nachweis einer intrakraniellen Hämorrhagie (act. G 6.2.50 S. 5). Am 9. September
2016 wurde die Versicherte nach Hause entlassen (act. G 6.2.50 S. 3). Am 15.
September 2016 erfolgte eine Krankmeldung an die Krankentaggeldversicherung. Darin
wurde angegeben, dass die Versicherte seit dem 8. September 2016 aufgrund von
Krankheit zu 100 % arbeitsunfähig sei (act. G 6.2.116 S. 3). In einem Verlaufsbericht
vom 26. September 2016 ging der damalige Hausarzt Dr. med. F._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin, von einem bleibenden Nachteil aus und warf die Frage nach
einer Symptomausweitung auf (act. G 6.2.53 S. 1). In einer neurologischen
Untersuchung vom 6. Oktober 2016 konnte auch Dr. med. G._, Facharzt für
Neurologie, für die plötzlich aufgetretene Bewusstlosigkeit keine Ursache finden. Der
von ihm erhobene klinisch-neurologische Untersuchungsbefund brachte keine
Hinweise für fokal neurologische Defizite und die EEG-Ableitung zeigte sich vollständig
normwertig ohne Nachweis von epilepsietypischen Potentialen (IV-act. 50 S. 6 ff.). Eine
radiologische Kontrolle des Beckens und der Hüfte rechts vom 14. Oktober 2016
machte im Vergleich zur letzten Voruntersuchung eine progrediente Konsolidation bei
gering dislozierter oberer und nicht dislozierter unterer Schambeinastfraktur rechts und
einen im Übrigen stationären Befund sichtbar (act. G 6.2.61). Am 18. Oktober 2016
berichteten die behandelnden Ärzte des KSSG, dass sich für die aktuelle
Beschwerdesymptomatik mit Dominanz auf der rechten Körperhälfte radiologisch kein
Korrelat zeige. Die Versicherte sei dem Schmerzzentrum zugewiesen worden (act. G
6.2.59 S. 2 f.). Am 9. November 2016 empfahl Kreisarzt Dr. E._ aufgrund des im
Röntgenbild vom 14. Oktober 2016 sichtbaren Frakturspaltes eine zusätzliche MRT-
Untersuchung (act. G 6.2.62). Eine MRT-Untersuchung des Beckens vom 24.
November 2016 zeigte eine unvollständige Frakturkonsolidierung am oberen
Schambeinast rechts sowie differentialdiagnostisch eine Pseudarthrose (act. G 6.2.65).
Der kreisärztliche Dienst der Unfallversicherung kam in einer Stellungnahme vom 29.
November 2016 zum Schluss, dass dieser Befund eine Arbeitsunfähigkeit begründe
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(act. G 6.2.66). In einem Verlaufsbericht vom 2. Januar 2017 nannte Dr. D._ als
Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine mittelgradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom. Weiter hielt sie fest, dass die
Versicherte anfangs Mai 2016 einen Arbeitsversuch begonnen habe. Trotz Empfehlung,
vorsichtig vorzugehen, habe die Unfallversicherung eine Steigerung des
Arbeitseinsatzes sehr schnell vorangetrieben. Das Tempo der Steigerung sei zu schnell
gewesen. Die Versicherte habe einen Zusammenbruch bei der Arbeit erlitten. Es habe
sich jetzt herausgestellt, dass die persistierenden Schmerzen doch einen Grund hätten.
Die Fraktur sei noch nicht richtig verheilt gewesen (act. G 6.2.79).
Am 6. Februar 2017 fand eine erneute kreisärztliche Untersuchung durch Dr. E._
statt (act. G 6.2.93). In seinem Untersuchungsbericht vom 7. Februar 2017 nannte er
als Diagnosen verbliebene inguinale Belastungsschmerzen rechts und endphasige
Bewegungsschmerzen rechtes Hüftgelenk (act. G 6.2.93 S. 4). Weiter hielt er fest, dass
unter Berücksichtigung der am 24. November 2016 MR-tomographisch beurteilten
unvollständigen Frakturkonsolidierung am oberen Schambeinast rechts bei ossär
konsolidiertem unterem Schambeinast eine überwiegend sitzende Schontätigkeit mit
zeitweisem Gehen und Stehen für zwei Stunden täglich zumutbar sei. Zum Ausschluss
einer Pseudarthrose bzw. einer noch immer unvollständigen Frakturkonsolidierung
empfehle er eine kernspintomographische Verlaufskontrolle. Sollte bilddiagnostisch die
Fraktur am rechten oberen Schambeinast zwischenzeitlich verheilt sein, wäre das
Erreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer Schontätigkeit innerhalb vier Wochen
möglich und eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zumutbar.
Nachfolgend sollte in vier weiteren Wochen die 100%ige Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit erreicht werden können (act. G 6.2.93 S. 4). Eine MRT des
Beckens vom 16. Februar 2017 zeigte eine ossär konsolidierte obere und untere
Schmabeinastfraktur (act. G 6.2.96).
A.c.
Am 20. Februar 2017 verfügte die Unfallversicherung die hälftige Kürzung der
Taggeldleistungen per 27. Februar 2017 und deren Einstellung per 3. April 2017 (act.
G 6.2.99).
A.d.
In einem ärztlichen Zeugnis vom 22. Februar 2017 hielt Dr. med. H._, Fachärztin
FMH für Chirurgie, fest, dass sich die kreisärztliche Untersuchung vom 6. Februar 2017
A.e.
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lediglich auf den Befund der Hüfte bezogen habe. Die übrigen Beschwerden, welche
der Unfall ausgelöst habe, seien leider nicht berücksichtigt worden. Dies betreffe die
Schmerzerkrankung sowie die posttraumatische Belastungsreaktion, weshalb die
Versicherte in psychiatrischer Behandlung sei. Rückblickend sei festzuhalten, dass die
Unfallfolgen bereits im Spital bagatellisiert worden seien. Durch die behandelnden
Ärzte sei teilweise eine Vorverurteilung der Versicherten vorgenommen worden. Die
später durchgeführten Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Schmerzen teilweise
doch begründbar gewesen seien. In der Folge habe sich bei der Versicherten eine
posttraumatische Belastungsreaktion mit einer depressiven Entwicklung
herausgebildet. Dies erkenne man an einem zunehmenden Stimmungstief. Die
Versicherte weine häufig und sei inaktiver. Es sei bereits mehrmals eine stationäre
Behandlung angeregt worden, wofür sie um eine Kostengutsprache bitte (act. G
6.2.105). In einem Schreiben vom 7. März 2017 teilte die Unfallversicherung Dr. H._
mit, dass sie aufgrund des fehlenden adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen den
psychischen Beschwerden und dem Unfallereignis keine Leistungen für deren
Behandlung mehr übernehmen könne. Von Seiten der organischen Unfallfolgen könne
von einer vollständigen Heilung ausgegangen werden. Aus
unfallversicherungsrechtlicher Sicht könne somit keine weitere
Behandlungsnotwendigkeit oder Arbeitsunfähigkeit begründet werden (act. G 6.2.113
S. 1 f.). Am 16. März 2017 sicherte die Krankentaggeldversicherung der Arbeitgeberin
der Versicherten die Ausrichtung von Taggeldern in Ergänzung zu denjenigen
Leistungen, welche die Unfallversicherung zahle, zu. Ab Einstellung der Unfalltaggelder
werde sie das volle Krankentaggeld entrichten. Weiter merkte die
Krankentaggeldversicherung an, dass sie die Taggelder jedoch nur so lange ausrichten
werde, wie die Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei (act. G 6.2.116 S. 5).
Am 27. März 2017 fand im Auftrag der Krankentaggeldversicherung eine
psychiatrische Kurzbegutachtung durch Dr. med. I._, Arzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, statt (act. G 6.2.118 S. 1). In seinem Gutachten vom 21. April
2017 nannte er als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Kombination
aus einer Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen
Gefühlen (Ärger, Anspannung, Sorge), einer Persönlichkeitsakzentuierung (histrionisch)
und bewusstseinsnahen Kompensationswünschen (differentialdiagnostisch:
A.f.
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[unbewusster] sekundärer Krankheitsgewinn; act. G 6.2.118 S. 13 f.). Weiter hielt Dr.
I._ fest, dass unter Berücksichtigung des bisherigen Krankheitsverlaufs und der
dokumentierten Therapien eine Herausnahme der Versicherten aus dem sozialen
Umfeld und eine tagesklinische Behandlung sinnvoll sei, wobei diese höchstens vier
Wochen dauern sollte. Nach Beendigung der tagesklinischen Behandlung bestehe in
einer dem orthopädischen Leiden angemessenen Tätigkeit eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit, wobei aus psychiatrischer Sicht das Arbeitspensum innert weiterer
zwei Wochen auf 100 % gesteigert werden könne. Bei unzureichender Compliance
respektive fehlender Motivation, möglicherweise auch zwischenzeitlich gelindertem
Leidensdruck könnte auch ambulant sofort mit einer beruflichen Wiedereingliederung
begonnen werden, wobei dann aus psychiatrischer Sicht ebenfalls nach vier Wochen
eine Arbeitsfähigkeit von 50 % und nach weiteren zwei Wochen eine Arbeitsfähigkeit
von 100 % erreicht werde (act. G 6.2.118 S. 14 f.).
Mit Schreiben vom 27. April 2017 teilte die Krankentaggeldversicherung der
Versicherten mit, dass sie ihre Leistungen bis zum 31. Mai 2017 noch zu 100 % und ab
dem 1. Juni 2017 noch zu 50 % ausrichten werde. Ab dem 19. Juni 2017 bestehe kein
Taggeldanspruch mehr (act. G 6.2.117 S. 2 f.).
A.g.
In einer Stellungnahme vom 12. Mai 2017 hielt der regionale ärztliche Dienst (RAD)
fest, dass der Sachverhalt aus medizinischer Sicht ausreichend abgeklärt sei. Ab Mai
2017 könne sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit von
einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Zugestanden werden könne der
Versicherten eine weitere vierwöchige Arbeitsunfähigkeit, sofern sie die empfohlene
tagesklinische Behandlung durchführe. Wenn sie diese nicht antrete, sei die
Arbeitsfähigkeit unabhängig davon ab Mai 2017 anzunehmen, da keine
schwerwiegende, dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigung vorliege (IV-act. 73).
A.h.
Mit Mitteilung vom 26. Mai 2017 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf weitere
berufliche Massnahmen, da die Versicherte ab Mai 2017 sowohl in der angestammten
als auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei (IV-act. 76).
A.i.
Am 23. Juni 2017 füllte die Versicherte einen Fragebogen der IV-Stelle aus, in
welchem sie angab, dass sie im Gesundheitsfall aktuell einer Erwerbstätigkeit in einem
Pensum von 80 % nachgehen würde (IV-act. 78).
A.j.
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B.
Mit Vorbescheid vom 26. Juni 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht, da
spätestens ab Mai 2017 eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie in einer
adaptierten Tätigkeit gegeben sei (IV-act. 81). Mit Verfügung vom 11. September 2017
wies die IV-Stelle das Rentenbegehren im Sinne des Vorbescheids ab (IV-act. 86).
A.k.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 28. September 2017 Beschwerde. Darin beanstandete sie, dass die Abklärungen
durch die Unfallversicherung und Krankentaggeldversicherung nicht unparteiisch
erfolgt seien. Sie leide noch immer unter den körperlichen und psychischen Folgen des
Unfallereignisses vom _. November 2015. Ihre Arbeitsfähigkeit werde von den
behandelnden Ärzten aktuell auf maximal 50 % geschätzt (act. G 1).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 9. Januar 2018 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie stellte sich
auf den Standpunkt, dass die Beschwerdeführerin keine konkreten und objektiven
Anhaltspunkte, die gegen die Unabhängigkeit der versicherungsinternen Ärzte
sprechen würden, vorgelegt habe. Sie sei zweimal durch einen Kreisarzt der
Unfallversicherung und einmal durch einen Psychiater der Krankenversicherung
begutachtet worden. Die angefertigten Gutachten erfüllten die von der Rechtsprechung
aufgestellten Anforderungen und würden durch die Einschätzung des RAD-Arztes
gestützt. Den Gutachten komme somit Beweiswert zu (act. G 6).
B.b.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik innert der
vom Versicherungsgericht angesetzten Frist (act. G 8).
B.c.
Mit Schreiben vom 28. Februar 2018 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie
ständig multiple Schmerzen habe, weshalb sie nicht arbeitsfähig sei. Die Übernahme
der Kosten für eine stationäre Behandlung in einer Schmerzklinik sei von der
Krankenkasse abgelehnt worden. Am _. Februar 2018 habe ein Termin im
Schmerzzentrum des KSSG stattgefunden. Aktuell warte sie auf ein Aufgebot des
KSSG für eine Behandlung in der Klinik L._ (act. G 9). Gleichzeitig reichte die
Beschwerdeführerin ein Schreiben von Dr. H._ zu Handen der Abteilung
B.d.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente zu Recht verneint hat.
2.
Psychosomatik des KSSG vom 10. November 2017 ein, in welchem diese darum
gebeten hatte, die Beschwerdeführerin zunächst zu einer Sprechstunde und
nachfolgend zur stationären Therapie aufzubieten (act. G 9.1).
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art.
7 Abs. 1 ATSG als der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist bei
im Gesundheitsfall Vollzeiterwerbstätigen durch einen Einkommensvergleich zu
ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Wenn eine versicherte
Person auch ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung nicht voll, sondern nur teil
2.1.
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3.
erwerbstätig gewesen wäre, ist der Invaliditätsgrad gemäss der langjährigen Praxis des
Bundesgerichts nicht anhand eines reinen Einkommensvergleichs (vgl. Art. 16 ATSG),
sondern anhand der sogenannten gemischten Methode zu berechnen (BGE 141 V 21
E. 3.2). Hierbei ist der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu
bemessen (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG; Art. 27 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; BGE 141 V 21 E. 3.2). Ob eine versicherte
Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig
einzustufen ist, ergibt sich gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aus der
Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (Urteil des Bundesgerichts vom 17. April
2019, 8C_820/2018, E. 3.2).
bis
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261
E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis).
2.2.
Zunächst ist zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden medizinischen Aktenlage der
Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
feststeht (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E. 6 und Urteil des Bundesgerichts
vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2).
3.1.
In medizinischer Hinsicht hat sich die Beschwerdegegnerin zur Beurteilung des
Rentenanspruchs in erster Linie auf die von der Unfallversicherung in Auftrag
3.2.
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gegebenen kreisärztlichen Beurteilungen vom 28. April 2016 (act. G 6.2.15) und 6.
Februar 2017 (act. G 6.2.93), auf die von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag
gegebene psychiatrische Beurteilung vom 21. April 2017 (act. G 6.2.118 S. 2 ff.) sowie
auf die Aktenbeurteilung des RAD vom 12. Mai 2017 (IV-act. 73 S. 2) gestützt.
Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass die von der Unfallversicherung und
der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen Untersuchungen nicht
unparteiisch erfolgt seien (vgl. act. G 1). Konkrete Anhaltspunkte, die eine Befangenheit
der Gutachter nahelegen könnten, hat die Beschwerdeführerin allerdings nicht
vorgebracht. Auch hat sie, soweit aktenkundig, nach Bekanntgabe der mit den
Untersuchungen beauftragten medizinischen Sachverständigen deren Befangenheit
jeweils nicht sogleich geltend gemacht (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 9. Mai
2019, 8C_41/2019, E. 4). Schliesslich liefern die Akten ebenfalls keine Anhaltspunkte
für eine Befangenheit der untersuchenden Ärzte.
3.3.
Weiter stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass ihre
behandelnden Ärzte im Zeitpunkt der Einreichung der Beschwerde von einer maximal
50%igen Arbeitsfähigkeit ausgehen würden (vgl. act. G 1). Berichte oder Arztzeugnisse
von behandelnden Ärzten, welche diese Arbeitsunfähigkeit belegen würden, hat die
Beschwerdeführerin dem Gericht allerdings nicht eingereicht. Der Bericht von Dr. H._
vom 10. November 2017 enthält keine Arbeitsfähigkeitsschätzung. Vielmehr führt Dr.
H._ darin selber aus, dass die seitens der Beschwerdeführerin beklagten multiplen
Schmerzen somatisch nicht zuzuordnen bzw. nicht erklärbar seien (vgl. act. G 9.1). In
ihrem ärztlichen Zeugnis vom 22. Februar 2017 hatte Dr. H._ noch angegeben, dass
die Unfallfolgen im Spital bagatellisiert worden seien und eine Vorverurteilung der
Beschwerdeführerin vorgenommen worden sei. Die im Nachhinein durchgeführten
röntgenologischen Untersuchungen hätten eine verzögerte Konsolidation der
Schambeinastfraktur gezeigt, welche die Schmerzen teilweise erklären könne (vgl.
act. G 6.2.105). Es mag zutreffen, dass die Ärzte der Orthopädie des KSSG
möglicherweise zu schnell von einer vollständigen Konsolidation der Frakturen im
Schambeinbereich ausgegangen sind (vgl. act. G 6.2.59 S. 3). Die Kreisärzte der
Unfallversicherung haben sich jedoch sorgfältig mit den apparativen Bildgebungen
auseinandergesetzt, die fehlende Konsolidation trotz der anderslautenden Beurteilung
der behandelnden Ärzte des KSSG transparent aufgezeigt, die damit möglicherweise
einhergehenden Beschwerden berücksichtigt und weitere bildgebende
Untersuchungen in die Wege geleitet (vgl. act. G 6.2.62, 6.2.66, 6.2.93 und 6.2.97). Die
MRT vom 16. Februar 2017 hat dann schliesslich eine vollständige Konsolidation der
Schambeinastfrakturen gezeigt (vgl. act. G 6.2.96). Davon hatte Dr. H._ in ihrem
3.4.
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Bericht vom 22. Februar 2017 offenbar noch keine Kenntnis. Die kreisärztliche
Beurteilung vom 6. Februar 2017 beruht auf eigenen Untersuchungen und hat die
damals vorliegenden medizinischen Akten hinsichtlich der somatischen Beschwerden
sowie die von der Beschwerdeführerin beklagten Leiden ausreichend berücksichtigt.
Auf die sorgfältig erstellte und schlüssige kreisärztliche Beurteilung vom 6. Februar
2017 kann abgestellt werden (vgl. act. G 6.2.93). Demnach ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass aus somatischer Sicht spätestens acht
Wochen ab dem Zeitpunkt der vollständigen Konsolidation der Frakturen wieder eine
volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit gegeben gewesen ist (vgl. act. G
6.2.93 S. 4). Die vollständige Konsolidation sämtlicher Frakturen ist erstmals mit der
MRT-Untersuchung vom 16. Februar 2017 ausgewiesen worden (vgl. act. G 6.2.96).
Folglich ist anzunehmen, dass aus somatischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit
spätestens ab Mitte April 2017 eingetreten ist. In der Schontätigkeit in der Wäscherei
ist entsprechend der kreisärztlichen Beurteilung bereits vier Wochen nach der
ausgewiesenen Konsolidation, sprich Mitte März 2017, wieder von einer vollen
Arbeitsfähigkeit auszugehen. Der seitens des RAD anfänglich erwähnte Verdacht auf
eine traumatische Kopfverletzung anlässlich des Unfalls vom _. November 2015
(vgl. IV-act. 51 S. 2) hat sich sodann nicht erhärten lassen (vgl. IV-act. 57 S. 1 ff. i.V.m.
73 S. 1 f.). Auch das im Nachgang zum Bewusstseinsverlust vom 8. September 2016
angefertigte MRT des Neurocraniums hat keinen Nachweis einer intrakraniellen
Hämorrhagie gezeigt (vgl. IV-act. 50 S. 13). Die neurologische Untersuchung bei Dr.
G._ vom 6. Oktober 2016 hat keine Hinweise für fokal neurologische Defizite ergeben
und die EEG-Ableitung ist vollständig normwertig gewesen (IV-act. 50 S. 6 f.).
Schliesslich kann auch Dr. H._ in ihrem Schreiben vom 10. November 2017, wie
bereits erwähnt, die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden somatisch
nicht mehr nachvollziehen (vgl. act. G 9.1). Zusammenfassend ist gestützt auf die
kreisärztliche Beurteilung vom 6. Februar 2017 in Kombination mit den Ergebnissen der
MRT-Untersuchung vom 16. Februar 2017 sowie unter Berücksichtigung der gesamten
Aktenlage davon auszugehen, dass aus somatischer Sicht spätestens ab Mitte März
2017 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit bestanden
hat. Ab Mitte April 2017 ist sodann von einer vollen Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit auszugehen.
Da sich Dr. H._ die Beschwerden somatisch nicht erklären kann, hat sie eine
psychosomatische Problematik als naheliegend bezeichnet, ohne eine solche in ihrem
Bericht vom 10. November 2017 jedoch eingehend zu begründen; dazu war sie als
Fachärztin der Chirurgie denn auch nicht kompetent. Ihr Bericht erschöpft sich zu
grossen Teilen in der Schilderung der Krankengeschichte sowie in der Wiedergabe der
3.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/17
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subjektiven Empfindungen der Beschwerdeführerin (vgl. act. G 9.1). Mit der von den
Ärzten teilweise erwähnten posttraumatischen Belastungsreaktion oder
Belastungsstörung mit depressiver Entwicklung (vgl. z.B. act. G 6.2.116 S. 22 f.; IV-
act. 27 S. 3 und 36 S. 2) sowie mit den Einschätzungen von Dr. D._ (vgl. IV-act. 27,
38 und 43) hat sich der psychiatrische Gutachter Dr. I._ auseinandergesetzt. Er hat in
seiner Beurteilung vom 21. April 2017 ausgeführt, dass in der Untersuchung keine
klinisch relevante depressive Symptomatik (Denkstörung, Antriebsstörung oder
depressive Stimmung) bestanden habe. Es hätten sich auch keine Anhaltspunkte für
einen emotionalen Konflikt oder psychosoziale Probleme gezeigt, die schwerwiegend
genug wären, um die von der Beschwerdeführerin geklagten Schmerzen im Rahmen
einer somatoformen Schmerzstörung zu erklären. Demgegenüber habe es Hinweise auf
einen sekundären Krankheitsgewinn aufgrund der Reaktion des familiären Umfeldes
gegeben, wobei im Rahmen der Exploration bewusstseinsnahe
Kompensationswünsche angetönt worden seien. Die Eingangskriterien für eine
posttraumatische Belastungsstörung seien nicht erfüllt und der Vollständigkeit wegen
sei darauf hinzuweisen, dass bei einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht
zwangsläufig eine Krankschreibung erforderlich sei bzw. die anhaltende
Thematisierung des belastenden Ereignisses nicht unbedingt zielführend sei (act. G
6.2.118 S. 14). Dr. I._ hat anlässlich der Untersuchung als Diagnosen lediglich eine
Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (Ärger,
Anspannung und Sorge), eine histrionische Persönlichkeitsakzentuierung sowie
bewusstseinsnahe Kompensationswünsche erheben können (act. G 6.2.118 S. 13 f.).
Aufgrund des bisherigen Krankheitsverlaufs und der dokumentierten Therapien hat er
die vorübergehende Herausnahme der Beschwerdeführerin aus dem sozialen Umfeld
sowie eine tagesklinische Behandlung während höchstens vier Wochen mit
Schwerpunkt auf der beruflichen Wiedereingliederung als sinnvoll erachtet. Sodann hat
er festgehalten, dass nach Beendigung der tagesklinischen Behandlung aus
psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit und innert weiterer zwei Wochen
wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erlangt werden könne. Aber auch ohne
tagesklinische bzw. bei lediglich ambulanter Behandlung sei nach vier Wochen eine
50%ige Arbeitsfähigkeit und nach insgesamt sechs Wochen eine 100%ige Arbeits
fähigkeit zu erreichen (act. G 6.2.118 S. 14 f.). Daraus ist zu schliessen, dass Dr. I._
bis zum Untersuchungszeitpunkt vom 27. März 2017 (vgl. act. G 6.2.118 S. 2) aufgrund
der Anpassungsstörung und der Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin von
einer vorübergehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen ist, ab dem 24. April
2017 jedoch wieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit und ab dem 8. Mai 2017 eine
100%ige Arbeitsfähigkeit angenommen hat. Zwar hat Dr. I._ am Schluss des
Gutachtens auch ausgeführt, die Belastbarkeit liege bei 100 % bezogen auf ein
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Pensum von 80 %, jedoch handelt es sich hierbei um seine Antwort auf die explizite
Frage nach der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im bisherigen Pensum von
80 % (vgl. act. G 6.2.118 S. 16). Daraus ist nicht zu folgern, dass er die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin auf lediglich 80 % geschätzt hat. Aufgrund der gesamten
gutachterlichen Ausführungen (vgl. insbesondere act. G 6.2.118 S. 15 oben) sowie der
gutachterlich gestellten Diagnosen (vgl. act. G 6.2.118 S. 13 f.) ist vielmehr
anzunehmen, dass Dr. I._ von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit nach Ablauf von
sechs Wochen, sprich per 8. Mai 2017, ausgegangen ist. Dazu passt auch die
Einschätzung des RAD vom 12. Mai 2017, wonach bei der Beschwerdeführerin sowohl
aus somatischer als auch psychiatrischer Sicht keine schwerwiegende, dauerhafte
gesundheitliche Beeinträchtigung bestehe, weshalb ab Mai 2017 wieder von einer
vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne (IV-act. 73). Die Annahme einer
spätestens ab 8. Mai 2017 bestehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit erscheint unter
Berücksichtigung der weiteren medizinischen Akten, der gesamten Lebenssituation der
Beschwerdeführerin und der einschlägigen Standardindikatoren stimmig und schlüssig.
In diesem Zusammenhang ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass selbst Dr. H._
im aktuellsten vorliegenden Bericht vom November 2017 Zweifel an der
Medikamentencompliance der Beschwerdeführerin geäussert hat (vgl. act. G 9.1), was
den Leidensdruck aufgrund der angegebenen Schmerzen als fraglich erscheinen lässt.
Auch im Austrittsbericht des Spitals K._ vom 15. September 2016 sind Unklarheiten
bezüglich der Medikamenteneinnahme festgehalten worden (vgl. IV-act. 50 S. 11). Im
Übrigen hat die Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung durch Dr. I._
angegeben, ausser Sertralin keine Medikamente einzunehmen (vgl. act. G 6.2.118 S.
12). Zudem hat bereits der ehemalige Hausarzt Dr. F._ den Verdacht auf eine
Symptomausweitung geäussert (vgl. act. G 6.2.53 S. 1). Dr. I._ hat in seiner
psychiatrischen Beurteilung sodann von bewusstseinsnahen Kompensationswünschen
bzw. einem sekundären Krankheitsgewinn gesprochen (act. G 6.2.118 S. 14).
Schliesslich deuten auch die ausgeübte Tätigkeit in der Wäscherei, die Dr. F._ mit
einer Arbeitssteigerung nach Plan der Unfallversicherung empfohlen hatte (vgl. IV-act.
36 S. 2), sowie die im Fragebogen der IV-Stelle seitens der Beschwerdeführerin als
möglich bezeichneten Haushaltstätigkeiten (vgl. IV-act. 78) darauf hin, dass die
Beschwerdeführerin gewisse leichte adaptierte Tätigkeiten nach der von Dr. I._ als
notwendig erachteten Überganszeit von vier respektive sechs Wochen wieder ausüben
kann. Dass der plötzliche Bewusstseinsverlust vom 8. September 2016 auf die
Steigerung des Arbeitspensums in der Wäscherei zurückzuführen gewesen ist, wie dies
Dr. D._ geltend gemacht hat (vgl. act. G 6.2.79), ist aufgrund der Aktenlage nicht
ausgewiesen. Die behandelnden Ärzte des Spitals K._ haben die Ursache des
Bewusstseinsverlustes nicht eruieren können (vgl. dazu auch E. 3.4) und die
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4.
Beschwerdeführerin bereits am nächsten Tag wieder nach Hause entlassen. Eine
Arbeitsunfähigkeit haben sie lediglich bis zum 12. September 2016 attestiert (vgl. IV-
act. 50 S. 10 f.). Nach dem Gesagten ist gestützt auf die Beurteilung von Dr. I._,
welcher die Beschwerdeführerin persönlich untersucht und seine Diagnosestellungen
nachvollziehbar erklärt hat, sowie unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt der Untersuchung durch Dr. I._ vom 27. März 2017 aus psychischen
Gründen noch zu 100 % arbeitsunfähig, ab dem 24. April 2017 zu 50 % arbeitsfähig
und ab dem 8. Mai 2017 wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen ist (vgl. act. G 6.2.118
S. 14 ff.). Dr. I._ gibt nicht ausdrücklich an, wann die Arbeitsunfähigkeit aus
psychischen Gründen eingetreten ist. Da es der Beschwerdeführerin gemäss Dr. D._
seit dem Bewusstseinsverlust vom 8. September 2016 (vgl. IV-act. 50 S. 10 f.)
gesundheitlich deutlich schlechter gegangen ist (vgl. dazu act. G 6.2.118 S. 8), ist
anzunehmen, dass die von Dr. I._ attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit spätestens
ab diesem Zeitpunkt bestanden hat, zumal auch keine Anhaltspunkte für eine zwischen
dem Bewusstseinsverlust und dem Begutachtungszeitpunkt eingetretene
Verbesserung der gesundheitlichen Situation vorliegen. Ab dem Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns (Beginn Wartejahr zum Zeitpunkt des Unfalls vom _.
November 2015), dem 1. November 2016 (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 29 IVG;
zum Zeitpunkt der IV-Anmeldung vgl. act. IV-act. 1), dürfte somit jedenfalls eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen vorgelegen haben.
Zusammenfassend ist somit ab dem Beginn des potentiellen Rentenanspruchs,
dem 1. November 2016, bis zum 23. April 2017 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
aus psychischen Gründen auszugehen, die teilweise zusätzlich durch eine somatische
Arbeitsunfähigkeit überlagert worden ist (vgl. E. 3.4). Ab dem 24. April 2017 ist eine
50%ige Arbeitsfähigkeit anzunehmen und ab dem 8. Mai 2017 ist von einer vollen
Arbeitsfähigkeit sowohl in angestammter als auch in adaptierter Tätigkeit auszugehen.
3.6.
Ausgehend von der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung bleiben die
erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen.
4.1.
Im Rahmen eines Einkommensvergleichs ist vorliegend sowohl hinsichtlich des
(hypothetischen) Valideneinkommens als auch bezüglich des Invalideneinkommens
derselbe Tätigkeitsbereich zugrunde zu legen (vgl. dazu act. G 6.2.118 S. 15 f.).
Ohnehin ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer
leidensangepassten Hilfstätigkeit das gleiche Erwerbseinkommen wie in der
4.2.
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5.
angestammten Hilfsarbeitertätigkeit erzielen könnte, was auch ihr Einsatz in der
Wäscherei gezeigt hat. Demnach kann im Rahmen eines Einkommensvergleichs ein so
genannter Prozentvergleich vorgenommen werden. Dabei entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung
eines Abzuges vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75). Gründe, die einen solchen
rechtfertigen würden, sind vorliegend nicht ersichtlich und werden auch nicht geltend
gemacht. Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 0 %, wie er im Zeitraum vom
1. November 2016 bis 23. April 2017 vorgelegen hat, besteht ein Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 %, wie sie im Zeitraum vom 24.
April 2017 bis 7. Mai 2017 vorhanden gewesen ist, würde grundsätzlich ein Anspruch
auf eine halbe Invalidenrente bestehen. Da sich der Arbeitsfähigkeitsgrad aber bereits
per 8. Mai 2017 auf 100 % gesteigert hat, ist die während zwei Wochen bestehende
Arbeitsfähigkeit von 50 % für die Rentenberechnung unberücksichtigt zu lassen
(vgl. Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
Aufgrund der Übergangsfrist von Art. 88a IVV ist die ganze Rente noch während dreier
Monate nach Eintritt der 100%igen Arbeitsfähigkeit auszubezahlen. Folglich besteht bei
Ermittlung der Invalidität anhand eines Einkommensvergleichs ein Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente für die Zeit vom 1. November 2016 bis 31. August 2017.
Angesichts der für den vorliegenden Fall relevanten Arbeitsfähigkeitsgrade (0 % und
100 %) kann offenbleiben, ob der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin aufgrund
des zuletzt innegehabten Arbeitspensums von 80 % (vgl. IV-act. 1 S. 6) bzw. ihrer
Angabe, sie würde im Gesundheitsfall ein Pensum von 80 % ausüben (vgl. dazu IV-
act. 78 S. 1), anhand der gemischten Methode oder anhand des reinen
Einkommensvergleichs zu berechnen ist.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen ist
und die Beschwerdeführerin für die Dauer vom 1. November 2016 bis 31. August 2017
einen Anspruch auf eine ganze Rente hat. Die Sache ist zur Festsetzung und
Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdeführerin hat gemessen am sinngemässen
Antrag um Zusprache einer unbefristeten Rente (vgl. act. G 1 i.V.m. 9) nur in
untergeordnetem Ausmass obsiegt. Ihr sind daher ermessensweise 2/3 der Kosten,
d.h. Fr. 400.--, aufzuerlegen. Den Restbetrag von Fr. 200.-- hat die
5.2.
bis
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