Decision ID: 3f4c1fa6-3106-4c3a-950a-df2c9d51cdfd
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Michael Weissberg, Plänkestrasse 32, Postfach,
2501 Biel/Bienne,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Die ... (vgl. insb. IV-act. 33 und 59) an einer Paraplegie leidende A._ bezieht seit
Jahren Leistungen der Invalidenversicherung. Am 27. Januar 2006 beantragte der
zuständige Berufsberater der Invalidenversicherung intern eine Rentenprüfung durch
die IV-Stelle des Kantons St. Gallen, da die Versicherte nach Abschluss der
erstmaligen beruflichen Ausbildung lediglich zu 60 % erwerbstätig sein könne (IV-
act. 236).
A.b Die Ärzte des Schweizer Paraplegiker Zentrums (SPZ) Nottwil hatten bereits am
12. November 2004 bestätigt, dass die Versicherte aus ärztlicher Sicht in der Lage sei,
ein 60%iges Arbeitspensum im erlernten Beruf als Kauffrau zu bewältigen (IV-act. 234–
2). In einem Zwischenbericht vom 1. Juli 2005 hatten die Ärzte des SPZ Nottwil
angesichts der Diagnosen einer sensomotorisch inkompletten Paraplegie sub L1
unklarer Ätiologie (hochgradiger Verdacht auf funktionelle Genese), einer
idiopathischen juvenilen rechtskonvexen thorako-lumbalen Skoliose, intermittierender
Spannungskopfschmerzen, thorakaler Schmerzen unbekannter Ätiologie und Status
nach Sturz aus dem Rennrollstuhl am 26. Juni 2004 mit Schädel-Hirn-Trauma ersten
Grades und Kontusion der Halswirbelsäule ebenfalls eine „anfängliche“ Arbeitsfähigkeit
von 60 % nach Abschluss der Ausbildung attestiert (IV-act. 215). Gegenüber dem
Berufsberater der Invalidenversicherung hatten die Ärzte des SPZ Nottwil schliesslich
die weitere Gültigkeit des Arztzeugnisses vom 12. November 2004 am 29. Mai 2006
bestätigt (IV-act. 235).
A.c Am 28. Februar 2007 erstatteten die Ärzte des SPZ Nottwil einen Verlaufsbericht
zuhanden der IV-Stelle. Sie attestierten wiederum eine 60%ige Arbeitsfähigkeit im
erlernten Beruf und wiesen darauf hin, dass die Versicherte während der Lehre, die sie
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im Vollpensum absolviert habe, häufig unter abendlichen Rückenschmerzen und
Knöchelödemen gelitten habe (IV-act. 251).
A.d In einer internen Stellungnahme vom 16. März 2007 führte Dr. med. B._,
Fachärztin FMH
für Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD) aus, die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht plausibel begründet;
eine Einschränkung aufgrund von Knöchelödemen sei nicht nachvollziehbar, und die
geklagten, vor allem abendlich auftretenden Rückenschmerzen seien offenbar während
der dreijährigen Ausbildung überwindbar gewesen (IV-act. 252).
A.e Dem in der Folge eingeholten Arbeitgeberbericht vom 18. April 2007 lässt sich
insbesondere
entnehmen, dass die Versicherte bis und mit August 2006 (Abschluss der Ausbildung)
in einem Pensum von 100 % gearbeitet hatte und ab 18. September 2006 in einem
Pensum von 60 % an einer anderen Arbeitsstelle, aber für dieselbe Arbeitgeberin
arbeitete (IV-act. 254).
A.f Mit Vorbescheid vom 1. Juni 2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 262).
A.g Am 2. Juli 2007 bemängelte die Versicherte den Vorbescheid, da nicht auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Ärzte des SPZ Nottwil abgestellt worden sei; ergänzend
führte sie aus, sie habe das dritte Lehrjahr in einem Pensum von 60 % absolviert (IV-
act. 263).
A.h Auf Anfrage der IV-Stelle hin bestätigte der IV-Berufsberater mit Email vom
14. November 2007, dass die Versicherte während der gesamten Lehre 100 % präsent
gewesen sei (IV-act. 271).
A.i Am 10. Dezember 2007 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 273).
A.j Dagegen erhob die Versicherte am 28. Januar 2008 Beschwerde (IV-act. 276).
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A.k Daraufhin widerrief die IV-Stelle die angefochtene Verfügung vom 10. Dezember
2007 mit Verfügung vom 20. März 2008 (IV-act. 285). Das Beschwerdeverfahren wurde
in der Folge abgeschrieben (Entscheid IV 2008/56 des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 14. April 2008; IV-act. 290).
B.
B.a Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Ostschweiz am 17. Juli 2008 ein polydisziplinäres Gutachten. Die Gutachter
diagnostizierten eine dissoziative Bewegungsstörung mit psychogener Parese und
Hypästhesie beider Beine bis Unterbauch und Rücken, keinem Dermatom
entsprechend, und attestierten „unter Beachtung der anamnestischen Angaben mit
anhaltenden lumbalen Schmerzen sowie Ödembildung“ eine 20%ige
Arbeitsunfähigkeit; die funktionelle Querschnittslähmung sei „inzwischen von der
Funktion her einer organisch bedingten Querschnittslähmung“ gleichzusetzen (IV-
act. 300).
B.b Mit Vorbescheid vom 4. Februar 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten
wiederum mit, dass die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 312).
B.c Dagegen erhob die Versicherte am 9. März 2009 wiederum Einwände; sie teilte
mit, das Gutachten der MEDAS Ostschweiz einer medizinischen Fachstelle zur Prüfung
übergeben zu haben (IV-act. 316).
B.d Am 8. April 2009 liess die Versicherte der IV-Stelle sodann einen Arztbericht der
Ärzte des SPZ Nottwil vom 7. April 2009 zugehen. Diese hatten ausgeführt, aufgrund
der aufwendigen hygienischen sowie therapeutischen Massnahmen, welche etwa zwei
bis drei Stunden täglich beanspruchen und einem etwa 30%igen Arbeitspensum
entsprechen würden, sei der Versicherten aus medizinischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit
von maximal 70 % mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit zumutbar (IV-act. 330).
B.e Am 29. Mai 2009 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 334).
C.
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C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 6. Juli 2009, mit der die
Zusprache einer Viertelsrente der Invalidenversicherung beantragt und zur Begründung
im Wesentlichen ausgeführt wird, dass eher auf die Berichte der Ärzte des SPZ Nottwil
als auf das Gutachten der MEDAS Ostschweiz abzustellen sei, weil die Ärzte des SPZ
Nottwil mit dem Krankheitsbild der Beschwerdeführerin besser vertraut seien und
deshalb dessen Auswirkungen auf den Alltag der Beschwerdeführerin besser beurteilen
könnten (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde und führt zur
Begründung im Wesentlichen an, dass dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz
höherer Beweiswert zukomme als den Berichten der Ärzte des SPZ Nottwil, und dass
die hygienischen und therapeutischen Massnahmen, die im Bericht vom 7. April 2009
erwähnt würden, ohnehin auf die Freizeit entfallen würden und bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung deshalb ohne Berücksichtigung bleiben müssten. Für den
Fall, dass ein Rentenanspruch grundsätzlich bejaht würde, sei die Beschwerdeführerin
zur Einhaltung ihrer Mitwirkungspflichten anzuhalten (Beschwerdeantwort vom
15. September 2009; act. G 4).
C.c Mit Replik vom 18. November 2009 erneuerte die Beschwerdeführerin ihren mit
Beschwerde vom 6. Juli 2009 gestellten Antrag (act. G 10).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist in erster Linie, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch
der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint
hat. Ergäbe sich, dass ein Rentenanspruch grundsätzlich im Raum stünde, wäre zu
prüfen, ob die Behandlungs- und Eingliederungsmassnahmen zuverlässig geprüft
wurden.
2.
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2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Der
zu beurteilende Sachverhalt beschlägt teilweise den Zeitraum vor Inkrafttreten der
5. IV-Revision. Da sich die Definition der Invalidität und die damit zusammenhängenden
Begriffe mit dieser Revision nicht geändert haben, werden nachfolgend die seit dem
1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen wiedergegeben.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
2.3 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 IVV), so etwa jene des IV-internen regionalen
ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer MEDAS. Aufgabe
der IV-Stelle und des Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu
würdigen, das heisst zu beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die
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zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist,
gestützt auf diese Feststellungen sowie die Feststellungen zu den beiden
Vergleichseinkommen den Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f.
E. 3.2 f.).
3.
3.1 Den massgebenden medizinischen Akten im vorliegenden Fall lässt sich
entnehmen, dass es der Beschwerdeführerin grundsätzlich zumutbar ist, als Kauffrau
zu arbeiten, dass ihre Leistungsfähigkeit aber einerseits aufgrund der damit
verbundenen langen Sitzdauer im Rollstuhl, welche im Verlauf des Arbeitstages
vermehrte Rückenschmerzen und Knöchelödeme nach sich zieht, und andererseits
aufgrund der regelmässig durchzuführenden hygienischen und therapeutischen
Massnahmen beeinträchtigt wird. Das Ausmass der Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit wird von den Ärzten indessen unterschiedlich gewichtet: Die Gutachter
der MEDAS Ostschweiz gehen davon aus, dass den zunehmenden Beschwerden
mittels einer längeren Mittagspause und einer entsprechenden Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 20 % Rechnung getragen werden kann und dass die aufgrund der
Blasenentleerungsstörung notwendige Selbstkatheterisierung die Arbeitsfähigkeit nicht
zusätzlich beeinträchtigt. Den von den Ärzten des SPZ Nottwil später angeführten
therapeutischen Massnahmen – insbesondere Physiotherapie und sportliche
Aktivitäten – trugen die Gutachter der MEDAS Ostschweiz bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung keine Rechnung; bezüglich der von den Ärzten des SPZ
ebenfalls später angeführten „hygienischen Massnahmen“ ist davon auszugehen, dass
damit insbesondere die Selbstkatheterisierung gemeint ist, sich deswegen also gemäss
Gutachten der MEDAS Ostschweiz keine weitere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
ergibt. Demgegenüber gehen die Ärzte des SPZ Nottwil davon aus, dass aufgrund der
Knöchelödeme und vermehrten Rückenbeschwerden lediglich ein 60%iges
Arbeitspensum zumutbar ist bzw. dass aufgrund der „aufwendigen hygienischen sowie
therapeutischen Massnahmen“ eine 30%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sowie
eine zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit vorliegt.
3.2 Was den Beweiswert der medizinischen Berichte betrifft, so lässt sich eine
abstrakte unterschiedliche Wertung der verschiedenen Berichte allein aufgrund ihrer
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Herkunft nicht mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) in
Einklang bringen. Dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz kommt mithin nicht allein
deshalb höherer Beweiswert zu, weil es im Auftrag der Beschwerdegegnerin erstattet
wurde. Entscheidend hinsichtlich des Beweiswertes der medizinischen Berichte ist
vielmehr der Inhalt derselben. Diesbezüglich ist zunächst festzustellen, dass sowohl die
Berichte der Ärzte des SPZ Nottwil als auch das Gutachten der MEDAS Ostschweiz
von Fachärzten erstattet wurden, sämtliche Berichte daher grundsätzlich geeignet sind,
dieselbe Überzeugungskraft aufzuweisen. Während die Ärzte des auf die Behandlung
von Plegien spezialisierten SPZ Nottwil wohl über detaillierteres Fachwissen bezüglich
des Leidens der Beschwerdeführerin verfügen, weisen die Gutachter der MEDAS
Ostschweiz wohl mehr Erfahrung hinsichtlich der versicherungsmedizinisch relevanten
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf. Da hier nicht primär spezifisches Detailwissen in Bezug
auf das Leiden an sich ausschlaggebend ist, sondern vor allem interessiert, wie hoch
die zumutbare Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist, ist entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin deshalb nicht eher auf die Ansicht der Ärzte des SPZ
Nottwil abzustellen, sondern tendenziell eher auf das Gutachten der MEDAS
Ostschweiz. Allein aus diesem Grund aber dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz den
Vorzug zu geben, rechtfertigt sich trotzdem nicht.
3.3 Entscheidend wirkt sich vielmehr aus, dass die Ärzte des SPZ Nottwil die
Beschwerdeführerin behandeln, denn der Behandlungsauftrag erfordert eine andere
Sichtweise als der reine Begutachtungsauftrag; zudem ist man in der Regel gegenüber
den eigenen Patienten befangen und in der Beurteilung der eigenen
Behandlungsergebnisse meistens auch nicht frei, weshalb man als behandelnder Arzt
in der Regel auch keine Gutachten abgeben sollte (Hermann Fredenhagen, Das
ärztliche Gutachten, 3. Aufl., Bern 1994, S. 18). Vor diesem Hintergrund erweckt die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter der MEDAS Ostschweiz einen objektiveren
Eindruck als jene der Ärzte des SPZ Nottwil, die zunächst ausgeführt hatten, es
rechtfertige sich, die Arbeitsfähigkeit „anfänglich“ auf 60 % festzulegen (IV-act. 215),
und anschliessend angesichts der subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin von
einer definitiven Arbeitsfähigkeit von 60 % ausgingen, offenbar, ohne dies zu
hinterfragen oder Möglichkeiten zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu prüfen (IV-
act. 251), zumal sie selbst schliesslich
– nachdem die Gutachter der MEDAS Ostschweiz eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
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attestiert hatten – ihre eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung relativierten, indem sie eine
70%ige Arbeitsfähigkeit mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit, jedoch aus anderen
Gründen als zuvor genannt, attestierten (IV-act. 330). Bezüglich der Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit wegen im Verlauf des Arbeitstages zunehmender Rückenschmerzen
und vermehrt auftretender Knöchelödeme ist deshalb das Gutachten der MEDAS
Ostschweiz in seiner Aussagekraft als überzeugender zu betrachten; es ist demnach
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass diesen Beschwerden
mit einer längeren Mittagspause und einer damit einhergehenden Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit um 20 % angemessen Rechnung getragen wird.
3.4 Was die von den Ärzten des SPZ Nottwil angeführte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aufgrund der therapeutischen Massnahmen betrifft, so ist zu
differenzieren: Hinsichtlich der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind zunächst
lediglich jene Therapien zu berücksichtigen, die primär auf die Erhaltung der
Arbeitsfähigkeit abzielen. Anderweitige Therapien, beispielsweise solche, die mit den
sportlichen Betätigungen der Beschwerdeführerin in ihrer Freizeit zusammenhängen,
sind hingegen nicht zu berücksichtigen, da sie nicht mit der hier interessierenden
Erwerbsfähigkeit in ausreichendem Zusammenhang stehen. Würden die auf die
Erhaltung der Arbeitsfähigkeit zielenden Therapien sodann nicht allzu viel Zeit in
Anspruch nehmen, könnten sie mithin während Randzeiten oder während der längeren
Mittagspause (die gerade dem Zweck dient, das während der Arbeit ununterbrochene
Sitzen im Rollstuhl zu unterbrechen) durchgeführt werden, sodass es – vorerst rein
zeitlich betrachtet – dennoch möglich wäre, ein 80%iges Pensum zu leisten.
Entsprechend wäre auch nicht davon auszugehen, dass für das erfolgreiche
Absolvieren der Therapien derart viel Energie notwendig wäre, dass dadurch die
Leistungsfähigkeit bei der Arbeit erheblich beeinträchtigt würde. Die
Beschwerdeführerin müsste sich diesfalls entgegen halten lassen, dass es ihr möglich
und zumutbar sei, die Therapien ausserhalb der üblichen Arbeitszeiten durchzuführen.
Entsprechend wäre hierfür keine zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu
berücksichtigen.
3.5 Da die Ärzte des SPZ Nottwil indessen festhielten, der Aufwand liege bei zwei bis
drei Stunden pro Tag, ist denkbar, dass dadurch die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sowohl zeitlich als auch bezogen auf ihre Leistungsfähigkeit – die
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Therapien erfordern in der Regel, wie Arbeit auch, Energie – in relevanter Weise
beeinträchtigt wird.
3.6 Auf die Angabe der Ärzte des SPZ Nottwil, der Aufwand liege bei zwei bis drei
Stunden pro Tag, kann nun aber nicht unbesehen abgestellt werden, und zwar aus
mehreren Gründen. Zunächst ist festzuhalten, dass die verschiedenen Angaben der
Ärzte des SPZ Nottwil im Verlauf der Abklärungen – wie oben ausgeführt – nicht allzu
überzeugend sind, zumal die Ärzte zuletzt ihre eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung ohne
sichtbaren Anlass relativierten: Anstelle einer 40%igen Einschränkung wegen
zunehmender Rückenschmerzen im Verlauf des Arbeitstages und auftretender Ödeme
attestierten sie eine 30%ige Einschränkung mit zusätzlicher Beeinträchtigung der
Leistungsfähigkeit wegen „aufwendigen hygienischen sowie therapeutischen
Massnahmen“. Zudem wird diesbezüglich von den Ärzten des SPZ Nottwil lediglich auf
regelmässige Heimübungen und dreimal wöchentlich ausgeübten Sport (Leichtathletik)
sowie (implizit) auf die Selbstkatheterisierung (vgl. obige Ausführungen) hingewiesen.
Die Selbstkatheterisierung dürfte also einen nicht unerheblichen Anteil des
angegebenen Aufwandes von zwei bis drei Stunden täglich ausmachen. Der übrige
Aufwand entfällt auf Heimübungen und Sport. Beides kann aber gut neben dem
reduzierten Pensum von 80% in Randzeiten ausgeübt werden, die Heimübungen
können auch während der längeren Mittagspause zuhause ausgeübt werden. Zudem
ist davon auszugehen, dass der Sport nicht einzig der Erhaltung der Erwerbsfähigkeit
dient, zumal die Beschwerdeführerin während der Lehre offensichtlich hobbymässig
intensiv Leistungssport betrieben hat (vgl. etwa IV-act. 215–3). Im Übrigen ist zu
beachten, dass die Beschwerdeführerin selbst nie behauptete, während der Arbeitszeit
nur eine eingeschränkte Leistung erbringen zu können - darauf liefern die Akten auch
sonst keine Hinweise. Gesamthaft ist deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass die von den Ärzten des SPZ Nottwil erwähnten
therapeutischen Massnahmen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht in
relevantem Ausmass einschränken und diese ohnehin nicht unbesehen zur bereits
attestierten Einschränkung von 20 % addiert werden könnten (weil der
Beschwerdeführerin zuzumuten ist, einen Teil der therapeutischen Massnahmen in der
verlängerten Mittagspause zu absolvieren), mithin der Arbeitsunfähigkeitsgrad kein
Ausmass erreicht, das einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad zur Folge hätte.
4.
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Was schliesslich die von der Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort
angetönte allenfalls verletzte Mitwirkungspflicht betrifft, so ist festzuhalten, dass die
Gutachter der MEDAS Ostschweiz psychiatrisch eine ungünstige Prognose gestellt und
ausgeführt haben, funktionell unterscheide sich die Paraplegie der Beschwerdeführerin
nicht von einer somatisch bedingten Paraplegie. Einer psychiatrischen oder
psychotherapeutischen Behandlung ist daher aus Sicht der Fachärzte von vorneherein
kein Erfolg beschieden, weshalb die Beschwerdeführerin auch nicht zu verpflichten ist,
sich einer solchen Behandlung zu unterziehen.
5.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen. Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von
IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint
vorliegend angemessen. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte
die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden.
Angesichts des vollen Unterliegens der Beschwerdeführerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten unter Verrechnung mit dem von ihr in selbiger Höhe geleisteten
Kostenvorschuss gesamthaft aufzuerlegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP