Decision ID: 7d40b43f-1676-4ec2-9df0-5a67fa923c10
Year: 2011
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Würdigung des gleichen Sachverhaltes handle. Die Tabelle mit Zustands- und
Verhaltensstörern könne dementsprechend leicht korrigiert werden. Wenn die
Militärgesetzgebung der Truppe bzw. dem Waffenplatz Chur das Recht
verleihe, die Schiessanlage jederzeit zu benutzen, sei darin sehr wohl eine
Verfügungsgewalt in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht zu sehen.
Beschwerdeverfahren A 11 6 5. Gegen die Departementsverfügung vom 30. Dezember 2010 erhob auch die
Stadt Chur am 27. Januar 2011 Beschwerde an das Verwaltungsgericht mit
folgenden Anträgen:
„1. Die angefochtene Verfügung des EKUD sei aufzuheben und wie folgt anzupassen:
a. Es sei festzustellen, dass die Stadt Chur nicht als Verhaltensstörerin gilt und für den entsprechenden Anteil keine Sanierungskosten zu tragen hat.
b. Der VASA-Beitrag des Bundes sei von den anrechenbaren Sanierungskosten - und nicht von den Ausfallkosten - in Abzug zu bringen.
c. Der durch die Stadt Chur zu tragende Anteil an den anrechenbaren Kosten sei auf 28.8 % (anstelle von 34.2 %) festzulegen.
2. Eventuell sei die angefochtene Verfügung zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.“
Gegen die Bezeichnung als Zustandsstörerin sei nichts einzuwenden. Falsch
sei aber ihre Bezeichnung als Verhaltenstörerin. Allein der Umstand, dass das
Bundes- und das kantonale Recht gewisse Tätigkeiten, wie z.B. das
ausserdienstliche Dienstwesen oder das Einschiessen von Jagdwaffen,
vorschreiben würden, welche auf kommunaler Ebene umgesetzt werden
müssten, dürfe nicht dazu führen, dass die Stadt als Verursacherin für eine
Umweltbelastung betrachtet werde. Mit der Erfüllung der an sie delegierten
Aufgaben habe sie nur mittelbar die unzulässige Umwelteinwirkung
verursacht. Als unmittelbare Einwirkung sei demgegenüber die eigentliche
Schiesstätigkeit zu werten, für welche wiederum das VBS, Paul Sonderegger,
die Jagdschützen sowie die VSCU aufzukommen hätten. Sofern die Stadt
durch das Gericht als Verhaltensstörerin betrachtet werden sollte, müsste
diese Qualifikation auch für den Kanton gelten, mithin auch dieser als
Verhaltensstörer qualifiziert werden. Die Kantone seien seit je her für das
ausserdienstliche Schiesswesen zuständig gewesen. Gegen die
vorgesehene Verwendung des VASA-Beitrages vorab zur Deckung der
Ausfallkosten spreche Art. 49 Abs. 2 KUSG, wonach die Sanierungskosten
nach Abzug der Abgeltungen des Bundes vom Kanton und den
Standortgemeinden zu tragen seien. Entsprechend müsse der VASA-Beitrag
von den Sanierungskosten in Abzug gebracht werden.
6. Währenddem das BAFU auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren auf das
Einreichen einer Vernehmlassung verzichtete, beantragte das EKUD die
Abweisung der Beschwerde. Die Verpflichtung der Stadt zur anteilsmässigen
Übernahme von Kosten auch unter dem Titel als Verhaltensstörerin für die
aus den obligatorischen Schiessübungen stammenden Belastungen ergebe
sich zwingend aus dem übergeordneten Recht und der hierzu ergangenen
Rechtsprechung. Die von Professor Trüeb daran geäusserte Kritik vermöge
daran nichts zu ändern. Im Ergebnis liessen sich dieselben Überlegungen
auch für das im kantonalen Recht verankerte Einschiessen der Jagdwaffen
heranziehen. Neben der VSCU habe somit auch die Stadt Chur die Hälfte der
durch die obligatorischen Schiessen verursachten Kosten (5.6% der
Gesamtkosten) bzw. für das Einschiessen der Jagdwaffen (1% der
Gesamtkosten) zu übernehmen. Eine Gleichbehandlung von Kantonen und
Gemeinden als Verhaltensstörer dränge sich nicht auf, nachdem Art. 125 Abs.
2 MG, wonach der Kanton auf umweltverträgliche Schiessanlagen zu achten
habe, erst am 1. Januar 1996 in Kraft getreten sei. Demgegenüber seien die
Gemeinden seit über 100 Jahren mit der Aufgabe betraut, Schiessanlagen
unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Durch die Erfüllung auch weiterer
Aufgaben habe der Kanton zudem nicht unmittelbar zur Belastung der
städtischen Schiessanlagen auf dem Rossboden bzw. zu deren
Sanierungsbedürftigkeit beigetragen. Das Gleiche gelte auch für die
Jagdschiessen. Entgegen der von der Stadt vertretenen Auffassung bestehe
kein Anlass, den VASA-Beitrag im Sinne ihres Begehrens in Abzug zu
bringen. Die im vorliegenden Verfahren vorgebrachten neuen Berechnungen
der Beschwerdeführerin seien nicht in jeder Hinsicht nachvollziehbar und
würden zudem über die in den Ziff. 1a und 1b gestellten Begehren
hinausgehen.
7. a) In ihrer Replik hielt die Stadt Chur unter Verweis auf die Ausführungen von
Professor Trüeb und die Rechtsprechung des Bundesgerichts an ihrer
Auffassung fest, dass sie zu Unrecht als Verhaltensstörerin bezeichnet werde.
Als solcher wäre lediglich der Kanton zu werten, der sich nun aber aus der
Verantwortung stehlen wolle. Dies sei bei den Jagdschiessen, die er in seinem
eigenen Recht als obligatorisch erkläre und deren Ausführung den
Gemeinden übertrage, besonders widersprüchlich. Die Stadt habe die
Umweltbelastung höchstens mittelbar verursacht, weshalb sie als
Verhaltensstörerin nicht in Frage komme. Die natürliche Kausalität, wie durch
die Vorinstanz angenommen, genüge dafür nicht; eine adäquate Kausalität
ihres Verhaltens sei aber gar nicht gegeben. Im Übrigen bekräftigte sie, dass
der VASA-Beitrag bundesrechtskonform zu verwenden sei. Die in der von ihr
geltend gemachten neuen Tabelle enthaltenen Zahlen seien in jeder Hinsicht
korrekt und nachvollziehbar.
b) Das EKUD ergänzte und vertiefte in seiner ausführlichen Duplik noch seine
Rechtsauffassung.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt der Beschwerden A 11 5 und A 11 6 bildet die
Departementsverfügung des EKUD vom 30. Dezember 2010 betreffend die
Verteilung der angefallenen Kosten der Altlastensanierung der städtischen
Schiessanlagen in der Höhe von Fr. 2'609'284.--, mit welcher (nach Abzug der
VASA-Abgeltung von Fr. 1'043'714.-- und eines vom EKUD ermittelten
Kantonsanteils von Fr. 150'800.--) dem VBS Fr. 521'857.-- bzw. der Stadt
Chur Fr. 889'200.-- auferlegt worden sind. Beiden Eingaben liegt im
Wesentlichen derselbe Sachverhalt zugrunde und es stellen sich sodann
identische Rechtsfragen, weshalb es sich ohne weiteres rechtfertigt, die
beiden Beschwerdeverfahren gestützt auf Art. 6 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG) zu vereinigen und mit einem einzigen Urteil
zu erledigen.
2. a) Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die für eine
verursachergerechte Kostenverteilung massgebenden bundesrechtlichen
Bestimmungen (insbesondere Art. 32c Abs. 1, Art. 32d Abs. 1 - 4, Art. 32e
Abs. 3 lit.c USG) und kantonalrechtlichen Grundlagen (Art. 49 KUSG und Art.
23 KUSV), die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung hierzu
entwickelten Grundsätze bei einer Mehrheit von Verursachern (= Störern,
unterschieden in sogenannte Zustandsstörer einerseits und Verhaltensstörer
anderseits) wie auch die hierzu ergangene Lehre und Rechtsprechung (zum
Ganzen: Urteil des Bundesgerichtes 1A.258/2005 vom 31. August 2005, publ.
in URP 2005, S. 711 ff., mit zahlreichen Hinweisen) zutreffend dargelegt. Auf
die sehr ausführlichen allgemeinen Darlegungen kann anstelle von
Wiederholungen verwiesen werden. Nicht zu beanstanden sind auch die
allgemeinen, vorinstanzlichen Ausführungen zur Ermittelung und Zuordnung
der einzelnen Verursacher als Verhaltens- oder Zustandsstörer im Einzelfall
(BG-Urteil 1A.178/2003). Aus der zutreffend dargestellten Sach- und
Rechtlage zieht die Vorinstanz jedoch verschiedentlich unzutreffende
Schlüsse und Berechnungen, welche daher nachstehend zu korrigieren sind.
b) Zu keinen vertiefenden Bemerkungen Anlass gibt die in Ziff. 1 des Dispositivs
der angefochtenen Verfügung angeordnete prozentuale Aufteilung der
anrechenbaren Kosten für die Sanierung der städtischen Schiessanlagen
(20% zulasten der Zustandsstörer bzw. 80% zulasten der Verhaltensstörer).
Korrekturbedürftig und streitig ist aber die Berechnung der Höhe der einzelnen
Kostenanteile, welche den Mitgliedern der beiden Störergruppen unter den
jeweiligen Titeln „Zustandsstörer“ bzw. „Verhaltensstörer“ auferlegt worden
sind.
c) Unbestrittenermassen zu Recht als Zustandsstörer qualifiziert und mit einem
Kostenanteil von gesamthaft 20% belegt worden sind die Stadt Chur als
Grundeigentümerin, die Vereinigte Schützengesellschaft Chur und
Umgebung (VSCU) als Entlehnerin sowie Paul Sonderegger als Mieter der
100-m-Anlage. Unstreitig ist sodann, dass die Stadt Chur unter diesem Titel
vier Fünftel (mithin 16 %) und die VCSU einen Fünftel (4 %) der
anrechenbaren Kosten zu übernehmen haben. Nicht beanstanden lässt sich
sodann aber auch, dass der Bund (VBS) aufgrund der Nutzungen der Anlagen
in Beachtung der unmissverständlichen höchstrichterlichen Rechtsprechung
(BGE 131 ll 743) nicht der Gruppe der Zustandsstörer zugeschieden worden
ist.
d) Korrekt sind sodann aufgrund der langjährigen militärischen Nutzung der
Anlagen die Zuordnungen des VBS sowie jene für die Durchführung der
ausserdienstlichen und übrigen Schiessübungen der Stadt Chur, von Paul
Sonderegger, den Jagdschützen und der VSCU zur Gruppe der
Verhaltensstörer (Kostenanteil 80%). Richtig und zu Recht nicht beanstandet
worden ist seitens der Beschwerdeführer, dass der Kanton unter dem Titel
„Verhaltensstörer“ nicht in die Pflicht genommen werden kann. Die
anderslautende Argumentation der Stadt Chur, welche ihre Qualifikation als
Verhaltensstörerin als falsch erachtet, weil als Verhaltensstörer nur der Bund
und der Kanton auf Grund ihrer jeweiligen Verpflichtungsvorschriften für die
ausserdienstliche Dienstpflicht und das kantonale Jagdschiesswesen sein
könnten, geht bereits im Ansatz fehl. Weder aus dem von ihr zitierten BGE
131 ll 743, noch auch aus der von ihr angeführten Kritik von Professor Trüeb
am erwähnten Urteil (vgl. URP 2008 S. 545 ff.) lässt sich diesbezüglich etwas
Entscheidrelevantes zugunsten ihres Begehrens ableiten. Vielmehr bleibt
nach der von ihr angeführten bundesgerichtlichen Praxis die Verantwortung
für die ausserdienstlichen Schiessübungen während den letzten hundert
Jahren grundsätzlich bei den ausführenden Gemeinden und nicht beim
Kanton, i.c. mithin bei der Stadt Chur, wohingegen der Bund (VBS)
unbestrittenermassen lediglich für die militärischen Nutzungen zur
Rechenschaft gezogen werden darf. Letztlich scheint dies die Stadt bereits
selbst erkannt zu haben. Auf jeden Fall lässt sich ihr Antrag 1. c. (Reduktion
des Anteils an den anrechenbaren Kosten von 43,2 % auf 28,8 %) nur unter
diesem Aspekt erklären, ansonsten sie als „reine“ Zustandsstörerin einen viel
tiefer liegenden prozentualen Beteiligungsantrag an den anrechenbaren
Kosten hätte stellen müssen, wovon sie aber abgesehen hat. Mithin erweist
sich die Qualifikation der Stadt Chur zur Gruppe der Verhaltensstörer auch
unter diesem Aspekt als rechtens.
e) Ausgehend von der bereits erwähnten, in Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung
aufgeführten prozentualen Kostenverteilung sind den Verhaltensstörern 80%
der anrechenbaren Sanierungskosten von Fr. 2'609'284 (= Gesamtkosten)
überbunden worden. Dem Bund als Verhaltensstörer ist aufgrund der
militärischen Nutzung der städtischen Anlagen (unbestrittenermassen 20%)
auch kostenmässig ein Anteil von 20% an den Gesamtkosten überbunden
worden, was - wie seitens des Beschwerdeführers 1 zu Recht gerügt wird -
nicht angeht. Der 20%-Anteil entspricht logischerweise einem Fünftel des den
Verhaltensstörern auferlegten 80%-Anteils, was rechnerisch 16% (ein Fünftel
von 80%) der anrechenbaren Kosten entspricht. Die anderslautende
Argumentation von Vorinstanz und Stadt, welche der Berechnung einen
Viertel (mithin 25%) zugrunde gelegt haben wollen, geht mathematisch
(Prozent = pro Hundert, Vergleichbarkeit bezieht sich immer auf 100) bereits
im Ansatz fehl. Soweit der Beschwerdeführer 1 daher die rechnerische
Anwendung einer 16%-Beteiligung verlangt, erweist sich seine Beschwerde
als begründet und Ziff. 4 der angefochtenen Verfügung ist in diesem Sinne zu
korrigieren.
f) Die in diesem Zusammenhang von den Beschwerdegegnern vertretene
Auffassung, seitens des Bundes bzw. der am Verfahren teilnehmenden
Amtsstellen sei in den früheren Berichten - so im Sanierungskonzept vom 26.
März 2007 bzw. im überarbeiteten Sanierungskonzept vom 26. August 2007
und im Schlussbericht vom 23. November 2009 - zumindest der Anschein
erweckt worden, dass aufgrund des eingestandenen Nutzungsanteils auch
gleich ein Kostenanteil von 20% übernommen werde, findet in den Akten
keine Stütze. Ganz im Gegenteil. Zum einen bildete die konkrete
Kostenverteilung - in Abweichung zu der in Art. 18 Abs. 1 AltV vorgesehenen
Möglichkeit - nicht Gegenstand des genehmigten Sanierungskonzeptes,
sondern sie wurde ausdrücklich einem separaten Kostenverteilungsverfahren
vorbehalten (vgl. Verfügung des ANU vom 3. April 2008). Zum andern hat der
Beschwerdeführer 1 bereits im vorinstanzlichen Verfahren, dort in seiner
Stellungnahme vom 11. Juni 2008, explizit beantragt, sein Anteil sei auf 9,6%
der Gesamtkosten festzulegen. Wie er aufgrund dieser Sachlage einen
hinreichend begründeten Anschein erweckt haben könnte, einen 20%-igen
Kostenanteil übernehmen zu wollen, ist nicht ersichtlich.
g) Erweist sich der Antrag auf Reduktion des prozentualen Kostenanteils des
Bundes als berechtigt, bleibt zu prüfen, wem die im Umfang von 4% nunmehr
unter dem Titel „Verhaltensstörer“ neu anfallenden Kosten aufzuerlegen sind.
Das EKUD hat daher im vorliegenden Verfahren eventualiter beantragt,
diesen 4%-Anteil bzw. die entsprechenden Kosten dem Bund unter dem Titel
„Zustandsstörer“ aufzuerlegen. Dem Antrag ist kein Erfolg beschieden. Die
Vorinstanz verkennt, dass spätestens seit dem mit BGE 131 ll 743 publizierten
Urteil in Fällen wie dem vorliegenden für eine Kostentragungspflicht des
Bundes unter dem „Zustandsstörer“ kein Raum mehr besteht. Der neu zu
regelnde Kostenanteil von 4 % darf entsprechend nicht dem Bund auferlegt
werden, sondern ist vielmehr auf die übrigen Verhaltensstörer (Stadt Chur,
Jagdschützen, VCSU: zusammen neu 64%) im Verhältnis ihrer jeweiligen
prozentualen Anteile zu verteilen. Bei diesem Ergebnis kann von einer
Beurteilung des vom Beschwerdeführer 1 gestellten Nichteintretensantrages
abgesehen werden.
h) Bei den von den einzelnen Verhaltensstörern zu tragenden Anteilen ergeben
sich entsprechend des oben Dargelegten im Vergleich zu den Zahlen in Ziff.
5 der angefochtenen Verfügung unter dem Titel „Verhaltensstörer„ (Anteil
gesamthaft 80%) verschiedene Präzisierungen:
Nach Abzug des 16%-Anteils des VBS sind unter dem Titel „Verhaltensstörer“
noch 64% der Kosten neu zu verteilen.
Ausgehend von den in der angefochtenen Verfügung ermittelten Verhältnisse
und unter Berücksichtigung des zusätzlich neu zu verteilenden 4%-Anteils
rechtfertigt es sich ermessensweise von folgender Aufteilung auszugehen:
Stadt Chur: obligatorische Schiessen ( 6,1%); Einschiessen der Jagdwaffen ( 1,5%), Anteil Paul Sonderegger ( 1,5%) 9,1% Jagdschützen 2,5% VSCU: obligatorische Schiessen ( 6,1%) zivile Schiessen (46,3%) 52,4%
i) Hinsichtlich der Übernahme der durch nicht zu ermittelnde bzw.
zahlungsunfähige Verursacher anfallenden Ausfallkosten (Art. 32d Abs. 3
USG) ist unbestritten geblieben, dass die Kostenanteile der Jagdschützen
(neu: 2,5%) und des VSCU - mit Ausnahme eines Kostenanteils von 1,9%,
welcher durch die Stadt Chur übernommen wird - als Ausfallskosten zu
betrachten sind. Im Lichte der oben ermittelten Anteile belaufen sich die
Ausfallkosten somit in Präzisizierung von Ziff. 6 des Dispositivs somit auf 57%
(52,4% + 2,5% + 4% - 1,9%). Diese wiederum sind gemäss Art. 23 Abs. 2
KUSV unzweifelhaft Massgabe der Finanzkraft im Verhältnis 60:40 zwischen
der Stadt Chur und dem Kanton Graubünden aufzuteilen.
j) Streitig ist ferner noch die Verwendung des vom Bund entrichteten Beitrags
aus dem VASA-Fonds. In der angefochtenen Verfügung wurde der VASA-
Beitrag, welcher vorliegend 40% der anrechenbaren Kosten (Gesamtheit der
Sanierungskosten, i.c. Fr. 1'043'714.--) beschlägt, vorab zur Tilgung der
anfallenden Ausfallkosten verwendet. Seitens des Beschwerdeführers 1 wird
dieses Vorgehen als krass bundesgesetzwidrig, weil dem im
Umweltschutzrecht geltenden Verursacherprinzip nicht entsprechend,
bezeichnet und gerügt. Seine Rüge erweist sich als berechtigt. Betreffend der
Verwendung der vom Bund entrichteten Beiträge aus dem VASA-Fonds ist
vorweg von Art. 32e „Abgabe zur Finanzierung der Massnahmen“
auszugehen. Dieser sieht in Abs. 3 ausdrücklich vor:
„3Der Bund verwendet den Ertrag aus den Abgaben ausschliesslich für die Abgeltung der Kosten von folgenden Massnahmen: (...) c.) Untersuchung, Überwachung und Sanierung von belasteten Standorten
bei Schiessanlagen, die nicht einem überwiegend gewerblichen Zweck dienen, wenn: 1. auf Standorte in Grundwasserschutzzonen nach dem 31. Dezember
2012 keine Abfälle mehr gelangt sind, 2. auf die übrigen Standorte nach dem 31. Dezember 2020 keine Abfälle
mehr gelangt sind; (...) Die Vorinstanz hat sich nun auf den Standpunkt gestellt, damit werde lediglich
die Verwendung des Ertrages der VASA-Abgaben durch den Bund, nicht aber
die Verwendung der vom Bund geleisteten Beiträge durch die Kantone
geregelt. Sie bestreite nicht, dass der VASA-Beitrag für die Abgeltung der
Kosten für Untersuchung, Überwachung und Sanierung von belasteten
Standorten verwendet werden müsse. Hingegen bestünden weder im USG
noch in der VASA-Verordnung irgendwelche Vorgaben, wie die Kantone die
VASA-Abgeltungen zu verwenden hätten. Mithin müsse es zulässig sein,
wenn auf kantonaler Stufe vorgesehen werde, dass der Beitrag zur Deckung
der Ausfallkosten verwendet werden dürfe. Der Kanton Graubünden habe
dies in seiner Ausführungsgesetzgebung (KUSG, KUSV, dort ausdrücklich
Art. 23 Abs. 2 KUSV) denn auch vorgesehen, weshalb die Rüge nicht zutreffe.
Die vorinstanzliche Auffassung findet jedoch, wie nachstehend aufzuzeigen
ist, im kantonalen Recht keine hinreichende Stütze. Es kann daher offen
gelassen werden, ob eine entsprechende Regelung auf kantonaler Ebene (i.c.
Verordnungsstufe) überhaupt zulässig oder ob sie bundesrechtswidrig wäre.
Gemäss Art. 49 Abs. 2 KUSG werden die Sanierungskosten nämlich, wenn
die zahlungspflichtigen Verursacherinnen und Verursacher nicht ermittelt
werden können oder zahlungsunfähig sind, nach Abzug der Abgeltungen des Bundes vom Kanton und den Gemeinden getragen. Art. 23 Abs. 1 KUSV
seinerseits sieht vor, dass die Ausfallkosten nach Abzug allfälliger
Abgeltungen des Bundes vom Kanton und den Standortgemeinden getragen
werden, woraus die Vorinstanz letztlich die Zulässigkeit des von ihr gewählten
Vorgehens ableitet. Unbesehen der auf Gesetzes- und Verordnungsstufe
gewählten unterschiedlichen Wortwahl „Sanierungskosten“ bzw.
„Ausfallkosten“ ist beiden Bestimmungen jedoch gemein, dass vorgängig
einer Verteilung der Sanierungs- und/oder der Ausfallkosten auf den Kanton
und die Gemeinden die VASA-Abgeltungen des Bundes in Abzug zu bringen
sind. Klarerweise kann damit nur gemeint sein, dass die Abgeltungen des
Bundes vorweg von den angefallenen Gesamtkosten in Abzug zu bringen,
nicht aber grundsätzlich zur Deckung der Ausfallkosten zu verwenden sind.
Eine solche Auslegung greift im Lichte der geschilderten Rechtslage zu weit,
weshalb das vorinstanzliche Vorgehen, den VASA-Beitrag grundsätzlich zur
Tilgung der Ausfallkosten heranzuziehen, sich denn auch als falsch erweist
und keinen Rechtsschutz verdient. Die vorinstanzliche Berechnungsweise ist
nachstehend entsprechend zu korrigieren.
k) Weil aber der durch eine spezielle Bundesabgabe bei den Verursachern
finanzierte VASA-Beitrag von Bundesrechts wegen nur den Kantonen, und
dort wiederum dem Kanton und den Gemeinden zusteht, ist ohne weiteres
auch gesagt, dass der Bund bzw. vorliegend der Beschwerdeführer 1, keinen
Anspruch auf eine anteilmässige Beteiligung an diesem Beitrag ableiten kann.
Dies auch deshalb, weil solches in klarem Widerspruch zu Art. 3 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über Finanzhilfen und Abgeltungen (SuG, SR 616.1) stehen
würde. Mit Blick auf die im vorliegenden Verfahren aufgeworfene Frage der
korrekten Verwendung des VASA-Beitrages bedeutet dies, dass der vom
Beschwerdeführer 1 in seiner Beschwerde diesbezüglich dargelegten
Berechnungsweise zur Ermittelung des ihn treffenden Anteiles nicht gefolgt
werden kann. Vielmehr muss aufgrund des Gesagten die VASA-Abgeltung
zwingend dem Kanton und der Stadt zugute kommen, d.h. der Bund hat
aufgrund des oben ermittelten Anteils 16% der Gesamtkosten zu
übernehmen, damit sichergestellt werden kann, dass der VASA-Beitrag, wie
im SuG vorgesehen, nicht dem VBS als Teil der Bundesverwaltung zugute
kommt. Erst von diesem derart ermittelten Betrag ist die VASA-Abgeltung in
Abzug zu bringen, wodurch eine korrekte Verwendung im Sinne der
erwähnten bundes- und kantonalrechtlichen Vorgaben gewährleistet werden
kann und Kanton und Stadt im Verhältnis der sie treffenden Anteile
gleichermassen davon profitieren können.
3. Im Lichte obiger Ausführungen und Überlegungen ergeben sich folgende
korrigierten Kostenaufteilungen (gerundet):
b) Gesamtkosten Fr. 2'609'284
aa) Bund (Verhaltensstörer, 16% der Gesamtkosten, gerundet) Fr. 417'485
zu verteilender Restbetrag Fr. 2'191’799 bb) VASA-Abgeltung Fr. 1'043’714 Auf die übrigen Störer zu verteilender Restbetrag Fr. 1’148’085
cc) Zustandsstörer (20% = Fr. 229'617) - Stadt Chur (16%) Fr. 183’694 - VSCU (4%) Fr. 45’923
dd) übrige Verhaltensstörer (64% = Fr. 918'468) - Stadt Chur (9,1%) Fr. 130’595 - Jagdschützen (2,5%) Fr. 35’877 - VSCU (52,4%) Fr. 751’996
c) Daraus resultieren im Sinne eines Zwischenergebnisses rechnerisch folgende
Kostenanteile:
aa) Bund Fr. 417'485 bb) Stadt Chur Fr. 314’289 cc) VCSU Fr. 797’919 dd) Jagdschützen Fr. 35’877
d) Weil die Jagdschützen (2,5% = Fr. 35'877) nicht ermittelt werden konnten und
die VSCU lediglich im Umfang von 1,9% der Kosten als zahlungsfähig (= Fr.
26'880) [Fr. 797'919 : 56,4 x 1,9]), mithin für 54,5% der Kosten (56,4% - 1,9%;
Fr. 771’039) als zahlungsunfähig zu betrachten sind, resultieren Ausfallkosten
in der Höhe von insgesamt Fr. 806'916, welche wiederum im Verhältnis 60 zu
40 der Stadt Chur (= Fr. 484'150) und dem Kanton Graubünden (= Fr.
322'766) zu überbinden sind.
f) Entsprechend obigen Ausführungen und Berechnungen resultieren folgende
Beträge:
aa) VBS Fr. 417’485 bb) Stadt Chur (183'694 + 130'595 + 26'880+ 484'150) Fr. 825’319 cc) Kanton Graubünden Fr. 322’766 dd) VASA-Anteil Fr. 1'043’085 Gesamtkosten Fr. 2'609’284
g) In Präzisierung und entsprechender Ergänzung der in den Ziffern 4 bis 10 der
angefochtenen Verfügung angeordneten Aufteilungen und Anteile ist der
Kanton Graubünden zu verpflichten, der Stadt Chur - welcher der VASA-Anteil
bereits ausbezahlt worden ist - Fr. 192'766.-- (Fr. 322'766 - Fr. 130'000
[Akontozahlung]) zu bezahlen. Das VBS seinerseits hat dem Kanton
Graubünden auf das in der angefochtenen Verfügung angegebene Konto Fr.
417'485.-- zu bezahlen. Der entsprechende Anteil ist, wie in Ziff. 9 der
angefochtenen Verfügung vorgesehen, an die Stadt Chur weiterzuleiten. Der
Stadt Chur ihrerseits verbleibt ein von ihr zu tragender Anteil in der Höhe von
Fr. 825'319.--. Die Beschwerden sind in diesem Sinne teilweise gutzuheissen;
im Übrigen werden sie abgewiesen.
4. Bei diesem Ausgang sind die Verfahrenskosten je zu einem Drittel dem
Kanton Graubünden (EKUD), der Eidgenossenschaft (VBS) und der Stadt
Chur aufzuerlegen (Art. 73 VRG). Für die Zusprechung einer
Parteientschädigung besteht kein Anlass (Art. 78 VRG).