Decision ID: 84808a59-b712-55dc-a26d-36eab5bcd3b7
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem _ 2016 bei der B._ AG als [...]
angestellt und dadurch bei derselben für ein Krankentaggeld von 90 % des effektiven
Lohns bei einer Leistungsdauer von maximal 730 Tagen und einer Wartefrist von 90
Tagen versichert (act. G 1.1, 1.3, 6.1.12 S. 3 und 6.1.15 S. 1 f.). Am _ 2017 kündigte
die B._ AG das Arbeitsverhältnis per _ 2017 (act. G 1.3; zur angeblichen
Verlängerung des Arbeitsverhältnisses infolge der während der Kündigungsfrist
eingetretenen Krankheit vgl. act. G 3.19 S. 1 und 3.44 S. 1). Vom 8. bis 17. November
2017 und ab dem 4. Dezember 2017 wurde der Versicherte von dipl. med. C._,
Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, Ärztehaus D._, zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben (act. G 3.1, 3.7 ff., 3.11 und 3.16; vgl. ferner act. G 3.17 S. 2). In einem
Bericht vom 5. Februar 2018 hielt dipl. med. C._ fest, dass sich beim Versicherten,
den er seit anfangs 2017 betreue, aktuell eine schwere depressive Episode zeige.
Wegen dieser habe er ihn seit anfangs Dezember 2017 zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben. Aktuell bestehe diese Arbeitsunfähigkeit unabhängig von der Art der
Tätigkeit. Neben der schweren depressiven Symptomatik mit Antriebslosigkeit,
fehlender Lebensfreude, Schlaflosigkeit und Angstzuständen habe der Versicherte
diverse körperliche Beschwerden wie Knollen auf der Brust, Verspannungen und einen
Tinnitus beklagt. In körperlichen Untersuchungen und ausgedehnten
Laboruntersuchungen hätten keine Ursachen für die Beschwerden gefunden werden
können. Anamnestisch bestünden bereits seit Jahren wiederkehrende depressive
Episoden (vgl. dazu auch den Bericht von Dr. med. E._, Facharzt FMH für Innere
Medizin, Ärztehaus D._, vom 2. Oktober 2014, act. G 1.13). Psychiatrische
A.a.
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Behandlungsversuche seien auch bereits anfangs 2017 durchgeführt worden. Ab
Anfang Dezember 2017 würden die hausärztlichen Konsultationen im Abstand von
einer bis zwei Wochen stattfinden und es sei ein Therapieversuch mit Deanxit erfolgt,
welcher jedoch mangels Verbesserung wieder sistiert worden und eine Psychotherapie
in die Wege geleitet worden sei. Am 22. Januar 2018 habe eine Erstkonsultation bei Dr.
med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stattgefunden (act. G 3.21).
Am 13. März 2018 wurde der Versicherte im Auftrag der B._ AG von Dr. med.
G._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter medizinischer
Gutachter SIM, psychiatrisch begutachtet (act. G 3.29 S. 1). In seinem Gutachten vom
30. April 2018 nannte er als Diagnose einen Zustand nach Anpassungsstörung im
Sinne einer depressiven Reaktion (act. G 3.29 S. 11). Er begründete diese
Diagnosestellung im Wesentlichen damit, dass die für den Versicherten überraschende
Kündigung sicher eine Kränkung gewesen sei, welche die Motivation, weiter zu
arbeiten, eingeschränkt habe. Es bestehe somit sowohl ein zeitlicher als auch ein
kausaler Zusammenhang zwischen der Kündigung der Arbeitsstelle und der
attestierten Arbeitsunfähigkeit. Bei Anpassungsstörungen handle es sich um Zustände
von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, welche während des
Anpassungsprozesses nach einer einschneidenden Lebensveränderung oder nach
einem belastenden Lebensereignis wie einer Kündigung auftreten könnten. Die
individuelle Disposition und Vulnerabilität spiele bei Anpassungsstörungen eine
grössere Rolle als bei anderen Krankheitsbildern. Die Diagnose sei zudem von der Art
und der Schwere der Symptome sowie dem zeitnahen Auftreten nach einem
belastenden Ereignis abhängig. Die Anzeichen seien unterschiedlich und umfassten in
der Regel, wie auch im vorliegenden Fall, eine depressive Verstimmung, Angst,
Besorgnis und gelegentlich auch das Gefühl, unmöglich zurechtzukommen. Auch
könne es zu einer Einschränkung bei der Bewältigung der alltäglichen Routine
kommen. Einzig aufgrund der Symptomatik und ohne Berücksichtigung der Ätiologie
könne dabei durchaus auch einmal eine mittelgradige depressive Episode
diagnostiziert werden, da viele depressive Reaktionen von der Schwere der
Symptomatik her zu Beginn als echte Depressionen imponierten. Ein gewichtiges
Argument für die Diagnose einer Anpassungsstörung, also einer sogenannten
Befindlichkeitsstörung und somit einer leichten psychischen Störung, sei vorliegend die
A.b.
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gegenwärtig absolut fehlende antidepressive Medikation (act. G 1.29 S. 7 ff.). Weiter
hielt Dr. G._ fest, dass zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die Diagnose aber
ohnehin eher sekundär sei. Wichtiger sei die Funktionsfähigkeit der Betroffenen im
Alltag. Aufgrund der Beeinträchtigungen im Sinne der ICF (internationale Klassifikation
der Funktionen) sei beim Versicherten (unter Berücksichtigung einer allfällig
mittelgradigen depressiven Episode, die vorübergehend eine volle Arbeitsunfähigkeit
begründen könne) ab April 2018 von einer 50%igen und ab Mai 2018 von einer
100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in sämtlichen zumutbaren
Verweistätigkeiten auszugehen (act. G 1.29 S. 9 f.).
Am 2. Mai 2018 schloss sich Dr. med. H._, Allgemeine Innere Medizin FMH,
beratender Arzt der B._ AG, der Beurteilung von Dr. G._ an (vgl. act. G 3.31). In
einem gleichentags verfassten Schreiben teilte die B._ AG dem Versicherten mit,
dass er gemäss dem eingeholten Gutachten in seiner angestammten Tätigkeit ab dem
1. April 2018 zu 50 % und ab dem 1. Mai 2018 zu 100 % arbeitsfähig sei. Da die
Taggelder bereits bis zum 30. April 2018 für eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
ausbezahlt worden seien, würden die Leistungen entgegenkommenderweise erst per 4.
Mai 2018 eingestellt (act. G 3.30).
A.c.
Am 3. Juli 2018 bat der Versicherte, vertreten durch die Orion Rechtsschutz
Versicherung AG, die B._ AG, ihre Beurteilung gestützt auf einen aktuellen Bericht
des behandelnden Psychiaters Dr. F._ vom 18. Mai 2018 zu überprüfen und die
Taggelder wieder auszurichten (act. G 3.34 S. 1). Dr. F._ hatte in seiner
psychiatrischen Einschätzung im beigelegten Bericht eine schwere Identitätskrise mit
den Symptomen einer mittelschweren bis schweren depressiven Episode festgestellt
und den Versicherten aktuell als nicht arbeitsfähig befunden. Der Versicherte habe
gegenüber dem Gutachter Dr. G._ wohl den konflikthaften Hintergrund seiner Krise
verschwiegen, sodass dieser den Zustand des Versicherten nicht in seiner ganzen
Tragweite habe würdigen können. Der Versicherte habe davon berichtet, dass sein
Weltbild [...] zusammengebrochen sei. (act. G 3.34 S. 2 f.). Auf entsprechende
Nachfrage der B._ AG (vgl. act. G 3.35) nahm Dr. G._ am 24. Juli 2018 zum Bericht
von Dr. F._ Stellung und hielt an seiner gutachterlichen Beurteilung fest (act. G 3.36).
A.d.
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In einem für die IV-Stelle ausgestellten Bericht vom 16. Juli 2018 nannte Dr. F._
als Diagnose eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome,
Suizidalität bei schwerer Identitätskrise. Weiter hielt Dr. F._ fest, dass der Versicherte
nach seinen eigenen Angaben schon seit Dezember 2017 zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Die Arbeitsunfähigkeit sei bisher nicht durch ihn, Dr. F._, bescheinigt worden.
Aufgrund des akuten, protrahierten Krankheitsbildes sei jedoch bis auf weiteres keine
Arbeitsfähigkeit gegeben (act. G 6.1.13).
A.e.
Mit Schreiben vom 31. Juli 2018 hielt die B._ AG unter Verweis auf die
Stellungnahme von Dr. G._ vom 24. Juli 2018 an ihrer Leistungseinstellung fest
(act. G 3.37).
A.f.
In einer Stellungnahme vom 28. August 2018 hielt der regionale ärztliche Dienst
(RAD) fest, dass die Behandlungsfrequenz, die fehlende medikamentöse Therapie und
das im Gutachten vom März 2018 vom Versicherten beschriebene recht hohe
Funktionsniveau nicht mit einer mittelgradigen und schon gar nicht mit einer schweren
Depression zu vereinbaren seien. Die von Dr. F._ gestellte Diagnose einer schweren
depressiven Episode sei psychiatrisch nicht nachvollziehbar. Sie sei nicht mit
objektivierbaren Befunden belegt. Aus den vorliegenden medizinischen Unterlagen
könne somit kein schwerer, anhaltender Gesundheitsschaden im
invalidenversicherungsrechtlichen Sinne abgeleitet werden. Eine [...] Krise begründe für
sich keine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne
daher eine volle Arbeitsfähigkeit bestätigt werden (act. G 6.1.17 S. 2 f.). Mit
Vorbescheid vom 28. August 2018 (act. G 6.1.20) und Verfügung vom 15. Oktober
2018 (act. G 6.1.26) lehnte die IV-Stelle sodann einen Anspruch auf berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen ab.
A.g.
Mit einem Schreiben vom 6. November 2019 zeigte Rechtsanwältin S. Ebneter, St.
Gallen, der B._ AG die Übernahme der Interessenvertretung des Versicherten an.
Weiter stellte sie sich unter Verweis auf neue medizinische Berichte auf den
Standpunkt, dass der Versicherte auch nach dem 4. Mai 2018 zu 100 % arbeitsunfähig
gewesen sei und somit Anspruch auf Krankentaggeld habe (act. G 3.44 S. 1 f.). Sie
legte ihrem Schreiben einerseits einen Bericht von Dr. F._ vom 25. Februar 2019 bei,
in welchem dieser unter anderem festgehalten hatte, dass beim Versicherten aufgrund
A.h.
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der schweren Identitätskrise mit den Symptomen einer mittelschweren bis schweren
depressiven Episode mindestens bis Oktober 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden habe. Ab Juli 2018 sei eine allmähliche Verbesserung des Zustandsbildes
eingetreten mit einer deutlichen Besserung zum aktuellen Zeitpunkt. Die Aufgabe, seine
[...] Tochter zu pflegen, sowie die Kompetenz und der Integrationswille seiner Ehefrau,
die rasch Deutsch gelernt und berufstätig geworden sei, hätten wesentlich dazu
beigetragen. Aktuell sei noch eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % gegeben (act. G 3.44
S. 19 f.). Sodann legte Rechtsanwältin Ebneter einen Bericht der Klinik für Neurologie
des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom _. August 2019 über eine
neuropsychologische Untersuchung vom _. August 2019 bei (act. G 3.44 S. 21 ff.).
Weiter reichte Rechtsanwältin Ebneter ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten von
Dr. med. Dr. phil. Dr. scient. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
[...] vom 18. Oktober 2019 ein (act. G 3.44 S. 4 ff.). Als Diagnose hatte Dr. I._ den
hochgradigen Verdacht auf eine schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv,
genannt. Weiter hatte er ausgeführt, dass diagnostisch zumindest eine paranoide
Schizophrenie anzunehmen sei (act. G 3.44 S. 17). Sodann war Dr. I._ zum Schluss
gekommen, dass aus rein neuropsychologischer Sicht aktuell von einer
arbeitsbezogenen Leistungsreduktion von bis zu 50 % auszugehen sei. Die mit den
genannten Diagnosen, insbesondere dem Verdacht auf eine schizoaffektive Psychose,
einhergehenden mittel- bis höhergradigen Antriebs-, Denk- und Affektstörungen
bedingten zum Untersuchungszeitpunkt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt für Tätigkeiten, welche insbesondere Fähigkeiten wie Antrieb,
Ausdauer, Konzentration, Lernen, Merken, Selbständigkeit, Sorgfalt, Kontaktfähigkeit,
Teamarbeit, Umstellungsfähigkeit, Verantwortung, Auffassung und Aufmerksamkeit
erforderten. Einfache Routinetätigkeiten, wie beispielsweise einfache handwerkliche
Arbeiten im Rahmen einer angepassten Tätigkeit in einem konfliktfreien Umfeld mit
vorgegebenem Arbeitsablauf und ohne Zeit- und Leistungsdruck, am ehesten im
Rahmen einer beruflichen Massnahme, erschienen medizinisch zumutbar (act. G 3.44
S. 18).
Mit Schreiben vom 7. Februar 2020 teilte die B._ AG dem Versicherten mit, dass
sie die Angelegenheit nochmals ihrem beratenden Arzt zur Stellungnahme unterbreitet
habe. Eine Begutachtung, die mehr als ein Jahr nach der Einstellung der Taggelder
A.i.
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B.

Erwägungen
1.
erfolgt sei, könne nicht berücksichtigt werden. Da der Versicherte gemäss der
schlüssigen Begutachtung von Dr. G._ per 1. Mai 2018 wieder voll arbeitsfähig
gewesen sei, habe der Leistungsanspruch dann geendet. Eine allfällige erneute
Arbeitsunfähigkeit zu einem späteren Zeitpunkt sei nicht mehr versichert (act. G 3.47).
Am 19. März 2020 reichte der Versicherte (nachfolgend: Kläger) durch seine
Rechtsvertreterin Klage beim Versicherungsgericht ein (act. G 1). Darin beantragte er,
die B._ AG (nachfolgend: Beklagte) sei zu verpflichten, ihm unter Vorbehalt des
Nachklagerechts Fr. 31'631.45 nebst Zins zu 5 % seit dem 2. September 2018 zu
bezahlen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten
der Beklagten (act. G 1 S. 1).
B.a.
In ihrer Klageantwort vom 8. Mai 2020 beantragte die Beklagte, dass die Klage
vollumfänglich abzuweisen sei und keine Kosten zu vergüten seien. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie den Beizug der IV-Akten (act. G 3 S. 5).
B.b.
Mit Schreiben vom 14. Mai 2020 informierte das Versicherungsgericht die Parteien
über den Beizug der IV-Akten und stellte ihnen die Durchführung eines zweiten
Schriftenwechsels in Aussicht, sofern auf die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung verzichtet werde (act. G 5). Die Parteien verzichteten in der Folge auf die
Durchführung einer mündlichen Verhandlung (act. G 7).
B.c.
In seiner Replik vom 7. August 2020 hielt der Kläger an den in der Klage gestellten
Rechtsbegehren fest (act. G 8).
B.d.
In ihrer Duplik vom 28. August 2020 hielt die Beklagte an den in der Klageantwort
gemachten Ausführungen fest und erneuerte ihren Antrag auf vollumfängliche
Abweisung der Klage (act. G 10).
B.e.
Gemäss Ziff. _ der vorliegend anwendbaren Allgemeinen
Versicherungsbedingungen der Beklagten (nachfolgend: AVB), Ausgabe 1. Juni 2015
1.1.
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2.
(act. G 3.3), anerkennt die Beklagte als Gerichtsstand für Streitigkeiten aus dem
Versicherungsvertrag unter anderem den Wohnsitz der versicherten Person oder des
Anspruchsberechtigten (vgl. dazu auch Art. 46a des Bundesgesetzes über den
Versicherungsvertrag [VVG; SR 221.229.1] i.V.m. Art. 32 Abs. 1 lit. a der
Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]). Der Kläger hat das für seinen
Wohnort zuständige Gericht angerufen. Die örtliche Zuständigkeit des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen ist damit gegeben.
Das Versicherungsgericht entscheidet gemäss Art. 9 des Einführungsgesetzes zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung (EG-ZPO; sGS 961.2) i.V.m. Art. 7 ZPO als
einzige kantonale Instanz über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen
Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR
832.10). Darunter werden praxisgemäss auch Zusatzversicherungen wie die vorliegend
zu beurteilende Kollektivtaggeldversicherung subsumiert, auf die das VVG zur
Anwendung gelangt (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 24. Februar 2012, KV-Z 2011/2, E. 1.1; vgl. ferner BGE 138 III 3 E. 1.1). Damit sind
vorliegend auch die Voraussetzungen der sachlichen und funktionellen Zuständigkeit
erfüllt.
1.2.
Vor der Klageanhebung beim Versicherungsgericht ist kein Schlichtungsverfahren
gemäss Art. 197 ff. ZPO durchzuführen (vgl. BGE 138 III 564 E. 4.6).
1.3.
Die prozessualen Voraussetzungen sind erfüllt und auf die Leistungsklage ist
einzutreten.
1.4.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu beurteilen ist der Anspruch
des Klägers auf Taggelder der Beklagten für den Zeitraum vom 5. Mai bis 31.
Dezember 2018 (vgl. act. G 1 S. 14, unten).
2.1.
Klagen aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung sind gemäss
Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren
zu behandeln, wobei gemäss Art. 219 ZPO die Bestimmungen über das ordentliche
Verfahren sinngemäss gelten (vgl. Christoph Leuenberger/Beatrice Uffer-Tobler,
Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl. 2016, N 11.154 und 11.157). Art. 247 Abs. 2
ZPO sieht vor, dass das Gericht in solchen Streitigkeiten den Sachverhalt von Amtes
wegen feststellt. Diese sogenannte abgeschwächte oder soziale
Untersuchungsmaxime gebietet es dem Gericht zwar, bei der Feststellung des
Sachverhalts und der Beweiserhebung insbesondere durch entsprechende Fragen
2.2.
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mitzuwirken. Die Parteien werden dadurch aber nicht von der Pflicht zur Mitwirkung an
der Erhebung der Beweise und der Erstellung des Sachverhalts entbunden.
Grundsätzlich bleibt es Sache der Parteien, die wesentlichen Tatsachen vorzutragen
und die Beweismittel zu bezeichnen (vgl. Stephan Mazan, N 3 ff. zu Art. 247, in: Karl
Spühler/Luca Tenchio/Dominik Infanger [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung,
Basler Kommentar, 3. Aufl. 2017 [nachfolgend zitiert: BSK ZPO], BSK ZPO-Guyan, N 3
ff. zu Art. 153; vgl. Franz Hasenböhler, N 5 ff. zu Art. 153, in: Thomas C.Sutter-Somm/
Franz Hasenböhler/Christoph Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl. 2016).
Nach Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) hat, wo es das
Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten
Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die
einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen,
während die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder
rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs
behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet (vgl. BGE 141 III
242 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 17. August 2015, 4A_246/2015, E. 2.2). Der
Eintritt des Versicherungsfalls ist nach diesen Grundsätzen vom
Anspruchsberechtigten zu beweisen (BGE 141 III 242 E. 3.1 mit Hinweis). Da der
Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungsvertrags
regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst die anspruchsberechtigte
Person insofern eine Beweiserleichterung, als sie nur eine überwiegende
Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs
darzutun hat. Beim Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ist verlangt,
dass die Möglichkeit, es könnte sich auch anders verhalten, zwar nicht ausgeschlossen
ist, sie aber für die betreffende Tatsache weder eine massgebende Rolle spielen noch
vernünftigerweise in Betracht fallen darf (Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2015,
4A_516/2014, E. 4.1 mit Hinweis u.a. auf BGE 130 III 325 E. 3.3).
2.3.
An der Beweislast der anspruchsberechtigten Person ändert nichts, dass die
Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat; macht sie geltend, die Umstände
hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht
worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig, so hat die
anspruchsberechtigte Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und
daher Anspruch auf Taggelder hat. Im Falle der Beweislosigkeit trägt mithin nicht die
Versicherung, sondern die anspruchsberechtigte Person die Beweislast (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 17. August 2015, 4A_246/2015, E. 2.2 mit Hinweis).
2.4.
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3.
Im Zivilprozess stellt ein Privatgutachten kein Beweismittel, sondern eine blosse
Parteibehauptung dar. Bewiesen werden müssen nur Tatsachenbehauptungen, die
ausdrücklich bestritten sind. Bestreitungen sind so konkret zu halten, dass sich
bestimmen lässt, welche einzelnen Behauptungen damit bestritten werden. Erforderlich
ist eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und konkreten
gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird. Parteibehauptungen, denen ein
Privatgutachten zugrunde liegt, sind meist besonders substantiiert. Entsprechend
genügt eine pauschale Bestreitung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu
substantiieren, welche einzelnen Tatsachen sie konkret bestreitet. Wird jedoch eine
Tatsachenbehauptung von der Gegenpartei substantiiert bestritten, so vermögen
Parteigutachten als reine Parteibehauptungen diese allein nicht zu beweisen. Als
Parteibehauptungen mögen sie allenfalls zusammen mit – durch Beweismittel
nachgewiesenen – Indizien den Beweis zu erbringen. Werden sie aber nicht durch
Indizien gestützt, so dürfen sie als bestrittene Behauptungen nicht als erwiesen
erachtet werden (vgl. zum Ganzen ausführlich BGE 141 III 437 f. E. 2.6).
2.5.
Das grundsätzlich anwendbare VVG enthält mit Ausnahme von Art. 87 VVG, der
das selbstständige Forderungsrecht des Begünstigten in der kollektiven Unfall- oder
Krankenversicherung normiert, keine spezifischen, im vorliegenden Fall
interessierenden Bestimmungen zum Krankentaggeld. Es sind deshalb vorab die
vertraglichen Vereinbarungen der Parteien massgebend, vorliegend also die AVB der
Beklagten.
3.1.
Gemäss Ziff. _ der AVB ist Krankheit jede Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine
medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur
Folge hat. Als arbeitsunfähig gilt gemäss Ziff. _ der AVB, wer aufgrund einer
Krankheit seiner bisherigen beruflichen Tätigkeit nicht nachgehen kann oder bei
längerer Arbeitsunfähigkeit nicht in der Lage ist, eine andere, seinem
Gesundheitszustand und seinen Fähigkeiten angemessene, zumutbare Tätigkeit
auszuüben. Die Leistungen werden nach Ablauf der Wartefrist für jede medizinisch
gerechtfertigte Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25 % verhältnismässig zum
bescheinigten Grad der Arbeitsunfähigkeit ausbezahlt (Ziff. _ AVB). Die
Arbeitsunfähigkeit muss von einem Arzt bescheinigt werden (Ziff. _ AVB). Betrifft die
Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit eine bereits vergangene Zeitspanne, werden nur
die drei dem ersten Arztbesuch (Beginn der ärztlichen Behandlung) vorangegangenen
Tage berücksichtigt (Ziff. _ AVB).
3.2.
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4.
Die Definition der Arbeitsunfähigkeit in den AVB gleicht dem Sinn nach der in Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) enthaltenen Definition. Deshalb und mangels erkennbarer gegenteiliger
Gesichtspunkte rechtfertigt es sich, bei der Auslegung von Ziff. ._ der AVB die im
Sozialversicherungsrecht herrschende Interpretation zu beachten.
3.3.
Unbestritten ist der Taggeldanspruch bis zum 4. Mai 2018. Für diesen Zeitraum hat
die Beklagte nach Ablauf der Wartefrist bereits Taggelder entrichtet (vgl. act. G 1.16
ff.). Strittig und zu prüfen ist nun aber, ob auch im Zeitraum vom 5. Mai bis 31.
Dezember 2018 eine Arbeitsunfähigkeit und damit ein Taggeldanspruch bestanden hat
(vgl. act. G 1 S. 14, unten).
4.1.
Die Beklagte hat sich für die Einstellung der Taggeldleistungen per 4. Mai 2018 in
erster Linie auf das Gutachten von Dr. G._ vom 30. April 2018 (act. G 3.29) und
dessen Stellungnahme vom 24. Juli 2018 (act. G 3.36) gestützt, wonach per 1. Mai
2018 wieder von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Demgegenüber beruft
sich der Kläger insbesondere auf die Berichte von Dr. F._ vom 18. Mai 2018 (act. G
3.34) und vom 25. Februar 2019 (act. G 3.44 S. 19 f.) sowie auf das von ihm in Auftrag
gegebene Gutachten von Dr. I._ vom 18. Oktober 2019 (act. G 3.44 S. 4 ff.).
4.2.
Zunächst macht die Beklagte geltend, gemäss AVB sei die um mehr als drei Tage
rückwirkende Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit für ihre Leistungspflicht
unbeachtlich. Folglich komme der durch Dr. F._ in seinem Bericht vom 25. Februar
2019 dem Kläger rückwirkend bis Oktober 2018 attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit
keine Relevanz zu (vgl. act. G 3). Sinngemäss spricht die Beklagte damit sämtlichen
retrospektiven Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen, die weiter als drei Tage zurückreichen,
den Beweiswert ab. Würde man dieser Interpretation von Ziff. _ AVB folgen, wäre die
versicherte Person faktisch gehalten, alle drei Tage einen Arzt zu konsultieren, um den
Leistungsanspruch gegenüber der Beklagten nicht zu verlieren. Eine solche Vorgabe
wäre offensichtlich unverhältnismässig und kann nicht die Intention der Beklagten beim
Verfassen der AVB gewesen sein. Auch der Wortlaut von Ziff. _ AVB, wonach "nur
die drei dem ersten Arztbesuch (Beginn der ärztlichen Behandlung) vorangegangenen
Tage berücksichtigt" werden, wenn "die Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit eine
bereits vergangene Zeitspanne" betrifft, widerspricht der von der Beklagten in ihren
Rechtsschriften vertretenen Lesart der Bestimmung (vgl. dazu auch die Ausführungen
des Klägers in act. G 8 S. 2, unten). Viel eher ist aufgrund des Wortlauts und auch unter
Berücksichtigung der systematischen Einordnung der Bestimmung innerhalb der AVB
4.3.
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anzunehmen, dass sich Ziff. _ AVB in erster Linie auf den Beginn der
Arbeitsunfähigkeit und somit den Beginn der Leistungspflicht der Beklagten bezieht,
nicht jedoch zwingend auf spätere Arbeitsfähigkeitsschätzungen. Der Beginn der
Arbeitsunfähigkeit ist vorliegend gerade nicht strittig (vgl. E. 4.1), womit Ziff. _ AVB
für die in diesem Verfahren zu beurteilende Klage ohne Relevanz bliebe. Denkbar wäre
namentlich aufgrund des Wortlauts allenfalls aber auch, die in Ziff. _ AVB enthaltene
Bestimmung derart auszulegen, dass ihr nicht nur für den Beginn der Leistungspflicht
der Beklagten Bedeutung zukommt, sondern auch spätere
Arbeitsfähigkeitsschätzungen von der Beklagten nur zu akzeptieren sind, wenn sie sich
nicht über den Zeitraum vor Behandlungsbeginn (bzw. eben höchstens über die drei
Tage davor) bei der die Arbeitsunfähigkeit attestierenden Arztperson aussprechen.
Welcher Auslegung den Vorzug zu geben ist, kann vorliegend offenbleiben. Denn Dr.
F._ hat den Kläger bereits ab dem 22. Januar 2018 behandelt (vgl. act. G 3.21 und
3.34), sodass seine rückwirkende Arbeitsfähigkeitsschätzung für den hier
interessierenden Zeitraum von Mai bis Dezember 2018 ohnehin beachtet werden kann
(vgl. act. G 3.44 S. 19 f.; vgl. dazu auch act. G 8 S. 2, unten). Im Übrigen liegt von Dr.
F._ auch ein echtzeitliches Arbeitsunfähigkeitsattest vom 18. Mai 2018 vor (act. G
3.34; vgl. ferner act. G 6.1.13) Die Arztzeugnisse sowie der Bericht vom 5. Februar
2018 von dipl. med. C._ können ebenfalls problemlos für die Beurteilung der Klage
berücksichtigt werden, steht der Kläger doch bereits seit dem Jahr 2017 bei diesem
Arzt in Behandlung (vgl. act. G 3.21 und 1.4 ff.). Dr. I._ hat in seinem Gutachten vom
18. Oktober 2019 keine retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen
(vgl. act. G 3.44 S. 18). Im neuropsychologischen Untersuchungsbericht des KSSG
vom _ August 2019 ist auf eine rückwirkende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sogar
explizit verzichtet worden (vgl. act. G 3.44 S. 25). Zusammenfassend ist somit
festzuhalten, dass Ziff. _ AVB einer Berücksichtigung der seitens des Klägers
eingereichten medizinischen Berichte jedenfalls nicht entgegensteht. Inwiefern
tatsächlich auf diese Berichte abgestellt werden kann, ist im Rahmen der
nachfolgenden materiellen Beweiswürdigung zu klären.
Wie oben dargelegt (vgl. E. 2.2 ff.), liegt es grundsätzlich am Kläger, das Bestehen
seiner Arbeitsunfähigkeit durch Benennung oder Vorlage entsprechender medizinischer
Unterlagen zu belegen. Aus dem neuropsychologischen Bericht des KSSG vom _
August 2019 über eine Untersuchung vom _ August 2019 kann der Kläger
grundsätzlich nichts zu seinen Gunsten ableiten, da ihm in diesem Bericht nur für den
Zeitpunkt der Untersuchung eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit attestiert wird, die
untersuchenden Fachpersonen jedoch explizit auf eine retrospektive Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit verzichtet haben (vgl. act. G 3.44 S. 21 ff.). Gleiches gilt bezüglich der
4.4.
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Arbeitsfähigkeit für das Gutachten von Dr. I._ vom 18. Oktober 2019. Auch dieser hat
sich nicht zur Arbeitsfähigkeit des Klägers im hier interessierenden Zeitraum geäussert
(vgl. act. G 3.44 S. 4 ff.). Zwar können grundsätzlich auch medizinische Berichte, die
sich nicht explizit auf den eingeklagten Zeitraum beziehen, als Indiz für eine
bestehende Arbeitsunfähigkeit gesehen werden, wenn sie Rückschlüsse auf den
relevanten Zeitraum zulassen, namentlich, weil sie zusammen mit anderen
medizinischen Berichten den Fortbestand einer Arbeitsunfähigkeit als überwiegend
wahrscheinlich erscheinen lassen. Inwiefern dies im vorliegenden Fall ebenfalls gilt,
braucht nicht weiter erörtert zu werden. Denn der neuropsychologische Bericht des
KSSG vom _ August 2019 sowie das Gutachten von Dr. I._ vom 18. Oktober 2019
fügen sich jedenfalls nicht in eine gut dokumentierte medizinische Aktenlage ein, die
den Schluss auf eine seit Mai 2018 bis in das Jahr 2019 reichende ununterbrochene
Arbeitsunfähigkeit zulassen könnte. Vielmehr liegen aus dem hier interessierenden
Zeitraum von Mai bis Dezember 2018 als potentieller Nachweis für das Bestehen einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit, wie sie vom Kläger behauptet wird, lediglich zwei
Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. F._ vom 18. Mai 2018 (act. G 3.34) und
vom 16. Juli 2018 (act. G 6.1.13) sowie für den Monat Mai 2018 ein
Arbeitsunfähigkeitszeugnis von dipl. med. C._ vor (act. G 1.11). Nach Mai 2018 sind
keine Arbeitsunfähigkeitszeugnisse von dipl. med. C._ mehr aktenkundig, welche die
vom Kläger behauptete Arbeitsunfähigkeit belegen könnten. Im Übrigen hat die
Beklagte diesbezüglich zu Recht darauf hingewiesen (vgl. act. G 3 S. 5), dass der
Kläger in einem Telefonat mit der IV-Stelle vom 25. Juli 2018 angegeben hat, er wisse
nicht, ob er aktuell krankgeschrieben sei, er habe keine Zeugnisse erhalten. Er erinnere
sich, dass anfänglich der Hausarzt die Arbeitsunfähigkeitszeugnisse ausgestellt habe
(act. G 6.1.18 S. 3). Der Kläger hat im Juli 2018 auch keinen anderen Arzt benennen
können, der ihm eine Arbeitsunfähigkeit attestiert habe (vgl. act. G 6.1.18 S. 3). Der
behandelnde Psychiater Dr. F._ hat in seinem Bericht vom 18. Mai 2018 zwar
ausgeführt, er halte den Versicherten aktuell nicht für arbeitsfähig (vgl. act. G 3.34). In
seinem Bericht vom 16. Juli 2018 zu Handen der IV-Stelle hat er jedoch angegeben,
dass durch ihn bisher keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei (vgl. act. G 6.1.13).
Im Bericht vom 25. Februar 2019 hat Dr. F._ rückwirkend wiederum eine
Arbeitsunfähigkeit bis Oktober 2018 attestiert, ohne sich aber explizit zum Beginn der
Arbeitsunfähigkeit zu äussern (vgl. act. G 1.23). Zum einen bleibt unklar, ob sich die
Einschätzungen von Dr. F._ auch auf leidensangepasste Tätigkeiten beziehen. Zum
anderen leuchtet die bis Oktober 2018 attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht
ohne Weiteres ein, hat Dr. F._ doch angegeben, ab Juli 2018 sei es zu einer
allmählichen Besserung des Gesundheitszustandes gekommen. Spätestens im Februar
2019 ist er nur noch von einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen (vgl. act. G
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1.23). Eine nachvollziehbare und hinreichend detaillierte Begründung zum Verlauf der
Arbeitsunfähigkeit lässt Dr. F._ vermissen. Das Fehlen echtzeitlicher ärztlicher
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für den Juni 2018, die von Dr. F._ ab Juli 2018
beschriebene Verbesserung des Gesundheitszustandes sowie die seitens des RAD im
August 2018 attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit (vgl. act. G 6.1.17) sprechen
jedenfalls für die Annahme einer vorübergehenden im Mai 2018 bereits im
Wesentlichen überwundenen psychischen Krise im Sinne einer Anpassungsstörung,
wie sie Dr. G._ in seinem Gutachten vom 30. April 2018 (act. G 3.29 S. 9 f.) und
zusätzlich in seiner Stellungnahme vom 24. Juli 2018 (act. G 3.36) gut nachvollziehbar
begründet hat. Auch Dr. H._ (act. G 3.31) sowie der RAD (act. G 6.1.17 S. 2) haben
die Auffassung von Dr. G._ geteilt. Die Beurteilungen von Dr. G._ sind sorgfältig
erstellt worden. Er hat die gestellten Diagnosen sowie seine Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der damaligen Aktenlage sowie der geklagten
Beschwerden ausführlich und schlüssig begründet (vgl. act. G 3.29 und 3.36). Soweit
der Kläger behauptet, die Beurteilung habe auf einer unvollständigen Aktenlage basiert,
da die Auswirkungen der [...]-geburtseines [...] Kindes keine Berücksichtigung
gefunden hätten (vgl. act. G 1 S. 14, oben), ist ihm entgegenzuhalten, dass diese [...]
im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. G._ noch nicht erfolgt war (Geburtsdatum
_, act. 3.1.44 S. 10). Im Rahmen seiner Stellungnahme vom 24. Juli 2018 hat Dr.
G._ immerhin Bezug auf die mit der Geburt eines Kindes neu aufkommende
Verantwortung genommen (vgl. act. G 3.36 S. 4, oben). Weiter ist diesbezüglich zu
beachten, dass Dr. F._ weder in seinem Bericht vom 18. Mai 2018 noch in
demjenigen vom 18. Juli 2018 die Geburt des Kindes thematisiert hat (vgl. act. G 3.34
und 6.1.13), mithin dieses Ereignis wohl nicht als Ursache für eine Verschlechterung
des Gesundheitszustandes in Betracht gezogen hat. In seinem Bericht vom 25. Februar
2019 hat Dr. F._ die mit der Pflege des Kindes verbundene Aufgabe sogar als
wesentlichen Faktor, der zur Verbesserung des Gesundheitszustandes beigetragen
habe, aufgeführt (vgl. act. G 3.44 S. 19 f.). Die vom KSSG und von Dr. I._ erst im Jahr
2019 erstellten Berichte vermögen an der Beurteilung von Dr. G._ ebenfalls keine
ernsthaften Zweifel zu begründen, zumal sie sich, wie bereits erwähnt, nicht zur
Arbeitsfähigkeit zwischen Mai und Dezember 2018 aussprechen. Eine nach der
Leistungseinstellung durch die Beklagte allfällig erneut eingetretene Arbeitsunfähigkeit,
beispielsweise aufgrund einer schizoaffektiven Störung, die sich gemäss Dr. I._
entwickelt habe (vgl. act. G 3.44 S. 14), bliebe für die Leistungspflicht der Beklagten
unbedeutend, da der Leistungsanspruch selbst für einen laufenden Krankheitsfall nach
Austritt des Klägers aus dem versicherten Betrieb bei einem Unterbruch der
Arbeitsunfähigkeit nicht bestehen bleibt (Ziff. _ Punkt AVB). Diesbezüglich ist auch zu
beachten, dass Dr. I._ in seinem Gutachten ausgeführt hat, dass es nach einem nicht
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5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Klage im Sinne der Erwägungen
abzuweisen ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 114 lit. e ZPO). Der Kläger
hat entsprechend dem Verfahrensausgang keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 ZPO). Die Beklagte hat
mangels anwaltlicher Vertretung und mangels anderweitig geltend gemachten
Vertretungsaufwandes (vgl. Art. 95 Abs. 3 ZPO) ebenfalls keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Sie hat eine solche denn auch nicht beantragt (Art. 58 Abs. 1
ZPO).