Decision ID: 16cfee95-2702-545b-b04a-f391336ef2ac
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Wiederaufnahme (Versicherungsleistungen)
Sachverhalt:
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St.Galler Gerichte
A.
A.a A._ war bei der B._ als Lastwagenfahrer angestellt und in dieser Eigenschaft
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch
unfallversichert. Gemäss Unfallmeldung vom 20. Juni 2006 rutschte er am 11. Mai 2006
beim Absteigen zwischen Führerkabine und Auflieger aus und stürzte zu Boden, wobei
er mit dem Hinterkopf aufschlug. Der Arbeitgeber vermerkte, der Versicherte habe nach
dem Sturz noch während drei Wochen weitergearbeitet, ohne zu jammern (UV-act. 1).
In einem Schreiben vom 10. Juni 2006 (UV-act. 4) hatte der Versicherte seinem
Arbeitgeber mitgeteilt, dass er nach dem Sturz in der Nacht vom 11. Mai 2006
Schmerzen verspürt habe; diese seien "in Tagen danach" verschwunden und am
2. Juni 2006 wieder aufgetreten. Hausarzt C._ berichtete mit Schreiben vom 4. Juli
2006, der Versicherte beklage sich seit einem Monat über Schmerzen in Nacken, Kopf
und Armen (UV-act. 16b). In einem ärztlichen Zwischenbericht vom 8. Juli 2006 stellte
er die Diagnose: "Tendopathie/Myalgie Neck" und erwähnte zusätzlich den
Röntgenbefund einer Spondylosis C4/C5 (UV-act. 19). Auf Nachfrage der Suva führte
er mit Fax-Schreiben vom 30. Juli 2006 als Diagnose eine Cervicobrachialgie an und
bestätigte eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 2. Juni 2006 bis 31. Juli 2006 (UV-
act. 20). Kreisarzt Dr. med. D._ erachtete am 21. August 2006 eine kreisärztliche
Untersuchung zur Feststellung allfälliger Unfallfolgen für angezeigt UV-act. 32). Da der
Versicherte einem entsprechenden Aufgebot trotz Mahnung und Ansetzung einer
Bedenkfrist keine Folge leistete, verfügte die Suva am 18. September 2006, dass auf
die Unfallmeldung nicht eingetreten und demnach auch keine Versicherungsleistungen
erbracht würden (UV-act. 44a). Auf Einsprache der Versicherten hin erklärte die Suva
die Nichteintretensverfügung als hinfällig und stellte weitere Abklärungen in Aussicht
(Suva act. 69).
A.b Kreisarzt Dr. D._ nahm am 4. April 2007 eine Beurteilung der zwischenzeitlich
vorliegenden Akten (vgl. auch UV-act. 72) vor und kam zum Schluss, dass aufgrund der
Unterlagen strukturelle Läsionen im Rahmen des Ereignisses vom 11. Mai 2006
ausgeschlossen werden könnten. Es bestünden degenerative Veränderungen der
Halswirbelsäule, welche aus medizinischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
- neben psychosozialen Belastungsfaktoren - für die fortgesetzt geklagten
Beschwerden verantwortlich seien. Da keine strukturellen Läsionen bestanden hätten
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und die ärztliche Behandlung erst mit mehrwöchiger Verzögerung stattgefunden habe,
liessen sich die geklagten Beschwerden aus medizinischer Sicht höchstens
möglicherweise auf das Sturzereignis zurückführen (UV-act. 76). Mit Verfügung vom
16. April 2007 lehnte die Suva eine Leistungspflicht für die gemeldeten Schädel- und
Rückenbeschwerden ab, da kein sicherer oder wahrscheinlicher Zusammenhang mit
dem Ereignis vom 11. Mai 2006 bestehe (UV-act. 82). Die vom Versicherten dagegen
erhobene Einsprache wies die Suva nach Einholung einer ausführlichen ärztlichen
Beurteilung durch Dr. med. E._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, Suva
Versicherungsmedizin, (Suva act. 88) mit Einspracheentscheid vom 12. Juli 2007 ab
(UV-act. 89). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies eine Beschwerde
gegen diesen Einspracheentscheid mit Entscheid vom 4. Juni 2008 ab (UV 2007/98).
Letzterer erwuchs in Rechtskraft. Auf eine Strafklage des Versicherten gegen
Unbekannt trat die zuständige Untersuchungsrichterin mit Entscheid vom 7. November
2008 nicht ein. Eine auf eine weitere Strafklage ergangene Nichteintretensverfügung
des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 13. September 2010 wurde mit Entscheid der
Anklagekammer des Kantons St. Gallen vom 30. November 2010 bestätigt (act. G 1.4).
Eine Strafklage gegen den ehemaligen Arbeitgeber und den früheren Rechtsvertreter
schloss das Untersuchungsamt St. Gallen mit einer Nichtanhandnahmeverfügung vom
4. Juli 2012 ab (act. G 1.2). Die Anklagekammer verfügte am 25. September 2012, dass
keine Ermächtigung zur Eröffnung eines Strafverfahrens erteilt werde (act. G 1.5).
B.
B.a Mit Eingabe vom 13. Dezember 2012 (Poststempel: 17. Dezember 2012) ersuchte
der Versicherte (nachstehend: Gesuchsteller) unter Einreichung von Aktenkopien
sinngemäss darum, den Gerichtsentscheid vom 4. Juni 2008 (UV 2007/98) einer
erneuten Prüfung zu unterziehen und ihm das "Krankengeld seit Juni 2006" zu
überweisen. Beim Entscheid sei von unzutreffenden Voraussetzungen (falscher
Unfallort sowie unzutreffende Angaben des ehemaligen Arbeitgebers, des
Versicherungs-Sachbearbeiters und des früheren Rechtsanwalts des Gesuchstellers)
ausgegangen worden (act. G 1). Von der ihm von Seiten des Versicherungsgerichts
eingeräumten Möglichkeit, seine als Wiederaufnahmegesuch zu interpretierende
Eingabe zu ergänzen (act. 2), machte der Gesuchsteller mit Schreiben vom 29. Januar
2013 Gebrauch und reichte weitere Unterlagen ein. Er machte sinngemäss geltend, der
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Unfallsachverhalt sei nicht zureichend abgeklärt worden. Man habe damals keinen
Experten aufgeboten, um die Unfallursache und die Gesundheitsschäden abzuklären
(act. G 3).
B.b In der Stellungnahme vom 5. April 2013 beantragte die Suva, auf das Begehren
gemäss Eingaben des Gesuchstellers vom 13. Dezember 2012 und 29. Januar 2013 sei
nicht einzutreten. Sie hielt unter anderem fest, aus den Eingaben sei nicht ersichtlich,
auf welche der im kantonalen Verwaltungsrechtspflegegesetz und in Art. 61 lit. i ATSG
aufgeführten Wiederaufnahme- bzw. Revisionsgründe er sich berufen wolle. Seine
Ausführungen seien in weiten Teilen unverständlich und nicht nachvollziehbar (act. G
5). Aus den UV-Akten ergebe sich, dass der unfallversicherungsrechtlich erhebliche
Sachverhalt vollständig abgeklärt worden sei. Anhaltspunkte für das Vorliegen von
Wiederaufnahmegründen im Sinn des kantonalen Verwaltungsrechtspflegegesetzes
lägen nicht vor. Im Prozess UV 2007/98 habe ausschliesslich die medizinische Frage
zur Diskussion gestanden, ob die vom Gesuchsteller im Anschluss an den Unfall vom
11. Mai 2006 geklagten Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem
natürlichen Kausalzusammenhang zu diesem Ereignis stehen würden, was gestützt auf
die einschlägigen ärztlichen Berichte (vgl. insbesondere UV-act. 76 und 88) zu Recht
verneint worden sei. Der Gesuchsteller habe im vorliegenden Verfahren keine neuen
medizinischen Unterlagen beigebracht, weshalb das Ergebnis gemäss
Gerichtsentscheid vom 4. Juni 2008 unverrückbar sei.

Erwägungen:
1.
In seinen Eingaben vom 13. Dezember 2012 und 29. Januar 2013 beantragt der
Gesuchsteller sinngemäss, dass der Gerichtsentscheid vom 4. Juni 2008 (UV 2007/98)
einer erneuten Überprüfung zu unterziehen sei (act. G 1 und 3). Das
Versicherungsgericht nahm diese Eingaben als Revisions- bzw.
Wiederaufnahmegesuch bezüglich des erwähnten Entscheids entgegen (act. G 2 und
4). - Der Grundsatz, dass gegen kantonale Beschwerdeentscheide die Revision wegen
Entdeckung neuer Tatsachen oder Beweismittel gewährleistet sein muss, wird in Art.
61 lit. i ATSG festgehalten. Im Übrigen bestimmt sich das kantonale Verfahren nach
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kantonalem Recht (Art. 61 ATSG). Nach Art. 82 Abs. 1 des st. gallischen
Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRP; sGS 951.1.) entscheidet über
Wiederaufnahmebegehren (Revisionsbegehren) die Instanz, welche den Entscheid
getroffen hat. Gegen Gerichtsentscheide kann die Wiederaufnahme des Verfahrens mit
der Begründung verlangt werden, der Entscheid sei durch Arglist oder strafbare
Handlung beeinflusst gewesen, die Behörde habe sich in einem offenkundigem Irrtum
über entscheidende Tatsachen befunden oder sie habe wesentliche Tatsachen oder
Beweismittel, die zur Zeit des Erlasses des Entscheides bestanden hätten, nicht
gekannt (Art. 81 Abs. 1 lit. a-c VRP). Auf Wiederaufnahmebegehren wird nur
eingetreten, wenn die Gründe mit einem ordentlichen Rechtsmittel nicht geltend
gemacht werden können und das auch bei zumutbarer Sorgfalt unmöglich war (Art. 81
Abs. 2 VRP). Das Wiederaufnahmebegehren kann innert drei Monaten eingereicht
werden, nachdem der Betroffene vom Wiederaufnahmegrund Kenntnis erhalten hat,
spätestens aber innert zehn Jahren seit der Eröffnung des Entscheides (Art. 83 Abs. 1
VRP).
2.
2.1 Die Darlegungen des Gesuchstellers und die von ihm eingereichten Akten (act. G 1
und 3) zeigen im Vergleich zur Aktenlage im Zeitpunkt des Gerichtsentscheids vom 4.
Juni 2008 (UV 2007/98) keine veränderte medizinische Situation. Der Gesuchsteller
beanstandet zum einen, dass in den Unfallakten von einem falschen Unfallort
ausgegangen worden sei (act. G 1). Er macht sodann sinngemäss geltend, der
Unfallsachverhalt sei nicht zureichend abgeklärt worden. Man habe damals keinen
Experten aufgeboten, um die Unfallursache abzuklären (act. G 3.1).
2.2 Dazu ist vorab festzuhalten, dass die vorerwähnten Gründe allesamt bereits im
Rahmen eines Rechtsmittelverfahrens gegen den Entscheid vom 4. Juni 2008 hätten
vorgebracht werden können; dieser erwuchs jedoch unangefochten in Rechtskraft.
Unter diesen Umständen kann auf das Wiederaufnahmegesuch nicht eingetreten
werden (Art. 81 Abs. 2 VRP). Aber selbst wenn auf das Gesuch einzutreten wäre,
müsste es - wie nachstehend zu zeigen sein wird - abgewiesen werden. Für den
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 4. Juni 2008 kam dem Unfallort keine
Bedeutung zu; er wurde darin nicht einmal erwähnt. Die Ablehnung der Leistungspflicht
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wurde im erwähnten Entscheid vielmehr ausschliesslich damit begründet, dass die
geklagten gesundheitlichen Beschwerden aufgrund der Aktenlage nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 11. Mai 2006 zurückgeführt
werden könnten. Zum anderen wird vom Gesuchsteller nicht dargelegt, inwiefern der
dem Entscheid vom 4. Juni 2008 zugrunde gelegte Unfallhergang nicht zugetroffen
haben sollte. Ein offenkundiger Irrtum des Gerichts über entscheidende Tatsachen
oder ein Übersehen von wesentlichen Tatsachen oder Beweismitteln, die zur Zeit des
Erlasses des Entscheids vom 4. Juni 2008 bestanden, ergibt sich aus den dargelegten
Akten nicht. Auf die im Zusammenhang mit dem Unfall vom Gesuchsteller
eingereichten Strafklagen gegen verschiedene Personen traten die zuständigen
Behörden nicht ein (vgl. act. G 1.2-1.5), so dass sich hieraus kein
Wiederaufnahmegrund im Sinn von Art. 81 Abs. 1 lit. a VRP ableiten liesse. Ein
Wiederaufnahmegrund lässt sich auch aus dem vom Gesuchsteller geltend gemachten
Umstand, dass bis heute kein "technischer Untersuch an LKW" stattgefunden habe
(act. G 3.3), nicht herleiten. Letzterem kommt zum vornherein keine Bedeutung für die
Frage der Unfallkausalität von gesundheitlichen Beschwerden und die Leistungspflicht
der Suva zu. Aus den nur schwierig nachvollziehbaren bzw. zu interpretierenden
Eingaben des Gesuchstellers wäre somit, wenn auf das Begehren eingetreten würde,
ein Wiederaufnahme- bzw. Revisionsgrund mit Bezug auf den Entscheid vom 4. Juni
2008 nicht ersichtlich.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist auf das Begehren um Revision des
Gerichtsentscheids vom 4. Juni 2008 nicht einzutreten. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Auf das Gesuch um Revision des Gerichtsentscheids vom 4. Juni 2008 wird nicht
eingetreten.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 05.09.2013 Art. 61 lit. i ATSG. Art. 81-83 VRP. Revision eines Gerichtsentscheids. Prüfung des Vorliegens von Gründen für die Wiederaufnahme des Verfahrens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. September 2013, UV 2013/16).
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2021-09-19T12:17:51+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen