Decision ID: 30f130a4-7c33-4b92-ab97-c45eaf29e33a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A.b.
Die Grundstücke Nrn. 0000_, 0001_, 0002_, 0003_ und 0004_ sind derzeit
unbebaut, nachdem im Jahr 2019 die sich darauf befindlichen Gebäude abgebrochen
wurden (vgl. act. 2 der Gerichtsakten [nachfolgend act. G], Entscheid Nr. 15/2021 des
Baudepartements vom 19. Februar 2021 Ziffer A/a S. 2). Im Westen des vorstehend
umschriebenen Gevierts befindet sich anschliessend zur T._-strasse das Grundstück
Nr. 0006_, auf dem ein Warenhaus (M._) steht. Südlich der genannten Grundstücke
befindet sich über der M._-strasse das ebenfalls im Eigentum der Q._ AG stehende
Grundstück Nr. 0007_. Darauf befindet sich ein oberirdischer Parkplatz sowie
darunterliegend eine unterirdische zweigeschossige Tiefgarage (Parkhaus T._) mit
Die im Stadtzentrum von X._ liegenden Grundstücke Nrn. 0000_, 0001_, 0002_,
0003_ und 0004_, alle Grundbuch X._, sind im Eigentum der Q._ AG. Diese
Grundstücke bilden zusammen ein Viereck, an das im Osten das Grundstück
Nr. 0005_ grenzt. Dieses gehört der E._. Im Süden wird das Geviert begrenzt durch
die M._-strasse (Gemeindestrasse 3. Klasse), im Westen durch die T._-strasse
(Gemeindestrasse 2. Klasse) und im Norden durch die N._-strasse (Kantonsstrasse KS
XX_), die ihrerseits in die (Untere/Obere) B._-strasse (Kantonsstrasse KS YY_ bzw.
KS ZZ_) mündet und als R._-strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse) weiter Richtung
Westen führt (vgl. Geoportal, Karte "Verkehr/Strassen und Wege Gde SG/
Strassenklassierung Gde", einsehbar unter: www.geoportal.ch). Die T._-strasse
mündet im Norden in die N._-strasse und im Süden in die G._-strasse. Sie quert
dabei die M._-strasse, welche von Osten ab der K._-strasse nach Westen in die
Kantonsstrasse KS YY_ (Untere B._-strasse) führt. Das Befahren der M._-strasse ist
ab der Kreuzung mit der T._-strasse sowohl in östlicher wie auch westlicher Richtung
für Motorwagen und Motorräder mit Ausnahme für Zubringer verboten (Google Maps/
Streetview [www.google.ch/maps], Aufnahme September 2013). Der nördliche
Abschnitt der T._-strasse ist ab der Kreuzung mit der M._-strasse in die N._-strasse
als Einbahnstrasse signalisiert (ausgenommen Fahrräder [vgl. Google Maps/Streetview,
a.a.O.]), d.h. das Befahren dieses Abschnitts ist für Motorwagen nur ab der N._-
strasse in Nord-Südrichtung zulässig. Der südliche Abschnitt der T._-strasse darf
zwischen der Kreuzung mit der M._-strasse und der Einmündung in die G._-strasse
in beide Richtungen befahren werden (vgl. Google Maps/Streetview, a.a.O.).
A.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gesamthaft 286 Parkplätzen, die (auch) dem Warenhaus M._ dienen. Die Einfahrt in
das Parkhaus T._ erfolgt über die T._-strasse an der südlichen Grundstücksgrenze
von Grundstück Nr. 0007_. Die Ausfahrt aus dem Parkhaus in die T._-strasse
befindet sich an der nördlichen Grenze von Grundstück Nr. 0007_. Dort befindet sich
auch der Zugang zum Parkhaus für die Fussgänger. Vis-à-vis der Parkhauseinfahrt
befindet sich das Grundstück Nr. 0008_. Eigentümer dieses Grundstücks ist die
A._ AG. Planerisch sind gemäss Zonenplan der Stadt X._ vom 9. März 2011 sowohl
die Grundstücke Nrn. 0000_, 0001_, 0002_, 0003_, 0004_ sowie 0005_ als auch
die Grundstücke Nrn. 0009_ (Warenhaus M._) sowie 0010_ (Parkhaus T._) der
Kernzone K5 A zugewiesen (vgl. Geoportal, a.a.O., Karte "ÖREB Zonenplan SG" mit
Link zu ÖREBlex). Die westlich der T._-strasse und südlich der M._-strasse liegenden
Grundstücke, darunter GS Nr. 0008_, befinden sich in der Kernzone K3 A (vgl.
Geoportal, a.a.O., Karte "ÖREB Zonenplan SG" mit Link zu ÖREBlex).
(...Situationsplan mit Beschriftung ...)
(Quelle Bilddarstellung: Geoportal, Karte "Ortsplan Gde")
B.
Ein vom Stadtrat X._ am 21. August 2017 erlassener Überbauungsplan "Y._" wurde
von diesem später widerrufen. Der widerrufene Überbauungsplan "Y._" sah nebst der
teilweisen Aufhebung des bestehenden rechtskräftigen Überbauungsplans T._-areal
(vgl. Geoportal, a.a.O., Karte "Raumplanung, Raumentwicklung/ÖREB
Sondernutzungspläne SG" mit Link auf ÖREBlex) die Bebauung der Grundstücke
Nrn. 0000_, 0007_, 0001_, 0005_, 0002_, 0003_, 0004_ mit Wohn- und
Gewerbebauten und einer gemeinsamen Tiefgarage (Parkhaus T._ und neue
Tiefgarage Neuüberbauung) vor. In der Folge schrieb das Baudepartement am
8. Januar 2021 die gegen dieses Planungsinstrument bei ihm erhobenen Rekurse als
gegenstandslos ab (vgl. act. G 2 Ziffer A/d S. 3; nicht aktenmässig belegt). Gemäss
öffentlich zugänglichen Informationen und aktenkundigen Bau- bzw. Planungsanzeigen
wurde vom 11. August bis 9. September 2020 ein neues Planungsinstrument
(Sondernutzungsplan "Y._" mit besonderen Vorschriften") gleichzeitig mit den
Baugesuchen "Neubau Gewerbe- und Wohnüberbauung F._" sowie "Ersatzneubau
Gewerbe- und Wohnhaus GS Nr. 0005_" nach neuem Planungs- und Baugesetz (sGS
731.1, PBG, in Vollzug seit 1. Oktober 2017) aufgelegt (vgl. Beilagen 4 bis 6 zu act. 16
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der vorinstanzlichen Akten [nachfolgend vi.-act.]; vgl. auch Bericht auf dem Online-
Portal Z._ vom 10. August 2020, einsehbar unter: www. ... /; siehe auch: www. ... .ch).
C.
C.a.
Mit Datum vom 19. Dezember 2019 reichte die Q._ AG ein Baugesuch ein für eine
Zwischennutzung auf den Grundstücken Nrn. 0000_, 0001_, 0002_, 0003_ und
0004_ (act. 1 der Akten der Bau- und Umweltkommission X._ [nachfolgend gde.-
act]). Die dem Gesuch beigelegten Pläne (Situationsplan 1:200, Katasterplan 1:500 und
Plan 1:250) sind bezeichnet als "Provisorischer Parkplatz" (gde.-act. 2 Beilagen bzw.
act. 27 Beilagen). Gemäss Planunterlagen ist auf dem Geviert die Befestigung der
Oberfläche (Asphalt), die Umzäunung des Geländes mit einem provisorischen Zaun mit
Holzbohlen, die Anordnung von 132 Parkplätzen (davon 2 Behindertenparkplätze), das
Erstellen von zehn acht Meter hohen Beleuchtungskandelabern sowie die
Entwässerung des Platzes geplant. Die mit einer Barrierenanlage versehene Ein- und
Ausfahrt zu den Parkplätzen soll im südwestlichen Bereich des Gebiets ab dem
nördlichen Abschnitt der T._-strasse erfolgen. Im Weiteren sind zwei Stellplätze für
Einkaufswagen beabsichtigt. Laut Wortlaut des Kurzbeschriebs im
Baugesuchsformular (gde.-act. 1 S. 1) beinhaltet das Gesuch die "Erstellung einer
Zwischennutzung des Geländes als provisorischer öffentlicher Parkplatz während der
Ertüchtigung der bestehenden Tiefgarage auf dem heutigen T._-areal (Kataster
Nr. 0007_). Der provisorische Parkplatz darf nur soweit für die Öffentlichkeit in Betrieb
genommen werden, als bestehende Parkplätze im T._-areal aufgehoben werden.
Vorgängig ist die Nutzung durch max. 80 Dauermieter (à ca. 2,5 Fahrten pro Tag = 100
Zu- und 100 Wegfahrten) vorgesehen. Die Zufahrt wird hauptsächlich über die N._-
strasse und die Wegfahrt über die T._-strasse stattfinden. Dadurch kommen zu den
ca. 1'500 Fahrten (Anwohner und Tiefgarage) mit bis zu 100 Mehrfahrten weniger als
10% Mehrfahrten hinzu und sind kaum hörbar. Aus diesem Grund wird kein Gutachten
für die Aussenlärmbelastung beigelegt."
C.b.
Innert der Auflagefrist erhob die A._ AG, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Walter
Locher, St. Gallen, Einsprache (gde.-act. 5 und7). Am 11. Juni 2019 erteilten das Amt
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
für Umwelt, am 26. Juni 2019 die Kantonspolizei und am 28. Juni 2019 das Tiefbauamt
die notwendigen kantonalen Bewilligungen (Verfügung über altlastenrechtliche
Massnahmen, Verfügung über Verkehrsbeschränkungen, strassenpolizeiliche
Bewilligung für Ein- und Ausfahrt) unter Auflagen und Bedingungen (gde.-act. 22, 23
und 24). Die strassenbaupolizeiliche Bewilligung (gde.-act. 24) wurde auf drei Jahre
befristet und u.a. mit der Auflage versehen, dass über eine Verlängerung auf ein
entsprechendes rechtzeitiges Gesuch in Abstimmung mit dem Kantonsstrassenprojekt
X._ "SRG S._-strasse – N._-strasse – 0011_" entschieden werde. Das
Strasseninspektorat werde nach Ablauf dieser Frist, unabhängig vom Stand des
Rechtsmittelverfahrens "Überbauungsplan Y._ mit besonderen Vorschriften", den
ordnungsgemässen Rückbau bzw. die ordnungsgemässe Schliessung der Ein- und
Ausfahrt überprüfen (gde.-act. 24 Entscheidziffer 2). Mit Beschluss vom 13. Januar
2020 wies die Bau- und Umweltkommission X._ die Einsprache ab und erteilte dem
Vorhaben die Bewilligung unter verschiedenen Bedingungen und Auflagen (gde.-
act. 27). Sie hielt u.a. fest, dass die befristete Bewilligung für drei Jahre gültig sei. Nach
Ablauf der befristeten Bewilligung sei frühzeitig bei der Bauverwaltung ein
Verlängerungsgesuch einzureichen (gde.-act. 27 Ziffer C.2). Der Beschluss wurde
zusammen mit den kantonalen Verfügungen als Gesamtentscheid am 15. Januar 2020
eröffnet. Dagegen reichte die A._ AG durch ihren Rechtsvertreter am 29. Januar 2020
Rekurs (vi.-act. 1) beim damaligen Baudepartement (heute: Bau- und
Umweltdepartement; vgl. XV. Nachtragsgesetz zum Geschäftsreglement der Regierung
und der Staatskanzlei vom 29. Juni 2021; nGS 2021-066; in Vollzug ab 1. Oktober
2021]) ein. Sie liess beantragen, es sei der Rekurs gutzuheissen und die mit Beschluss
vom 13. Januar 2020 erteilte befristete Bewilligung sei aufzuheben, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (vi.-act. 3). Das Baudepartement holte in der Folge beim
Tiefbauamt und dem Amt für Umwelt je einen Amtsbericht ein (vgl. vi.-act. 11und 13).
Am 19. Februar 2021 wies das Baudepartement den Rekurs ab (act. G 2). Es ergänzte
den Beschluss der Bau- und Umweltkommission X._ mit folgender Auflage:
"Parkplätze mit häufigem Wechsel in der Nacht sind nach Möglichkeit im
südwestlichen und südlichen Teil des Parkplatzes anzuordnen bzw. der nördliche
Bereich (d.h. Grundstück Nr. 0002_) ist nur so weit für die Parkierung freizugeben als
dies aufgrund der Nachfrage bzw. des Fortschritts der Parkhaus-Sanierung erforderlich
ist" (act. G 2 Dispositivziffer 1.b).
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
D.
D.a.
Mit Eingabe vom 5. März 2021 (act. G 1) erhob die A._ AG (Beschwerdeführerin) durch
ihren Rechtsvertreter Dr. iur. Walter Locher, St.Gallen, Beschwerde gegen den
Entscheid des Baudepartments (Vorinstanz) vom 19. Februar 2021. Am 26. April 2021
ergänzte sie ihre Beschwerde mit einer Begründung (act. G 5). Sie stellt den Antrag,
den Entscheid des Baudepartements aufzuheben und die Baubewilligung für die
Erstellung eines öffentlichen Parkplatzes zu verweigern, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zzgl. 7,7% MwSt.
D.b.
Die Vorinstanz schloss am 14. Mai 2021 auf Abweisung der Beschwerde (act. G 7). Die
Q._ AG (Beschwerdegegnerin), vertreten durch Rechtsanwältin Marie-Theres Huser,
Zürich, nahm mit Schreiben vom 19. Mai 2021 Stellung zur Beschwerde mit dem
Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen und der Entscheid des Stadtrats X._ (bzw.
der Bau- und Umweltkommission X._) vom 13. Januar 2020 sowie der Entscheid der
Baudirektion (richtig: Baudepartement) vom 19. Februar 2021 sei zu bestätigen; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdeführerin (act. G 10).
Die Bau- und Umweltkommission X._ antwortete mit Eingabe vom 25. Juni 2021 auf
die Beschwerde (act. G 14). Sie beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit auf
sie eingetreten werden könne, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Rekurrenten (recte: Beschwerdeführerin). In ihrer Replik vom 18. August 2021 hielt die
Beschwerdeführerin an ihrem Standpunkt fest. Mit Eingabe vom 26. August 2021
(act. G 18) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik, während die Vorinstanz
und die Beschwerdebeteiligte stillschweigend darauf verzichteten.
D.c.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
ist als Adressatin, deren Begehren mit dem angefochtenen Entscheid abgewiesen
wurden, zur Beschwerdeerhebung befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde rechtzeitig erhoben und entspricht zusammen mit der
Beschwerdeergänzung formal und inhaltlich den gesetzlichen Voraussetzungen (Art. 64
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Beschwerdeführerin beanstandet in mehrerlei Hinsicht, dass die
Baugesuchsunterlagen unvollständig und mangelhaft seien. In diesem Zusammenhang
wirft sie der Vorinstanz verschiedentlich vor, den Sachverhalt unrichtig und
unvollständig festgestellt zu haben.
bis
Gemäss Art. 137 PBG werden Baugesuche sowie Gesuche um Erlass von weiteren für
die Ausführung des Bauvorhabens notwendigen Verfügungen der Baubehörde
eingereicht, auf deren Gebiet die Baute oder Anlage errichtet werden soll. Die
dazugehörige Verordnung zum Planungs- und Baugesetz (sGS 731.11, PBV) enthält
nähere Vorschriften über die notwendigen Unterlagen, die Form des Gesuchs und die
Prüfungsmodalitäten desselben. Danach verwenden Gesuchstellende für das
Baugesuch das Formular des Bau- und Umweltdepartementes (Art. 21 Abs. 1 Satz 1
PBV). Das Baugesuch muss die für die Beurteilung notwendigen Unterlagen wie
Situationsplan, Grundriss, Ansichten, Schnitte und Kanalisationspläne enthalten (Art. 21
Abs. 1 Satz 2 PBV). Es wird von der Bauherrschaft und den Grundeigentümerinnen
oder Grundeigentümern unterzeichnet (Art. 21 Abs. 1 Satz 3 PBV). Die
Bewilligungsbehörden sind berechtigt, weitere für die Beurteilung erforderliche
Unterlagen einzufordern (Art. 21 Abs. 2 PBV). Dazu können z.B. statische
Berechnungen, Verkehrsgutachten, Modelle und Betriebskonzepte gehören (M. Möhr
in: Bereuter/Frei/Ritter [Hrsg.], Kommentar zum Planungs- und Baugesetz des Kantons
St. Gallen, Basel 2020, N 6 zu Art. 137 PBG mit Hinweis auf B. Heer, St. Gallisches
Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 883 ff.). Unvollständige Gesuche werden zur
Ergänzung oder Verbesserung zurückgewiesen (Art. 21 Abs. 3 Satz 1 PBV). Unterbleibt
die Verbesserung innert der angesetzten Frist, tritt die Bewilligungsbehörde auf das
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gesuch nicht ein (Art. 21 Abs. 3 Satz 2 PBV). Zusätzlich enthält das Baureglement der
Stadt X._ vom 9. März 2011/9. Januar 2013 (BauR) in Art. 23 weitergehende und
präzisierende Vorgaben (wie Plan-Massstab, Art und Form der Pläne, Anzahl
einzureichende Unterlagen, farbliche Darstellung usw.).
Nach dem Dispositionsprinzip ist die Baubehörde an die Begehren des Bauherrn
gebunden (BGer 1C_350/2014 vom 13. Oktober 2015 E. 2.5, in: ZBl 117/2016 S. 269).
Die Bauherrschaft bestimmt mit ihrem Baugesuch, ob und in welchem Umfang ein
baubewilligungspflichtiger Sachverhalt bewilligt werden soll (vgl. VerwGE B 2016/224
vom 5. Dezember 2018 E. 2.3; Ch. Mäder, Das Baubewilligungsverfahren, Zürich 1991,
Rz. 115; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 985
f.). Auf seine Angaben und geäusserten Absichten (z.B. zur Nutzung und zum Betrieb)
im Gesuch hat sich der Gesuchsteller behaften zu lassen (vgl. Ch. Mäder, a.a.O.,
Rz. 248). Entsprechend hat er auch die Folgen von Unklarheiten im Gesuch zu tragen
(vgl. BGer 1P.728/2006 vom 16. Februar 2007 E. 2 betreffend unklarem Planinhalt).
2.2.
Die Behörde oder das von ihr beauftragte Verwaltungsorgan ermittelt den Sachverhalt
und erhebt die Beweise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten,
Auskunftspersonen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten und
Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeignete Weise. Sind zur
Wahrung des öffentlichen Interesses keine besonderen Erhebungen nötig, so sind nur
die von den Beteiligten angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über
erhebliche Tatsachen aufzunehmen (Art. 12 Abs. 1 und 2 VRP).
Unrichtig ist ein Sachverhalt festgestellt, wenn aus den vorhandenen Beweismaterialien
unrichtige Schlüsse gezogen werden, insbesondere indem der Sachverhalt falsch oder
aktenwidrig festgestellt wird oder indem Beweise unrichtig gewürdigt werden (vgl.
VerwGE B 2018/248 vom 14. März 2019 E. 3.1 mit Hinweisen). Unvollständig ist die
Sachverhaltsfestlegung, wenn entscheidrelevante Umstände nicht oder nicht
ausreichend abgeklärt wurden (Looser/Looser-Herzog, in: Rizvi/Schindler/Cavelti
[Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen
2020, N 14 zu Art. 46 VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 587).
Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 21 Abs. 3 VRP) bedeutet unter
anderem, dass die Behörde frei darüber befindet, ob anhand der vorhandenen
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Die Beschwerdeführerin bringt zunächst vor, es sei unklar, um welche konkrete
zeitliche Nutzung ersucht und welche konkrete zeitliche Nutzung bewilligt worden sei.
Es fehlten zentrale Unterlagen. Das Bauvorhaben, welches als „Zwischennutzung"
bezeichnet werde, beabsichtige die Erstellung von öffentlichen Parkplätzen, wobei die
Bezeichnung „Zwischennutzung" bereits implizieren würde, dass die Nutzung auf eine
klar umgrenzte Zeitspanne beschränkt sei. Den Baugesuchsunterlagen lasse sich
jedoch eine solche klar umgrenzte Zeitspanne nicht entnehmen, weshalb sie
unvollständig seien. Wie die Vorinstanz in ihrem Entscheid dann zumindest auch für
den Wechsel von Phase 1 (= Zeitspanne von der Erstellung des Parkplatzes bis zum
Beginn der Sanierung der Tiefgarage) zu Phase 2 (= Zeitraum während der Bauarbeiten
zur Sanierung der Tiefgarage) eingestehen müsse, wäre die Erstellung und Nutzung der
achtzig zusätzlichen Parkplätze für Dauermieter während Phase 1 grundsätzlich zeitlich
unbegrenzt möglich, da der Wechsel von Phase 1 und Phase 2 nicht definiert worden
sei. Anstatt die erforderlichen weiteren Gesuchsunterlagen gemäss Art. 21 Abs. 2 PBV
nachzufordern oder das Baugesuch gemäss Art. 21 Abs. 3 PBV zur Ergänzung oder
Verbesserung zurückzuweisen, hätten sich sowohl die Vorinstanz 2 als auch in der
Folge die Vorinstanz 1 über weite Teile ihrer Entscheide zu Spekulationen hinreissen
lassen, welche Anzahl Parkplätze zu den einzelnen Zeitpunkten letztlich zur Verfügung
stehen würden. Die diesbezüglich umfangreichen Ausführungen bewiesen folglich,
dass die Baugesuchsunterlagen diesbezüglich keine klare Aussage machten und daher
mangelhaft seien. Die Konkretisierung der zulässigen Nutzung wie auch die
Beschränkung der Anzahl Parkplätze auf die jeweiligen Zeitpunkte sei jedoch nicht eine
Frage der Auslegung, sondern insbesondere, wenn es um eine Zwischennutzung gehe,
absolut zentraler Inhalt der Baugesuchsunterlagen. Diese Angaben lägen aber eben
gerade nicht vor. Insgesamt äusserten sich die Baugesuchsunterlagen in keiner Weise
zum konkreten Betrieb des Parkplatzes, was gerade unter Berücksichtigung der
Abhängigkeit des vorliegenden Projektes von der Sanierung und Erweiterung der
Beweismittel eine Tatsache nach dem gesetzlich geforderten Beweismass als
bewiesen gilt oder ob die Behörde weitere Beweise erheben muss (vgl. z.B. VerwGE B
2017/98 vom 9. Mai 2018 E. 3.1). Wenn eine Behörde zum Schluss kommt, dass eine
Tatsache bereits genügend bewiesen ist und die Abnahme zusätzlicher Beweismittel
nichts an der Überzeugung der Behörde ändern könnte, kann sie auf deren Abnahme
verzichten, ohne den Untersuchungsgrundsatz zu unterlaufen oder das rechtliche
Gehör der betroffenen Partei zu verletzen (VerwGE B 2019/123 vom 28. Mai 2020
E. 5.4.2 mit Hinweisen auf VerwGE B 2017/98 vom 9. Mai 2018 E. 3.1 bezüglich freier
Beweiswürdigung sowie BGE 134 I 140 E. 5.3 und 131 I 153 E. 3 bezüglich antizipierter
Beweiswürdigung).
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Tiefgarage "T._" aber absolut zentral wäre. Diese Abhängigkeit werde durch die
vorinstanzlich verfügte zusätzliche Auflage nochmals deutlicher, weshalb ein
Betriebskonzept für die konkrete Nutzung der Parkplätze unentbehrlich sei. Dass
bereits der Entscheid der Beschwerdebeteiligten, nämlich die Baubewilligung vom
13. Januar 2020, von einem unrichtigen Sachverhalt ausgegangen sei, ergebe sich
sodann aus der Gegenüberstellung der Erwägungen des Beschlusses vom 13. Januar
2020 mit den Ausführungen der Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin vom
23. März 2020. Während die Beschwerdebeteiligte in ihrem Beschluss von folgender
Annahme ausgegangen sei: „Zudem fallen die achtzig Parkplätze für die Dauermieter
aus der ersten Etappe mit der zweiten Etappe wieder ersatzlos dahin.", habe die
Bauherrschaft im Rahmen der Stellungnahme ihrer Rechtsvertreterin am 23. März 2020
deklariert "ln einer dritten Phase werden die provisorischen Parkplätze mit der
Realisierung des Y._s verschwinden und durch die dannzumal bewilligten Parkplätze
im Untergeschoss des Y._s ersetzt werden. Sollte nach Abschluss der Sanierung und
Ertüchtigung der Tiefgarage das Projekt 'Y._' immer noch nicht realisiert werden
können, würden die provisorischen Parkplätze verbleiben (...)." Gemeint seien – so die
Beschwerdeführerin weiter – damit aber nicht nur die achtzig Parkplätze der
vermeintlich 1. Phase, sondern sämtliche der zu erstellenden 132 Parkplätze.
Der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, dass insbesondere mit Blick auf die im
Einsprache- und Rekursverfahren gemachten Äusserungen der Beschwerdegegnerin
zur Nutzung nach Abschluss der Sanierung des Parkhauses T._ bis zur
Neuüberbauung "Y._" (sog. 3. Phase gemäss Ausdrucksweise der
Beschwerdegegnerin) eine gewisse Unklarheit in Bezug auf ihr eigenes Baugesuch und
ihre Nutzungsabsichten entsteht (vgl. Stellungnahme vom 12. April 2019 [gde.-act. 11]
Ziffer 4.3 S. 5 und Stellungnahme vom 23. März 2020 [vi-act. 5] Ziffer 1.1.1 S. 6 sowie
Ziffer 2.3. S. 10). Im Baugesuchsformular hat die Beschwerdegegnerin das dort
enthaltene und vorgesehene Kästchen "Zwischennutzung" angekreuzt (vgl. gde.-
act. 1). Der Begriff der Zwischennutzung ist im PBG jedoch nicht definiert und es
bestehen auch keine gesetzlichen Regelungen hierfür. Zwischennutzungen bezeichnen
in der Regel den temporären Gebrauch eines Raums, einer Baute oder Anlage in der
Zeit zwischen einer aufgegebenen und einer zukünftigen Nutzung (M. Möhr, in:
Bereuter/Frei/Ritter [Hrsg.], a.a.O., N 6 zu Art. 137 PBG mit Verweis auf E. Jeanneret,
in: Inforaum, VLP-ASPAN [Hrsg.; heute: espace suisse], Februar 1/2018, S. 12 ff.).
Bezogen auf die streitbetroffenen Grundstücke betrifft dies naheliegender Weise den
Zeitraum zwischen dem – zwischenzeitlich erfolgten – Abbruch der dort bestehenden
Gebäude (und der damit verbundenen Aufgabe der Nutzung) und der daselbst sowie
3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf Grundstück Nr. 0007_ vorgesehenen Neuüberbauung "Y._". Für diesen Zeitraum
ist die gesuchsgegenständliche Zwischennutzung beabsichtigt. Die beabsichtigte
Nutzung für diese Zeitspanne umfasst nach den verbindlichen Angaben in den
Baugesuchsunterlagen (s. dazu oben Sachverhalt lit. C.a) konkret das Erstellen von 132
provisorischen Parkplätzen für die Zeit vor dem Beginn der Sanierungsarbeiten am
Parkhaus T._ (beschränkt auf maximal achtzig Dauerparkplätze) und während der
Sanierung des Parkhauses (Anzahl der öffentlichen Parkplätze abhängig von der Anzahl
zufolge Bauarbeiten aufgehobener Parkplätze im Parkhaus T._). Nach den insofern
klaren Angaben im Baugesuch beschränkt sich die beabsichtigte Nutzung als
provisorischer Parkplatz zeitlich längstens bis zum Ende der Sanierungsarbeiten. Die
ersuchte Nutzung ist demnach gegenüber dem Zeitraum der Zwischennutzung
zusätzlich begrenzt. Insofern widerspricht die Beschwerdegegnerin ihrem eigenen
Gesuch, wenn sie im Rahmen des Einsprache- und Rekursverfahrens vortragen lässt,
nach Abschluss der Sanierungs- und Ertüchtigungsarbeiten könne der Parkplatz mit
achtzig Dauerparkplätzen (Einspracheverfahren) bzw. 132 Parkplätzen
(Rekursverfahren) (zulässigerweise) weiterhin genutzt werden, falls bis dann die
Überbauung "Y._" (und damit die Überbauung der streitgegenständlichen
Grundstücke) noch nicht realisiert werden könne bzw. realisiert sein sollte. Solches ist
offenkundig nicht Inhalt des Gesuchs und setzte deshalb eine Projektänderung bzw.
ein neues Gesuch voraus. Deshalb – und trotz der diesbezüglich ungenau formulierten
Auflage im Beschluss der Beschwerdebeteiligten (gde.-act. 27 Ziffer C.13, zitiert unten
in E. 5.2) – ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz annahm, dass gestützt auf
das Baugesuch bzw. die angefochtene Baubewilligung eine zeitlich über die
Sanierungsarbeiten hinausgehende Nutzung nicht zulässig sei, auch wenn im sanierten
Parkhaus nur noch 130 anstelle der heutigen 286 Parkplätze zur Verfügung stehen
sollten und die Überbauung Y._ dannzumal noch nicht realisiert wäre (act. G 2
E. 4.1.2.1).
Die für die Dauer massgeblichen Zeitpunkte (Beginn der Überbauung Y._ bzw. Beginn
und Ende der Sanierungsarbeiten) stellen ungewisse Ereignisse dar, weshalb – wie die
Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt – die zeitliche Nutzungsdauer insofern
unbestimmt ist. Allerdings befristete das zuständige Tiefbauamt/Abteilung
Strasseninspektorat seine strassenpolizeiliche Ein-/Ausfahrtsbewilligung auf drei Jahre
(s. oben Sachverhalt lit. C.b). In Übereinstimmung damit befristete auch die
Baubehörde ihre kommunale Bewilligung auf drei Jahre (s. oben Sachverhalt lit. C.b).
Insofern schadet die zeitlich unbestimmt definierte Dauer der Zwischennutzung
gemäss Baugesuch nicht (mehr), weil die zeitliche Geltung nun nicht mehr von
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ungewissen Ereignissen (Bedingungen) abhängig ist, sondern durch eine genaue
Zeitspanne festgelegt ist (vgl. Stadler/Tschirky, in: Griffel/Liniger/Rausch/Turnherr,
a.a.O., Rz. 2.48; Ch. Mäder, a.a.O. Rz. 451), ungeachtet dessen, ob innerhalb dieses
Zeitraums die Sanierung des Parkhauses realisiert und die angedachten
Kurzzeitparkplätze tatsächlich genutzt werden.
Nicht bestritten, auch nicht von der Beschwerdegegnerin, die zudem weder Rekurs
noch Beschwerde gegen die Befristung erhob, ist im Weiteren die Rechtmässigkeit der
verfügten Befristung. Hintergrund dieser genauen zeitlichen Begrenzung ist gemäss
den nachvollziehbaren Erwägungen im angefochtenen Entscheid, dass ein
wesentlicher Anteil der Abfahrten aus dem neuen Parkplatz über die G._-strasse auf
die heute stark belastete Untere B._-strasse führen könnte. Das Tiefbauamt erwartet
aufgrund des Mehrverkehrs, der durch die Nutzung der achtzig zusätzlichen Parkplätze
(während Phase 1) generiert werden dürfte, zwar keine dauerhafte Verkehrsüberlastung
im Zentrum von X._; es sei jedoch unbestritten, dass die Belastung insbesondere
(auch) des Kantonsstrassennetzes in diesem Gebiet sehr hoch sei und nach
Entlastungsmöglichkeiten gesucht werde. Unter anderem hätten Kanton und Stadt
bezüglich der sich stellenden verkehrsplanerischen und strassenbautechnischen
Fragen ein Projekt erarbeitet, auf welches sich das Tiefbauamt in der zum vorliegend
umstrittenen Baugesuch ergangenen strassenpolizeilichen Bewilligung vom 28. Juni
2019 beziehe. Mit der Befristung solle auf die bestehende Verkehrssituation und
insbesondere auf die laufende kantonale Strassenplanung Rücksicht genommen
werden (vgl. act. G 2 E. 7.3.2 S. 25), wobei der Umstand, dass das erwähnte Projekt
vor der Bürgerschaft scheiterte, nichts an der bereits bestehenden hohen Belastung
(die Vorinstanz spricht an dieser Stelle wohl fälschlicherweise von Überbelastung) der
Kantonsstrasse und dem entsprechend erkannten Handlungsbedarf ändere (vgl.
act. G 2 E. 7.3.2 a.E. S. 26).
Die Beschwerdeführerin beanstandet im Zusammenhang mit der Befristung ferner,
dass entgegen der Annahme des Tiefbauamtes, der Vorinstanz und der
Beschwerdebeteiligten die erteilte Bewilligung de facto unbefristet sei (act. G 5).
Gemäss Beschluss vom 13. Januar 2020 könne nach Ablauf der Bewilligungsdauer
bzw. nach drei Jahren ein Verlängerungsgesuch eingereicht werden. Unklar sei in
diesem Zusammenhang nicht nur, für welche weitere Zeitdauer eine Verlängerung
gewährt würde (maximale Dauer der Nutzung inkl. Verlängerung bzw. Dauer der
Verlängerung), sondern auch, wie viel Zeit zwischen Ablauf der dreijährigen
Bewilligungsdauer und dem Tag der Neueinreichung eines Verlängerungsgesuches
3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verstreichen dürfe, sodass noch von einer Verlängerung der erteilten Bewilligung
gesprochen würde. Ferner führe die Möglichkeit, dass erst nach Ablauf der
ordentlichen Bewilligungsdauer ein Gesuch um Verlängerung eingereicht werden
könne, naturgemäss dazu, dass entweder die Verlängerung bereits telquel als
„bewilligt" gelte oder aber dass zwischen Ablauf der ordentlichen Bewilligungsdauer
und ordentlicher Bewilligung eines Verlängerungsgesuchs ein unbewilligter und damit
unrechtmässiger Zustand von nicht definierter Länge entstehe. Die Beschwerdeführerin
wiederholt damit teilweise die Rügen, die sie bereits im vorinstanzlichen Verfahren
vorgebracht hatte (vi.-act. 3, Ziffern IV/1/a/i S. 5 f. und IV/1/c S. 14). Im Wesentlichen
kann deshalb auf die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid (act. G2
E. 6 und 7.3.1.f) verwiesen werden, insbesondere auf die Ausführungen betreffend die
Formulierung, es könne nach Ablauf der Frist ein Verlängerungsgesuch gestellt werden.
Dabei dürfte es sich – wie schon die Vorinstanz annahm (act. G 2 E. 6) und worauf die
Beschwerdebeteiligte im Beschwerdeverfahren hinwies (vgl. act. G 14 Ziffer C.1 S. 2) –
um einen Verschrieb handeln, endet doch eine befristete Bewilligung mit Fristablauf
und fällt sie von selbst, d.h. ohne behördliche Anordnung, dahin (Stadler/Tschirky, in:
Griffel/Liniger/Rausch/Turnherr, a.a.O., Rz. 2.48; Ch. Mäder, a.a.O. Rz. 451; BGer 1A.
289/2004 vom 7. Juni 2004 E. 2.1.2 mit Hinweisen). Ein Verlängerungsgesuch nach
Ablauf der Frist ist begrifflich somit gar nicht möglich. Vielmehr liegt es im eigenen
Interesse der Beschwerdegegnerin sich – gegebenenfalls – frühzeitig um eine
Verlängerung zu bemühen, wofür ein Baugesuchsverfahren durchzuführen sein wird,
wo sich im Übrigen die Beschwerdeführerin wird einbringen können. Aus dem
(unglücklich bzw. falsch formulierten) Hinweis im Entscheid der Beschwerdebeteiligten
auf die Möglichkeit, ein Verlängerungsgesuch einzureichen, lässt sich darüber hinaus
kein Anspruch der Beschwerdegegnerin auf voraussetzungslose und unbeschränkte
Verlängerung der kommunalen Bewilligung ableiten (vgl. dazu auch BGer 1C_535/2012
vom 4. September 2013 E. 3.2 mit Hinweisen; s. auch BGer 1A.277/1999 vom 25. Mai
2000 E. 7). Das trifft ebenso bzw. umso mehr auf die vom Strasseninspektorat verfügte
Befristung der strassenbaupolizeilichen Bewilligung zu. Die strassenbaupolizeiliche
Bewilligung vermag allein schon mit Blick auf den vorstehend geschilderten Grund für
die Befristung (E. 2.3.3 hiervor) bei der Beschwerdegegnerin nicht mit Grund die
Erwartung zu wecken, dass die Bewilligung auf rechtzeitig gestelltes Gesuch hin nach
Ablauf der Frist ohne weiteres verlängert werde. Dagegen spricht überdies der Wortlaut
der Befristung selbst, wonach das Strasseninspektorat über die Verlängerung in
Abstimmung mit dem (allerdings nach aktuellem Stand gescheiterten)
Kantonsstrassenprojekt X._ entscheiden und es den ordnungsgemässen Rückbau
bzw. die ordnungsgemässe Schliessung der Ein- und Ausfahrt unabhängig vom Stand
des Rechtsmittelverfahrens "Überbauungsplan Y._ mit besonderen Vorschriften" (bzw.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nach dessen Rückzug des Rechtsmittelverfahrens des neu aufgelegten
Überbauungsplans) überprüfen werde. Zwar ist damit eine Verlängerung nicht völlig
ausgeschlossen, die Erteilung einer Verlängerung wird aber auch nicht vorbehaltlos in
Aussicht gestellt. Es liegt demnach keine unbefristete Bewilligung vor; sowohl die
Bewilligung der Stadt als auch des Strasseninspektorats erfolgten offenkundig
befristet. Die diesbezüglichen Einwände der Beschwerdeführerin sind aus diesem
Grund unbehelflich. Auch war das Einverlangen eines Verkehrsgutachtens im Zeitpunkt
der Bewilligungserteilung unter diesen Umständen nicht geboten. Es ist nicht zu
bemängeln, dass das Strasseninspektorat wegen der befristeten Erteilung der
Bewilligung und weil nach seiner Einschätzung trotz des Mehrverkehrs keine
Überlastung des Kantonsstrassennetzes zu erwarten ist, auf das Beibringen eines
Verkehrsgutachtens seitens der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt der
Bewilligungserteilung verzichtete, weshalb auch kein unvollständiges Baugesuch
vorliegt. Der im Beschwerdeverfahren gestellte Antrag auf Edition bzw. Einholung eines
Verkehrsgutachtens ist aus dem gleichen Grund abzulehnen.
Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin ergeben sich im Übrigen die
konkreten Nutzungsabsichten und die Anzahl Parkplätze mit genügender Klarheit aus
den Unterlagen. So ist während der Sanierung des Parkhauses T._ die Anzahl der
Parkplätze auf den streitbetroffenen Grundstücken auf maximal 132 Plätze beschränkt.
Nach den Angaben im Baugesuch dürfen diese nur soweit für die Öffentlichkeit in
Betrieb genommen und genutzt werden, als Parkplätze infolge der geplanten
Sanierungsarbeiten im Parkhaus T._ wegfallen. Weiter nimmt die Beschwerdegegnerin
an, dass das Parkhaus T._ nach der Sanierung voraussichtlich statt der heutigen
Anzahl von 286 Parkplätzen maximal nur noch über 130 Autoabstellplätze verfügen
wird. Die Feststellung der Vorinstanz, dass sich die Anzahl der heute vorhandenen
Parkplätze während der Dauer der Sanierung des Parkhauses (d.h. während Phase 2)
sicher nicht erhöht bzw. – aufgrund der zahlenmässigen Limitierung der
Ersatzparkplätze auf 132 – unter Umständen sogar reduzieren kann (act. G 2 E.), trifft
somit zu. Gleichfalls folgt aus dem Baugesuch klarerweise, dass vor der Sanierung
maximal achtzig Dauerparkplätze vorgesehen sind, womit sich während der Phase 1
infolgedessen die Anzahl zulässiger Parkplätze zusätzlich zu den bestehenden 286
Parkplätzen im Parkhaus um maximal diese achtzig Dauerparkplätze erhöht. Wenn die
Beschwerdebeteiligte und die Vorinstanz, aber auch die Fachbehörden, ihrer
Beurteilung der Bewilligungsfähigkeit diese Angaben aus dem Baugesuch zu Grunde
legen, ist dies offenkundig nicht zu beanstanden und entspricht den Angaben im
Baugesuch. Es liegt somit in dieser Hinsicht keine unrichtige oder unvollständige
3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhaltsfeststellung vor. Die diesbezügliche Rüge der Beschwerdeführerin ist
unbegründet, und auf das im Beschwerdeverfahren beantragte Einholen eines
Betriebskonzepts kann verzichtet werden.
Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Kontext rügt, es fehle an der Sicherstellung
der betrieblichen Nutzung (vgl. act. G 2 Ziffer 1/iii/ S. 13 [implizit betreffend Anzahl der
öffentlichen Parkplätze während Phase 2] und Ziffer 1/iii S. 13 [ausdrücklich betreffend
Dauerparkplätze während Phase 1]), ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin als
Gesuchstellerin an ihr eigenes Gesuch gebunden (s. oben E. 2) und in erster Linie
selbst verantwortlich ist, den Parkplatz nach dem bewilligten Gesuch zu erstellen und
zu betreiben. Der Baubehörde bleibt selbstverständlich unbenommen bzw. sie ist unter
Umständen sogar dazu verpflichtet (bspw. aufgrund von Anzeigen Dritter), den Betrieb
des Parkplatzes nach Inbetriebnahme zu kontrollieren und bei einem festgestellten
Verstoss gegen die Bewilligung nach Art. 159 f. PBG vorzugehen. Danebst ist – wie die
Vorinstanz und die Beschwerdebeteiligten in ihren Vernehmlassungen im
Beschwerdeverfahren vorbringen (vgl. act. G 12 und 14 lit. C/1 S. 3) – mindestens nicht
ausgeschlossen, dass der praktische Ablauf der mit der Sanierung beginnenden
2. Phase sowie deren Sicherstellung auch noch im Rahmen der Bewilligung der
Parkhaus-Sanierung, die sowohl in Bezug auf das "Ob" als auch auf das "Wie" und
(wohl) auch auf das "Wann" derzeit noch offen ist, geregelt werden kann.
Nicht beigepflichtet werden kann der Beschwerdeführerin, soweit sie geltend macht,
das Strasseninspektorat gehe fälschlicherweise von einem täglichen
Verkehrsaufkommen für die achtzig Parkplätze von rund vier Fahrten pro Parkplatz (=
320 Fahrten) aus statt von mindestens zehn Fahrten pro Parkplatz für die maximal
möglichen 132 Kurzzeitparkplätze (vgl. act. G 5 Ziffer 1/ii S. 11). Die
Beschwerdeführerin übersieht, dass nach dem bisher Gesagten nur in der Phase 1 ein
Mehrverkehr (d.h. zusätzlich zu den bestehenden 286 Parkplätzen im Parkhaus T._) im
Umfang der achtzig Dauerparkplätze generiert wird, während in Phase 2 gerade kein
Mehrverkehr entsteht, weil die auf der neu projektierten Parkierungsanlage betriebenen
Parkfelder mit den während der Sanierung wegfallenden Parkplätzen im Parkhaus T._
aufgewogen werden. Insofern werden zu keinem Zeitpunkt die maximal 132
Autoparkplätze zusätzlich zum Parkhaus T._ als Kurzzeitparkplätze genutzt. Damit ist
insofern der diesbezüglichen Argumentation der Beschwerdeführerin der Boden
entzogen. Ein spezifisches Verkehrspotenzial (SVP; definiert als Anzahl Fahrten pro
Parkplatz und Tag) von vier Fahrten pro Parkfeld für Besucher und Anwohner als
Grundlage für die Prognose der Verkehrszunahme erweist sich zudem nicht als
offensichtlich und erheblich unrichtig, sondern erscheint dem Gericht für Parklätze für
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Streitig ist weiter, ob die strittige Zwischennutzung den bundesrechtlichen
Anforderungen an den Lärmschutz entspricht.
Beschäftigte und Anwohner plausibel. Jedenfalls in Bezug auf das zusätzliche
Verkehrsaufkommen besteht deshalb kein Anlass, die vom Strasseninspektorat als
Fachbehörde angenommenen Fahrtenzahlen in Zweifel zu ziehen.
Die Beschwerdeführerin macht unter diesem Gesichtspunkt geltend, die Vorinstanz
habe wie bereits die Beschwerdebeteiligte den Umstand völlig unberücksichtigt
gelassen, dass sich die Lärmsituation von unterirdischen Parkplätzen gegenüber
oberirdischen Parkplätzen von der gleichen Anzahl massgeblich unterscheide. Dieses
Versäumnis habe die Vorinstanz zu korrigieren versucht, indem sie eine spezifische
Anordnung der Parkplätze als Auflage verfügt habe. Damit wären aber die seitens der
Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang im Rekursverfahren vorgebrachten
Rügen (namentlich unvollständige Feststellung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz
2, fehlende Nachweise gemäss USG, etc.) gutzuheissen gewesen (act. G 5 Ziffer IV/1/ii
S. 12). Die Vorinstanz habe sich auf Art. 36 Abs. 1 der Lärmschutz-Verordnung (SR
814.41, LSV) gestützt und behaupte, die nähere Prüfung der lärmschutzrechtlichen
Situation sei nur erforderlich, wenn Grund zur Annahme bestehe, dass die
massgebenden Belastungsgrenzwerte überschritten würden. Dabei verkenne sie, dass
Art. 36 LSV vorliegend nicht anwendbar sei und sich ausschliesslich auf bestehende
ortsfeste Anlagen beziehe. Indem die Vorinstanz dann gestützt auf Art. 11 des
Bundesgesetzes über den Umweltschutz (SR 814.01, USG) eine zusätzliche, bisher im
Verfahren nicht thematisierte Auflage verfügt habe, wonach die Parkplätze mit
häufigem Wechsel in der Nacht möglichst weit weg von den Wohnnutzungen
anzuordnen sind, anerkenne sie zumindest die Notwendigkeit der Nachachtung des
Vorsorgeprinzips. Damit hätte sie einerseits den Rekurs der Beschwerdeführerin
diesbezüglich gutheissen müssen und aber andererseits diese Parkplätze eben gerade
nicht im südwestlichen und südlichen Teil des Parkplatzes, sondern in grösstmöglicher
Entfernung zur Liegenschaft der Beschwerdeführerin (Grundstück Nr. 0008_) im
Norden (sprich Grundstück Nr. 0002_) anordnen lassen müssen. Sie habe, nachdem
sich die Auflage negativ auf die Beschwerdeführerin auswirke und diese vorgängig
nicht angehört worden sei, nicht nur das rechtliche Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung (SR 101, BV) verletzt, sondern sie hätte darüber hinaus zudem auch
spezifizieren müssen, welche Parklätze (Anzahl, etc.) sie als „mit einem häufigen
Wechsel" verbunden qualifiziere. Die von der Vorinstanz verfügte Auflage sei in sich
4.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unvollständig und widerspreche in ihrer derzeitigen Ausgestaltung geradezu Art. 11
USG; darüber hinaus sei sie völlig kontraproduktiv. Der vorinstanzliche, angefochtene
Entscheid verletze folglich Bundesrecht, indem er Art. 11 USG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 LSV
komplett die Anwendung versage. Soweit die Vorinstanz dann in der Folge auf
Grundlage der Annahme eines deutlich zu tiefen SVP bzw. dem daraus unrichtig
festgestellten zu erwartenden Mehrverkehr wahrnehmbar stärkere Lärmimmissionen
verneine, werde auf das bisher Gesagte verwiesen. Die Vorinstanz habe damit die
massgeblichen lärmschutzrechtlichen Normen, namentlich Art. 11 USG, Art. 7 und
Art. 9 LSV, aber auch Art. 36 LSV unrichtig angewendet und folglich Bundesrecht
verletzt. Es werde daher erneut beantragt, ein Lärmgutachten betreffend die Einhaltung
der Planungswerte auf Basis von 132 zusätzlichen Parkplätzen auf den Grundstücken
Nrn. 0000_, 0001_, 0002_, 0003_ und 0004_ einzuholen (act. G 5 Ziffer IV/4/iv
S. 14 f.).
Bei der projektierten Parkierungsanlage handelt es sich unbestrittenermassen um eine
neue ortsfeste Anlage. Emissionen einer neuen Anlage sind im Rahmen der Vorsorge
so weit zu begrenzen, wie dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich
tragbar ist (Art. 1 Abs. 2 und Art. 11 Abs. 2 USG sowie Art. 7 Abs. 1 lit. a LSV). Gemäss
Art. 25 Abs. 1 USG und Art. 7 Abs. 1 lit. b LSV dürfen neue ortsfeste Anlagen nur
errichtet werden, wenn die durch diese Anlagen allein erzeugten Lärmimmissionen die
Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten.
Überdies darf der Betrieb neuer oder wesentlich geänderter ortsfester Anlagen gemäss
Art. 9 LSV nicht dazu führen, dass durch die Mehrbeanspruchung einer Verkehrsanlage
die Immissionsgrenzwerte überschritten werden (lit. a) oder durch die Beanspruchung
einer sanierungsbedürftigen Verkehrsanlage wahrnehmbar stärkere Lärmimmissionen
erzeugt werden (lit. b).
Die Bewilligungsbehörde kann eine Lärmprognose verlangen (Art. 25 Abs. 1 Satz 2
USG). Laut Art. 36 Abs. 1 LSV ermittelt die Vollzugsbehörde die
Aussenlärmimmissionen ortsfester Anlagen oder ordnet deren Ermittlung an, wenn sie
Grund zur Annahme hat, dass die massgebenden Belastungsgrenzwerte überschritten
sind oder ihre Überschreitung zu erwarten ist. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist die Behörde zur Durchführung eines Beweis- und
Ermittlungsverfahrens verpflichtet, ohne dass ihr insoweit noch ein
Ermessensspielraum zusteht, wenn Grund zur Annahme besteht, dass die
Belastungsgrenzwerte überschritten werden. Dabei dürfen keine hohen Anforderungen
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
an die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung der Planungswerte gestellt werden.
Setzt die Erteilung der Baubewilligung eine positive Prognose zur Einhaltung der
Planungswerte voraus, so sind weitere Ermittlungen in Form einer Lärmprognose (im
Sinn von Art. 25 Abs. 1 Satz 2 und Art. 36 ff. LSV) schon dann geboten, wenn eine
Überschreitung der Planungswerte möglich erscheint bzw. beim aktuellen
Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden kann (BGer 1C_114/2014 vom 13.
November 2014 E. 2.5 mit Hinweis auf BGE 137 II 30 E. 3.4; vgl. auch B. Wagner
Pfeifer, Umweltrecht, Allgemeine Grundlagen, Zürich/St.Gallen 2017, Rz. 468 und 488
mit Hinweisen).
Massgeblich sind vorliegend die Belastungsgrenzwerte für Industrie- und Gewerbelärm
hinsichtlich der Parkierungsanlage (Anh. 6 Ziff. 1 Abs. 1 lit. d sowie Ziff. 2 LSV) sowie
für Strassenverkehrslärm (Anh. 3 LSV) für die Empfindlichkeitsstufen (ES) III (gemäss
Zonenplan der Stadt X._ mit Zuweisung der ES für die Zentrums- und Kernzone; vgl.
geoportal, a.a.O., Karte "ÖREB Zonenplan SG" bzw. Karte "ÖREB
Lärmempfindlichkeitsstufe Kt").
Das Amt für Umwelt als Fachbehörde begründete im Rekursverfahren einlässlich,
weshalb hinsichtlich des Strassenverkehrslärms für die achtzig zusätzlichen
Dauerparkplätze die massgeblichen Immissionsgrenzwerte an der T._-strasse nach
Art. 9 Abs. 1 lit. a LSV bei weitem eingehalten sowie weshalb an der N._-strasse nicht
von stärkeren Lärmimmissionen auszugehen sei und dort deshalb die Anforderungen
gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. b LSV erfüllt seien (vi.-act. 13 Ziffer 4 lit. b und c). Sodann
verwies das Amt für Umwelt für den Lärm der Parkierungsanlage auf die für die
Beurteilung der Immissionen hier wenigstens als Richtlinie heranzuziehende Schweizer
Norm (SN) 40 578 ("Lärmimmissionen von Parkierungsanlagen, Berechnung der
Immissionen") des Verbandes der Schweizerischen Strassen- und Verkehrsfachleute
(VSS). Es hielt fest, dass ohne weiteres davon auszugehen sei, dass die Anforderungen
der Norm eingehalten werden, weil die Parkplätze mit zwei bis vier Parkierungen (320
Fahrten) auf einer grosszügigen Grundfläche angeordnet seien und sich die
Immissionspunkte für Wohnnutzungen in der ES III befänden und relativ weit entfernt
seien (vi.-act. 13 Ziffer 5). Ergänzend dazu führte die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid aus, dass diese Überlegungen auch für die Phase 2 gälten, wenn allenfalls
der ganze Parkplatz mit bis zu 132 Autos belegt sein sollte, und dass die Norm bzw.
die Planungswerte auch für diesen Fall eingehalten seien (act. G 2 E. 4.3.1.6 S. 16).
Darüber hinaus zogen das Amt für Umwelt und die Vorinstanz auch den auf
menschliches Verhalten zurückführenden Lärm (Sekundärimmissionen) wie etwa
4.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unterhaltungen, Zurufe oder Lachen in ihre Überlegungen mit ein. Die Vorinstanz
beurteilte die Sekundärimmissionen wegen der grossen Parkierungsfläche und der
Distanz zu den Wohnräumen bzw. der Lärmvorbelastung als kaum wahrnehmbar.
In Anbetracht der massgeblichen Planungswerte für Industrie- und Gewerbelärm in der
ES III (Anh. 6 Ziff. 2 LSV) von 60 dB(A) für den Tag bzw. 50 dB(A) für die Nacht und mit
Blick auf die VSS-Norm 40 578, namentlich Beispiel G (Parkierungsanlage mit
Mehrfachnutzung; lit. G S. 25 f. für eine offene Parkierungsanlage mit 55 Plätzen mit
Einkaufs- und Besucherverkehr) sowie Beispiel H (Parkierungsanlage mit mehreren
Teilflächen für eine offene Parkierungsanlage für Freizeitaktivitäten mit 255 Plätzen;
lit. H S. 28 ff.), erscheint der Befund des Amts für Umwelt für die Parkierungsanlage mit
achtzig Dauerparkplätze, aber auch die Beurteilung der Vorinstanz für die 132
Kurzeitparkplätze nachvollziehbar. Gegenstand dieser lärmmässigen Begutachtung
bildete offenkundig und zu Recht die geplante Parkierungsanlage als neue ortsfeste
oberirdische Anlage. Es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass das Amt für Umwelt bzw.
die Vorinstanz den Umstand, dass eine offene Parkierungsanlage zu bewerten ist,
unberücksichtigt gelassen hätten, ansonsten die Ausführungen des Amts und der
Vorinstanz zu den offensichtlich nur im Freien ins Gewicht fallenden
Sekundärimmissionen entbehrlich gewesen wären. Überzeugend ist sodann die
Beurteilung des Strassenverkehrslärms im Fachbericht des Amts für Umwelt. Dabei
durfte die zuständige Fachbehörde – wie schon dargelegt (E. 3.4 letzter Absatz hiervor)
und anders als die Beschwerdeführerin meint – für die Lärmbewertung des
Strassenverkehrs auf das vom Strasseninspektorat festgestellte erwartete
Verkehrsaufkommen für die achtzig Dauerparkplätze abstellen; irrelevant hinsichtlich
des Strassenlärms sind demgegenüber die Kurzeitparkplätze, weil diese wegen der
Kompensation keinen Mehrverkehr – und damit auch keine zusätzlichen
Verkehrsimmissionen – erwarten lassen. Weitere Punkte, die gegen die vom Amt für
Umwelt und von der Vorinstanz angestellten Überlegungen zum Verkehrslärm
sprechen, bringt die Beschwerdeführerin nicht vor; solche sind auch nicht ersichtlich.
Angesichts der zutreffenden Beurteilung durch die Fachbehörde, der relativ geringen
Anzahl zusätzlicher Parkplätze, der kaum wahrnehmbaren Erhöhung des durch die
Anlage verursachten Verkehrslärms, der räumlich grosszügig gestalteten
Parkierungsanlage und der gegebenen Entfernungen zwischen der Lärmquelle und den
Immissionsorten sowie der unbestrittenen Empfindlichkeitsstufe III an den
Immissionsorten durfte die Vorinstanz eine massgebliche Überschreitung der
anwendbaren Belastungswerte nach heutigem Kenntnisstand ausschliessen. Folglich
durfte sie auch unter zutreffender Berücksichtigung von Art. 25 Abs. 1 USG und Art. 36
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
LSV und der dazu ergangenen Rechtsprechung (vgl. dazu das zitierte
Bundesgerichtsurteil BGer 1C_114/2014 vom 13. November 2014 E. 2.5; B. Wagner
Pfeifer, a.a.O., Rz 488) auf weitere Abklärungen verzichten. Weder sind die
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz unvollständig noch verstiess diese im Sinn
einer Gehörsverletzung gegen den Anspruch der Beschwerdeführerin auf weitere
Beweisabnahme (wie das Einholen eines Lärmgutachtens). Entsprechend ist auch der
im Beschwerdeverfahren erneut gestellte Antrag auf Edition eines Lärmgutachtens
abzuweisen.
Die von einer neuen Anlage erzeugten Emissionen unterstehen wie dargelegt dem
Vorsorgeprinzip (oben E. 4.2). Der Vorsorgegrundsatz gemäss Art. 11 Abs. 2 USG gilt
auch für Verkehrsimmissionen, welche durch die bestimmungsgemässe Nutzung einer
Anlage auf öffentlichen Verkehrsanlagen verursacht werden und deshalb der Anlage
zuzurechnen sind (vgl. BGer 1C_10/2011 vom 28. September 2011 E. 4.1, in: URP
2012 S. 19). Emissionsbegrenzungen umfassen unter anderem Bau- und
Ausrüstungsvorschriften sowie Verkehrs- und Betriebsvorschriften (Art. 12 Abs. 1 lit. b
und c USG). Sind die Planungswerte eingehalten, sind zusätzliche
emissionsbegrenzende Massnahmen nur dann wirtschaftlich tragbar und
verhältnismässig, wenn mit geringem Aufwand eine wesentliche Emissionsreduktion
erreicht werden kann. Bei der Vorsorge im Rahmen von Art. 11 Abs. 2 USG erweist
sich grundsätzlich lediglich eine umweltrechtliche Optimierung des aufgelegten
Projekts, nicht aber eine alternative Neuplanung mit neuen Auswirkungen für Dritte als
verhältnismässig (vgl. VerwGE B 2019/77, B 2019/78 vom 1. Februar 2020 [vom
Bundesgericht geschützt mit BGer 1C_174/2020 vom 5. Mai 2012] E. 8.3 mit Hinweis
auf BGer 1C_219/2018 vom 9. November 2018 E. 9.4 mit Hinweisen sowie BGE 124 II
517 E. 5d mit Hinweis).
Allein aus dem Umstand, dass die Vorinstanz nur hinsichtlich der
Sekundärimmissionen gestützt auf das Vorsorgeprinzip emissionsbegrenzende
Massnahmen verfügte, lässt sich nicht schliessen, dass der Entscheid auch sonst dem
Vorsorgegrundsatz komplett die Anwendung versagt. Vielmehr ergibt sich daraus, dass
weder die Fachbehörde noch die Vorinstanz Anlass hatten, im Sinn des
Vorsorgegrundsatzes weitergehende Massnahmen zu fordern. Nebst der verfügten
Verlagerung der Parkplätze und der Parkplatzbewirtschaftung sind denn auch nicht
leicht weitere zumutbare Betriebsbeschränkungen oder bauliche Massnahmen
denkbar, die eine wesentliche Emissionsreduktion erwarten liessen. Sodann erweist
sich die vorinstanzlich angeordnete Auflage (vgl. für deren Wortlaut oben Sachverhalt
4.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
lit. C/b a.E.) auch als tauglich: Angrenzend zum südwestlichen bzw. südlichen
Baugebiet befinden sich keine Gebäude mit lärmempfindlichen Räumen (vgl. dazu
Art. 2 Abs. 6 LSV) bzw. liegen diese (Gebäude Vers.-Nr. 0012_ auf Grundstück Nr.
0013_; Gebäude Vers.-Nr. 0014_ auf Grundstück Nr. 0015_) in grösserer Entfernung
von der Parkierungsanlage als das angrenzende Wohngebäude Vers.-Nr. 0016_ auf
Grundstück Nr. 0005_ im Nordosten. Das Gebäude der Beschwerdeführerin selbst ist
zudem ein Gewerbegebäude ohne Wohnnutzung (vgl. Eidg. Gebäude- und
Wohnungsregister, einsehbar unter: www.housing-stat.ch oder über Link im Geoportal,
Karte "Amtliche Vermessung" Information zu Grundstück Nr. 0008_, Allgemein,
Gebäude, Mehr, GWR-Auszug). Für Räume in Betrieben, in denen sich Personen
regelmässig während längerer Zeit aufhalten, gelten gegenüber Räumen in Wohnungen
um 5 dB(A) höhere Planungs- und Immissionsgrenzwerte (vgl. Art. 42 LSV). Die
auflageweise verfügte Verlagerung der "Parkplätze mit häufigem Wechsel in der Nacht"
nach Süden bzw. Südwesten widerspricht demnach gerade nicht dem Vorsorgeprinzip,
sondern stellt im Gegenteil eine wirksame emissionsreduzierende Massnahme dar. Die
Auflage erweist sich auch als genügend bestimmt. Wie die Vorinstanz in ihrer
Beschwerdeantwort ergänzend erläutert (vgl. act. G 7 Ziffer 1/3 S. 2), sind unter
Parkplätzen "mit häufigem Wechsel", wie im Übrigen schon der Wortlaut und der
Kontext der Auflage nahelegt, Parkplätze zu verstehen, die im Gegensatz zu
Parkplätzen für Dauermieter (Anwohner und Beschäftigte) allgemein der Öffentlichkeit
bzw. den Kunden der umliegenden Geschäfte zur Verfügung stehen. Die Vorinstanz
ordnete diese Auflage im Übrigen von Amtes wegen in Nachachtung des
Vorsorgeprinzips und auf Empfehlung des Amts für Umwelt an, nicht aber als Folge der
im Rekurs geltend gemachten Rügen (unrichtige Feststellung des Sachverhalts,
fehlende Nachweise gemäss USG). Folglich ist nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz den Rekurs nicht teilweise guthiess, wie die Beschwerdeführerin bemängelt.
Die Rügen der Beschwerdeführerin sind unbegründet.
Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs rügt, ist schon
fraglich, ob die verfügte Auflage für die Beschwerdeführerin überhaupt eine belastende
Anordnung darstellt (vgl. dazu die Ausführungen der Vorinstanz in ihrer
Beschwerdeantwort [act. G 7 Ziffer II/3 S. 2]), deren Erlass hätte angekündigt und
deren Inhalt ihr nach Art. 15 Abs. 2 VRP vorgängig zur Stellungnahme hätte unterbreitet
werden müssen. Entscheidend ist aber ohnehin, dass schon das Amt für Umwelt in
seinem Fachbericht, welcher der Beschwerdeführerin aktenkundig zur Stellungnahme
zugestellt wurde, eine entsprechende Massnahme beinahe wortgleich angeregt hat (vi.
act. 13 Ziffer 5 Absatz 2). Die Beschwerdeführerin wehrte sich in ihrer Replik nicht
4.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
Ferner vertritt die Beschwerdeführerin die Ansicht, dass die Vorinstanz die Vorschriften
der Luftreinhaltung-Verordnung (SR 814.318.142.1, LRV) verletzt habe. Namentlich
habe sie es unterlassen, die erforderlichen Nachweise einzufordern.
gegen diese Empfehlung des Amts für Umwelt (vi.-act. 16). Unter den gegebenen
Umständen bestand für die Vorinstanz keine Veranlassung, vor Erlass einer
entsprechenden Auflage die Beschwerdeführerin nochmals ausdrücklich dazu
anzuhören. Eine Gehörsverletzung liegt nicht vor.
Gemäss Art. 12 Abs. 1 LRV muss, wer eine Anlage betreibt oder errichten will, die
Luftverunreinigungen verursacht, der Behörde Auskunft über die Art und Menge der
Emissionen (lit. a), den Ort, die Höhe und den zeitlichen Verlauf des Ausstosses (lit. b)
sowie weitere Bedingungen des Ausstosses, die für die Beurteilung der Emissionen
nötig sind (lit. c) erteilen (Emissionserklärung). Ferner kann die Behörde vom Inhaber
eine Immissionsprognose verlangen, bevor eine stationäre Anlage oder eine
Verkehrsanlage, aus der erhebliche Emissionen zu erwarten sind, errichtet oder saniert
wird (Art. 28 Abs. 1 LRV). Die Prognose muss angeben, welche Immissionen in welchen
Gebieten, in welchem Umfang und mit welcher Häufigkeit zu erwarten sind (Art. 28
Abs. 2 LRV). Gemäss Art. 28 Abs. 3 LRV sind in der Prognose die Art und Menge der
Emissionen sowie die Ausbreitungsbedingungen und die Berechnungsmethoden
anzugeben. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann auf eine
Emissionserklärung bzw. Immissionsprognose verzichtet werden, wenn vom geplanten
Bauvorhaben nur geringfügige Emissionen zu erwarten sind (vgl. BGer 1C_39/2017
vom 13. November 2017 E. 4.3 mit Hinweis auf BGE 119 Ib 480 S. 492 E. 8 sowie BGer
1C_221/2007, 1C_223/2007 vom 3. März 2008 E. 6.3, in: URP 2008 825).
5.1.
Gestützt auf die Einschätzung des Amts für Umwelt (vgl. vi.-act. 13 Ziffern 6 f.) kam die
Vorinstanz zum Ergebnis, dass die aus den zusätzlichen achtzig Parkplätzen zu
erwartenden Emissionen nicht als erheblich bezeichnet werden könnten, weshalb
weder eine Immissionsprognose noch eine Emissionserklärung erforderlich sei; in
Bezug auf die Stickstoffdioxidbelastung in Gebieten mit übermässigen Immissionen
verwies die Vorinstanz auf den Massnahmenplan nach Luftreinhalte-Verordnung
(Nachführung 1997, Massnahme Vn 22, Parkraumpolitik auf privatem Grund, Ziffer 3;
einsehbar unter: www.sg.ch/umwelt-natur/umwelt/Vollzugshilfsmittel/
Luftreinhaltunggemeinde/vollzug-des-massnahmenplans-luftreinhaltung), dessen
Anforderungen mit der auflageweise verfügten Parkplatzbewirtschaftungspflicht erfüllt
5.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 24/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.
Weiter ist die Beschwerdeführerin der Ansicht, dass der Entscheid der Vorinstanzen
den Koordinationsgrundsatz verletze, weil sich das vorliegende Bauvorhaben ohne
Koordination mit dem Sanierungsvorhaben des Parkhauses T._ nicht gesamtheitlich
beurteilen lasse. Damit spricht die Beschwerdeführerin den Grundsatz der Einheit des
Bauentscheids an, mit dem eine einheitliche Beurteilung eines baurechtlichen
Sachverhalts sichergestellt werden soll. Das bundesrechtliche Koordinationsgebot von
seien (act. G2 E. 4.3.2.2). Die Beschwerdeführerin bestreitet die nach Ansicht des
Gerichts nachvollziehbare Einschätzung der Vorinstanz nicht substantiiert.
Insbesondere kann der Vorinstanz – wie schon dargetan – hinsichtlich
Baugesuchsinhalt und Verkehrsaufkommen keine unrichtige oder unvollständige
Sachverhaltsfeststellung vorgeworfen werden. Soweit sich die Beschwerdeführerin im
Zusammenhang mit der Luftreinhalte-Problematik auf eine angeblich falsche
Sachverhaltsfeststellung beruft, kann ihr nicht gefolgt werden.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, dass der M._-parkplatz über keine
Dauermietparkplätze verfüge, weshalb die in der 1. Phase vergebenen Parkplätze
(Dauermietparkplätze) von vornherein nicht gleich bewirtschaftet werden könnten und
sich die von der Beschwerdebeteiligten verfügten Auflagen sich deshalb widersprechen
würden, ist festzuhalten: Die Beschwerdebeteiligte verfügte einerseits auflageweise,
dass die Parkplatzgebühren gleich zu gestalten sind wie auf dem angrenzenden M._-
parkplatz (vgl. Beschluss der Beschwerdebeteiligten Ziffer C.9; gde-act. 27) und
andererseits, dass die Benutzung des provisorischen Parkplatzes durch die
Öffentlichkeit nur während der Ertüchtigung des M._-platzes zugelassen ist;
ansonsten sind Dauermieter zu berücksichtigen (Beschluss der Beschwerdebeteiligten
Ziffer C.13; gde.-act. 27). Ein Widerspruch ist darin nicht erkennbar. Das eine schliesst
das andere nicht aus. Das gilt auch unter der von der Beschwerdeführerin behaupteten
Annahme, dass im Parkhaus T._ (d.h. dem M._-parkplatz) derzeit keine
Dauermietplätze vergeben sind, womit es dort an einer gültigen
Parkplatzbewirtschaftung für Dauermietparkplätze fehlt, die auf der neu erstellten
Parkierungsanlage auflagegemäss übernommen werden und Geltung beanspruchen
könnte. Selbst wenn die Annahme der Beschwerdeführerin zutreffen würde, wäre dies
zudem mit Blick auf die mit der Bewirtschaftungspflicht verbundene und beabsichtigte
Lenkungswirkung vertretbar (vgl. BGE 125 II 129 E. 8 f. allgemein zur
Parklatzbewirtschaftung im Sinn einer emissionsbegrenzenden Betriebsvorschrift nach
Art. 12 Abs. 1 lit. c LSV; vgl. auch BGer 2C_109/2017 vom 3. Juli 2018 E. 5.6.2
allgemein und E. 5.6.4 betreffend Dauerparkieren sowie BGer 1C_412/2008 vom
24. März 2008 E. 3.3).
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 25/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Art. 25a des Raumplanungsgesetzes (SR 700, RPG) verlangt, dass ein geplantes
Bauvorhaben in einem einzigen und einheitlichen Bewilligungsverfahren geprüft wird
(BGer 1C_615/2017 vom 12. Oktober 2018 E. 2.5 mit Hinweisen; vgl. auch S. Staub in:
Bereuter/Frei/Ritter [Hrsg.], Kommentar zum Planungs- und Baugesetz des Kantons
St. Gallen, a.a.O., N 5 f. zu Art. 147 PBG mit Hinweis auf GVP 1979 Nr. 8; vgl. auch
VerwGE B 2018/246 vom 8. Juli 2019 E. 4.1 und VerwGE B 2014/100 vom 27. April
2016 E. 7.1 je mit Hinweisen). Das Erfordernis einer gesamtheitlichen Beurteilung lässt
die teilweise Bewilligung einer Baute oder Überbauung nur zu, wenn der bewilligte Teil
unabhängig vom nicht bewilligten Teil beurteilt werden kann. Demnach kann die
Aufteilung einer Baubewilligung in mehrere Zwischen- oder Teilverfügungen gegen den
Grundsatz der Einheit des Bauentscheids mit umfassender Interessenabwägung und
das Gebot der materiellen Koordination gemäss Art. 25a RPG verstossen, wenn sich
einzelne Aspekte oder Anlagenteile nicht sinnvoll isoliert beurteilen lassen, sondern
eine Gesamtschau verlangen (BGer 1C_348/2019 vom 27. April 2020 E. 5.3 mit
Hinweisen).
Vorliegend spricht nichts dagegen, die umstrittene Zwischennutzung als
eigenständiges Gesuch isoliert zu bewilligen. Als neue Einzelanlage hält sie für sich
selbst die rechtlichen Bewilligungsvoraussetzungen ein, was insbesondere für die
vorgängige Nutzung als Dauermietparkplatz bedeutsam ist. Insofern ist keine
gesamtheitliche Betrachtung notwendig. Dass der Betrieb der Ersatzparkplätze in
Abhängigkeit von der Sanierung als nutzungsauslösendes Ereignis steht, ist ebenso
wenig von Bedeutung. Falls der Sanierung des Parkhauses T._ aus umweltrechtlichen
oder anderen Gründen keine Bewilligung oder eine solche nur beschränkt erteilt
werden könnte, hätte dies nämlich einzig zur Folge, dass die angedachte Nutzung als
Ersatzstandort für die während der Sanierung wegfallenden Parkplätze überhaupt nicht
oder nicht im vollen Umfang aufgenommen werden könnte. Im Übrigen hindert die
Erteilung der Bewilligung für die Ersatzparkplätze im aktuellen Zeitpunkt nicht, dass im
Rahmen des Bewilligungsverfahrens für die Sanierung eine umweltrechtliche
Gesamtschau unter Einbezug der bewilligten Zwischennutzung durchgeführt wird. Die
Beschwerde ist auch in diesem Punkt unbegründet; ein Beizug der Verfahrensakten
betreffend die Sanierung des Parkhauses T._ erübrigt sich, sofern solche überhaupt
vorhanden sind.
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 3‘500 ist
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12, GKV). Sie ist
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 26/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mit dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 3‘500 zu verrechnen.
Der Verlegung der amtlichen Kosten entsprechend hat die Beschwerdeführerin die
obsiegende Beschwerdegegnerin, deren Rechtsvertreter keine Kostennote eingereicht
hat, für das Beschwerdeverfahren ermessensweise pauschal mit insgesamt CHF 3'000
zuzüglich CHF 120 Barauslagen (vier Prozent von CHF 3'000) zu entschädigen (Art. 98
Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 98 VRP; Art. 98 VRP in Verbindung mit Art. 106
Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO,
Art. 30 Ingress und lit. b Ziff. 1 sowie Art. 31 Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes; sGS
963.70, AnwG; Art. 6, Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, Art. 28 der Honorarordnung,
sGS 963.5, HonO). Ein Antrag auf Mehrwertsteuerzuschlag wurde – zurecht – nicht
gestellt (vgl. Art. 29 HonO).