Decision ID: e9511a16-9cae-5c0d-940d-6eda9616141d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980,
war
von Dezember 2001 bis Ende Januar 2009 in einem Pensum von 30-50 % als Verkäuferin bei der
Y._
an
ge
stellt
(Urk. 7/1/5
, Urk. 7/14/2-3, Urk. 7/16/2
).
Der letzte effektive Arbeitstag war der 10. Mai 2008 (Urk. 7/16/2).
Am
13. Mai 2008
erlitt die Versicherte
einen Autounfall
,
bei dem sie als
Autolenkerin
von einem von links kommenden Fahr
zeug mit ca. 60 km/h angefahren wurde und sich ein HWS Beschleuni
gungs
trau
ma mit Abknicken nach links mit konsekutivem chronischem
cerviko
bra
chialem Schmerzsyndrom links zuzog (vgl. Urk. 7/9/5, Urk. 7/9/1
1
).
Am 9. Juni 2009 mel
dete sich die Versicherte, unter Hinweis auf HWS
Dezelerationstrauma
, erstmals bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungs
bezug an (Urk. 7/1).
Im Zuge ihrer medizinisch-erwerblichen Abklärungen zog die IV-Stelle
insbesondere
die Akten der Unfallversicherung (Urk. 7/9)
, einen Bericht des
Z._
vom 27. Mai 2009 (Urk. 7/10/6-11), einen Bericht von
Dr.
med. A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
vom 22. Juni 2009 (Urk. 7/10/1-5),
einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten
(Urk. 7/14) sowie einen Arbeitgeberbericht bei (Urk. 7/16). Am
10. Dezember 2009 erstattete das
B._
zuhanden
der Unfallversicherung ein polydisziplinäres medizinisches Gut
achten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Orthopädie, Neurologie und Ne
uropsychologie (Urk. 7/19/47-108
). Am 12. Juli 2010 wurde bei der Versicherten sodann eine Haushalt
s
ab
klärung
vorgenommen
(Urk. 7/24
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 30. September 20
10, Urk. 7/26-27;
telefonische
r
Einwand vom 26. Oktober 2010, Urk. 7/28; Rückzug
Einwand
vom 29. November 2010, Urk. 7/30-31), wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten bei einem IV-Grad von 12.29 %
mit Verfü
gung vom 30. November 2010
ab (Urk. 7/32).
1.2
Am 13. November 2015 meldete sich die Versicherte
,
unter Hinweis auf Schleu
der
trauma, Angst und Depressionen
,
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 7/33). Daraufhin tätigte die IV-Stelle medizinisch-erwerbliche Abklä
rungen und zog einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten (Urk. 7/37
-38
), einen Bericht von Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für All
ge
meine Innere Medizin,
vo
m 7. Dezember 2015 (Urk. 7/40) sowie einen psychia
tri
schen Bericht von Dr. med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 20. Mai 2016 (Urk. 7/49) bei. Mit Vorbescheid vom 23. Juni 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung
ihres
Leistungs
begeh
rens in Aussicht (Urk. 7/51), wogegen die Versicherte
am 25. August 2016 Ein
wand erhob (Urk. 7/54).
Mit Eingabe vom 3. Oktober 2016 reichte die Versicherte
eine ergänzende
Einwandbegründung
mitsamt
einem Bericht
von Dr.
D._
vom
19. September 2016 zu den Akten (Urk. 7/57-58).
Am 5. Januar 2017 beauf
tragte die IV-Stelle die
Medas
E._
(
Medas
)
mit einer polydisziplinären Begutachtung der Versicherten (Urk. 7/71).
Nach erfolgter Begutachtung liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter am 6. April 2017 Vorbehalte gegen das psychiatrische Teilgutachten geltend machen. Sie habe sich vom
psychiatrischen Gutachter (Dr.
med. F._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie) derart bedrängt und in die Ecke getrieben gefühlt, dass sie jeg
liches Vertrauen in die fachliche Qualifikation und die Neutralität des Gutachters verloren habe und sich dadurch auch nicht richtig habe öffnen können. Die Situa
tion sei derart aus dem Ruder gelaufen, dass eine weitere Untersuchung offenbar nicht mehr möglich gewesen sei und die Begutachtung vorzeitig habe abge
b
ro
chen werden müssen (Urk. 7/77
).
Das Gutachten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin,
Neurologie, Psychiatrie und Rheumatologie wurde sodann am 10. Mai 2017 erstattet (Urk. 7/81).
Am 1
3.
Juni 2017 nahm der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) eingehend zum
Medas
-Gutachten Stellung, wobei
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begründete, weshalb auf das psychiatrische Teilgutachten nicht abgestellt werden könne (
Urk.
7/97/3-6). Nach Anhörung der Versicherten erteilte die IV-St
elle am 18. Juli 2017 Dr. med. H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, den Auftrag zur erneuten psychiatrischen Untersuchung (vgl.
Urk.
7/86-93).
Das
psychia
tri
sche Gutachten wurde
am 1. September 2017
erstattet
(Urk. 7/96).
Am 7. Septem
ber 2017
nahm
RAD-Arzt Dr. med.
I._
, Facharzt FMH für Chirurgie,
diesbezüglich Stellung
(Urk. 7/97/6-7).
Mit Vorbescheid vom 26. September 2017 stellte die IV-Stelle
der Versicherten erneut
die Abweisung
ihres
Leistungs
be
gehrens in Aussicht (Urk. 7/98). Dagegen erhob die Versicherte am 27. Oktober 2017
vorsorglich Einwa
n
d (Urk. 7/105-106) und begründete diesen – unter Bei
lage einer Stellungnahme von Dr.
D._
vom 24. November 2017 (Urk. 7/108) – mit Eingabe vom
1. Dezember 2017 (Urk. 7/109). Nac
h eingeholter
RAD-Stel
lungnahme
vom
5. Februar 2018 (Urk. 7/111/3-4), wies die IV-Stelle das Leis
tungs
begehren mit Verfügung vom 26. Februar 2018 ab (Urk. 7/112
= Urk. 2
).
2
.
Dagegen erhob die Versicherte am 12. April 2018 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 26. Februar 2018
sei
aufzuheben und die Sache zur erneuten medizinischen Abklärung (psychiatrisches Gutachten) und Neubeurteilung der
Leistungsansprüche an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Ihrer
Beschwerde legte
sie
unter anderem eine Stellungnahme von Dr.
D._
vom 25. März 2018 (Urk. 3/4)
sowie
ein Bericht von Dr.
C._
vom 29. März 2018 bei (Urk. 3/5).
Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2018 schloss die
Beschwer
degeg
nerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten Urk. 7/1-115), worüber die
Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 22. Mai 2018
orien
tiert
wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entspre
chend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146; vgl.
Art.
27 und 27
bis
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV)
in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zunächst der Anteil der
Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (vgl. Art. 27 IVV
) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbe
reich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vor
genommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Berei
chen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
IVV
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraus
setzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revi
sions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versi
cherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
li
di
tät zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.4
1.4
.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen
Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung
allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbs
ein
kommen
zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281
E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
4
.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
41
V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Ab
stellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE
141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weite
ren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeb
lichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
1.
6
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.7
1.7.1
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen ein
ander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die
Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, d
ass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Exper
te oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach
Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom 1
1.
Juni 2019 E. 2
mit Hinweisen).
1.7.2
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungs
tatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
recht
liche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begut
achtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die be
han
d
eln
den Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätz
ungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beur
teilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bun
desge
richts 8C_677/2014 vom 29.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte in
ihre
r
abweisende
n
Verfügung im Wesentlichen
aus
,
die
Beschwerdeführerin
sei seit dem 1. Dezember 2015 aufgrund einer An
pas
sungsstörung mit längerer depressiver Reaktion gesundheitlich eingeschränkt, ab diesem Tag habe das gesetzlich vorgegebene Wartejahr begonnen. Da die
Beschwerdeführerin
bis zum Ablauf des Wartejahres am 30. November 2016 (nur) zu 30 % arbeitsunfähig gewesen sei, sei das Wartejahr als Voraussetzung für eine Invalidenrente
nicht erfüllt (Urk. 2).
2.2
Dahingegen stellte sich die
Beschwerdeführerin
in ihrer Beschwerde
zusammen
gefasst
auf den Standpunkt,
die Beurteilung
en
von Dr.
H._
und des RAD
würden auf fehlerhaften Annahmen beruhen, weshalb diese Einschätzungen keine
abschliessende Beurteilung der Leistungsansprüche erlaubten.
Der rechtserheb
liche Sachverhalt erweise sich in diesem Sinne als weiter abklärungsbedürftig, weshalb die Sache zur erneuten medizinischen Abklärung und Neubeurteilung der Leistungsansprüche an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen sei (Urk. 1 S. 6-8).
3.
3.1
Vorliegend gilt es zu prüfen, ob
sich der
Invaliditätsgrad
der
Beschwerdeführerin
im Vergleich zur rentenabweisenden Verfügung vom 30. November
2010 (Urk. 7/32
)
in einer anspruchsrelevanten
Weise geändert hat (vgl. E. 1.
3
).
3.2
Der
Verfügung vom 30. November 2010
lag im
Wesentlichen
folgender Sachver
halt zugrunde:
In medizinischer Hinsicht stützte sich die Beschwerdegegnerin auf das
zuhanden
de
r Unfallversicherung erstattete polydisziplinäre
Gutachten der
B._
vom 10. Dezem
ber 2009 (Urk
. 7/19/47-108
; vgl. Urk. 7/25/4-5
). Darin wurden folgen
de Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten (Urk. 7/19/81):
-
Status nach Autounfall (Seitkollision) am 13. Mai 2008 mit
-
HWS-Abknickverletzung
-
chronischem
cervicocephalem
Schmerzsyndrom
-
ohne
ossäre
Verletzungen
-
ohne neurologische Ausfälle
-
ohne Schädel-Hirn-Trauma
-
mit psychopathologischer
Folgesymptomatik
im Sinne einer
-
dissoziativen Störung, gemischt (= Konversionsstörung
;
F 44.7)
-
D
ifferentialdiagnose: Anhaltende somatoforme
Schmerzstörung
(F 45.
4
)
-
leicht- bis mittelgradigen depressiven Episode (F 32.0/1)
Daneben wurden folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (Urk. 7/19/81):
-
Chronische Spannungstyp-Kopfschmerzen
-
Histrionisch
akzentuierte Persönlichkeitszüge
Gesamtmedizinisch betrachtet ergebe sich die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit einzig aus dem psychiatrischen Leiden
(Urk. 7/19/81).
Der psychiatrische Gutachter erhob dabei folgenden Psychostatus:
Objektiv sei die
Beschwerdeführerin
in ihrer Affektivität während des ganzen Interviews be
drückt gewesen, sie könne die Affektivität nur selten etwas in positiver Richtung modulieren. Zwischendurch weine sie wieder, sei froh und dankbar, dass sie ihre Probleme darstellen könne, berichte, dass sie sich häufig nicht verstanden fühle, da sie immer wieder ermutigt werde
,
alles zu vergessen, was gewesen sei
,
und dies doch nicht möglich sei. Bezüglich ihrer Beschwerden sei sie besorgt und ängstlich, wobei die Angst vor einem Sturz oder einer ernsthaften Verletzung im Bewusstsein zuvorderst stünden. Die Schilderung der Schmerzen erfolge sehr
klagsam
, auch
appel
l
ativ
und etwas demonstrativ, wobei die
Beschwerdeführerin
aber während des ganzen Gesprächs ruhig auf ihrem Sessel sitzen bleibe und keine Zeichen einer körperlich erheblich leidenden Person zeige. Bezüglich der kognitiven Leistungsfähigkeit würden seitens der
Beschwerdeführerin
keine Ein
schränkungen geklagt. Ihr Gedächtnis sei zum Glück noch gut,
auch die Altge
dächtnisfunktion, ihre Konzentrationsfähigkeit
und die Orientierungsfähigkeit seien
nicht beeinträchtigt. Diese Aussage decke sich mit dem objektiven Befund. Die
Beschwerdeführerin
sei örtlich, zeitlich und autopsychisch voll orientiert, sie sei bei klarem Bewusstsein, die Auffassung sei jederzeit gegeben und es fänden sich im klinisch psychiatrischen Status keinerlei Hinweise, ebenso wenig in der Anamnese, für eine organisch bedingte Einschränkung der kognitiven Leistungs
fähigkeit oder eine organisch bedingte Wesensveränderung. Die formalen Gedan
kengänge seien in sich kohärent und logisch und ohne Hinweise auf eine Psy
chose oder eine Konfabulation. Sie seien etwas in Folge der depressiven Sympto
matik
verlangsamt, dies in leichtem Ausmass
. Die inhaltlichen Denkprozesse seien bis auf eine leichte Hypochondrie im Sinne, dass die
Beschwerdeführerin
eine Verschlechterung ihres
Gesundheitszustandes befürchte
, ebenfalls unauf
fällig, insbesondere bestünden keine Ich- oder Wahrnehmungsstörungen (Urk. 7/19/74-75).
Was die somatische Seite des Leidens betreffe, sei die
Beschwerdeführerin
, seit einem Jahr nach dem Unfall,
uneingeschränkt arbeitsfähig. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe ausschliesslich aus psychosomatischen und psychi
schen Gründen (Urk. 7/19/87). Die psychische Störung stehe im Verhältnis zum gesamten Beschwerdebild
eindeutig
im Vordergrund
(Urk. 7/19/99). Der depres
siven Symptomatik werde ein gewisser Krankheitswert zugemessen, der mit 30 %, bezogen auf ein vollschichtiges Pensum, ohne zusätzliche zeitliche und leis
tungs
mässige Einbusse, beurteilt werde. Die depressive Symptomatik müsse, auch beim Vorliegen einer sthenischen Seite doch als leicht- bis mittelgradig eingestuft werden und ziehe ein relevantes Leiden der
Beschwerdeführerin
nach sich. Damit werde die wöchentlich zumutbare Arbeitszeit mit 30 Stunden beziehungsweise sechs Stunden täglich mit vollem Rendement beurteilt. Da keine spezifischen Ein
schränkungen genannt werden könnten, würden für alle möglichen Verweis
tätig
keiten die gleichen
Angaben zur Arbeitsfähigkeit gelten (Urk. 7/19/101).
Die Prognose müsse als offen bezeichnet werden, da die psychosomatischen Entwick
lungen erfahrungsgemäss eine Tendenz zur
Chronifizierung
hätten (Urk. 7/19/105).
3.3
Unter den Parteien
ist unbestritten, dass der Gesundheitszustand in somatischer Hinsicht keine wesentliche Verschlechterung erfahren hat.
Zu diesem Schluss führt auch eine Gegenüberstellung der in den Vergleichszeitpunkten relevanten medizinischen Unterlagen im somatischen Bereich:
Im Gutachten der
B._
vom 10. Dezember 2009 wurden keine somatischen Leiden festgestellt, welche die
Be
schwerdeführerin
gesamtmedizinisch in ihrer Leistungsfähigkeit einschränkten.
Es wurde ein unauffälliger
orthopädischer
Befund erhoben
. Auch alle bildge
ben
den Untersuchungen (Röntgen HWS, CT HWS, MRI HWS) ergaben unauffällige Befunde (vgl. Urk. 7/19/61-62)
.
Die Gutachter diagnostizierten ein
chronisches
cervicocephales
Schmerzsyndrom ohne
ossäre
Verletzungen.
Die
Arbeitsfähigkeit sei – in somatischer Hinsicht –
seit einem Jahr nach dem Unfall
nicht mehr ein
geschränkt gewesen
(E. 3.2
).
Im polydisziplinären Gutachten der
Medas
vom 10. Mai 2017 wurde aus rheumatologischer Sicht ein mildes
zervikospondy
loge
nes
Syndrom
(ICD-10 M 50.2) diagnostiziert. Dabei wurden keine
Hinweise auf eine
radikuläre
Reizung
festgestellt. Die Magnettomographie aus dem Jahre 2016 habe keine Hinweise auf eine klinisch
relevante
Diskusherniation
ergeben
.
Es
wurden
wiederum
unauffällige
somatische Befunde erhoben (vgl. Urk. 7/81/51-5
2).
Die Arbeitsfähigkeit
wurde
somatisch
als
nicht eingeschränkt
erachtet
, wobei Überkopfarbeiten nicht repetitiv durchgeführt werden sollten und eine monotone Arbeitshaltung in Kopfvorneigestellung zu vermeiden sei. An der Halswirbelsäule würde nur eine leichte in der Endphase schmerzhafte Einschränkung der Rotation sowie eine Seitneigung nach links bestehen. Auf somatischem Gebiet würden sich keine Beeinträchtigungen im Hinblick auf eine Arbeitsfähigkeit bei Status nach Autoauffahrunfall 2008 finden (Urk. 7/81/18
-21
).
3.4
Strittig ist hingegen, ob sich der psychische Gesundheitszustand wesentlich ver
schlechtert hat.
3.4.1
Dr.
D._
stellte i
n ihrem Bericht vom 20. Mai 2016
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/49/2):
-
Rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F 33.1)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F 40.01)
-
Dissoziative Störung gemischt (ICD-10 F44.7)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F 45.41)
-
Status nach Autounfall im Mai 2008 mit HWS Distorsionstrauma und
cervicocephalem
Symptomenkomplex
Die Diagnosen würden seit 2008, nach dem erlittenen Autounfall, bestehen (Urk. 7/49/2).
Die Beschwerdeführerin
habe
vom 8. Februar bis am
29. März 2016
– dreimal pro Woche – an
eine
r
teilstationäre
n
Behandlung
mit Ergotherapie, Psy
choedukation und integriertem p
sychologischem Therapieprogramm
in der Tagesklinik der
J._
teil
genommen
. Bezüglich den Angstzu
stän
den habe sich in den acht Wochen tagesklinische
r
Behandlung wenig verändert, zudem sei die Beschwerdeführerin weiterhin stark auf die körperlichen Beschwer
den fixiert gewesen. Dennoch sei es ihr gelungen, an dem Programm teilzu
neh
men. Vor allem die Ergotherapie diente der Ablenkung der Beschwerden, weshalb die Beschwerdeführerin aktuell auch eine ambulante Ergotherapie besuche, zu
dem auch eine ambulante Physiotherapie
(Ur
k. 7/49/4
).
Bei der
Beschwerdeführerin
sei von einer deutlichen Beeinträchtigung der Leis
tungsfähigkeit und Belastbarkeit auszugehen. Limitierende Faktoren seien hierbei die verminderte Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, die verminderte physi
sche und psychische Belastbarkeit, die erhöhte Ermüdbarkeit und Stressemp
find
lichkeit, die
Dissoziation, sowie die Schmerzen. Die verminderte Belastbarkeit zeige sich nicht nur in Stresssituationen am Arbeitsplatz, sondern auch bei kon
tinuierlichen Arbeitsanforderungen in Form von affektiver Unruhe, zunehmender Ermüdbarkeit, Dissoziationserleben, Schwindel und verminderter Konzentration und nicht zuletzt auch am Auftreten suizidaler Gedanken. Die
Beschwerde
füh
rerin
sei körperlich rasch erschöpft, komme psychisch schnell an die Grenze der Belastbarkeit, es passierten Fehler, sie sei vergesslich und habe kaum Kraft. Für
eingeübte Handlungsabläufe, wie beispielsweise bei der Haushaltsführung, brauche
sie insgesamt sehr viel mehr Zeit und habe Mühe, Dinge zu behalten. Mittelfristig sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit sowohl in angestammter, als auch in angepasster Tätigkeit auszugehen
(Urk. 7/49/5-6).
In ihrem
Schreiben an
den Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin
vom 19. Septem
ber
2016
führte Dr.
D._
aus, seit Wiederaufnahme der Behand
lung am 8. Dezember 2015 habe sich eine erhebliche Verschlechterung vor allem der kognitiven und der depressiven Symptome
gezeigt, welche im Verlauf und aktuell als mittelgradig bis schwer einzustufen seien. Zusammengefasst sei die Verschlechterung am ehesten im unterdessen
chronifizierten
Gesamtverlauf zu begründen, vermutlich habe auch der gescheiterte Arbeitsversuch zu einer Ver
schle
ch
terung der Beschwerden geführt. Aktuell dienten die therapeutischen Mass
nahmen vor allem dazu, einer weiteren Verschlechterung entgegenzuwirken, dies beinhalte unter Umständen auch die notwendige psychiatrische stationäre
Hospitalisation
(Urk. 7/57).
3.4.2
Im psychiatrischen Teilgutachten
vom 29. März 2017
stellte
Dr.
F._
, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/81/71):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F
33)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F 40.01)
-
Dissoziative Bilder
(ICD-10 F 44.7)
-
Hinweise auf eine chronische Schmerzstörung (ICD-10 F 45.41)
-
Hinweise auf das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung, möglicherweise verbunden mit traumatischem Erleben
Daneben stellte Dr.
F._
folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/81/71):
-
Dysfunktionale Krankheitsverarbeitung (ICD-10 F 54)
Es finde sich eine erhebliche Einschränkung bei der Anpassung an Regeln und Routinen, Probleme auch bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben,
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit bei depressiver Störung, bei Angststörung, bei Auftreten von dissoziativen Phänomenen erheblich eingeschränkt, fachliche Kompetenzen könnten dabei nur sehr eingeschränkt ausgelegt werden.
Entschei
dungs
- und Urteilsfähigkeit teilweise leicht eingeschränkt, Durchhaltefähigkeit erheblich eingeschränkt, Durchsetzungsfähigkeit erheblich eingeschränkt, Kontakt
fähigkeit zu Dritten möglich, Gruppenfähigkeit nicht gegeben, familiäre Be
ziehungen bestünden, intime Beziehung erschwert, Spontanaktivitäten seien er
schwert, Selbstversorgung sei gegeben, Mobilität leicht eingeschränkt (
Urk.
7/81/67)
.
D
ie vormalige Tätigkeit, etwa Verkäuferin,
sei
mit dem gegenwärtigen psychopa
tho
logischen Zustand nicht
zu
vereinbar
en.
Auch
für eine angepasste Tätigkeit
bestünden
erhebliche quantitative und qualitative Einschränkungen
im
Ausma
ss von zumindest gegenwärtig 80
%. Dies gelte spätestens seit Antragstellung (Urk. 7/81/67-68).
3.4.3
In seiner Beurteilung für den RAD vom 13. Juni 2017 wies
G._
auf
umfangreiche Inkonsistenzen im psychiatrischen Teilgutachten von Dr.
F._
hin. Insgesamt würden die funktionellen Einschränkungen nicht näher beschrieben. Dies lasse sich zurückführen auf die unzureichenden Angaben der
Beschwerdeführerin
. Insgesamt würden die Inkonsistenzen vom Gutachter nicht kritisch gewürdigt und Diagnosen ohne kritische Prüfung auf
grund subjektiver Angaben der
Beschwerdeführerin
gestellt oder aus der Akten
anamnese übernommen
. Die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit würden im Gutachten für alle Lebensbereiche gleich beurteilt. Eine Anamneseerhebung dies
bezüglich sei gemäss Gutachten jedoch nicht möglich gewesen. Eine genaue Be
schreibung der Beschwerden im Alltag und der resultierenden Einschränkungen oder Situationsbeschreibungen fehle. Vor diesem Hintergrund sei zur Klärung ein psychiatrisches Gutachten in Betracht zu ziehen (Urk. 7/97/4-5).
3.4.4
Dr.
H._
stellte
im psychiatrischen Gutachten vom 1. September
2017
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/96/10):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F 43.21)
Daneben stellte er folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/96/10):
-
Anamnestisch und aktenmässig Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F 40.01)
Dr.
H._
erhob folgenden Psychostatus: Die
Beschwerdeführerin
sei, begleitet von ihrem Ehemann, pünktlich zum abgemachten Termin gekommen und habe das Untersuchungszimmer mit verlangsamtem Gang und gekrümmter Körperhal
tung
sowie mit schmerzassoziierter Mimik betreten. Sie habe ordentlich gepflegt, bewusstseinsklar und allseits orientiert gewirkt. Während der Exploration habe die
Beschwerdeführerin
auf die gestellten Fragen in Bezug auf ihre Lebensge
schichte klare Antworten gegeben, jedoch mit einigen Inkonsistenzen betreffend Daten (sie habe zum Beispiel den Jahrgang ihres Ehemannes nicht angegeben, dann aber doch gewusst, dass er 7.5 Jahre älter sei, sie habe sich nicht einmal an das Jahr des Unfalls erinnert, die Symptomentwicklung danach sei aber genau beschrieben worden). Die
Beschwerdeführerin
habe objektiv keine
Konzen
tra
tions
-, Auffassungs- oder Merkfähigkeitsstörungen aufgewiesen. Im formalen Denken sei sie geordnet gewesen, inhaltlich hätten sich keine Hinweise auf Wahnideen, Halluzinationen oder Ich-Störungen ergeben. Im Affekt habe sie bedrückt gewirkt, die affektive Schwingungsfähigkeit und der Elan
vitae
seien reduziert gewesen, eher im Sinne einer
Dekonditionierung
, affektiv sei sie modu
lierbar gewesen, ein affektiver Rapport sei knapp herstellbar gewesen. Im Antrieb sei sie vermindert, motorisch wenig lebhaft gewesen. Es hätten sich keine Hin
weise auf eine Selbst- oder Fremdgefährdung ergeben, die
Beschwerdeführerin
habe aber über passive Todeswünsche berichtet (Urk. 7/96/9).
Aufgrund der anamnestischen Angaben könne bei der
Beschwerdeführerin
auch eine Agoraphobie mit Panikstörung erhoben werden. Während der Exploration am 22. August
2017 habe sie während der Schilderung der Panikattacken keine vegetativen Symptome aufgewiesen, womit gegenwärtig von einer Remission der Panikstörung ausgegangen werden könne (Urk. 7/96/11). Ohne Berücksichtigung ihrer körperlichen Müdigkeit beziehungsweise
Dekonditionierung
hätten bei der
Beschwerdeführerin anlässlich der Exploration weitgehend uneingeschränkte psy
chokognitive Funktionen festgestellt werden können (Gedächtnisfunktionen, Kon
zen
trationsvermögen, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, affektive Modulations
fähig
keit, Antrieb). Aufgrund von leichten bis mittelschweren Beeinträchtigungen
ihrer geistigen Flexibilität und allgemeiner psychophysischer Durchhaltefähigkeit könne aus rein psychiatrischer Sicht von einer höchstens 20-30%igen Arbeits
unfähigkeit in angestammter wie in adaptierter Tätigkeit seit Dezember 2015 ausgegangen werden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe kein Bedarf an adap
tierten Tätigkeiten. Wegen der geklagten Schlafstörungen seien für sie allerdings Nachtarbeiten nicht geeignet. Unter einer Optimierung der Psychopharma
ko
therapie und Verbesserung der Schlafqualität der
Beschwerdeführerin
könne aus psychiatrischer Sicht eine Verbesserung ihres psychischen Zustandes und die Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit erwartet
werden. Bezüglich ihrer soziophobischen Vermeidungshaltung und festgestellten Agoraphobie mit Panik
stö
rung könne ihr in der Längsschnittbeurteilung keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit attestiert werden (Urk. 7/96/13).
3.4.5
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
reichte die
Beschwerdeführerin
eine Stel
lung
nahme von Dr.
D._
vom 24. November 2017 ein (Urk. 7/108)
. Daraus lassen sich
folgende Diagnosen
entnehmen
(Urk. 7/108/2):
-
Rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F 33.2)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F 40.01)
-
Dissoziative Störung gemischt (ICD-10 F 44.7)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F 45.41)
-
Nicht-organische Insomnie (ICD-10 F 51.0)
-
Status nach Autounfall im Mai 2008 mit HWS Distorsionstrauma und
cervicocephalem
Symptomenkomplex
Gemäss ICD-10 bezeichne eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion einen «leichten depressiven Zustand auf eine längere anhaltende Belas
tungssituation, der zwei Jahre aber nicht überschreitet». Bei der
Beschwerde
führerin
sei zum einen das Zeitkriterium der zwei Jahre überschritte
n
, zum ande
ren sei die depressive Symptomatik nicht als leicht, sondern als mindestens mittel
gradig einzustufen.
Den im Gutachten von Dr.
H._
erwähnten remis
sionsfreien Phasen von Januar 2012 bis Dezember 2015 könne schon allein deshalb nicht zugestimmt werden, als dass die
Beschwerdeführerin
zwischen 2012 und der Wiederaufnahme der Behandlung in der
J._
im Dezem
ber 2015 in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung bei zwei niedergelassenen psychotherapeutisch arbeitenden Kollegen gewesen sei und auch medikamentös antidepressiv behandelt worden sei
. Zum Zeitpunkt des Gutachtens habe ebenfalls eine an
tidepressive Medikation mit 375
mg
Venlafaxin
bestanden
(Urk. 7/108/1)
.
Aktuell sei erschwerend hinzugekommen, dass der Vater der
Beschwerdeführerin
im Alter von 64 Jahren unerwartet an einem Herzinfarkt verstorben sei, was zu einer gesamthaften Verschlechterung geführt habe und sich prognostisch un
günstig auf den weiteren Verlauf auszuwirken scheine. Aus fachmedizinisch-psy
chiatrischer Sicht könne der diagnostischen Einschätzung von Dr.
H._
wider
sprochen werden, weshalb eine erneute psychiatrische Beurteilung anzustreben wäre (Urk. 7/108/2).
In ihrem Bericht vom 25. März 2018
(Urk. 3/4)
hielt
Dr.
D._
an
den
im Vor
bericht vom 24. November
gestellten Diagnosen fest. Sie wies
erneut
darauf hin, dass die
Beschwerdeführerin
zum Zeitpunkt der Begutachtung unter einer ant
ide
pressiven Medikation mit 375
mg
Venlafaxin
gestanden habe, was doch eine ordentliche Dosierung sei. In den Jahren 2012 bis 2015 hätten regelmässig Ter
mine bei hausärztlichen und niedergelassenen psychiatrischen Kollegen stattge
funden (Dr.
K._
,
Dr.
L._
und
Dr.
M._
in
N._
).
Bei der
Beschwerde
führerin
bestünden Ängste, das Haus zu verlassen und in Menschenmengen oder öffentlichen Plätzen zu sein, sowie alleine mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen. Die Ängste gingen bei der
Beschwerdeführerin
einher mit Herzrasen, Schwitzen, Schwindel, subjektiv erlebter Atemnot, Zittern und
Derealisations
- und Deperso
nali
sationserleben, auch habe sie dabei Angst, dass sie sterben könnte. Kern
symptom der Erkrankung sei ferner das Vermeidungsverhalten, welches bei der
Beschwerdeführerin
ebenfalls stark ausgeprägt sei, und welches auch trotz lang
jähriger therapeutischer Bemühungen auf verhaltenstherapeutischer Basis mit Expositionen kaum zu beeinflussen sei.
Ausserhäusliche Aktivitäten, welche al
leine und zu Fuss zu machen seien
, würden von der
Beschwerdeführerin
nicht gemacht, diese fänden gemäss Angaben der
Beschwerdeführerin
und deren Ehe
mann immer in Begleitung des Ehemannes oder der Töchter statt.
Termine bezüg
lich schulischer Belange der Kinder (Schulgespräche, Zahnarzt- oder Arzttermine, Hobbys) würden ausschliesslich durch den Ehemann abgedeckt. Zu Fuss und alleine sei die
Beschwerdeführerin
quasi nie unterwegs, die meiste Zeit sei sie zu Hause in der Wohnung. Die einzigen ausserhäuslichen Aktivitäten, welche
sie
alleine durchführe, würden mit dem Auto gemacht, dies seien in der Regel kurze Strecken zu Arztterminen, oder in sehr seltenen Fällen auch Einkäufe, welche dann sehr schnell ausgeführt würden. Mehrheitlich würden sie jedoch vermieden, oder in Begleitung eines Familienmitgliedes gemacht.
Vor
allem gestützt auf die im Rahmen der Agoraphobie mit Panikstörung vorhandenen Beeinträchtigungen sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit deutlich eingeschränkt, respek
tive nicht gegeb
en sei (Urk. 3/4).
4.
4.1
Die
Beschwerdegegnerin
stützt ihren ablehnenden Entscheid primär auf das
psychiatrische
Gutachten von Dr.
H._
vom 1. September 2017 (vgl.
Urk. 2, Urk.
7/111).
Dahingegen
erachtet
die
Beschwerdeführerin
das Gutachten von
Dr.
H._
aus verschiedenen Gründen als nicht bew
eiskräftig (vgl. Urk. 1 S. 5-9
).
4.
2
4.2.1
Die
Beschwerdeführerin
wendet gegenüber der Beweiskraft des Gutachtens
von Dr.
H._
unter anderem ein
, die Hauptdiagnose der Agoraphobie mit Panik
störung (ICD-10 F 40.01) werde
darin
fälschlicherweise nicht berücksichtigt. Auf
grund
d
er substantiierten Darlegungen
von Dr.
D._
in
ihrem
Bericht vom 25. März 2018
sei erstellt, dass die
Agoraphobie mit Panikstörung
massgebliche
Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit
wie auch in den alltäglichen Verrich
tungen
verursache
(
Urk. 1 S. 6; vgl.
Urk. 3/4)
. Auch an der Diagnose einer rezidi
vierenden depressiven Episode halte Dr.
D._
in
ihrem
Bericht fest, womit ihre Beurteilung weitgehend mit dem psychiatrischen Teilgutachten
der
Medas
über
einstimme, sowohl was die Diagnosestellung als auch
was
das Ausmass der attestierten Arbeitsunfähigkeit anbelange.
Unter Verweis auf die Stellungnahme von Dr.
D._
wie auch das Gutachten
der
Medas
müsse das psychiatrische Gut
achten von Dr.
H._
, auf welche
s
auch der RAD seine
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit stütze
, erheblich in Zweifel gezogen werden (Urk. 1 S. 7).
Nach der Rechtsprechung setzt die Annahme eines psychischen Gesundheits
scha
dens eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifi
kationssystems abgestützte Diagnose voraus
(
E. 1.4.1
)
.
Die von
Dr.
H._
ge
stellten Diagnosen
wurden
gemäss dem Klassif
ik
ationssystem ICD-10 codiert
(Urk. 7/96/10). Im Gutachten findet aber keine Diskussion der in
Betracht zu zieh
enden
Diagnosen anhand der jeweiligen ICD-10-Kriterien statt
,
so wird
eine Ago
ra
phobie pauschal damit verneint, dass sich dafür anlässlich der Begutachtung keine Anhaltspunkte ergeben hätten
(vgl. Urk. 7/10-13).
D
a eine Agoraphobie mit Panikstörung
nach ICD-10 F 40.1 im Vorfeld der Begutachtung
wiederholt
diag
nostiziert wurde (vgl. Urk. 7/96/4-5)
, wäre zu erwarten gewesen, dass der psy
chiatrische Gutachter im Einzelnen abhandelt, w
elche Kriterien gemäss ICD-10 F
40.1 erfüllt sind und gestützt darauf begründet
, weshalb er die Diagnose stellt bzw. darauf verzichtet
.
Insbesondere geht aus dem Gutachten aber nicht hervor, dass innerhalb der letzten zwei Jahre ein belastendes Ereignis (von hinreichender Schwere) eingetreten ist (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychisch
er Störungen; ICD-10 Kapitel V [
F
]
Klinisc
h-diagnos
tische Leitlinien, 10.
Aufl. 2015, S.
209 f.), welches zur diagnostizierten An
passungsstörung geführt haben soll.
Vor diesem Hin
tergrund erweisen
sich die von der behandelnden Psychiaterin, Dr.
D._
,
geäusserten Einwände gegen
über der Diagnostik durch Dr.
H._
(vgl. Urk. 7/108/1, Urk. 3/4) als teilweise berechtigt,
was
Zweifel am Gutachten zu wecken vermag.
4.2.2
Im Weiter
e
n bringt die
Beschwerdeführerin
vor, sie habe auch im Zeitraum von Januar 2012 bis Dezember 2015 unter psychischen Beeinträchtigungen gelitten und diese – entgegen der Annahme von Dr.
H._
(vgl. Urk. 7/96/11-12) – ent
sprechend medizinisch behandeln lassen (Urk. 1 S. 5-6).
Wie der im psychia
trischen Gutachten von Dr.
H._
vom 1. September 2017 aufgeführten Akten
lage zu entnehmen ist, lagen dem Gutachter keinerlei medizinische
Unterlagen aus den Jahren 2012 bis
2015 vor, der erste medizinische Bericht seit der Neu
anmeldung ist derjenige von Dr.
D._
vom 20. Mai 2016 (Urk. 7/96/4)
.
Dr.
H._
ging in seiner Beurteilung denn auch von einem Unterbruch der
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
zwischen dem
28. Februar 2012
und dem
8. Dezember 2015 aus
(Urk. 7/96/10-12
)
. Gemäss dem Bericht von Dr.
D._
vom 25. März 2018 fanden in den Jahren 2012 bis 2015
jedoch
regelmässig Termine bei hausärztlich und niederg
elassenen Psychiatern statt (vgl. Urk. 3/4). Auch
Dr.
C._
bestätigt eine intensive Behandlung der
Beschwerde
führerin
seit Januar 201
2.
Bis Dezember 2014 habe eine psychotherapeutische und
manualtherapeutische
Behandlung
bei
O._
in
N._
und ab Januar 2015 nur noch eine
manualtherapeutische
Behandlung
in Zürich
stattgefunden (Urk. 3/5). Damit ist belegt, dass die
Beschwerdeführerin
von Januar 2012 bis Dezember 2014 in regelmässiger psychotherapeutischer Behandlung stand (vgl. auch Urk. 3/6). Der Leistungszusammenstellung des Krankenversicherers lassen sich darüber hinaus – in Übereinstimmung mit den Angaben von Dr.
D._
in ihrem Bericht vom 2
5
. März 2018 (Urk. 3/4) – zahlreiche Kostenpositionen
für verschiedene Behandlungsintervalle in der Zeitspanne vom 5. Dezember 2014 bis
am 13. Juli 2015
,
lautend auf
L._
,
sowie ei
ne Kostenposition für K._
(Behan
dlungsdauer 9.-20. Oktober 2015)
entnehmen (
Urk. 3/6). Damit liegen deutliche Hinweise dafür vor, dass die
Beschwerdeführerin
in der gut
achterlich angenommenen Behandlungspause
zwischen dem
28. Februar 2012
und dem
8. Dezember 2015 durch
mehrere
Ärzte psych
otherapeutisch behandelt wurde, worüber sich in den Akten jedoch keine Berichte finden.
Die teilstationäre Therapie in der Tagesklinik
J._
vom 8. Februar bis zum 29. März 2016 wurde von Dr.
H._
in seiner Beurteilung aufgegriffen, als Ergebnis
hielt er
aber lediglich fest, dass sich gemäss den Akten während der achtwöchigen tagesklinischen Behandlung bezüglich Angstzustände wenig ver
än
dert habe
(vgl. Urk. 7/96/12). Ein Bericht
bezüglich dieser
tagesklinische
n
Be
handlung
liegt
nicht bei den Akten
und lag auch Dr.
H._
im Rahmen der Begutachtung
nicht vor (vgl. Urk. 7/96/2-6)
.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Gutachter fälschlicherweise von einem Unterbruch der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung vom 28. Februar 2012 bis am 8. Dezember 2015 aus
ging und ihm kein Bericht über die teilstationäre Therapie in der Tagesklinik
J._
vom 8. Februar bis zum 29. März 2016 vorlag
. Das Gutachten von Dr.
H._
ist dementsprechend auf einer unzureichenden medizinischen Dokumentationslage ergangen,
was
ange
sichts der retrospektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (vgl.
E. 3.4.3
) beson
ders schwer wiegt.
4.2.3
Darüber hinaus ist auf folgenden, dem Gutachten von Dr.
H._
innewoh
nenden, Widerspruch hinzuweisen:
Führte Dr.
H._
in Ziffer 8.4.3 noch aus, bei der
Beschwerdeführerin
seien abgesehen von einer Arbeitslosigkeit und der Notwendigkeit einer Betreuung ihrer schulpflichtigen Kinder keine weiteren psychosozialen Belastungen festzustellen, hielt er in Ziffer 8.6 fest, die initiale depressive Symptomatik sei eindeutig auf die veränderten Lebensumstände und ihre erheblichen psychosozialen Belastungen zurückzuführen (Urk. 7/
96/15).
4.3
Zusammengefasst
bestehen
zahlreiche
Indizien
, welche
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
von Dr.
H._
sprechen,
weshalb darauf nicht abgestellt werden kann
(vgl. E. 1.7.1)
. Dem im Rahmen des
Medas
-Gutachten vom
10. Mai 2017
erstatteten psychiatrischen Teilgutachten
von Dr.
F._
mangelt es ins
besondere an einer kritischen Würdigung der subjektiven Angaben der
Be
schwer
deführerin
zu ihrem Gesundheitszustand sowie der zahlreichen Inkonsi
stenzen. So gelangte denn auch bereits
G._
in seiner
RAD-
Stellung
nahme vom 13. Juni 2017 zum Ergebnis, dass auf das betreffende Teilgutachten nicht abgestellt werden könne (vgl.
E. 3.4.3
), weshalb daraufhin für den Fachbe
reich der Psychiatrie ein erneutes Gutachten in Auftrag gegeben wurde (Urk. 7/97/6, vgl. Urk. 7/96).
Gestützt auf das
Medas
-Gutachten ist demnach ebenfalls keine verlässliche Beurteilung des Leistungsanspruches möglich.
Die behandelnde Psy
chia
terin, Dr.
D._
, vermochte in ihren Berichten nicht nachvollziehbar dar
zulegen, welche konkreten Defizite die von ihr attestierte vollumfängli
che Arbeits
unfähigkeit begründeten
(Urk. 7/49,
Urk. 7/57,
Urk. 7/108, Urk. 3/4).
Infol
ge
dessen lassen auch die Berichte von Dr.
D._
keine umfassende Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
zu,
umso mehr als
eine direkte
Leistungszusprache
einzig gestützt auf die Angaben behandelnder Ärztinnen und Ärzte mit Blick auf deren auftragsrechtliches Verhältnis zur ver
sicherten Person im Streitfall kaum je in Frage kommt (Urteil des Bundesgerichts 9C_304/2019 vom 27. August 2019 E. 3.2.3 mit Hinweis auf BGE 135 V 465 E. 4.5
; vgl. auch E. 1.7.2
).
4.4
A
ufgrund der gegebenen Aktenlage
kann
das Vorliegen eines
Rentenanspruchs
weder
bejaht noch
verneint werden.
Die angefochtene Verfügung ist daher aufzu
heben und die Sache
zu ergänzenden Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Im Rahmen der Vervollständigung der medizinischen Akten wird die
Beschwerdegegnerin
die Berichte der behandelnden Ärzte f
ür die Zeit zwischen dem
28. Februar 2012 und dem 8. Dezember 2015
sowie ein
en
Bericht über die tagesklinische Behandlung in der
J._
vom
8. Februar bis am 29. März 2016
einzuholen haben. Nach Vervollständigung der medizini
schen
Akten
hat die
Beschwerdegegnerin
ein fachpsychiatrisches Gutachten zu veranlassen
,
welches eine zuverlässige Beurteilung im strukturierten Beweisver
fahren ermöglicht,
um
über den Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin
neu verfügen
zu können
.
Damit ist die
Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
-
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom St
reitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.--
festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.
--
fest
zusetzen.
Ausgangsgemäss
sind
die Kosten der unterliegenden Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Überdies hat die
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
GSVGer
in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Vorliegend er
scheint eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘900.--
(inkl. Barauslagen und
M
WSt
)
als angemessen.