Decision ID: c7a3467f-1d03-52c2-83ba-6d04ffe4355e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Am Donnerstag, 6. Mai 2010, fuhr X um 4.09 Uhr mit dem Personenwagen
Mercedes-Benz D, 300 D Turbo, auf der Normalspur der Autobahn A13 bei Haag in
Richtung Chur. Eigenen Angaben zufolge war er mit einer Geschwindigkeit von
130 km/h unterwegs, als er nach dem Anschlusswerk Haag etwa fünf Meter vor dem
Fahrzeug ein Reh auf der Normalspur wahrgenommen habe. Um dem Tier
auszuweichen, habe er sein Fahrzeug reflexartig nach links gelenkt. Er kollidierte mit
der Mittelleitplanke. Anschliessend lenkte er sein Fahrzeug nach rechts und kollidierte
mit der rechtsseitigen Leitplanke. Schliesslich wurde er über beide Fahrbahnen
zurückgeschleudert und kollidierte ein zweites Mal mit der Mittelleitplanke. Dort kam
das Fahrzeug auf der Überholspur zum Stillstand. Es entstand ein Sachschaden von
insgesamt Fr. 13'000.-- (Fr. 8'000.-- am Fahrzeug, Fr. 5'000.-- an der Strassenanlage).
X blieb unverletzt. Ein Alkoholtest verlief negativ.
Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Altstätten vom 9. Juni 2010 wurde X
wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs zu einer Busse von Fr. 400.-- verurteilt.
B.- Mit Schreiben vom 20. September 2010 eröffnete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) ein
Administrativmassnahmeverfahren gegen X. Mit Stellungnahme seines
Rechtsvertreters vom 27. September 2010 wurde die Einstellung des Verfahrens
beantragt. Das Strassenverkehrsamt aberkannte X in der Folge mit Verfügung vom 1.
Oktober 2010 den österreichischen Führerausweis wegen Nichtbeherrschens des
Fahrzeugs für die Dauer eines Monats.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
18. Oktober 2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge ersatzlos
aufzuheben und das Verfahren einzustellen. Die Vorinstanz verzichtete auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung des Antrags wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. Oktober 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In tatsächlicher Hinsicht bestreitet der Rekurrent, sein Fahrzeug nicht beherrscht
und Art. 31 Abs. 1 SVG verletzt zu haben. Zum Unfall sei es nur deshalb gekommen,
weil ein Hirsch oder ein Reh plötzlich und für ihn nicht vorhersehbar knapp vor seinem
Fahrzeug die Fahrbahn überquert habe. Er habe versucht dem Tier auszuweichen, sei
dabei ins Schleudern geraten und in die Leitplanke geprallt. Auch wenn er langsamer
gefahren wäre, hätte er, um einen Zusammenstoss mit gravierenden Folgen zu
verhindern, eine Vollbremsung oder ein Ausweichmanöver durchführen müssen. Er
habe somit nicht falsch reagiert, sondern aufgrund der unvorhergesehenen
Ausnahmesituation gar nicht anders reagieren können.
a) Nach ständiger Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, oder wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen
Beweise erhoben, hat sie sich grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu
halten) oder schliesslich wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103). Die Verteidigungsrechte
und allfällige Rechtsmittelmöglichkeiten hat der Beschuldigte bereits im Strafverfahren
wahrzunehmen, wenn er weiss oder annehmen muss, dass gegen ihn auch ein
Führerausweisentzugsverfahren durchgeführt werden wird.
b) Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Altstätten vom 9. Juni 2010 wurde
der Rekurrent wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs nach Art. 31 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG zu einer Busse von Fr. 400.-- verurteilt. Dabei stützte
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sich das Untersuchungsamt auf den Polizeirapport vom 17. Mai 2010 (act. 14/1);
gleichzeitig wurde der Rekurrent über die Weiterleitung der Bussenverfügung an das
Strassenverkehrsamt sowie über die Möglichkeit der Einspracheerhebung orientiert
(act. 14/2, S. 2).
Der Rekurrent musste folglich mit der Eröffnung eines
Administrativmassnahmeverfahrens rechnen. Dessen ungeachtet liess er die
Bussenverfügung vom 9. Juni 2010 in Rechtskraft erwachsen, weshalb die
Administrativbehörde an die tatsächlichen Feststellungen im Strafverfahren
grundsätzlich gebunden ist.
c) Die geltend gemachten Einwände gegen die tatsächlichen Feststellungen im
Strafverfahren hätte der Rekurrent schon in jenem Verfahren vorbringen müssen.
Darauf ist im Administrativmassnahmeverfahren aufgrund der Bindungswirkung des
Strafentscheids nicht mehr einzugehen. Aus demselben Grund sind auch die
Beweisanträge, es sei ein verkehrstechnisches Fachgutachten einzuholen sowie eine
Parteieinvernahme durchzuführen, abzuweisen. Im Übrigen ist nicht davon
auszugehen, dass entsprechende Beweisergänzungen zu neuen Erkenntnissen führen
würden.
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Nach Art. 45 Abs. 1 der Verordnung
über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51,
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abgekürzt: VZV) können ausländische Führerausweise nach den gleichen
Bestimmungen aberkannt werden, die für den Entzug der schweizerischen
Führerausweise gelten.
a) Die Vorinstanz hat den Vorfall vom 6. Mai 2010 als mittelschwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG
qualifiziert. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der Rekurrent einem
Tier ausgewichen sei, entlaste ihn nicht. Art. 31 Abs. 1 SVG verlange vom
Fahrzeugführer sein Fahrzeug ständig so zu beherrschen, dass er den
Vorsichtspflichten nachkommen könne. Das Beherrschen des Fahrzeugs umfasse
auch, die Geschwindigkeit der konkreten Situation anzupassen. Auch auf der Autobahn
sei mit Tieren zu rechnen, die sich auf die Fahrbahn verirren. Folglich dürfe nur so
schnell gefahren werden, dass der Fahrzeugführer innerhalb der überblickbaren
Strecke reagieren und nötigenfalls anhalten könne. Die durch den Rekurrenten
hervorgerufene Gefahr könne nicht mehr als gering eingestuft werden, weshalb
unabhängig vom Verschulden zumindest ein mittelschwerer Fall vorliege.
b) Im Strafverfahren wurde der Rekurrent wegen Verletzung von Verkehrsregeln nach
Art. 90 Ziff. 1 SVG verurteilt. Der Strafrichter gewichtete das Verschulden des
Rekurrenten aufgrund der Bussenhöhe von Fr. 400.-- nicht allzu schwer. Es besteht
kein Anlass, im vorliegenden Verfahren von dieser Auffassung abzuweichen. Weiter ist
erstellt, dass der Rekurrent die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor: Er kam von der
Normalspur der Autobahn ab und kollidierte mit der Mittelleitplanke. Anschliessend
lenkte er sein Fahrzeug nach rechts, fuhr über beide Fahrbahnen hinaus und kollidierte
mit der rechten Leitplanke. Dabei wurde er wiederum nach links abgewiesen und über
beide Fahrbahnen hinweggeschleudert, wo er ein weiteres Mal mit der Mittelleitplanke
kollidierte und das Fahrzeug schliesslich zum Stillstand kam. Dieser Ablauf wurde von
der Polizei aufgrund von verschiedenen Spuren rekonstruiert. Ein Motorfahrzeug, das
von seinem Lenker nicht mehr beherrscht wird, stellt naturgemäss eine erhebliche
Gefahr dar (vgl. GVP 1983 Nr. 92). Dies gilt insbesondere auf Autobahnen, wo mit
relativ hohen Geschwindigkeiten gefahren wird. Wie dem Polizeirapport entnommen
werden kann, querte der Rekurrent mit seinem Fahrzeug dreimal beide Fahrbahnen.
Dass im Unfallzeitpunkt auf jenem Autobahnabschnitt keine weiteren Fahrzeuge
unterwegs waren, ist ausschliesslich dem Zufall zu verdanken. Dass der Unfall so
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glimpflich verlief und Dritte nicht verletzt wurden, ist folglich nur auf glückliche
Umstände zurückzuführen. Aufgrund des erheblichen Sachschadens am Fahrzeug
sowie an der Strassenanlage ist zudem davon auszugehen, dass die Wucht der
Kollisionen recht stark war. Insgesamt steht damit fest, dass der Rekurrent durch das
Nichtbeherrschen des Fahrzeugs zumindest eine abstrakte Gefährdung für die
Sicherheit anderer verursacht hat, die nicht mehr als gering bezeichnet werden kann.
Diese Gefahr bestand unabhängig von der Unfallursache: Während der Rekurrent
nämlich behauptet, ein Reh habe sich auf der Fahrbahn befunden, wird diese
Schilderung des Unfallhergangs im Polizeirapport angezweifelt und als Unfallursache
eine Ablenkung oder Übermüdung des Rekurrenten als wahrscheinlicher eingeschätzt
(vgl. act. 14/1, S. 4). Die Schilderung mit dem Reh erscheint vor allem deshalb als
Schutzbehauptung, weil der Rekurrent mit einer Geschwindigkeit von 130 km/h
unterwegs war, das Reh nur fünf Meter von ihm entfernt gewesen sei, als er es
wahrgenommen habe, und es trotzdem zu keiner Kollision kam. Die Polizei fand keine
Spuren, welche die Angaben des Rekurrenten bestätigen. Schliesslich ging auch der
Strafrichter nicht davon aus, dass der Rekurrent einem Reh ausgewichen war. In der
Bussenverfügung, in welcher der Unfallsachverhalt kurz umschrieben ist, ist davon mit
keinem Wort die Rede. Sobald die Gefahr für die Sicherheit anderer nicht mehr gering
ist, scheidet die Annahme einer leichten Widerhandlung nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG
aus. Da auch die Voraussetzungen einer schweren Widerhandlung gegen die
Verkehrsvorschriften nicht erfüllt sind, bleibt die mittelschwere Widerhandlung gemäss
Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG.
4.- Zu prüfen bleibt die von der Vorinstanz verfügte Dauer der Aberkennung des
Führerausweises von einem Monat.
Bei der Festsetzung der Aberkennungsdauer sind gemäss Art. 45 Abs. 1 VZV in
Verbindung mit Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Vorinstanz hat den Führerausweis für einen Monat aberkannt. Hierbei handelt es
sich um die Mindestdauer nach einer mittelschweren Widerhandlung (Art. 16b Abs. 2
lit. a SVG), welche nicht unterschritten werden darf (Art. 16 Abs. 3 SVG). Die
Aberkennungsdauer von einem Monat ist damit nicht zu beanstanden.
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5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist an
gemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, in: Amtsblatt des
Kantons St. Gallen Nr. 52 vom 27. Dezember 2010, S. 4043). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.