Decision ID: a726efb5-911e-5bff-877d-5d5cc7e02d92
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1962 geborene Hausfrau
X._
, Mutter von drei Kindern
, meldete sich am 2
0.
Mai 2015 bei der
Invalidenversicherung
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/2). Die
Sozial
versicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle,
holte zur Prüfung des Ren
ten
anspruchs Auskünfte über die erwerbliche (
Urk.
7/6) und medizinische Situa
tion (
Urk.
7/9-10) ein. Zur Klärung des Leistungsanspruches veranlasste die IV-Stelle daraufhin ein psychiatrisches
Gut
achten (
Urk.
7/16). Im Rahmen ein
es ersten
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
7/
18
-19 und Urk. 7/26
) liess die IV-Stelle eine ärztliche Untersuchung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD;
Urk.
7/36
und Urk. 7/39) durchführen
und veranlasste eine weitere Begutachtung
(
Urk.
7/56). Mit Vorbescheid vom
3.
April 2018 (
Urk.
7/61) stellte sie der Versicherten in Aussicht, das Begehren abzuweisen. Nach erhobenem Einwand vom 1
3.
April 2018 (
Urk.
7/62) und 1
1.
Juni 2018 (Urk. 7/67) wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren mit Verfügung vom 13. Septem
ber 2018 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
7.
Oktober 2018 (
Urk.
1) Be
schwerde und beantragte, die Verfügung vom 1
3.
September 2018 sei aufzuheben (1.) und die Sache sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese, nach weiteren Abklärungen, über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfügt (2.).
Die IV-Stelle schloss am 2
0.
November 2018 (
Urk.
6) auf Abweisung der Be
schwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
1.
November 2018 (Urk. 8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte mit vollendetem 20. Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten nach Art. 5 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung
(
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 Abs. 3
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts
(
ATSG
)
als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Art. 7 Abs. 2 ATSG ist sinngemäss anwendbar.
Demnach sind für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objek
tiver Sicht nicht überwindbar ist.
1.
2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
li
dit
ät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein.
Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
di
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es
an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
1.5
Nach Art. 43
ATSG
prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die not
wendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Aus
künfte ein (Abs. 1 Satz 1). Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Abs. 2). Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungs
pflichten in un
entschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hin
weisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen
(Abs. 3)
.
1.6
Die Leistungen können gemäss
Art.
7b
IVG
nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7 dieses Gesetzes oder nach
Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist (
Abs.
1). Die Leistungen können in Abweichung von
Art.
21
Abs.
4 ATSG ohne Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
gekürzt oder verweigert werden, wenn die ver
sicherte Person:
a.
trotz Aufforderung der IV-Stelle nach
Art.
3c
Abs.
6 nicht unverzüglich eine Anmeldung vorgenommen hat und sich dies nachteilig auf die Dauer oder das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit oder der Invalidität auswirkt;
b.
der Meldepflicht nach
Art.
31
Abs.
1 ATSG nicht nachgekommen ist;
c.
Leistungen der Invalidenversicherung zu Unrecht erwirkt oder zu erwirken versucht hat;
d.
der IV-Stelle die Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe benötigt (
Abs.
2).
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Abs.
3).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin
sei
bei der Begutachtung nur
einge
schränkt bemüht gewesen
, an der Untersuchung mitzuwirken. Aufgrund der feh
lenden Mitwirkung habe ihr Gesundheitszustand nicht abschliessend beurteilt werden können. Sie sei ausserdem mehrfach durch den Gutachter und die IV-Stelle über die möglichen negativen Konsequenzen eines mangelnden Mitwirkens aufgeklärt worden. Auch nach erneut durchgeführten Abklärungen könne auf
grund der fehlenden Mitwirkung der Beschwerdeführerin eine allfällige gesund
heitliche Einschränkung nicht festgestellt werden. Es würden keine fachärztlichen Angaben zur Arbeitsunfähigkeit vorliegen. Da die Angaben der Beschwerde
führerin nicht im Einklang mit den medizinischen Unterlagen seien, könne nicht auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin, auf denen der Abklä
rungs
bericht hauptsächlich beruhe, abgestützt werden. Es lägen auch keine Hinweise vor, weshalb die Beschwerdeführerin nicht mitgewirkt habe. Es werde an der allge
meinen Beweisregel, dass Validität und nicht Invalidität vermutet werde, festgehalten.
2.2
Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht (
Urk.
1), sie leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung als Folge von Kriegserlebnissen und einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastungen
. Aufgrund ihrer
psychischen Beschwerden sei sie arbeitsunfähig. Gerade aufgrund der psychischen Krankheit sei es ihr nicht möglich gewesen, an der Begutachtung wie gewünscht
mitzuwirken beziehungsweise sei es ihr schwergefallen, die Fragen konkret zu beantworten oder sich bezüglich des Geschehenen zu äussern. Sie habe nie Einwände gegen eine Begutachtung erhoben und sei jeweils mit sämt
lichen Untersuchungen einverstanden gewesen, obwohl dies für sie äusserst schwierig gewesen sei. Es könne in keiner Weise von einer schuldhaften Ver
letzung der Mitwirkungspflicht gesprochen werden. Da die Diagnosen feststünden beziehungsweise erstellt sei, dass die Beschwerdeführerin unter massiven psychi
schen Beschwerden leide und einer Arztperson bezüglich Einschätzung der Beein
trächtigung der Arbeitsfähigkeit ohnehin keine abschliessende Beurteilungskom
petenz zukomme und diese lediglich als Grundlage für die juristische Beurteilung diene, soll
t
en andere Abklärungen vorgenommen werden. Es sei vorliegend mög
lich, eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchzuführen oder eine Fachperson der beruflichen Integration und Berufsberatung einzu
schalten. Am
7.
Februar 2018 sei eine Haushaltsabklärung durchgeführt worden, welche eine Einschränkung im Haushaltbereich von 67.5
%
ergeben habe. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Abklärung durchgeführt und sodann nicht in die
Entscheidfindung
miteinbezogen worden sei. Der Haushaltsbericht sei ebenfalls zu berücksichtigen. Es sei
auch
zu berücksichtigen, dass eine einmalige Untersuchung wie das Gutachten kein umfassendes Bild über den Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin vermitteln könne und vielmehr auf die Berichte des behandelnden Psychiaters abzustellen sei. Die medizinischen Akten seien ungenügend. Der Sachverhalt sei insbesondere hinsichtlich der noch bestehenden Restarbeitsfähigkeit nicht rechtsgenügend abgeklärt worden.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seinem Arztbericht vom 2
4.
Juli 2015 (
Urk.
7/10) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung im Bosnienkrieg (Inhaftierung im serbischen Lage
r
) fest. Seit November 2014 be
stehe in der Tätigkeit als Betriebsangestellte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Beschwerdeführerin
könne nur eine ganz leichte physische Arbeit verrichten. Auf
grund der Konzentrationsschwierigkeiten mache sie bereits bei einfachsten Tätigkeiten Fehler. Wegen ihre
m Misstrauen und der Tendenz zum sozialen Rück
zug habe sie enorm starke Anpassungsstörungen und wegen der Müdigkeit brauche
sie häufige Erholungspausen von unvorhergesehener Dauer. Bei der Krankheit der
Beschwerdeführerin handle es sich um eine
chronifizierte
, intensive und schon längst invalidisierende psychische Störung, welche bis jetzt keine Besserung gezeigt habe. Es sei daher auch in Zukunft mit den gleichen Schwierigkeiten zu rechnen.
3.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, konnte in seinem Gutachten vom 2
3.
Januar 2016 (
Urk.
7/16) sowie in seiner ergänzenden
Stellungnahme
vom 1
3.
Juni 2016 (
Urk.
7/29) keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
fest
stellen (S. 7). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit führte er a
namnestisch
das
Betroffensein
von Katastrophen, Krieg und sonstigen Feindseligkeiten (ICD-10: Z65.5.)
auf
.
Während der gutach
ter
lichen Untersuchung seien zahlreiche Inkongruenzen aufgefallen
. Teils habe die Beschwerdeführerin massive Defizite berichtet und gezeigt, andererseits habe sie sich in der Anamnese durchgehen
d
recht differenziert und kohärent geäussert. Über ihre Funktionsfähigkeit im Haushalt habe sie sich ausweichend und teils widersprüchlich geäussert. Der Gesprächsverlauf sei sehr stockend gewesen und
es habe mehrfach intensiv nachgefragt werden müssen, bis sie die Frage schliesslich
mit Hilfe der Dolmetscherin beantwortet habe. Bei der Beschwer
deführerin hätten sich keine klaren Hinweise auf einen relevanten psychischen Gesundheitsschaden, der eine langfristige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde
,
gefunden. Aufgrund der widersprüchlichen und teil
s
inkongruenten Angaben der Versicherten sowie aufgrund der fehlenden klaren Angaben in den
Vorakten
bezüglich psychiatrischer Erkrankungen sei davon auszugehen, dass
die Be
schwer
de
führerin versuche
,
sich Versicherungsleistungen durch Vortäuschen kog
ni
tiver Einschränkungen
und psychotischer Symptome zu erschleichen. Insge
samt habe sich während der aktuellen Untersuchung ein widersprüchliches und nicht glaubwürdig nachvollziehbares Bild ergeben
(S. 7 f.)
.
3.3
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle führte in ihrem Untersuchungsbericht vom 2
1.
März 2017 (
Urk.
7/39) eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung im Krieg (ICD-10: F62.0) als psychiatrische Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf
(S. 6)
. Seit mindestens November 2014 sei die Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt zu 100
%
arbeitsunfähig. Auch in der Haushaltsführung sei sie
schwerst
eingeschränkt und führe eine
vita
minima
(S. 7)
.
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, führte in seinem Gutachten vom 2
0.
November 2017 (
Urk.
7/56) folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf
(S. 30)
:
-
Posttraumatische Belastungsstörung als Folge von Kriegserlebnissen (ICD-10: F44.3)
-
Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0)
Des Weiteren gab der Gutachter an, dass es nicht möglich sei, genügend sichere Angaben zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu machen, da zu wenige Informationen zu den funktionellen Auswirkungen der vorliegenden psychopa
tho
logischen Symptome im Alltag erhoben werden konnten
(S. 37)
. In
s
gesamt sei die Beschwerdeführerin nur eingeschränkt bemüht gewesen
,
an der Untersuchung aktiv mitzuwirken. Zwar habe sie in den beiden Folgeuntersuchungen deutlich ausführlichere Angaben gemacht, doch sei der Eindruck bestehen geblieben, dass sie die Begutachtung und die Fragen als unnötige Belastung angesehen habe
und
nicht wirkliches Interesse am Vermitteln eines umfassenden Bildes ihrer Be
schwerden, deren Entwicklung und ihrer derzeitigen Lebenssituation gehabt habe. Auch die Begründung für ihre Ablehnung, Angaben in ihrem Umfeld zu erheben, sei nur eingeschränkt nachvollziehbar. Das mangelnde Interesse am IV-Verf
ahren und dess
en Ausgang könne allenfalls Folge davon sein, dass
die Anmeldung bei der IV durch das Sozialamt und nicht durch sie selber initiiert worden sei. Da die Beschwerdeführerin mehrfach über die möglichen negativen Konsequenzen eines mangelnden Mitwirkens aufgeklärt worden sei, könne davon ausgegangen werden, dass sie dies verstanden habe. Keiner der vorliegenden psychopatho
lo
gischen Befunde führe zu derartigen kognitiven Einschränkungen, dass solche Erklärungen von der Beschwerdeführerin nicht mehr verstanden werden können. D
a
die Gespräche mittels Dolmetscherin geführt worden seien,
seien
auch sprach
liche Verständnisschwierigkeiten
auszuschliessen
. Auffallend sei die deutlich stärkere Bereitschaft
gewesen
,
im zweiten Untersuchungsgespräch auf die Fragen ausführlicher zu antworten, nachdem ihr der Auftraggeber nach der ersten Sitzung ein Informationsschreiben
hinsichtlich der
Mitwirkungspflicht habe zu
kommen lassen
(S. 36 f.)
.
Da die Beschwerdeführerin nur sehr eingeschränkt Angaben zu ihren Symptomen
gemacht habe, hätten diese meistens nur sehr rudimentär erhoben werden
können
. Dadurch sei es schwierig zu beurteilen, in welchem Ausmass die psycho
pa
tho
logischen Symptome die Ursache für ihr auffälliges Verhalten in der Untersu
chungssituation seien. Die Auffälligkeiten im Verhalten in der aktuellen Begut
achtung seien
ähnlich wie sie im Vorgutachten
vom November 2015 beschrieben worden seien. Das gezeigte Verhalten sei am ehesten eine Kombination aus den psychopathologischen Symptomen und einer eingeschränkten Bereitschaft
,
an der
Untersuchung aktiv mitzuwirken. Eine bewusste Vortäuschung von Sympto
men werde als unwahrscheinlich erachtet. Anderseits werde es als unwahr
schein
lich erachtet, dass die Verhaltensweisen reiner Ausdruck der posttraumatischen Syndrome seien. Dies, weil aufgrund der gutachterlichen und klinischen Erfah
rung auch Patienten mit ausgeprägter posttraumatisch bedingter
Hypervigilanz
und Misstrauen im Stande seien, ausführlichere Angaben zu ihren Sy
mptomen zu machen. Da zu wenige Informationen hätt
en erhoben werden können, könne keine Angabe zur Konsistenz der geschilderten funktionellen Auswirkungen in verschiedenen Lebensbereichen oder zum Vergleich des derzeitigen Funktions
niveaus mit dem Funktionsniveau vor Eintritt der Gesundheitsschädigung ge
macht werden
(S. 35)
.
4.
4.1
Vorauszuschicken ist, dass nach der Rechtsprechung die Aufgabe von Rechts
an
wender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt sind: Sache des (begutachtenden
)
Mediziners ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berück
sichtigung der subjektiven Beschwerden Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheit
lichen Beeinträchtigungen kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsun
fähig
keit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet.
Diese ist durch die rechtsanwend
en
den
Behörden im Rahmen der rechtlichen Vor
gaben zu würdigen (BGE 140 V 193 E. 3.1 und E. 3.2). Somit können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der im medizinischen Gutachten fest
ge
stellten Arbeitsfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass die gesamte gutachterliche Beurteilung ihren Beweiswert verliert (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_92/2017 vom 2
0.
März 2017 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.2
Das psychiatrische Gutachten
vom
2
0.
November 2017 (
Urk.
7/56) basiert auf einer umfassenden psychiatrischen Untersuchung und wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben. Der Gutachter hat (soweit möglich) detaillierte und nachvollziehbare Befunde und Diagnosen erhoben und sich mit den von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden auseinan
derge
setzt. Zudem
wurden die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und die Schlussfolgerung nachvollziehbar be
gründet.
Er zeigte
schlüssig
auf, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit die Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung als Folge von Kriegserlebnissen und die einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung gestellt werden können
und welche dieser Kriterien bei der Beschwerdeführerin erfüllt sind
.
Auch hat er Stellung bezogen
und erklärt
, weshalb der Erstgutachter keine
IV-relevante
psychiatrische Diagnose
hat
te
stellen können.
Der Grund
lag
in
einer anderweitigen Interpretation des in der Untersuchung gezeigten auffälligen Ver
hal
tens in Kombination mit den nur eingeschränkten Angaben der Beschwer
deführerin. Im Weiteren
legte
der Gutachter in nachvollziehbarer Weise dargelegt, weshalb keine Einschätzung zur Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gemacht werden konnte. Die mangelnde Mitwirkung und Anstrengungsbereitschaft der Be
schwerdeführerin erwies sich da
bei als ursächlich für die
un
vollständige Beur
teilung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit,
dem
Vorhandensein von Ressourcen
und
der Belastungsfaktoren.
Obwohl aus gutachterlicher Sicht keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden konnten, entspricht das Gutachten den rechtsprechungsgemässen Anfor
derungen an eine beweiskräftige medizinische Ents
cheidungsgrundlage (vgl. E.
1.7
hiervor).
4.3
Grundsätzlich hat die versicherte Person der IV-Stelle sämtliche Auskünfte zu erteilen, welche diese zur Erfüllung ihrer Aufgabe benötigt (vgl. E
.
1.
5
, E.
1.
6
hiervor). Die aktive Mitwirkung bei der psychiatrischen Begutachtung ist insofern von Bedeutung, als dass daraus einerseits die Diagnosen hervorgehen und
damit
andererseits Aussagen zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden können.
4.4
Von der Beschwerdeführerin wird unter anderem vorgebracht, sie habe die Fragen im Rahmen der zweiten Begutachtung
vom 2
0.
November 2017 (
Urk.
7/56)
aufgrund ihrer psychischen Beschwerden nicht korrekt und wahrheitsgetreu beantworten oder wie gewünscht mitwirken
können
(
Urk.
1 S. 5)
. Dem ist ent
gegenzuhalten, dass d
ie Beschwerdeführerin sowohl von
Dr.
C._
als auch von der IV-Stelle auf ihre Mitwirkungspflicht hingewiesen wurde. Im Gut
achten wird der mangelnden Anstrengungsbereitschaft und Mitwirkung ein ganzer Abschnitt gewidmet, worin explizit festgehalten wird, dass die Beschwer
deführerin von gutachterlicher Seite mehrfach über die möglichen negativen Konsequenzen eines mangelnden Mitwirkens aufgeklärt wurde (S. 36). Zwischen dem ersten und zweiten Untersuchungsgespräch liess die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin
zudem
ein Schreiben
zukommen, worin sie ausdrücklich auf ihre Mitwirkungspflicht hingewiesen und zum a
ktiven Mitwirken aufgefordert wu
rd
e
(Urk. 7/47). Im Rahmen des Schreiben
s
wurde die Beschwerdeführerin ausser
dem auf
die Folgen ein
er mangelnden Mitwirkung hingewiesen. Sodann hat die Beschwerdeführerin die von der Beschwerdegegnerin zugesandte Bereit
schaftserklärung zur ärztlichen Begutachtung unterzeichnet zurückgesendet (
Urk.
7/52). Die Beschwerdegegnerin hat damit die notwendigen Schritte unter
nommen, um die Beschwerdeführerin sowohl über ihre Pflichten bei der Abklä
rung ihres Gesundheitszustands als auch über die Folgen einer ungenügenden Mitwirkung aufzuklären.
Mit Unterzeichnung der Bereitschaftserklärung hat die Beschwerdeführerin bestätigt, auch von den Säumnisfolgen Kenntnis erhalten zu haben.
Dr.
C._
hielt in seinem Gutachten
diesbezüglich
fest
, dass die Be
schwerdeführerin beim zweiten Untersuchungsgespräch
,
und somit nach dem Infor
mationsschreiben hinsichtlich der Mitwirkungspflicht
,
eine de
utlich
stärkere Bereitschaft gezeigt hat
,
auf die gutachterlichen Fragen zu antworten (
Urk.
7/56 S. 36).
Die stärkere Auskunftsbereitschaft der Beschwerdeführerin
erfolgte somit bewusst und aufgrund der schriftlichen Aufforderung der Beschwerdegegnerin.
Wenn die begutachtende Person aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung
der Beschwerdeführerin
keine Angaben zur invalidisierenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit machen kann, wirkt sich dies zu Lasten der betroffenen Person aus
.
Der Beweis für eine rentenbegründende Invalidität kann grundsätzlich nur dann als geleistet gelten, wenn bei umfassender Betrachtung ein stimmiges Ge
samtbild für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in allen Lebensbereichen resultiert
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_841/2016 und 8C_130/2017 vom 3
0.
November 2017).
Aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung war D
r
.
C._
vorliegend nicht der Lage
,
Angaben zur Einschränkung der Arbeit
s
fähigkeit der Beschwerdeführeri
n zu machen, womit der Beweis für eine
ren
tenbegründende Invalidität ausgeblieben ist.
4.5
Der Einwand der Beschwerdeführerin, die psychischen Beschwerden würden sie an einer aktiveren Mitwirkung hindern
,
ergibt auch vor dem Hintergrund der aktiven psychotherapeutischen Behandlung bei
Dr.
Z._
wenig Sinn.
Die Arzt
berichte von
Dr.
Z._
beruhen hinsichtlich der anamnestischen Angaben und
Schilderung
der Beschwerden überwiegend auf den subjektiven Angaben der Be
schwerdeführerin. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass die Beschwer
deführerin in der Lage ist
,
aktiv an therapeutischen Gesprächen teilzunehmen, Informationen preiszugeben und
deren
Relevanz zu verstehen.
Dass die psychi
schen Beschwerden Hindernis
für eine aktivere Mitwirkung seien, wurde auch von keinem Arzt bestätigt.
Anderweitige Erklärungen oder Bestätigungen, weshalb die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychischen Beschwerden nicht im Stande ist
,
an einer Begut
achtung aktiv teilzunehmen
,
liegen nicht vor.
4.6
In Anbetracht dessen, dass die Beschwerdegegnerin zwei Gutachten und weitere medizinische Abklärungen vorgenommen hat, die Beschwerdeführerin jedoch auch nach mehrmaliger Aufforderung keine genügende Teilnahme an den Abklä
rungen gezeigt hat, liegt eine schuldhafte Verletzung der
Auskunfts- und
Mit
wirkungspflicht der Beschwerdeführerin vor
. Der Beschwerdegegnerin war es somit nicht möglich, den Gesundheitszustand und gestützt darauf die Arbeitsun
fähigkeit der Beschwerdegegnerin respektive ihren Rentenanspruch
in ausrei
chen
dem Umfang
zu überprüfen.
4.7
Nicht abgestellt werden kann auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters Dr.
Z._
, welcher jegliche Auseinandersetzung mit den Ressourcen der Be
schwer
deführerin vermissen liess und auch die psychosozialen Belastungsfak
tor
en
unkommentiert liess.
4.8
Von der Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens anhand der Stand
ardindikatoren kann vorliegend abgesehen werden, da die Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit aufgrund der ungenügenden Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin nicht bestimmt werden
konnte
.
5.
Nach dem Gesagten liegt eine schuldhafte Verletzung der Auskunfts- und Mit
wirkungspflicht der Beschwerdeführerin vor, weshalb die von der Beschwer
de
geg
nerin verfügte
A
bweisung
des Leistungsbegehrens
zu Recht erfolgte.
Die Beschwer
degegnerin ist ihrer Abklärungspflicht in genügenden Masse nachge
kommen, weshalb von den beschwerdeweise verlangten weiteren Abklärungen abzusehen ist (
Urk.
1 S. 2).
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.--
anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.