Decision ID: 54ec595e-7f79-4502-8070-0033cba12bea
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965,
arbeitete
ab dem
1.
Februar 2011 mit einem Pen
sum von 60
%
als Arztsekretärin
bei PD
Dr.
med.
Y._
, Facharzt
für Gynäkologie und Geburtshilfe,
Z._
AG,
und war dadurch ab
Februar 2011
bei der
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
berufsvorsorgeversichert (
Urk.
2/2
). Am
2
0.
September 2011 erfolgte
die Arbeits-/
Erwerbsunfähigkeits
meldung
an die
BVG-Sammelstiftung
Swiss Life, welcher eine krankheitsbedingte 100%ige Arbeits-/Erwerbsunfähigkeit ab dem
28.
Februar 2011 zu entnehmen ist
(Urk.
2/5
)
;
bereits am 20. Juli 20
1
1 war
die Anmeldung bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, erfolgt
(vgl. Urk. 11/8)
.
Mit Vorbescheid vom 23.
September 2013 stellte die
IV-Stelle (sowohl der Versicherten als auch der Vorsorgestiftung)
in Aussicht,
X._
mit Wirkung ab
1.
März 2012 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (Urk. 11/8).
Am 2
6.
November 2013 verfügte sie im angekündigten Sinne
, wobei sie davon ausging, dass
X._
im Gesundheitsfall in einem Vollzeitpensum tätig wäre
(Urk. 2/8).
1.2
Die
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
teilte
X._
am 1
3.
April 2012 mit, dass sie Leistungen infolge Erwerbsunfähigkeit erbringe, und bat die
Versicherte
in diesem Schreiben sowie erneut am 1
5.
Mai 2013 um weitere Angaben zwecks Überprüfung einer allfälligen Veränderung der Erwerbsunfähigkeit (Urk. 2/6-7
, vgl. auch
Urk.
11/5-7
).
Mit M
itteilung vom 11.
Oktober 2013 richtete die BVG-Sammelstiftung Swiss Life der Versicherten für die
Zeit ab Ende Februar 2013 eine
volle
Invalidenrente
aus beruflicher Vorsorge
aus (U
rk.
2/9).
Die IV-Stelle bestätigte der Versicherten am 1.
Februar 2019
im Rahmen einer Überprüfung des Invaliditätsgrades
, dass sie weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente der In
validenversicherung habe (
Urk.
2/13).
Die BVG-Sammelstiftung Swiss Life teilte der Versicherten am 2
1.
November 2019 mit, dass die bislang ausgerichte
ten Erwerbsunfähigkeitsleistungen auf einem für sie (die Vorsorgeeinrichtung) nicht anwendbaren Erwerbsunfähigkeitsgrad basierten
. Da
X._
nur zu 60
%
angestellt und versichert gewesen sei, betrage die für sie rechtsprechungs
gemäss massgebende Einschränkung der Erwerbsfähigkeit 51
%
, weshalb
die
Invaliden
rente
aus beruflicher Vorsorge
per
1.
Jan
uar 2020 entsprechend redu
ziert
werde (
Urk.
2/14). Dagegen opponierte
die Versicherte am 2
3.
Dezember 2019 (
Urk.
2/15)
, woraufhin die BVG-Sammelstiftung Swiss Life mit Schreiben vom 1
2.
Februar 2020 an ihrer Auffassung festhielt (
Urk.
2/16).
2.
Am
2
6.
März 2020 erhob
X._
beim hiesigen Gericht gegen die BVG-Sammelstiftung Swiss Life Klage
und beantragte
, die Beklagte sei zu verpflichten, ihr per
1.
Januar 2020 weiterhin eine volle Invalidenrente auszurichten, zuzüg
lich Zins von 5
%
ab Klag
e
anhebung beziehungsweise dem jeweiligen Fälligkeits
datum auf dem ausstehenden Betrag (
Urk.
1 S. 2). Die Beklagte schloss in ihrer Klageantwort vom
1
3.
August 2020 auf Abweisung der Klage (
Urk.
10 S. 2).
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten beide Parteien an ihren Anträgen fest (Replik vom
1
2.
Oktober 2020
, Urk.
15
; Duplik vom
1
2.
Januar 2021
, Urk.
21
).
Die Duplik wurde der Klägerin am
1
9.
Januar 2021 zur Kenntnis
nahme zugestellt (Urk. 2
2
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach
dem
Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vor
sorge und in der Invalidenversicherung grundsätz
lich der gleiche ist (BGE 123 V
269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilun
gen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE
132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leis
tungs
bezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Über
prüf
barkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrich
tung bezie
hungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesge
richts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
Art.
73
ter
der
Verordnung
über die Invalidenversiche
rung;
IVV
) einbezogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
Die Klägerin begründete ihre Klage im Wesentlichen damit, dass
die Beklagte an die ihr eröffnete Verfügung der IV-Stelle vom 2
6.
November 2013 gebunden sei und deshalb ebenfalls weiterhin eine volle Invalidenrente auszurichten habe (Urk.
1 S. 4-5).
Art.
5 des anwendbaren Vorsorgereglements verweise auf den Invaliditätsbegriff der Invalidenversicherung und damit auch auf
deren
Berech
nungsmethode und die Berechnung des Invaliditätsgrades an sich (
Urk.
1 S. 6).
Ferner machte sie geltend, die Voraussetzungen des Vertrauensschutzes nach
Art.
9 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV), welche analog für Vorsorgeeinrichtungen g
ä
lten, seien erfüllt. Dies habe zur Folge,
dass die Beklagte ihr weiterhin eine volle Invalidenrente ausrichten müsse (
Urk.
1 S. 6-7).
2.2
Die Beklagte brachte in ihrer Klageantwort zusammengefasst vor, mit «im Sinne der IV invalid» sei gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts die gesundheitlich bedingte Erwerbsunfähigkeit im Rahmen des beziehungsweise bezogen auf das durch die versicherte Person geleistete Arbeitspensum bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität (im invalidenversicherungs
rechtlichen Sinne) geführt habe, gemeint (
Urk.
10 S. 7-8). Die Vorsorgeeinrich
tung sei zwar grundsätzlich an die Invaliditätsschätzung der Invalidenversiche
rung gebunden, doch sei die Invalidität im zeitlichen Rahmen der im massgeben
den Zeitpunkt nach
Art.
23
lit
. a BVG ausgeübten Erwerbstätigkeit zu bemessen, ansonsten eine mit dem Versicherungsprinzip nicht vereinbare Deckung des Risikos Erwerbsunfähigkeit als solche bestünde. Bezogen auf das effektiv von der Klägerin versehene Arbeitspensum von 60
%
resultiere ein Invaliditätsgrad von 51
%
(
Urk.
10 S. 8-9).
Die Beklagte
müsse ihre Leistungen anpassen, wenn diese
den gegenwä
rtigen tatsächlichen oder recht
lichen Verhältnissen objektiv nicht entspr
ä
chen, was der F
all sei (Urk.
10 S. 9). Ferner sei in
Art.
35
a BVG die Pflicht zur Rückerstattung unrechtmässig bezogener Leistungen statuiert, wofür kein Verstoss gegen ein gesetzliches Verbot notwendig sei (
Urk.
10 S. 9-10).
Überdies bestritt die Beklagte, dass das öffentlich-rechtliche Institut des Vertrauens
schut
zes auf das vorsorgerechtliche Verhältnis zwischen ihr und der Klägerin zur Anwendung gelange, und verneint
e
eventualiter, dass die Rechtslage noch iden
tisch sei und dass sich die Klägerin mit der von ihr getätigten Disposition nicht selber bereichere (
Urk.
10 S. 11-12).
2.3
In ihrer Replik wies die Klägerin darauf hin, dass der für BVG-Leistungen mass
gebende Invaliditätsgrad gemäss
Art.
5
Abs.
2 letzter Satz des Reglements min
destens dem von der Invalidenversicherung festgestell
ten Invaliditätsgrad ent
spreche
, weshalb ihr
- unabhängig von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung -
reglementarisch eine volle Rente zugesichert worden
sei
. Gestützt auf
Art.
49
Abs.
1 B
VG sei die Vorsorgeeinrichtung
auch frei gewesen, diese weitergehende - überobligatorische - Leistung zuzusichern
(U
rk.
15 S. 2
-3
).
Sodann müsse sich ein Laie bei einer
Reglementsauslegung
nicht die Rechtsprechung des Bundesge
richts jüngeren Datums entgegenhalten lassen. Die Beklagte habe das Reglement zumindest konkludent auch so ausgelegt und könne sich nun nicht Jahre später auf einen angeblichen Irrtum ihrerseits berufen
. Zudem könne
Art.
35a BVG nichts entnommen werden, was gegen den Vertrauensschutz sprechen würde
. Wenn sie die
im Vertrauen auf die Leistungen der Beklagten langfristig
einge
gangenen Verbindlichkeiten
(Säule 3b, vgl. Urk. 2/10-11)
nicht mehr erfüllen könne, entstehe ihr ein Schaden in ihrer Altersvorsorge
(Urk. 15 S. 3
-4
,
Urk.
2/12
).
2.4
Die Beklagte erwiderte
duplicando
, der letzte Satz von Artikel 5 Absatz 2 des Reglements sei im vorliegenden Fall gar nicht anwendbar.
Aus dem Kontext ergebe sich, dass es
darin darum
gehe, was unter eine
r
Teilinvalidität zu verstehen sei. Der letzte Satz regle die spezielle Situation, in welcher lediglich BVG-
Mindestleistungen geschuldet seien. Eine solche Konstellation liege nicht vor. Im Übrigen werde darin keinesfalls ein separater, von Absatz 1 abweichender Inva
liditätsbegriff definiert. Die Invalidenrente als solche sei in
Art.
15 geregelt (Urk. 21 S. 2-3). Der reglementarische weiche nicht vom gesetzlichen Invalidi
tätsbegriff ab. Ferner vermische die Klägerin die Elemente des versicherten Risi
kos «Invalidität» als solches (d.h. die Definition der Invalidität) und die Abstufung des Anspruchs je nach Ausmass der Invalidität.
Die Bestimmung von
Art.
23 BVG einschliesslich der hierzu ergangenen Rechtsprechung gelte im überobligatori
schen Bereich, soweit die Reglemente bezüglich des massgebenden Invaliditäts
begriffs oder des versicherten Risikos nichts Abweichendes vorsähen. Mit ihrer reglementarischen Definition der Invalidität weiche sie
indes
nicht vom massge
benden Invaliditätsbegriff nach Ar
t.
23 BVG ab
, weshalb die von ihr zitierte Rechtsprechung Anwendung finde
und sie zu hohe Leistungen ausgerichtet habe
(
Urk.
21 S. 4
-5
).
3.
3.1
Die Beklagte richtete der Klägerin v
om 2
8.
Februar 2013
bis Ende 2019
eine 100%ige Invalidenrente bei einer Erwerbsunfähigkeit von zuerst 86 und dann 70 % aus
(
Urk.
2/9, 2/14 und 2/16)
, während sie ab dem Jahr 2020 von einer Einschränkung der Erwerbsfähigkeit von 51
%
ausgeht (
Urk.
2/14)
.
Es stellt sich
daher
die Frage, ob die Voraussetzung
en für
eine Überprüfung
des Rentenum
fangs
respektive
für die
Herabsetzung
der Rente
gegeben sind.
Der
neusten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist diesbezüglich zu entnehmen, dass
eine bisher vorbehaltlos ausgerichtete, nicht überobligatorische Rente nach den invalidenversicherungsrechtlichen Regeln anzupassen ist (BGE 143 V 434 Regeste). Dies bedeutet, dass eine Aufhebung oder Herabsetzung der Rente aus beruflicher Vorsorge eines
Rückkommenstitels
im invalidenversicherungs
rechtli
chen Sinne bedarf (BGE 143 V 434 E. 3.3.2
, Urteil des Bundesgerichts 9C_849/2017 vom 1
8.
Juli 2018 E. 1
)
.
Mangels
anderslautender
Regelung im Vor
sorgereglement
(vgl.
Urk.
2/3)
gilt dies auch für die Anpassung von Rentenleis
tungen im Bereich der
weitergehende
n
V
orsorge
(vgl. BGE 143 V 434 E. 3.4)
.
Dabei kommt nebst einer revisionsweisen Anpassung unter den Voraussetzungen von
Art.
17
Abs.
1 ATSG eine Leistungsanpassung dann in Frage, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass
die
Leistungen aufgrund von offensichtlich unhalt
baren Kriterien gewährt worden sind (
BGE 143 V 434
E. 2.3
, BGE 141 V 405 E.
3.6
).
3.2
Die Invalidenversicherung richtet der Klägerin unverändert eine ganze Invaliden
rente bei einen Invaliditätsgrad von 70
%
aus (
Urk.
2/13
)
. Sodann
sind auch keine relevanten Veränderungen des Sachverhalts ersichtlich.
Da mithin eine Renten
anpassung unter dem Titel einer Revision nicht in Betracht fällt,
ist zu prüfen, ob der ursprüngliche Entscheid der Beklagten offensichtlich fehlerhaft war, was - mangels entsprechender reglementarischer Bestimmung (vgl.
Urk.
2/3, wonach in
Art.
20 einzig die Anpassung von Invalidenrenten an die Preisentwicklung gere
gelt ist) - auch für die überobligatorische Leistung gilt
(E. 3.1)
.
Bezüglich offensichtliche
r
Unhaltbarkeit kommt
nicht nur
die Konstellation in Frage, in welcher die Vorsorgeeinrichtung die offensichtliche Fehlerhaftigkeit des Entscheides, auf welchen sie sich abgestützt hatte, erst nachträglich
erkennt (BGE
143 V 434 E. 2.3), sondern hat
Gleiches
auch zu
gelten, wenn ihr eigener Ent
scheid zur Leistungsausrichtung offensichtlich fehlerhaft war.
Bereits
vor
Renten
zusprache
an die Klägerin
war
vom Bundesgericht mehrfach bestätigt worden
, dass Teilzeitangestellte nur für das von ihnen innegehabte Pen
sum versichert
sind
.
Nach ständiger Rechtsprechung bindet daher die von den zuständigen Organen der Invalidenversicherung vorgenommene Evaluation die Vorsorgeeinrichtung nicht, wenn die versicherte Person ihre Erwerbstätigkeit teil
zeitlich ausübt. In diesem Fall ist der von der IV-Stelle festgelegte Invaliditätsgrad für die berufliche Vorsorge nur in Bezug auf den Erwerbsteil bindend, versichert die obligatorische und weitergehende berufliche Vorsorge im Unterschied zur Invalidenversicherung doch lediglich die Erwerbstätigen. Im Rahmen der berufli
chen Vorsorge ist ein Anspruch auf Leistungen daher nur gegeben, sofern eine entsprechende Versicherungsdeckung vorhanden ist (BGE 144 V 72 E. 4.2; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts B 47/97 vom 1
5.
März 1999, publi
ziert in SZS 2001 S. 85; vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts 9C_821/2010 vom
7.
April 2011 E. 4.2 mit Hinweisen;
St
auffer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur beruflichen Vorsorge, 4.
Aufl.
2019 S. 98).
Da
das Versicherungsprin
zip nach dem Gesagten bereits damals galt, war die ursprüngliche Gewährung einer vollen Invalidenrente
aus beruflicher Vorsorge
-
bei
Versicherteneigenschaft der Kläge
rin lediglich im Umfang ihres Pensums von
60
% - klarerweise falsch. Dies gilt im Lichte der aktuellen Rechtsprechung
weiterhin
(
BGE 144 V 72,
BGE 144 V 63
E. 6.2
, Urteil des Bundesgerichts 9C_403/2015 vom 23. September 2015
E. 5.2
)
.
Folglich durfte die Beklagte a
uf ihren Entscheid zurückkommen; aus Gründen der Gleichbehandlung der Versicherten ist die Anpassung der Rente im Sinne der Wiedererwägung vielmehr geboten. Nichts zu ihren Gunsten vermag die Klägerin aus ihrem Vorbringen abzuleiten, die Beklagte sei an den Entscheid der Invali
denversicherung gebunden, ist der zitierten Rechtsprechung doch
wie dargelegt
zu entnehmen, dass die grundsätzliche Bindungswirkung
an den Entscheid der Invalidenversicherung (vgl. E. 1 vorstehend)
durch das Versicherungsprinzip
be
grenzt
wird, weshalb
- entgegen der Auffassung der Klägerin (vgl.
Urk.
1 S. 4-5) -
aus der B
indungswirkung kein
Anspruch auf eine volle Rente
aus beruflicher Vorsorge
abzuleite
n ist.
Nichts zu ändern vermag hieran, dass die Beklagte den Invaliditätsbegriff verglichen mit der Invalidenversicherung weiter fasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts B 130/06 vom 2
7.
April 2007 E. 4.3.2 zur Auslegung des
Art.
5
Abs.
1 des Reglements der BGV-Sammelstiftung der Rentenanstalt). Würde der Invaliditätsgrad auch bei Teilerwerbstätigen bezogen auf ein Vollzeit
pensum ermittelt, führte dies zur Ausdehnung der zuvor nicht vorhandenen Ver
sicherteneigenschaft, was dem auch in der beruflichen Vorsorge geltenden Ver
sicherungsprinzip widerspräche. Schliesslich vermag die Klägerin auch mit ihrem Einwand,
gestützt auf
Art.
5
Abs.
2 letzter Satz des
Vorsorger
eglements
(
Urk.
2/3 S. 7)
entspreche
ihr Invaliditätsgrad
mindestens dem von der Invalidenversiche
rung festgestellten Invaliditätsgrad, weshalb ihr - unabhängig von der bundes
gerichtlichen Rechtsprechung - reglementarisch eine volle Rente zugesichert
worden sei
(Urk. 15 S. 2-3),
nicht durchzudringen
.
Die Auslegung der reglemen
tari
schen Bestimmung (vgl. BGE 134 V 369 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen) ergibt, dass sich Satz 3 von
Art.
5
Abs.
2 des Reglements einzig auf Leistungen aus ob
ligatorischer beruflicher Vorsorge bezieht: Während das Reglement weiterge
hende Leistungen als die gesetzlich statuierten Mindestleistungen gemäss
Art.
24
Abs.
1 BVG bei Teilinvalidität gewährt (
vgl.
Satz 2 von
Abs.
2) und es sich mithin bei der Beklagten um eine umhüllende Vorsorgeeinrichtung handelt, ergibt sich aus der fraglichen Formulierung «gemäss BVG» mit hinreichender Klarheit, dass die genannte Passage einzig auf Leistungen aus obligatorischer Vorsorge an
wendbar ist.
Dafür, dass die Parteien mit dem besagten Satz im Reglement die Versicherungsdeckung entgegen dem Versicherungsprinzip ausdehnen wollten, fehlen
jegliche
Anhaltspunkte.
Im Übrigen stellt die Beklagte weiterhin auf den von der IV-Stelle ermittelten Grad der Erwerbsunfähigkeit von 70
%
ab.
Die Klägerin beruft sich sodann auf den Vertrauensschutz (
Urk.
1 S. 6-7, vgl. fer
ner Urk.
2/10-12
). Die Frage nach dem Vertrauensschutz hängt eng zusammen mit der Frage, wie es um die Abänderbarkeit von BVG-Leistungen bestellt ist.
Angesichts dessen, dass - im Bereich der Invalidenversicherung als auch der be
ruflichen Vorsorge - Dauerleistungen einer Anpassung unter den vorgenannten Bedingungen (E. 3.1) zugänglich sind, entfällt
- zumindest bei einer Anpassung ex
nunc
et pro
futuro
-
eine Berufung auf den Vertrauensgrundsatz ohne Weiteres (SVR 2004 IV Nr. 23
Regeste und E. 4.2.2
).
3.3
Nachdem die Invalidenversicherung das Wartejahr am
1.
März 2011 eröffnete (
Urk.
2/8) und die Klägerin damit übereinstimmend eine gesundheitliche Ein
schränkung erst ab
1.
März 2011 geltend macht (
Urk.
1 S. 3), ist
der Invaliditäts
grad der Klägerin bezogen auf das von ihr bei der vormaligen Arbeitgeberin geleistete
Arbeit
spensum von 60
%
(
Urk.
2/2) festzusetzen (BGE 144 V 63 E. 5.1).
3.
4
Im
Masslichen
überzeugen die Ausführungen der Beklagten (
Urk.
10 S. 8
Ziff.
21) ebenso. Bei einem invalidenversicherungsrechtlich relevanten Invaliditätsgrad von 70
%
verfügt
die Klägerin noch
über
eine Resterwerbsfähigkeit von 30
%
. Setzt man letztere ins Verhältnis zum versicherten 60
%
-Pensum, resultiert ein Invaliditätsgrad von 50
%
, da die Klägerin noch die Hälfte ihres bisherigen Erwerbseinkommens zu erzielen vermag
(
30 :
60;
vgl. BGE 144 V 63 E. 6.3.1)
.
Mit der in BGE 144 V 63 E. 6.3.2 ff.
(vgl. auch Stauffer, Berufliche Vorsorge, 3. Auflage, Zürich 2019, S. 345)
vorgesehenen alternativen Berechnungsmethode, bei welcher das auf 100
%
hochgerechnete zuletzt erzielte Einkommen wieder aufs 60
%
-Pensum, für welches die Klägerin versichert war,
he
runtergerechnet wird, resultiert bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 46'748.90 (0,6 x Fr. 77'914.80; vgl.
Urk.
2/8 S. 2 des Verfügungsteils 2) und einem Invalidenein
kommen von Fr. 23'088.40 (
Urk.
2/8 S. 2 des Verfügungsteils 2) eine Einkom
mensdifferenz von Fr.
23'660.50
(Fr. 46'748.90
minus Fr. 23'088.40). Diese ent
spricht einem Invaliditätsgrad von
aufgerundet 51
%
(Fr. 23'660.
50 :
Fr. 46'748.90
x 100).
D
ass die Beklagte die Invalidenrente
aus beruflicher Vor
sorge
auf 51
%
herabgesetzt hat (
Urk.
2/14 S. 2), ist
nach dem Dargelegten
nicht zu beanstanden.
Setzt die Vorsorgeeinrichtung die Rente aufgrund eigener Abklärungen herab - und
nicht
weil die Invalidenversicherung ihre Rente herabgesetzt hat -, so ist d
er Zeitpunkt der Herabsetzung analog zu
Art.
88
bis
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzen
. Die Zulässigkeit einer rückwirkenden Aufhebung hängt von der Verletzung der Meldepflicht gegenüber der Vorsorge
einrichtung ab
, zumal auch für die Belange des BVG vom Prinzip der Nichtrück
wirkung auszugehen ist
(
BGE 138 V 409 E. 3.3,
BGE 133 V 67 Regeste
und E.
4.3.5
). Eine Meldepflichtverletzung ist vorliegend nicht ersichtlich
.
Gemäss
dem analog anwendbaren
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a
IVV
erfolgt die Herabsetzung oder Aufhebung von Renten
daher
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustel
lung der Verfügung folgenden Monat
s an
(BGE 138 V 409 E. 3.3)
. Die mit Schrei
ben vom 21.
November 2019 mitgeteilte Herabsetzung (
Urk.
2/14) auf den
1.
Jan
uar 2020 hin war somit korrekt
, was einen Rückforderungsanspruch für davor ausgerichtete
Rentenbetreffnisse
ausschliesst
.
3.
5
Zu
sammenfassend erweist sich die Klag
e als unbegründet, weshalb sie abzuwei
sen ist.
4.
Der Beklagten steht in ihrer Funktion als Trägerin der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens und ihres entsprechenden Antrags (
Urk.
10 S. 2) keine Prozess
entschädigung zu (BGE 128 V 124 E. 5b, 126 V 143 E. 4a mit Hinweis).