Decision ID: 9c46ed7e-0e5f-5763-ba67-d797d9d59c90
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Imer H., geb. 1984, ist Staatsangehöriger von Kosovo. Er reiste am 11. April 2008 in
die Schweiz ein und heiratete am 18. April 2008 die in X. (Kanton St. Gallen) wohnhafte
Schweizer Bürgerin Sultane K. Dem Ehemann wurde in der Folge eine
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erteilt. Am 24. April 2008
meldeten sich die Eheleute H. beim Einwohneramt der Stadt St. Gallen an. Am 2. Juni
2008 teilte das Einwohneramt Kirchberg dem Ausländeramt mit, Sultane H. habe sich
von ihrem Ehemann getrennt und sei wieder in X. wohnhaft.
Mit Schreiben vom 25. Juni 2008 orientierte das Ausländeramt Imer H., es beabsichtige
einen Widerruf seiner Aufenthaltsbewilligung, und gewährte ihm das rechtliche Gehör.
Imer H. nahm mit Schreiben vom 5. Juli 2008 dazu Stellung.
Mit Verfügung vom 17. Juli 2008 widerrief das Ausländeramt die Aufenthaltsbewilligung
von Imer H. mit der Begründung, die eheliche Gemeinschaft sei aufgelöst. Eine
Rückkehr des Ehemannes in das Heimatland sei zumutbar und der Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung verhältnismässig.
B./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 18. August 2008 erhob Imer H. Rekurs
beim Sicherheits- und Justizdepartement mit dem Antrag, die Verfügung des
Ausländeramts vom 17. Juli 2008 sei vollumfänglich aufzuheben, von einem Widerruf
der Aufenthaltsbewilligung sei abzusehen und die Aufenthaltsbewilligung sei zu
verlängern. Mit Eingabe vom 19. August 2008 stellte er ausserdem ein Gesuch um
Wiederherstellung der Rekursfrist.
Am 7. Oktober 2008 reichte Sultane H.-K. beim Kreisgericht A. eine Klage gegen Imer
H. auf Ungültigerklärung der Ehe bzw. Scheidung ein. Sie machte geltend, sie sei vom
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Ehemann getäuscht worden; dieser habe keine Lebensgemeinschaft mit ihr begründen,
sondern lediglich eine Aufenthaltsbewilligung erlangen wollen.
Mit Entscheid vom 27. Oktober 2008 wies das Sicherheits- und Justizdepartement das
Gesuch um Wiederherstellung der Rekursfrist ab und trat auf den Rekurs nicht ein.
C./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 10. und 24. November 2008 erhob Imer
H. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements vom 27. Oktober 2008 sowie die Verfügung des
Ausländeramts vom 17. Juli 2008 seien vollumfänglich aufzuheben und es sei von
einem Widerruf der Aufenthaltsbewilligung abzusehen bzw. diese sei ordentlich zu
verlängern, eventualiter sei der Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements
vom 27. Oktober 2008 aufzuheben und die Prozedur sei an dieses zur materiellen
Behandlung des Rekurses zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die zur Begründung vorgebrachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 10. Dezember 2008 unter
Hinweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Akten auf
Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 10. und
24. November 2008 erfüllen zeitlich, formal und inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und
2 VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
Gegenstand des angefochtenen Entscheids ist die Abweisung des
Wiederherstellungsgesuchs sowie die Verweigerung der materiellen Behandlung des
Rekurses. Soweit in der Beschwerde materiell auf den Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung eingegangen wird, ist somit nicht darauf einzutreten.
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2. Nach Art. 47 Abs. 1 VRP ist der Rekurs innert vierzehn Tagen seit der Eröffnung der
Verfügung einzureichen. Die Rekursfrist ist eine gesetzliche Frist, die bei
Nichtbeachtung Verwirkungsfolge hat (Art. 58 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 30
VRP und Art. 77 Abs. 2 des Gerichtsgesetzes, sGS 941.1, abgekürzt GerG). Die Frist
beginnt am Tag, der ihrer schriftlichen Eröffnung folgt (Art. 82 Abs. 1 GerG).
2.1. Die Verfügung des Ausländeramts vom 17. Juli 2008 wurde am 18. Juli 2008 mit
eingeschriebenem Brief versandt. Da der Beschwerdeführer nicht angetroffen werden
konnte, wurde eine Abholungseinladung ausgestellt. Der eingeschriebene Brief wurde
nicht abgeholt, worauf er an das Ausländeramt zurückgesandt wurde. Dieses stellte
den Brief am 4. August 2008 uneingeschrieben dem Beschwerdeführer zu und wies ihn
ausdrücklich darauf hin, dass die Rekursfrist mit der uneingeschriebenen Zustellung
nicht neu zu laufen beginne.
Der Beschwerdeführer macht geltend, es könne keine Zustellung nach Ablauf der
Abholfrist fingiert werden. Im Zeitpunkt, als das Ausländeramt versucht habe, die
Verfügung vom 17. Juli 2008 mittels eingeschriebener Sendung zuzustellen, habe er
nicht über einen Briefkasten verfügt. Die Post habe den Abholschein in den Briefkasten
seines Onkels Enver H. gelegt. Dieser habe sich zu jenem Zeitpunkt in seinem
Heimatland befunden. Der ebenfalls an der Zürcherstrasse xxx wohnhaft Onkel Zyber
H. habe den Briefkasten von Enver H. nicht öffnen können, da er keinen Schlüssel
besessen habe. Er, der Beschwerdeführer, habe nicht damit rechnen müssen, dass die
Post den Abholschein einer an ihn gerichteten Verfügung in den Briefkasten seines
Onkels legen würde.
Diese Ausführungen sind unbegründet. Der Beschwerdeführer gab auf seiner
Stellungnahme an das Ausländeramt vom 5. Juli 2008 als Adresse Zürcherstrasse xxx
an, und zwar sowohl auf dem Schreiben selber als auch auf dem Briefumschlag. Damit
brachte er zum Ausdruck, dass ihm die Post unter dieser Adresse zugestellt werden
kann. Entweder hätte er einen eigenen Briefkasten installieren und korrekt beschriften
oder seinen Onkel bzw. die im gleichen Haus oder Haushalt lebenden
Familienmitglieder instruieren müssen, was sie bei der Zustellung eines Abholscheins
unternehmen müssen. Da die Einladung zur Stellungnahme an die Adresse
Zürcherstrasse xxx ohne weiters zugestellt werden konnte, bestand für das
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Ausländeramt kein Anlass, an der Korrektheit der Adresse zu zweifeln. Der
Beschwerdeführer war an einem Verfahren betr. Widerruf der Aufenthaltsbewilligung
beteiligt. Er musste aufgrund der Gewährung des rechtlichen Gehörs damit rechnen,
dass ihm das Ausländeramt kurze Zeit nach Einreichung seiner Stellungnahme eine
Verfügung bzw. eine eingeschriebene Sendung zustellen könnte. Er war als
Verfahrensbeteiligter verpflichtet, die Zustellung einer eingeschriebenen Sendung zu
gewährleisten. Falls er an der Zürcherstrasse xxx nicht erreichbar war, wäre er
verpflichtet gewesen, das Ausländeramt darüber zu orientieren. Mit dem Verzicht auf
einen eigenen Briefkasten bzw. Auslandabwesenheit kann die Zustellung einer
eingeschriebenen Sendung jedenfalls nicht vereitelt werden.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Verfügung des Ausländeramts vom 17. Juli 2008
nach Ablauf der siebentägigen Abholfrist gemäss Ziff. 2.3.7. der AGB
"Postdienstleistungen" der Post, somit spätestens am 28. Juli 2008 (Montag) zugestellt
wurde. Die vierzehntägige Rekursfrist begann daher am 29. Juli 2008 zu laufen und
endete am 11. August 2008. Die Rekurseingabe vom 18. August 2008 ist daher
verspätet.
2.2. Nach Art. 85 Abs. 1 GerG wird ein Vorladungstermin oder eine Frist wieder
hergestellt, wenn der Säumige ein unverschuldetes Hindernis als Ursache der Säumnis
glaubhaft macht. Nach Art. 85 Abs. 2 GerG kann der Richter die Wiederherstellung
anordnen, wenn den Säumigen ein leichtes Verschulden trifft oder wenn der
Verfahrensgegner zustimmt. Über die Wiederherstellung entscheidet der Richter, bei
dem der Vorladungstermin oder die Frist versäumt worden ist (Art. 86 GerG). Diese
Bestimmung ist Kraft des Verweises von Art. 30 bzw. Art. 58 Abs. 1 VRP auch im
Rekursverfahren vor dem Sicherheits- und Justizdepartement anwendbar.
Bei einem unverschuldeten Hindernis besteht Anspruch auf Wiederherstellung einer
Frist, während bei leichtem Verschulden die Anordnung über die Wiederherstellung im
pflichtgemässen Ermessen der Behörde liegt (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 1138).
Im vorliegenden Fall kann nicht von einem fehlenden oder von einem nur leichten
Verschulden ausgegangen werden. Wie erwähnt, war der Beschwerdeführer
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verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihm eingeschriebene Briefpostsendungen zugestellt
werden können. Insbesondere hätte er vor einer allfälligen Abreise seines Onkels ins
Ausland das Ausländeramt darauf hinweisen müssen, dass er gewisse Zeit keine
Verfügungen entgegennehmen kann, falls er nicht über den Briefkasten des Onkels
verfügen konnte oder keinen eigenen Briefkasten hatte. Jedenfalls konnte ihm die
Einladung zur Stellungnahme ohne Probleme zugestellt werden, und das Ausländeramt
durfte daher die vom Beschwerdeführer selbst angegebene Adresse verwenden. Indem
die Vorinstanz die Wiederherstellung der versäumten Rekursfrist verweigert hat, kann
ihr unter den dargelegten Umständen jedenfalls kein rechtswidriges bzw.
ermessensmissbräuchliches Handeln vorgehalten werden. Folglich ist die Beschwerde
gegen die Verweigerung der Wiederherstellung abzuweisen. Der
Nichteintretensentscheid der Vorinstanz erweist sich damit als rechtmässig.
2.3. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit
darauf eingetreten werden kann.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht