Decision ID: 75c60952-76d5-5968-99de-1d534c1585b6
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog eine Ergänzungsleistung zu seiner Altersrente (Dossier 1 [act. G 3.3],
act. 235). Am 7. Oktober 2014 meldete er der EL-Durchführungsstelle, dass er
geheiratet habe (Dossier 1, act. 224). Die Ehe war am 12. September 2014 geschlossen
worden (Dossier 1, act. 223). Die EL-Durchführungsstelle teilte dem EL-Bezüger am
19. Januar 2015 mit, dass sie ein hypothetisches Erwerbseinkommen seiner Ehefrau
werde anrechnen müssen; auf diese Anrechnung könne nur verzichtet werden, wenn
die Ehefrau genügende Arbeitsbemühungen vorweisen könne (Dossier 1, act. 215). Die
revidierte Anspruchsberechnung enthielt kein Erwerbseinkommen der Ehefrau (Dossier
1, act. 205 f.). Der EL-Bezüger teilte am 25. Februar 2015 mit (Dossier 1, act. 196),
seine Ehefrau sei nun erwerbstätig. Die EL-Durchführungsstelle erfuhr von der AHV-
Ausgleichskasse, dass sich die Ehefrau des EL-Bezügers dort als
Selbständigerwerbende (Massagen) angemeldet hatte und dass sie ihr Reineinkommen
für die ersten zwölf Monate auf Fr. 16’000.-- geschätzt hatte (Dossier 1, act. 196). Die
EL-Durchführungsstelle berücksichtigte dieses Erwerbseinkommen ab Februar 2015
bei der Anspruchsberechnung (Dossier 1, act. 191). In der entsprechenden
Revisionsverfügung hielt sie fest, sie gehe davon aus, dass die Ehefrau nach einem
Jahr ein höheres Erwerbseinkommen erzielen werde. Sollte das nicht der Fall sein,
werde die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens erneut geprüft
(Dossier 1, act. 193-1). Mit Verfügung vom 10. April 2016 rechnete die EL-
Durchführungsstelle ab 1. Oktober 2015 ein Einkommen von Fr. 9'610.90 pro Jahr und
ab 1. Januar 2016 ein solches von Fr. 12'280.-- pro Jahr aus der selbständigen
A.a.
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Erwerbstätigkeit der Ehefrau an (Dossier 1, act. 140). Bereits am 8. April 2016 hatte die
EL-Durchführungsstelle dem EL-Bezüger mitgeteilt, dass seine Ehefrau eine
unselbständige Erwerbstätigkeit suchen müsse, da sie auch nach einem Jahr noch kein
existenzsicherndes Einkommen erziele (Dossier 1, act. 143). Bei ungenügenden
Arbeitsbemühungen behalte sie es sich vor, der Ehefrau ein hypothetisches
Erwerbseinkommen von Fr. 45'584.78 netto anzurechnen. Aufgrund der getätigten
Arbeitsbemühungen verzichtete die EL-Durchführungsstelle in der Folge auf die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens (Schreiben vom 8. September
2016, Dossier 1, act. 127, Schreiben vom 27. Februar 2017, Dossier 1, act. 120,
Feststellungsblatt vom 30. September 2017, Dossier 1, act. 104, Verfügung vom 2.
Oktober 2017, Dossier 1, act. 101).
Die EL-Durchführungsstelle notierte im August 2017, die AHV-Ausgleichskasse
habe eine Beitragsverfügung auf der Grundlage eines Einkommens der Ehefrau aus der
selbständigen Erwerbstätigkeit von Fr. 16’900.-- abzüglich Fr. 1’090.20 erlassen
(Dossier 1, act. 107–1). Sie nahm eine Anspruchsberechnung rückwirkend ab 1. Januar
2016 vor, wobei sie für Januar 2016 bis und mit Februar 2017 ein Erwerbseinkommen
von Fr. 15’809.-- (statt Fr. 12’280.--) und ab 1. März 2017 ein solches von Fr. 17'990.--
(statt Fr. 12'280.--) berücksichtigte (Dossier 1, act. 99 ff.). Mit Verfügung vom 11. Mai
2018 reduzierte die EL-Durchführungsstelle das Einkommen aus der selbständigen
Erwerbstätigkeit ab 1. November 2017 bis 31. Dezember 2017 auf Fr. 16'279.-- pro
Jahr (Dossier 1, act. 62 f.). Eine dagegen erhobene Einsprache wies die EL-
Durchführungsstelle ab (Dossier 1, act. 41). Mit Verfügung vom 29. Mai 2018 eröffnete
die EL-Durchführungsstelle dem EL-Bezüger, dass seiner Ehefrau ab dem 1. Juni 2018
ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 43'706.-- angerechnet werde (Dossier
1, act. 53). Zur Begründung hielt sie fest, dass die Ehefrau trotz der Kinder (Jg. 200_/
201_, im Rahmen des Familiennachzugs eingereist im Juli 2017/Mai 2018, siehe
Dossier 1, act. 60-3/150) in der Lage wäre, einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit
nachzugehen, da die Kinderbetreuung durch Dritte (EL-Bezüger, Tante, ältere Tochter)
sichergestellt sei. Überdies habe die Ehefrau wegen längerer Auslandaufenthalte
lediglich in den Monaten Januar und Februar 2018 Arbeitsbemühungen getätigt.
Schliesslich erfülle sie die gestellten Anforderungen gemäss den Inseraten oftmals
nicht oder es seien Bewerbungen für Stellen versendet worden, bei denen der
A.b.
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B.
Arbeitsweg kaum zu überwinden wäre (z.B. Bewerbung für Stelle im Kanton B._).
Wegen der Anrechnung des hypothetischen Erwerbseinkommens reduzierte sich der
EL-Anspruch ab 1. Juni 2018 auf die sog. Minimalgarantie (entspricht der
Prämienpauschale für die obligatorische Krankenversicherung). Eine dagegen
erhobene Einsprache wies die EL-Durchführungsstelle ab (Dossier 1, act. 38).
Mit zwei Verfügungen vom 15. Juni 2018 sprach die IV-Stelle dem EL-Bezüger ab
1. August 2017 für die jüngere Tochter seiner Ehefrau und ab 1. Juni 2018 für die die
ältere Tochter seiner Ehefrau je eine Kinderrente zu (Dossier 1, act. 37, 24; die
Rentenverfügung betreffend die jüngere Tochter liegt nicht bei den Akten). Die EL-
Durchführungsstelle setzte die Ergänzungsleistungen in der Folge unter Einschluss der
beiden Kinder der Ehefrau rückwirkend ab 1. August 2017 neu fest (Verfügung vom 6.
Juli 2018, Dossier 1, act. 24). Für die Zeit ab 1. Juni 2018 resultierte kein Anspruch
mehr auf Ergänzungsleistungen.
A.c.
Am 26. Mai 2019 teilte der EL-Bezüger der EL-Durchführungsstelle mit, dass
wegen der in den letzten Monaten vermehrt durchgeführten polizeilichen Kontrollen der
Massagesalons ein erheblicher Umsatzrückgang eingetreten sei, da viele Kunden
ausgeblieben seien (Dossier 2 [act. 3.1], act. 41-2). Da seiner Ehefrau ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet werde, werde die Differenz zum
realen Einkommen immer grösser. Am 24. Juli 2019 bat er darum, zwei Arztrechnungen
zu begleichen, da er diese mit seinem Einkommen nicht bezahlen könne (Dossier 2,
act. 41-1). Am 30. Juli 2019 forderte die EL-Durchführungsstelle den EL-Bezüger auf,
das Anmeldeformular für Ergänzungsleistungen ausgefüllt innert drei Monaten
einzureichen (Dossier 2, act. 40). Werde das Anmeldeformular fristgerecht bei der AHV-
Zweigstelle eingereicht, werde das Datum des Schreibens vom 26. Mai 2019 als
Beginn des Anspruchs der allfälligen Ergänzungsleistungen anerkannt. Das ausgefüllte
Anmeldeformular ging am 9. August 2019 bei der AHV-Zweigstelle ein (Dossier 2, act.
33). Der EL-Bezüger gab an, dass er weiterhin mit seiner Ehefrau und deren beiden
Kindern zusammenlebe. Der Mietzins für die Wohnung betrage Fr. 16'572.-- pro Jahr.
Sein Fahrzeug habe einen Wert von Fr. 500.--. Das Erwerbseinkommen seiner Ehefrau
belaufe sich auf Fr. 4'725.--. Seine AHV-Rente belaufe sich auf Fr. 24'986.-- pro Jahr
B.a.
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und die Kinderrenten auf Fr. 16'986.--. Für jedes Kind erhielten sie Kinderzulagen von
monatlich Fr. 200.--. Der EL-Bezüger bejahte die Frage, ob ihm und seiner Ehefrau
Unterhaltsleistungen zustünden; Beträge nannte er keine.
Am 20. August 2019 forderte die EL-Durchführungsstelle den EL-Bezüger auf,
Unterlagen betreffend die Lohneinnahmen seiner Ehefrau in der Zeit vom 1. Januar
2019 bis 31. Juli 2019 sowie die Verfügung und die entsprechenden Belege über die
Höhe der Unterhaltsleistungen (Alimente) einzureichen (Dossier 2, act. 32). Zudem
benötige sie Angaben zu den Auslandaufenthalten des Ehepaares der vergangenen 10
Jahre. Am 22. August 2019 reichte der EL-Bezüger die Buchhaltungsunterlagen sowie
das ausgefüllte Formular betreffend die Auslandaufenthalte ein (Dossier 2, act. 31). Die
Einnahmen der Ehefrau hatten sich im Januar 2019 auf Fr. 825.--, im Februar 2019 auf
Fr. 1'150.--, im März 2019 auf Fr. 1'350.--, im April 2019 auf Fr. 1'400.--, im Mai 2019
auf Fr. 2'150.--, im Juni 2019 auf Fr. 2'550.-- und im Juli 2019 auf Fr. 650.-- belaufen.
Die Ausgaben hatten im Januar 2019 Fr. 805.--, im Februar 2019 Fr. 745.--, im März
2019 Fr. 745.--, im April 2019 Fr. 735.--, im Mai 2019 Fr. 730.--, im Juni 2019 Fr. 730.--
und im Juli 2019 Fr. 490.-- betragen.
B.b.
Im Feststellungsblatt vom 20. August 2019 notierte die zuständige EL-
Sachbearbeiterin (Dossier 2, act. 30), dass der Ehefrau ein hypothetisches
Erwerbseinkommen von Fr. 43'706.-- anzurechnen sei, da der Lohn aus der
selbständigen Tätigkeit viel tiefer sei und keine Arbeitsbemühungen vorlägen.
Betreffend die Unterhaltsbeiträge würden keine weiteren Abklärungen getätigt, da auch
ohne diese Einnahmen ein Einnahmenüberschuss resultiere.
B.c.
Mit Verfügung vom 27. August 2019 wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch
um Ausrichtung von Ergänzungsleistungen wegen eines Einnahmenüberschusses ab 1.
Mai 2019 ab (Dossier 2, act. 28).
B.d.
Gegen diese Verfügung erhob der EL-Bezüger am 1. September 2019 eine
Einsprache (Dossier 2, act. 23). Er machte geltend, dass die Anrechnung des
hypothetischen Erwerbseinkommens für seine Ehefrau eine Strafe sei; unter
Berücksichtigung aller Umstände sei es nicht realistisch, dass seine Ehefrau ein
Erwerbseinkommen von Fr. 43'706.-- erzielen könnte. Seine Ehefrau habe in C._
B.e.
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lediglich die Grundschule besucht und dann im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb
mitgearbeitet. Nebst ihrer Muttersprache könne sie nur wenig Englisch sprechen. Auch
die Autofahrprüfung habe sie nicht. Ihre Chancen auf eine Anstellung seien daher
gering. In der Zwischenzeit besuche sie einen Deutschkurs. Zudem kümmere sie sich
um ihre beiden Kinder im schulpflichtigen Alter (5 1⁄2 Jahre und 14 Jahre).
Am 19. November 2019 bat die EL-Durchführungsstelle den EL-Bezüger, eine
Kopie des Terminkalenders der Ehefrau, die Kursunterlagen (Unterrichtszeiten sowie
Beginn und Ende des Kurses) sowie allfällige Arbeitsbemühungen der Ehefrau
einzureichen (Dossier 2, act. 21). Sie gehe davon aus, dass die Ehefrau zu 100 %
erwerbstätig sein könne, da die Kinderbetreuung durch ihn (den EL-Bezüger)
gewährleistet sei. Der EL-Bezüger antwortete am 20. Dezember 2019 (Dossier 2, act.
20), dass kein Terminkalender vorhanden sei. Die Öffnungszeiten der Massagepraxis
würden flexibel gehandhabt (von ca. 10 bis 21 Uhr an sieben Tage die Woche). Die
Ehefrau habe ein bis zwei Kunden pro Tag. Das jüngere Kind werde durch ihn und die
Ehefrau betreut. Das grössere Kind sei weitgehend selbständig. Die Sprachkurse
fänden am Montagnachmittag von 13.30 bis 15.00 Uhr und am Mittwochnachmittag
von 15.45 bis 17.00 statt. Im Moment seien keine Arbeitsbemühungen möglich. Er
werde noch ein ärztliches Attest betreffend die gesundheitlichen Probleme seiner
Ehefrau nachreichen. Dem Schreiben lagen Kursunterlagen bei, aus welchen
hervorging, dass die Ehefrau den Deutschkurs bereits seit dem Sommer 2018
besuchte.
B.f.
Am 5. Februar 2020 teilte der EL-Bezüger der EL-Durchführungsstelle mit, dass
die Hausärztin erst einen Bericht abfassen könne, wenn eine "entsprechende
Vereinbarung mit dem Chefarzt stattgefunden" habe (Dossier 2, act. 17); eine
"Prognose betreffend eingeschränkte Arbeitsfähigkeit" habe sie noch nicht abgeben
können; vorgängig sollte jedoch der Untersuchungsbericht des Kantonsspitals St.
Gallen (KSSG) genügen. Einem Untersuchungsbericht der Klinik für Hand-, Plastische
und Wiederherstellungschirurgie vom 8. Januar 2020 waren die Diagnosen eines
Keloids beidseits Brust bei Z.n. Mammareduktionsplastik und an eines Keloids
Handgelenk links vor Jahren zu entnehmen (Dossier 2, act. 17-3 f.). Die Ärzte hatten
festgehalten, dass von einer operativen Korrektur abzusehen sei. Am
Untersuchungstag war ein Versuch mit einer intraläsionalen Kortison-Injektion erfolgt.
B.g.
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C.
Am 11. Februar 2020 bat die EL-Durchführungsstelle den Regionalen Ärztlichen
Dienst Ostschweiz (RAD) darum, die Zumutbarkeit einer ausserhäuslichen Tätigkeit der
Ehefrau aufgrund der Akten zu beurteilen (Dossier 2, act. 16). RAD-Arzt Dr. med. E._
erklärte am 13. Februar 2020, dass er anhand des vorliegenden Untersuchungsberichts
weder in der Tätigkeit als Masseurin noch in einer anderen adaptierten Tätigkeit eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erkennen könne.
B.h.
Mit Entscheid vom 16. März 2020 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
gegen die Verfügung vom 27. August 2019 ab (Dossier 2, act. 14). Zur Begründung
hielt sie fest, dass die Ehefrau des EL-Bezügers gemäss dem RAD zu 100 %
arbeitsfähig sei. Die selbständige Tätigkeit reiche für die Erfüllung der finanziellen
Ehepflichten resp. Familienpflichten nicht aus. Die Kinderbetreuung könnte durch den
pensionierten EL-Bezüger sichergestellt werden. Bewerbungsbemühungen habe die
Ehefrau keine getätigt. Damit sei die natürliche Vermutung, dass die Ehefrau ihre
Erwerbsfähigkeit verwerten könne, nicht wiederlegt worden. Weder die Anrechnung
des hypothetischen Erwerbseinkommens noch dessen Höhe sei zu beanstanden.
B.i.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der EL-Bezüger (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 30. März 2020 Beschwerde (act. G 1). Er beantragte
sinngemäss, dass seiner Ehefrau kein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet
werden dürfe. Die Kinderbetreuung sei durch ihn sichergestellt. Der Druck der EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) auf seine Ehefrau sei immer
grösser geworden. Sie habe, wie von der Beschwerdegegnerin verlangt,
Bewerbungsbemühungen getätigt. Diese seien von der Beschwerdegegnerin jedoch
beanstandet worden, weshalb ihr trotzdem ein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet worden sei. Wegen des Coronavirus habe seine Ehefrau den Betrieb des
Massagestudios einstellen müssen; nun habe sie kein Einkommen mehr.
C.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 7. Mai 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3).
C.b.
In einer Eingabe vom 20. Mai 2020 hielt der Beschwerdeführer fest (act. G 5), dass
seine Beschwerde wohl aussichtslos sei und sie sich damit abfinden müssten. Sie
C.c.
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Erwägungen
1.
2.
lebten derzeit von einem Einkommen von monatlich Fr. 4'181.--. Obwohl die
Massagepraxis wegen der Corona-Pandemie geschlossen sei, werde seiner Ehefrau
weiterhin ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 43'706.-- pro Jahr
angerechnet. Auf Nachfrage hin teilte der Beschwerdeführer dem Gericht mit, dass er
an der Beschwerde festhalten wolle (act. G 7).
Am 7. Januar 2021 leitete die Beschwerdegegnerin eine E-Mail des
Beschwerdeführers vom 23. Dezember 2020 inkl. Anhang an das Gericht weiter (act. G
10). Der Beschwerdeführer wies darin erneut auf seine schwierige finanzielle Situation
hin.
C.d.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist der Einspracheentscheid
vom 16. März 2020. Diesem liegt die Verfügung vom 27. August 2019 zugrunde, mit
welcher die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen ab 1. Mai
2019 wegen eines Einnahmenüberschusses verneint hat. Da es sich um eine
Neuanmeldung gehandelt hat, sind alle Berechnungspositionen auf ihre Richtigkeit hin
zu überprüfen.
1.1.
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid vom 16.
März 2020 lediglich den Sachverhalt bis und mit 31. Juli 2019 überprüft. Dies ist richtig
gewesen: Nach der Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen (siehe
z.B. Entscheid vom 7. Februar 2018, EL 2016/55 E. 1.2) sind nämlich nur die
Verhältnisse bis zum Erlass der dem angefochtenen Einspracheentscheid
zugrundeliegenden Verfügung (hier 27. August 2019), und nicht etwa die Verhältnisse
bis zum Erlass des Einspracheentscheides selbst (hier 16. März 2020) zu
berücksichtigen.
1.2.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben und die
anrechenbaren Einnahmen werden nach den Art. 10 und 11 ELG sowie den Art. 11 bis
2.1.
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18 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) ermittelt.
Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG werden Einkünfte und Vermögenswerte, auf die
verzichtet worden ist, als Einnahmen angerechnet. Unter dem Titel des
Verzichtseinkommens ist auch ein hypothetisches Erwerbseinkommen des in die
Anspruchsberechnung einzubeziehenden Ehepartners anzurechnen, sofern dieser auf
eine zumutbare Erwerbstätigkeit verzichtet. Bei der Ermittlung der zumutbaren
Erwerbstätigkeit des Ehepartners ist praxisgemäss auf das Alter, den
Gesundheitszustand, die Sprachkenntnisse, die Ausbildung, die bisherige Tätigkeit, die
konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls auf die Dauer der Abwesenheit vom
Berufsleben abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2015,
9C_103/2015 mit Hinweisen). Auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens ist zu verzichten, wenn der Ehepartner trotz ausreichender
Arbeitsbemühungen keine Stelle findet. Diese Voraussetzung ist unter anderem dann
erfüllt, wenn der Ehepartner beim RAV zur Arbeitsvermittlung angemeldet ist sowie
qualitativ und quantitativ ausreichende, aber erfolglose Stellenbemühungen nachweist
(vgl. Rz. 3482.03 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, WEL, Stand 1. Januar 2019).
2.2.
Der Beschwerdeführer hatte bis am 31. Mai 2018 Ergänzungsleistungen bezogen.
Die Ergänzungsleistungen waren per 1. Juni 2018 wegen eines
Einnahmenüberschusses eingestellt worden; seiner Ehefrau war nämlich ab diesem
Zeitpunkt neu ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet worden. Der
Beschwerdeführer hat also im Zeitpunkt der Neuanmeldung im Mai 2019 Kenntnis
davon gehabt, dass seiner Ehefrau ein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet würde, sollte sie kein genügendes Erwerbseinkommen erzielen resp. keine
ausreichenden Arbeitsbemühungen tätigen. Sofern die übrigen Voraussetzungen für
die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens erfüllt gewesen sind (was
nachfolgend zu prüfen ist), hat die Beschwerdegegnerin ein solches also ohne weiteres
ohne Vorankündigung ab dem Anmeldezeitpunkt anrechnen können.
2.3.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers ist seit Februar 2015 selbständig erwerbstätig
(Massagestudio). Ihre Einnahmen haben sich im Januar 2019 auf Fr. 825.--, im Februar
2019 auf Fr. 1'150.--, im März 2019 auf Fr. 1'350.--, im April 2019 auf Fr. 1'400.--, im
Mai 2019 auf Fr. 2'150.--, im Juni 2019 auf Fr. 2'550.-- und im Juli 201 auf Fr. 650.--
belaufen; die Ausgaben haben im Januar 2019 Fr. 805.--, im Februar 2019 Fr. 745.--,
im März 2019 Fr. 745.--, im April 2019 Fr. 735.--, im Mai 2019 Fr. 730.--, im Juni 2019
Fr. 730.-- und im Juli 2019 Fr. 490.-- betragen (Dossier 2, act. 31-4). Das Einkommen
2.4.
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aus der selbständigen Erwerbstätigkeit hat sich in den ersten sieben Monaten des
Jahres 2019 somit auf Fr. 5'095.-- belaufen (Fr. 10'075.-- - Fr. 4'980.--; auf ein Jahr
hochgerechnet würde das einem Einkommen von Fr. 8'734.-- entsprechen). Zum
Vergleich: Im Jahr 2018 hatte das Einkommen gemäss der Buchhaltung Fr. 19'385.--
(richtig wohl: Fr. 18'995.--; Dossier 2, act. 34-5 f.) und im Jahr 2017 Fr. 10'250.--
betragen (Dossier 2, act. 39 und Dossier 1, act. 15-6 f.).
Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass der Ehefrau des
Beschwerdeführers die Erzielung eines wesentlich höheren Erwerbseinkommens,
nämlich von Fr. 43'706.-- pro Jahr, zumutbar sei. Bei der Festlegung der Höhe des
anzurechnenden hypothetischen Einkommens hat sie sich auf den durchschnittlichen
Lohn einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2013 gemäss der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik (LSE) gestützt. Davon hat sie einen Abzug von 10 %
vorgenommen, da die Löhne in der Ostschweiz tiefer sind als im
gesamtschweizerischen Vergleich. Abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge von Fr.
2'902.-- hat ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 43'706.-- resultiert.
Weshalb die Beschwerdegegnerin das hypothetische Erwerbseinkommen anhand der
Tabellenlöhne des Jahres 2013 ermittelt und nicht auf die neuesten Zahlen abgestellt
hat, ist nicht nachvollziehbar. Im Jahr 2017 hat das durchschnittliche Einkommen einer
Hilfsarbeiterin, aufgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro
Tag, Fr. 54'783.-- betragen (Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2019). Davon abzuziehen ist zunächst der Regionallohnabzug von 10 %. Von
den verbleibenden Fr. 49'304.70 sind die Sozialversicherungsbeiträge, aber auch die
Prämien für die Nichtberufsunfallversicherung und die Beiträge an die berufliche
Vorsorge abzuziehen. Mangels aussagekräftigerer Zahlen berücksichtigt das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen in vergleichbaren Fällen jeweils einen
Abzug von neun Prozent für sämtliche Sozialversicherungsbeiträge (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 31. Oktober 2018, EL 2017/47
E. 3.3). Die gegenteilige Auffassung des Bundesgerichts, laut der keine Beiträge an die
berufliche Vorsorge abzuziehen seien, weil die zu entrichtenden Beiträge je nach
konkreter Arbeitsstelle unterschiedlich hoch seien (vgl. Urteil P 35/06 vom 9. Oktober
2007 E. 5.2.3), verstösst gegen den Art. 10 Abs. 3 lit. c ELG und führt zu einer
unzulässigen Ungleichbehandlung von Personen, die effektiv ein Erwerbseinkommen
erzielen, und Personen, denen in Anwendung von Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 11 Abs.
1 lit. a ELG ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet wird, weshalb ihr nicht
gefolgt werden kann (siehe auch Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 2. September 2019, EL 2018/11 E. 2.7.2). Mangelhafte
Deutschkenntnisse rechtfertigen keinen Abzug vom Tabellenlohn, da für die Ausübung
2.5.
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von Hilfsarbeiten in der Regel keine guten Sprachkenntnisse erforderlich sind (vgl. z.B.
Urteil des Bundesgerichts vom 18. April 2019, 8C_687/2018 E. 5.3 mit Hinweisen).
Damit resultiert ein anrechenbares hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr.
44'867.--. Die Beschwerdegegnerin hat also sogar ein etwas zu tiefes hypothetisches
Erwerbseinkommen (Fr. 43'706.--) angerechnet.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers könnte folglich mit einer unselbständigen
Erwerbstätigkeit ein wesentlich höheres Einkommen als mit ihrer selbständigen
Erwerbstätigkeit erzielen. Allerdings stellt sich die Frage, ob der Ehefrau die Ausübung
einer unselbständigen Erwerbstätigkeit überhaupt zumutbar gewesen ist. Die
Ausübung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit hätte nicht bedeutet, dass die
Ehefrau des Beschwerdeführers ihre selbständige Tätigkeit als Masseurin hätte
aufgeben müssen. Sie hätte die selbständige Tätigkeit nämlich im Nebenerwerb weiter
ausüben und sie in der Zukunft allenfalls weiter ausbauen können. Auch der Umstand,
dass der Familiennachzug laut dem Beschwerdeführer nur unter der Bedingung
gewährt worden ist, dass die Ehefrau der angegebenen Erwerbstätigkeit nachgeht
(Dossier 1, act. 60-3), hat die Ausübung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit für die
Ehefrau nicht unzumutbar gemacht. Zum einen hätte die Ehefrau die selbständige
Tätigkeit solange weiterführen können, bis sie eine Anstellung gefunden hätte; eine
Anmeldung beim RAV − welche gemäss den Angaben des Beschwerdeführers die
Aufgabe der selbständigen Tätigkeit bedingt hätte − wäre nicht zwingend erforderlich
gewesen. Zum anderen hätte die Ehefrau die selbständige Tätigkeit wieder aufnehmen
bzw. ausweiten können, wenn ihr − was ein Bedenken des Beschwerdeführers
gewesen ist (vgl. Dossier 1, act. 46-1) − tatsächlich noch während der Probezeit
gekündigt worden wäre. Der Beschwerdeführer hat in der Beschwerdeschrift bestätigt,
dass die Kinderbetreuung durch ihn sichergestellt sei. Zwar hat seine Ehefrau im hier
massgeblichen Zeitraum (Januar 2019 bis Juli 2019) an zwei Nachmittagen pro Woche
einen Deutschkurs besucht (1 x 1.5 Stunden und 1 x 1.25 Stunden). Deutschkurse
werden aber auch zu Randzeiten oder am Wochenende angeboten, weshalb es der
Ehefrau trotzdem möglich gewesen wäre, einer Vollzeittätigkeit nachzugehen.
Schliesslich hat der Beschwerdeführer noch geltend gemacht, dass seine Ehefrau
gesundheitliche Probleme habe (Dossier 2, act. 20-3). Im Recht liegt lediglich ein
Untersuchungsbericht des KSSG vom 8. Januar 2020 (Dossier 2, act. 17-3 f.). Der von
der Beschwerdegegnerin angefragte RAD hat gestützt auf diesen Bericht keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erkennen können (Dossier 2, act. 16). Einen
angekündigten Bericht der Hausärztin betreffend die Arbeitsfähigkeit der Ehefrau hat
der Beschwerdeführer schliesslich doch nicht eingereicht (Dossier 2, act. 17). Demnach
steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass es der
2.6.
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Ehefrau des Beschwerdeführers im hier massgebenden Zeitraum (Januar 2019 bis Juli
2019) möglich und zumutbar gewesen wäre, eine unselbständige Erwerbstätigkeit in
einem Vollpensum auszuüben und dabei ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
Fr. 44'867.-- zu erzielen.
Der Beschwerdeführer hat im Anmeldeformular angegeben, dass sich seine
Ehefrau in den letzten Monaten nicht um eine Arbeitsstelle bemüht habe (Dossier 2,
act. 33-5). Am 19. November 2019 hat die Beschwerdegegnerin noch einmal beim
Beschwerdeführer nachgefragt, ob seine Ehefrau nebst der selbständigen
Erwerbstätigkeit Arbeitsbemühungen getätigt habe (Dossier 2, act. 21). Der
Beschwerdeführer hat hierauf geantwortet, dass im Moment keine Arbeitsbemühungen
möglich seien (Dossier 2, act. 20-4). Weshalb die gesundheitlichen Probleme der
Ehefrau des Beschwerdeführers die Stellensuche verunmöglichen sollten, ist
insbesondere angesichts der ärztlichen Stellungnahme des RAD, wonach keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erkennbar sei, nicht ersichtlich.
2.7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin der Ehefrau des
Beschwerdeführers zu Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet hat.
Der Ehefrau ist es zumutbar, ein Erwerbseinkommen von Fr. 44'867.-- zu erzielen.
Nach Abzug des Freibetrags von Fr. 1'500.-- und der sogenannten Privilegierung (Art.
11 Abs. 1 lit. a ELG) beläuft sich das ab 1. Mai 2019 anrechenbare Einkommen somit
auf Fr. 28'911.-- (und nicht wie von der Beschwerdegegnerin angerechnet auf
Fr. 28'137.--).
2.8.
Als Einnahmen angerechnet wird bei Altersrentnern ein Zehntel des
Reinvermögens, soweit es bei Ehepaaren Fr. 60'000.-- und bei Kindern, die einen
Anspruch auf eine Kinderrente der AHV oder IV begründen, Fr. 15'000.-- übersteigt
(Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG). Der Beschwerdeführer hat mit der EL-Anmeldung lediglich
die Zins- und Saldoausweise per 31. Dezember 2018 der drei Konten seiner Ehefrau
eingereicht (Dossier 2, act. 35-1 ff.). Er selbst besitzt aber mindestens auch ein
Bankkonto (siehe Dossier 2, act. 34-4). Im Jahr 2017 hat sich das Sparguthaben
gemäss der Steuerveranlagung noch auf Fr. 4'105.-- belaufen (Dossier 2, act. 39). Auch
wenn das per 31. Dezember 2017 vorhandene Sparguthaben in der EL-
Anspruchsberechnung ab 1. Mai 2019 berücksichtigt würde, würde angesichts des
hohen Vermögensfreibetrags von Fr. 90'000.-- kein anrechenbarer Vermögensverzehr
resultieren. Zudem kann angesichts der Aktenlage ausgeschlossen werden, dass im
Jahr 2018 ein EL-rechtlich relevanter Vermögenszuwachs erfolgt ist. Die exakte Höhe
des per 1. Mai 2019 anzurechnenden Sparguthabens kann daher offen gelassen
werden. Da die Höhe des anrechenbaren Sparguthabens nicht feststeht, können auch
2.9.
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3.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch
anwendbaren Fassung).