Decision ID: cc0d4c3f-b025-4b11-80d9-a7e2d06fdff6
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
qualifizierte Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 13. September 2011 (DG110064)
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 4. Juli 2011 ist die-
sem Urteil beigeheftet (Urk. 17).
Entscheid der Vorinstanz:
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten Widerhandlung gegen das Bundesgesetz
über die Betäubungsmittel im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 aBetmG in Verbindung mit
Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 54 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 193 Tage durch Poli-
zeiverhaft, Untersuchungshaft und vorzeitigen Strafantritt bis und mit heute erstanden sind.
3. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 23. Juni 2011 beschlagnahmten und bei der
Kantonspolizei Zürich unter der Lagernummer D._ sichergestellten Betäubungsmittel
(6'779 Gramm Kokaingemisch) werden eingezogen und der Kantonspolizei Zürich, ..., zur
Vernichtung überlassen.
4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'480.– Auslagen Vorverfahren
Fr. 1'800.– Untersuchungskosten
Fr. amtl. Verteidigungskosten (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt und definitiv auf die Staatskasse genommen; davon ausgenommen sind die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4
StPO von der Gerichtskasse übernommen werden."
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(schriftlich, Urk. 53)
1. Schuldspruch im Sinne der Anklage.
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von maximal 3 Jahren.
3. Gewährung des teilbedingten Strafvollzugs für 2 Jahre unter Ansetzung
einer Probezeit von 2 Jahren.
4. Einziehung und Vernichtung der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 23.6.2011 beschlagnahmten Betäubungs-
mittel.
5. Auflage der Untersuchungs- und erstinstanzlichen Kosten. Infolge
offensichtlicher Uneinbringlichkeit und aus Resozialisierungsgründen
seien die Kosten jedoch sofort abzuschreiben.
6. Die Kosten für das Berufungsverfahren seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 47)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Gegenstand der Berufung
1. Der Angeklagte reiste am tt.mm.2011, ca. 13.00 Uhr, von ..., Z._
[Staat], kommend in Zürich-Flughafen in die Schweiz ein. Bei der Zollkontrolle
wurde festgestellt, dass er in seinem Reisekoffer insgesamt 6'779 Gramm Koka-
ingemisch bzw. 5'376 Gramm reines Kokain transportierte, verpackt in eine Luft-
matratze, eine Wii-Spielmatte und zwei Heizkissen.
2.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil des Bezirksgerichtes Bülach,
II. Abteilung, vom 13. September 2011 wurde der Beschuldigte der qualifizierten
Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 aBetmG in Verbindung mit Art. 19
Ziff. 2 lit. a aBetmG schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von
54 Monaten bestraft, davon 193 Tage durch Polizeiverhaft, Untersuchungshaft
und vorzeitigen Strafvollzug erstanden. Weiter wurden die mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft vom 23. Juni 2011 beschlagnahmten und bei der Kantons-
polizei Zürich unter der Lagernummer D._ sichergestellten Betäubungsmittel
(6'779 Gramm Kokaingemisch; Urk. 10/8) eingezogen und der Kantonspolizei zur
Vernichtung überlassen. Sodann wurden die Kosten der Untersuchung und des
gerichtlichen Verfahrens dem Beschuldigten auferlegt und definitiv auf die Staats-
kasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung nahm die Vorinstanz
einstweilen auf die Gerichtskasse, unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO (Urk. 38 S. 18).
2.2. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte durch seinen amtlichen Verteidi-
ger am 13. September 2011 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 32) und nach
Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 35 = Urk. 38; Urk. 37) am 14. Dezember
2011 – ebenfalls fristgerecht – am Obergericht die Berufungserklärung einreichen
(Urk. 42). Damit beschränkte der Verteidiger die Berufung ausdrücklich auf den
Strafpunkt, indem er beantragte, das Strafmass markant zu reduzieren (Disposi-
tivziffern 2 des angefochtenen Urteils). Mit Präsidialverfügung vom 4. Januar 2012
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wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der
Staatsanwaltschaft übermittelt (Urk. 45). Diese teilte innert Frist am 10. Januar
2012 mit, die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils zu verlangen und keine
Beweisanträge zu stellen (Urk. 47).
2.3. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte
und sein Verteidiger erschienen sind, waren weder Vorfragen zu entscheiden
noch Beweise abzunehmen (Prot. II S. 4 f.).
3. Der erstinstanzliche Entscheid ist somit in den Dispositivziffern 1 (Schuld-
spruch), 3 (Einziehung), 4 (Kostenfestsetzung) und 5 (Kostenregelung) nicht an-
gefochten und in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit
Art. 402 und 437 StPO). Das ist vorab festzustellen.
4. Auf die Argumente der Verteidigung ist insoweit einzugehen, als dies für die
Urteilsfällung erforderlich ist.
II. Sanktion
1. Anwendbares Recht (Betäubungsmittelgesetz)
1.1. Die Tatbegehung datiert vom 4. März 2011 und erfolgte unter dem früheren
Betäubungsmittelgesetz (aBetmG). Per 1. Juli 2011 ist das revidierte Betäu-
bungsmittelgesetz (nBetmG) in der Fassung vom 20. März 2008 in Kraft getreten.
1.2. Diese Rechtsänderung tangiert die Strafzumessung nicht: Sowohl gemäss
Art. 19 Ziff. 1 Abs. 9 aBetmG (nach welcher Bestimmung die Vorinstanz die Straf-
zumessung vornahm; vgl. Urk. 38 S. 11) als auch gemäss Art. 19 Abs. 2 nBetmG
ist eine qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz mit einer
Freiheitsstrafe von einem bis zu 20 Jahren bedroht. Auch bleibt ohne Einfluss,
dass das neue BetmG den Terminus "schwerer Fall" – gemäss Art. 19 Ziff. 1
Abs. 9 Satz 2 aBetmG bzw. Art. 19 Ziff. 2 aBetmG, im Vergleich zu Art. 19 Abs. 2
nBetmG – nicht mehr verwendet und der Mengenbezug in Art. 19 Abs. 2 lit. a
nBetmG im Verhältnis zu Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG weggefallen ist. Der Gesetz-
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geber hat mit dem Verzicht auf den Mengenbezug nicht gewollt, dass das
Kriterium der Menge an Bedeutung verliere, sondern es bleibt nach wie vor – wie
schon in der bisherigen Rechtsprechung – eines von mehreren Kriterien, das die
Gefährdung der Gesundheit vieler Menschen bewirken kann (vgl. Marcel Keller,
Der Artikel 19 des Betäubungsmittelgesetzes in der Fassung vom 20. März 2008:
Ein kritischer Vergleich zwischen dem alten und dem neuen Recht, Masterarbeit
Hochschule Luzern 2009, S. 30/31 mit verschiedenen Nachweisen). So sieht es
offensichtlich auch das Bundesgericht (Urteil des Bundesgerichts 6B_156/2011
vom 17. Oktober 2011 E. 2.4).
1.3. Da somit das neue Recht nicht das mildere ist, hat die Strafzumessung
– wie vor Vorinstanz (Urk. 38 S. 11) – nach dem Gesetz zu erfolgen, welches
bis zum 30. Juni 2011 in Kraft gestanden hat, d.h. nach dem aBetmG (Art. 2
Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 333 Abs. 1 StGB).
2. Strafrahmen
Mit der Vorinstanz ist vom Strafrahmen für eine qualifizierte Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz auszugehen. Demnach reicht der Strafrahmen von
einem bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe, womit eine Geldstrafe von einem Tages-
satz bis höchstens 360 Tagessätzen verbunden werden kann (Art. 19 Ziff. 1
Abs. 9 aBetmG i.V.m. Art. 34 und 40 StGB). Es sind weder Strafmilderungs- noch
Strafschärfungsgründe ersichtlich. Insbesondere bestehen keine Anhaltspunkte
für eine reduzierte Schuldfähigkeit.
3. Strafzumessung
3.1. Innerhalb des massgebenden Strafrahmens ist die Strafe nach dem Ver-
schulden des Täters zu bemessen, wobei das Vorleben und die persönlichen
Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berück-
sichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der
Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit
des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt,
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wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war,
die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
Der Begriff des Verschuldens muss sich jedenfalls auf den gesamten Unrechts-
und Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen
der Tat- und Täterkomponente (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizeri-
sches Strafgesetzbuch, 18. Aufl., Zürich 2010, Art. 47 N 6).
Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art
und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit welcher
der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Schuldigen zu beachten. So-
dann sind für das Verschulden auch das „Mass an Entscheidungsfreiheit“ beim
Täter sowie die so genannte Intensität des deliktischen Willens bedeutsam
(Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., Art. 47 N 11). Je leichter es für ihn
gewesen wäre, die Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung
gegen sie (Urteile des Bundesgerichtes 6S.270/2006 vom 5. September 2006,
E. 6.2.1; 6S.43/2001 vom 19. Juni 2001, E. 2, und 6S.333/2004 vom 23. Dezem-
ber 2004, E. 1.1; BGE 122 IV 241 E. 1a und Pra 90 [2001] Nr.140 E. 2a;
Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2. Aufl., Bern 2006, S. 179 N 13;
Trechsel/Affolter-Eijsten, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar,
Zürich 2008, Art. 47 N 21).
3.2. Tatkomponente
3.2.1. Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Ver-
schuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie stark
das strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist.
Darunter fallen etwa das Ausmass des Erfolges, wie insbesondere der Delikts-
betrag, die Gefährdung, das Risiko und der Sachschaden etc., sowie die Art und
Weise des Vorgehens. Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie, wie sie
durch die Tat und die Tatausführung offenbart wird, ebenso die Grösse des Tat-
beitrages bei mehreren Tätern und die hierarchische Stellung (BSK Strafrecht I –
Wiprächtiger, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 47 N 69 ff.; Trechsel/Affolter-Eijsten,
a.a.O., Art. 47 N 18 ff.).
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Zu erwähnen ist, dass die schweizerische Praxis bei nicht besonders schwerem
Verschulden in aller Regel die Strafen im unteren bis mittleren Teil des vorge-
gebenen Strafrahmens ansiedelt. Strafen im oberen Bereich, insbesondere
Höchststrafen, sind bloss ausnahmsweise und bei sehr schwerem Verschulden
des Täters auszusprechen (BSK Strafrecht I – Wiprächtiger, a.a.O., Art. 47 N 15).
Bei Drogenstraftätern sind bei der Verschuldensbeurteilung auch die Art und
Menge der umgesetzten Drogen mit zu berücksichtigen. Je grösser die Menge
und je schädlicher die Gattung der vom Täter gehandelten, weitergegebenen oder
transportierten Betäubungsmittel, um so gewichtiger erweist sich die von ihm mit
der Tatverübung herbeigeführte gesundheitliche Gefährdung für Dritte. Allerdings
darf der Drogenmenge – und damit verbunden auch der Gefährlichkeit – bei der
Strafzumessung keine vorrangige Bedeutung zukommen. Auch kommt es nicht
auf den genauen Reinheitsgrad der Droge an, wenn nicht feststeht, dass der
Angeklagte ein ausgesprochen reines oder ein besonders stark gestrecktes
Betäubungsmittel liefern wollte (BSK Strafrecht I – Wiprächtiger, a.a.O., Art. 47
N 71 f.; Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., Art. 47 N 18; BGE 107 IV 60 E. 2c;
BGE 122 IV 299 E. 2c). Neben der Menge und der daraus folgenden Gesund-
heitsgefährdung sind denn auch bei Drogendelikten die Art und Weise der Tat-
begehung, die Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat, die Beweg-
gründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schuldigen zu be-
rücksichtigen (Urteile des Bundesgerichtes 6B_495/2008 vom 27. Dezember
2008, E. 1.4; 6S.463/2006 vom 3. Januar 2007, E. 5 mit Verweis auf BGE 118 IV
342 E. 2c und BGE 121 IV 202 E. 2d/cc; 6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004,
E. 1.2 samt Verweisen; Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., Art. 47 N 48).
Dabei kommt es zunächst darauf an, wie der Täter mit der Droge in Kontakt
gekommen ist und was er damit gemacht hat (Hug-Beeli, Betäubungsmitteldelikte
1983-1991, Zürich 1992, S. 429 f., S. 436 und S. 438). Nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichtes trifft beispielsweise den Transporteur einer bestimmten Be-
täubungsmittelmenge grundsätzlich ein geringeres Verschulden als denjenigen,
der diese Betäubungsmittelmenge verkauft oder zum Zwecke des Weiterverkau-
fes erwirbt (BSK Strafrecht I – Wiprächtiger, a.a.O., Art. 47 N 75; Trechsel/
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Affolter-Eijsten, a.a.O., Art. 47 N 20; Hansjakob, Strafzumessung in Betäubungs-
mittelfällen in ZStrR 115 [1997] S. 242; BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Wesentlich bei
der Strafzumessung ist auch die Stellung des Täters in der Hierarchie des Dro-
genhandels (Urteil des Bundesgerichtes 6S.463/2006 vom 3. Januar 2007, E. 5)
und die Zahl der Geschäfte, welche ein Indiz für die kriminelle Energie und damit
für Gefährlichkeit des Täters ist (Hansjakob, a.a.O., S. 243; Trechsel/Affolter-
Eijsten, a.a.O., Art. 47 N 19). Allerdings ist zu berücksichtigen, dass auch der Tä-
ter ohne Mitbestimmungsrecht, der auf einer tiefen Hierarchiestufe nur Anweisun-
gen ausführte, unter Umständen eine wichtige und unabdingbare Rolle innerhalb
eines Verteilungsnetzes spielen kann, was einen erheblichen strafrechtlichen
Vorwurf zu begründen vermag (BGE 135 IV 191 E. 3.4). Ein weiteres beachtliches
Zumessungskriterium ist auch eine allfällige Drogenabhängigkeit des Täters
(BGE 118 IV 342 E. 2d). Zu berücksichtigen ist ebenfalls, ob ein Beschuldigter
ausschliesslich des Geldes wegen handelte, ohne in einer finanziellen Notlage zu
sein (BGE 107 IV 60 E. 2c), oder ob er es ablehnt, zu arbeiten, obwohl ihm das
möglich wäre, und es vorzieht, durch Drogenhandel seinen Lebensunterhalt zu
verdienen (BGE 118 IV 342 E. 2e). Von Bedeutung sind des Weiteren allfällige
Vorstrafen. Schliesslich ist das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren zu
berücksichtigen, wie beispielsweise ein kooperatives Verhalten, ein umfassendes
Geständnis und aufrichtige Reue sowie Einsicht (BGE 118 IV 342 E. 2d;
Hansjakob, a.a.O., S. 244). Alle diese weiteren Gesichtspunkte können im einen
Fall erheblich straferhöhend, im anderen stark strafmindernd wirken (BGE 118 IV
342 E. 2c).
In diesem Zusammenhang ist auch das Doppelverwertungsverbot zu beachten.
Umstände, die schon Merkmale des gesetzlichen Tatbestandes sind, dürfen nicht
für die konkrete Strafzumessungsentscheidung innerhalb des anzuwendenden
gesetzlichen Strafrahmens berücksichtigt werden – weder zulasten noch zuguns-
ten des Täters. Denn die Tatbestandserfüllung als solche hat sich bereits im Er-
öffnen des gesetzlichen Strafrahmens niedergeschlagen und ist in ihrer Bedeu-
tung für die Strafmassfindung insoweit verbraucht, sonst würde dem Täter der
gleiche Umstand zwei Mal zur Last gelegt oder zu Gute gehalten. Der Richter ist
aber nicht gehindert zu berücksichtigen, in welchem Ausmass ein qualifizierender
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oder privilegierender Tatumstand gegeben ist (BSK Strafrecht I – Wiprächtiger,
a.a.O., Art. 47 N 77 samt Verweisen; Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., Art. 47
N 27).
3.2.2. Vorliegend ist das objektive Tatverschulden – auf einer Skala aller denk-
baren qualifizierten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und
in Anbetracht des konkreten sehr weiten Strafrahmens (Art. 19 Ziff. 2 lit. a a-
BetmG) – als mittelschwer zu bezeichnen.
Der Beschuldigte führte bei seiner Einreise in die Schweiz die grosse Menge von
6'779 Gramm Kokaingemisch bzw. 5'376 Gramm Reinsubstanz mit sich. Der fest-
gestellte Reinheitsgrad von grösstenteils 83 % bzw. 71 % und 70 % (Urk. 10/7)
erweist sich als ausgesprochen hoch und übersteigt die übliche Gassenqualität
bei weitem. Entsprechend hoch ist der Wert der Drogen. Da jedoch nicht erstellt
ist, dass der Beschuldigte um den hohen Reinheitsgrad wusste bzw. in besonde-
rem Bewusstsein darum handelte, wirkt sich vorliegend der Reinheitsgrad nicht
besonders aus (vgl. Urk. 38 S. 13). Mit der Vorinstanz (Urk. 38 S. 12 f.) ist zudem
festzuhalten, dass Kokain eine der gefährlichsten Drogen überhaupt ist. Es
handelt sich dabei um eine so genannt „harte Droge“ mit unbestrittenermassen
gesundheitsgefährdender und abhängigkeitserzeugender Wirkung, letzteres vor
allem in psychischer Hinsicht. Länger dauernder Konsum kann zum vollständigen
Zerfall der Persönlichkeit führen. Vorliegend wurde die Limite von 18 Gramm
Kokain – was gemäss Bundesgericht ausreicht, um von einer Gefährdung der
Gesundheit vieler Menschen, d.h. mindestens 20 Personen, auszugehen und was
zu einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr führt (BGE 118 IV 342 E. 1a und
BGE 109 IV 143 E. 3b) – um ein Vielfaches überschritten. Dadurch hat der Be-
schuldigte die Gesundheit einer sehr grossen Zahl von Menschen in erhebliche
Gefahr gebracht. Entsprechend ist von einem sehr hohen Gefährdungspotential
auszugehen. Auch wenn die Menge nicht von vorrangiger Bedeutung ist, sondern
nur ein Faktor von mehreren darstellt, fällt vorliegend erschwerend ins Gewicht,
dass der qualifizierende Umstand in einem sehr beträchtlichen Ausmass gegeben
ist.
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Mangels anderer Hinweise ist zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen,
dass er lediglich als Kurier tätig war und wohl eine eher untergeordnete Stellung
innerhalb der Drogenorganisation innehatte, was sein Verschulden relativiert und
leicht strafreduzierend zu werten ist. Allerdings scheint es zu wohlwollend, wie die
Vorinstanz von der untersten Hierarchiestufe auszugehen (Urk. 38 S. 13). Die
Stellung eines Transporteurs ist keinesfalls auf der gleich tiefen Stufe anzusiedeln
wie die von abhängigen Strassenverkäufern, die ständig unter starkem Druck ste-
hen. Vielmehr ist aus der dem Beschuldigten anvertrauten grossen Drogenmenge
zu schliessen, dass er selbst als Transporteur einige Verantwortung besass und
insofern ein wichtiges Bindeglied zwischen den Drogenproduzenten und -abneh-
mern darstellte. Auch wenn davon auszugehen ist, dass er im Wesentlichen als
Befehlsempfänger ohne Mitbestimmungsrecht operierte, so tat er dies innerhalb
der Hierarchie jedenfalls nicht ganz unten. Obwohl ihm nur ein Transport in die
Schweiz anzulasten ist, hat er mit dem Befördern der grossen Drogenmenge
innerhalb eines Verteilnetzes einen unerlässlichen und nicht zu verharmlosenden
Tatbeitrag geleistet. Mit seinem Handeln offenbarte er eine beträchtliche
kriminelle Energie.
3.2.3. Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens stellt sich die Frage, wie
dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist.
Zum subjektiven Verschulden gehören etwa die Frage der Schuldfähigkeit sowie
das Motiv. Wer insbesondere in seiner Einsichts- und/oder Handlungsfähigkeit
beeinträchtigt ist, den trifft letztlich ein geringerer subjektiver Tatvorwurf; sein Ver-
schulden ist minder, was zu einer tieferen Strafe führen muss. Ferner sind die
weiteren subjektiven Verschuldenskomponenten, wie beispielsweise einige der in
Art. 48 StGB aufgeführten Gründe, zu berücksichtigen.
3.2.3.1. Wie schon erwähnt, bestehen vorliegend keine Anhaltspunkte für eine
reduzierte Schuldfähigkeit. Dies wurde auch nicht geltend gemacht.
3.2.3.2. Entgegen der Verteidigung sind auch sonst keine Verschuldensminde-
rungsgründe gegeben. Die Verteidigung brachte zum Tatmotiv nämlich vor, der Beschuldigte sei von B._ und von C._ bzw. deren Hinterleuten zur Rei-
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se in die Schweiz gezwungen worden und habe sich deshalb in einer schweren Bedrängnissituation bzw. unter dem Eindruck einer schweren Drohung , was die subjektive Tatschwere beträchtlich relativiere und in Anwendung von
Art. 48 lit. a Ziff. 2 und 3 StGB strafmildernd zu berücksichtigen sei (Urk. 29 S. 6
f.; Urk. 53 S. 4 ff.).
Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass die geltend gemachte Bedrohungssitua-
tion als Motiv für den Drogentransport unglaubhaft ist (Urk. 38 S. 8 f.). Zum einen
erfolgte die Behauptung einer Zwangslage erst relativ spät innerhalb der Untersu-
chung und zudem erscheint die konkrete Darstellung als masslos überzeichnet:
a) Anlässlich der polizeilichen Einvernahme am Tag seiner Verhaftung nannte
der Beschuldigte als Zweck seiner Reise, er habe in der Schweiz eine Woche Fe-
rien verbringen wollen. C._, den er in Z._ kennen gelernt habe, habe ihn
eingeladen (Urk. 2 S. 3 f.). In der Hafteinvernahme vom 5. März 2011 hielt der
Beschuldigte an der Ferienversion fest. C._, der in der Schweiz wohne, habe
ihn – nachdem er diesen als Fremdenführer auf der Insel herumgeführt habe – als
Dank für eine Woche in die Schweiz eingeladen, sein Ticket bezahlt und er wäre
auch für das Retourticket aufgekommen (Urk. 4 S. 2 ff.). Dabei blieb der Beschul-
digte auch in der delegierten Einvernahme bei der Kantonspolizei vom 8. April
2011: C._, eine sehr kultivierte und respektvolle Person, habe ihm die
Schweiz zeigen wollen (Urk. 7 S. 2 ff.). Es sei ihm für die Mitnahme der Drogen
nichts versprochen worden, denn er habe ja nicht gewusst, dass er Drogen trans-
portiere (Urk. 7 S. 10 f.).
b) Erstmals am 21. Juni 2011, in der vierten Einvernahme (Urk. 9) und mithin
rund dreieinhalb Monate nach seiner Verhaftung, erklärte der Beschuldigte ge-
genüber dem Staatsanwalt auf dessen Frage, ob er zu den bisherigen Einver-
nahmen etwas anzufügen oder zu korrigieren habe, er sei gezwungen worden,
hierher zu kommen. Ca. Mitte November 2010 seien ihm von einer unbekannten
Person 1'000 USD zum Überleben geliehen worden, rückzahlbar 1'300 USD in
drei Monaten, d.h. Mitte Februar 2011. B._, ein Bekannter, habe ihm das
Geld vermittelt. Dann habe ihm B._ diesen C._ vorgestellt, den er zum
Golf, Reiten und Bootfahren auf der Insel begleitet habe. Nach Ablauf der drei
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Monate habe B._ ihm erklärt, er müsse den fraglichen Betrag sofort bezah-
len, er habe jedoch nur einen Teil des Betrages gehabt. B._ habe die Forde-
rung durch den Beizug zweier stämmiger Männer mit je im Hosenbund einge-
steckten Pistolen unterstrichen, welche seine Wohnung durchsucht und ihm Pass
und Führerausweis abgenommen hätten. Sie hätten gesagt, sie würden wieder
mit ihm in Kontakt treten. Er habe dann gewartet. Ca. zwei Wochen später sei
B._ wieder erschienen und habe ihm seine Reise in die Schweiz angekün-
digt. Da habe er gemerkt, dass C._ dahinter stehe. B._ und die beiden
stämmigen Männer hätten ihn dann, nachdem sie während seiner Abwesenheit
alles in seinen Koffer gepackt hätten, am Tag der Abreise zum Flughafen ge-
bracht und ihm dort seinen Pass wieder ausgehändigt. Es sei ihm kein Betrag für
die Reise in Aussicht gestellt worden. Bei einer Weigerung, in die Schweiz zu rei-
sen, hätten sie ihm eine Kugel in den Kopf geschossen oder seine Beine gebro-
chen (Urk. 9 S. 2 ff.). Erst auf Nachhaken des Staatsanwaltes, ob ihm bei Absol-
vieren der Reise wenigstens die Tilgung der Schulden versprochen worden sei,
führte der Beschuldigte aus: "Ja. Genau. Sie sagten, um meine Schulden zu til-
gen, müsse ich diese Reise machen. Dies sei die einzige Art, meine Schulden zu
tilgen..." (Urk. 9 S. 6). Man habe ihm nicht gesagt, was er bei dieser Reise trans-
portieren werde, das sei nicht seine Angelegenheit. Aber er sei ja nicht so blöde
und habe schon gedacht, dass es etwas Illegales sein müsse: Drogen, Schmuck-
stücke oder Geld (Urk. 9 S. 6 f.). Er habe weder etwas von den Drogen im Koffer
noch von der Menge gewusst (Urk. 9 S. 8 f.). Er habe den Koffer gar nie mehr be-
rührt. Die andern hätten diesen auch ins Auto geladen, wieder herausgenommen,
am Flughafen gerollt und auf die Gepäckwaage gelegt (Urk. 9 S. 6 ff.). In der nach
einem kurzen Unterbruch stattfindenden Schlusseinvernahme vom gleichen Tag
wiederholte der Beschuldigte, er sei hierher gekommen, weil er keine andere
Wahl gehabt habe, weil er gezwungen worden sei (Urk. 9 S. 8 ff.).
c) Auch anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nannte der Be-
schuldigte Zwang wegen seiner Schulden als Grund für seine Reise in die
Schweiz. Er sei nach Zürich gekommen, um den Koffer zu transportieren. Dabei
stellte er den auf ihn ausgeübten Druck noch um einiges dramatischer dar: Die
zwei grossen "Schränke" hätten drei Wochen vor der Abreise in die Schweiz die
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Pistolen auf ihn gerichtet bzw. das entsprechende Zeichen mit der Hand gemacht
und ihm Pass und Führerausweis abgenommen. Ab dann bis zur Abreise sei er
fast rund um die Uhr von diesen zwei Personen oder von B._ beobachtet
bzw. fast Schritt für Schritt verfolgt worden. Die beiden Typen seien bezahlt wor-
den, um ihn zu überwachen, damit er hierher komme, dies gegen seinen Willen.
Bei Verweigerung der Reise hätten sie ihm vielleicht die Beine gebrochen oder
ihn kaputt gemacht (Urk. 27 S. 7, 10 ff., 16). Er habe nicht daran gedacht, sich an
die diplomatische Vertretung seines Landes zu wenden (Urk. 27 S. 11).
d) Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte
sinngemäss seine Ausführungen vor Vorinstanz. Er habe etwa 600 USD zurück
zahlen können. Als er dann jedoch gefragt habe, ob er mehr Zeit haben könne
und sie dafür mehr Zinsen kassieren könnten, hätten sie das Angebot nicht ange-
nommen. Sie hätten den Pass und den Führerschein von ihm gewollt und gesagt,
wenn er nicht bezahlen würde, müsse er mitkommen. Das seien zwei grosse
Männer gewesen und man habe mit der Pistole auf ihn gezielt (Urk. 52 S. 11).
e) Eine auch nur annähernd plausible Erklärung dafür, weshalb er die Bedro-
hung erst dreieinhalb Monate nach seiner Verhaftung vorbrachte, konnte der Be-
schuldigte nicht liefern. Seine Hinweise, er sei nicht stolz gewesen, von jeman-
dem Geld auszuleihen und die Drohungen hätten weiter bestanden, da er ja wie-
der in die Z._ hätte zurückgehen müssen (Urk. 27 S. 17 f.; Urk. 53 S. 5),
überzeugen in keiner Weise. Der Beschuldigte hätte sich als ... Staatsbürger
[Staat W._] jederzeit an seine Botschaft wenden oder überhaupt in sein Hei-
matland zurückkehren können (Urk. 27 S. 16 ff.). Eine irgendwie geartete Kon-
taktaufnahme mit der ... Botschaft [aus W._] ist entgegen der Ansicht der
Verteidigung (Urk. 53 S. 7) durchaus auch möglich, wenn sich die Botschaft auf
der anderen Seite des Landes befindet. Auch der Umstand, dass dem Beschul-
digten von B._ und dessen Hinterleuten die offiziellen Papiere entwendet
worden seien, stellt keinen Hinderungsgrund dar. Unter anderem auch für solche
Fälle existieren solche Botschaften.
Die geschilderte Bedrohungssituation als Motiv für den Transport erscheint als
nachgeschobene Behauptung und ist mit der Vorinstanz als unglaubhaft zu taxie-
- 15 -
ren (vgl. Urk. 38 S. 8 f.). Wer in derartiger Weise nicht nur moralisch unter Druck
gesetzt, sondern sogar bei Gefahr für Leib und Leben (beide Beine brechen,
Kugel in den Kopf; vgl. Urk. 9 S. 5 f. sowie Urk. 27 S. 10 f. und 16) zu einer straf-
baren Handlung gezwungen wird, hat allen Grund, dies im Anschluss an die Ver-
haftung so rasch wie möglich rechtfertigend offenzulegen und die involvierten
Personen nicht noch als Wohnpartner und Freund (B._) bzw. als guten Kol-
legen und überaus kultivierten Wohltäter (C._) zu präsentieren. Wenn der
Beschuldigte dazu ausführt, er habe sich geschämt sowie nicht akzeptieren kön-
nen, dass er in solche Probleme geraten sei, und er habe dadurch sein Verspre-
chen gegenüber seiner Mutter, immer in der Legalität zu bleiben, gebrochen (Urk.
52 S. 10), so verfängt dies nicht. Gegenteils hätte ihn seine angebliche Scham
gegenüber seiner Mutter doch ebenfalls veranlassen müssen sofort anzugeben,
er sei zum Drogentransport gezwungen worden. Auch die Steigerung der angebli-
chen Zwangslage und Bedrohung mit zusätzlich behaupteter Dauerbewachung
über 2 bis 3 Wochen hinweg erweist sich als völlig übertrieben und neben der
Realität. Das späte Vorbringen und die Aggravierung in der letzten Einvernahme
deuten auf ein ausgedachtes Konstrukt und stellen damit auch ein Lügensignal
dar. Es ist der Vorinstanz somit auch darin beizupflichten, dass für einen Drogen-
transport im vorliegend grossen Ausmass (Menge, Wert) nur ein williger und da-
mit für die Drogenorganisation vertrauenswürdiger und sicherer Transporteur in
Betracht kommt, ist doch das Risiko für die Drahtzieher, durch einen gezwunge-
nen Kurier bei der erstbesten Gelegenheit verraten zu werden, viel zu hoch (auch
Urk. 38 S. 8 f.).
Auf die Angaben des Beschuldigten kann umso weniger abgestellt werden, als
seine Aussagen – wie bereits die Vorinstanz richtig gesehen hat (Urk. 38 S. 6-8;
Art. 82 Abs. 4 StPO) – auch in vielen andern Aspekten unstet und widersprüchlich
ausgefallen sind: So namentlich zur Person des "B._", den er zum einen als
Freund und Wohngenossen, mit dem er ein Zimmer teile, bezeichnete, der für ihn
immer alles vorbereitet habe, den er seit zwei Jahren kenne und jeden Tag sehe
(Urk. 2 S. 4 f.; Urk. 4 S. 2 f.; Urk. 7 S. 3 und 8), der mit andern Worten eine Ver-
trauensposition einnahm. Umgekehrt stufte er diesen dann als mehr oberflächli-
chen Bekannten und keinen engen Freund ein, den er immer als Töfftaxifahrer
- 16 -
genommen habe und sonst nichts von ihm wisse und auch seine Person nicht
näher kenne, der aber ein paar Mal bei ihm übernachtet und der am Abflugtag
ohne Auftrag und Erlaubnis seinen Koffer gepackt habe (Urk. 14/4 S. 3; Urk. 7
S. 8 und 11 f.; Urk. 9 S. 7; Urk. 27 S. 5 f.). Diese widersprüchlichen Angaben
vermögen auch die diesbezüglichen Ausführungen des Beschuldigten anlässlich
der Berufungsverhandlung, dass alles irgendwie stimme, es jedoch darauf an-
komme, wie man es darstelle (Urk. 52 S. 9), nicht zu klären.
Als inkonstant erweisen sich ferner die Erläuterungen des Beschuldigten, weshalb
er nach der Ankunft in Zürich bei der Gepäckausgabe seinen Koffer nicht selber
vom Rollband genommen, sondern dies ein anderer Passagier für ihn bzw. mit
ihm gemeinsam getan habe: Sein und ein anderer Koffer seien "nahe beieinan-
der" gewesen (Urk. 4 S. 5), sein Koffer sei "unter einem andern Koffer" gewesen
(Urk. 7 S. 7; Urk. 27 S. 7), es hätten "noch andere Koffer" drauf gelegen (Urk. 9
S. 6), "zwei bis drei andere Koffer" hätten sich auf seinem Koffer befunden
(Urk. 27 S. 8), darüber habe es "einen anderen Koffer" gehabt (Urk. 52 S. 12).
Sodann gab der Beschuldigte auch unterschiedliche Auskunft darüber, wer ihn
nach Passieren der Zollkontrolle in Zürich hätte abholen bzw. den Koffer über-
nehmen sollen. Zunächst nannte er C._ persönlich (Urk. 2 S. 4), dann er-
wähnte er dessen Chauffeur, den der Beschuldigte einmal gesehen habe (Urk. 4
S. 3), gemäss den folgenden Einvernahmen hätte "jemand", den er nicht gekannt
hätte, der aber ihn erkennen würde, ihn abgeholt (Urk. 7 S. 9; Urk. 9 S. 7); er ha-
be keine Ahnung, wer diese Person gewesen wäre, er habe weder von deren
Aussehen gewusst noch von irgendjemandem eine Telefonnummer gehabt, die
Person hätte ein Foto von ihm gehabt, welches B._ vor seiner Abreise ange-
fertigt habe, auch habe er bestimmte Kleidung tragen müssen, um erkannt zu
werden (Urk. 27 S. 13 und 15; Urk. 52 S. 13).
Mit der Vorinstanz hat die Behauptung eines erzwungenen Transportes als wider-
legt zu gelten und ist daher nicht weiter zu berücksichtigen. Eine Strafreduktion
nach Art. 48 lit. a Ziff. 2 und 3 StGB ist folglich abzulehnen. Vielmehr ist aufgrund
der Ausführungen des Beschuldigten, wonach ihm bereits nach kurzer Zeit auf
der Insel seine Ersparnisse ausgegangen seien, da er viel mit ... [aus W._]
- 17 -
und ... Freunden gefeiert und praktisch noch nicht gearbeitet habe (Urk. 27 S. 19
f.; Urk. 52 S. 3 f.), anzunehmen, dass er den Kokaintransport grundsätzlich freiwil-
lig durchführte, um so seinen weiteren Aufenthalt in der Z._ finanzieren zu
können. Dafür spricht auch, dass der Beschuldigte seinen Wert als Kurier selbst
als hoch einschätzte: "Mit mir haben sie einen guten 'Fisch' gefangen. Ich war ein
unbeschriebenes Blatt bei der Polizei und ich habe einen gültigen Pass" (Urk. 9
S. 6). Beim Beschuldigten handelt es sich um einen unauffälligen, älteren Mann,
der überdies einen unverdächtigen, ... Pass [aus W._] besitzt. Damit wird
auch der für Kuriertransporte über den Luftweg überdurchschnittlich hohe Stras-
senwert des Kokains erklärbar. Abgesehen von alledem steht das durch die vor-
liegende strafbare Handlung verletzte Rechtsgut in keinem Verhältnis zur geltend
gemachten eigenen finanziellen Schuld von USD 1'000.-- und der angeblichen
daraus entstandenen Zwangslage, was ebenfalls auf einen einverständlichen
Drogentransport deutet.
3.2.3.3. In subjektiver Hinsicht ist zudem zu berücksichtigen, dass das Ver-
schulden eines Täters, der eine Tat vorsätzlich begeht, wesentlich schwerer zu
werten ist, als dasjenige eines Täters, der „bloss“ fahrlässig oder mit Eventual-
vorsatz handelt (Urteil des Bundesgerichtes 6P.119/2003/6S.333/2003 vom
20. Januar 2004, E. II.7.5; Stratenwerth, a.a.O., S. 185 f. N 25 ff.; BSK Strafrecht I
– Wiprächtiger, a.a.O., Art. 47 N 89).
Ausgehend von der eben geschilderten Sachlage und seiner wiederholten Aussa-
ge, dass er schon gedacht habe, es sei etwas Illegales, vielleicht Drogen (Urk. 9
S. 6 f.; Urk. 27 S. 7; Urk. 52 S. 12), ist nicht zweifelhaft, dass sich der Beschuldig-
te mit direktem Vorsatz am Transport von Kokain in die Schweiz beteiligt hat.
Dass er etwas anderes als Drogen hätte transportieren sollen (wie beispielsweise
Schmuck oder Geld, vgl. Urk. 9 S. 6), ist bei der vorliegenden Ausgangslage – die
vom Beschuldigten behauptete Geldschuld bei den Hintermännern – nicht plausi-
bel. Der Beschuldigte wusste um das Suchtpotential von Kokain und die massive
Gesundheitsgefährdung (Urk. 4 S. 4; Urk. 27 S. 10) sowie dass Kokain eine ille-
gale Droge ist (Urk. 7 S. 11; Urk. 27 S. 9). Hinsichtlich der Menge ist jedenfalls
von Eventualvorsatz auszugehen. Allein die zwei Heizkissen, die Luftmatratze
- 18 -
sowie die Wii-Spielmatte, in welchen Gegenständen das Kokain versteckt lag, wa-
ren insgesamt 15 Kilogramm schwer (Urk. 10/1; Urk. 10/2 und Urk. 10/5). Folglich
muss dem Beschuldigten beim Transport des Reisekoffers aufgefallen sein, dass
dieser massiv schwerer war als anhand der von ihm bereitgelegten Kleidung zu
erwarten gewesen wäre. Die Darstellung des Beschuldigten, dass er den Reise-
koffer weder in der Z._ noch bei der Landung in Zürich jemals selbst getra-
gen bzw. hochgehoben und daher den Gewichtsunterschied nicht bemerkt habe,
vermag nicht zu überzeugen und ist als ununrealistisch abzulehnen (auch Urk. 38
S. 6 f.). Dass er sich offensichtlich nicht für das genaue Gewicht des gepackten
Koffers interessierte und sich bis zuletzt von seinem Koffer distanzierte (Urk. 27
S. 9), entlastet ihn jedenfalls in keiner Weise. Bezüglich des genauen Reinheits-
grades der Drogen ist von eventualvorsätzlicher Tatbegehung auszugehen, muss-
te doch der Beschuldigte angesichts des betriebenen Aufwandes von einer guten
Qualität der Drogen ausgehen.
3.2.3.4. Bei den Beweggründen eines Drogenstraftäters kommt es für die Straf-
zumessung zudem darauf an, ob er aus einem Suchtzustand, einer Notlage oder
aus eigentlicher Gewinnsucht heraus gehandelt hat und ob er bereit war, jede
sich bietende Gelegenheit auszunützen (Urteil des Bundesgerichtes 6B_765/2008
vom 7. April 2009, E. 2.1.2, nicht publiziert in BGE 134 IV 146).
a) Der Beschuldigte verneinte konstant und vehement, je Drogen angerührt
und konsumiert zu haben oder gar süchtig gewesen zu sein (Urk. 4 S. 4; Urk. 7
S. 1; Urk. 9 S. 6; Urk. 14/4 S. 3; Urk. 27 S. 2 f.). Seine Beteiligung am Drogen-
transport erfolgte somit nicht vor dem Hintergrund eines Suchtzustandes, was
sich zu seinen Gunsten ausgewirkt hätte.
b) Das Argument der Verteidigung, der Beschuldigte habe aus einer  Notlage gehandelt (Prot. I S. 8), ist ebenfalls zu verwerfen. Zu Recht hat die Vorinstanz trotz der beschriebenen angespannten finanziellen Lage des Beschul-
digten eine existentielle Notsituation, welche den Beschuldigten entlasten würde,
ausgeschlossen (Urk. 38 S. 14). Dem Beschuldigten hätte jederzeit – gegebenen-
falls unter Mithilfe der ... [aus W._] Botschaft in der Z._ – die Möglich-
keit offengestanden, nach W._ zurückzukehren und dort wieder auf seinem
- 19 -
angestammten Beruf in der Automobilindustrie zu arbeiten oder aber sich bei den
... [aus W._] Sozialbehörden zu melden. Dies wäre ihm umso eher zumutbar
gewesen, als er offenbar schon einmal, ca. 2009, nach W._ zurückgekehrt
war, um dort wieder ein wenig zu arbeiten und Geld zu verdienen (Urk. 14/4 S. 2;
Urk. 29 S. 8). Er war weder arbeitslos noch arbeitsunfähig, sondern bezeichnete
sich vielmehr als gesund (Urk. 2 S. 1 f.; Urk. 4 S. 6). Auch trifft ihn keine Unter-
haltspflicht.
Selbst wenn der Beschuldigte ca. Ende November 2010 von "jemandem" ein Dar-
lehen über 1'000 USD auf drei Monate erhalten haben sollte, weil ihm das Geld
ausgegangen war, wäre diese Situation leichtfertig herbeigeführt und offensicht-
lich selbstverschuldet. Denn der Beschuldigte hatte nach seiner Darstellung das
bei der Einreise in die Z._ am 17. Oktober 2010 eingeführte Geld von etwa
2'000 USD sorglos im Ausgang verprasst und in den ersten Wochen seines Auf-
enthaltes in der Z._ kaum gearbeitet (Urk. 27 S. 19 ff.; Prot. I S. 8). Dies trotz
eingehender Lebens- und Berufserfahrung auf der Insel in der jüngeren Vergan-
genheit. Ein solcher Lebenswandel steht anderseits in klarem Widerspruch zur ei-
genen Charakterumschreibung des Beschuldigten als äusserst seriösen "Chramp-
fer", der während Jahrzehnten gradlinig in W._ auf seinem Beruf als Karos-
seriespengler gearbeitet sowie äusserst korrekt gelebt habe und sich kaum je et-
was zu Schulden habe kommen lassen (absolut ungetrübter Leumund, vgl. Urk.
14/5 S. 2; Urk. 27 S. 2; Urk. 29 S. 7 f.; Urk. 53 S. 5). Es ist zwar durchaus ver-
ständlich, wenn der Beschuldigte in der Z._ ein ruhiges Leben suchen und
"quasi in Halbrente" mit gelegentlichen Arbeiten leben wollte (Urk. 52 S. 2 und 4).
Es musste ihm jedoch von Beginn weg klar gewesen sein, dass es ihm bei einem
monatlichen Einkommen zwischen 500 USD und 800 USD nebst Bezahlung sei-
nes normalen Lebensunterhaltes kaum möglich sein würde, innert drei Monaten
1'300 USD zurück zu zahlen. Entsprechend habe er in dieser Zeit auch lediglich
etwa 600 USD zurück zahlen gekonnt (Urk. 52 S. 11). Aufgrund dieses Darlehens
brachte sich der Beschuldigte folglich selbst in diese – für ihn zwar sicherlich un-
angenehme – Situation. Eine unter dem Gesichtspunkt der Strafzumessung rele-
vante Notlage war deshalb nicht gegeben.
- 20 -
c) Der Beschuldigte handelte aus rein finanziellen Gründen, indem er mit dem
Drogentransport einfach und schnell Geld verdienen bzw. zumindest Schulden
"abarbeiten" wollte. Sein Verhalten ist darüber hinaus als egoistisch zu bezeich-
nen, da er im Hinblick auf die Verbesserung seiner finanziellen Lage ohne Rück-
sicht auf mögliche Schädigung anderer Menschen und unter Missachtung des
geltenden Rechts handelte. Stellt man auf die Hauptversion des Beschuldigten
ab, dass er die Tathandlung lediglich für die Begleichung einer bestehenden
Schuld beging, wären ihm ohnehin keine finanziellen Mittel zur Deckung des Le-
bensunterhaltes zugeflossen. Zur finanziellen Situation des Beschuldigten im Tat-
zeitpunkt sei im Übrigen auch auf die nachfolgende Erwägung 3.3.1. (Biografie)
verwiesen.
Das Tatmotiv kann den Beschuldigten im Ergebnis nicht entlasten, im Gegenteil.
Das rein pekuniäre Motiv des nicht süchtigen Beschuldigten wirkt sich straferhö-
hend aus (Urteil des Bundesgerichts 6B_765/2008 vom 7. April 2009 E. 2.1.2).
3.2.3.5. Insgesamt wird die objektive Tatschwere durch die subjektiven Kom-
ponenten nicht relativiert, sondern eher erhöht.
3.2.4. Zusammenfassend ist das Verschulden des Beschuldigten in An-
betracht des vorgegebenen weiten Strafrahmens als mittelschwer zu qualifizieren.
Die Einsatzstrafe aufgrund der Tatkomponente liegt noch im Grenzbereich des
untersten Viertels des weiten Strafrahmens, mithin bei ca. 5 Jahren Freiheits-
strafe.
3.3. Täterkomponente
Die Täterkomponente (vgl. Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB) umfasst das Vorleben, die
persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafver-
fahren. Bei der Beurteilung des Vorlebens fallen einerseits früheres Wohlver-
halten, andererseits Zahl, Schwere und Zeitpunkt von Vorstrafen ins Gewicht.
Unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse ist etwa zu berücksichti-
gen, ob sich der Täter im Strafverfahren kooperativ verhielt, ob er Reue und
Einsicht zeigte sowie ob er mehr oder weniger strafempfindlich ist.
- 21 -
3.3.1. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen kann einerseits auf
die Untersuchungsakten und die Erwägungen im angefochtenen Entscheid, ande-
rerseits auf die Ausführungen anlässlich der Berufungsverhandlung verwiesen
werden (Urk. 4 S. 4 f.; Urk. 14/4; Urk. 14/5; Urk. 27 S. 3 ff., 19 ff.; Urk. 38 S. 15;
Urk. 52 S. 1 ff.). Zusammenfassend ist Folgendes festzuhalten: Der am
tt.mm.1952 in ... (W._) geborene Beschuldigte ist geschieden und besitzt die
... [aus W._] Staatsbürgerschaft. Er hat aus zwei verschiedenen Beziehun-
gen zwei erwachsene Söhne, zu denen er keinen Kontakt mehr pflegt. Von seiner
Familie hat er einzig noch Kontakt zu seiner Schwester, welche in W._
wohnt. Bis ins Jahr 2010 arbeitete der Beschuldigte während rund 40 Jahren in
W._ als Karosseriespengler in der Automobilindustrie und verdiente damit
brutto ca. ... 4'000.– [Währung aus W._]. Er wohnte an verschiedenen Orten
in der Provinz .... Im Oktober 2010 reiste er in die Z._, um dort zu leben,
nachdem er sich bereits zuvor regelmässig, meist ferienhalber, dort aufgehalten
hatte. Auf der Insel angekommen, versuchte er sich als Gelegenheitsarbeiter und
verdiente damit durchschnittlich USD 500.– bis USD 600.– im Monat bzw. USD
800.–. Nach 40 Jahren Berufsleben habe er das Leben noch ein wenig geniessen
wollen. Er verfügt über keinen festen Wohnsitz in der Z._.
Aus den grundsätzlich geordneten Verhältnissen des Beschuldigten lassen sich
keine Besonderheiten erkennen, welche einen Einfluss auf die Strafzumessung
hätten.
3.3.2. Vorstrafen
Der Beschuldigte weist im Schweizerischen Strafregister keine Vorstrafen auf
(Urk. 41). Gemäss eigenen Angaben ist er im Ausland nicht vorbestraft (Urk. 14/4
S. 2; Urk.14/5 S. 2) und es liegen auch keine Hinweise für Vorstrafen im Ausland
vor. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 53 S. 7) hat es nach neuer bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung und entsprechender Änderung der bisherigen
Praxis in der Bevölkerung als Normalfall zu gelten, (kriminell) nicht vorbelastet zu
sein. Die Vorstrafenlosigkeit ist deshalb grundsätzlich neutral zu behandeln, also
bei der Strafzumessung nicht zwingend strafmindernd zu berücksichtigen (BGE
136 IV 1 E. 2.6; Urteil des Bundesgerichtes 6B_866/2009 vom 22. Februar 2010,
- 22 -
E. 1.1.4). Dies schliesst nicht aus, sie ausnahmsweise und im Einzelfall in die Ge-
samtbeurteilung der Täterpersönlichkeit einzubeziehen, was sich allenfalls straf-
mindernd auswirken kann. Vorausgesetzt ist jedoch, dass die Straffreiheit auf eine
aussergewöhnliche Gesetzestreue hinweist. Eine solche darf wegen der Gefahr
ungleicher Behandlung nicht leichthin angenommen werden, sondern hat sich auf
besondere Umstände zu beschränken.
Der Beschuldigte war zum Tatzeitpunkt bereits 58 Jahre alt und verfügte bis dahin
über einen einwandfreien Leumund; er lebte rechtschaffen und ein unbescholte-
nes Leben und ging mit viel Fleiss und Zuverlässigkeit seiner Arbeit nach. Nach
seinen Aussagen habe er bisher einzig einmal wegen unerlaubten Haltens ge-
büsst werden müssen (Urk. 27 S. 18; Urk. 29 S. 7 f.; Prot. I S. 8 f.; Urk. 52 S. 1 ff.;
Urk. 53 S. 6). Insgesamt rechtfertigt es sich deshalb, die Vorstrafenlosigkeit und
den ungetrübten Leumund zugunsten des Beschuldigten leicht strafmindernd zu
berücksichtigen.
3.3.3. Nachtatverhalten
Bei der Strafzumessung ist auch das Nachtatverhalten eines Täters zu beachten.
Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren. Insbesondere
wirken ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der Aufklärung
von Straftaten sowie die Einsicht und aufrichtige Reue strafmindernd (Trechsel/
Affolter-Eijsten, a.a.O., Art. 47 N 22 ff.; Wiprächtiger, BSK StGB I, a.a.O., Art. 47
N 131; Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 101 ff.). Das Bundesgericht hielt
in seinen Entscheiden BGE 118 IV 349 und 121 IV 202 dafür, ein positives Nach-
tatverhalten könne zu einer Strafreduktion im Bereich von einem Fünftel bis zu
einem Drittel führen (Wiprächtiger, BSK StGB I, Art. 47 N 131), was ein Teil der
Lehre allerdings zu Recht kritisch hinterfragt (Schwarzenegger/Hug/Jositsch,
a.a.O., S. 101 f.; Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., Art. 47 N 24).
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ein Geständnis jedoch nur
zugunsten des Täters zu berücksichtigen, wenn es auf Einsicht in das begangene
Unrecht oder auf Reue schliessen lässt oder der Täter dadurch zur Tat-
aufdeckung über den eigenen Tatanteil beiträgt (BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Diese
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Praxis beruht auf der Überlegung, dass Geständnisse zur Vereinfachung und
Verkürzung des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beitragen können. Ein Ver-
zicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber deshalb aufdrängen, wenn das
Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichterte, namentlich weil der Täter nur
aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar erst nach Ausfällung des erst-
instanzlichen Urteils geständig wurde (Urteil des Bundesgerichtes 6B_426/2010
vom 22. Juli 2010, E. 1.5 mit Hinweisen).
Der Beschuldigte verhielt sich im Strafverfahren grundsätzlich freundlich und
korrekt. Nach längerem Bestreiten des Tatvorwurfes passte er sich teilweise der
erdrückenden Beweislage an und räumte ein, möglicherweise etwas Illegales,
konkret Drogen bzw. Kokain, transportiert zu haben. Er blieb in seinem Zuge-
ständnis jedoch äusserst vage und widersprüchlich, indem er bis zuletzt daran
festhielt, absolut nichts davon gewusst zu haben, dass Drogen in seinem Koffer
gewesen seien (Urk. 9 S. 8 f.; "keine Ahnung", vgl. Urk. 27 S. 4, 9). Auch verharr-
te er stets darauf, zum Transport gezwungen worden und gegen seinen Willen
hierher gekommen zu sein (Urk. 27 S. 15, 18). Von einem trotz fehlenden Sach-
beweisen schonungslosen Geständnis (vgl. Urk. 29 S. 8) kann hier schlicht nicht
die Rede sein. Er trug mit seinem (Teil-) Geständnis weder zur Vereinfachung und
Verkürzung des Verfahrens noch zur Sachverhaltsabklärung und Wahrheits-
findung bei. Ein solches Geständnis ist nicht strafreduzierend zu werten.
Auch zeigte der Beschuldigte kein kooperatives Verhalten, wozu gehören würde,
dass beispielsweise aufgrund des (Aussage-)Verhaltens eines Beschuldigten wei-
tere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden könnten.
Seine Aussagen betreffend seine Kontaktperson in der Z._ blieben rudimen-
tär. Abgesehen vom Vornamen "B._" und dessen Beruf "Töfftaxifahrer" konn-
te er keine Angaben zu diesem Freund bzw. Bekannten machen (Urk. 2 S. 4; Urk.
7 S. 11; Urk. 27 S. 5 f.). Entsprechendes ist zu sagen hinsichtlich des "guten Kol-
legen" C._ (Urk. 7 S. 4 f.).
Entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 29 S. 8) sind auch keine ech-
te Einsicht und Reue des Beschuldigten ersichtlich. Zwar äusserte der Beschul-
digte bereits in der Untersuchung und vor Vorinstanz (Urk. 9 S. 9; Prot. I S. 11)
- 24 -
sowie auch in der Berufungsverhandlung sein Bedauern (Prot. II S. 5). Die Be-
kundung blieb jedoch rudimentär und war immer verbunden mit dem Hinweis,
keine andere Wahl gehabt zu haben (Urk. 9 S. 9; Prot. I S. 11). Das überzeugt
nicht und es scheint sich lediglich um eine verbale Bezeugung zu handeln. Sein
Aussageverhalten im ganzen Verfahren war wie gesehen diffus und widersprüch-
lich. Es ist nicht erkennbar, dass der Beschuldigte seine Tat als solche bereut, sondern er hadert wohl vielmehr mit seiner Situation im Freiheitsentzug. Somit
fehlt es an einem mit aufrichtiger Reue und Einsicht verbundenen Geständnis,
weshalb für das Nachtatverhalten keine Strafminderung angezeigt ist.
3.3.4. Schliesslich ist die Wirkung der Strafe auf das Leben des Beschuldig-
ten zu berücksichtigen. Mit dieser Formulierung (Art. 47 Abs. 1 StGB) wird
letztlich die Strafempfindlichkeit angesprochen. Die Berücksichtigung der Straf-
empfindlichkeit kommt namentlich in Betracht, wenn der Täter aus medizinischen
Gründen wie Krankheit, Alter oder Haftpsychose besonders empfindlich ist (Urteil
des Bundesgerichtes 6P.161/2004/6S.428/2004 vom 16. März 2005, E. 3.4.6 mit
Hinweis auf 6S.703/1995 vom 26. März 1996, E. c).
Im Zeitpunkt der Tat war der Beschuldigte weder arbeitslos, noch krank, noch alt.
Er lebt alleine. Eine familiäre Unterhaltslast trifft ihn nicht, er ist nur für sich ver-
antwortlich. Eine erhöhte Strafempfindlichkeit des Beschuldigten infolge einer
Krebserkrankung seiner Schwester in W._ sowie einer angeblich generell er-
höhten Krebserkrankungsrate innerhalb seiner Familie (Urk. 29 S. 9), ist mit der
Vorinstanz (Urk. 38 S. 15 f.) zu verneinen. Zwar wurde dem Beschuldigten in der
Schweiz kürzlich ein Knoten am Kinn chirurgisch entfernt (Urk. 27 S. 2; Urk. 29
S. 9), eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Krebserkrankungen kann daraus je-
doch nicht abgeleitet werden. Aufgrund der anlässlich der Berufungsverhandlung
eingereichten Unterlagen über den medizinischen Zustand seiner Schwester
(Urk. 54/1-2) ist es durchaus verständlich, dass er sich um seine krebskranke
Schwester sorgt. Auch ist die Betroffenheit des Beschuldigten nachvollziehbar, da
er wegen des Strafvollzugs in Ungewissheit darüber leben muss, ob er sie über-
haupt noch einmal sehen kann (Urk. 52 S. 6). Gegen eine diesbezüglich erhöhte
Strafempfindlichkeit des Beschuldigten spricht jedoch insbesondere auch die Tat-
- 25 -
sache, dass der Beschuldigte trotz Kenntnis über den schlechten Gesundheits-
zustand seiner Schwester (Urk. 29 S. 9; Urk. 53 S. 8) im Herbst 2010 in die
Z._ reiste, sich damals gegenüber seiner Schwester also gerade nicht per-
sönlich bzw. moralisch verpflichtet fühlte. Wenn der Verteidiger ins Feld führt, der
Gesundheitszustand seiner Schwester sei mit ein Grund gewesen, dass der Be-
schuldigte Ende 2009/Anfang 2010 wieder für kurze Zeit nach W._ zurück-
gekehrt sei (Urk. 29 S. 9), so ist dem relativierend entgegen zu halten, dass als
Anlass für die damalige Rückkehr vielmehr wirtschaftliche Gründe – ein wenig ar-
beiten und Geld verdienen, weil der Verdienst aus Gelegenheitsarbeiten in der
Z._ nicht ausgereicht habe – genannt worden waren (Urk. 29 S. 8).
Wenn im Übrigen der Gesetzgeber für schwere Delikte langjährige Freiheits-
strafen vorsieht, gibt er damit zu erkennen, dass es Strafen immanent ist, dass sie
tief ins Leben von Bestraften eingreifen können. Diese Folge ist gewollt und kann
nicht als Begründung für eine besondere Strafempfindlichkeit dienen. Somit lässt
sich keine Strafempfindlichkeit aus persönlichen und / oder beruflichen Gründen
ableiten, die vorliegend zu berücksichtigen wäre (BSK Strafrecht I – Wiprächtiger,
a.a.O., Art. 47 N 117 f.; Urteil des Bundesgerichtes 6P.39/2004 vom 23. Juli 2004,
E. 7.4).
3.3.5. Aufgrund der Täterkomponente ist keine Strafreduktion angezeigt.
3.4. Ergebnis der Strafzumessung
Geht man von der im Rahmen der Tatkomponente festgesetzten hypothetischen
Freiheitsstrafe im Bereich von 5 Jahren aus, erweist sich die von der Vorinstanz
ausgefällte Freiheitsstrafe von 54 Monaten (4 1⁄2 Jahren) als dem Verschulden
und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ohne Weiteres ange-
messen. Sie ist daher zu bestätigen.
3.5. Die Angemessenheit dieser Strafe ergibt sich auch bei einer Vergleichs-
rechnung mit dem schematisierten Berechnungsmodell von Fingerhuth/Tschurr
(in: Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz, 2. Aufl., Zürich 2007, S. 385 f.).
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Demnach wäre bei 5'376 Gramm reinem Kokain von einer Einsatzstrafe von ca.
6 Jahren und 8 Monaten oder rund 80 Monaten auszugehen (Fingerhuth/Tschurr,
a.a.O., S. 386). Da es sich beim Beschuldigten um einen blossen Drogenkurier
aus dem Ausland handelt, kann ein Abzug in der Grössenordnung bis 20 % (also
bis 16 Monate) gemacht werden. Ein weiterer Abzug von 10 % (8 Monate) wäre
möglich, weil er nur ein Geschäft tätigte. Als Zwischenergebnis käme man mithin
auf 56 Monate. Für das rudimentäre Teilgeständnis liesse sich keine Reduktion
rechtfertigen (vgl. vorstehende Erwägung 3.3.3.), so dass es bei einer Strafe im
Bereich von 56 Monaten bleiben würde. Mit der bereits dargelegten leichten
Strafminderung aufgrund der Vorstrafenlosigkeit und des ungetrübten Leumundes
erweist sich somit eine Strafe von 54 Monaten als angemessen.
Mithin ergibt sich, dass die von der Vorinstanz gegen den Beschuldigten aus-
gefällte Freiheitsstrafe von 54 Monaten – auch aufgrund dieses schematisierten
Vergleichsmodells, basierend auf der zusammengetragenen bisherigen Recht-
sprechung und im Sinne einer Kontrolle – nicht als übersetzt zu bezeichnen ist.
Das vorinstanzliche Urteil ist somit zu bestätigen und der Beschuldigte mit einer
Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren bzw. 54 Monaten zu bestrafen. Der Beschuldigte
hat im vorliegenden Verfahren bis und mit heute insgesamt 388 Tage Untersu-
chungshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug erstanden, die ihm an die Freiheits-
strafe anzurechnen sind (Art. 51 StGB).
4. Vollzug
Bei dieser Strafhöhe steht die Gewährung eines (teil-)bedingten Strafvollzugs
schon aus objektiven Gründen nicht zur Diskussion (Art. 43 Abs. 1 StGB).
III. Kostenfolgen
Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens
oder Unterliegens der Parteien (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
liegt mit seinem Antrag um Reduktion der Strafe und wird daher grundsätzlich
vollumfänglich kostenpflichtig. Hievon ausgenommen und auf die Gerichtskasse
zu nehmen sind hingegen die Kosten für die amtliche Verteidigung (Art. 426
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Abs. 1 Satz 2 StPO) und der Übersetzung (Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO). Die Kosten
des Berufungsverfahrens sind, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidi-
gung, dem Beschuldigten somit aufzuerlegen, aufgrund seiner wirtschaftlichen
Verhältnisse jedoch abzuschreiben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind
definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 425 StPO; Schmid, Praxis-
kommentar, N 3 f. zu Art. 425; ZHK StPO - Griesser, N 2 zu Art. 425; BSK StPO -
Domeisen, N 3 zu Art 425).
Die Gerichtsgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren ist auf Fr. 2'600.– zu be-
messen.