Decision ID: 40d9d74f-cdec-5263-86b9-a732f0970b1b
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roger Lippuner, St. Gallerstrasse 46,
Postfach 945, 9471 Buchs SG 1,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a A._ leidet an einer Retinitis pigmentosa. Sie meldete sich am 20. September
2004 zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung (IV-act. 1) und am
1. September 2005 zum Bezug einer Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung
an (IV-act. 41). Die IV-Stelle sprach ihr mit einer Verfügung vom 24. Mai 2007 eine
Hilflosenentschädigung entsprechend einer Hilflosigkeit leichten Grades mit Wirkung
ab dem 1. März 2007 zu (IV-act. 127). Sie versuchte, die Versicherte zur Kauffrau
Niveau B auszubilden (vgl. IV-act. 63, 65, 102, 105, 119 f. und 123). Dieses Ziel erwies
sich nach der Ansicht des Berufsberaters als zu ambitioniert, weshalb die beruflichen
Massnahmen mit einer Verfügung vom 2. Februar 2009 abgebrochen wurden (vgl. IV-
act. 138, 149, 151 und 159). Dr. med. B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD) führte in einer Stellungnahme vom 25. August 2009 aus, aus rein
medizinischer Sicht sei von einer Arbeitsfähigkeit von bis zu 100 Prozent an einem
optimal adaptierten Arbeitsplatz auszugehen (IV-act. 184; vgl.IV-act. 187). Die
Versicherte hatte zwischenzeitlich auf eigene Initiative einen Praktikumsplatz in der
freien Wirtschaft gefunden (vgl. IV-act. 161 und 175). Auf entsprechende Nachfrage der
IV-Stelle hin gab die Arbeitgeberin der Versicherten am 29. Mai 2010 an, dass die
Versicherte praktisch keine verwertbare Arbeitsleistung erbringe (IV-act. 211). Am
1. Juli 2010 fand eine interne Triage statt, anlässlich welcher der Entscheid gefällt
wurde, die Zusprache einer Rente zu prüfen und dabei unter Berücksichtigung auch
invaliditätsfremder Faktoren – insbesondere mangelhafte Sprachkenntnisse und
fehlende Ausbildung – von einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent auszugehen (IV-
act. 218). Mit einer Verfügung vom 24. Februar 2011 sprach die IV-Stelle der
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Versicherten eine halbe Rente mit Wirkung ab dem 1. Februar 2009, mit Ausnahme der
Monate April, Mai und Juni 2010 wegen Taggeldbezuges, zu (IV-act. 244).
A.b Am 6. Mai 2011 meldete sich die Versicherte zum Bezug von
Ergänzungsleistungen an (EL-act. 43). Mit einer Verfügung vom 2. Dezember 2011
sprach die EL-Durchführungsstelle ihr eine jährliche Ergänzungsleistung mit Wirkung
ab dem 1. Februar 2009, mit Ausnahme der Monate April, Mai und Juni 2010, zu – ab
dem 1. Januar 2011 im Betrag von monatlich 493 Franken. Den beilgelegten
Berechnungsblättern war zu entnehmen, dass der Versicherten ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet wurde (EL-act. 9 ff.). Mit einer Verfügung vom
28. Dezember 2011 wurde der Anspruch mit Wirkung ab dem 1. Januar 2012 auf
monatlich 505 Franken erhöht (EL-act. 6). Am 22. Dezember 2011 hatte die Versicherte
Einsprache gegen die Verfügung vom 2. Dezember 2011 erheben und die
Neuberechnung der jährlichen Ergänzungsleistung ohne Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens beantragen lassen (EL-act. 4). Am 27. Januar
2012 liess die Versicherte ihre Einsprache ergänzend begründen. Sie liess ausführen,
sie sei bei der Stellensuche nicht unterstützt worden. Auf dem ersten Arbeitsmarkt
könne sie ihre Restarbeitsfähigkeit zudem nicht verwerten, wie die Abklärungen im
Verfahren betreffend Leistungen der Invalidenversicherung gezeigt hätten. Schliesslich
sei zu bemängeln, dass für die Monate April, Mai und Juni 2010 keine
Ergänzungsleistung zugesprochen worden sei. Ihrer Einspracheergänzung liess die
Beschwerdeführerin Nebenkostenabrechnungen für die Jahre 2009 und 2010 beilegen
(EL-act. 47). Am 1. Mai 2012 liess die Versicherte Einsprache gegen eine offenbar
zwischenzeitlich ergangene Verfügung vom 17. April 2012 betreffend die Erhöhung des
Ergänzungsleistungsanspruchs auf 547 Franken pro Monat mit Wirkung ab dem
1. Januar 2012 (vgl. EL-act. 52) erheben. Sie liess die Anrechnung eines hypothe
tischen Erwerbseinkommens beanstanden, auf eine Erhöhung der Mietzinsen ab dem
1. April 2012 hinweisen, die Anrechnung höherer Nebenkosten beantragen, auf den
Wegfall der nachehelichen Unterhaltsbeiträge ab dem 1. Mai 2012 hinweisen und die
Prüfung von ausserordentlichen Ergänzungsleistungen beantragen (EL-act. 51). Mit
einer Verfügung vom 2. Mai 2012 wurde der Ergänzungsleistungsanspruch mit Wirkung
ab dem 1. Januar 2012 neu berechnet. Berücksichtigt wurden eine Erhöhung der Inva
lidenrente, der Wegfall der Unterhaltsbeiträge und die Mietzinsänderung (EL-act. 54).
Mit einem Entscheid vom 7. Mai 2012 wurden die Einsprachen vom 22. Dezember
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2011 und 1. Mai 2012 abgewiesen. Zur Begründung wurde ausgeführt, der
Versicherten sei es zumutbar, eine einfache Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt
auszuüben. Sie habe mit dem Praktikum bei Z._ selbst bewiesen, dass sie in der
Lage sei, eine Arbeitsstelle zu finden. Würde die Versicherte in einer geschützten
Werkstätte arbeiten, ent-fiele die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens. Während den drei Monaten, in denen sie Taggelder der
Invalidenversicherung bezogen habe, habe sie die Voraussetzungen für den Bezug von
Ergänzungsleistungen nicht erfüllt. Die Schlussrechnungen für Nebenkosten könnten
von Gesetzes wegen nicht berücksichtigt werden (EL-act. 55).
B.
B.a Dagegen erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 29. Mai
2012 Beschwerde. Sie beantragte die Neuberechnung der jährlichen
Ergänzungsleistung ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
(act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.c Am 12. Dezember 2012 liess die Beschwerdeführerin darauf hinweisen, dass sie
im Januar 2013 ein Kind entbinden werde (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch auf eine jährliche
Ergänzungsleistung für die Monate April, Mai und Juni 2010 grundsätzlich
ausgeschlossen, weil ihrer Ansicht nach die persönlichen Voraussetzungen nicht erfüllt
gewesen sind. Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenrente (ELG; SR 831.30)
hat Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wer Anspruch auf eine Rente oder eine
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Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung hat oder während mindestens sechs
Monaten Taggeld bezieht.
1.2 Da die Beschwerdeführerin seit dem 1. März 2007 durchgehend eine
Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung bezieht, hat sie nur schon deswegen
auch für die Monate April, Mai und Juni 2010 grundsätzlich Anspruch auf
Ergänzungsleistungen. Selbst wenn sie in der fraglichen Periode keine
Hilflosenentschädigung bezogen hätte, wäre ein EL-Anspruch zu prüfen, denn eine rein
auf den Wortlaut bezogene Auslegung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen wäre
hier nicht zielführend. Dies aus zwei Gründen: Erstens hätte die Beschwerdeführerin
auch für die fraglichen Monate Anspruch auf eine Rente gehabt, doch entfiel dieser –
nur für diese kurze Zeit – aufgrund der (intrasystemischen) Koordination mit dem davor
bereits für diesen Zeitraum ausgerichteten Taggeld. Hätte sich der Gesetzgeber für
eine andere Koordinationslösung in solchen Fällen entschieden (z.B. bedingte
Kumulation der Leistungen bis zur Überentschädigungsgrenze), läge auf der Hand,
dass der Rentenanspruch in grundsätzlicher Hinsicht weiterhin bestanden hätte. Allein
der Umstand, dass sich der Gesetzgeber für eine exklusive Lösung entschieden hat,
kann systematisch betrachtet nicht dazu führen, dass ein Anspruch auf
Ergänzungsleistungen entfällt, während er bei der Wahl eines anderen
(intrasystemischen) Koordinationsprinzips weiterhin bestünde. Vielmehr ist bei der
Anwendung von Art. 4 Abs. 1 lit. c ELG in solchen Konstellationen davon auszugehen,
dass der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gewissermassen „im
Hintergrund“ weiterhin besteht. So sieht nämlich auch Art. 20 Abs. 1 der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) vor, dass die Rente weiterhin
ausgerichtet wird, wenn das Taggeld niedriger wäre. Zweitens war es wohl der Wille
des Gesetzgebers, für den Bezug von Ergänzungsleistungen eine gewisse
Dauerhaftigkeit der dafür vorausgesetzten Leistungen der Invalidenversicherung zu
verlangen. Dementsprechend sollen Versicherte, welche nur während weniger Tage,
Wochen oder einzelner Monate ein Taggeld erhalten, ohne danach, davor oder
während dieses Zeitraums (eben gewissermassen „im Hintergrund“) Anspruch auf
weitere Geldleistungen der Invalidenversicherung zu haben, keinen Anspruch auf
Ergänzungsleistungen haben. Es wäre aber sinnwidrig, in einer Konstellation wie der
vorliegenden die Ergänzungsleistungen während eines eine Rente unterbrechenden
vorübergehenden Taggeldbezuges zu verweigern. In solchen Fällen ist nur der
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Taggeldbezug ein vorübergehender; der Bezug von Geldleistungen dauert dagegen
insgesamt länger an. Auch aus diesem Grund verbietet sich eine „Unterbrechung“ des
Anspruchs auf Ergänzungsleistungen vorliegend. Die Beschwerdegegnerin wird
deshalb auch für die Monate April, Mai und Juni 2010 einen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Ergänzungsleistung zu prüfen haben. Allerdings ist damit
zu rechnen, dass aufgrund des Bezuges eines (deutlich höheren) Taggeldes anstelle
der Rente (vgl. IV-act. 205) ein Einnahmenüberschuss resultieren und damit ein EL-
Anspruch im Ergebnis zu verneinen sein wird. Dies ändert aber nichts daran, dass die
Voraussetzungen für den Bezug einer Ergänzungsleistung im fraglichen Zeitraum
grundsätzlich erfüllt sind und dementsprechend eine Anspruchsberechnung
durchzuführen ist.
2.
2.1 Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG werden für die Berechnung der jährlichen
Ergänzungsleistung Einkünfte, auf die verzichtet worden ist, als Einnahmen
angerechnet. Für den Sonderfall zumutbarerweise erzielbaren Erwerbseinkommens
teilinvalider Versicherter hat der Verordnungsgeber in Art. 14a Abs. 2 der Verordnung
über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(ELV; SR 831.301) festgehalten, dass als Erwerbseinkommen mindestens der
Höchstbetrag für den Lebensbedarf gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG
angerechnet wird, wenn der Invaliditätsgrad zwischen 50 und 60 Prozent beträgt. Nicht
angewendet wird diese Bestimmung, wenn die versicherte Person in einer so
genannten geschützten Werkstätte arbeitet (Art. 14a Abs. 3 lit. b ELV). Das
Bundesgericht hat bereits früh und seither konstant Art. 14a Abs. 2 ELV als
widerlegbare Vermutung qualifiziert, was bedeutet, dass die betroffene Person den
Gegenbeweis, es sei ihr nicht möglich, ein entsprechendes Erwerbseinkommen zu
erzielen, erbringen kann.
2.2 Laut der IV-Verfügung vom 24. Februar 2011 ist die Beschwerdeführerin in der
Lage, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein Erwerbseinkommen von knapp 30’000
Franken pro Jahr zu erzielen, weshalb die IV-Stelle – ausgehend von einem Validenein
kommen von knapp 60’000 Franken – den Invaliditätsgrad auf 50 Prozent festgesetzt
hat. Das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen korreliert allerdings nicht mit
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der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit, denn die RAD-Ärztin Dr. B._ hat
diese für optimal adaptierte Tätigkeiten auf bis zu 100 Prozent geschätzt. Es entspricht
auch nicht den Verdienstmöglichkeiten, wie sie vom Berufsberater aufgezeigt worden
sind, denn dieser hat sich auf den (gegenteiligen) Standpunkt gestellt, die Beschwerde
führerin könne erst nach einer Einarbeitung als kaufmännische Hilfskraft im halb
geschützten Rahmen einen Monatslohn von lediglich bis zu 800 Franken pro Monat er
zielen. Vielmehr ist der Invaliditätsgrad im Rahmen einer Triage gewissermassen „unter
sämtlichen Aspekten“ auf 50 Prozent festgelegt worden, wobei explizit invaliditäts
fremden Faktoren Rechnung getragen worden ist. Der Umstand, dass bei der Be
messung des Invaliditätsgrades invaliditätsfremde Faktoren berücksichtigt worden
sind, nimmt dem Rentenentscheid jegliche Überzeugungskraft, zumal das Ergebnis
sowohl der Einschätzung des erfahrenen Berufsberaters als auch jener der RAD-Ärztin
Dr. B._ widerspricht und eine Begründung weitgehend fehlt. Ein eine Rente der
Invalidenversicherung zusprechender Entscheid, der Faktoren Rechnung trägt, denen
von Gesetzes wegen zum Vorneherein keine Rechnung getragen werden darf, kann
a priori nicht überzeugend sein. Die entsprechende Verfügung wird zwar mit dem
Eintritt der formellen Rechtskraft für die Betroffenen verbindlich. Sie wird dadurch aber
nicht richtig, sondern bleibt falsch. Eine solche nicht nachvollziehbare Verfügung für
den Bereich der Ergänzungsleistungen verbindlich zu erklären, hiesse, die EL-
Durchführungsstelle zu einem durch nichts zu rechtfertigenden falschen Verhalten zu
verpflichten. An eine IV-Verfügung, die den tatsächlichen Gegebenheiten und den
massgebenden Rechtsnormen in derart stossender Weise widerspricht wie die
vorliegende, sind die EL-Durchführungsstelle – und im Beschwerdefall das Gericht –
nicht gebunden. Das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen ist für das
vorliegende Verfahren daher frei zu ermitteln.
2.3 Die Beschwerdeführerin ist offenbar aufgrund der Blindheit, der
gesundheitsbedingten Konzentrations- und Leistungsschwächen, der Sprachprobleme
und der Probleme im Umgang mit den notwendigen Hilfsmitteln nicht in der Lage, eine
eigentliche berufliche Ausbildung erfolgreich abzuschliessen. Über eine Einarbeitung in
einen konkreten Arbeitsplatz hinausgehende berufliche Massnahmen sind als
aussichtslos zu qualifizieren. Ihre Invalidenkarriere ist daher jene einer Hilfsarbeiterin.
Laut dem Berufsberater der IV-Stelle ist sie allerdings erst nach einer Einarbeitung in
der Lage, an einem halbgeschützten Arbeitsplatz ein (minimales) Erwerbseinkommen
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zu erzielen. Was ein „halbgeschützter“ Arbeitsplatz sein soll, ist zwar unklar. Es scheint
aber nicht gänzlich ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin in der freien
Wirtschaft einen Arbeitsplatz finden und ein entsprechendes Erwerbseinkommen
erzielen könnte. Allerdings dürfte sie lediglich in der Lage sein, eine minimale Leistung
zu erbringen. Die aussergewöhnliche Kombination hinderlicher Umstände
verunmöglicht eine über ein gewisses Minimum hinausgehende Leistung an jedem
denkbaren Arbeitsplatz. Die Beschwerdeführerin müsste dafür nämlich die
sprachlichen Schwierigkeiten, die Probleme im Umgang mit den Hilfsmitteln, die
Blindheit und die gesundheitsbedingten Konzentrations- und Leistungsschwächen
überwinden können, was als ausgeschlossen erscheint. Zusammenfassend ist deshalb
davon auszugehen, dass eine Erwerbstätigkeit in der freien Wirtschaft zwar nicht
gänzlich unwahrscheinlich ist, die Leistungsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit aber
minimal wäre.
2.4 Da die Beschwerdeführerin im hier massgebenden Zeitraum – abgesehen vom
Praktikum im ersten Halbjahr 2010 – keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, stellt
sich die Frage, ob die fehlende Verwertung der zumutbaren (minimalen) Leistungs
fähigkeit in einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft als selbstverschuldete Arbeitslosig
keit zu qualifizieren ist. Dies ist nicht der Fall. Ein ökonomisch denkender Arbeitgeber,
der selbst dem rauhen Wind der freien Marktwirtschaft ausgesetzt ist, wird die Be
schwerdeführerin nicht einstellen. Die geringe Leistung, die sie erbringen könnte,
würde die Belastung, die sie verursachen würde, nicht aufwiegen. Ihr müsste immerhin
ein eigener, spezifisch eingerichteter Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden. Sie
müsste instruiert und wohl weitgehend während der Arbeit in einem gewissen Sinne
betreut werden. Ihre Leistungsfähigkeit wäre gering und schwankend; die Leistung
könnte nicht zuverlässig abgerufen werden. Der Bericht des Praktikumsbetriebes zeigt
deutlich auf, wie mühsam es für einen Vorgesetzten bzw. einen Betrieb wäre, der
Beschwerdeführerin einen Arbeitsplatz anzubieten. Die zu erwartende minimale
Leistung würde diese Nachteile nicht aufwiegen. Es wäre daher als Glücksfall zu
betrachten, wenn die Beschwerdeführerin tatsächlich eine Arbeitsstelle finden würde.
Unter den Stelleninseraten, die der Beschwerdeführerin zugänglich sind, wird sich
jedenfalls höchstwahrscheinlich keine geeignete Stelle befinden. Wenn nach der
allgemeinen Lebenserfahrung aber davon auszugehen ist, dass praktisch keine in
Frage kommenden offenen Stellen vorhanden sind, können auch keine
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Arbeitsbemühungen verlangt werden. Dies wäre zum Vorneherein sinnlos und daher
unzumutbar, zumal bereits die Sichtung der allgemein vorhandenen Stelleninserate für
die Beschwerdeführerin mit einem enormen Aufwand verbunden wäre. Die
Arbeitslosigkeit der Beschwerdeführerin ist daher unverschuldet. Die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens ist deshalb unzulässig gewesen und der
angefochtene Einspracheentscheid ist insofern rechtswidrig.
3.
In Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene Einspracheentscheid daher
aufzuheben und die Angelegenheit ist zur Neuberechnung des Anspruchs auf eine
jährliche Ergänzungsleistung ab dem 1. Februar 2009 ohne Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens und durchgehend, also auch für die Monate April,
Mai und Juni 2010, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Gerichtskosten sind
gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben. Die Beschwerdegegnerin hat die
Beschwerdeführerin mit einer Pauschale von 3’000 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP