Decision ID: 86a7df91-de77-595a-85aa-33eef3717be4
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 2. November 2010 wegen Verdachts auf Schizophrenie
erneut bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Der
Versicherte hatte sich zuvor am 15. Januar 2008 bei der IV-Stelle des Kantons Thurgau
wegen Suchtgefahr zum Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 6); diese hatte das
Gesuch mit Verfügung vom 16. Juni 2008 abgewiesen, da die Arbeitsunfähigkeit vor
allem durch das Abhängigkeitsverhalten begründet sei und deshalb keine Invalidität im
Sinne des Gesetzes vorliege (IV-act. 19).
A.b Der Versicherte war vom 19. bis 27. Mai 2009, vom 28. April bis 7. Juni 2010 und
vom 19. Juli bis 2. August 2010 in der Psychiatrischen Klinik B._
(Kurzaustrittsberichte der Klinik B._ vom 27. Mai 2009 [IV-act. 110-50 ff.], vom 10.
Juni 2010 [IV-act. 110-55] und vom 3. August 2010 [IV-act. 30-3 ff.]) sowie vom 15. bis
27. September 2010 im Spital C._ (IV-act. 30-9 ff.) wegen Diagnosen im
Zusammenhang mit Alkohol und Sedativa (Temesta Benzodiazepine) hospitalisiert
gewesen. Vom 27. September 2010 bis 24. Februar 2011 war er im D._, Zentrum für
Suchttherapie und Rehabilitation, therapiert worden (Austrittsbericht vom 28. Februar
2011, IV-act. 44). Der dort behandelnde Dr.med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, diagnostizierte den Verdacht auf eine latente schizophrene Reaktion (ICD-10:
F21), ein Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10: F10.21) sowie ein Temesta-
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F13.25, Arztbericht vom 7. Februar 2011, IV-act. 42-1
ff.).
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A.c Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 20. Dezember 2010 mit, aufgrund seines
Gesundheitszustandes seien zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich; die medizinischen Rehabilitationsmassnahmen dauerten weiter an (IV-act. 36).
A.d Vom 23. Juni bis 6. Juli 2011 erfolgten stationäre Behandlungen im Spital C._
(Arztbericht vom 30. Juni 2011, IV-act. 67-1 ff.) und vom 7. bis 22. Juli 2011 in der
Klinik F._ (Bericht vom 26. August 2011, IV-act. 65).
A.e Am 5. Juni 2012 wurde der Versicherte durch RAD-Arzt Dr.med. G._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, abgeklärt. Dieser diagnostizierte mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit ein schizophrenes Residuum (ICD-10: F20.5) und ohne
Auswirkung eine Abhängigkeit von Alkohol, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F10.20),
einen gewohnheitsmässigen Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10: Z72.2) sowie
den Verdacht auf medikamenteninduzierten fein-mittelschlägigen Tremor. Insgesamt
bestehe durch das Residualsyndrom eine deutliche Einschränkung der Arbeits- und
Leistungsfähigkeit, so dass berufliche Massnahmen im Rahmen von
Integrationsmassnahmen zunächst auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht durchgeführt
werden könnten, sondern im geschützten Rahmen fortgesetzt werden müssten (Bericht
RAD-Abklärung vom 14. Juni 2012, IV-act. 79).
A.f Gestützt auf eine Zielvereinbarung (IV-act. 88) gewährte die IV-Stelle am 28.
November 2012 Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom 22. November 2012 bis
21. Mai 2013 bei H._ (IV-act. 93). Diese Mitteilung wurde am 7. Januar 2013
aufgehoben, da der Versicherte das Aufbautraining per 23. November 2012
abgebrochen habe (IV-act. 98). Nachdem der Versicherte am 5. Februar 2013
wiederum nicht zum Neustart der Massnahme erschienen war, entschied die
Institution, die Massnahme abzubrechen (Aktennotiz vom 5. Februar 2013, IV-act. 99;
Verlaufsprotokoll per 13. März 2013, IV-act. 102).
A.g Der Versicherte wurde am 3. Juni 2013 im Auftrag der IV-Stelle durch Dr.med.
I._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Dieser erhob
keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa
oder Hypnotika (Temesta), Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch
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(ICD-10: F13.25), einen Verdacht auf psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10: F12.25)
sowie psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig abstinent (ICD-10: F10.20). Es könnten ausschliesslich
Abhängigkeitserkrankungen diagnostiziert werden. Im IV-rechtlichen Sinne sei darum
die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht eingeschränkt. Die Sucht könne nicht als
Folge einer anderen psychiatrischen Krankheit angesehen werden, weil eine solche
nicht diagnostiziert werden könne. Ob invalidisierende Folgeschäden der Sucht
bestünden, müsste durch eine neuropsychologische Abklärung ermittelt werden. Diese
mache wegen des Konsums von Benzodiazepinen und Cannabis zur Zeit keinen Sinn
(Gutachten vom 3. Juli 2013, IV-act. 110).
A.h Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 11. September 2013 mit, er habe keinen
Anspruch auf berufliche Massnahmen, da die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das
Abhängigkeitsverhalten begründet sei und deshalb keine Invalidität im Sinne des
Gesetzes vorliege (IV-act. 114). Nach entsprechendem Vorbescheid vom 19.
September 2013 (IV-act. 117) wies sie mit Verfügung vom 5. November 2013 das
Leistungsbegehren betreffend Rente ab. Es sei kein invalidisierender
Gesundheitsschaden ausgewiesen. Somit sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit in
jeglichen Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 121).
A.i Gegen die Verfügung vom 5. November 2013 erhob der Versicherte am 5.
Dezember 2013 Beschwerde (IV-act. 124-2 ff.). Er reichte einen Bericht von Dr.med.
J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 6. November 2013 ein.
Danach bestehe eine paranoide Schizophrenie mit unvollständiger Remission (ICD-10:
F20.04), ein mittelgradiges chronifiziertes depressives Zustandsbild (ICD-10: F33.11),
der Verdacht auf eine Persönlichkeit mit selbstunsicheren Zügen (ICD-10: F60.6), eine
Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent (seit 2 Jahren) (ICD-10: F10.20) sowie ein
gewohnheitsmässiger Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10: Z72.2). Eine
Arbeitsfähigkeit sei höchstens in einem betreuten Rahmen zu maximal 30 % gegeben
(IV-act. 126). Nach Rücksprache mit dem RAD (IV-act. 131) widerrief die IV-Stelle die
angefochtene Verfügung am 4. Februar 2014 (IV-act. 134).
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A.j Auf Ersuchen der IV-Stelle erstattete Dr. I._ am 21. Februar 2014 ein
Ergänzungsgutachten. Er kam darin zum Schluss, die Diagnose einer Schizophrenie
könne weiterhin nicht gestellt werden. Es liege diesbezüglich ein beweisloser Zustand
vor; es liege am Versicherten, die Voraussetzungen für eine weitere Abklärung zu
schaffen (IV-act. 140).
A.k Die zuständige Abteilungspräsidentin des Versicherungsgerichts schrieb am 5.
März 2014 das gegenstandslos gewordene Beschwerdeverfahren (IV 2013/604) ab (IV-
act. 143)
A.l Mit Vorbescheid vom 14. März 2014 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Leistungsbegehren abzuweisen (IV-act. 147).
A.m Mit Verfügung vom 9. Mai 2014 wies sie das Leistungsbegehren betreffend Rente
ab. Aus der Nachbegutachtung sowie der Stellungnahme durch Dr. I._ gehe klar
hervor, dass weiterhin am Gutachten vom Juli 2013 festzuhalten sei (IV-act. 148).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 9. Mai 2014 erhebt A._, vertreten durch Rechtsanwalt
lic.iur. E. Mussato, am 11. Juni 2014 Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene
Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben. Es sei ihm eine
ganze Rente zuzusprechen; eventuell sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen (act. G 1). Zur ergänzenden Beschwerdebegründung reicht
er am 1. Juli 2014 eine vom 1. April 2014 datierte (gemäss Beschwerdeführer am 1. Juli
2014 verfasste, act. G 4) Stellungnahme von Dr. J._ zum Ergänzungsgutachten von
Dr. I._ vom 21. Februar 2014 ein (act. G 4.1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2014
die Abweisung der Beschwerde. Dr. I._ habe eine Nachbegutachtung durchgeführt,
in der er auf Dr. J._s Meinung dezidiert eingegangen sei. RAD-Arzt Dr. G._ habe
festgehalten, dass Dr. I._ die Ausführungen von Dr. J._ überzeugend widerlegt
habe. Es sei notorisch und festzustellen, dass Dr. J._ im Vergleich zu den jeweiligen
Gutachtern stets viel höhere Arbeitsfähigkeiten attestiere und seine Diagnosen in vielen
Fällen nicht bestätigt werden könnten (act. G 6).
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B.c Der Beschwerdeführer verzichtet auf eine Replik (act. G 8).

Erwägungen
1.
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
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Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; Urteil vom 1. Dezember
2015, 8C_586/2015, E. 2).
1.4 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne
einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.5 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im
Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
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ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). Die Verwaltung resp. das Gericht
dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen
überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten
Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als
die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
2.1 Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung bilden das Gutachten von
Dr. I._ vom 3. Juli 2013 (IV-act. 110) und dessen Ergänzung vom 21. Februar 2014
(IV-act. 140). Umstritten und zu prüfen ist dessen Beweistauglichkeit und
insbesondere, ob sich aus den übrigen Akten - insbesondere den Stellungnahmen von
Dr. J._ - objektiv feststellbare Gesichtspunkte ergeben, welche im Rahmen der
Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet sind, zu einer abweichenden
Beurteilung zu führen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 18. April
2006, I 783/05, E. 2.2 mit Verweis).
2.2 Der Gutachter führte aus, anlässlich der (ersten) Untersuchung (am 3. Juni 2013)
hätten sich keine Beeinträchtigungen der Bewusstseinsklarheit und
Bewusstseinshelligkeit gezeigt. Es hätten sich Merkfähigkeitsstörungen gezeigt. Der
Beschwerdeführer habe sich über eine manchmal auftretende Minderung der
Konzentration und gelegentliche Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis beklagt. Der
formale Gedankengang sei unauffällig gewesen. Es hätten sich keine Hinweise auf
Zwangsgedanken, zwanghafte Handlungen oder hypochondrische
Erlebnisverarbeitung gefunden. Inhaltliche Denkstörungen in Form von wahnhaften
Gedanken, Wahnwahrnehmungen oder eines systematischen wahnhaften Denkens
hätten sich nicht gezeigt. Es hätten sich keine Hinweise auf Halluzinationen oder
illusionäre Verkennungen gefunden. Ich-Störungen in Form eines
Fremdbeeinflussungserlebens, von Derealisations- oder
Depersonalisationsphänomenen seien nicht vorhanden gewesen. Die Grundstimmung
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sei euthym und die affektive Modulationsfähigkeit nicht eingeschränkt gewesen. Der
Beschwerdeführer habe angegeben, nicht mehr innerlich unruhig zu sein, seit er die
Tabletten in der aktuellen Dosis einnehmen würde. Ansonsten seien keine Störungen
der Affektivität (nach AMDP) beklagt oder festgestellt worden. Antrieb und
Psychomotorik inklusive Mimik und Gestik seien nicht auffällig gewesen. Es bestünden
keine zirkadianen Besonderheiten und kein sozialer Rückzug (IV-act. 110-32 f.).
Anlässlich der zweiten Untersuchung (am 12. Februar 2012) habe der
Beschwerdeführer über phasenweise auftretende "depressive" Stimmung berichtet. Es
gebe Momente, in denen er sich unwohl fühle, einen "komischen" Kopf bekomme und
nervös werde. Auch heute sei er ziemlich nervös gewesen, vermutlich wegen dieses
Mannes, der ihn verfolgt habe. Er habe ihn schon in K._ gesehen; er sei immer
wieder am selben Ort gestanden und habe ihn beobachtet. Was er gewollt habe, wisse
er nicht; er habe ihn nicht angesprochen. Er sei ziemlich überzeugt, dass er "von der IV
komme". Der Mann verfolge ihn erst seit kurzem. Als der Beschwerdeführer 1993 von
L._ zurück gekommen sei, habe er eine Psychose gehabt. Es sei seiner Mutter
aufgefallen, dass er nicht mehr derselbe wie zuvor gewesen sei. Er selber habe das
damals nicht wahrgenommen. Er habe das zwischendurch immer wieder gehabt, aber
man habe erst im D._ herausgefunden, dass es Psychosen gewesen seien. Er habe
beispielsweise das Gefühl gehabt, dass jemand im Hintergrund rede, obwohl keiner
geredet habe. In den letzten 20 Jahren sei dies vielleicht vier- bis fünfmal
vorgekommen. Im D._ habe er mehrmals starke Psychosen gehabt. Dann habe er
Zyprexa bekommen, und es sei etwas besser geworden. In seiner Verwandtschaft
habe es zwei Fälle von Schizophrenie gegeben, Onkel und Tante. Nach der Psychose
im D._ habe er in den ersten zwei bis drei Wochen kaum gesprochen. Er sei sich
verfolgt vorgekommen, habe das Gefühl gehabt, die Leute wollten ihm etwas antun.
Die letzte Psychose habe er vor etwa 14 Tagen erlebt. Es habe nur kurze Zeit, vielleicht
20 Minuten, gedauert. Er habe sich unwohl gefühlt und einen "komischen" Kopf gehabt
(IV-act. 140-2 ff.). Beurteilend äusserte Dr. I._, der Beschwerdeführer berichte zwar
über Stimmenhören, beim genaueren Nachfragen habe sich jedoch herausgestellt,
dass es sich dabei nicht um Halluzinationen gehandelt habe. Er habe sich über eine
innere Unruhe beklagt; selten sei er gereizt, ab und zu habe er Angst (IV-act. 140-10
ff.). Abgesehen davon, dass der Beschwerdeführer nun über verschiedene Symptome
berichte, die allenfalls als psychotisch interpretiert werden könnten, sei der
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Psychostatus im Vergleich zur Voruntersuchung nahezu unverändert. Bei genauerem
Nachfragen hätten sich die Hinweise auf psychotische Symptome als sehr unspezifisch
bis höchstens einigermassen fraglich erwiesen. Bei den berichteten Vorkommnissen
handle es sich um höchstens eine illusionäre Verkennung; das Unwohlsein und der
"komische Kopf" seien nicht eindeutig als psychotische Symptome zu werten, sondern
vielmehr unspezifisch. Der Bericht über den ihn verfolgenden Mann sei schwierig
einzuordnen und es falle auf, dass der Beschwerdeführer bei der letzten Untersuchung
über solche Dinge nicht berichtet habe. Auch bei der aktuellen Untersuchung seien
wieder Cannabis und Benzodiazepine im Urin nachweisbar gewesen. Sicherlich
bestehe weiterhin eine Benzodiazepin-Abhängigkeit. Ob eine Cannabis-Abhängigkeit
bestehe, könne nicht mit Sicherheit gesagt werden. Der Beschwerdeführer habe
angegeben, nur gelegentlich Cannabis zu konsumieren. Dies habe er allerdings erst
nach der Konfrontation mit der positiven Urinprobe der ersten Untersuchung gesagt.
Seine Angaben bezüglich des Cannabiskonsums seien darum nicht verwertbar,
weshalb die Diagnose einer Cannabisabhängigkeit nicht mit Sicherheit gestellt werden
könne (IV-act. 140-13 f.). Es wäre denkbar, dass eine durchgemachte psychotische
oder auch schizophrene Episode anhaltende neuropsychologische Einschränkungen
zur Folge habe. Solche könnten bei einer neuropsychologischen Abklärung festgestellt
werden und wären auch einigermassen spezifisch. Einschränkend müsse aber gesagt
werden, dass sich bei der aktuellen psychiatrischen Untersuchung (kursorisch) keine
Hinweise für (gröbere) neuropsychologische Erkrankungen gefunden hätten. Vor allem
aber verhindere der aktuelle Konsum von Benzodiazepinen und Cannabis eine
entsprechende Abklärung. Zusammenfassend hätten sich keine sicheren Hinweise für
das Vorliegen einer Schizophrenie gefunden; diese Diagnose könne darum weiterhin
nicht gestellt werden (IV-act. 140-20).
2.3 Der Beurteilung von Dr. I._ hält Dr. J._ entgegen, gestützt auf seine
Untersuchung vom 24. Oktober 2013 und eine Fremdanamnese durch die Mutter (IV-
act. 126-5 f.) des Beschwerdeführers sei unter anderem die Diagnose einer paranoiden
Schizophrenie mit unvollständiger Remission (ICD-10: F20.04) zu erheben. Inhaltliche
Wahnvorstellungen seien teils vorhanden (Überzeugung, in gewissen Situationen bei
gewissen Menschen Gedanken lesen zu können, sich regelmässig beobachtet fühlen);
die Befunderhebung sei nicht eindeutig wahnhaft, aber grenzwertig. Bezüglich
paranoider Schizophrenie bestehe ein genetische Vorbelastung (Tante und Onkel
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väterlicherseits). Im Alter von 16 - 18 Jahren sei fremdanamnestisch von der Mutter ein
Prodromalstadium (innere Unruhe, Antriebslosigkeit, Tag- und Nachtumkehr etc.)
bestätigt. Der Beschwerdeführer habe versucht, diese Symptome mittels Cannabis und
Alkohol zu behandeln, woraus sich eine Abhängigkeit entwickelt habe. In diesem Sinne
bestehe ganz klar eine sekundäre Sucht, primär sei die Schizophrenie oder das
Prodromalstadium gewesen. Im Alter von 20 Jahren seien von der Mutter beschrieben
mehrere psychotische Phasen aufgetreten, immer im Zusammenhang mit Stress oder
Todesfällen in der Familie. Die Fremdanamnese der Mutter habe den Krankheitsverlauf
der Schizophrenieerkrankung sehr treffend und detailliert geschildert; die Aussagen
seien absolut glaubwürdig und stimmten auch mit der vermuteten Diagnose und dem
Krankheitsverlauf überein. Während des Aufenthalts im D._ 2011 sei erneut eine
psychotische Phase zum Vorschein gekommen. Mit einer hohen Dosis Zyprexa habe
ein weiterer Ausbruch einer psychotischen Phase verhindert werden können. Seither
habe der Beschwerdeführer auch mit dem Alkoholkonsum gänzlich aufhören können;
ebenfalls ein starkes Indiz, das für das Vorliegen einer Schizophrenie spreche. Eine
Arbeitsfähigkeit sei nicht mehr gegeben, höchstens in einem betreuten Rahmen zu
maximal 30 % (IV-act. 126-2 f.). Dr. I._ wertete die Diagnoseherleitung von Dr. J._
hinsichtlich einer Schizophrenie als nicht nachvollziehbar und widersprüchlich; die
Symptome seien unspezifisch und entsprächen nicht den ICD-10-Kriterien
(Ergänzungsgutachten vom 21. Februar 2014; IV-act. 140-15 f.). Das von Dr. J._
angenommene Prodromalstadium könne nach ICD-10 diagnostisch nicht erfasst
werden. Im D._ sei eine Schizophrenie lediglich vermutet worden, weil der
Beschwerdeführer während des Entzugs kurzzeitig psychotisch gewesen sei (offenbar
habe er auch zu dieser Zeit Cannabis konsumiert) und die entsprechende Symptomatik
gut auf eine neuroleptische Therapie angesprochen habe. Es handle sich lediglich um
eine Verdachtsdiagnose (IV-act. 140-18 f.). Überhaupt nicht nachvollziehbar sei, dass
die diagnostizierte Schizophrenie zu einer 70 %igen Arbeitsfähigkeit führe, zumal keine
psychiatrische Behandlung stattfinde (IV-act. 140-17 f.). Hierzu nahm Dr. J._ mit
Datum vom 1. April 2014 erneut Stellung. Im Wesentlichen führt er an, er habe im
eigenen Befund psychotische Symptome gefunden. Diese seien naturgemäss
unspezifisch (act. G 4.1).
2.4 RAD-Arzt Dr. G._ nahm am 26. Februar 2014 Stellung, Dr. I._ habe mit seinem
Ergänzungsgutachten die Ausführungen von Dr. J._ überzeugend widerlegt (IV-act.
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141-1). Dem kann mit Blick auf den Krankheitsverlauf gefolgt werden: Im Arztbericht
von Dr. med. M._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, vom 8. Februar 2008 sind
keine schizophreniespezifischen Befunde oder Diagnosen verzeichnet (IV-act. 12).
Auch während den insgesamt rund neun Wochen dauernden drei stationären
Aufenthalten in der Psychiatrischen Klinik B._ zwischen Mai 2009 und August 2010
war noch nicht von psychotischen Symptomen oder einer (Verdachts-)Diagnose einer
Schizophrenie die Rede (Kurzaustrittsberichte der Klinik B._ vom 27. Mai 2009 [IV-
act. 110-50 ff.], vom 10. Juni 2010 [IV-act. 110-55] und vom 3. August 2010 [IV-act.
30-3 ff.]). Erst der den Beschwerdeführer ab Oktober 2010 behandelnde Dr. E._
beschrieb während der Therapie im D._ aufgetretene klare Hinweise auf
psychotisches Erleben (inhaltliche Denkstörungen, Ich-Störungen, Befürchtungen,
Wahn), die sich auf die Einnahme von Zyp¬rexa hin gebessert hätten, und
diagnostizierte erstmals einen Verdacht auf eine latente schizophrene Reaktion (Bericht
vom 7. Februar 2011; IV-act. 42-1 f.; vgl. auch Gesprächsprotokoll RAD vom 25.
November 2010, IV-act. 30-1 f.). In der Klinik F._, wo der Beschwerdeführer vom 7.
bis 22. Juli 2011 behandelt wurde, fanden sich wiederum keine aktuellen Hinweise für
Wahn, Wahrnehmungsstörungen oder Ich-Störungen (IV-act. 65-3). Eine psychiatrische
Behandlung fand bereits zum Zeitpunkt der RAD-Abklärung vom 5. Juni 2012 nicht
mehr statt (ärztlicher Bericht der RAD-Abklärung vom 5. Juni 2012, 14. Juni 2012, IV-
act. 79-2). Beinahe drei Jahre nach Dr. E._ erhob der nach Ergehen des
rentenabweisenden Vorbescheides vom 19. September 2013 (IV-act. 117) konsultierte
Dr. J._ explizit nicht eindeutig wahnhafte, jedoch grenzwertige Befunde (Bericht vom
6. November 2013, IV-act. 126-2). Dr. I._ beurteilte die vom Beschwerdeführer
beschriebenen psychotischen Symptome als sehr unspezifisch bis höchstens
einigermassen fraglich (IV-act. 140-13). Der Beschwerdeführer gab gegenüber Dr. I._
in der zweiten Begutachtung vom 12. Februar 2014 an, derartige Symptome seien in
den letzten 20 Jahren vielleicht vier- oder fünfmal vorgekommen (IV-act. 140-11).
Medizinisch echtzeitlich nachgewiesen sind psychotische Symptome somit nur für den
Zeitraum nach Auftreten der Suchtproblematik. Dass die Sucht Folge einer
schizophrenen Erkrankung ist, erscheint daher nachvollziehbarerweise nicht
überwiegend wahrscheinlich. Selbst wenn die erhobenen Befunde einer schizophrenen
Erkrankung zuzuordnen sind, ist eine daraus folgende anhaltende Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit nicht (überwiegend) wahrscheinlich, denn es handelt sich insgesamt
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um einzelne, bei besonderen Belastungen aufgetretene Vorkommnisse, die weder zu
einer bestätigten Diagnose noch zu einer längerfristigen psychiatrischen Behandlung
führten. Vielmehr stand und steht die Suchtproblematik eindeutig im Vordergrund der
bisherigen Behandlungen und es erscheint plausibel, wenn Dr. I._ die beschriebenen
psychotischen Symptome der Abhängigkeitserkrankung zuordnet. Das
Ergänzungsgutachten von Dr. I._ würdigt die Standpunkte von Dr. J._. Dieser
bringt in seiner zweiten vom 1. April 2014 datierten Stellungnahme (act. G 4.1) keine
neuen, von Dr. I._ nicht berücksichtigte medizinische Standpunkte vor, sondern hält
lediglich an seiner bezüglich Diagnostik und Arbeitsfähigkeit abweichenden Beurteilung
fest. Es ist somit auf das Gutachten von Dr. I._ und dessen Ergänzung abzustellen
und nicht von einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit auszugehen.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
und durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt. Der
Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).