Decision ID: 1bfe89c1-f8c3-404f-ac07-70672bc32f03
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) D._ ist Eigentümerin von Grundstück Nr. 001, Grundbuch
Z._. Das Grundstück liegt gemäss geltendem Zonenplan der Stadt
Z._ vom 25. Februar 1980 in der Zone für öffentliche Bauten und
Anlagen. Es ist mit dem E._ überbaut. Nördlich des Grundstücks
verläuft die S._strasse (Gemeindestrasse 1. Klasse). Im Westen
grenzt das Grundstück an die T._strasse (Gemeindestrasse
1. Klasse) und im Osten an die U._strasse (Gemeindestrasse
2. Klasse) an.
b) Die B._AG, Z._, plant auf Grundstück Nr. 001 die
Errichtung eines Alters- und Pflegeheims für insgesamt rund 125
Bewohnerinnen und Bewohner. Dieses neue Heim ist als Ersatz für
die beiden bestehenden Alters- und Pflegeheime F._ und G._ in
der Stadt Z._ vorgesehen. Die B._AG verfolgt gemäss Handels-
registereintrag einen öffentlichen bzw. gemeinnützigen Zweck.
B.
a) Am 5. April 2017 erliess der Stadtrat Z._ den Gestaltungsplan
P._ vom 29. März 2017, den Teilstrassenplan Q._ vom 29. März
2017 und den Teilzonenplan R._ vom 29. März 2017. Die öffentliche
Auflage dieser drei Planerlasse erfolgte vom 25. April bis 24. Mai 2017.
Während der Auflagefrist erhoben die A._AG und C._, beide
Z._, beide vertreten durch lic.iur. Urs Pfister, Rechtsanwalt, St.Gal-
len, Einsprache gegen alle drei Pläne.
b) Mit Beschluss vom 27. September 2017 wies der Stadtrat Z._
die Einsprache der A._AG und von C._ ab.
c) Gegen diesen Beschluss erhoben die A._AG und C._ durch
ihren Rechtsvertreter mit Schreiben vom 16. Oktober 2017 Rekurs
(Verfahren-Nr. 17-6386) beim Baudepartement.
d) Am 26. Juni 2018 teilte die Rechtsabteilung des Baudeparte-
mentes den Verfahrensbeteiligten im Rahmen einer vorläufigen Beur-
teilung mit, dass der Teilzonenplan R._ vom 29. März 2017 vermu-
tungsweise fehlerhaft erlassen worden sei. Es sei jedoch dem Stadtrat
Z._ insofern zuzustimmen, als dass eine weisse Fläche in einem
Zonenplan grundsätzlich derjenigen Zone zuzurechnen sei, in welcher
sie liege. In Bezug auf den Teilstrassenplan Q._ vom 29. März 2017
wurde festgehalten, dass das Strassenbauprojekt fehle. Dem Auflage-
verfahren sei lediglich der sich auf die Festlegung der Klassierung be-
schränkende Teilstrassenplan unterstellt worden, was zur Aufhebung
des Teilstrassenplans Q._ vom 29. März 2017 führen würde. Zum
Gestaltungsplan P._ vom 29. März 2017 wurde angemerkt, dass
sich der im Gestaltungsplan festgelegte Baubereich innerhalb des
übergangsrechtlichen Gewässerraums des eingedolten V._bachs
befände, weshalb der Plan nicht genehmigungsfähig sei. Aufgrund der
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 3/18
dargelegten formellen Mängel der drei Pläne kam die Rechtsabteilung
des Baudepartementes zum Schluss, dass der Rekurs voraussichtlich
gutzuheissen wäre.
e) Am 4. Juli 2018 hob der Stadtrat Z._ den Teilstrassenplan
Q._ und den Teilzonenplan R._ vom 29. März 2017 auf. Am
24. Oktober 2018 wurde auch der Gestaltungsplan P._ vom
29. März 2017 aufgehoben. In der Folge schrieb das Baudepartement
mit Schreiben vom 20. Dezember 2018 das Rekursverfahren Nr. 17-
6386 wegen Gegenstandslosigkeit ab.
C.
a) Am 4. Juli 2018 wurde – neben der Aufhebung des Teilstrassen-
plans Q._ und des Teilzonenplans R._ vom 29. März 2017 – der
Sondernutzungsplan O._ (nachfolgend SNP O._) erlassen (der
Plan trägt den Datumsstempel vom 24. Oktober 2018). Hiermit wurde
auf die Festlegung eines Gewässerraums beim eingedolten
V._bach im Abschnitt W._ bis X._bach verzichtet. Am 24. Ok-
tober 2018 erliess der Stadtrat Z._ den Sondernutzungsplan M._
(nachfolgend SNP M._) und den Teilstrassenplan N._ (nachfol-
gend TSP N._). Gemäss den besonderen Vorschriften zum SNP
M._ wird der Überbaungsplan S._ vom 15. Oktober 1912 (nach-
folgend UebP S._) im Geltungsbereich des SNP M._ aufgehoben
und durch diesen ersetzt (Art. 18 der besonderen Vorschriften; abge-
kürzt besV). Der SNP M._ bezweckt die Erstellung eines Alters- und
Pflegeheims, dessen Aussenraumgestaltung sowie die geregelte Er-
schliessung des Plangebiets. Für die Realisierung der vorgesehenen
Umgebungsgestaltung sowie für die Führung der Fussgänger im nord-
östlichen Teil des Perimeters des SNP M._ soll mit dem TSP N._
eine Strassenfläche von 48 m2 entwidmet werden.
b) Die öffentliche Auflage des SNP M._, des TSP N._ und des
SNP O._ erfolgte vom 15. November bis 14. Dezember 2018. Wäh-
rend der Auflagefrist erhoben erneut die A._AG und C._ durch
ihren Rechtsvertreter Einsprache gegen alle drei Pläne.
c) Mit Beschluss vom 6. März 2019 wies der Stadtrat Z._ die
Einsprache der A._AG und von C._ ab und setzte den SNP
O._, den SNP M._ und den TSP N._ fest.
d) Mit E-Mail vom 9. Mai 2019 teilte der Verfahrensleiter des
Rechtsdienstes des Tiefbauamtes (nachfolgend TBA) mit, das Geneh-
migungsverfahren für den TSP N._ sei sistiert worden, weil noch
immer das Strassenbauprojekt fehle. Dazu verwies er auf die im ersten
Rekursverfahren ergangene vorläufige Beurteilung vom 26. Juni 2018.
e) Mit Schreiben vom 15. Mai 2019 des Stadtrates Z._ an das
TBA, führte der Stadtrat Z._ aus, seiner Ansicht nach sei ein Stras-
senbauprojekt zum jetzigen Zeitpunkt nicht nötig. Ein solches müsste
erst zusammen mit dem Baubewilligungsverfahren des Bauprojekts
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 4/18
erfolgen. Aus diesem Grund würde ein Abschluss des Genehmigungs-
verfahrens beantragt.
f) Mit Schreiben vom 27. Mai 2019 stellte das TBA fest, dass eine
Genehmigung ohnehin erst nach rechtskräftiger Erledigung der hängi-
gen Rechtsmittelverfahren erfolgen könne. Die Genehmigung (der
Klassierung) könne daher nur unter Bedingungen und Auflagen in
Aussicht gestellt werden. Das Verfahren wurde entsprechend sistiert.
g) Mit Verfügung vom 17. Juni 2019 genehmigte das Amt für
Raumentwicklung und Geoinformationen (nachfolgend AREG) den
SNP M._, die Teilaufhebung des UebP S._ und den SNP O._.
h) Mit Schreiben vom 24. Juni 2019 eröffnete der Stadtrat Z._
dem Rechtsvertreter der Einsprecher den Einspracheentscheid und
den Festsetzungsbeschluss des Stadtrates Z._ vom 6. März 2019,
die Genehmigungsverfügung des AREG vom 17. Juni 2019 sowie die
Sistierungsverfügung des TBA vom 27. Mai 2019 samt Beilageschrei-
ben vom 15. Mai 2019 des Stadtrates Z._ an das TBA.
D.
Gegen diesen Beschluss erhoben die A._AG und C._ durch ihren
Rechtsvertreter mit Schreiben vom 7. Juli 2019 Rekurs beim Baude-
partement. Mit Rekursergänzung vom 20. August 2019 werden fol-
gende Anträge gestellt:
1. Sondernutzungsplan M._
Es seien aufzuheben:
a) Beschluss des Stadtrates Z._ vom 24.  2018 über den Erlass des Sondernutzungsplans (im Folgenden kurz: SNP) M._;
b) Einspracheentscheid des Stadtrates Z._ vom 6. März 2019 (Nr. 714/2019), soweit damit die  von C._ und der A._AG gegen den SNP M._ abgewiesen wurden;
c) Genehmigungsverfügung des Amtes für  und Geoinformation (im Folgenden kurz: AREG) vom 17. Juni 2019, soweit damit der SNP M._ genehmigt wurde.
2. Teilaufhebung Überbaungsplan S._, vom 15.  1912
Es seien aufzuheben:
a) Beschluss des Stadtrates Z._ vom 24.  2018 über die Teilaufhebung des  S._ vom 15. Oktober 1912 (im Folgenden kurz UebP S._);
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 5/18
b) Einspracheentscheid des Stadtrates Z._ vom 6. März 2019 (Nr. 714/2019), soweit damit die  von C._ und der A._AG gegen die  des UebP S._ abgewiesen wurden;
c) Genehmigungsverfügung des AREG vom 17. Juni 2019, soweit damit die Teilaufhebung des UebP S._ genehmigt wurde.
3. Sondernutzungsplan O._
Es seien aufzuheben:
a) Beschluss des Stadtrates Z._ vom 24.  2018 über den Erlass des SNP O._;
b) Einspracheentscheid des Stadtrates Z._ vom 6. März 2019 (Nr. 714/2019), soweit damit die  von C._ und der A._AG gegen den SNP O._ abgewiesen wurden;
c) Genehmigungsverfügung des Amtes für  und Geoinformation (im Folgenden kurz: AREG) vom 17. Juni 2019, soweit damit der SNP O._ genehmigt wurde.
4. Teilstrassenplan N._
Es seien aufzuheben:
a) Beschluss des Stadtrates Z._ vom 24.  2018 über den Erlass des Teilstrassenplans N._ (im Folgenden kurz TSP N._);
b) Einspracheentscheid des Stadtrates Z._ vom 6. März 2019 (Nr. 714/2019), soweit damit die  von C._ und der A._AG gegen den TSP N._ abgewiesen wurden;
c) Verfügung des Tiefbauamtes des Kantons St.Gallen (im Folgenden kurz: TBA) vom 27. Mai 2019 über den TSP N._, Teilaufhebung Gemeindestrasse 1. Klasse.
5. Die Verfügung der Kantonspolizei vom 20. November 2018 über "Verkehrsanordnungen" sei aufzuheben.
6. (Verfahrensrechtlicher Antrag)
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung wird in verfahrensrechtlicher Hinsicht geltend ge-
macht, die Vorinstanz hätte in den Ausstand treten müssen und das
Bauvorhaben wäre zu visieren gewesen. Sodann sei das Mitwirkungs-
verfahren in der Bevölkerung beim Erlass des SNP M._ und des
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 6/18
SNP O._ nicht durchgeführt worden. Zudem seien nicht alle Planän-
derungen und Verfügungen, welche für das Gesamtprojekt T._ nötig
gewesen seien bzw. nötig werden würden, koordiniert worden. Damit
sei die Koordinationspflicht verletzt.
Materiell wird in Bezug auf den SNP M._ eingewendet, dieser
verstosse gegen das neue Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1; ab-
gekürzt PBG), weil dem Vorhaben präjudizierende Wirkung für die
künftige Gesamtrevision der Ortsplanung zukomme. Weiter bringen
die Rekurrenten vor, dass das geplante Alters- und Pflegeheim mit Al-
terswohnungen in diesem Umfang aufgrund des fehlenden Bedarfs
gar nicht nötig und der gewählte Standort für das Bauprojekt T._
falsch sei. Es habe eine rechtsfehlerhafte Standortevaluation stattge-
funden. Abschliessend zum SNP M._ stellen sich die Rekurrenten
auf den Standpunkt, das Projekt würde mehrere Vorschriften für Son-
dernutzungspläne verletzen.
Zum TSP N._ sei festzuhalten, dass dieser beim Dahinfallen des
SNP M._ nicht mehr gerechtfertigt sei. Ohnehin sei er auch aufgrund
von Koordinationsfehler rechtswidrig. Es liege auch nur ein Teilstras-
senplan, jedoch kein Strassenbauprojekt vor.
Die Verfügung der Kantonspolizei vom 20. November 2018 würde
ohne den SNP M._ und den TSP N._ nicht mehr umsetzbar sein.
Zudem sei diese den Rekurrenten bisher nicht eröffnet worden.
Indem der SNP M._ und der TSP N._ wegen Rechtswidrigkeit
aufzuheben seien, würde auch der SNP O._ seine Grundlage ver-
lieren. Auch einer inhaltlichen Überprüfung würde der SNP O._ nicht
standhalten. Der Auffassung der Vorinstanz, der V._bach könne
nicht offen geführt werden, könne nicht gefolgt worden.
Nachdem der SNP M._ und der TSP N._ sich als nicht rechtmäs-
sig erweisen würden, falle weiter die Begründung für die Teilaufhe-
bung des UebP S._ dahin.
E.
Mit Vernehmlassung vom 27. September 2019 beantragt die Vor-
instanz den Rekurs abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden
könne. Zur Begründung wird auf den Einspracheentscheid verwiesen.
In Bezug auf die Ausführungen zum Ausstand und zur Visierung wird
geltend gemacht, es handle sich um blosse Wiederholungen. Weiter
sei ein Mitwirkungsverfahren entsprechend den bundesrechtlichen An-
forderungen durchgeführt worden. Sodann seien, sofern ein Koordina-
tionsbedarf bestanden habe, alle erforderlichen und möglichen Mass-
nahmen zur Koordination ergriffen und umgesetzt worden.
F.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 7/18
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Rekursfrist gemäss Art. 47 Abs. 1 VRP ist eingehalten. Die
Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP). Fraglich ist, ob die
Formerfordernisse von Art. 48 VRP ebenfalls eingehalten sind. Die
Vorinstanz macht geltend, die Rügen der Rekurrenten in Bezug auf
die Ausstandspflicht sowie die Visierung seien reine Wiederholungen
aus dem Einspracheverfahren. Die Rekurrenten würden sich nicht mit
dem Einspracheentscheid auseinandersetzen. Deshalb sei der Rekurs
in diesen Punkten nicht hinreichend begründet und es sei darauf nicht
einzutreten.
1.2.1 Nach Art. 48 Abs. 1 VRP trifft die Rekurrenten eine Begrün-
dungspflicht. An die Qualität und die Ausgestaltung der Rekursbegrün-
dung werden jedoch keine hohen Anforderungen gestellt. Eine Be-
gründung ist als ausreichend zu werten, wenn Argumente vorgebracht
werden, nach denen ein Entscheid oder eine Verfügung auf einer feh-
lerhaften Sachverhaltsfeststellung oder Rechtsanwendung beruht.
Von einer Rekursbegründung ist aber zu erwarten, dass sie sich mit
dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzt (STAUB/GÜNTHARDT,
in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Praxiskommentar zum Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Zürich/St.Gallen 2020, Art. 48 N 7;
CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gallen –
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl.,
St.Gallen 2003, Rz. 921 f.). Entsprechend genügt eine allgemeine Ver-
weisung auf Vorbringen in früheren Rechtsschriften den Anforderun-
gen an eine Rekursbegründung nicht. Es ist nicht Sache der Rekurs-
bzw. Beschwerdeinstanz, in früheren Eingaben nach einer Begrün-
dung zu suchen. Für einzelne Punkte kann es jedoch genügen, auf
bestimmte, genau bezeichnete Ausführungen in den früheren Einga-
ben zu verweisen (GVP 2011 Nr. 110, GVP 2000 Nr. 49 mit Hinweisen;
W.E. HAGMANN, Die St.Gallische Verwaltungsrechtspflege und das
Rechtsmittelverfahren vor dem Regierungsrat, Diss. Zürich 1979,
S. 184 mit Hinweisen; CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 921).
1.2.2 Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass die Rekurrenten ihre Rü-
gen aus der Einsprache im Rekurs teilweise wiederholen, ohne die Ar-
gumentation des Einspracheentscheids aufzunehmen. Einerseits ist
jedoch denkbar, dass die Rekurrenten an ihrer Begründung unverän-
dert festhalten wollen. Anderseits handelt es sich nicht um einen pau-
schalen Verweis und die Rekursinstanz musste nicht in der Einspra-
che nach der Begründung suchen. Aufgrund der geringen Anforderun-
gen an die Begründungspflicht ist deshalb vorliegend von deren Erfül-
lung auszugehen und auf den Rekurs auch in Bezug auf diese Rügen
einzutreten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 8/18
2.
Die Rekurrenten bringen vor, die Vorinstanz hätte in den Ausstand tre-
ten müssen.
2.1 Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101; abgekürzt BV)
gewährleistet den Anspruch auf richtige Zusammensetzung der Ent-
scheidbehörde. Von der entscheidenden Behörde und deren Mitglie-
dern wird zudem ein gewisses Mass an Unabhängigkeit verlangt
(G. STEINMANN, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.],
Kommentar zur Schweizerischen Bundesverfassung, 3. Aufl., Zü-
rich/St.Gallen 2014, N 35 zu Art. 29 BV). Wegen fehlender Unabhän-
gigkeit können Mitglieder von gerichtlichen und von Verwaltungsbe-
hörden unter anderem dann abgelehnt werden, wenn Umstände vor-
liegen, die nach objektiven Gesichtspunkten geeignet sind, den An-
schein der Befangenheit zu erwecken (BGE 127 I 198). Die in
Art. 29 BV statuierten Verfahrensgarantien gelten in allen Gerichts-
sowie Verwaltungsverfahren; ihr Anwendungsbereich ist weiter als
derjenige von Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutz der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten (SR 0.101; abgekürzt EMRK;
HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR, Schweizerisches Bundesstaats-
recht, 9. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, N 829 unter Hinweis auf
BGE 131 II 169).
2.1.1 Die bundesgerichtlichen Anforderungen an die Unabhängigkeit
der Mitglieder einer Entscheidbehörde werden im kantonalen Recht in
Art. 7 Abs. 1 VRP konkretisiert. Danach haben Behördenmitglieder,
Beamte, öffentliche Angestellte und amtlich bestellte Sachverständige
von sich aus in den Ausstand zu treten:
a) wenn sie selbst, ihre Verlobten oder Ehegatten, ihre eingetragenen Partner, ihre Verwandten und  bis und mit dem dritten Grad, ihre -, Pflege- oder Stiefeltern oder ihre Adoptiv-, Pflege- oder Stiefkinder, der eingetragene Partner eines  oder die Kinder des eingetragenen Partners an der Angelegenheit persönlich beteiligt sind. Der Ausstandsgrund der Verschwägerung besteht nach Auflösung der Ehe oder der eingetragenen  fort;
b) wenn sie Vertreter, Beauftragte, Angestellte oder Organe einer an der Angelegenheit beteiligten Person sind oder in der Sache Auftrag erteilt haben;
bbis) wenn sie bei einer Anordnung einer Vorinstanz  haben;
c) wenn sie aus anderen Gründen befangen .
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 9/18
Der letztgenannte Ausstandsgrund verlangt nicht, dass der Betroffene
tatsächlich befangen ist. Es genügt, wenn das betroffene Mitglied be-
fangen sein könnte oder befangen erscheint. Allein das persönliche
Empfinden einer Partei reicht dafür nicht aus. Das Misstrauen in die
Unabhängigkeit und Unparteilichkeit müssen vernünftige Gründe ob-
jektiv rechtfertigen (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 191). Misstrauen in
die Unparteilichkeit kann namentlich in einem bestimmten subjektiven
Verhalten der betroffenen Person oder in funktionellen und organisa-
torischen Gegebenheiten begründet sein. Funktionelle und organisa-
torische Gründe werden aber nicht grundsätzlich als Ausstandsgründe
anerkannt (I. HÄNER, Die Beteiligten im Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsprozess, Zürich 2000, N 448). Befangenheit ist in der Re-
gel zu bejahen, wenn eine besonders ausgeprägte Freundschaft oder
Feindschaft besteht. Als befangen gilt auch, wer ein unmittelbares per-
sönliches Interesse am Ausgang des Verfahrens hat (CAVELTI/VÖGELI,
a.a.O., Rz. 192).
2.1.2 Bei Verfahren vor Verwaltungsbehörden ist dem Umstand Rech-
nung zu tragen, dass diese im Gegensatz zu den gerichtlichen Instan-
zen nicht nur zur neutralen Rechtsanwendung und Streitentscheidung
berufen sind, sondern auch weitere öffentliche Aufgaben erfüllen und
öffentliche Interessen wahren sowie in eine Verwaltungsorganisation
eingebunden sind. Ist die Unbefangenheit von Verwaltungsbehörden
zu beurteilen, ist immer zu berücksichtigen, dass diese zunächst
hauptsächlich ihre Verwaltungsfunktionen zu erfüllen haben und nicht
Rechtsprechungsfunktionen. An ihre Unbefangenheit können deshalb
nicht dieselben Anforderungen gestellt werden, wie an die Unabhän-
gigkeit von Justizbehörden (REITER, in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Praxis-
kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Zü-
rich/St.Gallen 2020, Art. 7-7bis N 26). Vielmehr können sie beim Erlass
von Verfügungen teilweise nicht im eigentlichen Sinn als unparteilich
bezeichnet werden. Immerhin haben Behördenmitglieder bei Sachge-
schäften, an denen sie persönlich interessiert sind, wegen objektiven
Anscheins der Befangenheit in den Ausstand zu treten. Bei der Wahr-
nehmung öffentlicher Interessen besteht indes keine generelle Aus-
standspflicht. So können beispielsweise Gemeindevertreter an Baube-
willigungsverfahren mitwirken, die Bauprojekte der Gemeinde selber
betreffen (REITER, a.a.O., Art. 7-7bis N 28; STEINMANN, a.a.O., N 36 zu
Art. 29 BV unter Hinweis auf BGE 125 I 119 und Urteil des Bundesge-
richtes 1C_278/2010 vom 31. Januar 2011).
2.2 Die Rekurrenten begründen die Befangenheit der Vorinstanz
damit, dass diese nicht in eigener Sache hätte entscheiden dürfen;
wobei es sich vorliegend um ein Geschäftsfeld handle, in welchem
auch private Anbieter tätig seien. Dabei sei zu beachten, dass die Po-
litische Gemeinde Z._ Hauptaktionärin der B._AG und Eigentü-
merin eines kleinen Teils des Plangebiets sei. Auch habe sie perso-
nelle Überschneidungen mit der B._AG und habe die Vorinstanz
dem Vorhaben schon früher zugestimmt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 10/18
2.3 Grundsätzlich haben sich Ausstandsbegehren immer gegen ein-
zelne Personen zu richten (vgl. BDE Nr. 36/2016 vom 6. Juli 2016
Erw. 2.3.3; BDE Nr. 48/2019 vom 6. August 2019 Erw. 2.2; BDE
Nr. 73/2019 vom 5. Dezember 2019 Erw. 3.2; Baudepartement SG,
Juristische Mitteilungen 2016/III/7), weil die Befangenheit einen inne-
ren Gemütszustand betrifft. Deshalb können nur natürliche Personen,
nicht aber eine Gesamtbehörde befangen sein (vgl. CAVELTI/VÖGELI,
a.a.O., Rz. 180; B. SCHINDLER, Die Befangenheit der Verwaltung, Zü-
rich 2002, S. 75 ff.; BDE Nr. 33/2016 vom 28. Juni 2016 Erw. 2.1.2;
Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2016/III/7). Die Rüge
der Rekurrenten ist schon deshalb unbegründet, weil sie sich allge-
mein gegen die Mitglieder der vorinstanzlichen Entscheidbehörde rich-
tet.
Der Einwand der Rekurrenten ist aber auch aus nachfolgenden Grün-
den unbehelflich:
2.3.1 Die Politische Gemeinde Z._ bzw. der Stadtrat und die Bau-
kommission Z._ sind von Gesetzes wegen für die Ortsplanung, die
örtliche Baupolizei und den Vollzug des Baureglements zuständig
(Art. 1 Abs. 1 und Art. 135 PBG; Art. 3 des Baureglements der Politi-
schen Gemeinde Z._ vom 30. Mai 1994). Der Rat ist das oberste
Leitungs- und Verwaltungsorgan einer Gemeinde (Art. 89 und
Art. 137 Abs. 1 des Gemeindegesetzes; sGS 151.2). Art. 28 des Sozi-
alhilfegesetzes (sGS 381.1; abgekürzt SHG) bestimmt, dass die Poli-
tische Gemeinde für ein bedarfsgerechtes Angebot an Plätzen in sta-
tionären Einrichtungen zur Betreuung und Pflege von Betagten sorgt.
Diese öffentliche Aufgabe kann sie gemeinsam mit anderen Politi-
schen Gemeinden erfüllen oder mit Leistungsvereinbarung an die
Ortsgemeinde oder an private Institutionen übertragen.
2.3.2 Es ist sowohl gesetzlich zugewiesene öffentliche Aufgabe der
Politischen Gemeinde Z._ für ein bedarfsgerechtes Angebot an
Plätzen in stationären Einrichtungen zur Betreuung und Pflege von Be-
tagten zu sorgen, als auch im Rahmen der Ortsplanung Sondernut-
zungs- und Teilstrassenpläne zu erlassen. Dabei nehmen die Mitglie-
der des Stadtrates keine persönlichen, sondern ausschliesslich öffent-
liche Interessen wahr. Das öffentliche Interesse daran besteht unab-
hängig davon, ob es daneben andere private Alters- und Pflegeheime
gibt. Ebenfalls keine Rolle spielt, dass die Politische Gemeinde Z._
Eigentümerin eines kleinen Teils des Plangebiets ist. Die Mitglieder
des Stadtrates selbst sind nämlich weder dinglich noch obligatorisch
am betroffenen Teilstück berechtigt.
Nach den obigen Ausführungen ist der Stadtrat zuständig für die Orts-
planung. Weil H._ nicht Mitglied des Stadtrates ist und die Stadträtin
I._ (beides Mitglieder des Verwaltungsrates der B._AG) in den
Ausstand getreten ist, können beide Privatpersonen persönlich keine
Verletzung der Ausstandsvorschriften begangen haben.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 11/18
2.3.3 Die Behauptungen der Rekurrenten zu einer allfälligen früheren
bejahenden Äusserung des Stadtrates Z._ zum Bauprojekt T._
sind äussert wage. Weder wer sich geäussert habe, noch was genau
Inhalt der Äusserung gewesen sei, wird dargelegt. Zudem fehlen Be-
weise, die diese Behauptung untermauern könnten. Unabhängig da-
von ist anzumerken, dass es anders als bei Gerichten, zu den allge-
meinen Aufgaben einer Exekutivbehörde gehört, dass diese eine be-
sondere Verantwortung für die Erfüllung bestimmter öffentlicher Auf-
gaben trägt. Aus diesem Grund kann der Stadtrat bei einem Bauvor-
haben im Interessen der Allgemeinheit nicht unbeteiligt bleiben, son-
dern muss dazu politisch Stellung nehmen (HÄNER, a.a.O., N 446).
Aussagen, welche sich im üblichen Rahmen der Ausübung von Regie-
rungs- und Verwaltungsfunktionen bewegen, schaffen deshalb im All-
gemeinen keinen Ausstandsgrund (REITER, a.a.O., Art. 7-7bis N 27).
2.4 Aus dem Gesagten folgt, dass der Befangenheitsvorwurf
gegenüber dem Stadtrat als Kollektivbehörde bzw. gegenüber den
beiden genannten Privatpersonen unbegründet ist.
3.
Die Rekurrenten verlangen die Aufhebung des TSP N._. Im Bereich
der S._strasse müsste der Langsamverkehr verlegt werden. Auf der
Fläche, die künftig als Trottoir gelten solle, würden sich heute noch
Parkplätze und eine Grünanlage befinden. Das Trottoir sei physisch
somit noch nicht vorhanden, weshalb es unzulässig sei, nur einen Teil-
strassenplan mit einer Teilaufhebung der öffentlichen Widmung ohne
entsprechendes Projekt zu erlassen.
Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, für den Erlass und die
Änderung des Gemeindestrassenplans sei das Planverfahren lediglich
sachgemäss durchzuführen. Verschiedene Bestimmungen des Plan-
verfahrens seien bei Erlass des Gemeindestrassenplans nicht an-
wendbar, wie die Bestimmung zum Inhalt eines Strassenbauprojekts
(Art. 40 des Strassengesetzes; sGS 732.1; abgekürzt StrG). Der Ge-
meindestrassenplan stelle einen Nutzungsplan dar, wogegen Stras-
senbauprojekte das Baubewilligungsverfahren ersetzen würden.
Dementsprechend seien Gemeindestrassenpläne auf der Stufe Nut-
zungs- bzw. Sondernutzungsplanung zu koordinieren, während erst
das Baugesuchsverfahren mit dem Strassenbauprojekt abzustimmen
sei. Der Stadtrat Z._ habe entsprechend seine ausdrückliche Ab-
sicht formuliert, das erforderliche Strassenbauprojekt mit dem künfti-
gen Bewilligungsverfahren für den Neubau des Alters- und Pflege-
heims zu koordinieren.
3.1 Der angefochtene Teilstrassenplan soll die Klassierung eines
48 m2 grossen Teilstücks der S._strasse aufheben, den späteren
Rückbau des Trottoirs und der Pflanzenrabatte innerhalb des Perime-
ters des SNP M._ sichern und den Neubau des Trottoirs entlang der
S._strasse und beim Einlenker in die U._strasse ermöglichen.
Der TSP N._ enthält einzig die Aufhebung der Klassierung des
Teilstücks der S._strasse. Der tatsächliche Rückbau und Neubau
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 12/18
des Trottoirs sowie die Entfernung der Pflanzenrabatte auf dem – auf
diese Weise vorab entwidmeten – Teilstück der S._strasse soll
gemäss der Vorinstanz erst im Rahmen des
Baubewilligungsverfahrens öffentlich aufgelegt werden.
3.2 Obwohl es sich auch bei öffentlichen Strassen und Wegen um
Anlagen im Sinn von Art. 136 Abs. 1 PBG handelt, bedarf ihre Erstel-
lung oder Änderung keiner baupolizeilichen Bewilligung. Vielmehr er-
setzt nach Art. 39 Abs. 1 StrG das Planverfahren das Baubewilli-
gungsverfahren. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz kommt die
"sachgemässe Anwendung" des Planverfahrens nach
Art. 39 Abs. 2 StrG nur für den Fall in Betracht, dass eine bereits be-
stehende Verkehrsanlage (Strasse oder Weg) nachträglich von einer
privaten zu einer öffentlichen Anlage im Sinn von Art. 8 und 9 StrG
erklärt oder eine bereits öffentlich gewidmete Anlage aufgrund ihrer
geänderten Funktion (bei Strassen) bzw. der geänderten Unterhalts-
zuständigkeit (bei Wegen) einer höheren oder tieferen Strassen- oder
Wegklasse zugeteilt wird. In beiden Fällen erfolgt keine Bautätigkeit
an der Strasse.
Anders präsentiert sich der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt,
weil eine bestehende öffentliche Strasse mit Trottoir künftig baulich
angepasst werden soll. Es sind also bauliche Massnahmen erforder-
lich. Strassenbau aber beruht immer auf einem Nutzungsplan im Sinn
von Art. 14 Abs. 1 des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes
(SR 700; abgekürzt RPG), dem sogenannten "Teilstrassenplan", der
die zugrundliegende Zone (Grundordnung) überlagert (VerwGE
B 2018/235 vom 21. November 2019 Erw. 3.3) und auf welchen
Art. 40 StrG anzuwenden ist. Gemäss Art. 40 StrG hat ein solches
Strassenbauprojekt ("Teilstrassenplan") insbesondere einen Situati-
onsplan (Bst. a), den Landbedarf für die dauernde und vorüberge-
hende Beanspruchung des Bodens (Bst. b), allfällige Baulinien (Bst. c)
und die "Einteilung von Gemeindestrassen" (Bst. d) zu enthalten
(P. SCHÖNENBERGER, in: G. Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum
st.gallischen Strassengesetz, St.Gallen 1989, S. 85 ff.). Neben dem
Situationsplan nach Art. 40 Bst. a StrG hat der Teilstrassenplan selbst-
verständlich auch sämtliche anderen Pläne zu beinhalten, die für den
Bau der Strasse und das kantonale Genehmigungsverfahren (Art. 13
Abs. 2 StrG) erforderlich sind. Bei einem Strassenbauprojekt sind das
neben dem Situationsplan regelmässig auch Längen- und Querprofile
sowie Pläne zur Entwässerung und zur Fundation (BDE Nr. 1/2019
vom 28. Januar 2019 Erw. 6), zur Beleuchtung, allfällig erforderliche
Sichtzonen und der technische Bericht.
3.3 Die "Einteilung von Gemeindestrassen", in der Praxis regelmäs-
sig als "Klassierung" bezeichnet, stellt damit (neben Bauprojekt, Land-
bedarf und Baulinien) bloss einen – in der Regel nicht eigenständi-
gen – Teilbereich des Teilstrassenplans dar. In welchen Fällen es
denkbar wäre, nur zu "Klassieren", wurde oben dargelegt. Dagegen ist
die Klassierung bzw. Öffentlicherklärung einer noch nicht vorhande-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 13/18
nen Verkehrsanlage nicht möglich, weil die Klassierung an ein Stras-
senbauprojekt anschliesst bzw. Folge desselben ist, nicht jedoch um-
gekehrt. Gleiches gilt für die Aufhebung einer Klassierung, die mit ei-
ner Bautätigkeit an der Strasse verbunden ist. Zuerst muss stets im
Planverfahren nach Art. 39 ff. StrG die Recht- und Zweckmässigkeit
eines Strassen- oder Wegbauprojekts beurteilt werden. Stehen der
Genehmigung des Nutzungsplans keine Hindernisse entgegen, ist an-
schliessend auch die Strassen- oder Wegeinteilung vorzunehmen.
Eine planerisch verbindliche "Sicherung" des Raumbedarfs für das
erst künftig zu erlassen beabsichtigte Strassen- oder Wegbauprojekt
mittels blosser Klassierung bzw. deren Aufhebung ist dagegen nicht
möglich, weil ohne konkretes Projekt auch nicht über die Notwendig-
keit und damit über die Rechtmässigkeit der Anlage befunden werden
kann.
3.4 Vorliegend wurde nun aber – entgegen Art. 40 StrG – nur der
die Aufhebung der Klassierung beinhaltende Plan erlassen und dem
öffentlichen Auflageverfahren unterstellt. Der für den Rückbau des
Trottoirs und der Pflanzenrabatte innerhalb des Perimeters des SNP
M._ und den Neubau des Trottoirs entlang der S._strasse und
beim Einlenker in die U._strasse notwendige Teilstrassenplan fehlt.
Es kann somit nicht überprüft werden, ob die vorzunehmenden Ände-
rungen an der S._strasse überhaupt möglich und rechtlich – insbe-
sondere aus Sicht der Verkehrssicherheit – zulässig sind. Dieses Vor-
gehen widerspricht der ausdrücklichen gesetzlichen Bestimmung von
Art. 40 StrG. Die öffentliche Auflage eines bloss die "Einteilung von
Gemeindestrassen" beinhaltenden Plans stellt – zumindest sofern die
Verkehrsanlage (Strasse oder Weg) noch nicht tatsächlich im gewoll-
ten Umfang besteht – nach der Praxis des Baudepartementes einen
schweren Verfahrensmangel dar und führt stets zur Aufhebung des
angefochtenen Planerlasses (vgl. dazu BDE Nr. 54/2013 vom 9. Sep-
tember 2013 Erw. 8.2; BDE Nr. 21/2017 vom 8. August 2017 Erw. 4.5
sowie BDE Nr. 1/2019 vom 28. Januar 2019 Erw. 6; Baudepartement
SG, Juristische Mitteilungen 2019/IV/5). Dies wurde der Vorinstanz be-
reits im Vorverfahren (Rekurs Nr. 17-6386) im Rahmen der vorläufigen
Beurteilung vom 26. Juni 2018 ausdrücklich mitgeteilt. Bereits im da-
maligen Verfahren machten die heutigen Rekurrenten geltend, dass
im Zusammenhang mit dem Teilstrassenplan ein Strassenbauprojekt
fehle bzw. dieses unvollständig sei. Auch damals wurde dem Auflage-
verfahren lediglich der sich auf die Festlegung der Klassierung be-
schränkende Plan unterstellt. Mit vorläufiger Beurteilung vom 26. Juni
2018 wurde die Vorinstanz von der zuständigen Verfahrensleiterin der
Rechtsabteilung darauf hingewiesen, dass ein solches Vorgehen ver-
fahrensrechtlich nicht zulässig sei und zur Aufhebung des Teilstras-
senplans führen würde. Die Vorinstanz hat als Folge dieser vorläufigen
Beurteilung am 4. Juli 2018 (unter anderem) den damaligen "Teilstras-
senplan" aufgehoben. Auch in Bezug auf den vorliegend strittigen TSP
N._ wurde die Vorinstanz auf den Verfahrensfehler aufmerksam ge-
macht: Mit E-Mail vom 9. Mai 2019 wies der Verfahrensleiter des
Rechtsdienstes des TBA auf das fehlende Strassenbauprojekt hin,
weswegen das Genehmigungsverfahren sistiert worden ist.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 14/18
3.5 Folglich ist der TSP N._ mangels Strassenbauprojekt aufzu-
heben. Der Rekurs ist in diesem Punkt gutzuheissen.
4.
Die Rekurrenten beanstanden sodann, dass bei der Planung das Mit-
wirkungsverfahren nicht durchgeführt worden sei. Insbesondere auf-
grund der Dimensionen des geplanten Neubaus seien die Auswirkun-
gen in verschiedener Hinsicht gross und die Bevölkerung hätte mitein-
bezogen werden müssen. Soweit ersichtlich, sei der Bevölkerung we-
der beim SNP M._ und der Teilaufhebung des UebP S._ noch
beim SNP O._ die Möglichkeit einer Mitwirkung geboten worden.
Diese Vorgehensweise verletze Art. 4 RPG.
Nach Ansicht der Vorinstanz soll der Bevölkerung nach dem bundes-
rechtlichen Minimum die Möglichkeit gegeben worden sein, Vor-
schläge einzubringen und allgemeine Ansichten zu den Planentwürfen
zu äussern. Denn es sei nicht erforderlich, die Bevölkerung in jeden
einzelnen Prozessschritt, der zur Erarbeitung eines Plans erforderlich
sei, vorgängig einzubinden. Am 24. April 2017 habe in diesem Sinn
eine Informationsveranstaltung stattgefunden, in welcher der Gestal-
tungsplan P._ vom 29. März 2017 und die damit verfolgten Absich-
ten und Ziele öffentlich vorgestellt worden seien, verbunden mit der
Gelegenheit, Fragen zu stellen. Der SNP O._ habe ohnehin keine
grossen Auswirkungen auf das Zentrum von Z._. Es seien die vom
SNP O._ betroffenen Grundeigentümer gemäss Art. 41 Abs. 2 PBG
benachrichtigt worden.
4.1 Nach Art. 4 Abs. 1 und 2 RPG hat die mit den Planungsaufga-
ben betraute Behörde die Bevölkerung über Ziele und den Ablauf der
Planungen zu unterrichten. Sie hat dafür zu sorgen, dass die Bevölke-
rung bei Planungen in geeigneter Weise mitwirken kann. Die Bestim-
mung hat zum übergeordneten Ziel, die demokratische Legitimation
von Plänen zu stärken. Damit die Bevölkerung bei der Planung mitwir-
ken kann, muss sie informiert sein. Information und Mitwirkung bilden
folglich notwendigerweise eine Einheit. Der zitierte Artikel enthält die
Mindestanforderungen bezüglich Umfang und Ausgestaltung der Mit-
wirkungsrechte der Bevölkerung. Der Behörde kommt bei der Form
und Art der Information der Bevölkerung ein gewisser Handlungsspiel-
raum zu. Sie hat die Bevölkerung jedoch in einer Art zu informieren,
mit welcher der von der Planung berührte Personenkreis üblicher-
weise erreicht wird. Denkbar sind beispielsweise Berichterstattungen
in den Medien, Orientierungsveranstaltungen oder die öffentliche Auf-
lage von Entwürfen. Information und Mitwirkung ermöglichen die not-
wendige Breite der Interessenabwägung, bilden eine wichtige Grund-
lage für den sachgerechten Planungsentscheid und tragen damit zu
einer qualitativ guten Planung bei. Die Mitwirkung soll die Planungs-
behörden in ihrer Aufgabe unterstützen, eine den Anforderungen des
Gesetzes und den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechende
Raumordnung zu schaffen. Sie ist damit ein Teil der Grundlagenbe-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 15/18
schaffung. Deshalb verlangt die Durchführung des Mitwirkungsverfah-
rens einen Zeitpunkt, in welchem die abschliessende Interessenabwä-
gung noch offen ist – die Beschaffung von Grundlagen nach abge-
schlossener Planung wäre wenig sinnvoll. Anregungen müssen des-
halb zur Verfügung stehen und Bedenken müssen bekannt sein, wenn
die Planungsvorstellungen konkretisiert und in eine bestimmte Form
gegossen werden (vgl. zum Ganzen: BGE 135 II 286 Erw. 4.1 mit Hin-
weisen; ZAUGG/LUDWIG, Kommentar zum bernischen Baugesetz,
Band 2, 4. Aufl., Bern 2013/2017, Art. 58 N 3). Damit eine sinnvolle
Mitwirkung ermöglicht wird, hat die Information somit möglichst früh-
zeitig zu erfolgen. Nach der erfolgten Information kommt der Bevölke-
rung die Möglichkeit der Mitwirkung zu. Die Planungsbehörde hat die
Planentwürfe zur allgemeinen Ansichtsäusserung freizugeben, Vor-
schläge und Einwände entgegenzunehmen und sich materiell dazu zu
äussern – wenn auch nicht eine individuelle Beantwortung jeder An-
frage verlangt wird (WALDMANN/HÄNNI, Handkommentar, RPG 2006,
Art. 4 N 1 ff.; Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2018/IV/3).
4.2 Vorliegend hat am 24. April 2017 im E._ zum ursprünglichen
(vorliegend nicht mehr streitgegenständlichen) Gestaltungsplan P._
vom 29. März 2017 eine Informationsveranstaltung stattgefunden. Die
Veranstaltung wurde von der Stadtkanzlei in einer Medienmitteilung
vom 10. April 2017 angekündigt. Nach der Informationsveranstaltung
wurde in verschiedenen Lokalzeitungen über das Bauprojekt T._
berichtet. Im Zusammenhang mit dem SNP O._ wurden einzig die
Grundeigentümer im Plangebiet sowie im weiteren Umkreis von 30
Meter – im Rahmen der öffentlichen Auflage des Sondernutzungs-
plans und nicht vorgängig – schriftlich benachrichtigt (Art. 41 Abs. 2
PBG). Weitere Informationsbemühungen seitens der Vorinstanz als
die eben erwähnten beim ursprünglichen Gestaltungsplan P._ vom
29. März 2017 und dem SNP O._ werden nicht geltend gemacht und
gehen auch nicht aus den jeweiligen Planungsberichten hervor.
4.3 Es ergibt sich, dass in Bezug auf den im vorliegenden Rekurs-
verfahren zu beurteilenden SNP M._ überhaupt keine Information
und kein Mitwirkungsverfahren erfolgt ist. Selbst wenn man auf die In-
formationsveranstaltung vom 24. April 2017 abstellen würde, was al-
lenfalls denkbar wäre, da sich der SNP M._ materiell grundsätzlich
mit dem Gestaltungsplan P._ vom 29. März 2017 deckt, müsste fest-
gestellt werden, dass auch dieses Vorgehen nicht mit Art. 4 RPG ver-
einbar war. Die Informationsveranstaltung vom 24. April 2017 erfolgte
zu einem Zeitpunkt, in welchem die Planungsinstrumente (vom
29. März 2017) von der Vorinstanz bereits erlassen worden waren. Be-
reits am Folgetag, dem 25. April 2017, startete die öffentliche Auflage
der Pläne. Ein Mitwirkungsverfahren war zu diesem Zeitpunkt klarer-
weise gar nicht mehr möglich. Die Grundlagenbeschaffung und Inte-
ressenabwägung war bereits viel früher abgeschlossen und wie aus-
geführt, der Planerlass rund drei Wochen zuvor beschlossen worden.
Ein solches Vorgehen hält klarerweise vor Art. 4 RPG nicht Stand. Es
ergibt sich, dass sowohl in Bezug auf den Gestaltungsplan P._ vom
29. März 2017 als auch auf den SNP M._ kein Mitwirkungsverfahren
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 16/18
im Sinn von Art. 4 RPG durchgeführt worden ist. Auch in Bezug auf
den SNP O._ wurde die Bevölkerung überhaupt nicht unterrichtet.
Weil Information und Mitwirkung eine notwendige Einheit darstellen
und die Information die unabdingbare Voraussetzung jeder Mitwirkung
ist, ergibt sich zusammenfassend, dass die zu spät oder überhaupt
nicht erfolgte Information der Bevölkerung zur Folge hat, dass jede Art
von Mitwirkung der Bevölkerung bei den beiden SNP M._ und O._
bzw. dem Gestaltungsplan P._ vom 29. März 2017 von vornherein
ausgeschlossen war. Die Bevölkerung wurde im Zusammenhang mit
den Planungsinstrumenten aus dem Jahr 2017 nur noch über die voll-
endeten Tatsachen informiert. Im Jahr 2018 fand betreffend die vorlie-
gend streitigen Planungsinstrumente überhaupt keine Information o-
der Mitwirkung der Bevölkerung mehr statt. Angezeigt wäre hingegen
gewesen, dass die Bevölkerung möglichst frühzeitig in den Prozess
eingebunden worden wäre, damit sie noch Einfluss auf deren Ausgang
gehabt hätte.
4.4 Die gewählte Vorgehensweise beim Erlass des SNP M._ und
des SNP O._ verletzt demnach die Mitwirkungsrechte der Bevölke-
rung im Sinn von Art. 4 RPG. Der Rekurs ist auch in diesem Punkt
gutzuheissen und die beiden Sondernutzungspläne sind aufzuheben.
5.
Weiter rügen die Rekurrenten, das Bauvorhaben sei zu Unrecht nicht
visiert worden. Gemäss Art. 23 Abs. 3 des Baureglements der Politi-
schen Gemeinde Y._ vom 9. März 2011 müsse bei schwierig zu be-
urteilenden Bauvorhaben, für die mit dem Sondernutzungsplan die
Rechtsgrundlage geschaffen werden soll, eine Visierung erfolgen.
Weil die Visierpflicht im Planverfahren nach Art. 29 ff. des Baugeset-
zes (nGS 8, 134; abgekürzt BauG) für die künftigen Bauten bei Son-
dernutzungsplänen gemäss der Verfügung des Baudepartementes
vom 9. März 2011 für die Stadt Y._ als recht- und zweckmässig be-
urteilt und deshalb genehmigt wurde, müsse die Visierpflicht im Plan-
verfahren auch für schwierig zu beurteilende Bauvorhaben in der Po-
litischen Gemeinde Z._ gelten. Zudem stelle ein detaillierter Über-
bauungsplan eine Baubewilligung dar.
5.1 Das Anzeige- und Auflageverfahren für den Erlass eines Son-
dernutzungsplans ist in Art. 41 PBG geregelt. Demgemäss werden
Sondernutzungspläne unter Eröffnung einer Einsprachefrist von
30 Tagen öffentlich aufgelegt. Die amtliche Bekanntmachung erfolgt
auch im kantonalen Amtsblatt. Bei Sondernutzungsplänen werden die
Eigentümer von Grundstücken im Plangebiet sowie die Anstösser
(Grundeigentümer, die nicht mehr als 30 Meter vom Plangebiet ent-
fernt sind) schriftlich benachrichtigt (Art. 41 Abs. 2 PBG). Eine Visier-
pflicht ist demgegenüber im kantonalen Recht nicht vorgesehen. Auch
das geltende Baureglement der Politischen Gemeinde Z._ sieht
keine entsprechende Pflicht vor.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 17/18
5.2 Bei Sondernutzungsplänen besteht somit keine allgemeine
Pflicht zur Visierung – unabhängig davon, wie detailliert ein Sondernut-
zungsplan ist. Zutreffend ist, dass in Art. 23 Abs. 3 des genehmigten
Baureglements der Politischen Gemeinde Y._ die dortige Bau- und
Umweltkommission bei Sondernutzungsplänen die Visierung verlan-
gen kann. Einerseits handelt es sich dabei jedoch nur um ein mögli-
ches Instrument und keine allgemeine Visierpflicht, anderseits kann
eine Bestimmung eines Baureglements einer anderen Politischen Ge-
meinde im zu beurteilenden Planverfahren in der Politischen Ge-
meinde Z._ ohnehin keine Rolle spielen. Der Rekurs erweist sich
damit in diesem Punkt als unbegründet.
6.
Der angefochtene SNP M._, der SNP O._ und der TSP N._
sind – unter gleichzeitiger Aufhebung des Einspracheentscheids des
Stadtrates Z._ vom 6. März 2019 sowie der Genehmigungsverfü-
gung des AREG vom 17. Juni 2019 – aufzuheben. Ebenfalls aufzuhe-
ben ist als Folge davon die Verfügung der Kantonspolizei vom 20. No-
vember 2018. Der Rekurs erweist sich gesamthaft als begründet und
ist im Sinn der Erwägungen gutzuheissen.
7.
7.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die
amtlichen Kosten der Politischen Gemeinde Z._ aufzuerlegen. Auf
deren Erhebung wird jedoch verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP).
7.2 Der von Rechtsanwalt Urs Pfister am 19. Juli 2019 geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'800.– wird zurückerstattet.
8.
Die Rekurrenten stellen ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen
Kosten.
8.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
8.2 Die Rekurrenten obsiegen mit ihren Anträgen. Da das Verfahren
zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot,
die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-
sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung
(Art. 98bis VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche
Entschädigung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 7/2020), Seite 18/18
Honorarordnung (sGS 963.75) ermessensweise auf Fr. 2'750.– zuzüg-
lich Mehrwertsteuer festzulegen; sie ist von der Politischen Gemeinde
Z._ zu bezahlen.