Decision ID: 3a53a486-37ee-5031-83eb-d6fe5af75899
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1967 geborene, österreichische Staatsangehörige A._
(nachfolgend Versicherter oder Beschwerdeführer) war in Österreich
wohnhaft und schloss dort von 1982 bis 1986 eine Ausbildung zum Ma-
schinenschlosser ab (act. 1 S. 4, act. 11 S. 1). Von 1991 bis 1996 studierte
er berufsbegleitend Maschinenbau an der Fachhochschule Liechtenstein
und erlangte den Abschluss Diplom-Ingenieur FH. Bereits von
Januar 1987 bis Februar 2004 war er mit Unterbrüchen in der Schweiz
arbeitstätig gewesen und seit August 2011 arbeitete er zunächst wieder als
Grenzgänger in der Schweiz, wobei er Beiträge an die schweizerische Al-
ters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV; Gesamtversi-
cherungszeit: 242 Monate; act. 77 f.) leistete. Seit dem 25. Oktober 2013
bestanden psychische gesundheitliche Beeinträchtigungen, die zu einer
vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit führten (act. 1, act. 11 S. 1, act. 15,
act. 16 S. 10). Im November 2013 verlegte er seinen Wohnsitz von Öster-
reich in die Schweiz (act. 1). Bis zur Kündigung auf den 31. Juli 2014 war
er für seine Tätigkeit als Projektleiter in der Automobilbranche mit einem
Pensum von 100% angestellt.
B.
B.a Am 16. April 2014 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf ein
Burnout bei der IV-Stelle des Kantons B._ (nachfolgend: kantonale
IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Im Rahmen ihrer Abklärungen holte die
kantonale IV-Stelle die Akten des Krankentaggeldversicherers (act. 11 f.,
act. 16) und den Fragebogen für Arbeitgebende (act. 15) ein. In Absprache
mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; act. 25) gewährte die kanto-
nale IV-Stelle dem Versicherten als Frühinterventionsmassnahme mit Mit-
teilung vom 3. Februar 2015 Beratung und Unterstützung bei der Arbeits-
vermittlung sowie die Teilnahme an einem Standortbestimmungs- und
Bewerbungskurs Kader (act. 39). Am 21. Juli 2015 teilte die kantonale
IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie sein Leistungsbegehren um beruf-
liche Massnahmen abweise (act. 43).
B.b Nachdem aktuelle Berichte behandelnder Ärzte zu unterschiedlichen
Einschätzungen hinsichtlich Diagnose und Auswirkungen auf die Arbeits-
fähigkeit des Versicherten kamen (act. 31, act. 33, act. 37, act. 47, act. 48,
act. 50 und act. 52), empfahl der RAD, Prof. Dr. med. C._, Facharzt
für Neurologie und Psychiatrie, B._, mit einem monodisziplinären
psychiatrischen Gutachten zu beauftragen. Am 7. Januar 2016 erteilte die
C-5879/2019
Seite 3
IV-Stelle den Auftrag (act. 55). Da der Versicherte dem ersten Termin un-
entschuldigt fernblieb, eröffnete die IV-Stelle am 2. März 2016 das Mahn-
und Bedenkzeitverfahren (act. 59). Mit Arztbericht vom 4. März 2016 emp-
fahl der behandelnde Psychiater berufliche Integrationsmassnahmen
(act. 62). Nachdem der Versicherte – seiner Ankündigung entsprechend –
auch den zweiten Termin nicht wahrnahm, trat die IV-Stelle mit Verfügung
vom 21. März 2016 nicht auf sein Gesuch um Rentenleistungen ein.
C.
C.a Im April 2016 zog der Versicherte nach Österreich. Am 3. Juli 2017
beantragte er eine Invaliditätsrente bei der Pensionsversicherungsanstalt
(nachfolgend: PVA) D._, und über die österreichische Verbindungs-
stelle zugleich eine solche bei der IV-Stelle für Versicherte im Ausland
(nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz; act. 5, 7und 9). Im Rahmen ihrer Ab-
klärungen holte die IVSTA die Akten der PVA (act. 80 ff.), den Fragebogen
für den Versicherten (act. 83) und weitere medizinische Unterlagen der be-
handelnden Hausärztin Dr. med. E._ ein (act. 84 ff.).
C.b Mit Bescheid vom 10. April 2018 stellte die PVA fest, es liege keine
dauerhafte Invalidität vor und es bestehe kein Anspruch auf Massnahmen
der medizinischen Rehabilitation. Massnahmen der beruflichen Rehabilita-
tion seien nicht zweckmässig (act. 98).
C.c Der medizinische Dienst der IVSTA empfahl am 23. Juli 2018 eine
polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten in der Schweiz in den
Bereichen Psychiatrie, Pneumologie, Neurologie und Innere Medizin
(act. 99, 101 und 103). Mit Schreiben vom 14. August 2018 teilte die IVSTA
dies dem Versicherten unter Beilage der Fragen an den Experten und einer
von ihm zu unterzeichnenden Vollmacht mit (act. 105 ff.) und erteilte am
17. September 2018 den Auftrag für eine interdisziplinäre medizinische Ab-
klärung des Versicherten an die F._ (act, 111). Zum anschliessend
am 6. Februar 2019 erstatteten Gutachten (act. 124 f.) nahm der medizini-
sche Dienst der IVSTA am 8. Juli 2019 (act. 145) und am 17. Juli 2019
(act 146) Stellung.
C.d Die PVA gewährte dem Versicherten mit Schreiben vom 14. Februar
2019 auf Grund eines vor Gericht am 7. Dezember 2018 geschlossenen
Vergleichs ab 1. August 2018 medizinische Massnahmen der Rehabilita-
C-5879/2019
Seite 4
tion zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. Für die Dauer der vorüber-
gehenden Invalidität bestehe Anspruch auf Rehabilitationsgeld aus der
Krankenversicherung (act. 140).
C.e Mit Vorbescheid vom 6. August 2019 stellte die IVSTA in Aussicht, das
Rentenbegehren des Versicherten abzuweisen (act. 147). Dagegen erhob
der Versicherte am 28. August 2019 Einwand (act. 148) und reichte einen
Arztbericht seiner behandelnden Psychiaterin Dr. med. G._ vom
26. November 2018 (act. 149) sowie ein vom österreichischen Landgericht
eingeholtes Gutachten vom Psychiater und Neurologen Dr. med.
H._ vom 28. September 2018 (act. 150) ein. Gestützt auf die Stel-
lungnahme des medizinischen Dienstes der IVSTA vom 26. September
2019 (act. 152) hielt die IVSTA an ihrem Vorbescheid fest.
C.f Mit Verfügung vom 9. Oktober 2019 wies die IVSTA das Rentenbegeh-
ren des Versicherten ab. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen fest,
dass keine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% wäh-
rend eines Jahres bestanden habe, weshalb kein Rentenanspruch entstan-
den sei (act. 153).
D.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 6. Novem-
ber 2019 (Postaufgabe: 7. November 2019) Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht. Er beantragt sinngemäss, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und die Vorinstanz sei zu verpflichten, den Leistungsan-
spruch neu zu überprüfen. Eventualiter seien weitere medizinische Abklä-
rungen durchzuführen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Befrei-
ung von den Verfahrenskosten (BVGer-act. 1, Beilage 2). Seiner
Beschwerde lag nebst der angefochtenen Verfügung ein Arztbericht vom
24. September 2019 seiner behandelnden Psychiaterin bei.
E.
Am 20. Dezember 2019 übermittelte die Vorinstanz dem Bundesverwal-
tungsgericht zuständigkeitshalber ein durch den österreichischen Versi-
cherungsträger veranlasstes psychiatrisches Gutachten von Dr. med.
I._ vom 1. Oktober 2019 und einen Formularbericht der Allgemein-
medizinerin Dr. med. J._ (BVGer-act. 6).
F.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Juni 2020 wies der zuständige Instruk-
C-5879/2019
Seite 5
tionsrichter das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege ab und forderte ihn auf, innert 30 Tagen einen
Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.– zu leisten (BVGer-act. 9). Der
Beschwerdeführer leistete den ausstehenden Betrag am 13. Juli 2020
(BVGer-act. 12).
G.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 27. Juli 2020 die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Ver-
fügung (BVGer-act. 14).
H.
Der Beschwerdeführer liess sich innert der angesetzten Frist zur Vernehm-
lassung der Vorinstanz nicht vernehmen, weshalb der Schriftenwechsel
abgeschlossen wurde (BVGer-act. 15-17).
I.
Nach Übermittlung eines durch den österreichischen Versicherungsträger
veranlassten Gutachtens vom 25. November 2019 (vgl. BVGer-act. 19)
nahm der Beschwerdeführer nach Wiederaufnahme des Schriftenwech-
sels mit (Replik-)Eingabe vom 14. Mai 2021 Stellung und hielt, unter Bei-
lage eines weiteren Arztberichts seiner behandelnden Psychiaterin vom
11. Mai 2021, sinngemäss an seinen Anträgen fest (BVGer-act. 22).
J.
Mit Duplik vom 7. Juni 2021 hielt die Vorinstanz gestützt auf die Stellung-
nahme des medizinischen Dienstes der IVSTA vom 28. Mai 2021 an ihrem
Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (BVGer-act. 29).
K.
Mit Stellungnahme vom 28. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer einen
weiteren Arztbericht der behandelnden Psychiaterin vom 28. Juli 2021 ein
(BVGer-act. 29). Daraufhin übermittelte der zuständige Instruktionsrichter
diese samt Beilage an die Vorinstanz und schloss den Schriftenwechsel
mit Verfügung vom 2. August 2021 wieder ab (BVGer-act. 30).
L.
Auf die weiteren Aktenstücke sowie Eingaben ist – soweit erforderlich – in
den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
C-5879/2019
Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochte-
nen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48 Abs. 1
VwVG). Da auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde (Art. 63
Abs. 4 VwVG), ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
In der Regel ist die IV-Stelle zuständig, in deren Kantonsgebiet der Versi-
cherte im Zeitpunkt der Anmeldung seinen Wohnsitz hat (Art. 55 Abs. 1
IVG; Art. 40 Abs. 1 Bst. a IVV [SR 831.201]). Nachdem die kantonale
IV-Stelle mit Verfügung vom 21. März 2016 nicht auf sein Leistungsbegeh-
ren eingetreten war, verlegte der Beschwerdeführer seinen schweizeri-
schen Wohnsitz im April 2016 nach Österreich. Wie in der Zuständigkeits-
regelung des Art. 40 Abs. 2quater IVV vorgesehen, ging die Zuständigkeit
damit auf die Vorinstanz über, als das neue Leistungsbegehren des
Beschwerdeführers vom 3. Juli 2017 einging. In diesem Rahmen hat die
Vorinstanz die angefochtene Verfügung vom 9. Oktober 2019 erlassen. Sie
bildet das Anfechtungsobjekt und begrenzt zugleich den Streitgegenstand
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1).
Streitig und vom Bundesverwaltungsgericht zu prüfen ist somit der An-
spruch des Beschwerdeführers auf eine schweizerische Invalidenrente wie
bei einer Erstanmeldung, zumal die kantonale IV-Stelle mit Verfügung vom
21. März 2016 keine materielle Beurteilung der Angelegenheit vorge-
nommen hatte und mit der angefochtenen vorinstanzlichen Verfügung vom
9. Oktober 2019 erstmals der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Rente der schweizerischen Invalidenversicherung beurteilt worden ist.
3.
3.1 Am 1. Januar 2022 traten Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) vom 19. Juni 1959 und (neben
weiteren) des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi-
cherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft (Weiterentwicklung der IV;
AS 2021 705; BBl 2017 2535). Im Sozialversicherungsrecht wird bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
C-5879/2019
Seite 7
Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügung (hier: 9. Oktober 2019) ein-
getretenen Sachverhalt abgestellt (BGE 132 V 215 E. 3.1.1, 137 V 1 E. 3,
147 V 308 E. 5.1). Damit gelangen im vorliegenden Fall die bis und mit
1. Oktober 2019 geltenden Bestimmungen zur Anwendung. Tatsachen, die
jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegen-
stand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b; 130
V 138 E. 2.1). Immerhin sind indes Tatsachen, die sich erst später verwirk-
lichen, soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in
engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im
Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b;
Urteile des BGer 9C_341/2015 E. 3.3; zur Auslegung des Erfordernisses
der Glaubhaftmachung der massgeblichen Tatsachenänderung vgl.
BGE 130 V 64 E. 5.2).
3.2 Der Beschwerdeführer ist österreichischer Staatsangehöriger, wohnt in
Österreich und war in der Schweiz erwerbstätig. Damit gelangen das Frei-
zügigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die
Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen
Sicherheit gemäss Anhang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz
am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004
(SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur An-
wendung (vgl. Art. 80a Abs. 1 IVG). Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die
durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010 (AS 2015 343), Nr. 465/2012
(AS 2015 345) und Nr. 1224/2012 (AS 2015 353) erfolgten Änderungen in
den Beziehungen zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten an-
wendbar. Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt
sich indes auch im Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungs-
vorschriften nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4;
Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4).
4.
4.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche-
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
C-5879/2019
Seite 8
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli-
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder
teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut-
bare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit
in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
4.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (i.S.v. Art. 6 ATSG) gewesen
sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid
(i.S.v. Art. 8 ATSG) sind (Bst. c). Zusätzliche kumulative Voraussetzung für
einen Rentenanspruch ist, dass der Versicherte im Sinne von Art. 36 Abs. 1
IVG beim Eintritt der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge
an die Alters- Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleis-
tet hat, was vorliegend unbestritten der Fall ist (vgl. IK-Auszug act. 77 f.).
4.3 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-
spruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die
Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (zum Verhältnis zwischen Art. 28
Abs. 1 Bst. b und Art. 29 Abs. 1 IVG vgl. BGE 142 V 547 E. 3.2). Der An-
spruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach
Art. 22 IVG beanspruchen kann (Art. 29 Abs. 2 IVG).
4.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invalidi-
tätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Vier-
telsrente. Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem Invaliditäts-
grad von weniger als 50 % entsprechen, nur an Versicherte ausgerichtet,
die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der
Schweiz haben, soweit nicht zwischenstaatliche Vereinbarungen eine ab-
weichende Regelung vorsehen. Eine solche Regelung gilt seit dem 1. Juni
2002 für Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der EU und der Schweiz,
C-5879/2019
Seite 9
sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (Art. 7 VO [EG]
883/2004 und bis 31. März 2012 Art. 2 der Verordnung [EWG] Nr. 1408/71
[SR 0.831.109.268.1]; BGE 130 V 253 E. 2.3 und 3.1).
4.5 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und
gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind.
Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-
ten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes
eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge-
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolger-
ungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
4.6 Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG einge-
holten Gutachten von medizinischen Sachverständigen, die den Anforde-
rungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweis-
wert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässig-
keit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4
m.w.H.).
4.7 Die Prüfung, ob eine psychische Erkrankung eine rentenbegründende
Invalidität zu begründen vermag, hat grundsätzlich anhand eines struktu-
rierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu erfolgen (BGE 143 V
409 E. 4.5; 143 V 418 E. 6 ff.).
4.7.1 Ausgangspunkt der Prüfung und damit erste Voraussetzung für eine
Anspruchsberechtigung bildet eine psychiatrische, lege artis gestellte
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. BGE 141 V 281
E. 2.1; BGE 143 V 409 E. 4.5.2; 143 V 418 E. 6 und E. 8.1). Eine invali-
denversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigung liegt
nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf der ersten Ebene
auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49
standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädi-
gung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer
ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2 und E. 2.2.1).
C-5879/2019
Seite 10
4.7.2 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine ver-
sicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt auf der zweiten Ebene an-
hand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren
eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichti-
gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreich-
baren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6). Die für die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das Bundesgericht wie folgt
systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schwe-
regrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (Ausprä-
gung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome; Behandlungs- und
Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbiditäten [E. 4.3.1]), «Persön-
lichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychi-
sche Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kate-
gorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Fak-
toren gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver-
gleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und eingliede-
rungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
4.7.3 Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl
die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsan-
wendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den norma-
tiven Vorgaben zu orientieren. Grundlage bildet die – den einschlägigen
Indikatoren folgende – Einschätzung des Leistungsvermögens durch die
sachverständige ärztliche Person anhand der diagnostizierten gesundheit-
lichen Beeinträchtigungen der versicherten Person (BGE 141 V 281
E. 5.2). Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbe-
sondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen
Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die
ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Ar-
beitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Entscheidend
bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Stö-
rung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend
nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann (BGE 141 V 281 E. 6).
Nach BGE 141 V 281 kann der Beweis für eine lang andauernde und er-
hebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet be-
trachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im
Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer
Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung
einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet
und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle)
C-5879/2019
Seite 11
Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (E. 6;
vgl. zum Ganzen auch BGE 144 V 50 E. 4.3 mit Hinweis auf BGE 143 V
418 E. 6).
4.7.4 Hinzuweisen ist noch darauf, dass die ärztliche Beurteilung der Ar-
beitsfähigkeit von der Natur der Sache her unausweichlich Ermessenszüge
aufweist (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3 m.w.H.; Urteil BGer 9C_585/2016 vom
29. November 2016 E. 3.3; Urteil BGer 9C_397/2015 vom 6. August 2015
E. 5.3; BGE 145 V 361 E. 3.2.1 mit Hinweisen). Gleiches gilt für die psy-
chiatrische Exploration. Den medizinischen Sachverständigen eröffnet sich
praktisch immer ein gewisser Spielraum, innerhalb welchem verschiedene
Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Ex-
perte lege artis vorgegangen ist (Urteil BGer 9C_338/2016 vom 21. Feb-
ruar 2017 E. 5.5 mit Hinweisen; Urteil BGer 9C_634/2015 vom 15. März
2016 E. 6.1). Weiter ist dem Unterschied zwischen Behandlungs- und Be-
gutachtungsauftrag Rechnung zu tragen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil
9C_397/2015 E. 5.3) und zwar auch dann, wenn es um psychische Beein-
trächtigungen geht (Urteil 9C_585/2016 E. 3.3).
5.
Aus den nachfolgend aufgeführten medizinischen Akten ergibt sich zum
Gesundheitszustand beziehungsweise zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers folgendes Bild:
5.1 Die Hausärztin Dr. E._ berichtete am 2. Januar 2014, dass sich
der Beschwerdeführer einer Splenektomie (operative Entfernung der Milz)
sowie einer beidseitigen Inguinalhernien-Operation unterzogen habe. An-
sonsten beständen keine Vorerkrankungen. Sie diagnostizierte eine rezidi-
vierende depressive Störung im Verlauf einer Burn-out Entwicklung, eine
Belastungshypertonie, einen Zustand nach Migraine accompagnée bei An-
fall im Juli 2013 (Differentialdiagnose: Transitorische Ischämische Attacke
[TIA]), persistierende beziehungsweise rezidivierende Parästhesien I/II
Trigeminusast bei psychogener Überlagerung, einen Verdacht auf abge-
laufene Nierenkolik rechts (differentialdiagnostisch beginnende Gastroen-
teritis im April 2013), eine incipiente COPD (Chronisch obstruktive
Lungenerkrankung), einen Zustand nach Hämoptysen im Rahmen eines
respiratorischen Infekts im April 2013, Dirty Chest bei Nikotin-Abusus und
einen Zustand nach Infekt mit Verdacht auf Fokus im Zahnbereich im
Oktober 2013. Im Juli 2013 sei ein Kribbeln der linken Gesichtshälfte auf-
getaucht, weshalb sie den Beschwerdeführer erstmals vom 22. bis 26. Juli
2013 krankgeschrieben habe. Ein von ihr veranlasstes Schädel-MRT vom
C-5879/2019
Seite 12
23. Juli 2013 habe einen unauffälligen Befund ergeben. Ab 5. August 2013
habe sie die Krankschreibung jeweils befristet verlängert, da ein "Burn-Out"
gedroht habe. Nachdem der Beschwerdeführer ihr mitgeteilt habe, bereits
in den Jahren 2004 und 2008 "Burn-Outs" erlitten zu haben, habe sie ihn
im November 2013 an den Psychiater Dr. med. K._ überwiesen und
ab 25. Oktober 2013 weiterhin krankgeschrieben (act. 16).
5.2 Gemäss den von der kantonalen IV-Stelle eingeholten Unterlagen der
Krankentaggeldversicherung hielt insbesondere der Psychiater Dr. med.
L._ in seiner medizinischen Kurzbeurteilung vom 1. März 2014 als
Diagnosen eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syn-
drom (F 32.11) sowie deutliche Hinweise auf einen anhaltenden ausge-
prägten psychophysischen Erschöpfungszustand (im Sinne von Z 73.0)
fest. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bestehe eine vollumfängliche Arbeits-
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Ab 1. April 2014 erscheine zu-
mindest eine Arbeitsfähigkeit von 50 % realisierbar (act. 11).
5.3 Im Rahmen eigener Abklärungen holte die kantonale IV-Stelle einen
Bericht der Psychiaterin Dr. med. M._ ein, die den Beschwerdefüh-
rer seit dem 10. Februar 2014 behandelte. Im Bericht vom 30. September
2014 stellte Dr. M._ die Diagnosen einer rezidivierenden depressi-
ven Störung, gegenwärtig eine mittelgradige Episode (ICD-10 F 33.1),
sicher seit November 2014 sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-
10 Z 73). Sie stellte seit Behandlungsbeginn ein Arbeitsunfähigkeitszeug-
nis von 50 % aus und vertrat im Einklang mit Dr. L._ die Auffassung,
dass der Beschwerdeführer seit 1. April 2014 in diesem Rahmen
arbeitsfähig sei (act. 31). Aus ihrem Bericht gleichen Datums an die Kran-
kentaggeldversicherung sind im Wesentlichen dieselben Einschätzungen
zu entnehmen (act. 33).
5.4 Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung erstellte der Psychiater
Dr. med. N._ am 18. Dezember 2014 ein psychiatrisches Gutach-
ten (act. 37). Dabei stellte er folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit:
- Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.21),
gegenwärtig weitgehend remittiert
- Generalisierte Angststörung (ICD-10: F 17.1), gegenwärtig weitgehend re-
mittiert
- Psychophysische Erschöpfung (ICD-10: Z 73.0), gegenwärtig weitgehend re-
mittiert
C-5879/2019
Seite 13
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er:
- Schädlicher Nikotingebrauch (ICD-10: F 17.1)
- Schädlicher Alkoholgebrauch (ICD-10: F 10.1), gegenwärtig anamnestisch
abstinent
5.4.1 Anlässlich seiner Begutachtung vom 11. Dezember 2014 habe der
Beschwerdeführer leichte depressive Symptome sowie eine leichte
psychophysische Erschöpfung aufgewiesen, weshalb ihm eine Arbeitsun-
fähigkeit von 30 % in der angestammten Tätigkeit attestiert werden könne.
Die Therapieoptionen seien in Bezug auf die Psychopharmakotherapie und
Schlafmedikation nicht ausgeschöpft.
5.4.2 Aufgrund der Akten gehe er rückblickend von einer vollumfänglichen
Arbeitsunfähigkeit vom 22. Juli 2013 bis 13. Juli 2014 aus. Ab 14. Juli 2014
sei der Beschwerdeführer zu 50 % arbeitsfähig gewesen und ab 14. Okto-
ber 2014 zu 70 %, was er aus psychiatrischer Sicht auch gegenwärtig be-
stätigen könne. Ab 1. Februar 2015 sei mit der Wiederherstellung der
vollen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu rechnen.
5.5 Im Abschlussbericht vom 22. Juli 2015 diagnostizierte Dr. M._
nebst einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10
F 43.21) auch einen Verdacht auf narzisstische Persönlichkeitsstörung
(act. 47).
5.6 Der behandelnde Hausarzt Dr. med. O._ bestätigte in seinem
Bericht vom 14. August 2015 die im Abschlussbericht von Dr. M._
gestellten Diagnosen gegenüber der kantonalen IV-Stelle. Er beschrieb
den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers als gelernter
Maschinenbauer vom 25. Oktober 2013 bis 1. April 2014 als vollumfäng-
lich, vom 1. April 2014 bis 3. November 2014 zu 50% und vom 3. Novem-
ber 2014 bis 1. Juni 2015 zu 30%. Seit 1. Juni 2015 sei der Beschwerde-
führer wieder vollumfänglich arbeitsunfähig. Ab Oktober 2015 könne mit
einer Wiederaufnahme der Arbeit zu 30 % gerechnet werden (act. 47).
5.7 Es folgten weitere Abklärungen der kantonalen IV-Stelle bei den be-
handelnden Ärzten: Am 18. August 2015 berichtete der Pneumologe Prof.
Dr. P._ über die Behandlung eines – die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers nicht einschränkenden – obstruktiven Schlafapnoe
Syndroms, das im Juni 2014 erstmals diagnostiziert worden sei (act. 48).
Die Fachärztin für ORL-Krankheiten Dr. med. Q._ berichtete am
C-5879/2019
Seite 14
1. September 2015 über einen passageren Tinnitus bei Stressanstieg, der
direkt mit der Erschöpfungsdepression gekoppelt sei (ICD-10: F 32.9,
H 93.1). Der seit 19. Juni 2015 behandelnde Psychiater Dr. med.
R._ diagnostizierte in seinen Berichten vom 5. und 7. Oktober 2015
eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung des Sozialverhaltens
(ICD-10: F 43.24) bei Persönlichkeit mit narzisstischen und
anankastischen Zügen (F 61). Der Beschwerdeführer sei bis auf weiteres
zu 80 % krankheitshalber arbeitsunfähig geschrieben und befinde sich im
Pensum von 20 % in einer vom RAV angeordneten Massnahme (act. 52).
In seinem Bericht vom 4. März 2016 bestätigte Prof. Dr. R._ seine
bisherigen Diagnosen. Es bestehe noch eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %.
Zudem empfahl er berufliche Integrations-Massnahmen (act. 62).
5.8 Aufgrund dieser Ausgangslage empfahl der RAD am 22. Dezember
2015 eine monodisziplinäre psychiatrische Begutachtung (act. 53). Nach-
dem der Beschwerdeführer hierzu die Mitwirkung verweigerte, trat die kan-
tonale IV-Stelle mit Verfügung vom 21. März 2016 nicht auf sein Leistungs-
begehren ein (act. 67). In der Zwischenzeit berichtete Dr. R._ am
4. März 2016, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers betrage derzeit
80 % (in einer angepassten Tätigkeit); berufliche Integrationsmassnahmen
seien empfehlenswert und sinnvoll. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bestehe eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung des Sozialver-
haltens (ICD-10: F 43.24) bei Persönlichkeit mit narzisstischen und anan-
kastischen Zügen (ICD-10: F 61).
5.9 Im April 2016 zog der Beschwerdeführer zurück nach Österreich und
liess sich wieder von seiner Hausärztin Dr. E._ behandeln (act. 84).
Aus dem Arztbericht vom 16. Dezember 2016 von Psychiater Dr. med.
S._ geht die Diagnose einer Anpassungsstörung, im Sinne einer
längerdauernden depressiven Reaktion bei exogener Belastungssituation
(F 43.21) hervor (act. 86). Eine (undatierte) Beurteilung durch den HNO-
Arzt Dr. med. T._ ergab die Diagnosen eines chronisch komplexen
gut kompensierten Tinnitus aureum, funktionelle Halsbeschwerden nach
Art eines Globusgefühls sowie ein zurzeit unversorgtes Obstruktives
Schlafapnoe-Syndrom (act. 86). Ein stationärer Rehabilitationsaufenthalt
in X._ musste gemäss Austrittsbericht vom 27. Juni 2017 nach sie-
ben Tagen abgebrochen werden. Dabei wurden folgende Diagnosen ge-
stellt: Zustand nach Burnout (Z 73.0), undifferenzierte Somatisierungsstö-
rung (F 45.1), Migräne, incipiente COPD (act. 81). Im Rahmen des Ren-
tenbegehrens des Beschwerdeführers vom 3. Juli 2017 berichtete der Psy-
chiater Dr. I._ am 6. Oktober 2017 über die Hauptdiagnose "Burn
C-5879/2019
Seite 15
Out" (ICD-10: Z 73). Aktuell lasse sich beim Beschwerdeführer keine "In-
validität" aus psychiatrischen Gründen attestieren. Die Beschwerden seien
besserungsfähig (act. 82). In seinem Bericht vom 20. November 2017 be-
stätigte Dr. med. U._ diese Einschätzung nach einer Untersuchung
vom 6. September 2017 (act. 80).
5.10 In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung des F._-Gutach-
tens vom 6. Februar 2019 (act. 124) stellten die begutachtenden Personen
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit blieben gemäss ihrer Gesamtbe-
urteilung die folgenden Diagnosen:
- aktuell untherapierte schwergradige obstruktive Schlafapnoe, Erstdiagnose
Juni 2014 bei wenig respektive keinen OSA-typischen Beschwerden, Status
nach gescheiterter CPAP-Therapie wegen Maskeninakzeptanz
- Chronische Bronchitis bei Status nach Hämoptysen 2013/2014, anhaltendem
Zigarettenrauchen (ca. 60-70 packyears) und ausgeschlossener COPD
- Neurapraxie Nervus ulnaris rechts
- Adipositas Grad I mit/bei BMI 33.5 kg/m2
- Splenektomie 1986 mit unbekanntem Impfstatus
- Anpassungsstörung (reaktive Depression) 2013
Aus somatischer Sicht sei seit Juni 2014 eine schwergradige obstruktive
Schlafapnoe (OSA) bekannt. Die bis 2016 durchgeführte CPAP-Therapie
sei an einer Maskenintoleranz und Wirkungslosigkeit bei entsprechender
Malcompliance gescheitert. Die vorgetragenen Beschwerden seien nicht
OSA-typisch. Es fehle insbesondere eine Tagesschläfrigkeit, was die Wir-
kungslosigkeit der CPAP-Therapie erklären könnte. Auf der anderen Seite
handle es sich um eine schwere Schlafapnoe, die bekanntermassen die
kognitiven Leistungen kompromittiere und daher ein Benefit unter einer
konsequenten CPAP-Therapie zu erwarten sei. Bei persistierendem Niko-
tinabusus von 20-40 Zigaretten täglich bestehe eine chronische Bronchitis.
Für eine in den Akten mehrfach genannte COPD gebe es keine Evidenz.
Neurologische bestehe eine Neurapraxie des Nervus ulnaris rechts. Dies
erkläre die nächtlich auftretenden Sensibilitätsstörungen im Ringfinger und
Kleinfinger rechts bei fehlenden sensomotorischen Ausfällen in der neuro-
logischen Untersuchung. Hinweise für eine zerebrovaskuläre Erkrankung
oder eine Migräne lägen nicht vor. Der neurologische Untersuchungsbe-
fund sei vollkommen unauffällig ausgefallen. Internistisch bestehe eine
C-5879/2019
Seite 16
Adipositas Grad I, welche zusammen mit dem persistierenden Nikotin-
abusus, der positiven Familienanamnese, dem erhöhten Bauchumfang
und der Belastungshypertonie ein Risikofaktor für eine Herzerkrankung
darstelle.
Aus psychiatrischer Sicht könne lediglich eine akzentuierte Persönlichkeit
mit narzisstischen Anteilen (Hervorhebung der eigenen Leistungen als be-
sonders, leichte Kränkbarkeit) festgestellt werden, ohne dass von einer
narzisstischen Persönlichkeitsstörung gesprochen werden könnte. Die
psychogen wahrgenommenen Sensationen und Phänomene am Körper
hätten keinen direkten Krankheitswert. Deren mannigfaltiges Auftreten in
der vom Beschwerdeführer beschriebenen Form müsse ohnehin bezwei-
felt werden. Auf psychiatrischem Gebiet könne aktuell keine aktive psychi-
atrische Diagnose festgestellt werden. Diese Feststellung ergebe sich
auch aus dem weitgehend unauffälligen psychopathologischen Befund.
Die diagnostische Einschätzung des letzten Burnouts im psychiatrischen
Gutachten vom 18. Dezember 2014 als weitgehend remittierte Anpas-
sungsstörung erscheine nach der aktuellen Exploration nachvollziehbar.
Polydisziplinär beständen weder somatische noch psychiatrische Erkran-
kungen, die die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers mindern würden.
Der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit vollumfänglich
arbeitsfähig. Das Burnout 2013 könne retrospektiv als Anpassungsstörung
gedeutet werden. Definitionsgemäss halte diese nicht sehr lange an, in der
Regel bis zu sechs Monaten. Allerdings sei im Gutachten vom 1. März
2014 (act. 11; Dr. L._) von einer mittelgradigen depressiven Epi-
sode gesprochen worden. Im Gutachten vom 18. Dezember 2014 (act. 37;
Dr. N._) sei aber die Depression (nicht näher spezifiziert) weitge-
hend remittiert gewesen. Es sei daher davon auszugehen, dass die Ar-
beitsfähigkeit seit spätestens Anfang 2015 aus psychiatrischer Sicht nicht
mehr eingeschränkt gewesen sei. Für die Zeit von Oktober 2013 bis maxi-
mal ein Jahr könne in der bisherigen und in einer leidensangepassten Tä-
tigkeit eine Arbeitsunfähigkeit zu 30% angenommen werden. Eine punktu-
elle Terminierung der Entwicklung des depressiven Syndroms sei aber ret-
rospektiv nicht möglich.
5.11 Nach der Begutachtung durch die F._ reichte der Beschwer-
deführer einen Bericht der behandelnden Psychiaterin sowie ein vom Lan-
desgericht V._ eingeholtes Gutachten ein:
C-5879/2019
Seite 17
5.11.1 Im Bericht vom 26. November 2018 diagnostizierte Dr. G._
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F 61), narzisstische und anan-
kastische Anteile, ein Erschöpfungssyndrom (Z 73.0) und rezidivierende
depressive Episoden (F 33). Es zeige sich eine jahrelange Entwicklung mit
Chronifizierungstendenz. Eine Besserungstendenz sei bis anhin leider
nicht eingetreten und der berufliche Wiedereinstieg sei nicht möglich
(act. 149).
5.11.2 Der Psychiater und Neurologe Dr. H._ berichtete im Gutach-
ten vom 28. September 2018 zuhanden des Landesgerichts V._
über die Diagnosen einer leichtgradig ausgeprägten Depression sowie ei-
ner Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen Anteilen. Auf neurologischen
Gebiet lasse sich keine Krankheit oder Funktionsstörung feststellen. Der
Beschwerdeführer könne seit dem 1. August 2018 keine Tätigkeiten mehr
verrichten. Die therapeutischen Möglichkeiten seien nicht ausgeschöpft.
Eine medikamentöse antidepressive Therapie sei seit langer Zeit indiziert
und auch absolut zumutbar. Er gehe davon aus, dass auch bei Ausschöp-
fung der therapeutischen Möglichkeiten eine wesentliche Besserung des
Leistungskalküls nicht vor Jahresfrist eintrete (act. 150).
5.11.3 Der RAD wies in seiner Beurteilung vom 26. September 2019
darauf hin, dass der psychiatrische Gutachter diese beiden Dokumente im
F._-Gutachten berücksichtigt und diskutiert habe (act. 152).
5.12 Im Beschwerdeverfahren reichte der Beschwerdeführer die folgenden
Arztberichte ein:
5.12.1 Dr. G._ berichtete am 24. September 2019 bei gleichblei-
benden Diagnosen (vgl. dazu oben E. 5.11.1) und schlechter Prognose, die
Gesamtsituation sei weitgehend unverändert und von Seiten der depressi-
ven Symptomatik leichtgradig gebessert (BVGer-act. 1, Beilage 2).
5.12.2 Im Bericht vom 11. Mai 2021 ergänzte Dr. G._, dass es beim
Beschwerdeführer mit Medikation zu einer leichtgradigen Entspannung der
Affektschwankungen gekommen sei. Das Zustandsbild habe sich nach wie
vor nur unzureichend stabilisiert. Eine berufliche Wiedereingliederung sei
völlig unrealistisch und aufgrund der Massivität des Störungsbilds auch
langfristig nicht zu erwarten (BVGer-act. 22).
5.12.3 Im ärztlichen Bericht vom 26. Juli 2021 hielt Dr. G._ an ihren
bisherigen Einschätzungen fest, wonach keine Arbeitsfähigkeit bestehe
C-5879/2019
Seite 18
und eine berufliche Wiedereingliederung nach wie vor unrealistisch sei.
Auch diagnostisch habe sich die Situation nicht verändert (BVGer-act. 29).
5.13 Die österreichische PVA übermittelte der Vorinstanz am 25. Novem-
ber 2019 folgende Berichte:
5.13.1 Der Arztbericht vom 1. Oktober 2019, worin Dr. I._ die
Diagnose einer somatoformen Funktionsstörung (ICD-10: F 45.3) und als
Nebendiagnose eine gemischte Angststörung (ICD-10: F 41.0) festhielt.
Eine Besserung des Gesundheitszustands sei in einem Zeitraum von
18 Monaten möglich. Geregelte Tätigkeiten seien nicht zumutbar (BVGer-
act. 6).
5.13.2 Der Arztbericht von Dr. J._ vom 31. Oktober 2019 nimmt die
Diagnose einer somatoformen Funktionsstörung (ICD-10: F 45.3) auf und
stellt fest, dass der Beschwerdeführer keine Arbeit regelmässig verrichten
könne. Zuletzt sei eher eine Verschlechterung mit suizidalen Gedanken zu
beobachten. Allerdings sei keine Änderung zum vorherigen Bericht von
Dr. I._ (vgl. oben E. 5.13.1) vorhanden (BVGer-act. 6).
5.14 In der Beurteilung vom 28. Mai 2021 verneint der RAD aufgrund der
eingegangenen neuen Berichte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
eine stichhaltige und nachvollziehbare Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers beziehungsweise eine
grundsätzlich anders einzuschätzende gesundheitliche Situation auf psy-
chiatrischem Gebiet (BVGer-act. 24).
6.
6.1 In der angefochtenen Verfügung vom 9. Oktober 2019 stellt die
Vorinstanz in medizinischer Hinsicht auf das polydisziplinäre F._-
Gutachten vom 6. Februar 2019 ab. Gestützt darauf kommt sie im Wesent-
lichen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten
Tätigkeit als Projektleiter nicht während eines Jahres durchschnittlich zu
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sei, so dass keine anspruchsbe-
gründende Invalidität vorliege. In ihrer Vernehmlassung bekräftigt die
Vorinstanz ihren Standpunkt gestützt auf die Schlussfolgerungen der Gut-
achterpersonen im F._-Gutachten, dass weder aus somatischer
noch aus psychiatrischer Sicht funktionelle Auswirkungen der Befunde be-
stehen, welche die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu mindern
vermögen. Aus psychiatrischer Sicht könne lediglich eine akzentuierte Per-
C-5879/2019
Seite 19
sönlichkeit mit narzisstischen Anteilen festgestellt werden, jedoch kein ak-
tiver psychopathologischer Befund, welcher spätestens ab Anfang 2015
keinen Krankheitswert aufweise. Die interdisziplinäre Gesamtbeurteilung
vom 6. Februar 2019 beziehe sämtliche Vorakten mit ein, enthalte eine ein-
lässliche Anamneseerhebung der jeweiligen Fachärzte und entspreche
gänzlich den bundesgerichtlich geforderten materiellen Anforderungen an
ein Gutachten. Es erlaube ein schlüssiges und zweifelsfreies Bild der vor-
liegenden Leiden und könne Aussagen zum zeitlichen Verlauf der Arbeits-
unfähigkeit treffen. Zusammenfassend stehe nach durchgeführter Begut-
achtung der Experten sowie anschliessender invalidenärztlicher Dis-
kussion fest, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht nie eine
Arbeitsunfähigkeit erlitten habe und aus psychiatrischer Betrachtung ab
dem 25. Oktober 2013 zu 30 % eingeschränkt beziehungsweise ab 1. Feb-
ruar 2015 gänzlich arbeitsfähig gewesen sei. Abschliessend weist die
Vorinstanz darauf hin, dass der beschwerdeweise neu beigefügte ärztliche
Bericht vom 24. September 2019 (Dr. G._; BVGer-act. 1, Beilage 2)
aufgrund gleichbleibender Befunde keinen veränderten Sachverhalt zu be-
gründen vermöge. Auch in ihrer Replik vom 7. Juni 2021 hält die Vorinstanz
mit Bezug auf die neu eingebrachten medizinischen Berichte nach Rück-
sprache mit dem RAD fest, dass keine neuen medizinischen Sachverhalt-
selemente vorlägen, welche die bisherigen Einschätzungen zur gesund-
heitlichen Situation zu ändern vermögen.
6.2 In seiner Beschwerdeeingabe macht der Beschwerdeführer insbeson-
dere geltend, aufgrund einer beigefügten Gesamtbeurteilung von
Dr. G._ liege bei ihm eine massiv reduzierte Belastbarkeit, eine Af-
fektlabilität und eine beträchtliche Rückzugstendenz vor. Er habe ein
schwankendes kognitives Zustandsbild, es zeigten sich Ein- und Durch-
schlafstörungen und die Tage seien durchgehend gekennzeichnet von Er-
schöpfungssymptomen. Man müsse kein Mediziner sein um zu erkennen,
dass diese Feststellungen sich massiv auf die Erwerbsfähigkeit auswirk-
ten. Er könne sich die Diskrepanz zwischen den medizinischen Feststel-
lungen von Dr. G._ und den medizinischen Kollegen in der Schweiz
nicht erklären. Er ersuche um eine neuerliche Untersuchung. Implizit bringt
der Beschwerdeführer vor, die Erstellung eines neuen Gutachtens sei auch
angesichts des Zeitablaufs seit der letzten Begutachtung im Jahr 2018 er-
forderlich. Mit einer neuen Stellungnahme von Dr. G._ hält der Be-
schwerdeführer der Vernehmlassung der Vorinstanz entgegen, aufgrund
seiner psychischen Situation sei ihm eine Arbeitsaufnahme und die Benut-
zung öffentlicher Verkehrsmittel nicht mehr möglich. Zur Duplik der
Vorinstanz erwidert der Beschwerdeführer erneut und unter Beilage einer
C-5879/2019
Seite 20
ärztlichen Stellungnahme von Dr. G._, ihm sei eine Arbeitsauf-
nahme aufgrund seiner psychischen Situation nicht mehr möglich.
7.
Es ist zu prüfen, ob die Vorinstanz nach Eingang der IV-Anmeldung von
3. Juli 2017 den rechtserheblichen Sachverhalt genügend abgeklärt und zu
Recht eine anspruchsbegründende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers verneint hat, wobei vorliegend ein Rentenan-
spruch frühestmöglich ab dem 1. Januar 2018 entstehen konnte, sofern die
Voraussetzungen nach Art. 28 Abs. 1 IVG erfüllt sind.
7.1 In somatischer Hinsicht wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der
F._-Begutachtung internistisch, neurologisch und pneumologisch
abgeklärt.
7.1.1 Im internistischen F._-Gutachten hielt Dr. med. W._
zusammenfassend fest, aus rein internistischer Sicht sei die Arbeitsfähig-
keit weder aktuell noch in der Vergangenheit längerfristig eingeschränkt.
Der Beschwerdeführer leide an einer zunehmenden Adipositas sowie
hohem Nikotinabusus. Zudem seien die kardialen Risikofaktoren erhöht
(positive Familienanamnese, fortgesetzter Nikotinabusus, erhöhter Bauch-
umfang, eine Belastungshypertonie). Die allgemein-internistischen
Berichte von Dr. O._ und Dr. E._ hätten in ihrer Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit auch die pneumologischen, neurologischen und psy-
chiatrischen Erkrankungen berücksichtigt, was die Diskrepanz der Beurtei-
lung erkläre. Die Einschränkungen des Aktivitätenniveaus seien nicht in al-
len vergleichbaren Lebensbereichen bestehend (Tätigkeit als Hausmann
versus Eigeneinschätzung der kompletten Arbeitsunfähigkeit). Auch werde
sowohl auf eine CPAP-Therapie wie auf eine Psychopharmakatherapie
trotz entsprechender Symptomatik verzichtet (Leidensdruck?). Die geklag-
ten Symptome und Funktionseinbussen seien weder konsistent und plau-
sibel, noch mit den Untersuchungsergebnissen valide oder nachvollzieh-
bar. Ressourcen seien in der guten Ausbildung des Beschwerdeführers zu
sehen, sowie in der aktuellen Partnerschaft. Die Belastungen seien in ers-
ter Linie finanzieller Natur.
7.1.2 Im neurologischen F._-Gutachten stellte Dr. med. X._
als Diagnose ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit in der letzten Tätigkeit
eine Neurapraxie des Nervus ulnaris rechts (Neuropraxie: Eine Form der
Nervenläsion ohne Verletzung der Hüllstrukturen oder der Kontinuität der
C-5879/2019
Seite 21
Nerven, zum Beispiel durch Quetschung oder Dehnung, dadurch passa-
gere Funktionsstörung). Die vom Beschwerdeführer beschriebene Kopf-
schmerzsymptomatik erfülle nicht die Kriterien eines definierten spezifi-
schen neurologischen Kopfschmerz-Typus. Die in den Aktenunterlagen
auftauchende Diagnose Migräne könne daher nicht bestätigt werden, die
beschriebene Phänomenologie passe überhaupt nicht zu dieser Diagnose.
Der neurologische Untersuchungsbefund sei insgesamt unauffällig ausge-
fallen. Auch die vom Beschwerdeführer angegebene Asymmetrie der Ge-
sichtshälften lasse sich nicht objektivieren. Zusammenfassend liege keine
neurologische Diagnose vor, die die Arbeitsfähigkeit einschränke. In ge-
sundheitlicher Hinsicht scheine die psychische Komponente im Vorder-
grund zu stehen. Unter Berücksichtigung der aktenanamnestischen Anga-
ben erscheine es unwahrscheinlich, dass die Sensibilitätsstörung der
linken Gesichtshälfte im Jahr 2013 eine Transitorische Ischämische
Attacke (TIA) gewesen sei, zumal im weiteren Verlauf der letzten Jahre zu
einer TIA passende Symptome nicht mehr beschrieben worden seien.
Dass die linke Gesichtshälfte auch eine Asymmetrie gegenüber rechts ge-
zeigt haben solle, lasse sich aktuell nicht bestätigen. Eine neurologische
Diagnose dürfte nie vorgelegen haben und eine spezifisch neurologische
Behandlung finde daher nicht statt. In einem internistischen Bericht vom
2. Januar 2014 sei die Sensibilitätsstörung als Migraine accompagnée
bezeichnet und differentialdiagnostisch eine TIA überlegt worden. Die Be-
schreibung der Kopfschmerzsymptomatik des Beschwerdeführers wäre
mit einer Migräneattacke überhaupt nicht vereinbar. Im Entlassungsbericht
Y._ vom 27. Juni 2017 und in einem ärztlichen Formularbericht an
die Pensionsversicherungsanstalt vom 20. November 2017 sei diese Diag-
nose lediglich noch einmal erwähnt worden. Sie könne jedenfalls nicht be-
stätigt werden. Die vom Beschwerdeführer beschriebenen Sensibilitätsstö-
rungen in der linken Gesichtshälfte seien eindeutig stressassoziiert, somit
psychogen zu interpretieren. Aus neurologischer Sicht habe zu keinem
Zeitpunkt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der letzten Tätigkeit
bestanden.
7.1.3 Der Pneumologe Z._ holte für die Erstellung des pneumologi-
schen F._-Gutachtens (act. 125) zusätzliche Aktenstücke, insbe-
sondere diverse schlafmedizinische und pneumologische Berichte aus
dem Kantonsspital B._ (vgl. dazu act. 126-137) ein, um sich ein ge-
naueres Bild über die von ihm schliesslich diagnostizierte schwergradige
obstruktive Schlafapnoe (OSA) sowie die chronische Bronchitis zu
machen. Dabei erachtet er den grössten Teil der Beschwerden als nicht
respiratorischer Natur und die beklagten Beschwerden als nicht OSA-
C-5879/2019
Seite 22
typisch. Es fehle insbesondere eine mit den Tagesaktivitäten interferie-
rende Schläfrigkeit und damit bestehe eine Diskrepanz zwischen den Be-
funden und der Befindlichkeit. Obwohl der pneumologische Gutachter bei
den diffus geäusserten Beschwerden nicht sagen konnte, welche durch die
OSA mitverursacht seien und ob sie ein therapeutisches Potential be-
sässen, empfahl er gleichwohl eine CPAP Therapie. Die vorgetragenen
kognitiven Defizite des Beschwerdeführers könnten dadurch nur ver-
bessert werden und die CPAP-Therapie sei ihm zumutbar. Aus pneumolo-
gischer Sicht bestehe kein Ressourcen-Defizit. Ob mit oder ohne CPAP-
Therapie sei der Beschwerdeführer sowohl angestammt als auch adaptiert
zu 100% arbeitsfähig. Es sei denkbar, dass die unbehandelte schwergra-
dige OSA bereits bei Ausbruch des Burnouts Oktober 2013 eine teil-
kausale Rolle gespielt habe. Eine Malcompliance während des ersten The-
rapieversuches bis 2016 lasse aber auf einen fehlenden Leidensdruck
schliessen. Ein Grossteil der Beschwerden dürften selbst bei bestens etab-
lierter OSA-Behandlung persistieren.
7.1.4 Die Feststellungen der F._-Gutachter decken sich mit den bis-
her dokumentierten Arztberichten hinsichtlich der körperlichen Beschwer-
den des Beschwerdeführers. So stellte bereits die Hausärztin
Dr. E._ im Bericht vom 2. Januar 2014 mit Hinweis auf eine Vorstel-
lung beim Neurologen Dr. med. AA._ fest, das im Juli 2013 vom
Beschwerdeführer beschriebene Kribbeln der linken Gesichtshälfte gründe
auf einer psychogenen Überlagerung (act. 16). Der Pneumologe
Dr. P._ wies im Bericht vom 18. August 2015 darauf hin, dass das
im Juni 2014 diagnostizierte obstruktive Schlafapnoe Syndrom keinen Ein-
fluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers habe (act. 48). Ge-
mäss Arztbericht vom 1. September 2015 der ORL-Fachärztin
Dr. Q._ war der passagere Tinnitus direkt mit der Erschöpfungsde-
pression gekoppelt (act. 62). Dementsprechend erfolgte auch die Empfeh-
lung des RAD zu einer monodisziplinären psychiatrischen Begutachtung
(die schliesslich nicht stattfand; vgl. dazu oben E. 5.8). Auch aus einer un-
datierten Beurteilung von HNO-Arzt Dr. T._ – wonach der Tinnitus
gut kompensiert sei und sich für die beklagte Missempfindung im Hals im
Röntgenbild kein Anhalt finde – ergeben sich keine Hinweise auf Ein-
schränkungen in der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus rein so-
matischen Gründen (act. 86).
Übereinstimmend mit dieser Vorgeschichte und unter Berücksichtigung der
vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden sahen die Gutachter in
der interdisziplinären Gesamtbeurteilung des F._-Gutachtens in
C-5879/2019
Seite 23
überzeugender Weise die Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie auch
in einer angepassten Tätigkeit des Beschwerdeführers aus rein somati-
schen Gründen als nicht eingeschränkt an (vgl. act. 124 f.). Diese Ein-
schätzung ist unbestritten und überzeugt aufgrund der dargelegten medi-
zinischen Aktenlage.
7.2 Die dem Beschwerdeführer in der Vergangenheit attestierten Arbeits-
unfähigkeiten beruhen vielmehr auf psychisch bedingten Einschränkun-
gen. Dementsprechend begründet der Beschwerdeführer seine Rechts-
mitteleingabe wie auch seine weiteren, mit psychiatrischen Arztberichten
versehenen Eingaben ausschliesslich mit seiner psychischen Situation,
welche ihm aus subjektiver Sicht keine Arbeitsaufnahme erlaube.
7.2.1 Wie bereits erwähnt, hält auch der F._-Gutachter, Neurologe
und Psychiater Dr. X._ fest, dass die psychische Komponente in
gesundheitlicher Hinsicht im Vordergrund zu stehen scheine. Der Be-
schwerdeführer halte bis zum Untersuchungszeitpunkt an der Diagnose ei-
nes "Burnout" fest. Er klage über Müdigkeit, Kopfschmerzen, Tinnitus, Krib-
beln der linken Gesichtshälfte bis zur Taubheit, Taubheit der Zunge mit Aus-
wirkungen auf das Sprechen, Herzstolpern, Herzrasen, Schwindelgefühl,
Durchfall und Verstopfung, Druck auf der Brust, Ziehen des linken Ober-
arms, Ziehen des linken Arms bis in die Fingerspitzen und Ziehen der lin-
ken Körperhälfte. Tinnitus, Schweissausbruch, Herzrasen und Suizidge-
danken habe der Beschwerdeführer nach seinen Angaben bereits nach der
ersten Einnahme von Psychopharmaka entwickelt und diese Symptome
seien immer wieder aufgetreten. Seine jetzigen Leiden würden gemäss
den Angaben des Beschwerdeführers unter Stress, also bei Menschenan-
sammlungen und lauten Stimmen, ausgelöst. Seine Strategie im Umgang
mit den Beschwerden sei sozialer Rückzug und Erholung von zwei bis drei
Wochen. Wenn ein Rückzug in solchen Situationen nicht möglich sei,
werde er aggressiv. Es sei, so der Beschwerdeführer, keine organische Ur-
sache gefunden worden und er akzeptiere den Zusammenhang zu seiner
Psyche.
7.2.2 In psychiatrischer-diagnostischer Hinsicht kommt Dr. X._ im
F._-Gutachten nach durchgeführter Untersuchung zum Ergebnis,
es könne nicht einmal auf eine leichte Depression geschlossen werden,
wenn man die Kriterien für eine depressive Störung gemäss ICD zugrunde
lege. Zur Begründung legt er dar, dass der Affekt, das Denken und der An-
trieb nicht in einer typischen dynamischen Weise reduziert seien, um eine
solche Diagnose stellen zu können. Die Emotionalität sei sehr gut spürbar,
C-5879/2019
Seite 24
es bestehe kein Blockiertsein. Insofern könne auch die Diagnose Burnout
nicht (mehr) vorliegen, zumal ein spezifischer Bezug zur Arbeitssituation
nicht gegeben wäre. Der Beschwerdeführer beschreibe durchaus mögliche
stress-assoziierte psychophysische Aktivierungsprozesse, die sehr
mannigfaltig seien. Sie könnten allerdings nicht objektiviert werden. Sie
erinnerten deskriptiv an somatoforme Symptome, liessen sich allerdings in
der vom Beschwerdeführer geschilderten Form nicht unter einem spezifi-
schen Syndrom subsumieren. Deshalb sei auch die Krankheitswertigkeit
dieser mannigfaltigen Symptome in Frage zu stellen. Es bleibe lediglich die
Feststellung, dass narzisstische Persönlichkeitszüge vorliegen (Hervorhe-
bung der eigenen Leistungen als besonders, leichte Kränkbarkeit), ohne
dass von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gesprochen werden
könnte. Denn mit einer solchen Persönlichkeitsstörung (die definitionsge-
mäss schon seit dem frühen Erwachsenenalter vorliegen müsste) hätte er
nicht viele Jahre arbeiten können und wäre er auch nicht in der Lage ge-
wesen, die aktuelle Beziehung über acht Jahre zu führen. Ein Suchtleiden
liege nicht vor. Zusammenfassend lägen keine Symptome, Beeinträchti-
gungen, Defizite oder Phänomene mit Krankheitswert auf psychiatrischem
Gebiet vor. Eine konkrete psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit könne daher nicht benannt werden. Die vom psychiatri-
schen F._-Gutachter diagnostizierte Anpassungsstörung (reaktive
Depression) habe 2013 bestanden und sei ohne Einfluss auf die Arbeits-
fähigkeit, da sie aktuell nicht mehr vorliege. Wiederholt eingeleitete medi-
kamentöse antidepressive Behandlungen habe der Beschwerdeführer
nicht fortgesetzt mit der Begründung, diese nicht zu vertragen, was auffällig
sei. Diesbezüglich bestehe eine mangelhafte Compliance, wobei er die
regelmässigen Termine bei der Psychiaterin wahrzunehmen scheine. Dass
der Beschwerdeführer jeglichen Benefit von laufenden psychiatrischen und
psychotherapeutischen Behandlungen verneine, untermauere, dass es
sich nicht um krankheitswertige Phänomene handle, sondern allenfalls um
normal-psychologische Reaktionen oder psychogene Prozesse, die inso-
fern keiner Psychotherapie bedürften. Eingliederungspotential wäre gege-
ben und insofern sei der Beschwerdeführer nicht psychisch instabil.
7.2.3 Dr. med. AB._, Facharzt für Allgemeine Medizin vom medizi-
nischen Dienst der IVSTA, stellte sich zum F._-Gutachten vom
6. Februar 2019 aus somatischer Sicht auf den Standpunkt, dass aufgrund
des unbehandelten Schlafapnoe-Syndroms eine Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit möglich sei. Einerseits liege Malcompliance vor und der
Beschwerdeführer vertrage die Maske nicht. Andererseits schlafe der Be-
schwerdeführer mit seiner Partnerin auf der "Couch", was sich ebenfalls
C-5879/2019
Seite 25
negativ auf seine Schlafqualität auswirke. Obwohl der Beschwerdeführer
einer Schadenminderungspflicht unterliege, stelle sich die Frage, ob eine
psychische Gesundheitseinschränkung für seine Malcompliance verant-
wortlich sein könnte. Dr. AB._ bat daher um interne Stellungnahme
eines Psychiaters zur gemäss dem F._-Gutachter fehlenden psy-
chischen Gesundheitseinschränkung angesichts der seit 2013 bestehen-
den Diagnosen. Zudem solle sich dieser ebenfalls zu im polydisziplinären
F._-Gutachten geäusserten Inkonsistenzen und Diskrepanzen äus-
sern (Stellungnahme vom 8. Juli 2019 [act. 145]).
7.2.4 Daraufhin nahm Psychiater Dr. med. AC._ vom medizini-
schen Dienst der IVSTA am 17. Juli 2019 zu diesen Fragen folgender-
massen Stellung (act. 146): Das psychiatrische Gutachten von
Dr. X._ halte überzeugend fest, dass keine Persönlichkeitsstörung
des Beschwerdeführers vorliege. Die vom Beschwerdeführer beklagten
Beschwerden liessen keine medizinisch erklärbare Einschränkung der Ar-
beitsfähigkeit zu. Das "Burn-Out" werde als Anpassungsstörung diagnosti-
ziert und im psychiatrischen Gutachten würden zudem narzisstische Per-
sönlichkeitszüge festgestellt. Auf der anderen Seite habe der Beschwerde-
führer gute Ressourcen (insbesondere in den komplexen Ich-Funktionen
Realitäts-prüfung, Urteilsbildung, Beziehungsfähigkeit, Kontaktverhalten,
Interaktionskompetenz, Regressionsfähigkeit und Intentionalität), durch
die er Einschränkungen überwinden könne. Funktionelle Einschränkungen
seien durch alle Gutachterpersonen verneint worden. Inkonsistenzen fän-
den sich zwischen der vom Beschwerdeführer geltend gemachten vollum-
fänglichen Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit gegenüber seinen Res-
sourcen im alltäglichen Leben. Zudem hinterfragten die begutachtenden
Personen den Leidensdruck des Beschwerdeführers, zumal er Behandlun-
gen und Psychotherapien nicht (wirklich) beanspruche. Die Gutachter gin-
gen von einer Arbeitsunfähigkeit zu 30 % ab Oktober 2013 für die Dauer
von maximal einem Jahr aus. Spätestens Anfang 2015 sei die Arbeitsfä-
higkeit aus psychiatrischer Sicht nicht mehr eingeschränkt und vollumfäng-
lich in allen Aktivitäten wiederhergestellt gewesen. Eine Psychotherapie sei
angesichts der Schadenminderungspflicht des Beschwerdeführers ebenso
wie eine Behandlung des Schlafapnoe-Syndroms zumutbar.
7.2.5 Diese Beurteilung des Psychiaters Dr. AC._ erscheint nicht
zuletzt auch angesichts dessen, dass der psychiatrische F._-Gut-
achter nach gründlicher Untersuchung des Beschwerdeführers einen weit-
gehend unauffälligen psychopathologischen Befund erhoben hat (vgl.
act. 124 S. 59 ff.), nachvollziehbar und schlüssig und stimmt in den
C-5879/2019
Seite 26
Schlussfolgerungen mit der gutachterlichen Einschätzung überein. Hin-
weise auf eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit bestehen nicht (vgl. u.a.
auch: act. 125 S. 13 f.). Dr. X._ setzte sich mit Blick auf die geklag-
ten Beschwerden insbesondere auch eingehend mit den medizinischen
Vorakten und den darin gestellten Diagnosen vertieft auseinander. So hielt
er einlässlich und nachvollziehbar fest: Die diagnostische Einschätzung
des letzten "Burnout" im psychiatrischen Gutachten vom 18. Dezember
2014 (Arztbericht Dr. N._: act. 37) als weitgehend remittierte An-
passungsstörung erscheine nach der aktuellen Exploration nachvollzieh-
bar. Eine generalisierte Angststörung lasse sich aber aktuell nicht feststel-
len und sei dazumal ebenfalls als weitgehend remittiert bezeichnet worden.
In einem psychiatrischen Bericht vom 22. Juli 2015 (Abschlussbericht Dr.
M._; act. 47) sei der Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung ge-
äussert worden. Aufgrund der obigen Überlegungen favorisiere der psychi-
atrische F._-Gutachter narzisstisch akzentuierte Persönlichkeits-
züge als Beschreibung. Im Übrigen sei die Behandlung damals abgebro-
chen worden. Auch eine andere Praxisgemeinschaft sei in ihrem Bericht
vom 5. Oktober 2015 (Arztbericht Prof. Dr. R._; act. 52) zu der Ein-
schätzung einer Persönlichkeit mit narzisstischen und anankastischen Zü-
gen gekommen, wobei bei der Codierung doch eine Persönlichkeitsstörung
zugrunde gelegt worden sei. Das sei widersprüchlich. Obwohl der Bericht
der gleichen Praxisgemeinschaft vom 4. März 2016 (act. 62), wonach der
Beschwerdeführer beruflicher Massnahmen bedürfe, bestätigt werden
könne, erscheine die seinerzeitige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit als
80% nicht nachvollziehbar, denn die Anpassungsstörung habe 2016 nicht
mehr vorliegen können (kein akutes belastendes Ereignis in zeitlicher Nähe
bekannt). Es erscheine nicht nachvollziehbar, dass der Y._ in sei-
nem Entlassungsbericht vom 27. Juni 2017 (act. 81) die oben beschriebe-
nen psychogenen Sensationen des Beschwerdeführers als undifferen-
zierte Somatisierungsstörung klassifiziert habe, da diese Phänomene nicht
anhaltend (gewesen) seien. Ein Wechsel der verschiedenen Organsys-
teme finde auch nicht statt. In einem psychiatrischen Gutachten vom 6. Ok-
tober 2017 (Dr. I._; act. 82) sei gegenüber der österreichischen
Pensionsversicherungsanstalt zwar die Diagnose "Burnout" zugrunde ge-
legt, eine Invalidität jedoch verneint worden. Dies könne auch nach der ak-
tuellen Exploration bestätigt werden. Unverstanden blieben die Einschät-
zungen im letzten psychiatrischen Gutachten vom 28. September 2018
(Dr. H._; act. 150): Einerseits sei von einer leichten Depression ge-
sprochen worden, andererseits sei der Beschwerdeführer aber praktisch
als vollständig und dauerhaft arbeitsunfähig eingeschätzt worden. Zu einer
gleichen Einschätzung komme auch die behandelnde Psychiaterin in ihrem
C-5879/2019
Seite 27
Bericht vom 26. November 2018 (act. 149), wobei sie ihre Einschätzung
nicht begründe. Sie komme gar zum Schluss, dass ein beruflicher Wieder-
einstieg nicht mehr möglich sein werde, wobei sie kurz zuvor eine antide-
pressive Medikation eingeleitet haben wolle. Die einzelnen dort aufgeführ-
ten Diagnosen würden nicht ausreichend begründet und diskutiert, die all-
fälligen funktionellen Einschränkungen blieben unerwähnt.
Dasselbe lässt sich hinsichtlich der von Dr. I._ zu einem späteren
Zeitpunkt gestellten und von Dr. J._ übernommenen Diagnose ei-
ner somatoformen Funktionsstörung sagen (vgl. BVGer-act. 6): Es fehlt be-
reits eine Begründung dafür, weshalb Dr. I._ von seiner am 6. Ok-
tober 2017 gestellten Hauptdiagnose (act. 82) abweichend rund zwei Jahre
später hauptsächlich eine somatoforme Funktionsstörung und als Neben-
diagnose eine gemischte Angststörung diagnostiziert. Demgegenüber hat
der psychiatrische F._-Gutachter glaubhaft dargelegt, dass die vom
Beschwerdeführer beschriebenen mannigfaltigen psychophysischen
Symptome, welche gemäss Angaben des Beschwerdeführers stress-asso-
ziiert auftreten würden, sich nicht unter ein spezifisches Syndrom subsu-
mieren lassen.
Zusammenfassend erscheint die Diagnose von narzisstisch akzentuierten
Persönlichkeitszügen nachvollziehbar.
7.2.6 Die im Einwand- und Beschwerdeverfahren eingereichten Stellung-
nahmen der behandelnden Psychiaterin Dr. G._ (vgl. dazu act. 149,
BVGer-act. 1, Beilage 2, BVGer-act. 22 und BVGer-act. 29) vermögen die
Einschätzungen des psychiatrischen F._-Gutachters nicht in Zwei-
fel zu ziehen. Sie enthalten weder neue Befunde noch andere Aspekte, die
bei Erstellung des F._-Gutachtens noch nicht bekannt gewesen wa-
ren. Vielmehr bestätigen sie die bereits im Bericht vom 26. November 2018
von Dr. G._ geäusserten Diagnosen und Arbeitsunfähigkeitsein-
schätzungen, mit denen sich der psychiatrische F._-Gutachter be-
reits eingehend auseinandergesetzt hat. Insbesondere lassen die Stellung-
nahmen von Dr. G._ eine vertiefte Begründung, weshalb sie – ent-
gegen dem psychiatrischen F._-Gutachten – an den Diagnosen ei-
ner kombinierten Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und anankasti-
schen Anteilen, rezidivierenden depressiven Episoden sowie Zustand nach
Erschöpfungssyndrom festhält und gestützt darauf weiterhin auf eine voll-
umfängliche Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers schliesst (zuletzt
mit Stellungnahme vom 26. Juli 2021 [BVGer-act. 29]), vermissen.
C-5879/2019
Seite 28
Ebenso setzte sich der psychiatrische F._-Gutachter bereits kritisch
mit dem Gutachten von Dr. H._ vom 28. September 2018 auseinan-
der und kam nachvollziehbar zum Schluss, dass angesichts der von
Dr. H._ gestellten Diagnose einer leichten Depression dessen Ein-
schätzung einer vollständigen und dauerhaften Arbeitsunfähigkeit unver-
ständlich erscheint. Es fällt auf, dass Dr. H._ trotz weitgehend un-
auffällig erhobenen objektiven Untersuchungsbefunden – im Psychostatus
fiel im Wesentlichen einzig auf, dass der Explorant im Auftreten subdepres-
siv erscheine und sich Hinweise für narzisstische Persönlichkeitszüge
zeigten, während etwa Auf-fassung, Aufmerksamkeit, Konzentration und
Gedächtnis unauffällig waren und auch keine Angstsymptomatik vorlag –
in seiner Befundbeurteilung und Einschätzung einer vollständigen Arbeits-
unfähigkeit offenbar unkritisch der subjektiven Sichtweise und Einschät-
zung des Probanden, schwerwiegend psychisch krank zu sein (vgl. dazu
etwa das Ergebnis im durchgeführten Test der Beck'schen Depressions-
kala, welcher auf rein subjektiven Angaben des Probanden beruht, vgl. act.
150 S. 7) und daher überhaupt nicht mehr arbeiten zu können, folgte, ohne
diese Beurteilung und Schlussfolgerung – insbesondere auch die Diag-
nose einer Persönlichkeitsstörung – nachvollziehbar zu begründen. Dies
gilt umso mehr, als Dr. H._ selbst nur Hinweise für narzisstische
Persönlichkeitszüge objektiviert. Teilweise ist die Befunderhebung auch wi-
dersprüchlich (zum Beispiel betreffend Hinweisen für sozialen Rückzug).
Ohnehin enthält das Gutachten von Dr. H._ keinerlei Auseinander-
setzung mit den medizinischen Vorakten, weshalb es von vornherein als
Grundlage für eine fundierte Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähig-
keit des Beschwerdeführers ausser Betracht fällt.
7.2.7 Zudem hat der psychiatrische F._-Gutachter auch die mass-
gebenden Standardindikatoren in seine Beurteilung mit einbezogen
(vgl. dazu oben E. 4.7).
Im Komplex der Persönlichkeit (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche
Ressourcen) wie auch im Rahmen der Kategorie «Funktioneller Schwere-
grad» im Komplex «Gesundheitsschädigung» beim Indikator «Ausprägung
der diagnoserelevanten Befunde und Symptome» waren im Rahmen der
Untersuchung einzig narzisstische Persönlichkeitszüge festzustellen, die
sich durch die Hervorhebung der eigenen Leistungen als besonders sowie
durch leichte Kränkbarkeit äussern. Wie bereits oben festgestellt, profitiert
der Beschwerdeführer demgegenüber von vielen persönlichen Ressour-
cen. So stellte der medizinische Dienst der IVSTA übereinstimmend mit
C-5879/2019
Seite 29
dem psychiatrischen F._-Gutachter gute Ressourcen des Be-
schwerdeführers insbesondere in den komplexen Ich-Funktionen Reali-
tätsprüfung, Urteilsbildung, Beziehungsfähigkeit, Kontaktverhalten, Inter-
aktionskompetenz, Regressionsfähigkeit und Intentionalität fest. Seine
gute Ausbildung bildet ebenfalls eine Ressource, wie die internistische
F._-Gutachterin festgehalten hat. Der Beschwerdeführer ist in der
Selbstwertregulation zwar beeinträchtigt, aber durchaus in der Lage, Wil-
lenskräfte zu mobilisieren, um allfällige Hindernisse bei der Bewältigung
von Aufgaben zu überwinden. In Anlehnung an das Mini-ICF-APP stellten
die F._-Gutachterpersonen fest, dass beim Beschwerdeführer
keine Beeinträchtigungen vorlägen, die ihn daran hindern würden, eine sei-
nem Ausbildungs- und Kenntnisstand angemessene Tätigkeit auf dem all-
gemeinen Arbeitsmarkt zu verrichten.
Hinsichtlich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -
resistenz» wurde eine ungünstige Prognose gestellt, da der Beschwerde-
führer neben einer ungenügenden Behandlungs-Compliance absolut de-
terminiert ist in der Annahme, keine Arbeitsfähigkeit mehr aufzuweisen. Die
F._-Gutachterpersonen und der medizinische Dienst der IVSTA
weisen jedoch nachvollziehbar darauf hin, dass diese subjektive Haltung
und Sichtweise des Beschwerdeführers nicht Ausdruck einer krankheits-
werten Störung ist (vgl. act. 124 S. 8 und act. 152 S. 2 f.).
Beim Indikator «Komorbiditäten» ist ein schwergradiges obstruktives
Schlafapnoe-Syndrom zu berücksichtigen, das im Juni 2014 erstmals
diagnostiziert worden war. Den F._-Gutachterpersonen zufolge
kompromittiert eine schwergradige OSA die kognitiven Leistungen, wobei
beim Beschwerdeführer OSA-typische Beschwerden nicht vorhanden
seien. Da sich eine OSA (ICD-10: G47.31) durch die Leitsymptome exzes-
sive Tagesschläfrigkeit, lautes und unregelmässiges Schnarchen und
Atemstillstände während des Schlafens auszeichnet, erscheint es schlüs-
sig, dass die F._-Gutachterpersonen diese Diagnose bei fehlender
mit den Tagesaktivitäten interferierender Tagesschläfrigkeit kritisch insbe-
sondere auch betreffend die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit prüften,
umso mehr, als die geäusserten Beschwerden als nicht OSA-typisch beur-
teilt wurden (vgl. dazu etwa C. Hader et al., Das obstruktive Schlafapnoe-
Syndrom – Diagnostik, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 2004;
129; 566-569). Insofern sahen sie die OSA unabhängig davon, ob eine
CPAP-Therapie erfolgt oder nicht, nicht als Grund für eine Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, was insbesondere angesichts
C-5879/2019
Seite 30
der fehlenden Tagesschläfrigkeit auch im vom Beschwerdeführer beschrie-
benen Tagesablauf und der Ergebnisse zusätzlich durchgeführter Untersu-
chungen einleuchtet (vgl. act. 124 S. 59, act. 125 S. 7). Insgesamt er-
scheint damit auch die Einschätzung, dass selbst wenn sich der Gesund-
heitszustand (unabhängig von der Arbeitsfähigkeit) hinsichtlich Schlafqua-
lität und/oder –quantität verbessern liesse, eine Behandlung des Schlafap-
noe-Syndroms zumutbar beziehungsweise eine Malcompliance nicht mit
psychischen Gründen erklärbar sei, begründet und nachvollziehbar (vgl.
oben E. 7.2.3).
Hinsichtlich der Kategorie «Sozialer Kontext» bestehen beim Beschwerde-
führer nebst seiner seit Jahren andauernden Beziehung zur Partnerin auch
der Umgang mit dem im selben Haushalt lebenden Stiefsohn sowie der
regelmässige Kontakt zu seinen beiden erwachsenen Kindern und zwei
Kollegen als interpersonelle Ressourcen. Damit ist die gutachterliche Ein-
schätzung eines intakten unmittelbaren sozialen Umfelds plausibel. Ein
Rückzug aus sozialen Bereichen liegt damit höchstens teilweise vor.
Zur Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens) gehört einer-
seits die gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver-
gleichbaren Lebensbereichen und andererseits der Behandlungs- und ein-
gliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck. Zu Ersterem ist
festzuhalten, dass durch die vorgetragenen psychischen Beschwerden
keine gleichmässige Einschränkung besteht. Insbesondere bestehen Dis-
krepanzen zwischen den Bereichen Haushalt, Freizeitgestaltung, Be-
nutzung von Verkehrsmitteln und Führungs- und Kontrollfunktionen. Die
F._-Gutachterpersonen wiesen weiter auf Inkonsistenzen im
Längsschnitt-Verlauf hin. So habe der Beschwerdeführer 2016 den Umzug
von der Schweiz nach Österreich bewältigen können. 2014 habe er einen
neuntägigen Kurs besucht, 2015 an einer RAV-Massnahme teilgenommen.
2016 habe er ein Fitnesscenter besucht. Er betreue täglich den Sohn sei-
ner Freundin, könne Einkäufe erledigen, gehe spazieren, treffe seine
Freunde draussen, übernachte in einem Hotel, verbringe Ferien in einem
anderen Land (während der Ferienzeit), nehme die verordneten Medika-
mente nicht ein und meine, von der regelmässig besuchten Psychothera-
pie nicht zu profitieren. Zum zweiten Punkt ist zu erwähnen, dass eine Dis-
krepanz zwischen den Befunden entsprechend einer schwergradigen OSA
und der Befindlichkeit des Beschwerdeführers besteht. Die Medikamenten-
compliance ist nicht gegeben und auch die OSA blieb, von vorübergehen-
C-5879/2019
Seite 31
den CPAP-Behandlungen abgesehen, unbehandelt, was den Leidens-
druck hinsichtlich der geltend gemachten psychischen Beschwerden und
der von ihm vorgetragenen Schlafstörungen relativiert.
Nach dem Gesagten umfasste die polydisziplinäre Beurteilung der
F._-Gutachterpersonen somit das gesamte Leistungsprofil des Be-
schwerdeführers mit sowohl negativen als auch positiven Aspekten. Die
attestierte vollumfängliche Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
als auch in Verweistätigkeiten berücksichtigt angesichts der gering ausge-
prägten objektiven Befunde alle vorhandenen Belastungen, aber auch die
guten Ressourcen des Beschwerdeführers. Die F._-Gutachterper-
sonen sind somit bei der Beantwortung der Frage, wie sie das Leistungs-
vermögen einschätzen, den einschlägigen Indikatoren gefolgt. Ihre Ein-
schätzung, dass aus psychiatrischer Sicht und in Kenntnis des entspre-
chenden Anforderungsprofils keine Einschränkung in der angestammten
Tätigkeit besteht, steht im Einklang mit der Rechtsprechung, wonach nur
dann der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbe-
dingte Arbeitsunfähigkeit als geleistet betrachtet werden kann, wenn die
Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden
Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Le-
bensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt
(vgl. BGE 145 V 361 E. 3.2.2, 144 V 50 E. 4.3 und 143 V 418 E. 6, 141 V
281 E. 6). Das ist hier nicht der Fall.
7.3 Zusammenfassend bildet das polydisziplinäre F._-Gutachten
vom 6. Februar 2019 eine taugliche Grundlage für die vorinstanzliche Be-
urteilung des Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers. Es wurde im
Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt, beruht, wie aufgezeigt, auf einer
detaillierten Anamneseerhebung, den erforderlichen fachärztlichen (Allge-
meine Innere Medizin, Neurologie, Pneumologie und Psychiatrie) Untersu-
chungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis
der sowie in Auseinandersetzung mit den Vorakten erstellt. Die Gutachter-
personen legten, wie dargestellt, die medizinischen Zusammenhänge ein-
leuchtend dar, setzten sich mit den geklagten Beschwerden sowie dem
Verhalten des Beschwerdeführers auseinander und nahmen eine interdis-
ziplinäre Beurteilung vor. Die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Ge-
sundheitszustand und Arbeitsfähigkeit erfolgten im Rahmen einer Gesamt-
betrachtung, in Kenntnis des beruflichen Anforderungsprofils in der ange-
stammten Tätigkeit des Beschwerdeführers, unter Beachtung der recht-
sprechungsmässigen Anforderungen auch hinsichtlich der Indikatoren und
werden für die rechtsanwendende Person nachvollziehbar begründet
C-5879/2019
Seite 32
(vgl. BGE 125 V 351 E. 3a, 137 V 210 E. 1.2.2 S. 223). Die Experten sind
lege artis vorgegangen. Damit erfüllt dieses Gutachten die rechtlichen An-
forderungen an den Beweiswert einer medizinischen Entscheidgrundlage
(vgl. oben E. 4.5 - E. 4.7.4), weshalb darauf abzustellen ist (vgl. BGE 145
V 361 E. 3.2.1 und E. 4.1.2 mit Hinweisen). Dagegen enthalten die Berichte
der behandelnden Ärzte, auf die sich der Beschwerdeführer beruft, keine
neuen Aspekte, und dem Behandlungsauftrag entsprechend nur wenige
verlässliche Angaben zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und ver-
mögen den praxisgemäss Anforderungen nicht zu genügen (vgl. oben
E. 7.2.5 f.).
7.4 Da im Übrigen eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit
der F._-Begutachtung bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfü-
gung weder geltend gemacht wurde noch ersichtlich ist, durfte die
Vorinstanz somit gestützt auf das polydisziplinäre F._-Gutachten
vom 6. Februar 2019 davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer in sei-
ner angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit seit Anfang
2015 keine Arbeitsunfähigkeit erlitten hat. Damit ist der Beschwerdeführer
insbesondere in seiner bisherigen Tätigkeit, die er in einem Vollzeitpensum
ausgeübt hat, in der vorliegend bis im Oktober 2019 zu beurteilenden Zeit-
periode vollumfänglich arbeitsfähig. Der Beschwerdeführer hat sich bei der
Vorinstanz im Juli 2017 für den Leistungsbezug angemeldet. Ein allfälliger
Rentenanspruch konnte somit frühestens am 1. Januar 2018 entstehen
(Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Der medizinische Sachverhalt ist rechtsgenüg-
lich abgeklärt worden. Von weitergehenden medizinischen Abklärungen
sind vorliegend keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb auf solche
in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist (vgl. BGE 136 I 229
E. 5.3). Schliesslich steht das Alter des Beschwerdeführers (zum Zeitpunkt
der Begutachtung beziehungsweise bei Verfügungserlass 51 resp.
52 Jahre) einer Verwertbarkeit seiner Restarbeitsfähigkeit nicht entgegen
(vgl. BGE 138 V 457 E. 3.2, Urteil des BGer 9C_899/2015 vom 4. März
2016 E. 4.3.1). Auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt stehen ihm nicht zu-
letzt aufgrund seiner guten Ausbildung die angestammte, daneben aber
auch viele andere Tätigkeiten offen. Da bereits in der angestammten Tä-
tigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt, durfte die
Vorinstanz ohne Durchführung eines Einkommensvergleichs das Vorliegen
einer anspruchsbegründenden Invalidität verneinen (zum Grundsatz der
Schadenminderungspflicht, vgl. auch Urteil des BGer. 9C_441/2021 vom
24. Januar 2022 E. 4). Aus dem Umstand, dass dem Beschwerdeführer
vom österreichischen Versicherungsträger gestützt auf einen vor Gericht
C-5879/2019
Seite 33
geschlossenen Vergleich am 14. Februar 2019 für die Dauer der vorüber-
gehenden Invalidität Anspruch auf Rehabilitationsgeld zugesprochen
wurde (act. 140), kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten, weil die
rechtsanwendenden Behörden in der Schweiz nicht an die Feststellungen
ausländischer Versicherungsträger, Behörden und Ärzte bezüglich Invali-
ditätsgrad und Anspruchsbeginn gebunden sind (vgl. BGE 130 V 253
E. 2.4). Die angefochtene Verfügung vom 9. Oktober 2019 ist damit zu be-
stätigen. Die dagegen erhobene Beschwerde ist unbegründet und somit
abzuweisen. Allfällige gesundheitliche Verschlechterungen, die nach Er-
lass der angefochtenen Verfügung eingetreten sind, wären vom Beschwer-
deführer im Rahmen einer neuen Anmeldung zum Leistungsbezug bei der
Vorinstanz geltend zu machen.
8.
8.1 Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem Bundesverwaltungsgericht ist
kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m. Abs. 2 IVG). Entsprechend dem Aus-
gang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Verfahrenskosten zu
tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 800.– festzusetzen. Der
einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu
verwenden.
8.2 Weder der unterliegende Beschwerdeführer noch die obsiegende
Vorinstanz haben Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 3 VGKE).
C-5879/2019
Seite 34