Decision ID: a1ef1ff9-ddb4-4be1-903d-c0a2ff7f8e29
Year: 2019
Language: de
Court: BE_SRK
Chamber: BE_SRK_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

den Akten entnommen:
A. Der im Kanton Basel-Stadt wohnhafte A._ (Rekurrent) ist seit dem 12. November 2013 im Grundbuch als Nutzniesser eines Teils der Liegenschaft D._
Gbbl. Nr. 1_ eingetragen. Mit Veranlagungsverfügungen vom 21. August 2017 bzw.
vom 20. November 2017 wurde der Rekurrent von der Steuerverwaltung des Kantons Bern,
Region _ (Steuerverwaltung), für die Steuerjahre 2014 und 2015 bei den kantonalen
Steuern wie folgt veranlagt (Steuerdossier 2014, pag. 14-18; Steuerdossier 2015, pag. 17-21;
wenn im Folgenden eine Paginierung ohne Zusatz angegeben wird, bezieht sie sich auf das
Steuerdossier 2015):
2014 2015
Steuerbares Einkommen 8'238 8'245
Satzbestimmendes Einkommen 35'888 35'831
Steuerbares Vermögen 376'056 376'120
Satzbestimmendes Vermögen 524'506 528'596
B. Gegen die Veranlagungsverfügungen erhob der Rekurrent am 20. September 2017 (Steuerdossier 2014, pag. 13 f.) bzw. am 20. November 2017 (Steuerdossier 2015, pag. 13)
Einsprache, wobei er namentlich die fehlende bzw. fehlerhafte Steuerausscheidung zwischen
den Kantonen Bern und Basel-Stadt rügte. Die Steuerverwaltung führte für beide betroffenen
Steuerjahre ein gemeinsames Einspracheverfahren durch und informierte den Rekurrenten mit
Schreiben vom 5. März 2018 (pag. 10) darüber, dass ihrer Ansicht nach die
Veranlagungsverfügungen korrekt erfolgt seien und gewährte dem Rekurrenten Gelegenheit zur
Stellungnahme. Nachdem sich dieser nicht mehr geäussert hatte, eröffnete die
Steuerverwaltung am 22. Mai 2018 die Einspracheentscheide, mit denen sie die Einsprachen
mit Verweis auf das Schreiben vom 5. März 2018 abwies (Steuerdossier 2014, pag. 5-9;
Steuerdossier 2015, pag. 5-9).
C. Dagegen hat sich der Rekurrent mit Schreiben vom 13. Juni 2018 erneut an die Steuerverwaltung gewandt. Nachdem er von der Empfängerin am 20. Juni 2018 darauf
hingewiesen wurde, dass die Steuerrekurskommission des Kantons Bern
(Steuerrekurskommission) für die Behandlung weiterer Einwände zuständig ist, hat der
Rekurrent das gleiche Schreiben am 21. Juni 2018 (Posteingang 25.6.2018) an die
Steuerrekurskommission gerichtet und damit Rekurs gegen die Einspracheentscheide vom
22. Mai 2018 erhoben. Er beantragt zunächst, das im Kanton Bern zu versteuernde Vermögen
auf CHF Null festzusetzen, da er keinerlei Verfügungsrecht über die unter seiner Nutzniessung
stehenden Grundstückteile habe. Weiter verlangt der Rekurrent eine nachvollziehbare
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Steuerausscheidung zwischen den Kantonen Bern und Basel-Stadt. Die Verwendung von im
Kanton Basel-Stadt erzielten Einkünften zur Bestimmung des Steuersatzes der im Kanton Bern
zu versteuernden Einnahmen erachtet der Rekurrent als rechtswidrig.
D. Mit Schreiben vom 15. Juli 2018 hat der Rekurrent sinngemäss ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt.
E. Die Steuerverwaltung hat sich am 15. August 2018 vernehmen lassen und die Abweisung des Rekurses unter Kostenfolge beantragt. Sie erachtet die teilweise Steuerpflicht des
Rekurrenten im Kanton Bern aufgrund der im Grundbuch eingetragenen Nutzniessung an
einem Grundstück in D._ als gegeben. Auch sei die Besteuerung der Nutzniessung im
Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen erfolgt.
F. Der Rekurrent hat mit Schreiben vom 11. September 2018 zur Vernehmlassung der Steuerverwaltung Stellung genommen und seinen Standpunkt bestätigt.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission angefochten werden (Art. 195
ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Der Rekurrent ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
seinen Anträgen nicht durchgedrungen. Er ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt
(Art. 195 Abs. 2 StG i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die
Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]).
1.1 Damit auf den Rekurs eingetreten werden kann, muss dieser fristgerecht eingereicht worden sein. Gegen Einspracheentscheide der Steuerverwaltung kann die steuerpflichtige
Person innert einer Frist von 30 Tagen nach Eröffnung Rekurs erheben (Art. 196 Abs. 1 StG).
Die Frist beginnt mit dem auf die Eröffnung folgenden Tag zu laufen (Art. 151 StG i.V.m. Art. 41
Abs. 1 VRPG). Vorliegend datieren die Einspracheentscheide vom 22. Mai 2018. Es ist davon
auszugehen, dass sie spätestens am 23. Mai 2018 in den Machtbereich des Rekurrenten
gelangt sind und die Rechtsmittelfrist somit am 22. Juni 2018 abgelaufen ist. Um die
Rechtsmittelfrist zu wahren, muss die Eingabe spätestens am letzten Tag der Frist der Behörde,
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der schweizerischen Post oder einer schweizerischen Vertretung im Ausland übergeben
werden (Art. 42 Abs. 2 VRPG). Die Eingabe an die Steuerrekurskommission ist mit einem in
Frankreich am 22. Juni 2018 aufgegebenen eingeschriebenen Brief erfolgt, der am 23. Juni
2018 (Samstag) der schweizerischen Post übergeben und von dieser am 25. Juni 2018
zugestellt worden ist. Somit ist der Rekurs grundsätzlich verspätet erfolgt. Allerdings hat sich
der Rekurrent mit einem vom 13. Juni 2018 datierten Schreiben an die Steuerverwaltung
gewandt, mit dem er sich unmissverständlich gegen die Einspracheentscheide ausgesprochen
hat. Dieses Schreiben ist am 19. Juni 2018, und damit innerhalb der Einsprachefrist, bei der
Steuerverwaltung eingegangen (Steuerdossier 2015, pag. 2). Rechtzeitige Eingaben an eine
unzuständige bernische oder eidgenössische Verwaltungs- oder Gerichtsbehörde wahren die
Rechtsmittelfrist (Art. 42 Abs. 3 VRPG), weshalb auf den Rekurs eingetreten werden kann.
1.2 Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fällt der vorliegende Entscheid in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. Strittig ist zum einen die Höhe der vom Rekurrenten für die Steuerjahre 2014 und 2015 im Kanton Bern zu versteuernden Einkommen und Vermögen und zum andern die darauf
anwendbaren Steuersätze.
3. Vorliegend wird von keiner Seite bestritten, dass sich der steuerrechtliche Wohnsitz des Rekurrenten im Kanton Basel-Stadt befindet und er dort aufgrund persönlicher Zugehörigkeit
steuerpflichtig ist (sogenannt "unbeschränkte" Steuerpflicht; Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes
vom 14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden [StHG; SR 642.14]).
3.1 Natürliche Personen ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton Bern, die an Grundstücken im Kanton Bern Eigentum oder Nutzungsrechte haben, sind im Kanton
Bern aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig (Art. 5 Abs. 1 Bst. c StG). Diese
Bestimmung entspricht der bundesrechtlichen Vorgabe in Art. 4 Abs. 1 StHG. Die Steuerpflicht
beschränkt sich dabei auf das mit den im Kanton Bern gelegenen Grundstücken erzielte
Einkommen bzw. auf deren Vermögenssteuerwert (Art. 7 Abs. 3 StG).
3.2 Das hier relevante Grundstück D._ Gbbl. Nr. 1_ befand sich früher im Alleineigentum von B._, dem Vater des Rekurrenten. Mit öffentlich beurkundetem
Schenkungsvertrag vom 29. Juli 2011 (pag. 20-29) übertrug B._ das Eigentum am
Grundstück Nr. 1_ auf C._ (den Bruder des Rekurrenten), behielt sich jedoch
die lebenslängliche Nutzniessung daran vor. Im gleichen Vertrag wurde eine zweite
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lebenslängliche Nutzniessung zugunsten des Rekurrenten statuiert, welche erst nach Wegfall
der Nutzniessung zugunsten des Vaters im Grundbuch eingetragen werden sollte. Diese
nachrangige Nutzniessung betrifft nur einen Teil des Grundstücks, nämlich eine 4.5-
Zimmerwohnung im Erdgeschoss und eine 3.5-Zimmerwohnung im ersten Obergeschoss. In
einer weiteren Vertragsklausel ist das aufgeschobene Nutzniessungsrecht zugunsten des
Rekurrenten in eine sogenannte Ertragsnutzniessung umgewandelt worden, indem der
Rekurrent die Ausübung seines Nutzniessungsrechts auf den Zeitpunkt von deren Inkrafttreten
an seinen Bruder C._ abgetreten hat. Im Gegenzug hat sich C._ verpflichtet,
dem Rekurrenten monatlich eine Summe von CHF 1'095.-- zu überweisen. Nach dem Tod des
Vaters des Rekurrenten wurde dessen Nutzniessungsrecht an der Liegenschaft Nr. 1_
per 12. November 2013 aus dem Grundbuch gelöscht und zugleich die Teilnutzniessung
zugunsten des Rekurrenten eingetragen. Für die Beurteilung, ob eine Nutzniessung an einem
Grundstück steuerlich relevant ist, orientiert sich die Steuerverwaltung zu Recht am
Grundbucheintrag (Kästli/Teuscher in: Praxiskommentar zum Berner Steuergesetz, Band 1,
Artikel 1 bis 125, 2014, N. 12 zu Art. 5 StG sowie N. 5 zu Art. 11 StG; vom Verwaltungsgericht
bestätigt in VGE 100 2013 236/237 vom 11.4.2014, E. 5.3). Ob die Nutzniessung das gesamte
oder nur den Teil eines Grundstücks umfasst spielt dabei ebenso wenig eine Rolle, wie die
Frage, ob das Nutzniessungsrecht vom Berechtigten persönlich oder – wie hier – in Form einer
Ertragsnutzniessung ausgeübt wird (vgl. Kästli/Teuscher a.a.O., N. 8 zu Art. 11 StG).
Dementsprechend ist erstellt, dass der Rekurrent für die vorliegend zu beurteilenden
Steuerjahre 2014 und 2015 im Kanton Bern aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit beschränkt
steuerpflichtig ist.
3.3 Nichts zu ändern an diesem Umstand vermag die auf Seite 6 des Schenkungsvertrags (pag. 25) enthaltene Klausel, wonach der "Zessionar" (der Bruder des Rekurrenten) "alle vom
Nutzniesser zu tragenden Nebenkosten bzw. Lasten gemäss Art. 764 bis 767 ZGB zur
Bezahlung [übernimmt]", wozu auch die Steuern gehören (Art. 765 Abs. 1 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]). Mit privatrechtlichen Vereinbarungen kann die Steuerpflicht,
wie sie sich aus den Steuergesetzen ergibt, nicht abgeändert werden. Das aus der
Nutzniessung entstandene Steuerrechtsverhältnis verpflichtet somit ausschliesslich den
Rekurrenten. Ob dieser aufgrund der erwähnten vertraglichen Regelung privatrechtliche
Regressansprüche gegen seinen Bruder geltend machen kann, ist nicht von der
Steuerrekurskommission zu beurteilen.
4. Wenn eine Person für die gleiche Steuerperiode in mehreren Kantonen steuerpflichtig ist, muss sichergestellt werden, dass keine durch Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV;
SR 101) verbotene interkantonale Doppelbesteuerung erfolgt. Ein Verstoss gegen das
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Doppelbesteuerungsverbot liegt gemäss bundesgerichtlicher Definition u.a. dann vor, wenn ein
Steuersubjekt von zwei oder mehreren Kantonen für das gleiche Steuerobjekt und für dieselbe
Steuerperiode zur Besteuerung herangezogen wird (sogenannt "aktuelle Doppelbesteuerung",
die als einzige hier in Frage kommt; vgl. Peter Locher, Einführung in das interkantonale
Steuerrecht, 4. Aufl., 2015, S. 11 mit Verweis auf BGE 140 I 114 E. 2.3.1). Das Verfahren zur
Vermeidung einer Doppelbesteuerung wird als interkantonale Steuerausscheidung bezeichnet.
Vorliegend macht der Rekurrent sinngemäss geltend, die interkantonale Steuerausscheidung
sei in mehrerer Hinsicht fehlerhaft durchgeführt worden.
4.1 Besteht aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit in anderen Kantonen als im Wohnsitzkanton eine Steuerpflicht, wird auch in diesen Kantonen ein Veranlagungsverfahren
durchgeführt, und zwar nach den Verfahrensvorschriften des jeweiligen Kantons (Art. 2 Abs. 1
und 4 der Verordnung vom 9. März 2001 über die Anwendung des
Steuerharmonisierungsgesetzes im interkantonalen Verhältnis [VO StHG; SR 642.141]). In
jedem der betroffenen Kantone hat die steuerpflichtige Person die im Kanton geltenden
Verfahrenspflichten wahrzunehmen und es kommen ihr die im Kanton vorgesehenen
Verfahrensrechte zu (Zweifel/Hunziker in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht,
Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden
[StHG], 3. Aufl., 2016, N. 25 zu Art. 39 StHG). Grundsätzlich bedeutet dies, dass in jedem
Kanton eine Steuererklärung einzureichen ist (vgl. Zweifel/Hunziker, a.a.O., N. 17 zu Art. 42
StHG). Allerdings kann diese Pflicht in Kantonen, in denen nur eine beschränkte Steuerpflicht
besteht, dadurch erfüllt werden, dass eine Kopie der Steuererklärung des Wohnsitzkantons
eingereicht wird (Art. 2 Abs. 2 VO StHG). Zugleich ist der Wohnsitzkanton verpflichtet, den
Steuerbehörden der anderen Kantone seine Steuerveranlagung einschliesslich der
interkantonalen Steuerausscheidung und allfälliger Abweichungen gegenüber der
Steuererklärung mitzuteilen (Art. 39 Abs. 2 StHG; Art. 2 Abs. 3 VO StHG).
4.2 In der Praxis verhält es sich so, dass es ausreicht, die Steuererklärung im Wohnsitzkanton auszufüllen. Die dortige Steuerbehörde nimmt die Steuerausscheidung vor und
übermittelt das Ergebnis den Steuerbehörden der anderen Kantone (vgl. Merkblatt 3a der
Steuerverwaltung betreffend Grundstücke und Geschäftsbetriebe ausserhalb des
Wohnsitzkantons; abrufbar unter: <https://www.sv.fin.be.ch>, Menu "Dokumente /
Publikationen > Merkblätter > Einkommens- und Vermögenssteuern"). Damit erhält der Wohnsitzkanton im Verhältnis zu den anderen Kantonen faktisch eine Führungsrolle, was die
übrigen beteiligten Kantone indessen nicht in ihren Befugnissen zur selbstständigen
Veranlagung und zur selbstständigen Steuerausscheidung einschränkt (Zweifel/Hunziker,
a.a.O., N. 29 zu Art. 39 StHG). Vorliegend ist auf den Umstand hinzuweisen, dass der
https://www.sv.fin.be.ch/sv_fin/de/index/navi/index/dokumente.html https://www.sv.fin.be.ch/sv_fin/de/index/navi/index/dokumente.html https://www.sv.fin.be.ch/sv_fin/de/index/navi/index/dokumente/merkblaetter.html
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Rekurrent in seinen Einsprachen beantragt hat, eine bernische Steuererklärung einzureichen,
worauf die Steuerverwaltung nicht reagiert hat. Ebenso wenig hat sie von der basel-städtischen
Steuerverwaltung die Details zur dortigen Veranlagung angefordert (siehe E. 4.1 hiervor). Auch
wenn das Vorgehen der Steuerverwaltung im Einklang mit der gängigen Praxis steht (und
normalerweise auch dem Interesse der steuerpflichtige Person entspricht), ist das alleinige
Abstellen auf die Steuerausscheidung des Wohnsitzkantons aus verfahrensrechtlicher Sicht
nicht unproblematisch. Wenn die steuerpflichtige Person ausdrücklich um die Möglichkeit zur
Einreichung einer Steuererklärung ersucht, ist ihr dies zu ermöglichen (in der Regel durch
Einreichen einer Kopie der am Wohnort eingereichten Erklärung, Art. 2 Abs. 2 VO StHG) und
die Angaben, falls notwendig, mit den Veranlagungsverfügungen des Wohnsitzkantons
abzugleichen. Aufgrund der nachfolgenden Erwägungen kann vorliegend indes auf weitere
Verfahrensschritte verzichtet werden.
5. Jeder der an einer interkantonalen Steuerausscheidung beteiligten Kantone hat nach seinem eigenen kantonalen Recht das steuerbare Einkommen und -vermögen zu ermitteln, d.h.
jeder Kanton nimmt eine eigene Steuerausscheidung vor. Namentlich aufgrund der von Kanton
zu Kanton unterschiedlich geregelten Abzüge resultieren dabei auch differierende
Gesamteinkommen und -vermögen. Die Zuteilung der einzelnen Einkommens- und
Vermögensteile auf die verschiedenen Steuerhoheiten (d.h. Kantone) erfolgt demgegenüber
nach den vom Bundesgericht entwickelten Regeln zur Konkretisierung des
Doppelbesteuerungsverbots von Art. 127 Abs. 3 BV (Peter Mäusli-Allenspach in: Kommentar
zum Schweizerischen Steuerrecht, Interkantonales Steuerrecht, 2011, N. 1 zu § 22 und N. 1 zu
§ 23).
5.1 Unbewegliche Vermögenswerte und die Erträge daraus werden dem Ort bzw. Kanton zugewiesen, in dem sie sich befinden (sogenannter Belegenheitsort oder Ort der gelegenen
Sache), während das bewegliche Vermögen und dessen Erträge am Hauptsteuerdomizil zu
versteuern sind (Peter Mäusli-Allenspach, a.a.O., N. 1 und 7 zu § 16; N. 1 und 9 zu § 17).
Schulden und Schuldzinsen werden demgegenüber proportional nach dem Verhältnis der
Aktiven verlegt. Sollten die einem Kanton zugewiesenen Schuldzinsen die im gleichen Kanton
zu versteuernden Vermögenserträge übersteigen, wird dieser sogenannte
Schuldzinsenüberschuss soweit möglich auf diejenigen Kantone übertragen, die noch über
einen Nettoertrag aus Vermögen verfügen (Roman Sieber in: Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Interkantonales Steuerrecht, 2011, N. 6, 29 und 31 zu § 25).
5.2 Einkünfte aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit und solche aus Renten der Sozialversicherungen werden am Hauptsteuerdomizil versteuert (Peter Mäusli-Allenspach,
a.a.O., N. 1 zu § 15 und N. 7 zu § 19). Abzüge, die direkt mit der Erzielung von Einkünften
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zusammenhängen (hauptsächlich Gewinnungskosten) werden beim gleichen Kanton
berücksichtigt, der das entsprechende Einkommen besteuert (so sind bspw. Berufskosten dem
Hauptsteuerdomizil zuzuweisen, wo auch das Einkommen aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit besteuert wird). Dasselbe gilt für Beiträge an die berufliche Vorsorge (2. Säule)
und die gebundene Selbstvorsorge (Säule 3a), obwohl diese steuersystematisch nicht zu den
Gewinnungskosten sondern zu den allgemeinen Abzügen gehören. Demgegenüber werden die
übrigen allgemeinen Abzüge, Sozialabzüge und Freibeträge proportional zum Reineinkommen
auf die beteiligten Kantone verteilt (Philipp Betschart, Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Interkantonales Steuerrecht, 2011, N. 9 ff., 38 und 48 zu § 24).
6. Im Folgenden wird überprüft, ob die dargelegten Grundsätze im vorliegenden Fall korrekt angewendet worden sind.
6.1 Die Steuerverwaltung Basel-Stadt hat folgende Steuerausscheidungen vorgenommen und der bernischen Steuerverwaltung zukommen lassen (vereinfachte Darstellung; Original
Steuerjahr 2014 vom 22.6.2017: pag. 22; Steuerjahr 2015 vom 21.9.2017: pag. 19):
Steuerjahr 2014 Steuerjahr 2015
Total BS BE Ausland Total BS BE Ausland
Liegenschaften 68'995 0 0 68'995 68'995 0 0 68'995
Bewegliches Vermögen 98'859 98'859 0 0 103'904 103'904 0 0
Passiven -70'357 -40'807 0 -29'550 -70'803 -41'837 0 -28'966
Reinvermögen 2 97'497 58'052 0 39'445 102'096 62'067 0 40'029
Sozialabzüge -75'000 -44'655 0 -30'345 -75'000 -45'592 0 -29'408
Steuerbares Vermögen 22'497 13'397 0 9'100 27'096 16'475 0 10'621
Liegenschaftsertrag (netto) 1'888 0 0 1'888 1'888 0 0 1'888
Schuldzinsen -2'503 -615 0 -1'888 -2'488 -1'470 0 -1'018
Kosten Wertschriftenverw. 0 0 0 0 -144 -144 0 0
Einkommen aus Renten 35'328 35'328 0 0 35'400 35'400 0 0
Sonstiges Einkommen 13'140 0 13'140 0 13'140 0 13'140 0
Zwischentotal 47'853 34'713 13'140 0 47'796 33'786 13'140 870
Krankheitskosten usw. -865 -627 -238 0 -865 -611 -238 -16
Sozialabzüge -23'300 -16'902 -6'398 0 -23'300 -16'471 -6'405 -424
Steuerbares Einkommen 23'688 17'184 6'504 0 23'631 16'704 6'497 430
Aus der Tabelle geht hervor, dass der Rekurrent im Kanton Basel-Stadt auf ein steuerbares
Einkommen von CHF 17'100.-- im Jahr 2014 und von CHF 16'700.-- im Jahr 2015 veranlagt
worden ist (untere Tabellenhälfte, grau hinterlegte Beträge, abgerundet auf CHF 100.--). Der
Ertrag aus der Nutzniessung der Liegenschaft in D._ ist als "sonstiges Einkommen" im
Betrag von CHF 13'140.-- dem Kanton Bern zur Besteuerung überlassen worden. Das
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satzbestimmende Einkommen ist von der Steuerverwaltung Basel-Stadt in beiden Jahren auf
CHF 23'600.-- festgesetzt worden (Spalte "Total"). Das in Basel-Stadt steuerbare Vermögen
betrug CHF 13'000.-- bzw. CHF 16'000.-- (abgerundet auf CHF 1'000.--), wobei keine
Vermögenswerte im Kanton Bern berücksichtigt worden sind. Diese Werte stimmen mit den
Veranlagungsverfügungen vom 22. Juni 2017 (pro 2014) und vom 21. September 2017 (pro
2015) überein (von der Steuerverwaltung Basel-Stadt eingereicht am 11.1.2019).
6.2 Anhand der ihr aus Basel übermittelten Steuerausscheidungen hat die Steuerverwaltung des Kantons Bern ihre eigenen Ausscheidungen vorgenommen (2014: pag. 21; 2015: pag. 18):
Steuerjahr 2014 Steuerjahr 2015
Total BS BE Ausland Total BS BE Ausland
Liegenschaften 495'495 0 426'500 68'995 495'495 0 426'500 68'995
Bewegliches Vermögen 99'368 99'368 0 0 103'904 103'904 0 0
Schulden -70'357 -11'753 -50'444 -8'160 -70'803 -12'273 -50'380 -8'150
Reinvermögen 524'506 87'615 376'056 60'835 528'596 91'631 376'120 60'845
Sozialabzüge 0 0 0 0 0 0 0 0
Steuerbares Vermögen 524'506 87'615 376'056 60'835 528'596 91'631 376'120 60'845
Liegenschaftsertrag (netto) 15'028 0 13'140 1'888 15'028 13'140 1'888
Schuldzinsen -2'503 0 -2'155 -348 -2'488 0 -2'142 -346
Kosten Wertschriftenverw. 0 0 0 0 -144 -144 0 0
Einkommen aus Renten 35'328 35'328 0 0 35'400 35'400 0 0
Reines Einkommen 47'853 35'328 10'985 1'540 47'796 35'256 10'998 1'542
Krankheitskosten usw. -865 -638 -199 -28 -865 -638 -199 -28
Sozialabzüge usw. -11'100 -8'195 -2'548 -357 -11'100 -8'188 -2'554 -358
Steuerbares Einkommen 35'888 26'495 8'238 1'155 35'831 26'430 8'245 1'156
Das Total des reinen Einkommens gemäss bernischer Ausscheidung (CHF 47'853.--) entspricht
dem "Zwischentotal" in der basel-städtischen Berechnung, was zeigt, dass beide
Steuerverwaltungen von den gleichen Zahlen ausgehen. Auch die Krankheitskosten von
CHF 865.-- sind identisch (gemäss Veranlagungsverfügungen der Steuerverwaltung Basel-
Stadt handelt es sich dabei freilich um Auslagen für die "staatliche Vorsorge [AHV/IV/EO]"; für
die geltend gemachten Krankheitskosten von CHF 1'200.-- wurde kein Abzug gewährt, weil der
Selbstbehalt nicht überschritten wurde).
Hingegen hat der Rekurrent gemäss bernischem Steuergesetz nur Anspruch auf Abzüge von
CHF 11'100.-- (Versicherungsabzug CHF 3'500.--, Art. 38 Abs. 1 Bst. g StG; allgemeiner Abzug
CHF 5'200.--, Art. 40 Abs. 1 StG; Abzug für Alleinstehende mit eigenem Haushalt CHF 2'400.--,
Art. 40 Abs. 2 StG), während es in Basel-Stadt CHF 23'300.-- sind. Dies führt dazu, dass das
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gesamte (also satzbestimmende) Einkommen im Kanton Bern um CHF 12'200.-- über
demjenigen des Kantons Basel-Stadt liegt.
Eine (noch) grössere Differenz zwischen Basel-Stadt und Bern ergibt sich beim Vermögen. Zum
einen ist in Basel kein im Kanton Bern zu versteuerndes Vermögen berücksichtigt worden.
Anders als die Steuerverwaltung des Kantons Bern geht die Basler Behörde offenbar davon
aus, dass der Rekurrent auf die Ausübung seines Nutzniessungsrecht verzichtet hat (dies ergibt
sich aus den baslerischen Veranlagungsverfügungen vom 22.6.2017 und 21.9.2017) und
dementsprechend über kein Nutzniessungsvermögen mehr verfügt (siehe dazu E. 7.2
hiernach). Zum anderen kennt das bernische Steuergesetz bei der Vermögenssteuer keinen
allgemeinen Freibetrag. Dementsprechend beläuft sich das satzbestimmende Vermögen nach
bernischer Ausscheidung auf CHF 524'506.-- und nach basel-städtischer bloss auf
CHF 22'497.--.
6.3 Trotz dieser aufgezeigten Differenzen gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Steuerausscheidung methodisch falsch vorgenommen worden wäre. Die Liegenschaften und
der daraus fliessende Ertrag wurden aufgrund ihrer Lage dem Kanton Bern bzw. Frankreich, die
übrigen Vermögenswerte und Einkommen dem Wohnsitzkanton Basel-Stadt zugeschieden. Die
Schulden und Schuldzinsen wurden proportional zum Vermögen abgezogen (und letztere
soweit möglich auf die Kantone mit Vermögensertrag aufgeteilt). Die – in beiden Kantonen
unterschiedlich ausgestalteten – allgemeinen Abzüge und die Sozialabzüge wurden nach
Massgabe des Reinvermögens bzw. -einkommens ausgeschieden. Es trifft also nicht zu, dass
dem Rekurrenten die gesetzlich vorgesehenen Abzüge nicht gewährt worden wären, wie er in
Ziff. 4 der Eingabe vom 11. September 2018 geltend macht.
6.4 Beide Kantone haben nur das ihnen zustehende steuerbare Einkommen bzw. Vermögen besteuert und beide Kantone haben dabei den Steuersatz verwendet, der zur Anwendung
käme, wenn das gesamte Einkommen bzw. Vermögen ihrer Steuerhoheit unterläge. Der
Rekurrent erachtet es als rechtswidrig, "wenn eine Besteuerung von einem Kleineinkommen
zum Satz des Gesamten besteuert wird" (Ziff. 6 der Eingabe vom 13.6.2018). Das Gegenteil
trifft zu: Laut Art. 8 Abs. 1 StG und § 7 Abs. 1 des basel-städtischen Gesetzes über die direkten
Steuern vom 12. April 2000 (StG-BS; Nr. 640.100) entrichten die natürlichen Personen, die nur
für einen Teil ihres Einkommens und Vermögens im jeweiligen Kanton steuerpflichtig sind, die
Steuer nach dem Steuersatz, der ihrem gesamten Einkommen bzw. Vermögen entspricht. Wäre
es anders, würde eine steuerpflichtige Person, die ihr Einkommen in mehreren Kantonen
versteuert und dabei in jedem Kanton von einer tiefen Progressionsstufe profitiert, zu Unrecht
gegenüber einer Person bevorteilt, die das gleiche Einkommen in einem einzigen Kanton
versteuern müsste (Peter Mäusli-Allenspach, a.a.O., N. 7 f. zu § 4). Dieser sogenannte
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Progressionsvorbehalt stellt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung denn auch keine
verbotene interkantonale Doppelbesteuerung dar (BGer 2C_644/2018 vom 10.8.2018, E. 2.3.3,
mit Hinweisen).
6.5 Erst recht unbehelflich ist der Einwand des Rekurrenten, dass er aufgrund der Besteuerung in den Kantonen Basel-Stadt und Bern knapp CHF 1'000.-- mehr an
Einkommenssteuern entrichten müsse, als wenn er das gesamte Einkommen im Kanton Basel-
Stadt versteuern würde (Eingabe vom 11.9.2018, Ziff. 7). Die Kantone können die Höhe ihrer
Steuertarife, -sätze und -freibeträge selber bestimmen, diese sind von der
Harmonisierungskompetenz des Bundes ausdrücklich ausgenommen (Art. 129 Abs. 3 BV).
7. Aus dem bis anhin Ausgeführten ergibt sich, dass die interkantonale Steuerausscheidung zwischen Basel-Stadt und Bern grundsätzlich korrekt bzw. in Übereinstimmung mit der
gängigen Praxis vorgenommen worden ist. Als nächstes ist zu prüfen, ob das im Kanton Bern
zu versteuernde Einkommen und Vermögen betragsmässig richtig festgesetzt wurde.
7.1 In Bezug auf die Einkommenssteuer anerkennt der Rekurrent, dass er den Betrag von CHF 13'140.--, der ihm in den Jahren 2014 und 2015 von seinem Bruder überwiesen worden
ist, im Kanton Bern versteuern muss (Stellungnahme vom 11.9.2018, Ziff. 4). Aus den
vertraglichen Bestimmungen über die Ausgestaltung der Ertragsnutzniessung geht hervor, dass
diese Summe dem Nettomietertrag der von der Teilnutzniessung betroffenen Wohnungen
abzüglich einer Pauschale für Unterhaltskosten und die anteiligen Hypothekarzinsen entspricht
(Berechnung siehe pag. 26). Demnach kann davon ausgegangen werden, dass von diesem
Liegenschaftsertrag keine Gewinnungskosten abgezogen werden müssen; etwas anderes
macht auch der Rekurrent nicht geltend.
7.2 Demgegenüber erachtet es der Rekurrent als ungerechtfertigt, dass vom Kanton Bern auch Vermögenssteuern erhoben werden. Er macht geltend, die Ertragsnutzniessung sei nur zu
seinem Schutz im Grundbuch eingetragen worden. Sein Bruder könne die gesamte
Liegenschaft jederzeit verkaufen, während er selber keine Verfügungsmacht über die beiden
von der Nutzniessung betroffenen Wohnungen habe. Diese Überlegungen sind grundsätzlich
richtig. Allerdings gilt es zu beachten, dass das im Grundbuch eingetragene
Nutzniessungsrecht dem Berechtigten den "vollen Genuss" der Wohnungen einräumt (Art. 745
Abs. 2 ZGB), was bedeutet, dass er sie grundsätzlich selber nutzen oder an Dritte vermieten
darf und dass ihm alle damit erzielten Erträge zustehen. Daraus folgt, dass ein bestehendes
Nutzniessungsrecht den Wert des Eigentums am entsprechenden Vermögensgegenstand
empfindlich reduziert. Dem Eigentümer verbleibt bloss das sogenannt "nackte Eigentum" (Hans
Michael Riemer, Grundriss des schweizerischen Sachenrechts, Band II – Die beschränkten
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dinglichen Rechte, 2. Aufl., 2000, N. 1 zu § 13). Weil die hier zu beurteilende Nutzniessung im
Grundbuch eingetragen ist, würde sie – wie der Rekurrent zu Recht anmerkt – nach einer
allfälligen Handänderung auch gegenüber dem neuen Eigentümer gelten (inwiefern dies auch
für die hier vorliegende Ausgestaltung als Ertragsnutzniessung zutrifft, kann offenbleiben).
Genau deshalb kann keineswegs von einem Verzicht seitens des Rekurrenten auf die
Ausübung seines Rechts gesprochen werden. Jede Nutzniessung führt zu einem tieferen
möglichen Veräusserungserlös und beeinträchtigt damit das Vermögen des Eigentümers. Eine
Besteuerung nach rein wirtschaftlichen Überlegungen würde beim Nutzniessungsberechtigten
den kapitalisierten Ertragswert der Nutzniessung (errechnet aus den jährlichen Erträgen, der zu
erwartenden Lebensdauer und einem Kapitalisierungszinssatz) und beim Eigentümer die
Differenz zwischen Verkehrswert (bzw. Vermögenssteuerwert) des unbelasteten Grundstücks
und dem Ertragswert der Nutzniessung erfassen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Aufl., 2013, N. 8 zu § 38 StG-ZH). Allerdings wird
laut expliziter Regelung von Art. 13 Abs. 2 StHG das Nutzniessungsvermögen dem Nutzniesser
zugerechnet, und zwar zum vollen Wert (Dzamko-Locher/Teuscher in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden [StHG], 3. Aufl., 2017, N. 24 zu Art. 13 StHG). Die gleiche Regelung
findet sich folgerichtig im bernischen Steuergesetz (Art. 11 und Art. 46 Abs. 2) und auch im
Steuergesetz des Kantons Basel-Stadt (§ 45 Abs. 2). Als Gründe für diese gesetzliche
Regelung werden Praktikabilität und Verwaltungsökonomie genannt
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 7 zu § 38 StG-ZH). Angesichts der eindeutigen
Rechtslage hat der Rekurrent den gesamten Wert der beiden ihm zur Nutzniessung
überlassenen Wohnungen als Vermögen im Kanton Bern zu versteuern.
7.3 Unbewegliche Vermögenswerte unterliegen im Kanton Bern mit dem amtlichen Wert der Vermögenssteuer (Art. 52 Abs. 3 StG). Laut Steuerverwaltung beträgt der amtliche Wert der
beiden betroffenen Wohnungen zusammen CHF 426'500.--, was vom Rekurrenten nicht in
Frage gestellt wird. Der vom Bruder des Rekurrenten zu versteuernde amtliche Wert des
(restlichen) Grundstücks Nr. 1_ beläuft sich auf CHF 1'176'600.-- (gemäss
Grundbuchdateninformationssystem GRUDIS). Die Summe aus diesen beiden Werten ergibt
CHF 1'603'100.--, was dem amtlichen Wert des gesamten Grundstücks vor Errichtung der
Teilnutzniessung entspricht (Schenkungsvertrag vom 29.7.2011, pag. 21). Die
Steuerverwaltung erklärt in ihrer Vernehmlassung allerdings, dass der Nutzniesser nur den
Nettowert der Liegenschaft versteuern muss, nach Abzug der mit dem Grundstück
zusammenhängenden Schulden des Eigentümers. Diese (sachgerechte) Regelung ist
vorliegend nicht angewendet worden, denn der Rekurrent ist ausgehend von einem
Nutzniessungswert von CHF 426'500.-- veranlagt worden, was – wie aufgezeigt – dem
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ungekürzten amtlichen Wert der beiden betroffenen Wohnungen entspricht. Auf diese Weise
müsste der Rekurrent den ungekürzten amtlichen Wert "seiner" Wohnungen versteuern,
während sein Bruder die gesamte Hypothekarschuld abziehen könnte, obwohl diese auf dem
ganzen Grundstück lastet. Kommt hinzu, dass das dem Rekurrenten überwiesene Entgelt unter
Berücksichtigung eines Abzugs für die anteiligen Hypothekarzinsen bemessen wird (siehe
pag. 26), er also zu deren Finanzierung beiträgt. Dementsprechend ist das vom Rekurrenten im
Kanton Bern zu versteuernde Vermögen für die Steuerjahre 2014 und 2015 jeweils um die
anteilmässige Hypothekarschuld zu reduzieren. Im Schenkungsvertrag vom 29. Juli 2011 wurde
die gesamte damalige Hypothekarschuld auf CHF 1'420'000.-- beziffert (pag. 22). Der Stand per
31. Dezember 2014 und 31. Dezember 2015 ist der Steuerrekurskommission nicht bekannt. Es
wird Sache der Steuerverwaltung sein, diese festzustellen. Im Ergebnis ist der Rekurs teilweise
gutzuheissen.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Rekurrent grundsätzlich einen Anteil der gesamten Verfahrenskosten, einschliesslich eines Anteils allfälliger Auslagen für Gutachten
oder andere externe Kosten zu tragen (Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2, 53, 58 und 59 des
Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren der
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]).
Von einer Kostenauflage kann indes abgesehen werden, wenn besondere Verhältnisse dies
rechtfertigen (Art. 200 Abs. 3 StG). Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die
Veranlagungsverfügungen vom 21. August 2017 und vom 20. November 2017 rudimentär
ausgefallen und die beigefügten Steuerausscheidungen für Laien kaum verständlich sind.
Verwirrend sind auch die basel-städtischen Veranlagungsverfügungen vom 22. Juni 2017 und
vom 21. September 2017. Insbesondere lässt deren Detailübersicht darauf schliessen, dass
das ganze Einkommen, inkl. den aus der Ertragsnutzniessung stammenden CHF 13'140.--, im
Kanton Basel-Stadt zu versteuern ist. Der vorliegende Fall ist zudem insoweit ungewöhnlich, als
die Frage, ob die von der Nutzniessungen betroffenen Wohnungen zum steuerbaren Vermögen
des Rekurrenten gehören, von den beteiligten Kantonen unterschiedlich beantwortet worden ist.
Schliesslich ist auch das Einspracheverfahren nicht in allen Belangen korrekt abgelaufen (siehe
E. 4.2 hiervor). Unter diesen Umständen verzichtet die Steuerrekurskommission vorliegend auf
die Auferlegung von Verfahrenskosten. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege kann
demnach als gegenstandslos abgeschrieben werden.
Weil der Rekurrent im vorliegenden Verfahren nicht vertreten ist und weil keine notwendigen
und verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG).