Decision ID: f57e45f4-9460-4148-8336-bd4f6b00099a
Year: 2007
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X.Y. wurde mit Verfügung vom 8. September 2005 für die Staats- und
Gemeindesteuern 2001 und 2002 mit einer Nachsteuer von Fr. 10'299.10 veranlagt. Mit
Eingabe vom 5. Mai 2006 ersuchte der Steuerpflichtige um Revision der
Nachsteuerverfügung. Mit Entscheid vom 29. Mai 2006 trat das kantonale Steueramt
auf das Revisionsgesuch nicht ein. Dagegen erhob der Steuerpflichtige am 27. Juni
2006 Rekurs. Das entsprechende Rekursverfahren wurde am 20. Juli 2006 sistiert.
Mit Schreiben vom 30. Mai 2006 stellte X.Y., vertreten durch Z. ein Begehren um
Wiederherstellung der Einsprachefrist bezüglich der Nachsteuerverfügung vom 8.
September 2005. Am 13. Juli 2006 erliess das kantonale Steueramt einen
Nichteintretensentscheid bezüglich des Wiederherstellungsbegehrens. Der
Nichteintretensentscheid wurde X.Y. gemäss Zustellinformation der Post, Track &
Trace, am 17. Juli 2006 zugestellt.
B.- Mit Eingabe vom 15. September 2006 (Datum und Poststempel) erhob X.Y.,
vertreten durch Z., Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, das
Fristwiederherstellungsgesuch vom 30. Mai / 7. Juni 2006 sei gutzuheissen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Kantons St. Gallen. Am 18.
September 2006 reichte der Rekurrent die Rekursbegründung ein.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 26. September 2006 wurde dem Rekurrenten
mitgeteilt, dass erhebliche Zweifel an der Rechtzeitigkeit der Rekurserhebung
bestünden. Dazu nahm der Rekurrent mit Eingabe vom 2. Oktober 2006 Stellung. Am
20. Oktober 2006 wurde dem kantonalen Steueramt Gelegenheit zur Stellungnahme
eingeräumt und gleichzeitig den Parteien mitgeteilt, dass das Verfahren vorläufig auf
die Rechtzeitigkeit der Rekurserhebung und das sinngemäss gestellte Gesuch um
Wiederherstellung beschränkt werde. Mit Datum vom 26. Oktober 2006 reichte das
kantonale Steueramt seine Stellungnahme ein.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit notwendig, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen.
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a) Gemäss Art. 89 Abs. 1 lit. b des Gerichtsgesetzes (sGS 941.1, abgekürzt: GerG) in
Verbindung mit Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes (sGS 811.1, abgekürzt: StG) kann
der Entscheid über die Wiederherstellung einer Rechtsmittelfrist, hier also der
Nichteintretensentscheid des kantonalen Steueramtes vom 13. Juli 2006 (zugestellt am
17. Juli 2006) innert 30 Tagen bei der Verwaltungsrekurskommission angefochten
werden. Die Verwaltungsrekurskommission ist somit zum Sachentscheid zuständig. Die
Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Soweit sind die
Eintretensvoraussetzungen erfüllt.
b) Fraglich ist, ob der Rekurs vom 15. September 2006 rechtzeitig eingereicht wurde.
2.- Gestützt auf Art. 54 GerG wird die Streitfrage auf Antrag des Abteilungspräsidenten
(Abteilung I - 1. Kammer ) den betroffenen Abteilungen und Kammern (Abteilung I - 1.
und 2. Kammer, Abteilungen III und IV) zum gemeinsamen Entscheid unterbreitet, um
die Einheitlichkeit der Rechtsprechung zum Beginn des Fristenlaufes nach den
Gerichtsferien zu gewährleisten, wenn der angefochtene Entscheid während den
Gerichtsferien zugestellt wurde.
3.- Der Entscheid über die Wiederherstellung wurde während der Gerichtsferien, die
vom 15. Juli bis 15. August 2006 dauerten, am 17. Juli 2006 eröffnet. Wird der erste
Tag nach den Gerichtsferien – Mittwoch, der 16. August 2006 – bei der Frist nicht
mitgezählt, so ist der Rekurs rechtzeitig eingereicht worden. Beginnt jedoch die Frist
von 30 Tagen am ersten Tag nach den Gerichtsferien zu laufen, so ist der Rekurs
verspätet.
a) Der Rekurrent macht geltend, dass er über Google mit den Stichworten
"Gerichtsferien, Frist, Berechnung" auf einen Entscheid (VPB 63.44 vom 21. Januar
1999) gestossen sei, wonach im Verfahren laut VwVG analog Art. 32 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 34 OG die Frist erst am zweiten Tag nach den Gerichtsferien zu
laufen beginne, wenn eine Verfügung während den Gerichtsferien zugestellt werde.
Daraus schliesse er, dass auch im kantonalen Verfahren als Zustelldatum des
steueramtlichen Entscheids der 16. August 2006 gelte und die 30-tägige
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Rechtsmittelfrist vom 17. August 2006 an gerechnet und ohne weiteres gewahrt
worden sei. Überdies sei der Vertreter des Rekurrenten während den ganzen
Gerichtsferien und auch am 16. August 2006 noch hundertprozentig arbeitsunfähig
gewesen.
b) Die Vorinstanz verweist zur Frage der Rechtzeitigkeit der Rekurserhebung darauf,
dass die Praxis des Kantons St. Gallen in Cavelti/Vögeli (Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2.
Auflage, St. Gallen 2003, § 35, N 905 ff.) wiedergegeben sei.
4.- Während der Gerichtsferien, welche im Sommer vom 15. Juli bis 15. August dauern,
stehen gesetzliche und richterliche Fristen still (Art. 90 lit. a und 91 Abs. 1 GerG). Die
Gerichtsferien werden gemäss ständiger Praxis auch bei den Rechtsmittelfristen für die
Anfechtung von Entscheiden der Verwaltung bei der Verwaltungsrekurskommission
berücksichtigt, obwohl sie im Verfahren vor den Verwaltungsbehörden nicht gelten (vgl.
Art. 30 VRP) und ein gerichtliches Verfahren streng genommen erst mit der
Anhängigmachung des Rekurses am Gericht zu laufen beginnt (vgl. Cavelti/Vögeli,
a.a.O., N 905).
a) Der Nichteintretensentscheid des kantonalen Steueramtes vom 13. Juli 2006 wurde
dem Rekurrenten am 17. Juli 2006 zugestellt. Die Zustellung fiel somit in die
Gerichtsferien, weshalb die Rechtsmittelfrist für die Dauer der Gerichtsferien still stand.
Im Folgenden ist nun zu klären, wann die Rechtsmittelfrist zu laufen begann.
b) Nach Art. 82 Abs. 1 GerG beginnt die Frist am Tag der ihrer schriftlichen Eröffnung
folgt. Der Fristbeginn knüpft damit an die Mitteilung an. Entscheidend ist dabei, ob sich
das fristauslösende Ereignis – die Eröffnung – während des Fristenstillstandes
rechtsgültig verwirklichen kann oder ob dieses nach Ablauf des Fristenlaufs fingiert
wird. Art. 91 Abs. 1 Satz 1 GerG bestimmt, dass gesetzliche und richterliche Fristen
während den Gerichtsferien stillstehen. Eine Regelung, wonach es nicht erlaubt wäre,
während der Gerichtsferien Rechtshandlungen vorzunehmen, ist darin nicht enthalten.
Der Fristenstillstand bewirkt eine Hemmung der Frist. Damit ist aber die Möglichkeit
des Eintritts des fristenauslösenden Ereignisses nicht ausgeschlossen, sondern
vielmehr vorausgesetzt (vgl. BGE 131 V 305 E. 4.2.1 mit Hinweis auf Kölz/Häner,
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Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl. 1998, Rz.
344). Da das fristauslösende Ereignis innerhalb des Fristenstillstandes eintreten kann,
führt dies dazu, dass die Rechtsmittelfrist am ersten Tag nach Ablauf des
Fristenstillstandes zu laufen beginnt (BGE 131 V 305 E. 4.4). Das Bundesgericht hat
sich dieser Rechtsprechung angeschlossen (BGE 132 II 153 E. 4.1).
c) In der Streitsache ergibt sich somit, dass die Rechtsmittelfrist von 30 Tagen am 16.
August 2006 zu laufen begann und am Donnerstag, den 14. September 2006 endete.
Der am 15. September 2006 der Post übergebene Rekurs ist damit verspätet
eingereicht worden.
d) Rechtsfolge der Verspätung ist, dass auf den Rekurs nicht eingetreten werden kann.
Es bleibt zu prüfen, ob rechtlich relevante Umstände vorliegen, die es erlauben würden,
trotz Verspätung auf den Rekurs einzutreten.
aa) Der Rekurrent stützt sich in seiner Eingabe auf einen Entscheid der
Eidgenössischen Personalrekurskommission vom 21. Januar 1999 (act. 6/2). Darin ist
ausgeführt, dass die Beschwerdefrist im Verfahren nach VwVG erst am zweiten Tag
nach den Gerichtsferien zu laufen beginnt, wenn eine Verfügung während der
Gerichtsferien zugestellt wird.
Nun hat das Bundesgericht aber im Entscheid vom 13. Januar 2006 (BGE 132 II 153:
Heft 3 vom 10. Mai 2006), bezüglich Art. 20 Abs. 1 VwVG entschieden, dass für die
Beschwerdefrist bereits der erste Tag nach Ablauf des Fristenstillstands zähle, wenn
die Verfügung während des Stillstands zugestellt werde. Der Rekurrent kann sich daher
nicht auf die veraltete Rechtsprechung berufen, die einer veröffentlichten
Rechtsprechung des Bundesgerichts entgegensteht. Auch sein genereller Hinweis, er
habe damit gerechnet, dass im kantonalen Verfahren als "Zustelldatum" des
steueramtlichen Entscheides der 16. August 2006 gelte, vermag nicht zu überzeugen.
Dass die Verfahrensordnungen in den verschiedenen Kantonen unterschiedlich sind,
gehört zum Allgemeinwissen eines Rechtsvertreters. Dem Rechtsvertreter, der zur
Hauptsache im Kanton Zürich tätig ist, sollte zumindest die Zürcher Praxis vertraut
sein. Danach beginnt eine Rechtsmittelfrist am Tage nach dem Fristenstillstand zu
laufen (VerwGer ZH in: StE 1992 B 92.8 Nr. 3).
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bb) Zu prüfen bleibt, ob eine eingelebte st. gallische Praxis dem Nichteintreten
entgegensteht. Zu Art. 82 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 91 Abs. 1 GerG besteht keine
veröffentlichte Rechtsprechung. In der Literatur (Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 905; A.
Holenstein, Gerichtsgesetz des Kantons St. Gallen vom 2. April 1987, Flawil 1987, N 4
zu Art. 91) wird jedoch kommentarlos auf einen Entscheid des Kantonsgerichtes zum
alten Zivilprozessgesetz verwiesen, wonach bei Ansetzung einer Frist innerhalb der
Gerichtsferien der erste Tag nach den Gerichtsferien bei der Berechnung der Frist nicht
mitgezählt wird (GVP 1986 Nr. 48). Dieser Entscheid kann für das
Verwaltungsprozessverfahren nicht massgebend sein. Erstens handelt es sich um eine
richterliche Frist und nicht um eine gesetzliche Frist. Zum anderen ist das
Gerichtsgesetz nach diesem Entscheid in Kraft getreten. Gestützt auf die
zwanzigjährige singuläre Rechtsprechung, die sich auf eine andere Rechtsgrundlage
stützt, kann daher nicht von einer eingelebten Praxis ausgegangen werden, die es im
Hinblick auf den Vertrauensschutz rechtfertigen könnte, vom Nichteintreten abzusehen.
e) Aus dem Dargelegten folgt, dass auf den Rekurs vom 15. September 2006 wegen
Verspätung nicht einzutreten ist.
5.- Der Rechtsvertreter macht eventualiter einen Wiederherstellungsgrund geltend und
legt für sich ein ärztliches Zeugnis vom 17. August 2006, das ihm für die Zeit vom 11.
April bis 17. August 2006 100% Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, sowie ein undatiertes
ärztliches Zeugnis (act. 6/1), das ihm für den 11. September bis 4. Oktober 2006 ganze
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, bei.
a) Nach Art. 85 Abs. 1 GerG kann eine Frist wiederhergestellt werden, wenn der
Säumige ein unverschuldetes Hindernis als Ursache der Säumnis glaubhaft macht. Die
Wiederherstellung kann angeordnet werden, wenn den Säumigen ein leichtes
Verschulden trifft oder wenn der Verfahrensgegner zustimmt.
b) Arbeitsunfähigkeit bedeutet nicht, objektive oder subjektive Unmöglichkeit, am
Rechtsgeschehen teilzunehmen. In der ersten Zeitperiode, in der der Rechtsvertreter
Arbeitsunfähigkeit als Wiederherstellungsgrund geltend macht, hat er ohne jeden
Hinweis darauf ein Rekursverfahren bei der Verwaltungsrekurskommission geführt
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(I/1-2006/143: 29. Juni 2006 Rekurseingang; 18. Juli 2006 Eingang Kostenvorschuss).
Es ist daher nicht ersichtlich, dass ihm der angefochtene Entscheid vom 17. Juli 2006
nicht rechtmässig hätte eröffnet werden können. In der zweiten Periode, für die ihm
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wird, hat der Rechtsvertreter den vorliegenden Rekurs
vom 15. September 2006 eingereicht, begründet und zur Verspätung Stellung
genommen. Es ist deshalb nicht ersichtlich, warum der Rekurs nicht rechtzeitig am 14.
September 2006 hätte eingereicht werden können. Das Säumnis geht daher auf
Nachlässigkeit zurück, was ein leichtes Verschulden ausschliesst (Cavelti/Vögeli,
a.a.O., N. 1141).
c) Das Gesuch um Wiederherstellung der versäumten Frist ist somit abzuweisen.
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Das Nichteintreten wird einem Unterliegen
gleichgesetzt (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 99 f.). Eine Gebühr von Fr. 200.--
für die Behandlung des Gesuchs um Wiederherstellung der versäumten First und eine
Entscheidgebühr von Fr. 600.-- ist angemessen (vgl. Ziff. 362 und 712
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist zu
verrechnen.