Decision ID: 9384a318-9b01-4b4b-8b93-6506a4b394fd
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X ist geschieden, wohnte in B in einer 2 1⁄2-Zimmerwohnung und bezieht nebst der
AHV-Rente Ergänzungsleistungen und ausserordentliche Ergänzungsleistungen. In der
Steuererklärung 2009 deklarierte sie ein steuerbares Ein-kommen von Fr. 12'206.-- und
kein steuerbares Vermögen. In der Folge wurde sie für die Staats- und
Gemeindesteuern 2009 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 19'000.-- und ohne
steuerbares Vermögen veranlagt, was einem Steuerbetrag samt Ausgleichszinsen von
Fr. 1'120.15 entspricht. Am 27. Juni 2011 trat sie ins Altersheim in B ein.
B.- Am 31. Juli 2009 leistete X für die Staats- und Gemeindesteuern 2009 eine
Anzahlung von Fr. 100.--. Mit Schreiben vom 1. Juni 2010 ersuchte sie das Steueramt
B um Teilerlass der Steuern 2009. Mit Entscheid vom 7. Juni 2010 wies das kantonale
Steueramt, vertreten durch das Steueramt B, das Erlassgesuch für die ausstehenden
Staats- und Gemeindesteuern 2009 in der Höhe von Fr. 1'020.15 ab. X leistete am 17.
Juni 2010 eine weitere Anzahlung von Fr. 200.-- für die Staats- und Gemeindesteuern
2009.
C.- Mit Eingabe ihrer Vertreterin vom 2. Juli 2010 erhob X gegen den Erlassentscheid
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, der Entscheid sei zu
überprüfen und die restliche Steuerschuld für das Jahr 2009 zu erlassen. Zudem seien
die in der definitiven Steuerveranlagung 2009 aberkannten Abzüge für
Krankenversicherungsbeiträge und Krankheitskosten zu prüfen. Weiter sei der
Entscheid des Steueramts B vom 19. Mai 2010 betreffend der Stundungsraten für das
Steuerjahr 2010 zu überprüfen.
Am 13. August 2010 wurde das Formular zur Darstellung der wirtschaftlichen
Verhältnisse mit Beilagen eingereicht. Die vorinstanzlichen Akten gingen am 24.
September 2010 ein.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 1. Oktober 2010 wurde die Rekurrentin
aufgefordert, einen Kostenvorschuss von Fr. 500.-- zu leisten. Am 13. Oktober 2010
beantragte die Vertreterin der Rekurrentin telefonisch die Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung. Das ausgefüllte Formular dazu ging am 28. Oktober
2010 bei der Verwaltungsrekurskommission ein. Am 29. Oktober 2010 bezahlte die
Rekurrentin den Kostenvorschuss.
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Mit Vernehmlassung vom 7. März 2011 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des
Rekurses, soweit darauf einzutreten sei, unter Kostenfolge. Dazu nahm die Rekurrentin
am 25. März 2011 Stellung.
Am 29. Juni 2011 nahm die Gerichtsschreiberin telefonische Abklärungen vor. Die
Ergebnisse wurden den Parteien zur Kenntnisnahme zugestellt.
Auf die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen und die Akten wird, soweit notwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 2. Juli 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 und Art. 224 Abs. 4 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG;
Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten, soweit er den Steuererlass für das Jahr 2009 betrifft.
Nicht eingetreten werden kann jedoch auf die von der Rekurrentin geltend gemachte
Prüfung
der Abzüge für Krankenversicherungsbeiträge und Krankheitskosten. Diese Anliegen
wären im ordentlichen Rechtsmittelverfahren zu rügen gewesen. Die Veranlagung ist
aber rechtskräftig und kann daher nicht mehr angefochten werden. Darauf kann im
Erlassverfahren nicht eingegangen werden. Auch auf die mit Entscheid vom 19. Mai
2010 erfolgte Stundung für das Steuerjahr 2010 kann nicht eingegangen werden.
Stundungsentscheide sind endgültig (vgl. Art. 224 Abs. 4 StG) und können nicht
angefochten werden.
2.- a) Steuerpflichtigen, die in Not geraten sind oder für welche die Bezahlung der
Steuern, der Zinsen, der Bussen oder der Kosten eine grosse Härte bedeutet, kann der
geschuldete Betrag gestundet oder ganz oder teilweise erlassen werden (Art. 224
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Abs. 1 StG). Dem Wesen nach handelt es sich beim Steuererlass um den
nachträglichen Verzicht des Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden
steuerrechtlichen Anspruch. Anlass dazu geben vor allem Rücksichten auf die Person
des Schuldners. Dieser soll aus humanitären, sozialpolitischen oder
volkswirtschaftlichen Gründen nicht in seiner wirtschaftlichen Existenz gefährdet
werden. Die Grundsätze einer gesetzmässigen Verwaltung und der Rechtsgleichheit
legen es allerdings nahe, dass der Gesetzgeber klare Vorgaben schafft. Die Tendenz,
den Steuererlass nicht mehr bloss dem freien Ermessen der zuständigen Behörde
anheim zu stellen, sondern von näher umschriebenen Voraussetzungen abhängig zu
machen und dann auch einen eigentlichen, durchsetzbaren Rechtsanspruch zu
begründen, setzt sich immer mehr durch.
Während im Kanton St. Gallen keine näheren Vollzugsvorschriften auf Gesetzes- oder
Verordnungsstufe existieren, gibt es auf Bundesebene die Verordnung des
Eidgenössischen Finanzdepartements über die Behandlung von Erlassgesuchen für die
direkte Bundessteuer (SR 642.121, abgekürzt: Steuererlassverordnung). Im Kanton St.
Gallen sind weitere Erläuterungen dem Steuerbuch zu entnehmen (StB 224). Der
Steuererlass ist ausschliesslich im Zusammenhang mit der Steuervollstreckung zu
verstehen. Es kann nicht darum gehen, die Begründetheit einer Steuerforderung zu
prüfen und allenfalls die Veranlagung zu korrigieren. Das Erlassverfahren ersetzt weder
das Rechtsmittel-, noch das Revisionsverfahren (Zweifel/Casanova, Schweizerisches
Steuerverfahrensrecht: Direkte Steuern, Zürich 2008, § 31 N 3 f.; StB 224 Nr. 1 Ziff. 1.1
und 1.2). Aus Gründen der rechtsgleichen Behandlung der Steuerpflichtigen muss der
Steuererlass eine seltene Ausnahme bleiben, welche nur unter bestimmten
Voraussetzungen gewährt wird (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. Juni
2009, A-3663/2007, E. 2.2, publiziert in StR 2009 S. 672 ff.).
Eine Notlage liegt vor, wenn der gesamte geschuldete Betrag in einem Missverhältnis
zur finanziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person steht. Dies trifft
insbesondere dann zu, wenn die Steuerschuld trotz Einschränkung der
Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum in absehbarer Zeit nicht
vollumfänglich getilgt werden kann. In jedem Fall liegt eine Notlage vor bei
Einkommens- und Vermögenslosigkeit oder wenn die öffentliche Hand für die
Lebenshaltungskosten der steuerpflichtigen Person und deren Familie aufkommen
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muss (Zweifel/Casanova, a.a.O., § 31 N 10; StB 224 Nr. 1 Ziff. 1.4). Eine grosse Härte
ist gegeben, wenn die Entrichtung der Steuern für den Pflichtigen ein Opfer bedeuten
würde, das in einem krassen Missverhältnis zu seiner finanziellen Leistungsfähigkeit
steht und ihm billigerweise nicht zugemutet werden kann. Dies trifft etwa zu, wenn die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person durch besondere
Umstände wie aussergewöhnliche Belastungen durch den Unterhalt der Familie,
dauernde Arbeitslosigkeit oder Krankheit, Unglücksfälle usw. erheblich beeinträchtigt
wird (StR 2009 S. 677).
Vorhandenes Vermögen schliesst den Steuererlass nicht von Vornherein aus.
Massgebend ist vielmehr, ob die Belastung oder Verwertung dieses Vermögens als
zumutbar erscheint (Zweifel/Casanova, a.a.O., § 31 N 15). Ist eine steuerpflichtige
Person überschuldet, so befindet sie sich zwar in besonders schwierigen Verhältnissen.
Weil ihre Mittel aber nicht zur Befriedigung aller Gläubiger ausreichen, würde nicht sie
selbst von einem Verzicht der Steuerbehörden profitieren, sondern primär ihre übrigen
Gläubiger, welche beim Zugriff auf das pfändbare Einkommen und Vermögen einen
Konkurrenten verlieren. Es ist daher sachlich haltbar, wenn unter diesen Umständen
von einem Steuererlass abgesehen wird. Wenn jedoch sämtliche Gläubiger in gleichem
Mass wie die Steuerbehörden auf ihre Forderung verzichten, kommt ein Steuererlass
trotz Überschuldung in Frage (StR 2009 S. 674; BGE 2P.307/2004; vgl. dazu auch Art.
10 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 EV DBG).
Massgebend sind die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen
Person im Zeitpunkt des Entscheids, wobei jedoch auch die Entwicklung seit der
Veranlagung, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, sowie die Zukunftsaussichten zu
berücksichtigen sind. Übliche Einkommensschwankungen als solche begründen noch
keine Notlage (Zweifel/Casanova, a.a.O., § 31 N 12; StB 224 Nr. 1 Ziff. 1.3).
b) Im Rekurs wird geltend gemacht, die Rekurrentin werde im Rahmen administrativer
Hilfe und einer Rentenverwaltung seit dem Jahr 2007 durch die Pro Senectute betreut.
Parallel dazu erhalte sie durch die Spitex Gemeindekrankenpflege und Pro Senectute
Hilfe und Betreuung zu Hause. Aufgrund des zunehmenden Bedarfs habe die fachliche
Betreuung im Jahr 2009 stark aufgestockt werden müssen. Zwei Kinder der
Rekurrentin wohnten in der Nähe in B und seien in die tägliche Betreuung regelmässig
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einbezogen. Geeignete Einkaufsmöglichkeiten befänden sich in unmittelbarer Nähe zur
Wohnung. Die Rekurrentin sei zwingend darauf angewiesen, dass sie diese
Unterstützung durch ihre Kinder in ihrem jetzigen Umfeld weiterhin erhalte, um dadurch
so stabil wie möglich bleiben zu können. Ein Wechsel in eine neue und billigere
Wohnung würde sie sehr verunsichern und den gesundheitlichen Zustand negativ
beeinträchtigen. Aufgrund ihrer Demenzerkrankung könnten an einem neuen Ort
grosse Orientierungsschwierigkeiten auftreten. Ein Umzug würde auch das bis jetzt
sehr gut funktionierende Hilfs- und Betreuungsnetz gefährden. Dies werde im ärztlichen
Zeugnis von Dr. C vom 29. Juni 2010 deutlich ausgewiesen.
Die Vorinstanz weist in der Vernehmlassung darauf hin, die Rekurrentin sei erst seit
dem 9. November 2007 in der jetzigen Wohnung. Von einer festen Verwurzelung könne
deshalb nicht gesprochen werden. Tatsache sei, dass die Wohnkosten von Fr. 1'250.--
im Verhältnis zu den Einkünften von Fr. 3'116.-- (40%) stark übersetzt seien. Als
ortsübliche Miete müsse ein Wert von Fr. 1'080.-- eingesetzt werden. Dieser ermittelte
Mietzins liege Fr. 170.-- unter dem effektiven Mietzins. Von einer geringen Differenz, bei
der sich ein Umzug nicht rechtfertigen würde, könne nicht die Rede sein. Somit ergebe
sich ein Überschuss von Fr. 291.90 pro Monat, was die Tilgung der ausstehenden
Steuerforderungen für das Steuerjahr 2009 von insgesamt Fr. 820.15 in drei (höchstens
fünf) Monatsraten als objektiv möglich und zumutbar erscheinen lasse. Zudem werde
ein Vermögen von Fr. 7'939.77 ausgewiesen. Gegebenenfalls sei dieses Vermögen,
welches nicht als existenziell zu werten sei, zur (teilweisen) Steuertilgung
heranzuziehen.
In der Stellungnahme der Vertreterin der Rekurrentin vom 25. März 2011 wird
ausgeführt, die Rekurrentin habe jahrzehntelang in B gelebt. Vor ihrem Einzug in die
jetzige Wohnung habe sie nur vorübergehend in D gewohnt. Ausserdem lebten zwei
ihrer Kinder in der Nähe in B. Die Rekurrentin sei daher zweifelsfrei in B tief verwurzelt.
Anlässlich eines Telefongesprächs am 29. Juni 2011 berichtete die Vertreterin der
Rekurrentin, diese sei am 27. Juni 2011 ins Altersheim in B eingetreten. Nun fielen
Kosten für den Umzug, die Räumung und die Reinigung der Wohnung an (vgl. act. 26).
c) Entscheidend für das Vorliegen einer Notlage ist, dass die Rekurrentin trotz
Einschränkung der Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum die noch offene
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Steuerschuld 2009 von Fr. 820.15 (Fr. 1'020.15 abzüglich Zahlung von Fr. 200.-- am
17. Juni 2010) mit ihren Einkünften in absehbarer Zeit nicht vollumfänglich tilgen kann.
Abzustellen ist dabei praxisgemäss auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum
nach Art. 93 SchKG (Art. 3 Abs. 2 EV DBG; StR 2009 S. 677). Das Existenzminimum
errechnet sich nach den Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums (Notbedarf) nach Art. 93 SchKG der Konferenz der Betreibungs-
und Konkursbeamten Schweiz (KS BKB CH) beziehungsweise dem Kreisschreiben
über die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (Notbedarf) der
Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs des Kantons St. Gallen (KS AB
SG). Demnach setzt sich das Existenzminimum zur Hauptsache aus einem monatlichen
Grundbetrag, aus den konkreten Wohn- und Heizungskosten, den Kosten für
Krankenkasse, Berufsauslagen, Ausbildungskosten sowie für Unterhaltsleistungen
zusammen.
Der Grundbetrag enthält Aufwendungen für Nahrung, Kleidung, Wäsche, Körper- und
Gesundheitspflege, Unterhalt der Wohnungseinrichtung, Auslagen für Beleuchtung,
Kochenergie, Radio-, TV- und Telefongebühren sowie für kulturelle Bedürfnisse und
Freizeitgestaltung (Ziff. 3 KS AB SG). Für alleinstehende Personen beträgt er im Kanton
St. Gallen Fr. 1'230.--. Er ist damit höher als jener der Richtlinien für die Ausgestaltung
und Bemessung der Sozialhilfe von Fr. 960.-- (vgl. unter www.skos.ch). Unter den
Wohnkosten ist der effektive Mietzins für eine Wohnung oder ein Zimmer zu verstehen.
Ein den wirtschaftlichen Verhältnissen und persönlichen Bedürfnissen nicht
angemessener Mietzins ist nach Ablauf des nächsten Kündigungstermins auf ein
ortsübliches Normalmass herabzusetzen (Ziff. 4.1 KS AB SG). Dabei ist jedoch auch zu
beachten, dass bei einem Wohnungsumzug weitere Kosten entstehen. Bei einer
geringen Differenz zwischen dem effektiven Mietzins und dem ortsüblichen Normalzins
kann sich eine Herabsetzung daher unter Umständen als nicht verhältnismässig
erweisen. Bei der Krankenversicherung werden nur die Prämien für die
Grundversicherung angerechnet (Ziff. 4.3 KS AB SG). Die unter die Jahresfranchise
fallenden und vom Schuldner tatsächlich zu bezahlenden Gesundheitskosten sind in
voller Höhe zu berücksichtigen (Ziff. 4.3 KS AB SG). Gemäss Ziff. 10.1 KS AB SG
werden die laufenden Steuern bei der Berechnung des Existenzminimums
berücksichtigt, wenn diese bisher bezahlt wurden und auf einer Veranlagung beruhen
(vgl. auch GVP 2002 Nr. 108).
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Die Vorinstanz hat für die Rekurrentin folgendes Existenzminimum ermittelt:
Grundbedarf 1'230.--
anrechenbarer Mietzins 1'080.--
Krankenkasse 264.--
Pauschale für besondere Aufwendungen _ 250.--
Total 2'824.--
Die Vorinstanz stellte dieses Existenzminimum dem monatlichen Einkommen von
Fr. 3'116.-- gegenüber und errechnete eine freie Quote von Fr. 292.--, die für
monatliche Teilzahlungen genutzt werden könnte. Auf diese Weise wäre es möglich die
Steuerschuld von Fr. 820.15 innerhalb von drei Monaten zurückzuzahlen.
d) Der eingesetzte Grundbetrag sowie der Betrag für die obligatorische
Krankenkassenprämie (Grundversicherung) werden von der Rekurrentin nicht
bestritten. Als Wohnkosten wird aber der effektive monatliche Wohnungsmietzins
inklusive Nebenkosten von Fr. 1'250.-- geltend gemacht. Dabei handelt es sich um eine
2 1⁄2-Zimmerwohnung mit Lift. Im Rekurs wird ausgeführt, die Rekurrentin leide an einer
Demenzerkrankung und sei auf ein stabiles Umfeld sowie die Betreuung durch ihre
Kinder, die in der Nähe wohnten, angewiesen. Dies wird durch das Arztzeugnis von Dr.
C vom 29. Juni 2010 bestätigt (act. 3/1). Er diagnostiziert bei der Rekurrentin eine
progrediente Demenz mit einer Kurzzeitgedächtnisstörung sowie einer zunehmenden
zeitlichen Desorientierung. Bislang habe ein Heimaufenthalt umgangen werden können,
weil sie in ihrer gewohnten Umgebung gewesen sei und von den Menschen in ihrer
näheren Umgebung entsprechend aufgenommen werde. Ein Wohnungswechsel berge
erhebliche Gefahren in sich, da die gewohnten Fixpunkte im täglichen Umfeld sowohl
örtlich als auch die Beziehungen der Umgebung wegfallen würden und eine
Verschlechterung der Situation bezüglich Selbständigkeit und Orientierung stattfinden
würde.
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Der Verbleib in der bisherigen teuren Wohnung war damit aus medizinischen Gründen
notwendig. Zudem ist die Differenz zwischen dem von der Vorinstanz angerechneten
Mietzins und dem effektiven Mietzins mit Fr. 170.-- pro Monat nicht allzu hoch. Unter
den hier vorliegenden besonderen gesundheitlichen Umständen lässt sich ein Umzug
nicht rechtfertigen. Hinzu kommt dass die Rekurrentin vor Kurzem in ein Altersheim
eingetreten ist. Dort werden die Wohnkosten voraussichtlich über der bisherigen
Wohnungsmiete liegen. Da die tatsächlichen Kosten im Altersheim im heutigen
Zeitpunkt aber noch nicht bekannt sind (act. 26), ist auf den bisher zu bezahlenden
Wohnungsmietzins abzustellen.
Zusätzlich macht die Rekurrentin Versicherungskosten von Fr. 20.-- und Fr. 10.--,
Telefonkosten von Fr. 35.--, TV- und Radio-Abonnement von Fr. 26.-- und
Rückstellungen für Steuern von Fr. 75.-- geltend. Diese Aufwendungen betragen
weniger als die von der Vorinstanz gewährte Pauschale und können deshalb so
übernommen werden. Die von der Rekurrentin angeführten Kosten für
Unvorhergesehenes in der Höhe von Fr. 414.-- können so nicht gewährt werden, da bei
der Berechnung des Existenzminimums Unvorhersehbares gerade nicht berücksichtigt
wird. Bei den Gesundheitskosten muss aber aufgrund der fortschreitenden Erkrankung
der Rekurrentin ein höherer Betrag als die aufgeführten Fr. 50.-- eingesetzt werden. Der
Selbstbehalt wird im heutigen Zeitpunkt höher ausfallen, als im Jahr 2009, auf deren
Grundlage die Berechnung der Rekurrentin erfolgt ist. Die durch die Krankenkasse
nicht gedeckten Betreuungskosten der Spitex (vgl. act. 7/8) werden nicht vollständig
über die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen rückvergütet (vgl. act. 26).
Ebenfalls ist aufgrund der fortschreitenden Erkrankung sowie des anfallenden
administrativen Aufwands bezüglich des Altersheimeintritts bei den Kosten für den
administrativen Dienst der Spitex aktuell von einem höheren Betrag als den
aufgeführten Fr. 25.-- auszugehen.
Somit resultiert folgender Notbedarf:
Grundbedarf 1'230.--
anrechenbarer Mietzins 1'250.--
Krankenkasse 264.--
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Versicherungen 30.--
Telefon 35.--
TV/Radio 26.--
laufende Steuern 75.--
Gesundheitskosten 150.--
Administrativer Dienst Spitex 75.--
Total 3'135.--
Auf der Einnahmenseite erhält die Rekurrentin eine monatliche AHV-Rente von
Fr. 1'585.-- sowie monatliche Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 1'531.--. Die
monatlichen Einkünfte der Rekurrentin belaufen sich demnach auf Fr. 3'116.--. Aus der
Gegenüberstellung der monatlichen Einnahmen und der monatlichen Ausgaben ergibt
sich ein Defizit von Fr. 19.--.
Das Vorhandensein von Vermögen schliesst einen Erlass nicht zwingend aus.
Entscheidend ist, ob dessen Verwertung für die Steuerzahlung im konkreten Einzelfall
zumutbar erscheint (vgl. Richner/Frei/ Kaufmann/ Meuter, Handkommentar zum DBG,
2. Auflage Zürich 2009, Art. 167 N 31). Das per 30. Juni 2010 ausgewiesene Vermögen
der Rekurrentin betrug Fr. 7'834.-- (vgl. act. 7/4). Angesichts der gesundheitlichen
Probleme der Rekurrentin und deren Angewiesenheit auf professionelle Betreuung
sowie des Eintritts in ein Altersheim mit den Folgekosten des Umzugs und der
Haushaltauflösung, erscheint der Verbrauch dieser minimalen Notreserve für die
Bezahlung der Steuern nicht zumutbar. Eine Überschuldung der Rekurrentin liegt
zudem nicht vor. Der Steuererlass kommt deshalb direkt ihr und nicht anderen
Gläubigern zugute.
e) Die Rekurrentin befindet sich damit in einer Notlage im Sinn von Art. 224 StG. Die
Bezahlung der ausstehenden Steuern für das Jahr 2009 von Fr. 820.15 steht in einem
Missverhältnis zu ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit. Hinzu kommt, dass die
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Bezahlung dieses Betrags aufgrund der dauerhaften stark eingeschränkten finanziellen
Leistungsfähigkeit der Rekurrentin für diese auch eine grosse Härte bedeutet. Der
Rekurs ist daher gutzuheissen, der angefochtene Entscheid vom 7. Juni 2010 ist
aufzuheben und der Rekurrentin sind die Staats- und Gemeindesteuern 2009 im
Umfang von Fr. 820.15 zu erlassen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen ist eine Entscheidgebühr von Fr. 500.-- (vgl.
Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 500.-- ist der Rekurrentin zurückzuerstatten. Das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung wird damit gegenstandslos.