Decision ID: b6a5a703-4a72-591d-8eb6-8918bab657d9
Year: 2011
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer 7 / Beschwerdegegner 1 (in der Folge: Beschwerdeführer 7)
reichte am 22. Februar 2010 bei der Gemeinde Jegenstorf ein Baugesuch ein für einen
Modellflugplatz (unbefestigte Graspiste 115 x 10 m, unbefestigter Fernsteuerplatz 10 x 5 m
3
und unbefestigter Fahrzeugparkplatz 10 x 8 m) auf Parzelle Jegenstorf Grundbuchblatt
Nr. K._. Die Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone. Gegen das Bauvorhaben
erhoben unter anderen der Beschwerdeführer 1 und die Beschwerdeführenden 3 bis 6 /
Beschwerdegegner 2 bis 5 (in der Folge: Beschwerdeführende 3 bis 6) Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 31. Mai 2011 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Baubewilligung, befristet auf sechs aufeinanderfolgende Monate ab
Inbetriebnahme des Flugbetriebs.
2. Dagegen gingen bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE) insgesamt vier Beschwerden ein. Der Beschwerdeführer 1 beantragt in seiner
Beschwerde vom 27. Juni 2011, dem Bauvorhaben sei die Ausnahmebewilligung gemäss
Art. 24 RPG1 zu verweigern und der Bauabschlag zu erteilen. Die Gemeinde Jegenstorf
(Beschwerdeführerin 2) stellt in ihrer Beschwerde vom 29. Juni 2011 das Rechtsbegehren,
es sei der Gesamtentscheid aufzuheben und dem Bauvorhaben der Bauabschlag zu
erteilen. Die Beschwerdeführenden 3 bis 6 verlangen in ihrer Beschwerde vom 30. Juni
2011 ebenfalls die Aufhebung des Bauentscheids und die Erteilung des Bauabschlags;
zudem beantragen sie, der Beschwerdeführer 7 sei anzuweisen, den rechtmässigen
Zustand wiederherzustellen. Der Beschwerdeführer 7 schliesslich stellt in seiner
Beschwerde vom 1. Juli 2011 folgende Rechtsbegehren: Die Befristung der Baubewilligung
sei aufzuheben; eventualiter sei die angefochtene Verfügung dahingehend zu ergänzen,
dass der Flugbetrieb nach Ablauf der Befristung bis zur rechtskräftigen Beurteilung des
neuen Baugesuchs betreffend den unbefristeten Betrieb aufrechterhalten bleiben könne;
subeventualiter sei die angefochtene Verfügung zur Anordnung des Eventualbegehrens an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Da die vier Beschwerden den gleichen
Gegenstand betreffen, vereinigte es die Verfahren mit Verfügung vom 5. Juli 2011 unter
RA Nr. 110/2011/100.
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
4
Die Gemeinde Jegenstorf beantragt in ihrer Stellungnahme vom 14. Juli 2011 die
Abweisung der Beschwerde des Beschwerdeführers 7. Das Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) verzichtet in seiner Stellungnahme vom 15. Juli 2011 auf einen
Antrag. Die Beschwerdeführenden 3 bis 6 verlangen in ihrer Beschwerdeantwort vom
20. Juli 2011 die Abweisung der Beschwerde des Beschwerdeführers 7 und wiederholen
im Übrigen die Anträge aus ihrer Beschwerde. Der Beschwerdeführer 7 schliesslich
beantragt in seiner Beschwerdeantwort vom 4. August 2011 die Abweisung der drei
Beschwerden der Beschwerdeführenden 1 bis 6, soweit darauf eingetreten werden könne.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der vier Beschwerden
gegen den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer 7 als Baugesuchsteller, dessen Baugesuch
lediglich befristet bewilligt wurde, ist hinsichtlich dieser Befristung durch den
vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
5
legitimiert. Ohne weiteres zur Beschwerde berechtigt ist auch die Gemeinde Jegenstorf,
die im vorinstanzlichen Verfahren mehrfach den Bauabschlag gefordert hat, letztmals in
ihrer Stellungnahme vom 28. März 2011. Soweit ist die Beschwerdelegitimation
unbestritten.
c) Der Beschwerdeführer 7 bezweifelt jedoch die Beschwerdebefugnis des
Beschwerdeführers 1 und der Beschwerdeführenden 3 bis 6. Es sei zu prüfen, ob diese
durch das Bauvorhaben in genügender Art und Weise betroffen seien. Die
Beschwerdeführenden 1, 3, 4 und 6 haben sich am vorinstanzlichen Verfahren als
Einsprecher beteiligt und den Bauabschlag gefordert. Die Beschwerdeführerin 5 tritt
gemäss Aussage in der Beschwerde vom 30. Juni 2011 als Rechtsnachfolgerin ihrer
Mutter, die als Einsprecherin ebenfalls den Bauabschlag gefordert hatte, in das Verfahren
ein (Art. 13 Abs. 2 VRPG5).
Somit sind die Beschwerdeführenden 1 und 3 bis 6 als Einsprecher bzw. als
Rechtsnachfolgerin einer Einsprecherin durch die befristete Baubewilligung beschwert und
insoweit zur Beschwerde befugt. Ihre Legitimation setzt aber weiter voraus, dass sie sich
befugtermassen als Einsprecher beteiligt haben.6 Die Vorinstanz hat die
Einsprachebefugnis der über 50 Einsprecher nicht abschliessend geprüft – darauf konnte
verzichtet werden, da alle Einsprachen grundsätzlich dieselben Punkte rügten und einige
Einsprecher sicher legitimiert waren.
d) Nach Art. 35 Abs. 2 lit. a BauG sind nur Personen zur Einsprache befugt, welche
durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind.
Nach Lehre und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt,
wenn sie durch ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und
zum Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat. Die Betroffenheit kann
rechtlicher oder auch nur tatsächlicher Natur sein. Sie muss aber hinreichend sein, d.h.
eine bestimmte Intensität erreichen, so dass von der Abwendung eines materiellen oder
ideellen Nachteils gesprochen werden kann. Der Nachteil muss persönlich und unmittelbar
sein. Diese Anforderungen grenzen die Beschwerden betroffener Drittpersonen von der
5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 40 N. 5a
6
unzulässigen Popularbeschwerde ab.7
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum
Streitgegenstand bei Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In
einer besonders nahen Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des
Baugrundstücks. Unter Nachbarn versteht die Verwaltungs- und Gerichtspraxis vorab die
Eigentümer von Nachbargrundstücken sowie Personen, die an solchen Grundstücken
dinglich berechtigt sind; grundsätzlich wird aber auch die Einsprachebefugnis der Mieter
und Pächter anerkannt. Der Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann nicht allgemein
festgelegt werden, sondern muss im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt
werden. Die Einsprachebefugnis des Nachbarn ist in der Regel zu bejahen, wenn dessen
Liegenschaft unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen
Verkehrsträger davon getrennt wird. Darüber hinaus reicht die Nachbarschaft so weit wie
die allfälligen nachteiligen Auswirkungen des Bauvorhabens. Bei grossflächigen
Immissionen kann ein sehr weiter Kreis von Betroffenen einsprachelegitimiert sein. Die
mögliche Störung muss aber deutlich wahrnehmbar sein und objektiv betrachtet als
Nachteil empfunden werden.8
e) Der Beschwerdeführer 1 wohnt knapp 700 m vom geplanten Modelflugplatz, also der
Graspiste sowie dem Fernsteuer- und Parkplatz, entfernt. Der nächstgelegene Punkt der
Flugzone befindet sich in einer Distanz von knapp 500 m. Für die Beschwerdeführenden 3
bis 5 bzw. die Rechtsvorgängerin der Beschwerdeführerin 5 betragen die Abstände zum
Flugplatz und zur Flugzone etwa 750 m und gut 500 m, für den Beschwerdeführer 6 fast
900 m und rund 650 m. Die Beschwerdeführenden 1 und 3 bis 5 haben zwar vermutlich
keine Sichtverbindung zum Flugplatz, dieser ist anscheinend hinter einem Wald gelegen.
Zur Flugzone haben sie jedoch freien Sichtkontakt. Anders der Beschwerdeführer 6. Von
seiner Adresse aus liegt der Flugplatz anscheinend ebenfalls hinter dem Wald. Zusätzlich
scheint ihm die freie Sicht sowohl auf den Flugplatz als auch auf die Flugzone durch
Liegenschaften verstellt zu sein.
Aufgrund der relativ grossen Distanz und der Abschirmung durch den Wald reichen die
nachteiligen Auswirkungen des Flugplatzes wohl nicht bis zu den Beschwerdeführenden 1
und 3 bis 6, weshalb sie insoweit nicht beschwerdebefugt wären.
7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35/35a N. 16 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung 8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35/35a N. 17 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
7
Die möglichen Störungen durch die Flugzone sind jedoch für die Beschwerdeführenden 1
und 3 bis 5 voraussichtlich deutlich wahrnehmbar. Es ist allgemein bekannt, dass
motorisierte Modellflugzeuge erhebliche Lärmemissionen erzeugen. Deshalb ist aufgrund
der Distanz und der direkten Sichtverbindung zur Flugzone davon auszugehen, dass die
Modellflugzeuge von den Beschwerdeführenden 1 und 3 bis 5 objektiv betrachtet als
Nachteil empfunden werden können. Somit sind sie letztlich zur Beschwerdeführung
legitimiert.
f) In Bezug auf den Beschwerdeführer 6 ist aufgrund der grösseren Distanz und der
Abschirmung durch Nachbarliegenschaften dagegen unklar, ob der Lärm der
Modellflugzeuge von ihm objektiv betrachtet als Nachteil empfunden werden kann. Da auf
die gemeinsame Beschwerde ohnehin einzutreten ist, braucht diese Frage aber nicht
abschliessend geklärt zu werden. Dies gilt auch mit Blick auf die Verfahrens- und
Parteikosten: Eine Berücksichtigung im Kostenpunkt wäre selbst dann nicht gerechtfertigt,
wenn der Beschwerdeführer 6 nicht legitimiert sein sollte. Es ist jedoch darauf hinzuweisen,
dass die Legitimation in einem allfälligen Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren
nachgewiesen werden müsste.
Dasselbe gilt im Übrigen auch für die Zulässigkeit des Verfahrenseintritts der
Beschwerdeführerin 5 als Rechtsnachfolgerin ihrer Mutter. Die Zulässigkeit dieses
Verfahrenseintritts wäre insofern näher zu prüfen, als die Beschwerdeführerin 5 das
Grundstück Jegenstorf Grundbuchblatt Nr. L._ (Stockwerkeigentum) gemäss
Grundbuchauszug bereits am 26. April 2010 und damit vor Einreichung der Einsprache am
24. Juni 2010 gekauft zu haben scheint.9
g) Demzufolge wird auf die vier Beschwerden, die alle form- und fristgerecht eingereicht
wurden, grundsätzlich eingetreten. Nicht eingetreten werden kann dagegen auf das
Rechtsbegehren der Beschwerdeführenden 3 bis 6, der Beschwerdeführer 7 sei
anzuweisen, den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen. Die erstmalige Anordnung
der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands liegt nicht in der Kompetenz der BVE,
sie kann diesbezüglich lediglich als Beschwerdeinstanz urteilen (Art. 49 Abs. 1 BauG).
9 Auszug vom 25. August 2011 aus dem Grundstückdaten-Informationssystem des Kantons Bern (GRUDIS)
8
2. Planungspflicht
a) Gegen die Erteilung der Ausnahmebewilligung für Bauten und Anlagen ausserhalb
der Bauzonen gemäss Art. 24 RPG wird zunächst vorgebracht, angesichts der
Auswirkungen einer solchen Anlage bestehe dafür eine Planungspflicht. Die
Zonenwidrigkeit dürfe deshalb nicht über eine Ausnahme korrigiert werden.
b) Der Vorrang der Planung besagt, dass die Bewilligung von Bauvorhaben auf dem
Ausnahmeweg nicht zulässig ist, wenn das Vorhaben nach der gesetzlichen Ordnung eine
besondere planungsrechtliche Regelung voraussetzt. Ausserhalb der Bauzone ist dies
gemäss Praxis bei all jenen Bauten und Anlagen der Fall, die ihrer Natur nach nur in einem
Planungsverfahren angemessen erfasst werden können, d.h. wenn ein nicht
zonenkonformes Vorhaben durch seine Ausmasse oder seine Natur bedeutende
Auswirkungen auf die bestehende Nutzungsordnung hat. Dies trifft beispielsweise auf
Deponien, Golfplätze und Einkaufszentren zu.10
c) Das vorliegende Bauvorhaben besteht lediglich aus einer Piste sowie dem
Fernsteuer- und Parkplatz, wobei alle diese Elemente unbefestigt sind. Die räumliche
Ausdehnung dieser Anlagen ist relativ gering. Deutlich grösser ist zwar die Flugzone, diese
betrifft aber lediglich den Luftraum und lässt den Boden unberührt. Der Benutzerkreis der
Anlage bewegt sich in der Grössenordnung von 20 Personen. Die Anlage ist also auch
erschliessungstechnisch von bescheidenem Ausmass. Der Betrieb eines Modellflugzeuges
ist zwar mit nicht unerheblichen Lärmemissionen verbunden. Aufgrund der relativ kleinen
Zahl der Benutzer ist aber nicht damit zu rechnen, dass die Anlage insgesamt zu
ausserordentlichen grossen Lärmemissionen führt. Somit kann nicht davon gesprochen
werden, dass der Modellflugplatz so bedeutende Auswirkungen auf die bestehende
Nutzungsordnung hat, dass diese Auswirkungen eine Planungspflicht zur Folge hätten.
Dies verdeutliche auch ein Vergleich mit einem Golfplatz, für welchen eine Planungspflicht
angenommen wurde. Die Auswirkungen des geplanten Modellflugplatzes auf die
bestehende Nutzungsordnung sind in keiner Art und Weise mit den entsprechenden
Auswirkungen eines Golfplatzes zu vergleichen. Somit besteht für den Modellflugplatz
10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Vorbemerkungen zu den Art. 26-31 N. 1a mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
9
keine Planungspflicht und er kann grundsätzlich auf dem Weg einer Ausnahme nach Art.
24 RPG bewilligt werden – davon geht auch das Bundesgericht in seinem Entscheid
1C_107/2010 vom 17. Juni 2010 implizit aus. Dass der Modellflugplatz einer solchen
Ausnahmebewilligung bedarf, weil er in der Landwirtschaftszone zonenwidrig ist (vgl. Art.
16a RPG), ist zu Recht unbestritten.
3. Standortgebundenheit, Alternativstandorte
a) Weiter wird gerügt, die Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG hätte auch wegen
mangelnder Standortgebundenheit nicht erteilt werden dürfen. Es habe keine seriöse
Prüfung von möglichen Alternativstandorten stattgefunden, Angaben zu effektiv erfolgten
Abklärungen würden fehlen. Die Alternative, beim bereits bestehenden Modellflugplatz in
der Umgebung unterzukommen, sei überhaupt nicht geprüft worden.
b) Nach Art. 24 RPG setzt die Erteilung einer Ausnahmebewilligung für das
zonenwidrige Bauen ausserhalb der Bauzone voraus, dass der Zweck der Anlage einen
Standort ausserhalb der Bauzone erfordert. Die Standortgebundenheit ist nach ständiger
Praxis zu bejahen, wenn eine Anlage aus technischen oder betriebswirtschaftlichen
Gründen oder wegen der Bodenbeschaffenheit auf einen Standort ausserhalb der Bauzone
angewiesen ist (sogenannte positive Standortgebundenheit), oder wenn ein Werk aus
bestimmten Gründen, namentlich wegen starker Immissionen, in einer Bauzone
ausgeschlossen ist (sogenannte negative Standortgebundenheit). Dabei genügt eine
relative Standortgebundenheit, d.h. es ist nicht erforderlich, dass überhaupt kein anderer
Standort in Betracht kommt. Es müssen jedoch besonders wichtige und objektive Gründe
vorliegen, die den vorgesehenen Standort gegenüber Standorten innerhalb der Bauzone
als viel vorteilhafter erscheinen lassen. Ob ein Bauvorhaben aus objektiven Gründen auf
einen Standort ausserhalb der Bauzone angewiesen ist, lässt sich nur gestützt auf eine
umfassende Berücksichtigung möglicher Alternativstandorte beantworten. Eine
umfassende Prüfung möglicher Alternativstandorte ist demnach bereits im Rahmen der
Prüfung der Standortgebundenheit nach Art. 24 Bst. a RPG vorzunehmen.11
11 VGE Nr. 100.2010.419 vom 6. April 2011 E. 3.3
10
Die Evaluation von Alternativstandorten bezweckt zweierlei. Zum einen soll sichergestellt
werden, dass nur jene Bauten, die auch tatsächlich auf einen Standort ausserhalb der
Bauzone angewiesen sind, in der Nichtbauzone erstellt werden. Zum andern soll zugleich
erreicht werden, dass das Projekt in der Art und an jenem Standort ausserhalb der
Bauzone realisiert wird, dass es insgesamt die beste Lösung mit möglichst geringen
Auswirkungen auf Raum und Umwelt darstellt. Wenn für beabsichtigte Bauprojekte
ausserhalb der Bauzone keine alternativen Standorte geprüft würden, liesse sich weder die
vom Gesetzgeber prinzipiell gewollte Beschränkung baulicher Vorrichtungen auf die
Bauzonen noch die Minimierung der Auswirkungen auf den Raum und die Umwelt solcher
Vorhaben umsetzen. Voraussetzung dafür ist eine taugliche und nicht bloss Pro-Forma-
Prüfung von Alternativstandorten. Eine rechtsgenügliche Prüfung von Alternativstandorten
verlangt zwar keinen strikten Beweis dafür, dass überhaupt kein besser geeigneter
Alternativstandort vorhanden ist. Ein solcher Beweis wäre kaum je zu erbringen,
grundsätzlich lässt sich jeder Standort mit dem Argument in Frage stellen, dass sich ein
noch besserer finden liesse. Erforderlich, aber auch hinreichend ist, dass konkrete,
realistische Alternativstandorte aufgrund einer Interessenabwägung nicht besser geeignet
erscheinen als der gewählte Standort. Als standardisierter Denkprozess hat die Evaluation
von Alternativstandorten den Sinn, die Ausübung von Handlungsspielräumen plausibel,
nachvollziehbar und überprüfbar zu machen.12
c) Zunächst kann festgestellt werden, dass Modellflugplätze auf einen Standort
ausserhalb des Baugebiets angewiesen sind. Aus Sicherheitsgründen und mit Blick auf die
Lärmimmissionen können sie nicht im Baugebiet errichtet werden und sind damit negativ
standortgebunden. Zudem bedürfen sie eines freien Luftraums von erheblicher Grösse, der
nur ausserhalb der Bauzone zu finden ist. Damit sind Modellflugplätze auch positiv
standortgebunden. Dies entspricht der Praxis des AGR, welches in seiner Verfügung vom
1. Dezember 2010 ebenfalls davon ausgeht, dass Modellflugzeugplätze sowohl positiv als
auch negativ standortgebunden sind. Die grundsätzliche Standortgebundenheit des
Modellflugplatzes ausserhalb der Bauzone wird im Übrigen auch von den
Beschwerdeführenden 1 bis 6 nicht bestritten.
d) Hinsichtlich der Abklärung von Alternativstandorten hat sich das AGR in seiner
Verfügung auf das Schreiben des Beschwerdeführers 7 vom 12. November 2010 gestützt.
12 VGE Nr. 100.2010.419 vom 6. April 2011 E. 4.1 und 4.2
11
Darin habe er nachvollziehbar dargelegt, wie die Prüfung von Alternativstandorten erfolgt
sei. Die Standortwahl sei somit hinlänglich begründet und das Ergebnis der Abklärung
spreche für den geplanten Standort. Nach seiner Praxis seien Modellflugzeugplätze
mindestens auf dem Gemeindegebiet der Standortgemeinde zu koordinieren. Daraus leite
es ab, dass in einer Gemeinde maximal ein solcher Platz als standortgebunden bezeichnet
werden könne. Es könne zwar sein, dass die Suche nach geeigneten Alternativstandorten
auch ausserhalb des Gemeindegebiets erfolgen müsse, dies sei vorliegend aber nicht der
Fall.
In diesem Schreiben vom 12. November 2010 führt der Beschwerdeführer 7 zunächst aus,
Ziel des Vereins sei es, den Mitgliedern die Ausübung ihres Hobbys in der Nähe ihres
Wohnorts zu gewährleisten. Was unter „Nähe zum Wohnort“ gemeint ist, ergibt sich aus
der Beschwerdeantwort vom 4. August 2011: Der Vorstand habe frühzeitig alle möglichen
Bereiche in einem Umkreis von 5 km um Bäriswil/Mattstetten/Jegenstorf intensiv
abgesucht, sowohl auf der Karte als auch vor Ort. Namentlich auf dem Gebiet der
Gemeinde Bäriswil seien keine genügend flachen Wiesen vorhanden. Aus Sicht der
Flugtopologie, der Nähe zu Wohngebieten und der Zugänglichkeit habe sich das Gebiet
um Jegenstorf als einzig mögliches erwiesen, wobei auf dem Gemeindegebiet bis heute
kein Modellflugplatz bewilligt worden sei. Die Standortwahl innerhalb des Gemeindegebiets
sei in Zusammenarbeit mit der Gemeinde erfolgt, der Vorschlag für den nun gewählten
Standort sei vom Leiter der Bauverwaltung gemacht worden. Eine Dokumentation dieser
Standortevaluation in einem Umkreis von 5 km um Bäriswil/Mattstetten/Jegenstorf, welche
diese Abklärungen belegen und nachvollziehbar machen würden, fehlt jedoch.
Zwar findet sich im Schreiben vom 12. November 2010 eine Tabelle zur Abklärung von
Alternativstandorten. Darin wird dokumentiert, weshalb eine Verschiebung des Standorts in
sämtliche Himmelsrichtungen weniger geeignet wäre. Dazu wird in der Tabelle für acht
Himmelsrichtungen angegeben, wie sich eine Verschiebung einerseits bezüglich
Lärmbelastung und andererseits hinsichtlich Beeinträchtigung der Natur auswirkt. Aus den
einleitenden Erklärungen zur Tabelle lässt sich aber ableiten, dass dabei eine
Verschiebung des Standorts in einem Radius von lediglich etwa einem Kilometer rund um
den gewählten Standort geprüft wurde.
e) Somit stellt sich die Frage, ob diese Evaluation von Alternativstandorten ausreicht,
um die konkrete Standortgebundenheit des Modellflugplatzes bezüglich des gewählten
12
Platzes ausserhalb der Bauzone bejahen zu können. Dazu muss zunächst festgelegt
werden, in welchem Gebiet alternative Standorte geprüft werden müssen. Dabei scheint
ein Umkreis von rund fünf Kilometer als angemessen, diese Distanz ist für die
Vereinsmitglieder ohne weiteres zumutbar. Ein mögliches Zentrum des Perimeters ist
Jegenstorf, hier hat der Beschwerdeführer 7 seinen Sitz und hier liegt auch der
vorgesehene Standort für den Modellflugplatz. Nach Norden reicht der fragliche Perimeter
somit bis nach Büren zum Hof, nach Westen bis Moosaffoltern, nach Süden bis in den
Sand und nach Osten bis Mötschwil. Von einem solchen Perimeter geht im Übrigen auch
der Beschwerdeführer 7 implizit aus: Gemäss seiner Angabe wurde auch die Gemeinde
Bäriswil als möglicher Standort ins Auge gefasst und das Gebiet dieser Gemeinde reicht
ziemlich genau bis an den Rand eines Fünf-Kilometer-Perimeters um Jegenstorf herum;
gleichzeitig haben der Beschwerdeführer 7 bzw. einzelne Mitglieder dieses Vereins bereits
auf dem Gebiet der Gemeinde Iffwil eine gewisse Zeit einen Modellflugplatz betrieben,13
wobei diese Gemeinde rund drei Kilometern nordwestlich von Jegenstorf liegt.
Die mit der Tabelle ausgewiesene Standortevaluation reicht somit nicht aus, da damit nicht
annähernd der gesamte Perimeter abgedeckt wird, in welchem alternative Standorte
gesucht werden müssen. Diese Tabelle behandelt vielmehr lediglich einen einzigen der
möglichen Standorte im Perimeter und dient lediglich der Optimierung dieses einen
Standorts „Glaschpe“. Die pauschale Behauptung, andere Standorte hätten sich nicht
finden lassen, wird durch keine Unterlagen wie Fotografien oder Pläne dokumentiert.
Gestützt auf die knappen Ausführungen des Beschwerdeführers 7, welche den Charakter
unbelegter Parteibehauptungen haben, ist es nicht möglich, sich ein hinreichendes Bild
möglicher alternativer Standorte im fraglichen Perimeter zu machen. Dennoch hat das
AGR im Rahmen der Prüfung der Alternativstandorte die Parteibehauptungen des
Beschwerdeführers 7 unbesehen übernommen und auf weitere Sachverhaltsabklärungen
verzichtet. Diese ungenügende Sachverhaltsabklärung hat dazu geführt, dass eine
nachvollziehbare und taugliche Prüfung möglicher Alternativstandorte unterblieben ist.
Damit fehlt es an einer wesentlichen Voraussetzung für eine Ausnahmebewilligung nach
Art. 24 RPG, weshalb deren Erteilung rechtsfehlerhaft ist.14
f) Hier kommt erschwerend hinzu, dass der Standort des Modellflugplatzes in einem
überregionalen Wildtierkorridor gemäss kantonalem Landschaftsentwicklungskonzept
13 Vgl. dazu den Entscheid der BVE RA Nr. 120/2009/35 vom 15. Dezember 2009 14 Siehe dazu VGE Nr. 100.2010.419 vom 6. April 2011 E. 4.3
13
(KLEK) liegt, den die Gemeinde in ihrem Teilrichtplan „ökologische Vernetzung“ gemäss
Art. 4 Abs. 2 ÖQV15 übernommen hat. Dieser Umstand ist zwar grundsätzlich erst im
Rahmen der Interessenabwägung von Art. 24 Bst. b RPG zu berücksichtigen. Der Standort
im Wildtierkorridor hat aber auch Rückwirkungen auf die Abklärung von
Alternativstandorten im Rahmen der Prüfung von Art. 24 Bst. a RPG. An einem solch
heiklen Standort muss besonders gründlich abgeklärt und dargelegt werden, weshalb es
keinen besser geeigneten Standort gibt. Diesen erhöhten Anforderungen vermögen die
hier gemachten oder zumindest die dokumentierten Abklärungen von Alternativstandorten
erst recht nicht zu genügen. Weshalb in der Region kein Standort ausserhalb eines
Wildtierkorridors zur Verfügung steht, ist aufgrund der vorhandenen Unterlagen nicht
nachvollziehbar.
g) Vermisst wird im Übrigen auch eine Prüfung, ob die Mitglieder des
Beschwerdeführers 7 nicht die Möglichkeit haben, ihr Hobby auf einem bereits
bestehenden Modellflugplatz auszuüben. Ähnlich wie bei Mobilfunkanlangen ausserhalb
der Bauzone muss auch für Modellflugplätze eine Art Bedürfnisnachweis verlangt werden:
Noch besser als ein besser geeigneter Alternativstandort für eine Neuanlage ist aus
raumplanerischer Sicht der Verzicht auf eine Neuanlage, weil eine bestehende Anlage
unter zumutbaren Bedingungen genutzt werden kann. In diese Richtung zielt wohl die
Praxis des AGR, auf einem Gemeindegebiet maximal einen Modellflugplatz zuzulassen.
Allerdings scheint diese Praxis schon alleine aufgrund der sehr unterschiedlichen Grössen
der Gemeinden zu pauschal. Zudem wäre es wohl auch kaum zulässig, zwei Anlagen in
nächster Nähe zueinander zuzulassen, nur weil eine Gemeindegrenze dazwischen liegt.
Da es sich bei Modellflugplätzen nicht um eine kommunale Aufgabe handelt, ist ein
Abstellen auf die Gemeindegrenze auch insofern nicht angezeigt.
Sinnvollerweise muss vielmehr auch im Rahmen des Bedürfnisnachweises auf einen
Perimeter mit einem bestimmten Radius abgestellt werden. Im vorliegenden Fall müssen
somit zunächst sämtliche vorhandenen Modellflugplätze aufgelistet werden, die sich
innerhalb des Perimeters befinden, in welchem alternative Standorte geprüft werden
müssen. In einem zweiten Schritt muss für jeden dieser Modellflugplätze begründet und
belegt werden, weshalb eine Nutzung für die Vereinsmitglieder nicht in Frage kommt.
15 Verordnung vom 4. April 2001 über die regionale Förderung der Qualität und der Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen in der Landwirtschaft (Öko-Qualitätsverordnung, ÖQV; SR 910.14)
14
Eine solche Abklärung wurde im vorinstanzlichen Verfahren nicht vorgenommen. Bekannt
ist lediglich, dass im fraglichen Perimeter anscheinend bereits eine Anlage in Wiggiswil
existiert. Dazu macht der Beschwerdeführer 7 in seinem Schreiben vom 15. Juli 2010
geltend, dieser Modellflugplatz werde als kommerzielle Anlage von einem
Modellflugzeuggeschäft betrieben. Für Nicht-Kunden sei das Fliegen dort nur gegen eine
Gebühr von rund Fr. 400.-- pro Person und Flugsaison möglich. Eine Benützung der
Anlage durch den Beschwerdeführer 7 bzw. dessen Mitglieder wäre somit grundsätzlich
möglich, wenn auch nicht gratis. Rein finanzielle Gründe rechtfertigen zwar gemäss
Wegleitung des AGR keine Bewilligung als standortgebundenes Vorhaben.16 Allerdings ist
damit wohl der Fall angesprochen, dass ein Ausweichen in die Landwirtschaftszone aus
finanziellen Gründen nicht zulässig ist, weil Bauland zu teuer wäre. Dem ist hier aber nicht
so, Modellflugplätze sind wie erläutert auf einen Standort ausserhalb der Bauzone
angewiesen. Finanzielle Überlegungen des Beschwerdeführers 7 sind deshalb im Rahmen
des Bedürfnisnachweises nicht von vornherein irrelevant. Entscheidend ist dabei, ob die
Kosten für die Benutzung der bestehenden Anlage zumutbar sind. Sind sie es, fehlt es an
der Standortgebundenheit des Bauvorhabens, weil kein Bedürfnis für eine neue Anlage
besteht. Ein Vergleich mit anderen Hobbys zeigt, dass jährliche Kosten von Fr. 400.-- für
die Benutzung einer Anlage wohl zumutbar sind, dies scheint im Rahmen des Üblichen zu
liegen. Für eine abschliessende Beurteilung ist aber auch der Bedürfnisnachweis für eine
Neuanlage noch zu wenig abgeklärt.
h) In diesem Zusammenhang ist auch die Aussage des AGR zu beachten, wonach es
sich bei der Anlage in Wiggiswil um einen unbewilligten Modellflugplatz handle. Das AGR
schliesst daraus, dass eine Koordination mit dieser Anlage von vornherein nicht möglich
gewesen sei. Es ist jedoch widersprüchlich und aus raumplanerischer Sicht unhaltbar,
wenn eine unbewilligte Anlage von den Behörden geduldet wird und man gleichzeitig
argumentiert, diese sei bei der Prüfung von Alternativstandorten nicht relevant. Als faktisch
bestehende Anlage ist sie vielmehr im Rahmen des Bedürfnisnachweises zumindest
solange zu berücksichtigen, als gegen sie nicht behördlich vorgegangen wird. Wird eine
solche Anlage später wegen fehlender Bewilligung geschlossen, kann dies dannzumal in
einem neuen Bewilligungsverfahren berücksichtigt werden. Ob die Anlage aber tatsächlich
unbewilligt ist und falls ja, ob eine Schliessung zur Diskussion steht bzw. rechtlich
16 Wegleitung des AGR für das Bauen ausserhalb der Bauzone S. 52: http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/baubewilligungen/baubewilligungen/bauen_ausserhalb_bauzone.assetref/con tent/dam/documents/JGK/AGR/de/Baubewilligungen/AGR_BAUEN_BABZ_wegleitung_bauen_ausserhalb_bz_ de.pdf (Zuletzt besucht am: 22. August 2011)
http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/baubewilligungen/baubewilligungen/bauen_ausserhalb_bauzone.assetref/content/dam/documents/JGK/AGR/de/Baubewilligungen/AGR_BAUEN_BABZ_wegleitung_bauen_ausserhalb_bz_de.pdf http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/baubewilligungen/baubewilligungen/bauen_ausserhalb_bauzone.assetref/content/dam/documents/JGK/AGR/de/Baubewilligungen/AGR_BAUEN_BABZ_wegleitung_bauen_ausserhalb_bz_de.pdf http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/baubewilligungen/baubewilligungen/bauen_ausserhalb_bauzone.assetref/content/dam/documents/JGK/AGR/de/Baubewilligungen/AGR_BAUEN_BABZ_wegleitung_bauen_ausserhalb_bz_de.pdf
15
überhaupt möglich wäre, ist nicht klar. Auch diesbezüglich bedarf es somit weiterer
Abklärungen.
i) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Abklärung von alternativen
Standorten bisher in verschiedener Hinsicht nicht zu genügen vermag. Aufgrund der
vorhandenen Abklärungen hätte die Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG deshalb nicht
erteilt werden dürfen. Dass die Bewilligung von der Vorinstanz vorerst lediglich befristet für
sechs Monate erteilt wurde, vermag daran nichts zu ändern: An die Erteilung einer
befristeten Bewilligung sind unter den gegebenen Umständen dieselben Anforderungen zu
stellen wie an eine unbefristete Bewilligung.17
4. Rückweisung an die Vorinstanz
a) Nach Art. 72 Abs. 1 VRPG entscheidet die Beschwerdeinstanz in der Sache oder
weist die Akten ausnahmsweise mit verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz zurück.
Erweist sich die Beschwerde als begründet, soll die Beschwerdeinstanz das streitige
Rechtsverhältnis wenn möglich nach ihrer eigenen Erkenntnis abweichend von der
angefochtenen Verfügung neu regeln. Für ein solches Vorgehen sprechen vor allem
prozessökonomische Überlegungen. Das Gesetz verbietet der Beschwerdebehörde also
nicht, kassatorisch zu entscheiden. Sie soll aber von der Möglichkeit der Rückweisung nur
ausnahmsweise Gebrauch machen. Es müssen besondere Gründe, die
prozessökonomische Gesichtspunkte in den Hintergrund treten lassen, dafür sprechen,
dass die Vorinstanz noch einmal zum Entscheid über das streitige Rechtsverhältnis
aufgerufen wird. Mangelnde Entscheidreife der Angelegenheit kann einen solchen Grund
darstellen, sofern die Beschwerdebehörde selber allzu umfangreiche Beweismassnahmen
durchführen müsste.18
b) Hier muss der Sachverhalt zur Beurteilung der Standortgebundenheit im Sinne von
Art. 24 Bst. a RPG genauer abgeklärt werden. Insbesondere sind Alternativstandorte zu
erheben und zu bewerten. Dazu sind Ortskenntnisse notwendig. Die Sache wird deshalb
an das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland als Baubewilligungsbehörde und an das
17 Vgl. dazu den Entscheid des Bundesgerichts 1C_107/2010 vom 17. Juni 2010, E. 3.3 18 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 2 f.
16
AGR als zuständige kantonale Behörde für die Erteilung der Ausnahmebewilligung nach
Art. 24 RPG zurückgewiesen.
c) Die weiteren Rügen der Beschwerdeführenden 1 bis 6 gegen die Bewilligung des
Bauvorhabens müssen vorerst nicht geprüft werden. Insbesondere kann offen bleiben, ob
der Erteilung einer Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzone
überwiegende Interessen in Sinne von Art. 24 Bst. b RPG entgegenstehen und ob die
forstrechtliche Bewilligung für Bauten und Anlagen in Waldnähe und die
Gewässerschutzbewilligung zu Recht erteilt wurden. Eine unbefristete Bewilligung, wie sie
der Beschwerdeführer 7 verlangt, steht unter den gegebenen Umständen nicht zur
Diskussion, so dass auch seine Rügen an dieser Stelle nicht geprüft werden müssen.
5. Kosten
a) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren vor der
Vorinstanz müssen in diesem Entscheid nicht geregelt werden. Zwar werden der
angefochtene Entscheid und damit auch die entsprechende Kostenverfügung in Ziffer 4.3
aufgehoben. Die Sache geht jedoch zur Fortsetzung des Baubewilligungsverfahrens
zurück an die Vorinstanz, so dass sie ihre Kosten selber wird neu verlegen können.
b) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt,
es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder
die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108
Abs. 1 VRPG). Soweit über die vier Beschwerden in diesem Entscheid befunden wird,
obsiegen die Beschwerdeführenden 1 bis 6 und unterliegt der Beschwerdeführer 7: Die
drei Beschwerden der Beschwerdeführenden 1 bis 6 werden gutgeheissen, die
Beschwerde des Beschwerdeführers 7 wird abgewiesen. Dass auf das Rechtsbegehren
der Beschwerdeführenden 3 bis 6 hinsichtlich der Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands nicht eingetreten werden kann, ist von untergeordneter Bedeutung und deshalb
im Kostenpunkt nicht zu berücksichtigen; dafür spricht im Übrigen auch, dass über eine
Wiederherstellung aufgrund des Rückweisungsentscheids ohnehin noch nicht entschieden
werden könnte.
Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103
17
Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine Pauschalgebühr
von Fr. 200.-- bis Fr. 4’000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2
GebV19). In Anwendung dieser Bestimmung wird die Pauschale für die vier Beschwerden
auf je Fr. 600.-- festgelegt und gestützt auf Art. 21 Abs. 3 GebV auf zwei Drittel, d.h. je
Fr. 400.-- gekürzt. Somit betragen die Verfahrenskosten insgesamt Fr. 1’600.--. Diese sind
vom Beschwerdeführer 7 zu tragen.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei im oberinstanzlichen
Beschwerdeverfahren die Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales
Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung oder die Wettschlagung
gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt
erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der Beschwerdeführer 1 war nicht anwaltlich vertreten,
weshalb ihm keine Parteikosten im Sinn des Gesetzes entstanden sind (Art. 104 Abs. 1
und 2 VRPG). Die Gemeinde Jegenstorf (Beschwerdeführerin 2) war zwar anwaltlich
vertreten, hat jedoch keinen Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 4 VRPG).
Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdeführenden 3 bis 6 beläuft sich auf
Fr. 5'223.95 und gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Der Beschwerdeführer 7 hat somit
den Beschwerdeführenden 3 bis 6 die Parteikosten von Fr. 5'223.95 (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuer) zu ersetzen.