Decision ID: ec512131-c878-5d94-87ec-6baeb67b818c
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Baupolizeibehörde Biel stellte im Juni 2014 fest, dass der nördliche Vorplatz der
Liegenschaften C._strasse 40, 42 und 44 vollflächig asphaltiert worden war und
als Abstellflächen für Motorfahrzeuge genutzt wurde. Gemäss einer Baubewilligung vom
24. Mai 1988 ist pro Liegenschaft lediglich ein Abstellplatz mit Mergelbelag bewilligt. Mit
Schreiben vom 17. Juni 2014 informierte die Baupolizeibehörde die Eigentümerinnen und
Eigentümer über den nicht bewilligungskonformen Zustand und gab ihnen die Möglichkeit,
sich dazu zu äussern. Die Beschwerdeführenden teilten daraufhin mit, sie hätten die
Liegenschaft C._strasse 42 am 23. Februar 1995 bei einer Zwangsversteigerung
mit zwei Parkplätzen erworben. Auf der Nordseite seien seither keine Veränderungen
vorgenommen worden. Die Parkplätze hätten bereits im Jahr 1990 bestanden.
2
2. In einer als Abschreibungsverfügung bezeichneten Verfügung vom 5. Februar 2015
führt die Baupolizeibehörde Biel aus, dass die Durchführung der Wiederherstellung im
vorliegenden Fall nicht verhältnismässig sei. Trotz festgestellter Rechtswidrigkeit verzichte
sie darauf, die Bauarbeiten rückgängig zu machen. Die asphaltierte Abstellfläche für
Motorfahrzeuge könne bestehen bleiben. Die Anlage geniesse jedoch keine
Besitzstandsgarantie. Die baupolizeiliche Angelegenheit betreffend Asphaltieren eines
Vorplatzes und Erstellung eines zusätzlichen Abstellplatzes an der C._strasse 42
in Biel wurde als erledigt vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben und die
Verfahrenskosten von Fr. 300.00 den Beschwerdeführenden auferlegt.
3. Gegen diese Verfügung haben die Beschwerdeführenden am 20. Februar 2015
(Postaufgabe 26. Februar 2015) Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion
des Kantons Bern (BVE) eingereicht. Sie beantragen sinngemäss die Aufhebung der
Verfügung. Zur Begründung führen sie insbesondere aus, es gebe keinerlei Hinweise, dass
der 1988 bewilligte Zustand je existiert habe. Diese Baupläne seien nicht Gegenstand der
Steigerungsunterlagen gewesen. Falls tatsächlich eine unbewilligte Veränderung der
Parkplatzsituation stattgefunden habe, sei dies geschehen, bevor sie Eigentümer der
Liegenschaft geworden seien.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Mit Vernehmlassung vom 30. März 2015
beantragt die Vorinstanz, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen, soweit überhaupt
darauf eingetreten werden könne, und ihre Verfügung vom 5. Februar 2015 sei zu
bestätigen. Mit Schreiben vom 13. Mai 2015 beantwortete die Vorinstanz Fragen des
Rechtsamts im Zusammenhang mit dem anwendbaren Recht. Die Möglichkeit,
Schlussbemerkungen einzureichen, nahmen die Beschwerdeführenden mit Schreiben vom
15. Juni 2015 wahr. Sie machten insbesondere geltend, die Grünflächenziffer sei
eingehalten. Am 30. Juni 2015 reichte die Vorinstanz die Baugesuchsakten Nr. 17'173
betreffend die Baubewilligung vom 24. Mai 1988 ein. Die Beschwerdeführenden erhielten
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
3
Gelegenheit, die Akten einzusehen und allfällige ergänzende Schlussbemerkungen
einzureichen. Von dieser Möglichkeit machten sie keinen Gebrauch.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist eine baupolizeiliche Verfügung nach Art. 46 BauG2. Entgegen der
Bezeichnung handelt es sich dabei nicht um eine Abschreibungsverfügung im Sinn von
Art. 39 Abs. 1 VRPG3, sondern um eine Wiederherstellungsverfügung, wobei aufgrund des
Zeitablaufs auf die Beseitigung des widerrechtlichen Zustands verzichtet wird. Gemäss
Art. 49 Abs. 1 BauG können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert
30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist
somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Die Vorinstanz bezweifelt die Legitimation der Beschwerdeführenden, da diese
aufgrund des Verzichts auf Wiederherstellungsmassnahmen gar nicht beschwert seien. Zur
Beschwerde befugt ist, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine
Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, wer durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt ist und wer ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der
Verfügung hat (Art. 65 Abs. 1 VRPG). Die beschwerdeführende Partei muss ein
ausreichendes Interesse am Rechtsmittel haben. Dieses hängt vom Ausmass der
Beschwer ab.4 Als Verfügungsadressaten sind die Beschwerdeführenden von der
Wiederherstellungsverfügung insoweit besonders berührt, als die Rechtswidrigkeit der
Parkplätze festgestellt wird und ihnen Verfahrenskosten auferlegt werden. Sie haben
deshalb ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung dieser Verfügung.
Sie sind befugt, Beschwerde zu führen.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 65 N. 1 ff.
4
c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 49 Abs. 1
BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Die BVE tritt
deshalb auf die Beschwerde ein.
2. Wiederherstellungsverfahren
a) Die Organe der Baupolizei treffen im Rahmen ihrer Zuständigkeit alle Massnahmen,
die zur Durchführung dieses Gesetzes und der gestützt darauf erlassenen Vorschriften und
Verfügungen erforderlich sind (Art. 45 Abs. 2 BauG). Die zuständige Baupolizeibehörde hat
von Amtes wegen ein Wiederherstellungsverfahren einzuleiten, sobald sie Kenntnis von
wesentlichen baurechtswidrigen Tatbeständen erhält. Sie hat mindestens zu prüfen, ob ein
unrechtmässiger Zustand besteht und ob die Wiederherstellung zu verfügen ist.5 Die Vor-
instanz stellte im Juni 2014 fest, dass unter anderem auf der Parzelle der
Beschwerdeführenden (Biel Grundbuchblatt Nr. D._) der nördliche Vorplatz
vollflächig zur Nutzung von Abstellflächen für Motorfahrzeuge asphaltiert war, ohne dass
eine entsprechende Baubewilligung vorlag. Gemäss Baubewilligung vom 24. Mai 1988 sind
lediglich ein Abstellplatz (Mergelbelag) und ein Fussweg als Zugang zum Gebäude
bewilligt. Im Übrigen ist der Vorplatz als Grünfläche auszugestalten und zu bepflanzen.
Aufgrund der Aktenlage bestand somit hinreichend Grund zur Annahme, es könnte ein
baurechtswidriger Zustand vorliegen. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz ein baupolizeiliches Wiederherstellungsverfahren eröffnete.
b) Adressat einer Wiederherstellungsverfügung ist laut Art. 46 Abs. 2 BauG der im
Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung im Grundbuch eingetragenen Grundeigentümer oder
Baurechtsinhaber. Diese Bestimmung ist auf den Normalfall zugeschnitten, in dem die
widerrechtlich handelnde Bauherrschaft zugleich Eigentümerin oder Baurechtsinhaberin
des Baugrundes ist. Nach den allgemeinen Grundsätzen des Verwaltungsrechts ist die
Wiederherstellungsverfügung an den Störer zu richten. Das ist grundsätzlich derjenige, der
die Baurechtswidrigkeit verursacht hat (sog. Verhaltensstörer), also in der Regel die
Bauherrschaft. Als Störer gilt aber auch derjenige, der über die Sache, die den
ordnungswidrigen Zustand bewirkt, rechtlich oder tatsächlich Gewalt hat (sog.
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N 2
5
Zustandsstörer), also in der Regel der Grundeigentümer. Im Falle der Widerrechtlichkeit
von Bauten oder Anlagen können sowohl Verhaltensstörer als auch Zustandsstörer in
Pflicht genommen werden.6 Spätere Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer haben
sich einen allfälligen rechtswidrigen Zustand der Bauten oder Anlagen anrechnen zu
lassen.7 Der jeweilige Grundstückeigentümer haftet stets als Zustandsverantwortlicher für
Störungen auf seinem Grundstück. Veräussert er sein Grundstück oder geht dieses in
Folge eines Erbganges auf einen anderen über, entsteht beim Rechtsnachfolger originär
eine eigene Zustandsverantwortlichkeit.8 Die Vorinstanz durfte deshalb die
Wiederherstellungsverfügung an die Beschwerdeführenden als aktuelle Grundeigentümer
und Rechtsnachfolger der damaligen Bauherrschaft richten, auch wenn sie die
Baurechtswidrigkeit nicht selber verursacht und im Zeitpunkt des Erwerbs der Liegenschaft
auch keine Kenntnis vom ordnungswidrigen Zustand hatten.
c) Voraussetzung für den Erlass einer Wiederherstellungsverfügung ist, dass ein (bewil-
ligungspflichtiges) Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer Bau-
bewilligung ausgeführt worden ist oder dass bei der Ausführung eines bewilligten Vorha-
bens Vorschriften missachten worden sind (Art. 46 BauG). Die Baubewilligungspflicht bildet
nicht unabdingbare Voraussetzungen für den Erlass baupolizeilicher Verfügungen. Ge-
mäss Art. 45 Abs. 1 Bst. c in Verbindung mit Art. 1b Abs. 3 BauG können Wiederherstel-
lungsmassnahmen namentlich auch zur Beseitigung von Störungen der öffentlichen Ord-
nung ergriffen werden, die ungeachtet deren Bewilligungspflicht von unvollendeten, man-
gelhaft unterhaltenen oder sonst wie ordnungswidrigen Bauten und Anlagen ausgehen.
Erforderlich ist also ein baurechtswidriger Zustand. Gemäss Art. 3 Abs. 1 BauG werden
aufgrund bisherigen Rechts bewilligte oder bewilligungsfreie Bauten und Anlagen in ihrem
Bestand durch neue Vorschriften und Pläne nicht berührt. Der Nachweis, dass eine Baute
oder Anlage bewilligt worden ist, seinerzeit bewilligungsfähig oder bewilligungsfrei gewe-
sen wäre, obliegt der Bauherrschaft.9 Grundsätzlich gilt, dass Bauarbeiten, die nicht aus
der Baubewilligung oder den genehmigten Plänen hervorgehen, nicht bewilligt worden
6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N 12 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N 1 8 BGer 1P.519/2004 vom 4. März 2005 E. 4, mit weiteren Hinweisen 9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N.2
6
sind. Es ist Sache der Beschwerdeführenden, diese Vermutung zu zerstören. Die Beweis-
last für das Vorhandensein einer Baubewilligung liegt somit bei ihnen.10
Die Nutzung einer Fläche als (dauerhafter) Abstellplatz für Motorfahrzeuge ist ein
baubewilligungspflichtiges Bauvorhaben im Sinn von Art. 22 Abs. 1 RPG11 und Art. 1a
BauG.12 Das gilt im Kanton Bern zumindest seit dem Inkrafttreten des neu geordneten Bau-
und Planungsrechts am 1. Januar 1971 (vgl. Art. 1 Abs. 1 aBauG13 in Verbindung mit Art. 1
und 4 Bst. b aBewD14).15 Vorher bestand das bernische Baurecht fast ausschliesslich aus
Gemeinderecht. Die Gemeinden waren ermächtigt, im Interesse des Verkehrs, der
Gesundheit, der Feuersicherheit, der soliden Erstellung und Instandhaltung von Bauten
sowie zur Verhütung von Verunstaltungen Vorschriften zu erlassen.16 Sie konnten
insbesondere Vorschriften aufstellen über den Anschluss der Ausfahrten an den
öffentlichen Verkehrsraum und die Anlage der erforderlichen Parkierungsflächen auf
privatem Grund (Art. 5 Ziff. 2 BVG17). Zudem konnten sie in ihren Reglementen weitere
Bauten, Anlagen und Massnahmen der Baubewilligungspflicht unterstellen (§ 3 BewD
196618).
d) Den ursprünglichen Baubewilligungsakten Nr. 4564 für die Liegenschaften
C._strasse 40 und 42 von 1937 lässt sich betreffend Umgebungsgestaltung oder
Parkplätze nichts entnehmen. Angesichts der Bauzeit ist nicht davon auszugehen, dass
bereits damals Autoabstellplätze erstellt wurden. Wie im Bericht der Stadtgärtnerei vom
9. Juni 198719 beschrieben, war das Quartier im Strassenbereich wohl ursprünglich geprägt
von durchgehenden Gartenzäunen, dahinterliegenden Hecken und Vorgärten. Parkplätze
wurden vereinzelt nachträglich auf privatem Grund erstellt. Im Übrigen wurden die Autos
auf der Strasse parkiert. Es ist weder aktenkundig noch von den Beschwerdeführenden
hinreichend dargetan oder belegt, dass der nördliche Vorgarten vor 1971 (Inkrafttreten
aBauG) in einen Parkplatz umgestaltet wurde. Den Baubewilligungsakten Nr. 17'173 lässt
10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9b Bst. c, mit weiteren Hinweisen 11 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 20, 21 und 26 sowie 16-18 N. 5 13 Baugesetz vom 7. Juni 1970 (aBauG; GS 1970 S. 163 ff.) 14 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Baubewilligungsverfahren (aBewD, GS 1970 S. 19 ff.) 15 Vgl. dazu auch Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern vom 7. Juni 1970, Bern 1971, Art. 1 N. 9 16 Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kanton Bern vom 7. Juni 1970, Bern 1971, Einleitung N. 2 f. 17 Gesetz vom 26. Januar 1958 über die Bauvorschriften (BVG; GS 1958 S. 12 ff) 18 Dekret vom 9. Januar 1966 über das Baubewilligungsverfahren (BewD 1966; GS 1966 S. 10 ff.) 19 Baubewilligungsakten Nr. 17'173
7
sich viel mehr entnehmen, dass der damalige Grundeigentümer im Frühjahr 1987
(erstmals) ein Gesuch für den Bau von acht Parkplätzen stellte. Nach Eingang des
Baugesuchs stellte die Baupolizeibehörde anlässlich einer Begehung vom 30. März 1987
fest, dass die Gartenmauern bereits abgebrochen worden waren und der nördliche
Vorplatz bereits für das Abstellen von Motorfahrzeugen benutzt wurde. Die Arbeiten waren
aber, wie den Fotos vom 30. März 1987 und vom 7. Mai 1987 entnommen werden kann,
noch nicht fertiggestellt. Da die Vorinstanz die beantragten acht Parkplätze wegen der
Bestimmung von Art. 16 Abs. 3 BauG nicht als bewilligungsfähig erachtete, erarbeitete die
Stadtgärtnerei einen Vorschlag zur teilweisen Wiederherstellung der Vorgärten mit je
einem Längsparkplatz pro Liegenschaft. Die Baubewilligungsbehörde gab dem damaligen
Baugesuchsteller, der zugleich Eigentümer der Liegenschaften war, anschliessend
Gelegenheit, das Projekt für die Autoabstellplätze entsprechend abzuändern. Andernfalls
stellte sie ihm den Bauabschlag und die Wiederherstellung der Vorgärten in Aussicht. Der
Baugesuchsteller erklärte sich daraufhin mit dem Vorschlag der Stadtgärtnerei
einverstanden und reichte eine entsprechende Projektänderung ein. Diese wurde am 24.
Mai 1988 bewilligt.
Ob das Bauvorhaben in der Folge wie bewilligt ausgeführt wurde, lässt sich den Akten
nicht entnehmen. Aktenkundig ist lediglich, dass mit dem Bau im Februar 1989 begonnen
wurde und dass das Erstellen und Finanzieren der drei Parkplätze gemäss Kaufvertrag
Sache der Rechtsnachfolgerin des Baugesuchstellers war. Unter Berücksichtigung der
Angaben der Beschwerdeführenden, wonach sich in der Nachbarschaft niemand erinnern
könne, dass der am 24. Mai 1988 bewilligte Zustand je existiert habe, und dass der heutige
Zustand ihres Wissens mindestens seit 1990 bestehe, ist davon auszugehen, dass die
bewilligte Umgebungsgestaltung nie umgesetzt wurde. Unabhängig davon, ob der
bewilligte Zustand jemals existiert hat, gelingt den Beschwerdeführenden der Nachweis
jedoch nicht, dass der asphaltierte Vorplatz und die beiden Autoabstellplätze bewilligt
worden sind bzw. bewilligungsfrei erstellt werden durften. Die Parkplätze gelten deshalb als
formell rechtswidrig. Aus den Baugesuchsakten Nr. 17'173 ergibt sich, dass für die
Erstellung der Parkplätze ein wertvoller Vorgarten beseitigt wurde. Dies widerspricht Art. 16
Abs. 3 BauG. Aufgrund einer summarischen Prüfung sind die Parkplätze somit auch
materiell rechtswidrig. Es kann daher offen gelassen werden, ob die heute geltende, im
8
mutmasslichen Zeitpunkt der Bauausführung aber noch nicht existierende
Grünflächenziffer von Art. 17 BR20 eingehalten ist oder nicht.
e) In ihren Schlussbemerkungen machen die Beschwerdeführenden geltend, im
vorliegenden Fall greife die Verjährungsfrist von sieben Jahren. Diese sei im Sommer
2014, als ihnen die Vorinstanz Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt habe, bereits
verstrichen gewesen. Die dreissigjährige Verjährungsfrist beziehe sich auf Gebäude bzw.
Gebäudeteile.
Widerhandlungen gegen die Vorschriften des Bau- und Planungsrechts sowie die gestützt
darauf erlassenen Verfügungen sind gemäss Art. 50 BauG strafbar. Art. 51 BauG sieht für
die Strafverfolgung eine Verjährungsfrist von sieben Jahren vor. Allfällige Strafen sind von
der zuständigen Strafverfolgungsbehörde auszusprechen. Demgegenüber obliegt die
Herstellung des rechtmässigen Zustands der jeweiligen Baupolizeibehörde. Die
angefochtene Verfügung stützt sich nicht auf Art. 50 f. BauG, sondern auf Art. 45 ff. BauG.
Die siebenjährige Verjährungsfrist kommt daher nicht zum Tragen. Die Anordnung einer
Wiederherstellung nach langem Zeitablauf kann mit den Geboten der Rechtssicherheit und
des Vertrauensschutz in Konflikt geraten. Deshalb bestimmt Art. 46 Abs. 3 BauG, dass im
Regelfall die Wiederherstellung nach Ablauf von fünf Jahren seit Erkennbarkeit der
Baurechtsverletzung nicht mehr angeordnet werden kann, es sei denn, zwingende
öffentliche Interessen würden sie erfordern. Verlangt das öffentliche Interesse zwingend
die Beseitigung des rechtswidrigen Zustands, so kann diese auch nach Ablauf von fünf
Jahren noch verfügt werden. Sind Polizeigüter im engeren Sinn betroffen, ist dies auch
nach Ablauf von 30 Jahren möglich.21 Kann eine nicht bewilligte und im Zeitpunkt der
Bauausführung nicht bewilligungsfähig gewesene Baute oder Anlage aufgrund des
Zeitablaufs oder wegen Unverhältnismässigkeit nicht mehr beseitigt werden, wird sie
dadurch nicht rechtmässig. Sie darf nur noch unterhalten werden.22
Aufgrund der Baugesuchsakten Nr. 17'173 steht fest, dass der nördliche Vorplatz bereits
1987 für das Abstellen von Motorfahrzeugen benutz t wurde. Asphaltiert wurde er wohl erst
im Zuge der Bauarbeiten 1989. Der Vorinstanz war der baurechtswidrige Zustand aber
grundsätzlich seit Ende März 1987 bekannt. Warum sie seinerzeit nicht für die Herstellung
20 Baureglement der Stadt Biel vom 7. Juni 1998 (BR; SGR 721.1) 21 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 11, mit weiteren HInweisen 22 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 2
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des rechtmässigen Zustands gemäss Baubewilligung vom 24. Mai 1988 sorgte, kann
aufgrund der Akten nicht nachvollzogen werden. Trotz des langen Zeitablaufs ist weder der
asphaltierte Vorplatz noch seine Nutzung für zwei Autoabstellplätze rechtmässig
geworden. Die Vorinstanz hat daher zwar spät, aber zulässigerweise ein
Wiederherstellungsverfahren durchgeführt, das zu Recht mit dem Verzicht auf die
Anordnung von Wiederherstellungsmassnahmen endete.
f) In ihren Schlussbemerkungen machen die Beschwerdeführenden weiter geltend, im
Herbst 2014 sei die bis anhin teilweise mit Mergel bedeckte Parzelle Nr. E._
vollflächig asphaltiert worden, soweit ihnen bekannt ohne Baubewilligung. Wenn dies
rechtens sei, würden sie nicht verstehen, warum Gleiches in ihrem Fall gebüsst werde.
In Ziffer 5 der angefochtenen Verfügung werden den Beschwerdeführenden die Kosten der
Verfügung auferlegt. Dabei handelt es sich nicht um eine Busse gestützt auf Art. 50 BauG,
sondern um eine Verwaltungsgebühr für das baupolizeiliche Verfahren. Die
Verfahrenskosten (amtliche Kosten) bestehen aus den Gebühren und den Auslagen,
welche die Gemeinde für ihre Tätigkeit im Baubewilligungsverfahren und für ihre
baupolizeilichen Verrichtungen erheben kann (Art. 51 Abs. 1 BewD23). Sie erlässt gemäss
Art. 51 Abs. 3 BewD einen Gebührentarif. Mit dem Gebührenreglement24 und dem
Gebührentarif I25 verfügt die Vor-instanz über eine ausreichende gesetzliche Grundlage für
die Erhebung von Gebühren. Abgabepflichtig ist gemäss Art. 3 Gebührenreglement, wer
eine gebührenpflichtige Amtshandlung veranlasst oder eine gebührenpflichtige öffentliche
Einrichtung benützt. Zu entscheiden ist somit, wer im vorliegenden Fall die Kosten
verursacht bzw. das baupolizeiliche Verfahren veranlasst hat.
Die Vorinstanz ist von Amtes wegen tätig geworden. Dies, weil sie vermutete, dass die
Grünflächenziffer von Art. 17 BR verletzt werde. Aus den Baugesuchsakten Nr. 17'173
ergibt sich, dass bereits im März 1987 kein Vorgarten mehr bestand und der Vorplatz als
Parkplatz genutzt wurde. Später wurde der Platz asphaltiert. Die Beschwerdeführenden
haben den baurechtswidrigen Zustand nicht selber verursacht. Insbesondere haben sie seit
dem Erwerb der Liegenschaft unbestritten keine baulichen Veränderungen auf der
Nordseite vorgenommen. Ihre Liegenschaft ist auch nicht in einem ordnungswidrigen
Zustand, der baupolizeiliche Massnahmen auch nach Ablauf der Fünfjahresfrist von Art. 46
23 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 24 Reglement über die Erhebung von Gebühren vom 17. Oktober 1990 (Gebührenreglement; SGR 670.1) 25 Gebührentarif I der Stadtverwaltung Biel vom 21. November 2012 (Gebührentarif I; SGR 670.11)
10
Abs. 3 BauG rechtfertigen würde. Die Beschwerdeführenden haben somit die fraglichen
Amtshandlungen weder durch Einreichen eines Gesuchs noch durch ihr Verhalten oder
Unterlassen notwendig gemacht. Zudem hatte die Vorinstanz bereits im März 1987
Kenntnis vom widerrechtlichen Zustand. Sie hätte seinerzeit den damaligen
Grundeigentümer als (mutmasslichen) Verhalten- und Zustandsstörer zur Herstellung des
rechtmässige Zustands verpflichten können bzw. müssen. Aufgrund ihres Wissens hätte
sie hinreichend Anlass gehabt, die Baubewilligung mit einer entsprechenden
Wiederherstellungsverfügung zu ergänzen und eine Frist zur Wiederherstellung der
Vorgärten anzusetzen. Warum sie dies damals unterlassen hat, ist nicht bekannt. Ebenso
wenig ist aktenkundig, aus welchen Gründen es die Vorinstanz unterliess, die direkte
Rechtsnachfolgerin des Grundeigentümers und Baugesuchstellers nach Abschluss der
Bauarbeiten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu verpflichteten.
Unter Würdigung all dieser Umstände kann nicht gesagt werden, dass die Aufwendungen
für die Amtshandlungen der Vorinstanz den Beschwerdeführenden zugerechnet werden
können. Die entstandenen Kosten sind deshalb im vorliegenden Fall aus den allgemeinen
Steuermitteln zu decken. Die Beschwerde wird deshalb insoweit gutgeheissen, als Ziffer 5
der angefochtenen Verfügung aufgehoben wird.
3. Kosten
Aufgrund der besonderen Umstände wird bei diesem Ausgang des Verfahrens darauf
verzichtet, Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 und 2 VRPG). Parteikosten sind
keine zu sprechen (Art. 108 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 104 Abs. 1, 2 und 4 VRPG).