Decision ID: fff13e32-6da0-5599-bfce-6496cc4370eb
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 20. August 2014 in der Schweiz um Asyl
nach. Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen
geltend, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Herkunft aus
B._. Sein Vater sei Mitglied der Tamil National Alliance (TNA), und
er habe sich mit ihm für diese Partei engagiert. Zudem habe er Zeugen-
aussagen von tamilischen Flüchtlingen, die in seiner Region Zuflucht ge-
sucht hätten, erfasst und weitergeleitet. Als David Cameron und die UNO-
Hochkommissarin Navanethem Pillay im März 2014 Jaffna besucht hätten,
habe er an einer pro-tamilischen Demonstration teilgenommen und sei
festgenommen worden. Zwei Onkel und der Ehemann seiner Tante seien
Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen. Alle drei
Männer gälten als verschwunden. Er habe deren Ehefrauen mehrmals be-
gleitet, um bei der Polizei oder Nichtregierungsorganisationen (NGOs) eine
Vermisstenanzeige aufzugeben. Zwei Tanten und eine Cousine seien am
22. Juli 2014 in einem weissen Van verschleppt worden. Am gleichen Tag
seien auch bei ihm zu Hause Personen in einem weissen Van erschienen
und hätten sich nach ihm erkundigt. Seine Mutter habe den Leuten mitge-
teilt, dass er sich nicht zu Hause aufhalte. Nach dieser Suche durch Per-
sonen in einem weissen Van habe sein Vater seine Ausreise aus Sri Lanka
organisiert.
B.
Mit Verfügung vom 30. Juni 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
nete deren Vollzug an.
C.
Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 3. August 2015
wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4742/2015 vom 15. Sep-
tember 2015 ab. Es begründete die Abweisung im Wesentlichen damit, es
sei nicht anzunehmen, die sri-lankischen Behörden seien an der Verfol-
gung von Personen interessiert, die eine legale Partei wie die TNA unter-
stützten. Zudem sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, sein angeb-
liches Engagement für diese Partei glaubhaft zu machen. Darüber hinaus
gebe es aufgrund der Akten zuverlässige Indizien für das fehlende Verfol-
gungsinteresse der sri-lankischen Behörden. Auf die Beweismittel sei nicht
weiter einzugehen, weil sie nicht geeignet seien, eine Gefährdung im kon-
kreten Fall darzutun.
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D.
Mit Urteil D-7216/2015 vom 2. Dezember 2015 wies das Bundesverwal-
tungsgericht ein mit Eingabe vom 9. November 2015 eingereichtes Revi-
sionsgesuch gegen das Urteil D-4742/2015 vom 15. September 2015 ab.
E.
Auf das am 7. Dezember 2015 eingereichte Ausstandsbegehren des Be-
schwerdeführers betreffend den am Urteil D-7216/2015 vom 2. Dezember
2015 betrauten Zweitrichter trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
D-8194/2015 vom 21. Dezember 2015 nicht ein.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht wies mit Urteil D-78/2016 vom 18. Februar
2016 das Revisionsgesuch vom 4. Januar 2016 gegen das Urteil
D-7216/2015 vom 2. Dezember 2015 ab.
G.
Mit Verfügung vom 15. März 2016 lehnte das SEM ein am 9. November
2015 eingereichtes Wiedererwägungsgesuch ab. Eine dagegen erhobene
Beschwerde vom 22. April 2016 wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit
Urteil D-2503/2016 vom 6. Dezember 2016 abgewiesen.
H.
Mit Eingabe vom 8. September 2017 an das SEM reichte der Beschwerde-
führer unter Verweis auf Art. 18 AsylG (SR 142.31) ein neues Asylgesuch
ein.
Zur Begründung seines neuerlichen Asylgesuchs machte er geltend, er
habe bereits in seinem Asylverfahren offengelegt, dass seine Tätigkeiten
zur Dokumentation von Kriegsverbrechen im Auftrag eines (namentlich ge-
nannten) Leiters der TNA-Partei erfolgt sei. Er könne nun ein persönliches
Schreiben der genannten Person beibringen, aus welchem seine Unter-
stützungsleistungen zugunsten der TNA hervorgehen würden. Sodann er-
gebe sich aus dem Schreiben seiner Ärztin vom 28. Februar 2017 eine
Behandlungsbedürftigkeit seit Juli 2015 wegen einer depressiven Sympto-
matik. Als neue Tatsache brachte er vor, er sei im Rahmen einer Vorspra-
che auf dem sri-lankischen Generalkonsulat am 18. Mai 2017 zwecks Er-
satzreisepapierbeschaffung nach den Personalien, seiner Ausbildung, sei-
nen Familienangehörigen, den fehlenden Reisepapieren, seinen bisheri-
gen beruflichen Tätigkeiten und dem Grund, warum er Sri Lanka verlassen
habe, befragt worden. Aus den Fragen sei offensichtlich geworden, dass
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die sri-lankischen Behörden bereits vor dem Gespräch einen Background-
check vorgenommen hätten. Er habe sich ausserdem nicht bereit erklärt,
freiwillig nach Sri Lanka zurückzukehren, und sich geweigert, ein ihm un-
bekanntes Blatt zu unterschreiben. Damit habe er sich gegenüber den sri-
lankischen Behörden definitiv verdächtig gemacht und es sei davon aus-
zugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka akut an Leib und Le-
ben gefährdet sei.
I.
Mit Verfügung vom 23. Februar 2018 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Mehrfachge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren
Vollzug an. Gleichzeitig trat es auf das qualifizierte Wiedererwägungsge-
such nicht ein und erhob eine Gebühr von Fr. 900.–.
K.
Eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wies das Bundesver-
waltungsgericht mit Urteil D-1999/2018 vom 20. August 2018 ab.
Es hielt unter Hinweis auf BVGE 2017/6 fest, dass nur aufgrund der Daten-
übermittlung der schweizerischen an die sri-lankischen Behörden und der
Nennung des (unglaubhaften) Ausreisegrundes anlässlich der Vorsprache
auf dem sri-lankischen Generalkonsulat bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
nicht mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen sei. Im Weiteren
wurde das Vorliegen von Risikofaktoren (vgl. zu diesen Faktoren Urteil des
BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 9.2.4 [als Referenzurteil publi-
ziert]), bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfolgungsmassnahmen aus-
gesetzt zu werden, verneint. Schliesslich wurde festgehalten, dass die psy-
chische Erkrankung des Beschwerdeführers kein Wegweisungsvollzugs-
hindernis darstelle.
L.
Mit Eingabe seines damaligen Rechtsvertreters vom 29. November 2018
reichte der Beschwerdeführer beim SEM ein Mehrfachgesuch im Sinne von
Art. 111c AsylG ein.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, der Vater des
Beschwerdeführers habe einen Haftbefehl hinsichtlich seines Sohnes er-
halten. Dieser Haftbefehl stehe im Zusammenhang mit den vom Beschwer-
deführer entgegengenommenen Zeugenaussagen zu Kriegsverbrechen
durch die Armee. Der Vater des Beschwerdeführers bemühe sich darum,
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mittels eines Anwalts vor Ort weitere amtliche Akten bezüglich des gegen
den Beschwerdeführer eingeleiteten Verfahrens zu erhalten. Aufgrund die-
ses Verfahrens und der weiteren Tatsachen, dass der Beschwerdeführer
aus einer politischen Familie stamme und sich jahrelang in der Schweiz
aufgehalten habe, sei es vor dem Hintergrund der sich verschlechternden
Menschenrechtslage in Sri Lanka naheliegend, dass der Beschwerdefüh-
rer bei einer Rückkehr Behelligungen zu befürchten habe.
M.
Mit Verfügung vom 5. Dezember 2019 (Eröffnung am 13. Dezember 2019)
stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-
schaft nicht erfülle, lehnte das Mehrfachgesuch ab, ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Vollzug an und erhob eine Gebühr von
Fr. 600.–.
Es wies in der angefochtenen Verfügung insbesondere darauf hin, dass
der Beschwerdeführer bis zum heutigen Zeitpunkt nicht in der Lage gewe-
sen sei, die in Aussicht gestellten Beweismittel einzureichen. Auch aus der
am 16. November 2019 erfolgten Präsidentschaftswahl mit dem Sieg von
Gotabaya Rajapaksa vermöge der Beschwerdeführer keine konkrete Ge-
fährdungssituation abzuleiten.
N.
Mit Eingabe vom 13. Januar 2020 reichte der damalige Rechtsvertreter
(unter Verweis auf eine Vollmacht des Beschwerdeführers vom 14. Oktober
2015) beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde ein.
O.
Der Beschwerdeführer seinerseits ersuchte mit Eingabe vom 10. Januar
2020 unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 5. Dezember 2019 beim
SEM um Gewährung des Asyls, eventualiter der vorläufigen Aufnahme.
Diese Eingabe wurde vom SEM zwecks Prüfung als allfällige Beschwerde
gegen die Verfügung vom 5. Dezember 2019 (zusammen mit vom Be-
schwerdeführer nachgereichten Beweismitteln samt Übersetzung) weiter-
geleitet.
P.
Mit Abschreibungsentscheid vom 4. Februar 2020 wurde die vom damali-
gen Rechtsvertreter eingereichte Beschwerde vom 13. Januar 2020, wel-
che dieser – mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2020 von der paralle-
len Beschwerdeerhebung durch den Beschwerdeführer in Kenntnis gesetzt
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und zur Einreichung einer aktuellen Vollmacht aufgefordert – mit Eingabe
vom 29. Januar 2020 zurückgezogen hatte, als gegenstandslos geworden
abgeschrieben. Für die am 14. Januar 2020 beim SEM eingegangene und
an das Bundesverwaltungsgericht überwiesene Eingabe des Beschwerde-
führers wurde ein neues Beschwerdeverfahren eröffnet.
Q.
Mit Schreiben vom 5. Februar 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der (allfälligen) Beschwerde gegen den Entscheid des
SEM vom 5. Dezember 2019.
R.
Mit Zwischenverfügung vom 3. April 2020 wurde dem Beschwerdeführer
mitgeteilt, dass aufgrund des Inhalts der Eingabe vom 10. Januar 2020
nicht ohne weiteres von einem entsprechenden Anfechtungswillen gegen
die Verfügung des SEM vom 5. Dezember 2019 ausgegangen werden
könne. Es wurde ihm Gelegenheit gegeben, innert sieben Tagen dem Bun-
desverwaltungsgericht mitzuteilen, ob er gegen den Entscheid des SEM
vom 5. Dezember 2019 Beschwerde erheben wolle. Bei bestehendem An-
fechtungswillen habe der Beschwerdeführer innert gleicher Frist eine
rechtsgenügliche Beschwerde einzureichen.
S.
Mit Eingabe vom 9. April 2020 an das Bundesverwaltungsgericht reichte
der Beschwerdeführer fristgerecht eine rechtsgenügliche Beschwerde ein.
Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter
der vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde unter
Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
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von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht in casu endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend han-
delt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
4.
4.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
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schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken.
4.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor-
handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un-
glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen fest, dass
der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen sei, die in Aussicht ge-
stellten Beweismittel im Zusammenhang mit dem neu geltend gemachten
Verfahren in Sri Lanka einzureichen. Es sei von der Unglaubhaftigkeit die-
ses Vorbringens auszugehen. Auch aus der am 16. November 2019 erfolg-
ten Präsidentschaftswahl mit dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa vermöge
der Beschwerdeführer keine konkrete Gefährdungssituation abzuleiten.
6.
6.1 Die zutreffende Einschätzung der fehlenden Gefährdungssituation für
den Beschwerdeführer vermag auf Beschwerdeebene nicht entkräftet zu
werden. Zwar reichte der Beschwerdeführer in der Zwischenzeit zwei Do-
kumente samt Übersetzung in englischer Sprache in Kopie ein (Haftbefehl
vom 3. September 2019, gerichtliche Vorladung vom 10. April 2019), aus
welchen hervorgehe, dass in Sri Lanka seit 2014 ein Verfahren gegen ihn
wegen angeblicher terroristischer Aktivitäten bestehe. Indessen ist vor dem
Hintergrund der Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten behördlichen
Behelligungen und der fraglichen Beschaffenheit (handschriftlich ergänzte
Formulardokumente) die Beweiskraft der lediglich in Kopie eingereichten
Dokumente als gering einzustufen.
6.2 Soweit der Beschwerdeführer eine allgemeine Gefährdungslage für
nach Sri Lanka zurückkehrende tamilische Asylsuchende geltend macht,
kann unter Berücksichtigung des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer keine asylrelevante
Verfolgungssituation glaubhaft machen konnte und dass er, ausser seiner
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tamilischen Ethnie und der Landesabwesenheit, keine der Risikofaktoren
erfüllt. Mit dem blossen Hinweis auf die in der Zwischenzeit eingetretene
Tatsache, dass der frühere Militärchef Gotabaya Rajapaksa die Präsident-
schaftswahlen vom 16. November 2019 gewonnen hat, kann der Be-
schwerdeführer keine individuelle Gefahr vor einer Verfolgung ableiten, zu-
mal seine Vorbringen für unglaubhaft befunden wurden.
Zwar befürchten Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten insbe-
sondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Men-
schenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten,
Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische
Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten,
21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament
vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident
löst das Parlament auf, 03.03.2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist
sich der genannten Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet
die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Ent-
scheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer
möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Perso-
nen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise
bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwal-
tungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, Human Rights Watch, Sri
Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht. Ein solcher Bezug ist, wie sich aus den obenstehenden Erwä-
gungen ergibt, vorliegend nicht gegeben. Dies gilt auch unter Berücksich-
tigung des mit der Beschwerdeschrift geltend gemachten Vorbringens, bei
der Beurteilung der Situation des Beschwerdeführers sei dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass nach der Entführung einer Angestellten der
Schweizer Botschaft in Sri Lanka am 25. November 2019 zwischen der sri-
lankischen und der schweizerischen Regierung eine diplomatische Krise
ausgebrochen sei. Wie bereits zuvor festgehalten wurde, besteht kein kon-
kreter Grund zur Annahme, die allgemeinen politischen Entwicklungen in
Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer
auswirken. Dies gilt auch im Hinblick auf die erwähnten diplomatischen Un-
stimmigkeiten.
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6.3 Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-
deführers verneint und das Mehrfachgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Auslän-
der und über die Integration [AIG, SR 142.20]).
8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.3
8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
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lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung nach Sri Lanka ist unter
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil der Beschwerdeführer – wie
zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausge-
setzt wäre. Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers ergeben sich im
Weiteren auch keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte für die An-
nahme, dass er im Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder
Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, 2001 Nr. 17
S. 130 f.; aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-
rechte [EGMR] etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-I, S. 303, sowie
i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Beschwerde
Nr. 37201/06, Ziff. 124 ff., jeweils m.w.N.). Auch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Einschät-
zung des Bundesverwaltungsgerichts nicht als unzulässig erscheinen
(BVGE 2011/24 E. 10.4). Ebenso hat der EGMR wiederholt festgestellt,
dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka
eine unmenschliche Behandlung, sondern dass jeweils im Einzelfall eine
Risikoeinschätzung vorzunehmen sei (vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich
vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11, Ziff. 37). Weder aus
den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in anderweitiger Hinsicht er-
geben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er im Falle einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer gemäss
der EMRK oder der FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre.
8.3.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Das Bundesverwaltungsgericht hat zuletzt im länderspezifischen Refe-
renzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zur Frage der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs abgewiesener Asylsuchender aus Sri Lanka insbe-
sondere tamilischer Ethnie eine Lageanalyse vorgenommen (ebd.,
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E. 13.2–13.4). Das SEM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs damit, dass weder die allgemeine Lage in Sri Lanka noch indivi-
duelle Faktoren gegen die Zumutbarkeit sprächen und verwies darauf,
dass sich seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1999/2018
vom 20. August 2018 die individuelle Situation des Beschwerdeführers
nicht wesentlich verändert habe. Diese Ansicht erweist sich als zutreffend.
8.3.3 Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung man-
gels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich im Sinne von
Art. 83 Abs. 2 AIG ist.
8.4 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug ste-
hen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und
sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufi-
gen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
10.
10.1 Die Beschwerde hat sich als von vornherein aussichtslos erwiesen.
Somit ist das mit der Beschwerdeschrift gestellte Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG, unabhän-
gig von der Frage der Bedürftigkeit, abzuweisen. Mit dem Ergehen des vor-
liegenden Urteils wird das Gesuch um Verzicht auf das Erheben eines Kos-
tenvorschusses gegenstandslos.
10.2 Als Folge der Abweisung der Beschwerde sind die Kosten des Ver-
fahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).
Sie sind auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG).
(Dispositiv nächste Seite)
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