Decision ID: dd905d1a-192d-46d4-8a80-1f79888d3083
Year: 2020
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

liegende Sachverhalte früherer Geschäftsjahre unabhängig von einer Ausübung des
Auskunfts- und Informationsrechts anlässlich früherer Generalversammlungen
Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader;
Gerichtsschreiber Rageth Clavadetscher
Parteien A. _,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Jürg Reichenbach, Herrenweg 17, 8303 Bassersdorf, Gesuchsteller
gegen
B. _ AG, vertreten durch Rechtsanwalt Alexander Pfeiffer, nigon Rechtsanwälte, Marktplatz 18, 4001 Basel, Gesuchsgegnerin
Gegenstand Einsetzung Sonderprüfer
A. Mit Eingabe vom 14. Februar 2020 gelangte A. _ (Gesuchsteller) an das Kantonsge-
richt Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, und reichte gegen die B. _AG (Gesuchsgegne-
rin) mit Sitz in X. _ BL ein Gesuch um Einsetzung eines Sonderprüfers ein. Die Rechtsbe-
gehren dieses Gesuchs lauteten, wie folgt:
« 1. Es sei die Beklagte zur Sonderprüfung der letzten 6 Jahre zu verpflichten über die anläss-
lich der Generalversammlung vom 15. November 2019 sowie den vorherigen Generalver-
sammlungen beantragten Auskunftsbereiche (gemäss BO 1 bis 12) und vom Gericht dafür
ein Sonderprüfer zu bestimmen.
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2. Als Sonderprüfer sei das (recte: die) C. _ Treuhand zu bestimmen oder ein anderer dem
Gericht bekannter Befähigter.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt) zulasten der Beklagten.»
Zur Begründung führte der Gesuchsteller im Wesentlichen aus, als Aktionär mit einer Beteili-
gung von mehr als 10% am Gesamtaktienkapital der Gesuchsgegnerin habe er deren Verwal-
tungsrat mehrfach und über Jahre um Auskunft ersucht. Der Verwaltungsrat habe diese Ersu-
chen jeweils bewusst ignoriert oder wolle diesen nicht nachkommen. Bei der beantragten Son-
derprüfung geht es dem Gesuchsteller um einen Vergleich der letzten 6 Jahre in
17 verschiedenen Auskunftsbereichen, welche er in seinem Gesuch einzeln aufgeführt hat. Die
Anträge seien von der Generalversammlung jeweils aufgrund der Aktienmehrheit von D. _,
welche zudem alleinige Verwaltungsrätin der Gesellschaft sei, am 15. November 2019 und die
Jahre zuvor strikt abgelehnt worden. Durch die verlangten Abklärungen einer Sonderprüfung
soll aufgezeigt werden, wie sich der Aktienkurs der Gesuchsgegnerin vor dem Eintritt und nach
dem Austritt der Geschäftstätigkeit des Gesuchstellers entwickelt habe und wie die gegenüber
ihm präsentierten Zahlen aus der Bilanz und Erfolgsrechnung auf ihre Richtigkeit zu werten sei-
en. Bereits jetzt seien erste Anzeichen vorhanden, dass durch die zugestellte Bilanz und Er-
folgsrechnung eine Täuschung im Vergleich zum Steuerwert der Namenstammaktie aufgetreten
sei und dadurch der Minderheitsaktionär geschädigt werde. Trotz Aktionärsbindungsvertrag
habe es die Mehrheitsaktionärin und Verwaltungsrätin, D. _, bis zum heutigen Zeitpunkt
bewusst unterlassen, den Rückkaufswert der Aktien zum Zeitpunkt vom Austritt des Minder-
heitsaktionärs durch eine Revisionsstelle mit dem geforderten Bewertungsgutachten in Auftrag
zu geben. Das einzige Angebot zum Rückkauf, welches am 4. April 2018 von D. _ gemacht
worden sei, sei zu tief ausgefallen und habe nicht auf der zuvor bereits angekündigten Berech-
nung des Aktienkurses basiert. Auch hier entstehe dem Minderheitsaktionär ein finanzieller
Schaden. Zu guter Letzt diene die Sonderprüfung auch als Grundlage für die bevorstehende
Verantwortlichkeitsklage. Das Gesuch um Sonderprüfung erfolge zudem innert Frist.
B. In ihrer Stellungnahme vom 14. April 2020 beantragte die Gesuchsgegnerin, vertreten
durch Rechtsanwalt Alexander Pfeiffer, die Abweisung des Sonderprüfungsgesuchs der Ge-
genpartei vom 14. Februar 2020, soweit darauf einzutreten sei; unter o/e-Kostenfolge zuzüglich
Mehrwertsteuer zu Lasten des Gesuchstellers. Seit dem (unfreiwilligen) Ausscheiden des Ge-
suchstellers bei der Gesuchsgegnerin hätten der Gesuchsteller und D. _ zahlreiche Ver-
handlungen über die Aktien an der Gesuchsgegnerin geführt. Die unterschiedlichen Preisvor-
stellungen hätten zu keiner Einigung geführt. Aufgrund dieser Ausgangslage versuche der Ge-
suchsteller nun seit anfangs 2017 mit allen Mitteln die Gesuchsgegnerin und D. _ zu schi-
kanieren, um so eine Übernahme seiner Aktien zu seinen Preisvorstellungen zu erzwingen. In
formeller Hinsicht sei das Gesuch vom 14. Februar 2020 ungenügend, da das Rechtsbegehren
des Gesuchstellers vollkommen unbestimmt sei. Es sei der Gesuchsgegnerin unklar, was bzw.
welche Fragen beantwortet werden müssten. Zudem sei unklar, welche Sachverhalte vom Son-
derprüfer abgeklärt werden müssten. Ferner würde eine Prüfung sämtlicher «beantragten Aus-
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kunftsbereiche» anlässlich sämtlicher Generalversammlungen der letzten 6 Jahre auf Überein-
stimmung mit Gesetz und Statuten im Ergebnis auf eine «fishing expedition» hinauslaufen. Zu-
dem seien die im Sonderprüfungsgesuch aufgelisteten Anträge bzw. Themenbereiche nicht
Thema der Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2018 vom 15. November 2019 gewe-
sen, sondern derjenigen für das Geschäftsjahr 2017, welche am 4. Juni 2019 stattgefunden
habe. An dieser Generalversammlung vom 4. Juni 2019 seien zudem alle Fragen beantwortet
worden. Das Gesuch sei deshalb aufgrund der Subsidiarität der Sonderprüfung und der fehlen-
den beantragten Auskunftserteilung an der Generalversammlung vom 15. November 2019 ab-
zuweisen. Im Weiteren sei unklar, welches Verhalten oder Unterlassen der Organe der Ge-
suchsgegnerin vorgeworfen werde. Die Gesuchsgegnerin habe stets versucht, sämtliche Aus-
kunftsbegehren des Gesuchstellers nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Die
Mutmassungen und Tatsachenbehauptungen des Gesuchstellers mit Bezug auf die Aktienbe-
wertung seien falsch und würden bestritten. Entgegen den Behauptungen des Gesuchstellers
bestehe zwischen diesem und D. _ auch kein Aktionärsbindungsvertrag. Dem Gesuchsteller
stünden sämtliche Informationen für die Bewertung seiner Aktien zur Verfügung, so dass er für
eine solche kein Rechtsschutzinteresse habe. Die Anträge bzw. die formulierten Fragen zu den
Themenbereichen des Gesuchstellers seien durch die Gesuchsgegnerin bereits einmal beant-
wortet worden, weshalb für eine Sonderprüfung auch kein Rechtsschutzinteresse bestehe.
Trotzdem werde auf dieselben in der Stellungnahme nochmals eingegangen.
C. Nach Eingang der Stellungahme der Gesuchsgegnerin ordnete die Präsidentin der Abtei-
lung Zivilrecht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft unter Fristansetzung für den Gesuchstel-
ler zur Einreichung einer Replik einen zweiten Schriftenwechsel an (vgl. Stempelverfügung vom
16. April 2020 auf der Stellungnahme der Gesuchsgegnerin vom 14. April 2020). Am 29. Mai
2020 erstattete der Gesuchsteller, nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Jürg Reichen-
bach, seine Replik. Er stellte dabei folgende Rechtsbegehren:
« 1. Es sei für die Jahre 2015, 2016, 2017 und 2018 ein Sonderprüfer zu bestimmen, der fol-
gende Vorgänge klären soll:
A) Sind die jeweils ausgewiesenen Äufnungen der Arbeitgeber von CHF 40'000.00 bzw.
CHF 30'000.00 für die Jahre 2015, 2016 und 2017 tatsächlich auch der Stiftung korrekt
einbezahlt worden?
B) Sind die 2015 bis 2018 gebildeten passiven Rechnungsabgrenzungen betriebswirt-
schaftlich notwendig, oder enthalten sie stille Reserven? Wurden die passiven Rech-
nungsabgrenzungen in der Folgeperiode aufgelöst und ist die Auflösung korrekt ver-
bucht worden?
C) Wie sind die unter Ziffer 9 festgestellten Abweichungen
- Bruttolöhne, Differenz CHF 16'780.00 auf die Lohnsumme CHF 260’390.00
- Lohnnebenkosten (AHV etc.), Differenz CHF 17’779.40 auf CHF 27’814.65
- Broker/Informatikaufwand, Differenz CHF 793.01 auf CHF 8’997.36
- Verwaltungsaufwand, Differenz CHF 21’800.00 auf CHF 40’002.90
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- Transitorische Passiven, Differenz CHF 5’054.06 auf CHF 12’752.11
- Arbeitgeberreserve, Differenz CHF 20’590.00 auf CHF 30’000.00
zu begründen zwischen dem am 25. Juni 2018 versandten Jahresbericht 2017 (Bilanz
und Erfolgsrechnung) des Verwaltungsrates und dem eingeschränkt geprüften Jahres-
bericht des Verwaltungsrates zur GV vom 4. Juni 2017 (recte: 2019)?
D) Sind die Bezüge der Geschäftsführerin (Lohn, Bonus, Spesen und Pauschalspesen)
über die vier Jahre vollständig und richtig in der Buchhaltung erfasst worden? Sind die
gesetzlich vorgeschriebenen Sozialabgaben vollständig und richtig mit den Leistungs-
trägern abgerechnet, vollständig und richtig verbucht und mit den Leistungsträgern ab-
gerechnet und abgeführt worden? Sind die Abzüge paritätisch aufgeteilt bzw. entspre-
chen diese dem Reglement? Stimmt der Lohnausweis damit mit dem individuellen
Lohnkonto überein?
2. Als Sonderprüfer sei ein dem Gericht bekannter Befähigter zu bestimmen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten der Gesuchsgegnerin.»
Zur Begründung seiner Replik liess der Gesuchsteller zusammengefasst ausführen, aufgrund
der bestehenden Umstände (wie Verweigern der Herausgabe gewünschter Informationen, un-
belegte Rückstellungen, Arbeitgeberreserve, nicht nachvollziehbare Kollektivkranken-
Taggeldzahlungen), sei beim Gesuchsteller der Eindruck entstanden, dass die Gesuchsgegne-
rin versuche, im Sinne einer stillen Liquidation die Substanz aus der Firma zu nehmen. Die vom
Gesuchsteller eingeforderten Auskünfte zu den festgestellten Unstimmigkeiten aufgrund von
Plausibilitätsüberlegungen seien weder hinreichend gegeben noch entsprechend dokumentiert.
Der Gesuchsteller habe anlässlich der GV vom 15. November 2019 eine Vielzahl von Anträ-
gen/Fragen eingereicht, welche weder beantwortet noch ernsthaft geprüft worden seien. Die
Subsidiarität der Sonderprüfung sei damit gegeben, da Gleiches auch für die Generalversamm-
lung des Geschäftsjahres 2017 gelten würde. Es bestünden im Vergleich bestimmter Positionen
im nicht revidierten Abschluss 2017 mit denjenigen der eingeschränkt revidierten Bilanz und
Erfolgsrechnung 2017 Abweichungen. Der Gesuchsteller habe deshalb begründete Bedenken
hinsichtlich der Verlässlichkeit der Buchhaltung und der Bewertungen sowie Schätzungen der
Verwaltungspräsidentin D. _ hinsichtlich der Vermögenswerte, Verbindlichkeiten sowie
Eventualverbindlichkeiten der Aufwände und Erträge. Der Gesuchsteller habe aufgrund dieser
besorgniserregenden Abweichungen ein Interesse daran, dass diese Abweichungen vom Son-
derprüfer unter Einsichtnahme in die Buchhaltungsdetails geklärt würden. Der Gesuchsteller
müsse davon ausgehen, dass ihm durch Gewinnverschiebungen oder Aufwandaufblähungen
der innere Wert der Aktie vorenthalten werden soll. Es sei auch notorisch, dass die Revisions-
stelle bei der eingeschränkten Prüfung kaum komplexere Abweichungen aufspüren könne.
Nebst den Abweichungen im Abschluss 2017 hätten beim Gesuchsteller auch die im 2016
gleich hohen Arbeitgeberreserven von CHF 30’000.00, passivierte Vorauszahlungen von
CHF 30’000.00 sowie die transitorischen Passiven von CHF 77’500.00 berechtigte Zweifel an
der ordentlichen Buchführung geweckt. Auffällig sei dabei, dass im Jahr 2016 eine beim aus-
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serordentlichen Betriebsaufwand geäufnete Arbeitgeberreserve von CHF 30’000.00 ausgewie-
sen werde, diese jedoch in der Bewertung der Steuerverwaltung nicht aufgerechnet werde. Dies
deute darauf hin, dass hier ein zumindest nicht ordentlicher Vorgang vorliege. Wie dieser Be-
wertungsmeldung entnommen werden könne, sei für das Vorjahr 2015 der Unternehmenserfolg
um CHF 40’000.00 für die gebildete Arbeitgeberbeitragsreserve aufgerechnet worden. Aufgrund
dieser Bewertungsmeldungen der Steuerverwaltung komme der Gesuchsteller nicht umhin, für
alle 3 Jahre grundlegende Zweifel an der ordentlichen Buchführung durch die Gesuchsgegnerin
zu haben. Aufgrund dieser substantiiert vorgetragenen Zweifel und den umschriebenen mögli-
chen Verfehlungen sei auch hinreichend dargelegt, dass der Gesuchsteller an einer Sonderprü-
fung ein Rechtsschutzinteresse vorzuweisen vermöge. Weil die Rechte vom gesuchstellenden
Minderheitsaktionär über 6 Jahre und in diversen Punkten durch die Gesuchsgegnerin einge-
schränkt und missachtet worden seien, gesetzliche wie auch statutarische Vorgaben durch die
Organe nicht beachtet worden seien und unterschiedlichen Zahlen im nicht geprüften Jahresbe-
richt bzw. dem eingeschränkt geprüften Jahresbericht des Verwaltungsrates vorliegen würden,
sei eine Sonderprüfung für die letzten 6 Jahre zu rechtfertigen, weil die Verweigerung sich auch
über Jahre hingezogen habe und erst nach dem Buchführungswechsel 2017 als methodisches
Vorgehen erkennbar geworden sei. Das Rechtsbegehren sei entsprechend auf das unerlässli-
che eingeschränkt und bestimmt worden. Den dadurch verursachten Schaden sehe der Ge-
suchsteller. Ein Schaden des Minderheitsaktionärs zeichne sich schon durch das mit falschen
Zahlen begründete Rückkaufsangebot aus. Die Voraussetzungen gemäss Art.679b Abs. 2 OR
seien damit erfüllt.
D. In ihrer Duplik vom 29. Juli 2020 hielt die Gesuchsgegnerin an ihren Rechtsbegehren ge-
mäss Stellungnahme vom 14. April 2020 fest. Sie führte zudem aus, der Gesuchsteller habe in
seiner Replik seine bisherigen unsubstantiierten Begehren im Sinne einer Klageänderung neu
formuliert, ohne hierfür eine rechtliche Begründung abzugeben. Die Klageänderung sei nicht
nur unzulässig, sondern auch verspätet. Im summarischen Verfahren erfolge der Aktenschluss
nach Abschluss des ersten Schriftenwechsels. Danach seien Noven nur noch unter den Vo-
raussetzungen nach Art. 229 Abs. 1 ZPO zulässig. Der Gesuchsteller habe es im Begehren
vom 14. Februar 2020 versäumt, das gesamte Klagefundament zu liefern. Mit den geänderten
Rechtsbegehren durch neue Fragen versuche der Gesuchsteller nun den Prüfungsgegenstand
unzulässigerweise auszuweiten. Im Weiteren seien die unter Rechtsbegehren 1 der Replik auf-
geführten Fragen nicht Gegenstand der Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2018 ge-
wesen, sodass das Gesuch auch aufgrund der Subsidiarität der Sonderprüfung abzuweisen sei.
Auch in der Replik seien keine konkreten Verletzungen gesetzlicher oder statutarischer Best-
immungen dargetan. Ein Vermögensschaden sei nicht glaubhaft gemacht. Der notwendige
Kausalzusammenhang werde nicht einmal behauptet.
E. Mit Verfügung vom 4. August 2020 erwog die Präsidentin der Abteilung Zivilrecht des
Kantonsgerichts Basel-Landschaft, dass auf die replicando und duplicando seitens der Parteien
beantragte Partei- bzw. Zeugenbefragung antizipiert beweiswürdigend verzichtet werden könne,
zumal für die zu beweisenden bzw. glaubhaft zu machenden Tatsachen bereits Urkunden im
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Recht liegen würden. Sodann wurde der Schriftenwechsel geschlossen und den Parteien der
Entscheid des Präsidiums der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts aufgrund der Akten in
Aussicht gestellt wurde.

Erwägungen
1. Für die Einsetzung eines Sonderprüfers nach Art. 697b OR bezeichnen die Kantone ge-
mäss Art. 5 Abs. 1 lit. g ZPO ein Gericht, welches als einzige kantonale Instanz zuständig ist.
Art. 250 lit. c Ziff. 8 ZPO schreibt für die richterliche Anordnung einer Sonderprüfung bei der
Aktiengesellschaft das summarische Verfahren vor, weshalb ein Schlichtungsverfahren entfällt.
Gemäss § 5 Abs. 1 lit. c EG ZPO BL ist das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsge-
richts Basel-Landschaft zuständig für Streitigkeiten, die in die Zuständigkeit des Kantonsge-
richts, Abteilung Zivilrecht, als einzige kantonale Instanz fallen, in denen das summarische Ver-
fahren zur Anwendung gelangt. Bei der Gesuchsgegnerin handelt es sich um eine Aktiengesell-
schaft mit Sitz in X. _ BL. Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Präsidiums des Kan-
tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, ist unbestrittenermassen gegeben. Der
Kostenvorschuss für das Verfahren in der Höhe von CHF 5‘000.00 wurde vom Gesuchsteller
fristgerecht geleistet.
2. Jeder Aktionär kann der Generalversammlung beantragen, bestimmte Sachverhalte durch
eine Sonderprüfung abklären zu lassen, sofern dies zur Ausübung der Aktionärsrechte erforder-
lich ist und er das Recht auf Auskunft oder das Recht auf Einsicht bereits ausgeübt hat
(Art. 697a Abs. 1 OR). Entspricht die Generalversammlung dem Antrag, so kann die Gesell-
schaft oder jeder Aktionär innert 30 Tagen den Richter um Einsetzung eines Sonderprüfers er-
suchen (Art. 697a Abs. 2 OR). Entspricht die Generalversammlung dem Antrag nicht, so kön-
nen Aktionäre, die zusammen mindestens 10 Prozent des Aktienkapitals oder Aktien im Nenn-
wert von 2 Millionen Franken vertreten, innert dreier Monate den Richter ersuchen, einen Son-
derprüfer einzusetzen (Art. 697b Abs. 1 OR). Der Gesuchsteller hat Anspruch auf Einsetzung
eines Sonderprüfers, wenn er glaubhaft macht, dass Gründer oder Organe Gesetz oder Statu-
ten verletzt und damit die Gesellschaft oder die Aktionäre geschädigt haben (Art. 697b Abs. 2
OR). Das Instrument der Sonderprüfung soll in erster Linie einem Ausgleich zwischen dem Inte-
resse des Aktionärs an der Abklärung allfälliger Probleme und dem Geheimhaltungsinteresse
der Gesellschaft schaffen (VON DER CRONE, Aktienrecht, Bern 2014, § 8 N 108). Es ist unbestrit-
ten, dass der Gesuchsteller Aktionär der gesuchsbeklagten B. _ AG mit einer Aktienbeteili-
gung von 15% des Aktienkapitals ist und somit zur Einreichung eines Antrags auf Einsetzung
eines Sonderprüfers aktivlegitimiert ist. Das betreffende Begehren ist innert dreier Monate seit
dem ablehnenden Entscheid der Generalversammlung einzureichen (Art. 697b Abs. 1 OR). Es
handelt sich hierbei um eine Verwirkungsfrist (WEBER, in: BSK-OR II, Honsell/Vogt/Watter
[Hrsg.], 5. Aufl., Basel 2016, N 4 zu Art. 697b OR). Die massgebliche Generalversammlung, an
welcher der Antrag des Gesuchstellers auf Sonderprüfung abgewiesen wurde, fand am
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15. November 2019 statt, womit die Dreimonatsfrist durch das Gesuch vom 14. Februar 2020
gewahrt wurde.
3.1 Gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 219 ZPO hat ein Gesuch um Einsetzung eines
Sonderprüfers gestützt auf Art. 697b Abs. 1 OR zwingend Rechtsbegehren zu enthalten. Das
Rechtsbegehren umschreibt zusammen mit dem behaupteten Lebensvorgang den Streitgegen-
stand. Das Rechtsbegehren soll die zu beurteilende Rechtsfolge, aber keine Elemente der Be-
gründung enthalten. Inhaltlich sind Anträge hinreichend bestimmt und beziffert zu formulieren,
damit das angerufene Gericht seine sachliche Zuständigkeit überprüfen kann (Art. 4 ZPO). Im
Weiteren muss für die Gegenpartei unter dem Aspekt des rechtlichen Gehörs aus den Begeh-
ren der Klagpartei erkennbar sein, gegen was sie sich zu verteidigen hat (Art. 53 ZPO). Die in-
haltliche Umschreibung der Rechtsbegehren ist sodann bei Prozessen, wie dem vorliegenden,
mit vorherrschender Dispositionsmaxime zentral, weil das Gericht nicht mehr und nichts ande-
res zusprechen darf, als anbegehrt worden ist. Rechtsbegehren können zwar jederzeit reduziert
werden. Ansonsten sind sie unter dem Vorbehalt einer Klageänderung gemäss Art. 227 und
230 ZPO nicht mehr abänderbar (statt vieler: LEUENBERGER, in: ZPO-Komm., Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], 3. Aufl., Zürich Basel Genf 2016, Art. 221 N 25, 27
und 29). Das Rechtsbegehren muss so bestimmt sein, dass es bei Gutheissung der Klage zum
Dispositiv gemacht und ohne weitere Verdeutlichung vollstreckt werden kann (LEUENBERGER
a.a.O. N 28 mit Hinweis auf Urteil des Schweizerisches Bundesgerichtes [BGer] 5A_36/2009).
Mit Bezug auf das vorliegende Verfahren gemäss Art. 697b Abs. 1 OR bedeutet dies, dass sich
das Begehren um Durchführung einer Sonderprüfung auf einen bestimmten Gegenstand bezie-
hen muss, d.h. auf einen hinreichend klar umschriebenen Bereich der Gesellschaftstätigkeit
(BÖCKLI, Schweizer Aktienrecht, 4. Aufl., Zürich 2009, § 16 Rz. 32). Der gesuchstellende Aktio-
när ist verpflichtet, in seinen Rechtsbegehren den Gegenstand der Sonderprüfung möglichst
genau zu skizzieren. Da die Sonderprüfung ein Mittel der Informationsbeschaffung ist, muss sie
auf die Ermittlung konkreter Tatsachen abzielen. Der Sonderprüfer hat lediglich festzustellen,
nicht zu werten. Nicht Gegenstand der Sonderprüfung sein können somit Rechtsfragen, Ermes-
sensentscheide der Organe oder die Frage der Angemessenheit oder Zweckmässigkeit von
Geschäftsentscheiden. Aufgrund der latenten Informationsasymmetrie sind zwar allzu hohe
Anforderungen an den Konkretisierungsgrad und die sprachliche Präzision verfehlt, da die Akti-
onäre regelmässig nur Vermutungen über die gesellschaftsinternen Vorgänge anstellen kön-
nen. Dementsprechend müssen auch eher offene Fragen zulässig sein, solange sie noch der
Ermittlung für die Ausübung der Aktionärsinteressen relevanter Tatsachen dienen. Unzulässig
sind allerdings sog. „fishing expeditions“, d.h. Fragen zu reinen Ausforschungszwecken zu stel-
len, in der Hoffnung, dabei auf eine Rechtsverletzung zu stossen, von welcher der Gesuchstel-
ler keine Kenntnis hatte. Die Sonderprüfung ist eine Untersuchung limitierter Natur
(BGer 4A_260/113 E. 4.1; Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivil-
recht, 430 16 266 E. 4.1; VON DER CRONE, a.a.O., § 8 N 118;).
3.2 Das Gesuch vom 14. Februar 2020 vermag den zivilprozessualen Anforderungen in for-
meller Hinsicht nicht ansatzweise zu genügen. Mit seinen Rechtsbegehren missachtete der Ge-
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suchsteller das Bestimmtheitsgebot im oben unter Ziffer 3.1 der Erwägungen umschriebenen
Sinne gleich mehrfach. Zunächst einmal will er eine Sonderprüfung der letzten 6 Jahre durch-
setzen «über die anlässlich der Generalversammlung vom 15. November 2019 sowie den vor-
herigen Generalversammlungen beantragten Auskunftsbereiche». Um welche Auskunftsberei-
che es sich dabei handelt und an welchen Generalversammlungen diese zur Sprache gebracht
worden sein sollen, ist dem Begehren nicht zu entnehmen. Üblicherweise werden in den
Rechtsbegehren konkrete Fragen zu bestimmten Sachverhalten oder Vorgängen in der Gesell-
schaft formuliert, welche dem Sonderprüfer zur Beantwortung vorgelegt werden sollten. Das
Gesetz schreibt zwar nicht vor, dass es sich zwingend um einen Fragenkatalog handeln muss.
In Art. Art. 697a Abs. 1 OR ist aber immerhin von der Abklärung «bestimmte[r] Sachverhalte»
die Rede. Dies erfordert eine hinreichend klare Umschreibung, welche im Begehren gemäss
dem vorliegend zu beurteilenden Gesuch offensichtlich fehlt. Ohne detaillierte Fragestellung
oder tatsächliche Eingrenzung und Konkretisierung der zu prüfenden Bereiche oder Abläufe der
Gesellschaft ist nicht nur der gesuchsgegnerischen Gesellschaft die Möglichkeit zur Stellung-
nahme verwehrt, sondern auch das erkennende Gericht ausserstande, einen vollstreckbaren
Entscheid zu fällen, zumal dem Sonderprüfer kein konkreter Auftrag erteilt werden kann, des-
sen Ausführung oder Erfüllung durchgesetzt und überprüft werden könnte. Daran ändert auch
die Klammerbemerkung «gemäss BO 1 bis 12» zu den beantragten Auskunftsbereichen im
Rechtsbegehren 1 gemäss Gesuch vom 14. Februar 2020 nichts. Bei den erwähnten Beweisof-
ferten («BO 1 bis 12») handelt es sich um sämtliche dem Gesuch als Beweismittel beilgelegten
Urkunden, unter welchen sich beispielsweise diverse Protokolle mehrerer Generalversammlun-
gen, Geschäftsberichte oder Geschäftsabschlüsse der Gesuchsgegnerin befinden. Eine thema-
tische Eingrenzung für die beantragte Sonderprüfung wird auch mit diesem Hinweis nicht er-
reicht. Werden die Ausführungen des Gesuchstellers unter Randziffer 5 der Begründung zum
Gesuch vom 14. April 2020 ergänzend und zur Auslegung zum Rechtbegehren unter Ziffer 1
herangezogen, bleibt es dabei, dass es dem Sonderprüfungsersuchen an einer hinreichenden
Bestimmtheit fehlt. An angegebener Stelle wird in der Begründung unterteilt in 17 Themenbe-
reiche und dementsprechend weitreichend sowie umfassend Auskunftsbedarf des gesuchstel-
lenden Minderheitsaktionärs geltend gemacht und gleichzeitig angemerkt, es gehe bei der be-
antragten Sonderprüfung hauptsächlich in diesen Bereichen um einen Vergleich der letzten 6
Jahre. Die Sonderprüfung sollte nach Ansicht des Gesuchstellers zu folgenden Themen Auf-
schluss geben:
- Zukunft der B. _ AG mit strategischer Ausrichtung
- Anzahl Mitarbeiter Ende Jahr (mit Angaben über Vollzeitbeschäftigung oder Teilzeitanstel-
lung) und Angaben betreffend Veränderung während dem Jahr
- Anzahl Kunden per Ende Jahr
- Aufteilung der Anzahl in Grosskunden, Firmenkunden und Private (Kundensegmente)
- Anzahl gekündigter Mandate im laufenden Jahr je Kundensegment
- Anzahl neue Mandate im laufenden Jahr je Kundensegment
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- Anzahl Kündigungen von Courtagen-Vereinbarungen durch Gesellschaften im laufenden
Jahr (inkl. Namen)
- Anzahl Anpassungen von Courtagen-Vereinbarungen durch Gesellschaften im laufenden
Jahr (inkl. Angaben über Erhöhung oder Kürzung mit Namen)
- Welche Anstrengungen wurden unternommen um den Kundenabgang aufzufangen.
- Überblick und Hinweise zu den Zahlen in der Bilanz und Erfolgsrechnung
- Honorare der Verwaltungsräte und Geschäftsleitung (inkl. Vergütungsphilosophie, Leis-
tungsbeurteilung & Vergütungsstruktur)
- Weitere Zahlungen (inkl. Bezeichnung) an die Verwaltungsräte und Geschäftsleitung
- Eigenkapitalrendite
- Ausgegebene Aktien in Stück
- Aktienkurs (inkl. Berechnungsgrundlage)
- Dividende pro Aktie
- Kontoauszug der BVG-Arbeitgeberbeitragsreserve (inkl. Beurteilung und Entwicklung)
Gemäss Handelsregistereintrag besteht der Zweck der Gesuchsgegnerin in der Ermittlung und
Verwaltung von Versicherungsportefeuilles sowie Risikoberatungen für Unternehmen. Bei nähe-
rer Betrachtung des oben aufgeführten Themenkatalogs sollte nach Meinung des Gesuchstel-
lers zur Erhärtung behaupteter, erster Anzeichen einer bewusst falschen Aktienbewertung im
Hinblick auf einen Rückkauf der Aktien durch die Gesuchsgegnerin demnach beinahe die ge-
samte Geschäftstätigkeit der Gesellschaft aus den letzten 6 Jahren untersucht werden. Auch
hier fehlen allerdings konkrete Angaben und Erklärungen, weshalb die Sonderprüfung derart
umfassend ausfallen soll. Der Einwand der Gesuchsgegnerin, der Gesuchsteller beabsichtige
mit seinem Sonderprüfungsgesuch in erster Linie eine unzulässige «fishing expedition», ist
deshalb zutreffend. Auf ein unklares, nicht vollstreckbares Sonderprüfungsgesuch, wie das vor-
liegende vom 14. Februar 2020, welches zu reinen Ausforschungszwecken gestellt wurde, tritt
das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, nicht ein.
4.1 Gemäss Art. 64 Abs. 2 ZPO ist für die Frage der Wahrung einer gesetzlichen Frist des
Privatrechts, die auf den Zeitpunkt der Klage, der Klageanhebung oder auf einen anderen ver-
fahrensleitenden Schritt abstellt, der Rechtshängigkeitseintritt massgebend. Wie bereits er-
wähnt, ist das Begehren um Sonderprüfung innert dreier Monate seit dem ablehnenden Ent-
scheid der Generalversammlung einzureichen (Art. 697b Abs. 1 OR), wobei es sich bei dieser
Frist um eine Verwirkungsfrist handelt (WEBER, in: BSK-OR II, Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.],
5. Aufl., Basel 2016, Art. 697b OR N 4). Wird – wie vorliegend – auf das Sonderprüfungsgesuch
mangels hinreichend bestimmter Rechtsbegehren gestützt auf Art. 221 Abs. 1 lit. b i.V.m.
Art. 219 ZPO nicht eingetreten, fällt die Rechtshängigkeit rückwirkend dahin (Art. 63 Abs. 1
ZPO), und die Beendigung der Rechtshängigkeit führt zum Rechtsverlust, wenn die Verwir-
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kungsfrist zwischenzeitlich abgelaufen ist (VON WERDT, Updates und neueste Entwicklungen im
schweizerischen und internationalen Zivilprozessrecht, in: PraxiZ Schriften des Praxisinstituts
für Zivilprozess und Zwangsvollstreckung, 2018 S. 17 f., unter anderem mit Hinweis auf
BGE 141 II 481 E. 3.2.4). Sodann gilt es für die Fristwahrung zu berücksichtigen, dass sich die
Sonderprüfung stets auf Sachverhalte jenes Geschäftsjahres zu beziehen hat, welches Gegen-
stand der betreffenden Generalversammlung war. Soweit sich die Sonderprüfung auf weiter
zurückliegende Sachverhalte früherer Geschäftsjahre bezieht, ist ein betreffendes Gesuch ver-
spätet und zwar unabhängig davon, ob der Minderheitsaktionär sein Auskunfts- und Informati-
onsrecht an den früheren Generalversammlungen zu diesen Themenbereichen ausgeübt hat
oder nicht (vgl. auch Urteil Handelsgericht des Kantons Bern HG 13 25 vom 19. Juni 2013, zu-
sammengefasst in: ZBJV 149/2013, S. 754 ff. insb. S. 767).
4.2 Wird auf das Sonderprüfungsgesuch vom 14. Februar 2020 aus dem erwähnten Grund
nicht eingetreten, erleidet die replicando beantragte Sonderprüfung dasselbe zivilprozessuale
Schicksal, weil die Dreimonatsfrist zur Beantragung einer gerichtlichen Sonderprüfung gestützt
auf Art. 697b Abs. 1 OR nach der Generalversammlung vom 15. November 2019 zum Zeitpunkt
der Einreichung der Replik am 29. Mai 2020 längstens abgelaufen war. Aufgrund der verspäte-
ten Einreichung ist der Anspruch auf Sonderprüfung verwirkt und es ist auch auf das Gesuch
gemäss Replik vom 29. Mai 2020 von vornherein nicht einzutreten. Unabhängig davon, ob auf
das Gesuch vom 14. Februar 2020 eingetreten werden kann oder nicht, wäre die in der Replik
beantragte Sonderprüfung zudem für bestimmte Teilbereiche als verspätet einzustufen, weil die
betreffenden Fragen nicht Thema der Generalversammlung der Gesuchsgegnerin vom
15. November 2019 zum Geschäftsjahr 2018 waren. Dies betrifft demnach sämtliche Fragen
der replicando beantragten Sonderprüfung zu Geschäftsvorgängen der Geschäftsjahre 2015,
2016 und 2017. Für diese Vorgänge wäre im Anschluss an die jeweiligen Generalversammlun-
gen innert drei Monaten beim Gericht Antrag auf Sonderprüfung zu stellen gewesen. Auf das
Begehren um Sonderprüfung gemäss Replik vom 29. Mai 2020 wäre deshalb, soweit sich die
formulierten Fragen auf Vorgänge aus den Geschäftsjahren 2015, 2016 und 2017 beziehen,
auch aus diesem Grund nicht einzutreten gewesen.
5.1 Im Weiteren kann unter diesen Umständen der Entscheid über den prozessualen Ein-
wand der Gesuchsgegnerin, mit den Begehren gemäss Replik vom 29. Mai 2020 sei eine unzu-
lässige Klageänderung verbunden, offenbleiben. Wie nachstehend zudem aufgezeigt wird, sind
sowohl das Gesuch vom 14. Februar 2020 als auch die in der Replik vom 29. Mai 2020 vorge-
tragenen Ausführungen auch in der Sache nicht geeignet, einen Anspruch des Gesuchstellers
auf Sonderprüfung hinreichend zu begründen, so dass das entsprechende Gesuch, selbst wenn
auf dieses einzutreten wäre, abzuweisen wäre.
5.2 Zur Klärung auf welcher Basis dieser materielle Entscheid zu fällen wäre, ist vorab festzu-
halten, dass die von der Gesuchsgegnerin aufgestellte Behauptung, dass sämtliche neuen Tat-
sachenbehauptungen und Beweisanträge gemäss Replik vom 29. Mai 2020 unbeachtlich seien,
weil der Gesuchsteller mit deren Einbringung gegen das Novenverbot verstossen würde, unzu-
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treffend ist. Die Bestimmung, unter welchen Bedingungen neue Tatsachen noch eingeschränkt
in einen Prozess eingebracht werden können, ist erst ab dem Zeitpunkt des Aktenschlusses
einschlägig (Art. 229 ZPO). Davor besteht für die Parteien unbeschränkte Äusserungsmöglich-
keit. Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung tritt der Aktenschluss in Summaran-
gelegenheiten und somit auch im vorliegenden Verfahren bei angeordnetem zweiten Schriften-
wechsel in analoger Anwendung von Art. 229 Abs. 2 ZPO erst nach dessen Abschluss ein
(vgl. BGer 5A_366/2019 E. 3.1, wo diese in BGE 144 III 117 bereits vorgespurte Lösung bestä-
tigt wurde). Daraus folgt, dass die in der Replik vom 29. Mai 2020 vorgetragenen Parteistand-
punkte und edierten bzw. beantragten Beweismittel ausnahmslos zuzulassen wären, zumal mit
Verfügung vom 16. April 2020 (Stempelverfügung auf der Stellungnahme der Gesuchsgegnerin
vom 14. April 2020) ein zweiter Schriftenwechsel mit Ansetzung einer Frist zur Replikeinrei-
chung angeordnet wurde.
6.3.1 Im Hinblick auf eine materielle Beurteilung des vorliegenden Sonderprüfungsbegehrens
sind im Einzelnen folgende rechtlichen Vorgaben zu berücksichtigen: Nach Art. 697a Abs. 1 OR
kann ein Aktionär die Anordnung einer Sonderprüfung nur beanspruchen, wenn er das Aus-
kunfts- oder das Einsichtsrecht gemäss Art. 697 OR bereits ausgeübt hat. Insoweit ist der An-
spruch auf Einsetzung eines Sonderprüfers gegenüber dem Recht auf Auskunft und auf Ein-
sicht subsidiär (BGE 123 III 261 E. 3a). In der aktienrechtlichen Informationsordnung bildet die
Sonderprüfung das dritte Element neben der vom Verwaltungsrat ausgehenden Informations-
vermittlung durch den Geschäftsbericht (Art. 696 OR) und der aktiven Informationsbeschaffung
seitens des Aktionärs durch die Ausübung seines Auskunftsrechts (Art. 697 OR). Um eine
Gleichstellung aller Aktionäre bezüglich des Informationsstandes zu erreichen, muss das Aus-
kunftsrecht gemäss Art. 697 OR in der Generalversammlung ausgeübt werden (BGE 133 III
133 E. 3.3). Unter Umständen, namentlich bei Begehren um Informationen, die nicht ohne Wei-
teres zur Verfügung stehen, oder bei einem umfangreichen Fragenkatalog kann es angezeigt
sein, das Auskunftsbegehren vor der Generalversammlung schriftlich einzureichen (siehe
BÖCKLI, Schweizer Aktienrecht, 4. Aufl. 2009, § 16 Rz. 32). Die Auskunftsbegehren und die er-
teilten Antworten sind zu protokollieren (Art. 702 Abs. 2 Ziff. 3 OR). Aus der Subsidiarität der
Sonderprüfung folgt, dass das Sonderprüfungsbegehren thematisch vom vorgängigen Aus-
kunfts- oder Einsichtsbegehren gedeckt sein muss. Durch dieses soll der Verwaltungsrat die
Gelegenheit erhalten, das Informationsbedürfnis der Aktionäre von sich aus zu befriedigen, be-
vor das mit Aufwand und Umtrieben verbundene Verfahren auf Sonderprüfung eingeleitet wird.
Massgebend für die thematische Begrenzung der Zulässigkeit eines Sonderprüfungsbegehrens
ist deshalb das Informationsbedürfnis der antragstellenden Aktionäre, wie es der Verwaltungs-
rat nach Treu und Glauben aus dem vorgängigen Auskunfts- oder Einsichtsbegehren erkennen
musste. Dabei darf sich der Verwaltungsrat zwar nicht hinter einer wortklauberischen Ausle-
gung verschanzen und von vornherein nur ausdrücklich gestellte Fragen beantworten. Auf der
anderen Seite ist aber auch den Aktionären zuzumuten, bei der Formulierung ihres Auskunfts-
oder Einsichtsbegehrens eine gewisse Sorgfalt aufzuwenden und darin so klar, wie es ihnen
aufgrund ihres Kenntnisstandes möglich ist, zum Ausdruck zu bringen, worüber sie weiteren
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Aufschluss zu erhalten wünschen (BGE 140 III 610 E. 2.2, 123 III 261 E. 3a). Inhaltlich können
Informationen zu sämtlichen Bereichen einer Gesellschaft gefordert werden, welche geeignet
sind, Indizien für statuten- oder gesetzeswidrige Fehlleistungen der Organe zum Nachteil der
Aktionäre zu erhärten. Beziehungen zu Dritten dürften nur in Ausnahmesituationen relevant
sein (VON DER CRONE a.a.O. § 8 N 119). Gegenstand der Sonderprüfung sind gesellschaftsin-
terne Sachverhalte, die vom Gesuchsteller konkret zu umschreiben sind (BGer 4A_359/2007
E. 2.2).
6.3.2 Die Anspruchsvoraussetzungen einer Sonderprüfung sind vom antragstellenden Minder-
heitsaktionär im konkreten Fall substanziiert darzulegen. Die materiellen Voraussetzungen einer
Gesetzes- oder Statutenverletzung und einer Schädigung der Gesellschaft oder der Aktionäre
sind dabei glaubhaft zu machen. Eine Tatsache ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung
dann glaubhaft gemacht, wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafürspricht, selbst wenn das
Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sich die Tatsache nicht verwirklichen könnte.
Bezogen auf die Sonderprüfung ist dazu eine wertende Abwägung vorzunehmen und es sind
insbesondere die vom Gesuchsteller behaupteten Verdachtsmomente auf ihre Wahrscheinlich-
keit hin zu überprüfen (VON DER CRONE, a.a.O. § 8 N 132 mit exemplarischem Hinweis auf BGE
130 III 321 E. 3.3). Die Voraussetzung, dass vorgängig zum Gesuch um Sonderprüfung an der
Generalversammlung das Auskunfts- und Einsichtsrecht ausgeübt wurde, ist vom Gesuchsteller
allerdings nicht bloss glaubhaft zu machen, sondern nachzuweisen, d.h. er muss das Gericht
nach dem Regelbeweismass davon überzeugen, so dass es über den zu beweisenden Sach-
verhalt keine ernsthaften Zweifel gibt (BGE 140 III 610 E. 4.3.3 f.).
6.3.3 Als Klagefundament hat ein Gesuch um Einsetzung eines Sonderprüfers (abgesehen von
Ausführungen zu den formellen Voraussetzungen über die Fristeinhaltung und den Umfang der
aktienrechtlichen Beteiligung) in materieller Hinsicht sodann folgendes zu enthalten: Zunächst
einmal sind die konkreten rechts- oder statutenwidrigen Fehlleistungen der Organe zu um-
schreiben und es ist die daraus entstandene Schädigung der Gesellschaft oder der Aktionäre
darzulegen (Art. 697b Abs. 2 OR). Allgemeine Befürchtungen unrechtmässigen Handelns oder
drohenden Schadens reichen in der Regel nicht aus, die Einsetzung eines Sonderprüfers zu
erwirken. Eine lediglich abstrakte Gefahr eines Interessenskonflikts genügt nicht (WEBER, in:
BSK-OR II, Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], 5. Aufl., Basel 2016, Art. 697a OR N 24 mit Hinweis auf
BGer 4A_260/2013). Schädigung von Gesellschaft oder Aktionären bedeutet sodann eine ein-
getretene, unfreiwillige Vermögensverminderung, nicht nur eine zukünftige oder drohende
Schädigung (WEBER, in: BSK OR II, Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], 5. Aufl., Basel 2016, Art. 697b
OR N 7). Aufgrund der Subsidiarität des Anspruchs nach Art. 697b OR gegenüber dem aktien-
rechtlichen Informations- und Einsichtsrecht nach Art. 697 OR ist im Gesuch um Einsetzung
eines Sonderprüfers sodann zu erörtern, was anlässlich der Generalversammlung im Rahmen
des gestellten Auskunftsersuchens oder Einsichtsbegehrens im Einzelnen thematisiert wurde.
Im Weiteren ist wiederzugeben, wie der Verwaltungsrat mit diesen Ersuchen umgegangen ist
und es sind dessen Antworten zusammenzufassen. Eine Sonderprüfung ist nur angezeigt,
wenn im Gesuch auch dargelegt wird, weshalb die erhaltenen Antworten unzureichend sind und
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auch ein Nachschieben von Ergänzungsfragen an der Generalversammlung nicht zielführend
gewesen wäre, um zufriedenstellende Erklärungen erhältlich zu machen. Die dem Sonderprüfer
zu unterbreitenden Fragen müssen im Weiteren thematisch in der grossen Linie denjenigen
entsprechen, wie sie an der Generalversammlung vorgetragen wurden (BGer 4A_648/2011 E. 3
in Pra 101 [2012] Nr. 109 E. 3).
6.3.4 Ausserdem ist aus dem Zusammenspiel von Auskunfts- bzw. Einsichtsrecht und Sonder-
prüfung nach dem Wortlaut von Art. 697 Abs. 2 und Art. 697a Abs. 1 OR stets insofern ein
schutzwürdiges Interesse vorzuweisen, als die erfragten Informationen zur Ausübung bestimm-
ter Aktionärsrechte erforderlich sind. Die Einsetzung eines Sonderprüfers setzt nebst einem
allgemeinen aktuellen schutzwürdigen Interesse (Art. 59 Abs. 1 lit. a ZPO) mit anderen Worten
immer auch ein besonderes Rechtsschutzinteresse voraus. Der gesuchstellende Minderheitsak-
tionär hat im Kontext mit Art. 697b OR nebst der Umschreibung rechts- oder statutenwidriger
Fehlleistungen der Organe und daraus entstandener Schädigung der Gesellschaft oder der Ak-
tionäre immer auch die Rechte zu nennen, für deren Ausübung die beantragte Sachverhaltsklä-
rung erforderlich ist. In Betracht kommen insbesondere das Stimmrecht, das heisst die Mei-
nungsbildung hinsichtlich der Abnahme der Jahresrechnung und der Gewinnverteilung sowie in
Bezug auf Wahlen und Décharge-Erteilung, sodann das Recht auf Durchführung einer Sonder-
prüfung, die Anfechtung von Beschlüssen der Generalversammlung und die Verantwortlich-
keitsklage (BGE 132 III 71 E. 1.2 und 1.3). Zur Frage der Erforderlichkeit der Abklärung für die
Ausübung bestehender Aktionärsrechte führte das Bundesgericht in einem anderen Entscheid
aus, dass es dem Gesuchsteller obliege, einen Zusammenhang zwischen den vom ihm anvi-
sierten Aktionärsrechten und dem Thema der beantragten Untersuchung glaubhaft zu machen.
Diese Voraussetzung ist gemäss Bundesgericht nicht erfüllt, wenn der Gesuchsteller wegen
Verjährung oder Verwirkung der Aktionärsrechte oder aus anderen Gründen gar nicht mehr in
der Lage ist, mit den angestrebten Informationen die entsprechenden Rechte durchzusetzen
(BGer 4C.190/2005 E. 3.2 mit Hinweis auf BÖCKLI, Schweizer Aktienrecht, 3. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2004, § 16 N 49 Fn. 71 [in der aktuellen 4. Aufl.: Fn. 101]). Im Zusammen-
hang mit einer Verantwortlichkeitsklage als angegebenes Rechtsschutzinteresse an einer Son-
derprüfung hielt das Bundesgericht im Übrigen fest, dass es Sache eines Gesuchstellers sei,
klar aufzuzeigen, inwiefern die von ihm verlangte Sonderprüfung zur Ausübung konkreter Aktio-
närsrechte erforderlich sei. Das angerufene Gericht braucht anders ausgedrückt nicht von Am-
tes wegen aus den Ausführungen zu den materiellen Voraussetzungen nach einem Rechts-
schutzinteresse bezüglich der genannten Klagen zu suchen (BGer 4A_107/2018 E. 7.3). Fehlt
es an hinreichenden Angaben zur beabsichtigten Ausübung bestimmter Aktionärsrechte, ist das
Gesuch um Sonderprüfung abzuweisen.
6.3.5 Das Bundesgericht erkannte zudem, dass auch das Recht auf Veräusserung der Aktien
Anlass zu Einsichtsbegehren bilden kann, wenn der Aktionär den wirklichen Wert seiner Aktien
erfahren will (BGer 4A_107/2018 E. 8 mit Hinweis auf BGer 4A_36/2010 E. 3.1 und BGE 132 III
71 E. 1.3). Sein Gesuch um Sonderprüfung an die Generalversammlung kann der Aktionär also
damit begründen, dass er im Hinblick auf sein Recht zur Veräusserung der Aktien deren Wert
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erfahren will. Entspricht die Generalversammlung dem Gesuch aber nicht, so muss der Aktionär
gemäss Art. 697b Abs. 2 OR überdies eine Verletzung von Gesetz oder Statuten und eine
dadurch bewirkte Schädigung glaubhaft machen.
6.4 Werden die Ausführungen in den Eingaben des Gesuchstellers vom 14. Februar 2020
und vom 29. Mai 2020 unter den in den Ziffern 6.3.1 bis 6.3.5 der vorstehenden Erwägungen
genannten Kriterien überprüft, ergibt sich, dass es dem Sonderprüfungsgesuch bereits an einer
hinreichenden Substanziierung seines Gesuchs mangelt. Es ist zwar darin die Rede davon,
dass sich die Gesuchsgegnerin beharrlich geweigert haben soll, gewünschte Informationen an
den Gesuchsteller herauszugeben (Replik S. 4, Rz 6). Ebenso wird vorgebracht, dass die vom
Gesuchsteller eingeforderten Auskünfte zu den festgestellten Unstimmigkeiten aufgrund von
Plausibilitätsüberlegungen weder hinreichend gegeben noch entsprechend dokumentiert seien
(Replik S. 4, Rz 7). Es sei zutreffend, dass der Gesuchsteller viel Auskunft über viele Jahre ge-
wollt habe, weil er bisher auf alle gestellten Auskunftsbegehren keine nachvollziehbaren und
dokumentierten oder plausibel gemachten Auskünfte erhalten habe. Wie der Beilage 1a ent-
nommen werden könne, habe der Gesuchsteller an der Generalversammlung vom
15. November 2019 eine Vielzahl von Anträgen und Fragen eingereicht, die dann alle weder
beantwortet noch sonderlich ernsthaft geprüft worden seien (Replik S. 5, Rz 8). Aus den allge-
mein gehaltenen Ausführungen ist es für das angerufene Kantonsgericht Basel-Landschaft,
Abteilung Zivilrecht, allerdings nicht erkennbar, welche konkreten Auskunftsbegehren an wel-
cher Generalversammlung vom Gesuchsteller gestellt worden sein sollen. Ebenso fehlt es an
substanziierten Parteibehauptungen zum erforderlichen Klagefundament, wie der Verwaltungs-
rat auf die jeweiligen Auskunfts- und Informationsbegehren im Einzelnen reagiert hat. Ohne
nähere Angaben über die Themen und Geschäftsbereiche der angeforderten Auskünfte besteht
für eine Sonderprüfung aufgrund ihrer Subsidiarität kein Raum. Wird für das Geschäftsjahr 2018
davon ausgegangen, der Gesuchsteller habe mit dem Hinweis auf Beilage 1a zum Gesuch vom
14. Februar 2020 hinreichend substanziiert und auch nachgewiesen, sein Auskunfts- und In-
formationsrecht an der Generalversammlung vom 15. November 2019 ausgeübt zu haben,
scheitert die beantragte Sonderprüfung sodann an der erforderlichen inhaltlichen Kongruenz
der Themenbereiche des Fragenkatalogs gemäss den vorliegenden Gesuchen. Beilage 1a ent-
spricht einer Niederschrift des Gesuchstellers zu seinen Anträgen und Fragen. Ob diese dem
Verwaltungsrat an der fraglichen Generalversammlung (schriftlich) vorgelegt wurden, ist nicht
bekannt. Im Protokoll der 23. ordentlichen Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2018 der
Gesuchsgegnerin wurde unter dem Traktandum 3 «Geschäftsbericht, Jahresrechnung 2018»
einzig vermerkt, dass der Gesuchsteller einige Fragen gestellt habe, welche von Frau D. _
(zum Geschäftsbericht) und Herrn E. _ (zur Jahresrechnung) beantwortet worden seien.
Diese Protokollierung blieb in den Eingaben des Gesuchstellers unkommentiert. Daraus ergibt
sich, dass dem Gesuchsteller der Nachweis nicht gelungen ist, seine Fragen seien nicht hinrei-
chend beantwortet worden. Im Weiteren findet sich im Fragenkatalog an den Sonderprüfer ge-
mäss den beiden Eingaben des Gesuchstellers im vorliegenden Verfahren nicht eine der Fra-
gen wieder, welche gemäss den Behauptungen des Gesuchstellers unter Hinweis auf Beilage
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1a zum Gesuch vom 14. Februar 2020 an der Generalversammlung gestellt wurden. Zur Aus-
übung des Auskunfts- und Informationsrechts des Gesuchstellers anlässlich der Generalver-
sammlungen früherer Geschäftsjahre fehlt es den Eingaben des Gesuchstellers abgesehen von
der bereits erwogenen notwendigen Substanziierung auch an Beweisen. Zum Geschäftsjahr
2015 liegen überhaupt keine Unterlagen im Recht. Aus dem Protokoll der Generalversammlung
vom 16. März 2017 für das Geschäftsjahr 2016 (Beilage 10 zum Gesuch vom 14. Februar
2020) geht zwar hervor, dass der Gesuchsteller von seinem Auskunftsrecht Gebrauch gemacht
hat. Ebenfalls ist jedoch auch protokollarisch festgehalten, dass ein damals gestellter Antrag
des Gesuchstellers auf Sonderprüfung der Jahresrechnung 2016 von der Generalversammlung
abgewiesen worden war. Nachdem innert der Dreimonatsfrist gemäss Art. 697b Abs. 1 OR
beim Gericht kein Sonderprüfungsbegehren gestellt wurde, ist die Subsidiaritätsfrage zufolge
Verwirkung des Sonderprüfungsanspruchs ohnehin obsolet. Für das Geschäftsjahr 2017 fehlt
es an einem Nachweis über die tatsächliche Ausübung des Auskunftsrechts, da der Gesuch-
stelller lediglich seine Fragen im Hinblick auf die Generalversammlung vom 4. Juni 2019 in
Schriftform zu den Akten gegeben hat (Beilage 2 zum Gesuchs vom 14. Februar 2020). Das
Protokoll der 22. ordentlichen Generalversammlung vom 4. Juni 2019 wurde dem Kantonsge-
richt Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, indessen nicht vorgelegt, so dass die Prüfung, ob
das Auskunftsrecht wahrgenommen wurde, nicht möglich ist. Ebenso wenig wird dadurch der
Nachweis erbracht, dass die Gesuchsgegnerin die Fragen unzureichend beantwortet hat, was
aufgrund der Subsidiarität der Sonderprüfung jedoch unabdingbar gewesen wäre. Das Sonder-
prüfungsgesuch hätte demnach auch bei Eintreten vollumfänglich abgewiesen werden müssen,
weil grundlegende Bestandteile des Klagefundaments entweder nicht hinreichend substanziiert
oder zumindest nicht nachgewiesen werden konnten.
6.5 Soweit die Sonderprüfung im Hinblick auf die Bewertung des Aktienpakets des Gesuch-
stellers verlangt wurde, fehlt es dem Gesuch an einer hinreichenden Glaubhaftmachung kon-
kreten Fehlverhaltens der Gesellschaft oder deren Organe, welches eine konkrete, bereits ein-
getretene Vermögensschädigung des Gesuchstellers im Sinne der Erwägungen gemäss Ziffer
6.3.3 hievor kausal versursacht hat. Generelle Befürchtungen und Zweifel an der rechtmässigen
Buchführung reichen nicht aus. Auch wird für den Sonderprüfungsanspruch verlangt, dass ein
Schaden bereits vorliegt. Drohende Vermögenseinbussen rechtfertigen keine Sonderprüfung
(WEBER, in: BSK-OR II, Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], 5. Aufl., Basel 2016, Art. 697a OR N 24 mit
Hinweis auf BGer 4A_260/2013 und Art. 697b OR N 7).
6.6 Gemäss dem Gesuch vom 14. Februar 2020 soll die Sonderprüfung dem Gesuchsteller
vorliegend auch als Grundlage für eine bevorstehende Verantwortlichkeitsklage dienen, ohne
dass dabei näher erörtert wurde, welchen Inhalts eine solche Klage sein würde. Auch hier reicht
ein blosser Verweis auf eine mögliche Verantwortungsklage bei weitem nicht aus, ein Rechts-
schutzinteresse an einer Sonderprüfung glaubhaft zu machen (vgl. E. 6.4.3 hievor und zu den
Substanziierungsanforderungen an ein Sonderprüfungsgesuch im Zusammenhang mit einer
angestrebten Verantwortlichkeitsklage im Einzelnen: Entscheid des Kantonsgerichts Basel-
Landschaft, Abteilung Zivilrecht, 430 18 297 E. 4.4.2 f.).
Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht
7. Zusammenfassend ist auf das Gesuch vom 14. Februar 2020 mangels hinreichend be-
stimmter Rechtsbegehren und aufgrund einer unzulässigen «fishing expedition» nicht einzutre-
ten. Die replicando beantragte Sonderprüfung vom 29. Mai 2020 erfolgte verspätet, weil der
entsprechende Anspruch zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung aufgrund von Art. 64 Abs. 2
ZPO und der nachträglich ex tunc weggefallenen Rechtshängigkeit nach dem Nichteintreten auf
das Erstgesuch vom 14. Februar 2020 längstens verwirkt war. Unabhängig vom Eintreten auf
das Erstgesuch ist dem in der Replik gestellten Sonderprüfungsgesuch hinsichtlich der Vorgän-
ge für die Geschäftsjahre 2015 bis 2017 das Eintreten zu versagen, weil hierfür ein gerichtliches
Vorgehen gemäss Art. 697b OR im Anschluss an die betreffenden Generalversammlungen in-
nert dreier Monate erforderlich gewesen wäre. Selbst wenn auf das Sonderprüfungsgesuch
einzutreten gewesen wäre, hätte dieses abgewiesen werden müssen, weil das Klagefundament
der Sonderprüfung nicht hinreichend substanziiert wurde, so dass das angerufene Gericht nicht
überprüfen könnte, ob aufgrund der Subsidiarität der Sonderprüfung überhaupt ein entspre-
chender Anspruch besteht, sei es, weil Angaben und Beweise zur Ausübung des Auskunfts-
und Informationsrechts fehlten, sei es, weil die an der Generalversammlung gestellten Fragen
inhaltlich nicht mit dem einem Sonderprüfer zu unterbreitenden Fragenkatalog gemäss Sonder-
prüfungsgesuch übereinstimmen. Im Weiteren fehlte es den Gesuchen auch an einer hinrei-
chenden Glaubhaftmachung eines konkreten Schadens, welcher durch ein bestimmtes Fehl-
verhalten der Organe der Gesuchsgegnerin kausal verursacht worden sein könnte.
8. Abschliessend ist noch über die Verteilung der Prozesskosten zu befinden. Massgebend
für die Regelung der Kostenfolgen sind die Bestimmungen der Art. 104 ff. ZPO. Gemäss
Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei auferlegt, wobei bei
einem Nichteintreten die klagende Partei als unterliegend gilt. Der Gesuchsteller hat somit die
Gerichtskosten des Verfahrens zu tragen. Eine Anwendung von Art. 107 ZPO, der ein Abwei-
chen von den Verteilungsgrundsätzen und das Verteilen der Prozesskosten nach Ermessen
ermöglicht, ist nicht angebracht. Die Entscheidgebühr wird in Anwendung von § 9 Abs. 1 i. V.
mit § 8 Abs. 1 lit. g der Verordnung vom 15. November 2010 über die Gebühren der Gerichte
(SGS 170.31; Gebührentarif) auf pauschal CHF 5'000.00 festgelegt und mit dem geleisteten
Kostenvorschuss verrechnet (Art. 111 ZPO). Darüber hinaus hat der Gesuchsteller der Ge-
suchsgegnerin eine Parteientschädigung auszurichten, zumal ein diesbezüglicher Antrag ge-
stellt und seitens des Rechtsvertreters der Gesuchsgegnerin auch eine Honorarnote eingereicht
wurde. Diese als Beilage 2 zur Duplik vom 29. Juli 2020 eingereichte Rechnung ist dem Ge-
suchsteller mit Verfügung vom 4. August 2020 zur Kenntnisnahme zugestellt worden. Der
Rechtsvertreter der Gesuchsgegnerin macht einen Aufwand von 30,5 Stunden zu einem Stun-
denansatz von CHF 300.00 zuzüglich Auslagen und MWSt geltend. Der Gesuchsteller hat sich
im Rahmen seines fakultativen Replikrechts im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(BGE 133 I 98 E. 2.1) zur Höhe der beantragten Parteientschädigung nicht geäussert. Gemäss
§ 2 Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO; SGS 178.112) berechnet sich das Hono-
rar im vorliegenden Fall nach Zeitaufwand. Der verrechnete Aufwand von 30,5 Stunden für die
Mandatsführung im vorliegenden Verfahren ist angemessen. Auch der gewählte Stundenansatz
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von CHF 300.00 ist nicht zu beanstanden (vgl. § 3 Abs. 1 TO). Die Auslagen wurden mit
CHF 266.30 beziffert. Die Mehrwertsteuer auf dem Anwaltshonorar ist sodann gerechtfertigt,
weil die Gesuchsgegnerin selber für ihre Leistungen im Bereich der Versicherungsvermittlung
nicht mehrwertsteuerpflichtig ist (Art. 21 Ziff. 18 lit. d Mehrwertsteuergesetzt [MWSTG,
SR 641.20]; vgl. auch Entscheide des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht,
400 11 38 E. 4.5. sowie 410 16 205 E. 12). Der Gesuchsgegnerin ist somit eine Parteientschä-
digung in beantragter Höhe von CHF 10’141.35 zuzusprechen.