Decision ID: 872f189b-f575-50d9-bf4a-84e825a9bf35
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Karl Gehler, LL.M., Hanfländerstrasse 67,
Postfach 1539, 8640 Rapperswil SG,
gegen
1. RAV Rapperswil-Jona, Neue Jonastrasse 59, Postfach,
8640 Rapperswil-Jona,
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vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
und
2. Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (arbeitsmarktliche Massnahme) und
Vermittlungsfähigkeit
Sachverhalt:
A.
A.a M._ meldete sich erstmals per 1. Februar 2002 zum Bezug von Leistungen der
Arbeitslosenversicherung an, nachdem sie ihre bisherige Stelle aus wirtschaftlichen
Gründen verloren hatte (act. G 4.1/B33). Mit Beginn ab 1. März 2004 fand die
Versicherte eine Anstellung bei der A._. Dieses Arbeitsverhältnis wurde aus
wirtschaftlichen Gründen auf den 31. Juli 2005 vom Arbeitgeber gekündigt (act. G 4.1/
B82). Die Versicherte meldete sich per 30. August 2005 erneut zum Leistungsbezug bei
der Arbeitslosenversicherung an (act. G 4.1/B80). Sie fand per 1. Juni 2006 eine
Anstellung bei der A._ mit einem Pensum von 25% (act. G 4.1/A11) als leitende
Mitarbeiterin der Kommunikation (act. G 4.1/B103). Am 23. Juni 2006 wurde sie vom
RAV Rapperswil angewiesen, ab dem 3. Juli 2006 an einem Einsatzprogramm (W._)
teilzunehmen (act. G 4.1/A13). Diese Anweisung wurde mit Verfügung vom
28. September 2006 an die Zwischenverdiensttätigkeit angepasst ("der
Zwischenverdienst hat Vorrang") und die neue Dauer des Einsatzprogrammes beim
W._ wurde auf 23. Oktober 2006 bis 22. April 2007 festgesetzt (act. G 4.1/A21).
A.b Am 7. Dezember 2006 teilte das RAV Rapperswil der Versicherten mit, sie hätte
das Einsatzprogramm beim W._ in der Differenz zu ihrer Zwischenverdiensttätigkeit
besuchen müssen. Am 6. und 7. November 2006 habe sie das Einsatzprogramm
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unentschuldigt nicht angetreten und sei dort seit dem 9. November 2006 nicht mehr
erschienen, obwohl in der Zwischenverdienstabrechnung maximal 1 bis 2 Stunden pro
Tag ausgewiesen seien. Auf die schriftliche Aufforderung des W._ vom 27. November
2006, sie solle ihre Abwesenheit begründen, habe sie nicht reagiert. Das RAV
Rapperswil stellte vor diesem Hintergrund eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung von 31 Tagen in Aussicht und forderte die Versicherte am
11. Dezember 2006 zur Stellungnahme auf (act. G 4.1/A26 f.).
A.c Die Versicherte führte in der Stellungnahme vom 15. Dezember 2006 aus, es sei
ihr aufgrund ihrer Zwischenverdiensttätigkeit unmöglich gewesen, ab dem 8. November
2006 im W._ zu erscheinen. Ferner sei ihr Gesundheitszustand nicht der beste,
weshalb sie mehrere Arzttermine wahrgenommen habe. Sie habe aber kein Arztzeugnis
verlangt, weil sie in ihrer Zwischenverdiensttätigkeit habe arbeiten müssen. Ab Mitte
Dezember 2006 werde sie mehr Zeit für das Einsatzprogramm aufwenden können (act.
G 4.1/A28). In der ergänzenden Stellungnahme vom 10. Januar 2007 beantragte die
Versicherte einen Verzicht auf die Verfügung von Einstelltagen. Eventualiter seien
maximal 10 Einstelltage zu verfügen. Sie machte geltend, dass die
Zwischenverdiensttätigkeit absoluten Vorrang habe (act. G 4.1/A32).
A.d Das RAV Rapperswil-Jona meldete am 23. Januar 2007, die Versicherte habe im
Dezember 2006 das Einsatzprogramm nie besucht (act. G 4.1/B140) und am 1. Februar
2007, die Versicherte habe im Januar 2008 lediglich an 8 Arbeitstagen das
Einsatzprogramm korrekt besucht (act. G 4.1/A33).
A.e Am 5. April 2007 stellte das Amt für Arbeit der Versicherten in Aussicht, die
Vermittlungsfähigkeit ab Juni 2006 zu verneinen und forderte sie zur Stellungnahme auf
(act. G 4.1/A44). Gleichentags verfügte das RAV Rapperswil-Jona wegen
weisungswidrigen Verhaltens eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung ab
9. November 2006 im Umfang von 31 Tagen (act. G 4.1/A49), ab 1. Januar 2007 im
Umfang von 40 Tagen (act. G 4.1/51) und ab 1. Februar 2007 im Umfang von 40 Tagen
(act. G 4.1/A53).
B.
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B.a Gegen diese Verfügungen vom 5. April 2007 betreffend Einstellung in der
Anspruchsberechtigung erhob M._ am 7. Mai 2007 drei Einsprachen und ersuchte
um Gewährung einer Frist für eine ergänzende Einsprachebegründung (act. G 4.1/A50,
A52 und A54).
B.b Am 31. Mai 2007 nahm die Versicherte Stellung betreffend die Frage der
Vermittlungsfähigkeit. Sie machte geltend, insgesamt 3 Zwischenverdiensttätigkeiten
auszuüben. Insbesondere die Tätigkeit bei der A._ erfordere Flexibilität und einen
erheblichen Zeitaufwand, nur schon, um für die unregelmässigen Arbeitseinsätze an die
Arbeitsstelle zu gelangen. Die Zwischenverdiensttätigkeiten seien aber nicht geeignet,
die Vermittlungsfähigkeit zu verneinen. Diese Tätigkeiten seien so ausgestaltet, dass
sie jederzeit kurzfristig aufgehoben werden könnten, sobald sich eine Festanstellung
ergebe (act. G 4.1/A57).
B.c In den ergänzenden Einsprachebegründungen vom 22. Juni 2007 gegen die
Verfügungen vom 5. April 2007 betreffend Einstellung in der Anspruchsberechtigung
beantragte die Einsprecherin einen Verzicht auf die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung. Eventualiter seien (je) maximal 10 Einstelltage zu verfügen. Sie
bringt vor, der Vorwurf sei unzutreffend, dass sie das Einsatzprogramm beim W._
unentschuldigt nicht besucht habe. Denn eine Zwischenverdiensttätigkeit gehe einem
Einsatzprogramm vor. Aufgrund ihrer Zwischenverdiensttätigkeiten bestehe eine hohe
Arbeitsbelastung. Hinzu kämen noch diverse ärztliche Behandlungen. Eine Teilnahme
an einem Einsatzprogramm sei daher für sie sehr schwierig. An jedem von der
Einsprachegegnerin gerügten Tag sei sie ihrer Zwischenverdiensttätigkeit bei der A._
nachgegangen. Vor diesem Hintergrund sei eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung nicht gerechtfertigt (act. G 4.1/A60, A61 und A62).
C.
C.a Mit Verfügung vom 21. September 2007 verneinte das Amt für Arbeit ab
9. November 2006 die Vermittlungsfähigkeit. Es führte im Wesentlichen aus, dass die
Versicherte den ihr obliegenden Mitwirkungspflichten wiederholt nicht nachgekommen
sei. In Berücksichtigung der bei der Einsatzprogrammgestaltung durch das RAV
Rapperswil-Jona angewandten Sorgfalt und den zahlreichen Bemühungen seitens der
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Verwaltung, die Versicherte zu einer Teilnahme beim W._ zu bewegen, sei von
Vermittlungsunfähigkeit auszugehen (act. G 4.1/A66).
C.b Das RAV Rapperswil-Jona wies mit Entscheid vom 24. September 2007 die
Einsprache vom 7. Mai 2007 betreffend Einstellung in der Anspruchsberechtigung für
31 Tage ab. Es begründete den Entscheid damit, dass die Einsprecherin trotz
Zwischenverdiensttätigkeit verpflichtet gewesen sei, am Einsatzprogramm
teilzunehmen. Da es sich um ein wiederholtes Versäumnis handle sowie Mahnungen
und Anfragen der Verwaltung unberücksichtigt blieben, sei die Einstelldauer zu Recht
mit 31 Tagen bemessen worden (act. G 4.1/A67).
D.
D.a M._ erhob am 22. Oktober 2007 Beschwerde gegen den Einspracheentscheid
vom 24. September 2007. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen beantragte sie
dessen Aufhebung und den Verzicht auf die Einstellung in der Anspruchsberechtigung.
Eventualiter seien maximal 10 Einstelltage zu verfügen. Das vorliegende Verfahren sei
bis zur rechtskräftigen Entscheidung über die Frage der Vermittlungsfähigkeit zu
sistieren (act. G 1 im Verfahren AVI 2007/109).
D.b Gegen die Verfügung betreffend Vermittlungsfähigkeit erhob M._ am 23. Oktober
2007 Einsprache. Sie brachte vor, es treffe zu, dass sie im Oktober 2006 verpflichtet
worden sei, einem neuen Einsatzprogramm im W._ zu folgen. Allerdings hätte die
Anpassung an die bisherigen Einsatzprogramme nicht genügt, um die schwierige
Situation betreffend Zwischenverdienst und die übrigen Bedürfnisse der Einsprecherin
(Gesundheitszustand, Verschiebungen) zu berücksichtigen. Es sei ihr ein
Einsatzprogramm aufgezwungen worden, das nur sehr schlecht habe eingehalten
werden können. Die Einsprecherin sei bereit und in der Lage, zu jeder beliebigen Zeit
eine zumutbare Arbeit anzunehmen. Sie sei grundsätzlich im Rahmen des Möglichen
auch bereit, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Die
Eingliederungsmassnahmen müssten aber dergestalt sein, dass der bewilligte
Zwischenverdienst, der den Eingliederungsmassnahmen vorgehe, sich mit den
Eingliederungsmassnahmen auch koordinieren lasse. Die Vermittlungsfähigkeit sei
sowohl in objektiver wie auch in subjektiver Hinsicht gegeben (act. G 4.1/A68).
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D.c Das Amt für Arbeit beantragte in der Beschwerdeantwort vom 29. November 2007
betreffend Einstellung in der Anspruchsberechtigung, dass dem Sistierungsantrag der
Beschwerdeführerin zu entsprechen sei (act. G 3 im Verfahren AVI 2007/109). Die
Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts sistierte am 6. Dezember 2007 dieses
Beschwerdeverfahren bis zum Erlass eines Einspracheentscheids des Amts für Arbeit
bezüglich Vermittlungsfähigkeit (act. G 4 im Verfahren AVI 2007/109).
D.d Mit Entscheid vom 15. Januar 2008 wies das Amt für Arbeit die Einsprache
betreffend Verneinung der Vermittlungsfähigkeit ab (act. G 4.1/A75).
E.
E.a Am 15. Februar 2008 erhob M._ Beschwerde gegen den Einspracheentscheid
vom 15. Januar 2008 betreffend Vermittlungsfähigkeit und beantragte unter Kosten-
und Entschädigungsfolge dessen Aufhebung. Sie machte zusammenfassend geltend,
dass die Verneinung der Vermittlungsfähigkeit nicht korrekt und unverhältnismässig sei.
Die Begründung lautete im Wesentlichen gleich wie diejenige der Einsprache vom
23. Oktober 2007 (act. G 1).
E.b Am 22. Februar 2008 hob die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts die
Sistierung des Verfahrens AVI 2007/109 betreffend Einstellung in der
Anspruchsberechtigung auf, vereinigte dieses mit dem Beschwerdeverfahren AVI
2008/7 betreffend Vermittlungsfähigkeit und ersuchte das Amt für Arbeit um
Einreichung der Beschwerdeantwort (act. G 3).
E.c In der Beschwerdeantwort vom 11. März 2008 beantragte die Verwaltung die
Beschwerdeabweisung. Die Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie diejenige
der angefochtenen Einspracheentscheide (act. G 4).
E.d In der Replik vom 14. Mai 2008 wiederholte die Beschwerdeführerin ihre bereits
im Einsprache- und bisherigen Beschwerdeverfahren vorgebrachte Argumentation und
betonte, dass die gesundheitlichen Leiden sie in einer angepassten Tätigkeit nicht
behindern würden (act. G 8).
E.e Auf die Einreichung einer Duplik wurde verzichtet (act. G 10).
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Erwägungen:
1.
Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts vereinigte am 22. Februar 2008
aufgrund des engen Sachzusammenhanges die Beschwerdeverfahren AVI 2008/7 und
AVI 2007/109 (im vorliegenden Entscheid werden die Akten aus dem Verfahren AVI
2008/7 angegeben, soweit nicht anders vermerkt). Das ist unbestritten geblieben.
2.
Umstritten sind die Fragen, ob die Beschwerdeführerin ab dem 9. November 2006
vermittlungsfähig gewesen ist und bejahendenfalls, ob und in welchem Umfang sie in
der Anspruchsberechtigung einzustellen ist. Da die Beantwortung der Einstellungsfrage
von der Beantwortung der Frage betreffend die Vermittlungsfähigkeit abhängt, ist vorab
die Frage der Vermittlungsfähigkeit zu beurteilen.
3.
3.1 Gemäss Art. 15 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist eine
arbeitslose Person vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist,
eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen.
Zur Vermittlungsfähigkeit gehört demnach auch die Bereitschaft an
Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Diese Bereitschaft bildet mit der
Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während
der üblichen Arbeitszeit einzusetzen, Inhalt der Vermittlungsbereitschaft (Thomas
Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Soziale Sicherheit, Bd. XIV, 2. Auflage, Rz
270 f.). Als Anspruchsvoraussetzung schliesst der Begriff der Vermittlungs(un)fähigkeit
graduelle Abstufungen aus. Entweder ist die versicherte Person vermittlungsfähig,
insbesondere bereit, eine zumutbare Arbeit (im Umfang von mindestens 20 Prozent
eines Normalarbeitspensums; vgl. Art. 5 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02])
anzunehmen, oder nicht (BGE 125 V 58 E. 6a).
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3.2 Bei Zwischenverdienst ist der Begriff der Vermittlungsfähigkeit in dem Sinn zu
relativieren, dass die Versicherten bereit und in der Lage sind, die betreffende
Beschäftigung so schnell wie möglich (unter Wahrung der Kündigungsregeln oder einer
angemessenen Reaktionszeit für die Aufgabe einer selbstständigen Arbeit) zu Gunsten
einer zumutbaren und besser entlöhnten Stelle aufzugeben (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 11. Januar 2000 i.S. K., C 358/1999, E. 2c mit Hinweisen; Urteil
des EVG vom 8. Juni 2001 i.S. A., C 436/00, E. 2a).
3.3 Im vorliegend zu beurteilenden Fall hat die Beschwerdeführerin mit der Aufnahme
ihrer Zwischenverdiensttätigkeiten als Übersetzerin, als Assistentin bei Kursen für die
Erwachsenenbildung sowie als Mitarbeiterin bei der A._ (vgl. act. G 4.1/A60 S. 2 f.)
vor allem das getan, wozu sie gemäss der ihr obliegenden Schadenminderungspflicht
(Art. 17 AVIG) gehalten war. Dass sie dabei nicht nach einem festen Einsatzplan,
sondern gemäss den Bedürfnissen ihrer Arbeitgeberinnen eingesetzt und
unregelmässig beschäftigt wurde, kann ihr in Bezug auf die Vermittlungsfähigkeit nicht
zum Nachteil gereichen. Denn im vorliegenden Fall ist – insbesondere gestützt auf die
persönlichen Arbeitsbemühungen (vgl. act. G 4.1/B27 ff.) sowie die Aussagen der
Beschwerdeführerin, eine Stelle mit einem 100%igen Pensum zu suchen (act. G 4.1/
C16 ff.) – davon auszugehen, dass sie ihre Zwischenverdiensttätigkeiten bei Auffinden
einer anderen Stelle aufgegeben hätte. Insofern vermag die Beschwerdeführerin dem
Anspruchserfordernis der Vermittlungsfähigkeit zu genügen. In diesem Zusammenhang
ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdegegner gegenüber der
Beschwerdeführerin nicht – zumindest nicht aktenkundig – den Vorwurf erhob, sie wäre
nicht bereit gewesen die Zwischenverdiensttätigkeiten zu Gunsten einer zumutbaren
und besser entlöhnten Stelle aufzugeben. Vielmehr stützte der Beschwerdegegner die
Verneinung der Vermittlungsfähigkeit auf die Absenzen vom Einsatzprogramm beim
W._ (act. G 4.1/A75). Wie bereits erwähnt (vgl. vorstehende E. 3.1) umfasst die
Vermittlungsfähigkeit auch die Bereitschaft, an Einsatzprogrammen teilzunehmen. Die
grundsätzliche Bereitschaft der Beschwerdeführerin, an Einsatzprogrammen
teilzunehmen, ist aufgrund ihrer glaubhaften Aussagen (vgl. act. G 4.1/A17, A28 und
A64) und ihren Bemühungen um Einsatzprogramme etwa bei der Universität X._ (act.
G 4.1/A8) oder bei der Arbeitslosenkasse Y._ (act. G 4.1/A7) ausgewiesen. Hinzu
kommt, dass die Beschwerdeführerin dem Einsatzprogramm beim W._ nicht gänzlich
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ferngeblieben war und namentlich im Januar 2007 während 8 Tagen besuchte (act.
G A33). Die vom Beschwerdegegner geltend gemachten Absenzen führen nicht dazu,
dass der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vollumfänglich die
Bereitschaft abzusprechen ist, an Einsatzprogrammen teilzunehmen.
Zusammenfassend ist demnach die Vermittlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ab
dem 9. November 2006 zu bejahen und die Beschwerde in diesem Sinn gutzuheissen.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die
Beschwerdeführerin wegen ihrer Absenzen vom Einsatzprogramm bei der W._ in der
Anspruchsberechtigung einzustellen ist.
4.2 Die versicherte Person ist u.a. dann in der Anspruchsberechtigung einzustellen,
wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht oder die
Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine arbeitsmarktliche
Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren
Durchführung oder Zweck durch ihr Verhalten beeinträchtigt oder verunmöglicht
(Art. 30 Abs. 1 lit. c und d AVIG). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung kommt
einer Zwischenverdiensttätigkeit zwar Priorität vor einer vorübergehenden
Beschäftigungsmassnahme zu (BGE 125 V 366 E. 4b mit ausführlicher Begründung;
bestätigt im Urteil des EVG vom 14. Februar 2000 i.S. T., C 323/99, E. 2a). Diese
Priorität bedeutet hingegen nicht, dass versicherte Personen, die einer
Zwischenverdiensttätigkeit nachgehen, nicht (mehr bzw. ergänzend) an zumutbaren
arbeitsmarktlichen Massnahmen teilzunehmen haben bzw. den Umfang der Teilnahme
eigenmächtig bestimmen können. Im vorliegend zu beurteilenden Fall wurde das
Einsatzprogramm gerade im Hinblick auf die Zwischenverdiensttätigkeiten der
Beschwerdeführerin zugeschnitten. Es konnte von ihr daher grundsätzlich erwartet
werden, dass sie die von den Zwischenverdiensttätigkeiten nicht erfasste Arbeitszeit im
Einsatzprogramm verwertet.
4.3 Es steht fest, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Juni 2006 für die A._ arbeitete.
Im Arbeitsvertrag mit der A._ vom 1. Juni 2006 wurde die Arbeitszeit bzw. das
Arbeitspensum als "flexibel" bezeichnet und ein Stundenlohn von Fr. 28.-- vereinbart
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(act. G 4.1/B103). Am 16. Juni 2006 orientierte die Beschwerdeführerin ihren RAV-
Berater, der derzeitige Beschäftigungsgrad bei der A._ von 25% könne sich im
Herbst 2006 auf 50% erhöhen (act. G 4.1/B104). Am 11. September 2006 berichtete
sie, dass ihre Zwischenverdiensttätigkeit bei der A._ 30 bis 40% betrage (act. G 4.1/
C87). In Berücksichtigung dieser Umstände teilte das RAV Rapperswil der
Beschwerdeführerin mit, dass die Zwischenverdiensttätigkeit Vorrang habe (act. G 4.1/
A20). Im Formular Bescheinigung über Zwischenverdienst vom November 2006 gab die
Beschwerdeführerin an, 29 Stunden bei der A._ gearbeitet zu haben (act. G 4.1/C16).
Daneben hat sie – gemäss Berechnung des Beschwerdegegners – 17.5 Stunden am
Einsatzprogramm beim W._ teilgenommen (act. G 4.1/A75). Die Beschwerdeführerin
begründete ihre Abwesenheiten vom Einsatzprogramm am 15. Dezember 2006 mit
ihrer Zwischenverdiensttätigkeit. Ab 8. November 2006 sei ihr eine Teilnahme am
Einsatzprogramm unmöglich gewesen, da aufgrund der bis Ende November 2006
laufenden Kündigungsfrist für Krankenversicherungsverträge bei der A._ viel Arbeit
bis Mitte Dezember 2006 angefallen sei. Sie erhalte unabhängig von der tatsächlich
aufgewendeten Bearbeitungs- und Reisezeit – die zwischen 2 bis 4 Stunden betragen
könne (act. G 1, S. 4, im Verfahren AVI 2007/109) – pro Kunde lediglich eine Stunde
Arbeitszeit entschädigt. Ferner habe sie in der fraglichen Zeit insgesamt 8 Arztbesuche
gehabt (act. G 4.1/A28).
4.4 Mit den genannten Angaben der Beschwerdeführerin kontrastieren die vom
Arbeitgeber gemeldeten Arbeitsstunden. Dieser berichtete, die Beschwerdeführerin
habe im November 2006 29 Arbeitsstunden (act. G 4.1/C16) und im Dezember 2006
24 Arbeitsstunden (act. G 4.1/C17) für ihn erbracht. Den Angaben des Arbeitgebers ist
nicht explizit zu entnehmen, ob es sich bei den gemeldeten Stunden um die effektive
Arbeitszeit der Beschwerdeführerin oder lediglich um die von der Beschwerdeführerin
geltend gemachten pauschalen (Stundenlohn-)Entschädigungen entsprechend der
Anzahl bearbeiteter Kunden handelt, die nicht den tatsächlichen Arbeitsaufwand
wiedergeben. Zur Bestimmung unentschuldigter Absenzen vom Einsatzprogramm und
damit für die Beurteilung der Einstellungswürdigkeit und des Verschuldens ist jedoch
die Feststellung des von der Beschwerdeführerin für ihre Zwischenverdiensttätigkeiten
gehabten tatsächlichen Aufwands von entscheidender Bedeutung. Der
Beschwerdegegner hat es bisher unterlassen, die Widersprüche zwischen den
diesbezüglichen Angaben der Beschwerdeführerin und ihres Arbeitgebers zu klären. In
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Nachachtung der dem Beschwerdegegner obliegenden Untersuchungs- und
Abklärungspflicht ist die Sache zurückzuweisen, um den tatsächlichen von der
Beschwerdeführerin gehabten Arbeitsaufwand für ihre Zwischenverdiensttätigkeiten
bzw. ihre nicht durch die Zwischenverdiensttätigkeiten gerechtfertigten Absenzen vom
Einsatzprogramm zu ermitteln. Hernach wird der Beschwerdegegner erneut über eine
allfällige Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu verfügen haben.
5.
Angesichts der widersprüchlichen Angaben der Beschwerdeführerin über die
tatsächlich im Rahmen der Zwischenverdiensttätigkeiten aufgewendeten Stunden stellt
sich weiter die Frage, ob der von der Arbeitslosenkasse gestützt auf die
Bescheinigungen über Zwischenverdienst angerechnete Zwischenverdienst korrekt
ermittelt wurde bzw. ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf weitere bezahlte
Arbeitsstunden im Rahmen des Zwischenverdienstes gehabt hätte. Diese Frage bildet
indes nicht Gegenstand der angefochtenen Einspracheentscheide bzw. des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens, weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen.
Immerhin kann bemerkt werden, dass der Beschwerdegegner und die
Arbeitslosenkasse bezüglich der für den Zwischenverdienst aufgewandten Zeit vom
gleichen Sachverhalt auszugehen haben.
6.
6.1 In Gutheissung der Beschwerde vom 15. Februar 2008 wird der
Einspracheentscheid vom 15. Januar 2008 betreffend Vermittlungsfähigkeit
aufgehoben. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde vom 22. Oktober 2007 wird der
Einspracheentscheid vom 24. September 2007 betreffend Einstellung in der
Anspruchsberechtigung von 31 Tagen aufgehoben und die Sache wird zur weiteren
Abklärung sowie allfällig neuer Verfügung zurückgewiesen.
6.2 Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
6.3 Bei diesem Ausgang der (vereinigten) Verfahren hat die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise
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festzusetzen, wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand
Rechnung zu tragen ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1).
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote
verzichtet. Er hat für die beiden Beschwerden und die Replik zweifellos einige Zeit
aufwenden müssen. Der Bedeutung und Komplexität der Streitsache angemessen
erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 5'000.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer). Die beiden Beschwerdegegner haben der Beschwerdeführerin
somit je Fr. 2'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG