Decision ID: 29f402d5-2bfd-444b-94d4-68fc4fb5dc5b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) absolvierte von 1984 bis 1991 eine Ausbildung
bei B._ und arbeitete dort bis im März 1994 in einem 100%-Pensum. Ab 1. April 1994
reduzierte er das Arbeitspensum auf 80%. Per 29. Februar 2000 kam es zur Auflösung
des Arbeitsverhältnisses. In dieser Zeit bzw. ab 1. Januar 1991 (act. G 10 S. 2) war der
Versicherte bei der BVG-Sammelstiftung Swiss Life, Zürich (früher BVG-
Sammelstiftung der Rentenanstalt; nachfolgend: Swiss Life), versichert (vgl. zu diesem
unbestrittenen Sachverhalt act. G 1).
A.a.
Ab dem 1. Juni 2000 arbeitete der Versicherte bei der C._ (act. G 1.10), mit
einem Pensum von 80%, welches per 1. August 2008 auf 70% reduziert wurde (act. G
1.11 f.). Im Rahmen dieser Anstellung war er seit 1. Juni 2000 (act. G 1.14) bei der Asga
Pensionskasse Genossenschaft, St. Gallen (nachfolgend: Asga), versichert. Im Juni
2013 kam es zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Ab dem 1. September 2013 war
der Versicherte mit einem Pensum von 70% bei D._ angestellt. Auch über dieses
Arbeitsverhältnis war der Versicherte bei der Asga berufsvorsorgeversichert. Das
Arbeitsverhältnis wurde per 31. Dezember 2014 aufgelöst (vgl. zu diesem
unbestrittenen Sachverhalt act. G 1).
A.b.
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B.
Bereits anfangs des Jahres 2014 hatte sich der Versicherte bei der
Invalidenversicherung des Kantons Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend: IV-Stelle AR)
angemeldet (Früherfassung). In deren Auftrag erstattete Dr. med. E._, Facharzt für
Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie, am 17. Januar 2015 ein psychiatrisches
Gutachten. Diagnostiziert wurde eine anankastische (zwanghafte)
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.5). Diese habe Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Die Leistungsfähigkeit betrage sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in
adaptierten Tätigkeiten 75%, wahrscheinlich seit mehreren Jahren (act. G 1.19).
A.c.
Zur Prüfung der Wiedereingliederung veranlasste die IV-Stelle AR eine berufliche
Abklärung bei der Obvita, die zwischen Ende März und Anfang Juli 2015 durchgeführt
wurde. Sie ergab eine Leistungsfähigkeit bei Serienarbeiten von 54%. Realistisch liege
der Leistungsgrad bei anspruchsvolleren Aufgaben und über einen längeren Zeitpunkt
sicherlich einiges tiefer (act. G 1.20). Mit Verfügung vom 29. Juni 2016 wurde dem
Versicherten ab 1. Dezember 2015 bei einem Invaliditätsgrad von 42% eine
Viertelsrente zugesprochen (act. G 1.21). Diese Verfügung blieb unangefochten.
A.d.
Mit Schreiben vom 15. Dezember 2016 verneinte die Asga ihre Leistungspflicht
gegenüber dem Versicherten. Eine relevante Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invalidität
geführt habe, habe bereits vor dem Eintritt in die Asga bestanden (act. G 1.22). Am 21.
Juni 2017 gelangte der Versicherte durch seine Rechtsvertretung, Rechtsanwältin Karin
Herzog, St. Gallen, an die Swiss Life und beantragte eine Prüfung und Ausrichtung der
gesetzlichen Leistungen (act. G 1.23). Die Swiss Life verneinte mit Schreiben vom 24.
August 2018 einen Anspruch. Der Versicherte sei erst seit Dezember 2014 in seiner
Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt (act. G 1.24).
A.e.
Mit Klageschrift vom 3. Mai 2019 gelangte die Rechtsvertreterin des Versicherten
(nachfolgend: Kläger) an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Sie
beantragte 1. Die Swiss Life (nachfolgend: Beklagte 2) sei zu verpflichten, dem Kläger
eine ganze Invalidenrente ab 1. Dezember 2015 auszurichten. 2. Eventualiter sei die
Asga (nachfolgend: Beklagte 1) zu verpflichten, dem Kläger eine ganze Invalidenrente
ab 1. Dezember 2015 auszurichten. 3. Subeventualiter sei die Beklagte 2 zu
verpflichten, dem Kläger eine Viertelsrente ab 1. Dezember 2015 auszurichten. 4.
B.a.
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Erwägungen
1.
Subsubeventualiter sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger eine Viertelsrente ab
1. Dezember 2015 auszurichten. 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich
Mehrwertsteuer zulasten der unterliegenden Beklagten (act. G 1).
Mit Klageantwort vom 15. Juli 2019 beantragte die Beklagte 1 die vollumfängliche
Abweisung der Klage. Die Beklagte 2 sei zu verpflichten, ihr die erbrachten
Vorleistungen zurückzuerstatten. Beim Kläger habe seit 1994 eine mindestens 20%-
Arbeitsunfähigkeit bestanden, weshalb die Beklagte 1 nicht leistungspflichtig sei (act. G
7).
B.b.
Die Beklagte 2 reichte am 16. September 2019 ihre Klageantwort ein. Sie
beantragte die Abweisung der Klage, soweit sie betroffen sei. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten des Klägers. Es sei nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beginn der
berufsvorsorgerelevanten Arbeitsunfähigkeit während der Versicherungsdauer bei der
Beklagten 2 eingetreten sei. Sie sei somit nicht leistungspflichtig (act. G 10).
B.c.
Replizierend liess der Kläger am 31. Oktober 2019 an seinen Anträgen
vollumfänglich festhalten (act. G 12). Die Beklagte 2 hielt mit Duplik vom 25. November
2019 vollumfänglich an ihrem Antrag und der Begründung fest (act. G 14). Die Beklagte
1 hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 15).
B.d.
Am 18. Dezember 2019 reichte Rechtsanwältin Herzog ihre Honorarnote über Fr.
6'859.45 ein (act. G 16). Diese wurde den Beklagten am 19. Dezember 2019 zur
Kenntnis gebracht (act. G 17).
B.e.
Mit Schreiben vom 28. April 2020 ersuchte das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen zwei ehemalige Arbeitgeber des Versicherten, B._ und C._ um
Beantwortung mehrerer Fragen in Bezug auf das jeweilige Arbeitsverhältnis mit dem
Versicherten (act. G 18 f.). Die am 20. Mai und 12. Juni 2020 erfolgten Eingaben (act. G
20 und 22) wurden den Parteien am 23. Juni 2020 zur Kenntnis gebracht (act. G 23).
B.f.
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Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ist
unbestrittenermassen gegeben (vgl. Art. 73 des Bundesgesetzes über die berufliche
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40] in Verbindung mit Art.
65 Abs. 1 lit. e des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
2.
bis
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 lit. a BVG Personen, die im
Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40% invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Das
gemäss Art. 23 BVG versicherte Ereignis ist einzig der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse
daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht
notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der
Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der
Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus
dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit geschuldete
Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn
sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert.
Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein
Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E.
5). Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die jeweilige Haftung mehrerer
Vorsorgeeinrichtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit
bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die
Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversicherung
zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in
diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber
derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden
Arbeitsunfähigkeit angehörte (BGE 130 V 275 E. 4.1). Der Zeitpunkt des Eintritts der
berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch
nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Juni 2013, 9C_91/2013, E. 4.1.2). Die Arbeitsunfähigkeit ist
relevant, wenn sie mindestens 20% beträgt und sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig
2.1.
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/b6240896-269b-4cb0-b176-168452e60eae?source=document-link&SP=7|nzfa1e https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/b6240896-269b-4cb0-b176-168452e60eae?source=document-link&SP=7|nzfa1e https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/0a57614d-3244-4f5d-8a1f-555408013c53?source=document-link&SP=2|axwplw https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/f895f60a-0ece-424e-a0d6-2ff6ca24e094?source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/f895f60a-0ece-424e-a0d6-2ff6ca24e094?source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/17550983-22cd-4fac-84ca-5250dc633db1?citationId=015f9985-37a7-4ec7-8ff3-360a405ec373&source=document-link&SP=12|4ql1gx
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auswirkt oder ausgewirkt hat (vgl. Hans-Ulrich Stauffer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Die berufliche Vorsorge, 3. Auflage,
Zürich/Basel/Genf 2013, S. 74 mit Hinweisen). Es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung
treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leistungsvermögen
eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender
Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte,
gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle (Urteil des Bundesgerichts vom 11. September
2008, 9C_368/2008, E. 2).
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer
beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung
des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes
erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und
zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt
ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende
Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt
hat. Der zeitliche Zusammenhang setzt voraus, dass die versicherte Person nach
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig geworden
ist. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten
Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen
prognostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die
versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit
veranlasst haben (vgl. BGE 134 V 20 E. 3.2, E. 3.2.1 und E. 5.3).
2.2.
Eine Reduktion des Arbeitspensums aus gesundheitlichen Gründen ist ein
gewichtiges Indiz für das Vorliegen einer berufsvorsorgerechtlich relevanten
Arbeitsunfähigkeit (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom
10. Oktober 2001, B 27/00, E. 5), genügt allein in der Regel jedoch nicht für den
Nachweis einer funktionellen Leistungseinbusse. Dies gilt insbesondere, wenn die
Reduktion aus einem subjektiven Krankheitsgefühl heraus erfolgt oder wenn
konkurrierende Gründe bestehen, wie mehr Zeit für bestimmte (Freizeit-)Aktivitäten zu
haben oder eine berufsbegleitende Weiterausbildung zu absolvieren (Urteil des EVG
vom 8. Juni 2006, B 34/05, E. 3.2). Es braucht grundsätzlich eine echtzeitliche ärztliche
Bestätigung, dass die Pensenreduktion gesundheitlich bedingt notwendig ist, u.a.
wenn die weitere Verrichtung der Berufsarbeit nur unter der Gefahr der
Verschlimmerung des Gesundheitszustands möglich ist. Davon kann nur abgesehen
werden, wenn aufgrund anderer Umstände, etwa krankheitsbedingter Absenzen vor
der Arbeitszeitreduktion, davon auszugehen ist, dass dieser Schritt auch objektiv
2.3.
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/20f4128c-0bf8-44ae-ab16-8579148e228f?citationId=55154078-2051-4165-98ad-33680a0eaf28&source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/60d529ef-a342-453a-a488-24ec73fb822d?citationId=ea26a3a2-5a07-4645-b5ee-bd55da4dbd94&source=document-link&SP=8|4ql1gx
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betrachtet aus gesundheitlichen Gründen erfolgt und insoweit eine arbeitsrechtlich in
Erscheinung getretene (sinnfällige) Leistungseinbusse zu bejahen ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Januar 2014, 9C_419/2013, E. 2.3 mit Hinweisen). In diesem
Sinne verlangt die Rechtsprechung nicht zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte
Arbeitsunfähigkeit zum rechtsgenüglichen Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich
relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Juni 2008, 9C_96/2008, E. 3.2.2).
Art. 23 lit. b und c BVG enthalten sodann spezifische Voraussetzungen für
Versicherte mit Geburtsgebrechen und solche, die als Minderjährige invalid wurden;
sind diese Sondervoraussetzungen nicht erfüllt, kommt Art. 23 lit. a BVG im Sinne einer
allgemeinen Grundregel zur Anwendung. Mit Einführung der Sonderregelungen in Art.
23 lit. b und c BVG wollte der Gesetzgeber – im Zuge der 1. BVG-Revision – den
Versicherungsschutz auf Personen ausweiten, welche bereits mit einer
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% aber weniger als 40% ins Erwerbsleben resp.
in die Vorsorgeeinrichtung eintreten. Sie waren zuvor von Invalidenleistungen der
beruflichen Vorsorge (zumindest im obligatorischen Bereich) ausgeschlossen, selbst
wenn sich das vorbestehende gesundheitliche Leiden während der
Versicherungsunterstellung verschlechtert hatte. Auch für diese Sondertatbestände ist
die für die Invalidität kausale Arbeitsunfähigkeit bzw. deren Erhöhung das
massgebende Zurechnungskriterium. So haftet jene Vorsorgeeinrichtung, bei welcher
die versicherte Person im Zeitpunkt der rechtserheblichen Exazerbation im Sinne von
Art. 23 lit. b und c BVG unterstellt war (Amanda Wittwer, Der Begriff der
Arbeitsunfähigkeit im schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Die Legaldefinition
und ihre Anknüpfungspunkte im Einzelgesetz, Zürich/Basel/Genf 2017, S. 120 f.).
2.4.
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der
Invalidenversicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich,
dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in
der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V
106 E. 3c, je mit Hinweisen). Praxisgemäss sind die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich
der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe
(Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung
des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die invalidenversicherungsrechtliche
Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich
unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in fine). Diese Konzeption fusst auf der
Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen
aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und
2.5.
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3.
Im vorliegenden Fall ist streitig, wann beim Kläger die für die Invalidität kausale
Arbeitsunfähigkeit bzw. deren Erhöhung eingetreten ist. Konkret ist im Folgenden zu
prüfen, ob während eines der Vorsorgeverhältnisse mit den Beklagten (vom 1. Januar
1991 bis Ende März 2000 bei der Beklagten 2; vom 1. Juni 2000 bis Ende Januar 2015
bei der Beklagten 1) eine relevante Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% – allenfalls
zusätzlich zu einer vorbestehenden Einschränkung (vgl. dazu das Urteil des EVG vom
11. Juli 2000, B 47/98, E. 3 mit Hinweis auf BGE 123 V 267 E. 3) – auftrat, welche in
sachlichem und zeitlichem Zusammenhang zu der von der IV-Stelle AR ab 1. Dezember
2015 anerkannten Invalidität steht.
4.
In Bezug auf den kausalen Eintritt bzw. die kausale Erhöhung der
berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% (vgl.
vorstehende E. 2.1 und 2.4) lassen sich der Verfügung der Invalidenversicherung vom
29. Juni 2016 keine verbindlichen Feststellungen entnehmen (act. G 1.21).
Entsprechend kann diesbezüglich von vornherein keine Bindungswirkung an deren
Entscheid bestehen und die Beurteilung ist einer freien gerichtlichen Überprüfbarkeit
zugänglich (vgl. dazu ergänzend die Ausführungen im Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Mai 2018, BV 2016/22, E. 4.2).
Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren
für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE
132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug
bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des
leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung beziehungsweise
das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2010,
9C_49/2010, E. 2.1).
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5.
Zuerst ist eine Leistungspflicht der Beklagten 2 zu prüfen. Diese ist zu bejahen, wenn
überwiegend wahrscheinlich während des bei ihr bestehenden Vorsorgeverhältnisses
(1. Januar 1991 bis Ende März 2000) eine relevante Arbeitsunfähigkeit des Klägers von
mindestens 20% eingetreten ist.
Es ist unbestritten und durch die medizinischen Beurteilungen rechtsgenüglich
ausgewiesen, dass der Kläger seit vielen Jahren an einer zwanghaften Persönlichkeits
störung leidet (IV-act. 78 S. 1 ff.). Einschränkungen aufgrund dessen manifestierten
sich aber vorerst offenbar nicht erheblich bzw. konnten vom Kläger kompensiert
werden. Mit der Ausbildung bei B._ und anschliessender 100%-Anstellung bis März
1994 ist es dem Kläger gelungen, in einer seinen Einschränkungen angepassten
Tätigkeit Fuss zu fassen, so dass bei Versicherungsbeginn bei der Beklagten 2 (1.
Januar 1991) von keiner relevanten Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Zumindest bleibt
eine relevante Arbeitsunfähigkeit (von 20% oder mehr) zu diesem Zeitpunkt
unbewiesen, wobei deren Folgen gestützt auf Art. 8 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) die Vorsorgeeinrichtung zu tragen hat (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. März 2017, 9C_658/2016, E. 6.1 mit Hinweisen). Ein Indiz
gegen eine relevante Arbeitsunfähigkeit bereits vor Versicherungsbeginn bei der
Beklagten 2 ist im Weiteren die per 1. Januar 1991 erfolgte Anmeldung zur
Kollektivversicherung, welche eine volle Arbeitsfähigkeit des Klägers dokumentiert (act.
G 10.1). Zwar erwähnen der Hausarzt Dr. med. F._, Allgemeine Medizin, und Dr. phil.
G._, Psychologe, die den Kläger jahrelang begleiteten, bereits erhebliche
Einschränkungen vor und bei Eintritt ins Erwerbsleben, quantifizieren diese
Einschränkungen indes nicht (act. G 1.7 f.). Nachdem gestützt auf das Gesagte bei
Versicherungsbeginn bei der Beklagten 2 eine 20%-ige Arbeitsunfähigkeit nicht
rechtsgenüglich ausgewiesen ist, entfällt auch eine Anwendbarkeit von Art. 23 lit. b
oder c BVG (vgl. dazu vorstehende E. 2.4) bzw. es ist die vorliegende Angelegenheit
nach Art. 23 lit. a BVG (vgl. dazu vorstehende E. 2.1) zu beurteilen.
5.1.
Der Kläger arbeitete nach dem Ende der Ausbildung (1991) bei B._ bis im März
1994 in einem Vollpensum, ehe er auf 80% reduzierte. Die Rechtsvertreterin des
Klägers führt diesbezüglich sinngemäss aus, dass die Reduktion aus gesundheitlichen
Gründen erfolgt sei (act. G 1 S. 3). Eine echtzeitliche ausdrückliche Bestätigung, dass
es sich bei der Pensenreduktion um eine aus gesundheitlichen Gründen notwendige
Massnahme handelte, liegt indes nicht vor. Gegenteils deutet die bei B._ eingeholte
Stellungnahme vom 12. Juni 2020 darauf hin, dass die Pensenreduktion auf 80% aus
5.2.
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6.
Zu prüfen bleibt eine Leistungspflicht der Beklagten 1. Diese ist zu bejahen, wenn
überwiegend wahrscheinlich während des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten 1
(1. Juni 2000 bis Ende Januar 2015) eine relevante Arbeitsunfähigkeit des Klägers von
mindestens 20% eingetreten ist.
privaten Gründen erfolgte, auf freiwilliger Basis beruhte und dem Wunsch des Klägers
entsprach. Die Begründung dazu, dass er starkes Heimweh nach Trogen hatte und
seine Eltern vermehrt unterstützen wollte, erscheint denn auch plausibel (act. G 22; vgl.
auch act. G 1.4: "Teilzeitbeschäftigung auf eigenen Wunsch"). Entsprechend misslingt
dem Kläger der überwiegend wahrscheinliche Beweis, dass es sich um eine
gesundheitsbedingte Pensenreduktion um 20% handelte. Nachdem auch in der Folge
bis zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses bei B._ Ende Februar 2000 bzw. bis zum
Ende der Versicherungsdeckung bei der Beklagten 2 (Nachdeckung bis 31. März 2000)
keine relevante Arbeitsunfähigkeit von 20% oder mehr des Klägers medizinisch
attestiert oder arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten ist (vgl. dazu als Indiz auch die
Dienstaustrittsmeldung, welche eine Krankheit oder Invalidität verneint [act. G 10.2],
das gute Arbeitszeugnis, welches bestätigt, dass der Kläger die Firma auf eigenen
Wunsch verlassen hat [act. G 1.4] und die Aussage von B._, wonach ihm keine
Veränderung der Persönlichkeit des Klägers während des gesamten
Arbeitsverhältnisses aufgefallen sei [act. G 22]), entfällt eine Leistungspflicht der
Beklagten 2.
Nach dem Austritt bei B._ arbeitete der Kläger ab 1. Juni 2000 bei der C._
zuerst mit einem Pensum von 80%, per 1. August 2008 mit einem Pensum von 70%.
Im Juni 2013 kam es zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses (vgl. dazu vorstehend den
Sachverhalt in lit. A.b). Eine in dieser Zeit eingetretene relevante Arbeitsunfähigkeit des
Klägers lässt sich den Akten nicht überwiegend wahrscheinlich entnehmen. Wiederum
ist eine solche weder rechtsgenüglich medizinisch bescheinigt noch arbeitsrechtlich in
Erscheinung getreten. Es scheint, als hätte der Kläger in dieser Zeit bei weiterhin gut/
optimal angepasster Tätigkeit seine Einschränkungen noch immer weitestgehend
kompensieren können. Dafür spricht insbesondere die bei der C._ eingeholte
Stellungnahme. So führte C._ am 20. Mai 2020 aus, dass der Kläger seinem
Handicap entsprechend gute Arbeit geleistet habe sowie immer leistungsbereit,
gewissenhaft und zuverlässig gewesen sei. Zur Entwicklung der Persönlichkeit
während des Arbeitsverhältnisses gebe es keine Bemerkungen (act. G 20). Als Indiz
gegen eine in dieser Zeit eingetretene relevante Arbeitsunfähigkeit ist (wiederum) die
6.1.
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Mutationsmeldung der Vorsorgekasse zu betrachten, welche ab 1. September 2013
eine volle Arbeitsfähigkeit des Klägers dokumentiert (act. G 7.13). Letztlich bleibt eine
in dieser Zeit eingetretene Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% zumindest
beweislos.
Ab dem 1. September 2013 war der Kläger mit einem Pensum von 70% bei D._
angestellt. Auch über dieses Arbeitsverhältnis war er bei der Beklagten 1
berufsvorsorgeversichert. Das Arbeitsverhältnis wurde per 31. Dezember 2014
aufgelöst (vgl. wiederum im Sachverhalt lit. A.b). Bei C._ konnte der Kläger seine
Beeinträchtigungen aufgrund der Persönlichkeitsstörung (insbesondere
Verlangsamung) nicht mehr ausreichend kompensieren. Diesbezüglich führte H._
anlässlich eines Gesprächs mit der IV-Stelle AR bezüglich Arbeitsplatzerhalt vom 22.
August 2014 aus, dass der Kläger für Arbeiten, die normalerweise einen Tag dauern
würden, eine Woche benötige. Auch verschiedene Versuche, effizientere Arbeitsabläufe
zu erklären, hätten keinen Erfolg gebracht, da der Kläger diese nicht habe annehmen
wollen oder können (act. G 1.15). Der Lohn von Fr. 3'350.52 pro Monat entspreche
nicht der Arbeitsleistung. Diese wäre höchstens mit Fr. 1'000.-- zu veranschlagen (act.
G 1.16). Diese Schilderungen des Arbeitgebers lassen darauf schliessen, dass die
zuvor überwiegend latenten und kompensierbaren Einschränkungen während der
ebenfalls angepassten Arbeitstätigkeit bei D._ in eine manifeste Arbeitsunfähigkeit
von über 20% übergegangen sind. Dem widersprechen auch die von der IV-Stelle AR
eingeholten Arztberichte und Gutachten nicht. Gemäss Gutachten von Dr. E._ vom
17. Januar 2015 und diagnostizierter anankastischer (zwanghafter)
Persönlichkeitsstörung besteht eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 25% in
adaptierten Tätigkeiten wahrscheinlich seit mehreren Jahren (act. G 1.19 S. 19). Dr.
med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in dessen ambulanter
Behandlung der Kläger seit dem 5. Februar 2015 steht, spricht von einer relevant
eingeschränkten Arbeitsfähigkeit seit mindestens Januar 2015 (IV-act. 78 S. 1 ff.). Im
Übrigen spricht Dr. phil. G._ am 23. Mai 2015 von einer stetigen und schleichenden
Zunahme der Langsamkeit in den letzten 10 Jahren. Im Weiteren hätten die
Depressionen im Winter zugenommen, das Musizieren habe der Kläger stark reduziert
und der örtliche Radius und der Bekanntenkreis hätten zusehends abgenommen (act.
G 1.8). Damit scheint in diesem retrospektiv schwierig zu bestimmenden Verlauf des
Gesundheitsschadens auch die Beurteilung der IV-Stelle AR, dass eine
invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des
Klägers seit Dezember 2014 bzw. seit dem Verlust des Arbeitsplatzes bei D._ (31.
Dezember 2014) bestehe (act. G 1.21 S. 4), nachvollziehbar.
6.2.
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7.
Gestützt auf das Gesagte ist überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen, dass
während des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten 1 (1. Juni 2000 bis Ende Januar
2015) eine relevante Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% eingetreten ist, welche in
sachlichem und zeitlichem Zusammenhang zu der von der IV-Stelle AR ab 1. Dezember
2015 anerkannten Invalidität steht (act. G 1.21). Entsprechend ist die Beklagte 1
leistungspflichtig. Damit ist auch der Antrag der Beklagten 1, die Beklagte 2 sei zu
verpflichten, die erbrachten Vorleistungen zurückzuerstatten, abzuweisen. Zwar handelt
es sich bei diesem Antrag auf Rückerstattung grundsätzlich um eine eigenständige
Klage. Aus prozessökonomischen Gründen und weil die Verfahrensrechte sämtlicher
Parteien
vollumfänglich wahrgenommen werden konnten, rechtfertigt es sich jedoch, auch die
Rückerstattungsforderung in diesem Verfahren zu behandeln.
6.3.
Zu prüfen bleibt die Höhe der Invalidenrente. Mit Verfügung vom 29. Juni 2016
wurde dem Kläger ab 1. Dezember 2015 bei einem Invaliditätsgrad von 42% eine
Viertelsrente zugesprochen (act. G 1.21). Diese Verfügung blieb unangefochten.
Trotzdem beantragt der Kläger im Hauptantrag die Zusprache einer ganzen
Invalidenrente ab 1. Dezember 2015.
7.1.
Die Bindungswirkung an die Verfügung der Invalidenversicherung bzw. an die
Feststellungen der IV-Organe (vgl. vorstehende E. 2.5) setzt voraus, dass die
Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins Vorbescheidverfahren einbezogen und ihr die
Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni
2010, 9C_81/2010, E. 3.1). Diese Voraussetzungen waren in Bezug auf die Beklagte 1
erfüllt (act. G 1.21, 1.30). Entsprechend sind die Parteien an die Feststellungen der IV-
Stelle AR bezüglich Invaliditätsgrad gebunden, soweit die
invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise auf Grund einer gesamthaften
Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 130 V 273 E. 3.1).
7.2.
Die IV-Stelle AR stützte sich bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads letztlich auf
die abschliessende Beurteilung der Ärztin des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD), Dr.
med. J._, vom 17. März 2016 (IV-act. 87). Diese wiederum kam zum Schluss, dass
aufgrund der im Rahmen der beruflichen Abklärung bei der Obvita erhobenen
Feststellungen am ehesten von einer Arbeitsfähigkeit des Klägers von 54% in
adaptierten Tätigkeiten auszugehen sei. Abgesehen davon, dass die von der Obvita
festgestellte Leistungsfähigkeit keine taugliche medizinische Schätzung für die
Rentenbemessung bildet, kommt hinzu, dass Dr. J._ die Arbeitsfähigkeits- und
7.3.
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/abc3e85f-c8b4-4dae-8f63-9e69fd62b51f?citationId=4a8bcb69-2ca8-48a0-af86-0b3fa37d41e2&source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/20f4128c-0bf8-44ae-ab16-8579148e228f?citationId=c27ae88b-d05d-4723-b17a-e204aa5da024&source=document-link&SP=12|4ql1gx
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8.
Arbeitsunfähigkeitsgrade vertauschte und abschliessend von einer Arbeitsfähigkeit von
lediglich 46% ausging (IV-act. 87-4), welche von der IV-Stelle AR in der Folge
übernommen wurde (act. G 1.21 S. 4). Bereits diese Mängel (keine taugliche
medizinische Schätzung und/oder Verschrieb der Leistungsfähigkeitsbeurteilung durch
Dr. J._) führen dazu, dass die Invaliditätsbemessung in der IV-Verfügung vom 29.
Juni 2016 auf untauglichen Grundlagen beruhte und offensichtlich unhaltbar ist, sofern
durch die übrigen im Recht liegenden medizinischen Beurteilungen dies nicht widerlegt
werden kann.
Die medizinischen Beurteilungen zur Arbeitsfähigkeit des Klägers variieren von 0%
bis 75%. Während Dr. E._ in seinem Gutachten vom 17. Januar 2015 von einer
Arbeitsfähigkeit des Klägers von 75% ausging (act. G 1.19 S. 19), bescheinigte Dr.
H._ mit Bericht vom 11. November 2015 eine 30%-ige Arbeitsunfähigkeit bei 50%-
iger Leistungsminderung (ergibt 35% Arbeitsfähigkeit; IV-act. 78 S. 1 ff.). Die Fachärzte
der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen sahen gemäss Bericht vom 27.
Juli 2015 aus rein neuropsychologischer Sicht die kognitive Leistungsfähigkeit des
Klägers aufgrund der leichten kognitiven Störungen als zu 20 bis 30% reduziert (act. G
1.32); demgegenüber erachtete Dr. med. K._, Facharzt Neurologie, Rheinburg-Klinik,
mit Beurteilung vom 12. Oktober 2015 eine relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit für ausgewiesen. Aufgrund des eingeschränkten Leistungsprofils
werde eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt als nicht gegeben erachtet (ergibt
0% Arbeitsfähigkeit; act. G 1.31). Davon geht man im Übrigen auch gemäss
Schlussbericht der Obvita aus. Der Kläger wurde trotz einer gezeigten
Leistungsfähigkeit von 54% als im ersten Arbeitsmarkt nicht eingliederungsfähig
beschrieben und es wurde eine Tätigkeit im geschützten Rahmen empfohlen (G
1.20-7).
7.4.
Letztlich ist bei dieser Aktenlage nicht erkennbar, weshalb die IV-Stelle AR bei
diesen unterschiedlichen Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen von einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 54% oder – was bei korrekter Übernahme der Obvita-
Abklärung richtig gewesen wäre – von 46% ausgegangen ist. Ob überhaupt auf dem
ersten Arbeitsmarkt (noch) eine Arbeitsfähigkeit besteht, erscheint jedenfalls fraglich.
Die IV-Verfügung vom 29. Juni 2016 ist damit offensichtlich unhaltbar und der Kläger
und die Beklagte 1 daran nicht gebunden.
7.5.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Beklagte 1 dem Grundsatz nach
leistungspflichtig ist (vgl. E. 6.3). Nachdem die IV-Verfügung vom 29. Juni 2016, welche
8.1.
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9.
von einem Invaliditätsgrad von 42% ausging, offensichtlich unhaltbar ist (vgl. E. 7),
kann in berufsvorsorglicher Hinsicht darauf nicht abgestellt werden. Es ist Sache der
Beklagten 1, welche sich zur Höhe der relevanten Arbeitsfähigkeit bisher überhaupt
noch nicht geäussert hat, den Invaliditätsgrad mit geeigneten Mitteln abzuklären, wobei
sich allenfalls eine Begutachtung als notwendig erweisen könnte.
Von einem Gerichtsgutachten ist bei dieser Sachlage abzusehen. Dies rechtfertigt
sich zum einen durch die Praxis gemäss BGE 129 V 453 f. E. 3.4, wonach es zulässig
ist, nur über den Grundsatz zu entscheiden, wogegen die Berechnung der Leistung der
Verwaltung obliegt. Dies wird mit Hinweis auf die Gebote der Einfachheit und Raschheit
des Verfahrens nach Art. 73 Abs. 2 BVG begründet, wobei auch die Nähe zum
Sozialversicherungsprozess betont wird. Andererseits würde die Anordnung eines
Gerichtsgutachtens dazu führen, dass beide Beklagten, obwohl nur die Beklagte 1
gemäss diesem Entscheid leistungspflichtig ist, im Prozess verblieben, in den
Gutachtensprozess einbezogen würden und Einwände gegen das Gutachten
vorbringen könnten, was in prozessökonomischer Hinsicht und aus
datenschutzrechtlichen Gründen nicht sinnvoll erscheint.
8.2.
Gestützt auf das Gesagte ist die Klage in dem Sinne gutzuheissen, als die Beklagte
1 zu verpflichten ist, dem Kläger die gesetzlichen und reglementarischen
Invalidenleistungen zu erbringen. Die Sache ist im Sinn der Erwägungen zur Ermittlung
des Invaliditätsgrads und anschliessender Festsetzung der Leistungen an die Beklagte
1 zu überweisen. Die Klage gegen die Beklagte 2 ist abzuweisen. Der Antrag der
Beklagten 1, die Beklagte 2 sei zu verpflichten, die erbrachten Vorleistungen
zurückzuerstatten, ist ebenfalls abzuweisen.
9.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).9.2.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind dem Kläger in Anwendung von Art. 98
Abs. 1 und Art. 98 des st. gallischen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRP; sGS 951.1) die Parteikosten von der Beklagten 1 zu erstatten. Die Vertreterin des
Klägers hat eine nach Zeitaufwand bemessene Honorarnote über Fr. 6'859.45
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) eingereicht (act. G 16). Ein Honorar nach
Zeitaufwand sieht die Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) im Verfahren vor dem
Versicherungsgericht aber nicht vor. Es beträgt nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen spricht in BVG-Prozessen gestützt auf die vorgenannte Bestimmung
regelmässig eine (ungekürzte) pauschale Entschädigung zwischen Fr. 2'500.-- und Fr.
9.3. bis
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