Decision ID: 7565215f-ad07-440f-ac57-efb26e93831a
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis auf Probe am 10. September 2009. Am 1. Januar 2012
verursachte er in übermüdetem Zustand einen Verkehrsunfall und vereitelte
Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit. Wegen dieses Vorfalls entzog ihm
das Strassenverkehrsamt St. Gallen am 18. Juni 2012 den Führerausweis auf Probe für
die Dauer von vier Monaten und verlängerte die Probezeit um ein Jahr bis 9.
September 2013. Am 19. Juni 2012 erweckte X anlässlich einer Verkehrskontrolle den
Verdacht, Drogen konsumiert zu haben, weshalb die Polizei eine Blut- und Urinprobe
anordnete. Gemäss der Analyse des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital
St. Gallen wurden die gesetzlichen Grenzwerte jedoch nicht überschritten. Hingegen
ergaben sich Hinweise auf den Konsum mehrerer die Fahrleistung beeinträchtigender
Substanzen. Das Strassenverkehrsamt St. Gallen ordnete deshalb am 17. August 2012
eine verkehrsmedizinische Untersuchung an. Da X auf diese Begutachtung aus
finanziellen Gründen verzichtete, wurde der Führerausweis auf Probe am 23. Oktober
2012 vorsorglich und am 12. November 2012 auf unbestimmte Zeit entzogen. Nach
einer positiv ausgefallenen verkehrspsychologischen Untersuchung wurde diese
Massnahme am 6. August 2013 vom inzwischen zuständigen Strassenverkehrsamt
Thurgau unter Abstinenzauflagen aufgehoben und X zu einer neuen Führerprüfung
zugelassen. Er erwarb am 18. November 2013 einen neuen Führerausweis auf Probe.
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B.- Am 26. März 2014 überschritt X mit seinem Personenwagen die zulässige
Höchstgeschwindigkeit ausserorts um 67 km/h. Er war zudem alkoholisiert; der
Atemalkoholtest ergab einen Wert von 0,11 Gewichtspromille. X wurde vom
Kreisgericht St. Gallen am 30. März 2015 der qualifiziert groben Verletzung der
Verkehrsregeln (Raserdelikt), der Missachtung des Verbots, unter Alkoholeinfluss zu
fahren, und der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig gesprochen und
zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer Busse von Fr. 3'700.–
verurteilt. Das Strassenverkehrsamt Thurgau entzog den Führerausweis auf Probe am
31. März 2014 auf unbestimmte Zeit mit einer Sperrfrist von 24 Monaten (ab 26. März
2014) und verlängerte die Probezeit um ein Jahr.
C.- Gestützt auf das positiv lautende verkehrspsychologische Gutachten vom
18. September 2017 hob das aufgrund des Wohnortwechsels neu zuständige
Strassenverkehrsamt Appenzell Ausserrhoden den Sicherungsentzug vom 31. März
2014 mit Verfügung vom 29. September 2017 auf. Die Probezeit wurde um ein Jahr bis
29. September 2018 verlängert. Am 24. November 2017, 07.45 Uhr, verursachte X auf
der B.-strasse in G eine Auffahrkollision. Er wurde in diesem Zusammenhang am
27. Dezember 2017 vom Untersuchungsamt G wegen Verletzung der Verkehrsregeln
gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Wegen dieser
Widerhandlung annullierte das Strassenverkehrsamt Appenzell Ausserrhoden den
Führerausweis auf Probe mit Verfügung vom 6. Februar 2018, ohne die Massnahme
jedoch zu vollstrecken. Vielmehr überwies es die Akten am 10. April 2018 an das
Strassenverkehrsamt St. Gallen mit dem Hinweis, X habe den Wohnsitz am
1. Dezember 2017 in den Kanton St. Gallen verlegt, weshalb die st. gallischen
Behörden für die Administrativmassnahme zuständig seien. Das Strassenverkehrsamt
St. Gallen gewährte X am 16. April 2018 das rechtliche Gehör zur vorgesehenen
Annullierung des Führerausweises auf Probe und ordnete die Massnahme mit
Verfügung vom 4. Juni 2018 an; einem allfälligen Rekurs entzog es die aufschiebende
Wirkung.
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D.- Mit Eingabe vom 18. Juni 2018 (Datum der Postaufgabe: 19. Juni 2018) erhob X
durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er
beantragte, die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 4. Juni 2018 sei aufzuheben
und von einer Annullierung des Führerausweises auf Probe sei abzusehen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Am 27. Juni 2018 ersuchte er zudem um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Rekurses, und am 2. Juli 2018
reichte er eine Rekursergänzung ein. Auf die Ausführungen zur Begründung der

Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Mit
Zwischenverfügung vom 13. Juli 2018 wurde das Gesuch um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung abgewiesen (ZV-2018/57). Das Strassenverkehrsamt
verzichtete mit Schreiben vom 19. Juli 2018 auf eine Vernehmlassung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. Juni 2018 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt zusammen mit der Rekursergänzung vom 2. Juli 2018 in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Ausweise werden von den Verwaltungsbehörden erteilt und entzogen.
Zuständig ist für Fahrzeuge der Standortkanton, für Führer der Wohnsitzkanton. Der
Bundesrat kann auf den Umtausch des Führerausweises bei Wohnsitzwechsel
verzichten und für Militärfahrzeuge und ihre Führer eidgenössische Ausweise vorsehen
(Art. 22 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Der
Wohnsitz in Art. 22 Abs. 1 SVG bestimmt sich nach den Regeln des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt: ZGB). Entsprechend befindet sich der Wohnsitz
bis
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an dem Ort, wo sich der Fahrzeugführer mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält
(Art. 23 Abs. 1 ZGB).
Es ist unbestritten, dass der Rekurrent den Wohnsitz per 1. Dezember 2017 in den
Kanton St. Gallen verlegte und zurzeit in M lebt. Das Strassenverkehrsamt Appenzell
Ausserrhoden war ab diesem Zeitpunkt für die Annullierung des Führerausweises des
Rekurrenten nicht mehr zuständig und hätte die Verfügung vom 6. Februar 2018 nicht
erlassen dürfen. Sie handelte deshalb korrekt, als sie die Sache an die Vorinstanz
überwies, nachdem sie den Fehler bemerkt hatte. Dies führte zwar nicht zur Nichtigkeit
der Verfügung vom 6. Februar 2018 (Annullierung des Führerausweises auf Probe), da
die örtliche Unzuständigkeit in der Regel kein Nichtigkeitsgrund darstellt (vgl. Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1103 f.). Indessen
wurde die Verfügung vom 6. Februar 2018 hinfällig, da am 4. Juni 2018 in der Sache
neu verfügt wurde. Dass die Vorinstanz dafür zuständig war, wird vom Rekurrenten zu
Recht nicht bestritten.
3.- a) Der Rekurrent machte geltend, er habe mangels Information über ein
Administrativmassnahmeverfahren keine Ahnung von einer drohenden Sanktion gehabt
und deshalb auch den Strafbefehl vom 27. Dezember 2017 akzeptiert. Er sei folglich
nicht in der Lage gewesen, die ihm zustehenden Verteidigungsrechte wahrzunehmen.
Wegen der sich aus Art. 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101,
abgekürzt: EMRK) ergebenden Verfahrensfairness könne deshalb keine Massnahme
verhängt werden. Das Administrativmassnahmeverfahren sei ein Sanktionsverfahren,
das unabhängig vom Strafverfahren geführt werde. Dennoch gelte insbesondere Art. 6
Ziff. 3 lit. a EMRK, wonach jede angeklagte Person mindestens das Recht habe,
innerhalb möglichst kurzer Frist in einer ihr verständlichen Sprache in allen Einzelheiten
über Art und Grund der gegen sie erhobenen Beschuldigung unterrichtet zu werden.
Dies sei nicht geschehen. Erst nachdem der Strafbefehl in Rechtskraft erwachsen sei,
habe man ihn darüber informiert, dass ihm eine Widerhandlung gegen das
Strassenverkehrsgesetz vorgeworfen werde, die zur Annullierung des Führerausweises
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auf Probe führen könne. In der Regel werde die betroffene Person aber sofort über die
Eröffnung eines Administrativmassnahmeverfahrens informiert. Zudem liege die
Verfügung des Strassenverkehrsamts Appenzell Ausserrhoden vom 6. Februar 2018
den vorinstanzlichen Akten nicht bei, weshalb ein elementarer Teilgehalt des
Anspruchs auf rechtliches Gehör, der sich aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK ergebe, verletzt
worden sei. Deshalb sei die angefochtene Verfügung aufzuheben.
b) Die Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) garantiert auf Verfassungsstufe
Verfahrensrechte. Sie umreisst mit Art. 29 und 30 bis 32 die verfassungsrechtlichen
Anforderungen an rechtsstaatliche Verfahren vor Behörden in allgemeiner Weise; hinzu
kommt Art. 29a BV. Zum einen sind die Verfahrensgrundrechte mit der Umschreibung
der Anforderungen an Verfahren institutioneller Natur. Zum anderen gewährleisten sie
den von Verfahren Betroffenen umfassenden grundrechtlichen Verfahrensschutz. Trotz
unterschiedlicher Ausrichtung der Einzelnormen und ihrer Teilgehalte sind sie – unter
Einbezug der EMRK und des UNO-Pakts II (SR 0.103.2) – als einheitliches
Normengebilde zur Sicherung rechtsstaatlicher Verfahren zu verstehen und bei
Auslegung und Anwendung sowie Konkretisierung und Weiterbildung aufeinander zu
beziehen. Das rechtliche Gehör etwa ist ein wichtiger, in Art. 29 Abs. 2 BV eigens
aufgeführter Teilaspekt des Grundsatzes eines gerechten Verfahrens. Der Anspruch auf
ein gerechtes Verfahren bildet für sämtliche Verfahrensarten ein offenes Grundprinzip
zur Sicherung rechtsstaatlicher Verfahren. Art. 29 Abs. 1 BV ist Grundtatbestand der im
Einzelnen ausgebildeten verfassungsmässigen Verfahrensrechte und grundlegender
Ausdruck des prozessualen Fairnessgrundsatzes. Ein gerechtes Verfahren verlangt
unter anderem die Aufklärung rechtsungewohnter Parteien über prozessuale Rechte
und die Möglichkeit des Beizugs eines Anwalts (vgl. Steinmann, St. Galler Kommentar,
3. Aufl. 2014, Art. 29 BV Rz. 4, 39 und 41; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 1041).
c) Der Strafbefehl des Untersuchungsamts G datiert vom 27. Dezember 2017; er wurde
dem Rekurrenten gleichentags zugestellt. Bereits zwei Tage später, am 29. Dezember
2017, informierte das Strassenverkehrsamt Appenzell Ausserrhoden den Rekurrenten
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über die vorgesehene Annullierung des Führerausweises auf Probe und gewährte ihm
das rechtliche Gehör (act. 12/173). Es ist demnach davon auszugehen, dass der
Rekurrent bereits vor Ablauf der zehntägigen Rechtsmittelfrist im Strafverfahren
Kenntnis vom eingeleiteten Administrativmassnahmeverfahren hatte. Dass das
appenzell-ausserrhodische Strassenverkehrsamt damals nicht mehr zuständig war, ist
nicht von Belang. Aufgrund des früheren Umzugs vom Kanton Thurgau in den Kanton
Appenzell Ausserrhoden wusste der Rekurrent vom Wechsel der Zuständigkeit beim
Kantonswechsel und von der Weiterführung der Administrativmassnahmen durch die
Behörde des neuen Wohnsitzkantons. Zudem wurde der Rekurrent auch im Strafbefehl
(Ziffer 5 des Rechtsspruchs) darauf hingewiesen, dass der Vorinstanz nach unbenützter
Rechtsmittelfrist eine Kopie des Strafbefehls zugestellt werde (act. 12/182). Dass er
den Strafbefehl unangefochten in Rechtskraft erwachsen liess, bedeutet nicht, dass er
das Zusammenspiel von Straf- und Administrativmassnahmeverfahren nicht kannte
und deshalb nicht mit einer Sanktion rechnen musste, wie er geltend machte. Zu
berücksichtigen ist insbesondere auch, dass der Rekurrent bereits früher in solche
Verfahren verwickelt war und jeweils über die administrativmassnahmerechtlichen
Folgen von Widerhandlungen gegen die Verkehrsregeln aufgeklärt wurde. Zudem
setzte ihn die Polizei anlässlich der Unfallaufnahme über die "Rapportierung an das
Untersuchungsamt G und die Berichtabgabe an das Strassenverkehrsamt Appenzell
Ausserrhoden" in Kenntnis (vgl. Polizeirapport vom 10. Dezember 2017, act. 12/160).
Wäre der verfahrensgewohnte Rekurrent von seiner Unschuld überzeugt gewesen,
hätte er sich gegen den Strafbefehl wehren müssen, zumal ihm aus eigener Erfahrung
bewusst sein musste, dass ein zweiter Führerausweisentzug zur Annullation des
Führerausweises auf Probe führt. Dass er keine Einsprache erhob und der Strafbefehl
gemäss Art. 354 Abs. 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung (SR 312.0,
abgekürzt: StPO) zum rechtskräftigen Urteil wurde, hat er folglich selbst zu
verantworten.
Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich, inwiefern es dem Rekurrenten nicht
möglich gewesen sein sollte, seine "Verteidigung" im
Administrativmassnahmeverfahren angemessen vorzubereiten. Hinzu kommt, dass ihm
die Vorinstanz mit Schreiben vom 16. April 2018 ein zweites Mal das rechtliche Gehör
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zur vorgesehenen Annullierung des Führerausweises auf Probe gewährte. Der
Rechtsvertreter nahm innert erstreckter Frist schriftlich Stellung zur in Aussicht
gestellten Administrativmassnahme. Im Weiteren lässt der Umstand, dass die
Verfügung des Strassenverkehrsamts Appenzell Ausserrhoden vom 6. Februar 2018
den vorinstanzlichen Akten vorerst nicht beilag, auf keine Verletzung eines elementaren
Teilgehalts des Anspruchs auf rechtliches Gehör schliessen, wie ebenfalls geltend
gemacht wurde. Diese Verfügung war dem Rekurrenten offensichtlich zugestellt
worden, weshalb ihm aus dem Fehlen dieses Aktenstücks in den von der Vorinstanz
am 21. Juni 2018 editierten Akten (act. 4) kein Nachteil entstand; es wurde später
eingereicht (act. 12). Der Anspruch auf ein gerechtes Verfahren wurde somit nicht
verletzt.
4.- Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz den Führerausweis auf Probe zu Recht annullierte.
a) Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird
zunächst auf Probe erteilt. Die Probezeit beträgt drei Jahre (Art. 15a Abs. 1 SVG). Wird
dem Inhaber der Ausweis auf Probe wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die
Probezeit um ein Jahr verlängert. Dauert der Entzug über die Probezeit hinaus, so
beginnt die Verlängerung mit der Rückgabe des Führerausweises (Abs. 3). Der
Führerausweis auf Probe verfällt mit der zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des
Ausweises führt (Abs. 4).
Das Strassenverkehrsamt Thurgau entzog den Führerausweis auf Probe (gültig ab
18. November 2013) am 31. März 2014 auf unbestimmte Zeit mit einer Sperrfrist von 24
Monaten und verlängerte die Probezeit um ein Jahr. Am 29. September 2017 wurde
der Führerausweis wiedererteilt mit dem Hinweis, der Rekurrent sei ab sofort wieder
fahrberechtigt. Gemäss Art. 15a Abs. 3 SVG begann die um ein Jahr verlängerte
Probezeit an diesem Tag zu laufen und endete am 28. September 2018 – und nicht am
29. September 2018, wie in der Verfügung festgehalten wurde. Der Auffahrunfall vom
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24. November 2017 ereignete sich somit innerhalb der Probezeit und würde zum Verfall
des Führerausweises auf Probe führen, falls dem Rekurrenten eine zum Entzug der
Fahrberechtigung führende Widerhandlung vorzuwerfen wäre. Dies ist nachfolgend zu
prüfen.
b) aa) Eine leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes
Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Nach einer leichten Widerhandlung wird
der Lernfahr- oder Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den
vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (Abs. 2). Die fehlbare Person wird verwarnt,
wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und keine
andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Abs. 3). In besonders leichten Fällen
wird auf jegliche Massnahme verzichtet (Abs. 4). Die Auslegung des besonders leichten
Falls orientiert sich an den Verkehrsregelverletzungen, die nach dem
Ordnungsbussengesetz erledigt werden und keine Administrativmassnahmen nach
sich ziehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_406/2010 vom 29. November
2010 E. 4.2). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht demgegenüber, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Nach einer mittelschweren Widerhandlung wird
der Lernfahr- oder Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen (Abs. 2 lit. a).
Eine schwere Widerhandlung begeht, wer durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln
eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG). Nach einer schweren Widerhandlung wird der Lernfahr- oder
Führerausweis für mindestens drei Monate entzogen (Abs. 2 lit. a).
bb) Gemäss den Feststellungen des Strafrichters verursachte der Rekurrent am
24. November 2017 eine Auffahrkollision wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs
infolge mangelnder Aufmerksamkeit (Art. 31 Abs. 1 SVG). Er wurde wegen Verletzung
der Verkehrsregeln zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt (act. 12/181). Von den
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tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil wich die Vorinstanz zur Vermeidung
widersprüchlicher Entscheide zu Recht nicht ab. Dies wäre gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 124 II 103 E. 1c/aa) nur dann zulässig
gewesen, wenn sie Tatsachen festgestellt und ihrem Entscheid zugrunde gelegt hätte,
die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat, wenn sie
zusätzliche Beweise erhoben hätte, deren Würdigung zu einem anderen Entscheid
führten, oder wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den feststehenden
Tatsachen klar widersprochen hätte. Da die Vorinstanz aber keine zusätzlichen
Beweise erhoben hat und weder ersichtlich ist, noch geltend gemacht wurde, dass im
Strafverfahren nicht alle Rechtsfragen geklärt wurden, ist gestützt auf das Strafurteil in
tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, dass der Rekurrent am 24. November 2017
eine einfache Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 1 SVG beging.
cc) Eine einfache Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG erfasst
administrativrechtlich sowohl leichte (Art. 16a SVG) als auch mittelschwere
Widerhandlungen (Art. 16b SVG; Weissenberger, a.a.O., Art. 90 SVG N 55). Während
Letztere immer mit einem mindestens einmonatigen Führerausweisentzug sanktioniert
wird, wird ein Führerausweisentzug nach einer leichten Widerhandlung nur dann
angeordnet, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war
oder eine andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Art. 16a Abs. 2 SVG). Diese
Voraussetzung ist vorliegend erfüllt, da dem Rekurrenten der Führerausweis auf Probe
am 31. März 2014 mit Wirkung vom 26. März 2014 auf unbestimmte Zeit entzogen
wurde (Art. 16 Abs. 1 lit. c SVG). Der Entzug trat an die Stelle eines solchen nach
Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG (Raserdelikt), weshalb gemäss Art. 16d Abs. 2 SVG eine
Sperrfrist von 24 Monaten – die für diese Widerhandlung vorgesehene
Mindestentzugsdauer – verfügt wurde; sie endete am 25. März 2016. Der Vorfall vom
24. November 2017 lag demnach innerhalb der vom Gesetz vorgesehenen zweijährigen
Bewährungsfrist, weshalb er selbst dann mit einem Ausweisentzug von mindestens
einem Monat zu sanktionieren wäre, wenn nur eine leichte Widerhandlung vorläge
(Art. 16a Abs. 2 SVG). Die Voraussetzungen der leichten Widerhandlung gemäss Art.
16a Abs. 1 lit. a SVG (leichtes Verschulden und geringe Gefährdung) waren beim Vorfall
vom 24. November 2017 erfüllt. Einiges spricht zudem dafür, dass die durch den
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Auffahrunfall hervorgerufene Gefährdung mehr als nur gering war und deshalb von
einer mittelschweren Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG auszugehen
wäre. Darauf ist indessen nicht weiter einzugehen, denn bereits das Vorliegen einer
leichten Widerhandlung führt zu einem zweiten Führerausweisentzug während der
Probezeit und damit zum Verfall des Führerausweises auf Probe (Art. 15d Abs. 4 SVG).
c) Gemäss der klaren gesetzlichen Regelung von Art. 15a Abs. 5 SVG ist für den
Beginn der Karenzfrist grundsätzlich der Zeitpunkt der Widerhandlung massgebend
("ein Jahr nach Begehung der Widerhandlung"). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist es jedoch zulässig, als Beginn der Sperrfrist das Datum der
Annullierungsverfügung festzulegen, wenn die Behörde den Führerausweis nicht
unmittelbar nach dem auslösenden Vorfall (vorsorglich) entzogen hat (BGer
1C_324/2013 vom 9. September 2013 E. 2.5; VRKE IV-2017/32 vom 29. Juni 2017
E. 3b, im Internet publiziert unter: www.gerichte.sg.ch). Der Führerausweis auf Probe
wurde dem Rekurrenten bis zum Abschluss des Administrativmassnahmeverfahrens
belassen. Erst mit der angefochtenen Verfügung vom 4. Juni 2018 wurde er
aufgefordert, den Führerausweis und allfällig vorhandene weitere Ausweise
unverzüglich einzusenden (Ziff. 4). Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz anordnete, ein neuer Lernfahrausweis könne frühestens ab 4. Juni 2019 und
nur aufgrund eines verkehrspsychologischen Gutachtens, das die Fahreignung bejahe
und nicht älter als drei Monate sei, erteilt werden (Ziff. 5).
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Mit der
Annullierung des Führerausweises auf Probe soll sichergestellt werden, dass der
Rekurrent zum Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer keine
Motorfahrzeuge lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn der vorsorgliche
Sicherungsentzug während des Rechtsmittelverfahrens oder während des
Hauptverfahrens nicht gelten würde (BGer 6A.8/2005 vom 6. April 2005 E. 2.1). Einer
allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende
Wirkung zu entziehen (Art. 64 und Art. 51 VRP).
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6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–, worunter die
Kosten von Fr. 200.– für die Zwischenverfügung zur aufschiebenden Wirkung
(ZV-2018/57), erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist
damit zu verrechnen.