Decision ID: 347d2156-0d4c-4134-ab8a-f213ea8f7afe
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 18.11.2015 Beurteilung eines Einspracheentscheids, der hinsichtlich des anrechenbaren Mietzinses und des Betrags für den allgemeinen Lebensbedarf einen Entscheid des Bundesgerichts vollzieht und fortführt und im Übrigen den Einspracheanträgen Rechnung getragen hat (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. November 2015, EL 2014/13).Entscheid vom 18. November 2015BesetzungPräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichter Ralph Jöhl, Versicherungsrichterin Miriam Lendfers; Gerichtsschreiberin Fides HautleGeschäftsnr.EL 2014/13ParteienA._,Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwältin Hannelore Fuchs, Kirchstrasse 27, 9400 Rorschach,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,GegenstandErgänzungsleistung zur AHV (Waisenrente)Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 19./22. September 2011 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen zur AHV an. Die Bezügerin einer ordentlichen Waisenrente
(Mutterwaise; vgl. act. I-31-1) gab unter anderem an, einen Mietzins von Fr. 11'880.--
pro Jahr (monatlich Fr. 990.--) zu bezahlen (act. I-34). Einem beigelegten
Untermietvertrag vom 9. Juni 2011 (act. I-35) ist zu entnehmen, dass es sich um den
Mietzins für eine möblierte Wohnung (samt Internetkosten) handelte. Die EL-
Ansprecherin liess zur Auskunft geben, sie befinde sich seit September 2011 (und noch
bis Mai 2014) im Studium (act. I-16, vgl. auch act. 36). Im September 2011 gingen der
AHV-Zweigstelle weitere Unterlagen zu, unter anderem ein Auszug aus einer Verfügung
des Sozialamtes B._ vom 5. Mai 2011, mit welcher dem in einer selbstbewohnten
Liegenschaft wohnenden Vater der EL-Ansprecherin offenbar Fürsorgeleistungen
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zugesprochen worden waren (act. I-24-6 f.). - Mit Verfügung vom 10. Januar 2012
(act. I-7 ff.) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen/EL-
Durchführungsstelle der Ansprecherin ab 1. Oktober 2011 eine (ordentliche)
Ergänzungsleistung zu (2011 monatlich Fr. 1'470.--, 2012 Fr. 1'492.--). Bei der
Berechnung des EL-Anspruchs hatte sie als jährliche Ausgaben unter anderem einen
Mietzins von Fr. 9'840.-- (ohne Möbel- und Internetkosten von zusammen Fr. 2'040.--
pro Jahr oder Fr. 170.-- pro Monat) und einen Lebensbedarf von Fr. 9'945.--
berücksichtigt, aber keine AHV-Beiträge. Die Einsprache der EL-Bezügerin mit dem
Antrag, den Lebensbedarf für Alleinstehende von Fr. 19'050.-- einzusetzen, weil sie
nicht mehr in häuslicher Gemeinschaft (mit ihrem Vater) lebe, wies die
Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle am 11. April 2012 (act. II-121) ab
und änderte die Verfügung insofern zu Ungunsten der EL-Bezügerin, als sie den
Anspruch ab Oktober 2011 auf Fr. 1'120.-- und ab 2012 auf Fr. 1'142.-- pro Monat
festsetzte. Sie rechnete nur noch einen jährlichen Mietzins von Fr. 5'640.--, nämlich
den halben Eigenmietwert der Liegenschaft des Vaters, an, da es der EL-Bezügerin
zumutbar sei, während der Dauer des Studiums bei ihm zu wohnen. Die AHV-Beiträge
könnten keinen Eingang in die EL-Berechnung finden, weil die EL-Bezügerin gehalten
sei, eine Teilzeiterwerbstätigkeit aufzunehmen und die Beiträge so gedeckt würden. Die
gegen diesen Einspracheentscheid erhobene Beschwerde vom 11. Mai 2012
(act. II-114-2 ff.) mit den die Mietkosten, den Lebensbedarf und die AHV-Beiträge
betreffenden Anträgen hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit
Entscheid vom 8. Mai 2013 (act. II-82) teilweise gut. Es seien der Lebensbedarf für
Alleinstehende, die tatsächlichen Mietkosten von Fr. 9'480.-- pro Jahr (Fr. 790.-- pro
Monat) und die tatsächlich geleisteten Beiträge für Nichterwerbstätige an die AHV als
Ausgaben anzurechnen. Weder hypothetische Unterhaltsleistungen noch ein
hypothetisches Erwerbseinkommen seien zu berücksichtigen. Das Bundesgericht hob
diesen Entscheid auf Beschwerde der Sozialversicherungsanstalt/EL-
Durchführungsstelle hin mit Urteil vom 23. Oktober 2013 (9C_429/13; act. II-56) auf,
soweit es darauf eintrat. Es pflichtete der Auffassung der EL-Durchführungsstelle bei,
dass es der Beschwerdeführerin zumutbar wäre, im Haus des Vaters zu wohnen. Es sei
nicht der Mietzins für die eigene Wohnung zu berücksichtigen. Daher sei auch der
allgemeine Lebensbedarf für rentenberechtigte Waisen anzurechnen. Über die Frage
nach der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens könne mangels Anfechtungs-
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und Streitgegenstands nicht entschieden werden. Auf den diesbezüglichen
Feststellungsantrag könne nicht eingetreten werden.
A.b Inzwischen hatte die Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle den EL-
Anspruch der Bezügerin mit Verfügung vom 27. Dezember 2012 (act. II-102 f.) ab
1. Januar 2013 auf monatlich Fr. 1'507.-- (Mietzins wie ursprünglich Fr. 9'840.-- pro
Jahr) heraufgesetzt und mit Verfügung vom 24. Mai 2013 (act. II-83 f.) wegen einer
Mietzinsänderung auf monatlich Fr. 779.-- zufolge eines neuen Mietvertrags ab Februar
2013 (vgl. act. II-91-3 f.) rückwirkend ab diesem Zeitpunkt auf Fr. 1'466.-- (Mietzins
Fr. 9'348.-- pro Jahr) herabgesetzt.
A.c Mit Verfügung vom 9. November 2013 (act. II-53 ff.) sprach die
Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle der EL-Bezügerin ab 1. Oktober
2011 eine Ergänzungsleistung von Fr. 1'120.-- und im Jahr 2012 eine solche von
Fr. 1'142.-- pro Monat zu (Mietzins Fr. 5'640.--, Lebensbedarf Fr. 9'945.--, keine AHV-
Beiträge). - Am 13. November 2013 (act. II-48 ff.) verfügte die
Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle über den EL-Anspruch ab 1. Januar
2013 und setzte den EL-Anspruch sowohl für Januar wie ab Februar 2013 auf
monatlich Fr. 1'157.-- fest. - In beiden Verfügungen wurde einer allfälligen Einsprache
die aufschiebende Wirkung entzogen. Zudem wurde eine Rückforderung zu Unrecht
bezogener Ergänzungsleistungen angekündigt.
A.d Am 6. Dezember 2013 (act. II-46) beantragte die EL-Bezügerin mit zwei
Einsprachen gegen die Verfügung vom 9. November 2013 und gegen die Verfügung
vom 13. November 2013 (act. II-42) die Anrechnung der bezahlten AHV-Beiträge für
Nichterwerbstätige. - Sie beanstandete am selben Tag (act. II-34) auch die
Ankündigung (vom 7. November 2013, act. II-52), ihr ein hypothetisches Einkommen
anzurechnen, worauf die Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle mit
Schreiben vom 16. Dezember 2013 (act. II-32) an ihrem Vorhaben festhielt.
A.e Am 27. Dezember 2013 (act. II-30 f.) setzte die Sozialversicherungsanstalt/EL-
Durchführungsstelle den EL-Anspruch ab 1. Januar 2014 auf monatlich Fr. 1'171.--
herab. Die "Prämienpauschale Krankenversicherung" werde künftig direkt dem
Krankenversicherer ausbezahlt. Die Ergänzungsleistung ohne diesen Teil betrage pro
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Monat Fr. 810.--. Tags darauf (act. II-25 und act. II-27) ersetzte sie diese Verfügung
durch eine Herabsetzung auf Fr. 397.-- (ohne Prämienpauschale Krankenversicherung)
als Folge der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens von Fr. 8'437.-- (wovon
anrechenbar Fr. 4'958.--).
A.f Mit Verfügung vom 15. Januar 2014 (act. II-14 bis 17 und 19 f.) berechnete die
Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle den Anspruch ab Beginn vom
1. Oktober 2011 neu. Dabei setzte sie den AHV-Beitrag als Nichterwerbstätige ein und
berücksichtigte als Mietzins Fr. 5'640.-- und als Lebensbedarf Fr. 9'945.--. Das ab
1. Januar 2014 angerechnete hypothetische Einkommen entfernte sie wieder. - Die
Nachzahlung von Fr. 1'586.-- verrechnete sie mit einer Rückforderung von Fr. 5'250.--,
so dass eine Restforderung von Fr. 3'664.-- verbleibe (act. II-18).
A.g Mit Schreiben vom 17. Januar 2014 erklärte die Sozialversicherungsanstalt/EL-
Durchführungsstelle, ohne Gegenbericht bis 21. Februar 2014 gehe sie davon aus,
dass die Einsprachen vom 6. Dezember 2013 damit gegenstandslos geworden seien.
A.h Die EL-Bezügerin erhob am 31. Januar 2014 (act. II-6) Einsprache gegen die
Verfügung vom 15. Januar 2014 (und jene vom 27. Dezember 2013). Es seien der
Lebensbedarf für Alleinstehende sowie die Mietausgaben zunächst gemäss dem
Untermietvertrag und ab Februar 2013 gemäss dem Mietvertrag vom 24. Januar 2013
anzurechnen. Mit Schreiben vom gleichen Tag (act. II-3) beantragte sie separat die
Anrechnung des Lebensbedarfs von Erwachsenen. Am 31. Januar 2014 (act. II-4)
erhob sie auch Einsprache gegen die Verrechnungsverfügung vom 15. Januar 2014
(das Verfahren wurde von der Verwaltung sistiert, vgl. act. II-1).
A.i Mit Einspracheentscheid vom 17. Februar 2014 wies die Sozialversicherungs
anstalt/EL-Durchführungsstelle die Einsprache gegen die Verfügung vom 15. Januar
2014 ab, soweit darauf einzutreten sei. Das Bundesgericht habe in den mit der
Einsprache beanstandeten Punkten rechtsverbindlich entschieden. Weder sei der
Lebensbedarf zu erhöhen noch seien höhere Mietkosten zu berücksichtigen. Die
Überlegungen der Stipendienkommission zur Wohnsituation der EL-Bezügerin seien
nicht relevant. Die Verfügung sei rechtens. Sollten die gleichen Punkte bei künftigen
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Verfügungen wieder angefochten werden, behalte sie (die Sozialversicherungsanstalt)
sich vor, Verfahrensgebühren zu erheben.
B.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwältin Hannelore
Fuchs für die Betroffene am 21. März 2014 erhobene Beschwerde. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragt, der angefochtene
Einspracheentscheid sei aufzuheben und es seien ein Lebensbedarf von Fr. 19'210.--,
ein Mietzins von Fr. 6'600.-- und AHV-Beiträge von Fr. 499.-- anzuerkennen.
Ausserdem sei die Beschwerdeführerin von den Verfahrenskosten zu befreien und sei
ihr die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren. Nachdem die
Beschwerdegegnerin die Mietkosten für das Studio beanstandet gehabt habe, habe die
Beschwerdeführerin ein Zimmer für Fr. 619.-- pro Monat gemietet. Indem Wohnkosten
von Fr. 470.-- pro Monat anerkannt worden seien, seien die für die Fahrt vom und zum
Wohnort des Vaters aufzuwendenden Kosten von monatlich Fr. 81.-- ausser Acht
gelassen worden. Sie seien dazuzuschlagen. Die Beschwerdeführerin sei damit
einverstanden, dass ihr dieser Betrag (monatlich Fr. 550.--) angerechnet werde. Ein
weiterer Umzug wäre unverhältnismässig, da die Beschwerdeführerin nächstens ein
Auslandsemester einschalten werde. Im Übrigen habe die Beschwerdegegnerin im
Einspracheentscheid vom 11. April 2012 die Untermiete (Einzelzimmer bei einer
"Schlummermutter") als für Studenten durchaus angemessene Wohnform bezeichnet
gehabt. Die Beschwerdegegnerin mute der Beschwerdeführerin ferner zu, mit ihrem
Vater den Lebensbedarf so zu teilen, dass sich dieser annähernd halbieren lasse. Eine
so enge Bindung einer erwachsenen Person an einen Elternteil aus rein finanziellen
Gründen widerspreche dem Selbstbestimmungsrecht und sei diskriminierend. Es sei
nicht einzusehen, weshalb Studenten im Unterschied zu anderen EL-Ansprechern die
Führung eines selbständigen Lebens verwehrt sein sollte. Die rigorose Einschränkung
wäre auch dem Studium abträglich und würde die Beschwerdeführerin in ihren sozialen
und kulturellen Ansprüchen übermässig beschneiden. Die AHV-Beiträge seien gemäss
dem Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. Mai 2013
"selbstverständlich" dazuzurechnen. Die finanziellen Verhältnisse der
Beschwerdeführerin erlaubten ihr offensichtlich nicht, aus eigenen Mitteln eine
Rechtsvertretung zu bestellen. Ihr Vater sei auf Leistungen der Fürsorge angewiesen.
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Dass die Angelegenheit nicht einfach und nicht aussichtslos sei, zeige die Tatsache,
dass das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen und das Bundesgericht
diametral entgegengesetzter Meinung seien. Das Bundesgericht habe in seinem
Kurzurteil den finanziellen Aspekt der Angelegenheit allzu sehr in den Vordergrund
gestellt.
C.
Mit Schreiben vom 9. April 2014 an die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin weist
die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass Mietzins und Lebensbedarf höchstrichterlich
festgelegt und AHV-Beiträge berücksichtigt seien. Für die Ausrichtung von Fahrtkosten
vom Wohn- zum Studienort gebe es keine gesetzliche Grundlage. Vorgesehen seien
nur Gewinnungskosten für Erwerbstätige.
D.
Mit Beschwerdeergänzung vom 7. Mai 2014 beantragt die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin, es seien ab 1. Oktober 2011 die tatsächlichen Wohnkosten, der
Lebensbedarf von Alleinstehenden und die AHV-Beiträge anzurechnen. Für die Miete
anerkenne die Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2014 einen Betrag von Fr. 550.-- pro
Monat. Ein rechtsgestaltendes Urteil habe das Bundesgericht nicht gefällt, sondern es
habe den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen aufgehoben. Es
frage sich, wie verbindlich seine Tatsachenfeststellung und Entscheidbegründung
dennoch seien. Materielle Rechtskraft könnten sie jedenfalls nicht erlangen. Als
Ausdruck des Rechtsstandpunkts des obersten Gerichts komme ihnen gleichwohl eine
massgebliche Bedeutung zu, allerdings nur, wenn sie nicht auf einer gravierenden
Rechtsverletzung beruhten. Die Rechtsauffassung führe jedoch zu einem Verstoss
gegen ein Grundrecht. Selbst wenn ein solches Urteil in Rechtskraft erwachsen würde,
wäre ein nachfolgender Richter nicht daran gebunden. Als Richtlinie für einen unter EL-
Aspekt angemessenen Mietzins werde die Auflage des Bundesgerichts akzeptiert. Die
Beschwerdeführerin habe denn auch bereits eine Wohnung bezogen, die den
Preisvorstellungen des Bundesgerichts und der Beschwerdegegnerin mit Ausnahme
einer kleinen Differenz entspreche. Eine tatsächliche Umsetzung komme für sie jedoch
nicht in Frage und könne von ihr unter dem Aspekt der Niederlassungsfreiheit auch
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nicht verlangt werden. Es sei widersprüchlich, eine Hypothese aufzustellen und den
Mietzins daran zu bemessen, ohne auch die Folgekosten in Betracht zu ziehen. Würde
die Beschwerdeführerin beim Vater wohnen, hätte sie Fahrtkosten zu tragen. Es ergebe
sich somit eine Erhöhung der Mietkosten auf Fr. 550.-- pro Monat. Das Bundesgericht
habe zwischen dem Zusammenleben mit dem Vater und dem anrechenbaren
Lebensbedarf einen zwangsläufigen Zusammenhang hergestellt. Es sei jedoch
durchaus vorstellbar, dass eine erwachsene Person zwar mit den Eltern
zusammenwohne, aber nicht mit ihnen zusammenlebe, sondern am Arbeits- oder
Studienplatz ein selbständiges Leben führe. Der reduzierte Lebensbedarf komme nur
zum Zug, wenn eine häusliche Gemeinschaft bestehe, wenn das Kind also in das
Gemeinschaftsleben eingebettet sei. Unter den verlangten Bedingungen wäre ein
selbständiges Leben weitgehend ausgeschlossen. Stattdessen müssten die Ferien und
die Freizeit zuhause verbracht und die Mahlzeiten ebenfalls dort eingenommen werden.
In einer Familie mit vier studierenden Kindern könnte gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 3
ELG das vierte Kind noch einen Lebensbedarf von Fr. 278.-- pro Monat beanspruchen.
Dadurch würde eine Notlage entstehen, was dem Geist des ELG widerspreche. Die
Anwendbarkeit dieser Bestimmung sollte in aller Regel auf minderjährige Kinder
beschränkt bleiben. Eine Reduktion auf Fr. 836.-- pro Monat bei erwachsenen
Anspruchsberechtigten, die seit mehreren Jahren ein selbständiges Leben führten,
beeinträchtige das durch Art. 13 BV verfassungsrechtliche geschützte Privatleben, weil
die Gestaltungsfreiheit übermässig eingeschränkt sei. Die Voraussetzungen einer
Einschränkung - gesetzliche Grundlage, Rechtsgrundlage für den Eingriff im Gesetz
selber, rechtsgenügliches öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit, keine Berührung
des Kernbereichs - seien nicht gegeben. Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG gewährleiste
erwachsenen Personen im Gegenteil ein Privatleben in Würde. Blosse fiskalische
Interessen (Sparmassnahmen) könnten einen solchen Eingriff nicht rechtfertigen,
ebenso wenig könne es die Schadenminderungspflicht. Personen, welche die von der
Beschwerdegegnerin im früheren Einspracheentscheid als angemessen bezeichnete
studentische Wohnform (Wohnen bei einer "Schlummermutter" oder zusammen mit
Kommilitoninnen und Kommilitonen) verwirklichten, hätten Anspruch auf den
Lebensbedarf von Alleinstehenden. Eine solche Ungleichbehandlung wäre nur zu
rechtfertigen, falls der Vater im Sinn von Art. 328 Abs. 1 ZGB für die Differenz
aufkommen könnte, was hier anerkanntermassen nicht der Fall sei. Die Beschneidung
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des Lebensbedarfs verstosse somit auch gegen das Diskriminierungsverbot von Art. 8
BV. Die AHV-Beiträge seien gemäss Art. 10 Abs. 3 lit. c ELG anzurechnen.
E.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 23./26. Mai 2014 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Das Verfahren sei aussichtslos und die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung dürfe nicht genehmigt werden. Andernfalls wäre dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass die Beschwerdeführerin nach Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit ihre Schuld werde zurückzahlen können.
F.
Mit Replik vom 25. Juni 2014 bringt die Rechtsvertreterin vor, für den Vertreter der
Beschwerdegegnerin habe das Bundesgericht offenbar absolute Autorität. Anders als
für den ehemaligen Bundesrichter Hans Wiprächtiger, welcher die Unfehlbarkeit des
Bundesgerichts (im Tagesanzeiger vom 13. Dezember 2012) als blossen Mythos
bezeichnet habe. Konkret sei die Anordnung von Sparmassnahmen, die den
Kostenrahmen des ELG weit beschnitten und Eingriffe ins Privatleben zuliessen, Grund
für eine relativierende Betrachtungsweise. Im Weiteren gehe es nicht um tatsächliche
Fahrspesen, sondern um einen hypothetischen Mietzinsvergleich und die
angemessenen Wohnkosten. Es gehe nicht an, dabei nur die Vor- und nicht auch die
Nachteile gelten zu lassen. In BGE 108 V 235 habe das Bundesgericht festgestellt,
Fahrtkosten - im Zusammenhang mit Arztbesuchen - dürften, obwohl gesetzlich nicht
erwähnt, zu den abzugsfähigen Krankheitskosten gerechnet werden. Sie könnten
ebenso wie sie dazu führen, dass das Einkommen unter den angemessenen
Existenzbedarf absinke.
G.
Die Beschwerdegegnerin hält am 7. Juli 2014 an ihren Ausführungen und ihrem Antrag
fest.

Erwägungen
1.
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Im Streit liegt der Entscheid vom 17. Februar 2014, mit welchem die
Beschwerdegegnerin eine Einsprache gegen ihre Verfügung vom 15. Januar 2014
abgewiesen hat, soweit sie darauf eingetreten ist. Mit jener Verfügung hatte sie den
(gesamten) EL-Anspruch der Beschwerdeführerin ab Anspruchsbeginn im Oktober
2011 neu geregelt. Einerseits hatte sie die Entscheidung des Bundesgerichts
umgesetzt und anderseits hatte sie - aufgrund der Einsprachen gegen die Verfügungen
vom 9. und vom 13. November 2013 - den Einspracheanträgen (Berücksichtigen der
AHV-Beiträge, Ausserachtlassen eines hypothetischen Einkommens) stattgegeben. Sie
hatte die spätere Feststellung beabsichtigt, dass das Einspracheverfahren dadurch
gegenstandslos (vgl. zur entsprechenden Möglichkeit der Beschwerdegegnerin BGE
131 V 407 E. 2.2.1) geworden sei, worauf die Beschwerdeführerin allerdings gegen die
während des hängigen Einspracheverfahrens erlassene Verfügung wiederum
Einsprache erhoben hat.
2.
2.1 Personen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz haben
nach Art. 4 Abs. 1 ELG Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wenn sie eine der
Voraussetzungen von lit. a bis d erfüllen, also beispielsweise (wie die
Beschwerdeführerin) eine Waisenrente der AHV beziehen (bis 31. Dezember 2011 lit. a,
seither lit. a ). Die Ergänzungsleistungen bestehen nach Art. 3 Abs. 1 ELG aus der
jährlichen Ergänzungsleistung (lit. a) und der Vergütung von Krankheits- und
Behinderungskosten (lit. b).
2.2 Bei Personen, die nicht dauernd oder längere Zeit in einem Heim oder Spital
leben (zu Hause lebende Personen), werden als Ausgaben nach Art. 10 Abs. 1 ELG
anerkannt: als Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf pro Jahr (lit. a) bei
alleinstehenden Personen Fr. 19'050.-- (Ziff. 1), bei (unter anderem) rentenberechtigten
Waisen Fr. 9'945.--; dabei gelten für die ersten zwei Kinder der volle Betrag, für zwei
weitere Kinder je zwei Drittel und für die übrigen Kinder je ein Drittel dieses Betrags
(Ziff. 3; Beträge in den Jahren 2011 und 2012 gemäss der Verordnung 11 über
Anpassungen bei den Ergänzungsleistungen zur AHV/IV vom 24. September 2010). In
den Jahren 2013 und 2014 machen die entsprechenden Beträge Fr. 19'210.-- und
bis
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Fr. 10'035.-- aus (Verordnung 13 über Anpassungen bei den Ergänzungsleistungen zur
AHV/IV vom 21. September 2012).
2.3 Nach Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG werden bei zu Hause lebenden Personen als
Ausgaben ferner der Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden
Nebenkosten angerechnet; als jährlicher Höchstbetrag werden bei alleinstehenden
Personen Fr. 13'200.-- (Ziff. 1), bei Ehepaaren und Personen mit (unter anderem)
rentenberechtigten Waisen Fr. 15'000. - (Ziff. 2) anerkannt.
2.4 Als Ausgaben werden zudem bei allen Personen die Beiträge an die
Sozialversicherungen des Bundes unter Ausschluss der Prämien für die
Krankenversicherung anerkannt (Art. 10 Abs. 3 lit. c ELG).
2.5 Als Einnahmen werden demgegenüber nach Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG unter
anderem Einkünfte und Vermögenswerte angerechnet, auf die verzichtet worden ist. -
Entgegen der zu engen Formulierung dieser Bestimmung sind nicht nur Einkünfte
anzurechnen, auf die ohne Rechtspflicht oder zwingenden Grund verzichtet wird,
sondern es ist auch der Abzug von Ausgaben ausgeschlossen, welche die versicherte
Person ohne Rechtspflicht oder zwingenden Rechtsgrund vornimmt (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S M. vom 12. Februar 2004, EL
2003/36, und den diesbezüglich bestätigenden Bundesgerichtsentscheid vom
14. September 2005, P 12/04 E. 4.1; noch zu aArt. 3c Abs. 1 lit. g ELG).
3.
3.1 Mit der (erstmalig) EL-zusprechenden Verfügung vom 15. Januar 2014 bzw. dem
vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid hat die Beschwerdegegnerin den
anrechenbaren Mietzins und den anrechenbaren Betrag für den allgemeinen
Lebensbedarf der Beschwerdeführerin für die Zeit bis April 2012 in Nachachtung der
Erwägungen des bundesgerichtlichen Urteils vom 23. Oktober 2013 festgesetzt, also
(lediglich) diesen Entscheid vollzogen. Was den Mietzins und den Lebensbedarf betrifft,
hat das Bundesgericht nämlich die im Prozess, der dem vorliegenden vorausging (EL
2012/23), strittig gewesene Frage entschieden, ob es der Beschwerdeführerin in
Nachachtung der ihr obliegenden Schadenminderungspflicht zumutbar sei, im Haus
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ihres Vaters zu wohnen und dadurch dazu beizutragen, dass tiefere
Ergänzungsleistungen ausgerichtet werden müssen, oder nicht. Das Bundesgericht hat
die Frage bejaht und den gegenteiligen Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen (Anrechnung des tatsächlichen Mietzinses bis zum für Allein
stehende vorgesehenen Maximalbetrag, konkret von Fr. 790.-- pro Monat bzw.
Fr. 9'480.-- pro Jahr, und des Lebensbedarfs für Alleinstehende) aufgehoben. Gemäss
dem Urteil vom 23. Oktober 2013 hat es demnach, was den Sachverhalt bis zum April
2012 betrifft, bei der Mietzinsanrechnung (hälftiger Eigenmietwert der Liegenschaft des
Vaters) und der Anrechnung des Lebensbedarfs für Waisen - wie sie schon im
Einspracheentscheid vom 11. April 2012 angeordnet gewesen war - zu bleiben.
3.2 Mit ihrer vorliegenden Beschwerde, es werde der Beschwerdeführerin zu viel
zugemutet und es würden in gravierender Weise ihre Grundrechte, ihr
Selbstbestimmungsrecht, ihr verfassungsrechtlich geschütztes Privatleben und das
Diskriminierungsverbot verletzt, lässt die Beschwerdeführerin die Entscheidung des
Bundesgerichts beanstanden. Wollte aber dieser Entscheid gerügt werden, hätten
Gründe für eine Urteilsrevision (vgl. Art. 121 ff. BGG) bestanden haben und - beim
Bundesgericht - vorgebracht werden müssen oder hätte der Entscheid an den
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weitergezogen werden müssen.
3.3 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt,
selbst wenn ein solches rechtsverletzendes Urteil rechtskräftig würde, wäre ein
daraufhin mit der Sache befasster Richter daran nicht gebunden. Insofern die
Beschwerdegegnerin wie erwähnt lediglich den bundesgerichtlichen Entscheid zu
Mietzins und Lebensbedarf in Verfügungsform gekleidet hat, ist darin jedoch kein
materiell erneut richterlich überprüfbarer Anfechtungsgegenstand zu sehen. Geprüft
werden kann einzig noch, ob die Umsetzung dem Urteil entspreche, was zutrifft.
3.4 Für den Sachverhalt im Zeitraum bis zum April 2012 kommt auch die
Anrechnung von Fahrtkosten unter dem Titel von Mietkosten im vorliegenden Verfahren
angesichts des rechtskräftig festgesetzten Mietzinsbetrags aus den gleichen Gründen
nicht in Frage.
3.5 Diesbezüglich ist die Beschwerde abzuweisen.
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4.
4.1 Für den Sachverhalt nach April 2012 hat die Beschwerdegegnerin mit dem
angefochtenen Einspracheentscheid die Entscheidung des Bundesgerichts zu Mietzins
und Lebensbedarf unverändert weitergeführt, was rechtmässig ist, sofern sich keine
relevante Änderung ergeben hat. In tatsächlicher Hinsicht hat sich seither zwar insofern
eine Änderung ergeben, als die Beschwerdeführerin am 24. Januar 2013 mit Wirkung
ab Februar 2013 einen neuen Mietvertrag über ein möbliertes Zimmer abgeschlossen
hat. Dieser tatsächlichen Änderung kommt aber vorliegend keine massgebliche
Bedeutung zu, da nach bundesgerichtlichem Entscheid für die EL-Berechnung nicht
vom tatsächlichen Mietzins einer gemieteten Wohnung, sondern von der
hypothetischen Sachlage auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin bei ihrem Vater
wohnen würde. Die Verfügung bzw. der angefochtene Einspracheentscheid ist
diesbezüglich nicht zu beanstanden.
4.2 Mit der Verfügung bzw. dem angefochtenen Einspracheentscheid ist die
Beschwerdegegnerin ferner auf ihre ersten, in den Punkten des Mietzinses und des
Lebensbedarfs dem Bundesgerichtsurteil Nachachtung verschaffenden Verfügungen
und auf ihre Verfügung vom 28. Dezember 2013 zurückgekommen und hat den
Einspracheanträgen vom 6. Dezember 2013 Rechnung getragen:
4.2.1 Insofern die Beschwerdeführerin eine Anrechnung der bezahlten
Sozialversicherungsbeiträge als Nichterwerbstätige beantragen lässt, ist die
Beschwerde abzuweisen, da diese Beiträge - von in den Jahren 2011 und 2012 je
Fr. 499.-- (AHV Fr. 387.--, IV Fr. 65, EO Fr. 23.--, Verwaltungskosten Fr. 24.--) und in
den Jahren 2013 und 2014 je Fr. 504.-- (AHV Fr. 392.--, übrige wie oben) pro Jahr -
gemäss den Verfügungen bzw. dem angefochtenen Einspracheentscheid bereits
angerechnet worden sind und dem Antrag bereits Rechnung getragen ist. - Da sich das
Bundesgericht in seinem erwähnten Urteil 9C_429/13 mit dieser Frage nicht
auseinandergesetzt (und die Frage des Erwerbseinkommens ausdrücklich nicht an die
Hand genommen) hat (was so zu verstehen ist, dass es in der erstmaligen
Leistungszusprache von der Verwaltung noch zu entscheidende Elemente gab), war es
der Beschwerdegegnerin im Übrigen unbenommen, diese Anrechnung (auch für die
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St.Galler Gerichte
ansonsten vom Bundesgerichtsentscheid betroffene Zeit ab Oktober 2011)
vorzunehmen.
4.2.2 Ein hypothetisches Erwerbseinkommen hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin nicht angerechnet. Das lässt sich ebenfalls nicht beanstanden.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Das Gesuch um
Befreiung von den Verfahrenskosten ist als gegenstandslos abzuschreiben.
5.3 Bei dem genannten Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Die Beschwerdeführerin hat jedoch am 21. März 2014 ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung stellen lassen. Eine Bewilligung setzt
nach Art. 61 lit. f ATSG voraus, dass der Prozess nicht aussichtslos erscheint, die
Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeiständung notwendig oder doch geboten ist.
Prozessbegehren sind als aussichtslos zu betrachten, wenn die Gewinnaussichten
beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren, sodass sie kaum als ernsthaft
bezeichnet werden können. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen
finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess
entschliessen würde (Bundesgerichtsentscheid i/S B. vom 20. April 2012, 9C_196/12,
mit Hinweisen). Vorliegend konnte nicht mit erheblichen Aussichten auf einen
Prozessgewinn gerechnet werden. Die aufgeworfenen Fragen im Zusammenhang mit
der Rechtmässigkeit der Hypothese, dass die Beschwerdeführerin bei ihrem Vater
wohne und lebe, und ihrer ergänzungsleistungsrechtlichen Folgen waren konkret
höchstrichterlich entschieden (Mietzins und Lebensbedarf). Die AHV-Beiträge waren
gemäss dem angefochtenen Entscheid bereits angerechnet. Bei dieser Sachlage kann
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung nicht gewährt werden. Das Gesuch ist
abzuweisen.