Decision ID: fd3c94ef-fb52-4dfa-97d0-db42e2025a6e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend fahrlässige Tötung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht, vom 7. November 2019 (GG190016)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 6. Juni 2019
(Urk. 36) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 64 S. 46 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte A._ ist der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB schuldig.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 260 Tagessätzen zu Fr. 30.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 Schadenersatz in Höhe von
Fr. 10'684.55 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren des Privatklä-
gers 1 auf den Zivilweg verwiesen.
5. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 eine Genugtuung von Fr. 35'000.–
zuzüglich 5% Zins ab 5. August 2017 zu bezahlen.
6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 eine Genugtuung von Fr. 35'000.–
zuzüglich 5% Zins ab 5. August 2017 zu bezahlen.
7. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'400.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr für das Vorverfahren,
Fr. 287.60 Auslagen (Gutachten),
Fr. 654.70 Auslagen (Legalinspektion),
Fr. 5'789.95 Kosten der Obduktion.
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung dieses Urteils, ermässigt sich die
Gerichtsgebühr auf zwei Drittel.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten
auferlegt.
9. [Mitteilung]
10. [Rechtsmittel]"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 98 S. 1)
1. Die Berufungsklägerin sei in Aufhebung des Urteils des Einzelgerichtes in
Zivil- und Strafsachen des Bezirkes Hinwil vom 7. November 2019/8. Mai
2020 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freizusprechen.
2. Die Zivilforderungen seien abzuweisen.
3. Die Kosten der Strafuntersuchung, des vorinstanzlichen Verfahrens sowie
für das Berufungsverfahren seien der Staatskasse aufzuerlegen.
4. Die Berufungsklägerin sei sowohl für das erstinstanzliche Verfahren wie
auch für das Berufungsverfahren vollumfänglich zuzüglich gesetzlicher
Mehrwertsteuer zu entschädigen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 73 schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Des Privatklägers 1:
(Urk. 78)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
d) Der Privatklägerin 2:
(Prot. II. S. 13)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 64 S. 4 E. I.).
1.2. Mit Urteil der Vorinstanz vom 7. November 2019 wurde die Beschuldigte
gemäss dem eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiv schuldig gesprochen
und bestraft. Gegen das Urteil meldete die Beschuldigte mit Eingabe vom
18. November 2019 fristgemäss Berufung an (Urk. 57), wovon die Vorinstanz den
Parteien mit Verfügung vom 5. Dezember 2019 Mitteilung machte (Urk. 59). Ihr
begründetes Urteil versandte die Vorinstanz am 8. Mai 2020 (Urk. 62). Mit Ver-
fügung vom 15. Mai 2020 gingen die Akten zur Behandlung der Berufung an das
Obergericht (Urk. 63).
1.3. Innert Frist erklärte die Beschuldigte mit Eingabe vom 28. Mai 2020 Beru-
fung (Urk. 66 f.). Mit Verfügung vom 19. Juni 2020 ging die Berufungserklärung an
die Privatkläger und die Staatsanwaltschaft und wurde diesen Frist angesetzt, um
zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben wird oder um ein Nichteintreten auf
die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde die Beschuldigte aufgefordert, ein
Datenerfassungsblatt sowie diverse Unterlagen zu ihren finanziellen Verhältnis-
sen einzureichen (Urk. 69). Mit Eingabe vom 22. Juni 2020 teilte die Staatsan-
waltschaft mit, sie verzichte auf eine Anschlussberufung und beantrage die Bestä-
tigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 73). Mit Eingaben vom 5. und 9. Juli 2020
erhoben die Privatkläger Anschlussberufung und beantragten die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 78 und Urk. 80). Mit Eingabe vom 10. Juli 2020 liess
die Beschuldigte die angeforderten Unterlagen beibringen (Urk. 82-84/1-7). Mit
Beschluss vom 16. Juli 2020 wurde auf die Anschlussberufungen der Privatkläger
nicht eingetreten (Urk. 85). Mit Eingabe vom 27. Juli 2020 liess die Beschuldigte
weitere Unterlagen zu ihren finanziellen Verhältnissen einreichen (Urk. 87-89/1-2).
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1.4. Die Berufungsverhandlung fand am 15. März 2021 statt, zu welcher die
Beschuldigte in Begleitung ihres Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. X._, der
Privatkläger 1 und die Privatklägerin 2 in Begleitung ihrer Vertreterin, Rechtsan-
wältin lic. iur. Y._, erschienen sind (Prot. II. S. 7). Im Anschluss an die Ver-
handlung erging nachfolgendes Urteil.
2. Umfang der Berufung
Die Beschuldigte verlangt einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 66 S. 2 und
Urk. 98 S. 1), womit das vorinstanzliche Urteil umfassend zur Disposition steht.
3. Prozessuales
3.1. Allgemeines
Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sach-
verhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit
Erwähnung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu
begründen. Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen,
von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid
stützt. Es darf sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und
muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem recht-
lichen Einwand auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf
die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnis-
mässiger Motivationsaufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt
sich Art. 6 Ziff. 1 EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf
jedes Argument gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer BGer 6B_689/2019 vom
25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).
3.2. Anklageprinzip
Die Vorinstanz hat unter Hinweis auf die einschlägigen Normen und die dazu
entwickelte Rechtsprechung zutreffend dargelegt, weshalb entgegen den ent-
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sprechenden Vorbringen der Verteidigung das Anklageprinzip vorliegend nicht
verletzt ist (Urk. 64 S. 7-9 E. II.2.), worauf verwiesen werden kann. Soweit die
Anklageschrift den exakten Zeitraum zwischen dem Untertauchen und dem
Ertrinken von D._ nicht nennt und lediglich festgehalten wird, dass die Be-
schuldigte das Untertauchen "nicht bzw. viel zu spät wahrgenommen" habe,
"obschon sie es aufgrund ihrer Sitzposition und der Verpflichtung, immer Sicht-
kontakt zu D._ aufrecht zu erhalten, sofort hätte bemerken müssen"
(Urk. 36 S. 2), ist nochmals festzuhalten, dass in der Untersuchung vergeblich
versucht wurde, diesen Zeitraum einzugrenzen, die Beschuldigte jedoch gleich-
wohl aufgrund der Untersuchung und der Anklage genau wusste, was ihr vorge-
worfen wurde, nämlich keine genügende Überwachung von D._ während
des Badens, und dass es sich insgesamt um einen Zeitraum von wenigen Minu-
ten handelte. Die Beschuldigte hat alle für eine effektive Verteidigung notwendi-
gen Informationen erhalten und der Vorwurf ist klar, was sich nicht zuletzt darin
zeigt, dass sich die Verteidigung sehr detailliert dazu äussern konnte.
3.3. Verwertbarkeit der Beweismittel
Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung dargelegt, weshalb diverse
Einvernahmen (jedenfalls zuungunsten der Beschuldigten) nicht verwertbar sind
(Urk. 64 S. 11-14 E. II.3.2.2.), auch darauf kann verwiesen werden, wobei mit der
Vorinstanz festzuhalten ist, dass – wie zu zeigen sein wird – sich der eingeklagte
Sachverhalt gestützt auf die übrigen verwertbaren Beweismittel, wozu namentlich
auch die originären Aussagen der Beschuldigten bei der Staatsanwaltschaft
gehören (Art. 141 Abs. 4 i.V.m. Abs. 2 StPO e contrario), erstellen lässt.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie sei am Nachmittag/Abend des 5. August
2017, einem Samstag, als alleine verantwortliche Pflegerin in der Wohngruppe ...
der Stiftung E._ mit der Betreuung von D._ (*tt. Februar 1987) sowie
einer weiteren Bewohnerin (F._) betraut gewesen. D._ habe am
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Abend baden wollen. Der Beschuldigten sei dabei aufgrund ihrer Einführung in die
Abläufe und die Besonderheiten der einzelnen Bewohner bekannt gewesen, dass
D._ zufolge seiner allgemeinen Behinderung als auch dem Umstand, dass
er an Epilepsie gelitten habe und immer wieder mit einem Anfall habe gerechnet
werden müssen, nicht alleine bzw. nie habe unbeaufsichtigt im Baderaum bzw. in
der Badewanne alleine gelassen werden dürfen, wobei ständiger Sichtkontakt
zum in der Wanne befindlichen D._ habe gewährleistet sein müssen. In
Kenntnis dieses Umstandes und obschon sie nicht nur eine weitere Bewohnerin
zu betreuen gehabt habe, sondern auch eine im Rollstuhl sitzende Bewohnerin
aus einer anderen Wohngruppe, habe es die Beschuldigte D._ gestattet, zu
baden. Weisungsgemäss habe sich die Beschuldigte vor die leicht geöffnete Ba-
dezimmertüre gesetzt, so dass sie auf dem Stuhl sitzend D._ bzw. seinen
Kopf bis zur Schulter in der Wanne habe sehen können und auch müssen.
D._ sei während des Badens unter Wasser geraten, was von der Beschul-
digten indes nicht bzw. viel zu spät wahrgenommen worden sei, obschon sie es
aufgrund ihrer Sitzposition und der Verpflichtung, immer Sichtkontakt zu
D._ aufrecht zu erhalten, sofort hätte bemerken müssen. Nachdem die Be-
schuldigte festgestellt gehabt habe, dass sie D._ nicht mehr gesehen habe,
habe sie sich ins Badezimmer begeben und D._ seitwärts links mit dem
Kopf unter Wasser in der Wanne liegen sehen. Trotz nachfolgender Bergung von
D._, die in die Wege geleitete Reanimation und Avisierung der Sanität und
des Notarztes, sei dieser noch vor Ort verstorben. In Kenntnis der genannten
Umstände, sei die Beschuldigte der ihr als alleine anwesenden Betreuungsperson
obliegenden Aufsichts- und Sorgfaltspflicht gegenüber D._ nicht nachge-
kommen, was letztendlich zu dessen Tod geführt habe. Hätte die Beschuldigte
das Baden von D._ wie vorgeschrieben und ihr bekannt durchgehend
überwacht, wäre es nicht zu diesem Vorfall gekommen, hätte sofort eingegriffen
und D._ aus der Wanne genommen werden können und wäre dieser nicht
ertrunken. Dadurch habe sich die Beschuldigte der fahrlässigen Tötung im Sinne
von Art. 117 StGB schuldig gemacht, wofür sie zu bestrafen sei.
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2. Standpunkt der Beschuldigten und Ausgangslage
Die Beschuldigte bestreitet, eine Sorgfaltspflichtverletzung begangen zu haben,
wobei im angefochtenen Entscheid zutreffend zusammengefasst wurde, was sie
vor Vorinstanz zu ihrem Standpunkt im Einzelnen ausführen liess (Urk. 64 S. 5
E. II.1.2.), worauf verwiesen werden kann und nachfolgend näher einzugehen
sein wird, so dies erforderlich scheint. Was den unbestrittenen bzw. bestrittenen
Sachverhalt anbelangt, ist mit der Vorinstanz von folgender Ausgangslage auszu-
gehen (a.a.O., S. 9 f. E. II.3.1.; vgl. dazu insbesondere auch Urk. 16 S. 2 ff.,
Urk. 18 S. 2 ff., Prot. I S. 13 ff. sowie Urk. 97 S. 5 ff.): Unbestritten ist, dass die
Beschuldigte am Samstag den 5. August 2017 in der Spätschicht als Betreuerin
der Wohngruppe ... der Stiftung E._ arbeitete. Ihre Anstellung im begleiteten
Wohnangebot für kognitiv und physisch beeinträchtigte Personen im 50%-
Pensum hatte sie am 1. Juli 2017, d.h. rund einen Monat vorher, begonnen. Ab
dem Nachmittag des 5. August 2017 war sie alleine verantwortlich für die beiden
anwesenden Bewohnenden D._ und F._. Es war nicht der erste, aber
einer der ersten Arbeitseinsätze, bei dem die Beschuldigte alleine in der Wohn-
gruppe arbeitete. Zusätzlich wurde noch eine Bewohnerin der Wohngruppe ...,
die aufgrund ihrer cerebralen Lähmung im Rollstuhl ist und nicht sprechen kann,
zur Beschuldigten in die Wohngruppe ... gebracht. F._ und die Bewohnerin
aus der Wohngruppe ... sahen nach dem Abendessen fern, während D._
um ca. 19.10 Uhr ein Bad nehmen wollte. Die Beschuldigte setzte sich – in Um-
setzung des Konzepts der "Funktionalen Gesundheit" und wie es ihr im Rahmen
ihrer Einführung erklärt worden war – auf einen Stuhl ausserhalb des Badezim-
mers, wobei sie Kopf und Oberkörper des in der Badewanne sitzenden D._
sehen konnte. Zudem hörte sie Laute und Kommentare von ihm, sowie das Plät-
schern des Wassers, da er mit Spielsachen beschäftigt war. Nach einer Weile
ging die Beschuldigte ins Badezimmer und fragte D._, ob er aus der Bade-
wanne kommen wolle, was dieser verneinte. Die Beschuldigte setzte sich darauf-
hin wieder auf den Stuhl im Gang. Strittig bzw. unklar ist, was im darauffolgenden
Zeitraum geschah und wie lange dieser dauerte. Unstrittig ist wiederum, dass die
Beschuldigte in der Folge feststellte, dass D._ nicht mehr aufrecht in der
Wanne sass, daraufhin rasch zur Badewanne hin ging und sah, dass er auf der
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linken Seite im Wasser lag. Sie versuchte ihn – zunächst erfolglos – aus der
Wanne zu ziehen, nahm den Stöpsel heraus, so dass das Wasser abfloss, und
konnte ihn schliesslich über das Kopfteil herausziehen. Als er mit dem Oberkörper
auf dem Boden lag, öffnete die Beschuldigte die Tür zur benachbarten Wohn-
gruppe und rief um Hilfe. Trotz nachfolgender Reanimation verstarb D._
noch vor Ort um ca. 20.10 Uhr.
3. Beweismittel und Beweiswürdigung
Vor dem Hintergrund, dass die Beschuldigte und D._ alleine beim bzw. im
Badezimmer waren und es keine Zeugen gibt, die den eingeklagten Vorfall unmit-
telbar beobachten konnten, weshalb bei der Erstellung des strittigen Sachverhalts
die Aussagen der Beschuldigten und die gutachterlichen Erkenntnisse des Insti-
tuts für Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM) ausschlaggebend sind, hat die
Vorinstanz die massgebenden und soweit entscheidrelevant zu würdigenden Be-
weismittel zutreffend dargestellt (Urk. 64 S. 10 f. E. II.3.2.1. [Überblick] und S. 14-
17 E. II.3.2.3. f. [Ergebnisse der rechtsmedizinischen Begutachtung und Aussa-
gen der Beschuldigten]), worauf verwiesen werden kann. Ebenso hat die Vo-
rinstanz die wesentlichen Regeln der Beweiswürdigung richtig wiedergegeben
(a.a.O., S. 17 f. E. II.3.3.1.), auch darauf kann verwiesen werden. Schliesslich
kann bereits an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Vorinstanz die vorlie-
genden Beweise unter Bezugnahme auf die Vorbringen der Verteidigung im Hin-
blick auf den strittigen Sachverhalt überzeugend gewürdigt hat, weshalb auf die
entsprechenden Ausführungen vorab ebenfalls vollumfänglich verwiesen werden
kann (a.a.O., S. 18-22 E. II.3.3.2.-3.4.). Die nachfolgenden Erwägungen gehen
teilweise rekapitulierend und ergänzend noch einmal auf die wichtigsten Punkte
ein, namentlich dort, wo es zur Auseinandersetzung mit den Argumenten der Ver-
teidigung angezeigt erscheint.
4. Dauer des Ertrinkungsvorgangs
Was die Dauer des Ertrinkungsvorgangs bzw. die Frage betrifft, wie lange sich
D._ unter Wasser befand, ohne dass die Beschuldigte dies bemerkte, Fol-
gendes: Das überzeugende IRM-Gutachten hält fest, dass sich der Ertrinkungs-
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vorgang über eine Dauer von ca. drei bis fünf bzw. jedenfalls mehrere Minuten er-
streckte und deshalb ein Zeitfenster von nur 10-20 Sekunden, d.h. die unbeo-
bachtete Zeit gemäss den Angaben der Beschuldigten (zu Beginn der
Strafuntersuchung), nicht plausibel sei (Urk. 20/7 S. 8; vgl. dazu auch Urk. 64
S. 14 f. E. II.3.2.3.). Darauf ist abzustellen. Der Beschuldigten war es von ihrem
Sitzplatz aus möglich, D._ sowohl akustisch als auch visuell zu überwa-
chen. Denkbar ist zwar, dass er mit dem Kopf langsam und ohne jegliche Geräu-
sche zu verursachen unter Wasser geriet und die Beschuldigte nicht ununterbro-
chen hinschaute. Selbst dann aber hätte sie die entsprechende optische Verände-
rung bei regelmässigem Hinschauen (mindestens etwa alle 10 bis 20 Sekunden)
ohne Weiteres bemerken müssen. Zudem sagte die Beschuldigte aus, D._
habe "mehr oder weniger die ganze Zeit" Geräusche von sich gegeben (vgl. dazu
Prot. I S. 21 f., wo von plätschern und Kommentaren beim Spielen mit Spielsa-
chen in der Wanne die Rede ist, vgl. dazu auch Urk. 97 S. 9 ff.). Wenn diese Ge-
räusche plötzlich ausblieben, hätte dies der Beschuldigten ziemlich schnell auffal-
len müssen, auch wenn sie nicht ständig Sichtkontakt zu D._ gehabt hat.
Selbst wenn also D._ einen "stillen" epileptischen Anfall erlitten haben soll-
te, so entlastet dies die Beschuldigte nicht, da sie bei hinreichender Aufmerksam-
keit hätte alarmiert sein müssen, als die beschriebenen Geräusche ausblieben.
Insgesamt ist damit nicht plausibel, dass die Beschuldigte trotz genügender Auf-
merksamkeit sowohl die optischen Warnzeichen übersah als auch die akusti-
schen Warnzeichen überhörte, und dies während einer Zeitspanne von deutlich
mehr als 10-20 Sekunden. Eine 10 oder 20 Sekunden nicht übersteigende Un-
aufmerksamkeit der Beschuldigten hätte indes gemäss den überzeugenden gut-
achterlichen Feststellungen noch nicht zum Ertrinken von D._ geführt (vgl.
zum Ganzen in diesem Sinne auch Urk. 64 S. 18 f. E. II.3.3.2.).
5. "Einnicken", geistige Abwesenheit oder Ohnmacht der Beschuldigten
Die Beschuldigte gab wiederholt an, sie könne sich nicht erklären, was sie getan
(bzw. nicht getan) habe, während D._ ertrank (Urk. 16 S. 19 ff., Urk. 18
S. 4, S. 7 ff., Prot. I S. 22 ff., Urk. 97 S. 11 f.). Als mögliche Erklärungen für das
Geschehene nannte die Verteidigung vor Vorinstanz und anlässlich der Beru-
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fungsverhandlung ein kurzes Einnicken, eine geistige Abwesenheit (z.B. ein Tag-
traum oder ein Versinken in Gedanken) oder eine Ohnmacht bzw. ein medizini-
sches Problem (Urk. 54 S. 5, Urk. 98 S. 2 f.). Es ist zwar denkbar, dass man ein-
nickt und hinterher nicht weiss, für wie lange Zeit man eingenickt ist. Eher
unwahrscheinlich erscheint jedoch, dass man sich hinterher nicht daran erinnert,
überhaupt eingenickt zu sein. Indem die Beschuldigte indes wiederholt angab, sie
könne sich nicht erklären, was passiert sei und wieso sie das Untertauchen nicht
bemerkt habe, sagte sie eben gerade, dass sie sich (auch) nicht erinnert, einge-
nickt zu sein. Weiter ist dazu anzumerken, dass von einem "kurzen" Einnicken
von wenigen Sekunden aufgrund der gutachterlichen Feststellungen, wonach sich
der Ertrinkungsvorgang über mehrere Minuten erstreckte (vgl. dazu soeben unter
E. III.4.), ohnehin nicht ausgegangen werden kann. Auch wenn die Beschuldigte
allenfalls irgendwelchen Gedanken nachhing bzw. einen Tagtraum hatte, ist nur
sehr schwer vorstellbar, dass sie hinterher keinerlei Erinnerungen mehr an diesen
Umstand hatte. Die entsprechenden Vorbringen der Beschuldigten müssen daher
als unglaubhafte Schutzbehauptungen angesehen werden. Für die Erstellung des
Sachverhalts ist es allerdings letztlich irrelevant, ob die Beschuldigte eingenickt
ist, oder ob sie sozusagen "mit offenen Augen" geistig abwesend war. Vorliegend
geht es um den Vorwurf einer Unterlassung, also darum, was die Beschuldigte
nicht gemacht hat. Ein darüber hinausgehendes, bewusstes Fehlverhalten, etwa
ein bewusstes Wegschauen oder ein Verlassen der Örtlichkeit, wird ihr nicht vor-
geworfen und steht damit nicht zur Diskussion (vgl. zum Ganzen in diesem Sinne
auch Urk. 64 S. 19 f. E. II.3.3.3.). Zwar ist eine Ohnmacht bzw. ein medizinisches
Problem, was von der Verteidigung als weitere mögliche Erklärung vorgebracht
wurde, vorstellbar, doch wurde solches von der Beschuldigten selbst nie (sub-
stantiiert) geltend gemacht und es sind denn auch keine objektiven Anhaltspunkte
ersichtlich, welche dafür sprechen würden. Anlässlich der Berufungsverhandlung
bestätigte die Beschuldigte denn auch erneut, dass sie sich am fraglichen Abend
in einer tadellosen gesundheitlichen Verfassung befand und weder schläfrig war,
noch unter dem Einfluss von Medikamenten stand (Prot. II S. 5 und 10). Hinweise
auf ein medizinisches Problem bestehen damit auch nach Darstellung der
Beschuldigten keine.
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6. Weitere Einwendungen der Beschuldigten
Was die weiteren vor Vorinstanz vorgebrachten Einwände der Beschuldigten
betrifft, kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz dazu verwiesen
werden, mit der insbesondere davon auszugehen ist, dass die Beschuldigte die
allgemein bei Epilepsiepatienten und bei D._ im Besonderen bestehenden
Gefahren, namentlich beim Baden, kannte und D._ nicht das erste Mal in
ihrem Beisein badete, weshalb davon auszugehen ist, dass die Beschuldigte auch
in die praktischen Abläufe des Badens von D._ eingeführt worden war (vgl.
dazu Urk. 64 S. 19 f. E. II.3.3.4.).
7. Fazit
Aufgrund der vorstehenden Ausführungen ist in sachverhaltlicher Hinsicht für die
rechtliche Würdigung von Folgendem auszugehen: D._ ertrank, wobei die-
ser Vorgang mehrere Minuten dauerte. Es ist nicht nachweisbar (aber wahr-
scheinlich), dass er zunächst einen epileptischen Anfall erlitt. Die Beschuldigte hat
das Absinken und Ertrinken von D._ nicht bemerkt, aus welchem Grund,
lässt sich nicht erstellen. Jedenfalls kann nicht von einem medizinischen Problem
der Beschuldigten ausgegangen werden. Als sie hinzutrat, lag er bereits reglos
auf der linken Seite in der Badewanne. Die Beschuldigte erhielt im Rahmen ihrer
Arbeitseinführung Einblick in die Unterlagen über D._, die eine permanente
Überwachung während des Badens vorsahen, und sie hatte eine Woche zuvor
auch die praktischen Abläufe des Badens von D._ mitgekriegt. Der Be-
schuldigten waren sodann die allgemein bei Epilepsiepatienten und bei D._
im Besonderen bestehenden Gefahren, namentlich beim Baden, bewusst (vgl. in
diesem Sinne auch Urk. 64 S. 21 f. E. II.3.4.). Im Übrigen ist der Sachverhalt, wie
er eingeklagt wurde, erstellt (vgl. dazu auch bereits vorne unter E. II.2.).
III. Rechtliche Würdigung
1. Einleitende Bemerkungen
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt in rechtlicher Hinsicht unter Hinweis
auf die einschlägigen Normen und die dazu entwickelte Rechtsprechung und
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Lehre sehr sorgfältig, zutreffend und in Diskussion der dazu von der Verteidigung
gemachten Vorbringen gewürdigt (Urk. 64 S. 22-32 E. II.4.), weshalb auch auf
diese Erwägungen vorab verwiesen werden kann und die nachfolgenden als die
vorinstanzlichen teilweise wiederholende und ergänzende zu verstehen sind.
2. Garantenstellung und Garantenpflichten
Nach zutreffender Abhandlung der entsprechenden rechtlichen Grundlagen hat
die Vorinstanz zunächst richtigerweise eine Garantenstellung der Beschuldigten
gegenüber D._ bejaht (Urk. 64 S. 22-25 E. II.4.1. f.), auf die entsprechen-
den Ausführungen kann verwiesen werden. Sie wurde denn auch von der Be-
schuldigten zu Recht nicht in Abrede gestellt. Die Vorinstanz hat in diesem Zu-
sammenhang insbesondere zutreffend erwogen, dass hinsichtlich des Badens die
Pflicht der Betreuungsperson darin bestand, für eine permanente Überwachung
besorgt zu sein und dass der Beschuldigten die D._ betreffenden, besonde-
ren Anweisungen für das Baden gemäss ihren eigenen Aussagen wohlbekannt
waren. So bestätigte die Beschuldigte namentlich, dass die Betreuenden konkret
angewiesen wurden, von ausserhalb des Badezimmers ständigen Blickkontakt zu
D._ während des Badens zu halten. Es lag an jenem Abend in ihrer alleini-
gen Verantwortung als Betreuerin, der erhöhten Gefahr des Badens mit einer in-
tensivierten Überwachung zu begegnen. Diese erhöhte Aufsichtspflicht blieb wäh-
rend der gesamten Dauer des Bades in gleichem Masse bestehen (vgl. in diesem
Sinne a.a.O., S. 25 E. II.4.2.).
3. Sorgfaltspflichtverletzung
Auch auf die unter diesem Titel gemachten zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz kann vorab vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 64 S. 25-28
E. II.4.3.). Hervorzuheben ist nochmals, dass das Zulassen des Badens von
D._ durch die Beschuldigte einen Anwendungsfall des sogenannten "er-
laubten Risikos" darstellt. Auch wenn das Risiko des Ertrinkens bei Epileptikern in
erhöhtem Masse besteht, muss deswegen nicht gänzlich auf das Badenlassen
von Epileptikern verzichtet werden, jedoch das entsprechende Risiko mittels ge-
eigneter Massnahmen beherrschbar gemacht werden. Diese Massnahmen, näm-
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lich die ständige Überwachung des Badenden, waren der Beschuldigten bekannt.
Die konkret bestehende Gefährdung der Rechtsgüter von D._ war ihr auf-
grund von dessen Dossier sowie ihrer langen beruflichen Erfahrung bewusst.
Dennoch unterliess die Beschuldigte es, D._ während der gesamten Dauer
des Badens pflichtgemäss zu überwachen. Darin (und nicht etwa im Zulassen des
Badens) liegt ihre Sorgfaltspflichtverletzung (vgl. in diesem Sinne a.a.O., S. 25
E. II.4.3.2.). Weiter hielt die Vorinstanz richtig fest, dass eine hinreichende Über-
wachung des Badenden auch bei Anwendung des Konzepts "Funktionale Ge-
sundheit", das nebst anderem die Wahrung der Intimsphäre des zu Betreuenden
während des Badens bezweckt, möglich war und demnach nicht die konkrete
Umsetzung dieses Konzepts zum Tod von D._ führte, sondern die ungenü-
gende Aufmerksamkeit der Beschuldigten (vgl. in diesem Sinne a.a.O., S. 26 f.
E. II.4.3.3.). Gemäss den zum Sachverhalt gemachten Erwägungen ist sodann
erstellt, dass die Beschuldigte nicht hinsah, als D._ von seiner aufrechten
Sitzposition in die Badewanne hinuntersank. Sie bemerkte nachfolgend minuten-
lang weder akustisch, dass er nicht mehr plauderte und mit seinen Spielsachen
im Wasser plätscherte, noch optisch irgendeine Veränderung. Dadurch ist die Be-
schuldigte ihrer erhöhten Obhuts- und Aufsichtspflicht nur in ungenügendem
Mass nachgekommen und hat gegen die Weisung der Arbeitgeberin, wonach
ständiger Blickkontakt zu gewährleisten ist, verstossen (vgl. in diesem Sinne
a.a.O., S. 27 E. II.4.3.4.). Schliesslich erwog die Vorinstanz zutreffend, dass sich
der Grund für die Unaufmerksamkeit der Beschuldigten im Nachhinein nicht zwei-
felsfrei feststellen liess. Für einen Schuldspruch ist indes einzig erforderlich, dass
sie über Tatmacht verfügte, worunter die Möglichkeit zu verstehen ist, die gebote-
ne Handlung vorzunehmen. Entscheidend ist dabei, dass das Vorliegen der Tat-
macht nicht für jenen Zeitraum zu beurteilen ist, in dem die Beschuldigte die Kon-
trolle über das Geschehen verloren hatte. Würde man dies anders beurteilen, wä-
re die Tatmacht stets zu verneinen und Unterlassungsdelikte wären nicht mehr
denkbar. Vielmehr ist der Beschuldigten vorzuwerfen, dass sie trotz der ihr be-
kannten besonderen Gefährdungslage während des Badens von D._ nicht
sicherstellte, dass sie stets mit der gebotenen Aufmerksamkeit das Geschehen
beobachten konnte. Sofern sie in einen Zustand von Unaufmerksamkeit oder
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Müdigkeit geraten ist, wäre ihr dies bei genügender Vorsicht aufgefallen und sie
hätte in diesem Fall das Baden abbrechen müssen. Objektive Anhaltspunkte für
ein medizinisches Problem bei der Beschuldigten liegen wie gesehen überdies
nicht vor. Aus den genannten Gründen ist die Tatmacht der Beschuldigten zu
bejahen (vgl. in diesem Sinne a.a.O., S. 27 f. E. II.4.3.5.).
4. Adäquanz
Unter Hinweis auf die entsprechenden rechtlichen Grundlagen hielt die Vorinstanz
zur Frage der Adäquanz richtig fest, dass die nicht hinreichende Überwachung
von D._ ursächlich für dessen Tod war, ein anderer Kausalverlauf nicht er-
kennbar und daher davon auszugehen ist, dass D._ bei genügender Auf-
sicht und sofortigem Handeln nicht ertrunken wäre (vgl. in diesem Sinne Urk. 64
S. 28 f. E. II.4.4.).
5. Voraussehbarkeit und Vermeidbarkeit des Erfolgseintritts
Die unter diesem Titel gemachten Ausführungen der Vorinstanz sind ebenfalls zu-
treffend (Urk. 64 S. 29-31 E. II.4.5. f.), auch darauf kann verwiesen werden. Mit
der Vorinstanz ist insbesondere davon auszugehen, dass der Beschuldigten die
für das Baden relevanten Dokumente im Dossier von D._, worin die dro-
hende Lebensgefahr ausdrücklich genannt wird, bekannt waren. Ihr war deshalb
bewusst, was beim Baden von ihm passieren konnte, sobald keine permanente
Aufsicht mehr gewährleistet war. Anlässlich der Hauptverhandlung gab sie vor
Vorinstanz denn auf die Frage, aufgrund welcher Gefahr D._ permanent
habe überwacht werden müssen, denn auch an, es habe die Gefahr des Ertrin-
kens gedroht (Prot. I S. 19). Aufgrund ihrer allgemeinen Arbeitserfahrung, ihrer
Erfahrung mit anderen Epilepsiepatienten und ihres Wissens betreffend epilepti-
sche Anfälle (vgl. dazu Prot. I S. 17 f., ferner Urk. 97 S. 7 f.) wusste die Beschul-
digte sodann, dass bei D._ jederzeit mit einem epileptischen Anfall gerech-
net werden musste und dementsprechend eine lückenlose Überwachung unab-
dingbar war. Bei dieser Ausgangslage ist festzuhalten, dass die Gefahr des Er-
trinkens von D._ für die Beschuldigte voraussehbar war (vgl. in diesem
Sinne Urk. 64 S. 29-31 E. II.4.5.). Weiter ist davon auszugehen, dass wenn die
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Beschuldigte genügend aufmerksam gewesen wäre, sie sofort hätte einschreiten
können, als D._ in der Badewanne hinabsank. Dadurch hätte sie ihn bereits
nach wenigen Sekunden aus dem Wasser ziehen und ihn vor dem Ertrinken ret-
ten können. Jedenfalls hätte so mit Sicherheit vermieden werden können, dass
D._ länger als einen kurzen Moment mit dem Kopf unter Wasser geraten
und infolgedessen ertrunken wäre. Da ein epileptischer Anfall – sofern ein solcher
überhaupt stattfand – höchstens wenige Minuten dauert, wäre es der Beschuldig-
ten sicherlich gelungen, in dieser Zeit dafür zu sorgen, dass die Atemwege von
D._ frei bleiben, und sie hätte das Wasser in der Badewanne ablassen
können. Bei rechtzeitigem Eingreifen hätte mit überwiegend hoher Wahrschein-
lichkeit vermieden werden können, dass D._ ertrinkt (vgl. in diesem Sinne
Urk. 64 S. 31 E. II.4.6.).
6. Fazit
Durch Nichtbeachtung der besonderen Vorsicht, die aufgrund der Umstände
geboten gewesen wäre, hat die Beschuldigte fahrlässig den Tod von D._
verursacht und sich damit der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB
schuldig gemacht.
IV. Sanktion und Vollzug
1. Strafzumessung
1.1. Vorbemerkungen
Die Vorinstanz hat den Strafrahmen, die angezeigte Strafart sowie die allge-
meinen und die für Fahrlässigkeitsdelikte besonderen Strafzumessungskriterien
zutreffend dargelegt (Urk. 64 S. 32-34 E. III.1.-3.), darauf kann verwiesen werden.
1.2. Objektives und subjektives Tatverschulden
1.2.1. Was das objektive Tatverschulden betrifft, so ist zu berücksichtigen, dass
eine einmalige Sorgfaltspflichtverletzung durch die Beschuldigte zum Ertrinken
von D._ führte. Was die Beschuldigte während des Ertrinkungsvorgangs
machte, liess sich nicht mehr erstellen. Im Raum stehen eine Einnicken oder eine
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geistige Abwesenheit. Jedenfalls kann nicht davon ausgegangen werden, dass
sich die Beschuldigte aus dem Sichtbereich entfernt hätte. Aufgrund der gut-
achterlichen Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass die Unaufmerksamkeit der
Beschuldigten mehrere Minuten dauerte. Unter den gegeben Umständen und in
Berücksichtigung des Wissens der Beschuldigten in Bezug auf die konkrete Ge-
fahrensituation sowie vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Berufserfahrung ist
dieses Abweichen von der Norm einer sorgfältig und pflichtgemäss handelnden
Betreuerin verschuldensmässig als nicht mehr leicht zu qualifizieren.
1.2.2. In Bezug auf das subjektive Tatverschulden ist festzuhalten, dass nicht von
einem eigentlich gleichgültigen, leichtfertigen oder rücksichtslosen Verhalten der
Beschuldigten gesprochen werden kann. Gleichwohl hätte sie bei Ausschöpfung
ihres Handlungsspielraums den Tod von D._ vermeiden können. Insbeson-
dere hätte sie, so sie sich denn müde und nicht in der Lage fühlte, das Baden von
D._ konsequent zu überwachen, dieses sofort abbrechen müssen bzw. ihn
gar nicht erst baden lassen dürfen. Damit vermag die subjektive Tatschere die ob-
jektive nicht zu relativieren.
1.2.3. Lediglich der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass die
Vorinstanz zu Recht nicht vom Vorliegen eines fakultativen Strafmilderungsgrun-
des im Sinne von Art. 11 Abs. 4 StGB ausging (Urk. 64 S. 35 E. III.4.1.), auf die
entsprechenden Ausführungen kann verwiesen werden.
1.2.4. Aufgrund des gesamten, nicht mehr leichten Tatverschuldens erscheint
eine Einsatzstrafe von 300 Tagsätzen Geldstrafe als angemessen.
1.3. Täterkomponente
Was die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten betrifft, so kann vorab auf
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 64 S. 35
E. III.4.2.). Dazu ist aufgrund der anlässlich der Berufungsverhandlung gemach-
ten Ausführungen der Beschuldigten ergänzend bzw. abweichend festzuhalten,
dass sie inzwischen auf Arbeitssuche ist und sich offenbar aufgrund des vorlie-
gend zu beurteilenden Vorfalls (weiterhin) in psychiatrischer Behandlung befindet
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(Urk. 97 S. 2 f.). Insgesamt ist festzuhalten, dass sich das Vorleben und die per-
sönlichen Verhältnisse der Beschuldigten grundsätzlich strafzumessungsneutral
auswirken. Was ihr Nachtatverhalten betrifft, kann ebenfalls auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 64 S. 36 E. III.4.2.), mit der
insbesondere davon auszugehen ist, dass aufgrund der klaren Beweislage das
weitgehende Geständnis der Beschuldigten im äusseren Sachverhalt zwar nur
leicht, aber eben doch strafmindernd zu berücksichtigen ist. Ebenso ist davon
auszugehen, dass der tragische Unfall die Beschuldigte wohl bis zu ihrem
Lebensende begleiten wird. Im Ergebnis erscheint deshalb die von der Vorinstanz
unter diesem Titel vorgenommene Strafreduktion von 40 Tagessätzen ange-
messen.
1.4. Tagessatzbemessung
Die vorinstanzlichen theoretischen Ausführungen zur Tagessatzhöhe sind zutref-
fend und die vorgenommene Tagessatzbemessung erweist sich, auch angesichts
der Angaben der Beschuldigten zu ihren finanziellen Verhältnissen anlässlich der
Berufungsverhandlung (Urk. 97 S. 4 f.), als angemessen. Auf die entsprechenden
Ausführungen kann verwiesen werden (Urk. 64 S. 36 f. E. III.5.).
1.5. Auszufällende Strafe
In Würdigung sämtlicher relevanten Strafzumessungsgründe ist die Beschuldigte
in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils mit einer Geldstrafe von 260 Tages-
sätzen zu Fr. 30.-- (entsprechend Fr. 7'800.--) zu bestrafen. Auf die Ausfällung
einer Verbindungsbusse ist zu verzichten, wobei auch diesbezüglich auf die
zutreffende Begründung der Vorinstanz verwiesen werden kann (Urk. 64 S. 38
E. III.7.).
2. Vollzug
Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass die Voraussetzungen für den Auf-
schub der auszufällenden Geldstrafe vorliegen und die Probezeit richtigerweise
auf zwei Jahre festgesetzt (Urk. 64 S. 37 f. E. III.6.). Auf die entsprechenden Aus-
führungen kann verwiesen werden.
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V. Zivilansprüche
Der vorinstanzliche Entscheid wird im Schuldpunkt bestätigt und ist unter Hinweis
auf die ausführlichen, zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 64 S. 39-
45 E. IV.) auch im Zivilpunkt zu bestätigen. Zu Recht wehrt sich die Beschuldigte
im Berufungsverfahren im Eventualstandpunkt denn auch nicht gegen den dem
Privatkläger 1 von der Vorinstanz zugesprochenen Schadenersatz (Urk. 98 S. 5).
Soweit die Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung vorbringen liess,
die Eltern-Kind-Beziehung sei aufgrund der Behinderung von D._ "beein-
trächtigt" gewesen und man habe nicht im gemeinsamen Haushalt zu-
sammengelebt, weshalb sich die von der Vorinstanz den Privatklägerin zuge-
sprochenen Genugtuungen als zu hoch erwiesen (Urk. 98 S. 5), kann diesen Vor-
bringen nicht gefolgt werden. In Ergänzung zu den zutreffenden Erwägungen im
vorinstanzlichen Entscheid ist festzuhalten, dass die Privatkläger anlässlich der
Berufungsverhandlung ihre sehr enge und intensive Beziehung zu ihrem Sohn
D._ eindrücklich und anschaulich beschrieben haben, welche, gerade auch
angesichts seiner erhöhten Schutzbedürftigkeit trotz seines Alters und obwohl er
im Heim lebte, bis zu seinem Tod uneingeschränkt Bestand hatte (Prot. II. S. 12
f.). Es besteht daher kein Anlass, von den im vorinstanzlichen Entscheid unter
pflichtgemässer Ausübung des richterlichen Ermessens festgesetzten Genugtu-
ungen abzuweichen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Vorinstanzliches Verfahren
Die im angefochtenen Entscheid getroffene Kostenregelung (Urk. 64 S. 45 f.
E. V.) erweist sich ausgangsgemäss nach wie vor als angemessen und ist zu
bestätigen.
2. Berufungsverfahren
Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.-- fest-
zusetzen. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach
Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die
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Beschuldigte unterliegt mit ihren Anträgen. Daher sind ihr die Kosten des
Berufungsverfahrens aufzuerlegen. Die Kosten für den Nichteintretensbeschluss
vom 16. Juli 2020 (Urk. 85; vgl. dazu vorne unter E. I.3.) fallen angesichts des
Verfahrensausgangs ausser Ansatz.