Decision ID: 3ae26c91-1256-46ce-b738-7d8d0d550b8a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene X._
, Näherin mit Lehrabschlusszeugnis (Kroatien)
und Mutter von drei erwachsenen Kindern, war
zuletzt
als Crew-Trainerin/Restaurant-
Mitarbeiterin be
i
Y._ in Z._
tätig. A
m 1. Juli 2018
meldete sie sich
unter Hinweis auf eine Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und zog
unter anderem die Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk. 9/11-13, Urk. 9
/23, Urk. 9/29,
Urk. 9/42,
Urk. 9/52
) bei.
Am 8. November 2018
und 24. Juni 2019
informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass aufgrund ihres
(subjek
ti
ven)
Gesundheitszustands aktuell keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien
(Urk. 9/17
, Urk. 9/36
).
Der zuständige Krankentaggeldversicherer teilte der Be
schwe
r
deführerin am 18. Dezember 2019 mit, dass im Zusammenhang mit der seit dem 6. Februar 2018 mit Unterbrüchen bestehenden Arbeitsunfähigkeit die Leistungen der Taggeldversicherung bis zum Ablauf der maximalen Leistungs
dauer am 2. März
2020 ausbezahlt würden (Urk. 9/52/273; vgl. auch Urk. 9/42/204, Urk. 9/52/256).
Mit Vorbescheid vom 3. Juni 2020 (Urk. 9/57) stellte
die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehren
s
in Aussicht, wogegen letztere am
3. Juli
2020 Einwand (Urk. 9/59, Urk. 9/61) erhob. Am 1. Oktober 2020 verneinte die IV-Stelle verfügungsweise einen Anspruch auf IV-Leistungen (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2. November 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte,
es sei die angefochtene Verfügung vom 1. Oktober 2020 aufzuheben und es sei ihr spätestens ab März 2019 eine ganze Invalidenrente auszurichten
(S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 20. Januar 2021 (Urk. 8) schloss die Besc
hwer
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Am 11. Februar 2021
machte
die Beschwerdeführerin eine
weitere Eingabe (Urk. 14). Die
Beschwerdegegnerin
verzichtete
am 10. März 2021 auf eine entsprechende Stellungnahme (Urk. 17), was der Beschwerdeführerin am 11. März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversi
cherung nach Art. 6
ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zini
schen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfme
tho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/20
14 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines
externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässig
keit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass in somatischer Hinsicht
– insbesondere betreffend eine relevante Herz
prob
lematik -
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe.
Unter psychia
tri
schen Gesichtspunkten
könne
k
eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nachvollzogen werden, da die Voraussetzungen für ein auslös
endes Trauma nicht vorlägen.
Die Beschwerden einer Agoraphobie mit Panikstörung
hätten sich
durch entsprechende Beh
andlung verbessert
. Die depressive Symptomatik sei b
e
reits
rückläufig, wobei durch die Anpassung der Medikation eine volle Remission möglich sei.
E
ine gesundheitliche Beeinträchtigung
ohne
dauerhafte Erwerbsun
fähigkeit
sei
nicht durch die Invalidenversicherung versichert, weshalb die Vor
aus
setzungen für den Anspruch auf I
V-Leistungen nicht erfüllt seien. Dr. med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, habe in ihrer Beurteilung vom 14. Mai 2019 verbunden mit der Prognose der Arbeitsfähigkeit eine Empfehlung zur medikamentösen Behandlung abgegeben, wobei die ge
plante medikamentöse Umstellung auf Lithium
aufgrund einer vorgängig durch
zu
führenden kardiologischen Abklärung
verzögert stattgefunden habe. Trotz der erst verzögert eingesetzten Medikation – welche gemäss dem behandelnden Psy
chiater gut vertragen
worden sei
– sei weiterhin eine Besserung der depressiven Episode zu erwarten und es stünden zudem gegebenenfalls noch weitere Behand
lungsoptionen offen (S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
dass sie gemäss de
m
Bericht der
Psychiatrie B._
vom 25. März 2019 im Balkankrieg Kriegstraumata direkt miterlebt habe, weshalb ein auslösendes Trauma sehr wohl vorhanden sei (S. 4 Ziff. 2).
Aufgrund
der
Unterlagen sei
so
dann
erstellt, dass die Beschwerdeführerin seit März 2018 dauerhaft zu 100 %
arbeits- und erwerbsunfähig sei und Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hab
e. Einzig Dr.
A._
, welche im Auftrag des Krankentaggeld
versi
che
rers eine psychiatrische Kurzbeurteilung abgegeben habe, gehe rein prognostisch davon aus, dass es nach Anpassung der
Medikation
zu einer Besserung kommen könnte, wobei sie selber ausgeführt habe, dass die Prognose aufgrund der
Chronifizierung
als unbestimmt zu wer
ten
sei. Die Prognose
habe
sich indes nicht bestätigt
und es sei keine Besserung eingetreten
, was durch die Berichte des be
handelnden Psychiaters belegt sei (S. 12 Ziff. 9). Im Weiteren habe der Kran
ken
taggeld
ver
sicherer bis zum 2. März 2020 (Erreichen der maximalen Leistungs
dauer)
Tag
geld
leistungen erbracht, was belege, dass die Beschwerdeführerin bis zum ge
nannten Zeitpunkt nicht arbeits- und erwerbsfähig gewesen sei. Der
ge
sund
heitliche
Zustand habe sich auch
nach
März 2020
nicht ge
bessert, was durch die
Berichte des behandelnden Psychiaters bestätigt werde. Die Einschätzung der
RAD-
Psychiaterin
betreffend fehlenden
dauerhafte
n
Gesundheitsschaden sei falsch und widerspreche den
Angaben
des behandelnden Psychiaters (S. 12 ff. Ziff. 10).
In ihrer Eingabe vom 11. Februar 2021 (Urk. 14) präzisierte die Beschwerdeführerin, dass es sich bei den
Ausführungen
der RAD-Ärztin vom 28. August 2020 um rein
e Annahmen und Prognosen handle, welche nicht be
gründet worden seien. Es gehe nicht an, gestü
tzt auf medizin
theoretische Speku
lationen einen Rentenanspruch zu verneinen (S. 2 Ziff. 2).
3.
3.1
Im vorliegenden Beschwerdeverfahren steht die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht im Vordergrund.
Das Vorliegen eines
relevanten Herzproblems wurde von
Dr.
med. C._
, Facharzt Kardiologie/
In
nere Medizin FMH, am 27. August 2019
nachvollziehbar
verneint (Urk. 9/43) und
somatische respektive
kardiale Beschwerden mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit wurden im Übrigen auch von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht.
3.2
3.2.1
Dr.
med. D._
, Assistenzarzt, und
lic
. phil. E._
,
therapeutische Leiterin,
B._
, nannten in ihrem Bericht vom 25. März 2019 (Urk. 9/25/1-6) folgende Diagnosen (S. 4):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
schwergradige
Episode, v
or dem Hintergrund der Diagnose
2 (ICD-10 F33.2; ED erste depressive Epi
sode
im
Frühling 2017)
-
PTBS
-
belastende Vergangenheit im vom Krieg betroffenen Heimatland
-
traumatisch erlebtes Ereignis mit massiver Gewaltandrohung bei der Arbeit im Winter 2018 (ICD-10 F43.1; ED November 2018)
-
schwere diastolische, leicht systolische Hypertonie
-
erschwert medikamentös einstel
lbar, Differenzialdiagnose im Rahmen von Diagnose
1
-
bei positiver Familienanamnese für plötzlichen Herztod
-
intermittierende pektanginöse Beschwerden (ED November 2018)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Hypercholesterinämie
-
Schilddrüsenzyste
Die
B._
-Fachpersonen
attestierten
für die Zeit der
tagesklinischen Behandlung vom
29. Oktob
er 2018 bis 31. Januar 2019
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(S. 1 Ziff. 1.3).
Aufgrund der bereits in der Vergangenheit aufgetretenen depressiven
Episoden müsse von einer rezidivierenden depressiven Störung ausgegangen werden
. Dabei zeige sich bezüglich der aktuell imponierenden sozialen Ängste eine deutliche Diskrepanz gegenüber früheren Episoden und
dem von
der Be
schwerdeführerin beschriebenen Verhalten vor der Depression,
was
auf ein aus
lösendes traumatisierendes Ereignis im Winter 2018 bei der Arbeit bei
Y._
zurückzuführen sei
, als ein gewaltbereiter Kunde ihr gegenüber physische Gewalt und die weitere Verfolgung angedroht habe. Seit dem Ereignis beschreibe sich die Beschwerdeführerin als vermeidend im Sozialkontakt mit Mitmenschen bei regel
mässigem Wiedererinnern an die Episode. Die beschriebene Symptomatik zeige sich auf dem Boden eines schwer ausgeprägten depressiven Syndroms, wo
bei die in der Vergangenheit gestellte Diagnose einer Agoraphobie mit Panik
stö
rungen nicht objektiviert werden könne. Bei Erfüllen der
entsprechenden
Symp
tomkri
terien sei eine PTBS zu diagnostizieren.
Auf der
Funktions- und Symp
tomebene
hätten
sich während
der tagesklinischen Behandlung
leichte Verbesse
rung
en
gezeigt, wobei die Beschwerdeführerin eine sehr niederschwellige Teil
nah
me zu
jeweils einem halben Tag in wenig exponierenden Gruppen habe aushal
ten können
.
Sie
habe über eine
leichte Antriebsverbesserung
berichtet, wobei
sie sich alleine aus dem Haus habe begeben und den öffentlichen Verkehr benutzen können
(S. 3 Ziff. 2.2).
Gestützt auf die Biographie
und den Krankheitsverlauf sei aktuell von einer andauernden
Chronifizierung
der Symptomatik und einer schlechten Prognose bezüglich der wieder zu erlangenden Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt aus
zugehen. Die Beschwerdeführer
in
sei
sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit
langfristig zu 100 % arbeitsunfähig (S. 4 Ziff. 2.7
, S. 5 Ziff. 4.1
).
Die
B._
-Fachpersonen führten weiter aus, dass eine Optimierung der antide
pressiven Medikation weiterhin zu versuchen sei, bei jedoch fraglich deutlicher Verbesserung bezüglich der Gesamtsymptomatik. Zum aktuellen Zeitpunkt sei bei insuffizienter Stabilität eher von einer
traumaspezifischen
psychotherapeutischen Behandlung abzusehen, wobei diese Option im weiteren Verlauf
reevaluiert
werden sollte (S. 4 Ziff. 2.8).
Die Fähigkeit zur Selbstp
flege
/
-versorgung sei
unter Energieaufwand
leicht ein
ge
schränkt.
Die Fähigkeit zur Planung/Strukturierung von Aufgaben sei mässig
beeinträchtigt. Die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, die Fähigkeit zur Pro
-/
Spontanaktivität
, die Widerstands-/Durchhaltefähigkeit, die Selbstbehauptungs
fähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähigkeit seien erheb
lich eingeschränkt. Die Kompetenz- und Wissensanwendung sei mittel- bis hoch
gradig beeinträchtigt. Die Entscheidungs-/Urteilsfähigkeit
sowie die Mobilität und Verkehrsfähigkeit
sei
en
mittelgradig eingeschränkt
(S. 5
Ziff. 3.4
)
.
3.2
.2
In ihrer vom Krankentaggeldversicherer veranlassten psychiatrischen Kurzbeur
teilung vom 14. Mai 2019 (Urk. 9/29/1-13) stellte Dr.
A._
folgende Dia
gnosen (S. 10):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa, Verdacht auf schädli
chen
Konsum (ICD-10 F13.1)
Die Psychiaterin führte aus, die Beschwerdeführerin
weise
a
ktuell nach wie vor eine genuine depressive Episode auf, wobei die Kardinalsymptome einer Depres
sion (verstärkte Ermüdbarkeit, depressive Grundstimmung, Schlafstörungen) vor
handen seien, weshalb weiterhin von einem depressiven Zustandsbild ausge
gan
gen werden könne
, welches am ehesten einer mittelgradigen depressiven Episode entspreche
.
Das depressive Zustandsbild sei auch ängstlich konnotiert, eine genuine Angststörung liege indes nicht vor. Die Beschwerdeführerin weise keine panikartigen Gefühle auf, sie sei eher innerlich angespannt, was im Zusam
menhang mit der depressiven Grunderkrankung zu stehen schein
e
. Sie sei in funktioneller Hinsicht nach wie vor
mehrfach
eingeschränkt und es sei davon auszugehen, dass vor allem die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, die Selbst
behauptungsfähigkeit und die Durchhaltefähigkeit mittelgradig
beeinträchtigt
seien. Weitere Aspekte des funktionellen Niveaus seien nicht manifest gestört. Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, öffentliche Verkehrsmittel zu benützen und könne einen relativ geregelten Alltag strukturieren, wobei sie von ihren Töchtern unterstützt werde. Hinsichtlich der Ausprägung des depressiven Zu
standsbilds wirke sich ein
bestehender
verstärkter Be
n
zodiazepin-Konsum (
Lorazepam
)
offenbar erschwerend
aus. So sei den
n
auch im Rahmen des Labors ein deutlich erhöhter Benzodiazepin-Spiegel nachweisbar gewesen. Dies scheine das Zustandsbild eher negativ zu triggern. Die Prognose sei aufgrund der
Chroni
fizierung
als unbestimmt zu werten. Grundsätzlich wäre die Beschwerdeführerin jedoch längerfristig einsetzbar, dies am ehesten im Rahmen von Reinigungs
tätigkeiten, wie sie dies selber angegeben habe (S. 11).
Es könne grundsätzlich mit einer Besserung der Gesundheitsschädigung ge
rech
net werden. Zu empfehlen sei der Einsatz eines Lithium-Präparates sowie die Ergän
zung der antidepressiven Therapie morgens mit einem geeigneten Antide
pressivum. Die
Benzodiazepin
-Medikation sollte möglichst reduziert werden
. Auch
diesbezüglich sei die Prognose jedoch aufgrund der fortgeschrittenen
Chronifizie
rung
und der bereits mehreren depressiven Episoden in der Anamnese als unge
wiss zu werten
(S. 12).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit führte Dr.
A._
aus, dass die Be
schwer
degegnerin als Crew-Trainerin unter Berücksichtigung des bisherigen Arbeitspen
sums von 42 Stunden pro Woche respektive eines 100 %-Pensums grundsätzlich
nicht einsetzbar sei. In einer angepassten Tätigkeit, beispielsweise im Rahmen von
Reinigungsarbeiten, wäre ab dem 15. Juni 2019 zumindest
eine 50%ige Arbeits
fähigkeit möglich
,
mit dem Ziel ei
ner monatlichen Erhöhung um 10 bis
20 %, so dass spätestens ab dem 1. August 2019 in einer entsprechenden Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit möglich wäre. Die angepasste Tätigkeit sollte in Bezug auf kreative und kommunikative Fähigkeit nicht zu anspruchsvoll sein und mög
lichst in einer konfliktarmen Umgebung und ohne
Polytasking
stattfinden (S. 12 f.).
3.2
.3
Der behandelnde Psychiater Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
, nannte am 25. Mai 2019 folgende Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/30 S. 4 Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2), bestehend seit März 2018
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01), bestehend seit März 2018
Dr.
F._
führte aus, bei der Beschwerdeführerin
liege
eine endogene De
pres
sion vor
, wobei sie mehrere depressive
Episode
n
aufgewiesen habe und die depressiven Symptome in der Ausprägung jedes Mal stärker und länger aus
ge
fallen seien
.
Sie
sei bereits stationär in der Klinik
G._
(31. Oktober 2018
bis 31. Januar 2019; ohne Besserungstendenz) und in der
B._
-Tagesklinik
(16.
August
bis 27. September 2018) behandelt worden
und befinde sich seit dem 23. März 2018 in
seiner
psychiatrische
n
Behandlung, wobei die Gesprächstermine aktuell wöchentlich stattfänden (S. 3 Ziff. 2.2, S.
2
Ziff. 1.1 f.).
Aufgrund des Krankheitsverlaufs und der starken psychischen Einschränkungen sei die Beschwerdeführerin aktuell und mittelfristig auf dem ersten Arbeitsmarkt für jegliche Tätigkeit arbeitsunfähig, wobei eine längerfristige Prognose aktuell sehr schwierig zu stellen sei (S. 4 Ziff. 2.7, S. 5 Ziff. 4.1 f.). Die Beschwerde
füh
rerin zeige immer noch mittelschwere bis schwere psychische Einschränkungen
wie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, ein verlangsamtes Tempo,
einen
Energiema
ngel, eine rasche Ermüdung, eine
reduzierte Belastbarkeit sowie eine mangelnde Ausdauer (S. 5 Ziff. 3.4).
3.2.4
Am 1. Oktober 2019 nahm Dr.
A._
erneut Stellung zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (Urk. 9/52/257) und führte zuhanden des Krankentag
geldversicherers aus, dass nach Durchsicht sämtlicher Unterlagen
aktuell weiter
hin
eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewiesen sei.
Es sei
davon aus
zugehen
, dass es nach Anpassung der medikamentösen Massnahmen zu einer Besserung kommen könne.
Die Psychiaterin hielt weiter fest, dass die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ohne Leitungsfunktion, mit kognitiv wenig anspruchsvollen Tätigkeiten und klar geregelten Arbeitszeiten sowie der Möglichkeit zur regelmässigen Pau
seneinlegung ab dem 1. November 2019 zu 50 % gegeben
sein sollte mit weiterer Steigerung um 10
bis
20 % monatlich. Die volle Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit sei spätestens per 1. Februar 2020 ausgewiesen.
3.2.5
Die RAD-Ärztin Dr. med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
cho
the
rapie, führte in ihrer Stellungnahme vom 28. April 2020 (Urk. 9/56/6-7) aus, dass die Diagnose einer PTBS nicht nachvollziehbar sei, da die
ICD-10-
Voraus
set
zungen für ein auslösendes Trauma (Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedro
hung oder mit katastrophenartige
m Ausmass) nicht vorgelegen hätten
. Der Dia
gnose könne deshalb nicht gefolgt werden und sie sei auch nachfolgend nicht mehr gestellt worden. Die Diagnose einer Agoraphobie mit Panikstörung
sei nach
voll
ziehbar
, auch wenn im Verlauf eine Verbesserung habe beobachtet werden können. Durch entsprechende Behandlung (beispielsweise eine störungsspezi
fische Psychotherapie, Expositi
onen) sei eine mögliche (Rest-)
s
ymptomatik
gut behandelbar. Die depressive Symptomatik sei bereits rückläufig und eine erneute Vollremission sei medizintheoretisch durch die Anpassung der Medikation mög
lich.
Abschliessend hielt Dr.
H._
fest, dass auf die
Beurteilung von Dr.
A._
abgestützt werden
könne
und
aus versicherungsmedizinischer Sicht kein dauerhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen
sei
.
3.2.6
Am 20. Juni 2020 (Urk. 9/58) wiederholte Dr.
F._
die im Bericht vom 25. Mai 2019 (vgl. E. 3.2.3) erwähnten Diagnosen und hielt fest, dass die Medi
kation mit
Amitriptylin
(
Saroten
) bis 50 mg fortgeführt werde und die Reserve
medikation mit
Lorazepam
habe abgesetzt werden können. Eine weitere namhafte Besserung habe noch nicht erreicht werden können (S. 1). Nach einer kardiolo
gischen Abklärung sei die Therapie mit Lithium begonnen worden, wobei die Be
schwerdeführerin die
entsprechende
Therapie gut vertragen habe, eine defini
tive
Aufhellung der Depression
aber
nicht habe erreicht werden können. Entsprechend
sei
eine weitere medikamentöse Optimierung diskutiert und
Fluoxetin
eingesetzt
worden
. Trotz der leidensgerechten Behandlung sei es zu keiner wesentlichen Besserung des Zustandsbildes gekommen. Die Beschwerdeführerin zeige nach wi
e
vor psych
ische Einschränkungen, wie eine
rasche Ermüdung, ein verlangsamtes Tempo, einen reduzierten
Antrieb sowie Angstzustände mit Zittern
, weshalb ihr
noch keine Arbeit zumutbar
sei
(S. 2).
3.2.7
Am 28. August 2020 äusserte sich die RAD-Ärztin erneut zum Gesundheits
zu
stand der Beschwerdeführerin und führte
unter anderem
aus, dass im Verlaufs
ber
icht von Dr.
F._
vom 20.
Juni 2020 (vgl. E. 3.2.6) eine seit März 2018 bestehende schwere Episode einer rezidivierenden depressiven Störung
sowie
eine Agoraphobie mit Panikstörung diagnostiziert worden sei
en
. Die Diagnose einer schweren depressiven Episode sei vom behandelnden Psychiater
jedoch
nicht durchgehend gestellt worden, zwischenzeitlich sei von ihm selbst (Berichte vom 10. Februar und 25. Mai 2019)
und
auch von Dr.
A._
(14. Mai 2019)
eine mittelgradige Episode diagnostiziert
worden
. Dr.
F._
habe am 20. Juni
2020 sodann festgehalten, dass die medikamentöse Einstellung auf Lithium gut vertragen worden sei, seit wann genau die Einstellung erfolgt sei, sei indes nicht angegeben worden. Es sei aber erst Ende August 2019 kardiologisch abgeklärt und danach auf Lithium eingestellt worden. Da keine definitive Stim
mungsaufhellung erfolgt sei, sei
Fluoxetin
angesetzt worden, seit wann sei eben
falls nicht erwähnt worden.
Trotz der erst verzögert eingesetzten Medikation sei weiterhin eine Besserung der depressiven Episode zu erwarten. Es
stünden zudem
gegebenenfalls noch weitere Behandlungsoptionen offen. Bei einer ambulant nicht erfolgreich zu behandeln
den depressiven Episode (oder gar Verschlechterung des Zustands unter der Therapie) wäre eine vollstationäre Behandlung zur medikamentösen Einstellung
indiziert
, gegebenenfalls auch zur Therapie mit nicht-medikamentösen Behand
lungsoptionen (EKT, THS). Eine störungsspezifische Psychotherapie mit Exposi
tionen sei zur Behandlung der Agoraphobie weiter indiziert.
Dr.
H._
hielt abschliessend fest, dass insgesamt
weiter auf die Stellung
nahme vom 28. April 2020 (vgl.
E. 3.2.5
) abgestellt werden
könne
.
4.
4.1
Die RAD-Psychiaterin Dr.
H._
, welche die Beschwerdeführerin nicht persönlich untersucht hatte,
verneinte in ihrer S
tellungnahme vom 28. April 2020
(vgl. E. 3.2.5)
einen dauerhaften Gesundheitsschaden. Sie begründete dies damit,
dass
die Voraussetzungen für eine PTBS nicht erfüllt seien, bezüglich der Ago
raphobie mit Panikstörung eine Verbesserung eingetreten sei respektive durch entsprechende Behandlung
eine mögliche (Rest-)
s
ymptomatik
gut behandelbar sei und die depressive Symptomatik rückläufig sei und eine Vollremission
nam
entlich
durch
eine
Anpassung der Medikation möglich sei. Die RAD-Ärztin
hielt zudem fest
, dass auf die Beurteilung von Dr.
A._
abgestellt werden könne.
Dr.
A._
ging
am
14. Mai 2019
(
vgl. E. 3.2.2
) von einer 100
%igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit aus. In einer angepassten Tätigkeit postulierte
sie
ab dem 15. Juni 2019 eine Arbeits
fähigke
it von mindestens 50 %. Das Ziel sei dabei, dieses Pensum monatlich um 10 bis 20 % zu erhöhen, so dass in einer entsprechenden Tätigkeit spätestens ab dem 1. August 2019
eine 100
%i
ge Arbeitsfähigkeit möglich sei
.
Die Psychiaterin
schätzte die Prognose unter Hinweis auf die fortgesch
rittene
Chronifizierung
und die
bereits mehrfach aufgetretenen depressiven Episoden als ungewiss ein.
Am 1. Oktober 2019 passte
sie
die von ihr am 14. Mai 2019 attestierte Arbeits
fähigkeit an und
statuierte
in einer angepassten Tätigkeit
ab dem 1. November 2019 eine Arbeitsfähigkeit von
50 %
sowie -
nach einer Steigerung von monat
lich 10 bis 20 %
-
bis spätestens zum 1. Februar 2020 eine
solche
von 100 % (
vgl. E. 3.2.4
).
Die Einschätzung von Dr.
A._
, wonach in
der bisherigen Tätigkeit eine vollständige und in
einer angepassten Tätigkeit bis zum 14. Juni 2019 respe
ktive 31. Oktober 2019 eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit und
vom 15. Juni
2019
bis zum 31. Juli 2019 beziehungsweise
vom 1. November 2019 bis zum
31. Januar 202
0
mindestens
eine 50
%ige Arbeitsunfähigkeit
bestand, blieb in der RAD-Stellungnahme vom 28. April 2020 (
E. 3.2.5
) gänzlich unberücksichtigt
.
Dr.
H._
hielt zwar ausdrücklich
fest, dass auf die Beurteilung von Dr.
A._
abgestellt werden könne, mit
der von Letzteren
in ange
stammter Tätigkeit attestierten vollen und
in einer angepassten Tätigkeit attestierten Arbeits
un
fähigkeit von 100
%
respektive 50 % bis längstens bis zum
31. Oktober 2019 be
ziehungsweise
31. Januar 202
0
setzte sich die RAD-Ärztin indes nicht aus
ein
ander. Dr.
H._
verneinte in pauschaler Weise
einen dauerhaften Gesund
heitsschaden und prüfte
insbesondere
nicht das Vorliegen einer
– wie von Dr.
A._
postulierten -
zeitlich beschränkten Arbeitsunfähigkeit.
4.2
Auch in der Stellungnahme vom 28. August 2020 (
vgl. E. 3.2.7
) setzte sich die RAD-Ärztin nicht mit der von Dr.
A._
am 14. Mai und 1. Oktober 2019 postulierten (Teil-)
A
rbeitsunfähigkeit auseinander. Dr.
H._
erwähnte zwar
immerhin
–
dies
im Gegensatz zur Stellungnahme vom 28. April 2020 (vgl. E. 3
.2.5) -
, dass Dr.
A._
ab 15. Juni 2019
respektive 1. November 2019
eine
Arbei
tsfähigkeit von 50 % und ab 1. August 2019 beziehungsweise 1. Febru
ar 2020
eine
solche von 100 %
postuliert habe
, legte aber nicht dar, weshalb
ungeachtet dieser Einschätzung weiterhin auf die Stellungnahme vom 28. April 2020 abgestellt werden könne und ein Gesundheitsschaden für die im vorlie
gen
den Beschwerdeverfahren relevante Zeitperiode zu verneinen sei.
Im Weiteren führte die
RAD-Ärztin
aus
, dass trotz der erst verzögert eingesetzten Medikation weiterhin eine Besserung der depressiven Episode zu erwarten sei
.
Betreffend
den
zeitlichen Rahmen für den möglichen Eintritt einer Besserung des gesundheitlichen Zustands machte sie indes keine Angaben.
Sie wies zudem darauf hin, dass der Zeitpunkt, in welchem die Einstellung auf Lithium und
Fluoxetin
erfolgt sei, unklar sei, was die von ihr gemachte Prognose einer Besserung zusätzlich relativiert.
4.3
Ein
Rentenanspruch
entsteht
, wenn eine versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
%
arbeitsunfähig gewesen und nach Ablauf dieses Jahres zu min
destens 40
%
invalid ist (E. 1.3
). Darüber hinaus kennt das Gesetz keine weiteren Anforderungen an die Dauer
haftigkeit der gesundheitlichen Einschränkung.
Die
Behandelbarkeit eines Leiden
s bei grundsätzlich guter Prognose
schliesst
einen - allenfalls befristeten
–
Ren
tenanspruch rechtsprechungsgemäss nicht zum Vorneherein aus (Urteil des Bun
desgerichts 8C_148/2014 vom 2
9.
August 2014 E. 3.1).
Im Weiteren kann auch bei leichten und
mittelschwere
n
Depressionen
eine
rentenbegründende Ar
beits- und Erwerbsunfähigkeit vorliegen
, womit keine durchgehende schwere depressive Episode verlangt wird
(
Urk.
9/62 S. 3;
vgl. BGE 143 V 409
).
Indem die Beschwer
degegnerin auf die Beurteilung Ihrer RAD-Ärztin
abstellte, trug sie diesen Gegebenheiten
nicht Rechnung.
4.4
Nach dem Gesagten durfte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungsablehnung nicht
auf die Einschätzung ihrer RAD-Ärztin abstützen. In den Akten finden sich so
dan
n keine fachärztlichen Stellung
nahmen, welche ein abschlies
sendes Bild betreffend
die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ergeben würden. Bei der v
o
n Dr.
A._
statuierten Arb
eitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit han
delte es sich – zumindest bei jener von 100 % - um eine prognostische Ein
schätzung, wobei die Psychiaterin unter Hinweis auf eine fortgeschrittene
Chroni
fizierung
und
die
Vielzahl der bereits aufgetretenen
Episode
n
die ungewisse Natur der Prognose
herausstrich
(Urk. 9/29
/1-13
S. 12) und den von ihr ursprünglich postulierten Zeitpunkt für eine Steigerung des Arbeitspensums auf 100 %
zeitlich nach hinten verschieben
musste (Urk. 9/52/257).
Die
B._
-Fachpersonen sowie insbesondere d
er behandelnde
Psychiater Dr.
F._
gingen von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit aus
(
Urk. 9/25/1-6 S. 5 Ziff. 4.1,
Urk. 9/30 S. 4 Ziff. 2.7, Urk. 9/58 S. 2
)
,
wobei nachvollziehbare
Anga
ben darüber fehlen, weshalb in einer angepasste
n Tätigkeit nicht zumindest ein
teilzeitlicher Arbeitseinsatz möglich ist.
4.
5
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom
1. Oktober 2020
(Urk
. 2) aufzuheben und
die Sache zu weiteren Abklärungen in psychiatrischer Hinsicht und zum erneuten Entscheid über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Hernach wird sie über die Renten
frage neu zu entscheiden haben.
In diesem Zusammenhang ist die Beschwerdegegnerin daran zu erinnern, dass gemäss BGE 143 V 409 auch leichte bis mittelschwere Depressionen und auch Suchterkrankungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_274/2018 vom 11. Juli 2019) für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (Änderung der Recht
spre
chung, vgl. E. 5.1).
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
5.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und
unab
hän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
5.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend
ist
die Beschwerdegegnerin
zu ver
pflich
ten
, eine Prozessentschädigung zu bezahlen.
Die Höhe der gerichtlich festzuset
zenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
, in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG). Es ist der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine Pro
zess
ent
schädigung von Fr. 2’
6
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.