Decision ID: ed3f373d-7cd8-4960-8927-d1af102b7e30
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 29. August 2006 nach Hüft-Totalprothese-Implantation
links am 8. August 2005 bei posttraumatischer Coxarthrose (Unfall vom 19. Mai 2005;
siehe hierzu UV-Akten, G 4.2) mit Pfannenwechsel links am 23. Juni 2006 (siehe hierzu
den Bericht der Klinik B._ vom 4. August 2006, IV-act. 10-5 ff., und vom 15.
September 2006, IV-act. 9-5 f.) zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Die in der
Klinik B._ behandelnden medizinischen Fachpersonen berichteten am 28. Juni 2007,
ein Jahr nach dem Pfannenwechsel links bestünden noch erhebliche Hüftschmerzen
sowie eine ausgeprägte muskuläre Schwäche. Dadurch sei der Versicherte im Alltag
massiv eingeschränkt und zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 39). Im von der IV-Stelle
eingeholten Gutachten vom 10. Juli 2007 (Datum Posteingang IV-Stelle) stellte Dr. med.
C._, Spezialarzt Orthopädische Chirurgie FMH, folgende Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit: Hüftschmerzen links bei Status nach Implantation einer
zementfreien Hüfttotalprothese links 08/05 und Pfannenwechsel sowie Revision der
Glutealsehnenplatte 06/06; eine fortgeschrittene Spondylarthrose L4 bis S1 mit
spondylogener und diskogener foraminaler Enge L4/5 und leichter
Nervenwurzelirritation rechts sowie mässiger diskogener und spondylogener
foraminaler Enge L5/S1 mit leichter Kompression der Nervenwurzel L1 rechts rezessal
und eine Adipositas. Für körperlich leichte leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigte
Dr. C._ dem Versicherten eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Ein Jahr nach dem letzten
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Eingriff an der linken Hüfte könne von einem stabilen Gesundheitszustand
ausgegangen werden (IV-act. 41; vgl. auch die ergänzenden Ausführungen vom 16.
Oktober 2007, IV-act. 60). Mit Verfügungen vom 10. April 2008 sprach die IV-Stelle
dem Versicherten befristet für den Zeitraum vom 1. Mai 2006 bis 31. Mai 2007 eine
ganze Rente zu (IV-act. 65). Vom 10. März bis 24. April 2008 befand sich der
Versicherte zur stationären Rehabilitation in der Klinik Valens. Der dort behandelnde Dr.
med. D._ diagnostizierte eine posttraumatische Coxarthrose links, ein chronisches
lumbospondylogenes Syndrom und eine mittelgradige depressive Episode mit
ausgeprägtem somatischem Syndrom. Aus psychiatrischer Sicht bestehe momentan
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Austrittsbericht vom 23. April 2008, IV-act. 75-3 ff.).
Das Versicherungsgericht hob die vom Versicherten am 9. Mai 2008 (IV-act. 72)
angefochtenen Verfügungen vom 10. April 2008 auf und wies die Sache zu weiteren
Abklärungen bezüglich eines über den 31. Mai 2007 hinausdauernden
Rentenanspruchs an die IV-Stelle zurück (Entscheid vom 4. März 2010, IV 2008/222,
IV-act. 87).
A.b Der behandelnde Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, berichtete am 1. Juli 2010, der Versicherte leide mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit seit (mindestens) Frühjahr 2008 an einer rezidivierenden depressiven
Störung, aktuell mittelgradig ausgeprägt (ICD-10: F33.1), und einem chronischen
Schmerzsyndrom mit Betonung der linken Hüftregion. Eine Erwerbstätigkeit sei dem
Versicherten nicht mehr zumutbar (IV-act. 113).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 5. Juli 2010 in der ABI
Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (internistisch, orthopädisch
und psychiatrisch) begutachtet. Die ABI-Experten stellten folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: chronische Hüftschmerzen links (ICD-10: M79.64),
ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik
(ICD-10: M54.5) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis
mittelgradige Episode (ICD-10: F33.0, F33.1). Sie gelangten zum Schluss, dass für die
angestammte Tätigkeit als Landwirt und Chauffeur seit Mai 2005 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bestehe. Für körperlich leichte, leidensangepasste Tätigkeiten
bestehe eine vollzeitliche Arbeitsfähigkeit mit um 30% vermindertem Rendement, somit
eine zumutbare effektiv verwertbare Arbeitsleistung von 70%. Seit Mai 2007 habe sich
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der somatische Zustand eher verbessert, der psychische Zustand verschlechtert
(Gutachten vom 17. August 2010, IV-act. 115-2 ff.). RAD-Ärztin Dr. med. F._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt das ABI-Gutachten für
nachvollziehbar (undatierte Stellungnahme, IV-act. 116).
A.d Am 30. Oktober 2012 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche Massnahmen
mit der Begründung ab, der Versicherte fühle sich nicht in der Lage, an
Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken (IV-act. 151).
A.e Aufgrund des von ihr ermittelten 6%igen Invaliditätsgrads stellte die IV-Stelle dem
Versicherten mit Vorbescheid vom 21. März 2013 in Aussicht, das Rentengesuch
abzuweisen (IV-act. 159). Dagegen erhob der Versicherte am 13. Mai 2013 Einwand
(IV-act. 160).
A.f Der Versicherte war vom 6. Januar bis 8. März 2014 in der Klinik G._
hospitalisiert. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen diagnostizierten:
eine mittelgradige depressive Störung (ICD-10: F32.1), einen Verdacht auf
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), eine chronische Schmerzstörung
mit „medizinischen“ (richtig: somatischen) und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41),
eine iatrogene Opiatabhängigkeit (ICD-10: F11.2), eine iatrogene Abhängigkeit von
Benzodiazepinen, bei Austritt sistiert (ICD-10: F13.2) und einen Verdacht auf
schädlichen Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.1). Aus medizinischer Sicht sei
gegenwärtig und bis auf Weiteres keine Arbeitsfähigkeit gegeben (Austrittsbericht vom
7. März 2014, IV-act. 171).
A.g Im die unfallversicherungsrechtlichen Leistungsansprüche betreffenden Entscheid
vom 18. September 2014, S 2013 114, sprach die sozialversicherungsrechtliche
Kammer des Verwaltungsgerichts des Kantons H._ dem Versicherten mit Wirkung ab
1. Mai 2011 eine 16%ige Invalidenrente zu (IV-act. 178).
A.h Der behandelnde med. pract. I._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH,
bescheinigte dem Versicherten im Arztzeugnis vom 12. Dezember 2014 aufgrund der
gesamten Erkrankung mit massivsten Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte nach
wie vor ungeklärter Ätiologie sowie einem psychischen Problem im Sinn einer massiven
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reaktiven Depression eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 179-2). Die an der
Abteilung Orthopädie Untere Extremitäten am Muskulo-Skelettal Zentrum an der Klinik
J._ behandelnden Ärzte berichteten am 15. Dezember 2014, der Versicherte leide an
einer multifaktoriellen Beschwerdesymptomatik bei radiologisch unauffälliger
Hüftprothese links. Aufgrund der ausgeprägten Schmerzsymptomatik sei der
Versicherte zum jetzigen Zeitpunkt nicht arbeitsfähig. Sie empfahlen die Durchführung
einer Begutachtung (IV-act. 181).
A.i Am 15. Mai 2015 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle bidisziplinär
(orthopädisch-psychiatrisch) von Dr. med. K._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, und von Dr. med. L._, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, begutachtet. Sie diagnostizierten mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: chronische Schmerzen im Bereich des linken
Hüftgelenks (ICD-10: M25.55) und der linken unteren Extremität (ICD-10: M79.64) nach
Implantation einer Totalendoprothese und drei Revisionseingriffen; ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10: M54.86) bei degenerativen
Veränderungen ossärer (ICD-10: M47.86) und diskogener (ICD-10: M51.2) Art und eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode
(ICD-10: F33.0, F33.1). Für die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Landwirt und LKW-
Chauffeur verfüge der Versicherte aus orthopädischer Sicht über keine Arbeitsfähigkeit
mehr. Für eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigten sie dem Versicherten eine
70%ige Arbeitsfähigkeit. Im Vergleich zum ABI-Gutachten sei von einer unveränderten
Situation auszugehen (bidisziplinäres Gutachten vom 14. Juni 2015, IV-act. 193; siehe
auch die ergänzenden Stellungnahmen von Dr. K._ zu nachträglich eingereichten
medizinischen Berichten vom 16. Juni 2015, IV-act. 194, und zu Rückfragen der IV-
Stelle vom 22. Juli 2015, IV-act. 203). RAD-Ärztin Dr. F._ gelangte gestützt auf die
Beurteilung der Dres. L._ und K._ zur Auffassung, dass sich der
Gesundheitszustand seit dem ABI-Gutachten nicht relevant verändert habe
(Stellungnahme vom 23. Juli 2015, IV-act. 204).
A.j Mit neuerlichem Vorbescheid vom 31. August 2015 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 207). Der
Versicherte erhob dagegen am 6. Oktober 2015 Einwand (IV-act. 208) und reichte
weitere ärztliche Berichte ein (IV-act. 217 f.). RAD-Ärztin Dr. F._ vertrat den
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Standpunkt, ein veränderter Gesundheitszustand sei nicht glaubhaft gemacht und es
könne an der letzten Einschätzung festgehalten werden (Stellungnahme vom 21.
Januar 2016, IV-act. 219). Hierzu äusserte sich der Versicherte am 8. Februar 2016 (IV-
act. 221).
A.k Mit nochmaligem Vorbescheid vom 22. Juni 2016 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Zusprache einer ganzen Rente befristet für die Zeiträume vom 19. Mai
2006 bis 31. Juli 2007 und vom 1. Mai 2009 bis 30. September 2010 in Aussicht (IV-
act. 229). Im dagegen gerichteten Einwand vom 26. August 2016 beantragte der
Versicherte die Zusprache einer unbefristeten ganzen Rente (IV-act. 231; zur
ergänzenden Eingabe vom 2. September 2016 siehe IV-act. 232). Am 15. Dezember
2016 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine ganze Rente befristet für die
Zeiträume vom 1. Mai 2006 bis 31. Juli 2007 und vom 1. Mai 2009 bis 30. September
2010 zu. Im Übrigen wies sie das Rentengesuch ab (Verfügung vom 15. Dezember
2016, IV-act. 238 f.).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 15. Dezember 2016 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 30. Januar 2017. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und es sei ihm auch für die Dauer
vom 1. August 2007 bis 30. April 2009 sowie ab 1. Oktober 2010 eine ganze
Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Streitsache zur weiteren Abklärung und
zu anschliessender neuer Beurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur
Begründung bringt er vor, sein Gesundheitszustand habe sich seit Sommer 2007 nicht
wesentlich verbessert, sondern verschlechtert. Des Weiteren sei die
Beschwerdegegnerin der vom Versicherungsgericht angeordneten Abklärung durch die
Klinik J._ nicht korrekt nachgekommen. Ausserdem rügt er die Ermittlung des
Invalideneinkommens und ist der Ansicht, dass eine allfällige Restarbeitsfähigkeit nicht
mehr verwertbar sei. Zumindest sei ein Tabellenlohnabzug von 20% vorzunehmen (act.
G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 8. März 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf die Ausführungen in
der angefochtenen Verfügung (act. G 4).
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B.c Der Beschwerdeführer hat auf eine begründete Replik verzichtet (act. G 6).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers. Da die rückwirkende und auf unbestimmte Zeit wirkende
Rentenzusprache ein einheitliches Rechtsverhältnis bildet, ist der Rentenanspruch für
den gesamten Zeitraum Gegenstand der gerichtlichen Überprüfung (vgl. BGE 131 V
164). Bezüglich der für den Rentenanspruch massgeblichen rechtlichen Grundlagen
kann auf die Erwägungen E. 1 ff. des Entscheids des Versicherungsgerichts vom 4.
März 2010, IV 2008/222, verwiesen werden (IV-act. 87-6 ff.).
2.
Das Versicherungsgericht ist bezüglich des Zeitraums vom 19. Mai 2005 bis 31. Mai
2007 davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer vollumfänglich arbeitsunfähig
gewesen ist (Entscheid des Versicherungsgerichts vom 4. März 2010, IV 2008/222, E.
4.1, IV-act. 87-9). Diese Schlussfolgerung wird von den Parteien geteilt (vgl. IV-act.
235-3 und act. G 1).
3.
Zur Beurteilung des gesundheitlichen Verlaufs ab Juni 2007 wies das
Versicherungsgericht die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurück (Entscheid des Versicherungsgerichts vom 4. März 2010, IV 2008/222, E. 4.2 f.,
IV-act. 87-9 f.). Zu prüfen ist daher, ob der seit Juni 2007 eingetretene Sachverhalt
nunmehr spruchreif medizinisch abgeklärt worden ist.
3.1 Im ABI-Gutachten vom 17. August 2010 führten die Experten aus, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich auf somatischer Ebene eher
verbessert. Auf psychiatrischer Ebene sei hingegen eine gewisse Verschlechterung
eingetreten, was zusammen aber nicht zu einer wesentlich anderen Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit führe, wie sie in der früheren Begutachtung von Dr. C._ festgehalten
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worden sei. Bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigten sie eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 115-29). Die Gutachter Dres. K._ und L._ bestätigten die
Beurteilung der ABI-Gutachter. Sie habe weiterhin Gültigkeit (IV-act. 193-72; vgl. auch
IV-act. 203-3 oben und IV-act. 203-4). Dieser Würdigung schloss sich RAD-Ärztin Dr.
F._ an (Stellungnahme vom 23. Juli 2015, IV-act. 204-2).
3.2 Der Beschwerdeführer bestreitet, dass aus der medizinischen Aktenlage
geschlossen werden könne, sein Gesundheitszustand habe sich im Vergleich zum 31.
Mai 2007 inzwischen anhaltend verbessert (act. G 1, S. 6).
3.2.1 Vorab gilt es zu beachten, dass der vom Versicherungsgericht bis 31. Mai
2007 als überwiegend wahrscheinlich ausgewiesenen vollständigen Arbeitsunfähigkeit
die operative Massnahme vom 23. Juni 2006 (Pfannenwechsel) und die darauffolgende
postoperative instabile Heilungsphase zu Grunde lag (IV-act. 29-4).
3.2.2 Der orthopädische ABI-Gutachter gelangte gestützt auf eine ausführliche
Untersuchung und in Auseinandersetzung mit den Vorakten zum Schluss, dass sich auf
dem Boden von ursprünglich vorwiegend organischen Problemen mittlerweile gewisse
nichtorganische Komponenten „aufgepfropft“ hätten, die das aktuelle Zustandsbild
mitbestimmten. Aus rein somatischer Sicht bescheinigte er eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (IV-act. 115-23). Er brachte damit
zum Ausdruck, dass sich das ursprünglich orthopädisch-somatische Leidensbild
zurückgebildet und in ein psychisch-syndromales Leiden verschoben hat (siehe auch
IV-act. 115-29 unten). Die Beurteilung des orthopädischen ABI-Experten wurde von Dr.
K._ bestätigt (IV-act. 193-47 f.) Die beiden gutachterlichen Einschätzungen decken
sich insoweit mit den Vorakten, als bereits die neurologischen Fachpersonen der Klinik
J._ mit Bezug auf das lumbospondylogene Syndrom mit linksseitiger Symptomatik
eine Verbesserung festgestellt hatten (Bericht vom 7. Dezember 2009, IV-act. 115-37;
vgl. auch den Bericht vom 14. Januar 2010, IV-act. 115-32: „Besserung der
Beinschmerzen li“) und die orthopädischen Experten der Klinik J._ „in
Zusammenschau der klinischen Befunde“ keinen Interventionsbedarf mehr sahen
(Bericht vom 10. Dezember 2009, IV-act. 115-34). Eine am 14. Januar 2010
durchgeführte Facettengelenksinfiltration brachte keinen Erfolg. Der neurologische
Experte der Klinik J._ gelangte zum Schluss, dies spreche eher gegen ein
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wesentliches spondylogenes Schmerzsyndrom. Zusammenfassend sei die Ursache der
rechtsbetonten Schmerzen nicht klar (Bericht vom 21. Januar 2010, IV-act. 115-31). Ein
Hinweis auf eine Verbesserung bildet ferner auch der Umstand, dass anlässlich der
orthopädischen Konsultation in der Klinik B._ noch eine „deutliche Atrophie“ vor
allem der Oberschenkelmuskulatur links festgestellt wurde (IV-act. 115-60), während
der orthopädische ABI-Experte lediglich noch eine „diskrete Hypotrophie der
Oberschenkelmuskulatur am linken Bein“ beschrieben (IV-act. 115-22) und des
Weiteren eine bessere Hüftflexion festgestellt hat (IV-act. 115-24 oben). Insgesamt
leuchtet es daher ein, dass sich die Arbeitsfähigkeit aus rein somatischer Sicht sowohl
gemäss der Einschätzung des orthopädischen ABI-Experten als auch gemäss
derjenigen von Dr. K._ im Vergleich zum vom Versicherungsgericht beurteilten
Sachverhalt verbessert hat.
3.2.3 Hinsichtlich des Beginns der Wiedererlangung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
ist zu beachten, dass auch nach dem 31. Mai 2007 zunächst noch während einer
längeren Zeit ein instabiler Gesundheitszustand bestanden hat. So wurde dem
Versicherten zunächst somatischerseits weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (Bericht der Klinik B._ vom 28. Juni 2007, IV-act. 39). Das Hüftleiden
blieb weitgehend instabil (vgl. Bericht der Klinik J._ vom 8. Oktober 2008, IV-act.
83-3 f.) und machte erneute operative Eingriffe erforderlich (Totalprothese-
Wiedereinbau in der Hüfte links am 5. Mai 2009 nach Hüft-Totalprothese-Ausbau am
20. Februar 2009 mit postoperativer Gidelstone-Hüfte links; Sakralblock „unter BV“ am
21. Oktober 2009; siehe zum Ganzen den Bericht der Klinik J._ vom 21. Oktober
2009, IV-act. 103-5 f.). Der orthopädische ABI-Gutachter wies denn auch zu Recht auf
die Schwierigkeit einer retrospektiven Einschätzung hin (IV-act. 115-26 unten), weshalb
mit ihm für die Annahme einer anhaltenden Verbesserung des somatischen
Gesundheitszustands auf das Datum der Begutachtung (5. Juli 2010, IV-act. 115-2)
abzustellen ist (IV-act. 115-27 oben; vgl. auch die undatierte Stellungnahme von RAD-
Ärztin Dr. F._, IV-act. 116-3). Da der Sachverhalt bereits spruchreif erstellt ist, besteht
kein Anlass für weitere Abklärungen, wie sie der Beschwerdeführer beantragt hat (act.
G 1, IV Rz 3).
3.3 Sowohl die psychiatrische ABI-Expertin als auch Dr. L._ haben in umfassender
Würdigung der Aktenlage und gestützt auf eigene Untersuchungen mit ausführlicher
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Begründung dargelegt, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines psychischen
Leidens für leidensangepasste Tätigkeiten lediglich über eine 70%ige Arbeitsfähigkeit
verfügt (IV-act. 115-16 und IV-act. 193-62).
3.4 Gestützt auf die sämtliche Anforderungen für eine beweiskräftige Expertise (siehe
hierzu BGE 125 V 352 E. 3a) erfüllenden Administrativgutachten ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der somatische Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers spätestens seit Juli 2010 verbessert hat und seither aus
polydisziplinärer Sicht eine 70%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
besteht. Der Beschwerdeführer hat denn auch keine substanziierte Mängel gegen die
gutachterlichen Beurteilungen erhoben, sondern seine Kritik auf die Beurteilung des
Verlaufs fokussiert (act. G 1, IV Rz 1 ff.). Trotz des fortgeschrittenen Alters des
Beschwerdeführers (Jahrgang 1956) und der bestehenden qualitativen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (siehe hierzu etwa IV-act. 193-71 f.) ist entgegen
seiner Auffassung (act. G 1, IV Rz 4a) nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, die verbliebene, immerhin 70%ige Restarbeitsfähigkeit könne auf
dem massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwertet werden, zumal er
über einen doch noch recht aktiven Arbeitsalltag verfügt und sich daraus Hinweise auf
Ressourcen ergeben (Kochen, Autofahren, Handreichungen auf dem Bauernhof des
Sohns wie etwa Kleinigkeiten aufräumen und „nach dem Rechten“ sehen, IV-act.
193-53). Ausserdem hat der Beschwerdeführer grosses Interesse im Bereich Computer
(IV-act. 115-12 unten). Dabei wird nicht verkannt, dass der Beschwerdeführer bei der
beruflichen Neuorientierung auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit
lohnwirksamen Schwierigkeiten konfrontiert wird (vgl. hierzu die Bemessung des
Tabellenlohnabzugs in nachstehender E. 4.2).
4.
Zu bestimmen bleibt der Invaliditätsgrad im Rahmen eines Einkommensvergleichs (Art.
16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]).
4.1 Gemäss Art. 16 ATSG richtet sich das Valideneinkommen danach, was eine
versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Massgebend
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für das Valideneinkommen ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen
Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns
(vorliegend: 1. Mai 2006; siehe E. 4.1 des Entscheids des Versicherungsgerichts vom 4.
März 2010, IV 2008/222, IV-act. 87-9) hätte verdienen können. Zuletzt hat der
Beschwerdeführer im Jahr 2004 einen für das Valideneinkommen aussagekräftigen
Jahresverdienst als Chauffeur von Fr. 58‘222.-- erzielt. Angepasst an die bis 2006
eingetretene Nominallohnentwicklung resultiert ein Valideneinkommen von Fr. 59‘372.--
(Fr. 58‘222.-- / 1975 x 2014).
4.2 Da der Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, ist zur
Bemessung des Invalideneinkommens auf den statistischen Hilfsarbeiterlohn
abzustellen, der für das Jahr 2006 Fr. 59‘197.-- beträgt (vgl. Anhang 2:
Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe
2012). Für eine leidensangepasste Tätigkeit sind erhebliche qualitative
Einschränkungen zu beachten (nur sehr körperlich leichte Tätigkeiten [max. bis 5 kg];
ununterbrochenes Sitzen nicht länger als 30 Minuten möglich; Stehen nur für kurze Zeit
möglich; keine längeren Gehstrecken und auch keine Überwindung von
Höhendifferenzen [wie Treppen, Leitern oder Gerüste] möglich; siehe hierzu sowie zu
den zusätzlichen Einschränkungen bezüglich Zwangspositionen und repetitiven
Bewegungen bezüglich Hüftgelenk und Wirbelsäule, IV-act. 193-73). Der bis zur
gesundheitlichen Beeinträchtigung langjährig Schwerarbeit leistende Beschwerdeführer
leidet des Weiteren aus psychiatrischer Sicht an Beeinträchtigungen der Flexibilität,
Umstellungs- und Anpassungsfähigkeit (siehe hierzu IV-act. 193-61). Dr. L._ stellte
ferner die Fahrtauglichkeit in Frage (IV-act. 193-74). Ferner steht der 1956 geborene
Beschwerdeführer bereits im fortgeschrittenen Alter und es besteht inzwischen eine
längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt. Diese Gesichtspunkte lassen selbst auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt lohnwirksame Nachteile erwarten, die insgesamt
mindestens einen 15%igen Tabellenlohnabzug rechtfertigen. Mangels
Rentenerheblichkeit kann offen bleiben, ob ein höherer Abzug angemessen wäre.
4.3 Für die Dauer des frühest möglichen Rentenbeginns (1. Mai 2006) bis 5. Juli 2010
ist von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, womit ein 100%iger
Invaliditätsgrad resultiert. Danach führt die 70%ige Arbeitsfähigkeit unter
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Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 15% bzw. 25% zu einem
Invalideneinkommen von Fr. 35‘222.-- (Fr. 59‘197.-- x 0.7 x 0.85) bzw. Fr. 31‘078.-- (Fr.
59‘197.-- x 0.7 x 0.75), zu einer Erwerbseinbusse von Fr. 24‘150.-- (Fr. 59‘372.-- - Fr.
35‘222.--) bzw. Fr. 28‘294.-- (Fr. 59‘372.-- - Fr. 31‘078.--) und damit zu einem
Invaliditätsgrad von aufgerundet 41% (Fr. 24‘150.-- / Fr. 59‘372.--) bzw. aufgerundet
48% (Fr. 28‘294.-- / Fr. 59‘372.--). Unter Berücksichtigung der Dreimonatsfrist von Art.
88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) hat der
Beschwerdeführer befristet für die Dauer vom 1. Mai 2006 bis 31. Oktober 2010
Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. November 2010 auf eine Viertelsrente.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 30. Januar 2017 in Aufhebung der
Verfügung vom 15. Dezember 2016 teilweise gutzuheissen und dem Beschwerdeführer
mit Wirkung ab 1. Mai 2006 bis 31. Oktober 2010 eine ganze Rente und ab 1.
November 2010 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung der
Rentenleistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
(vgl. betreffend quantitative und zeitliche Überklagung das Urteil des Bundesgerichts
vom 7. Januar 2016, 9C_288/2015, E. 4.2). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle (vgl. etwa den Entscheid
des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 29. Januar 2014, IV 2012/309)
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
als angemessen.