Decision ID: b2454f62-e595-5c64-92a6-1a682c7998ee
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss vom 24. August 2016 verzichtete der Stadtrat von Zürich auf
die Unterschutzstellung der Wohnsiedlung "Seebahn" auf der Parzelle Kat.-
Nr. AU4074 an der Erismannstrasse 31 - 41, Kanzleistrasse 160, 162,
Seebahnstrasse 221 - 231 und Stauffacherstrasse 195, 197, in Zürich 4 -
Aussersihl, und verfügte deren suspensiv-bedingte Entlassung aus dem In-
ventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler
Bedeutung, sobald aufgrund einer rechtskräftigen Baubewilligung die Bau-
freigabe für den Ersatzneubau erteilt werde. Gleichzeitig entliess der Stadt-
rat auch die Aussenräume der Siedlung (Innenhof und Vorgärten) aus dem
kommunalen Inventar der schützenswerten Gärten und Anlagen.
B.
Hiergegen wandte sich der Zürcher Heimatschutz mit Rekurseingabe vom
24. Oktober 2016 ans Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantrag-
te, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Vorinstanz sei ein-
zuladen, die Wohnsiedlung Seebahn einschliesslich der Aussenräume in
geeignetem Umfang unter Schutz zu stellen, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen.
C.
Mit Verfügung vom 26. Oktober 2016 wurde vom Rekurseingang Vormerk
genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
D.
Sowohl die Vorinstanz als auch die Mitbeteiligte liessen sich hierauf fristge-
recht vernehmen und schlossen je mit Eingaben vom 28. November 2016
auf Abweisung des Rekurses, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu-
lasten des Rekurrenten.
E.
Mit Replik vom 3. Januar 2017 sowie je mit Dupliken vom 26. Januar 2017
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
R1S.2016.05116 Seite 3
F.
Am 8. Februar 2017 führte die 1. Abteilung des Baurekursgerichts im Bei-
sein der Parteien einen Augenschein auf Lokal durch.
G.
Mit Triplik vom 9. Februar 2017 sowie Quadrupliken vom 18. Februar 2017
bzw. 23. Februar 2017 reichten die Parteien weitere Stellungnahmen ein.
H.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die anlässlich des Augenscheins
gemachten tatsächlichen Feststellungen ist nachfolgend insoweit einzuge-
hen, als dies für die Entscheidfindung erforderlich erscheint.

Es kommt in Betracht:
1.
Gemäss § 338b Abs. 1 lit. a PBG sind gesamtkantonal tätige Verbände, die
sich seit wenigstens zehn Jahren im Kanton statutengemäss dem Natur-
und Heimatschutz oder verwandten, rein ideellen Zielen widmen, zum Re-
kurs gegen Anordnungen und Erlasse berechtigt, soweit sich diese auf den
III. Titel (Natur- und Heimatschutz, §§ 203 – 217 PBG) oder § 238 Abs. 2
PBG stützen. Der Rekurrent erfüllt diese Voraussetzungen unbestrittener-
massen. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf
den Rekurs einzutreten.
2.1.
Die streitbetroffene genossenschaftliche Wohnsiedlung "Seebahn" befindet
sich im Alleineigentum der Mitbeteiligten und liegt gemäss geltender Bau-
und Zonenordnung (BZO) der Stadt Zürich in der Quartiererhaltungszone.
Die Siedlung wurde 1930 durch den Architekten Pietro Giumini als offene
Blockrandbebauung mit grosszügigem, begrüntem Innenhof erbaut und bil-
det das Mittelstück einer Dreierfolge von fast gleichzeitig entstandenen
Wohnsiedlungen, welche sich dem Verlauf des tiefer gelegenen Bahn-
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trassees der Seebahnlinie anpassen. Im Norden grenzt sie an die städti-
sche Siedlung Erismannhof (1927 - 1928), im Süden befindet sich die Sied-
lung Kanzleistrasse der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (1930).
Das Wohnsiedlung Seebahn ist im kommunalen Inventar der kunst- und
kulturhistorischen Schutzobjekte ("Spezialinventar Wohnsiedlungen") ent-
halten und bildet Bestandteil des Siedlungsverbundes Sihlfeld, der sieben
gemeinnützig erstellte Wohnsiedlungen umfasst, welche allesamt zwischen
den Jahren 1923 und 1931 erbaut worden sind. Überdies ist das Sihlfeld-
Quartier, zu welchem auch die Wohnsiedlung Seebahn gehört, im Bundes-
inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeu-
tung (ISOS) mit Erhaltungsziel A vermerkt, welches für Substanzerhaltung
steht. Die unter anderem mit Bezug auf die Stadt Zürich revidierte Verord-
nung über das Bundesinventar der schützenswerten Ortbilder der Schweiz
(VISOS) ist allerdings erst per 1. Oktober 2016 und damit nach Fällung des
angefochtenen Beschlusses in Kraft getreten.
2.2.
Im Jahr 2004 wandte sich die Mitbeteiligte an die städtische Denkmalpflege
und ersuchte um Abklärung der Schutzwürdigkeit der Wohnsiedlung See-
bahn bzw. um deren Entlassung aus dem kommunalen Inventar der kunst-
und kulturhistorischen Schutzobjekte. Dieses Provokationsbegehren erfolg-
te im Zusammenhang mit der Erneuerungsstrategie der Mitbeteiligten, wel-
che sämtliche ihrer Siedlungen umfasst; mit Bezug auf die Wohnsiedlung
Seebahn ist ein vollständiger Abbruch bzw. Neubau geplant. Im Rahmen
der Schutzabklärung kamen die Denkmalpflege der Stadt Zürich wie auch
die städtische Denkmalpflegekommission zum Schluss, dass die Siedlung
Seebahn in städtebaulicher und baukünstlerischer Hinsicht ein Schutzob-
jekt darstelle. Auch die Vorinstanz anerkannte im angefochtenen Beschluss
die grundsätzliche Schutzwürdigkeit der streitbetroffenen Baute, verzichtete
jedoch aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf Schutzmassnahmen und
entliess die Wohnsiedlung sowie die dazugehörigen Aussenräume aus dem
Inventar.
3.1.
Im Rahmen seiner Triplik vom 9. Februar 2017 hat der Rekurrent die Einho-
lung eines Gutachtens der Kantonalen Denkmalpflegekommission (KDK)
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beantragt für den Fall, dass an der sehr hohen Bedeutung des Ensembles
der drei Siedlungen Kanzleistrasse, Seebahn und Erismannhof gezweifelt
würde. Diesfalls wäre gutachterlich zu klären, welcher Schutzrang dem En-
semble attestiert werden müsste und ob es sich um ein Schutzobjekt von
kantonaler Bedeutung handle.
3.2.
Sofern in einem Verfahren bereits unabhängige Sachverständige mitgewirkt
haben, ist ein weiteres Gutachten bzw. Obergutachten nur dann einzuho-
len, wenn begründete Zweifel an der richtigen Beurteilung einer Sachfrage
bestehen (VB.2009.00270 vom 24. Februar 2010, E. 2.2). Solche begrün-
deten Zweifel liegen beim Gutachten vom Dezember 2005 zuhanden der
Denkmalpflegekommission (act. 5.2, nachfolgend: Gutachten 2005) nicht
vor und werden seitens des Rekurrenten auch nicht vorgebracht. Die
Schutzwürdigkeit der Wohnsiedlung Seebahn wurde im Rahmen des Gut-
achtens 2005 einlässlich abgeklärt. Zudem ist auch das Baurekursgericht
als Fachgericht in der Lage, die Siedlung Seebahn in denkmalpflegerischer
Hinsicht zu bewerten. Aufgrund der Akten sowie der anlässlich des Abtei-
lungsaugenscheins getroffenen Feststellungen ist der Sachverhalt vorlie-
gend genügend klar, um insbesondere auch den Grad der Schutzwürdigkeit
des fraglichen Objektes – auch im Kontext der angesprochenen Dreierab-
folge – zu beurteilen. Von der Einholung eines Gutachtens der Kantonalen
Denkmalpflegekommission kann deshalb abgesehen werden. Im Übrigen
ist darauf hinzuweisen, dass die Frage, ob sich ein zusätzliches Obergut-
achten aufdrängt, nicht vom materiellen Ausgang des vorliegenden Rekurs-
verfahrens abhängig gemacht werden kann.
4.
Die Vorinstanz begründete den angefochtenen Beschluss im Wesentlichen
damit, dass die Wohnsiedlung Seebahn zwar in baukünstlerischer und
städtebaulicher Hinsicht als grundsätzlich schutzwürdig einzustufen und
auch innerhalb des Siedlungsverbundes Sihlfeld von städtebaulichem Wert
sei, einer Unterschutzstellung jedoch gewichtige öffentliche und private In-
teressen entgegenstünden. Namentlich sei die Siedlung Seebahn – trotz
Südwestumfahrung – nach wie vor einer starken Lärm- und Luftschadstoff-
belastung ausgesetzt; nicht nur entlang der Seebahnstrasse, sondern auch
in den Querstrassen seien die Immissionsgrenzwerte teilweise überschrit-
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ten. Unter gleichzeitiger Berücksichtigung aller wirtschaftlichen und denk-
malpflegerischen Aspekte stelle eine teure Sanierung der bestehenden
Siedlung daher keine nachhaltige Lösung dar, zumal sich dadurch die
strukturellen Mängel der Wohnungen (kleine und unflexible Wohnungs-
grundrisse, Ausrichtung der Wohn- und Schlafräume zur lärmigen See-
bahnstrasse, Schallschutz) nicht beheben liessen. Auch die erheblichen fi-
nanziellen Belastungen, die mit einer Sanierung der bestehenden Liegen-
schaft einhergehen würden, dürften nicht ausser Acht gelassen werden.
Berechnungen der Mitbeteiligten hätten ergeben, dass bereits eine einfa-
che Instandsetzung der Wohnungen mit einer geringfügigen Verbesserung
des Schallschutzes zu Mietzinsaufschlägen führen würde. Um die beste-
henden Defizite – unter anderem zu geringe Wohnflächen, bescheidener
Ausbaustandard, zu einseitiger Wohnungsmix, hohe Lärmbelastung, feh-
lende Behindertengerechtigkeit – zu beheben, wären weitergehende struk-
turelle Verbesserungen notwendig, wie beispielsweise Wohnungszusam-
menlegungen, Grundrissänderungen, Anbau von Balkonen bzw. Einbau
von Personenliften. Solche Massnahmen würden noch höhere Mietzinsauf-
schläge zur Folge haben, was im Widerspruch zum sozialpolitischen Auf-
trag der Baugenossenschaften zur Förderung bezahlbaren Wohnraums
stehe. Überdies würden solche strukturellen Massnahmen das originale
Fassadenbild verändern. Demgegenüber führe ein Ersatzneubau mit zeit-
gemässen, grösseren, dem heutigen genossenschaftlichen Standard ent-
sprechenden Wohnungen zu vergleichsweise geringeren Mieten pro Quad-
ratmeter. Auch ein Teilabbruch bzw. -neubau entlang der Seebahnstrasse
sei geprüft worden; damit könnte die Problematik der Lärm- und Feinstaub-
belastung zwar entschärft werden, in wirtschaftlicher Hinsicht wäre ein sol-
ches Vorhaben jedoch ebenfalls unverhältnismässig, zumal die erwähnten
Probleme hinsichtlich Wohnungsmix, -grössen und -standard für die übri-
gen Siedlungsteile bestehen bleiben würden.
Sodann sei daran zu erinnern, dass die Stadt Zürich verschiedene gesetzli-
che Aufträge zu erfüllen habe. Seit Mai 2014 verpflichte Art. 1 Abs. 2 lit. abis
des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG) die Gemeinden zu ei-
ner Siedlungsentwicklung nach innen. Gemäss den Vorgaben des kantona-
len und regionalen Richtplans habe sich die Stadt Zürich für ihre Planung
am Bevölkerungswachstum zu orientieren; aufgrund der aktuellen Entwick-
lungsprognosen bedeute dies, dass bis im Jahr 2040 Raum für 80'000 zu-
sätzliche Einwohnerinnen und Einwohner bereitgestellt werden müsse. Die
dafür notwendige Verdichtung solle nachhaltig, sozialverträglich und quali-
R1S.2016.05116 Seite 7
tätsvoll erfolgen. Das Neubauprojekt von Harder Spreyermann Architekten,
das als Sieger des im Jahr 2014 durchgeführten Architekturwettbewerbs für
den Ersatz der Wohnsiedlung Seebahn hervorgegangen sei, sehe neu 146
anstelle der bisher 113 Wohnungen vor, womit Platz für ca. 200 zusätzliche
Bewohnerinnen und Bewohner geschaffen werde. Dies entspreche unge-
fähr einer Verdoppelung der heutigen Bewohnerzahl. Weiter habe sich die
Zürcher Stimmbevölkerung 2011 mit grosser Mehrheit für den wohnpoliti-
schen Grundsatzartikel ausgesprochen, welcher zum Ziel habe, den Anteil
der Mietwohnungen in der Hand von gemeinnützigen Bauträgern schritt-
weise auf einen Drittel zu erhöhen. Dabei sollen insbesondere die Bedürf-
nisse von Familien und älteren Menschen sowie die Anforderungen des
ökologischen Wohnungsbaus berücksichtigt werden, was bei dem geplan-
ten Neubauprojekt der Fall sei. Die Gemeindeordnung verpflichte die Stadt
Zürich überdies dazu, eine nachhaltige Entwicklung im Hinblick auf die Er-
reichung der 2000-Watt-Gesellschaft zu verfolgen.
Zusammenfassend werde mit dem Abbruch und Neubau der Siedlung
Seebahn bzw. mit der Verbesserung des Wohnangebots die langfristige
Entwicklung im Quartier Hard positiv beeinflusst, woran die Stadt Zürich ein
sehr grosses Interesse habe. Der Ersatzneubau leiste einen qualitätsvollen
Beitrag an die Quartiersbelebung, die innere Verdichtung, die Erhöhung
des Anteils an gemeinnützigem Wohnraum sowie die Erreichung der Ziele
der 2000-Watt-Gesellschaft. Zudem werde mit dem Ersatzneubau die städ-
tebauliche Integration in die Quartierstruktur im Sinne des im Oktober 2010
abgeschlossenen Leitbilds Seebahn-/Hohlstrasse gewährleistet. Das Leit-
bild basiere wiederum auf den vom Stadtrat Zürich im Jahr 2009 verab-
schiedeten und gemeinsam mit den Baugenossenschaften BEP, ABZ und
GBMZ (Gemeinnützige Bau- und Mietergenossenschaft Zürich) erarbeite-
ten Leitsätzen für eine zukunftsgerichtete und sozialverträgliche Weiterent-
wicklung des Bullingerquartiers und der in diesem Zusammenhang durch-
geführten städtebaulichen Machbarkeitsstudie. Insgesamt würden die ge-
nannten öffentlichen Interessen somit das öffentliche Interesse am Erhalt
der Wohnsiedlung Seebahn überwiegen. Hinzu komme, dass in Zürich ins-
gesamt sieben grossformatige Wohnsiedlungen des Architekten Pietro Gi-
umini existierten, die im kommunalen Inventar der kunst- und kulturhistori-
schen Schutzobjekte verzeichnet seien: neben der Siedlung Seebahn
handle es sich dabei um den "Alten Block" (zusammen mit Eduard Hess;
1915; BEP), die Siedlung Letten, 4. Etappe (1925; BEP), den Röntgenhof,
Kolonien 1 und 2 (1926; Gemeinnützige Baugenossenschaft Röntgenhof),
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den "Braunen Block" (1926; BEP) sowie den Röntgenhof, Kolonien 3 und 4
(1927, 1928; Gemeinnützige Baugenossenschaft Röntgenhof). Die eben-
falls von Pietro Giumini entworfenen Siedlungen "Roter Block" (1920; BEP)
und die Siedlungen Letten 1., 2. und 3. Etappe (zusammen mit Gottfried
Leuenberger; 1921 - 1923; BEP) stünden seit 2011 sogar unter Denkmal-
schutz. Eine Inventarentlassung der streitbetroffenen Siedlung Seebahn
rechtfertige sich mithin auch unter diesem Gesichtspunkt, zumal der gross-
städtische Typus der offenen Blockrandbebauung im Sihlfeld-Quartier
durch die städtischen Wohnsiedlungen "Erismannhof" (1927 - 1928, im In-
ventar) und "Bullingerhof" (1930 - 1931, im Inventar) erhalten bleibe. Die
suspensiv-bedingte Inventarentlassung sei daher insgesamt eine geeignete
und erforderliche Massnahme, um die in den aufgezeigten Interessen lie-
genden Ziele zu erreichen.
5.1.
Der Rekurrent hält die Wohnsiedlung Seebahn demgegenüber für ein hoch-
karätiges Schutzobjekt. Davon zeuge insbesondere das Gutachten 2005,
welches zum Ergebnis gelangt sei, dass die Siedlung Seebahn sowohl
baukünstlerisch wie auch städtebaulich von grosser Bedeutung und damit
eindeutig ein Schutzobjekt sei (vgl. act. 5.2 S. 12). Auch beschreibe das
Gutachten die sozialgeschichtliche, typologische und architektonische Be-
deutung des Schutzobjekts (vgl. act. 5.2 S. 8 ff.). Im Werk des Architekten
Pietro Giumini nehme die Kolonie Seebahn als modernste Wohnsiedlung
einen wichtigen Platz ein; sie werde im Gutachten gar als sein "reifstes
Werk" eingestuft (vgl. act. 5.2 S. 12). Zwar seien mehrere Siedlungen von
Giumini im kommunalen Inventar verzeichnet, aber nur zwei davon stünden
unter Schutz. Wie der vorliegende Fall belege, bewirke eine Inventarisie-
rung keinen wirksamen Schutz, sofern trotz der anerkannten Bedeutung
des Schutzobjekts der Denkmalschutz geringer gewichtet werde als andere
Interessen. Dieser Vorgang könne sich ohne Weiteres auch bei anderen in-
ventarisierten Siedlungen wiederholen. Verkannt werde überdies, dass die
beiden formell geschützten Siedlungen Giuminis aus einer früheren Zeit da-
tierten und ihre Gestaltung weniger vom Neuen Bauen geprägt sei als bei
der Kolonie Seebahn. Die Vorinstanz beabsichtige nun ausgerechnet, die
"innovativste Wohnsiedlung im Werk Giuminis" (vgl. act. 5.2 S. 4) und –
angesichts ihrer Zugehörigkeit zum "Spezialinventar Wohnsiedlungen" –
eines der Paradebeispiele für den Siedlungsbau in der Stadt Zürich dem
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Abbruch preiszugeben. Der entsprechende Inventareintrag beschreibe die
Siedlung Seebahn als "quartierprägenden Teil des schützenswerten Sied-
lungsensembles Sihlfeld/Seebahneinschnitt". Zusätzlich zum erheblichen
Eigenwert werde der streitbetroffenen Wohnkolonie somit auch ein hoher
Situationswert attestiert, wobei der Inventareintrag die Unterschutzstellung
des Äusseren (Fassaden, Dächer und charakteristische baukünstlerische
Elemente) empfehle. Überdies bilde die Siedlung Seebahn – zusammen
mit den Siedlungen Erismannhof und Kanzleistrasse – ein hochgradig
schützenswertes Dreier-Ensemble, weshalb sie nicht isoliert, sondern im-
mer auch in Bezug auf die anderen Ensembleteile betrachtet werden müs-
se. Sollten zwei Drittel dieser bemerkenswerten Abfolge abgebrochen wer-
den, würde auch der zu erhaltende Erismannhof in seiner Qualität als Teil
dieses schützenswerten Ensembles beeinträchtigt. Ohnehin sei die En-
semblequalität der drei Siedlungen weitgehend unbeachtet geblieben. Die
Siedlungen würden diverse gemeinsame Merkmale aufweisen, welche sie
von anderen Blockrandbebauungen im Quartier und auch jenseits des
Bahneinschnitts unterscheiden würden. Alle drei Siedlungen seien nament-
lich keine geschlossenen Blockrandbebauungen. Es handle sich um kubi-
sche Baukörper ohne ins Auge springende Vor- und Rücksprünge, welche
von der Baulinie zurückversetzt angeordnet worden seien. Alle Bauten
würden sodann durch kleine Vorgärten von den Strassen getrennt und
Walmdächer bzw. kaum gegliederte Fassaden aufweisen. Auch die Aus-
senräume der Kolonie Seebahn (Innenhof und Vorgärten) seien inventari-
siert. Notwendigerweise seien das Gebäude und die Gestaltung der Aus-
senräume sowohl in baukünstlerischer als auch sozialgeschichtlicher Hin-
sicht eng miteinander verknüpft; auch in typologischer Hinsicht betone das
Gutachten 2005 die hohe Bedeutung der Grünflächen (act. 5.2 S. 8). Zur
Schutzwürdigkeit der separat inventarisierten Aussenräume des Schutzob-
jekts habe die Vorinstanz allerdings – soweit aus den Akten ersichtlich –
keinerlei Abklärungen veranlasst.
Was ferner die von der Vorinstanz vorgenommene Interessenabwägung
anbelange, so sei darauf hinzuweisen, dass auf kommunaler Ebene mehr-
fach der Wille bekräftigt worden sei, die Kolonie Seebahn als einen beson-
ders wichtigen Zeugen einer für die Geschichte der Stadt Zürich bedeuten-
den Epoche zu erhalten. Die Siedlung sei in das Spezialinventar aufge-
nommen, ihre Bedeutung in der räumlichen Entwicklungsstrategie des
Stadtrats untermauert und ihre Schutzwürdigkeit gutachterlich festgestellt
worden. Das denkmalpflegerische und städtebauliche öffentliche Erhal-
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tungsinteresse wiege mithin schwer. Eine zusätzliche Gewichtung des
Denkmalschutzinteresses ergebe sich überdies aufgrund der Bedeutung
des ISOS, dessen Schutzanliegen nach bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung in zweifacher Hinsicht zu beachten seien: einerseits im Rahmen der
Nutzungsplanung, andererseits bei der Interessenabwägung (vgl.
BGr 1C_488/2015 vom 24. August 2016, E. 4.3.). Die Vorinstanz erwähne
das ISOS im angefochtenen Beschluss zwar, dessen Berücksichtigung im
Rahmen der Interessenabwägung fehle jedoch. Ein öffentliches Interesse
am Abbruch und Neubau der Siedlung Seebahn, welches das erhebliche
denkmalpflegerische Erhaltungsinteresse überwiegen würde, sei denn auch
nicht dargetan worden. Bei den Interessen, auf welche sich die Vorinstanz
berufe, handle es sich mehrheitlich um generelle Anliegen der heutigen Zeit
(Verdichtung, Nachhaltigkeit, Sozialpolitik), welche typischerweise in einem
Spannungsverhältnis zum Denkmalschutz stünden. Inwiefern die angeführ-
ten Interessen im vorliegenden Einzelfall ausschliesslich durch die völlige
Preisgabe des Denkmalschutzes gewahrt werden könnten, werde nicht
dargelegt; ebenso wenig lege die Vorinstanz dar, wieso sie im Rahmen ih-
res Auswahlermessens ausgerechnet das hochkarätigste Beispiel einer Gi-
umini-Siedlung zum Abbruch freizugeben beabsichtige.
Den von der Vorinstanz ins Feld geführten Interessen sei im Einzelnen Fol-
gendes entgegenzuhalten: Die Lärm- und Schadstoffbelastung stelle ein
grundsätzliches Problem für viele Bauten in der Stadt Zürich dar und sei
beim streitbetroffenen Schutzobjekt nicht von besonderer – einen Abriss
und Neubau erfordernder – Bedeutung, zumal die Belastungen bei einem
Ersatzneubau genau gleich hoch wären und mit baulichen Massnahmen
entschärft werden müssten. Gerade im Bereich der Seebahnstrasse habe
sich die Situation aufgrund der Südwestumfahrung zudem massiv ent-
spannt. Zu den geltend gemachten Sanierungskosten sei im Weiteren zu
bemerken, dass es sich hierbei um Berechnungen der am Abriss interes-
sierten Mitbeteiligten handle, mithin um blosse Parteibehauptungen, die
weder nachvollziehbar noch belegt seien. Ausserdem sei der behauptete,
aber nicht substantiierte Preisunterschied teilweise von Subventionen ab-
hängig. Hinzu komme, dass auch das Neubauprojekt "Pinarello" das Kos-
tenziel deutlich übersteige (vgl. Jurybericht, S. 15). Inwiefern ein Ersatz-
neubau kostengünstiger sei als eine Sanierung bzw. besser geeignet wäre,
den genossenschaftlichen Auftrag zu fördern, werde jedenfalls nicht darge-
legt. Ohnehin stelle das Neubauprojekt einen grundlegenden Eingriff in das
charakteristische Erscheinungsbild des heute aussergewöhnlich intakten
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Quartiers dar und bewirke eine aus städtebaulicher Sicht zu weitgreifende
Veränderung, zumal sämtliche Experten und Fachgremien, die sich an der
Machbarkeitsstudie beteiligten, einen Erhalt bzw. Teilerhalt der Kolonie
Seebahn favorisierten. Hinzu komme, dass sich das Neubauprojekt hin-
sichtlich seiner Gestaltung nicht in das Quartierbild einfüge und auch in Be-
zug auf das unbestrittenermassen zu erhaltende Schutzobjekt Erismannhof
problematisch erscheine (§ 238 Abs. 2 PBG).
Die Vorinstanz berufe sich ferner aufs Leitbild Seebahn-/Hohlstrasse, dem
allerdings kein rechtsverbindlicher Charakter zukomme. Dieses postuliere
eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur im Quartier mittels Abbruch
und Neubau der Siedlungen. Der sozialpolitische Auftrag der gemeinnützi-
gen Wohnbauträger könne angeblich nicht mehr gewährleistet werden, weil
das soziale Gleichgewicht im Quartier gestört sei; die Wohnungen könnten
nicht mehr an mittelständische Familien, sondern nur noch an Studierende
und Ausländer vermietet werden. Es sei zumindest fraglich, ob es an dieser
Lage sinnvoll sei, grössere Familienwohnungen für den Mittelstand zu pla-
nen und die heutigen Mieter aus der Stadt zu drängen, zumal die Nachfra-
ge nach günstigen Kleinwohnungen unbestrittenermassen hoch sei. Die
Mitbeteiligte habe weder behauptet noch belegt, dass Schwierigkeiten bei
der Vermietung der vorhandenen Wohnungen bestünden. Was im Übrigen
die mit Verweis auf das gesetzliche Ziel der Siedlungsentwicklung nach in-
nen angestrebte Erhöhung der Bewohnerzahl anbelange, so könnte diese
auch durch den Ausbau der Dachgeschosse oder die Aufstockung der be-
stehenden Siedlung gefördert werden, was in der Machbarkeitsstudie of-
fenbar völlig vergessen gegangen sei. Damit würde auch dem wohnpoliti-
schen Grundsatzartikel zum genossenschaftlichen Wohnen – welcher
überdies weitaus weniger konkret und justiziabel sei als der gesetzliche
Auftrag zum Denkmalschutz – Genüge getan. Schliesslich werde im Zu-
sammenhang mit dem Thema Nachhaltigkeit unkritisch davon ausgegan-
gen, dass ein Neubau energietechnisch in jedem Fall besser abschneide
als ein Altbau. Dies möge für gewisse Epochen – insbesondere für gewisse
Hochkonjunkturbauten in der Nachkriegszeit – zwar zutreffen, gerade Ge-
nossenschaftsbauten, die vor dieser Zeit entstanden seien, zeichneten sich
energietechnisch jedoch regelmässig durch ihre qualitätsvolle Bauweise
aus. Auch der bauliche Zustand der Kolonie Seebahn rechtfertige keinen
Abbruch. Insgesamt dürfte sich der Erhalt des Schutzobjekts sogar als öko-
logisch nachhaltigere Alternative herausstellen, zumal ein Ersatzneubau
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grundsätzlich immer mit Wertvernichtung verbunden sei und grosse Men-
gen an Energie und Rohstoffen (Stichwort graue Energie) verschlinge.
5.2.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, dass die Inventarisierung von Bauten,
Gärten und Anlagen keinerlei qualifizierende Aussagen zu einem erfassten
Objekt mache; der Inventareintrag begründe zwar die Vermutung der
Schutzwürdigkeit, erst konkrete Schutzabklärungen im Einzelfall bzw. der
begründete Entscheid der zuständigen Behörde legten jedoch fest, ob und
in welchem Grad ein Objekt für schutzwürdig befunden werde. Auch einem
Spezialinventar komme keine erhöhte oder qualifizierte Schutzvermutung
zu. Entgegen dem Dafürhalten des Rekurrenten sei in Bezug auf die Sied-
lung Seebahn nicht von einer "unbestrittenermassen hochgradigen Schutz-
würdigkeit" auszugehen; diese Qualifizierung decke sich weder mit der Ein-
schätzung des den Stadtrat beratenden Fachgremiums – der Denkmalpfle-
gekommission der Stadt Zürich – noch derjenigen des Stadtrats als zustän-
dige Behörde. Im Gutachten 2005 werde der Siedlung Seebahn in bau-
künstlerischer und städtebaulicher Hinsicht eine grosse Bedeutung attes-
tiert, welche die Schutzwürdigkeit begründe. Die Denkmalpflegekommissi-
on habe die Siedlung immerhin als grundsätzlich schutzwürdig eingestuft
und es als nötig erachtet, den Fokus auf die generelle Quartierentwicklung
zu legen und verschiedene Varianten wie den Teilerhalt/Teilabbruch bzw.
Erhalt/Abbruch zu prüfen (vgl. act. 3 S. 1). Ein hoher Situationswert werde
der Siedlung Seebahn dabei nicht attestiert. Die Ensemblewirkung der drei
Wohnsiedlungen Seebahn, Kanzleistrasse und Erismannhof könne hinge-
gen bejaht werden; aufgrund ihrer städtebaulichen, topografischen und er-
schliessungstechnischen Zusammengehörigkeit sowie den gemeinnützigen
Bauträgerschaften würden die Bauten durchaus ähnliche charakteristische
Merkmale aufweisen. Als hochgradig schutzwürdig sei das Ensemble indes
nicht zu bezeichnen.
Zur Begründung der vermeintlich hochgradigen Zeugenschaft der Siedlung
Seebahn berufe sich der Rekurrent aufs Gutachten 2005 und hebe daraus
verschiedene architektonische Merkmale hervor, welche in der Stadt Zürich
jedoch nicht einmalig seien. Mit Blick auf die für Zürich "sehr seltenen" ro-
ten Klinkereinfassungen der Fenster sei zu ergänzen, dass es in der Stadt
durchaus verwandte Beispiele gebe, so namentlich bei der Überbauung
Lehenstrasse (Wipkingen, 1927 von Schneider & Landolt), der Siedlung Im
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Wyl (Wiedikon, 1929 von Jakob Morf), im Hintermeisterhof (Wollishofen,
1928 von Schneider & Landolt, unter Schutz) oder bei einer Wohnsiedlung
an der Ecke Bullinger- und Hardstrasse (Hardquartier, 1930). Weiter treffe
es zwar zu, dass genossenschaftliche Flachdach-Wohnsiedlungen, die
zwischen Moderne und Tradition changierten, in Zürich selten vorkämen,
auch hier existierten jedoch Vergleichsbeispiele. Zu erwähnen seien etwa
die beiden vom Architektenduo Hofmann & Kellermüller erbauten ABZ-
Wohnsiedlungen Zurlinden (Wiedikon, 1932, im Inventar) und Waidfussweg
(Wipkingen, 1936, im Inventar) oder die Wohnsiedlung Raindörfli (Wollis-
hofen, 1931 von Arnold Huber-Sutter, nicht kommunal inventarisiert), wobei
in letzterem Fall die Dachterrassen dem Sonnenbad dienten, während die-
jenigen der Siedlung Seebahn mit Wäscheleinen ausgestattet seien. Kom-
munale und genossenschaftliche Siedlungen des Neuen Bauens seien in
der Stadt Zürich sodann gut repräsentiert, namentlich die ABZ-Kolonie Sihl-
feld I/II (Aussersihl, 1928/1929 von Streicher/Hartung, unter Schutz), die
Kolonie Röntgenhof 1, 2, 3 und 4 der gemeinnützigen Baugenossenschaft
Röntgenhof (Industriequartier, 1926 - 1928 von Giumini), die städtische
Siedlung Birkenhof (Unterstrass, 1925/1926 von Kündig/Oetiker/Froelich),
die Kolonien Rousseaustrasse der Baugenossenschaft Letten (Wipkingen,
1924 - 1928 von Leuenberer/Flückiger) sowie die BEP-Kolonie Letten 1. bis
3. Etappe (1921 - 1923 von Giumini/Leuenberger, unter Schutz). Im Übri-
gen sei zu betonen, dass der Quartierbereich zwischen Bahneinschnitt und
Hardau in städtebaulicher und architektonischer Hinsicht nicht ausschliess-
lich homogen strukturiert bzw. "weitgehend unverändert in Struktur und
Substanz geblieben" sei, wie seitens des Rekurrenten behauptet werde.
Ausserdem könne der bestehenden Siedlungsstruktur auch mit dem ge-
planten Ersatzneubau von Harder Spreyerman Architekten Rechnung ge-
tragen werden.
Betreffend die Inventarentlassung der Aussenräume sei sodann zu berück-
sichtigen, dass heute nur noch die ursprünglichen Vorgärten der Siedlung
Seebahn bestünden, wogegen der Innenhof durch den Einbau des Öltanks
im Jahre 1975 stark verändert worden sei; die ursprünglich ebene Rasen-
fläche sei heute eine bewegte Hügellandschaft und die schirmförmig ge-
schnittenen Baumreihen entlang der Längsfassaden (vermutlich Plantanen)
seien durch eine neue, aufgelockerte Bepflanzung aus mehrheitlich
schnellwachsenden, grosskronigen Baumarten (Eschen, Silberahorn, Kol-
chischer Ahorn) ersetzt worden. Die Originalsubstanz des Innenhofs sei
praktisch eliminiert worden, was im Inventarblatt daran ersichtlich sei, dass
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keine Aussagen zur Bedeutung der Gartenanlage gemacht würden. Mit
dem Inventareintrag werde somit lediglich noch das erlebbare Konzept aus
Vorgärten und begrüntem Innenhof gewürdigt. Im Unterschied zur Siedlung
Kanzleistrasse sei aus diesem Grund auch auf die Unterschutzstellung ein-
zelner Bäume verzichtet worden. Die Zusammengehörigkeit von grossfor-
matiger Siedlungsform mit Hof- und Vorgartenstruktur führe dazu, dass ei-
ne Unterschutzstellung des überformten Hofes bei einem gleichzeitigen Er-
satz der ihn umgebenden Gebäude keinen Sinn machen würde und nicht
verhältnismässig wäre.
Zusammenfassend sei der denkmalpflegerische Wert der Wohnsiedlung
Seebahn zwar durchaus anzuerkennen, das Erhaltungsinteresse sei jedoch
gegenüber den erheblichen öffentlichen und privaten Interessen insgesamt
als geringer einzustufen, was im angefochtenen Beschluss in nachvollzieh-
barer Weise dargelegt worden sei. Eine zusätzliche Gewichtung erfahre
das denkmalpflegerische Erhaltungsinteresse auch nicht durch die inzwi-
schen in Kraft getretene ISOS-Festsetzung für die Stadt Zürich. Im Zeit-
punkt des angefochtenen Beschlusses sei das ISOS für das betroffene Ge-
biet noch nicht rechtskräftig festgesetzt gewesen und habe daher im Rah-
men der Interessenabwägung auch noch nicht unmittelbar berücksichtigt
werden können. Sollte für das betroffene Gebiet im Hinblick auf einen allfäl-
ligen Ersatzneubau dereinst ein Gestaltungsplan realisiert werden, wäre
den Schutzanliegen des ISOS im Rahmen dieser Nutzungsplanung dann-
zumal selbstverständlich Rechnung zu tragen.
5.3.
Die Mitbeteiligte vertritt zusammengefasst den Standpunkt, die Schutzwür-
digkeit der Wohnsiedlung Seebahn sei als tief bis allerhöchstens mittel ein-
zustufen, wobei sich das denkmalpflegerische Erhaltungsinteresse eher auf
die städtebauliche Situation denn auf die Baute selbst beziehe. Wie die
durchgeführten Studien und Projektentwicklungen in Zusammenarbeit mit
der Stadt Zürich gezeigt hätten, könne dem Interesse an der Erhaltung der
städtebaulichen Situation auch im Rahmen eines Ersatzneubaus hinrei-
chend Rechnung getragen werden. Für eine Inventarentlassung der streit-
betroffenen Siedlung sprächen im Weiteren – nebst den wichtigen öffentli-
chen Interessen des Lärm- und Schadstoffschutzes, der Verdichtung, des
gemeinnützigen Wohnens sowie der Ökologie und Nachhaltigkeit – auch
die finanziellen Interessen der Mitbeteiligten. Gemeinsam mit der Allgemei-
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nen Baugenossenschaft Zürich (ABZ), welche ebenfalls die Erneuerung ih-
rer Siedlung Kanzleistrasse anstrebe, seien im Hinblick auf die verschiede-
nen Erneuerungsvarianten umfangreiche und sehr genaue Kostenberech-
nungen/- vergleiche durchgeführt worden (vgl. act. 13.4 und 13.5). Da die
Siedlungen Seebahn und Kanzleistrasse vom Alter, der Grösse und der in-
neren Ausstattung her vergleichbar seien, seien die Berechnungen nur an-
hand der Siedlung Kanzleistrasse vorgenommen worden; im Falle einer
Sanierung sei jedoch für beide Siedlungen ungefähr mit demselben finanzi-
ellen Aufwand zu rechnen. Die Berechnungen hätten gezeigt, dass eine
tiefgreifende Sanierung der Siedlung Seebahn sehr teuer wäre und die zu
erwartenden Brutto-Mietkosten pro Quadratmeter und Jahr – im Vergleich
zu allen anderen geprüften Erneuerungsvarianten – am höchsten wären.
Die Vorinstanz habe die verschiedenen auf dem Spiel stehenden Interes-
sen sorgfältig geprüft und gegeneinander abgewogen und ihren Entscheid
letztlich kohärent, schlüssig und nachvollziehbar begründet.
6.
Als Schutzobjekte fallen gemäss § 203 Abs. 1 lit. c PBG unter anderem
Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die als
wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder baukünst-
lerischen Epoche erhaltungswürdig sind oder die Landschaften oder Sied-
lungen wesentlichen mitprägen, samt der für ihre Wirkung wesentlichen
Umgebung in Betracht. Weiter besagt lit. f derselben Bestimmung, dass
wertvolle Park- und Gartenanlagen, Bäume, Baumbestände, Feldgehölze
und Hecken ebenso erhaltenswert sind. Für die Qualifikation als Schutzob-
jekt setzt das Gesetz alternativ die wichtige Zeugenschaft (sog. Eigenwert)
oder die wesentliche landschafts- bzw. siedlungsprägende Wirkung (sog.
Situationswert) voraus.
Die Qualifikation eines Baudenkmals als Schutzobjekt im Sinne von § 203
PBG führt indes nicht zwingend zum Erlass von Schutzmassnahmen, son-
dern nur, wenn die denkmalpflegerische Bedeutung und das öffentliche In-
teresse an der Erhaltung des Schutzobjekts im Rahmen der vorzunehmen-
den Güterabwägung höher zu gewichten sind als entgegenstehende öffent-
liche und private Interessen (RB 1992 Nr. 62). Beim Entscheid, ob ein Ob-
jekt unter Schutz gestellt oder aus dem Inventar entlassen werden soll, ver-
fügen die Gemeinden über ein Auswahlermessen. Sie müssen unter meh-
reren infrage kommenden Objekten eine Auswahl treffen und diejenigen se-
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lektionieren, welche sie in Beachtung aller Umstände als für die Unter-
schutzstellung am geeignetsten halten (RB 1989 Nr. 67). Im Falle eines
Verzichts auf die Unterschutzstellung eines wichtigen Zeugen hat die Ge-
meinde ihre Denkmalpflegestrategie unter Verweis auf vergleichbare, be-
reits unter Schutz gestellte Objekte darzulegen sowie unter Verhältnismäs-
sigkeitsgesichtspunkten unterschiedlich weitreichende Schutzanordnungen
(z.B. teilweise Unterschutzstellung, Ergänzungsbauten sowie allfällige Nut-
zungskonzepte) vertieft zu prüfen und schlussendlich die erforderliche Inte-
ressenabwägung unter Berücksichtigung aller übrigen einzelfallartigen Fak-
toren vorzunehmen (vgl. VB.2014.00603 vom 9. Juli 2015, E. 3.1).
Dem Umstand, dass den Gemeinden bei der Beurteilung der Schutzwür-
digkeit sowie bei der Auswahl unter mehreren infrage kommenden Objek-
ten ein gewisser Ermessensspielraum zukommt, trägt das Baurekursgericht
dadurch Rechnung, dass es sich bei der Überprüfung eines vertretbaren
denkmalpflegerischen Entscheides der Vorinstanz Zurückhaltung auferlegt.
Lässt sich dieser auf vernünftige Gründe abstützen, so schreitet die Re-
kursinstanz nicht ein. Im Übrigen kommt dem Baurekursgericht bei der
Überprüfung von denkmalpflegerischen Anordnungen in der Regel volle
Kognition zu.
7.1.
Vorliegend ist die grundsätzliche Schutzwürdigkeit der Wohnsiedlung See-
bahn im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG unbestritten. Strittig ist hingegen
der Grad der Schutzwürdigkeit und damit die Frage, ob es sich um ein Ob-
jekt von geringer, mittlerer, hoher oder besonders hoher Schutzwürdigkeit
handelt. Nach Ansicht des Rekurrenten handelt es sich bei der streitbe-
troffenen Siedlung um ein hochkarätiges Schutzobjekt, und zwar sowohl
hinsichtlich ihres Eigenwerts wie auch ihres Situationswerts, ferner auch als
Bestandteil des Dreierensembles "Erismannhof, Seebahn, Kanzleistrasse".
Demgegenüber gehen die Vorinstanz und die Mitbeteiligte von einer bloss
eingeschränkten Schutzwürdigkeit aus.
7.2.
Um die Schutzwürdigkeit der Wohnsiedlung Seebahn inkl. deren Aussen-
räume (Innenhof und Vorgärten) abzuklären, gab die Vorinstanz mehrere
Gutachten in Auftrag. Dem Hauptgutachten vom Dezember 2005 zuhanden
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der Denkmalpflegekommission (act. 5.2) lässt sich im Wesentlichen ent-
nehmen, dass es sich bei der im Jahre 1930 durch den Architekten Pietro
Giumini erbauten Siedlung Seebahn um eine typische genossenschaftliche
Wohnkolonie handelt, wie sie in der Stadt Zürich seit den frühen 1920er-
Jahren häufig vorkommt. Stilistisch bewegt sie sich zwischen Traditionalis-
mus und Neuem Bauen. Die Baukuben der Siedlung Seebahn sind zu Zei-
len formiert und als Blockrandbebauung angelegt, die Fassaden wirken
schlicht und sachlich, Ornamente fehlen. Einziger Farbakzent bilden die
Fenstereinfassungen aus Klinker, welche in ihrer Art für Zürich sehr selten
sind. Verwandte Beispiele finden sich in der Überbauung an der Lehen-
strasse (Wipkingen, 1927 von Schneider & Landolt), in der Siedlung Im Wyl
(Wiedikon, 1929 von Jakob Morf) und der Siedlung Entlisberg 1 (Enge,
1928 von Schneider & Landolt). Bei letzterer präsentieren sich die Fassa-
den besonders aussergewöhnlich, zeichnen sich diese doch sowohl durch
Klinkerstein als auch durch eine breite Farbpalette aus. Die Fassaden der
Kolonie Seebahn werden durch die Laibungen aus Klinker sowie die Stürze
und Sohlbänke aus Kunststein in der Horizontalen betont. Die im Südwes-
ten und -osten angelegten Balkone unterstreichen diese horizontale Aus-
richtung zusätzlich. Im Kontrast dazu stehen die Treppenhäuser, welche
um wenige Zentimeter in die Fassaden eingetieft sind und die Dachtraufen
durchstossen. Diese Verschränkung von horizontalen und vertikalen Glie-
derungselementen stellt ein charakteristisches Merkmal der Moderne dar.
Die Baugenossenschaften und ihre Architekten begegneten den neuen Ar-
chitekturströmungen zur damaligen Bauzeit im Allgemeinen mit Zurückhal-
tung. Nur in Einzelfällen flossen moderne Elemente deutlich in die Genos-
senschaftsarchitektur ein; Flachdächer wurden in Zürich beispielsweise
meist nicht bewilligt. Bei der Siedung Seebahn lässt sich dieses Flachdach-
thema jedoch erkennen. Die Häusergruppen sind zwar unter einem Wald-
mach zu einer Grossform zusammengefasst, das Walmdach wird jedoch
hofseitig von Aufbauten mit Flachdächern durchbrochen. Damit verfügt die
Siedlung über eine für Zürich einzigartige Dachlösung. Ein "echtes" Flach-
dach in einer strassenparallelen Zeilenbebauung aus der gleichen Bauzeit
lässt sich in Zürich nur noch bei der ABZ-Siedlung Zurlinden (Wiedikon,
1932 von Hans Hofman und Adolf Kellermüller) finden.
Typisch für Ende 1920er-/Anfang 1930er-Jahre erbaute Wohnsiedlungen in
den Quartieren Aussersihl und Industrie sind verschiedene Arten von Hof-
randbebauungen, namentlich geschlossene Hofränder, offene Hofränder
oder eine Mischform, wie sie bei den drei Siedlungen entlang der Seebahn-
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linie vorkommt (Erismannhof, Seebahn, Kanzleistrasse). Die Wahl dieser
Bebauungstypologie steht im Zusammenhang mit den damals geltenden
Bauvorschriften, welche für das Gebiet Aussersihl die Hofrandbebauung
vorsahen. In den übrigen Stadtquartieren kommen die geschlossenen Hof-
ränder hingegen nicht (mehr) vor; hier dominieren offene Hofrandbebauun-
gen oder Reihenhausbebauungen. Charakteristisch für die Bauzeit um
1920/1930 ist sodann die Öffnung des allseits geschlossenen Blockrandes
durch Auflösung der Blockecken. Bei der Siedlung Seebahn wird durch die
vier zweigeschossigen Zwischenbauten eine Durchlässigkeit erzeugt und
auch der grüne Innenhof erscheint halböffentlich, weil er über die vier
Durchfahrten für jedermann zugänglich ist. Die Wohnungen der Siedlung
Seebahn kommen der in den 1920er-Jahren propagierten Forderung nach
Licht, Luft und Sonne exemplarisch nach. Die Grundrisse orientieren sich
nach dem Sonnenlauf: Wohn- und Schlafzimmer sind auf der Sonnenseite,
Bad, Küche sowie allenfalls ein weiteres Zimmer auf der Schattenseite an-
geordnet. Durch die Möglichkeit der Querlüftung wird die Luftzufuhr verbes-
sert und durch die geringeren Gebäude- bzw. Zimmertiefen respektive die
Vergrösserung der Gebäudeabstände eine gute Belichtung gewährleistet.
Das Gutachten bezeichnet die Siedlung Seebahn mit ihren Rolljalousien,
Fenstereinfassungen aus Klinker und "versteckten" Flachdächern als mo-
dernstes und reifstes Werk des Architekten Pietro Giumini. Auch innerhalb
der etwa zeitgleich entstandenen Dreierabfolge entlang der Seebahnlinie
(Erismannhof, Seebahn, Kanzleistrasse) weist sie funktional und in der De-
tailgestaltung die modernste Haltung auf. Mit seinen insgesamt zehn Sied-
lungen gilt Pietro Giumini als einer der Hausarchitekten der Mitbeteiligten,
auch sonst finden sich in seinem Werk vorwiegend Siedlungen und Wohn-
bauten. Im kommunalen Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutz-
objekte sind neben der Siedlung Seebahn insgesamt sieben grossformatige
Siedlungen verzeichnet, die Pietro Giumini in Zürich erstellte (vgl. act. 5.2
S. 10; das Gutachten spricht hier fälschlicherweise von insgesamt neun
Siedlungen, zählt jedoch deren acht auf). Es sind dies der "Alte Block"
(1915), der "Rote Block" (1920), "Letten 1., 2., 3. Etappe" (1921 - 1923),
"Letten 4. Etappe" (1925), "Röntgenhof Kolonien 1 und 2" (1926), "Brauner
Block" (1926) sowie "Röntgenhof Kolonien 3 und 4" (1927, 1928). Die Sied-
lungen "Roter Block" und "Letten 1., 2., 3. Etappe" stehen mittlerweile unter
Denkmalschutz. Abschliessend kommt das Gutachten zum Ergebnis, dass
die Siedlung Seebahn sowohl baukünstlerisch als auch städtebaulich von
grosser Bedeutung ist und es sich eindeutig um ein Schutzobjekt handelt;
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auch innerhalb des Siedlungsverbundes Sihlfeld wird ihr ein hoher städte-
baulicher Wert attestiert (vgl. zum Ganzen act. 5.2).
7.3.
Neben dem Hauptgutachten existiert überdies ein Gartendenkmalpflegeri-
sches Gutachten vom 11. Januar 2010 (act. 10.7). Dem Rekurrenten ist
mithin zu widersprechen, wenn er behauptet, hinsichtlich der Schutzwür-
digkeit der Aussenräume seien keinerlei Abklärungen veranlasst worden.
Aus dem Gartengutachten geht hervor, dass die Wohnhöfe von Blockrand-
bebauungen des frühen 20. Jahrhunderts programmatisch als gemein-
schaftliche Freiräume für die Bewohner konzipiert waren und als "Kritik der
steinernen Stadt" fortschrittlich Licht und Luft in die Wohnkolonien bringen
sollten. Auch der Wohnhof der Kolonie Seebahn erfüllt dieses Programm in
grosszügiger Einfachheit. Allerdings befinden sich die Aussenräume der
Siedlung Seebahn heute nicht mehr in ihrem Originalzustand. Im Innenhof
wurden 1975 Öltanks eingebaut, was topographische Veränderungen mit
sich brachte; zeitgleich wurde vermutlich auch der Spielplatz erstellt. Auch
der originale Porphyrbelag wurde partiell durch Asphalt bzw. Betonpflaster-
steine erneuert oder überdeckt. Der heutige Baumbestand entspricht eben-
falls nicht mehr dem originalen Konzept; ursprünglich war die zentrale Wie-
se noch von Plantanen eingefasst, wohingegen die bestehende Vegetation
eher zufällig zusammengesetzt wurde. Nichtsdestotrotz wird durch den
heutigen Baumbestand eine ruhige parkartige Atmosphäre von hoher Qua-
lität erzeugt. Zusammenfassend kommt das Gartengutachten zum Schluss,
dass die durchgrünten, klar eingefriedeten Vorgärten und die bepflanzten
Hofflächen der Siedlung Seebahn als wichtige städtebauliche Zeitzeugen in
ihrer Ausdehnung schutzwürdig sind, nicht aber mit Bezug auf die heutige
Gestaltung der Grünflächen. Soweit die Gehölze vital sind und eine lang-
fristige Lebenserwartung aufweisen, erweisen sie sich ebenfalls als grund-
sätzlich schützenswert (vgl. zum Ganzen act. 10.7).
7.4.
Entgegen der rekurrentischen Darstellung lassen sich den beiden Gutach-
ten keine Anhaltspunkte für eine hochgradige Schutzwürdigkeit der Sied-
lung Seebahn (inkl. Aussenräume) entnehmen. Wohl qualifiziert das Gut-
achten 2005 die streitbetroffene Siedlung baukünstlerisch und städtebau-
lich eindeutig als Schutzobjekt und betont deren Modernität im Vergleich zu
anderen, zeitgleich erbauten genossenschaftlichen Wohnkolonien in der
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Stadt Zürich. Auch die seltenen Klinkereinfassungen der Fenster sowie die
hofseitige Umsetzung der Flachdachthematik werden herausgestrichen.
Von beiden Gestaltungsmerkmalen konnte sich auch das Baurekursgericht
anlässlich des Lokaltermins ein Bild machen (vgl. Fotos Nrn. 3, 4, 11 und
13). Allerdings geht aus dem Gutachten auch deutlich hervor, dass es sich
bei der Siedlung Seebahn um einen typischen Vertreter einer genossen-
schaftlichen Wohnkolonie handelt, wie er in Zürich überaus häufig vor-
kommt. Der genossenschaftliche Wohnungsbau spielt in Zürich eine für
Schweizerische Verhältnisse exemplarische Rolle; in der zehnjährigen Bau-
periode von 1922 - 1931 wurden in Zürich etwa die Hälfte aller Wohnbauten
auf gemeinnütziger Basis erstellt, wobei als Bautyp vermehrt die Kolonie
gewählt wurde. Dies zeigt sich einerseits daran, dass nur schon im "Spezia-
linventar Wohnsiedlungen" die beachtliche Anzahl von 89 Wohnsiedlungen
aufgeführt ist. Andererseits verfügt allein die Mitbeteiligte auf Stadtzürcher
Boden über insgesamt 13 Wohnsiedlungen, zehn davon stammen vom Ar-
chitekten Pietro Giumini. Von Pietro Giumini sind überdies acht grossforma-
tige Wohnsiedlungen aus der Bauzeit 1920/1930 im kommunalen Inventar
der kunst- und kulturhistorischen Objekte verzeichnet, zwei davon stehen
bereits unter Schutz. Der Grad der Schutzwürdigkeit eines Objekts hängt
immer auch entscheidend davon ab, ob noch andere vergleichbare Objekte
derselben Bau- und Stilepoche existieren. Dies ist mit Blick auf die streitbe-
troffene Siedlung Seebahn der Fall. Auch von der angeblich hochgradigen
Schutzwürdigkeit des Dreier-Ensembles "Erismannhof, Seebahn, Kanzleist-
rasse" ist im Gutachten nirgends die Rede. Die Vorinstanz anerkennt zwar
eine gewisse Ensemblewirkung der drei Siedlungen und eine solche liess
sich auch anlässlich des Augenscheins feststellen, von einer einzigartigen
siedlungsprägenden Wirkung kann hier jedoch nicht gesprochen werden.