Decision ID: 3e4856cd-2868-47ec-8b32-e42ed2df4d72
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1975, ist gelernter Heizungsmonteur (
Urk.
7/3/9) und war zuletzt bei der
Y._
, Zürich, tätig (
Urk.
7/6/2). Am
5.
März 2007 meldete er sich wegen psychischen Beschwerden bei der Invalidenversiche
rung an (
Urk.
7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und holte bei
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutach
ten ein, das am 1
1.
Oktober 2007 erstattet wurde (
Urk.
7/23). Sodann sprach sie dem Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/30-31;
Urk.
7/33) mit Verfügung vom 2
3.
Juli 2008 eine ganze Rente ab
1.
August 2007 und eine halbe Rente ab
1.
Februar 2008 zu (
Urk.
7/42 in Verbindung mit
Urk.
7/44).
Eine im Januar 2012 veranlasste Rentenrevision (
Urk.
7/55) ergab ei
nen unveränderten Anspruch auf eine halbe Rente (Mitteilung vom 1
3.
März 2012;
Urk.
7/62).
1.2
Im Mai 2015 wurde eine weitere Revision eingeleitet (
Urk.
7/63). Die IV-Stelle auferlegte dem Versicherten mit Schreiben vom 1
4.
Dezember 2015 (
Urk.
7/68) und
5.
Juli 2016 (
Urk.
7/73) eine Schadenminderungspflicht in Form von regel
mässiger psychiatrischer Therapie und Alkoholabstinenz. Sodann veranlasste sie eine psychiatrische Begutachtung bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie (Gutachten vom
5.
Juli 2017;
Urk.
7/92).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/99) hob die IV-Stelle die bisher ausgerichtete Rente mit Verfügung vom 1
0.
Oktober 2017 auf (
Urk.
7/100 =
Urk.
2).
2.
Am
5.
Februar 2018 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
0.
Oktober 2017 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung und die
Zusprache
der bisherigen halben Rente, eventuell die weitere Abklärung des Sachverhalts (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
März 2018 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdefüh
rer am
4.
April 2018 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Er
werbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die
Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Re
visionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der
Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachver
halt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Nach der Rechtsprechung obliegt der Beweis der Tatsache sowie des Zeitpunktes der Zustellung einer Verfügung der Verwaltung. Weil der Sozialversicherungs
prozess von der Untersuchungsmaxime beherrscht wird, handelt es sich dabei nicht um die
subjektive Beweisführungslast (
Art.
8 ZGB), sondern in der Regel nur um die sogenannte objektive Beweislast in dem Sinne, dass im Falle der Be
weislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem un
bewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 261 E. 3b). Wird die Tatsache oder das Datum
uneingeschriebener
Sendungen bestritten, muss daher im Zweifel auf die Darstellung der Empfängerin oder des Empfängers abgestellt werden (BGE 124 V 400 E. 2a mit Hinweisen).
2.2
Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe erst durch das Schreiben seiner Pensionskasse vom
3.
Januar 2018 (
Urk.
3) vom Erlass der Verfügung vom 1
0.
Oktober 2017 erfahren (
Urk.
1 S. 3). Nachdem die angefochtene Verfügung
uneingeschrieben
versandt wurde und die Beschwerdegegnerin die Sachverhalts
darstellung des Beschwerdeführers nicht bestreitet, ist von der rechtzeitigen Er
hebung der Beschwerde auszugehen und es ist darauf einzutreten.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt:
Es liege gestützt auf das Gutachten von
Dr.
A._
ein Revisionsgrund vor. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich im Vergleich zu 2012 verbessert. Es sei aus medizinischer Sicht eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit ausgewiesen. Die Erwerbsein
busse betrage somit 20
%
, was auch dem Invaliditätsgrad entspreche. Da auch in der Vergangenheit eine Teilarbeitsfähigkeit gegeben gewesen sei, sei eine Selbst
eingliederung zumutbar (
Urk.
2 S. 1-2).
3.2
Der Beschwerdeführer machte geltend (
Urk.
1),
bei der Beurteilung durch
Dr.
A._
handle es sich lediglich um eine andere Beurteilung des gleichen Sachver
halts, insbesondere da
Dr.
A._
den Beginn sämtlicher Diagnosen in einen Zeit
raum vor der erstmaligen
Rentenzusprache
gestellt habe (S. 9). Es liege kein ver
besserter Gesundheitszustand vor. An den tatsächlichen Verhältnissen habe sich nichts geändert.
Dr.
A._
sei zum Schluss gekommen, dass lediglich eine leichte Verbesserung im Sinne einer stabilisierten Persönlichkeit eingetreten sei (S. 11).
3.3
Streitig und zu prüfen ist, ob seit Erlass der Verfügung vom 2
3.
Juli 2008 eine anspruchsrelevante Änderung eingetreten ist (vgl. vorstehend E. 1.4).
4.
4.1
Der ursprünglichen
Rentenzusprache
lag das Gutachten von
Dr.
Z._
vom 1
1.
Oktober 2007 (
Urk.
7/23)
zugrunde. Er
stellte
nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese, Durchführung einer eigenen Untersuchung und Konsultation des behandelnden Psychiaters sowie der Ehefrau
folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5):
-
rezidivierende depressive Störung mittleren Grades (ICD-10 F33.1)
-
unreife, selbstunsichere, ängstliche Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6)
-
aktuell: Alkoholmissbrauch (ICD-10 F10.1)
Ein ebenfalls zu diagnostizierender Status nach Spielsucht (ICD-10 F10.1) habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Aktuell fänden sich eine bedrückte resignierte Stimmung, Antriebslosigkeit, Kon
zentrationsstörungen, Perspektive- und Orientierungslosigkeit, gestörter Schlaf (Erwachen mit Angstzuständen), welche Symptome der rezidivierenden depressi
ven Störung zugeordnet werden könnten, sowie ausgeprägte Minderwertigkeits
gefühle, dauerndes Sich-Vergleichen mit anderen, dauerndes Gefühl, nicht ge
mocht zu werden, Furcht vor Kritik, Missbilligung und Ablehnung sowie Über
empfindlichkeit gegenüber Kritik sowie Vermeiden von sozialen Kontakten über
haupt und eine allgemeine Passivität, welches die Merkmale der obgenannten Persönlichkeitsstörungen seien (S.
6 oben).
Die beschriebene Persönlichkeitsstörung bestehe naturgemäss seit Jahren und wirke sich immer wieder ungünstig auf die berufliche Bewährung aus. Im Ver
bund mit der rezidivierenden depressiven Störung, hervorgegangen aus einer An
passungsstörung in Reaktion auf eine (erneut) als ungerecht empfundene Kündi
gung, betrage die Arbeitsfähigkeit ab November 2007 50
%
. Die Einschränkung sei gegeben durch verminderten Antrieb, gestörte Konzentration und verminderte Belastbarkeit. Die vorhandenen psychosozialen Faktoren (Drogensucht des Bru
ders, Krebserkrankung der Mutter, neugeborenes, unruhiges Kind) seien zwar als anhaltende Stressoren im Hintergrund, die Arbeitsunfähigkeit sei jedoch durch den psychischen Gesundheitsschaden gegeben (S. 6 Mitte).
Zu den Möglichkeiten der Verbesserung der Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
Z._
fest, dass dem Beschwerdeführer im Rahmen der Therapie klargemacht wer
den sollte, dass er für seinen Heilungsprozess zum grossen Teil eine eigene Ver
antwortung trage und insbesondere eine Tätigkeit ausser Haus (Tagesstruktur) heilsam sei. Die
psychopharmakologische
Unterstützung könnte intensiviert wer
den und dem erhöhten Alkoholkonsum sei die nötige Aufmerksamkeit zu schen
ken. Es sei eine berufliche Abklärung zu empfehlen (S. 6 unten)
.
Ergänzend hielt
Dr.
Z._
am
4.
Dezember 2007 (
Urk.
7/25/7) fest, dass der Beschwerdeführer vom 2
8.
August 2006 bis 3
1.
Oktober 2007 zu 100
%
ar
beitsunfähig gewesen sei.
4.2
Dr.
med. B._
, praktischer Arzt, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt am 2
7.
November 2007 (
Urk.
7/28/4) fest,
dass gestützt auf das Gut
achten von
Dr.
Z._
von einer 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähig
keit in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit auszugehen sei.
Vom 2
8.
August 2006 bis 3
1.
Oktober 2007 habe die Arbeitsfähigkeit 100
%
betragen (
Urk.
7/28/5 oben).
4.3
In der Folge erging ein am 1
3.
Mai 201
1 von
Dr.
med. C._
_
zuhan
den
der Krankenversicherung des Beschwerdeführers erstatteter Bericht (
Urk.
7/55/6-7), worin folgende Diagnosen gestellt wurden (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung wechselnden Ausmasses,
zur Zeit
mäs
sig bis mittelschwer, ICD-10 F33.0-2
-
Panikstörungen, früher ausgeprägter, jetzt wenig bis mässig, ICD-10 F41.0
Der Beschwerdeführer sei bewusstseinsklar, orientiert und ohne psychotische Symptome. Im Vordergrund stehe die Gemütsdepression, die seit Jahren bestehe, was auch schon zu längeren psychiatrischen Behandlungen geführt habe. Es fän
den monatliche Sitzungen statt (S. 1).
Das Zustandsbild werde durch Probleme zu Hause wegen des zweiten Kindes, das oft krank, spitalpflegebedürftig und nachts unruhig sei, überlagert. Dies sei für den depressiven Patienten ei
ne ausserge
wöhnliche Belastung.
4.4
Dr.
med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
RAD,
hielt am
7.
März 2012 (
Urk.
7/61/3) fest, es ergäben sich keine objektivierbaren medizinischen Befunde, welche eine Veränderung des gesundheitlichen Zustan
des seit der letzten Rentenverfügung auswiesen. Die chronische mittelgradige De
pression und die Persönlichkeitsstörung seien trotz nachgehender Behandlung bei
Dr.
C._
unverändert bezüglich Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ge
blieben. Prognostisch sei bei diesen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit auch bei fortgesetzter psychiatrischer Behandlung erfahrungsgemäss eine Änderung der Arbeitsfähigkeit nicht mehr zu erwarten. Eine RAD-Untersuchung sei nicht notwendig und die Rest-Arbeitsfähigkeit von 50
%
sei unverändert.
5.
5.1
Med.
pract
.
E._
,
praktischer
Arzt
,
stellte
mit Bericht vom
8.
Mai 2016 (
Urk.
7/70) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Status nach pathologischem Glücksspiel (ICD-10 F63.0)
-
langandauernde mittelschwere Depression (ICD-10 F33.1)
-
Verdacht auf ADHS
-
chronischer Tinnitus seit 2014
-
Alkoholabusus gegenwärtig Konsum abends
In geschütztem Rahmen beziehungsweise in angepasster Tätigkeit sei der Patient zu 50
%
arbeitsfähig. In der freien Wirtschaft sei er zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Ziff.
2.1).
Diese Angaben wiederholte med.
pract
.
E._
in seinem Bericht vom 1
0.
Februar 2017 (
Urk.
7/78).
5.2
Dr.
A._
stellte in seinem am
5.
Juli 2017 nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer eigenen Untersuchung erstat
teten
Gutachten (
Urk.
7/92)
folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 37):
-
Dysthymie
(ICD-10 F34.1), früher Beginn (Adoleszenz)
-
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z 73)
mit ängstlich-vermeidenden und selbstunsicheren Zügen, seit Adoleszenz
-
Agoraphobie mit Panikstörung, ICD-10 F40.01, seit 1998
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
sekundärer
Alkoholgebrauch
-
bei Flugangst und bei intensivem Tinnitus
-
Status nach Spielsucht (bis 2004)
-
Status nach Cannabisusus (bis 1998)
Bis zum 1
5.
August 2006 habe der Beschwerdeführer auf dem erlernten, aber eher zufällig gewählten Beruf als Heizungsmonteur gearbeitet. Bis zu der an diesem Tag ausgesprochenen Kündigung sei er trotz der heute wie damals bestehenden Diagnosen voll arbeitsfähig gewesen, wenngleich er auch damals, durch die Ge
burt des Sohnes, vorübergehend nur reduziert belastbar gewesen sei. Auf die Kün
digung habe er
resigniert reagiert, mit nach vielen negativen Berufserfahrungen und auf dem Boden der belastenden Biographie, mit erschöpfter Resilienz,
im Sinne einer Anpassungsstörung. Durch die damit einhergehende Ablehnung des eigenen Berufs bei fehlenden Umschulungsmöglichkeiten
sei die Rückkehr in die Arbeitswelt gescheitert und der Beschwerdeführer sei teilberentet worden. Die be
ruflich erfolgreiche Ehefrau sei über die Jahre eine stabile Stütze gewesen. Die Ehe und die beiden Söhne würden sinnstiftend erlebt. Der Beschwerdeführer habe sich über sein Vatersein, aber auch mit der Berentung stabilisieren können, sei als Persönlichkeit gereift. Die faktisch unbehandelte Agoraphobie mit Panikstö
rung und die medikamentös unzureichend behandelte
Dysthymie
seien hingegen
chronifiziert
(S. 37 oben).
Insgesamt könne die bisherige Therapie nicht als lege
artis
bezeichnet werden, weshalb auch keine Therapieresistenz vorliege
(S. 38 oben)
.
Rein psychiatrisch könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von mehr als 20
%
im angestammten Beruf begründet werden.
Eine Tätigkeit als Heizungs
monteur wäre aus rein psychiatrischer Sicht noch mindestens zu 80
%
zumutbar. Hier stünden aber krankheitsfremde Faktoren entgegen:
Die lange Berentung, die fachliche Entfernung zum Beruf, die Ablehnung des erlernten Berufs durch den Beschwerdeführer und die Familiensituation, die auf den Beschwerdeführer als Hausmann abstütze. Die Einschätzung der 80%igen Arbeitsfähigkeit in ange
stammter Tätigkeit gelte mindestens seit der letzten Rentenrevision 2013 (
richtig: 2012;
S. 41
Ziff.
6.5.4).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten hielt
Dr.
A._
fest, es seien aufgrund der Agoraphobie Tätigkeiten ungünstig, bei denen weite Wege mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt werden müssten oder sehr viele A
u
tofahrstunden im Stau anfielen, da dies den Beschwerdeführer zusätzlich belasten würde. Ungünstig wären Arbeitsplätze in räumlich engen Verhältnissen mit vie
len Menschen, wenig Fenstern und viel Lärm. Aufgrund des Tinnitus seien Tätig
keiten ungünstig, die mit viel Lärm einhergingen und gleichzeitig ein gutes Hör
vermögen voraussetzten. Auch kommunikativ anspruchsvolle Tätigkeiten oder Tätigkeiten zum Beispiel in einem Grossraumbüro seien ungünstig.
Aufgrund der Persönlichkeitsakzentuierung seien Tätigkeiten ungünstig, die hohe Anforderun
gen an kommunikative und soziale Tätigkeiten stellten. Ungünstig seien auch monotone Tätigkeiten (Nachlassen der Aufmerksamkeit bei Langeweile) und stark strukturierte Tätigkeiten mit wenig Freiheitsgraden und geringer Autonomie. Der Beschwerdeführer sei in der Lage, kognitiv mittelkomplexe, abwechslungsreiche und unterschiedlich
fordernde Tätigkeiten autonom auszuüben, mit geringen An
forderungen an psychische Belastbarkeit und sozia
le und kommunikative Kom
petenzen. Hier bestehe mindestens seit 2013 eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80
%
in angepassten Tätigkeiten (S. 41
Ziff.
6.5.5).
Die Summe der Beschwerden, insbesondere die Symptome der
Dysthymie
und der Angst, reduzierten die Willenskräfte, die f
ü
r die
Durchführung zielgerichteter Ak
tivitäten über längere Zeit nötig seien. Dies sei in der Einschränkung der Arbeits
fähigkeit um 20
%
berücksichtigt (S. 42
Ziff.
6.6). Die Prognose sei im Hinblick auf die stabilisierende Wirkung der Paarbeziehung und der Kinder eher günstig. Zudem könne durch eine wirksame Therapie der Gesundheitsschaden noch deut
lich verbessert werden. Nichtmedizinische Faktoren stünden einer beruflichen Wiedereingliederung entgegen, nicht aber einer weiteren Gesundung (S. 42
Ziff.
6.7).
Die Frage, ob sich
der Gesundheitsschaden seit 2012
verändert habe, sei bei be
renteten Versicherten mit komplexen psychiatrischen Störungen schwer zu be
antworten. Durch die Entlastung über die Rente stabilisierten sich viele Patienten. Wenn man sie wieder der Belastung einer beruflichen Tätigkeit aussetze, könne dieser Effekt schnell wieder verloren gehen beziehungsweise zu einer zusätzlichen
Verschlechterung führen. Besserung oder Verschlechterung eines Gesundheits
schadens könne man nur teilweise an der Symptomatik festmachen, weil diese je nach Belastung zu- oder abnehmen könne. Beim Beschwerdeführer gebe es ver
schiedene psychiatrische Störungen, die in ihrer Summe den Gesundheitsschaden ausmachen würden, sich aber seit
März 2012 unterschiedlich entwickelt hätten. So sei die Persönlichkeit insgesamt, durch die positive familiäre Situation (Ehe
frau als stabile Ressource, Kinder sinnstiftend, gesunde Distanz zur Herkunftsfa
milie) nachgereift und stabilisiert. Der Beschwerdeführer beschreibe sich zwar weiterhin als gereizt, im Alltag scheine das aber kaum noch problematische Aus
wirkungen zu haben. Auf dieser Ebene habe sich der Gesundheitsschaden verbes
sert. Die unbehandelte Agoraphobie mit Panikstörung habe sich
mit den Jahren
chronifiziert
, zum Referenzzeitpunkt habe sich keine wesentliche Veränderung ergeben. Das Gleiche gelte für die
Dysthymie
beziehungsweise die reaktiven de
pressiven Beschwerden. Die Suchtproblematik habe sich insgesamt verbessert, be
zogen
auf 2012 sei jedoch keine weitere wesentliche Veränderung zu erkennen. Insgesamt sei eine leichte Verbesserung des Gesundheitszustandes (Stabilisierung der Persönlichkeit) im Vergleich zur letzten Revision eingetreten (S. 42
Ziff.
7).
5.3
RAD-Ärztin
Dr.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, hielt am 1
0.
Juli 2017 zum Gutachten von
Dr.
A._
fest, es sei darauf abzustellen (
Urk.
7/98/8).
6.
6.1
Dr.
Z._
kam in seinem Gutachten vom 1
1.
Oktober 2007 zum Schluss, der Beschwerdeführer sei aufgrund der diagnostizierten Erkrankung ab November 2007 zu 50
%
arbeitsfähig (vgl. vorstehend E. 4.1). Seinem Gutachten kann nicht entnommen werden, ob dies für jegliche Tätigkeit galt.
RAD-Arzt
Dr.
B._
, der jedoch nicht über den Facharzttitel Psychiatrie und Psychotherapie verfügt, legte dennoch eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit fest (vgl. vorstehend E. 4.3). In der Folge
berichtete
Dr.
C._
über im wesentlichen unveränderte Verhältnisse, nahm jedoch zur Arbeitsfähigkeit keine Stellung (vgl. vorstehend E. 4.3). Dennoch ging RAD-Psychiater
Dr.
D._
von unveränderten Verhältnissen und soweit ersichtlich von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in jeder Tätigkeit aus (vgl. vorstehend
E.
4.4).
Eine eigene Untersuchung fand im Rahmen dieses Revisionsverfahrens nicht statt.
6.2
Diese
erfolgte erst durch
Dr.
A._
, dessen Gutachten den praxisgemässen An
forderungen (vgl. vorstehend E. 1.5) genügt.
Zuvor hatte med.
pract
.
E._
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in geschütztem Rahmen oder in angepasster Tä
tigkeit und eine volle Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft festgelegt (vgl. vorstehend E. 5.1). Da med.
pract
.
E._
kein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist,
kann auf
diese Einschätzung
jedoch
nicht abgestellt werden
.
Dr.
A._
nahm erstmals eine differenzierte Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vor und legte dar, welches Belastungsprofil in einer angepass
ten Tätigkeit zu beachten ist (vgl. S. 41
Ziff.
6.5.5 des Gutachtens, vorstehend
E. 5.2).
Das Argument des Beschwerdeführers, wonach
Dr.
A._
lediglich eine an
dere Beurteilung des gleichen Sachverhaltes vorgenommen habe, geht deshalb fehl; der Sachverhalt war diesbezüglich bislang nicht genügend abgeklärt.
Ebenso
zeigte
Dr.
A._
auf, dass
die angestammte Tätigkeit als Heizungsmonteur in einem Pensum von 80
%
weiterhin zumutbar wäre, jedoch krankheitsfremde Fak
toren wie
die
lange Berentung,
die
Berufsabsenz,
die
Ablehnung des erlernten
Berufs und die Familiensituatio
n limitierend wirkten (vgl. vorstehend E. 5.2). Dazu ist festzuhalten, dass ausgehend von früheren Einschätzungen
auch
die an
gestammte Arbeit
durchgehend zu 50
%
zumutbar gewesen wäre, der Beschwer
deführer die attestierte Restarbeitsfähigkeit
soweit ersichtlich
jedoch nie verwer
tete.
Dr.
A._
begründete
differenz
iert und schlüssig
, dass sich der Gesundheitsscha
den im Vergleich zu 2012 positiv verändert hat.
Er zeigte auf, dass sich die Per
sönlichkeit des Beschwerdeführers durch die positive familiäre Situation stabili
siert habe. Die Panikstörung und Agoraphobie wie auch die
Dysthymie
sind ge
mäss
Dr.
A._
zwar
chronifiziert
, jedoch kann aufgrund der bislang unzu
reichenden Therapie von einem Verbesserungspotential ausgegangen werden. Die von
Dr.
A._
als leicht bezeichnete Verbesserung des Gesundheitsschadens
schlägt sich in der Erhöhung der Arbeitsfähigkeit um 30
%
(von 50
%
auf 80
%
) nieder und wurde nachvollziehbar begründet. Zum Hinweis von
Dr.
A._
, wo
nach der Entlastungseffekt einer zugesprochenen Rente durch die Wiederauf
nahme einer beruflichen Tätigkeit verloren gehen oder eine Verschlechterung verursachen kann, ist festzuhalten, dass eine solche
- fachärztlich -
ausgewiesene Verschlechterung
im Rahmen einer Neuanmeldung zu beurteilen wäre.
Dr.
A._
ging nicht davon aus, dass dem Beschwerdeführer die Verwertung der at
testierten Arbeitsfähigkeit unzumutbar wäre.
6.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Ab
stellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der mas
sgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
6.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene
Aspekt der Konsistenz
(BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.5
Wie in BGE 141 V 281 festgehalten (E. 5.2.1), hat sich das Bundesgericht ver
schiedentlich, so auch jüngst, über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsanwendung geäussert. Danach ist es sowohl den begut
achtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwen
dung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2; Ulrich Meyer, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähig
keit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkom
mensvergleich in der Invaliditätsbemessung, in: Schmerz und Arbeitsunf
ähigkeit, Schaffhauser/
Schlauri
,
Hrsg., 2003, S. 49).
In diesem Sinne lautet die normativ bestimmte Gutachterfrage, wie die sachver
ständige Person das Leistungsvermögen einschätzt, wenn sie dabei den ein
schlä
gigen Indikatoren folgt. Die Rechtsanwender überprüfen die betreffenden Anga
ben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die massgebenden nor
mativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie ausschliesslich funktio
nelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die versiche
rungs
medizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage er
folgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; vgl. BGE 137 V 64 E. 1.2 in
fine
). Dies sichert die einheitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (BGE 140 V 290 E. 3.3.1, 135 V 201 E. 7.1; E. 5.2.2).
Jedenfalls in der Invalidenversicherung tragen Recht und Medizin, je nach ihren fachlichen und funktionellen Zuständigkeiten, zur Feststellung ein und derselben
Arbeitsunfähigkeit bei. Das heisst, dass die medizinischen Gutachter nicht, wie häufig anzutreffen, eine quasi freihändige Beurteilung abgeben und daneben noch Grundlagen liefern sollen, anhand derer die Rechtsanwender eine von der subjektiven ärztlichen Einschätzung losgelöste Parallelüberprüfung vornehmen. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prüfung einer me
dizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (E. 5.2.3).
6.6
Dr.
A._
setzte sich
eingehend mit den Standardindikatoren
(vorstehend E. 6.4) auseinander (vgl. S. 27 ff. des Gutachtens).
Die gutachterliche Beurteilung um
fasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Der psychiatrische Gutachter ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, er hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und seine versicherungsmedizini
sche Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt.
Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich die Gutachter an die massge
benden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt haben (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nachweisen.
Insbesondere ist hinsichtlich des beweis
rechtlich entscheidenden Aspekts der Konsistenz (
vgl. vorstehend E. 6.4) festzu
halten, dass
die aufgrund der
Dysthymie
und Agoraphobie mit Panikstörung
so
wie der Persönlichkeitsakzentuierung mit ängstlich-vermeidenden und selbstun
sicheren Zügen
attestierte
2
0%ige
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit sich schlüssig mit den Fähigkeiten des Beschwerdeführer
s (zuverlässige Haushaltfüh
rung und
Kinderbetreuung, USA-Reise, Besuch des Europa-Parks
, Skifahren im Ausland, regelmässige Badeferien in der Türkei; vgl. S. 7
Mitte
, S. 12 oben, S. 24 oben des Gutachtens)
in Übereinstimmung bringen lässt.
Somit ist
auch
in dieser Hinsicht
auf das Gutachten abzustellen.
Weitere Abklä
rungen sind nicht notwendig.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im Vergleich zur ursprü
nglichen
Renten
zusprache
im Juli
2008 eine anspruchsrelevante Verbesserung der Arbeitsfähig
keit eingetreten ist. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
auch in der angestamm
ten Tätigkeit erübrigt sich ein Einkommensvergleich; es besteht
ein nicht mehr rentenbegründender Invaliditätsgrad von 20
%
.
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Be
schwerde.
8.
Die Gerichtskosten nach
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
800.-- a
nzusetzen und ausgangsgemäss dem
unterliegenden Beschwerde
führer
aufzuerlegen.