Decision ID: 983de284-6ca3-5ab5-a508-ed239a201dd7
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juli 1998 erstmals wegen eines Beckenbruchs sowie wegen
Beschwerden im Rücken und auf der rechten Körperseite als Folge eines Unfalls zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an. Sie gab an, als Näherin bei
B._ gearbeitet zu haben (IV-act. 1). Der Unfall hatte sich am 19. Juli 1997 ereignet
(vgl. den Bericht des Spitals C._ vom 29. Juli 1997, Fremdakten-act. 2-99). Am
3. August 1998 berichtete die Z (Fremdakten-act. 2-8 ff.), die Versicherte habe sich
vom 3. Juni 1998 bis 1. Juli 1998 in stationärer Behandlung befunden. Die Fachärzte
hatten einen Irritationszustand des rechten ISG und diskrete, lokalisierte
Myotendoperiostosen interscapulär sowie im Bereich des rechtsseitigen Trapezius
diagnostiziert. Psychopathologische Symptome von Krankheitswert hatten nicht
bestanden; als Differentialdiagnose hatten sie eine somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4) notiert. Am 15. Oktober 1998 gab B._ in einem Arbeitgeberbericht an
(IV-act. 15), die Versicherte habe von September 1996 bis April 1997 bei ihm als
Näherin gearbeitet. Der letzte Arbeitstag sei am 17. Februar 1997 gewesen. Das AHV-
pflichtige Einkommen habe bei einem Pensum von 42 Stunden pro Woche im Jahr
1996 Fr. 10'978.-- und im Jahr 1997 Fr. 5'334.-- betragen (vgl. auch den Bericht der
SUVA vom 11. September 1998, Fremdakten-act. 1-1, wonach B._ angegeben hatte,
der Stundenlohn habe Fr. 13.-- zuzüglich 8.33% Ferien- und Feiertagsentschädigung
betragen und die Leistung, welche die Versicherte erbracht habe, sei gut gewesen). Dr.
med. D._, Arzt bei der Y._, erstattete am 24. September 1999 ein psychiatrisches
Gutachten (IV-act. 38). Er hatte eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
diagnostiziert. Als verbleibende Arbeitsfähigkeit gab er ca. 40% ab Mitte Dezember
1998 an. Mit einer Verfügung vom 5. April 2000 (IV-act. 52) sprach die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 60% rückwirkend ab dem 1. Juli 1998 eine halbe
A.a.
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Rente zu. Zur Begründung führte sie an (vgl. IV-act. 46, 47 und 48), der Versicherten sei
seit dem Unfallereignis lediglich noch eine leichte, leidensangepasste Tätigkeit in einem
Pensum von 50% möglich.
Am 20. November 2002 gab die Versicherte im Revisionsfragebogen an (IV-
act. 60), ihr Gesundheitszustand habe sich verschlimmert. Sie arbeite vier Stunden pro
Tag bzw. 20 Stunden pro Woche bei der E._. In einem Arbeitgeberbericht teilte die
E._ am 5. Dezember 2002 mit (IV-act. 61), sie beschäftige die Versicherte seit
Oktober 2000 in der Montage-Abteilung. Das Pensum betrage vier Stunden pro Tag an
fünf Tagen pro Woche. Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH,
berichtete am 6. Dezember 2002 (IV-act. 62, 63), in den letzten Jahren sei keine
wesentliche Veränderung der Befunde aufgetreten. Die Arbeit in der E._ entspreche
als leichte körperliche Arbeit mit wechselnder Belastung und der Möglichkeit, bei
Bedarf aufzustehen und umherzugehen, den Möglichkeiten, welche die Versicherte
noch habe. Am 8. Juli 2004 fand eine Haushaltsabklärung statt, weil die Versicherte am
_ 2001 ein Kind geboren hatte (IV-act. 57, 71). Die Versicherte gab an (IV-act. 76), sie
würde ohne Gesundheitsschaden, vorwiegend aus finanziellen Gründen, zu 100%
ausserhäuslich arbeiten. Die Betreuung ihres Kindes wäre gewährleistet. Am 12. Juli
2004 erstattete die E._ einen weiteren Arbeitgeberbericht (IV-act. 73). Dieser enthielt
keine neuen Angaben. Dr. med. F._ berichtete am 16. Juli 2004 (IV-act. 75), die
Versicherte leide an Rücken- und Nackenschmerzen, die bis in das rechte Bein
ausstrahlten. Sie könne maximal vier Stunden pro Tag arbeiten und benötige die
Möglichkeit, die Arbeit bei stärkeren Schmerzen früher abzubrechen. Bei starken
Schmerzen habe sie zudem vermehrte Ausfalltage zu verzeichnen. In der
angestammten Tätigkeit als Näherin sei ihr höchstens noch eine zweistündige
Arbeitstätigkeit mit voller Leistung pro Tag zumutbar. Mit einer Verfügung vom
6. Oktober 2004 (IV-act. 82) erhöhte die IV-Stelle die halbe Rente rückwirkend per
1. Januar 2004 auf eine Dreiviertelsrente, da infolge geänderter Bestimmungen bei
einem IV-Grad von 60% neu ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente bestand.
A.b.
Am _ 2005 gebar die Versicherte ihr zweites Kind (IV-act. 84). Im
Revisionsfragebogen gab sie am 8. Juli 2005 an (IV-act. 92), ihr Gesundheitszustand
habe sich seit Januar 2005 verschlimmert. Seit Juni 2005 betrage das Pensum bei der
E._ nur noch zwei Stunden pro Tag. Dr. F._ gab in einem Verlaufsbericht vom
A.c.
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25. Juli 2005 an (IV-act. 93), die Rückenschmerzen hätten sich während der zweiten
Schwangerschaft verstärkt und seit der Geburt nur minimal verbessert. In einem
Verlaufsbericht vom 30. Januar 2006 teilte er mit (IV-act. 97), der Gesundheitszustand
sei stationär. Eine Ausdehnung der Arbeitstätigkeit auf vier Stunden pro Tag sei der
Versicherten nicht zumutbar. Am 13. Februar 2006 fand erneut eine
Haushaltsabklärung statt (IV-act. 100). Die Versicherte gab wiederum an, sie würde
ohne Gesundheitsschaden zu 100% ausserhäuslich arbeiten. Die E._ berichtete am
27. Februar 2006 (IV-act. 98), die Versicherte arbeite seit dem 1. Juli 2005 zu
zweieinhalb bis drei Stunden pro Tag an vier bis fünf Tagen pro Woche. Die Versicherte
werde seit Oktober 2000 in der Montage-Abteilung und im Näh-Atelier eingesetzt. Am
22. Februar 2007 und 3. April 2007 wurde die Versicherte durch das Medizinische
Gutachtenzentrum St. Gallen (MGSG) bidisziplinär (rheumatologisch, psychiatrisch)
untersucht. Im Gutachten vom 31. August 2007 (IV-act. 110) gaben die Gutachter als
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und ein diffuses muskulo-skelettales Schmerzsyndrom
(ICD-10 M79.0) an. Der rheumatologische Gutachter hatte festgehalten, aus
rheumatologischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80% (rheumatologisches
Teilgutachten vom 2. April 2007, IV-act. 107-8). Der psychiatrische Gutachter hatte eine
Arbeitsfähigkeit von 75% attestiert und festgehalten, diese medizintheoretisch
festgelegte Restarbeitsfähigkeit werde unter Zugrundelegung der Aufbietung der noch
vorhandenen und zumutbaren Willensanstrengung angenommen (IV-act. 110-11). In
der Konsensbeurteilung gaben die Gutachter an, die verbleibende Arbeitsfähigkeit
betrage in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit 75% (IV-act. 110-13).
Dr. G._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte (IV-act. 111), der
medizinische Sachverhalt sei unverändert. Ein Revisionsgrund liege nicht vor. Die IV-
Stelle teilte der Versicherten am 4. Dezember 2007 mit (IV-act. 113), sie habe bei einem
IV-Grad von 60% weiterhin Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
Die Versicherte gab am 18. April 2011 im Revisionsfragebogen an (IV-act. 118), ihr
Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Sie arbeite nach wie vor bei der E._. Dr.
F._ berichtete am 3. Mai 2011 (IV-act.124), der Gesundheitszustand der Versicherten
sei stationär. Die bisherige Tätigkeit sei ihr noch zu drei bis dreieinhalb Stunden pro
A.d.
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Tag zumutbar. Am 13. Mai 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 126),
sie habe bei einem IV-Grad von 60% unverändert Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
Am 5. März 2012 notierte die Versicherte im Revisionsfragebogen (IV-act. 127), der
Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Sie arbeite weiterhin bei der E._. In einem
Arbeitgeberbericht (Posteingang: 11. Mai 2012) teilte die E._ mit (IV-act. 133), die
Versicherte arbeite vier Stunden pro Tag bzw. 20 Stunden pro Woche. Sie fertige
Lederschühchen, Taschen und diverse Eigenprodukte an. Dr. F._ erstattete am
28. Juli 2012 einen Verlaufsbericht (IV-act. 137). Er gab an, der Gesundheitszustand
der Versicherten habe sich seit der Begutachtung im Jahr 2007 verschlechtert. Die
Versicherte leide an zunehmenden belastungsabhängigen lumbalen Rückenschmerzen.
An der Lendenwirbelsäule bestünden neu aufgetretene degenerative Veränderungen.
Zudem seien wiederholt Phasen mit gedrückter Stimmung, ausgeprägten
Durchschlafstörungen, nächtlichen Hungerattacken, Angst und Grübeln sowie dem
Gefühl, die erwarteten Leistungen am Arbeitsplatz und in der Familie nicht erbringen zu
können, aufgetreten. Er diagnostizierte ein chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom und eine rezidivierende depressive Störung, anamnestisch leichte
Episoden (ICD-10 F33.0, DD rezidivierende kurze depressive Episoden, ICD-10 F38.1).
Der RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 14. Januar 2013 (IV-act. 138), den Angaben von
Dr. F._ lasse sich keine objektivierbare Veränderung des Gesundheitszustands mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit entnehmen. Mit einem Vorbescheid vom 6. Februar
2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 142), sie beabsichtige die Rente
einzustellen. Zur Begründung führte sie an, die Überprüfung der Rente gemäss der
Schlussbestimmung der Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
vom 18. März 2011 habe ergeben, dass Diagnosen zur Rentenzusprache geführt
hätten, die zu den ätiologisch-pathogenetisch unklaren syndromalen Zustandsbildern
ohne nachweisbare organische Grundlage gehörten. Den medizinischen Unterlagen
seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, welche aus
versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründeten.
Anhaltspunkte für eine psychiatrische Komorbidität oder eine sonstige schwere
Funktionseinschränkung lägen nicht vor. Zudem lägen keine weiteren Kriterien in
erheblichem Ausmass vor, die eine Schmerzüberwindbarkeit in Frage stellen würden.
Gleichentags unterbreitete die IV-Stelle der Versicherten ein Angebot zum Bezug von
A.e.
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beruflichen Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 143), welches die Versicherte am
8. März 2013 unterzeichnete (IV-act. 144). Mit einer Mitteilung vom 5. September 2013
sprach die IV-Stelle der Versicherten Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 156). Mit einer
Verfügung vom 9. September 2013 stellte die IV-Stelle, entsprechend dem
Vorbescheid, die Rente ein (IV-act. 159). Mit einer weiteren Verfügung vom
9. September 2013 entschied die IV-Stelle (IV-act. 160), die Versicherte habe ab
1. November 2013 Anspruch auf die Weiterausrichtung einer Dreiviertelsrente. Diese
Rente werde ausgerichtet, wenn Massnahmen zur Wiedereingliederung durchgeführt
würden, längstens bis zum 31. Oktober 2015. Bei Abbruch der Massnahme werde die
Weiterausrichtung der Rente eingestellt. Beide Verfügungen erwuchsen unangefochten
in Rechtskraft.
Am 12. Juni 2014 (Posteingang: 13. Juni 2014) ersuchte die Versicherte die IV-
Stelle um eine erneute Prüfung des Anspruches auf eine Rente (IV-act. 179). Sie gab
an, ihr Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Sie stehe seit dem
26. September 2013 bei Dr. med. I._, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in Behandlung. Sie reichte je einen Bericht von Dr. I._ und der E._ ein. Dr. I._
hatte am 26. Mai 2014 berichtet (IV-act. 180-1), die Versicherte leide an einer mittel- bis
schwergradigen Depression (ICD-10 F32.11, F32.2), einer ängstlichen
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) sowie einem chronifizierten Schmerzsyndrom
nach einem Autounfall mit einem Polytrauma. Aufgrund der anamnestischen Angaben
bestehe die Depression seit einigen Jahren. In einer adaptierten Tätigkeit betrage die
Arbeitsfähigkeit 40%. Die E._ hatte am 5. Juni 2014 mitgeteilt (IV-act. 180-3), das
Arbeitspensum der Versicherten betrage seit Oktober 2000 50%. Die Versicherte
beklage sich häufig über Rückenschmerzen. Im Textilatelier bestehe die Möglichkeit,
den Arbeitsplatz und die Arbeit zu wechseln. Bei einem erhöhten Arbeitsdruck oder bei
belastenden Ereignissen im Privatbereich scheine die Versicherte stark verunsichert.
Dies zeige sich auch durch vermehrte Arbeitsausfälle. Am 12. März 2015 erstattete
Dr. I._ einen Verlaufsbericht (IV-act. 203). Er gab folgende Diagnosen an: Eine mittel-
bis schwergradige depressive Störung (ICD-10 F32.11, F32.2), ein Zustand nach einem
Autounfall mit einem Polytrauma 1997, eine posttraumatische Belastungsstörung nach
dem tragischen Tod des Vaters 2005, eine ängstliche Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.6) und ein chronifiziertes Schmerzsyndrom somatisch und psychisch bedingt
A.f.
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(ICD-10 F45.41). Er attestierte der Versicherten eine seit dem 26. September 2013
bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit als Näherin auf dem ersten Arbeitsmarkt. In
einer behinderungsangepassten Tätigkeit könne sie ein 40%iges Pensum ausüben.
Am 9. Juli 2015 berichtete med. pract. J._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie an der Tagesklinik C._ (IV-act. 210), sie behandle die Versicherte seit
dem 10. März 2015. Sie habe eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.11)
und eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) als Traumafolgestörung nach dem
Mord am Vater der Versicherten im Jahr 2004 diagnostiziert. In einer Tätigkeit als
Näherin auf dem ersten Arbeitsmarkt sei die Versicherte vollständig arbeitsunfähig. In
der bisherigen Tätigkeit im geschützten Rahmen sei sie in der Lage, ein zeitliches
Pensum von 40% bei einer verminderten Leistungsfähigkeit von 5% zu erfüllen.
A.g.
Mit einem Vorbescheid vom 17. September 2015 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten den Abbruch der beruflichen Massnahmen und die Einstellung der
bisherigen Rentenzahlung an (IV-act. 219). Zur Begründung führte sie an, die
Abklärungen hätten ergeben, dass sich die Versicherte nicht weiter in der Lage fühle,
sich aktiv zu bewerben und an beruflichen Massnahmen teilzunehmen. Die Versicherte
teilte am 13. Oktober 2015 mit (IV-act. 222), sie erhebe keine Einwände gegen den
Vorbescheid. Sie sei gesundheitlich nicht in der Lage, an beruflichen Massnahmen
mitzuwirken. Das Gesuch vom 12. Juni 2014 um die Ausrichtung von IV-Leistungen
werde dadurch nicht beeinflusst. Mit einer Verfügung vom 23. Oktober 2015 brach die
IV-Stelle, entsprechend dem Vorbescheid, die beruflichen Massnahmen ab und stellte
die bisherige Rentenzahlung ein (IV-act. 223). Diese Verfügung erwuchs unangefochten
in Rechtskraft.
A.h.
Am 30. Oktober 2015 erstattete med. pract. K._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie an der Tagesklinik C._, einen Verlaufsbericht (IV-act. 224). Er
notierte, der Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär. Als Diagnosen gab er
eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11), eine
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) und eine posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) an. Er führte aus, die Versicherte habe parallel zur
teilstationären Behandlung die Arbeitstätigkeit als Näherin in der E._ mit einem
Pensum von 30% (drei Mal dreieinhalb Stunden pro Woche) wieder aufgenommen. Das
A.i.
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Maximum der Belastbarkeit sei damit erreicht. In einer Tätigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt sei die Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Die Tätigkeit als Näherin in
einem geschützten Rahmen sei ihr an dreieinhalb Stunden an drei Tagen pro Woche
zumutbar. Dabei sei die Leistungsfähigkeit um 50% vermindert.
Am 5. und 15. April 2016 wurde die Versicherte durch das Arbeitsmedizin Zentrum
Winterthur bidisziplinär (psychiatrisch, rheumatologisch) abgeklärt. In der
Konsensbeurteilung vom 13. Juni 2016 nannten die Gutachter folgende Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 237-35 f.): Chronisches generalisiertes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M79.0) bei/mit panvertebralem Schmerzsyndrom (bei/mit
Cephalgie, leichten degenerativen Veränderungen, Osteochondrose L2/L3,
Spondylarthrose L4 bis S1 [MRI der LWS vom 26.07.2012], Status nach wenig
dislozierter Os sakrum Fraktur rechts 19.07.1997), muskuloskelettaler
Dekonditionierung bei Vermeidungsverhalten und Dysstatik bei Adipositas. Als
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter eine
Neurasthenie (ICD-10 F48.0) an. Die Gutachter hielten fest (IV-act. 237-36 ff.), aus
somatischer Sicht sei die Versicherte aufgrund einer chronischen Schmerzsymptomatik
mit einer muskuloskelettalen Dekonditionierung und leichten degenerativen
Veränderungen in ihrer Leistung leicht eingeschränkt. Es handle sich dabei um eine
rasche Ermüdbarkeit und Konzentrationsstörungen. Bei einer Rekonditionierung
würden gute Ressourcen bestehen. In einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit sei
die Versicherte zu 80% arbeitsfähig. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Nach einer psychischen Konditionierung, für
welche ein Zeitraum von einem halben Jahr für erforderlich gehalten werde, sei die
Versicherte in Tätigkeiten, welche ihrem Ausbildungsniveau entsprächen, zu 100%
arbeitsfähig. Der psychiatrische Gutachter führte im Teilgutachten vom 6. Juni 2016
insbesondere aus (IV-act. 237-26, 237-30), im Rahmen der Untersuchung hätten sich
keine Hinweise auf eine klinisch relevante depressive Symptomatik mit gedrückter
Stimmung, Verminderung des Antriebs, erhöhter Ermüdbarkeit oder verminderter
Konzentration und Aufmerksamkeit gefunden. Ebenso hätten keine Hinweise auf eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine ängstliche Persönlichkeitsstörung oder
gar auf eine generalisierte Angststörung bestanden. Symptome, die einer
posttraumatischen Belastungsstörung zuzuordnen wären (Nachhallerinnerungen,
A.j.
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Teilnahmslosigkeit, affektive Reaktionen bei Bericht über belastende Ereignisse
[Autounfall, Tod des Vaters]), seien nur insofern festzustellen gewesen, als die
Versicherte angegeben habe, die schönste Zeit in ihrem Leben sei gewesen, als der
Vater noch gelebt habe, und sie beim Berichten, dass ihr Vater im Heimatland ermordet
worden sei, leicht habe weinen müssen. Die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung sei von den behandelnden Fachärzten ohne Rücksicht auf die für
die Diagnose erforderlichen Kriterien gemäss der ICD-10 gestellt worden. Anzunehmen
sei eine neurotische Fehlentwicklung, welche 1998 hätte unterbrochen werden können.
Der rheumatologische Gutachter notierte zudem im Teilgutachten vom 15. April 2016
(IV-act. 237-50), die von der Versicherten beschriebene Schmerzsymptomatik lasse
sich durch die erhobenen objektiven Befunde nicht erklären. In der Konsensbeurteilung
hielten die Gutachter fest (IV-act. 37 ff.), bidisziplinär resultiere in der aktuellen Tätigkeit
als Näherin an einer geschützten Arbeitsstelle bei einer ganztägigen Präsenz mit einem
erhöhten Pausenbedarf eine mindestens 80%ige Arbeitsfähigkeit. In einer leichten bis
mittelschweren adaptierten Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei die Versicherte zu
mindestens 80% arbeitsfähig. Dabei sollte es sich nach Möglichkeit um eine
wechselbelastende Tätigkeit ohne lange Zwangshaltungen im Sitzen oder Stehen
handeln. Im zeitlichen Verlauf bestehe aus rheumatologischer Sicht seit mindestens
dem Jahr 2007 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in leichten und mittelschweren
Tätigkeiten. Seit der Begutachtung im Jahr 2007 sei es zu keiner namhaften
Verschlechterung des Gesundheitszustands gekommen. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe die im Jahr 1999 diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung seit
Dezember 2002 nicht mehr. Am 20. Juli 2016 (IV-act. 238) bat die IV-Stelle den
psychiatrischen Gutachter um eine ergänzende Stellungnahme bezüglich seiner
Aussage, seit dem 6. Dezember 2002 habe sich der Gesundheitszustand der
Versicherten verbessert, da seither keine somatoforme Schmerzstörung mehr
beschrieben worden sei. Im psychiatrischen Teilgutachten des MGSG vom 31. August
2007 sei noch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden.
Der psychiatrische Gutachter hielt am 5. September 2016 fest (IV-act. 241), im Jahr
2007 sei die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) noch nicht in die ICD-10 aufgenommen
gewesen. Dr. I._ habe im Bericht vom 12. März 2015 keine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, sondern eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und
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psychischen Faktoren diagnostiziert. Auch med. pract. J._ habe im Bericht vom
9. Juli 2015 keine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Seit dem 6. Dezember
2002 sei die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung von den
behandelnden Ärzten nicht mehr aufgeführt worden. Das psychiatrische Teilgutachten
des MGSG vom 31. August 2007 habe ihm nicht vorgelegen und sei auch im
Aktenverzeichnis der von der IV-Stelle übersandten Unterlagen nicht aufgeführt
gewesen. Insofern könne er nicht beurteilen, ob die Diagnose einer somatoformen
Schmerzstörung korrekt gestellt worden sei. Sollte diese korrekt gestellt worden sein,
so habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten erst danach, also nach dem
31. August 2007, verändert.
Der RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 14. September 2016 (IV-act. 242), das
Gutachten mit der ergänzenden Stellungnahme sei umfassend und schlüssig. Darauf
könne abgestellt werden.
A.k.
Mit einem Vorbescheid vom 25. Oktober 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten
bei einem IV-Grad von 16% die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-
act. 246). Zur Begründung führte sie an, die bisherige Rente sei mit einer Verfügung
vom 9. September 2013 rechtskräftig eingestellt worden. Im Rahmen der
Wiederanmeldung vom 13. Juni 2014 sei der medizinische Sachverhalt gutachterlich
geklärt worden. Demnach bestehe in leichten bis mittelschweren Tätigkeiten auf dem
ersten Arbeitsmarkt eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Bezüglich des Valideneinkommens
sei auf den bisherigen, entsprechend aufgewerteten Wert abgestellt worden. Beim
Valideneinkommen (recte: Invalideneinkommen) werde auf die Schweizerische
Lohnstrukturerhebung (LSE), Privater Sektor, Niveau 1, verwiesen. Eine Anpassung
wegen des Minderverdienstes sei vorgenommen worden. Am 30. November 2016
erhob die Versicherte einen Einwand (IV-act. 247). Sie beantragte sinngemäss die
Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Zur Begründung führte sie an, beim
Valideneinkommen sei ebenfalls auf den LSE-Lohn abzustellen, da nicht wahrscheinlich
sei, dass sie freiwillig einen Minderverdienst in Kauf nähme, wenn sie bei guter
Gesundheit wäre. Des Weiteren sei bei der Prüfung des psychiatrischen Teilgutachtens
vom 6. Juni 2016 der Eindruck entstanden, der Fokus des Gutachters habe nicht auf
der eigenen Diagnosestellung, sondern darauf gelegen, wie er die Diagnosen der
anderen Fachärzte und auch der Vorgutachter habe widerlegen können. Es sei davon
A.l.
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auszugehen, dass auch den anderen Fachpsychiatern und Gutachtern die Richtlinien
nach ICD-10 bekannt gewesen seien und sie ihre Diagnosen danach gestellt hätten.
Der psychiatrische Gutachter habe den gleichbleibenden Sachverhalt anders beurteilt
als die Vorgutachter. Das psychiatrische Teilgutachten erfülle die Anforderungskriterien
nicht. Des Weiteren sei vor der Begutachtung versäumt worden, bei Dr. I._ einen
aktuellen Bericht einzuholen. Mit einem Schreiben vom 4. Januar 2017 reichte die
Versicherte einen Bericht von Dr. I._ vom 29. Dezember 2016 ein (IV-act. 249).
Dr. I._ hielt darin fest, der Gesundheitszustand der Versicherten sei unverändert. Sie
sei weiterhin depressiv, im Antrieb vermindert, im Denken eingeengt und sehr
ängstlich. Sie leide unter innerer Unruhe, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, starker
Müdigkeit, negativen Zwangsgedanken, Schuldgefühlen, starken Schlafstörungen mit
Morgentief, habe Konzentrationsschwierigkeiten; sie zeige eine starke Tendenz zum
sozialen Rückzug. Dies spreche für eine mittel- bis schwergradige rezidivierende
depressive Störung (ICD-10 F33.11 und F33.2). Dazu sei sie sehr ängstlich, fühle sich
gefährdet und beobachtet und werde immer noch von zwangshaften Erinnerungen an
den Tod des Vaters geplagt und in der Nacht von Albträumen heimgesucht. Sie sei
sehr lustlos und finde häufig alles sinnlos. Beim Bestehen solcher Symptome könne
man von einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sprechen. Die
Bemerkung des psychiatrischen Gutachters, er (Dr. I._) habe keine Diagnose einer
somatoformen Schmerzstörung erwähnt, sei nicht richtig. Eine somatoforme
Schmerzstörung werde diagnostiziert, wenn der Schmerz in Verbindung mit
emotionalen Konflikten oder schweren psychischen Belastungen auftrete. Bei der
Versicherten bestünden emotionale Konflikte; psychosoziale Probleme habe sie nicht.
Die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10 F45.41) sei eingeführt worden, um den psychischen Aspekten eine
wichtige Rolle im Schweregrad, in der Exazerbation oder in der Persistenz der
Beschwerden zuzuschreiben. Ihr werde jedoch keine kausale Bedeutung beigemessen,
da sie nicht hinreichend von der anhaltenden Schmerzstörung (ICD-10 F45.40)
abgrenzbar erscheine. Bei der Versicherten fänden sich auch die Symptome einer
generalisierten Angststörung. Die Versicherte sei nämlich stets besorgt, dass ihren
Kindern oder ihrem Ehemann etwas zustossen könnte. Häufig werde sie von den
Vorahnungen eines drohenden Unglücks geplagt. Deswegen könne man von einer
generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) sprechen. Er erachte das psychiatrische
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B.
Teilgutachten als unzulänglich. Am 24. Januar 2017 bat die IV-Stelle den
psychiatrischen Gutachter um eine Stellungnahme zum Schreiben von Dr. I._ (IV-
act. 251). Der psychiatrische Gutachter hielt am 7. April 2017 fest (IV-act. 253), Dr. I._
habe zur Diagnose eines chronifizierten Schmerzsyndroms somatisch und psychisch
bedingt seine eigene Theorie dargelegt, indem er festgehalten habe, die Diagnose sei
eingeführt worden, um den psychischen Aspekten eine wichtige Rolle im Schweregrad,
in der Exazerbation oder in der Persistenz der Beschwerden zuzuschreiben; ihr werde
jedoch keine kausale Bedeutung zugemessen, da sie nicht hinreichend von der
anhaltenden Schmerzstörung abgrenzbar erscheine. Anschliessend habe Dr. I._ den
Sachverhalt vollständig verwirrt, indem er notiert habe, aus diesem Grund sei die
Bemerkung des psychiatrischen Gutachters, er (Dr. I._) habe die Diagnose einer
somatoformen Schmerzstörung nicht gestellt, nicht richtig. Entsprechend dem Bericht
von Dr. I._ vom 29. Dezember 2016 leide die Versicherte neu an einer mittel- bis
schwergradigen rezidivierenden depressiven Störung. Darüber hinaus habe Dr. I._
nun die Diagnose einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) gestellt, nachdem
er zuvor eine ängstliche Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) festgestellt habe.
Anhaltspunkte, die es erlauben würden, von der im psychiatrischen Teilgutachten
abgegebenen Beurteilung abzuweichen, fänden sich im Schreiben von Dr. I._ nicht.
Mit einer Verfügung vom 12. Mai 2017 wies die IV-Stelle, entsprechend dem
Vorbescheid, das Leistungsbegehren ab (IV-act. 255). Zu den Einwänden führte sie an,
Anhaltspunkte, die es erlauben würden, von der gutachterlichen Einschätzung
abzuweichen, bestünden nicht. Die Annahme, dass sich die Versicherte bei guter
Gesundheit nicht mit einem Minderverdienst zufriedengegeben hätte, könne aus
heutiger Sicht nicht abschliessend beurteilt werden. Die Frage nach dem
Valideneinkommen sei angesichts der medizinischen Sachlage jedoch nicht
entscheidungsrelevant.
A.m.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 14. Juni 2017 eine
Beschwerde (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 12. Mai 2017
und die Zusprache einer Rente. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren
Abklärung an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zudem
B.a.
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beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung. Ergänzend zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren machte
die Beschwerdeführerin geltend, der psychiatrische Gutachter sei ausser auf der Liste
der IV-Gutachter im Kanton Zürich inexistent. Dieser erscheine nicht im FMH-Index und
es gebe keinen offiziellen Telefonbucheintrag über ihn. Diese Inexistenz wirke nicht
vertrauensbildend. Das Gutachten sei entsprechend kritisch zu würdigen. Zudem
dränge sich eine Abklärung auf, ob der Gutachter noch zugelassen sei. Auf das
psychiatrische Gutachten könne nicht abgestellt werden, weil der Gutachter
offensichtlich nicht im Besitz sämtlicher Vorakten gewesen sei. Dieser habe im
Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom 5. September 2016 nämlich mitgeteilt,
dass er nie im Besitz des psychiatrischen Teilgutachtens des MGSG vom 31. August
2007 gewesen sei. Er habe dieses auch nie nachgefordert, obwohl aus den Akten
ersichtlich gewesen sei, dass es existiere. Das Gutachten weise damit einen
erheblichen Mangel auf. Weiter erstaune, dass der psychiatrische Gutachter ausser der
Neurasthenie keine Diagnose habe feststellen können. Selbst dem rheumatologischen
Gutachter sei eine deutliche Dämpfung der Versicherten aufgefallen. Die Kritik des
psychiatrischen Gutachters an den Berichten von Dr. I._ sei nicht gerechtfertigt. Der
Gutachter habe sich mit keinem Wort zum traumatischen Autounfall, welcher sich im
Jahr 2014 ereignet habe, geäussert, bei welchem ihre Tante und ihr Onkel je ein Bein
verloren hätten und sie selbst bewusstlos gewesen sei. Er habe diesen Aspekt zwar
notiert, anschliessend aber wohl vergessen oder ignoriert und die Ausführungen von
Dr. I._ in Zusammenhang mit dem Autounfall im Jahr 1997 und dem Tod des Vaters
im Jahr 2004 gesetzt. Die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters weiche von
denjenigen aller anderen Gutachtern und der behandelnden Ärzte ab und müsse als
fehlerhafter Ausreisser betrachtet werden.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 7. September 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass nicht
ersichtlich sei, inwiefern das psychiatrische Teilgutachten nicht nachvollziehbar sein
solle. Der psychiatrische Gutachter habe begründet, weshalb die Diagnose der
posttraumatischen Belastungsstörung, der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und der Depression nicht habe gestellt werden können. Er habe zu
den früheren ärztlichen Einschätzungen von Dr. I._, med. pract. K._ und med.
B.b.
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Erwägungen
1.
pract. J._ Stellung genommen. So sei die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung ohne Rücksicht auf die für die Diagnose erforderlichen Kriterien
entsprechend der ICD-10 gestellt worden. Der psychiatrische Gutachter sei sowohl im
Medizinalberuferegister des Bundes als auch im Ärzteverzeichnis der FMH aufgeführt.
Das Versicherungsgericht bewilligte am 11. September 2017 das Gesuch um die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 9).
B.c.
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Replik vom 11. Oktober 2017 ergänzend
geltend (act. G 11), die Ausführungen der Beschwerdegegnerin änderten wenig am
Umstand, dass ein zentrales Gutachten nicht berücksichtigt worden und damit das
vorliegende Gutachten nicht in Kenntnis der gesamten Vorakten abgegeben worden
sei. Des Weiteren habe die Beschwerdegegnerin ausgeführt, die posttraumatische
Belastungsstörung sei ohne jegliche Rücksicht auf die für die Diagnose erforderliche
Kriterien entsprechend der ICD-10 gestellt worden. Sie habe sich dabei auf die
pauschale Behauptung des Gutachters gestützt. Nicht erwiesen sei jedoch, dass die
erforderlichen Kriterien nicht beachtet worden seien. Dazu wären Ausführungen
notwendig gewesen, was die diagnostizierenden Ärzte zum Zeitpunkt der
Diagnosestellung nicht beachtet hätten. Ebenfalls widersprüchlich erscheine die
Aussage, die Beschwerdeführerin sei seit dem 10. März 2015 in der Klinik C._ in
Behandlung, obwohl gemäss dem Gutachter ein normaler psychischer Befund vorliege.
Der psychiatrische Gutachter besitze keine Telefonnummer und sei in der Praxis, in
welcher er das Gutachten exploriert habe, nicht offiziell aufgeführt. Davon auszugehen
sei, dass er nur noch für Versicherungen Gutachten schreibe, was ihn nicht
glaubwürdiger mache.
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 13).B.e.
Die Beschwerdeführerin hat ab 1. Juli 1998 eine halbe Rente und ab 1. Januar
2004 bis 31. Oktober 2013 eine Dreiviertelsrente bezogen. Mit einer Verfügung vom 9.
September 2013 ist die Dreiviertelsrente eingestellt worden (IV-act. 159). Mit einer
1.1.
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2.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 12. Mai 2017
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 16% verneint.
Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
weiteren Verfügung vom 9. September 2013 hat die Beschwerdegegnerin entschieden
(IV-act. 160), die Dreiviertelsrente weiter auszurichten, wenn Massnahmen zur
Wiedereingliederung durchgeführt würden, längstens bis zum 31. Oktober 2015. Mit
einer Verfügung vom 23. Oktober 2015 hat die Beschwerdegegnerin die beruflichen
Massnahmen abgebrochen und die Weiterausrichtung der Dreiviertelsrente eingestellt
(IV-act. 223). Sämtliche Verfügungen sind unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
Die Dreiviertelsrente ist somit formell rechtskräftig eingestellt worden. Am 12. Juni 2014
hat sich die Beschwerdeführerin erneut zum Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 179).
Dabei kann es sich also nur um eine Neuanmeldung gehandelt haben.
Gemäss Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Die Beschwerdeführerin hat mit der Anmeldung vom 12. Juni 2014 einen
Bericht von Dr. I._ vom 26. Mai 2014 eingereicht. Dr. I._ hat darin angegeben (IV-
act. 180-1), die Beschwerdeführerin stehe seit dem 26. September 2013 bei ihm in
Behandlung. Er habe eine mittel- bis schwergradige Depression (ICD-10 F32.11,
F32.2), eine ängstliche Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) und ein Schmerzsyndrom
nach einem Autounfall mit Polytrauma diagnostiziert. Aufgrund der anamnestischen
Angaben bestehe die Depression schon seit einigen Jahren. In der letzten Zeit habe sie
sich jedoch intensiviert. Der Hausarzt Dr. F._ hatte in einem Verlaufsbericht vom
28. Juli 2012 (IV-act. 137) die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung,
anamnestisch leichte Episoden (ICD-10 F33.0, DD rezidivierende kurze depressive
Episoden, ICD-10 F38.1), notiert. Er hatte angegeben, die Beschwerdeführerin befinde
sich nicht in psychiatrischer oder psychologisch-psychotherapeutischer Behandlung.
Die Beschwerdeführerin hat sich somit ab September 2013 in psychiatrische
Behandlung begeben. Die von Dr. I._ gestellten Diagnosen sind schwerwiegender als
jene, die Dr. F._ gestellt hatte. Damit ist plausibel, dass sich der psychische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verschlechtert hat. Die
Beschwerdeführerin hat eine wesentliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustands
seit dem Erlass der renteneinstellenden Verfügung vom 9. September 2013 glaubhaft
gemacht. Die Beschwerdegegnerin ist somit zu Recht auf die Neuanmeldung
eingetreten.
1.2.
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3.
4.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.2.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu das
Arbeitsmedizin Zentrum Winterthur (AZW) mit der Erstellung eines bidisziplinären
Gutachtens beauftragt. Im Gutachten des AZW vom 13. Juni 2016 ist dazu angegeben
worden, die Beschwerdeführerin sei aus somatischer Sicht in ihrer aktuellen Tätigkeit
als Näherin an einer geschützten Arbeitsstelle bei einer ganztägigen Präsenz mit einem
erhöhten Pausenbedarf zu mindestens 80% arbeitsfähig. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Nach einer psychischen
Konditionierung, für die ein Zeitraum von einem halben Jahr für erforderlich gehalten
werde, werde die Beschwerdeführerin wieder zu 100% arbeitsfähig sein. In einer
leichten bis mittelschweren Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei die
Beschwerdeführerin ebenfalls zu mindestens 80% arbeitsfähig. Dabei sollte es sich um
4.1.
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eine wechselbelastende Tätigkeit ohne lange Zwangshaltungen im Sitzen oder Stehen
handeln. Im zeitlichen Verlauf bestehe aus rheumatologischer Sicht seit mindestens
dem Jahr 2007 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in leichten und mittelschweren
Tätigkeiten. Aus psychiatrischer Sicht bestehe die im Jahr 1999 diagnostizierte
somatoforme Schmerzstörung seit Dezember 2002 nicht mehr. In der ergänzenden
Stellungnahme vom 5. September 2016 hat der psychiatrische Gutachter festgehalten,
sofern im psychiatrischen Teilgutachten des MGSG vom 31. August 2007 die Diagnose
einer somatoformen Schmerzstörung korrekt gestellt worden sei, habe sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin erst danach verbessert. Strittig und im
Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob
es die angegebene Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist und in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und wenn die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die
vom Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
4.2.
Der rheumatologische Gutachter hat die Beschwerdeführerin persönlich
untersucht, ihre subjektiven Klagen aufgenommen, die objektiven klinischen Befunde
wiedergegeben, umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt und diese gewürdigt.
Insbesondere hat er festgehalten (rheumatologisches Teilgutachten vom 15. April 2016,
IV-act. 237-49), die objektivierbaren Befunde mit leichten bis höchstens
mässiggradigen degenerativen Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule
entsprächen weitgehend dem Alterskollektiv; die generalisierte Schmerzsymptomatik
lasse sich hiermit nicht erklären. Auch in der körperlichen Untersuchung hätten sich
keine relevanten objektivierbaren pathologischen Veränderungen gefunden. Die
Schmerzproblematik sei aus somatischer Sicht nicht erklärbar gewesen. Im Rahmen
einer chronischen Schmerzsymptomatik mit einer muskuloskelettalen
Dekonditionierung und leichten degenerativen Veränderungen sei die
Beschwerdeführerin in ihrer Leistung leicht eingeschränkt. Hierbei handle es sich um
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/23
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eine rasche Ermüdbarkeit und Konzentrationsstörungen. Diese Beurteilung decke sich
weitgehend mit den früher durchgeführten somatischen Beurteilungen. Auch die
aktuelle Diagnose decke sich im Wesentlichen mit derjenigen der rheumatologischen
Begutachtung im Jahr 2007. In einer leichten bis mittelschweren, nach Möglichkeit
wechselbelastenden Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei die Versicherte zu 80%
arbeitsfähig. Diese Ausführungen zu den Befunden, der Diagnose und der
verbleibenden Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sind schlüssig und
nachvollziehbar. Der psychiatrische Gutachter hat die Beschwerdeführerin ebenfalls
persönlich untersucht, ihre subjektiven Klagen aufgenommen und die objektiven
klinischen Befunde wiedergegeben. Er hat – möglicherweise mit Ausnahme des
psychiatrischen Gutachtens des MGSG vom 31. August 2007 – Kenntnis von den
Vorakten gehabt und diese gewürdigt. Insbesondere hat er im psychiatrischen
Teilgutachten vom 6. Juni 2016 aufgezeigt, dass sich im Rahmen der Untersuchung
keine Hinweise auf eine klinisch relevante depressive Symptomatik, eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, eine ängstliche Persönlichkeitsstörung oder gar auf
eine generalisierte Angststörung gefunden hätten. Er hat festgehalten, die Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung sei von den behandelnden Fachärzten
ohne Rücksicht auf die für die Diagnose erforderlichen Kriterien gemäss der ICD-10
gestellt worden. Er hat im Gutachten und in den ergänzenden Stellungnahmen vom
5. September 2016 und 7. April 2017 seine von Dr. I._ und von med. pract. J._
abweichende Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung begründet und
aufgezeigt, gestützt auf welche objektiven Befunde er die Diagnose einer Neurasthenie
(ICD-10 F48.0) gestellt hat. Er ist in seiner Beurteilung zwar erheblich von denjenigen
von Dr. I._ und med. pract. J._ abgewichen, welche der Beschwerdeführerin unter
anderem eine mittel- bis schwergradige rezidivierende depressive Störung, eine
posttraumatische Belastungsstörung und eine chronifiziertes Schmerzsyndrom
somatisch und psychisch bedingt diagnostiziert hatten. In Anbetracht des Umstands,
dass eine Neurasthenie ebenfalls ein Schmerzempfinden beinhaltet und mit Depression
und Angst einhergehen kann (vgl. die Umschreibung der Symptomatik in der ICD-10-
WHO Version 2019, Stand 1. November 2019) und dass weitere Diagnosen
ausgeschlossen worden sind, überzeugt die Beurteilung des psychiatrischen
Gutachters, zumal dabei auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass die
behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel
eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und dazu neigen, die
pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu
qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353, E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03, E. 2.4.2). Festzustellen bleibt, dass
der psychiatrische Gutachter die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
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anwendbaren Standardindikatoren nicht im Detail berücksichtigt hat. Er hat sich jedoch
insbesondere zu den Ressourcen und der Konsistenz geäussert und ist zum Schluss
gelangt, die beklagten Beschwerden seien durch die Neurasthenie erklärbar. Vor
diesem Hintergrund und in Anbetracht dessen, dass eine Neurasthenie kaum je eine
Arbeitsunfähigkeit bewirken kann, vermag dies den Beweiswert des Gutachtens nicht
zu schmälern. Festzuhalten ist schliesslich, dass die beiden Gutachter auch eine
Konsensbeurteilung abgegeben haben, wonach bidisziplinär eine Arbeitsfähigkeit von
80% für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt resultiert
habe.
Zu prüfen bleibt, ob die Einwände der Beschwerdeführerin Zweifel am Gutachten
zu wecken vermögen.
4.4.
Die Beschwerdeführerin hat eingewendet, auf das psychiatrische Gutachten
könne nicht abgestellt werden, weil nicht sämtliche Vorakten berücksichtigt worden
seien. Der psychiatrische Gutachter habe nämlich am 5. September 2016 angegeben,
er sei nie im Besitz des psychiatrischen Teilgutachtens des MGSG vom 31. August
2007 gewesen. Tatsächlich hat der psychiatrische Gutachter das MGSG-Gutachten in
der Übersicht der erhaltenen Vorakten nicht aufgeführt und auch nicht nachträglich
angefordert. Die Beschwerdegegnerin hat dem AZW auf dessen Bitte hin für die
psychiatrische Begutachtung ein zweites Aktendossier auf CD zugestellt (IV-act. 231).
Damit besteht die Möglichkeit, dass er das Gutachten – im Gegensatz zum
rheumatologischen Gutachter, der sich im Aktenauszug und in der Beurteilung
ausdrücklich auf das MGSG-Gutachten bezogen hat – nicht erhalten hat. Dies stellt
zwar ein Manko des psychiatrischen Teilgutachtens dar, ist aber offenkundig nicht
geeignet, dessen Beweiswert zu erschüttern. Abklärungsgegenstand ist nämlich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zeitraum ab der Neuanmeldung am
12. Juni 2014 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 12. Mai 2017. Diese
Neuanmeldung ist in Bezug auf die Beurteilung des Gesundheitszustands wie ein
erstmaliges Rentenersuchen (und nicht als Revisionssachverhalt) zu beurteilen. Damit
ist davon auszugehen, dass der fehlende Beizug des MGSG-Gutachtens aus dem Jahr
2007 in Bezug auf die Frage der verbleibenden Arbeitsfähigkeit im
verfügungsrelevanten Zeitraum nicht ausschlaggebend ist.
4.4.1.
Die Beschwerdeführerin hat des Weiteren geltend gemacht, der psychiatrische
Gutachter habe sich nicht zum traumatischen Autounfall im Jahr 2014 geäussert, bei
welchem ihre Tante und ihr Onkel je ein Bein verloren hätten und sie selbst bewusstlos
geworden sei. Er habe die Äusserungen von Dr. I._ zum Unfall im Jahr 1997 und zum
4.4.2.
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5.
Tod des Vaters im Jahr 2004 in Beziehung gesetzt. Damit habe er ignoriert, dass
danach erneut ein traumatisches Ereignis stattgefunden habe. Der psychiatrische
Gutachter hat im Abschnitt über die biographische und berufliche Anamnese erwähnt,
dass die Beschwerdeführerin vor zwei Jahren, also im Jahr 2014, miterlebt habe, wie
ihre Tante und ihr Onkel einen Autounfall erlitten hätten. Offensichtlich ist dieser Unfall
in Bezug auf die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands irrelevant
gewesen, denn sonst hätte sich der psychiatrische Gutachter dazu geäussert. Im
Übrigen hat auch Dr. I._ diesen Unfall nie erwähnt. Der Einwand der
Beschwerdeführerin ist damit nicht stichhaltig.
Die Beschwerdeführerin hat schliesslich eingewendet, der psychiatrische
Gutachter besitze keine Telefonnummer und sei in der Praxis, in welcher er das
Gutachten exploriert habe, nicht offiziell aufgeführt. Davon auszugehen sei, dass er nur
noch für Versicherungen Gutachten schreibe, was ihn nicht glaubwürdiger mache.
Dieser Einwand ist nicht geeignet, den Beweiswert des Gutachtens zu schmälern.
Selbst wenn der psychiatrische Gutachter nur noch versicherungsmedizinische
Gutachten verfassen sollte, stellte dies allein offensichtlich keinen Grund dar, an seiner
Glaubwürdigkeit zu zweifeln.
4.4.3.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einwände der Beschwerdeführerin
keine Zweifel am Beweiswert des Gutachtens zu wecken vermögen. Damit ist mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die
Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht nur leicht in ihrer funktionellen
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist und dass aus psychiatrischer Sicht keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht. In einer leichten bis mittelschweren
Tätigkeit ist die Beschwerdeführerin auf dem ersten Arbeitsmarkt zu mindestens 80%
arbeitsfähig. Dabei sollte es sich nach Möglichkeit um eine wechselbelastende
Tätigkeit ohne lange Zwangshaltungen im Sitzen oder Stehen handeln.
4.5.
Nachdem der Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, ist der von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene Einkommensvergleich zu überprüfen. Zunächst ist massgebend, auf
welcher Basis der Einkommensvergleich durchzuführen ist. Der Rentenanspruch
entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung des
Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG). Anspruch auf eine Rente haben Versicherte,
die unter anderem während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (Art. 28 Abs. 1 lit. b
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/23
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IVG). Die Beschwerdeführerin hat sich im Juni 2014 zum Leistungsbezug angemeldet.
Wie im Folgenden aufgezeigt wird, resultiert aus dem Einkommensvergleich kein
Rentenanspruch. Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob das Wartejahr erfüllt
gewesen wäre. Aufgrund der sechsmonatigen Frist seit der Anmeldung ist der
potentielle Rentenbeginn auf den 1. Dezember 2014 festzusetzen. Basis für den
Einkommensvergleich bilden somit die Verhältnisse im Jahr 2014.
Die Beschwerdeführerin hat in L._ während acht Jahren die Schule besucht und
eine einjährige Ausbildung zur Näherin absolviert. Mit 16 Jahren ist sie in die Schweiz
eingereist und hat während eines Jahres die Deutschklasse besucht (vgl. IV-act. 16,
237-23, 237-44). Von September 1996 bis April 1997 hat sie bei B._ als Näherin
gearbeitet. Das AHV-pflichtige Einkommen hat im Jahr 1996 Fr. 10'978.-- und im Jahr
1997 Fr. 5'334.-- bzw. Fr. 13.-- pro Stunde zuzüglich 8.33% Ferien- und
Feiertagsentschädigung, das heisst Fr. 14.10, betragen (IV-act. 15, Fremdakten-
act. 1-1). Diese Anstellung ist die einzige auf dem ersten Arbeitsmarkt gewesen. Seit
dem Jahr 2000 (und damit nach dem Unfall vom 19. Juli 1997) arbeitet die
Beschwerdeführerin an einer geschützten Arbeitsstelle bei der E._, zunächst in der
Montage-Abteilung und anschliessend im Näh-Atelier. Das Einkommen ist im Vergleich
zu einem durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn tiefer gewesen. Es hat nämlich bei einer
Wochenarbeitszeit von 40 Stunden Fr. 29'326.-- pro Jahr (Fr. 14.10 x 40 Stunden x
4.33 Wochen x 12 Monate) betragen, während sich der statistische Zentralwert für
Hilfsarbeiterinnenlöhne im Jahr 1996 auf Fr. 3'455.-- pro Monat bzw. Fr. 41'460.-- pro
Jahr belaufen hat (vgl. die Schweizerische Lohnstrukturerhebung 1996, Tabelle TA 1,
Anforderungsniveau 4). Obwohl die Beschwerdeführerin angegeben hat, Freude an der
Arbeit als Näherin zu haben, ist davon auszugehen, dass sie deswegen nicht freiwillig
einen erheblich tieferen Lohn erzielt hätte, wenn sich ihr die Möglichkeit geboten hätte,
eine durchschnittlich entlöhnte Stelle als Hilfsarbeiterin anzutreten. Damit ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin einen durchschnittlich bezahlten
Hilfsarbeiterlohn erzielt hätte. Das Valideneinkommen entspricht somit dem
statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne, vorliegend Fr. 53'793.-- für das Jahr
2014 (vgl. Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019).
5.2.
In Bezug auf die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens ist massgebend, dass der Beschwerdeführerin aufgrund der
fehlenden Berufsausbildung einzig eine Invalidenkarriere als Hilfsarbeiterin offensteht.
Praxisgemäss ist ebenfalls auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
abzustellen, also auf das durchschnittliche Einkommen für eine Hilfsarbeiterin im Jahr
2014 in der Höhe von Fr. 53'793.--. Dieses ist entsprechend der Arbeitsunfähigkeit um
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/23
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6.
20% zu reduzieren, was einen Jahreslohn von Fr. 43'035.-- ergibt. Die
Beschwerdeführerin hat im Vergleich zu einer zu 80% beschäftigten gesunden
Hilfsarbeiterin aber keine Möglichkeit mehr, ein Einkommen in dieser Höhe zu erzielen.
Sie kann nur noch körperlich leichte bis mittelschwere, nach Möglichkeit
wechselbelastende Tätigkeiten ohne lange Zwangshaltungen im Sitzen oder Stehen
ausüben. Aus der Sicht eines betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnden
Arbeitgebers ist der Wert der Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin vermindert, da
sie unfähig wäre, bei einem betrieblichen Bedarf vorübergehend Überstunden zu
leisten oder sich an einem nicht adaptierten Arbeitsplatz einsetzen zu lassen.
Längerfristig betrachtet bestünde zudem das Risiko von vermehrten
krankheitsbedingten Absenzen. Geht man von einem ökonomischen Invaliditätsbegriff
aus bzw. will man einen Soziallohnanteil ausscheiden, ist wegen diesen Nachteilen, die
zwingend zu einem Minderlohnführen würden, bei der Ermittlung des Ausgangswerts
des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens eine Korrektur vom Zentralwert
vorzunehmen: Praxisgemäss erscheint ein Tabellenlohnabzug von 10% als
angemessen. Damit beläuft sich das zumutbare Invalideneinkommen auf Fr. 38'732.--.
Die verbleibende Restarbeitsfähigkeit ist verwertbar. Die Gutachter haben folgende
Adaptionskriterien aufgestellt: Leichte bis mittelschwere, nach Möglichkeit
wechselbelastende Tätigkeit ohne lange Zwangshaltungen im Sitzen oder Stehen. Eine
solche Tätigkeit besteht beispielsweise in leichteren Maschinenbedienungs-, Kontroll-,
Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten. Auf dem allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt bestehen Stellen mit diesem Anforderungsprofil in ausreichender Anzahl.
Bei einem Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 53'793.-- und einem zumutbaren
Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 38'732.-- resultiert ein IV-Grad von 28%. Die
Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente somit
im Ergebnis zu Recht verneint. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
5.4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
6.1.
bis
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