Decision ID: 3b9eb8ba-4526-5885-a09e-4cbafac9bb73
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein aus B._ (C._ Distrikt /
D._) stammender indischer Staatsangehöriger – reiste am (...) No-
vember 2019 in die Schweiz ein und stellte tags darauf ein Asylgesuch. Am
(...). November 2019 wurden im Bundesasylzentrum (BAZ) E._ in
einer ersten Summarbefragung die Personalien des Beschwerdeführers
aufgenommen.
A.b Am (...). Januar 2020 wurde der Beschwerdeführer erstmals und am
(...) März 2020 zum zweiten Mal zu seinen Asylgründen befragt.
B.
B.a Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuchs
massgeblich geltend, er habe mit seiner Mutter, seinem Bruder und dessen
Ehefrau in B._ gelebt; die letzten Monate vor der Ausreise habe er
in F._ gewohnt. Seine Familie gehöre der Priesterkaste an und sei
stark in der hinduistischen Religion und den damit verbundenen Traditionen
verwurzelt; der (...) sei ein wichtiger Tempelpriester gewesen. Es sei ihm
(Beschwerdeführer) dennoch eine höhere Schulbildung möglich gewesen.
So habe er im (...) 2016 einen Hochschulabschluss als Ingenieur in (...)
erworben. Während des Studiums an der Ingenieur-Fakultät habe er teil-
zeitlich als (...) gearbeitet.Er habe ausserdem ein Diplom in (...) Science
an der (...) erlangt. Ab (...) 2016 habe er bei einer elektronischen Ser-
vicefirma im Bereich (...) gearbeitet; diese Stelle habe er im (...) 2018 ge-
kündigt.
B.b Nach dem Tod des (...) hätte er dessen Nachfolge antreten müssen,
was für ihn das Ende seiner beruflichen Karriere bedeutet hätte. Mit Unter-
stützung einer christlichen Hilfsorganisation, für die er während des Studi-
ums gearbeitet habe, habe er dem Priesteramt durch Ausweichen in den
nördlichen Teil Indiens entgehen können. Er habe am (...) 2018 sein Zu-
hause verlassen und etwa drei Monate lang an einer – unter der Schirm-
herrschaft einer christlichen Kirche stehenden – Schule unterrichtet. Der in
jenem Distrikt zuständige Schuldirektor habe dieser Institution nach Sich-
ten seines Lebenslaufs mitgeteilt, dass er nicht über die erforderliche Qua-
lifikation für den Lehrberuf – verlangt werde ein (...) – verfüge. Die Dorfbe-
wohner hätten zudem realisiert, dass mit ihm ein Hindu an einer christlichen
Schule tätig sei. Da Religion und Kaste in Indien eng verbunden seien, hät-
ten die Leute gemeint, er werde zum Christentum konvertieren respektive
er sei gekommen um die Hindus dann zum Christentum zu bekehren. In
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der Folge sei er mehrmals von Anhängern einer extremistischen hinduisti-
schen Partei namens Bajrang Dal bedroht worden; diese gehöre wie auch
die Viswa-Hindu Parishith, die ihn später bedroht habe, der Rashtriya
Swayamsevak Sangh (RSS) an. Mit Hilfe eines Pfarrers sei er diesen Dro-
hungen durch Wegzug in ein dünn besiedeltes ländliches Gebiet in einem
anderen Bundesstaat entgangen. Er habe jedoch auch hier Probleme be-
kommen. Die extremistische hinduistische Viswa-Hindu Parishith, die indi-
rekt der aktuellen Regierungspartei angehöre, habe ihm gedroht, man
werde ihn nicht in Ruhe lassen und umbringen. Einmal sei es mit Parteimit-
gliedern zu einer Auseinandersetzung gekommen, wobei ihm ein Schlag
auf den Hinterkopf versetzt und er entführt worden sei. Er könne sich nur
noch bruchstückhaft an das Folgegeschehen erinnern. Jedenfalls habe er
sich in einem Raum wiedergefunden, in dem "Transgender Leute" ihm Es-
sen und Wasser gebracht hätten. Es seien dabei Nacktfotos von ihm mit
den "Transgender Leuten" gemacht worden. Mit den Aufnahmen sei ein
Poster hergestellt und Abzüge davon seien an Wände geklebt worden. Der
Beschwerdeführer habe dieser Situation mangels Geld nicht entfliehen
können. Letztlich habe ihm erneut die Kirche geholfen und er sei (...) 2019
mit dem Zug nach F._ gelangt. Dort sei er bis zur Ausreise geblie-
ben. Im Bewusstsein, dass die Leute der Regierungspartei sich auf ihn ein-
geschossen hätten, habe er deren E-Mails gehackt. Er sei auf vertrauliche
Nachrichten über Kollaborationen mit Regierung oder Politikern gestossen
und habe diese einem Journalisten zugespielt.
Aus Angst vor den Bedrohungen durch die extremistischen hinduistischen
Parteien habe er sich schliesslich zur Ausreise entschieden. Mit Hilfe einer
ehemaligen Mitstudentin und deren Mutter sei er von G._ aus legal
auf dem Luftweg nach H._ und von dort mit einem Schlepper in die
Schweiz gereist.
B.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer
seinen nationalen Identitätsausweis, eine Wahl-Identitätskarte, ein Primar-
schulzeugnis mit Angabe der religiösen Kaste, die Konstellation seines
Horoskops, eine Geburtstabelle, Fotos von Priesterritualen, von einem
Streik eines Pastors, einem Unfall und einer zerstörten Kirche sowie die
Kopie eines Presseausweises zu den Akten.
Weiter legte er ein Schreiben der I._, einen Internet-
artikel zu politischen Parteien, eine E-Mail der J._ und einen E-Mail-
Alert des Bundesstaates D._ zu den Akten des SEM.
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B.d Am 18. März 2020 unterbreitete die Vorinstanz der damaligen zuge-
wiesenen Rechtsvertretung des Beschwerdeführers einen Verfügungs-
entwurf zur Stellungnahme.
B.e Mit Eingabe vom 19. März 2020 nahm die Rechtsvertretung zum Ver-
fügungsentwurf des SEM schriftlich Stellung.
C.
Mit (am gleichen Tag eröffneter) Verfügung vom 20. März 2020 stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug an.
D.
D.a Mit Eingabe vom 27. März 2020 erhob der Beschwerdeführer durch
seinen Rechtsvertreter Beschwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz.
Er beantragte, die Verfügung vom 20. März 2020 sei aufzuheben, er sei als
Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei
die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und zur rechtsgenüglichen
Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen.
D.b In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und die Befreiung von der Kostenvorschusspflicht bean-
tragt.
E.
Der Instruktionsrichter bestätigte am 31. März 2020 den Eingang der Be-
schwerdeschrift und stellte fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang
des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten dürfe.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
30. März 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG)
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG)
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität,
Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer poli-
tischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung in ihrer Verfügung im Wesentli-
chen aus, die vorgebrachten Asylgründe seien in ihrer Gesamtheit unsub-
stanziiert, widersprüchlich und realitätsfremd ausgefallen. Die ins Recht ge-
legten Unterlagen würden sich als nicht beweiskräftig erweisen. Die Vor-
bringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht genügen,
weshalb der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und
sein Asylgesuch abzulehnen sei.
5.2
5.2.1 In der Beschwerdeschrift wird der Sachverhalt kurz aufgeführt und
insbesondere gerügt, der Beschwerdeführer habe sich bei der Anhörung
vom 27. Januar 2020 nicht in seiner Muttersprache äussern können, ob-
wohl er ausdrücklich angegeben habe, sich in Englisch nicht genügend
ausdrücken zu können. Eine korrekte Ermittlung des Sachverhaltes sei da-
mit unmöglich gewesen. Es liege einer Verletzung der Untersuchungspflicht
und des rechtlichen Gehörs vor.
5.2.2 Sodann sei das vorliegende Verfahren mit dem Asylgesuch des Be-
schwerdeführers vom 11. November 2019 eingeleitet und mit Verfügung
vom 20. März 2020, mithin nach 130 Tagen, abgeschlossen worden. Die
Vorinstanz habe dabei am 27. Januar 2020 eine erste Anhörung/Befragung
durchgeführt. Am 9. März 2020 habe eine zweite Anhörung stattgefunden.
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Beide Befragungen hätten mehrere Stunden gedauert und zu 13 respektive
17 Protokollseiten geführt. Bereits bei der ausführlichen ersten Anhörung
sei erkennbar gewesen, dass es sich um einen komplexen Fall handle, der
weitere Abklärungen verlangt hätte. Da der Sachverhalt nicht habe ermittelt
und deshalb innert acht Tagen kein Entscheid habe gefällt werden können,
sei eine zweite Anhörung anberaumt worden. Vor diesem Hintergrund hätte
eine Weiterbehandlung im erweiterten Verfahren eingeleitet werden müs-
sen, zumal die Abhandlung im beschleunigten Verfahren angesichts der
kurzen Beschwerdefrist die Gefahr einer Verletzung der Verfahrensgaran-
tien der asylsuchenden Person berge. Dies gelte umso mehr, als vorliegend
die Vorinstanz den Entscheid nicht innerhalb des gesetzlich vorgeschriebe-
nen Rahmens habe fällen können und die für das beschleunigte Verfahren
geltenden Behandlungsfristen klarerweise überschritten habe.
5.2.3 Die Vorinstanz habe die Gesamtbeurteilung der Glaubhaftigkeit der
Aussagen des Beschwerdeführers nicht korrekt vorgenommen. So habe
der Beschwerdeführer durchgehend dargelegt, wie belastend die Erleb-
nisse aufgrund der Abwendung vom Hinduismus und des von familiärer
Seite erzwungenen Priesteramts für ihn gewesen sei. Diese Schilderungen
seien geprägt von Realitätskennzeichen. Er habe dargelegt, wie er seine
berufliche Laufbahn und seinen ganzen Lebensstil für dieses Amt hätte auf-
geben müssen. Diese ganze Situation sei für ihn nicht mehr aushaltbar ge-
wesen und er habe als einzigen Ausweg die Flucht in eine andere Ortschaft
gesehen. Dies sei gelungen, bis Mitglieder der RSS-Partei erfahren hätten,
dass er als Hindu an einer christlichen Schule unterrichte. Der Beschwer-
deführer habe nachvollziehbar die Intensität seiner Erlebnisse erzählt.
Er habe die Demütigung vor seinen Schülern, die beiden Entführungen, die
Drohungen und Gewalthandlungen und den Spitalaufenthalt geschildert.
Diese seien derart traumatisierend gewesen, dass er an Suizid gedacht
habe. Er habe auch von sexuellen Übergriffen gesprochen, die er nicht wei-
ter habe ausführen können.
5.2.4 In Indien hätten Tötungen, Angriffe und weitere Formen von Gewalt
gegen Minderheiten – einschliesslich Christen – zugenommen. Dies gehe
aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Berichten hervor.
5.2.5 Im Gesamtzusammenhang erscheine die Aussage der Vorinstanz,
die Vorbringen des Beschwerdeführers seien unsubstanziiert, widersprüch-
lich und realtitätsfern mehr als stossend und sei vollumfänglich zu bestrei-
ten. Die Glaubwürdigkeitsprüfung sei durch die Vorinstanz nicht im Sinn
einer Gesamtbeurteilung erfolgt. Das SEM habe damit seine Begründungs-
pflicht verletzt.
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Seite 8
6.
6.1 Im Rechtsmittel wird der Umstand gerügt, dass der Beschwerdeführer
anlässlich der ersten Anhörung vom 27. Januar 2020 nicht in seiner Mut-
tersprache angehört worden sei. Die Anhörung sei denn auch durch mehr-
maliges Fragen in verschiedenen Sprachen und durch Verständigungs-
probleme geprägt worden. Das Einverständnis des Beschwerdeführers, die
Befragung dennoch fortzusetzen, sei angesichts der für einen Asylsuchen-
den belastenden Befragungssituation nicht massgeblich. Vielmehr hätte die
Vorinstanz spätestens bei den Asylgründen abbrechen und einen neuen
Termin anberaumen müssen. Mit Bezug auf die Aussagen dieser ersten
Anhörung dürfe die Glaubhaftigkeitsprüfung daher nicht zu Ungunsten des
Beschwerdeführers erfolgen.
6.1.1 Der Beschwerdeführer hat im BAZ unmissverständlich festhalten las-
sen, neben der Muttersprache K._ beherrsche er Englisch so gut,
dass die Anhörung in dieser Sprache durchgeführt werden könne (vgl. Per-
sonalienblatt [Aktenstück A1/2] und Befragungsprotokoll vom 20. Novem-
ber 2019 [Aktenstück A11/8] S. 4). Bei der Anhörung vom 27. Januar 2020
hat er eingangs zwar erwähnt, er würde lieber in K._ angehört wer-
den. Er erklärte sich in der Folge aber einverstanden, in englischer Sprache
angehört zu werden und gab an, den Dolmetscher gut zu verstehen (vgl.
Befragungsprotokoll vom 27. Januar 2020 [Aktenstück A21/13] S. 2). Die
Befragung konnte in dieser Sprache gemäss Protokoll ohne grössere Ver-
ständigungsprobleme geführt werden. Der Beschwerdeführer erhielt bei
Unsicherheiten jeweils Gelegenheit, sich die Frage wiederholen zu lassen
und konnte auch wählen, ob er allenfalls auf L._ weiter befragt wer-
den wolle, wobei er antwortete, beide Sprachen zu verstehen; bei Bedarf
konnte er in L._ antworten. Er bestätigte in der Folge, die Schilde-
rung der Asylgründe auf L._ habe ihm zugesagt, auch wenn es
schwieriger gewesen sei, alle Worte zu finden (vgl. a.a.O. F/A 1–4, 6, 16,
17, 19, 20, 51 und 62). Dem Beschwerdeführer wurde für die weiter vorge-
sehene Anhörung ein Dolmetscher seiner Muttersprache K._ in
Aussicht gestellt, worauf er erklärte: "Nein, das ist ok für mich. Ich habe mit
dem kein Problem. Sie können den gleichen DM aufbieten" (vgl. a.a.O. F/A
63). Er führte ausserdem an, sich auch mit der Sachbearbeiterin sehr wohl
zu fühlen. Am Ende wurde erneut die Frage nach einem Dolmetscher ge-
stellt (und ob Bedarf nach einem gleichgeschlechtlichen Team bestehe).
Dabei erklärte der Beschwerdeführer, er habe sich vor der Anhörung keinen
K._-Dolmetscher gewünscht, er habe nur die befragende Sachbe-
arbeiterin als Frau durch seine Schilderungen nicht beeinträchtigen wollen
(vgl. a.a.O. F/A 65 f.). Letztlich ist festzuhalten, dass die besagte Anhörung
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Seite 9
im Beisein des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers durchgeführt wor-
den ist und sich dieser nicht dezidiert gegen die Durchführung der Befra-
gung in Englisch aussprach. Am Ende der Anhörung hat der Beschwerde-
führer unterschriftlich bestätigt, das Protokoll sei vollständig, entspreche
seinen freien Äusserungen und sei in eine ihm verständliche Sprache über-
setzt worden (vgl. a.a.O. S. 13). Der Rechtsvertreter seinerseits bestätigte
ebenfalls unterschriftlich, keine (weiteren) Fragen mehr zu haben (vgl.
a.a.O.). Insgesamt erweisen sich die diesbezüglichen Vorbehalte und Rü-
gen in der Beschwerde damit als nicht stichhaltig.
6.1.2 Mit Bezug auf die bei der Anhörung vom 9. März 2020 erstellte Nie-
derschrift kann in diesem Kontext auf das oben Gesagte verwiesen werden.
Diese Anhörung wurde von derselben Sachbearbeiterin und unter Beizug
desselben Dolmetschers sowie in Anwesenheit des Rechtsvertreters und
damit in gleicher Konstellation wie am 27. Januar 2020 durchgeführt. Der
Beschwerdeführer gab auch bei dieser Anhörung an, den Dolmetscher zu
verstehen (vgl. Protokoll [Aktenstück 31/17] F/A 1) und unterschrieb nach
der Rückübersetzung auch dieses Protokoll als korrekt, vollständig und sei-
nen freien Äusserungen entsprechend.
6.1.3 Nach dem Gesagten erweisen sich die Rügen der Verletzung der Un-
tersuchungspflicht und des rechtlichen Gehörs als unbegründet. Auf die An-
hörungsprotokolle kann für die Prüfung des Asylgesuchs uneingeschränkt
abgestellt werden.
6.2 Das Gericht stellt bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Asylbe-
gründung Folgendes fest:
6.2.1 Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Asylvorbringen strecken-
weise nicht plausibel, unsubstanziiert und lebensfremd wirken. Es finden
sich zudem in den Aussagen klare Widersprüche.
6.2.2 Im Kontext der vom Beschwerdeführer wiederholt genannten schwer-
wiegenden Konsequenzen, die ein Glaubenswechsel mit sich bringen
würde, ist nicht nachvollziehbar, dass er erstens auf Schutz einer christli-
chen Minderheitengemeinschaft gehofft und zweitens nicht unmittelbar
nach den angeblich erlittenen Nachteilen ausgereist ist. Dass er gerne in
Indien verblieben wäre, ist angesichts der ihm angeblich drohenden Kon-
sequenzen nicht plausibel. Es finden sich weitere Ungereimtheiten in sei-
nen Aussagen. So hat der Beschwerdeführer in seiner ersten Anhörung
verschiedene ihm zugefügte Nachteile und Drohgebärden sowie eine tätli-
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Seite 10
che Auseinandersetzung im Zusammenhang mit einer Entführung be-
schrieben. Die diesbezüglichen Schilderungen wirken nicht nachvollzieh-
bar und teilweise völlig unrealistisch. Zur Vermeidung von Wiederholungen
wird an dieser Stelle auf die einässlichen und zutreffenden Erwägungen in
der vorinstanzlichen Verfügung verwiesen.
6.2.3 Diesen ist – auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Indien als
verfolgungssicherer Staat im Sinn von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG gilt –
bloss anzufügen, dass der Beschwerdeführer gegen allfällige Übergriffe
von religiösen Parteien nicht bei den zuständigen staatlichen Organen um
Schutz ersucht respektive Anzeige gegen die ihn behelligenden Personen
erstattet hat. Letztlich ist festzuhalten, dass er sich gemäss eigenen Anga-
ben Ende (...) 2019 nach F._ begeben und sich bis zur Ausreise im
(...) 2019 dort aufgehalten hat. Für diesen (...) Aufenthalt hat er keine be-
sonderen Probleme geltend gemacht. Damit erscheint – letztlich ungeach-
tet der Frage der Glaubhaftigkeit – der zeitliche Kausalzusammenhang als
nicht gegeben, respektive ist davon auszugehen, dass er allfälligen Prob-
lemen innerhalb seines Heimatstaates ausweichen konnte.
6.2.4 Insgesamt halten die Vorbringen den Anforderungen von Art. 7 AsylG
an das Glaubhaftmachen eines asylrechtlich relevanten Sachverhalts nicht
stand. Die im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten Unterlagen vermö-
gen zu keinem anderen Schluss zu führen, und die diesbezüglichen Aus-
führungen der Vorinstanz sind zu bestätigen.
6.3 Indessen erweist sich die Rüge als berechtigt, dass die Vorinstanz das
Asylgesuch des Beschwerdeführers offensichtlich zu Unrecht im beschleu-
nigten Verfahren behandelt hat.
6.3.1 Steht nach der Anhörung fest, dass ein Entscheid im Rahmen des
beschleunigten Verfahrens nicht möglich ist, namentlich, weil weitere Ab-
klärungen erforderlich sind, erfolgt die Zuteilung ins erweiterte Verfahren
(Art. 26d AsylG). Das Asylverfahren des Beschwerdeführers war und ist na-
mentlich mit Bezug auf die aufwändige Feststellung des komplexen Sach-
verhalts offenkundig nicht für das beschleunigte Verfahren geeignet.
6.3.2 Das Protokoll der Anhörung vom 27. Januar 2020 trägt zwar den Titel
"Befragung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG". Es handelte sich aber offenkundig
nicht um eine summarische Befragung zu den Gründen für das Verlassen
des Heimatlandes im Sinn des zweiten Satzes dieser Bestimmung, son-
dern um eine – fast fünf Stunden dauernde – einlässliche Anhörung zu den
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Asylgründen gemäss Art. 29 AsylG. Im Übrigen war die 21-tägige Vorberei-
tungsphase (vgl. Art. 26 Abs. 1 Satz 2 AsylG), in deren Rahmen Befragun-
gen gemäss Art. 26 Abs. 3 AsylG durchgeführt werden, bereits am 2. De-
zember 2019 abgelaufen.
6.3.3 Nach der Anhörung vom 27. Januar 2020 wurde am 9. März 2020
eine ergänzende zweite Anhörung zu den Asylgründen durchgeführt (die
mehr als acht Stunden dauerte). Eine solche Zweitanhörung schliesst die
Weiterführung des beschleunigten Verfahrens in der Regel bereits aus, weil
es sich dabei um weitere Abklärungen gemäss Art. 26d AsylG handelt (vgl.
statt vieler BVGer E-4367/2019 vom 9. Oktober 2019 E. 7 m.w.H.).
6.3.4 Beschleunigte Verfahren sollen gemäss der Konzeption des Gesetz-
gebers innert einer Gesamtfrist von 140 Tagen abgeschlossen werden; in-
nert dieser maximalen Dauer ist das erstinstanzliche und ein allfälliges Be-
schwerdeverfahren sowie das Wegweisungsvollzugsverfahren durchzufüh-
ren (Art. 24 Abs. 3 Bst. a und Abs. 4 AsylG). Dass Verfahren wie das vor-
liegende nicht im beschleunigten Verfahren behandelt werden sollen, zeigt
sich bereits daran, dass die fristgerecht eingelegte Beschwerde erst am
140. Tag beim Bundesverwaltungsgericht einging.
6.3.5 Eine konkrete Konsequenz der Durchführung des beschleunigten
Verfahrens liegt in der Verkürzung der Beschwerdefrist von 30 Tagen auf
sieben Arbeitstage (vgl. Art. 108 Abs. 1 AsylG).
6.3.6 Soweit in der Beschwerde in abstrakter Weise "die Gefahr einer Ver-
letzung von Verfahrensgarantien" thematisiert wird (vgl. Beschwerde S. 7
und S. 8), ist allerdings Folgendes festzustellen: Im Rechtsmittel wird nicht
vorgebracht, dass eine korrekte Beschwerdeführung aus zeitlichen Grün-
den nicht möglich gewesen sei. Obwohl die aktuelle Corona-Krise vermut-
lich in der Tat erschwerte Kommunikationsmöglichkeit zwischen Rechtsver-
tretung und Beschwerdeführer zur Folge gehabt haben dürfte (vgl. Be-
schwerde S. 8), konnte innert der verkürzten Frist eine ausführliche und
vollumfänglich rechtsgenügliche Beschwerde erarbeitet und eingereicht
werden.
6.3.7 Unter diesen Umständen erweist sich die Rückweisung des Verfah-
rens an die Vorinstanz als unnötig und letztlich sinnlos. Das SEM wird aber
mit Nachdruck aufgefordert, bei künftigen gleichgelagerten Fällen eine Zu-
weisung ins erweiterte Verfahren vorzunehmen.
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Seite 12
6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, das Bestehen von Fluchtgründen im Sinn von Art. 3 AsylG
darzutun. Die Vorinstanz hat zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft ver-
neint und das Asylgesuch abgelehnt. Das Eventualbegehren, die Sache sei
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist abzuweisen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-
setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Hei-
mat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
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8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in In-
dien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzu-
lässig erscheinen.
8.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren.
8.3.1 Die allgemeine Lage in Indien ist weder von Bürgerkrieg noch von
allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung
dorthin grundsätzlich zumutbar ist. Zudem gilt Indien, wie erwähnt, als
"Safe Country".
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8.3.2 Der Beschwerdeführer hat gemäss Akten keine schwerwiegenden
gesundheitlichen Probleme und ist ein junger Mann ohne familiäre Ver-
pflichtungen. Er verfügt zudem über einen Universitätsabschluss als Inge-
nieur und über ein Diplom in (...) Science sowie über umfangreiche Berufs-
erfahrungen. Er wird sich bei einer Rückkehr im Heimatland, wo er über ein
familiäres Beziehungsnetz verfügt, reintegrieren und ein Auskommen fin-
den können.
8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich im Bedarfsfall bei
der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und
dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Angesichts der oben erwähnten Besonderheiten des erstinstanzlichen Ver-
fahrens ist auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten (Art. 63
Bst. 1 in fine VwVG). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
werden mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos.
11.
Für das Zusprechen einer Parteientschädigung besteht schon deshalb
keine Veranlassung, weil es sich beim Rechtsvertreter des Beschwerde-
führers um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinn von
Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von
Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater AsylG).
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