Decision ID: 4b0b5c58-1b6a-496d-ba47-47ca86e9c3bc
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1988 geborene
X._
arb
eitete seit dem
1.
Oktober 2009
als
Crewmit
arbeiterin
bei der
Firma Y._
für
die Kette Z._
, zuletzt in einem Pen
sum von
etwa
15 Stunden pro Woche,
und war dadurch bei der SWICA Versi
cherungen AG
(SWICA)
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert
, als sie am 1.
Oktober 2012 einen Autounfall erlitt (Unfallmeldung
vom
9.
Oktober 2012
,
Urk.
11
/1)
. Bei diesem wurde a
uf
der Autobahn ein anderes Fahrzeug in ihren Personenwagen
geschleudert, wodurch ihr Personenwagen gegen die Mittelleitplanke gedrückt wurde (Rapport der Kantonspolizei Zürich vom 2
4.
Oktober 2012,
Urk.
11/12)
.
Med.
pract
.
A._
,
Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin,
welche am
3.
Oktober 2012 die
Erstbe
handlung
durchführte,
diagnostizierte eine
HWS-Distorsion
und
attestierte
X._
, wie auch
Dr.
med.
B._
,
Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin,
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Formular vom 3.
Oktober 2012,
Urk.
11/8,
Arztzeugnis
se von med.
pract
.
A._
vom 9.
Oktober 2012,
Urk.
11/5,
und
vom 2
3.
Oktober 2012,
Urk.
11/10
, sowie Arztzeugnis
von
Dr.
B._
vom 1
8.
Oktober 2012,
Urk.
11/6
)
.
Die SWICA
teilte am 2
3.
Oktober 2012
der
Firma Y._
mit, dass sie f
ür Heilbehandlungskosten auf
komme und Taggeldleistungen erbringe (
Urk.
11/7)
.
Dr.
med.
C._
, Fachär
z
t
in FMH für Rheumatologie und Innere Medizin, attestierte der Beschwerdeführerin
ab
dem
2.
November 2012 eine maximal 30%ige Arbeitsfähigkeit für leichtere Tätigkeiten (
Arztzeugnis
und Unfallschein
vom 1
6.
November 2012
,
Urk.
11/13
, sowie
B
ericht vom 2
1.
November 2012,
Urk.
11/17). Am 1
7.
Januar 2013 wurde
X._
im Auftrag der SWICA
von
Dr.
med. D._
, Facharzt FMH für Rheumatologie
und für Physikalische Medizin und Rehabilitation
, unter
sucht
.
Dr.
D._
kam zum Schluss
, dass
X._
per Ende Oktober
2012
von de
n
Folge
n
des Unfalls befreit und somit auch der Status quo ante erreicht worden sei (Bericht vom 19.
Januar 2013,
Urk.
11/28). Die SWICA teilte
X._
am 3
1.
Januar 2013 mit, dass sie
ab 1
8.
Januar 2013 keine Versiche
rungsleistungen mehr erbringe
(
Urk.
11/29),
woran
si
e, nachdem
X._
am 1
4.
März 2013
hatte
mitteilen
lassen
, dass sie hiermit nicht einverstanden sei (
Urk.
11/33),
mit Verfügung vom 1
0.
April 2013
festhielt
(
Urk.
11/34).
Die von
X._
am 1
0.
Mai 2013 erhobene Einsprache (
Urk.
11/35) wies die SWICA
mit Einspracheentscheid vom 10.
September 2013 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen
liess
X._
am
7.
Oktober 2013 durch Rechtsanwältin Bar
bara Laur Beschwerde
erheben
und beantr
agen, es seien ihr über den 18.
Januar 2013 hinaus die gesetzlichen Leistungen gemäss Bundesgesetz über die Unfall
versicherung (UVG) zu erbringen, insbesondere seien ihr die Taggelder auf Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 70
%
auszurichten und die Heilungskosten zu übernehmen. Eventualiter seien ergänzende medizinische Abklärungen zu tref
fen und sie polydisziplinär bei einer unabhängigen, durch das Gericht oder die Parteien gemeinsam zu bestimmenden Gutachterstelle begutachten zu lassen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Bestellung von Rechtsanwältin Barbara Laur als unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
November 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), wa
s der Beschwerdeführerin am 14.
November 2013 mit
geteilt wurde (
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin auch
über den
1
7.
Januar 2013 hinaus Anspruch auf Leistungen der Beschwerdegegnerin hat.
1.2
Die Beschwerdegegnerin bringt zur Begründung der Leistungseinstellung
ab
18.
Januar 2013 im Wesentlichen vor, gemäss Gutachten von
Dr.
D._
, wel
cher nich
t ihr Vertrauensarzt sei, seien die durch den Unfall vom
1.
Oktober 2012 entstandenen Beschwerden im zervikalen bzw
. Nackenbereich von beschränkte
r Dauer und nach drei bis vier Wochen Behandlung und Ruhe abge
heilt. Somit sei der Status quo ante per Ende Oktober 2012 erreicht. Die noch bestehenden Beschwerden im Sinne einer generalisierten Fibromyalgie seien funktionell und somit nicht unfallbedingt.
Die Beschwerdeführerin sei für das beschriebene Arbeitspensum von 30
%
seit Anfang/Mitte November 2012 wie
der voll arbeitsfähig gewesen, in einer alternativen Tätigkeit mit
wechselbel
as
tend
Sitzen, Stehen und Gehen sei sie im gleichen Pensum wie vor dem Unfall arbeitsfähig, nämlich 70
%
. Neben dem natürlichen Kausalzusammenhang sei
ab 1
8.
Januar 2013
auch die Adäquanz zwischen dem Unfallereignis vom
1.
Oktober 2012 und den noch gekl
agten Beschwerden zu verneinen (
Urk.
2 und
Urk.
11).
1.3
Die Beschwerdeführerin lässt hiergegen im Wesentlichen vorbringen,
die Beschwerdegegnerin habe ihre Leistungen rund dreieinhalb Monate nach dem Unfallereignis eingestellt, obwohl die Arbeitsfähigkeit gemäss der behandelnden Ärztin noch nicht wiederhergestellt worden sei und weitere therapeutische Massnahmen für sinnvoll erachtet worden seien. Die Leistungseinstellung sei
jedenfalls
verfrüht erfolgt. Be
im Untersuchungsbericht von Dr.
D._
, auf wel
chen die Beschwerdegegnerin die Leistungseinstellung stütze, handle es sich nicht um ein auf formell korrektem Weg eingeholtes Gutachten. Ihr seien kei
nerlei Parteirechte eingeräumt worden.
Dr.
D._
sei von der
Beschwerdegeg
nerin
nicht formell zum Erstatten des Gutachtens beauftragt worden, sondern es sei von ihm als beratende
r
Arzt ein Kurzbericht
einverlangt
worden. Es sei nicht bekannt, welche Unterlagen
Dr.
D._
vorgelegen hätten.
Dr.
D._
begründe seine Behauptung, die Beschwerden hätten lediglich drei bis vier Wochen
Be
handlungszeit
und Ruhepause gerechtfertigt, nicht. Es sei
auch
nicht einleuch
tend und nicht nachvollziehbar, dass bereits drei bis vier Wochen nach dem hinsichtlich des Hergangs und der einwirkenden Kräfte schweren Unfalls die Beschwerden plötzlich eine andere Ursache als die anlässlich des Unfalls erlitte
nen Verletzungen gehabt haben sollen. Sie sei vor dem Unfall gesund und voll leistungsfähig gewesen. Da auf den Bericht von
Dr.
D._
nicht abgestellt werden könne, habe die Beschwerdegegnerin den ihr obliegenden Beweis, dass die Unfallkausalität hinsichtlich der seit dem Unfall aufgetretenen und persis
tierenden Beschwerden weggefallen seien, nicht erbracht. Sie
habe daher wei
terhin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen
. Anzufügen bleibe, dass ihre Beschwerden auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom
1.
Oktober 2012 stünden (
Urk.
1).
2.
2.1
Nach
Art.
10
Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Tag
geld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
(
Art.
8 ATSG) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18
Abs.
1
UVG
).
2.2
Die massgebliche
Rechtsprechung zum
Leis
tungsanspruch
und zum dafür erfor
derlichen natürlichen und adä
quaten Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Gesundheitsschaden
werden
im angefochtenen Entscheid
(
Urk.
2) grund
sätzlich
zutreffend wie
dergegeben. Gleiches gilt für die zur Beurteilung des natürlichen und adä
qua
ten Kausalzusammenhanges bei
Schleu
dertraumata
der Halswirbelsäule und
äquivalenten Verletzungen
ergangene Rechtsprechung
(
vgl. insbesondere BGE 134 V 109;
Urk.
2). Darauf kann grundsätzlich verwiesen werden.
2.3
Zu ergänzen ist, dass gemäss einer älteren Rechtsprechung bei diagnostiziertem Schleudertrauma der Halswirbelsäule und Vorliegen eines für diese Verletzung typischen Beschwerdebildes (
mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter) der natürliche Kausalzusammenhang zwi
schen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel zu bejahen ist (BGE 117 V 359 E. 4b).
Auf
grund von Kritik in der Lehre hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung präzi
siert (BGE 134 V 109). Nach diesem Leitentscheid sind an die Grundlagen für den Schluss auf einen Kausalzusammenhang nunmehr hohe Anforderungen zu stel
len. Für die Ausrichtung der kurzfristigen Leistungen wird in der Regel eine durch zuverlässige ärztliche Angaben gesicherte Diagnose genügend sein. Sollten die Beschwerden indessen länger als sechs Monate persistieren, so ist ein
polydiszip
linäres
Gutachten nötig (BGE 134 V 109 E. 9;
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtspre
chung des Bundesgerichtes zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
4.
Auflage, Zürich 2012, S. 56).
2
.
4
Die Rechtsprechung geht in Bezug auf die Würdigung von ärztlichen Berichten, welche ein Unfallversicher
er
im Administrativverfahren einholt, seit je d
avon aus, dass die Versicherung
, solange sie in einem konkreten Fall noch nicht Pro
zesspartei ist, als Verwaltungsorgan dem Gesetzesvollzug dient. Wenn die von der Unfallversicherung beauftragten Ärzte und Ärztinnen zu schlüssigen Ergeb
nissen gelangen, darf das Gericht in seiner Beweiswürdigung auch solchen Gut
achten folgen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 104 V 209 E. c; RKUV 1991 Nr. U 133 S. 312).
3
.
3
.1
Med.
pract
.
A._
attestierte der Beschwerdeführerin
mit Arztze
ugnis vom 9. Oktober 2012 (Urk. 11/5) ebenso
wie
Dr.
B._
mit Artzeugnis vom 1
8.
Oktober 2012 (Urk.
11/6)
ohne weitere Angaben eine
100
%ige Arbeitsunfä
higkeit
vom
2.
bis 1
4.
Oktober respektive vom 1
6.
bis 2
8.
Oktober 201
2.
Im
Ar
z
tzeugnis vom 2
3.
Oktober 2012, mit welchem sie der Beschwerdeführerin weiterhin einen 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte, nannte
med.
pract
.
A._
als Diagnose einen Status nach HWS-Distorsion nach Autounfall am
1.
Oktober 2012 (
Urk.
11/10).
Aus dem von
ihr
im Rahmen der Erstkonsultation am
3.
Oktober 2012 ausgefüllten
„
Dokumentationsbogen für Erstkonsultation
nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma
“
geht hervor
,
dass die Beschwerdeführerin nach de
m Unfall vom
1.
Oktober 2012 über Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel,
Übelkeit
und Schmerzen der HWS
klagte.
Med.
pract
.
A._
stellte zudem einen Muskelhartspann im
Bereich des Nackens
sowie einen Kinn-Sternum-Abstand von 5 cm bei Flexion und 25 cm bei Extension fest
(
Urk.
11/8)
.
3
.2
Dr.
C._
erklärte mit Arztzeugnis vom 1
6.
November 2012
, aufgrund
unfall
bedingter
Schmerzen im Bereich des Nackens und Kopfes sollten Arbeiten mit
H
eben von Gewichten und Reinigungstätigkeiten vermieden werden. Arbeiten an der Kasse seien mit Pausen aktuel
l zu maximal 30
%
möglich (Urk.
11/13).
3
.3
Am 2
1.
November 2012 berichtete
Dr.
C._
med.
pract
.
A._
, es finde sich bei der Beschwerdeführerin nach der Fahrzeugkollision vom
1.
Oktober 2012 ein
zervikozephales
Schmerzsyndrom mit deutlic
her muskulärer
Dysba
lance
, ohne
dass radiologisch pathologische Befunde hätten erhoben werden können.
Weil
die Beschwerdeführerin auf die bisherige Physiotherapi
e nicht angesprochen habe, soll
t
e ihres Erachtens ein Versuch mit einer
Craniosa
c
ral
-T
herapie begonnen werden, da dies bei HWS-Distorsionen häufig sehr gut wirksam sei. Bezüglich der Arbeit habe sie der Beschwerdeführerin die Arbeits
unfähigkeit von 70
%
verlängert, und ihr ein Zeugnis abgegeben, damit sie nur die leichteren Tätigkeiten, wie die Kasse bedienen, durchführen k
önne
. Andernfalls könnte sie ihre Arbeit längerfristig nicht
ausüben
. Sie werde die Beschwerdeführerin im Verlauf der Therapie erneut nachkontrollieren
(Urk.
11/17).
3
.4
Dr.
D._
diagnostizierte
mit Bericht
vom 1
9.
Januar 2013
zuhanden
der
Beschwerdegegnerin
:
Status nach Distorsion der HWS im Jahr 2009 (keine Dokumentation und unbefriedigende anamnestische Angaben)
Status nach Distorsion der HWS am
1.
Oktober 2012 infolge seitlicher Kol
lision auf der Autobahn mit/bei
u
nauffällige
r
HWS und
Neu
ro
kranium
(1
6.
Oktober 2012)
p
rotrahierte
m
Beschwerdeverlauf, teils erschwerte
r
anamnestische
r
und unspezifische
r
Angabe
b
eginnende Fibromyalgie im Sinne von Schmerzausweitungstendenz
Der Unfall vom
1.
Oktober
2012 dürfte
die einzige Ursache der entstandenen Beschwerden sein. Dies jedoch von beschränkter Dauer. Die Beschwerdeführerin gebe an, dass sie den Kopf nicht nach vorne bewegt oder angeschlagen habe. Der Zusammenstoss sei seitlich gewesen, es sei vermutlich zu einer
Lateralisati
onsbewegung
gekommen. Schmerzen, die klar auf die H
WS
zurückzuführen seien,
seien
nicht klar zum Ausdruck
gekommen
.
Es handle sich sicher
um einen recht dramatischen Zusammenstoss mit glücklicherweise wenig gravie
renden Folgen. Es sei verständlich, dass die Beschwerdeführerin in einen Schockzustand
, Angst bzw. Unsicherheit gekommen sei. Körperlich hätten aller
ding
s
keine Verletzungen bestanden, die das lang dauernde Beschwerdebild erklären würden. Aus seiner Sicht dürften die entstan
denen Beschwerden im zervikalen
bzw. Nackenbereich drei bis vier Wochen Behandlungs- und Ruhe
pausen benötigt haben. Somit sei die Beschwerdeführerin per Ende Oktober 2012 von den Folgen des Unfalls befreit und somit auch der S
tatus quo ante erreicht worden.
Für das beschr
iebene Arbeitspensum bei
der Kette Z._
dürfte
d
ie Beschwerdeführe
rin ab Anfang November 2012 grundsätzlich voll arbeitsfähig gewesen sein, wobei in den ersten paar Wochen eine gewisse
Schonarbeitstätig
keit
hätte zugewiesen werden müssen. Ab Mitte November 2012 hätte der volle Einsatz wie üblich erfolgen können.
I
n einer alternativen Tätigkeit, wechselbe
lastend mit Sitzen, Stehen und Gehen, Heben bis
sechs
Kilogra
mm, Stehdauer eine halbe Stunde und
Sitzen zwei Stunden
sei die Beschwerdeführerin voll arbeitsfähig
(
Urk.
11/28).
3
.5
Dr.
C._
nahm am
2.
Mai 2013 zur Einschätzung von
Dr.
D._
Stel
lung
.
I
n seinen Befunden b
eschreibe
er Tenderpoints, welche zu einer Fibromy
algie passen würden
,
und stufe sie als funktionell ein. Sie
, wie auch die untersu
chenden Ärzte der
Klinik E._
,
hätten
einen Muskelhartspann gefunden, das heisse,
dass
nicht eindeutig nur sch
merzhafte Druckpunkte, sondern
ein pathologisches Korrelat, nämlich
Tendomyosen
vorlägen. Di
es seien nicht funk
tionelle, sondern pathologische
Befunde
. Die Beweglichkeit sei nicht einge
schränkt, aber es g
e
be leichte Veränderungen im Bereich der Bandscheiben der HWS jedoch ohne neurologische Ausfälle. Sicher sei es zu einer leichten Aus
weitung der Beschwerden gekommen, aber ihres Erachtens könne nicht alles als funktionell
abgetan werden. Wie lange
Beschwerden nach einem HWS-
Distor
sions
-Trauma bestünden, sei hypothetisch und könne wissenschaftlich nicht eindeutig belegt werden. Normalerweise spiel
t
en aber verschiedene Faktoren im Verlauf solcher Unfälle eine Rolle. Bei der Beschwerdeführerin sei sicherlich auch eine leicht depressive Komponente vorhanden, was die Abheilung nicht
fördere. Ihres Erachtens sei eine 30%ige Arbeitsfähigkeit auf Grund der noch bestehenden Beschwerden adäquat. Di
e
s auch
,
da die Beschwerdeführerin im Haushalt eingeschränkt sei. Therapeutisch sollten die physiotherapeutischen Massnahmen ebenso fortgesetzt werden wie die Einnahme von Schmerzmitteln bei Bedarf. Ihres Erachtens wäre auch eine psychologische Begleitung zu besse
ren Schmerzverarbeitung sinnvoll (
Urk.
11/35).
4.
4.1
Aufgrund der medizinischen Akten ist erstellt, dass der Unfall vom
1.
Oktober 2012 die typischen Beschwerden nach einem Schleudertrauma auslöste (vgl. E. 2.3 und E. 3.1). Die Beschwerdegegnerin erbrachte zunächst die gesetzli
chen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld;
Urk.
11/7), womit sie – implizit – den natürlichen Kausalzusammenhang bejahte (vgl. Urteil des Bundesgerich
tes 8C_112/2009 vom 2
9.
April 2009 E. 4.3). Die Leistungseinstellung per 17. Januar 2013 nahm die Beschwerdegegnerin wegen Wegfalls insbesondere des natürlichen, aber auch des adäquaten Kausalzusammenhanges vor (
Urk.
2). Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, der Fallabschluss sei jedenfalls zu früh erfolgt (
Urk.
1).
4.2
4.2.1
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden
rente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortset
zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl.
Art.
19
Abs.
1
, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom
2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die
Adäquanz
frage
zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom
2.
Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE 134 V 109, vgl. auch Urteil 8C 454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Begriffes „
namhaft" in
Art.
19
Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von
Art.
10
Abs.
1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen - wie etwa einer Badekur - zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versi
cherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom
2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_6
39/2014 vom
2.
Dezember 2014 E.
3).
4.
2.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihr
er Leistungseinstellung
ab
18.
Januar 2013 auf den Bericht von
Dr.
D._
vom 1
9.
Januar 2013 (E.
3
.4).
Gemäss
Dr.
D._
war
der Unfall vom
1.
Oktober 2012 zunächst Ursache der von der Beschwerd
egegnerin geklagten Beschwerden. Per
Ende Oktober 2012
sei die Beschwerdeführerin jedoch von den
Folgen des Unfalls befreit und somit der Status quo ante erreicht worden
.
Als Begründung hierfür führte er im Wesentli
chen an, dass
aus seiner Sicht
die entstandenen Beschwerden im zervikalen bzw. im Nackenbereich drei bis vier Wochen Behandlung und Ruhepausen benötigt hätten.
Erläuterungen
hierzu
, namentlich
zu konkreten
Feststellungen
,
oder
Hinweise
auf allfällige
systematische Erhebungen
zur Dauer von
Beschwerden nach
HWS-Distorsionen macht
e
er nicht.
Dies wäre jedoch für die Nac
hvollziehbarkeit seines Bericht
s notwendig gewesen, ist doch gerichtsnoto
risch, d
ass
bei
HWS-Distorsionen nicht generell bereits nac
h drei bis
vier
Wochen der
S
tatus quo
ante
erreicht wird
(vgl. BGE 134 V 109 insb. E. 9.3
und E. 9.4
;
Entscheid des Kantonsgerichtes Basel-Landschaft, Abteilung
Sozialversi
cherungsrecht
, vom 1
2.
Juli 2012 [725 12 114] E. 4.9.2 [bestätigt mit Urteil des Bundesgerichtes 8C_970/2012 vom 3
1.
Juli 2013 E. 3.2]).
4.2.3
Das Erreichen des Status quo ante am 1
7.
Januar 2013 könnte im Übrigen gestützt auf den Bericht von Dr.
D._
auch für den Zeitpunkt der Untersu
chung, welche an diesem Tag und damit rund dreieinhalb Monate nach dem Unfall vom 1. Oktober 2012 stattfand, nicht ohne Weiteres angenommen werden.
Zum einen kann zwar gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtes
nach derzeitigem Stand der Wissenschaft das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und
Lumboischialgien
nach drei bis vier Mona
ten erwartet werden und ist eine traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten (statt vieler: Urteil des Bundesgerichtes 8C_563/2011 vom 29. August 2011 E. 3 mit Hinweisen). Hinsichtlich der Frage, wann das Errei
chen des Status quo ante
bei HWS-Distorsionen, welche – wie hier (
Urk.
11/17
und
Urk.
11/35) – keine
ossären
Läsionen oder neurologische Ausfälle bewirkt haben, erwartet werden kann, hat das Bundesgericht, soweit überschaubar, indessen bislang noch keine solche generelle zeitliche Obergrenze festgelegt.
Zum andern kann das Erreichen des Status quo ante – entgegen der von Dr.
D._
offenbar vertretenen Auffassung – auch nicht damit begründet wer
den, dass die HWS-Distorsion vom
1.
Oktober 2012 keine „Verletzungen“, son
dern bloss Beschwerden im zervikalen Bereich nach sich gezogen hat. Dr.
D._
verkennt bei seiner Argumentation, dass organische Verletzungen nicht zum sogenannten „typischen Beschwerdebild“ nach einem Schleudertrauma (vgl.
E.
2.3) gehören. Zwar wird auch hier von physischen Verletzungen ausgegangen, doch sind diese zumeist nicht augenfällig oder gar nicht objektivierbar (vgl. BGE 134 V 109 E. 8.3). Ebenso lässt Dr.
D._
ausser Acht, dass das „typische Beschwerdebild“ psychische Beschwerden umfassen kann (vgl. E. 2.3 und Urteil des Bundesgerichtes 8C_970/2012 vom 3
1.
Juli 2013 E. 3.3).
Dr.
D._
führte aber selbst einen protrahierten Verlauf an (S. 6) und stellte nicht in Abrede, dass die Beschwerdeführerin weiterhin an Beschwerden leidet. Die Subsumtion dieser Beschwerden unter die Diagnose „beginnende Fibromyalgie im Sinne von Schmerzausweitungstendenz“ ist nicht nachvollziehbar begründet, erschöpft sie sich doch in der Nennung der Tender
points
.
Da sich Dr.
D._
in seinem Bericht auch in keiner Weise mit den Berichten der behandelnden Ärzte auseinandersetzte, insbesondere dem Bericht von Dr.
C._
vom 21. November 2012 (E. 3.3), welche im Berichtszeitpunkt von einer bloss 30%igen Arbeitsfähigkeit in leichteren Tätigkeiten ausging und weitere Behandlungen der Unfallfolgen für notwendig erachtete, bildet der Bericht von Dr.
D._
vom 19. Januar 2013 keine hinreichende
Beurteilungs
grundlage
.
4.2.4
Mit dem Bericht von
Dr.
D._
vom 1
9.
Januar 2013 (
Urk.
11/28) lässt sich des
halb – entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin - nicht rechtsgenügend belegen, dass im Zeitpunkt der Leistungseinstellung (1
7.
Januar 2013) der Status quo ante erreicht war. Insbesondere ist aufgrund dieses Berichtes auch nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt, dass in diesem Zeitpunkt prognostisch nicht mehr von einer zu erwartenden namhaften Besserung ausgegangen werden konnte. Dies wäre aber für einen Fallabschluss per 1
7.
Januar 2013 erforderlich (vgl. E. 4.2.1).
4.2.5
Dr.
C._
hielt in ihrer Stellungnahme vom
2.
Mai 2013 (
Urk.
11/35), wie erwähnt, fest, dass die von ihr attestierte Arbeitsfähigkeit (30
%
in leichterer Tätigkeit) aufgrund der Beschwerden adäquat sei, die physiotherapeutischen Massnahmen fortgesetzt werden sollten und – da auch eine leichte depressive Komponente vorhanden sei – auch eine psychologische Begleitung zur besseren
Verarbeitung sinnvoll sei (vgl. E. 3.5). Es besteht deshalb Grund zur Annahme, dass auch in diesem Zeitpunkt prognostisch von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung zu erwarten war.
4.2.6
Hinsichtlich des weiteren Verlaufs des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin bis zum Erlass des Einspracheentscheides vom 10. September 2013 (
Urk.
2) liegen keine ärztlichen Beurteilungen vor. Am 7. November 2013 liess die Beschwerdeführerin dem Gericht allerdings mitteilen, dass sich ihr Gesundheitszustand weiter verbessert und sie per Oktober 2013 „versuchsweise vollzeitig eine (leidensangepasste) Tätigkeit im Verkauf“ habe antreten können (
Urk.
7).
4.3
Es ergibt sich somit, dass die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss (und die damit verbundene Adäquanzbeurteilung) verfrüht vorgenommen und den Anspruch der Beschwerdeführerin auf die gesetzlichen Leistungen (Heilbehand
lung/Taggeld) im Zusammenhang mit dem Unfall vom
1.
Oktober 2013 jedenfalls nicht schon per 1
7.
Januar 2013 hätte verneinen dürfen. Nach dem Gesagten wäre überwiegend wahrscheinlich auch im Mai 2013 ein Fallabschluss noch ver
früht gewesen. Ob und in welchem – späteren – Zeitpunkt die vorgenannten Voraussetzungen für einen Fallabschluss (und die damit verbundene
Adäquanz
beurteilung
) erfüllt waren, kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilt werden und ist von der Beschwerdegegnerin abzuklären.
4.
4
Der angef
ochtene
Einspracheentscheid vom 1
0.
September 2013
ist
demzufolge
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit sie
– im Hinblick auf den Fallabschluss -
den
Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit
der
Beschwerdeführerin
im weiteren
Verlauf,
unter Wahrung der Parteirechte der Beschwerdeführerin
,
abkläre und hernach über
den
Fallab
schluss
und
den
Leistungsanspruch
der Beschwerdeführerin
neu entscheide.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
A
usgangsgemäss hat die
vertretene
Beschwerdeführerin gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht Anspruch auf eine
Pro
zessentschädigung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1‘900
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen. Das von der Beschwerdeführerin gestellte Gesuch
vom 7. Oktober 2013
um Bestellung von Rechtsanwältin Barba
ra
Laur als unentgeltliche Rechtsvertreterin erweist sich somit als gegenstandslos.