Decision ID: 94fc9d97-75de-4c78-a2d9-23a1fc406197
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
1965
geborene
X._
war seit
dem
1.
September
2010
als Mitarbeiterin des Betreibungsamtes in
einem 100%-Pensum bei der Gemeinde
Y._
angestellt
(
Urk.
2/3
) und dadurch bei
der
BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich
(BVK)
berufsvorsorge
versichert (
Urk.
9/2
,
9/
3
)
.
Ab dem
8.
April 2014 wurde
X._
krankgeschrieben (
Urk.
2/6 und
Urk.
9/5).
Am
7.
August
201
4
meldete sich
X._
unter Hinweis auf ein
duktales
Carcinoma
in situ (DCIS; Brustoperation und Totaloperation 2013),
Breast
Cancer (BRCA) 1 positiv (Befund 2013) und einen Erschöpfungszustand sowie psychische Probleme seit April 2014
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(
Urk.
12/11)
.
Nach Durchfüh
rung eines Sta
nd
ortgesprächs
(
Urk.
12/15)
holte
die
IV-
Stelle
Arztberichte von
Dr.
med. Z._
, Fachärz
t
in FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe, (Bericht vom
4.
September 2014,
Urk.
12/18) und von
Dr.
med. A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin
,
(Bericht vom 2
2.
Oktober 2014,
Urk.
12/23) ein
. Am 2
3.
Dezember 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine be
ruflichen Eingliederungsm
assnahmen angezeigt seien (Urk.
12/24). In der Folge holte die IV-Stelle
unter anderem
einen Arbeitgeberbericht
der Gemeinde
Y._
(Bericht v
om 1
2.
Januar 2015, Urk.
12/25) sowie
Arztberichte von
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie
,
(Bericht vom 2
9.
Mai 2015,
Urk.
12/33) und
Dr.
A._
(
Verlaufsb
ericht vom 1
5.
Mai 2015,
Urk.
12/34) ein,
gab bei
Dr.
med. C._
,
Spezialarzt
FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag (
Urk.
12/37) und zog die Akten der Krankentag
geld
versicherung der Versicherten bei (
Urk.
12/41)
.
Die Versicherte
wurde am 1
2.
August 2015 von
Dr.
med. D._
, Spezialar
zt FMH für Innere Medizin, spez
. Herz-, Kreislaufkrankheiten
,
im Auftrag der BVK vertrauensärztlich untersucht (Guta
chten vom 2
7.
August 2015, Urk.
12/50). Mit Schreiben vom
1.
September 2015
(
Urk.
2/10)
an die Arbeitgeberin kündigte die
BVK
an, dass sie ges
tützt auf das Gutachten von Dr.
D._
die Beruf
s
invalidität
der Versicherten
auf 50
%
festsetze
n
und
ihr
damit eine Teilrente zuspreche
n werde
.
In der Folge
verfügte die Arbeitgeberin mit Änderungsverfügu
n
g vom 23.
Oktober 2015
per
1.
April 2016
eine Reduktion des Beschäftigungsgrades
der Versicherten
auf 50
%
(
Urk.
2/12).
Am
9.
November 2015 erstattet
Dr.
C._
sein Gutachten
zu Händen der IV-Stelle
(
Urk.
12/44
).
Die IV-Stelle stellte daraufhin mit
Vorbescheid vom 1
9.
November 2015
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
12/46).
Dagegen erhob die
BVK
mit Eingabe vom 1
1.
Dezember 2015
(
Urk.
12/51)
unter Ein
reichung
des
Gutach
tens von
Dr.
D._
(
Urk.
12/50) Einwand und beantragte, es seien
weitere Abklärungen vorzunehmen.
Die Versicherte erhob am
5.
Januar
2016 ebenfalls Einwand und beantragte die Ausrichtung einer halben Inv
aliden
rente (
Urk.
12/54 und
Urk.
12/63).
Am 2
9.
März
2016 teilte die BVK der Versicherten mit, dass sie ab
dem
1.
April
2016 Anspruch a
uf eine Berufsinvalidenrente ba
s
i
erend auf einem Invaliditäts
grad
von 50
%
, das heiss
t
Fr. 16'528
.-- pro Jahr
,
und auf einen Überbrückungs
zuschuss
in Höhe von Fr. 13'748.-- pro Jahr
habe (
Urk.
2/11)
.
Mit
Verfügung vom 2
3.
Mai 2016 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
der Versicherten
ab (
Urk.
12/65).
Nach Erhalt dieser Verfügung teilte die BVK der Versicherten m
it Schreiben vom 2
7.
Mai 2016 mit,
sie werde
die Invalidenleis
tungen per 3
0.
Juni 2016
einstellen
(
Urk.
2/17).
Die Versicherte erhob gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 2
3.
Mai 2016
am 20. Juni 2016 Beschwerde (Urk. 12/69/3-21) und beantragte, ihr sei eine halbe Invalidenrente zuzusprechen.
2.
Mit Eingabe vom
4.
Oktober 2016
(
Urk.
1)
liess
X._
Klage gegen die BVK erheben und beantragen:
„1.
Es sei die Beklagte zu verpflichten, de
r Klägerin rückwirkend ab
1.
Jul
i
2016 eine jährliche Berufsinvalidenrente basierend auf einem Inva
li
ditäts
grad von 50
%
gemäss anwendbaren reglementarischen Bestim
mun
gen, demnach Fr. 16‘528.
pro Jahr, zuzüglich 5
%
Zins der ver
fallenen Leis
tungen, zu bezahlen.
2.
Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin ab
1.
Juli 2016 einen jährlichen Überbrückungszuschuss zur Invalidenrente von Fr. 13‘748.
zuzüglich 5
%
Zins
der verfallenen Leistungen, zu bezahlen.
3.
Es sei die Beklage zu verpflichten, das Sparguthaben der Klägerin rück
wirkend ab
1.
April 2016 auf der Ba
s
is des letzten versicherten Lohnes gemäss reglementarischer Bestimmung weiterzuführen.
4.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich
MWSt
) zulasten der Beklagten.“
Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom 3
0.
Januar 2017
(
Urk.
8)
die Ab
weisung der Klage.
In prozessualer Hinsicht beantragte si
e
, das Verfahren sei bis zum rechtskräftigen Abschluss des invalidenversicherungsrechtlichen Beschwer
deverfahrens zu sistieren.
Mit Urteil vom
1.
Februar 2017
(
Urk.
12/73)
hiess
das hiesige Gericht die
invali
denversicherungsrechtliche
Beschwerde
gegen die Verfügung
vom 2
3.
Mai 2016
in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügung
aufgehoben, und di
e
Sache an
die IV-Stelle zurückgewiesen wu
rde, damit
diese ergänzende psychiatrische Abklärungen
vornehme und danach über den Leistungsanspruch neu verfüge
.
Nachdem die Akten der
Eidgenössischen Invalidenversicherung
(IV)
beigezogen worden waren (Verfügung vom
7.
März 2017,
Urk.
10, IV-Akten,
Urk.
12/1-73)
, hielt die Klägerin mit Stellungnahme vom
8.
Mai 2017 (
Urk.
14) an ihren mate
riellen Anträgen fest. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, es sei auf den Ver
fahrensantrag der Beklagten, wonach das Verfahren bis zum rechtskräftigen Ab
schluss des invalidenversicherungsrechtlichen Beschwerdeverfahrens zu sistieren sei, nicht einzutreten, eventualiter sei er abzuweisen. Die Beklagte hielt daraufhin mit Stellungnahme vom 1
5.
November 2017 (
Urk.
19)
an ihrem
materiellen An
trag auf Abweisung der Klage fest und änderte ihren prozessualen Antrag inso
weit, als sie d
ie Sistierung des vorliegenden Verfahrens bis zum rechtskräftigen Entscheid über den
Rentenanspruch im IV-Verfahren beantragte.
In Nachachtung des Urteils des hiesigen Gericht
s
vom
1.
Februar 2017 gab die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten bei
Dr.
med. E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
in Auf
t
rag, welches dieser am 2
8.
Febru
ar
2018 erstattete (
Urk.
27/26).
Mit Verfügung vom 2
8.
Mai 2018 (
Urk.
23) wurden von der IV-Stelle die seit dem
1.
Februar 2017 ergangenen Akten der
IV
in Sachen der Klägerin beigezogen (
Urk.
25/1-100 bzw.
Urk.
27/1-32)
und diese
den Parteien zur Stellungnahme zu
gestellt (
Urk.
28). Die Beklagte liess sich mit Eingabe vom 1
2.
September
2018 (
Urk.
31) und die Klägerin mit Eingabe vom
5.
November 2018 (
Urk.
34)
verneh
men
.
Die Beklagte beantragte weiterhin die Abweisung der Klage bzw. den Ver
lauf der Arbeitsunfähigkeit durch Rückfrage bei
Dr.
E._
klären zu lassen.
D
ie Klägerin
änderte
ihre Klageanträge 1 und 2 insoweit ab, als sie
neu
Verzugszinsen für das Jahr 2016 in Höhe von 2,25
%
und ab dem Jahr 20
17 von 2
%
beantragte. Ihren
Klageantrag 3
führte sie
nicht mehr an.
Im Eventualstandpun
kt beantragte
die
Klägerin
neu, es sie die Beklagte zu verpfl
i
c
hten, ihr vom
1.
Juli 2016 bis
1.
März 2018 eine Berufsinvalidenrente sowie einen Überbrückungszuschuss zur Rente basierend au
f einem Invaliditätsgrad von 40
% gemäss
den
anwendbaren reg
lementarischen Bestimmungen, zuzüglich Verzugszins von 2,25
%
im Jahr 2016 sowie 2
%
ab dem Jahr 2017 auf die verfallenen Lei
stungen
zu bezahlen. Die Angelegenheit sei zur Durchführung einer vertrauensär
z
tlichen Untersuchung be
züglich der
cancer-related
fatigue
gemäss
Art.
37
Abs.
2 des anwendbaren Reg
lements an die Beklagte zurückzuweisen.
Subeventualiter
beantrag
t
e
die Klägerin
, es sei die Angelegenheit zur Durchführung einer Oberexpertise gemäss
Art.
37
Abs.
3 des anwendbaren Reglements an die Beklagte zurückzuweisen.
Mit
Verfü
gung vom 2
7.
November 2018 (
Urk.
35) wurden die Stellungnahmen der Parteien der Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zum Entscheid über die strittigen Leistungen ist gegeben (Art. 73 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, BVG, in Verbindung mit § 2 Abs. 2
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
1
.2
Gemäss
Art.
37
Abs.
1
des
Vorsorger
eglements der Beklagten
(
Urk.
2/20,
Urk.
9/4)
haben versicherte Personen, die vor Vollendung des 6
5.
Altersjahres wegen Krankheit oder Unfall für die bisherige Berufstätigkeit invalid geworden sind, Anspruch auf eine Invalidenrente. Sie wird während der Dauer der Berufsin
validität oder bis zum Tod, längstens aber für 2 Jahre ausgerichtet. Für über 50
jährige Personen entfällt die 2-jährige Befristung, die Rente wird jedoch längstens bis zum vollendeten 6
5.
Altersjahr ausgerichtet.
Die Berufsinvalidenrente beträgt bei voller Invalidität 60
%
des l
etzten versicher
ten Lohnes (
Art.
38
Abs.
1 des Vorsorgereglements).
Bei teilweiser Berufsinvali
dität wird die Rente entsprechend dem Invaliditätsgrad wie folgt festgesetzt: Berufsinvalidität bis 24
%
:
keine Ren
te, Berufsinvalidität 25 bis 59
%
:
Rente ge
mäss Grad der
Invalidität, Berufsinvalidität 60 bis 69
%
:
Dreiviertelsrente
, Berufs
invalidität 70
%
und mehr
:
Vollrente (
Art.
38
Abs.
2).
1
.3
Gemäss
Art.
41
Abs.
1 des Vorsorgereglements der Beklagten wird v
ollinvaliden Personen neben der Invalidenrente ein Zuschuss von 75
%
der maximalen vollen Altersrente der
Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV)
ausgerichtet, bis die Leistungen der IV einsetzen oder bis zum ordentlichen Rentenalter der AHV. Bei
teilinvaliden
Personen wird der Zuschuss analog
Art.
38 entsprechend dem Invaliditätsgrad festgesetzt.
1
.4
1
.4.1
Eine Vorsorgeeinrichtung - selbst wenn sie ei
nen im Vergleich zum BVG resp. Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG)
weiteren Invaliditätsbegriff verwendet und nicht an die Entscheidungen der Organe der Invalidenversiche
rung gebunden ist
-
hat auch im Rahmen der weitergehenden Vorsorge die bisher ausgerichtete Rente mangels andersl
autender reglementarischer respektive
statu
tarischer Anordnung nach den invalidenversicherungsrechtlich
en Regeln anzu
passen (BGE 143
V 434 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1
.4.2
Gemäss
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
wird
eine
Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheb
lich
ändert
(Revision)
.
Der Versicherungsträger kann zudem auf formell rechts
kräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Wiedererwägung;
Art.
53
Abs.
2 ATSG)
.
1
.4.3
Gemäss
Art.
36
Abs.
3 des
Vorsorger
eglements der Beklagten
(
Urk.
9/4)
führen dauerhafte und wesentliche Änderungen des Grades der Invalidität zu einer An
passung der Invalidenrente. Dauerhaft ist die Änderung, wenn sie voraussichtlich mehr als ein Jahr besteht, wesentlich, wenn sich der Grad der Invalidität um mehr als 10 Prozentpunkte verändert.
2
.
2
.1
Die Klägerin erklärte zur Begründung ihrer Klage im Wesentlichen
(
Urk.
1
und
Urk.
14
)
, die
Beklagte habe sich bei der
mit Wirkung ab
1.
April 2016 erfolg
t
e
n
Leistungszusprache
auf
das
in Übereinstimmung mit den reglementarischen Best
immungen eingeholte
Gutachten von
Dr.
D._
vom 2
7.
August 2015 gestützt.
Dr.
D._
habe ihr für sämtliche Tätigkeiten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Es sei
seit der
Leistungszusprache
keine im Sinne von
Art.
36
Abs.
3 des Vorsor
gereglements erforderliche wesentliche und dauerhafte Veränderung eingetreten.
Ihr Gesundheitszustand sei unverändert
.
Sie habe daher weiterhin Anspruch auf die mit Entscheid vom 2
9.
März 2016 zugesprochenen Leistungen in Form einer jährlichen Berufsinvalidenrente von Fr. 16'528.--, einen jährlichen Überbrü
ckungszuschuss von Fr. 13'748.-- und der gemäss
Art.
48 des Vorsorgeregle
ments gewährten Weiterführung der Sparguthaben.
Die Behauptung der Beklagten, sie habe erst nach Einsicht in die IV-Akten ihren Entscheid abgeändert, sei falsch. Mit Schreiben vom 2
0.
November 2015 habe die Beklagte bei der Invalidenversicherung vorsorglich Einwand erhoben und Akten
einsicht verlangt. Die Akten, inklusive das Gutachten von
Dr.
C._
vom
9.
November 2015, seien ihr am 2
5.
November 2015 zugestellt worden. Sie habe somit alle Informationen der Invalidenversicherung vorliegen gehabt, als sie ihr am 2
9.
März 2016 eine halbe Berufsinvalidenrente zugesprochen habe.
Mit ihrer Stellungnahme vom
5.
November 2018 (
Urk.
34) erklärte die Klägerin im Wesentlichen, aus dem Gutachten von
Dr.
E._
ergebe sich, dass sie auch im Juli
2016
noch zu 40
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Es sei somit klar, dass der Entscheid der Beklagten, die Rente ab Juli 2016 einzustellen falsch gewesen sei.
Es sei jedenfalls eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen, weshalb sie min
destens Anspruch auf Leistungen basierend auf einer Berufsunfähigkeit in diesem Umfang habe. Diese seien mindestens bis ein Jahr nach Eintritt der relevanten Besserung des Gesundheitszustandes, das heiss
e
bis März 2018 auszurichten.
Sie selber gehe jedoch weiterhin von eine
r 50%igen Berufsunfähigkeit aus.
So äussere
Dr.
E._
in seinem Gutachten den Verdacht, dass ihre Müdigkeit auf einer krebsbezogenen Müdigkeit basieren könnte. Dies könne er,
Dr.
E._
, fachfremd jedoch nicht beurteilen. Der medizinische Sachverhalt sei somit nicht vollständig abgeklärt. Soll
t
e demnach die Klage im Hauptstandpunkt nicht gut
geheissen werden, sei die Beklagten zu verpflichten,
in
diesem Punkt, entspre
chend
Art.
37
Abs.
2 ihres Vorsorgereglements eine vertrauensärztliche Untersu
chung
durchzuführen
.
2
.2
Die Beklagte wendete dagegen
im Wesentlichen
ein
(
Urk.
8
und
Urk.
19)
, es sei unstrittig, dass die Klägerin, soll
t
e sie fü
r ihre bisherige Berufstätigkeit inval
id
geworden sei, gestützt auf
Art.
37
in Verbindung mit
Art.
65 ihres Vorsorgereg
lements Anspruch auf eine unbefristete Berufsinvalidenrente bi
s zum 6
5.
Alters
jahr hätte.
Sie sei aufgrund der Verfügung der IV-Stelle zum Schluss gekommen, dass ihr ursprünglicher Entscheid, der Klägerin Berufsinvalidenleistungen zuzusprechen, mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens, falsch gewesen sei. Die Renteneinstellung stelle dabei – entgegen der Begründung in ihrem Schreiben vom 2
7.
Mai 2016 – keine Revision infolge eines veränderten Gesundheitszustan
des gemäss
Art.
36
Abs.
3 des Vorsorgereglements dar. Vielmehr habe sie auf
grund der IV-Akten erkannt, dass ihre
Rentenzusprache
von vornherein falsch gewesen sei. Eine solche
Renteneinstellung sei zulässig
.
Mit Stellungnahme vom 1
2.
September 2018
(
Urk.
31)
ergänzte die Beklagte, auf das Gutachten von
Dr.
E._
könne grundsätz
lich abgestellt werden.
Da
Dr.
E._
bestätige
, dass ursprünglich (ab
April 2014) durchaus eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit vorgelegen habe, erscheine die
Zusprache
der halben Berufs
invali
denrente seitens der Beklagten angesicht
s
der damaligen Aktenlage aus heutiger Sicht grund
sätzlich gerechtfertigt.
Dr.
E._
habe aber festgehalten, dass sich der Gesundheitszustand der Klägerin im Zeitverlauf erheblich verbessert habe, sodass seit April 2016, jedenfalls ab September 2017 eine vollständige Arbeitsfä
higkeit aus psychiatrischer Sicht vorliege. Die Renteneinstellung basiere somit auf einem Revisionsgrund. Fraglich sei lediglich, ob die Anpassungsstörung be
reits im April 2016 entfallen sei, womit die Renteneinstellung per 3
0.
Juni 2016 gerechtfertigt gewesen sei, oder ob erst ab September 2017 eine vollständige Remission der Anpassungsstörung eingetreten sei. Diese Diskrepanz sei durch Rück
frage beim Gutachter zu beantworten.
3.
3.1
Es sind insbesondere die folgenden ärztlichen Berichte für die Beurteilung der strittigen Fragen von Belang:
3.2
Dr.
Z._
nannte mit
ihrem
Bericht
an die IV-Stelle
vom 4. September
2014 (Urk.
12
/18) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
DCIS Mamma rechts, sowie klassische
lobuläre
Neoplasie
-
BRCA
1 positiv
-
reaktive depressive Verstimmung
Sie führte aus, dass sie die Klägerin
seit 2010 betreffend Vorsorge und seit April
2013 regelmässig wegen d
er Diagnose behandle
. Seit 8. April 2014 sei die
Kläge
rin
in ih
rer Tätigkeit als Sachbearbeiterin zu 50 % arbeitsunfähig.
Aufgrund reduzierter Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen und schneller Ermüdung sei es ihr unmöglich, ein Vollzeitpensum zu leisten. Ein Pensum von täglich 50 %, was 4 Stunden 12 Minuten entspreche, sei aktuell möglich.
3.3
Dr.
A._
führte
mit Bericht
an die IV-Stelle
vom 22. Oktober 2014 (Urk.
12
/23) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit
an
:
-
Depression
-
BRCA
1-Positivität, Mammakarzinom rechts
-
Mastektomie beidseits und Rekonstruktion am 26. August 2013
-
Hysterektomie und Ovarektomie beidseits am 13. Dezember 2013
Seit 8. April 2014 sei die
Klägerin
in ihrer Tätigkeit als kauf
männi
sche Angestellte zu 50 % arbeitsunfähig. Es
bestünden
eine redu
zierte psychische Belastbarkeit, Kon
zentra
tionsstörungen und ein Aufmerk
samkeitsdefizit.
3.
4
Dr.
A._
hielt
mit Verlaufsb
ericht
an die IV-Stelle
vom 15. Mai
2015 (Urk.
12
/34) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeit
sfähigkeit eine Depres
sion
fest. Die bis
herige, beziehungsweise eine angepasste Tätigkeit, könne
von der Klägerin
zu
50 % ausgeübt werden
.
3.5
Dr.
B._
erklärte
mit Bericht
an die IV-Stelle
vom 29. Mai
2015 (Urk.
12
/33)
, dass er die
Klägerin
seit Ma
i 2014 behandle. Er
nannte fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
andauernde Persönlichkeitsän
derung bei Status nach Mamma
k
ar
z
i
nom in situ mit
Mammaresektion
beidseits 2013 (ICD-10 F62.88)
-
re
z
idivierende
depressive Störung (ICD-10 F32.00 gegenwärtig)
-
chronisches Erschöpfungssyndrom (ICD-10 F48.0)
Alle Diagnosen würden seit mindestens April 2014 gelten.
Eine Veränderung der Persönlichkeit habe sich nach dem Tod der Schwester 1997 aufgrund eines Uteruskarzino
ms und der Diagnose eines Mamma
karzinoms bei der jüngeren Schwester sowie nach eigener Diagnose eines
Mammakarzinoms 2012 beziehungs
weise 2013 entwickelt. Darüber hinaus bestünden rezidivierende depressive Phasen und eine anhaltende Reduktion des Leistungs- und Energieni
veaus. Es bestehe ein instabiler Affekt mit rezidivierenden depressiven Einbrü
chen, allgemein
erheblich reduziertem Funktions-, Leistungs-, Antriebs- und Energieniveau, eine rasche Erschöpfbarkeit psycho-psychisch mit seit der
M
am
ma
resektion
bestehendem erhöh
tem Erholungsbedarf. Oft bestehe eine
An
he
donie
und ein Gefühl der Überforderung. Die
Klägerin
sei vom
13. Dezember 2013 bis
am
9.
Januar
2014 zu 100 % arbeitsun
fähig gewesen. Vo
m
8. April
2014 bis
heute sei sie zu 50 % arbeitsunfähig
. Die Klägerin
könne
m
aximal vier Stunden hintereinan
der eine berufliche Tätigkeit ausüben. Danach sei sie erschöpft und benötige entsprechend lange Erho
lungs- und Ruhephasen
.
3.6
Am 27. August 2015 erstattete Dr.
D._
das von der
Beklagten
in Auftrag ge
gebene Gutachten (Urk.
12
/50). Er nannte
dabei
folgende Diagnosen
(Urk.
12/50/8
-9)
:
-
high grade Mammakarzinom rechts, Typ DCIS mit Kalk und Nekrosen
-
der vorliegende genetisch vermitte
lte Karzinomtyp führt zur siche
ren Erkrankung Mammakarzinom
-
Status nach stereotaktischer Vakuumbiopsie rechts am 17. Mai 2013, DCIS, BRCA1 positiv
-
positive Familienanamnese, Sc
hwester 44-jährig an Mammakarzi
nom erkrankt (BRCA positiv), an
dere Schwester 42-jährig an Ova
rialkarzi
nom verstorben
-
Status nach Skin-
Sparing
Mastektomie bei
dseits und
sentinel
l
Lym
phonodektomie
beidseits am 26. August 2013
-
Status nach
laparoskopischer
Hysterektomie und
Adnexektomie
,
Ma
millenrekonstruktion
beidseits am 13. Dezember 2013
-
psychiatrische Diagnose: anhaltende,
chronifizierte
psychische Asthe
nie, kombiniert mit depre
ssivem Zustandsbild unter regel
mässiger psy
chotherapeutischer Betreuung und Antidepressiva
-
anhaltender
,
im Verlauf stationärer
Rekonvaleszenzzustand
mit Müdigkeit, Adynamie, körperlic
her Schwäche, verlängertem Erho
lungsbedürfnis, Schlaflosigkeit
Die Klägerin
habe sich von den Eingriffen sowohl körperlich als au
ch psy
chisch nie mehr richtig erholt. Es persistier
e seither trotz aktuell dokumen
tierter Tumor
freiheit ein anhaltender
Rekonvaleszenzzustand
. Die
Klägerin
leide unter einer verminderten körperlichen und emotionalen Belastbarkeit, es fänden sich inter
mittierend auftretende Schwäche/Erschöpfungszustände, ein deutlich gesteigertes Erholungsbedürfnis sowie Schlafstörungen. Mehrmals habe die
Klägerin
, welche seit dem 8. April 2014 krankheitsbedingt
als
50 % arbeitsunfähig eingestuft sei, versucht, das Arbeitspensum wieder zu steigern. Jedes Mal sei es zu Erschöp
fungszuständen und psychophysischen Einbrüchen gekommen, weswegen aktuell nur noch eine
50%ige Arbeitsfähigkeit resultiere. Die
Klägerin
stehe sei
ther auch in regelmässiger, kon
tinuierlicher psychotherapeutischer Betr
euung. Medika
mente würden einge
setzt und vom behandelnden Psychiater werde die Diagnose psychische Asthenie überlagert von einer anhaltenden
bis anhin
therapierefrak
tären depressiven Symptomatik gestellt (
Urk.
12/50/7
). Die
Klägerin
sei aktuell in der Lage, im bis anhin ausgeübten Tätigkeitsbereich im Um
fang von 50 % wei
terhin arbeits
tätig zu bleiben (
Urk.
12/50/9
).
3.
7
Am 9. November 2015 erstattete Dr.
C._
das von der
IV-Stelle in Auftrag ge
ge
bene Gutachten (Urk.
12/44
). Er nannte die folgenden Diagnosen (
Urk.
12/44/10
):
-
protrahiertes neurasthenisches Erschöpfungssyndrom
(
ICD-10 F48.0
)
-
Status nach Operationen im August
2013 und Dezember
2013 wegen Mammakarzinom und positivem Gentest
Die
Klägerin
habe ihre Arbeit
nach de
n Operationen
jeweils nach einer Erholungs
phase
problemlos wieder
aufgenommen, so auch am 6. Janu
ar
2014 zu 100 %. Eigentliche depressive Symptome seien bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu er
kennen
. Der später behandelnde Psychi
ater Dr.
B._
habe eine Persönlich
keitsänderung beim Status nach dem Mammakarzinom
diagn
ostiziert.
Er selbst sehe keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Persönlichkeit der
Klägeri
n geän
dert hätte. Seines Erachtens sei es auch zu früh, eine solche Diagnose zu stellen (
Urk.
12/44/11
).
In
den
Monaten
ab Januar 2014
habe der Arbeitsstress zugenommen. Schlaf- und Konzentrationsstörungen seien aufgetreten.
Die Klägerin
sei in eine Müdigkeit und Energielosigkeit geraten. Der psychische Zustand sei
exazerbiert
, als
sie
Ende März noch bei einer Abstimmung in der
Gemeinde
habe mithelfen müssen. Die teilweise Krankschreibung im April 2014 sei aus heutiger Sicht nachvollziehbar. Dass die Arbeitsfähigkeit der
Klägerin
heute noch nur 50 % betrage, sei seines Erachtens nicht ausgeschlossen, aber weniger verständlich: Die Situation am Ar
beitsplatz habe sich bald entspannt. Der psychische Zustand
habe sich insgesamt verbessert. Er müsse
die
heutige Einschätzung der behan
delnden Ärzte einer 50%igen Reduktion
der Arbeitsfähigkeit
offenlassen. Falls die aktuelle teilweise Arbeitsunfähigkeit weiterhin bestätigt wer
den sollte, schlage er eine Verlaufskon
trolle in einem halben Jahr vor (
12/44/1
1
-13
)
.
3.
8
Dr.
B._
erklärte
mit Bericht
an die Rechtsvertreterin der Klägerin
vom 31. März 2016 (Urk.
12
/62), d
er Bericht von Dr.
C._
sei nicht nachvoll
ziehbar.
Di
e
Klägerin
zeige unverändert eine intermittierend gedrückte Stim
mungslage mit Antriebsmangel und
erhöhter Ermüdbarkeit und öfters eine ein
geschränkte Fähigkeit, Freude zu empfinden. Intermittierend bestünden
zudem Schlafstörungen, die die Klägerin
mittels eines schlafinduzie
ren
den Antidepres
sivums
kupiere
. Darüber hinaus
liege
ein chronisches Erschöpfungssyndrom
vor
, welches die dep
ressive Komponente perpetuiere.
Bei der
Klägerin
sei
zudem
eine Persönlichkeitsänderung
feststellbar
(
Urk.
12/62/3
).
Die
Klägerin
sei aufgrund der vorliegenden psychischen Erkrankung aus psychiatrisch-medizinische
r Sicht zu 50 % arbeitsunfähig
(
Urk.
12/62/4
).
3.
9
Mit Bericht an die IV-Stelle vom 2
0.
Jul
i 2017 (
Urk.
27/15) nannte Dr.
B._
die gleichen Diagnosen wie in seinem Be
richt vom 2
9.
Mai 2015 (vgl. E. 3.5) und hielt eine dauerhafte
50
%ige Arbeitsunfähigkeit fest
.
3.1
0
Dr.
A._
attestierte der Klägerin
mit Berichte an die IV-Stelle vom 1
9.
August
2017 (
Urk.
27/17)
ebenfalls
weiterhin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.1
1
Dr.
E._
konnte
im Gutachtenszeitpunkt
keine psychiatrische Diag
n
ose mehr feststellen und attestierte
in seinem Gutachten vom 2
8.
Februar 2018 (
Urk.
27/26)
der Klägerin
dementsprechend aus psychiatrischer Sicht
im Gutachtenszeitpunkt
auch keine Ar
beitsunfähigkeit
mehr
(
Urk.
2
7/26/1)
.
Betreffend Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigk
eit hielt
Dr.
E._
fest, p
sychiatrisch sei eine P
räsenzzeit von täglich mindeste
ns 80
%
möglich, wobei eine übliche Leistung erbracht w
erden könne. Im zeitlichen Verlau
f habe ab dem
8.
April 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Ab dem
9.
November 2015, das heisst dem Datum des Gutachtens von
Dr.
C._
, sei die Alltagsperfor
mance bereits so gewesen, dass man ab da eine 60%ige Arbeitsfähigkeit anneh
men müsse. Weitere Verbesserungen des Gesundheitszustandes
könnten an der
von der Klägerin beschriebenen Verb
esserung nach März 2017 und nach Septem
ber 2017 festgemacht werden. Ab März 2017 lasse sich deshalb eine Arbeitsfä
higkeit von 70
%
begründen und ab September 2017 von mindestens 80
%
. Spätestens ab September
2017 sei die ursprünglich diagnostizierte Anpassungs
stö
rung vollständig remittiert gewesen (
Urk.
27/26/47-48).
Weiter erklärte
Dr.
E._
, er habe aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit belegen können. Mit seinen Befunden bezüglich Aktivitäts
niveau wäre
jedoch
eine Einschränkung von bis zu weniger als 20
%
durch eine somatische Störung vereinbar. N
e
ben Schlafapnoe, Übergewicht und anderen möglichen somatischen Ursachen, die die subjektive Müd
i
gkeit der Klägerin plau
sibilisieren könnten, komme insbesondere eine krebsbezogene Müd
igk
e
i
t
infrage
, die er aber, weil
fachfremd,
nicht
beurteilen könne
.
Allenfalls empfehle er noch eine onkologische Beurteilung dieses Aspekts (
Urk.
27/26/49).
4.
In prozessualer Hinsicht
beantragte
die Beklagte die Sistierung des Verfahrens bis zum rechtskräftigen Entscheid über den Rentenanspruch im IV-Verfahren (Urk.
19 S. 2). Dazu ist festzuhalten, dass die Beklagte insbesondere hinsichtlich der vorliegend strittigen Leistungen bei Berufsinvalidität
von
einem vom IVG abweichenden Invaliditätsbegriff ausgeht, weshalb eine Bindungswirkung an den invalidenversicherungsrechtlichen Entscheid von vornherein entfällt (vgl. bei
spielsweise Urteil des Bundesgerichts 9C_141/2018 vom 2
2.
November 2018 E.
5.1). Da zudem – wie nachfolgend zu zeigen
ist
(E. 5)
– der
massgebliche Sach
verhalt rechtsgenügend abgeklärt wurde, besteht kein Anlass, das vorliegenden Verfahren bis zum rechtkräftigen Entscheid über den Rentenanspruch im IV
Verfahren zu sistieren.
5
.
5
.1
Das Gutachten
von
Dr.
E._
erfüllt die rechtsprechungsgemässen Anforderun
gen an beweista
ugliche medizinische Gutachten
(vgl. BGE 125 V 351 E. 3a; E.
1.3).
Dr.
E._
legt
e
insbesondere in nachvollziehbarer Weise dar, dass die Klägerin ab Ende März/Anfang April 2014 in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war. Wie dem Gutachten zu entnehmen ist (
Urk.
27/26/37-38), war die Klägerin mit den Krebserkrankungen ihrer Geschwister und dann mit der eigenen bedrohlichen Krebsdiagnose überfordert. Subjektiv musste sie in dieser Situation befürchten, als Nächste zu erkranken
und
an der Krebserkrankung zu versterben oder doch mindestens einen leidvollen Weg mit Operation, Chemotherapie und Bestrahlung durchstehen zu müssen. Die Krebserkrankung und die damit verbundenen Ope
rationen und Veränderungen können
laut
Dr.
E._
als „entscheiden
de
Lebens
veränderung“ gemäss dem Konzept der Anpassungsstörung gemäss ICD-10 F43.2 verstanden werden.
Vorherrschende Symptome
bei Krankheitsbeginn seien krebs
bezogene Ängste und Sorgen, konsekutive Schlafstörungen als Folge nächtlichen ängstlichen Grübelns, Konzentrationsstörungen durch innere Absorption mit Ängsten und Sorgen sowie eine angst-stressbedingte Ermüdung durch die mona
telange Sympathikus-Überaktivierung
gewesen
. Eine eigentliche depressive Symptomatik habe damals nicht vorgelegen.
Die Klägerin wies
gemäss
Dr.
E._
trotzdem ein hohes Aktivitätsniveau auf.
Die eigentliche Dekompensation
nach dem Wahlsonntag Ende
März
2014 sei aufgrund der gesundheitlichen, berufli
chen und privaten Belastung nicht überraschen
d
gewesen. Die Klägerin habe trotz der beschriebenen Anpassungsstörung mit Ängsten und Schlafstörungen ein übermässiges Arbeitspensum leisten müssen und sei weiterhin für Haushalt und Kochen zuständig gewesen. Der
Hausarzt
habe richtig reagiert und habe durch seine 50%-Krankschreibung für Entlastung gesorgt.
Weiter legte
Dr.
E._
schlüssig dar, dass sich der
Gesundheitszustand
der
Klä
gerin
nach der Dekompensation Ende März 2014
im Laufe der Zeit
besserte. So konnte die Klägerin im Verlauf auch verschiedene Aktivitäten
wieder
aufnehmen
(Urk.
27/26/42). Wie von
Dr.
E._
festgehalten,
kann
eine Anpassungsstörung grundsätzlich längstens zwei Jahre andauern (
Urk.
27/26/38; vgl. auch
Dilling
/
Mambour
/Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störun
gen, ICD-10, Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Aufl. 2015, S.
209 f.).
Dr.
E._
legt
e
jedoch schlüssig dar, dass dies bei
der
Klägerin aufgrund der fortbestehenden Krebsangst, welche durch die Auffälligkeiten
in
den Screenings jeweils angeheizt wurde (
Urk.
27/26/38), nicht der Fall war. Es
er
w
eist sich
daher
als
schlüssig
,
dass
Dr.
E._
die Klägerin – erst – im September 2017 wieder
als
zu 80
%
arbeitsfähig
erachtete
.
Die von
Dr.
E._
ab September 2017 attestierte Arbeitsfähigkeit von mindes
tens 80
%
erweist sich insbesondere auch deshalb als nachvollziehbar,
weil
er
in seinem Gutachten
eingehend
darlegt
e
, weshalb die theoretisch
infrage
kommen
den Diagnosen Depression, Neurasthenie und Persönlichkeitsänderung von ihm nicht gestellt werden
konnten
.
So verneinte er hinsichtlich Depression
eine de
pressive
Stimmung. Die Klägerin und ihr Ehemann
hätten
zwar von einer «Niedergeschlagenheit» vor den Vorsorgeuntersuchungen
berichtet
. Es
sei
jedoch, so
fern keine besorgniserregende
n
Befunde vorhanden
gewesen seien
, zu einer deut
lichen Aufhellung der Stimmung direkt danach
gekommen
. Die Klägeri
n sei dann gelöst und entspannt gewesen
wie früher auch (
Urk.
27/26/39; vgl.
Dilling
/
Mambour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O
, S.
164
f
f
.
). Einen Intere
sse- und Freudever
lust stellte
Dr.
E._
ebenfalls nicht fest,
war die Klägerin doch weiterhin in erheblichem Masse aktiv.
Dr.
E._
stell
t
e lediglich situativ be
gründete Beein
trächtigungen, wie sie jeder andere Mensch mit einer Krebs
erkrankung auch er
lebt, fest (
Urk.
27/26/39).
Betreffend Neurasthenie erklärte
Dr.
E._
(
Urk.
27/26/39-40), die Klägerin be
schreibe zwar eine vorzeitige Ermüdbarkeit, diese lasse sich aber in den Alltags
schilderungen nur geringfügig nachvollziehen, insbesondere nicht während ihrer Ferien und sozialen Aktivitäten, zumal die Klägerin nach dem Mittagsschlaf wieder aktiv sei. Müdigkeit
am Nachmittag, in
s
besonder
e
nach 4,5 Stunden an
stren
gender Arbeit und einem Mittagessen, die man über einen Mittagsschlaf kom
pensiere, sei ni
chts Ungewöhnliches.
Die Nachmittagsmüdigkeit wie auch die ver
stärkte Einschlafneigung am Abend nehme mit dem Alter zu. Es sei ver
ständ
lich, dass die Klägerin diese physiologische Verä
n
derung der Krebs
er
k
r
ankung zu
schreibe, im Kern sei es aber ein normaler physiologischer Prozess.
Des
Wei
teren
hielt
Dr.
E._
fest
, dass die Klägerin betreffend Leistungsfähigkeit einen fal
schen Massstab anlege. Ihr Aktivitätsniveau entspreche dem üblichen (
Urk.
27/26/42-43).
Hinsichtlich Persönlichkeitsänderung wies
Dr.
E._
darauf hin (
Urk.
27/26/40-41), dass die Grundvoraussetzung starkes, dysfunktionales Erleben/Verhalten nicht gegeben sei. Eine Persönlichkeitsänderung von krankheitswerti
g
er Schwe
re
hätte auch dem Ehemann auffallen müssen, er sei jedoch von der Dekompensa
tion im März 2014 überrascht worden. Zuvor sei die Klägerin für ihn psychisch unauffällig gewesen.
Hinsichtlich der von
Dr.
E._
für möglich gehaltenen krebsbezogenen somati
schen Störung gilt es festzuhalten, dass die von
Dr.
E._
erhobenen
Befunde einer Einschränkung von weniger als 20
%
entsprechen (
Urk.
27/26/49). Eine sol
che Erkrankung, deren Symptome von
Dr.
E._
bereits im Rahmen der von ihm attestierten maximal 20%igen Arbeitsunfähigkeit aufgehen, ist nicht geeignet, einen Leistungsanspruch der Klägerin gegenüber der Beklagten zu begründen, setzt ein solcher doch eine mindestens 25%ige Arbeitsunfähigkeit voraus (vgl. E.
1.2). Darüber hinaus
ist darauf hinzuweisen, dass das
hiesige Gericht im invali
denversicherungsrechtlichen Verfahren mit Urteil vom
1.
Februar
2017 (
Urk.
12/73)
bereits festgestellt
hat, dass der somatische Gesundheitszus
tand kei
ner weiteren Abklärung
bedarf.
5
.2
Die Berichte von
Dr.
Z._
vom
4.
September 2014 (E. 3.2), von
Dr.
A._
vom 2
2.
Oktober 2014 (E. 3.3) und vom 1
5.
Mai 2015 (E. 3.
4),
von
Dr.
B._
vom 2
9.
Mai 2015 (E. 3.
5
) und
Dr.
D._
vom 2
7.
August 2015
(E. 3.
6
)
ste
h
en
betreffend
attestierte
Arbeits
un
fähigkeit
nicht im Widersp
ruch zur Beurtei
lung von Dr.
E._
, attestierte
n
die genannten Ärzte
der Klägerin
doch
eine
50%ige Arbeits
un
fähigkeit
, was von Dr.
E._
für den
jeweiligen
Zeit
punkt
der
Bericht
e
bestätigt wurde
.
Dr.
C._
nahm
in seinem Gutachten vom
9.
November 2015 (E. 3.7)
keine selb
ständige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor, weshalb
,
wie vom hiesigen Gericht im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren festgestellt (
Urk.
12/73 E. 4.3 und E.
4.4), nicht auf sein Gutachten abgestellt
werden kann
und dieses
daher
auch
nicht geeignet ist, die Einschätzung von
Dr.
E._
infrage zu stellen.
Hinsichtlich der Einschätzung von
Dr.
B._
, welcher eine andau
ernde Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F62.88), eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F32.00 gegenwärtig) und ein chronisches Erschöpfungssyndrom
(ICD-10 F48.0)
diagnostiziert und der Klägerin eine dauerhafte 50%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert hatte (vgl. E. 3.5, E. 3.8 und E. 3.9), erklärte Dr.
E._
(
Urk.
27/26/43-44), die Einschätzung der Persönlichkeitsänderung könne er nicht nachvollziehen. Er verwies dabei auf seine schlüssigen Ausführungen hinsichtlich dies
er Diagnose (vgl. vorstehend E.
5.1).
Betreffend die
Depressionsdiagnose
er
klärte
Dr.
E._
,
ihm
scheine
das Problem in der Unterscheidung von normalen depressiv gefärbten Befindlichkeitsstörungen als Folge von situativer Belastung gegenüber der eigentlichen Krankheit Depression mit störungsspezifischer situa
tiv unbeeinfluss
ter Eigendynamik zu liegen. Dr.
B._
schein
e
die
se
Unterscheidung nicht zu machen. Für eine Depressionsdiagnose nach ICD wäre
sie
gemäss
Dr.
E._
ab
er notwendig und führ
t
e
zur Verneinung
einer depres
siven Störung nach ICD-10 F3
2.
Darüber hinaus
machte
Dr.
E._
darauf
auf
merksam
, dass
sich die Diagnosen Depression und chronisches Erschöpfungs
syndrom gemäss ICD-10-Kriteren gegenseitig ausschliessen
(vgl.
Dilling
/
Mambour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O
, S.
236). Hinsichtlich der von Dr.
B._
auch im Juli 2017 (vgl. E. 3.9)
attestierten 50%igen
Arbeitsunfähigkeit
wies
Dr.
E._
darauf hin, dass dabei die doch erhebliche Alltagsperformance unberücksichtigt bleibe. Diese Ausführungen von
Dr.
E._
erweisen sich als schlüssig, weshalb
die Berichte
von
Dr.
B._
das Gutachten von Dr.
E._
ebenfalls
nicht infrage zu stellen
vermögen
.
Dem Bericht vom 1
9.
August 2017 von
Dr.
A._
(E. 3.10), welcher im Gegen
satz zu
Dr.
E._
kein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist, sind kei
nerlei Befunde zu entnehmen. Der Bericht ist daher von vornherein nicht geeig
net, die Einschätzung von
Dr.
E._
infrage zu stellen.
5
.3
Nach dem Gesagten ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit davon auszugehen, dass die Klägerin auch nach dem 3
0.
Juni 2016 erheblich in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war, weshalb sie auch ab dem
1.
Juli 2016 weiterhin Anspruch auf Berufsinvalidenleistungen basierend auf einer
Arbeits
unfähigkeit von 50
%
hat
(vgl.
Art.
36
Abs.
3 des
Vorsorger
eglements der Be
klagten). Ein
e
wesentliche Besserung trat mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im September 2017
ein, war die Klägerin ab diesem Zeitpunkt doch wieder zu mindestens
80
%
arbeitsfähig
. Da ab diesem Zeitpunkt die Ver
besserung voraussichtlich
auch
mehr als ein Jahr
bestand
, hat die Klägerin ab
1.
Oktober 2017 keinen Anspruch auf Leistungen der Beklagten mehr
(vgl. zum
vergleichbar
formulierten
Art.
88a
Abs.
1
der Verordnung ü
ber die Invalidenver
sicherung,
IVV
, Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen, BSV, über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH,
Rz
. 4015 ff.).
6
.
6
.1
Der Klägerin
wurden bisher keine Leistungen der Invalidenversicherung zuge
sprochen. Sie hat daher Anspruch auf einen Überbrückungszuschuss gemäss
Art.
41 des
Vorsorger
eglements der Beklagten.
Die Höhe der von der
Klägerin
eingeklagten Berufsinvalidenrente von Fr. 16'528.
--
und des Überbrückungszuschusses von Fr. 13'748.-- wurde von der Beklagten nicht infrage gestellt und entspricht der mit Wirkung ab
1.
April 2016 ausgerichteten Leistungen (
v
gl. 2/11)
.
6
.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätz
lich Art.
105
Abs.
1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Da
nach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gericht
lichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5
%
, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
Der Klägerin sind folglich für die bis zur Klageerhebung am
4.
Oktober 2016 (vgl.
Urk.
1) fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
ab diesem Zeitpunkt und für die weiteren Rentenleistungen ab deren jeweiligem Fälligkeitsdatum Verzugszinsen zuzusprechen. Gemäss Anhang II
lit
. C des Vorsorgereglements der Beklagten (
Urk.
9/4
) werden sämtliche Forderungen gegenüber der Beklagten im Verzugsfall zum jeweiligen Min
destzinssatz plus 1
%
verzinst
. Damit ist für den Zeitraum ab Klageerhebung bis zum 3
1.
Dezember 2016 ein Verzugszins von 2,25
%
und für den Zeitraum ab dem
1.
Januar 2017 ein Verzugszins von 2
%
geschuldet (vgl.
Art.
1
5
Abs.
2 BVG in Verbindung mit
Art.
12 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen und Invalidenvorsorge, BVV
2).
7
.
Zusammenfassend ist die Beklagte
somit
zu verpflichten, der Klägerin über den 3
0.
Juni 2016 hinaus bis am 3
0.
September 201
7
eine Berufsinvalidenrente sowie
einen Überbrückungszuschuss basierend auf einem Invaliditätsgrad von 50
%
, mithin Fr. 16'528.
--
bzw. Fr. 13'748.-- pro Jahr, zuzüglich Verzugszins für die bis zum
4.
Oktober 2016 fällig gewordenen
Betreffnisse
ab diesem Datum und für die übrigen ab dem jeweiligen Fälligkeitsda
t
um auszurichten, wobei die Verzugs
zinsen bis 3
1.
Dezember 2016 2,25
%
und ab dem
1.
Januar 2017 2
%
betragen. Im Mehrbetrag ist die Klage abzuweisen.
8
.
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der massgeblichen Krite
rie
n erscheint die
Zusprache
eine
r
reduzierten
Prozessentschädigung für d
ie an
waltlich vertretene
Kläger
in
von
Fr.
1
‘
5
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) als angemessen.