Decision ID: 6ff0e829-944e-5c63-bc8e-5636f0146945
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Mit Beschluss vom [...] erteilte die Bausektion der Stadt Zürich der  C. die Bewilligung für den Ersatzneubau der Arealüberbauung Siedlung B. mit 497 Wohnungen, einem Ladenzentrum (Gewerbe, - und Gastronomieflächen) und einer Unterniveaugarage mit 695 Fahrzeugabstellplätzen (davon neu 514) auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 an der G.-Strasse [...] sowie der W.-Strasse [...] in Zürich [...]. Zusammen mit dem Entscheid wurde die Gesamtverfügung der Baudirektion Kanton Zürich [...] betreffend Einbauten im Grundwasserträger, Lage in einem Perimeter gemäss Kataster der belasteten Standorte, Lage im Konsultationsbereich Störfallvorsorge, Lage im Hochwassergefahrenbereich und Überschreitung der Lärm-Immissionsgrenzwerte eröffnet.
B. Mit Eingabe vom 15. April 2020 erhob der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) fristgerecht Rekurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der , der Beschluss der Bausektion sei aufzuheben, eventualiter sei die Sache im Sinne der Erwägungen gemäss der Rekursbegründung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter seien im Sinne der  die notwendigen Änderungen und Ergänzungen des  Entscheides vorzunehmen.
Vom Rekurseingang wurde mit Präsidialverfügung vom 16. April 2020 unter der Geschäftsnummer R1S.2020.05028 Vormerk genommen und das  eröffnet.
C. Mit gemeinsamer Eingabe vom 15. April 2020 gelangten auch der Verein IG W., M. B., P. B., A. und N. D. M., T. und C. H., R. M. I., J. K. und B. R., B. S. und R. S.-W., A. W. und S. L., R. W., R. und D. K. sowie die  U. fristgerecht an das Baurekursgericht und beantragten, der Beschluss der Bausektion und die Gesamtverfügung der
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Baudirektion seien aufzuheben, unter gesetzlichen Kosten- und .
Von diesem Rekurs wurde mit Präsidialverfügung vom 20. April 2020 unter der Geschäftsnummer R1S.2020.05030 Vormerk genommen und das  eröffnet. Zugleich wurde dem Rechtsvertreter der Rekurrierenden Frist zum Nachweis der Bevollmächtigung durch sämtliche Stockwerkeigentümer bzw. zum Nachweis der durch die Versammlung der Stockwerkeigentümer erfolgten Beschlussfassung über die  angesetzt. Mit Eingabe vom 27. Mai 2020 wurden entsprechende  eingereicht.
D. Mit Eingabe vom 16. April 2020 erhob schliesslich die Bauherrschaft  Rekurs an das Baurekursgericht und beantragte – unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Bausektion – Dispositivziffer II.B.1.d des Beschlusses der Bausektion sei dahingehend anzupassen, „als die Auflage bezüglich der Wegabstände (vgl. Erwägungen I. a), e), f) und g)) aufzuheben und für die unterirdische Unterbauung und Unterschreitung der Wegabstände im Bereich des T.-Wegs eine Ausnahmebewilligung zu  sei“; Dispositivziffer II.B.63 des Beschlusses der Bausektion sei  aufzuheben und die mit dem Baugesuch beantragte Anzahl der  sei ohne Erbringung eines weitergehenden Nachweises zu ; Dispositivziffer II.B.64 des Beschlusses der Bausektion sei ersatzlos aufzuheben und von einer Verpflichtung der Bauherrschaft zur Darlegung, wie die bestimmungsgemässe Nutzung der verschiedenen  sichergestellt wird, sei abzusehen.
Vom Rekurs der Bauherrschaft wurde mit Präsidialverfügung vom 20. April 2020 unter der Geschäftsnummer R1S.2020.05032 Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. Zugleich wurden die Dritten, welche ein Gesuch um Zustellung des baurechtlichen Entscheids gemäss § 315 des Planungs- und Baugesetzes (PBG) gestellt hatten, über die  der Beiladung ins Rekursverfahren in Kenntnis gesetzt. Auf  Beiladungsgesuch vom 23. April 2020 wurde der  der Schweiz (VCS) mit Präsidialverfügung vom 15. Mai 2020 in das Rekursverfahren G.-Nr. R1S.2020.05032 beigeladen.
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E. Im Rekursverfahren G.-Nr. R1S.2020.05028 beantragte die Bausektion mit Vernehmlassung vom 20. Mai 2020 die Abweisung des Rekurses. Mit  vom 20. Mai 2020 beantragte auch die Bauherrschaft die Abweisung des Rekurses, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen  des Rekurrenten.
Mit Replik vom 6. Juli 2020 und Duplik vom 29. Juli 2020 hielten der  und die Bauherrschaft an ihren Anträgen fest, während die Bausektion mit Schreiben vom 29. Juli 2020 auf Einreichung einer Duplik verzichtete.
F. Im Rekursverfahren G.-Nr. R1S.2020.05030 nahm die Baudirektion mit Eingabe vom 18. Mai 2020 unter Verweis auf den Mitbericht des  (TBA) vom 13. Mai 2020 Stellung. Im Mitbericht des TBA wurde , den Rekurs „aus lärmschutzrechtlicher Sicht im Sinne der obigen Erwägungen abzulehnen“. Mit Vernehmlassung vom 20. Mai 2020  die Bauherrschaft, der Rekurs sei abzuweisen, soweit darauf  werden könne, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrierenden. Die Bausektion beantragte mit Vernehmlassung vom 25. Mai 2020 ebenfalls die Abweisung des Rekurses, soweit auf diesen einzutreten sei.
Mit Replik vom 18. Juni 2020 hielten die Rekurrierenden an ihren Anträgen fest. Ebenso hielten die Baudirektion (unter Verweis auf den Mitbericht des TBA vom 6. Juli 2020) und die Bausektion mit Dupliken vom 10. Juli 2020 und vom 13. Juli 2020 an ihren Anträgen fest. Mit Duplik vom 13. Juli 2020 wiederholte die Bauherrschaft im Hauptstandpunkt ebenfalls ihren im  der Vernehmlassung gestellten Antrag. Sodann stellte sie die Anträge, sofern das Bauvorhaben in lärmrechtlicher Hinsicht als nicht  und die Bewilligung der Vorinstanzen in diesem Punkt als  beurteilt werden sollte, sei die Baubewilligung eventualiter mit der Auflage zu versehen, die Grundrisse der Wohnungen entlang der G.- Strasse gemäss den Plänen vom 10. Juli 2020 (Beilagen 19 und 20 = act. 37.3 und 37.4) anzupassen; subeventualiter sei die Baubewilligung mit der Auflage zu versehen, die Grundrisse der Wohnungen entlang der G.-
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Strasse und beim Haus A gemäss den Plänen vom 10. Juli 2020 (Beilagen 21 und 22 = act. 37.5 und 37.6) anzupassen.
G. Im Rekursverfahren G.-Nr. R1S.2020.05032 beantragte die Bausektion mit Vernehmlassung vom 25. Mai 2020, der Rekurs sei abzuweisen und der Stadt Zürich sei eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Mit Eingabe vom 23. Juni 2020 stellte der VCS als Beigeladener – unter - und Entschädigungsfolgen zulasten der Bauherrschaft – die folgenden Anträge: „Es wird auf die eigenen Rekursanträge verwiesen ( R1S.2020.05028). Der Rekurs der Rekurrentin sei abzuweisen, soweit ihre Anträge den Rekursanträgen des Rekursgegners .“
Mit Replik vom 16. Juli 2020 und Dupliken vom 5. August 2020 und vom 10. August 2020 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
H. Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung , in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.
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Es kommt in Betracht:
1. Die Verfahren G.-Nrn. R1S.2020.05028, R1S.2020.05030 und R1S.2020.05032 betreffen dasselbe Bauvorhaben, weshalb sie aus  Gründen zu vereinigen sind.
2.1 Gemäss Art. 55 Abs. 1 des Umweltschutzgesetzes (USG) sind  tätige Umweltschutzorganisationen, die rein ideelle Zwecke verfolgen, zur Beschwerde gegen Verfügungen über Anlagen, für die eine Umweltverträglichkeitsprüfung nach Art. 10a USG erforderlich ist, . Das Beschwerderecht erstreckt sich nur auf Rügen in , die seit mindestens zehn Jahren Gegenstand des statutarischen Zwecks der Organisation bilden (Abs. 2). Der Bundesrat bezeichnet die zur Beschwerde berechtigten Organisationen (Abs. 3). Zuständig für die  ist das oberste Exekutivorgan der Organisation (Abs. 4). Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) als Rekurrent im Verfahren G.-Nr. R1S.2020.05028 erfüllt diese Voraussetzungen : Er ist im Anhang zur Verordnung über die Bezeichnung der im Bereich des Umweltschutzes sowie des Natur- und Heimatschutzes  Organisationen (VBO) aufgeführt und die Beschwerdeerhebung ist durch den Zentralvorstand beschlossen worden (act. 4.2). Das strittige Bauvorhaben erfordert unstreitig eine Umweltverträglichkeitsprüfung  Art. 10a USG (vgl. Erwägung N.b der Baubewilligung). Der VCS rügt im Zusammenhang mit Zahl, Anordnung und Bewirtschaftung der  Parkplätze in der Betriebsphase einerseits gewisse formelle Mängel (Unvollständigkeit des Umweltweltverträglichkeitsberichts sowie des  Entscheids), andererseits die Verletzung der massgeblichen  umweltrechtlichen Bestimmungen. Er ist daher zur  legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs im Verfahren G.-Nr. R1S.2020.05028 einzutreten.
2.2.1 Im Verfahren G.-Nr. R1S.2020.05030 rekurrieren der Verein IG W. ( 1), die Stockwerkeigentümergemeinschaft U. (Rekurrentin 12) sowie
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10 weitere Parteien, bei denen es sich um 16 natürliche Personen handelt (Rekurrierende 2 bis 11).
Bezüglich des Rekurrenten 1 weist die Bausektion in ihrer Vernehmlassung darauf hin, das Baurekursgericht habe zu überprüfen, ob dieser die  für eine egoistische Verbandsbeschwerde erfülle. Auch sei zu überprüfen, ob es sich bei den Vereinsmitgliedern nicht um Personen handle, welche die zum Abbruch vorgesehenen Gebäude  und deren Mietverhältnis gekündigt wurde bzw. noch gekündigt werde, da es diesen an einem schützenswerten Anfechtungsinteresse  würde. Bezüglich der Rekurrierenden 2 bis 12 sei zu prüfen, ob diese, soweit es sich nicht um GrundeigentümerInnen handle, in einem  Mietverhältnis lebten. Soweit die erwähnten  nicht gegeben seien, sei auf den Rekurs nicht einzutreten. Die Bauherrschaft macht geltend, soweit die Rekurrierenden Punkte rügen würden, von denen sie in keiner ersichtlichen Weise betroffen seien, fehle es ihnen an der Legitimation. Dies gelte insbesondere bezüglich der Rügen betreffend Lärm, Etappierung des Bauvorhabens sowie Mindestanteil preisgünstiger Wohnungen, weshalb auf die entsprechenden Rügen nicht einzutreten sei.
2.2.2 Zum Rekurs und zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die  Anordnung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer  oder Änderung hat (§ 338a Satz 1 PBG). Mit dieser Umschreibung der Legitimation verlangt das Gesetz zunächst, dass der Rekurrent über  hinreichend enge nachbarliche Raumbeziehung zum Baugrundstück bzw. den dort vorgesehenen Bauten und Anlagen verfügt, kraft derer er stärker als beliebige Dritte oder die Allgemeinheit von der angefochtenen Anordnung betroffen ist. Das vom Gesetz alsdann verlangte schutzwürdige Interesse (Anfechtungsinteresse) setzt voraus, dass der Rekurrent mit der Gutheissung des Rechtsmittels einen Nutzen erlangt bzw. einen Nachteil abwendet. Das Interesse des Rekurrenten kann rechtlicher oder  Natur sein. Der angestrebte Nutzen muss stets ein eigener und die Betroffenheit eine unmittelbare sein. Schliesslich ist zu verlangen, dass das Anfechtungsinteresse aktuell ist.
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Sind die vorstehend genannten Voraussetzungen erfüllt, können alle  angeführt und Rechtsnormen angerufen werden, die im Ergebnis zumindest zur teilweisen Gutheissung des Rechtmittels und damit zur () Erlangung des angestrebten Nutzens führen können (BRKE II Nr. 0047/2010 in BEZ 2011 Nr. 17, www.baurekursgericht-zh.ch, bestätigt mit VB.2010.00184 vom 17. November 2010, dieser bestätigt mit BGr 1C_37/2011 vom 14. April 2011). Dies auch dann, wenn die  und Rechtssätze im Interesse Dritter oder der Allgemeinheit liegen.
Ein als juristische Person konstituierter Verband kann – im eigenen Namen, aber gewissermassen stellvertretend – die persönlichen Interessen seiner Mitglieder geltend machen, wenn es sich um solche handelt, die er nach seinen Statuten zu wahren hat, die der Mehrheit oder doch einer Grosszahl seiner Mitglieder gemeinsam sind und zu deren Geltendmachung durch Rekurs jedes dieser Mitglieder befugt wäre (sogenannte egoistische ; vgl. BGE 142 II 80, E. 1.4.2.). Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein; sie sollen die Popularbeschwerde . Die Wahrung der Interessen der Mitglieder muss zu den  Aufgaben des Verbands gehören, wobei an die Formulierung in den Statuten allerdings keine hohen Anforderungen gestellt werden.
2.2.3 Bei den Rekurrierenden 2 bis 11 handelt es sich um Eigentümer von Grundstücken, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Baugrundstück nordwestlich desselben an der U.-Strasse, der L.-Strasse sowie der G.- Strasse liegen. Sie machen unter anderem die Verletzung der  betreffend Ausnützung, Einordnung und Gestaltung sowie den  geltend. Sowohl die hinreichend enge nachbarliche  als auch das erforderliche schutzwürdige Interesse sind daher zu . Gleiches gilt auch bezüglich der Rekurrentin 12: Zum einen ist mit Eingabe vom 27. Mai 2020 der Beschluss der  U. eingereicht worden, mit welchem diese die  befürwortet (act. 26.1). Dieser Beschluss entspricht den  Voraussetzungen gemäss Art. 712m Abs. 2 des  (ZGB) in Verbindung mit Art. 6b der seinerzeit in Kraft stehenden COVID-19-Verordnung 2, wonach Beschlüsse auf schriftlichem Weg oder in elektronischer Form ergehen können, unter Verzicht auf das Erfordernis der Einstimmigkeit (vgl. zu letzterem act. 26.4, Antworten auf Fragen 22
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und 24). Weiter ergibt sich aus S. 4 des Reglements der  (act. 26.2) in Verbindung mit dem genannten Beschluss (act. 26.1), dass sich an der Beschlussfassung sämtliche  beteiligt haben. Was sodann die räumliche Beziehung der  12 zum Bauvorhaben betrifft, so liegt deren Grundstück ca. 65 m vom Baugrundstück und ca. 120 m vom nächstgelegenen neu projektierten  entfernt. Mit Blick auf die Dimensionen des Bauvorhabens und die damit einhergehende erhöhte Wahrnehmbarkeit desselben ist auch die  der Rekurrentin 12 ohne Weiteres zu bejahen.
Der Verein IG W., der gemäss Art. 2 der Statuten (act. 6.1) das Projekt „ und Einkaufszentrum - G.-Strasse, W.-Strasse“ bekämpft, ist ausdrücklich befugt, „im Namen seiner Mitglieder Rechtsmittel gegen das Bauprojekt zu ergreifen“. Mit dieser Formulierung kann sinnvollerweise nur gemeint sein, dass der Verein stellvertretend für seine Mitglieder im Sinne der egoistischen Verbandsbeschwerde tätig werden kann. Aufgrund des Mitgliederverzeichnisses (act. 6.2) ergibt sich sodann, dass sämtliche Vereinsmitglieder in unmittelbarer Nachbarschaft des Bauvorhabens , nordwestlich und nördlich desselben wohnhaft sind. Insbesondere  dem Verein entgegen dem Hinweis der Bausektion keine Personen an, die auf dem Baugrundstück selbst wohnhaft wären. Sodann ist eine Mehrheit der Vereinsmitglieder Eigentümer der jeweiligen Grundstücke. Da damit von vornherein eine Mehrheit der Vereinsmitglieder selbst zur  befugt wäre, kann bezüglich der weiteren Vereinsmitglieder, bei denen es sich um Mieter handeln dürfte, auf die Einholung von  betreffend das Mietverhältnis verzichtet werden. Die Legitimation der Rekurrentin 1 zur Erhebung einer egoistischen Verbandsbeschwerde ist nach dem Gesagten zu bejahen.