Decision ID: dbe30dee-407f-4605-8c0a-24d222d23a2d
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._, Mutter zweier Kinder und seit 19_ geschieden, meldete sich am 17./21.
August 2012 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Sie sei 1996 in
die Schweiz gekommen, habe 2003 eine Ausbildung als Pflegehelferin gemacht und
arbeite zurzeit mit einem Pensum von 40 % als Haushaltshilfe bei B._ und
ausserdem bei einer P._. Seit zwei Jahren leide sie an einer Fibromyalgie.
A.b Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung erkundigte sich am
12. September 2012 (IV-act. 8, 10) bei Dr. med. C._, Facharzt Innere Medizin FMH.
Dieser teilte mit, es bestünden eine Fibromyalgie und ein Verdacht auf ein
Karpaltunnel-Syndrom, aktuell aber keine Hinweise für ein psychiatrisches
Krankheitsbild. Zurzeit sei die Versicherte voll arbeitsfähig für ihre Tätigkeit. - Gemäss
einem Bericht vom 6. August 2009 (IV-act. 7-4 ff.) hatte Dr. med. D._, Innere Medizin
und Rheumatologie FMH, ein chronisches cervical betontes Panvertebralsyndrom mit
cervico-brachialer Komponente beidseits, einen Eisenmangel anamnestisch und einen
Verdacht auf ein Restless legs-Syndrom erhoben. Für die Tätigkeiten als Haushaltshilfe
und Reinigungsangestellte bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. E._,
Spezialarzt FMH für Ohren-, Nasen-, Halsheilkunde, Hals- und Gesichtschirurgie, hatte
am 2. November 2009 (IV-act. 7-3) bekanntgegeben, bei den Ohrschmerzen handle es
sich um eine Irradiationsotalgie unter anderem bei verstecktem Zervikalsyndrom. Ein
beunruhigender pathologischer Befund sei im ORL-Status nicht zu erheben. Dr. F._,
Fachpsychologin für Psychotherapie, hatte am 7. August 2012 (IV-act. 7-2) mitgeteilt,
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bei der bisherigen, der Stabilisierung dienenden Therapie seien neben Existenzängsten
infolge des Weichteil-Rheumas auch durch traumatische Erfahrungen bedingte Ängste
zum Vorschein gekommen. Dr. med. G._, FMH Allgemeine Medizin, hatte Dr. C._
am 12. August 2012 (IV-act. 7-1) unter anderem berichtet, es liege eine schwere
somatoforme Schmerzstörung bei Anpassungsstörung mit Depression (Fibromyalgie)
vor. Die Versicherte habe ihn regelmässig drei- bis viermal wöchentlich konsultiert. Die
Beschwerden seien - mit Ausnahme einer guten Phase, nachdem sie im Herbst 2011
endlich eine psychotherapeutische Begleitung durch Dr. F._ akzeptiert gehabt habe -
mehr oder weniger gleich gewesen. Fehlende Introspektionsfähigkeit führe zum
Wunsch nach immer weiteren Abklärungen (bei chiropraktischer Behandlung,
Physiotherapie, Auf¬suchen von Gynäkologen, Urologen usw.).
A.c In der Arbeitgeberbescheinigung vom 20. September 2012 (IV-act. 9; B._) wurde
angegeben, die Versicherte stehe seit 13. Februar 2003 in ungekündigtem
Arbeitsverhältnis.
A.d Mit Vorbescheid vom 25. Januar 2013 (IV-act. 14 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten eine
Abweisung ihres Leistungsgesuchs in Aussicht. - Die Versicherte wandte am 14.
Februar 2013 (IV-act. 16) ein, eine volle Erwerbsfähigkeit sei ihr wegen
Gelenksschmerzen (namentlich in Händen und Füssen, wegen eines Fibromyalgie-
Syndroms und Arthritis), Atemproblemen (Staubmilbenallergie) und eines
Aortenklappenvitiums nicht möglich. Beigelegt wurde ein Kurzaustrittsbericht des
Departements Innere Medizin, Rheumatologie/Rehabilitation, am Kantonsspital St.
Gallen vom 12. Februar 2013, wo sie vom 28. Januar bis 12. Februar 2013 hospitalisiert
gewesen war.
A.e Dr. C._ gab in seinem IV-Arztbericht vom 1. April 2013 (IV-act. 24) an, die
Versicherte sei seit 14. Dezember 2012 und noch bis 22. April 2013 voll arbeitsunfähig
wegen eingeschränkter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit bei Fibromyalgie
und CTS beidseits (rechts operiert am 22. Februar 2013). Dann sei eine
Wiederaufnahme der Arbeit zu 50 % geplant. - Beigelegt wurde unter anderem ein
Bericht des Departements Innere Medizin, Rheumatologie/Rehabilitation, am
Kantonsspital St. Gallen vom 14. Februar 2013 (IV-act. 24-9 ff.), wonach bei der
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Versicherten ein Fibromyalgie-Syndrom, ein V.a. ein Aortenklappenvitium und ein
hochgradiger V.a. ein OSAS (obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom) bestünden. Das
Departement Innere Medizin, Psychosomatik, am Kantonsspital St. Gallen hatte am 6.
März 2013 (IV-act. 24-7 f.; Dr. med. H._) als Diagnosen eine Angst- und depressive
Störung gemischt, einen V.a. eine posttraumatische Belastungsstörung sowie ein
Fibromyalgie-Syndrom genannt. Mit viel Freude am erneuten therapeutischen Kontakt
habe die Versicherte von der CTS-Operation berichtet. Sie kümmere sich nun mehr um
ihre beiden Söhne und vor allem um sich selber. Aufgrund der Einschränkungen in der
Beweglichkeit und den Schmerzen in den Gelenken brauche sie für einige
Alltagsaktivitäten fast die doppelte Zeit. Unter der psychopharmakologischen
Medikation habe sich das Schlafverhalten deutlich gebessert. Sie habe nur noch sehr
selten ein Müdigkeitsgefühl in den Vormittagsstunden. Sie sei in ihrer Körpersprache
viel angstfreier und aufgeschlossener geworden. - Das Departement Innere Medizin,
Rheumatologie/Rehabilitation, gab am 3. April 2013 (IV-act. 26) an, neben den
psychosomatischen Diagnosen liege ein Fibromyalgie-Syndrom vor, das nur zögerlich
auf die Behandlungsmassnahmen anspreche. Im Vordergrund der Behandlung dürfte
somit die psychosomatische Begleitung stehen.
A.f Am 13. Mai 2013 (IV-act. 29) wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle das
Gesuch um berufliche Massnahmen ab, weil die Versicherte in einem Pensum von 40
% arbeite.
A.g Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle traf in der Folge weitere Abklärungen. So
hatte das Departement Innere Medizin, Rheumatologie/Rehabilitation, am
Kantonsspital St. Gallen am 8. November 2012 (IV-act. 41-4 ff.) berichtet, es lägen ein
Fibromyalgie-Syndrom (DD chronic fatigue Syndrom), ein Karpaltunnel-Syndrom bds.,
rechtsbetont, und Mucusretentionszysten am Boden des Sinus maxillaris bds. (MRI
Kopf 10/2012) vor. Es hatten unter anderem diverse röntgenologische Untersuchungen
(nebst Kopf auch Thorax, HWS, Hand und Füsse) stattgefunden. Bei einer
Echokardiographie vom 31. Oktober 2012 waren keine relevanten Klappenvitien
gefunden worden. Auch ein ausführliches immunserologisches Screening war
unauffällig ausgefallen. - Das Interdisziplinäre Zentrum für Schlafmedizin am
Kantonsspital St. Gallen (der spitalinternen Abteilung Rheumatologie) gab am 22. Mai
2013 (IV-act. 44) an, es lägen ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom, mittelgradig,
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eine unklare nächtliche Dyspnoe und Hustenattacken, unspezifische thorakale
Beschwerden bei Belastung, und ein Verdacht auf Aortenklappenvitium vor. Gemäss
Bericht vom 17. Juni 2013 zeigte die CPAP-Therapie ein gutes Ergebnis (IV-act. 52). Im
Bericht gleicher Stelle vom 19. Dezember 2013 (IV-act. 76-7 f.) wurden als
schlafbezogene Diagnosen das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom, mittelgradig, die
Fibromyalgie, Therapie Rheumatologie KSSG, und Adipositas angegeben. Die CPAP-
Therapie sei objektiv erfolgreich, subjektiv klage die Versicherte über einen Störeffekt
und sei nur mit Mühe bereit, die indizierte Behandlung konsequent durchzuführen. - Dr.
med. H._, Psychiatrie und Psychotherapie, gab in ihrem IV-Arztbericht vom 20.
Dezember 2013 (IV-act. 62) an, es lägen eine posttraumatische Belastungsstörung,
eine mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom und ein
Fibromyalgie-Syndrom vor. Sie behandle die Versicherte seit 6. März 2013 [damals im
Departement Innere Medizin, Psychosomatik, am Kantonsspital St. Gallen, vgl. oben
A.e], seit 2. November 2013 in der eigenen Praxis. Als Reinigungsangestellte sei die
Versicherte seit Februar 2013 voll arbeitsunfähig. Eine dem Leiden der Versicherten
angepasste Tätigkeit sei nicht vorstellbar.
A.h Am 3./13. Januar 2014 (IV-act. 64) reichte die Versicherte der IV-Stelle des
Kantons Basel Stadt eine neue Anmeldung ein, welche nach St. Gallen weitergeleitet
wurde. - Am 17. Januar 2014 füllte sie einen Fragebogen (hauptsächlich) zur
Haushalttätigkeit aus (IV-act. 67).
A.i In einem IV-Arztbericht vom 13. März 2014 (IV-act. 76) gab Dr. med. I._, Innere
Medizin FMH, an, er behandle die Versicherte seit 3. Juni 2013. Sie leide an einer
Fibromyalgie, einer depressiven Phase, einem OSAS mit CPAP-Beatmung und einer
chronisch behinderten Nasenatmung trotz OP 12/13 (nebst einer Hausstauballergie).
Als B._-Helferin sei sie seit 6. Dezember 2012 voll arbeitsunfähig. Denn das Leiden
bewirke eine Verlangsamung und Fehleranfälligkeit.
A.j Bei einer Abklärung an Ort und Stelle vom 23. Mai 2014 (IV-act. 82) erklärte die
Versicherte gemäss dem Bericht, ohne Gesundheitsschaden würde sie vollzeitlich einer
Erwerbstätigkeit nachgehen. Sie habe sich bereits vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im
Dezember 2012 beim Arbeitgeber und im Kantonsspital um ein volles Pensum
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beworben. Im Haushalt wurde eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 2.44 %
festgestellt.
A.k In einem schliesslich veranlassten Gutachten vom 27. Januar 2015 (IV-act. 92) gab
das Ärztliche Begutachtungsinstitut (GmbH; ABI) als Diagnosen an (erstens) ein
multilokuläres Schmerzsyndrom des Bewegungsapparates bei chronischem
zervikospondylogenem Syndrom mit myofaszialem Nacken-Schultergürtelsyndrom,
chronischem Lumbovertebralsyndrom, chronischen Fussschmerzen bei Fehlstatik
beidseits, chronischen Handgelenksschmerzen bei klinisch Verdacht auf dorsales
Handgelenksganglion beidseits sowie bei der ersten Nebendiagnose (d.h. bei V.a.
somatoformes Zustandsbild), (zweitens) eine chronisch behinderte Nasenatmung bei
Muschelhyperplasie bei/mit Hausstaubmilbenallergie, Zustand nach submucöser
Turbinoplastik beidseits am 13.12.2013 und Zustand nach Returbinoplastik beidseits
am 28.03.2014, und (drittens) ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom mit Zustand
nach nCPAP-Therapie und Zustand nach Ton¬sillektomie und
Uvulopalatopharyngoplastik am 28.03.2014. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
seien (erstens) ein V.a. ein somatoformes Zustandsbild, (zweitens) eine Dysthymie,
(drittens) Adipositas, (viertens) arterielle Hypertonie, medikamentös aktuell gut
eingestellt, (fünftens) ein 2-3/6 lautes systolisches Geräusch mit Punctum maximum
über Erb mit TTE 26.02.2014 Kardiologie Kantonsspital St. Gallen: normale
linksventrikuläre Funktion, kein Hinweis auf eine signifikante valvuläre oder
hypertensive Herzkrankheit, (sechstens) eine latente Hypothyreose und (siebtens) ein
Verdacht auf ein temporomandibuläres Schmerzsyndrom beidseits bei
Kiefergelenksarthropathie beidseits. Für eine körperlich schwere Tätigkeit sei die
Versicherte aus rheumatologischen Gründen nicht mehr arbeitsfähig, für körperlich
mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60 %,
für die Tätigkeit im Haushalt eine solche von 10 %. Für körperlich leichte adaptierte
Tätigkeiten unter Wechselbelastung hingegen sei die Versicherte zu 100 % arbeits- und
leistungsfähig. Es wurden die Kriterien für adaptierte Tätigkeiten genannt. - Der RAD
schloss sich dem Gutachten an (IV-act. 94).
A.l Mit Vorbescheid vom 10. März 2015 (IV-act. 102) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen eine Abweisung des
Leistungsbegehrens in Aussicht. Es liege keine Invalidität vor.
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A.m Die Versicherte liess dagegen am 27. April 2015 (IV-act. 105) einwenden, der
Invaliditätsgrad mache mindestens 40 % aus. Es sei eine DAP-Abklärung
vorzunehmen, um festzustellen, welche Tätigkeiten bzw. Anstellungen konkret
zumutbar seien.
A.n Mit Verfügung vom 15. Mai 2015 (IV-act. 107) wies die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle das Leistungsgesuch der Versicherten ab. Den Adaptationskriterien
entsprechen würden Tätigkeiten im Montagebereich einer Metallunternehmung oder
Arbeiten im Bereich Verpackung.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Max Imfeld für die
Betroffene am 11. Juni 2015 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin sei mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen, eventualiter sei
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es sei ihr ausserdem die
unentgeltliche Rechtspflege samt Rechtsverbeiständung zu gewähren. Wie sich aus
einer beigelegten Stellungnahme von Dr. H._ vom 17. Mai 2015 ergebe, sei bei der
Begutachtung den traumatischen Erlebnissen der Beschwerdeführerin keinerlei
Bedeutung beigemessen worden. Es sei der Beschwerdeführerin gar verunmöglicht
worden, darüber bei der Exploration zu sprechen. Stattdessen habe sich der Gutachter
der Psychiatrie darauf beschränkt, festzustellen, dass deren Erfahrungen kein
katastrophales Ausmass gehabt hätten und keine Lebensgefahr bestanden habe. Bei
der Begutachtung sei also der Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör
krass verletzt worden. Entgegen der Annahme des Gutachters dürfe keine Rolle
spielen, dass die Beschwerdeführerin trotz Vorliegens der diagnostizierten psychischen
Erkrankungen während mehrerer Jahre einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Es sei
die Protokollierung der psychiatrischen Begutachtung beim ABI edieren zu lassen. Die
von der Beschwerdegegnerin als adaptiert bezeichneten Tätigkeiten würden das
vielfach medizinisch eingeschränkte Anforderungsprofil nur teilweise erfüllen. Es sei bei
beiden fraglich, ob sie nicht eine erhöhte Staubexposition beinhalteten. Bei der
Metallmontage frage sich zudem, ob sie wirklich nur eine leichte Belastung für die
Nacken-Schulterregion bedeute. Bei der Arbeit im Bereich Verpackung sei dies
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eindeutig zu verneinen; das Falten von Schachteln sei diesbezüglich belastend. Des
Weiteren sei die Anforderung der Möglichkeit zu Wechselpositionen nicht erfüllt. Allein
dass - in der Metallmontage - täglich ein- bis zweimal Teile aus dem Lager geholt
werden müssten, genüge hierfür einerseits nicht. Anderseits sei höchst zweifelhaft, ob
jedem Mitarbeiter im Verpackungsbereich zwei Arbeitsplätze zur Verfügung stünden,
damit er die Arbeit je nach körperlichem Befinden im Stehen oder im Sitzen verrichten
könne. Überhaupt nicht berücksichtigt habe die Beschwerdegegnerin das Kriterium
des Ausschlusses von monoton-repetitiven Haltungen und Bewegungen. Als
klassische Fliessbandarbeiten wiesen die genannten Tätigkeiten die auszuschliessende
Eigenschaft gerade auf. Das treffe auf die wegen fehlender Berufsbildung für die
Beschwerdeführerin einzig in Frage kommenden Hilfstätigkeiten allgemein zu. Die
Annahme, dass kein Invaliditätsgrad vorliege, stelle eine materielle Rechtsverweigerung
dar, denn es sei nicht ersichtlich, wie die Beschwerdeführerin mit ihrem multiplen,
vielschichtigen Krankheitsbild imstande sein sollte, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Der Invaliditätsgrad betrage 100 %. Sollte das Gericht annehmen, dass
angepasste Tätigkeiten vorhanden seien, so sei bei der Invaliditätsbemessung ein
Leidensabzug von 25 % vorzunehmen. - In dem beigelegten Bericht vom 17. Mai 2015
hatte Dr. H._ unter anderem dafürgehalten, es seien alle Kriterien einer
posttraumatischen Belastungsstörung erfüllt. Ihr transkultureller Hintergrund und ihre
hochgradigen Scham- und Schuldgefühle würden die Beschwerdeführerin auch im
ambulanten Setting daran hindern, über das Leiden in der Untersuchungshaft und im
Asylheim, wo sie mit ihrem dreizehn Monate alten Sohn über ein Jahr lang gelebt habe,
zu sprechen. Die Beschwerdeführerin sei ausserdem mittelgradig depressiv, leide an
Durchschlafstörungen und habe eine Ess- und eine Antriebsstörung. Sie nehme ihre
Therapietermine alle zwei Wochen wahr.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 10./13. Juli 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Im Gutachten werde nachvollziehbar dargelegt,
weshalb aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit zu stellen sei. Aus den erhobenen Befunden würden sich keine
Hinweise auf ein erhebliches psychisches Leiden ergeben. Die Einschätzung von Dr.
H._ habe anlässlich der Begutachtung nicht bestätigt werden können. Nach
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bundesgerichtlicher Rechtsprechung (Urteil I 715/2005) könne eine posttraumatische
Belastungsstörung nur erkannt werden, wenn sie innerhalb von sechs Monaten nach
dem traumatischen Ereignis aufgetreten sei. Auch bei grösserem zeitlichen Abstand
könne sie diagnostiziert werden, das komme aber selten vor. Die typische Latenzzeit
sei hier um ein Mehrfaches überschritten, weshalb die Diagnose fraglich sei. Die
Voraussetzungen für die Stellung der Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung
seien ebenfalls nicht vollständig erfüllt gewesen. Aus dem Gutachten ergäben sich
auch keine Hinweise darauf, dass der Gutachter der Psychiatrie die
Beschwerdeführerin nicht richtig angehört haben könnte. Er habe sogar festgehalten,
das Gespräch sei weitschweifig gewesen und die Beschwerdeführerin habe sehr
detailliert berichtet. Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt umfasse sogar
Nischenarbeitsplätze. Für das Belastungsprofil der Beschwerdeführerin bestünden
durchaus Stellen, insbesondere im Bereich von Bedienungs- und
Überwachungsfunktionen. Aufgrund des unterdurchschnittlichen erwerblich möglichen
Erfolgs sei ein Abzug von maximal 10 % von den Tabellenlöhnen gerechtfertigt. Ein
Rentenanspruch ergebe sich aber nicht.
D.
Am 14. Juli 2015 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen.
E.
Mit Replik vom 21. Juli 2015 bringt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vor, die
von der Beschwerdegegnerin als Tatsachen dargestellten Zitate aus dem Gutachten
würden nach wie vor bestritten. Dass der begutachtende Psychiater die von der
Beschwerdeführerin erwähnten Unzulänglichkeiten im Gutachten nicht festgehalten
habe, überrasche nicht. Die zur Edition beantragte Protokollierung werde zur Klärung
beitragen. Die Seltenheit einer Diagnose sei kein taugliches Argument für deren
Vorliegen oder Nichtvorliegen. Diese Feststellung für Latenzzeiten von mehr als sechs
Monaten finde sich im zitierten Bundesgerichtsurteil im Übrigen nicht. Das ABI-
Gutachten bedürfe durch die nach Beschwerdeerhebung bekannt gegebene
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Praxisänderung (mit Bundesgerichtsurteil 9C_492/2014) unter psychiatrischem
Gesichtspunkt der Ergänzung. In ihrer Absolutheit sei die Verneinung eines Einflusses
der somatoformen Schmerzstörung auf die Arbeitsfähigkeit nicht mehr aufrecht zu
erhalten. Jegliche Ausführungen hierzu würden fehlen. Aufgrund der Diskrepanzen
zwischen den Diagnosen des Gutachters der Psychiatrie und denjenigen von Dr. H._
sei es sinnvoll, einen nicht vorbefassten Gutachter im Sinn eines Obergutachtens mit
der erforderlichen Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit zu betrauen. Auch im
Dienstleistungssektor seien keine Tätigkeiten aus der Hilfsarbeitskategorie denkbar, die
durch die zehn aufgezählten Einschränkungen nicht verunmöglicht würden. Der Begriff
"Nischenarbeitsplatz" sei nicht einheitlich definiert. Es handle sich um einen
Arbeitspatz im ersten oder zweiten Arbeitsmarkt für Personen mit eingeschränkter
Leistungsfähigkeit, bei dem eine geringere Wertschöpfung als an einem gewöhnlichen
Arbeitsplatz erbracht werde. Die vom Arbeitgeber in Kauf genommenen
Einschränkungen seien jedoch in quantitativer Hinsicht zu verstehen. Es möge, auch
wenn bezüglich der Hilfsarbeiterstellen auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt auf eine
Quelle aus dem Jahr 1991 hingewiesen werde, zutreffen, dass solche Arbeitsplätze in
der Theorie bestünden. Von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten dürfe jedoch nicht
ausgegangen werden. Das Bundesgericht habe (im Urteil U 425/2000) festgehalten,
schon für Gesunde sei es schwierig, eine sich auf einfache Büroarbeiten
beschränkende Stelle zu finden. Die Struktur der Arbeitsplätze im kaufmännischen
Bereich habe sich zudem erheblich verändert. Aus diesen Gründen erweise sich die
Existenz von Hilfsarbeiterstellen im Dienstleistungsbereich als wenig realistisch. Der
Hinweis auf vorhandene Nischenarbeitsplätze löse das Problem nicht, weil es keine
Stellen gebe, die der Beschwerdeführerin mit ihren zahlreichen Einschränkungen
gerecht würden.
F.
In ihrer Duplik vom 28./31. August 2015 hält die Beschwerdegegnerin dafür, auch unter
Berücksichtigung der aktuellen bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 100 % in leidensadaptierten Tätigkeiten
plausibel. Die hohe subjektive Beschwerdeintensität habe durch die objektivierbaren
Befunde nicht begründet werden können. Zwischen den geschilderten Schmerzen und
dem Verhalten der Beschwerdeführerin anlässlich der psychiatrischen Untersuchung
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bestehe eine erhebliche Diskrepanz. Die Charakterisierung der angegebenen intensiven
Schmerzen sei vage geblieben. Das inkonsistente Verhalten sei ein Hinweis auf
Aggravation oder auf einen sekundären Krankheitsgewinn, also auf einen nicht
invalidisierenden Gesundheitsschaden. Der niedrige Serumspiegel von Cymbalta lasse
auf eine nicht optimale Compliance und auf einen nicht erheblichen Leidensdruck
schliessen. Die Beschwerdeführerin verfüge über Ressourcen, sei sozial gut integriert
und weise ein nicht unerhebliches Aktivitätsniveau auf. Die diagnostizierte Dysthymie
sei nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht invalidisierend. Die
rheumatologischen und otorhinolaryngologischen Diagnosen seien bereits
berücksichtigt worden. Auf das Gutachten sei abzustellen.
G.
Mit Eingabe vom 20. September 2017 reicht der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin weitere Arztberichte ein, nämlich einen Bericht von Dr. med. J._,
Facharzt für Radiologie, vom 9. September 2016, solche von Dr. med. K._,
Fachärztin für Radiologie FMH, vom 21. Juli 2016 und vom 1. März 2016, einen Bericht
von L._, Facharzt für Radiologie FMH, vom 15. März 2017 samt Akten-CD (drei MRs
vom 21. Juli 2016 OSG rechts, vom 9. September 2016 Hand rechts, und vom 15.
März 2017 Schädel und Angio), alle Radiologie M._, ein Arztzeugnis von Dr. I._
vom 10. November 2016 betreffend Haushalthilfe und einen Bericht von Dr. med.
N._, Rheumatologie FMH, vom 5. September 2017.
H.
Die Beschwerdegegnerin hat am 26./28. September 2017 auf eine Stellungnahme
hierzu verzichtet.

Erwägungen
1.
1.1 Im Streit liegt die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 15. Mai 2015, mit
welcher das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin, namentlich der
Rentenanspruch, abgewiesen worden ist.
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1.2 Die Beschwerdeführerin lässt die Zusprache mindestens einer Viertelsrente, im
Eventualstandpunkt weitere Abklärungen, beantragen. Streitgegenstand bildet
demnach der allfällige Rentenanspruch. Berufliche Eingliederungsmassnahmen waren
gemäss einer Mitteilung vom 13. Mai 2013 abgelehnt worden. Ergäbe sich allerdings,
dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage stünde, so
gehörte zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung
den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der
Beschwerdeführerin zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.
3.1 Der Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
wurden in einer polydisziplinären Begutachtung abgeklärt. Dabei wurden die Vorakten
zur Kenntnis genommen. Nachträglich waren ein Operationsbericht der Hals-Nasen-
Ohrenklinik am Kantonsspital St. Gallen vom 28. März 2013 und eine
Echokardiographie des selben Spitals vom 26. Februar 2014 eingegangen (IV-act.
92-30 ff.). Die Gutachter erhoben die Anamnese und befragten die Beschwerdeführerin
zu ihren Leiden.
3.2 In der Folge wurde ein allgemeininternistischer Status erhoben und es wurden
Laboruntersuchungen angestellt, darunter namentlich eine Serumspiegelmessung für
Duloxetin. Adipositas und arterielle Hypertonie würden für körperlich leichte und
mittelschwere Tätigkeiten keine Arbeitsunfähigkeit begründen. Schichtarbeiten, das
Bedienen von gefährlichen Maschinen und das Führen von Fahrzeugen könnten der
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Beschwerdeführerin hingegen wegen des obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms nicht
zugemutet werden.
3.3 Neben der allgemeininternistischen Abklärung erfolgten Beurteilungen in
psychiatrischer, rheumatologischer und otorhinolaryngologischer Hinsicht
(Teilgutachten). - Im rheumatologischen Teil wurde festgehalten, die
Beschwerdeführerin habe anamnestisch ein weit verbreitetes Schmerzsyndrom des
Bewegungsapparates mit Beteiligung des Nacken-Schultergürtels, der Wirbelsäule,
insbesondere im Lumbalbereich, und der Hände und Füsse beschrieben. Die
anamnestische Beschwerdecharakterisierung sei unspezifisch gewesen, sowohl
typische Zeichen eines entzündlichen Geschehens wie einer mechanisch-
degenerativen Symptomatik oder einer neuropathischen Ursache hätten gefehlt. Das
Beschwerdebild sei früher als chronisches zervikal betontes Panvertebralsyndrom mit
zervikobrachialer Komponente beidseits und später als Fibromyalgie-Syndrom
eingeordnet worden. Weder klinisch noch labormässig oder radiologisch hätten sich je
Hinweise für ein entzündliches Geschehen oder eine andere definierte
Rheumaerkrankung ergeben. Es seien alle Tenderpoints der Fibromyalgie druckdolent
gewesen, aber durchwegs auch alle Kontrollpunkte. Die HWS-Bewegungen seien
durch aktive Gegeninnervation mässig eingeschränkt gewesen. Es könnten aber
teilweise fassbare Befunde (als Grund für die Schmerzen) gefunden werden: Im Bereich
der Handgelenke bestehe der Verdacht auf ein dorsales Handgelenksganglion
beidseits, an den Füssen liege eine Fehlstatik vor und im Nacken-Schultergürtelbereich
fänden sich deutliche Myogelosen. Höhergradige pathologische Befunde seien bei der
aktuellen Untersuchung wie bei früheren fachärztlichen Abklärungen nicht zu finden
gewesen. Es gebe insbesondere keine Hinweise für eine rheumatologische
Systemerkrankung oder eine neurologische Komplikation. Die hohe subjektive
Beschwerdeintensität könne daher nicht mit objektivierbaren Befunden begründet
werden. Funktionell liege lediglich eine mässiggradige Einschränkung der Belastbarkeit
der Nacken-Schultergürtelregion und der allgemein-körperlichen Belastbarkeit vor. -
Die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Rheumatologen ist nachvollziehbar begründet. Mit
der (allerdings älteren) Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. D._ besteht
Übereinstimmung. Auch auf der Abteilung Rheumatologie/Rehabilitation am
Kantonsspital St. Gallen waren umfassende Abklärungen getätigt worden; deren
Ergebnisse sind berücksichtigt worden.
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3.4 Unter otorhinolaryngologischem (und otoneurologischem) Aspekt hat der
Gutachter bei der Exploration samt Endoskopie bei der Beschwerdeführerin eine
Nasenatmungsbehinderung, ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom und ein
temporomandibuläres Schmerzsyndrom bei Kiefergelenksarthropathie beidseits
vorgefunden. Diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen würdigt der Experte als für
die Arbeitsfähigkeit in - einzig - qualitativer Hinsicht moderat relevant. Tätigkeiten mit
erhöhter Staubexposition seien zu meiden. Für die zusätzlichen qualitativen
Einschränkungen durch das Schlaf-Apnoe-Syndrom verwies der Gutachter auf die
betroffene (andere) Disziplin (vgl. oben E. 3.2).
3.5 Im psychiatrischen Teil der Begutachtung wurde keine Diagnose mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit erhoben.
3.5.1 Dr. H._ wandte am 17. Mai 2015 diesbezüglich ein, die Beschwerdeführerin
habe bei der Begutachtung das Gefühl gehabt, als Simulantin betrachtet zu werden.
Sie habe nur kurze Antworten (ja und nein) geben können. Vom Gutachter sei nicht
erwünscht gewesen, dass sie (die Beschwerdeführerin) ihre Traumaerlebnisse
mindestens mit einem Satz kommentiert hätte. Dr. H._ gab allerdings auch an, auch
im ambulanten Setting würden ihr transkultureller Hintergrund und ihre hochgradigen
Scham- und Schuldgefühle die Beschwerdeführerin daran hindern, über ihr Leiden in
der Gefangenschaft und im Asylheim zu sprechen. Die Ärztin brachte weiter vor, im
Rahmen der Begutachtung habe die Beschwerdeführerin ebenfalls eine
traumatisierende Erfahrung gemacht. Diese lässt dazu einwenden, indem ihr
verunmöglicht worden sei, über die Erlebnisse zu sprechen, sei ihr Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt worden. Es sei die Protokollierung der psychiatrischen
Begutachtung beim ABI edieren zu lassen.
3.5.2 Dem psychiatrischen Teil des Gutachtens lässt sich entnehmen, dass der
Gutachter die Beschwerdeführerin unter anderem zum Leiden, zur systematischen
psychiatrischen Anamnese, zur Familienanamnese/Heredität, zur frühkindlichen
Entwicklung und zu Verhaltensauffälligkeiten in Vorschul- und Schulzeit, zur sozialen
Anamnese sowie zum Tagesablauf und der Freizeitgestaltung befragt hat. Nach seiner
Auffassung hat die Beschwerdeführerin dabei zunächst etwas weitschweifig und
pauschal berichtet, ist dann aber konkreter geworden.
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3.5.3 Der Gutachter der Psychiatrie konnte sich nicht nur mit den erfragten Angaben
der Beschwerdeführerin und den selbst vorgefundenen Befunden, sondern auch mit
den psychiatrischen Diagnosen und der Beurteilung der sie über einen längeren
Zeitraum hinweg behandelnden Ärztin Dr. H._ auseinandersetzen und hat dies getan.
Dieser Umstand gibt seiner Beurteilung einen erheblichen Stellenwert.
3.5.4 Nach der Einschätzung des Gutachters lassen sich die betreffenden Diagnosen
aufgrund seiner Befunde nicht bestätigen. Was die diagnostizierte posttraumatische
Belastungsstörung im Besonderen betrifft, entsteht sie laut ICD-10 als eine verzögerte
oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer
oder längerer Dauer, mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem
Ausmass, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Der Beginn
folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann (vgl.
IDC-10-GM, Version 2017; die Diagnose ist gegeben, wenn die Störung innerhalb von
sechs Monaten nach einem traumatischen Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere
aufgetreten ist; eine "wahrscheinliche" Diagnose kann auch gestellt werden, wenn der
Abstand grösser ist, was aber voraussetzt, dass die klinischen Merkmale typisch sind
und keine andere Diagnose gestellt werden kann, vgl. Bundesgerichtsurteil vom 15. Juli
2010, 8C_754/2009 mit Hinweis). Der Gutachter hielt dazu fest, die Beschwerdeführerin
habe über ihre kurze Untersuchungshaft sachlich, ohne Vermeidungshaltung und ohne
affektive Reaktionen berichten können. Es habe (damals) auch keine lebensbedrohliche
Situation bestanden. Die Gefangenschaft an sich entspreche ferner nicht einer
aussergewöhnlichen Bedrohung katastrophalen Ausmasses. Ausserdem sei die
Beschwerdeführerin danach in der Lage gewesen, während zehn Jahren einer
beruflichen Tätigkeit nachzugehen. - Bei diesen Gegebenheiten ist die gutachterliche
Beurteilung überzeugend begründet. Es kann davon ausgegangen werden, dass der
Experte die Auswirkungen der berichteten - nicht zu verharmlosenden - Erlebnisse aus
der Lebensgeschichte der Beschwerdeführerin fachgerecht erfasst hat.
3.5.5 Dass die Beschwerdeführerin nicht ausreichend angehört worden wäre, ist
aufgrund der Ausführungen im Gutachten und derjenigen von Dr. H._ nicht
anzunehmen, so dass auf das Einholen von Protokollen verzichtet werden kann.
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3.5.6 Des Weiteren fand der Gutachter bei der Beschwerdeführerin zwar leichte
Verstimmungszustände, aber keine die Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode erfüllenden Einschränkungen, etwa bezüglich Affektlabilität oder
Antriebsstörungen. Auch eine larvierte Depression liege nicht vor. Die Fähigkeit zur
Willensanstrengung und zur Überwindung der Beschwerden sei trotz Dysthymie
gegeben. Der Gutachter berücksichtigte bei der Beurteilung die Einschränkungen wie
die Ressourcen der Beschwerdeführerin.
3.5.7 Dem Ergebnis der psychiatrischen Begutachtung kann demnach gefolgt werden,
zumal auch die Schilderungen der Beschwerdeführerin zu den Alltagsaktivitäten nicht
dagegen sprechen. Die Diskrepanz zwischen subjektiver Krankheitsüberzeugung und
objektivierbaren Befunden lässt sich gemäss dem stichhaltigen psychiatrischen Teil
des Gutachtens nicht mit einer psychiatrischen Störung erklären.
3.5.8 Konkrete Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen würden
(vgl. Bundesgerichtsurteil vom 22. August 2017, 8C_158/2017 E. 4.2; BGE 137 V 210),
sind nicht gegeben.
3.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin dem
Begutachtungsergebnis entsprechend für körperlich leichte, adaptierte Tätigkeiten
uneingeschränkt arbeitsfähig ist.
4.
4.1 Was die erwerblichen Folgen der gesundheitlichen Einschränkungen betrifft, ist
zunächst festzuhalten, dass die Bemessung der Invalidität der Beschwerdeführerin -
wie von der Beschwerdegegnerin angewendet - nach der allgemeinen Methode des
Einkommensvergleichs zu erfolgen hat. Nach Art. 16 ATSG ist dabei das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
4.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen
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Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als
Gesunde tatsächlich verdienen würde (vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 9C_422/2015
vom 7. Dezember 2015). Die Beschwerdeführerin hatte gemäss IK-Auszug früher ein
aus zwei Arbeitsverhältnissen kombiniertes Pensum inne. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit würde sie hypothetisch ohne Gesundheitsschaden ein -
möglicherweise weiterhin zusammengesetztes - vollzeitliches Pensum erfüllen (vgl. IV-
act. 67-1). Bei der B._-Anstellung erreichte die Beschwerdeführerin - anhand der
aktenkundigen Angaben zum Stundenlohn 2012 berechnet - ein Lohnniveau von etwa
Fr. 58'400.-- pro Jahr (Fr. 26.74 Stundenlohn ohne Ferien- und Feiertagsentschädigung
bei Annahme von 2'184 Jahresarbeitsstunden [52 x 42]; bzw. Fr. 58'230.-- bei Fr. 30.14
x 1932 [52 Wochen abzüglich rund zehn Feiertage und abzüglich vier Wochen Ferien, à
42 Stunden]). Mindestens aber ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen,
die Beschwerdeführerin hätte als Gesunde insgesamt den statistischen
Durchschnittslohn in den Hilfstätigkeiten aller Branchen erzielt, wird ihr ein solches
Lohnniveau doch auch für die Verhältnisse nach Eintritt der Gesundheitsschädigung
angerechnet, wie sich aus dem Folgenden ergibt.
5.
5.1 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Da
die Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeitraum keine Erwerbstätigkeit mehr
ausgeübt hat, sind rechtsprechungsgemäss (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7. April
2016, 9C_783/2015; BGE 139 V 592 E. 2.3) grundsätzlich statistische Werte
(Tabellenlöhne) beizuziehen.
5.2 Der grundsätzlichen Zumutbarkeit einer Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin
auf dem Arbeitsmarkt - als Voraussetzung für die Anrechnung eines solchen
statistischen Einkommens - steht nach dem oben Dargelegten medizinisch nichts
entgegen.
5.3 Die Beschwerdeführerin lässt indessen vorbringen, die ihr verbliebene
Arbeitsfähigkeit sei nicht verwertbar.
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5.3.1 Diesbezüglich ist zunächst festzuhalten, dass bei der Invaliditätsbemessung von
einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage ausgegangen wird (vgl. Art. 16 ATSG). Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer und abstrakter Begriff (vgl. BGE 134 V
64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2). Er hat rein hypothetischen Charakter und dient dazu, die
Risiken Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts, nunmehr Bundesgerichts, i/S C. vom 16. Juli
2003, I 758/02; BGE 110 V 276 E. 4b). Für die Bestimmung des Invalideneinkommens
kommt es nicht darauf an, ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich vermittelt werden kann, sondern einzig darauf,
ob und in welchem Rahmen sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich
nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften
entsprächen (vgl. AHI 1998 S. 287 E. 3b). Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt beinhaltet
von seiner Struktur her sowohl bezüglich der beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes einen Fächer
verschiedenster Tätigkeiten bzw. verschiedenartiger Stellen (vgl. Bundesgerichtsurteile
vom 9. Januar 2015, 8C_652/2014, und vom 23. September 2014, 9C_192/2014). Nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts umfasst er auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl.
Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015, 8C_582/2015, vom 28. November 2014,
9C_485/2014, und vom 29. August 2013, 8C_514/2013). Allerdings dürfen keine
realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten berücksichtigt werden. Insbesondere kann von
einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG dort nicht gesprochen werden,
wo sie nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl.
Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015, 8C_582/2015, und vom 28. April 2010,
8C_1050/2009; ZAK 1991 S. 318 E. 3b).
5.3.2 Der Beschwerdeführerin sind nach der Aktenlage, wie ihr Rechtsvertreter
zutreffend vorbringt, für die Umsetzung der attestierten vollen Arbeitsfähigkeit diverse
medizinische Grenzen gesetzt. So kommen Schichtarbeit, das Bedienen von
gefährlichen Maschinen und das Führen von Fahrzeugen für sie nicht in Frage. Als
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rheumatologisch betrachtet adaptiert werden im Gutachten Tätigkeiten umschrieben,
die körperlich leicht sind, auch nur leichte Belastungen der Nacken-
Schultergürtelregion mit sich bringen und die Möglichkeit zu Wechselpositionen bieten.
Monoton-repetitive Haltungen oder Bewegungen und gehäufte Überkopftätigkeiten
sollen nicht erforderlich sein. Aus ORL-Sicht sind schliesslich Tätigkeiten unter erhöhter
Staubexposition zu meiden. - Bei diesen Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit
handelt es sich indessen nicht um so gravierende Faktoren oder um das
Zusammenfallen einer so weitreichenden Vielfalt an Einschränkungen, dass mit
entsprechenden Stellen selbst auf einem als ausgeglichen fingierten Arbeitsmarkt
realistischer Weise nicht mehr zu rechnen wäre. Dass alle Arten von Hilfstätigkeiten auf
dem massgeblichen Arbeitsmarkt monoton-repetitiv, Wechselbelastung
ausschliessend oder mit einer Belastung für die Nacken-Schulterregion oder einer
Staubimmission verbunden wären, ist weder erstellt noch anzunehmen. Bei den
Anforderungen, welche die Beschwerdeführerin an einen Arbeitsplatz zu stellen hat, ist
vielmehr noch mit ausreichenden Arbeitsmöglichkeiten zu rechnen, etwa leichten,
nicht-monotonen Montagetätigkeiten, Kontroll-, Lager-, Verpackungs- oder
Speditionsarbeiten, Tätigkeiten in der Industrie oder im Dienstleistungssektor (vgl. dazu
auch die Bundesgerichtsurteile vom 19. September 2013, 8C_348/2013, und vom 17.
Dezember 2003, I 645/01). Es rechtfertigt sich somit, die Tabellenlöhne beizuziehen.
5.4 Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur
mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist ein Abzug von den
Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss
aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 %
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). Die
gesundheitlich bedingten Einschränkungen der Beschwerdeführerin sind in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung vollumfänglich zum Ausdruck gekommen. In welcher Höhe
ein Abzug vom Tabellenlohn sachgerecht wäre, kann vorliegend dahingestellt bleiben,
wirkte sich doch angesichts der vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin selbst
der Maximalabzug nicht rentenrelevant aus.
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5.5 Würde ein Jahreslohn von Fr. 58'400.-- im Jahr 2012 mit einem anhand des
Tabellenlohns 2012 bestimmten Invalideneinkommen (Fr. 51'441.--; vgl. Anhang 2 der
Textausgabe Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts,
Gesetze und Verordnungen, 2015, herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV,
S. 226, basierend auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des
Bundesamtes für Statistik) bei Maximalabzug gemäss BGE 126 V 75 (Fr. 38'581.--)
verglichen, ergäbe sich ein Invaliditätsgrad von rund 34 %. Wären sowohl Validen- wie
Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu bestimmen, so
entspräche der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. Bundesgerichtsurteile
vom 9. Mai 2016, 8C_934/2015, und vom 20. April 2010, 9C_215/2010 E. 5.2), womit
sich der Invaliditätsgrad auf 25 % stellte.
5.6 Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
demnach zu Recht abgewiesen.
6.
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1'000 Franken festgelegt. Die
Beschwerdeführerin ist im Verfahren unterlegen, weshalb ihr die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen sind. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) durch die Gerichtsleitung am 14. Juli 2015 ist sie jedoch von
deren Bezahlung zu befreien.
6.3 Der Staat ist aufgrund der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten,
für die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Der
Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
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Diese ist in Anwendung von Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes (sGS
963.70) um einen Fünftel auf Fr. 2'800.-- zu reduzieren.
6.4 Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es ihr gestatten, kann die
Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Auslagen für die
Vertretung verpflichtet werden (vgl. Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).