Decision ID: 03e610d1-b23c-48f1-aafc-76b9479829e3
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975, war ab dem 22. November 2010 für die
Y._
AG als Hilfsarbeiter im Flachdachbereich tätig (Urk. 10/13). Am 15. April 2011 stolperte er während der Arbeit beim Rückwärtsgehen und fiel auf die linke Schulter (Urk. 10/5/18), worauf sich eine posttraumatische Bursitis
sub
acromialis
(Entzündung der Bursa
subacromialis
am Schultergelenk) entwickelte (Urk. 10/5/8).
Der Versicherte meldete sich am 5. September 2011 bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 10/6). Diese ordnete nach diversen medizinischen und erwerblichen Abklärungen mit Verfü
gung vom 19. August 2014
eine
bidisziplinäre
(
rheumatologisch-psychiatrische
)
Begutachtung durch
Dr.
med.
Z._
und
Prof.
Dr.
med.
A._
an
(
vgl.
Urk.
10/103/9 und 10/103/10
).
Dagegen liess der Versicherte beim Sozialversicherungsgericht Beschwerde erheben (vgl. Urk. 10/103/3 ff.).
Sie
wurde mit Urteil IV.2014.00914 vom 2
7.
Februar 2015 teilweise gutgeheis
sen, so
weit auf sie eingetreten wurde,
die angefochtene Verfügung
wurde
auf
gehoben und die Sache an die IV-Stelle
zurückgewiesen, damit sie zur Frage der Notwendigkeit der Begutachtung und der für das Gutachten notwendigen medi
zinischen Fachbereiche
einen Einigungsversuch unternehme (vgl.
Urk.
10/110).
Am 1
6.
Juni 2015 ordnete die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten an (vgl.
Urk.
10/112, 10/114 und 10/115). Dagegen
wandte
die Rechtsvertreterin des Versicherten
ein
, der gerichtlich festgestellte Anspruch auf einen Einigungs
versuch
werde
unterlaufen (
Urk.
10/116). Die IV-Stelle
erklärte darauf mit Schreiben vom 7. Juli 2015 (
Urk.
10/117),
dass die mit Schreiben vom 30.
Juli 2014 vorgeschlagenen Mediziner
, Dr.
Z._
und Prof.
A._
,
nicht berücksichtigt werden könnten, da sie nicht auf der Gutachter-Liste der IV-Stelle aufgeführt seien. Zur abschliessenden versicherungsmedizinischen Stel
lungnahme bezüglich gesamthaft vorliegendem Gesundheitsschaden und dessen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bedürfe es (unter Berücksichtigung der im Urteil dokumentierten Aspekte) einer orthopädisch
en
und
einer
psychiatrischen Begutachtung. Zur Erfassung der funktionellen Einschränkungen werde zusätz
lich eine EFL (Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit) empfohlen. Die Begutachtung
in der Kombination orthopädisch-
psychiatrisch plus EFL könne nur über die
MEDAS
-Stelle erfolgen, da keine Ärzte in der erwähnten Kombi
nation plus EFL a
usserhalb der MEDAS-Stellen ange
geben
werden könnten
, die sich zur Begutachtung zusammenfinden und zu einer abschliessenden
Konsens
beurteilung
kommen würden. Es werde daher an einer polydisziplinären Begut
achtung festgehalten. Demgegenüber vertrat die Rechtsvertreterin des Versi
cherten erneut den Standpunkt, das sozialversicherungsgerichtl
i
che Urteil vom 2
7.
Februar 2015 werde mit dem von der IV-Stelle gewählten Vorgehen unter
laufen
(Urk.
10/118).
Mit Schreiben vom
2
6.
November 2015 teilte die IV-Stelle
dem Versicherten
mit, dass eine polydisziplinäre Begutachtung bei der
Gutachterstelle B._
, betreffend die Fachbereiche Allgemeine Innere Medizin (
Dr.
med.
C._
), Orthopädie (
Dr.
med.
D._
)
und Psychiatrie
(
Dr.
med.
E._
) mit einer EFL (
Dr.
med.
F._
) notwendig sei
(Urk.
10/125). Dagegen erhob die Rechtsvert
reterin des Versicherten am 30.
November 2015 Einwand (
Urk.
10/126). Mit Zwischenv
erfügung vom 21.
Dezember 2015 hielt die IV-Stelle an der polydisziplinären Begutach
t
ung bei der
Gutachterstelle B._
mit den in Aussicht gestellten Fachdisziplinen und Fachärzten fest (vgl.
Urk.
10/128).
2.
Gegen die Verfügung vom
2
1.
Dezember 2015
liess der Versicherte mit Eingabe vom
27
.
Januar 2016
(
Urk.
1)
Beschwerde erheben mit
dem Antrag
, es sei fest
zu
stellen, dass zur Abklärung des Anspruchs auf IV-Leistungen
die angeordnete polydisziplinäre medizinische Begutachtung
nicht notwendig sei
. Event
u
ell sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, bezüglich einer allenfalls notwend
i
gen orthopädischen Expertise beziehungsweise betreffend den zu beauftragenden Spezialisten einen Einigungsversuch durchzuführen; sollte eine Einigung nicht zustande kommen, sei ausschliesslich eine orthopädische Expertise, eventuell eine EFL anzuordnen; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8 % Mehrwert
steuer zulasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am 1
9
.
April 2016
auf Abweisung
der Beschwerde (Urk. 8
).
Zur Begründung verwies sie auf die Akten, insbesondere auf die Stellungnahme
n
des Regionalen Ärztlichen Dienstes vom 1
0.
Juni 2015, vom 1
7.
November 2015 und vom 1
6.
Dezember 2015 im Feststellungsblatt für den Beschluss vom 1
5.
April 2015, das sie im Beschwerdeverfahren neu einreichte (vgl.
Urk.
9).
Davon hat die Gegenpartei mit
Verfügung
vom
20
.
April 2016 Kenntnis erhal
ten (Urk. 11
).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften
und die im
Beschwerde
verfahren
neu eingereichte Unterlage (
Urk.
9)
wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Das Sozialversicherungsgericht hat gemäss Dispositivziffer 1 seines Urteils IV.2014.00914 vom 2
7.
Februar 2015 die Sache zum Vorgehen im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Aufgrund dieses Ver
weises sind die Begründungselemente Teil des Dispositivs und daher für
die Parteien rechtsverbindlich geworden (vgl. BGE 120 V 233 E. 1a). Dementspre
chend ist die Beschwerdegegnerin verpflichtet, zur Frage der Notwendigkeit der Begutachtung und der für das Gutachten notwendigen medizinischen Fachbe
reiche einen Einigungsversuch zu unternehmen. Ein solcher ist bis anhin unbe
stritten
ermassen
nicht erfolgt (
Urk.
1 S. 5 und
8; vgl. auch Urk.
10).
2.
Mit der angefochtenen Verfügung, namentlich der unmittelbaren Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung, wird dem vom Sozialversicherungsgericht in seinem Urteil IV.2014.00914 vom 2
7.
Februar 2015
skizzierten
Vorgehen
keine
Rechnung getragen
, obwohl es aufgrund der gerichtlichen Anordnung zwingend zu befolgen wäre
.
Die Begründung, eine orthopädisch-psychiatrische Begutachtung samt EFL könne nur bei einer MEDAS-Stelle erfolgen (vgl.
Urk.
9 S. 8 ff.),
vermag dies nicht zu rechtfertigen, zumal sich das
Sozialversiche
rungsgericht
mit Bezug auf den Fall des Beschwerdeführers
bis heute
weder zur N
otwendigkeit einer orthopädisch
-psychiatrischen Begutachtung noch generell zu einer EFL geäussert hat. Die angefochtene Verfügung ist folglich aus for
mellen Gründen aufzuheben, ohne dass das Erfordernis einer polydisziplinären Begutachtung mat
eriell zu prüfen wäre. Auf den Beschwerdea
ntrag, es sei fest
zustellen, dass zur Abklärung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf IV-Leistungen die angeordnete pol
ydisziplinäre medizinische Begutachtung nicht notwendig
sei
, ist folglich nicht einzutreten. Hingegen ist die Beschwerde, soweit auf sie einzutreten ist, in dem Sinne teilweise gutzuheissen, dass der bereits längere Zeit fällige
gerichtlich angeordnete
Einigungsversuch zügig zu unternehmen und in den Akten zu dokumentieren ist.
3.
3.1
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versiche
rungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenlos (Art. 61
lit
. a
des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
; ATSG
in Ver
bindung mit Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung; IVG).
3.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Dem Ausgang des Beschwerdeverfahrens entsprechend hat der Beschwerdefüh
rer Anspruch auf eine Parteientschädigung, wobei unter Berücksich
tigung der erwähnten Kriterien ein Betrag von Fr.
5
00.-- (inklusive Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer) als angemessen erscheint.