Decision ID: 91760af7-8ded-425d-9704-0b9e021c372d
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
F._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christa Rempfler, Falkensteinstrasse 1,
Postfach 112, 9006 St. Gallen,
gegen
UNIA Arbeitslosenkasse, Sektion St. Gallen, Teufenerstrasse 8, Postfach 2163,
9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Arbeitslosenentschädigung und Wiedererwägung (arbeitgeberähnliche Stellung)
Sachverhalt:
A.
A.a F._ stellte per 28. Oktober 2008 Antrag auf Arbeitslosenentschädigung. Vom 1.
Juni 2003 bis 30. September 2008 war er bei der A._ beschäftigt. Die Auflösung des
Arbeitsverhältnisses erfolgte aufgrund gesundheitlicher Probleme des Versicherten in
gegenseitigem Einverständnis mit der Arbeitgeberin auf den 30. September 2008 (act.
G5/Beilage 1 und 2). Gemäss Handelsregisterauszug ist der Versicherte seit 23.
Dezember 2002 Gesellschafter (mit Kollektivunterschrift zu zweien) der
Kollektivgesellschaft D._, St. Gallen. Diese Kollektivgesellschaft ist mit einem
Stammanteil von Fr. 49'000.-- (Stammkapital Fr. 50'000.--) Gesellschafterin der A._,
welche seit 25. Juni 2003 im Handelsregister eingetragen ist. Bei dieser GmbH ist der
Versicherte ebenfalls mit einer Kollektivunterschrift zu zweien eingetragen (act. G5/
Beilage 4).
A.b Mit Schreiben vom 14. November 2008 teilte die UNIA Arbeitslosenkasse dem
Versicherten mit, dass er ab Antragsstellung Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
habe; sie erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (vgl. act. G5/Beilage 3).
A.c Mit Kassenverfügung vom 3. November 2009 eröffnete die UNIA Arbeitslosenkasse
dem Versicherten, dass er ab 28. Oktober 2008 keinen Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung habe, da er bei der A._ eine arbeitgeberähnliche Stellung
besitze. Aus dem Handelsregister und den Akten gehe hervor, dass er bei der A._
nach wie vor eine Organstellung als Gesellschafter und damit rechtsprechungsgemäss
eine arbeitgeberähnliche Funktion habe. Damit gelte der Versicherte nicht als mit der
Kündigung definitiv aus der Firma ausgeschieden, weil er die Entscheidungen der
Firma im Sinn von Art. 31 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) bestimmen
oder massgebend beeinflussen könne. Weitere Zahlungen seien per sofort gestoppt
und die schon ausbezahlten Leistungen würden mit separater Verfügung
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zurückgefordert (act. G5/Beilage 4). Mit Verfügung vom 4. November 2009 forderte die
Beschwerdegegnerin die zuviel ausbezahlten Leistungen im Betrag von Fr. 85'394.--
zurück (act. G1.1/4).
A.d Gegen beide Verfügungen erhob der Versicherte am 16. respektive am 27.
November 2009 Einsprache (act. G1.5 und G5/Beilage 5). Mit Einspracheentscheid
vom 21. Januar 2010 wies die UNIA Arbeitslosenkasse die Einsprache vom 16.
November 2009 gegen die Verfügung vom 3. November 2009 ab. Der Versicherte sei
weiterhin als Gesellschafter im Handelsregister eingetragen. Sodann sei er seit 5. Mai
2008 bei der B._ und seit 10. Juni 2009 bei der C._ im Handelsregister als Mitglied
mit Einzelunterschrift eingetragen (act. G5/Beilage 6).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwältin Christa
Rempfler, St. Gallen, im Namen des Versicherten eingereichte Beschwerde vom
22. Februar 2010 mit den Anträgen, die Prozedur sei zur Gewährung des rechtlichen
Gehörs und zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
eventualiter sei der Einspracheentscheid aufzuheben und der Anspruch des
Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung ab 28. Oktober 2008
anzuerkennen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin sei mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid ihrer Begründungspflicht als Ausfluss des rechtlichen Gehörs
nicht nachgekommen. Eine weitere Verletzung des rechtlichen Gehörs bestehe darin,
dass die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid zwei neue Fakten eingebracht
habe, zu denen der Beschwerdeführer nicht habe Stellung nehmen können. Der
Beschwerdeführer habe nie eine Organstellung in der ehemaligen Arbeitgeberfirma
A._ gehabt und sei auch nie Gesellschafter gewesen. Aus der Kollektivunterschrift
könne nicht im Geringsten eine Beeinflussung der Entscheidfindung abgeleitet werden,
da die Beschlüsse ausschliesslich vom geschäftsführenden Inhaber allein, allenfalls
unter Beizug des Finanzchefs und des Rechtsvertreters, getroffen würden. Die
Kollektivunterschrift des Beschwerdeführers diene nur zur Absicherung der schnellen
Beschlussumsetzung bei Abwesenheit des Inhabers, weshalb er weiterhin im
Handelsregister eingetragen sei. Die Einzelzeichnungsberechtigung bei der B._ und
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der C._ führe ebenfalls nicht zu einer arbeitgeberähnlichen Stellung. Die mangelnde
Qualität der Arbeit der UNIA Arbeitslosenkasse zeige sich auch dadurch, dass sie im
Handelsregister nicht vollständig recherchiert habe, denn der Beschwerdeführer stehe
auch bei der E._ seit dem 9. Oktober 2007 als Gesellschafter und Geschäftsführer im
Handelsregister.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 27. April 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde.
B.c Mit Schreiben vom 10. Mai 2010 verzichtete die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers auf die Einreichung einer Replik.

Erwägungen:
1.
1.1 In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine mehrfache Verletzung des
rechtlichen Gehörs, da sich die Beschwerdegegnerin nicht detailliert mit den in der
Einsprache vorgebrachten Argumenten auseinandergesetzt und dadurch die ihr
obliegende Begründungspflicht verletzt habe und zudem im angefochtenen
Einspracheentscheid zwei neue Fakten vorgebracht worden seien, zu welchen sich der
Beschwerdeführer nicht habe äussern können.
1.2 Gemäss Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung (BV; SR 101) ist der Versicherungsträger verpflichtet, sich mit den
Vorbringen der Partei auseinander zu setzen, um dem Anspruch der Versicherten auf
rechtliches Gehör Genüge zu tun. Die Begründung entspricht den Anforderungen von
Art. 29 Abs. 2 BV, wenn die Betroffenen dadurch in die Lage versetzt werden, die
Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an
eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist aber nicht verpflichtet, sich zu allen
Vorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (Häfelin/Müller, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006, N 1705 f.). Nach der Rechtsprechung kann
eine - nicht besonders schwer wiegende - Verletzung des rechtlichen Gehörs als
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geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer
Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei
überprüfen kann. Die Heilung eines - allfälligen - Mangels soll aber die Ausnahme
bleiben (BGE 127 V 437 E. 3d/aa, 126 I 72, 126 V 132 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.3 Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen Entscheid den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung mit der Begründung, dass der Beschwerdeführer nach wie
vor im Handelsregister eingetragen sei und somit bei der A._ eine
arbeitgeberähnliche Stellung inne habe. Obwohl die Begründung äusserst knapp
ausgefallen ist, kann dem Einspracheentscheid entnommen werden, dass die
Beschwerdegegnerin auf das formale Kriterium der im Handelsregister eingetragenen
Kollektivzeichnungsberechtigung für die A._ abstellte. Die minimalen Anforderungen
an die Begründungspflicht wurden somit gewahrt, da dem Beschwerdeführer der
Grund für die Anspruchsverneinung mitgeteilt wurde. Hingegen hat sich die
Beschwerdegegnerin nicht hinreichend mit den Vorbringen des Beschwerdeführers,
welcher sich gegen dieses formale Kriterium wandte, auseinandergesetzt. Sie teilte im
angefochtenen Entscheid lediglich mit, dass die vom Beschwerdeführer vorgebrachten
Gründe keine andere Einschätzung zulassen würden. Indem sich die
Beschwerdegegnerin offensichtlich nicht rechtsgenüglich zu den Einwänden des
Beschwerdeführers geäussert hat, ist diesbezüglich von einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs auszugehen. Die Frage der Heilung dieses Formfehlers braucht
allerdings nicht abschliessend beantwortet zu werden, da - wie die folgenden
Erwägungen zeigen werden - der angefochtene Entscheid ohnehin aufzuheben ist und
die Beschwerdegegnerin mittels Rückweisung verpflichtet wird, weitere
Untersuchungen und Abklärungen durchzuführen und sich somit konkret mit den
Vorbringen des Beschwerdeführers auseinander zu setzen haben wird. Es wird dann
dem Beschwerdeführer auch möglich sein, sich vor der Beschwerdegegnerin zu den
neu von ihr im Einspracheentscheid vorgebrachten Fakten zu äussern.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung vom 3. November 2009 und im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 21. Januar 2010 den Anspruch des
Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung rückwirkend ab Antragstellung (28.
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Oktober 2008) und auch für die Zukunft ab Oktober 2009 verneint. In einer weiteren
Verfügung vom 4. November 2009 hat sie eine Rückforderung für die ab Antragstellung
bis Ende September 2009 unrechtmässig bezogenen Taggelder in der Höhe von Fr.
85'394.-- angeordnet. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 27.
November 2009 Einsprache. Ein im Rückforderungsverfahren ergangener
Einspracheentscheid ist den Akten nicht zu entnehmen. Der angefochtene
Einspracheentscheid befasst sich ausschliesslich mit der rückwirkenden
Anspruchsablehnung und nicht mit der Rückforderung, weshalb von daher diese an
sich nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet. Zu beurteilen
gilt es somit, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht rückwirkend ab 28. Oktober 2008 in
der laufenden Rahmenfrist für den Leistungsbezug den Anspruch des
Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung verneint hat. Diesbezüglich gilt es
zu beachten, dass die Beschwerdegegnerin bezüglich der rückwirkenden Ablehnung
des Anspruchs - für die bereits rechtskräftig verfügten Taggeldleistungen - über einen
Rückkommenstitel verfügen muss. Für die Verneinung des Anspruchs für künftige
Leistungen (ab Oktober 2009) ist dagegen kein Rückkommenstitel notwendig;
diesbezüglich kann der Leistungsanspruch in freier Prüfung der Sachlage beurteilt
werden.
2.2 Zu beachten gilt es sodann, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
der Erlass einer Feststellungsverfügung nicht zulässig ist, wenn eine rechtsgestaltende
Verfügung den gleichen Zweck erfüllen kann. In dem Sinn kann nicht eine rückwirkende
Verneinung des Anspruchs erfolgen und anschliessend von der gleichen Stelle eine
Rückforderung verfügt werden (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit dem 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom
18. Mai 2006, C 334/05). Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich nicht um eine
reine Feststellungsverfügung, da künftige Taggeldauszahlungen ebenfalls verneint
werden. Aus diesem Grund ist der angefochtene Einspracheentscheid vom Gericht
grundsätzlich materiell zu prüfen und die Sache nicht einfach zum Erlass einer einzigen
rechtsgestaltenden Verfügung zurückzuweisen. Hingegen ist die Beschwerdegegnerin
darauf hinzuweisen, dass sie im Rahmen dieses Rückweisungsentscheids bei erneuter
Verfügung über eine rückwirkende Ablehnung des Anspruchs bzw. über das Vorliegen
eines Rückkommenstitel gleichzeitig mit der Beurteilung der Rückforderung zu
befinden haben wird.
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3.
3.1 Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder
der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder
Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Nach Art. 53 Abs. 2
ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
3.2 Den formell rechtskräftigen Verfügungen gleichgestellt sind auch die im formlosen
Verfahren ergangenen Entscheide, soweit sie eine mit dem Ablauf der Beschwerdefrist
bei formellen Verfügungen vergleichbare Rechtsbeständigkeit erreicht haben (Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 53 Rz 19). Taggeldabrechnungen der
Arbeitslosenversicherung, die - wie im vorliegenden Fall - nicht in die Form einer
formellen Verfügung gekleidet werden, weisen materiell Verfügungscharakter auf (Urteil
des EVG vom 14. Juli 2003, C 7/02, BGE 125 V 476 E. 1; 122 V 368 E. 2 mit
Hinweisen). Für die Verwaltung ist die Rechtsbeständigkeit nach Ablauf einer
Zeitspanne eingetreten, die der Rechtsmittelfrist bei formellen Verfügungen entspricht.
Zu einem späteren Zeitpunkt bedarf demnach das Zurückkommen auf eine
Taggeldabrechnung eines Rückkommenstitels in Form einer Wiedererwägung oder
einer prozessualen Revision, während vor Ablauf dieser Frist eine Rückforderung
zufolge unrichtiger Taggeldabrechnungen ohne Bindung an die Voraussetzungen für
einen Rückkommenstitel möglich ist (BGE 129 V 110). Die jeweiligen monatlichen
Taggeldabrechnungen stellen faktische Verfügungen dar, welche jeweils einzeln die
Frist für die Rechtsbeständigkeit auslösen.
3.3 Das Zurückkommen auf im oben umschriebenen Sinn rechtsbeständige
Taggeldabrechnungen war der Beschwerdegegnerin somit nur möglich, wenn sie über
einen Rückkommenstitel in Form einer Wiedererwägung oder einer prozessualen
Revision verfügte.
3.4 Die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision sind vorliegend nicht erfüllt. Die
Beschwerdegegnerin machte in der Verfügung vom 3. November 2009 geltend, aus
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dem Handelsregister und den Akten gehe hervor, dass der Beschwerdeführer bei der
A._ eine arbeitgeberähnliche Stellung habe. Die Aktenlage sowie der
Handelsregistereintrag haben sich seit Antragstellung nicht verändert, weshalb es
vorliegend an relevanten Tatsachen oder Beweismitteln für eine prozessuale Revision
fehlt (vgl. BGE 122 V 270 Erw. 4).
3.5 Von den Voraussetzungen für die Wiedererwägung ist die erhebliche Bedeutung
der Berichtigung in Anbetracht der Tatsache, dass der Beschwerdeführer während
beinahe eines Jahres Taggelder der Arbeitslosenkasse bezogen hatte, ohne Weiteres
gegeben (vgl. Kieser, a.a.O., Art. 53 Rz 33f). Zu prüfen bleibt, ob keine vernünftigen
Zweifel an der Unrichtigkeit der ursprünglichen Taggeldabrechnungen bestehen. Nach
dem Kreisschreiben über die Arbeitslosenentschädigung [KS-ALE], Januar 2007, Rz
B17f, ergibt sich bei Verwaltungsräten/innen einer AG (Art. 716ff. OR) und
Geschäftsführer/innen einer GmbH (Art. 811-815 und 827 OR) die massgebliche
Einflussnahme von Gesetzes wegen. Die Kasse hat in diesen Fällen ohne weitere
Prüfung den Leistungsausschluss zu verfügen. Bei den Mitgliedern eines obersten
betrieblichen Entscheidgremiums ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, welche
Entscheidungsbefugnisse den Personen aufgrund der internen betrieblichen Struktur
tatsächlich zukommen. Die Grenze zwischen dem obersten betrieblichen
Entscheidungsgremium und den unteren Führungsebenen lässt sich nicht allein anhand
formaler Kriterien beurteilen. So kann etwa aus einer Prokura oder anderen
Handlungsvollmachten noch nichts Zwingendes hinsichtlich Stellung und
Einflussmöglichkeit innerhalb des betreffenden Betriebes abgeleitet werden, weil damit
nur die Verantwortlichkeiten nach aussen geregelt werden. Zwar gehen mit solchen
Stellungen in aller Regel vergleichbare Kompetenzen im Innenverhältnis einher, doch
kann aus ihnen allein, ohne Bezugnahme auf den gegebenen statutarischen oder
vertraglichen Rahmen und die gelebten Verhältnisse, noch keine massgebliche
Beeinflussung der Willensbildung im Betrieb abgeleitet werden. Gemäss Auszug aus
dem Handelsregister war bzw. ist der Beschwerdeführer nicht Geschäftsführer der
A._, weshalb von daher keine arbeitgeberähnliche Stellung von Gesetzes wegen
anzunehmen ist, sondern die konkreten Entscheidbefugnisse näher zu prüfen sind. Wie
bereits erwähnt, besitzt der Beschwerdeführer bei der A._ eine Kollektivunterschrift
zu zweien und ist mittels der Kollektivgesellschaft D._ auch deren Gesellschafter.
Aufgrund der vorliegenden Akten ist der mögliche Einfluss des Beschwerdeführers auf
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die Entscheidfindung der A._ nicht klar ersichtlich. Insbesondere ist nicht erkennbar,
wie die Aufgabenteilung und die Verhältnisse der aktuell fünf Gesellschafter der
Kollektivgesellschaft D._ sind. Bevor nicht das Innen- und Aussenverhältnis der
Kollektivgesellschaft bekannt ist, kann der Einfluss des Beschwerdeführers auf die
Entscheidfindung in der A._ nicht beurteilt werden. Allein gestützt auf den
Handelsregisterauszug sowie auf die vorliegende Aktenlage kann nicht entschieden
werden, ob die Taggeldabrechnungen zweifellos unrichtig waren und ob somit die
Beschwerdegegnerin zu Recht rückwirkend den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung verneinte.
3.6 Wie bereits erwähnt, kann die Verneinung des Anspruchs für künftige
Taggeldleistungen ab Oktober 2009 frei geprüft werden, ohne die Notwendigkeit eines
Rückkommenstitels. Allerdings kann aufgrund der Aktenlage auch diese Frage nicht
beantwortet werden. Die in Erwägung 3.5 gemachten Ausführungen beziehen sich
somit auch auf die Ablehnung des Anspruchs für Leistungen ab Oktober 2009.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit sie weitere Abklärungen vornehmen und anschliessend neu über das Vorliegen
eines Rückkommenstitels mit rückwirkender Ablehnung und gleichzeitiger
Rückforderung sowie über den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab Oktober
2009 entscheiden kann. Bei den Abklärungen hat die Beschwerdegegnerin
hauptsächlich das Verhältnis der Gesellschafter untereinander in der D._ zu klären.
Der Beschwerdeführer hat mit dem Gesellschaftsvertrag gemäss Art. 557 Abs. 1 OR
das Aussen- und Innenverhältnis der Gesellschaft darzulegen. Sollte lediglich ein
mündlicher Gesellschaftsvertrag vorliegen, wäre eine schriftliche Bestätigung der
Gesellschaft erforderlich, welche über die finanziellen Beteiligungen, die
Stimmverhältnisse, die Aufgabenteilungen, die Kompetenz- und
Entscheidungsbefugnisse und die Beschlussfassung Auskunft gibt. Im Weiteren könnte
eine Steuerveranlagung für die Überprüfung der finanziellen Beteiligung an der
Kollektivgesellschaft verlangt werden. Sodann gilt es abzuklären, inwiefern und in
welcher Form die Kollektivgesellschaft Einfluss nimmt auf die A._. Da sie über einen
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Stammanteil von Fr. 49'000.-- - bei einem Stammkapital von Fr. 50'000.-- - verfügt,
dürfte dieser von grundlegender Bedeutung sein.
4.2 Anzumerken bleibt, dass die vorliegende Konstellation - Beschwerdeführer war
Arbeitnehmer in einer zur Firmengruppe seines Vaters gehörenden GmbH und die
Kollektivgesellschaft, in welcher er mit Vater, Bruder und zwei weiteren Gesellschaftern
Teilhaber ist, ist Hauptgesellschafterin an dieser GmbH - zum vorneherein auf ein
gewisses Missbrauchspotential schliessen lässt.
4.3 Eine allfällige arbeitgeberähnliche Stellung des Beschwerdeführers bezieht sich
ausschliesslich auf die gekündigte Stelle bei der A._. Bezüglich weiterer Tätigkeiten
bei der D._, der B._, der C._ und der E._ wäre - soweit eine
arbeitgeberähnliche Stellung des Beschwerdeführers zu verneinen ist - allenfalls die
Frage der Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers zu prüfen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde der Einspracheentscheid
vom 21. Januar 2010 aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung des
Sachverhalts im Sinn der Erwägungen und anschliessend neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat eine Kostennote
von Fr. 5'819.-- (wovon Fr. 5'200.-- Honorar) eingereicht. Diese Kostennote umfasst
allerdings auch das Einspracheverfahren. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, von
der Zusprache der üblichen Parteientschädigung in vergleichbaren Fällen abzuweichen.
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Die Beschwerdegegnerin hat daher den Beschwerdeführer mit pauschal Fr. 3'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.