Decision ID: 3e950e90-d229-5b26-8131-c5500f80df25
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden suchten am 17. November 2015 in der Schweiz
um Asyl nach. Am 7. Dezember 2015 fanden die Befragungen zur Person
statt und es wurde das rechtliche Gehör zum Gesundheitszustand und zur
Zuständigkeit Kroatiens und der Wegweisung dorthin gewährt.
B.
Gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführenden ersuchte das SEM
die kroatischen Behörden am 5. Januar 2016 um Übernahme; diese nah-
men innert Frist keine Stellung.
C.
Mit Verfügung vom 8. März 2016 trat das SEM auf die Asylgesuche nicht
ein, verfügte die Wegweisung nach Kroatien und beauftragte den zustän-
digen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
D.
Mit Eingabe vom 16. März 2016 reichten die Beschwerdeführenden unter
Beilage eines Zeitungsberichts vom 14. März 2016 beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde ein und beantragten, es sei der Entscheid des
SEM vom 8. März 2016 aufzuheben, das Asylgesuch in der Schweiz zu
behandeln, das Dublin-Verfahren aufzuheben und die Zuständigkeit der
Schweiz für die Durchführung des Asylverfahrens festzustellen. In pro-
zessualer Hinsicht sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver-
zichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
E.
Die vorinstanzlichen Akten gingen am 18. März 2016 beim Bundesverwal-
tungsgericht ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die
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Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist insoweit einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen einen Nichteintretensentscheid ist die Beur-
teilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be-
schränkt, ob die Vorinstanz bei vollständig und richtig festgestelltem Sach-
verhalt auf das Asylgesuch zu Recht oder Unrecht nicht eingetreten ist (vgl.
BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.).
2.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG wird in der Regel auf Asylgesuche
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kön-
nen, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens
staatsvertraglich zuständig ist. Zur Bestimmung des staatsvertraglich zu-
ständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien nach der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom
29. Juni 2013 (nachfolgend Dublin-III-VO). Führt diese Prüfung zur Fest-
stellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs
zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer
Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch
grundsätzlich nicht ein.
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3.2 Die Schlussfolgerung der Vorinstanz ist weder in tatsächlicher noch in
rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. Die Beschwerde zeigt nicht auf, in-
wiefern die Vorinstanz Bundesrecht verletzt oder den Sachverhalt fehler-
haft festgestellt haben soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. So bestätigt
die Beschwerde selbst die Reiseroute über Kroatien (Beschwerde S. 2).
Die Vorinstanz hat folglich zu Recht die Zuständigkeit Kroatiens erkannt
und die kroatischen Behörden – gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO –
um Übernahme ersucht. Für die Annahme der Zuständigkeit genügen Indi-
zien (Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dass Kroatien nicht ausdrücklich Stel-
lung genommen hat, bleibt ohne Bedeutung. Bereits mit Fristablauf wird
die Zustimmung fingiert. Kroatien ist somit verpflichtet, die Person aufzu-
nehmen und angemessene Vorkehrungen für die Ankunft zu treffen (Art. 22
Abs. 7 Dublin-III-VO). Die Vorbringen auf Beschwerdeebene – Kroatien
habe nicht Stellung genommen, weil die Beschwerdeführenden dort auf ih-
rer Durchreise nicht registriert worden seien, das Reiseziel sei die Schweiz
gewesen, wo Verwandte (Onkel und Tanten) leben würden – sind offen-
sichtlich nicht geeignet, eine Verletzung der Zuständigkeitsbestimmungen
darzutun. So auch nicht die Kritik am kroatischen Staat.
Es gibt keine wesentlichen Gründe für die Annahme, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Kroatien würden syste-
mische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen. So ist Kroatien Signatarstaat der EMRK, des
Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) sowie des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und es gibt keine konkreten Hin-
weise dafür, dass sich Kroatien nicht an die daraus resultierenden Ver-
pflichtungen halten würde. Auch kann davon ausgegangen werden, dass
Kroatien die Rechte anerkennt und schützt, die sich für Schutzsuchende
aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates
2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-
kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrens-
richtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Nor-
men für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantra-
gen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben.
Es liegen auch keine Anhaltspunkte vor, dass Kroatien seine staatsvertrag-
lichen Verpflichtungen im vorliegenden Fall missachten und die Beschwer-
deführenden unter Verletzung der EMRK einer menschenunwürdigen oder
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erniedrigenden Behandlung ausgesetzt wären, oder dass das flüchtlings-
rechtliche Non-Refoulement-Gebot verletzt würde. Die Beschwerdeführen-
den haben keine konkreten Hinweise für die Annahme dargetan, Kroatien
würde die ihnen gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden Lebensbedin-
gungen dauerhaft vorenthalten. Nach dem Gesagten und weil es sich bei
den Beschwerdeführenden um junge und gesunde Menschen handelt
(SEM-Akten, A4, S. 10 und SEM-Akten, A5, S. 9) gibt es auch keinen
Grund für die Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-
VO. Die Ermessensausübung der Vorinstanz stellt keine Rechtsverletzung
dar. Die Rüge der Unvollständigkeit und Unrichtigkeit der Sachverhaltsab-
klärungen geht fehl. Die Vorinstanz ist zu Recht auf die Asylgesuche nicht
eingetreten.
4.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
5.
5.1 Die Beschwerdeführenden beantragen die Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehen-
den Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten
haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht
gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit dem
vorliegenden Urteil sind die Anträge auf unentgeltliche Prozessführung und
Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos gewor-
den.
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