Decision ID: bd32440f-9905-47fe-9b06-6ddb6f8819db
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
vorsätzliche grobe Verletzung der Verkehrsregeln etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 4. April 2014 (GG140009)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 15. Januar
2014 (Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 41)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 41b
Abs. 1 VRV und Art. 24 Abs. 4 SSV (Nichtgewähren des Vortritts beim Einfah-
ren in einen Kreisverkehrsplatz) und
- des vorsätzlichen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 SVG
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu
Fr. 140.– sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre fest-
gesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
5. Der dem Beschuldigten mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/
Unterland, Zweigstelle Flughafen, vom 22. November 2011 bezüglich der ausge-
fällten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 130.– (entsprechend Fr. 3'900.–)
gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen; die Strafe wird vollzogen.
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6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittelbelehrung)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 58)
Der Beschuldigte sei freizusprechen;
von einem Widerruf sei abzusehen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse für
beide Instanzen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 45)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 4. April 2014 wurde der
Beschuldigte von der Vorinstanz im Sinne der entsprechenden Anklagevorwürfe
der vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 41b Abs. 1 VRV und
Art. 24 Abs. 4 SSV (Nichtgewähren des Vortritts bei der Einfahrt im Kreisverkehr)
sowie des vorsätzlichen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 SVG schuldig gesprochen und mit
einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Art. 140.– sowie einer Busse von
Fr. 300.– bestraft. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und die
Probezeit auf 3 Jahre angesetzt. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung
der Busse setzte der Vorderrichter eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen fest.
Gleichzeitig widerrief er den bedingten Strafvollzug einer mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 22. November 2011 gegen den
Beschuldigten ausgefällten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 130.–.
Schliesslich wurden die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Ver-
fahrens dem Beschuldigten auferlegt (Urk. 35 S. 30 f.).
Keine Verurteilung – und damit ein impliziter Freispruch – erfolgte hinsichtlich des
ebenfalls in der Anklageschrift enthaltenen Vorwurfs, der Beschuldigte habe sich
zusätzlich der vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV
(ungenügender Abstand beim Hintereinanderfahren) schuldig gemacht (Anklage-
schrift S. 3; Urk. 35 S. 20 und 30).
1.2. Gegen dieses mündlich eröffnete Urteil liess der Beschuldigte seinen
(erbetenen) Verteidiger am 14. April 2014 fristgerecht Berufung anmelden
(Urk. 29) und – nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 33) – dem Ober-
gericht am 14. Juli 2014 ebenfalls innert Frist die Berufungserklärung einreichen
(Urk. 37). Mit Präsidialverfügung vom 18. Juli 2014 wurde die Berufungserklärung
in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft zugestellt,
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um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die
Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt,
um zu seinen finanziellen Verhältnissen Auskünfte zu erteilen und zu belegen
(Urk. 40).
1.3. Am 23. Juli 2014 teilte die Staatsanwaltschaft mit, die Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils zu beantragen sowie auf die Stellung von Beweisanträgen zu
verzichten (Urk. 45). Am 15. September 2014 gingen seitens des Beschuldigten
das von ihm ausgefüllte "Datenerfassungsblatt" sowie verschiedene Unterlagen
dazu ein (Urk. 49; Urk. 51).
1.4. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldig-
te und sein Verteidiger erschienen sind, waren weder Vorfragen zu entscheiden
noch Beweise abzunehmen (Prot. II S. 4 ff.). Das vorliegende Urteil erging im
Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 10 f.).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich anfechten
(Urk. 37; Urk. 58). Dementsprechend ist es in keinem Punkt in Rechtskraft
erwachsen und bildet in seiner Gesamtheit Berufungsgegenstand (vgl. auch
Prot. II S. 5 f.).
3. Sachverhalt/rechtliche Würdigung
3.1. Die Vorinstanz hat die Beweislage – insbesondere die Aussagen des
Motorradfahrers B._ (im Folgenden: B._), der Zeugin C._ (im Fol-
genden: C._) sowie des Beschuldigten – ausführlich und korrekt zusammen-
gefasst, sodass zur Vermeidung von Wiederholungen darauf verwiesen werden
kann (Urk. 35 S. 5-10).
3.2. Dem vorinstanzlich daraus gezogenen Schluss, der Beschuldigte habe sich
einer (eventual-)vorsätzlichen Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht, kann
jedoch nicht gefolgt werden:
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3.2.1. Vorab ist festzuhalten, dass der Beschuldigte anerkennt, B._ unwillent-
lich in dessen Vortrittsberechtigung behindert zu haben (Urk. 4 S. 4: "Es könnte
sein, dass das Timing etwas unglücklich war, als ich in den Kreisel einfuhr"; Urk. 4
S. 5: es könne sein, dass er B._ unabsichtlich den Vortritt genommen habe;
Urk. 5 S. 3: "Vielleicht war die Situation etwas unglücklich, ..."; Urk. 5 S. 5: "Ich
wäre nicht losgefahren, wenn ich ihn gesehen hätte"; Urk. 5 S. 7: "Höchstwahr-
scheinlich bin ich auch erschrocken beim Einfahren in den Kreisel"; Prot. I S. 12:
"Ich habe ihm offenbar den Vortritt genommen"; Prot. I S. 13: "Ich habe es ja nicht
absichtlich gemacht. Ich habe ihm unwillentlich den Vortritt genommen; Prot. I
S. 14: "Ich habe ihm nicht mit Absicht den Vortritt nicht gewährt"). Das erscheint
angesichts der diesbezüglich deutlichen Aussagen von B._ und C._
auch als erstellt, ungeachtet dessen, dass der Beschuldigte teilweise noch in den
Raum stellt, B._ könnte zu schnell gefahren sein (Urk. 5 S. 3, 5, 10; Prot. I
S. 14). Auch der Verteidiger geht davon aus, dass der Beschuldigte anerkannt
habe, B._ fahrlässig den Vortritt verweigert zu haben (Urk. 26 S. 8; Urk. 58
S. 3, 7, 9).
3.2.2. Dass B._ hingegen – im Sinne der vorinstanzlichen Erwägungen –
"beim Einfahren in den Kreisel B._ gesehen haben muss und sich gleichwohl
dafür entschied, in den Kreisel einzufahren" bzw. er in den Kreisel eingefahren
sei, "obwohl er B._ herannahen sah" (Urk. 35 S. 14), ist eine Annahme, die
in den Akten keine Grundlage findet: Es können dem Beschuldigten seine kon-
stanten, wiederholten Beteuerungen nicht widerlegt werden, B._ nicht wahr-
genommen zu haben, als er – der Beschuldigte – in den Kreisel eingefahren ist.
Die Überlegung der Vorinstanz, der Beschuldigte habe nach links geschaut und
deshalb B._ sehen müssen (Urk. 35 S. 13/14), belegt gerade nicht, dass der
Beschuldigte B._ auch tatsächlich gesehen hat. Es entspricht ja einer gera-
dezu klassischen Ausgangslage bei Verkehrsregel-verletzungen, dass jemand ei-
nen anderen Verkehrsteilnehmer nicht gesehen hat, obwohl er diesen hätte sehen
müssen.
Dementsprechend lässt sich – entgegen der Vorinstanz (Urk. 35 S. 13) – auch
nichts gegen den Beschuldigten ableiten, wenn B._ der Meinung ist, der
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Beschuldigte habe ihn "sicher" gesehen, zumal B._ das unter anderem damit
begründet, dass es "sonst niemanden im Kreisel" gehabt habe (Urk. 7 S. 2). Das
widerspricht nämlich den Aussagen von C._, wonach der Beschuldigte einen
oder zwei Personenwagen im Kreisverkehr habe passieren lassen, bevor er los-
gefahren sei (Urk. 8 S. 1). Hievon ist auszugehen, und auch die Vorinstanz stellt
darauf ab, dass der Beschuldigte angehalten habe, bevor er in den Kreisverkehr
eingefahren sei (Urk. 35 S. 12). Das spricht viel mehr dafür als dagegen, dass es
neben B._ noch weiteren Verkehr in der Kreisfläche gehabt hat. Wohl unbe-
wusst relativiert die Vorinstanz im Rahmen ihrer Erwägungen zur Strafzumessung
den sachverhaltlich gezogenen Schluss auch wieder, der Beschuldigte habe
B._ gesehen: Dort schreibt sie nämlich: "Wer ohne richtig nach links zu
schauen in einen Kreisel fährt, provoziert geradezu einen Verkehrsunfall" (Urk. 35
S. 24 - Unterstreichung durch das Obergericht). Zwischen der Situation, dass
jemand ungeachtet dessen, dass er ein Motorrad herannahen sieht, in einen
Kreisel einfährt, und der Konstellation, dass jemand "nicht richtig" nach links
schaut und so einen herannahenden Motorradfahrer übersieht (so muss jedenfalls
die genannte Erwägung der Vorinstanz verstanden werden), besteht ein grosser
Unterschied: Während im ersten Fall durchaus ein (eventual-)vorsätzliches Delikt
diskutiert werden kann, wird bei Zweiterem in der Regel von einer Fahrlässigkeit
auszugehen sein.
3.2.3. Im Übrigen stünde aber selbst dann nicht fest, dass der Beschuldigte
(eventual-)vorsätzlich gehandelt hat, wenn er B._ zwar gesehen, aber
pflichtwidrig unvorsichtig – etwa dessen Geschwindigkeit falsch einschätzend –
darauf vertraut hätte, eine Einfahrt in den Kreisel sei verkehrsregelkonform mög-
lich.
3.2.4. Jedenfalls führen weder die Staatsanwaltschaft in Anklageziffer 1a betref-
fend Vorsatz/Eventualvorsatz noch die Vorinstanz Umstände an, aus welchen zu
schliessen wäre, dass der Beschuldigte entgegen seinem Eingeständnis nicht nur
fahrlässig, sondern vorsätzlich gehandelt hätte. Die Argumentation der Vorinstanz
gehorcht vielmehr dem Grundsatz "was nicht sein darf, kann nicht sein" als einer
schlüssigen Beweiswürdigung. Dass der Beschuldigte eventualvorsätzlich in Kauf
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genommen hätte, B._ den Vortritt zu verweigern, und nicht "nur" diesen
entweder pflichtwidrig nicht gesehen oder dann aber die Situation falsch einge-
schätzt hat, kann ihm nicht nachgewiesen werden.
3.2.5. Der Beschuldigte ist damit vom Vorwurf der vorsätzlichen bzw. eventual-
vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2
SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 41b Abs. 1 VRV
und Art. 24 Abs. 4 SSV (Nichtgewähren des Vortritts beim Einfahren in einen
Kreisverkehrsplatz) freizusprechen.
3.2.6. Wie vorstehend ausgeführt, ist sachverhaltlich davon auszugehen, dass der
Beschuldigte beim Hineinfahren in den Kreisel – wohl wegen mangelnder Auf-
merksamkeit – B._ übersehen hat. Damit hat er sich zumindest der fahr-
lässigen einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 41b Abs. 1 VRV und
Art. 24 Abs. 4 SSV schuldigt gemacht. Weshalb es die Staatsanwaltschaft unter-
lassen hat, zumindest in einem Eventualantrag auch eine fahrlässige Verletzung
einer Verkehrsregel einzuklagen, ist nicht ersichtlich und bei dieser Sachlage
auch nicht nachvollziehbar.
3.2.7. Zu prüfen ist im Hinblick auf eine allfällige Rückweisung an die Staats-
anwaltschaft (im Sinne von Art. 333 Abs. 1 StPO), ob sich der Beschuldigte durch
sein Verhalten allenfalls der fahrlässigen groben Verletzung von Verkehrsregeln
im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig gemacht hat.
3.2.7.1. Der qualifizierte Tatbestand der groben Verletzung von Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG setzt objektiv voraus, dass der Täter eine wichtige
Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicher-
heit ernstlich gefährdet. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer ist nicht
erst bei einer konkreten, sondern bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefähr-
dung gegeben. Ob eine konkrete, eine erhöhte abstrakte oder nur eine abstrakte
Gefahr geschaffen wird, hängt von der Situation ab, in welcher die Verkehrsregel-
verletzung begangen wird. Wesentliches Kriterium für die Annahme einer erhöh-
ten abstrakten Gefahr ist die Nähe deren Verwirklichung. Die allgemeine Möglich-
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keit der Verwirklichung einer Gefahr genügt demnach nur zur Erfüllung des Tat-
bestands von Art. 90 Ziff. 2 SVG, wenn in Anbetracht der Umstände der Eintritt
einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verletzung nahe liegt (BGE 131 IV
133 E. 3.2 mit Hinweisen).
3.2.7.2. Der subjektive Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG verlangt ein schweres
Verschulden bzw. bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit.
Diese ist zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner
verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist (BGE 131 IV 133 E. 3.2 mit Hinweisen).
Grobe Fahrlässigkeit kann aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung
anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht, also unbe-
wusst fahrlässig handelt (Entscheid des Bundesgerichts 6B_571/2012 vom
8. April 2013, E. 3.2, mit Hinweisen). Gerade bei Verkehrsregelverletzungen
beruht die unbewusste Fahrlässigkeit oftmals darauf, dass der Handelnde
während einer gewissen Zeitspanne unaufmerksam ist bzw. die Situation und
seine Fähigkeiten falsch einschätzt. Dass der fehlbare Verkehrsteilnehmer die
erhöhte Gefahr oder die aufgrund der Umstände gebotene Verhaltensalternative
nicht bedenkt, ist typisch für die unbewusste Fahrlässigkeit und schliesst den
Schuldvorwurf rücksichtslosen Verhaltens und damit grober Fahrlässigkeit nicht
von vorneherein aus (Entscheid des Bundesgerichts 6B_13/2008 vom 14. Mai
2008, E. 4.1). In Fällen von unbewusster Fahrlässigkeit – wie vorliegend einer
gegeben ist – bedarf jedoch die Annahme grober Fahrlässigkeit einer sorgfältigen
Prüfung (BGE 123 IV 88 E. 4a, mit Hinweisen). Grobe Fahrlässigkeit ist dann zu
bejahen, wenn der Täter ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden
Rechtsgütern offenbart. Dieses kann auch in einem blossen (momentanen) Nicht-
bedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen. Je schwerer dabei die
Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, desto eher wird Rücksichtslosigkeit
subjektiv zu bejahen sein, sofern keine besonderen Gegenindizien vorliegen (Ent-
scheid des Bundesgerichts 6B_361/2011 vom 5. September 2011, E. 3.1, mit
Hinweisen).
3.2.7.3. Das Obergericht des Kantons Zürich setzte sich im Urteil vom 12. März
2012 (SB110689) einlässlich mit dem Thema der unbewussten Fahrlässigkeit bei
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einfacher bzw. grober Verkehrsregelverletzung auseinander und hielt hierzu
folgendes fest (E. 4.3.1): "Das Bundesgericht hatte sich schon oft mit Fällen
unbewusster Fahrlässigkeit bei der Missachtung von Lichtsignalen zu befassen
(BGE 123 IV 88; BGE 121 IV 375; BGE 118 IV 285; BGE 118 IV 84; Urteil
6B_331/2008 vom 10. Oktober 2008; Urteil 6P.153/2002 vom 14. März 2003;
Urteil 6A.30/2002 vom 30. Juli 2002; Urteil 6S.228/1994 vom 6. Juni 1994; Urteil
6S.156/1993 vom 25. Juni 1993). Dabei beurteilte es die Fahrlässigkeit meistens
als grob. Keine grobe Pflichtwidrigkeit sah es im Falle eines Automobilisten, der
bei Gegenlicht eine seit 4,4 Sekunden auf rot stehende Verkehrsregelungsanlage
übersah, weil das Versehen auf Grund der auf dem fraglichen Strassenabschnitt
aufeinander folgenden Lichtsignalanlagen, deren Phasensteuerung nicht immer
koordiniert und durchgehend gleich anzeigten, als nachvollziehbar bewertet
wurde (Urteil 6S.156/1993 vom 25. Juni 1993). Ebenso entschied das Bundes-
gericht, als ein Automobilist infolge Unaufmerksamkeit das seit 7,6 Sekunden auf
rot gewechselte Lichtsignal übersah, weil diese Pflichtwidrigkeit in Anbetracht der
Übersichtlichkeit der spitzwinkligen Einmündung einer einzigen Fahrbahn von
links und der ausgesprochen ruhigen Verkehrslage nicht besonders schwer
wiege. Dabei liess sich das Bundesgericht vom Gedanken leiten, dass bei der
Beurteilung des Verschuldens nicht nur das Ausmass des verschuldeten Erfolges
entscheidend sei (i.c. erhöhte abstrakte Gefährdung), sondern auch bei Annahme
einer objektiv schweren Verkehrsregelverletzung die Art und Weise der Herbei-
führung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und
dessen Beweggründe zu berücksichtigen seien. Das Mass des Verschuldens
variiere dabei je nach Schwere des deliktischen Erfolges sowie den unterschied-
lich gravierenden Modalitäten der Tatbegehung. Auch bei der unbewussten Fahr-
lässigkeit könne es daher entscheidend sein, weshalb der Täter die Gefährdung
anderer Verkehrsteilnehmer gar nicht in Betracht gezogen habe. Nicht jede
Unaufmerksamkeit, die wegen der Schwere des Erfolges objektiv als gravierende
Verletzung der Vorsichtspflicht zu betrachten sei, wiege auch subjektiv schwer
(BGE 118 IV 285)."
3.2.7.4. Der Beschuldigte hat im vorliegend zu beurteilenden Fall beim Hineinfah-
ren in den Kreisverkehr den Vortritt von B._ missachtet. Im Strassenverkehr
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sind Vortrittsregelungen als solche wichtig, und zwar unabhängig davon, ob sie
nun etwa durch "Haifischzähne" oder Lichtsignale ausgestaltet sind. Insoweit ist
die Missachtung des Vortrittrechts im Kreisverkehr vergleichbar mit dem Über-
sehen eines Rotlichts bei einer Kreuzung mit Lichtsignalen. Das Missachten des
Vortrittsrechts eines sich im Kreisel befindlichen Verkehrsteilnehmers wiegt nun
aber objektiv sicher weniger schwer als das Überfahren eines Rotlichts: Während
ein Rotlicht schlicht und ergreifend "Stopp" bedeutet und ein Überfahren des-
selben demnach ein klarer Verkehrsregelverstoss darstellt, ist es an einem Kreisel
in die Verantwortung des betreffenden Lenkers gestellt, ob er nun halten muss
oder fahren darf. Das verlangt vom Betreffenden, die Verkehrssituation beurtei-
lend einzuschätzen und hernach die richtigen Schlüsse für das eigene Verhalten
zu ziehen. Offensichtlich ist einem solchen Vorgang immanent, dass er fehleran-
fällig ist. Entsprechend erscheint ein Fehler in diesem Kontext grundsätzlich we-
niger schwerwiegend als es der Fehler ist, ein Rotlicht zu überfahren - wo schlicht
kein Interpretationsspielraum besteht. Aus diesem Grund werden denn auch
gefährliche Kreuzungen grundsätzlich durch das Anbringen von Lichtsignal-
anlagen "entschärft". Hinzu kommt, dass sich bei einem Kreisverkehr der Vor-
trittsbelastete keinem unter Umständen sehr schnellen Querverkehr gegenüber
sieht, sondern die Fahrt der vortrittsberechtigten Fahrzeuge durch die Verkehrs-
führung im Kreis herum eben gerade stark verlangsamt wird. Von daher ist schon
von Vornherein nur möglich, die Sicherheit anderer – wenn überhaupt – in einem
minderen Grade ernstlich zu gefährden. Wie gesehen, wiegt deshalb im Verhält-
nis die Missachtung der entsprechenden Vortrittsregelung schon objektiv um eini-
ges weniger schwer; insbesondere ist das abstrakte Gefährungspotenzial viel
weniger hoch als bei einer durch Lichtsignale gesicherten Kreuzung. Ent-
sprechend kann objektiv jedenfalls nicht von einer besonders schweren Verkehrs-
regelverletzung gesprochen werden. Damit wiegt vorliegend die Verkehrsregel-
verletzung des Beschuldigten objektiv nicht schwer.
3.2.7.5. Auch in subjektiver Hinsicht wiegt die Verletzung der Vorsichtspflicht nicht
schwer. Vorliegend geht es – wie ausgeführt – nicht um das Übersehen eines
Rotlichts bei einer Lichtsignalanlage, sondern um die Missachtung des Vortritts im
Kreisverkehr. Der Beschuldigte war einen Sekundenbruchteil – nach dem Passie-
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ren von zwei Autos – unaufmerksam. Die geschilderten Umstände wirken deshalb
subjektiv mindernd , sodass – wiederum im Gegensatz zum Beachten von Licht-
signalen – das Missachten des Vortrittsrechts als lediglich leichte Fahrlässigkeit
erscheint. Vor diesem Hintergrund ist die Verfehlung des Beschuldigten
zu würdigen: Wer im regen morgendlichen Werkverkehr bei Tageslicht und
trockener Witterung (Urk. 1 und 2) vor der Einfahrt in einen Kreisel anhält,
vortrittsberechtigte Fahrzeuge passieren lässt und hernach beim Befahren der
Kreiselfläche einen weiteren Verkehrsteilnehmer übersehend oder dessen
Geschwindigkeit falsch einschätzend diesen in seiner Vortrittsberechtigung
behindert, verhält sich nicht rücksichtslos bzw. grobfahrlässig im Sinne dieser
Rechtsprechung. Vielmehr liegt lediglich eine leichte Fahrlässigkeit vor.
3.2.7.6. Nach dem Gesagten stellt damit das Missachten des Vortritts durch den
Beschuldigten beim Hineinfahren in den Kreisverkehr keine grobe Verkehrsregel-
verletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG dar. Deshalb kann eine Rückweisung
an die Staatsanwaltschaft zur korrekten Anklageerhebung unterbleiben.
3.2.8. Das Verhalten des Beschuldigten ist somit als fahrlässige einfache Ver-
kehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG zu qualifizieren. Dieser Tat-
vorwurf ist allerdings in der Anklage ebenfalls nicht umschrieben, weshalb grund-
sätzlich eine Rückweisung an die Staatsanwaltschaft zur Ergänzung der Anklage
zu erfolgen hätte. Der Beschuldigte sowie der Verteidiger haben aber anlässlich
der Berufungsverhandlung – wie ausgeführt – anerkannt, dass das Verhalten des
Beschuldigten eine fahrlässige einfache Verkehrsregelverletzung darstellt. Zudem
haben sie sich ausdrücklich damit einverstanden erklärt, dass auf eine Ergänzung
bzw. Neuformulierung der Anklage verzichtet werde und damit eine ent-
sprechende Verurteilung auch ohne Rückweisung der Anklage an die Staatsan-
waltschaft erfolgen könne (Prot. II S. 9). Das rechtliche Gehör wurde dem
Beschuldigten und seinem Verteidiger vollumfänglich gewährt. Angesichts der
geringen Schwere des Tatvorwurfs und da vorliegend durch ein solches Vorgehen
die Interessen der übrigen Verfahrensbeteiligten nicht beeinträchtigt werden,
erscheint ein entsprechender Schuldspruch ohne Rückweisung der Anklage an
die Staatsanwaltschaft sachgerecht und angezeigt.
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3.2.9. Der Beschuldigte ist somit der fahrlässigen einfachen Verletzung der Ver-
kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 41b Abs. 1 VRV und Art. 24 Abs. 4 SSV (Nichtgewäh-
ren des Vortritts beim Einfahren in einen Kreisverkehrsplatz) schuldig zu
sprechen.
3.3. Weiter hat die Vorinstanz den Beschuldigten wegen vorsätzlichen pflicht-
widrigen Verhaltens bei Unfall schuldig gesprochen, weil er im Sinne der Anklage
nach der Kollision mit B._ in Missachtung seiner Pflichten gemäss Art. 51
Abs. 1 SVG einfach davon gefahren sei. Auch das lässt sich nicht aufrecht
erhalten:
3.3.1. Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass der Beschuldigte mit der Front
seines Fahrzeugs nach dem Ausweichmanöver von B._ das Nummernschild
dessen Motorrads touchiert habe (Urk. 35 S. 14-17; Art. 82 Abs. 4 StPO). Dass
eine solche Berührung, welche der Beschuldigte stets in Abrede stellte, tatsäch-
lich erfolgte, lässt sich allerdings aufgrund der vorliegenden Akten nicht rechts-
genügend erstellen.
3.3.1.1. Es trifft zwar – mit der Vorinstanz – zu, dass B._ wiederholt und
übereinstimmend ausführte, es sei zu einem Zusammenstoss zwischen den bei-
den Fahrzeugen gekommen (Urk. 6 S. 1: Er habe zurück geschaut und der Be-
schuldigte sei bereits hinter ihm gewesen. Er (B._) sei dann weiter gerollt
und der Beschuldigte sei ihm dann hinten ins Motorrad gefahren. Den Zusam-
menstoss habe er trotz Helm gehört und auch gespürt; Urk. 7 S. 2: Er sei nach
links ausgewichen, er habe das Motorrad herumgerissen. Er sei dann langsamer
gefahren, habe in den Rückspiegel geschaut und schon habe es "poff" gemacht").
Seine diesbezüglichen Aussagen vermögen aber – entgegen der Vorinstanz –
nicht zu überzeugen. So gibt er an, er sei nach dem Ausweichmanöver langsam
aus dem Kreisverkehr gefahren, habe dabei zunächst im Rückspiegel den
Scheinwerfer des Beschuldigten auftauchen sehen und habe danach – immer
noch langsam fahrend – nach hinten geschaut. Dabei habe er gesehen, dass sich
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das Nummernschild weggebogen habe (Urk. 7 S. 5). Weiter gab er an, dass er
die Kollision gespürt habe. Sein Kopf sei dadurch nach hinten geworfen worden
(Urk. 7 S. 6). Den Aussagen von B._ folgend müsste er also langsam fah-
rend nach hinten geschaut und dabei die Kollision beobachtet haben. Auch wenn
es ihm durch den Aufprall den Kopf nach hinten geworfen habe, soll er trotzdem
gesehen haben, wie sein Nummernschild weggebogen wurde. Dieser Ablauf der
Geschehnisse erscheint wenig plausibel und nachvollziehbar.
3.3.1.2. Unbestritten ist sodann, dass es –- trotz des von B._ angeblich hör-
und spürbar wahrgenommenen Aufpralls – an beiden Fahrzeugen zu keiner ein-
zigen Sachbeschädigung kam. Weder das Motorrad von B._ noch das Mo-
torfahrzeug des Beschuldigten wiesen irgend welche Kratzer oder Beulen auf.
3.3.1.3. Auch die entsprechenden Aussagen der Zeugin C._ vermögen nicht
zu überzeugen und sind damit nicht geeignet, die Sachdarstellung von B._
zu stützen. So führte sie aus, dass der Beschuldigte hinten in das Motorrad gefah-
ren sei (Urk. 8 S. 1). Sie habe gesehen, dass der Beschuldigte einen Töfffahrer
touchiert habe (Urk. 9 S. 4). Dass die Zeugin C._ aus einer Distanz von 100
Meter (vgl. Urk. 9 S. 4) genau wahrgenommen haben will, dass der schwarze
Jeep mit seiner Front das Nummernschild des Motorrads touchiert habe (Urk. 9
S. 5), erscheint höchst zweifelhaft. Viel eher ist davon auszugehen, dass sie diese
Erkenntnis aus der nachfolgenden Unterhaltung mit B._ gewonnen hat.
3.3.1.4. Schliesslich hat es die Untersuchungsbehörde unterlassen, die beiden
Fahrzeuge – wie vom Beschuldigten verlangt (vgl. Urk. 58 S. 13) – gegenüber zu
stellen. Entsprechend ist aufgrund der vorliegenden Akten nicht ersichtlich, ob die
von B._ beschriebene Kollision, mithin die Berührung zwischen der Front des
Fahrzeuges des Beschuldigten und dem Nummernschild des Motorrades, über-
haupt möglich war.
3.3.1.5. Aufgrund der vorliegenden Beweislage kann damit nicht rechtsgenügend
erstellt werden, dass der Beschuldigte mit der Front seines Fahrzeugs nach dem
Ausweichmanöver von B._ das Nummernschild dessen Motorrads touchier-
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te. Es kann somit nicht von einer Kollision bzw. einem Touchieren der beiden
Fahrzeuge ausgegangen werden.
3.3.2. Ohne nähere Begründung nimmt die Vorinstanz sodann implizit an, der
Beschuldigte habe den – von ihr als erstellt erachteten – Kontakt auch effektiv
wahrgenommen und sei ungeachtet dessen vorsätzlich davongefahren (Urk. 35
S. 21). Die Vorinstanz blendet dabei allerdings aus, dass der Beschuldigte – wie
dargelegt – über alle seine Einvernahmen hinweg konstant und vehement abge-
stritten hat, mit B._s Motorrad kollidiert zu sein. Selbst wenn es zu einem
Kontakt mit dem Nummernschild gekommen wäre, ist daraus zu schliessen, dass
der Beschuldigte jedenfalls subjektiv keinen Kontakt festgestellt haben will. Das
wäre aber subjektives Tatbestandselement einer Verurteilung wegen eines vor-
sätzlichen bzw. eventualvorsätzlichen Verstosses gegen Art. 92 Abs. 1 SVG und
kann dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden.
3.3.3. Es ist zwar richtig, dass die Pflichten gemäss Art. 51 Abs. 1 SVG nicht nur
denjenigen trifft, der an einem Unfall mit Sach- oder gar Personenschaden betei-
ligt ist. Die Pflichten muss auch derjenige befolgen, der aufgrund der Umstände
annehmen muss, einen Personen- oder Sachschaden verursacht zu haben (so
die Vorinstanz in Urk. 35 S. 20, unter Verweis auf die bundesgerichtliche Recht-
sprechung). Aber auch das kann vorliegend dem Beschuldigten nicht nachge-
wiesen werden:
3.3.3.1. Nach den Aussagen des Beschuldigten habe B._ nach dessen Aus-
weichmanöver einen Schikanestopp vollführt. Zwar ist angesichts der Aussagen
von B._ und C._ nicht davon auszugehen, dass ersterer nach seinem
Ausweichmanöver bis zum Stillstand abgebremst hat. Auch gemäss den Ausfüh-
rungen von B._ selbst ist dieser aber nach dem Ausweichmanöver sehr
langsam weiter- und auf die Kreiselausfahrt zugefahren (Urk. 6 S. 1: "Ich rollte
dann weiter und der Jeep Lenker fuhr mir dann hinten ins Motorrad"; Urk. 6 S. 2:
"Ich bin ja nicht schnell gefahren, nur gerollt"; Urk. 7 S. 2: "Ich fuhr dann [nach-
dem er das Motorrad herumgerissen hatte] langsamer, schaute in den Rückspie-
gel und schon machte es 'poff'"; Urk. 7 S. 3: "Ich bin gerollt, als es zur Kollision
kam"; Urk. 7 S. 5: "Dann bremste ich ab, dies ab der Linie der Ausfahrt, also un-
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mittelbar beim Verlassen des Kreisels. Dann sah ich in den linken Rückspiegel
und sah darin den Scheinwerfer auftauchen und schaute nach hinten. Dann kam
es zur Kollision"). Es steht deshalb fest, dass der Beschuldigte wegen des Motor-
rads von B._ abbremsen musste, nachdem dieser ausweichend um das
Fahrzeug des Beschuldigten herumgefahren war. Damit ist wohl unzutreffend,
dass B._ einen Schikanestopp ausgeführt hätte. Subjektiv mochte der Be-
schuldigten die Situation aber in etwa so empfinden: Jedenfalls bremste er offen-
bar relativ stark ab (so auch B._, Urk. 7 S. 5: "Ich sah noch, wie die Front des
Jeeps durch das Bremsen einnickte").
3.3.3.2. Dass er das Verhalten von B._ in den Einvernahmen dann als
Schikanestopp bezeichnete, erscheint weiter auch vor dem Hintergrund dessen
nachvollziehbar, als er davon ausging, B._ habe ihn danach massregeln
gewollt. Konstant sagte der Beschuldigte nämlich aus, er habe das Verhalten
B._s nach dem Vorfall, nachdem dieser angehalten hatte und abgestiegen
war, so interpretiert (Urk. 3 S. 3: er habe schon gesehen, "dass der Motorrad-
fahrer auf der Seite gestanden ist und die Hände verrührt [!] hat"; Urk. 4 S. 4: "Der
Motorradfahrer hielt vor mir im Kreisel bis zum Stillstand an und wollte sich
danach aufspielen"; Prot. I S. 13: "Ich sah, dass er mich massregeln will. Auf das
hatte ich keine Lust und sagte, dass ich keine Zeit habe mir so eine Schikane von
ihm anzuhören und bin weitergefahren"; Prot. I S. 14: er habe keine Zeit "für seine
Massregelung" gehabt und einfach gefunden, der sei ein "frecher Siech"; Urk. 57
S. 10: auf die Frage, weshalb er habe abbremsen müssen: "Weil er vor mir
willentlich stark abbremste, wahrscheinlich um mich masszuregeln").
3.3.3.3. Da es zwischen den Fahrzeugen nicht zu einer Kollision kam und da der
Beschuldigte eine Berührung bzw. ein Touchieren der beiden Fahrzeuge effektiv
auch nicht in Betracht zog, ist damit erklärlich, dass er, nachdem B._ ange-
halten hatte, weitergefahren ist. Wenn er B._ als "frechen Siech" wahrge-
nommen hat, der sich anschickte, den Beschuldigten wegen dessen Fahrstils zu
massregeln, so erscheint menschlich, wenn er sich die erwartete Tirade nicht
anhören wollte und weitergefahren ist.
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3.3.3.4. Fraglich ist weiter, ob B._ im Sinne der entsprechenden Erwägungen
der Vorinstanz effektiv "Halt!" gerufen hat (Urk. 35 S. 17/18). Entgegen der Vor-
instanz kann dafür jedenfalls kaum etwas aus den Aussagen von C._ abge-
leitet werden: Wenn diese im Zeitpunkt der Kollision ca. 100 Meter vom Kreisel
entfernt gewesen sein will (Urk. 9 S. 4), ist wenig wahrscheinlich, dass sie mit ei-
genen Ohren gehört haben kann, dass B._ "Halt!" gerufen hat. Viel eher ist
auch hier davon auszugehen, dass sie diese Erkenntnis aus der nachfolgenden
Unterhaltung mit diesem gewonnen hat.
3.3.3.5. Selbst wenn aber gemäss den Aussagen von B._ davon auszuge-
hen wäre, dass er "Halt!" gerufen hat, würde das aber wiederum noch nicht bele-
gen, dass dies der Beschuldigte – entgegen seinen Aussagen – auch tatsächlich
gehört hat. Letztlich kann das alles aber offen bleiben, denn auch wenn ein Ver-
kehrsteilnehmer einem anderen "Halt!" zuruft, ist dieser nicht verpflichtet, diesem
Befehl Folge zu leisten. Die allfällige (vorliegend massgebliche) Anhalte-
verpflichtung ergibt sich alleine aus Art. 51 Abs. 1 SVG.
3.3.3.6. Wie dargelegt, ist eine Berührung zwischen den beiden Fahrzeugen nicht
erstellt. Es sind zudem auch keine Umstände ersichtlich, wonach der Beschuldig-
te hätte annehmen müssen, eine Kollision verursacht zu haben. Alleine aus der
Tatsache, dass B._ nach dem Kreisel angehalten und allenfalls auch "Halt!"
gerufen hat, hatte der Beschuldigte damit nicht auf eine vorgängige Kollision zu
schliessen. Es kann ihm nicht widerlegt werden, deshalb weitergefahren zu sein,
weil er keine Lust hatte, eine Massregelung B._s über sich ergehen zu las-
sen.
3.3.4. Der Beschuldigte ist damit vom Vorwurf des vorsätzlichen bzw. eventual-
vorsätzlichen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 SVG freizusprechen.
3.3.5. Die Staatsanwaltschaft hat es auch hier unterlassen, zumindest in einem
Eventualantrag ein fahrlässiges pflichtwidriges Verhalten bei Unfall einzuklagen.
Aufgrund der vorliegenden Umstände erscheint es allerdings sehr fraglich, ob
dem Beschuldigten diesbezüglich überhaupt ein pflichtwidriges Verhalten vorge-
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worfen werden kann. Bei dieser Sachlage erscheint damit eine Rückweisung der
Anklage an die Staatsanwaltschaft zur Ergänzung bzw. Verbesserung nicht ange-
zeigt.
4. Strafzumessung
4.1. Es bleibt somit für die fahrlässige einfache Verkehrsregelverletzung im
Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbin-
dung mit Art. 41b Abs. 1 VRV und Art. 24 Abs. 4 SSV (Nichtgewähren des Vor-
tritts beim Einfahren in einen Kreisverkehrsplatz) die Strafe zuzumessen. Bei
diesem Tatbestand handelt es sich um eine Übertretung, für welche eine Busse
auszusprechen ist (Art. 102 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 106 StGB). Eine solche kann
bis Fr. 10'000.– betragen (Art. 106 Abs. 1 StGB) und ist zusammen mit einer
Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung je nach den
Verhältnissen des Täters so zu bemessen, dass dieser die Strafe erleidet, die
seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106 Abs. 2 und Abs. 3 StGB).
4.2. Der Beschuldigte hat B._ den Vortritt beim Einfahren in den Kreis-
verkehrsplatz nicht gewährt. Dabei ist es weder zu einem Sach- noch zu einem
Körperschaden gekommen. Der Beschuldigte hat pflichtwidrig unvorsichtig und
damit fahrlässig gehandelt. Die objektive und subjektive Tatschwere wiegt damit -
angesichts des konkreten Strafrahmens und unter Berücksichtigung aller mögli-
chen unter den Tatbestand von Art. 90 Abs. 1 SVG fallenden Delikte - als noch
sehr leicht. Unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des Beschuldig-
ten (Urk. 4 S. 2 f.; Prot. I S. 5 ff.; Urk. 57 S. 2 ff.) sowie dessen Vorstrafe wegen
Fahrens ohne Haftpflichtversicherung sowie wegen missbräuchlicher Verwendung
von Ausweisen und/oder Kontrollschilder (Urk. 13/2) erscheint eine Busse von
Fr. 300.– als angemessen. Diese Busse ist zu bezahlen.
4.3. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung ist eine Ersatzfreiheitsstrafe
von 3 Tagen festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
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5. Widerruf
Eine bedingt aufgeschobene Strafe kann widerrufen werden, wenn der Verurteilte
während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht (Art. 46 Abs. 1
StGB). Vorliegend hat der Beschuldigte während laufender Probezeit eine Über-
tretung begangen. Damit ist der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Widerruf der
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Zweigstelle Flug-
hafen, vom 22. November 2011 (Unt.-Nr. D-4/2011/6559) ausgefällten bedingten
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 130.– (entsprechend Fr. 3'900.–) abzu-
weisen.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Ausgangsgemäss – der Beschuldigte wird wegen einer Übertretung schul-
dig- und im Übrigen von sämtlichen Anklagevorwürfen im Zusammenhang mit
dem Ereignis vom 4. April 2013 freigesprochen – sind dem Beschuldigten Kosten
im Umfang von Fr. 250.– aufzuerlegen. Die übrigen Kosten der Untersuchung und
der gerichtlichen Verfahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426
Abs. 1 StPO; Art. 428 Abs. 1 StPO).
6.2. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, so hat
sie Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene
Ausübung ihrer Verfahrensrechte, Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen,
die aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind und
Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse,
insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. a-c StPO). Zu den Entschä-
digungen für Aufwendungen zur Wahrung der Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1
lit. a StPO) gehören primär die Kosten der frei gewählten Verteidigung, wenn die
Verbeiständung angesichts der tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität des
Falls geboten war (Schmid, Handbuch StPO, 2. Aufl., N. 1810).
6.3. Vorliegend war der Beizug einer anwaltlichen Verteidigung gerechtfertigt.
Der Verteidiger beantragt unter diesem Titel die Zusprechung einer Entschädi-
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gung von Fr.8'899.20 für das gesamte Gerichtsverfahren (Urk. 55 und 56, zuzüg-
lich die Aufwendungen für die Berufungsverhandlung).
6.4. Vor diesem Hintergrund und mit Verweis auf die Verordnung über die
Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (AnwGebV) rechtfertigt es sich, dem
Beschuldigten für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von
pauschal Fr. 8'000.– (einschliesslich Mehrwertsteuer; §§ 2, 17 Abs. 1 lit. a und
18 Abs. 1 AnwGebV) für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zuzu-
sprechen.