Decision ID: 48ff63ec-6d74-59dc-a6c3-fe143266d3a0
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Michael Weissberg, Plänkestrasse 32, Postfach,
2501 Biel/Bienne,
gegen
Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Mythenquai 2, Postfach, 8002 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, Postfach, 8085 Zürich
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war seit Januar 2005 bei der B._ AG tätig und dadurch bei der Zürich
Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend Zürich Versicherung) obligatorisch gegen
die Folgen von Unfällen versichert, als er am 17. August 2005 einen Unfall mit dem
Mountain-Bike erlitt. Nach der Erstbehandlung im Spital C._ erfolgte am 18. August
2005 die Überführung in das Kantonsspital D._, wo der Versicherte bis 26. August
2005 stationiert war. Im Austrittsbericht vom 29. August 2005 werden als Diagnosen
genannt: Diskoligamentäre Verletzung C4/5, C5/6, Osteochondrose mit
Spinalkanalstenose C3/4, Myelopathie bei vorbestehender HWS-Spinalkanalstenose;
Fraktur Prozessus spinosi II und IV (act. G 5.1 / Zm5). Vom 26. August 2005 bis
17. Februar 2006 war der Versicherte im Schweizer Paraplegiker Zentrum Nottwil
(nachfolgend: SPZ) hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 13. März 2006 werden
folgende Diagnosen aufgeführt: Sensomotorisch inkomplette Tetraplegie sub C4 ASIA
D bei [Velosturz am 17.08.2005; Spinalkanalstenose der HWS mit Osteochondrose
C3/4 und konsekutiver Myelopathie; diskoligamentäre Verletzung C4/5, C5/6; Fraktur
Processus spinosi II-IV; Fraktur kaudale Hinterkante C5; Hämatombildung ventral C2
bis C4; ventrale Spondylese mit Dekompression C3 bis C6 am 18.08.2005; dorsale
Spondylodese C3 bis C6 am 23.08.2005; Waller-Degeneration]; autonome Dysregula
tion mit Herz-/Kreislauf-, Blasen- und Mastdarmlähmungen [Dauerkatheterträger];
Status nach C7-Kompressionsfraktur mit Spinalkanalstenose und Myelopathie [bei
Verkehrsunfall 06.04.1986; leichte Wurzelkompression C8 mit sensorischen rechts
betonten Ausfällen]. Bedingt durch den Unfall weise der Versicherte eine Hypersensi
bilität der Arme (auf Berührung und durch die Kleidung) auf. Das Hauptproblem seien
die feinen koordinierten Bewegungen in den Armen. Bei Austritt sei der Versicherte
jedoch in allen alltäglichen Lebensverrichtungen vollkommen selbständig gewesen, er
habe das SPZ als Fussgänger verlassen. Während eines Monats bestehe noch eine
volle Arbeitsunfähigkeit, danach sei von einer Arbeitsfähigkeit von 20 bis 30% auszu
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gehen; nach einem weiteren Monat lasse sie sich auf 40 bis 50% steigern (act. G 5.1 /
Zm8, Seiten 1 f., 6f.).
A.b Anlässlich einer ambulanten Kontrolle beim SPZ vom 3. Mai 2006 schilderte der
Versicherte, dass sich der brennende Schmerz in beiden Armen dorsolateral seit dem
stationären Austritt verstärkt habe. Die Schmerzen bestünden tags und nachts, der
Nachtschlaf sei gestört. Beim morgendlichen Aufstehen habe er Krämpfe im Bereich
des Schultergürtels, der Flanken und der Finger beidseits (Bericht vom 15. Mai 2006;
act. G 5.1 / Zm9). Mit Bericht vom 7. Juni 2006 hielt das SPZ fest, beim Versicherten
habe sich im Rahmen einer weiteren Untersuchung vom 19. Mai 2006 wieder eine
aktive Schultergelenkbeweglichkeit gezeigt, wie sie beim stationären Austritt bestanden
habe. Die zwischenzeitliche Verschlechterung könne zurzeit nicht erklärt werden. Im
MRI der Halswirbelsäule habe sich keine Progredienz der Myelopathie gezeigt (act. G
5.1 / Zm10f.).
A.c Am 11. August 2006 wurde im Kantonsspital D._ eine cranio-cerebrale Kern
spintomographie durchgeführt. Die Beurteilung ergab ein normales (cranio-cerebrales)
Kernspintomogramm. Als Nebenbefund habe sich eine Schleimhautschwellung
akzentuiert im Ethmoidalzellsystem beidseits sowie dem Infundibulumbereich beider
Sinus frontales gezeigt (act. G 5.1 / Zm12). Eine ambulante Untersuchung vom
4. September 2006 im Kantonsspital D._ ergab folgende Diagnosen: Inkomplette
Halsmarkläsion nach Velosturz 08.2005 mit: zentralem neuropathischem Schmerz an
den oberen Extremitäten; Tetraspastik; Muskelkrämpfen; unklare Sprech- und
Schluckproblematik; Verdacht auf reflektorische vaskuläre Dysregulation laut Szinti
gramm der Knochen in beiden Händen (act. G 5.1 / Zm13).
A.d Am 11. Oktober 2006 berichtete das SPZ über eine weitere ambulante Untersu
chung vom 4. September 2006. Demnach seien das Hauptproblem des Versicherten
derzeit Schmerzen im Bereich des rechten Handgelenks, welche seit dem Unfall
bestünden und bisher nur unzureichend abgeklärt worden seien. Die vom Kantons
spital D._ gestellte Diagnose einer reflektorischen vaskulären Dysregulation im Sinn
eines Chronic regional pain-Syndroms sei fragwürdig. Gegen ein solches Syndrom
sprächen klinisch die fehlende Schmerzhaftigkeit in Ruhe sowie fehlende äusserliche
trophische Defizite (act. G 5.1 / Zm14). Am 26. Oktober 2006 wurde am Kantonsspital
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D._ eine Kernspintomographie des rechten Handgelenks durchgeführt. Dabei hätten
sich keine Kriterien für das Vorliegen eines Morbus Sudeck gezeigt. Initial hätten sich
degenerative Veränderungen des Diskus triangularis ohne Nachweis eines
Diskuseinrisses gezeigt. Die übrigen Handwurzelknochen sowie das angrenzende
Knorpelprofil hätten sich normal dargestellt. Es bestehe eine leicht vermehrte
lipomatöse Weichteilstruktur im Bereich des Carpaltunnels zwischen Hand
wurzelknochen und Verlauf der Flexorensehne. Das übrige Kernspintomogramm sei
normal (act. G 5.1 / Zm15). Ein weiteres MRI der HWS durch das SPZ vom 1. Mai 2007
ergab einen im Vergleich mit der Voruntersuchung ein Jahr zuvor weitgehend
stationären Befund. Es bestehe kein Nachweis einer Syrinx (act. G 5.1 / Zm16).
A.e Vom 28. bis 31. Januar 2008 war der Versicherte im Spital G._ stationiert. Im
Austrittsbericht vom 31. Januar 2008 sind folgende Diagnosen aufgeführt: Chronifi
ziertes Schmerzsyndrom beider Arme mit Punctum maximum im Bereich der dorsalen
Handflächen und dorsalen Unterarmflächen; St. n. HWK-7-Kompressionsfraktur mit
Spinalkanalstenose und Myelopathie bei St. n. Verkehrsunfall am 6. Februar 1986
(gemeint wohl: 5. oder 6. April 1986) sowie leichte Wurzelkompression rechts mit
sensorischen Ausfällen. Aufgrund der Allodynie zucke der Versicherte nur schon bei
geringster Berührung zusammen. Leichter Druck auf die Unterarme werde als ange
nehm empfunden, weshalb er Druckhandschuhe trage. Seit einem Monat bestehe eine
Verschlechterung der Allodynie. Ausserdem träten Krämpfe am ganzen Körper auf. Der
Versicherte könne nicht mehr schlafen und es sei ihm die ganze Zeit unterschwellig
übel (act. G 5.1 / Zm19).
A.f Am 5. August 2008 gab die Zürich Versicherung beim Paraplegikerzentrum der
Universitätsklinik Balgrist ein fachneurologisches Gutachten in Auftrag (act. G 5.2 /
Z217). Die gutachterliche Untersuchung fand am 15. Oktober 2008 statt. Das Gutach
ten vom 17. Oktober 2010 stellt neurologischerseits folgende Diagnosen: Sensomo
torische Tetraparese ASIA D sub C3, weitgehend regredient, nach diskoligamentärer
Instabilität C4/5 und C5/6 mit multisegmentaler leichter Nervenwurzelschädigung
infolge eines Velounfalls am 17.08.2005 bei vorbestehend degenerativen Verände
rungen der Halswirbelsäule infolge einer C7-Fraktur durch Verkehrsunfall am 12. Mai
1986 (gemeint wohl: 5. oder 6. April 1986). Die Residuen der Tetraparese wurden als
eher mild beurteilt. Der Versicherte habe in der Untersuchung gesteigerte Muskel
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eigenreflexe aufgewiesen, sonstige Sypmtome wie Spastizität und Gefühlsstörung
hätten während den Untersuchungen stark fluktuiert. Die natürliche Kausalität zwischen
gesundheitlicher Beeinträchtigung und dem Unfall vom 17. August 2005 wurde bejaht.
Der Unfall vom 21. April 1986 (gemeint wohl: 5. oder 6. April 1986) wurde zu 20% als
am Beschwerdebild mitbeteiligt eingestuft. Eine weitere Verbesserung des
Gesundheitszustands durch ärztliche Behandlungsmassnahmen sei nicht zu erwarten.
Zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten nimmt das Gutachten dahingehend Stellung,
dass bezüglich der kaufmännisch-administrativen Tätigkeit in einer Garage eine
dauernde Arbeitsunfähigkeit von 50% vorliege (act. G 5.1 / Zm26). Dem ebenfalls von
der Universitätsklinik Balgrist erstatteten wirbelsäulenchirurgischen Zusatzgutachten
vom 2. Februar 2009, welches auf einer Untersuchung des Versicherten vom 30.
Januar 2009 basiert, ist zu entnehmen, aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht bestehe ein
sehr gutes postoperatives Ergebnis sowohl radiologisch wie auch klinisch knapp
dreieinhalb Jahre nach der schweren HWS-Verletzung. Die Restbeschwerden seien
wohl vollständig auf das Unfallereignis vom 17. August 2005 zurückzuführen und kaum
auf die vorangegangene Verletzung und Operation aus dem Jahr 1986. Dies, da aktuell
sowohl klinisch wie auch MR-tomographisch Zeichen einer Myelopathie ohne
Rückenmarkskompression bestehen würden. Für eine radikuläre Symptomatik lägen
keine Anhaltspunkte vor (act. G 5.1 / Zm25). Der Versicherte führte in einem Schreiben
vom 7. April 2009 an die Zürich Versicherung einzelne Sachverhalte auf, die in den
beiden Gutachten falsch wiedergegeben worden seien (act. G 5.1 / Zm27).
A.g In einem Verlaufsbericht vom 1. Dezember 2009 zuhanden der Zürich Versicherung
hielt das SPZ fest, seit der letzten Vorstellung im August 2008 sei das Schmerz
syndrom im Wesentlichen unverändert. Der Versicherte klage jedoch seit ca. einem
halben Jahr über Kopfschmerzen, welche täglich über mehrere Stunden aufträten.
Dieser neu aufgetretene Spannungskopfschmerz sei möglicherweise Ausdruck einer
weiteren Schmerzchronifizierung (act. G 5.1 / Zm28).
A.h Vom 29. März bis 26. April 2010 befand sich der Versicherte in stationärer
schmerztherapeutischer Behandlung im Zentrum für Schmerzmedizin des SPZ. Der
Bericht vom 10. Mai 2010 hält fest, durch die durchgeführten medizinischen Mass
nahmen habe keine wesentliche Beeinflussung der Symptomatik erreicht werden
können (act. G 5.1 / Zm31). Sodann wurde beim Zentrum für Schmerzmedizin vom 25.
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bis 27. Mai 2010 eine transkranielle Magnetstimulation durchgeführt. Die Auswertung
der NRS über einen Zeitraum von 14 Tagen vorher und nachher anhand des
durchgeführten Schmerzprotokolls habe keinerlei Änderung der neuropathischen
Schmerzen im Bereich der beiden Hände ergeben (act. G 5.1 / Zm32).
A.i Die Zürich Versicherung veranlasste am 16. Juni 2011 eine Evaluation der funk
tionellen Leistungsfähigkeit des Versicherten durch das Zentrum für Arbeitsmedizin,
Ergonomie und Hygiene AG (nachfolgend: AEH). Die Untersuchungen wurden am 8./9.
August 2011 sowie am 26./27. September 2011 mittels Funktionsorientierter
Medizinischer Abklärung (FOMA) durchgeführt. Die Abklärung umfasste ein struktu
riertes Interview, eine klinische Untersuchung, eine angepasste Form der Evaluation
der arbeitsbezogenen Leistungsfähigkeit EFL (verteilt auf zwei Tage) sowie die Beur
teilung der bildgebenden Untersuchungen und Akten. Aufgrund der Testergebnisse
wurde dem Versicherten eine ganztägige Arbeitsfähigkeit attestiert, reduziert um 25%
unter Einbezug der subjektiv angegebenen und zum Teil nachvollziehbaren Schmerzen
und der leichtgradigen neurologischen Dysfunktion (act. G 5.1 / Zm39).
A.j Am 27. November 2011 erstattete Dr. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
ihren Zwischenbericht betreffend die psychotherapeutische Behandlung des
Versicherten. Der Bericht erwähnt als Diagnose den Verdacht auf eine posttrauma
tische Belastungsstörung (act. G 5.1 / Zm40).
A.k Mit Verfügung vom 7. Februar 2012 teilte die Zürich Versicherung dem Versicherten
mit, die Leistungen für Heilbehandlungen, welche sie bisher erbracht habe, würden per
29. Februar 2011, die Leistungen für Taggelder per 30. November 2011 eingestellt.
Weiter verneinte sie einen Anspruch auf eine Invalidenrente, sprach dem Versicherten
indes gestützt auf eine Integritätseinbusse von 50% eine Integritätsentschädigung von
Fr. 53'400.-- zu (act. G 5.1 / Z356). Der Versicherte erhob am 8. März 2012, vertreten
durch Dr. iur. Michael Weissberg, Biel, Einsprache (act. G 5.1/ Z370). Diese wurde von
der Zürich Versicherung insoweit gutgeheissen, als sie für die Berechnung der
Integritätsentschädigung nunmehr von einer Integritätseinbusse von 60% ausging. Im
Übrigen wies sie die Einsprache ab (act. G 1.2).
B.
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B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Weissberg im Namen
des Versicherten eingereichte Beschwerde vom 12. Oktober 2012. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge wird beantragt, der Einspracheentscheid vom 17. September
2012 sei, insoweit er nicht die Integritätsentschädigung betreffe, aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente
sowie Pflegeleistungen nach der Gesetzgebung über die Unfallversicherung auszu
richten. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid, insofern nicht die Integritätsent
schädigung betroffen sei, zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung wird ausgeführt, das Gutachten des AEH,
auf welches die Zürich Versicherung ihren Entscheid stütze, sei nicht beweistauglich.
Die Einschätzung, beim Versicherten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 75%, sei nicht
nachvollziehbar. Das neurologisch-paraplegiologische Gutachten der Universitätsklinik
Balgrist mit dem wirbelsäulenchirurgischen Zusatzgutachten habe die Arbeitsfähigkeit
auf 50% beziffert. Die Beschwerdegegnerin gehe auch von einem nicht realistischen
Invalideneinkommen aus. Für die Berechnung des Invaliditätsgrads könne im Übrigen
ohne weiteres auf die Beurteilung der IV-Stelle des Kantons F._ abgestellt werden,
welche bei einem Invaliditätsgrad von 89% ein zumutbares Invalideneinkommen von
Fr. 7'800.-- errechnet habe (act. G 1).
B.b Am 20. November 2012 reichte die Beschwerdegegnerin ihre Beschwerdeantwort
ein, mit dem Antrag, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen. Zur Begründung
führt sie aus, die Beurteilung des AEH erfülle sämtliche Anforderungen an den
Beweiswert eines Gutachtens. Es werde nachvollziehbar dargelegt, weshalb beim
Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von 75% und nicht nur von 50% vorliege. Was die
Beurteilung der Invalidenversicherung betreffe, sei diese einerseits für die Unfall
versicherung nicht bindend, andererseits würden dort auch unfallfremde Kriterien in die
Invaliditätsbemessung miteinbezogen (act. G 5).
B.c In der Replik vom 4. Januar 2013 (act. G 7) und der Duplik vom 9. Januar 2013
(act. G 9) halten beide Parteien an ihren Standpunkten fest.
B.d Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird - soweit
erforderlich - in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
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1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente
bzw. der damit zusammenhängende Anspruch auf weitere Pflegeleistungen nach
Festsetzung der Rente streitig.
2.
2.1 Gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf eine Invalidenrente,
wenn er infolge des Unfalls zu mindestens 10% invalid ist. Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) beschreibt Invalidität als die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird wiederum
als der durch die Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt bezeichnet (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Bei der
Bemessung des Invaliditätsgrads sind die Art. 18 Abs. 2 UVG i.V.m. Art. 16 ATSG
anwendbar. Danach wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge
glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Valideneinkommen). Art. 20 Abs. 1 UVG zufolge beträgt die Invalidenrente bei
Vollinvalidität 80% des versicherten Verdienstes, bei Teilinvalidität wird sie ent
sprechend gekürzt. Art. 21 UVG sieht sodann vor, dass dem Bezüger nach Festsetzung
der Rente unter bestimmten Voraussetzungen Pflegeleistungen und Kostenver
gütungen gewährt werden.
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grund
satz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden
Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon,
von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfüg
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baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a mit
Hinweis). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den
Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens -
abschliessen (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E. 1a).
2.3 Die Beschwerdegegnerin stützt ihren ablehnenden Rentenentscheid auf das
Gutachten des AEH vom 30. September 2011. Darin werden folgende Diagnosen auf
geführt: Subjektiv chronische, therapieresistente Schmerzen beider Arme und Hände,
geringer der Beine bds. mit/bei nicht klarer Aetiologie; Status nach ventraler Spondy
lodese mit Dekompression C3-C6 am 18.8.2005; Status nach dorsaler Spondylodese
C3-C7 am 23.8.2005; infolge diskoligamentärer Verletzung C4/5-C5/6, Fraktur kaudale
Hinterkante C5, Hämatom ventral C2-C4, nach Velosturz am 17.8.2005 mit inkom
plettem Querschnitt, sensomotorisch inkompletter Tetraplegie mit traumatischer
Spinalkanalstenose und Osteochondrose C3/C4, beschriebener, vorbestehender
konsekutiver Myelopathie (nach Unfall 1986); Fraktur Processus spinosi II und IV;
anamnestisch V.a. autonome Dysregulation (Sexualfunktionsstörung, gemäss Akten);
Status nach C7-Kompressionsfraktur mit Status nach Spondylektomie C7 und ventra
ler, interkorporeller Spondylodese C6-Th1, Spinalkanalstenose und Myelopathie bei
Status nach Verkehrsunfall 5. (oder 6.) April 1986, später vermuteter (strukturell nicht
nachgewiesener) leichter Wurzelkompression C8 mit sensomotorischen rechtsbetonten
Ausfällen. In der zuletzt ausgeführten kaufmännisch-administrativen Tätigkeit sei der
Versicherte aus rein funktionell-somatischer, beobachteter, objektiver Sicht ganztags
arbeitsfähig. Als einschränkend seien jedoch die subjektiv angegebenen und zum Teil
nachvollziehbaren Schmerzen sowie die leichtgradige neurologische Dysfunktion zu
qualifizieren. Daraus könnten allenfalls eine schnellere muskuläre Ermüdung, ein
erhöhter Regenerationsbedarf der Muskulatur und eine schmerzbedingt verminderte
Belastbarkeit resultieren. Gesamthaft bestehe für die Tätigkeit als kaufmännischer
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Mitarbeiter aus rein somatischer Sicht eine Einschränkung von 25% im Sinn vermehrter
Pausen über den Tag verteilt. Unter den gleichen Voraussetzungen sei dem
Versicherten auch eine angepasste Tätigkeit zumutbar (act. G 5.1 / ZM39).
2.4 Es fragt sich, inwieweit vorliegend auf das Gutachten des AEH abgestellt werden
kann. Der Beschwerdeführer hält dieses nicht für beweiskräftig. Er bringt vor, zunächst
sei auffallend, dass die medizinischen Einschränkungen orthopädischer bzw.
neurologisch-paraplegiologischer Natur seien und zusätzlich eine erhebliche
Schmerzsymptomatik zu verzeichnen sei. Die Ärztin, welche das Gutachten erstellt
habe, verfüge über keine entsprechenden Fachkenntnisse. Im Rahmen einer umfas
senden Begutachtung sei es auch unzulässig, dass nur eine einzige Arztperson die
Untersuchung vornehme. Sodann sei zu beachten, dass das Gutachten der Universi
tätsklinik Balgrist mit dem entsprechenden Zusatzgutachten zu anderen Schlüssen
gekommen sei als das AEH. Weder das AEH-Gutachten selbst, wie auch nicht der
Einspracheentscheid, würden sich mit diesen Widersprüchen auseinandersetzen. Die
begutachtende Ärztin sei aufgrund ihrer fehlenden Ausbildung mit der Untersuchung
überfordert gewesen. Dies habe dazu geführt, dass sie von einer Aggravation ausgehe.
Die Behauptung, die gezeigten Einschränkungen seien teilweise demonstrativ, nicht
glaubhaft und sehr variabel, sei unwahr. Die Gutachterin ziehe zur Untermauerung ihrer
offenbar vorgefassten Meinung völlig unhaltbare Argumente bei, wie beispielsweise die
Fähigkeit, rasch zu schreiben. Vom AEH nicht gewürdigt worden seien hingegen die
starke Medikation und deren Auswirkungen.
2.5 Zunächst ist auf das Vorbringen des Beschwerdeführers einzugehen, wonach das
Gutachten, auf welchem die Verfügung der Beschwerdegegnerin basiert, von einer
Arztperson erstellt wurde, welche nicht über die erforderlichen fachlichen
Qualifikationen verfüge. Der Beschwerdeführer befand sich von August 2005 bis
Februar 2006 in einem stationären Aufenthalt im SPZ. Danach folgten regelmässige
ambulante Behandlungen. Die Beschwerdegegnerin hatte das SPZ im Januar 2011 um
eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ersucht (act. G 5.2 / Z282). Das SPZ sah sich
dannzumal nicht im Stand, eine Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit abzugeben und
empfahl eine erneute Abklärung durch die Klinik Balgrist (act. G 5.1 / ZM33). Zu einer
weiteren entsprechende Anfrage durch die Beschwerdegegnerin äusserte sich das SPZ
in derselben Weise (act. G 5.2 / Z287; act. G 5.1 / ZM34). Die Beschwerdegegnerin
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hatte sich sodann mit ihrem Anliegen an das Zentrum für Schmerzmedizin des SPZ
gewandt, wo sich der Beschwerdeführer im März/April 2010 in einem stationären
Aufenthalt befunden hatte (act. G 5.2 / Z291). Das Zentrum für Schmerzmedizin gab zur
Antwort, um eine mögliche Arbeitsfähigkeit bei chronischen Schmerzen beurteilen zu
können, müssten Beobachtungen, welche nicht auf den subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers resp. auf den Angaben der behandelnden Ärzte/Therapeuten
beruhen würden und nicht schmerz-bezogene medizinische Daten herangezogen
werden. Zusätzlich müssten gegebenenfalls Fakten berücksichtigt werden, die dem
Zentrum für Schmerzmedizin als Spezialklinik nicht vorlägen. Für eine solche Beurtei
lung eigne sich eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit. Als Beispiel für
eine Abklärungsstelle wurde vom Zentrum für Schmerzmedizin ausdrücklich das AEH
genannt (act. G 5.1 / ZM36). Vorliegend geht es um die Frage, in welchem Umfang
beim Beschwerdeführer noch eine Arbeitsfähigkeit gegeben ist. Diesbezüglich macht
die Stellungnahme des Zentrums für Schmerzmedizin deutlich, dass eine rein
schmerzbezogene bzw. neurologische Beurteilung nicht weiter hilft, sondern eben eine
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit erforderlich ist, wie sie vom AEH
durchgeführt wurde. Für die Zuverlässigkeit dieser Einschätzung spricht, dass sie von
Spezialisten der Schmerzmedizin selber stammt, so dass ohne weiteres darauf abzu
stellen ist. Im Ergebnis kann damit keine Rede sein, dass die AEH-Gutachterin
aufgrund des fehlenden neurologischen Facharzttitels zur Beurteilung der Arbeits
fähigkeit ungeeignet gewesen war.
2.6 Damit stellt sich nun die Frage, inwieweit auf die oben (E. 2.3) dargelegte Arbeits
fähigkeitsschätzung des AEH abgestellt werden kann. Diesbezüglich ist festzuhalten,
dass das Gutachten ausführlich und anschaulich beschreibt, es liege gesamthaft kein
nachvollziehbares, neurologisches Funktionsdefizit vor, welches der Aufnahme einer
Arbeit im Umfang von 75 % entgegenstehe. Die gezeigten und behaupteten objektiven
funktionellen Einschränkungen seien nicht glaubhaft. Die Leistungsbereitschaft des
Beschwerdeführers sei als fraglich zu beurteilen. Die Gutachterin erwähnt einige
Inkonsistenzen. Beispielsweise habe der Beschwerdeführer bei den durchgeführten
Hebe- und Tragetests bei der Behändigung der Kisten normale Griffe gezeigt, und ein
allfällig hinzukommender Betrachter, der von einer medizinischen Problematik nichts
wisse, hätte keine Pathologie vermutet. Weiter habe der Beschwerdeführer während
den klinischen Tests wiederholt einen starken Flexor-Tonus im Bereich der Faust sowie
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eine Fausthaltung gezeigt. In Momenten, in denen er sich unbeobachtet wähnte, sei
hingegen eine normale Handstellung festzustellen gewesen. Bei der Aufforderung zu
kriechen, habe er, recht demonstrativ wirkend, die Faust gemacht, statt die flache
Hand auf den Boden aufzusetzen. Weiter habe er angegeben, infolge aktueller starker
Verspannungen im Bereich der Schultergürtelmuskulatur einen verkürzten M. Pectoralis
zu haben. Hierdurch sei eine Protraktionshaltung der Schulter bedingt. In einem
Moment, als der Beschwerdeführer aus dem Gleichgewicht gekommen sei und sich
hinter sich kurz habe abstützen müssen, sei indes ersichtlich gewesen, dass er eine
normale Schulterbeweglichkeit habe und auch eine normale Muskellänge des M.
Pectoralis. Ebenso wird im Gutachten ausgeführt, der Beschwerdeführer habe im
Sitzen problemlos und ohne Tremor und sichtbaren Rigor eine Streckung im
Kniegelenk rechts und links durchführen können. Bei der Flexion habe sich ein
fragliches Zahnradphänomen gezeigt. In Bauchlage, beim Anziehen der Ferse zum
Gesäss - was der Flexion-Streckbewegung des Knies im Sitzen entspreche - sei bei
der Kniebeugung hingegen kein Zahnradphänomen weder rechts noch links feststellbar
gewesen; der Beschwerdeführer habe in dieser Lage nicht realisiert, dass die Rigor-,
Zahnrad- und Tremorphänomene geprüft würden. Schliesslich weist die Gutachterin
darauf hin, die EFL-Untersuchung sei zunächst auf den 8./9. August 2011 geplant
gewesen. Der Beschwerdeführer sei indes am zweiten Tag den Testungen fern
geblieben, woraufhin er auf den 26./27. September 2011 erneut aufgeboten worden
sei. Hier hätten die Tests an zwei Untersuchungstagen in regulärer Abfolge
stattgefunden. Das Gutachten erwähnt ein E-Mail vom 10. August 2010 (act. G 5.1 /
319), wo der Beschwerdeführer gegenüber der Zürich Versicherung angegeben hatte,
die Tests am 8. August 2011 hätten ihn so sehr angestrengt, dass er zuhause zweimal
habe erbrechen müssen; ausserdem habe er starke Krämpfe sowie ein erhöhtes
Brennen der Arme gehabt und er habe in der Nacht praktisch nicht schlafen können.
Diesbezüglich hält das Gutachten fest, das Fernbleiben des Beschwerdeführers von
den Testungen vom 9. August 2011 sei nicht nachvollziehbar gewesen. Dem
Beschwerdeführer sei am ersten Tag mitgeteilt worden, dass eine Untersuchung am
zweiten Tag erfolgen müsse, um Beschwerden, Ermüdungserscheinungen und belas
tungsbedingte Symptome erkennen zu können. Zu beachten sei auch, dass er anläss
lich der Testungen vom 26./27. September 2011 das Fernbleiben vom 9. August 2011
anders begründet habe; hier sei neu ein Erbrechen auf der Heimfahrt, Verspannungen
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des Nackens und der Schultern, aber keine Krämpfe angegeben worden. Im Übrigen
erklärt die Gutachterin, es hätten sich im Rahmen des zweiten Testtermins vom 26./27.
September 2011 - abgesehen von etwas weniger gehobenen Gewichten - dieselben
Verhältnisse/Resultate gezeigt wie anlässlich der Tests vom 8. August 2011.
2.7 Immerhin fällt auf, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss AEH-Gutachten
von früheren Beurteilungen abweicht. Das fachneurologische Gutachten vom 17. Ok
tober 2008 der Klinik Balgrist in Verbindung mit dem wirbelsäulenchirurgischen
Zusatzgutachten vom 2. Februar 2009 äusserte sich dahingehend, in der angestamm
ten kaufmännisch-administrativen Tätigkeit sei das Arbeitspensum um 50% reduziert.
Der Beschwerdeführer sei grundsätzlich in der Lage, Tätigkeiten dieser Art in sitzender
Position zu verrichten. Einschränkungen entstünden durch die Sensibilitätsstörungen
der Arme, welche mit bei Berührung stärker werdenden Schmerzen einhergingen.
Schwere körperliche Arbeit sei ebenso wenig möglich wie häufiges Stehen und Gehen
über längere Distanzen. Die Schmerzen würden auch häufigere Arbeitspausen
erforderlich machen. Was die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit betreffe, sei
schwere körperliche Arbeit nicht möglich. Ebenso seien Überkopfarbeiten zu
vermeiden. Der Beschwerdeführer sollte möglichst leichte oder wechselbelastende
Tätigkeiten ausüben und beim Arbeiten häufige Pausen einlegen können. Der grösste
Teil der Arbeitszeit sollte sitzend verbracht werden. Der Beschwerdeführer könne
beidhändige Tätigkeiten ausüben (act. G 5.1 / ZM26, S. 14). In Bezug auf den
Beweiswert des Gutachtens der Klinik Balgrist ist zu beachten, dass der Schwerpunkt
der Beurteilung aus neurologischer Sicht erfolgte bzw. weitgehend auf den subjektiven
Angaben des Beschwerdeführers basierte. Gemäss der oben dargelegten
Stellungnahme des Zentrums für Schmerzmedizin des SPZ vom 3. Mai 2011 (act. G
5.1 / ZM36) muss jedoch die Zuverlässigkeit einer Arbeitsfähigkeitsschätzung gestützt
auf eine solche Begutachtung als fraglich erachtet werden. Der Beweiswert des
Gutachtens erscheint sodann auch deshalb eingeschränkt, weil der Zeitpunkt der
Untersuchung schon relativ weit zurückliegt. Im Übrigen ist der Vorwurf unzutreffend,
das AEH-Gutachten setze sich mit den Einschätzungen der Klinik Balgrist unzurei
chend auseinander. Es wird namentlich auf die damals festgestellten Sensibilitäts
befunde Bezug genommen und dabei betont, diese würden auf den subjektiven
Angaben des Beschwerdeführers basieren, womit sie nicht klinisch-objektiv bzw. nicht
konsistent seien und nicht eindeutig verifiziert werden könnten. Ebenfalls werden
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Unterschiede in Bezug auf die Ergebnisse einzelner Testübungen wiedergegeben. So
seien Zehen- und Fersengang sowie Einbeinhüpfen im Balgrist regelrecht durchgeführt
worden, während im Rahmen der Begutachtung im AEH ein Zehengang nicht möglich
gewesen sei. Das AEH-Gutachten gelangt letztlich auch klar zum Ergebnis, dass sich
die frühere Beurteilung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit nach der Durchführung von
wiederholten Abklärungen bzw. von funktionellen Leistungstests nicht begründen
lasse.
2.8 Gesamthaft ist nicht ersichtlich, inwieweit das AEH-Gutachten rechtsfehlerhaft sein
soll. Die Beurteilung findet im Übrigen im Gutachten der Klinik Balgrist sogar ihre
Stütze. Das fachneurologische Gutachten vom 17. Oktober 2008 hält fest, es sei von
milden Residuen der Tetraparese auszugehen. Zwar weise der Beschwerdeführer
gesteigerte Muskeleigenreflexe auf, Spastizität der Extremitäten und das dadurch
gestörte Gangbild würden jedoch stark fluktuieren, ebenso die angegebenen Gefühls
störungen. Dem Zusatzgutachten vom 2. Februar 2009 ist zu entnehmen, aus wirbel
säulenchirurgischer Sicht liege ein sehr gutes postoperatives Ergebnis vor, sowohl
radiologisch wie auch klinisch. Aktuell bestünden sowohl klinisch wie auch MR-tomo
graphisch Anzeichen für eine Myelopathie ohne Rückenmarkskompression. Für eine
radikuläre Symptomatik lägen keine Anhaltspunkte vor.
2.9 Im Ergebnis besteht somit kein Anlass, von den Erkenntnissen des Gutachtens
abzuweichen. Es ist mithin davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seiner
angestammten kaufmännisch-administrativen Tätigkeit wie auch in einer anderen
leidensadaptierten Tätigkeit aus somatischer Sicht zu 75% arbeitsfähig ist. Im Übrigen
ist aufgrund der Akten nicht erstellt, dass der Unfall vom 17. August 2005 beim
Beschwerdeführer eine psychische Problematik mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
hervorrief; folglich ist unter diesem Gesichtspunkt keine zusätzliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit anzunehmen.
3.
3.1 Ausgehend von einer 25%igen Erwerbsunfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen des Unfallereignisses vom 17. August 2005 zu prüfen.
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3.2 Der Beschwerdeführer hatte im April 1986 einen Autounfall erlitten. Den Akten ist
zu entnehmen, dass er damals aufgrund einer Gehirnerschütterung sowie des Ver
dachts auf eine Wirbelsäulenverletzung im Spital H._ behandelt worden war.
Röntgenaufnahmen hätten zunächst keine Anhaltspunkte für Knochenbrüche im
Bereich Halswirbelsäule geliefert. Bei persistierender Beweglichkeitseinschränkung
seien in der Folge im Spital I._ neuerliche Abklärungen durchgeführt worden. Dabei
sei eine C7-Kompressionsfraktur festgestellt worden. Am 12. Mai 1986 sei im Kan
tonsspital D._ eine Spondylektomie C7 mit ventraler interkorporeller Spondylodese
C6-Th1 erfolgt. Die radikuläre Symptomatik rechts habe sich daraufhin zurückgebildet.
Das Unfallereignis habe zu degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule mit
multisegmentalen Stenosen der Neuroforamina geführt (act. G 5.1 / ZM26). Der
Beschwerdeführer habe aufgrund seiner HWS-Beschwerden seine ursprünglich
erlernte Tätigkeit als Postbeamter im September 1990 aufgeben müssen. Er meldete
sich erstmals im Mai 1993 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an.
Die kantonale IV-Stelle sprach dem Beschwerdeführer eine Umschulung zum techni
schen Kaufmann zu. Diese wurde vom Beschwerdeführer im Oktober 1996 erfolgreich
abgeschlossen. Nach einer erneuten IV-Anmeldung im Oktober 1999 wurden dem
Beschwerdeführer von der IV-Stelle ein Praktikum und eine Einarbeitung als
Verkaufssachbearbeiter gewährt. Nach Abschluss der Massnahme im März 2000 teilte
die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit, er sei rentenausschliessend eingegliedert. Im
Juli 2004 meldete sich der Beschwerdeführer wiederum zum Bezug von IV-Leistungen
an. Am 10. September 2004 sei beim Beschwerdeführer eine mittelgradige depressive
Episode und eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden. In einer
Tätigkeit mit einem klar umrissenen Arbeitsbereich wurde er zu 60 bis 70% arbeitsfähig
erachtet (act. G 1.4). Mit Verfügung vom 4. Februar 2005 sprach die IV-Stelle dem
Beschwerdeführer basierend auf einem Rentengrad von 44% eine Viertelsrente zu (act.
G 1.3). Die hiegegen erhobene Einsprache wurde von der IV-Stelle am 11. Mai 2005
abgewiesen, wobei hier jedoch von einem Invaliditätsgrad von 47% ausgegangen
wurde (act. G 1.4). Mit Revisionsentscheid vom 2. März 2007 verfügte die IV-Stelle
rückwirkend auf den 1. November 2005 eine Erhöhung der Viertelsrente auf eine ganze
Rente. Die IV-Stelle erläuterte, die Abklärungen hätten eine wesentliche
Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers seit August 2005
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ergeben. Die Arbeitsfähigkeit betrage nur noch rund 20%. Es errechne sich ein
Invaliditätsgrad von 89% (act. G 1.5; act. G 5.1 / Z146).
3.3 Der Beschwerdeführer lässt vortragen, die Tatsache, dass ihm nach dem Unfall im
August 2005 von der Invalidenversicherung eine ganze Rente zugesprochen worden
sei, werde vom AEH-Gutachten und vom angefochtenen Einspracheentscheid gänzlich
ausser Acht gelassen. Dem zuerst ergehenden Entscheid eines Sozialversi
cherungsträgers über die Invaliditätsbemessung komme eine besondere Bedeutung zu
und sei bei späteren Invaliditätsbemessungen mitzuberücksichtigen. Das Eidge
nössische Versicherungsgericht (seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) hat in BGE 126 V 288 die Tragweite der Bindungswirkung
rechtskräftiger Invaliditätsschätzungen der Invalidenversicherung oder der Unfallver
sicherung für den jeweils anderen Sozialversicherungsbereich umschrieben. Gemäss
BGE 131 V 362 E. 2.2.1 hat diese Rechtsprechung auch nach In-Kraft-Treten des
ATSG weiterhin Gültigkeit. Demnach ist danach zu trachten, unterschiedliche Invalidi
tätsannahmen verschiedener, mit demselben Fall befasster Versicherer zu vermeiden.
Die Einheitlichkeit des Invaliditätsbegriffes entbindet die verschiedenen Sozial
versicherungsträger zwar nicht davon, die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen
Fall selbstständig durchzuführen. Keinesfalls dürfen sie sich ohne weitere eigene
Prüfung mit der blossen Übernahme des von einem andern Versicherer festgelegten
Invaliditätsgrades begnügen. Eine derart weitgehende Bindungswirkung wäre nicht zu
rechtfertigen. Es geht indessen auch nicht an, dass die Invalidität in den einzelnen
Sozialversicherungszweigen völlig unabhängig von allenfalls schon getroffenen
Entscheiden anderer Versicherer festgelegt wird. Vorliegend stellt sich die Frage nach
dem Anspruch auf eine Invalidenrente nur für gesundheitliche Beeinträchtigungen, die
adäquat-kausal auf das Unfallereignis vom 17. August 2005 zurückzuführen sind.
Aufgrund der Akten ist nicht klar, wie die IV-Stelle zum Ergebnis einer Arbeitsun
fähigkeit von 80% bzw. einem Invaliditätsgrad von 89% gelangte. Wie oben ausge
führt, basierte die ursprüngliche Rentenverfügung indes auf psychischen Beschwerden,
welche dem Beschwerdeführer von ärztlicher Seite attestiert worden waren. Diese
standen offensichtlich in keinem Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 17.
August 2005. Es muss davon ausgegangen werden, dass der IV-Revisonsverfügung
vom 2. März 2007 zu einem wesentlichen Teil ebenfalls solche unfallfremden
Beschwerden zugrunde liegen. Folglich bestehen triftige Gründe, um von der Beurtei
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lung der IV-Stelle abzuweichen. Im Ergebnis entfaltet der Entscheid der Invaliden
versicherung gegenüber der Unfallversicherung keine Bindungswirkung.
3.4 Gemäss vorstehenden Ausführungen lag beim Beschwerdeführer bereits vor dem
Unfallereignis vom 17. August 2005 eine gesundheitliche Einschränkung vor. Diesem
Umstand ist bei der Invaliditätsbemessung Rechnung zu tragen. Art. 28 Abs. 3 der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) bestimmt für den Fall, dass
die Leistungsfähigkeit des Versicherten aufgrund einer nicht versicherten
Gesundheitsschädigung vor dem Unfall dauernd herabgesetzt war, für die Bestimmung
des Invaliditätsgrades der Lohn, den der Versicherte aufgrund der vorbestehenden
verminderten Leistungsfähigkeit zu erzielen imstande wäre, dem Einkommen
gegenüber zu stellen ist, das er trotz der Unfallfolgen und der vorbestehenden Beein
trächtigung erzielen könnte.
3.5 Der Beschwerdeführer hatte vor dem Unfallereignis seit Februar 2005 in einem
50%-Pensum für die B._ gearbeitet. Gemäss Angaben der Arbeitgeberin in der
Unfallmeldung vom 18. August 2005 erzielte er im Rahmen einer kaufmännisch-
administrativen Tätigkeit bei einer Garage einen monatlichen Grundlohn von
Fr. 3'000.--. Zudem wurden ihm Lohnzulagen in der Höhe von Fr. 480.-- ausgerichtet
(act. G 5.2 / Z1). Hochgerechnet auf ein Jahr errechnet sich ein Gesamteinkommen von
Fr. 41'760.-- (12 x Fr. 3'480.--). Die IV-Stelle ging in ihrer Rentenverfügung vom
4. Februar 2005 davon aus, das dem Beschwerdeführer aufgrund seiner gesund
heitlichen Beeinträchtigung noch zumutbare Erwerbseinkommen betrage Fr. 39'000.--
(act. G 1.3). Es ist unklar, gestützt auf welche Grundlagen die IV-Stelle dieses Ein
kommen ermittelte. Zu berücksichtigen ist in Bezug auf das vor dem Unfall erzielte
Einkommen die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2010; auf der Grundlage dieses
Jahres wird auch das nach dem Unfall erzielbare Einkommen bestimmt (vgl. nach
folgend E. 3.6.1). Hinsichtlich des Einkommens von Fr. 41'760.--, welches der
Beschwerdeführer gemäss Unfallmeldung im Jahr 2005 erzielt habe, resultiert so ein
Betrag von Fr. 45'072.--, hinsichtlich des von der IV-Stelle angerechneten Einkommens
von Fr. 39'000.-- ein Betrag von Fr. 42'094.--. Wie sich aufgrund der nachfolgenden
Erwägungen ergibt, kann vorliegend offenbleiben, ob auf die Lohnangaben gemäss
Unfallmeldung oder auf das von der IV-Stelle ermittelte Einkommen abzustellen ist.
3.6
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3.6.1 Der Beschwerdeführer hatte gemäss eigenen Angaben nach dem Unfall seine
Tätigkeit bei der Garage nochmals während ca. eines Jahres in einem 20%-Pensum
ausgeübt. Dies sei jedoch nicht gegangen. Seither habe er keine Erwerbstätigkeit mehr
ausgeübt. Zufolge Fehlens einer effektiven Einkommensgrösse ist das Einkommen,
welches der Beschwerdeführer nach dem Unfall erzielen könnte, gestützt auf die
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) festzusetzen (BGE 129 V 475 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer hat eine Umschulung zum Kaufmann absolviert. Die zuletzt
ausgeübte kaufmännisch-administrative Tätigkeit in einer Garage ist ihm gemäss AEH-
Gutachten, wenn auch mit einer Leistungseinbusse, grundsätzlich ganztags möglich.
Um dem zumutbaren Resterwerbspotenzial gerecht zu werden, erscheint nach dem
Gesagten das Abstellen auf den Tätigkeitsbereich "Handel, Instandhaltung und
Reparatur von Motorfahrzeugen" der Tabelle TA1, Anforderungsniveau 3 (Berufs- und
Fachkenntnisse vorausgesetzt) angemessen. Im Jahr 2010 lag der Durchschnittslohn
für einen Mann bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden bei Fr. 5'210.--.
Umgerechnet auf ein Jahr und unter Berücksichtigung der im Jahr 2010
betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.6 Stunden pro Woche ergibt dies ein
Jahreseinkommen von Fr. 65'021.--. Zufolge der 25%igen Arbeitsunfähigkeit reduziert
sich dieser Betrag auf Fr. 48'766.-- (0.75 x Fr. 65'021.--).
3.6.2 Zu prüfen ist, ob das auf diese Weise bestimmte Invalideneinkommen allenfalls zu
kürzen ist. Mit Abzügen vom Invalideneinkommen soll der Tatsache Rechnung
getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person,
wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad (vgl. LSE 94 S. 51) Auswirkungen auf die
Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa). Vorliegend ist zu beachten, dass
das Gutachten grundsätzlich von einer ganztägigen Arbeitsfähigkeit ausgeht. Die
Einschränkung von 25% billigt es dem Beschwerdeführer aufgrund der subjektiv
angegebenen und zum Teil nachvollziehbaren Schmerzen bzw. der leichtgradigen
neurologischen Dysfunktion zu. Der verminderten Belastbarkeit des Beschwerdeführers
erscheint somit mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung bereits ausreichend Rechnung
getragen. Ein Leidensabzug kann nicht auch noch gewährt werden.
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3.7 Aus der Gegenüberstellung des vor dem Unfall anrechenbaren Einkommens in der
Höhe von Fr. 45'072.-- bzw. von Fr. 42'094.-- mit dem nach dem Unfall anrechenbaren
Einkommen in der Höhe von Fr. Fr. 48'766.-- ergibt sich, dass das Unfallereignis beim
Beschwerdeführer nicht zu einer Erwerbseinbusse führte. Die Voraussetzungen für
einen Rentenanspruch nach Art. 18 Abs. 1 UVG sind somit nicht erfüllt. Entsprechend
entfällt auch ein Anspruch auf Übernahme von Pflegeleistungen gemäss Art. 21 UVG.
4.
Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ein Anspruch auf Parteientschädigung besteht aus
gangsgemäss nicht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 23.04.2013 Art. 18 Abs. 1 UVG. Art. 21 UVG. Art. 28 Abs. 3 UVV Würdigung medizinische Gutachten. Invalidenrente. Invaliditätsbemessung bei vorbestehender Gesundheitsbeeinträchtigung. Pflegeleistungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. April 2013, UV 2012/79). Teilweise aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2013.
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2021-09-19T12:52:30+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen