Decision ID: b8b6ca39-a9b0-439a-aca2-07478f93eb49
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Vergewaltigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 24. Oktober 2019 (DG190137)
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Anklage: (Urk. 30)
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 7. Mai 2019 ist
diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 100 S. 84 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1
Abs. 1 StGB sowie
− der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 (erster und zweiter Satz)
StGB.
2. Vom Vorwurf der Vergewaltigung wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 16 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 26 Tage durch Haft
sowie 4 Tage durch anrechenbare Ersatzmassnahmen erstanden sind) und mit einer
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.–.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
5. Es wird ein Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 3 aStGB angeordnet. Dem
Beschuldigten wird jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die
einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, für die Dauer von 10 Jahren
verboten.
6. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 7 Jahre des Landes verwiesen.
7. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird
angeordnet.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 6. Mai 2019
beschlagnahmten Kleidungsstücke (lit. a-d) werden der Privatklägerin A._
herausgegeben.
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Der Privatklägerin A._ wird eine Frist von 60 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils angesetzt, um diese Gegenstände selbst (oder durch eine bevollmächtigte Person)
unter Vorlage dieses Urteils und eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voran-
meldung, bei der Lagerbehörde abzuholen. Werden diese Gegenstände nicht innert Frist
abgeholt, werden sie vernichtet.
9. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 6. Mai 2019 beschlagnahmte
Handtuch (lit. f), das Haar (lit. e) sowie das Mobiltelefon der Marke "iPhone 7 Plus" (lit. h)
und das beschlagnahmte T-Shirt (lit. g) werden eingezogen und der Lagerbehörde zur
Vernichtung überlassen.
10. Die Privatklägerin A._ wird mit ihren Zivilforderungen auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen.
11. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin C._ aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen
Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin C._
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ Fr. 8'000.– zuzüglich 5 %
Zins ab tt. Januar 2018 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
13. Fürsprecher Y._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger mit pauschal
Fr. 25'400.– (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
14. Rechtsanwältin lic. iur. X._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsvertreterin der Privatklägerin A._ mit pauschal Fr. 16'200.– (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
15. Rechtsanwältin lic. iur. Z._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsvertreterin der Privatklägerin C._ mit pauschal Fr. 9'300.– (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
16. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 6'000.00 Gebühr Strafuntersuchung.
Fr. 840.00 Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 3'510.10 Gutachten / Expertisen
Fr. 17.40 Zeugenentschädigung
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Fr. 1'533.60 Auslagen Untersuchung
Fr. 25'400.00 amtliche Verteidigung
Fr. 16'200.00 unentgeltliche Vertretung Privatklägerin 1
Fr. 9'300.00 unentgeltliche Vertretung Privatklägerin 2
17. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatkläger-
innen, werden dem Beschuldigten zur Hälfte auferlegt und im Übrigen auf die Gerichtskasse
genommen.
18. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung der
Privatklägerinnen werden auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang der Hälfte der Kosten der
amtlichen Verteidigung.
19. (Mitteilungen)
20. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 9 f.)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 136)
1. Der Beschuldigte sei zusätzlich der Vergewaltigung, eventualiter der
versuchten Vergewaltigung und sexuellen Nötigung, schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 51 Monaten (wovon
26 Tage durch Haft sowie vier Tage durch anrechenbare Ersatzmass-
nahmen erstanden sind) und mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
Fr. 100.– zu bestrafen.
3. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe seien zu vollziehen.
4. Der Beschuldigte sei im Sinne von Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes
zu verweisen.
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5. Die Kosten seien vollständig dem Beschuldigten aufzuerlegen und es sei
eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO für die Kosten der amt-
lichen Verteidigung sowie die unentgeltlichen Rechtsvertretung der
Privatklägerinnen im vollen Umfang vorzubehalten.
b) Der Privatklägerschaft A._:
(Urk. 137)
1. Der Beschuldigte sei der Vergewaltigung schuldig zu sprechen und die
bereits ausgesprochene Freiheitsstrafe sei angemessen zu erhöhen (Ab-
änderung von Dispositiv-Ziffern 2, 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils.)
2. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1
aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig
ist (Abänderung von Dispositiv-Ziffer 10 des vorinstanzlichen Urteils).
3. Der Beschuldigte sei weiter zu verpflichten, der Privatklägerin 1 eine
Genugtuung in Höhe von CHF 18'000.00 nebst Zins zu 5 % seit dem 11.
August 2018 zu bezahlen (Abänderung von Dispositiv-Ziffer 10 des
vorinstanzlichen Urteils).
4. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien dem Beschuldigten
vollumfänglich aufzuerlegen (Abänderung von Dispositiv-Ziffer 17 des
vorinstanzlichen Urteils).
5. alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 138)
1. B._ sei vom Vorwurf der angeblichen Vergewaltigung (Dossier 1) frei zu
sprechen.
2. B._ sei wegen einfacher sexueller Handlung mit einem Kind (Dossier 2)
und wegen mehrfacher Verletzung von Art. 197 Abs. 4 StGB (Dossier 3)
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schuldig zu sprechen und hierfür mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten
und einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 50.00 zu belegen.
3. Die erstandene Haft und die Ersatzmassnahmen seien anzurechnen.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe sei unter Ansetzung einer
Probezeit von zwei Jahren bedingt auszusprechen.
5. Auf die Aussprache eines Tätigkeitsverbots sei zu verzichten.
6. Auf die Aussprache eines Landesverweisung sei zu verzichten.
7. Die Zivilforderungen der Privatklägerin 1 seien abzuweisen.
Die Zivilforderungen der Privatklägerin 2 seien soweit Schadenersatz
geltend gemacht wird, im Grundsatz anzuerkennen, im weiteren aber auf
den Zivilweg zu verweisen. Es sei der Privatklägerin 2 eine Genugtuung,
inkl. Zins nach Ermessen des Gerichts zuzusprechen.
8. Die sichergestellten oder beschlagnahmten Gegenstände seien zum
gutscheinenden Zweck einzuziehen.
9. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens seien zu 50% auf
die Staatskasse zu nehmen, im Übrigen meinem Klienten aufzuerlegen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien gesamthaft auf die Staatskasse
zu nehmen. Das Nachforderungsrecht sei auf die Hälfte zu beschränken.
Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatkläger 1 und 2
seien gesamthaft, d.h. für erst- und zweitinstanzliches Verfahren auf die
Staatskasse zu nehmen.
d) Der Privatklägerschaft C._:
(Prot. II S. 22 sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte / Prozessuales
1. Verfahrensgang.
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 100 S. 6).
1.2. Mit eingangs wiedergegebenem Urteil vom 24. Oktober 2019 wurde der
Beschuldigte der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von
Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Pornografie im Sinne von
Art. 197 Abs. 4 (erster und zweiter Satz) StGB schuldig gesprochen und mit einer
bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten und mit einer bedingten Geldstrafe von
60 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft. Vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde der
Beschuldigte freigesprochen. Zudem wurde ein Tätigkeitsverbot im Sinne von
Art. 67 Abs. 3 aStGB angeordnet und der Beschuldigte gestützt auf Art. 66a StGB
für 7 Jahre des Landes verwiesen, wobei die Ausschreibung der
Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) angeordnet wurde.
Im Weiteren wurde über die Beschlagnahmungen, die Zivilforderungen der
Privatklägerschaft und die Kosten- und Entschädigungsfolgen befunden (Urk. 100
S. 84 ff.).
1.3. Gegen dieses Urteil meldeten die Staatsanwaltschaft, die Privatklägerin
A._ und der Beschuldigte fristgemäss Berufung an (Urk. 83, Urk. 84 und Urk.
84A).
1.4. Innert Frist erklärten die Staatsanwaltschaft, die Privatklägerin A._
und der Beschuldigte mit Eingaben vom 28., 29. April und 4. Mai 2020 Berufung
(Urk. 102, 104 und 106). Mit Verfügung vom 12. Mai 2020 gingen die
Berufungserklärung an den Beschuldigten, die Privatklägerinnen A._ und
C._ und die Staatsanwaltschaft. Zugleich wurde diesen Frist angesetzt, um
zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben wird oder um ein Nichteintreten auf
die Berufung(en) zu beantragen. Zudem wurden den beiden Privatklägerinnen
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Frist angesetzt, um mitzuteilen, ob dem urteilenden Gericht eine Person gleichen
Geschlechts angehören (Art. 335 Abs. 4 StPO) und für den Fall einer Befragung,
die Einvernahme von einer Person gleichen Geschlechts durchgeführt werden soll
(Art. 153 Abs. 3 StPO) (Urk. 108). Mit Eingaben vom 25. und 28. Mai 2020 liessen
beide Privatklägerinnen den Antrag auf eine weibliche Person für
Gerichtsbesetzung und für eine allfällige Einvernahme stellen (Urk. 110 und 112).
Mit Verfügung vom 3. Februar 2021 wurde für die Berufungsverhandlung vom 12.
Juli 2021 die Publikumsöffentlichkeit – mit Ausnahme akkreditierter
Gerichtsberichterstatter – ausgeschlossen (Urk. 114). Mit Verfügung vom 19.
März 2021 wurde zudem die Befragung der Privatklägerin A._ als
Auskunftsperson für die Berufungsverhandlung gerichtlich angeordnet (Urk. 119).
Der Beschuldigte liess mitteilen, an den im Untersuchungsverfahren und vor
erster Instanz gestellten Beweisanträgen festzuhalten (Urk. 106 S. 2).
1.5. Die Berufungsverhandlung fand am 12. Juli 2021 statt (Prot. II S. 9). Dabei
wurde im Rahmen einer Vorfrage über die Verwertbarkeit der Chatprotokolle
betreffend Dossier 2 entschieden (Prot. II S. 12 f.; vgl. dazu hernach Ziffer 4).
Zudem liess der Beschuldigte den Beweisantrag auf Einholung eines
Glaubhaftigkeitsgutachtens betreffend die Privatklägerin A._ stellen, welcher
abgewiesen wurde (vgl. Prot. II S. 14 ff.).
2. Umfang der Berufung
Die Staatsanwaltschaft ficht mit ihrer Berufung Dispositiv-Ziffer 2 (Freispruch
Vergewaltigung), Dispositiv-Ziffern 3 und 4 (Sanktion und Vollzug), Dispositiv-
Ziffer 6 (Dauer der Landesverweisung) und die Dispositiv-Ziffern 17 und 18
(Kostenauflage) an (Urk. 102; 136). Die Berufung der Privatklägerin A._
richtet sich gegen Dispositiv-Ziffer 2 (Freispruch Vergewaltigung), Dispositiv-
Ziffern 3 und 4 (Sanktion und Vollzug), Dispositiv-Ziffer 10 (Zivilforderungen
A._) und Dispositiv-Ziffer 17 (Kostenauflage) (Urk. 104; 137). Der
Beschuldigte ficht mit seiner Berufung Dispositiv-Ziffer 1 alinea 1 (Schuldspruch
mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern), Dispositiv-Ziffern 3 und 4 (Sanktion
und Vollzug), Dispositiv-Ziffer 5 (Tätigkeitsverbot), Dispositiv-Ziffer 6 und 7
(Landesverweisung und Ausschreibung im SIS), Dispositiv-Ziffer 12 (Höhe der
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Genugtuung C._) und Dispositiv-Ziffern 17 und 18 (Kostenauflage) an (Urk.
106; 138).
Nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen sind demnach die
Dispositiv-Ziffer 1 alinea 2 (Schuldspruch wegen mehrfacher Pornografie),
Dispositiv-Ziffern 8-9 (Beschlagnahmungen), Dispositiv-Ziffer 11 (Schadenersatz
C._) und Dispositiv-Ziffern 13-16 (Kostenfestsetzung) (vgl. Prot. II S. 14 und
21). Hiervon ist vorab mit Beschluss Vormerk zu nehmen.
3. Beweisanträge der Verteidigung
Bezüglich der Beweisanträge der Verteidigung in der Berufungserklärung (Ein-
holung der Krankheitsgeschichte der Privatklägerin A._ und eines
Leumundberichtes über sie sowie Sicherstellung und Offenlegung der Profile der
Privatklägerin C._ auf Datingplattformen wie D._ und der von ihr
verfassten Kommunikationen) kann auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 100 S. 7 f.). Ergänzend ist festzuhalten, dass
die Privatklägerin C._ am 28. August 2018 polizeilich einvernommen wurde
(Urk. D2/3/1). Am 5. September 2018 erfolgte eine delegierte Videobefragung der
Privatklägerin. Die entsprechenden Aufnahmen liegen in den Akten (Urk. D2/4/4),
ebenso ein Bericht der Spezialistin E._ (Urk. D2/4/3), sowie weiter auch die
Fotodokumentation über den Chat-Verlauf (inkl. Bilder) zwischen der
Privatklägerin C._ und dem Beschuldigten (Urk. D2/5; vgl. auch Urk. 65 S. 6
Ziff. 4.4.). Es besteht demnach kein Bedarf für weitere Beweisabnahmen.
4. Verwertbarkeit der Beweismittel
4.1. Die Verteidigung des Beschuldigten monierte vor Vorinstanz und auch im
Berufungsverfahren, dass die im Rahmen der Durchsuchung des Mobiltelefons
sichergestellten Beweise betreffend das Dossier 2 – den Vorwurf der sexuellen
Handlungen mit Kindern – unverwertbar seien. Der Durchsuchungsbefehl sei im
Zeitpunkt der Durchsuchung noch nicht rechtskräftig gewesen und es mangle an
einem sachlichen und zeitlichen Konnex zum ursprünglichen Anfangsverdacht
(Dossier 1, Vergewaltigungsvorwurf), weshalb eine verbotene "Fishing-
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Expedition" vorliege, was zur Unverwertbarkeit führe (Urk. 75 S. 5 f.; Urk. 130).
Die vor dem 11./12. August 2018 entstandenen Daten, Chats zu Drittpersonen
etc. seien zum vornherein irrelevant und offensichtlich untauglich für die damalige
Untersuchung gewesen (Urk. 130).
4.2. Unter Zufallsfunden nach Art. 243 StPO versteht man die bei der Durch-
führung von Zwangsmassnahmen allgemein und bei Durchsuchungen und
Untersuchungen im Besonderen zufällig entdeckten Beweismittel, Spuren,
Gegenstände oder Vermögenswerte, die mit der abzuklärenden Straftat in keinem
direkten Zusammenhang stehen und den ursprünglichen Verdacht weder erhärten
noch widerlegen, aber auf eine weitere Straftat hinweisen. Abzugrenzen sind
Zufallsfunde von unzulässigen Beweisausforschungen, sogenannten "fishing
expeditions". Eine solche besteht, wenn einer Zwangsmassnahme kein
genügender Tatverdacht zugrunde liegt, sondern aufs Geratewohl
Beweisaufnahmen getätigt werden. Aus Beweisausforschungen resultierende
Ergebnisse sind nicht verwertbar (vgl. BGE 139 IV 128 E. 2.1; 137 I 218 E. 2.3.2;
je mit Hinweisen und Urteile des Bundesgerichts 6B_825/2019 vom 5. Mai 2021
E. 2.3.5. und 6B_191/2016 vom 5. August 2016 E. 1.3).
4.3. Mit Recht hat die Vorinstanz dargelegt, dass die Durchsuchung des
Mobiltelefons nicht zu beanstanden ist und damit rechtmässig war (vgl. Urk. 100
S. 8 f.). Ein Durchsuchungsbefehl bedarf keiner Rechtskraft, bis er vollstreckt
werden kann. Handelt es sich dabei doch gerade um ein Mittel, dass bei einem
dringenden Tatverdacht sofort durchgesetzt werden können muss. Einer
allfälligen Beschwerde dagegen kommt keine aufschiebende Wirkung zu (vgl. Art.
387 StPO). Die Beweiserhebung wurden zudem gezielt im Hinblick auf die
Aufklärung des Vergewaltigungsvorwurfs getätigt. Die Durchsuchung des
Mobiltelefons basierte ausdrücklich auf dem Verdacht einer Vergewaltigung (vgl.
Urk. D1/16/1). Dass es sich auf dem Mobiltelefon elektronische Daten wie Fotos,
Videoaufnahmen, Textnachrichten oder sonstige Hinweise finden könnten, welche
zur Aufklärung des Vergewaltigungsvorwurf dienlich sein könnten, steht ausser
Frage.
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4.4. Zutreffend ist, dass es im Rahmen der Durchsuchung des Mobiltelefons
sodann zu Hinweisen auf die Straftat mehrfacher sexueller Handlungen mit
Kindern (Dossier 2) kam (Urk. D2/1). Es handelt sich demnach um einen
geradezu klassischen Fall eines Zufallsfundes im Sinne von Art. 243 Abs. 1 StPO.
Damit war der Verdacht einer weiteren strafbaren Handlung des Beschuldigten
geschaffen. Da die Durchsuchung gestützt auf den Vergewaltigungsvorwurf
rechtmässig war, konnten die Zufallsfunde ohne Einschränkung zur Erweiterung
des Strafverfahrens gegen den Beschuldigten und diesbezüglich als Beweismittel
verwendet werden. Für die Abklärung und Beurteilung der Täterpersönlichkeit
bedarf es zudem einer gewissen zeitlichen Periode, weshalb auch dem Einwand,
rund ein halbes Jahr zurückliegende Daten seien von vornherein für die
Untersuchung untauglich, nicht gefolgt werden kann (vgl. dazu Prot. II S. 14). Die
Rüge der Verteidigung einer verbotenen "Fishing-Expedition" ist folglich
unbegründet.
5. Formelles
Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die
Berufungsinstanz nicht mit jedem einzelnen Vorbringen der Parteien
auseinandersetzen. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich
sein Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweisen).
II. Schuldpunkt – Sachverhalt
1. Ausgangslage
1.1. Vorwürfe der Staatsanwaltschaft
1.1.1. Dem Beschuldigten wird einerseits vorgeworfen (Dossier 1), die Privat-
klägerin A._ am 11. August 2018 in den (Keller-)Räumlichkeiten des
Coiffeurgeschäfts F._ an der G._-strasse ... in ... Zürich vergewaltigt zu
haben. Der Beschuldigte habe sich, obschon er den Widerstand der Privatklägerin
wahrgenommen habe, der ablehnenden Haltung der Privatklägerin durch
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Körperkraft bewusst und gewollt widersetzt, und sei von hinten – die
Privatklägerin auf den Tisch drückend – mit seinem erigierten Penis ungeschützt
(eventualiter davor oder hernach mit einem oder mehreren Fingern) vaginal in die
Privatklägerin eingedrungen, was bei Letzterer zu Schmerzen geführt habe. Er
habe den vaginalen Beischlaf vollzogen, währenddessen die Privatklägerin
mehrfach bittend darum ersucht habe, aufzuhören und gleichzeitig erfolglos
versucht habe, den Beschuldigten mit den Händen wegzustossen. Gleichsam
habe der Beschuldigte die Privatklägerin mit seiner Hand mehrfach am Gesäss
berührt. Der Geschlechtsverkehr sei für cirka zwei Minuten vollzogen worden
(Urk. 30 S. 4). Bezüglich der konkreten Einzelheiten des Tatvorgehens kann auf
die angefügte Anklageschrift vom 7. Mai 2019 (Urk. 30 S. 2 ff.) sowie die
Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 100 S. 10 f.) verwiesen werden.
1.1.2. Dem Beschuldigten wird zudem vorgeworfen (Dossier 2), am tt. Januar
2018 im Hauptbahnhof Zürich mit der Privatklägerin C._ sexuelle
Handlungen vorgenommen zu haben, obschon er gewusst habe oder zumindest
billigend in Kauf genommen habe, dass die Privatklägerin im Zeitpunkt der
Handlungen erst 13 Jahre alt gewesen sei. Zunächst sei es zu Zungenküssen,
äusseren Berührung der Vagina und Einführung zumindest eines Fingers sowie
Penetration der Vagina gekommen. Danach habe der Beschuldigte mit der
Privatklägerin in einem Toilettenraum den vaginalen Geschlechtsverkehr während
weniger Minuten vollzogen und sie zuvor erneut mit den Händen in deren Intim-
bereich, namentlich im Vaginalbereich, berührt (Urk. 30 S. 5 f.). Auch hier kann
bezüglich der konkreten Einzelheiten des Tatvorwurfs auch die angefügte
Anklageschrift vom 7. Mai 2019 (Urk. 30 S. 5 f.) und die Ausführungen der
Vorinstanz (Urk. 100 S. 40 ff.) verwiesen werden.
1.2. Standpunkt des Beschuldigten
1.2.1. Der Beschuldigte gibt zu, dass es zwischen ihm und der Privatklägerin
A._ am Abend des 11. August 2018 im Kellerraum des erwähnten
Coiffeursalons zu sexuellen Handlungen gekommen ist. Es stellt sich indessen
auf den Standpunkt, dass die Privatklägerin Sex von ihm gewollt habe und die
sexuellen Handlungen einvernehmlich gewesen seien, wobei er lediglich mit
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einem oder mehreren Fingern und nicht mit seinem Penis in die Vagina
eingedrungen sei. Sein Glied sei leicht aber nicht ganz erigiert gewesen. Er sei
nicht richtig spitz geworden und habe einen ganz leichten Samenerguss auf ihrem
"Arsch" gehabt (Urk. D1/6/3 S. 2 ff.; Urk. D1/7/6 S. 2 ff.; Prot. I S. 45 ff.). In der
Berufungsverhandlung gab er zudem an, die zwei, drei Tropfen würden
wahrscheinlich noch vom Geschlechtsverkehr einige Stunden zuvor mit H._
stammen (Urk. 135 S. 12).
1.2.2. Hinsichtlich des zweiten Anklagevorwurfs räumt der Beschuldigte sämtliche
inkriminierten sexuellen Handlungen mit der Privatklägerin C._,
einschliesslich des vaginalen Geschlechtsverkehrs, ein. Er bestritt indessen im
Vorverfahren und noch vor Vorinstanz, dass die sexuellen Handlungen gegen den
Willen der Privatklägerin C._ erfolgt seien und gewusst zu haben, dass sie
zum Zeitpunkt der sexuellen Handlungen erst 13 Jahre alt gewesen sei
(Urk. D1/7/6 S. 13 ff.; Prot. I S. 50 ff.). In der Berufungsverhandlung zeigte sich
der Beschuldigte dann auch im inneren Sachverhalt mehrheitlich geständig,
indem er einräumte, es sei ein Fehler gewesen. Er hätte das Alter der
Privatklägerin C._ kontrollieren sollen. Sie habe ihm mitgeteilt, dass sie 13
Jahre alt sei und er habe es nicht kontrolliert (Urk. 135 S. 15 f.).
1.3. Erwägungen der Vorinstanz / Parteivorbringen
1.3.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten zusammengefasst vom Vorwurf
der Vergewaltigung (Dossier 1) frei, da, obschon Indizien vorlägen, Ungereimt-
heiten bezüglich des Auftretens der Privatklägerin A._ beim Verlassen des
Coiffeursalons sowie Unstimmigkeiten in den gesamthaft zu pauschalen und teils
widersprüchlichen Schilderung des Ablaufs bestünden. Es verblieben für die
Vorinstanz unüberwindliche Zweifel, dass sich die sexuellen Handlungen im Keller
des Coiffeursalons so abgespielt hätten, wie sie von der Privatklägerin dargestellt
und entsprechend in der Anklageschrift umschrieben würden. Es sei weder
erstellt, dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen sei, noch dass die vom
Beschuldigten eingeräumten sexuellen Handlungen gegen deren erkennbaren
Willen erfolgt seien (Urk. 100 S. 40). Die Gerichtsvorsitzende und der
Gerichtsschreiber hielten ihre Minderheitsmeinung für einen Schuldspruch
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betreffend sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB fest (Prot. I S.
85; Urk. 100 S. 40; siehe Anhang Urteil).
1.3.2. Hinsichtlich des zweiten Anklagevorwurfs kam die Vorinstanz zum Schluss,
dass nicht erstellt werden könne, dass der Beschuldigte gewusst habe oder hätte
wissen müssen, dass die Privatklägerin C._ mit seinen Handlungen nicht
einverstanden gewesen sei (Urk. 100 S. 48 f.).
Anzufügen ist an dieser Stelle der Vollständigkeit halber, dass der zweite
Anklagevorwurf, wie die Vorinstanz richtig erkannte, auch Nötigungselemente
enthält (vgl. Urk. 100 S. 9). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Vorhalt der
Vorinstanz ausdrücklich auf einen Antrag wegen (mehrfacher) sexueller Nötigung
bzw. Ergänzung der Anklageschrift (vgl. Prot. I S. 61 f. und 64). Das Gericht ist
aufgrund des Anklageprinzips an den inkriminierten Sachverhalt, aber nicht an die
vorgenommene rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde gebunden (Urteil
des Bundesgerichtes 6B_749/2017 vom 12. Februar 2018 E. 1.1.; BGE 143 IV 63
E. 2.2). Fehlt es in der Anklageschrift indessen an einer genügenden
Umschreibung sämtlicher objektiven und subjektiven Tatbestandselemente, ist
eine andere rechtliche Würdigung des Sachverhaltes durch das Gericht nicht
möglich. Das Vorgehen der Vorinstanz war daher korrekt. Es hat dabei sein
Bewenden.
Dass der Beschuldigte Kenntnis davon gehabt habe, dass die Privatklägerin
C._ im Tatzeitpunkt erst 13 Jahre alt gewesen sei, und damit auch mehr als
drei Jahre jünger als der Beschuldigte, hielt die Vorinstanz aufgrund des
Whatsapp Chatverlaufs zwischen den beiden als erstellt (Urk. 100 S. 49 f.).
Die Staatsanwaltschaft macht in ihrer Berufung zusammengefasst geltend, dass
die Aussagen der Privatklägerin A._ deutlich glaubhafter wirken als jene des
Beschuldigten, weshalb keine vernünftigen Zweifel am eingeklagten Sachverhalt
bestünden bzw. eventualiter zumindest nicht im Umfang einer versuchten
vaginalen Penetration sowie der vollendeten digitalen vaginalen Penetration
(Urk. 102 S. 1; Urk. 136 S. 3 ff.). Die Privatklägerin A._ schliesst sich dieser
Auffassung an (Urk. 104 S. 1; Urk. 137). Der Beschuldigte verlangt diesbezüglich
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die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 106 S. 2). Hinsichtlich des
zweiten Anklagevorwurfs räumt der Beschuldigte wie gezeigt nunmehr ein,
gewusst zu haben, dass die Privatklägerin C._ erst 13 Jahre alt gewesen sei
und ihr Alter nicht weiter kontrolliert zu haben. Seitens der Verteidigung wird indes
eine bewusste Fahrlässigkeit ins Feld geführt. Zudem sei von einer
Handlungseinheit bzw. (nur) einer sexuellen Handlung auszugehen (Urk. 135 S.
10 ff.).
Im Folgenden ist daher anhand der vorhandenen Beweismittel und unter
Berücksichtigung der Parteivorbringen zu prüfen, ob die Anklagevorwürfe erstellt
werden können, soweit sie vom Beschuldigten bestritten werden bzw. noch
Gegenstand des Berufungsverfahrens sind.
2. Vorwurf der Vergewaltigung
2.1. Allgemeines zur Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung
2.1.1. Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es
nach seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten
geschöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Eine
strafrechtliche Verurteilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten
mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein vernünftiger
Zweifel darüber bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der Anklageschrift
vorgeworfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, dass das
Gericht eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn die vor-
liegenden Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeuten,
das Gericht aber persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Allfällige abstrakte
theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und
absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss ausreichen, wenn
vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden
können. Die blosse Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu
begründen. Nur wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen
weder von der Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tat-
sachen zu überzeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende
- 17 -
Grundsatz "in dubio pro reo" zur Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche und
nicht zu unterdrückende Zweifel (d.h. solche, die sich nach der objektiven Sach-
lage aufdrängen), so muss es den Beschuldigten freisprechen.
2.1.2. Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von
Beteiligten, so sind diese frei zu würdigen. Steht Aussage gegen Aussage, ist
anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten ergeben, zu untersuchen,
welche Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren
Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die
Angaben erfolgen. Es darf aber nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die
allgemeine Glaubwürdigkeit des Aussagenden abgestellt werden, sondern auf die
Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer
Analyse bzw. kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein
von sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (BENDER, Die
häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81, S. 53 ff.).
Für die Glaubhaftigkeit einer Darstellung spricht insbesondere die Fülle von
lebendigen, sachlich richtigen und psychologisch stimmigen Details, die nicht
bloss auf das Beweisthema zielgerichtet sind (sog. Detailkriterium). Ferner spricht
auch der Umstand, dass die Details der Schilderung sich schlussendlich zu einem
stimmigen Ganzen zusammenfügen, für die Glaubhaftigkeit einer Darstellung
(sog. Homogenitätskriterium; vgl. BENDER, a.a.O., S. 56).
2.1.3. Bei der Würdigung von Aussagen in erster Linie nicht die allgemeine
Glaubwürdigkeit der Person massgebend ist, sondern die Glaubhaftigkeit der im
Prozess relevanten Aussagen mit Bezug auf den konkret zu beurteilenden Vorfall
(BGE 133 I 33 E. 4.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_938/2014 vom 18. Februar
2015 E. 2.3.; 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen). Dabei
geht es um die Beurteilung, ob auf ein bestimmtes Geschehen bezogene
Angaben zutreffen, d.h. einem tatsächlichen Erleben der aussagenden Personen
entsprechen. Entscheidend ist letztlich die Glaubhaftigkeit der Aussage zum
Tathergang bzw. die Überzeugung des Gerichts betreffend deren Wahrheitsgehalt
(Urteil des Bundesgerichtes 6B_382/2019 vom 8. August 2019 E. 1.1 mit Hin-
- 18 -
weisen). Ergänzend kann auf die Erwägungen im angefochtenen Urteil verwiesen
werden (Urk. 100 S. 26 f.).
2.2. Beweislage
Zur Erstellung des Anklagevorwurfs der Vergewaltigung liegen als objektive
Beweismittel zwei Videoaufnahmen der Überwachungskamera des Coiffeursalons
(Urk. D1/9/5), ein Spurenbericht des Forensischen Instituts (FOR) vom 31. August
2018 (Urk. D1/11/3), je ein Gutachten zur körperlichen Untersuchung der
Privatklägerin A._ und des Beschuldigten (Urk. D1/12/3 und Urk. D1/13/2)
sowie die Aussagen der Privatklägerin A._ (Urk. D1/6/1, Urk. D1/7/7, Prot. I
S. 18 ff. und Urk. 134), des Beschuldigten (Urk. D1/6/3, Urk. D1/7/1+2+5+6, Prot.
I S. 41 ff. und Urk. 135) sowie der Auskunftsperson/Zeugin H._ (Urk. D1/6/5
und Urk. D1/7/11) sachdienlich im Recht. Die Vorinstanz hat den Inhalt dieser
Beweismittel in ihren Erwägungen im Wesentlichen zutreffend wiedergegeben,
worauf vorab, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, grundsätzlich
verwiesen werden kann (Urk. 100 S. 12 ff.). Im Weiteren gibt es eine
Fotodokumentation erstellt aus dem Videomaterial (Urk. D1/9/2) und eine
Fotodokumentation über den mutmasslichen Tatort und Personenaufnahmen der
Privatklägerin A._ und des Beschuldigten (Urk. D1/9/7), die Protokolle der
ärztlichen Untersuchung von A._ und des Beschuldigten (Urk. D1/15/3 und
Urk. 14/3) und die Zeugenaussagen von I._, J._ und K._ (Urk.
D1/7/10+12+14). Die Zeugenaussage von L._, der damaligen Freundin des
Beschuldigten, ist nicht sachdienlich (Urk. D1/7/9). Die nachfolgenden
Ausführungen sind als die vorinstanzlichen teilweise ergänzende und
rekapitulierende zu verstehen (Urk. 100 S. 12 ff.), bevor die eigentliche
Beweiswürdigung vorgenommen wird.
2.3. Das eigentliche Kerngeschehen im Kellerraum des Coiffeursalons ist auf
den Videoaufnahmen nicht zu sehen. Mit der Vorinstanz bekommt man den
- 19 -
Eindruck, als wäre die Videofrequenz geschnitten worden, als die Privatklägerin
A._ die Toilette kurz nach dem Betreten wieder verlässt. Gestützt auf das
Videomaterial steht jedoch fest, dass die Privatklägerin nach dem Verlassen der
Toilette sich zur Mitte des Raums in Richtung Ausgang begibt. Der Beschuldigte
befindet sich in der linken Ecke des Kamerabereichs. Sie sagt dann "bisch ready",
er antwortet mit "chum mal", sie sagt "hä?" und er nochmals "chum mal". Dann
endet die Aufnahme (Video1 13.8.2018 08:58 in Urk. D1/9/5). Auf der zweiten
Videosequenz betreten die beiden wieder den Kamerabereich aus der linken
Ecke. Die Privatklägerin läuft zielgerichtet Richtung Ausgang. Währenddessen ist
zu hören, wie die Privatklägerin zum Beschuldigten sagt, "Ich schwöre, wenn ich
schwanger bin". Der Beschuldigte sagt "bisch nöd" und geht zur Toilette, um die
Türe zuzumachen. Die Privatklägerin sagt "(bisch) em (gemeint: am) Arsch" und
der Beschuldigte sagt "hä?". Die Privatklägerin sagt dann "em (gemeint: am)
Arsch". Vor dem Kassenbereich blickt die Privatklägerin kurz in den Spiegel,
richtet ihr Top, ihr Halsband und ihre Haare. Der Beschuldigte öffnet die Türe,
wobei zu erkennen ist, dass die Privatklägerin in diesem Moment tief Luft holt und
durchatmet, als würde sie sich kurz sammeln. Danach verlassen beide
gemeinsam den Coiffeursalon (Video 13.8.2018 08:59 in Urk. D1/9/5).
Im Weiteren wurde gemäss Kurzbericht des FOR vom 31. August 2018 ab dem
Vaginalabstrich der Privatklägerin neben ihrer eigenen DNA auch die DNA des
Beschuldigten nachgewiesen, jedoch keine Spermien gefunden (Urk. D1/13/2
S. 2). Obschon in der Fotodokumentation die Vermutung von Spermienrück-
ständen auf dem Tisch aufgestellt wurde (vgl. Urk. D1/9/7 S. 26), konnten auch an
dieser "spermaverdächtigen" Anhaftung keine Spermien gefunden werden
(Urk. D1/13/2 S. 3). Das Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privat-
klägerin ist nicht sachdienlich, da eine sichere, zeitliche Zuordnung der kratzer-
artigen Hautabtragungen am Nacken und über dem linken Schulterblatt und der
punktförmigen Schleimhautabtragungen an den grossen Schamlippen innenseitig
nicht möglich sei, wobei festgehalten wird, dass ein Ereignis wie das
gegenständlich vorgetragene aus rechtsmedizinischer Sicht nicht zwingend zu
feststellbaren Verletzungen führen müsse (Urk. D1/13/2 S. 4). Dasselbe gilt für
das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Beschuldigten, wonach die
- 20 -
oberflächlichen Hautabtragungen im Bereich des Peniskörpers nicht einem
konkreten Entstehungsmechanismus zugeordnet werden können. Der
Beschuldigte wies ansonsten keine Verletzungen am Körper auf (Urk. D1/12/3 S.
3). Die Privatklägerin war bei der ärztlichen Untersuchung vom 12. August 2018
"leicht beeinträchtigt" und gab an, unter Cannabis- und Medikamenteneinfluss
(Cipralex, Lamtrigin und Trittico) zu stehen. Dabei wurde vermerkt, dass die
Privatklägerin zeitweise geweint und heftig auf die körperliche Nähe einer
männlichen Person reagiert habe (Urk. D1/15/3). Die ärztliche Untersuchung des
Beschuldigten resultierte hingegen unauffällig (Urk. D1/14/3).
2.4. Aussagen der Privatklägerin A._
2.4.1. Die Privatklägerin A._ gab in der polizeilichen Befragung vom
12. August 2018 rund 2 1⁄2 Stunden nach dem eingeklagten Vorfall
zusammengefasst und sachdienlich an, im Coiffeurgeschäft auf die Toilette
gegangen zu sein, da sie kein Geld (CHF 2.–) dabei gehabt und nach Geld für die
Toilette gefragt habe, wobei der Beschuldigte ihr gesagt habe, er arbeite da
hinten und komme mit, damit sie auf die Toilette gehen könne. Der Beschuldigte
habe im Coiffeurgeschäft auf einem Stuhl gesessen, als sie wieder
rausgekommen sei, und habe sie zu sich gezogen. Sie habe aber wieder gehen
wollen. Er habe irgendwie runter gewollt und sei dann irgendwie runtergegangen.
Sie sei nicht freiwillig dort runtergegangen, sie habe gehen wollen. Die
Privatklägerin weinte dabei und hielt sich die Hände vor die Augen. Der
Beschuldigte habe sie auch an den Brüsten anfassen wollen und es auch getan.
Er habe ihre Hosen und Unterhosen runtergezogen und sie am Tisch festgehalten
und "das" gemacht, wobei sie die Frage, ob er sie vergewaltigt habe, bejahte. Er
habe versucht, sie auf den Mund zu küssen, was sie nicht gewollt und sich
weggedreht habe. Er sei aber trotzdem immer wieder gekommen. Er habe Sex
mit ihr gehabt und ihr seinen Penis in ihre Vagina gesteckt. Sie habe ihm gesagt,
dass sie dies nicht wolle. Der Penis sei erigiert gewesen. Sie habe versucht, ihn
weg zu tun, aber es sei nicht gegangen. Er habe kein Kondom gehabt, wobei die
Privatklägerin erneut zu weinen begann. Ob er einen Samenerguss gehabt habe,
wisse sie nicht. Er habe ihr die ganze Zeit Geld geboten, damit sie ihm einen
- 21 -
Blowjob mache oder sonst irgendetwas, aber sie habe gesagt, dass sie nicht
wolle. Das Ganze sei nicht lange gegangen, vielleicht eine oder zwei Minuten. Sie
habe ihm schon auf dem Weg zum Coiffeurgeschäft gesagt, dass sie solche
Sachen nicht mache. Er habe gemeint, dazu seien sie doch an der Street Parade
und dies sei normal. Er habe dies nicht verstanden (Urk. D1/6/1 S. 2 f.).
Sie habe versucht, ihn wegzustossen. Sie habe versucht, ihre Hosen wieder
heraufzuziehen und seine Hand wegzudrücken. Aber er habe weiter gemacht. Es
sei nicht möglich gewesen, ihn zu kratzen. Er habe sie einfach auf den Tisch
gekriegt. Mit ihrem Bauch auf dem Tisch und sei von hinten gekommen. Sie habe
auch nicht geschrien, sie habe einfach "nein" gesagt. Das Licht sei abgeschaltet
gewesen, er habe das Licht abgeschaltet. Sie habe nur noch vom Licht gesehen,
was von oben runtergekommen sei. Sie habe sich wie gelähmt gefühlt. Der
Beschuldigte habe sie aber nicht bedroht und auch nicht gezwungen, dort zu
bleiben. Nach dem Vorfall sei er raufgegangen und sie seien beide wieder
rausgegangen (Urk. D1/6/1 S. 3 f.).
2.4.2. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 22. August 2018 gab die
Privatklägerin zunächst an, bei ihren Aussagen gegenüber der Polizei zu bleiben,
wobei es gewisse Sachen gebe, an die sie sich wieder erinnere (Urk. D1/7/7
S. 4). Sodann wiederholte die Privatklägerin ihre Angaben, nach Geld für eine
Toilette gefragt zu haben, wobei der Beschuldigte ihr gesagt habe, dass er in der
Nähe arbeite und einen Schlüssel fürs Geschäft habe. Ergänzend hielt sie von
sich aus fest, dass der Beschuldigte schon auf dem Weg ihre Hand genommen
und versucht habe, sie zu küssen. Sie habe abgeblockt und gesagt: "nein, ich bin
nicht wegen einem Mann an der Street Parade" und dass sie das auch nicht
möchte. Er habe gesagt "tu nicht so, für das ist die Street Parade ja da". Darauf
habe sie gesagt: "nein, für mich nicht". Er sei dann nicht weiter zudringlich
gewesen, weshalb sie auch mitgegangen sei. Sie habe nur auf die Toilette
gewollt. Sie sei im Geschäft rechts hinten aufs WC gegangen, wieder
rausgekommen und mit dem Gesicht zur Eingangstüre gestanden. Der
Beschuldigte sei im hinteren Bereich auf einem dieser zwei Stühle gehockt (Urk.
D1/7/7 S. 6). Nachdem sie die Toilette wieder verlassen habe, habe sie gehen
- 22 -
wollen und sei zu ihm hingegangen "gömmer jetzt". Er habe sie dann zu sich
hingezogen. Sie habe da schon abgeblockt und gesagt, sie wolle das nicht, "ich
möchte jetzt gehen". Dann sei sie weg von ihm, nach vorne gegangen. Er sei ihr
nachgekommen. Es habe dort eine Metalltreppe. Sie sei etwas weiter als die
Metalltreppe gewesen. Er habe sie genommen und gesagt "wart, chum mit" und
habe sie mit "hinuntergenommen", was sie nicht gewollt habe. Sie seien dann
unten gewesen. Sie habe eigentlich gehen wollen. Er habe begonnen, ihr Geld
anzubieten, damit sie ihm eins blase. An der untersten Treppenstufe sei er so
eine Art hingehockt und habe seine Hose geöffnet. Er habe seinen Penis
herausgenommen und ihre Hand daran gedrückt. Sie habe gesagt "nein, ich will
nicht". Er sei immer weiter mit dem Preis raufgegangen und habe bei CHF 50.00
angefangen. Sie habe gesagt "ich will nicht, ich will nach Hause". Er sei dann
aufgestanden, habe das Licht gelöscht und sie zum Tisch hingezogen (Urk.
D1/7/7 S. 7). Dann habe er sie so hingestellt und immer wieder versucht, ihre
Hose auszuziehen. Sie habe immer wieder gesagt "nein, ich will nicht". Er habe
sie dann auf den Tisch gekehrt, auf den Bauch hinauf. Sie habe immer versucht,
ihn wegzudrücken und habe immer gesagt "nein bitte nicht, bitte nicht". Dann
habe er ... er habe ... Er habe seinen Penis in sie eingeführt, wobei die
Privatklägerin – in der Einvernahme – heftig weinte. Sie habe gesagt "bitte nicht,
bitte nicht". Irgendeinmal sei es fertig gewesen. Er sei von ihr heruntergestiegen
und habe seine Hosen wieder angezogen. Es sei nicht so lange gegangen. Sie
habe sich auch wieder angezogen. Sie sei schockiert gewesen und habe solche
Angst gehabt. Sie habe nicht gewusst, ob sie in einem Film sei, ob das wirklich
echt passiert sei. Sie sei so paralysiert gewesen. Dann seien sie wieder
hochgegangen. Er vor ihr und sie hinter ihm und hinausgegangen. Sie habe sich
wie ein Stück Fleisch gefühlt, so dreckig und sei zu ihrer Kollegin
zurückgegangen, wo sie in Tränen ausgebrochen sei und ihr gesagt habe "öper
hät öpis mit mir gemacht, was ich nöd han welle". Sie seien dann gemeinsam zur
Polizei gegangen (Urk. D1/7/7 S. 8).
Konkretisierend gab die Privatklägerin auf Nachfragen an, der Beschuldigte habe
ihr gerufen "chum mal dahi", als sie aus der Toilette gekommen sei. Sie habe
gesagt, sie wolle gehen. Er habe sie gerufen, zu sich hingezogen und sie habe
- 23 -
dann wieder abgeblockt (Urk. D1/7/7 S. 9). Sie sei mit ihm dort gewesen und
davon ausgegangen, auch wieder mit ihm zu gehen, da er den Schlüssel gehabt
habe und auch aus Anstand. Sie sei nicht jemand, der einfach davongehe. Er
habe sie an der Hand genommen und "hinuntergezogen". Es sei nicht so, dass er
sie nach unten gerufen hätte. Er sei vor ihr gegangen und habe sie gehalten. Die
Treppe sei steil gewesen und sie habe sich festhalten müssen. Sie habe nicht
gewusst, was ihr geschehe, sei völlig perplex gewesen, als sie die Treppe
runtergegangen seien. Sie habe eigentlich gehen wollen. Sie sei wie paralysiert
gewesen und habe nichts gedacht, was sich unten hätte ereignen können. Es sei
so schnell gegangen (Urk. D1/7/7 S. 10). Sie habe Angst gehabt, da sie nicht
gewusst habe, was passiere (Urk. D1/7/7 S. 14). Sie könne sich nicht erinnern, ob
der Beschuldigte im Untergeschoss etwas zu ihr gesagt habe. Dort habe er ihr
aber das Geld angeboten. Sie habe gesagt "nein, sicher nicht. Ich will nach
Hause" (Urk. D1/7/7 S. 11).
Die sexuelle Handlung habe auf dem Tisch stattgefunden. Er habe ihre Hose
geöffnet, bis zu den Knien und ihre Unterhose "übers Füdli" sowie seine Hose-
und Unterhose runtergezogen. Sie sei hilflos, ängstlich gewesen. Sie habe nicht
gewusst, was sie tun soll. Sie sei paralysiert gewesen. Sie habe versucht, sich
verbal zu wehren und ihn mit der Hand wegzudrücken. Der Beschuldigte habe
genug Kraft angewendet, damit sie nicht habe wegkönnen. Sie habe gesagt
"Nein, ich möchte nicht, bitte nicht. Ich möchte jetzt gehen. Lass mich.". Sie
denke, dass er das gehört habe. Sie habe es genug gesagt und ihn auch genug
weggedrückt. Er habe verstehen können, dass sie keinen Sex mit ihm gewollt
habe. Sein Glied sei steif gewesen, da er ihre Hand an seinen Penis gedrückt
habe bei der Treppe. Während der sexuellen Handlung sei sie mit dem Bauch auf
dem Tisch gelegen. Er habe sie zum Tisch hingezogen und gesagt "dreh dich
um", habe sie umgedreht und ihr die Hose heruntergezogen (Urk. D1/7/7 S. 11 f.).
Der Beschuldigte habe sie festgehalten. Einfach mit den Händen
hinuntergedrückt, gesehen habe sie nichts. Seine Hände seien auf der Seite
gewesen. Sie habe versucht, ihn mit ihrer linken Hand wegzudrücken. Der
Beschuldigte sei mit dem Penis in die Vagina eingedrungen. Sie wisse nicht, wie
oft. Sie wisse nicht, wie lange es gedauert habe, zwei Minuten. Sie wisse auch
- 24 -
nicht, ob er der Beschuldigte seinen Finger in die Vagina eingeführt habe, zum
Samenerguss gekommen sei oder sie sich habe säubern müssen nach der
sexuellen Handlung (Urk. D1/7/7 S. 13). Sie habe das, was möglich gewesen sei,
versucht mit "nein, bitte nicht, ich will nach Hause" und mit der Hand. Sie habe
ihm nicht angeboten, ihm einen zu blasen. Er habe ihr Geld geboten, damit sie
ihm eins blase. Er habe "Blowjob" gesagt. Auf Nachfrage, ob sie versucht habe,
den Tatort durch Flucht zu verlassen, gab sie an, wollen und machen sei etwas
anderes. Sie habe nicht gekonnt. Sie habe das gemacht, was möglich gewesen
sei. Mehr sei in diesem Moment nicht gegangen. Es sei surreal wie in einem Film
gewesen, als wäre sie danebengestanden und hätte zugeschaut. Sie habe sich
wie gelähmt gefühlt und wisse nicht, ob sie beim Hinausgehen im Erdgeschoss
noch etwas zum Beschuldigten gesagt habe (Urk. D1/7/7 S. 14 f.).
Auf Vorhalt der Videoaufnahme und Frage, ob sie dabei gesagt habe "Wänn ich
schwanger bin, denn bisch am Arsch, am Arsch", führte die Privatklägerin aus,
das könne möglich sein. Sie habe gewusst, dass er das ohne Kondom gemacht
und sie die Pille abgesetzt habe. Auch aus diesem Grund hätte sie nicht mit
jemanden Geschlechtsverkehr gehabt. Es sei nicht wahr, dass sie sich nach dem
Verlassen des Toilettenraums auf den Beschuldigten gesetzt und von ihm Sex
verlangt habe. Es stimme nicht, dass sie versucht habe, ihn "spitz" zu machen,
auf den Tisch gelegen sei und gesagt habe "mach jetzt" (Urk. D1/7/7 S. 16). Was
er nachher hinten gemacht habe, wisse sie nicht, aber, dass er nicht spitz
geworden sei, stimme nicht. Er habe sie ja dort gezwungen, seinen Penis
anzufassen und das habe sie gemerkt. Es sei nicht wahr, dass sie seine Hose
geöffnet, den Penis aus der Unterhose gezogen und seine Unterhose ein wenig
runtergetan habe. Es sei von oben Licht nach unten gekommen. Das Licht unten
habe er gelöscht (Urk. D1/7/7 S. 17). Nach dem Verlassen des Geschäfts seien
sie noch kurz zusammen gegangen, er habe sich abgewendet und sie sei allein
zu ihrer Gruppe zurück. Sie habe ihn weder umarmt noch nach Geld gefragt noch
habe er sie an den Ort zurückgeführt, wo sie sich getroffen hätten (Urk. D1/7/7 S.
18).
- 25 -
Im Weiteren bestätigte die Privatklägerin nochmals, dass der Beschuldigte mit
seinem Penis in sie eingedrungen sei. Er sei hinter ihr gestanden und habe sie
auf den Tisch gedrückt. Er habe ihr die Hosen runtergezogen. Sie habe sich nicht
wehren können. Es sei dunkel gewesen. Es habe weh getan. Auf Frage, was
Schmerzen verursacht habe, sagte sie, was er auch immer eingeführt habe, habe
Schmerzen verursacht. Sie wisse nicht mehr, ob es sich wie ein Penis angefühlt
habe (Urk. D1/7/7 S. 21). Ob der Beschuldigte das Coiffeurgeschäft
abgeschlossen habe, wisse sie nicht (Urk. D1/7/7 S. 23).
Die Privatklägerin bestätigte zudem auf Ergänzungsfragen der Verteidigung
erneut, dass der Beschuldigte, nachdem sie aus dem WC gekommen sei, gesagt
habe, sie soll zu ihm gekommen und sie zu sich hingezogen habe, wobei sie
gesagt habe "nei ich möcht gah". Sie sei nach vorne zur Treppe. Er habe sie
"hinuntergenommen" an der Hand (Urk. D1/7/7 S. 24). Am Treppenende sei er
hingehockt, habe seinen Knopf aufgemacht, seinen Penis hervorgenommen, ihre
Hand an seinen Penis gehalten und gesagt, sie soll ihm eins blasen und habe ihm
Geld dafür geboten. Er habe ihr wieder gerufen und sie zu sich hingezogen
(Urk. D1/7/7 S. 25). Sie wisse nicht, weshalb der Beschuldigte in der Keller
gegangen sei. Sie, weil er sie "hinuntergenommen" habe (Urk. D1/7/7 S. 27).
2.4.3. Im Rahmen der Befragung vor Vorinstanz gab die Privatklägerin sach-
dienlich und zusammengefasst zu Protokoll, der Beschuldigte habe auf dem Weg
zum Coiffeursalon Anspielungen gemacht und versucht, sie zu berühren. Sie
habe abgeblockt und er habe gesagt, die Street Parade sei doch für das da,
wobei sie erwidert habe, sie sei nicht aus diesem Grund hierhergekommen.
Soweit sie sich erinnere, habe er schon auf dem Weg versucht, sie zu küssen. Er
habe aber schnell abgelassen, nachdem sie abgeblockt habe und es nicht noch
einmal versucht (Prot. I S. 22 f.). Sie habe aufs WC gemusst und danach schnell
wieder zurück gewollt. Nachdem sie gesagt habe, dass sie nicht wegen einem
Mann an der StreetParade sei, habe er sie in Ruhe gelassen und sei normal
neben ihr gelaufen (Prot. I S. 24). Sie habe den Coiffeurladen nach dem
Toilettengang nicht verlassen, weil sie so nicht erzogen worden sei. Sie gehe
nicht einfach weg bei Leuten, die ihr eigentlich Hilfestellung angeboten haben.
- 26 -
Dann haue sie nicht einfach ab. Der Beschuldigte habe auf einem Stuhl in einer
Ecke des Geschäfts gesessen. Er habe sie zu sich gerufen, zu sich gezogen. Sie
habe "Nein" gesagt. Er habe sie an der Hand genommen, glaube sie. Er habe
gesagt, er wolle ihr etwas zeigen, glaube sie. Es sei alles sehr schnell gegangen.
Die Treppe sei sehr steil gewesen. Sie habe nicht reagieren können. Sie habe
ihm gesagt, sie wolle nicht. Er habe dies nicht beachtet (Prot. I S. 26 f.). Es
stimme nicht, dass die Initiative von ihr gekommen sei (Prot. I S. 27). Im Keller sei
es dunkel gewesen. Er habe sie irgendwie zum Tisch gezogen. Sie wisse den
genauen Ablauf nicht mehr. Sie sei in jeden Fall nicht selber aus freiem Willen zu
diesem Tisch gegangen. Er habe es nicht mit Gewalt gemacht. Es sei wie ein
Führen gewesen (Prot. I S. 28). Der Beschuldigte sei in sie eingedrungen, wobei
sie auf dem Bauch gewesen sei. Sie könne nicht zu 100% sagen, wie das genau
passiert sei. Sie habe ja keine Augen im Hinterkopf. Auf Frage, ob sie gesehen
habe, mit welchem Körperteil oder welchen Körperteilen der Beschuldigte
eingedrungen sei, gab die Privatklägerin an, es nicht gesehen zu haben. In
diesem Moment habe sie nicht daran gedacht, was "es" genau sei. Man wolle
einfach, dass es aufhöre (Prot. I S. 28 f.). Sie wisse nicht, ob der Beschuldigte
einen Samenerguss gehabt habe. Ein Kondom habe er ihres Wissens nicht
verwendet. Sie wisse nicht mehr, ob sie sich habe säubern oder reinigen müssen,
nach dem Vorfall, sie glaube nicht. Sie habe die sexuellen Handlungen nicht
gewollt. Sie habe gesagt "Nein bitte nicht, ich will nicht, bitte nicht" und habe ihn
weggedrückt bzw. versucht, ihn wegzudrücken. Der Beschuldigte habe darauf gar
nicht reagiert (Prot. I S. 29). Der Beschuldigte habe vorher ihre Hand genommen
und an sich gedrückt. Dort habe sie gefühlt, dass der Penis steif gewesen sei
(Prot. I S. 30). Nach den sexuellen Handlungen sei er weggegangen. Sie habe
ihre Hose hochgezogen und sie seien beiden hoch und hätten das Geschäft
gemeinsam verlassen. Sie schätze, dass es etwa 10 bis 15 Minuten gegangen
sei. Es habe sich wie eine Ewigkeit angefühlt. Sie seien noch kurz zusammen
gelaufen und dann sei er gegangen. Es könne zutreffen, dass sie im Geschäft
gesagt habe "wenn ich schwanger bin, bisch am Arsch". Sie wisse es nicht mehr
genau. Sie habe zu dieser Zeit nicht verhütet (Prot. I S. 30 f.). Die Videobilder
nach dem Vorfall würden nicht ihre Stimmung wiedergeben, in der sie sich
- 27 -
befunden habe. Sie habe sich gewundert, dass es so normal aussehe. Innerlich
sei sie leer gewesen. Sie habe nicht gewusst, was genau gelaufen sei. Es sei wie
ein Film gewesen. So unrealistisch. Beim Betreten des Coiffeursalons habe sie
sich nichts gedacht. Sie habe nur aufs WC gewollt. Sie habe keine Gefahr
gesehen. Der Beschuldigte habe jünger ausgesehen und wie ein junger Bub
gewirkt (Prot. I S. 33).
2.4.4. Anlässlich ihrer Befragung an der Berufungsverhandlung führte sie zu-
sammengefasst und sachdienlich aus, der Beschuldigte habe ihr angeboten, im
Coiffeursalon aufs WC zu gehen, nachdem sie die Gruppe Jugendlicher zuvor um
Fr. 2.– für die (öffentliche) Toilette gefragt habe. Sie habe dringend aufs WC
gemusst. Er habe schon auf dem Weg zum Coiffeursalon versucht, sie zu küssen.
Er habe sie so genommen und sie habe abgeblockt. Es sei überhaupt nicht ihr
Ziel gewesen. Sie habe einfach aufs WC gewollt. Der Beschuldigte habe dann
gesagt, für das sei die Street Parade da und sie habe "nein" gesagt. Er sei auch
so jung gewesen. Sie habe sich überhaupt keine Gedanke gemacht. Er habe
dann wieder aufgehört. Sie sei dann aufs WC gegangen. Als sie wieder raus-
gekommen sei, habe er auf dem Barberstuhl gesessen. Sie glaube, er habe sie
dann zu sich gerufen. Sie habe gesagt, sie wolle gehen. Er habe sie zu sich
hingezogen. Sie könne sich nicht mehr genau erinnern, wie das mit der Treppe
gegangen sei. Sie seien dann unten gewesen. Bei der letzten Treppenstufe habe
er ihr Geld angeboten, damit sie ihm eins blase, was sie nicht getan habe. Sie
habe keine Erinnerung mehr daran, ob der Beschuldigte bei der Treppe seinen
Penis aus der Hose genommen habe. Nachher, sie könne sich nicht mehr genau
erinnern, seien sie auf dem Tisch gelandet. Er habe sie auf dem Bauch gelegt
und die Hosen runtergezogen. Sie könne sich nicht mehr genau erinnern, denn
sie versuche das Vorgefallene zu verdrängen. Das sei ihre Art damit umzugehen.
Sie wisse nicht mehr, was hinten gewesen sei. Er habe ihr auf jeden Fall die
Hosen runtergezogen. Ob es Finger oder sein Glied gewesen sei(en), womit der
Beschuldigte eingedrungen sei, konnte die Privatklägerin nicht mehr sagen. Wie
sich der Zustand des Glieds des Beschuldigten angefühlt habe, könne sie nicht
sagen. Sie habe einfach immer "bitte nicht" , "mach es nicht", "nein" gesagt, was
nichts genützt habe. Er habe einfach weitergemacht und irgendwann sei es vorbei
- 28 -
gewesen. Sie könne sich nicht mehr erinnern, wie es (Glied oder Finger) sich
angefühlt habe. Das sei etwas, was sie aus ihrem Kopf habe möchte. Sie
verdränge das. Auf Nachfrage hielt sie fest, dass sie das bestätige, was sie bisher
ausgesagt habe (Urk. 134 S. 8 ff., S. 13 f.).
Sie seien dann raufgegangen. Sie habe sich nicht daran erinnern können, dass
sie gesagt habe "wenn ich schwanger bin, bisch am Arsch", aber es habe
eingeleuchtet, als sie die Videoaufnahme gesehen habe. Sie sei davon
ausgegangen, dass sie schwanger hätte sein können. Sie habe nicht gewusst, mit
was er "reingegangen" sei. Das Video habe überhaupt nicht zu ihren Gefühlen
gepasst. Sie habe sich "komisch" gefühlt. Äusserlich sei sie aufgewühlt und
irgendwie sauer gewesen und innerlich sei es so unrealistisch gewesen. Als sie
zu ihren Kollegen zurückgegangen sei, habe sie realisiert, was passiert sei und
sei zusammengebrochen. Sie habe "es" dann ihrer Kollegin erzählt, wobei die
Privatklägerin bestätigte, sie habe der Kollegin gesagt "öper hät öppis mit mir
gmacht was ich nöd han welle". Sie seien dann zur Polizei gegangen (Urk. 134 S.
10 f.).
2.5. Aussagen des Beschuldigten
2.5.1. Der Beschuldigte schilderte in der polizeilichen Einvernahme vom
12. August 2018 zusammengefasst und von sich aus, der Privatklägerin A._
angeboten zu haben, im Coiffeurgeschäft aufs WC zu können, nachdem sie ihn
nach einem WC gefragt und gesagt habe, das [öffentliche] WC koste CHF 2.– und
dort hätte es viele Leute. Sie sei im Coiffeurgeschäft aufs WC gegangen und er
habe sich auf einen Stuhl gesetzt, um das WC zu beobachten und aufzupassen,
damit sie nichts aus dem Landen entwende. Sie sei aus dem WC gekommen und
habe sich gleich auf seinen Schoss gesetzt. Sie habe ihn "angelangt" und Sex
von ihm gewollt. Er habe ihr vorgeschlagen, dass sie in den Keller gehen können,
damit sie niemand sehe. Dann habe sie ihn berührt, dass er spitz werde und ihm
die Hose geöffnet. Sie habe versucht, dass er spitz werde, aber es sei irgendwie
nicht gegangen. Sie sei dann auf dem Tisch gelegen und er habe versucht, dass
er spitz werde und in sie reinkomme. Aber es sei nicht gegangen, weil er ein
"Scheiss Gefühl" gehabt habe. Er habe eine Freundin und es sei ihm komisch
- 29 -
vorgekommen, dass eine Frau, welche er erst seit 10 Minuten kenne, Sex von
ihm wolle. Deshalb sei er nicht spitz geworden. Er habe dann versucht, dass er
komme, es seien aber nur cirka 3 Tropfen gekommen. Er habe ihr ein "Nastuch"
gegeben, damit sie sich habe reinigen können. Die Tropfen seien nur auf ihren
Arsch gekommen. Er sei nicht in sie eingedrungen. Dann habe sie sich wieder
angezogen und sie hätten das Geschäft verlassen. Er habe sie wieder an den Ort
zurückgebracht, wo sie sich getroffen hätten und dann sei sie wieder gegangen.
Sie hätten sich umarmt und "ciao" gesagt (Urk. D1/6/3 S. 2).
Ergänzend hielt der Beschuldigte fest, die Privatklägerin sei zu ihm gekommen,
als sie das WC verlassen habe. Im Untergeschoss bzw. im Keller sei es zu
sexuellen Handlungen gekommen. Er habe sie dorthin geführt, damit niemand
sehe, dass sie etwas im Geschäft machen. Dass niemand reinschaue. Er habe
gewollt, aber auch nicht. Deshalb habe er auch keinen Sex haben können. Er sei
nicht spitz geworden. Er habe sich gesagt, es sei eh Street Parade, wieso nicht.
Gleichzeitig habe er aber nicht gewollt. Er habe ja eine Freundin. Sie habe aber
Sex von ihm gewollt. Er habe sich geschämt und befürchtet, dass sie ihn nicht als
Mann sehe, wenn er nicht kommen würde. Sie sei vor ihm parat gewesen, habe
Sex gewollt und dies sei als Mann nicht gut, wenn man einfach weggehe
(Urk. D1/6/3 S. 3). Im Untergeschoss habe es einen Raum mit einem Tisch. Auf
dem Tisch sei es zu den Handlungen gekommen. Anfänglich habe sie auf dem
Tisch gesessen und er vor ihr. Sie habe versucht, ihn spitz zu machen, was aber
nicht funktioniert habe. Dann habe sie sich gedreht und sei mit dem Oberkörper
nach vorne über dem Tisch gelegen und habe gesagt "mach jetzt". Sie habe ihm
die Hose aufgemacht. Als sie sich umgedreht habe, habe sie sich ihre Hose
geöffnet und er dann, als sie nach vorne über den Tisch gelegen sei, ihre Hose
und Unterhose runtergezogen. Er habe ihren Arsch und kurz ihre "Muschi"
berührt. Er sei nicht spitz geworden und habe gesagt "fertig, gehen wir jetzt". Auf
Nachfrage gab er an, er habe sich am Glied berührt, aber sie habe versucht, dass
er spitz werde und so seine "Eier" und seinen "Schwanz" berührt. Er habe sie
nicht gegen die Tischplatte gedrückt. Ein wenig umarmt hätten sie sich auch und
auf die Backe geküsst. Sie habe Mundgeruch gehabt. Deshalb habe er sie nicht
küssen können. Er habe ihr nur die Hosen runtergezogen. Das Licht im
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Untergeschoss sei aus gewesen, weil Sex ohne Licht besser sei. Sie hätten das
Licht nicht angemacht. Erst nach den sexuellen Handlungen habe er das Licht
angemacht, wobei sie gesagt habe "abschalten, ich sehe genug zum raufgehen".
Sein Glied sei leicht aber nicht ganz erigiert gewesen. Sie sei vor ihm gewesen
aber er sei nicht mit dem Glied eingedrungen. Er sei mit den Fingern vaginal
eingedrungen. Er sei ganz leicht zu einem Samenerguss gekommen, wisse
jedoch nicht genau, wo auf ihrem Arsch. Er habe zwei Kondome dabei gehabt. Da
er nicht richtig spitz geworden sei, habe er kein Kondom gebraucht. Sie habe Sex
von ihm gewollt und dies auch gesagt. Sie habe den ersten Schritt gemacht und
damit auch angefangen. Er könne keinen Menschen zu Sex zwingen. Er habe ihr
kein Geld für einen Blowjob geboten. Er habe gar kein Geld. Die Privatklägerin sei
freiwillig mit ihm ins Untergeschoss gekommen. Er sei ja eigentlich mit ihr ins
Untergeschoss. Kein Mensch könne da jemand nach unten zwingen (Urk. D1/6/3
S. 5 f.).
2.5.2. Anlässlich der Hafteinvernahme vom 13. August 2018 gab der Beschuldigte
an, die Privatklägerin A._ habe ihn nach einem WC gefragt und er habe ihr
ein WC gezeigt, welches CHF 2.– gekostet habe. Sie habe gesagt, es seien zu
viele Menschen und es koste CHF 2.–. Er habe ihr gesagt, sie könne bei ihm im
Geschäft aufs WC. Sie sei dann dort aufs WC und er habe auf einem Stuhl
gesessen, um zu sehen, ob sie etwas vom Geschäft nehme oder nicht und das
WC beobachtet. Sie sei rausgekommen und direkt auf ihn drauf gesessen,
sodass sich ihre beiden Gesichter angeschaut hätten, Brust an Brust. Sie habe
Sex verlangt. Sie sei so nahe zu ihm gekommen und er habe in jenem Moment
gedacht, das sei okay, aber nicht gerade da. Er habe ihr gesagt, wenn schon,
dann würden sie in den Keller gehen, sodass sie niemand von aussen sehe.
Dann seien sie runtergegangen. Die Treppe sei gerade neben dem Stuhl, wo sie
gesessen seien. Sie sei selbst aufgestanden und vor ihm gelaufen. Er habe ihr
gezeigt, wohin sie laufen soll. Als sie unten gewesen seien, sei sie auf dem Tisch
gesessen. Sie habe eigentlich nur mit dem Gesäss gegen den Tisch gelehnt. Sie
habe seine kurzen Hosen geöffnet. Sie habe versucht, ihn spitz zu machen,
aber er sei irgendwie nicht spitz geworden. Er habe nicht gekonnt und habe ein
"Scheiss Gefühl" gehabt, da er eine Freundin habe und eine Frau nach 10
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Minuten von ihm Sex verlange. Sie habe zu ihm gesagt, er soll jetzt machen.
Seine Hosen seien bis zu den Knien gezogen gewesen. Sie habe die Hosen ein
wenig runtergezogen und er habe sie dann bis zu den Knien gezogen. Sie sei
dann selbst mit dem Bauch auf den Tisch gelegen, wobei ihre Füsse noch auf
dem Boden gestanden seien. Sie habe sich den Knopf ihrer Hose geöffnet und er
habe ihren Hosen bis cirka zu den Knien runtergezogen. Er habe ihren Arsch und
ihre "Muschi" berührt, dass er spitz werde. Er sei dann mit einem Finger in ihre
"Muschi". Er könne sich nicht erinnern, ob er einen oder mehrere Finger benutzt
habe. Er habe gedacht, er werde dadurch spitz. Es sei aber nicht gegangen. Er
habe bei sich selbst und bei ihr "gespielt". Es sei aber nicht richtig gegangen, bis
auf 2-3 Tropfen. Es sei dann auf ihrem Arsch "gekommen", wisse aber nicht, ob
auf der Mitte oder eher seitlich. Dann habe ihr ein "Nasentuch" gegeben, um sich
zu putzen, weil er auf ihren Arsch "gekommen" sei. Sie habe sich angezogen und
habe das Licht angemacht. Sie habe gesagt, er soll es nicht. Deshalb habe er das
Licht wieder ausgemacht und ihr gesagt, die Treppe sei aber gefährlich, worauf
sie gesagt habe, es gehe schon. Er habe gleichwohl mit dem Handy Licht
gemacht. Sie seien dann nach oben. Er glaube, er sei zuerst gegangen. Dann
seien sie nach draussen. Sie habe gewartet, als er die Türe geschlossen habe
und er habe sie bis zu jenem Ort begleitet, wo sie sich getroffen hätten
(Urk. D1/7/2 S. 3 f.).
Ergänzend führte der Beschuldigte aus, es sei nicht lange, höchstens 5 Minuten,
gegangen. Er habe keinen Sex haben können, da er nicht spitz geworden sei.
Sein Penis sei nicht ganz schlafend gewesen, mehr sei aber nicht gegangen. Er
sei nicht mit seinem Penis in die Vagina der Privatklägerin eingedrungen, sondern
nur mit dem Finger. Er habe nicht gekonnt. Er sei nicht parat gewesen, um Sex zu
haben und habe auch nicht die Gedanken dazu gehabt. Es sei ihm komisch
vorgekommen, dass die Privatklägerin gerade Sex gewollt habe. Er habe ein
Kondom dabei gehabt, aber sich gesagt, es sei nicht nötig, da er nicht spitz
gewesen sei und keinen Sex gewollt habe. Es sei ihm komisch vorgekommen,
dass die Privatklägerin gerade Sex von ihm gewollt habe. Sie habe ihn
überrascht, wobei er dann irgendwie gewollt habe, aber auch nicht (Urk. D1/7/1 S.
4 f.). Auf dem Weg zum Geschäft sei Sex überhaupt kein Thema gewesen. Er
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habe ihr nicht einmal ins Gesicht geschaut. Sie sei ihm egal gewesen. Sie habe
aufs WC gewollt, was er ihr habe ermöglichen wollen, mehr nicht. Sie hätten auf
dem Weg auch nicht miteinander gesprochen (Urk D1/7/1 S. 6).
Er habe der Privatklägerin die Hosen und Unterhosen runtergezogen. Sie habe
ihm zuvor seinen Penis rausgenommen und seine Unterhosen runterzogen,
welche er dann ganz runtergezogen habe. Es stimme nicht, dass er mit dem
Penis eingedrungen sei. Es könne sein, dass sie es mit seinen Fingern
verwechsle, aber sein Glied sei nicht drin gewesen. Er habe es nicht gekonnt, da
sein Glied nicht spitz gewesen sei. Es habe kein Licht im Keller gehabt, weil das
Geschäft geschlossen und das Licht abgeschaltet gewesen sei. Sie hätten es
nicht angemacht. Es stimme nicht, dass die Privatklägerin versucht habe, ihn
wegzustossen. Sie habe sich auch nicht bewegt. Seine Hand sei bei der
Privatklägerin zwischen den Beinen gewesen, die andere Hand an seinem Glied.
Es stimme auch nicht, dass sie versucht habe, seine Hand wegzudrücken. Sie
habe sich gar nicht bewegt. Sie habe nie nein gesagt. Sie habe auch den ersten
Schritt gemacht. Als sie nach draussen gegangen seien, habe sie ihn nach Geld
gefragt. Er habe ihr kein Geld gegeben. Sie habe "ciao" gesagt und sie hätten
sich verabschiedet (Urk. D1/7/1 S. 8 f.).
2.5.3. In der Befragung vom 23. August 2018 gab der Beschuldigte im Rahmen
der Stellungnahme zu den Aussagen der Privatklägerin A._ an, es sei zu
keinem Sex oder Berührungen gegen ihren Willen gekommen. Es stimme nicht.
Sie lüge. Die Wahrheit sei das, was er gesagt habe. Er verweise darauf. Er könne
sich nicht erklären, wieso sie sich so verhalte. Vielleicht mache sie sich
Hoffnungen oder so. Als sie nach draussen gegangen seien, noch auf der Treppe,
habe sie ihn nach Geld gefragt. Er habe ihr gesagt, dass er kein Geld habe. Er sei
selbst noch Lehrling (Urk. D1/7/2 S. 2).
Im Weiteren hielt der Beschuldigte fest, er habe eine Freundin, M._, mit
welcher er Sex habe. Daneben habe er Kolleginnen, mit denen er auch Sex habe.
H._ (H._), welche auf auch den Videoaufnahmen des Coiffeurgeschäfts
vom 11. August 2018 ersichtlich sei, sei nicht seine Freundin. Sie hätten einfach
etwas miteinander gehabt (Urk. D1/7/2 S. 2).
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2.5.4. In den Einvernahmen vom 30. August 2018 und 20. September 2018
(Urk. D1/7/3+4) sagte der Beschuldigte nichts Sachdienliches. In der Einver-
nahme vom 12. November 2018 gab der Beschuldigte im Rahmen der
Stellungnahme zu den Aussagen des Zeugen J._ (Assistenzarzt) an, es
stimme, dass er ihm gesagt habe, dass die Privatklägerin zuerst auf dem WC
gewesen sei und sie dann in den Keller gegangen seien. Es stimme, dass er
versucht habe, mit ihr Sex zu haben, aber es sei nicht gegangen, weil er nicht
steif geworden sei. Es sei nicht gegangen. Er habe gar nicht in ihre Vagina
reingekonnt, da er gar nicht steif geworden sei (Urk. D1/7/5 S. 2 f.).
2.5.5. In der Schlusseinvernahme vom 5. Februar 2019 gab der Beschuldigte an,
er sei mit einem Finger in die Vagina der Privatklägerin A._ eingedrungen,
wobei er sich nicht mehr genau erinnern könne. Er wisse, dass er mit dem Finger
in ihre Vagina gegangen sei. Er möge sich aber nicht mehr erinnern, ob es ein
oder mehrere Finger gewesen seien. Die Privatklägerin sei einverstanden
gewesen. Sie habe gesagt, dass sie es wolle. Sie habe den ersten Schritt
gemacht. Dann seien sie zusammen in den Keller gegangen, wo das mit dem
Finger stattgefunden habe. Im Übrigen verwies er auf seine bisherigen Aussagen,
da er sich nicht mehr erinnere (Urk. D1/7/6 S. 3).
2.5.6. Anlässlich der Hauptverhandlung gab der Beschuldigte an, die
Privatklägerin A._ habe eine Toilette gesucht an der Street Parade und er
habe ihr angeboten, die Toilette im Ladengeschäft zu benützen. Sie habe "ok"
gesagt. Sie seien zusammen zum Geschäft gelaufen, wobei er ihr dabei keine
Avancen gemacht habe. Es stimme nicht, dass er ihr Geld geboten habe für einen
Blowjob. Er habe ja selber kein Geld. Er habe auf dem Video gesehen, dass er
sie gerufen habe. Daran könne er sich nicht erinnern. Er könne sich daran
erinnern, dass sie zu ihm gekommen sei, als er dort gesessen habe. Er habe bei
der Station zum Haare waschen auf dem Stuhl gesessen. Soweit er wisse, habe
sie sich auf ihn gesetzt und sie hätten begonnen, sich gegenseitig zu berühren
und zu küssen. Sie habe stark nach Alkohol gerochen, weshalb er nicht weiter
geküsst habe. Er habe vorgeschlagen, dass sie, wenn schon, in den Keller gehen.
Dann sei sie runtergegangen. Es stimme nicht, dass die Privatklägerin gesagt
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habe, sie wolle gehen. Es sei sehr schnell gegangen und von ihnen beiden
gekommen. Er glaube, er sei die Treppe vorausgegangen, weil er die Treppe
kenne und die Treppe sehr steil sei. Die Privatklägerin sei hinter ihm gewesen.
Die Frage, ob er die Privatklägerin an der Hand genommen habe, verneinte der
Beschuldigte. Die Privatklägerin sei selbständig runtergestiegen (Prot. I S. 40 ff.).
Die sexuellen Handlungen seien nicht gegen ihren Willen geschehen. Sie sei
direkt zum Tisch und habe seine Hose geöffnet. Er glaube, auch den Knopf ihrer
Hose. Er habe seine Hose selber runtergezogen. Sie habe sich dann umgedreht,
über den Tisch gebeugt und sich ihre Hose runtergezogen. Er sei aber nicht hart
geworden und es habe nicht geklappt. Er habe begonnen, sie anzufassen und sei
mit einem oder zwei Fingern eingedrungen. Er wisse nicht mehr, mit wie vielen
Fingern. Er habe sie nicht gegen den Tisch gedrückt und sei nicht mit dem Penis
eingedrungen (Prot. I S. 44 f.). Es stimme nicht, dass die Privatklägerin verbal
ausgedrückt habe, dass sie das nicht wolle und ihn weggedrückt habe. Er habe
keinen Widerstand festgestellt oder gehört. Er habe auch nicht festgestellt, dass
er ihr weggetan habe (Prot. I S. 45). Er habe einen Samenerguss gehabt mit ein
oder zwei Tropfen auf ihr Gesäss, wobei die Privatklägerin noch bäuchlings auf
dem Tisch gelegen sei (Prot. I S. 46). Ein Kondom habe er nicht benutzt, da sie ja
keinen Sex gehabt hätten. Er glaube ihr danach noch ein Tuch gegeben zu
haben, um sich zu putzen (Prot. I S. 46 f.). Er habe auf dem Video gesehen, dass
die Privatklägerin etwas von wegen schwanger gesagt habe. Er habe gesagt "das
wirst du nicht". Sie hätten ja keinen Sex gehabt, also könne sie auch nicht
schwanger werden (Prot. I S. 48). Sie habe dann gewartet, bis er die Türe
geschlossen habe. Sie seien noch ein Stück zusammen gelaufen und hätten sich
dann verabschiedet und umarmt, glaube er (Prot. I S. 48).
2.5.7. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zusammen-
gefasst zu Protokoll, der Privatklägerin angeboten zu haben, die Toilette im
Coiffeursalon zu benutzen, da er kein Kleingeld gehabt habe. Es stimme nicht,
dass er auf dem Weg zum Coiffeursalon versucht habe, die Privatklägerin zu
küssen. Er könne sich nicht daran erinnern, dass er die Privatklägerin zu sich
gerufen habe, als sie das WC wieder verlassen habe. Man sehe bzw. höre es auf
dem Video, aber er könne sich nicht daran erinnern. Es könne sein, dass er sie zu
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sich gerufen habe. Die Privatklägerin sei auf seinen Schoss gesessen. Da habe
alles angefangen. Es sei von beiden gleichzeitig gekommen und sie hätten sich
gegenseitig berührt. Er habe vorgeschlagen, in den Keller zu gehen, damit sie
niemand sehe. Sie seien dann runtergegangen. Die sexuellen Handlungen im
Keller seien im gegenseitigen Einvernehmen erfolgt. Sie hätten sich gegenseitig
berührt. An genaue Details könne er sich nicht mehr erinnern. Sie hätten
versucht, Sex zu haben. Es sei nicht gegangen, da er nicht "hart" geworden sei.
Sie seien dann einfach wieder raufgegangen. Es sei gelogen, was die
Privatklägerin sage. Er sei nicht mit dem Penis eingedrungen und sie habe auch
nicht "nein bitte nicht, ich will nicht, bitte nicht" gesagt und versucht, ihn
wegzudrücken. Er hätte sofort aufgehört, wenn sie es nicht gewollt hätte. Die
zwei, drei Tropfen Ejakulat seien wahrscheinlich noch vom Sex mit H._
gewesen. Mit der Privatklägerin habe er keinen Sex gehabt. Er glaube ihr noch
gesagt zu haben, dass sie nicht schwanger werde, weil sie keinen Sex gehabt
hätten. Sie seien nach dem Verlassen des Coiffeursalons noch ein Stück
zusammen gelaufen und hätten sich umarmt zur Verabschiedung, wobei sie keine
Nummern getauscht hätten, weil das Interesse nicht wirklich da gewesen sei. Er
habe bis heute keine Erklärung dafür, weshalb die Privatklägerin ihn zu Unrecht
beschuldige (Urk. 135 S. 7 ff.).
2.6. Aussagen von I._
I._ war zusammen mit der Privatklägerin A._ an der Street Parade. Sie
sagte in der Zeugenbefragung vom 20. September 2018 aus, die Privatklägerin
sei zwischen 21.00/15 bis 21.45/22.00 Uhr weggewesen, da sie aufs WC
gegangen sei. Als sie zurückgekommen sei, sei sie ihrem Bruder (von I._) in
die Arme gefallen und er habe gesagt, dass wohl etwas nicht gut sei. Die
Privatklägerin habe zunächst nichts sagen wollen und gesagt, sie wolle
vergessen. Sie habe es dann aus ihr herausgeholt durch Nachfragen. Ihr seien
langsam die Tränen gekommen. Sie habe gefragt, ob sie dumm angemacht
worden sei, was sie verneint habe. Sie habe gefragt, ob sie berührt worden sei,
worauf sie gesagt habe "nein, schlimmer". Sie habe dann gesagt, sie sei im
Coiffeurgeschäft vergewaltigt worden. Die Privatklägerin habe erzählt, dass er sie
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mitgenommen habe ins Coiffeurgeschäft, dass er dort arbeite und sie dort aufs
WC gehen könne. Anschliessend seien sie und die Privatklägerin zusammen zur
Polizei gegangen (Urk. D1/7/10 S. 3 ff.).
2.7. Aussagen von H._
2.7.1. H._ sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 21. August 2018 aus,
vom Bruder des Beschuldigten (N._) am 12. August 2018 via Instagram
kontaktiert worden zu sein, ob sie ihn anrufen könne. Sie habe ihn am 12. August
2018 angerufen, wobei er sie informiert habe, dass der Beschuldigte wegen
Vergewaltigung festgenommen worden sei. Er habe ihr gesagt, sie solle sagen,
dass sie Sex zusammen gehabt hätten und einfach bei der Wahrheit bleiben.
Dann habe er gesagt, dass der Beschuldigte dies nicht gemacht habe und er ihm
glaube. Sie habe gesagt, so wie sie ihn (den Beschuldigten) kenne, könne er ein
Nein nicht gut akzeptieren und dass sie sich vorstellen könne, dass er so was
gemacht habe. Er habe ihr gesagt, dass sie das für sich behalten und nicht
unbedingt sagen soll. Sie soll nur sagen, dass sie mit ihm geschlafen habe, mehr
nicht. Das habe er mehrfach gesagt. Zudem habe er gesagt, dass der
Beschuldigte die Privatklägerin nicht vergewaltigt habe. Er (N._) habe sie
aber nicht bedroht oder unter Druck gesetzt (Urk. D1/6/5 S. 2 ff.).
Im Weiteren führte H._ aus, sie habe sich mit dem Beschuldigten vor cirka 3
Wochen das erste Mal getroffen und mit ihm eine sexuelle Beziehung gehabt. An
der Street Parade habe sie den Beschuldigten ebenfalls getroffen. Sie habe ihm
im Voraus gesagt, dass nichts laufen werde und er es gar nicht probieren soll. Sie
hätten sich um ca. 16.00 Uhr getroffen und den Schlüssel für den Coiffeurladen
geholt. Sie sei dort noch rasch aufs WC gegangen. Er habe es dort trotzdem
wieder versucht, obschon sie gesagt habe, dass er dies nicht solle. Er habe
versucht sie, zu küssen und weiterzugehen. Sie habe aber immer abgeblockt und
gesagt, dass nichts laufen werde. Sie seien dann nochmals rausgegangen und
später zurückgegangen. Er sei dann runter ins Untergeschoss gegangen und
habe gesagt, sie soll runter kommen. Dort habe er es wieder versucht und
versucht. Sie sei "hässig" geworden und habe gesagt, dass dies nicht laufen
werde. Sie habe gesagt, er müsse lernen ein Nein zu akzeptieren, man könne mit
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Frauen nicht so umgehen, es sehe es nicht jede so locker wie sie, es gebe auch
Frauen, die das nicht tolerieren und es dann böse für ihn enden könne. Wie es
auch passiert sei. Er habe sich dann entschuldigt. Sie hätten dann noch mehr
getrunken und schlussendlich sei es trotzdem zu Sex gekommen (Urk. D1/6/5 S.
5 f.). Sie sei davor schon zweimal im Untergeschoss gewesen, wobei es jedes
Mal, als sie dort unten gewesen seien, zu sexuellen Handlungen mit dem
Beschuldigten auf dem Tisch oder auf dem Karton gekommen sei. Das erste Mal
hätten sie am 27. Juli 2018 im Untergeschoss des Coiffeurladens Sex gehabt. Er
sei richtig schnell zur Sache gegangen und das sei auch nach ihrem Willen
gewesen. Sie seien nach unten. Sie sei auf den Tisch gehockt. Sie hätten sich
geküsst und ausgezogen. Sie sei mit dem Rücken auf dem Tisch gelegen und er
davor gestanden. Sie hätten auch schon anders dort Sex gehabt. Sie sei so
"doggy" zum Tisch gestanden. Der Beschuldigte habe kein Kondom benützt und
einen Samenerguss gehabt. Das zweite Mal sei am 28. Juli 2018 gewesen, wobei
es wieder etwa gleich abgelaufen sei, wieder auf dem Tisch, eventuell noch
"doggy". Das nächste Treffen sei an der Street Parade gewesen. Am Anfang
habe sie noch geblockt und am Schluss habe sie es trotzdem gemacht. Er habe
am Anfang schon so wie versucht, es zu erzwingen und sie habe ihn weg-
gedrückt. Schlussendlich sei der Sex im Einverständnis gewesen. Ein Teil sei auf
dem Karton gewesen und dann noch stehend "doggy" Richtung Küche und Tisch,
glaube sie. Sie wisse nicht 100%, wie er "gekommen" sei. Wenn sie es richtig in
Erinnerung habe, in ihren Mund. Was sie sicher wisse, dass er am Tag von der
Street Parade einen "runtergeholt" habe. Das sei rechts vom Tisch gewesen,
wenn man die Treppe runterkomme. Als sie ihn abgeblockt habe und er erregt
gewesen sei. Er habe gesagt, dass er sich halt einen "runterhole" und sei auf den
Boden gekommen. Sie sei auf dem Tisch gesessen (Urk. D1/6/5 S. 8 ff.).
Ergänzend hielt H._ fest, sie habe den Beschuldigten an der Street Parade
um cirka 16.00 Uhr getroffen und um 20.00 Uhr habe er sie zum Bahnhof
O._ gebracht. Sie habe ihm mehrfach gesagt, er müsse lernen "Neins" von
Frauen zu akzeptieren. Offenbar habe er jetzt eine Grenze nicht akzeptiert, dass
es so weit gekommen sei. Er habe es einfach immer wieder probiert. Man drücke
ihn weg und er mache einfach weiter. Er sei nie handgreiflich oder ähnliches, aber
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er probiere einfach, grabsche weiter, suche die Nähe, so halt. Er habe ihr auch in
der Öffentlichkeit unters Oberteil gefasst, ohne zu fragen. Der Beschuldigte habe
ihr gesagt, er habe keine feste Freundin (Urk. D1/6/5 S. 11 ff.).
2.7.2. An der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 20. September 2018 gab
H._ an, der Beschuldigte sei nett und man könne es lustig mit ihm haben. Er
sei auch hilfsbereit, aber er sei nicht gut im Akzeptieren eines Neins. Wenn sie
sich näher gekommen seien und sie nicht habe weitergehen wollen, habe er dies
schlecht akzeptieren können. Er habe weiter probiert, ihr näher zu kommen und
sie habe es dann abblocken müssen, indem sie ihn weggestossen habe. Es sei
ein Hin und Her gewesen. Er sei näher gekommen. Sie habe ihn weggestossen
und nein gesagt. Er sei auch mal weggelaufen und dann wieder gekommen. Er
habe auch versucht, sie umzustimmen, sodass es nach einer anfänglichen
Verneinung gleichwohl zu Sex gekommen sei, wobei der Sex jeweils im
Einverständnis gewesen sei (Urk. D1/7/11 S. 4 f.). Im Übrigen bestätigte sie ihre
polizeilichen Aussagen und gab an, sie habe bei ihm erlebt, dass er ein Nein nicht
akzeptiert habe. Sie könne sich daher vorstellen, dass er es bei jemanden
anderes auch so mache (Urk. D1/7/11 S. 3 und 6 f.).
2.8. Aussagen von J._
J._ war Assistenzarzt des IRM. Er untersuchte den Beschuldigten am 12.
August 2018 (vgl. Urk. D1/7/13). J._ gab in der Einvernahme vom 12.
November 2018 an, sich daran erinnern zu können, dass der Beschuldigte
Angaben zum Sachverhalt gemacht habe, dies nachdem der Beschuldigte zuvor
über seine Rechte aufgeklärt worden sei (vgl. Urk. D1/7/12 S. 3; Urk. D1/7/13
letztes Blatt). Diese Aussagen habe er auch dokumentiert. So wie er sich erinnern
könne, hätten sie sich gut auf Deutsch unterhalten können. Seiner Erinnerung
nach habe der Beschuldigte angegeben, es sei zu einem einvernehmlichen
Geschlechtsverkehr respektive des Versuchs gekommen (Urk. D1/7/12 S. 4). Auf
Vorhalt seiner Anamnese "Danach habe sie [A._] sich zu ihm begeben, ihn
umarmt und vorgeschlagen, Geschlechtsverkehr zu haben. Darauf hätten sie sich
in einen benachbarten Nebenraum/Keller begeben, wo er versucht habe, sie von
hinten vaginal zu penetrieren. Dies sei jedoch gescheitert, da er keine
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vollständige Erektion bekommen habe. Es sei dennoch zum ungeschützten
Penetrationsversuch gekommen" (Urk. D1/7/13 S. 2 Mitte) gab er an, wenn er das
so dokumentiert habe, sei es das, was er sich während der Untersuchung
handschriftlich notiert und danach elektronisch erfasst habe. Er bezeuge, dass
der Beschuldigte damals gesagt habe, es sei dennoch zum ungeschützten
Penetrationsversuch gekommen (Urk. D1/7/12 S. 5 f.).
2.9. Aussagen von K._
K._ war die Psychotherapeutin und Ärztin der Privatklägerin A._ seit
Sommer 2017. K._ führte aus, die Privatklägerin leide an Anorexie und einer
Borderlinestörung. Die Privatklägerin habe ihr zudem berichtet, dass bei ihr eine
(absence) Epilepsie diagnostiziert worden sei. Diese Diagnostik betreffe aber
nicht ihr Behandlungsverhältnis. Es sei richtig, dass die Privatklägerin Cipralex 20
mg morgens, Trittico unretardiert 100 mg zur Nacht und Lamotirigin 200 mg am
Morgen erhalten. Das Ciraplex sei wegen der depressiven Symptome und das
Trittico zur Verbesserung des Schlafs. Lamotirigin sei für die Epilepsie. Für die
Borderlinestörung gebe es keine Psychopharmaka. Man könne nur indirekt über
die Symptomebekämpfung gegen die Störung vorgehen (Urk. D1/7/14 S. 4 ff.).
Cipralex wirke nicht sedierend und wenig interagierend mit anderen Substanzen.
Trittico sei ein Medikament, welches sediere und in Kombination mit Alkohol wäre
zu erwarten, dass sich der sedierende Effekt verstärke (Urk. D1/7/14 S. 8). Zum
inkriminierten Vorfall an sich führte K._ aus, die Privatklägerin habe ihr
gesagt, dass sie vergewaltigt worden sei. Die Privatklägerin habe nach dem
Vorfall in der Therapie Symptome einer akuten Belastungsreaktion gezeigt, wie
sie auch Personen ohne Borderlinesymptome zeigten (Urk. D1/7/14 S. 7 f.).
2.10. Konkrete Beweiswürdigung
2.10.1. Die Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit der Privatklägerin
A._, des Beschuldigten und der Zeugin H._ sind uneingeschränkt zu
teilen und bedürfen keiner Ergänzung (Urk. 100 S. 28 f.). Die Erkrankungen und
- 40 -
der Drogen- und Medikamenteneinfluss der Privatklägerin zum Tatzeitpunkt
ergeben keine Hinweise, dass die Privatklägerin in ihrer Wahrnehmung
massgeblich eingeschränkt war. Auch bei den weiteren Zeugen, I._, J._
und K._ bestehen keine Anhaltspunkte, an deren Glaubwürdigkeit zu
zweifeln.
2.10.2. Die Privatklägerin A._ deponierte wenige Stunden nach dem Vorfall
bei der Polizei, dass der Beschuldigte einen erigierten Penis gehabt habe, damit
ungeschützt in ihre Vagina eingedrungen sei und sie vergewaltigt habe, wobei sie
versucht habe, ihn wegzustossen, was nicht gegangen sei. Sie habe sich "wie
gelähmt" gefühlt und "nein" gesagt. Auch gegenüber ihrer Freundin, I._, gab
die Privatklägerin an, dass sie soeben im Coiffeurgeschäft vergewaltigt worden
sei, nachdem sie zur Street Parade zurückkehrt war. Die Privatklägerin umschrieb
den sexuellen Übergriff anschaulich, authentisch und schlüssig, indem sie angab,
der Beschuldigte habe sie zunächst im oberen Geschoss zu sich gezogen, dann
ins Untergeschoss mitgenommen und sie anschliessend im Kellerbereich auf den
Tisch gekriegt, wobei sie mit dem Bauch auf dem Tisch gelegen sei, er von hinten
gekommen sei und mit dem Penis ungeschützt in ihre Vagina eingedrungen sei.
Zuvor habe er ihre Hose und Unterhose runtergezogen. Er habe sie am Tisch
festgehalten, wobei sei versucht habe, ihn wegzustossen und seine Hand
wegzudrücken. Er habe aber weitergemacht. Sie habe ihm gesagt, dass sie das
nicht wolle. Gegenüber der Staatsanwaltschaft schilderte die Privatklägerin den
sexuellen Übergriff im Kerngeschehen deckungsgleich. Der Beschuldigte habe sie
oben im Coiffeursalon zu sich hingezogen, nachdem sie die Toilette verlassen
habe, und nach unten mitgenommen, was sie nicht gewollt habe. Sie habe "nein,
ich will nicht" gesagt, versucht, den Beschuldigten wegzudrücken, wobei er, als
sie mit dem Bauch auf dem Tisch gelegen sei, mit dem Penis in ihre Vagina
eingedrungen sei. Der Beschuldigte habe verstehen können, dass sie keinen Sex
mit ihm gewollt habe. Sie habe ihm das gesagt und ihn auch weggedrückt.
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz handelt es sich um keine konstant
geäusserte Unsicherheiten der Privatklägerin, ob eine Penetration mit den
Fingern oder mit dem Penis des Beschuldigten stattgefunden habe. Die
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Privatklägerin selbst sprach nie von einer Penetration mit einem oder mehreren
Fingern. Vielmehr hielt sie grundsätzlich konstant fest, dass der Beschuldigte mit
seinem Penis ungeschützt in ihre Vagina eingedrungen sei. Dass sie am Schluss
gegenüber der Staatsanwaltschaft angab, nicht mehr zu wissen, ob es sich wie
ein Penis angefühlt habe und gegenüber der Vorinstanz ausführte, hinten keine
Augen zu haben, weshalb sie nicht gesehen habe, was "es" gewesen sei, ändert
daran nichts, zumal sie ansonsten ausschliesslich von der Penetration mittels
Penis berichtete und stets von einem erigierten Penis des Beschuldigten sprach.
Letzteres ergibt sich aus dem von ihr konstant und bildhaft berichteten und gut in
den Tatablauf passenden Vorfall, wonach der Beschuldigte zunächst – auf der
untersten Treppenstufe hockend – seine Hose geöffnet, seinen steifen Penis
herausgenommen und ihre Hand daran gedrückt habe, so dass sie diesen habe
anfassen müssen (Urk. D1/6/1 S. 2 Frage 12; Urk. D1/7/7 S. 7 f. Frage 23, S. 12
61 und 62, S. S. 17 Frage 104; Prot. I S. 30). Die Schilderungen der Privatklägerin
A._ widerspiegeln insgesamt einen realitätsnahen Geschehensablauf und
sprechen für tatsächlich Erlebtes. Sodann hat die Privatklägerin A._ auch bei
ihrer Therapeutin, der Zeugin K._, erwähnt, dass sie vergewaltigt worden sei
(Urk. D1/7/14 S. 7 Frage 29). Dass sich die Privatklägerin im Rahmen ihrer
Befragung vor Berufungsgericht nicht mehr erinnern konnte, ob der Beschuldigte
mit seinem Glied oder einem Finger eingedrungen sei, tut diesen lebensnahen
Schilderungen keinen Abbruch. Die Privatklägerin hielt ausdrücklich fest, dass sie
das aus dem Kopf haben wolle und die Taktik des Verdrängens verfolge (Urk. 134
S. 10). Damit lässt sich nebst der bereits vergangenen Zeitdauer auch zwanglos
erklären, weshalb die Privatklägerin nicht mehr sagen konnte, ob der
Beschuldigte bei der Treppe neben der Aufforderung für einen Blowjob gegen ein
Entgelt (bereits) seine Hose geöffnet sowie sein Glied hinausgenommen habe
(vgl. Urk. 134 S. 9).
Dass sich die Privatklägerin gegenüber der Polizei auf das Kerngeschehen
beschränkte bzw. konzentrierte und sich gegenüber der Staatsanwaltschaft
wieder an weitere Details vor und nach dem eigentlichen sexuellen Übergriff
erinnern konnte, ist nachvollziehbar und lebensnah, zumal sie unmittelbar nach
dem Vorfall offensichtlich unter Schock stand. Überdies fand bei der Polizei noch
- 42 -
keine vertiefte Befragung der Privatklägerin statt. Vielmehr ging es – nebst einem
zunächst groben Überblick zum angezeigten Vorkommnis – ebenso um die
Eruierung des genauen Tatortes und der möglichen Täterschaft. So können die
Angaben der Privatklägerin, dass der Beschuldigte bereits auf dem Weg zum
Coiffeurgeschäft zudringlich geworden sei und sie abgeblockt und "nein" gesagt
habe, worauf er aufgehört habe und sie im Coiffeurgeschäft auf die Toilette
gegangen sei, nicht dazu führen, ihre konstanten Aussagen zum Kerngeschehen
ernsthaft in Frage zu stellen. Die Privatklägerin gab schon bei der Polizei an, dass
sie ihm gesagt habe, dass sie solche Sachen nicht mache, worauf er gesagt
habe, dazu seien sie doch an der Street Parade. Mit der Vorinstanz und der
Verteidigung erschliesst sich indessen aus den Aussagen der Privatklägerin nicht
ohne Weiteres, wie es dazu gekommen ist, dass sie mit dem Beschuldigten in
den Kellerbereich "mitgegangen" ist (Urk. 100 S. 31), obschon sie eigentlich nach
dem Toilettengang wieder habe gehen wollen. Entgegen der Behauptung der
Verteidigung (Urk. 138 S. 8) wusste die Privatklägerin aber nicht, ob der
Beschuldigte die Türe des Coiffeurgeschäfts abschloss oder nicht (vgl. dazu ihre
Aussage in Urk. D1/7/7 S. 23). Sie war bekanntlich auf dem WC. Letztlich ist die
Frage jedoch unerheblich, ob die Privatklägerin freiwillig die Treppe
runtergegangen ist oder der Beschuldigte sie an der Hand genommen und nach
unten geführt hat. Den Aussagen der Privatklägerin ist klar zu entnehmen, dass
sie dem Beschuldigten mehrfach deutlich durch Worte, namentlich "Nein", und
Handlungen "wegstossen bzw. wegdrücken" zu verstehen gab, dass sie keinen
sexuellen Kontakt wollte. Dies bestätigte sie auch nochmals deutlich in der
Berufungsverhandlung. Sie habe "bitte nicht, mach es nicht, nein" gesagt, aber
der Beschuldigte habe weitergemacht (Urk. 134 S. 10). Selbst wenn die
Privatklägerin freiwillig die Treppe runtergegangen wäre, rechtfertigte dies
selbstredend in keiner Art und Weise einen sexuellen Übergriff durch den
Beschuldigten im Kellerbereich. Zudem gab die Privatklägerin konstant an, die
Idee in den Kellerbereich zu gehen, sei vom Beschuldigten gekommen, was im
Übrigen auch der Beschuldigte mehrfach bestätigte. Schlicht unzutreffend ist der
Einwand der Verteidigung, die Privatklägerin habe in der
Konfrontationseinvernahme vom 22. August 2018 angegeben, Kondome
- 43 -
mitgeführt zu haben (Urk. 138 S. 9), was im Widerspruch dazu stehe, dass sie
keinen Sex haben wollte. Die Ausführungen der Privatklägerin in Frage 132
beziehen sich klar auf einen anderen Mann, mit dem sie Tage vor dem
inkriminierten Vorfall hätte Sex haben können und nicht auf den Beschuldigten
bzw. den Tag des hier interessierenden Vorfalls (vgl. Urk. D1/7/7 S. 20).
Die Vorinstanz erblickte eine (weitere) Ungereimtheit in den Aussagen der
Privatklägerin darin, dass sie gegenüber der Polizei nicht erwähnt habe, dass der
Beschuldigte ihr unten an der Treppe Geld für einen "Blowjob" geboten habe und
ihre Hand an seinen nackten Penis geführt habe, bevor es zum eigentlichen
Übergriff gekommen sei (Urk. 100 S. 30 f.). Entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz gab die Privatklägerin bereits gegenüber der Polizei an, dass der
Beschuldigte ihr Geld für einen "Blowjob" geboten habe (Urk. D1/6/1 S. 2 Frage
12). Dass sie dort zusätzlich angab, dass er sie auch an ihren Brüsten angefasst
habe, ist ein vernachlässigbares Detail. Gegenüber der Vorinstanz wie auch
schon bei der Staatsanwaltschaft bestätigte die Privatklägerin zudem mehrfach,
dass der Beschuldigte zunächst am Treppenende seinen Penis hervorgenommen
habe, ihre Hand an seinen Penis gehalten und gesagt habe, sie soll ihm "eins
blasen" und ihr Geld dafür geboten habe. (Urk. D1/7/7 S. 7 Frage 23, S. 11 Frage
42, S. 15 Frage 88; Prot. I S. 23). Am Wahrheitsgehalt dieser Aussage, dass der
Beschuldigte ihr Geld gegen Oralsex offeriert habe, ist nicht zu zweifeln. Als
realitätsnah erweist sich diesbezüglich besonders die Beschreibung der Privat-
klägerin, auf ihre Erwiderung "nein, ich will nicht" sei der Beschuldigte immer
weiter mit dem Preis gegangen, nachdem er bei Fr. 50.– angefangen habe.
Sodann zeugt solches Verhalten des Beschuldigten unmissverständlich davon,
dass er von der Privatklägerin Sex forderte, und sei es käuflichen. Seine Aussage
auf den entsprechenden Vorhalt, das stimme nicht, er habe ja selber kein Geld
(Prot. I S. 41), ist nicht zu hören. Abgesehen davon, dass es sich auch nur um ein
blosses Zahlungsversprechen hätte handeln können, ist zu konstatieren, dass der
zu beurteilende Vorfall sich in dem von einem seiner älteren Brüder geführten
Coiffeursalon ereignete, wo der Beschuldigte als Lehrling tätig und mit den
Verhältnissen fraglos vertraut war. Selbst wenn er selber kein (ausreichendes)
Geld auf sich gehabt haben sollte, ist davon auszugehen, dass er Kenntnis von
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einer vorhandenen und ihm auch zugänglichen (Reserve-)Geldquelle gehabt
hätte, zumindest einer Kaffeekasse. Eine weitere plausible Steigerung im
Vorgehen des Beschuldigten zeigt sich darin, dass er gemäss der überzeugenden
Darstellung der Privatklägerin – die sein Angebot ablehnte und erneut ihren
Wunsch kundtat, nach Hause gehen zu wollen – diese anschliessend zum Tisch
hinzog, wo sich dann das Kerngeschehen abspielte, wozu er zuvor noch das Licht
löschte (Urk. D1/6/1 S. 4 Frage 27). Auch an letzterem ist nicht zu zweifeln, führte
der Beschuldigte doch selber aus, Sex ohne Licht sei besser (Urk. D1/6/3 S. 4
Frage 36). Im Übrigen ist nachvollziehbar, dass sich die Privatklägerin unmittelbar
nach dem Vorfall in ihren Schilderungen gegenüber der Polizei auf das
Kerngeschehen bzw. den eigentlichen sexuellen Übergriff beschränkte bzw.
konzentrierte. So gab sie selbst zu Beginn der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme an, sich wieder an mehr zu erinnern. Der sexuelle Übergriff wird
zudem wie gezeigt deckungsgleich geschildert.
Berücksichtigt man zudem die beiden Videoaufnahmen vom Coiffeurgeschäft ist
festzuhalten, dass die Privatklägerin nach dem Toilettengang Richtung Ausgang
läuft, gehen möchte und vom Beschuldigten zu sich gerufen wird, was auch der
Beschuldigte – entgegen seiner Sachdarstellung – einräume musste (Prot. I
S.41 f.; Urk. 135 S. 9). Entsprechend ergriff nachweislich der Beschuldigte die
Initiative und machte den ersten Schritt im Coiffeurgeschäft. Der Schluss der
Vorinstanz, die Videoaufnahmen der Privatklägerin beim Verlassen des Geschäfts
würden nicht den Eindruck vermitteln, dass unmittelbar zuvor der in der
Anklageschrift umschriebene Zwang gegen sie ausgeübt worden sei, ist nicht zu
teilen. Es ist deutlich zu hören, wie die Privatklägerin ihren Unmut gegenüber dem
Beschuldigten äusserte und zielgerichtet Richtung Ausgang lief. Dass sie sich
noch die Haare und ihr Top richtete, bevor sie das Geschäft verliess, ist
lebensnah und kann nichts über die Einvernehmlichkeit von zuvor erfolgten
sexuellen Handlungen aussagen. Es ist zudem ersichtlich, wie die Privatklägerin
tief Luft holte und sich sammelte, bevor sie aus dem Geschäft ging, was ebenfalls
dafür spricht, dass sich soeben etwas Unerfreuliches ereignet hatte. Im Übrigen
sagte die Privatklägerin ohnehin, die Aufnahmen hätten nicht ihre wirkliche
Verfassung widerspiegelt. Sie habe sich gewundert, dass es so normal aussehe.
- 45 -
Innerlich sei sie leer gewesen. Sie habe das Ganze irgendwie nicht realisiert. Es
sei surreal gewesen wie in einem Film, als wäre sie daneben gestanden und hätte
zugeschaut (Urk. D1/6/1 S. 3 Frage 16; Urk. D1/7/7 S. 14 Fragen 79 und 82 ff.;
Prot. I S. 32 und Urk. 134 S. 11). Die Privatklägerin beschreibt hier offensichtlich
einen vorübergehenden dissoziativen Zustand, wie er nach einem traumatischen
Erlebnis auftreten kann. Darin liegt ein weiteres Indiz für die eingeklagte Tat. Ihre
Kollegin habe ihr dann angesehen, dass irgendetwas nicht mehr stimme
(Urk. D1/6/1 S. 3 Frage 16). Das bestätigte wie gesehen die Zeugin I._. Dass
die Privatklägerin den Beschuldigten beim Hinausgehen auf eine allfällige
Schwangerschaft ansprach, deutet zudem ebenfalls darauf, dass der
Beschuldigte mit seinem Penis eingedrungen ist. Wäre der Beschuldigte lediglich
mit einem oder zwei Fingern eingedrungen, hätte sie keinen Grund gehabt, eine
solche Äusserung von sich zu geben. Mit dieser Äusserung im Einklang steht
ferner die zugehörige Erklärung der Privatklägerin, wonach der Beschuldigte es
ohne Kondom gemacht und sie ihre Pille abgesetzt habe und dass sie auch aus
diesem Grund nicht mit jemandem Geschlechtsverkehr gehabt hätte (Urk. D1/7/7
S. 14 und 16 Fragen 77 f. und 96).
Auch die Schilderung eigener psychischer Vorgänge und Gedanken im Zuge des
Tatgeschehens, welche die Privatklägerin zahlreich zu Protokoll gab, deuten auf
tatsächlich Erlebtes hin. Neben der bereits erwähnten Leere beim Hinausgehen
und dem Gedanken an eine mögliche Schwangerschaft sind etwa zu nennen: das
Gefühl, beim Hinuntergehen und dann beim Vorfall völlig perplex, wie gelähmt,
paralysiert zu sein, sich wie ein Stück Fleisch bzw. sich so dreckig resp. hilflos,
ängstlich gefühlt zu haben (z.B. Urk. D1/7/7 S. 8 Frage 23, S. 10 f. Fragen 36, 38
40 und 54, S. 14 Fragen 82 ff.). Damit einher geht das Eingeständnis einer ge-
wissen Schwäche, beispielsweise, dass sie sich verbal mehr wehren konnte als
physisch (z.B. Urk. D/1/7/7 S. 10 f. Fragen 40 und 54, S. 15 Fragen 85 und 90).
Dass die Privatklägerin bei der Rückkehr zu ihrer Gruppe dem Bruder ihrer
Freundin unvermittelt und sichtlich Trost suchend in die Arme fiel, in Tränen
ausbrach und wiederholt sagte, vergewaltigt worden zu sein (vgl. Urk. D1/7/7 S. 8
Frage 2; Urk. D1/7/10 S. 3 Fragen 8 f.), anlässlich des folgenden Aufsuchens des
- 46 -
mobilen Polizeipostens Schillerstrasse äusserst aufgelöst und kaum zu sprechen
in der Lage, weil sie immer wieder weinte und beim mit der Polizei und der Zeugin
I._ gemeinsamen Eintreffen vor dem mutmasslichen Tatort, dem
Coiffeurgeschäft "Coiffeur F._" an der G._-strasse ... sofort
zusammenbrach und zu weinen begann (vgl. Urk. D1/1 S. 2), sind weitere
verlässliche Anzeichen für das eingeklagte Geschehnis. Das gilt umso mehr, als
die Privatklägerin bis dahin mit einer Guppe aus etwa 10 Kolleginnen und
Kollegen frohgemut unterwegs gewesen war und einen ungetrübten Nachmittag
und Abend verbracht hatte (vgl. Urk. D1/7/7 S. 5 f. Frage 22 und S. 22 f. Fragen
147 und 151). Gleiches ist zu sagen betreffend erneute Erschütterungen mit
teilweise heftigem Weinen der Privatklägerin anlässlich ihrer Einvernahmen.
Schliesslich bestätigte auch ihre behandelnde Ärztin in der Zeugenaussage, dass
die Privatklägerin nach dem eingeklagten Vorfall Symptome einer akuten
Belastungsreaktion zeigte, ohne Zusammenhang mit der bestehenden Diagnose
der Borderline-Störung (Urk. D1/7/14 S. 7 Frage 31). Dass die Einnahme der
verschriebenen Medikamente oder auch das Vergessen der einen oder andern
Tagesdosis gravierende Auswirkungen zeitigen würden oder in Kombination mit
Cannabis und Alkohol Wechselwirkungen zu erwarten wären, verneinte die Ärztin
grundsätzlich (Urk. D1/7/14 S. 7 Fragen 34 ff.). Es fehlt denn auch an jeglichen
Anhaltspunkten, dass die Privatklägerin am Tatabend nicht allseits orientiert
gewesen wäre. Vielmehr wird ihr Letzteres im Gutachten zur Körperlichen
Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin IRM sogar ausdrücklich attestiert,
ebenso, dass sie formalgedanklich geordnet war (Urk. D1/13/2 S. 3). Ansonsten
wäre sie auch kaum in der Lage gewesen, das Vorgefallene im Kern und weitere
Einzelheiten klar zu schildern sowie gezielt bei der Tatortermittlung mitzuwirken
und manche stimmige Dialoge zwischen sich und dem Beschuldigten
wiederzugeben. Dass sie aufgrund medizinischer Ursachen (psychiatrisch,
vorbestehend) als leicht beeinträchtigt erschien und auch einen Alkoholfoetor und
Cannabisfoetor aufwies (Urk. D1/15/3), vermag an den genannten Feststellungen
nichts zu ändern. Die Aussagen der Privatklägerin sind auch unter dem Aspekt
ihrer gesundheitlichen Schwächen als zuverlässig einzustufen.
- 47 -
Auch gibt es keinerlei Anhaltspunkte, weshalb die Privatklägerin den ihr zuvor
völlig unbekannten Beschuldigten, der ihr wunschgemäss und freundlicherweise
den (dringlichen kurzen) Gang auf die Toilette ermöglicht hatte und worum es ihr
einzig ging (Prot. I S. 22 und 24), zu Unrecht belasten und grundlos eine Anzeige
gegen ihn erstatten sollte. Ebenso wenig wusste der Beschuldigte diesbezüglich
eine Erklärung (Urk. D1/7/1 S. 8 Frage 46; Urk. D1/7/2 S. 2 Frage 4; D1/7/6 S. 4
Frage 23). Das Aussageverhalten der Privatklägerin erweist sich vielmehr
durchgehend als zurückhaltend, indem sie Nichtwissen oder Erinnerungslücken
stets deklarierte und den Beschuldigten zuweilen auch entlastete. Als Beispiel
hierfür sei erwähnt, dass seine anfängliche Zudringlichkeit auf dem Weg zum
Coiffeursalon aufhörte, nachdem die Privatklägerin den Beschuldigten abgeblockt
hatte mit den Worten, sie sei nicht wegen einem Mann an der Streetparade und
dass sie solches nicht möchte, weshalb sie auch keinen Anlass sah, sein
Toiletten-Ang- gebot nicht mehr anzunehmen (Urk. D1/7/7 S. 6 Frage 22; Prot. I
S. 23). Ausserdem machte die Privatklägerin nie eigentliche Gewalttätigkeit
seitens des Beschuldigten geltend (Prot. I S. 28) und behauptete auch nicht,
bedroht oder gezwungen worden zu sein, dort zu bleiben. Das Ganze [der
sexuelle Übergriff] habe ein bis zwei Minuten gedauert. Zudem antwortete sie
etwa auf die Frage nach dem Kraftaufwand des Beschuldigten schonend,
"Genug, damit ich nicht wegkonnte" (Urk. D1/7/7 S. 12 Frage 57, ähnlich S. 15
Frage 90). Dass es bei der Penetration dennoch weh getan habe, leuchtet ein,
war doch die Privatklägerin weder vorbereitet noch gewillt zur Vornahme des
Geschlechtsakts (Urk. D1/7/7 S. 21 Frage 136). Verletzungen machte die
Privatklägerin keine geltend und solche sind bei einem Ereignis wie dem
vorliegend zu beurteilenden aus rechtsmedizinischer Sicht auch nicht zwingend
feststellbar (vgl. Urk. D1/13/2 S. 4). Übermässige Belastungen durch die
Privatklägerin sind somit keine erkennbar. Zur eigenen Person legte die
Privatklägerin von Anbeginn offen dar, dass sie vor dem eingeklagten Ereignis
Cannabis geraucht und Alkohol (Bier) getrunken hatte und sie erteilte freimütig
Auskunft zu ihrer Gesundheit bzw. ihren diversen medizinischen Leiden und
benötigten Medikamenten (Urk. D1/6/1 S. 3 Frage 20; D1/7/7 S. 18 f. Fragen 122
ff.). Diese Freimütigkeit stützt ebenfalls die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
- 48 -
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin detailliert,
konstant, lebensnah, anschaulich und authentisch ausfielen. Zudem stimmen sie
mit dem Videomaterial überein. Die Aussagen der Privatklägerin sind ohne
Einschränkung glaubhaft. Was die Vorgehensweise des Beschuldigten gegenüber
jungen Frauen anbelangt, decken sich manche Aussagen der Privatklägerin
ferner mit jenen der Zeugin H._. Und nicht zuletzt ergibt sich ebenfalls aus
dem nachstehend zu beurteilenden Fall betreffend die Privatklägerin C._,
dass die zielstrebige Durchsetzung bzw. Erfüllung eigener sexueller Wünsche
gegenüber auch ihm kaum bekannten jungen Frauen dem Beschuldigten nicht
persönlichkeitsfremd ist.
2.10.3. Die Version des Beschuldigten, wonach sich die Privatklägerin nach
Verlassen der Toilette sofort auf ihn gesetzt habe und ihn sozusagen zum Sex
habe verführen wollen, stimmt nicht mit dem Videomaterial überein. Der Anstoss
kam nachweislich von ihm, indem er sie zu sich rief. Der Beschuldigte bestätigte
zudem, dass es seine Idee gewesen sei, in den Kellerbereich zu gehen, damit sie
niemand sehe. Dort unten hatte er erwiesenermassen schon mehrfach mit seiner
Bekanntschaft H._ einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt. Seine
Darstellung, was sich im unteren Bereich abgespielt habe, wonach sich die
Privatklägerin auf den Tisch gelegt habe, ihm die Hosen geöffnet und ihn
aufgefordert habe mit "mach jetzt", wobei er noch versucht habe, sein Glied steif
zu kriegen, dies jedoch nicht geklappt habe und er dann mit einem oder zwei
Fingern in die Vagina eingedrungen sei, erscheint vor diesem Hintergrund
lebensfremd und ziemlich abenteuerlich. Auffallend ist zudem, dass der
Beschuldigte zunächst nicht von sich aus schilderte, dass er mit einem oder zwei
Fingern in ihre Vagina eingedrungen ist. Vielmehr hielt er fest, dass er versucht
habe, spitz zu werden, es aber irgendwie nicht geklappt habe. Sie sei auf dem
Tisch gelegen und er habe versucht, dass er spitz werde und in sie reinkomme,
was nicht gegangen sei, da er ein "Scheiss Gefühl" gehabt habe wegen seiner
Freundin und auch, dass eine Frau nach 10 Minuten schon Sex von ihm wolle. Er
habe kurz ihren Arsch und ihre "Muschi" berührt. Es seien dann cirka 3 Tropfen
auf ihren Arsch gekommen. Erst auf Nachfragen gab er an, dass er mit einem
oder zwei Fingern in die Vagina der Privatklägerin eingedrungen sei, jedoch nicht
- 49 -
mit dem Penis. Sein Glied sei lediglich leicht erigiert gewesen. Dass er nicht mehr
genau weiss bzw. wusste, ob er mit einem oder zwei Fingern in die Vagina
eingedrungen sei, ist hingegen ein vernachlässigbares Detail. Vor
Berufungsgericht stellte er sich dann auf den Standpunkt, die zwei, drei Tropfen
Ejakulat seien wahrscheinlich noch vom nachmittäglichen Sex mit H._
gewesen, welcher einige Stunden zuvor stattfand (Urk. 135 S. 12). Dass er
anstatt mit dem Glied, mit Fingern eingedrungen sei, gab er wiederum nicht an.
Sie hätten versucht, Sex zu haben, was nicht gegangen sei, da er nicht hart
geworden sei. Dann seien sie einfach wieder rausgegangen (Urk. 135 S. 10).
Berücksichtigt man zusätzlich die Aussagen von H._, wonach der
Beschuldigte mit ihr, unter anderem auch an der Street Parade kurz vor dem
Vorfall mit der Privatklägerin, im selben Kellergeschoss Geschlechtsverkehr
gehabt habe, und es sich bei der Zeugin H._ nicht um seine Freundin
handelte, kann dem Beschuldigten auch nicht abgenommen werden, dass er nicht
mit einer anderen Frau als seiner Freundin hätte Sex haben können. Dieses
Argument erweist sich als klare Schutzbehauptung des Beschuldigten. Es kommt
hinzu, dass der Beschuldigte laut der Zeugin H._ damals gar keine feste
Freundin hatte. Schliesslich hat der Beschuldigte in der Hafteinvernahme selber
ausgeführt, dass er daneben (gemeint neben seiner Freundin M._)
Kolleginnen habe, mit denen er auch Sex habe. H._ (H._), welche auf
auch den Videoaufnahmen des Coiffeurgeschäfts vom 11. August 2018 ersichtlich
sei, sei nicht seine Freundin. Sie hätten einfach etwas miteinander gehabt (Urk.
D1/7/2 S. 2).
Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch seine Angabe gegenüber dem
Assistenzarzt J._ anlässlich der körperlichen Untersuchung des
Beschuldigten (Urk. D1/7/13), wonach es dennoch zu einem ungeschützten
Penetrationsversuch bei der Privatklägerin gekommen sei. J._ bestätigte
diese Angaben im Rahmen der Zeugenbefragung ausdrücklich. Es ist mit der
Vorinstanz (Urk. 100 S. 36) zwar davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte
des rechtlichen Terminus "Versuch" nicht bewusst war, jedoch sprach er dennoch
gegenüber dem Assistenzarzt von einem ungeschützten Penetrationsversuch,
- 50 -
was zumindest ein gewichtiges Indiz darstellt, dass er sein laut eigenen Angaben
nicht vollständig erigiertes Glied ungeschützt zumindest an der Vagina der
Privatklägerin positionierte und damit einzudringen versuchte. Ansonsten hätte
dies der Assistenzarzt mit Sicherheit nicht so niedergeschrieben und in der
Zeugenaussage nochmals bestätigt. Damit lassen sich auch die eigenen
Aussagen des Beschuldigten in Einklang bringen (vgl. Urk. D1/7/5 S. 2 f. Fragen
7-19). Dass er mit einem oder mehreren Fingern in die Vagina der Privatklägerin
eingedrungen sei, deponierte der Beschuldigte hingegen gegenüber dem
Assistenzarzt mit keinem Wort.
2.10.4. Nach dem Gesagten lässt sich festhalten, dass die Privatklägerin
mehrfach und glaubhaft ausführte, vom Beschuldigten auf dem Tisch vaginal mit
seinem Penis penetriert worden zu sein. Der Beschuldigte gab an, dass dies gar
nicht möglich gewesen sei, da sein Penis zu wenig hart gewesen sei zum Ein-
zuführen, wobei er auf Nachfragen aussagte, stattdessen mit einem oder zwei
Fingern in die Vagina der Privatklägerin eingedrungen zu sein. Zum einen ist es
durchaus möglich, auch mit einem nicht vollständig erigierten Penis in die Vagina
einzudringen und zum anderen können seine Angaben gegenüber dem
Assistenzarzt J._ nicht mit seinen übrigen Angaben in Überstimmung
gebracht werden. Seine Versionen reichen damit von zunächst kurz am Arsch
und an der "Muschi" berührt bis zum Einführen von einem oder zwei Fingern und
schliesslich zu einem ungeschützten Penetrationsversuch. Die Aussagen des
Beschuldigten fallen insgesamt schwankend und wenig glaubhaft aus. Es ist
gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin erstellt, dass der
Beschuldigte mit dem Penis vaginal in die Privatklägerin eindrang. Das Ganze
dauerte nach überzeugenden Angaben der Privatklägerin nur ein bis zwei
Minuten. Damit lässt sich auch erklären bzw. in Übereinstimmung bringen,
weshalb der Beschuldigte (nur) cirka zwei bis drei Tropfen auf das Gesäss der
Privatklägerin ejakulierte und in der Vagina der Privatklägerin kein Sperma,
sondern lediglich DNA-Spuren des Beschuldigten sichergestellt wurden. Dass der
Beschuldigte davor oder danach noch zusätzlich mit einem oder mehreren
Fingern eingedrungen ist, wird dem Beschuldigten seitens der Staatsanwaltschaft
zwar eventualiter (und zusätzlich) vorgeworfen, die Privatklägerin spricht indessen
- 51 -
nur von einem einmaligen Eindringen mit dem Penis und nie zusätzlich von einem
oder mehreren Fingern bzw. einem mehrfachen Eindringen. Es ist deshalb
erstellt, dass der Beschuldigte mit seinem erigierten Penis ungeschützt in die
Vagina der Privatklägerin eindrang und schliesslich auf das Gesäss der
Privatklägerin ejakulierte.
Die Schilderungen des Beschuldigten überzeugen darüber hinaus auch unter
weiteren Aspekten nicht. Er beschränkte sich nicht etwa darauf, die Sachdar-
stellung des Privatklägerin zu bestreiten, sondern drehte den Vorfall glatt ins
Gegenteil, indem er ihr die Initiative zuschob. Dabei trachtete er offensichtlich
danach, die Privatklägerin A._ schlecht zu reden. So stellte er sie
geradewegs als Nymphomanin dar, die sich nach Erledigung ihrer Notdurft
sogleich auf ihn gestürzt und dann ungeduldig Sex von ihm verlangt habe, indem
sie sich Gesicht an Gesicht, Brust an Brust auf ihn setzte. Kurz darauf im
Untergeschoss soll sie sich mit dem Gesäss gegen den Tisch gelehnt, seine Hose
geöffnet, diese ein wenig runter gezogen, seinen Penis rausgenommen und
versucht haben, ihn spitz zu machen. Bäuchlings auf dem Tisch liegend aber mit
den Füssen am Boden habe sie ihn dann aufgefordert, er solle jetzt machen (Urk.
D1/7/1 S. 3 Frage 13 und S 7 Frage 39). Der Beschuldigte liess durchblicken, fast
ein wenig überfordert gewesen zu sein, u.a. weil eine Frau nach 10 Minuten von
ihm Sex verlangt habe (Urk. D1/7/1 S. 4 Frage 13). Es sei ihm schon komisch
vorgekommen, dass die Privatklägerin gerade Sex gewollt habe (Urk. D1/7/1 S. 5
Frage 25). Auf Vorhalt, er habe die Privatklägerin küssen wollen, sie habe dies
aber verhindern können, führte der Beschuldigte aus, da sie starken Mundgeruch
gehabt habe, habe er sie nicht küssen gekonnt (Urk. D1/6/3 S. 4 Frage 31; Urk.
D1/7/1 S. 7 Frage 36). Unglaubhaft ist ferner, dass die Privatklägerin den
Beschuldigten, wie dieser behauptete, nach dem Verlassen des Geschäfts um
Geld gebeten haben soll (Urk. D1/7/7 S. 18 Frage 113). Auch in den
letztgenannten zwei Punkten sagte der Beschuldigte kurzum gegenteilig aus,
wohl um die Privatklägerin als strapaziös und in negativem Licht erscheinen zu
lassen (Urk. D1/7/1 S. 8 Frage 48). Schliesslich ist dem Beschuldigten nicht
abzunehmen, dass er die Privatklägerin an den Ort zurückgeführt habe, wo sie
sich getroffen hätten und dass man sich bei der Verabschiedung gar noch
- 52 -
umarmte (vgl. Urk. D1/6/3 S. 2 Frage 11; Prot. I S. 48 und Urk. 135 S. 14).
Plausibel ist hingegen die Darstellung der Privatklägerin, wonach man bald nach
Verlassen des Geschäfts getrennte Wege ging. Auf eine angebliche Umarmung
angesprochen empörte sich die Privatklägerin mit den Worten "Das ist nicht wahr,
wie kann man nur" (Urk. D1/7/7 S. 18 Frage 115). Die vom Beschuldigten auf die
Anklagevorwürfe vorgetragenen analogen Gegenpositionen stellen Lügensignale
dar. Gleich verhält es sich mit den genannten Herabwürdigungen der
Privatklägerin.
2.10.5. Wie dargelegt ist der Privatklägerin zu glauben, dass sie mehrfach "nein"
sagte und versuchte, den Beschuldigten, soweit es ihr möglich war, wegzu-
stossen bzw. wegzudrücken. Überdies liess sie ihrem Unmut nach dem Vorfall
freien Lauf, indem sie gegenüber dem Beschuldigten zweimal erwähnte, er sei am
Arsch wenn sie schwanger sei. Unmittelbar nachdem sie zu ihren Freunden
zurückkehrt war, erlitt sie schliesslich einen emotionalen Zusammenbruch und
erstattete Anzeige bei der Polizei. Es verbleiben insgesamt keine vernünftigen
Zweifel, dass der vaginale Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen erfolgte. Zu
prüfen bleibt, ob es für den Beschuldigten erkennbar war, dass das Eindringen mit
dem Penis gegen den Willen der Privatklägerin erfolgte. Die Angabe des
Beschuldigten, die Privatklägerin hätte den ersten Schritt gemacht, wurde bereits
widerlegt. Ansonsten gab er an, sie habe Sex von ihm gewollt und nie nein
gesagt. In diesem Zusammenhang sind die Aussagen von H._ zu
berücksichtigen, welche mehrfach zu Protokoll gab, der Beschuldigte könne ein
"Nein" nicht gut akzeptieren und versuche es trotzdem weiter. Sie habe ihm auch
schon gesagt, dass er lernen müsse, ein "Nein" zu akzeptieren. Der Beschuldigte
probiere es einfach immer wieder, versuche es wie zu erzwingen. Man drücke ihn
weg und er mache einfach weiter. Gleichermassen sagte auch die Privatklägerin
aus, sie habe nicht gewollt und sich weggedreht, nein gesagt und versucht, ihn
wegzudrücken. Er sei aber trotzdem immer wieder gekommen. Er habe Sex mit
ihr gehabt, obschon sie ihm gesagt habe, dass sie dies nicht wolle. Der
Beschuldigte überging damit den verbal und physisch deutlich geäusserten und
für ihn erkennbaren Willen der Privatklägerin, keinen Sex zu wollen, und drang
dennoch mit seinem Penis ungeschützt in die Vagina der Privatklägerin ein, um
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schliesslich auf das Gesäss der Privatklägerin zu ejakulieren. Dass kein Sperma
sondern nur die DNA des Beschuldigten in der Vagina der Privatklägerin
gefunden wurde, ist mithin neutral zu werten, zumal es bei einer Penetration mit
dem Penis ohnehin nicht zwangsläufig zu Spermarückständen in der Vagina
kommen muss.
2.10.6. Zusammengefasst ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz erstellt,
dass der Beschuldigte die Privatklägerin A._ im Kellerbereich des
Coiffeurgeschäfts gegen deren ausdrücklichen und für ihn erkennbaren Willen mit
seinem Penis während ein bis zwei Minuten ungeschützt vaginal penetrierte.
3. Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern
3.1. Allgemeines
Bezüglich der allgemeinen Grundsätze der Sachverhaltserstellung und
Beweiswürdigung kann auf das unter Ziffer 2.1 Ausgeführte verwiesen werden.
3.2. Beweislage
Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass vor Berufungsgericht nicht mehr strittig ist,
dass die sexuellen Handlungen zwar gegen den Willen der Privatklägerin
C._ erfolgten (vgl. Urk. 100 S. 40 ff.), dies jedoch vom Beschuldigten im
Zeitpunkt der Vornahme nicht erkennbar war (vgl. Urk. 100 S. 48 f.). Der
Beschuldigte räumt wie dargelegt nunmehr ein, gewusst zu haben, dass die
Privatklägerin erst 13 gewesen sei, wobei er ihr Alter nicht kontrolliert habe (Urk.
135 S. 16). Die Verteidigung beruft sich diesbezüglich auf eine bewusste
Fahrlässigkeit, zumal der Beschuldigte womöglich aufgrund der Fotos, der
Erscheinung und dem Verhalten der Privatklägerin davon abgehalten worden sei,
eine effektive Kontrolle des Alters vorzunehmen (Urk. 138 S. 11). Zu klären ist
deshalb die Frage, ob sich der Beschuldigte des Alters der Privatklägerin im
Zeitpunkt der Handlungen bewusst war und in Kenntnis des Alters die sexuellen
Handlungen vornahm.
- 54 -
Dafür ist im Folgenden auf den WhatsApp Chatverlauf zwischen der
Privatklägerin und dem Beschuldigten sowie die Aussagen der beiden
einzugehen, wobei die Vorinstanz den Inhalt der relevanten Beweismittel bereits
zutreffend wiedergegeben hat, worauf grundsätzlich zu verweisen ist (Urk. 100 S.
44 ff.). Die nachfolgenden Erwägungen sind demnach als Zusammenfassung und
Rekapitulation zu verstehen.
3.3. WhatsApp Chatverlauf
Der Fotodokumentation des WhatsApp Chatverlaufes zwischen der Privatklägerin
C._ und dem Beschuldigten vom 19. Januar 2018 bis 26. April 2018 ist
sachdienlich zu entnehmen, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten auf
dessen Frage, ob man sich am Folgetag [20. Januar 2018] treffe, schrieb "ja
chömmer". Der Beschuldigte antwortete mit "Meinsh ernst?", worauf die Privat-
klägerin schrieb "Ja aber zerst mun ich der no was sege". Daraufhin schrieb der
Beschuldigte "Ja seg". Die Privatklägerin entgegnete sodann "Ich han ufm
D._ profil 16ni ahgeh müse. Ich bin ned 16ni. Nöd im Uswis aber im Chopf
scho. Das chasch mer glaube. Ich wird erst im Mai 14ni ich hoffe du wetsch jz
trzdm no was mit mir mache". Der Beschuldigte antwortete mit "Also bisch 13nii?",
worauf die Privatklägerin "ja" schrieb. Der Beschuldigte schrieb sodann "Hmm
oke..", worauf die Privatklägerin schrieb "ich chas verstah wenn du jz seisch dass
du kb meh hesch". Der Beschuldigte antwortete mit "Shick mal paar fotis vo dir"
und "Nei nei alles gued (Herz-Emoji) ish nöd schlimm..". Die Privatklägerin fragte
darauf "sicher?" und der Beschuldigte entgegnete "Jaa" und "Shick mal jz".
Woraufhin die Privatklägerin dem Beschuldigten einige Bilder von sich sandte und
der Beschuldigte sich nach Bikini Fotos und der Jungfräulichkeit der Privatklägerin
erkundigte, worauf die Privatklägerin angab, keine Jungfrau mehr zu sein
(Urk. D2/6 S. 2 f.).
3.4. Aussagen der Privatklägerin C._ / Wahrnehmungsbericht
In der delegierten (Video-)Einvernahme vom 5. September 2018 hielt die
Privatklägerin sachdienlich und zusammengefasst fest, dass sie nicht mehr wisse,
ob sie dem Beschuldigten beim Treffen ihr (tatsächliches) Alter gesagt habe. Es
- 55 -
sei möglich, dass sie es ihm zuvor per Whatsapp geschrieben habe. Sie könne
sich nicht mehr genau daran erinnern. Es sei anscheinend kein Problem für ihn
gewesen. Sie wisse nicht mehr, wie er reagiert habe. Beim Treffen hätten sie
nicht mehr über das Alter gesprochen (00:10:38 ff.). Sie sei nicht mehr auf der
Internetplattform "D._". Sie sei cirka eine Woche auf dieser Plattform
gewesen, bevor sie ihn gelikt und er sie angeschrieben habe, wobei sie das nicht
mehr genau wisse. Sie habe normale Fotos mit Kleidern auf dem Profil gehabt.
Sie habe ihr Alter mit 16 angegeben, da es (die App) erst ab 16 Jahren sei. Sie
habe ihm später auf Whatsapp geschrieben, dass sie 13 Jahre alt sei (01:11:00
ff., Urk. D2/4/1+4).
Im Wahrnehmungsbericht der Psychologin E._ vom 5. September 2018,
welcher die Einvernahme beiwohnte, hielt E._ fest, dass die Privatklägerin
äusserlich zwar älter als 14 Jahre wirke, emotional sei sie aber noch kindlich und
entspreche eher ihrem Entwicklungsstand (Urk. D2/4/3).
3.5. Aussagen des Beschuldigten
3.5.1. Anlässlich der Einvernahme vom 30. August 2018 gab der Beschuldigte
sachdienlich an, er habe gewusst, dass die Privatklägerin C._ damals
13 Jahre alt gewesen sei, aber nachdem er sie getroffen habe. Sie habe ihm das
gesagt. Er habe es zuvor nicht gewusst, dass sie 13 Jahre alt gewesen sei. Sie
habe auch nicht wie 13 Jahre alt ausgesehen. Sie habe ihm mal gesagt, dass sie
13 Jahre alt sei, bevor sie sich getroffen hätten. Er habe es ihr aber nicht
geglaubt. Dies, weil die App eigentlich erst ab 18 Jahre genutzt werden könne,
respektive man sich nicht unter 16 Jahre anmelden könne. Die Privatklägerin
habe überhaupt nicht so ausgesehen. Was soll sie in einem App machen,
welches für ältere Leute sei. Er hätte nicht Sex mit einer 13-Jährigen haben
können. Dies sei ein Kind für ihn. Vom Gefühl her. Er habe kein Interesse an so
etwas. Er habe Fotos von der Privatklägerin verlangt und sie habe sie ihm auch
geschickt (Urk. D2/5 S. 4 ff.).
3.5.2. In der Befragung vom 5. Februar 2019 gab der Beschuldigte wiederum an,
er habe nicht gedacht und gewusst, dass sie 13 Jahre alt sei. Er habe gedacht,
- 56 -
dass sie ungefähr so alt sei wie er. Im App "D._" müsse man das Alter
angeben. Er könne sich nicht mehr konkret erinnern. Man könne nach dem Alter
suchen. Er habe gesucht nach dem Alter wie er sei und älteren Frauen, die
mindestens 18 Jahre alt gewesen seien. Jüngere könne man gar nicht suchen.
Dies lasse das System nicht zu. Danach gab er an, er könne sich nicht mehr
genau daran erinnern, von welchem Alter er bei der Privatklägerin ausgegangen
sei. Auf Nachfrage, ob er dies irgendwie überprüft habe, gab er an, er habe sie
einmal gefragt, wie alt sie sei. Sie habe gesagt, sie sei 13 Jahre. Er habe dies
aber nicht wahrgenommen. Er habe es nicht für richtig genommen. Er habe
gedacht, sie mache einen Witz. Was wolle eine 13-Jährige in einer solchen App
machen. Auf Nachfrage, was er gemacht habe, nachdem die Privatklägerin ihm
gesagt habe, dass sie 13 Jahre alt sei, gab er an, er habe Bilder von ihr verlangt.
Er habe die Bilder und ihre Verhältnisse gesehen. Er sei überzeugt gewesen,
dass sie sicher nicht 13 Jahre alt gewesen sei. Er sei davon ausgegangen, dass
sei sicher 16 Jahre alt gewesen sei. Er habe nicht nochmals nachgefragt, weil er
überzeugt gewesen sei, dass sie nicht 13 Jahre alt gewesen sei. Er habe
angenommen, sie sei älter gewesen, 16 Jahre oder gar älter. Er habe gedacht,
sie mache einen Witz, um zu schauen, wie er reagiere. Auf Nachfrage, ob er
neben der Frage nach dem Alter und dem sich zustellen lassen von Fotos keine
weitere Abklärungen getroffen habe, gab der Beschuldigte an, er habe ja auch
gesehen, wie sie geschrieben und sich verhalten habe. Er habe nie gedacht, dass
sie 13 Jahre alt gewesen sei. Auf Vorhalt der Nachricht der Privatklägerin "Ich han
ufm D._ profil 16ni aghe müse. Ich bin ned 16ni ... wird erst im Mai 14ni ... "
entgegnete der Beschuldigte, sich nicht daran erinnern zu können. Es stimme,
dass er geschrieben habe "Also bisch 13ni?". Er habe gedacht, sie sage dies, um
zu schauen, wie er reagiere, und gedacht, dass sie einen Witz mache (Urk.
D1/7/6 S. 14 ff.). Er habe die Privatklägerin cirka zwei bis drei Wochen gekannt
und hätte den Ausweis verlangen können. Er habe dies nicht gemacht, weil er
überzeugt gewesen sei, dass sie schon 16 Jahre alt oder älter sei. So wie sie sich
verhalten und geschrieben habe, ihre Bilder ... Er habe sich auf sein Gespür
verlassen. Die Frage, ob das ausreichend sei, verneinte der Beschuldigte (Urk.
D1/7/6 S. 18). Im Rahmen des Schlussvorhaltes gab er an, er habe im Rahmen
- 57 -
der inkriminierten Tat nicht damit gerechnet, dass die Privatklägerin doch nur 13
Jahre alt hätte sein können (Urk. D1/7/6 S. 21).
3.5.3. Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte an, die Privatklägerin C._ habe
geschrieben, dass sie 13 gewesen sei, glaube er. Nachdem sie das geschrieben
habe, sei er sich zuerst nicht sicher gewesen, ob es stimme, dass sie 13 sei.
Dann habe er Bikini-Bilder von ihr verlangt, um zu sehen, wie alt sie aussehe. Er
habe gedacht, sie mache Witze. Auf diesen Apps müsse man eigentlich 16 oder
18 sein. Sie habe dann Bilder geschickt und er habe andere Bilder in
Unterwäsche verlangt. Er habe gesehen, dass sie ein junge Frau und kein Kind
mehr sei. Er habe gedacht, sie verarsche ihn nur, dass sie 13 sei. Als sie sich
dann am Hauptbahnhof getroffen hätten, habe sich seine Annahme, dass sie über
16 sei, bestätigt. Sie habe ausgesehen wie seine Klassenkameradinnen in
seinem Alter. Er sei überzeugt gewesen, dass sie über 16 sei. Er habe das Alter
nicht nochmals angesprochen. Er sei überzeugt gewesen, dass sie 16 oder älter
sei und sie hätten beide nicht mehr darüber gesprochen. Am Anfang sei das Alter
Thema gewesen, aber dann habe er die Bilder gesehen. Er sei überzeugt
gewesen, dass sie in seinem Alter gewesen sei. Es habe kein Kind mehr sein
können (Prot. I S. 51 ff.). Er hätte vielleicht besser schauen müssen, aber er sei
davon überzeugt gewesen, dass sie [recte: nicht] 13 Jahre sei. Es sei kein Thema
gewesen, einen Ausweis von ihr zu verlangen, als sie sich getroffen haben (Prot. I
S. 56). Er habe gedacht, sie verarsche ihn. Viele würden älter oder jünger aus-
sehen, als sie seien. Am Anfang habe er schon gedacht: ok?, aber nachdem er
die Bilder gesehen habe, sei es kein Thema mehr gewesen. Er habe gedacht, sie
verarsche ihn und mache Witze. Sie tue ihm leid. Hätte er gewusst, dass sie 13
sei, hätte er anders gehandelt. Sie habe es ihm geschrieben, aber er sei davon
überzeugt gewesen, dass sie 16 Jahre alt oder älter sei (Prot. I S. 56).
3.5.4. Im Rahmen der Befragung im Berufungsverfahren führte der Beschuldigte
aus, die Privatklägerin C._ habe ihm gesagt, dass sie 13 Jahre alt sei und er
habe es nicht kontrolliert. Er habe damals gedacht, es sei ein Spass oder eine
Verarsche. Es sei sein Fehler gewesen und er übernehme die Verantwortung
(Urk. 135 S. 15 f.).
- 58 -
3.6. Konkrete Beweiswürdigung
3.6.1. Die Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit der Privatklägerin
C._ und des Beschuldigten sind uneingeschränkt zu teilen und bedürfen
keiner Ergänzung (Urk. 100 S. 47 f.).
3.6.2. Aufgrund des Auszuges aus dem WhatsApp Chatverlauf ist ohne Weiteres
erstellt, dass die Privatklägerin C._ dem Beschuldigten mitteilte, dass sie
nicht 16, sondern erst 13 Jahre alt war. Die Behauptung des Beschuldigten, dies
für einen Witz bzw. eine Verarschung gehalten zu haben (vgl. Urk. 135 S. 17),
vermag nicht zu überzeugen. Dafür bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Mit der
Vorinstanz (Urk. 100 S. 49) ist vielmehr festzuhalten, dass aus der Kommuni-
kationsweise wie die Privatklägerin dem Beschuldigten ihr wirkliches Alter
anvertraute, ersichtlich ist, dass sie befürchtete, der Beschuldigte würde den
Kontakt abbrechen, nachdem er ihr tatsächliches Alter erfuhr. So schrieb sie ihm
auch, dass sie verstehen könne, wenn er jetzt, d.h. in Kenntnis ihres Alters, kein
Interesse ("keinen Bock") mehr habe. Dass sich der Beschuldigte daraufhin Fotos
zusenden liess, um ihre Altersangaben zu prüfen, mag zu treffen. Die
Privatklägerin fragte aber nochmals nach, ob er sicher sei, dass es (ihr Alter) ok
sei, woraufhin der Beschuldigte erneut "Ja" sagte. Dass sich der Beschuldigte
aufgrund dieses Chatverkehrs auf den Standpunkt stellt, die Privatklägerin habe
einen Witz gemacht, ist nicht nachvollziehbar und zu verwerfen. Im Übrigen ist der
Vorinstanz beizupflichten, dass die ernsthafte Verifizierung von Altersangaben
sicherlich nicht mittels Fotos erfolgt, sondern beispielsweise ein Ausweis zu
verlangen ist, sofern begründete Anhaltspunkte wie vorliegend bestanden, dass
die Privatklägerin erst 13 Jahre alt war. Daran ändert auch nichts, dass die
Privatklägerin beim Treffpunkt am Hauptbahnhof nach Auffassung des
Beschuldigten mindestens wie eine 16-Jährige ausgesehen haben soll.
Bezeichnenderweise sagte der Beschuldigte vor Vorinstanz selbst aus, viele
würden älter oder jünger aussehen, als sie es tatsächlich seien. Entsprechend
wäre er auch gehalten gewesen, weitere Abklärungen hinsichtlich des Alters der
Privatklägerin zu treffen, indem er beispielsweise ein Ausweis verlangt hätte. Mit
der Vorinstanz ist deshalb das Vorbringen des Beschuldigten, von einem Witz der
- 59 -
Privatklägerin ausgegangen zu sein, nicht stichhaltig, sondern eine blosse
Schutzbehauptung. Der Beschuldigte hatte Kenntnis vom tatsächlichen Alter der
Privatklägerin. Demnach nahm er die inkriminierten sexuellen Handlungen mit der
damals 13-Jährigen Privatklägerin C._ im Wissen um ihr Alter vor und dass
daher zur Privatklägerin ein Altersunterschied von mehr als drei Jahren bestand
bzw. besteht. Für eine bewusste Fahrlässigkeit besteht entgegen der Auffassung
der Verteidigung kein Raum.
III. Schuldpunkt – Rechtliche Würdigung
1. Vergewaltigung
1.1. Der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB macht sich
strafbar, wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs
nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen
Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht. Eine vollständige
Widerstandsunfähigkeit des Opfers wird nicht verlangt. Stets ist jedoch eine
erhebliche Einwirkung des Täters erforderlich, wobei minderjährigen Personen in
der Regel eine geringere Gegenwehr zuzumuten ist als Erwachsenen. Es genügt
der ausdrückliche Wille, den Geschlechtsverkehr bzw. die sexuellen Handlungen
nicht zu wollen (vgl. BGE 122 IV 97 E. 2b; BGE 119 IV 309 E. 7b). Der
entgegenstehende Wille muss unzweideutig manifestiert werden. Die von der
Rechtsprechung geforderte Gegenwehr des Opfers ist nichts anderes als eine
tatkräftige und manifeste Willensbezeugung, mit welcher dem Täter
unmissverständlich klargemacht wird, mit Geschlechtsverkehr oder sexuellen
Handlungen nicht einverstanden zu sein. Unter dem Nötigungsmittel der Gewalt
ist nicht mehr verlangt als das Mass an körperlicher Kraftentfaltung, das
notwendig ist, um sich über die entgegenstehende Willensbetätigung des Opfers
hinwegzusetzen (BGer 6B_385/2012, Urteil vom 21. Dezember 2012 E. 3.3). So
bejahte das Bundesgericht das Nötigungsmittel der Gewalt in zwei Fällen, in
denen sich der physisch überlegene Täter lediglich auf das Opfer gelegt hatte
(BGer 6S.558/1996, Urteil vom 2. Dezember 1996 E. 3) und sich der Täter mit
seinem Körpergewicht auf das Opfer legte und es aufs Bett drückte (BGer
6P.74/2004, Urteil vom 14. Dezember 2004 E. 9.2). Eine Vergewaltigung ist auch
- 60 -
anzunehmen, wenn die Frau unter dem Druck des ausgeübten Zwangs zum
Voraus auf Widerstand verzichtet oder ihn nach anfänglicher Abwehr aufgibt
(BGE 126 IV 124 E. 3c S. 130).
1.2. Unter dem Beischlaf wird der (abgenötigte) Geschlechtsverkehr mit einer
Frau verstanden (Vaginalverkehr). Ein geringfügiges Eindringen mit dem Glied in
die Scheide des Opfers genügt. Eine Ejakulation ist nicht erforderlich (WEDER in
ORF Kommentar, 20. Aufl. 2018, Art. 190 N 5).
1.3. Vorliegend leitet die Staatsanwaltschaft die Brechung des Willens der
Privatklägerin A._ daraus ab, dass der Beschuldigte die Privatklägerin
bäuchlings mit dem Oberkörper auf dem Tisch positionierte, von hinten in die
Vagina der Privatklägerin eindrang und durch seine Körperkraft verhinderte, dass
sich die Privatklägerin lösen konnte, und dies, obwohl die Privatklägerin dem
Beschuldigten mehrmals erklärt hatte, dass sie das nicht wolle und ihn wegzu-
drücken versuchte. Auch während der Penetration setzte sich die Privatklägerin
verbal ("nein", "bitte nicht") und körperlich, indem sie ihn wegzudrücken ver-
suchte, zur Wehr, musste sich aber letztlich dem ihr körperlich überlegenen
Beschuldigten geschlagen geben. Der Ansicht der Staatsanwaltschaft ist zu
folgen. Der Beschuldigte war der Privatklägerin aufgrund seiner Statur (170 cm
und 60 kg gegenüber 168 cm und 47 kg; vgl. Urk. D1/12/3 und D1/13/2)
kräftemässig überlegen. Zudem gilt es dabei zu berücksichtigen, dass die
Privatklägerin im Tatzeitpunkt unter Cannabis- und Medikamenteneinfluss stand
und im Rahmen der ärztlichen Untersuchung als "leicht beeinträchtigt" eingestuft
wurde (Urk. D1/15/3). Die Vorgehensweise des Beschuldigten, mit der
Privatklägerin in den Kellerbereich zu gehen, sie dort zunächst gegen ein Entgelt
zum Oralverkehr aufzufordern und sie schliesslich bäuchlings auf den Tisch zu
positionieren, um gegen ihren ausdrücklich manifestierten Willen den Beischlaf
vorzunehmen, erfüllt das Nötigungsmittel der Gewalt. Der Beschuldigte war im
Gegensatz zur Privatklägerin mit der Örtlichkeit bestens vertraut und verfügte
damit über einen Wissensvorsprung. Die Privatklägerin wusste nicht, was sie im
Kellerbereich nach dem steilen Treppengang erwartete. Das Licht war zudem
aus. Die Privatklägerin wurde vom Beschuldigten überrumpelt, war in dieser
- 61 -
Situation gefangen und konnte sich aufgrund der Körperkraft des Beschuldigten
nicht mehr befreien. Die Privatklägerin gab an, sie habe sich wie gelähmt gefühlt.
Der Beschuldigte ignorierte gleichzeitig ihren mehrfach geäusserten Willen,
keinen Geschlechtsverkehr zu wollen, sowie ihre Abwehrhandlungen und
erzwang mittels körperlicher Übermacht den Beischlaf. Wie dargelegt genügt
bereits das kurze Einführungen des Glieds in die Vagina für eine vollendete
Vergewaltigung. Es handelt sich mithin um kein Erfolgsdelikt, sodass es zu einer
Ejakulation in der Vagina hätte kommen müssen. Gemäss erstelltem Sachverhalt
führte der Beschuldigte sein Glied in die Vagina der Privatklägerin ein. Die
Kausalität zwischen Nötigungsmittel und Beischlaf ist ebenfalls zu bejahen, da es
der Privatklägerin nicht möglich war, sich zu befreien.
1.4. In subjektiver Hinsicht ist ein vorsätzliches Handeln des Beschuldigten
erforderlich (Art. 12 Abs. 1 und Abs. 2 StGB). Das Vorgehen des Beschuldigten,
mit der Privatklägerin in den Kellerbereich zu gehen, wo er auch gemäss eigenen
Angaben schon öfters sexuelle Handlungen vorgenommen hat, die Privatklägerin
zunächst gegen ein Entgelt zum Oralverkehr aufzufordern und schliesslich – ihre
verbale und körperliche Abwehr missachtend – mit seinem Glied von hinten in die
Vagina der Privatklägerin einzudringen, zeugt von einem eindeutigen Willen, den
Geschlechtsverkehr auch gegen den Willen der Privatklägerin zu vollziehen.
Dabei schreckte der Beschuldigte auch nicht davor zurück, mit seiner Körperkraft
gegen die Privatklägerin vorzugehen, damit diese keinen Widerstand mehr leisten
konnte bzw. diesen dann aufgab. Der Beschuldigte wollte den Beischlaf und
setzte sich über den für ihn erkennbar entgegenstehenden Willen der
Privatklägerin hinweg.
1.5. Der Tatbestand der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB ist
demnach zu bejahen. Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe liegen keine
vor und werden auch nicht geltend gemacht, weshalb der Beschuldigte schuldig
zu sprechen ist.
- 62 -
2. (Mehrfache) sexuelle Handlungen mit Kindern
2.1. Bezüglich der objektiven und subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen
einer sexuellen Handlung mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 100 S. 51). Die Strafbefreiung nach Art. 187 Ziff. 2 StGB gelangt nicht zur
Anwendung, da der Altersunterschied zwischen der Privatklägerin C._ und
dem Beschuldigten mehr als drei Jahre beträgt. Die Subsumtion der Vorinstanz
gibt zu keinen Beanstandungen Anlass (Urk. 100 S. 51 f.). Die erstellten
Tathandlungen des Beschuldigten sind ohne Weiteres als sexuelle Handlungen
zu qualifizieren. Die nachfolgenden Erwägungen sind lediglich punktuell
ergänzende und wiederholende.
2.2. Die Verteidigung des Beschuldigten stellte sich auch im
Berufungsverfahren bis zur Berufungsverhandlung auf den Standpunkt, dass sich
der Beschuldigte in einem nicht vermeidbaren Sachverhaltsirrtum über das
tatsächliche Alter der Privatklägerin befunden habe (Urk. 106). Wie gezeigt ging
der Beschuldigte nicht von einer Fehlvorstellung über das tatsächliche Alter aus.
Seine Ausführungen, wonach er es für einen Witz bzw. eine Verarschung der
Privatklägerin gehalten habe, sind blosse Schutzbehauptungen. Vielmehr
ignorierte er das wahre Alter der Privatklägerin einfach, da ihm die Privatklägerin
offensichtlich aufgrund der Fotos gefiel, bzw. er auf Sex aus war. Der
Beschuldigte wusste, dass die Privatklägerin im Zeitpunkt der Vornahme der
sexuellen Handlungen erst 13 Jahre alt war. Daran ändert selbstredend nicht,
dass sie womöglich älter aussah. Strafbar ist, wenn man mit einem Kind unter 16
Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, unabhängig davon, ob das Kind
tatsächlich wie 16 aussieht, sofern der Täter weiss, dass es erst 13 ist. Überdies
wurde bei der Sachverhaltserstellung bereits dargelegt, dass der Beschuldigte
weitere Abklärungen hinsichtlich des Alters hätte treffen müssen. Es würde daher
ohnehin an der Unvermeidbarkeit des Irrtums mangeln. Die Berufung auf einen
Sachverhaltsirrtum greift mit der Vorinstanz (Urk. 100 S. 52) nach dem Gesagten
nicht. Der Beschuldigte nahm die sexuellen Handlungen damit in Kenntnis des
Alters der Privatklägerin C._ vor. Daran ändert nichts, dass er diesen
- 63 -
Umstand womöglich im Zeitpunkt der Vornahme einfach verdrängte und/oder es
ihm schlicht egal war.
2.3. Zu Recht erkannte die Vorinstanz entgegen dem Dafürhalten der Vertei-
digung (Urk. 138 S. 11 f.) auf eine mehrfache Tatbegehung des Beschuldigten
(Urk. 100 S. 52 f.). Es handelt sich um zwei unabhängig voneinander vorge-
nommene Tathandlungen des Beschuldigten, die sowohl zeitlich, wie auch
räumlich voneinander getrennt stattfanden und die sich auch in qualitativer
Hinsicht stark voneinander unterschieden. Da weder Rechtfertigungs- noch
Schuldausschlussgründe vorliegen, ist der Beschuldigte demnach in Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im
Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Sanktion / Vollzug
1. Allgemeines und Grundsätze zur Strafzumessung
1.1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Prinzipien der Strafzumessung in ihrem
Entscheid grundsätzlich korrekt dargelegt. Darauf kann vorab verwiesen werden
(Urk. 100 S. 56). Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet nunmehr die
Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB. Die Vergewaltigung stellt ein
Verbrechen dar und ist aufgrund des abstrakten Strafrahmens nur mit einer
Freiheitsstrafe zu ahnden, wobei der Strafrahmen von mindestens einem Jahr bis
10 Jahre Freiheitsstrafe geht. Ausserordentliche Umstände, die ein Verlassen des
ordentlichen Strafrahmens aufdrängen, liegen nicht vor.
1.2. Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB bei einer
Mehrzahl von Delikten, wie es vorliegend der Fall ist, ist nur bei gleichartigen
Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen. Das
Asperationsprinzip kommt demnach zur Anwendung, wenn das Gericht im
konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt.
Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen
androhen, genügt nicht (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S.
122). Grundsätzlich kann das Gericht nur auf eine Gesamtfreiheitsstrafe
- 64 -
erkennen, wenn es für jede Tat eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (sog.
konkrete Methode). Sind verschiedene Straftaten zeitlich und sachlich derart eng
miteinander verknüpft, dass sie sich nicht sinnvoll auftrennen und für sich allein
beurteilen lassen, verletzt es gemäss der Rechtsprechung aber kein Bundesrecht,
wenn das Gericht nicht für jedes Delikt eine hypothetische Strafe festsetzt,
sondern diese in einem Gesamtzusammenhang würdigt (Urteil 6B_1011/2014
vom 16. März 2015 E. 4.4).
Wesentliche Kriterien für Wahl der Strafart sind die Zweckmässigkeit der
Sanktion, die Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie die
präventive Effizienz (BGE 134 IV 82 E. 4.1 S. 85; BGE 134 IV 97 E. 4.2 S. 100). Zu berücksichtigen ist deshalb namentlich das Vorleben des Täters. Vorstrafen,
v.a. einschlägige, und ausgefällte Freiheitsstrafen sprechen meist dafür, dass die
nötige präventive Wirkung durch eine blosse Geldstrafe nicht erzielt werden kann.
Dem Verhältnismässigkeitsprinzip folgend, gebührt der Geldstrafe im Zweifel der
Vorrang. Die Freiheitsstrafe wird denn auch als ultima ratio bezeichnet. Hält das
Gericht im Rahmen der Gesamtstrafenbildung für einzelne Delikte im konkret zu
beurteilenden Fall unter Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips eine
Geldstrafe nicht mehr für schuldangemessen und zweckmässig, hat es dies zu
begründen.
1.3. Mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 136 S. 12) und entgegen der
Vorgehensweise der Vorinstanz ist für die mehrfach begangenen sexuellen
Handlungen des Beschuldigten mit der Privatklägerin C._ je eine separate
Einzelstrafe festzulegen. Wie noch zu zeigen sein wird, ergibt die konkrete
Strafzumessung für die sexuellen Übergriffe eine Einzelstrafe über 180
Tateinheiten, weshalb die Ahndung mit einer Geldstrafe schon von Gesetzes
wegen ausscheidet.
1.4. Nachfolgend ist in einem ersten Schritt die Einsatzstrafe für die
Vergewaltigung festzulegen und diese sodann in Anwendung des
Asperationsprinzips für die mehrfach begangenen sexuellen Handlungen mit
Kindern angemessen zu erhöhen.
- 65 -
2. Konkrete Strafzumessung
2.1. Vergewaltigung
2.1.1. Das Vorgehen des Beschuldigten die Privatklägerin A._ in den dunklen
Kellerbereich des Coiffeurgeschäfts mitzunehmen, sie dort zunächst gegen ein
Entgelt zum Oralverkehr aufzufordern und sie schliesslich auf dem Tisch so zu
positionieren, dass sie sich nicht mehr befreien konnte, um dann gegen ihren
deutlich geäusserten und für ihn erkennbaren Willen den Geschlechtsverkehr zu
vollziehen, zeugt von einer nicht unerheblichen kriminellen Energie. Der
Beschuldigte war mit der Örtlichkeit, insbesondere auch der steilen Metalltreppe,
bestens vertraut und verfügte über einen Wissensvorsprung. Die Privatklägerin
befand sich dabei in einer ausweglosen Situation und fühlte sich wie gelähmt. Sie
versuchte sich mehrfach durch Worte (Nein) und körperliche Abwehr
(wegstossen, wegdrücken) zu wehren, so gut es ihr trotz körperlicher Übermacht
des Beschuldigten überhaupt möglich war. Erschwerend hinzu kommt, dass der
Beschuldigte den Geschlechtsverkehr ungeschützt vornahm und die
Privatklägerin dadurch der Gefahr einer Ansteckung mit einer
Geschlechtskrankheit oder einer Schwangerschaft aussetzte. Der Beschuldigte
bediente sich zwar nicht übermässiger Gewalt, was jedoch nur leicht zu seinen
Gunsten zu werten ist, da er die Privatklägerin im dunklen Kellerbereich
überrumpelte und es ihr aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit gar nicht
mehr möglich war, sich irgendwie aus dieser misslichen Lage zu befreien. Die
Vergewaltigung dauerte nur ein bis zwei Minuten. Es liegt kein lange im Voraus
geplantes Delikt vor, sondern ein spontaner Entschluss des Beschuldigten.
Insgesamt wiegt die objektive Tatschwere nicht mehr leicht.
2.1.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigten, dass
der Beschuldigte den vaginalen Geschlechtsverkehr wollte, mithin mit direktem
Vorsatz handelte. Dies lässt sich aus seinem zielgerichteten Vorgehen
schliessen. Da die Privatklägerin ihn nicht oral befriedigen wollte, entschied er
sich zum vaginalen Geschlechtsverkehr. Der Beschuldigte tat dies einzig und
allein zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse und damit aus rein
egoistischem Motiv. Er hatte seinen Sexualtrieb nicht im Griff, obschon er wenige
- 66 -
Stunden zuvor mit H._ bereits Sex im Kellerbereich hatte. Er wusste, dass
die Privatklägerin den Geschlechtsverkehr dezidiert ablehnte und setzte sich
beharrlich und hemmungslos über ihren ausdrücklichen und wiederholt
bekundeten Willen bzw. ihr mehrfaches Nein hinweg. Offenbar entspricht es
einem gängigen Verhaltensmuster des Beschuldigten, ein Nein nicht zu
akzeptieren. Die subjektive Tatschwere wiegt keineswegs mehr leicht und vermag
die objektive Tatschwere leicht zu erhöhen.
2.1.3. Insgesamt ist von einem nicht mehr leichten Tatverschulden auszugehen
und die Einsatzstrafe für die Vergewaltigung auf 36 Monate festzusetzen.
2.2. Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern
2.2.1. Bezüglich der objektiven und subjektiven Tatschwere der ersten sexuellen
Handlungen kann zunächst, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, auf die
dazu inhaltlich zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 100 S. 58 ff.). Ergänzend ist festzuhalten, dass die erste Tathandlung in
Küssen, Berührungen und in der Penetration der Vagina mit einem Fingern bzw.
Fingern bestand, was ein nicht unerheblicher Eingriff in die sexuelle Integrität der
Privatklägerin darstellt. Es liegt zwar kein lange im Voraus geplantes Delikt vor,
dennoch ist aufgrund der Umstände von keinem spontanen Entschluss des
Beschuldigten auszugehen. Das Treffen wurde im Vorfeld vereinbart und der
Beschuldigte liess sich Fotos der Privatklägerin schicken, wobei er namentlich
auch nach Bikini Fotos verlangte, um den Körperbau der Privatklägerin beurteilen
zu können. Zudem sprach er bereits im WhatsApp Chatverlauf von küssen und
signalisierte sein Verlangen gegenüber der Privatklägerin (Urk. D2/6). Das
Verschuldensprädikat hinsichtlich der objektiven Tatschwere wiegt noch leicht.
2.2.2. Bezüglich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte um die Minderjährigkeit der Privatklägerin wusste und trotz Kenntnis
ihres jungen Alters von 13 Jahren die sexuellen Handlungen vornahm. Dies tat er
einzig und allein zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse, mithin aus rein
egoistischem Beweggrund, worin sich auch die zuvor erwähnte Steigerung der
Übergriffe widerspiegelt. Zugunsten des Beschuldigten ist zu berücksichtigen,
- 67 -
dass es für ihn nicht erkennbar war, dass er die Handlungen gegen den Willen
der Privatklägerin vornahm. Die subjektive Tatschwere wiegt insgesamt ebenfalls
nicht mehr leicht und erhöht das objektive Tatverschulden etwas, weshalb eine
Einzelstrafe von rund 6 Monaten resultiert.
2.2.3. Die zweite Tathandlung erfolgte später, indem der Beschuldigte die
Privatklägerin am Verlassen der Toilette hinderte, sie dann mit den Händen im
Vaginalbereich berührte und mit ihr schliesslich während weniger Minuten den
vaginalen Geschlechtsverkehr im Toilettenraum vollzog, was einerseits eine
deutliche Steigerung in der Schwere der sexuellen Handlungen und andererseits
sehr erhebliche Eingriffe in die sexuelle Integrität der Privatklägerin C._
darstellt.
2.2.4. Bezüglich der subjektiven Tatschwere kann auf das Obgenannte verwiesen
werden (Ziffer 2.2.2). Insgesamt ist von einem nicht mehr leichten Verschulden
auszugehen und die Einzelstrafe auf 18 Monate festzusetzen.
2.2.5. In Anwendung des Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe für die Ver-
gewaltigung aufgrund der mehrfach begangenen sexuellen Handlungen mit
Kindern um insgesamt 20 Monate zu erhöhen, weshalb eine Freiheitsstrafe von
56 Monaten resultiert.
2.3. Täterkomponente
Bezüglich der Täterkomponente kann auf die Erwägungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (Urk. 100 S. 60 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte er
aktualisierend aus, dass er seine Coiffeurlehre erfolgreich beendet habe,
monatlich Fr. 3'500.– verdiene und Ende Jahr die Filiale im P._ als
Geschäftsführer übernehmen werde, wobei er wieder bei seinen Eltern lebe (Urk.
135 S. 2). Der Beschuldigte verfügt über keine Vorstrafen (Urk. 123). Der
Beschuldigte hatte trotz seines jugendlichen Alters volle Einsicht in das Unrecht
seiner Taten, weshalb es entgegen der Vorinstanz (Urk. 100 S. 61) nicht
angezeigt ist, dafür eine Strafminderung vorzunehmen. Die Biografie ist
strafzumessungsneutral zu werten.
- 68 -
2.4. Nachtatverhalten
Leicht strafmindernd zu berücksichtigen ist, dass sich der Beschuldigte teilweise
geständig zeigte. In beiden Fällen wurde konstant behauptet, die sexuellen
Handlungen seien einvernehmlich gewesen. Zudem stellte sich der Beschuldigte
durchwegs auf den Standpunkt, sich des Alters der Privatklägerin C._ im
Zeitpunkt der Vornahme der Handlungen nicht bewusst gewesen zu sein, wobei
er erst in der Berufungsverhandlung einräumte, einen Fehler begangen zu haben,
indem er das Alter der Privatklägerin C._ nicht kontrolliert habe. Die
Penetration der Privatklägerin A._ mit seinem Glied stellte er durchwegs in
Abrede.
Ansonsten zeigte der Beschuldigte weder Einsicht in das Unrecht seiner Taten
noch bekundete er aufrichtige Reue. Hinsichtlich der Privatklägerin A._
erklärte der Beschuldigte lediglich, es tue ihm leid, wenn sie sich das (gemeint:
nicht einverstanden gewesen zu sein) vorstelle, aber es sei nicht so abgelaufen,
wie sie es sage (Urk. D1/7/6 S. 4 Fragen 21 f.) resp. es tue ihm wirklich leid, dass
die Privatklägerin so empfinde (Prot. I S. 49). Ähnlich äusserte sich der
Beschuldigte zur Privatklägerin C._: Es tue ihm wirklich leid, wenn sie sich
verletzt fühle (Urk. D1/7/6 S. 13 f.) bzw. sie tue ihm sehr leid (Prot. I S. 56). Darin
liegt keine echte Reue.
2.5. Strafempfindlichkeit
Anhaltspunkte für eine erhöhte Strafempfindlichkeit sind beim Beschuldigten
nicht ersichtlich. Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass jedes
Strafverfahren neben dem Schuldspruch und der Sanktion zusätzliche
Belastungen mit sich bringt. Einschränkungen im sozialen und beruflichen Umfeld
sind eine gesetzmässige Folge jeder freiheitsbeschränkenden Sanktion (Urteil
6B_301/2019 vom 17. September 2019 E. 1.4.1 mit Hinweisen). Aussergewöhn-
liche Umstände, die das durchschnittliche Mass übersteigen, sind beim jungen
und gesunden Beschuldigten nicht gegeben.
- 69 -
2.6. Fazit
Die Täterkomponente führt zu einer leichten Strafsenkung. Unter Berücksich-
tigung sämtlicher strafzumessungsrelevanter Faktoren ist der Beschuldigte mit
einer Freiheitsstrafe von 4 1⁄4 Jahren zu bestrafen.
3. Anrechnung der Haft bzw. Ersatzmassnahmen
Der Beschuldigte befand sich vom 12. August 2018 bis 6. September 2018, mithin
insgesamt 26 Tage in Untersuchungshaft (Urk. 12/10). Gestützt auf Art. 51 StGB
ist dem Beschuldigten die erstandene Haft an die Strafe anzurechnen. Die von
der Vorinstanz vorgenommene Berechnung von 4 weiteren Tagen, welche durch
Ersatzmassanahmen abgegolten seien, ist nicht zu bestanden und zu bestätigen
(Urk. 100 S. 62 f.). Entsprechend sind dem Beschuldigten insgesamt 30 Tage
als durch Haft bzw. Ersatzmassnahmen erstanden an die Freiheitsstrafe von
4 1⁄4 Jahren anzurechnen.
4. Mehrfache Pornografie
4.1. Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass für die mehrfache
Pornografie eine separate Geldstrafe auszusprechen ist (vgl. Urk. 100 S. 55 f.).
Bezüglich der objektiven und subjektiven Tatschwere kann zunächst auf die
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 100 S. 63 f.), wobei die
hypothetische Einsatzstrafe von insgesamt 90 Tagessätzen zu tief ausfällt.
Zutreffend ist, dass für die Filmdatei Nr. 1, welche einen kleinkindlichen Jungen
zeigt, zunächst eine Einsatzstrafe festzulegen ist, wobei die von der Vorinstanz
festlegte Höhe von 30 Tagessätzen nicht zu beanstanden ist. Der Beschuldigte
besass indessen weitere 4 Datenträger (Bild- oder Videodatei) mit
hartpornografischen Inhalt, welche er zu unterschiedlichen Zeitpunkten (Zeitraum
von 1 1⁄2 Jahren) empfangen hat. Zudem versandte er je eine Bild- sowie eine
Videodatei. Die dafür vorgenommene Asperation der Vorinstanz um nur 60
Tagessätze ist aufgrund der objektiven Tatschwere zu tief, obschon die subjektive
- 70 -
Tatschwere insgesamt noch leicht ausfällt. Die hypothetische Einsatzstrafe ist auf
120 Tagessätze festzulegen.
4.2. Betreffend die Täterkomponente kann auf das oben Ausgeführte verwiesen
werden (Ziffer 2.3). Strafmindernd ist zu berücksichtigen sind, dass sich der
Beschuldigte von Beginn an geständig zeigte, wobei die Beweislast erdrückend
war. Weiter ist ihm sein teilweise noch minderjähriges Alter beim Empfang der
Dateien zu Gute zu halten, weshalb es sich rechtfertigt, die Einsatzstrafe auf
100 Tagessätze Geldstrafe zu reduzieren.
4.3. Bezüglich der Grundlagen zur Bestimmung der Tagessatzhöhe kann auf
die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 100 S. 64
f.). Da der Beschuldigte mittlerweile seine Lehre abschloss, ein Einkommen von
Fr. 3'500.– Netto erzielt und bei seinen Eltern lebt, ist die Tagessätzhöhe
aufgrund der aktuellen finanziellen Verhältnisse auf Fr. 80.– zu bemessen.
4.4. Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten für die mehrfache Pornografie mit
einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 80.– zu bestrafen.
5. Vollzug
5.1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe
von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht
notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Bei Freiheitsstrafe von mindestens
einem Jahr bis höchstens drei Jahren ist der teilbedingte Vollzug zu prüfen
(Art. 43 Abs. 1 StGB).
5.2. Da vorliegend eine Freiheitsstrafe von 4 1⁄4 Jahren auszusprechen ist, ist
die Freiheitsstrafe bereits von Gesetzes wegen zu vollziehen.
5.3. Die Geldstrafe für die mehrfache Pornografe ist aufgrund der Vorstrafen-
losigkeit des Beschuldigten bedingt auszusprechen und die Probezeit auf das
gesetzliche Minimum von zwei Jahren festzulegen (Art. 44 Abs. 1 StGB).
- 71 -
V. Tätigkeitsverbot
Da der vorinstanzliche Schuldspruch wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit
Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu bestätigen ist, ist auch die
Anordnung des Tätigkeitsverbotes nach Art. 67 Abs. 3 aStGB gegenüber dem
Beschuldigten unter Verweis auf die ausführliche und zutreffende Begründung der
Vorinstanz ohne Weiteres zu bestätigen (Urk. 100 S. 67 f.).
Der Beschuldigte ist mithin für die Dauer von 10 Jahren mit einem Tätigkeits-
verbot im Sinne von Art. 67 Abs. 3 aStGB zu belegen. Ihm ist jede berufliche und
jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu
Minderjährigen umfasst, für diese Dauer zu verbieten.
VI. Landesverweisung
1. Ausgangslage und rechtliche Grundlagen
1.1. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass der Beschuldigte trotz des erst
kurzen Aufenthalts in der Schweiz (rund 4 1⁄2 Jahre) wirtschaftlich und sozial
integriert sei. Eine Landesverweisung hätte für ihn den Verlust seines vertrauten
Umfelds, vorweg seiner Familie, und auch den Verlust seiner Arbeitsstelle zur
Folge. Zudem müsste der Vollzug der Landesverweisung möglicherweise auf-
geschoben werden, da die Migrationsbehörden die vorläufige Aufnahme des
Beschuldigten damit begründeten, dass eine Rückkehr in sein Heimatland im
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zumutbar sei (Urk. 100 S. 72). Die Vorinstanz
bejahte das Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalles im Sinne von
Art. 66a Abs. 2 StGB, erachtete indessen das öffentliche Interesse an einer
Landesverweisung des Beschuldigten als überwiegend (Urk. 100 S. 73 f.). Die
Höhe der Landesverweisung setzte die Vorinstanz auf 7 Jahre fest und ordnete
die Ausschreibung im Schengener Informationssystem an (Urk. 100 S. 74 f.).
1.2. Die Staatsanwaltschaft beantragt im Berufungsverfahrens die Anordnung
einer Landesverweisung von 10 Jahren (Urk. 102). Die Verteidigung des
Beschuldigten beruft sich auf einen schweren persönlichen Härtefall des
- 72 -
Beschuldigten, welcher das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung
überwiege (Urk. 106).
1.3. Das Gericht verweist den Ausländer, der – wie der Beschuldigte –
wegen Straftaten im Sinne von Art. 190 StGB (Vergewaltigung), Art. 187 Ziff. 1
StGB (sexuelle Handlung mit Kindern) und Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB
(Pornografie) verurteilt wird, unabhängig von der Höhe der Strafe für 5-15
Jahre aus der Schweiz (Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB). Die obligatorische Landes-
verweisung wegen einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB greift
grundsätzlich unabhängig von der konkreten Tatschwere (BGE 146 IV 105
E. 3.4.1). Sie muss zudem unabhängig davon angeordnet werden, ob die
Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt ausgesprochen wird (BGE 146
IV 105 E. 3.4.1; Urteil 6B_560/2020 vom 17. August 2020 E. 1.1.1).
Gemäss Art. 66a Abs. 2 Satz 1 StGB kann das Gericht von einer Landesver-
weisung "ausnahmsweise" und unter den kumulativen Voraussetzungen ab-
sehen, dass diese (1) für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall
bewirken würde und (2) die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung
gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz
nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von Ausländern
Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind
(Art. 66a Abs. 2 Satz 2 StGB). Die Härtefallklausel ist restriktiv anzuwenden. Das
Gericht hat dabei die öffentlichen und privaten Interessen gegeneinander
abzuwägen. Dies kann kriteriengeleitet nach der Bestimmung über den
"schwerwiegenden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung
vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
(VZAE; SR 142.201) erfolgen. Art. 31 Abs. 1 VZAE ist indes nicht
abschliessend. Da die Landesverweisung strafrechtlicher Natur ist, sind auch
strafrechtliche Elemente wie die Aussichten auf soziale Wiedereingliederung
des Täters in die Interessenabwägung miteinzubeziehen (BGE 146 IV 105
E. 3.4.2 S. 108 mit Hinweisen). Zu berücksichtigen sind namentlich der Grad
der (persönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre
Bindungen des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat,
- 73 -
Aufenthaltsdauer und Resozialisierungschancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr
und wiederholten Delinquenz Rechnung zu tragen. Dabei darf das Gericht
auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB begangene Straftaten
berücksichtigen (Urteil 6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.2.2).
1.4. Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2
StGB ist in der Regel bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den
Anspruch des Ausländers auf das in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerte
Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens auszugehen (Urteil
6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.3.1 mit Hinweisen). Zum durch Art. 8
EMRK geschützten Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, das heisst
die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern. Andere
familiäre Verhältnisse fallen in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK, sofern eine
genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung besteht. Hinweise für
solche Beziehungen sind das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt,
eine finanzielle Abhängigkeit, speziell enge familiäre Bindungen, regelmässige
Kontakte oder die Übernahme von Verantwortung für eine andere Person. Bei
hinreichender Intensität sind auch Beziehungen zwischen nahen Verwandten wie
Geschwistern oder Tanten und Nichten von Bedeutung, doch muss in diesem Fall
zwischen der über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügenden Person und
dem um die Bewilligung nachsuchenden Ausländer ein über die üblichen
familiären Beziehungen bzw. emotionalen Bindungen hinausgehendes,
besonderes Abhängigkeitsverhältnis bestehen (BGE 144 II 1 E. 6.1 S. 12 f. mit
Hinweisen).
Der Anspruch auf Achtung des Familienlebens gilt nicht absolut. Die Staaten sind
auch nach dieser Rechtsprechung berechtigt, Delinquenten auszuweisen; berührt
die Ausweisung indes Gewährleistungen von Art. 8 Ziff. 1 EMRK, ist der Eingriff
nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu rechtfertigen. Auch hier ist eine Würdigung der
gesamten Umstände im Einzelfall erforderlich (zum Ganzen: Urteil 6B_1070/2018
vom 14. August 2019 E. 6.3.3 und 6.3.4; je mit Hinweisen).
Mit der Vorinstanz (Urk. 100 S. 70) sind die Schwierigkeiten, die der Beschuldigte
im Falle seiner Rückführung in sein Zielland möglicherweise zu gewärtigen hätte,
- 74 -
bei der geforderten Gesamtbetrachtung der massgeblichen Aspekte, welche
einen persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB zu begründen
vermögen, mit zu berücksichtigen. Dies ergibt sich einerseits aus der gemischten
Rechtsnatur der Landesverweisung, welche auch migrationsrechtliche Elemente
enthält, und anderseits aus dem Umstand, dass eben eine umfassende Prüfung
der persönlichen Verhältnisse zu erfolgen hat. Ist als erstellt zu betrachten, dass
der Beschuldigte im Falle der Rückführung in sein Zielland mit hoher
Wahrscheinlichkeit Folter oder unmenschlicher Behandlung ausgesetzt wäre, so
müsste man wohl auch bei sonst schwachem Bezug zur Schweiz von einem
persönlichen Härtefall ausgehen. Dieser würde aber noch nicht zum Verzicht auf
die Anordnung einer Landesverweisung führen, sondern nur, aber immerhin, zur
Abwägung dieser privaten Interessen mit den öffentlichen. Der Verweis auf eine
allgemein problematische Situation im Zielland ist unter gewissen besonderen
Umständen ebenfalls im Rahmen der Gesamtwürdigung der persönlichen
Verhältnisse zu berücksichtigen, wird aber für sich allein in der Regel nicht zur
Annahme eines Härtefalles führen können. Solche nicht direkt mit der Person des
Beschuldigten zusammenhängende Probleme sind hauptsächlich im Rahmen des
Vollzugs zu berücksichtigen. Das Gericht wird allein mit dieser Begründung nicht
von einer Landesverweisung absehen, sondern die Vollzugsbehörde hat in
Anwendung von Art. 66d StGB die Möglichkeit und die Pflicht, die
Landesverweisung gegebenenfalls einstweilen auszusetzen. Zu betonen ist, dass
sich solche Zustände im Zielland ohnehin ändern können.
2. Härtefallprüfung
2.1. Es ist erstellt, dass der Beschuldigte drei Katalogtaten nach Art. 66a Abs. 1
lit. h StGB begangen hat, die grundsätzlich eine Landesverweisung nach sich
ziehen müssen. Davon kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn beim
Beschuldigten ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt und das private
Interesses gegenüber dem öffentlichen Interesse an einer Landesverweisung
überwiegt.
Der Beschuldigte kam anfangs April 2015 im Alter von fast 16 Jahren im Rahmen
eines Asylverfahrens in die Schweiz. Sein Asylgesuch ist rechtskräftig abge-
- 75 -
wiesen und die vorläufige Aufnahme verfügt worden. Er ist demnach weder hier
geboren noch aufgewachsen, sondern hat in Syrien 9 Jahre lang die Schulde
besucht und wurde in seinem Heimatland sozialisiert. Dort hat er die prägenden
Kinder- und einen Teil seiner Jugendjahre verbracht. Er hat demnach die meiste
Zeit seines Lebens ausserhalb der Schweiz verbracht, weshalb grundsätzlich ein
strenger Massstab anzuwenden ist. Zu berücksichtigen ist indessen, dass seine
Familie und die Verwandten des Beschuldigten ebenfalls in der Schweiz leben
und teilweise eingebürgert sind (Prot. I S. 34 ff.). Der Beschuldigte besuchte
Deutschkurse, absolvierte das 10. Schuljahr, machte eine Coiffeur Ausbildung im
Geschäft seines Onkels, welche er inzwischen erfolgreich abschloss und dort nun
zu 100% als Coiffeur arbeitet (Urk. 135 S. 2 f.; Urk. 139/1+2). Er lebte er von der
Sozialhilfe und auch sein Mietanteil wurde von der AOZ übernommen (Prot. I
S. 37 f.). Als ausgebildeter Coiffeur verdient er mittlerweile brutto Fr. 4'000.–
(Urk. 139/2) und ist nicht mehr auf eine finanzielle Unterstützung angewiesen
(Urk. 135 S. 3). Allein der Umstand, dass der Beschuldigte sehr gut
Schweizerdeutsch spricht, begründet indes keine besondere Integration (Urteil
des Bundesgerichts 6B_1394/2019 vom 17. Juli 2020 E. 4.2.2). Der Beschuldigte
durfte zudem als vorläufiger Aufgenommener zu keiner Zeit von einem gefestigten
Anwesenheitsrecht in der Schweiz ausgehen. Der Beschuldigte konnte zwar
relativ schnell beruflich in der Schweiz Fuss fassen, wobei es sich bei seiner
Ausbildungsstelle um das Geschäft seines Onkels handelte und wo ebenfalls die
meisten seiner Brüder als Coiffeure tätig sind. Auch nach der abgeschlossenen Lehre arbeitet der Beschuldigte weiterhin dort. Sowohl seine Ausbildung als auch
die anschliessende Berufstätigkeit des Beschuldigten spiel(t)en sich
hauptsächlich im familiären Umfeld und damit in einem geschützten Rahmen ab.
Sodann lebt der Beschuldigte mit seinen Eltern zusammen. Innerhalb seiner in
der Schweiz wohnenden Familie – wozu neben den Eltern und den Geschwistern
gemäss seiner Darstellung auch Onkel, Tanten und seine Grossmutter zählen –
ist der Beschuldigte sozial und beruflich vernetzt. Ob er in der Schweiz auch
ausserhalb seiner angestammten Familie über ein gefestigtes Sozialnetz verfügt
bzw. hierorts in persönlicher Hinsicht besonders integriert ist, ist indessen fraglich.
So gab er selbst an, die meisten Leute über das Geschäft kennengelernt zu
- 76 -
haben und zwei gute Kollegen zu haben (Urk. 135 S. 4). Seine guten
Deutschkenntnisse allein begründen wie gesehen keine besondere Integration.
Eine etablierte bzw. eigenständige wirtschaftliche Integration in der Schweiz
besteht jedenfalls nach dem Gesagten nicht, zumal der Beschuldigte bis vor
kurzem von der AOZ Unterstützung bezog. Da der mittlerweile 21-jährige
Beschuldigte mit Kultur und Mentalität in seinem Heimatland vertraut ist und
Arabisch sowie Kurdisch spricht, er eine abgeschlossene Berufslehre besitzt und
einige Berufserfahrung hat, ist eine berufliche Eingliederung auch in Syrien
gewiss möglich und stellt – selbst bei eventuellen anfänglichen Schwierigkeiten –
keinen unzumutbaren Eingriff in seine persönlichen Verhältnisse dar. In Syrien
verfügt(e) er zumindest gemäss seinen Angaben vor Vorinstanz über seinen
früheren Kollegenkreis (Prot. I S. 37 ff.) und damit über mehrere soziale
Anknüpfungspunkte, obschon er im Berufungsverfahren dann angab, in Syrien
keine Kontakte bzw. Freunde mehr zu haben (vgl. Urk. 135 S. 4). Dass ein Leben
in der Schweiz vor allem wirtschaftlich komfortabler sein dürfte als in seinem
Heimatland Syrien, begründet keinen Härtefall.
Der Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK
gilt wie gezeigt nicht absolut. Insbesondere steht beim Beschuldigten keine
Kernfamilie, d.h. eine Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen
Kindern, zur Diskussion. Insgesamt wiegt der Eingriff in den Anspruch des
Beschuldigten auf Achtung seines Privat- und Familienlebens nicht allzu schwer.
Es ist den Beteiligten zumutbar, die Beziehung zum Beschuldigten während der
Dauer einer Fernhaltung auf telefonischem resp. elektronischem Weg aufrecht zu
erhalten. Es ist auch nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte von einer
Ausweisung schwerer betroffen wäre als dies üblicherweise der Fall ist bei
Personen, die sich erst gut 6 Jahre in der Schweiz aufhalten. Der Beschuldigte ist
jung, gesund, unverheiratet und kinderlos. Individuell konkret gefährdende
Umstände in seinem Heimatland
– nur solche sind massgebend, nicht die generelle Lage (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts 6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020 E. 1.3.6) – sind weder erkennbar
noch wurden solche (substantiiert) vorgebracht. Allfällige Vollzugshindernisse
- 77 -
wären wie dargelegt zu gegebener Zeit von der zuständigen Behörde zu prüfen.
Ein schwerer persönlicher Härtefall ist zu verneinen.
2.2. Im Übrigen hat der Gesetzgeber mit Art. 121 Abs. 3-6 BV und Art. 66a ff.
StGB eine Verschärfung der zuvor geltenden ausländerrechtlichen Recht-
sprechung angestrebt (BGE 145 IV 55 E. 4.3; 144 IV 332 E. 3.3.1 und 3.3.3;
Urteile des Bundesgerichts 6B_1424/2019 vom 15. September 2020 E. 3.4.1 und
6B_1394/2019 vom 17. Juli 2020 E. 4.2.2), sodass der Verzicht auf eine
Landesverweisung wegen eines persönlichen Härtefalls nur mehr
ausnahmsweise in Frage kommt.
Selbst wenn man aufgrund der familiären Bindungen des Beschuldigten in der
Schweiz von einem schweren persönlichen Härtefall ausgehen würde, muss
letztlich die Interessenabwägung – namentlich angesichts der Schwere der Taten,
für welche sich der Beschuldigte zu verantworten hat – zugunsten der klar
überwiegenden öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausfallen (vgl. dazu hernach
Ziffer 3).
Auch unter dem Aspekt des Non-Refoulement Gebots ergibt sich entgegen den
Ausführungen der Verteidigung (vgl. Urk. 138 S. 21) kein schwerer persönlicher
Härtefall, der der Anordnung einer Landesverweisung entgegenstehen würde.
Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt kann nicht als erstellt erachtet werden, dass
der Beschuldigte im Falle der Rückführung in sein Zielland mit hoher
Wahrscheinlichkeit Folter oder unmenschlicher Behandlung ausgesetzt wäre. Die
politische Situation im Zielland kann sich innerhalb des für die Landesverweisung
relevanten Zeitraums von 5 - 15 Jahren massgeblich ändern, ebenso während der
Dauer der vorab zu vollziehenden Freiheitsstrafe. Ein im Zeitpunkt des Vollzuges
einer (allfällig auszusprechenden) Landesverweisung vorhandenes
Vollzugshindernis wird gegebenenfalls von den Vollzugsbehörden im Rahmen
von Art. 66d StGB zu berücksichtigen sein (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichtes
6B_423/2019 vom 17. März 2020 E. 2.2).
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3. Öffentliches Interesse
3.1. Nach der gesetzlichen Systematik ist die obligatorische Landesverweisung
zwingend anzuordnen, wenn die Katalogtaten einen derartigen Schweregrad
erreichen, dass die Landesverweisung zur Wahrung der inneren Sicherheit
notwendig erscheint (Urteil 6B_627/2018 vom 22. März 2019, Erw. 1.6.2. m.H.).
Oder mit anderen Worten: Je schwerer die infrage stehenden Delikte bzw. die
ausgesprochenen Strafen sind, desto höher hat das persönliche Interesse an
einem Verbleib zu sein, damit ein ausnahmsweiser Verzicht auf die
Landesverweisung überhaupt erst in Frage kommen kann (OFK StGB-
HEIMGARTNER, 20. Aufl. 2018, Art. 66a N 6). Wird auf ein überwiegendes
öffentliches Interesse erkannt, ist das konkrete Ausmass der persönlichen Härte
nicht mehr ausschlaggebend.
Die Beurteilung des Fernhalteinteresses lässt sich strafrechtlich nur in der Weise
vornehmen, dass auf die verschuldensmässige Natur und Schwere der
Tatbegehung, die sich darin manifestierende Gefährlichkeit des Täters für die
öffentliche Sicherheit und auf die Legalprognose abgestellt wird (Urteil
6B_627/2018 vom 22. März 2019, Erw. 1.6.2. m.H.). Da hierbei eine
Gesamtbetrachtung des deliktischen Verhaltens bis im Urteilszeitpunkt
ausschlaggebend ist, können auch Delikte Berücksichtigung finden, welche keine
Katalogtaten darstellen oder aus anderen Gründen für sich allein keine
Landesverweisung rechtfertigen würden (Urteil 6B_1044/2019 vom 17. Februar
2020 E. 2.4.1. m.H.). Ausgangspunkt und Massstab für die ausländerrechtliche
Interessenabwägung ist die Schwere des Verschuldens, die sich in der Dauer der
verfahrensauslösenden Freiheitsstrafe niederschlägt; auch eine einmalige Straftat
kann eine aufenthaltsbeendende Massnahme rechtfertigen, wenn die
Rechtsgutverletzung schwer wiegt (BGE 145 IV 364 E. 3.5.2).
Zum öffentlichen Interesse ist festzuhalten, dass der Beschuldigte gleich drei
Katalogtaten verübt hat und für seine Delinquenz – nebst einer Geldstrafe für
ebenfalls eine begangene Katalogtat – mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe zu
belegen ist. Hierbei ist klar zu statuieren, dass das öffentliche Interesse der
Schweiz, einen Sexualstraftäter wegzuweisen, welcher wenige Jahre nach seiner
- 79 -
Einreise hinsichtlich der Deliktsschwere klar eskalierend gegen elementare
Grundregeln wie das Recht von Kindern bzw. Frauen auf ungestörte und
eigenbestimmte sexuelle Entwicklung bzw. sexuelle Selbstbestimmung
verstossen hat, als sehr hoch einzuschätzen ist. Art. 121 Abs. 3 BV hält
namentlich fest, dass Ausländerinnen und Ausländer unabhängig von ihrem
ausländerrechtlichen Status ihr Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf
Aufenthalt in der Schweiz verlieren, wenn sie (u.a.) wegen einer Vergewaltigung
oder eines anderen schweren Sexualdelikts wie der sexuellen Handlungen mit
Kindern verurteilt werden. Vorliegend hat sich der Beschuldigte gleich zweier
Verbrechen schuldig gemacht. Mithin ist Deliktsmehrheit und – hinsichtlich Art.
187 StGB – mehrfache Tatbegehung gegeben. Insgesamt handelt es sich um
schwere Delinquenz. Daran ändert nichts, dass das Verschuldensprädikat jeweils
auf "nicht mehr leicht" lautet. Damit wird lediglich eine Bewertung innerhalb der
weiten Strafrahmen vorgenommen. Hinzu gesellt sich der Schuldspruch wegen
mehrfacher Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 StGB (erster und zweiter
Satz).
Die Vorinstanz wies daher zu Recht darauf hin, dass beim Beschuldigten die
Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse einen hohen Stellenwert einnimmt und
er nicht davon zurückschreckt, diese Bedürfnisse mit Nachdruck umzusetzen
(vgl. Urk. 100 S. 74). Der Beschuldigte hat offensichtlich Mühe damit, seinen
Sexualtrieb unter Kontrolle zu halten und eine ablehnende Haltung von Frauen zu
akzeptieren.
Bei dieser Ausgangslage steht eine gewisse Rückfallgefahr im Raum, ohne dass
eine eigentliche Schlechtprognose gestellt werden muss. Dass sich seit den
Anlasstaten an der vom Beschuldigten ausgehenden Gefährdung der öffentlichen
Sicherheit Wesentliches verändert hätte ist nicht ersichtlich. Im Gegenteil: Der
Beschuldigte war damals wie heute familiär eingebettet, befand sich in geordneter
Wohnsituation mit einem älteren Bruder, es war finanziell für ihn gesorgt und sein
beruflicher Werdegang war aufgegleist. Seine Lebenssituation gestaltete sich
damals weder schwieriger noch instabiler als aktuell, so dass sich die Taten nicht
etwa mit fehlendem Halt, Gruppendruck oder sonst schlechtem äusserem Einfluss
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auf ihn erklären liessen. Als der Beschuldigte die vorliegend zu beurteilenden
Taten beging, war er zudem bereits volljährig und in seiner Persönlichkeit
praktisch gereift. Die Situation ist daher in keiner Weise vergleichbar mit
übermütigem Experimentieren durch kaum in die Pubertät gelangte Jugendliche.
Dass sich der Beschuldigte, soweit ersichtlich, nach den vorliegend zu
beurteilenden Taten wohl verhalten hat, stellt keine besondere Leistung dar und
vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Vielmehr darf ein
Wohlverhalten während laufendem Strafverfahren erwartet werden. Ebenso wenig
kann der Beschuldigte aus seiner Vorstrafenlosigkeit etwas für sich ableiten.
Denn es ist als Normalfall anzusehen, dass eine junge Person noch keine
Vorstrafen erwirkt hat, dies insbesondere, wenn sie sich erst seit relativ kurzer
Zeit in der Schweiz aufhält.
Damit ist im Ergebnis festzuhalten, dass das öffentliche Interesse an einer
Landesverweisung des Beschuldigten seine persönlichen Interessen an einem
Verbleib in der Schweiz deutlich überwiegt, weshalb der Beschuldigte des Landes
zu verweisen ist.
4. Dauer der Landesverweisung
Da der Beschuldigte sowohl der Vergewaltigung und der mehrfachen sexuellen
Handlungen mit Kindern schuldig zu sprechen ist und mit einer Freiheitsstrafe von
4 1⁄4 Jahren zu belegen ist, ist er dem Verschulden entsprechend für 9 Jahre des
Landes zu verweisen.
5. Ausschreibung im Schengener Informationssystem
In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, wenn auch mit leicht abweichender
Begründung, ist die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener
Informationssystem anzuordnen (Urk. 100 S. 75). Der Beschuldigte ist
Drittstaatangehöriger und verfügt in keinem anderen Schengener-Mitgliedstaat
über ein Aufenthaltsrecht. Da vom Beschuldigten nach wie vor eine Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht und sich sein Verschulden sowohl
hinsichtlich der Vergewaltigung als auch hinsichtlich der mehrfachen sexuellen
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Handlungen mit Kindern als nicht mehr leicht erweist, ist zwingend die
Ausschreibung im Schengener Informationssystem anzuordnen (BGE 146 IV 172
E. 3.2.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1178/2019 vom 10. März 2021 E. 4.4.3.,
4.6. und 4.7.1.).
VII. Zivilforderungen
1. Allgemeines
1.1. Bezüglich der allgemeinen Voraussetzungen von Schadenersatz und einer
Genugtuung sowie der Möglichkeit, als geschädigte Person Zivilforderungen
adhäsionsweise im Strafverfahren geltend zu machen, kann – um unnötige
Wiederholungen zu vermeiden – auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 100 S. 75 f. und Urk. 77 ff.).
2. Privatklägerin A._
2.1. Die Privatklägerin A._ beantragt die Zusprechung einer Genugtuung
von Fr. 18'000.– plus Zins und die Feststellung, dass der Beschuldigte ihr
gegenüber aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatz nach
schadenersatzpflichtig sei (Urk. 104 S. 2; Urk. 137 S. 13 ff.). Derzeit bestünden
noch keine konkreten bzw. ohne weiteres bezifferbaren
Schadenersatzforderungen. Es sei möglich, dass die Privatklägerin künftig
psychologischer bzw. psychiatrischer Betreuung und Therapien bedürfe, um die
Vergewaltigung zu verarbeiten, die nicht vollständig von der Krankenkasse
gedeckt seien. Die Anschaffungs- und Ausbildungskosten ihres Assistenzhundes
Q._ würden durch einen Fonds übernommen. Für den Unterhalt von
Q._ müsse die Privatklägerin jedoch selbst aufkommen. Die genauen Kosten
dafür liessen sich aktuell jedoch nicht beziffern. Im Weiteren habe die
Privatklägerin unmittelbar nach der Tat Symptome einer akuten
Belastungsstörung gezeigt und leide seit der Tat unter einer intensiven Angst vor
einer Wiederholung eines sexuellen Übergriffs, weshalb sie auch in ihrer
Bewegungsfreiheit eingeschränkt sei. Ihr Vertrauen gegenüber Männern sei
massiv beeinträchtigt worden und sie habe bis heute grosse Vorbehalte Männern
gegenüber. Der Vorfall habe auch Auswirkungen hinsichtlich des Sexuallebens.
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Zudem sei sie in ihrer vorgängigen Therapie (Borderline, Anorexie) durch die Tat
zurückgeworfen worden und auch in der beruflichen Entwicklung habe eine
negative Auswirkung stattgefunden, indem sie ihre Stelle als kaufmännische
Angestellte nach 8 Monaten habe abbrechen müssen (Urk. 73 S. 8 f.). Bis heute
leide die Privatklägerin unter den Folgen der Tat. Es bestünden weiterhin die
Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung mit Intrusion, Schreck-
haftigkeit und Vermeidungsverhalten (Urk. 137 S. 14, Urk. 126/2). Eine ganz
wesentliche und massive Einschränkung bestünde darin, dass sie seit dem
Übergriff nicht mehr alleine nach draussen gehen könne. Entweder werde sie
durch eine nahestehende Person (Eltern, Geschwister) oder ihren Assistenzhund
Q._ begleitet (Urk. 137 S. 15).
2.2. Dass die haftungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Genugtuung durch
die erfolgte Vergewaltigung nach Art. 49 OR vorliegen (immaterielle Unbill,
Widerrechtlichkeit, Kausalität und Verschulden) steht ausser Frage. Nach Lehre
und Rechtsprechung beträgt die haftpflichtrechtliche Genugtuung nach einer Ver-
gewaltigung in der Regel Fr. 10'000.– bis Fr. 20'000.– (vgl. Leitfaden zur
Bemessung der Genugtuung nach Opferhilfegesetz, S. 10).
2.3. Dem Bericht des Psychiatrischen Dienstes R._ AG, unterzeichnet
durch die Oberärztin S._ und die Assistenzärztin K._, vom 2. September
2019 lässt sich entnehmen, dass die Privatklägerin nach dem Vorfall eine akute
Belastungsreaktion (Emotionen der Verzweiflung, Angst, Scham und Trauer,
massive Konzentrationsstörungen und sehr hohe innere Anspannung,
Schlafstörungen und Intrusionen) gezeigt habe. Bis heute komme es zu einem
Wiederaufflammen der belastenden Gefühle, wie Ohnmacht, Scham und
Verzweiflung, wenn sie an die traumatisch erlebte Situation erinnert werde. Die
Panikgefühle beim Zugfahren sowie die Angstgefühle bei örtlicher Nähe zum
Tatort bestünden aktuell weiterhin. Die Privatklägerin A._ könne nachts das
Haus nicht allein verlassen. Auch Schwierigkeiten in der Kontaktgestaltung mit
Männern seien noch vorhanden (Urk. 68). Im Therapiebericht vom 5. Juni 2021
(Urk. 126/2) wird festgehalten, dass die Privatklägerin nach wie vor an einer
posttraumatischen Belastungsstörung mit Intrusionen, Schreckhaftigkeit und
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Vermeidungsverhalten leide, obschon gewisse Fortschritte wie beispielweise die
Umarmung von männlichen Verwandten hätten erzielt werden können.
2.4. Es ist demnach davon auszugehen, dass die Privatklägerin durch das
inkriminierte Ereignis nach wie vor erheblich in ihrer Lebensgestaltung tangiert ist.
Zu berücksichtigen ist indessen, dass sich der Beschuldigte während der Ver-
gewaltigung mit Ausnahme seiner Körperkraft keiner übermässigen Gewalt
bediente und der Vorfall nur wenige Minuten dauerte. Sein Verschulden wurde
insgesamt als nicht mehr leicht taxiert. In Anbetracht der gesamten Umstände und
im Vergleich mit ähnlich gelagerten Fällen ist eine Genugtuung von Fr. 12'000.–
angemessen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
2.5. Nach konstanter Rechtsprechung ist zudem ab dem Zeitpunkt des
schädigenden Ereignisses ein Zins geschuldet. Dieser Zins bezweckt, den
Anspruchsberechtigten so zu stellen, wie wenn er für seine Forderung am Tag der
unerlaubten Handlung bzw. für deren wirtschaftliche Auswirkungen mit deren
Entstehung befriedigt worden wäre (BGE 81 II 512 E. 6). Der Zinssatz wird in
Analogie zu Art. 74 OR mit 5 % bemessen (BGE 122 III 53 E. 4b).
2.6. Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin
A._ eine Genugtuung von Fr. 12'000.– zuzüglich Zins von 5 % seit dem 11.
August 2018 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren
abzuweisen.
2.7. Im Weiteren ist festzustellen, dass der Beschuldigte aufgrund der
begangenen Vergewaltigung gegenüber der Privatklägerin A._ dem
Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist. Dabei handelt es sich um einen
Eingriff in ein absolut geschütztes Rechtsgut nach Art. 41 OR und damit ein
widerrechtliches Verhalten. Der Beschuldigte handelte vorsätzlich und schuldhaft.
Zur genauen Bestimmung des Schadens, welcher aus der Vergewaltigung
resultierte, ist die Privatklägerin A._ antragsgemäss auf den Weg des
Zivilprozesses zu verweisen.
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3. Privatklägerin C._
3.1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten zur Leistung einer
Genugtuung in der Höhe von Fr. 8'000.– zuzüglich Zins von 5 % seit dem tt.
Januar 2018 gegenüber der Privatklägerin C._. Im Mehrbetrag wies sie das
Genugtuungsbegehren ab. Zudem stellte die Vorinstanz fest, dass der
Beschuldigte der Privatklägerin C._ aus dem eingeklagten Ereignis dem
Grundsatz nach schadenersatzpflichtig sei. Zur genauen Festlegung des
Umfangs des Schadenersatzes wurde die Privatklägerin C._ antragsgemäss
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 100 S. 76 ff.).
3.2. Die Privatklägerin C._ zeigt(e) nach dem Vorfall im Januar 2018
Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung, begann sich zu ritzen,
hatte Suizidgedanken, Schlaf- und Konzentrationsstörungen und wurde
schliesslich in eine Tagesklinik eingewiesen (Urk. 66). Die Höhe der
zugesprochenen Genugtuung von Fr. 8'000.– ist demnach unter Berücksichtigung
des nicht mehr leichtes Verschulden des Beschuldigten und der Art der sexuellen
Übergriffe, namentlich des Geschlechtsverkehrs, nicht zu beanstanden.
3.3. In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist der Beschuldigte zu
verpflichten, der Privatklägerin C._ eine Genugtuung von Fr. 8'000.–
zuzüglich Zins von 5 % ab dem tt. Januar 2018 zu bezahlen.
VIII. Kostenfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren und Untersuchung
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschuldigte die Kosten der
Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens vollumfänglich zu tragen. Davon
ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung und der
unentgeltlichen Rechtsvertreterinnen der Privatklägerinnen A._ und C._.
Diese sind einstweilen und unter Vorbehalt der Nachforderung nach Art. 135 Abs.
4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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2. Berufungsverfahren
2.1. Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich. Die
Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin A._ obsiegen weitestgehend. Dem
Beschuldigten sind daher die Kosten des Berufungsverfahrens vollumfänglich
aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Rechtsvertreterinnen der Privatklägerinnen sind einstweilen auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung nach Art. 135 Abs. 4 StPO
und Art. 138 Abs. 1 StPO. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 6'000.– anzusetzen.
2.2. Die Verteidigung macht für das Berufungsverfahren – ohne den Aufwand
für die Teilnahme an der Berufungsverhandlung und eine Nachbesprechung – ein
Honorar von insgesamt Fr. 7'063.– geltend (Urk. 140). Dies erscheint
ausgewiesen und angemessen. Die Berufungsverhandlung dauerte rund 6
Stunden (vgl. Prot. II S. 9 und 29). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ist es zulässig, für das Anwaltshonorar Pauschalen vorzusehen (BGE 143 IV 453
E. 2.5.1). Gesamthaft ist der amtliche Verteidiger somit für seine Aufwendungen
und Auslagen im Berufungsverfahren mit pauschal Fr. 9'000.– (inkl. MwSt. und
Barauslagen) zu entschädigen.
2.3. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin A._ macht für
das Berufungsverfahren ein Honorar von insgesamt Fr. 10'192.25 geltend (Urk.
133). Dabei werden für das Studium des vorinstanzlichen Urteils und
Aktenstudium insgesamt 7 Stunden geltend gemacht, was zu hoch ist. Das
Studium des vorinstanzlichen Urteils ist bereits durch die Entschädigung der
Vorinstanz abgedeckt. Zudem musste sich die Rechtsvertreterin nicht neu in den
Fall einarbeiten, sondern war bereits mit den Akten vertraut. Gesamthaft ist die
Rechtsvertreterin der Privatklägerin A._ somit für ihre Aufwendungen und
Auslagen im Berufungsverfahren mit pauschal Fr. 8'000.– (inkl. MwSt. und
Barauslagen) zu entschädigen.
2.4. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin C._ macht für
das Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 2'817.40 geltend (Urk. 132).
Gesamthaft ist die Rechtsvertreterin der Privatklägerin C._ für ihre
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Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren mit pauschal Fr. 2'800.–
(inkl. MwSt. und Barauslagen) zu entschädigen.