Decision ID: 7894f452-7095-4534-86d5-3c055350bb8b
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1961 geborene
X._
war
seit 1. November 2009
als Leiter Verkauf bei der
Firma Y._
angestellt und dadurch bei der Schweizeri
schen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen sowie Berufskrankheiten versichert, als er
am 16. März 2011
bei einem Spaziergang ausrutschte und auf die linke Seite stürzte (Unfallmeldung vom 3
1.
März 2011, Urk. 7/1).
Das am 2
3.
März 2011 vom
Spital Z._
erstellte
Magnetresonanztomogramm
(MRT) der linken Schulter des Versicher
ten zeigte
namentlich
eine partielle Ruptur der
Subscapularissehne
mit
Sublu
xation
der langen
Bizepssehne
und eine
Tendinose
der
Supraspinatussehne
(Urk. 7/12). Am
3
1.
Mai 2011
wurde der Versicherte
in der
Klinik A._
an der linken Schulter operiert (Urk. 7/32).
Die Suva anerkannte ihre
Leistungs
pflicht
, kam für die Behandlungsmassnahmen auf und entrichtete Taggelder (Urk. 2 S. 2, Urk. 7/3-6,
Urk. 7/27 S. 1, Urk. 7/30). Bei einem protrahiert verlaufenen Heilungsprozess kam es am 2
6.
Juni 2012 zu einem erneuten
arthroskopischen
Eingriff in der
Klinik A._
(Urk. 7/90).
Kreisarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, gelangte in seinen Beurteilungen vom 2
9.
November 2012 und vom 2
7.
März 2013 zum Schluss, der Versicherte sei in der angestammten Tätigkeit als Verkaufsleiter wieder vollumfänglich arbeitsfä
hig (Urk. 7/
109, Urk. 7/134).
Gestützt darauf verneinte die Suva mit Verfügung vom 3
0.
Oktober 2013 den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 7/166).
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 2
5.
November 2013 Einwand (Urk. 7/167). Mit Einspracheentscheid vom 1
8.
Dezember 2013 wies die Suva die Einsprache ab (Urk. 7/171 = Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid
der Suva
vom 1
8.
Dezember 2013 erhob der Versicherte am
3.
Februar 2014 Beschwerde und beantragte, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zu erbringen und es sei ihm ab
1.
März 2013 eine Inva
lidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren
Sach
verhaltsabklärung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Die Suva beantragte in der Beschwerdeantwort vom
7.
März 2014 die Abweisung der Beschwerde
(Urk. 6).
Die Beschwerdeantwort wurde dem Versicherten am 1
1.
März 2014 zugestellt (Urk. 9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungs
leistun
gen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
;
ATSG)
, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestim
mung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.
2.1
Die
Suva
begründete die Abweisung des
Rentenb
egehrens damit,
dass der Beschwerdeführer laut der kreisärztlichen Beurteilung in der vormalig bei der
Firma Y._
ausgeübten Tätigkeit als Verkaufsleiter wieder vollumfänglich arbeitsfähig sei (Urk. 2 S. 4-6). Falls dennoch ein Einkommensvergleich durch
geführt werde, basierten - angesichts der bereits vor dem Unfall erfolgten Kündigung - Validen- und Invalideneinkommen auf demselben Tabellenlohn, wobei ein Leidensabzug von maximal 5
%
vorzunehmen sei und entsprechend kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiere (Urk. 2 S. 6-7). Dass eine ärztliche Behandlung weiterhin erforderlich sei, stehe dem Fallabschluss vorlie
gend nicht entgegen, da
durch weitere Heilbehandlungen keine ins Gewicht fallende Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei (Urk. 2 S. 7-8). Auch unter dem Gesichtspunkt, dass dem Beschwerdeführer bereits eine
Integritäts
entschädigung
von 5
%
zugesprochen worden sei, sei erstellt, dass der
Fallab
schluss
sogar
bereits im Mai 2013 zulässig gewesen
wäre
(Urk. 2 S. 9).
2.2
Der Beschwerdeführer
macht
e in seiner Beschwerde
demgegenüber geltend,
bei seinem angestammten Beruf in der chemischen Branche habe er Geräte und Gebinde heben müssen, welche wesentlich mehr als 10 Kilogramm wiegen wür
den, weshalb er in seiner angestammten Tätigkeit namhaft eingeschrän
kt sei (Urk. 1 S. 3-6
).
Daher sei ein Einkommensvergleich durchzuführen, wobei für das Invalideneinkommen zu berücksichtigen sei, dass er seit
1.
Oktober 2013
einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachgehe und dabei ebenfalls einge
schränkt sei (Urk. 1 S. 6-7).
3.
3.1
Bezüglich der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers, insbesondere der verbliebenen Beschwerden, stellte die Beschwerdegegnerin auf
den Bericht
der
Klinik A._
vom 3. April 2013 sowie auf die kreisärztliche Untersu
chung vom 28. November 2012
und die kreisärztliche Beurteilung vom 2
7.
März 2013
ab (Urk.
2 S. 2 und S. 4-5
).
Dr.
B._
hielt in seinem Bericht über die kreisärztliche Untersuchung vom 28. November 2012 fest, beim Beschwerde
führer liege ein Zustand nach
Schul
terarthroskopie
links mit zirkulärer
Kap
sulotomie
/
Arthrolyse
,
Débridement
des
anterokranialen
Limbus,
Akromioplastik
und
Débridement
subakromial
bei posttraumatischer adhäsiver
Kapsulitis
und
anterokranialer
Limbusläsion
vor (Urk.
7/109
S.
3). Aufgrund der aktuellen Be
funde sei dem Beschwerdeführer, der dominanter Rechtshänder sei, eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit den ganzen Tag zumutbar. Das Gewicht von zu hebenden Lasten sei bis Taillenhöhe auf 15 Kilogramm, bis Brusthöhe auf 10 Kilogramm limitiert.
Überkopftätigkei
ten
, die den Einsatz beider oberen Extre
mitäten erfordern wür
den, seien nicht mehr zumutbar.
Repetitiv weit ausrei
chende Tätigkeiten mit der linken oberen Extremität seien ungeeignet. Tätig
keiten, die mit Impulswirkung verbunden seien, wie Arbeiten mit stossenden oder vibrierenden Geräten, seien ungeeignet (Urk.
7/109 S.
4).
Am 2
7.
März 2013 fügte
Dr.
B._
an, der Beschwerdeführer sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit, wie sie im Rapport vom
8.
Januar 2013 beschrieben worden sei, wieder vollumfänglich arbeitsfähig (Urk. 7/134 S. 3).
Dem Bericht von Dr. med.
C._
, Chefarzt Orthopädie,
Klinik A._
, vom 28. Januar 2013 ist zu entnehmen, dass es seit der letzten vorange
gangenen Kontrolle vom 8. Oktober 2012 zu stetigen Fortschritten gekommen sei. Der Beschwerdeführer sei nun auch subjektiv zuversichtlich, dass die Ver
besserungen zielführend seien, sodass er der Meinung sei, dass er seine frühere Tätigkeit als Verkaufsleiter im Sanitärbereich wieder ausführen könne. Dr.
C._
führte weiter aus, bei weiterhin günstigem Verlauf sei der Be
schwerdeführer seiner Meinung nach ab 1. April 2013 wieder in seiner früher ausgeführten Tätigkeit vermittelbar (Urk.
7/122 S.
1).
Anlässlich der folgenden Konsultation vom 28. März 2013 konstatierte Dr.
C._
in seinem Bericht vom
3.
April 2013
wiederum einen günstigen Verlauf. Es seien nur noch minimale Restbeschwerden vorhanden und die
Schulter-Beweglichkeit sei frei
. Die periphere Sensomotorik und
Trophik
seien intakt. Die laufende Physiotherapie und die medizinische Trainingstherapie seien noch zu Ende zu führen. Ansonsten seien auch aus Sicht des Patienten keine spezifischen Massnahmen mehr notwendig
(Urk.
7/
136
).
3.2
Der Beschwerdeführer beanstandete die Ergebnisse der kreisärztlichen Untersu
chung nicht, machte jedoch geltend, mit dem vom Kreisarzt geschilderten Tätigkeitsprofil (vgl. vorstehende E. 3.1) könne er nicht mehr alle in seiner bis
herigen Tätigkeit anfallenden Arbeiten ausführen
(Urk. 1 S. 3 ff.)
.
Dem Beschrieb über die Stelle als Verkaufsleiter sind folgende
Ziel
vorga
ben
zu entnehmen: Führung, Motivation und Coaching des Aus
sen
diensts, Planen, durchführen und messen der Verkaufsaktivitäten, Weiterent
wicklung der Marke
D._
im Schweizer Markt, systematische Betreuung und Bearbeitung von bestehenden Key-Account-Kunden, Akquisition von neuen
Key-Account-Kunden gemäss der Marktausrichtung (Urk.
7/53 S. 2
).
Zu den Aufgaben gehören entsprechend das selbständige Bearbeiten von beste
henden Key-Account-Kunden und die Koordination der
Aussendienstmitar
bei
ter-Aktivitäten
bei den Key Accounts, die Neuakquisition von Key-Account-Kunden, die Unterstützung der Aussendienstmitarbeitern bei der Pflege und Akquisition von grossen Kunden, die Führung und Steuerung des Aussen
diensts, die personelle Verantwortung für Direktunterstellte (Auswahl, Coaching, Retention, Fördern, Trennung), das Einleiten und die Durchsetzung von diszip
linarischen Massnahmen in Absprache mit dem Leiter Geschäftsbereich
D._
sowie die Planung und Durchführung von kundenspezifischen Anlässen wie beispielsweise Schulungen oder Maschinenvorführungen (Urk.
7/53 S. 2-3
).
Gemäss den Angaben des Arbeitgebers vom 22. Mai 2012 musste der Beschwer
deführer dabei oft sitzen und selten gehen, stehen sowie leichte Lasten bis zehn Kilogramm heben oder tragen (Urk.
7/112 S. 8
). Der Beschwerdeführer brachte vor, im Arbeitgeber
fragebogen seien vom Arbeitgeber nicht der Wahrheit ent
spre
chende Angaben gemacht worden, nachdem das Arbeitsverhältnis im Streit beendet worden sei (Urk.
1 S. 6
).
Dass der Beschwerdeführer oft selber Kunden besuchte, wie er dies geltend machte (
Urk. 1 S. 5
in Verbindung mit Urk.
3/3
), ist auch dem
Arbeitgeber
be
richt
zu entnehmen (Urk.
7/112 S. 8
). Soweit stimmen die Angaben überein. Kundenbesuche an und für sich beinhalten aber keine Tätigkeiten, welche der Beschwerdeführer nicht mehr ausüben könnte. Aus dem vom Beschwerdeführer eingereichten Katalog ist ersichtlich, dass einige Produkte mehr als
10 Kilogramm wiegen beziehungsweise auch in
Bidons
à 25 Liter verkauft werden (Urk.
3/2
, zum Beispiel S. 9 und 12), jedoch etliche Gebinde à 10 Liter
zum Ver
kauf stehen (Urk.
3/2
S. 4 ff.). Ebenso befinden sich schwere Maschinen im Angebot (Urk.
3/2
, S. 42 ff.). Dass den Kunden ab und zu auch mehr als zehn Kilogramm wiegende Gebinde oder Maschinen gezeigt werden mussten, ist an
zunehmen. Hingegen liegen keine gewichtigen Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer regelmässig Lasten von mehr als zehn Kilogramm heben oder tragen musste.
Der Umstand, dass bei der Auflösung des Arbeitsverhält
nisses Differenzen bestanden, lässt für sich allein nicht darauf schliessen, die Arbeitgeberin habe gegenüber der Beschwerdegegnerin oder auch der IV-Stelle in einem formellen Schreiben bewusst falsche Angaben gemacht. Hierfür bedürfte es konkreter Anhaltspunkte. Solche nannte der Beschwerdeführerin indessen nicht. Nebst dem Arbeitgeberfragebogen liegt zudem ein nicht im Zusammenhang mit diesem Verfahren verfasster Stellenbeschrieb bei den Akten (Urk. 7/53 S. 2-4).
Darin liegt der Schwerpunkt auf verkäuferischen Aktivitä
ten, Planung, Orga
nisation und Mitarbeiterführung
. Das Anforderungsprofil setzt in Übereinstimmung damit in erster Linie Fähigkeiten im Verkauf und
Führungs
erfahrung
im Direktvertrieb voraus. Hingegen werden darin keine besonderen Anforderungen an die körperliche Konstitution gestellt
(Urk. 7/53 S. 2-3)
.
3.3
Des Weiteren kam es nach der kreisärztlichen Untersuchung vom 28. November 2012 noch einmal zu einer Verbesserung, sodass
Dr.
C._
von der
Klinik A._
davon ausging,
der Beschwerdeführer
sei
ab 1. April 2013 wie
der vollumfänglich arbeitsfähig.
Dies explizit auch in der bisherigen Tätig
keit
(Urk. 7/122 S. 1)
. Die beschriebene Verbesserung ist anhand der erhobenen Be
funde nachvollziehbar. Am 28. Januar 2013 war die Schulter links reizlos und im Gegensatz zu früher ohne umschriebene
Druckdolenz
. Die Flexion/Ele
va
tion/Ab
duktion betrug links wieder 150° (rechts 160°),
währenddem
sie am 28. November 2012 erst 110° bei der aktiven Abduktion und 115° bei der akti
ven Flexion betragen hatte. Beim Schürzengriff gelang es dem Beschwerdefüh
rer nun, mit den Händen zur oberen Lendenwirbelsäule zu greifen anstatt nur bis zum Gesäss (Urk.
7/122 S. 1
, Urk.
7/109 S. 2-3
). Bei der Untersuchung vom 28. Januar 2013 war im Übrigen auch der Beschwerdeführer selber der Auffas
sung, wieder in der angestammten Tätigkeit eingesetzt werden zu können (Urk.
7/122 S. 1
).
Der Kreisarzt
erachtete den Beschwerdeführer in seiner ange
stammten Tätigkeit als Verkaufsleiter
ebenfalls
ab 1. April 2013 wieder als arbeitsfähig (Urk.
7/109 S. 4 in Verbindung mit Urk. 7/134 S. 3
).
Dem
ent
-
gegenstehende Arztberichte sind keine vorhanden.
3.4
Zudem war der Beschwerdeführer nur ein gutes Jahr lang effektiv bei der
Firma Y._
tätig (Urk.
7/112 S. 4
) und arbeitete vorher auch in anderen Branchen (vgl.
den
Auszug aus seinem individuellen Konto
, Urk.
7/88 S. 2-4
). Daher wäre ihm seine bisherige Tätigkeit als Verkaufsleiter auch in einem anderen Betrieb
möglich und zuzumuten, zumal ihm die Anstellung bei der
Firma Y._
aus invaliditätsfremden Gründen bereits vor dem Unfall gekündigt worden war (Urk.
7/112 S. 4
, Urk.
7/1
, Urk.
7/117
).
Da ihm
die bisherige
Tätigkeit
als Verkaufsleiter
nach dem Gesagten aus medi
zinischer Sicht
wieder zumutbar ist, erleidet er
trotz
seiner
Unfallrestb
eschwer
den
keinen gesundheitsbedingten Verlust an Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt. Es liegt mithin
weder eine Arbeits
-
noch eine
Erwerbsunfähigkeit vor
, weshalb auch kein
Einkommensver
gleich
durchzuführen ist
.
Nach dem Gesagten
scheidet ein Anspruch auf
eine Invalidenrente der Unfallversicherung aus.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.