Decision ID: 6e9351e8-722d-4bed-9b15-0e7af1f62b34
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 21.02.2011 Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG; Art. 14a ELV: Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für die teilinvalide EL-Bezügerin. Rückweisung an die EL-Durchführungsstelle zur weiteren Sachverhaltsabklärung und zur neuen Entscheidung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Februar 2011, EL 2010/29).
Abteilungspräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-
Hug, Versicherungsrichter Joachim Huber; a.o. Gerichtsschreiber Adrian Zogg
Entscheid vom 21. Februar 2011
in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch B._,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ war wohnhaft im Kanton E._. Sie erhielt aufgrund eines Invaliditätsgrads
von 50 Prozent ab 1. April 2004 eine halbe Invalidenrente (act. G 7.1.88, 90, 97). In der
Folge zog die Versicherte nach F._ im Kanton St. Gallen. Am 9. November 2007
meldete sie sich bei der AHV-Zweigstelle für den Bezug von Ergänzungsleistungen
(nachfolgend: EL) an (act. G 4.1.31).
A.b Mit Beschluss vom 19. Dezember 2007 ordnete das Gericht G._ bei der
Versicherten eine Vormundschaft an (act. G 4.1.37). Es stützte sich hierbei unter
anderem auf einen Bericht des Spitals H._ vom 5. Juli 2007 (act. G 4.1.38). Obwohl
die Versicherte im Verlauf des Entmündigungsverfahrens in den Kanton St. Gallen
gezogen war, erklärte sich das Gericht G._ für zuständig, da es auf die Sachlage zur
Zeit der Anhebung des Verfahrens ankomme.
A.c Mit Schreiben vom 4. Januar 2008 (sowie Erinnerungsschreiben vom 2. Mai,
20. August 2008 und 9. Februar 2009) bat Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, die IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) um
Durchführung einer Anpassung betreffend die Invalidenrente der Versicherten. Er
erwähnte unter anderem, dass die Versicherte aus medizinischen Gründen zu 100
Prozent arbeitsunfähig sei. Aufgrund der ausgeprägten körperlichen Beeinträchtigung,
welche voraussichtlich von langanhaltender Dauer sein dürfte, erachte er die
Durchführung einer Anpassung als äusserst wichtig (act. G 7.1.115, 133, 145). Am
7. Januar 2008 bestätigte Dr. D._, Fachärztin FMH für Innere Medizin und
Rheumatologie, dass die Versicherte seit Januar 2003 zu 100 Prozent arbeitsunfähig
sei (act. G 7.1.116). Mit Anpassungsgesuch vom 11. Januar 2008 (sowie
Erinnerungsschreiben vom 14. Juli, 25. Juli, 4. August, 14. August, 25. August und
12. September 2008) beantragte die Versicherte ihrerseits bei der IV-Stelle eine
Anpassung auf eine ganze Invalidenrente (act. G 7.1.1, 125, 126, 131, 132, 135, 138).
A.d Mit Verfügung vom 20. März 2008 teilte die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten mit, dass sie ab 1. November 2007 einen Anspruch auf EL habe. Bei der
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EL-Anspruchsberechnung sowie bei den folgenden Anpassungen berücksichtigte die
EL-Durchführungsstelle jeweils ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
Fr. 18'140.-- (act. G 4.1.4, 9, 13, 19, 20).
A.e Mit Verlaufsbericht vom 28. Mai 2008 an die IV-Stelle bestätigte Dr. C._, dass
sich der Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert habe. Sie leide neu an
einer Fibromyalgie sowie in deren Rahmen an einem chronischen
Erschöpfungssyndrom DD. Seit Anfang 2003 habe sie Schmerzen in allen Muskeln,
daneben anhaltende chronische Schmerzen im linken Fuss verbunden mit
Dysästhesien der linken Fusssohle und einem allgemeinen Überempfindlichkeitsgefühl
im Unterschenkel. Ausserdem leide sie an generalisierten Wirbelsäulenschmerzen von
ischialgiformem Charakter mit Schmerzausstrahlungen in den linken Arm sowie in das
rechte Bein. Zusätzlich bestünden wiederkehrende Arthralgien der rechten Schulter
sowie am rechten Daumengrundgelenk. Dr. C._ hielt weiter fest, dass ihm die
Versicherte mitgeteilt habe, sie sehe sich ausser Stande, aufgrund der rezidivierenden
Beschwerden von Seiten des Bewegungsapparats sowie der Schlafstörungen und der
zunehmenden Erschöpfung einer auch nur leichten Arbeitstätigkeit nachzugehen. Sie
habe ihn weiter darüber informiert, dass sie bereits anstrengendere Haushaltsarbeiten
wie Staubsaugen, Fensterputzen oder das Tragen von schweren Einkaufstaschen nur
mit Mühe bewältigen könne. Zusätzlich habe sie darauf hingewiesen, dass die
regelmässigen Kontakte mit der Sozialbehörde sie demütigen und ihre seelischen
Probleme weiter verstärken würden. Dr. C._ wies darauf hin, dass es unter
regelmässiger Physiotherapie zu einer vorübergehenden Schmerzlinderung käme. Die
Beschwerden am linken Fuss seien physiotherapeutisch nicht beeinflussbar.
Entzündungshemmende Analgetika hätten sich als wirkungslos erwiesen. Eine
antidepressive Therapie sei von der Versicherten mehrfach abgelehnt worden. Sie
bevorzuge eine homöopathische Behandlung. Der Arzt wies zusätzlich darauf hin, dass
er berufliche Massnahmen als nicht zielführend erachte. Selbst eine leichte Tätigkeit
mit der Möglichkeit regelmässig die Arbeitshaltung zu wechseln sei der Versicherten
nicht zumutbar. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 100 Prozent und die
Prognose bezüglich der Arbeitsfähigkeit sei langfristig betrachtet ungünstig.
Ausserdem erachte er eine ergänzende fachärztliche rheumatologische und
psychiatrische Abklärung als sinnvoll (act. G 7.1.122). Am 23. April 2009 beantwortete
der RAD Ostschweiz (Regionaler Ärztlicher Dienst der Invalidenversicherung) eine
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interne Anfrage dahingehend, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten nicht
relevant verändert habe. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht notwendig. Ein
medizinischer Anpassungsgrund bestehe nicht (act. G 7.1.163).
A.f Mit Verfügung vom 1. September 2009 teilte die IV-Stelle der Vormundin der
Versicherten, B._ (act. G 1.9), mit, dass das gestellte Anpassungsgesuch betreffend
die Erhöhung der Invalidenrente (vgl. Sachverhalt A.c) abgewiesen werde. Zur
Begründung führte die IV-Stelle aus, dass sich der Gesundheitszustand der
Versicherten nach den zur Verfügung stehenden medizinischen Unterlagen nicht
relevant verändert habe und kein Anpassungsgrund vorliege (act. G 7.1.173).
A.g Die EL wurde letztmals am 28. Dezember 2009 mit Wirkung ab 1. Januar 2010
einzig aufgrund einer Veränderung bei der Pauschalen der individuellen
Prämienverbilligung angepasst (act. G 4.1.4).
B.
B.a Die Vormundin erhob für die Versicherte am 26. Januar 2010 Einsprache gegen
die Verfügung vom 28. Dezember 2009. Sie beantragte, dass bei der
Anspruchsberechnung der EL kein hypothetisches Erwerbseinkommen zu
berücksichtigen sei. Zur Begründung führte sie aus, dass die Versicherte bereits seit
der Entmündigung nicht in der Lage sei, ihre Angelegenheiten adäquat zu erledigen.
Unter anderem sei bei ihr eine Anosognosie diagnostiziert worden. Seither habe sich ihr
Zustand verschlimmert. Sie könne keine Gesprächstermine wahrnehmen. Zwischen der
Vormundin und der Versicherten habe erst eine einzige Begegnung stattfinden können.
Diese sei in Anwesenheit der Polizei, des Sozialamts und des Betreibungsamts erfolgt.
Sie lebe sehr einsam, zurückgezogen und abgeschieden in einer kleinen Wohnung. Es
sei für sie unmöglich, Arbeitsbemühungen beizubringen, geschweige denn eine
reguläre Arbeit aufzunehmen. (act. G 4.1.2).
B.b Mit Entscheid vom 20. April 2010 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
ab. Sie begründete die Abweisung damit, dass die Vormundin ausschliesslich
psychische Beschwerden und somit medizinische Gründe geltend mache, die eine
Verwertung der Restarbeitsfähigkeit verhindern solle. Der medizinische Sachverhalt sei
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im IV-Verfahren abgeklärt worden. Aus medizinischer Sicht stehe fest, dass eine
Restarbeits- und Resterwerbsfähigkeit von 50 Prozent vorliege. Die geltend gemachten
medizinischen Gründe seien somit nicht geeignet, die Vermutung von Art. 14a Abs. 2
der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) zu widerlegen. Da nach April 2008 keine
Änderung der Berechnungsgrundlage manuell eingegeben worden sei, habe man das
hypothetische Erwerbseinkommen nicht auf Fr. 18'720.-- angepasst, sondern auf Fr.
18'140.-- belassen (act. G 4.1.42).
C.
C.a Die Versicherte liess am 14. Mai 2010 durch die Vormundin Beschwerde gegen
den Einspracheentscheid erheben mit dem sinngemässen Antrag, für die Berechnung
der EL sei kein hypothetisches Erwerbseinkommen zu berücksichtigen. Zur
Begründung führte sie aus, es sei für das soziale Leben, für die Erledigung von
Verpflichtungen sowie für die Regelung persönlicher Angelegenheiten (insbesondere
Arbeitssuche und Arbeitsaufnahme) erforderlich, dass eine Person sich an
Vereinbarungen halte und Termine wahrnehme. Die Beschwerdeführerin sei nicht in der
Lage, in geregeltem Kontakt mit Behörden, Ämtern und Arbeitgebern zu treten. Trotz
intensiver Bemühungen seitens der Behörden ihres Wohnortes habe sie jeglichen
Kontakt verweigert und auch die Wohnungstüre nicht geöffnet. Selbst Arzttermine, die
nötig wären, um die IV-Rente zu ihren Gunsten anzupassen, nehme sie nicht wahr. Eine
Erwerbstätigkeit im Umfang von 50 Prozent sei unter diesen Umständen und mit dieser
krankhaft verweigernden Haltung unmöglich. Ob aus psychischen oder den daraus
resultierenden sozialen Gründen sei es für sie unmöglich, eine Arbeitsstelle zu finden
(act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 21. Mai 2010 die Abweisung der

Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen im Einspracheentscheid
(vgl. B.b; act. G 4).
C.c Am 14. Oktober 2010 stellte die Beschwerdegegnerin dem Versicherungsgericht
die IV-Akten der Beschwerdeführerin zu (act. G 7). Das Versicherungsgericht leitete
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diese am 21. Oktober 2010 der Vormundin zur Einsichtnahme weiter (act. G 10). Ein
weiterer Schriftenwechsel fand nicht statt (act. G 13).
Erwägungen:
1.
1.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid vom
20. April 2010. Dieser hat die Behandlung der Einsprache vom 26. Januar 2010 zum
Inhalt, mit welcher die Verfügung vom 28. Dezember 2009 angefochten wurde. Vorab
ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin auf die Einsprache überhaupt hätte eintreten
dürfen. Bei der EL handelt es sich um eine Dauerleistung. EL-Verfügungen sind daher
zeitlich unbeschränkt rechtsbeständig. Sie bestehen also über ein Kalenderjahr hinaus
(Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: SBVR XIV-Meyer, Soziale Sicherheit,
2. Aufl., Basel 2007, S. 1655 ff.; anders die Rechtsprechung des Bundesgerichts
[BGE 128 V 39 E. 3b S. 40 f.]). Die jährliche Anpassung des EL-Anspruchs auf das neue
Kalenderjahr hin hat dementsprechend keine umfassende Neuüberprüfung zur Folge.
Vielmehr hat sie den Zweck, den EL-Anspruch an veränderte Positionen wie
beispielsweise die Pauschale der individuellen Prämienverbilligung oder Erhöhungen
der AHV-Renten etc. anzupassen. Die Anpassung dieser einzelnen Positionen bedarf
eines Anpassungsgrunds nach Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), also primär einer
Sachverhaltsveränderung.
1.2 Am 28. Dezember 2009 hat die Beschwerdegegnerin mit Wirkung ab 1. Januar
2010 eine Anpassung der Pauschalen der individuellen Prämienverbilligung verfügt
(act. G 4.1.4). Die Einsprache vom 26. Januar 2010 hat sich jedoch lediglich gegen die
Einnahmenposition des hypothetischen Erwerbseinkommens gerichtet. Diese ist mit
der Verfügung vom 28. Dezember 2009 nicht verändert worden. Entsprechend fehlt
diesbezüglich ein Anfechtungsgegenstand, sodass die Beschwerdegegnerin auf die
Einsprache nicht hätte eintreten dürfen. Die Beschwerdegegnerin hätte indessen prüfen
müssen, ob die Einsprache als Anpassungsgesuch, als prozessuales Revisionsgesuch
oder als Wiedererwägungsgesuch zu interpretieren gewesen wäre.
2.
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2.1 Im Zusammenhang mit einer Invalidenrente ist in einem Anpassungsgesuch
glaubhaft zu machen, dass sich der Sachverhalt in einer für den Anspruch erheblichen
Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV;
SR 831.201]). Gemäss BGE 130 V 64 beruht Art. 87 Abs. 3 IVV auf dem Gedanken,
dass die Rechtskraft der früheren Verfügung einer neuen Prüfung so lange
entgegensteht, als der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht
erheblich geändert hat. Damit soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach
vorangegangener rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleich lautenden
und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden
Gesuchen befassen muss. Da es sich bei einer EL wie bei einer Invalidenrente um eine
Dauerleistung handelt (vgl. E. 1.1), ist Art. 87 Abs. 3 IVV analog auf Anpassungen im
Bereich der EL anwendbar.
2.2 Gemäss Art. 369 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210)
kann bei einer mündigen Person eine Vormundschaft angeordnet werden, wenn diese
Person infolge von Geisteskrankheit oder Geistesschwäche ihre Angelegenheiten nicht
zu besorgen vermag, wenn sie zu ihrem Schutze dauernd des Beistandes und der
Fürsorge bedarf oder wenn sie die Sicherheit anderer gefährdet. Das Gericht G._ hat
mit Beschluss vom 19. Dezember 2007 bei der Beschwerdeführerin eine
Vormundschaft gemäss Art. 369 Abs. 1 ZGB angeordnet. Es hat sich hierbei auf einen
Bericht des Spitals H._ vom 5. Juli 2007 (act. G 4.1.38) und auf Zeugenaussagen
gestützt. Das Gericht G._ hat in Erwägung gezogen, dass die Beschwerdeführerin an
einer psychischen Krankheit in Form einer wahnhaften Störung leide. Wegen dieser
Störung, welche sie selbst nicht erkenne, sei sie unfähig ihre administrativen
Angelegenheiten zu besorgen. Sie erschwere aufgrund ihrer Abschottung die
Hilfeleistung. Ausserdem weise sie jegliche medizinische Betreuung von sich. Das
Gericht G._ hat weiter ausgeführt, dass die psychische Krankheit, an der die
Beschwerdeführerin leide, sie auch daran hindere, persönliche Angelegenheiten (auch
die Gesundheit betreffende) wahrzunehmen (act. G 4.1.37). Nach dem Umzug in die
Gemeinde F._ ist die Vormundschaft aufrechterhalten worden. Die kommunale
Vormundschaftsbehörde hat die heutige Vormundin am 10. Dezember 2008 ernannt
(act. G 1.9).
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2.3 Dr. C._ hat erstmals am 4. Januar 2008 attestiert, dass die Beschwerdeführerin
zu 100 Prozent arbeitsunfähig sei (act. G 7.1.115). Dr. D._ hat am 7. Januar 2008 eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit seit Januar 2003 bestätigt (act. G 7.1.116). Dr. C._ hat
zusätzlich im Verlaufsbericht vom 28. Mai 2008 (wie das Spital H._, auf dessen
Bericht sich die Anordnung der Vormundschaft unter anderem stützt, vgl. E. 2.2) auf die
psychischen Probleme der Beschwerdeführerin hingewiesen (act. G 7.1.122).
2.4 Vor dem Hintergrund, dass bei der Beschwerdeführerin eine Vormundschaft
gemäss Art. 369 Abs. 1 ZGB angeordnet wurde und eine solche nur erfolgt, wenn keine
mildere Massnahme (wie beispielsweise eine Beistandschaft [Art. 392 ff. ZGB]) den
nötigen Schutz bieten würde (BSK ZGB I-Langenegger, Art. 369 N 34), ist eine
erhebliche Sachverhaltsveränderung im Vergleich zur ursprüngliche EL-Verfügung vom
20. März 2008 zumindest glaubhaft gemacht. Diese Glaubhaftmachung wird zusätzlich
durch die vorliegenden Arztberichte gestützt. Demzufolge hätte die Einsprache vom
26. Januar 2010 als Anpassungsgesuch interpretiert werden können. Käme man
jedoch aufgrund der zeitlichen Abfolge betreffend Anordnung der Vormundschaft, der
Arztberichte und der EL-Verfügung zum Schluss, dass sich der Sachverhalt nicht
verändert hat, sondern bereits bei der EL-Verfügung so vorlag, wäre die Einsprache
entsprechend als Wiedererwägungsgesuch zu interpretieren gewesen. Ob es sich um
ein Anpassungsgesuch, ein Wiedererwägungsgesuch oder allenfalls ein Gesuch um
prozessuale Revision handelt, kann im Rahmen dieses Verfahrens offen bleiben. Diese
Frage wird von der Beschwerdegegnerin zu beantworten sein.
2.5 Die Beschwerdegegnerin hat sich im Einspracheentscheid mit den Argumenten
der Beschwerdeführerin nicht materiell auseinandergesetzt, sondern, ohne weitere
Abklärungen zu treffen, lediglich summarisch Stellung genommen. Auch ist den Akten
keine Aufforderung an die Beschwerdeführerin zur Mitwirkung an den Abklärungen zu
entnehmen. Die Beschwerdegegnerin muss ein entsprechendes Verwaltungsverfahren
eröffnen. Da die Beweisführungslast bei ihr liegt, hat sie diesbezüglich die nötigen
Abklärungen zu veranlassen. Obwohl vorliegend die Möglichkeit besteht, dass die
Beschwerdeführerin allfällige Untersuche ablehnen wird, darf nicht zum Vornherein auf
den Versuch, die Abklärungen vorzunehmen, verzichtet werden. Um der
möglicherweise schlechten gesundheitlichen Verfassung der Beschwerdeführerin
gerecht zu werden, ist beispielsweise zu prüfen, ob die nötigen Untersuche bei ihr zu
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Hause stattfinden könnten. Selbstverständlich ist bei einer allfälligen (von der
Beschwerdeführerin zu vertretenden) Verletzung der Mitwirkungspflicht nach erfolgter
Abmahnung zu prüfen, inwieweit der Sachverhalt genügend erstellt ist, damit eine
Anpassung, eine prozessuale Revision oder eine Wiedererwägung auch tatsächlich
vorgenommen werden kann bzw. muss. Unter Umständen wird eine neue medizinische
(namentlich eine psychiatrische) Untersuchung notwendig sein.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich im Einspracheentscheid lediglich auf die
Sachverhaltsabklärungen im IV-Verfahren (act. G 4.1.42). Wie nachfolgend dargelegt
wird, darf der Sachverhalt und der IV-Grad von der EL-Durchführungsstelle nicht ohne
weiteres für die Anspruchsberechnung übernommen werden.
3.2 Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. a und g des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR
831.30) i.V.m. Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV ist Invaliden unter sechzig Jahren bei einem
Invaliditätsgrad von 50 bis unter 60 Prozent als Erwerbseinkommen mindestens der
Höchstbetrag für den Lebensbedarf eines Alleinstehenden anzurechnen.
Rechtsprechungsgemäss ist damit eine Vermutung für die Erzielbarkeit eines
Erwerbseinkommens in dieser Höhe für den Fall aufgestellt worden, dass der invalide
EL-Ansprecher keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Diese Vermutung kann durch den
Beweis des Gegenteils umgestossen werden (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, bearbeitet von Urs Müller, 2. Aufl., ELG Rz
489). Hinter dieser Verordnungsbestimmung steht die (in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
verankerte) Überlegung, dass die teilinvaliden EL-Ansprecher eine EL-spezifische
"Schadenminderungspflicht" treffe: Soweit ihnen dies möglich und zumutbar ist, haben
sie selbst für ihren Existenzbedarf zu sorgen. Dazu gehört auch, dass sie ihre
verbliebene Arbeitsfähigkeit soweit als möglich und zumutbar einsetzen, um ein
Erwerbseinkommen zu erzielen. Unmöglich ist die Ausübung einer Erwerbstätigkeit,
soweit eine Arbeitsunfähigkeit besteht oder soweit die Restarbeitsfähigkeit aufgrund
einer unüberwindbaren Arbeitslosigkeit nicht verwertet werden kann. Die Vermutung
des Art. 14a Abs. 2 ELV bezieht sich allerdings nur auf die Arbeitslosigkeit. In Bezug
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auf die Invalidität wird ohne weiteres unterstellt, dass die invaliditätsbedingte teilweise
Unfähigkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, nicht überwunden werden könne.
Dabei wird auf das Ergebnis des IV-Verfahrens in Bezug auf die rentenspezifische
Invalidität verwiesen, d.h. der Invaliditätsgrad wird EL-rechtlich von der
höchstrichterlichen Rechtsprechung im Ergebnis als Sachverhaltselement qualifiziert.
Tatsächlich handelt es sich aber um eine ausschliesslich verwaltungsökonomisch
begründete Übernahme des Ergebnisses einer rechtlichen Würdigung durch einen
anderen Sozialversicherungsträger. Das ausnahmslose Abstellen auf den im IV-
Verfahren ermittelten Invaliditätsgrad zur Ermittlung der behinderungsbedingten
teilweisen Unmöglichkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, lässt sich mit dem
Untersuchungsgrundsatz nicht in Übereinstimmung bringen. Kann ein EL-Ansprecher
nämlich belegen, dass die Invaliditätsbemessung durch die IV-Stelle fehlerhaft
gewesen ist, fehlt es an einer mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegten behinderungsbedingten teilweisen Unfähigkeit, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. In einer solchen Situation auf der Richtigkeit der
Invaliditätsbemessung durch die IV-Stelle zu beharren und für die EL-
Anspruchsberechnung auf den entsprechenden - falschen -Invaliditätsgrad abzustellen,
wäre stossend. Ist aber der zutreffende Invaliditätsgrad nachgewiesen, so muss die EL-
Durchführungsstelle darauf abstellen, um Art. 14a Abs. 2 ELV korrekt zur Anwendung
zu bringen.
3.3 Selbst wenn der von der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad übernommen wird, ist
dies nicht so zu verstehen, dass die behinderungsbedingten Nachteile eines EL-
Ansprechers auf dem Arbeitsmarkt auch bei der Frage, ob die Arbeitslosigkeit
überwunden werden könnte, keine Beachtung finden dürften. Behinderungsbedingte
Nachteile gegenüber gesunden Arbeitnehmern sind nämlich durchaus geeignet, das
Finden einer Arbeitsstelle zu erschweren, denn viele Arbeitgeber schrecken davor
zurück, eine gesundheitlich angeschlagene Person anzustellen. Diese indirekt
behinderungsbedingten Nachteile (wie beispielsweise die Unfähigkeit, unter starkem
Leistungsdruck zu arbeiten, bei Bedarf Überstunden zu machen, flexibel den
Arbeitsplatz zu wechseln usw.) können also durchaus die Überwindung der
Arbeitslosigkeit erschweren. Sie sind deshalb bei der Beantwortung der Frage, ob die
mit Art. 14a Abs. 2 ELV geschaffene Vermutung, dass ein Erwerbseinkommen erzielt
werden könnte, widerlegt sei, zu berücksichtigen. Die in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG als
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"Sanktionsnorm" zum Ausdruck gelangende EL-spezifische
Schadenminderungspflicht, die sich im vorliegenden Fall auf die anrechenbare
Einnahme "Erwerbseinkommen" (Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG) bezieht, ist erst dann erfüllt,
wenn tatsächlich ein Erwerbseinkommen im Ausmass mindestens des in Art. 14a Abs.
2 lit. b ELV vorgesehenen Betrages erzielt wird. Sie entfällt dann, wenn nachweislich
keine Möglichkeit besteht, die Arbeitslosigkeit zu überwinden und die verbliebene
Arbeitsfähigkeit an einer Arbeitsstelle zu verwerten. Der EL-Ansprecher hat also den
Tatbeweis zu erbringen (nicht zu verwechseln mit der Beweisführungslast, welche
vorliegend bei der Beschwerdegegnerin liegt [vgl. E. 2.5]), dass er unverschuldet
arbeitslos ist. Dies entspricht der Lösung in der Arbeitslosenversicherung (Art. 17 Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]), auch wenn dort ein anderes
Sanktionssystem zur Anwendung gelangt (Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG).
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und der Einspracheentscheid vom 20. April 2010 aufzuheben. Die Sache ist für die
Durchführung des Anpassungsverfahrens bzw. für die Durchführung des Verfahrens
betr. prozessuale Revision oder Wiedererwägung zur neuen Entscheidung im Sinne der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP