Decision ID: a4251028-3dd0-5527-99c8-36aceab31658
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
B.
Am 30. Januar 2019 ersuchten Dr. B._, Dr. C._ und Dr. D._, Kantonsspital St.
Gallen, das Gesundheitsdepartement (GD) für sich und ihre Hilfspersonen um
Entbindung vom ärztlichen Berufsgeheimnis für eine Meldung an das Kantonsarztamt
betreffend Dr. A._ (act. G 15/1). Zur Begründung führten sie aus, A._ habe sich am
21. Januar 2019 im Kantonsspital bei akut einsetzendem, schwerem
sensomotorischem Hemisyndrom rechts mit globaler Aphasie und Vigilanzminderung
vorgestellt. Die Kernspintomographie habe kleinvolumige frische Infarkte im linken
Thalamus gezeigt. Die neuropsychologische Testung habe eine mittelgradige Störung
ergeben. Im Vordergrund habe eine mittelschwere bis schwere verbal-episodische
Gedächtnisstörung im Sinn einer Lern- und Speicherstörung gestanden. Daneben habe
sich eine leichte bis mittelschwere Aufmerksamkeitsstörung gefunden. Aufgrund der
anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit sei eine stationäre Rehabilitation indiziert. Er sei
in Bezug auf seine berufliche Tätigkeit aktuell nicht "urteilsfähig". Er zeige kaum
Einsicht in die kognitiven Funktionsstörungen. Die hochauffälligen verbal-mnestischen
Einbussen bagatellisiere er. Am 25. Januar 2019 habe er sich nach ausführlicher
Aufklärung über die Defizite und möglichen Langzeitfolgen entgegen dem ärztlichen
Rat entschieden, aus dem Kantonsspital auszutreten. Zwischenzeitlich sei er informiert
worden, dass er aus neurologischer Sicht derzeit berufsunfähig sei, was er allerdings in
Abrede stelle. Es sei davon auszugehen, dass er zeitnah in seiner Praxis Patienten
behandeln werde. Aufgrund seines derzeitigen Gesundheitszustandes würden die
Gesuchsteller eine sorgfältige Berufsausübung durch A._ in Frage stellen (act. G 15/1).
A.a.
Mit Verfügung vom 30. Januar 2019 (act. G 2) ermächtigte das GD die Dres. B._, C._
und D._ sowie deren Hilfspersonen, dem Kantonsarztamt alle erforderlichen Auskünfte
im Zusammenhang mit der Behandlung von A._ zu erteilen. Dazu würden sie
entsprechende Einsicht in dessen Krankengeschichte gewähren (Ziff. 1). Einer
allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung werde die aufschiebende Wirkung
entzogen (Ziff. 2).
A.b.
Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Dr. Ronald Pedergnana, St. Gallen, für
B.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A._ (Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 21. Februar 2019 Beschwerde mit den
Rechtsbegehren, die Verfügung sei aufzuheben (Ziff. 1), und es sei die aufschiebende
Wirkung wiederherzustellen bis zur Klärung des Sachverhaltes, mindestens aber bis
27. Februar 2019 (Ziff. 2). Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin (act. G 1).
Mit Schreiben vom 22. Februar 2019 hiess der zuständige Abteilungspräsident des
Verwaltungsgerichts das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
superprovisorisch gut und erkannte der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
wieder zu, vorerst bis 6. März 2019 (act. G 5).
B.b.
In der Beschwerdeergänzung vom 8. März 2019 begründete der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers das Rechtsbegehren, die Verfügung vom 30. Januar 2019
aufzuheben, ergänzend und stellte den Antrag auf mündliche Anhörung und öffentliche
Verhandlung (act. G 13).
B.c.
Das GD (Vorinstanz) beantragte in der Vernehmlassung vom 8. März 2019 (act. G 14),
auf die Beschwerde sei nicht einzutreten (Ziff. 1). Eventualiter sei der Antrag auf
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abzuweisen (Ziff. 2).
B.d.
In der Verfügung vom 14. März 2019 (act. G 18) hiess der zuständige
Abteilungspräsident das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
gut (Ziff. 1). Der Beschwerde wurde aufschiebende Wirkung auch über den in der
superprovisorischen Anordnung vom 22. Februar 2019 festgelegten Zeitpunkt hinaus
bis zum Entscheid des Gerichts in der Hauptsache oder bis zu anderslautender
verfahrensleitender Verfügung zuerkannt (Ziff. 2).
B.e.
Im Nachgang zum Schreiben des Verwaltungsgerichts vom 14. März 2019 (act. G 19)
bestätigte die Vorinstanz mit Stellungnahme vom 2. April 2019 den Antrag, auf die
Beschwerde sei nicht einzutreten (Ziff. 1); eventualiter sei sie abzuweisen. Zur
Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid sowie auf ihre
Stellungnahme vom 8. März 2019 (act. G 20). Zusammen mit einem Schreiben vom
3. April 2019 (act. G 22) reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine
Publikation "Urteilsunfähigkeit in der medizinischen Praxis" der Schweizerischen
Akademie der Medizinischen Wissenschaften ein (act. G 23). Hierauf gab die Vorinstanz
B.f.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
der Adressat der angefochtenen Verfügung ist und implizit geltend macht, er sei
Geheimnisherr der Informationen, welche die Beschwerdegegner nach Befreiung vom
Berufsgeheimnis bekannt gegeben haben, war im Zeitpunkt der Einreichung der
Beschwerde zu deren Erhebung legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 21. Februar 2019 (act. G 1) rechtzeitig
erhoben und am 8. März 2019 (act. G 13) ergänzend begründet. Sie erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art.
47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Streitig und zu prüfen ist indes, ob nach wie
vor ein schutzwürdiges Interesse des Beschwerdeführers an der Aufhebung der
Verfügung vom 30. Januar 2019 (im Sinn von Art. 45 Abs. 1 VRP) bzw. an der
materiellen Beurteilung der Streitsache besteht oder ob - wie die Vorinstanz beantragt -
wegen fehlenden Rechtsschutzinteresses auf die Beschwerde nicht einzutreten ist. Im
Fall des Eintretens auf die Beschwerde ist zu klären, ob der Beschwerdegegenstand
im Schreiben vom 15. Mai 2019 bekannt, dass die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers mit fachärztlichem Bericht inzwischen habe bestätigt werden
können; er dürfe ab 6. Mai 2019 seinen Beruf als Arzt und Zahnarzt wieder ausüben.
Entsprechend werde davon ausgegangen, dass es nunmehr an einem aktuellen
Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers an der Beurteilung der Streitsache fehle
(act. G 27 f.). Auf das Schreiben des Verwaltungsgerichts vom 22. Mai 2019 (act. G 29)
teilte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 29. Mai 2019 mit, dass ein
Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers an der materiellen Beurteilung der
Streitsache nach wie vor gegeben sei (act. G 30). Die Beschwerdegegnerin 1 ging
demgegenüber im Schreiben vom 7. Juni 2019 von einem fehlenden aktuellen
Rechtsschutzinteresse aus (act. G 34). Mit Eingabe vom 2. September 2019 nahm
Rechtsanwältin Dr. iur. Bianka Dörr, Leiterin Rechtsdienst des Kantonsspitals St.
Gallen, - beauftragt und bevollmächtigt durch die Beschwerdegegnerin 1 - Stellung zu
den Schreiben des Beschwerdeführers vom 21. Februar, 12. März und 3. April 2019
(act. G 38 f.).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
B.g.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
durch die nach Beschwerdeerhebung eingetretene Sachverhaltsentwicklungen
(Unterzeichnung der Vereinbarung vom 25. Februar 2019, act. G 15/18; Bestätigung
der wieder gegebenen Arbeitsfähigkeit) dahingefallen ist; bei Bejahung dieser Frage
wäre die Beschwerde zufolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben. Im gegenteiligen
Fall wäre die Beschwerde materiell zu beurteilen und zu entscheiden.
Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht können Rechtsverletzungen geltend
gemacht werden. Der Beschwerdeführer kann sich auch darauf berufen, die
angefochtene Verfügung beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig festgestellten
Sachverhalt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Soweit die Vorinstanz des Verwaltungsgerichts
keine richterliche Behörde ist, garantiert Art. 6 Ziff. 1 EMRK in ihrem
Anwendungsbereich eine richterliche Überprüfung mit voller Kognition (vgl. Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 645 mit
Hinweis). Das Verwaltungsgericht verfügt daher vorliegend - als erste gerichtliche
Instanz - über eine volle Kognition (vgl. auch VerwGE B 2017/58 vom 23. Mai 2018
E. 3.2) in dem Sinn, dass es über alle erheblichen Tatsachen- und Rechtsfragen
entscheiden und Ermessensentscheidungen auf Rechtsfehler überprüfen kann (Meyer-
Ladewig/Harrendorf/König, in: Meyer-Ladewig/Nettesheim/von Raumer [Hrsg.], EMRK
Handkommentar, 4. Aufl. 2017, Rz. 16 und 35 zu Art. 6 EMRK).
2.
Die Bewilligung für die selbständigerwerbende Ausübung des Arztberufes gemäss Art.
34 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die universitären Medizinalberufe
(Medizinalberufegesetz; SR 811.11, MedBG) setzt voraus, dass die Medizinalperson die
fachlichen Voraussetzungen zur Ausübung ihres Berufs erfüllt, vertrauenswürdig ist
sowie psychisch und physisch Gewähr für eine einwandfreie Berufsausübung bietet.
Das GD beaufsichtigt die Tätigkeit von Ärzten und Ärztinnen (Art. 41 Abs. 1 MedBG
i.V.m. Art. 3 Abs. 1 lit. b des Gesundheitsgesetzes; sGS 311.1, GesG). Gemäss Art. 17
Abs. 1 lit. b Ziff. 2 der Verordnung über die Ausübung der medizinischen Berufe (sGS
312.0, VMB) sind Ärztinnen und Ärzte bei Feststellungen von besonderem
gesundheitspolizeilichem Interesse zur unverzüglichen Meldung an das Kantonsarztamt
befugt.
Nach Art. 40 Ingress und lit. f MedBG wahren Personen, die einen universitären
Medizinalberuf selbständig ausüben, das Berufsgeheimnis nach Massgabe der
einschlägigen Vorschriften. Die unselbständige Berufsausübung richtet sich gemäss
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Art. 44 Abs. 2 Satz 3 GesG nach der Bundesgesetzgebung über die Medizinalberufe für
die selbständige Berufsausübung. Art. 40 Ingress und lit. f MedBG umschreibt den
Begriff des Berufsgeheimnisses mittels eines dynamischen Verweises auf die geltende
Schweizer Rechtsordnung (vgl. B. Etter, Medizinalberufegesetz, Stämpflis
Handkommentar, Bern 2006, Rz. 38 zu Art. 40 MedBG; Sprumont/Guinchard/Schorno,
in: Ayer/Kieser/Poledna/Sprumont [Hrsg.], Medizinalberufegesetz, Kommentar, Basel
2009, Rz. 77 zu Art. 40 MedBG). Der Verweis bezieht sich in erster Linie auf das
strafrechtlich geschützte Berufsgeheimnis gemäss Art. 321 des Schweizerischen
Strafgesetzbuches (SR 311.0, StGB; vgl. Botschaft zum MedBG, in: BBl 2005 S. 173
ff., S. 229). Zu beachten sind aber auch das Datenschutzrecht sowie der
privatrechtliche Schutz der Persönlichkeit des Patienten (Art. 28 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches, SR 210) und die Verschwiegenheits- und Geheimhaltungspflicht des
Beauftragten (Art. 398 Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenrechts, SR 220).
Die Beschwerdegegnerin und die Beschwerdegegner erfüllen die persönlichen
Voraussetzungen, um das Sonderdelikt von Art. 321 StGB zu begehen. An der
Unterstellung unter Art. 321 StGB ändert nichts, dass sie ihren Beruf als Angestellte
einer öffentlichen Einrichtung ausüben (vgl. Trechsel/Vest, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.],
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2017, Rz. 9 zu Art. 321
StGB; BGer 2C_361/2012 vom 19. September 2012 E. 2.3). Dieser Umstand wirkt sich
einzig dahingehend aus, dass für eine Entbindung vom Arztgeheimnis (im Sinn von Art.
321 Ziff. 2 StGB) nicht wie in Art. 6 GesG vorgesehen der Gesundheitsrat, sondern
gestützt auf Art. 3 GesG das Gesundheitsdepartement bzw. der Leiter Rechtsdienst
(Anhang 8 der Ermächtigungsverordnung, sGS 141.41) zuständig ist.
Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Beschwerdegegner
stellten die Fähigkeit des Beschwerdeführers zur sorgfältigen Berufsausübung als
Oral-, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg in Frage. Es bestehe folglich ein gewichtiges
öffentliches Interesse an der Abklärung der Gewährleistung einer einwandfreien
Berufsausübung. Die Wiederaufnahme seiner anspruchsvollen Tätigkeit durch den
Beschwerdeführer könne unter den von den Beschwerdegegnern dargelegten
Umständen nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet sein, die Gesundheit
seiner Patienten zu gefährden oder zu schädigen. Gemäss Aussage der
Beschwerdegegner sei in Bezug auf seine berufliche Tätigkeit aktuell von
Urteilsunfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Wegen der fehlenden
Krankheitseinsicht müsse von zeitnaher Wiederaufnahme der Berufstätigkeit durch ihn
ausgegangen werden, weshalb eine Meldung an das Kantonsarztamt dringlich
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erscheine. Die Interessen an der Entbindung der Beschwerdegegner vom
Berufsgeheimnis würden die Interessen des Beschwerdeführers an der Wahrung des
Berufsgeheimnisses überwiegen. Da eine Meldung an das Kantonsarztamt dringlich
erscheine, sei einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen
(act. G 2).
Im Nachgang zur Beschwerdeerhebung vom 21. Februar 2019 unterzeichnete der
Beschwerdeführer eine von der Vorinstanz vorgelegte Vereinbarung vom 25. Februar
2019, in der er einwilligte, temporär auf die Berufsausübung als Arzt und Zahnarzt zu
verzichten und diese erst bei Bestätigung seiner Arbeitsfähigkeit durch einen
fachärztlichen Bericht gegenüber der Vorinstanz wiederaufzunehmen (act. G 15/18).
Die Vorinstanz vertritt diesbezüglich die Auffassung, dass aufgrund der Unterzeichnung
der Vereinbarung kein aktuelles und praktisches Interesse des Beschwerdeführers an
der Feststellung der Rechtswidrigkeit der Verfügung vom 30. Januar 2019 mehr
bestehe, zumal er sich durch die Unterzeichnung bezüglich der diagnostizierten
(vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit einsichtig zeige und den Handlungsbedarf der
Behörde bestätige (act. G 14 Ziff. 2). Im Weiteren tangiere die Verfügung vom 30.
Januar 2019 die Privatsphäre des Beschwerdeführers insofern nicht, als sie (lediglich)
die Rechtmässigkeit einer (bereits) gestützt auf die einschlägige Rechtsgrundlage (Art.
17 Abs. 1 lit. Ziff. 2 VMB) bestehenden Meldebefugnis der Beschwerdegegner
bestätige (act. G 14 Ziff. 1.5 mit Hinweis auf VerwGE B 2016/134 vom 18. April 2018 E.
3.5). Überdies hätte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung keine Auswirkungen
auf die Rechtsstellung des Beschwerdeführers, da die Aufhebung an der bereits
erfolgten Meldung an das Kantonsarztamt nichts zu ändern vermöchte. Auf die
Beschwerde sei nicht einzutreten (act. G 14 und G 18).
Der Beschwerdeführer legt dar, er sei wegen eines Hemisyndroms vorübergehend
arbeitsunfähig geworden. Grund für die Meldung an die Kantonsärztin sei eine
Unstimmigkeit über die weitere Behandlung gewesen, wobei anzumerken sei, dass er
als Arzt durchaus in der Lage sei, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die
neuropsychologische Untersuchung im Kantonsspital sei - da lediglich vier Tage nach
dem Infarkt erfolgt - natürlich ziemlich schlecht ausgefallen. Grundlage des
Entbindungsgesuchs der Beschwerdegegnerin 1 sei die Annahme gewesen, dass er
fremdgefährdend sei. Das habe keine Grundlage in den Akten. Er habe gefunden, da er
nur noch im Spital zu liegen gehabt habe, könne er das gut auch zuhause oder in den
(bereits geplanten) Ferien. Dies habe er (im Kantonsspital) so mitgeteilt und sich dann
entlassen. Offenbar habe die Kommunikation zwischen dem Beschwerdegegner 2 und
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dem Beschwerdeführer nicht einwandfrei funktioniert, denn der Beschwerdeführer
hätte noch das Gespräch mit der Beschwerdegegnerin 1 abgewartet, wenn ihm
mitgeteilt worden wäre, dass sie noch mit ihm reden wolle. Er kümmere sich um seine
eigene Gesundheit. Es habe keinen Grund für eine Gefährdungsmeldung gegeben.
Was in den Berichten des Kantonsspitals stehe, sei nachweislich falsch (act. G 1). Es
wäre der Vorinstanz ein Leichtes gewesen, vor Verfügungserlass entweder mit dem
Beschwerdeführer oder mit seinem Praxis-Kollegen Dr. med. E._ Kontakt
aufzunehmen. Sie hätte sich aufgrund der Gefährdungsmeldung (im Sinn einer
schonenden Rechtsausübung) ein Bild machen können. Mit der Aufhebung des
Arztgeheimnisses sei massiv in die Rechtssphäre des Beschwerdeführers eingegriffen
worden. Er habe eine beidseitige Schwerhörigkeit und sei insbesondere in der (ohne
seine Hörgeräte durchgeführten) neuropsychologischen Untersuchung nicht darauf
angesprochen worden, dass er Sachen falsch verstehe. Eine neuropsychologische
Untersuchung in einem solch kurzen Abstand nach Infarkt bei fehlenden Hörgeräten
und attestierter Schwerhörigkeit sage gar nichts aus. Diesbezüglich werde eine
neuropsychologische Stellungnahme durch Prof. Dr. F._ beantragt. Der
Beschwerdeführer habe den Aufenthalt im Kantonsspital genutzt, um einen Termin bei
Prof. Dr. G._ festzulegen. Es sei also offensichtlich, dass er mit seiner eigenen
Gesundheit verantwortungsvoll umgehe. Er bestreite, dass er vom Beschwerdegegner
2 gebeten worden sei, auf irgendeine Besprechung zu warten. Die
Beschwerdegegnerin 1 und der Beschwerdeführer seien sich am fraglichen Tag
(Austritt) gar nie begegnet. Die respektlose Art, in der die Vorinstanz mit dem
Beschwerdeführer umgehe, sei erstaunlich. Ein Telefonat hätte gereicht um
festzustellen, dass der Beschwerdeführer bis am 16. Februar 2019 in seiner Praxis
abgemeldet gewesen sei. Bis am 10. Februar 2019 hätte die Vorinstanz immer noch
Zeit gehabt, um das weitere Vorgehen mit dem Beschwerdeführer abzusprechen, ohne
die Beschwerdegegner vom Arztgeheimnis zu entbinden. Die Vorinstanz hätte
irgendetwas machen können, um ihrem Leistungsauftrag gerecht zu werden, ohne die
Patientenrechte des Beschwerdeführers auszuhöhlen. Die Klinik habe ihn drei Wochen
in eine Reha schicken wollen. Er habe es vorgezogen, sich zwei Wochen zuhause und
danach eine Woche in den Bergen zu erholen. Er habe nicht die Absicht gehabt,
zeitnah zu operieren. Die Vorinstanz habe in die Privatsphäre eingegriffen und berufe
sich auf eine Verordnung. Dies sei eine ungenügende gesetzliche Grundlage für einen
Grundrechtseingriff. Was die Beschwerdegegnerin 1 gemacht habe, hätte sie nicht
machen dürfen. Das Gesuch selber dürfe nämlich die geheime Tatsache nicht verraten
(act. G 13).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK hat jede Person ein Recht darauf, dass über Streitigkeiten
betreffend ihre zivilrechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen von einem
unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht in einem fairen
Verfahren, öffentlich und innerhalb angemessener Frist verhandelt wird. Der Erlass
einer Verfügung betreffend Entbindung vom Berufsgeheimnis tangiert grundsätzlich
einen zivilrechtlichen Anspruch im Sinn der erwähnten Norm (vgl. Art. 28 Abs. 1 und 2
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB, SR 210). Der konventionsrechtliche
Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung ist grundsätzlich vor der ersten Instanz zu
gewähren. Wenn eine untere Instanz eine öffentliche Verhandlung durchgeführt hat, ist
dem Anspruch in aller Regel genüge getan, und die Rechtsmittelinstanz kann darauf
verzichten, namentlich wenn sie ohne eigene Beweismassnahmen aufgrund der Akten
entscheidet (BGer 5D_141/2014 vom 22. Januar 2015 [BGE 141 I 97] E. 5.1 mit
Hinweisen).
Mit Bezug auf den Antrag des Beschwerdeführers auf persönliche Anhörung durch das
Gericht (act. G 13 S. 3) ist festzuhalten, dass er sich in seinen schriftlichen Eingaben
umfassend äussern konnte, weshalb dieser Antrag abzulehnen ist. Die von ihm
beantragte mündliche Verhandlung im vorstehend erwähnten Sinn erscheint mit Blick
auf die nachstehend zu schildernden Gegebenheiten nicht geboten, weshalb sich ein
Verzicht auf eine solche rechtfertigt.
3.1.
Vorab ist festzuhalten, dass die auf Art. 17 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 VMB gestützte Befugnis
der Beschwerdegegner zur Meldung an das Kantonsarztamt für sich allein - entgegen
der Auffassung der Vorinstanz (act. G 14 S. 1 f. Ziff. 1 und G 20 S. 5) - eine Entbindung
vom strafrechtlich geschützten Arztgeheimnis (vgl. vorstehende E. 2.1) nicht zu
bewirken bzw. zu ersetzen vermag. So bedarf es auch im Fall des Amtsgeheimnisses
lediglich dann keiner Entbindung durch die vorgesetzte Behörde, wenn gesetzliche
Informationsrechte bzw. gesetzliche Offenbarungspflichten bestehen (VerwGE B
2016/134 a.a.O. E. 3.3 mit Hinweis auf Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts,
2. Aufl. 2005, Rz. 870 und Trechsel/Vest, a.a.O., Rz. 11 zu Art. 320 StGB). Vorliegend
ist mit Art. 17 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 VMB zwar eine Meldepflicht in einer
kantonalrechtlichen Verordnungsbestimmung normiert, welche sich auf die
Delegationsnorm von Art. 44 Abs. 3 lit. a GesG ("Die Regierung erlässt durch
Verordnung Vorschriften zum Vollzug der Bundesgesetzgebung über die
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Medizinalberufe") stützt. Diese Delegationsnorm ist jedoch zum einen sehr unbestimmt
formuliert und lässt sich zum anderen nicht ohne Weiteres mit Art. 321 Ziff. 3 StGB in
Verbindung bringen. In jedem Fall fehlt es an einer (formell-)gesetzlichen
Offenbarungspflicht im vorerwähnten Sinn, welche eine Ausnahme von der
gesetzlichen Schweigepflicht im Sinn von Art. 321 Ziff. 3 StGB zu statuieren
vermöchte. Die Regelung in einer kantonalen Verordnungsbestimmung genügt für sich
allein nicht, eine Ausnahme (im Sinn von Art. 321 Ziff. 3 StGB) vom bundesgesetzlichen
Berufsgeheimnis zu begründen. Im Übrigen käme Art. 17 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 VMB,
selbst wenn eine Anwendbarkeit (ohne Entbindung vom Berufsgeheimnis) bejaht
würde, nur für zwei Beschwerdegegner (Ärzte) zum Tragen. Die Vorinstanz hatte denn
auch auf entsprechende Anfrage des Rechtsdienstes des Kantonsspitals die
Einreichung eines formellen Entbindungsgesuchs (aus Gründen der Rechtssicherheit)
empfohlen (act. G 20 Ziff. II./A. am Schluss). Aus den geschilderten Gegebenheiten
lässt sich somit kein Grund für ein fehlendes Rechtsschutzinteresse des
Beschwerdeführers bzw. für ein Nichteintreten auf die vorliegende Beschwerde
begründen.
Von Seiten der Beschwerdegegner erfolgte nach Erhalt der am 30. Januar 2019 vorab
per E-Mail zugestellten Entbindungsverfügung (act. G 15/5) gleichentags eine
ausführlich (mit medizinischen Details) begründete Meldung an die Kantonsärztin (act.
G 15/9 Beilage). Eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung hätte somit, wie die
Vorinstanz an sich zutreffend feststellt, mit Blick auf die bereits erfolgte Meldung keine
Auswirkung auf die Rechtsstellung des Beschwerdeführers bzw. vermöchte die
Meldung nicht ungeschehen zu machen. Es fehlt dementsprechend an einem
Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers an der (formellen) Aufhebung der
Verfügung. Indes kommt ihm ein (materiell bzw. inhaltlich begründetes)
Rechtsschutzinteresse an der Feststellung der Rechtswidrigkeit der Entbindung vom
Amtsgeheimnis insofern zu, als in der vorliegenden Konstellation eine rechtzeitige
gerichtliche Überprüfung zum vornherein nicht möglich gewesen wäre (vgl. dazu in
anderem Kontext VerwGE B 2018/23 vom 23. Februar 2019 E. 1). Auf die Beschwerde
ist somit einzutreten (vgl. vorstehende E. 1). Konkret ist - und dies erscheint hier
entscheidend - im Rahmen einer Vergangenheitsbetrachtung der tatsächlichen
Verhältnisse im Zeitpunkt des Verfügungserlasses ausschliesslich die Rechtmässigkeit
der Entbindung vom Arztgeheimnis zu klären. Gegenstand des vorinstanzlichen
Verwaltungsverfahrens bildete denn auch einzig die Frage der Entbindung der
Beschwerdegegner von ihrem Berufsgeheimnis für die Meldung an die Kantonsärztin.
Der Entbindung vom Berufsgeheimnis kommt dabei nach der Rechtsprechung die
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einzige Rechtswirkung zu, dass die Person, deren medizinische Daten offenbart
werden sollen, lediglich im Umfang, der für die Meldung (vorliegend an das
Kantonsarztamt) notwendig ist, sich nicht auf den Berufsgeheimnis-Schutz berufen
kann (vgl. BGer 2C_439/2017 vom 16. Mai 2018 E. 3.3). Eine inhaltliche Würdigung der
medizinischen Darlegungen der Gesuchsteller mit einlässlicher Prüfung des
Gefährdungspotentials war, da ausserhalb des Verfahrensgegenstandes liegend, für
den Entbindungsentscheid nicht vorzunehmen. Ein Entbindungsentscheid soll ein
allfälliges späteres Aufsichtsverfahren nicht präjudizieren bzw. vorwegnehmen (vgl.
BGer 2C_1143/2016 vom 15. Dezember 2016 E. 2). Dementsprechend kann auch im
vorliegenden Verfahren die Einholung der vom Beschwerdeführer beantragten
ärztlichen Stellungnahme (act. G 13 S. 5) unterbleiben. Auch ist auf die von ihm
eingereichte Publikation der SAMW (act. G 23) betreffend die Frage der
Urteilsunfähigkeit nicht weiter einzugehen.
Das Gesuch der Beschwerdegegner an die Vorinstanz (act. G 15/1.1 mit Beilagen)
enthält - anders als die wesentlich ausführlichere Meldung an die Kantonsärztin (act. G
15/9 Beilage) - ausschliesslich eine Darlegung der tatsächlichen Verhältnisse, welche
der Vorinstanz als Entscheidgrundlage dienten (vgl. Trechsel/Vest a.a.O., Rz. 31 zu Art.
321 StGB mit Hinweisen). Zu prüfen ist das verfahrensmässige Vorgehen der
Vorinstanz im Vorfeld des Erlasses der Entbindungsverfügung. Sie verzichtete mit
Hinweis darauf, dass gemäss Aussage der Beschwerdegegner aufgrund fehlender
Krankheitseinsicht des Beschwerdeführers von einer zeitnahen Wiederaufnahme seiner
Behandlungstätigkeit mit daraus resultierender Dringlichkeit der Meldung an das
Kantonsarztamt auszugehen gewesen sei, auf die Einräumung des rechtlichen Gehörs
gegenüber dem Beschwerdeführer (act. G 2 S. 2 Mitte).
Nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, BV) haben die Parteien in einem
Verwaltungsverfahren Anspruch auf rechtliches Gehör. Dazu gehört insbesondere das
Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden
Entscheids zur Sache zu äussern und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder
mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses
geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (vgl. statt vieler BGE 127 I 56 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des
rechtlichen Gehörs geheilt werden, wenn die betroffene Person nachträglich die
Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den
Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung
ist darüber hinaus - im Sinne einer Heilung des Mangels - selbst bei einer
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
schwerwiegenden Verletzung des Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen
Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der
Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 133 I 201 E. 2.2, BGE 132 V
387 E. 5.1 mit Hinweis).
Unbestritten blieb zum einen, dass der Beschwerdeführer sich am 25. Januar 2019 im
Kantonsspital "selbst entliess". Unbestritten blieb sodann die bei ihm vorliegende
beidseitige Schwerhörigkeit sowie der Umstand, dass die Untersuchung im
Kantonsspital ohne seine Hörhilfsmittel (vgl. IV-Verfügung, act. G 17.1) durchgeführt
wurde. Dass der letztgenannte Umstand zu Verständnisproblemen geführt haben
dürfte, wurde ebenfalls von keiner Seite diskutiert und/oder in Frage gestellt.
Anderseits bestreitet der Beschwerdeführer eine an ihn erfolgte Mitteilung des
Beschwerdegegners 2 im Austrittszeitpunkt, dass er noch ein Gespräch mit der
Beschwerdegegnerin 1 abwarten müsse. Ebenfalls stellt er in Abrede, dass ihm eine
Vereinbarung, wonach ihn die Beschwerdegegnerin 1 "am frühen Nachmittag
persönlich sehen" wollte, zur Kenntnis gebracht wurde (act. G 13 Rz. 13). Die
erwähnten Vorbringen (bestätigt in der Eingabe vom 2. September 2019; act. G 38)
blieben somit beweislos. Aber selbst wenn der Standpunkt der Beschwerdegegner
(act. G 38) als belegt zu erachten und dem Beschwerdeführer ein gewisses
Fehlverhalten bzw. Eigenmächtigkeit bei seiner Selbstentlassung aus dem Spital
anzulasten wäre, hätte die Entbindung vom Berufsgeheimnis nicht ohne seine
vorherige Anhörung erfolgen dürfen (vgl. auch VerwGE B 2017/31 vom 3. April 2017 E.
3 mit weiteren Hinweisen). Eine vorgängige (telefonische oder anderweitige)
Kontaktaufnahme mit dem Beschwerdeführer bzw. mit seinem Praxis-Kollegen durch
die Vorinstanz (vgl. act. G 13 Rz. 11 f.) hätte - wie die Vorinstanz an sich zu Recht
vermerkt - zwar ebenfalls einen Eingriff in die privaten bzw. beruflichen Verhältnisse
des Beschwerdeführers bedeutet. Eine solche hätte jedoch nach der unbestritten
gebliebenen Feststellung des Beschwerdeführers ergeben, dass er in seiner Praxis bis
am 16. Februar 2019 abgemeldet war. In der Zeit ab dem 30. Januar 2019
(Entbindungsgesuch) hätte somit für die Vorinstanz ein ausreichender zeitlicher
Spielraum für eine Anhörung des Beschwerdeführers und Besprechung zur Klärung der
Verhältnisse bestanden, ohne die Beschwerdegegner - unter Verzicht auf eine
Anhörung - sofort von ihrem Berufsgeheimnis zu entbinden. Hierfür bestand umso
weniger ein triftiger Grund, als die Vorinstanz die (1991 von ihr bewilligte)
Berufsausübung durch den Beschwerdeführer in der gut drei Wochen später erstellten
3.5.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22Recht+auf+Akteneinsicht%22+++%22rechtliches+Geh%F6r%22+Heilung+&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vereinbarung als einwandfrei qualifizierte und überdies eine "sehr geschätzte"
zahnärztliche Gutachtertätigkeit für sie (die Vorinstanz) bestätigte (act. G 15/18 I.A.).
Von daher ist der Vorinstanz ein vorschneller Erlass der Entbindungsverfügung - im
Sinn eines Ermessensfehlers in der Auswahl der Vorgehensart - sowie eine
Gehörsverletzung vorzuwerfen. Von einer nicht besonders schwerwiegenden
(heilbaren) Verletzung im erwähnten Sinn kann diesbezüglich nicht ausgegangen
werden; dies umso weniger, als sich die unmittelbar im Anschluss an die Entbindung
erfolgte Meldung nicht mehr ungeschehen machen lässt.
Im Weiteren trifft es entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht zu, dass durch die
Unterzeichnung der Vereinbarung vom 25. Februar 2019 (act. G 15/18) insofern kein
aktuelles und praktisches Interesse des Beschwerdeführers an der Feststellung der
Rechtswidrigkeit der Entbindung vom Arztgeheimnis mehr bestehe, als er durch die
Unterzeichnung implizit seine Einsicht und den Handlungsbedarf der Behörde bestätigt
habe. Die im Nachgang zu Entbindungsverfügung und Meldung an die Kantonsärztin
erstellte Vereinbarung liess weder das Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers
an der Beurteilung der Beschwerde dahinfallen noch das Verfahren gegenstandslos
werden, da für das Beschwerdeverfahren betreffend Rechtmässigkeit der Entbindung
wie dargelegt die Verhältnisse im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung massgebend
sind. Die von der Vorinstanz - als Berufsausübungsbewilligungsbehörde - erstellte
Vereinbarung vom 25. Februar 2019 beinhaltet einen temporären Verzicht auf
Berufsausübung im Kanton St. Gallen mit dem Hinweis, dass die
Berufsausübungsbewilligung von 1991 im Übrigen unberührt bleibe (act. G 15/18). Bei
diesen Gegebenheiten lässt sich die Unterzeichnung der Vereinbarung durch den
Beschwerdeführer zum einen - entgegen der von der Vorinstanz vertretenen
Auffassung (act. G 14 Ziff. 2.3 am Schluss) - nicht als Anerkennung der Richtigkeit des
Vorgehens der Vorinstanz betreffend Berufsgeheimnisentbindung deuten, zumal die
Folgen einer allfälligen Nichtunterzeichnung für ihn nicht abschätzbar waren. Zum
anderen vermag die Unterzeichnung auch die Schlussfolgerung nicht in Frage zu
stellen, dass der Verfügungserlass zu Unrecht ohne vorgängige Anhörung des
Beschwerdeführers erfolgt war. Im Übrigen hätte eine solche Vereinbarung dem
Beschwerdeführer - als schonendere Massnahme auch gleich am 30. Januar 2019 -
vorgelegt werden können, ohne die Beschwerdegegner von ihrem Berufsgeheimnis
betreffend sensitive Gesundheitsdaten des Beschwerdeführers zu entbinden.
Hinsichtlich der von der Kantonsärztin gestützt auf einen Bericht der
Beschwerdegegnerin 1 bestätigten (Teil-)Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab 6.
3.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Mai 2019 (act. G 28 mit Präzisierung durch die Beschwerdegegnerin 1 in act. G 34) ist
ebenfalls festzuhalten, dass auch dieser Umstand - entgegen der Auffassung der
Vorinstanz (act. G 27) - das Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde nicht hinfällig macht. Denn der Wiedereintritt der (teilweisen)
Arbeitsfähigkeit ändert nichts am Streitgegenstand, d.h. an der Frage, ob am 30.
Januar 2019 die Beschwerdegegner verfügungsweise von ihrem Berufsgeheimnis
hätten entbunden werden dürfen, ohne den Beschwerdeführer hierzu vorgängig
anzuhören. Diese Frage ist wie dargelegt (vorstehende E. 3.5) zu verneinen.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen. Es ist festzustellen, dass die
Beschwerdegegner am 30. Januar 2019 nicht von ihrem Berufsgeheimnis hätten
entbunden werden dürfen, ohne den Beschwerdeführer hierzu vorgängig anzuhören. In
Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 3'500 erscheint - unter Einbezug der verfahrensleitenden Zwischenentscheide
(act. G 5 und 19) - angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Angesichts des Verfahrensausgangs sind der Vorinstanz die Verfahrenskosten
aufzuerlegen. Auf die Erhebung der Kosten ist gestützt auf Art. 95 Abs. 3 VRP zu
verzichten.
Dem Beschwerdeführer ist der von ihm erbrachte Kostenvorschuss von CHF 1'500
zurückzuerstatten.
4.1.
Vorinstanz und Beschwerdegegner haben - sowohl vom Grundsatz als auch vom
Verfahrens-ausgang her - keinen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung (Art. 98
Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz 829). Hingegen
hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Entschädigung für das Beschwerdeverfahren.
Das Verwaltungsgericht spricht bei Fehlen einer Kostennote praxisgemäss
Pauschalentschädigungen nach Ermessen gemäss Art. 6 und Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung zu (sGS 963.75, HonO). Dabei ist der Hinweis des Beschwerdeführers
auf seinen Rechtsaufwand von rund CHF 13'000 (act. G 44) lediglich zu
berücksichtigen. Mit Blick auf vergleichbare Verfahren und die konkreten Verhältnisse
ist eine Entschädigung des obsiegenden Beschwerdeführers für das
Beschwerdeverfahren mit CHF 4‘000 zuzüglich 4% Barauslagen (= CHF 160)
4.2.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte