Decision ID: 5a22a222-785f-4ad9-a107-309d6b50fb24
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Verfügung vom 16. August 2019 (Urk. 3/22) stellte die
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
, fest, dass
Y._
-,
Z._
-,
A._
-,
B._
-Fahrer eine unselbständige Erwerbstätigkeit für die
X._
ausübten (Dispositiv Ziff. 1) und dass die
C._
die abrech
nungspflichtige Betriebsstätte der
X._
in der Schweiz sei (Dispositiv Ziff. 2). Zudem wurden die
X._
als Arbeit
geberin der «genannten» Fahrer beziehungsweise die
C._
verpflichtet, für das Jahr 2014 Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von Fr. 4'283'763.75 zuzüglich Verzugszinsen von Fr. 991’215.35 zu bezahlen (Dispositiv Ziffern 3 und 4). Einer Einsprache wurde die aufschiebende Wirkung ent
zogen (Dispositiv Ziff. 5).
1.2
Die gegen die genannte Verfügung vom 16. August 2019 erhobenen Einsprachen der
X._
und der
C._
hiess die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 3. März 2020 (Urk. 3/23;
Abr
.-Nr.
...
) teilweise gut und
reduzierte die geltend gemachte Beitragsforderung für das Jahr 2014 (inklu
sive Nebenkosten) auf Fr. 4'261'460.35 und die Verzugszinsforderung auf Fr. 986'054.60 (Dispositiv Ziffer 4 und 5). Im Übrigen wies die Ausgleichskasse die Einsprachen ab und hielt insbesondere daran fest, dass
Y._
-,
Z._
-,
A._
-,
B._
-Fahrer eine unselbständige Erwerbstätigkeit für die
X._
ausübten (Dispositiv Ziff. 1) und dass die
C._
die abrech
nungspflichtige Betriebsstätte der
X._
in der Schweiz sei (Dispositiv Ziff. 2). Mit Bezug auf die Feststellung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit der
X._-Fahrer
für die
X._
und mit Bezug auf die Feststellung des Vorliegens einer Betriebsstätte (
C._
) werde einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen (Dispositiv Ziff. 3).
2.
2.1
Mit einer gemeinsamen Eingabe vom 4. Mai 2020 (Urk. 1/1) liessen die
X._
und die
C._
Beschwerden gegen den Einspracheentscheid vom 3. März 2020 (
Abr
.-Nr.
...
X._
) erheben mit folgenden Anträgen:
Im Verfahren:
1.
Es sei auf die vorliegende Beschwerde gegen den Entscheid der SVA vom 3. März 2020 einzutreten.
2.
Es sei die aufschiebende Wirkung der vorliegenden Beschwerde gegen den Entscheid der SVA vom 3. März 2020 vollumfänglich und mit sofortiger Wirkung wiederherzustellen.
3.
Es sei festzustellen, dass
X._
zur Beschwerde gegen den Ent
scheid der SVA vom 3. März 2020 legitimiert ist.
4.
Es sei festzustellen, dass
C._
zur Beschwerde gegen den Entscheid der SVA vom 3. März 2020 legitimiert ist.
5.
Es sei das vorliegende Verfahren zu sistieren bis ein endgültiger Ent
scheid über die Pilotfälle ergangen ist.
In der Sache:
6.
Es sei der Entscheid der SVA vom 3. März 2020 aufzuheben.
7.
Es sei festzustellen, dass
C._
keine
Betriebsstätte von
X._
im Sinne von Art. 12 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Alters- und H
interlassenenversicherung
(AHVG)
ist.
8.
Es sei festzustellen, dass
die Fahrer
2014
, welche die Modelle
Y._
,
Z._
,
A._
und
B._
nutzen, ihre Tätigkeit
als Fahr
er im Zusam
menhang mit der
X._-Applikation
nic
ht als «
Unselbstän
digerwer
bende
» im Sinne des Sozialversicherungsrechts für
X._
oder irgend
eine andere Gesellschaft de
r
X._-Gruppe
erbringen
.
9.
Es sei festzustellen, dass weder
X._
noch
C._
noch irgendeine andere Gesellschaft der
X._-Gruppe
als Arbeit
geberin der Fahrer 2014, welche die Modelle
Y._
,
Z._
,
A._
und
B._
nutzen, qua
lifizieren
.
10.
Es sei festzustellen, dass weder
X._
noch
C._
noch irgendeine andere Gesellschaft der
X._-Gruppe
paritä
tische Sozialversiche
rungsbeiträge auf die an
die Fahrer 2014 entrich
teten
Beträge im Zusammenhang mit der Nutzung der
X._-Applikation
zahlen muss.
11.
Es sei festzustellen, dass weder
X._
noch
C._
noch irgendeine andere Gesellschaft der
X._-Gruppe
auf die paritätischen Sozialver
sicherungsbeiträge anfallende Verzugszinsen zahlen muss.
12.
Es sei die gesamte Rechnung
von CHF 5'247'514.95 vom 3. März 2020 über
die paritätischen Sozialversicherungsbeiträge
für das Jahr 2014 und die darauf erhobenen
Verzugszinsen
seit 16. August 2019
zu annullieren.
13.
Eventualiter sei
a)
der Entscheid der SVA vom 3. März 2020 aufzuheben.
b)
die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die SVA zurückzu
weisen.
c)
festzustellen, dass
die Fahrer 2014 ihre Tätigkeit als Fahrer (selbst mithilfe der
X._-Applikation
) als Selbständigerwerbende im Sinne von Art. 9 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinter
lassenenversicherung ausübten.
d)
festzustellen, dass weder
X._
noch
C._
noch irgendeine andere Gesellschaft der
X._-Gruppe
auf die von
den Fahrern 2014
im Zusammenhang mit der Nutzung der
X._-Applikation
er
haltenen Beträge paritätische Sozialversicherungs
beiträge ent
richten müssen.
e)
festzustellen, dass weder
X._
noch
C._
noch irgendeine andere Gesellschaft der
X._-Gruppe
auf die paritätischen Sozialversicherungsbeiträge anfallende Verzugs
zinsen zahlen muss.
f)
die Rechnung
von CHF 5'247'514.95 vom 3. März 2020 über die
paritätischen Sozialversicherungsbeiträge
für das Jahr 2014 und
die
darauf erhobenen
Verzugszinsen
seit 16. August 2019
zu annullieren.
14.
Subeventualiter
sei
a)
der Entscheid der SVA vom 3. März 2020 aufzuheben.
b)
X._
eine angemessene Frist, aber in jedem Fall eine Frist von mindestens drei Monaten zu gewähren, um zusätzliche Informa
tionen
bezüglich der Fahrer 2014 und der
von
X._
an
diese Fahrer im Jahr 2014 entrichteten Beträge
zu liefern.
15.
Es seien alle weiteren Begehren der SVA abzuweisen.
16.
Die Kosten des Verfahrens
seien
der SVA aufzuerlegen und
X._
und
C._
sei
eine Entschädigung für die durch das Beschwerdeverfahren entstandenen Parteikosten zuzusprechen (zzgl. MwSt.).
2.2
Das Sozialversicherungsgeri
cht registrierte die Beschwerde
der
X._
getrennt von der Beschwerde der
C._
unter der vorliege
nden Prozess
nummer AB.2020.0004
4.
Die Beschwerde der
C._
wurde als Prozess N
ummer AB.2020.000
60
angelegt.
Mit Urteil vom 16. September
2020 (Prozess Nr. AB.2020.00060
) hiess das Sozi
alversicherungsgericht die Beschwerde der
C._
in dem Sinne gut, dass der Ein
spracheentscheid vom 3. März 2020, soweit er die
C._
betraf, aufgehoben wurde mit der Feststellung, dass sie nicht bei
tragspflichtig sei. Die entzogene auf
schiebende Wirkung der Beschwerde wurde wieder
hergestellt. Das Sozialversi
cherungsgericht erwog unter anderem, dass die
C._
keine Betriebsstätte der
X._
sei.
Die dagegen von der Ausgleichskasse erhobene Beschwerde schrieb das Bundes
gericht infolge Rückzugs der Beschwerde ab (Verfügung 9C_693/2020 vom 6. Mai 2021). Das Bundesgericht hatte zuvor in einem Parallelverfahren die Beschwerde der Ausgleichskasse abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde (Urteil 9C_692/2020 vom 29. März 2021; teilweise amtlich publiziert als BGE 147 V 174).
2.3
In der vorliegenden Sache
X._
gegen die Ausgleichskasse stellte diese in ihrer Beschwerdeantwort vom 24. Juli 2020 (Urk.
7
) folgende Anträge:
1.
Es sei auf die Beschwerde von
X._
einzutreten. Mit Bezug auf die Beschwerde von
C._
verweisen wir auf die Verfah
ren AB.2020.00060
und AB.2020.00054 bis AB.2020.00059.
2.
Mit Bezug auf den Antrag der Beschwerdeführenden auf Wieder
her
stellung der aufschiebenden Wirkung sei die Beschwerde gutzu
heis
sen und die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen.
3.
Es seien die nachfolgend
genannten Beschwerdeverfahren soweit möglich mit dem
vorliegenden
Beschwerdeverfahren
zu vereinigen:
Prozess-Nr. AB.2020.00038 (
D._
)
Prozess-Nr. AB.2020.00039 (
E._
)
Prozess-Nr. AB.2020.00040 (
F._
)
Prozess-Nr. AB.2020.00041 (
G._
)
Prozess-Nr. AB.2020.00042 (
H._
)
Prozess-Nr. AB.2020.00043 (
I._
)
4.
Es sei das Begehren um Sistierung des Beschwerdeverfahrens abzu
weisen.
5.
Es sei die Beschwerde mit Bezug auf die Feststellung
des Beitrags
sta
tuts
der
Y._
-,
Z._
-,
A._
- und
B._
-Fahrer abzu
weisen.
6.
Es sei die Beschwerde mit Bezug auf die Qualifikation von
X._
als Arbeitgeberin und
C._
als deren Betriebsstätte abzuweisen.
7.
Mit Bezug auf die festgesetzten Lohnbeiträge für das Jahr 2014 sei dem Subeventualantrag der Beschwerdeführenden stattzugeben und es sei den Beschwerdeführenden eine angemessene Frist anzusetzen, um die Namen und Geburtsdaten (evtl. auch AHV-Nr.) sämtlicher Fahrer zu melden. Ferner seien sie zu verpflichten, die an die einzel
nen Fahrer ausgerichteten Entschädigungen sowie sämtliche in den Steuerzusammenfassungen von
X._
enthaltenen Angaben einzu
reichen (insbesondere Bruttoentschädigung, Servicepauschale, gefah
rene Kilometer). Ferner
hätten
sie
die Einkommen der
J._
-Fahrer sowie die Einkommen der übrigen Fahrer (
Y._
,
Z._
,
A._
und
B._
) auszuscheiden.
Für den Fall, dass keine Nachfrist zur Einreichung der Lohnangaben angesetzt wird oder die Beschwerdeführenden einer entsprechenden Aufforderung nicht nachkommen, seien die von uns festgesetzten Lohnbeiträge
für das Jahr 2014
zu bestätigen.
8.
Schliesslich beantragen wir, es sei über die Berechnung der Unkosten zu befinden, welche den Fahrern bei der Ausübung ih
rer Tätigkeit für
X._
entstehen.
Mit Verfügun
g vom 16. November 2020 (Urk. 9
) wurde die mit Einspracheent
scheid vom 3. März 2020 entzogene aufschiebende Wirkung der Beschwerde wie
der
hergestellt und die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels ange
o
rdnet. In der Folge reichte die Ausgleichskasse weitere Dokumente zu den Akten (vgl. Urk. 11-15), die der
X._
zur Kenntnis gebracht wurden (vgl. Urk. 16).
In der Replik vom 12. April 2021 (Urk. 22
; vgl. auch Urk. 21)
liess
X._
folgende Anträge stellen:
Im Verfahren:
1.
Es sei auf die vorliegende Beschwerde einzutreten;
2.
Es sei die aufschiebende Wirkung der vorliegenden Beschwerde gegen den angefochtenen Entscheid vollumfänglich und mit sofortiger Wirkung wiederherzustellen;
3.
Es sei festzustellen, dass
X._
zur Beschwerde gegen den
Ein
sprache
entscheid
der SVA vom 3. März 2020 legitimiert ist.
In der Sache:
4.
Der
Einspracheentscheid
der SVA vom 3. März 2020
sei
aufzuheben;
5.
Es sei festzustellen, dass
die Fahrer 2014, welche die Modelle
Y._
,
Z._
,
A._
und
B._
nutzen, ihre Tätigkeit als Fahrer
im Zusam
menhang mit der
X._-Applikation
nic
ht als «
Unselbstän
digerwer
bende
» im Sinne des Sozialversicherungsrechts für
X._
oder irgend
eine andere Gesel
lschaft der
X._-Gruppe
erbringen
;
6.
Es sei festzustellen, dass weder
X._
noch irgendeine andere Gesell
schaft der
X._-Gruppe
als Arbeitgeberin
der Fahrer 2014 quali
fizie
ren, welche die Modelle
Y._
,
Z._
,
A._
und
B._
nutzen
;
7.
Es sei festzustellen, dass weder
X._
noch irgendeine andere Gesell
schaft der
X._-Gruppe
paritätische Sozialversicherungs
bei
träge auf die an
die Fahrer 2014 entrichteten Beträge
im Zusam
menhang mit der Nutzung der
X._-Applikation
zahlen muss;
8.
Es sei festzustellen, dass weder
X._
noch irgendeine andere Gesell
schaft der
X._-Gruppe
auf die paritätischen Sozialversiche
rungs
beiträge anfallende Verzugszinsen zahlen muss;
9.
Es sei die
Rechnung
vom 3. März 2020
betreffend die
für das Jahr 2014 berechneten
paritätischen
Beiträge und Verzugszinsen per 16
. August 2019 im Umfang von CHF 5'247'514.95 aufzuheben
.
10.
Eventualiter sei
a)
der
Einspracheentscheid
der SVA vom 3. März 2020 aufzuheben;
b)
die
Rechnung
vom 3. März 2020
betreffend die
für das Jahr 2014 berechneten
paritätischen
Beiträge und Verzugszinsen per 16. August 2019 im Umfang von CHF 5'247'514.95 aufzuheben;
c)
die Sache zur weiteren Abkl
ärung
und Neuentscheidung
an die SVA zurückzuweisen.
11.
Subeventualiter
, für den Fall, dass die vorstehenden Rechtsbegehren gemäss Ziffern 4 bis 10 abgewiesen werden, sei
a)
der
Einspracheentscheid
der SVA vom 3. März 2020 aufzuheben;
b)
die Rechnung vom 3. März 2020 betreffend die für das Jahr 2014 berechneten paritätischen Beiträge und Verzugszinsen per 16. August 2019 im Umfang von CHF 5'247'514.95 aufzuheben;
c)
festzustellen, dass weder
X._
noch irgendeine andere Gesell
schaft der
X._-Gruppe
als Arbeitgeberin der Fahrer 2014 qualifizieren, welche die
X._-Applikation
im Namen eines Ein
zelunternehmens verwenden
, einschliesslich der Herren
D._
,
I._
und
G._
;
d)
festzustellen, dass weder
X._
noch irgendeine andere Gesell
schaft der
X._-Gruppe
als Arbeitgeberin der Fahrer 2014 qualifizieren, welche die
X._-Applikation
im Namen einer Gesell
schaft verwenden
, einschliesslich der Herren
D._
,
I._
und
G._
und
K._
;
e)
festzustellen, dass der Kostenabzug nicht weniger als CHF 0.70 pro gefahrenen Kilometer betragen kann;
f)
die Sache zur Neubeurteilung an die SVA zurückzuweisen und
X._
eine angemessene Frist von mindestens drei Monaten zu gewähren, um zusätzliche Informationen
bezüglich des Jahres 2014, der von
X._
im Jahr 2014 entrichteten Beträge sowie bezüglich der von den Fahrern 2014 gefahrenen Kilometer zu liefern, ausser für diejenigen Fahrer 2014, welche die Applikation im Namen eines Einzelunternehmens oder einer Gesellschaft ver
wendet haben.
12.
Es seien alle weiteren Begehren der SVA abzuweisen;
13.
Die Kosten des Verfahrens
seien
der SVA aufzuerlegen und
X._
sei
eine Entschädigung für die durch das Beschwerdeverfahren ent
stan
denen Parteikosten zuzusprechen (zzgl. MwSt.).
In ihrer Duplik vom 26. Mai
2021 (Urk. 26
) hielt die Ausgleichskasse grundsätz
lich an ihren Anträgen fest und ergänzte, dass mit Bezug auf die Unkosten dem (neuen) Subeventualantrag von
X._
stattzugeben sei, wonach ihr eine Frist zur Angabe der von den Fahrern gefahrenen Kilometern anzusetzen sei.
Mit Ein
gabe vom 29. Oktober 2021 (Urk. 30) liess die
X._
zur Duplik Stellung nehmen, was der Ausgleichskasse zur Kenntnis gebracht wurde (vgl. Urk. 31).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines Einspracheentscheids – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der Einspracheentscheid den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein Einspracheentscheid ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
1.1.2
Soweit die Beschwerdeführerin wiederholt beantragte, es seien Feststellungen mit Bezug auf irgendeine andere Gesellschaft der
X._-Gruppe
zu machen (vgl. etwa Urk. 1/1 Ziffern 8 ff. des Rechtsbegehrens), ist festzuhalten, dass im angefoch
te
nen Einspracheentscheid vom 3. März 2020 (vgl. oben Sachverhal
t Ziffer 1.2
) von
keinen anderen Gesellschaften
der
X._-Gruppe
die Rede ist, sondern ledig
lich von
X._
und
von
C._
(separates Verfahren)
. Mit Bezug auf andere Gesell
schaften der
X._-Gruppe
ist demzufolge weder eine Verfügung noch ein Ein
spracheentscheid ergangen, weshalb insoweit auf die Beschwerde nicht einzutre
ten ist.
1.2
Wie bereits in Sachverhalt Ziff. 2.2 ausgeführt wurde, sind die Fragen, ob die
C._
eine Betriebsstätte der
X._
und/oder der
L._
ist und ob sie in irgend
einer Form für etwaige Beitragsforde
rungen der
Beschwerdegegnerin gegenüber der
Beschwerdeführerin zahlungs
pflichtig oder haftbar ist, bereits wiederholt ver
neint worden. Es handelt sich dabei um
res
iudicatae
.
Auf die entsprechenden, trotzdem von der Beschwerdegegnerin gestellten Anträge ist nicht einzutreten.
1.3
Schliesslich ist auch auf Verfahrensanträge, über die bereits entschieden wurde (etwa die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung) oder die durch den Verlauf des Verfahrens und/oder spätestens durch das heute zu fällende Urteil obsolet wurden (etwa die Anträge auf Prozessvereinigung oder Verfahrenssistie
rung), abgesehen von den Hinweisen, dass weder eine Sistierung des Prozesses noch eine Verfahrensvereinigung angezeigt erscheint, nicht weiter einzugehen.
1.4
Weiter ist festzuhalten, dass den meisten der von den Parteien gestellten Anträ
gen keine eigenständige Bedeutung zukommt, sondern sie letztlich allesamt in den Hauptfragen (Statusqualifikation, etwaige Arbeitgebereigenschaft und Quan
titativ einer allfälligen Beitragsforderung) aufgehen.
2.
2.1
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht auf Grund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die
wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist
im Allgemeinen zu betrachten, wer von einer oder einem Arbeitgebenden in
betriebswirtschaftlicher beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht
abhän
gig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Aus diesen Grund
sätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwend
baren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutref
fen
den Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbs
tä
ti
gen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 146 V 139 E. 3.1 mit Hinweis).
2.2
Selbständige Erwerbstätigkeit liegt im Regelfall dann vor, wenn die beitrags
pflichtige Person durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei bestimmter Selbst
organisation und nach
aussen
sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mit dem Ziel, Dienstleistungen zu erbringen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruchnahme oder Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Gegenleistungen abgegolten wird (BGE 115 V 161 E. 9a mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind die Tätigung erheblicher Investitionen, die Benützung eigener Geschäftsräumlichkeiten sowie die Beschäftigung von eigenem Personal charakteristische Merkmale einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Das spezifische Unternehmerrisiko besteht dabei darin, dass unabhängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, die der Versicherte selber zu tragen hat. Für die Annahme selb
ständiger Erwerbstätigkeit spricht sodann die gleichzeitige Tätigkeit für mehrere Gesellschaften in eigenem Namen, ohne indessen von diesen abhängig zu sein.
Massgebend
ist dabei nicht die rechtliche Möglichkeit, Arbeiten von mehreren
Auftraggebern anzunehmen, sondern die tatsä
chliche Auftragslage (BGE 122 V
169 E. 3c mit Hinweisen).
Von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist auszugehen, wenn die für den Arbeits
vertrag typischen Merkmale vorliegen, das heisst wenn die versicherte Person Dienst auf Zeit zu leisten hat, wirtschaftlich von der oder dem «Arbeitgebenden» abhängig ist und während der Arbeitszeit auch im Betrieb der oder des Arbeit
ge
benden eingeordnet ist, praktisch also keine andere Erwerbstätigkeit ausüben kann. Indizien dafür sind das Vorliegen eines bestimmten Arbeitsplans, die Not
wendigkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu erstatten, sowie das
Ange
wiesensein
auf die Infrastruktur am Arbeitsort. Das wirtschaftliche Risiko der ver
sicherten Person erschöpft sich diesfalls in der (alleinigen) Abhängigkeit vom
persönlichen Arbeitserfolg oder, bei einer regelmässig ausgeübten Tätigkeit, darin, dass bei Dahinfallen des Erwerbsverhältnisses eine ähnliche Situation ein
tritt, wie dies beim Stellenverlust von Arbeitne
hmenden der Fall ist (BGE 122 V
169 E. 3c mit Hinweisen). Die Abhängigkeit der eigenen Existenz vom persön
li
chen Arbeitserfolg ist praxisgemäss nur dann als Risiko einer
selbständigerwer
benden
Person zu werten, wenn beträchtliche Investitionen zu tätigen oder Angestelltenlöhne zu bezahlen sind (BGE 119 V 161 E. 3b). Hervorzuheben ist, dass sich die Frage nach der Arbeitnehmereigenschaft regelmässig nach der äusseren Erscheinungsform wirtschaftlicher Sachverhalte und nicht nach allfällig davon abweichenden internen Vereinbarungen der Beteiligten beurteilt, was jeweils un
ter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu geschehen hat. Ent
scheidend ist dabei, ob geleistete Arbeit, ein Unterordnungsverhältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form vorliegen (Urteil des Bundesgerichts 8C_790/2018 vom 8. Mai 2019 E. 3.2 mit Hinweis).
2.3
2.3.1
Gemäss der vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Weg
lei
tung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO (WML; in der seit 1. Januar 2021 gültigen Fassung)
ist in unselbständiger Stellu
ng erwerbstätig, wer kein spezi
fisches Unter
nehmer
risiko trägt und von einer Arbeitgeberin
oder einem Arbeitgeber in wirt
schaftlicher und arbei
tsorganisatorischer Hinsicht ab
hän
gig ist (Rz 101
8
). Merkmale für das Bestehen eines Unternehmerrisikos
sind namentlich (Rz 101
9
):
-
das Tätigen erheblicher Investitionen,
-
die Verlusttragung,
-
das Tragen des Inkasso- und Delkredererisikos,
-
die Unkostentragung,
-
das Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung,
-
das Beschaffen von Aufträgen,
-
die Beschäftigung von Personal,
-
eigene Geschäftsräumlichkeiten.
Auf der anderen Seite kommt das wirtschaftliche respektive arbeitsorganisato
ri
sche Abhängigkeitsverhältnis
Unselbständigerwerbender
namentlich
zum Aus
druck
beim Vorhandensein
(Rz 10
20
):
-
eines
Weisungsrecht
s
,
-
eines
Unterordnungsverhältni
s
s
es
,
-
einer
Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung,
-
eines
Konkurrenzverbots,
-
einer
Präsenzpflicht.
Gemäss Wegleitung gelten
Taxichauffeusen
und -chauffeure im Allgemeinen als
Unselbständigerwerbende
. Dies auch dann, wenn sie ein eigenes Fahrzeug besit
zen, aber einer Taxizentrale angeschlossen sind (Rz 4
086
). Sie gelten als
selbstän
digerwerbend
, soweit sie ein Unter
nehmerrisiko tragen und arbeits
orga
nisatorisch nicht in besonderem Masse von den Auftraggebenden abhängig sind (
Rz
4
088). Für die Qualifikation von Taxifahrern, die sich einer Zentrale ange
schlossen hat
ten, als unselbständig Erwerbstätige sprach sich das Bundesgericht etwa in seinem Urteil 8C_357/2014 vom 17. Juni 2014 aus.
2.3.2
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entschei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstel
len. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewähr
leisten, Rechnung getragen (BGE
133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
3.
3.1
Die Beschwerdege
gnerin führte zur Begründung des
an
gefochtenen Einsprache
entscheids
vom 3. März 2020 (Ur
k. 3/23
;
Abr
.-Nrn. 10.054.909
) im Wesentlichen aus, dass die «
X._-Fahrer
» für die über die
X._-App
vermittelten Fahrten keine erheblichen Investitionen und daher kein ins Gewicht fallendes Verlustri
siko trügen. Es bestehe weder auf Seiten des Fahrers noch auf
Seiten der Beschwerde
führerin
ein Inkassorisiko. Die Fahrer würden in der Aussenwahrneh
mung nicht in eigenem Namen und auf eigene Rechnung auftreten; sie beschaff
ten sich selbst keine Aufträge. Daher trügen die «
X._-Fahrer
» kein wesentliches unternehme
risches Risiko. Allfällige Unkosten würden nicht derart erheblich erscheinen, dass sie ein ins Gewicht fallendes Unternehmerrisiko begründen wür
den. Soweit ein
zelne Fahrer zusammen mit angestellten Fahr
ern bei der Beschwerdeführerin
oder ausdrücklich im Namen von juristischen Personen registriert sein sollten, wären diese Vertragsverhältnisse gesondert zu prüfen; es sei der Beschwerdegegnerin aber kein solcher Fall bekannt (Urk
. 3/23 S. 16
). Bezüglich wirtschaftliches und arbeitsorganisatorisches Abhängigkeitsverhältnis hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass mit der freien Wahl der Arbeitszeit sowie des Arbeitsortes, dem fehlen
den Konkurrenzverbot und der jederzeitigen soforti
gen Kündigungsmöglichkeit Merkmale für eine selbständige Erwerbstätigkeit der «
X._-Fahrer
» gegeben seien. Gleichzeitig würden sie verschiedenen Vorgaben und Kontrollmechanismen unter
stehen, was Ausdruck eines Unterordnungsver
hältnisses sei. Überdies se
ien die Fahrer wegen der von der Beschwerdeführerin
zentral geführten Kunden
zuweisungen und den Zahlungsmodalitäten wirtschaft
lich und arbeitsorganisa
torisch in deren Betrieb eingegliedert (Urk
. 3/23 S. 19
). Insgesamt würden die Merkmale für eine unselbständige Erwerbstätigkeit deut
lich überwiegen. Man stelle somit fest, dass «
X._-Fahrer
» sozialversicherungs
rechtlich als Arbeitneh
mende der
Beschwerdeführerin
zu qualifizieren seien (beziehungsweise als Arbei
t
nehmer von
L._
[vgl.
hiezu
Urk. 3/26 S. 21 f.]). Dies gelte jedenfalls, soweit sie nicht angestellte Fahrer für einen Partnerfahrer im Sinne der Partnerbedingungen vom 1. Juli 2013 beziehungsweise für ein unab
hängiges Beförderungsunternehmen im Sinne des Dienstleistungsvertrages vom 3. Februar 2016 und des Fahrernachtrags zum Dienstleistungsvertrag vom 3. Februar 2016 seien. In diesen Fällen wäre separat über das Beitragsstatut zu befinden (Urk. 3/23 S. 19). Die Lohnsumme schätzte die Beschwerdegegnerin für das Jahr 2014 auf Fr. 29'769'195.45 (Urk. 3/23 S. 23 ff., insbesondere S. 31
[
X._
]
) beziehungsweise auf Fr. 29'739'633.55 (Urk. 3/26 S. 26 ff., insbesondere S. 33
[
L._
]
). Die Beschwerdegegnerin erklärte, dass sie gerne darauf verzichtet hätte, dieselben Lohnb
eiträge der Beschwerdeführerin
und der
L._
in Rechnung zu stellen: Um jedoch zu verhindern, dass die Verjährung eintrete, habe man diese Vorgehensweise wählen müssen. Es
sei der Beschwerdegegnerin gänzlich unbe
kannt, wie viele «
X._-Fahrer
» im Jahr 2
014 für die Beschwerdeführerin
und wie viele für die
L._
tätig gewesen seien (Urk. 3/23 S. 25
und Urk. 3/26 S. 28).
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses hielt die Beschwerdegegnerin im Wesent
lichen an diesen Ausführungen fest (vgl. Urk. 7
und 26; vgl. auch Urk. 11)
. In ihrer Beschwerdeantwort macht
e die Beschwerdegegnerin zu
r Einkommenssitua
tion von
sechs
Fahrern
(
E._
,
F._
,
D._
,
H._
,
I._
und
G._
)
konkrete Angaben (Urk. 7
S. 1
7
f.
)
.
Duplicando
wurden
hiezu
zum Teil weitere beziehungs
weise andere Angaben gemacht (vgl. Urk. 26 S. 4 ff.).
Die Beschwerdegegnerin hielt weiter fe
st (Urk. 26
S. 13), sie habe stets darauf hingewiesen, dass sie die Lohnbeiträge anpassen werde, sobald ihr die
Beschwer
deführerin
die dafür notwendigen Angaben mache (Namen und AHV-Nr. der Fahrer, eingenommene Fahrpreise und Trinkgelder, Servicegebühren, allfällige weitere Abzüge, Kilometerangaben).
3.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin
zur Begründung ihrer Beschwerde
(Urk. 1/1) im Wesentlichen ausführen, dass
sie keine Taxizentrale betreibe
, sondern den Nutzern ihrer Applikation
(
X._-App
) eine Software anbiete
, die es den selbständigen Fahrern und Fahrgästen erlaube, sich miteinander in Verbin
dung zu setzen. Es werde kein Mindestservice garantiert. Die
X._-App
funktio
niere lediglich auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Entsprechend werde dem Nutzer keine Transportdienstleistung angeboten, wenn kein selbständiger Fahrer mit der Applikation verbunden sei. Den Fahrern würden keinerlei Vorga
ben gemacht in Bezug auf die Organisation ihrer Arbeitszeit. Sie seien auch nicht an eine Exklusivitäts- oder Konkurrenzklausel gebunden und hätten die Wahl, die angebotenen Fahrten abzulehnen. Es existiere keine fixe Adresse, die der Ver
tei
lung der Fahrten diene oder welche die Fahrgäste aufsuchen könnten. Es würden keine Standplätze zur Verfügung gestellt. Die Nutzer hätten auch die Möglichkeit, die Fahrer direkt zu kontaktieren, ohne die
X._-App
zu benützen und ohne eine Gesellschaft der
X._-Gruppe
darüber zu informieren (S. 11 ff.).
Die Fahrer würden ein Unternehmerrisiko tragen (S. 14 ff.): Die Fahrer müssten alle Investitionen tätigen (Fahrzeug, Smartphone, Führerausweis und Bewilligun
gen). Die Unkosten würden ausschliesslich durch die Fahrer getragen (Mobilfunk, Versicherungen, etwaige Personalkosten, Kosten für allfällige Geschäftsräumlich
keiten). Das Inkassorisiko trage der Fahrer. Die
Beschwerdeführerin
nehme die Zahlungen für den Fahrer in dessen Namen und auf seine Rechnung entgegen. Verluste würden ausschliesslich vom Fahrer getragen. Die Fahrer hätten kein Recht auf Bezahlung einer fixen Mindestvergütung durch eine Gesellschaft der
X._-
Gruppe
. Das gesamte Risiko (etwa auch bei Zerstörung des Fahrzeuges) trage der Fahrer. Die Fahrer handelten in eigenem Namen und auf eigene Rech
nung. Sie hätten kein Recht, den Namen und das Logo «
X._
» zu verwenden. Der Name des Fahrers stehe auf dem Fahrtbeleg und der Rechnung, die die
Beschwer
deführerin
den Fahrgästen am Ende der Fahrt zustelle. Neben dem Namen des Fahrers sei auch das Logo «
X._
» auf dem Fahrtbeleg ersichtlich. Dies sei damit zu begründen, dass die
Beschwerdeführerin
für die Einkassierung des Fahrpreises bei den Fahrgästen auf Rechnung des Fahrers zuständig sei. Das Logo «
X._
» auf der Rechnung hänge somit einzig mit den Zahlungsmodalitäten der Fahrten zusammen. Die Fahrer hätten die Möglichkeit, sich selbst Aufträge zu beschaffen.
Es bestehe in organisatorischer Hinsicht kein Abhängigkeitsverhältnis (S. 19 ff.): Di
e Beschwerdeführerin habe
keine Weisungsbefugnis gegenüber dem Fahrer, namentlich nicht hinsichtlich Organisation und Einsatzzeiten. Der Fahrer sei nicht verpflichtet, die
X._-App
zu benützen. Die Fahrer würden nicht kontrolliert; sie hätten keine festen Arbeitszeiten; es treffe sie keine Anwesenheitspflicht. Die Fahrer könnten ihre Arbeit frei gestalten (Ort, Tag, Häufigkeit und dergleichen). Sie müssten sich nicht regelmässig in Räumlichkeiten der
X._-Gruppe
aufhal
ten. Die Fahrer hätten das Recht, die über die
X._-App
vorgeschlagenen Auf
träge abzu
lehnen und bereits angenommene Aufträge zu stornieren. Sie könnten sich auch dazu entschliessen, den Fahrgästen anstatt des von der
Beschwerde
führerin
empfohlenen Tarifes keinen Fahrpreis oder einen anderen in Rechnung zu stellen; in jedem Fall schulde der Fahrer aber die zur Abgeltung der Zurverfü
gungstellung der
X._-App
geschuldete Servicegebühr. Die Fahrer müssten keine bestimmten Parkplätze verwenden; sie könnten die Route (abweichend von den Vorschlägen der
X._-App
) selbst bestimmen. Es bestehe kein Unterord
nungsverhältnis. Die Fahrer hätten keine Leistungsziele zu erbringen. Der Dienst
leistungsvertrag könne von beiden Parteien jederzeit unter Einhaltung einer Frist von sieben Tagen gekün
digt werden. Es bestehe für die Fahrer keine Pflicht zur persönlichen Auf
gabenerfüllung; sie könnten eigenes Personal beschäftigen. Allfällige Angestellte müssten sich ausschliesslich zwecks Identifikation durch die Fahrgäste individuell auf der
X._-App
registrieren. Es bestehe weder ein Kon
kurrenzverbot noch eine Exklusivitätsklausel.
Des Weiteren wurde gerügt, dass die Beschwerdegegnerin an demselben Tag zwei praktisch identische Verfügu
ngen an die Beschwerdeführerin
und die
L._
zugestellt habe, die dasselbe Jahr (2014), praktisch dieselben Fahrer, dieselben Ein
kommen (mit einer Differenz von etwa Fr. 30'000.
), dieselben Bei
träge (mit einer Differenz von etwa Fr. 4'000.
) und praktisch dieselben Verzugs
zinsen betroffen hätten. Die Beschwerdegegnerin habe an ihren umfassenden und nicht
individualisierten Verfügungen festgehalten (S. 27). Die Beschwerdegeg
nerin differenziere zu Unrecht nicht zwischen den Fahrern (vgl. etwa S. 41 ff.). Zudem seien die Grundsätze zur Bestimmung des sozialversicherungsrechtlichen Status falsch angewandt worden (S. 43 ff.).
Vorliegend sollten bereits die vollständige organisatorische Freiheit und das Feh
len jeglicher Verpflichtung gegenüber der
Beschwerdeführerin
ausreichen, um den offensichtlichen selbständigen Status des Fahrers im Zusammenhang mit der Nutzung der
X._-App
festzuhalten. Diese Unabhängigkeit sei der überwiegen
den Mehrheit von Geschäftsverträgen sehr ähnlich und weit entfernt von der klassi
schen Situation einer Person, die von einem Arbeitgeber abhängig sei. Aber auch eine eingehende und systematische Prüfung der einzelnen Abgrenzungskri
terien ergebe ein ebenso offensichtliches Ergebnis. Alle fünf Kriterien, die sich auf das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses beziehen würden (Weisungs
recht, Unter
ordnung, persönliche Leistungspflicht, Konkurrenzverbot und Präsenz
pflicht), würden für einen selbständigen Status sprechen - kein einziges Kriterium dagegen. Von den sieben Kriterien, die sich auf das Vorliegen eines Unterneh
merrisikos bezögen, sprächen mindestens fünf (Unkosten, Inkassorisiko, Verluste, Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung sowie Möglich
keit, sich selbst Mandate zu beschaffen) für einen selbständigen Status - kein einziges Kriterium dagegen. Zwei Kriterien (erhebliche Investitionen; Möglichkeit, Per
sonal zu beschäftigen und eigene Geschäftsräumlichkeiten) seien ohne Rele
vanz beziehungsweise «neutral». Insgesamt würden die Elemente, die für einen Status des Fahrers als selbständig Erwerbender sprächen, eindeutig überwiegen (S. 64 f.). Die von der Beschwerdegegnerin geschätzte Lohnsumme sei unange
messen. Sie habe die Schätzung als Sanktion eingesetzt. Die Schätzung beruhe nicht auf überprüfbaren Informationen. Die von der Beschwerdegegnerin ange
nommene Zahl von 500 Fahrern im Jahr 2014 basiere auf keinem konkreten Anhalts
punkt
und sei nicht seriös. Auch die durchschnittliche Lohnschätzung von Fr. 60'000.
entbehre jeder sachlichen Grundlage. Schliesslich habe die Beschwer
degegnerin doppelt Rechnung gestellt, und zwar
jeweils der Beschwer
deführerin und der
L._
für dieselben angeblichen Lohnzah
lungen (S. 70 ff.).
Im Rahmen der weiteren Rechtsschriften (Re
plik vom 12. April 2021 [Urk. 22
] und der S
tellungnahme zur Duplik [Urk. 30
])
wurde an diesen Standpunkten fest
gehalten. Insbesondere wurde ausgeführt, dass die Fahrer in keine
m Abhän
gig
keitsverhältnis zur Beschwerdeführerin
stünden und dass sie ein Unternehmer
ri
siko trügen. Es wurde im Einzelnen auf die Situation der von der Beschwerde
gegnerin gen
annten Fahrer
eingegangen (Urk.
22
S. 16 ff.) und daran erinnert
, dass die Beschwerdeführerin keine Taxizentrale sei
. Zudem wurde auf die unter
schiedliche
Behandlung der Applikation
M._
hingewiesen und dargelegt, dass die Beschwerdegegnerin beziehungsweise die Suva diese Applikation beziehungs
weise deren Betreiberin (
M._
) grosszügiger beurteilt ha
be als die Beschwerde
führerin
. Das Verhalten der B
eschwerdegegnerin sei bösgläubig
. Zahlreiche Elemente der Applikation
M._
zeigten, dass es nicht gerechtfertigt sei, die Beschwerdef
ührerin
anders zu behandeln. Es handle sich um eine widerrechtliche Ungle
ichbehandlung (vgl. etwa Urk. 30 S. 27
ff. und S. 37 f.).
3.3
3.3.1
Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die im Jahr 2014 von den
-
gemäss Angaben der Beschwerdegegnerin - 500 Fahre
rn
unter Anwendung der
X._-App
ausgeübte Tätigkeit als selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren und ob gegeben
enfalls die Beschwerdeführerin
als Arbeitgeberi
n der Fahrer zu betrachten ist
(oder ob in diesem Fall auch eine andere Gesellschaft, etwa die
L._
als Arbeitgeberin in Frage kommen könnte)
. Weiter sind die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Beitragsforde
rungen und Verzugs
zinsen in der Höhe von Fr. 4'261'460.35 und Fr. 9
86'054.60
für das Jahr 2014 gegebenenfalls auch im Quantitativ umstritten.
3.3.2
Vorweg ist festzuhalten, dass das Sozialversicherungsgericht die genannte Frage nach dem sozialversicherungsrechtlichen Status der Fahrer gestützt auf eine eigene Prüfung der
entscheidrelevanten
Tatsachen vorzunehmen hat. Insbeson
dere auch deshalb braucht auf die zwischen den Parteien entstandene Kontro
verse, welches (ausländische und/oder zivilrechtliche) Präjudiz am ehesten auf die vorliegende Streitsache anwendbar ist, nicht eingegangen zu werden. Es ist inso
weit lediglich festzuhalten, dass die vorliegende Streitsache (sozialversicherungs
rechtlicher Status von Fahrern, die die
X._-App
benützen) noch keiner bundes
gerichtlichen Klärung zugeführt worden ist. Entscheidungen anderer Gerichte sind für das Sozialversicherungsgericht im vorliegenden Kontext nicht massge
bend.
Ausserdem ist auch auf die zwischen den Parteien umstrittene Frage, ob die
Beschwerdeführerin
und die
L._
eine Taxizentrale sind oder eine solche betrei
ben, nicht weiter einzugehen, weil zum einen die streitgegen
ständliche Status
frage vorliegend - wie erwähnt - aufgrund einer eigenen Prü
fung der relevanten Kriterien vorzunehmen ist. Zum anderen ist offensichtlich
, dass die Beschwerde
führerin und die
L._
sich in einer Vielzahl von Gesichtspunkten von einer üblichen Taxizentrale unterscheiden. Zu nennen wäre dabei an erster Stelle die internationale Tät
igkeit der Beschwerdeführerin
und der übrigen
X._
-Gesell
schaften, die sich doch wesentlich von den üblichen, räumlich stark beschränkten Geschäftstätigkeiten einer durchschnittlichen Taxi
zentrale unterscheidet. Aber auch in der Art und Weise
der Fahrgastvermittlung und bezüglich der finanziellen Bedingungen, worauf neben anderen Punkten noch zurückzukommen sein wird, unterscheide
n sich die Beschwerdeführerin und die
L._
von einer traditionellen Taxizentrale.
Auf eine begriffs
juristische Diskussion über das Wesen einer Taxi
zentrale kann jedenfalls verzich
tet werden.
Schliesslich spielt es - entgegen der Auffassung der Beschwer
deführerin
(vgl. etwa Urk. 30 S. 27
ff.) - für die Beantwortung der streitgegenständlichen Status
frage auch keine Rolle, wie diese Frage hinsichtlich eines anderen Fahrers und eines anderen Unternehmens (
M._
) von der Suva beantwortet worden ist, da grundsätzlich jeder Einzelfall einer eigenen Prüfung zu unterziehen ist.
4.
4.1
Die Zusammenarbeit zwischen der
Beschwerde
führerin
und den Fahrern wurde nach Lage der Akten und laut den Vorbringen der Parteien im Jahr 2014 im Wesentlichen durch die sogenannten «Partnerbedingungen» (PB) geregelt (Urk. 3/9). Später wurden diese Partnerbedingungen durch den sogenannten «Dienstleistungsvertrag» (DLV) und den «Fahrernachtrag zum Dienstleistungs
ver
trag» (FDLV) ersetzt (vgl. Urk. 3/2). Teilweise wurde die Vertragsterminologie geändert; so wurde etwa aus dem «Partner» der PB der «Kunde» des DLV. Und aus dem «Kunden» der PB wurde der «Benutzer» des DLV (also der eigentliche Fahr
gast). Da inhaltlich zwischen den PB und dem DLV (inklusive FDLV) keine im vorliegenden Kontext
entscheiderheblichen
Unterschiede bestehen, wird im Fol
genden die Vertragsterminologie des DLV/FDLV verwendet und werden grund
sätzlich deren Bestimmungen zitiert. Auf die entsprechenden Bestimmun
gen der PB wird zusätzlich hingewiesen.
Im Übrigen hat
sic
h auch die Beschwer
deführerin
selbst auf den DLV bezogen (vgl. etwa Urk. 1/1 S. 12 ff.). Nach Lage der Dinge haben der DLV und der FDLV die PB in mancher Hinsicht konkretisiert.
4.2
4.2.1
Wie oben in E. 2.3.1 dargelegt wurde, hängt der sozialversicherungsrechtliche Status der Erwerbstätigkeit einer Person von zwei Gesichtspunkten ab: Zum einen geht es um die Frage, ob die betreffende Person ein spezifisches Unternehmer
risiko trägt; und zum anderen ist zu beurteilen, ob die betreffende Person von einer Arbeitgeberin in wirtschaftlicher und arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist. Zur Prüfung dieser beiden Gesichtspunkte hat die Praxis - wie erwähnt - verschiedene Kriterien entwickelt (vgl. E. 2.3.1). Ausschlaggebend wird sein,
welchen Merkmalen im vorliegenden Fall das höhere Gewicht beizumessen sein wird (vgl. E. 2.1
a.E
.).
4.2.2
Wie bereits mehrfach festgehalten wurde (vgl. etwa E. 3.3.2), ist die sozialver
si
cherungsrechtliche Statusqualifikation der Fahrer grundsätzlich in jedem konkre
ten Einzelfall zu prüfen. Im Unterschied zu den Parallelverfahren AB.2020.00038 (
D._
), AB.2020.00039 (
E._
), AB.2020.00040 (
F._
), AB.2020.00041 (
G._
), AB.2020.00042 (
H._
) und AB.2020.00043 (
I._
), in denen jeweils unter ande
rem auch die konkrete Situation eines bestimmten Fahrers zu beurteilen war, ist im vorliegenden Prozess kein solcher bestimmter Fahrer vorhanden.
Im Sinne einer Arbeitshypothese ist diesem Prozess ein hypothetischer Fahrer zugrund
e
zu
legen, der sich im Wesentlichen durch dieselben Kriterien auszeichnet wie die Fahrer in den genannten Parallelpro
zessen. Die Charakteristika der genannten Fahrer gleichen sich im Übrigen in erstaunlicher Weise: So beschäftigen die Fah
rer zum Beispiel keine eigenen angestellten Fahrer und haben zwecks Abwicklung der «Fahr-Aufträge» auch keine Gesellschaften (juristische Persone
n) gegründet. Demzufolge ist
die
hypo
thetische Frage
, wie es sich
denn in anders gelagerten
Fällen (angestellte Fahrer und juristische Personen) verhielte, im vorliegenden Prozess nicht zu thematisie
ren.
4.3
4.3.1
Zur Thematik der arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit ergibt sich aus dem Dienstleistungsvertrag (DLV, Urk. 3/2) und dem Fahrernachtrag zum Dienstleis
tungsvertrag (FDLV; Urk. 3/2) sowie den Partnerbedingungen (PB; Urk. 3/9), dass in allen Verträgen weder von einem eigentlichen Weisungsrecht noch von einem Subordinationsverhältnis (arbeitsorganisatorische Einordnung) die Rede ist. Diese ergeben sich jedoch direkt oder indirekt aus diversen Einzelbestimmungen:
-
Nach Ziff. 2.2 DLV und Ziff. 2.2 FDLV wird den Fahrern «empfohlen» min
destens zehn (10) Minuten am angegebenen Abholungsort auf den Benutzer (also den Fahrgast) zu warten.
-
Der Fahrer muss nach Ziff. 2.3 DLV beziehungsweise Ziff. 2.2 FDLV alle Benutzer gemäss den Anweisungen des jeweiligen Benutzers und ohne unerwünschte Unterbrechung oder unerwünschte Zwischenstopps direkt zu ihrem angegebenen Zielort befördern.
-
In Ziff. 2.4 DLV und Ziff. 2.3 FDLV wird zwar darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdeführerin
den Fahrer im Allgemeinen oder bei der Erbringung der Beförderungsdienstleistungen oder der Instandhaltu
ng von Fahrzeugen nicht anweise oder ihn kontrolliere
; allerdings muss sich jeder Fahrer einverstan
den
erklären, von seinen Fahrgästen bewertet zu werden (Ziff. 2.6 DLV und Ziff. 2.4.1 FDLV sowie Ziff. 4.3 PB). In Ziff. 2.6.2 DLV und Ziff. 2.4.2 FDLV wird dann geregelt, was mit einem Fahrer passiert, wenn er die sogenannte Mindestdurchschnittsbewer
tung nicht erreicht, die von der Beschwerde
füh
rerin
«nach alleinigem Ermessen» aktualisiert wird: Man kann dem Fahrer eine Bewährungsfrist ansetzen und ihn bei Nichtbestehen von der Verwen
dung der
X._-App
ausschliessen. Gemäss Ziff. 8.2 lit. a PB kann unter anderem eine grosse Zahl von Fahrgast-Beschwerden zur fristlosen Kündi
gung der Vertragsbeziehung berechtigen.
-
Die Fahrer müssen sich einverstanden erklären, dass sie, wenn sie in der Fahrer-App angemeldet sind, sich «bemühen» werden, einen wesentlichen Anteil der Benutzeranfragen nach Beförderungsdienstleistungen anzuneh
men. Der Fahrer anerkenne, dass er, wenn er Benutzeranfragen nach Beför
derungsdienstleistungen wiederholt nicht annimmt, während er bei der App angemeldet ist, eine «negative Erfahrung» verursacht (Ziff. 2.6.2 DLV und Ziff. 2.4.2 FDLV).
-
Gemäss Ziff. 2.8 DLV und Ziff. 2.6 FDLV muss sich jeder Fahrer einverstan
den erklären, dass seine geographischen Ortungsinformationen über ein Gerät an die
X._
-Services übermittelt werden. Seine geographischen Ortungs
informationen dürfen von den
X._
-Services «beobachtet und ver
folgt» werden. Ziff. 9.4 PB spricht von Überwachung durch GPS-Tracking. Gespeichert werden diese Daten unter anderem auch zur Behandlung von Beschwerden.
-
In Ziff. 4 DLV werden die finanziellen Bedingungen geregelt: Die
Beschwer
deführerin
berechnet
den Fahrpreis und ist
Inkassobevollmächtigte des «Kun
den». Dem Kunden wird erlaubt, einen niedrigeren Fahrpreis zu verlan
g
en, wobei allerdings die von der Beschwerdeführerin
verlangte Service
gebühr nicht gesenkt wird. Einen höheren Preis als denjenigen, d
er von der Beschwerdeführerin
vorgeschlagen wird, darf der Fahrer jedoch offensicht
lich nicht verlangen (vgl. Ziffern 4.1 und 4.4 DLV sowie Ziff. 5 PB).
-
Die Beschwerdeführerin kann
den Fahrpreis anpassen, wenn beispielsweise der Fahrer eine ungünstige Strecke gefahren ist, oder den Fahrpreis ganz stornieren, wenn der Fahrer Dienstleistungen nicht erbracht hat. Die
Beschwer
deführerin
verspricht
, angemessen zu handeln (Ziff. 4.3 DLV).
-
Die Quittungen für die erbrachten Dienstleistun
gen werden den Benutzern von der Beschwerdeführerin
im Namen des Kunden und des Fahrers ausge
stellt. Auf der Quittung ist vermerkt, dass Reklamationen innerhalb von drei (3) Geschäftstagen schriftlich «bei
X._
» eingereicht werden müssen (Ziff. 4.6
DLV; vgl. dazu auch Ziff. 5.4.2 PB). Auf der Quittung ist überdies das Logo «
X._
» ersichtlich (Urk. 1/1 S. 59).
-
Die Beschwerdeführerin kann
gemäss Ziff. 12.2 DLV den Dienstleistungs
ver
trag unter gewissen Umständen (etwa bei Nichteinhaltung der Richtlinien der
Beschwerdeführerin
) «unverzüglich und fristlos» kündigen oder den Kunden «deakti
vieren». Und diese Rechte nimmt
sich die
Beschwerdeführerin
nicht nur gegenüber den Kunden, sondern auch gegenüber deren Fahrern (mithin ihren Angestellten) heraus (vgl. dazu auch Ziff. 8 PB).
All dies zeigt eine dominierende St
ellung der Beschwerdeführerin
auf, die den Kunden und Fahrern faktisch keine bedeutenden Entscheidungss
pielräume mehr lässt. Zwar hat die Beschwerdeführerin
in ihren Vertragswerken keine besonderen Abschnitte mit den Titeln «Weisungsrecht» und «Stellung im Unternehmen»
ein
fügen lassen, sondern betont
vielmehr die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit ihrer Kunden und Fahrer (vgl. insbesondere Ziff. 13 DLV). Wie oben dargelegt, weisen die Einzelbestimmungen jedoch in eine andere Richtung: Die «empfoh
lene» Wartefrist, die faktische Vorgabe der Wegstrecke durch das System, die Bewertung der Fahrer durch die Fahrgäste mit festgelegter Sanktionierung, die ständige technische Überwachung, die faktische Preisbindung sowie die dominie
rende St
ellung der Beschwerdeführerin
bei Inkasso, Quittungsausstellung und Preisstreitigkeiten lassen zum einen zwingend auf ein Unterordnungsverhält
nis schliessen. Zum anderen übt die Beschwerdeführerin
(etwa über die Bewertung der Fahrer und die Überwachung) indirekt auch ein Weisungsrecht aus. In diesem Kontext ist der Umstand
, dass die Beschwerdeführerin
die Einhaltung einer War
tezeit von mindestens
zehn Minuten lediglich empfiehlt
, irrelevant, denn jeder Fahrer, der sich nicht an diese «Empfehlung» hält, muss mit einer entspre
chend schlechten Bewertung durch den verspäteten Fahrgast rechnen. Paradig
matisch zeigt dies auf
, dass die Beschwerdeführerin
ihre Weisungen einfach in
Form von «Empfehlungen» kleidet
und sie mit Hilfe von «Bewertungen» durch
setzt
. In dieses Bild passt auch
, dass die Beschwerdeführerin
von ihrem Fahrprei
s als «Preis
empfehlung» spricht
, von der der Kunde indes nur nach unten hin und aus
schliesslich zu seinen eigenen Lasten abweichen darf.
Es kann festgehalten werden, dass die Vo
rgaben der Beschwerdeführerin
den Charakter von Weisungen haben, und zwar nicht nur inhaltlich, sondern auch funktionell, weil sie entgegen ihrer Bezeichnung als blosse «Empfehlung» sank
tionsbewehrt sind. Faktisch ist
somit die Beschwerdeführeri
n
gegenüber den Kun
den und Fahrern weisungsbefugt. Aus denselben Gründen ergibt sich sowohl ein
rechtliches als auch wirtschaftliches Unterordnungsverhältnis der Kunden und Fahrer unter den
Willen der Beschwerdeführerin
.
4.3.2
Was die weiteren Kriterien (Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung, Konkur
renzverbot und Präsenzpflicht) angeht, sind diese nicht beziehungsweise nicht überwiegend erfüllt:
Ein Konkurrenzverbot wird nicht vereinbart. Die Kunden haben vielmehr aus
drücklich das Recht, für Dritte tätig zu sein (Ziff. 2.4 DLV).
Eine Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung besteht grundsätzlich
nicht, die Beschwerdeführerin räumt
den «Kunden» vielmehr ausdrücklich die Möglichkeit ein, weitere «Fahrer» zu beschäftigen (vgl. Ziff. 3 DLV). Allerdings muss sich der Kunde verpflichten, dass jeder seiner etwaigen Fahrer dem Vertrag «Fahrernach
trag zum Dienstleistungsvertrag» zustimmt und gewisse Voraussetzun
gen erfüllt. Insoweit ist es der
Beschwerdeführerin
also doch nicht einerlei, wer die Fahrten durchführt.
Auch eine eigentliche Präsenzpflicht müssen die Fahrer nicht einhalten (Ziff. 2.4 DLV). Wenn der Fahrer allerdings bei der Fahrer-App angemeldet ist, sollte er sich «bemühen», die Kundenaufträge anzunehmen (vgl. dazu oben E. 4.3.1).
4.3.3
Entgegen der offenbaren Auffassung der
Beschwerdeführerin
geht es vorliegend nicht darum, rein rechnerisch zu ermitteln, wie viele Kriterien erfüllt und wie viele nicht gegeben sind, um dann anschliessend die Mehrheit zu ermitteln (vgl. dazu etwa Urk. 1/1 S. 64 f.). Es ist vielmehr zu entscheiden, welches Gewicht den einzelnen Kriterien im konkreten Einzelfall zukommt, und diesbezüglich abzu
wägen. Mit anderen Worten ist die Entscheidung qualitativer und nicht (rein) quantitativer Natur.
Vorliegend fallen das ausgeprägte Subor
dinationsverhältnis der Fahrer
und die vertraglich kaschierte Weisungsbefugnis der
Beschwerdeführerin
derart stark ins Gewicht, das die in E. 4.3.2 genannten Kriterien belanglos sind. Ebenso irrelevant ist
, dass die Beschwerdeführerin
in ihren Vertragswerken lediglich von «Empfeh
lungen»
spricht
und stets die Selbständigkeit und Unabhängigkeit ihr
er Kunden und der Fahrer betont
. Terminologie und Faktizität stimmen insoweit nicht über
ein.
Als Zwischenfazit ist damit festzuhalten, dass die Kunden respektive Fahrer in wirtschaftlicher, aber auch rechtlicher Hinsicht als Unter
gebene der Beschwerde
führerin
zu betrachten sind. Es liegt ein deutlich ausgeprägtes Subordinations
verhältnis vor. Ein solches ist für eine selbständige Erwerbstätigkeit atypisch, für eine unselbständige hingegen charakteristisch.
4.4
4.4.1
Zu prüfen bleibt
des Weiteren, ob die (oben beispielhaft umschriebenen
) Fahrer
als «Kunde
n
» beziehungsweise als «Fahrer» im Sinne des DLV und des FDLV ein typisch
es Unternehmerrisiko tragen.
Nach der Rechtsprechung sind
erhebliche Investitionen als bedeutsamer Anhalts
punkt für die Annahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit und namentlich für das Vorliegen eines wesentlichen Unternehmerrisikos in der Anschaffung und im Unterhalt eines für einen Taxibetrieb geeigneten Motorfahrzeuges in aller Regel nicht zu erblicken
(Urteil des Bundesgerichts 8C_571/2017 vom 9. November 20
17 E. 4.1). Die Kunden können ihre
Fahrzeug
e
ausserhalb
der F
ahrten uneinge
schränkt
zu privaten oder anderen erwerblichen Zwecken einsetzen.
Bei diesem Ergebnis sind auch die Kosten für den Unterhalt unbeachtlich respektive gelten diese nicht als erhebliche Investitionen (Urteil des Bundesgerichts 8C_357/2014 vom 17. Juni 2014 E. 4.2). Entsprechendes gilt für die allfällige Anschaffung eines Smartphones und die Kosten für die Datendienste eines Mobilfunkanbieters (vgl. Ziff. 2.7 DLV), wobei zudem die Möglichkeit besteht, dass die
Beschwerdeführerin
dem Kunden und den Fahrern
«
X._
-Geräte» zur
Verfügung stellt
(vgl. Ziff. 2.7.1 und Ziff. 2.5 FDLV). Insgesamt ist jedenfalls festzuhalten, dass die Kunden und Fahrer der
Beschwerdeführerin
keine erheblichen Investitionen tätigen müssen.
Zum Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung ist zu bemerken, dass es den Kunden und Fahrern nicht erlaubt ist, den Namen, Logos oder Farben der
Beschwerdeführerin
oder eines mit
ihr
verbundenen Unternehmens auf den Fahr
zeugen anzubringen. Des Weiteren dürfen keine Uniform oder andere Kleidungs
stücke getragen werden, die auf «
X._
» hinweisen (Ziff. 2.4 DLV; vgl. auch Ziff. 2.2.1 PB). Gemäss Ziff. 2.2.1 PB dürfen die Fahrer nicht als Repräse
ntanten der Beschwerdeführerin
auftreten. Allerdings ist klar, dass die Dienstleis
tungen der
Kunden und Fahrer von den Fahrgästen nicht aufgrund der Person des Fahrers gebucht werden, sondern weil sie über d
ie App der Beschwerdeführerin
verfügen. Der potentielle Fahrgast bucht mit anderen Worten eine «
X._
»-Fahrt und nicht eine Fahrt mi
t einem bestimmten (personalisierten)
Fahrer. Auch das Entschä
di
gungssystem (etwa die Art und Weise der Fahrpreisberechnung, die Inkasso
be
vollmächtigung durch die
Beschwerdeführerin
und die Ausstellung der Quit
tun
gen [vgl. Ziff. 4 DLV und Ziff. 5 PB]) zeigt mit aller Deutlichkeit auf, dass die Person des Fahrers irrelevant ist: Es geht nicht um das Zusammenführen von Fahr
gästen mit einem bestimmten, sondern mit einem beliebigen Fahrer, der aller
dings den Anforderungen der
Beschwerdeführerin
genügen muss. Es wurde bereits festgehalten, dass die Quittungen für die erbrachten Dienst
leistungen den
Benutzern von der
Beschwerdeführerin
im Namen des Kunden und des Fahrers ausgestellt werden. Auf der Quittung ist vermerkt, dass Reklamationen innerhalb von drei (3) Geschäftstagen schriftlich «bei
X._
» eingereicht werden müssen (Ziff. 4.6 DLV). Auf der Quittung ist überdies das Logo «
X._
» ersichtlich (Urk. 1/1 S. 59). Aus Sicht ihrer Fahrgä
ste handeln die
X._-Fahrer
weder in eigenem Namen noch auf eigene Rechnung. Auch das Kriterium «Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung» ist demzufolge nicht erfüllt, was auf eine unselb
ständige Erwerbstätigkeit hindeutet.
Das Beschaffen von Aufträgen ist den Fahrern in Bezug auf das V
erhältnis zur Beschwerdeführerin
gar nicht möglich. Fahrgäste melden sich nicht bei den ein
zel
nen Fahrern, sondern ausschliesslich über d
ie App der Beschwerdeführerin
. Den Kunden ist überdies verboten, Fahrgäste zu kontaktieren (Ziff. 2.2 DLV). Es ist ihnen also beispielsweise verwehrt, ein Reservoir von eigenen Stammkunden aufzubauen. Die Werbung, mithin die Akquirierung von neuen Kunden ist einzig Aufgabe von «
X._
» (vgl.
Ziff.
4.7 DLV). Den Kunden und Fahrern ist es in Bezug auf die für die
Beschwerdeführerin
ausgeübte Tätigkeit faktisch gar nicht mög
lich, Werbung für sich zu machen. Die Fahrer gehen vollends und weitgehend entpersonalisiert im Heer der
X._-Fahrer
auf. Das ist für eine selbständige Erwerbstätigkeit nicht charakteristisch.
Selbst wenn einige Kunden beziehungsweise Fahrer - aus welchen Gründen auch immer - eigene Geschäftsräumlichkeiten haben mögen, sind diese in
Bezug auf das Verhältnis zur
Beschwerdeführerin
nicht notwendig. Der gesamte Kontakt erfolgt auf elektronischem Wege (Smartphone oder
X._
-Gerät). Der Umstand, dass keine eigenen Geschäftsräumlichkeiten notwendig sind, ist ein weiteres (wenn auch nicht sehr gewichtiges) Indiz für eine unselbständige Erwerbstätig
keit.
4.4.2
Auch die weiteren Kriterien deuten nur bis zu einem gewissen Grad respektive ansatzweise auf das Vorliegen einer selbständigen Erwerbstätigkeit hin:
In Bezug auf die Tätigke
it für die Beschwerdeführerin haben die Kunden und Fahrer
nur am Rande Verluste zu tragen; ein unternehmerspezifisches Inkasso-
und Delkredererisiko trifft sie
, wenn überhaupt
,
nur marginal.
Soweit die Beschwerdeführerin vorbringen liess
, dass die Fahrgäste die Kunden beziehungs
weise die Fahrer erst nach Durchführung der Fahrt bezahlen würden und deshalb die Kunden ein Ausfallrisiko für den Fall trügen, dass die Kreditkarte nicht funk
tioniere (Urk. 1/1 S. 57), ist darauf hinzuweisen, dass sich dieses Risiko in der Praxis nur sehr selten realisieren dürfte. Einem klassischen unternehmerischen Inkasso- und Delkredererisiko kommt es jedenfalls nicht gleich, wenn auch ein gewisses Ausfallrisiko vorliegen mag.
Von den Kunden und Fahrern
zu tragende Verluste sind denkbar bei Haftpflicht
ansprüchen
, Schäden am Fahrzeug, welche sie zu reparieren haben
, oder bei Ver
lust des Fahrzeugs bei einem Totalschaden. Die entspr
echenden Versicherungen, die ihnen
zum Teil von der
Beschwerdeführerin
vorgeschrieben werden (vgl. Ziff. 8
DLV und Ziff. 4.2.2 PB), haben sie
allerdings selber zu bezahlen. Dies ist bis zu einem gewissen Grad ein Indiz für eine selbständige Erwerbstätigkeit.
Die Unkosten sind von den Kunden zu zahlen, der Ents
chädigungsanspruch gegenüber der
Beschwerdeführerin
erschöpft sich im jeweils «vorgeschlagenen» beziehungsweise vereinbarten
Fahrpreis abzüglich der von der
Beschwerdefüh
re
rin
einbehaltenen Gebühren («Servicegebühr» und «Stornierungsgebühren»; vgl. dazu Ziff. 4 DLV, insbesondere Ziffern 4.4 und 4.5 DLV, sowie Ziff. 5.2 PB). Auch das ist ein Indiz für eine selbständige Erwerbstätigkeit (vgl. dazu allerdings das in E. 4.4.1 zum Unterhalt von Motorfahrzeugen Ausgeführte).
Die
Beschwerdeführerin
erlaubt
ihren Kunden die Beschäftigung von (weiteren) Fahrern (vgl. dazu insbesondere die Bestimmungen des FDLV sowie Ziffern 2 und 3 DLV; vgl. dazu auch Zif
fern 1.1.1 und 2.2.1 PB). Die Kunden in den Parallel
prozessen
AB.2020.00038 (
D._
), AB.2020.00039 (
E._
), AB.2020.00040 (
F._
), AB.2020.00041 (
G._
), AB.2020.00042 (
H._
) und AB.2020.00043 (
I._
) haben jedoch keine Fahrer beschäftigt (oder
allenfalls
nur
in einem uner
heblichen Ausmass).
Insgesamt deutet dieses Kriterium zwar auf das Vorliegen einer selbständigen Erwerbstätigkeit hin, ist
jedoch im Fall der dem Gericht zur Kenntnis gebrachten «Kunden»
mangels Anstellung von Fahrern von vornherein nur von geringer Relevanz.
4.4.3
Betreffend Unternehmerrisiko ergibt sich, dass die Kriterien, die für eine unselb
ständige Erwerbstätigkeit sprechen, absolut im Vordergrund stehen. Es ist zu wie
derholen, dass es sich dabei um eine Gewichtung der einzelnen Elemente geht und nicht bloss um einen arithmetischen Vergleich von einzelnen erfüllten und nicht erfüllten Kriterien. Zur Verneinung eines typischen Unternehmerrisikos führen vor allem das Fehlen von erheblichen Investitionen und der Umstand, dass die Kunden und Fahrer ihre Fahraufträge nicht selbst akquirieren. Auch der Um
stand, dass zumindest aus Sicht des Publikums weder in eigenem Namen noch auf eigene Rechnung gehandelt wird, fällt zusätzlich ins Gewicht. Dagegen weisen diejenigen Kriterien, die (eher) für das Vorliegen eines relevanten Unter
nehmerrisikos sprechen (Ausfallrisiko betreffend Kreditkarte, Verlusttragung und Unko
sten) beziehungsweise vorliegend
irrelevant sind (Möglichkeit, Personal an
zustellen), ein viel geringeres Gewicht auf.
Allerdings sind (wenigstens theoretisch) Fallkonstellationen vorstellbar, in denen «Kunden» derart viele Fahrer angestellt haben, dass ein typisches Unternehmer
ri
siko zu bejahen wäre. Das würde allerdings nicht nur von der Anzahl der ange
stellten Fahrer, sondern auch von weiteren Faktoren abhängen, wie beispielsweise der Frage, ob die Fahrer nur bei Bedarf angestellt werden (Arbeit auf Abruf) oder ob der «Kunde» das Risiko trägt, dass die angestellten Fahrer keine Fahrgäste befördern und trotzdem ihren Lohn erhalten.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass verschiedene Punkte für eine selbständige Erwerbstätigkeit sprechen. Insbesondere die Flexibilität bei der Arbeitszeit und die Freiheit, sich nach Belieben überhaupt als Dienstleister für die
Beschwerde
führerin
bereit zu halten, sprechen hierfür. Auch die fehlende Pflicht zur persön
lichen Aufgabenerfüllung, das Tragen der Unkosten durch die Kunden und die Möglichkeit, eine konkurrenzierende Tätigkeit auszuüben, sprechen für eine selb
ständige Erwerbstätigkeit.
Der Schwerpunkt der gewichtet
en Gesichtspunkte spricht indes nicht nur bei den Fahrern der genannten Parallelprozesse
,
sondern
auch bei anderen Fahrern, die in ähnli
chen Konstellationen tätig sind
,
eindeutig für eine unselbständige Erwerbstätigkeit. Hierzu gehören folgende entscheidende Kriterien:
-
Das Vorliegen eines ausgeprägten Subordinationsverhältnisses sowie eines wirtschaftlichen und rechtlichen Abhängigkeitsverhältnisses der «Kunden» und Fahr
er von der Beschwerdeführerin
.
-
Das in Form von «Empfehlungen» gefasste Weisung
srecht der Beschwerde
führerin
, das sie mittels eines Systems von Überwachung, Bewertung durch Fahrgäste und vertraglich
en Sanktionen durchsetzen kann
.
-
Das Fehlen von erheblichen Investitionen.
-
Die fehlende Akquise von Fahrgästen durch die Kunden und Fahrer; die Fahr
gäste werden
ausschliesslich von der Beschwerdeführerin
beziehungs
weise ihrer App «geliefert».
-
Die Kunden und Fahrer handeln (insbesondere aus Sicht des Publikums) weder in eigenem Namen noch auf eigene Rechnung. Der Name des Fahrers ist irrelevant und zufällig. Das Publikum möchte von einem, von irgend
einem «
X._
»-Fahrer gefahren werden und bezahlt den Fahrpreis (nach eigener Wahrnehmung) an «
X._
». Reklamationen sind denn auch an «
X._
» zu richten, nicht an den Fahrer oder Kunden.
Die Tätigkeit des typischen Kunden und Fahrers für die Beschwerdeführerin ist
nach dem Gesagten als unselbständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren.
Als «typisch» haben dabei Kunden und Fahrer zu gelten, die keine eigenen fest ange
stellten Fahrer beschäftigen und/oder das
X._
-Geschäft nicht über eine juris
ti
sche Person abwickeln.
6.
6.1
Was das Quantitativ der von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Bei
tragsforderungen betrifft, hat sie selbst ausgeführt, dass es sich dabei um Schät
zungen handelt. Die Beschwerdegegnerin ging von den ihr bekannten sechs Fah
rern aus und weiteren 494 unbekannten Fahrern. Insgesamt kam sie dabei auf 500 Fahrer, die im Jahr 2014 je für die Beschwerdeführerin und/oder
L._
tätig gewesen sein sollen und damit bei beiden Gesellschaften Lohnsummen von je rund 30 Millionen Franken erzielt hätten. Das ergab dann Beitragsforderung
en für die Beschwerdeführerin und die
L._
von jeweils mehr als 4 Millionen Fran
ken und Verzugszinsen von je knapp einer Million Franken (vgl. Urk. 3/23 S. 31 und Urk. 3/26 S. 33). Die Beschwerde
gegnerin schätzte dabei die Einkünfte der unbekannten 494 Fahrer auf jeweils Fr. 60'000.
(vgl. etwa Urk. 3/23 S. 28).
Auf den Einwand der Beschwerdeführerin, wonach dieselben Lohnbeiträge der Beschwerdeführerin und der
L._
in Rechnung gestellt worden seien, entgegnete die Beschwerdegegnerin, dass sie «gerne» darauf verzichtet hätte, zweimal ent
sprechend hohe Lohnbeiträge zu verfügen. Sie habe dies jedoch tun müssen, um den Eintritt der Verjährung gegenüber dem «korrekten Arbeit
geber» zu verhin
dern. Es sei der Beschwerdegegnerin gänzlich unbekannt, wie viele
X._-Fahrer
im Jahr 2014 für die Beschwerdeführerin und wie viele für
L._
tätig gewesen seien (Urk. 3/23 S. 25).
6.2
Die Beitragsberechnung der Beschwerdegegnerin lässt sich in einem justizför
mi
gen Verfahren nicht überprüfen. Es handelt sich dabei - entgegen der Bezeich
nung durch die Beschwerdegegnerin - nicht um eine Schätzung im herkömm
li
chen Sinne, sondern um eine willkürliche Festsetzung. Die Beschwerdegegnerin gibt sogar offen zu, dass sie keine Ahnung hat, wie viele Fah
rer für die Beschwer
deführerin
und wie viele für die
L._
im Jahr 2014 tätig waren. Es ist auch unbekannt, wie viele Fahrer insgesa
mt für die beiden Gesellschaften
tätig waren. Die Beschwerdegegnerin ging von je 500 Fahrern aus; sie hätte mit
gleichem Grund auch jede andere natürliche Zahl nehmen können. Ent
sprechend verhält es sich mit dem angenommenen Durchschnittseinkommen von Fr. 60'000.
. Auch diese Zahl ist aus der Luft gegriffen. Besonders unglaubhaft wird diese Zahl jedoch durch die von der
Beschwerdegegnerin selbst postulierten Einkommen der ihr bekannten Fahrer (vgl. Urk. 3/23 S. 30 f.). Kein einziger erreichte das von der Beschwerdegegnerin geschätzte Durchschnittseinkommen von Fr. 60'000.
auch nur annähernd. Das Durchschnittseinkommen der sechs genannten Fahrer beträgt - selbst nach der nicht unwidersprochen gebliebenen Darstellung der Beschwer
degegnerin - rund ein Drittel des angeblichen Durch
schnittseinkommens. Dabei ist anzufügen, dass die Beschwerdegegnerin die Ein
künfte der sechs Fahrer weit
gehend ohne oder nur mit marginaler Berücksich
tigung von Unkosten (wie etwa Auslagen für Benzin und dergleichen mehr) «ermittelte».
Der Beschwerdegegnerin mag es gleichgültig sein, ob ihre Beitragsforder
ung von der Beschwerdeführerin
oder der
L._
bezahlt wird oder ob beide alles bezahlen. Aus rechtlicher Sicht ist es jedoch so, dass nur die jeweilige Arbeitgeberin
abrechnungs
, beitrags- und zahlungspflichtig ist (vgl. etwa Art. 14 Abs. 1 AHVG). Die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin, gewissermassen in einem Rundumschlag
sowohl der Beschwerdeführerin als auch der
L._
Beitragsrech
nungen auf der Grundlage der gesamten «geschätzten» Lohnsumme zuzustellen und damit die «errechneten» Beiträge doppelt in Rech
nung zu stellen, erweist sich somit als unkorrekt. Entgegen der allfälligen Auf
fassung der Beschwerdegegnerin besteht z
wischen der Beschwerdeführerin und der
L._
keine Solidarität.
6.3
Soweit die Beschwerdegegnerin der Ansicht war, dass die 2014 ausgerichtete Gesamtlohnsumme aller Fahrer vom Sozialversicherungsgericht zu ermitteln u
nd auf die Beschwerdeführerin und die
L._
aufzuteilen sei, ist ihr entgegenzuhal
ten, dass die entsprechenden Abklärungen von ihr selbst zu tätigen gewesen wären. Die Beschwerdegegnerin muss diese Angaben entweder bei den einzelnen Fahrern erhältlich machen oder auf dem Wege der Amtshilfe am Sitz
der beiden Gesellschaften
in
P._
in Erfahrung bringen.
Zwar ist der vorliegende Prozess vom Untersuchungsgrundsatz geprägt, das bedeutet aber nicht, dass die Beschwerdegegnerin ihre sämtlichen Verwaltungs
aufgaben an das Sozialversicherungsgericht delegieren kann. Der Sachverhalt ist
nämlich grundsätzlich vom Versicherungsträger abzuklären (Art. 43 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Versicherungsträgerin ist im vorliegenden Kontext die Beschwerdegeg
nerin.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass
die Tätigkeit des typischen Fahrers (vgl. dazu
die Fahrer in den Parallelprozessen
AB.2020.00038 [
D._
], AB.2020.00039 [
E._
], AB.2020.00040 [
F._
], AB.2020.00041 [
G._
], AB.2020.00042 [
H._
] und AB.2020.00043 [
I._
]) im Jahr 2014
, für die er die
X._-App
verwendet hat, als
unselbständig erwerbstätig zu qualifi
zieren ist, dass aber ungeklärt ist, ob in
soweit die Beschwerdeführerin
oder die
L._
als Arbeitgeberin zu gelten hat
.
Nicht erstel
lt ist weiter, welche Lohnsumme
die Beschwe
rdeführerin im Jahr 2014
an wie
viele Fahrer ausgerich
tet hat
. Es ist nochmals darauf hinzuweisen, dass der beitragsrechtliche Status jedes einzelnen Fahrers grundsätzlich individuell zu bestimmen ist und dass Pauschalisierungen nur bis zu einem bestimmten Grad zulässig sein können.
Demzufolge ist die Beschwerde der Beschwerdeführerin
, soweit darauf einzu
tre
ten ist, in dem Sinne teilweise
gutzuheissen, dass der Einspracheentscheid
vom 3. März 2020 (Urk. 3/23
) aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie nach Ermittlung der entsprechenden Lohnsumme
n
und der individuellen Prüfung jeder einzelnen Beziehung zwischen
der
Beschwer
deführerin und
den verschiedenen
Fahrer
n
die Beiträge der Beschwerdeführerin
für das Jahr 2014
im Sinne der Erwägungen
neu festsetze
.
8.
8.1
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwer
deführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung
haben
.
8.2
Bei der Bemessung der Prozessentschädigungen ist jedoch zu beachten, dass die Beschwerdefü
hrerin
hinsichtlich der im Zentrum des Prozesses stehenden Frage nach der sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation
der «typischen» Fahrer
unterliegt
und im Wesentlichen lediglich hinsichtlich des
Quantitativs
der Beitrags
forderung und bezüglich Aufteilun
g der Beitragsforderung obsiegt
. Schliess
lich ist zu berücksichtigen, dass durch die Vielzahl der parallel geführten Prozesse gewisse Synergieeffekte den Aufwa
nd für die Beschwerdeführerin ver
mindert ha
ben
. Demzufolge ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin
eine
angemessene reduzierte Proze
ssentschädigung von
Fr. 1'200.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.