Decision ID: 150725d2-a389-4ec3-9b99-e6e3eff39207
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1972 geborene
X._
arbeitete
als Bankangestellte in der
K
redit
abteilung der
Y._
und war über diese bei der AXA Versicherungen AG
(nachfolgend: AXA)
obligatorisch unfallversichert, als sie am
4.
Juli 2008 als Radfahrerin eine Kollision mit einem Auto erlitt
(
Urk.
12/A1). Die behandelnden Ärzte des Universitätsspitals
Z._
, Klinik für Unfallchir
urgie, diagnostizierten in ihren
Bericht
en
vom
1
1.
und
1
5.
Juli 2008
ein
Sc
hädelhirntrauma, eine minime
S
ubarachnoidalblutung
rechts,
eine homonyme
Hemianopsie nach rechts
, eine
doppelfache
Unterkieferfraktur
rechts
und
links
,
Schmelz-Dentin-
Frak
turen der Zähne 12 und 13, eine
Schürfung der Oberlippe
und
eine
Schnittwunde frontal rech
ts sowie mental rechts.
Als weitere Diagnosen erwähnten
sie
eine laterale
undislozierte
Klavikulafraktur
rechts
,
eine Kontusion des linken Knies
sowie multiple Schürfungen
.
Die operative Versorgung der Unterkieferfraktur erfolgte am
6.
Juli 2008, diejenige der
Schmelz-Dentin-Frakturen an den Zähnen am
8.
Juli 200
8.
Die Ärzte bescheinigten der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis 2
7.
Juli
2008
(
Urk.
12/M5
,
Urk.
12/M8
; vgl. auch
Urk.
12/M9-11
).
Aufgrund von persistierenden Schmerzen im Bereich des linken Handrückens wurde zusätzlich eine
Scaphoidfraktur
festgestellt, welche am 2
0.
August 2008 operativ mittels einer offenen Reposition und Schraubenfixation behandelt wurde (
Urk.
12/M14 S. 3). Anschliessend hielt sich die Versicherte vom 1
0.
September bis 1
6.
Oktober 2008 in den Kliniken
A._
zur stationären Reha
bilitation auf (
Urk.
12/M14). Die AXA anerkannte ihre Leistungspflicht, richtete Taggeldleistungen aus u
nd
kam für die Heilbehandlung auf.
1.2
Die AXA
unterstützte die Versicherte von August 2008 bis Juli 2011 mit einem Case Management zur beruflichen Wiedereingliederung
.
Zusätzlich wurde
die Versicherte
a
b Januar 2010
von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie,
im Rahmen eines
neurologisch-rehabilitativen Coaching
s
begleitet
. Ab März 2009 unternahm
sie
bei ihrer Arbeitgeberin erste Arbeitsversuche, ab
1.
Juli 2009 war sie im Rahmen eines 30%igen Beschäftigungspensums tätig
(
Urk.
2 S. 2,
Urk.
12/6,
Urk.
12/75,
Urk.
12/82,
Urk.
12/86,
Urk.
12/98,
Urk.
12/108,
Urk.
12/116,
Urk.
12/A144,
Urk.
12/A154
,
Urk.
12/A158,
Urk.
12/M24 S. 3,
Urk.
12/M25,
Urk.
12/M27
,
Urk.
12/M29,
Urk.
12/M31
).
Im April 2011 wurde mit der Arbeitgeberin vereinbart, dass
sie
längerfristig beschäftigt bleiben könne; dabei wurde von einer effektiven Arbeitsfähigkeit von 33
%
im Rahmen
einer zeitlichen Anwesenheit von 50
%
eines Vollzeitpensums ausgegangen
(
Urk.
12/A159). Die Versicherte wechselte in die Finanzabteilung (
Urk.
12/A170
,
Urk.
12/M45
)
. Zur Prüfung weiterer Leistungsansprüche veranlasste die AXA eine Begutachtung (
Urk.
12/193,
Urk.
12/204,
Urk.
12/216
,
Urk.
12/221,
Urk.
12/228,
Urk.
12/A258
,
Urk.
12/A290
; vgl. auch
Urk.
12/A238,
Urk.
12/A271,
Urk.
12/A279-281,
Urk.
12/A294,
Urk.
12/A304-305). Gestützt auf das
neur
o
logisch-
neuropsychologisch-psychiatrische
Gutachten
der Rehaklinik
C._
vom 1
1.
Juli 2014
(
Urk.
12/M61
S. 1 und 19
,
Urk.
12/B61/4-7
)
, zu welchem die Versicherte am
8.
Oktober 2014 unter Beilage e
iner
«
Replik
»
des behandelnden
Neurologen
Dr.
B._
vom 2
4.
September 2014
Stellung
genommen hatte
(
Urk.
12/A324,
Urk.
12/A
333,
Urk.
12/B333/1)
,
sprach die AXA d
er Versicherten mit Verfügung vom
6.
Februar 2015 ab
1.
Januar 2015 eine Rente auf Basis eines Invaliditätsgrades von 35
%
sowie eine Integritätsentschädigung
bei einem Integritätsschaden
von 45
%
zu. Die
übrigen Leistungen wurden per 3
1.
Dezember 2014 eingestellt, mit Ausnahme der Übernahme der Kosten der jährlichen augenärztlichen Kontrolle
, welche
von der AXA
«
auf Zusehen hin
»
garantiert wurde (
Urk.
12/A340). Die
von der Ver
sicherten dagegen
am 1
1.
März 2015
erhobene Einsprache
(
Urk.
12/A355)
wurde von der AXA mit Einspracheentscheid vom 2
7.
August
2015 abgewiesen (
Urk.
2).
2.
2.1
Dagegen erhob die Versicher
t
e, vertreten durch Rechtsanwältin Ursula
Hail
,
Bülach,
mit Eingabe vom 2
8.
September 2015 Beschwerde und beantragte
, es sei
der Einspracheentscheid aufzuheben und es sei
die AXA
Versicherungen AG
zu verpflichten, auch die Kosten der ab
1.
Januar 2015 notwendigen Pflege
leistungen
zu übernehmen; es sei ihr ab
1.
Januar 2015 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 76
%
zuzusprechen und die Rente sei auf
Fr.
8‘866.-- (exklusive Teuerungszulage) festzusetzen; es sei ihr eine
Inte
gritäts
entschädigung bei einem Integritätsschaden von insgesamt 88
%
in Höhe von mindestens
Fr.
110‘880.-- (abzüglich Akontozahlungen in der Höhe von
Fr.
35‘000.--) zuzusprechen; aus der Unfallversicherung in Ergänzung zum UVG sei ihr, in Übereinstimmung mit dem
tatsächlichen
Invaliditätsgrad von 88
%
, ein Überbrückungskapital von
Fr.
123‘
2
00.—zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2). In
der Beschwerdeantwort vom 1
8.
Januar 2016
stellte
die AXA
, vertreten durch die Rechtsanwälte Christoph Frey und Karin Friedli,
Zürich
,
Antrag auf Beschwerdeabweisung
, soweit auf die
Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin
einzutreten sei (
Urk.
11 S. 2). Am 1
1.
April 2016
ersuchte
die Beschwerde
führerin
u
m
Sistierung des Verfahrens für neun Monate bis zum Ablauf eines Arbeitsversuchs (
Urk.
16
; vgl. auch
Urk.
19
).
Mit Verfügung vom 1
2.
Mai 2016
wies
das Sozialversicherungsgericht
dieses
G
esuch ab (
Urk.
21). Mit der Replik vom 2
9.
August 2016 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest
und reichte dem Gericht das Aktengutachten vom 1
5.
August 2016 des
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie, ein (
Urk.
26/1).
In der Duplik vom 1
6.
Dezember 2016 erneuerte die AXA ihren Antrag auf Beschwerdeabweisung, soweit auf die Anträge einzutreten sei (
Urk.
33 S. 2).
Am 2
7.
April 2017 reichte die Beschwerdeführerin einen neuen Arbeitsvertrag sowie eine aktuelle Einschätzung ihrer Leistungsfähigkeit durch die Arbeit
geberin
ein (
Urk.
35,
Urk.
36/1-3)
,
wozu die AXA am 1
8.
Mai 2017 Stellung nahm (
Urk.
39).
2.2
D
as Gericht
holte
am 2
4.
Oktober 2017
bei
m Direktor
der
Y._
,
E._
,
einen Arbeitgeberbericht ein (
Urk.
41-42). Die eingegangene schriftliche Auskunft (
Urk.
44) samt Beilagen (
Urk.
45/1-11) wurde den Parteien zur Stellungnahme zugestellt (
Urk.
14,
Urk.
15/1-2,
Urk.
16/1-11). Die Beschwerdeführerin liess sich am 1
1.
Januar 2018 vernehmen (
Urk.
49), die AXA reichte ihre Stellungnahme am
8.
Februar 2018 ein (
Urk.
51).
Mit Beschlüssen vom
6.
September (
Urk.
61
) und 2
8.
November 2018 (
Urk.
73
) ordnete das Gericht eine interdisziplinäre (internistische, neurologische, neuropsychologische, ophthalmologische, psychiatrische und
oto-rhino-laryngologische
) Begutachtung der Beschwerdeführerin an. Die Gerichts
expertise der Gutachtenstelle
F._
vom 3
1.
Dezember 2019 (
Urk.
95
/1-6) wurde den Parteien zugestellt (
Urk.
97
)
. D
ie
AXA
äusserte sich
am 2
4.
Juni
2020
(
Urk.
106)
dazu und reichte eine
Stellung
nahme ihres beratenden Arztes
ein
(
Urk.
107)
.
D
ie Beschwerdeführerin
nahm in der
Eingabe
vom 2
4.
Juni
2020 zum Gutachten
Stellung
(
Urk.
108)
und reichte weitere Belege
, darunter eine Stellungnahme von
Dr.
B._
,
ein (
Urk.
109/0-5
)
.
Aus dem ebenfalls hängigen Verfahren
der Beschwerdeführerin gegen die
Invalidenversicherung
(
IV.2015.01306
)
nahm das Gericht den
Fachausweis
Finanzplanerin der Beschwerdeführerin
vom 2
2.
August 2008 als
Urk.
110 zu den Akten.
Die
erwähnten
Stellungnahmen
der Parteien
zum Gutachten
wurden der
jeweiligen
Gegenpartei zur Kenntnis
gebracht (
Urk.
111
).
Am
2
5.
August 2020 (
Urk.
115)
äusserte sich die AXA
, unter Beilage einer weiteren Stellung
nahme ihres beratenden Arztes vom 2
3.
Juli 2020 (
Urk.
116)
, zur letzten Ein
gabe der Beschwerdeführerin.
Die
se
Stellungnahme samt Beilagen wurde der Beschwerdeführerin zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
117).
Auf
die
weiteren Ausführungen der Parteien und
die
Akten ist,
soweit
für
die
Entscheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich behandelt Beschwerden aus dem Gebiet des Sozialversicherungsrechts. Darunter fallen auch Beschwerden aus dem Bereich des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
Art.
56 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] in Verbindung mit
§
2
lit e
des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht [GSVGer]). Nicht zuständig ist es hingegen zur Beurteilung von Rechts
streitigkeiten, welche Zusatzleistungen zu jenen nach UVG zum Gegenstand haben (vgl. RKUV 1990 Nr. U 163 S. 265 sowie
§
2 GSVGer). Soweit von der Beschwerdeführerin
ein Überbrückungskapital von
Fr.
123'200.-- aus
der
Zusatzversicherung
zur obligatorischen Unfallversicherung geltend gemacht
wird
(
Urk.
1 S. 2
,
Urk.
11 S. 23
), ist
– wie von der Beschwerdegegnerin zur Recht beantragt wurde (
Urk.
11 S. 23) -
auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des
UVG
und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
4.
Juli 2008 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
3.
3.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetr
etenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind a
lle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetr
eten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass e
in Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen
ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die kör
per
liche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohn
e dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
3.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges
zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge
und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführ
en, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V
177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei organisch
en,
objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, weil
sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt
(Urteile des Bundesgerichts 8C_310/2015 vom 1
6.
Dezember 2015 E. 3, sowie 8C_765/2014 vom
9.
Februar 2015
E. 5.1-2).
4
.
4
.1
Im
Austrittsbericht der Kliniken
A._
vom 1
7.
Oktober 2008,
in welcher Klinik
sich die Beschwerdeführerin vom 1
0.
September bis 1
6.
Oktober 2008 zur stationären Rehabilitation
aufgehalten hatte
,
wurden die
Diagnosen
eines
p
ost
traumatische
n
hirnorganische
n
Psychosyndrom
s
mit Minderung der Konzentration und verminderter Stresstoleranz
, eines
homonyme
n
periphere
n
Gesichtsfeldausfall
s
nach rechts
, eines
intermitt
ierende
n
Tinnitus beidseits
, eines
posttraumatische
n
Kopfschmerz
es,
einer
minimale
n
Gangataxie
,
eines
Schädel-Hirn-Trauma
s
mit kleiner
falxnaher
traumatischer
Subarachnoidalblutung
rechts
und Bewusstlosigkeit von weniger als 30 Minuten
sowie
eines
Verdacht
s
auf
eine
C
ontusio
bulbi
rechts
festgestellt. Weiter wurden eine
doppelte Unter
kieferfraktur (paramedian rechts und dislozierte
Kollumfraktur
); Versorgung mit Plattenosteosynthese am
6.
Juli 2008
, eine
Scaphoidfraktur
lin
ks
mit
offene
r
Reposition und Schraubenfixation am 2
0.
August 2008
, eine
laterale
Claviculafraktur
rechts, konservativ versorgt
,
eine Knieprellung links
und
eine Zahnfraktur
Dens
12 und 13
diagnostiziert
(
Urk.
12/M14 S. 1)
.
Der in de
r
Klinik er
hobene neuro
p
s
ychologische Befund ergab
insgesamt
eine leichte Beein
trächtigung der geistigen Leistungsfähigkeit. Die noch nicht optimal kompensierte Gesichtsfeldeinschränkung wirke sich aktuell sehr störend bei allen Aufgabenstellung
en
aus, die
eine
visuelle Verarbeitung erforderten. Die
konzentrative Dauerbelastbarkeit sei leicht bis mittelgradig eingeschränkt. Die grosse Diskrepanz zwischen Wiedergabe- und Wiedererkennungsleistung deute auf eine leichte abrufbetonte Merkstörung
. Im Textrechnen habe die Beschwerde
führerin langsam gearbeitet und ha
be Flüchtigkeitsfehler gemacht
(
Urk.
12/M14 S. 7 f.).
Der die Beschwerdeführerin vom 1
6.
Dezember 2008 bis
8.
September 2009 behandelnde (
Urk.
12/B61/3 S. 1)
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am
9.
September 2009, seit Mai 2009 habe sich die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin am Arbeitsplatz weiter
stabilisiert.
G
egenwärtig bewältige die Beschwerdeführerin ein Arbeitspensum von 30
%
bei einer Präsenzzeit von 50
%
.
Es sei davon auszugehen, dass
sie
die Arbeitsfähigkeit in der adaptierten Tätigkeit im
Backoffice
in den nächsten Monaten auf 50
%
werde steigern können. Längerfristig erscheine eine weitere Erhöhung möglich (
Urk.
12/B61/3 S. 2).
4.2
Am 1
4.
Juli 2011 erstellte der Neurologe
Dr.
B._
zu Handen der AXA
d
en Abschlussbericht über sein neurologisch-rehabilitatives Coaching.
Laut den Angaben von
Dr.
B._
verblieben als unfallbedingte Funktionsstörungen im Wesentlichen leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktions
störungen insbesondere in den Bereichen visuelle Exploration, Konzentrations
vermögen und Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis mit Verlangsamung und kognitiver Ermüdung. Weiter bestehe der halbseitige Gesichtsfeldausfall beider Augen (homonyme Hemianopsie) nach rechts fort. Zudem bestünden chronische rezidivierende posttraumatische Kopfschmerzen, leichte residuelle Gleichgewichtsstörungen sowie eine Verlangsamung der Feinmotorik der
Hände. Das
Führen eines Motorfahrzeuges sei der Beschwerdeführerin sehr
wahrscheinlich definitiv nicht erlaubt
(
Urk.
12/M31 S. 1-2)
. Sie habe nach ihrem schweren Polytrauma im Juli 2008 mit der traumatischen Hirnverletzung ihre Arbeit bei der
Y._
mit vereinfachtem Pflichtenheft wieder teilzeitlich aufnehmen können.
Er habe den Reintegrationsprozess bei der Bank seit Januar 2010 intensiver begleitet und unter anderem auch mehrere Sitzungen vor Ort abgehalten (
Urk.
12/M31 S. 2; vgl. auch
Urk.
12/M24-25,
Urk.
12/M27,
Urk.
12/M29).
Verschiedene Anläufe mit dem Versuch einer langsamen Erhöhung der Präsenzzeiten hätten zwei klare Grenzen aufgezeigt: Die Arbeitszeit könne nicht über 50
%
erhöht werden, ohne dass die Leistung sich verschlechtere - im Sinne einer Verlangsamung und einer teils erhöhten Fehleranfälligkeit – und dass die Beschwerden deutlich zunähmen. Ferner habe sich gezeigt, dass die Leistung pro Zeiteinheit wegen der unfallbedingten, auf die Hirnverletzung zurückzuführenden Beeinträchtigungen um rund einen Drittel reduziert sei. Anlässlich der letzten gemeinsamen Besprechung habe ein interner Wechsel in die Abteilung Finanzplanung aufgegleist werden können, die Beschwerdeführerin arbeite nun halbtags als Assistentin des Verantwortlichen für die Finanzplanung. Unfallbedingt verbleibe eine Arbeits
unfähigkeit von 67
%
(33%ige Restarbeitsfähigkeit mit einem zeitlichen Pensum von 50
%
eines Vollzeitpensums
[
Urk.
12/M31 S. 2]).
Der Integritätsschaden belaufe sich insgesamt
auf 88
%
. Laut dem Schreiben der Augenklinik des Universitätsspitals
Z._
vom 2
3.
Juni 2011 sei der durch die homonyme Hemianopsie resultierende Integritätsschaden mit 55
%
zu bemessen. Der gewöhnlic
h für leichte bis mittelschwere
neuropsychologische Funktionsstörungen anzunehmende Integritätsschaden
von 35
%
sei wegen der Interaktion mit der homonyme
n
Hemianopsie um 1/5 auf 28
%
zu reduzieren. Schliesslich sei
wegen der chronischen rezidivierenden posttraumatischen Kopf
schmerzen ein zusätzlicher Integritätsschaden von 5
%
zu berücksichtigen
(
Urk.
12/M31
S. 2
).
4
.3
Das interdisziplinäre neurologisch-neuropsychologisch-psychiatrische Gut
achten der Rehaklinik
C._
vom 1
1.
Juli 2014 basiert im Wesentlichen auf der neurologischen Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 1
7.
März 2014 durch
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psycho
therapie, der neuropsychologischen Befunderhebung am 1
7.
und 1
9.
März 2014 durch lic. phil.
I._
, Psychologe FSP
,
und der psychiatrischen Untersuchung durch
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
8.
März 2014 (
Urk.
12/M61 S. 1,
Urk.
12/M61 S. 39
).
M
it Auswirkung auf
die
Arbeitsfähigkeit
wurden ein
Schädel-Hirn-Trauma, eine minime
Subarachnoidalblutung
rechts
f
alxnahe
,
ein
Verdacht auf eine Contusio
bulbi
(
Augapfelprellung
) rechts,
ein
Verdacht auf eine
retrochiasmale
Läsion, eine homonyme Hemianopsie (Gesichtsfeldausfall) nach rechts sowie eine minimale bis leichte neuropsychologische Störung mit rechtsseitiger Hemianopsie, verlangsamter visueller Exploration mit erhöhter Lesezeit sowie leichten Minderleistungen der
phasischen
Alertness
und der verbalen und visuellen episodischen
Lernleistungen
genannt
(
Urk.
12/M61/30-
31). Bei
den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter unter anderem einen Status nach einem (zwischenzeitlich abgeklungenen) post
traumatischen hirnorganischen Psychosyndrom mit Minderung der Konzentration und verminderter Stresstoleranz, einen unspezifischen Kopfschmerz vom Spannungstyp mit einer möglicherweise posttraumatischen Komponent
e
sowie eine leichte spezifische Phobie mit
agoraphober
und
klaustrophober
Charakteristik (
Urk.
12/M61 S. 29 ff.
).
Der neurologische Gutachter
Dr.
H._
gelangte zur Beurteilung, aufgrund der bildgebenden und der dokumentierten initialen klinischen Befunde sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin infolge des Unfalls vom
4.
Juli
2008 eine
höhergradige
oder ausgedehnte Hirnschädigung erlitten habe. Neurologisch beurteilt sei auf der im Verlauf erhobenen CT- und MRI-Bildgebung kein Schädigungsmuster erkennbar, wie es bei einer diffusen
axonalen
Schädigung zu erwarten wäre. Die klinischen Symptome nach dem Unfall mit Beschreibung einer kurzen Bewusstlosigkeit am Unfallort und nach
folgend ansteigendem Wert auf der
GCS
(Glasgow
Coma
Scale)
von 8 auf 15 mit fehlenden Hinweisen auf signifikant klinisch-neurologische Ausfälle wären auch nicht gut mit einer diffusen
axonalen
Hirnschädigung vereinbar (
Urk.
12/M61 S. 20-21
). Abgesehen von der angegebenen halbseitigen Gesichts
feldstörung nach rechts hätten keine objektivierbaren neurologischen Ausfälle erhoben werden können (
Urk.
12/M61 S. 22-25
).
Ein angesichts des erlittenen Schädel-Hirn-Traumas plausibles posttraumatisches Kopfschmerzsyndrom sei gegen Ende der stationären Behandlung in den Kliniken
A._
Ende 2008 abgeklungen, entsprechend dem zu erwartenden natürlichen Verlauf eines akuten posttraumatischen Kopfschmerzes (
Urk.
12/M61 S. 23).
Die in der Rehaklinik
C._
am 1
7.
und 1
9.
März 2014 durchgeführten neuropsychologischen Untersuchungen hätten leichte Minderlei
s
tungen in der
phasischen
Alertness
und den verbalen und visuellen episodischen Lern
leistungen ergeben. In Verbindung mit der verlangsamten visuellen Exploration und der erhöhten Lesezeit wegen der rechtsseitigen Hemianopsie seien Einbussen beim verbalen und visuellen Lernen beschrieben worden, welche jedoch mit einem ansteigenden Lernzuwachs bei Wiederholung der Durchgänge
verbunden gewesen seien. Die neurologische Beurteilung der vom Neuropsychologen lic. phil.
I._
erhobenen Befunde führe zur Einordnung in eine
«
minimale bis leichte neuropsychologische Störung
»
. Die erhobenen neuropsychologischen Befunde korrelierten gut mit den auf den MRI-Bildern sichtbar gewordenen geringfügigen Residuen früherer kleiner
Einblutungen
als Folge des Unfalls im Jahr 200
8.
Bei fehlenden Zeichen für relevante Hirnsubstanzschädigungen seien
höhergradige
kognitive oder neuropsychologische Einbussen nicht erklärbar. Unter
Berücksichtigung der Anamnese sowie der erhobenen klinischen und MRI-Befunde sei die Versicherte bei allen Tätigkeiten, die ein visuelles Explorieren erforderten, in ihrer Leistungsfähigkeit zu 30
%
eingeschränkt
. Zusätzlich sei etwa bei Bürotätigkeiten ein vermehrter Pausenbedarf begründbar
(
Urk.
12/M61 S. 25-26
).
Laut dem psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
J._
vom 1
4.
Juli 2014 litt die Beschwerdeführerin unter einer leicht ausgeprägten
,
spezifische
n
Angststörung vor allem
klaustrophober
und
agoraphober
Natur mit Vermeidungstendenzen. Diese sei überwindbar (
Urk.
12/B61/7 S. 22
). Die Akzentuierung gewisser Ängste nach dem Unfall verweise auf eine gewisse angstbereite und eher Absicherung suchende Komponente in ihrer Persönlichkeitsstruktur hin. Zudem sei sie nach dem Unfall gemäss eigenen Angaben zurückhaltender, unsicherer und
dünn
häutiger geworden (
Urk.
12/B61/7 S. 24 f.
). Aus rein psychiatrischer Sicht sei ihre Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (
Urk.
12/B61/7 S.
22 und 24)
.
Abschliessend hielten die Gutachter fest, in den interdisziplinären Konsens
besprechungen sei festgestellt worden, dass
eine Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin bezüglich ihrer beruflichen Leistungsfähigkeit und den im Rahmen der Begutachtung erhobenen objektivierbaren Untersuchungsbefunde
n
bestehe
(
Urk.
12/M61 S. 39)
. Wegen
der Hemianopsie sei eine Leistungseinbusse in Höhe von 30
%
in der angestammten Tätigkeit als Bankangestellte/Kundenberaterin begründbar. In
einer behinderungsangepassten Tätigkeit, welche nur selten das Lesen von längeren Texten und/oder die längerfristige Arbeit an einem PC erfordere, körperlich höchstens leicht bis mittelschwer sei und nicht das Lenken von Kraft
fahrzeugen im Strassenverkehr erfordere, wäre sie in leistungsmässiger und zeitlicher Hinsicht uneingeschränkt arbeitsfähig
(
Urk.
12/M61 S. 33 f.)
.
Die gut
achterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit weiche deutlich von der vom Neurologen
Dr.
B._
im Bericht vom 1
4.
Juli 2011 geäusserten Einschätzung ab. Dies könne dadurch erklärt werden,
dass
die neuropsychologischen und kognitiven
Funktionsstörungen
zwischenzeitlich zurückgegangen seien, dass
die
Gutachter die Diagnose eines posttraumatischen chronischen Kopfschmerzes nicht mehr
hätten stellen können
und
dass
Dr.
B._
überwiegend von den
subjektiven
Angaben der Beschwerdeführerin ausgegangen
zu sein
scheine
(
Urk.
12/M61 S. 38).
Gestützt auf die Suva-Tabellen sei bezüglich der neuropsychologisch fest
stellbaren wahrscheinlich dauerhaften Leistungsminderung die Annahme eines isolierten Integritätsschadens von 10
%
gerechtfertigt. Hinsichtlich des Gesichtsfeldausfalls nach rechts, welcher mit dem in den Suva-Tabellen aufgeführten Verlust des Sehvermögens au
f einer Seite vergleichbar sei,
sei
der
Integritätsschaden
auf
30
%
einzuschätzen. Da sich die Ursachen und Aus
wirkung der beiden Integritätsschädigungen überlappten, sei unter Berücksichtigung aller medizinischer Disziplinen ein Gesamt-Integritätsschaden von 45
%
anzunehmen (
Urk.
12/M61 S.
35-
36).
4
.4
Am 2
4.
September 2014 erstellte
Dr.
B._
im Auftr
ag der Beschwerde
führerin eine «neurologische Replik»
zum Gutachten der Rehaklinik
C._
. Dabei hielt er fest, die Beschwerdeführerin habe anlässlich ihres Unfalls sicher auch eine schwere traumatische Hirnverletzung erlitten. Die Korrelation der bildgebend gefundenen Veränderungen mit den erfahrungsgemäss sehr variablen Funktionsstörungen sei beschränkt. Nach Meinung aller kritischen Neuroradiologen könnten bei weitem nicht alle Hirnläsionen bildgebend fest
gehalten werden. Eine Einschätzung der nach Hirnverletzungen verbleibenden
Funktionsstörungen sei nur durch eine Kombination von klinischer Evaluation und praktischer
Erprobung am Arbeitsplatz möglich. Die neuropsychologische Untersuchung allein erlaube nie, eine schadensbedingte Arbeitsunfähigkeit seriös festzulegen
(
Urk.
12/B333 S. 1 f.)
. Die unter seiner Federführung, mit sehr guter Kooperation sowohl der Beschwerdeführerin als auch des Arbeitgebers durchgeführten Arbeitsversuche hätten die von ihm bereits früher attestierte maximal zumutbare Arbeitszeit von 50
%
eines Vollzeitpensums mit Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit pro Zeiteinheit um einen Drittel ergeben. Die
Erfahrungen am Arbeitsplatz seien im Gutachten in keiner Weise berücksichtigt worden. Sodann sei die neuropsychologische Untersuchung durch einen Psychologen FSP und nicht einen diplomierten Neuropsychologen, welcher auf der offiziellen Liste der Neuropsychologen figuriere, durchgeführt worden (
Urk.
12/B333 S. 2
). Die Ergebnisse der anlässlich der Begutachtung durchgeführten neuropsychologischen Untersuchung seien auch inhaltlich sehr zu bezweifeln.
Bei der Beschwerdeführerin sei vor allem die Dauerbelastung problematisch, was zur Folge habe, dass die Leistungen über den Tag mit der Zeit abnähmen. Eine seriöse Untersuchung müsse deshalb bei Vorbelastung
erfolgen, und sicher nicht wie anlässlich der Begutachtung am frühen Morgen (
Urk.
12/B333 S. 3
).
Der neurologische Gutachter habe bei der Festsetzung des Integritätsschadens den Bericht der Augenklinik des Universitätsspitals
Z._
vom 2
3.
Juni 2011,
in welchem
für die Hemianopsie ein Integritätsschaden von 55
%
festgehalten
worden sei, nicht berücksichtigt. Zudem
sei unter Neurologen und Neuropsychologen allgemein bekannt, dass eine Beeinträchtigung
durch eine Hemianopsie wesentlich gravierender sei als der einseitige Visusverlust, weshalb der von den Gutachtern dafür veranschlagte Integritätsschaden von 30
%
absurd sei
(
Urk.
12/B333 S. 3)
.
Am 1
4.
November 2014 nahm der beratende Arzt der AXA,
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Neurologie, zum Gutachten der Rehaklinik
C._
und zur
«
Replik
»
von
Dr.
B._
Stellung. Er hielt zusammengefasst fest, die Ausführungen von
Dr.
B._
vermöchten die überzeugenden gutachterlichen Schlussfolgerungen nicht in Frage zu stellen. Dessen Beurteilung der Arbeits
fähigkeit müsse insgesamt als eher pessimistisch bezeichnet werden (
Urk.
12/M62).
4
.5
Am 1
5.
August 2016 verfasste
Dr.
med.
D._
,
Verhalt
en
sneurologe
,
im Auftrag der Beschwerdeführerin
ein neurologisches Aktengutachten
.
E
r
wies darauf
hin,
d
er erhebliche verminderte GCS-
Wert
von 8 am Unfallort und die in der gutachterlichen Beurteilung nicht berücksichtigte posttraumatische Amnesie von sieben bis zehn Tagen sprächen für ein mindestens mittelschweres Hirn
trauma
. Die relativ kurze Dauer eines pathologischen GCS und die lange Dauer der posttraumatischen Amnesie seien typisch für eine posttraumatische Hi
rn
funktionsstör
ung durch
axonale
Schädigungen
(
Urk.
26/1 S. 2 ff.).
Die neuropsychologische Testung
in der Rehaklinik
C._
sei zwar
im herkömmlichen Sinn und
mit viel Aufwand durchgeführt worden.
Indes sei
die Alltagsrelevanz der neuropsychologischen Testbefunde generell schwierig zu bestimmen, weil die Testsituation, die Testmethoden und die Testinhalte geringe Übereinstimmungen
mit dem Berufsalltag aufwiesen
(
Urk.
26/1 S. 4-9)
.
Die
neurologische und neuropsychologische Beurteilung im Gutachten der Reha
klinik
C._
berücksichtige wesentliche Aspekte nicht, nämlich die Schwere der Hirnverletzung, das Ausmass des verlorenen kognitiven Leistungspotentials, die dokumentierten Einschränkungen im beruflichen Alltag, die fremd
anamnestischen Beobachtungen und die Selbstbeu
rteilung der Beschwerde
führerin
.
Aufgrund der mindestens mittelschweren Hirnverletzung mit vorwiegend frontalen
axonalen
Schädigungen seien Einschränkungen der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit erklärbar
. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der beruflichen Eingliederung und einer B
efragung zur a
ktuellen Leistung am Arbeitsplatz könne die
Arbeitsfähigkeit ganzheitlich beurteilt
werden. Die von den Gutachtern attestierte 70%ige Arbeitsfähigkeit bei vollzeitlicher Anwesenheit am Arbeitsplatz widerspreche den
Ergebnissen der Berufserprobung und sei nicht realistisch. Selbst bei einem verkürzten Tagespensum sei wegen der kognitiven Verlangsamung, Ablenkbarkeit und dem erschwerten Lernen und Behalten mit einer Effizienzminderung zu rechnen. Eine potentielle weitere Einschränkung resultiere aus der Ermüdung bei langen Arbeitswegen (
Urk.
26/1 S. 8 f.).
4.6
Auf Anfrage des Gerichts (
Urk.
41-42
) reichte
E._
am 1
3.
November 2017 eine Übersicht über die berufliche Laufbahn der Beschwerdeführerin in der
Y._
ein.
Danach
habe
sie die Arbeit nach ihrer unfallbedingten Abwesenheit vom Arbeitsplatz am
1.
Oktober 2010 mit einem Pensum von 30
%
wiederauf
genommen
. Dieses Pensum
sei
in der Folge nie erhöht
worden
(
Urk.
44
).
Laut dem Arbeitsvertrag
vom
1.
März 2017 (
Urk.
36
/1 =
Urk.
45
/1
), dem Stellenbeschrieb (
Urk.
36
/2) und
einer
schriftlichen Bestätigung
von
E._
, die er der Beschwerdeführerin gegenüber am
1
6.
März 2017
abgegeben hatte
(
Urk.
36
/3)
,
arbeitete die Beschwerdeführerin seit
1.
März 2017 in den Abteilungen Anlagen/Vorsorge und Finanzierungen als Assistentin und Unter
stützung mit Prokura. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die Stellvertretung des Leiters Anlagen und Vorsorge (
Urk.
36
/2). Laut
dessen
Beurteilung konnte sie ihre Arbeitsleistung nach dem Unfall im Lauf der Zeit etwas steigern: Sie sei auch
aktuell
noch in der Konzentration eingeschränkt. Kopfschmerzen und Schwindel nähmen bei erhöhter Arbeitsbelastung und Arbeitszeit zu, und der Leistungsabfall sei sichtbar. Deshalb sei sie oft gezwungen, den Arbeitsplatz früher als gewollt zu verlassen. Sie benötige einen verhältnismässig ruhigen Arbeitsplatz, welcher so ausgerichtet sein müsse, dass sie Personen von der Seite wahrnehmen könne.
Aktuell
sei es ihr möglich, ihre Arbeitsleistung von 30
%
im Rahmen eines zeitlichen Arbeitspensums von 40
%
zu erbringen. Die zu verrichtenden Arbeiten könnten ohne zeitlichen Druck erledigt werden (
Urk.
36
/3). Im Schreiben an das Gericht vom 1
3.
November 2017 bestätigte
E._
seine Einschätzung, dass die
damalige
Arbeitssituation den gesund
heitlichen Möglichkeiten der Beschwerdeführerin entspreche (
Urk.
44
).
4.7
4.7.1
Das Gerichtsgutachten der
F._
vom 3
1.
Dezember 2019 basiert auf
den
fach
ärztlichen Untersuchungen der Inneren Medizin vom
3.
Juni
(
Dr.
med.
L._
, Ärztlicher Leiter
F._
)
, der Psychiatrie
(
Dr.
med.
M._
)
und der Neurologie
(
Dr.
med.
N._
)
vom 2
5.
Juni, der
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
(Prof.
Dr.
med.
O._
)
vom 1
2.
Juni, der Neuropsychologie
(M. Sc.
P._
und
Dr.
phil
Q._
)
vom 1
1.
und 1
2.
Juni sowie 1
5.
August und der Ophthalmologie
(
Dr.
med.
R._
)
vom
8.
Juli
2019
(
Urk.
95
/1 S. 6). Zusätzlich erfolgten eine Laboruntersuchung, eine
Nachbefundung
der MRI-Untersuchungen des Schädels und des
Neurocraniums
vom
5.
September 2008 und vom
3.
April 2014, eine elektrophysiologische Zusatzdiagnostik (visuell evozierte Potentiale), eine
Perimetrie
-
Messung sowie verschiedene
neurootologische
Untersuchungen
(
Urk.
95
/1 S. 7). Die Gutachter berück
sichtigten überdies die medizinischen Vorakten
(
Urk.
95
/1 S. 37 ff.) und die von der begutachtenden Neurologin eingeholten fremdanamnestischen Angaben
von
E._
(
Urk.
95
/2 S. 10 ff.).
4.7.2
Als
unfallkausale
Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter
gemäss ihrer Konsensbesprechung
eine schwere traumatische Hirnverletzung
nach EFNS 2012 (ICD-10: S06.38; S06.6)
mit GCS 8 am Unfall
ort, einer mehrstündigen retrograden und mehrtägigen
anterograden
post
traumatischen Amnesie,
mit Pupillendifferenzen rechts mehr als links und
einer
h
omonymen Hemianopsie nach rechts,
mit
dem bildgebenden Nachweis einer initialen traumatischen
Subarachnoidalblutung
falx
-
nah, einer progredienten posttraumatischen Atrophie des
Tractus
opticus
links sowie multiplen
axonalen
Scherverletzungen im Zentrum semiovale, kortikal und subkortikal im
Gyrus
frontalis
superior
beidseits sowie
mit
einem Status nach persistierenden Kopf
schmerzen, zurückzuführen auf eine mittelschwere oder schwere traumatische Hirnverletzung
nach ICHD-
3.
Als neurologische Residuen bestünden die
h
omonyme Hemianopsie nach rechts
(ICD-10: H53.4)
,
ein
Verdacht auf eine zentral-vestibuläre Störung beziehungs
weise differentialdiagnostisch einer peripher-vestibulären Störung in Über
kompensation. Neuropsychologische Residuen seien eine mittelgradige neuropsychologische Störung mit verminderter Belas
tbarkeit und eine Fatigue. Als n
europsychiatrische Residuen verblieben ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.2) mit Veränderung der affektiven Schwingungsfähigkeit und Wahrnehmung von Vitalgefühlen ohne depressiven Affekt, Energielosigkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie eine komplexe Anpassungsleistung an den Unfall mit organischem Psychosyndrom (gemäss ICD-10: F43.9 nicht näher bezeichnete Reaktion auf schwere Belastung) mit leicht ausgeprägter spezifischer Angststörung, vor allem
agoraphober
Aus
prägung (ICD-10: F40.0) sowie der Entwicklung von Persönl
ichkeits
akzentuierungen (
Urk.
95
/1 S. 13 f.).
Die Gutachter hielten auch zahlreiche unfallkausale Diagnosen ohne Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest, so
die Sensibilitätsstörungen im
Rahmen der Unterkieferfraktur, die doppelte Unterkieferfraktur, die
Klavikulafraktur
, die
Scaphoidfraktur
links und die Kniekontusion links (
Urk.
95/1 S. 14).
4.7.3
Zu den
funktionellen Auswirkungen der
unfallkausalen
Befunde hielten sie fest, die
h
omonyme Hemianopsie habe zur Folge, dass alle Dinge rechts der Mittel
linie bei Geradeausblick nicht erkannt würden. Dies könne kompensiert werden, indem der Kopf oder die Augen nach rechts gedreht würden, was nach einer Gewöhnungsphase von in der Regel einigen Monaten oft automatisch
erfolge. Trotzdem bestünden Einschränkungen gerade in nicht alltäglichen Situationen; auch würden überraschend im rechten Gesichtsfeld auftreten
de
Objekte nur verzögert erkannt. Aus
oto-rhino-laryngologischer
Sicht sei wegen der Anhalts
punkte für das Bestehen einer zentral-vestibulären Funktionsstörung davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin einen vermehrten Erholungsbedarf habe, was sich auf ihre Dauerbelastbarkeit auswirke. Die neuropsychologischen Befunde wirkten sich insbesondere auf folgende Fähigkeitsbereiche gemäss Mini-ICF-APP aus: Die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben sei je nach Anforderung und Dauer der vorangegangenen mentalen Belastung mässig bis erheblich
(2-3)
eingeschränkt; die Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit sei
en
je nach Grad der Ermüdung leicht
(1-2)
erschwert; die Kompetenz- und Wissensanwendung sei
en
durch den leicht erschwerten Abruf von Gedächtnisinhalten, das verminderte Lesetempo, das beeinträchtigte Planungs- und Organisationsvermögen, die anforderungsabhängige Verlangsamung, die verminderte Stresstoleranz und die zeitlich limitierte Belastbarkeit
erheblich
beeinträchtigt
(3)
; die Entscheidungs- und Urteils
fähigkeit sei wegen eines erhöhten Zeitbedarfs und einer erhöhten Angst vor Fehlentscheidungen mässig
(2)
eingeschränkt; die Durchhaltefähigkeit sei wegen der verminderten Stresstoleranz und Belastbarkeit erheblich
(3)
vermindert
.
D
ie
Gruppenfähigkeit sei mässig eingeschränkt aufgrund einer erhöhten Ablenk
barkeit durch Störreize, Lärmempfindlichkeit und einer Tendenz zum sozialen Rückzug bei erlebter und antizipierter Überforderung; für eine leitende Funktion mit Führungsverantwortung und/oder die Tätigkeit als Finanzplanerin stelle dies eine erhebliche
(3)
Beeinträchtigung dar; die Verkehrsfähigkeit sei durch die
dauerhaft aufgehobene Fahreignung
wegen der Hemianopsie
schwer (4)
eingeschränkt
(
Urk.
95
/1 S. 24 f.).
Die Anpassungsfähigkeit an Regeln und Strukturen, die Selbstbehauptungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit zu Dritten und zu engen dyadischen Beziehungen erachteten sie als nicht eingeschränkt (
Urk.
95/
1
S. 24
f.)
.
4.7.4
Unter Berücksichtigung der
unfallkausalen
funktionellen Einschränkungen sei die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Bankkauffrau und Finanzplanerin mit eidgenössischem Fachausweis sowie stellvertretende Filial
leit
erin vollständig a
rbeitsunfähig. Einschränkend wirkten sich insbesondere die verminderte Belastbarkeit und Stresstoleranz, die beeinträchtigten Gedächtnis
suchprozesse, die verminderte Fähigkeit zu problemlösendem und vorausschauendem Denken sowie zum Organisieren mit vertretbarem Zeitaufwand, die eingeschränkte Fähigkeit, Störreize auszublenden und die Angst vor Fehlern aus. Zudem könne sie nicht mehr ganztägigen Weiter
bildungen folgen und wegen ihrer aufgehobenen Fahreignung nur noch eingeschränkt Aussentermine wahrnehmen und soziale Anlässe besuchen. In
ihrer aktuellen optimal angepassten Tätigkeit beim angestammten Arbeitgeber führe die Beschwerdeführerin die interne Schlusskontrolle bei
K
redit
abschlüssen durch, erledige einfache Steuererklärungen oder unterstütze Kundenberater vereinzelt bei der Finanzplanung. Kundenkontakt und Zeitdruck bestünden nicht, alle Aufgaben seien in hohem Masse vorstrukturiert, Entscheidungen müsse sie nicht treffen. Aus interdisziplinärer Sicht sollte sie in der Lage sein, das aktuell versehene Pensum von 30
%
verteilt auf drei Wochentage auf ein Arbeitspensum von 50
%
verteilt auf fünf Wochentage mit einer zusätzlichen Pause von etwa 20 Minuten pro Tag und freier Zeiteinteilung
auszuüben
. Ihre momentane subjektive Einschätzung, mit einem Pensum von über 30
%
über
fordert zu sein, gründe auf den während
der Ferienvertretung des
Credit
Officer der Bank
gemachten Erfahrungen. In diesen Phasen, in denen sie jeweils vier Vormittage pro Woche gearbeitet habe, sei sie an ihre Grenzen gekommen und habe mit Kopfschmerzen und Schlafstörungen reagiert. Grund dafür seien aber die mit
der Ferienvertretung des
Credit
Officer verbundenen höheren inhaltlichen Anforderungen, das eigenverantwortliche Fällen von Entscheidungen und das Einhalten von Fristen gewesen. Bei einer rein zeit
lichen Mehrbelastung ohne Ausweitung des inhaltlichen Anforderungsprofils sei mit einer mittelfristigen Adaptation und dem Nachlassen anfänglicher Stres
s
symptome zu rechnen. Allenfalls könne eine vorübergehende therapeutisc
he Unterstützung helfen (
Urk.
95
/1 S. 25-26). Die gleiche Arbeits-
und Leistungs
fähigkeit bestehe auch für jegliche vergleichbaren Verweistätigkeiten
(
Urk.
95
/1 S. 27). Die attestierte Arbeitsfähigkeit gelte bereits für das Jahr 2015
(
Urk.
95
/1 S. 30). Alle beschriebenen Funktionseinschränkungen seien auf natürlich unfallkausale Beeinträchtigungen zurückzuführen und hätten ein klares ob
jektivierbares Korrelat (
Urk.
95
/1 S. 27).
Die Beschwerdeführerin (und ihr Arbeitgeber
) unterschätzten ihre effektive Leistungsfähigkeit leicht; ihre Haltung gründe wohl auf der initialen Beurteilung, dass die Beschwerdeführerin nur zu 33
%
arbeitsfähig sei, und die darauf basierende Rentenzusprechung. Die
se
von der gutachterlichen Beurteilung, welche sich an den objektivierbaren Gesundheitsbeein
trächtigungen orientiere, abweichende Einschätzung könne am ehesten mit einer Unterschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit wegen einer gewissen Beteiligung psychischer Faktoren am Beschwerdebild erklärt werden. Die
(
neuro
)psychologischen Tests hätten das Bild einer Person
ergeben, welcher der Einblick in beziehungsweise das Verständnis für ihr eigenes Verhalten fehle, und die psychische
n
Probleme
,
wie eine erhöhte Ängstlichkeit und Versagens
ängste
,
abwehre bis verleugne. Unter Belastung entwickle sie spezifische somatische Beschwerden. Diese psychischen Faktoren würden die hirnorganisch
bedingten Affektmodulationen und Stressreaktionen allerdings nicht mehr als akzentuieren
(
Urk.
95
/1 S. 27 f.).
4.7.5
Als
unfallkausale,
dauernde erhebliche Schädigung
en
der Integrität
bestünden zwei
Einzelschäden. Die
h
omonyme Hemianopsie führe gemäss dem Arbeits
behelf der Suva ABAS94 (
Die
Beurteilung
von
Augenschäden
im
Rahmen
des
Bundesgesetzes
über
die
Unfallversicherung
[UVG], SUVA-Publikation 2293/5.d,
1.
Auflage, 1994,
Ziff.
925)
zu einem Integritätsschaden von 55
%
. Die
diagnostizierte mittelschwere neuropsychologische Störung entspreche nach
den Kriterien in der Suva-Tabelle 8 (Integritätsschaden bei Hirnfunktionsstörungen nach Hirnverletzungen) einer leichten bis mittelschweren Störung. Der Integritäts
schaden für eine solche Störung betrage 35
%
. Die psychiatrischen Diagnosen seien dadurch bereits berücksichtigt. Die
Addition der beiden Integritätsschäden
führe
zu einem Gesamtschaden von 90
%
. Weil die
h
omonyme Hemianopsie einen Teil der neuropsychologischen Störung verursache, insbesondere im visuellen Bereich, müsse
der Gesamtschaden um geschätzt 20
%
auf 70
%
nach unten korrigiert werden (
Urk.
95
/1 S. 29 f.).
Zur davon abweichenden Ansicht im Gutachten von
C._
hielten die Gutachter fest, d
er
Neurologe
Dr.
H._
habe die auf den MRI-Bildern vom
3.
April 2014 sichtbaren kleineren
Einblutungen
nicht im Sinne von diffusen
axonalen
Scherverletzungen gewertet. Entgegen der Ansicht von
Dr.
H._
seien die Voraussetzungen für die Diagnose einer solchen,
höhergradigen
Hirn
schädigung
jedoch
gegeben: Mit der
h
omonymen Hemianopsie und der post
traumatischen Amnesie hätten nach dem Unfall durchaus signifikante klinisch-neurologische Ausfälle vorgelegen. Im Gutachten von
Dr.
H._
fehle eine
Auseinandersetzung mit der konsistent deklarierten posttraumatischen Amnesie, welche angesichts ihrer Dauer mit
antero
- und retrograden
Amnesieanteilen
gut mit einer
höhergradigen
traumatischen Hirnverletzung korreliere. Der alleinige Umstand, dass keine sonstigen
höhergradigen
fokal-neurologischen Ausfälle bestanden hätten, führe zu keinem anderen Schluss, zumal das Ausmass diffuser
axonaler
Scherverletzungen erheblich variiere. Die rasche Besserung des GCS von 8 auf 15 schliesse das Vorliegen
axonaler
Scherverletzungen eben
falls nicht aus.
Insofern könne den Ausführungen von
Dr.
D._
in dessen neurologischer Expertise vom 1
5.
August 2016 zugestimmt
werden
(
Urk.
95
/1 S.
31-32 und S. 34). Die Annahm
e einer insbesondere im Vergleich zur Einschätzung der Spezialisten der Rehaklinik
C._
höheren neuropsychologischen Funktionsstörung sei unter anderem einer ausgedehnteren neuropsychologischen Untersuchung mit anspruchsvolleren Verfahren, insbesondere zum Planungs- und Organisationsvermögen, geschuldet. Diese Fähigkeiten stellten in der früheren Tätigkeit der Beschwerde
führerin Kernkompetenzen dar. Die letzte neuropsychologische Untersuchung sei überdies in stationärem Rahmen erfolgt, so dass zusätzliche Belastungen vor der Untersuchung wie die aversiv erlebte Anreise mit dem öffentlichen Ve
rkehr weggefallen seien (
Urk.
95
/2 S. 21). Die Untersuchung in der Rehaklinik
C._
w
eise weitere Mängel auf (
Urk.
95
/4 S. 41 ff.), insbesondere seien anhand der gewählten Untersuchungsmethoden kaum Aussagen zur Dau
er
belastbarkeit möglich (
Urk.
95
/4 S.
43). Der im Gutachten der Rehaklinik
C._
attestierte Integritätsschaden von 30
%
aufgrund der Gesichtsfeld
einschränkung sei zu niedrig angesetzt. Eine
h
omonyme Hemianopsie könne nicht mit dem vollständigen Visusverlust eines Auges (welcher einem Integritätsschaden von 30
%
entspreche) gleichgesetzt werden, da das gesunde Auge noch ein intaktes
monokuläres
Gesichtsfeld aufweise und die Fahreignung d
eshalb noch gegeben sei (
Urk.
95
/1 S. 32). Der von
Dr.
B._
in seiner Replik zum Gutachten der Rehaklinik
C._
erhobenen Kritik an den Ergebnissen der neuropsychologischen
Untersuchungen in der Rehaklinik
C._
sei zuzustimmen. Das Ausmass der Störungen müsse insgesamt etwas höher eingeschätzt werden, als dies die Ärzte der Rehaklinik
C._
gemacht hätten. Gleiches gelte für die Auswirkungen der
h
omonymen Hemianopsie. In
der Rehaklinik
C._
seien insbesondere die Auswirkungen dieser Störungen auf die Dauerbelastbarkeit unterschätzt
worden
(
Urk.
95
/1 S. 33). Unter Würdigung aller relevanten Aspekte inklusive der eigen- und fremd
anamnestischen Angaben und der Erkenntnisse der neuropsychologischen Untersuchung sei
daher
von einer etwas höheren Restarbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten auszugehen als
die
von
Dr.
B._
veranschlagten 33
%
(
Urk.
95
/1 S. 34).
4.8
D
er beratende
Neurologe der AXA
Dr.
K._
teilte
in seiner Stellungnahme vom 1
0.
Juni 2020
die im Gutachten dargelegte Ansicht einer anlässlich des Unfalls schwereren Schädelverletzung und hielt gesamthaft
fest, die von den
F._
-Gutachtern attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit erscheine ihm plausibel
(
Urk.
107
).
Dr.
B._
nahm auf Anfrage der Beschwerdeführerin am 2
3.
Februar und 2
3.
April 2020 zur
F._
-Expertise
ebenfalls
Stellung. Dabei bemängelte er, die im Gutachten erwähnten psychosomatischen Beschwerden im Sinne einer gewissen Beteiligung psychischer Faktoren am Beschwerdebild seien mit grosser Wahrscheinlichkeit durch die unfallkausalen, auf die erhebliche frontale Hirn
schädigung zurückzuführenden
Persönlic
hkeitsveränderungen mit
bedin
gt
(
Urk.
109
/4
S. 2). Die Einschätzung im neurolog
ischen Teil des
F._
-Gutachtens, die ursprünglich posttraumatischen Kopfschmerzen seien inzwischen stressbedingt und damit nicht mehr unfallkausal, sei für ihn nicht verständlich, zumal der zusätzliche Stress ebenfalls eine Folge der traumatischen Hirnverletzung wäre
. Es sei nach wie vor von einem chronischen posttraumatischen Kopfschmerz auszugehen (
Urk.
109/4 S. 4). Die deutliche Diskrepanz zwischen der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der
F._
-Gutachter und derjenigen des Vorgesetzten werde im Gutachten nicht diskutiert. Vernach
lässigt werde von den Gutachtern auch der relevante Unterschied zwischen dem zumutbaren zeitlichen Arbeitspensum und der in diesem Rahmen möglichen Arbeitsleistung pro Zeiteinheit (
Urk.
109/4 S. 5).
Auch die Beurteilung des Integritätsschadens überzeuge nicht: Im
F._
-Gutachten sei eine mittelgradige neuropsychologische Funktionsstörung diagnostiziert worden, was bezüglich der Suva-Tabelle 8 einer mittelschweren Funktionsstörung entsprechend einem Integritätsschaden von 50
%
entspreche und nicht, wie von den Gutachtern angenommen, einer leichten bis mittelschweren Funktionsstörung (
Urk.
109/4 S.
2
; vgl. auch
Urk.
109/5).
5
.
5.1
Die AXA hielt im angefochtenen Einspracheentscheid vom 2
7.
August 2015 fest, dem Gutachten der Rehaklinik
C._
vom 1
1.
Juli 2014 und der Beur
teilung ihres beratenden Arztes
Dr.
K._
vom 1
4.
November 2014
komme
voller Beweiswert zu. Es sei gestützt darauf erstellt, dass die Beschwerdeführerin wegen der anhaltenden Unfallfolgen in der angestammten Tätigkeit zu 30
%
arbeits
unfähig sei
. Das Valideneinkommen in Höhe von
Fr.
119‘231.-- basiere auf dem in der angestammten Tätigkeit im Jahr 2008 erzielten Einkommen
unter Hinzurechnung der Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 201
3.
Als Invaliden
einkommen sei ein Betrag von
Fr.
78‘033.
--
einzusetzen. Der Einkommensvergleich führe zu einem Invaliditätsgrad von 35
%
. Der versicherte Verdienst sei anhand des Lohns, den die Beschwerdeführerin ohne den Unfall im Jahr vor dem Rentenbeginn erzielt hätte, festzusetze
n
. Andere als teuerungsbedingte Änderungen der erwerblichen Verhältnisse, etwa Karriere
schritte, könnten nicht berücksichtigt werden, weshalb von einem
v
ersicherten Verdienst von
Fr.
114‘566.-- auszugehen sei. Dies entspreche unter Berück
sichtigung des Invaliditätsgrads von 35
%
einem monatlichen Rentenanspruch in Höhe von
Fr.
2‘673.20 ab
1.
Januar 201
5.
Mit dem Beginn der Rente entfalle der Anspruch auf Übernahme der Heilbehandlungskosten, mit Ausnahme der jährlichen Kontrollen in der Augenklinik, welche auf Zusehen hin übernommen würden.
Gestützt auf da
s Gutachten der Rehaklinik
C._
ergebe sich ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung von 45
%
(
Urk.
2).
5.2
Im Beschwerdeverfahren
macht
e
die Beschwerdeführerin
zunächst geltend,
auf
das Gutachten
der Rehaklinik
C._
könne
nicht abgestellt werden.
Das
Gutachten weiche derart weit von der Beurteilung anderer Fachärzte ab, dass konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprächen.
Gestützt
auf
die
voll beweiskräftige
n
Beurteilung
en
von
Dr.
B._
und von
Dr.
D._
sei davon auszugehen,
dass sie nur
noch zu 30
%
arbeitsfähig sei
(
Urk.
1 S. 4-10,
Urk.
3/3-4,
Urk.
12A/333
,
Urk.
25 S.
14
-30
,
Urk.
35).
Bei der Festsetzung
des Valideneinkommens müsse
ihr beruflicher Aufstieg im Gesundheitsfall berücksichtigt werden.
Dieser
sei
innerhalb der Bank zum Zeit
punkt des Unfalls bereits diskutiert worden. Da sie ihre Ausbildung zur eidgenössischen Bankfachfrau und Finanzplanerin erst kurz vor dem Unfall abgeschlossen habe, sei es v
orerst bei Gesprächen geblieben;
diese könnten aber von Arbeitskollegen bezeugt werden.
Es sei ihr
bestätigt
worden
, dass sie heute ohne den Unfall Mitglied der Geschäftsleitung wäre.
Sie habe damals damit rechnen können, innerhalb von spätestens drei Jahren Mitglied der Geschäfts
leitung zu sein.
Damit sei ihr beruflicher Aufstieg genügend konkret und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Im Hinblick auf den Einkommens
vergleich könne deshalb nicht an dem zuletzt erzielten und der Teuerung angepassten Einkommen angeknüpft werden. Vielmehr sei ab 2013 von einem Valideneinkommen von
Fr.
140‘000.-- auszugehen (
Urk.
1 S. 8,
Urk.
3/3 S. 6 f.,
Urk.
25 S
. 31).
Auch der versicherte Verdienst sei auf dieser Basis zu ermitteln (
Urk.
1 S. 10,
Urk.
3/3 S. 8).
In ihrer Stellungnahme
vom
2
4.
Juni
2020
(
Urk.
108
)
führt
die Beschwerde
führerin nach Kenntnisnahme des Gerichtsgutachtens aus, die Gutachter des
F._
seien im Gegensatz zu ihr, ihrem Arbeitgeber und dem behandelnden Neurologen
Dr.
B._
nicht von einer 30%igen, sondern von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit ausgegangen. Diese erhebliche Abweichung bedürfe einer genauen und differenzierten Begründung. Eine solche fehle in der Expertise. Die
F._
-Neurologin sei wohl von der Tatsache ausgegangen, dass sie während der Ferienstellvertretung des
Credit
Officer zeitweise vier Vormittage entsprechend einem Pensum von 40
%
gearbeitet habe; aus diesem Pensum in einer anspruchsvolleren Arbeit müsse die Gutachterin geschlossen haben, dass sie die üblichen einfachen Tätigkeiten auch zu 50
%
ausüben könnte. Dabei habe die Neurologin übersehen, dass sie
– die Beschwerdeführerin -
mit der Stell
vertretung überfordert gewesen sei und die Mehrarbeit mit 40%igem Pensum jeweils in der Folgewoche durch Freitage habe kompensieren müssen (
Urk.
108
S.
8
). Die Gutachter hätten sich nicht hinreichend mit den Ergebnissen des Coachings durch
Dr.
B._
und die Case Managerin des Unfall
versicherers
sowie mit den gescheiterten Versuchen einer Erhöhung des Arbeitspensums auf 50
%
auseinandergesetzt
(
Urk.
108
S. 2 und
7 ff
.)
. Zudem hätten sie ihre Einschätzung und diejenige ihres Arbeitgebers nicht diskutiert und ausser Acht gelassen, dass sie seit 2011 unabhängig vom geleisteten Arbeitspensum immer den gleichen Lohn erhalten habe (
Urk.
108
S.
4 und 9
). Ihre Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit habe sich seit 2011 nicht verändert und entspreche nach wie vor einem Pensum von 30
%
(
Urk.
108
S.
9
). Im
Übrigen sei ihr die bisherige Stelle per 3
1.
Juli 2020 gekündigt worden. Die Begründung der Kündigung, sie könne den Anforderungen der Bank nicht genügen, bestätige ihre Vermutung, dass sie ihren Arbeitsplatz in der Bank nach dem Unfall im Jahr 2008 nur dank der wohlwollenden Unterstützung des früheren Bank
direktors habe behalten können. Es sei unrealistisch, dass sie mit ihren Behinderungen wieder eine Stelle bei einer Bank finden und gleich viel wie bisher verdienen werde. Zu beachten sei auch, dass die
F._
-Gutachter davon ausgegangen seien, dass sie bei einem Stellenwechsel in der Eingliederungs
phase
eine noch tiefere Leistung erbringen werde. Dies wirke sich ebenfall
s lohnmindernd aus (
Urk.
108 S. 4
f.). Es sei weiterhin von einem 70%igen Inva
liditätsgrad auszugehen
(
Urk.
108 S. 10).
Bei der Bemessung des Integritätsschadens sei der Einzelschaden 1, die
h
omonyme Hemianopsie
,
aufgrund dessen Einfluss auf den Einzelschaden 2, die neuropsychologische Störung, zu reduzieren. Die von den
F._
-Gutachtern eingeschätzte Reduktion um 20
%
er
scheine aber zu hoch;
angemessen sei eine Kürzung um lediglich 10-15
%
. Der Einzelschaden 2 werde von der
F._
zwar als mittelschwere neuropsychologische Störung umschrieben. Im Widerspruch
dazu habe sie aber den SUVA-Tabellenwert für eine leichte bis mittelschwere Störung herangezogen. Unter Berücksichtigung des richtigen Werts von 50
%
resultiere in der Summe ein
Gesamt-
Integritätsschaden von 105
%
.
Nach einer Reduktion um 20
%
verbleibe ein zu entschädigender Integritätsschaden von 85
%
(
Urk.
108
S. 10
).
5.3
Die AXA
hielt im Beschwerdeverfahren
zunächst
daran fest, dass dem Gutachten der Rehaklinik
C._
uneingeschränkter Beweiswert zukomme
(
Urk.
11 S. 10-15,
Urk.
33 S. 4-10)
.
Die von
Dr.
B._
angeführte Obergrenze der Belastbarkeit basiere
soweit ersichtlich massgeblich auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin und
nicht auf über lange Zeit und sor
g
fältig d
urchgeführten Arbeitsversuchen.
Dr.
B._
habe der Beschwerdeführerin trotz Steigerung der Anwesenheit am Arbeitsplatz von 30
%
auf 60
%
im zeit
lichen Verlauf immer eine Arbeitsfähigkeit von bloss 30
%
attestiert.
D
ie
Einschätzung von
Dr.
B._
beruhe hauptsächlich
auf zwei ausser
ordentlichen
Stellvertretungseinsätzen
im Jahr 2010
, was die Aussagekraft der Beurteilung stark relativiere
(
Urk.
11 S. 15-17,
Urk.
33 S. 3,
Urk.
33 S. 9-10)
.
Dr.
D._
habe die Beschwerdef
ührerin nicht selbst untersucht. Ferner
hätten ih
m längst nicht all
e Akten zur Verfügung gestanden.
D
essen
allgemein-theoretische
Überlegungen
zur Kopfverletzung und dessen unzutreffende Ansicht, dass für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vollumfänglich auf die Angaben der Beschwerdeführerin abgestellt werden könne,
vermöchten
die Einschätzung der Gutach
ter nicht in Zweifel zu ziehen (
Urk.
33 S. 5 und 7).
Gestützt auf das G
erichtsg
utachten sei von einer Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
im Umfang von 30
%
auszugehen
(
Urk.
11 S. 20
,
Urk.
33 S. 3-11
,
Urk.
39).
Das bei der Berechnung des Invaliditätsgrades herangezogene Validen
einkommen von
rund
Fr.
120‘000.-- entspreche dem vor dem Unfall bezogenen Lohn, angepasst an die Nominallohnentwicklung. Die Beschwerdeführerin habe Anfang 2007 beziehungsweise im Frühling 2008 die Ausbildungen zur Bank
fachfrau mit eidgenössischem Fachausweis sowie Finanzplanerin mit eidgenössischem Fachausweis abgeschlossen gehabt. Auf das Jahr 2008, nach Abschluss des grössten Teils der Ausbildungen, habe sich ihr Salär um knapp 9
%
erhöht. Diese Lohnerhöhung sei bereits berücksichtigt. Die abgeschlossenen Weiterbildungen bezweckten gemäss dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation das Übernehmen von fachlicher Verantwortung. Da
es sich nicht um Ausbildungen für Tätigkeiten mit Führungsfunktion handle, bilde deren Abschluss noch keinen konkreten Anhaltspunkt dafür, dass sie innerhalb von zwei bis drei Jahren eine Position in der Geschäftsleitung einer Bank übernommen hätte. Auch die von der Beschwerdeführerin erwähnten,
inhaltlich aber nicht weiter konkretisierten Gespräche am Arbeitsplatz über ihren beruflichen Aufstieg bildeten keine genügenden Anhaltspunkte, dass ihr der Karriereschritt in eine bestimmte Funktion der Geschäftsleitung konkret in Aussicht gestellt oder gar zugesichert worden
sei
. Deshalb bestehe entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kein Grund, von einem höheren Validen
einkommen auszugehen (
Urk.
11 S. 20 f.,
Urk.
33 S. 11).
In ihren
Stellun
gnahme
n
zum
F._
-Gutachten vom 2
4.
Juni 2020
sowie zu
den neuen Vorbringen
der Beschwerdeführerin vom 2
4.
Juni 2020
macht
die AXA
im Wesentlichen
geltend
, gestützt auf das überzeugende Gerichtsgutachten sei von einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit von 50
%
in einer Verweistätigkeit auszugehen
. Zu diesem Schluss sei auch ihr beratender Neurologe
Dr.
K._
in seinen Stellungnahmen vom 1
0.
Juni 2020 und vom 2
3.
Juli 2020 gelangt (
Urk.
106 S. 2 f.,
Urk.
107 S. 8,
Urk.
115 S. 2 ff.
,
Urk.
116 S. 3
)
. Zur Ermittlung des Invaliditätsgrades sei vom bisher angenommenen Valideneinkommen von
Fr.
119'231.-- auszugehen. Das Invalideneinkommen sei nach wie vor aufgrund eines Einkommens von
Fr.
111'476.-- im Vollzeitpensum zu ermitteln. Umgerechnet auf das noch zumutbare 50%-Pensum resultiere ein Invaliden
einkommen von
Fr.
55'738.--. Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 53
%
(
Urk.
106 S. 4 f.).
Bei einem versiche
rten Verdienst von
Fr.
114'566.--
und einem maximalen Anspruch von 80
%
, also
Fr.
91'652.80, resultiere bei einem Invaliditätsgrad von 53
%
eine Rente von
Fr.
48'576.-- pro Jahr und
Fr.
4'048.-- pro Monat (
Urk.
106 S. 5).
Gestützt auf das
F._
-Gutachten sei der Gesamtintegritätsschaden auf 70
%
zu veranschlagen, was zu einer Integritä
tsentschädigung von
Fr.
88'200.
--
führe
(abzüglich geleistete
Akontozahlungen von
Fr.
35'000.--
und die Auszahlung gemäss Verfügung vom
6.
Februar 2015
i
n Höhe von
Fr.
21'700.--;
Urk.
106 S.
4 f.
,
Urk.
115 S. 3
).
6
.
6
.1
Nach den Richtlinien zur Beweiswürdigung weicht das Gericht praxisgemäss nicht ohne zwingende Gründe von Gerichtsgutachten ab. Die Richtlinien messen den Gerichtsgutachten, unter Vorbehalt abweichender Ergebnisse im Rahmen fallweiser pflichtgemässer Beweiswürdigung, höheren Beweiswert zu als den Administrativgutachten (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2 mit weiteren Hinweisen).
Das vom Gericht eingeholte
polydisziplinäre Gutachten der
F._
vom 3
1.
Dezember 2019 ist
für die streitigen Belange umfassend, beruht auf
allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden
und die fremdanamnestischen Angaben des Arbeitgebers der Beschwerdeführerin
, ist in Kenntnis
und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und
enthält nachvollziehbar begründete
Schlussfolgerungen (
Urk.
43/1 S. 5-35;
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Demnach kann zur Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit ab
1.
Januar 2015 grundsätzlich auf das Gerichtsgutachten der
F._
abgestellt werden. Dieses hat höheren Beweiswert als das vom Unfallversicherer eingeholte Administrativgutachten der Rehaklinik
C._
vom 1
1.
Juli 2014 (
Urk.
12/M61
), welches verschiedene Mängel aufweist (
vgl. nachfolgend E. 11
.1.2
).
6
.2
Entgegen
der Ansicht der Beschwerdeführerin
(
Urk.
108
S. 2 und
7 ff.
) haben sich die
Gutachter mit den Ergebnissen des Coachings durch
Dr.
B._
und die Case Managerin des Unfallversicherers und mit den gescheiterten Versuchen einer Erhöhung des Arbeitspensums auf 50
%
auseinandergesetzt. Ebenso haben sie ihre subjektive Einschätzung der Leistungsfähigkeit und die fremd
anamnestisch erhobenen Angaben ihres Arbeitgebers im Gutachten eingehend dargelegt und gewürdigt
(
Urk.
95
/1 S. 19 und 33 in fine und 34 in fine,
Urk.
95
/2
S. 10-13 und
S. 19
,
Urk.
95
/4 S. 39-40
).
Es leuchtet ohne Weiteres ein, dass der Arbeitgeber zur Beurteilung der (quantitativen) beruflichen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin angesichts ihrer besonderen Beeinträchtigungen praktisch einzig auf ihre subjektiven Angaben abstellen konnte. Die
F._
-Gutachter hatten ihre Arbeits
fähigkeit indessen aus objektiver Sicht zu beurteilen (vorstehend E. 1.1). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin haben sie nachvollziehbar dargelegt, dass sie (und ihr Arbeitgeber) ihre effektive Leistungsfähigkeit leicht unterschätzte. Dies liegt nach überzeugender Begründung der Sachverständigen zum einen wohl an der initialen (tieferen) Einschätzung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
B._
, zum anderen an einer Beteiligung psychischer Faktoren am Beschwerdebild. Die ausführliche (
neuro
)psychologische Testung ergab das Bild einer Person, welcher der Einblick in beziehungsweise das Verständnis für ihr eigenes Verhalten fehlt,
die psychische Probleme
wie eine erhöhte Ängstlichkeit und Versagensängste abwehrt bis verleugnet und die unter Belastung spezifische somatische Beschwerden
entwickelt
(
Urk.
95
/1 S. 27 f.). Während
der Ferienvertretung des
Credit
Officer der Bank arbeitete die Beschwerdeführerin jeweils etwas mehr, nämlich vier Vormittage pro Woche. Dabei kam sie an ihre Grenzen und reagierte mit Kopfschmerzen und
Schlafstörungen. Grund dafür war laut den Gutachtern aber nicht die Erhöhung des Arbeitspensums; vielmehr führten die mit der Vertretung des
Credit
Officer verbundenen höheren inhaltlichen Arbeitsanforderungen, das eigenverantwortliche Fällen von Entscheidungen und das Einhalten von Fristen, zur Dekompensation
(
Urk.
95
/1 S. 26). Dass die Beschwerdeführerin wegen der Unfallfolgen mit solchen Tätigkeiten überfordert ist, ergibt sich aus den in der Expertise detailliert aufgelisteten funktionellen Einschränkungen mit Bezugnahme auf das konkrete berufliche
Umfeld (
Urk.
95
/1 S. 24 f.). Bei einer rein zeitlichen Mehrbelastung ohne Ausweitung des inhaltlichen Anforderungsprofils ist demgegenüber laut den Gutachtern mit einer mittelfristigen Adaptation und dem Nachlassen anfänglicher Stress
symptome zu
rechnen
(
Urk.
95
/1 S. 26)
. Die medizinische
Folgenabschätzung beziehungsweise die Festsetzung der Restarbeitsfähigkeit in Prozenten eines Vollpensums trägt
sodann
notwendigerweise Ermessenszüge. Die gutachterlich attestierte Restarbeitsfähigkeit liegt zwischen den Einschätzungen des
beratenden Neurologen
Dr.
B._
und der Gutachter der Rehaklinik
C._
, wobei die letzteren eine etwas weniger
ausgeprägte
unfallkausale Anfangs
verletzung annahmen, welche nun jedoch seitens der
F._
-Gutachter gut unter
sucht und überzeugend als etwas schlimmer
befundet
wurde, womit auch der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin einverstanden ist
und die Kritik am Gutachten
C._
deshalb in diesem Punkt teilt (
Urk.
107 S. 8).
Mithin ist die Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit im konkreten Fall gut und überzeugend begründet.
Sie
liegt – am Rande erwähnt - auch im Rahmen der
vom Bundesgericht beurteilten Fällen mit
h
omonymer Hemianopsie (und zusätzlichen Beeinträchtigungen), wo jeweils ebenfalls von einer rund 50%igen Restarbeitsfähigkeit ausgegangen wurde (Urteile des Bundesgerichts I 6/07 vom 2
1.
Januar 2008 E. 3.
3
sowie
8C_384/2010
vom 1
2.
Dezember 2011 E. 7
).
Die Behauptung der Beschwerdeführerin, die neurologische Gutachterin habe einfach aus ihrer sporadischen Ferienstellvertretung des
Credit
Officer im Rahmen eines 40%igen Pensums darauf geschlossen, dass sie ihre üblichen einfacheren Tätigkeiten auch zu 50
%
ausüben
könnte
(
Urk.
108 S. 8
),
findet im Gutachten keine Stütze.
Ferner
kann die Beschwerdeführerin aus dem Umstand, dass sie seit Jahren unverändert mit einem Pensum von 30
%
angestellt ist und einen entsprechenden Lohn
erhält
(
Urk.
108
S.
9
), nichts zu ihren
Gunsten ableiten; entscheidend ist, welches Arbeitspensum ihr bei objektiver Betrachtung zumutbar wäre.
Der Einwand von
Dr.
B._
,
die im
F._
-
Gutachten erwähnten psycho
somatischen Beschwerden im Sinne einer gewissen Beteiligung psychischer
Faktoren am Beschwerdebild seien mit grosser Wahrscheinlichkeit durch die unfallkausalen, auf die erhebliche frontale Hirnschädigung zurückzuführenden Persönlic
hkeitsveränderungen mit
bedingt
(
Urk.
109/4 S. 2)
,
vermag die gut
achterlichen Schlussfolgerungen nicht zu erschüttern
.
Zunächst hielten
die
F._
-Gutachter
selbst eine gewisse Persönlichkeitsakzentuierung als Unfallfolge fest (
Urk.
95/1 S. 13 f.)
.
Während
Dr.
B._
die Problematik nur aus seiner neurologischen
Fachrichtung
beurteilen konnte, klärten die
F._
-Sachverständen die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin
und allfällige unfall
bedingte Veränderungen
auch aus fachärztlich-psychiatrischer und neuropsychologischer Sicht ab. Entscheidend ist letztlich, wie sich die psychischen Faktoren auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Hierzu bringt
Dr.
B._
nichts Substantielles vor.
Die weitere Kritik von
Dr.
B._
, es sei weiterhin von chronischen posttraumatischen Kopfschmerzen auszugehen (
Urk.
109/4 S. 4), vermag die sehr differenzierten Ausführungen im
F._
-Gutachten zu
Stress als Ursache
der aktuell noch auftretenden Kopfschmerzen nicht in Z
weifel zu ziehen (
Urk.
95/1 S. 21-24 und
33
). Entgegen der Ansicht von
Dr.
B._
haben die
F._
-Gutachter durchaus
zwischen dem zumutbaren zeitlichen Arbeitspensum und der in diesem Rahmen möglichen Arbeitsleistung pro Zeiteinheit (
Urk.
109/4 S. 5)
unterschieden
.
Ihren Ausführungen ist nämlich zu entnehmen, dass sie die zumutbare 50%ige Restarbeitsfähigkeit nur mit
einer zusätzlichen Pause von etwa 20 Minuten pro Tag und der Möglichkeit freier Zeiteinteilung
zu
leisten vermag
(
Urk.
95/1 S. 26)
.
Die von den
F._
-Gutachtern attestierte Restarbeitsfähigkeit setzt sodann voraus, dass die bisher mit der Stellvertretung des
Credit
Officer verbundenen höheren inhaltlichen Arbeits
anforderungen entfallen (
Urk.
95/1 S. 26), welche Differenzierung
Dr.
B._
nicht vornimmt.
Gegen den von
Dr.
B._
behaupteten erheblichen Unter
schied zwischen dem zumutbaren zeitlichen Arbeitspensum und der in diesem Rahmen möglichen Arbeitsleistung pro Zeiteinheit spricht
auch
der Umstand, dass die Beschwerdef
ührerin
anlässlich der Begutachtung in der
F._
angab, ihr 30%-Pensum mit einer Präsenzzeit von 30
%
, verteilt auf drei Vormittage pro Woche, bewältigen zu können (
Urk.
95/4 S. 4).
Zudem kommt der umfangmässigen Einschätzung der zumutbaren Arbeits
fähigkeit durch
Dr.
B._
ein geringer
Beweiswert zu
. Zu diesem Schluss führt nicht nur die Erfahrungstatsache, dass behandelnde Spezialärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen. Spätestens
der
als «n
eurologische Replik»
bezeichnete
Bericht von
Dr.
B._
vom 2
4.
September 2014 (
Urk.
12/B333)
führt zum Schluss
, dass sich der behandelnde Neurologe mit den Interessen der
Beschwerde
führerin über das Mass dessen identifiziert
e
, das bei einem behandelnden Therapeuten zu erwarten wäre. Dieses Schreiben zeigt illustrativ auf, dass ein Rollenwechsel vom behandelnden Arzt zum Parteivertreter statt
gefunden hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_695/2019 vom 1
8.
Dezember 2019 E. 4.3).
Die Kündigung der Stelle bei der Bank per 3
1.
Juli
2020 (
Urk.
108 S. 4
f.) ist
erst nach Erlass
des
angefochtenen
Einspracheentscheides
vom
2
7.
August 2015
erfolgt, welche
r
die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis markiert. Deshalb ist sie im vorliegenden Verfahren grundsätzlich unbeachtlich. Soweit daraus Rückschlüsse auf die Verhältnisse bei Erlass
des
angefochtenen
Einspracheentscheids
getroffen werden können, ist
F
olgendes zu beachten: Die
Stelle wurde der Beschwerdeführerin gekündigt, nachdem sie ihrem neuen Chef im April 2020 mitgeteilt hatte, dass sie die Stellvertretung des
Credit
Officer aus gesundheitlichen Gründen nich
t mehr übernehmen könne (
Urk.
109
/1). Dass ihr dieser Teilbereich ihrer bisherigen Funktion bei der Bank nicht mehr zumutbar
ist
, ergibt sich auch
aus dem
F._
-Gutachten (
Urk.
95
/1 S. 26). Aus der Kündigung
(
Urk.
109/2
) und dem Begründungsschreiben des Arbeitgebers vom
6.
Mai 2020 (
Urk.
109/3
) lässt sich aber nicht ableiten, dass die Beschwerde
führerin mit ihren einfacheren, von den Gerichtsgutachtern als im Rahmen eines Beschäftigungspensums von 50
%
zumutbar erachteten Tätigkeiten
(
Urk.
95
/1 S. 26) überfordert war. Vielmehr ergibt sich aus diesem Schreiben, dass das Anforderungsprofil der Funktion des
Credit
Officer (und damit auch der Stellvertretung) in den letzten Jahren wegen
des starken Wachstums des
K
redit
geschäfts
anspruchsvoller wurde und die Organisationsstruktur der Bank angepasst werden musste
(
Urk.
109/3
).
6
.3
Somit ergibt sich aus dem
F._
-Gutachten vom 3
1.
Dezember 201
9
, dass die Beschwerdeführerin spätestens seit Januar 2015 in der optimal leidens
angepassten Tätigkeit bei der Bank mit in hohem Masse vorstrukturierten Aufgaben (interne Schlusskontrolle bei
K
redit
abschlüssen, Erledigung einfacher Steuererklärungen, vereinzelte Unterstützung der Kundenberater bei der Finanzplanung, kein Kundenkontakt und Zeitdruck sowie keine Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen) und ohne die Ste
llvertretung des
Credit
Officer zu 50
%
arbeitsfähig ist. Diese Restarbeitsfähigkeit gilt auch für vergleichbare
Verweisungstätigkeiten (
Urk.
95
/1 S. 26 f.).
Aufgrund des
F._
-Gutachten
s
ist
zudem
erstellt
, dass
die erhobenen
funktionellen Einschränkungen
auf natürlich unfallkausale
(Hirn-)
o
rganis
che Befunde zurückzuführen sind
(
Urk.
95/1
S. 27
)
. Damit ist auch
der
für das Entstehen einer Leistungspflicht des Unfall
versicherers
erforderliche natürliche und adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfallereignis und der anhaltenden Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen (vgl. vorste
hend E. 3
.
1-3
)
, was seitens der Beschwerdegegnerin auch nicht in Frage gestellt wird.
7
.
7
.1
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge
glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbs
einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invaliden
versicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heil
behandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Nach der Festsetzung der Rente werden de
r
Bezüger
in
die Pflegeleistungen gewährt, wenn
sie
zur Erhaltung
ihrer
verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauernd der Behandlung und Pflege bedarf
(
Art.
21
Abs.
1 lit. c UVG).
7
.2
Es ist unbestritten und aufgrund des
F._
-Gutachtens (wie auch des Gutachtens der Rehaklinik
C._
) ausgewiesen, dass spätestens ab
1.
Januar 2015 keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten war
(
Urk.
12/M61 S. 34 f.,
Urk.
95/1 S. 30 f.)
. Gestützt auf
Art.
19
Abs.
1 UVG hat die Beschwerdeführerin deshalb ab
1.
Januar 2015 Anspruch auf eine Invaliden
rente.
Dieser Zeitpunkt des Rentenbeginns wurde von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
Strittig und zu prüfen
hingegen
ist die Rentenhöhe.
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des Renten
beginns massgebend. Validen- und Invalideneinkommen sind auf zeit
identischer Grundlage zu erheben; allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen sind bis zum Einspracheentscheid zu berücksichtigen
(Urteil
des Bundesgerichts
8C_61/2018
vom 2
3.
März 2018 E. 6.2 mit Hinweisen
). Massgeblich
sind
mithin die Verhältnisse im Jahr 2015.
7
.3
7
.3
.1
Beim Valideneinkommen
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein
.
Auszugehen ist vom Bruttogehalt, das an die zwischen Unfall und Rentenb
eginn eingetretene Lohnentwicklu
ng a
nzupassen ist
. Abzustellen ist dabei auf die Lohnentwicklung im konkreten Betrieb
(BGE 134 V 322;
Rumo-Jungo
/Holzer,
Rechtsprechung
des
Bundes
gerichts
zum
Sozialversicherungsrecht, Bun
des
gesetz über die Unfall
versiche
rung,
4.
Auflage, Zürich 2012,
S. 128).
Da die Invaliditätsbemessung
der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit
dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (vgl.
Art.
8
Abs.
1 ATSG), ist auch die berufliche Weiter
entwicklung zu berücksichtigen, die eine versicherte Person normalerweise voll
zogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären. Blosse Absichtserklärungen genügen nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums etc. kundgetan worden sein (
BGE 145 V 141 E.
5.2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_575/2018 vom 3
0.
Januar 2019 E. 5.1 mit Hinweisen).
7
.3
.2
Da die Beschwerdeführerin eine berufliche Weiterentwicklung im Gesundheitsfall im Sinne eines Aufstiegs in die Geschäftsleitung der
Y._
geltend macht (
Urk.
1 S.
8,
Urk.
3/3 S. 6,
Urk.
25 S. 31
),
ist zu prüfen, ob
konkrete Anhaltspunkte
für einen solchen beruflichen Aufstieg bestehen
.
Zur Erwerbslaufbahn ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin die kaufmännische Lehre abschloss und ab August 2003 bei der
Y._
als
K
redit
sachbearbeiterin
arbeitete (
Urk.
44,
Urk.
95
/1 S. 38).
Per
1.
Juli 2004 erhielt sie die
Handlungsvollmacht (
Urk.
45
/7), ab
dem 2
5.
Januar 2006 wurden ihr weitere Kompetenzen in der
K
redit
abteilung erteilt
(
Urk.
45
/5).
Ab 2005 absolvierte sie berufsbegleitend die Ausbildung zur Bank
fachfrau mit eidgenössischem Fachausweis
(
Urk.
45/8)
, welche sie 2007 abschloss (
Urk.
44
)
und in deren Folge sie p
er
1.
Juli 2007 zur Prokuristin
der Bank
befördert
wurde
(
Urk.
45
/4). Im August 2008 erlangte sie zudem aufgrund der erfolgreich zu
Ende geführten berufsbegleitenden Ausbildung den eidgenössischen Fachausweis
Finanzplanung (
Urk.
110
).
Bereits a
b April
2008 wurde
mit ihr
aufgrund der erfolgreich
en
Ausbildungen
ein neuer Vertrag abgeschlossen
als
Kundenberaterin für sämtliche in der
K
redit
abteilung anfallenden Arbeiten
mit Kollektivprokura
(
Urk.
45/3)
und sie wurde
-
gemäss Darlegung von
E._
-
mit der Stellvertretung des Leiters
K
redit
e betraut
(
Urk.
44,
Urk.
95
/1 S. 38). Am
4.
Juli 2008 erlitt sie ihren Unfall.
Aus der Zeit vor dem Unfall sind keine schriftlich dokumentierten Absprachen mit dem Arbeitgeber über den weiteren beruflichen Karriereweg vorhanden. Den
F._
-Gutachtern gab
E._
als damaliger Direktor
an, die Bank mache mit ihren Mitarbeitern grundsätzlich keine
Zielvereinbarungen (
Urk.
95
/2 S. 13).
Auch im Falle der Beschwerdeführerin war das offenbar nicht anders, reichte
E._
doch
solche
nicht nach (
Urk.
95/2 S. 13).
Die von der Beschwerde
führerin erwähnten, noch wenig
konkreten
(mündlichen) Diskussionen mit den Vorgesetzen (
Urk.
1 S.
8
) über ihre
weiteren beruflichen Entwicklungs
möglichkeiten bilden noch keinen genügenden Anhaltspunkt für die behauptete Karriere im Gesundheitsfall. Zudem ist zu beachten, dass sie den Ärzten der Kliniken
A._
, welche sie nach dem Unfall vom 1
0.
September bis 1
6.
Oktober 2008 behandelten, angab, geplant sei ein beruflicher Aufstieg als Finanzplanerin
(
Urk.
12/M14 S. 5
)
, was
in erster Linie eine Fachkarriere
bedeutet
.
Auch die
Tatsache, dass s
ie die Prokura
bekommen
hatte,
stellt
noch keine
n Hinweis auf eine
weitere,
naheliegende
Beförderung
dar,
gemäss ihren eigenen Angaben verfügten
sodann
mehrere Mitarbeiter
gleichzeitig mit ihr
über eine Prokura (
Urk.
12/M14 S. 5).
Von einer hypothetischen Beförderung in die Geschäftsleitung
ist erst im Einspracheverfahren die Rede (
Urk.
12/A355 S. 7 ff.)
.
Am 1
3.
November 2017 gab
E._
auf Anfrage des
Gerichts (
Urk.
4
1
) die schriftliche
Auskunft, jemand mit den Berufsabschlüssen und der Berufs
erfahrung der Beschwerdeführerin arbeite in seiner Bank üblicherweise in der Funktion
als
stellvertretender Leiter
K
redit
e. Später sei auch die Ausübung der Funktion Leiter
K
redit
e möglich, sofern eine solche Kaderstelle zu besetzen
sei (
Urk.
44
S. 2).
Die Funktion als stellvertretende Leiterin Kredite hatte sie kurz vor dem Unfall
übernommen
. D
ass bis zum Zeitpunkt des Rentenbeginns
die Stelle als Leiterin Kredite
- oder gar eine Position in der Geschäftsleitung -
offen gewesen wäre, wurde
von ihm nicht erwähnt
und wurde auch von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht.
Die
Erklärungen des Direktors sind ebenfalls kein genügend konkreter Anhaltspunkt für einen
weiteren
beruflichen Aufstieg
der Beschwerdeführerin bis 201
5.
Die von der Beschwerdeführerin offer
ierte Befragung
von
E._
als
Zeuge
in diesem Zusammenhang
(
Urk.
1 S.
8
) kann unterbleiben, da
davon auszugehen ist, dass er die bereits schriftlich (nach dem gerichtlichen Hinweis, dass er später als Zeuge einvernommen werden
könne [
Urk.
41 S. 1
]) gemachten
Aussagen im Rahmen einer Befragung als Zeuge bestätigen würde (antizipierte Beweiswürdigung;
BGE 137 V 64 E. 5.2
).
E._
, der
als Direktor dieser
eher
kleinen regionalen Bank
nach eigenen Angaben die Beschwerdeführerin seit 20 Jahren kannte,
beschrieb diese als vor dem Unfall «hochintelligente, analytische Person, die stark im Kopf gewesen sei». Deshalb habe sie vor dem Unfall die beschriebenen Beförderungen erhalten (
Urk.
95/2 S. 10). Dabei hatte es sich um mit ihrem Fachwissen verb
undene Beförderungen gehandelt, jedoch noch nicht u
m eine
eigentliche Führungs
position. Bei den
während der Tätigkeit
abgeschlossenen
Zusatza
usbildungen zur Bankfachfrau und Finanzplanerin werden primär Fachkenntnisse zwecks
Übernahme fachlicher Verantwortung vermittelt (vgl. etwa
https://www.ausbildung-weiterbildung.ch/bankfachfrau-bankfachmann-info.html
). Die Weiterbildungen und die bisherige erfolgreiche Fachkarriere allein qualifizierten die Beschwerdeführerin
somit
noch nic
ht
für eine Führungsfunktion,
welche d
ie Tätigkeit als Geschäftsleitungsmitglied einer Bank oder
diejenige einer Leiterin der
Kreditabteilung
fraglos
beinhaltet.
Zu beachten
ist auch, dass die Beschwerdeführerin erst kurz vor ihrem Unfall den letzten Karriereschritt gemacht hatte. Es ist deshalb – nicht zuletzt auch dem Arbeit
geber – unbekannt, wie sie sich in der neuen Funktion als Gesunde längerfristig bewährt hätte. Der nach dem Unfall tatsächlich durchlaufene beruflich-erwerbliche Werdegang
beim bisherigen Arbeitgeber, in dessen Rahmen sie mit der F
erienstellvertretung des
Credit
Officer Mühe bekundete (
Urk.
95
/1 S. 26), hilft diesbezüglich nicht weiter.
7.3.3
Abschliessend ist festzustellen, dass es
höchstens
im Bereich des Möglichen
ist
, dass die Beschwerdeführerin als Gesunde
bis 2015
in die behauptete
n
Position
en
aufgestiegen wäre. Insgesamt bestehen nach dem Gesagten
zu viele Faktoren, welche den geltend gemachten beruflichen Aufstieg im Gesundheitsfall als
nicht hinreichend gesichert
erscheinen lassen, als dass ein solcher als überwiegend wahrscheinlich betrachtet werden könnte. Am Wahr
scheinlichsten ist es, dass die Beschwerdeführerin bei Erlass
des
angefochtenen
Einspracheentscheids
im Jahr 2015 als Gesunde weiterhin in ihrer letzten Position als Kundenberaterin für sämtliche in der
K
redit
abteilung anfallenden Arbeiten
gemäss dem Dienstvertrag vom
2.
April 2008 (
Urk.
45/3)
und Stell
vertreterin des Leiters Kredite tätig gewesen wäre.
Weitere Beweisabnahmen zu dieser Frage
(
Urk.
1 S. 8,
Urk.
25 S. 28 und 31)
können
nach dem Gesagten gestützt auf eine antizipierte Beweiswürdigung unterbleiben.
7
.
4
Die AXA hat zur Festsetzung des Valideneinkommens
im Einspracheentscheid
den letzten vor dem Unfall erzielten Lohn im Jahr 2008
(
Urk.
45/3
)
der Nominal
lohnentwicklung
bis 2013
angepasst
und so ein Einkommen von
Fr.
119‘231.--
ermittelt (
Urk.
2 S. 6,
Urk.
12/A339
S. 2
)
, woran sie auch im Verfahren festhielt (
Urk.
51)
.
Der Arbeitgeber gab auf Anfrage des Gerichts in seiner schriftlichen Auskunft vom 1
3.
November 2017 an, die Beschwerdeführerin hätte im Gesundheitsfall ab
1.
Januar 2015 in der
angestammten
Position
unter Berücksichtigung ihrer Weiterbildungen
rund
Fr.
125'000.-- verdient (
Urk.
44 S. 2
; vgl. auch
Urk.
42 S. 3
). Dieser vom Arbeitgeber angegebene
und deshalb der konkreten Lohnpolitik im Betrieb Rechnung tragende Lohn ist als Valideneinkommen einzusetzen.
Dieser Lohn weicht zwar um rund
Fr.
5'000.—
vom
(korrekterweise bis 2015 und nicht bis 2013) der Nominallohnentwicklung an
gepassten
Ausgangslohn von 2008 von
Fr.
111'475.— ab (vgl. Bundesamt für Statistik,
T1.93
Nominal
lohnindex 1993-2019,
Index 1993=100,
Total Frauen, 2008: 123.5
,
2015: 132.7
;
[
im Internet abrufbar]
und damit
angepasst:
Fr.
119'779.--)
. Doch ist zu beachten
, dass eine solche betriebliche Abweichung
vom statistisch
angepassten
Lohn
im Verlauf von sieben Jahren zum einen nicht aussergewöhnlich ist
. Zum
anderen wurde
n
bei der Neufestsetzung des Lohnes im Jahr 2008
gemäss dem Vertrag
vom
2.
April 2008
zwar die erfolgreiche Ausbildung zur Bankfachfrau und
bereits
der
Lehrgang Finanzplanung berücksichtigt;
die Tatsache
jedoch
, dass die Beschwerdeführerin
damals
auch die Stellvertretung des
Leiters Kr
edit
übernahm,
wurde
nicht in der Vereinbarung erwähnt
(
Urk.
45/3)
, weshalb auch darin ein gewisser
finanzieller
Nachholbedarf
während der Folgejahre
gesehen
werden kann
,
so dass der -
verglichen mit der Nominallohnentwicklung
–
im fraglichen Zeitraum
dargelegte
,
leicht
überproportionale L
ohnanstieg
plausibel erscheint
.
7
.
5
7
.
5
.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn
.
Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Recht
sprechung die LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_457/
2017 vom 1
1.
Oktober 2017 E. 6.1
).
7
.
5
.2
Die Beschwerdeführerin schöpfte die zumutbare Restarbeitsfähigkeit von 50
%
Anfang 2015 mit ihrer Tätigkeit beim angestammten Arbeitgeber im 30
%
-
Pensum (
Urk.
44
) nicht voll aus
. Es fehlen hinreichende Anhaltspunkte dafür, dass sie ihr 30%iges Beschäftigungspensum bei der
Y._
Anfang 2015 auf ein 50
%
-Pensum, beschränkt auf die von den
F._
-Gutachtern definierten leidensangepassten Tätigkeiten, hätte erhöhen können, wenn sie dies gewollt hätte. Aus dem Umstand, dass ihr die Stelle per 3
1.
Juli
2020 gekündigt wurde, nachdem sie ihrem Chef mitgeteilt hatte, die Stellvertretung des
Credit
Officer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr übernehmen zu
können (
Urk.
109/1-3
), kann nämlich geschlossen
werden, dass die Übernahme der Stellvertretung für den Arbeitgeber unabdingbare Voraus
setzung für die Aufrechterhaltung des Beschäftigungsverhältnisses war. Dieser Teilbereich ihrer bisherigen Funktion in der Bank ist der Beschwerdeführerin nach dem Gesagten aber gesundheitsbedingt nicht mehr zumutbar. Deshalb sind für die Bestimmung des Invalideneinkommens die LSE-Tabellenlöhne heranzu
ziehen.
Die Beschwerdeführerin ist seit ihrer Lehre in der Bank- und Finanzbranche tätig. Sie hat zwei Weiterbildungen zur Bankfachfrau und zur Finanzplanerin abgeschlossen (
Urk.
95
/1 S. 38). Nach Einschätzung der Gerichtsgutachter der
F._
kann sie die verbliebene Restarbeitsfähigkeit auch leidensbedingt am besten in der angestammten Finanzbranche verwerten (
Urk.
95
/1 S. 26 f.). Soweit die Beschwerdeführerin einwendet, e
s sei unrealistisch,
dass sie mit ihren Behinderungen wieder eine Stelle bei einer Bank finden werde (
Urk.
108 S. 5
), kann ihr nicht gefolgt werden. Wie bereits dargelegt, erhielt sie von
der
Y._
erst per Juli 2020 die Kündigung und dies nur, weil sie die Stellvertretung des
Credit
Officer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr übernehmen kann und die interne Organisation der Bank veränderten Anforderungen
angepasst wird (vorstehend E. 6
.2). Es kann ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass sie mit ihrer langjährigen Berufserfahrung, der durch Weiterbildungen vertieften Fachkenntnisse und der verbleibenden Restarbeitsfähigkeit von 50
%
auf dem hier massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt für Mitarbeiter in der Finanzbranche im Jahr 2015 als Arbeit
nehmerin gefragt war, und zwar auch unter Berücksichtigung ihrer gesundheits
bedingten Einschränkungen (in hohem Masse vorstrukturierte Aufgaben ohne Kundenkontakt, Zeitdruck sowie ohne die Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen). Es kann deshalb auf das
statistische Durchschnittseinkommen in der Finanzbranche abgestellt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_457/2017 vom 1
1.
Oktober 2017 E. 6.2). Dabei sind die Daten der LSE 2012 (und zwar die nach dem Kompetenzniveau differenzierte Tabelle TA 1 [
Urteil des Bundesgerichts
8C_575/2018 vom 3
0.
Januar 2019
E. 5.1
]) und nicht diejenigen der LSE 2014 heranzuziehen; die einschlägige Tabelle TA1 der LSE 2014 wurde nämlich erst am 1
5.
April 2016 veröffentlicht, mithin nach dem
Erlass des angefochtenen Einspracheentscheides
(vgl. das Urteil des Bun
desgerichts 8
C_
228/2017 vom 1
4.
Juni
2017 E. 4.
1.1-3
sowie die Angaben auf www.bfs.admin.ch).
Gemäss der
LSE
belief sich das durchschnittliche Einkommen der Frauen
im Sektor Finanzdienstleistungen
für Tätigkeiten
mit dem Kompetenzniveau 3 (komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezial
gebiet voraussetzen)
im Jahr
201
2
auf
Fr.
7’170.--
im Monat (
LSE
2012
,
Privater Sektor, TA1
,
Ziff.
64, 66
). Umgerechnet auf die betr
iebsübliche Arbeits
zeit von 41,5
Stunden pro Woche (Bundesamt für Statistik
[BFS]
, Betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen
in Stunden pro Woche
, im Internet abrufbar) und angepasst an die Nominallohnerhöhung
(B
undesamt für Statistik
, Schweizerischer Lohnindex nach Branche [
Index Basis
2010 = 100; im Internet abrufbar],
Nominallohnindex
Frauen
2011 – 2018,
T1.2.10, Finanz- und Ver
sicherungsdienstleistungen; 2012: 102,8; 2015: 106,
1)
resultiert für das Jahr 2015 ei
n Einkommen von
Fr.
92'132.10 (
Fr.
7
'
170
.--
: 40 x 41,5
x 12 : 102,8 x 106,1
).
Der Vergleich mit dem im Jahr 2015 bei der
Y._
erzielten Bruttolohn von (umgerechnet auf ein Vollzeitpensum)
Fr.
118'240.50 (
Fr.
35'472.
15 :
30 x 100 [
Urk.
45
/10/3])
zeigt, dass die Erzielung eines solchen
Lohns realistisch ist (vgl. dazu auch den im Urteil des Bundesgerichts
8C_575/2018 vom 3
0.
Januar 2019 E. 5 beurteilten Fall). Das Abstellen auf
den
Tabellenlohn von monatlich
Fr.
6'536.-- für Tätigkeiten mit dem
niedrigeren Kompetenzniveau 2 (Praktische Tätigkeiten wie Verkauf/Pflege/Datenverarbeitung und Administration/Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten/Sicherheitsdienst/Fahrdienst) würde demgegenüber den Fachkenntnissen der Beschwerdeführerin nur
ungenügend Rechnung tragen.
Zwar
erscheint das Valideneinkommen von
Fr.
125'000.-- verglichen mit dem gestützt auf die LSE ermittelten statistischen Branchenlohn überdurch
schnittlich. Dafür mögen verschiedene Gründe – wie das in den Akten durch
scheinende Wohlwollen der Vorgesetzten,
das langjährige Arbeitsverhältnis und
gute Arbeitsleistungen während längerer Zeit - verantwortlich sein. Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin als Invalide auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt erneut solche Arbeitsbedingungen vorfindet und überdurchschnittliche Leistungen zu
erbringen vermag. Deshalb besteht kein Grund, das statistische Invalideneinkommen zu erhöhen (vgl. das Urteil des
Bundesgerichts I 130/06
vom
9.
Mai 2007 E. 9.3). Wir
d
der statistische Lohn von
Fr.
92'132.10 im Vollzeitpensum auf das zumutbare Pensum von 50
%
umgerechnet, resultiert ein Einkommen von
Fr.
46'066.05.
Da die Beschwerdeführerin leidensbedingt nur noch in hohem Masse vorstrukturierte Aufgaben ohne Kundenkontakt, Zeitdruck sowie ohne die Not
wendigkeit, Entscheidungen zu treffen, versehen kann, muss sie mit unterdurch
schnittlichen Lohnansätzen rechnen; deshalb rechtfertigt sich ein Abzug vom statistischen Durchschnittslohn in Höhe von 10
%
. Mitberücksichtigt ist dabei der (nicht wesentlich ins Gewicht fallende) Umstand, dass die Beschwerde
führerin laut den
F._
-Gutachtern bei einem Stellenwechsel mit Erhöhung des Beschäftigungsgrads auf 50
%
behinderungsbedingt eine etwas längere Eina
rbeitungsphase benötigt (
Urk.
95
/1 S. 26 f.,
Urk.
108 S. 5
). Dass die Beschwerdeführerin nur noch teilzeitlich zu 50
%
arbeiten kann, rechtfertigt demgegenüber keinen Ab
zug vom Tabellenlohn (vgl. zum G
anzen
das Urteil des Bundesgerichts 8C_112/2020 vom 1
3.
Mai 2020 E. 7 mit weiteren Hinweisen
). Demnach beläuft sich das Invalideneinkommen auf
Fr.
41'459.45.
7
.
6
W
i
rd das Valideneinkommen von
Fr.
125'000.--
mit dem Invalideneinkommen von
Fr.
41'459.45
verglichen,
resultiert
bei einem invaliditätsbedingten Minder
verdienst von
Fr.
83'540.55
ein Invaliditätsgrad von
aufgerundet
67
%
, der ab
1.
Januar 2015 die Basis der Rente bildet.
8
.
8
.1
Als versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der Renten der innerhalb eines Jahres vor dem Unfall bezogene Lohn (
Art.
15
Abs.
2 UVG). Beginnt die Rente mehr als fünf Jahre nach dem Unfall, so is
t der Lohn massgebend, den die v
ersicherte Person ohne den Unfall im Jahre vor dem Rentenbeginn bezogen hätte, sofern er höher ist als der letzte vor dem Unfall erzielte Lohn (
Art.
24
Abs.
2 UVV).
8
.2
Die AXA hat den versicherten Verdienst von
Fr.
114'565.80 ermittelt, indem sie den im Jahr vor dem Unfall erzielten Lohn von
Fr.
107'113.
45 (gestützt auf den Arbeitgeberfragebogen in den IV-Akten) an die allgemeine Lohnentwicklung vom Jahr 2008 auf das Jahr 2013 angeglichen hat (
Urk.
2,
Urk.
12/A339; vgl. auch
Urk.
106 S. 5).
Die Beschwerdeführerin
rügt, der
v
ersicherte Verdienst sei
zu tief
bemessen
worden
.
Unter Berücksichtigung
ihrer beruflichen Weiter
entwicklung und der Nominallohnentwicklung
ergebe sich für das Jahr 2015
ein Einkommen von
über
Fr.
140‘00
0
.--, welches als versicherter Verdienst heranzuziehen sei (
Urk.
1 S. 10,
Urk.
3/3 S. 8).
8
.3
Entgegen dem Antrag der Beschwerdeführerin ist der versicherte Verdienst nicht auf rund
Fr.
140'000.-- festzusetzen (
Urk.
1 S. 10).
Nach der Rechtsprechung will
der vorliegend anwendbare
Art.
24
Abs.
2 UVV einzig allfällige Nachteile als Folge der Verzögerung in der Rentenfestsetzung ausgleichen
. Dagegen sollen die Versicherten nicht so gestellt werden, wie wenn sich der Unfall unmittelbar vor diesem Zeitpunkt ereignet hätte. Daher ist bei der Bemessung des versicherten Verdienstes auf die allgemeine statistische Nominallohn
entwicklung im angestammten Tätigkeitsbereich und nicht
auf
die Lohn
entwicklung beim konkreten Arbeitgeber abzustellen.
Andere
Änderunge
n der erwerblichen Verhältnisse (etwa
Karriereschritte,
Stellenwechsel) seit dem Unfall haben un
berücksichtigt
zu bleiben
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_125/2009
vom 2
7.
April 2009
E. 5.2-4, unter anderem unter
Hinweis auf
BGE 127 V 165 E. 3b).
Der von der AXA ermittelte, im Jahr vor dem Unfall erzielte
und als solcher unbestritten gebliebene
Lohn von
Fr.
107'113.45 ist an die allgemeine Lohn
entwicklung vom Jahr 2008 auf das Jahr 2014, das Jahr vor dem Rentenbeginn, anzupassen. Die AXA hat den Lohn lediglich an die Lohnentwicklung bis 2013 angeglichen
;
sie wird bei der Neuberechnung der Rente das Einkommen bis 2014 anzupassen haben.
Das Sozialversicherungsgericht
entscheidet
in seinem heutigen Urteil im Parallelverfahren IV.2015.01306 betreffend den Anspruch der Beschwerde
führerin auf eine Rente der Invalidenversicherung
,
dass die ab
1.
Juli 2009 laufende ganze Rente der Invalidenversicherung ab
1.
Januar 2016 auf eine Dreiviertelsrente herabgesetzt
wird
.
Zur genauen Berechnung der (Komplementär-)Rente
der Unfallversicherung
im Sinne von
Art.
20
Abs.
2
UVG
im zeitlichen Verlauf
ist die Sache an die AXA zurückzuweisen.
9
.
9
.1
Nach
Art.
24
Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapital
leistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwe
re des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Massgeblich
für die Beurteilung der Schwere des Schadens ist der medizinische
Befund (
BGE
115 V 147
E. 1, 113 V 218 E. 4b S. 221
mit Hinweisen).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während
des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird.
Gemäss
Art.
36
Abs. 2
UVV
gelten für die Bemessung der Integritäts
entschädigung die Richtlinien des Anhanges
3.
Darin sind häufiger vorkommende und typische Schäden innerhalb einer Skala prozentual gewichtet. Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritäts
schäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Anhang 3 zur UVV,
Ziff.
1
Abs.
2). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und bei teilweiser Gebrauchs
unfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5
%
des Höchstbetrages des versicherte
n Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
Davon ausgehend hat die S
uva
weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Fein
raster) erarbeitet. Soweit diese Tabellen lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung der Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie
mit Anhang 3 zur UVV vereinbar (Urteil des Bundesgerichts
8
C_549/2007
vom 3
0.
Mai 2008
E. 7.1.2
mit Hinweis auf
BGE 124 V 29
E. 1c S. 32
)
.
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der
gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (
Art.
36
Abs. 3
UVV
).
Die verschiedenen Restfolgen
eines
Unfalls sind gesondert zu beurteilen.
Von verschiedenen Integritätsschäden ist auszugehen, wenn die Beeinträchtigungen sich medizinisch eindeutig feststellen und in ihren Auswirkungen voneinander klar unterscheiden lassen. Klar unterscheidbare und sich gegenseitig nicht beein
flussende Integritätsschäden sind grundsätzlich zu
addieren (Urteile des Bundesgerichts U 109/2006
vom
4.
April 2007
E. 6 und 8C_826/2012
vom 2
8.
Mai
2013
E. 3.2). D
ie den einzelnen Schädigungen entsprechenden Prozentzahlen werden zusammengezählt, auch wenn keine
die Schwelle von 5 % erreicht: D
ie Entschädigung ist geschuldet, sobald die Summe der Prozentzahlen 5 % über
steigt.
Beeinflussen sich die verschiedenen Schäden, ist nach der Addition der den einzelnen Schädigungen entsprechenden
Prozentzahlen eine
Gesamt
würdigung vorzunehmen und zu beurteilen,
ob das Ergebnis im Vergleich mit anderen Integritätsschäden in Anhang 3 zur UVV gerecht und verhältnismässig ist
, oder ob wegen einer gegenseitigen Überlagerung oder gegenseitigen Verstärkung der von den einzelnen Schäden ausgehenden Funktionseinbussen eine entsprechende Herabsetzung oder Erhöhung vorzunehmen ist
(
vgl.
Rumo-Jungo
/Holzer,
a.a.O.
,
S. 170 m
it weiteren Hinweisen
; Urteile des Bundesgerichts 8C_826/2012
vom 2
8.
Mai 2013
E. 3.2, 8C_389/2009 vom
7.
April 2010 E. 5.3 sowie U 556/06 vom 1
7.
Dezember 2007 E. 3.2 mit Hinweisen).
9
.2
In ihren
Stellungnahme
n
vom
2
4.
Juni 2020
und 2
5.
August 2020
erklärt sich die AXA mit dem von den
F._
-Experten eingeschätzten Gesamtintegritäts
schaden von
70
%
einverstanden (
Urk.
106 S. 4 f.
,
Urk.
115 S. 3
).
Die Beschwerde
führerin stellt sich
demgegenüber
auch nach Kenntnisnahme des
F._
-Gutachtens auf den Standpunkt,
der
Integritätsschäden betrage
85
%
(
Urk.
108 S. 10; vgl. auch
Urk.
1 S. 10 f.,
Urk.
3/3 S. 8,
Urk.
25 S. 32 f.). Unter Bezugnahme auf
die Stellungnahme von
Dr.
B._
vom
2
3.
Februar 2020 (
Urk.
109/4)
macht sie zunächst
geltend,
die zu addierenden Einzelschäden seien
wegen gegenseitiger
Überlagerung nicht wie von den
F._
-Gutachtern befürwortet um 20
%
, sondern
lediglich um 10-15
%
zu
kürzen. I
m
F._
-Gutachten sei eine mittel
schwere
neuropsychologische Funktionsstörung diagnostiziert worden, was bezüglich der Suva-Tabelle 8 einer mittelschweren Funktionsstörung
sowie
einem Integritätsschaden von 50
%
entspreche und nicht, wie von den Gutachtern angenommen, einer leichten bis mittelschweren Funktionsstörung
.
Es sei von einer
Gesamtentschädigung von
85
%
auszugehen
(
Urk.
108 S.
10
).
9
.3
Laut den
F._
-Gutachtern
verbleibt a
ls kausale Folge des Unfalls eine dauernde erhebliche Schädigung der Integrität, bestehend aus zwei Einzelschäden. Die
h
omonyme Hemianopsie führe gemäss dem Arbeitsbehelf der Suva ABAS94 (
Die
Beurteilung
von
Augenschäden
im
Rahmen
des
Bundesgesetzes
über
die
Unfallversicherung
[UVG], SUVA-Publikation 2293/5.d,
1.
Auflage, 1994,
Ziff.
925)
zu einem Integritätsschaden von 55
%
(
Urk.
95/1 S. 29)
.
Diese Einschätzung, welche auf dem Quervergleich mit dem Integritätsschaden beim weniger schwerwiegenden Verlust eines Auges in Höhe von 30
%
gemäss
Suva-Integritätsschaden-Tabelle 11 (11.2)
für Augenverletzungen
beruht
(vgl.
Urk.
71/2 S. 2)
, überzeugt unbestrittenermassen.
Die
F._
-Gutachter wiesen wie bereits
Dr.
B._
in seiner «Replik» vom 2
4.
September 2014 (
Urk.
12/B333 S. 3) darauf hin, e
ine
h
omonyme Hemianopsie könne nicht mit dem vollständigen Visusverlust eines Auges gleichgesetzt werden, da das gesunde Auge noch ein
intaktes
monokuläres
Gesichtsfeld aufweise und die Fahreignung d
eshalb noch gegeben sei (
Urk.
95
/1 S. 32).
Weiter hielten die Gutachter fest, d
ie diagnostizierte mittelschwere neuro
psychologische Störung entspreche nach den Kriterien in der Suva-Tabelle 8 (Integritätsschaden bei
psychischen Folgen von Hirnverletzungen
) einer leichten bis mittelschweren Störung. Der Integritätsschaden für eine solche Störung betrage 35
%
. Die psychiatrischen Diagnosen seien dadurch bereits berück
sichtig
t
(
Urk.
95/1 S.
29 f
)
.
Die dagegen gerichtete Kritik der Beschwerde
führerin beziehungsweise von
Dr.
B._
überzeugt nicht. Sie geht nämlich nicht darauf ein, dass die
F._
-Gutachter die von ihnen diagnostizierte
mittel
gradige neuropsychologische Störung und das organische Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
(
Urk.
95/1 S.
14
)
mit den in d
er Suva-Integritätsschaden-Tabelle 8 (8.3-4) definierten Kriterien für eine mittelschwere hirnorganisch bedingte psychische Störung abgleichen mussten, um ihren Schweregrad und dementsprechend den Integritätsschaden gemäss der Suva-Integritätsschaden-Tabelle 8 bestimmen zu können
(vgl.
Urk.
95/1 S. 30)
. Der blosse Umstand, dass im
F._
-Gutachten eine
mittelgradige neuropsychologische Störung diagnostiziert wird
, bedeutet also nicht zwingen
d
, dass auch eine mittelschwere
hirnorganisch bedingte psychische Störung im Sinne von Suva-Tabelle 8 vorliegt. Gestützt auf die überzeugende Beurteilung der Gutachter ist diesbezüglich von einer leichten bis mittelschweren Störung entsprechend einem Integritätsschaden von 35
%
auszugehen.
Schliesslich korrigierten die
F._
-Gutachter den aus der
Addition der beiden Integritätsschäden
resultierenden
Gesamtschaden von 90
%
nach unten, w
eil die
h
omonyme Hemianopsie einen Teil der neuropsychologischen Störung verursache, insbesondere im visuellen Bereich,
und zwar
um geschätzt
e
20
%
auf
einen Gesamtwert von
70
%
(
Urk.
95/1 S. 29
).
Auch diese Beurteilung weist notwendigerweise Ermessenszüge auf. Die
B
ehauptung der Beschwerdefüh
r
erin,
der aus der
Addition der beiden
Einzelschäden
resultierende Gesamtschaden sei lediglich
um
10-15
%
zu kürzen
(
Urk.
108 S. 10)
, gründet nicht auf einer abweichenden
, objektiv begründeten
ärztlichen Stellungnahme und ist deshalb nicht geeignet, die gutachterliche Einschätzung zu erschütt
ern.
Die von
Dr.
B._
in seiner Einschätzung vom 1
4.
Juli 2011 vertretene Kürzung
der aus der Addition der
beiden Einzelschäden
resultierenden Prozentzahl
um lediglich 7
%
(
Urk.
12/M31 S. 2) beruht ebenfalls auf Ermessen.
Sie ist
aufgrund
der
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ä
rzte aufgrund ihrer auftrags
rechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen
(
vgl.
vorstehend E. 6.2)
,
ebenfalls nicht geeignet,
den im
F._
-Gerichtsgutachten festgesetzten Integritätsschaden in Frage zu stellen.
Gestützt auf das
F._
-Gutachten steht demnach fest, dass die Beschwerde
führerin Anspruch auf eine Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 70
%
hat. In diesem Punkt dringt die Beschwerde
führerin mit ihrem Antrag ebenfalls teilweise durch.
10
.
10
.1
Die Beschwerdeführerin verlangt, die AXA sei zu verpflichten, auch die Kosten der ab
1.
Januar 2015 notwendigen Pflegeleistungen zu übernehmen (
Urk.
1 S.
2).
Ohne weitergehende Heilbehandlung sei es ihr nicht möglich, ihre verbleibende Erwerbsfähigkeit zu erhalten.
E
ine Michigan
-
Schiene
müsse
angepasst werden, sie
benötige
jährliche Kontrollen beim Kieferorthopäden
sowie beim Augenarzt und sie müsse sich
auch immer wieder anderen ärzt
lichen Behandlungsmassnahmen unterziehen. Deshalb dürfe die Übernahme der Heilungskosten nach dem Rentenbeginn nicht eingestellt werden. Es genüge nicht, dass sich die AXA bereit erklärt habe, ohne Anerkennung einer Rechts
pflicht diese Kosten zu übernehmen (
Urk.
1 S. 11,
Urk.
3/3 S. 5 f.,
Urk.
25 S.
30)
.
10
.2
Weder beantragt die Beschwerdeführerin die Zusprechung einer konkreten Behandlung noch macht sie geltend, dass sie eine solche in Anspruch genommen habe (
Urk.
1 S. 2 und 11,
Urk.
3/3 S. 5 f.,
Urk.
25 S. 30), noch hat die AXA mit dem angefochtenen Einspracheentscheid die Übernahme der Kosten für eine solche abgelehnt. Vielmehr hat sie korrekt darauf hingewiesen, dass die Heilbehandlung mit dem Rentenbeginn gemäss
Art.
19
Abs.
1 UVG grundsätzlic
h dahin fällt und dass weitere Behandlungsk
osten
nur unter den Voraussetzungen von
Art.
21
Abs.
1 UVG
vergütet werden
können
. Zusätzlich hat die AXA zugesichert, auf Zusehen hin die Kosten für die jährlichen ophthalmologischen Kontrollen zu übernehmen und die Beschwerdeführerin aufgefordert, ihr nach weiteren zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Behandlungen die Berichte zur Prüfung einzureichen (
Urk.
2 S. 10). In der Verfügung vom
6.
Februar 2015 hat sich die AXA zudem bereit erklärt, die Kosten der Michigan-Schiene gemäss Rechnung vom April 2014 zu über
nehmen (
Urk.
12/A340 S. 2 und 6
; vgl. auch
Urk.
11 S. 18 ff.,
Urk.
33 S. 11).
Es
ist die Beschwerdeführerin darauf hinzuweisen
, dass sie, falls
weitere
konkrete
Behandlungsmassnahmen
nötig sind,
bei der AXA ein Gesuch um deren Über
nahme einreichen kann (
Urk.
3/3 S. 6).
Mangels Ablehnung einer Kostenübernahme für eine konkrete Heilbehandlungsmassnahme im angefochtenen Entscheid und
beim Fehlen
eines Interesses der Beschwerdeführerin auf abstrakte Feststellung eines Anspruchs auf künftige Leistungen besteht kein Raum für die gerichtliche Prüfung ihres Anspruchs auf künftige Heilbehandlungsmassnahmen. Auf diesen Antrag ist folglich nicht einzutreten.
11.
Abschliessend ist
nach dem Dargelegten
die Bes
chwerde
teilweise gutzuheissen und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Rentenfestsetzung ab
1.
Januar
2015 im Sinne der Erwägungen zurückzuweisen; hinsichtlich des Antrags auf eine Erhöhung der Integritätsentschädigung ist die Beschwerde abzuweisen und in Bezug auf weitere Heilbehandlungen und die Ausrichtung eines Über
brückungskapitals ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1
2
.
1
2
.1
1
2
.1.1
Art.
43
Abs.
1 ATSG schreibt vor, dass der Versicherungsträger die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vornimmt. Lagert er diese Aufgabe - zulässigerweise - an externe Abklärungsstellen aus, so hat er sicherzustellen, dass er von den beauftragten Stellen alle
entscheiderheblichen
Angaben in der erforderlichen Qualität erhält (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.2 f.). Laut
Art.
45
Abs.
1 ATSG übernimmt der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung, soweit er die Massnahmen angeordnet hat (Satz 1). Hat er keine Massnahmen angeordnet, übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruches unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden (Satz 2).
Mit
BGE 139 V 496
E. 4.4 hat
das Bundesgericht für den Bereich der Invaliden
versicherung Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage zu berück
sichtigen sind, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden können. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies sei namentlich der Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt habe, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle. Diese
Kriterien sind auch im Bereich der Unfallversicherung anzuwenden
(
BGE
140 V 70 E. 6;
Urteil des
Bundesgerichts 8C_64/2019 vom 2
7.
November 2019 E. 8.1 mit Hinweisen).
1
2
.1.2
Für die Beurteilung ihrer Leistungspflicht ab
1.
Januar 2015 stellte die AXA auf das von ihr in Auftrag gegebene neurologisch-neuropsychologisch-psychiatrische Gutachten der Rehaklinik
C._
vom 1
1.
Juli 2014
ab
(
Urk.
12/M61
). Diese Administrativexpertise beruht zwar auf vielseitigen, aufwändigen Abklärungen. Sie weist aber auch erhebliche Mängel auf. Nebst den von der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 4-10,
Urk.
3/3-4,
Urk.
12A/333,
Urk.
25 S. 14-30
) und
Dr.
B._
im Bericht vom 2
4.
September 2014 (
Urk.
12/B333
) genannten, nicht einfach von der Hand zu
weisenden
Unzulänglichkeiten
(Unterschätzung der Schwere des erlittenen Hirnschadens, ungenügende Prüfung der Dauerbelastbarkeit)
fällt insbesondere F
olgendes ins Gewicht: Die Gutachter der Rehaklinik
C._
hätten angesichts der erheblichen Diskrepanz ihrer Einschätzung zu derjenigen der behandelnden Ärzte und des Arbeitgebers eine aktuelle Stellungnahme beim Arbeitgeber und allenfalls
Dr.
B._
einholen müssen. Dies gilt umso mehr,
als
die Beschwerdeführerin vor und nach dem Unfall beim gleichen Arbeitgeber tätig war und ihre Wiedereingliederung nach dem Unfall durch ein Coaching von
Dr.
B._
und der Case Managerin des Unfallversicherers begleitet wurde. Deshalb konnte die nach dem Unfall am Arbeitsplatz über einen längeren Zeitraum gezeigte Leistungsfähigkeit speziell bei geistigen Tätigkeiten (Daueraufmerksamkeit/-belastung) wertvolle Hinweise zur Beurteilung der Restarbeits
fähigkeit liefern (vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 8C_411/2015 vom
1
7.
September 2015 E. 5.2). Mangels einer eingehenden Auseinandersetzung mit den konkreten Arbeitsleistungen beruht das Gutachten nicht auf allseitigen Abklärungen, und es fehlt eine überzeugende Begründung der stark abweichenden gutachterlichen Beurteilung.
Die auf keiner
eigenen Untersuchung
und keiner Befragung des Arbeitgebers
beruhende interne Stellung
nahme
des beratenden
Neurologen
der AXA
Dr.
K._
vom
1
4.
November
2014
vermochte diesen Abklärungsmangel nicht zu beheben
(
Urk.
12/M62)
.
Zudem
erwähnte
Dr.
H._
in seinem Teil des Gutachtens nebst der Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 30
%
in allen Tätigkeiten, welche ein visuelles Explorieren erfordern (also praktis
ch in sämtlichen Tätigkeiten), einen zusätzlichen vermehrten Pausenbedarf bei Bürotätigkeiten (also ebenfalls praktisch bei sämtlichen A
rbeiten der Beschwerdeführerin
)
wegen der
h
omonymen Hemianopsie
(
Urk.
12/M61 S. 26)
. Dieser
führt grundsätzlich zu einer Verringerung der effektiv zur Ve
rfügung stehenden Arbeitszeit. Demgegenüber
wurde der Beschwerdeführerin
bei der abschliessenden inter
disziplinären Beurteilung wegen der Hemianopsie
eine
Leistungseinbusse von 30
%
ohne zeitliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
attestiert (
Urk.
12/M61 S. 33).
Ferner haben d
ie Gutachter
der Reha
klinik
C._
den Integritätsschaden wegen der
h
omonymen Hemianopsie eingeschätzt, ohne diesbezüglich eine augenärztliche Stellungnahme einzuholen und ohne d
ie
deutlich
abweichende Einschätzung im Bericht der Augenklinik des Universitätsspitals
Z._
vom 2
3.
Juni 2011
(
Urk.
67)
zu berücksichtigen
(
Urk.
12/M61 S. 26, 35 f. und 40)
.
Dass der Bericht der Augenklinik des Universitätsspitals
Z._
den Gutachtern vorlag, ergibt sich aus der Auflistung der erhaltenen medizinischen Akten im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
12/B61/7 S. 11).
In jenem Bericht wurde auf den speziell
auf
I
ntegritäts
schä
den bei
h
omonymer Hemianopsie
anwendbaren
Arbeitsbehelf der Suva ABAS94 (
Die
Beurteilung
von
Augenschäden
im
Rahmen
des
Bundesgesetzes
über
die
Unfallversicherung
[UVG], SUVA-Publikation 2293/5.d,
1.
Auflage, 1994,
Ziff.
925)
hingewiesen (
Urk.
67; vgl. auch
Urk.
12/M34 S. 2).
Dieser Arbeitsbehelf wurde von den Experten der Rehaklinik
C._
fälschlicherweise nicht herangezogen.
Dem entsprechenden Hinweis von
Dr.
B._
in seiner Stellungnahme zum Gutachten vom 2
4.
September 2014
(
Urk.
12/B333 S. 3) hätte die AXA ebenfalls nachgehen müssen.
Die von
Dr.
B._
benannten fachlichen Mängel des Gutachtens der Rehaklinik
C._
wurden im Übrigen nachträglich von den
F._
-Gutachtern zu einem grossen Teil bestätigt (
Urk.
95/1 S. 31-34,
Urk.
95/2 S. 21,
Urk.
95/4 S. 41-43).
Die
AXA
hätte deshalb nicht ohne weitere Abklärungen über
ihren
Leistungs
anspruch entscheiden dürfen
; sie anerkennt denn auch die Schlüssigkeit und Vollständigkeit des Gerichtsgutachtens (
Urk.
106 S. 4).
Da sie ihre Abklärungs
pflicht verletzt hat,
sind
ihr die Kosten des Gerichtsgutachtens der
F._
vom 3
1.
Dezember 2019 (
Urk.
95
/1-6) im Grundsatz
aufzuerlegen
.
1
2
.1.3
Das
Gerichtsgutachten
wurde
jedoch
auch zur Beurteilung des strittigen Rentenanspruchs im
parallel laufende
n
Beschwerdeverfahren I
V.2015.0
130
6 der Beschwerdeführerin gegen
die Invalidenversicherung eingeholt
mit teilweise übereinstimmenden Fragen.
Es
wurde
auch
eine Frage
zu nicht unfallkausalen Schädigungen gestellt, welche die Unfallversicherung nicht betrafen
.
Da jedoch der weit überwiegende Teil und dabei besonders die Frage der Integritäts
entschädigung nur die Unfallversicherung betraf,
rechtfertig
t
e
s
s
ich,
der
Beschwerdegegnerin
zwei Drittel der Kosten
des Gutachtens
aufzuerlegen
.
1
2
.2
1
2
.2.1
Nach der im Bereich der Invalidenversicherung ergangenen Rechtsprechung
haben die IV-Stellen i
m Rahmen der in
BGE 139 V 496
umschriebenen
Grundsätze gestützt auf
Art.
45
Abs.
1 Satz 2 ATSG für die gesamten Kosten des Gerichtsgutachtens aufzukommen. Die kantonalen Gerichte sind in ihren Vereinbarungen mit den Gutachterstellen grundsätzlich nicht an den zwischen dem BSV und den MEDAS vereinbarten Tarif für Administrativgutachten gebunden, zumal Gerichtsgutachten oft mit einem grösseren Arbeitsaufwand verbunden sind und regelmässig die Funktion von Obergutachten erfüllen. Abzulehnen ist insbesondere eine Lösung, die die Kantone im Umfang der den Tarif überschiessenden Kosten in die Pflicht nähme. Denn damit würde die mit BGE 137 V 210 aus Gründen der Verfahrensfairness angestrebte Zielsetzung, in vermehrtem Masse Gerichtsgutachten zu veranlassen,
unterlaufen (BGE 143 V
269 E. 6.2.3.2-3 und 7.2). Der vom BSV mit den MEDAS vereinbarte Tarif kann als Richtschnur dienen, an der sich die Beteiligten zu orientieren
haben. Das
bedeutet, dass die Gründe darzulegen sind, weshalb im konkreten Fall die im betreffenden Tarif vorgesehenen Pauschalen nicht genügen (BGE 143 V 269 E. 7.3
).
Es rechtfertigt sich, diese Kriterien analog auch im Bereich der Unfall
versicherung anzuwenden.
1
2
.2.2
Mit den Gutachtern wurde – nachdem diese die Akten eingehend studiert und die Begutachtung als besonders aufwändig eingeschätzt hatten – ein ausser
ordentliches Kostendach von
Fr.
35'000.-- zuzüglich Diagnostik vereinbart (
Urk.
60
,
Urk.
75,
Urk.
78-79
). Die in Rechnung gestellten Kosten von
Fr.
37'249.70 (
Fr.
35'000.-- zuzüglich Diagnostik;
Urk.
96
) für ein Gutachten der Kategorie E mit sechs Disziplinen sind zwar eher hoch. Das Gerichtsgutachten hatte sich jedoch mit einer umfangreichen medizinischen Aktenlage auseinander
zusetzen, insbesondere auch
mit dem rund 90 Seiten umfassenden
Administrativgutachten der Rehaklinik
C._
vom 1
1.
Juli 2014 (
Urk.
12/M61,
Urk.
12/B61
) und mit dem - erst nach Erlass
des
angefochtenen
Einspracheentscheids
erstellten, von den Gerichtsgutachtern aber
mit
zu
berück
sichtigenden – neurologischen Privatgutachten von
Dr.
med.
D._
vom 1
5.
August 2016 (
Urk.
26/1
). Es handelt sich folglich um ein eigentliches
Ober
gutachten. Das
F._
-Gutachten beruht auf Abklärungen in sechs Disziplinen und umfangreichen Zusatzuntersuchungen (Laboruntersuchung,
Nachbefundung
der früheren MRI-Untersuchungen des Schädels und des
Neurocraniums
, elektrophysiologische Zusatzdiagnostik,
Perimetrie
Messung sowie verschiedene
neurootologische
Untersuchungen [
Urk.
95/1 S. 6-7
]). Des
Weiteren
nahm
die neurologische Gutachterin eine eingehende Befragung des Arbeitgebers der Beschwe
rdeführerin vor
(
Urk.
95
/2 S. 10 ff
.)
und das Gutachten wurde sehr sorgfältig und überzeugend erstellt und begründet.
Dementsprechend weist das Gerichtsgutachten
mit seinen Teilgutachten
einen
Umfang von rund 220 Seiten auf
(
Urk.
95
/1-6). Angesichts der eher ungewöhnlichen Unfallverletzungen der Beschwerdeführerin und der zu beur
teilenden Arbeitsfähigkeit in einer
anspruchsvollen
Bürotätigkeit mit hohen Anforderungen an die geistige (Dauer-)Leistungsfähigkeit in spezifischen Funktionsbereichen war die Fragestellung zudem ausserordentlich schwierig. Nicht zuletzt deshalb war die Suche einer geeigneten Gutachtenstelle
auch für das Gericht nicht einfach
(vgl.
Urk.
55-57)
und es bestand bei Ablehnung des von der
F._
angebotenen Kostendachs die reale Gefahr, dass keine andere Gutachtensstelle gefunden
würde
, welche bereit und in der Lage
wäre
, ein Gutachten mit der geforderten Qualität zu einem tieferen oder ähnlich hohen Preis zu erstellen. Aufgrund dieser Überlegungen ist es gerechtfertigt, der
AXA
zwei
Drittel der gesamten Gutachtenskosten in Höhe von
Fr.
37
'249.70, also
Fr.
24'833.15
, aufzuerlegen.
1
3
.
1
3
.1
Nach
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§ 34 Abs. 1 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
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3
.2
Mit Blick auf die Eingaben der Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren
(im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren wurde sie durch eine andere Person vertreten)
sowie unter Berücksichtigung der
grossen
Bedeutung der Streitsache und des besonders aufwändigen Prozesses ist ihre Prozess
entschädigung in einem ersten Schritt ermessensweise auf
Fr.
7'500.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.
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3
.3
Ist das Quantitative einer Leistung strittig, rechtfertigt eine
«
Überklagung
»
nach der in Rentenangelegenheiten ergangenen Rechtsprechung eine Reduktion der Parteientschädigung nur, wenn das ziffernmässig bestimmte Rechtsbegehren den Prozessaufwand beeinflusst hat (
Urteil des Bundesgerichts 8C_568/
2010 vom 3. Dezember 2010 E. 4.1).
Die Beschwerdeführerin obsiegt
betreffend ihre Anträge
teilweise
, nämlich
in den Leistungsbereichen Invalidenrente sowie Integritätsentschädigung
, sie unterliegt bei den
Leistungen aus der Unfallzusatzversicherung sowie
bei den
Pfl
egeleistungen/Kostenvergütungen.
Betreffend das Überklagen bei der Renten
zusprechung ist anzumerken, dass d
ie Kritik
an der von den
F._
-Gutachtern attestierten Restarbeitsfähigkeit
, welcher nach dem Gesagten nicht gefolgt
werden kann,
sowie die unzutreffenden
Ausführungen zum beruflichen Aufstieg im Gesundheitsfall
und zum entsprechenden versicherten Verdienst
den
Prozessaufwand beeinflusst
haben
. Gleiches gilt für die
unbehelflichen
Einwände gegen die Bestimmung des Integritätsschadens durch die
F._
-Gutachter
.
Die Überklagung hat den Prozessaufwand in diesen Punkten somit teilweise beeinflusst.
Gesamthaft betrachtet rechtfertigt sich deshalb eine Kürzung d
er Prozessentschädigung um
einen Drittel und somit
auf
Fr.
5
’
000.-- (inkl. Barauslagen und MWSt)
.