Decision ID: 65ef126d-f7c4-435c-b5e9-48bdbb88d71a
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1963,
absolvierte in der T
ürkei eine Ausbildung
als Sch
n
eider
(vgl.
Urk.
12/10/3
)
.
Nach
seiner Einreise i
n d
ie
Schweiz
im
Jahr 2005
war er
wiederum
als solcher tätig, bis seine GmbH nach Einstellung des Konkurses mangels Aktiven im Jahr 2009 im Handelsregister gelöscht wurde (vgl.
Urk.
12/69/8;
Einträge zur
Y._
GmbH unter
www.zefix.ch
).
Hernach
war er bei der
Sozialversicher
ungsanstalt
(SVA)
des Kantons Zürich als arbeitslos
bzw.
nicht erwerbstätig gemeldet (vgl.
Urk.
12/13).
Im Januar 2012 wurde
der Versicherte
als Geschäftsführer
eine
s
neu gegründeten Textilunternehmens im Handelsregister eingetragen (vgl.
Urk.
12/44/
60
;
Einträge zur
Z._
GmbH in Liquidation unter
www.zefix.ch
).
Er reiste hierauf in die Türkei, um einen Textilhandel aufzubauen
(vgl.
Urk.
12/69/15 unten
). Dort zog er sich
b
ei einem Verkehrsunfall im März 2012 eine Berstungsfraktur LWK1 zu
.
Wegen einer
Implantatlockerung
nach der in der Türkei durchgeführten
Spondylodese
BWK11 bis LWK3
erfolgte a
m 20. August 2012 eine Revisionsope
ration mit Metallentfernung und Re-
Spondylodese
BWK
12
bis
L
WK
2
in der
Universitätsklinik
A._
(vgl. Urk.
12/17/5)
.
Im Anschluss
daran
klagt
e
der Versicherte
über eine ne
urogene
B
lasen
- und Sexualfunktions
störung
(
etwa Urk.
12/25
/1
)
. Zudem nahm er v
erschiedentlich eine psychiatrische
Behan
dlung
in Anspruch
(vgl.
Urk.
12/18/3
,
12/69/8 und
12/69/27
-30
).
1.
2
Im Februar
2013
meldete
sich der Versicherte
erstmals
be
i der
SVA des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/5).
Diese holte insbesondere ein allgemeininternistisches, psychiatrisches, neurologisches, orthopädisches und urologisches Gutachten ein, das am 2
5.
März
2015 von der B._
erstattet wurde (
Urk.
12/69).
Gestützt darauf
verneinte sie mit Verfügung vom 3
0.
Juli 2015 einen Rentenanspruch des Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 30
%
(
Urk.
12/80).
Im März 2016
reiste er
erneut
in die Türkei, wo er einige Monate einer im Zusammenhang mit dem Autounfall ausgefällten
längeren
Haftstrafe verbüss
te (etwa
Urk.
12/97/2
).
Nachdem sich der Versicherte im
November 2018
(Urk. 12/90)
erneut zum Leistungsbezug angemeldet und erste medizinische
Unterlagen
nachgereicht
hatte
(
Urk.
12/94 f.)
,
teilte
die IV-Stelle ihm am
2
4.
Januar 2019
schriftlich
mit, dass kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe (
Urk.
12/98)
. Sodann
klärte
sie
den medizinischen Sachverhalt (vgl.
Urk.
12/100
, 12/101, 12/103-104, 12/108
,
12/113
und 12/119
) sowie die erwerblichen Verhältnisse (vgl.
Urk.
12/
107
) weiter ab.
Insbesondere
gab sie
ein weiteres
allgemeininternis
tisches, psychiatrisches, neurologisches, orthopädisches und urologisches Gutachten bei der
C._
in Auftrag, das vom
9.
Oktober 2020 datiert (
Urk.
12/130).
Mit Vorbescheid vom 2
0.
November 2020 stellte
die IV-Stelle
dem Versicherte
n
schliesslich
abermals
die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (
Urk.
12/132)
, wogegen
er Einwand
erhob
(
Urk.
12/133; Begründung
Urk.
12/135/1). Am 1
6.
Februar 2021 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte mit E
ingabe vom 1
8.
März 2021 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, ihm eine Invalidenrente zuzu
sprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1; Beilagen
Urk.
3/1-3).
Mit Begleitschreiben vom 2
5.
März 2021 (
Urk.
5) reichte er
einen weiteren Arztbericht (
Urk.
6)
ein. Mit Verfügungen vom 2
4.
März 2021 (
Urk.
4) und 30. März 2021 (
Urk.
7) wurde
n
der IV-Stelle sämtliche Unterlagen zur Stellungnahme zugestellt. Diese schloss in der Beschwerdeantwort vom
6.
Mai 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 11). Die Beschwerdeantwort wurde dem Versicherten mit Verfügung vom 1
2.
Mai 2021 z
ur Kenntnis gebracht (
Urk.
13).
Bereits
mit Eingabe vom 2
2.
April 2021 (
Urk.
10)
hatte dieser
zudem
das ausge
füllte Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit (
Urk.
8) samt Belegen zu
seinen
finanziellen Verhältnissen (
Urk.
9/1-7)
eingereicht.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung bzw. des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
I
m Übrigen sieht auch der am
1.
Janu
ar 2022 in Kraft getretene Art.
28b
Abs.
4 IVG einen rentenbegründenden
Mindestinvaliditätsgrad von 40
% vor.
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist (BGE
117 V 198 E. 3a mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts I 659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1
).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit
der letzten materiellen Renten
prüfung
, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts
9C_520/2021 vom 22. Dezember 2021 E. 3.3
, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, gemäss den neuen Abklärungen sei der Beschwerdeführer in der angestammten wie auch einer angepassten Tätigkeit 70
%
arbeitsfähig.
Die Kriterien für eine
posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS) seien gemäss Gutachten nicht erfüllt. Ebenso wenig fänden sich ausreichend Anhaltspunkte für eine Persönlichkeitsstörung/-änderung. Stationäre Aufenthalte hätten jeweils eine gesundheitliche Besserung gebracht. Sozioökonomische Schwierigkeiten und psychosoziale Faktoren könn
ten nicht berücksichtigt werden. Bei einem
Invaliditätsgrad von 30
%
bestehe kein
Anspruch auf eine Rente
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt indessen dafür, seine gesundheitliche Situation habe sich verschlechtert. Bis zum Autounfall habe er die Problematik (Übergriffe im Kindsalter) gut mit Alkohol verdrängen können; körperliche Einschränkungen hätten zuvor nicht bestanden. Trotz des Berichts
seiner
Behandlerin
sei die
Sachlage im Gutachten nicht explizit exploriert worden. Den Haushalt könne er nicht selbständig meistern und seine Schneiderei nur noch von 13 bis 18 Uhr öffnen, wobei er sich im Hinterzimmer hinlege, wenn
kein Kunde da sei und er keine Aufträge habe
. Der Schlaf habe mi
t
der Maske
etwas
gebessert (vgl.
Urk.
1).
3.
3.1
Im B._
-Gutachten vom 2
5.
März 2015 diagnostizierten die Gutachter im Wesent
lichen
(1)
ein chronisches
thorakolumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit radiologisch persistierender Spinalkanalstenose im Bereich der Berstungsfraktur L
WK
1 nach Re-
Spondylodese
B
WK
12 bis L
WK
2
(bei klinisch objektiv ansonsten weitgehend
blandem
Befund, vgl.
Urk.
12/69/15 Mitte)
, (2) eine neuro
gene Harn
blasen- und Se
xualfunktionsstörung
und
ein chronisches Schmerzsyndrom des Beckens
sowie
(3) eine leichtgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0)
.
Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilten sie insbesondere (1) den Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) bei Hypästhesie am linken Bein ohne objektives Korrelat
(zumal die mögliche Tangierung des
Myelons
nur die untersten Segmente betreffe, vgl.
Urk.
12/69/19 unten)
, (2) ein zentrales Schlafapnoe-Syndrom mit nächtlicher CPAP-Maskenbehandlung sowie (3) einen Zustand nach Alkohol
abusus (ICD-10: F10.1;
Urk.
12/69/23).
3.2
Dazu erörterten sie
in der Gesamtbeurteilung
,
der Beschwerdeführer
habe
eine Ausbildung als Schneider absolviert und
sei
in der Schweiz stets als solcher tätig gewesen. Aus Sicht des Bewegungsapparates, orthopädisch und neurologisch evaluiert, beeinflusse das chronische
thorakolumbovertebrale
Schmerzsyndrom seine Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der objektivierbaren Befunde bestehe für körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit. Für die angestammte Tätigkeit bestehe hingegen, ebenso wie für andere körperlich leichte Verrichtungen unter Wechselbelastung, eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
bei ganztägigem Pensum mit
einer
um 30
%
verminderten
Leistung aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfs. Das wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 10 kg sowie die Einnahme gebückter Positionen seien zu ve
rmeiden.
Aus urologischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % für leichtere Tätigkeiten aufgrund der neurogenen Harnblasenstörung sowie des chronischen Schmerzsyndroms des Beckens
(vgl.
ferner
Urk.
12/69/20, wonach aus neurologischer Sicht eine
adaptierte
Tätigkeit
voll verrichtet werden kann, sich wegen des erhöhten
Zeitbedarfs bei
angenommener
Selbstkatheterisierung
jedoch eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
ergibt)
. Für schwere Tätigkeiten sei der Beschwerdeführer aus urologischer Sicht nicht arbeitsfähig.
Aus psychiatrischer Sicht könne ihm aufgrund der anhaltenden depressiven Stimmungslage mit einerseits bedrückter Verstimmung und andererseits mit Reiz
barkeit und Missmut
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der Höhe von 20
%
attestiert werden.
Keine Einschränkungen bestünden aus allgemeininternistischer Sicht
(vgl. Urk. 12/69/24)
.
3.3
Damit könne aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 70
%
in der angestammten Tätigkeit und in jeder anderen körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit festgestellt werden. Das Pensum könne vollschich
tig umgesetzt werden – mit erhöhtem Pausenbedarf von 10 bis 15 Minuten pro Stunde und reduziertem Rendement. Für mittelschwer und schwer belastende Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsunfähigkeit.
Die Einschränkungen aus orthopä
disch-neurologischer, urologischer und psychiatrischer Sicht würden sich ergänzen, nicht addieren, da die gleichen Zeitabschnitte für Pausen und Erholung genutzt werden könnten und insgesamt die gleiche Grundproblematik betroffen und aus verschiedenen Fachrichtungen zu bewerten sei
.
Ab
der
am
1
2.
März 2012
erlittenen Wirbelsäulenverletzung sei eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bis April 2013
anzunehmen. Danach sei von einer 70%ige
n
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen (vgl. Urk. 12/69/24).
3.
4
Ergänzend ist dem psychiatrischen Teilgutachten zu entnehmen, dass sich aktuell keine PTBS nachweisen lasse. Der Beschwerdeführer sei durchaus in der Lage, ruhig
,
sachlich
und ohne etwas zu vermeiden
den Unfallhergang
zu schildern
. Auch im Austrittsbericht der
D._
zur Behandlung vom
9.
Oktober bis
4.
Dezember 2014
(vgl.
Urk.
12/69/27-30)
sei keine PTBS festgestellt worden. Beschrieben
würden dort
eine mittelgradige depressive Episode, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine Reaktion
auf schwere Belastung nicht näher bezeichnet (ICD-10: F43.9). Es bestünden ausserdem Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung.
Der Beschwerdeführer sei wegen einer Verschlechterung seiner psychischen Verfassung überwiesen worden.
Vor allem die Erektionsstörung und der Kinderwunsch der Ehefrau
würden
ihn
belasten. Er ziehe sich zurück, meide alte Freunde und habe ab und zu aggressive Phasen. Er habe auch schon seine Lebenspartnerin geschlagen und Gegenstände in der Wohnung zerstört. Die beschriebene Symptomatik decke sich mit dem Eindruck in der gutachterlichen Exploration. Indessen erfülle der Zustand die Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode nicht, wofür gemäss ICD-10-Kodifikation sechs bis sieben Kriterien vorhanden sein müssten.
Die Pharmakotherapie habe wahrscheinlich bereits zu einer Stabilisierung und Aufhellung geführt (
Urk.
12/69/11).
4.
4.1
Nach der Neuanmeldung im November 2018
wurde der Beschwerdeführer in de
n
selben fünf Fachrichtungen erneut begutachtet.
Im
Gutachten der
C._
vom
9.
Oktober 2020
wurden folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: (1) inkomplettes Konus-/
Kauda
-Syndrom nach trauma
tischer LWK1-Berstungsfraktur mit
Hinterkantenverlagerung
am 1
2.
März 2012, (2)
thorakolumbovertebrales
Syndrom nach Re-
Spondylodese
BWK12 bis LWK2, (3) rezidivierende depressive Störung, aktuell leichte depressive Episode (ICD-10: F33.0) und
(4)
neurogene Blasen
ent
leerungsstörung mit erneuter Instabilität nach bereits zweimaliger Boto
x
-Injektion unter i
ntermittierende
m
Selbstkatheterismu
s
(ISK)
mit täglicher
Urg
e
inkontinenz
milden Ausmasses
(
Urk.
12/130/8;
keine
Einlagen,
dazu
Urk.
12/130/89 unten)
.
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit massen die Gutachter
i
ns
besondere
folgenden Diagnosen zu: (1) komplexe Schlafapnoe bei mittelschwerem o
bstruk
tive
m
Schlaf-Apnoe-Syndrom (
OSAS), (2) aktenkundige
s
Restless
Legs
Syndrom (unter
Targin
vollständig klinisch reversibel), (3) Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F10.2), der
zeit abstinent, (4) Analgetika (
Opiate
)
-Abhängigkeit bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10: F19), (5) chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) und (6) chronisches
zervikovertebra
les
Schmerzsyndrom ohne Funktionseinschränkung und ohne Hinweise auf eine
radikuläre
Defizitsymptomatik (vgl.
Urk.
12/130/8).
4
.2
Dazu erläuterten
die Gutachter
, aus orthopädischer Sicht seien die Funktionen der Brust- und Lendenwirbelsäule leicht- bis mittelgradig eingeschränkt.
Die Funktionseinschränkung resultiere aus dem Status nach
Spondylodese
und bei bekannter Spinalkan
al
stenose in Höhe LWK1 durch Dorsalverlagerung der Hinterkante von LWK
1.
Es bestehe eine
Druckdolenz
über der paravertebralen Muskulatur im
thorak
olumbalen
Übergangsbereich. Die Messungen der Beinum
fänge könnten keine
Seitendifferenz objektivieren.
Im Bereich der Halswirbelsäule würden erstmalig im Frühjahr 2019 Beschwerden bekannt. Symptomatisch sei eine
Zervikozephalgie
bei bekannten degenerativen Veränderungen der mittleren und unteren Halswirbelsäule. Bei der klinischen Untersuchung hätten sich die Funktionen nicht nennenswert eingeschränkt dargestellt; die Muskelumfänge an beiden Armen seien seitengleich, eine Seitendifferenz könne nicht objektiviert werden (vgl.
Urk.
12/130/5).
Allenfalls gelinge es schmerztherapeutisch, mit der Implantation von Neuro
-
stimulation den Beschwerdeführer in der Schmerzmitteldosis herabzusetzen und gegebenenfalls seine Leistung zu steigern (vgl.
Urk.
12/130/11).
Die Einschätzung im Gutachten vom 2
5.
März 2015 könne aus orthopädischer Sicht
b
estätigt werden (
Urk.
12/130/37).
4.3
In der klinisch-neurologischen Untersuchung
hätten
sich weder zervikal noch lumbal Nervendehnungszeichen gezeigt. Manifeste Paresen lägen nicht vor. Muskelatrophien und
Faszikulationen
seien nicht
eruierbar
.
Die Reflextätigkeit zeige sich an den oberen Extremitäten seitengleich auf normal schwachem Niveau, im Bereich der unteren Extremitäten h
ät
ten sich der
Quadrizepssehnen
reflex
, die beidseitigen Adduktorenreflexe sowie der Trizeps
surae
-Reflex nicht auslösen lassen. Bei der Überprüfung der Sensibilität seien im
Dermatom
S1 eine Minderung von Oberflächen- und Schmerzempfinden bei erhaltener Spitz-Stumpf-Diskrimination ohne statische und dynamische
Berührungsallodynie
angegeben worden
(vgl. ferner auch die kursorisch orthopädisch-neurologische Untersuchung,
Urk.
12/130/35)
.
Bezüglich der
vegetativen F
unktionen bestünden
gemäss Angaben des Beschwerdeführers
(und aktenkundig, vgl.
Urk.
12/130/64 unten)
eine Blasenentleerungs- und Sexualfunktionsstörung; eine namhafte S
tuhlinkontinenz liege nicht vor (vgl.
Urk.
12/130/6)
.
Zusammenfassend bestehe als
Resiudalbefund
ein partielles Konus-/
Kaudasyn
drom
mit Harnentleerungs- und Sexualfunktionsstörung sowie einem sensiblen S1-Syndrom links.
Neben einer
Botulinumtoxin
-Behandlung am Sphinkter
Urethrae
, durchgeführt alle sechs Monate, bestehe eine suffiziente medikamen
töse Schmerztherapie.
Die angegebene Schmerz
symptomatik
lasse sich neurologisch nicht (durch einen neuropathischen Schmerz) erklären. Auch
die Nackenschmerzen mit Ausstrahlung zum Hinterkopf liessen
sich
neurologisch nicht
erklären, wobei letztere
auch
im Vorfeld nicht im Kontext mit
nervalen
Kompressionen beschrieben worden seien
. Das aktenkundig
beschriebene
Restless
-
Legs
-Syndrom liege klinisch
unter der Therapie mit
Targin
nicht mehr vor.
Die Vor
untersuchungen und -diagnosen
seien plausibel und stünden nicht im Gegensatz zum aktuellen
B
efund
(
vgl.
Urk.
12/130/65
f.
).
4.4
Aus urologischer Sicht
bestehe neben dem
Befund einer hypokapazitiven, hypersensitiven überaktiven Harnblase mit
Detrusor
-Sphinkter-
Dyssynergie
(DSD; mit vier bis fünf spontanen Miktionen mit vorangehender schmerzhafter
Urge
und fast täglich auftretenden Inkontinenzereignissen im Sinne kleiner Spritzer mit einer Fleckengrösse von 4 bis 5 cm, vgl.
Urk.
12/190/89 unten)
eine
Nitri
-positive Zystitis, die vermutlich das Inkontinenzrisiko wesentlich erhöhe und behandelt werden sollte (vgl.
Urk.
12/130/6).
Ebenfalls sollte
d
ie geplante Neuromodulati
o
n versucht werden.
Eine definitive Harnableitung mittels Ileum
Conduit
würde die
Blasentenesmen
beseitigen, ebenso die Inkontinenz
ereignisse
(vgl.
Urk.
12/130/11
und
12/130/92
).
4.
5
Psychiatrisch sei es v
or
dem Hintergrund erheblicher sozioökonomischer Schwierigkeiten bei unübersehbarem Schuldenberg und Trennung von der zweiten Ehefrau im vergangen Jahr
(vgl. auch
Urk.
12/130/72 unten)
wiederholt zu psychischen Dekompensationen mit depressiven Episoden mittelschwerer, zeitweilig wohl auch schwerer Ausprägung und daraus resultierender Notwen
digkeit einer psychiatrischen H
ospitalisierung gekommen.
Der Beschwerdeführer
sei
aber j
eweils im stabilisierten Z
ustand entlassen
worden.
Aktuell bestehe das Bild einer nur leicht ausgeprägten depressiven Episo
de und f
erner einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Der Beschwerdeführer betreibe zudem einen iatrogen geförderten
Analgetikakonsum
, einschliesslich Opioiden (
Targin
). Glaubhaft schildere er eine Abstinenz vom Alkohol nach langjähriger Alkoholabhängigkeit (vgl.
Urk.
12/130/6).
Auf der Persönlichkeitsebene sei der Beschwerdeführer durchaus umgänglich.
Er wirke emotional hinlänglich stabil. Frustrationstoleranz und Impulskontrolle seien ausreichend erhalten.
Aktenanamnetisch mitgeteilte Hinweise auf eine Persönlichkeitsa
k
zentuierung/-störung hätten sich in der Begutachtung nicht feststellen lassen
. Ebenso wenig bestünden Hinweise auf eine Persönlichkeitsänderung (vgl.
Urk.
12/130/9).
Aktenkundig erwähnte Symptome einer PTBS hätten sich aktuell
ebenfalls
nicht nachweisen lassen (vgl.
Urk.
12/130/82 unten).
Im Verlauf der Exploration zeige sich bei Erörterung der Psychobiographie und der Erlebnisse in Kindheit und
Adoleszenz vorübergehend eine vermehrte vegetative Stigmatisierung. Die Erörterung des Unfalls, der Unfallfolgen wie auch der als einschneidendes Erlebnis geschilderten Inhaftie
rung seien hingegen ohne
katastrophisierende
vegetative Begleitreaktionen und ohne Affektstürme erfolgt. Auch die Schilderung gelegentlicher Albträume sei ohne Vegetativreaktion in bemerkenswerter Distanzierung erfolgt (vgl.
Urk.
12/130/78 Mitte).
Im Übrigen widerspiegle sich die geäusserte Schmerzintensität nicht im Sinne einer
Schmerzgeplagtheit
in Körpersprache und Psychomotorik
in der psychiatrischen Exploration
. Trotz der angegebenen Schmerzen, Antriebsstörung und depressiven Stimmungsschwankungen suche
der Beschwerdeführer
tag
täglich seine Schneiderei auf.
Insoweit seien einzelne Inkonsistenzen feststellbar.
Ab
ge
sehen
von
Venlafaxin
und
Oxycodon
sei
en
alle weiteren angegebenen Psychopharmaka und Analgetika
zudem
weit unterhalb des Referenzbereichs. Damit bestehe der Verdacht auf Falschangaben und
Malcompliance
(
Urk.
12/130/10).
4.6
Allgemeininternistisch ergäben sich keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Hinsichtlich der Schlafapnoe sei initial eine CPAP-Therapie erfolgt, seit Juli 2014 bestehe eine ASV-H
eimventilation. Bei der letzten Kontrolle am 3
0.
Juli 2
0
14 sei diese nicht zufriedenstellend gewesen
;
es sollten die Einstellungen am
Poly
somnographen
überprüft werden. Der Beschwerdeführer
klage
über
insomnische
Beschwerden mit häufigen Einschlafstörungen; eine vermehrte Tagesmüdigkeit
/-
schläfrigkeit werde nicht angegeben (vgl.
Urk.
12/130/7).
4.
7
Die Gutachter
der
C._
schluss
fo
lgerten
(vgl. Konsensbeurteilung,
Urk.
12/130/5-13)
, aus orthopädischer Sicht
sei
die Arbeitsfähigkeit als selbstän
diger Schneider und in leidensadaptierter Tätigkeit
(infolge eingeschränkter Produktivität und Schnelligkeit aufgrund der chronische Rückenschmerzen seit Dezember 2012, vgl.
Urk.
12/130/38) wieder
zu 80
%
realisierbar.
Das inkom
plette Konus-/
Kaudasyndrom
mit neurogener Blasenentleerungsstörung fü
h
r
e
(bei Notwendigkeit häufiger, auch kurzfristiger Pausen zum Toilettengang
nach der dreimonatigen Rekonvaleszenz nach der letzten Operation im August 2012, vgl.
Urk.
12/130/67
sowie
Urk.
12/130/92 Fragen 7.4 und 8
)
zu einer Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit von 30
%
aus neurologischer und von 20
%
aus urologischer Sicht. Psychiatrisch führten die Affektregulationsstörung und depressiv bedingte Erschöpfung
(seit der B._
-Begutachtung, vgl.
Urk.
12/130/85)
zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20
%
(vgl.
Urk.
12/130/9 oben).
In der bisherigen
oder
einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe
somit eine
Arbeitsfähigkeit von 70
%
bei einer Präsenz von 8.5 Stunden pro Tag und einer Leistungsminderung von 30
%
(
Urk.
12/130/10). Die Teilarbeitsunfähigkeiten würden sich nicht addieren oder potenzieren (U
rk.
12/130/11 oben).
Der Beschwerdeführer sei
(aus orthopädischer Sicht, vgl.
Urk.
12/130/37 unten)
in der Lage, körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten im Sitzen, Stehen und Gehen durchzuführen
(vgl.
Urk.
12/130/61 oben
und
Urk.
12/108/5 Frage
3.3
, auch als Scheider möglich)
. Tätigkeiten in Zwangshaltung (Vorbeuge), Tätig
keiten unter dem Einfluss von extremen Temperaturschwankungen wie Hitze, Kälte und Nässe sollten vermieden werden. Zudem sollten Tätigkeiten, die einen erhöhten Anspruch an die Standsicherheit erfordern würden wie auf Treppen, Leitern und Gerüsten, vermieden werden
. Vom rein urologischen Standpunkt aus sei der Beschwerdeführer als Schneider wohl einsatz- und arbeitsfähig mit der Bedingung einer arbeitsplatznahen Toilette
(vgl.
Urk.
12/130/9 unten).
Aus psychiatrischer Sicht sei eine Tätigkeit durchschnittlicher geistiger Art mit durch
schnittlicher Verantwortung ohne besonderen Zeitdruck und ohne besondere Anforderungen an die Konfliktfähigkeit möglich (vgl.
Urk.
12/130/84).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
5.2
Es liegen mittlerweile zwei polydisziplinäre Gutachten von
zwei
verschiedenen medizinischen Abklärungsstellen vor,
in
den
en
im Wesentlichen dieselben Bef
unde erhoben und dieselben medizinischen Schlussfolgerungen
gezogen wurden
.
Die geringfügigen Diskrepanzen
bei den
fachärztlich
attestierten
Teil
arbeitsunfähigkeiten
erklären
sich
mit der Tatsache
, dass
zwischen ärztlich gestellter Diagnose und Arbeitsunfähigkeit - und zwar sowohl bei somatisch dominierten als auch bei psychisch dominierten Leiden -
letztlich
keine Korrela
tion
besteht
. Deshalb weist die medizinische Folgenabschätzung notgedrungen eine hohe Variabilität auf und trägt unausweichlich Ermessenszüge (
vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1).
Es
kommt hinzu,
dass
sich die
Fachrichtungen Orthopädie, Neuro
logie und Urologie
bei den vorliegend zu beurteilenden Beschwerden teilweise überschneiden und unterschiedlich abgegrenzt wurden.
5.3
Letztlich entscheidend ist, dass im Rahmen beider Gutachten sämtliche geklagten Beschwerden
in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus polydisziplinärer Sicht
einflossen. Mit anderen Worten wurden sämtliche Beschwerden abgeklärt und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
beurteilt.
D
as
festgestellte
Ausmass
der
konkreten
funktionellen Einschränkungen
wurde nachvollziehbar begründet.
Aus orthopädischer S
icht wurde
dabei
nicht nur der limitierten Beweglichkeit und Belastbarkeit der Wirbelsäule mit
der Beschränkung auf körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Vorbeugen
(Zwangshaltung)
oder erhöhte Anforderungen an die Standsicherheit
Rechnung getragen. Zusätzlich wurde eine quantitativ verminderte Leistungsfähigkeit infolge der eingeschränkten
Produk
tivität und Schnelligkeit
bzw.
eines erhöhten
Pausenbedarfs
aufgrund der
chronischen Schmerzen
berücksichtigt. Dieser Beurteilung entgegenstehende fachärztliche Arbeitsfähigkeitseinschätzungen sind keine aktenkundig (vgl.
Urk.
12/32)
.
Aus urologischer
und neurologischer
Sicht wurde
infolge
der Blasenfunktionsstörung zusätzlich eine
arbeitsplatznahe
Toilette
gefordert
sowie
Zeit für die Toilettengänge einberechnet
, während der behandelnde Urologe im Bericht vom
4.
März 2019 eine Arbeitsunfähigkeit explizit verneinte (vgl.
Urk.
12/101/3)
.
Eine geklagte Verschlechterung dieses Leidens konnte mit den aktuellen medizinischen
Massnahmen
also
kompensiert werden.
S
chliesslich
wurde aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Leistungs
fähigkeit
von 20
%
infolge der
depressiven Symptom
e
und gestörten A
ffektregu
lation postuliert, ansonsten jedoch
klar
festgehalten, dass eine Tätigkeit mit durchschnittlichen Anforderungen in Bezug auf die intellektuellen Fähigkeiten, die Verantwortung, den Zeitdruck und die Konfliktfähigkeit möglich sei (vgl.
E. 3.2 und 4.7).
Die anderslautende Beurteilung der behandelnden Arztperson vermag –
dazu ausführlich
E. 6 und 7
– unter mehreren Gesichtspunkten nicht zu überzeugen.
5.
4
Ergänzend
ist
hervorzuheben
, dass
sich
gemäss
Be
richt des Instituts E._
vom 2
8.
Mai 2020
zur langjährigen Rücken- und linkseitig betonten Beinschmerzproblematik
in der im November 2019 durchge
führten elektrophysiologische
n
Untersuchung keine Zeichen eines chronisch neurogenen Umbaus zeigten. D
iagnostische Medial
Branch
-Block
ad
en im Bereich Facettengelenke LWK2/3, die
caudal
an die
Spondylodese
BWK12 bis LWK2
anschliessen
,
führten
nach Angaben des Beschwerdeführers zwar
zu einer
signifikante
n
Schmerzreduktion über einen adäquaten Z
eitraum hinweg
(dazu
Urk.
12/130/103)
. Eine
adjuvante
Behandlung mittels Radiofrequenz brachte
jedoch
keinen länger anhaltenden analgetischen E
ffekt (vgl.
Urk.
12/130/100).
Die weiteren Abklärungen seit der letzten Begutachtung sind somit nicht aussagekräftig bzw. es konnte
n
daraus keine neuen Erkenntnisse gewonnen
werden.
Es bleibt
beim MRT-Befund vom
2
0.
Juni 2014
mit einer
mögliche
n
Tangierung
des
Myelons
in d
en untersten S
eg
menten
, wobei die knöchernen Strukturen schon bei der letzten Operation entfernt wurden (vgl.
Urk.
12/69/14 und 12/69/32), sowie
bei
im Vergleich zum Vorgutachten
weitgehend
unver
änderte
n
klinischen Befund
en
(
insbesondere keine Paresen oder Atrophien, im Detail
Urk.
12/69/19 und E. 4.3).
Bezüglich der MRI-Befunde der Halswirbelsäule erfolgte
gemäss
neuro-urologischem Bericht der Universitätsklinik
A._
vom 2
7.
Januar 2020 eine Infiltration im April 2019 (vgl.
Urk.
12/119/2 Diagnoseliste Nr. 4). Im soeben erwähnten Bericht zur Schmerztherapie wurde lediglich noch der Verdacht auf eine
Okzipitalis
-Neuralgie diagnostiziert; weitere medizinische
Massnahmen
werden in diesem Zusammenhang keine erwähnt (vgl.
Urk.
12/130/100).
Behand
lungsanamnestisch lassen sich somit keine
massgeblichen
somatischen
Halswir
belsäulen-
Beschwerden bestätigen.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer monierte
einzig
, die Sachlage sei im Gutachten
trotz
der fachärztlichen Berichte der
Behandlerin
nicht hinreichend exploriert worden (vgl. E. 2.2)
. Dazu
reichte
er
eine Stellun
gnahme der
D._
vom 2
4.
März 2021
ein (
Urk.
6). Dari
n wurde festgehalten, der Beschwerdeführer
berichte
auf direktes Nachfragen über immer wieder auftretende Intrusionen und Alpträume, die sowohl Szenen des Autounfalls, aber auch Szenen der erlebten sexuellen Übergriffe beinhalte
n würden
.
Es bestehe diesbezüglich ein starkes Vermeidungs
verhalten.
Es
habe sich
eine
B
lasenentleer
ungsstörung entwickelt mit der Notwendigkeit, sich
(
gegenwärtig drei- bis fünfmal täglich
)
selbst zu katheteri
sieren, was die PTBS-Symptomatik verstärkt habe.
Im Vorfeld sei es wiederholt zu
r
Reizüberflutung und
zu
Gefühlen wie Scham, Ekel und in der Folge
zu
Suizidgedanken gekommen. Bis zum Autounfall sei es dem Beschwerdeführer gelungen, die Erlebnisse aus der Kindheit zurückzudrängen, wenngleich in jener Zeit ein
regelmässiger
Alkoholkonsum als dysfunktionale Bewältigungsstrategie zu vermerken sei.
6.2
Eine
PTBS
entsteht
gemäss
ICD-10-Klassifikation als eine verzögerte oder protra
hierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation
aussergewöhn
licher
Bedrohung oder katastrophenartigen
Ausmasses
(kurz oder langanhaltend)
, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Hierzu gehören Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastrophen, Kampfhandlun
gen, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder selbst
Opfer von Folterung, Terrorismus, Vergewaltigung oder anderen Verbrechen zu sein.
Typische Merk
ma
le sind das wi
e
derholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Na
chhallerinnerungen, Flashbacks)
oder in Träumen, vor dem Hintergrund des andauernden Gefühls von
Betäubtsein
und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber,
Anhedonie
sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Gewöhnlich tritt ein Zustand vegetativer Übererregtheit mit
Vigilanz
steigerung
, einer
übermässigen
Schreckhaftigkeit und Schlaflosigkeit auf.
Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen assoziiert und Suizidgedanken
sind nicht selten
. Drogeneinnahmen oder
übermässiger
Alkohol
konsum können als kompl
izierende Faktoren hinzukommen.
Die Latenzzeit zwischen initialer Belastung und Auftreten der Störung beträgt wenige Wochen bis (sechs) Monate. Der Verlauf einer PTBS ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle
kann jedoch
eine Heilung
erwartet werden
.
Bei
grösserem
zeitlichem Abstand ist die Diagnose noch «wahrscheinlich» - vorausgesetzt, die klinischen Merkmale sind typisch und
es kann keine andere Diagnose,
wie
eine
Angst- oder Zwangsstörung oder
depressive Episode
,
gestellt werden
(vgl. Weltgesundheitsorganisation,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schm
idt [Hrsg.], 1
0.
Aufl. 2015, S.
207 f
.).
Die Herleitung und Begründung der Diagnose einer PTBS bedarf
damit
einer besonderen Achtsamkeit. Dies
gilt zunächst für das Belastungskriterium, mithin das auslösende Trauma.
Namentlich dort, wo es allein durch die subjektiven Angaben und Schilderungen der betroffenen Person belegt wird, lässt sich ein entsprechender Nachweis in der Regel nicht ohne weiteres erbringen.
Nebst der für die Bejahung einer PTBS bedeutsamen Schwere des Belastungskriteriums erfordert die
Latenzzeit zwischen initialer Belastung und Auftreten der Störung eine eingehende Prüfung. Diese beträgt
nach ICD-10
wie
erwähnt
wenige Wochen
bis (sechs) Monate. Besondere Begründung braucht es in jenen Fällen,
in denen ganz ausnahmsweise aus bestimmten Gründen ein späterer Beginn berücksichtigt werden sol
l
. Im Schrifttum wird zudem etwa auf den ebenfalls zu beachtenden Aspekt verw
ie
sen, dass ein nur gelegentliches Auftreten von Flashbacks oder Alpträumen nicht genügt, um eine PTBS zu begründen
(vgl.
BGE 142 V 342
E. 5.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_548/2019 vom 1
6.
Januar 2020 E. 6.3.1)
.
6
.3
Vorliegend
sind
keine k
onkrete
n
Anhaltspunkte für sexuelle Übergriffe in der Kindheit
aktenkundig
(
vgl. auch
Urk.
12/108/
2 f.
Fragen 2.1 und 2.2)
.
In
d
en Begutach
tungen berichtet
e
d
er
Beschwerdeführer
über
eine allgemein schlechte
Kindheit. In der ersten Exploration gab
d
er
Beschwerdeführer
an, nach der frühen Scheidung der Eltern bei verschiedenen Verwandten aufgewachsen zu sein und in den Sommer
ferien als Sch
n
eider gearbeitet zu haben (vgl.
Urk.
12/69/10).
Aktuell
schilderte
er
eine konfliktreiche Beziehung
zu den Eltern
und zum
Stiefvater
, geprägt durch Tätlichkeiten.
Er habe
mit zehn Jahren neben der Schule für den Lebensunterhalt arbeiten müssen und als Jugendlicher
oft in der Schneiderei
übernachtet. Mit Ende der Schulzeit habe er das
Elternhaus
praktisch endgültig verlassen
(vgl.
Urk.
12/130/74
f.
)
.
In den
folgenden Jahrzehnten
finden sich
w
eder in der Erwerbsbiografie
(mit Militärdienst und fortlaufender Arbeitstätigkeit,
etwa
Urk.
12/69/8 und
12/130/76)
noch im Sozialleben
(mit zwei längerdauernden Ehe
n
und
Vaterschaft
, vgl.
Urk.
12/69/8 unten
)
psychisch bedingte
Auffälligkei
ten
.
Eine Dokumentation und Behandlung psychischer Beschwerden
erfolgte
erst
mals
nach dem Autounfall
.
Die gute
Funktionalität
über einen so langen Zeitraum
allein mit dem
Alkoholkonsum zu erklären,
der
anamnestisch
von der Jugend bis zur problemlosen eigenständigen Sistierung i
n der psychisch
sehr
belasteten Phase nach dem Autounfall
dauerte
,
einer der Gründe
für die erste Scheidung war
und das
Ausmass
eine
r Sucht
erreicht
e
(
vgl.
Urk.
12/130/75
und 12/69/28 oben
)
,
vermag nicht zu überzeugen.
Ebenso wenig
dokumentiert ist
(trotz des stattgehabten Strafprozesses)
der Auto
unfall mit Todesfolge für zwei
weitere Fahrzeuginsassen
und
teilweiser
Verbüssung
einer Haftstrafe
in der Türkei
.
Belegt
ist eine Revisionsoperation infolge einer Berstungsfraktur LWK1
,
di
e sich mit
einem
Verkehrsunfall erklären
lässt
.
Soweit dabei den Angaben des Beschwerdeführers gefolgt wird
, wonach er
auf dem Rücksitz des Autos
geschlafen und keinerlei
bzw. kaum
Erinnerung
en
an den Unfall ha
be
, sondern nur kurz im Fluss erwacht
sei
, wobei er das Gefühl
gehabt habe
, nicht atmen zu können,
bzw. das Wasser
gesehen habe
(vgl.
Urk.
12/130/73 oben
und 12/69/12
), ist das Belastungskriterium kaum
genügend schwer für die Diagnostizierung einer PTBS
.
Eine solche wurde denn auch in beiden Gutachten bei
auffallend
distanzierter
Schilderung des Unfallgeschehens
verneint
(vgl. E. 3.3 und 4.5).
Im Übrigen sind
die aktuell geklagten S
ymptome
eher
diffus
und
wenig
ausgeprägt
. So gab der Beschwerdeführer an,
manchmal unter Durchschlafstörungen zu leiden und
gelegentlich Albträume zu haben, an
deren Inhalt er sich nicht immer
erinnern
könne bzw. manchmal träume er vom Bach
, in
dem er al
s Unfallverletzter gelegen habe. E
r
habe
oft Angstgefühle
, wobei er nicht sagen könne
, wovor
er Angst habe
. Manchmal sehe er einen Zusammen
hang mit seiner Inhaftierung
(vgl.
Urk.
12/130/74)
.
Zutreffend ist der Hinweis
im älteren Gutachten
(vgl.
Urk.
12/69/11)
, dass im Austrittsbericht zur stationären Behandlung
in der
D._
Ende 2014
auch
keine
PTBS, sondern eine Reaktion auf
eine schwere Belastung (Autounfall) mit Alpträumen, starken Bewegungen nachts, Reizbarkeit und Wutausbrüchen sowie Konzentrations
schwierigkeiten festgehalten wurde
(vgl.
Urk.
12/69/29)
.
Letztlich
würde eine progrediente Entwicklung, welche die
inzwischen
wieder aufgenommene
Arbeitstätigkeit
zunehmend
einschränkt,
auch
dem zu erwarten
den degressiven Charakter einer PTBS widersprechen;
nur
etwa
bei
10
%
der Betroffenen persistieren die Symptome über Jahre hinweg (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_289/2017 vom
4.
September 2017 E. 4.2).
Die Angaben des Beschwerdeführers
zu seiner Leistungsfähigkeit sind zudem
inkonsistent:
So gab er in der psychiatrischen Exploration an, am Mittag eine weitere Tablette
Targin
einzunehmen, um den Nachmittag durchstehen zu können; dabei sei er ab 13 Uhr so erschöpft, dass er im Grunde nicht mehr arbeiten könne (vgl.
Urk.
12/130/72
und 12/130/77
).
I
m
unmittelbar
daran
anschliessenden
orthopädischen Untersuch
äusserte
er
,
das
Geschäft um 9 Uhr
zu öffnen
. Er sei sehr müde, müsse sich oft hinlegen. Den Vormittag verbringe er im Geschäft, obwohl nicht viele Kunden kämen. Er öffne um 13 Uhr, da kämen die meisten Kunden. Dann sei er auch „fitter“ und könne gut zwei bis drei Stunden arbeiten (vgl.
Urk.
12/130/32 oben).
6.4
Die
jüngste
Stellungnahme der
D._
(
Urk.
6)
erklärt sich
vorder
hand
mit der
Erfahrungstatsache,
dass
Behandler –
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung
–
in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (
vgl.
BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende
und umfassende
Behandlung wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungs
- und B
egutachtungsauftrag (
vgl.
BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ
gutachten stets in Frage zu stellen und
es
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen
bzw.
Therapiekräfte zu anders
lautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzun
gen wichtige
,
nicht rein subjektiver Interpretation entspringende Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (
vgl.
BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
Solche
gutachterlich
verkannten
Aspekte sind der Stellungnahme der
aktuellen
Behandlerin
ebenso wenig wie
eine Konkretisierung
der zuvor
von ihr
behaupteten
Verschlecht
erung des psychischen Zustandes
(vgl.
Urk.
12/94/
1 unten)
zu entnehmen
;
dabei
wäre
gerade
auch
im
hier zu beurteilenden
Fall –
in Anbetracht der zur Diskussion stehenden unbelegten
B
elastungskriterien
,
diffusen
subjektiven Angaben, teils langen
L
atenzzeit und
vorhanden
en
Komor
biditäten (
depressive und somatoforme Störung
)
–
eine eingehende Begründung
der Diagnose PTBS sowie des unüblichen Krankheitsverlaufs u
nabdingbar
.
Immerhin führte das unkritische
Abstellen auf
die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers
jüngst
nicht mehr zu einem Wildwuchs an
psychiatrischen
Diagnosen
wie
bei der letzten
Rentenprüfung, als
die behandelnden Arztpersonen
zusätzlich
zur PTBS
eine schwere kombinierte Per
sö
nlichkeitsstörung
,
eine
schwer ausgeprägte somatoforme Schmerzstörung und anhaltend
e
wahnhafte Stö
rungen
diagnostizier
ten
(
insbesondere
Urk.
12/76/1 f.)
.
Diese Diagnosen wurden von der aktuellen
Behandlerin
nur noch als «aktenanamnestisch» ange
geben (vgl.
Urk.
12/108/4 oben).
6.5
Im Übrigen hatte
die aktuelle
Behandlerin
im Bericht
der
D._
vom
5.
März
2019
noch erklärt, dass eine einfache Arbeit mit wenigen Anforde
rungen an Flexibilität und Belastbarkeit, ausgeführt in einem ruhigen Arbeits
klima in eigener Einteilung, mittelfristig prinzipiell möglich sein so
llte. Dabei wären gelegentliche Totalausfälle
zu tolerieren, Schichtarbeit zu vermeiden und regelmässige Pausen zu gewährleisten.
Zudem sollte d
ie Arbeit keine hohen Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit stellen, nicht mit zeitlichem oder äusserem Druck einhergehen und interpersonelle Reibungsflächen möglichst meiden (vgl.
Urk.
12/108/5 Frage 4.2).
Am 1
6.
August 2019 hatte
sie ausgeführt
, die effektive
Arbeitsfähigkeit in der
als angepasst geltenden
Tätigkeit als Schneider (ohne Druck, unter freier Zeiteintei
lung, in wechselnden Positionen, mit regelmässigen Pausen usw.) dürfte bei vollzeitiger Präsenz bei maximal 30
%
liegen
. Dabei hatte
sie auf einen
seit Februar 2019
unveränderten psychopathologischen Befund und eine Verschlech
terung des somatischen Leidens hin
gewiesen
(vgl.
Urk.
12/113/4 Fragen 2.1 und 2.2)
. Nach dem
in
5.
3 und 5.4
Ausgeführten
ist indessen weder im Zusammen
hang mit den neuen Befunden der Halswirbelsäule noch der Blasenfunktions
störung von einer seit der letzten Rentenprüfung zusätzlichen Einschränkung der Erwerbsfähigkeit
und damit Veränderung des Invaliditätsgrades
auszugehen.
Abgesehen davon, dass
die Psychiaterin
also
a
usserhalb ihr
er Fachkompetenz liegende Leiden
mitberücksichtigte und für die Arbeitsfähigkeitseinschätzung vollumfänglich auf die
subjektiven
Angaben des Beschwerdeführers
zu seiner Leistungsfähigkeit
abstellte,
erschliesst sich aus
ihrer
jüngsten Stellungnahme nicht, weshalb die
als
«
grosse Ressource
»
bezeichnet
e Tätigkeit als Sch
n
eider
im Frühjahr 2021
nur noch
im geschützten Rahmen oder ganz niederschwellig
(stundenweise)
möglich sein soll (vgl.
Urk.
6 S. 2)
– als
o in noch geringerem
Umfang als
zuvor
–
und nicht ihren ursprünglichen Erwartungen entsprechend
gesteigert werden konnte
.
7.
7.1
Schliesslich
ist bei
der Folgenabschätzung einer PTBS auf das Leistungsvermögen bzw.
die Arbeitsfähigkeit
–
wie
bei allen
(vgl. BGE 143 V 418 E 7.2) und damit auch den gutachterlich festgestellten
psychischen Erkrankungen
–
ein konsisten
te
r
Nachweis
mittels
sorgfältiger Plausibilitätsprüfung im Rahmen
eines struktu
rierten Beweisverfahrens unter Verwendung der Standardindikatoren notwendig
(vgl. B
GE 142 V 342
E. 5.2.3
; Urteil des Bundesgerichts 9C_548/2019 vom 1
6.
Januar 2020 E. 6.3.1)
.
Diese
hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schwere
grad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1; Ausprägung der diagnoserele
vanten Befunde und Symptome [E. 4.3.1.1]; Behandlungs- und Eingliederungs
erfolg oder -resistenz [E. 4.3.1.2]; Komorbiditäten [E. 4.3.1.3]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
7.2
Mit Blick auf den
ersten
Komplex «Gesundheitsschädigung»
wurde die
depressive Episode
gutachterlich
erneut
als leicht
gradig
beurteilt
.
Die
chronische Schmerz
störung mit somatischen un
d psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.41)
beschreibt
lediglich
einen über sechs Monate bestehenden Schmerz in mehreren anato
mischen Regionen, der durch eine Wechselwirkung von somatischen und psychischen Faktoren unterhalten wird
, womit es
an einem diagnoseinhärenten Schweregrad
fehlt
. Die Diagnose
setzt
nur
voraus, dass der Schmerz «in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen und anderen wichtigen Funktionsbereichen» hervorruft (vgl. BGE 143 V 418 E. 5.1)
, wobei ihr in beiden Gutachten ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit abgesprochen wurde
.
Dabei
wurde
die psychische Komponente
auch
primär
mit psychosozialen Belastungsfaktoren begründet (vgl.
Urk.
12/130/81
und 12/130/83 oben
).
Die
im Kontext der geltend gemachten
PTBS
erörterte
Symptomatik
(
vgl. E. 5.4.3: diffuse
Ängstlichkeit
und
manchmal
gestörter Schlaf
,
bedingt durch Albträume aber auch eine
Schlafapnoe)
ändert nichts a
n der
vorbeschrieben insgesamt
leichten
«Ausprägung der diagnosere
levanten Befunde und Symptome».
Eine Behand
lungsresistenz liegt nicht vor. Der Beschwerdeführer konnte jeweils in gebesser
tem Zustand aus den stationären Behandlungen entlassen werden (vgl.
Urk.
12/69/29, 12/76/5
und 12/130/82 unten
)
. Zudem konnte er
nach
mehreren Monaten
ohne Therapie
während der Haft
Mitte
2017
wieder eine selbständige Erwerbstätigkeit als Sch
n
eider aufnehmen
(vgl.
Urk.
12/108/2 Frage 1.1 und 2.1
,
Urk.
12/97/2 f
)
, was im Sinne eines Eingliederungserfolgs zu würdigen ist.
Als Komorbidität bestehen körperliche Leiden,
welche den Beschwerdeführer vorwiegend in mittel- und schweren körperlichen Aktivitäten einschränken.
Eine
Persönlichkeitsstörung
, die
auch
mit der Biografie
des Beschwerdeführers
bis zum Unfall kaum vereinbar wäre,
besteht gemäss den Gutachtern nicht und wurde auch von der behandelnden Psychiaterin jüngst nicht
mehr
vorgebracht
.
Eine
stark ausgeprägte und verfestigte subjektive Krankheitsüberzeugung mit dysfunktionalem Verhalten, Selbstlimitierung
und
sekundärem Krankheitsgewinn
– wie im
älteren
Gutachten angetönt
(vgl.
Urk.
12/69/24) –
erschwert zwar das berufliche Fortkommen, stell
t
aber
keinen invalidisierend
en Gesundheitsschaden dar
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_473/2019 vom 2
5.
Februar 2020 E. 4.2.2).
Zum sozialen Kontext ist
gemäss
BGE 141 V 281 E. 4.3.3 zweierlei festzuhalten: Soweit soziale
Belastungen direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie nach wie vor ausgeklammert (
vgl
. BGE 127 V 294 E. 5a). Anderseits hält der Lebenskontext der versicherten Person auch (mobilisierbare) Ressourcen bereit, so die Unterstützung, die ihr im sozialen Netzwerk
zuteil wird
.
Ein sozialer Rückzug besteht
vorliegend
– entgegen der Annahme der
behandelnden Psychiaterin (vgl.
Urk.
12/108/5 Frage 3.5) -
nicht
.
Der Beschwerdeführer pflegt regelmässige Kontakte innerhalb der Familie
, die ihn
nicht nur
finanziell unter
stützt
, sondern sämtliche Haushaltarbeiten übernimmt –
einschliesslich
das V
orkochen der Ma
hlzeiten, Wäschewaschen
,
E
inkaufen
und
Putzen der Schneiderei
.
Unterstützung
erfährt
er
ferner durch
einen «kleinen Freundeskreis»
. S
o wird er zur Arbeit
/
Begutachtung gefahren und verbringt seine Freizeit im Schrebergarten des Nachbarn
.
Selbst die Exfrau ist nötigenfalls zur Stelle
(vgl.
Urk.
12/130/30-32, 12/130/49 ob
en, 12/130/61, 12/130/76 f.,
12/130/90
und 12/130/96
).
Für den damit verbundenen
sekundären Krankheitsgewinn
gilt
das vorstehend Ausgeführte.
Ferner
entwickelten sich gemäss Gutachten mittlerweile erhebliche sozioökonomische Schwierigkeiten (unübersehbarer Schuldenberg, Trennung von der zweiten Ehefrau),
vor deren
Hintergrund
in der
Vergangenheit wiederholt
psychische
Dekompensationen
auftraten
(vgl. Urk. 12/130/82).
7.3
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der
«
Konsistenz
»
(
etwa
Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
Es
ist
anzumerken
,
dass die Tätigkeit
des Beschwerdeführers
als Sch
n
eider
in der Schweiz kaum je
genügend Geld zur Bestreitung des Lebensunterhalts abwarf
(vgl.
Urk.
12/107)
und
zuletzt
angeblich
nicht einmal mehr den Mietzins deckte
(vgl.
Urk.
12/130/76 unten
,
Urk.
9/3
)
.
Dabei ergeben sich aus den Akten keine Hinweise
darauf
, dass er
bis
zur Löschung seiner ersten Firma im Handelsregister
im Jahr 2009
(vgl. Sachverhalt E. 1.1)
aus
gesundheitlichen Gründen Kunden abweisen, Aufträge ablehnen oder seine Öffnungszeiten verkürzten musste.
Entsprechende
Hinweise f
inden
sich
auch
für die gegenwärtige Tätigkeit
in der Begutachtung
keine
(vgl. Urk. 12/130/72, 12/130/76 oben, 12/130/77
und 12/130/90 «mehr oder weniger genügend Arbeit»
) und in der Beschwerde
nur bedingt
(vgl.
Urk.
1
verkürzte Öffnungszeiten
)
. D
ie
behandelnde Psychiaterin
hatte
am
5.
März 2019
bloss
ü
ber
«
in letzter Zeit
»
vermehrte Totalausfälle
berichtet
(vgl.
Urk.
12/108/5)
. Damit
taug
en
die
t
atsächlich
en
erzielten Einkünfte
letztlich
nicht als Indiz für die
Arbeitsfähigkeit
. Für die
Invaliditätsbemessung
sind sie ohnehin
entbehrlich,
da
die angestammte Tätigkeit unbestritten als angepasst gilt, womit der
Invaliditätsgrad
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit entspricht
(vgl. E. 1.3).
Auf nähere Abklärungen zu den Einkünften und eine
denkbare
Beteiligung der Töchter
(F._
u
nd G._
) an der Schneiderei
kann daher verzichtet werden
.
Nach eigenen Angaben arbeitet der Beschwerdeführer allein und ist alleiniger Geschäfts
besitzer (vgl.
Urk.
12/130/90).
Mit dem Gutachter (vgl.
Urk.
12/130/83 oben)
ist
zum Indikator «gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen»
demnach insbesondere
festzu
halten
,
dass der Beschwerdeführer
bislang
mit vermehrten Pausen
regelmässig
ganztägig
– an sechs Tagen pro Woche (vgl.
Urk.
12/130/89) –
arbeitete (etwa
Urk.
12/130/72
,
12/130/77
und 9/3
)
.
Ferner ist zu erwähnen
, dass
sich
seine
seit jeher bestehenden
finanziellen Probleme mit der
(
länger
beschlossenen
, vgl. Urk. 12/76/4 oben
und 12/97/3 unten
)
Trennung
von
d
er
Ehefrau im Jahr 2019 akzentuierten (vgl.
Urk.
12/69/8 unten,
Urk.
12/97/3 f.).
Privat führt d
ie umfassende Unterstützung durch Familie und Freunde dazu, dass der Beschwerdeführer
nach de
r Scheidung
nur
kleine
Einkäufe
selbst erledigt und
sich
allenfalls
das vorgekochte Essen
zubereitet
.
Eine Einschränkung für körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten sowie
solche
in gebückter Haltung bes
teht dabei zudem schon
aufgrund des Wirbelsäulenleidens (
auch
Urk.
12/130/37).
Der
Beschwerdeführer
fährt
neu
Mofa
und
selten
A
uto
(
auch
Urk.
12/97/4 oben)
. Nach dem Mittagessen
«
geht er etwas um das Geschäft
»
.
Oft
verbringt er Zeit im Schrebergarten des Nachbar
n
,
liest ab und zu Bücher
oder
s
chaut fern
.
Die Familie besucht ihn vor allem an den Wochenenden
(
zum Ganzen:
Urk.
12/130/32, 12/130/61
, 12/130/77 und
12/130/90)
.
Ob
er
sich trotz der körperlichen Einschränkung
mit Gartenarbeit beschäftigt, lässt sich anhand des Gutachtens nicht klären
(vgl.
Urk.
12/130/33 «Nagelstatus»
; U
rk.
12/130/77: die «Beschäftigung» im Garten seines Freundes empfinde er als eine Art Hobby)
.
Ü
ber
früher ausgeübte
Aktivitäten
, die
ihm heute gesundheitlich bedingt
versagt bleiben
, berichtet er wenig
– angeblich hat er früher geputzt und gerne gekocht (vgl.
Urk.
12/69/12).
Soweit er
ausführte
, seit Jahren nicht mehr gereist zu sein,
ist
auf den Geldmangel
und die Reise in die Türkei im Jahr
2016
h
in
zuweisen
.
Zum
Indikator «behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck» ist
zu betonen
, dass die letzte stationäre psychiatrische Behandlung im Juni 2015 erfolgte (vgl.
Urk.
8/76/3 und
Urk.
8/130/75 oben
)
. Die ambulante
Therapie nahm der Beschwerdeführer
nach
Verlassen der Schweiz
im März 2016
erst im Januar 2018 (vgl.
Urk.
12/108/2 oben), also ein
ige Monate nach seiner Rückkehr,
wieder auf. Diese findet
nur
alle zwei bis vier Wochen statt (vgl.
Urk.
12/108/2 und 12/130/77 unten).
In der Laboruntersuchung waren abgesehen von
Venlafaxin
und
Oxycodon
alle weiteren angegebenen Psychopharmaka und Analgetika weit unterhal
b
des Referenzbereichs. Es besteht somit der
Verdacht
auf Falschangabe und
Malcompliance
(vgl.
Urk.
12/130/81
;
zur
vor
an
gehenden Begutachtung,
Urk.
12/69/7
).
Bezüglich der
chronischen Schmerzen (vgl. U
rk.
12/130/39) und
Blasen
funktions
störung
sind die Behandlungsoptionen
(vgl.
Urk.
12/130/92 unten
; auch Einlagen,
Urk.
12/130/91 unten
)
nicht ausgeschöpft
.
Verschiedene Ärzte regten
zudem
an, die Medikation zu überprüfen, was
sich positiv
auf die Blasenfunktionsstörung
sowie die
Konzentrationsfähigkeit
auswir
ken
könnte (vgl.
Urk.
12/69/19, 12/130/39 unten und 12/130/52 unten).
7.4
Zusammenfassend
lässt sich anhand der Standardindikatoren
nach BGE 141 V 281
– und damit aus der Optik des Rechtsanwenders, der die ärztlichen Einschät
zungen und Schlussfolgerungen auf ihre sozialversicherungsrechtliche Relevanz und Tragweite hin zu prüfen hat – keine
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit
als Schneider
aus psychischen Gründen
bestätigen. Eine solche lässt sich weder anhand
seiner Angaben noch
der Befundlage plausibilisiere
n. Letztlich ist er
nach eigenen Angaben
in der Lage,
allein eine Tagesstruktur und den Betrieb seines Geschäfts aufrechtzuerhalten, pflegt
neben den medizinischen Terminen
soziale Kontakte und hat auch Interessen wie
Entspannen im G
arten, Lesen und
S
chneidern. Anhaltspunkte für ein früher deutlich aktiveres Leben bestehen keine
, dafür bestehen gewichtige psychosoziale Faktoren
. Behandlungsanamnestisch ist ein gewisser Leidensdruck aufgrund der regelmässig
über Jahre hinweg beanspruch
t
en Behandlungen zwar
nicht von der Hand zu weisen; die Behand
lungsmöglichkeiten sind indessen
weder aus psychiatrischer noch somatischer Sicht
ausgeschöpft. Gesamthaft betrachtet zeigt sich im Vergleich zur Vorbegut
achtung (insbesondere
Urk.
12/69/12) mit der Wiederaufnahme der Arbeitstätig
keit, dem Fahren von Mofa und Auto, der
nur noch
niederschwelligen
(weder
tagesklinischen noch stationären)
psychiatrischen Behandlung
sowie den selbständigen Einkäufen sogar eine Zustandsbesserung.
8.
Zusammenfassend bestätigt das Gutachten der
C._
die
bereits im Jahr 2015 von den B._
-Gutachtern festgestellten psychischen und somatischen Leiden sowie deren funktionellen Auswirkungen und letztlich die Arbeitsfähigkeit aus polydisziplinärer Sicht. Eine
seither eingetretene wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes, die geeignet wäre, den Rentenanspruch zu beeinflussen, liess sich nicht feststellen.
Damit ist ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG nach erneuter materieller Anspruchsprüfung zu verneinen.
Zudem
konnte in der aktuellen Begutachtung
erneut k
eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40
%
in der angestammten Tätigkeit festgestellt werden,
die
einen Rentenanspruch zu begründen vermöchte
(E. 1.2)
.
Die verminderte Leistungsfähigkeit bzw. der erhöhte Pausenbedarf wurden dabei von den Gutach
tern bereits im Rahmen der attestierten Arbeitsunfähigkeit von 30
%
berücksich
tigt, weshalb sich hierfür kein leidensbedingter Abzug rechtfertigt.
D
ie behandelnden Ärzte der
D._
beurteilten den
Beschwerdefüh
rer bereits bei der letzten
Anspruchs
prüfung als nur in sehr geringem Umfang respektive im geschützten Rahmen arbeitsfähig
(vgl.
Urk.
12/76/1 unten). An dieser abweichenden Einschätzung hielt man in der aktuellen Stellungnahme fest
; eine seither eingetretene Verschlechterung des psychischen Zustandes wurde
demgegenüber
nicht
näher substantiiert
und wäre in Anbetracht der Ausführun
gen zu den Standardindikatoren auch nicht
plausibel.
Die Beschwerdegegnerin hat die Vergleichseinkommen korrekt ermittelt (
Urk.
2,
Urk.
12/
131/6 f.), der Prozentvergleich ist zu bestätigen.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers somit zu Recht verneint
,
wes
-
halb
die Beschwerde abzuweisen ist
.
9.
9.1
Aufgrund der vom Beschwerdeführer gemachten Angaben (vgl.
Urk.
8) und vorgelegten Unterlagen (vgl.
Urk.
9/1-7
) kann angenommen werden, dass
er nicht in der Lage ist, neben seinen Lebenshaltungskosten auch für die Prozesskosten aufzukommen.
Es ist von Mittelosigkeit auszugehen. Sein Begehren kann trotz Abweisung der Beschwerde
n
icht als von Prozessbeginn an als klar aussichtslos bezeichnet werden. Eine Rechtsschutzversicherung besteht gemäss eigenen Angaben nicht (vgl.
Urk.
8
S.
2
). Damit sind die Voraussetzungen gemäss
§
16
Abs.
1
des Gesetzes
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt und dem Beschwerdeführer ist entsprechend seinem Gesuch vom
1
8.
März 2021 (
Urk.
1
)
die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
9.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert i
m Rahmen von
Fr.
200.-- bis Fr.
1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Diese sind auf
Fr.
700.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege
aber
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.