Decision ID: f6845e54-f897-4bb9-97d6-5e7c2f216a96
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war vom 2. Dezember 2008 bis zum 24. Juli 2017 als einziges Mitglied des
Verwaltungsrats der seit 22. März 2001 bestehenden B._ AG (heute: B._ AG in
Liquidation) im Handelsregister des Kantons St. Gallen eingetragen. Am 13. Februar
2018 wurde über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet (online-Handelsregisterauszug).
Am 26. September 2017 erhielt die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
(SVA) einen ersten Pfändungsverlustschein über Fr. 27'018.25 betreffend die
Beitragspauschale September 2016 (Posten 2016/0014 [act. G 5.1/68 und 5.2/11.9]).
Am 27. Oktober 2017 und am 10. November 2017 folgten vier weitere
Pfändungsverlustscheine über Fr. 19'163.60, Fr. 20'291.65, Fr. 38'122.45 und
Fr. 19'829.95, betreffend die Schlussabrechnung 2015 und Pauschale März 2016
(Posten 2016/0004), sowie die Beitragspauschalen Oktober bis Dezember 2016
(Posten 2016/0016, 0017 und 0018 [act. G 5.1/45, 47, 55, 56 und G 5.2/11.8, 10, 11,
12]).
A.a.
Am 4. April 2019 eröffnete die SVA A._, nicht bezahlte
Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 227'754.50 bei ihm als Schadenersatz
geltend zu machen (act. G 5.2/15). Mit Stellungnahme der KPMG vom 17. April 2019
A.b.
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B.
liess A._ ausführen, der Betrieb der B._ AG sei auf die Auffanggesellschaft seines
Sohnes übertragen worden. Die neue Gesellschaft bezahle dem Konkursamt den
Kaufpreis in monatlichen Raten ab. Es sei deshalb damit zu rechnen, dass bei der
konkursiten Gesellschaft zukünftig noch Geld eingehe (act. G 5.2/14). Mit Verfügung
vom 29. Mai 2019 forderte die SVA sodann von A._ Schadenersatz für entgangene
bundesrechtliche Beiträge von Fr. 213'784.55 sowie für entgangene kantonalrechtliche
Beiträge von Fr. 7'982.20, total somit Fr. 221'766.75 (act. G 5.2/13).
Die dagegen gerichtete Einsprache vom 27. Juni 2019 - der Einsprecher sei in den
Jahren 2015 bis 2017 aus gesundheitlichen Gründen nur sehr bedingt in der Lage
gewesen, die Geschäfte der B._ AG zu führen (G 5.2/11 f.) - wies die SVA mit
Entscheid vom 6. September 2019 ab. Die Arbeitgeberin habe bereits ab Dezember
2015 regelmässig für nicht bezahlte Beiträge gemahnt und betrieben werden müssen.
Die letzten ausstehenden Beiträge stammten vom Februar 2017. Die
Beitragsablieferungspflicht sei somit während mehr als eines Jahres verletzt worden.
Der Einsprecher habe zudem schon länger gewusst, dass er gesundheitlich
angeschlagen sei und die Pflichten nach Art. 718 OR (richtig insbesondere: Art. 716a
OR) nicht mehr habe erfüllen können. Trotzdem habe er die Firma weitergeführt, anstatt
die Aufgaben frühzeitig auf jemand anders zu übertragen oder andere Massnahmen
wie die Entlassung von Mitarbeitern vorzunehmen. Schliesslich habe er für 2015 viel zu
tiefe Löhne deklariert. Der Einsprecher habe erst reagiert und den Betrieb verkauft, als
die Schulden erdrückend geworden seien (act. G 5.2/8).
A.c.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende von Rechtsanwältin
Stephanie Gstrein für A._ erhobene Beschwerde vom 7. Oktober 2019 mit dem
sinngemässen Antrag auf dessen Aufhebung. Auf Grund der finanziellen Lage des
Unternehmens habe der Beschwerdeführer im Jahr 2014 einen Geschäftsführer
engagiert. Dieser habe eine allgemeine Vollmacht innegehabt, mit der er sämtliche
Geschäfte für die Gesellschaft habe tätigen können. Der Geschäftsführer habe die
Gesellschaft im Alleingang geführt, da der Beschwerdeführer auf Grund seiner
Gesundheit (Burnout) dazu nicht in der Lage gewesen sei. Von Dezember 2010 bis
heute sei er von seinen Ärzten immer wieder arbeitsunfähig geschrieben worden. Der
B.a.
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Erwägungen
1.
Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen. Handelt
es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder
der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten
Geschäftsführer habe den Auftrag gehabt, die Gesellschaft zu sanieren. Dieser habe
jedoch andere Ziele verfolgt: Er habe das Unternehmen zu einem möglichst tiefen Preis
verkaufen wollen. Als der Beschwerdeführer im Jahr 2016 bemerkt habe, dass das
Unternehmen einen Verlust von Fr. 833'559.60 verzeichnet habe, seien sofortige
Sanierungsmassnahmen eingeleitet worden. Dabei hätten sich der Beschwerdeführer
und sein Sohn privat für über eine halbe Million Franken verschuldet. Im Weiteren sei
die Lohnsumme reduziert worden, insbesondere im Bereich Spezialreinigungen. Bereits
2016 seien einige Leute entlassen worden, womit eine Reduktion der
Jahreslohnsumme von Fr. 804'689.-- habe erreicht werden können (act. G 1). Eine auf
Antrag eingeräumte Frist zur Ergänzung der Beschwerde lief unbenützt ab, nachdem
die Rechtsvertreterin am 10. Oktober 2019 mitgeteilt hatte, sie sei in diesem Fall nicht
mehr mandatiert und der Beschwerdeführer selber sich nicht vernehmen liess (act. G 2
und G 3).
Mit Beschwerdeantwort vom 19. Dezember 2019 beantragt die Verwaltung unter
Verweis auf die Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung
der Beschwerde (act. G 5). Ein weiterer Schriftenwechsel fand nicht statt (act. G 6). Auf
Ersuchen um Einreichung von Kollokationsplan und Inventar teilte die
Beschwerdegegnerin am 12. Oktober 2020 mit, sie habe weder Kollokationsplan noch
Inventurliste vom Konkursamt erhalten. Hingegen sei aus einem Schreiben des
Konkursamtes C._ vom 8. Januar 2020 ersichtlich, dass sie mit einem Verlustschein
rechnen müsse (act. G 7, G 8 und G 8.1). Den Parteien wurden diese zusätzlichen
Akten zur Einsichtnahme zugestellt. Mit Schreiben vom 22. Oktober 2020 teilte
Rechtsanwalt Mathias Enderli mit, er sei vom Beschwerdeführer neu mit der
Interessenvertretung beauftragt worden (act. G 10). Am 6. November 2020 reichte der
Rechtsvertreter eine Eingabe ein (act. G 14 und act. G 14.1-4).
B.b.
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Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften
sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über
die Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVG, SR 831.10). Die Arbeitgeber sind
verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVV, SR 831.101). Die Missachtung dieser
Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art. 52
Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine
Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben
sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches und
schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem muss
zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden ein
adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Diese Haftungsordnung gilt
sinngemäss auch für die Beitragsforderungen der Invalidenversicherung (Art. 66 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]), der
Erwerbsersatzordnung (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Erwerbsersatzordnung [EOG; SR 834.1]), der Arbeitslosenversicherung (Art. 6 des
Bundesgesetzes über die Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
[AVIG; SR 837.0]) und der Familienausgleichskasse (Art. 25 lit. c des Bundesgesetzes
über die Familienzulagen [FamZG; SR 836.2]). Die Schadenersatzforderung verjährt
zwei Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten
hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können
unterbrochen werden. Der Arbeitgeber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten.
Sieht das Strafrecht eine längere Frist vor, so gilt diese (Art. 52 Abs. 3 AHVG in der
vorliegend massgebenden, bis 31. Dezember 2019 gültig gewesenen Fassung).
2.
Vorliegend steht fest, dass der Beschwerdeführer vom 2. Dezember 2008 bis zum
24. Juli 2017 als einziges Mitglied des Verwaltungsrats der B._ AG im
Handelsregister des Kantons St. Gallen eingetragen war und damit eine Organstellung
innehatte (vgl. online-Handelsregisterauszug). Die Mitglieder des Verwaltungsrates
einer AG haben von Gesetz wegen Organeigenschaft, ohne dass es - anders als etwa
bei Direktoren oder Prokuristen - auf die faktische Organstellung ankommt (BGE 114 V
213; vgl. auch nachstehende E. 4.3). Der Einwand des Beschwerdeführers gegen die
2.1.
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Organstellung (act. G 14, S. 2) ist unbehelflich. Weiter sind weder das Bestehen offener
Beitragsforderungen sowie deren Höhe und Zusammensetzung noch die
Rechtzeitigkeit der Schadenersatzverfügung umstritten, sodass darauf nur - aber
immerhin - summarisch einzugehen ist. Bestritten wird vom Beschwerdeführer
hingegen ein Verschulden seinerseits.
2.2.
Die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers bzw. des verantwortlichen Organs
setzt zunächst den Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Nach der
Rechtsprechung gilt der Schadeneintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen
Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren erhoben
werden können, beispielsweise bei Erhalt von definitiven Pfändungsverlustscheinen
(Art. 115 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 149 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung
und Konkurs [SchKG, SR 281.1]) oder bei Konkurseröffnung über eine juristische
Person (BGE 136 V 268 E. 2.6). Der Schaden kann unbezahlt gebliebene paritätische
AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge, Verwaltungskostenbeiträge, Mahngebühren,
Veranlagungs- und Betreibungskosten sowie Verzugszinsen für rückständige Beiträge
umfassen (Thomas Nussbaumer, Das Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in
Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen
1998, S. 100). Die schadenersatzpflichtige Person hat auf Grund ihrer
Mitwirkungspflichten den Schadensbetrag substantiiert zu bestreiten, soweit die
Forderung nicht auf rechtskräftigen Verfügungen beruht (ZAK 1991 S. 125, AHI-Praxis
1993 S. 172, SVR 2001 AHV S. 51 Nr. 15).
2.2.1.
Die Beschwerdegegnerin macht einen Schaden von insgesamt Fr. 221'766.75
geltend, welchen Betrag sie auch im Konkurs der B._ AG in Liquidation eingegeben
hat (act. G 5.1/15). Gemäss Schadensaufstellung in der Verfügung vom 29. Mai 2019
handelt es sich dabei um die unbezahlt gebliebenen auszugleichenden Beiträge für das
Jahr 2015 sowie die Monatspauschale März 2016 (Fr. 38'122.45 [Posten 2016/0004]),
die Monatspauschalen September bis Dezember 2016 (Fr. 27'018.25 [Posten
2016/0014], Fr. 19'163.60 [Posten 2016/0016], Fr. 20'291.65 [Posten 2016/0017],
Fr. 19'829.95 [Posten 2016/0018] und Fr. 533.50 [Inkassokosten und Verzugszinsen
Januar 2017 [Posten 2017/0001]]), die auszugleichenden Beiträge 2016 (Fr. 80'942.95
[Posten 2017/0003]) sowie nachzuzahlende Beiträge für das Jahr 2016 (Fr. 15'864.40
[Posten 2017/0009]; act. G 5.2/11.7 und Schadensberechnungsblätter [act.
G 5.2/11.8 ff.]). Dieser Schaden ist grundsätzlich ausgewiesen und wird vom
Beschwerdeführer nicht bestritten.
2.2.2.
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Zwar liegen nur für die Posten 2016/0004, 0014, 0016 bis 0018 definitive
Pfändungsverlustscheine vor (act. G 5.1/45, 47, 55, 56, 68). Betreffend die
Nebenkosten Januar 2017 (bzw. die infolge Kassenwechsels per 1. Januar 2017 [vgl.
act. G 5.1/11 und G 5.2/11.13] nachträglich wieder gutgeschriebenen Pauschalbeiträge
Januar 2017 [Posten 2017/0001]), die auszugleichenden Beiträge 2016 (abzüglich
nachträglich gutgeschriebener Pauschalbeiträge Februar 2017 [Posten 2017/0003])
sowie die nachzuzahlenden Beiträge 2016 (Posten 2017/0009) liegen jeweils
rechtskräftige Veranlagungsverfügungen vor (act. G 5.1/29.3, 31.3 und 36.3). Indessen
konnten diese Forderungen infolge der Konkurseröffnung vom 13. Februar 2018 nicht
mehr auf Pfändung betrieben werden (vgl. act. G 5.1/26). Vorliegend wurde der
Konkurs über die B._ AG am 13. Februar 2018 eröffnet und wird im summarischen
Verfahren abgewickelt (SHAB vom 11. März 2019). Das Verfahren ist noch nicht
abgeschlossen. Da mithin noch nicht bekannt ist, ob und in welcher Höhe eine
Konkursdividende resultiert, kann der endgültige Schaden zum jetzigen Zeitpunkt nicht
zuverlässig festgestellt werden, zumal die Auffanggesellschaft nach eigenen Angaben
des Beschwerdeführers noch Zahlungen an das Konkursamt leistet (act. G 5.2/14).
Grundsätzlich gilt der Schaden im Zeitpunkt der Konkurseröffnung (gegebenenfalls
bereits bei Erhalt eines definitiven Pfändungsverlustscheins) als entstanden, da die
Beiträge ab diesem Zeitpunkt nicht mehr im ordentlichen Verfahren erhoben werden
können (vgl. vorstehende Erwägung 2.2.1). Bei Durchführung des summarischen oder
ordentlichen Konkursverfahrens besteht sodann gemäss der Rechtsprechung des
Bundesgerichts in der Regel ab der Auflegung des Kollokationsplans und des Inventars
genügende Kenntnis über den Eintritt und die Höhe des Schadens, weshalb ab diesem
Zeitpunkt die relative zweijährige Frist zur Geltendmachung von Schadenersatz zu
laufen beginnt (Entscheid des Bundesgerichts vom 10. Dezember 2010 [9C_325/2010]
E. 2.1.2 mit Hinweisen auf BGE 129 V 193 E. 2.3 S. 195 und Urteil 9C_647/2009 vom
15. April 2010 E. 3.1). Kann der Schadensbetrag zu diesem Zeitpunkt infolge
ungewisser Konkursdividende noch nicht oder nicht annähernd zuverlässig ermittelt
werden, hat die Ausgleichskasse die belangte Person gegen Abtretung einer allfälligen
Konkursdividende zur Ersetzung des ganzen entzogenen Betrags zu verpflichten (Ueli
Kieser in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV,
Soziale Sicherheit, 3. Aufl., G. Alters- und Hinterlassenenversicherung, S. 1341 N 508
mit Hinweis auf BGE 113 V 183 f. E. 3b; bestätigt in den Urteilen vom 4. Februar 2002
[H 171/01 Vr] E. 2; vom 3. April 2009 [9C_329/2008] E. 3.2 und vom 16. März 2011
[9F_14/2010] E. 3.2 3. Abschnitt). Mithin ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin vom Beschwerdeführer Ersatz für den gesamten Schaden von
Fr. 221'766.75 verlangt. Insbesondere braucht nicht abgewartet zu werden, was die
2.2.3.
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Auffanggesellschaft dem Konkursamt allenfalls noch an Abzahlungsraten für den
Kaufpreis leistet. Gemäss dem nachträglich eingereichten Schreiben des
Konkursamtes C._ vom 8. Januar 2020 kann nun ohnehin davon ausgegangen
werden, dass die Gläubiger der 2. und 3. Klasse vollumfänglich zu Schaden kommen
werden (act. G 8.1).
2.3.
Weitere Haftungsvoraussetzung für die Schadenersatzforderung ist die
Widerrechtlichkeit. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV schreibt vor,
dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu
bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu
entrichten hat. Bei einer Lohnsumme ab Fr. 200‘000.-- hat der Arbeitgeber die Beiträge
monatlich zu zahlen (Art. 34 Abs. 1 lit. a AHVV). Gemäss Art. 35 Abs. 2 AHVV in
Verbindung mit Rz 2048 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung über
den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und EO (WBB) sind Änderungen der
ursprünglichen voraussichtlichen Lohnsumme von mindestens 10 Prozent während des
laufenden Jahres zu melden, sofern diese Änderung mindestens Fr. 20'000.--
ausmacht. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine
gesetzlich vorgeschriebene öffentlich-rechtliche Aufgabe. Dazu hat das Bundesgericht
wiederholt erklärt, dass die Nichterfüllung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe eine
Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG bedeute und
grundsätzlich die volle Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 118 V 195 E. 2a mit
Hinweisen).
2.3.1.
Gemäss vorliegenden Akten musste die B._ AG spätestens seit 2006 - gemäss
Eingabe des Beschwerdeführers vom 6. November 2020 mit Hinweis auf einen
Betreibungsregisterauszug sogar ab 2004 (act. G 14, S. 2, und G 14.2) - für die
Beitragsforderungen (Pauschalen sowie auszugleichende Beiträge) immer wieder
gemahnt und betrieben und die Beiträge dementsprechend verfügungsweise
festgesetzt werden (z.B. Posten 2006/0019 [Mahnung [act. G 5.1/1133],
Betreibungsbegehren [act. G 5.1/1128], Veranlagungsverfügung [act. G 5.1/1120]],
Posten 2006/0024 [Mahnung [act. G 5.1/1131], Betreibungsbegehren [act. G 5.1/1106],
Veranlagungsverfügung [act. G 5.1/1092]]). Die den auszugleichenden Beiträgen zu
Grunde liegenden Lohnsummen waren sodann jeweils erheblich höher als die den
Akontorechnungen zu Grunde liegenden (vgl. nachstehende Erwägung 2.4.2). Im
Weiteren hielt die B._ AG diverse Abzahlungsvereinbarungen nicht ein (z.B.
Teilzahlungsplan vom 30. März 2006 mehrmals nicht eingehalten [act. G 5.1/1105,
2.3.2.
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1129], Zahlungspläne vom 8. Mai 2015 und 16. März 2016 nicht eingehalten [act.
G 5.1/202, 215 und 303]). Es fanden schliesslich mehrere Pfändungen statt, die jeweils
mit einem Pfändungsverlustschein endeten, so am 26. September 2017, 27. Oktober
2017 (2x) und 10. November 2017 (2x [act. G 5.1/45.2, 47.2, 55.2, 56.2 und 68.2]). Die
Schlussabrechnung 2015 sowie die März 2016-Pauschale blieben schliesslich
teilweise, die Beitragspauschalen September bis Dezember 2016 sowie die
Schlussabrechnung 2016 und die nachzuzahlenden Beiträge 2016 gänzlich unbezahlt,
woraus der Beschwerdegegnerin ein Schaden in beträchtlicher Höhe entstand (vgl.
vorstehende Erwägungen 2.2.2 f.). Daraus folgt ohne Weiteres, dass die Gesellschaft
ihrer Beitragsablieferungspflicht während längerer Zeit nicht ordnungsgemäss
nachgekommen war. Damit ist die Haftungsvoraussetzung der Widerrechtlichkeit
erfüllt.
2.4.
Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorschriften absichtlich oder grobfahrlässig
missachtet wurden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sowohl ein Verschulden der
Arbeitgeberin wie des verantwortlichen Organs vorliegen muss. Nach der
Rechtsprechung ist nicht jede Verletzung der öffentlich-rechtlichen Aufgaben durch die
Arbeitgeberin ohne Weiteres einem qualifizierten Verschulden ihrer Organe
gleichzusetzen. Vorausgesetzt ist vielmehr ein Normverstoss von einer gewissen
Schwere. Eine Nichtabrechnung oder Nichtbezahlung der Beiträge genügt noch nicht,
um ein qualifiziertes Verschulden anzunehmen. Vielmehr sind die gesamten Umstände
zu würdigen. Die Frage der Dauer des Normverstosses ist dabei ein
Beurteilungskriterium, das im Rahmen der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen ist
und im Sinne der Rechtsprechung zu den Entlastungsgründen zur Verneinung der
Schadenersatzpflicht führen kann (BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Von einem
qualifizierten Verschulden ist in der Regel auszugehen, wenn etwa eine Arbeitgeberin
über längere Zeit ihre Abrechnungs- und/oder Ablieferungspflichten nur schleppend
oder bloss teilweise erfüllt. Gegen ein qualifiziertes Verschulden kann beispielsweise
eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstands sprechen oder der Umstand, dass eine
Arbeitgeberin bei ungenügender Liquidität zunächst für das Überleben des
Unternehmens wesentliche andere Forderungen (insbesondere solche der
Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, sofern sie auf Grund der objektiven
Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen darf, sie werde die
geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen können (BGE 121 V 244 E. 4b
mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2011, 9C_330/2010, E. 3.4). Bei
der Verschuldensbeurteilung gilt ein objektiver Verschuldensmassstab, weshalb
2.4.1.
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subjektive Entschuldbarkeit oder die Gründe für die Mandatsübernahme unbeachtlich
sind (Ueli Kieser, a.a.O. N 460 mit Hinweisen). Das Mass der gebotenen Sorgfalt hängt
immer von den Umständen ab, wozu auch die Grösse der Firma und die Anzahl
Verwaltungsräte gehören. Bei einem einzigen Verwaltungsrat bzw. Geschäftsführer gilt
ein strengerer Massstab (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Dezember 2010,
9C_325/2010, E. 5.1).
Wie unter vorstehender Erwägung 2.3.2 ausgeführt, kam die B._ AG während
sehr langer Zeit ihrer Beitragsablieferungspflicht nur schleppend oder überhaupt nicht
nach, während immerhin die Jahresabrechnungen jeweils (fast) fristgerecht eingereicht
wurden. Die Beitragspauschalen und die auszugleichenden Beiträge mussten jedoch
seit mindestens 2006 häufig gemahnt und betrieben werden. Die den
Monatspauschalen zu Grunde liegenden Lohnsummen waren zudem erheblich zu tief,
was entsprechend hohe auszugleichende Beiträge zur Folge hatte (2011:
Fr. 105'966.75 [act. G 5.1/568.3]; 2012: Fr. 27'662.10 [vgl. act. G 5.1/483]; 2013:
Fr. 40'387.50 [act. G 5.1/401]; 2014: Fr. 54'602.30 [act. G 5.1/328]; 2015: 117'804.85
[act. G 5.1/217]; 2016: 77'840.40 [act. G 5.1/125]). Effektiv waren die
Jahreslohnsummen damit um 42 % (2011), 26 % (2012), 22 % (2013), 28 % (2014),
48 % (2015) und 29 % (2016) höher als die den jeweiligen Akontorechnungen zu
Grunde liegenden. Obwohl die Akontorechnungen (basierend auf provisorischen
Jahreslohnsummen) in den Jahren 2015 und 2016 nochmals erhöht wurden (von vorhin
jeweils Fr. 1'740'000.-- auf Fr. 1'900'000.-- und weiter auf Fr. 2'040'000.--) und obwohl
die Zahlungsschwierigkeiten in dieser Zeit immer drängender wurden, wuchsen die
effektiven Lohnsummen noch weiter an (von vorhin jeweils rund Fr. 2'200'000.-- [2012
bis 2014] auf rund Fr. 2'800'000.-- [2015] bzw. Fr. 2'600'000.-- [2016 [vgl. act.
G 5.1/217 und 125]]), anstatt dass diese reduziert worden wären. Daran ändert nichts,
dass nach eigenen Angaben des Beschwerdeführers offenbar einige Stellen im Bereich
der Spezialreinigung gestrichen wurden (vgl. Beschwerde, Ziff. III.3). Schliesslich
wurden Abzahlungsvereinbarungen zwar des Öfteren beantragt, dann aber nur
teilweise eingehalten (z.B. act. G 5.1/492). Es wird weder geltend gemacht noch ist
ersichtlich, dass es für dieses Verhalten einen entschuldbaren Grund gibt.
Insbesondere ist nicht erkennbar, dass der eigens bestellte (informelle) Geschäftsführer
ein tragfähiges Konzept vorzuweisen gehabt hätte, das realistischerweise und
prospektiv gesehen eine nachhaltige Sanierung der Gesellschaft innert nützlicher Frist,
das heisst praxisgemäss innerhalb eines Jahres, hätte erwarten lassen. Vielmehr geht
der Beschwerdeführer selber davon aus, dass der Geschäftsführer der Gesellschaft
sogar geschadet haben soll. Wie der Beschwerdeführer selber weiter vermutet, wurden
2.4.2.
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offenbar die Aufträge (wohl auf Grund des Konkurrenzdrucks) nicht kostendeckend
offeriert (vgl. act. G 5.2/6.1), wobei die Lohn- und Lohnnebenkosten bei einem
ausgesprochen personalintensiven Geschäftsmodell wie dem einer Reinigungsfirma
den Grossteil der Aufwände darstellen. Von zu zahlenden Beiträgen in den Jahren 2015
und 2016 von rund Fr. 730'000.-- (vgl. act. G 5.1/125 und 217, rechtskräftig verfügt
[act. G 5.1/51.3 und 52.3) blieb schliesslich ein Betrag von Fr. 221'766.75 (inkl.
Nebenkosten) - mithin rund 30 % - offen. Insgesamt kann bei der vorliegend langen
Dauer der Beitragsausstände ohne entschuldbaren Grund und der Höhe der
ausstehenden Beiträge nicht mehr von einem leichten Verschulden ausgegangen
werden. Daran vermag der Hinweis des Beschwerdeführers auf ein angeblich positives
Ergebnis der Jahresrechnung 2015 der B._ AG (vgl. act. G 14, S. 2, und G 14.3)
nichts zu ändern. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die B._ AG den (wohl
margenschwachen) Betrieb während Jahren unter anderem auf Kosten der AHV führte,
indem sie deren Rechnungen häufig unbezahlt liess, was zur Annahme eines groben
Verschuldens der Arbeitgeberin führt.
Der Beschwerdeführer war unbestrittenermassen vom 2. Dezember 2008 bis
zum 24. Juli 2017 - und damit während des im vorliegenden Verfahren massgebenden
Zeitraums - als einziges Mitglied des Verwaltungsrats der B._ AG im Handelsregister
des Kantons St. Gallen eingetragen. Somit gehörten die Festlegung der Organisation
der Gesellschaft im Rahmen von Gesetz und Statuten, die Ausgestaltung des
Rechnungswesens und der Finanzkontrolle sowie die Aufsicht über die Personen,
denen Teile der Geschäftsführung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die
Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen zu seinen
unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 2, 3 und 5 des
Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
[Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR, SR 220]]). Dies beinhaltet auch die Überwachung
der Einhaltung der Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflicht betreffend
Sozialversicherungsbeiträge. Der Beschwerdeführer war mithin als zuständiges
Gesellschaftsorgan verpflichtet, für eine korrekte und pünktliche Abrechnung und
Ablieferung dieser Beiträge zu sorgen. Dieser Pflicht ist er offensichtlich nicht
vollumfänglich nachgekommen. Zur Entschuldigung bringt er sowohl im
vorinstanzlichen Einspracheverfahren als auch im hier zu beurteilenden
Beschwerdeverfahren vor, er sei aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage
gewesen, seinen Pflichten ordnungsgemäss nachzukommen. So sei er wegen eines
Burnouts in ärztlicher Behandlung gewesen. Er sei während der Zeit vom
30. November 2010 bis heute von seinem Arzt immer wieder arbeitsunfähig
2.4.3.
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geschrieben worden. Aus diesem Grund habe er einen Geschäftsführer beauftragt, die
Gesellschaft zu sanieren. Dieser habe jedoch eigene Ziele verfolgt und habe versucht,
das Unternehmen zu einem möglichst günstigen Preis an die D._ AG zu verkaufen.
Dem ist zunächst entgegen zu halten, dass den Beschwerdeführer die
Übertragung der operativen Leitung der Gesellschaft auf einen Geschäftsführer
grundsätzlich nicht von der Erfüllung seiner unübertragbaren und unentziehbaren
Aufgaben gemäss vorstehender Erwägung entbindet. Mangels Eintrags im
Handelsregister kann die Berufung eines solchen Geschäftsführers, der offenbar als
rein faktisches Organ handelte, Dritten ohnehin nicht entgegengehalten werden. Im
Weiteren ist auf Grund der Aktenlage nicht ausgewiesen, dass dem Beschwerdeführer
auch die blosse Überwachung des ordentlichen Geschäftsganges und der Einhaltung
der Gesetze aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich war. So bestätigte Dr. med.
E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in einem Mail vom 21. Juni
2019 an den Beschwerdeführer zwar, dass er diesen in den Zeiträumen 27. Juli 2010
bis 31. August 2011 zu 100 %, 1. September 2011 bis 16. Mai 2012 zu 50 %, 16. März
2013 bis 31. Juli 2013 zu 80 % und 1. August 2013 bis 18. Dezember 2015 wiederum
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben habe (act. G 5.2/11.4). Im Weiteren liegt ein
ärztliches Zeugnis von Dr. med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 4.
August 2017 vor, wonach der Beschwerdeführer vom 3. Januar 2017 bis auf Weiteres
zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei (act. G 5.2/11.3). In einem vom
Beschwerdeführer nachträglich eingereichten Bericht vom 3. November 2020 hält Dr.
F._ fest, der Beschwerdeführer sei seit Beginn der Behandlung (11. November 2016)
und über 2017 hinaus voll arbeitsunfähig gewesen (act. G 14.1). Das Mail von Dr. E._
wie auch der Bericht von Dr. F._ vom 3. November 2020 wurden jedoch erst
nachträglich zu Prozesszwecken erstellt. Zudem bestätigte Dr. E._ auch rückwirkend
ab 27. Juli 2010 Zeiten mit vollständiger Arbeitsunfähigkeit, in denen der
Beschwerdeführer noch gar nicht bei ihm in Behandlung war (Behandlungsbeginn am
30. November 2010 [act. G 5.2/11.4]), weshalb dieser ärztlichen Bestätigung nur
reduzierte Beweiskraft zukommen kann. Insbesondere kann aus einer - noch dazu
nachträglich attestierten - Arbeitsunfähigkeit nicht zwingend abgeleitet werden, dass
der Beschwerdeführer nebst dem operativen Tagesgeschäft nicht in der Lage war,
seinen allgemeinen Überwachungspflichten nachzukommen. Für das vorliegend
hauptsächlich betroffene Jahr 2016 fehlt es sodann weitgehend an einer
ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit, attestierte doch Dr. F._ eine solche erst wieder ab
Januar 2017 bzw. im nachträglichen Bericht ab 11. November 2016. Die eingereichten
ärztlichen Unterlagen sind somit nicht geeignet, eine während längerer Zeit andauernde
2.4.4.
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vollständige Unmöglichkeit, die Überwachungsaufgaben eines Verwaltungsrats
wahrzunehmen, zu dokumentieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018
[9C_906/2017] E. 4.2.4, wonach die Organpflichten bei zeitlich beschränkten Perioden
der Arbeitsunfähigkeit trotzdem wahrzunehmen sind). Wenn der Beschwerdeführer
dazu aber tatsächlich während Jahren nicht in der Lage gewesen sein sollte, wäre es
seine Pflicht gewesen, zu einem früheren Zeitpunkt als Verwaltungsrat zu
demissionieren, ansonsten von einem Übernahmeverschulden auszugehen wäre. Dass
der Beschwerdeführer in Bezug auf die Geschäftsführung aber nicht vollständig
arbeitsunfähig gewesen sein konnte, ergibt sich daraus, dass er nach eigenen Angaben
ab 2016 bemerkt habe, dass das Unternehmen einen Verlust von über Fr. 800'000.--
ausgewiesen und er in der Folge sofortige Sanierungsmassnahmen eingeleitet habe. Im
Frühjahr 2016 habe deshalb eine ausserordentliche Geschäftsleitersitzung
stattgefunden, anlässlich welcher über Sanierungsmassnahmen gesprochen worden
sei. In der Folge hätten sich der Beschwerdeführer und dessen Sohn mit über
Fr. 500'000.-- verschuldet, um das Unternehmen zu retten (Beschwerde, Ziff. III.2).
Diese nach eigenen Angaben getroffenen Massnahmen können aber wiederum nicht
zur Annahme führen, der Beschwerdeführer habe realistischerweise und prospektiv
damit rechnen dürfen, die finanziellen Engpässe des Unternehmens innert nützlicher
Frist, also innerhalb eines Jahres, beheben zu können. So führt er in der Beschwerde
lediglich die Beträge auf, die er und sein Sohn in die Firma einbrachten. Nach eigenen
Angaben habe er damit versucht, die Firma "irgendwie über Wasser [zu]
halten" (Beschwerde, Ziff. III.2). Es ist mithin davon auszugehen, dass die privat
eingebrachten Mittel letztlich nur dazu dienten, "Löcher" zu stopfen, ohne dass eine
nachhaltige Sanierung der Gesellschaft konkret in Aussicht gestanden hätte. Insgesamt
ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer als verantwortliches Organ der
Beitragsablieferungspflicht während langer Zeit nicht die nötige Priorität eingeräumt
hatte. Die nach eigenen Angaben getroffenen Massnahmen erfolgten entweder zu spät
oder waren zu wenig zielgerichtet, um an den persistierenden finanziellen
Schwierigkeiten der Gesellschaft noch etwas ändern zu können. Entgegen den
Ausführungen in der Beschwerde ist schliesslich aus den Akten nicht ersichtlich, dass
die Jahreslohnsumme 2016 um rund Fr. 800'000.-- reduziert worden wäre. Vielmehr
geht aus den rechtskräftigen Veranlagungsverfügungen vom 13. und 15. September
2017 hervor, dass die Lohnsumme lediglich von rund 2,8 auf rund 2,6 Millionen
Franken reduziert wurde (act. G 5.1/51.3 und 52.3), nachdem sie allerdings gegenüber
den Vorjahren (2012 bis 2014 mit je rund 2,2 Millionen Franken [act. G 5.1/457, 401 und
328]) noch deutlich angestiegen war. Nachdem der Beschwerdeführer keine relevanten
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2.6
Endlich ist unbestritten, dass die Schadenersatzverfügung vom 29. Mai 2019
rechtzeitig ergangen ist. So datieren die die Posten 2016/0004, 0014, 0016, 0017 und
0018 betreffenden definitiven Pfändungsverlustscheine vom 26. September 2017,
27. Oktober 2017 sowie vom 10. November 2017 (act. G 5.1/45, 47 und 68). Nachdem
somit betreffend den ersten Pfändungsverlustschein der Eintritt dieses Teilschadens
auf den Zeitpunkt der Ausstellung des Verlustscheins (26. September 2017) und die
Schadenskenntnis auf den 28. September 2017 (Eingangsstempel der
Beschwerdegegnerin [act. G 5.1/67.1]) zu datieren sind, dauerte bzw. dauert die
zweijährige relative Verjährungsfrist bis zum 28. September 2019, die fünfjährige
absolute Verjährungsfrist bis zum 26. September 2022. Betreffend die später
ergangenen definitiven Pfändungsverlustscheine sind die Fristen ohnehin eingehalten.
Betreffend die Posten 2017/0001, 0003 und 0009, für welche auf Grund der am
Exkulpationsgründe geltend machen kann, ist auch bei ihm von grober Fahrlässigkeit
auszugehen.
2.5.
Schliesslich muss zwischen der schuldhaften Verletzung von Vorschriften und
dem Eintritt des Schadens ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ein Ereignis
hat dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebenserfahrung an sich geeignet
ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs
durch das Ereignis also allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 E. 5a und
119 V 406 E. 4a, je mit Hinweisen).
2.5.1.
Vorliegend ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den
Unterlassungen des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden gegeben.
Hätte der Beschwerdeführer rechtzeitig dafür gesorgt, dass die Gesellschaft ihren
Beitragsablieferungspflichten nachkommt, oder aber dafür, dass die Gesellschaft nur
noch so viele Löhne ausbezahlt wie Beiträge darauf entrichtet werden konnten, wäre
kein Schaden in dieser Höhe entstanden. Indem die Beiträge nach Erhalt der definitiven
Pfändungsverlustscheine bzw. nach der Konkurseröffnung nicht mehr im ordentlichen
Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG bei der Arbeitgeberin eingefordert werden konnten, ist
der Schaden entstanden (vgl. Entscheid des Bundesgerichts H 37/02 vom
3. September 2003 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.5.2.
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13. Februar 2018 erfolgten Konkurseröffnung keine Betreibung auf Pfändung mehr
durchgeführt werden konnte, ist der Schaden mit der Konkurseröffnung entstanden.
Die zweijährige relative Verjährungsfrist dauerte somit - abhängig von der Auflage von
Kollokationsplan und Inventar, die im Fall der Durchführung des summarischen
Konkursverfahrens grundsätzlich als fristauslösend gelten - mindestens bis zum
13. Februar 2020 (vorliegend aber erheblich länger, da die Durchführung des
summarischen Verfahrens erst mit Verfügung vom 4. März 2019 angeordnet wurde und
die Gläubiger erst mit Schreiben des Konkursamtes C._ vom 7. März 2019
aufgefordert wurden, bis 14. März 2019 ihre Forderungen einzugeben [act. G 5.1/12],
bis zu welchem Zeitpunkt die Beschwerdegegnerin jedenfalls noch keine genügende
Kenntnis des Schadens haben konnte). Mit dem Verfügungserlass am 29. Mai 2019
wurde jedenfalls sowohl die zweijährige relative - und ohnehin die fünfjährige absolute -
Frist eingehalten. Die Geltendmachung von Schadenersatz ist auch nicht während des
Einsprache- oder Beschwerdeverfahrens verjährt, nachdem diese Verfahren die
Verjährung unterbrechen und die Verjährungsfrist nach Abschluss des
Gerichtsverfahrens von Neuem zu laufen beginnt (Art. 138 Abs. 1 OR, BGE 141 V 487
E. 2.3 S. 489 f. mit Hinweisen).
3.
Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des
Beschwerdeführers als schadenersatzpflichtiges Organ erfüllt. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach den Beschwerdeführer zu Recht verpflichtet,
Schadenersatz für entgangene bundes- und kantonalrechtliche Beiträge (inkl.
Nebenkosten) in Höhe von insgesamt Fr. 221'766.75 zu bezahlen. Die Beschwerde ist
demzufolge abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG, SR
830.1).