Decision ID: 8a7a40f1-ec2c-5c51-87c4-bbb998bc1538
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegner reichten am 17. Juni 2014 bei der Gemeinde Worb ein
Baugesuch ein für den Abbruch eines Einfamilienhauses und den Neubau eines
Wohnhauses mit Attikageschoss auf Parzelle Worb Grundbuchblatt Nr. G._. Das
Baugrundstück liegt in der Wohnzone W2 am H._weg 5 in Worb. Das Vorhaben
wurde am 26. Juni und 3. Juli 2014 im Anzeiger von Konolfingen ohne Hinweis auf
Ausnahmen publiziert. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache und meldeten Rechtsverwahrung an. Die
Beschwerdegegner überarbeiteten daraufhin das Projekt und reichten am 19. August und
26. August 2014 bei der Gemeinde geänderte Pläne und Unterlagen ein. Die
Beschwerdeführenden erhielten Gelegenheit, sich zum geänderten Projekt zu äussern. Mit
Gesamtbauentscheid vom 29. Oktober 2014 bewilligte die Gemeinde das Vorhaben. Im
Gesamtbauentscheid vom 29. Oktober 2014 verweist die Gemeinde auf Projektpläne mit
falschen Daten. Diesen Fehler korrigierte die Gemeinde und eröffnete den
Gesamtbauentscheid neu mit Datum vom 6. November 2014.
2. Gegen diesen Entscheid führen die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 8. De-
zember 2014 bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE)
gemeinsam Beschwerde. Sie beantragen die Aufhebung des Bauentscheids vom
6. November 2014 und die Erteilung des Bauabschlags. Zusammengefasst rügen sie, die
Vorinstanz habe ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, der Bauentscheid enthalte
eine unzulässige Auflage und das Vorhaben sei mangelhaft profiliert worden. Überdies
erheben sie zahlreiche baupolizeiliche Rügen (Verschiebung des Attikageschosses,
Gestaltung, Ausnützungsziffer, Grünflächenziffer, Gebäudehöhe, Strassen- und
Grenzabstand). In den Schlussbemerkungen vom 25. August 2015 bringen sie schliesslich
vor, die Änderungen am Vorhaben während des Beschwerdeverfahrens würden den
Rahmen einer Projektänderung sprengen. Eventualiter beantragen sie deshalb, es sei der
angefochtene Entscheid vom 6. November 2014 aufzuheben und das nachträglich
geänderte Bauvorhaben zwecks Neupublikation und Neubeurteilung zurückzuweisen.
3. In ihrer Stellungnahme vom 7. Januar 2015 teilen die Beschwerdegegner zusammen
mit der Projektverfasserin mit, ihrer Ansicht nach sei das Projekt bewilligungsfähig. Die
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Bauvorschriften seien in allen Punkten eingehalten. Damit beantragen sie sinngemäss die
Abweisung der Beschwerde. Aus ihren Schlussbemerkungen vom 24. Juli 2015 ist zudem
zu schliessen, dass sie die Bewilligung für das geändert Projekt beantragen. Auch die Vor-
instanz schliesst in ihrer Stellungnahme vom 9. Januar 2015 auf Abweisung der
Beschwerde. Sie hält in den Schlussbemerkungen vom 24. August 2015 an diesem Antrag
fest.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Vorinstanz die Akten ein. Es wies mit Verfügung
vom 20. Februar 2015 darauf hin, es sei nicht möglich, mittels Auflagen zwei Varianten zur
Gestaltung einer Garageneinfahrt anzuordnen. Mit gleicher Verfügung holte es beim Amt
für Umweltkoordination und Energie (AUE) zur Frage, ob ein Nutzungsbonus gewährt
werden kann, einen Bericht ein. In der Folge reichten die Beschwerdeführenden mit
Schreiben vom 4. März 2015 betreffend die Garageneinfahrt geänderte Pläne ein. Mit
Eingabe vom 24. April 2015 reichten die Beschwerdeführenden einen aktualisierten
Energienachweis mit einer verbesserten Wärmedämmung ein. Das Rechtsamt holte dazu
erneut einen Bericht beim AUE ein.
5. Mit Verfügung vom 23. Juni 2015 erhielten die Beschwerdeführenden die Pläne der
Projektänderung vom 4. März 2015 und die Unterlagen des aktualisierten
Energienachweises. Das Rechtsamt wies in der gleichen Verfügung daraufhin, die
Projektänderung vom 4. März 2015 bewirke, dass die Vortreppe im Aussenbereich 2.62 m
in den grossen Grenzabstand rage und der ostseitig geplante Parkplatz 0.20 m an den
H._weg reiche. Die Beschwerdegegner reichten in der Folge bezüglich der
Aussentreppe und dem Besucherparkplatz auf der Ostseite eine zweite Projektänderung
ein. Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, zur zweiten Projektänderung Stellung
zu nehmen und Schlussbemerklungen einzureichen. Davon machten sowohl die Gemeinde
wie auch die Beschwerdeführenden und die Beschwerdegegner Gebrauch. Auf die
Rechtsschriften, Eingaben und eingereichten Unterlagen sowie die Berichte des AUE wird,
soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Gemäss Art. 11 Abs. 1 KoG
kann er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtbauentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2
BauG). Die Beschwerdeführenden 1 und 2 sind Eigentümer der Parzelle Nr. I._
(H._weg 4), die nur durch den H._weg von der Bauparzelle getrennt wird.
Der Beschwerdeführer 3 ist Eigentümer der Parzelle Nr. J._ (H._weg 6),
die direkt an das Baugrundstück grenzt. Die Beschwerdeführenden sind damit Nachbarn.
Sie sind mit ihrer Einsprache gegen das geplante Bauvorhaben im
Baubewilligungsverfahren vor der Gemeinde unterlegen und somit durch den
Gesamtbauentscheid beschwert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde
ist grundsätzlich einzutreten.
c) Antrag, Begründung und Unterschrift sind die Kernelemente eines Rechtsmittels
(Art. 32 Abs. 2 VRPG4). Sie gehören zu den Gültigkeits- und Prozessvoraussetzungen. An
die Begründung werden praxisgemäss keine hohen Anforderungen gestellt, obwohl sie zu
den wesentlichen Elementen einer Parteieingabe gehört. Es reicht aus, wenn aus einem
Rechtsmittel ersichtlich ist, inwiefern und weshalb der angefochtene Entscheid
beanstandet wird. Auch braucht die Begründung in der Rechtsmitteleingabe nicht
zuzutreffen. Sie muss aber sachbezogen sein. Es genügt nicht, bloss zu behaupten, der
angefochtene Entscheid sei falsch. Die Begründung muss sich wenigstens in minimaler
Form mit dem angefochtenen Erkenntnis auseinandersetzen und sinngemäss darauf
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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schliessen lassen, welche Rechtsnormen oder Grundsätze der Ermessensausübung nach
Auffassung der opponierenden Partei verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente
unrichtig oder unvollständig festgestellt worden sind. Ein blosser globaler Verweis auf
frühere Rechtsschriften stellt keine genügende Begründung dar.5 Soweit die
Beschwerdeführenden in den Vorbemerkungen ihrer Beschwerdebegründung pauschal
geltend machen, sie würden am Widerspruch gegen das geplante Bauvorhaben und an
den Vorbringen im Rahmen der Einsprache vollumfänglich festhalten, kann auf ihre
Beschwerde nicht eingetreten werden.
2. Gegenstand des Verfahrens und Projektänderungen
a) Laut Art. 43 BewD6 können die Baugesuchsteller während der Hängigkeit eines
Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der BVE
ein Projektänderungsgesuch einreichen, ohne dass deshalb ein neues
Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden muss. Erfolgt die Projektänderung im
Beschwerdeverfahren, sind die Gemeinde, die Gegenpartei und die von der
Projektänderung berührten Dritten anzuhören. Wird in einem laufenden baurechtlichen
Verfahren eine Projektänderung im Sinn von Art. 43 BewD eingereicht, tritt das geänderte
Projekt an die Stelle des ursprünglichen Bauvorhabens.7
b) Die Beschwerdegegner reichten zwei Projektänderungen (Eingaben vom 24. April
und 2. Juli 2015) ein. Relevant sind alle Änderungen gemäss der Projektänderung vom
2. Juli 2015, wobei in dieser Projektvariante die Anpassungen der Projektänderung vom
24. April 2015 auch enthalten sind. Verglichen mit dem ursprünglich bewilligten Projekt
handelt es sich um folgende Anpassungen:
- Vergrösserung der Garagenvorplatztiefe auf 5.00 m verbunden mit der Verschiebung
der Garage um 1.20 m zulasten der Balkonfläche auf der Nord-Westseite
- Verschmälern und verkürzen der nordwestseitigen Aussentreppe
- Schaffung eines 0.50 cm breiten Grünstreifens zwischen dem ostseitig geplanten
Parkplatz und dem H._weg
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15 6 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 7 Vgl. BVR 2012 S. 463, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen
6
- Verbesserte Wärmedämmung gemäss dem Systemnachweis nach der SIA-Norm
380/1, Ausgabe 2009, vom 23./24. April 2015 (inkl. U-Wert-Berechnung der Bauteile)
c) Die Verfahrensbeteiligten erhielten mit Instruktionsverfügungen vom 19. Juni 2015
und 21. Juli 2015 Gelegenheit, sich zu den Änderungen zu äussern. Weitere Dritte waren
von den Änderungen nicht betroffen. In ihrer Stellungnahme vom 25. August 2015 machen
die Beschwerdeführenden geltend, die zahlreichen Änderungen am Projekt würden den
Rahmen einer Projektänderung sprengen. Insbesondere die Verschiebung der Garage
zulasten des Balkons würde die äusseren Masse des Bauvorhabens betreffen. Damit
werde ein Hauptmerkmal des Bauvorhabens geändert. Im Ergebnis führe die Verschiebung
zu einer völligen Umgestaltung des nördlichen Gebäudeteils. Eine derartige Veränderung
der Grundzüge mache es nötig, ein neues Baubewilligungsverfahren durchzuführen.
d) Der Argumentation der Beschwerdeführenden kann nicht gefolgt werden. Eine
Projektänderung liegt vor, wenn das Bauvorhaben in den Grundzügen gleich bleibt (Art. 43
Abs. 1 BewD). Die Projektänderung bezweckt im Sinn der Verfahrensökonomie und der
Verfahrensbeschleunigung ein neues Baubewilligungsverfahren zu vermeiden, wenn am
ursprünglichen Projekt nur untergeordnete Änderungen vorgenommen werden.8 Nach der
Praxis ist ein Bauvorhaben in den Grundzügen verändert, wenn durch die Änderung ein
Hauptmerkmal des ursprünglichen Bauvorhabens, wie die Erschliessung, der Standort, die
äusseren Masse, die Geschosszahl, die Geschosseinteilung oder die Zweckbestimmung
wesentlich verändert wird oder wenn eine Mehrzahl geringer Änderungen dem
ursprünglichen Projekt eine veränderte Identität verleiht.9 Die Identität eines Vorhabens ist
verändert, wenn sich die Änderung im Wesentlichen nicht mehr auf die ursprüngliche
Baueingabe zu stützen vermag.10
Im Vergleich zum Vorprojekt wird das Garagentor um ca. 1.20 m von der Flucht der
Hauptfassade nach innen verschoben. Dabei bleibt die nordöstliche Fassadenecke, wie
dem Grundrissplan Erdgeschoss entnommen werden kann, bestehen. Die Verschiebung
hat ferner zur Folge, dass sich der Garagenanbau verlängert und sich der Balkon um
dieses Mass verkürzt. Die Verschiebung bewirkt ausserdem, dass das Wohnzimmerfenster
in der Nordfassade schmaler wird. Ebenso wird die nordwestseitige Aussentreppe zum
8 VGE 2011/206 vom 4.5.2012, E. 2.3; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art.°32-32d N. 12 9 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 32-32d N. 12a mit Hinweisen 10 BVR 189 S. 349 E. 3c und S. 400 E. 2a
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Balkon verschmälert und verkürzt (gemäss Projektänderung vom 2. Juli 2015). Die
Änderungen sind zwar in der Ost- und Nordfassade sichtbar. Die Verschiebung der Garage
hat aber keinen Einfluss auf die Hauptdimensionen des Projekts: Es werden weder die
Gebäudelänge noch die Gebäudehöhe verändert. Unverändert bleiben auch Geschosszahl
und Geschosseinteilung. Die fraglichen Veränderungen fallen beim vorliegenden Projekt,
das 15.51 m lang und zwischen 9.60 und 10.52 m breit ist, nicht stark ins Gewicht. Die
Praxis lässt denn auch regelmässig Änderungen zu, die sich auf das Erscheinungsbild der
Baute auswirken, sofern der Gesamtcharakter des Vorhabens – wie hier – gewahrt bleibt.11
Ebenso handelt es sich bei der Anpassung der Aussentreppe und der Änderung des
Aussenparkplatzes um sehr geringfügige Änderungen. Selbst zusammen mit der
Verschiebung der Garage bleibt der Gesamtcharakter des Vorhabens gewahrt. Nicht
relevant ist in diesem Zusammenhang die verbesserte Wärmedämmung. Wie dem Bericht
des AUE vom 13. Mai 2015 zu entnehmen ist, ist diese Verbesserung auf Bauteile mit
besseren U-Werten zurückzuführen, d.h. bessere Dämmwerte bei den Böden, Decken und
Aussenwänden.12 Auf das Erscheinungsbild hat die verbesserte Wärmedämmung jedoch
keinen Einfluss. Sie kann daher für die Frage, ob das Vorhaben in den Grundzügen gleich
bleibt, vernachlässigt werden.
e) Es steht somit fest, dass das Projekt in den Grundzügen gleich bleibt, so dass es sich
bei den Anpassungen um Projektänderungen im Sinn von Art. 43 BewD handelt. Eine
Rückweisung der Projektänderung an die Vorinstanz zwecks Neupublikation und
Neubeurteilung ist nicht nötig.
3. Verletzung des rechtlichen Gehörs
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, der Gesamtbauentscheid stütze sich auf
Projektpläne, die mit Datum vom 29. Oktober 2014 abgestempelt worden seien. Auf diesen
Plänen seien relevante handschriftliche Korrekturen eingetragen worden, die auf den
ursprünglichen Baugesuchsplänen nicht vorhanden waren. Indem sie mit den Plänen nicht
bedient worden seien, habe die Vorinstanz ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
Unerheblich sei dabei, dass die Vorinstanz den fehlerhaften Gesamtentscheid vom
29. Oktober 2014 durch denjenigen vom 6. November 2014 ersetzt habe. Ebenso keinen
11 BVR 1989 S. 400 E. 2a; VGE 19086 vom 16. Mai 1994; BGer 1A. 125/1994 vom 16. März 1995, E. 5b 12 Vgl. Systemnachweis SIA 380/1:2009 vom 23./24. April 2015 S. 12, Tabelle 4.1 (Flächige Bauteile)
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Einfluss auf die Gehörsverletzung habe der Umstand, dass sie die fraglichen Pläne auf
explizites Ersuchen hin zugestellt erhalten habe.
b) Die Vorinstanz entgegnet in ihrer Stellungnahme vom 9. Januar 2015, sie habe den
Beschwerdeführenden nebst anderen Unterlagen auch Kopien der überarbeiteten
Projektpläne mit Eingangsstempel vom 26. August 2014 zur Stellungnahme und
Einreichung von Schlussbemerkungen zugestellt. Bis auf die handschriftlichen Korrekturen
entsprächen diese Pläne den baubewilligten Projektplänen. Diese Korrekturen würden die
Beschwerdeführenden nicht benachteiligen. Mit einer entsprechenden Auflage im
angefochtenen Entscheid sei ihrer Ansicht nach das rechtliche Gehör genügend
berücksichtig worden.
c) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV13, Art. 26 Abs. 2 KV14 und
Art. 21 ff. VRPG beinhaltet unter anderem das Recht auf Akteneinsicht. Danach haben die
Parteien Anspruch auf Einsicht in die Verfahrensakten, soweit nicht überwiegende
öffentliche oder private Interessen deren Geheimhaltung erfordern (Art. 23 Abs. 1 VRPG).
Das Akteneinsichtsrecht berechtigt die Parteien insbesondere, von jedem eingereichten
Aktenstück bzw. allen Berichten und Stellungnahmen Kenntnis zu nehmen und sich dazu
äussern zu können.
d) Die Beschwerdegegner haben ihr Projekt im Baubewilligungsverfahren nach der
Publikation aufgrund der Einwände der Baubewilligungsbehörde und der Einsprecher
mehrmals angepasst. Aktenkundig ist, dass die Beschwerdegegner am 19. und 26. August
2014 bei der Vorinstanz revidierte Pläne einreichten.15 Aus den Akten ergibt sich ebenso,
dass die Vorinstanz die überarbeiteten Pläne mit Eingangsstempel vom 26. August 2014,
die die Gemeinde mit Stempel vom 29. Oktober 2014 bewilligte, den
Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 3. September 2014 zur Stellungnahme
zustellte.16 Im Grundrissplan "Erdgeschoss" im Massstab 1:100 und Eingangsstempel der
Bauabteilung vom 26. August 201417 sind allerdings nachträglich handschriftlich zwei
Varianten betreffend die Gestaltung der Garage mit roter Farbe eingezeichnet worden.
13 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 14 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 15 Vgl. pag. 22 und 23 sowie pag. 6 und 7 der Vorakten der Gemeinde Worb 16 Vgl. pag. 20A bis 20D der Vorakten der Gemeinde Worb 17 Vgl. pag. 6 der Vorakten der Gemeinde Worb
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Diese (nachträgliche) Plananpassung ist vorliegend mitbewilligt. Die Varianten entsprechen
überdies der Auflage, die die Gemeinde im Gesamtentscheid vom 29. Oktober bzw.
4. November 2014 anordnete (vgl. Erwägung 4a). Durch wen die handschriftliche
Plananpassung erfolgte, ist unklar, spielt aber im Ergebnis keine Rolle.
e) Demnach steht fest, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführenden die revidierten
Pläne vom 26. August 2014 zwar vor Erlass der Baubewilligung zustellte. Der
Grundrissplan "Erdgeschoss" wurde jedoch später ein weiteres Mal (handschriftlich)
geändert. Diese Plananpassung stellt eine Projektänderung im Sinn von Art. 43 BewD dar.
Sie wurde von der Vorinstanz bewilligt, ohne dass sich die Beschwerdeführenden dazu
äussern konnten. Dadurch hat die Vorinstanz den Anspruch der Beschwerdeführenden auf
rechtliches Gehör verletzt. Nicht gefolgt werden kann der Argumentation der Vorinstanz,
mit der Auflage im angefochtenen Entscheid sei das rechtliche Gehör genügend
berücksichtigt worden. Vorliegend ist die fragliche Auflage, die Vorplatztiefe zulasten des
Sitzplatzes um 1.40 m auf 5.00 m zu vergrössern, nicht geeignet, Gegenstand einer
Auflage zu bilden. Die Auflage ist zu unbestimmt, da sie zusätzliche Plananpassungen, wie
namentlich die Verschiebung der Garage, die Verkleinerung der Balkonfläche und des
Wohnzimmerfensters, nach sich zieht (vgl. Erwägung 2d). Auch sind durch
Projektanpassungen in diesem Umfang die Interessen der Einsprechenden und
Beschwerdeführenden als direkte Nachbarn betroffen. Für derartige Anpassungen bedarf
es einer Projektänderung, bei der den Einsprechern das rechtliche Gehör zu gewähren ist
(Art. 43 Abs. 2 BewD).18
f) Die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt grundsätzlich zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheids.19 Praxisgemäss können Gehörsverletzungen
allerdings geheilt werden, wenn die Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vor-
instanz und der beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Bei
besonders schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch
eine Heilung grundsätzlich aus.20 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.21 Diese Voraussetzungen sind hier erfüllt: Als erste
Rechtsmittelinstanz kann die BVE Bauvorhaben frei prüfen (Art. 40 Abs. 3 BauG). Die
Beschwerdeführenden konnten ihre Rechte im Beschwerdeverfahren zudem umfassend
18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 38-39 N. 15a Bst. b 19 BGE 140 III 159, nicht publ. E. 3.2; 137 I 195 E. 2.2, 135 I 187 E. 2.2 20 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16 21 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9
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wahrnehmen. Sie hatten Gelegenheit, sich im Projektänderungsverfahren vor der BVE zur
Verschiebung der Garage zu äussern (vgl. Erwägung 2c). Die Gehörsverletzung wiegt
auch nicht derart schwer, dass eine Heilung des Verfahrensmangels ausgeschlossen wäre.
Der Gehörsverletzung ist aber im Kostenpunkt, wie die Beschwerdeführenden zu Recht
geltend machen, Rechnung zu tragen (vgl. Erwägung 12b).
4. Vergrösserung des Garagenvorplatzes
a) Die Vorinstanz hat in Ziffer 1.1 des angefochtenen Gesamtentscheids vom
6. November 2014 (dritter Gedankenstrich) folgende Auflage verfügt: "Das Garagentor ist wegzulassen oder die Vorplatztiefe ist zu Lasten des Sitzplatzes um
1.40 m auf 5.00 m zu vergrössern. Damit ist gewährleistet, dass ein Fahrzeug vor der
Garage abgestellt werden kann, ohne den Verkehr auf dem H._weg zu
beeinträchtigen. Die Bauherrschaft hat der Bauabteilung vor Baubeginn schriftlich
mitzuteilen, welche Lösung ausgeführt wird."
b) Im Zusammenhang mit dieser Auflage haben die Beschwerdegegner mit Eingabe
vom 4. März 2015 bei der BVE eine Projektänderung eingereicht. Sie umfasst eine
Vergrösserung der Garagenvorplatztiefe auf 5.00 m verbunden mit einer Verschiebung der
Garage um 1.20 m zulasten der Balkonfläche und des Wohnzimmerfensters (vgl.
Erwägung 2d). Durch diese Projektänderung ist die umstrittene Auflage im angefochtenen
Entscheid gegenstandlos geworden. Der Klarheit halber wird im Dispositiv dieses
Entscheids die fragliche Auflage aufgehoben. Auf die Kritik der Beschwerdeführenden
gegen die Auflage braucht deshalb nicht eingegangen zu werden.
c) Die Beschwerdeführenden bringen in ihrer Stellungnahme vom 6. Juli 2015 vor, diese
Projektänderung bewirkte eine völlige Umgestaltung des nördlichen Gebäudeteils. Die
Profilierung des betroffenen Gebäudeteils sei damit vorschriftswidrig.
d) Die Beschwerdeführenden begründen nicht näher, weshalb die Profilierung durch die
Projektänderung vorschriftswidrig sein soll. Es ist fraglich, ob auf die pauschale Rüge
überhaupt eingetreten werden kann (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Die Frage kann aber offen
bleiben, da der Einwand ohnehin unbegründet ist. Wie aus der Erwägung 2d folgt, hat die
Verschiebung der Garage keinen Einfluss auf die Hauptdimensionen des Projekts. Es
werden weder die Gebäudelänge noch die Gebäudehöhe verändert. Auf die Profile, die die
äusseren Umrisse des Bauvorhabens kenntlich machen (Art. 16 Abs. 1 BewD), hat die
Projektänderung demzufolge keine Auswirkungen. Dass die Projektänderung keinen
11
Einfluss auf die Profile hat, ergibt sich auch aus dem Profilplan im Massstab 1:200.22
Danach werden durch die Projektänderung weder die nordöstliche Fassadenecke (vgl.
Profil "D" mit Kote + 2.94) noch die nordwestliche Gebäudeecke (vgl. Profil "C" mit Kote +
4.01) tangiert. Durch die Veränderung sind vielmehr Gebäudeteile betroffen, die alleine aus
der Profilierung nicht ersichtlich sind. Um sich ein Bild über diese Gegenstände zu machen,
müssen die Projektpläne eingesehen werden.23 Vorliegend haben die
Beschwerdeführenden die geänderten Pläne erhalten und sie konnten sich dazu äussern,
wie ihre Stellungnahme vom 6. Juli 2015 zeigt.
e) Vorliegend entspricht die geplante Garagenvorplatztiefe der Auflage der Vorinstanz
und sie ist auch mit der Norm SN 640 050 für Grundstückzufahrten des Schweizerischen
Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) kompatibel. Dass der
Projektanpassung Hindernisse der Planung entgegenstehen oder die öffentliche Ordnung
gefährdet ist, machen weder die Gemeinde noch die Beschwerdeführenden geltend.
Solches ist hier auch nicht ersichtlich. Die Vergrösserung der Garagenvorplatztiefe auf
5.00 m verbunden mit der Verschiebung der Garage um 1.20 m zulasten der Balkonfläche
und des Wohnzimmerfensters ist demzufolge zu bewilligen.
f) Ebenso kann die verkleinerte und verschmälerte Aussentreppe auf der Nordwestseite
bewilligt werden. Die Beschwerdeführenden kritisieren in ihrer Stellungnahme vom
25. August 2015, die Treppe verletze den grossen Grenzabstand nach wie vor. Gemäss
dem angepassten Projektplan "Umgebung und Nordfassade" vom 1. Juli 2015 im Massstab
1:100 (Plan Nr. 1045 112) ragt die Treppe zwar 1.50 m in den grossen Grenzabstand
hinein. Bei der fraglichen Treppe handelt es sich jedoch um einen offenen vorspringenden
Bauteil. Laut Art. 20 Abs. 1 GBR dürfen solche Bauteile, namentlich auch Vortreppen,
höchstens 1.50 m in den Grenzabstand hineinragen. Die geänderte Aussentreppe auf der
Nordwest-Seite ist demzufolge zulässig. Versehentlich wurde die Anpassung der
Aussentreppe in den Projektplänen "Untergeschoss und Erdgeschoss" nicht nachgeführt.
Dadurch entsteht zwischen den nachgeführten Plänen (Umgebung und Nordfassade vom
1. Juli 2015 im Massstab 1:100) und dem Plan "Grundrisse Erdgeschoss und
Untergeschoss" vom 13. Juni 2014 mit rev. Datum vom 22. August 2014 / 5. Januar 2015
im Massstab 1:100 ein Widerspruch. Dies schadet aber nicht: Der Widerspruch wird hier
22 Vgl. pag. 78 der Vorakten der Gemeinde Worb; siehe auch Beilage 2 zur Stellungnahme der Beschwerdegegner vom 7. Januar 2015 in den Beschwerdeakten der BVE 23 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 34 N. 20
12
mit der Auflage, dass die Aussentreppe nur 1.50 m in den grossen Grenzabstand ragen
darf, beseitigt.
5. Profilierung
a) Die Beschwerdeführenden kritisieren in ihrer Beschwerde, das Bauvorhaben sei
mangelhaft profiliert worden. Die Höhe der Oberkante des Erdgeschosses sei nicht mit
einer Querlatte markiert worden. Dies verstosse gegen Art. 16 Abs. 1 BewD. Auch nenne
die Vorinstanz keine wichtigen Gründe, die das Weglassen der Querlatte rechtfertige.
Solche Gründe seien hier nicht ersichtlich. Dass die Höhe des projektierten Erdgeschosses
identisch sei mit jener des bestehenden Wohnhauses stelle keinen wichtiger Grund dar.
Aufgrund der mangelhaften Profilierung sei der Bauabschlag zu erteilen.
b) Die Beschwerdegegner führen in ihrer Stellungnahme vom 7. Januar 2015 dazu aus,
die Höhe des Erdgeschosses sei dort, wo es möglich gewesen sei, mit einer Querlatte
markiert worden. Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung vom 9. Januar 2015 fest, das
Weglassen einer einzigen Querlatte sei im vorliegenden Fall nicht relevant für das weitere
Baubewilligungsverfahren. Auf ihre Anordnung hin habe die Bauherrschaft auch das
Attikageschoss profilieren lassen. Die Orientierung der Nachbarschaft und der
Öffentlichkeit sei damit sichergestellt gewesen. Die Profile würden den Anforderungen von
Art. 16 Abs. 1 BewD entsprechen und nicht zu einem Bauabschlag führen.
c) Nach Art. 16 Abs. 1 BewD müssen die Profile die äusseren Umrisse des
Bauvorhabens kenntlich machen. Sie haben namentlich in den Gebäudeecken die Höhen
der Fassaden (Schnittpunkt mit oberkant Dachsparren) und die Neigung der Dachlinien,
bei Flachdächern die Höhe der Dachbrüstung, anzugeben. Zudem ist die Höhe von
oberkant Erdgeschoss mit einer Querlatte zu markieren. Konkretere Vorgaben enthält das
Dekret dazu nicht. Die Aussteckung und Profilierung von Bauten und Anlagen auf dem
Baugrundstück soll als Ergänzung der Projektpläne das Bauvorhaben veranschaulichen.
Aus der Profilierung müssen die für das Erscheinungsbild wesentlichen Abmessungen im
Gelände, nicht aber sämtliche Einzelheiten der geplanten Baute ersichtlich sein. Für
13
nähere Einzelheiten über das Bauvorhaben ist deshalb eine Einsichtnahme in die Akten
notwendig.24
d) Wichtig an der Profilierung ist die Informationswirkung. Diese ist hier zweifellos
erreicht worden. Zwar ist vorliegend die Höhe der Oberkante des Erdgeschossbodens nicht
an jeder Profilstange mit einer Querlatte markiert worden, wie die Beschwerdegegner
selber einräumen. Das schadet aber im vorliegenden Fall nicht. Ein Foto in den Akten
belegt, dass die Oberkante des Erdgeschossbodens an einer der neuen Profilstangen (vgl.
Profilstage "G"25) mit einer Querlatte gekennzeichnet wurde. Hinzu kommt der Umstand,
dass die Höhe des Erdgeschossbodens des umstrittenen Neubauprojekts identisch ist mit
jener des bestehenden Wohnhauses. Damit kann man sich ein genügendes Bild vom
geplanten Vorhaben machen. Es ist nicht ersichtlich und wird von den
Beschwerdeführenden zu Recht auch nicht geltend gemacht, dass ihnen ein Nachteil
entstanden ist. Wie die Einsprache und die Beschwerde zeigen, konnten sie ihre Einwände
in Kenntnis der Dimensionen des geplanten Neubaus vorbringen. Die
Beschwerdeführenden können somit aus der Rüge der mangelhaften Profilierung nichts zu
ihren Gunsten ableiten.
6. Attikageschoss
a) Die Beschwerdegegner planen den Bau eines zweistöckigen Gebäudes mit
Attikageschoss und Flachdach. Das Attikageschoss wird auf der Süd-, West- und
Nordseite mindestens 1.50 m von der Fassade zurückversetzt, auf der Ostseite schliesst
es bündig an die darunterliegende Fassade an.
Die Beschwerdeführenden rügen, durch die Verschiebung des Attikageschosses in
Richtung Osten bündig an die darunterliegende Fassade würden ihnen wesentliche
Nachteile erwachsen. Dies verstosse gegen Art. 28 Abs. 3 GBR26. Danach könnten
Attikageschosse in der Grundfläche nur verschoben werden, sofern für die
Nachbarliegenschaften keine wesentlichen Nachteile entstehen würden. Vorliegend wirke
24 Vgl. VGE 2013/371 vom 4.3.2014, E. 3.1; Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 34 N. 20 25 Vgl. Beilage 2 zur Stellungnahme der Beschwerdegegner vom 7. Januar 2015 der Beschwerdeakten der BVE 26 Gemeindebaureglement der Einwohnergemeinde Worb vom 7. März 1993 (mit Änderungen bis 2013), letzte Änderung genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 29. August 2013
14
sich das Attikageschoss besonders störend auf das Grundstück H._weg 4 aus
(Parzelle Nr. I._ der Beschwerdeführenden 1 und 2). Es entstehe der Eindruck,
dass das Gebäude in einer dreigeschossigen Wohnzone liege. Die bereits stark
eingeschränkte Sicht würde durch das Vorhaben weiter reduziert. Hinzu komme ein
grösserer Schattenwurf. Im Winter könne dies dazu führen, dass der H._weg
vereist bleibe. Auch wirke sich die Verschiebung des Attikageschosses negativ auf das
Grundstück H._weg 6 aus (Parzelle Nr. J._ des Beschwerdeführers 3).
Die Bergsicht von den Schlafzimmern aus werde durch die Rückversetzung massiv
eingeschränkt. Auch sei für die Beurteilung der Nachteile nicht nur der heutige Zustand
massgebend. Einzubeziehen sei auch der Zustand, der im Rahmen des geltenden
Baureglements möglich sei. Auf der Parzelle Nr. I._ sei eine
Wohnungserweiterung geplant. Eine Verschiebung des Attikageschosses an die
Ostfassade würde zu einer Verschlechterung der Sichtverhältnisse dieses
Erweiterungsbaus führen. Dadurch wäre nicht nur das Wohngefühl eingeschränkt, sondern
es wäre von den Fenstern in der Ostfassade des Attikageschosses ein direkter Einblick in
den Erweiterungsbau möglich. Dies störe die Privatsphäre. Weiter kritisieren die
Beschwerdeführenden, eine seriöse Abwägung der möglichen wesentlichen Nachteile, die
die einseitige Verschiebung des Attikageschosses auf die Nachbarliegenschaften mit sich
bringe, habe die Vorinstanz nicht vorgenommen. Sie beantragen die Einholung eines
Gutachtens.
b) Laut Art. 28 Abs. 2 GBR ist das Attikageschoss – Treppenhaus-, Lift- und
Kaminaufbauten ausgenommen – allseitig um wenigstens 1.50 m von der Fassade des
darunterliegenden Geschosses zurückzunehmen. Ein Attikageschoss kann in der
Grundfläche einseitig verschoben werden, sofern für die Nachbarliegenschaften keine
wesentlichen Nachteile entstehen (Art. 28 Abs. 3 GBR). In Bezug auf die Auslegung und
Anwendung kommunaler Bestimmungen sind die Gemeinden im Bereich ihrer Bau- und
Zonenordnungen im Rahmen der gesetzlichen Regelung und der übergeordneten Planung
autonom (Art. 65 Abs. 1 BauG). Es ist somit vorab Sache der Gemeinde zu bestimmen,
wie sie eine kommunale Vorschrift ausgelegt und angewendet haben will. Wird eine solche
Bestimmung Streitgegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die
Rechtsmittelinstanzen nur zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte
Auslegung und Anwendung rechtlich haltbar ist.27
27 BVR 2000 S. 105, E. 3a mit Hinweisen auf die entsprechende Rechtsprechung
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c) Die Vorinstanz bemerkt, die einseitige Verschiebung des Attikageschosses sei
gemäss Art. 28 Abs. 3 GBR möglich und werde in Worb seit Jahren praktiziert und
bewilligt. Der minimale Gebäudeabstand betrage in der zweigeschossigen Wohnzone
12 m. Die rückwärtige Nachbarliegenschaft H._weg 4 liege in einer Entfernung
von ca. 22 m und die seitlich erbaute Liegenschaft H._weg 6 in einer Entfernung
von ca. 27 m vom geplanten Projekt. Die Wohnhäuser der Beschwerdeführenden würden
damit nahezu doppelt soweit vom geplanten Projekt entfernt liegen als der minimale
Gebäudeabstand betrage. Das Gebäude H._weg 6 sei zudem vorwiegend nach
Westen orientiert. Die Liegenschaft der Beschwerdeführenden 1 und 2 (H._weg 4)
sei zwar betroffen. Das Gebäude liege aber höher als das geplante Vorhaben. Vom
Wohngeschoss aus bestehe nach wie vor Fernsicht. Aufgrund dieser Umstände würden
den Nachbarn keine wesentlichen Nachteile erwachsen. Ein Wohnhaus mit einer
Gebäudehöhe von 7 m und einem Satteldach bei einer Dachneigung von 25 Grad hätte
eine rund 1.90 m höhere Firsthöhe als das geplante Attikageschoss. Auch wäre der
Schattenwurf eines Satteldachs auf die Strasse grösser. Nach Auffassung der Vorinstanz
ist die Verschiebung des Attikageschosses deshalb zulässig.
d) Diese Argumentation der Gemeinde überzeugt und ist nachvollziehbar. Sie stellt
auch eine ausreichende Begründung dar. Im vorliegenden Fall nutzt das bestehende
Wohnhaus das heutige baupolizeilich zulässige Gebäudevolumen nicht aus. Beim
umstrittenen Bauvorhaben handelt es sich um ein neues Bauvolumen, das zwar grösser ist
als das bestehende Wohnhaus. Demzufolge werden die Beschwerdeführenden als
unmittelbare Nachbarn in jedem Fall mit einer gewissen Beeinträchtigung ihrer Aussicht
und zusätzlichem Schattenwurf zu rechnen haben. Unbestritten ist aber auch, dass in der
W2 auf Flachdachbauten grundsätzlich ein Attikageschoss erstellt werden darf (Art. 28
Abs. 1 GBR). Einwirkungen, die durch zonenkonforme und den baupolizeilichen
Vorschriften entsprechende Vorschriften – wie hier – verursacht werden, müssen aber
grundsätzlich geduldet werden (Art. 89 Abs. 2 BauV28). Für die vorliegende Beurteilung
massgeblich sind damit nicht die Nachteile für die Nachbarn, die sich im Unterschied zum
bestehenden Wohnhaus, sondern nur jene, die sich zusätzlich durch die Verschiebung des
Attikageschosses an die Ostfassade ergeben.
28 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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e) Aufgrund der Lage des Neubauprojekts ist vor allem bei der östlich liegenden
Parzelle Nr. I._ der Beschwerdeführenden 1 und 2 mit einer Beeinträchtigung der
Sicht zu rechnen. Alleine die Verschiebung des Attikageschosses an die Ostfassade oder
der Verzicht auf den Rücksprung von 1.50 m ändert an den Sichtverhältnissen jedoch
kaum etwas. Denn die Aussicht hängt in erster Linie von der Gebäudehöhe des
Neubauprojekts ab. Diese wird durch die Verschiebung des Attikageschosses aber nicht
verändert. Die Verschiebung hat somit aufgrund der unveränderten Gebäudehöhe und der
Distanz zum Wohnhaus der Beschwerdeführenden 1 und 2 nur geringe Auswirkungen auf
die Aussicht. Dies gilt auch für das Wohnhaus am H._weg 6 auf Parzelle
Nr. J._. Es liegt auf der Nordseite der Bauparzelle und ist nach Westen
ausgerichtet. Zwischen dem Wohnhaus und der Bauparzelle liegt eine Distanz von rund
27 m.29 Damit wirkt sich die Verschiebung des Attikageschosses nur geringfügig auf das
Wohnhaus auf Parzelle Nr. J._ aus. Nicht zu überzeugen vermag ferner der
Einwand der Beschwerdeführenden, durch die Verschiebung werde ihr Wohngefühl
eingeschränkt, weil von den Fenstern in der Ostfassade des Attikageschosses ein direkter
Einblick in den zukünftig geplanten Erweiterungsbau auf Parzelle Nr. I._ möglich
sei. Dies wäre bei einem Rücksprung des Attikageschosses nicht anders. Im Fall eines
Rücksprungs würde ostseitig eine 1.50 m breite begehbare Fläche entstehen, die
gegenüber der Parzelle Nr. I._ als Terrasse genutzt werden könnte. Von dieser
Terrasse aus könnte ein möglicher Erweiterungsbau auf der Parzelle Nr. I._
ebenso gut eingesehen werden. Je nachdem könnte eine Terrasse auf der Ostseite
lärmmässig sogar zu mehr Immissionen auf der Parzelle Nr. I._ führen und sich für
die Beschwerdeführenden 1 und 2 ungünstiger auswirken als die fassadenbündige
Verschiebung des Attikageschosses. Die Verschiebung der Attika führt auch zu keiner
wesentlich erhöhten Beschattung auf der Parzelle Nr. I._. Hauptursache des
Schattenwurfs auf die Nachbarparzelle Nr. I._ ist hier nicht die Verschiebung,
sondern der Attikaaufbau. Hinzu kommt, dass sich die Parzelle Nr. I._ oberhalb
der Bauparzelle in einer Hanglage befindet. Damit stossen die Beschwerdeführenden auch
mit dem Einwand, durch den grösseren Schattenwurf bleibe der H._ im Winter
vereist, ins Leere.
f) Nach dem Gesagten entstehen durch die Verschiebung des Attikageschosses keine
wesentlichen Nachteile für die Nachbarn. Die Voraussetzung nach Art. 28 Abs. 3 GBR für
29 Vgl. pag. 15 der Vorakten der Gemeinde Worb
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eine einseitige Verschiebung der Attika ist somit erfüllt. Aus den Erwägungen folgt, dass es
überflüssig ist, zu diesem Rügepunkt ein Gutachten einzuholen. Davon sind keine
wesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten. Der relevante Sachverhalt ergibt sich
hinreichend aus den Akten. Der Beweisantrag wird abgewiesen.
7. Gestaltung und Einordnung
a) Die Beschwerdeführenden bemängeln weiter, das Neubauprojekt ordne sich nicht in
das bestehende Quartierbild rund um den H._weg ein, das durch Häuser mit
Sattel-, Pult- und Walmdächern und grosszügigen Grünflächen geprägt sei. Sie bestreiten,
dass sich das Vorhaben hinsichtlich der Farb- und Materialwahl harmonisch ins
Quartierbild einfüge. Zudem bestreiten sie, dass das Vorhaben den heutigen ästhetischen
Grundsätzen und Bedürfnissen entspreche. Sinngemäss machen sie damit eine Verletzung
der kommunalen Gestaltungsvorschriften geltend. Ferner bringen sie vor, in den letzten
Jahren hätten in demselben Quartier diverse Komplettsanierungen ohne Abbruch und
Neubau von Gebäuden stattgefunden. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb nicht eine
Sanierung der bestehenden Liegenschaft erfolgt sei. Sie beantragen, es sei ein Gutachten
der Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) einzuholen und ein
Augenschein durchzuführen.
b) Nach Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und
Bemalungen Landschaften, Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Die Gemeinden
sind befugt, nähere, das heisst strengere Vorschriften, zu erlassen. Die
Einwohnergemeinde Worb hat von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht und mit Art. 12
GBR auch für das Baugebiet, das nicht in einem Ortsbildschutzgebiet liegt, strengere
Anforderungen an die Einordnung ins Ortsbild eingeführt, als dies der Kanton mit dem
allgemeinen Beeinträchtigungsverbot von Art. 9 Abs. 1 BauG festgelegt hat. Art. 12 GBR
lautet, soweit hier von Bedeutung, wie folgt:
"Art. 12 1 Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen mit der bestehenden Umgebung
eine gute Gesamtwirkung entsteht. Die Beurteilung dieser Gesamtwirkung richtet sich nach
der bestehenden, bei Vorliegen einer genügend detaillierten Planung nach der zukünftigen
Umgebung. Bauten, welche diese Anforderungen nicht erfüllen, sind unzulässig, auch wenn
sie den übrigen Bauvorschriften entsprechen.
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2 Bei der Beurteilung, ob eine gute Gesamtwirkung entsteht, ist besonders auf die folgenden
Elemente einzugehen:
- Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen eines Gebäudes;
- Gestaltung von Fassaden und Dach (Form, Farbe, Material)
- Eingänge, Ein- und Ausfahrten;
- Aussenräume, insbesondere das Vorland, die Begrenzung gegen den öffentlichen Raum
und die Bepflanzung, soweit sie für den Charakter des Aussenraumes bestimmend ist.
- Abstellplätze für Motorfahrzeuge;
- Terrainveränderungen. (...)"
Der Begriff „gute Gesamtwirkung“ stellt einen unbestimmten kommunalen Gesetzesbegriff
dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen
Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten
Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute
Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen
Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass
das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder
Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren
hat.30 Gestützt auf Vorschriften des allgemeinen Ortsbild- und Landschaftsschutzes dürfen
in der Regel Art oder Mass der nach der Zonenordnung zulässigen Nutzung nicht
eingeschränkt werden31.
c) Es ist zu prüfen, ob das geplante Bauvorhaben in Bezug auf seine äussere
Gestaltung zusammen mit dem näheren und weiteren Umfeld eine gute Gesamtwirkung
ergibt. Wie die Luftbilder, Orthofotos und Fotografien in den Akten zeigen, weisen die Ein-
und Mehrfamilienhäuser entlang des H._- und K._wegs sehr
unterschiedliche Dachformen, Dimensionen und Grundrisse auf.32 Namentlich bestehen
Gebäude mit Satteldächer (H._weg 1, 3 und 4), Krüppelwalmdach
(H._weg 6), Pultdächer (K._weg 4 und 6), Flachdach (K._weg 9)
und teilweise Flach- und Satteldach (K._weg 10). Wie aus der Fotodokumentation
der Vorinstanz zudem hervorgeht, bestehen auch hinsichtlich der Farb- und Materialwahl
30 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1 31 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 15 mit Hinweisen 32 Vgl. pag. 17 und 18 der Vorakten der Gemeinde Worb sowie Beilagen 11 bis 15 der Stellungahme der Gemeinde Worb vom 9. Januar 2015 in den Beschwerdeakten der BVE RA Nr. 110/2014/142
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sehr grosse Unterschiede.33 Die Fassadenfarben variieren zwischen hellblau
(K._weg 8), hellgelb (K._weg 10), weiss (H._weg 1), rot
(K._weg 3), braun (K._weg 4) und grau (K._weg 11). Bezüglich
Materialwahl reicht die Palette von Sichtbeton (K._weg 11) über
Holzverkleidungen (H._weg 1 und K._weg 4) bis zum herkömmlichen
Verputz (z.B. K._weg 6). Hauptmerkmal ist, dass die Gebäude entweder parallel
oder senkrecht zum Hang stehen und mehrheitlich auf der Westseite grössere Grünräume
vorherrschen. Schliesslich liegt das Vorhaben in keiner besonders sensiblen Umgebung.
Es befindet sich weder in einer Strukturerhaltungszone nach Art. 42 ff. GBR noch in einem
Ortsbildschutzgebiet nach Art. 57 GBR.34 Das nächste Baudenkmal liegt zudem in einer
Entfernung 75 m von der Bauparzelle.35
d) Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, es handle sich um ein
Projekt, das nach den heutigen ästhetischen Grundsätzen und Bedürfnissen entworfen
worden sei. Ähnliche Projekte würden sich überall in der Gemeinde finden. Bei der Wahl
der Farbe und des Materials sei die Bauherrschaft weitgehend frei, ausser wenn sich das
Gebäude im Bauinventar oder innerhalb eines Ortsbildschutzgebiets befinde. Das
Bauvorhaben liege in keinem Ortsbildschutzgebiet und angrenzend stünden auch keine im
Bauinventar eingetragenen Gebäude. Eine Überprüfung durch eine unabhängige
Fachinstanz sei nicht nötig. In Bezug auf die nähere und weitere Umgebung hält sie fest,
am H._weg hätten die Wohnhäuser zwar Satteldächer. Dies sei auf das alte
Baureglement zurückzuführen, das die Stellung der Bauten in der Regel parallel oder
senkrecht zur Strasse verlangte. Weiter habe das alte Reglement geneigte Dächer mit
naturfarbenen oder dunkel engobierten Ziegeln oder ähnlich wirkendem Material verlangt.
Diese Vorschriften würden heute nicht mehr gelten. Es sei den Bauherrschaften freigestellt,
ob sie ein geneigtes oder ein flaches Dach erstellen wollen. Wohnhäuser mit Flach- oder
Pultdächern würden am K._weg in einer Entfernung von 45 m bis 70 m und der
L._strasse in einer Distanz von ca. 105 m zur Bauparzelle stehen. In der
Stellungnahme vom 9. Januar 2015 ergänzt sie, es sei der Bauherrschaft freigestellt, ob sie
einen Abbruch und Neubau oder eine Komplettsanierung vorsehe. Das Grundstück werde
optimal ausgenützt, was ein zentraler Punkt (innere Verdichtung) der laufenden
33 Vgl. Beilagen 11 bis 15 zur Stellungahme der Gemeinde Worb vom 9. Januar 2015 in den Beschwerdeakten der BVE RA Nr. 110/2014/142 34 Vgl. Plan der Schutzgebiete und -objekte vom 7. März 1993 genehmigt durch die kantonale Baudirektion am 16. August 1993 35 Vgl. pag. 16 der Vorakten der Gemeinde Worb
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Ortsplanungsrevision sei. Sie vertritt die Ansicht, das Projekt sei genügend angepasst und
integriere sich in das bestehende Quartier.
e) Vorliegend erweist sich die Würdigung des Vorhabens durch die Gemeinde als
plausibel und nachvollziehbar. Mitte der 60-er Jahre wurde auf der Bauparzelle ein
Einfamilienhaus mit Satteldach gebaut. Nun ist geplant, das bestehende Einfamilienhaus
abzubrechen und an dessen Stelle ein modernes Einfamilienhaus mit Flachdach und
Attikageschoss zu errichten. Gemäss Baugesuch soll an den Fassaden ein Verputz in
hellgrauer Farbe angebracht werden.36
Die Gebäude im fraglichen Wohnquartier weisen nicht nur unterschiedliche Grundrisse auf,
sie unterscheiden sich auch hinsichtlich Volumetrie, Form, Farbe und Dachgestaltung
stark.37 Eine einheitliche Gebäudetypologie besteht offensichtlich nicht. Das Siedlungsbild
in der näheren und weiteren Umgebung der Bauparzelle kann somit, bedingt durch das
Nebeneinander der sehr unterschiedlichen Gebäudetypen, als ein besonders heterogenes
charakterisiert werden. Zudem liegt das Vorhaben unbestritten weder in einer
überdurchschnittlichen noch besonders sensiblen Umgebung. Es kann unter diesen
Umständen nicht gesagt werden, dass das Bauvorhaben mit Flachdach eine Störung des
Mittelmasses der Umgebung zur Folge hat. Zwar ist das neue Bauvolumen grösser ist
dasjenige des bestehenden Wohnhauses. Mit dem Flachdach wirkt es aber weniger
voluminös als ein gleich hohes Gebäude mit einem Satteldach wirken würde. Mit seiner
Stellung parallel zur Strasse übernimmt das Vorhaben zudem ein Element der heutigen
Bebauung und fügt sich so gut in das bestehende Quartierbild ein. Mit der hellgrauen
Fassadenfarbe wirkt es zudem diskret. Es ist auch sorgfältig in den Hang integriert.
Dadurch wird es bergseitig als zweigeschossiges Gebäude wahrgenommen, wie dies auf
dem Ost-Fassadenplan gut ersichtlich ist. Gemäss dem Umgebungsgestaltungsplan ist im
westlichen Teil der Bauparzelle zudem eine zusammenhängende Rasenfläche
vorgesehen. An den Parzellengrenzen (nord-, süd- und westseitig) ist ausserdem geplant,
Bäume und Sträucher zu pflanzen. Schliesslich reicht auf der Ostseite ein Grünstreifen bis
in den Strassenraum. Damit kann in Bezug auf die Umgebung eine gute Gesamtwirkung
erreicht werden. Der kommunalen Gestaltungsvorschrift von Art. 12 GBR wird somit
Rechnung getragen. Für die Beschwerdeführenden 1 und 2, die direkt oberhalb der
Bauparzelle wohnen, mag sich der Neubau, der höher ist als das bestehende Wohnhaus,
36 Vgl. pag. 66 A der Vorakten der Gemeinde Worb 37 Vgl. pag. 17 und 18 der Vorakten der Gemeinde Worb; Beilagen 11 bis 15 zur Stellungahme der Gemeinde Worb vom 9. Januar 2015 in den Beschwerdeakten der BVE RA Nr. 110/2014/142
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zwar störend auswirken. Die Aussicht, die man von einem privaten Gebäude oder Garten
aus geniesst, ist jedoch kein Gut, das durch Ästhetikvorschriften geschützt wird.
Schutzobjekt des Ortsbild- und Landschaftsschutzes ist der Aussenraum, soweit er von
einem allgemein begangenen Standort aus als Einheit wirkt und als solcher erfassbar ist.
Unter dem Aspekt des Quartier- und Ortsbildschutzes ist das projektierte Vorhaben, wie die
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu Recht feststellte, nicht zu beanstanden. Die
Beschwerde ist in diesem Punkt unbegründet.
f) Die BVE stellt den Sachverhalt im Rahmen des Verfahrensgegenstands von Amtes
wegen fest. Dabei bestimmt sie Art und Umfang der Ermittlungen der rechtserheblichen
Sachumstände, ohne dass sie an die Beweisanträge der Parteien gebunden ist (Art. 18
Abs. 1 und 2 VRPG). Ihr steht bei der Erhebung und Abnahme von Beweisen ein weiter
Ermessensspielraum zu.38 Vorliegend vermitteln die vorhandenen Pläne, zahlreichen
Fotos, Luftbilder, Orthofotos und Beschreibungen ein anschauliches Bild der Situation. Der
Sachverhalt ergibt sich mit genügender Klarheit aus den Akten. Dazu kommt, dass sich
das Vorhaben in einem optisch unsensiblen Umfeld befindet. Unter diesen Umständen ist
weder ein Augenschein noch der Beizug der OLK nötig. Die entsprechenden
Beweisanträge sind abzuweisen.
8. Ausnützungsziffer
a) Das Baugrundstück befindet sich in der Wohnzone W2. Gemäss Art. 61 Abs. 1 GBR
beträgt die Ausnützungsziffer in der Wohnzone W2 0.45. Die Berechnungen in den Akten
haben für das Projekt eine Ausnützungsziffer von 0.49 ergeben. Die zulässige
Ausnützungsziffer ist damit um 0.04 überschritten. Die Beschwerdegegner beanspruchen
für ihr Vorhaben einen Nutzungsbonus. Die Vorinstanz hat diesen gestützt auf Art. 32
Abs. 4 GBR gewährt. Die Beschwerdeführenden rügen, das geplante Bauvorhaben erfülle
die Voraussetzungen für einen Nutzungsbonus nach Art. 32 Abs. 4 GBR nicht.
b) Die BVE hat im Rahmen des Beschwerdeverfahrens darauf hingewiesen, dass es
fraglich sei, ob Art. 32 Abs. 4 GBR mit den kantonalen Vorschriften über den
Nutzungsbonus (Art. 14 Abs. 1 KEnG39 und Art. 8 KEnV40) vereinbar sei. Die
38 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N. 8 mit Hinweisen 39 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1)
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Beschwerdegegner haben im Lauf des Beschwerdeverfahrens die Wärmedämmung
verbessert. Sie weisen nach (vgl. Systemnachweis vom 23./24. April 2015), dass das
Vorhaben den gesetzlichen Grenzwert Qh,li für den Heizwärmebedarf pro Jahr um 30
Prozent unterschreitet. Im Fachbericht vom 13. Mai 2015 kam das AUE zum Schluss, dass
das Projekt den für den winterlichen Wärmeschutz geltenden Grenzwert um 30 Prozent
unterschreitet (Art. 8 Bst. a KEnV) und es auch die wesentlich erhöhte Anforderung an den
Höchstanteil (Art. 8 Bst. b KEnV) erfüllt.
c) Es bestehen hier keine Anhaltspunkte, die Feststellungen der Fachbehörde in Zweifel
zu ziehen. Auch die Beschwerdeführenden bestreiten in ihrer Stellungnahme vom 6. Juli
2015 die Richtigkeit des Fachberichts des AUE und den Systemnachweis nicht. Sie
bemerken zwar, die Vorinstanz habe es unterlassen, beim ursprünglichen Projekt zu
prüfen, ob die Voraussetzungen für die Gewährung des Nutzungsbonus erfüllt waren. Die
Frage, ob für das ursprüngliche Vorhaben ein Nutzungsbonus hätte gewährt werden
können, braucht hier jedoch nicht mehr beantwortet zu werden. Verfahrensgegenstand ist
nur noch das Projekt mit der verbesserten Wärmedämmung. Der energietechnische
Massnahmennachweis vom 10. Juli 2013 wird deshalb wie folgt angepasst und ergänzt:
- Das Formular EN-1a vom 10. Juli 2013 wird ersetzt durch das Formular EN-1c
vom 23. April 2013
- Das Formular EN-2b vom 10. Juli 2013 wird ersetzt durch das Formular EN-2b
vom 11. März 2015 (inkl. Beilagen), wobei der Systemnachweis SIA 380/1:2009
vom 11./12. März 2015 durch den Systemnachweis vom 23./24. April 2015 (inkl.
der U-Wert-Berechnung der Bauteile FD1, T1, Aw1, Aw2, Iw1 B1 und B2 vom
22. April 2015) ersetzt wird.
Der Klarheit halber wird dies im Dispositiv dieses Entscheids festgehalten.
d) Es steht somit fest, dass das Vorhaben die wesentlich erhöhten Anforderungen nach
Art. 8 Bst. a und b KEnV erfüllt und dafür ein Nutzungsbonus gewährt werden kann. Die
zulässige Ausnützungsziffer ist damit eingehalten. Auch in diesem Punkt ist die
Beschwerde unbegründet.
9. Grünflächenziffer
40 Kantonale Energieverordnung vom 26. Oktober 2011 (KEnV; BSG 741.111)
23
a) Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, gemäss ihrer Prüfung sei die
Grünflächenziffer eingehalten. Es sei zu beachten, dass wasserdurchlässige Abstellplätze
und begrünte Dächer zu 50 Prozent angerechnet werden könnten. Nach dem
Baugesuchsformular 1.0 werde das Dach des Attikageschosses extensiv begrünt und die
Parkplatzflächen sowie die Grundstückzufahrt würden mit sickerfähigen Belägen
ausgeführt.
b) Die Beschwerdeführenden kritisieren, im Baugesuch sei von einer Grünflächenziffer
von 0.42 ausgegangen worden. Gemäss Art. 61 Abs. 1 GBR betrage die Grünflächenziffer
jedoch 60 Prozent. Zu dieser Diskrepanz würden sich weder die Beschwerdegegner noch
die Vorinstanz äussern. Die Vorinstanz habe sich auf die Feststellung beschränkt, dass die
Grünflächenziffer eingehalten sei. Eine Begründung habe sie nicht geliefert. Dies stelle
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Auch rügen die Beschwerdeführenden
pauschal die Verletzung der Grünflächenziffer.
c) Art. 61 Abs. 1 GBR schreibt für die Wohnzone W2 eine Grünflächenziffer von 60
Prozent vor. Sie berechnet sich nach der Vorschrift von Art. 29 Abs. 2 GBR, die wie folgt
lautet: "2 Die Grünflächenziffer gibt an, welcher Teil der nicht mit Hochbauten überbauten Landfläche
zu begrünen oder begrünt zu erhalten ist. 50 % der erforderlichen Grünfläche ist als
zusammenhängende Fläche anzulegen. Die Grünflächen sind mehrheitlich mit einheimischen
Pflanzen zu gestalten. Für die Berechnung der Grünfläche werden wasserduchlässige
Abstellplätze für Motorfahrzeuge und begründet Dachflächen angerechnet."
d) Die Grünflächenziffer nach GBR bestimmt, welcher Anteil der nicht überbauten
Fläche zu begrünen ist. Die nicht überbaute Fläche beträgt hier 257 m2. Demzufolge ist
eine Fläche von mindestens 154 m2 (60 Prozent von 257 m2) zu begrünen. Nach den Akten
wird eine Fläche von ca. 242 m2 begrünt.41 Die Anforderung von Art. 29 Abs. 2 Satz 1
i.V.m. Art. 61 Abs. 1 GBR ist somit erfüllt. Aus den Akten ergibt sich zudem, dass eine
Fläche von 174 m2 zusammenhängend angelegt ist.42 Damit ist auch Satz 2 von Art. 29
Abs. 2 GBR eingehalten.
41 Vgl. Umgebungsgestaltungsplan im Massstab 1:100 42 Vgl. pag. 37 und 38 der Vorakten der Gemeinde Worb
24
e) Die Beschwerdegegner haben im Baugesuch eine Grünflächenziffer von 0.42
ausgewiesen. Offenbar gingen sie von falschen Voraussetzungen aus. Die
Beschwerdeführenden haben in der Einsprache gerügt, mit 42 Prozent sei das GBR, das
60 Prozent verlange, offensichtlich nicht eingehalten. Die Vorinstanz hat im angefochtenen
Entscheid nicht begründet, weshalb trotz falscher Angabe im Baugesuch die
Grünflächenziffer eingehalten ist. Damit hat sie das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführenden verletzt. Die BVE hat nachträglich aufgezeigt, weshalb hier die
Grünflächenziffer nach GBR eingehalten ist. Damit hat sie die Gehörsverletzung im
Beschwerdeverfahren geheilt. Dies wird im Kostenpunkt zu berücksichtigen sein.
10. Gebäudehöhe
a) Die Beschwerdeführenden bemängeln, es könne nicht beurteilt werden, ob die
Gebäudehöhe eingehalten sei. Sie bringen vor, der Verlauf des gewachsenen Terrains sei
nicht hinreichend dargetan. In den Plänen sei lediglich das gewachsene Terrain aus dem
Jahr 1965 eingezeichnet. Ob dieses mit dem ursprünglichen Terrain übereinstimme, sei
nicht ausreichend dargelegt. Zudem könne der Hangzuschlag nach Art. 24 Abs. 2 GBR
nicht gewährt werden. Es gehe weder aus den Plänen noch aus den Vorakten hervor, wie
viel Prozent die Geländeneigung betrage. Sie bestreiten deshalb die Einhaltung der
Gebäudehöhe.
b) Die Vorinstanz hält dazu fest, sie habe der Projektverfasserin, der Firma M._
AG, Kopien der Bauakte "Neubau Einfamilienhaus, N._ aus dem Jahr 1965
(Gesuch Nr. 6/1965)" im Massstab 1:100 zugestellt. Darauf sei der Verlauf des
ursprünglich gewachsenen Terrains eingetragen. Genauere Angaben zum Verlauf des
gewachsenen Terrains in diesem Gebiet seien nicht vorhanden. Auch gebe das
umliegende Terrain Anhaltspunkte, wie das gewachsene Terrain verlaufe bzw. verlaufen
sei. Die Projektverfasserin habe den Verlauf des gewachsenen Terrains in die Planung des
Bauvorhabens übernommen. Es stimme mit den Plänen des Projekts aus dem Jahre 1965
überein. Der Hangzuschlag nach Art. 24 Abs. 2 GBR sei damit genügend begründet und
erlaubt. Die Gebäudehöhen seien damit eingehalten.
25
c) Die Gebäudehöhe wird in der Fassadenmitte gemessen, und zwar vom
gewachsenen Boden bis zur Schnittlinie der Fassadenflucht mit der Oberkante des
Dachsparrens, bei Flachdächern bis oberkant offene oder geschlossene Brüstung.
Attikaaufbauten, Giebelfelder und Abgrabungen für Hauseingänge und einzelne
Garageneinfahrten werden nicht angerechnet (Art. 24 Abs. 1 GBR). Nach Art. 24 Abs. 2
GBR darf die zulässige Gebäudehöhe auf keiner Gebäudeseite überschritten werden. Bei
Bauten am Hang ist talseits – vorliegend in der Westfassade – eine Mehrhöhe von 1 m
gestattet. Als Hang gilt eine Neigung des gewachsenen Bodens, die in der Falllinie
innerhalb des Gebäudegrundrisses gemessen wenigstens 10 Prozent beträgt.
Gemäss Art. 97 Abs. 1 BauV gilt, wo die Bauhöhe ab gewachsenem Boden zu messen ist,
als solcher das Terrain, wie es vor Baubeginn besteht. Ist die Oberfläche des
Baugrundstücks sichtbar durch künstliche Terrainauffüllungen gehoben, so ist die Bauhöhe
zu messen vom ursprünglichen Terrain, wenn die Baubewilligung für die Auffüllung einen
entsprechenden Vorbehalt enthält, im Übrigen vom Niveau aus, das dem umgebenden
natürlichen Geländeverlauf entspricht (Abs. 2 Bst. a und c BauV). Wird das Terrain
abgegraben, so wird vom fertigen Terrain aus gemessen, wenn es tiefer liegt als das
ursprüngliche Terrain (Abs. 3).
Die Art. 93 bis 98 BauV wurden zwar im Zusammenhang mit der Inkraftsetzung der
BMBV43 am 25. Mai 2011 aufgehoben. Die Gemeinden haben jedoch bis zum
31. Dezember 2020 Zeit, ihre baurechtliche Grundordnung den Bestimmungen der BMBV
anzupassen; bis zur Anpassung der baurechtlichen Grundordnung finden die bisherigen
Art. 93 bis 98 Abs. 1 BauV Anwendung (Art. 34 Abs. 1 und 2 BMBV). Da die Gemeinde
Worb ihre baurechtliche Grundordnung noch nicht den Bestimmungen der BMBV
angepasst hat, ist somit vorliegend zur Messung der Gebäudehöhe nach wie vor auf
Art. 97 BauV abzustellen.
d) Die Beschwerdeführenden rügen nicht konkret, in welchen Fassaden
(Gebäudeseiten) die zulässige Gebäudehöhe nicht eingehalten ist. Aus ihrer Rüge ist
allerdings zu schliessen, dass sich ihre Kritik vor allem gegen die Gebäudehöhe in der
Westfassade richtet. Dazu ist Folgendes festzuhalten: Gemäss den Fassadenplänen und
dem Querschnittplan A wird im Bereich der westseitigen Fassade das Terrain, verglichen
43 Verordnung vom 25. Mai 2011 über die Begriffe und Messweisen im Bauwesen (BMBV; BSG 721.3)
26
mit dem heute bestehenden und ursprünglichen Terrain von 1965, abgegraben. Da das
fertige Terrain sowohl unter dem heutigen wie auch unter dem ursprünglichen Terrain liegt,
kommt die Messregel von Art. 97 Abs. 3 BauV zur Anwendung. Massgeblich für die
Bestimmung des unteren Messpunkts ist demnach das Niveau des fertigen Terrains in der
Fassadenmitte. Soweit die Beschwerdeführenden den Verlauf des gewachsenen Terrains
von 1965 im Zusammenhang mit der Verletzung der Gebäudehöhe in der Westfassade
rügen, ist ihre Beschwerde somit von vornherein unbegründet. Es spielt nach dem
Gesagten bei der Messung der Gebäudehöhe keine Rolle.
Westseitig gewährte die Vorinstanz gestützt auf Art. 24 Abs. 2 GBR einen Hangzuschlag
von einem 1 m. Für die Bestimmung der Hangneigung stützte sie sich auf den Verlauf des
umgebenden natürlichen Geländes. Dieses wurde anhand der alten Baubewilligungsakten
aus dem Jahr 1965, in denen der ursprüngliche Terrainverlauf ersichtlich ist,
rekonstruiert.44 Dieses Vorgehen ist zweckmässig und nicht zu beanstanden: Es ist
sachgerecht und stellt ausserdem für die Bestimmung der Hangneigung den ungünstigsten
Fall für die Bauherrschaft dar. Würde das heutige Terrain zur Beurteilung herangezogen,
wäre die Hangneigung innerhalb des Gebäudegrundrisses grösser, wie dem Projektplan
"Querschnitt A" entnommen werden kann. Die Beschwerdeführenden vermögen nichts
Konkretes zu benennen, was Zweifel an der Zweckmässigkeit und Richtigkeit dieses
Vorgehens erwecken würde.
Der Verlauf des ursprünglichen Terrains von 1965 wurde vorliegend korrekt in die
Projektpläne (Querschnitt A und Fassadenplänen) übertragen. Dieser Terrainverlauf ist
plausibel und nachvollziehbar, liegt doch das bestehende Wohnhaus genau auf einer
Höhenlinie, wie auf der elektronischen Karte der Geoinformationsplattform der
Schweizerischen Eidgenossenschaft ersichtlich ist.45 Aus den angrenzenden Höhenlinien
kann zudem geschlossen werden, dass der Hang in Richtung Westen gleichmässig fällt
und in Richtung Osten gleichmässig ansteigt. Entsprechend wurde der Verlauf des
gewachsenen Terrains von 1965 in den Projektplänen sachlich überzeugend dargestellt.
Für die Bestimmung des Hangzuschlags kann auf den Verlauf des ursprünglichen Terrains
von 1965 abgestellt werden.
44 Vgl. pag. 111 bis 113 der Vorakten der Gemeinde Worb 45 Abrufbar unter https://map.geo.admin.ch
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Nach dem Projektplan "Querschnitt A" mit rev. Datum vom 5. Januar 2015 im Massstab
1:100 fällt das ursprüngliche Terrain innerhalb des Grundrisses des geplanten Neubaus
von der Ostseite in Richtung Westen um ca. 2.00 m. Der umstrittene Neubau ist,
gemessen aus dem Projektplan "Querschnitt A" rev. Datum vom 5. Januar 2015 im
Massstab 1:100, ca. 9.30 m breit. Die Neigung des ursprünglichen Terrains innerhalb des
Gebäudegrundrisses beträgt somit in der Falllinie gemessen ca. 21 Prozent ([2.00 m /
9.30 m] x 100). Für die talseitige Fassade des Bauvorhabens, d.h. die Westseite, kann
somit eine Mehrhöhe von 1.00 m gemäss Art. 24 Abs. 2 GBR beansprucht werden, wie
dies die Vorinstanz zu Recht entschieden hat. Zusammen mit dem Hangzuschlag von
1.00 m beträgt die zulässige Gebäudehöhe in der Westfassade 8.00 m (Art. 24 Abs. 2
i.V.m. Art. 61 Abs. 1 GBR).
Dem Projektplan "Querschnitt A" mit rev. Datum vom 5. Januar 2015 im Massstab 1:100 ist
zu entnehmen, dass die Gebäudehöhe in der Westfassade, gemessen vom tieferliegenden
fertigen Terrain bis zur Oberkante der Brüstung des Flachdachs, 7.15 m beträgt. Die
zulässige Gebäudehöhe ist damit deutlich eingehalten.
e) In den übrigen Fassaden (ost-, nord- und südseitig) ist eine Gebäudehöhe von
7.00 m erlaubt. Aus den alten Baubewilligungsakten aus dem Jahr 1965 ergibt sich, dass
für den Bau des heute bestehenden Wohnhaues H._weg 5 das Terrain auf diesen
Fassadenseiten aufgeschüttet wurde. Nach Art. 97 Abs. 2 Bst. c BauV ist für die
Gebäudehöhe hier das Niveau massgebend, wie es für das Baugrundstück aus dem
Verlauf des umgebenden natürlichen Geländes abzulesen ist. Wie erwähnt, wurde der
Verlauf des umgebenden natürlichen Geländes anhand der alten Baubewilligungsakten
aus dem Jahr 1965 rekonstruiert (vgl. Erwägung 9e). Es liegt in der Nordfassade ca.
2.00 m und in der Südfassade ca. 1.70 m unter dem heute bestehenden Terrain.
Gemäss den Fassadenplänen betragen die Gebäudehöhen in der Südfassade, gemessen
bis zur Oberkante der geschlossenen Brüstung des Flachdachs (ohne Attikageschoss),
5.72 m und in der Nordfassade 5.80 m. In der Ostfassade beträgt die Höhe gemäss
Querschnittplan A, gemessen bis zur Oberkante des Flachdachs des Attikageschosses,
6.69 m. Die zulässige Gebäudehöhe von 7.00 m ist in diesen Fassaden ebenfalls deutlich
eingehalten. Die Beschwerde ist in diesem Punkt offensichtlich unbegründet.
28
11. Strassenabstand
a) Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, das Vordach auf der Ostseite
sei verkleinert worden und werde wie der Autounterstand in einer leichten, demontierbaren
Konstruktion erstellt. Damit würden sie die Voraussetzungen von Art. 28 Abs. 1 BauG
erfüllen. Es sei ihre Praxis, dass Kleinbauten wie Autounterstände und leicht entfernbare
Anlagen im Strassenabstand von Gemeinde- und Kantonsstrassen auf Zusehen hin
bewilligt würden. Diese Bewilligung könne jederzeit entschädigungslos widerrufen werden.
Betreffend Besucherparkplatz hielt sie zudem fest, es handle sich um eine flächige Baute,
die ebenfalls die Voraussetzungen von Art. 28 Abs. 1 BauG erfülle und bewilligt werden
könne. Die Verkehrssicherheit werde dadurch nicht gefährdet. In ihrer Stellungnahme vom
2. Juli 2015 erklärte sie betreffend dem geänderten Parkplatz entlang des Buchenwegs, für
das Wohnhaus seien zwischen 1 bis 4 Abstellplätze erforderlich. Der parallel zum
H._weg angeordnete Parkplatz sei freiwillig und nicht zwingend erforderlich. Aus
diesem Grund sei eine Bewilligung auf Zusehen hin im Sinn von Art. 28 BauG möglich und
ein Publikation nach Art. 26 BauG nicht nötig.
b) Die Beschwerdeführenden kritisieren, der Strassenrand von 3.60 m zwischen der
Vordachkonstruktion an der Ostfassade und dem H._weg werde verletzt. Diese
könne nicht unter dem Titel von Art. 28 Abs. 1 BauG bewilligt werden, da es sich beim
Vordach um keine leicht entfernbare Baute handle. Ebenso könnten die beiden ostseitig
liegenden Besucherparkplätze nicht unter dem Titel von Art. 28 Abs. 1 BauG bewilligt
werden. Diese würden sich negativ auf die Verkehrssicherheit auswirken.
c) In ihrer Stellungnahme bemerken die Beschwerdegegner dazu, die
Vordachkonstruktion über dem Zugang auf der Ostfassade werde in Leichtbauweise
ausgeführt und könne jederzeit leicht entfernt werden. Hinsichtlich der Besucherparkplätze
erklären sie, beim H._weg handle es sich um eine 5.00 m breite
Detailerschliessungsstrasse. Die Zu- und Wegfahrt von den Parkplätzen beeinträchtige den
Verkehr in keiner Art und Weise.
d) Gegenüber öffentlichen Strassen sind die strassenbaurechtlichen
Abstandsvorschriften einzuhalten. Soweit das zuständige Gemeinwesen in
Nutzungsplänen oder in der Gesetzgebung nichts anderes festlegt, gilt für Bauten und
Anlagen an Gemeindestrassen ein Abstand von 3.60 m ab Fahrbahnrand (Art. 80 Abs. 1
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Bst. b SG). Das Gemeindebaureglement der Gemeinde Worb verlangt bei Strassen der
Detailerschliessung grundsätzlich einen Bauabstand von 3.60 m (Art. 15 GBR). Gegenüber
dem H._weg ist somit grundsätzlich ein Abstand von 3.60 m einzuhalten.
e) Gemäss dem Projektplan "Querschnitt A" mit rev. Datum vom 5. Januar 2015 im
Massstab 1:100 ragt die Vordachkonstruktion beim Zugang auf der Ostseite 1 m in den
Strassenabstand. Auch der gedeckte Autoabstellplatz auf der Nordostseite und der
Autoabstellplatz parallel zum H._weg liegen offensichtlich im Strassenabstand.
Für das Unterschreiten des Strassenabstands ist nach Art. 81 Abs. 2 SG eine
Ausnahmebewilligung nötig. Diese muss publiziert werden.46 Nach den Akten haben die
Beschwerdeführenden bei der Vorinstanz kein Ausnahmegesuch für das Unterschreiten
des Strassenabstands beantragt. Ohne Ausnahmegesuch und Ausnahmebewilligung
können diese Bauteile (Vordachkonstruktion auf der Ostseite, gedeckter Autoabstellplatz
auf der Nordostseite und Autoabstellplatz parallel zum H._weg) nicht bewilligt
werden. Dafür wird der Bauabschlag erteilt. In diesem Punkt wird die Beschwerde
gutgeheissen.
f) Der Bauabschlag für diese Bauteile hat nicht zur Folge, dass für das ganze
Bauvorhaben der Bauabschlag erteilt werden muss. Nach Art. 51 Abs. 1 Bst. a BauV ist
nur ein Autoabstellplatz erforderlich. Diese Anforderung ist hier erfüllt. Das Bauvorhaben
entspricht auch ohne die Vordachkonstruktion und die zwei Autoabstellplätze den
massgeblichen öffentlich-rechtlichen Vorschriften. Es kann deshalb, ausgenommen der
Vordachkonstruktion auf der Ostseite, des gedeckten Autoabstellplatz auf der Nordostseite
und des Autoabstellplatzes parallel zum H._weg, bewilligt werden. Den
Beschwerdegegner steht es frei, für diese Bauteile in einem neuen Verfahren eine Bau-
und Ausnahmebewilligung zu beantragen.
12. Kosten
a) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Die unterliegende Partei hat zudem der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen. Die
46 Heidi Wiestner in: KPG Bulletin 2012/1, S. 16 (abrufbar unter: www.bve.be.ch Rubrik Direktion / Organisation / Rechtsamt / Publikationen)
http://www.bve.be.ch
30
Kosten des Beschwerdeverfahrens bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 2
VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV47). Sie wird hier auf Fr. 2'000.00 festgesetzt.
b) Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutgeheissen wird,
soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist und soweit auf sie eingetreten werden kann.
Die Beschwerdegegner haben mit der Projektänderung der Rüge der
Beschwerdeführenden betreffend den Garagenvorplatz teilweise Rechnung getragen.
Zudem ist die Beschwerde gegen die Vordachkonstruktion auf der Ostseite, den gedeckten
Autoabstellplatz auf der Nordostseite und den Autoabstellplatz parallel zum
H._weg begründet. In diesen Punkten gelten die Beschwerdeführenden als
obsiegend. In den überwiegenden Punkten ist die Beschwerde jedoch unbegründet
(Projektänderung, Profilierung, Attikageschoss, Ästhetik, Ausnützungsziffer,
Grünflächenziffer und Gebäudehöhe). Es rechtfertigt sich deshalb, den
Beschwerdeführenden vier Fünftel der Verfahrenskosten von Fr. 2'000.00, ausmachend
Fr. 1'600.00, und den Beschwerdegegnern einen Fünftel der Verfahrenskosten,
ausmachend Fr. 400.00, aufzuerlegen. Bei der Kostenverlegung ist zudem die Verletzung
des rechtlichen Gehörs zu berücksichtigen, die von der BVE geheilt wurde, aber für die
Betroffenen keinen Nachteil zeitigen darf (vgl. Erwägung 3f und 9e). Aufgrund dieses
Umstands wird der Kostenanteil der Beschwerdeführenden von Fr. 1'600.00 um einen
Zehntel der (gesamten) Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 200.00, auf Fr. 1'400.00
reduziert. Der Kostenanteil von Fr. 200.00 geht zulasten des Kantons Bern.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Analog zur Verteilung der Verfahrenskosten haben die
Beschwerdegegner den Beschwerdeführenden einen Fünftel ihrer Parteikosten zu
ersetzen. Die Kostennote des Anwaltes von Fr. 5'701.55 gibt zu keinen Bemerkungen
Anlass. Demnach haben die Beschwerdegegner den Beschwerdeführenden einen
Parteikostenersatz von Fr. 1'140.30 zu bezahlen. Zudem hat die Gemeinde Worb, die für
47 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
31
die Gehörsverletzung verantwortlich ist, einen Zehntel der Parteikosten der
Beschwerdeführenden, ausmachend Fr. 570.15, zu ersetzen. Die Beschwerdegegner sind
nicht anwaltlich vertreten und haben keinen Anspruch auf Kostenersatz (Art. 104 Abs. 1
VRPG).