Decision ID: 1d3b7f4c-0580-496b-be88-d0ce6e5f27e0
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 19
6
3, leidet
seit etwa 1978
an
Friedreichscher beziehungs
weise
spinocerebellärer
Ataxie
ohne kardiale Beteiligung
(Urk. 12/47,
Urk.
12/53/9
,
Urk.
12/109
)
.
Sie promovierte im Jahr 2002
zur
Anglistin (vgl. etwa
Urk.
12/110
und
Urk.
12/125
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
-
Stelle,
sprach
de
r
Versicherten im Zusammenhang mit
ihrer
Erkran
kung
wiederholt
Leistungen
zu
. N
amentlich
gewährte sie
neben beruflichen Massnahmen
verschiedene
Hilfsmittel
und a
b 1.
Januar 1985 bezog die Versi
cherte
eine Invalidenrente
(
Urk.
12/3,
Urk.
12/13
)
,
seit 1996 bei einem
später
mehrmals bestätigten
Invaliditätsgrad von 100
%
(
Urk.
12/74
,
Urk.
12/87,
Urk.
12/179,
Urk.
12/326
).
Im
Weiter
en
wurde ih
r
am
2
0.
September 2002
mit Wirkung ab Januar
2001
eine
Hilflosenentschädigung
für eine Hilflosigkeit
mittleren
Grades zugespro
chen (
Urk.
12/120
). Diese wurde in der Folge
wiederholt
bestätigt (Urk.
12/144, Urk.
12/155
,
Urk.
12/184
)
und mit Wirkung ab
1.
November 2005 auf eine
Hilf
losenentschädigung
für eine Hilflosigkeit schweren Grades erhöht (Urk. 12/246).
1.2
Am
1
1.
Oktober 2005 wurde
X._
ins Pilotprojekt
„Assistenzbudget“
aufge
nommen
(
Urk.
12/204-205
). Mit Verfügung vom
2
9.
Dezember 2005
sprach ih
r
die
hiefür
zuständige Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons St.
Gallen mit Wirkung ab
1.
Januar 2006
ein monatliches Assistenzgeld in der Höhe von
Fr.
6
00.-- (Assistenzpauschale) be
i einem Assistenzbudget von Fr. 4‘425.
-- zu (
Urk.
12/238
).
Gleichzeitig wurde die Auszahlung der
Hilflo
sen
entschädigung
sistiert (
Urk.
12/239).
Ab
1.
Juli 2006 wurde das monatliche Assistenzgeld auf
Fr.
900.-- (Assistenzpau
schale)
erhöht, dies
bei einem Assistenzbudget von
Fr.
6‘
675.-- (Urk.
12/259).
1.3
Die am
1.
Januar 2012 in Kraft getretene Revision 6a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
erforderte
eine Anspruchsprüfung
hinsichtlich des Assistenzbudgets, was auch die Versicherte am 17.
Oktober 2011
anbegehrte
(
Urk.
12/352)
. Die
IV-Stelle
führte am
1.
März
und 1
2.
April
2012
eine Abklä
rung vor Ort durch (
Urk.
12/36
0
,
Urk.
12/367
)
und verfasste
hernach
das stan
dardisierte Abklärungsinstrument (FAKT;
Urk.
12/363
)
. Gestützt darauf
sowie
auf
die
ergänzende Eingabe der Versicherten vom
1.
April 2012
(Urk.
12/366-367)
hin
sprach sie d
ies
e
r
- in Aufhebung der Verfügung vom
23.
August 2006
betreffend Assistenzbudget und
unter
Wiederau
s
richtung der
Hilflosenentschä
digung
für eine Hilflosigkeit
schweren
Grades
(vgl. Urk.
12/370,
Urk.
12/374)
nach durchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
12/364
, Urk.
12/368/2-10
)
-
mit Verfügung vom
3. August 2
012 mit Wirkung ab 1.
Oktober
2012 einen Assistenzbeitrag an tatsächlich erbrachte Assistenzstunden von
monatlich durch
schnittlich Fr. 3‘440.80 (Standardqualifikation) und
Fr.
328.50 (Nacht), total monatlich Fr. 3‘769.30
beziehungsweise
monatlich maximal
Fr.
5‘653.90 und
jährlich maximal Fr.
45‘231.30
(
Urk.
12/371
=
Urk.
2)
zu
.
2.
Hiegegen
erhob
X._
mit Eingabe vom 1
4.
September 2012 Beschwerde
mit den folgenden Rechtsbegehren zur Sache (
Urk.
1 S. 2 f.):
„
1.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten de
r
Beschwerdeführer
in
die gesetzlichen Leistungen aus IVG zuzugestehen.
2.
Es sei die Verfügung vom
03.08.201
2 teilweise aufzuheben und die Sache zur erneuten Abklärung einer externen Stelle zuzuweisen und diese anzu
halten, den in zeitlicher Hinsicht effektiven Bedarf an Assistenz festzustel
len gemäss
Art.
42
quater
ff. IVG und diesen in Form von Stunden als Berechnungsgrundlage für den Assistenzbeitrag anzunehmen.
3.
Es sei die
Hilflosenentschädigung
von den ermittelten Assistenzstunden nicht in Abzug zu bringen und es sei diese de
r
Beschwerdeführer
in
als Bei
trag zur freien Verfügung zu belassen, damit diese die
Anstellungsverhält
nisse
in Bezug auf die Überstunden-
,
Notfalleinsatz- und
Auslagenvergü
tung
gesetzeskonform gemäss
Art.
327a
Abs.
1 OR abwickeln und die behinderungsbedingten Mehrkosten decken kann.
4.
Es sei der effektive marktkonforme und sozialverträgliche Stundenlohn für die Entschädigung der Assistenz zu ermitteln.
5.
Es sei de
r
Beschwerdeführer
in
im Rahmen der Berechnung des
Assistenz
bei
trages
ein Extrabeitrag für die lebenspraktische Begleitung anzu
erkennen.
“
In prozessualer Hinsicht beantragte die Versicherte die Durchführung eines zwei
ten Schriftenwechsels sowie einer öffentlichen Verhandlung, die
Ge
währung der
unentgeltliche
n
Rechtspflege (
Urk.
1 S. 3) und die Anordnung von vorsorglichen Massnahmen in dem Sinne, dass die Assistenzentschädigung gemäss Verfügung vom 2
3.
August 20
06 weiterhin bis mindestens 31.
De
zem
ber 2012 zu gewähren sei (
Urk.
1 S. 2).
D
ie IV-Stelle
schloss
in der Beschwerdeantwort vom
1.
November
2012
auf
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11
).
In der Replik vom 2
8.
Januar 2013 erneu
erte die
Beschwerdeführerin ihre Rechtsbegehren und namentlich ihren Antrag auf Anordnung von vorsorgliche
r
Massnahmen (
Urk.
15), während die Beschwerdegegnerin am 1
8.
Februar 2013 auf Erstattung einer Duplik verzich
tete (
Urk.
22).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
quater
Abs.
1 IVG haben Versicherte, denen eine
Hilflosenent
schädi
gung
der Invalidenversicherung ausgerichtet wird (
lit
. a), die zu Hause leben (
lit
. b) und die volljährig sind (
lit
. c), Anspruch auf einen
Assistenz
beitrag
.
1.2
Laut
Art.
42
quinquies
IVG wird ein Assistenzbeitrag gewährt für Hilfeleistungen, die von der versicherten Person benötigt und regelmässig von einer natürlichen Person (Assistenzperson) erbracht werden, die von der versicherten Person im Rahmen eines Arbeitsvertrages angestellt wird (
lit
. a), und weder mit der versi
cherten Person verheiratet ist, mit ihr in eingetragener Partnerschaft lebt oder eine faktische Lebensgemeinschaft führt noch in gerader Linie mit ihr verwandt ist (
lit
. b).
1.3
Hilfebedarf kann in den folgenden Bereichen anerkannt werden (
Art.
39c der Verordnung über die Invalidenversicherung
,
IVV):
a.
alltägliche Lebensverrichtungen;
b.
Haushaltsführung;
c.
gesellschaftliche Teilhabe und Freizeitgestaltung;
d.
Erziehung und Kinderbetreuung;
e.
Ausübung einer gemeinnützigen oder ehrenamtlichen Tätigkeit;
f.
berufliche Aus- und Weiterbildung;
g.
Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem regulären Arbeitsmarkt;
h.
Überwachung während des Tages;
i.
Nachtdienst.
1.4
Nach
Art.
39e
Abs.
1 IVV bestimmt die IV-Stelle den anerkannten monatlichen Hilfebedarf in Stunden. Dabei gelten die folgenden monatlichen Höchstansätze (
Art.
39e
Abs.
2 IVV):
a.
für Hilfeleistungen in den Bereichen nach
Art.
39c
lit
. a-c IVV pro alltägli
che Lebensverrichtung, die bei der Festsetzung der
Hilflosen
entschädigung
festgehalten wurde:
1.
bei leichter Hilflosigkeit: 20 Stunden,
2.
bei mittlerer Hilflosigkeit: 30 Stunden,
3.
bei schwerer Hilflosigkeit: 40 Stunden;
b.
für Hilfeleistungen in den Bereichen nach
Art.
39c
lit
. d-g IVV: insgesamt 60 Stunden;
c.
für die Überwachung nach
Art.
39c
lit
. h IVV: 120 Stunden.
Die Berechnung der Höhe des Assistenzbeitrages durch die IV-Stelle erfolgt pro Monat und pro Jahr (
Art.
39g
Abs.
1 IVV).
1.5
Der Hilfebedarf wird mit Hilfe eines standardisierten Abklärungsinstrumentes (FAKT) sowohl für direkte als auch für indirekte Hilfeleistungen ermittelt. Als direkte Hilfe werden Hilfeleistungen zur Unterstützung oder Ausführung von Tätigkeiten anerkannt. Als indirekte Hilfe werden Anleitungen, Kontrolle sowie Überwachung bei der Ausführung von Tätigkeiten anerkannt (vgl.
Kreisschrei
ben
über den Assistenzbeitrag, KSAB,
Rz
4005).
Um die notwendige Einstufung für die einzelnen Hilfeleistungen zu bestimmen, müssen die IV-Stellen Aussagen der versicherten Person, Anmerkungen der Abklärungsperson sowie Erfahrungswerte berücksichtigen. Als Unterstützung sind im FAKT Fallbeispiele hinterlegt, die eine möglichst standardisierte Erfas
sung erlauben (KSAB
Rz
4101).
1.6
Der Gesetzgeber hat als Übergangsregelung für die Teilnehmerinnen und Teil-nehmer am Pilotversuch „Assistenzbudget“ im Hinblick auf das Inkrafttreten der IVG-Revision 6a am
1.
Januar 2012 bestimmt, dass Versicherte, die im Monat vor Inkrafttreten dieser Änderung Anspruch auf Leistungen über den Pilotver
such „Assistenzbudget“ hatten un
d die Voraussetzungen nach Art.
42
quater
IVG erfüllen, Anspruch auf einen Assistenzbeitrag haben, ohne ihn geltend machen zu müssen.
Sie erhalten
die
Leistungen nach der genannten Verordnung, bis die IV-Stelle den Umfang des Assistenzbeitrags nach Ar. 42
sexies
IVG verfügt hat, längstens jedoch während zwölf Monaten nach Inkrafttreten dieser Änderung.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) auf das FAKT
(
Urk.
12/363)
und ging hinsichtlich der Hilfeleistungen von einem monatlichen Bedarf von
105.9
Stunden
,
der
mit
Fr.
32.50
pro
Stunde
vergütet
wurde
(
Fr.
3‘440.80)
,
und
-
von 30.4 jeweils mit
Fr.
10.80 zu entschädigenden -
Stunden für
Nachtdienst
aus
(
Fr.
328.50)
, so dass der Assistenzbeitrag
Fr.
3‘769.30 (maximal Fr. 5‘653.90
) pro Monat respektive
Fr.
45‘231.30
pro Jahr
betrage
(S.
2 oben).
Weiter hielt die Beschwerdegegnerin zusammengefasst fest, ein direkter Ver
gleich zwischen Assistenzbudget und -beitrag sei nicht zulässig, da Vorausset
zungen und Bedingungen nicht die gleichen seien. Beim Pilotversuch „Assistenzbudget“ sei der Hilfebedarf hauptsächlich aufgrund der
Selbstdekla
ration
und des Abklärungsberichts betreffend
Hilflosenentschädigung
erfolgt. Die Einstufung im Rahmen des Assistenzbudgets könne für den Assistenzbeitrag nicht mehr als Bemessungsgrundlage herangezogen werden (S.
2
f.).
Für den Assistenzbeitrag sei der Hilfebedarf mittels des
FAKT
ermittelt worden. Dies erfolge so, dass jeder Bereich weiter unterte
ilt werde in Teilbereiche (Art.
39c IVV). Für jeden Teilbereich müsse die Stufenhöhe bestimmt werden. Sobald diese festgelegt sei, stehe es der Abklärungsperson nicht frei, die Anzahl benötigter Minuten zu bestimmen. Vielmehr sei die Anzahl der anrechenbaren Minuten bereits in der Stufeneinteilung vorgesehen. Die anrechenbare
Minuten
zahl
pro Stufe sei bereits im FAKT enthalten, welches
„
vom Gesetzgeber erstellt" worden sei. Damit sei sichergestellt, dass für den gleich hohen Hilfebedarf die gleiche Zeitbemessung angerechnet werde. Die Stufeneinteilung diene der prä
ziseren Bestimmung des tatsächlich benötigten Hilfebedarfs. Um eine allzu the
oretische Einschätzung zu vermeiden, zeige FAKT bezüglich jeder Tätigkeit und jeder Stufe Beispiele auf. Diese sollen erläutern, welche Tätigkeiten in den unterschiedlichen Stufen noch selbständig mach
bar seien und bei
welchen
Dritt
hilfe benötigt werde (S. 3
).
Das Vorliegen einer entsprechenden Hilflosigkeitsstufe führe nicht zwingend zum Höchstansatz an Hilfebedarf. Es bestehe nur ein Anspruch auf den tatsächlich anerkannten Hilfebedarf
.
Die Abklärung sei durch eine qualifizierte Abklärungsperson durchgeführt worden und dem FAKT komme Beweiswert zu
(S. 3 f.).
Die von der Beschwerdeführerin erhobenen Einwände betreffend die Einstufun
gen seien im Einzelnen geprüft worden. Das FAKT zeige jedoch bei jeder Stufe Beispiele für die Einstufung auf und in den einzelnen Stufen seien standardi
sierte Minutenwerte hinterlegt,
wobei
die Abklärungsperson keine eigene Ge
wichtung des zeitlichen Bedarfs vornehme. Bei ihren diversen Anmerkungen handle es sich um Stufenumschreibungen und Anhaltspunkte zur
Stufeneintei
lung
. Ein kurzfristiger Mehrbedarf aufgrund einer Akuterkrankung
könne den W
eisung
en zu Folge nur bei leichter
Hilflosenentschädigung
zu einer Erhöhung des anerkannten Notbedarfs führen (S. 4).
In der Vernehmlassung machte sie w
eiter geltend, dass es sich bei den
Abklä
rungspersonen
um qualifizierte Mitarbeitende handle und eine Delegation der staatlichen (Abklärungs-)Aufgaben gesetzwidrig wäre. In Bezug auf die
Ent
schädigungsansätze
sowie den Abzug der
Hilflosenentschädigung
verwies die
Beschwerdegegnerin schliesslich
auf die für sie verbindliche Regelung des Bun
desrates (Urk. 11).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin beschwerdeweise (
Urk.
1) entgegen, dass sich ihr Gesundheitszustand stetig verschlechtere. Ihre Bewegungsfreiheit sei immer mehr eingeschränkt und ihre Sprechfähigkeit gestalte sich schwieriger
(
S. 5).
Verordnung und Kreisschreiben verletz
t
e
n
Bundes- und Verfassungsrecht und verst
ie
sse
n
gegen die Menschenrechte (S. 13 f.). Die Abklärungsperson sei nicht hinreichend qualifiziert für eine fachgerechte Erhebung des Hilfebedarfs (S. 16 f.) und auch nicht unabhängig (S. 22). Sie, die Beschwerdeführerin, sei in diversen - näher umschriebenen - Punkten in eine sehr niedrige Stufe eingeteilt worden (S. 19 f.). Die
Hilflosenentschädigung
sei vom Gesetzgeber zum Aus
gleich von nicht direkt nachweisbaren behinderungsbedingten Kosten gedacht gewesen; aus den arbeitsvertraglichen Verpflichtungen mit der Assistenzperson entstünden Kosten, die nicht direkt mit dem Stundenlohn abgegolten werden könn
t
en. Daher sei die Umrechnung der
Hilflosenentschädigung
in Stunden mittels eines Betrages von
Fr.
32.50 unsachgemäss und der Abzug vom
Assis
tenzbedarf
untauglich (S. 22-25).
Der Stundenansatz von
Fr.
32.50 sei nicht marktüblich und
erschwere
die Anstellung von geeigneten Assistenzpersonen (S. 25 f.). Sie machte zudem geltend, dass (auch) Versicherte mit Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
schweren Grades nicht bloss in den alltäglichen Lebensverrichtungen, sondern auch in der lebenspraktischen Begleitung der Hilfe bedürf
t
en. Da die
Hilflosenentschädigung
vom Gesamtbedarf des
Assis
tenzbeitrages
in Abzug gebracht werde, müsse auch der
gesamte
Hilfeb
edarf berücksichtigt werden (S.
26 f.).
Ferner brachte die Beschwerdeführerin vor (
Urk.
15), dass die Differenz des
Assis
tenzbeitrages
zum Assistenzbudget rund
Fr.
2‘000.-- betrage
; si
e
habe zu wenig Zeit gehabt
, um sich mit ihrem 16-köpfigen Assistenzteam den geänder
ten Umständen anzupassen (S. 3 f.). Das FAKT erachtete sie als nicht
beweis
tauglich
(S. 5 f.) beziehungsweise als intransparent (S. 9 f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist zunächst einerseits die Frage der Überführung des Assistenzbudgets in den Assistenzbeitrag und andererseits, ob die Verhältnisse hinreichend abgeklärt sind.
3.
3.1
Der Gesetzgeber hat in der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen
Schluss
bestim
mung
der IV-Revision 6a den Übergang vom Pilotversuch
Assis
tenz
budget
zum Assistenzbeitrag in dem Sinne sichergestellt, dass die Teil
nehmer und Teilnehmerinnen am Pilotversuch, welche die Anspruchsvoraus
setzungen für einen Assistenzbeitrag erfüllen, nach Abschluss des Pilotversuchs ohne Unterbruch Leistungen zur Finanzierung der benötigten Hilfeleistungen erhal
ten. Solange die benötigten Hilfeleistungen nicht ermittelt sind und der
Assistenz
beitrag
nicht rechtskräftig verfügt ist, wird die bisherige Leistung aus dem Pilotversuch weiter ausgerichtet (Botschaft zur Änderung des IVG,
6.
IV
Revision, erstes Massnahmenpaket, vom 2
4.
Februar 2010,
BB
l
2010 S.
1912).
Diese Bestimmung ist dahin gehend zu verstehen, dass in zeitlicher Hinsicht hin
sichtlich des Assistenzbudgets ein beschränkter Besitzstand bis zur rechts
kräftigen Ermittlung des Assistenzbeitrages respektive längstens während eines Jahres nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung gewährt wird. Aus dem Wort
laut der Übergangsbestimmung kann hingegen nicht abgeleitet werden, dass die Festsetzung des Hilfebedarfs für den Assistenzbeitrag durch den im Rahmen des Assistenzbudgets anerkannten Bedarf präjudiziert werden sollte, wovon auch im KSAB
Rz
1019 ausgegangen wurde. Dies rechtfertigt sich auch mit Blick auf die rechtsgleiche Behandlung der Versicherten, ist doch der Anspruch auf den Assistenzbeitrag mit dem Inkra
fttreten der Vorschriften am 1.
Januar 2012 für alle Leistungsbezüger nach den gleichen Bestimmungen zu ermitteln.
Die Beschwerdegegnerin hat sich daher zu Unrecht auf die Revisionsvorschrift von
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV gestützt und bereits mit Wirkung ab
1.
Oktober
2012 anstelle des (höheren) Assistenzbudgets den (tieferen) Assistenzbeitrag ausgerichtet. In diesem Zeitpunkt lag
betreffend den Assistenzbeitrag
noch kein rechtskräftiger Entscheid vor, so dass Kraft der dargelegten Übergangsbestim
mung bis 3
1.
Dezember 2012 die im Rahmen des Pilotversuch
s
„
Assistenz
budget
“
gewährten Leistung
en
(Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St
. Gallen vom
2
3.
August 2006
,
Urk.
12/259
)
weiter auszurichten sind,
gegebenenfalls unter Berücksichtigung der ab
Oktober 2012
wieder
aufge
nommenen Auszahlung der
Hilflosenentschädigung
(Urk.
12/374).
Insoweit ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
In Anbetracht des klaren
W
ortlautes
der Übergangsbestimmung
besteht hinge
gen kein Raum, über den 3
1.
Dezember 2012 hinaus die höheren Leistungen des
Assistenzbudget
auszurichten.
3.2
Wenn auch, wie
vorstehend ausgeführt
, kein Anspruch besteht auf Weiter
führung des im Rahmen des Assistenzbudgets anerkannten Hilfebedarfs, so ist de
r
Beschwerdeführer
in insofern
beizupflichten, dass weder für
sie
noch für das Gericht der nunmehr im FAKT angenommene, erheblich tiefere Hilfebedarf nachvollziehbar ist. Insbesondere ist nicht ersichtlich, ob d
ie
Beschwerdeführe
r
in
anlässlich der
Abklärung
vor Ort
einen Hilfebedarf angegeben und inwiefern dieser ins FAKT eingeflossen ist.
Ausgewiesen
ist
, dass die Beschwerdeführerin in der Eingabe vom 1
1.
April 2012 Einwendungen erhoben und ihre Situation beschrieben hat (
Urk.
12/366). Die diesbezüglichen Ausführungen der
Beschwer
degegnerin
erschöpfen sich jedoch im Hinweis der Abklärungsperson, „Die Anmerkungen wurden mit der Versicherten vor Ort besprochen und im Abklärungsbericht dementsprechend berücksichtigt.“ (Urk. 12/367)
. Dabei ist
weder
erkennbar
noch dargelegt
,
ob und
inwie
weit die Abklärungsperson
de
r eigenen Einschätzung d
er Beschwerdef
ührerin Rechnung getragen hat.
3.3
Nach Auffassung der Beschwerdeführerin
ist
mit dem in
Art.
39f
Abs.
3 IVV festgelegten Stundenansatz von
Fr.
32.50 (ab
1.
Januar 2013
Fr.
32.80)
die
Anstellung von geeigneten Assistenzpersonen erschwert
, weil dieser Lohn
weder
marktüblich, marktkonform noch sozialverträglich sei (
Urk.
1 S. 25 f.).
Gemäss der derzeit verfügbaren Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2010 betrug im privaten Sektor der durchschnittliche Monatslohn (ohne Berücksichtigung des Geschlechts) für nichtqualifizierte Arbeitskräfte (
Anfor
derungsniveau
4) im Durchschnitt aller Branchen
Fr.
4‘525.-- und im
Gesund
heits
- und Sozialwesen
Fr.
4‘700.-- (Tabelle TA1 S. 26-27). Die Lohnangaben der LSE basieren auf einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Das Monatsein
kommen von
Fr.
4‘525.-- entspricht somit einem Stundenlohn von
Fr.
28.30 (
Fr.
4‘525.
-- :
4 : 40) und das Monatseinkommen von
Fr.
4‘700.-- entspricht einem Stundenansatz von
Fr.
29.40 (
Fr.
4‘700.-- : 4 : 40). Diese Stundenansätze liegen selbst unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung von
0.6
%
respektive 0
.3
%
im Gesundheits- und Sozialwesen in den Jahren 2011 und 2012 (vgl. Die Volkswirtschaft
7/8
-2014, S.
93
, Tabelle B10.2) unter dem in
Art.
39f
Abs.
1 IVV festgelegten Stundenansatz von
Fr.
32.5
0.
Laut
LSE 2010 erzielten gelernte Arbeitskräfte (Anforderungsniveau 3) im Durch
schnitt aller Branchen ein Einkommen von monatlich
Fr.
5‘674.-- und im Gesundheits- und Sozialwesen ein solches v
on
Fr.
5‘759.-- (Tabelle TA1 S.
2627). Dem Einkommen von
Fr.
5‘674.--
liegt ein Stundenansatz von Fr.
35.50 zu Grunde und dem Einkommen von
Fr.
5‘759.-- ein solcher von Fr.
36.-- (
Fr.
5‘674.-- respektive
Fr.
5‘759.
-- :
4 : 40).
In den Tätigkeiten auf dem Anforderungsniveau 1 oder 2 (Verrichtung selb
ständi
ger und qualifizierter Arbeiten respektive Verrichtung höchst anspruchs
voller schwierigster Arbeiten) betrug das Total aller Löhne monatlich
Fr.
7‘629.
und der durchschnittliche Monatslohn im Gesundheits- und Sozial
wesen
Fr.
7‘005.-- (vgl. Tabelle TA1 S
. 26-27). Dem Einkommen von Fr.
7‘629.
liegt ein Stundenansatz von
Fr.
47.70 zu Grunde und dem Ein
kommen von
Fr.
7‘005.-- ein solcher von
Fr.
43.80 (
Fr.
7‘629.-- respektive
Fr.
7‘005.
-- :
4 : 40).
Auch auf höherem Anforderungsniveau liegen die Stundenansätze unter Berück
sichtigung der genannten Lohnentwicklung in den Jahren 2011 und 2012 somit unter respektive im Bereich des in
Art.
39f
Abs.
2 IVV festgelegten Stundenansatzes von
Fr.
48.75 (zum Ganzen ebenso die Urteile
des hiesigen Gerichts
IV.2012.00949 und IV.2012.00950 vom 3
1.
Januar 2014
jeweils
E. 5
und IV.2012.01030
vom 3
0.
April
2014
E. 3.4
).
Nichts anderes ergibt sich aus der
Verordnung über den Normalarbeitsvertrag für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Hauswirtschaft (
NAV Haus
wirtschaft
)
. Diese schreibt in
Art.
5
Abs.
1 NAV Hauswirtschaft, in Kraft vom
1.
Januar 2011 bis 3
1.
Dezember 2013, Mindestlöhne zwischen
Fr.
18.55 (Ungelernte) und höchstens
Fr.
22.40 (Gelernte mit Eidgenössischem
Berufs
attest
als Fachfrau/
Mann
Hauswirtschaft) vor, was erheblich unter de
n
in
Art.
39f
Abs.
1 IVV festgelegten Ansätzen liegt. Ob diese Eidgenössische NAV in Anbetracht des Zürcher Normalarbeitsvertrages für hauswirtschaftliche Arbeitnehmer, der gar keine Mindestlöhne vorsieht, überhaupt zur Anwendung gelangt (
Art.
1
Abs.
2 NAV Hauswirtschaft), braucht unter diesen Umständen nicht näher beleuchtet zu werden. Von fehlender Marktkonformität kann jedenfalls in Bezug auf die in
Art.
39f
Abs.
1 und 2 IVV genannten
Stunden
ansätze
für den Assistenzbeitrag nicht gesprochen werden.
Schliesslich bleibt zu bemerken, dass in der Bot
schaft zur Änderung des IVG, 6.
IV
-
Revision, erstes Massnahmenpaket, von Stundenpauschalen von
Fr.
30.-- beziehungsweise
Fr.
45.-- die Rede war (
BBl
2010 S. 1906). Danach hat sich der Verordnungsgeber korrekterweise gerichtet.
3.4
Betreffend die Anrechnung der
Hilflosenentschädigung
schreibt
Art.
42
sexies
Abs.
1
lit
. a IVG vor, dass vom Assistenzbeitrag die
Hilflosenentschädigung
in Abzug zu bringen, mithin der Assistenzbeitrag gegenüber dieser - wie auch gegenüber anderen Leistungen der Sozialversicherungen - subsidiär ist.
Entge
gen der Ansicht der Beschwerdeführerin kann daher weder die Verwaltung noch das Gericht vom entsprechenden Abzug Umgang nehmen.
Gemäss Botschaft zur Änderung des IVG vom 2
4.
Februar 2010 hat die Reduk
tion dergestalt zu erfolgen, dass der durch die
Hilflosenentschädigung
gedeckte zeitliche Umfang ermittelt wird, indem der Betrag der
Hilflosenentschädigung
durch den Stundenansatz des Assistenzbeitrages dividiert wird (S. 1903). Die
Hilflosenentschädigung
de
r
Beschwerdeführer
in
betrug im Jahr 2012
monatlich
Fr.
1‘856.--
(
Urk.
12/374
); beim im gleichen Jahr massgebenden Stundenansatz von
Fr.
32.50 (
Art.
39f
Abs.
1 IVV) ist der gesamte erhobene Hilfebedarf um
57.11
Stunden (
Fr.
1‘856.
--
:
Fr.
32.50) zu reduzieren. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin laut der Berechnung des Assistenzbeitrages im FAKT
aus
gehend vom
gesamten Hilfebedarf von
162.98
Stunden den anerkannten
Assistenz
bedarf
auf
105.90
Stunden
(
162.98 .
/. 57.11)
festgesetzt (
Urk.
12/363/46-
47), was nach dem Gesagten im Einklang mit der Rechtslage steht und nicht zu beanstanden ist.
4.
4.1
Vom Gesagten abgesehen haben nach
Art.
42 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör (
Art.
57a
Abs.
1 IVG).
Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbeson
dere das Recht, erhebliche Beweise beizubringen, mit erheblichen Beweisanträ
gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mit
zuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinfluss
en (vgl. BGE 127 I 56 E.
2b, 127 III 578 E. 2c, 126 V 130 E. 2a, BGE 124 V 181 E. 1a, je mit Hinweisen;
Kieser
, ATSG-Kommentar,
N 11 ff. zu
Art.
42).
Ein weiterer Aspekt des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist das Recht auf eine Begründung, welche die versicherte Person in die Lage versetzt, einen Entscheid sachgerecht anzufechten. Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begründung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von
denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und weshalb die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält oder ob sie es überhaupt in Betracht gezogen hat; sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versicherten Person seien zur Kenntnis genommen und geprüft worden (
Kieser
, a.a.O., N 38 zu
Art.
49 ATSG, mit Hinweis auf BGE 124 V 182 f.). Die Begrün
dung muss so abgefasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheids möglich ist (
Kieser
, a.a.O.,
N 126 zu
Art.
61 ATSG in Verbindung mit N 33 zu
Art.
52 ATSG).
4.2
In Anbetracht der erheblichen Abweichung von den Angaben in der
im Hin
blick auf
die Ermittlung des
Assistenzbudget
s
eingeholten Selbstdeklaration
(
Urk.
12/212)
ist der mittels FAKT festgelegte Hilfebedarf nicht hinreichend begründet, da die massgeblichen Überlegungen, welche zum Entscheid geführt haben, nicht genannt werden. Die Beschwerdegegnerin hat in keiner Weise dar
getan, weshalb sich ihre Einschätzung
derart
von den früheren Selbstangaben unterscheidet und weshalb diesen nicht Rechnung getragen werden kann.
Ebenso wenig wird Bezug genommen auf die Darstellung der Verhältnisse im Schreiben vom 1
1.
April 2012 (
Urk.
12/366; vgl.
hiezu
auch E. 3.2).
Damit ist die Verfügung schon aus diesem Grunde aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur
rechtsgenüglichen
Begründung zurückzuweisen.
4.3
Der Mangel wird auch nicht durch den FAKT-Ausdruck (
Urk.
12/363
) beseitigt. denn dieser ist weder übersichtlich noch selbsterklärend. Der Ausdruck verfügt über kein Inhaltsverzeichnis und die massgeblichen Gesetzes- und
Verord
nungsbestimmungen
bei den einzelnen Berechnungsschritten werden nicht angegeben. Insbesondere bleibt unverständlich, wie die Ermittlung des Bedarfs in den einzelnen Teilbereichen zustande kommt und ob es sich um einen Numerus Clausus möglicher Begründungen der jeweiligen Stufe handelt. Eben
falls nicht ersichtlich ist, ob die Begründungsbeispiele bloss
-
wie vermutet
alternativ oder auch kumulativ verwendet werden können. Zudem kann allein gestützt auf den FAKT-Ausdruck nicht nachvollzogen werden, ob sich hinter den verschiedenen Begründungsbeispielen immer dieselbe
-
und falls nicht, dann welche
-
Anzahl Minuten Hilfebedarf verbirgt, was zu erfahren aber not
wendig wäre, um abschätzen zu können, ob die Verwaltung in ihrem
Abklä
rungsinstrument
angemessene generell-abstrakte Einschätzungen getroffen hat (so bereits Urteil
e d
es hiesigen Sozialversicherungsgerichts vom 3
0.
November
2013, IV.2013.00278, E. 3.3
, vom 3
1.
Januar 2014, IV.2012.00948,
IV.2012.00981
, IV.2013.00129
, und vom 3
0.
April 2014, IV.2012.01030
).
Die Beschwerdegegnerin hat im FAKT nicht sämtliche Begründungsbeispiele samt damit verbundener Minutenzahl offengelegt, weshalb
die
Beschwerde
führer
in
in Unkenntnis der hinterlegten Zeiten für die verschiedenen Stufen kaum in der Lage war, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Dem Gericht bleibt dadurch eine abschliessende Prüfung verwehrt.
In Bezug auf die Fragen der Einstufung in den einzelnen Teilbereichen ist daher die Beschwerde gutzuheissen und die Sache ist nicht nur zur Offenlegung des dem FAKT zugrunde gelegten Berechnungsschlüssels, sondern zur nachvoll
ziehbaren Erläuterung der vorgenommenen Einstufungen an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen, damit das Gericht im Beschwerdefall die im FAKT getroffenen generell-abstrakten Einschätzungen sowie das Ermessen der Abklärungsperson im konkreten Fall sachgerecht überprüfen kann (vgl. auch
vorstehend
erwähnte Urteil
e
IV.2013.00278,
IV.2012.00948, IV.2012.00981, IV.2013.00129
, IV.201
2
.01030
).
4.4
Sodann ist festzuhalten, dass das KSAB eine Selbstdeklaration des Hilfebedarfs durch die versicherte Person (
Rz
6011) und grundsätzlich eine Abklärung vor Ort verlangt (
Rz
6015). Entgegen dieser Weisung hat die Beschwerdegegnerin, wie gesagt, keine Selbstdeklaration eingeholt, was sie nachzuholen hat.
Da sich die Anspruchsvoraussetzungen für den Hilfebedarf im Rahmen des
Assistenz
budget
s
nicht mit jenen für den Assistenzbeitrag decken, vermag die seinerzeit eingeholte Selbstdeklaration (
Urk.
12/212) eine aktuelle, sachbezogene
Selbst
deklaration
nicht zu ersetzen.
Es geht auch nicht an, vom
Beizug
der
Selbstde
klaration
abzusehen, wei
l die Beschwerdeführerin am 11.
April 2012 (
Urk.
12/366) bereits eine eigene Schilderung ihrer Einschränkungen zu den Akten gereicht hat, verlangt doch das Kreisschreiben, dass der
Ansprecherin
ein Formular zum Ausfüllen vorgelegt wird (
Rz
6011), was angesichts der Komple
xität der Fragestellung bei der Ermittlung des Hilfebedarfs in den verschiedenen Teilbereichen gerechtfertigt erscheint. Die Beschwerdegegnerin wird sich sodann im FAKT mit dem Standpunkt der Beschwerdeführerin auseinanderzusetzen und darzulegen haben, weshalb sie diesem nicht
und nur teilweise folgt
.
Dies recht
fertigt sich hier umso mehr, als der Hausarzt
Dr.
med.
Y._
bereits am
7.
April 2009 eine
n
Bedarf an Pflegeassistenz von 7.5 Stunden pro Tag angab (
Urk.
12/322/5)
. Davon ist die
Beschwerdegegnerin trotz
der
Progredienz der
Friedreichsche
n
Ataxie und deren Symptomatik
(vgl. Bericht von
Dr.
Y._
vom 1
3.
März 2012,
Urk.
12/361)
ohne Konsultation des Regionalen Ärztlichen Die
nstes (vgl. dazu KSAB
Rz
6018
)
und ohne Be
gründung - erheblich abgewi
chen
. Unter diese
n
Umständen ist
dem FAKT
kein
Beweiswert
zuzumessen, denn dafür ist erf
orderlich, dass darin die Angaben der versicherten Person berück
sichtigt und die divergierenden Meinungen der Beteiligten aufgezeigt werden.
Zu
Handen
de
r
Beschwerdeführer
in
bleibt mit Blick auf die
Abklärungsmass
nahmen
festzuhalten, dass nicht einzusehen ist, weshalb für eine neutrale,
ihren
Einschränkungen und spezifischen Bedürfnissen Rechnung tragende Ein
schätzung des Hilfebedarfs nur eine Abklärungsperson
mit (Spezial)Kenntnissen, die ausserhalb der Verwaltung steht,
in Betracht fällt. Entscheidend ist
vielmehr
, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat (vgl. etwa AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I
733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 f. E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit).
4.5
Die Beschwerdeführerin
hat im Einwand zum Vorbescheid
unter Hinweis auf die ihr erschwerte Kommunikation im
Detail ihren Hilfebedarf beschrieben
und die aus ihrer Sicht zutreffende Stufeneinteilung geltend gemacht (
Urk.
12/368). De
m
angefochtenen
Entscheid
ist zwar zu entnehmen, dass diese Anträge im Einzelnen geprüft wurden (
Urk.
2 S. 4 Mitte). Allein die allgemein gehaltenen
verfügungsweisen
Ausführungen zur Festlegung des Hilfebedarfs durch die Abklärungsperson
entbehren einer
Auseinandersetzung mit den
konkreten
Vo
r
bringen der Beschwerdeführerin
,
so dass
nicht ersichtlich ist, weshalb die Dar
stellung der Beschwerdeführerin aus Sicht der Beschwerdegegnerin
nicht mass
geblich
ist.
Die Verfügung verletzt
auch diesbezüglich
die verfassungsrechtlichen Anforde
run
gen, welche die Rechtsprechung an eine
rechtsgenügliche
Begrün
dung stellt (vorstehend E. 4.1).
4.6
Zusammenfassend ist die Beschwerde
in Bezug auf den Leistungsanspruch an sich
in dem Sinne gutzuheissen, dass der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre und über den Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf Assistenzbeitrag neu verfüge.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.3
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
) und sind ermessensweise auf
Fr.
2‘
5
00.--- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzulegen und von der Beschwerdegegnerin zu tragen.
5.4
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das Begehren der Beschwerde
führerin um unentgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos.
Da dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin stattgegeben wird,
ist aus
pro
zess
ökonomischen
Gründen von der
Durchführung einer
öffentlichen
Ver
handlung
abzusehen, zumal e
ine solche am Verfahrensausgang nichts zu ändern vermöchte.
Mit
dem Entscheid in der Sache selbst
ist sodann
das Gesuch um
Anordnung von vorsorglichen Massnahmen h
infällig beziehungsweise gegenstandslos ge
worden.