Decision ID: a0f709e4-e497-4268-a982-821b97f0c786
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 23. Februar 2022 in der Schweiz um
Asyl nach.
B.
Ein am 25. Februar 2022 erfolgter Abgleich mit der europäischen Finger-
abdruckdatenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass er am 21. Oktober
2019 in Griechenland ein Asylgesuch eingereicht hatte und ihm dort am
3. Juni 2020 internationaler Schutz gewährt worden war.
C.
Am 2. März 2022 fand die Erhebung der Personendaten statt.
D.
Am 7. März 2022 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen des persönli-
chen Dublin-Gesprächs angehört. Er reichte fünf Fotografien, die ihn unter
anderem mit weiteren Personen im Camp Moria zeigen, sowie eine Identi-
tätskarte (in Kopie) zu den Akten.
Gleichentags wurde ihm das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nicht-
eintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) er-
teilt.
E.
In seiner Stellungnahme vom 11. März 2022 wies der Beschwerdeführer
auf die angeblich misslichen Umstände in Griechenland hin. Als er den in-
ternationalen Schutzstatus erhalten habe, habe er das Camp Moria verlas-
sen müssen. Er sei nach Athen gegangen, wo er alleine und ohne Unter-
stützung der griechischen Behörden gelebt habe. Aufgrund der finanziellen
Unsicherheiten und der fehlenden Unterkunft habe er ins Camp Moria zu-
rückkehren wollen, er habe sich aber nicht mehr dort aufhalten dürfen und
sei von anderen Asylsuchenden geschlagen worden, worauf er nach Athen
zurückgekehrt sei. Dort sei er Opfer einer versuchten Vergewaltigung ge-
worden; den Vorfall habe er den Behörden gemeldet, diese hätten ihm nicht
geholfen. Weiter leide er an gesundheitlichen Problemen (Zysten an den
Hoden und Hämorrhoidalproblemen, Hüftschmerzen sowie Augenschmer-
zen). In Griechenland habe er keinen Zugang zu Sozialleistungen, Unter-
kunft sowie medizinischer Versorgung erhalten.
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Bezüglich der Ausführungen zur Situation in Griechenland und insbeson-
dere den Zuständen im Camp Moria kann auf die Akten verwiesen werden.
F.
Am 11. März 2022 ersuchte das SEM die griechischen Behörden gestützt
auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in
den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Drittstaatsange-
höriger und auf das Abkommen zwischen der Schweiz und Griechenland
über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom
28. August 2006 (SR 0.142.113.729) schriftlich um Rückübernahme des
Beschwerdeführers.
G.
Am 12. März 2022 teilten die griechischen Behörden mit, der Wiederauf-
nahme werde zugestimmt, da dem Beschwerdeführer am 3. Juni 2020 der
Flüchtlingsstatus zuerkannt worden sei und er über einen bis zum 23. Juni
2023 gültigen Aufenthaltstitel verfüge.
H.
Mit Eingabe vom 29. März 2022 wies der Beschwerdeführer erneut auf
einen Vergewaltigungsversuch durch weisse Personen, das angebliche
Untätigbleiben der Behörden und die allgemein schwierige Situation in
Griechenland sowie die medizinischen Abklärungen vom 11. März 2022
und vom 23. März 2022 hin.
I.
Im Verlauf des Verfahrens fanden verschiedene medizinische Untersu-
chungen bezüglich (chronischer) Hämorrhoidalprobleme mit zeitweiligen
Frischblutabgängen, skrotale Schmerzen im Bereich der Nebenhoden so-
wie Augenschmerzen statt (am 11. März 2022, am 23. März 2022 sowie
am 30. März 2022). Der Beschwerdeführer wurde nach weiteren proktolo-
gischen Untersuchungen (medizinische Berichte vom 2. Mai 2022 und vom
17. Mai 2022) am 3. Juni 2022 hinsichtlich seiner Hämorrhoidalleiden ope-
riert. Der medizinische Bericht vom 7. Juni 2022 erwähnt Schmerzen nach
der Hämorrhoidalknotenentfernung, die Wunde sei reizlos und es würden
keine Entzündungszeichen vorliegen. Weitere medizinische Berichte vom
10. Juni 2022 und dem 15. Juni 2022 betreffen die Nachbehandlung und
Medikamentenanpassung. Bezüglich seiner Hodenprobleme wurde er am
19. Mai 2022 untersucht, wobei vermutlich eine chronische Epididymitis
vorliege.
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J.
Das SEM liess dem Beschwerdeführer am 31. März 2022 einen Entscheid-
entwurf zur Stellungnahme zukommen und er nahm am 1. April 2022 dazu
Stellung.
Der Beschwerdeführer führte aus, B._ (seine Lebenspartnerin) –
die er zuletzt gesehen habe, als sie im 8. Monat schwanger gewesen sei,
– und ihr gemeinsamer Sohn würden sich in der Schweiz aufhalten. Sie
hätten nicht gemeinsam in die Schweiz reisen können, da hierzu die finan-
ziellen Mittel gefehlt hätten. Seine Partnerin habe ihn telefonisch kontak-
tiert und dahingehend informiert, dass sie sich in der Schweiz befinde. Al-
lerdings habe er sein Mobiltelefon verloren, weshalb er sie nicht mehr habe
kontaktieren können. Er habe mithilfe seiner Bekannten und Familienan-
gehörigen erfolglos versucht, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen.
Wiederum wurde auf die misslichen Umstände in Griechenland sowie
seine individuellen Erlebnisse hingewiesen (Leben auf der Strasse und
Vergewaltigungsversuch). Er sei dort auch von anderen Eritreern bedroht
und aufgefordert worden, politische Aktivitäten zu unterlassen. Zudem
sorge er sich um seine Gesundheit; seine medizinischen Probleme würden
in Griechenland unbehandelt bleiben.
K.
Mit Verfügung vom 5. April 2022 – gleichentags eröffnet – trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, der geltend ge-
machte Vergewaltigungsversuch bleibe unbelegt, zumal der Beschwerde-
führer keine diesbezüglichen Beweismittel beigebracht habe; es würden
keine konkreten Hinweise vorliegen, dass die griechischen Behörden nicht
schutzwillig wären. Als anerkannter Flüchtling müsse er sich nicht mehr im
Camp Moria, sondern könne sich auf dem gesamten griechischen Staats-
gebiet aufhalten; die eingereichten Fotografien würden auch nicht bewei-
sen, dass die griechischen Behörden ihre Pflichten nicht erfüllt hätten. Zu-
dem habe er die Anwesenheit von B._ und des gemeinsamen Kin-
des in der Schweiz vor der Stellungnahme vom 1. April 2022 lediglich bei
der Erhebung der Personendaten am 2. März 2022 erwähnt, wobei er
keine Details zu ihrer Identität und Anwesenheit in der Schweiz angegeben
habe. Demnach habe er keine tatsächliche, gelebte Beziehung zu
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B._ und seinem Kind im Sinne von Art. 8 EMRK nachweisen kön-
nen. Es stünde ihm offen, bei den griechischen Behörden auf diese Situa-
tion hinzuweisen und eine Familienzusammenführung oder Neubeurtei-
lung seines Status zu beantragen.
Bezüglich der medizinischen Probleme wurde unter anderem festgehalten,
dass die langjährige Hämorrhoidalerkrankung mit episodischem Juckreiz,
Defäkationsschmerzen und Frischblutabgängen trotz andauernder
Schmerzen klar diagnostiziert sei, was auch vom Spitalarzt bestätigt
würde. Die nötigen Therapien seien ebenso etabliert. Angesichts dieser
klaren medizinischen Ausgangslage sei der Zugang zu den griechischen
Einrichtungen als gegeben zu erachten. Er könne die notwendige medizi-
nische Behandlung und weitergehenden Therapien in Anspruch nehmen
und bei den griechischen Behörden allenfalls auf dem Rechtsweg einfor-
dern. Die griechischen Behörden würden bei der Überstellung über seinen
Gesundheitszustand und die weitergehenden notwendigen Behandlungen
informiert.
Bezüglich der Ausführungen zur Situation in Griechenland kann auf die Ak-
ten verwiesen werden.
L.
Mit Eingabe vom 12. April 2022 erhob der Beschwerdeführer durch die
rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
gegen diese Verfügung und beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neube-
urteilung, eventualiter die Feststellung der Unzumutbarkeit beziehungs-
weise Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs sowie subeventualiter die
Anweisung an das SEM, auf das Asylgesuch einzutreten und dieses mate-
riell zu prüfen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses ersucht.
Dabei führte er aus, seiner Rechtsvertretung sei am Tag der Entscheider-
öffnung eine Anfrage des Bundesasylzentrums (BAZ) C._ weiter-
geleitet worden. Darin habe die Rechtsvertretung von B._ um Kon-
taktaufnahme ersucht, da sie von seinem Aufenthaltsort erfahren habe. Sie
habe einen positiven Asylentscheid erhalten und benötige die Unterstüt-
zung ihres Partners und Vaters des gemeinsamen Sohnes, insbesondere
da letzterer gesundheitliche Probleme habe – Atemprobleme bezüglich de-
rer er bereits operiert worden sei – und sie an psychischen Beschwerden
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leide. Am Eröffnungstermin des angefochtenen Entscheids sei dem Be-
schwerdeführer die Aufenthaltsadresse und die Telefonnummer von
B._ mitgeteilt worden. Unmittelbar nach seiner Ankunft und beim
ersten Behördenkontakt habe er seine Partnerin erwähnt. Es könne ihm
nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass er erst in der Stellungnahme zum
Entscheid erneut erklärt habe, er könne seine Partnerin nicht finden. In sei-
nem Verständnis sei ihm ausdrücklich gesagt worden, dass er seine Part-
nerin selbst finden müsse. Offenkundig habe auch seine Partnerin ihn ge-
sucht. Zufällig und über die zahlreichen Anfragen an Bekannte habe sie ihn
gefunden. Der Beschwerdeführer und seine Partnerin würden aus demsel-
ben Dorf stammen; er habe sie auf der Flucht im Sudan wieder getroffen,
wobei sie nach ihrer Ankunft in Griechenland mehr als ein Jahr als gemein-
sames Paar gelebt hätten.
Der Beschwerdeführer und B._ würden heiraten wollen. Bereits in
Griechenland hätten sie heiraten wollen, dies sei allerdings aufgrund der
coronabedingten Situation (die Amtsstellen seien geschlossen gewesen)
nicht möglich gewesen. Als seine Partnerin schwanger gewesen sei, hätten
sie sich entschlossen, dass sie in die Schweiz reisen solle; es habe in Grie-
chenland nicht genügend Sicherheit gegeben, um ein Kind zu gebären und
aufzuziehen, wobei es finanziell nicht gereicht habe, dass der Beschwer-
deführer ebenfalls habe ausreisen können. Sie stünden in täglichem Kon-
takt, er wolle sie baldmöglichst besuchen; seine Partnerin und der gemein-
same Sohn seien oft im Spital (sein Sohn habe eine Tracheomalazie und
müsse deswegen medizinisch betreut werden) und der Beschwerdeführer
selbst lebe im BAZ D._, das aufgrund seiner Abgeschiedenheit von
C._ aus nur schwer erreichbar sei; er wolle seine Partnerin heiraten
und das Kind anerkennen. Diese verfüge noch über ihr Mobiltelefon und
habe ihm zahlreiche Fotografien der beiden aus der Zeit in Griechenland
zustellen können. Der Name des Beschwerdeführers gehe aus der Ge-
burtsurkunde sowie dem Namen des Kindes E._ hervor. Seine
Partnerin habe bereits anlässlich ihres Dublin-Gesprächs erklärt, der Be-
schwerdeführer sei noch in Griechenland und sie wolle mit ihm zusammen-
leben. Der Umstand, dass sie ein gemeinsames Kind hätten, das sie zu-
sammen grossziehen wollen würden, spreche für die Dauerhaftigkeit und
Ernsthaftigkeit der Beziehung. Seine Partnerin und der gemeinsame Sohn
würden über eine B-Bewilligung verfügen; sie könnten ihr Familienleben
weder in Eritrea (sie sei Flüchtling) noch in Griechenland (zumal sie auch
dorthin nicht weggewiesen worden sei) leben. Bezüglich des Kindeswohls
sei festzustellen, dass es vorliegend nicht um einen Familiennachzug, son-
dern eine Familientrennung gehe; darunter habe besonders E._
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zu leiden, weshalb eine dauerhafte Anwesenheit beider Eltern zu gewähr-
leisten sei. Eine Trennung einer intakten und wiederaufgenommenen Be-
ziehung sei nur unter sehr restriktiven Voraussetzungen möglich. Es gelte
auch die Beziehung zu seinem Sohn zu würdigen. Bei einer Rückkehr nach
Griechenland bestehe faktisch keine Aussicht auf ein zukünftiges Familien-
leben, obwohl der Beschwerdeführer und sein minderjähriger Sohn einen
Anspruch darauf hätten. Es sei nicht hinreichend geprüft worden, inwiefern
seine privaten Interessen und diejenigen seiner Partnerin sowie des min-
derjährigen Sohnes gegenüber allfälligen öffentlichen Interessen überwie-
gen würden.
Bezüglich der Verweise auf die allgemeine Situation in Griechenland sowie
verschiedene Urteile deutscher Verwaltungsgerichte kann auf die Akten
verwiesen werden.
Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel zu den Akten:
– Sechs Fotografien des Beschwerdeführers unter anderem mit der
schwangeren B._ in Griechenland
– Positiver Asylentscheid für B._ und E._ vom 17. März
2022
– Kopie der Taufurkunde von E._ vom 13. November 2021
– Protokoll des Dublin-Gesprächs von B._ vom 7. September
2021
– Medizinische Berichte betreffend B._ vom 23. August 2021 und
vom 8. Dezember 2021
M.
Mit Zwischenverfügung vom 19. April 2022 stellte die zuständige Instruk-
tionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfah-
rens in der Schweiz abwarten und hiess die Gesuche um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung sowie um Befreiung von der Kostenvor-
schusspflicht gut.
N.
In seiner Vernehmlassung vom 5. Mai 2022 hielt das SEM vollumfänglich
an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
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Dabei hielt es fest, der Beschwerdeführer habe anlässlich der Erhebung
der Personendaten erklärt, seine Partnerin B._ sei in der Schweiz,
ohne jedoch seinen Sohn zu erwähnen; weder im Rahmen des Dublin-Ge-
sprächs noch anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs habe er
sodann seine Partnerin und seinen Sohn erwähnt. Erst anlässlich der Stel-
lungnahme zum Entscheidentwurf habe er wieder von seiner Partnerin in
der Schweiz erzählt. Die Zuneigung zwischen ihm und B._ werde
zwar nicht bezweifelt, allerdings betrage die Dauer der Beziehung klar we-
niger als zwei Jahre, weshalb nicht von einer Konkubinatsbeziehung aus-
zugehen sei. Gemäss Art. 1a Bst. e AsylV1 müsse diese nämlich mindes-
tens zwei Jahre betragen, um als dauerhaft bezeichnet werden zu können.
Vorliegend hätte er sich freiwillig von B._ getrennt; denn bereits
zum Zeitpunkt ihrer Abreise habe er über den Flüchtlingsstatus verfügt.
B._ habe erst am 17. März 2022 Asyl in der Schweiz erhalten. We-
der sie noch der Beschwerdeführer hätten, nebst den eingereichten Foto-
grafien, Beweismittel bezüglich des Zusammenwohnens zu den Akten ge-
reicht. Weil sie nicht verheiratet seien, sei weiter zu prüfen, ob eine Verlet-
zung von Art. 8 EMRK vorliege, wobei eine enge und tatsächliche Bezie-
hung erforderlich sei. Der Umstand, dass sie in Griechenland hätten heira-
ten wollen – wobei sie keine diesbezüglichen Beweismittel eingereicht hät-
ten – und selbst die alleinige Heiratsabsicht, ändere nichts daran, dass sie
nicht rechtskräftig verheiratet seien. Auch der Verlust des Mobiltelefons
und der damit verbundene verlorene Kontakt seien unbelegt geblieben,
weshalb unklar sei, ob sie nach B._s Abreise noch in Kontakt ge-
blieben seien. Selbst wenn dies der Fall gewesen sei, sei noch nicht von
einer tatsächlichen und gelebten sowie ausreichend stabilen und intensi-
ven Beziehung zwischen ihm und B._ auszugehen.
Hinsichtlich des Vorbringens, B._ und der gemeinsame Sohn wür-
den Unterstützung aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation benötigen, sei
darauf hinzuweisen, dass B._ und ihr Kind in der Schweiz Zugang
zur medizinischen Versorgung hätten und sie sich seit ihrer Ankunft um
sich selbst gekümmert habe. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern sie nun auf
die Unterstützung des Beschwerdeführers angewiesen sein solle. Sowohl
der Beschwerdeführer als auch B._ könnten als anerkannte Flücht-
linge in Griechenland beziehungsweise in der Schweiz legal reisen, wes-
halb sie den Kontakt aufrechterhalten könnten. Ausserdem könne ein Ver-
fahren betreffend Familiennachzug bei den zuständigen kantonalen Behör-
den oder in Griechenland angestrengt werden.
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Zusammenfassend würde Art. 8 EMRK vorliegend keine Anwendung fin-
den. Dies gelte auch im Zusammenhang mit dem Kindeswohl, zumal der
Beschwerdeführer keine enge und tatsächliche Beziehung zu seinem vier-
monatigen Kind habe. B._ sei im achten Monat schwanger und
nach nur zehn Monaten Beziehung mit ihm ausgereist. B._, nicht
er, sei somit die Bezugsperson des Sohnes, weshalb das Kindeswohl mit
einer Rückkehr des Beschwerdeführers nach Griechenland vereinbar sei;
das Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin-
des (KRK, SR 0.107) beinhalte zudem keinen Anspruch auf einen Aufent-
haltstitel. Angesichts der fehlenden Bindungen überwiege das Interesse
des Kindes, bei beiden Elternteilen aufzuwachsen, nicht. Schliesslich ver-
möge die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers und insbeson-
dere die am 2. Mai 2022 erfolgte proktologische Sprechstunde nichts an
dieser Einschätzung zu ändern und stehe einer Rückkehr nach Griechen-
land nicht entgegen.
O.
Mit Eingabe vom 10. Mai 2022 informierte der Beschwerdeführer darüber,
dass ein Ehevorbereitungsverfahren eingeleitet worden sei. Er sei sehr be-
müht, sein Kind formell anzuerkennen, wobei er ein Schreiben betreffend
Kindsanerkennung sowie ein Schreiben betreffend Ehevorbereitung (un-
terschrieben vom Beschwerdeführer und B._) einreichte. Dieses
Schreiben würde seine dauerhafte Absicht und diejenige seiner Partnerin
bestätigen, weiterhin als Familie zusammenzuleben. Weiter wurde über die
gesundheitliche Situation und die bevorstehende Operation bezüglich der
Hämorrhoidalleiden informiert. Hinsichtlich des Referenzurteils E-
3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 wurde festgehalten, es
handle sich beim Beschwerdeführer um den Familienvater einer vulnerab-
len Familie; das Familienleben könne in Griechenland nicht gelebt werden.
P.
In seiner Replik vom 27. Mai 2022 hielt der Beschwerdeführer fest, zwar
habe er bei der Erhebung der Personendaten nur B._, nicht aber
seinen Sohn, erwähnt. Es sei aber zu berücksichtigen, dass die Erhebung
der Personendaten nicht in einem Wortprotokoll festgehalten werde. Somit
könne nicht abschliessend beurteilt werden, ob er erwähnt habe, dass
seine Partnerin hochschwanger gewesen sei. Er habe zum damaligen Zeit-
punkt keine Angaben über seinen Sohn machen können und im zentralen
Migrationssystem (ZEMIS) habe nicht nach ihm gesucht werden können.
Er habe seine Partnerin beim ersten Behördenkontakt erwähnt, wobei er –
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als erwähnt worden sei, diese sei im ZEMIS nicht auffindbar – davon aus-
gegangen sei, er müsse die Behörden erst wieder informieren, wenn er sie
gefunden habe; die Vorinstanz sei gehalten gewesen, ihn diesbezüglich zu
befragen. Weiter habe die Erhebung zu den Personendaten ohne Rechts-
vertretung stattgefunden.
Gemäss Art. 1a Bst. e AsylV1 sei eine dauernde eheähnliche Gemein-
schaft erforderlich, wobei nicht einzig auf die Dauer von zwei Jahren abge-
stellt werden könne, sondern die konkreten Gesamtumstände zu berück-
sichtigen seien. Es könne nicht von einer erheblichen Abweichung der
Dauer der Beziehung ausgegangen werden, zumal diese seit 2020 dauer-
haft bestehe und sie beabsichtigt hätten, in Griechenland zu heiraten, wo-
bei sie in der Schweiz das Ehevorbereitungsgesuch eingereicht hätten. Be-
züglich des Zusammenlebens in Griechenland sei fraglich, inwiefern es
dem Beschwerdeführer und seiner Partnerin möglich gewesen sein solle,
die gemeinsamen Aufenthalte auf der Strasse und bei Bekannten zu bele-
gen, da diese Lebensumstände keine Formalitäten mit sich bringen wür-
den. Als alleinstehende Frau sei es für die Partnerin denn auch zu gefähr-
lich gewesen, auf der Strasse zu leben. Sie hätten ein gemeinsames Kind;
er sei in die Schweiz gereist, um mit seiner Familie zusammenzuleben und
habe zwischenzeitlich die Vaterschaftsanerkennung beantragt; er wolle
rechtlich und finanziell seine Verpflichtungen wahrnehmen. Aufgrund die-
ser beabsichtigten Dauer und Verbindlichkeit komme der Verbindung ehe-
ähnlicher Charakter zu.
Es sei unzutreffend, dass die Trennung freiwillig erfolgt sei. Die aktuelle
Rechtsprechung bestätige, dass das Leben als Flüchtling in Griechenland
mit kleinen Kindern nur zumutbar sei, wenn begünstigende Umstände vor-
liegen würden, die vorliegend nicht gegeben seien. Sie hätten in Griechen-
land auf der Strasse gelebt, wo seine Partnerin hätte gebären müssen; ihre
Ausreise sei dringend nötig gewesen, da ihr Sohn Atemprobleme habe und
in der Schweiz operiert worden sei. Sie hätten unter diesen Umständen in
Griechenland nicht mit einem kleinen Kind leben können, weswegen sie
sich entschieden hätten – auch mangels der finanziellen Mittel – dass seine
Partnerin bereits in die Schweiz reisen und er ihr folgen würde.
Die Beziehung könne nicht von Griechenland aus weitergeführt werden, da
der Sohn des Beschwerdeführers klein sei und auf Körperkontakt reagiere.
Sein Sohn leide an gesundheitlichen Problemen, weshalb er kaum nach
Griechenland reisen könne. Würde er nach Griechenland weggewiesen,
müsse er in einem administrativen und kostspieligen Verfahren wieder in
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die Schweiz geholt werden. Aufgrund der mangelnden Unterstützung der
griechischen Behörden sowie der fehlenden Möglichkeiten auf dem Ar-
beitsmarkt sei finanziell nicht absehbar, dass er zeitnah in die Schweiz rei-
sen könne, was nicht mit dem Kindeswohl vereinbar sei. Entsprechend
würde das eingeleitete Vaterschaftsanerkennungsverfahren ausgesetzt.
Seine Partnerin und sein Sohn hätten sich in der Schweiz faktisch alleine
durchschlagen müssen, was aber noch nicht bedeute, dass sie seine emo-
tionale Bindung und Unterstützung nicht benötigen würde. Seine Bezie-
hung zu seinem Sohn vertiefe sich seit seiner Ankunft in der Schweiz; die
misslichen Umstände in Griechenland hätten massiv negative Konsequen-
zen für die Aufrechterhaltung dieser Beziehung, was sich negativ auf das
Kindeswohl auswirke. Schliesslich sei sein Gesundheitszustand nicht hin-
reichend abgeklärt worden. Er werde am 3. Juni 2022 bezüglich Hämor-
rhoidalknoten operiert und sei zur weiteren Untersuchung angemeldet.
Q.
Mit Eingabe vom 24. Juni 2022 reichte der Beschwerdeführer unter ande-
rem weitere medizinische Unterlagen betreffend den am 3. Juni 2022 er-
folgten operativen Eingriff zu den Akten (vgl. dazu Sachverhalt I.).
R.
Am 21. Juli 2022 wurde das SEM darum ersucht, den Beschwerdeführer
dem Kanton C._ zuzuweisen, damit er seine Partnerin und den ge-
meinsamen Sohn unterstützen könne.
S.
Mit Eingabe vom 11. August 2022 reichte der Beschwerdeführer einen
Arztbericht betreffend anhaltende Schmerzen (Nebenhoden) vom 9. Au-
gust 2022 zu den Akten und informierte über eine Anmeldung bei der uro-
logischen Sprechstunde (Termin noch ausstehend). Gleichzeitig reichte er
das ans SEM gerichtete Schreiben vom 21. Juli 2022 ein und erklärte, bei
seiner Partnerin und seinem Kind leben zu wollen, wobei er zurzeit stets
längere Abwesenheiten beantragen müsse oder gar als untergetaucht
gelte; die Kosten für diese Besuche seien jeweils sehr hoch. Er warte noch
auf eine Antwort der Vorinstanz.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor-
liegend – endgültig (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung
prüft.
4.
Insofern der Beschwerdeführer im Sinne eines Eventualantrages die Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs rügt, indem die Vorinstanz den Sachverhalt
nicht richtig abgeklärt habe, insbesondere im Hinblick auf seine angebliche
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Seite 13
Partnerschaft mit B._, ist darauf hinzuweisen, dass er beim ersten
Behördenkontakt nur sehr rudimentäre Angaben zu B._ gemacht
hat. Somit und angesichts des Umstands, dass er ebenfalls in Eritrea eine
Ex-Partnerin und vier Kinder hat (vgl. Erhebung der Personendaten
Ziff. 1.13) waren weitere diesbezügliche Fragen nicht unerlässlich. Damit
konnte die Vorinstanz nur begrenzt Abklärungen tätigen, wobei ihr auch
eine Verwechslung des Vor- und Nachnamens von B._ nicht anzu-
lasten ist. Die neuen Sachverhaltselemente bezüglich der wiedergefunde-
nen (angeblichen) Partnerin und des gemeinsamen Sohnes wurden denn
auch vom SEM im Rahmen der Vernehmlassung eingehend geprüft
(vgl. nachfolgend). Entgegen der Vorbringen des Beschwerdeführers
wurde vorliegend die KRK hinreichend gewürdigt (vgl. Ausführungen in der
Vernehmlassung). Weil der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme
vom 1. April 2022 die Anwesenheit seines Sohnes in der Schweiz nur kurz
erwähnte (diesen hatte er damals noch nicht gefunden), konnte sich das
SEM zu diesem Zeitpunkt nicht eingehend dazu äussern. Der medizinische
Sachverhalt wurde hinreichend abgeklärt; so ist denn der Beschwerdefüh-
rer bereits am 11. März 2022, am 23. März 2022 sowie am 30. März 2022
– vor Ergehen der Verfügung des SEM vom 5. April 2022 – medizinisch
untersucht worden, wobei die festgestellten Hämorrhoidalleiden diagnosti-
ziert wurden. Aus dem Umstand, dass er bezüglich der bereits diagnosti-
zierten gesundheitlichen Probleme weiter medizinisch (auch spezialärzt-
lich) behandelt wird und am 3. Juni 2022 operiert wurde, ergibt sich keine
Verletzung der Abklärungspflicht. Das Gericht entscheidet in der Sache
selbst (Art. 61 VwVG).
5.
5.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der
Regel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren
kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
5.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Mit Be-
schluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Län-
der der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsasso-
ziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
5.3 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland als Mitgliedstaat der EU um einen sicheren
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Seite 14
Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den vorinstanz-
lichen Akten ist sodann zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer in
Griechenland internationaler Schutz gewährt worden ist und die griechi-
schen Behörden seiner Rückübernahme ausdrücklich zugestimmt haben.
Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid
nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt.
5.4 Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, er sei gemäss
Art. 51 Abs. 1 AsylG in das Asyl und die Flüchtlingseigenschaft von
B._ einzubeziehen. Selbst wenn jedoch von einer eheähnlichen
Gemeinschaft auszugehen wäre (vgl. dazu nachfolgend), wäre der Einbe-
zug ausgeschlossen, zumal der Beschwerdeführer als in Griechenland
Schutzberechtiger nicht mehr als Asylsuchender im eigentlichen Sinne zu
behandeln ist und dieser Umstand die Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG
praxisgemäss ausschliesst (vgl. BVGE 2019 VI/3 E. 5.7).
5.5 Das SEM ist damit zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers nicht eingetreten.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG). Die Anordnung der Wegweisung erfolgt praxisgemäss nur
dann, wenn die betroffene Person weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen verfügt (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Der
Beschwerdeführer verfügt nicht über eine ausländerrechtliche Aufenthalts-
bewilligung. Allerdings verfügt B._, gemäss seinen Angaben seine
Partnerin, mit der er ein gemeinsames Kind habe (ein Vaterschaftsaner-
kennungsverfahren sei hängig), über die Flüchtlingseigenschaft sowie den
Asylstatus in der Schweiz und damit über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht.
Somit ist vorfrageweise ein Anspruch gestützt auf Art. 8 EMRK i.V.m.
Art. 44 AsylG zu prüfen. Das Gericht zieht zur Beurteilung die Akten von
B._ und E._ (N [...]) bei.
6.2 Das Gericht kommt zum Schluss, dass die geltend gemachte Bezie-
hung des Beschwerdeführers zu B._ keine dauernde eheähnliche
Verbindung im Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV1 darstellt.
D-1749/2022
Seite 15
6.2.1 Zwar ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer und
B._ in Griechenland ab August 2020 bis zu ihrer Ausreise im Som-
mer 2021 – also ungefähr ein Jahr – ein Paar waren, wobei auf die einge-
reichten Fotografien, die den Beschwerdeführer zusammen mit der
schwangeren B._ in Griechenland zeigen, sowie die Aussage von
B._ (vgl. Anhörung B._ vom 12. Januar 2022 F108) zu ver-
weisen ist. Ebenfalls nicht auszuschliessen ist, dass sie zumindest zeit-
weise zusammenwohnten, zumal angesichts des Umstands, dass sie teil-
weise auf der Strasse gelebt hätten, kaum weitere Beweismittel betreffend
Zusammenleben erwartet werden können. Erste Zweifel an der Dauerhaf-
tigkeit der Beziehung ergeben sich jedoch insofern, als bei einer gefestig-
ten Beziehung zu erwarten gewesen wäre, dass der Beschwerdeführer mit
der hochschwangeren B._ zusammen in die Schweiz gereist wäre.
Als in Griechenland anerkannter Flüchtling hätte er sie ohne Weiteres be-
gleiten können. Dass er ihr erst über ein halbes Jahr später gefolgt ist, er-
scheint nicht nachvollziehbar. Sein Einwand bezüglich fehlender finanziel-
ler Mittel vermag dabei nur sehr beschränkt zu überzeugen.
6.2.2 Vor allem aber zementiert der Kontaktverlust des Beschwerdeführers
nach der Ausreise von B._ im Sommer 2021 das Fehlen einer ehe-
ähnlichen Verbindung. Seine diesbezüglichen Angaben zum Verlust des
Mobiltelefons überzeugen nicht, zumal die Kontaktaufnahme trotz verlore-
ner Telefonnummer bei ernsthaften Bemühungen über Freunde oder seine
Familie möglich gewesen wäre. Auch B._ sei mit seiner Familie in
Kontakt gestanden (vgl. Ergänzende Anhörung [EA] B._ vom
16. März 2022 F17). Er erklärte ebenfalls, mit seiner Familie in Kontakt ge-
wesen zu sein.
6.2.3 Schliesslich erwähnte der Beschwerdeführer B._ zwar an-
lässlich der Erhebung der Personendaten. Damals machte er allerdings
keine Angaben zu ihrer Schwangerschaft oder der Art ihrer Beziehung so-
wie der Trennung (vgl. Erhebung der Personendaten Ziff. 3.01). Auch spä-
ter, weder im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom 7. März 2022 noch der
Stellungnahme vom 11. März, erwähnte er sie und machte keine relevan-
ten Angaben. Bemerkenswert ist, dass es ihm – auch ohne Mobiltelefon –
möglich war, Fotografien zu seiner Zeit in Moria anlässlich des Dublin-Ge-
sprächs einzureichen, aber diejenigen mit B._ erst auf Beschwer-
deebene erhältlich gemacht hat. Erst als der negative Entscheid in Aussicht
gestellt wurde, verwies er erneut auf seine angeblich noch bestehende
Partnerschaft. Diese verspätete Angabe seiner angeblichen Partnerin ist
nur schwer durch sein Verständnis, er müsse sie selbst suchen, erklärbar.
D-1749/2022
Seite 16
Demnach ist nicht von einer gefestigten und eheähnlichen Beziehung aus-
zugehen. Wahrscheinlicher erscheint, dass die Beziehung nach der Aus-
reise von B._ abgebrochen wurde. B._s Aussage anlässlich
ihres Dublin-Gesprächs, sie wolle mit ihm zusammenleben, vermag daran
nichts zu ändern; denn sie gab ebenso zu Protokoll, sie hätte zunächst
keinen Kontakt zu ihm gehabt, weil sie mit sich selbst und den gesundheit-
lichen Problemen ihres Kindes beschäftigt gewesen sei (vgl. EA
B._ F14).
6.2.4 Es ist auch nicht von einer aktuell bestehenden Familiengemein-
schaft zwischen dem Beschwerdeführer und B._ sowie dem ge-
meinsamen Sohn auszugehen (vgl. dazu BVGE 2019 VI/3 E. 4.5.2-4.5.4).
Der Beschwerdeführer befindet sich im BAZ D._, während
B._ mit ihrem Kind in C._ lebt; offensichtlich besteht kein
gemeinsamer Haushalt. Aus den Akten ist ersichtlich, dass er sie seit sei-
ner Ankunft bereits während eines verlängerten Wochenendes besucht
hat. Weitere regelmässige Kontakte (nebst den Telefongesprächen,
vgl. Beschwerde S. 6) scheinen nicht stattgefunden zu haben. Denn wie er
selbst darlegt, ist sein Sohn oft im Spital, wobei die geltend gemachte Un-
terstützung des Beschwerdeführers nicht ersichtlich ist. Aus dem Umstand,
dass er in der Geburtsurkunde als Vater seines Sohnes eingetragen ist,
vermag er keine intakte tatsächlich gelebte Beziehung zu beweisen. Die zu
den Akten gereichten Schreiben von ihm und B._ betreffend Ehe-
vorbereitungsverfahren und Anerkennung seines Sohnes belegen auch
kein aktuell gelebtes Familienleben. Darauf hinzuweisen ist ebenso, dass
er in Eritrea noch eine Partnerin und vier Kinder hat (vgl. Erhebung der
Personendaten Ziff. 1.13). Angesichts seiner telefonischen Kontakte zur
Familie (EA B._ F17) bleibt unklar, inwiefern diese Beziehung noch
besteht.
6.3 Diesen Erwägungen gemäss kann nicht von einer gefestigten Lebens-
gemeinschaft zwischen dem Beschwerdeführer und B._ ausgegan-
gen werden, zumal die Beziehung bloss ein Jahr dauerte, während Mona-
ten unterbrochen war, ohne dass dies zwingend notwendig gewesen wäre,
und erst kurz vor Ergehen des negativen Entscheids geltend gemacht
wurde. Das offenbar in die Wege geleitete Ehevorbereitungsverfahren ver-
mag daran nichts zu ändern. Ein grundsätzlicher Anspruch aus Art. 8
EMRK ist diesbezüglich vorfragenweise zu verneinen.
D-1749/2022
Seite 17
6.4 Dies gilt auch in Bezug auf seinen Sohn, zumal der Beschwerdeführer
entgegen der bundesgerichtlichen Praxis nicht über das Sorge- bezie-
hungsweise Obhutsrecht verfügt. Der nicht obhutsberechtigte Beschwer-
deführer kann die familiäre Beziehung durch Ausübung des ihm einge-
räumten Besuchsrechts leben. Hierzu ist nicht erforderlich, dass er im glei-
chen Land wie das Kind lebt und dort über eine Aufenthaltsbewilligung ver-
fügt. Den Anforderungen von Art. 8 EMRK ist grundsätzlich Genüge getan,
wenn das Besuchsrecht im Rahmen von Kurzaufenthalten vom Ausland
her ausgeübt werden kann, wobei allenfalls dessen Modalitäten entspre-
chend anzupassen sind (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer E-3691/2020
vom 5. April 2022 E. 9.3.3; BGE 139 I 315 E. 2.2 m.w.H). Auch aus dem
Kindeswohl vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ab-
zuleiten. Seinen Sohn hat er erst in der Schweiz kennengelernt, woran
auch die angestrebte Vaterschaftsanerkennung nichts ändert. Hinzu
kommt, dass der Beschwerdeführer den Umstand, dass seine Partnerin bei
der Ausreise schwanger war, anlässlich der Erhebung der Personendaten
nicht erwähnte, was auf ein nicht allzu grosses Interesse an seinem Kind
hindeutet. Da das Kind allein bei der Kindsmutter lebt, ist auch davon aus-
zugehen, dass diese seine Hauptbezugsperson ist, sodass sich aus dem
Aspekt des Kindeswohls keine andere Beurteilung ergibt. Es wäre dem Be-
schwerdeführer demnach möglich, die Beziehung von Griechenland aus
sowie im Rahmen von Besuchen in der Schweiz zu unterhalten (vgl. Urteil
des BVGer E-3578/2021 vom 24. Mai 2022 E. 6.2.4). Auch in wirtschaftli-
cher Hinsicht besteht keine Beziehung zu seinem Sohn, auch wenn der
Beschwerdeführer bekräftigt, seine finanzielle Verantwortung wahrnehmen
zu wollen.
6.5 Gemäss dieser vorfragenweisen Beurteilung bleibt festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer keinen offensichtlichen Rechtsanspruch auf Ertei-
lung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 8 EMRK hat (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4.2.1 unter Hinweis auf BGE 137 I 351 E. 3.1 S. 354). Man-
gels einer solchen klar zu Tage tretenden Anspruchsgrundlage geht die Zu-
ständigkeit, über die Wegweisung aus der Schweiz zu befinden, nicht auf
die kantonalen Ausländerbehörden über.
6.6 Es kann indessen nicht Sache des Bundesverwaltungsgerichts (oder
des SEM) sein, in einem Wegweisungsverfahren umfassend und ab-
schliessend über einen allenfalls bestehenden – aktenmässig nicht ohne
zusätzliche Abklärungen und Beweisvorkehren zu erstellenden – Anspruch
auf Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung zu befin-
den. Eine solche Beurteilung würde den Rahmen der bloss vorfrageweise
D-1749/2022
Seite 18
vorzunehmenden Prüfung eines grundsätzlichen Anspruchs auf Bewilli-
gungserteilung sprengen und damit nach bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung eine nicht zulässige Abweichung vom Grundsatz der Ausschliess-
lichkeit beziehungsweise des Vorrangs des Asylverfahrens darstellen. Der
Beschwerdeführer hat bei der zuständigen ausländerrechtlichen Behörde
– soweit ersichtlich – noch kein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbe-
willigung gestellt. Es bleibt ihm unbenommen, nach Ergehen dieses Urteils
einen allfälligen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung mit ei-
nem entsprechenden Gesuch bei der zuständigen Ausländerbehörde gel-
tend zu machen (vgl. Urteil des BVGer D-2196/2019 vom 13. Januar 2020
E. 5.4), wobei es ihm zuzumuten wäre, einen entsprechenden Entscheid
im Ausland abzuwarten.
6.7 Die Wegweisung wurde demnach mangels eines klar erkennbaren An-
spruchs auf eine Aufenthaltsbewilligung ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG [SR 142.20] kann der Vollzug für Ausländerin-
nen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind.
7.3
D-1749/2022
Seite 19
7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil
E-3427/2021, E-3431/2021 einlässlich mit der Situation in Griechenland
auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtsprechung festgehal-
ten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland für Personen,
die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätzlich zulässig ist. Das
Gericht geht nicht von einer Situation aus, in der jeder Person mit Schutz-
status in Griechenland eine unangemessene und erniedrigende Behand-
lung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Trotz exis-
tierender Schwachstellen kann nicht von einem dysfunktionalen Aufnah-
mesystem gesprochen werden. Gewisse Angebote existieren in Griechen-
land, die auch für Schutzberechtigte offenstehen, wenn auch die Kapazitä-
ten kaum ausreichend sein dürften und Infrastrukturhilfen und Angebote
bisher vor allem von internationalen Akteuren, zuvorderst der EU, dem
Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge
(UNHCR) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) abhän-
gen, die – in Zusammenarbeit mit der lokalen Zivilgesellschaft – Leistungen
erbringen und finanzieren. Trotz dieser schwierigen Verhältnisse geht das
Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass schutzberechtigte Personen
grundsätzlich in der Lage sind, ihre existenziellen Bedürfnisse abzude-
cken. Auch ist davon auszugehen, dass Rückkehrenden keine menschen-
unwürdige Behandlung droht, weshalb für sie kein «real risk» einer völker-
rechtswidrigen Behandlung besteht. An dieser Einschätzung vermögen
weder die vom Beschwerdeführer eingereichten Fotografien bezüglich der
misslichen Umstände im Camp Moria (die ohnehin nicht die Situation für
den Beschwerdeführer als anerkannten Flüchtling belegen könnten) noch
die angerufenen Länderberichte und deutschen Verwaltungsgerichtsurteile
etwas zu ändern.
7.3.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass
eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist
(Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.3). Die Legalvermutung
der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung gilt bezüglich Griechen-
land grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Beispiel
Schwangere oder Personen, die an gesundheitlichen Problemen leiden,
die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. a.a.O
E. 11.5.1).
7.4 Es obliegt der betroffenen Person, die Legalvermutungen der Zulässig-
keit und Zumutbarkeit umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte
dafür vorzubringen, dass die Behörden im konkreten Fall das Völkerrecht
D-1749/2022
Seite 20
verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschen-
unwürdigen Lebensumständen aussetzen würden respektive dass sie in
Griechenland aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftli-
cher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde
(vgl. Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.4).
7.4.1 Der Beschwerdeführer hat in Griechenland den Flüchtlingsstatus er-
halten. Demnach kann er sich auf die Garantien in der Qualifikationsricht-
linie berufen (insbesondere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäf-
tigung [Art. 26], zu Bildung [Art. 27], zu Sozialhilfeleistungen [Art. 29], zu
Wohnraum [Art. 32] und zu medizinischer Versorgung [Art. 30]), auf die
sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen muss. Aufgrund
der Akten liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er für den Fall
einer Rückkehr nach Griechenland dort mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Der Beschwerdeführer macht geltend, in Grie-
chenland in misslichen Umständen auf der Strasse in Athen und im Camp
Moria gelebt zu haben. Er macht indessen nicht geltend, sich während sei-
nes Aufenthalts in Griechenland diesbezüglich vergeblich um Hilfe oder
Unterstützung seitens der Behörden bemüht zu haben. Der geltend ge-
machte Vergewaltigungsversuch bleibt unsubstantiiert, wobei seine dies-
bezüglichen Ausführungen äusserst knapp sind und sich auf die Ethnie der
Angreifer sowie das Datum, den 30. Oktober 2021, beschränken. Dies gilt
ebenso für sein Vorbringen betreffend Bedrohungen durch Eritreer. Bezüg-
lich Übergriffe von Seiten Dritter ist jedoch ohnehin auch vorliegend von
der Schutzwilligkeit und –fähigkeit der griechischen Behörden auszuge-
hen. Unter diesen Umständen ist im heutigen Zeitpunkt nicht von einem
«real risk» auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Griechenland ei-
ner menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Auch unter Be-
rücksichtigung der Schwächen des griechischen Aufnahmesystems ver-
mag allein die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht vo-
raussehbaren Gründen in eine missliche Lebenssituation zu geraten, die
hohe Schwelle zum «real risk» nicht zu erreichen, womit sich der Vollzug
der Wegweisung als zulässig erweist.
7.4.2 Auch unter dem Aspekt der Zumutbarkeit hat die Vorinstanz den Voll-
zug der Wegweisung mit zutreffender Begründung bejaht. So lässt sich
auch aus dem Fehlen begünstigender Umstände nicht auf die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs schliessen, zumal vorliegend nicht von
einer rechtlich relevanten Vulnerabilität auszugehen ist (vgl. Referenzurteil
D-1749/2022
Seite 21
E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.5.1). Selbst wenn die Lebensbedingun-
gen in Griechenland für den Beschwerdeführer eine Herausforderung dar-
stellen und eine adäquate Eingliederung in die sozialen Strukturen Grie-
chenlands mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden ist, lie-
gen keine Hinweise für die Annahme vor, dass er bei einer Rückkehr nach
Griechenland einer existenziellen Notlage ausgesetzt wäre. Bei Unterstüt-
zungsbedarf darf von ihm erwartet werden, sich bei der Geltendmachung
seines Anspruchs sowie allfälligen Verfahrensverletzungen an die griechi-
schen Behörden zu wenden.
7.4.3 Bezüglich des geltend gemachten medizinischen Sachverhalts ist
festzustellen, dass der Beschwerdeführer – soweit ersichtlich – erfolgreich
bezüglich seiner langjährigen Hämorrhoidalerkrankung und den damit ver-
bundenen Leiden am 3. Juni 2022 operiert wurde und am 7. Juni, 10. Juni
und dem 15. Juni 2022 Nachkontrollen stattgefunden haben. Er litt bereits
während zehn Jahren unter der Hämorrhoidalerkrankung, die offensichtlich
nicht lebensbedrohlich war. Auch wurde er bezüglich seiner Hodenprob-
leme behandelt. Im medizinischen Bericht vom 30. März 2022 wird explizit
festgehalten, dass die Augenprobleme, die mittels Augentropfen behandelt
wurden, nicht besorgniserregend seien. Vor diesem Hintergrund ist nicht
von einer rechtserheblichen und schon gar nicht von einer ersthaften und
schwerwiegenden Erkrankung beziehungsweise Belastung auszugehen,
die der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen würde.
Daran vermögen auch die mit Eingaben vom 24. Juni 2022 und 11. August
2022 eingereichten medizinischen Berichte, die unter anderem die Nach-
behandlung und Medikamentenanpassung betreffen, nichts zu ändern. All-
fällige zukünftige gesundheitliche Beschwerden können auch in Griechen-
land behandelt werden. Selbst wenn der Beschwerdeführer Schwierigkei-
ten haben sollte, die notwendige medizinische Behandlung zu erhalten, so
darf von ihm erwartet werden, dass er die erforderliche Hilfe nötigenfalls –
allenfalls mithilfe einer Nichtregierungsorganisation – auf dem Rechtsweg
einfordert.
7.4.4 Aufgrund der Aktenlage ist somit nicht davon auszugehen, der Be-
schwerdeführer gerate bei einer Rückkehr nach Griechenland zwangsläu-
fig in eine seine Existenz gefährdende Situation. Damit ist der Vollzug der
Wegweisung zumutbar.
7.4.5 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer auch unter Be-
rücksichtigung der aktuellen bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtspre-
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Seite 22
chung nicht gelungen, die Regelvermutungen umzustossen (vgl. Referenz-
urteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.5). Damit erweist sich der Wegwei-
sungsvollzug als zulässig und zumutbar.
7.5 Es ist schliesslich auch ohne weiteres von der Möglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da sich Griechenland
– wie schon im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen von Art. 31a
Abs. 1 Bst. a AsylG festgestellt (vgl. oben, E. 5.3) – ausdrücklich zu einer
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers bereit erklärt hat.
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom
19. April 2022 gutgeheissen wurde und es keine Hinweise auf eine mass-
gebliche zwischenzeitliche Veränderung gibt, sind jedoch keine Kosten
aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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