Decision ID: e2e9327c-d4e7-4879-9814-7c64f7d57966
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1956 geborene
X._
, welcher
keine Ausbildung
abgeschlossen hat
(Urk. 10/24/8)
,
war
vom 22. Januar 1990 bis am 31. Dezember 2009
bei der
Y._
als Fachmitarbeiter Produktion Fisch
tätig
(Urk. 10/4
und Urk. 10/14
)
. A
m
11. September 2012 (Eingangsdatum) meldete er sich wegen einer schweren Depression, einer akuten Leber-Dekompensation bei Alkoholabusus, eines Ver
dachts auf alkoholische
Enzephalopathie
und eine entgleiste arterielle Hyperto
nie bei Non-Compliance bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 10/2).
Die IV-Stell
e klärte die erwerblichen und medizini
schen Verhältnisse ab
und veranlasste eine
bidiszipl
inäre
Begutachtung (Psychiatrie und
Innere Medizin) des Versicherten (Urk. 10/18). Das Gutachten der
Z._
wurde am 10. Juni 2
013 erstattet (Urk. 10/24).
Mit Mitteilung vom
10. September 2013
(Urk. 10/29)
informierte die IV-Stelle den Versicherten darüber, dass er gemäss gleichentags verfasstem Vorbescheid keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi
cherung habe und er den Vorbescheid mit separater Post erhalte. Sodann aufer
legte sie dem Versicherten eine Schadenminderungspflicht.
Sie führte dazu aus, dass gemäss
der medizinischen Beurteilung seine aktuelle gesundheitliche Ein
schränkung durch Durchführung einer psychiatrisch-psychologischen Behand
lung und unter adäquater medikamentöser Therapie verbessert beziehungsweise eine emotionale Stabilität erwartet werden
könne
. Er werde daher gebeten, sich der erwähnten Massnahme oder Behandlung zu unterziehen. Bei einer allfälli
gen erneuten Anmeldung bei der Invalidenversicherung werde geprüft, ob er
dieser Auflage
nachgekommen sei
. Sollte er sich der vorgesehenen Behandlung beziehungsweise Massnahme nicht unterzogen haben, werde sein Rentenan
spruch so beurteilt, als ob sie durchgeführt worden wäre. Dies könne zur direk
ten Abweisung oder Kürzung der Rente führen.
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Vorbescheid vom 10. September 2013; Urk. 10/31) lehnte die IV-Stelle das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 24. Januar 2014
ab (Urk.
2 [= Urk.
10/42
]
).
2.
Gegen die
ablehnende
Verfügung der IV-Stelle vom 24. Januar 2014 erhob der Versicherte mit Eingabe vom 27. Februar 2014 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente zuzuspre
chen; eventuell sei die Sache zu ergänzenden Abklärungen und neuer Entschei
dung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 6. März 2014 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine
aktualisierte Vollmacht ein (Urk. 5 f.). Mit
Beschwerde
antwort
vom 23. April 2014 schloss die
Beschwerde
gegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9),
was dem Beschwerdeführer am 29. April 2014 angezeigt wurde (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid fest, dem Gutachten vom 10. Juni 2013 sei zu entnehmen, dass beim Beschwerdeführer gesundheitli
che Einschränkungen, insbesondere psychische Einschränkungen, vorlägen, welche die Arbeitsfähigkeit in subjektiver Weise einschränkten. Die Abklärun
gen hätten
aber
ergeben, dass die vorhandenen gesundheitlichen Einschränkun
gen überwiegend wahrscheinlich
durch psychosoziale
Faktoren (Verlust der Arbeitss
telle;
Angst,
dem
zukünftigem Arbeitgeber nicht zu genügen und so
weiter) ausgelöst worden seien. Diese Einschränkungen gälten als überwindbar. Dies bedeute, dass mit einer zumutbaren Willensanstrengung die angestammte Tätigkeit zu 100 % ausgeübt werden könne. Eine Invalidität oder drohende Invalidität im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen sei somit nicht ausgewie
sen. Aufgrund der zumutbaren 100%igen Arbeitsfähigkeit bestehe ebenfalls kein Anspruch auf berufliche Massnahmen (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, die Diagnosen einer Herzarrhythmie mit ventrikulären Extrasystolen sowie das Lungenemphysem hätten Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit.
Gutachter Dr.
A._
habe festgehalten, er (der Beschwerdeführer) könne aus internistischer Sicht problemlos eine körperlich leichte bis mittelschwere Arbeit ausführen. Dies werde auch nicht bestritten. Allerdings handle es sich bei seiner angestammten Tätigkeit als
Fischverarbeiter
um eine körperlich schwere Arbeit, für welche er als 100%ig arbeitsunfähig ein
zustufen sei.
Hinzu komme, dass die Einschätzungen der Ärzte in Bezug auf die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sowie die Dauer des psychischen Leidens übereinstimmten. Es sei somit ausgewiesen, dass sich die depressive Störung bereits seit mehr als zwei Jahren auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auswirke. Ob unter diesen Umständen überhaupt noch von einer depressiven Episode gesprochen werden könne und nicht vielmehr eine Störung vorliege, könne offen gelassen werden. Feststehe jedenfalls, dass das Argument der Verwaltung, es liege kein längerdauernder
invalidenversiche
rungsrechtlich
relevanter Gesundheitsschaden vor, hier nicht verfange. Das psy
chische Leiden sei sodann in Bezug auf die Behandelbarkeit als resistent zu bezeichnen (Urk. 1 S.
7 ff.)
.
Weiter führte der Beschwerdeführer aus, die von der Beschwerdegegnerin angeführten psychosozialen Faktoren seien entgegen den in den Akten liegen
den Arztberichten
von dieser
in den Vordergrund gerückt
worden
. Auch im Gutachten werde von einer verselbständigten psychischen Störung mit
Krank
heitswert
und Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähi
gkeit ausgegan
gen
.
Da die Hauptkrankheit in einer Depression liege, gehe der entscheidende Einfluss auf die Möglichkeit einer Willensanstrengung zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeit von
der Depression
aus. Es bleibe somit kein Raum, die Überwindbarkeitsvermutung des Bundesgerichts im Zusammenhang mit den unklaren Beschwerdebildern (PÄUSBONOG) anzuwenden.
Die Gutachter hätten dann auch folgerichtig die Prüfung der
Försterschen
Kriterien unterlassen. Zusammen mit der neu behandelnden Ärztin gingen sie davon aus, die Arbeits
unfähigkeit sei durch eine zumutbare Willensanstrengung
nur
zu 60 % über
windbar (Urk. 1 S. 10 f.).
3.
Im
bidisziplinären
Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für allge
meine innere Medizin, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 10. Juni 2013
wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte bis mittelgradige depressive Epi
sode (ICD-10 F32.1) genannt. Dem Gutachten sind
sodann
die folgenden
Diagnosen ohne Auswi
rkung auf die Arbeitsfähigkeit
zu entnehmen
(Urk. 10/24/13)
:
Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent
Status nach diffusem
Leberparenchymschaden
und Steatose Grad I
Emphysem (computertomographisch nachgewiesen im November 2010)
Extrasystolie
(anamnestisch)
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung und Synthese beider Fachgebiete wurde festgehalten, der Bes
chwerdeführer sei während langer Jahre
alkoholab
hängig gewesen. Im Spätherbst 2010 sei es zur Dekompensation mit Alkohol-Entzugssyndrom und Zeichen eines deutlichen Leberschadens gekommen. Zweimal, im November 2010 und im Früh
jahr
2011, habe er hospitalisiert wer
den müssen. Seit zwei Jahren sei der Beschwerdeführer nun aber abstinent (aktuell CDR <1 %), der Leberschaden habe sich erholt. Im Winter 2010/2011 sei nach einer Exazerbation der Alkoholproblematik im Rahmen des
Arbeits
verlusts und der Trennung von der Ehefrau neu eine Depression aufgetreten. Während der Beschwerdeführer das Alkoholproblem heute einigermassen im Griff habe, sei die Depression nach wie vor nachweisbar und führe zu einer Minderung der Arbeitsfähigkeit. Somatisch sei der Beschwerdeführer heute durchaus in der Lage, eine mittelschwere Arbeit vollzeitig auszuführen. Die von ihm geklagten Beschwerden seien nicht objektivierbar. Bereits die Schilderung der Probleme sei etwas diffus und unscharf. Weder beim Psychiater noch beim Internisten hätten klar umschriebene Beschwerden geäussert werden können. Im klinischen Status seien keine Schwindel nachweisbar. Nennenswerte Zeichen für
Knie
arthrosen
fehlten. Die rohe Kraft der unteren Extremitäten sei normal. An den oberen Extremitäten bestehe allenfalls eine leichte Verminderung. Die
Labor
werte
hätten sich völlig normalisiert. Zusammengefasst bestehe aus psychiatri
schen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % sowohl für die angestammte als auch für eine Verweistätigkeit. Im Sinne einer Unterstützung der Reintegra
tion in den Arbeitsprozess seien berufliche Massnahmen mit einer Abklärung der verbliebenen Ressourcen zu empfehlen (Urk. 10/24/13 f.).
Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 60 % aus psychiatrischer Sicht gelt
e ab Sommer 201
1.
Im Spätherbst/
Winter 2010/2011 habe sicher eine volle Arbeitsunfähig
keit bestanden. Das psychische Leiden stehe ganz eindeutig im Vordergrund.
Die Sucht sei die Ursache des somatischen Leidens. Die Depression sei durch verschiedene Faktoren ausgelöst worden. Neben der Sucht hätten auch der Arbeitsverlust und die Trennung von der Ehefrau eine Rolle gespielt (Urk. 10/24/15).
Dr.
B._
hielt in seinem psychiatrischen Teilgutachten
vom 1
5.
Mai 2013
fest,
der Beschwerdeführer habe bis zu seinem Arbeitsverlust Ende 2009 sein Leben überwiegend über die Arbeit definiert. Parallel
habe sich über 25 Jahre eine Alkoholabhängigkeit mit entsprechenden Folgeschäden entwickelt. Im Jahr 2010 sei es offenbar im Rahmen des Arbeitsverlusts und der Trennung von der Ehefrau zu einer Exazerbation der Alkoholproblematik gekommen, was auch zu einer massiven körperlichen Beeinträchtigung geführt habe. In der Folge habe sich der Beschwerdeführer nicht mehr
reintegrieren
können; im Rahmen der massiven Kränkung und Selbstwertproblematik sei es zu einer depressiven Ent
wicklung gekommen, auch wenn der Beschwerdeführer die Alkoholproblematik in den Griff bekommen habe. Anlässlich der psychiatrischen Expl
oration zeige
s
i
ch nun ein
Beschwerdeführer
mit deutlich depressiven Anteilen, gekennzeich
net durch Freud- und Perspektivverlust, Selbstwertmangel, sozialem Rückzug und Verhaltensauffälligkeiten. Er selbst gebe an,
seit zwei Jahren abstinent zu sein. Die Auswirkungen der Alkoholproblematik seien in diesem Fall nicht mehr relevant für etwaige Einschränkung
en
der Arbeitsfähigkeit. Die vom Beschwer
deführer angegebenen Knieschmerzen zeigten Charakteristika einer beginnen
den,
somatoformen
Schmerzverarbeitungsstörung, aktuell sei der Schmerz jedoch durchaus überwindbar und stehe eher im Hintergrund der
Gesamtprob
lematik
. Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ergäben sich aufgrund der depressiven Symptomatik, die trotz adäquater Medikation als leicht- bis mittel
gradig zu quantifizieren sei. Unterhalten werde die depressive Situation durch die leistungsorientierte Persönlichkeitsakzentuierung. Für diesen Versicherten sei eine Reintegration in den Arbeitsmarkt zur Verschlimmerung der depressi
ven Situation dringend indiziert (Urk. 10/24/23).
Dementsprechend sei die Prognose abhängig von der Fähigkeit, sich in den regulären Arbeitsprozess zu
reintegrieren
, um der für den Beschwerdeführer wichtigen Definition seines Selbstbilds über die Arbeit gerecht zu werden. In einem solchem Fall sei durch
aus mit einer Verbesserung der zugrundeliegenden depressiven Situation zu rechnen und eine volle Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit anzunehmen. Bezüglich der Medikation könnte allenfalls eine Kombinationsbehandlung zur Wirkverstärkung versucht werden. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
sowie in angepasster
Tätigkeit sei aufgrund der depressiven Symptomatik integral um 40 % eingeschränkt, dies vor allem aufgrund der Einschränkungen von Kon
zentration und Durchhaltefähigkeit sowie de
r
interaktionellen Probleme (Urk. 10/24/23 f.).
4.
4.1
Vorauszuschicken ist, dass nach der Rechtsprechung die Aufgaben von
Rechtsan
wender
und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt sind: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesund
heitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersu
chung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt der Arztperson hinge
gen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die
Arzt
person
zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten (BGE 140 V 193
E.
3.2 mit Hinweisen).
Weil die Arbeitsfähigkeit somit keine medizinische, sondern eine rein juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der im medizi
nischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verlöre (Urteil des Bundesgerichtes 9C_651/2014 vom 2
3.
Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1
Nach
Art.
7
Abs.
2 ATSG sind für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Der Umstand allein, dass psychosoziale oder soziokulturelle Umstände bei der Entstehung einer Gesundheitsschädigung eine wichtige Rolle spielten, tangiert deren Anspruchserheblichkeit nicht. Keine invalidisierende Gesundheitsschädigung ist indessen gegeben, wenn der medizinische Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und sozio
kulturellen Belastungen aufgehen. Denn in einem solchen Fall stellen sich diese als direkte Ursache der Einschränkung im Leistungsvermögen dar; sie sind nicht bloss
pathogenetisch
bedeutsam. Am rechtlich vorausgesetzten Kausalzusam
menhang mit einer selbständigen Gesundheitsschädigung fehlt es daher, solange noch zu erwarten ist, dass mit einem Wegfall der belastenden Lebens
umstände unmittelbar auch die (somit nicht verselbständigte) psychische Stö
rung verschwinden werde. Die massgebende Ursache für Arbeitsunfähigkeit im Sinne von
Art.
6 ATSG bestimmt sich mitunter auch nach dem Leitsatz, dass eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert umso ausgeprägter vorhanden sein muss, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mit
bestimmen (Urteil 9C_140/2014 vom 0
7.
Januar
2015
, E. 3.3 mit weiteren Hin
weisen). Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
trächtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrüh
ren, bestehen darf, sondern davon zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheid
bare, andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit ver
gleichbaren psychischen Leidenszustand (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichtes 8C_730/2008 vom 2
3.
März 2009 E. 2). Auch kann eine depressive Symptomatik
chronifiziert
, damit durchaus verselbständigt sein und dennoch im Rahmen des gesamten Beschwerdebildes nicht genug ins Gewicht fallen, als dass auf eine längerdauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 f. ATSG) geschlossen werden dürfte.
Diesfalls
stellt sich das Problem der gutachtlichen Abgrenzung und Quantifizierung eigenständiger Beiträge der sozialen Faktoren nicht. Das gilt auch im umgekehrten Fall, wenn eine deutlich ausgeprägte psy
chische Störung "konkurrierende" soziale Faktoren in den Hintergrund drängt. Diese sind alsdann so eng mit der Gesundheitsschädigung und ihren funktio
nellen Auswirkungen verbunden, dass es sich rechtfertigt, den gesamten
Ursa
chenkomplex
der Folgenabschätzung zugrunde zu legen: In diesem Sinne kön
nen sich soziale Umstände - mittelbar –
invaliditäts
begründend
auswirken, indem sie eine (verselbständigte)
Gesundheits
schädigung
aufrechterhalten oder ihre (unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden) Folgen verschlimmern. In diesen Konstellationen tragen die als solche nicht versicher
ten sozialen Faktoren zum Umfang der verselbständigten
Gesundheitsschädi
gung
bei (Urteil 9C_140/2014 vom
7.
Januar
2015
, E. 3.3 mit weiteren Hinwei
sen).
4.2.2
In den Klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psy
chischer Gesundheitsstörungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Herausgeber),
9. Auflage, Bern 2014, S. 169 f., werden unter F32 die depressiven Episoden (leicht-, mittel-,
schwergradig
) und unter F33 die rezidivierenden Störungen umschrieben.
Bei der
typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren Episode (F32.2 und F32.3) leidet laut diesen Leitlinien die betroffene Person gewöhnlich unter den typischen Symptomen von (a) gedrückter Stimmung, (b)
Interessen
verlust
, Freudlosigkeit und (c) Verminderung des Antriebes, erhöhter Ermüdbar
keit. Andere häufige Symptome sind (1) verminderte Konzentration und Auf
merksamkeit, (2) vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, (3) Schuldgefühle und Gefühle der Wertlosigkeit, (4) negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, (5) Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder
Sui
zidhandlungen
, (6) Schlafstörungen und (7) verminderter Appetit. Das klinische Beschwerdebild zeigt beträchtliche individuelle Varianten; ein untypisches Beschwerdebild ist besonders in der Jugend häufig. In einigen Fällen stehen zeitweilig Angst,
Gequältsein
und motorische Unruhe mehr im Vordergrund als die Depression (vgl. ICD-10 Kapitel V [F], a.a.O., S. 169-170).
Bei einer rezidivierenden depressiven Störung gemäss ICD-10 F33 handelt es sich gemäss den genannten Leitlinien um eine Störung, die durch wiederholte (leichte, mittelgradige oder schwere) depressive Episoden charakterisiert ist. Die einzelnen Episoden dauern zwischen drei und zwölf Monaten. Die Besserung zwischen den einzelnen Episoden ist dabei im Allgemeinen vollständig, wobei nur (aber immerhin) eine Minderheit von Patienten eine anhaltende Depression entwickelt (für welche ebenfalls die Kategorie F33 verwendet werden sollte; vgl. ICD-10 Kapitel V [F], a.a.O., S. 176 f.). Die Unterscheidung zwischen depressiven Episoden (F32) und rezidivierenden depressiven Störungen (F33) legt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes nahe, dass bei letzteren eher von einer ungünstigen Prognose in Bezug auf die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_484/2012 vom 2
6.
April 2013 E. 4.3.2.2).
4.2.3
Depressive „Episoden“ sind definitionsgemäss vorübergehender Natur und haben deshalb, zumindest wenn sie leicht bis mittelschwer sind, gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wir
kung. Die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven „Störung“ ist nach der Rechtsprechung nicht schlechthin auszuschliessen. Deren Annahme bedingt indessen
jedenfalls, dass es sich dabei um ein selbständiges, von einem allfälligen psychogenen Schmerzsyndrom und/oder allfälligen psychosozialen Belastungsfaktoren losgelöstes depressives Leiden handelt (vgl. Urteile des 8C_654/2014 vom
6.
März 2015 E. 4.4.1, 9C_689/2014 vom 1
9.
Januar 2015 E. 2.3 und 9C_651/2014 vom 2
3.
Dezember 2014 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. E. 4.2.1). Überdies ist erforderlich,
dass eine konsequente
Depressionsthera
pie
befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 und 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1).
4.3
4.3.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten de
s
Z._
vom 1
0.
Juni 2013 basiert auf fachärztli
chen Untersuchung
en
, wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
sowie insbesondere auch unter Berücksichtigung der geklag
ten Beschwerden erstattet.
Die Gutachter haben die
medi
zinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvoll
ziehbar begründet. Das Gutachten des
Z._
erfüllt demnach alle
recht
spre
chungsgemässen
Kriterien für eine beweistaugliche medizinische
Entschei
dungsgrundlage
, weshalb ihm grundsätzlich voller Beweiswert zukommt (vgl. E. 1.4).
Auf die Schlussfolgerung der Gutachter, wonach beim Beschwerdeführer aus psychiatrischen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % sowohl für die angestammte als auch für eine Verweistätigkeit bestehe, kann indessen aus den nachfolgenden Gründen nicht abgestellt werden.
4.3.2
Im Gutachten wurde a
ls
einzige
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
genannt
(Urk. 10/24/13)
. Einer solchen ist
aus rechtlicher Sicht
indes
in der Regel
keine invalidisierende Wirkung beizumessen (vgl. E. 4.2.3).
Die
Einstufung
der depressiven Symptomatik als leicht bis mittelschwer
erscheint aufgrund des vom Gutachter
Dr.
B._
erhobenen
„psychischen
Befunds
“
nachvollziehbar
. Darin hielt er fest, der Beschwerdeführer sei pünktlich zum vereinbarten Untersuchungstermin erschienen. Er sei sauber und leger gekleidet. Hinweise auf Vernachlässigung von Körperhygiene oder äusserem Erschei
nungsbild seien nicht zu bemerken. Im Kontakt sei der Beschwerdeführer offen und zugewandt, etwas distanzlos, aber gut
führbar
. Die Atmosphäre im Gespräch sei freundlich und höflich, der Rapport flüssig, geordnet und
situati
onsadäquat
. Ausgleichbewegungen würden nicht gezeigt. Der Beschwerdeführer verfolge das Explorationsgeschehen aufmerksam und mit ausreichender Kon
zentration. Die höheren kognitiven Leistungen wie problemlösendes Denken und Handeln wirkten allerdings etwas eingeschränkt. Vor allem gegen Ende der Exploration zeige der Beschwerdeführer Mühe, dem Gesprächsverlauf mit klarer Linie folgen zu können (Urk. 10/24/21). Das Bewusstsein sei qualitativ und quantitativ unauffällig, die Orientierung in allen vier Ebenen gegeben. Der Beschwerdeführer spreche mit lauter, normal modulierte
r
Stimme und eher hoher Sprechfrequenz. Formale oder inhaltliche Denkstörungen seien nicht nachzuweisen. Die Schmerzen stünden klar nicht im Zentrum des Geschehens. Halluzinationen und Illusionen seien nicht zu
eruieren. Die Merkfähigkeit, das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis seien weitgehend angemessen. Störungen des Ich-Bewusstseins lägen keine vor. Die Ich-Grenzen seien geschlossen,
Dereali
sations
- oder Depersonalisations
erleben könnten nicht nachgewiesen werden. Das Intelligenzniveau wirke unter Berücksichtigung von schulischer und beruf
licher Bildung sowie klinischem Gesamteindruck knapp durchschnittlich. Die Willens- und Antriebsbildung wirke eher beeinträchtigt und sei geprägt von Angsterleben und Ambivalenz. Der Beschwerdeführer wirke psychomotorisch etwas angetrieben, mit jedoch adäquater Gestik und Mimik, welche die jeweilige Stimmungslage
synthym
unterstrichen. Im Affekt sei eine deutlich einge
schränkte Schwingungsfähigkeit mit Fokussierung auf den unteren
Skalenbe
reich
nachzuweisen. Suizidalität werde zwar angesprochen, eine akute Suizida
lität bestehe jedoch nicht. Zwänge und Phobien von Alltagsrelevanz seien nicht nachweisbar. Der Beschwerdeführer wirke in seiner Primärpersönlichkeit leis
tungsorientiert, angepasst und umgänglich. Allerdings fielen gewisse Defizite in der Impulskontrollfähigkeit auf, mit ebenfalls eingeschränkter
Frustrationstole
ranz
. Insgesamt seien jedoch die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 nicht erreicht. Die Realitätsanpassung, die Urteils- und Kritikfähigkeit seien angemessen, der Beschwerdeführer sei geschäftsfähig. Er wirke bezüglich einer Reintegration in den allgemeinen Arbeitsmarkt eher ambivalent. Er selbst erlebe sich als invalidisiert, sei aber andererseits auch einverstanden, über berufliche Massnahmen eine Abklärung der Restarbeitsfähigkeit mitzumachen. Er habe keine Schlafprobleme, dafür eine deutliche Einschränkung der Vita sexualis (Urk. 10/24/22).
Die gutachterliche
Diagnose
einer leicht- bis mittelgradigen depressiven
„
Episode
“
(ICD-10
F32.1)
steht
im Einklang mit den Einschätzungen der
bisherigen
sowie der aktuellen Ärztin des Beschwerdeführers. Die
früher
behandelnde Ärztin,
Dr.
med.
C._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie, diagnostizierte in ihr
em Bericht vom 19. Oktober 2012 (Urk. 10/15/1)
nebst einem Alkohol- und Abhängigkeits
-
syndrom (ICD-10
F10.2) und einem Status nach Entzugssyndrom (ICD-10
F10.4)
eine mittelgradige depressive Episode
gemäss
ICD-10 F32.
1.
D
ie a
ktuell behandelnde Ärztin, Dr.
med.
univ.
(A)
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
, stellte
im
Schreiben
vom 2. Januar 2014
an die Vertreterin des Beschwerdeführers (Urk. 10/38/1)
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit soma
tischem Syndrom
(ICD-10 F32.11)
.
Die behandelnden Ärztinnen diagnostizier
ten demnach ebenfalls bloss eine depressive „Episode“. Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen (E. 4.3.4), würde sich – entgegen der vom Beschwerde
führer vertretenen Auffassung (
Urk.
1 S. 9) – am Ergebnis
auch nichts ändern, wenn von einer (anhaltenden) mittelschweren depressiven „Störung“ (ICD-10 F33.1) ausgegangen würde.
4.3.3
Sowohl aus dem Gutachten als auch aus den genannten Berichten der behandeln
den Ärztinnen geht nämlich hervor, dass
die depressive
Symptomatik
durch psychosoziale Faktoren ausgelöst wurde und
unterhalten wird
(
E.
4.2.1
)
.
Im Bericht des
Spitals E._
vom 2. Dezember 2010 wurde noch keine psychiatrische Diagnose gestel
lt. Als Diagnosen wurden
v
ielmehr eine chronische Alkoholkrankheit, eine
St
e
atosis
hepatis
und ein Lungenemphysem
genannt
(Urk. 10/16/5).
In diesem
Bericht wurde sodann festgehalten,
der Beschwerdeführer habe 15 Jahre lang bei der
Y._
in der Fischabteilung gearbeitet. Er plane im Dezember nach
F._
(gemeint
wohl:
G._
)
zurückzukehren
und bis dahin alkoholfrei
zu
sein; er habe eine muslimische Mutter. Er trinke seit circa sechs Monaten vermehrt. Schlimmer sei es geworden seit dem Verlust der Arbeitsstelle (Urk. 10/16/5).
D
em Bericht von Dr.
C._
vom 19. Oktober 2012 ist zu entnehmen, dass die depressive Episode durch psychosoziale Faktoren ausgelöst wurde. D
er Beschwerdeführer sei nach vierzig Jahren in der Schweiz im Jahr 2010 nach
G._
zurückge
kehrt. Dort sei er in eine schwere Depression geraten, nachdem er gesehen habe, wie sein Land am
Z
erfallen sei und über
all die Armut herrsche. Infolge
dessen habe er vermehrt Alkohol konsumiert, bis er auf die Intensivstation in
H._
habe eingewiesen werden müssen. Zu Beginn der Behandlung bei ihr (Juni 2011) sei eine psychotische Symptomatik im Vordergrund gestanden, weshalb eine Behandlung mit Antidepressiva und
Antipsychotika
begonnen worden sei (Urk. 10/15/1). Aktuell werde der Beschwerdeführer mit
Antabus
behandelt
,
und
er
sei abstinent. Die Suchtsymptomatik sei nicht mehr aktuell
(Urk. 10/15/2)
.
Anlässlich der psychiatrischen Exploration schilderte der Beschwerdeführer, im Jahr 2010 sei es ihm sehr schlecht gegangen. Er habe seine Arbeit aufgrund einer Firmenübernahme verloren und dann begonnen, Alkohol zu trinken. Er habe zurück nach
G._
gewollt. So habe er sich von seiner Frau getrennt und daraufhin ein halbes Jahr in
G._
verbracht. Dort habe er massiv getrunken und sein Geld verspielt. Mitte 2011 sei er dann wieder zurück in die Schweiz gekommen, da er körperlich extrem krank gewesen sei. Er sei früher nie krank gewesen und habe immer gearbeitet. Er wisse auch nicht, was in der letzten Zeit vor der Kündigung im Jahr 2010 passiert sei. Er habe lediglich ein
mal unentschuldigt gefehlt und sei dann fristlos entlassen worden. Dies habe ihm den Boden unter den Füssen weggezogen. Er habe sich in
G._
dann richtig gehen lassen. Nachdem er zurückgekommen sei, habe er die Situation kaum mehr ertragen können. Er sei immer nervöser geworden, habe sich nicht mehr
wohl, sondern wertlos gefühlt. Suizidgedanken seien immer wieder auf
getaucht. Vor einem Jahr seien dann die Schmerzen in den Knien dazugekom
men, die ihn am längeren Laufen hinderten und von Kraftlosigkeit begleitet seien. Schliesslich bestehe ein Schwindel seit eini
gen Jahren, der langsam zunehme
, ihn am Geradelaufen hindere und auch immer wieder mit Stürzen verbunden sei (Urk. 10/24/19 f.).
Der Stellenverlust
hat demnach
bei der Entwicklung der depressiven Sympto
matik
offenkundig
eine
entscheidende Rolle gespielt
. Die anhaltende Arbeitslo
sigkeit und die leistungsorientierte Persönlichkeitsakzentuierung unterhalten die Symptomati
k gemäss
Dr.
B._
weiterhin. Dementsprechend sei die Prognose abhängig von der Fähigkeit, sich in den regulären Arbeitsprozess zu
reintegrie
ren
, um der für den Beschwerdeführer wichtigen Definition seines Selbstbilds über die Arbeit gerecht zu werden. In einem solchem Fall sei durchaus mit einer Verbesserung der zugrundeliegenden depressiven Situation zu rechnen und eine volle Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit anzunehmen.
Solange mit dem Gutachter zu erwarten ist, dass mit einem Wegfall der belas
tenden Lebensumstände unmittelbar auch die (somit nicht verselbständigte) psychische Störung verschwinden wird, fehlt es am rechtlich vorausgesetzten Kausalzusammenhang mit einer selbständi
gen Gesundheitsschädigung (
E. 4.2.1).
4.3.4
Selbst wenn, entgegen
der Beurteilung des psychiatrischen Gutachters sowie der behandelnden Ärztinnen (vgl. E. 4.3.2)
von einer mittelschweren depressiven „Störung“ aus
zugehen wäre
, wäre eine invalidisierende Wirkung nicht zwin
gend gegeben.
Zum einen kann nach dem Gesagten nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei dieser „Störung“ um ein selbständiges, von den belas
tenden psychosozialen Faktoren losgelöstes psychisches Leiden handelt. Ausser
dem unterzieht sich der Beschwerdeführer zwar einer psychotherapeutischen Behandlung (ab Juni 2011 bei
Dr.
C._
[
Urk.
10/15/1], seit März 2013: regelmässige Gespräche mit
Dr.
D._
mit kognitivem
verhaltenstherapeu
tischen
Hintergrund, antidepressive Medikation [
Urk.
10/38]). Die therapeuti
schen Sitzungen finden jedoch nur alle drei bis vier Wochen statt (
Urk.
10/38). Eine stationäre Behandlung der psychischen Beschwerden wurde bislang offen
bar nicht durchgeführt. Angesichts der nicht ausgeschöpften
Therapiemöglich
keiten
(häufigere ambulante therapeutische Sitzungen, stationärer Aufenthalt) kann von einem Scheitern einer konsequent befolgten Depressionstherapie, wel
ches das Leiden als resistent ausweisen würde, vorliegend nicht die Rede sein (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen, 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1).
4.3.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der beim Beschwerdeführer bestehen
den depressiven Symptomatik aus rechtlicher Sicht so oder so keine invalidi
sierende Wirkung beizumessen ist. Auf die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit kann daher – trotz grundsätzlich beweistauglichem Gutachten – aus rechtlichen Gründen nicht abgestellt werden. Vielmehr ist anzunehmen, dass keine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit besteht. Die anderslautende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
Dres
.
C._
und
D._
(sie attestierten dem Beschwerdeführer jeweils eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit; vgl. Urk. 10/15/2 und Urk. 10/38/1)
steht dem nicht entgegen, zumal
auch
der Erfahrung
statsache Rechnung zu tragen
ist
, dass behandelnde Ärzte und Ärz
tinnen mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3b/cc).
4.4
In somatischer Hinsicht kann aufgrund der gutachterlichen Feststellungen – mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; vgl. Stellungnahme vom
4.
September 2013,
Urk.
10/28/5) - von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh
rers zumindest in einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit seit Sommer 2011 ausgegangen werden (Urk. 10/24/12 und Urk. 10/24/15), was denn von ihm auch ausdrücklich anerkannt wurde (
Urk.
1 S. 8).
Nach dem Gesagten steht daher mit dem im Sozialversicherungsrecht mass
geben
den Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass dem
Beschwerdeführer
zumindest
eine leichte bis mittelschwere Arbeit (Urk. 10/24/12) zu 100 % zumutbar ist
.
4.5
Der Beschwerdeführer brachte
indes
vor, bei seiner angestammten Tätigkeit als
Fischverarbeiter
habe es sich um eine körperlich schwere Arbeit gehandelt, für welche er als 100%ig arbeitsunfähig einzustufen sei. Dies sei von der
Beschwer
degegnerin
ausser Acht gelassen worden (Urk. 1 S. 8).
Wie es sich damit verhält, kann offen bleiben.
Selbst wenn die
Fischverarbei
tung
als schwere Tätigkeit einzustufen wäre,
hat
dies keinen Anspruch
des Beschwerdeführers
auf Leistungen der
Invalidenversicherung zur Folge:
4.6
4.6.1
Bei
einem
diesfalls
vorzunehmenden Einkommensvergleich
kann
bei
der Bemes
sung des
Valideneinkommens
nicht a
uf das Einkommen
bei der ehemaligen Arbeitgeberin
abgestellt werden,
zumal
dem Beschwerdeführer
diese Stelle gemäss Auskunft der
selben
vom 19. Oktober 2012 aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt
worden war
(Urk. 10/14/1).
Auch d
er Beschwerdeführer ber
ichtete dem Gutachter
gegenüber
zunächst
von einer Kündigung aufgrund einer
Fir
menübernahme
(Urk. 10/24/19).
Damit
sind
sowohl
für die Bestimmung
des
Valideneinkommens
als auch des Invalideneinkommens
die
Tabellenlöhne ge
mäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstruk
turer
hebungen
(LSE) heranzuziehen.
Mangels Ausbildung des Beschwerdefüh
rers
ist
in beiden Fällen auf den Lohn für Hilfsarbeiten (Zentralwert),
Anforde
rungsniveau
4,
abzustellen.
Unter diesen Umständen
entspricht der
Invaliditäts
grad
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzuges vom Tabellenlohn (Urteil des Bun
desgerichtes
9C_215/2010
vom 2
0.
April 2010
, E
.
5.2).
Da dem Beschwerdeführer nach dem Gesagten zumindest körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten qualitativ und quantitativ uneingeschränkt zumutbar sind und auch sonst keine Abzugsgründe (vgl. dazu BGE 126 V 75) ersichtlich sind, ist kein Abzug zu gewähren. Es ergibt keine Erwerbseinbusse.
4.6.2
Würde
– mit dem Beschwerdeführer –
dennoch auf das Einkommen bei der ehe
maligen Arbeitgeberin abgestellt
,
ergäbe sich Folgendes:
Gemäss Auskunft der ehemaligen Arbeitgeberin hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2012 Fr. 71‘146.-- verdient (Urk. 10/14/3), was gemäss Auszug aus dem persönlichen Konto des Beschwerdeführers (IK-Auszug; Urk. 10/4) nachvoll
ziehbar erscheint.
Im Jahr 2013,
in
welche
m
ein
Rentenanspruch
frühestens entstehen könnte (
Art.
29
Abs.
1 IVG)
, hätte das
Valideneinkommen
unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
Fr.
71
‘
666.
-- betragen
(
Index
stand
2188 [2012] auf 2204 [2013], vgl. die Volkswirtschaft
3/4-2015,
S. 89, Tabelle B 10.3)
.
Wie bereits erwähnt (E. 4.6.1)
wäre für die Bestimmung des
Invalideneinkom
mens
auf die Tabellenlöhne ge
mäss LSE, konkret auf den Lohn für Hilfsarbeiten (Zentralwert),
Anforderungsniveau 4,
von Fr. 4‘901.-- (LSE 2010, S. 26
, Tabelle TA1
, TOTAL, Anforderungsniveau 4
)
abzustellen. Unter Berücksichtigung der durch
schnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2013 von 41,7 Stunden pro Woche
(Die Vol
kswirtschaft, 3/4-2015
,
S. 88,
Tabelle B 9.2
, A-S
)
sowie der
Nominallohn
entwicklung
bis ins Jahr 2013
(Indexstand 2150 [2010] auf 2204 [2013], vgl. die Volkswirtschaft
3/4-2015,
S. 89, Tabelle B 10.3)
ergibt
sich bei einem
zumutbaren
Arbeitspen
sum
von 100 %
für eine leichte bis mittelschwere Tätig
keit
ein Jahreseinkommen von Fr.
62
‘
851.
-- (Fr. 4‘901.-- : 40 x 41,7 x 12 : 2150 x 2204). Ein
(
leidensbedingter
)
Abzug
ist
nicht gerechtfertigt.
Wird das
Valideneinkommen
von Fr.
71
‘
666.
-- dem
Invalideneinkommen von
Fr.
62
‘
851.
--
gegenübergestellt, resultiert eine
Erwerbs
einbusse
von Fr.
8
‘
815
.--, was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von rund 12 % entspricht.
4.7
Im Sinne des Gesagten ist die Beschwerde
jedenfalls
abzuweisen.
5.
5.1
Gestützt auf die einge
reichte Unterstützungsbestätigung der Stadt
I._
(Urk. 3) sind die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtspflege gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
zu bejahen
.
Dem
B
eschwerdeführer
ist die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
5.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen.
Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Bewilligung der unentgeltli
chen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtkasse zu nehmen. Der Beschwerdeführer ist auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen.