Decision ID: 2ad58cab-f334-4817-b9a2-97dbaac16969
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Gestützt auf den Bundesratsbeschluss vom 27. Februar 2018 eröffnete das
Bundesamt für Polizei (nachfolgend «Fedpol») im März 2018 das Verwal-
tungsstrafverfahren 18-0055 wegen des Verdachts des Leistungsbetrugs
nach Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 22. März 1974 über das Ver-
waltungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0) und der damit zusammenhängenden
Widerhandlungen, mutmasslich begangen im abgeltungsberechtigten Ge-
schäftsbereich der PostAuto AG (vormals PostAuto Schweiz AG; nachfol-
gend «PostAuto») betreffend die Geschäftsjahre 2013 bis 2018.
B. Im März 2018 setzte das Fedpol als Verfahrensleiter alt Bundesrichter Hans
Mathys und als dessen Stellvertreter den Neuenburger Kantonsrichter Pierre
Cornu ein (Medienmitteilung des Fedpol vom 13. März 2018, abrufbar unter
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-
id-70092.html, besucht am 15. November 2022). Das anfangs gegen Unbe-
kannt geführte Verfahren wurde ab dem 27. August 2019 u.a. gegen A., B.
und C. geführt (BV.2022.24, act. 1.2 und act. 1.3, S. 5).
C. Nach Abschluss der Untersuchung übermittelte das Fedpol im August 2020
die Akten an die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern zwecks An-
klageerhebung. Am 10. September 2020 überwies die Staatsanwaltschaft
des Kantons Bern, Wirtschaftsdelikte, die Schlussprotokolle im Verfahren
«Fedpol 18-0055» sowie sämtliche Verfahrensakten dem Wirtschaftsstraf-
gericht des Kantons Bern (nachfolgend «Wirtschaftsstrafgericht») zur Beur-
teilung. Am 18. Dezember 2020 wies das Wirtschaftsstrafgericht das Verfah-
ren an die Staatsanwaltschaft zurück und ordnete an, dass die Ergebnisse
sämtlicher durch Hans Mathys und Pierre Cornu selbst durchgeführten oder
direkt angeordneten Verfahrenshandlungen aus den Verfahrensakten zu
entfernen, bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens unter Ver-
schluss zu halten und anschliessend zu vernichten seien. Seinen Entscheid
begründete das Gericht damit, dass es sich bei Hans Mathys und Pierre
Cornu nicht um Beamte i.S.v. Art. 20 VStrR, sondern um verwaltungsexterne
Personen handle, für deren Einsetzung keine gesetzliche Grundlage gege-
ben sei. Daher seien sämtliche von ihnen selbst durchgeführten oder direkt
angeordneten Verfahrenshandlungen nichtig (BV.2022.24, act. 1.3). Auf die
dagegen vom Fedpol erhobene Beschwerde trat das Obergericht des Kan-
tons Bern (nachfolgend «OGer BE») mit Beschluss BK 20 565+566 vom
26. Mai 2021 nicht ein (BV.2022.24, act. 9.3).
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-70092.html https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-70092.html
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D. Der Beschluss BK 20 565+566 des OGer BE war am 27. Mai 2021 Gegen-
stand diverser Medienberichte. Im Rahmen dieser Medienberichte habe das
Fedpol auf Anfrage u.a. mitgeteilt, dass es «weiterhin alles daran setzen
werde, dass das strafrechtlich relevante Verhalten der beschuldigten Perso-
nen gerichtlich beurteilt werden kann» (BV.2022.24, act. 1.16-1.19).
E. In der Folge führte B. mit an die Direktorin des Fedpol gerichtetem Schreiben
vom 3. Juni 2021 u.a. aus, dass das Fedpol ohne ein vordefiniertes Ziel die
Ermittlungen wiederaufzunehmen und insbesondere entlastende Umstände
mit gleicher Sorgfalt wie allfällige belastende Umstände abzuklären habe. Er
erwarte eine unvoreingenommene Neuaufnahme des Verfahrens. Zudem
forderte B. das Fedpol auf, die Unschuldsvermutung zu beachten
(BV.2022.24, act. 1.20).
F. Nachdem das Fedpol auf seiner Webseite am 26. Juni 2021 eine Medien-
mitteilung veröffentlicht hatte, wendete sich B. mit Schreiben vom 28. Juni
2021 erneut an die Direktorin des Fedpol und führte u.a. aus, dass, nachdem
sämtliche Handlungen des Verfahrensleiters und seines Stellvertreters für
nichtig erklärt worden seien, es aktuell keine beschuldigten Personen und
keine Anklage mehr gebe. Es sei daher problematisch, dass das Fedpol ihm
nach wie vor ein strafrechtlich relevantes Verhalten unterstelle. Ferner for-
derte B. das Fedpol auf, auf dessen Homepage bis spätestens am 1. Juli
2021 die rechtliche Situation derart wiederzugeben, wie sie sich aus den
Berner Entscheiden ergebe, und insbesondere darauf hinzuweisen, dass ge-
gen die ursprünglich sechs Beschuldigte kein Strafverfahren laufe
(BV.2022.24, act. 1.21).
G. Mit Schreiben vom 25. August 2021 setzte das Fedpol A., B. und C. darüber
in Kenntnis, dass das Verwaltungsstrafverfahren ab dem 1. September 2021
durch Emanuel Lauber als Verfahrensleiter, Abteilungsleiter bei der Eidge-
nössischen Steuerverwaltung (nachfolgend «ESTV»), und Sascha Pollace
als stellvertretender Verfahrensleiter, Ermittler bei der ESTV, wiederaufge-
nommen werde (BV.2022.18, act. 1, S. 4; BV.2022.19, act. 1.5; BV.2022.24,
act. 1.5).
H. Die vom Fedpol gegen den Beschluss BK 20 565+566 des OGer BE am
24. Juni 2021 erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil
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1B_363/2021 vom 5. April 2022 ab, soweit es darauf eintrat (BV.2022.24,
act. 1.4, 1.11).
I. Mit Schreiben vom 17. Mai 2022 machte B. u.a. Befangenheit der Direktion
des Fedpol sowie der Mitarbeiter des Fedpol, die an Ermittlungstätigkeiten
beteiligt waren, geltend (BV.2022.19, act. 1.8). Mit Eingaben vom 18. Mai
2022 schlossen sich C. und A. den Ausführungen von B. im Schreiben vom
17. Mai 2022 an (BV.2022.18, act. 8.1; BV.2022.24, act. 1.7). Am 24. Mai
2022 leitete das Fedpol die Ausstandsgesuche gestützt auf Art. 29 Abs. 2
VStrR an das Generalsekretariat des Eidgenössischen Justiz- und Polizeide-
partements (nachfolgend «GS EJPD») weiter (BV.2022.18, act. 8.2). Das
GS EJPD teilte A., B. und C. mit Schreiben vom 31. Mai 2022 mit, dass das
Fedpol ihm ihre Eingaben in Bezug auf die geltend gemachten Ausstands-
gründe in Anwendung von Art. 29 Abs. 2 i.V.m. Art. 28 Abs. 4 VStrR zustän-
digkeitshalber zum Entscheid weitergeleitet habe, und dass es die Angele-
genheit prüfen und sie über den Entscheid informieren werde (BV.2022.18,
act. 8.3; BV.2022.19, act. 1.9; BV.2022.24, act. 1.8).
J. Mit Verfügung vom 16. Juni 2022 wies das GS EJPD die gegen die Direktorin
bzw. Direktion des Fedpol und gegen Mitarbeitende des Fedpol gerichteten
Ausstandsbegehren ab, soweit es darauf eintrat (Dispositivziffer 1). Auf die
Erhebung einer Gebühr wurde verzichtet ([Dispositivziffer 2]; BV.2022.18,
BV.2022.19 und BV.2022.24, je act. 1.1).
K. Dagegen liess A. am 27. Juni 2022 bei der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts Beschwerde erheben. Er beantragt im Hauptbegehren die
Feststellung der Nichtigkeit der Verfügung vom 16. Juni 2022, eventualiter
sei die Ziff. 1 des Dispositivs der Verfügung vom 16. Juni 2022 aufzuheben
und es sei anzuordnen, dass das Fedpol im Verwaltungsstrafverfahren
18-0055 in Ausstand trete (Behördenausstand). Subeventualiter sei die
Ziff. 1 des Dispositivs der Verfügung vom 16. Juni 2022 aufzuheben und es
sei anzuordnen, dass die Direktorin des Fedpol sowie die von ihm bezeich-
neten Beamten des Fedpol im Verwaltungsstrafverfahren 18-0055 in Aus-
stand treten (BV.2022.18, act. 1). Daraufhin eröffnete die Beschwerdekam-
mer das Beschwerdeverfahren BV.2022.18.
L. In der Folge erhoben auch B. und C. gegen die Verfügung vom 16. Juni 2022
mit Eingaben vom 28. und 30. Juni 2022 bei der Beschwerdekammer Be-
schwerde. Sie stellen im Wesentlichen dieselben Rechtsbegehren wie A. in
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seiner Beschwerde vom 27. Juni 2022 (BV.2022.19 und BV.2022.24, je
act. 1). Im Gegensatz zu A. und B. ersucht C. im Hauptbegehren um Aufhe-
bung der Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung und subeventualiter um Fest-
stellung der Nichtigkeit (BV.2022.24, act. 1). Daraufhin eröffnete die Be-
schwerdekammer die Beschwerdeverfahren BV.2022.19 (B.) und
BV.2022.24 (C.).
M. Mit Schreiben vom 1. Juli 2022 teilte das Fedpol unter anderem A., B. und
C. mit, dass das (nunmehr unter der Nr. 21-0274 geführte) Verwaltungsstraf-
verfahren im Zusammenhang mit der PostAuto ab sofort gegen sie als Be-
schuldigte geführt werde (BV.2022.18, act. 6.1; BV.2022.19, act. 5.1;
BV.2022.24, act. 5.1). Die Eröffnungsverfügungen reichten A., B. und C. dem
Gericht mit Schreiben vom 7. Juli 2022 ein und ersuchten, diese als Novum
zu den Akten zu erkennen (BV.2022.18, act. 6; BV.2022.19, act. 5;
BV.2022.24, act. 5).
N. Mit Schreiben vom 11. Juli 2022 ersuchte A. die Direktorin des Fedpol um
Akteneinsicht und stellte den Antrag, das Fedpol, eventualiter die Direktorin
des Fedpol und die darin bezeichneten Beamten des Fedpol habe resp. ha-
ben im Verfahren Nr. 21-0274 in Ausstand zu treten (BV.2022.18, act. 8.8).
Eine ähnlich lautende Eingabe reichte B. beim Fedpol am 7. Juli 2022 ein
(BV.2022.19, act. 7.7).
O. Die Eingabe vom 18. Juli 2022, mit welcher sich der Chef des Rechtsdiens-
tes des GS EJPD zu den Beschwerden vernehmen liess und worin er deren
Abweisung beantragte, wurde A., B. und C. am darauffolgenden Tag zur
Kenntnisnahme zugestellt (BV.2022.18, act. 8-9; BV.2022.19, act. 7-8;
BV.2022.24, act. 7-8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Nach dem Grundsatz der Prozessökonomie und im Lichte des verfassungs-
rechtlichen Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist (Art. 29
Abs. 1 BV) sind Verfahren möglichst einfach, rasch und zweckmässig zum
Abschluss zu bringen (BGE 135 I 265 E. 4.4; 128 V 124 E. 1 S. 126; 126 V
283 E. 1 S. 285). Es steht im Ermessen des Gerichts, Verfahren nach diesem
Grundsatz zu vereinen (vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BV.2016.19-
20 vom 7. Dezember 2016 E. 1).
1.2 Die Beschwerden vom 27., 28. und 30. Juni 2022 richten sich gegen dieselbe
Verfügung des Beschwerdegegners vom 16. Juni 2022, basieren auf dem-
selben Sachverhalt und werfen gleiche Rechtsfragen auf. Unter diesen Um-
ständen rechtfertigt es sich, die Verfahren BV.2022.18, BV.2022.19 und
BV.2022.24 zu vereinigen und mit einem einzigen Beschluss zu erledigen.
2. Ist die Verfolgung und Beurteilung von Widerhandlungen einer Verwaltungs-
behörde des Bundes übertragen, so findet das VStrR Anwendung (Art. 1
VStrR). Die Bestimmungen der StPO sind insoweit ergänzend oder sinnge-
mäss anwendbar, als das VStrR dies ausdrücklich festlegt (vgl. Art. 22,
Art. 30 Abs. 2-3, Art. 31 Abs. 2, Art. 41 Abs. 2, Art. 43 Abs. 2, Art. 58 Abs. 3,
Art. 60 Abs. 2, Art. 80 Abs. 1, Art. 82, Art. 89 und Art. 97 Abs. 1 VStrR).
Soweit das VStrR einzelne Fragen nicht abschliessend regelt, sind die Best-
immungen der StPO grundsätzlich analog anwendbar (BGE 139 IV 246
E. 1.2 S. 248, E. 3.2 S. 249; Urteile des Bundesgerichts 1B_210/2017 vom
23. Oktober 2017 E. 1.1; 1B_91/2016 vom 4. August 2016 E. 4.1; zum Gan-
zen Urteil des Bundesgerichts 1B_433/2017 vom 21. März 2018 E. 1.1).
3. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss sich die Beschwer-
deinstanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf
die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken, und es genügt,
wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie
sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1; 139 IV 179 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom
16. Juli 2004 E. 5.2 m.w.H.).
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4.
4.1 Ist im Rahmen eines Verwaltungsstrafverfahrens des Bundes der Ausstand
von Beamten, die eine Untersuchung führen, einen Entscheid zu treffen oder
diesen vorzubereiten haben, oder von Sachverständigen, Übersetzern und
Dolmetschern streitig, so entscheidet darüber der Vorgesetzte des betreffen-
den Beamten oder desjenigen, der den Sachverständigen, den Übersetzer
oder den Dolmetscher beigezogen hat (Art. 29 Abs. 1 und 2 VStrR). Gegen
einen solchen Entscheid kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstraf-
gerichts Beschwerde geführt werden (Art. 29 Abs. 2 i.V.m. Art. 27 Abs. 3
VStrR). Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch den Entscheid im Sinne
von Art. 29 Abs. 2 VStrR berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR). Die Be-
schwerde gegen einen solchen Entscheid ist innert drei Tagen seit dessen
Eröffnung bei der zuständigen Behörde schriftlich mit Antrag und kurzer Be-
gründung einzureichen (Art. 28 Abs. 3 VStrR). Während mit der Beschwerde
gegen Zwangsmassnahmen auch die unrichtige oder unvollständige Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit ge-
rügt werden können (Art. 28 Abs. 2 VStrR), ist die Beschwerde gegen einen
Entscheid nach Art. 29 Abs. 2 VStrR nur wegen Verletzung von Bundesrecht,
einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, möglich
(Art. 29 Abs. 2 i.V.m. Art. 27 Abs. 3 VStrR).
4.2 Anfechtungsgegenstand bildet vorliegend die Verfügung vom 16. Juni 2022,
mit welcher der Beschwerdegegner die von den Beschwerdeführern geltend
gemachten Ausstandsgründe verneinte. Die Beschwerdeführer sind als Ad-
ressaten der angefochtenen Verfügung zur Beschwerdeführung legitimiert.
Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist daher
einzutreten.
5.
5.1 Zunächst ist auf die von den Beschwerdeführern geltend gemachte Nichtig-
keit der Verfügung vom 16. Juni 2022 einzugehen. Die Beschwerdeführer 1
und 2 begründen ihren Hauptantrag auf Feststellung der Nichtigkeit dahin-
gehend, dass sie mit Schreiben vom 17. bzw. 18. Mai 2022 kein Ausstands-
gesuch gestellt hätten. Sie seien zum damaligen Zeitpunkt nicht Verfahrens-
partei gewesen und seien deshalb nicht legitimiert gewesen, ein Ausstands-
begehren gegen das Fedpol, dessen Direktorin oder Mitarbeiter zu stellen.
Deshalb seien die Feststellungen zur Befangenheit der Behörde ausdrück-
lich in Form einer einfachen Anzeige vorgetragen worden. Aus diesem Grund
hätten sie nicht Adressaten der Verfügung vom 16. Juni 2022 sein können,
weshalb diese nichtig sei. Ebenso sei der Ausstand nicht streitig i.S.v. Art. 29
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Abs. 2 VStrR, weshalb der Beschwerdegegner nicht befugt gewesen sei,
über die geltend gemachten Befangenheitsgründe zu entscheiden
(BV.2022.18, act. 1, S. 3 ff.; BV.2022.19, act. 1, S. 5 ff.). Der Beschwerde-
führer 3 hingegen macht die Nichtigkeit der angefochtenen Verfügung im
Eventualstandpunkt geltend, falls das Gericht ihm die Parteistellung abspre-
chen sollte (BV.2022.24, act. 1, S. 9 ff., 48 ff.).
5.2 Nicht zu überzeugen vermag zunächst der Einwand der Beschwerdeführer,
wonach kein streitiger Ausstand i.S.v. Art. 29 Abs. 2 VStrR vorlag. Die Be-
schwerdeführer wurden vom Beschwerdegegner mit Schreiben vom 31. Mai
2022 darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm die Schreiben in Bezug auf die
Ausstandsbegehren zuständigkeitshalber weitergeleitet worden seien, die er
prüfen und die Beschwerdeführer über den Entscheid informieren werde
(BV.2022.18, act. 8.3; BV.2022.19, act. 1.9; BV.2022.24, act. 1.8). Die an-
waltlich vertretenen Beschwerdeführer haben gegen die Weiterleitung ihrer
Schreiben weder beim Beschwerdegegner noch beim Fedpol opponiert. Sie
machen erstmals im vorliegenden Beschwerdeverfahren geltend, dass der
Ausstand nicht streitig und der Beschwerdegegner deshalb nicht befugt ge-
wesen sei, über die geltend gemachten Ausstandsgründe zu befinden. In-
dem das Fedpol die Schreiben der Beschwerdeführer vom 17. und 18. Mai
2022 an den Beschwerdegegner weiterleitete, brachte es konkludent zum
Ausdruck, dass die darin geltend gemachten Befangenheitsgründe nicht ge-
geben sind, der Ausstand mithin streitig i.S.v. Art. 29 Abs. 2 VStrR ist. Man-
gels Reaktion seitens der Beschwerdeführer konnte der Beschwerdegegner
unter diesen Umständen davon ausgehen, über die ihm zuständigkeitshalber
weitergeleiteten Ausstandsbegehren entscheiden zu dürfen und zu müssen.
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner
die Ausstandsbegehren der Beschwerdeführer entgegennahm und diese in-
haltlich prüfte. Ein Nichtigkeitsgrund ist in diesem Zusammenhang nicht zu
erkennen.
5.3
5.3.1 Nicht zu überzeugen vermag auch der Einwand der Beschwerdeführer, wo-
nach die angefochtene Verfügung unzulässigerweise an sie adressiert wor-
den sei. Die Beschwerdeführer waren Angeklagte im Verfahren vor dem
Wirtschaftsstrafgericht (BV.2022.24, act. 1.3). Das Gericht wies das
Verfahren mit Beschluss vom 18. Dezember 2020 an die Staatsanwaltschaft
zurück und erklärte die von damaligen Verfahrensleitern selbst durchgeführ-
ten oder direkt angeordneten Untersuchungshandlungen als nichtig. Bis
zum Beschluss vom 18. Dezember 2020 waren die Beschwerdeführer unbe-
strittenerweise Angeklagte und damit Parteien des Verwaltungsstrafverfah-
rens Nr. 18-0055. Die aufschiebende Wirkung kommt weder der
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Beschwerde nach Art. 393 ff. StPO noch der Beschwerde in Strafsachen ans
Bundesgericht von Gesetzes wegen zu (vgl. Art. 387 StPO und Art. 103
Abs. 1 BGG). Soweit ersichtlich, wurde die aufschiebende Wirkung in den
beiden Beschwerdeverfahren von der jeweiligen Verfahrensleitung nicht an-
geordnet. Da sich in den dem Gericht eingereichten Unterlagen lediglich die
den Beschwerdeführer 3 betreffende Eröffnungsverfügung vom 27. August
2019 befindet (BV.2022.24, act. 1.3), lässt sich nicht abschliessend beurtei-
len, ob die betreffend die Beschwerdeführer 1 und 2 erlassenen Eröffnungs-
verfügungen ebenfalls vom damaligen Verfahrensleiter erlassen worden und
ob auch diese von der vom Wirtschaftsstrafgericht festgestellten Nichtigkeit
erfasst sein könnten. Selbst wenn sämtliche die Beschwerdeführer betref-
fenden Eröffnungsverfügungen aus dem Jahr 2019 nichtig wären, würde
dies nicht bedeuten, dass sie ab dem Zeitpunkt der Rückweisung des Ver-
waltungsstrafverfahrens 18-0055 in keiner Weise mehr betroffen waren. Zum
einen ist der Erlass einer Eröffnungsverfügung im VStrR nicht vorgeschrie-
ben (BGE 106 IV 413 E. 2) und die Eröffnung des Verwaltungsstrafverfah-
rens kann auch mündlich oder konkludent erfolgen (VEST, Basler Kommen-
tar, 2020, Art. 19 VStrR N. 15). Die Strafuntersuchung gilt als eröffnet, sobald
sich die Behörde mit dem Straffall zu befassen beginnt. Dies trifft jedenfalls
dann zu, wenn sie Zwangsmassnahmen, wie z.B. Vorladung anordnet
(BGE 141 IV 20 E. 1.1.4). Ausserdem kommt der Eröffnungsverfügung le-
diglich deklaratorische Wirkung zu (BGE 141 IV 20 E. 1.1.4). Damit setzt die
Parteistellung in einem Verwaltungsstrafverfahren eine Eröffnungsverfügung
nicht zwingend voraus. Zum anderen setzte das Fedpol die Beschwerdefüh-
rer mit Schreiben vom 25. August 2021 über die neuen Untersuchungsleiter
im Verfahren im Zusammenhang mit der PostAuto in Kenntnis (BV.2022.24,
act. 1.5). Wären die Beschwerdeführer nach dem Rückweisungsbeschluss
vom 18. Dezember 2020 unbeteiligte Dritte, hätte sich diese persönliche Mit-
teilung erübrigt. Somit steht nicht fest, ob die Beschwerdeführer zum Zeit-
punkt der Geltendmachung der Ausstandsgründe tatsächlich nicht Beschul-
digte waren. Indem die Beschwerdeführer an das Fedpol Schreiben richteten
und insbesondere dessen Ausstand geltend machten, gingen sie wohl selber
davon aus, dass sie von der Untersuchung auch nach dem Rückweisungs-
entscheid weiterhin in irgendeiner Form betroffen waren bzw. in absehbarer
Zeit betroffen sein werden. Selbst wenn die Beschwerdeführer zu diesem
Zeitpunkt nicht Verfahrenspartei gewesen sein sollten, so waren sie in der
hier vorliegenden Konstellation zum Zeitpunkt der Geltendmachung der Be-
fangenheit und des Erlasses der hier angefochtenen Verfügung jedenfalls
nicht unbeteiligte Dritte. An dieser Schlussfolgerung vermag auch die Tatsa-
che nichts zu ändern, dass die Schreiben vom 17. bzw. 18. Mai 2022, worin
die Beschwerdeführer die Befangenheit geltend machten, ausdrücklich als
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«Anzeige» bezeichnet wurden. Inhaltlich handelte es sich dabei um Aus-
standsbegehren.
5.3.2 Somit waren die Beschwerdeführer unter diesen konkreten Umständen be-
rechtigt, allfällige Ausstandsgründe gegenüber der Untersuchungsbehörde
geltend zu machen. Aus dem Gesagten folgt, dass ein Nichtigkeitsgrund in
diesem Zusammenhang nicht zu erkennen ist. Bei diesem Ergebnis kann die
in der Lehre umstrittene Frage offen bleiben, ob allfällige Ausstandsgründe
im ordentlichen Strafverfahren (und damit analog auch im Verwaltungsstraf-
verfahren) nebst Verfahrensparteien auch von Dritten geltend gemacht wer-
den können (verneinend KELLER, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 58
StPO N. 7; MOREILLON/PAREIN-REYMOND, Petit Commentaire, 2. Aufl. 2016,
Art. 58 StPO N. 2 und VERNIORY, Commentaire romand, Code de procédure
pénale suisse, 2. Aufl. 2019, Art. 58 N. 1; bejahend BOOG, Basler Kommen-
tar, 2. Aufl. 2014, Art. 58 StPO N. 1; KONOPATSCH/EHMANN, Basler Kommen-
tar, 2020, Art. 29 VStrR N. 78, 105 f.; RIKLIN, StPO Kommentar, 2. Aufl. 2014,
Art. 58 N. 2).
5.3.3 Angemerkt sei ausserdem, dass der Beschwerdegegner den Beschwerde-
führern mit Schreiben vom 31. Mai 2022 mitgeteilt hatte, dass er infolge der
Weiterleitung ihre Gesuche prüfen und sie über einen Entscheid informieren
werde. Wie in E. 5.2 ausgeführt, monierten die Beschwerdeführer die Wei-
terleitung ihrer Gesuche an den Beschwerdegegner nicht. Da den Beschwer-
deführern in der angefochtenen Verfügung auch keine Kosten auferlegt wur-
den, ist nicht ersichtlich, was sie aus der angeblich fehlenden Parteistellung
zu ihren Gunsten abzuleiten beabsichtigen. Vielmehr erscheint das Verhal-
ten der Beschwerdegegner, den Erlass der Verfügung vom 16. Juni 2022 zu
verursachen und anschliessend im Beschwerdeverfahren deren Nichtigkeit
wegen fehlender Parteistellung geltend zu machen, als widersprüchlich
(«venire contra factum proprium»).
5.4
5.4.1 Der Beschwerdegegner kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
dass die Rüge der Befangenheit der Direktorin bzw. Direktion des Fedpol zu
spät vorgebracht worden und der Anspruch der Beschwerdeführer auf Gel-
tendmachung des Ausstandes daher verwirkt sei. Da die in Art. 29 Abs. 1
VStrR aufgeführten Ausstandsgründe jedoch absoluter Natur und daher von
Amtes wegen zu berücksichtigen seien, wirke sich eine allfällige Verwirkung
nur auf das Recht aus, die Aufhebung früherer Amtshandlungen zu verlan-
gen und erstrecke sich nicht auf die Geltendmachung des Ausstandes an
sich (BV.2022.18, BV.2022.19 und BV.2022.24, je act. 1.1).
- 11 -
5.4.2 Die Geltendmachung des Ausstandes hat unverzüglich, d.h. innert weniger
Tage nach Kenntnisnahme des Ausstandsgrundes zu erfolgen (Urteil des
Bundesgerichts 1B_226/2018 vom 3. Juli 2018 E. 2.1; vgl. Beschluss des
Bundesstrafgerichts BV.2019.2 vom 15. April 2019 E. 4.3.). Nach der Recht-
sprechung muss der Gesuchsteller den Ausstand in den nächsten Tagen
nach Kenntnisnahme des Ausstandsgrundes verlangen. Andernfalls verwirkt
er den Anspruch (BGE 143 V 66 E. 4.3 m.H.). Ein sechs bis sieben Tage
nach Kenntnisnahme des Ausstandsgrundes gestelltes Ausstandsgesuch ist
rechtzeitig. Wartet der Gesuchsteller damit zwei Wochen zu, ist es dagegen
verspätet (Urteil des Bundesgerichts 1B_47/2019 vom 20. Februar 2019
E. 3.3 m.H.). Bei der Annahme der Verwirkung des Rechts, den Ausstand zu
verlangen, ist Zurückhaltung geboten (Urteil des Bundesgerichts
1B_418/2014 vom 15. Mai 2015 E. 4.5 m.H.; vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts 1B_22/2019 vom 17. April 2019 E. 3.2).
5.4.3 Zum Anlass der Geltendmachung der Befangenheit der Direktion bzw. der
Mitarbeiter des Fedpol im Schreiben vom 17. und 18. Mai 2022 nahmen die
Beschwerdeführer diverse Zeitungsartikel aus den Jahren 2020 und 2021
sowie die Medienmitteilung des Fedpol vom 27. August 2020 (BV.2022.18,
act. 8.1; BV.2022.19, act. 1.8, S. 7 ff.; BV.2022.24, act. 1.7). Unbestritten ist,
dass die anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer bis zu diesem Zeitpunkt
keine weiteren Ausstandsgesuche gestellt hatten. Wie im Nachfolgenden
aufzuzeigen sein wird, erweisen sich die vorliegenden Beschwerden als un-
begründet (E. 6 hiernach). Es kann daher dahingestellt bleiben, ob die Ge-
suche rechtzeitig gestellt wurden (zu den Konsequenzen von verspäteten
Ausstandsbegehren vgl. KONOPATSCH/EHMANN, a.a.O., Art. 29 VStrR
N. 108).
5.5
5.5.1 In einem weiteren Punkt macht der Beschwerdeführer 3 geltend, dass der
Beschwerdegegner die vom Ausstand betroffenen Personen zu den Vorwür-
fen nicht angehört habe. Der Beschwerdeführer 3 sieht darin eine Verletzung
seines Anspruchs auf rechtliches Gehör und der Untersuchungsmaxime,
d.h. der Pflicht von sich aus notwendige Sachverhaltsabklärungen vorzuneh-
men (BV.2022.24, act. 1, S. 16 ff.).
5.5.2 Im Rahmen der Vernehmlassung gestand der Beschwerdegegner ein, die
vom Ausstandsbegehren betroffenen Personen nicht um eine Stellung-
nahme gebeten zu haben, bevor er über deren Ablehnung entschied. Die
Anzeige mit den Ausstandsbegehren sei ihm vom Fedpol zuständigkeitshal-
ber und in Kenntnis der geltend gemachten Ausstandsgründe weitergeleitet
worden. Eine zusätzliche Einladung zur Stellungnahme hätte sich als ein
- 12 -
pro-forma Schritt erwiesen, weshalb der Beschwerdegegner darauf verzich-
tet habe (BV.2022.24, act. 7).
5.5.3 Im ordentlichen Strafprozessverfahren nimmt die in der Strafbehörde tätige
und vom Ausstand betroffene Person zum Gesuch grundsätzlich Stellung
(Art. 58 Abs. 2 StPO; BGE 138 IV 222 E. 2). Anders als das Strafprozess-
recht sieht das VStrR nicht ausdrücklich vor, dass die für die Entscheidung
zuständige Behörde über die Ablehnung eines Untersuchungsbeamten die
vom Ausstand betroffene Person anhören muss. Es ist auch nicht ersichtlich,
inwiefern die analoge Anwendung von Art. 58 Abs. 2 StPO zwingend wäre.
Es ist davon auszugehen, dass der Gesetzgeber bewusst von einer zwin-
genden Anhörung des vom Ausstand betroffenen Person abgesehen hat.
Denn anders als im ordentlichen Strafverfahren entscheidet im Verwaltungs-
strafrecht die hierarchisch übergeordnete Behörde über den Ausstand (Be-
schluss des Bundesstrafgerichts BV.2019.24+BV.2019.26 vom 6. Juli 2020
E. 5.4.2).
5.5.4 Entgegen der Ansicht des Beschwerdegegners erweist sich die Anhörung
der vom Ausstand betroffenen Person nicht in jedem Fall lediglich als ein
pro-forma Schritt. In Anlehnung an Art. 58 Abs. 2 StPO dient die Anhörung
der Abklärung des Sachverhalts und der Gewährung des rechtlichen Gehörs
der vom Ausstand betroffenen Person (BOOG, a.a.O., Art. 58 StPO N. 11).
Eine allfällige Heilung der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
der vom Ausstand betroffenen Person fällt im Verfahren vor der Beschwer-
dekammer aufgrund eingeschränkter Kognition ausser Betracht (vgl. Art. 29
Abs. 2 i.V.m. Art. 27 Abs. 3 VStrR). Die hiesigen Beschwerdeführer können
die Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht für die betroffenen Beamten rü-
gen, sondern lediglich die allenfalls mangels Anhörung derselben ungenü-
gende Sachverhaltsabklärung. Eine Anhörung drängt sich im Verwaltungs-
strafrecht insbesondere dann auf, wenn sich der für den Ausstand relevante
Sacherhalt nicht bereits aus dem Ausstandsbegehren (und dessen Beilagen)
ergibt.
5.5.5 Die Beschwerdeführer legten in den Schreiben vom 17. und 18. Mai 2022
ausführlich dar, weshalb sie hinsichtlich der Direktorin und der Mitarbeiter
des Fedpol Ausstandsgründe erkennen und belegten ihre Behauptungen mit
diversen Beilagen. Der dem Entscheid zugrunde liegende Sachverhalt ergab
sich somit bereits aus den Ausstandsgesuchen der Beschwerdeführer. Dass
der Beschwerdegegner von der Anhörung der vom geltend gemachten Aus-
stand betroffenen Personen absah, ist unter diesen Umständen nicht zu be-
mängeln.
- 13 -
5.6 Zusammenfassend ist die Nichtigkeit der angefochtenen Verfügung vom
16. Juni 2022 nicht zu erkennen. Die entsprechenden Begehren der Be-
schwerdeführer sind abzuweisen.
6.
6.1 Die Beschwerdeführer begründen ihr Ausstandsgesuch und die vorliegen-
den Beschwerden im Wesentlichen damit, dass die Äusserungen des Fedpol
in der Öffentlichkeit vorverurteilend seien und auf Befangenheit der Direktion
und der Mitarbeiter des Fedpol i.S.v. Art. 29 Abs. 1 lit. c VStrR deuten wür-
den. Insbesondere sei das Fedpol bzw. dessen Direktion nicht willens oder
nicht in der Lage, von der ursprünglichen Beurteilung abzurücken und die
Sache unbefangen wieder aufzunehmen (BV.2022.18, act. 1, S. 10 ff.;
BV.2022.19, act. 1, S. 12 ff.; BV.2022.24, act. 1, S. 9 ff.).
6.2
6.2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 1 VStrR treten Beamte, die eine Untersuchung zu füh-
ren, einen Entscheid zu treffen oder diesen vorzubereiten haben, in Aus-
stand, wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse haben (lit. a), mit
dem Beschuldigten durch Ehe oder eingetragene Partnerschaft verbunden
sind oder mit ihm eine faktische Lebensgemeinschaft führen (lit. b), mit dem
Beschuldigten in gerader Linie oder bis zum dritten Grade in der Seitenlinie
verwandt oder verschwägert sind (lit. bbis) oder aus anderen Gründen in der
Sache befangen sein könnten (lit. c).
6.2.2 Der Zweck der Ausstandspflicht besteht darin, jeden Anschein der Befan-
genheit oder Interessenkollision zu vermeiden. Hinsichtlich der Verwaltung
in ihrer Funktion als Untersuchungsbehörde, Anklagebehörde und urteilende
Behörde ist zur Beurteilung des Ausstandsgrundes nach Art. 29 Abs. 1 lit. c
VStrR die zum in Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK ergangene Recht-
sprechung zum verankerten Anspruch jeder Person auf ein faires Verfahren
heranzuziehen. Gerade wegen der Machtfülle der Verwaltung sind bei der
Beurteilung der Frage der Befangenheit von untersuchenden Beamten die
gleichen (strengen) Massstäbe anzuwenden wie gegenüber den Strafverfol-
gungsbehörden (BGE 120 IV 266 E. 4b). Eine Verletzung der Garantie auf
ein faires Verfahren und somit Befangenheit sind anzunehmen, wenn Um-
stände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu er-
wecken. Solche Umstände können entweder in einem bestimmten persönli-
chen Verhalten oder in gewissen funktionellen und organisatorischen Gege-
benheiten begründet sein. In beiden Fällen wird aber nicht verlangt, dass der
Handelnde deswegen tatsächlich befangen ist. Es genügt, wenn Umstände
gegeben sind, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der
http://links.weblaw.ch/BGE-120-IV-265
- 14 -
Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des An-
scheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann je-
doch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden; das
Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. An-
gesichts der Bedeutung der Unparteilichkeit lässt sich jedoch eine einschrän-
kende Auslegung und Anwendung dieses Grundsatzes nicht vertreten, auch
wenn der Ausstand die Ausnahme bleiben muss (HAURI, Verwaltungsstraf-
recht, 1998, S. 86 mit Hinweis auf BGE 120 IV 226 E. 4b S. 236 ff.; vgl. auch
MÜLLER/SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 937 f.; KIE-
NER, Richterliche Unabhängigkeit: verfassungsrechtliche Anforderungen an
Richter und Gerichte, 2001, S. 58 ff.; KONOPATSCH/EHMANN, a.a.O., Art. 29
VStrR N. 33 f.; BGE 127 I 196 E. 2b S. 198 f. und E. 2d S. 199 f.; TPF 2009
84 E. 2.2; Beschluss des Bundesstrafgerichts BV.2019.2 vom 15. April 2019
E. 3.2). Fehlerhafte Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Untersu-
chungsleitung begründen für sich keinen Anschein der Voreingenommen-
heit. Materielle oder prozessuale Fehler stellen nur dann einen Ausstands-
grund dar, wenn sie besonders krass oder wiederholt auftreten, sodass sie
einer schweren Verletzung der Amtspflichten gleichkommen und sich einsei-
tig zulasten einer der Prozessparteien auswirken (BGE 143 IV 69 E. 3.2;
141 IV 178 E. 3.2.3; 138 IV 142 E. 2.3; KONOPATSCH/EHMANN, a.a.O., Art. 29
VStrR N. 19, 29, 85 ff. m.w.H.).
6.2.3 Voreilige präjudizielle Äusserungen der Untersuchungsleitung können in be-
gründeten Einzelfällen geeignet sein, objektive Zweifel an ihrer Unparteilich-
keit zu begründen. Dies kann zum Beispiel zutreffen, wenn die Untersu-
chungsleitung nicht gewillt erscheint, ihren unzulässigen, vom zuständigen
Verfahrensgericht gerügten Standpunkt zu ändern (vgl. BGE 138 IV 142 E.
2.4 S. 146 f.). Sodann kann sich insbesondere in Fällen mit grosser Publizität
in jedem Untersuchungsstadium die Situation ergeben, dass der Untersu-
chungsleiter bereits vor Abschluss des Verfahrens in rechtlicher oder tat-
sächlicher Hinsicht zum Gegenstand der Untersuchung Stellung nimmt und
dabei unter Umständen auch seine persönliche aufgrund des jeweiligen Ver-
fahrensstandes vorläufig gebildete Meinung offenlegt. Dabei darf und muss,
sofern nicht besondere, anders lautende Anzeichen vorhanden sind, voraus-
gesetzt werden, dass der Untersuchungsleiter in der Lage ist, seine Beurtei-
lung des Prozessstoffes im Verlaufe des Verfahrens ständig neu zu überprü-
fen und bei Vorliegen neuer Tatsachen und Argumente auch zu revidieren.
Eine solche, jeder untersuchungsrichterlichen Tätigkeit innewohnende vor-
läufige Verarbeitung und Wertung des im betreffenden Verfahrensstadium
vorhandenen Prozessstoffes vermag grundsätzlich keine Vorverurteilung
oder Befangenheit zu begründen. "Ungeschickte Äusserungen" kommen als
Ausstandsgrund nur in Frage, wenn es sich dabei um eine schwere
http://links.weblaw.ch/BGE-120-IV-226 http://links.weblaw.ch/BGE-127-I-196 http://links.weblaw.ch/TPF_2009_84 http://links.weblaw.ch/TPF_2009_84 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-IV-142%3Ade&number_of_ranks=0#page142
- 15 -
Verfehlung gegenüber der betroffenen Partei handelt (BGE 141 IV 178
E. 3.2.3 S. 180; 127 I 196 E. 2d S. 200; 116 Ia 14 E. 6 S. 21 f.; je mit Hinwei-
sen; zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 1B_535/2018 vom 16. April
2019 E. 3). Zu beachten ist allerdings, dass Äusserungen in der Öffentlich-
keit berechtigte Zweifel an der Unbefangenheit aufkommen lassen können,
wenn sie einen unmittelbaren Bezug zum konkreten Verfahren aufweisen,
etwa bei Äusserungen über den Verfahrensausgang (vgl. zum Ganzen
TPF 2009 84 E. 2.2 m.w.H.). Ob ein objektiver Anschein der Befangenheit
aufgrund einer Äusserung vorliegt, ist anhand einer objektiven Interpretation
des Inhalts der Äusserung und unter Berücksichtigung der gesamten Um-
stände des konkreten Einzelfalls, namentlich des Tonfalls, des Kontextes so-
wie des offensichtlich damit verfolgten Zweckes, zu beurteilen (Beschluss
des Bundesstrafgerichts BV.2018.4 vom 25. Juli 2018 E. 3.3; s.a. KONO-
PATSCH/EHMANN, a.a.O., Art. 29 VStrR N. 94).
6.3
6.3.1 Mit Medienmitteilung vom 27. August 2020 informierte das Fedpol
die Öffentlichkeit über den Abschluss und den weiteren Verlauf des Verwal-
tungsstrafverfahrens im Zusammenhang mit der PostAuto. Namentlich
gab das Fedpol darin die Überweisung der Akten an die Generalstaatsan-
waltschaft des Kantons Bern zwecks Erhebung der Anklage gegen die be-
schuldigten Personen bekannt (BV.2022.24, act. 1.23; abrufbar unter
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-
id-80205.html, besucht am 15. November 2022).
6.3.2 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer vermag der in der Medienmit-
teilung erwähnte Satz « [...] Die festgestellten Handlungen der Beschuldig-
ten bewertet fedpol als strafrechtlich gravierend und wird deshalb Freiheits-
strafen gegen die sechs Personen beantragen [...]», keinen objektiven An-
schein der Befangenheit zu begründen. In Anwendung von Art. 73 Abs. 1
VStrR überwies das Fedpol die Schlussprotokolle samt den Verfahrensakten
der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern zuhanden des zuständigen
Wirtschaftsstrafgerichts, nachdem es nach Abschluss der Untersuchung
zum Schluss gelangt war, dass die Voraussetzungen einer Freiheitsstrafe
gegeben waren. Die Anklage erfolgte nach Abschluss einer rund zweijähri-
gen Untersuchung, die mit der Erstellung der Schlussprotokolle abgeschlos-
sen wurde (vgl. Art. 61 Abs. 1 VStrR; TPF 2009 84 E. 2.3). Vor diesem Hin-
tergrund ist der besagte Satz dahingehend zu interpretieren, dass das Fed-
pol nach Abschluss der Untersuchung gegen die Beschwerdeführer eine
Freiheitsstrafe als angemessen erachtete und deshalb die Angelegenheit in
Anwendung von Art. 73 Abs. 1 VStrR der Staatsanwaltschaft zuhanden des
zuständigen Strafgerichts zu überweisen hatte und dementsprechend über
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-178%3Ade&number_of_ranks=0#page178 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-196%3Ade&number_of_ranks=0#page196 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-IA-14%3Ade&number_of_ranks=0#page14 https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-80205.html https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-80205.html
- 16 -
keine Entscheidkompetenz (mehr) verfügte. Um die ihm zustehenden Kom-
petenzen einzuhalten, hatte das Fedpol am Ende der Untersuchung die
Schwere der den Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen festzulegen
und entschied sich, die Öffentlichkeit über seine diesbezügliche Schlussfol-
gerung in Kenntnis zu setzen. Auch wenn die Wortwahl «strafrechtlich gra-
vierend» unglücklich gewählt wurde, ist sie mit Blick auf die dem Fedpol zu-
stehenden Kompetenzen zu beurteilen und vermag allein keinen objektiven
Anschein der Befangenheit zu begründen.
6.4
6.4.1 Ferner erkennen die Beschwerdeführer einen Befangenheitsgrund aus dem
Artikel in der Handelszeitung vom 12. September 2020. Im Rahmen eines
Interviews erwiderte die Direktorin des Fedpol die Bemerkung der Handels-
zeitung, dass es Leute gäbe, die sagen, dass man [Fedpol] die Grossen
([...]), die von den Subventionen ab 2011 gewusst hätten, habe laufen las-
sen, wie folgt: «Wir ermitteln strafbare Handlungen und hatten keine hinrei-
chenden Hinweise auf solche Handlungen bei diesen Personen. Politische
Verantwortlichkeiten oder der Verstoss gegen Regeln der Good Governance
sind nicht Teil des Strafverfahrens». Auf die darauffolgende Bemerkung der
Handelszeitung, man lasse die «Kleinen» hängen und die «Grossen» laufen,
gab die Direktorin Folgendes an: «So klein sind die Personen, gegen die wir
Anklage erheben, auch nicht. Und nochmals: Wir erheben Anklage gegen
Personen, denen wir strafbare Handlungen vorwerfen» (BV.2022.24,
act. 1.15).
6.4.2 Beim vom Fedpol geführten Verfahren im Zusammenhang mit der PostAuto
handelt es sich um einen Fall mit grosser Publizität, an welchem die Öffent-
lichkeit besonders interessiert ist. Daher ist es naheliegend und grundsätz-
lich nicht zu beanstanden, dass das Fedpol bzw. dessen Direktorin die Öf-
fentlichkeit über die Untersuchung und deren Zwischenstand orientierte. Ent-
gegen der Ansicht der Beschwerdeführer lassen sich aus den Äusserungen
der Direktorin des Fedpol gegenüber der Handelszeitung keine Hinweise für
objektiven Anschein der Befangenheit ableiten. Mit ihren Äusserungen ge-
genüber der Handelszeitung gab die Direktorin lediglich an, dass das Fedpol
nach Durchführung der Untersuchung Anklage gegen Personen erhoben
hatte, denen es strafbare Handlungen vorwarf. Die Aussage, dass es sich
bei den beschuldigten Personen nicht um «kleine Personen» handle, ist da-
hingehend zu interpretieren, dass sich die Anklage nicht gegen Personen
der unteren Organisationsstufe der PostAuto richtete. Dies deckt sich mit den
Angaben in der Medienmitteilung des Fedpol vom 27. August 2020, aus
welcher hervorgeht, dass die Anklage gegen ehemalige Angestellte der
PostAuto in Leitungspositionen erhoben worden war (BV.2022.24, act. 1.23;
- 17 -
abrufbar unter https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmit-
teilungen.msg-id-80205.html, besucht am 15. November 2022). Ferner er-
klärte die Direktorin, dass gegenüber weiteren Personen keine Anklage er-
hoben wurde, weil deren Handeln als nicht strafrechtlich, sondern lediglich
als möglicherweise ethisch relevant eingestuft worden war (Verstoss gegen
Regeln der Good Governance).
In diesem Zusammenhang gilt insbesondere zu beachten, dass das Inter-
view der Direktorin am 12. September 2020, d.h. zwei Tage nach der Über-
weisung der vom Fedpol erstellten Schlussprotokolle (samt Verfahrensak-
ten) durch die Staatsanwaltschaft an das Wirtschaftsstrafgericht (supra
Sachverhalt Bst. C) stattfand. Das Fedpol war zum Zeitpunkt des Interviews
die anklagende Behörde, mithin Partei des Strafverfahrens (vgl. Art. 74
Abs. 1 VStrR), und als solche nicht (mehr) im selben Masse wie die Gerichts-
person zur Objektivität verpflichtet (zur analogen Stellung der Staatsanwalt-
schaft im gerichtlichen Verfahren vgl. Art. 104 Abs. 1 lit. c StPO und Urteil
des Bundesgerichts 6B_719/2017 vom 10. September 2018 E. 2.1). Die Di-
rektorin legte mit dieser Passage am Ende der Untersuchung lediglich ihre
Einschätzung des Untersuchungsergebnisses dar, welches sie dem dafür
zuständigen Gericht zur Beurteilung überwiesen hatte.
6.5
6.5.1 Schliesslich erkennen die Beschwerdeführer Hinweise auf Befangenheit aus
den im Nachgang an den Beschluss BK 20 565+566 des OGer BE vom
26. Mai 2021 seitens des Fedpol gegenüber Medien am 27. Mai 2021 ge-
machten Äusserungen. Diversen Zeitungsberichten zufolge habe das Fedpol
im Rahmen einer Stellungnahme ausgeführt, es werde weiterhin alles daran-
setzen, dass das strafrechtlich relevante Verhalten der beschuldigten Perso-
nen gerichtlich beurteilt werden könne. Weiter gab das Fedpol an, dass es
in den letzten Monaten verschiedene Varianten für das weitere Vorgehen
geprüft habe. Der nun vorliegende Entscheid schaffe Klarheit und würde
nach einer genauen Analyse erlauben, rasch über das weitere Vorgehen zu
entscheiden (BV.2022.24, act. 1.16-1.19).
6.5.2 Einleitend sei angemerkt, dass aus den dem Gericht eingereichten Medien-
berichten nicht hervorgeht, ob sich nebst der Mediensprecherin, die keine
Beamte i.S.v. Art. 29 Abs. 1 VStrR ist, weitere Personen vom Fedpol gegen-
über den Medien vernehmen liessen. Auch wenn diese Aussage der Direk-
torin des Fedpol und/oder den für die Untersuchung zuständigen Personen
beim Fedpol zugerechnet werden könnte, vermag sie den Anschein der Be-
fangenheit nicht zu begründen. Mit der Formulierung «strafrechtlich relevan-
tes Verhalten» wurde kundgetan, dass das Fedpol das angeklagte Verhalten
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-80205.html https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-80205.html
- 18 -
der Beschuldigten als strafrechtlich relevant eingestuft hat, ohne sich festzu-
legen, dass das den Beschuldigten vorgeworfene Verhalten tatsächlich straf-
bar ist. Das Vorliegen einer Widerhandlung oder eine vorweggenommene
Äusserung zum Ausgang des Verfahrens, namentlich die Verurteilung der
Beschuldigten, lassen sich dieser Formulierung nicht entnehmen. Ebenso
wenig lässt sich Befangenheit aus der Aussage ableiten, dass es die Ange-
legenheit von einem Gericht beurteilen lassen wolle. Diese Aussage ist ins-
besondere vor dem Hintergrund zu beurteilen, dass zu diesem Zeitpunkt ge-
gen den Beschluss des OGer BE Beschwerde an das Bundesgericht offen-
stand. Daher kann diese Aussage dahingehend interpretiert werden, dass
das Fedpol die Erhebung der Beschwerde ans Bundesgericht prüfte, um den
Rückweisungsbeschluss des Wirtschaftsstrafgerichts vom 18. Dezember
2020 aufzuheben.
6.6
6.6.1 Die Beschwerdeführer leiten aus dem geltend gemachten Ausstand der Di-
rektor des Fedpol den Ausstand sämtlicher mit der Untersuchung betreffend
die PostAuto befassten Mitarbeiter des Fedpol ab, ohne gegenüber den Letz-
teren andere Ausstandsgründe geltend zu machen. Dies wäre gegenüber
den jeweiligen Personen jedoch notwendig, da sich deren Ausstand nicht
allein aus dem Umstand der Weisungsgebundenheit gegenüber der Direkto-
rin ableiten lässt (vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BV.2009.25,
BV.2009.26, BV.2009.27 und BV.2009.28 vom 20. Mai 2009 E. 2.5). Nach-
dem bei der Direktorin des Fedpol kein Ausstandsgrund ersichtlich ist, erüb-
rigen sich weitere Ausführungen zum Ausstand der mit dem Fall betrauten
Mitarbeiter des Fedpol.
6.6.2 Schliesslich sei angemerkt, dass sich der Ausstand des gesamten Fedpol
auch nicht gestützt allein auf die Nichtigerklärung der von den ehemaligen
Verfahrensleitern vorgenommenen oder direkt angeordneten Verfahrens-
handlungen ableiten lässt. Zum einen sind pauschale Ausstandsgesuche ge-
gen eine Behörde als Ganzes grundsätzlich nicht zulässig. Ausstandsgesu-
che haben sich auf einzelne Mitglieder der Behörde zu beziehen, weshalb
ein formal gegen eine Gesamtbehörde gerichtetes Ersuchen in der Regel
nur entgegengenommen werden kann, wenn darin Befangenheitsgründe ge-
gen alle Einzelmitglieder ausreichend substantiiert werden (vgl. hierzu u. a.
das Urteil des Bundesgerichts 1B_97/2017 vom 7. Juni 2017 E. 3.2 m.w.H.).
Zum anderen führt die Vorbefassung der übrigen Mitarbeiter des Fedpol mit
dem Strafverfahren nach dem Rückweisungsentscheid des Wirtschaftsstraf-
gericht nicht unmittelbar zu deren Ausstand. Wenn die am Strafverfahren
beteiligten Personen des Fedpol an der durch das Wirtschaftsstrafgericht zu-
rückgewiesenen Untersuchung beteiligt waren und an dieser nach deren
- 19 -
Rückweisung mitwirkten, liegt darin noch keine unzulässige Mehrfachbefas-
sung (vgl. BGE 114 Ia 50 E. 3d S. 58; 113 Ia 407 E. 2a S. 409 f.; Urteile des
Bundesgerichts 4A_524/2019 vom 4. März 2020 E. 3.2; 1B_94/2019 vom
15. Mai 2019 E. 2.4). Von den beteiligten Personen wird grundsätzlich er-
wartet, dass sie die Sache mit der nötigen Professionalität und Unvoreinge-
nommenheit nochmals behandeln. Anders würde es sich verhalten, wenn sie
durch ihr Verhalten oder Bemerkungen klar zum Ausdruck gebracht hätten,
dass sie nicht willens oder fähig sind, von seiner im aufgehobenen Entscheid
vertretenen Auffassung Abstand zu nehmen und die Sache unbefangen neu
wieder aufzunehmen (siehe BGE 138 IV 142 E. 2.3 S. 146; Urteile des Bun-
desgerichts 4A_524/2019 vom 4. März 2020 E. 3.2; 1B_269/2019 vom 9. De-
zember 2019 E. 4.1; 1B_94/2019 vom 15. Mai 2019 E. 2.4; je mit Hinweisen).
6.7 Nach dem Gesagten vermochten die Beschwerdeführer weder in den
Schreiben vom 17. und 18. Mai 2022 noch im vorliegenden Beschwerdever-
fahren objektive Gründe glaubhaft darzulegen, die geeignet wären, Miss-
trauen in die Unparteilichkeit und damit einen Anschein der Befangenheit der
Direktion oder der Mitarbeiter des Fedpol zu erwecken. Die Beschwerden
sind deshalb abzuweisen.
7. Somit erweisen sich die Beschwerden als vollumfänglich unbegründet und
sind abzuweisen.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Beschwerdeführer als unter-
liegende Partei die Gerichtskosten zu tragen (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m.
Art. 66 Abs. 1 BGG analog, siehe dazu TPF 2011 25 E. 3). Die Gerichtsge-
bühr ist auf insgesamt Fr. 3'000.-- festzusetzen, unter Anrechnung des ent-
sprechenden Betrages am von den Beschwerdeführern geleisteten Kosten-
vorschuss von je Fr. 2'000.-- (vgl. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des
Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und
Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). Die
Bundesstrafgerichtskasse ist anzuweisen, den Beschwerdeführern den Kos-
tenvorschuss von je Fr. 1'000.-- zurückzuerstatten.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-IA-50%3Afr&number_of_ranks=0#page50 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-IA-407%3Afr&number_of_ranks=0#page407 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-IV-142%3Afr&number_of_ranks=0#page142 http://links.weblaw.ch/TPF_2011_25
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