Decision ID: 0dbcb607-f176-53e7-9685-ea40450d205c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste im Jahre (...) im Rahmen des Familiennach-
zugs zu seiner Ehefrau – eine Schweizer Bürgerin – in die Schweiz ein. Zu
jenem Zeitpunkt war er bereits Vater von (...). (...) wurde in der Schweiz
das gemeinsame Kind aus zweiter Ehe geboren. Diese Ehe wurde (...) ge-
schieden.
Im Jahre (...), nach Entlassung aus dem Vollzug einer mehrjährigen Ge-
fängnisstrafe wegen (...)delikten, widerrief die kantonale Behörde seine
Niederlassungsbewilligung; der Entscheid wurde – gemäss SEM – durch
Urteil des Bundesgerichts vom (...) 2014 rechtskräftig. In der Folge verliess
der Beschwerdeführer die Schweiz in Richtung Spanien, wo er eine bis (...)
2019 gültige Aufenthaltsbewilligung erhielt. Gemäss eigenen Angaben sei
er im Jahre 2017 zuletzt kurzzeitig in sein Heimatland gereist.
B.
Nach seiner Wiedereinreise in die Schweiz – der Zeitpunkt geht aus den
Akten nicht hervor – erging am (...) Februar 2018 ein Entscheid der zu-
ständigen Staatsanwaltschaft betreffend den vorzeitigen Antritt einer noch
auszusprechenden Strafe wegen (...).
C.
Am 15. Januar 2019 richtete der Beschwerdeführer aus der Justizvollzugs-
anstalt ein Schreiben an die zuständige kantonale Staatsanwaltschaft, wo-
rin er seine Furcht um sein Leben in seiner Heimat und in Spanien be-
schrieb. Die Bedrohungslage gehe von einer in der Dominikanischen Re-
publik und in B._ agierenden Bande von Auftragskillern aus, die in
seiner Heimat auch mit einem korrupten Polizeioffizier zusammenarbeite.
Im Rahmen einer 2017 eingegangenen Kooperationsvereinbarung mit der
Kantonspolizei sei er von (...) Polizisten unter Druck gesetzt worden und
er habe in der Folge ein Bandenmitglied verraten. Diese Person
(C._) sei dann in der Schweiz verhaftet worden. In der Vernehmung
hätten die Polizisten C._ mitgeteilt, wer der Informant sei, woraufhin
C._ seine (des Beschwerdeführers) Tötung in Aussicht gestellt
habe; dies gehe aus beiliegendem Protokollauszug hervor. Sollte ihm oder
seinen Angehörigen etwas widerfahren, sei die Polizei hierfür verantwort-
lich. Er könne nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug weder in seine
Heimat noch nach Spanien zurückkehren und möchte aus Angst vor den
(...) Kantonspolizisten auch nicht in der Schweiz bleiben, weshalb er um
eine Lösung für sein Problem bitte.
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Die Staatsanwaltschaft bestätigte in der Folge den Eingang und die Akten-
nahme dieses Schreibens mitsamt Beilagen.
D.
Mit Eingabe an das SEM vom 8. März 2019 (Poststempel 15. März 2019,
Eingang SEM 18. März 2019) reichte der zu jenem Zeitpunkt in Untersu-
chungshaft befindliche Beschwerdeführer ein schriftliches Asylgesuch ein.
Darin wies er zunächst darauf hin, dass das Gesuch nach Rücksprache
und Empfehlung des kantonalen Migrationsamtes erfolge. Zur Begründung
des Gesuchs machte er geltend, er habe aufgrund der von einer (in seiner
Heimat und in B._ agierenden) Killerbande ausgehenden Bedro-
hungslage Angst, nach Abschluss des Strafprozesses in seine Heimat ab-
geschoben zu werden. Dort fürchte er um sein Leben aufgrund der Verhaf-
tung von C._ im Rahmen seiner erzwungenen Kooperation mit der
hiesigen Polizei und dessen in der Folge ausgesprochenen Tötungsandro-
hungen gegen ihn. Er möchte daher in der Schweiz verbleiben.
Der Beschwerdeführer legte seinem Asylgesuch folgende Beweismittel bei:
Einen Auszug aus dem Einvernahmeprotokoll von C._ mit den darin
enthaltenen Tötungsandrohungen gegen ihn, einen Auszug aus dem Pro-
tokoll (vom [...] 2017) einer Zeugenbefragung eines Kantonspolizisten be-
treffend die Anhaltung von C._ und der dabei erfolgten Sicherstel-
lung von (...), das (oben erwähnte) Schreiben vom 15. Januar 2019 an die
Staatsanwaltschaft und deren Eingangsbestätigung vom 21. Januar 2019,
einen Auszug aus der Kooperationsvereinbarung (vom [...] 2017) zwischen
ihm und der Kantonspolizei sowie eine (Zwischen-)Verfügung der kantona-
len Staatsanwaltschaft betreffend die Rechtsvertretung des Beschwerde-
führers als Privatkläger im Strafverfahren gegen (...) Kantonspolizisten in
Sachen Widerhandlung gegen das (...).
Am 26. April 2019 hörte das SEM den Beschwerdeführer zu seinen Asyl-
gründen an. Dabei bekräftigte dieser unter ergänzenden Ausführungen
seine bereits im Schreiben vom 15. Januar 2019 an die Staatsanwaltschaft
und im schriftlichen Asylgesuch geltend gemachte Verfolgungs- und Ge-
fährdungslage in seiner Heimat und in B._ Spanien seit der Denun-
ziation seines Namens durch Kantonspolizisten als Verräter von
C._, der Festnahme des letzteren in der Schweiz und der anlässlich
dessen Einvernehmung ausgesprochenen Todesdrohungen gegen ihn.
Für den detaillierten Inhalt der in Anhörung geltend gemachten Gründe
wird auf die Akten verwiesen.
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E.
Mit Verfügung vom 23. Mai 2019 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch vom «18. März 2019»
nicht ein, unter gleichzeitiger Anordnung der Wegweisung und des Weg-
weisungsvollzuges nach Spanien, welches Land einer Übernahme zuge-
stimmt und wo der Beschwerdeführer Aufenthaltsrecht habe. Die Verfü-
gung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
F.
Mit Verfügung vom 12. März 2020 hob das SEM seine Verfügung vom
23. Mai 2019 auf. Gleichzeitig nahm es das nationale Asylverfahren wieder
auf. In der Begründung erklärte es, dass die Frist für die Überstellung des
Beschwerdeführers nach Spanien nicht eingehalten werden könne.
G.
Mit in der Justizvollzugsanstalt verfasstem Schreiben vom 22. März 2020
teilte der Beschwerdeführer dem SEM mit, dass eine in seinen «Fall» in-
volvierte Person sich in seinem Umfeld nach seinem Entlassungszeitpunkt
erkundigt und sowohl ihn als auch seine Familie bedroht habe. Er bitte das
SEM um eine Lösung, zumal er eine Eskalation der Situation befürchte.
H.
Mit Verfügung vom 13. Mai 2020 – eröffnet am 19. Mai 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht
(Dispositiv Ziff. 1), und lehnte dessen Asylgesuch ab (Dispositiv Ziff. 2).
Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz (Dispositiv
Ziff. 3) und den Vollzug an (Dispositiv Ziff. 4-6). Weiter entzog es einer all-
fälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung (Dispositiv Ziff. 7). Mit der
Verfügung wurden dem Beschwerdeführer die aus Sicht des SEM editions-
pflichtigen Akten mitsamt dem Aktenverzeichnis zugestellt.
I.
Am 15. Juni 2020 ersuchte der Beschwerdeführer durch seinen am 12. Juni
2020 mandatierten Rechtsvertreter um Zustellung sämtlicher Verfahrens-
akten inklusive der ihm bekannten Akten.
Am 16. Juni 2020 gewährte das SEM erneut Akteneinsicht, unter begrün-
detem Ausschluss von elf konkret bezeichneten Aktenstücken (Nrn. 2, 3,
6, 7, 8, 12, 15, 20, 21, 22 und 25).
J.
Mit Eingabe vom 18. Juni 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen die
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Verfügung des SEM vom 13. Mai 2020 Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht. Darin beantragt er die Anordnung der vorläufigen Aufnahme
wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges und unter entsprechen-
der Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie eventualiter die Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz. In prozessualer Hinsicht beantragt
er zudem Einsicht in nicht offengelegte Aktenstücke und die Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung des rubrizierten
Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand nach Art. 65 Abs. 1
und 2 VwVG. Im Begründungsteil der Beschwerde ersuchte er schliesslich
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung.
K.
Mit Verfügung vom 19. Juni 2020 stellte der Instruktionsrichter den einst-
weilen rechtmässigen Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz
mindestens bis zum Entscheid über die beantragte Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung fest.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Juni 2020 stellte er antragsgemäss die
aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder her. Den Entscheid über
die weiteren Anträge und allfällige zusätzliche Instruktionsmassnahmen
stellte er auf einen späteren Zeitpunkt in Aussicht. Auf die Einforderung ei-
nes Kostenvorschusses wurde einstweilen verzichtet.
L.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht je unvoll-
ständig am 19. Juni 2020 in elektronischer und am 23. Juni 2020 in physi-
scher Form (N-Dossier) vor.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
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Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101). Betreffend das vorliegend anwendbare (alte oder neue)
Recht wird auf die Ausführungen in E. 6.2.1 unten verwiesen.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 bzw. aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Die Beschwerde richtet sich einzig gegen den in der angefochtenen
Verfügung angeordneten Vollzug der Wegweisung und in diesem Rahmen
substanziell einzig gegen die erkannte Zulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zuges. Die Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung
sind somit in Rechtskraft erwachsen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
4.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
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Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtli-
che Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1
FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer
Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Her-
kunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
5.
5.1 Das SEM begründete die erkannte Zulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zuges damit, dass mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft der
Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht an-
wendbar sei. Ferner ergäben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte da-
für, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimat-
staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbo-
tene Strafe oder Behandlung drohe. Schliesslich könne er sich nicht auf
den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK berufen, weil er von sei-
ner Ehefrau in der Schweiz geschieden und der (...) erwachsen sei.
Für den weiteren Inhalt der Verfügung wird auf die Akten verwiesen, soweit
in den Erwägungen nicht spezifisch darauf einzugehen sein wird.
5.2 Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung seines An-
spruchs auf rechtliches Gehör, indem das SEM ihm nicht alle Akten offen-
gelegt habe, obwohl er um Einsicht in die vollständigen, inklusive die ihm
bekannten Akten ausdrücklich ersucht habe. Das schriftliche Asylgesuch
(mitsamt Beilagen) habe er nicht erhalten und es sei offenbar vom SEM
auch gar nicht zu den Akten genommen worden. Der bei den Aktenstücken
Nrn. 6-8 gemachte Verweis auf «Akten anderer Behörden» sei falsch, da
es sich um entscheidwesentliche Akten des Asylverfahrens handle. Die
dennoch beim Kanton angeforderten Akten habe er bislang ebenfalls nicht
erhalten. Weiter habe das SEM seine Abklärungs- und (sinngemäss) Be-
gründungspflicht im Hinblick auf das im Zusammenhang mit Art. 3 EMRK
und Art. 25 Abs. 3 BV bedeutsame «real risk» für Folter oder eine andere
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung verletzt, denn es habe sich
in keiner Weise mit seinen betreffenden Vorbringen auseinandergesetzt
und auch die Schutzbereitschaft und -fähigkeit der Dominikanischen Re-
publik nicht abgeklärt. Diesbezüglich bekräftigt der Beschwerdeführer
seine im erstinstanzlichen Verfahren geschilderte Gefährdungs- und Be-
drohungslage, die darin bestehe, dass er als geheimer Informant der Kan-
tonspolizei entscheidend zur Verhaftung von C._ beigetragen habe,
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gegenüber diesem aber von der Kantonspolizei enttarnt und in der Folge
von C._ ausdrücklich mit dem Tode bedroht worden sei; damit stehe
gleichsam eine Verletzung auch von Art. 2 EMRK im Raum. Dies habe er
substanziiert und glaubhaft dargetan. Gemäss zahlreichen Berichten und
Quellen seien in seinem Heimatland Korruption, Drogen- und Menschen-
handel von kriminellen Banden, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen
weit verbreitet und es gebe erhebliche Defizite in der Rechtsstaatlichkeit
und der Unabhängigkeit der Justiz. Er könne sich daher nicht zum Schutz
an die heimatlichen Behörden wenden.
Für den weiteren Inhalt der Beschwerde wird auf die Akten verwiesen, so-
weit in den Erwägungen nicht spezifisch darauf einzugehen sein wird.
6.
6.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen, was sich entsprechend
in einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung niederzuschla-
gen hat (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1
VwVG). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Der Anspruch auf recht-
liches Gehör beschlägt nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts, nicht aber dessen rechtliche Würdigung. Die unrichtige oder unvoll-
ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Be-
schwerdegrund und dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss
Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG eine
umfassende Sachverhaltskontrolle. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststel-
lung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu-
grunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollstän-
dig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-
verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013,
Rz. 1043). Ermittelt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler- oder lü-
ckenhafte Feststellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und
weist die Sache an die Vorinstanz zurück, damit diese den rechtserhebli-
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chen Sachverhalt neu und vollständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1155). Der Untersuchungs-
grundsatz gehört sodann zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwal-
tungs- beziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Gemäss Art. 33
Abs. 1 VwVG nimmt sie ferner die ihr angebotenen Beweise ab, wenn
diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen. Sodann besteht
eine Aktenführungspflicht. Diese beinhaltet insbesondere die geordnete
Ablage, die Paginierung und die Registrierung der vollständigen Akten im
Aktenverzeichnis und ergibt sich aus dem Akteneinsichtsrecht des Ge-
suchstellers beziehungsweise Beschwerdeführers, welches in Art. 26 ff.
VwVG geregelt ist und ebenfalls Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches
Gehör darstellt (vgl. dazu ausführlich BVGE 2011/37 E. 5.4.1). Sie ist aber
auch für die rekursinstanzlichen Behörden von massgeblicher Bedeutung,
weil im Falle einer Unkenntnis über die von der Vorinstanz tatsächlich her-
angezogenen Akten die Gefahr eines unrichtigen – wenngleich grundsätz-
lich revisionsfähigen – Urteils besteht, wodurch erneut der Anspruch des
Betroffenen auf rechtliches Gehör verletzt wäre. Gegenstand der Aktenfüh-
rungspflicht sind sämtliche Akten. Eine Einschränkung des Akteneinsichts-
rechts gegenüber dem um Einsicht Ersuchenden ist grundsätzlich zulässig,
muss aber nach Art. 27 VwVG konkret begründet sein und sich im Rahmen
der Verhältnismässigkeitsprüfung auf das Erforderliche beschränken.
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die genannten Grundsätze
vorliegend gestützt auf die in der Beschwerde erhobenen Rügen wie auch
im Rahmen seiner über das Rügeprinzip hinausgehenden Prüfungsbefug-
nis von Amtes wegen in verschiedener Hinsicht als verletzt:
6.2.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101). Für die in jenem Zeitpunkt hängigen Verfahren gilt grund-
sätzlich das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015) und für seither anhängig
gemachte Asylverfahren somit das neue.
Das SEM datiert das vorliegende, am 8. März 2019 verfasste schriftliche
Asylgesuch fälschlicherweise auf den 18. März 2019, an welchem Tag die
Briefpost beim SEM einging. Massgeblich ist hingegen der Poststempel
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vom 15. März 2019. Unbesehen dessen haben sich jedenfalls sämtliche
drei Daten nach dem Inkrafttreten der erwähnten Rechtsänderung ereig-
net, was – in Übereinstimmung mit der vorliegenden Rechtsanwendung
des SEM – für die Anwendbarkeit des neuen Rechts spricht. Nach Abs. 3
der Übergangsbestimmungen gilt jedoch für Asylgesuche, die nicht in den
Zentren des Bundes behandelt werden können, während längstens zwei
Jahren das bisherige Recht. Der Beschwerdeführer hat sein Asylgesuch
nicht in einem Bundesasylzentrum, sondern aus dem Regionalgefängnis
D._ gestellt (vgl. Absenderadresse), wo er sich gemäss eigenen
Angaben in Untersuchungshaft befand. In der Sachverhaltsfeststellung Zif-
fer 1 der angefochtenen Verfügung erwähnt das SEM, der Beschwerdefüh-
rer sei dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Bern zugewiesen wor-
den. Diese Zuweisung lässt sich nicht auf die dem Bundesverwaltungsge-
richt zur Verfügung stehenden Akten abstützen, zumal offenbar auch die
Anhörung zu den Asylgründen am Sitz des SEM und nicht in einem BAZ
durchgeführt wurde; eine diesbezüglich zur Klärung beitragende Vorladung
zur Anhörung ist in den Akten nicht zu finden. Die umfangreichen Ausfüh-
rungen des SEM in E. II der angefochtenen Verfügung (betreffend unent-
geltliche Beratung und Rechtsvertretung) lassen ebenfalls deutlich erken-
nen, dass es sich vorliegend um ein Asylgesuch aus der Haft und um ein
Verfahren «sui generis» handle. Es ist somit betreffend die Zuweisung ins
BAZ von einem falsch festgestellten oder ungenügend abgeklärten Sach-
verhalt auszugehen. Diese Beanstandung ist zudem erheblich, weil sie po-
tenzielle Auswirkungen auf die Rechtsanwendung im konkreten Fall haben
kann; nicht zuletzt stellt sich mittelbar die Frage, ob für die Anhörung eine
Hilfswerksvertretung beizuziehen gewesen wäre.
Hinzu kommt vorliegend eine unzureichende Sachverhaltsabklärung be-
treffend das Datum des Asylgesuchs. So fällt in der Willensrichtung eine
auffallende Übereinstimmung des Schutzersuchens des Beschwerdefüh-
rers in seinem Schreiben vom 15. Januar 2019 an die Staatsanwaltschaft
des Kantons D._ mit dem Inhalt seines späteren schriftlichen Asyl-
gesuchs vom 15. März 2019 und den in der Anhörung ausgeführten Asyl-
gründen auf. Die Qualifikation eines Schutzersuchens als Asylgesuch be-
stimmt sich nicht nach der Betitelung, sondern nach dem Inhalt, wobei pra-
xisgemäss von einem weiten Verfolgungsbegriff auszugehen ist. Gemäss
Art. 18 AsylG gilt jede Äusserung, mit der eine Person zu erkennen gibt,
dass sie die Schweiz um Schutz vor Verfolgung ersucht, als Asylgesuch.
Sollte daher bereits das Schreiben des Beschwerdeführers vom 15. Januar
2019 (an die Staatsanwaltschaft) als Asylgesuch zu qualifizieren sein,
stünde die Anwendung des alten Rechts ausser Frage. Zudem könnte dem
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Beschwerdeführer schon deshalb der Vorwurf einer Einreichung an die fal-
sche Behörde nicht entgegengehalten werden, weil gemäss dem (unver-
ändert gebliebenen) Art. 8 Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 (AsylV 1, SR 142.311) Asylgesuche von Personen, die sich in Haft
oder im Strafvollzug befinden, durch die kantonalen Behörden entgegen-
zunehmen sind. Die Staatsanwaltschaft des Kantons D._ ist eine
kantonale Behörde.
6.2.2 Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung des Akteneinsichts-
rechts betreffend die Aktenstücke 6-8 rügt, erfolgt die Beanstandung zu-
recht. Bei den drei Dokumenten handelt es sich durchwegs um Beilagen
zum Asylgesuch vom 15. März 2019. Es handelt sich daher entgegen der
Auffassung des SEM gar nicht um Akten einer anderen Behörde, sondern
um eigene, dem Beschwerdeführer bekannte Akten, wobei im Übrigen un-
erheblich ist, auf welche Weise er in deren Besitz gelangen konnte (insb.
Einvernahmeprotokoll C._). Auf Einsicht in diese selber zu den Ak-
ten gegebenen Dokumente hat er uneingeschränkt Anspruch (vgl. Art. 27
Abs. 3 VwVG), spätestens dann, wenn wie vorliegend ausdrücklich um Ein-
sicht in sämtliche Akten ersucht wird und das SEM in seinem Entscheid
darauf abstellt. Die Frage, ob die Einsicht bei der kantonalen Behörde zu
beantragen ist, stellt sich daher gar nicht und wäre erst zu bejahen, wenn
der Beschwerdeführer Einsicht in die vollständigen kantonalen Dokumente
statt nur in die von ihm eingereichten Auszüge verlangen würde, denn die
vollständigen Dokumente sind nicht Bestandteil der dem Bundesverwal-
tungsgericht zugänglich gemachten Asylakten. Mit der erkannten Verlet-
zung des Einsichtsrechts in die Auszüge geht in casu zwar keine Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs einher, da die drei Dokumente als Beilagen
Nrn. 4–6 der Beschwerde beiliegen und der Beschwerdeführer somit – wis-
sentlich oder unwissentlich – bereits im Besitze der Dokumentenauszüge
ist.
Das Akteneinsichtsrecht und diesmal ebenso der Anspruch auf rechtliches
Gehör ist aber eindeutig bei der Einsichtsverweigerung in das schriftliche
Asylgesuch verletzt. Auf Einsicht in dieses Aktenstück hat der Beschwer-
deführer unter erneutem Hinweis auf Art. 27 Abs. 3 VwVG wiederum un-
eingeschränkt Anspruch; dies umso mehr, als es sich um das zentrale, ver-
fahrenseröffnende Aktenstück schlechthin handelt. Entgegen der Vermu-
tung des Beschwerdeführers wurde dieses schriftliche Asylgesuch vom
SEM auch tatsächlich zu den Akten genommen, wenngleich nur in die phy-
sischen und ohne Eintrag in ein Aktenverzeichnis (vgl. hierzu die nachfol-
genden Erwägungen).
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6.2.3 Von Amtes wegen ist sodann Kritik an der Aktenführung des SEM
anzubringen. Die Akten liegen einerseits in elektronischer Form mit einem
dazugehörigen Aktenverzeichnis und anderseits in physischer Form mit ei-
nem als N-Box betitelten leeren Aktenverzeichnis vor. Die beiden Aktenbe-
stände präsentieren sich weder übereinstimmend noch komplementär. So
sind gewisse Akten in beiden Beständen zu finden (z.B. Anhörungsproto-
koll und Rückschein), andere nur im jeweils einen oder anderen Aktenbe-
stand. Auffallend ist, dass das Asylgesuch vom 15. März 2019 nur physisch
besteht und im dortigen Aktenverzeichnis weder erfasst noch paginiert ist.
Demgegenüber ist im elektronischen Aktenbestand als Aktenstück Nr. 1 ein
Beweismittelcouvert im Aktenverzeichnis erfasst, dort aber nicht enthalten
(weder als Couvert noch mit seinem – unbekannten – Inhalt). Sollte mit
dem Beweismittelcouvert die «N-Box» gemeint sein, bleibt unerfindlich,
weshalb darin insbesondere ein Asylgesuch oder ein Anhörungsprotokoll
enthalten sein soll. Das getrennte und doch nicht konsequente Vorgehen
des SEM in der Aktenführung erscheint aus Sicht des Bundesverwaltungs-
gerichts verwirrlich und wenig praktikabel; die unterbliebene Einsichtsge-
währung in das Asylgesuch dürfte darauf zurückzuführen sein. Ähnliche
Mängel in der Führung elektronischer und physischer Akten durch das
SEM wurden bereits im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-777/2020
vom 10. März 2020 (vgl. dort E. 4.3.2) festgestellt. Es ist unter diesen Um-
ständen nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer seinen Anspruch auf
vollständige Akteneinsicht bekräftigt, andernfalls weder für ihn noch für das
Bundesverwaltungsgericht überprüfbar ist, welche Aktenstücke zu den Ak-
ten genommen, erfasst und offengelegt beziehungsweise zur Einsicht ver-
weigert worden sind. Das SEM wird somit nach Wiederaufnahme des erst-
instanzlichen Verfahrens eine Aktenordnung herzustellen haben, die den
Anforderungen an eine rechtsgenügliche Aktenführung und Paginierung,
den Ansprüchen an das Akteneinsichtsrecht und an das rechtliche Gehör
genügt und auch praktikabel erscheint.
6.2.4 Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung der Abklärungs- und
Begründungspflicht im Hinblick auf das im Zusammenhang mit Art. 3 (und
2) EMRK und Art. 25 Abs. 3 BV und mithin für die Frage der Zulässigkeit
des Wegweisungsvollzuges bedeutsame «real risk» rügt, ist ihm ebenfalls
beizupflichten. Das SEM begnügt sich diesbezüglich in der angefochtenen
Verfügung mit dem Hinweis, dass sich aus den Akten keine Anhaltspunkte
ergäben, wonach dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den
Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK
verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Während eine solche Feststel-
lung in anderen konkreten Einzelfällen durchaus den Anforderungen an die
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Abklärungs- und Begründungspflicht genügen mag, ist dies vorliegend an-
gesichts substanzieller und mit Beweismitteln unterlegter Hinweise auf
eine ernsthafte und konkrete Bedrohungslage nicht der Fall. Das SEM hat
sich mit diesen Vorbringen gar nicht auseinandergesetzt. Sollte das SEM
die Schutzbereitschaft und -fähigkeit der Dominikanischen Republik in die-
sem Zusammenhang ins Feld führen wollen, wäre eine solche Erwägung
nicht nur im Wegweisungsvollzugsteil aufzunehmen oder zumindest ein
Verweis auf eine solche Erwägung im Begründungsteil des Asylpunkts vor-
zunehmen, sondern – beispielweise mittels Abstützung auf Quellen – auf
eine genügende Abklärungsgrundlage zu stellen.
6.2.5 Schliesslich bleibt anzumerken, dass die Aktenlage vorliegend in ver-
schiedener Hinsicht unklar oder unvollständig oder weiter abklärungsbe-
dürftig ist. So lässt sich den Akten kein schlüssiges und verifiziertes Bild
darüber entnehmen, von wann bis wann sich der Beschwerdeführer aus
welchem Grund und auf Basis welcher Strafentscheidungen (mit oder ohne
Rechtskraft) in der Schweiz in welcher Form von Freiheitsentzug befand
oder befindet (Untersuchungshaft, Strafvollzug, vorzeitiger Strafvollzug
usw.). Ebenso geht nicht schlüssig hervor, in welchen genaueren Zeitspan-
nen sich der Beschwerdeführer ausserhalb dieser Freiheitsentzüge wo in
welchem Land aufhielt. Bedeutsam sind solche Abklärungen beispiels-
weise im Hinblick auf die Frage, ob er sich mit (Rück-)Reisen ins Heimat-
land oder nach Spanien in Widerspruch zu seiner behauptungsgemässen
Bedrohungs- und Gefährdungslage gesetzt hat. Interessant erscheint im
gleichen Zusammenhang ebenso, weshalb er den Dublin-Wegweisungs-
entscheid nach Spanien unangefochten in Rechtskraft erwachsen liess,
zumal er sich bei einem zwangsweisen Vollzug in ein Land hätte begeben
müssen, in dem er sich gemäss seinen Angaben an Leib und Leben be-
droht fühlen müsste. Schliesslich ist angesichts des Umstandes, dass der
Beschwerdeführer Auszüge aus verfahrensbedeutsamen Dokumenten
(insb. Einvernahmeprotokoll von C._ mit den darin enthaltenen Tö-
tungsandrohungen, Protokoll einer Zeugenbefragung eines Kantonspoli-
zisten betreffend die Anhaltung von C._, Kooperationsvereinbarung
zwischen ihm und der Kantonspolizei) vorgelegt hat, wenig nachvollzieh-
bar, weshalb das SEM sich mit diesen Auszügen begnügt, anstatt die voll-
ständigen Dokumente nachzufordern, die ja auch im Besitze des Be-
schwerdeführers sein müssten. Sodann ist auch nicht auszuschliessen,
dass das vom Beschwerdeführer in Gang gesetzte Strafverfahren gegen
(...) Polizisten Einfluss auf das vorliegende Asylverfahren haben kann und
womöglich gar Anlass zu dessen Sistierung geben könnte. Insofern er-
scheint es angezeigt, auch diesbezüglich weitere Abklärungen (z.B. zum
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Straftatbestand und zum Stand des Verfahrens) vorzunehmen. Dies gilt
ebenso betreffend die nicht ganz unwesentliche Frage, ob die von
C._ in dessen Einvernahme geäusserten Drohungen gegen den
Beschwerdeführer zu einer Strafanzeige des letzteren gegen C._
geführt haben und – bejahendenfalls – wie der Stand dieses Strafverfah-
rens ist. Schliesslich wird im Hinblick auf die Vervollständigung der Ent-
scheidgrundlagen auch die Nachforderung einer Substanziierung und Kon-
kretisierung der vom Beschwerdeführer in seinem Schreiben vom 22. März
2020 vage angetönten Erweiterung der Bedrohungslage unumgänglich
sein.
6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das SEM den Anspruch des
Beschwerdeführers auf Wahrung des rechtlichen Gehörs in verschiedenen
Erscheinungsformen (insb. betreffend Aktenführung, Akteneinsicht und Be-
gründungspflicht) verletzt sowie den Sachverhalt unvollständig und teil-
weise unrichtig festgestellt und abgeklärt hat.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör führt – angesichts des formellen Charakters des Gehörs-
anspruchs unabhängig davon, ob die angefochtene Verfügung bei korrek-
ter Verfahrensführung im Ergebnis anders ausgefallen wäre – grundsätz-
lich zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Die Hei-
lung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen ist auf
Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, die
Beschwerdeführenden dazu Stellung nehmen können und der Beschwer-
deinstanz für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungsbefugnis in Be-
zug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt, sowie die festge-
stellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Ent-
scheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand herge-
stellt werden kann. Selbst wenn eine Heilung nach den erwähnten Anfor-
derungen möglich wäre, kann sich eine Kassation unter Umständen aber
rechtfertigen, beispielsweise wenn die Gehörsverletzung durch die Vo-
rinstanz kein Versehen im Einzelfall darstellt, sondern Resultat gehäufter
unsorgfältiger Verfahrensführung ist. Auch eine Häufung von für sich allein
weniger gewichtigen Verfahrensfehlern kann dazu führen, dass das Ver-
fahren insgesamt als derart mangelhaft bezeichnet werden muss, dass
eine Heilung im Rechtsmittelverfahren ausgeschlossen ist (vgl. zum Gan-
zen BVGE 2015/10 E. 7.1 m.w.H.). Diese Kassationsvoraussetzungen sind
vorliegend wie erwogen in mehrfacher Hinsicht erfüllt, insbesondere aber
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aufgrund des Umstandes, dass sich die fehlende Entscheidreife durch die
Beschwerdeinstanz nicht mit vertretbarem Aufwand herstellen lässt und
dem Beschwerdeführer dadurch zudem ein Instanzenverlust drohen
würde. Eine Heilung auf Beschwerdestufe fällt somit nicht in Betracht. Das
SEM ist im Rahmen des wiederaufzunehmenden erstinstanzlichen Verfah-
rens gehalten, die erkannten Mängel in geeigneter Form zu beheben sowie
darauf basierend den Sachverhalt vollständig und richtig festzustellen, die
Entscheidreife herbeizuführen und die Frage der Zulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzuges neu zu beurteilen. Auf den weiteren, insbesondere den ma-
teriellen Beschwerdeinhalt ist angesichts des Kassationsausganges einst-
weilen nicht weiter einzugehen. Die betreffenden Ausführungen sind je-
doch vom SEM im Rahmen des wiederaufzunehmenden erstinstanzlichen
Verfahrens zur Kenntnis zu nehmen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege wird damit hinfällig.
8.
Dem vertretenen Beschwerdeführer ist infolge seines Obsiegens im Be-
schwerdehauptantrag (Aufhebung der angefochtenen Verfügung im Weg-
weisungsvollzugspunkt) in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine durch
die Vorinstanz auszurichtende Entschädigung für die ihm notwendiger-
weise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Das Gesuch um Beiord-
nung eines unentgeltlichen Rechtsverbeistandes wird damit hinfällig.
Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Partei-
kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren
(Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine
Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'600.– (inkl. Auslagen und Mehr-
wertsteuerzuschlag) zuzusprechen.
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