Decision ID: 75d148d5-c566-4c04-a09e-555eab03eab5
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Infolge eines 1987 erlittenen Motorradunfalles ist der 1968 geborene
X._
querschnittgelähmt
(
Urk.
8/2)
. Nach Abschluss beruflicher Ein
gliederungsmassnahmen per Ende März 1990 bezog er zunächst
bei einem Invaliditätsgrad von 40 %
eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung
(Urk. 8/38).
Mit Verfügung vom 21. Juli 1997
erhöhte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
diese Rente mit Wirkung ab 1. September
199
6 bei einem Invaliditätsgrad von nunmehr 60 % auf eine halbe Rente (Urk. 8/110).
Im Rahmen einer im Juli 1999 eingeleiteten Rentenrevision
teilte sie
dem Versi
cherten am 17. Dezember 1999 mit, dass er weiterhin Anspruch auf eine IV
Rente aufgrund des bisherigen Invaliditätsgrades habe (Urk. 8/115).
Im August 2002 wurde eine erneute Rentenrevision durchgeführt
. Mit Mitteilung vom 7. November 2002 wurde dem Versicherten mitgeteilt, dass die Über
prüfung des IV-Grades keine anspruchsbeeinflussende Änderung ergeben habe, weshalb er aufgrund unveränderter Verhältnisse weiterhin Anspruch auf die entsprechen
den Geldleistungen habe (Urk. 8/130).
Mit Verfügung vom 22. Februar 2005
bestätigte
die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Februar 2005
die Weiterausrichtung der
halbe
n Invaliden
rente
. Der Invaliditätsgrad wurde dabei auf 50 % festgesetzt
(Urk. 8/149). Eine im Januar 2008 eingeleitete Rentenrevision führte zu keiner Änderung des Rentenanspruchs, was dem Versicherten am 10. März 2008
zusammen mit dem weiterhin auf 50 % veranschlagten Invaliditätsgrad
mitgeteilt wurde (Urk. 8/161).
1.2
Am 1. Juni 2012 erkundigte sich der Versicherte bei der IV-Stelle, wieso ihm bei einem mit der Rentenverfügung vom 21. Juli 1997 ermittelten IV-Grad von 60 % auch nach Inkrafttreten der 4. IV-Revision im Januar 2004 lediglich eine halbe statt eine
Dreiviertelsrente
ausgerichtet werde. Weiter
fragte er nach dem Grund für die Aufnahme eines Invaliditätsgrades von lediglich 50 %
in die Mitteilung vom 10. März 2008 (Urk. 8/182).
In der Folge forderte ihn die IV
Stelle auf, den ihm bereits vorgängig zugeschickten Revisionsfragebogen ausgefüllt zu retournieren (Urk. 8/183). Anschliessend lud sie ihn zu einem Standortgespräch am 4. Juli 2012 ein (Urk. 8/185).
Mit Schreiben vom 10. September 2012 erkundigte sich
der Versicherte
über den Stand der Dinge (Urk. 8/188)
, worauf ihn die IV-Stelle um etwas Geduld bat (Urk. 8/189). Am 21. September 2012 gab sie
bei
der Klinik
Y._
eine neurologisch-ortho
pädische Begutachtung in Auftrag (Urk. 8/191). Mit Schreiben vom 24. Oktober 2012
forderte
Rechtsanwalt Bütikofer
namens des Versicherten die IV-Stelle auf,
zu den
weiterhin offenen Fragen Stellung zu nehmen (Urk. 8/193). Am 10. Januar 2013 erneuerte Rechtsanwalt Bütikofer seine Aufforderung (Urk. 8/201), worauf ihn die IV-Stelle informierte, dass sie nach Eingang des Gutachtens über den Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
entscheiden werde (Urk. 8/202). Mit Eingabe vom 19. Februar 2013 forderte der neue Rechtsver
treter des Versicherten, Rechtsanwalt Linder, die so
fortige Auszahlung der Dif
ferenz
zwischen der
Dreiviertelsrente
und der halben Rente für die Zeit ab Feb
ruar 2008 (Urk. 8/206)
. Am 6. Juni 2013 erstattete die Klinik
Y._
ihr Gutachten (Urk. 8/207). Mit Schreiben vom 17. Juli 2013 wiederholte der Beschwerdeführer seine Forderung (Urk. 8/208), worauf ihn die IV-Stelle aber
mals um etwas Geduld bat (Urk. 8/209).
2.
A
m 26. Juli 2013
erhob
X._
Rechtsverzögerungsb
eschwerde
mit dem Rechtsbegehren um Verpflichtung der IV-Stelle, seine
Rentennachforde
rung
unverzüglich zu beurteilen (Urk. 1/1-2). Mit Beschwerdeantwort vom 16. September 2013 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Nachdem der Beschwerdeführer mit Replik vom 30. September 2013 am gestellten Antrag fest
gehalten hatte
(Urk. 11), verzichtete die
Beschwerde
gegnerin
am 30. Oktober 2013 auf eine Duplik (Urk. 15), worüber der Beschwer
deführer am 4. November 2013 orientiert wurde (Urk. 16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 56 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialver
siche
rungsrechts
(ATSG) kann gegen
Einspracheentscheide
oder Verfü
gungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben werden (Abs. 1). Zudem kann Beschwerde erhoben werden, wenn der Versiche
rungs
träger entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen
Einspracheentscheid
erlässt (Abs. 2). Diese Bestimmung bezieht sich auf Fälle der Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung.
1.2
Nach Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen
schaft (BV) haben die Parteien Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist.
Eine Verletzung von
Art.
29
Abs.
1 BV - sowie gegebenenfalls von
Art.
6
Ziff.
1
der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK
;
BGE 130 I 174 mit Hin
weisen) - liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts
oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kom
petenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29
Abs.
1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamt
heit der übrigen Umstände als angemessen er
scheint (sog. Rechtsverzögerung).
Für den Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe
beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörden oder auf andere Umstände
die Rechtsver
weigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entscheidend ist aus
schliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt (SVR 2001 IV Nr. 24 S. 73 f. E. 3a und b, BGE 124 V 130, 117
Ia
116 E. 3a, 197 E. 1c, 103 V 190 E. 3c).
1.3
Das mit der Rechtsverzögerungs- oder Rechtsverweigerungsbeschwerde ver
folgte rechtlich geschützte Interesse besteht darin, einen an eine gerichtliche Beschwerdeinstanz weiterziehbaren Entscheid zu erhalten, weshalb Streitgegen
stand des Beschwerdeverfahrens allein die Prüfung der beanstandeten Rechts
verweigerung oder Rechtsverzögerung ist, während die durch die Verfügung oder den
Einspracheentscheid
zu regelnden materiellen Rechte und Pflichten nicht zum Streitgege
nstand gehören (SVR 2005 IV Nr. 26 S. 102 E.
4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer
macht
im Wesentlichen
geltend
, dass mit Verfügung vom 12. Juni 1997 sein Anspruch auf eine Invalidenrente aufgrund eines
Invalidi
tätsgrades
von 60 % festgelegt worden sei. Die nachfolgenden Rentenrevisionen hätten keine rentenbeeinflussende Änderung ergeben, weshalb er weiterhin Anspruch auf eine Rente aufgrund des bisherigen Invaliditätsgrades habe. In Anwendung der mit der 4. IV
Revision veränderten Rentenabstufung
hätte
er somit Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
.
Bisher habe sich die
Beschwerdegeg
nerin
jedoch geweigert, über die rückwirkende Rentennachzahlung zu verfügen (Urk. 1/1, Urk. 11).
2.2
Demgegenüber stellt sich die Beschwerdegegnerin auf dem Standpunkt, dass
eine Rentennachzahlung nur noch im Rahmen einer Wiedererwägung möglich
sei. Für die Beurteilung, ob frühere Verfügungen und Mitteilungen allenfalls in Wiedererwägung gezogen werden müssten, sei die Abklärung des aktuellen Gesundheitszustandes unerlässlich (Urk. 6 S. 2 f.).
3.
Mit Verfügung vom 22. Februar 2005 setzte die
Beschwerdegegnerin
den
Invali
ditätsgrad
mit Wirkung ab 1. Februar 2005 auf 50 % fest und sprach dem Beschwerdeführer
die weitere Ausrichtung einer
halbe
n
Invalidenrente zu (Urk. 8/149).
Dagegen verwahrte sich der Beschwerdeführer nicht. Di
e Frage, ob er diese
in keiner
seiner Eingaben erwähnte (Urk. 8/182, Urk. 8/188, Urk.
8/193
, Urk. 8/201, Urk. 8/203, Urk. 8/206, Urk. 8/208, Urk. 1/1, Urk. 11
)
Verfügung
je erhalten ha
t
, kann vorliegend offen gelassen werden. Denn
der Beschwerdeführ
er unterliess es in der Folge zu bemängeln, dass ihm trotz (ver
meintlichem) Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
ab
Inkrafttreten der 4. IV-Re
vision per
1. Januar 2004 weiterhin
lediglich
eine halbe Renten
ausgerichtet
wurde.
Darüber hinaus wurde der nun auf 50 % festgesetzte Invaliditätsgrad in der Mit
teilung
vom 10. März 2008
wiederholt
(Urk. 8/161). Auch nach
(unbestritte
nem)
Erhalt dieser Mitteilung unterliess es der Beschwerdeführer, sich
gegen die Herabsetzung des Invaliditätsgrades zu verwahren
.
Selbst wenn
dem damals nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer e
ine längere Frist
als die von der Rechtsprechung allgemein anerkannten
zwölf
Monate
zum Begehren um Erlass einer formellen Verfügung
zugestanden werden
müsste
(BGE 134 V 145
E. 5.3.2,
BGE 132 V 412 E. 5)
, vermag seine erst am 1. Juni 2012
nach Ablauf von vier Jahren seit der Mitteilung beziehungsweise von mehr als acht Jahren seit der nicht erfolgten Anpassung der Rente
erfolgte Intervention (Urk. 8/182)
keine Verpflichtung
der Beschwerdegegnerin
mehr auszulösen, in
Verfügungs
form
über
den
streitigen
Nachzahlungsanspruch
zu entscheiden. Vielmehr hat
die
Herabsetzung des Invaliditätsgrades von 60 % auf 50 %
inzwischen
Rechts
wirksamkeit
erlangt
, weshalb eine Anpassung der Rente nur noch auf dem Weg der Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG erfolgen kann.
Zwar steht es der Beschwerdegegnerin frei,
ihren
Entscheid zu überprüfen und allenfalls zugunsten des Beschwerdeführers in Wiedererwägung zu ziehen, was zurzeit offenbar
Gegenstand von Abklärungen ist
(Urk. 6 S. 3, Urk. 7/2 S. 5).
Da jedoch
kein gerichtlich durchsetzbarer An
spruch auf Wiedererwägung
besteht
(BGE 133 V 50)
, kann sie vom Gericht nicht dazu angehalten werden.
Die
Beschwerdegegnerin
beging demzufolge
weder eine
Rechtsverweigerung
noch eine Rechtsverzögerung
,
indem
sie
keine Verfügung zum
(rückwirkenden)
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Dreiviertelsrente
erlassen
hat. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
4.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Beschwerdeverfahren
in Abweichung von Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
gemäss Art. 61
lit
. a ATSG kostenlos.