Decision ID: d9ce50e4-713b-42a0-91a2-4537b38c694b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1952, bezog eine Rente der
Alters- und
Hinterlassenen
versi
cherung
(
AHV, vgl. Urk.
7/21
), als er sich am
18.
Mai
2020
bei
der
Gemeinde
Y._
, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV
(nachfolgend: Durchführungsstelle)
,
zum
Bezug von
Ergän
zungs
- und Zusatz
leistungen
zur Alters
rente
an
meldete (Urk.
7/8
).
Mit Ver
fügung vom
8. Juli 2020
(Urk.
7/46
)
sprach die
Durchführungsstelle
dem
Versicherten Ergänzungs- und Zusatz
leistun
gen für die Zeit
ab April 2020 zu und berücksichtigte dabei ein Verzichtsvermögen im Betrag von Fr. 81'700.-- (Urk
.
7/46 S. 4).
Die vom Versicherten am 8. September 2020
dagegen erhobene
Einsprache
(Urk. 7/49)
wies die
Durchführungsstelle
mit Entscheid vom
2. November
2020 (Urk.
7/51
= Urk. 2) ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2. November
2020
(Urk. 2
) erhob
der
Ver
si
cherte am
3. Dezember
2020
Beschwerde
(Urk. 1)
und bean
trag
te,
dieser sei auf
zuheben und es
sei
die Sache zur erneuten Bemessung seines Leistungsanspruchs an die
Durchführungsstelle
zurückzuweisen (S. 2), wobei insbesondere von der Anrechnung eines Verzichtsvermögens im Betrag von Fr. 81
’
700
.--
abzusehen sei (S. 3).
Mit
Beschwerdeantwort
vom 19. Januar 2021 (Urk. 6
) beantragte die
Durchfüh
rungsstelle
di
e Abweisung der Beschwerde (S. 2), wovon dem Beschwerdeführer am 3. Februar 2021 (Urk. 8) Kenntnis gegeben wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG)
haben Personen An
spruch auf Ergänzungsleistungen, wenn sie die Voraussetzungen nach den Art. 4-6 ELG er
füllen. Dabei entspricht die jährliche Ergänzungsleistung dem Betra
g, um den die anerkannten Aus
ga
ben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG). Die anre
chen
baren Einnahmen werden nach Art. 11 ELG berech
net.
1.2
Die anerkannten Ausgaben sowie die anrechenbaren Einnahmen von nicht ge
trennt lebenden Ehegatten werden zusammengerechnet
.
Demgegenüber hat bei Trennung der Ehe jeder Ehegatte einen eigenen Anspruch auf Ergänzungs
leis
tungen
(Art. 9 Abs. 2 ELG in Ver
bindung mit Art. 1
Abs. 1
der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversicherung, ELV, in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung
)
.
1.3
Zu den anrechenba
ren Ein
nahmen gehören nach Art. 11 Abs. 1 ELG
, in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung:
-
Z
wei Drittel der Erwerbseinkünfte in Geld oder Naturalien, soweit sie bei alleinstehenden Personen jährlich Fr. 1'000.-- und bei Ehepaaren und Per
sonen mit rentenberechtigten Waisen oder mit Kindern, die einen An
spruch auf eine Kinderrente der AHV oder IV begründen,
Fr.
1'500.
--
über
steigen (
lit
. a.);
-
Einkünfte aus beweglichem und unbeweglichem Vermögen (
lit
. b);
-
ein Fünfzehntel (bei Altersrentnern ein Zehntel) des Reinvermögens, soweit es bei Alleinstehenden
Fr.
37'
500.--
, bei Ehepaaren
Fr.
60'
000.-- u
nd bei rentenberechtigten Wai
sen sowie bei Kindern, die einen Anspruch auf eine Kinderrente der AHV oder IV begründen,
Fr.
15'000.-- übersteigt
; gehört der Bezügerin oder dem Bezüger oder einer Person, die in die Berechnung der Ergänzungsleistung eingeschlossen ist, eine Liegen
schaft, die mindes
tens von einer dieser Personen bewohnt wird, so ist nur der Fr. 112‘500.--
übersteigende Wert der Liegenschaft b
eim Vermö
gen zu berücksichtigen
(
lit
. c);
-
Renten, Pensionen und andere wiederkehrende Leistungen, einschliess
lich der Renten der AHV und der IV (
lit
. d);
-
Leistungen aus Verpfründungsvertrag und ähnlichen Vereinbarungen (
lit
. e);
-
Familienzulagen (
lit
. f);
-
Einkünfte und Vermögenswerte, auf die ver
zichtet worden ist (
lit
. g)
;
-
familienrechtliche Unterhaltsbeiträge (
lit
. h).
Nicht angerechnet als Einnahmen werden gemäss Art. 11 Abs. 3
lit
. b ELG ins
besondere
Unterstützung
en der öffentlichen Sozialhilfe.
1.4
Zeitlich massgebend für die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung sind gemäss Art. 23 Abs. 1 ELV in der Regel die während des vorausgegangenen Kalen
derjahres erzielten anrechenbaren Einnahmen sowie das am 1. Januar des Bezugsjahres vorhandene Vermögen.
1.5
Als Einnahmen angerechnet werden auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG). Der Tatbestand dieser Be
stimmung ist erfüllt, wenn die
Leistungsansprecherin
ohne rechtliche Verpflich
tung
oder
ohne adäquate Gegenleistung auf Einkünfte
oder Vermögen verzichtet beziehungsweise
solches hergegeben hat (BGE 140 V 267 E. 2.2; 134 I 65 E. 3.2
und
131 V 329 E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_904/2011 vom 5. März 2012 E.
4.
1).
Dabei ist ein Verzicht nicht alleine deswegen anzunehmen, weil jemand vor der Anmeldung zum Ergänzungsleistungsbezug über seinen Verhältnissen gelebt haben könnte; das System der Ergänzungsleistungen bietet keine gesetz
liche Handhabe für eine wie auch immer geartete «Lebensführungskontrolle» (BGE
146 V 306
E. 2.3.1,
121 V 204 E. 4b und 115 V 352 E. 5d; Urteil
des Bundes
gerichts
9C_435/2017 vom 19. Juni 2018 E.
3.2). In zeitlicher Hinsicht ist zu
beachten, dass für die Berücksichtigung eines Vermögensverzichts in der EL-Be
rechnung grundsätzlich unerheblich ist, wie weit die Verzichtshandlung zurück
liegt (
BGE 146 V 306 E. 2.3.1;
Urteil
des Bundesgerichts
9C_435/2017 vom 19. Juni
2018 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.6
D
ie Voraussetzungen betreffend das Fehlen einer rechtlichen Verpflich
tung oder einer Vereinbarung für eine gleichwertige Gegenleistung
müssen indes
nicht kumul
ativ erfüllt sein (vgl. Botschaft des Bundesrates zur Änderung des ELG;
BBl
2016 7583). Der
Grundsatz, wonach bei der Anspruchsberechnung nur tatsächlich vor
handene Vermögenswerte zu berücksichtigen sind, über die der Leistungsan
spre
cher ungeschmälert verfügen kann, findet dort eine Einschrän
kung, wo die ver
sicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegen
leistung auf Vermögen verzichtet hat, wo sie einen R
echtsanspruch auf bestimmte Ein
künfte und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Ge
brauch macht be
ziehungsweise ihre Rechte nicht durchsetzt (BGE 121 V 20
4
E. 4a,
117 V 289 E.
2a; AHI 2003 S. 221 E. 1a, je mit Hinweisen).
1.
7
Verfügte die EL-beziehende Person in den Jahren, in denen der Vermögens
rück
gang stattgefunden hat, über ein genügendes Einkommen, entspricht die Höhe des Vermögensverzichts der Höhe des Vermögensrückgangs. Verfügte sie dage
gen über ein ungenügendes Einkommen, entspricht der Vermögensverzicht ledig
lich der Differenz zwischen dem unbelegten Vermögensrückgang und dem Teil des Vermögens, der für den Lebensunterhalt aufgewendet werden musste.
Dabei gilt das Einkommen gemäss der am 1. Januar 2021 in Kraft getretenen und vor
liegend noch nicht direkt anwendbaren
Rz
.
3532.11 der Wegleitung über die Ergänzungs
leistungen zur AHV und IV (WEL
2021
)
als genügend, wenn es höher ist als ein anwendbarer Pauschalbetrag für den Lebensunterhalt und als ungenü
gend, wenn es
darunter liegt
.
Gemäss
Rz
.
3532.12
WEL
2021
wird der
Pauschal
betrag für den Lebensunterhalt ermittelt, indem der Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf einer alleinstehenden Person nach Anhang 5.1
WEL
mit dem ent
sprechenden Faktor nach Anhang 8
WEL, in der ab 1. Januar 2021 geltenden Fassung,
multipliziert wird.
Gemäss
Anhang 8
WEL
, in der
ab 1. Januar 2021 geltend
e
n
Fassung,
ist
bei
einer alleinstehenden Person ohne Kinder
der Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf f
ür das betreffende Jahr mit
dem Faktor 3.
2
zu multiplizieren
.
1.8
Gemäss der Botschaft des Bundesrates
(Botschaft zur Änderung des Bundesge
setzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver
sicherung vom 16. September 2016,
BBl
2016 7465)
enthalte die am 1. Januar 2021 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 11a Abs. 2 ELG unter anderem eine im Gesetz bisher fehlende eindeutige Definition des Vermögensverzichts. Dies
e
Bestimmung habe
in Bezug auf Einkommens- oder Vermögensverzichte
jedoch keine Änderung der bisherigen Praxis zur Folge
(S. 7538)
.
Unter diesen Umständen stellt der Inhalt der Verwaltungsweisungen von Anhang
8
WEL, in der ab 1. Januar 2021 geltenden
Fassung, obwohl sie sich auf die vorlie
gend nicht anwendbare Bestimmung von Art. 11a Abs.
2 ELG beziehen,
eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben
zur Bemessung des Ver
mögensverzichts
auch der
bis 31. Dezember 2020 in Kraft gestanden Bestimmung von
Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG
dar.
Obwohl
Rz
. 3532.11 f. und Anhang 8 WEL, in der ab 1. Januar 2021 geltenden Fassung,
für den vorliegend im Streite stehenden Leistungsanspruch von 1. April bis 31. Dezember 2020 nicht direkt anzuwenden sind, stellen sie
trotzdem
eine
Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben zur Be
messung des Vermögensverzichts
gemäss der
bis 31. Dezember 2020
geltenden Rechtslage da
r
, weshalb ihre Berücksichtigung vorliegend keine
r
unzulässige
n
Anwendung noch nicht in Kraft getretenen Rechts
gleichkommt
.
1.9
Für die Zeit vom
1.
Januar 2019 bis 31. Dezember 2020
hat der Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 10 Abs. 1
lit
. a ELG
bei einer alleinstehenden Person
gemäss
Art. 1
lit
. a der Verordnung 19 über Anpassungen bei den Ergänzungsleistungen
zur AHV/IV (SR.831.304) Fr. 19'450.-- und für die Zeit
vom 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2018 gemäss der Verordnung 15 vom 15.
Okto
ber 2014 über Anpassungen bei den Ergänzungsleistungen zur AHV/IV
(SR.831.304)
Fr. 19'290.-- betragen (
vgl. den vorliegend noch nicht anzuwen
denden, am 1. Januar 2021 in Kraft getretenen Art. 17d Abs. 3
lit
. b Ziff. 6 ELV und die am 1. Januar 2021 in Kraft getretene
Rz
.
3532.12 WEL)
.
1.10
Ist ein einmal bestehendes Vermögen nicht me
hr vorhanden, so trägt die leis
tungs
ansprechende Person die Beweislast dafür, dass es in Erfüllung einer recht
lichen Verpflichtung oder gegen adäqua
te Gegenleistung hingegeben wor
den ist,
wo
bei der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt (BGE 131 V 329,
121 V 204; Urteil des Bundesgerichts 8C_1039/2008 vom 25. Februar 2009 E. 2 mit Hin
weisen).
Im Falle der Beweislosigkeit
kann sich d
erjenige, der nicht darzutun ver
mag, dass seine Geld
hin
gabe im Aus
tausch gegen eine adäquate Gegenleistung er
folgt ist,
nicht auf den gegebenen Vermögensstand berufen, sondern muss sich die
Frage nach den Gründen für den Vermögensrückgang gefallen und
mangels ent
spre
chender Be
weise hypothetisches Vermögen
s
owie darauf entfallende
n
Ertrag
entge
genhal
ten lassen
(BGE
146 V 306
E. 2.3.2,
121 V 205 E. 4b
; Urteil des Bundesgerichts 9C_813/2019 vom 20. Mai 2020 E. 3
).
1.11
Art. 17a ELV, in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung, bestimmt, dass der anzurechnende Be
trag von Vermögenswerten, auf die verzichtet worden ist, jährlich um Fr. 10'000.-- zu vermindern ist (Abs. 1), dass der Wert des Ver
mögens im Zeit
punkt des Verzichtes unverändert
auf den 1. Januar des Jahres, das auf den Verzicht folgt, zu übertragen und dann
jeweils nach einem Jahr zu vermindern ist (Abs. 2), und dass für die Be
rech
nung der jährlichen Ergän
zungs
leistung der verminderte Betrag am 1. Januar des Bezugsjahres massgebend ist (Abs. 3).
1.12
Gemäss § 15 und 19a Abs. 3
des kantonalen
Gesetz
es
über die Zusatzleistungen zur eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung (ZLG)
finden die
Vorschriften, die für die jährliche Ergänzungsleistung nach Art. 9 ff. ELG gelten
,
entsprechende Anwendung auf die Beihilfen und Zuschüsse, soweit im ZLG nichts
Abweichendes bestimmt ist. Ge
mäss Art. 7 Abs. 1 der Zusatz
leistungs
ver
ordnung finden
die Bestimmungen des ZLG sinnge
mäss
auch auf die Gemein
de
zuschüsse An
wen
dung,
soweit
diese Ver
ordnung keine davon abweichenden Bestimmungen enthält.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
2.
November
2020 (Urk. 2) davon aus, dass
der Beschwerdeführer für die Zeit von 2015 bis 2019 einen Rückgang seines Vermögens im Umfang von Fr.
81'700.-- nicht belegen könne. Da er
Vermögen in diesem Umfang
weder
in Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung
noch
gegen adäquate Gegenleistung hingegeben
habe,
sei daher
von einem Vermögensverzicht in diesem Umfang auszugehen.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte
hiegegen
vor (Urk. 1),
gemäss der Rechtsprechung sei ein Verzicht nicht alleine deswegen anzunehmen, weil jemand vor der An
meldung zum Bezug über seinen Verhältnissen gelebt haben könnte. Auch sei
eine Lebensführungskontrolle unzulässig.
Es liege kein Vermögensverzicht vor, da
er von seinen Ersparnissen
habe
leben müssen, weil die Altersrente der AHV im Betrag von ungefähr Fr. 20'000.-- im Jahr für seinen Lebensunterhalt nicht ausgereicht habe (S. 4). Dabei habe er keine Schenkungen ausgerichtet. Er könne indes nicht mehr alle für den täglichen Bedarf getätigten Ausgaben belegen (S.
5). Zudem erscheine der B
etrag für den Lebensunterhalt, welcher die Beschwerde
gegnerin ihrer Bemessung des Vermögensverzichts zu Grunde gelegt habe, zu tief angesetzt. Dies insbesondere im Hinblick darauf, dass Sozialhilfebehörden von einem
höheren
monatlichen Lebensunterhalt von Fr. 997.-- beziehungsweise von einem solchen von Fr. 11'964.-- im Jahr ausgingen. Zudem habe er für die Fran
chise und den Selbsthalt der Krankenversicherung (S.
6)
,
für die
Billag
-
Gebühren,
für Treibstoff und
die Kosten des Unterhalts
seines Personenwagens, für die Kosten
der
Telekommunikation sowie für das Futter seines Hundes und
für
sporadische Tierarztbesuche aufkommen müssen (S. 7).
3.
3.1
Streitig ist
die Frage
,
ob überhaupt ein Vermögensverzicht vorliegt
,
sowie
, bei Bejahung dieser Frage, dessen Höhe.
3.2
Den Akten ist zu entnehmen, dass
die Z._
AG
dem Beschwerdeführer am 12. Oktober 2015 Freizügigkeitsleistungen im Betrag von Fr. 250'341.50 ausbezahlt hat (Urk. 7/5), und dass der Beschwerdeführer gemäss
den Angaben des Steueramtes der Gemeinde
Y._
(Urk.
7/10) am 31.
Dezember 2015 noch über ein steuerbares Vermögen von Fr.
180'000.
--
ver
fügte.
3.3
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Aufstellung betreffend den Vermö
gens
verzicht (Urk. 7/30) davon aus, dass
dem Beschwerdeführer für seinen Lebens
bedarf in der Zeit von Oktober bis Dezember 2015 Kosten von ungefähr Fr.
10'000.--, im Jahre 2016 solche von Fr. 48'000.--, im Jahre 2017 solche von Fr. 41'000.-- und im Jahre 2018 solche von ungefähr Fr. 45'000.-- entstanden seien. Gestützt darauf ermittelte sie für das Jahr 2015 einen Vermögensverzicht auf Grund übermässigen Vermögensverbrauchs von Fr. 60'300.--, für das Jahr 2017 einen solchen von 29'300.-- und
für das Jahr 2018 einen solchen von Fr.
32'100.-- (vgl. auch Urk. 7/34).
3.4
Den Akten lässt sich nicht entnehmen, dass der Beschwerdeführer im streitigen Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2018 einen gehobenen Lebens
standard gepflegt hätte. Auf einen gehobenen Lebensstandard lässt sich insbe
sondere nicht auf Grund der Angaben des Beschwerdeführers, wonach er Aus
gaben für die
Franchise und den Sel
bsthalt der Krankenversicherung, für
Billag
-Gebühren,
für
Treibstoff und
für den Unterhalt seines Personenwagens, für
Tele
kommunikation sowie für
Hundefutter und
Tierarztbesuche
zu tragen gehabt hätte (vorstehend E.
2.2
), schliessen. Vielmehr ist mit überwiegender Wahrschein
lichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer einen durchschnittlichen Lebensstandard pflegte.
3.
5
3.5.1
Im Folgenden ist
daher zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
in den Jahren, in denen der Vermögensrückgang stattgefunden hat, über ein genügendes Einkom
men
verfügte.
3.5
.2
Bei einem
Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 10 Abs. 1
lit
. a ELG bei einer alleinstehenden Person
im Jahre 2015 von
Fr. 19'290.--
(vorstehend E.
1.9
) und bei einer Multiplikation des Betrags des
allgemeinen Lebensbedarf
s
mit dem Faktor 3.2
analog
Rz
. 3532.11 f. und Anhang 8 WEL, in der ab 1
. Januar 2021 geltenden Fassung
(vorstehend E.
1.
7-
8
)
,
ergibt dies einen durchschnitt
li
chen Bedarf für den allgemeinen Lebensunterhalt von Fr.
61'728.-
-.
Demgegen
über hat der Beschwerdeführer
im Jahre 2015 gemäss den Angaben der Steuer
behörde
ein Einkommen von
Fr. 10'000.--
erzielt
(Urk. 7/10)
.
Der Beschwerde
führer musste während der
Zeit vom 12. Oktober bis 31. Dezember 2015 daher
für seinen
Lebensunterhalt
einen Betrag
von Fr.
10'777.--
([Fr.
61'728.-
-
-
Fr.
10'000.--] ÷ 12 Monate x 2.5 Monate)
von seinem Vermögen verbrauchen.
3.
5
.3
Bei einem
Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 10 Abs. 1
lit
. a ELG bei einer alleinstehenden Person
im Jahre 2016 von
Fr. 19'290.--
(vorstehend E.
1.9
) und bei einer Multiplikation des Betrags des allgemeinen Lebensbedarfs mit dem Faktor 3.2 (vorstehend E.
1.
7-
8
)
resultiert
im Jahre 2016 ein
durch
schnittlicher
Bedarf für den allgemeinen Lebensunterhalt von Fr.
61'728.
.
Dem
gegenüber hat de
r Beschwerdeführer im Jahre 2016
gemäss den Angaben der Steuerbehörde ein Einkommen von Fr.
18’80
0
.-- erzielt (Urk. 7/10). Der Be
schwerdeführer musste während der Zeit vom
1. Januar bis 31. Dezember 2016
daher für seinen Lebensunterhalt einen Betrag von
Fr. 42’928.-- (Fr.
61'728.-
-
-
Fr. 18’800.--)
von seinem Vermögen verbrauchen.
3.
5
.4
Bei einem
Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 10 Abs. 1
lit
. a ELG bei einer alleinstehenden Person
im Jahre 2017 von
Fr. 19'290.--
(vorstehend E.
1.9
) und bei einer Multiplikation des Betrags des allgemeinen Lebensbedarfs mit dem Faktor 3.2 (vorstehend E.
1.
7-
8
) resultiert
im Jahre 2017 ein durch
schnittlicher
Bedarf für den allgemeinen Lebensunterhalt von Fr.
61'728.
.
Demgegenüber hat de
r Beschwerdeführer im Jahre 2017
gemäss den Angaben der Steuerbehörde ein Einkommen von Fr.
17’300.
-- erzielt (Urk. 7/10). Der Be
schwerdeführer musste während der Zeit vom
1. Januar bis 31. Dezember 2017
daher für seinen Lebensunterhalt einen Betrag von
Fr. 44’428.-- (Fr.
61'728.-
-
-
Fr. 17’300.--)
von seinem Vermögen verbrauchen.
3.
5
.5
Bei einem
Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 10 Abs. 1
lit
. a ELG bei einer alleinstehenden Person
im Jahre 2018 von
Fr. 19'290.--
(vorstehend E.
1.9
) und bei einer Multiplikation des Betrags des allgemeinen Lebensbedarfs mit dem Faktor 3.2 (vorstehend E.
1.
7-
8
) resultiert
im Jahre 2018 ein durch
schnitt
licher
Bedarf für den allgemeinen Lebensunterhalt von Fr.
61'728.
.
Dem
gegenüber hat de
r Beschwerdeführer im Jahre 2018
gemäss den Angaben der Steuerbehörde ein Einkommen von Fr.
17’100.
-- erzielt (Urk. 7/10). Der Be
schwerdeführer musste während der Zeit vom
1. Januar bis 31. Dezember 2018
daher für seinen Lebensunterhalt einen Betrag von
Fr. 44’628.-- (Fr.
61'728.-
-
-
Fr. 17’100.--)
von seinem Vermögen verbrauchen.
3.5.6
Bei einem
Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 10 Abs. 1
lit
. a ELG bei einer alleinstehenden Person
im Jahre 201
9
von
Fr. 19'
45
0.--
(vorstehend E. 1.9) und bei einer Multiplikation des Betrags des allgemeinen Lebensbedarfs mit dem Faktor 3.2 (vorstehend E.
1.7-8) resultiert im Jahre 201
9
ein durch
schnittlicher Bedarf für den allgemeinen Lebensunterhalt von Fr. 6
2
'
240
.
.
Demgegenüber hat de
r Beschwerdeführer im Jahre 201
9
gemäss den Angaben der Steuerbehörde ein
provisorisches
Einkommen von Fr.
17’
4
00.
-- erzielt (Urk. 7/10). Der Beschwerdeführer musste während der Zeit vom
1. Januar bis 31. Dezember 201
9
daher für seinen Lebensunterhalt einen Betrag von
Fr. 44’
840
.-- (Fr.
6
2
'
240
.-
- - Fr. 17’
4
00.--)
von seinem Vermögen verbrauchen.
Ob und inwiefern ein Betrag für den Lebensunterhalt für Januar bis März 2020 anzurechnen ist, kann mangels Angaben zu den Einkünften 2020 nicht beurteilt werden (vgl. Urk. 7/10).
3.
6
Da abgesehen vom Lebensbedarf beziehungsweise dem Lebensunterhalt die übri
gen Punkte bei der Bemessung des Verzichtsvermögens durch die Beschwerde
gegnerin (Urk. 7/30) vom Beschwerdeführer nicht beanstandet werden (Urk. 1), ist diesbezüglich von einer eingehenden Prüfung abzusehen. Denn nach der
Rechtsprechung
sind
nur die gerügten, im Streite stehenden Teilaspekte des ver
fü
gungsweise festge
legten Rechtsverhältnisses
zu prüfen (Urteil des Bundes
gerichts 9C_719/2008 vom 31. Oktober 2008 E. 4.1).
Die gerichtliche Beurtei
lung hat
sich
daher
praxisgemäss auf
diese Aspekte
zu beschränken, wogegen kein Anlass besteht, die übrigen unbestrittenen Berechnungspositionen der jähr
lichen Ergänzungsleistung in die Prüfung mit ei
nzubeziehen (BGE 131 V 329 E. 4
und
110 V 48 E. 4a).
3.7
Im Folgenden ist daher
eine Plausibilisierung
der Bemessung des Vermögens
ver
zichts durch die Beschwerdegegnerin (Urk. 7/30)
anhand des
gemäss
Art. 10 Abs.
1
lit
. a ELG
ermittelten pauschalisierten
durchschnittlichen
Lebensbedarfs
be
ziehungsweise
anhand
des Vermögens, welches der Beschwerdeführer für seinen gewohnten Lebensunterhalt aufwenden musste (vorstehend E.
1.7
)
, vorzunehmen. Dabei sind
neben dem Lebensunterhalt
lediglich
die
vom Lebensunterhalt nicht erfasste
n
, ausserordentliche
n
belegte
n
Ausgaben, wie beispielsweise solche
für AHV-Beiträge
Nichterwerbstätiger
,
solche
für von Sozialversicherungen nicht übernommene
Arztkosten,
solc
he für
aussergewöhnliche Ausgaben
für Steuern
der
Mutter und für Kosten für ein Verfahren vor dem Obergericht zu berück
sichtigen
.
Darüber hinaus
sind vorweg die
im Zusammenhang mit dem Kapitalbezug ange
fallenen und ausgewiesenen Steuern von Fr. 4'040.20 für den Bund sowie Fr.
13'424.30 für den Kanton (Urk. 7/24 S. 1, Urk. 7/30; vgl. BGE 140 V 201 E.
4
.2-4.4
) zu berücksichtigen.
3.8
Kapitalauszahlung 12. Oktober 2015
Fr.
250'341.--
Kapitalsteuern Bund
(bezahlt 2016)
-
Fr.
4'040.20
Kapitalsteuern Kanton
(bezahlt 2016)
-
Fr.
13'424.30
AHV-NE 2015
-
Fr.
504.--
AHV-NE 2016
-
Fr.
501.40
Arztkosten 2017
-
Fr.
1'420.40
Obergericht 2018
-
Fr.
385.--
Steuern Mutter 2018
-
Fr.
981.30
Lebensunterhalt aus Vermögen 2015
-
Fr.
10'777.--
Lebensunterhalt aus Vermögen 2016
-
Fr.
42'928.--
Lebensunterhalt aus Vermögen 2017
-
Fr.
44'428.--
Lebensunterhalt aus Vermögen 2018
-
Fr.
44'628.--
Lebensunterhalt aus Vermögen 2019
-
Fr.
44'840.--
=
Fr.
41'483.40
Bei dieser Berechnung wäre
aufgrund der pauschalisierten Aufwendungen für den
Lebensunterhalt und der ausgewiesenen und zu berücksichtigenden Zusatz
ausgaben per 31. Dezember 2019 ein Vermögen von Fr. 41'483.40 verblieben.
Zu berücksichtigen ist jedoch ferner, dass das Verzichtsvermögen
jeweils nach einem Jahr um Fr. 10‘000.-- zu vermindern ist (vgl. vorstehend E. 1.11). Wird über die Jahre 2016 bis 20
19
jeweils eine Verminderung von Fr. 10'000.--, mithin Fr. 40'000.--, berücksichtigt, resultiert ein Verzichtsvermögen von Fr. 1'483.40 (
Fr. 41'483.40
– Fr. 40'000.--).
3.9
Zu erwähnen ist, dass eine strikt jährliche Betrachtung und Berechnung
auch unter Berücksichtigung des pauschalisierten Lebensunterhaltes
(vgl. auch Urk.
7/30)
zum einen dazu führen würde,
dass die belegten und die Kapital
aus
zahlung objektiv in relevantem Ausmass schmälernden Kapitalsteuern nicht
oder nicht voll zum Abzug gebracht werden könnten
, zumal sie im Jahr 2016 bezahlt wurden, in welchem ein geringer Verbrauch des Vermögens ausgewiesen ist
. Zum anderen würde beispielsweise ein grösserer Bargeldbezug nur ein bestimmtes Jahr belasten und somit zu einem Verzichtsvermögen führen, auch wenn das bezogene Bargeld überjährig zur Deckung des Lebensunterhaltes gebraucht würde.
Ferner fänden die pauschalisierten Aufwendungen für den Lebensunterhalt 2019 keine Berücksichtigung
.
Insgesamt käme in vorliegendem Fall eine strikt jährliche Be
trachtung und Berechnung einer nicht zulässigen Lebensführungskontrolle gleich
(
vgl. auch
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 3. Auflage, 2021, S.
248 f., RZ 640
)
.
3.10
Zusammengefasst
ist dem
Beschwerdeführer
daher
bei der Bemessung des strei
tigen Anspruchs auf Ergän
zungsleistung für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezem
ber 2020 ein Vermö
gens
verzicht im Um
fang von Fr.
1'483.40 anzurechnen
(unter Ausklammerung allfälliger
Ausgaben für den Lebensunterhalt vom 1. Januar bis 31. März 2020
)
.
Demzufolge ist die Beschwerde in genanntem Sinne gutzuheissen.
4
.
4
.1
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Für unnötigen oder gering
fügigen Aufwand einer
Par
tei wird keine Prozessent
schädigung zugespro
chen (§ 8 Abs. 1 der Verord
n
ung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungs
gericht,
GebV
SVGer
).
4
.2
Ausgangsgemäss hat der vertretene Beschwerdeführer A
nspruch auf eine Prozessentschädigung, welche
in Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses, bei einem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr.
185
.--,
zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer, mit
Fr.
1’
5
00.-- (in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
bemessen ist
.