Decision ID: 77d1d37c-8ea6-451f-a2df-c257cf58158a
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war aufgrund seiner Tätigkeit für die Firma B._
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) obligatorisch
gegen Unfälle versichert, als er sich am 12. Juli 2017 beim Ablad einer schweren
Palette im Bereich der rechten Schulter verletzte (Suva-act. 1).
A.a.
Am 11. August 2017 begab er sich bei seiner Hausärztin Dr. med. C._,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, in Behandlung, welche als Befunde eine freie
Beweglichkeit der Schulter und ein sehr schmerzhaftes Anheben über die Horizontale
hinaus erhob und die Diagnose einer Tendinopathie der rechten Schulter stellte (vgl.
Suva-act. 20).
A.b.
Dr. C._ veranlasste eine MRT-Untersuchung des rechten Schultergelenks,
welche am 22. August 2017 im Röntgeninstitut D._ durchgeführt wurde. Zur
Darstellung kam eine Komplettruptur der Supra- und partielle Ruptur der
Infraspinatussehne sowie eine Grad I Verfettung und beginnende Hypotrophie beider
Muskeln, eine moderate AC-Gelenksarthrose mit leichtgradiger subakromialer
Einengung und eine initiale Omarthrose (Suva-act. 23).
A.c.
Ab dem 23. August 2017 attestierte Dr. C._ dem Versicherten bis auf Weiteres
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit (Suva-act. 16).
A.d.
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Am 28. August 2017 sicherte die Suva dem Versicherten die gesetzlichen
Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) für die Folgen seines Berufsunfalls vom 12.
Juli 2017 zu (Suva-act. 2).
A.e.
Am 6. September 2017 konsultierte der Versicherte Dr. med. E._, Orthopädie
F._. Dieser diagnostizierte im Untersuchungsbericht vom 8. September 2017 eine
posttraumatische Supraspinatussehnenruptur rechts unter Mitbeteiligung Infraspinatus
und lange Bizepssehne nach Trauma am 12. Juli 2017. An diesem Tag habe eine
direkte Distorsion/Kontusion der rechten Schulter-/Armregion stattgefunden mit
sofortigen Schmerzen. Die frühere Anamnese sei bezüglich der Schulter bland. Den
radiologischen Befund vom 22. August 2017 gab Dr. E._ als ausgedehnte Läsion im
Supraspinatus- und kranialen Infraspinatusbereich, leichte Ausdünnung der Restsehne,
keine myxoide Degeneration sowie Mitbeteiligung der langen Bizepssehne wieder
(Suva-act. 10).
A.f.
Am 11. September 2017 schilderte der Versicherte der Suva den Unfallhergang
telefonisch dahingehend, dass die Palette, welche etwa eine Tonne schwer gewesen
sei, ins Schlingern gekommen sei. Beim Versuch, sie zu stoppen, sei sie gegen seine
Schulter gekracht (Suva-act. 9). Gleichentags erteilte die Suva gegenüber der Klinik
G._ Kostengutsprache für einen stationären Aufenthalt des Versicherten vom 14. bis
18. September 2017 zur arthroskopischen Defilée-Erweiterung und zur Rekonstruktion
der Rotatorenmanschette und eventuellen Bizepstenodese rechts durch Dr. E._
(Suva-act. 5 und 7).
A.g.
Am 15. September 2017 führte Dr. E._ beim Versicherten eine arthroskopische
subacromiale Dekompression und Tenotomie Bizeps sowie eine offene Rekonstruktion
Supraspinatus, Infraspinatus durch plastische Verschiebung und Tenodese Bizeps
Schulter rechts durch (Suva-act. 11 und 19).
A.h.
Am 22. Oktober 2017 reichte Dr. C._ der Suva das Arztzeugnis UVG ein, worin
sie erklärte, vom Unfallereignis keine Kenntnis zu haben, da der Versicherte keine
Angaben dazu gemacht habe (Suva-act. 20).
A.i.
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Am 9. und 24. November 2017 legte die Suva den Schadenfall ihrer beratenden
Ärztin Dr. med. H._, Fachärztin für Neurochirurgie, vor (vgl. Beurteilungen vom 21.
und 30. November 2017 in Suva-act. 24 und 31).
A.j.
Dr. E._ attestierte dem Versicherten anlässlich einer postoperativen
Verlaufskonsultation vom 13. Dezember 2017 nach wie vor eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit (vgl. Suva-act. 33). Dem daraufhin von der Suva bei ihm
einverlangten (vgl. Suva-act. 35) Sprechstundenbericht vom 20. Dezember 2017 ist zu
entnehmen, dass sich im Nachgang zur Operation eine eher Frozen Shoulder-
Komponente rechts entwickelt habe (Suva-act. 36). Anlässlich der nächsten
Verlaufskonsultation vom 9. Januar 2018 erhob der Facharzt die Diagnose einer
leichten retraktilen Kapsulitisentwicklung (vgl. Bericht vom 17. Januar 2018; Suva-act.
39).
A.k.
Unter Berücksichtigung der kreisärztlichen Beurteilungen (Suva-act. 24 und 31) und
nach einem Gespräch mit dem Versicherten vom 18. Januar 2018 (vgl. Suva-act. 40)
teilte die Suva diesem mit Schreiben vom 31. Januar 2018 mit, die noch bestehenden
Beschwerden seien nicht mehr unfallbedingt. Der Zustand, wie er sich ohne den Unfall
vom 12. Juli 2017 eingestellt hätte, sei spätestens am 12. September 2017 erreicht
worden. Deshalb müsse ein Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen ab dem 1.
März 2018 abgelehnt und die bisherigen Versicherungsleistungen (Taggeld und
Heilkosten) müssten auf diesen Zeitpunkt eingestellt werden (Suva-act. 41).
A.l.
Der Versicherte und dessen Arbeitgeberin konnten sich anlässlich einer
Standortbestimmung mit der Suva vom 8. Februar 2018 mit der Leistungsablehnung
nicht einverstanden erklären (Suva-act. 43). Dr. E._ teilte der Suva am 13. Februar
2018 mit, es handle sich seines Erachtens klar um eine postoperative retraktile
Kapsulitis nach Rotatorenmanschettenoperation, wie sie nicht selten anzutreffen sei.
Seines Erachtens seien deshalb klar noch Unfall- bzw. Operations- und
Schädigungsfolgen auf die Sehnenruptur zurückzuführen (Suva-act. 46; vgl. auch
Sprechstundenbericht vom gleichen Tag in Suva-act. 44).
A.m.
Nachdem die Suva den Fall nochmals Dr. H._ vorgelegt (vgl. Suva-act. 45 und
48) und am 15. März 2018 eine weitere Besprechung mit dem Versicherten und dessen
A.n.
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B.
C.
Arbeitgeberin durchgeführt hatte (Suva-act. 49), hielt sie mit Verfügung vom 20. März
2018 an ihrer Leistungsablehnung ab dem 1. März 2018 fest (Suva-act. 50).
Der Versicherte liess am 4. Mai 2018 durch seinen Rechtsvertreter Einsprache
gegen die Verfügung vom 20. März 2018 erheben und unter anderem aktuelle
medizinische Berichte einreichen (Suva-act. 63).
B.a.
Vorab war am 26. April 2018 Dr. E._ bezüglich der Kausalitätsfrage an Dr. H._
gelangt und hatte am 27. April 2018 eine Antwort erhalten (vgl. Suva-act. 60 und 62).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 24. Mai 2018 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten betreffend seine Schulterproblematik rechts ab (Suva-act. 66 = act. G
1.2).
B.c.
Per 31. Mai 2018 beendete die Firma B._ ihr Arbeitsverhältnis mit dem
Versicherten, weil dieser seine Tätigkeit nicht mehr ausführen könne (Suva-act. 49 S.
2).
B.d.
Gegen den Einspracheentscheid vom 24. Mai 2018 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 22.
Juni 2018 Beschwerde erheben mit den Anträgen, den angefochtenen
Einspracheentscheid aufzuheben und ihm weiterhin die gesetzlichen Leistungen zu
gewähren. Nach Erreichen des Endzustandes seien ihm eine Invalidenrente und eine
Integritätsentschädigung zuzusprechen. Eventualiter seien weitere medizinische
Abklärungen durchzuführen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das
Einsprache- und Beschwerdeverfahren. Auch beantragte er die Durchführung einer
Verhandlung. Zur Begründung machte er unter anderem geltend, die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) habe den von ihr zu erbringenden Beweis des
Wegfalls der unfallbedingten Beschwerden nicht erbracht. Die kreisärztliche
Beurteilung von Dr. H._ vom 20. Februar 2018 sei falsch, da nicht nur ein
Anpralltrauma vorliege (act. G 1).
C.a.
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Erwägungen
1.
Unbestritten ist im vorliegenden Fall, dass der Beschwerdeführer am 12. Juli 2017
einen Unfall mit Beteiligung der rechten Schulter erlitten und die Beschwerdegegnerin
in der Folge Versicherungsleistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen) erbracht hat.
Strittig und zu prüfen ist demgegenüber, ob Letztere zu Recht einen Anspruch des
Beschwerdeführers auf über den 28. Februar 2018 hinausgehende
Versicherungsleistungen abgelehnt hat (vgl. act. G 1.2). In diesem Zusammenhang
stellt sich insbesondere die Frage, ob die Rotatorenmanschettenläsion traumatisch
oder degenerativ bedingt war, da zum Leistungseinstellungszeitpunkt noch die durch
Dr. E._ diagnostizierte retraktile Kapsulitis rechts bestand (vgl. beispielsweise Suva-
act. 44), welche eine unbestrittene sekundäre Folge der am 15. September 2015
durchgeführten Rotatorenmanschettenläsion-Operation war (vgl. Suva-act. 48 S. 4).
2.
In der Beschwerdeantwort vom 23. Juli 2018 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde in Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 24. Mai 2018. Der Beschwerdeführer habe beim Unfall vom
12. Juli 2017 lediglich eine Prellung der rechten Schulter erlitten, und die operierten
rechtsseitigen Schulterschäden würden einem Vorzustand entsprechen (act. G 3).
C.b.
Mit Replik vom 12. Oktober 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest (act. G 7). Mit Duplik vom 14. November 2018 bestätigte auch die
Beschwerdegegnerin ihren Antrag auf Abweisung der Beschwerde (act. G 9).
C.c.
Am 26. November 2018 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers seine
Honorarnote zu den Akten (act. G 11 und 11.1).
C.d.
Unter Bezugnahme auf eine entsprechende telefonische Anfrage von Seiten des
Gerichts teilte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 1. April 2020 mit, dass
auf eine mündliche Verhandlung verzichtet werde (act. G 15).
C.e.
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) hat der Unfallversicherer bei Vorliegen eines Unfalls (vgl. dazu Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
2.1.
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SR 830.1]) für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als
dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Ereignis steht
(André Nabold, in: Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG], Bern 2018, N 48 ff. zu Art. 6 UVG;
BSK UVG-Irene Hofer, Basel 2019, Art. 6 N 63 ff.; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.).
Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (UVG
Kommentar-Nabold, a.a.O., N 53 zu Art. 6 UVG, 59; BSK UVG-Hofer, a.a.O., Art. 6 N
66, 74; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen
Hinweisen; SZS 2018 S. 357 f.). Bei physischen Unfallfolgen hat indessen die
Adäquanz gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine
selbständige Bedeutung (BGE 118 V 291 f. E. 3a).
Ist es durch einen Unfall zu keinen neuen unfallbedingten strukturellen Schäden
gekommen, trifft er aber auf einen vorgeschädigten Körper, kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende oder richtunggebende
Verschlimmerung des Vorzustandes in Betracht. Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers bei einem durch einen Unfall verschlimmerten oder überhaupt
manifest gewordenen Vorzustand entfällt erst, wenn der Unfall nicht (mehr) die
natürliche oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also
letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft zu,
wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden
hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328
E. 3b mit Hinweisen).
2.2.
Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit;
die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen; Thomas Locher/
Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N
58 f.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54).
2.3.
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Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann
rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und
BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Art. 8 der Bundesverfassung (BV; SR 101)
und Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101)
geben keinen formellen Anspruch auf versicherungsexterne Begutachtung, wenn
Leistungsansprüche streitig sind. Erachtet das Sozialversicherungsgericht die
rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidungsgrundlagen bei pflichtgemässer
Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere
ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens - abschliessen. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit eines Berichts oder Gutachtens eines
versicherungsinternen Arztes, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V
470 E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012,
8C_592/2012, E. 5.3). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass auch reine
Beurteilungen aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von Dr. H._ erstellt wurden
(Suva-act. 24, 31, 48), beweiskräftig sein können, sofern ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung
mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom
18. Juni 2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1). Insbesondere die vorliegend von der
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid vor allem berücksichtigte
ärztliche Beurteilung von Dr. H._ vom 20. Februar 2018 (Suva-act. 48) wurde in
Kenntnis der Vorakten (vgl. "Aktenmässiger Verlauf" auf den S. 1 bis 3) abgegeben und
enthält eine ausführliche Begründung der strittigen Kausalitätsfrage.
2.4.
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Rechtsprechungsgemäss kann die Beurteilung des Kausalzusammenhangs zum
Unfallereignis in einem Aktengutachten erörtert werden (Urteil des Bundesgerichts vom
21. September 2011, 8C_396/2011, E. 5.2 mit Hinweis). Weiter ist festzustellen, dass
Dr. H._ als Fachärztin für Neurochirurgie die fachliche Qualifikation für die
medizinische Würdigung des konkreten Falles nicht abgesprochen werden kann, wie
dies der Beschwerdeführer tut (vgl. act. G 7 Ziff. 9). Die Kreisärzte und Kreisärztinnen
der Beschwerdegegnerin sind ausserdem nach ihrer Funktion und beruflichen Stellung
Fachärzte bzw. Fachärztinnen im Bereich der Unfallmedizin. Da sie in ihrer Funktion als
Kreisärzte ausschliesslich Unfallpatienten, unfallähnliche Körperschädigungen und
Berufskrankheiten diagnostisch beurteilen sowie Heil- und Therapieverläufe prüfend
beobachten bzw. diesbezüglich Empfehlungen und Einschätzungen abgeben, verfügen
sie über besonders ausgeprägte traumatologische Kenntnisse und Erfahrungen (Urteil
des Bundesgerichts vom 3. Oktober 2008, 8C_510/2007, E. 7.5.4.), welche im
konkreten Fall gefragt sind. Angesichts der obigen Darlegungen sprechen keine
formell-rechtlichen Gründe gegen den Einbezug der kreisärztlichen Aktenbeurteilungen
von Dr. H._ (vgl. diesbezügliche Beanstandungen in act. G 1 Ziff. 23). Ob letztlich auf
diese abgestellt werden kann, ist im Rahmen der nachfolgenden materiell-rechtlichen
Beurteilung bzw. Beweiswürdigung zu prüfen.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a, BGE 121 V 210 E. 6c mit
Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsrecht tragen mithin
die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4 f., 55). Bei der
Einstellung von Versicherungsleistungen handelt es sich um eine anspruchsaufhebende
Tatfrage. Die Beweislast für den Wegfall der vom Unfallversicherer zunächst
anerkannten natürlichen Kausalität liegt - anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründender Kausalzusammenhang überhaupt je gegeben war - nicht bei
der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46
E. 2 mit Hinweisen; BGE 117 V 263 f. E. 3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.).
Dieser Grundsatz gilt aber nur für Verletzungen, welche damals thematisiert worden
waren und somit Gegenstand der Anerkennung bildeten (Urteil des Bundesgerichts
vom 20. August 2009, 8C_363/2009, E. 1; Urteil des EVG vom 27. April 2005, U 6/05,
2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
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3.
auszugsweise publiziert in: AJP 2006 S. 1290 ff.). Allerdings tragen die Parteien im
Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
indessen erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4, 55).
Die Beschwerdegegnerin hat vorliegend unbestrittenermassen anerkannt, dass der
Beschwerdeführer am 12. Juli 2017 einen Unfall im Sinne des Gesetzes mit einer
schädigenden Einwirkung auf die rechte Schulter erlitten hat, und ihm mit Schreiben
vom 28. August 2017 Heilkosten- und Taggeldleistungen zugesichert (Suva-act. 2; vgl.
auch Suva-act. 3 und 4). Diese Anerkennung erfolgte offensichtlich basierend auf der in
der Schadenmeldung UVG vom 24. August 2017 angegebenen Unfallbeschreibung
"Beim Ablad einer schweren Palette dagegen gestossen" und gestützt auf den darin
als Schädigung angeführten Riss im Bereich der Schulter (Suva-act. 1). Am 11.
September 2017 hat die Suva Kostengutsprache für einen stationären Aufenthalt vom
14. bis 18. September 2017 zur arthroskopischen Defilée-Erweiterung und zur
Rekonstruktion der Rotatorenmanschette und eventuellen Bizepstenodese rechts
durch Dr. E._ erteilt (Suva-act. 5 und 7). Der Operationsbericht vom 15. September
2017 ging am 19. September 2017 bei ihr ein (Suva-act. 11) und der
Spitalaustrittsbericht am 20. September 2017 (Suva-act. 13). Am 9. Oktober 2017
erhielt die Suva den durch Dr. E._ ausgefüllten Unfallschein UVG mit vollständiger
Arbeitsunfähigkeit seit 6. September 2017 (Suva-act. 15 und 16). Gleichentags bat die
Suva Dr. C._, das Arztzeugnis UVG auszufüllen (Suva-act. 14), was am 22. Oktober
2017 geschah (Suva-act. 20). Am 9. November 2017 nahm die Suva schliesslich
Kenntnis vom Bericht über die MRT-Untersuchung vom 22. August 2017 (Suva-act.
23). Am selben Tag leitete sie erstmals eine Überprüfung der Kausalitätsfrage bei ihrer
beratenden Ärztin Dr. H._ ein (vgl. kreisärztliche Beurteilung vom 21. November
2017; Suva-act. 24). Am 24. November 2017 erkundigte sie sich sodann bei Dr. H._,
ob eine richtungsgebende oder eine vorübergehende Verschlimmerung vorliege (vgl.
kreisärztliche Beurteilung vom 30. November 2017; Suva-act. 31). Nachdem die Suva
dem Versicherten am 18. Januar 2018 anlässlich einer Besprechung bereits mitgeteilt
hatte, dass aufgrund der versicherungsmedizinischen Feststellungen und aufgrund der
bisherigen medizinischen Akten der Fall wohl per 31. Januar 2018 terminiert werde,
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
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informierte sie ihn mit Schreiben vom 31. Januar 2018 darüber, dass die aktuell
bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt seien und deshalb der Anspruch
auf weitere Versicherungsleistungen ab dem 1. März 2018 abgelehnt werde und die
bisherigen Versicherungsleistungen auf diesen Zeitpunkt eingestellt würden (Suva-act.
41).
Auch wenn ein "Riss" im Bereich der Schulter, wie vorstehend erwähnt, bereits in
der Schadenmeldung UVG vom 24. August 2017 thematisiert worden war, ergibt sich
aus der in Erwägung 3.1 beschriebenen Sachlage, dass die Beschwerdegegnerin im
Zeitpunkt des Leistungszusageschreibens vom 28. August 2017 und des
Kostengutspracheschreibens vom 11. September 2017 ihre Untersuchungspflicht zu
Recht noch nicht als abgeschlossen betrachtete. Sie ergänzte ihre medizinischen
Akten fortlaufend und liess die Unfallkausalität der festgestellten gesundheitlichen
Störungen erst nach Kenntnis der während längerer Zeit nach der Operation vom 15.
September 2017 attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit durch ihren
kreisärztlichen Dienst beurteilen (Suva-act. 15 und 24). Der zweiten Vorlage an die
Kreisärztin vom 24. November 2017 ist explizit zu entnehmen, dass der Fall "ohne
Prüfung Kausalität" übernommen worden sei (Suva-act. 31). Erst mit den
kreisärztlichen Stellungnahmen vom 21. und 30. November 2017 lagen der
Beschwerdegegnerin Angaben einer medizinischen Fachperson vor, aus denen ein
Sachverhalt entsprechend einer nicht überwiegend wahrscheinlichen Unfallkausalität
der operativ therapierten Rotatorenmanschettenläsion hervorging. Auch wenn die
Beschwerdegegnerin die Operationskosten übernommen und für die ärztlich
bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten Taggeldleistungen erbracht hat, kann damit die
Anerkennung einer Leistungspflicht nicht auf die Rotatorenmanschettenläsion - und die
Kapsulitis, die sich im Anschluss an die Operation vom 15. September 2017 entwickelt
hat - bezogen werden. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass sich
den Unfallversicherern die Möglichkeit bietet, selbst auf eine fälschlicherweise
anerkannte Kausalität zurückzukommen und die Leistungen - ohne Berufung auf den
Rückkommenstitel der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision - mit Wirkung
ex nunc et pro futuro (sowie bei Verzicht auf eine Rückforderung) einzustellen, wenn ihr
der überwiegend wahrscheinliche Beweis gelingt, dass zwischen dem Unfallereignis
und der anerkannten Verletzung bzw. den daraus resultierenden Beeinträchtigungen
gar nie ein natürlicher Kausalzusammenhang bestanden hatte. Der Nachweis eines
Dahinfallens einer - fälschlicherweise - faktisch anerkannten Unfallkausalität erübrigt
sich diesfalls (BGE 130 V 384 E. 2.3.1; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts vom
4. August 2017, 8C_819/2016, E. 6.1). Die Beweislast hinsichtlich der Frage, ob es sich
bei der Rotatorenmanschettenläsion um eine beim Unfall vom 12. Juli 2017 erlittene
3.2.
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4.
Verletzung handelt, liegt somit beim Beschwerdeführer (vgl. vorstehend Erwägung 2.5
sowie nachfolgend Erwägung 4). Eine Anerkennung einer Leistungspflicht ist hingegen
mit dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 28. August 2017 für aus einem
Anpralltrauma resultierende Verletzungen erfolgt (Suva-act. 1 und 2). Für die
Leistungseinstellung nach dieser anerkannten vorübergehenden Verschlimmerung ist
wie vorstehend in Erwägung 2.5 ausgeführt die Beschwerdegegnerin beweisbelastet
(vgl. nachfolgend Erwägung 5).
Nach dem Gesagten stellt sich die Frage, ob hinsichtlich der im
Leistungseinstellungszeitpunkt beim Beschwerdeführer noch diagnostizierten
Kapsulitiskomponente der rechten Schulter (Suva-act. 39 und 44), welche sich als
sekundäre Folge der Rotatorenmanschetten-Operation vom 15. September 2017
entwickelte (vgl. Suva-act. 48 S. 4), mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusammenhang zum Unfall vom 12. Juli 2017
zu bejahen ist. Folglich ist entscheidend, ob die Rotatorenmanschettenläsion
traumatisch oder degenerativ bedingt war. Es entspricht einer medizinischen
Erfahrungstatsache, dass eine Rotatorenmanschettenruptur sowohl traumatische wie
auch degenerative Ursachen haben kann (Alfred M. Debrunner, Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 728; Pschyrembel, Klinisches
Wörterbuch, 267. Auflage Berlin 2017, S. 1576). Dr. H._ geht in ihrer kreisärztlichen
Beurteilung vom 20. Februar 2018 davon aus, dass die Supraspinatussehnenruptur mit
Mitbeteiligung der Infraspinatussehne und der langen Bizessehne des
Beschwerdeführers nichts mit dem Ereignis vom 12. Juli 2017 zu tun habe, sondern
einem degenerativen Vorzustand anzulasten sei (Suva-act. 48; vgl. auch Suva-act. 24,
31 und 62). Der behandelnde Orthopäde Dr. E._ erachtet demgegenüber die
Rotatorenmanschettenläsion rechts als traumatisch bedingt (Suva-act. 10, 44 und 60).
4.1.
Dr. H._ entnimmt unter anderem dem zeitlichen Verlauf nach dem Unfall
betreffend Beschwerden, ärztliche Konsultationen und dem Vorliegen einer
Arbeitsunfähigkeit Erkenntnisse für ihre Kausalitätsbeurteilung (Suva-act. 48 S. 4). Der
Beschwerdeführer begab sich unbestrittenermassen und aktenkundig am 11. August
2017 und damit einen Monat nach dem Unfall vom 12. Juli 2017 erstmals in ärztliche
Behandlung (Suva-act. 20; act. G 1 Ziff. 13). Eine Krankschreibung erfolgte gar erst ab
dem 23. August 2017 (Suva-act. 16). Der Beschwerdeführer schilderte am 18. Januar
2018 seine bis zum 22. August 2017 ausgeübte berufliche Tätigkeit dahingehend, dass
er in der Arbeitsvorbereitung tätig gewesen sei. Von 100% Arbeitspensum sei er etwa
20% im Büro gewesen, die restlichen 80% habe er Baustellen im Raum [...] betreut. Er
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
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sei auch oftmals mit dem Personenwagen mit Anhänger unterwegs gewesen und habe
Materialien auf die Baustellen transportiert (Suva-act. 40 S. 1 unten). Am 11.
September 2017 hatte er gegenüber der Suva erklärt, seine Arbeit beinhalte belastende
Arbeitshaltungen (Suva-act. 8). Angesichts dieser beschriebenen Arbeitstätigkeit kann
nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Angabe des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers, dieser habe nach dem Unfall weiterarbeiten können, da er keine
schweren Arbeiten mehr habe verrichten müssen (act. G 1 Ziff. 12), auf den gesamten
Zeitraum bis zur Krankschreibung ab 23. August 2017 bezieht. Der Beschwerdeführer
übte gemäss seiner Schilderung eine Arbeit aus, bei welcher er oft ein Auto lenken
musste und insbesondere auch die Arme und Schultergelenke beansprucht wurden.
Insofern erscheint es schlüssig und überzeugend, wenn Dr. H._ im Umstand, dass
beim Beschwerdeführer über einen Monat nach dem Trauma vom 12. Juli 2017 keine
Arbeitsunfähigkeit resultierte, einen gewichtigen Anhaltspunkt gegen eine traumatisch
bedingte Rotatorenmanschettenläsion sieht. Daran vermag nichts zu ändern, dass der
Beschwerdeführer diesbezüglich erklärte, er habe nach dem Ereignis vom 12. Juli 2017
durchgebissen und sei daher nicht sofort zum Arzt gegangen. Nach dem Ereignis habe
er in Ruhe keine Schmerzen gehabt, sondern erst beim Heben der Schulter. Er habe
nicht ganz einschätzen können, ob die Schmerzsituation vom Knie oder von der
Schulter ausgegangen sei (Suva-act. 43 S. 1). Ein typisches Symptom einer Läsion der
Supraspinatussehne ist laut medizinischer Literatur die Pseudoparalyse, bei welcher
der Arm nicht mehr aktiv über die Horizontale gehoben werden kann (Debrunner,
a.a.O., S. 728; Pschyrembel, a.a.O., S. 1576). Dass eine solche beim oder zeitnah zum
Unfall aufgetreten wäre, macht der Beschwerdeführer nicht geltend. Der Beschreibung
seines Rechtsvertreters nach hat er beim Unfall zwar sofort einen heftigen Schmerz
verspürt, jedoch unter Schmerzen weiterarbeiten können, da er keine schweren
Arbeiten mehr habe verrichten müssen (act. G 1 Ziff. 12). Neben dem zeitlichen Ablauf
spricht auch die fehlende Schilderung des Unfallereignisses gegenüber der Hausärztin
eher gegen das Vorliegen einer traumatischen Rotatorenmanschettenläsion (vgl. Suva-
act. 20). Soweit der Beschwerdeführer diesbezüglich anführt, er habe Dr. C._ vom
Ereignis vom 12. Juli 2017 erzählt (vgl. Suva-act. 43 S. 1), so erscheint dies zweifelhaft,
ist aber jedenfalls beweislos. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass eine
Hausärztin Angaben ihres Patienten wahrheitsgetreu in dessen Krankengeschichte
festhält und später ausgefüllte Berichte (wie vorliegend das Arztzeugnis UVG vom 22.
Oktober 2017 [Suva-act. 20]; vgl. entsprechendes Vorbringen des Rechtsvertreters in
der Replik [act. G 7 Ziff. 8]) gestützt auf die echtzeitlichen Einträge in der
Krankengeschichte verfasst. Der zeitliche Ablauf des Auftretens und der Entwicklung
der Beschwerden und der Arbeitsunfähigkeit sowie die späte Erstkonsultation der
Ärztin sprechen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dafür,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
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dass sich die Rotatorenmanschettenläsion des Beschwerdeführers unabhängig vom
am 12. Juli 2017 erlittenen Trauma entwickelt hat.
Als Anhaltspunkt für eine degenerative Ursache der Rotatorenmanschettenläsion
des Beschwerdeführers sprechen für Dr. H._ auch die kernspintomografischen
Veränderungen des rechten Schultergelenks. Es liessen sich am 22. August 2017
neben der Komplettruptur der Supra- und einer partiellen Ruptur der
Infraspinatussehne eine Verfettung Grad I und beginnende Hypotrophie beider
Muskeln, eine moderate AC-Gelenksarthrose mit leichtgradiger subakromialer
Einengung sowie eine initiale Omarthrose erheben (Suva-act. 23). Dr. H._ spricht
angesichts der vorgenannten Befundlage in Übereinstimmung mit der medizinischen
Literatur nachvollziehbar von degenerativen Veränderungen des glenohumeralen
Gelenks sowie des AC-Gelenks (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 627 f., 724 f., 728 ff;
Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 1681; Pschyrembel, a.a.O., S.
1576). Es besteht kein Anlass, die Rotatorenmanschettenläsion aus der weiteren
umfassenden Problematik herauszulösen und als unabhängige traumatisch bedingte
Gesundheitsschädigung zu betrachten. Dr. H._ weist ausserdem auf eine
leichtgradige subakromiale Einengung als biomechanische Grundlage einer
Impingementsymptomatik hin. Ein Impingementmechanismus fördert die Schädigung
der Rotatorenmanschette durch Reibung (Debrunner, a.a.O., S. 728; Pschyrembel,
a.a.O., S. 862; <https://www.schulthess-klinik.ch/ de/ schulterchirurgie-und-
ellbogenchirurgie/behandlung/ impingement-syndrom>, <https://gelenk-klinik.de/
schulter/impingement-syndrom-schulter-rotatorenmanschette.html>, beide abgerufen
am 23. März 2020). Die Befunde sind sodann laut Dr. H._ gut vereinbar mit
degenerativen Befunden eines 19_ geborenen Mannes. Eine Degeneration ist ein
fortschreitender Prozess mit mechanischer Abnützung des Bewegungsapparates, in
dessen Folge sich mit zunehmendem Alter Abnutzungserscheinungen zeigen.
Insbesondere die Rotatorenmanschette neigt gemäss medizinischer Literatur zur
Degeneration (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 579 ff., 627 f., 724 f., 728 ff.;
Pschyrembel, a.a.O., S. 1576; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1681). Insofern ist es
nachvollziehbar, dass das Alter des Beschwerdeführers von Dr. H._ in die
Beurteilung miteinbezogen worden ist. Laut Debrunner (a.a.O., S. 728) ist eine
Degeneration mit Rissbildungen der Rotatorenmanschette vorwiegend bei Männern
von etwa 50 Jahren an sogar sehr häufig. Die Einschätzung von Dr. E._, für eine
degenerative Rotatorenmanschettenruptur fehle es an der myxoiden Degeneration
sowie an degenerativen Veränderungen des Humeruskopfhochstandes, wird von Dr.
H._ nicht ignoriert, wie dies der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers geltend
macht (act. G 1 Ziff. 17 i.V.m. Suva-act. 60). Vielmehr misst sie diesen beiden Punkten
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
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bei der Vielzahl an relevanten Kriterien für die Kausalitätsbeurteilung anscheinend nicht
dieselbe Gewichtung bei, wie dies Dr. E._ tut. Dr. H._ verweist diesbezüglich auf
die ausführliche Abhandlung sämtlicher Kriterien in ihrer Beurteilung vom 20. Februar
2018 (vgl. Suva-act. 62 i.V.m. 48). Dass das Fehlen der myxoiden Degeneration oder
von degenerativen Veränderungen des Humeruskopfhochstandes alleine ein Trauma zu
belegen vermöchten, ist auch der medizinischen Literatur nicht zu entnehmen. Vielmehr
postuliert diese die Notwendigkeit der Prüfung sämtlicher Unterscheidungskriterien,
welche für eine Abnützung oder ein Trauma sprechen können (vgl. beispielsweise
Swiss Medical Forum, Ausgabe 2018/1516, Übersichtsartikel, Revidierte
Unterscheidungskriterien, Degenerative oder traumatische Läsionen der
Rotatorenmanschette, zu finden unter https://doi.org/10.4414/smf.2019.03247,
abgerufen am 23. März 2020).
Laut Einschätzung von Dr. H._ wird die Beurteilung, dass eine traumatische
Verletzung zu verneinen sei, auch durch den Unfallhergang bestätigt. Ihr zufolge ist der
Unfallmechanismus mit direktem Anpralltrauma der rechten Schulter kein typischer
Unfallmechanismus, welcher eine Supraspinatus-, Infraspinatus- und
Bizepssehnenläsion bewirken kann (Suva-act. 48 S. 4). Gemäss Schadenmeldung UVG
vom 24. August 2017 hat der Beschwerdeführer seine rechte Schulter verletzt, indem
er beim Ablad einer schweren Palette dagegen gestossen sei, wobei ein Hubwagen
involviert gewesen sei (Suva-act. 1). Telefonisch erklärte er der Beschwerdegegnerin
am 11. September 2017, das Fahrzeug sei ein wenig im Schlamm versunken und die
Palette, welche ca. eine Tonne schwer gewesen sei, sei ins Schlingern gekommen. Er
habe sie stoppen wollen, dabei sei sie gegen seine Schulter gekracht (Suva-act. 9). Dr.
E._ gab die Schilderungen des Beschwerdeführers anlässlich der Erstkonsultation
am 6. September 2017 folgendermassen wieder: "Am 12. Juli 2017 wollte er ein Palett
verschieben, das eine Tonne schwer war. Es kam ihm offensichtlich entgegen mit dem
Rolli. Dieser sank dann im Schlamm ein. Direkte Distorsion/Kontusion dann der rechten
Schulter-/Armregion mit sofortigen Schmerzen" (Suva-act. 10 S. 1). Nach einer
Besprechung mit dem Beschwerdeführer vom 18. Januar 2018 hielt ein
Aussendienstmitarbeiter der Beschwerdegegnerin fest, ersterem habe am 12. Juli 2017
beim Abladen von Platten und Material der Hubwagenbügel (Schlag, Anprall) gegen
seine rechte Schulter geschlagen (Suva-act. 40 S. 2). In der Einsprache vom 4. Mai
2018 und in der Beschwerde vom 22. Juni 2018 lässt der Beschwerdeführer den
Unfallhergang detaillierter beschreiben: Am 12. Juli 2017 habe er von einem tiefen
Autoanhänger eine mit Keramikplatten beladene Holzpalette abgeladen. Er habe den
Anhänger mit einer Rampe versehen und die ca. eine Tonne schwere Palette mit einem
Palettrolli gezogen. Er habe den Haltegriff mit beiden Händen festgehalten und sich mit
4.4.
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seinem Körper gegen den langsam nach unten rollenden Rolli gestemmt. Dieser sei mit
den beiden Vorderrädern im weichen Untergrund stecken geblieben und habe abrupt
gestoppt. Dabei habe es den Haltegriff des Rollis wuchtig nach vorne geschlagen. Er
habe in diesem Moment immer noch mit seinem ganzen Körpergewicht gegen den
Rolli gedrückt, so dass es seine Arme und Schultern, insbesondere rechtsseitig, heftig
nach hinten geschlagen habe (Suva-act. 63 Ziff. 9 und act. G 1 Ziff. 12). Die
Unfallschilderungen gegenüber der Beschwerdegegnerin vom 24. August und 11.
September 2017 und vom 18. Januar 2018 ergeben ein stimmiges Bild im Sinne eines
Anpralltraumas und einer Kontusion. In dieses Bild fügt sich - entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers (act. G 1 Ziff. 21) - auch die Schilderung vom 6. September 2017
gegenüber Dr. E._ ein. Dieser geht von einer direkten Distorsion/Kontusion der
rechten Schulter-/Armregion aus (Suva-act. 10 S. 1), erwähnt jedoch kein
Zurückschlagen des Armes. Die Beschwerdegegnerin wendet zutreffend ein, dass die
erstmalige Geltendmachung des Zurückschlagens des Armes in der Einsprache und
damit nach dem Beizug des Rechtsvertreters und nach erfolgter Leistungseinstellung
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als erstellt betrachtet werden könne (vgl.
dazu Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 5; BGE 121 V 47 E. 2a mit Hinweisen). Den Arthro-
MRI Befunden sind gemäss Dr. H._ damit übereinstimmend keine Hinweise auf eine
unphysiologische Zugbelastung der Supraspinatussehne oder eine erhebliche direkte
Krafteinwirkung zu entnehmen (Suva-act. 48 S. 3). Auch die fehlende Schilderung eines
Unfallereignisses gegenüber der erstbehandelnden Hausärztin spricht gegen einen
dramatischen Unfallhergang (vgl. Suva-act. 20 sowie vorstehend Erwägung 4.2). Im
Übrigen wäre selbst bei Annahme eines Unfallmechanismus, welcher geeignet wäre,
eine Supraspinatus-, Infraspinatus- und Bizepssehnenläsion herbeizuführen,
angesichts der übrigen Kriterien (insbesondere zeitlicher Verlauf bezüglich
Beschwerden und Arbeitsfähigkeit nach dem Unfall, Zeitpunkt des ersten Arztbesuchs,
degenerative Veränderungen des Schulterbereichs) eine traumatische Läsion nicht mit
dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
Folglich erübrigen sich diesbezüglich weitere Beweiserhebungen, wie sie der
Beschwerdeführer beantragen lässt (act. G 1 Ziff. 12). Auch ist der
Beschwerdegegnerin keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorzuwerfen, wie dies
beschwerdeweise beantragt wird (act. G 1 Ziff. 22).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Kreisärztin Dr. H._ in ihren
Beurteilungen vom 21. und 30. November 2017 sowie 20. Februar 2018 (Suva-act. 24,
31 und 48) zum überzeugenden und nachvollziehbaren Schluss gelangte, dass die
retraktile Kapsulitis rechts, die sich beim Beschwerdeführer nach der Operation vom
15. September 2017 entwickelt hat, nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
4.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
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5.
Wahrscheinlichkeit in einem Zusammenhang zum Ereignis vom 12. Juli 2017 steht. Auf
diese Beurteilungen kann abgestellt werden. Hieran vermag der Umstand nichts zu
ändern, dass beim Beschwerdeführer diesem selbst und Dr. E._ zufolge vor dem
Unfall keine Schulterbeschwerden zu verzeichnen waren (Suva-act. 10 S. 1 40 S. 1
sowie 43 S. 1). Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass der Umstand, dass vor
einem Unfall keine entsprechenden Beschwerden geklagt worden sind, für sich allein
nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung keinen Beweis für deren
Unfallkausalität bildet. Der zeitliche Aspekt besitzt keine wissenschaftlich genügende
Erklärungskraft. Andernfalls würde man sich mit dem blossen Anschein des Beweises
bzw. mit der blossen Möglichkeit begnügen und davon ausgehen, dass eine
gesundheitliche Schädigung schon dann durch den Unfall verursacht sei, wenn sie
nach diesem auftrat (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015,
Art. 4 N 69; Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern
1989, S. 460 N 1205 [= Beweisführung nach der Formel "post hoc ergo propter hoc"];
SVR 2009 UV Nr. 13 [8C_590/2007], S. 52 E. 7.2.4 mit weiteren Hinweisen; BGE 119 V
340 ff. E. 2b/bb). Auch Dr. E._s Beurteilung vermag nichts am Beweiswert der
kreisärztlichen Beurteilungen zu ändern. Mangels Auseinandersetzung mit den
vorstehend erläuterten Kriterien (vgl. Erwägungen 4.2 bis 4.4) kommt ein Abstellen auf
die Einschätzung von Dr. E._ nicht in Frage. Hieran vermag der Umstand, dass er
den Beschwerdeführer mehrfach klinisch untersucht und behandelt sowie operiert hat,
nichts zu ändern (act. G 1 Ziff. 23 und act. G 7 Ziff. 7). Auch ist diesbezüglich in der
vorliegenden Konstellation kein Vorteil des Behandlers gegenüber der Kreisärztin zu
sehen. Intraoperative Erkenntnisse bezüglich der Kausalitätsfrage scheint Dr. E._
keine gezogen zu haben (vgl. Operationsbericht in Suva-act. 11). Vielmehr folgt seine
Beurteilung der vorstehend erwähnten Beweisführung nach der Formel "post hoc ergo
propter hoc". Dr. E._ bringt denn auch nichts weiter gegen die Kausalitätsbeurteilung
von Dr. H._ vor, sondern geht fälschlicherweise davon aus, dass der
Unfallversicherer begründen müsse, warum überwiegend wahrscheinlich degenerative
Veränderungen vorliegen würden (Suva-act. 60; vgl. hierzu vorstehend Erwägungen 2.5
und 3). Seinen Berichten sind keine in Auseinandersetzung mit der gesamten Aktenlage
beweisbildenden, stichhaltigen medizinischen Begründungen zu entnehmen, anhand
welcher sich nachvollziehen liesse, aus welchen Gründen der Arzt zu seiner
Schlussfolgerung gelangt ist.
Die Beschwerdegegnerin hat für das Ereignis vom 12. Juli 2017 bis zum 28.
Februar 2018 Versicherungsleistungen erbracht, wobei sie eine vorübergehende
5.1.
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Verschlimmerung eines Vorzustandes im Sinne einer Schulterprellung anerkannte.
Dabei stützte sie sich auf die Beurteilungen von Dr. H._ vom 30. November 2017 und
vom 20. Februar 2018, welche den Status quo sine acht Wochen nach dem
Unfallereignis, also am 6. September 2017, als erreicht erklärte (Suva-act. 31 und 48).
Dass die Schulterverletzung des Beschwerdeführers vor seinem Unfall nicht
symptomatisch bzw. klinisch stumm gewesen ist, ist unbestritten. Das Symptomatisch-
bzw. Aktivwerden eines degenerativen Vorzustandes durch ein Trauma stellt indessen
eine medizinisch anerkannte Erfahrungstatsache dar, welche von der Rechtsprechung
im Rahmen des rechtlichen Instituts der vorübergehenden Verschlimmerung eines
degenerativen Vorzustandes aufgenommen wurde (vgl. dazu Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 54; Urteile des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5.3,
9. Januar 2012, 8C_601/2011, E. 3.2.2, 24. Juni 2008, 8C_326/2008, E. 3.2 und 4, und
25. Oktober 2007, 8C_467/2007, E. 3.1 f.). Von einer vorübergehenden unfallbedingten
Verschlimmerung eines Vorzustandes wird dann gesprochen, wenn Unfallfolgen oder
deren Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des posttraumatischen
Verlaufs nie konkret beschrieben oder radiologisch als strukturelle Verletzung der
Gelenke oder Knochen sichtbar gemacht werden können. In solchen Fällen wird bei
einem geeigneten und adäquaten Ereignis in einer ersten Phase davon ausgegangen,
dass dieses eine schädigende Wirkung auf den Körper habe. Die aufgetretenen oder
ausgelösten Beeinträchtigungen werden, obwohl sie möglicherweise weiterbestehen,
nach einer gewissen Zeit gestützt auf medizinische Erfahrung aber nicht mehr dem
Unfall angelastet. Die Unfallversicherung übernimmt in diesen Fällen nur den durch das
Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, d.h. sie hat bis zum Erreichen des
Status quo sine vel ante Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem
Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Als Beispiel dafür gelten insbesondere
auch Kontusionsfolgen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013,
8C_423/2012, E. 5.3, 9. Januar 2012, 8C_601/2011, E. 3.2.2, und 24. Juni 2008,
8C_326/2008, E. 3.2 und 4; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG]
vom 14. März 2000, U 266/99, E. 1; vgl. auch Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 f.; vgl.
dazu UVG Kommentar-Nabold, a.a.O., N 57 zu Art. 6 UVG).
Es ist eine medizinische Erfahrungstatsache, dass Weichteilverletzungen wie
Kontusionen und Distorsionen normalerweise innert kurzer Zeit abheilen und sich die
damit verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbilden (vgl. Debrunner, a.a.O., S.
412). Diese medizinische Erfahrungstatsache darf im Rahmen des im
Sozialversicherungsrecht zur Anwendung gelangenden Wahrscheinlichkeitsbeweises
berücksichtigt werden (Locher/Gächter, a.a.O., § 70 N 58 f.). Dies hat insbesondere für
den Nachweis des Dahinfallens natürlich kausaler Unfallfolgen zu gelten, bei dem es
5.2.
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6.
Der Beschwerdeführer lässt eine Parteientschädigung für das Einspracheverfahren
beantragen. Für das Einspracheverfahren wird gemäss Art. 52 Abs. 3 ATSG in der
Regel keine Parteientschädigung ausgerichtet. Vorliegend ist keine Ausnahme von
dieser Regel ersichtlich, zumal die sich stellende Frage der Unfallkausalität und die
diesbezügliche Begründung der Beschwerdegegnerin klar aus deren Verfügung vom
20. März 2018 hervorgegangen sind. Damit wäre dem Beschwerdeführer eine
Anfechtung - insbesondere auch unter Berücksichtigung der der Beschwerdegegnerin
zukommenden Untersuchungspflicht - auch ohne anwaltliche Vertretung möglich
gewesen. Es ist weder erkennbar noch vom Beschwerdeführer geltend gemacht
worden, dass das Einspracheverfahren besondere Anforderungen an ihn gestellt oder
besonders komplexe Fragen beinhaltet hätte. Im Übrigen wurde die Einsprache zu
Recht abgewiesen, weshalb auch der Ausgang des Einspracheverfahrens gegen einen
Anspruch auf Parteientschädigung spricht. Nach dem Gesagten besteht kein Anspruch
auf eine Parteientschädigung für das Einspracheverfahren.
7.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 24. Mai 2018 vollumfänglich abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).