Decision ID: 8d3cb1c4-41dd-4b8f-a933-854753374ec2
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1974 geborene
X._ (verheiratet und Mutter von 3
Kindern, geboren 1996, 1998 und 2003) ist gelernte Coiffeuse und arbeitete zuletzt
als Raumpflegerin
in diversen Privat-Haushalten.
Am 22. Augu
st 2013 (Eingangs
datum) meldete
sich die Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle zu
m Leistungsbezug an (Urk. 6/6).
Diese traf medizinische und erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der
Sympany
Krankentaggeldversicherung bei. Am 12. Dezember 2013 erfolgte eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (Abklärungsbericht vom 16. Dezember 2013, Urk. 6/18). Mit Vorbescheid vom 8. April 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aus
sicht (Urk. 6/20), wogegen sie am 11. April respektive 6. Juni respektive 8. Juli 2014 Einwand erhob (Urk. 6/22, Urk. 6/26-
30 und Urk. 6/41-42). Daraufhin
teilt
e die IV-Stelle
X._
mit, dass eine bidisziplinäre medizinische Unter
suchung notwendig sei und diese b
ei
Dr.
med.
Y._
,
Fachärztin
FMH für Innere Medizin speziell
Rheumatologie, und
Dr.
Z._
, F
acharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, erfolgen werde (Urk. 6/58). Nach durch
geführtem Einigungsverfahren (Urk. 6/60 und Urk. 6/63-64) hielt die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom 8. April 2015 an den
mit Schreiben vom 17. März 2015 neu
mitgeteilten Gutachtern -
Dr.
med.
A._,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr. med.
B._
,
Facharzt
FMH für Innere Medizin speziell
Rheumatologie
- fest (Urk. 6/65).
Am 24. August 2015 wurde das bidisziplinäre (psychiatrische und rheumatologische) Gutachten erstattet (Urk. 6/74), wozu sich die Versicherte am 2. Februa
r 2016
ver
nehmen
liess
(Urk. 6/75-77 und Urk. 6/81). In der Folge liess die IV-Stelle
X._
in der Klinik für Neurologie des
C._
neurologisch und neuropsychologisch begutachten (
C._
-Gutachten vom 6. Januar 2017, Urk. 6/105). Mit Eingabe vom 13. März 2017 nahm die Ver
sicherte Stellung zum neurologisch-neuropsychologischen Gutachten vom 6. Januar 2017 (Urk. 6/107). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/110 und Urk. 6/113)
verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Dezember 2017 ei
nen
Leistungsanspruch (Urk. 6/116
).
Die dagegen am 22
.
Januar 2018 erhobene Beschwerde (Urk. 6/119
) wies das hi
esige Gericht mit Urteil IV.2018.00082 vom 26
.
Juni 2018 ab (Urk. 8/187).
1.2
Am 2. November 2020
(Eingangsdatum) meldete sich
X._
erneut z
um Leistungsbezug an (Urk. 6/129
, unter Beilage von Berichten des
D._
vom
14. August und vom 16. Oktober 2020, Urk. 6/127).
Mit Vorbescheid vom
3. Dezember 2020 stellte die IV-Stelle der
Vers
icherten in Aussicht (Urk. 6/133
),
auf
das Leistungsbegehren nicht ein
zutreten, d
a
sie
nicht glaubhaft gemacht habe, dass sich die tatsächlichen Ver
hältnisse seit d
er rechtskräftigen Leistungsabweisung
wesentlich verändert hätten.
Dagegen erhob
X._
am
15. Januar 2021
unter
Nachreichung
diverser
Arztberichte Einwand (Urk. 6/137 und
Urk.
6/139-142
).
Mit Verfügung vom
23. März 2021
trat die IV-Stelle auf das Leistungsbegehren nicht ein (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am
10. Mai 2021 Beschwerde und b
eantragte
, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben
und
die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten,
auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und
das Gesuch materiell zu prüfen
(Urk. 1). Die
Beschwerdegegnerin schloss mit
Beschwerde
antwort vom
30. Juni 2021
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter B
eilage ihrer Akten, Urk. 6/1-149
), was der Beschwerdeführerin am
7. Juli 2021
mitgeteilt wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V
210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021
gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraus
setzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der ver
sicherten Person in einer für den Anspruch erheblich
en Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (
Urteil des Bundes
gerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.4
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss nicht nach dem im
Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit (BGE 138 V 218 E. 6) erstellt sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E. 4.2). Für das Beweismass des Glaubhaft
machens genügt es, dass für das Vorhandensein des behaupteten rechts
erheblichen Sachumstands wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Ab
klärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeits
unfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt per se, um auf einen veränderten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteile des Bundesgerichts 9C_57/2021 vom 8. Juli 2021 E. 4.2 und 8C_367/2020 vom 4. August 2020 E. 5.2.2, je mit Hinweisen). Je länger die letzte materielle Prüfung zurückliegt, umso weniger strenge Anforderungen sind an die Glaubhaftmachung zu stellen (vgl. BGE 109 V 262 E. 3, 109 V 108 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 9C_57/2021 vom 8. Juli 2021 E. 4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der a
ngefochtenen Verfügung (Urk. 2
) fest, mit dem neuen Gesuch sei nicht glaubhaft dargelegt worden, dass sich die tat
sächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten.
Die mit den eingereichten Berichten beschriebenen
Diagnosen
(Fibromyalgie, Angststörung und rezidivierende Depression)
stellten
lediglich eine andere Beurteilung der bereits im Rahmen der früheren Begutachtungen
festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen dar.
2.2
Demgegenüber stellte sich
die
Beschwerdeführer
in
auf den Standpunkt (Urk. 1), durch die eingereichten Arztb
erichte (Urk. 6/127 und Urk. 6/139-142
)
sei eine Verschlechterung
ihres
Gesundheitszustandes
,
insbesondere aus psychiatrischer Sicht
,
glaubhaft gemacht worden. Die Beschwerdegegnerin sei deshalb anzu
weisen,
auf die
Neuanmeldung
einzutreten und
weitere Abklärungen zu tätigen.
2.3
Mit der angefochtenen Verfügun
g vom 23. März 2021 (Urk. 2
)
ist
die Beschwerdegegnerin auf die
Neuanmeldung
vom 2. November 2020
nicht ein
getreten. Prozessthema bildet daher einzig der Nichteintretensentsch
eid. Dabei ist zu prüfen, ob die
Beschwe
rdeführerin bis zum Erlass der angefochtenen Ver
fügung vom 23. März 2021
im Sinne von
Art. 87 Abs. 3 IVV glaubha
ft dargetan hat, dass sich ihr
Gesundheitszustand beziehungsweise Invaliditätsgrad seit Erla
ss der letzten rechtskräftigen leistungsabweisenden Verfügung vom 5. Dezember 2017
,
welche
mit Urteil IV.2018.00082
vom
18. Juni 2018 (Urk. 6/121
) bestätigt wurde,
relevant verschlechtert hat.
3.
3.1
Im
rechtskräftig gewordenen Urteil IV.2018.00082
vom
18. Juni 2018
überprüfte
das Gericht einen Anspruch der Beschwerdeführerin
auf eine Invalidenrente
im Zeitpunkt der damals angefochtenen Verfügung vom
5. Dezember 2017 im Rahmen der damaligen erstmaligen
Anmeldung zum Leistungsbezug
, bei der die IV-Stelle
das Leistungsbegehren -
im Wesentlichen gestützt auf
d
as bidisziplinäre (rheumatologische und psychiatrische) Gutachten von Dr.
A._
und Dr.
B._
vom 24. August 2015 (Urk. 6/74)
und das
neurologisch-neu
ro
psychologischen
C._
-Gutachten
vom 6. Januar 2017 (Urk. 6/105)
–
abgewiesen
hatte.
3.2
Das hiesige Gericht kam im Urteil IV.2018.00082 vom 18. Juni 2018 (Urk. 6/121) zum Schluss, dass
beide Gutachten den erforderlichen Kriterien entsprächen und diesen deshalb grundsätzlich volle Beweiskraft zukomme (vgl. E. 4.1 im Urteil IV.2018.00082).
So verwies das Gericht im
besagten
Urteil IV.2018.00082 auf die Feststellung
d
es
begutachtende
n
Rheumatologen
Dr.
B._
im
bidisziplinären
(rheuma
tologischen und psychiatrischen) Gutachten
(Urk. 6/74)
, dass
bei der Beschwerdeführerin kein
somatischer Gesundheitsschaden, welcher die Arbeits
fähigkeit beeinträchtigt, ausgewiesen
sei
. So bestehe weder klinisch noch radiologisch ein Korrelat, welches das Ausmass und die subjektiv beschriebene Limitierung der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden erklären könne. Da die klinisch-rheumatologische Untersuchung von Diskrepanzen und deutlichen Hinweisen für eine bewusstseinsnahe Schmerzverdeutlichung und Selbstlimitierung begleitet
gewesen sei
,
überzeuge
auch die gutachterliche Schlussfolgerung, dass das geschilderte Beschwerdeausmass rheumatologisch-somatisch nicht nachvollziehbar sei. Sogar der behandelnde Haus
arzt Dr.
E._
h
abe
in seinem Bericht v
om 21. Oktober 2013 (vgl. Urk. 6/15
) fest
gehalten
, dass die Beschwerdeführerin
schmerzbedingt eingeschränkt sei, dass aber keine wesentlichen objektiven Befunde vorlägen. Zudem
habe
auch konventionell-radiologisch und laborchemisch kein Hinweis auf eine Erkrankung aus dem rheumatologischen Formenkr
eis gefunden werden
können
(vgl. Urk. 6/13 S. 1-2
).
Mangels objektivierbarer rheumatologischer Befunde attestierte Dr.
B._
der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeits
fähigkeit in jeder leichten bis zeitweise mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit, so auch in der
angestammten
Teilzeit-Tätigkeit im Reinigungsdienst
(E. 4.2.1)
.
Ebenfalls habe gemäss Urteil IV.2018.00082 Dr.
A._
in seinem psychiatrischen Teilgutachten
(Urk. 6/74)
überzeugend aus
geführt
, dass zwar eine psychische Beeinträchtigung des Wohlbefindens vorliege, dass es sich dabei aber um
keine
eigenständige psychische Erkrankung handle,
und
ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit verbleibe
. So
habe
er mangels Vorliegen von Kardinal
symptomen gemäss ICD-10 eine Depression aus
geschlossen
, was sich aus
der
dar
gelegten Befundlage erg
ebe
. Bei genügend festgestellten Ressourcen (soziale Partizipation und Aktivitäten) und fehlenden emotionalen respektive psycho
sozialen Problemen
habe
gutachterlicherseits
auch
eine somatoforme Schmerz
störung ausgeschlossen
werden
können
. Dabei
seien
auch bei der psychiatrischen Untersuchung Diskrepanzen und eine unkooperative Mitwirkung bei der Exploration auf
gefallen
, weshalb sich eine weitere psychiatrische diagnostische Zuordnung der inhaltlich nicht objektivierbar
en Symptomatik zu Recht erübrig
e
(E.4.2.2)
.
Ferner
sei
gestützt auf die umfassende Untersuchung
i
m neurologisch-neuro
psychologischen
C._
-Gutachten
vom 6. Januar 2017 (Urk. 6/105)
schlüssig fest
gehalten
worden
, dass das asymmetrische
multilokuläre
Schmerzsyndrom keinem neurologischen Krankheitsbild mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugeo
rdnet werden könne
. So
habe
insbesondere eine Nervenwurzelkompression ausgeschlossen werden
können
(vgl. MRI LWS vom 4. Oktober 2014). Auch seien die leicht- bis mittelgradigen degenerativen Veränderungen altersentsprechend und blieben ohne Krankheitswert. Dass die neurokognitive Minderleistung nicht auf einer
Demenzerkrankung beruhe
, sondern vor dem Hintergrund einer eher tiefen Schulbildung (8 Jahre) zu interpretieren
sei
, erschein
e
plausibel, da bisher keine dementiellen Auffälligkeiten festgestellt w
o
rden
seien
. Auffallend s
eien
auch hierbei die festgestellten Inkonsistenzen
(E.4.2.3.)
.
3.3
A
ufgrund der
überzeugenden Feststellungen im
bidisziplinären
(rheuma
tologi
schen und psychiatrischen)
Gutachten von Dr.
A._
und von Dr.
B._
(Urk. 6/74) und dem neurologisch-neuropsychologischen
C._
-Gutacht
en (Urk. 6/105)
S
wurde im Urteil IV.2018.00082
schliesslich
davon aus
gegangen
, dass keine gesundheitlichen Einschränkungen, welche die Arbei
ts
fähigkeit einschränken, vorla
gen. Der Beschwerdeführerin
war
demnach auch ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Raumpflegerin in Privat-Haushalten zu 100 % zumutbar.
4.
4.1
Bei der vorliegenden
Neuanmeldung
lag der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Verfüg
ungserlasses am 23. März 2021
(Urk. 2) Folgendes vor:
4.2
Im Bericht der
F._
Klinik vom 14. Januar 2019 (
Urk. 6/142) wurde als Diagnose ein hochgradiger Verdacht auf Fibromyalgie (Erstdiagnose 27. Februar 2017) mit/bei chronisch generalisierten Schmerzen (insgesamt
widespread
pain
index
13/19, Symptom
severity
scale
score 6/12) und
lumbospondylogenen
Schmerzen (im Rahmen der Fibromyalgie erklärbar, keine radikuläre Sympto
matik)
notiert
.
Zudem
b
eständen folge
nde
n Ne
bendiagnosen:
-
Substituierte Vitamin D-Hypovitaminose
-
Eisenmangel ohne Anämie (Erstdiag
n
ose 27. Februar 2017)
-
Anpassungsstörung mit ängstlich-
depressiven
Symptomen (Erstdiagnose
Dezember 2014, zurzeit auch in psychiatrischer
Behandlung
)
Bei der Beschwerdeführerin zeige sich ein diffuses Schmerzsyndrom, praktisch im ganzen Körper sowie in jeglicher Muskulatur. Die durchgeführte physikalische Untersuchung zeige keine radikuläre
provozierbare
Schmerzsymptomatik, son
dern hauptsächlich einen paravertebralen Schmerzfokus beidseits, welche
r
durch Berührung auslösbar sei. Im Jahr
2017 sei eine
Abklärung Richtung Fibromyalgie durchgeführt worden, bei welcher eindeutig die Diagnose nachweisbar
gewesen sei. Seither sei sie aber nicht in Behandlung für die Fibromyalgie und nun zeige sich eine Schmerzexazerbation. Beim psychisch sehr instabilen Zustand der Beschwerdeführerin stehe aktuell kein wirbelsäulenchirurgischer Eingriff im Vordergrund, sondern es sei empfohlen, die psychiatrische Therapie Richtung chronische Schmerzwahrnehmung und Distanzierung zu ergänzen.
4.3
Im Bericht der Klinik für Rheumatologie des
C._
vom 24. Juni 2019 (Urk. 6/141) zuhanden des behandelnden Hausarztes
Dr.
med.
G._
, Pr
aktischer Arzt, wurden folgende
Diagnosen gestellt:
-
Fibromyalgie (Erstdiagnose Februar 2017) mit/bei chronisch
generalisierten Schmerzen (insgesamt White-
spread
-
pain
-Index 13/19,
Symptom-
Severity
-
Scale
6/12)
-
substituierte Vitamin D3-Hypovitaminose
-
Eisenmange
l
ohne Anämie (E
r
stdiagnose
Februar 2017)
-
differentialdiagnostisch: nutritiv, vermehrte Regelblutung
-
mehrmalige Eisensubstitution durch Hausarzt
-
Anpassungsstörung mit ängstlich-depressiven Symptomen (Erstdiagnose
Dezember 2014)
Nach der letzten ausführlichen Beurteilung
am
C._
vom Februar 2017 sei bei diagnostizierter Fibromyalgie eine ambulante physiotherapeutische Behandlung sowie eine schmerzmodulierende Therapie empfohlen worden.
Insgesamt zeige
sich nach wie vor das Bild einer Fibromyalgie mit vordergründig extrem aus
geprägter Schmerzsymptomatik und psychischer Überlagerung. Die Beschwerde
führerin äussere sich motiviert für weitere Behandlungen inklusive aktivierender Physiotherapie und bekomme offenbar auch Unterstützung von ihrem Ehemann. Bei unzureichendem Ansprechen auf die konsequente ambulante Physiotherapie sei die Möglichkeit einer stationären komplexen Schmerztherapie diskutiert wo
r
den. Es sei diesbezüglich ein Gesuch um
Kostengutsprache
bei der
Krankenkasse eingereicht worden. Zudem stelle sich die Frage nach einer
Aufdosierung
der schmerzdistanzierenden Therapie mit Amitriptylin. Die Ursache der von der Beschwerdeführerin
berichteten Zuckungen blei
be unklar. Bei bekannter möglicher Interaktion zwischen
Amitripylin
und Tramadol mit Entwicklung von Kramp
f
anfällen oder spontane
m
Klonus bis zum Serotoninsyndrom sei von der gleichzeitigen Einnahme abzuraten; entsprechen
d
sei
Zaldiar
zu stoppen und stattdessen die Analgesie mit Dafalgan fortzuführen, zumal sich anamnestisch eine ähnliche Wirkung gezeigt habe. Falls die Zuckungen nach dieser Therapie persistierten, sollte eine neurologische Beurteilung in Erwägung gezogen werden.
4.4
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt in seinem Bericht vom 1. Mai 2020 (Urk. 6/139) zuhanden
Dr.
G._
als psycho
pathologischen Befund fest, dass die wache und allseits orientierte Beschwerde
führerin im Kontakt sehr müde und erschöpft sowie teilweise unruhig wirke. Wegen ihrer Rückenschmerzen bewege sie sich und wechsle Sitzpositionen. Kognitiv wirke sie leicht reduziert. Konzentrationsschwächen seien vorhanden. Sie könne sich an wichtige Daten nicht erinnern. Vor allem das Kurzzeit
gedächtnis sei reduziert. Sie sei gehemmt und das Grübeln sei vorhanden. Sie sei auf Ängste und Schmerzen (Kopf/Rücken/Beine) sowie andere somatische Beschwerden, Schwindel, Sehstörungen, Magendarmproblematik) fixiert. E
s
gebe keine
Anhaltspunkte
für Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Ein affektiver Rapport komme knapp zustande. D
ie V
italgef
ü
hle seien gestört.
Stimmungsm
ässig wirke sie gedrückt, deprimiert, agitiert und niedergeschlagen. Ratlosigkeit und Hoffnungslosigkeit seien vorhanden. Auch
habe
sie Schuld
gefühle gegenüber ihrem Ehemann und ihren Kindern. Der Antrieb sei stark reduziert. Sie wirke müde und
habe ein Morgentief
. Die sozialen Kontakte seien stark reduziert und Vermeidungsverhalten sowie Unsicherheit seien gegeben. Latente suizidale Gedanken im Sinne von
Ruhewünschen (aber keine konkreten Pläne) seien vorhanden.
Freud
losigkeit,
Appetitlosigkeit
, Tagesmüdigkeit, Schwindel mit Gangunsicherheit und chronische S
chmerzproblematik seien gegeben. Sie leide an Ein- und Durchschlafstörungen.
Aufgrund der klinischen Untersuchung, anamnestischen Angaben, de
s
bisherigen Verlauf
s
und der aktuellen Symptomatik sei von einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (mit fluktuierendem Ver
lauf) mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), einer generalisierten Angst
störung (ICD-10: F41.1) sowie einer Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.5) bei einer chronischen Schmerzproblematik (Fibromyalgie) auszugehen. Dabei seien die typischen depressiven Symptome wie gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, fehlende Interessen/Initiative, Rückzug, Verminderung des Antriebs und erhöhte Ermüdbarkeit sowie Schmerzen vorhanden. Damit seien die Kriterien für eine depressive Episode (mindestens mittelgradig ausgeprägt im Rahmen der rezidivierenden Störung) gemäss ICD-10 erfüllt. Die Angstproblematik könne auch im Rahmen der rezidivierenden depressiven Störung interpretiert werden.
E
ine Somatisierungsstörung bei Chronifizierung
der Schmerzproblematik mit anderen somatischen Beschwerden sei auch vorhanden. Aus medizinischer Sicht liege eine psychosomatische Komorbidität vor. Trotz therapeutischen Mass
nahmen hätten die Beschwerden beziehungsweise Einschränkungen nicht beein
flusst werden können. Wegen Erschöpfung, Schmerzen, Depression und Angst seien die Alltagsaktivitäten eher stark eingeschränkt. Ebenso die Arbeitsfähigkeit sowie Tätigkeiten im Haushalt und andere tägliche Aktivitäten seien bei der Beschwerdeführerin mittelgradig bis stark eingeschränkt. Aus medizinischer Sicht sei seit Herbst 2017 und zunehmend seit Anfang 2018 von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen. Aus psychiatrischer Sicht sei seither von einer 50%igen und phasenweise bis 100%igen Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt (auch für eine angepasste Tätigkeit) auszugehen. Die bereits installierte Behandlung solle fortgeführt werden. Allenfalls soll eine stationäre psychosomatische Rehabilitation geprüft werden.
4.5
4.5.1
Im Bericht zur Interdisziplinären Schmerzbehandlung des
D._
vom 14. August 2020 (Urk.
6/127 S. 6 ff.) zuhanden des
Hausarztes
Dr.
G._
wurden folgende Gesamtdiagnosen inter
disziplinär genannt:
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1)
-
Rezidivierende
depressive
Störung
, gegenwärtig
mittelgradige
Episode (ICD-10: F33.1)
-
Klaustrophobie (
O._
am 2. Juli 2013 und Reha-Clinic
P._
am 7. Juli 2013)
-
L
umbospondylo
genes Syndrom beidseits (
C._
am 10. Februar 2014) mit/bei:
-
Dysfunktion des rechten Iliosakralgelenks
-
D
iskusherni
e L4/5 mit Kontakt zu L5 beidseits, diskrete V
eränderu
ngen in beiden ISG (MRI vom 4. Juni 2013)
-
neue links-
recessale
Hernie L5/S1 mit Kontakt zu Wurzel S1 links,
breitbasige
Diskushernie L4/5 zu beiden
Neuroforamina
reichend (MRI vom 7. Oktober 2014)
-
stationäre diskrete Scheuermann-Veränderungen an der unteren
BWS (MRI LWS am 3. Juni 2013)
-
C-förm
ige rechtskonvex skoliotische Fehl
haltung der Wirbelsäule.
Kleine links-
recessale
Hernie LWK5/S1 mit Kontakt zur Wurzel S1 links.
Breitbasige
Diskushernie LWK4/5 nach lateral zu beiden
Neuroforamen
reichend. Mässig enger Spinalkanal auf diesem Niveau. Vergleichend zum Vorbefund dürfte die Hernie LWK5/S1 neu sein, die Alteration im Segment LWK4/5 bereits vorbeschrieben. Aktuell: Verdacht auf Beschwerden im Rahmen neu aufgetretener Nervenkompression L4 (MRI LWS nativ vom 6. November 201
4.
-
Zervikocephales Syndrom mit/bei leichten degenerativen Veränderungen der HWS mit flachen
Diskusprotrusionen
C5/6 und C6/7 (MRI HWS mit Kontrastmittel vom 7. Oktober 2019)
-
E
p
ikondyl
o
pathia
humeria
radi
al
is
links (27. Juni 2014
)
differential
diagno
stisch:
Epicondylitis
humeri
radialis
-
Fibromyalgie (Erstdiagnose Februar 2017, ICD-10: M79.70) bei
-
chronisch
generalisierten Schmerzen, insg
esamt White-
spread
-
pain
-Index 13/19, Symptom-
severity
-
Scale
6/12 (
C._
vom 2. Juni 2019)
-
Muskelschmerzen vor allem an beiden Oberschenkeln entsprechend
Segmente
L4 und
Livdeo
reticularis
rechts
-
HLA B
27 ne
gativ
-
Substituierte Vitamin D3-Hypovitaminose (
C._
vom 2. Juni 2019)
-
Eisenmangel ohne Anämie (Erstdiagnose 27. Februar 2017,
C._
vom 21. Juni 2019)
-
differentialdiagnostisch: nutritiv, vermehrte Regelblutung
-
mehrmalige Eisensubstitutionen durch Hausarzt
In der interdisziplinären Beurteilung hielten die Ärzte des
D._
somatisch aus orthopädisch-chirurgischer Sicht fest, dass bei der Beschwerdeführerin alters
entsprechende Verhältnisse im Bereich der HWS beständen. Auffallend seien die Gefühlsstörungen mit auch Brennen im Knie links mehr als rechts, die durch eine Polyneuropathie bedingt sein könnten. Im Bereich der LWS gäbe es keine ein
deutig klare
Pathologie
.
Aufgrund der multiplen
Insertionstendinosen
und der zervikalen B
a
ndscheibenprotrusionen könne aus orthopädischer Sicht nur eine leichte Arbeit zugemutet werden.
Die tolerierte Gehstrecke solle mindestens ein
mal
täglich
gelaufen werden, um eine weitere Dekonditionierung zu vermeiden.
Aus wirbelsäulen-orthopädischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht beurteilbar.
Aus
neurologischer Sicht bestehe ein chronisches (therapierefraktäres) Schmerzsyndrom (chr
o
nische
Ra
dikulopathie L5/S1 links, Schweres FMS, Spannungskopfschmerzen). Es werde eine konservative S
chmerztherap
ie fort
gesetzt.
Aus neurologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeits
unfähig.
Psychosomatisch leide die
Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht
seit 2003 an Ganzkörperschmerzen, 2013 habe sie die
Diagnose
eines
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms erhalten und seit 2017 stehe die Diagnose
Fibromyalgie
im Raum. Infolge der chronischen Schmerzen habe die Beschwerdeführerin eine depressive Symptomatik mittelgradigen Ausmasses ent
wickelt, ebenso wie auch eine generalisierte Angststörung, die ihre Funktions
fähigkeit im
Alltag
fast
vollständig
einschränke.
Mehrfache
rehabilitative, stationäre und
ambulante
Behandlungen hätten zu keiner Verbesserung der chronischen Schmerzen geführt, wobei es seit zwei Jahren zu einer Zunahme der Schmerzen,
insbesondere
am Ellbogen und in den Beinen, gekommen sei. Vor diesem Hintergrund sei die Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht
sowohl in angestammter wie auch in leidensangepasster Tätigkeit zu 100 % arbeits
unfähig.
Die Konsens-Beurteilung aus somatischer und psychiatrischer Sicht ergebe, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Die Schilderungen der Beschwerdeführerin seien objektiv und es gäbe keine Hinweise auf Aggravation oder Simulation.
4.5.2
Mit Schreiben vom 16. Oktober 2020 berichteten die Ärzte des
D._
(Urk. 6/127 S. 1-5) zuhanden der Beschwerdegegnerin über eine Verschlechterung des Zu
standes der Beschwerdeführerin unter Verweis auf den Bericht der inter
disziplinären Schmerzbehandlung vom 14. August 2020 (vgl.
z
uvor E. 4.5.1). Seit Dezember 2017 habe sich der Zustand der Beschwerdeführerin verschlechtert,
s
o sei 2017 erstmals eine Verdachtsdiagnose Fibromyalgie geäussert worden, welche vom
C._
2019 nun
b
estätigt worden sei. Seit 2017 komme es zudem zu Zittern an Händen, Hals und Thorax. Psychiatrisch sei es zu einer Verstärkung der Angst
zustände gekommen. Ab 2014 sei eine Anpassungsstörung diagnostiziert worden. 2019 sei vom
D._
erstmals eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) so
wie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, (ICD-10: F33.
1) mit symptomatischen Dereali
sationen ab 2020 sowie somatisch eine chronische Radikulopathie L5/S1 links, ein HWS-Syndrom sowie ein schweres FMS diagnostiziert worden. Auch im Haushalt sei es zu Veränderungen
gekommen
, so könne sie nach 2017 kaum mehr den W
ä
schekorb tragen, Boden aufwischen, da dies zu verstärkten LWS-Schmerzen, Beinschmerzen und Schulterschmerzen führe. Psychiatrisch leide sie nun deutlich an Ä
ngsten, alle
ine
z
uhause zu bleiben. Neu
seien Derealisationen im Zusammenhang mit Gedanken
kreisen ums Alleinsein und das Leben nicht mehr bewältigen. Dazu sei es zu einer deutlichen Zunahme der Schmerzen sowie der Morgensteifigkeit gekommen; so
brauche
die
Beschwerdeführerin
heute
über
2-3 Stunden
, bis sie sich wieder einigermassen bewegen könne.
Vorbestehend bereits vor 2017 habe die Beschwerdeführerin seit 2003 an Ganzkörperschmerzen (Rücken, Kopf und Gelenke) zu leiden. Seit Mitte Februar 2020 habe sie starke Schmerzen im rechten Bein. Seit Mitte März 2020 hätte
n sich
die Rückenschmerzen sehr verstärkt. Besonders am Morgen seien die Schmerzen sehr stark. Dazu
kämen
Muskel
verspannungen, Schlafstörungen (Einschlafen ohne Tabletten nicht mehr möglich), erhöhte Reizbarkeit
, Schreckha
ftigkeit, Ruhelosigkeit, Angstzustände, Nervosität, Gedankenkreisen (selbstabwertende Gedanken), Morgentief, Schwin
del. Darüber
hinaus leide sie an
depressiven Verstimmungen, Morgentief, Neigung zum Weinen, Selbstvertrauensverlust, Selbstvorwürfe, Interessenverlust, Bewegungsbehinderungen (allgemeine Schwäche in den Beinen), Hand-, Bein- und
K
opfzittern, Zuckungen - oft abends vor dem Einschlafen (unwillkürliche, abrupt einsetzende Bewegungen). Sie sei ständig müde, erschöpft und kraftlos. Die Ängste bezögen sich auf die Sorge wegen Krankheiten, Angst, alleine
z
uhause zu bleiben, Schreckhaftigkeit.
S
ie gehe wegen de
r
Ängste selten alleine aus dem Haus und könne nicht me
h
r alleine ÖV fahren und könne nicht
m
ehr alleine spazieren (mit Ausnahme zur Tankstelle in 5 Gehminuten). Sie habe A
ngst, in d
en Keller zu gehen
,
und dauernde Angst, jemand würde ihr Schaden zufügen. 2020 seien somit als neue Diagnosen
eine
generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1),
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1) und eine Klaustrophobie
dazugenommen
. Gestützt darauf sei die Beschwerdeführerin sowohl in angestammter wie auch in leidensangepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig.
4.6
4.6.1
Dr.
med.
I._
,
Allgemeinmedizin, zertifizierte medizinische
Gutachter
in
SIM und Vertrauens
ä
rzt
in
SGV, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) nahm am 19. November 2020 Stellung
(Urk. 6/132 S. 2 f.)
zu den Berichten des
D._
vom 14. August 2020 (vgl. E. 4.5.1) und vom 16. Oktober 2020 (vgl. E. 4.5.2) und führte aus, dass sie aus versicherungsmedizinischer Sicht empfehle
, dass
keine anhand objektiver Befund
e
/funktioneller Einschränkungen begründbare Ver
schlechterung des gesamthaften Gesundheitszustandes anzunehmen sei
. So lägen somatisch im Vergleich zu den bereits gewürdigten Vorbefunden keine neuen objektiven Befunde vor, die eine verstärkte subjektive Schmerzsymptomatik erklären könnten. Psychiatrisch werde die Angststörung als neue Einschränkung thematisiert, zu der
aber bereits in den vorliegenden Gutachten Stellung genommen worden sei. Eine depressive Störung - jetzt als rezidivierend beschrieben - sei bisher nicht diagnostiziert worden.
4.6.2
Nachdem im
Einwandverfahren
die weiteren Arztberichte (Urk. 6/139-142, vgl. zuvor E. 4.2-4) eingereicht wurden,
hielt
RAD-Arzt pract. med.
J._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, in seiner Stellungnahme vom 1. März 2021 fest, dass sich auch mit den neu eingereichten Befunden aus versicherungs
medizinischer Sicht keine neuen medizinischen Fakten/Tatsachen ergäben. Die im Arztbericht von
Dr.
H._
beschriebenen kognitiven Einschränkungen und die Konzentrationsschwäche seien bereits im Rahmen der neuropsychologischen Begutachtung festgestellt und entsprechend in der Beurteilung der Arbeits
fähigkeit be
rücksichtigt worden. Auch die Segmen
tdegeneration auf Höhe L4/5 und Höhe L5/S1 sei bereits zum Zeitpunkt der Begutachtung bekannt gewesen, welche im Rahmen der neurologischen Untersuchung vom 7.
April
2020 als elektromyografischer Hinweis für eine chronische Wurzelschädigung L5 und S1 links zur Darstellung komme. Das
C._
beschreibe im Bericht vom 24. Juni 2019 weiterhin das Bild einer Fibromyalgie. A
uch diese Beschwerdesymptomatik habe
bereits bestanden
(
Urk.
6/145)
.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin erliess ihren Nichteintretensentsche
id gestützt auf die Beurteilungen ihrer RAD-Ärzte vom 19. November 2020 (vgl. E. 4.6.1) und vom 1. März 2021 (vgl. E. 4.6.2)
. In
ihren
Stellungnahme
n
schlussfolgerten
diese Ärzte
, dass
mit den neu eingereichten Berichten
weder in somatischer noch in psychiatrischer
Hinsicht
neue medizinische
Tatsachen
vorlägen
, die nicht bereits in den früheren Gutachten berücksichtigt worden sei
e
n.
Entsprechend ergäbe sich keine begründbare Verschlechterung des gesamthaften Gesundheitszustandes.
5.2
Die Beschwerdeführerin
anerkennt, dass die diagnostische Zuordnung der so
matischen Störungen weitgehend unverändert geblieben sei (vgl. Urk. 1 S. 7), wenn auch die damals
erst
vermutete
und nun bestätigte
Fibromyalgie
mit ver
stärkten Schmerzen
wohl
auch
und zwar nachvollziehbarerweise
zur Entwicklung einer depressiven Störung geführt habe.
Es steht unbestrittenermassen fest, dass im psychiatrischen Gutachten von
Dr.
B._
vom 24. August 2015 (Urk. 6/74) eine psychische Erkrankung mit E
influ
ss auf die Arbeitsfähigkeit
zum damaligen Zeitpunkt
verneint wurde.
Dies bestätigt auch RAD-Ärztin
Dr.
I._
, indem sie in ihrer Stellungnahme ausführte, dass eine - als rezidivierend beschriebene - depressive Störung bisher nicht diagnostiziert worden sei (vgl. E. 4.6.1).
Eine allenfalls zuvor bestehende - von den Behandlern diagnostizierte - (ängstlich-
depressive) Anpassungsstörung konnte
gutachterlicherseits
psychopathologisch
damals aber
nicht mehr
festgestellt
werden.
Um eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen, genügt nur eine andere diagnostische Einordnung
nicht
, sondern die veränderte Befundlage ist massgebend (vgl. E. 1.4).
Die Befundlage ergibt sich aus dem Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
H._
vom 1. Mai 2020 (vgl. E. 4.4), der bei der Beschwerdeführerin die
typischen depressiven Symptome wie gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, fehlende Interessen/Initiative, Rückzug, Verminderung des Antriebs und erhöhte Ermüdbarkeit sowie Schmerzen
beschreibt und somit
neu
eine
mindestens mittelgradig ausgeprägt
rezidivierende Störung diagnostiziert. Dies deckt sich mit
der
psychiatrischen
Einschätzung der
Fachperson des
D._
, welche
im Wesentlichen dieselbe
n
depressive
n
Klagen
aus
führlich schilderte
(vgl. E. 4.5)
. Auch wenn gemäss Dr
.
H._
die ebenfalls diagnostizierte
Angstproblematik auch im Rahmen der rezidivierenden depressiven Störung interpretiert werden
könne, ist bei der neu diagnostizierten Depression das Vorhandensein eines veränderten Gesundheitszustandes ohne
Weiteres
glaubhaft gemacht
, wobei eine solche depressive Entwicklung im Rahmen einer Somatisierungsstörung nachvollziehbar erscheint
. Entgegen der Auffassung der Beschwerdege
g
nerin
(Urk. 5)
handelt es sich bei den neuen nach
vollziehbar dargelegten Befunden samt Diagnosen
n
icht
bloss
um eine andere Beurteilung
derselben gesundheitlichen Beeinträchtigung
. Ob und in welchem Ausmass sich dieses
psychische
Leiden auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin auswirkt,
wird sich im Rahmen einer materiellen Prüfung zeigen.
Die Beschwerdegegnerin hätte daher auf die
Neuanmeldung
eintreten müssen.
5.3
Folglich ist die Beschwerdegegnerin auf die
Neuanmeldung
zu Unrecht nicht ein
getreten, weshalb in Gutheissung der Beschwerde die Verfügung vom
23. März 2021
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten ist, über die
Neu
anmeldung
materiell zu befinden.
6.
6.1
Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- und Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorl
iegend sind die Kosten auf Fr. 6
00.-- anzusetzen und aus
gangsgemäss der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei aufzuerlegen.
6.2
Gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversi
cherungsgericht (GSVGer) ist der
Beschwerdeführer
in
eine
Prozessentschädigung zuzusprechen, wobei ein Betrag von
Fr. 1‘9
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen erscheint.