Decision ID: 93c219ee-ee06-4d49-94ac-94c7fd9dc66a
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, arbeitete zuletzt seit 1990 als
Mitarbei
terin
in der
Telefonzentrale
des
Z._
in einem
Teil
zeitpensum
(vgl.
Urk.
8/14)
, als sie sich am 24. April 2012 unter Hinweis auf psychische Verhaltensauffälligkeiten mit Kontrollverlust bei der
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug anmeldete (
Urk.
8/2
Ziff.
6.2)
. Die IV-Stelle holte daraufhin einen Auszug aus dem indivi
duellen Konto (
Urk.
8/10), einen Arztbericht (
Urk.
8/13/6-10) sowie einen
Ar
beitgeberbericht
(
Urk.
8/14)
ein. Am 13. August 201
2
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % während eines Jahres vorliege und
sie
die Anspruchsvoraussetzungen für die
Zusprache
einer Rente nach Ablauf des Wartejahres
(April 2013)
prüf
en werde
(vgl.
Urk.
8/15).
Im Januar 2013 holte die IV-Stelle einen aktuellen Bericht des
behandelnden Psychiaters
der Versicherten
ein (datier
end
vom 23. Februar 2013; vgl.
Urk.
8/17/6-9).
Es folgte eine psychiatrische Begutachtung der Versicherten am 20. Juni 2013 (Expertise vom 28. Juni 2013;
Urk.
8/21).
Mit Vorbescheid vom
9. August 2013 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/28).
Daraufhin erhob die Versicherte unter Beilage eines
aktu
ellen
Berichtes ihres behandelnden Psychiaters vom 18. Oktober 2013 Einwände (
Urk.
8/40-41). Nach Prüfung dieser Vorbringen, in deren Folge eine Ergänzung zum Gutachten vom 27. Januar 2014 (
Urk.
8/43) eingeholt und der Versicherten das rechtliche Gehör gewährt w
orden war
(
Urk.
8/45), entschied die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. März 2015 im ablehnenden Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 7. April 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, es sei die Verfügung vom 6. März 2015 aufzuheben und ihr eine Rente zuzusprechen. Eventualiter seien Integrationsmass
nahmen anzuordnen. Sub
eventualiter sei vom Gericht ein psychiatrische
s
Gutachten anzuordnen (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 21. Mai 2014 (
Urk.
7) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 2
2.
Mai 2014 (
Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Zuschrift vom 21. Januar 2015 (
Urk.
10) reichte die Beschwerdeführerin das Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung vom 7. Januar 2015 (
Urk.
11) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfah
ren
sind grund
sätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beur
teilen, zu denen die zuständige Verwaltungs
behörde vorgän
gig verbindlich - in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
- Stellung genom
men hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
beschwerdewei
se
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer
Sach
urteilsvoraussetzung
, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
er
gangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Soweit die Beschwerdeführerin beantragte, es seien Integrationsmassnahmen anzuordnen (
Urk.
1
Ziff.
2), ist festzuhalten, dass die vorliegend angefochtene Verfügung vom 6. März 2014 (
Urk.
2) einzig den Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
prüft
. Über den Anspruch auf Integrationsmassnahmen hat die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung nicht befunden. Damit ist diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung vom
6. März 2014 (
Urk.
2) davon aus,
dass die Beschwerdeführerin seit längerer Zeit in sämtlichen Tätig
keiten zu 30 % in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, weshalb die Wartezeit gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG nicht erfüllt sei und keine andauernde,
renten
begründe
nde
Erwerbsunfähigkeit vorliege (S. 1).
Dabei stellte sie im Wesentli
chen auf das
eingeholte psychiatrische
Gutachten ab.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber
- unter Hinweis auf
die Be
richte ihres behandelnden Psychiaters und dessen
Stellungnahme
zu
r
Expertise
- auf den Standpunkt,
auf
das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutach
ten
könne
nicht abgestellt werden
. Vielmehr bestehe eine vollumfängliche Ar
beitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
(
Urk.
1
S.
8 f.
)
.
3.
3.1
Der behandelnde
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, nannte im Bericht vom 4. Juli 2012 (
Urk.
8/13/6-10) zuhanden der Beschwerdegegnerin eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (abhängige und
histrionische
Anteile, F61.0
;
Ziff.
1.1
) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
.
Er führte aus, die Beschwerdeführerin sei in ausgeglichener Stimmungslage und der affektive Kontakt bleibe mässig. Insgesamt wirke sie etwas unbeteiligt und gleichgültig.
Die Beschwerdeführerin
berichte knapp über
aktuelle Dinge und habe neben unrealistischen Vorstellungen betreffend
die
Zu
kunft oft pessimistisch-resignierende Äusserungen
gemacht
, über die aber ebenso wenig weiterführende und klärende Gespräche möglich seien, wie über eigene Gefühle oder eigenes Verhalten (
Ziff.
1.4).
Dr.
A._
befand die Beschwerdeführerin
als Telefonistin
seit dem 3. April 2012 als zu 100 % ar
beitsunfähig (
Ziff.
1.6).
Bei unveränderter Diagnosestellung und Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit führte
Dr.
A._
am 23. Februar 2013 zuhanden der
Beschwerdegegne
rin
aus, dass sich der Zustand der Beschwerdeführerin seit seinem Bericht vom 4. Juli 2012 nicht verändert habe (
Urk.
8/17/6-9; vgl.
Ziff.
1.4).
3.2
Am 20. Juni 2013 wurde die Beschwerdeführerin durch
Dr.
med.
B._
, Spezial
arzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, psychiatrisch untersucht.
In der entsprechenden Expertise vom 28. Juni 2013 (
Urk.
8/21) diagnostizierte der Gutachter eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen,
histrio
nisch-impulsiven
, emotional verschlossenen-distanzierten Anteilen (F61.0; S. 8).
Er führte aus, die objektivierbaren psychopathologischen Befunde seien anläss
lich der Untersuchung gering ausgeprägt gewesen. In der Interaktion wirke die Beschwerdeführerin „hölzern“ (emotional verschlossen/distanziert). Ihre Stimme klinge auffallend hell und leicht monoton. Die Beschwerdeführerin formuliere ihre Angaben einfach und wiederhole häufig einzelne Wörter. Die Intelligenz wirke knapp durchschnittlich
.
Im Affekt sei sie angespannt, unsicher und be
drückt. Ein depressives Syndrom könne mit Hilfe der MADRS nicht erkannt werden
(S. 9 f.)
.
Aufgrund der aktuellen Untersuchung, der vorliegenden Akten und der Angaben der Beschwerdeführerin gehe er von einer leicht ausgeprägten Persönlichkeitsstörung aus. Dabei seien abhängige,
histrionisch
-impulsive, emotional verschlossen-distanzierte Anteile zu erkennen (S.
10
). Seiner Ein
schätzung nach habe die leicht ausgeprägte Persönlichkeitsstörung einen rele
vanten (krankheitsbedingten) Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit von 30 % Min
derung (von 100 %) auf dem 1. ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
Dabei stünden Defizite bei der Anpassung an Regeln, der Flexibilität/Umstellungsfähigkeit, der Kontaktfähigkeit zu Dritten (hier insbesondere die Kommunikationskompetenz) und der Gruppenfähigkeit im Vordergrund. Medizinisch-theoretisch sei die Prognose einer Persönlichkeitsstörung aber – oft auch trotz allfällig langjähri
ger psychiatrisch-psychotherapeutischer Therapie – chronisch stabil. Von dieser Einschätzung könne ab Ende der Schulzeit ausgegangen werden
. Die (gemäss beruflichem Werdegang bekannte) tatsächliche Leistungsfähigkeit über 70 % (von 100 %) hinaus erkläre sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch
ein jeweils aussergewöhnlich tolerantes Arbeitsumfeld beziehungsweise vermin
derte Leistungsansprüche
(S.
10 f.
)
.
3.3
Am 18. Oktober 2013 (
Urk.
8/40) nahm der behandelnde
Dr.
A._
Stel
lung zur psychiatrischen Expertise vom 28. Juni 2013 und führte aus, der Gut
achter habe
weder mit ihm noch mit dem früheren Arbeitgeber oder den Ge
schwistern der Beschwerdeführerin Kontakt aufgenommen, weshalb
fremd
anamnestische
Angaben
fehlen
würden
. Er vermisse eine differenzierte Würdi
gung einzelner Fakten, wie beispielsweise frühere Schwierigkeiten in der Schule und Beruf, in Beziehungen zum anderen Geschlecht oder im Umfang mit Geld (S. 1 f.). Seiner Ansicht nach seien die Störungen derart ausgeprägt, dass von einer mittel ausgeprägten Persönlichkeitsstörung auszugehen sei
(S. 2).
Weiter führte er aus, dass die vom Gutachter angenommene Arbeitsfähigkeit von 70 % auf das tatsächliche Arbeitspensum der letzten Jahre von 70 % bezogen werden müsse, was eine tatsächliche Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf von 49 %
(70 % von 70 %) ergebe, bestehend seit vielen Jahren.
Aufgrund der sozialen Defi
zite und der fehlenden Lernfähigkeit der Beschwerdeführerin sei seiner Ansicht nach keine Tätigkeit am Telefon oder ähnlichem möglich. Denkbar wären einfa
chere administrative Arbeiten, Büroarbeiten etc. (S.
2 f.
).
3.4
Mit Ergänzung zum Gutachten vom
28. Juni 2013
führte
Dr.
B._
am
27. Januar 2014 (
Urk.
8/43)
zusammenfassend
aus,
dass der behandelnde Psychiater keine neuen tatsächlichen objektiven psychopathologischen Befunde nenne, die nicht bereits am 28. Juni 2013 bekannt gewesen seien und
er
der Beschreibung der Defizite
sowie
der diagnostischen Einordnung gemäss Gutachten vom 28. Juni 2013 zustimme. Er halte aber die Ausprägung des Gesundheitsschadens für mittelschwer (statt leicht) und nehme eine Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf von 51 % (statt 30 %) an, welche Einschätzung als sehr wohlwollend im Zusammenhang mit einem engagierten therapeutischen Arbeitsbündnis vor dem Hintergrund eines bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell
s
verstanden werden könne. Zum Einfluss krankheitsfremder Faktoren nehme der behandelnde Psy
chiater nicht Stellung (S. 3).
Abschliessend
hielt
Dr.
B._
fest, dass die Vor
bringen keine
Ä
nderung der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bewirken würden (S. 4).
4.
4.1
Vorwegzuschicken ist, dass das Gutachten
des
Dr.
B._
vom 28. Juni 2013
(
Urk.
8/21)
vollumfänglich
den
praxisgemässen Anforderungen an den
Beweis
wert
einer Expertise entspricht. Das Gutachten
ist für die
strittigen
Belange
umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht.
Weiter beruht es auf den notwendigen Untersuchungen und berücksichtigt die geklagten Beschwerden. Der Gutachter schilderte hierzu
ausführlich die anam
nestischen A
ngaben der Beschwerdeführerin (t
rotz Schwierigkeiten in der Schule und Lehre erfolgreicher Handelsschulabschluss,
Weiterbildung zur Tele
fonistin, Schwangerschaftsabbruch,
Partnerschaften
, Umgang
der Beschwerde
führerin
mit Geld und Errichtung einer Beistandschaft
; S. 3 ff.)
.
Auch schilderte er den aktuellen Tagesablauf der Beschwerdeführerin
(S. 6)
.
Das Gutachten wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben (S. 6) und leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. So schilderte
Dr.
B._
detailliert seine Befunderhebung mit einer gepflegten, im Antrieb und der Psychomotorik (inkl. Mimik und Gestik) unauffälligen Beschwerdefüh
rerin
,
die
freundlich und kooperativ gewesen sei, in der Interaktion aber „höl
zern“ (emotional verschlossen/distanziert) gewirkt und in auffallend heller, leicht monotoner Stimme berichtet
habe.
Die Beschwerdeführerin sei im Be
wusstsein wach, zu allen Qualitäten orientiert und im formalen Denken logisch sowie kohärent gewesen. Sie habe aktiv, sehr flüssig bis weitschweifig, differen
ziert und gut strukturiert berichtet, wobei
ihre
Formulierung einfach gewesen sei und sie einzelne Wörter
häufig
wiederholt habe. Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen (Wahn, Zwang) bestünden keine
. Die Intelligenz wirke nur knapp durchschnittlich.
Ihre
Auffassung, Merkfähigkeit und Konzentration seien unauffällig
; ihr
Gedächtnis sei intakt. Hinweise auf Wahrnehmungs- und/oder Ich-Störungen liessen sich keine finden. Die Beschwerdeführerin sei im Affekt ausgeglichen, ernst, unsicher, angespannt und bedrückt, dabei gut moduliert
gewesen; ein
affektiver Rapport sei
aber
nur mässig zustande ge
kommen. Von Suizidalität habe
sie
sich distanziert (S. 7).
Gestützt auf seinen psychopathologischen Befund und
das Resultat
eines
Fremdbeurteilungsverfah
rens
zur psychometrischen Beurteilung depressiver
Symptome
(MADRS;
Urk.
8/21/15-17) konnte
Dr.
B._
kein depressives Syndrom objektivieren
. Er
diagnostizierte eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen,
histri
onisch-impulsiven
,
emotional verschlossenen-distanzierten Anteilen (
Urk.
8/21 S. 8
),
welche
Störung
er
als leicht ausgeprägt
und
mit
eine
m
relevanten (
krank
heitsbedingten
) Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit von 30 % Minderung (von
100 %)
auf dem 1.
a
usgeglichenen Arbeitsmarkt
einstufte
(S. 10
f.
).
Er befand, dass hierfür Defizite bei der Anpassung an Regeln, der Flexibili
tät/Umstellungsfähigkeit, der Kontaktfähigkeit zu Dritten (insbesondere
Kom
munikationskompetenz
) sowie der Gruppenfähigkeit im Vordergrund stünden
.
Von seiner Einschätzung könne ab Ende der Schulzeit ausgegangen werden
(S. 12)
.
Die gutachterliche Einschätzung
erscheint
mit Blick
auf den Lebenslauf der Be
schwerdeführerin und der
Tatsache, dass
ihr
gerade auch wegen ungenügender Sozial- und Persönlichkeitskompetenz
im April 2012
gekündigt wurde (vgl.
Urk.
8/1)
,
als plausibel
.
Die Schlussfolgerungen des Gutachters sind nachvoll
ziehbar und schlüssig.
Auch
nahm
er in
seiner
Expertise Stellung zur divergie
renden Einschätzung des behandelnden Psychiaters
, welcher eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin
postulierte
,
und hielt
in nachvoll
ziehbarer
W
eise
dafür, dass
solches
medizinisch-theoretisch kaum begründbar sei
: Mit der Beurteilung einer „Arbeitsunfähigkeit bezogen auf die bisherige Tä
tigkeit von 100 %“ müsste es sich um eine absolut motorische, intellektuelle und/oder emotionale Leistungsunfähigkeit der Beschwerdeführerin handeln
(S. 11).
4.2
Der behandelnde
Dr.
A._
nahm
mit
der Diagnose
einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung (abhängige und
histrionische
Anteile, F61.0)
, welche er gemäss Stellungnahme zum Gutachten als mittel ausgeprägt einordnete (vgl.
E. 3.
3
hievor
),
eine seit dem 3. April 2012 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in bisheriger Tätigkeit an (vgl.
E. 3.1)
.
Eine Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit
nahm
er keine vor, erwähnt
e
aber
am 18. Oktober 201
3
, dass einfachere admi
nistrative Arbeiten, Büroarbeiten etc.
denkbar wären (vgl. E. 3.
3
hievor
).
Festzu
halten
ist, dass
Dr.
A._
der diagnostischen Einordnung des Gut
achters zustimmte,
die
Ausprägung der Störung
jedoch als
schwerer gewichtet
e
. Weshalb er
entgegen
Dr.
B._
die Störung nicht als leicht, sondern als mit
tel
schwer
einordnete, begründete er mit
dem
Verlauf der Schulzeit
der Be
schwerdeführerin
,
ihres
Beruf
e
s, d
en
partnerschaftlichen Beziehungen,
ihrem
sozialen Beziehungsnetz sowie der Notwendigkeit von psychiatrisch-psycho
thera
peutischen Therapien seit Jahren
. Damit legte er
lediglich pauschale und
keine
konkreten
Gesichtspunkte zur Begründung
seiner abweichenden
Gewich
tung der Persönlichkeitsstörung
dar
.
Weiter fällt auf, dass
Dr.
A._
im Wesentlichen d
ie
von
Dr.
B._
beschriebenen
objektivierbaren
Defizite
der Beschwerdeführerin
bestätigte
und
lediglich
ergänzte, dass
ihre
Introspektions
fähigkeit
ebenfalls eingeschränkt und sie nur sehr ungenügend in der Lage sei, eigene Anteile zu reflektieren, weshalb sie bei Konflikten und Auseinanderset
zung die Schuld beim Gegenüber suche
(
Urk.
8/40 S. 2)
.
Aus welchen objektiven Gründen
es im April 2012 zur vollständigen Arbeitsunfähigkeit gekommen sein
beziehungsweise diese seit April 2012 bestehen soll
,
wo die Beschwerdeführerin doch zuvor noch über Jahrzehnte mindestens in einem Pensum von 70 % er
werbstätig gewesen war, kann seinen Ausführungen nicht entnommen
.
Konkret nannte
Dr.
A._
lediglich ein Defizit der Beschwerdeführerin im Um
gang mit Kunden, Nichteinhalten der Richtlinien des Arbeitgebers,
Nichtver
standenfühlen
durch Zielvereinbarung und Mitarbeiterbeurteilung und man
gelnde Fähigkeit, diesen Prozess als Lern- und Entwicklungsmöglichkeit
auf
nehmen
zu können (
Urk.
8/40 S. 3). Dass sich hieraus indes - bei ausgewiesener beruflicher Entwicklung und ohne ersichtlichen Anlass - plötzlich eine vollum
fängliche Arbeitsunfähigkeit ergeben sollte, ist nicht plausibel.
Auch unterl
iess
er es, nähere Angaben zur
Restarbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
in einer angepassten Tätigkeit zu machen und h
ie
lt
in diesem Zusammenhang
lediglich da
für
, dass
einfachere administrative Arbeiten, Büroarbeiten etc.
denkbar wä
ren
.
Schliesslich ist hinsichtlich seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit z
u er
wähnen, dass bei Berichten von behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung
getragen werden kann und soll
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. a/cc S. 353 mit Hinweisen).
Im Rahmen der Gesamtwürdigung ist daher die
Beurteilung des behandelnden
Dr.
A._
nicht geeignet, das Gutachten
des
Dr.
B._
in Zweifel zu ziehen.
Dass die
C._
GmbH im Zuge der arbeitsvermittelnden Unter
stützung durch die Beschwerdegegnerin ebenfalls bezweifelte, dass die Be
schwerdeführerin überhaupt auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelbar sei (vgl.
Urk.
11), vermag daran nichts
zu ändern,
da
es sich nicht um eine Einschätzung von Ärzten handelt.
Zum
Umstand, dass
Dr.
B._
-
wie
Dr.
A._
vorbrachte
-
keine
Fremdanamnese ein
holte
,
bleibt anzufügen
, dass im Verzicht auf eine Einho
lung fremdanamnestischer Auskünfte kein der Expertise anhaftender Mangel zu erblicken ist, sind doch gemäss Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten in der
D._
vom Februar 2012 Fremdauskünfte nicht in jedem Fall zwingend erforderlich (vgl. dazu
Ziff.
5).
A
usschlaggebend
für die Beweiskraft einer Expertise
bleibt die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 9C_44/2007 vom
7.
April 2008 E. 3.2 mit Hinweisen). Da an
lässlich der psychiatrischen Untersuchung Aufmerksamkeit und Konzentrati
onsfähigkeit wie erwähnt intakt erschienen und auch keine Hinweise für Ge
dächtnisstörungen vorlagen (
vgl.
Urk.
8/21 S. 7
), ist der Verzicht
auf
die Ein
holung von Fremdauskünften nicht zu beanstanden
, zumal
die Beurteilung des Gutachters
in Auseinandersetzung mit den Berichten des behandelnden Psychia
ters erfolgte.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin bei der Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf die Schlussfolge
rungen im beweiskräftigen Gutachten vom 2
8.
Juni 2013 abstellen durfte. Somit ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
auf
dem
1.
a
usgeglichenen Arbeitsmarkt
seit Ende der Schulzeit zu 30 % in ihrer Arbeitsfähigkeit einge
schränkt ist.
Der medizinische Sachverhalt ist in dem Sinne als erstellt zu be
trachten.
Von weiteren medizinischen Abklärungen, wie in der Beschwerde
schrift (
Urk.
1 S. 2) beantragt wurde, sind keine neuen Erkenntnisse zu erwar
ten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung, BGE 124 V 94 E. 4b; 122 V 162 E. 1d.).
5.
Damit erweist sich der Standpunkt der Beschwerdegegnerin, die
Anspruchsvor
aussetzung
von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG (Wartezeit
von einem Jahr mit durch
schnittlicher Arbeitsunfähigkeit von 40 %
) sei nicht erfüllt, als zutreffend und die angefochtene Verfügung vom
6.
März 2014
als rechtens, was zur Abwei
sung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer
in
aufzuer
legen
.