Decision ID: d041b21e-1d9c-47f1-a9a3-c554e010f04d
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
SWICA Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Maria Londis, c/o SWICA
Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
und
C._,
Beigeladener,
vertreten durch A._,
betreffend
medizinische Massnahmen / Nichteintreten iS C._
Sachverhalt:
A.
A.a Die SWICA Gesundheitsorganisation als obligatorische Krankenversicherung
erbrachte für C._, Jahrgang 1995, vom 15. Juni 2005 bis 31. Dezember 2006
Leistungen für Psychotherapie. Am 3. Mai 2007 meldete die Mutter des Versicherten
diesen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung für Versicherte vor dem
20. Altersjahr an. Er habe psychologische Probleme, die Behinderung bestehe seit
Geburt (IV-act. 1). Mit Schreiben vom 19. Juni 2007 beantragte die Mutter des
Versicherten eine "Sistierung der IV-Anmeldung". Da die Therapie abgeschlossen sei,
möchte sie die Anmeldung zurückziehen und die IV erst bei einem Rückfall in Anspruch
nehmen (IV-act. 8). Ein Schreiben der IV-Stelle vom 25. Juni 2007 betreffend
vorbehaltlose Rückzugserklärung unterzeichnete die Mutter des Versicherten am
28. Juni 2007 (IV-act. 11). Mit Mitteilung vom 6. Juli 2007 bestätigte die IV-Stelle den
Rückzug des Leistungsbegehrens. Dieses gelte als gegenstandslos abgeschrieben (IV-
act. 12). Sowohl die Aufforderung zur Unterzeichnung der Rückzugserklärung als auch
die Abschreibungsmitteilung vom 6. Juli 2007 stellte die IV-Stelle der
Krankenversicherung in Kopie zur Kenntnis zu.
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A.b Mit Schreiben vom 23. November 2007 beantragte die SWICA als vom Rückzug
betroffene Krankenversicherung eine einsprachefähige Verfügung, um die Sachlage
prüfen zu können (IV-act. 13). Die IV-Stelle teilte ihr daraufhin mit Schreiben vom
18. Dezember 2007 mit, dass lediglich die Rückzugserklärung der Mutter des
Versicherten als solche rechtsgestaltende Wirkung gehabt habe und ihr lediglich mit
Mitteilung der Eingang der Rückzugserklärung bestätigt worden sei. Die Mitteilung sei
zudem bereits seit längerem ergangen und somit gewissermassen in Rechtskraft
erwachsen. Auf das mit Schreiben vom 23. November 2007 gestellte
Wiedererwägungsgesuch trete man daher nicht ein (IV-act. 15). Die
Krankenversicherung machte mit Schreiben vom 15. Januar 2008 geltend, die
Mitteilung vom 6. Juli 2007 sei nicht rechtskraftfähig. Das Gesuch um eine Verfügung,
um als vorleistende Krankenversicherung die Rechtslage prüfen zu können, sei daher
von einem Wiedererwägungsgesuch zu unterscheiden. Da die Krankenversicherung für
den Versicherten Leistungen für Psychotherapie übernommen habe, sei sie als
betroffene Person berechtigt, in dieser Angelegenheit eine einsprachefähige Verfügung
verlangen. Erneut ersuchte sie um Erlass einer Verfügung, andernfalls sie von einer
Rechtsverweigerung ausgehe und das Versicherungsgericht anrufen werde (IV-act. 16).
A.c Am 29. Januar 2008 erliess die IV-Stelle eine Nichteintretensverfügung. Auf die
Mitteilung vom 6. Juli 2007 komme sie nicht zurück. Weder liege eine pendente
Anmeldung noch ein offenes IV-Verfahren vor, weshalb sie keine materielle Verfügung
erlassen könne. Auch sei es nicht möglich, das Schreiben als Anmeldung
entgegenzunehmen (act. G 1.1.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der Krankenversicherung vom
1. Februar 2008. Die Verfügung vom 29. November 2008 sei für nichtig zu erklären. Die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, eine Verfügung betreffend Leistungspflicht für
die Psychotherapie des Versicherten zu erlassen, alles unter Kostenfolge. Vom 15. Juni
2005 bis 31. Dezember 2006 habe sie Kosten für Psychotherapie von Fr. 10'034.-
übernommen. Nach einem Jahr sei die Psychotherapie von der Invalidenversicherung
zu übernehmen. Die Beschwerdeführerin als vorleistungspflichtige
Krankenversicherung habe ein Interesse daran, dass die IV ihre Leistungspflicht prüfe
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und diese bei Vorliegen der Voraussetzungen anerkenne, damit die
Krankenversicherung ihre Vorleistungen zurückfordern könne. Daher habe sie, die
Beschwerdeführerin, mit Schreiben vom 23. November 2007 erklärt, dass sie vom
Rückzug betroffen sei, und eine Verfügung verlangt, um den Sachverhalt prüfen zu
können. Die Erklärung eines Verzichts auf Versicherungsleistungen könne nicht ohne
Berücksichtigung von Drittinteressen erfolgen. Möglich sei ein Verzicht nur, wenn keine
schutzwürdigen Interessen entgegenstünden. Die Rechtsfolge der Beeinträchtigung
von schutzwürdigen Interessen sei die Nichtigkeit des Gestaltungsaktes, also
vorliegend der Rückzugserklärung. Die Beschwerdeführerin habe Anspruch auf eine
Verfügung über die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin, die sie einer
gerichtlichen Beurteilung zuführen könne. Damit habe die Beschwerdegegnerin die
Rückzugserklärung zu Unrecht entgegengenommen und das Verfahren als
gegenstandslos abgeschrieben. Vielmehr sei sie nach wie vor verpflichtet, ihre
Leistungspflicht für die Psychotherapie des Versicherten zu prüfen und bei deren
Ablehnung eine einsprachefähige Verfügung zu erlassen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 17. März 2008
die Abweisung der Beschwerde. Beim Rückzug einer Anmeldung werde dessen Erhalt
schriftlich mit Mitteilung bestätigt. Nachdem die Mutter des Versicherten mit Schreiben
vom 19. Juni 2007 mitgeteilt habe, dass die Therapie ihres Sohnes bereits
abgeschlossen sei, habe man mit einiger Sicherheit davon ausgehen können, dass
keine Drittinteressen betroffen gewesen seien. In Frage sei die Krankenversicherung
gekommen, die ohnehin im ersten Behandlungsjahr die Kosten hätte übernehmen
müssen. Trotzdem habe man die Beschwerdeführerin über den Rückzug der
Anmeldung durch Zusendung einer Kopie der Mitteilung vom 6. Juli 2007 informiert.
Die Beschwerdeführerin hätte die Möglichkeit gehabt, ein Begehren um Erlass einer
formellen Verfügung zu stellen. Sie habe sich erst viereinhalb Monate nach Eingang der
Mitteilung gemeldet. Dies könne sicher nicht mehr als rechtzeitig angesehen werden.
Die Mitteilung vom 6. Juli 2007 sei infolge Zeitablaufs rechtsbeständig geworden. Das
Schreiben der Beschwerdeführerin vom 23. November 2007 sei deshalb zu Recht als
Wiedererwägungsgesuch angesehen worden. Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf
den Standpunkt, sie habe gemäss den für die Wiedererwägung geltenden Regeln
entscheiden dürfen, dass sie das Gesuch nicht behandle. Entsprechend habe sie der
Beschwerdeführerin zu Recht mit einfachem Brief vom 18. Dezember 2007 mitgeteilt,
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dass sie auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eintrete. Dies umso mehr, als die
Beschwerdeführerin allein ihre Eigenschaft als Krankenversicherung des Versicherten
als Grund für den Anspruch auf Erhalt einer Verfügung genannt und nicht konkret
dargelegt habe, warum sie durch den Rückzug der Anmeldung betroffen sein solle. Erst
im weiteren Schreiben vom 15. Januar 2008 habe die Beschwerdeführerin geltend
gemacht, sie habe vom 15. Juni 2005 bis 31. Dezember 2006 Leistungen für
Psychotherapie übernommen. Da nun aber die Anmeldung samt Rückzug und erfolgter
Bestätigung erledigt gewesen sei und Rechtsbeständigkeit habe erlangen können,
habe man das Schreiben weder als neue Anmeldung entgegennehmen können, noch
habe man ein pendentes IV-Verfahren gehabt, das den Erlass einer materiellen
Verfügung erlaubt hätte (act. G 4).
B.c In der Replik vom 1. April 2008 hält die Beschwerdeführerin an den Begehren
gemäss Beschwerde fest. Der Rückzug einer Anmeldung sei nichtig, wenn er
schutzwürdige Interessen von Drittpersonen tangiere. Ein nichtiger Akt könne jedoch
entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht in Rechtskraft erwachsen. Die
Beschwerdegegnerin hätte die Rückzugserklärung nicht annehmen und das IV-
Verfahren nicht abschliessen dürfen. Die Beschwerdegegnerin habe nach Erhalt des
Rückzugs nicht geprüft, ob Drittinteressen verletzt seien. Dieses Versäumnis dürfe
nicht zulasten von Drittinteressen gehen. Aus diesem Grund sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, materiell über den Anspruch des Versicherten auf
Psychotherapie zu entscheiden (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin hält mit Schreiben vom 7. April 2008 an ihrem Antrag fest
und verzichtet auf weitere Ausführungen (act. G 8).
B.e Mit Schreiben vom 11. April 2008 wurde die Mutter des Versicherten zum Verfahren
beigeladen und erhielt Gelegenheit, die Parteirechte wahrzunehmen (act. G 9). Die ihr
dazu angesetzte Frist liess sie ungenutzt verstreichen.

Erwägungen:
1.
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1.1 In den Gesuchen vom 23. November 2007 und 15. Januar 2008 (IV-act. 13, 16)
und in der Beschwerde verlangt die Beschwerdeführerin die Verpflichtung der
Beschwerdegegnerin zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens bis zum Erlass
einer materiellen Verfügung über den Leistungsanspruch des Versicherten. Streitig und
im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auf dieses
Begehren zu Recht nicht eintrat. Ein Antrag auf Vornahme einer materiellen Prüfung
und auf eine entsprechende Entscheidung des Gerichts liegt nicht vor.
1.2 Verlangt werden die Aufhebung der Nichteintretensverfügung und die
Verpflichtung der Beschwerdegegnerin zur Fortführung der materiellen
Anspruchsprüfung. Das Nichteintreten begründet die Beschwerdegegnerin damit, die
Gesuche der Beschwerdeführerin seien wegen der Rechtskraft des Gesuchsrückzugs
des Versicherten als Wiedererwägungsgesuche zu behandeln. Es liegt auf der Hand,
dass das Nichteintreten rechtswidrig wäre, wenn die Annahme einer
Rechtsbeständigkeit des Gesuchsrückzugs nicht auf die Beschwerdeführerin
ausgedehnt werden könnte.
2.
2.1 Gemäss Art. 23 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann eine versicherte Person auf
Versicherungsleistungen verzichten. Sie kann den Verzicht jederzeit mit Wirkung für die
Zukunft widerrufen. Nach Abs. 2 desselben Artikels sind Verzicht und Widerruf nichtig,
wenn die schutzwürdigen Interessen von anderen Personen, von Versicherungen oder
Fürsorgestellen beeinträchtigt werden oder wenn damit eine Umgehung gesetzlicher
Vorschriften bezweckt wird. Der Versicherer hat der berechtigten Person Verzicht und
Widerruf schriftlich zu bestätigen. In der Bestätigung sind Gegenstand, Umfang und
Folgen des Verzichts und des Widerrufs festzuhalten (Art. 23 Abs. 3 ATSG). An der
gestaltenden Wirkung der Erklärung seitens der berechtigten Person kann die
Bestätigung des Versicherungsträgers nichts ändern (keine konstitutive Wirkung der
Bestätigung; Kieser Ueli, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, Rz. 24 zu Art. 23). Im
Hinblick auf die Nichtigkeit hat der Versicherungsträger vor Erlass der Bestätigung
Abklärungen zu treffen, so zur Frage der Beeinträchtigung von schutzwürdigen
Interessen (Kieser, a.a.O., Rz. 25 zu Art. 23).
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2.2 Das vom Bundesamt für Sozialversicherung herausgegebene Kreisschreiben über
das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI; nicht etwa das von der
Beschwerdegegnerin zitierte KSRP) in der bis Ende 2007 gültigen Fassung hielt in
Rz. 1024 fest, die versicherte Person könne die Anmeldung zurückziehen, sofern nicht
schutzwürdige Interessen der versicherten Person selbst oder anderer beteiligter
Personen dem entgegenstünden. Rz. 1024 stand unter dem Titel "Rückzug der
Anmeldung" und nicht "Verzicht auf Leistung", der ab der folgenden Randziffer
behandelt wurde.
3.
3.1 Die Parteien gehen zu Unrecht davon aus, dass Art. 23 ATSG auf den vorliegenden
Fall anwendbar ist. Beim Rückzug der Anmeldung handelt es sich nicht um einen
Verzicht auf Leistungen. Ein Verzicht kann dann nicht vorliegen, wenn eine Person nach
der Anmeldung, aber vor dem Entscheid der Versicherung die Anmeldung zurückzieht;
in diesem Fall geht es nur um mögliche, nicht um ausgewiesene Leistungsansprüche.
Die Rückzugserklärung im Verwaltungsverfahren ist – wie die entsprechende Erklärung
im Rechtsmittelverfahren – Ausfluss der Dispositionsmaxime, die es einer Person
freistellt, ein Verfahren einzuleiten oder zu beenden (Thomas Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, S. 275 Rz. 17). Ein Verzicht im Sinne
von Art. 23 ATSG kommt erst in Frage, wenn der Leistungsanspruch geprüft und
darüber verfügt wurde. Nur auf eine zugesprochene, d.h. feststehende Leistung kann
verzichtet werden (so auch Locher, a.a.O., S. 275 Rz. 18). In Bezug auf die
Charakterisierung der Nichtanmeldung geht Kieser davon aus, dass durch Art. 23 nur
der ausdrückliche Verzicht (und nicht der stillschweigende Verzicht durch
Nichtanmeldung) geordnet werde (Kieser, a.a.O., Rz. 29 zu Art. 70; insofern wirkt Rz. 6
zu Art. 23 widersprüchlich, wird dort doch festgehalten, der Gesetzgeber habe den
Leistungsverzicht durch Nichtanmeldung nicht ausschliessen wollen; betreffend Folgen
der Nichtanmeldung hält auch Kieser Art. 23 ATSG jedenfalls nicht für anwendbar).
3.2 Zu prüfen ist also, ob ausserhalb von Art. 23 ATSG eine Möglichkeit besteht, die
schutzwürdigen Interessen von Dritten an einer Anmeldung bzw. der materiellen
Prüfung einer Anmeldung zu berücksichtigen. Art. 70 ATSG bezeichnet u.a. eine
Vorleistungspflicht der Krankenversicherung für Sachleistungen, deren Übernahme
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durch die Krankenversicherung, die Unfallversicherung, die Militärversicherung oder die
Invalidenversicherung umstritten ist. Gemäss Art. 70 Abs. 3 ATSG hat sich die
versicherte Person bei den in Frage kommenden Sozialversicherungen anzumelden.
Als Parteien gelten nach Art. 34 ATSG neben Personen, die aus der Sozialversicherung
Rechte oder Pflichten ableiten, Personen, Organisationen oder Behörden, denen ein
Rechtsmittel gegen die Verfügung eines Versicherungsträgers oder eines ihm
gleichgestellten Durchführungsorgans zusteht. Art. 59 ATSG legt wiederum fest, dass
zur Beschwerde berechtigt ist, wer durch die angefochtene Verfügung oder den
Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Abänderung hat. So sind Verfügungen eines Versicherungsträgers, die die
Leistungspflicht eines anderen Trägers berühren, auch diesem zu eröffnen. Er kann die
gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person (Art. 49 Abs. 4 ATSG).
3.3 Im vorliegenden Fall erbrachte die Beschwerdeführerin für die Psychotherapie des
Versicherten Vorleistungen. Es liegt ein Koordinationsfall vor. Durch eine Verfügung
über die Ablehnung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ist die
Beschwerdeführerin direkt berührt; an deren Abänderung hat sie grundsätzlich ein
schutzwürdiges Interesse. Im durch die Anmeldung des Versicherten in Gang gesetzten
IV-Verfahren hat die Beschwerdeführerin somit aus Gründen der Leistungskoordination
Parteistellung (Art. 49 Abs. 4 ATSG). Da also nicht der Versicherte alleine Partei war, lag
es nicht mehr in seinem uneingeschränkten Dispositionsbereich, das Verfahren durch
Rückzug seiner Anmeldung gänzlich abzubrechen. Die Beschwerdegegnerin konnte ihn
nicht auf seinen Wunsch hin aus dem Verfahren entlassen und dieses (nur) ihm
gegenüber als gegenstandslos abschreiben.
3.4 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, die Rückzugserklärung
der Mutter des Versicherten habe konstitutive Wirkung gehabt und sie habe den
Eingang des Rückzugs lediglich noch formlos bestätigt. In diesem Zusammenhang
verweist sie auf eine analoge Anwendung von Art. 51 ATSG. Gemäss dieser
Bestimmung können Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter
Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen, in einem formlosen Verfahren behandelt werden (Abs. 1),
wobei die betroffene Person den Erlass einer Verfügung verlangen kann (Abs. 2).
Art. 49 Abs. 1 ATSG wiederum kennt eine Verfügungspflicht für Leistungen,
Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene
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Person nicht einverstanden ist. Die Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) regelt die Zusprache einiger Leistungen ohne Verfügung in Art. 74 für Fälle,
in denen die Anspruchsvoraussetzungen offensichtlich erfüllt sind und den Begehren
der Versicherten vollumfänglich entsprochen wird. Gemäss Art. 74 IVV hat die IV-
Stelle die nach Art. 74 IVV gefassten Beschlüsse dem Versicherten schriftlich
mitzuteilen und ihn darauf aufmerksam zu machen, dass er den Erlass einer Verfügung
verlangen kann, wenn er mit dem Beschluss nicht einverstanden ist.
3.5 Da im vorliegenden Fall nicht nur der Versicherte, sondern auch die
Beschwerdeführerin von einer allfälligen Abschreibung des Verfahrens betroffen war
und auf der Hand liegt, dass letztere mit einer der materiellen Rechtslage
widersprechenden Leistungsablehnung bzw. einer Abschreibung infolge Rückzugs
nicht einverstanden wäre, hätte die Beschwerdegegnerin die Abschreibung
korrekterweise förmlich verfügen und die Verfügung auch der Beschwerdeführerin als
Partei eröffnen müssen. Davor wäre ein ordentliches Vorbescheidverfahren
durchzuführen und den Parteien das rechtliche Gehör zu gewähren gewesen (vgl.
Art. 57a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] mit
Verweis auf Art. 42 ATSG). Die anschliessend zu erlassende Verfügung wäre mit einer