Decision ID: f410b9df-0db6-5a4d-82d4-c60c625890e5
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Pascale Hartmann, procap,
Schweizerischer Invaliden-Verband, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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medizinische Massnahmen (Verlängerung Physiotherapie)
Sachverhalt:
A.
A.a Der im Jahr 2000 geborene T._ wurde am 5./8. August 2000 wegen eines
Geburtsgebrechens bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet.
Das Kinderspital Zürich diagnostizierte gemäss dem Arztbericht vom 22. August 2000
beim Versicherten (erstens) eine freie Trisomie 21, (zweitens) ein komplexes Herzvitium
mit Double-outlet right Ventricle (DORV), Foramen ovale, VSD, persistierender Cava
superior sinister und Agenesie V. anonyma, und (drittens) einer LKG-Spalte rechts. Es
handle sich um die Geburtsgebrechen GgV Nr. 313 und 201.
A.b Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen sprach dem
Versicherten am 23. Oktober 2000 medizinische Massnahmen zur Behandlung dieser
Gebrechen für die Zeit vom 22. Juli 2000 bis 31. Oktober 2010 zu. Als
Durchführungsstelle war unter anderem A._ für "Physiotherapie/GG 313" bezeichnet
worden (act. 6).
A.c Am 14. November 2000 gab das Kinderspital Zürich bekannt, einmal pro Woche
seien eine Stunde Physiotherapie und einmal eine Stunde Ergotherapie erforderlich.
A.d Dr. med. B._, Facharzt für Pädiatrie FMH, erklärte mit Schreiben vom
4. Dezember 2000, der Versicherte sei erstmals am 28. Oktober 2000 in seiner
Behandlung gewesen. Er sei gleichentags zur Physiotherapie angemeldet worden.
Diese Therapie sei als spezielle Pflegemassnahme wegen des Herzleidens nötig. Sie
diene nach langer Hospitalisationsdauer auch der Verbesserung der Organfunktionen
(act. 9).
A.e Auf Ersuchen von Dr. B._ vom 20. Juli 2001 leistete die IV-Stelle am 31. Juli 2001
im Rahmen der Verfügung vom 23. Oktober 2000 Kostengutsprache für eine
Mundbobath-Therapie zur Verbesserung der Nahrungsaufnahme bei einer Logopädin
bis 31. Oktober 2003 (act. 18). Später wurde die Therapie zur Sprachanbahnung
beantragt (act. 41, 45) und gewährt (act. 47). Am 29. Juni 2004 erfolgte eine ärztliche
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Zuweisung zur Ergotherapie (act. 74-8 f./9); der Versicherte erhalte (weiterhin)
Physiotherapie bei der Physiotherapeutin C._. Die Ergotherapeutin beantragte am 10.
Mai 2005 eine erneute Kostengutsprache für weitere Therapieeinheiten (act. 74-6 f./9).
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung (Dr. med. D._)
erklärte am 23. November 2005, die Ergotherapie stehe im Zusammenhang mit der
Trisomie 21 und nicht mit den beiden Geburtsgebrechen (act. 75), worauf die
Übernahme der Ergotherapie mit Verfügung vom 25. November 2005 mit Wirkung ab
31. Dezember 2005 aufgehoben wurde (act. 78). Eine Einsprache, in welcher unter
anderem für den Fall der Ablehnung eine Wiederaufnahme von Physiotherapie als nötig
bezeichnet wurde, wies die Verwaltung am 14. Februar 2006 (rechtskräftig) ab (act. 83).
B.
B.a Dr. B._ verordnete dem Versicherten am 7. März 2006 Physiotherapie zur
Verbesserung der (cardio-)pulmonalen Funktion. Der Versicherte sei vom 12. bis 25.
Januar 2006 wegen einer bilateralen Oberlappen-Pneumonie ("P Sekret, Mühe mit
Mobilisation") im Kinderspital Zürich hospitalisiert gewesen. Es bestehe ein St. n.
Totalkorrektur bei DORV/VSD am 19.9.2000 (act. 86-2/2). Die Physiotherapeutin reichte
die Verordnung am 22. August 2006 ein mit dem Ersuchen, eine Physiotherapie-
Verfügung ab März 2006 zu erlassen. Der Versicherte benötige (nach einer Pause ab 5.
Juli 2005) nach einer schweren Lungenfunktionsstörung, die sich aufgrund des
Geburtsgebrechens Nr. 313 ereignet habe, erneut Physiotherapie (act. 86-1/2). Mit
Arztbericht vom 3. Oktober 2006 erklärte Dr. B._, die Indikation für die
Physiotherapie ergebe sich aus den rezidivierenden Infekten der oberen und unteren
Luftwege, dem Status nach schwerer beidseitiger Pneumonie im Januar 2006 und den
im Rahmen von Infekten bestehenden grossen Schwierigkeiten, Sekret auszuhusten.
Es bestehe deshalb auch in Zukunft eine massive Gefährdung, dass weitere schwere
Infektionen der Atemwege aufträten. Der Versicherte sei dann in seiner Aktivität massiv
eingeschränkt und vermindert leistungsfähig und es komme zu längeren Ausfällen in
der Schule. Mit der regelmässigen Physiotherapie könne eine Verbesserung der
Sekretmobilisation bewirkt werden. Es sei das Ziel, damit die Häufigkeit der schweren
Infektionen zu reduzieren. Schon früher habe der Versicherte Physiotherapie gehabt
und während dieser Zeit seien deutlich weniger Infektionen der Atemwege aufgetreten
(act. 87-1 ff./17). Wie einem Bericht vom 26. Januar 2006 des Kinderspitals Zürich zu
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entnehmen war, war der Versicherte wegen einer bilateralen Oberlappen-Pneumonie
hospitalisiert worden. Eine weitere Hospitalisation war gemäss Bericht vom 21. Juni
2006 am 4. Juni 2006 wegen eines viralen Infekts der oberen Luftwege erfolgt. In einem
Bericht vom 4. September 2006 hatte das Kinderspital Zürich ferner dargelegt, wegen
pulmonaler Hypertonie sei der DORV beim Versicherten rascher korrigiert worden. Im
Jahr 2001 sei die LKG-Spalte erstmals geschlossen worden und seither habe der
Versicherte jährlich antibiotisch behandelte Pneumonien. Als Kleinkind habe er etwa
jeden zweiten Monat behandelt werden müssen, aktuell habe er weniger Pneumonien,
dafür ausgeprägtere. Dazu kämen im Winter rezidivierende Bronchitiden. Es liege
aktuell ein chronisch produktiver Husten vor, der wahrscheinlich im Rahmen der
Adeno-tonsillo-Hypertrophie und sehr engen Verhältnissen der oben Luftwege bei
Status nach Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bestehe (act. 87-12 f./17).
B.b Der RAD (Prof. Dr. E._) beantragte am 24. November 2006 eine Ablehnung der
Verlängerung von Physiotherapie. Dr. B._ habe in seiner Verordnung die
Krankenkasse als Kostenträger angegeben. Erst die Physiotherapeutin habe dann eine
Übernahme aufgrund des Geburtsgebrechens Nr. 313 beantragt. Dr. B._ benenne als
Indikation die Schleimmobilisation. Ein Zusammenhang mit den Geburtsgebrechen
GgV 313 oder 201 gehe auch aus den Berichten des Kinderspitals Zürich nicht hervor.
Die Ursachen der Infekte und Pneumonien seien im Gegenteil nicht klar gewesen. Die
Herzsituation habe sich postoperativ deutlich verbessert, es bestehe nur noch ein
kleiner VSD, der für die Pneumonien kaum verantwortlich sei. Die ganze Problematik
hänge eher mit der Grundkrankheit (Trisomie 21) zusammen (act. 93).
B.c Mit einem Vorbescheid vom 13. Dezember 2006 zeigte die IV-Stelle an, dass die
Verlängerung der Kostengutsprache für Physiotherapie verweigert werde.
B.d Der Vater des Versicherten wandte am 30. Januar 2007 ein, die Notwendigkeit der
physiotherapeutischen Massnahmen besitze einen direkten Zusammenhang mit
dessen Herz-/Lungenleiden. Das Herzleiden habe leider nicht ab-, sondern eher
zugenommen. Der Versicherte werde immer noch leicht müde und kurzatmig. Im
Kinderspital Zürich sei festgestellt worden, dass das Herz Aussetzer mache und der
Puls zeitweise unter 40 falle, ausserdem dass im Schlaf Atempausen stattfänden. An
Pfingsten 2006 habe deswegen erneut ein Spitalaufenthalt erfolgen müssen. Damit
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keine Rückschritte im Gesundheitszustand einträten, sei der Versicherte weiterhin auf
die Physiotherapie (unter anderem eine für Kinder spezialisierte Atemtherapie)
angewiesen. Bis anhin habe er dank der Physiotherapie wesentliche Fortschritte
machen können. Durch die Therapie könnten Kosten für ärztliche Behandlung und
Spitalaufenthalte vermindert werden. Es gehe nicht an, alle medizinischen
Massnahmen, welche bisher aufgrund des Geburtsgebrechens Nr. 313 übernommen
worden seien, aus Kostengründen der Grundkrankheit Trisomie 21 zuzuschreiben
(act. 98).
B.e Auf Anfrage teilte Dr. B._ im Verlaufsbericht vom 19. Februar 2007 mit, aufgrund
des korrigierten Herzfehlers und der korrigierten totalen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
sei der Versicherte mit seinem Down-Syndrom für Infekte der Atemwege prädisponiert.
Dank regelmässiger Physiotherapie habe die Sekretmobilisation verbessert und damit
die Frequenz dieser Infekte deutlich reduziert werden können. Ob ein direkter
Zusammenhang zwischen Herz- und Lungenleiden bestehe, sei schwer zu beurteilen.
Tatsache sei, dass Kinder mit Down-Syndrom und angeborenem Herzfehler eine
vermehrte Infektanfälligkeit der Atemwege hätten, erst recht, wenn gleichzeitig auch
noch eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bestehe. Die therapeutischen Massnahmen
bestünden darin, dass mittels regelmässiger Physiotherapie eine Sekretmobilisierung
durchgeführt und somit die Infektanfälligkeit reduziert werden könne (act. 99).
B.f Am 22. März 2007 verfügte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen die Abweisung des
Verlängerungsgesuchs für Physiotherapie (act. 103). Die Atemwegsinfekte stünden
nicht in einem direkten Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Nr. 313, die
Physiotherapie stehe also nicht in direktem Zusammenhang mit dem Herzleiden. Die
Physiotherapie diene der Verbesserung der Grundkrankheit (Trisomie 21), die kein
anerkanntes Geburtsgebrechen sei.
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Vater des Betroffenen am 20. April 2007
erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt die
Verlängerung der Kostengutsprache für die Physiotherapie. Weder der Kinderarzt noch
die Beschwerdegegnerin hätten bestritten, dass die Physiotherapie zwingend nötig sei
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und dass sie eine wesentliche Besserung bewirke. Die bisherige Therapiestelle erachte
eine Fortführung ebenfalls für enorm wichtig. Dass die Atemwegsinfekte in keinem
direkten Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen stehen sollten, wie die
Beschwerdegegnerin schreibe, erstaune sehr und sei nicht bewiesen. Dr. B._ habe
am 19. Februar 2007 angegeben, gerade auch wegen des Herzfehlers und der LKG-
Spalte bestehe eine vermehrte Infektanfälligkeit. Die Frequenz der Infekte habe mit der
Therapie deutlich reduziert werden können. Auch sein Verlaufsbericht spreche für die
Weiterführung, ebenso wie die Diagnose, welche das Kinderspital Zürich in dem
beigelegten Bericht vom 5. Oktober 2006 bezeichnet habe. Aufgrund des Herz-/
Lungenleidens habe der Beschwerdeführer immer noch regelmässig massive
Atemprobleme, unter anderem in der Nacht mit schwerem Pseudokrupp. Die Berichte
von Dr. B._ und des Kinderspitals Zürich zeigten, dass die gesundheitlichen
Probleme - das Lungendefizit - hauptsächlich auf die beiden Geburtsgebrechen
zurückzuführen seien. Das Down-Syndrom habe dabei höchstens eine nebensächliche
Bedeutung. Darauf lasse auch die bis anhin gewährte Kostenübernahme durch die
Beschwerdegegnerin schliessen. Es könne nicht im Sinn der Versicherung sein, bisher
übernommene, immer noch deutlich wirksame Therapien aus Kostengründen
einzustellen. Da im Februar 2006 bereits die Ergotherapie gestrichen worden sei,
müsste der Beschwerdeführer gänzlich ohne Therapie auskommen. Sein Anspruch auf
Massnahmen zur Behandlung der Geburtsgebrechen Nr. 313 und 201, die sein grosses
Leiden linderten, müsse ihm erhalten bleiben, auch wenn er zusätzlich noch an
Trisomie 21 leide. In dem eingelegten Bericht des Kinderspitals Zürich vom 5. Oktober
2006 war als Diagnose bezeichnet worden: "Aktuell: Chronisch produktiver Husten bei
oberer Luftwegssymptomatik mit Adenotonsillohypertrophie und engen Verhältnissen
der oberen Luftwege mit konsekutivem rhinosino-bronchialem Syndrom". Die
Zwischenanamnese zeige einen pulmonal sehr guten Verlauf. Aktuell sei der
Beschwerdeführer völlig beschwerdefrei.
D.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 13. Juni 2007
Abweisung der Beschwerde. Der Anspruch auf medizinische Massnahmen erstrecke
sich ausnahmsweise auch auf die Behandlung sekundärer Gesundheitsschäden, die
nicht mehr zum Symptomenkreis zählten, aber häufig die Folge eines
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Geburtsgebrechens seien. Zwischen dem Gebrechen und dem sekundären Leiden
müsse dann ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Die Trisomie
21 sei nicht als Geburtsgebrechen anerkannt. Die Behandlung von sekundären Leiden,
die darauf zurückzuführen seien, könne deshalb nicht übernommen werden. Nach
Auffassung des RAD hänge die Problematik der Infekte eher mit dieser Grundkrankheit
zusammen als mit dem Herzleiden. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem
Lungen- und dem Herzleiden bestehe, habe Dr. B._ für schwer zu beurteilen
gehalten. Da somit ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang fehle, komme
eine Übernahme der Physiotherapie nach Art. 13 IVG nicht in Frage. Die Physiotherapie
als Massnahme, die zu einer Sekretmobilisation führen und die Häufigkeit der Infekte
reduzieren sollte, beuge ausserdem nicht einem drohenden stabilen Defekt vor,
sondern sei Leidensbehandlung und Prävention. Deshalb komme auch keine
Kostenübernahme gestützt auf Art. 12 IVG in Frage. Die (bisherige) Übernahme der
Kosten der Physiotherapie erweise sich deshalb als zweifellos unrichtig. Ihre
Berichtigung sei von erheblicher Bedeutung. Es sei deshalb zu Recht eine
Wiedererwägung vorgenommen bzw. die Kostengutsprache nicht verlängert worden.
Medizinische Massnahmen im Rahmen der Verfügung vom 23. Oktober 2000 würden
hingegen weiterhin von der Invalidenversicherung übernommen.
E.
Am 9. Juli 2007 reicht die Beschwerdegegnerin ein bei ihr eingegangenes ärztliches
Zeugnis des Kinderspitals Zürich (Dr. med. F._, Kardiologie) vom 3. Juli 2007 ein.
Darin war - im Sinne einer Stellungnahme zur Beschwerdeantwort - dargelegt worden,
Kinder mit angeborenen Herzfehlern, insbesondere DORV, hätten aufgrund der
klinischen Erfahrung und belegt durch die medizinische Literatur eine pathologische
Gefässentwicklung der Lunge und des Bronchialsystems. Diese Veränderungen führten
zu einer Prädisposition für Luftwegsinfektionen, welche den Gesundheitszustand (bei
bestehendem Herzfehler) stark beeinträchtigten, die häufig spitalbedürftig machten und
teilweise sogar lebensbedrohlich seien. An der Klinik werde deshalb in enger
Zusammenarbeit mit den Spezialisten der Pneumologie eine spezifische Behandlung
der
Atemwege durchgeführt, in welcher Atemphysiotherapie einen fixen Bestandteil bilde.
Die Atemwegs-/Lungenproblematik des Versicherten stehe direkt im Zusammenhang
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mit dem angeborenen Herzfehler. Die Atemphysiotherapie stelle auch keine rein
prophylaktische Massnahme dar, sondern eine direkt therapeutische Massnahme bei
angeborener Lungenproblematik, die durch den Herzfehler mitbedingt sei.
F.
Mit Replik vom 31. August 2007 beantragt Rechtsanwältin lic. iur. Pascale Hartmann
für den Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei weiterhin Physiotherapie zuzusprechen. Nach Angaben von
Dr. F._ bestehe beim Beschwerdeführer ein direkter Zusammenhang zwischen den
Atemwegs- bzw. Lungenproblemen und dem angeborenen Herzfehler. Im gleichen
Sinn habe sich auch Dr. G._, Klinik für Kieferorthopädie und Kinderzahnmedizin der
Universität Zürich, im beigelegten Bericht vom 26. Juni 2007 geäussert. Die Lippen-
Kiefer-Gaumenspalte erschwere danach die ordnungsgemässe Belüftung durch die
Nase und sei als erschwerender Faktor für eine hohe Anfälligkeit bei
Erkältungskrankheiten mitverantwortlich. Aus diesen Berichten gehe hervor, dass die
spezialisierten Kinderärzte einen klaren Zusammenhang der Physiotherapie mit dem
angeborenen Herzfehler bzw. der LKG-Spalte bestätigten. Aus der Physiotherapie-
Verordnung sei nichts zu Ungunsten des Beschwerdeführers abzuleiten. Nach
Angaben von Dr. B._ gehöre Physiotherapie bei Kindern, die allein am Down-
Syndrom litten, nicht zur klassischen Therapieauswahl. Die Arztberichte des
Universitätsspitals Zürich würden beweismässig schwerer wiegen als die
Stellungnahme des RAD-Arztes, der kein spezialisierter Facharzt sei, der sich mit dem
vorliegenden Krankheitsbild auskenne.
G.
Die Beschwerdegegnerin hält am 4. September 2007 an ihrem Antrag fest.
H.
Am 26. November 2007 sind Prof. E._ die Berichte von Dr. B._ vom 19. Februar
2007, von Dr. F._ vom 3. Juli 2007 und von Dr. G._ vom 26. Juni 2007 zur Kenntnis
gebracht worden. Auf die Frage, ob sich dadurch eine Änderung der Beurteilung
ergebe, hat Prof. E._ am 21. Dezember 2007 mitgeteilt, die Tatsache, dass bei
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Kindern mit LKG-Spalten und damit verbundener Nasenseptumdeviation erschwerte
Verhältnisse bestünden, die mit erhöhter Anfälligkeit von Infektionen einhergingen, sei
auch ihm bekannt. Der Bericht von Dr. G._ nehme aber keine Stellung zur Frage der
Physiotherapie. Erfahrungsgemäss seien bei Kindern mit LKG-Spalte bisher keine
Physiotherapie-Anträge gestellt worden. Dr. B._ betrachte die Physiotherapie
eindeutig als präventive Massnahme. Ein Zusammenhang zwischen dem Herzfehler
und dem Respirationstrakt sei entwicklungsgeschichtlich schwer zu erklären. Dr. F._
berichte von einem problemlosen kardialen Verlauf und davon, dass mit Ausnahme
einer Endokarditisprophylaxe bei erhöhter Gefährdung keine Massnahmen nötig seien.
Ein Zusammenhang der pulmonalen Probleme mit dem Geburtsgebrechen Nr. 313
scheine daher unwahrscheinlich. Wäre es anders, so hätten wegen der
Infektanfälligkeit keine Untersuchungen immunologischer und pneumologischer Art
erfolgen müssen. Dr. F._ habe ihm leider die wissenschaftlichen Arbeiten, die seine
Gedanken belegten, nicht zugestellt, so dass er annehmen müsse, solche lägen kaum
vor. Nach Auskunft der IV-Stelle H._ sei man sich dort nicht bewusst, in einer
Situation, wie sie beim Beschwerdeführer vorliege, eine langfristige Physiotherapie
zugesprochen zu haben. Eine Zusprache erfolge beim Geburtsgebrechen Nr. 313 nur
perioperativ für sechs bis maximal zwölf Monate. Die pulmonalen Infekte hingen nach
seiner Auffassung primär weder mit dem Geburtsgebrechen Nr. 313 noch mit
demjenigen Nr. 201 zusammen. Die Physiotherapie sei prophylaktisch. - Die Parteien
haben keine Stellungnahmen hierzu eingereicht.

Erwägungen:
1.
Mit der angefochtenen Verfügung lehnte die Beschwerdegegnerin eine Verlängerung
von Physiotherapie ab. Diese war im Rahmen der "Grundverfügung" vom 23. Oktober
2000 für medizinische Massnahmen zur Behandlung von Geburtsgebrechen für die Zeit
vom 22. Juli 2000 bis 31. Oktober 2010 übernommen worden, und zwar faktisch bis
zum 5. Juli 2005 (vgl. IV-act. 86). Die Leistungszusprache war damals eingestellt
worden. Nach der Aktenlage ist davon auszugehen, dass mit der Einreichung der
neuen ärztlichen Verordnung vom 7. März 2006 ein neues Gesuch um Physiotherapie
gestellt und von der Beschwerdegegnerin materiell behandelt wurde.
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2.
2.1 Nach Art. 13 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch
auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendigen
medizinischen Massnahmen (Abs. 1). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für
welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn
das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Abs. 2). Gemäss Art. 1 Abs. 2 der
Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV) sind die Geburtsgebrechen in der Liste im
Anhang der GgV aufgeführt. Der Beschwerdeführer leidet an den Geburtsgebrechen
Nr. 201 (Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte) und Nr. 313 (angeborene Herz- und
Gefässmissbildungen). Bei der Trisomie 21 handelt es sich unbestrittenermassen nicht
um ein in der GgV aufgeführtes Leiden, denn die zugrunde liegende chromosomale
Irregularität ist als solche nicht behandelbar (vgl. I 253/03).
2.2 Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens
notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der
medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in
einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3 GgV). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts erstreckt sich der Anspruch auf medizinische
Massnahmen ausnahmsweise auch auf die Behandlung sekundärer
Gesundheitsschäden, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des
Geburtsgebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung häufig die Folge
dieses Gebrechens sind. Zwischen dem Geburtsgebrechen und dem sekundären
Leiden muss danach ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Nur
wenn im Einzelfall dieser qualifizierte ursächliche Zusammenhang zwischen
sekundärem Gesundheitsschaden und Geburtsgebrechen gegeben ist und sich die
Behandlung überdies als notwendig erweist, hat die Invalidenversicherung im Rahmen
des Art. 13 IVG für die medizinischen Massnahmen aufzukommen (BGE 100 V 41; AHI
2001 S. 79 E. 3a; Pra 1991 Nr. 214 S. 906 E. 3b). An die Erfüllung der Voraussetzungen
des rechtserheblichen Kausalzusammenhangs sind strenge Anforderungen zu stellen,
zumal der Wortlaut des Art. 13 IVG den Anspruch der versicherten Minderjährigen auf
die Behandlung des Geburtsgebrechens an sich beschränkt (AHI 1998 S. 249 E. 2a;
zum Ganzen auch Rz 11 KSME). Die Häufigkeit des sekundären Leidens stellt nicht das
allein entscheidende Kriterium für die Bejahung eines qualifizierten adäquaten
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Kausalzusammenhanges dar (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/
S A. vom 14. Oktober 2004, I 438/02). Der qualifizierte Zusammenhang zwischen dem
Geburtsgebrechen und dem sekundären Leiden ist darin zu erblicken, dass aus
medizinischer Sicht in bestimmten Fällen die Behandlung des Geburtsgebrechens und
des sekundären Leidens als Behandlungsgesamtheit aufgefasst werden muss (nicht
veröffentlichter Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S M.L.
vom 25. April 2002, der allerdings durch den Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts in gleicher Sache [bzw. A.] vom 14. Oktober 2004, I 438/02, aus
anderem Grund aufgehoben wurde).
3.
3.1 Vorliegend hatte der behandelnde Pädiater Dr. B._ bereits am 4. Dezember 2000
erklärt, die Physiotherapie sei als spezielle Pflegemassnahme wegen des
Geburtsgebrechens am Herzen notwendig. Im Zusammenhang mit der reduzierten
Herz- und Lungenfunktion seien die Massnahmen nach der langen Hospitalisation auch
für die Verbesserung der Organfunktion notwendig. Bei der Verordnung am 7. März
2006 gab er an, die Physiotherapie diene der Verbesserung der (cardio-)pulmonalen
Funktion. Die Physiotherapeutin hatte diese Verordnung am 22. August 2006 mit dem
Hinweis darauf eingereicht, dass die Therapie nach einer schweren
Lungenfunktionsstörung nötig sei, die sich aufgrund des Geburtsgebrechens Nr. 313
ereignet habe. Das Kinderspital Zürich stellte sich mit Bericht vom 3. Juli 2007 auf den
Standpunkt, es sei belegt und entspreche klinischer Erfahrung, dass Kinder mit
angeborenen Herzfehlern, insbesondere dem DORV, eine pathologische
Gefässentwicklung der Lunge und des Bronchialsystems aufwiesen. Diese
prädisponierten für Luftwegsinfektionen. Die Atemwegs-/Lungenproblematik des
Beschwerdeführers steht nach dieser Beurteilung in einem direktem Zusammenhang
mit dem angeborenen Herzfehler.
3.2 Ein besonderer Kausalzusammenhang zwischen dem Herzleiden und der
Behandlungsbedürftigkeit der pulmonalen Infekte, wie ihn die Rechtsprechung für eine
Ausweitung auf IV-Ansprüche für sekundäre Leiden voraussetzt, kann darin allerdings
nicht gesehen werden. Denn diese Anfälligkeit ist nach der gesamten Aktenlage als
Folge eines multifaktoriellen Geschehens zu betrachten. Das zeigt sich etwa darin,
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dass Dr. F._ erklärt, die angeborene Lungenproblematik sei durch den Herzfehler
mitbedingt. Dr. B._ hielt am 19. Februar 2007 fest, dass Kinder mit Down-Syndrom
und angeborenem Herzfehler eine vermehrte Infektanfälligkeit besässen, erst recht,
wenn sie auch noch eine LKG-Spalte hätten. Der Arzt erwähnte weiter, es sei schwer
zu beurteilen, ob zwischen dem Lungenleiden und dem Herzleiden ein direkter
Zusammenhang bestehe. Dr. G._ beschreibt als Teilursache ebenfalls die durch die
LKG-Spalten bedingte Nasenseptum-Deviation. Zunächst waren als mögliche
Ursachen ein gastrooesophagealer Reflux, eine anatomische Abflussbehinderung und
ein frühkindliches Asthma bronchiale auszuschliessen gewesen und ein
immunologischer Defekt sowie eine allergische Komponente waren bereits
ausgeschlossen worden. Prof. E._ hatte denn auch am 24. November 2006
dafürgehalten, die Ursachen der Infekte seien nicht klar geworden. Die Herzsituation
sei postoperativ kaum mehr dafür verantwortlich, eher die Trisomie 21. Was den
Einfluss der Operation betrifft, ist zwar darauf hinzuweisen, dass bereits die erste
Einschätzung von Dr. B._ zu einem Zeitpunkt erfolgt war, als der VSD-
Patchverschluss seit etwa zweieinhalb Monaten hergestellt gewesen war
(Operationstag war der 19. September 2000, als der Beschwerdeführer erst knapp zwei
Monate alt gewesen war). Bei der Verordnung vom 7. März 2006 lag die Operation
schon mehr als fünf Jahre zurück. Gemäss einem Arztbericht des Kinderspitals Zürich
vom 16. April 2004 war allerdings lediglich ein kleiner residueller VSD am oberen
Patchrand bestehen geblieben.
3.3 Prof. E._ hat in Kenntnis der Akten und nach Auseinandersetzung mit ihren
Ergebnissen am 21. Dezember 2007 einen Zusammenhang zwischen den pulmonalen
Infekten und den beiden anerkannten Geburtsgebrechen für unwahrscheinlich und die
Behandlung als Prophylaxe bezeichnet. Seiner begründeten Stellungnahme kommt ein
bedeutender Beweiswert zu. Lässt sich ein Zusammenhang der Schwierigkeit, Sekret
zu mobilisieren, bzw. der pulmonalen Infektanfälligkeit mit den beiden
Geburtsgebrechen Nr. 313 und Nr. 201 demnach nicht - jedenfalls nicht in der
rechtsprechungsgemäss erforderlichen Art - ausweisen, so besteht hierfür keine
Leistungspflicht der Invalidenversicherung.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
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4.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Als
unterliegende Partei hat der Beschwerdeführer die Gerichtskosten zu bezahlen (vgl.
Art. 95 Abs. 1 VRP). Diese sind ermessensweise auf Fr. 600.-- zu veranschlagen. Mit
dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe sind die Kosten getilgt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG