Decision ID: 70fb037c-8753-4d56-bb6d-6013f59be917
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war bei der B._ AG als kaufmännischer Leiter tätig und dadurch
obligatorisch bei der Basler Versicherungen AG (nachfolgend Basler) gegen die Folgen
von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (UV-act. 2.1 f.). Am 18. August 2012
besuchte er zusammen mit C._, D._ und weiteren Personen das E._. In der
folgenden Nacht um ca. drei Uhr befanden sie sich in der Gegend der Z._. Laut
Einvernahmeprotokollen der Kantonspolizei St. Gallen alberten der Versicherte und
C._ herum, worauf diese spasseshalber sagte, sie schlage ihn, falls er sie nicht in
Ruhe lasse. Eine Gruppe von drei unbekannten jungen Männern hörte diese Aussage
und blieb stehen. Einer von ihnen fragte, ob er den Versicherten schlagen solle. C._
verneinte dies. Der Versicherte äusserte sinngemäss “dann machs doch“ bzw. “schlag
mich doch“. Darauf schlug einer der Männer den Versicherten mit der Faust ins
Gesicht, worauf dieser rückwärts auf den Boden fiel (UV-act. 8.26, UV-act. 8.28).
A.b Der Versicherte befand sich vom 19. bis 22. August 2012 stationär im
Kantonsspital St.Gallen. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten ein
Schädelhirntrauma nach Sturz in äthylisiertem Zustand bei initialem GCS von 3 sowie
einem Blutalkoholspiegel von 3.2 Promille und mit einem frischen Subduralhämatom
rechts frontal bis temporal sowie einer kleinvolumigen Subarachnoidalblutung entlang
der A. cerebri media rechtsseitig und einer undislozierten Fraktur der medialen Wand
des Sinus maxillaris linksseitig mit Verdacht auf Einstrahlung in die Basis der Concha
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media links im CT des Neurokraniums. Gemäss Bericht des Kantonsspitals St.Gallen
vom 29. August 2012 waren bei Austritt die Kopfschmerzen von starker Intensität und
vor allem frontal vorhanden (UV-act. 3.2). Am 19. September 2012 berichteten die
behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen, es bestünden intermittierend
mittelstarke Kopfschmerzen, eine subjektive Visusstörung und fortwährende
Geruchsstörungen (UV-act. 3.4). Prof. Dr. med. F._, Neuroradiologie der Klinik G._,
diagnostizierte am 2. Oktober 2012 Kontusionsdefekte frontobasal medial (Gyrus
rectus bilateral) sowie eine kleinste Kontusionsblutung auch im Gyrus frontalis superior
rechts (UV-act. 3.6).
A.c Mit Bericht vom 13. November 2012 schätzte Dr. med. H._, Facharzt FMH
Allgemeinmedizin, die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten vom 19. August 2012 bis 2.
September 2012 auf 100% und seit 3. September 2012 auf 50% (UV-act. 3.7). Dr. med.
I._, Facharzt für Neurochirurgie FMH, Klinik G._, berichtete am 27. Februar 2013,
der Versicherte sei nach wie vor in einem protrahierten Verlauf mit verminderter
Belastbarkeit und rasch auftretenden Kopfschmerzen. Der Versicherte sei vom 27.
August 2012 bis 6. Februar 2013 zu 100% und seit 7. Februar 2013 zu 80%
arbeitsunfähig (UV-act. 3.8). Am 2. Oktober 2013 schätzte Dr. I._ die
Arbeitsunfähigkeit auch bis auf weiteres auf 80% ein (UV-act. 3.12, vgl. auch UV-act.
3.10).
A.d Am 29. September 2014 unterzog sich der Versicherte einer
neuropsychologischen Untersuchung am Institut für Neuropsychologische Diagnostik
und Bildgebung (INDB), Zürich. Dr. sc. nat. J._, und Prof. Dr. rer. nat. K._ stellten
fest, die leichten Aufmerksamkeitsdefizite und die unter Berücksichtigung des
Verhaltens und anamnestischer Angaben mittelschweren Funktionsbeeinträchtigungen
in der Handlungsregulation seien sehr gut vereinbar mit den in der MRT beschriebenen
basalen mittelliniennahen und rechts orbitofrontalen Kontusionsdefekten und der
Mikroblutung im Gyrus frontalis superior rechts. Sie ordneten die Befunde im Rahmen
einer sonstigen organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer
Schädigung des Gehirns insgesamt leichter bis mittelschwerer Ausprägung ein
(ICD-10: F07.8). Differentialdiagnostisch müsste auch eine organische

Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F07.0) in Erwägung gezogen werden (UV-act. 4.11).
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A.e Die Basler bezahlte dem Versicherten vom 21. August 2012 bis 2. September 2012
Taggelder auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 100% und ab 3. September 2012
solche auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 80% (UV-act. 2.86). Mit Verfügung
vom 16. Juni 2014 kürzte die Basler die Geldleistungen wegen Beteiligung an einer
Rauferei oder Schlägerei um 50% und kündigte die Verrechnung zu viel erbrachter
Taggelder mit künftigen Taggeldern an (UV-act. 5.5).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 24. Juni 2014 Einsprache (UV-act. 5.6). Mit E-
Mail vom 28. Juni 2014 brachte er vor, C._ und D._ seien der Meinung, nicht
derjenige, mit welchem er gesprochen habe, sondern ein anderer aus der Gruppe der
Männer habe ihn geschlagen. Die Gruppe sei von Anfang an so extrem aggressiv
gewesen, dass die Situation wahrscheinlich unabhängig von seinem Verhalten eskaliert
wäre (UV-act. 5.7).
B.b Mit Entscheid vom 18. Dezember 2014 wies die Basler die Einsprache ab. Sie
begründete, der Versicherte habe sich an einer Rauferei bzw. Schlägerei beteiligt. Er
habe die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung erkennen müssen, weshalb sich
eine Leistungskürzung rechtfertige. Ob eine starke Provokation seitens des
Versicherten vorgelegen habe, könne offen bleiben (UV-act. 5.10).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 18. Dezember 2014 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 2. Februar 2015. Die Rechtsvertreterin des Versicherten
(nachfolgend: Beschwerdeführer) beantragt darin dessen Aufhebung sowie die
Entrichtung der ungekürzten gesetzlichen Leistungen. Eventualiter sei die Streitsache
zur Durchführung weiterer Abklärungen an die Basler (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act.
G1). Mit Beschwerdeergänzung vom 6. März 2015 begründet er, die Gefahr verletzt zu
werden sei für ihn mangels einer vorausgehenden Auseinandersetzung und aufgrund
seines Blutalkoholwertes mit Sicherheit nicht erkennbar gewesen. Zudem könne
aufgrund fehlender Beteiligung seitens des Beschwerdeführers nicht von einem
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Raufhandel bzw. einer Schlägerei ausgegangen werden. Entsprechend sei eine
Leistungskürzung nicht zulässig und die Beschwerdegegnerin habe ihm die
gesetzlichen Unfallversicherungsleistungen vollumfänglich zu erbringen (act. G3).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 17. April 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Sie begründet, der Beschwerdeführer
habe erkennen müssen, dass er geschlagen und verletzt werden könnte, wenn er
nachts um drei Uhr in stark angetrunkenem Zustand aggressive Kontrahenten
aufgefordert habe, ihn doch zu schlagen. Die Begleiter des Beschwerdeführers hätten
die Situation als derart aggressiv betrachtet, dass sie in jedem Fall von einer Eskalation
ausgegangen seien. Die Leistungskürzung um 50% sei damit nicht zu beanstanden. Ob
die Aufforderung des Beschwerdeführers gegenüber einem der Kontrahenten, er solle
ihn doch schlagen, als starke Provokation zu betrachten sei, könne offenbleiben (act.
G7).
C.c In seiner Replik vom 20. Mai 2015 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest. Er führt aus, eine verbale Auseinandersetzung habe nicht stattgefunden und im
Unfallzeitpunkt habe keine aggressive Stimmung geherrscht. Zwischen dem Verhalten
des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Unfall bestehe weder ein natürlicher
noch ein adäquater Kausalzusammenhang. Der Beschwerdeführer habe in der
damaligen Situation nicht erkennen können und müssen, dass der Täter ihn verletzen
würde. Bei der Blutalkoholkonzentration des Beschwerdeführers werde die
Zurechnungs- und Schuldunfähigkeit vermutet. Die Äusserung des Beschwerdeführers
sei zudem scherzhaft sowie ironisch und mit Sicherheit nicht provokativ gemeint
gewesen (act. G9).
C.d Mit Duplik vom 26. Juni 2015 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest.
Sie bringt vor, bei einem Aufeinandertreffen von stark alkoholisierten Menschen
spätabends oder nachts nach einem Fest sei häufig mit einer Eskalation zu rechnen.
Dies gelte erst recht, wenn ein Kontrahent den anderen sogar noch ausdrücklich
auffordere, ihn doch zu schlagen und diese Aufforderung nicht ohne weiteres als
scherzhafte Äusserung erkannt werde oder erkannt werden könne. Die Aufforderung
des Beschwerdeführers an die sichtlich aggressiven Kontrahenten sei natürlich und
adäquat kausal für den daraufhin erfolgten Schlag gewesen (act. G13).
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Erwägungen
1.
Umstritten und vorliegend zu prüfen ist die Kürzung der Geldleistungen durch die
Beschwerdegegnerin um 50%.
1.1 Gemäss Art. 39 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) kann der Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen,
die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen
oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Gestützt darauf erliess der Bundesrat die
Art. 47 bis 52 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202). Die
Geldleistungen werden mindestens um die Hälfte gekürzt bei Nichtberufsunfällen, die
sich ereignen bei Beteiligung an Raufereien und Schlägereien, es sei denn, der
Versicherte sei als Unbeteiligter oder bei Hilfeleistungen für einen Wehrlosen durch die
Streitenden verletzt worden (Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV).
1.2 Der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien i.S.v. Art. 49 Abs.
2 lit. a UVV ist grundsätzlich verschuldensunabhängig konzipiert und weiter gefasst als
der Straftatbestand der Beteiligung an einem Raufhandel gemäss Art. 133 des
Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0). Es genügt, dass das zu sanktionierende Verhalten
objektiv gesehen die Gefahr einschliesst, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche
nach sich zu ziehen, und die versicherte Person dies erkannt hat oder erkennen
musste. Der Tatbestand ist daher nicht nur bei der Teilnahme an einer eigentlichen
tätlichen Auseinandersetzung gegeben. Es ist auch nicht notwendig, dass die
versicherte Person selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist zudem, aus welchen
Motiven sie sich beteiligt hat, wer mit einem Wortwechsel oder Tätlichkeiten begonnen
hat und welche Wendung die Ereignisse in der Folge genommen haben. Entscheidend
ist allein, ob die versicherte Person die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung
erkannt hat oder erkennen musste. Ausgenommen von dieser Bestimmung ist jedoch
eine versicherte Person, die angegriffen wird, ohne vorher beteiligt gewesen zu sein
(ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 216 mit Hinweisen). Es ist nach
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objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen, mit welchen Reaktionen des Gegners
vernünftigerweise gerechnet werden muss. Aussergewöhnliche oder übertriebene
Reaktionen des Gegners fallen nicht in den Bereich des objektiv Erwartungsgemässen.
Immerhin ist jeweils auch dessen besondere Persönlichkeit zu berücksichtigen, soweit
diese dem Betroffenen bekannt ist. Lässt er sich mit einem bekannten Schläger in ein
Wortgefecht ein, hat er grundsätzlich eher mit Tätlichkeiten zu rechnen als bei einem
“Durchschnittsbürger“ (ALEXANDRA RUMO-JUNGO, Die Leistungskürzung oder -
verweigerung gemäss Art. 37-39 UVG, Freiburg 1993, S. 264). Eine wegen
Alkoholkonsums verminderte Zurechnungsfähigkeit schliesst sodann die Anwendung
des grundsätzlich verschuldensunabhängig konzipierten Tatbestandes der Beteiligung
an Raufereien oder Schlägereien im Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV nicht aus. Eine
verminderte Zurechnungsfähigkeit kann nur, aber immerhin, bei der Bemessung der
Kürzung, welche mindestens 50 % beträgt, berücksichtigt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. März 2011, 8C_579/2010, E. 4).
1.3 Eine Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV setzt sodann voraus, dass
zwischen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu qualifizierenden
Verhalten und dem Unfall ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht.
Die Beurteilung der Adäquanz im Besonderen hat retrospektiv zu erfolgen. Es ist zu
fragen, ob und inwiefern die objektiv unter Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV fallende Handlung
als eine wesentliche Ursache des Unfalles erscheint. Dies ist dann zu bejahen, wenn
die spezifischen Gefahren des allenfalls zu sanktionierenden Verhaltens des
Versicherten sich beim Unfallereignis konkret ausgewirkt haben und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge geeignet sind,
einen Unfall von der Art des eingetretenen herbeizuführen (Urteil des EVG [seit 2007
sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 5. Januar 2006, U 325/05 E.
1.2).
2.
Vorerst zu prüfen ist, ob sich der Beschwerdeführer beim Unfall vom 18. August 2012
i.S.v. Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV an einer Rauferei bzw. Schlägerei beteiligt hat.
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2.1 Der Beschwerdeführer führt aus, er habe sich in keiner Weise aggressiv oder
beleidigend gegenüber den drei unbekannten Männern verhalten. Er habe einzig einem
von ihnen gegenüber auf die Frage, ob er ihn schlagen solle, “dann machs doch“
geäussert. Er habe dies selbstverständlich nicht ernst gemeint, sondern die Aussage
spasseshalber gemacht. Er habe mit dieser Bemerkung niemanden provozieren oder
tatsächlich zum Schlagen auffordern wollen. Weder der Beschwerdeführer noch C._
oder D._ hätten sich aggressiv verhalten oder seien gegenüber der Gruppe um den
Täter beleidigend aufgetreten. In Folge der fehlenden Beteiligung seitens des
Beschwerdeführers könne gar nicht von einer Schlägerei oder Rauferei gesprochen
werden. Der Beschwerdeführer habe aufgrund des kurzen und harmlosen
Wortwechsels und seiner offensichtlich nur scherzhaft gemeinten Äusserung nicht mit
einer derart heftigen Reaktion eines bisher unbeteiligten Anwesenden rechnen müssen.
Zudem sei die Gefahr verletzt zu werden für den Beschwerdeführer mangels einer
vorausgehenden Auseinandersetzung und aufgrund seines Blutalkoholwertes mit
Sicherheit nicht erkennbar gewesen (act. G3). Der Täter und seine Begleiter seien in
einer so aggressiven Stimmung gewesen, dass diese so oder so zugeschlagen hätten
und nur auf der Suche nach einem Opfer gewesen seien. Daher wäre es auch zum
Unfall gekommen, wenn der Beschwerdeführer nicht „dann machs doch“ geäussert
hätte. Damit sei bereits der natürliche Kausalzusammenhang nicht erfüllt, der adäquate
Kausalzusammenhang müsse nicht weiter geprüft werden. Bei der
Blutalkoholkonzentration des Beschwerdeführers werde die Zurechnungs- und
Schuldunfähigkeit vermutet (act. G9).
2.2 Die Beschwerdegegnerin bringt vor, wer sich an einem Fest in stark
alkoholisiertem Zustand nachts um drei Uhr mit möglicherweise ebenfalls stark
alkoholisierten Personen verbal anlege und diese sogar noch auffordere, ihn doch zu
schlagen, müsse die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung erkannt haben bzw.
diese nachgerade provoziert oder in Kauf genommen haben. Offenbar sei die
Stimmung derart aggressiv aufgeladen gewesen, dass es gemäss den Ausführungen
des Beschwerdeführers in jedem Fall zu einer Schlägerei gekommen wäre. Die
Eskalation der Situation und damit die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung seien
in dieser Konstellation nicht nur erkennbar, sondern zum Greifen nah gewesen. Der
Beschwerdeführer habe damit rechnen müssen, dass der Täter seine Aussage nicht als
Spass, sondern als Aufforderung zu einer wechselseitigen tätlichen
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Auseinandersetzung auffasse bzw. verstehe. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer
sehr stark alkoholisiert gewesen sei, vermöge an dieser Beurteilung nichts zu
verändern. An wen die Aufforderung aus dem Kreis der Kontrahenten genau gerichtet
gewesen sei, sei nicht von Belang (act. G7). Der Beschwerdeführer habe sich verbal mit
den Kontrahenten angelegt, indem er einen von ihnen ausdrücklich aufgefordert habe,
ihn doch zu schlagen. Die Aufforderung des Beschwerdeführers an den sichtlich
aggressiven Kontrahenten sei natürlich und adäquat kausal für den daraufhin erfolgten
Schlag gewesen. Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass es ohne die verbale
Provokation bzw. die Aufforderung des Beschwerdeführers, ihn doch zu schlagen,
tatsächlich zu einer tät¬lichen Auseinandersetzung gekommen wäre (act. G13).
2.3 D._ sagte am 19. August 2012 gegenüber der Kantonspolizei St.Gallen aus, der
Beschwerdeführer und C._ hätten einen Spass untereinander gemacht. C._ habe
dann zum Beschwerdeführer gesagt, sie schlage ihn, wenn er sie nicht in Ruhe lasse.
Sie hätten aber keinen Streit gehabt. Eine vorbeigehende Gruppe von drei jungen
Männern, bestehend aus einem Mann im Trainingsanzug, einem in rotem T-Shirt und
einem asiatisch aussehenden Typen, habe die Aussage gehört und angehalten. Der
Mann im Trainingsanzug habe C._ gefragt, ob er den Beschwerdeführer schlagen
solle, was sie mit “sicher nicht“ beantwortet habe. Der Mann habe darauf zu ihr gesagt,
sie müsse es nur sagen, er mache das schon. C._ habe nicht mehr reagiert und die
Männer nicht mehr beachtet. Der asiatische Typ habe auch noch etwas gesagt. Der
Beschwerdeführer habe sich an die Gruppe gewandt und gesagt “schlag mich doch“
bzw. “dann mach doch“. Der Täter im roten T-Shirt habe darauf sofort seine Faust ins
Gesicht des Beschwerdeführers geschlagen. Eine verbale Auseinandersetzung
zwischen dem Täter und dem Beschwerdeführer habe nicht stattgefunden. Der
Beschwerdeführer sei recht stark alkoholisiert gewesen. Er, D._, habe nicht den
Eindruck gehabt, dass der Täter und seine Begleiter alkoholisiert oder gar stark
alkoholisiert gewesen seien. Er sei eher der Meinung, dass sie solche Situationen
gesucht hätten, um sich einmischen und zuschlagen zu können (UV-act. 8.26). C._
machte am 19. August 2012 im Wesentlichen die gleichen Aussagen. Zudem gab sie
an, zum Unfallzeitpunkt sei der Beschwerdeführer “mega friedlich und glücklich“
gewesen, habe es mit allen Leuten lustig haben wollen und sei überhaupt nicht
aggressiv gewesen. Der Beschwerdeführer habe den Täter und seine Begleiter
überhaupt nicht provoziert. Er habe nicht einmal mit ihnen gesprochen und ganz sicher
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auch nicht damit gerechnet, dass er gleich einen Faustschlag kassieren werde (UV-act.
8.28). Mit E-Mail vom 28. Juni 2014 präzisierte der Beschwerdeführer sinngemäss,
C._ und D._ seien der Meinung, seine Aufforderung “dann machs doch“ sei nicht
an den Täter, sondern an einen der beiden anderen Männer gerichtet gewesen (UV-act.
5.7).
2.4 Der Sachverhalt ist zwischen den Parteien im Wesentlichen unbestritten und ergibt
sich aus den aktenkundigen Aussagen von C._ und D._ gegenüber der
Kantonspolizei St.Gallen (vgl. UV-act. 8.26, UV-act. 8.28). Unbestrittenermassen gingen
vom Beschwerdeführer keine Tätlichkeiten oder Beschimpfungen aus. Gemäss
Rapport der Kantonspolizei vom 28. August 2012 (UV-act. 8.32) wurde sodann wegen
einfacher Körperverletzung zulasten des Beschwerdeführers und nicht wegen
Raufhandels ermittelt, mithin also nicht von einer Beteiligung des Beschwerdeführers
an einer Schlägerei ausgegangen. Die Teilnahme des Beschwerdeführers an einer
eigentlichen tätlichen Auseinandersetzung ist damit zu verneinen.
2.5 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer vorzuwerfen ist, sich in Diskussionen,
Streitereien oder Wortgefechte eingelassen zu haben, die das Risiko in sich schlossen,
dass es zu Tätlichkeiten kommen könnte. Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin (vgl. act. G7, G13) muss jemand, der nachts in betrunkenem
Zustand vermeintlich Spass macht, nicht generell häufig davon ausgehen bzw.
zumindest damit rechnen, dass ein Kontrahent die Aussage nicht als Spass, sondern
als Aufforderung zu einer wechselseitigen Auseinandersetzung auffasst bzw. versteht
und es zu einer Eskalation kommt. Erfahrungsgemäss kommt es in solchen Situationen
in der Regel nicht ohne weiteres zu einer tätlichen Auseinandersetzung. Der
Beschwerdeführer äusserte gegenüber dem Täter bzw. dessen beiden Begleiter
lediglich “dann machs doch“. Dies wohl als spontane, ironische Reaktion auf die Frage
einer der Männer, ob er ihn schlagen solle, und nicht als ernsthafte Aufforderung. Für
den Täter musste diese Absicht erkennbar sein, konnte er doch nicht davon ausgehen,
dass der Beschwerdeführer ernsthaft verletzt werden wollte. Der Beschwerdeführer
musste hingegen nicht damit rechnen, dass der Täter ihn tatsächlich schlagen und
verletzen würde. Der Täter war am bisherigen Geschehen völlig unbeteiligt und hat sich
weder verbal noch sonst wie geäussert. Abgesehen vom beschriebenen kurzen
harmlosen Wortwechsel zwischen C._ und den beiden Begleitern des Täters ging
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dem Schlag keine Auseinandersetzung voraus. Der Beschwerdeführer verhielt sich
nicht aggressiv, sondern war gemäss Aussagen von C._ und D._ friedlich (vgl. UV-
act. 8.26, UV-act. 8.28). Seine verbale Äusserung hat objektiv gesehen keine Gefahr
geborgen, Tätlichkeiten nach sich zu ziehen. Er musste nicht mit der übertriebenen
Reaktion des ihm unbekannten Täters in Form eines heftigen Schlages ins Gesicht
rechnen. Ob der Beschwerdeführer aufgrund seiner hohen Blutalkoholkonzentration
vermindert zurechnungsfähig war, ist für die Beurteilung einer Beteiligung an einer
Schlägerei unerheblich (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. März 2011,
8C_579/2010 E. 4).
2.6 Der Beschwerdeführer hat sich folglich weder aktiv an einer Schlägerei beteiligt,
noch musste er mit einer Tätlichkeit rechnen. Ob die Aussage des Beschwerdeführers
“dann machs doch“ natürlich und adäquat kausal für seine Verletzung war, muss
folglich nicht geprüft werden. Demnach kann ebenso offen bleiben, ob der
Beschwerdeführer, wie von ihm vorgebracht (vgl. act. G9), unabhängig vom seinem
Verhalten vom Täter angegriffen worden wäre.
3.
Weiter zu klären ist, ob das Verhalten des Beschwerdeführers als starke Provokation
i.S.v. Art. 49 Abs. 2 lit. b UVV zu werten ist.
3.1 Um mindestens die Hälfte gekürzt werden Geldleistungen für Nichtberufsunfälle,
die sich ereignen bei Gefahren, denen sich der Versicherte dadurch aussetzt, dass er
andere stark provoziert (Art. 49 Abs. 2 lit. b UVV). Beim Begriff der starken Provokation
i.S.v. Art. 49 Abs. 2 lit. b UVV gilt es in jedem Einzelfall unter Berücksichtigung der
konkret gegebenen Verhältnisse zu prüfen, ob das beanstandete Verhalten ernsthaft
geeignet erscheint, eine gewaltsame Reaktion anderer hervorzurufen. Eine solche
Provokation kann durch Worte, Gesten oder Handlungen erfolgen. Es kommt dabei
nicht darauf an, ob die Reaktion unverhältnismässig ist. Die Provokation muss aber
natürlich und adäquat kausal für diese sein. Die Annahme einer starken Provokation
setzt zudem eine gewisse Unmittelbarkeit der Reaktion des Provozierten voraus. Der
Schweregrad einer Provokation beurteilt sich nach einem objektiven Massstab und
nicht nach dem subjektiven Empfinden des Provozierten (RUMO-JUNGO/HOLZER,
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a.a.O., S. 219, Urteil des Bundesgerichts vom 10. März 2011, 8C_579/2010, E. 2.2.2).
Jedermann muss sich darauf verlassen können, dass alltägliche Provokationen oder
übliche menschliche Konfrontationen nicht sogleich in Tätlichkeiten ausarten, welche
Kürzungen von Versicherungsleistungen nach sich ziehen (RUMO-JUNGO, a.a.O., S.
271).
3.2 Mit seiner scherzhaft gemeinten Äusserung hat der Beschwerdeführer den Täter
und dessen Begleiter weder beschimpft, beleidigt, noch sonst wie angegriffen oder
verletzt. Sein Verhalten war ansonsten passiv und nicht aggressiv. Die einmalige,
spontane Äusserung des Beschwerdeführers ist damit objektiv nicht als starke
Provokation zu sehen und war nicht ernsthaft geeignet, eine gewaltsame Reaktion
hervorzurufen. Ob der Täter sich durch die erkennbar scherzhafte Aussage subjektiv
provoziert gefühlt hat und sich zum Schlag veranlasst sah, ist unerheblich. Vorliegend
kann offen bleiben, ob die Äusserung eine adäquat kausale Ursache für die Verletzung
des Beschwerdeführers darstellte. Dies erscheint jedenfalls fraglich, zumal die Situation
gemäss Einschätzung von C._ und D._ ohnehin eskaliert wäre.
4.
Schliesslich ist eine Leistungskürzung wegen grobfahrlässiger Verursachung des
Unfalls i.S.v. Art. 37 Abs. 2 UVG zu prüfen.
4.1 In der Versicherung der Nichtberufsunfälle werden die Taggelder, die während der
ersten zwei Jahre nach dem Unfall ausgerichtet werden, gekürzt, wenn der Versicherte
den Unfall grobfahrlässig herbeigeführt hat (Art. 37 Abs. 2 UVG). Nach ständiger
Rechtsprechung handelt grobfahrlässig, wer jene elementaren Vorsichtsgebote
unbeachtet lässt, die jeder verständige Mensch in der gleichen Lage und unter den
gleichen Umständen befolgt hätte, um eine nach dem natürlichen Lauf der Dinge
voraussehbare Schädigung zu vermeiden (RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 202).
4.2 Als grobfahrlässig wurde in der Rechtsprechung bspw. angesehen, wer in einer
riskanten Situation gegenüber einer brutalen, randalierenden Gruppe trotz Mahnung
eines Anwesenden interveniert und dazu eine drohende Haltung einnimmt oder
zumindest den Ausdruck “schlagen“ gebraucht. Ebenfalls als grobfahrlässiges
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Verhalten wurde die Beschimpfung einer dunkelhäutigen Person als “Neger“ betrachtet
(RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 208 mit Verweis auf BGE 105 V 215 ff. und Urteil
des Bundesgerichts vom 28. Juni 2010, 8C_877/2009, E. 3). Der Beschwerdeführer hat
dagegen lediglich “dann machs doch“ geäussert und damit den Täter weder beleidigt
oder beschimpft noch ihm gedroht. Diese Aussage war objektiv gesehen nicht als
ernsthafte Aufforderung zu einem Schlag bzw. einer Verletzung zu werten. Auch fand
vorgängig keine verbale oder tätliche Auseinandersetzung statt und der
Beschwerdeführer sowie dessen Begleiter verhielten sich friedlich. Wie die
Beschwerdegegnerin richtig vorbringt (vgl. act. G7, act. G13), hätte der
Beschwerdeführer dem Täter und dessen Begleiter wohl auch einfach ausweichen
können. Die drohende Verletzung war für den Beschwerdeführer jedoch nicht
voraussehbar und er hatte deshalb keinen Anlass, sich möglichst schnell von den drei
Männern zu entfernen. Zudem kam es bereits kurz nach dem Zusammentreffen der
beiden Personengruppen zur Verletzung des Beschwerdeführers und nicht erst nach
längerer Zeit, in welcher der Beschwerdeführer Gelegenheit gehabt hätte, sich vom
Geschehen zu entfernen. Der Beschwerdeführer liess damit keine elementaren
Vorsichtsgebote unbeachtet und führte den Unfall nicht grobfahrlässig herbei. Eine
Leistungskürzung rechtfertigt sich somit auch nach Art. 37 Abs. 2 UVG nicht.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 18. Dezember 2014 gutzuheissen und die
Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Geldleistungen ungekürzt zu
entrichten.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
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beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.