Decision ID: cb42c064-b6ca-4947-a9e5-83b831a4b77e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1958 geborene
X._
absolvierte in einem Gartenbauunternehmen eine
Anlehre
als Maschinist und war danach für zahlreiche Industrieunter
nehmen als Betriebsmitarbeiter tätig, ab Mai 2005 bis November 2008 für die
Y._
AG in
Z._
. Von Dezember 2008 bis Juni 2010 bezog er Taggelder der Arbeitslosenversicherung (Urk. 11/3 S. 4, 11/10). Die bis dahin im Rahmen der von ihm im Mai 2006 gegründeten "
A._
GmbH" aus
geübte Nebenerwerbstätigkeit als Reiniger machte der Versicherte ab 1. Januar 2011 zu seiner Haupterwerbstätigkeit (Urk. 11/3 S. 4, 11/13). Am 7. Juli 2011 meldete er sich unter Hinweis auf die Folgen eines am 3. März 2011 erlittenen Herzinfarkts bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 11/3). Die IV
Stelle tätigte medizinische sowie erwerbliche Abklärungen und veranlasste eine interdisziplinäre Begutachtung. Die nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Abklärungsstelle
B._
erstattete ihr Gutachten am 19. März 2013 (Urk. 11/40). In der Folge sprach die IV
Stelle dem Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
mit Verfügung vom 27. November 2014 mit Wirkung ab 1. März 2012 eine
Viertelsrente
der Invali
denversicherung zu (Urk. 2 [= 11/75 und 11/84]).
2.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte mit Eingabe vom 13. Januar 2015 Beschwerde führen und beantragen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei ihm bis März 2013 eine ganze und danach eine halbe Rente zuzusprechen. Ferner sei die IV
Stelle zu verpflichten, ihm einen Betrag in Höhe von Fr. 4'301.-- nach
zuzahlen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 25. Februar 2015 beantragte die IV
Stelle Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 10).
Mit Verfügung vom 1. April 2015 wurde das Gesuch des Beschwerdeführers vom 13. Januar 2015 um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin mangels Bedürftigkeit abgewiesen; gleichzeitig wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 13). Mit Replik vom 7. Mai 2015 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest (Urk. 14). Mit Eingabe vom 4. Juni 2015 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf Erstattung einer Duplik (Urk. 18), was dem Beschwer
deführer mit Verfügung vom 16. Juni 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 19).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit ode
r Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sac
hte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
1.3.1
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme
Schmerz
störung
oder eine vergleichbare Störung ohne erkennbare organische Ursache begründet als solche
noch keine Invalidität. Nach der bisherigen Recht
sprechung bestand eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind.
Danach konnten bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügte. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien
(BGE 130 V
352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
1.3.2
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbemes
sung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berück
sichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nieder
schlagen muss.
An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen ein
teilen. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur.
Die
Anerkennung eines
renten
begrün
denden
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Aus
wirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbe
las
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern Indizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Das
So
zialversicherungsgericht
hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
ach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung
der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
ter
su
chun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen
sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob
die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind,
dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklar
heiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V
157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM
1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten, 3. Aufl. 1994,
S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog im angefochtenen Entscheid, das Gutachten des
B._
vom 1
9.
März 2013
habe ergeben, dass de
m
Beschwerdeführer
ab
Juni 2011
eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit
wieder
zu 60
%
zumutbar
sei.
Sämtliche
bei den Akten liegenden
Berichte der behandelnden Ärzte seien gutachterlich berücksichtigt und gewürdigt worden.
Sodann
errechnete die IV-Stelle einen
Invalidit
ätsgrad von 47
%
und sprach dem Beschwerdeführer eine
Viertelsrente
zu
(
Urk.
2)
.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde dagegen vor, aus den Berich
ten der behandelnden Ärzte ergebe sich, dass ihm
realistischerweise
maximal sein aktuelles Pensum von 20
%
zumutbar sei.
Zur Berechnung des
Validen
einkommens
sei auf sein tatsächliches Einkommen
und nicht auf einen Tabellenlohn
abzustellen.
E
s sei beim Invalideneinkommen ein Leidensabzug im Umfang von 25 % vorzunehmen.
Ausserdem sei ihm aufgrund einer unzulässi
gen Verrechnung
von Nachzahlungsleistungen der IV mit Taggeldern der privaten Krankenzusatzversicherung
ein Betrag in der Höhe von
Fr.
4‘301.-- zu
Unrecht nicht
ausbezahlt worden
(
Urk.
1
und
Urk.
14
)
.
3.
3.1
Im interdisziplinären
B._
-
Gutachten vom
1
9.
März 2013
wurden folgende Diag
nosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk.
11/40 S. 30
):
Koronare 2-Asterkrankung
“out
of
hospital
“-Reanimation bei Kammerflimmern im Rahmen eines
akuten Myokardinfarkts am
03.03.2011
St. n.
Rekanalisation
und
Stenting
bei Verschluss des mittleren RCX am
03.03.2011
signifikante
ostiale
RIVPO-Stenose, normale linksventrikuläre Funktion
(03.03.
2011)
keine signifikante Stent-Stenose (Re-Koronarangiographie
02.12.2011
)
aktuell: normale linksventrikuläre Funktion, ergometrisch keine
Ischämie
hyp
oxische
Hirnschädigung mit kernspintomographisch symmetrischer
Läsion im Globus
pallidus
(03/
2011)
klinisch Myoklonien des linken Arms (anamnestisch), leichte
Hemiataxie
links mit Rumpfbeteiligung
sonstige näher bezeichne
t
e psychische Störung aufgrund einer Schädigung des Gehirns
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
Dem Gutachten können
sodann
folgende Diagnosen ohne
Auswirkung auf
die Arbeits
fähigkeit entnommen werden (
Urk. 11/40 S. 30
):
chronischer Nikotinabusus (29 pack
years
)
Übergewicht (BMI 27.3)
unklare Dermatitis Fuss rechts
St. n. Aspirationspneumonie mit
Staphylococcus
aureus
und
Haemophilus
influenzae
03/2011
Zur
Frage der
Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, die zuletzt durch den Beschwerdeführer ausgeübte Tätigkeit sei diejenige eines selbständig Erwerben
den in der eigenen Reinigungsfirma gewesen. Einschränkungen bezüglich der Arbeitsfähigkeit würden sich einerseits durch die leichte
Hemiataxie
links, andererseits durch eine vermehrte Ermüdbarkeit mit dann auch gehäuftem Auf
treten von Myoklonien, möglicherweise leichte kognitive Störungen und Ängste mit Vermeidungsverhalten sowie Schmerzen ergeben. Letztlich könne
differen
zialdiagnostisch
nicht klar zwischen de
r
oben gestellten
F
06.8
-Diagnose
und
F
45.4
unterschieden werden
. Unter Berücksichtigung der nachgewiesenen strukturellen Hirnschädigung und der konsistenten Lebensentwicklung würden
sie
den Exploranden als noch zu 60
%
arbeitsfähig beurteilen. Diese Einschrän
kung berücksichtige alle er
hobenen
Befunde summarisch, sowohl die somati
schen wie die psychischen. Eine darüber hinaus gehende Rendement-Vermin
derung liege nicht vor.
Diese Einschränkung gelte seit dem Herzinfarkt
vom
3.
März 2011, wobei initial
während
drei Monate
n
eine
100%ige Arbeitsunfä
higkeit bestanden habe.
Die Gutachter hielten weiter fest, sie könnten keine Tätigkeit nennen, in der die Arbeitsfähigkeit des Exploranden höher wäre. Abgesehen von potentiell gefährlichen Tätigkeiten wie zum Beispiel auf Leitern, welche wegen der leichten
Hemiataxie
zumindest ungünstig seien, seien sämtli
che Tätigkeiten in diesem Ausmass zumutbar.
B
ald zwei Jahre nach der
Hirn
schädigung
handle es sich
um einen Residualzustand. Aus somatischer Sicht könne nicht
mehr mit einer Verbesserung gerechnet werden. Bei
Vorliegen von
Motivation seitens des Exploranden könnte eine integrativ-psychiatrische Behandlung sinnvoll sein, wobei von einer
Polypragmasie
eher abzuraten sei
(
Urk.
11/40 S. 32 f.)
.
In der
Beschreibung der aktuellen medizinischen Problematik
samt
Konsistenz
prüfung
wurde
zusammenfassend festgehalten,
für den Exploranden
stehe sub
jektiv
ein als stechend beschriebener, konstant vorhandener, bei Bewegungen und Belastungen verstärkter Schmerz auf der linken Brustseite
im Vordergrund
. Des Weiteren habe der Explorand intermittierende, vor allem bei Müdigkeit manifeste “wie elektrische“ Zuckungen des linken Armes an
gegeben
, wobei ihm zum Teil Gegenstände aus der Hand fallen würden. Diese Zuckungen würden unter
Keppra
d
eutlich selten
er auftreten als ohne das Medikament. Als weitere Symptome habe der Explorand eine Müdigkeit
und
auf Befragen
zudem
Pro
b
leme mit dem Gedächtnis und der Konzentration
be
klagt
. Auf psychischem Gebiet würden Ängste
und ein entsprechendes Vermeidungsverhalten vor einem erneuten kardialen Ereignis geltend gemacht.
Kardiologischerseits
könne aktuell eine normale linksventrikuläre Funktion dokumentiert werden
(
Urk.
11/40 S.
31)
. Beschwerdemässig habe der Explorand hauptsächlich anhaltende links
seitige Brustschmerzen
bek
lagt, was schliesslich am 2. Dezember 2011 zu einer Re-Koronarangiographie geführt habe, wobei keine signifikante Stenose mehr
habe
nachgewiesen werden können. Anlässlich der Rehabilitation in
C._
vom
8.
Oktober bis am
3.
November 2012 seien diese Schmerzen als am ehesten
muskuloskelettaler
Genese interpretiert worden
(
Urk.
11/40 S. 30)
.
Auch die aktuelle Belastung zeige
keine
Ischämiezeichen
, jedoch eine verminderte physi
sche Belastbarkeit. Das
bedeute
,
dass
die linksthorakalen Schmerzen nicht kar
dialer Natur
seien
. Ebenso
sei
en
sie
wegen des Vorhandenseins auch in absolu
ter Ruhe nicht – wie zum Teil in den Akten getan – als
muskuloskelettal
zu beurteilen
, weshalb
sie
den Schmerz als “somatoform“
bezeichnen
würden
(
Urk.
11/40 S. 31)
.
Die Gutachter führten weiter aus, auf somatisch-neurologischem Gebiet falle
eine leichte
Hemiataxie
der linken Körperseite auf, sichtbar zum Beispiel beim
Finger-Nasen- oder beim Knie-Hacken-Versuch mit einer leichten
Rumpfmit
beteiligung
. Myoklonien seien während de
n
gutachterlichen
Untersuchungen
unter symptomatischer Behandlung mit
Levetiracetam
keine manifest gewe
sen, solche seien aber aufgrund der Angaben des Exploranden betreffend den linken Arm plausibel, auch unter Berücksichtigung der kernspintomographisch offenbar dokumentierten Läsionen symmetrisch im Globus
pallidus
. Die ent
sprechenden Bilder seien
den Experten
jedoch nicht zur Verfügung gestanden. Anlässlich der aktuellen Untersuchung sei eine zuverlässige neuropsychologi
sche Testung nicht möglich gewesen, der Neuropsychologe spreche von einer unbeholfenen, ängstlichen Aggravation mit nicht verwertbaren Resultaten. Diesbezüglich
würden sie
auf die beiden neuropsychologischen Testungen in der
Klinik D._
verweisen, wobei die Zweituntersuchung vom
2.
September 2011 im Vergleich zur Voruntersuchung deutliche Besserungen ergeben hätte, so dass auch die Fahreignung als wieder gegeben beurteilt worden sei. Es sei lediglich noch eine leicht erhöhte Ermüdbarkeit festgestellt worden.
Aus psychi
atrischer Sicht sei zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer
in
einer schwierigen beruflichen Situation
gewesen sei und
jahrelang Sorgen um den hyperaktiven jüngsten Sohn
gehabt habe
, der psychiatrisch habe behandelt
werden müssen
,
in Sonderschulen gefördert worden sei
und vorübergehend auch bei der IV angemeldet gewesen sei
.
Dazu komme d
as
kardiale Ereignis vom
3.
März 2011 mit organisch nicht vollständig geklärter Schmerzentwicklung sowie per
sistierender Müdigkeit und Ängste
n. Dies
habe zur
Diagnose einer somatofor
men Schmerzstörung ge
führt
, wobei ein
Teil der Symptomatik bei
hypo
xämischem
Hirnschaden durch eine sonstige näher bezeichnete psychische Störung aufgrund einer Schädigung des Gehirns erklärt werden
könne
. Insge
samt gelte es nochmals darauf hinzuweisen, dass eine konsistente berufliche (mit langjährigen Arbeitsstellen) und private (mit tragfähiger Beziehung) Ent
wicklung stattgefunden habe, so dass auch bei knappen finanziellen Verhält
nissen keine Schulden vorhanden seien. Es könne somit von einer guten per
sönlichen und soziale
n Integration gesprochen werden (Urk. 11/40 S. 32)
.
Die Gutachter hielten zu den
vorhandenen Berichte
n
der behandelnden Ärzte
fest,
es bestehe in den Akten insofern Einigkeit, als dass der Explorand wieder eine Tätigkeit aufnehmen könne. Anlässlich der zweiten neuropsychologischen Testung in
D._
im September 2011 sei noch eine leichte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert worden mit der Notwendigkeit einer schrittweisen Steigerung. Der behandelnde Hausarzt
Dr.
E._
habe den Exploranden am 2
6.
März 2012 wegen chronischer Müdigkeit und Anstrengungsdyspnoe als weiterhin nicht arbeitsfähig beurteilt. Im Austritt
sbericht der Klinik
C._
vom
9.
November 2012 sei eine stufenweise Wiederaufnahme mit zunächst einem Arbeitsversuch in einem Pensum von 20-30 % aufgeführt worden, ohne
dass
zu einer definitiven Arbeitsfähigkeit Stellung
genommen worden sei
(
Urk.
11/40 S.
34)
.
Stellungnehmend
zur
Zusatzfrage, ob neuropsychologische Defizite mit Auswir
kung
en
auf die Arbeitsfähigkeit weiterhin vorliegen würden, führten die Gut
achte
r
aus, die Frage könne letztlich nicht ganz zuverlässig beantwortet werden. Unter Berücksichtigung des MRI-Befundes mit Nachweis struktureller Verände
rungen seien entsprechende Defizite – leichten Grades – nicht auszuschliessen, eine erhöhte Ermüdbarkeit sei plausibel. Insgesamt könnten aber die somati
schen, psychophysischen und psychischen Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit nicht genauer differenziert werden
(
Urk.
11/40 S. 34)
.
4.
4.1
Das
interdisziplinäre
MEDAS-
Gutachten
(Urk. 11/40)
vermag die an eine beweis
kräftige ärzt
liche Expertise gestellten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (E.
1.
6
).
Es beruht auf
sorgfältige
n
,
allseitigen Untersuchungen (Urk. 11/40 S. 14-28), berücksichtigt die geklagten Beschwerden (Urk. 11/40 S. 13, S. 16 f., S. 20 und S. 24) und ist in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben worden (Urk. 11/40 S. 3-8). Die Beurteilung des Ge
sundheitszustands ist schlüssig und nachvollziehbar; die Gutachter setzten sich mit den abweichenden Auffassun
gen der behandelnden Klinikärzte
hinreichend
auseinander und zeigten auf, aus welchen Gründen sich deren Ein
schätzungen nicht bestätigen liessen (Urk. 1
1
/
40
S. 3
1 und S. 34
).
Es erfüllt damit sämtliche rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen
.
4.
2
Mit Blick
auf die
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465
E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
,
vermag der
Bericht der Klinik
C._
vom 9. November 2012 (
Urk.
11
/53
)
die gutachterlich
e
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht zu ent
kräften.
D
er
begutachtende
Kardiologe
untersuchte
den Beschwerdeführer ein
gehend und
legte
in seinem Teilgutachten
überzeugend dar
, weshalb die
per
sistierenden linksthorakalen
Schmerzen des Beschwerdeführers
entgegen
der Auffassung der Klinikärzte
nicht als
muskuloskelettal
,
sondern als soma
toform zu bezeichnen seien
und
aus diesem Grund
die Diagnose
“persist
i
erende
links
thorakale
Schmerzen am ehesten
muskuloskelettaler
Genese“ nicht
bestätigt
werden kö
nn
e
, sondern
vielmehr
von einer
anhaltenden
somatoform
en
Schmerz
störung
auszugehen
sei
(Urk.
11/40 S.
31)
.
Auch die Rüge, es sei
nicht
möglich
, eine bis Juni 2011
zurückgehende
Arbeitsfähig
keitsbeurteilung
vorzu
nehmen, erweist sich als unbegründet. Die Gutachter
begründeten
in nachvoll
ziehbarer Weise, dass nach dem Herzinfarkt vom
3.
März 2011 von einer
initial dreimonatigen
100%igen Arbeitsunfähigkeit aus
zugehen
und
im Anschluss daran
,
mit Ausnahme gefährlicher Arbeiten
,
ein
60
%-Pensum
als
zumutbar
zu erachten
sei (
Urk.
11/40 S. 34).
Auf
das
Attest des Spitals F._
vom 1
4.
März 2011 (
Urk.
11/9 S. 7)
kann mangels nach
vollziehbarer Begründung nicht abgestellt werden.
D
ie weiteren
bei den Akten liegenden
Berichte
der
behandelnden Ärzte
wurden gutachterlich ebenfalls bereits berücksichtigt und
stehen dem Gutachten
nicht
entgegen,
da
sie
entwe
der keine Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit
enthalten
oder
eine entspre
chende Begründung fehlt
(
bspw.
Austrittsbericht
der
D._
vom 12.
Mai 2011
[
Urk.
11/2
]
oder Bericht von Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Chirurgie, vom 2
1.
September 2011
[
Urk.
11/19
]).
4.3
Die Gutachter diagnostizierten
eine
anhaltende
somatoforme Schmerzstörung.
Dem psychiatrischen Teilgutachten ist zu entnehmen, dass unter
Berücksichti
gung der Diagnose einer sonstigen psychischen Störung aufgrund einer Schädi
gung des Gehirns (ICD-10 F06.8) aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe.
Der
somatoformen Schmerzstörung
dagegen
massen die Gutachter
, da
die Foerster-Kriterien
nicht erfüllt seien,
allerdings keine Relevan
z
für die Arbeitsfähigkeit
bei
(Urk.
11/40 S. 32 f.)
.
Es wurde viel
mehr festgehalten, dass vorliegend
weder
eine
Therapieresistenz, noch ein
ver
festigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer
innerseelischer Verlauf
, noch ein sozialer Rückzug gegeben
sei (
Urk.
11/40 S.
27)
.
An der
Einschätzung
, dass der somatoformen Schmerzstörung keine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit beizu
messen ist, ändert sich selbst dann nichts, wenn die jüngste bundesgerichtliche Rechtsprechung
zu den psychosomatischen Leiden (
vorne E. 1.3)
berück
sich
tigt wird (zur Anwendung dieser Rechtsprechung auf laufende Verfahren vgl. BGE 141 V 281 E. 8). Unter dem Aspekt "funktioneller Schweregrad" ist fest
zuhalten, dass die diagnoserelevanten Befunde und Symptome nicht besonders ausge
prägt erscheinen.
Vom psychiatrischen Konsiliarius wird explizit erwähnt, dass von einer Therapieresistenz nicht gesprochen werden könne, vielmehr bestehe ein mehrjähriger, fluktuierender Verlauf mit Tendenz zur Besserung. Es könne nicht von einem verfestigten, therapeutisch nicht mehr beeinflussbaren
inner
seelischen
Verlauf gesprochen werden. Der Beschwerdeführer könnte vielmehr im Rahmen seiner Neuorientierung möglicherweise von einer integrativ-psychi
atrischen Behandlung profitieren (Urk. 11/40 S. 27).
Eine fachärztliche Behandlung findet gegenwärtig nicht
statt; die entsprechenden Möglichkeiten sind daher nicht ausgeschöpft (Urk.
11
/
40
S. 13).
Was den Indikator "Komorbi
ditäten" betrifft, so besteht eine körperliche Komorbidität
(koronare 2-Aster
krankung) sowie eine sonstige psychische Störung aufgrund einer Schädigung des Gehirns
(ICD-10 F06.8)
.
Die erhobenen Befunde vermögen gemäss der gut
achterlichen Einschätzung die Arbeitsfähigkeit im Ausmass von 40 % einzu
schränken. D
ie somatischen, psychophysischen und psychischen Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit
seien allerdings
nicht genauer differenzier
bar
(
Urk.
11/40 S.
34).
Weder die behandelnden Ärzte noch die Gut
achter berichteten von einer auffälligen Persönlichkeitsstruktur; die grund
legen
den psychischen Funktionen sind nach den Ergebnissen der psychiatri
schen
Begutachtung weitgehend intakt (vgl. die erhobenen Befunde, Urk.
11/40 S. 24
), so dass keine wesentlichen funk
tionellen Einschränkun
gen ersicht
lich sind. Hinsichtlich des Komplexes "Sozia
ler Kontext"
ist zunächst auf die das Beschwerdebild mitbestimmenden
invali
ditätsfremden
psy
chosozialen Belastungsfaktoren hinzuweisen (schwierige berufliche Situation, jahrelange Sorgen um hyperaktiven jüngsten Sohn mit entsprechender psychiatrischer Behandlung und Sonderschulung). Sodann lässt der Lebenskontext des Beschwerdeführers
auf
durchaus
vorhandene Ressourcen (intakte Familienverhältnisse, geregelter Tagesablauf, Urk.
11
/
40
S. 10 und 1
2
) schliessen
.
Zum beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz ist zu erwähnen, dass der begutachtende Neuropsychologe von insgesamt nicht ver
wertbaren Resultaten der Untersuchung sprach
. Der Beschwerdeführer sei
anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung
sehr ängstlich und
überan
gespannt
gewesen und es sei
der Eindruck einer unbeholfenen Aggravation entstand
en
(
Urk.
11/40 S. 28).
Unter Berücksichtigung der nunmehr beachtlichen Standardindikatoren sind erhebliche funktionelle Auswirkungen der Schmerzstörung respektive der in diesem Zusammenhang geklagten Beschwerden nicht schlüssig nachweisbar. Die diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung hat somit auch nach der neuen Rechtsprechung keine relevante Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit.
4.
4
Nach dem Gesagten steht
gestützt auf das
B._
-G
utachten
mit dem im
Sozial
versi
cherungsrecht
massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit fest, dass dem Beschwerdeführer
,
unter Berücksichtigung der nachge
wiesenen strukturellen Hirnschädigung und der
darauf zurückzuführen
den psychischen Beeinträchtigung
seit Juni 2011
die angestammte sowie jede adaptierte Tätigkeit,
abgesehen von potentiell gefährlichen Arbeiten,
in einem 60
%
-Pensum zumutbar ist.
5.
5.1
.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mens
vergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.
1.2
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
von selbständig erwerbstätig gewe
se
nen Personen, das der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG zugrunde zu legen ist, sollten in erster Linie die aus dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) ersichtlichen Löhne herangezogen werden. Weist das bis Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurz
fristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2011 vom 29. März 2012 E. 3, E. 4.1 f.).
Bei selbständig Erwerbenden wird namentlich dann nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall seine nicht einträgliche selbständige Tätigkeit aufgegeben und eine besser
ent
löhnte
andere Tätigkeit angenommen hätte, oder dann, wenn die vor der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübte selbständige Tätigkeit wegen ihrer kurzen Dauer keine genügende Grundlage für die Bestimmung des
Validenein
kommens
darstellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbständi
gen Erwerbstätigkeit üblicherweise aus verschiedenen Gründen (hohe
Abschrei
bungsquote
auf Neuinvestitionen usw.) die Betriebsgewinne gering sind. Wenn sich hingegen der Versicherte, auch als seine Arbeitsfähigkeit noch nicht beein
trächtigt war, über mehrere Jahre hinweg mit einem bescheidenen Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit begnügt hat, ist dieses für die Festlegung des
Valideneinkommens
massgebend, selbst wenn besser
entlöhnte
Erwerbsmög
lichkeiten bestanden hätten. Das Bundesgericht hat denn auch eine Paralleli
sierung der Einkommen bei selbständig Erwerbenden in der Regel abgelehnt (Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2011 vom 2
9.
März 2012 E. 4.4 mit Hinwei
sen auf
BGE 135 V 58
E. 3.4.6-7).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausge
gli
chenen Arbeitsmarktlage (Art. 16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Fest
setzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstruk
tur
erhebung
(LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.2
Wie im Abklärungsbericht richtig festgehalten wurde, sind den Buchhaltungs
un
terlagen keine konstanten Einkommensverhältnisse zu ent
nehmen, insbe
sondere erhellt nicht, welche
r
Anteil der ausbezahlten Gehälter
dem
Beschwer
de
führer
zukam
(
Urk.
11/42 S. 4)
. Es ist sodann
klar zu erkennen, dass
sich das Unternehmen
noch immer in einer Aufbauphase befindet
, weshalb es sich rechtfertigt, d
as
Valideneinkommen
gestützt auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohn
struktur
erhe
bungen
2010 (LSE) festzusetzen
, wobei die Bemessung des
Invali
ditätsgrads
für das Jahr 2012 vorzunehmen ist.
Der Beschwerdeführer
hat die obligatorische Schule in seinem Heimatland besucht und eine
Anlehre
als Maschinist absolviert (
Urk.
11/3 S. 4)
. Sodann
war
er
seit 2006
nebenberuflich
in der Reinigungsbranche tätig
. Z
uerst habe er in der Reinigungsfirma der Ehefrau seines Chefs ausgeholfen und sich in der Folge selbständig gemacht und ein Familienunternehmen
gegründet
, welches er zunächst als Einzel
unternehmer und schliesslich
als Geschäftsführer der
A._
GmbH
bis am
8.
Juni 2012 geführt hatt
e (
vgl. Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende
,
Urk.
11/42 S. 4
sowie
Urk.
12 S. 8
).
Mangels
Ausbil
dung in der Reinigungsbranche erscheint es vorliegend als angemessen,
den Medianwert
der Löhne für männliche Hilfskräfte im Bereich Gebäudebetreuung (Wirtschaftsabteilung 81)
in der Höhe von
Fr.
4‘114.--
heranzuziehen (Bundes
amt für Statistik, LSE 2010, TA
1
, Monatlicher Bruttolohn Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht, Privater
Sektor
). Unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.9 Stunden im Jahr 2012 (Bundesamt für Statistik, Die Volkswirtschaft 3/4 – 2015, Tabelle B 9.2, Buchstabe S Erbringung von sonstigen Dienstleistungen) sow
ie der massgeben
den Nominallohn
entwicklung
der Saläre der
Männer
(Indexstand 2151 [2010] auf 2188 [2012], vgl. die Volkswirtschaft 3/4-2015,
S. 89, Tabelle B 10.3)
resul
tiert ein hypothetisches
Valideneinkommen
von rund Fr.
52‘603
.-- (
Fr.
4‘
114
.-- : 40 x 41.9 x 12 : 2
151 x 2188
)
.
5.3
.1
Der Beschwerdeführer ist
ab
Juni 2011
wieder als
zu 60
%
arbeitsfähig
zu erach
ten
(vgl. E.
4
). Da er in einer Hilfstätigkeit ein höheres Einkommen zu erzielen
vermöchte, als in der Reinigungsbranche
, ist es ihm deshalb zumutbar,
die verbleibende Arbeitsfähigkeit in einer Hilfstätigkeit erwerblich zu verwerten.
Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist mit der IV-Stelle auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen. Es ist von einem monatlichen Einkommen von männlichen Hilfskräften von Fr. 4‘901.-- (LSE 2010, S. 26, Tabelle TA1,
Wirtschaftsabteilungen Total,
Anfor
de
rungsniveau
4) auszugehen. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Ar
beits
zeit im Jahr 201
2
von 41.7 Stunden pro Woche (Die Volkswirtschaft, 3/4-2015, S. 88, Tabelle B 9.2) sowie der Nominallohnentwicklung bis ins Jahr
2012
(Indexstand 2
151
[2010] auf 2
188
[201
2
], vgl. die Volkswirtschaft 3/4
2015,
S. 89, Tabelle B 10.3) ergibt sich bei einem zumutbaren
Arbeits
pensum
von 60 % ein Jahreseinkommen von
Fr. 37‘420.-- (Fr. 4‘901.-- : 40 x 41.7 x 12 : 2151 x 2188 x 0.6). Der von der IV-Stelle vorgenommene
leidens
bedingte
Abzug von 15 % ist nicht zu beanstanden. Demnach beträgt das
In
vali
den
ein
kommen
Fr. 31‘807.-- (Fr. 37‘420.-- x 85 %).
5.3.2
Wird das
Valideneinkommen
von Fr.
5
2
‘
603
.-- dem Invalideneinkommen von Fr. 3
1
‘
807
.-- gegenübergestellt, resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr.
2
0
‘
796
.
, was einem Invaliditätsgrad von gerundet
40
% (zur Rundung: BGE 130 V 121 E. 3.2) entspricht.
5.4
Nach dem Gesagten
ist die angefochtene Verfügung, mit welcher dem
Beschwer
deführer
nach Ablauf des Wartejahres
ab
1.
März 2012
eine
Viertel
s
r
ente
zugesprochen wurde
,
nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist daher
in diesem Punkt
abzuweisen.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Beschwerdegegnerin habe die ihm zustehende Rentennachzahlung zu Unrecht im Betrag von Fr. 4'301.-- mit einer von der CSS Kranken-Versicherung AG (CSS) behaupteten Rückforderung für zuvor ausbezahlte Krankentaggelder verrechnet. Die vertraglichen Bestim
mungen, auf die sich die CSS berufe, seien nicht aktenkundig; in der Vollmacht, welche er zugunsten der CSS unterzeichnet habe, sei von einem Einverständnis zu einer Verrechnung einer allfälligen Rentennachzahlung oder gar einer Abtretung des Rentenanspruchs keine Rede (Urk. 1 und 14).
6.2
Während die Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG zur Begründung ihrer Rückforderung in Höhe von Fr. 8'579.-- (wovon die IV
Stelle aufgrund der konkurrierenden Rückforderung der CSS bloss einen Betrag von Fr. 4'973.-- mit der Rentennachzahlung verrechnete) die anwendbaren
Versicherungsbe
stimmungen
auflegte (Urk. 11/83), unterliess es die CSS, die von ihr angerufe
nen Allgemeinen Versicherungsbedingungen mit dem Verrechnungsantrag ein
zureichen (Urk. 11/80). Da auch aus der aufgelegten Vollmacht (Urk. 11/81) kein Einverständnis zur Verrechnung von Vorleistungen mit nachzuzahlenden
Rentenbetreffnissen
hervorgeht, ist nicht klar, ob die Verrechnung tatsächlich zulässig ist. Die Sache ist daher in diesem Punkt an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie von der Taggeldversicherung die massgeblichen All
gemeinen Versicherungsbedingungen einfordert und hernach entscheidet, ob die Rückforderung mit der Rentennachzahlung verrechnet werden kann. Dabei ist
Vormerk
zu nehmen, dass der Beschwerdeführer nicht bestreitet, dass er mit der CSS eine Einzeltaggeldversicherung abgeschlossen hat und dass diese ihm in der massgeblichen Periode Taggelder ausgerichtet hat.
6.3
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 27. November 2014, soweit sie die Ver
rechnung der Nachzahlung mit der Rückforderung der CSS Kranken-Versiche
rung AG betrifft, aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägung 6.2 an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird.
7
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
8
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss
zu drei Vierteln
vom Beschwerdeführer
und zu einem Viertel von der Beschwerdegegnerin
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer ausserdem eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 500.-- zu bezahlen.