Decision ID: 46e895d5-81d2-4c83-aa99-91117d983fc1
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.1
X._
, geboren 1963, meldete sich am 3. Juli 2011
unter Hinweis auf
Schulter
beschwerden
links bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbe
zug an (Urk. 8/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr darauf mit Verfügung vom 17. Juli 2012 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab 1. Januar 2012 und bei einem
Invaliditätsgrad von 51
%
ab
1.
Februar 2012 eine halbe Rente zu (
Urk.
8/32-
39; Urk. 8/29).
1.2
Die Versicherte meldete sich am 18. Februar 2013 erneut bei der Invalidenversi
cherung und machte eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend (Urk. 8/52; vgl. auch Urk. 8/58). Die IV-Stelle veranlasste in der Folge unter anderem eine orthopädische Untersuchung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), dessen Bericht am 3. Oktober 2013 erstattet wurde (Urk. 8/70). Die Verfü
gung vom 8. April 2014 (Urk. 8/97), mit welcher die IV-Stelle
das Gesuch um
Erhöhung der bisherigen halben Rente
abwies
, wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 9. September 2015 im Verfahren Nr. IV.2014.00566 (Urk. 8/108/1-17) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 21. Juni 2016 (Urk. 8/117) geschützt.
1.3
Am 27. Juli 2016 (Urk. 8/119) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Anspruch auf die bisherige
halbe
Invalidenrente bestehe weiterhin unverändert.
1.4
Am 27. März 2018 (Urk.
8
/127
/1
; Eingang des von der Versicherten unterzeich
neten Exemplars bei der IV-Stelle am 15. Mai 2018 [vgl. Urk. 8/137]) meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenversicherung und machte eine Verschlech
terung des Gesundheitszustands geltend. Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und leitete eine polydisziplinäre Begutachtung beim Begutachtungsinstitut
Y._
in die Wege, wobei sie mit Zwischen
verfügung vom 18. Dezember 2018
(Urk. 8/204)
daran festhielt, dass die Abklä
rung ohne audiotechnische
Gesprächsaufzeichnungen stattfinde. Die hiergegen erhobene Beschwerde (Urk. 8/207/3-14) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 24. Juni 2019 im Verfahren Nr. IV.2019.00088 (Urk. 8/210) ab. Am 29. Januar 2020 wurde das internistisch-psychiatrisch-neurologisch-rheumatologische Gutachten erstattet (Urk. 8/215/1-62).
1.5
Mit Vorbescheid vom 2. April 2020 stellte die IV-Stelle
die Ablehnung des Erhö
hungsgesuchs in Aussicht
(Urk. 8/217). Nach erhobenem Einwand vom 1
7.
April 2020 (Urk. 7/222) wurden den
Y._
-Gutachtern Ergänzungsfragen (vgl. Urk. 8/221) unterbreitet, welche diese mit Stellungnahme vom 26. August 2020 (Urk. 8/232) beantworteten. Nach
weiterer
Stellungnahme durch die Versi
cherte vom 11. November 2020 (Urk. 8/236) wies die IV-Stelle das Erhöhungs
gesuch mit Verfügung vom 16. März 2021 (Urk. 8/240
= Urk. 2
) ab.
2.
Die Versicherte erhob am 3. Mai 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 16. März 2021 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben, es sei der Sach
verhalt mittels Gerichtsgutachtens weiter abzuklären und alsdann neu über den Rentenanspruch zu entscheiden (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2021 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde.
Am
20. September 2021 (Urk. 12) reichte die Beschwerdeführerin aufforderungsgemäss (vgl. Urk. 4) weitere Unterlagen zur Begründung ihres Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege
und
Rechtsverbeiständung
(vgl. Urk. 1 S. 2) ein. Mit Gerichtsverfügung vom 8. Februar 2022 (Urk. 15) wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort mit der Mitteilung zugestellt, dass über ihren Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde.
Am 22. April 2022 (Urk. 16) reichte die Beschwerdeführerin diesbezüglich ein Schreiben betreffend Mietzinsänderung ab 1. April 2022 (Urk. 17) ins Recht.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztli
chen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unter
schiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheits
zustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
gestützt auf die Feststellungen der
Y._
-Gutachter d
avon aus, dass
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Oktober 2013 unverändert sei, abgesehen von einer vorübergehenden sechsmonatigen 100%igen Arbeitsunfähigkeit nach der Schul
teroperation vom 2. Mai 2017 (S. 1). Letztere könne nicht berücksichtigt werden, da das Verschlechterungsgesuch erst im Mai 2018 eingereicht worden sei
, weshalb dieses abgewiesen werde.
Die Beschwerdeführerin habe weiterhin Anspruch auf ihre bisherige halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 55
%
(S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1)
, das
Y._
-Gutachten sei nicht beweiskräftig. Insbesondere sei die psychiatrische Befragung oberflächlich ausgefallen und dadurch die Schwere der Erkrankung nicht erfasst worden
. Das Gutachten weise auch weitere Mängel auf
(S. 4 Ziff. 8
; vgl. im Detail S. 4 ff. Ziff. 9-31).
Der
Y._
-Psychiater habe argumentiert, dass die Schmerzen nicht in sein Fach
gebiet gehörten und vom
Somatiker
beurteilt werden müssten. Diese Sichtweise finde jedoch keine Stütze bei Krankheitsformen wie einer larvierten Depression, bei welcher das Schmerzgeschehen Symptom der
psychischen Erkrankung sei (S. 7 Ziff. 20).
Das reduzierte
Aktivitätenniveau
weise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen hin. Gleichzeitig könnten Aggravation/Simulation ausgeschlossen werden. Gesamthaft frage man sich deshalb, weshalb ihr noch eine Arbeitsfähigkeit zugemutet
werde
. Diese F
rage werde von den Gutachtern nicht schlüssig beant
wortet (S. 9 Ziff. 25). Somit sei das tatsächliche Ausmass der psychischen Erkran
kung und deren funktionelle Auswirkung nicht hinreichend beschrieben und gewürdigt. Dem Gutachten fehle eine Würdigung aller Indikatoren. Es bleibe letztlich oberflächlich (S. 9 Ziff. 26). Die psychischen Befunde hätten erstmals einen Schweregrad erreicht, der eine langjährige psychotherapeutische Behand
lung erforderlich gemacht habe und es sei erstmals eine psychiatrische Diagnose mit funktioneller Auswirkung ausgewiesen. Vor diesem Hintergrund wider
spreche das Attest einer in psychischer Hinsicht seit 2013 kaum veränderten Situation dem tatsächlichen Verlauf und dem psychiatrischen Gutachten (S. 10 f. Ziff. 31).
Da das
Y._
-Gutachten ohne Beweiswert sei, sei der Sachverhalt nicht genügend abgeklärt, weshalb die Begutachtung erneut durchzuführen sei. Gemäss bundes
gerichtlicher Rechtsprechung sei ein Gerichtsgutachten einzuholen (S. 11 Ziff. 32).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach
der Eintritt
eines Revisionsgrundes
seit der Verfügung vom 8. April 2014
(vgl. E. 1.4-5)
und dabei insbesondere die Frage, ob der Sachverhalt genügend abgeklärt wurde.
3.
3.1
Der Verfügung vom 8. April 2014 lagen
im Wesentlichen
folgende Arztberichte zugrunde
:
3.2
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Radiologie, nannte im Bericht zur
Arthro
-Magnetresonanztomographie (MRI) des linken Schultergelenks vom 23. Oktober 2009 (Urk. 8/9/5) als Indikation einen Zustand nach Schulterprellung vor zirka einem Jahr mit Verdacht auf
Supraspinatus
-Partialruptur. Er beurteilte eine gelenkseitige Partialruptur der
Supraspinatussehne
, eine
geringgradige
Inserti
onstendinose
der
Infraspinatussehne
und eine im Ansatzbereich ausgedünnte
Subscapularissehne
mi
t Konturunregelmässigkeiten, su
s
p
ekt auf eine Partial
ruptur.
3.3
Dr. med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Universitätsklinik
B._
, nannte in seinem Bericht vom 28. Juli 2011 (Urk. 8/3/6-7) als Diagnose (S. 1 oben) einen Status nach
arthro
skopi
scher
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion (
Supraspinatus
,
kranialseitige
Sub
scapularisehnenläsion
), langer
Bizepssehnen
-Tenotomie mit Weichteil-
Tenodese
und Schultereckgelenks (AC)-Resektion Schulter links am 4. April 2010 (
Klinik R._
Dr.
S._
). Die von der Beschwerdeführerin geäusserten Beschwerden seien nach wie vor unklar (S. 2 oben).
3.
4
Die Ärzte des Schmerz-/Gutachtenzentrums der
Klinik C._
berichteten am 18. Oktober 2011 (Urk. 8/19/1-2) über eine konsiliarische Untersuchung in der Schmerzsprechstunde. Anlässlich dieser sei die Patien
tin de facto nicht unter
suchbar gewesen. Sämtliche aktive und passive Bewe
gungen hätten über der Horizontalen nicht durchgeführt werden können mit einer massiven Schmerz
überlagerung. Auf
grund der Untersuchung und des zur Verfügung stehenden bildgeben
den Materials sei keine eindeutige strukturelle Grundlage der von der Patientin angegebenen Schmerzen und Funktionseinschränkungen zu finden
.
3.
5
Dr. med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie,
beratender Arzt der Krankentaggeldversicherung Axa Winterthur (vgl. Urk. 8/19/8),
berichtete am 1. November 2011 von
der
konsilia
rischen Untersuchung vom 31. Oktober 2011
(Urk. 8/19/3-7).
Er
nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
chronifi
zierte
postoperative nicht näher spezifizierbare, zum Teil ausgeprägte Schulterschmerzen in Ruhe aber auch bei Bewegungen, vor allem Innenrotation und Abduktion, ohne
Periarthropathie
bei
im MRI
fehlenden korrelierenden struk
turellen Veränderungen (S.
3 Mitte). Es bestehe eine sehr schmerzhafte Beweglichkeit in alle Richtungen, jedoch ohne dystrophe oder
atrophe
Veränderungen (S. 3 unten). Es gebe keine Erklärung für diese ausgeprägte Schmerzproblematik, wobei man allenfalls eine Somatisie
rungsstörung oder Schmerzausweitung in Betracht ziehen könnte. Psychisch mache die Beschwerdeführerin hingegen einen stabilen und unauffälligen Eindruck ohne offensichtliche Schmerzverdeutlichung mit guter Kooperation, so dass man geneigt sei, die von ihr beklagten limitierenden Schmerzen glaubhaft aufzunehmen, jedoch ohne sie erklären zu können
(S. 4 oben).
In einer leichten, feinmanuellen Arbeit, die ohne Rotation und Abduktion im Schultergelenk möglich sei (im Stehen mit einer höhenverstellbaren Unterlage ohne Überkopfarbeiten), sei theoretisch eine Arbeitsfähigkeit zu min
destens 50 % ausgewiesen (S. 4 Mitte).
3.
6
Dr.
E._
,
Fachchiropraktor
, nannte in seinem Bericht vom 18. April 2013 (Urk. 8/60/1-2) - unter Beilage von Berichten über bildgebende Abklärun
gen (Urk. 8/61/2-4)
–
folgende Diagnosen:
-
Status nach Schulterar
throskopie links im April 2010
-
Status nach Distorsion der Lende
nwirbelsäule (LWS) im Mai 2010,
-
chronische
Impingement
-Symptomatik bei
Supraspinatus
seh
nenruptur
(MRI März 2012)
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei
caudaler
Übergangsano
malie mit
Lumbalisation
von S1 und grossem
Neoarthros
lumbosacral
links (MRI LWS März 2011).
Seit einem Sturz nach Synkope im Badezimmer am 14. Mai 2010 bestünden immer wieder akut
exazerbierende
lumbale Beschwer
den. Die Schulter- und die Wirbelsäulenproblematik sei mittlerweile
chronifi
ziert
. Die Beschwerdeführerin sei körperlich kaum belastbar, immer wieder
exazerbierten
entweder die lumbalen Beschwerden oder die Schulterschmerzen (S. 2).
3.7
Med.
pract
.
F._
, Facharzt für Neurochirurgie,
Spital G._
, Schmerzklinik, nannte in seinem Bericht vom 24. Juli 2013 (Urk. 8/68)
folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
Komplexes Regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
der linken Schulter bei Status nach Schu
lterarthroskopie im April 2010
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit
pseudoradikulärer
Schmerz
–
ausstrahlung
bei
Bulging
-Disc-
Phänomen
zwischen dem 5. Lenden
wirbelkörper und dem 1. Kreuzbeinwirbelkörper (
L5/S1
)
mit
lumbo
sakra
ler
Übergangsanomalie (vorletzte Etage)
-
chronisches
Impinge
ment-Syndrom
bei
Supraspinatussehnenruptur
(MRI März 2012).
In der bisherigen Tätigkeit in der Chip-Herstellung für Computer sei die
Beschwerdeführerin
aufgrund der starken Beschwerden im Bereich der linken Schulter
und
der LWS in ihrer Bewegung eingeschränkt und somit gegen
wärtig nicht arbeitsfähig
(Ziff. 1.6-7)
.
Eine arbeitsmedizinische Abklä
rung werde empfohlen
(Ziff. 1.8)
. Das Beschwerdebild lasse sich durch
interventionelle
schmerztherapeutische Massnahmen nicht verbessern. Aufgrund der fehlenden Diskushernie mit Nervenwurzelkompression im Bereich der LWS sei von einer operativen Intervention in diesem Bereich abzuraten (
Ziff. 1.11
).
3.
8
Dr. med.
H._
, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tolo
gie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nannte in seinem orthopädischen Unter
suchungs
bericht vom 3. Oktober 2013 (Urk. 8/70) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8 Ziff. 8):
-
chronifizierte
Schulterschmerzen links und massive muskuläre Verspan
nung im Schultergürtelbereich links bei Zustand nach
arthroskopischer
Schulteroperation April 2010 mit AC-Gelenk-Resektion,
Bizeps
sehnen
tenodese
und
Reinsertion
der
Subscapularis
- und
Supraspinatus
-Sehne
-
chronische Lumbalgie mit
pseudoradikulärer
Ausstrahlung bis zum
Glu
tealbereich
beidseits bei MRI-gesicherter Facettengelenks-Arthrose
vom 3. Lendenwirbel bis zum Kreuzbein (
L3-S1
)
,
lumbosacraler
Über
gangsanomalie mit
Lumbalisation
von S1 und kleinem Einriss des
Anulus
fibrosus
L5/S1 bei Bandscheiben-
Bulging
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine reaktive depressive Stimmungslage.
Die Beschwerdeführerin habe berichtet, dass sie seit der Operation der linken Schulter im April 2010, eigentlich aber schon seit dem Unfall 2008, ständig starke Schmerzen in der linken Schulter habe, die immer bewegungsunabhängig vorhanden seien, aber bei Bewegungen und Kälte verstärkt
vorkämen
(S. 1 oben Ziff. 1). Seitdem sie im Juni 2010
(richtig wohl: Mai 2010)
daheim im Badezimmer gestürzt
und mit der rechten Seite im Hüftbereich an die Badewanne oder Toilette geknallt sei, habe sie ständig Schmerzen sowohl im Bereich der LWS als auch der linken Schulter (S. 1 Mitte Ziff. 1
).
I
n kritischer Würdigung der Aktenlage sei bei Vergleich der beschriebenen k
lini
schen Befunde und der gesch
ilderten Beschwerden mit den entsprechenden Angaben im vertrauensärztlichen Gutachten von Dr.
D._
vom Oktober [richtig: November] 2011 (vorstehend E
.
3.5) unschwer erkennbar, dass die gesamten lumbalen Beschwerden und Befunde damals n
icht beschrie
ben worden seien. D
ie angegebenen Schulterschmerzen sowie der klini
sche Schulterbefund
seien hingegen
unverändert. Weiter sei auch unter Berücksichtigung der zusätz
lich zur Schulterproblematik bestehenden lumbalen Schmerzsympto
matik eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit, wie sie von med.
pract
.
F._
postuliert worden sei, nicht plausi
bel, da bei Berücksichtigung eines entsprechenden Belastungsprofils zweifellos auch weiterhin eine Restarbeits
fähigkeit von 50 % bestehe (S. 9 oben).
Die Beschwerdeführerin sei in ihrer angestammten Tätigkeit als Fabrik
mitarbei
te
rin seit April 2010 nicht mehr arbeitsfähig. In angepasster Tätigkeit sei jedoch weiterhin von einer Restarbeitsfähigkeit von 50 % auszuge
hen, welche
allerdings
auf 2 mal
2 Stunden mit einer dazwischen
liegenden Pause von 1 Stunde aufzu
teilen sei. Zudem sei das nachfolgende Belastu
ngs
profil zu berücksichtigen: K
örperlich leichte, wechselbelastende Arbeit über
wiegend stehend mit der Möglichkeit, das Standbein zu wechseln beziehungs
weise einige Schritte zu gehen/sich zu bewegen, nicht längere Zeit sitzend, ohne häufiges Arbeiten über Taillenhöhe, ohne häufiges Bücken oder Verharren in gebückter/verdrehter Zwangshaltung des Rumpfes und ohne Treppensteigen (S. 9 Mitte).
D
er Gesundheitszustand
habe sich
seit der ver
trauens
ärztlichen Untersuchung durch Dr.
D._
nicht wesentlich geändert, obwohl damals die LWS-Problematik nicht beschrieben worden sei (S. 9 unten).
3.9
In der – vom hiesigen Gericht wie auch vom Bundesgericht geschützten (vgl. Sachverhalt E. 1.2) - Verfügung vom 8. April 2014 (Urk. 8/97) ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere auf den orthopädischen Untersu
chungsbericht des RAD vom 3. Oktober 2013 (E. 3.8), davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
nur leicht verschlechtert
habe und in einer leidensangepassten Tätigkeit
weiterhin
von einer Restarbeitsfäh
igkeit von 50 % auszugehen sei, woraus ein Invaliditäts
grad von
55
% resultiere (S. 2 oben).
4.
4.1
Nach dem Verschlechterungsgesuch vom 27. März 2018 (Urk. 7/127; Urk. 8/137) gingen unter ande
rem die folgenden medizinischen Berichte ein:
4.2
Dr. med.
I._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates,
Klinik C._
,
n
annte
im Operationsbericht vom 2. Mai 2017 (Urk. 8/149) als Diagnose eine Ruptur der
Supraspinatussehne
sowie kraniale Partialläsion der
Subscapularissehne
Lafosse
I,
eine instabile lange
Bizepssehne
sowie
subakromiales
Impingement
und AC-Gelenksarthrose Schulter rechts (S. 1 oben). Seit Jahren bestünden Schulterschmerzen rechts. Als Neben
diagnose bestehe eine ausgeprägte Fibromyalgie und auf der Gegenseite sei trotz korrekter Rekonstruktion sowie guter Sehneneinteilung kein gutes Ergebnis erzielt worden. Die Operation habe eine Arthroskopie, Tenotomie der langen
Bizepssehne
,
Débridement
der
Subskapularissehne
, Rekonstruktion der
Supraspi
natussehne
mittels
SpeedBri
d
ge
,
Bursektomie
,
Akromioplastik
und AC-Gelenksresektion umfasst
(S. 1 Mitte).
Im Konsultationsbericht vom 7. November 2017 (Urk. 8/152) hielt Dr.
I._
fest, die Beschwerdeführerin sei 6 Monate postoperativ noch immer stark schmerz
geplagt. Sie habe Tag- und Nachtschmerzen, allerdings nicht nur in der Schulter, sondern auch in den Knien und in der Muskulatur
(S. 1 Mitte).
Sonographisch
zeige sich eine optimale Situation 6 Monate postoperativ. Die Rehabilitation werde für noch nicht ausgeschöpft gehalten, sicherlich dauere es bei der Beschwerdeführerin mi
t
der Fibromyalgie länger, um eine optimale muskuläre Stabilisierung zu erreichen. Nichtsdestotrotz sei es gut möglich, dass deutliche Restschmerzen bestehen blieben, welche dann nicht auf die Schulter, sondern auf die grundsätzliche Schmerzproblematik zurückzuführen seien. In der Folge der aktuellen Situation sei auch eine depressive Entwicklung entstanden (S. 2 Mitte)
.
Am 27. Februar 2018 (Urk. 8/156) berichtete Dr.
I._
, es bestehe nach wie vor eine ausgeprägte
Druckdolenz
der gesamten Schulter-/Rücken-/Armregion, jedoch beidseits. Die Schmerzen seien wechselnd und sprängen von Gelenk zu Gelenk (S. 1 unten). Erneut sei zu betonen, dass zusätzlich eine Schmerzstörung vorliege bei Fibromyalgie. Die Sehne scheine geheilt, es bestünden massive Rest
beschwerden, welche unter anderem auf die Nebendiagnosen (Fibromyalgie; Depr
essionen, Differentialdiagnose [DD]
im Rahmen der Schulteroperation vom 2. Mai 2017; subjektiv schlechtes Ergebnis nach Schulterarthroskopie 2010; vgl. S. 1 oben) zurückzuführen seien (S. 2).
4.3
Dr. med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
und für Nephrologie, führte in seinem Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom 27. März 2018 (Urk. 8/127) aus, die Schmerzen seien leider stärker als vor der Operation vom Mai 201
7.
Die Muskulatur der recht
en und der linken Schulter sei
stark schmerzhaft. Ferner leide die Patientin unter Fibromyalgie. Aus seiner Sicht sei sie zu 100
%
arbeitsunfähig.
4.4
Die Ärzte des Röntgeninstituts
K._
beurteilten anlässlich der MRT-
Arthrographie
des rechten Schultergelenks vom 30. April 2018 (Urk. 8/153) eine progrediente
Tendinopathie
und
transmurale
Partialruptur der
Supraspinatus
sehne
dorsal bei Status nach Operation vom Mai 2017, jedoch weniger ausgeprägt als in der Voruntersuchung vom 29. September 201
6.
Neu aufgetreten sei ein diffuses Knochenmarksödem im proximalen
Humerusschaft
und Hals, DD Über
lastung, DD Knochenmarksödem-Syndrom. Neu aufgetreten sei eine unspezifi
sche
Synovitis
. Sodann bestehe eine diskret progrediente AC-Gelenksarthrose.
4.5
Dr.
J._
hielt in seinem Bericht vom 24. Mai 2018 (Urk. 8/141) fest, im Sinne von Funktionseinschränkungen bestünden Schmerzen an beiden Schultern. Es bestünden Schmerzen am ganzen Körper. An der rechten Schulter bestünden am meisten Schmerzen, aber auch die linke Schulter sei schmerzhaft (Ziff. 3.4). Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in angepasster Tätigkeit betrage
0
% (Ziff. 4.1-2).
4.6
Dr. med. L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Bericht vom 2. Juli 2018 (Urk. 8/178)
einleitend
aus,
seit er die
Beschwer
deführerin
kenne, halte er sie auf dem offenen Arbeitsmarkt für nicht arbeitsfähig (S. 1 oben). E
r behandle
sie
seit dem 26. Juni 2017 (Ziff. 1.1), wobei die Behand
lung gegenwärtig zwei- bis vierwöchentlich stattfinde (Ziff. 1.2). Dr.
L._
nannte folgende Diagnosen (Ziff. 2.5):
-
chronifiziert
larviert depressives Zustandsbild mit Somatisierung von Beschwerden (ICD-10 F32.8)
-
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4), DD Fib
romyalgie
-
Fibromyalgie, seit 2002
-
persistierende Schmerzsymptomatik bei Status nach
arthroskopischer
Schulteroperation rechts am 2. Mai 2017 wegen Sehnenabriss sowie Schulteroperation links 2010
Ab 2002 seien die «wandernden Gelenkschmerzen»
aufgetreten
; zuerst im Knie
bereich links, dann rechts, später auch im Schulterbereich beidseits, im Nacken- und Kreuzbereich sowie in den Fussgelenken. Diese wechselhaft auftretenden Schmerzen seien extrem stark, so dass
die Beschwerdeführerin
die entsprechen
den Gelenke manchmal nicht mehr bewegen könne. Sie habe dann sehr oft
Kortisonspritzen
erhalten, um weiterarbeiten zu können. Man habe eine Fibro
myalgie diagnostiziert. Gegen diese Schmerzen würden bei ihr nur
75
mg
Ecofenac
einigermassen wirken, so dass die Schmerzen nach 1 bis 2 Stunden erträglicher würden (
S. 2 oben
Ziff. 2.1
).
Hinsichtlich Funktionseinschränkungen bestehe eine stark wechselhaft ausge
prägte Schmerzsymptomatik, welche jegliche Tätigkeit verhindern könne (Ziff. 3.4). Wie viele Stunden pro Tag die bisherige Tätigkeit zumutbar sei, könne Dr.
L._
nicht beantworten (Ziff. 4.1). Wie viele Stunden pro Tag eine leidens
angepasste Tätigkeit zumutbar sei, könne er auch nicht wirklich beantworten. Er könne sich vorstellen, dass die
Beschwerdeführerin
während des Tages einige Stunden (1 bis 6?) wechselhaft einer leichten Haushaltstätigkeit nachgehen könne (Ziff. 4.2)
.
4.7
Die Orthopäden der Universitätsklinik
B._
führten im Sprechstundenbericht vom 25. Juli 2018 (Urk. 8/181) aus, die
Beschwerdeführerin
habe sich aufgrund von persistierenden Schulterschmerzen rechtsbetont selbst zugewiesen (S. 1 Mitte). Im Moment sei
sie
für schwere körperliche Belastungen nicht arbeitsfähig (S. 2 unten
).
4.8
4.8.1
Dr. med.
M._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Dr. med.
N._
, Facharzt für Psychiatr
ie und Psychotherapie, Dr. med.
O._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie, sowie Dr. med.
P._
, Facharzt für Neurologie,
Y._
, erstat
teten am 29. Januar 2020 ihr polydisziplinäres Gutachten (Urk. 8/215).
4.8.2
Dr.
M._
nannte im internistischen Teilgutachten (S. 26-33) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 6.1). Als Diagnose ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine arterielle Hypertonie. Aus allgemein
internistischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit nicht eingeschränkt (Ziff. 8.1
.1
). In angepasster, körperlich leicht bis mittelschwerer Tätigkeit bestünden ebenfalls keine Einschränkungen (Ziff. 8.2
.1
).
4.
8.3
Dr.
N._
nannte im
psychiatrischen Teilgutachten (S. 34-40) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 6.1) sonstige depressive Episoden (F32.8, larvierte Depression). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (Ziff. 6.2) nannte er ein diffuses, wechselhaftes Ganzkörperschmerzsyn
drom (F54).
Als Reaktion auf eine diffuse und zunehmende Schmerzausbreitung sei es zu einer depressiven Verstimmungslage gekommen. Diese erkläre sich weitgehend durch die körperlichen Schmerzen, ansonsten ergäben sich keine weiteren psychosozialen Belastungsfaktoren. Somit sei die Depression als larvierte Form, also als
somatisierte
Depression einzustufen (Ziff. 6.3
)
.
Von Behandlungsseite werde die Depression als
chronifiziert
eingestuft bei gleichzeitiger persistierender Schmerzsymptomatik und wahrscheinlich 100%iger Arbeitsunfähigkeit auf dem offenen Arbeitsmarkt, wobei die Prognose bezüglich beruflicher Wiedereingliederung eher schlecht sei. Somit sei zu folgern, dass die Behandlung der Depression sich eher in einem Erhaltungszustand befinde, ohne Aussichten auf einen kurativen Ausgang (Ziff. 7.2).
Hinsichtlich Konsistenz und Plausibilität in der Untersuchungssituation sei offensichtlich, dass die beklagten Schmerzen, deren diffuse Ausdehnung und depressiv-subjektive Verarbeitung weit ausgeprägter seien als die objektiven Befunde (Ziff. 7.3.1). Hinsichtlich Konsistenz und Plausibilität im Alltag schildere die Beschwerdeführerin einen sehr reduzierten Alltag, der insoweit zur subjek
tiven Krankheitsüberzeugung passe (Ziff. 7.3.2).
Dr.
L._
habe ein
chronifiziert
larviertes depressives Zustandsbild mit Somatisierung der Beschwerden (F32.8) beschrieben. Aufgrund der Befunde könne Dr.
N._
diese Diagnose stützen. Es handle sich hier weniger um ein eigenständiges depressives Krankheitsmoment als vielmehr um ein reaktiv auf die Körperbeschwerden ausgebildetes depressives Zustandsbild. Im Vordergrund der Arbeitsunfähigkeit stünden auch weniger die depressive Symptomatik als vielmehr die Schmerzen (Ziff. 7.3.3).
Die Beschwerdeführerin imponiere durch eine hohe
Klagsamkeit
, sie besinne sich kaum auf eigene Ressourcen, so dass die Prognose insgesamt ungünstig zu beur
teilen sei. Innerlich scheine sie mit einer Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt abgeschlossen zu haben (Ziff. 7.4).
Die bisherige Tätigkeit könne aus psychiatrischer Sicht während 7 Stunden (pro Tag) durchgeführt werden. Aufgrund der Symptomatik bestehe ein geringeres Rendement. Insgesamt liege die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bei
80
%, wobei sich das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit über die Jahre kaum verändert habe (Ziff. 8.1). Eine angepasste Tätigkeit müsste eine leichte Tätigkeit sein mit der Möglichkeit zu Pausen. In einer solchen Tätigkeit wären 7-8 Stunden pro Tag möglich. Es bestehe eine Einschränkung im Sinne eines verminderten Rendements. Die Arbeitsfähigkeit liege bei
80
%, der zeitliche Verlauf sei in der Retrospektive unverändert (Ziff. 8.2).
Der Gesundheitszustand habe sich aus psychiatrischer Sicht seit dem Zeitpunkt der RAD-Untersuchung vom Oktober 2013 nicht entscheidend verändert. Bereits damals sei eine reaktive depressive Stimmungslage festgestellt worden (Ziff. 8.5).
4.8.4
Dr.
P._
nannte im neurologischen Teilgutachten (S. 41-47) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 6.1). Als Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (Ziff. 6.2):
-
Ganzkörperschmerzsyndrom
-
funktionelles sensibles
Hemisyndrom
rechts
-
Migräne ohne Aura
Die Beschwerdeführerin gebe Schmerzen am ganzen Kö
rper an. Sie habe diese seit 200
2
,
sie seien im Verlauf immer schlimmer geworden (Ziff. 3.1). Betreffend Kopfweh gebe sie an, dass sie immer wieder massivste Schmerzen habe im Sinne eines Stechens im Schläfenbereich beidseits respektive im ganzen Kopf, sie sei dann sehr lichtempfindlich, müsse dunkel machen und zum Teil auch erbrechen. Derartige Schmerzen dauerten zwei bis drei Tage und sie behandle sie mit
Aspégic
1000
mg, was teilweise helfe. Die Häufigkeit sei unterschiedlich, vielleicht einmal pro Woche (Ziff. 3.2.1). Der klinisch-neurologische Status sei bis auf die Angaben bei der Sensibilitätsprüfung unauffällig. Insbesondere ergäben sich – auch bild
gebend - keine Anhaltspunkte für das allfällige Vorliegen einer
radikulären
Reiz- oder Ausfallsymptomatik als potentielle Erklärung für Schmerzausstrahlungen in die Arme oder in die Beine. Deskriptiv liege ein «Ganzkörperschmerzsyndrom» vor, für welches sich aus neurologischer Sicht keine Erklärung ergebe. Abgrenz
bar vom Ganzkörperschmerzsyndrom sei aus neurologischer Sicht eine Migräne ohne Aura, die entsprechenden Kriterien zur Stellung der Diagnose seien erfüllt (Ziff. 7.1).
Konsistenz und Plausibilität in der Untersuchungssituation seien aus neurologi
scher Sicht insofern gegeben, als keine Anhaltspunkte in Richtung einer Aggra
vation vorlägen. Es bestehe aber eine erhebliche Diskrepanz zwischen angege
benen Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag und bei der Arbeit zu den klinisch und bildgebend objektivierbaren Befunden. Diese Diskrepanz und auch der Langzeitverlauf der Symptomatik seien eigentlich nur mit einer Schmerzfehlverarbeitung zu erklären (Ziff. 7.3.1
).
Aus neurologischer Sicht bestehe keine Einschränkung betreffend eine Tätigkeit. Selbstverständlich könne die Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer Migräneattacke kurzfristig und in unvorhersehbarer Weise ganz oder teilweise beeinträchtigt sein. Das Vorliegen einer sporadischen Migräne begründe aber keine prinzipielle Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 8.2.1).
4.8.5
Dr.
O._
nannte im rheumatologischen Teilgutachten (S. 48-59)
folgende, hier verkürzt wiedergegebenen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Ziff. 6.1):
-
chronisches
multilokuläres
Schmerzsyndrom des Bewegungsapparates
-
persistierende schmerzhafte Funktionseinschränkung Schulter beidseits (Rechtshänderin)
Die aktuellen klinischen Befunde am Bewegungsapparat könnten die hochgradige subjektive Beschwerdeintensität und die geschilderte massive Behinderung nur ungenügend begründen, nachvollziehbar
sei
lediglich eine mindestens
mässiggradig
eingeschränkte Belastbarkeit der Schulterregionen und eine leicht- bis
mässiggradig
verminderte Belastbarkeit des Achsenskeletts (Ziff. 7.1 unten). Bei der klinischen Untersuchung hätten sich keine klaren Inkonsistenzen ergeben (Ziff. 7.3.1). Sehr ungewöhnlich sei, dass am Untersuchungstag im Serum kein
Diclofenac
nachweisbar gewesen sei, obwohl die Beschwerdeführerin angebe
n habe
, dass sie regelmässig sehr hohe Dosen eines retardierten
Diclofenac
-Präpa
rates einnehme (Ziff. 7.3.2). Es bestehe eine
mässiggradig
bis deutlich einge
schränkte Belastbarkeit beider Schulterregionen, eine
mässigradig
eingeschränkte Belastbarkeit des Achsenskeletts und eine
mässiggradig
verminderte allgemein-körperliche Belastbarkeit (Ziff. 7.4).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit könne die Beschwerdeführerin 4 Stunden täglich anwesend sein, eher ohne Einschränkung der Leistung. In
s
gesamt betrage die Arbeitsfähigkeit hier
50
% (Ziff. 8.1). Eine der Behinderung optimal ange
passte Tätigkeit sei körperlich nur sehr leicht bis leicht und beinhalte insbeson
dere nur eine sehr leichte bis leichte Belastung beider Arme und Schulterregionen, keine Arbeiten über Brusthöhe, keine monoton-repetitiven Haltungen oder Bewegungen sowie Möglichkeit zu Wechselpositionen (Ziff. 8.2.1). Hier betrage die maximale Präsenz 6 Stunden täglich, wobei etwas vermehrte Ruhe- und Erholungspausen nötig seien (Ziff. 8.2.3). Insgesamt betrage die Arbeitsfähigkeit hier
60
% (Ziff. 8.2.4). Bei akuten
Beschwerdeexazerbationen
und insbesondere während den
perioperativen
Phasen der Schulteroperationen 2010 und 2017 habe vorübergehend für zirka sechs Monate auch für eine geeignete Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (Ziff. 8.2.5). Daneben könne aus rheumatolo
gischer Sicht keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands seit 2013 objektiviert werden (Ziff. 8.5).
4.8.6
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (S. 4-12)
nannten die Gutachter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 4.2.a):
-
persistierende schmerzhafte Funktionseinschränkung Schulter beidseits (Rechtshänderin)
-
Panvertebralsyndrom
-
sonstige depressive Episoden (F32.8, larvierte Depression)
Sie
kamen zum Schluss, es bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Fabrikarbeiterin eine Arbeitsfähigkeit von
50
% und
in
einer adaptierten Verweistätigkeit
gemäss dem vom rheumatologischen Teilgutachter formulierten Belastungsprofil (vgl. Ziff. 4.7.1 sowie E. 4.8.4 vorstehend) eine Arbeitsfähigkeit von
60
% (Ziff. 4.3). Die im rheumatologischen und psychiatrischen Gutachten attestierten Arbeitsunfähigkeiten könnten in der Summe nicht addiert werden, da für die jeweiligen Ruhepausen die gleichen Pausen in Anspruch genommen werden könnten (Ziff. 4.8).
Nach der Schulteroperation rechts vom Mai 2017 habe während einigen Monaten auch für eine geeignete Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Daneben könne aus rheumatologischer Sicht keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands
seit 2013 objektiviert werden. Aus psychiatrischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand seither nicht entscheidend verändert. Bereits im Oktober 2013 sei eine reaktive depressive Stimmungslage festgestellt worden. Die aktuelle Situation, geringfügig verändert zu 2013, könne ab Januar 2018 bestätigt werden (Ziff. 4.11).
4.9
Dr.
L._
führte in seinem Schreiben vom 2. Mai 2020 (Urk. 8/227) an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin aus, heute würde er die im Bericht vom 2. Juli 2017 gestellten Diagnosen einer anhaltenden somatoformen Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) zuordnen (S. 1). In Korrektur des psychiatrischen
Y._
-Teilgutachtens könne man nicht von einer unauffälligen Kindheits- oder Persönlichkeitsentwicklung ausgehen, wenn man bedenke, dass die Beschwerdeführerin mit 8 Jahren ihre Mutter verloren und der Vater sich aus dem Staub gemacht habe, so dass sie unter anderem die Betreuung ihrer vier jüngeren Geschwister übernommen und neben der Grundschule
versucht habe, den Laden der Mutter weiterzuführen. Möglicherweise habe dies bereits damals den Boden für eine somatoforme Schmerzstörung geebnet (S. 2 oben). Zudem habe die Beschwerdeführerin im Juli 2017 unter starken Schuld
gefühlen gelitten, weil sie ihrem an Prostatakrebs erkrankten Bruder die notwen
dige Therapie nicht habe finanzieren können, so dass dieser am 24. Januar 2017 verstorben sei (S. 2 Mitte).
Im Vordergrund der Schmerzursache stehe eine Depression in ihrer
somatisierten
Form
.
Die psychischen Symptome träten als eher leicht in Erscheinung, da sie «larviert» seien und das Hauptsymptom dieser Diagnose der Schmerz sei. Dieser sei derart stark, dass von einer schweren
chronifizierten
Depression ausgegangen werden sollte, und nicht von einem Ganzkörperschmerzsyndrom, bei welchem die psychischen Störungen nur leicht seien (S. 2 unten). Aus Sicht von Dr.
L._
spreche sehr viel dafür, dass eine anhaltende somatische Belastungsstörung die Hauptdiagnose und für eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ursächlich sei (S. 3 oben
).
4.10
Die
Y._
-Gutachter nahmen am 26. August 2020 (Urk. 8/23
2
) Stellung zum Bericht von Dr.
L._
vom 2. Mai 2020 (E. 4.9) und den von der Beschwerde
führerin aufgeworfenen Zusatzfragen (Urk. 8/221). Dabei hielten sie einleitend fest, Dr.
N._
sei mittlerweil
e pensioniert, weshalb Dr. med.
Q._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, an seiner Stelle antworte (S. 1 oben).
Zu den Fragen im Fachbereich Psychiatrie führten sie aus, die Depression sei leichtgradig ausgeprägt (Ad 1). Dr.
L._
habe ebenfalls eine larvierte Depression diagnostiziert und dies vor allem mit den beklagten Schmerzen begründet. Das depressive Zustandsbild sei nicht wesentlich ausgeprägt, die Beschwerdeführerin pflege regelmässig soziale Kontakte, habe eine gute Beziehung zu
ihrem
Ehe
mann, könne ohne Schwierigkeiten lesen und fahre Auto. Sie sei in ihrer Bezie
hungsfähigkeit nicht durch schwere, invalidisierende Schmerzen beeinträchtigt. Die
depressive Störung sei
geringgradig
ausgeprägt, so dass aufgrund der
gering
gradig
ausgeprägten psychischen Überlagerung der geklagten Schmerzen keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne. Die Arbeitsfähigkeit sei einzig auf
grund der leichtgradig ausgeprägten Depression beeinträchtigt, so dass aus psychiatrischer Sicht nur eine
geringgradige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden könne (Ad 2). Das reduzierte Aktivitätsniveau sei nicht durch eine psychiatrische Störung bedingt. Die Beschwerdeführerin begründe ihr redu
ziertes Aktivitätsniveau vor allem mit ihren Schmerzen. Dazu müsse aus somati
scher Sicht Stellung genommen werden. Aus somatischer Sicht wäre ihr eine adaptierte Tätigkeit zu
60
% zumutbar. Aufgrund der leichtgradig ausgeprägten Depression und der
geringgradig
überlagerten somatischen Beschwerden könne keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden (Ad 3). Die ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung lasse sich weder aus psychi
atrischer noch aus somatischer Sicht hinreichend objektivieren. Daher habe das Ganzkörperschmerzsyndrom auch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Ad 4).
Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, wie sie von Dr.
L._
diagnosti
ziert worden sei, schränke die Betroffenen in ihrer Alltagsgestaltung wesentlich ein. Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, in der Regel am Morgen aufzustehen, Spaziergänge zu unternehmen, sie lese regelmässig, bewege sich auf dem Homet
rainer, unternehme auch abends Spaziergänge, die sie durchaus geniessen könne. Sie sei also durch die Schmerzen im Alltag nicht in einem invalidisierenden Ausmass beeinträchtigt, so dass die Diagnose einer Schmerzstörung nicht gestellt werden könne. Es handle sich somit um ein Ganzkörpersyndrom beziehungsweise um eine psychische Überlagerung der geklagten Schmerzen, die keinen Krank
heitswert habe und die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtige (S. 3 oben).
Betreffend den Fachbereich Rheumatologie führten die Gutachter aus, es bestehe keine wesentliche Diskrepanz zwischen einer Fibromyalgie und einem Ganz
körperschmerzsyndrom. Beide beschrieben, dass faktisch überall und nicht befundorientiert Beschwerden und Schmerzen zur Kenntnis zu nehmen seien (Ad 7).
Betreffend den Fachbereich Neurologie werde der Beschwerdeführerin zuerkannt, dass gelegentlich eine Migräneattacke derart ausfallen könne, dass sie einen Tag ausfalle. Über das ganze Jahr gesehen seien diese Ausfälle jedoch nicht
so
regel
mässig und häufig vorhanden, dass daraus eine dauerhafte und
bezifferbare
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ableitbar wäre (Ad 9).
Interdisziplinär sei im Rahmen der Gesamtbeurteilung festgestellt und festgelegt worden, dass das ubiquitäre
Schmerzssyndrom
ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
sei
und dementsprechend die erhebliche Einschränkung aus rheumatologischer Sicht durch die Schulterfunktionseinschränkungen und das
Panvertebralsyndrom
zu erklären seien (Ad 10).
4.11
Dr.
L._
replizierte am 15. November 2020 (Urk. 7/237) noch einmal zur
Y._
-Stellungnahme vom 26. August 2020 (E. 4.10). Dabei führte er aus, bei einer larvierten Depression zeige sich die depressive Symptomatik getarnt, bei der Patientin mit einer verstärkten Schmerzsymptomatik aufgrund einer depressiven Schmerzverarbeitung. Diese Schmerzsymptomatik könne nicht allein durch einen in der
Somatik
tätigen Arzt erklärt werden, es sei denn, er berücksichtige auch die psychiatrische Komponente.
Die Beschwerdeführerin sei sehr wohl in ihren alltäglichen Verrichtungen derart schwerwiegend eingeschränkt, dass es ein invalidisierendes Ausmass annehme (Ad 2).
Es handle sich um eine Schmerz
verarbeitungsstörung, um eine
somatopsychische
oder psychosomatische Komponente, in welcher die depressive Symptomatik ihren Ausdruck finde und sich somatische und psychische Faktoren gegenseitig negativ beeinflussten (Ad 6).
5.
5.1
Das polydisziplinäre
Y._
-Gutachten vom 29. Januar 2020 (E. 4.8) erfüllt
im Verbund
mit der ergänzenden Stellungnahme der Gutachter vom 26. August 2020 (E. 4.10) die Voraussetzungen an einen beweiskräftigen Bericht (E. 1.6), weshalb grundsätzlich auf die entsprechenden Feststellungen abgestellt werden kann.
5.2
Abgesehen von einer vorübergehenden vollen Arbeitsunfähigkeit für einige Monate nach der Schulteroperation vom Mai 2017 konnten die Gutachter keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands gegenüber 2013 feststellen. Die aktuelle Situation sei gegenüber derjenigen von 2013 nur geringfügig verän
dert (E. 4.8.6).
5.3
Ein Blick in die
der Verfügung vom 8. April 2014
zugrunde liegenden
medizini
schen Akten (E. 3) bestätigt dies.
Unbestritten und a
usgewiesen ist, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2008 eine Prellung der linken S
chulter erlitt,
in der Folge bildgebend dort lokalisierte Verletzungen objektiviert werden konnten und im April 2010
ein entsprechender operativer Eingriff erfolgte
(E. 3.2
-3
)
. Nach einem Sturz im Badezimmer im Mai 2010
exazerbierten
sodann immer wieder
nicht nur
Schulter-
sondern auch
Rückenschmerzen (E. 3.6
; E. 3.8
).
Gegenüber dem RAD-Orthopäden Dr.
H._
berichtete die Beschwerdeführerin im Oktober 2013 von ständigen bewegungsunabhängigen starken Schmerzen in der linken Schulter (E. 3.8).
Schon damals hielten die behandelnden Spezialisten fest, die von der Beschwer
deführerin geäusserten Beschwerden seien unklar (E. 3.3), es sei keine eindeutige strukturelle Grundlage der von
ihr
angegebenen Schmerzen und Funktionsein
schränkungen zu finden (E. 3.4). Auch der beratende Rheumatologe der Kranken
taggeldversicherung, Dr.
D._
,
fand keine Erklärung für die ausgeprägte Schul
terschmerzproblematik in Ruhe aber auch bei Bewegungen (E. 3.5).
5.4
Seither unterzog sich die Beschwerdeführerin im
Mai 2017 einer Operation der rechten Schulter, nachdem hier ebenfalls seit Jahren Schmerzen bestanden hätten. Eine ausgeprägte
Druckdolenz
der Schulter-/Rücken-/Armregion beidseits persistierte allerdings auch nach dem Eingriff (E. 4.2-3), wobei gemäss dem Bericht des Hausarztes vom Mai 2018 an der rechten Schulter am meisten Schmerzen bestanden hätten, bei ebenfalls schmerzhafter linker Schulter (E. 4.5). Wie damals (E. 5.3) waren die Beschwerden auch jetzt somatisch nur bedingt erklärbar. So hielt die operierende und nachbehandelnde Orthopädin Dr.
I._
Ende Februar 2018 fest,
die Sehne sei an sich geheilt. Es sei zu betonen, dass zusätzlich eine Schmerzstörung vorliege bei Fibromyalgie (E. 4.2).
Es ist somit schlüssig, dass auch der rheumatologische
Y._
-Teilgutachter Dr.
O._
festhielt, die aktuellen klinischen Befunde am Bewegungsapparat können die hochgradige subjektive Beschwerdeintensität und die geschilderte massive Behinderung nur ungenügend begründen, nachvollziehbar
ist
lediglich eine mindestens
mässiggradig
eingeschränkte Belastbarkeit der Schulterregionen und eine leicht- bis
mässiggradig
verminderte Belastbarkeit des Achsenskeletts (E. 4.8.5). Seine Einschätzung überzeugt nicht nur aufgrund ihrer Überein
stimmung mit den Berichten der behandelnden Ärzte, sondern auch deshalb, weil es ihm gelang, das Beschwerdebild differenziert in einen somatisch nachvollzieh
baren und in einen nicht nachvollziehbaren Anteil aufzugliedern.
Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, Dr.
O._
habe es unterlassen, einen Zusammenhang zwischen den klinischen Befunden und der genannten Einschätzung herzustellen (vgl. Urk. 1 Ziff. 13)
,
geht dabei fehl. So hielt der Teilgutachter vor seiner Konklusion anschaulich fest,
dass
klinisch die Spontanbewegungen unbehindert mit Ausnahme der Schulterbewegungen
sind
. Es fänden sich geradezu ubiquitäre
Druckdolenzen
aller Stru
kturen des Bewegungsapparates und
auch ubiquitäre Bewegungsschmerzen aller grossen und kleinen Gelenke.
Articulo
- oder
Tenosy
novitiden
seien nicht nachweisbar. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule sei in allen Abschnitten nicht relevant eingeschränkt. Die Schulterbeweglichkeit sei beidseits schmerzhaft mindestens
mässiggradig
vermindert für Abduktion und Elevation nach vorne bei uneingeschränkter
glenohumeraler
Aussenrotation und bei
posi
tiven
Impingement
-Zeichen
(S. 56 Ziff. 7.1).
5.5
Die Schlussfolgerung des rheumatologischen Teilgutachters, wonach aus rheu
matologischer Sicht in angepasster, näher beschriebener Tätigkeit eine Arbeits
fähigkeit von
60
% besteh
t
(E. 4.8.5), wurde von der Beschwerdeführerin nicht substantiiert bestritten. Gleiches gilt f
ür seine Feststellung eines im W
esentlichen unveränderten Gesundheitszustands seit 2013, welche sich denn
auch
zahlen
mässig
mit der damaligen beweiskräftigen Einschätzung einer 50%igen Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit durch den RAD-Arzt Dr.
H._
(E. 3.8)
gut
verträgt.
Dass in
rheumatologischer
Hinsicht kein Revisionsgrund gegeben ist, ist demnach erstellt.
5.6
Einer weiteren Prüfung bedarf demgegenüber, ob derjenige Anteil der subjektiv erlebten Beschwerden, welcher vom
Y._
-Rheumatologen als weiterhin (vgl. E. 5.3) nicht nachvollziehbar erachtet wurde (E. 5.4), möglicherweise durch einen neu hinzugetretenen psychischen Gesundheitsschaden erklärt werden kann.
Diese Argumentationslinie hat die Beschwerdeführerin eingeschlagen. Sie kriti
sierte das psychiatrische Teilgutachten einerseits als zu oberflächlich und stellte sich zudem auf den Standpunkt, die psychischen Befunde hätten erstmals einen Schweregrad erreicht, der eine langjährige psychotherapeutische Behandlung erforderlich gemacht habe
,
und es sei erstmals eine psychiatrische Diagnose mit funktioneller Auswirkung ausgewiesen. Vor diesem Hintergrund widerspreche das Attest einer in psychischer Hinsicht seit 2013 kaum veränderten Situation dem tatsächlichen Verlauf und dem psychiatrischen Gutachten
(E. 2.2).
5.7
Der Rheumatologe Dr.
D._
hielt im November 2011 fest, die Beschwerde
führerin habe psychisch einen stabilen und unauffälligen Eindruck hinterlassen (E. 3.5). Der RAD-Orthopäde Dr.
H._
nannte nach seiner Untersuchung vom Oktober 2013 eine reaktive depressive Stimmungslage als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (E. 3.8). Dies ist
indes
keine psychiatrische Diagnose
nach
der
ICD-
10-
Klassifikation
.
Weiter sind beide genannten Ärzte nicht vom Fach.
Damit kann nur
, aber immerhin
,
festge
halten werden, dass im Oktober 2013 Hinweise auf psychische Beschwerden bestanden, die echtzeitliche psychiatrische Aktenlage jedoch zu dünn ist für gesicherte Schlüsse betreffend die damalige Situation.
Immerhin schloss der psychiatrische Teilgutachter aber aus der damaligen reak
tiven depressiven Stimmungslage auf einen
heute
nicht entscheidend veränderten psychischen Gesundheitszustand (E. 4.8.3). Angesichts dessen, dass die erwähnte Stimmungslage im Jahr 2013 auch aus Sicht der
Y._
-Gutachter keine eigentliche psychiatrische Diagnose darstellt (vgl. Urk. 8/232 Ad 5. b),
bestätigt
dies
das Vorliegen von nur
sehr
geringgradige
n
psychische
n
Beschwerden im Begutach
tung
s
zeitpunkt.
Dies deckt sich nicht nur mit dem erhobenen, weitgehend unauffälligen Psycho
status (Urk. 8/215 S. 37 Ziff. 4.3), sondern insbesondere auch mit der Klarstellung durch die Gutachter im August 2020, wonach die Depression nur leichtgradig ausgeprägt
ist
(E. 4.10). Klar gestellt wurde bei dieser Gelegenheit auch, dass die depressive Störung nur zu einer
geringgradig
ausgeprägten Überlagerung der somatischen Schmerzen
und damit nebst der somatisch begründeten Arbeits
unfähigkeit von 40 %
zu keiner zusätzlichen Arbeitsunfähigkeit führ
t
. Dass die
se
nicht mit der – bei gesonderter Betrachtung - durch die Depression
bedingte
n
Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit von
20
% (E. 4.8.3) zu addieren
ist
, war bereits im Gutachten vom Januar 2020 nachvollzi
ehbar damit begründet worden
, dass für die jeweiligen Ruhepausen die gleichen Pausen in Anspruch genommen werden können (E. 4.8.6).
5.
8
Somit stösst auch der Vorwurf der Beschwerdeführerin ins Leere, die Beurteilung der Schmerzen sei unzulässiger Weise an die
Somatiker
delegiert worden (E. 2.2). Vorliegend berücksichtigten die
Somatiker
die Schmerzen soweit, als sie für sie nachvollziehbar waren. Für den somatisch nicht nachvollziehbaren Teil der subjektiv empfundenen Beschwerden liegt indes auch aus psychiatrischer Sicht keine genügende Erklärung vor (E. 5.7)
. Ihm fehlt
es
somit an Krankheitswert
.
5.9
Zu bejahen wäre ein Krankheitswert
wohl
, wenn in psychischer Hinsicht eine somatoforme Störung vorliegen würde. Eine solche diagnostizierte der behan
delnde Psychiater Dr.
L._
am 2. Mai 2020 in Form einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41). D
em
betreffende
n
Bericht (E. 4.9)
kann
jedoch
aus verschiedenen
Gründen nur eine beschränkte Beweiskraft zukommen
.
Zunächst hat das Gericht der Erfah
rungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen). Dafür spricht vorliegend auch, dass der Bericht erst spät, nämlich während laufenden
Vorbescheidverfahrens
,
verfasst wurde, dies zudem zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin (vgl.
BGE 121 V 45 E. 2a).
Es fällt denn auch auf, dass die erwähnte Diagnose in diesem Bericht von Dr.
L._
zum ersten Mal genannt wurde, obwohl sie laut Verfasser mit Ereig
nissen in der Kindheit zusammenhängen würden, welche mithin schon ein halbes Jahrhundert her sind. Widersprüchlich führte Dr.
L._
sodann am Ende des Berichts aus, im Vordergrund der Schmerzursache stehe eine Depression in ihrer
somatisierten
Form.
Es bleibt somit unklar, welche Diagnose
gemäss
Dr.
L._
vorliegen soll, nachdem bei der Diagnose F45.41 ein vermutlich psychogener Schmerz im Verlauf einer depressiven Störung nicht zu berücksichtigen ist (
Dil
ling
/
Mombour
/Schmidt,
Inter
nationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F] Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10., überarbeitete Auflage, Bern 2015, S. 233).
Demgegenüber legten die
Y._
-
Gutachter in ihrer Stellungnahme vom August 2020 überzeugend und nachvollziehbar dar, weshalb diese Diagnose angesichts der Alltagsgestaltung der Beschwerdeführerin nicht gestellt werden
kann
(E. 4.10).
In der erwähnten Stellungnahme gingen sie zudem sehr detailliert und differenziert auf die inzwischen aufgeworfenen Fragen ein und zeigten die Zusammenhänge zwischen den somatischen und psychischen Vorgängen
und den resultierenden Funktionseinschränkungen gut verständlich und unter Bezug
nahme auf die erhobenen Befunde auf.
Der seitens Beschwerdeführerin geäusserte Vorwurf der oberflächlichen psychiatrischen Beurteilung (E. 2.2) ist somit insge
samt klar zurückzuweisen.
5.10
Es bleibt somit in psychi
atri
scher Hinsicht bei der Diagnose einer leicht ausge
prägten larvierten Depression (E. 4.8.3; E. 4.10). Eine
wesentliche
Veränderung seit der RAD-Untersuchung vom 3. Oktober 2013 beziehungsweise seit der Verfügung vom 8. April 2014 liegt somit nicht vor, wie die Gutachter zu Recht festhielten. Stimmiger Weise anerkannten sie den psychischen Beschwerden gesondert nur einen geringen und gesamthaft betrachtet keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (E. 5.7).
Entgegen der Beschwerdeführerin (E. 2.2) war deshalb eine ausführliche Prüfung der Standardindikatoren nicht notwendig und konnte unterbleiben (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
Auch in psychi
atri
scher Hinsicht liegt somit kein Revisionsgrund vor.
5.11
In neurologischer Hinsicht schliesslich monierte die Beschwerdeführerin, die Migräne trete gemäss Anamnese wöchentlich auf und halte jeweils zwei bis drei Tage an, was eine erhebliche Einschränkung bedeute und wohl eine Arbeitsun
fähigkeit
von
50
%
begründe (Urk. 1 Ziff. 14).
Der neurologische Teilgutachter Dr.
P._
diagnostizierte eine Migräne ohne Aura. Da diese nur sporadisch auftrete, begründe sie keine prinzipielle Arbeits
unfähigkeit (E. 4.8.4). Im August 2020 wurde dies dahingehend präzisiert, dass die Beschwerdeführerin bei Migräneattacken zuerkannter Massen einen Tag aus
falle. Über das ganze Jahr gesehen seien diese Ausfälle jedoch nicht regelmässig (E. 4.10).
Diese Begründung ist gut nachvollziehbar. Zwar deckt sie sich nicht vollumfäng
lich mit
den Angaben der Beschwerdeführerin. Es ist indes kaum vorstellbar, dass diese zwei bis drei Tage pro Woche unter heftigen Migräneattacken leidet, ohne dass sie dies zuvor jemals bei ihrem Hausarzt oder bei ihrem Psychiater deponiert, geschweige denn sich in fachärztliche neurologische Behandlung begeben hätte. Dass sie dies nicht tat, lässt auf einen eher geringen Leidensdruck schliessen und spricht für die gutachterliche Beurteilung.
Auch in neurologischer Hinsicht mangelt es somit an einem Revisionsgrund.
5.12
Nach dem Gesagten liegt weder in rheumatologischer (E. 5.5), noch in psychi
at
ri
scher (E. 5.10), noch in neurologischer (E. 5.11) Hinsicht ein Revisionsgrund vor. Damit erscheint auch die interdisziplinäre Beurteilung seitens der
Y._
-Gutachter als schlüssig, dass sich die aktuelle Situation gegenüber 2013 nur geringfügig verändert
hat
(E. 4.8.6) und es somit auch gesamthaft betrachtet an einem Revisionsgrund fehlt.
Zwar erachteten die
Y._
-Gutachter die Beschwerdeführerin als in angestammter Tätigkeit zu
50
% und in angepasster Tätigkeit zu
60
% arbeitsfähig (E. 4.8.6), nachdem RAD-Arzt Dr.
H._
im Oktober 2013 noch von einer aufgehobenen Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit und einer solchen von
50
% in ange
passter Tätigkeit ausgegangen war (E. 3.8).
Nachdem indes die
Y._
-Gutachter von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand ausgehen, stellt ihre höhere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eine lediglich unterschiedliche Beurtei
lung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts dar, welche im revi
sionsrechtlichen Kontext unbeachtlich ist (E. 1.4).
5.13
Bei Fehlen eines Revisionsgrundes erweist sich die angefochtene Verfügung vom 16. März 2021 als rechtens.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessens
weise auf Fr. 800.-- anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
6.2
Mit
ihrer
Beschwerde vom 3. Mai 2021 (Urk. 1) beantragte die Beschwerde
führerin die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beigabe von Rechtsanwalt Markus
Loher
als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
Am 20. Septem
ber 2021 (Urk. 12) reichte sie aufforderungsgemäss (vgl. Urk. 4) weitere Unter
lagen zur Begründung ihres Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechts
verbeiständung
ein. Dabei gab sie an, über eine Rechtsschutzversicherung zu verfügen (vgl. Urk. 13 Ziff. 5) und führte aus, sie habe sich dagegen entschieden, sich vom Rechtsdienst ihrer Rechtsschutzv
ersicherung vertreten zu lassen
(Urk. 12 S. 2).
6.
3
Die Ausgangslage ist betreffend Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege weiterhin dieselbe wie im rechtskräftigen Urteil vom 24. Juni 2019 im Verfahren IV.2019.00088 (Urk. 8/210, E. 3.5). Die Beschwerdeführerin ist demnach noch
mals darauf hinzuweisen,
dass einem Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung nicht entsprochen werden kann, soweit eine Rechtsschutzversicherung, ein Ver
band oder eine Gewerkschaft für die Gerichts- und Anwaltskosten aufkommt
.
Dies gilt selbst dann, wenn die Kostenübernahme seitens der Rechtsschutzver
siche
rung, des Verbandes oder der Gewerkschaft als nur subsidiär bezeichnet wird. Die versicherte Person kann in einem solchen Fall nicht als bedürftig gelten, andern
falls das durch den Mitgliederbeitrag versicherte Prozesskostenrisiko auf den Staat überwälzt würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_347/2007 vom
6.
März 2008 E
.
6).
6.4
Die Beschwerdeführerin hat denn auch das verlangte Ablehnungsschreiben ihrer Rechtsschutzversicherung betreffend Übernahme der Prozesskosten (vgl. Urk. 13 Ziff. 5) nicht eingereicht.
Es ist davon auszugehen, dass die Rechtsschutzver
sicherung der Beschwerdeführerin für die Kosten des Prozesses aufkommen würde, sofern sich die Beschwerdeführerin durch diese und nicht ihren externen Rechtsvertreter vertreten lassen würde.
Eine Bedürftigkeit ist unter die
sen Umständen zu verneinen und das Gesuch der Beschwerdeführerin
um Ge
währung der unentgeltlichen Rechtspflege
abzu
weisen.
Das Gericht
beschliesst
:
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung wird abgewiesen
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Markus
Loher
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.