Decision ID: bee2bf95-af4b-5654-ae89-bf020999af99
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 5. Januar 2016 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 11. Januar 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Das
vorerst eingeleitete Dublin-Verfahren wurde am 18. März 2016 beendet.
Am 30. Juli 2018 wurde der Beschwerdeführer vom SEM einlässlich zu sei-
nen Asylgründen angehört.
B.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend,
er stamme aus B._, Sri Lanka, wo er seit seiner Geburt bis im (...)
2013 gelebt habe. Nach kurzen Aufenthalten in C._, in D._
und in Colombo habe er Sri Lanka am (...) 2013 verlassen. Die Schule
habe er bis zum O-Level besucht und vor der Ausreise habe er bei einem
«Youth Club» einen (...), eine Art Vorlehre, absolviert.
Da es in seiner Wohngegend viele Anhänger der Tamil Eelam Liberation
Organization (TELO) gehabt habe, habe auch er diese unterstützt. Wäh-
rend des (...) habe er eines Tages während einer Pause (...) Personen
kennengelernt, die ihm erklärt hätten, dass er mit Hilfe weiterer Kurse an
der Universität studieren könne. Nach zwei Wochen hätten sie ihn aufge-
fordert, im TELO-Office ein (...) zu platzieren. Er habe dies abgelehnt und
die TELO informiert. Der TELO-Chef habe ihm aufgetragen, so zu tun, als
ob er mitmachen würde und das (...) zu einer Sitzung mitzubringen. Dies
habe er (...) gemacht. Da die (...) Personen nicht die Informationen erhal-
ten hätten, die sie hätten (...) wollen, seien sie wütend geworden und hät-
ten ihn bedroht. Beim (...) Mal habe er ein (...) beziehungsweise eine (...)
erhalten, welche er habe deponieren sollen. Er habe seinen Vater infor-
miert. Auf dessen Anraten hin habe er die Sachen weggeworfen und sei
nach C._ zu einem (...) gegangen. Seine Familie habe in der Folge
Schwierigkeiten gehabt. Die (...) Personen seien wütend gewesen und hät-
ten Probleme bekommen, weil er (...) nicht bei der TELO platziert und diese
Dinge entsorgt habe. Die (...) seien vom Criminal Investigation Department
(CID). (...) seien seine Eltern aufgesucht und ihnen sei mitgeteilt worden,
er müsse ins Büro des CID kommen. Es sei eine Vorladung der sri-lanki-
schen Polizei zu ihm nach Hause geschickt worden. Aus diesen Gründen
sei er im (...) 2013 legal aus dem Heimatland nach Malaysia gereist. Später
seien seine Eltern noch einmal aufgesucht worden. Nach dem Aufenthalt
in Malaysia sei er mit einem gefälschten Pass über mehrere Länder in die
Schweiz gelangt.
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Der Beschwerdeführer reichte seine sri-lankische Identitätskarte im Origi-
nal sowie Kopien seines Geburtsregisterauszugs, eines Schreibens der
«SL Police» und eines Schreibens des sri-lankischen Parlamentariers A.
ein.
C.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2020 – eröffnet am 31. Januar 2020 – ver-
neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers
und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte sie seine Wegweisung
aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 2. März 2020 erhob der Beschwerdeführer – handelnd
durch seinen Rechtsvertreter – gegen diese Verfügung Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung
des SEM sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen
und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzuläs-
sigkeit und / oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen, subeventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Der Beschwerde wurden vier Fotoausdrucke sowie mehrere Medienbe-
richte zur Lage in Sri Lanka beigelegt.
E.
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. März
2020 wurde festgehalten, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abwarten. Ferner wurde er zur Leistung eines
Kostenvorschusses innert Frist aufgefordert.
Der Kostenvorschuss wurde in der Folge fristgerecht bezahlt.
F.
Den vorinstanzlichen Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
am (...) 2021 eine Schweizer Bürgerin heiratete (gemäss Trauungsmittei-
lung des zuständigen Zivilstandsamts vom [...] 2021).
G.
Die Instruktionsrichterin hielt mit Verfügung vom 18. Mai 2021 insbeson-
dere fest, dass der Beschwerdeführer infolge seiner Heirat grundsätzlich
über einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung verfüge,
und forderte diesen auf, bis zum 2. Juni 2021 Belege über das Einreichen
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eines Gesuchs um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung bei der zuständi-
gen Ausländerbehörde respektive über die allenfalls bereits erfolgte Ertei-
lung einer Aufenthaltsbewilligung zu den Akten zu reichen. Des Weiteren
habe er innert derselben Frist mitzuteilen, ob er an der Beschwerde vom
2. März 2020 festhalte oder diese zurückziehen wolle.
H.
Nach mehrfach gewährter Fristerstreckung reichte am 23. September 2021
das zuständige Migrationsamt und am 30. September 2021 der Beschwer-
deführer eine Kopie seiner Aufenthaltsbewilligung B ein. Ferner teilte der
Beschwerdeführer dem Gericht mit Schreiben vom 30. September 2021
mit, er halte an seiner Beschwerde bezüglich Feststellung der Flüchtlings-
eigenschaft sowie Gewährung von Asyl fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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Seite 5
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Der Beschwerdeführer verfügt mittlerweile über eine Aufenthaltsbewil-
ligung B (vgl. Sachverhalt Bst. H), weshalb der Anfechtungsgegenstand
der Beschwerde in Bezug auf die Wegweisung und den Wegweisungsvoll-
zug (Dispositiv Ziffern 3–5 der angefochtenen Verfügung) weggefallen ist.
Die Beschwerde ist insoweit gegenstandslos geworden. Beschwerdege-
genstand bilden mithin noch die Fragen der Flüchtlingseigenschaft sowie
des Asyls.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer erhebt in seiner Beschwerdeeingabe verschie-
dene formelle Rügen. Diese sind vorab zu beurteilen.
4.2 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe den Sachverhalt unrichtig
und unvollständig dargestellt (er habe die [...] unbekannten Personen wäh-
rend seiner Mittagspause kennengelernt, nicht bei der TELO; er habe bei
der [...] Aufforderung zur Zusammenarbeit eine [...], kein [...], erhalten; fer-
ner wirke sich sein [...] auf den Inhalt seiner Erzählungen aus) sowie eine
falsche Beweiswürdigung vorgenommen. Dadurch sei auch das rechtliche
Gehör verletzt worden. Dies habe dazu geführt, dass das SEM die Glaub-
haftigkeit seiner Vorbringen verneint habe. Weiter habe das SEM bezüglich
einer künftigen Verfolgung den Sachverhalt falsch festgestellt beziehungs-
weise den Untersuchungsgrundsatz verletzt, da die aktuellen politischen
Veränderungen in Sri Lanka nicht gebührend berücksichtigt worden seien
und das SEM nur pauschale Ausführungen gemacht habe.
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4.3 Die Begründung dieser formellen Rügen beschränkt sich in der Haupt-
sache auf Ausführungen zur Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwer-
deführers. Alleine der Umstand, dass das SEM die Vorbringen für unglaub-
haft befand und zu einer anderen Einschätzung als der Beschwerdeführer
gelangte, bedeutet noch keinen formellen Mangel. Mithin verwechselt der
Beschwerdeführer hier formelle Fragen mit dem Aspekt der von der Vor-
instanz vorgenommenen materiellen Würdigung des Sachverhalts sowie
der Beweismittel. Der Sachverhalt kann vorliegend als hinreichend erstellt
gelten. Zudem ist festzustellen, dass den diesbezüglichen Ausführungen in
der Beschwerdeschrift nicht zu folgen ist. Auch weshalb das (...) des Be-
schwerdeführers die Sachverhaltsfeststellung beeinträchtigt haben könnte,
legt er nicht dar und geht aus den Anhörungsprotokollen nicht hervor. So-
dann vermag der Beschwerdeführer mit den Hinweisen zur Beweiswürdi-
gung, die ebenfalls lediglich anders ausgefallen ist als von ihm gefordert,
nicht aufzuzeigen, inwiefern das SEM diesbezüglich den Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt haben soll. Schliesslich ist auch keine Verletzung
des Untersuchungsgebots betreffend die Situation in Sri Lanka ersichtlich.
Das SEM hat sich – unter Berücksichtigung der Vorbringen des Beschwer-
deführers – auf die politische Lage in Sri Lanka bezogen. Inwiefern dies,
wie vom Beschwerdeführer gerügt, «nicht gebührend» geschehen sei, ist
nicht zu erblicken. Dass das SEM diesbezüglich einer anderen Linie folgt
als vom Beschwerdeführer verlangt, spricht nicht für eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes.
4.4 Insgesamt erweisen sich die formellen Rügen als unbegründet. Es be-
steht keine Veranlassung, die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sa-
che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entspre-
chende Eventualbegehren ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründete ihre ablehnende Verfügung damit, dass die
Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen von Art. 7
AsylG an die Glaubhaftigkeit genügten.
6.1.1 Er habe geltend gemacht, wegen einer erzwungenen (...) Probleme
mit CID-Anhängern bekommen zu haben, welche auch seine Eltern be-
droht hätten. Zur Untermauerung seiner Vorbringen habe er Beweismittel
eingereicht. Diesbezüglich sei festzustellen, dass das eingereichte Schrei-
ben der «SL Police» in keiner Weise den gängigen Vorlagen der Polizeibe-
hörden in Sri Lanka entspreche und es sich dabei offensichtlich nicht um
ein offizielles Dokument handle. Es fehle das offizielle Logo der Polizei und
beinhalte Rechtschreibfehler. Der Beschwerdeführer habe vage Angaben
dazu gemacht und das angekündigte Original nicht eingereicht. Hinsicht-
lich des Bestätigungsschreibens des Parlamentariers A. erstaune, dass es
sehr generell verfasst worden sei, obwohl dieser die Probleme des Be-
schwerdeführers persönlich miterlebt haben solle. Ausserdem handle es
sich um ein reines Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert, zumal es – wie
das Schreiben der Polizei – sehr leicht gefälscht oder selber hergestellt
werden könne. Diesen Vorhalten habe der Beschwerdeführer nichts Kon-
kretes entgegensetzen können. Aufgrund der gefälschten Dokumente sei
seinen Asylvorbringen die Grundlage entzogen und seine Glaubwürdigkeit
erschüttert.
6.1.2 Weiter seien die Aussagen des Beschwerdeführers widersprüchlich
ausgefallen. Er sei nicht in der Lage gewesen, eindeutig und übereinstim-
mend anzugeben, wie oft, von wem und wann er aufgefordert worden sei,
sich bei den Behörden zu melden (SEM-Akten A7 S. 7, A18 F43 ff.). So-
dann habe er an der BzP erklärt, sich nach Verlassen seines Zuhauses
unter anderem einen Monat in D._ aufgehalten zu haben. An der
Anhörung habe er diesen Ort erst auf Nachfrage hin erwähnt und gesagt,
er sei etwa fünfzehn Tage lang dort gewesen (SEM-Akten A7 S. 4, A18
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F26, F39, 74 ff.). Weiter habe er seinen Reisepass vor der Ausreise aus
Malaysia zerrissen beziehungsweise er habe diesen dem Schlepper über-
geben und dieser habe den Pass vernichtet (SEM-Akten A7 S. 5, A18 F33,
79 f.). Sodann falle bei näherer Betrachtung auf, dass es dem freien Bericht
an der Anhörung an Substanz und Tiefe fehle. Trotz mehrmaliger Aufforde-
rung sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, die erste Über-
gabe des (...) anschaulich zu schildern und habe sich stattdessen in Rand-
umstände geflüchtet (SEM-Akte A18 F57 ff.). Auch die Angaben zum ers-
ten Treffen mit den (...) CID-Angehörigen seien plastisch ausgefallen und
hätten keine individuell durchzogenen Schilderungen enthalten. Dass der
Beschwerdeführer dazu aber in der Lage gewesen wäre, zeige die von
Emotionen geprägte, sprunghafte und detailreiche Beschreibung des
«Thai Poosam» Fests (SEM-Akte A18 F62 ff., 68 ff.).
6.1.3 Nachdem die geltend gemachten Probleme mit dem CID nicht ge-
glaubt werden könnten, sei zu prüfen, ob der Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka dennoch begründete Furcht vor künftigen Verfol-
gungsmassnahmen habe, mithin Risikofaktoren vorliegen könnten. Bloss
aufgrund der Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und der Landesabwe-
senheit sei jedoch nicht davon auszugehen, dass er in den Augen der sri-
lankischen Behörden als Person gelte, die eine enge Beziehung zu den
Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gepflegt habe. Ferner habe der
Beschwerdeführer erklärt, ausser den geltend gemachten Vorbringen
keine weiteren Probleme in Sri Lanka gehabt zu haben. Auch habe er nicht
dargetan, einen persönlichen Bezug zur Präsidentschaftswahl in Sri Lanka
und deren Folgen zu haben. Insgesamt bestehe daher kein begründeter
Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde.
6.1.4 Nach dem Gesagten erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei-
genschaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei.
6.2
6.2.1 Hiergegen brachte der Beschwerdeführer vor, er habe seine Asyl-
gründe – entgegen der Ansicht des SEM – glaubhaft dargelegt. Die ihm
vorgehaltenen Widersprüche seien teils nebensächlich, zudem habe er na-
mentlich zur Anzahl Besuche der CID-Personen, zur Dauer seines Aufent-
halts in D._ oder zu seinem Reisepass Erklärungen abgeben kön-
nen. Ferner habe er ausführlich, detailliert und schlüssig über seine Vor-
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bringen berichtet. Nach der vergangenen Zeit entspreche es nicht der kog-
nitiven Fähigkeit eines Menschen, sich noch an genaue Abläufe zu erin-
nern.
6.2.2 Hinsichtlich seiner Beweismittel sei festzuhalten, dass er sich im Um-
feld der TELO bewegt habe (mit vier Fotografien hierzu), weshalb die Be-
hauptung des SEM, er habe das eingereichte Schreiben selbst hergestellt,
eine ausgefallene Unterstellung sei. Die darin gemachten Ausführungen
würden sich mit seinen Aussagen decken und er habe nachvollziehbar dar-
gelegt, weshalb der Verfasser keine Ausführungen habe machen wollen.
Sodann habe er hinsichtlich des Schreibens der «SL Police» nur entgegen-
genommen, was seine Eltern ihm mitgeteilt hätten. Es scheine sich tat-
sächlich nicht um eine Aufforderung der sri-lankischen Polizei zu handeln,
sehr wahrscheinlich aber um ein Schreiben einer Person, welche ihn be-
ziehungsweise seine Familie habe einschüchtern wollen.
6.2.3 Sodann sei er aufgrund der aktuellen politischen Lage in Sri Lanka
(unter der Nennung mehrerer Medienberichte hierzu) gefährdet, was von
der Vorinstanz nicht berücksichtigt worden sei. Namentlich Personen mit
einer Verbindung zu den LTTE würden systematisch verfolgt. Auch in ihm
werde ein potentielles Risiko für den sri-lankischen Staat gesehen, er er-
fülle ein Risikoprofil. Aufgrund seiner früheren Verbindung zu CID-Angehö-
rigen, mit denen er nicht kooperiert habe, und wegen seiner Flucht in die
Schweiz gelte er als Staatsfeind, der in Sri Lanka insbesondere nach dem
Machtwechsel individuellen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein
würde. Daher bestehe durchaus ein persönlicher Bezug zwischen seinen
Asylgründen und dem neuen Präsidenten. Sodann gehöre er zur sozialen
Gruppe der abgewiesenen Asylsuchenden mit tamilischer Abstammung
und einer Registration bei der sri-lankischen Polizei. Mithin habe er begrün-
dete Furcht vor zukünftiger Verfolgung durch die heimatlichen Behörden.
7.
7.1 In der Sache selber stellt das Gericht nach Prüfung der Akten fest, dass
die überzeugenden vorinstanzlichen Erkenntnisse nicht zu beanstanden
sind. Der Beschwerdeführer vermag den zutreffenden Argumenten des
SEM in seiner Beschwerdeeingabe nichts Stichhaltiges zu entgegnen. Zur
Vermeidung von Wiederholungen kann mit den nachfolgenden Ausführun-
gen auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden.
7.2 In den Kernvorbringen des Beschwerdeführers befinden sich – entge-
gen seiner Darstellung – einige Widersprüche, welche er nicht hat erklären
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können. Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer an der BzP
angegeben hat, er sei (...) dazu aufgefordert worden, ein (...) im Büro der
TELO zu deponieren. Beim (...) Mal habe er das (...) in ein Wasserreser-
voir geworfen und in der Folge seinen Vater informiert. Erst nachdem er
nach Malaysia gegangen sei, hätten die (...) Personen bei ihm zuhause
Probleme gemacht. Man sage, sie seien vom CID. Andere Schwierigkeiten
habe er nicht gehabt. An der Anhörung erklärte der Beschwerdeführer hin-
gegen, ihm sei beim (...) Mal eine (...) übergeben worden, die er in der
Küche des TELO-Büros hätte deponieren sollen. Auf Anraten seines Vaters
hin habe er die (...) in einen See geworfen. Ferner sei seine Familie bereits
(...) von Behördenvertretern aufgesucht worden, als er noch in Sri Lanka
gewesen sei. Zusätzlich sei seiner Familie eine Vorladung für ihn überge-
ben und (...) Monate nach seiner Ausreise sei er noch einmal bei seinen
Eltern zuhause gesucht worden (SEM-Akten A7 S. 7, A18 F39, 44–55). So-
dann bleibt unverständlich, weshalb der Beschwerdeführer den Aufenthalt
während seiner Flucht in D._ an der Anhörung nicht von sich aus
erwähnt hat. Auch die unterschiedlichen Angaben zum Verlust seines Rei-
sepasses vermochte er nicht zu erklären (SEM-Akten A7 S. 5, A18 F33,
74 ff.). Die Schilderungen der Fluchtgründe sind zwar lang, aber mehrheit-
lich oberflächlich ausgefallen und die Nachfragen hat der Beschwerdefüh-
rer ausweichend sowie ohne zu erwartende Details beantwortet (SEM-Akte
A18 F39 f., 57 ff., 71). Zu den eingereichten Beweismitteln aus den Jahren
2013 und 2015 ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer diese an der
BzP im Jahr 2016 nicht erwähnte. Ferner wurden die Originale nicht einge-
reicht, obwohl der Beschwerdeführer dies angekündigt hat (SEM-Akte A18
F34). In der Beschwerdeschrift gibt er sodann an, es handle sich beim Be-
weismittel der Vorladung der «SL Police» vermutlich um ein Schreiben ei-
ner Drittperson, die ihn habe einschüchtern wollen. Es scheine nicht von
der sri-lankischen Polizei verfasst worden zu sein (Beschwerde S. 9). Dass
die (...) unbekannten Personen, die nach ihm gesucht hätten, vom CID
seien, vermutet der Beschwerdeführer sodann lediglich aufgrund der Aus-
sagen seiner Angehörigen (SEM-Akten A7 S. 7, A18 F39, 41). Nach dem
Gesagten ist unklar, von wem der Beschwerdeführer zu einer Zusammen-
arbeit aufgefordert worden sein will. Die Verbindung der (...) Unbekannten
zum CID scheint eine Mutmassung zu sein. Weiter vermochte der Be-
schwerdeführer nicht darzulegen, inwiefern oder durch wen ihm vor seiner
Ausreise eine asylrelevante Gefahr gedroht habe oder ihm bei einer Rück-
kehr in die Heimat drohen sollte. Die angebliche Vorladung der sri-lanki-
schen Polizei erachtete der Beschwerdeführer selbst als mutmasslich ge-
fälscht. Insgesamt kann daher nicht davon ausgegangen werden, der Be-
schwerdeführer sei vor seiner Ausreise aus dem Heimatland von den sri-
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lankischen Behörden registriert worden und habe mit diesen Probleme ge-
habt. Daran vermögen die eingereichten Fotoausdrucke aus Sri Lanka
(ohne Datum oder Beschreibung) nichts zu ändern. Gegen eine behördli-
che Verfolgungsgefahr spricht schliesslich auch der Umstand, dass der Be-
schwerdeführer Sri Lanka mit seinem eigenen Reisepass und ohne Prob-
leme habe verlassen können sowie, dass seine Mutter ihn bereits (...) mit
einem dreimonatigen Touristenvisum habe in der Schweiz besuchen und
scheinbar problemlos nach Sri Lanka habe zurückkehren können (SEM-
Akten A7 S. 5, A18 F8 f., 20–25, 32).
7.3 Eine begründete Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers lässt sich
im Weiteren auch nicht aus den Risikofaktoren gemäss Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 ableiten. Es
kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in der angefochte-
nen Verfügung verwiesen werden. Ein Berührungspunkt zu den LTTE ist
vorliegend nicht ersichtlich und eine behördliche Registrierung (weder bei
der Polizei noch beim CID) beziehungsweise ein vor seiner Ausreise aus
dem Heimatland bestehendes Verfolgungsinteresse an seiner Person ver-
mochte der Beschwerdeführer wie oben ausgeführt nicht glaubhaft aufzu-
zeigen. Inwiefern er als Staatsfeind gelten soll oder ein Risikoprofil auf-
weise, ist entgegen den Angaben des Beschwerdeführers nicht zu erbli-
cken. Sodann konnte der Beschwerdeführer legal aus dem Heimatland
ausreisen und verfügt nach wie vor über seine sri-lankische Identitätskarte.
Die tamilische Ethnie sowie die längere Landesabwesenheit stellen ledig-
lich schwach risikobegründende Faktoren dar. Gesamthaft betrachtet ist
daher nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr von den sri-
lankischen Behörden plötzlich als Gefahr wahrgenommen würde und ihm
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnten.
An dieser Einschätzung vermag auch die in der Beschwerde ausführlich
dargelegte (und mit Medienartikel untermauerte) im Zuge des Regierungs-
wechsels allgemein veränderte politische Lage in Sri Lanka nichts zu än-
dern. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Entwicklungen in Sri
Lanka bewusst. Es beobachtet die aktuellen Veränderungen aufmerksam
und berücksichtigt diese bei der Entscheidfindung. Es ist im Einzelfall zu
prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person zur Präsi-
dentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht
(vgl. u.a. Urteil des BVGer E-2526/2019 vom 5. Januar 2022 E. 7.2
m.w.H.). Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist ein solcher Bezug –
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – vorliegend jedoch nicht zu
erkennen.
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7.4 Nach dem Ausgeführten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen,
eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft dar-
zutun. Die Vorinstanz hat seine Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint
und sein Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 AsylG).
Im Asyl- und Wegweisungsverfahren ist die Wegweisung nicht zu verfügen,
wenn die asylsuchende Person im Besitz einer gültigen Niederlassungs-
oder Aufenthaltsbewilligung ist (Art. 32 Abs. 1 Bst. a Asylverordnung 1,
SR 142.311).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung nach seiner Heirat mit einer Schweizer Staatsangehöri-
gen. Die durch die Vorinstanz angeordnete Wegweisung ist daher gegen-
standslos geworden. Wie oben erwähnt ist damit auch das Beschwerde-
verfahren betreffend Wegweisung und Wegweisungsvollzug gegenstands-
los geworden.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist.
10.
10.1 Der Beschwerdeführer ist im vorliegenden Verfahren unterlegen, so-
weit er im Hauptbegehren seiner Eingabe vom 2. März 2020 beantragte,
es sei die Verfügung des SEM vom 29. Januar 2020 aufzuheben, seine
Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu gewähren.
Auch mit dem Eventualbegehren hinsichtlich Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz zur Neubeurteilung ist er nicht durchgedrungen. Insoweit
wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).
10.2 Bei (teilweise) gegenstandslosen Verfahren sind die Verfahrenskos-
ten in der Regel jener Partei aufzuerlegen, deren Verhalten die Gegen-
standslosigkeit bewirkt hat. Bei Verfahren, welche ohne Zutun der Parteien
gegenstandslos geworden sind, werden die Verfahrenskosten aufgrund
der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrundes festgelegt (Art. 5 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
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vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Vorliegend ist
die Anordnung der Wegweisung und deren Vollzug «ohne Zutun der Par-
teien» im Sinne von Art. 5 Satz 2 VGKE gegenstandslos geworden. Auf-
grund der Aktenlage vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit ist davon auszu-
gehen, dass vorliegend – als Folge des negativen Asylentscheides (vgl.
Art. 44 AsylG) – auch die verfügte Wegweisung und deren Vollzug zu be-
stätigen gewesen wären.
10.3 Nach dem Gesagten sind dem Beschwerdeführer die vollen Kosten
des Verfahrens in der Höhe von Fr. 750.– aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG, Art. 1–3 VGKE). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
10.4 Aus den eben angeführten Gründen ist in Bezug auf die gegenstands-
los gewordene Wegweisung und deren Vollzug auch keine Parteientschä-
digung zu entrichten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 5 und 15 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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