Decision ID: 95c859e5-9d47-462d-bcbd-8677657ab9f7
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, besuchte die Primar- und die Realschule. Er arbeitete als Landwirt, Holzfäller und Baumaschinenführer (
Urk.
7/1/4, 7/4 und 7/5/10). Seit 1990 ist er verheiratet und als selbständig erwerbender Landwirt auf dem eigenen Bauernhof tätig (
Urk.
7/1, 7/4, 7/26
,
7/32
und 7/89
). Mit seiner Ehe
frau zusammen hat er vier Kinder (geboren 1
991, 1993, 1994 und 1997; Urk.
7/2).
1.2
Am
9.
Januar 2004 erlitt der Versicherte beim Holzhacken einen Unfall, bei dem er sich am linken Unterschenkel eine offene 2-Etagen-Fraktur zuzog. Es wurde ihm gleichentags ein
Tibiamarknagel
eingesetzt, der am
8.
März 2004 dynamisiert
und am 1
3.
Januar 2005 wieder entfernt wurde (
Urk.
7/5/5 ff., 7/9 und 7/11/5 ff.).
Bis zum 3
1.
August 2005 erhielt der Versicherte Taggeldleistungen des Unfall
v
ersicherers ausgerichtet (
Urk.
7
/5/2). Am
8.
September 2005 meldete er sich wegen Schmerzen im linken Fussgelen
k (Sprunggelenk) bei der Sozial
versiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stell
e, zum Leistungsbezug an (Urk. 7
/1). Diese sprach
ihm
mit Verfügung vom 2
3.
Februar 2006, ausgehend von einem Invali
ditätsgrad von 70
%
(vgl.
Urk.
7/12/4 und 7
/13), vom
1.
Januar bis zum
30.
April 2005 eine befristete ganze Invalidenrente zu
(
Urk.
7
/17).
1.3
Bei einem weiteren Arbeitsunfall am 2
4.
September 2011 kam es zu einer Patel
larsehnenruptur am linken Bein, die einen Tag später im Spital
Z._
mit
einer Naht und einer
Rahmencerclage
nach
McLaughlin versehen wurde (Urk. 7
/33
/11,
7
/36/5
und 7
/45/12).
Am 20.
Dezember 2011 stürzte der Versi
cherte auf die rechte Schulter. Wegen
per
sistierender Schmerzen und einer
Innen
rotations
- und Elevationsschwäche begab er sich am 2
1.
Dezember 2011 in ärzt
liche Behandlung (vgl.
Urk.
7
/33/8 ff.). Am 2
2.
Dezember 2011 wurde die ge
bro
chene McLaughlin-
Cerclage
opera
tiv entfernt (
Urk.
7
/33/11 und
7
/37/15). Der Versicherte meldete sich am 2
8.
Februar 2012 erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an und machte Beschwerden am rechten Knie und an der
rechten Schulter geltend (
Urk.
7
/26). Die IV-Stelle holte darauf einen aktuellen IK-Auszug ein (
Urk.
6/32). Überdies zog sie diverse Arztberichte und die Akten de
s Unfall
ver
sicherers bei (
Urk.
7
/33,
7
/35
-
37,
7/43 und 7
/45). Sie gab beim Zürcher Bau
ern
verband einen Abklärungsbericht L
andwirtschaft in Auftrag (
Urk.
7
/46), der am 1
4.
Febr
uar 2014 erstattet wurde (
Urk.
7
/48).
Mit
Verfügung vom 13.
Janu
ar 2015
verneinte die IV-Stelle
einen Leistungsanspruch (
Urk.
7
/56).
Die
dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
7/65/3-9) wies das Sozialversicherungs
gericht mit Urteil IV.2015.00204 vom 2
9.
Juni 2016 ab (
Urk.
7/80).
1.
4
Der Versicherte meldete sich
mit
am 2
3.
Februar 2017
unterzeichneter Anmel
dung
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
und machte geltend, er habe sich wegen Rückenbeschwerden einer Operation unterziehen müssen
(
Urk.
7/84)
.
Die IV-Stelle forderte ihn dazu auf, die angeführte Veränderung mit entspre
chen
den Unterlagen glaubhaft zu machen (
Urk.
7/87). Er reichte darauf einen Bericht von
Dr.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, vom 2
1.
April 2017 ein (Urk. 7/88).
Denselben unterbreitete die IV-Stelle
B._
, Fach
arzt für Arbeitsmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
zur Stellung
nahme (
Urk.
7/90/3). Mit Vorbescheid vom
8.
Juni 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aus
sicht (
Urk.
7/91). Dagegen liess er Einwand erheben (
Urk.
7/95). Mit Verfügung vom 4. Oktober 2017 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch (
Urk.
2 = 7/100).
In der Folge
reichte die Krankenkasse des Versicherten
ein
en
Bericht der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie der Universitäts
klinik
C._
vom 26
.
Septem
ber 2017
(
Urk.
7/102)
bei der IV-Stelle
ein
(vgl.
Urk.
7/97)
.
2.
Gegen die Verfügung vom
4. Oktober 2017
liess der Versicherte, vertreten durch
Y._
von der CAP Rechtsschutz Versicherungsgesellschaft AG, mit Ein
gabe vom
6. November 2017
(
Urk.
1) Beschwerde erheben
. Er beantragte,
die ang
efochtene Verfügung sei aufzuhe
ben und es sei ihm eine
Invalidenrente zuzu
sprechen. Eventualiter seien ergänzende medizinische A
bklärungen vorzuneh
men.
Alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Zusammen mit der Beschwerdeschrift
wurde
n
ein Bericht der Abtei
lung für Wirbelsäulenchirurgie der Universitätsklinik
C._
vom 11. Januar 2017
(
Urk.
3/3) und das Fähigkeitszeugnis eines Sohnes des Versicherten als Landwirt vom 1
1.
August 2016 (
Urk.
3/5)
neu eingereicht.
Die IV-Stelle schloss am 1
2. Dezember 2017
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
). Davon wurde de
m
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom
1
3.
Dezember 2017
Kenntnis gegeben (Urk.
8
).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die im Beschwerde-verfah
ren neu eingereichten Unterlage
n
(
Urk.
3/3
und 3/5
) wird, soweit erfor
derlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu
machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den
Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Inva
liditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im
Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
In der angefochtenen Verfügung vertrat die Beschwerdegegnerin im Wesentli
chen den Standpunkt,
der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführer
s
habe sich
zwar verändert,
es sei
aber keine langandauernde
Verschlechterung eingetreten
.
Seit April 2017 sei eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
ausgewiesen. Es sei dem Beschwerdeführer zumutbar, eine solche aufzunehmen
(Urk. 2).
Demgegenüber
wurde von Seiten des
Beschwerdeführer
s
geltend gemacht, dass sich
sein
Gesundheitszustand und
seine
Arbeitsfähigkeit in einer invaliditätsrele
vanten Weise verschlechtert hätten
. Dies führe zu einer umfassenden neuen Prü
fung, namentlich auch der Frage, ob es
ihm
zumutbar sei, seinen Hof aufzugeben und eine behinderungsangepasste Tätigkeit anzutreten
(Urk. 1).
3.
3.1
Die IV-Stelle ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom
2
3.
Februar 2017
(Urk. 7/
84
) materiell eingetreten. Es gilt somit zu prüfen, ob sich der
Ge
sundheitszustand des Beschwerdeführers im massgeblichen Zeitraum zwi
schen
der Verfügung vom
13. Januar 2015
, mit welcher ein Anspruch auf eine Invali
den
rente verneint worden war, und der angefochte
nen Verfügung vom
4. Oktober 2017
insoweit verschlechtert hat, dass nunmehr ein Anspruch auf eine Invaliden
rente besteht.
3.2
Bei der letztmaligen Rentenprüfung standen Beschwerden am linken Bein, an der rechten Schulter
und
am rechten Knie
sowie
seit Jahren bestehende Rücken
be
schwerden wegen einer
Spondylolisthesis
L4/5 zur Diskussion. Der Beschwer
de
führer wurde als spätestens seit
1.
Mai 2012 wieder zu 70
%
als selbständiger
Landwirt arbeitsfähig beurteilt. In einer angepassten Tätigkeit ohne Heben, Tragen
und Transportieren von mittelschweren und schweren Lasten, ohne (beidseitiges) Arbeiten mit erhobenen Armen, ohne Arbeiten in Zwangshaltung und ohne Arbeiten über Kopf- bzw. Schulterhöhe war er gemäss den ärztlichen Einschät
zungen zu 100
%
arbeitsfähig (vgl.
Urk.
7/80/7 mit Hinweisen).
3.3
Dem Bericht von
Dr.
A._
vom 2
1.
April 2017 ist zu entnehmen, eine
Lumboi
schialgie
rechts mit sensiblem
radikulären
Syndrom L5 rechts habe ab Anfang Dezember 2015 zu invalidisierenden Schmerzen geführt. Nach der Ausschöpfung der konservativen Therapiemöglichkeiten sei
(am 5. Dezember 2016; vgl. Urk.
7/102)
ein operativer Eingriff mit
Spondylodese
mit Cage L5/S1 und
Neu
rolyse
L5 rechts durchgeführt worden. Seit dieser Operation seien die Schmerzen deutlich besser, wie es zu erwarten gewesen sei. Es bestünden aber weiterhin
Restsymptome. Bis Ende Mai
bestehe nur
eine
25
%ige Arbeitsfähigkeit
. Es sei nicht
zu erwarten, dass der Versicherte wieder eine volle Arbeitsfähigkeit errei
chen werde (
Urk.
7/88).
3.4
B._
vom
RAD
hielt am 1
3.
Mai 2017 fest, mit der Verschlech
terung des seit Jahren bestehenden Rückenleidens im Dezember 2015 liege eine Veränderung des Gesundheitszustands vor. Nach der Operation
s
ei eine deutliche Besserung der Schmerzsymptomatik eingetreten. In der Tätigkeit als Landwirt sei weiterhin von einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit auszugehen (aktuelle Ein
sch
ätzung durch
Dr.
A._
am 21.
April 2017: 25
%
arbeitsfähig
als Land
wirt, keine Beurteilung der A
rbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit). In einer angepassten Tätigkeit könne weiterhin von der bisherigen Einschätzung der Arbeits
fähigkeit/funktionellen Leistungsfähigkeit ausgegangen werden, da die Therapie zu einer Besserung des Gesundheits
zustands geführt habe. Für den Zeit
raum von ca. Dezember 2015 bis zum Abschluss der operativen
Rekonvale
s
ze
nz
ze
it
(anhand des Berichts von Dr.
A._
vom 2
1.
April 2017 nicht exakt zu be
stimmen) könne keine Aussage zur Arbeitsfähigkeit
gemacht
werden. Es sei da
von
auszugehen, das
s in diesem Zeitraum, das heisse
für einige Wochen/Monate auch in einer angepassten Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Es sei jedoch nicht von einer langandauernden/dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (
Urk.
7/90/3).
3.5
Im Bericht der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie der Universitätsklinik
C._
vom 2
6.
September 2017 wurden ein Status nach
Dekompressionslaminotomie
und
Facettektomie
rechts,
Neurolyse
L5 rechts sowie
Spondylodese
L5/S1 mit TLIF links vom
5.
Dezember 2016 bei intermittierender L5-Radikulopathie beid
seits und Segmentdegeneration L5/S1 mit Kompression der L5-Wurzel beidseits, rechts mehr als links, als Diagnosen aufgeführt (
Urk.
7/102/1).
Der Verlauf nach der durchgeführten Operation sei weiterhin gut. Es bestehe keine
radikuläre
Symptomatik. Bei längeren sehr anstrengenden und schwer belas
ten
den Tätigkeiten, wie langes Sitzen auf dem Traktor mit deutlicher axialer Stauch
ungsbelastung sowie bei schweren körperlichen Arbeiten
,
komme es zu Rücken
schmerzen. Man empfehle dem Versicherten erneut Physiotherapie und die Ver
besserung der Federung des Traktorsitzes, da hier hauptsächlich die Schmerzen provoziert würden. Ansonsten sei der Versicherte gemäss eigenen Angaben sehr zufrieden mit dem Verlauf und könne
die Arbeit
im Alltag gut
durchführen
(
Urk.
7/102/1-2).
4.
4.
1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass der angefochtenen Verfügung
auf
den Bericht von
Dr.
A._
vom 2
1.
April 2017 (
Urk.
7/88) und
die Stellung
nahme des RAD vom
1
3.
Mai 2017
(Urk.
7/90/3
; vgl. Urk. 2
).
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und
Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu nam
entlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht ab
zustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfol
ge
rungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
Bei der Stellungnahme des RAD
vom 1
3.
Mai 2017
handel
t es sich um eine reine
Aktenbe
urteilung, da
B._
d
e
n
Beschwerdeführer nie untersuchte
. Seine Einsch
ät
zung vermag daher die praxis
gemässen Anforderung
en an e
in ärztliches Gut
achten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1) von vornherein nicht zu erfüllen. Darüber hinaus
erkannte
B._
zutreffend, dass sich
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 2
1.
April 2017 nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit geäussert hatte
. In dieser Hinsicht lag somit keine ärztliche Beur
teilung vor, die einer Würdigung durch den RAD zugänglich
gewesen
wäre. Darüber hinaus
sind
dem Bericht
Dr.
A._
s keine Angaben zu entnehmen, aufgrund derer sich die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit beurteilen liesse
(vgl.
Urk.
7/88).
Insbesondere lässt sich aus dem blossen Hinweis, die Be
schwerden hätten nach der Operation deutlich gebessert, nicht ohne Weiteres folgern, es bestehe wieder
wie zuvor
eine volle Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten
Tätigkeit.
Dies muss umso mehr gelten, als
Dr.
A._
eine noch vorhan
dene Restsymptomatik erwähnt hatte.
Es mangelt
folglich
an eine
r umfassen
den und überzeugenden medizinischen Aktenbeurteilung, insbesondere bezüglich der Arbeitsfähigkeit
in einer
angepassten Tätigkeit
. Unter diesen Umstän
den kann nicht auf die Einschät
zung von
B._
abgestellt werden
.
Nach dem Gesagten
lässt sich der medizinische Sachverhalt auch nicht mit
dem Bericht
Dr.
A._
s vom 21.
April 2017 beurteilen, da es demselben an den erfor
derlichen Angaben bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit mangelt.
4.4
Die Beschwerdegegnerin erkannte insoweit zutreffend, es könne frühestens sechs Monate nach der Anmeldung zum Leistungsbezug ein Rentenanspruch entstehen
, wobei
die Rente vom Beginn des Monats an ausbezahlt
wird
, in dem der Renten
anspruch entsteht (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG; vgl.
Urk.
2 S. 2).
Ein allfälliger Rentenanspruch konnte somit am 1. August 2017 entstehen. Für diesen Zeitpunkt liegt keine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vor. Daran ändert nichts,
dass
mit dem
Bericht der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie der Universitätsklinik
C._
vom 2
6.
September 2017
Anhaltspunkte dafür
vorhanden sind
, es habe im September 2017 keine namhafte Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
mehr bestanden (vgl.
Urk.
7/102).
4.
5
Aus dem Gesagten folgt
, dass über das strittige Leistungsbegehren nicht ohne zusätzliche
medizinische
Abklärungen
– insbesondere
bezüglich
der
Arbeits
fähig
keit
in angepasster Tätigkeit –
entschieden werde
n kann. Da die erforderli
chen Weiterungen grund
sätzlicher Nat
ur sind, wird die Beschwerdegeg
nerin sie vorzunehmen haben. Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuhe
ben und die Sache ist zur Durch
führung der notwendigen Abklärungen und zu neuer Ent
sc
hei
dung an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen (
§
26 de
s Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht;
GSVGer
). In diesem Sinne ist die Beschwerde gut
zuheissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens-aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis 1‘000.-- festzulegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
3
00.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Koste
n der unterliegenden Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
5.2
Überdies hat der
obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (
§
34
Abs.
1
GSVGer
). Die Höhe der
gerichtlich festzusetzenden Ent
schädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
mes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von
Fr.
8
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.