Decision ID: 83906038-9814-4eb2-9e67-c442432f8dfb
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1962 geborene
X._
war vom
1.
August 2016 bis 3
1.
März 2017 bei der
Y._
,
Z._
, als
Plattenleger angestellt (
Urk.
9
/1
53
, vgl. auch Arbeitsvert
rag vom
9.
August 2016 [
Urk.
9/
75]
). Am 3
0.
Januar 2018 wurde über das Un
ternehmen der Konkurs eröffnet und
die Publikation des Kon
kurses im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) erf
olgte am
5.
Februar 2018 (
Urk.
9/14
). Am
7.
Juni 2018 ging bei der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich ein Antrag des Versicherten auf In
solvenzentschädigung
datiert vom 2.
März 2018
ein (
Urk.
9
/1
53-
156
).
Mit Ve
rfügung vom
7.
Juni 2018 (
Urk.
9/157-158
) entschied die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich, ein allfälliger Anspruch des Versicherten auf Insolvenzentschädigung sei erloschen (S. 1). Die hiergeg
en erhobene Einsprache (
Urk.
9
/
14
7) wurde mit Einspracheent
scheid vom 2
6.
Juli 2018 (
Urk.
9/144-146
) abgewiesen.
Die dag
egen
erhobene Beschwerde (
Urk.
9/121-122) wurde durch das hiesige Gericht
mit
Urteil vom 2
3.
April 2019
Prozess
Nr. AL
.
2018.00230
(
Urk.
9/87-92)
in dem Sinne
teilweise gutgeheissen
als
festgestellt wurde, dass
die
Insolvenzentschädigung fristgerecht gel
tend gemacht
worden war und ein Anspruch bestehe
,
sofe
rn auch die weiteren V
oraus
setzungen
erfüllt seien
(S. 5).
1.2
In Umsetzung des Urteils tätigte die
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
weitere Abklärungen und holte U
nterlagen beim Versicherten ein
(
vgl.
Urk.
9/72).
Mit Verfügung vom 3
0.
Juli 2019 (
Urk.
9/36) verneinte sie einen Anspruch auf Insol
venzentschädigung
wegen Verletzu
ng der Schadenminderungspflicht
.
Die
am 2
7.
August 2019
erhobene Einsprache (
Urk.
9/22)
wies die Arbeitslosenkasse mit Einspracheentscheid vom 1
4.
November 2019 (
Urk.
9/18 =
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den Einspracheentscheid
vom 1
4.
November 2019
erhob der Versicherte am 1
2.
Dezember 2019
(Datum
Poststellenaufgabe)
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte sinnge
mäss die Ausrichtung einer Insolvenzentschädigung. I
n ihrer Beschwerdeantwort vom 1
4.
Januar 2020 (
Urk.
8
) beantragte di
e Beschwerdegeg
nerin die vollumfäng
liche Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdefüh
rer am 1
7.
Januar 2020
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11). Am
5.
Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen ein (
Urk.
12 und
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 51 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
haben beitragspflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Arbeitgebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen, Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn:
a)
gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen oder
b)
der Konkurs nur deswegen nicht eröffnet wird, weil sich infolge offen
sichtlicher Überschuldung des Arbeitgebers kein Gläubiger
bereit findet
, die Kosten vorzuschiessen, oder
c)
sie gegen ihren Arbeitgeber für Lohnforderungen das Pfändungsbegehren gestellt haben
oder bei Bewilligung der Nachlassstundung oder richterlichem Konkursaufschub (
Art.
58 AVIG).
Die Aufzählung der Insolvenztatbestände in
Art.
51
Abs.
1 und
Art.
58 AVIG ist abschliessend (BGE 131 V 196).
1.2
Die Insolvenzentschädigung deckt für das gleiche Arbeitsverhältnis Lohnforde
rungen für höchstens die letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach
Art.
3
Abs.
2 AVIG. Als Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen (
Art.
52
Abs.
1 AVIG).
Die Insolvenzentschädigung deckt ausnahmsweise Lohnforderungen nach der Konkurseröffnung, solange die versicherte Person in guten Treuen nicht wissen konnte, dass der Konkurs eröffnet worden war, und es sich dabei nicht um Masse
schulden handelt. Die maximale Bezugsdauer nach
Art.
52
Abs.
1 AVIG darf nicht überschritten werden (
Art.
52
Abs.
1
bis
AVIG).
Von der Insolvenzentschädigung müssen die gesetzlichen Sozialversicherungs
beiträge bezahlt werden. Die Kasse hat die vorgeschriebenen Beiträge mit den zuständigen Organen abzurechnen und den Arbeitnehmern die von ihnen geschuldeten Beitragsanteile abzuziehen (
Art.
52
Abs.
2 AVIG).
1.3
Gemäss
Art.
55
Abs.
1 AVIG muss der Arbeitnehmer im Konkurs- oder Pfän
dungsverfahren alles unternehmen, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeit
geber zu wahren, bis die Kasse ihm mitteilt, dass sie an seiner Stelle in das Ver
fahren eingetreten ist. Danach muss er die Kasse bei der Verfolgung ihres Anspruchs in jeder zweckdienlichen Weise unterstützen.
Die Bestimmung von
Art.
55
Abs.
1 AVIG, wonach der Arbeitnehmer im Kon
kurs- oder Pfändungsverfahren alles unternehmen muss, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bezieht sich dem Wortlaut nach auf das Konkurs- und Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift, wenn das Arbeitsver
hältnis vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird (
BGE 114 V 56
E. 4 mit Hinwei
sen; Urteile des Bundesgerichts 8C_66/2013 vom 1
8.
November 2013 E. 4.1 und 8C_211/2014 vom 1
7.
Juli 2014 E. 6.1). Eine ursprüngliche Leistungsverweige
rung infolge Verletzung der Schadenminderungspflicht setzt voraus, dass der ver
sicherten Person ein schweres Verschulden, also vorsätzliches oder grobfahrläs
siges Handeln oder Unterlassen vorgeworfen werden kann. Dem Erfordernis der Verhältnismässigkeit ist mit dem Ausmass der von den Arbeitnehmern zu erwar
tenden Vorkehrungen Rechnung zu tragen, welche sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalls richtet (Urteile des Bundesgerichts 8C_66/2013 vom 1
8.
November 2013 E. 4.1, 8C_211/2014 vom 1
7.
Juli 2014 E. 6.1 und 8C_641/2014 vom 2
7.
Januar 2015 E. 4.1).
Machen Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber während längerer Zeit keine Anstalten, ihrer Lohnforderung mit hinreichender Deutlichkeit Ausdruck zu ver
leihen, signalisieren sie mangelndes Interesse. Dadurch verlieren sie auch gegen
über der Arbeitslosenversicherung ihre Schutzbedürftigkeit und Schutzwürdigkeit (Urteile des Bundesgerichts 8C_66/2013 vom 1
8.
November 2013 E. 4.1 und 8C_211/2014 vom 1
7.
Juli 2014 E. 6.1).
Schliesslich sind nachträgliche Abklärungen zur Entwicklung von Aktiven und Passiven beim Arbeitgeber im Zusammenhang mit Insolvenzentschädigungs
an
sprüchen nicht zielführend, weil auch eine Überschuldung nicht ausschliessen würde, dass ein Arbeitgeber noch über liquide Mittel verfügte, welche er aber - mangels Drucks seitens der Arbeitnehmer - prioritär für andere Zwecke als für die Bezahlung der Lohnausstände verwendete. Relevant ist, welche Anstrengun
gen von einer versicherten Person ex ante zur Geltendmachung ihrer Lohnan
sprüche gegenüber dem Arbeitgeber erwartet werden können (SVR 2014 ALV Nr. 4 S. 9 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_211/2014 vom 1
7.
Juli 2014 E. 6.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Einspracheentscheid damit,
dass der Beschwerdeführer primär die Prüfungsber
echtigung der Arbeits
losenkasse
nach dem Erlass des Urteils des Sozialversicherungsgerichts vom 2
3.
April 2019 bezweifle. Dies treffe nicht zu
,
nachdem die Arbeitslosenkasse im Urteil angewiesen worden sei, die übrige
n Anspruchsvoraussetzungen, unter anderem
die Schadenminderungspfli
cht im Sinne von
Art.
55
Abs.
1 AVIG
,
zu
prüfen (
Urk.
2 S.
2
).
D
er Beschwerdeführer
verlange
Insolvenzentschädigung für offene Lohnforde
rungen vom
1.
Dezember 2016 bis 3
1.
März 2017 und den Anteil am 1
3.
Monats
lohn
für denselben Zeitraum. S
einen Angaben
zufolge
sei ihm der Lohn bis am 3
0.
November 2016 noch bezahlt worden. Nachweislich habe er dann aber am 1
4.
Dezember 2016 einen Unfall erlitten und es seien
dem
Arbeitgeber
von der Suva vom 1
5.
Dezember 2016 bis 1
9.
Februar
2017
die Unfalltaggelder
ausge
richtet
worden
. Vom 2
0.
Februar
bis am
1.
März
2017
habe der Einsprecher die Taggelder von der Suva
direkt ausbezahlt
erhalten. Ein Betreibungsbegehren habe er
beim zuständigen Betreibungsamt
am
8.
Juni
2017
eingereicht,
worauf
der Z
ahlungsbefehl
am
3.
August
2017 der Arbeitgeberin zugestellt
worden sei und diese
gleichentags Rechtsvorschlag erhoben
habe
. Schriftlich
gemahnt
habe der Beschwerdeführer jedoch
die Lohnausstände a
b Ende Dezember 2016 nie, sondern
die Arbeitgeberin nur mündlich auf die ausste
henden Lohnzahlungen aufmerk
sam
gemacht.
Dies reiche nach konstanter
Rechtsprechung
nicht aus und die
mündlichen Mahnungen
seien
denn auch offensichtlich wirkungslos
geblieben
.
Insgesamt
habe der Beschwerdeführer
somit nach
dem Lohnausstand Ende Dezember
2016 mehr als fünf Monate zugewartet, bevor er rechtliche Schritte in
Form eines Betreibungsbegehrens eingeleitet habe
. Insbesondere n
ach der Been
digung des Arbeitsverhältnisses am 3
1.
März
2017 wäre
von ihm
z
u erwarten gewesen, dass er die
Lohnausstände gegenüber der Arbeitgeberin in unmissver
ständlich
er Weise geltend
mache
.
Trotzdem
habe er nochmals
mehr als zwei Monate mit der
Einleitung rechtlicher Schritte zugewartet. Durch diese Passivität
habe er
somit zu L
asten der Arbeitslosenkasse und
zu Gunsten der Arbeitgeberin gehandelt, was ih
m unter den gegebenen Umständen
hätte bewusst sein müssen. Es
seien
keine Gründe ersichtlich, die eine derartig
abwartende Haltung zu recht
fertigen vermöchten und er sei damit seiner Schadenminderungspflicht gemäss
Art.
55
Abs.
1 AVIG nicht in genügendem Masse nachgekommen. Da er bereits die Schadenminderungspflicht seit dem Lohnausstand nicht erfülle, seien die w
ei
teren
Anspruchsvoraussetzungen, insbesondere
,
ob die Schadenminderungs
pflich
t während der Zeitspanne vom 4.
August 2017 bis 3
0.
Januar 2018 erfüllt worden sei, nicht geprüft worden
(S. 3 f.)
.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend
(
Urk.
1)
,
seine Arbeitgeberin habe am 3
1.
Januar 2018 den Konkursantrag gestellt. Zuvor habe er versucht
,
die Arbeitgeberin zu betreiben und durch das Betreibungsamt sei ihm empfohlen worden
,
auf eine Betreibung zu verzichten, da dies sinnlos sei. Diese
n
Vorgang könne die Frieden
srichterin bestätigen und dieser
Vorgang
sei
der Arbeitslosenkasse mitgeteilt
worden, was
aber verschwiegen werde
. Die Insolvenzentschädigung habe er rechtzeitig beantragt
und von seiner Arbeitge
berin sei er
nach
mehrfache
n
Ab
mahnungen
,
die
ausstehenden
Gehälter
auszu
zahlen
,
jeweils vertröstet worden. Er habe der Arbeitgeberin noch ein grösseres Materialdarlehen
gewährt
und sein Privatfahrzeug zur Verfügung gestellt. Es sei ihm die Rückzahlung versprochen worden, sobald die Baustelle in
A._
beendigt sei. Dies könne bezeugt und eine Fotokopie der Mahnung zur Verfügung gestellt werden.
E
inen Konkursantrag
habe er
,
da ihm a
ufgrund
fehlender Gehaltszahlungen
und einer Erkrankung die
Mittel fehlten
,
zu diesem Zeitpunkt nicht stellen können. Er habe deshalb nicht grobfahrlässig gehandelt.
3.
3.1
Das Mass der vorausgesetzten Schadenminderungspflicht richtet sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalls. Vom Arbeitnehmer wird in der Regel nicht verlangt, dass er bereits während des bestehenden Arbeitsverhältnisses gegen den Arbeitgeber
eine
Betreibung einleitet oder eine Klage einreicht. Er hat jedoch seine Lohnforderung gegenüber dem Arbeitgeber in eindeutiger und unmissver
ständlicher Weise geltend zu machen. Zu weitergehenden Schritten ist die versi
cherte Person dann gehalten, wenn es sich um erhebliche Lohnausstände handelt und sie konkret mit einem Lohnverlust rechnen muss. Denn es geht auch für die Zeit vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht an, dass die versicherte Person ohne hinreichenden Grund während längerer Zeit keine rechtlichen Schritte zur Realisierung erheblicher Lohnausstände unternimmt, obschon sie konkret mit dem Verlust der geschuldeten Gehälter rechnen muss (Urteil des Bundesgerichts 8C_79/2019 vom 2
1.
Mai 2019 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
3.2
3.2.1
Gemäss Antrag auf Insolvenzentschädigung
vom
2.
März 2018 (
Urk.
9/153)
stand der Beschwerdeführer
vom
1.
August 2016 bis 3
1.
März 2017
bei der
Y._
in
Z._
in einem Anstellungsverhältnis als Plattenleger
(
Ziff.
4). Als letzter geleisteter Arbeits
tag wurde der 2
8.
März 2017 angegeben und als zuletzt erhaltener Lohn der 3
0.
November 2016 bezeichnet (
Ziff.
7 und
Ziff.
8). Im Wei
teren wurde ein Arbeitsunterbruch vom 1
5.
Dezember 2016 bis 1
9.
Februar 2017
zufolge eines Unfalls
deklariert (
Ziff.
12).
Zur Diskussion stehen
damit
Lohnfor
derungen vom
1.
Dezember 2016 bis 3
1.
März 2017
sowie
ein
Anteil am 1
3.
Monatslohn für denselben Zeitraum.
Unbestritten
blieb dabei
, dass
die Suva
vom 1
5.
Dezember 2016 bis 1
9.
Februar 2017 Unfalltaggelder
an den Arbeitgeber
und vom
2
0.
Februar bis am
1.
März 2017
an den
Beschwerdeführer
direkt aus
bezahlt
hat (vgl.
Urk.
9/56).
Im Weiteren ist aktenkundig, dass über die
Y._
in
Z._
am 3
0.
Januar 2018 der Konkurs eröffnet und die Firma aufgelöst wurde (
Urk.
9/149).
In
den Akten finden sich
keine
Schreiben, mit denen der Beschwerdeführer die Arbeitgeberin wegen der ausgebliebenen Lohnzahlungen gemahnt hat
. Dass
sol
che
Schritte
vor der Betreibung vom
8.
Juni 2017 (vgl.
Urk.
9/
52-55
)
unternom
men wurden,
machte
der
Beschwerdeführer
auch nicht geltend
beziehungsweise konnte
er nicht belegen
.
Auch
führte er im Zusammenhang mit der Frage
nach Bemühungsnachweise
n
zur Einforderung
d
er
seit dem
3
1.
Dezember
2016 res
pektive
seit Austritt am 2
8.
März 2017
offenen Lohnausstände
bis zur Konkurser
öffnung am 3
0.
Januar 2018
und
auf
die Aufforderung
,
Beweismittel
wie Mahn
schreiben, Zahlungsbefehl, Konkursandrohung, Klage beim Arbeitsgericht, etc.
beizubringen (vgl.
Urk.
9/72)
lediglich
aus, dass nachdem die G
ehaltszahlung
offen geblieben seien
,
ihm
vom
Geschäftsführer
der
Y._
in
Z._
und dessen
Anwalt
versichert worden sei, dass er sich keine
Sorgen machen
müsse (vgl.
Urk.
7/58).
3.2.2
Damit
die Schadenminderungspflicht erfüllt wird und Anspruch auf Insolvenz
entschädigung besteht, genügt es
indes
nicht,
lediglich
unmissverständliche Zei
chen zur Geltendmachung der Lohnforderungen zu setzen. Gefordert ist
viel
mehr
auch eine konsequente und kontinuierliche Weiterverfolgung der eingeleiteten Schritte, welche in eines der vom Gesetz geforderten zwangsvollstreckungsrecht
lichen Stadien münden müssen. Arbeitnehmer sollen sich gegenüber dem Arbeit
geber nämlich so verhalten, als ob es das Institut der Insolvenzentschädigung gar nicht gäbe. Dieses Erfordernis lässt ein längeres
Untätigsein
nicht zu (Urteile des Bundesgerichts 8C_462/2009 vom
3.
August 2009 E. 3.3 und 8C_211/2014 vom 1
7.
Juli 2014 E. 6.1).
3.3
3.3.1
Obwohl
der Beschwerdeführer
geltend macht und in seiner Agenda
eingetragen
hat
(vgl.
Urk.
13
; Einträge vom
4.
Januar,
3.
Februar,
3.
März und 2
4.
März 2017
), dass er
bis zur Konkurseröffnung im
Januar 2018
seine Arbeitgeberin wie
derholt auf die fehlenden
Lohnzahlungen
hingewiesen
und gemahnt
hat
, wurden
die Ausstände
nicht beglichen. Dabei ist auch n
icht ersichtlich, dass die Bezah
lung der ausstehenden
Forderungen
mittels schriftlicher Mahnungen
auf dem Rechtsweg
voranget
rieb
en
wurde
. Erst nachdem
bereits
vier
Monatslöh
ne inklu
sive Zulagen im Umfang von mehr als
Fr.
25
'000.
--
(vgl.
Urk.
9/155)
ausstehend waren,
unternahm
der Beschwerdeführer
gegen seine
Arbeitgeberin erstmals
am
8.
Juni 2017
und damit über zwei Monate nach Beendigung des Arbeitsverhält
nisses
rechtliche Schritte
,
indem er
ein
Betreibungsbegehren
stellte
(
Urk.
9/68).
3.3.2
Da
mit fehlt es an einer zeitnah zur Fälligkeit der Lohnforderungen
konsequen
ten und kontinuierlichen
V
erfolgung
eingeleiteter
rechtlicher
Schritte.
In den Akten findet sich
auch
keine plausible Erklärung
, weshalb der Beschwerdeführer nach Beendigung des Arbeits
verhältnisses per Ende März 2017
nochmals mehr als zwei Monate zuwartete
,
bis er die Betreibung gegen die Arbeitgeberin einleitete.
Unter den vorliegenden Umständen und mit Blick auf die erheblichen Ausstände, die immer höher wurden und an die nicht einmal Teilzahlungen geleistet wurd
en, ist nicht nachvollziehbar, weshalb
der Beschwerdeführer weiterhin auf die Zusiche
rungen seiner Arbeitgeberin vertrauen konnte, ohne ein entschiedeneres und ziel
gerichtetes Verhalten an den Tag zu legen. Vor diesem Hintergrund genügten die in den Akten ersichtlichen Handlungen nicht, um der Schadenminderungspflicht in genügendem Masse nachzukommen.
Hinzu kommt,
dass sich
offenbar
bereits
im Zusammenhang mit der Lohnzahlung
im
November 2016
Probleme
abzeich
neten
, wobei – im Unterschied zu den nachfolgenden Lohnansprüchen – eine
(teilweise)
Auszahlung noch erfolgte (
Urk.
9/74
). Bereits angesichts dessen hätte dem Beschwerdeführer bewusst sein müssen, dass die nachfolgend gezeigte Ent
wicklung – das heisst die vertröstenden Aussagen und Zahlungsversprechen
– eine frühzeitigere konsequente Durchsetzung seiner Rechte bedingt hätte.
Gestützt auf die vorliegend beschriebenen Umstände wie auch die erheblichen Lohnausstände wäre der Beschwerdeführer bereits während des bestehend
en Arbeitsverhältnisses,
jedenfalls aber
unmittelbar
nach Beendigung des Arbeits
verhältnisses per Ende März 2017 zu sofortigen und weitergehenden Schritten verpflichtet gewesen.
Entlastend wirkt
sich auch nicht aus,
dass
dem Beschwer
deführer
im Rahmen des Betreibungsverfahren
s
und nachdem die Arbeitgeberin
unbegründet Rechtsvorschlag erhoben hatte
,
ihm
durch die Friedensrichterin in
Z._
abg
eraten wurde
,
weitere rechtliche
Schritte zu unternehmen
(vgl.
Urk.
9/59 und
Urk.
9/
69-71
)
. Denn entscheidend ist, dass
der Beschwerdeführer
nach d
er
ausgebliebenen
Lohnzahlung im Dezember 2016 bis
zur Betreibung per
8.
Juni 2017
während mehr als
sechs
Monaten untätig blieb respektive keine rechtlichen Schritte gegen seine Arbeitgeberin eingeleitet hat
und damit bereits zu diesem Zeitpunkt zu lange zugewartet hatte.
3.3.3
Bezüglich
wiederholter
Zusicherungen
von Seiten
der Arbeitgeberin noch
Mitte
März 2017 (vgl.
Urk.
9/51) ist anzumerken, dass
unter insolvenzrechtlichen Gesichtspunkten
es
nicht Sache der versicherten Person sein kann, darüber zu entscheiden, ob sie weitere Vorkehren zur Realisierung der Lohnansprüche treffen will und ob diese erfolgsversprechend sind oder nicht. In diesem Zusammenhang ist auf die offenkundige Tatsache hinzuweisen, dass Schuldner oftmals erst unter dem Druck der unmittelbar bevorstehenden Konkurseröffnung ihren Zahlungs
pflichten nachkommen (BGE 131 V 196 E. 4.1.2 und Urteil des Bundesgerichts 8C_85/2019 vom 1
9.
Juni 2019 E. 4.3).
3.3.4
Inwiefern von Aussagen von
B._
(
Urk.
1 S. 2
), dem ehemaligen Gesellschafter und Geschäftsführer der
k
onkursiten
Y._
und Arbeitge
berin des Beschwerdeführers
,
weitere Erkenntnisse zum im Wesent
lichen unbe
stritten
en
Sachverhalt
erwartet
werden können
, wird nicht
näher
darge
legt
und
ist
auch nicht ersichtlich. Auf eine entsprechende Zeugeneinvernahme ist daher zu verzichten, da nicht anzunehmen ist, dass diese
zu einem anderen Ergebnis führt
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
4.
Nach dem Gesagten erweist sich der Einspr
acheentscheid vom 1
4.
November 2019
als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.