Decision ID: 98bf45e7-9089-5b5b-ad77-a83d1ee3f0ae
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. leitet in Wittenbach einen Landwirtschaftsbetrieb mit einer landwirtschaftlichen
Nutzfläche von rund 43 ha und einem Tierbesatz von rund 93 Grossvieheinheiten. Der
Betrieb befindet sich in der Landwirtschaftszone. Güllegruben und Mistplatzfläche
weisen bezüglich Kapazität beträchtliche Reserven auf (40 %). Die Meteorschächte des
Betriebs werden in den rund 250 m entfernten A.-bach entwässert.
Am 13. Januar 2011 führte das Amt für Umweltschutz und Energie (AFU) eine
Betriebskontrolle bezüglich landwirtschaftlichem Gewässerschutz durch. Am
17. Januar 2011 teilte das AFU X.Y. mit, die Auswertung des
gewässerschutztechnischen Kontrollrapports habe u.a. ergeben, dass der Standort der
Kälber-Iglus auf gewachsenem Boden die gesetzlichen Anforderungen nicht erfülle,
weshalb die Anlage bis 30. September 2011 saniert werden müsse. Er erhielt
Gelegenheit, sich zu dieser Einschätzung zu äussern. Am 5. Februar 2011 teilte X.Y.
dem AFU mit, warum er dessen gewässerschutzrechtliche Beurteilung bezüglich der
Kälber-Iglus nicht teile, erklärte sich aber bereit, andere Anpassungen, die das AFU
verlangt hatte, fristgerecht auszuführen.
Am 1. März 2012 verfügte das AFU u.a., X.Y. habe bis spätestens 30. September 2012
dafür zu sorgen, dass das im Liege- und Auslaufbereich der Kälber-Iglus anfallende
Abwasser vollständig in die Güllegrube eingeleitet werde (Ziff. II). Zur Begründung
wurde ausgeführt, eine Sanierung der Anlage sei unerlässlich, weil Kälber-Iglus im
weiteren Sinn als Ställe gelten würden. Demzufolge hätten sie aus
gewässerschutzrechtlicher Sicht den Anforderungen an Ställe zu genügen. Ställe
müssten mit einem festen und dichten Boden versehen sein und das im Stall anfallende
Abwasser müsse in die Güllegrube eingeleitet werden. Gewachsener Boden genüge
diesen Anforderungen nicht.
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B./ Am 14. März 2012 erhob X.Y. gegen Ziff. II der Verfügung des AFU vom 1. März
2012 Rekurs beim Baudepartement. Er beantragte, die Verpflichtung, die Kälber-Iglu-
Anlage zu sanieren, sei aufzuheben. Zur Begründung führte X.Y. im Wesentlichen aus,
Iglus würden nach jedem Kalb - nach 21 bis 35 Tagen - im Rotationssystem umgestellt,
weshalb der Boden nicht übermässig belastet werden könne. Sodann sei ein Iglu kein
Stall, sondern eine Fahrnisbaute wie fahrbare Schafunterstände, gedeckte Futterraufen
und Tränkstellen. Das AFU nahm am 30. April 2012 Stellung und beantragte, der
Rekurs sei abzuweisen. Nachdem am 31. Mai 2012 ein Augenschein durchgeführt
worden war, wies das Baudepartement den Rekurs am 16. Juli 2012 ab (Ziff. 1). Die
Frist für die Entfernung oder Umplatzierung der Kälber-Iglu-Anlage auf eine bestehende
oder noch zu erstellende, flüssigkeitsdichte Unterlage mit Entwässerung in die
Güllegrube wurde auf sechs Monate nach Rechtskraft des Entscheids festgesetzt
(Ziff. 2). X.Y. wurde eine Entscheidgebühr von Fr. 3'500.-- auferlegt (Ziff. 3).
C./ Am 20. Juli 2012 erhob X.Y. gegen den Rekursentscheid des Baudepartements
vom 16. Juli 2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragte, der
angefochtene Entscheid sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des
Kantons St. Gallen ersatzlos aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Kälber-Iglu-
Haltung auch ohne flüssigkeitsdichten Boden bewilligungsfähig sei, alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Kantons St. Gallen.
Das Baudepartement nahm am 8. Oktober 2012 Stellung und beantragte, die
Beschwerde sei abzuweisen. Die Eingabe enthält Berechnungen, aus denen aus Sicht
des Baudepartements hervorgeht, warum die Belegung von Wiesland mit Kälber-Iglus
lokal zu einer Überdüngung des Bodens führt.X.Y. nahm am 20. November 2012
Stellung. Er machte Ausführungen dazu, warum die Berechnungen des
Baudepartementes bezüglich der Belastung des Bodens nur teilweise richtig seien und
deshalb korrigiert werden müssten. Sodann reichte er u.a. eine Standard-
Bodenanalyse Feldbau des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg vom
12. November 2012 sowie zwei Laboruntersuchungen betreffend andere Parzellen
seines Betriebs ein. Damit will er belegen, dass der Nährstoffanteil auf dem "Iglu-
Grundstück" nicht erhöht ist und dass andere Parzellen bedeutend höhere Werte bzw.
Vorräte an Nährstoffen im Boden aufweisen.Am 8. Januar 2013 schliesslich
übermittelte der St. Galler Bauernverband einen Auszug aus dem Kontrollhandbuch
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2005 "Gewässerschutz in der Landwirtschaft" der Baudirektion des Kantons Zürich,
Version 3.0, Stand April 2011, (abrufbar unter www.zh.ch, in der Folge:
Kontrollhandbuch). Sowohl die Bodenanalyse als auch das Kontrollhandbuch wurden
dem Baudepartement zur Kenntnisnahme zugestellt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Der angefochtene Entscheid beruht auf der Annahme, bei den Kälber-Iglus, die zur
Diskussion stehen, handle es sich als Verbund um eine baubewilligungspflichtige
Anlage (E. 2). Der Beschwerdeführer beantragt, der Entscheid sei ersatzlos aufzuheben
und es sei festzustellen, dass die Kälber-Iglu-Anlage auch ohne flüssigkeitsdichten
Boden bewilligungsfähig sei. Nicht in Frage gestellt wird somit, dass diese Art von
Tierhaltung im Sinn einer Anlage baubewilligungspflichtig ist.
3. Kälber-Iglus bestehen in der Regel aus verstärktem weissem Glasfaser-Kunststoff
und sind rund 2 m lang, 1 m breit und 1,5 m hoch. Vor dem Iglu befindet sich ein mit
einem Zaun begrenzter Auslauf. Iglus sind mit dem Boden nicht fest verbunden,
weshalb ein Standortwechsel leicht möglich ist.
Gemäss Angaben der Vorinstanz in der Stellungnahme vom 8. Oktober 2012 wurden
auf dem Betrieb des Beschwerdeführers "in den letzten zwei Jahren" 136 Kälber
geboren und anschliessend in Iglus untergebracht, wobei die mittlere Aufenthaltsdauer
drei bis fünf Wochen betragen hat. Gestützt auf diese Angaben hat sie errechnet, dass
auf dem Betrieb des Beschwerdeführers jeweils fünf bis sechs Kälber gleichzeitig
gehalten worden sind. Sodann geht die Vorinstanz davon aus, die Iglus seien
grundsätzlich das ganze Jahr über in Betrieb, somit auch während den drei oder vier
Monaten, wo die Wiese keine Nährstoffe benötige. Der Beschwerdeführer hält in
diesem Zusammenhang fest, "in den vergangenen 12 Monaten" habe er 65 Kälber in
Iglus gehalten (Eingabe vom 20. November 2012 Ziff. A.I.d), die Tiere würden maximal
die ersten fünf Wochen ihres Lebens dort verbringen und die Gewichtszunahme
betrage in dieser Zeit 25 kg je Tier (Eingabe vom 29. August 2012 Ziff. 5). Gemäss
Angaben des Beschwerdeführers werden die Iglus samt Vorplatz mit Stroh eingestreut
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und das Stroh wird regelmässig zusammen mit dem Düngeranfall auf den
Mistlagerplatz umgelagert. Sodann werden die Iglus nach jedem Kalb in einem
Rotationssystem umgestellt, weshalb ein Iglu nur während einer gewissen Zeit am
gleichen Standort platziert ist (Eingabe vom 29. August 2012 Ziff. 2).
4. Strittig ist, ob das im Liege- und Auslaufbereich der Kälber-Iglus anfallende
Abwasser vollständig in die Güllegrube eingeleitet werden muss bzw. ob die Iglus auf
eine flüssigkeitsdichte Unterlage mit Entwässerung in die Güllegrube gestellt werden
müssen.
4.1. Der Beschwerdeführer hält dafür, bei der Aufzucht von Kälbern in Iglus handle es
sich nicht um eine eigentliche Stallhaltung. Deshalb sei es nicht sachgerecht, zu
verlangen, dass die Nutzung von Iglus auf befestigten Plätzen mit Entwässerung in eine
Güllegrube zu erfolgen habe. Vielmehr würden Iglus die Anforderungen erfüllen, die
gemäss Wegleitung "Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft" des Bundesamtes
für Umwelt (BAFU) und des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), Stand Mai 2012,
abrufbar unter www.bafu.admin.ch, (in der Folge: Wegleitung) für Weidestallungen und
Weidezelte sowie Tränk- und Fressplätze gelten würden.
Gemäss Ziff. 3 der Indizes der Wegleitung (S. 14) wird unter Stall der Aufenthaltsraum
für alle Nutztierarten verstanden. Weidestallungen und Weidezelte sind demgegenüber
Stallungen und Unterstände, die der Haltung von Raufutterverzehrern dienen und in
enger Verbindung zu einer angrenzenden Weidefläche stehen. Es kann sich sowohl um
feste wie auch mobile Bauten handeln (Wegleitung Ziff. 6.1.3, S. 43).
Die Kälber, die auf dem Betrieb des Beschwerdeführers geboren werden, verbringen
die ersten Wochen ihres Lebens in Iglus, die je nach Bedarf auf der Wiese vor der
Kuhscheune mit Melkstand aufgestellt werden. Dort steht ihnen je eine mit einem
Strohbett versehene Fläche von einigen wenigen m zur Verfügung. Während dieser
Zeit werden die Kälber gemäss Angaben des Beschwerdeführers lediglich mit Milch
und Wasser ernährt (vgl. aber Art. 37 der Tierschutzverordnung, SR 455.1, abgekürzt
TSchV). Ein Weidegang verbunden mit Verzehr von Raufutter kann nicht stattfinden,
weshalb sich die Ausscheidungen der Kälber nicht auf einer grösseren Fläche verteilen
können. Weiter wird die Grasnarbe unter dem Strohbett zerstört, und sie wächst nur
2
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während der Vegetationsphase wieder nach. Iglus erfüllen somit nicht die Funktion
einer Weidestallung, die regelmässig verlegt wird und zu keiner dauerhaften Zerstörung
der Grasnarbe führt, sondern diejenige einer Kälberbucht. Iglus sind eine Alternative zur
Aufzucht von Kälbern im Innern des Stallgebäudes. Demzufolge hat die Iglu-Haltung
grundsätzlichdenselben gewässerschutzrechtlichen Vorgaben zu entsprechen wie ein
Stall.
Der Vorwurf des Beschwerdeführers, die Vorinstanz habe ihr Ermessen nicht
sachgerecht ausgeübt, weil sie Iglus unter dem Gesichtspunkt des Gewässerschutzes
gleich beurteile wie eine Kälberbucht, erweist sich demnach als unbegründet.
4.2. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, der angefochtene Entscheid sei
aufzuheben, weil er auch in anderer Hinsicht auf einer unrichtigen und unvollständigen
Feststellung des Sachverhalts beruhe. Er werde mit einer rein abstrakten Gefährdung
des Grundwassers begründet. Die Vorinstanz leite aus Art. 3 und Art. 6 des
Gewässerschutzgesetzes (SR 814.20, abgekürzt GSchG) ab, dass der Betrieb einer
Kälber-Iglu-Anlage die Gefahr von Gewässerverschmutzungen mit sich bringe und
gegen gewässerschutzrechtliche Vorgaben verstosse. Sie habe es aber unterlassen,
den Sachverhalt wissenschaftlich, allenfalls unter Beizug der zuständigen
Bundesbehörden, zu analysieren und zu bewerten. Die Vorinstanz habe darauf
verzichtet, anhand konkreter Zahlen über den effektiven Nährstoffanfall in Form von
Harn und Kot in den ersten fünf Wochen im Leben eines Kalbes abzuklären, inwieweit
die Kälberhaltung in Iglus auf unbefestigtem Grund das Grundwasser gefährde. Auch
würden fachliche Grundlagen bezüglich des Anteils an Nährstoffen fehlen, der durch
die regelmässige Entsorgung des Strohs auf den Mistlagerplatz oder in die Güllegrube
gelange bzw. bezüglich des Anteils, der letztlich im Boden abgelagert werde. Sodann
habe es die Vorinstanz unterlassen, aus einem Urteil des Bundesgerichts (BGer
1C_390/2008 vom 15. Juni 2009) die erforderlichen Schlüsse zu ziehen und in
gewässerschutzrechtlicher Hinsicht Vergleiche mit ähnlichen Tierhaltungsformen -
Pouletmast in "Offenhaltung", Schweinehaltung in Iglus - anzustellen.
4.2.1.Nach Art. 3 GSchG ist jedermann verpflichtet, alle nach den Umständen
gebotene Sorgfalt anzuwenden, um nachteilige Einwirkungen auf die Gewässer zu
vermeiden. Damit wird eine allgemeine Sorgfaltspflicht statuiert. Art. 3 GSchG verlangt,
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dass alles Zumutbare unternommen wird, um eine Gewässerverschmutzung zu
verhindern. Auch wenn keine Gefahr besteht, dass ein Gewässer die Anforderungen an
die Wasserqualität nicht erfüllen kann, muss das Zumutbarevorgekehrt werden, um
eine Verunreinigung zu vermeiden bzw. möglichst gering zu halten (BGer 1C_390/2008
vom 15. Juni 2009 E. 2.1 mit Hinweis auf 1C_43/2007 vom 9. April 2008 E. 2.2, in: URP
2008 S. 576).
Ergänzend zu Art. 3 GSchG verbietet Art. 6 Abs. 1 GSchG generell das mittelbare oder
unmittelbare Einbringen und Versickernlassen von Stoffen, die Wasser verunreinigen
können. Nach Art. 6 Abs. 2 GSchG ist es auch untersagt, solche Stoffe ausserhalb
eines Gewässers abzulagern oder auszubringen, sofern dadurch die konkrete Gefahr
einer Verunreinigung des Wassers entsteht. Damit wird ein generelles
Verunreinigungsverbot statuiert. Die konkrete Gefahr einer Verunreinigung liegt vor,
wenn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge eine Verunreinigung der Gewässer mit
grosser Wahrscheinlichkeit früher oder später, beispielsweise durch Abschwemmen
oder Versickern von Gülle, Mistwässern, Silosäften usw. eintreten wird (BGer
1C_390/2008 vom 15. Juni 2009 E. 2.2 mit Hinweis auf BBl 1987 II 1109).
Nach Art. 4 lit. d GSchG liegt eine Verunreinigung bei einer nachteiligen physikalischen,
chemischen oder biologischen Veränderung des Wassers vor. Als "nachteilig" zu
qualifizieren ist jede messbare Mehrbelastung gegenüber dem Ausgangszustand, d.h.
unabhängig vom ursprünglichen Reinheitsgrad des Wassers. Die
Gewässerschutzgesetzgebung verbietet jede Verunreinigung im Sinn von Art. 4 lit. d
GSchG, die nicht ausdrücklich erlaubt ist. Es gilt das gewässerschutzrechtliche
Reinhaltungsgebot (BGer 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE
125 II 29 E. 3a S. 37 und BGer 1C_43/2007 E. 2.4, in: URP 2008 S. 576).
Gemäss Art. 4 lit. g GSchG bedeutet Hofdünger Gülle, Mist und Silosäfte aus der
Nutztierhaltung. Gülle ist Flüssigmist bzw. flüssiger Hofdünger, der aus Harn und Kot
der Nutztiere sowie aus Wasser besteht. Der Gesetzgeber ging bei der Regelung nach
Art. 6 GSchG davon aus, dass Gülle, die versickert oder abgeschwemmt wird,
Gewässer verunreinigen kann, hingegen soll die fachgerechte Verwertung von
Hofdünger nicht als Verunreinigung gelten (BBl 1987 II 1109 ff.). Dementsprechend
verlangt Art. 14 Abs. 2 GSchG, dass Hofdünger umweltverträglich und entsprechend
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dem Stand der Technik landwirtschaftlich oder gartenbaulich verwertet wird. Im Betrieb
müssen hinreichende Lagereinrichtungen vorhanden sein, um eine fachgerechte
Verwertung des Hofdüngers zu ermöglichen (Art. 14 Abs. 3 GSchG).
Die Vorgaben des GSchG sind als umfassende Bundesregelung zu verstehen bzw. das
gewässerschutzrechtliche Reinhaltungsgebot stellt abschliessendes Bundesrecht dar.
Es lässt keinen Raum für ergänzendes bzw. strengeres kantonales Recht. Gleich
verhält es sich mit dem Gesetzesvollzug; die in der Praxis verlangten Standards beim
qualifizierten Gewässerschutz müssen bundesweit einheitlich sein (BGer 1C_390/2008
vom 15. Juni 2009 E. 2.3 mit Hinweisen).
4.2.2. Das Bundesgericht hat im Urteil 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009 betreffend
einen Laufhof, der von Kühen, Rindern und Kälbern dauernd genutzt werden kann,
ausgeführt, Gülle und Mist seien aufgrund des Nährstoffgehalts für die Erhaltung der
Fruchtbarkeit des Bodens wertvoll. Eine Überdüngung des Bodens habe jedoch
schädliche Auswirkungen auf das Grundwasser. Grundsätzlich seien bei der
Nutztierhaltung anhand dieses Massstabs Schutzmassnahmen zur Vermeidung einer
Mehrbelastung des Grundwassers zu ergreifen (BGer 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009
E. 3.2 mit Hinweis auf BBl 1987 II 1109, 1118 f. und Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht,
Zürich 2004, N. 404 ff.). Weiter hat das Bundesgericht erwogen, ein vollständiges
Versickerungsverbot für Hofdünger sei nur für einzelne Anlagen in
Landwirtschaftsbetrieben vorgeschrieben, so für Lagerbehälter von Hofdünger
einschliesslich Leitungen. Für andere Anlagen - wie Laufhöfe - würden demgegenüber
auf Bundesebene entsprechende gewässerschutzrechtliche Vollzugsvorschriften
fehlen. Für Betriebe ausserhalb besonders gefährdeter Grundwasserbereiche lasse
sich bei derartigen Anlagen ein absolutes Versickerungsverbot für die Abgänge der
Tiere bzw. für deren Hofdünger nicht direkt aus Art. 3 und Art. 6 GSchG ableiten. Die
Vorinstanz gehe deshalb zu weit, wenn sie annehme, dass keinerlei Ausscheidungen
von Rindvieh im Untergrund versickern dürften. Vielmehr sei das Versickern von
Ausscheidungenauf einem Laufhof insofern zulässig, als die Natur grundsätzlich in der
Lage sei, die fragliche Stoffmenge abzubauen. Unter diesen Umständen bleibe die
gesetzlich geforderte Reinhaltung des Grundwassers gewahrt. Mit anderen Worten
müsse der Boden des Laufhofs mit Blick auf die Abbaubarkeit der tierischen
Ausscheidungen nicht weitergehend befestigt oder gar abgedichtet werden, als dies -
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zusammen mit anderen Massnahmen wie Bewuchs des Bodens, Einstreuung,
periodische Reinigung, Sicherungen gegen Abflüsse in oberirdische Gewässer - nötig
sei. Bei der Beurteilung der Frage, ob eine hinreichende Abbaubarkeit der Stoffmenge
gegeben sei, komme es auch auf weitere Faktoren an, wie etwa Anzahl der Tiere,
beanspruchte Bodenfläche, vorgesehene Benutzungsdauer und den Grad der
Durchlässigkeit des Bodens (BGer 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009 E. 3.3 und 3.4).
4.2.3. Wie ausgeführt (vgl. Ziff. 4.1. hiervor) haben Kälber-Iglus die Funktion einer sich
im Stall befindenden Kälberbucht. Zu prüfen ist deshalb, ob es dennoch sachlich
begründet ist, diese Art von Tierhaltung unter gewässerschutzrechtlichen
Gesichtspunkten anders zu behandeln als einen Stall. Anders als Ställe sind Laufhöfe
Anlagen mit beschränktem Platzangebot ausserhalb des Stalls, welche die Tiere
permanent oder zweitweise aufsuchen können. Hinzu kommt, dass permanent
genutzte Laufhöfe nach Ziff. 6.1.2 (S. 40/41) der Wegleitung in einen Güllebehälter zu
entwässern sind. Diese Vollzugshilfe stammt aus dem Jahr 2011, lag somit zum
Zeitpunkt, als das Urteil BGer 1C_390/2008 am 15. Juni 2009 gefällt wurde, noch nicht
vor. Vorgaben, die gemäss Wegleitung sogar für Laufhöfe einzuhalten sind, gelten
deshalb ohne weiteres auch für Kälber-Iglus, wo die Tiere keine Möglichkeit haben,
sich auf einer grösseren Fläche frei zu bewegen. Auch Weidestallungen- und
Weidezelte sind unter gewässerschutzrechtlichen Gesichtspunkten mit Kälber-Iglus
nicht vergleichbar. Wie ausgeführt (vgl. Ziff. 4.1 hiervor) handelt es sich dabei gemäss
Wegleitung um Stallungen und Unterstände, die der Haltung von Raufutterverzehrern
dienen und die in enger Verbindung zu einer angrenzenden Weidefläche stehen.
Abgesehen davon, dass eine derartige Verbindung im Fall von Kälber-Iglus fehlt und
die auf diese Weise gehaltenen Jungtiere kein Gras fressen, verlangt die Wegleitung,
dass Zufütterung der Tiere nicht zu übermässiger Belastung des Weidelandes oder
einzelner Weideparzellen mit Phosphor und Stickstoff führen darf. Erfolgt Zufütterung
im Stall oder befindet sich eine Tränke im Stall, ist erforderlich, dass "der Boden
abzudichten und in eine Güllegrube zu entwässern" ist (Wegleitung Ziff. 1 Indizes,
S. 43). In Betracht fällt weiter, dass von einer konkreten Gefahr für
Gewässerverunreinigungen nach Art. 6 Abs. 1 GSchG auch dann auszugehen ist, wenn
eine Verunreinigung der Gewässer nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge mit grosser
Wahrscheinlichkeit früher oder später durch Abschwemmen von Gülle, Mistwasser,
Silosäften etc. eintreten wird. Demzufolge hat die Vorinstanz mit Recht erwogen, weil
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die Kälber-Iglus das ganze Jahr über bewirtschaftet würden, somit auch im Winter,
wenn das Ausbringen von Hofdünger und Weidegänge zu unterlassen sei, sei es
möglich, dass Gewässerverschmutzungen auftreten. Pflanzen und Boden können
während der Vegetationspause kaum Nährstoffe aufnehmen, weshalb diese vom
Regen und vom Schmelzwasser ausgewaschen werden und in Gewässer gelangen
können. Auch die Feststellung der Vorinstanz, wonach das Gras, das im Sommer auf
alten Iglu-Standorten neu nachwachse, wesentlich dunkler sei als dasjenige auf den
umliegenden Flächen, macht deutlich, dass die Aufzucht von Kälbern in Iglus, die auf
einer Wiese stationiert sind, den Boden mit Nährstoffen stark wenn nicht übermässig
sättigt, was ebenfalls die Gefahr einer Gewässerverschmutzung in sich birgt.
4.2.4. Hinzu kommt,dass die Iglus auf dem Hof des Beschwerdeführers nach den
Ausführungen im angefochtenen Entscheid auf einer leicht abschüssigen Wiese in der
Nähe von Meteorschächten mit Entwässerung in einen Bach stehen, was sich aus
Sicht der Vorinstanz als ungünstig erweist. Sie führt in diesem Zusammenhang aus, je
nach Rotation würden sich die Iglus sogar am Rand der Wiese unmittelbar bei der
Zufahrtsstrasse und einem Meteorschacht befinden. Bei heftigen Regenfällen sei es
möglich, dass die Nährstoffe mit dem Regenwasser über die asphaltierte Fläche direkt
in die Meteorschächte im Bereich des Hofes gelangen könnten, da sie vom Stroh nicht
mehr zurückgehalten werden und nicht mehr in der Wiese versickern könnten.
Auf der Aufnahme, die anlässlich der Betriebskontrolle des AFU vom 13. Januar 2011
gemacht worden ist (act. 7 AFU), ist denn auch ersichtlich, dass Hofdünger-Sickersäfte
auf dem asphaltierten Hofareal des Beschwerdeführers in Richtung eines
Meteorschachts rinnen. Gemäss Gewässerschutzplan, der Grundlage der Verfügung
des AFU vom 1. März 2012 ist (act. 6 AFU), befindet sich dieser Meteorschacht in
demjenigen Bereich des landwirtschaftlichen Betriebs des Beschwerdeführers, wo sich
früher ein Kälber-Iglu-Standort befand. Auf einer weiteren Aufnahme, die ebenfalls vom
13. Januar 2011 stammt, sind sechs bewirtschaftete Kälber-Iglus ersichtlich, die sich in
unmittelbarer Nähe einer asphaltierten Fläche auf Wiesland befinden (act. 7 AFU).
Diese Iglus stehen auf derjenigen Fläche, die heute als Iglu-Standort dient (act. 6 AFU).
Unbestrittenermassen handelt es sich dabei um eine leicht abschüssige Wiese. Nach
dem Entwässerungsplan (act. 6 AFU) befinden sich auch in diesem Bereich diverse
Wasserleitungen. Neben Meteorschächten, die in den nahegelegenen Bach
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entwässern, gehört dazu auch eine Sickerleitung (Stellungnahme der Vorinstanz vom
8. Oktober 2012 E. 2.1.3, Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 20. November
2012). Aus Sicht des Beschwerdeführers findet zwar kein oberflächlicher
Nährstoffabfluss statt. Davon ist aber nicht auszugehen. Bei meteorologischen
Verhältnissen, wie sie auf den beiden Aufnahmen vom 13. Januar 2011 ersichtlich sind,
ist anzunehmen, dass der Boden, auf dem bewirtschaftete Iglus stehen, morastig ist
und dass Nährstoffe somit nicht mehr versickern können. Auch nach dem
Kontrollhandbuch, auf das sich der Beschwerdeführer beruft, werden Kälber-Iglus auf
Kiesplätzen und Wiesen aber nur toleriert, wenn es keinen Morast hat und kein Abfluss
von Mistwasser im Einzugsbereich eines Hofsammlers mit Entwässerung in eine
Meteorwasserkanalisation erfolgt (S. 17). Allgemeiner Lebenserfahrung entspricht
weiter, dass Stroh nur dann in der Lage ist, Harn und Kot aufzunehmen und
zurückzuhalten, wenn es nicht bereits nass ist. Weiter geht die Vorinstanz mit Recht
davon aus, dass die Frage, welche Menge an Nährstoffen von Stroh aufgenommen
werden kann, davon abhängt, wieviel Stroh eingestreut und wie oft es ausgewechselt
wird. Nach den Angaben der Vorinstanz nimmt Stroh zwei Drittel der Nährstoffe nur
dann auf, wenn die Tiere ausserordentlich grosszügig mit Stroh versorgt werden und
wenn dieses häufig ausgewechselt wird. Gemäss Stellungnahme der Vorinstanz vom
8. Oktober 2012 ist eine derart intensive Versorgung der Tiere aber nicht Standard, weil
sie mit viel Zeitaufwand verbunden ist und dazu führt, dass grosse Mengen an Stroh
verrottet werden müssen, was nicht angestrebt wird (Flüssigmist und Festmist
"verzogen"). Wie die Aufnahme vom 13. Februar 2011 (act. 7 AFU) zeigt, waren die der
Witterung ausgesetzten Strohmatten in den kleinen Auslaufflächen, die den Kälbern zur
Verfügung stehen, soweit überhaupt vorhanden, damals durchnässt. Demzufolge ist
nicht anzunehmen, sie seien in der Lage gewesen, in grösserem Umfang als
Auffangmaterial für Harn und Kot zu dienen. Die Aufnahmen des AFU vom 13. Januar
2011 (act. 7 AFU) machen deshalb deutlich, dass die Kälberhaltung in Iglus, wie sie der
Beschwerdeführer betreibt, unter gewässerschutzrechtlichen Gesichtspunkten nicht
zulässig ist, weil sie bei nasser Witterung dazu führt, dass Nährstoffe von Regen und
Schmelzwasser ausgewaschen werden und in Schächte im Hofbereich gelangen
können.
4.2.5. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
Kälber-Iglus haben die Funktion eines Stalls und die Vorinstanz durfte davon ausgehen,
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die Aufzucht von Kälbern in Iglus, wie sie der Beschwerdeführer heute auf Wiesland
betreibt, bewirke insbesondere durch Nährstoffe, die durch Regen- und
Schmelzwasser in die Gewässer gelangen können, nicht nur eine abstrakte, sondern
die konkrete Gefahr einer Gewässerverschmutzung.Es erweist sich deshalb als
sachgerecht und verhältnismässig zu verlangen, dass der Beschwerdeführer die Iglus
auf eine flüssigkeitsdichte Unterlage mit Entwässerung in die Güllegrube
stellt.Demzufolge war die Vorinstanz nicht gehalten, bezüglich der durch die Kälber-
Iglu-Haltung auf der Wiese bewirkten Belastung des Bodens mit Nährstoffen je nach
Vegetationsperiode, Qualität der Strohmatratze und Witterungsbedingungen weitere
Abklärungen vorzunehmen und Vergleiche mit anderen Haltungsformen bezüglich
anderer Tierarten anzustellen.
Auch im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ist es demzufolge nicht erforderlich
abzuklären, ob die Belegung von Wiesland mit Iglus auch eine Überdüngung des
Bodens bewirkt, wie die Vorinstanz in ihrer Stellungnahme vom 8. Oktober 2012
errechnet hat, und wie es sich diesbezüglich mit Geflügelhaltung auf der Wiese oder
Weidehaltung von Schweinen verhält. Sodann kann ohne weiteres davon ausgegangen
werden, dass andere Haltungsformen für Kälber dem Tierwohl ebenso wenn nicht
besser entsprechen als die Aufzucht in Iglus auf Wiesland, abgesehen davon dass
Art. 37 TSchV vorschreibt, dass Kälber jederzeit Zugang zu Wasser haben müssen und
dass Kälbern, die mehr als zwei Wochen alt sind, Heu, Mais oder anderes geeignetes
Futter, das die Rohfaserversorgung gewährleistet, zur freien Aufnahme zur Verfügung
stehen muss. Stroh allein gilt nicht als geeignetes Futter.
5. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht