Decision ID: 20a7c21b-0a89-440d-a5ad-cd899f553f8d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich,
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 27. Mai 2014 (GG140043)
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Anklageschrift:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 28. Februar 2014
(Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 26)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
− des pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Verkehrsunfall im Sinne von
Art. 92 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 und 2 SVG sowie
Art. 55 Abs. 1 VRV
− der einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG
in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 66 Abs. 1 lit. a SSV sowie
Art. 67 Abs. 1 lit. h SSV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 150.– sowie einer Busse von Fr. 3'300.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
zwei Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 22 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz in der
Höhe von Fr. 104.20 zu bezahlen. Im Übrigen wird die Privatklägerin mit
ihrem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg verwiesen.
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6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 300.– zu-
züglich 5 % Zins ab 2. September 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
1'600.– Gebühr für das Vorverfahren
422.90 Auslagen Untersuchung
Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittelbelehrung)"
Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten
(Urk. 28 S. 1, sinngemäss)
Es sei das vorinstanzliche Urteil aufzuheben und der Beschuldigte sei von
Schuld und Strafe freizusprechen.
b) Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft
(Urk. 49 S. 1)
1. In Aufhebung von Dispositivziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich,
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 27. Mai 2014 sei der Beschuldigte mit
einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu CHF 150.-- (entsprechend
CHF 18'000.--) sowie einer Busse von CHF 4'500.-- zu bestrafen.
2. In Aufhebung von Dispositivziffer 4 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich,
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 27. Mai 2014 sei eine Ersatzfreiheitsstrafe
von 30 Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse festzulegen.
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3. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzel-
gericht, vom 27. Mai 2014 zu bestätigen.

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
Mit Urteil der Vorinstanz vom 27. Mai 2014 wurde der Beschuldigte der einfachen
Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des pflichtwidrigen Verhaltens
nach einem Verkehrsunfall i.S.v. Art. 92 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 51
Abs. 1 und 2 SVG sowie Art. 55 Abs. 1 VRV sowie der einfachen Verkehrsregel-
verletzung i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und
Art. 66 Abs. 1 lit. a SSV sowie Art. 67 Abs. 1 lit. h SSV schuldig gesprochen. Er
wurde mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 150.– sowie mit
einer Busse von Fr. 3'300.– bestraft (Urk. 26 S. 18).
Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte fristgerecht am 4. Juni 2014 Beru-
fung an und liess am 5. August 2014 die schriftliche Berufungserklärung folgen
(Urk. 22 und 28). Die Staatsanwaltschaft erhob mit Schreiben vom 18. August
2014 Anschlussberufung (Urk. 32). Die Privatklägerin erhob innert gesetzter Frist
weder Anschlussberufung noch stellte sie eigene Anträge (vgl. Urk. 30).
Mit Schreiben des Präsidenten der hiesigen Kammer vom 5. September 2014
wurde der Beschuldigte darauf hingewiesen, dass aufgrund der Anschluss-
berufung der Staatsanwaltschaft diese persönlich an der Berufungsverhandlung
teilzunehmen habe (vgl. Art. 405 Abs. 3 lit. b StPO), weshalb ein Fall von notwen-
diger Verteidigung vorliege (vgl. Art. 130 lit. d StPO). Er wurde um die Einreichung
der Vollmacht einer beauftragten Verteidigung oder um eine Erklärung ersucht,
dass er als Jurist und Rechtsanwalt sich in Kenntnis der gesetzlichen Regelung
selbst verteidigen wolle. In letzterem Falle verzichte er auf eine spätere Rüge
wegen nicht erfolgter notwendiger Verteidigung (Urk. 37). Mit Schreiben vom
20. Oktober 2014 und auch anlässlich der Berufungsverhandlung teilte der
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Beschuldigte mit, er werde sich weiterhin selbst verteidigen (vgl. Urk. 43 und
Prot. II S. 7)
Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte sowie die
Staatsanwältin lic. iur. C. Braunschweig namens der Anklagebehörde. Es wurden
die eingangs genannten Anträge gestellt (Prot. II S. 5).
II. Umfang der Berufung
Nach Art. 399 Abs. 4 StPO kann die Berufung auf einzelne Urteilspunkte einge-
schränkt werden. Eine isolierte Anfechtung des Schuldpunktes ist indes nicht
möglich: Bei einem Antrag auf Freispruch gelten für den Fall der Gutheissung
automatisch auch die mit der Tat untrennbar zusammenhängenden Folgepunkte
des Urteils (z.B. Sanktion, Zivilpunkt, Kostenfolgen) als angefochten, also alle
Punkte nach Art. 399 Abs. 4 lit. b - g StPO. Bestätigt das Berufungsgericht den
Schuldpunkt, sind die weiteren Urteilspunkte – soweit nicht explizit angefochten –
nicht zu überprüfen (vgl. Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich
2013, Art. 399 N 18; vgl. Eugster in: Basler Kommentar zur Schweizerischen
Straf-prozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 399 N 7 ).
Der Beschuldigte beantragt die vollumfängliche Aufhebung des vorinstanzlichen
Schuldspruchs. Er anerkennt indes die Zusprechung des Schadenersatzes an die
Privatklägerin in Höhe von Fr. 104.20 (Disp. Ziff. 5; Urk. 28 S. 7), weshalb dieser
Punkt in Rechtskraft erwachsen ist. Im Weiteren blieb die Kostenfestsetzung
unangefochten (Disp. Ziff. 7, Prot. S. 8 f.), wovon mittels Beschluss Vormerk zu
nehmen ist.
III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Vorgeschichte
Gestützt auf die Ausführungen des Beschuldigten ist von folgender Vorgeschichte
auszugehen: Am 2. September 2013, ca. 15.35 Uhr, parkierte der Beschuldigte
seinen PW Mercedes Benz auf dem Parkplatz der Migros-Filiale beim ...-Areal ...
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[Adresse], um dort einzukaufen. Beim Aussteigen sah er das Cargo-Tram auf
dem ...-Areal und begab sich mit einem Sack voller Elektroschrott dorthin. Als er
dort ankam, verweigerte ihm die orange uniformierte Privatklägerin die Entsor-
gung eines Sacks voller Elektroschrott. In der Folge stellte er den Sack hin und
sagte ihr, dass er ihn nun hier fortwerfe. Er begab sich zurück zu seinem Fahr-
zeug, stieg ein und fuhr aus dem Parkfeld. Die Privatklägerin rannte daraufhin vor
das Fahrzeug des Beschuldigten, um ihn an der Wegfahrt zu hindern. Dem Be-
schuldigten war bewusst, dass sie ihn massregeln wollte, weil er den Elektro-
schrott einfach abgestellt hatte (vgl. Urk. 7/1 S. 1 ff., Urk. 7/2 S. 3 ff.).
2. Sachverhaltserstellung
2.1. Anklagevorwürfe im Überblick
Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift kurz zusammengefasst vorge-
worfen (Urk. 16), nachdem die Privatklägerin vor sein Fahrzeug gestanden sei,
habe er ihr Handzeichen "Stopp" missachtet (einfache Verkehrsregelverletzung),
die Privatklägerin angefahren und dabei ihr linkes Bein touchiert, wodurch sie
Prellungen an Waden- und Schienbein des linken Beines erlitten habe (einfache
Körperverletzung) und hernach seine Fahrt fortgesetzt, ohne auf das Eintreffen
der Polizei zu warten bzw. seine Personalien zu hinterlassen (pflichtwidriges
Verhalten bei Unfall).
2.2. Vorbemerkung
Soweit der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung geltend gemacht
hat, die Staatsanwaltschaft habe keine Beweise erbracht (Prot. II S. 10), so ist
darauf hinzuweisen, dass die Beweise (div. Zeugeneinvernahmen bzw. Einver-
nahme des Beschuldigten und der Privatklägerin) durch die Staatsanwaltschaft in
der Voruntersuchung erhoben wurden und es nun Aufgabe des Gerichtes ist, die-
se Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Über-
zeugung zu würdigen. Zudem ist das Vorbringen des Beschuldigten, die Staats-
anwältin habe seine Darstellung der Dinge weder bestritten noch Stellung dazu
genommen, weshalb sie diese anerkannt habe (vgl. Prot. II S. 9 ff.), eine zivil-
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rechtliche Betrachtungsweise, welche für das vorliegende Berufungsverfahren
nicht relevant ist.
2.3. Rechtliches
Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es nach
seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten geschöpf-
ten Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der
angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person
günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO).
Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, muss das
Gericht – bei Fehlen eines Geständnisses der beschuldigten Person – aufgrund
der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter bekannten
Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflicht-
verletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser
die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die
Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter
habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2
mit Hinweisen). Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schlies-
sen, wenn sich diesem der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte,
dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als In-
kaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 133 IV
222 E. 5.3 mit Hinweisen). Eventualvorsatz kann auch vorliegen, wenn sich der
Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs statistisch gesehen nur relativ selten ver-
wirklicht. Doch darf in diesem Fall nicht allein aus dem Wissen des Beschuldigten
um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme und damit auf
Eventualvorsatz geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzu-
kommen (BGE 131 IV 1 E. 2.2 mit Hinweis). Was der Täter wusste, wollte und in
Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsachen, ist damit Tatfrage. Rechtsfrage ist hin-
gegen, ob im Lichte der festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz
begründet ist (Urteil des Bundesgerichtes vom 21. Januar 2007: 6S.280/2006, mit
weiteren Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Da sich Tat- und
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Rechtsfragen insoweit teilweise überschneiden, hat der Sachrichter die in diesem
Zusammenhang relevanten Tatsachen möglichst erschöpfend darzustellen, damit
erkennbar wird, aus welchen Umständen er auf Eventualvorsatz geschlossen hat
(Urteil des Bundesgerichts 6B.388/2012 vom 12. November 2012, E. 2.).
2.4. Missachten des Stopp-Handzeichens
Der Beschuldigte anerkannte den Anklagesachverhalt von Beginn der Unter-
suchung insofern, als er einräumte, die Privatklägerin könnte ihm das Hand-
zeichen "Stopp" gegeben haben. Sie habe gewollt, dass er halte. In der Folge sei
er langsam angefahren, um sie zur Seite zu drücken (Urk. 7/1 S. 2). Wie schon im
Untersuchungsverfahren und vor Vorinstanz beharrte er auf seinem Standpunkt,
er habe die Privatklägerin nicht als Mitarbeiterin eines privaten Verkehrsdienstes,
sondern lediglich als Cargo-Mitarbeiterin wahrgenommen, weshalb er sie nicht für
befugt gehalten habe, ihn anzuhalten (vgl. Prot. II S. 10 f.; Urk. 48 S. 5; Urk. 28
S. 2 f., S. 6, Urk. 7/2 S. 3).
Die Vorinstanz verwarf den Einwand mit zutreffender Begründung, worauf vorab
verwiesen werden kann (Urk. 26 S. 4 f., S. 8; Art. 82 Abs. 4 StPO). Erneut ist fest-
zuhalten, dass die Privatklägerin nach den glaubhaften Aussagen der Zeugen
C._, D._ und E._ uniformiert war bzw. Securitas-Kleidung trug. Ihre
Hosen und ihr Oberteil hatten Leuchtstreifen und sie war mit "Securitas" ange-
schrieben (vgl. Urk. 9/2 S. 4, Urk. 9/3 S. 3 und Urk. 9/4 S. 3). Zudem stand die
Privatklägerin gemäss Angaben des Beschuldigten während ca. 45 Sekunden
einige Meter vor seinem Auto und nahm mit dem Handzeichen "Stopp" auch
verkehrsregelnde Funktionen wahr, die der Beschuldigte auch befolgte (vgl.
Urk. 48 S. 6 und S. 14). Unter diesen Umständen musste der Beschuldigte die
Privatklägerin auch als Mitarbeiterin eines privaten Verkehrsdienstes erkannt
haben. Seine Behauptung, er habe sie für eine Cargo-Mitarbeiterin gehalten, ist
als Schutzbehauptung zu werten.
Lediglich der Vollständigkeit halber ist zu bemerken, dass der Beschuldigte bei
seiner Sachverhaltsdarstellung jeweils nicht erwähnte, ob er vor dem Zufahren
auf die Privatklägerin angehalten hat (vgl. Urk. 7/1-3). Anlässlich der Berufungs-
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verhandlung führte er hierzu aus, die Privatklägerin habe ein Haltezeichen ge-
geben und er habe dann angehalten. Er habe ihr dann ein Zeichen gegeben, dass
sie weg solle, sie sei dann aber nicht weggegangen, weshalb er dann langsam
losgerollt sei (Urk. 48 S. 6). Ein erstes Anhalten bzw. ein erneutes Anfahren wird
auch von der Privatklägerin und dem Zeugen E._ konstant und glaubhaft
beschrieben (vgl. Urk. 8/1 S. 2, Urk. 8/2 S. 4, Urk. 9/4 S. 3). Es ist daher davon
auszugehen, dass der Beschuldigte dem Haltezeichen zunächst Folge leistete
und anhielt, in der Folge indes ohne das Abwarten eines weiteren Zeichens
weiterfuhr. Er hätte jedoch warten müssen, bis ihm ein Zeichen zur Weiterfahrt
gegeben wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.62/2004 vom 28. Juli 2004,
E. 2.2.).
Die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz als Verletzung der Verkehrsregeln
im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 66 Abs. 1
lit. a SSV sowie Art. 67 Abs. 1 lit. h SSV ist zutreffend und wird vom Beschuldig-
ten, seines Zeichens pensionierter Rechtsanwalt, nicht in Frage gestellt.
2.5. Verletzung der Privatklägerin
2.5.1. Standpunkt des Beschuldigten
Im Hinblick auf den Vorwurf der Verletzung der Privatklägerin mit seinem Fahr-
zeug räumte der Beschuldigte anlässlich des Berufungsverfahrens ein, es sei zu-
treffend, dass die Knieverletzung der Privatklägerin von seinem Fahrzeug her-
rühre. Er macht jedoch geltend, sie habe sich selbst verletzt, als sie vor sein
Fahrzeug gerannt und sich mit beiden Händen auf der Kühlerhaube abgestützt
habe (Urk. 28 S. 3 und Urk. 48 S. 7 f.). Im Übrigen habe er weder vorsätzlich noch
eventualvorsätzlich gehandelt. Er habe sich lediglich so schnell wie möglich von
diesem Ort entfernen wollen. Nachdem die Privatklägerin sich nicht von der Front
seines Fahrzeugs entfernt habe, habe er sich zur Selbsthilfe entschlossen und
sein Fahrzeug ganz langsam in Bewegung gesetzt und die Privatklägerin damit
weggedrückt (Urk. 28 S. 5 und Urk. 48 S. 10).
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In rechtlicher Hinsicht macht der Beschuldigte geltend, es liege ein leichter Fall
einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB vor,
weil das Knie bereits vorbelastet gewesen sei (Urk. 28 S. 3).
2.5.2. Sachverhaltserstellung
Der Sachdarstellung des Beschuldigten, wonach sich die Privatklägerin ihrerseits
am Fahrzeug des Beschuldigten gestossen habe, widersprechen die Aussagen
der Privatklägerin sowie der Zeugen C._, D._ und E._. Einhellig
und glaubhaft wird beschrieben, dass der Beschuldigte mit seinem Fahrzeug aus
einem Abstand von mehreren Metern auf die Privatklägerin zu fuhr und hernach
mit ihr kollidierte (vgl. Urk. 8/1 S. 3, Urk. 8/2 S. 4, Urk. 9/3 S. 4, Urk. 9/4 S. 3). Mit
anderen Worten hatte die Privatklägerin das Fahrzeug des Beschuldigten noch
nicht berührt, als dieser es nach einem Stopp wieder in Gang setzte und auf sie
zu fuhr. Sie hatte sich ihre Verletzung – eine Prellung von Wadenbein und
Schienbein unterhalb des linken Knies (Urk. 10/11) – mithin nicht selbst zugefügt,
sondern wurde durch das Manöver des Beschuldigten verletzt.
Zur Bestimmung der Frage, mit welcher Willensrichtung der Beschuldigte handel-
te, sind die weiteren Umstände der Kollision zu eruieren. Während er geltend
machte, er habe lediglich den Fuss von der Bremse genommen und das Fahr-
zeug habe sich durch das automatische Getriebe vorwärts bewegt (Urk. 28 S. 4
und Urk. 48 S. 7), schilderte die Privatklägerin, der Beschuldigte sei mit etwas
mehr als Schritttempo auf sie zugefahren und sei am Beschleunigen gewesen
(Urk. 8/1 S. 3). Sie sei ca. zwei Schritte auf ihn zugelaufen (Urk. 8/2 S. 4). Die
Privatklägerin schilderte in der Folge das Geräusch, das durch die Kollision ent-
stand. Der Zeuge C._ sah die Kollision nicht, stand aber drei Meter neben
dem Geschehen und wurde durch den "Chlapf" überhaupt erst auf das Gesche-
hen aufmerksam (Urk. 9/1 S. 2, Urk. 9/2 S. 4).
Der Zeuge D._ beobachtete den Vorfall und schätzte die Geschwindigkeit
des Beschuldigten auf ca. 20 km/h bis 30 km/h. Er führte aus, der Beschuldigte
sei aus einer Distanz von ca. fünf bis acht Metern aggressiv losgefahren und habe
"einfach mehr Gas gegeben als normal." Er sei nicht langsam angefahren (vgl.
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Urk. 9/3 S. 4). Der Beschuldigte sei bewusst in die Privatklägerin gefahren
(Urk. 9/3 S. 6). Auch der Zeuge E._ schilderte, nach dem Anhalten habe der
Beschuldigte wieder leicht aufs Gas gedrückt. "Plötzlich gab er ziemlich Gas und
fuhr los" (Urk. 9/4 S. 3). Die Privatklägerin sei auf den Beschuldigten zugelaufen
und dann sehr nahe zum Auto gestanden, vielleicht einige Zentimeter. Er könne
nicht sagen, wie schnell der Beschuldigte auf sie zugefahren sei (Urk. 9/4 S. 4).
Es sei sehr schnell abgelaufen. Der Beschuldigte sei auf sie zugefahren, sie sei
zur Seite gesprungen. "Hätte sie das nicht getan, hätte er sie voll erwischt"
(Urk. 9/4 S. 5).
Die Behauptung des Beschuldigten, wonach er die Privatklägerin mit dem Fahr-
zeug lediglich zur Seite gedrückt habe, ist angesichts des hörbaren Aufpralls
unglaubhaft. Das durch die Kollision verursachte Geräusch war offenkundig laut
genug, um die Aufmerksamkeit des Zeugen C._ auf sich zu ziehen und muss
daher auf eine nicht unerhebliche Wucht zurückzuführen sein. Gestützt auf die
glaubhaften Ausführungen der Privatklägerin und der Zeugen fuhr er aus einigen
Metern bewusst und gewollt auf die Privatklägerin zu. Die nach wenigen Metern
erreichte Geschwindigkeit überraschte alle Zeugen. Es ist mithin davon auszu-
gehen, dass der Beschuldigte beim Anfahren das Gaspedal betätigte. Demnach
ist die Behauptung des Beschuldigten, er habe lediglich die Bremse los gelassen
und das Fahrzeug habe aufgrund des automatischen Getriebes beschleunigt,
unglaubhaft. Weil die Privatklägerin auf den Beschuldigten zuging, obwohl er
zügig anfuhr, konnte er nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass sie ihm den
Weg rechtzeitig frei geben und er sie nicht verletzen würde. Indem er dennoch
weiter auf sie zu fuhr bzw. nicht abbremste, nahm er in Kauf, die Privatklägerin
anzufahren, sollte diese nicht rechtzeitig zur Seite springen. Er handelte mithin
eventualvorsätzlich.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass kein Fall von erlaubter Selbsthilfe bzw.
Notwehr vorliegt. Gemäss Art. 15 StGB ist nur derjenige berechtigt, einen Angriff
abzuwehren, wer ohne Recht angegriffen wird. Der Beschuldigte hatte indes kurz
zuvor unerlaubterweise einen Sack mit Elektroschrott auf dem ...-Areal fallen las-
sen bzw. entsorgt und sich zu seinem Fahrzeug begeben. Die Privatklägerin woll-
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te ihn deswegen zur Rede stellen, was der Beschuldigte wusste (vgl. Urk. 7/2
S. 5). Sie stellte sich daher berechtigterweise vor sein Fahrzeug, um ihn an der
Wegfahrt zu hindern. Aufgrund der fehlenden Rechtswidrigkeit des Verhaltens der
Privatklägerin kann sich der Beschuldigte nicht auf ein Notwehrrecht berufen.
2.5.3. Rechtliches
Der Beschuldigte macht im Eventualstandpunkt geltend, es liege ein leichter Fall
einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB vor,
weil das Knie der Privatklägerin vorbelastet gewesen sei (vgl. Urk. 28 S. 3).
Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen sowie die Verletzungen der Privat-
klägerin korrekt dargestellt und gewürdigt. Auf ihre grundsätzlich zutreffenden
Ausführungen kann verwiesen werden (vgl. Urk. 26 S. 5 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Ergänzend und präzisierend ist Folgendes festzuhalten: Eine einfache Körper-
verletzung begeht, wer vorsätzlich einen Menschen in anderer (als schwerer)
Weise an Körper oder Gesundheit schädigt (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). In
leichten Fällen kann der Richter die Strafe mildern (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB).
Die Bestimmung ist auf Schädigungen anwendbar, die das Ausmass von Tätlich-
keiten (Art. 126 StGB) nur geringfügig überschreiten, sofern auch der Vorsatz des
Täters nicht weiterging (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, StGB-Kommentar,
19. Aufl. Zürich 2013, N 6 zu Art. 123). Ob ein leichter Fall vorliegt, bestimmt sich
nach sämtlichen objektiven und subjektiven Umständen der Tat (vgl. BGE 127 IV
59 E. 1 m.w.H.). Es ist nicht bloss auf die objektiven Verletzungsfolgen abzu-
stellen (Donatsch/Flachsmann/ Hug/Weder, a.a.O., N 6 zu Art. 123).
Vorliegend wird die Grenze zur Körperverletzung mit der Prellung von Waden-
und Schienbein nur knapp überschritten, was ein Indiz dafür bildet, dass es sich
unter objektivem Gesichtspunkt um einen leichten Fall nach Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2
StGB handelt. Es ist daher zu prüfen, ob auch die übrigen Umstände der Tat als
leicht im Sinne der Gesetzesnorm zu qualifizieren sind. Dabei belasten die
konkreten Tatumstände den Beschuldigten erheblich: Um einer Auseinander-
setzung wegen illegal entsorgten Elektroschrotts zu entgehen, fuhr er mit seinem
Auto geradewegs auf die Privatklägerin zu, obwohl ihn diese zum Anhalten auf-
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forderte. Mit seinem Verhalten offenbarte er eine erhebliche Rücksichtslosigkeit.
Aufgrund der erheblichen Gefährdung der ungeschützten Privatklägerin durch
sein schweres Fahrzeug nahm er in subjektiver Hinsicht gravierendere Ver-
letzungsfolgen als eine Prellung in Kauf. Demnach kann vorliegend nicht mehr
von einem leichten Fall im Sinne des Gesetzes gesprochen werden.
Zusammenfassend ist die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz als einfache
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs.1 StGB zutreffend.
2.6. Pflichtwidriges Verhalten nach einem Unfall
2.6.1. Sachverhaltserstellung
Der Beschuldigte anerkennt den Anklagevorwurf in objektiver Hinsicht, wonach er
die Fahrt nach der Kollision ohne Weiteres fortgesetzt habe. Er bestreitet jedoch
den Vorwurf in subjektiver Hinsicht und macht geltend, nachdem ihn die Privat-
klägerin mit wüsten Beschimpfungen bedacht habe, sei er sich sicher gewesen,
dass er seine Fahrt ohne Weiteres fortsetzen könne, denn wer in so einem Fall
noch wüste Beschimpfungen aussprechen könne, habe sich sicher nicht verletzt,
sondern mache seinem Frust Luft. Zurückschauen habe er unter diesen Um-
ständen nicht gemocht (Urk. 28 S. 4 f. und Urk. 48 S. 12). Zudem habe er sich der
schwierigen Einfahrt in die F._strasse widmen müssen (Urk. 28 S. 6).
Auch in diesem Punkt kann auf die grundsätzlich zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 26 S. 7; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Privat-
klägerin war mit dem Fahrzeug des Beschuldigten kollidiert und hatte eine
Körperverletzung erlitten. Der Beschuldigte hätte unter diesen Umständen ohne
Weiteres anhalten müssen (vgl. Art. 51 Abs. 1 SVG). Zudem stand der Beschul-
digte nach der Kollision erst vor der F._strasse und hätte vor dem Einbiegen
problemlos zurückschauen können. Wie oben ausgeführt, war er bewusst auf die
Privatklägerin zugefahren. Die darauf folgende Kollision verursachte ein hörbares
Geräusch. Der Beschuldigte wusste unter diesen Umständen, dass er die Privat-
klägerin getroffen hatte und nahm in Kauf, dass diese verletzt war. Aus dem
Umstand, dass die Privatklägerin nach der Kollision fluchte, konnte der Beschul-
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digte keinesfalls annehmen, diese sei unverletzt. Indem der Beschuldigte gleich-
wohl weiterfuhr, entfernte er sich eventualvorsätzlich von einem Unfall.
2.6.2. Rechtliches
In rechtlicher Hinsicht ist auf die grundsätzlich zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz zu verweisen (Urk. 26 S. 7). Präzisierend und ergänzend ist Folgendes
festzuhalten: Den Fahrzeuglenker treffen bei einem Unfall gewisse Pflichten,
deren Verletzung strafbar ist (Art. 92 Abs. 1 SVG). Grundsätzlich ist bei Unfällen
anzuhalten (Art. 51 Abs. 1 SVG) und bei Vorliegen von Verletzten die Polizei zu
verständigen (vgl. Art. 51 Abs. 2 SVG).
Als Strassenverkehrsunfall gilt jedes Ereignis, das geeignet ist, einen Personen-
oder Sachschaden hervorzurufen (BGE 122 IV 356 E. 3a). Die Melde- oder
Benachrichtigungspflicht des Schädigers entfällt nur dann, wenn zweifelsfrei aus-
geschlossen werden kann, dass ein Schaden eingetreten ist (Urteil 6P.56/2005
vom 6. September 2005, E. 5.1 m.w.H.). Eine fehlbare Person ist zwar in der
Regel nicht verpflichtet, sich den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung zu
halten, und zwar auch dann nicht, wenn aufgrund verdächtiger Umstände eine
polizeiliche Kontrolle zu erwarten ist. Bei den in Art. 51 SVG umschriebenen
Konstellationen geht jedoch das Interesse an der Aufklärung des Sachverhalts
dem Selbstbegünstigungsinteresse des möglicherweise schuldigen Fahrzeug-
lenkers vor (BGE 124 IV 175 E. 4.a). Dies verstösst nicht gegen das Verbot des
Selbstbelastungszwangs (BGE 131 IV 36 E. 3.3.1.). Der Geschädigte kann auf
Grund eigener Wahrnehmung die Umstände des Falles einschätzen und gestützt
darauf entscheiden, ob er die Polizei beiziehen will. Gegebenenfalls haben die
übrigen Beteiligten an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken, bis sie von
der Polizei entlassen werden (Art. 56 Abs. 2 VRV). Ob das Opfer schwere oder
leichte Verletzungen erlitten hat, ist unerheblich; auch Prellungen, Quetschungen
und Schürfungen begründen prinzipiell die Meldepflicht. Die Meldung kann u.a.
nur bei kleinen Schürfungen oder Prellungen unterbleiben, wenn nicht mit weite-
ren inneren Verletzungen zu rechnen ist. Doch auch diesfalls hat der Schädiger
dem Verletzten Namen und Adresse anzugeben (vgl. Art. 55 Abs. 2 VRV, Giger,
SVG-Kommentar, 8. Aufl., Zürich 2014, N 7 f. zu Art. 51).
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Vorliegend waren die Verletzungen der Privatklägerin aufgrund der Prellungen
gering. Anzeichen für weitere innere Verletzungen bestanden nicht, weshalb kein
Grund für den Beizug der Polizei bestand; indes hätte sich der Beschuldigte
gleichwohl der Situation stellen und seine Personalien bekannt geben müssen.
Die rechtliche Würdigung ist daher dahingehend zu präzisieren, dass der
Beschuldigte den Tatbestand von Art. 92 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 51
Abs. 1 SVG sowie Art. 55 Abs. 1 VRV schuldig machte (Pflichtwidriges Verhalten
beim Unfall durch Nichtanhalten und Entfernen ohne Hinterlassen der Persona-
lien).
3. Fazit
Zusammenfassend ist der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall
im Sinne von Art. 92 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 SVG sowie
Art. 55 Abs. 1 VRV sowie des Missachten eines Hand-Stoppzeichens im Sinne
von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 66 Abs. 1
lit. a SSV sowie Art. 67 Abs. 1 lit. h SSV schuldig zu sprechen.
IV. Strafe
Bei der Strafzumessung hat die Vorinstanz den Strafrahmen korrekt abgesteckt,
die gesetzlichen Zumessungsregeln zutreffend dargelegt und das objektive Tat-
verschulden des Beschuldigten hinsichtlich der einfachen Körperverletzung zu
Recht als leicht gewichtet. Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen kann vorab
auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen
werden (Urk. 26 S. 9 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist Folgendes festzu-
halten:
Bei der Würdigung des objektiven Verschuldens steht im Vordergrund, dass der
Beschuldigte mit seinem Personenwagen aus wenigen Metern gegen die auf ihn
zugehende Privatklägerin fuhr und dabei in Kauf nahm, ihr in die Beine zu fahren.
Die erlittene Verletzung war zwar relativ gering, doch hatte der Beschuldigte nur
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wenig Kontrolle darüber, wie stark er die Privatklägerin verletzt. Das Risiko für
schwerere Verletzungen war massiv.
In subjektiver Hinsicht ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte eine Verlet-
zung der Privatklägerin in Kauf nahm, weil er für die illegale Entsorgung seines
Elektroschrotts nicht gemassregelt werden wollte. Wenngleich das Verhalten des
Beschuldigten nicht von eigentlicher krimineller Energie getrieben war, war es
doch rücksichtslos und egoistisch. Die Auffassung des Beschuldigten, sein
Verschulden sei geringer, weil sich die Privatklägerin vor sein Auto gestellt habe
und somit das Verletzungsrisiko eingegangen sei (Urk. 28 S. 7), ist abwegig.
Die Privatklägerin musste nicht damit rechnen, dass der Beschuldigte ihrer
Anordnung als Mitarbeiterin eines privaten Sicherheitsdienstes keine Folge leistet.
Die subjektive Tatschwere erhöht das objektive Tatverschulden innerhalb des
Strafrahmens bis 3 Jahre Freiheitsstrafe erheblich. Unter diesen Umständen
erscheint die Einsatzstrafe der Vorinstanz von 30 Tagessätzen als deutlich zu tief.
Sie ist auf 80 Tagessätze anzuheben.
Diese Einsatzstrafe ist aufgrund des pflichtwidrigen Verhaltens nach dem Unfall
zu erhöhen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin
nicht schwer verletzte bzw. der Beizug der Polizei nicht notwendig war. Dennoch
musste ihm als Autolenker bewusst sein, dass er nach einem Unfall anzuhalten
und die Personalien bekannt zu geben hatte. Mit dem Weiterfahren drückte er
indes erneut seinen Willen aus, für den illegal entsorgten Elektroschrott und
nunmehr eine allfällige Verletzung der Privatklägerin nicht zur Verantwortung
gezogen werden zu wollen. Demgegenüber stellt das pflichtwidrige Verhalten
nach dem Unfall eine Fortsetzung der einfachen Körperverletzung dar, weshalb
sie von dessen Unrechtsgehalt teilweise umfasst wird. Die Einsatzstrafe ist daher
leicht zu erhöhen auf 100 Tagessätze.
Hinsichtlich der Übertretung gegen das Strassenverkehrsgesetz wegen Miss-
achten des Handzeichens "Stopp" ist das Verschulden des Beschuldigten ent-
gegen der Vorinstanz nicht als leicht zu qualifizieren. Das entsprechende Hand-
zeichen ist wie ein Rotlichtsignal im Strassenverkehr von elementarer Bedeutung.
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Durch dessen Missachtung wurde die Privatklägerin im vorliegenden Fall konkret
gefährdet bzw. letztlich verletzt. Indes ist auch diese Übertretung als Vortat der
einfachen Körperverletzung zu würdigen, weshalb das Verschulden insgesamt als
nicht mehr leicht zu würdigen ist. Es rechtfertigt sich, hierfür eine Busse von
Fr. 600.– auszusprechen.
Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ist auf die vorinstanzlichen
Erwägungen zu verweisen (Urk. 26 S. 13). Der Beschuldigte ist pensionierter
Rechtsanwalt, verfügt nach eigenen Angaben über ein Nettoeinkommen von
Fr. 8'119.– pro Monat und hat eine Hypothekarbelastung von Fr. 2'000.– pro
Monat. Sein Vermögen beträgt rund Fr. 1.7 Mio. netto (vgl. Urk. 35/1 S. 2). Weiter
ist der Beschuldigte nicht vorbestraft (Urk. 27), weshalb die persönlichen Verhält-
nisse insgesamt strafzumessungsneutral zu werten sind (vgl. BGE 136 IV 1 E.
2.6.).
Zu den Täterkomponenten gehört auch das Nachtatverhalten des Täters. Darun-
ter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren (wie zum Beispiel
Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit; vgl. BSK StGB I, 3. A., Basel 2013,
N 174 zu Art. 47 StGB). Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters
bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken straf-
mindernd. Aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts ergibt sich, dass nur ein
ausgesprochen positives Nachtatverhalten zu einer erheblichen Strafreduktion
führen kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem
Anfang an und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin
oder nach dem Vorhalt entsprechender Beweise. Die Berücksichtigung von
Geständnissen im Rahmen der Strafzumessung beruht hauptsächlich auf
zwei Gründen. Zum einen kann das Geständnis (vorbehältlich seiner kritischen
Prüfung im Rahmen der freien richterlichen Beweiswürdigung) zur Vereinfachung
und Verkürzung des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beitragen. Zum andern
kann das Opfer bzw. die geschädigte Partei durch die Schuldanerkenntnis des
Täters bereits eine gewisse immaterielle Genugtuung erfahren. Ein Verzicht auf
Strafminderung kann sich allenfalls aufdrängen, wenn das Geständnis die Straf-
verfolgung nicht erleichtert hat, weil die Täterschaft ohnehin bereits überführt
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gewesen wäre. Bei umfangreichen und prozessentscheidenden Geständnissen
kann die Strafreduktion nach der bundesgerichtlichen Praxis hingegen bis zu
einem Drittel betragen (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Schliesslich stellen auch
Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue Strafminderungsgründe dar. Nur wenn all
diese Faktoren erfüllt sind, kann eine massgebliche Strafreduktion erfolgen.
Fehlen einzelne Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu reduzie-
ren (vgl. BGE 6B_974/2009 vom 18. Februar 2010, E. 5.4.).
Der Beschuldigte gestand seine Handlungen von Beginn an grundsätzlich ein,
wobei er den subjektiven Tatbestand jeweils bestritt. Es fehlt ihm jedoch auch
heute weiterhin die Einsicht in das Unrecht der Tat (vgl. Urk. 55 S. 13). Das Teil-
geständnis des Beschuldigten ist daher nur leicht strafmindernd zu berück-
sichtigen.
Weitere Straferhöhungs- oder -minderungsgründe sind nicht ersichtlich.
Unter Berücksichtigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erscheint
eine Gesamtstrafe von 90 Tagessätzen sowie eine Busse von Fr. 600.– dem
Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ange-
messen. Die Tagessatzhöhe der Geldstrafe ist auf Fr. 150.– zu belassen, zumal
sich die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten seit der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung nicht wesentlich geändert haben und auch von der Staats-
anwaltschaft kein höherer Tagessatz beantragt wird.
Zum Vollzug kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 26 S. 14). Der Beschuldigte ist nicht vor-
bestraft und es ist zu erwarten, dass ihm das vorliegende Verfahren Lehre genug
sein wird, um sich in Zukunft wohl zu verhalten. Damit sind die Voraussetzungen
von Art. 42 Abs. 1 StGB erfüllt, weshalb in Bestätigung der Vorinstanz der Vollzug
der Geldstrafe unter Ansetzung der minimalen Probezeit von zwei Jahren auf-
zuschieben ist.
Weiter fällte die Vorinstanz eine Verbindungsbusse in Höhe von Fr. 3'000.– aus
(Urk. 26 S. 14). Gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte Strafe mit einer
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unbedingten Geldstrafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden wer-
den. Dadurch soll zum einen im Bereich der Massendelinquenz die Möglichkeit
geschaffen werden, eine spürbare Sanktion zu verhängen. Die Bestimmung dient
in erster Linie dazu, die Schnittstellenproblematik zwischen der Busse (für Über-
tretungen) und der bedingten Geldstrafe (für Vergehen) zu entschärfen (Botschaft
2005 S. 4695, 4699 ff. und 4705 ff.). Auf Massendelikte, die im untersten Bereich
bloss mit Bussen geahndet werden, soll – auch – mit einer unbedingten Sanktion
reagiert werden können, wenn sie die Schwelle zum Vergehen überschreiten
(BGE 134 IV 75). Zum anderen trägt die unbedingte Verbindungsgeldstrafe bzw.
Busse dazu bei, das unter spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher
geringe Drohpotenzial der bedingten Geldstrafe zu erhöhen. Sie kommt gemäss
Bundesgericht insbesondere in Betracht, wenn dem Täter zusätzlich zur beding-
ten Grundstrafe ein sofort spürbarer „Denkzettel“ verpasst werden soll; die
Verbindungsstrafe habe damit – ähnlich wie der teilbedingte Vollzug bei Strafen
bis zu zwei Jahren – auch eine spezialpräventive Bedeutung (BGE 134 IV 8,
BGE 134 IV 75).
Vorliegend liegt mit der Vorinstanz ein Massendelikt vor. Zudem zeigte sich der
Beschuldigte trotz seines eher geringen Verschuldens auch anlässlich der
Berufungsverhandlung weiterhin uneinsichtig in das von ihm begangene Unrecht.
Unter Verweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 26 S. 14)
erscheint die von ihr festgesetzte Verbindungsbusse von Fr. 3'000.– den Straf-
zumessungskriterien, der finanziellen Situation des Beschuldigten und unter
Berücksichtigung, dass auch eine Übertretungsbusse ausgefällt wird (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_412/2010) weiterhin angemessen, weshalb sie zu be-
stätigen ist.
Nachdem vorliegend neben der bedingten Geldstrafe noch eine Verbindungsbus-
se ausgesprochen wird, ist das Prinzip der schuldangemessenen Strafe zu be-
rücksichtigen und eine Reduktion der Anzahl Tagessätze vorzunehmen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_760/2007 vom 18.3.2008). Als Umrechnungsschlüssel
der Verbindungsbusse von Fr. 3'000.-- in Tagessätze hat dabei die Tagessatz-
höhe von Fr. 150.– zu gelten. Von den 90 Tagessätzen sind demnach
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20 Tagessätze abzuziehen und der Beschuldigten mit einer Geldstrafe von
70 Tagessätzen zu bestrafen. Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer
Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu Fr. 150.– sowie mit einer Busse von
Fr. 3'600.– zu bestrafen.
Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfreiheits-
strafe auszufällen, die sich an der Tagessatzhöhe als Umrechnungsschlüssel zu
orientieren hat (vgl. BGE 134 IV 60 E. 7.3.3; Urk. 53 S. 41). Die Ersatzfreiheits-
strafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist auf 24 Tage
festzusetzen.
V. Genugtuung
Die Vorinstanz hat der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 300.--, zuzüglich
5 % Zins ab 2. September 2013, zugesprochen und im Mehrbetrag das
Genugtuungsbegehren abgewiesen (Urk. 26 S. 17).
Nach Art. 49 OR ist eine Genugtuung nur geschuldet, sofern die Schwere der
Verletzung es rechtfertigt. Der Eingriff muss aussergewöhnlich schwer sein und in
seinen Auswirkungen das Mass einer Aufregung oder einer alltäglichen Sorge klar
übersteigen (Entscheid des Bundesgerichts vom 3. Oktober 2013, 6B_94/2013;
Heierli/Schnyder, BSK, Obligationenrecht, 5. Aufl. 2011, N 11 zu Art. 49 OR).
Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass bei der Privatklägerin aus dem
Vorfall nicht allzu gravierende Verletzungen und lediglich eine gewisse seelische
Unbill resultierten (vgl. Urk. 26 S. 17). Es kann demnach nicht von einem ausser-
gewöhnlich schwerem Eingriff ausgegangen werden. Das Genugtuungsbegehren
der Privatklägerin ist demnach abzuweisen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die vorinstanzliche Kostenauflage (vorinstanzliche Dispositivziffer 7 Abs. 2) ist zu
bestätigen.
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Im Berufungsverfahren erfolgt die Auflage der Kosten in der Regel im Verhältnis
von Obsiegen und Unterliegen der Verfahrensbeteiligten (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Da der angefochtene Entscheid zu Ungunsten des Beschuldigten abgeändert
wird, während auch die Staatsanwaltschaft mit ihren Anträgen nicht vollends
durchdringt und unter Berücksichtigung, dass das Genugtuungsbegehren der
Privatklägerin abgewiesen wurde, hat der Beschuldigte die Kosten des
Berufungsverfahrens zu 3/4 zu tragen und zu 1/4 sind sie auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Eine Prozessentschädigung für das Berufungsverfahren wurde nicht
geltend gemacht.