Decision ID: 38afaf44-0c8c-455b-bc17-8d70ac859b86
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Horgen vom 31. Juli 2014 (FE120264-F)
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Rechtsbegehren des Klägers (Urk. 5/60 S. 3 f.):
"Es sei die Beklagte zu verpflichten, nachfolgende Unterlagen der nachstehend aufgeführten Bankinstitute zu edieren:
• Lückenlose Auszüge über sämtliche in- und ausländischen Konto- und/oder Depotbeziehungen, an denen die Beklagte allein und/oder zusammen mit weiteren natürlichen Personen (direkt oder indirekt) beteiligt oder anderweitig wirtschaftlich berechtigt ist, aus welchen sämtliche Bewegungen in der Zeit vom 21. Oktober 2005, spätestens ab 2. November 2007 bzw. ab Eröffnung bis zum Entscheiddatum bzw. Saldierung des jeweiligen Kontos und/oder , das betrifft insbesondere, aber nicht nur: • Privatkonto bei der Credit Suisse, ..., Konto Nr. ... • Sparkonto bei der Credit Suisse, ..., Konto Nr. ... • Privatkonto Bank Thalwil, ..., Nr. ... • Sparkonto Bank Thalwil, ..., Nr. ... • Swissquote Bank AG, ..., ..., Konto Nr. ...
• Edelmetalle • Police Swiss Life Crescendo Nr. ... (vollständig) • Einreichung der Originalanträge der beiden Swiss Life Policen und/oder Ori-
ginalpolicen bei der Swiss Life • Ganze Steuererklärung 2005, samt Beilagen (act. 36/12, bloss Wertschriften-
verzeichnis) • Edition vollständiger, unterzeichneter und eingereichter Steuererklärungen,
inkl. Beilagen und Wertschriftenverzeichnisse von 2008, 2009, 2012 und 2013, insbesondere der Bilanzen und Erfolgsrechnung für das ...studio 2012/2013
• Lückenlose Unterlagen und Auskünfte zu sämtlichen vertraglichen Abreden seit dem 21. Oktober 2005 zwischen ihr und nahestehenden natürlichen  im In- und Ausland, namentlich C._, D._ und E._,  betreffend den Erwerb von Edelmetallen;
• Edition der Steuererklärungen der Beklagten für die Jahre 2002 bis 2004 durch die Beklagte (wegen Einkommen vor der Ehe)
• Edition Lebenslauf sowie Arbeitszeugnisse der Beklagten • Edition von Unterlagen über Ausbildung als ... • Edition aktueller Unterlagen über den Wert des gesamten Wertschriftenver-
mögens, insbesondere bei Swissquote, Banken sowie anderen Instituten durch die Beklagte
• Edition sämtlicher Unterlagen über den Kauf und Verkauf sowie die  der Wertschriften und Anlagen der Beklagten seit der Heirat bis 
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten."
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Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Horgen vom 31. Juli 2014 (Urk. 2 = Urk. 5/69):
1. Das Doppel der Replik (act. 60) und Doppel der klägerischen Beilagen
(act. 61/81-236) sowie das Doppel der Begründung der Editionsbegehren
(act. 68) werden der Beklagten zugestellt.
2. Der Beklagten wird eine Frist von 60 Tagen ab Zustellung dieser Verfügung
angesetzt, um die folgenden Konto- oder Depotauszüge betreffend die
Zeitperiode vom 2. November 2007 bzw. ab Eröffnung bis 5. November
2012 bzw. bis zur Saldierung lückenlos im Doppel dem Gericht einzu-
reichen:
- Privatkonto bei der Credit Suisse, ..., Konto Nr. ...;
- Sparkonto bei der Credit Suisse ..., Konto Nr. ...;
- Privatkonto Bank Thalwil, ..., Nr. ...;
- Sparkonto Bank Thalwil, ..., Nr. ...;
- Swissquote Bank AG, ..., ..., Konto Nr. ....
3. Der Beklagten wird eine nämliche Frist von 60 Tagen ab Zustellung dieser
Verfügung angesetzt, um
- sämtliche Belege über den Kauf und Verkauf ihrer Edelmetalle sowie
sämtliche vertraglichen Abreden seit dem 21. Oktober 2005 zwischen
ihr und nahestehenden natürlichen Personen im In- und Ausland, na-
mentlich C._, D._ und E._, betreffend den Erwerb von
Edelmetallen;
- die fehlende zweite Seite der Swiss Life Crescendo Police Nr. ...;
- die vollständigen Steuererklärungen (inkl. Lohnausweis) der Jahre
2005, 2008, 2009, 2012 und 2013 sowie die Bilanzen und Erfolgsrech-
nungen für das ...studio 2012/2013;
- ihren Lebenslauf, Arbeitszeugnisse sowie Unterlagen zu ihrer Ausbil-
dung als ...; sowie
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- aktuelle Unterlagen über den Wert des gesamten Wertschriftenvermö-
gens insbesondere bei Swissquote, Banken und anderen Institutionen
sowie Unterlagen über den Kauf und Verkauf sowie die Wertentwick-
lung der Wertschriften und Anlagen seit der Heirat bis heute
dem Gericht im Doppel einzureichen.
4. Der Beklagten wird eine Frist von 60 Tagen ab Zustellung dieser Verfügung
angesetzt, um dem Gericht eine schriftliche Duplik im Doppel einzureichen.
Darin hat sie insbesondere darzulegen, welche Tatsachenbehauptungen
des Klägers in der Replik im Einzelnen anerkannt oder bestritten werden.
Sie hat ihre eigenen Tatsachenbehauptungen aufzustellen, die Beweismittel
dazu (Zeugen, Urkunden, Augenschein, Gutachten, schriftliche Auskünfte,
Parteibefragungen oder Beweisaussage) genau zu bezeichnen und ein Ver-
zeichnis sämtlicher Beweismittel einzureichen.
Die Beklagte hat ihre Tatsachenbehauptungen und Beweismittel abschlies-
send zu nennen; sie können später grundsätzlich nicht mehr  werden. Verfügbare Urkunden, welche als Beweismittel dienen sol-
len, sind zusammen mit der Duplik einzureichen.
Bei Säumnis ist die Beklagte mit einer schriftlichen Duplik ausgeschlossen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an die Beklagte unter Beilage der
Doppel von act. 60, act. 61/81-236 und act. 68 gegen Empfangsschein.
Berufungsanträge:
der Beklagten und Berufungsklägerin (Urk. 1 S. 2 f.):
1. Es sei Dispositivziffer 2 der Verfügung des Bezirksgerichts Horgen vom
31. Juli 2014 aufzuheben, und es sei auf das entsprechende  des Berufungsbeklagten nicht einzutreten.
2. Es sei der erste Spiegelstrich von Dispositivziffer 3 der Verfügung des  Horgen vom 31. Juli 2014 aufzuheben, und es sei auf das  Editionsbegehren des Berufungsbeklagten nicht einzutreten.
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3. Es sei der dritte Spiegelstrich von Dispositivziffer 3 der Verfügung des  Horgen vom 31. Juli 2014 in Bezug auf die Edition der  Steuererklärungen (inkl. Lohnausweis) der Jahre 2005, 2008 und 2009 aufzuheben, und es sei auf die entsprechenden Editionsbegehren des Berufungsbeklagten nicht einzutreten.
4. Es sei der fünfte Spiegelstrich von Dispositivziffer 3 der Verfügung des  Horgen vom 31. Juli 2014 aufzuheben, und es sei auf das  Editionsbegehren des Berufungsbeklagten nicht einzutreten.
5. Eventualiter seien die Dispositivziffern 2 und 3 der Verfügung des  Horgen vom 31. Juli 2014 entsprechend den Rechtsbegehren 1 bis 4 aufzuheben und die Sache diesbezüglich zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% Mehrwertsteuer) zu  des Berufungsbeklagten, eventualiter zu Lasten der Gerichtskasse.
des Klägers und Berufungsbeklagten (Urk. 9 S. 2):
Es sei auf die Berufung nicht einzutreten, eventualiter sei die Berufung  abzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der Beklagten und Berufungsklägerin.

Erwägungen:
I.
1. Die Parteien schlossen am tt. Oktober 2005 die Ehe. Sie sind die Eltern
der Kinder F._ (geboren am tt.mm.2004) und G._ (geboren am
tt.mm.2006). Im Oktober 2008 nahmen die Parteien das Getrenntleben auf. Mit
Eingabe vom 2. November 2012 reichte der Kläger und Berufungsbeklagte (nach-
folgend Kläger) bei der Vorinstanz die Scheidungsklage ein (Urk. 5/1). Nach der
Einigungsverhandlung vom 15. März 2013 reichte er betreffend die offen geblie-
benen Scheidungsnebenfolgen mit Eingabe vom 6. Juni 2013 die Klagebegrün-
dung ein (Urk. 5/27). Die Beklagte und Berufungsklägerin (nachfolgend Beklagte)
legte mit Eingabe vom 30. September 2013 die Klageantwort ins Recht, worin sie
unter anderem diverse Editionsbegehren stellte (Urk. 5/35). Mit Verfügung vom
28. November 2013 erwog die Vorinstanz, dass es zur Vorbereitung der Instrukti-
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onsverhandlung und zum Abschluss eines allfälligen Vergleichs sinnvoll und not-
wendig erscheine, über die finanzielle Situation des Klägers möglichst viele Infor-
mationen zu haben. Sie verpflichtete daher den Kläger zur Edition umfangreicher
Unterlagen (Urk. 5/37). Die Replik datiert vom 10. Juni 2014 (Urk. 5/60). Darin
stellte der Kläger seinerseits diverse Editionsbegehren (Urk. 5/60 S. 3 f.). Mit Ver-
fügung vom 26. Juni 2014 wurde der Kläger aufgefordert, sein Editionsbegehren
zu begründen (Urk. 5/66). Dieser Aufforderung kam er mit Eingabe vom 16. Juli
2014 nach (Urk. 5/68). Mit Verfügung vom 31. Juli 2014 hiess die Vorinstanz das
Editionsbegehren im eingangs aufgeführten Umfang gut (Urk. 5/69 = Urk. 2). Hie-
gegen erhob die Beklagte rechtzeitig Berufung mit den oben aufgeführten Anträ-
gen (Urk. 1). Den von ihr verlangten Kostenvorschuss leistete sie rechtzeitig
(Urk. 6-7). Die Berufungsantwort des Klägers ging am 1. Oktober 2014 rechtzeitig
hierorts ein (Urk. 9) und wurde der Beklagten am 2. Oktober 2014 zur Kenntnis-
nahme zugestellt (Urk. 10). Mit Eingabe vom 3. November 2014 reichte die Be-
klagte eine Stellungnahme zur Berufungsantwort ein, die dem Kläger zur Kennt-
nisnahme zugestellt wurde (Urk. 14; Prot. S. 6).
2. Die angefochtene Verfügung verpflichtet die Beklagte in den Dispositivzif-
fern 2 und 3, die oben aufgeführten Unterlagen zu edieren. Ihre Berufung richtet
sich gegen eine Vielzahl der darin angeordneten Editionen. Nicht angefochten
wurde die in Dispositivziffer 3 angeordnete Edition der fehlenden zweiten Seite
der Swiss Life Crescendo Police Nr. ... (zweiter Spiegelstrich), der Steuererklä-
rungen inkl. Lohnausweis, soweit sie die Jahre 2012/2013 betreffen (dritter Spie-
gelstrich), der Bilanzen und Erfolgsrechnungen 2012/2013 des ...studios (dritter
Spiegelstrich), des Lebenslaufs, der Arbeitszeugnisse sowie der Unterlagen zur
Ausbildung der Beklagten als ... (vierter Spiegelstrich). In diesem Umfang er-
wuchs die Editionsverfügung daher in Rechtskraft (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Dies ist
vorzumerken.
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II.
1. Zunächst ist der Einwand des Klägers zu prüfen, wonach auf die Berufung
nicht einzutreten sei, da ein prozessleitender Entscheid im Sinne von Art. 160
Abs. 1 lit. b ZPO vorliege. Danach seien die Parteien zur Mitwirkung bei der Be-
weiserhebung verpflichtet. Insbesondere hätten sie Urkunden herauszugeben.
Folglich sei die strittige Verfügung nicht mit Berufung, sondern allenfalls mit Be-
schwerde anfechtbar. Zudem könne aus der angefochtenen Verfügung kein Hin-
weis entnommen werden, dass die Vorinstanz die Herausgabe der Unterlagen als
Entscheid betreffend vorsorgliche Massnahmen erlassen habe (Urk. 9 S. 2 f.).
a) Gemäss Art. 170 Abs. 1 ZGB kann jeder Ehegatte vom andern Auskunft
über dessen Einkommen, Vermögen und Schulden verlangen. Beim Auskunfts-
anspruch der Ehegatten handelt es sich um materielles Recht. Dieser kann in ei-
nem unabhängigen Verfahren oder vorfrageweise in einem eherechtlichen Ver-
fahren geltend gemacht werden. Das Auskunftsrecht gemäss Art. 170 ZGB ist ei-
ne Eheschutzmassnahme im Sinne von Art. 172 Abs. 3 ZGB. Im Scheidungsver-
fahren kann bei Fehlen von Informationen, die sich in den Händen der Gegenpar-
tei befinden, im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen im Sinne von Art. 276
Abs. 1 ZPO gleich vorgegangen werden wie im Eheschutzverfahren. Wird ein
Auskunftsbegehren im Scheidungsverfahren gestellt, so beschränkt sich das Ver-
fahren in der ersten Stufe auf den Auskunftsanspruch und wird mittels Teilent-
scheid erledigt. Danach hat der ansprechende Ehegatte die Bezifferung des
Hauptanspruchs, von der er bis dahin entbunden war, nachzuholen (ZR 113/2014
S. 2 E. 4).
b) Davon zu unterscheiden sind prozessuale Editions- und Auskunftspflich-
ten gestützt auf das Verfahrensrecht, welche heute namentlich in Art. 150 ff. ZPO
geregelt werden. Hier hat der Ansprecher die Urkunde als Beweismittel angerufen
und will sie nun dem Richter zugänglich machen, um ihn dadurch von seiner – im
Rahmen des Hauptverfahrens aufgestellten – substantiierten Behauptung zu
überzeugen. Sie ist rein prozessrechtlicher Natur (ZR 113/2014 S. 2 E. 4). Wer
welche Beweismittel einzureichen hat, legt das Gericht in sogenannten Beweis-
https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReferences=CH%2F272%2F150&source=docLink&SP=16|kx5hl0
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verfügungen fest (Art. 154 ZPO). Unrichtige Beweisverfügungen können nur se-
parat angefochten werden, wenn die betroffene Partei einen nicht leicht wieder
gutzumachenden Nachteil dartut, ansonsten kann dies erst im Rahmen des
Hauptrechtsmittels gegen den Endentscheid geschehen (Art. 319 lit. b Ziff. 2
ZPO; Botschaft zur ZPO vom 28. Juni 2006, BBl 2006 S. 7221 ff., S. 7377).
c) Vorliegend führte der Kläger in der Klageschrift und Replik aus, er schätze
die güterrechtliche Ausgleichszahlung auf mindestens Fr. 50'000.–. Er behalte
sich gestützt auf Art. 85 ZPO vor, den Antrag betreffend die Ausgleichszahlung
nach durchgeführtem Beweisverfahren respektive Einblick in die finanziellen Ver-
hältnisse der Beklagten neu zu beziffern, d.h. sobald die Vermögenswerte der
Beklagten per 2. November 2012 bekannt seien (Urk. 5/1 S. 3, S. 7; Urk. 5/27
S. 2, S. 17; Urk. 5/60 S. 2, S. 10).
Damit machte der Kläger materiellrechtliche Informationsrechte im Sinne
von Art. 170 Abs. 1 ZGB geltend. Diese sollen ihn überhaupt erst in die Lage ver-
setzen, seine Forderungen zu kennen und zu formulieren. Da es ihm um die Be-
schaffung der für die Prozessführung notwendigen Informationen geht, kommt er
nur gestützt auf Art. 170 Abs. 2 ZGB und damit klageweise zu seinem Ziel. Es
liegt somit ein (Teil-)Entscheid über ein materiellrechtliches Auskunftsbegehren
vor. Die Beklagte hat dagegen zu Recht Berufung erhoben, worauf einzutreten ist
(vgl. Art. 308 Abs. 1 lit. b i.V. m. Abs. 2 ZPO).
2. Die Beklagte rügt zunächst die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör. Die Vorinstanz habe ihr die Rechtsschriften des Klägers mit den Editions-
anträgen (Urk. 5/60 [Replik]; Urk. 5/61/81-236 [Beilagen]; Urk. 5/68 [Begründung
des Editionsbegehrens]) erst mit der angefochtenen Verfügung zugestellt (vgl.
Urk. 2 Dispositivziffern 1 und 5). Indem die Vorinstanz sie nicht über den Eingang
des Editionsbegehrens orientiert und ihr keine Möglichkeit eingeräumt habe, sich
dazu zu äussern, sei ihr rechtliches Gehör verletzt worden. Von einer Rückwei-
sung könne jedoch sogar im Fall einer schweren Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs abgesehen werden, wenn die Rechtsmittelinstanz sowohl den Sachverhalt
wie auch die Rechtslage frei überprüfen könne und die Rückweisung zu einem
formalistischen Leerlauf führen würde, der mit den Interessen der Beteiligten an
https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReferences=CH%2F272%2F154&source=docLink&SP=16|kx5hl0 https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReferences=CH%2F272&source=docLink&SP=16|kx5hl0
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einer beförderlichen Verfahrenserledigung unvereinbar sei. Da sie im Berufungs-
verfahren Stellung nehmen könne, beantrage sie, auf eine Rückweisung zu ver-
zichten, zumal das Obergericht über dieselbe Kognition verfüge wie die Vor-
instanz (Urk. 1 S. 5 f. mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung).
Diese Ausführungen der Beklagten treffen zu und ihrem Antrag ist zu folgen:
Indem die erkennende Kammer die Vorbringen der Beklagten nachfolgend prüfen
wird, kann ihre Gehörsverletzung als geheilt gewertet und von einer Rückweisung
an die Vorinstanz abgesehen werden.
3. Sodann wirft die Beklagte der Vorinstanz vor, sie sei ihrer Begründungs-
pflicht gemäss Art. 238 lit. g ZPO nicht nachgekommen, was eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs darstelle. Zwar sei das Gericht nicht verpflichtet, auf jede ein-
zelne Behauptung der Parteien im Detail einzugehen, fest stehe, dass es aber
immerhin die Überlegungen darzutun habe, aufgrund welcher es zu einer Ent-
scheidfindung gekommen sei (Urk. 1 S. 7 f., S. 10).
Die Vorinstanz nannte kurz die Überlegungen, von denen sie sich leiten liess
und auf die sie ihren Entscheid stützte. Sie begründete ihre Editionsanordnung
mit der gegenseitigen Auskunftspflicht der Ehegatten (Art. 170 Abs. 1 und 2 ZGB).
Demgemäss könne der Ehegatte über alles Auskunft verlangen, was nötig sei, um
die finanziellen Verhältnisse des andern zu beurteilen, bzw. über alles Auskunft
verlangen, was als Grundlage für die Festlegung eines konkreten Anspruches
wichtig sei (Urk. 2 S. 3 ff.). Weiter führte sie aus, der Kläger habe konkret die ent-
sprechenden Konti und/oder Depots bezeichnet. Im Hinblick auf die güterrechtli-
che Auseinandersetzung und die Tatsache, dass die Beklagte behaupte, gewisse
Edelmetalle seien ihrem Eigengut zuzuordnen, sei auch dieses Editionsbegehren
gutzuheissen. Das Vermögen sowie dessen Entwicklung sei für die güterrechtli-
che Auseinandersetzung von grosser Bedeutung. Das klägerische Editionsbegeh-
ren sei daher auch betreffend die Steuerklärungen, die Bilanzen und Erfolgsrech-
nungen des ...studios gutzuheissen. Die Edition aktueller Unterlagen über den
Wert des gesamten Wertschriftenvermögens sowie dessen Wertentwicklung seit
der Heirat begründe der Kläger damit, dass die Beklagte spekulative Geschäfte
getätigt und sich ihr Eigengut vermindert habe. Im Rahmen der güterrechtlichen
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Auseinandersetzung sei unter anderem das Eigengut der Beklagten zu bestim-
men. Auch dieses Editionsbegehren sei daher gutzuheissen.
Diese knappen Erwägungen der Vorinstanz gestatteten es der betroffenen
Beklagten, mit der gebotenen Sorgfalt eine Berufungsschrift abzufassen und den
Entscheid sachgerecht anzufechten (vgl. BGE 136 I 184, 188 E. 2.2.1 m.w.H.). In
diesem Punkt liegt keine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs vor.
4. Weiter kritisiert die Beklagte, der Kläger zeige nicht auf, worin sein
Rechtsschutzinteresse an der umstrittenen Edition bestehe, sondern berufe sich
zu Unrecht auf eine angebliche "Waffengleichheit" (Urk. 1 S. 8).
Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz zu Recht ein Rechtsschutzinteresse des
Klägers angenommen hat. Wenn aus dem Auskunftsbegehren implizit oder expli-
zit hervorgeht, für welchen materiellrechtlichen Anspruch Auskünfte verlangt wer-
den, ist das Rechtsschutzinteresse grundsätzlich zu bejahen. Auskunftsbegehren
scheitern daher in der Regel nicht am fehlenden Rechtsschutzinteresse (vgl. Ko-
kotek, Die Auskunftspflicht des Ehegatten nach Art. 170 ZGB, Diss. Zürich 2012,
Rz. 79 f.). Das Rechtsschutzinteresse ist hingegen dort zu verneinen, wo das
Auskunftsbegehren aus blosser Neugier gestellt wird (BK-Hausheer/Reusser/
Geiser, Art. 170 ZGB N 22). Vorliegend möchte sich der Kläger während eines
laufenden Scheidungsprozesses ein Bild machen über die vermögensmässige Si-
tuation der Beklagten unter anderem mit Blick auf die güterrechtliche Auseinan-
dersetzung. Sein Rechtsschutzinteresse ist daher gegeben.
5. Von der Frage des Rechtsschutzinteresses abzugrenzen ist die Frage
nach dem Inhalt und dem Umfang der Auskunftspflicht. Diesbezüglich macht die
Beklagte geltend, dass für die güterrechtliche Auseinandersetzung das Vermögen
im Zeitpunkt der Auflösung des Güterstandes, mithin am 2. November 2012,
massgebend sei und nicht die Entwicklung des Vermögens. Der Wert des Vermö-
gens sei auf den Urteilszeitpunkt neu zu ermitteln. Ausserdem begründe Art. 170
ZGB keine laufende Abrechnungspflicht, und die konkrete Verwendung von Ein-
künften bzw. die Art der Vermögensanlagen bräuchten unter Vorbehalt eines be-
sonderen Interessennachweises nicht angegeben zu werden. Überdies habe die
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/c903d5eb-4033-4861-972d-48bf2b13c0eb/3852ba1d-ee07-487d-af7e-0204b4b90833?source=document-link&SP=11|iiaynq
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Vorinstanz nicht begründet, weshalb sie auch den Antrag auf Edition der (behaup-
teten) vertraglichen Abreden zwischen ihr und ihr nahestehenden Personen seit
dem 21. Oktober 2005 betreffend den Erwerb von Edelmetallen gutgeheissen ha-
be (Urk. 1 S. 10 ff.).
a) Zutreffend sind die Ausführungen der Beklagten insoweit, als dass Errun-
genschaft und Eigengut jedes Ehegatten nach ihrem Bestand im Zeitpunkt der
Auflösung des Güterstandes auszuscheiden sind (Art. 207 Abs. 1 ZGB). Richtig
ist auch, dass Art. 170 ZGB grundsätzlich nur über die aktuellen Vermögensver-
hältnisse Aufschluss ermöglichen soll, nicht aber einen lückenlosen Einblick in ei-
ne Lebensgeschichte. Dennoch kann der Umfang des Auskunftsanspruches im
Einzelfall letztlich nur von der konkreten Frage her beurteilt werden, für die ein
Ehegatte die Auskunft wünscht. Auskunft verlangen kann der Ehegatte über alles,
was nötig ist, um die finanziellen Verhältnisse des andern zu beurteilen, die als
Grundlage für die Festlegung eines konkreten Anspruches wichtig sind. Bei der
güterrechtlichen Auseinandersetzung kann von der Zielsetzung der Norm her ge-
sehen, nämlich den Ehegatten eine dem Gesetz entsprechende Abrechnung zu
ermöglichen, umfassend Auskunft verlangt werden. Im Hinblick auf Art. 208 Ziff. 1
ZGB muss insbesondere für die letzten fünf Jahre vor Auflösung des Güterstan-
des oder im Hinblick auf Art. 208 Ziff. 2 ZGB für die ganze Dauer des Güterstan-
des über die Verwendung von bestimmten Mitteln, die nicht mehr vorhanden sind,
informiert und gegebenenfalls im Einzelnen und genau über die Verwendung je-
des Betrages Auskunft gegeben werden (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 170
N 17 f.). Eine Beschränkung auf allgemeine Auskünfte rechtfertigt sich nur aus-
serhalb eines konkreten Rechtsstreites. Zwar ist kein Ehegatte verpflichtet, alle
Belege aufzubewahren, um in einem späteren Rechtsstreit lückenlos Auskunft
über deren Verbleib geben zu können. Er ist aber nicht berechtigt, mit seinem
Wissen und mit vorhandenen Belegen im Streitfall zurückzuhalten (BGE 118 II 27,
29). Im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung gewährleistet die
Pflicht eines Ehegatten, dem andern die entscheidrelevanten Grundlagen offenzu-
legen, die auf andere Weise nicht erhältlich sind, dass dieser über die Vermö-
gensverhältnisse des Partners nicht getäuscht wird (BK-Hausheer/Reusser/
Geiser, Art. 170 N 12 m.w.H.).
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b) Die Beklagte machte vor Vorinstanz geltend, dass es sich bei dem am
2. November 2012 bestehenden Vermögen vorwiegend um Eigengut handle, das
ihr durch Geschenke ihrer Eltern und ihres Bruders im Wert von über
Fr. 100'000.– zugegangen sei (Urk. 5/35 S. 12 ff.). Der Kläger hingegen hielt die-
se Behauptung für unglaubwürdig, da diese Personen weder sehr vermögend
noch sehr gut verdienend seien (Urk. 5/60 S. 11 ff.). Er habe ein Interesse daran,
Einblick in allfällige Abreden über den Kauf bzw. Verkauf von Edelmetallen zwi-
schen ihr und den Familienangehörigen zu erhalten. Die Beklagte versuche, Geld-
flüsse zu verschleiern. Zudem wolle sie glaubhaft machen, dass sie ihr beträchtli-
ches Eigengut zur Bestreitung des Lebensstandards bis zum Stichdatum der gü-
terrechtlichen Auseinandersetzung verbraucht habe. Entsprechend verlange sie
sehr hohe Unterhaltszahlungen. Auch vermute er, dass die Beklagte mit spekula-
tiven Geschäften viel Geld verloren habe (Urk. 5/68 S. 2 ff.).
c) Damit der Kläger seinen allfälligen Anspruch beweisen kann, muss er sich
vorerst über den Vermögensstand der Beklagten und über das Schicksal dieser
Mittel ein möglichst zuverlässiges Bild machen können. Die Vorinstanz hat des-
halb zu Recht nicht nur die Edition der strittigen Unterlagen im Zeitpunkt der Auf-
lösung des Güterstandes angeordnet, sondern auch darüber hinaus und betref-
fend die Vergangenheit. Dazu kommt, dass die Parteien sich bereits nach drei
Jahren ehelichen Zusammenlebens im Oktober 2008 wieder getrennt hatten und
der Kläger erst am 2. November 2012 und damit rund vier Jahre später die Schei-
dungsklage einreichte. Auch insofern erscheint die Zeitspanne von rund neun
Jahren gerechtfertigt. Dies zumal es der Beklagten möglich gewesen wäre, den
Güterstand früher aufzulösen.
6. Die Beklagte wendet weiter ein, die Beweislast für das von ihr behauptete
Eigengut am Vermögen liege bei ihr und nicht beim Kläger. Mithin sei es auch an
ihr, die zum Beweis dafür geeigneten Beweismittel zu gegebener Zeit einzu-
reichen bzw. darüber zu entscheiden, welche Beweismittel sie als geeignet erach-
te, und diese zu offerieren. Ein berechtigtes Rechtsschutzinteresse des Klägers
an der Edition der einverlangten Konto- und Depotauszüge sei damit weder dar-
getan noch ersichtlich (Urk. 1 S. 8 ff.).
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Der Einwand überzeugt nicht: Wer eine güterrechtliche Beteiligungsforde-
rung geltend macht, hat zu beweisen, dass die von ihm behaupteten Vermögens-
werte im Zeitpunkt der Auflösung des Güterstandes vorhanden waren (BGE 125
III 2 E. 3; 118 II 28 E. 2). Erst in einem zweiten Schritt wird es an der Beklagten
liegen, das von ihr behauptete Eigengut daran gemäss Art. 200 Abs. 3 i.V.m.
Art. 8 ZGB zu beweisen.
7. Weiter macht die Beklagte geltend, der Kläger habe sein Editionsgesuch
trotz Substantiierungsaufforderung unzureichend begründet, weshalb die Vor-
instanz darauf nicht hätte eintreten dürfen (Urk. 1 S. 11).
Dem ist entgegenzuhalten, dass ein Auskunftsbegehren gegenüber dem
andern Ehegatten grundsätzlich nicht weiter begründet zu werden braucht. Es
genügt, dass der Kläger konkret die entsprechenden Konten und/oder Depots
bzw. genauen Belege auflistete und genügend bestimmte Tatsachen (nämlich
Kauf und Verkauf der Edelmetalle) nannte, über die er Auskunft verlangte, sowie
die entsprechenden Personen bezeichnete. Unzulässig wäre es hingegen, dem
Gericht zu überlassen, die erforderlichen Informationen und die auskunftspflichti-
gen Personen zu bestimmen (vgl. BGer 5C.308/2001 vom 22. Januar 2002 E. 4.b
m.w.H.). Dass aber die gewünschten Dokumente nicht dazu geeignet wären, Auf-
schluss über das Vermögen der Beklagten im Hinblick auf die güterrechtliche
Auseinandersetzung zu geben, macht die Beklagte zu Recht nicht geltend.
8. Schliesslich rügt die Beklagte, dass auch das Begehren, wonach sie die
aktuellen Unterlagen über den Wert des gesamten Wertschriftenvermögens, die
Unterlagen über den Kauf und Verkauf sowie die Entwicklung der Wertschriften
und Anlagen seit der Heirat bis heute zu edieren habe, einzig der Schikane und
ihrer Ausforschung diene sowie völlig unverhältnismässig sei (Urk. 1 S. 13 f.).
Dieser Vorwurf erscheint als gesucht und widersprüchlich, hat sie doch selber am
30. September 2013 ein umfassendes Editionsbegehren gegen den Kläger ge-
stellt, dem die Vorinstanz entsprochen hat (vgl. Urk. 5/35; Urk. 5/37).
9. Zusammengefasst erweisen sich die in der Berufungsschrift erhobenen
Einwände der Beklagten als unbegründet. Es wurde nichts vorgebracht, was einer
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Edition der Unterlagen im Umfang der angefochtenen Verfügung entgegenstehen
würde. Die Berufung ist daher abzuweisen und der vorinstanzliche Entscheid zu
bestätigen (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO). Hingegen ist die Frist für die Edition der
Unterlagen neu anzusetzen.
III.
Im Berufungsverfahren unterliegt die Beklagte vollumfänglich. Ausgangsge-
mäss sind ihr die Kosten- und Entschädigungspflichten in vollem Umfang aufzuer-
legen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Gerichtsgebühr ist in Anwendung der § 12 in
Verbindung mit § 2, § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 und § 8 Abs. 1 GebV auf Fr. 3'000.–
festzusetzen. Die Beklagte ist ferner zu verpflichten, dem Kläger für das Beru-
fungsverfahren eine Parteientschädigung zu bezahlen. Diese ist auf Fr. 2'500.– zu
bemessen (§ 13 in Verbindung mit § 2, § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 und § 9 AnwGebV).
Hinzu kommt antragsgemäss ein Mehrwertsteuerzuschlag von Fr. 200.–.