Decision ID: 6bae8b1b-3554-4039-a473-702a603113cf
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1968
, war seit dem
1.
November 2012
als
Reini
gungs
arbeiterin
im Alterszentrum
Y._
in einem Arbeitspensum von 80
%
an
gestellt
und dadurch bei
der
XL Catlin
Syndicate
2003 at
Lloyd's
, SE, Köln, Zweig
niederlassung Zürich
(
XL Catlin
)
obliga
torisch unfallversichert (
Urk.
11/5 S. 2). Am
Vormittag
des
25
.
Mai 201
5
um
11.20 Uhr war
sie
auf
der Autobahn Richtung
Singen
Stuttgart
als
Beifahrerin im von ihrem Eh
egatten gelenkten Personen
wa
gen
unterwegs
, als dieser
auf ein vor ihm fahrendes
Fahrzeug auffuhr (
Urk.
10/0;
Pol
izei
rapport).
Gleichentags
,
um 20 Uhr abends
, stellte sich die Versicherte unter Angabe von Kopfschmerzen und Schwindel im Kantonsspital
Z._
vor, wobei
die
Ärzte
Nackenbeschwerden und muskuloskelettale Befunde Grad II der
Quebec Task Force (QTF)-Klassifikation
diagnostizierten
(
Urk.
11/11
Ziff.
7
).
Die
XL Catlin
erbrachte die gesetz
lichen Leistungen
und kündigte nach einem
vertrauensärztlichen Untersuch
vom
2.
September 2015
(
Urk.
11/13)
an, dass
sie
mit Wirkung ab 1
9.
Okt
ober
2015
von einer vollen Arbeitsfähigkeit
ausgingen
und ab
1.
November 2015
keine
unfallbedingten Behandlungen
mehr notwendig seien
(
Urk.
10/22).
Am 1
2.
September 2015 stellte sich die Versicherte wegen Schwindel
und
Kopf
schmerzen
erneut
im
Z._
vor (
Urk.
11/17)
. A
m 16.
September 2015 attestierten die behandelnden Ärzte Arbeitsunfähigkeiten zufolge eines Unfallereignisses
vom 1
2.
September 2015
(
Urk.
11/16
;
vgl. auch
Urk.
11/21
).
Eine von der
XL Catlin
darauf
vorgesehene
vertrauensärztliche
Untersuchung
vom 21.
Oktober
2015
w
urde von der
Versicherte
n
ab
gesagt
und ein
weiterer
Termin
vom
1
1.
November 2015 konnte nicht
stattfinden
,
da
die behandelnden Ärzte
die Versicherte
zum stationären Aufenthalt ins
Rehaz
entrum
A._
überwiesen
hatten
(
Urk.
10/29
, 10/33,
10/34,
11
/26, 11/28, 11/31 [Austrittsbericht über den Aufent
halt vom 3
1.
Oktober bis 2
7.
November 2015]
).
Am
4.
November 2015 teilte die
XL Catlin
der Versicherten mit, dass der Klinikaufenthalt
im
A._
nicht unfallbedingt
sei
und die unfallbe
dingte Arbeitsunfähigkeit ab 1.
November 2015
zu verneinen sei
(
Urk.
10/35). Nach Einwand der Versi
cherten (
Urk.
10/40) veranlasste die
XL Catlin
eine weitere ver
trauens
ärztliche Untersu
chung
(
Urk.
10/46 und
Urk.
11/32
[Untersuchung vom 1
6.
Dezember 2015]
) und kündigte darauf
am 1
7.
Dezember 2015
an
, dass
sie
Taggelder
zu 50
%
ab
1.
Oktober 2015
sowie
unfallbedingte Kosten für Behandlungen
ohne den Reha-Aufenthalt
im
A._
noch
längsten
s
bis
31.
Dezember 2015 übernehme
und
ab
1.
Januar 2016 keine weiteren gesetzlichen Leistungen mehr
erbringen
werde (
Urk.
10/51). Am 20.
Januar 2016 (
Urk.
10/55) erliess
sie
eine entsprechende Ver
fügung. Eine vorsorgliche
Einsprache der Krankenkasse
wurde
a
m 1
8.
Februar 2016
zurück
gezogen
(
Urk.
10/56 und 10/58). D
ie
Versicherte
erhob
am
2
2.
Febru
ar 2016
Einsprache
(
Urk.
10/59).
I
m
Mai 2016
wurde
bei der Versicherten
ein
Mammakarzinom
diagnostiziert
in
folge
dessen
eine
Chemotherapie und
eine
Mammaseg
ment
resektion
durchge
führt wurde
n
.
Anlässlich einer Mammographie a
m 1
0.
Juli 2017 zog sich die Ver
sicherte ein
leichtes Schädel-Hirn-Trauma
zu
,
als sie
bei der Untersuchung
syn
kopierte
und
den Kopf anschlug (
Urk.
11/36).
D
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
bei welcher sich die Versicherte zwischenzeitlich ange
meldet hatte (vgl.
Urk.
10/47)
, veranlasste eine polydisziplinäre Abklärung im
B._
,
an dem sich
XL Catlin
mit Zusatzfragen beteiligte (
Urk.
10/76, 11/40 und 11/41).
Mit Vorbescheid vom
6.
Januar 2020 stellte die IV-Stelle die Zusprache einer ganzen Rente ab
1.
Juni 2016 in Aussicht (
Urk.
10/82 S. 2 ff.)
.
M
it Einspracheentscheid vom 1
0.
Juni 2020
wies die
XL Catlin
die
Einspra
che gegen die Verfügung vom 20.
Januar 2016
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
9.
Juli 2020 Beschwerde
mit dem Rechts
be
gehren
(
Urk.
1
S. 2
)
,
es sei der Einspracheentscheid vom 1
0.
Juni 2020 aufzu
he
ben und eine Invalidenrente von 100
%
und eine Integritätsentschädigung von 15
%
auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen. Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
November 20
20
(
Urk.
9) beantragte die
Beschwerdegegnerin
,
die Beschwerde
sei vollum
fän
glich abzuweisen
.
Dies
wurde der Beschwerdeführerin
am 1
6.
November 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen
die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereig
net haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Die
beiden hier zu beurteilenden Vorfälle haben
sich am
2
5.
Mai
und am
12.
September 2015
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewese
nen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in
dieser Fassung zitiert werden.
Für
das vorliegende Verfahren
irrelevant ist der Vorfall
vom
1
0.
Juli 2017
(vgl. E. 3.9)
nachdem die Beschwerdeführerin in diesem Zeitpunkt
nicht mehr bei der
Beschwerdegegnerin versichert war
(vgl. Urk. 11/40 S. 19)
.
1.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig (Art. 6
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und
allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abge
schlos
sen
sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeld
leis
tungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Die Überwindbarkeitspraxis gemäss
BGE
136 V 279
und
BGE
130 V 352
findet auf den UV-Heilbehandlungs- und Taggeldanspruch, und damit auch auf den Zeitpunkt des Fallabschlusses, keine Anwendung (BGE 137 V 199
E. 2.2.4).
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ange
messene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erheb
liche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet.
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis
zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.4.3
Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Adäquanz von psychischen Unfallfolgeschäden wie folgt zu differenzieren: Zunächst ist abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) oder ein Schädel
Hirntrauma erlitten hat. Ist dies der Fall, sind bei Unfällen aus dem mittleren Bereich die in BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E. 4b umschriebenen Kriterien anzuwenden. Andernfalls erfolgt die Adäquanzbeurteilung in den dem mittleren Bereich zuzuordnenden Fällen nach den Kriterien gemäss BGE 115 V 133 E.
6c
/
aa
(siehe zur Begründung der teilweise unterschiedlichen Kriterien: BGE 117 V 359 E. 6a, letzter Absatz).
Ergeben die Abklärungen, dass die versicherte Person ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine
diesem äquivalente Verletzung
oder ein Schädel-Hirntrau
ma erlitten hat, ist zusätzlich zu beurteilen, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorlie
gen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Ist dies der Fall, sind für die Adäquanzbeurteilung bei Fällen aus dem mittleren Bereich die in BGE 115 V 133 E.
6c
/
aa
für Unfälle mit psychischen Folgeschäden festgelegten Kriterien (und nicht jene für Fälle mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule, äquivalenter Verletzung oder Schädel-Hirntrauma gemäss BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E. 4b) massgebend (BGE 127 V 102 E.
5b
/
bb
, 123 V 98 E. 2a
.
).
N
ach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung
ist
auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versi
cherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall
und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem
Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine ge
wisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausge
hend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle ander
seits und schliesslich der
dazwischen liegende
mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E.
5b
/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.4.4
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamt
wür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbei
tsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E.
6.1, 115 V 133 E.
6c
/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S.
428, 1999 Nr. U 335 S.
207 ff.; 1999 Nr. U 330 S.
122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu be
rücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die mög
li
cher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten
(BGE 115 V 133 E.
6c
/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E.
5b
/
aa
; RKUV 2001 Nr. U
442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S.
215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.4.5
Zeitlich ist bei der Prüfung der Adäquanz nach den Kriterien für die psychische Fehlentwicklung derjenige Zeitpunkt massgebend, in dem von der Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (BGE 134 V 109 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2017 vom
5.
September 2017
E.
6.1 mit Hinweisen). Die namhafte Besserung des Gesundheitszustandes nach
Art.
19
Abs.
1 UVG bestimmt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt be
einträchtigt, wobei die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht. Diese Frage ist prospektiv zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2017 vom
5.
September 2017 E. 6.3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen weiteren Leistungsanspruch der Be
schwe
rdeführerin mit der Begründung
(
Urk.
2 S.
8),
die Beschwerden im Bereich des Nackens und der Lendenwirbelsäule
seien
mit überwiegender Wahrschein
lichkeit nicht mehr Ursache oder Mitursache des
Verkehrsunfall
s
vom 2
5.
Mai 201
5.
Dabei seien
k
ontusionierte
Strukturen im Bereich der
Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule (HWS, BWS und LWS)
in der Regel spätestens nach zwölf Monaten vollständig ausgeheilt
und
vorliegend
sei
dieser Zeitpunkt
spätestens per Ende Mai 2016 erreicht
worden
. D
er noch vorliegende Muskelhartspann sei überwiegend wahrscheinlich auf die degenerativen Veränderungen der Wirbel
säule zurückzuführen.
Dabei stehe d
ie nac
h den Unfallereignissen vom 25.
Mai und 1
2.
September 2015 aufgetretene psychische Destabilisierung mit depressiver Symptomatik sowie die Zunahme der Beschwerden der bereits vorbestehenden posttraumatischen Belastungsstörung als Mitursache in einem natürlichen Kau
sal
zusammenhang zu d
en Unfällen vom 2
5.
Mai und 12.
September 201
5.
Zudem habe d
ie neu gestellte Krebsdiagnose 2016 abermals zu einer weiteren Akzen
tuierung dieser Beschwerden geführt und einen zusätzlichen Einfluss auf d
ie Arbeitsunfähigkeit ausgeübt
(S. 8
). Da ein massiver psychischer Vorzustand vor
liege und die
Beschwerdeführerin seit Jahren
unter
einer posttraumatischen Be
las
tungsstörung
(Kriegstraum
a) und
intermittierend depressiven Phasen
leide
und das psychische Beschwerdebild im Verhältnis zu weiteren Beschwerden im Vor
dergrund stehe
,
habe die Adäquanzprüfung nach der Praxis zu den psychischen Folgeschäden bei Unfällen gemäss
BGE 115 V 133 zu erfolgen (S. 9
f.
). Dabei
handle es sich beim Ereignis vom 2
5.
Mai 2015 um einen
bagatellären
Auffahr
un
f
all und das Unfallereignis sei den leichten, maximal den mittleren im Grenz
be
reich zu den leicht
en Unfällen zuzuordnen
. Ebenso seien Treppenstürze (Ereig
nis vom
1
2.
September 2015
)
in der Regel als mittelschwere Unfälle im Grenzbe
reich zu den leichten Ereignissen zu betrachte
n, sodass gemäss bundesge
richtli
cher Rechtsprechung mindestens vier Kriterien oder eines besonders ausgeprägt erfüllt sein müssten, damit die Adäquanz bejaht werden könne (S. 11). Dabei seien weder
beim Auffahrunfall noch beim Sturzereignis besonders dramatische Begleitum
stände ersichtlich. Die Beschwerdeführerin habe weder beim Auffahrunfall noch beim Sturzereignis eine besonders schwere Verletzung erlitten.
Auch sei das
Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der
physisch
bedingten ärztlichen Be
hand
lung nicht erfüllt
, nachdem mit physiotherapeutischer Behandlung die Be
schwerdeführerin rasch wieder zu 50
%
habe arbeiten können und nach dem Ereignis vom 1
2.
September 2015 die psychiatrische Behandlung im Vordergrund gestanden sei.
Das
Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen
werde gemäss
dem
Gutachten
des
B._
vom 15. November 2018
betreffend
die physischen Be
schwerden
an
HWS, BWS und LWS schon seit längerem, bzw. spätestens zwölf Monate nach dem Auffahrunfall, nicht mehr als unfallkausal gesehen,
sodass
das Kriterium nicht in besonders ausgeprägter Weise vorliege.
Für das Kriterium
der ärztlichen Fehlbehandlung
ge
be es keine Hinweise, h
ingegen könn
t
e das Kri
terium des schwierigen Heilungsverlaufs und erheblicher Komplikationen als erfüllt betrachtet werden, nachdem erschwerend hinzugekommen sei, dass die Beschwerdeführerin kurz vor einem geplanten Reha-Aufenthalt im Frühsommer 2016 an einem Mammakarzinom erkrankt sei und
sie sich
nach erfolgreicher Ope
ration habe einer intensiven Chemo- und Bestrahlungstherapie unterziehen müssen. Zum Kriterium des
Grades und der Dauer der
Arbeitsunfähigkeit
habe die rein aus physischer Betrachtungsweise statuierte Arbeitsunfähigkeit längstens zwölf Monate gedauert.
Folglich sei auch dieses Kriterium nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt (S. 14 f.).
In der Gesamtschau sei bezüglich der Unfallereignisse vom 2
5.
Mai 2015 bzw. vom 1
2.
September 2015 lediglich ein Kriterium erfüllt und folglich müsse der adäquate Kausalzusammenhang zu den noch geltend gemachten Beschwerden und den beiden Unfallereignissen verneint werden.
2.2
Die Beschwerdeführerin
stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1 S.
8
f.), die Beschwerdegegnerin habe
zu Unrecht die
Adäquanzpraxis des Bun
des
gerichts nach BGE 115 V 133 angewandt und es sei eine Einzelfallbeurteilung angebracht.
Die Adäquanzpraxis führe
zur Situation, dass jemand mit denselben Vor- und Begleiterkrankungen und entsprechend reduzierten Ressourcen nur bei einem schweren Unfallereignis Anspruch auf eine Rente habe
. Zwar habe das Bundesgericht bisher an der Adäquanzrec
htsprechung festgehalten. I
m Fall von Schreckereignissen
weiche es
aber
davon ab, sodass im Einzelfall von der gän
gigen Adäquanz-Prüfung dann abzuweichen sei, wenn trotz
eines eher leich
ten Ereignisses
schwere Krankheitsfolgen resultierten.
Dies sei auch
vorliegend
ange
bracht
ansonsten Personen mit Schockschäden besser behandelt würden, als jene mit leichten Auffahrunfällen und vergleichsweise schweren unfallbedingten
Erkrankungen,
was
eine
Ungleichbehandlung
darstelle
(S. 12).
Es sei
daher
eine
ressourcenbasierte Herangehensweise
mit
sinngemässer Anwendung der Kriterien nach BGE 141 V 281
(Indikatorenprüfung)
zu wählen, welche auch die psychi
schen Unfallfolgen
berücksichtige und
die Sache
sei deshalb an die
Vorinstanz zurückzuweise
n (S. 13).
Eventualiter sei analog die allgemeine Adäquanzformel anzuwenden und die adäquate Kausalität zu bejahen, weil die Beschwerdeführerin unter schwersten
psychischen Unfallfolgen leide
, welche zu 100
%
natürlich kausal auf beide Un
fälle zurückgingen.
Subeventualiter
sei von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren
Unfällen
auszugehen, wobei nur zwei Kriterien der Adäquanzprüfung gegeben sein müssten (S. 13 f
.
).
Im Falle, dass dennoch die Adäquanz-Kriterien (differenziert) anzuwenden seien, sei
zwar
die Qualifikation des Auffahrunfalls vom 2
5.
Mai 2015 als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten
Unfällen
nicht zu beanstanden. Hingegen sei der Treppensturz als mittel
schweres Ereignis im mittleren Bereich zu qualifizieren
und es
seien
lediglich drei Kriterien
notwendig (S. 14 f.). Dabei sei das Kriterium der Schwere und beson
deren Art der erlittenen Verletzun
g
aufgrund der Schwere der Verletzungen zu bejahen
(S. 15 f.)
. Die Beschwerdeführerin habe dabei aufgrund des Auffahrun
falles bereits eine
derart
vorgeschädigte HWS,
dass
das zweite Schleudertrauma durch den Treppensturz als besondere Verletzung zu qualifizieren sei. Ebenso sei das Kriterium der Dauerschmerzen gegeben
. Dabei sei aufgrund der
schweren Schmerzmedikation mit
I
rfen
und
Zaldiar
ein entsprechender Leidensdruck immer vorhanden
(S. 17
f.
)
. Ebenso sei das Kriterium des schweren Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen erfüllt, wobei
sich
dieses Kriterium als besonders ausgeprägt darstelle
(S. 17)
. D
as Kriterium der Dauerschmerzen
sei
zu Unrecht verneint
worden
(S. 17 f.).
Neben zwei Unfällen
,
die sich gegenseitig negativ beeinflusst hätten, liege auch ein eindrücklicher Vorzustand vor, welcher die Prognose sehr stark negativ beeinflusse. Hinzu komme die Brustkrebserkrankung kurz vor dem angedachten Reha Aufenthalt,
worauf
die Beschwerdeführerin zu
sätzlich psychisch
dekompensiert
habe.
Seit der Chemotherapie leide sie unter einer Polyneuropathie mit
Dysästhesien
, Parästhesien und Schmerzen. Das ei
n
drückliche Beschwerdebild führe
dazu, dass das Kriterium des schweren Heilungs
verlaufs und der erheblichen Komplikationen besonders ausgeprägt erscheine (S.
19). Das Kriterium des schweren Heilungsverlaufs und der erheblichen Kom
plikationen
werde auch von der Beschwerdegegnerin bejaht,
sie
verkenne aber
, dass dieses
Kriterium besonders ausgeprägt vorhanden sei (S. 20)
.
Auch das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit sei zu Unrecht ver
neint worden. Dabei reiche bereits eine volle Arbeitsunfähigkeit von sieben
Monaten un
d die Beschwerdeführerin erfülle
dies nachdem selbst die Vorinstanz von zwölf Monaten ausgehe (S. 23). Insgesamt seien damit vier Kriterien gegeben, weshalb die adäquate
Kausalität zu bejahen sei (S. 24
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus den Ereignissen vom
2
5.
Mai 2015
sowie
vom
1
2.
September 201
5.
3.
3.1
Im Bericht des Kantonspital
s
Z._
über die ambulante Behandlung vom 2
5.
Mai 2015 (
Urk.
11/1) hielten die zuständigen Ärzte fest, die Beschwerde
führerin berichte,
dass
sie gleichentags als Beifahrerin mit 120km/h auf der Auto
bahn unterwegs gewesen sei
,
als das Auto vor ihnen plötzlich die Spur gew
echselt und stark gebremst habe. Mit
etwa 80
km/h
sei es zum Auffahrunfall gekommen
. Sie sei angeschnallt gewesen, der Airbag sei nicht ausgelöst worden und sie sei mit dem Kopf nicht am Armaturenbrett angeprallt. Es hätte
n
akute Kopfschmer
zen frontal, Nackenschmerzen und ein allgemeines Schwächegefühl eingesetzt und im Verlauf sei es zur Zunahme der Nackenschmerzen mit Hartspann des
Musculus
trapezius
aber nicht zum Erbrechen, einer Übelkeit oder einer
Amnesie
gekommen
.
Zum
Lokalstatus
führten die Ärzte aus, es
zeigten sich keine Prell
marken am Kopf oder Thorax. Die HWS sei frei beweglich mit schmerzbedingter Einschränkung des Bewegungsumfangs ohne Stauun
gsschmerz (richtig wohl
:
Stau
ch
ungsschmerz)
. Über der HWS bestünden
Druckdolenz
und Muskelhart
spann. Die Pupillenreflexe seien prompt und beidseitig und der neurologische Status grobkur
sorisch unauffällig. Es bestünden weder eine
Druckdolenz
über der Clavicula
noch ein
Thorax
k
ompressionsschmerz
. Der Dokumentationsbogen für
kranio
-zervikales Beschleunigungstrauma sei ausgefüllt worden
(vgl.
Urk.
11/11)
und bildgebend (Röntgen HWS vom 2
5.
Mai 2015) ergebe sich eine schmerz
bedingte Streckhaltung, ohne Anhalt
für eine
Fraktur.
Es wurde Analgesie nach Massgabe der Beschwerden verordnet und bei Persistenz der Symptomatik eine Verlaufskontrolle mit Evaluation einer Physiotherapie in Betracht gezogen.
3.2
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Innere Medizin
,
führte
im Bericht vom
8.
Juni
2015 (
Urk.
11/5)
über den Praxisbesuch der Beschwerdeführerin vom 2
6.
Mai 2015
aus, dass sie
keine besonderen Wahrnehmungen
fest
stellen k
önne
.
Die v
orläufige Diagnose sei ein
c
raniocervical
es
Beschleunigungstrauma
aufgrund des Unfalls vom 2
5.
Mai 2015 mit ähnlic
hen Beschwerden wie früher bei
C
ervicocep
h
a
l
s
yn
drom
bei der Arbeit und bisher veranlasster Physiotherapie
und
Medikamenten.
Die Ärztin attestierte
eine Arbei
tsunfähigkeit von 100
%
vom 25.
Mai bis 1
2.
Juni 2015 mit versuchsweiser
Arbeitsaufnahme von 50
%
ab 13.
Juni 201
5.
3.3
Dr.
med.
D._
, Chirurgie FMH, welch
er die Beschwerdeführerin am 2.
Septem
ber 2015
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
untersuchte
,
nannte
im Bericht vom
8.
S
eptember 2015 (
Urk.
11/13 S. 5
f.
)
als Diagnosen
f
unktionelle HWS-Be
schwer
den bei Status nach
cervico-cranialem
Beschleunigungstrauma vom 2
5.
Mai
201
5.
Subjektiv klage die Beschwerdeführerin immer noch über Schmerzen in der HWS, dann im Hinterkopf im Bereich der Augen mit Ausstrahlung in die Schultern und ins Sternum und immer noch über Kopfschmerzen und Schwindel. Schwindel habe sie schon früher gehabt. Sie mache ein bis zweimal pro Woche Physiotherapie und
arbeite
als
Mahlzeitenverteilerin
zu
50
%
bei einem Pflich
tenheft von 80
%
(S. 6 f.)
. Es bestünden noch eine leichte
Cervicalgie
und Z
eichen einer
Tendomyosis
im HWS
/
Schulterbereich beidseits und eine leicht einge
schränkte HWS-Beweglichkeit ohne
radikulär
e
Zeichen
. Die kursorische Unter
suchung der Hirnnerven zeigten keine Pathologien und ein gewisses Taubheits
gefühl der Finger IV und V rechts könnte ein beginnendes Carpaltunnel-Syndrom sein.
Die
Beschwerdeführerin
sollte noch weiterhin Physiotherapie machen und dies bis Ende Oktober 201
5.
Der Arzt hielt fest, a
b
9.
September 2015 betrage die Arbeitsfähigkeit 75
%
und ab 1
9.
Oktober 2015
wieder
100
%
(S. 7).
3.4
Im Bericht des
Z._
vom 1
7.
September 2015 (
Urk.
11/17)
über die ambulante Notfallbehandlung vom 1
2.
September 2015 führte der zuständige Arzt aus,
es sei
der Beschwerdeführerin gleichentags beim Arbeiten im Altersheim schwindlig geworden, sodass sie sich habe hinsetzen müssen. Des Weiteren seien Schmerzen am Hinterkopf aufgetreten. Weitere Besc
hwerden seien verneint worden. D
ie Symptomatik sei am ehesten im Rahmen einer
vasovagalen
Synkope
(kurzzeitige Bewusstlosigkeit)
, am ehesten bei Dehydratation zu interpretieren. Nach entspre
chender
Rehydratation
sei es
ihr
im Verlauf deu
t
lich
besser gegangen
. Die Kopf
-
/
Nackenschmerzen hätten jedoch sistiert und
es habe
sich
keine Besserun
g unter analgetisch, medikamentöser
Therapie
gezeigt. D
ie Schmerzsymptomatik
sei
im Rahm
en des
craniozervicalen
Beschleunigungstrauma
s
vom 2
5.
Mai
2015
zu in
ter
pretieren
und
es sei
die Weiterführung der Physiotherapie
empfohlen worden. Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 1
2.
bis 1
4.
September 2015 attestiert.
3.5
Dr.
med.
E._
, FMH Neurologie,
nannte
im Bericht vom 2
7.
September 2015 (
Urk.
11/19) über die Untersuchung
vom
2
5.
September 2015 die Diagnosen
rechtsbetontes zervikozephales Syndrom seit einer HWS-Distorsion
vom 2
5.
Mai
2015
mit
Verdacht auf
myofasziale
Ausstrahlung zum rechten Arm und zur rechten Gesichtshälfte und einen Status nach Commotio
am
1
3.
September 2015
und
einer
MRI
(Magnetresonanztomografie)
des
Schädels vom 1
5.
September 2015
mit Normalbefund. Die Beschwerdeführerin beschreibe ein rechtsbetontes zervi
ko
zephales Syndrom seit einer HWS-Distorsion, wobei die angegebene
n
Sensi
bi
li
tätsstörung
en
des Gesichtes sowie des rechten Armes bei unauffälligem MRI
des
Schädel
s
am ehesten auf eine
myofasziale
Ausstrahlung zurückzuführen sei
en
.
3.6
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
wies im
Be
richt
vom 1
8.
November 2015 (
Urk.
11/28) darauf hin, dass
ihr
die Beschwerde
führerin im Januar
2015 von der Hausärztin
Dr.
C._
zur psychiatrisch-psy
chotherap
eutischen Behandlung zugewiesen worden sei. Die Beschwerdeführerin
habe nach den beiden Unfällen zunehmend eine Symptomatik im Sinne einer pos
t
traumatischen Belastungsstörung m
it depressiver Reaktion (ICD-10 F
43.1) mit
darauffolgenden
psychopathologischen Beschwerden
wie
Ängstlichkeit, wieder
kehrende
n
Albträume mit unfallthemati
schem Inhalt und
Zukunftsängste
mit Be
fürchtungen vor weiteren Unfällen entwickelt, was dann eine grosse Unsicherheit im Alltag bewirkt habe. Im
weiteren Behandlungsverlauf hätten
die Symptome in einem Ausmass zugenommen, dass die Indikation einer stationären Behandlung gestellt und in Zusammenarbeit mit der Hausärztin
Dr.
C._
ein Aufenthalt in der
Kl
inik
A._
als sinnvoll erachtet worden sei.
3.7
Im Austrittsbericht des
Zentrums
A._
vom
7.
Januar
2016 (
Urk.
11/31)
über den Aufenthalt vom 3
1.
Oktober bis 2
7.
November 2015
f
ührten die Ärzte zum Verlauf aus
(S. 2 f.), in den Aufnahme-Assessments sei
en
, ent
sprechend dem depressiven Aspekt,
ein sehr hoher Score
im FABQ Test für angst
bedingtes V
ermeidungsverhalten und gle
ichzeitig maximale
Scores
für Angst und Depression im HADS Test aufgefallen. Zusammen mit den geschilderten Flash
backs und der Anamnese schw
erer Traumatisierung im Krieg im
Kosovo bestehe aus ihrer Sicht eine relevante posttraumatische Belastungsstörung, die auch be
reits über sieben Jahre ambulant behandelt worden und sicherlich im Zusam
men
hang mit den aktuellen Beschwerden relevant sein dürfte. D
ie Beschwerdeführerin berichte
auch über Taubheits- und
Kribbeldysästhesien
im Gesicht und im Arm bis zu den Fingerspitzen, die jeweils im Sinne
myofaszialer
Beschwerden, teil
weise als Zeichen
einer
Symptomausweit
ung interpretierbar seien. D
ie subjektive
«
Gedächtnisklage
»
dürfte ebenfalls vor dem Hintergrund der Depression erklärbar sein.
Die Beschwerdeführerin habe i
n leicht verbessertem Allgemeinzustand mit
unveränderter Schmerzsympt
omatik, allerdings belastbarer
am 2
7.
November 2015
in die gewohnte häusliche Umgebung entlassen werden könn
en und es
sei
eine
Weiterführung der ambulanten Physiotherapie
empfohlen und
eine Verordnung ausgehändigt worden. Darüber hinaus
sei
eine
Anmeldung in der Tagesklinik in der
i
ntegrierten Psychiatrie
G._
erfolgt
.
3.8
Anlässlich einer weiteren Untersuchung
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
vom
1
6.
Dezember 2015
führte
Dr.
D._
im Bericht vom
1
5.
Januar 2016
(
Urk.
11
/32)
aus
(S. 8
f.
)
,
s
ubjektiv
geh
e es der Beschwerdeführerin nicht gut. Sie habe
Kopf
schmerzen, Ger
äusche im Kopf, Nackenschmerzen
mit Ausstrahlung in den rech
ten Arm mit Kribbeln
und Stechen in diesem Bereich, Schmerzen im Rücken, Kältepunkte am ganzen Körper,
Konzentra
tionsstörungen
sowie Schlafstörungen. Sie
habe
au
ch ab und zu schlafende Hände, manchmal auch Schmerzen in der Brust und nehme
verschiedene Medikamente, n
amentlich
Schmerzmittel und Medi
kamente
gegen
die Depression
ein
. Sie könne
zuhause nicht Staubsaugen, helfe
aber
bei der Zubereitung der Mahlzeiten und sei
selbständig bezüglich Ankleiden, Essen und bei der Körperpflege.
Objektiv bestehe
ein
Verdacht auf
eine
mittelschwere bis schwere Depression bei
der
47-jährigen
Beschwerde
füh
rerin, welche seit Ende der 90
er-Jahre
in psychiatrischer Behandlung
wegen de
pres
siver
Zeichen
gemäss
Aussagen der Begleitperson
stehe, da
sie einschnei
dende Kriegserlebnisse
in
den 90er-Jahren im Kosovo
erfahren habe
.
Objektiv
bestehe
eine leichte
Cervical
gie
ohne radikuläre Zeichen.
Es seien keine
Muskel
kontrakturen
weder auf
cervicalem
noch auf
thoracalem
und lumbalem Niveau z
u finden und es bestünden keine Myogelosen, wobei die Beschwerdeführerin die
HWS und die
thorac
o
-lumbale Wirbelsäule reduziert bewege.
Die Beschwerdeführerin brauche weiterhin die kompetente Behandlung der Psy
chiaterin für ihre Depression, während für die subjektiven Beschwerden der HWS und der
thoraco
-lumbalen Wirbelsäule keine spezielle Therapie nötig sei
.
Die jetzigen Beschwerden der HWS, BWS und der LWS als auch die Depression stünden nicht in einem überwiegend kausalen Zusammenhang zu den Unfall
er
eig
nissen vom 2
5.
Mai respektive vom 1
2.
September 2015 und der Status quo sine sei ab sofort erreicht
(S. 9)
.
3.9
Im Austrittsbericht des Universitätsspitals
H._
vom 1
2.
Juli 2017 über die Hospitalisierung vom 1
0.
bis 1
2.
Juli 2017 führten die Ärzte aus, die Zuweisung sei von der Gynäkologie im Haus erfolgt nachdem die Beschwerdeführerin wäh
rend der Mammographie synkopiert und einen Sturz auf den Kopf erlitten habe. Es habe eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit bestanden und keine retrograde/
ante
rograde
Amnesie. Sie habe einmal
wenig erbrochen und es hätten
kein Schwindel und keine Kopfschmerzen
bestanden
.
Die Beschwerdeführerin berichte
aber von leichter Nausea, habe aber keine Seh- oder Hörstörungen.
Sie sei
zur neuro
lo
gischen Überwachung
auf die
traumatologische
Normalstation verlegt und
stets wach,
orientiert sowie subjektiv beschwerdefrei
gewesen. Am
1
2.
Juli
2017
habe sie
in einem guten Allgemeinzustand nach Hause entlassen
werden können.
3.10
3.10.1
Anlässlich der
polydisziplinäre
n
Abklärung im
B._
nannten die Gutachter in ihrer Konsensbeurteilung vom 1
5.
November
2018 (
Urk.
11/40)
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 6)
:
1.
Rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1)
2.
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
3.
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
4.
Status nach Mammakarzinom rechts
und
adjuvanter
Radiothera
pie/Che
motherapie, residuelle Polyneuropathie nach Taxol-haltiger Chemothe
rapie.
5.
Muskelhartspann
Musculus
levator
scapulae
und
Musculus
latissimus
dorsi
b
eidseits bei/mit
-
Status nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma am 2
5.
Mai 2015
-
Status nach Treppensturz am 1
2.
September 2015
-
Status nach Mamma-Karzinom rechts, operativer, chemotherapeutischer
und radiotherapeutischer Behandlung
6.
L
umbalgie bei/mit
-
rechtskonvexe
r
skoliotische
r
Fehlhaltung der LWS, L4-S1
-
geringe neuroforaminale Stenosen
LWK5
/
SWK1
rechts,
discogen
7.
Zer
vikalgie
bei/mit
-
mässig- bis hochgradige
r
neuroforaminale
r
Stenose rechte HWK 5/6 rechts
-
mehrsegmentale
n
mässiggradige
n
neuroforaminale
n
Stenosen beidseits
Die
Gutachter
führten aus, die Beschwerdeführerin habe in ihrem Heimatland ein Jurastudium begonnen und sei vor der Flucht in die Schweiz mehreren trauma
tischen Erlebnissen ausgesetzt gewesen. So sei sie vergewaltigt worden und habe danach ihr ungeborenes Kind verloren. In der Schweiz habe sie es geschafft einige Jahre einer geregelten Arbeit nachzugehen, wobei es im Verlauf zu psychischen
Problemen (Ängste, Depressionen, Symptome einer posttraumatischen Belas
tungs
störung) gekommen sei. In der daraufhin begonnenen psychiatrischen Behand
lung sei es zur Stabilisierung gekommen. Im Januar 2015 sei es zu einer inter
mittierenden Zunahme der Depressionssymptomatik und zu Überforderungserleb
nissen gekommen. Die Beschwerden seien durch einen Auto-Auffahrunfall
im Mai
2015 und insbesondere durch
eine Brustkrebs-Erkrankung im Mai 2016
mit folgender Radio- und Chemotherapie und Operation akzentuiert worden. Im März
2016 sei der Arbeitsvertrag aufgehoben
worden
, nachdem sie zuletzt im
Septem
ber
2016 (richtig
:
September
2015) einer Arbeit
nachgegangen
sei
. F
olgend
sei es
nicht gelungen
den psychischen Zustand
soweit zu stabilisieren,
dass eine Wie
der
aufna
hme der Arbeit möglich gewesen wäre
(S. 5)
.
Die Beschwerdeführerin
prä
sentiere
sich
in
eine
m
deutlich belastete
n
, vermindert schwingungsfähige
n
und depressiv heruntergestimmte
n Zustand.
Aus psychiatri
scher Sicht sei die Arbeitsfähigkeit aufgehoben. Anamnestisch habe sie die The
rapie des Brustkrebses als sehr belastend empfunden und unter der Chemo
therapie habe sie eine distale, symmetrische Dysästhesie im Sinne einer Polyneu
ropathie, die sie bei feinmotorischen Tätigkeiten einschränke
,
entwickelt. Die im Vordergrund stehende ausgeprägte Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung hätten im Rahmen der PTSD und der Depression schon vor der Tumordiagnose bestanden und aktuell sei es nicht möglich, die Fatigue-Symptomatik prozentual auf psychiatrische und onkologische Diagnosen aufzute
ilen. Es sei aber davon auszugeh
en, dass die onkologische Erkrankung und die Krebstherapie zu der Symptomatik beigetragen hätten ohne dafür ursächlich oder hauptverantwortlich zu sein. Die angegebenen Beschwerden im Nackenbereich seien bei Patienten mit Status nach Mamma-Karzinom und nachfolgender Behandlung nicht selten. Zusammen mit den degenerativen Veränderungen im Bereich der HWS und LWS ergäben sich aus orthopädischer Sicht Einschränkungen bezüglich körperlich belastender Tätigkeiten (S. 5 f.).
Zur Frage ob
der Unfall vom 2
5.
Mai 2015 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die einzige oder
allenfalls eine Mitursache der
gesundheitlich
en Beeinträchti
gung
sei
(S. 8)
, führten die Gutachter aus,
die Beschwerdeführerin sei d
urch
den lang
jährigen Krankheitsverl
auf
mit
verschiedenen einschneidenden Erlebnis
sen be
lastet, wovon der Unfall vom 2
5.
Mai
2015 lediglich
einen Faktor darstelle.
Der
Unfall
sei auch
nicht geeignet, um zu einer Ver
letzung von Bandscheiben zu füh
ren
, welche zu
einer
neuroforaminalen
Stenose führen könn
t
e
.
Für eine
trau
matische Genese einer
Bandscheibenhernierung
seien
Hochrasanztraumen
not
wen
dig, welche
zu einer sofortigen neurologisc
hen
Symptomatik führ
ten. Dies sei
nicht dokumentiert. D
er vorliegende
Muskelhartspann
sei
überwieg
end wahrscheinlich keine Folge
im Rahmen des Unfalls vom
2
5.
Mai
2015, da
kontusionierte
Strukturen im Bereich der HWS, BWS und LWS spätestens nach
zwölf
Mon
aten vollständig ausgeheilt seien. Ü
berwiegend wahrscheinlich
sei
der aktuell vorliegende
Muskelhartspann bedingt durch die degenerativen Verände
rungen der Wirbelsäule.
3.10.2
Auf Nachfragen der IV-Stelle (Zusatzfragen Regressdienst) führten die Gutachter am 1
4.
Juni 2019 (
Urk.
11/41) aus (S. 2 f.), organische Unfallfolgen seien keine
nach
weisbar. Die geltend gemachte Gesundheitsschädigung
sei
mit überwie
gen
der Wahrscheinlichkeit zumindest teilweise Folge des
Unfalls vom 25.
Mai sowie vom 1
2.
September 201
5.
Vor den Unfällen habe sich die Beschwerdeführerin in einem psychisch vulnerablen, aber insgesamt relativ stabilen Zustand befunden. Seit den Unfällen sei eine psychische Destabilisierung mit depressiver Sympto
matik, Schwindel Schmerzen sowie Kraftlosigkeit auf
getreten
,
sodass eine Wie
der
aufna
hme der Arbeit nicht möglich gewesen sei. Zudem seien die Beschwerden der posttraumatischen Belastungsstörung, die intermittierend
regredient
gewesen seien (Albträume, Flashbacks), wi
e eine ängstliche Grundstimmung
wieder reak
tiviert worden und es könne eine Mitverursachung der Akzentuierung bzw. Ver
schlechterung des psychischen Zustandsbilds auf die Unfälle zurückgeführt
werden, wobei die zusätzlich neu gestellte Krebsdiagnose 2016 eine weitere Akzen
tuierung zur Folge gehabt habe.
Dabei sei davon auszugehen, dass die Unfälle
,
wie die Erkrankung im selben Ausmass Einfluss auf die Arbeitsunfähigkeit ge
nommen hätten (S. 3). Schl
iesslich
könne davon ausgegangen werden, dass die Fehlbearbeitung bei der vorgelegenen psychischen Vulnerabilität bereits kurz
nach dem Unfall von statten gegangen sei (S. 4)
.
Dabei stehe d
as psychische Beschwerdebild im Verhältnis zu den weiteren Beschwerden im Vordergrund
und neben einer depressiven Symptomatik und Angstzuständen seien eine Reakti
vierung der Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung dominierend.
Zum aktuellen Zeitpunkt sei die teilursächlich unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit als 100
%
zu beurteilen (S. 5).
4.
4.1
Die Beschwerdeführeri
n beanstandet
die Prüfung der Adäquanzfrage in Anwen
dung
der Praxis nach den
Gesichtspunkt
en
einer psychischen Fehlentwicklung
nach Unfällen gemäss BGE 115 V 133 (sog. «Psychopraxis»).
Die
se
Praxis kommt zu
r
Anwendung, wenn
die
zu einem Schleudertrauma der HWS
oder ei
ner gleichgestellten Verletzung
gehörenden Beeinträchtigungen
(buntes
Beschwerde
bild)
zwar teilweise gegeben
sind
aber im Vergleich zu einer ausgeprägten psy
chischen Problematik ganz in den Hintergrund
treten
(vgl. 1.4.3 hiervor)
.
Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn
sehr bald nach dem Unfall die psychische Prob
lematik überwiegt (BGE 127 V 102 E.
5b
/
bb
)
.
Diesfalls
ist
die Adäquanzprüfung
unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung
vorzunehmen.
Gleiches
gilt, wenn die im Anschluss an den Unfall auftretenden psychischen Störungen nicht zum typischen Beschwerdebild eines HWS- oder Schädelhirn
traumas gehören oder wenn bei einer versicherten Person bereits vor dem Unfall
psychische Beschwerden vorlagen, die durch den Unfall verstärkt wurden (Urteil
des Bundesgerichts
U 462/04 vom 1
3.
Februar 2006
E. 1.2
).
4.2
In den
Akten sind
weder aufgrund des Ereignisses vom
2
5.
Mai
noch vom
12.
September 2015
organische
Schäden
dokumentiert.
Die am Unfalltag im
Z._
angefertigten Röntgenbilder
vom 2
5.
Mai 2015 (E. 3.1 hiervor)
zeigten keine Auffälligkeiten
und
auch
das MRI
des
Schädels
vom 1
5.
September 2015
zeigte
einen Normalbefund (E. 3.5 hiervor)
.
A
ktenkundig sind demgegenüber
trauma
tische
Erlebnisse
der Beschwerdeführerin
i
m
Heimatland
mit
Flucht in die Schweiz,
die zu
psychischen Problemen
führten
und
derentwegen
sie unter der Diagnose
posttraumatische
Belastungsstörung (PTBS)
zu Beginn
im Psychiatrie
zentrum
I._
und
seit dem Jahr 2001
bei
Dr.
F._
in Behandlung
war
. Nachdem sich die
Situation stabilisiert hatte,
kam es
dabei
im Oktober 2014 oft zu Schwindel, starker Anspannung, häufigen Kopfschmerzen und im Januar 2015 zu einer depressiven Krise
(vgl.
Urk.
11/40 S. 20),
die
dazu führte, dass die
Hausärztin
Dr.
C._
die Beschwerdeführerin bereits im Januar 2015 erneut zur psychiatrischen Behandlung
an
Dr.
F._
überwies
(vgl. E.
3.6).
D
en Gut
achtern des
B._
ist damit
darin
zu folgen
, dass ein erheblicher psychischer Vor
zustand im Zeitpunkt der beiden Ereignisse vom
25.
Mai und 12.
September 2015
bestanden hat.
Im Weiteren ergibt sich
nach dem hiervor G
esagten
, dass
bei keinem
der beiden
Ereignisse
somatische Unfallfolgen
nachzuweisen waren
.
Vor diesem Hintergrund
überzeugt
auch
die
Einschätzung
der
B._
-Gutachter,
dass
die ver
bleibenden
körperlichen Beschwerden
nicht
Unfallfolgen,
sondern
degene
rative
n
Veränderungen im Bereich der HWS und LWS
zu
zuschreiben
sind, wie
auch
die
Erklärung, dass die
Beschwerden im Nackenbereich
bei
Mamma-Karzi
nom und
nachfolgender Behandlung
nicht selten
gesehen werden
.
L
etztlich
gin
gen die Gut
achter denn
auch davon aus, dass a
ufgrund des
deutlich belasteten, ver
mindert schwingungsfähigen
und
depressiv heruntergestimmten Zustand
es
die Arbeits
fähig
keit
aus psychiatrischer Sicht
aufgehoben
ist
(vgl. E. 3.10.1 hier
vor)
,
wäh
rend an anderer Stelle eine psychische Fehlverarbeitung
kurz nach dem
Unfall
bei
vorbestehender psychischer
Vulnerabilität
festgehalten
wurde
(E. 3.10.
2).
Anzufü
gen ist in diesem Zusammenhang auch, dass rechtsprechungsgemäss von orga
nisc
h objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen erst dann gesprochen werden kann, wenn
die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestä
tigt wur
den und die hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissen
schaft
lich aner
kannt sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_216/2009 vom 2
8.
Okto
ber 2009 E.
2 mit Hinweis). Dies ist vorliegend nicht der Fall.
Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Adäquanzfrage unter Anwendung der Psychopraxis nach
BGE 115 V 133
vorgenommen hat.
Insofern die Beschwerdeführerin auf die Rechtsprechung zu den Schreckereig
nis
sen hinweist, können zwar
p
löt
zliche Einflüsse auf die Psyche,
seit jeher
auch
als Einwirku
ng auf den menschlichen Körper
im Sinn
e des geltenden Unfallbegriffes
anerkannt
werden
. Dazu bedarf es aber
aussergewöhnliche
r
Schreckereignis
se
, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock,
wobei das Ereignis
auf
grund der überras
chenden Heftigkeit und Gewalteinwirkung geeignet
sein muss
,
eine Störung des
seelische
n
Gleichgewicht
s
mit
typische
n
Angst- und Schreckwirk
ungen (wie Lähmungen, Herzinfarkt
etc.) auszulösen (
vgl.
Urteil 8C_720/2007 des Bundesgericht
s vom 3.
September 2007 E.
6.1
, vgl. auch E. 6.3;
Rumo-Jungo
/Holzer Rechtsprechung zum Bundesgesetz über die Unfallversiche
rung, 4. Aufl. Zürich 2012, S. 47 f.
)
.
Solche aussergewöhnlichen Umstände
zeigten
sich weder
beim Auffahrunfall
no
ch beim Treppensturz
(zu den Umständen des Treppensturzes: vgl. E. 4.4.2)
.
Daran ändert auch
die
Rechtsprechung zu den
anwendbaren Standard
indikatoren (vgl. BGE 141 V 281)
nichts auf
welchen
die Beschwerdeführerin verweist
,
denn
deren Anwendbarkeit im Bereich der Unfall
versicherung
setzt
gerade voraus
, dass zwischen dem Unfall und den Beschwer
den ein natürlicher
und
adäquater Kausalzusammenhang besteht
(vgl. BGE 141 V 574 E. 5.2).
4.3
Zeitlich ist bei der Prüfung der Adäquanz nach den Kriterien für die psychische Fehlentwicklung derjenige Zeitpunkt massgebend, in dem von der Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (BGE 134
V 109 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2017 vom
5.
September 2017 E.
6.1
mit Hinweisen). Die namhafte Besserung des Gesundheitszustandes nach
Art.
19
Abs.
1 UVG bestimmt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beein
trächtigt, wobei die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht. Diese Frage
ist prospektiv zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2017 vom
5.
Septem
ber 2017 E. 6.3.1 mit Hinweisen).
Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung
per 3
1.
Dezember 2015
stand die
psy
chische Problematik
klar
im Vordergrund, namentlich
die Angst und Depression, die
primär
im
Rahmen des stationären Aufenthaltes im
Zentrum
A._
vom 3
1.
Oktober bis 2
7.
November 2015
behandelt
wurde
n
und
folge
dessen
war
im Anschluss
auch ein
Aufenthalt in der Tage
sklinik der
G._
vorgesehen
wurde
(E.
3.7).
Dr.
D._
,
welcher die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang am 1
6.
Dezember 2016 untersuchte, legte vor diesem Hintergrund nachvoll
zieh
bar
dar, dass
mit Bezug auf die somatischen Beschwerden keine namhafte Bes
se
rung
mehr
zu erwarten
war
(E.
3.8
)
.
4.4
4.4.1
Das Unfallereignis vom 2
5.
Mai 2015 ordnete
die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid
den leichten, maximal den mittleren im Grenzbereich zu
den leichten Unfällen zu
(vgl.
Urk.
2 S. 11). Mit Blick auf die Darstellungen im Polizeiprotokoll
(
Urk.
10/0)
,
wonach die Beschwerdeführerin als Beifahrerin
im Fahrzeug sass, welches
auf das vordere
auffuhr, die
Airbags nicht ausgelöst wurden,
die Fotos einen eher
leichten Blechschaden
darstellen und damit nicht auf eine hohe Geschwindigkeitsänderung (Delta-V) zu schliessen ist, rechtfertigt sich jedenfalls keine andere (
höhergradige
)
Klassifizierung
, was auch von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet wurde.
4.4.2
Im Zusammenhang mit der
Bewertung der Schwere des (Sturz-) Ereignisses
vom
1
2.
September 2015
ordne
t die
bundesgerichtliche
Kasuistik etwa folgende Unfälle dem mittleren im Grenzbereich zu den leichten Unfällen
zu
: Ereignis, bei welchem die versicherte Person beim Wegrutschen einer Schrägleiter aus drei Metern auf den Boden fiel (Urteil U 191/04 vom 1
2.
August 2005
E. 5.1 mit zahlreichen weiteren Beispielen
von Sturzereignissen und deren Qualifikation
)
oder beim Eislaufen
,
als die betroffene Person rückwärts auf den Hinterkopf
fiel
(Urteil U 299/
03
vom 20.
April 2004 E. 3). Als Ereignisse im mittelsch
w
eren Bereich wurden etwa Stürze aus einer Höhe von zwei bis vier
Meter
n
in die Tiefe qualifiziert
(Urteil
des Bundesgerichts
U 410/00 vom 1
4.
Februar 2002 E.
2
c
; 8C_316/2009 vom
8.
Juni 2009; 8C_584
/2007 vom
9.
September 2008 E.
4
.
1
).
Treppenstürze werden in der Regel den mittelschweren, im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen zugeordnet (Urteil des Bundesgerichts 8C_899/2013 E. 5.1.2).
D
ie Aktenlage
ergibt
, dass
im Bericht über die
Erstvorstellung
vom 1
2.
September 2015
im
Z._
ein Sturzereignis
nicht
einmal
thematisiert
und led
iglich vermerkt wurde
,
der Be
schwerdeführerin sei es schwindlig geworden und sie hab
e sich hinsetzen müssen
. Prellungen oder dergleichen wurden nicht verzeichnet
(vgl. E.
3.4 hiervor).
J._
,
der
offenbar als einziger den Vorfall
überhaupt
sah, führte aus, dass sich
das Ereignis um ca. 10
.20 Uhr
auf dem zweiten Abschnitt der Treppe ereignet
habe
und er die Beschwerdeführerin gerade noch
habe
auf
fangen können
un
d er habe sie (bzw. sie sei) circa
10 Treppen
li
egend
geschleift
(vgl.
Urk.
10
/65 S. 3). Anhaltspunkte für einen
erheblichen
Kopfanprall respektive
ein
ungebremstes
mehrfaches Aufschlagen an den Treppenkanten, wie dies die Beschwerdeführerin vorbringt (
Urk.
1
S. 15)
,
sind damit nicht aktenkundig und
werden insbesondere auch nicht
durch die medizinischen
Berichte be
legt
.
Ange
sichts der erwähnten Kasuistik
ist
der vorliegend zu beurteilende Unfallablauf
jedenfalls
maximal
den
mittelschweren im Grenzbereich zu leichten Ereignissen
zuzuordnen
.
4.5
Bei Unfällen im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen müssen vier der mass
geblichen Kriterien (vgl. E. 1.4.4 hiervor) oder eines der Kriterien ausgeprägt erfüllt sein (Urteil
des Bundesgerichts
8C_487/2009 vom
7.
Dezember 2009 E. 5).
4.5.1
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen
,
ist objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens
beziehungsweise Angstgefühls der versicherten Person
zu beurteilen (SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 6.1). Abzustellen ist nicht auf das subjektive Erleben des Unfall
geschehens, sondern auf dessen objektive Eignung, bei den Betroffenen psychi
sche Beeinträchtigungen auszulösen
. Das Bundesgericht bejahte dies
bei Ver
kehrs
unfällen
etwa bei
m Abbrechen des Hinterrads auf der Autobahn bei starkem Verkehr mit hoh
er Geschwindigkeit und anschliess
endem Schleudern, zweimali
gem Überqueren der Normalspur, wobei der Beifahrer durch das Dach aus dem Wagen geschleudert wurde, als sich das Fahrzeug überschlug (Urteil
des Bundes
gerichts
8C_799/2008 vom 1
1.
Februar 2009 E. 3.2
.
3 mit weiteren Beispielen
).
Das
Unfallereignis vom
2
5.
Mai
2015
, welches die
Polizeiorgane als «Kleinstun
fall»
rapportier
ten
,
erfüllt dieses Kriterium klarerweise nicht. Auch das Ereignis
vom 1
2.
September 2015
erfüllt dieses Kriterium
unbestritternermassen
nicht
(vgl.
Urk. 1 S. 15
).
4.5.2
E
in HWS-Distorsionstrauma
(oder eine vergleichbare Verletzung)
fällt
bei der Adäquanzbeurteilung einer psychisc
h
en Fehlentwicklung im Rahmen des Kriteri
ums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen
von vornehe
rein ausser Betracht (Urteil des Bundesgerichts 8C_655/2008 vom 9. Oktober 2008
E. 3.2.2 mit Hinweisen)
.
Daneben lagen weder nach dem Unfall vom 25. Mai 2015 noch nach dem Ereignis vom 12. September 2015 organisch nachweisbare kör
per
liche Gesundheitsschäden vor. Damit ebenfalls
zu verneinen ist das Vorliegen einer schweren oder besonders gearteten Verletzung mit insbesondere Eignung psychische Fehlentwicklungen auszulösen
.
4.5.3
Bei der
Prüfung
einer
ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sind die Folgen der organisch nicht ausgewiesenen Beschwerden nicht in d
ie Be
urteilung miteinzubeziehen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_903/2009 vom 2
8.
Apri
l 2010 E. 4.6 mit Hinweisen).
Blosse ärztliche Verlaufskontrollen und Abklärungs
mass
nahmen sowie
manualtherapeutische
und medikamentöse Behandlungen vermögen das Kriterium
zudem
nicht zu erfüllen (Urteil des Bundesgerichts
8C_62/2013 vom 1
1.
September 2013 E. 8.3). Einzig aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin ihre Schmerzen seit dem Unfall bei
ihrer Hausärztin
zu lindern versuchte, kann noch nicht auf eine spezifische, belastende ärztliche
Behandlung geschlossen werden. Auch fand
en
– soweit ersichtlich abgesehen
vo
m Rehabilitationsaufenthalt in
A._
, welcher primär
aufgrund der p
sychi
schen Problematik erfolgte
(
Urk.
11/28)
,
im Anschluss an die Unfälle
–
keine
weiteren
stationäre
n
Therapie
n
statt.
Praxisgemäss werden
denn
an dieses Kriterium
auch
deutlich höhere Anforderungen gestellt (vgl. Urteil des B
undesgerichts 8C_910/2009 vom 1
3.
Januar 2010 E. 4.4 mit weiteren Hinweisen
).
4.5.4
Das Kriterium der k
örperliche
n Dauerschmerzen
beurteilt sich nach den glaub
haften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 1
1.
September 2013
E. 8.4), wobei die psychischen Beschwerden auch dann nicht in die Beurteilung mit einzubeziehen sind, wenn sie körperlich imponieren (Urteil des Bundesgerichts 8C_825/2008 vom
9.
April 2009 E. 4.6).
Die Beschwerd
eführerin klagt seit den Unfä
ll
en
über Beschwerden
(Geräusche
im
Kopf, Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den rechten Arm, Taubheit im rechten Bein, Orientierungs- und Konzentrationsprobleme und Sch
l
afstörungen
,
Urk.
11/33 S. 5 f.).
Im Vordergrund steht aber
seither
das psychische
Zustandsbild,
wobei
sich
die
ses
aufgrund der
gestellte
n
Krebsdiagnose 2016
akzentuierte (
Urk.
11/
40 S. 5)
.
V
or diesem Hintergrund
ist fraglich, ob das Kriterium als erfüllt zu betrachten ist. Jedenfalls
übersteigen
die rein unfallbedingten somatischen Beschwerden
das bei HWS-Distorsionen
und äquivalenten Verletzungen
übliche Mass nicht derart, dass das Kriterium in besonders ausgeprägter Weise bejaht werden könnte (Urteil des
Bundesgerichts 8C_580/2010 vom
3
0.
August
2010 E.
5.3.2).
4.5.5
Mangels entsprechender Anhaltspunkte in den Akten kann nicht von einer
ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte,
gesprochen werden
.
4.5.6
Zum Kriterium des schwierigen
Heilungsverlauf
s
und erhebliche
r
Komplikationen
kann aus der ärztlichen Behandlung und den erheblichen Beschwerden nicht schon auf ein Erfüllen des Kriteriums geschlossen werden. Es bedarf hierzu viel
mehr besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zu dessen Bejahung. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapie keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte (Urteil
e
des Bundes
gericht
s
8C_252/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E. 7.6 und 8C_57/2008 vom 1
6.
Mai 2008 E. 9.6.1). Das K
riterium wird nur selten bejaht (
vgl.
Rumo-Jungo
/Holzer,
a.a.O., S. 72 f.
mit Hinweisen
)
.
Die Beschwerdegegnerin anerkannte dieses Krite
rium i
m Hinblick darauf, dass
gemäss
B._
-Gutachter die vor den beiden Unfällen bestehende psychische Vulnerabilität einerseits durch die beiden Unfälle verstärkt
wurde
und anderseits kurz vor einem geplanten Reha-Aufenthalt im Frühsommer 2016
die Beschwerdeführerin
noch
an einem
Mammakarzinom erkrankt
war
und sich nach erfolgreicher Operation einer intensiven Chemo- und B
estrahlungstherapie unterziehen
musste
(vgl.
Urk.
2 S. 14).
B
esondere
Gründe, welche die Heilung
der unfallbedingten somatischen Beschwerden
beeinträchtigt haben
, können damit als ausgewiesen erachtet werden.
Denn
die
Komplikation ist ein Umstand, der den durchschnittlichen Heilungsprozess eines unfallbe
din
g
ten Gesundheitsschadens ungünstig beeinflusst und
dieser Umstand
als solcher
muss
selber nicht auf den Unfall zurückzuführen sein
(Urteil des Bundesgerichts 8C_147/2017 vom
2.
August 2017 E 5.3).
Eine
besondere Ausprägung
in dem
Sinne, dass aufgrund besonderer Umstände
ein
schwierige
r
Heilungsverlauf
und
erhebliche
Komplikationen
in derart intensiver Weise vorliegen, dass die Adä
quanz bereits aus diesem Grund zu bejahen wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 596/06 vom 2
1.
Dezember 2017, E. 5.2.6)
,
ist indes nicht erkennbar.
Zu Gunsten der Beschwerdeführerin kann diesbezüglich auch dem
hiervor erwähnten
Urteil 8C
_
147/2017
nichts
entnommen werden
,
wie
die Beschwerdeführerin
aus
führte
(vgl.
Urk.
1 S. 21 f.). Denn dabei ging es
einerseits
um
eine
revisionsweise Einstellung
von laufenden Rentenleistungen
der Unfallversicherung nach
einem mittelschweren Unfall
. Anderseits trifft es auch nicht zu, dass d
as
Bundesgericht das
Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Kompli
ka
tionen
diesfalls
als
in
besonders ausgeprägter Weise erfüllt erachtet hat
(vgl. E. 5.4
des Urteils).
Festzuhalten ist zudem auch, dass ungeachtet eines schwierigen Hei
lungsverlaufs spätestens ab Juni 2016 nicht mehr von somatischen Unfallfolgen auszugehen war (vgl. Urk. 11/40 S. 8).
4.5.7
D
ie Beschwerdeführerin
unternahm
nach
dem Unfall
vom
2
5.
Mai 2015
ab
dem
1
3.
Juni 2015
einen Arbeitsversuch
zu 50
%
im bisherigen 80
%
Pensum (vgl.
Urk.
11/13 S. 4) und
ging
seit dem Zweitereignis vom 1
2.
September
2015
gar keiner Erwerbstätigkeit
mehr
nach
.
Diese Arbeitsunfähigkeiten wurden auch durch die nach den Unfällen einsetzende Akzentuierung beziehungsweise Ver
schlechterung der psychischen Vorerkrankung zumindest (mit)verursacht (vgl. Urk. 11/41 S. 3). Spätestens im Nachgang zur Untersuchung bei Dr.
D._
vom 16. Dezember 2015 (Urk. 11/32 S. 8) ist sodann von einer im Wesentlichen durch das psychische Leiden bedingten Arbeitsunfähigkeit auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 66/04 vom 14.
Oktober
2004 E.
6.3). Mithin kann auch das
Kriterium Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht als erfüllt gelten.
4.5.8
Von den sieben relevanten Kriterien sind demnach höchstens
zwei
in nicht be
sonders ausgeprägter Weise erfüllt. Das genüg
t beim gegebenen Schweregrad der Unfälle
nicht für die Bejahung der Adäquanz.
Weitere Abklärungen in Form einer Begutachtung sind nicht erforderlich, wes
halb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E.
1d). Die objektivierbaren Befunde stehen fest und sind unbestritten. Die vor
liegend entscheidende unfallversicherungsr
echtliche Relevanz der Beschwer
den beschlägt eine Rechtsfrage, welche nicht mittels medizinischer Einschätzung zu klären ist.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die über den 3
1.
Dezember 2015 hinaus bestehenden Beschwerden nicht in einem adäquaten Kausalzusammenhang zu den Ereignissen vom 2
5.
Mai und 1
2.
September 2015 stehen. Damit erweist sich die (folgenlose) Leistungseinstellung per 3
1.
Dezember 2015 als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteient
schädigung. Den mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen steht keine Parteientschädigung zu (BGE 112 V 356 E. 6 S. 362 mit Hinweise; vgl. auch nicht publizierte E. 5b von BGE 127 V 176, Urteil U 329/99 vom 2
5.
Juni 2001). Die Beschwerdeg
egnerin hat damit entgegen ihrem Antrag
(
Urk.
9 S. 2) keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.