Decision ID: db953307-f058-5c81-8077-0845cf5012b3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin reiste am 2. August 2012 zusammen mit ihrem
Kind E._ in die Schweiz ein und ersuchte gleichentags um Asyl.
Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 6. September 2012 und
der Anhörung vom 1. Mai 2014 machte sie zur Begründung ihres Asylge-
suches geltend, sie sei ausschliesslich wegen ihrem Ehemann ausgereist.
Alle ihre Probleme würden in direktem Zusammenhang mit ihrem Ehemann
stehen. Dieser habe seinen militärischen Urlaub um sieben Monate über-
schritten und sei einfach nicht wieder eingerückt, so dass er Ende des Jah-
res 2006 zuhause von Truppenangehörigen aufgesucht, abgeholt und
zwangsweise wieder in den Dienst zurückgebracht worden sei. Sie ver-
mute, dass er in der Folge geflohen sei, da die Behörden sie später aufge-
sucht und sich nach seinem Verbleib erkundigt hätten. Behördenangehö-
rige seien mehrere Male zu ihr gekommen und sie habe sich vor ihnen
versteckt. Schliesslich sei sie erwischt worden. Wegen ihrem Kleinkind
E._ habe man indes zuerst ihren Vater für drei Monate inhaftiert und
erst nach dessen Freilassung sie selbst (vgl. SEM-Protokoll A3 S. 7). Im
Jahre 2008 sei sie zusammen mit ihrem Kind E._ sechs Monate in
Haft gewesen. Nach der Freilassung sei das von ihr bewirtschaftete Grund-
stück konfisziert worden und sie habe bis zu ihrer illegalen Ausreise im
Jahre 2011 bei ihrer Grossmutter in F._ gelebt (vgl. A3 S. 8).
B.
Mit mündlich eröffnetem Entscheid vom 1. Mai 2014 wurde die Beschwer-
deführerin in der Schweiz als Flüchtling anerkannt und es wurde ihr Asyl
gewährt. Ihre Kinder E._ und G._ wurden in ihre Flüchtlings-
eigenschaft einbezogen und erhielten ebenfalls Asyl.
C.
Rund zweieinhalb Monate nach Abschluss des Asylverfahrens der Be-
schwerdeführerin reiste schliesslich am 18. August 2014 H._, der
Ehemann der Beschwerdeführerin, in die Schweiz ein und suchte gleichen-
tags um Asyl nach.
Am 20. August 2014 führte die Vorinstanz einen Abgleich der Fingerabdrü-
cke mit der Zentraleinheit Eurodac durch. Dieser ergab, dass H._
am 24. Oktober 2007 in Italien und am 26. August 2013 in Deutschland
registriert worden war. Abklärungen bei den italienischen Behörden durch
die Vorinstanz ergaben, dass er in Italien subsidiären Schutz erhalten
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hatte. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum beabsichtigten Nichteintre-
tensentscheid gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) machte
H._ geltend, er sei in die Schweiz gereist, um mit seiner Ehefrau
und den gemeinsamen Kindern, welche hier als Flüchtlinge anerkannt
seien, zusammen zu sein. Eine Wegweisung nach Italien stelle eine Ver-
letzung von Art. 44 AsylG und Art. 8 EMRK dar.
D.
Mit Entscheid vom 5. August 2015 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch
von H._ nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an.
E.
Gegen diesen Entscheid erhob H._ mit Eingabe vom 14. August
2015 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 24. August 2015 wurde H._ dazu auf-
gefordert, bis am 10. September 2015 beim zuständigen Migrationsamt ein
Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung einzureichen und dem
Gericht eine Kopie desselben zukommen zu lassen. Dieser Aufforderung
kam H._ fristgerecht nach.
G.
Mit Urteil E-4981/2015 vom 10. September 2015 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde im Wegweisungspunkt gut (Bejahung des
grundsätzlichen Anspruchs auf Art. 8 EMRK und Zuständigkeit der kanto-
nalen Ausländerbehörde); im Übrigen wurde sie, soweit nicht gegenstands-
los geworden, abgewiesen. In der Folge erteilte die zuständige kantonale
Behörde H._ am 11. Juli 2016 eine Aufenthaltsbewilligung (Verbleib
bei der Ehegattin).
H.
Mit Eingabe vom 18. August 2016 ersuchte H._ um Einbezug in die
Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau.
I.
Mit Schreiben vom 30. Dezember 2016 an den damaligen Rechtsvertreter
von H._ teilte das SEM mit, dass sein Mandant im Rahmen des
ersten Asylverfahrens anlässlich der BzP vom 28. August 2014 Gründe für
sein Asylgesuch geltend gemacht habe, welche asylrelevant sein könnten.
Diese Asylgründe seien aufgrund des Nichtentretensentscheides vom
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5. August 2015 (Wegweisung nach Italien als sicherer Drittstaat) nicht ge-
prüft worden. Das Schreiben von H._ vom 18. August 2016 werde
als Asylgesuch entgegengenommen und das SEM werde im Rahmen des
vorliegenden Verfahrens eine Prüfung der eigenen Asylgründe von
H._ vornehmen.
J.
Im Rahmen der Anhörung vom 22. Februar 2017 machte H._ zur
Begründung seines Asylgesuches im Wesentlichen geltend, im Jahre 1999
inhaftiert worden zu sein, weil er aus dem Urlaub nicht rechtzeitig in den
Militärdienst zurückgekehrt sei. Zuletzt sei er in I._ stationiert und
als Nachrichtenübermittler tätig gewesen. Am 16. Januar 2005 habe er
seine jetzige Ehefrau in J._ geheiratet. Im Februar 2006 habe er
Urlaub erhalten. Ohne die Dauer des Urlaubes zu überschreiten sei er noch
während dem Urlaub ausgereist, weil er keinen Militärdienst mehr habe
leisten wollen. Aufgrund der Desertion sei später seine Ehefrau inhaftiert
worden. Da diese zum damaligen Zeitpunkt schwanger gewesen sei, sei
an ihrer Stelle sein Vater (also jener des Ehemannes) inhaftiert worden.
Seinen Sohn K._ habe er leider als Baby nie gesehen.
Im Weiteren gab er an, sich von 2007 bis 2013 mit einer Aufenthaltsbewil-
ligung in Italien aufgehalten zu haben. Im Jahr 2012 sei er in den Sudan
gereist und habe dort seine Ehefrau in Khartum wiedergesehen. Er sei da-
mals von Italien nach L._ gereist, um als Händler zu arbeiten, da
die Erwerbsmöglichkeiten in Italien sehr schlecht gewesen seien.
Zum Nachweis seiner Identität und zur Stützung seiner Vorbringen reichte
H._ eine Heiratskurkunde, die Geburtsurkunde seines Sohnes, ein
Familienfoto aus der Schweiz und Fotografien sowie ein Video des Hoch-
zeitsfestes in Eritrea ein.
K.
Mit Eingabe vom 5. März 2018 ersuchte H._ erneut um Einbezug
in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau mit der Begründung, wie diese
einen Reiseausweis erhalten zu wollen.
L.
Mit Schreiben vom 19. November 2019 machte das SEM die Beschwerde-
führerin darauf aufmerksam, dass ihre Angaben im Asylverfahren von den-
jenigen ihres Ehemannes H._ in zentralen Punkten abweichen wür-
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den. Der Beschwerdeführerin wurde Gelegenheit gegeben, zu den festge-
stellten Widersprüchen Stellung zu beziehen. Gleichzeitig hielt das SEM
fest, dass es aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage davon ausgehe, dass
die Voraussetzungen für einen Widerruf des Asyls gemäss Art. 63 Abs. 1
AsylG vorliegend gegeben seien.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2019 gewährte das SEM dem
neu mandatierten Rechtsvertreter Einsicht in die Asylakten der Beschwer-
deführerin mit dem Hinweis, in die Akten von H._ nur teilweise Ein-
sicht geben zu können, da die Prüfung seiner Asylvorbringen noch nicht
abgeschlossen sei. Indes sei der Beschwerdeführerin der für das Asylwi-
derrufsverfahren wesentliche Inhalt der Befragungsprotokolle betreffend
H._ mit Schreiben vom 19. November 2019 zur Kenntnis gebracht
worden.
N.
Mit vorab per Telefax eingereichter Eingabe vom 14. Januar 2020 hielt der
Rechtsvertreter fest, ihm sei unvollständige Akteneinsicht gewährt worden
und beantragte, das vorliegende Asylwiderrufsverfahren sei bis zum Ab-
schluss des Asylverfahrens von H._ zu sistieren.
O.
Mit Schreiben vom 17. Januar 2020 gewährte das SEM ergänzende Ein-
sicht in einzelne Aktenstücke und hielt gleichzeitig daran fest, bis zum Ab-
schluss der Prüfung der Asylvorbringen von H._ in die entsprechen-
den Anhörungsprotokolle nicht Einsicht gewähren zu können.
P.
Mit Eingabe vom 13. Februar 2020 ersuchte der Rechtsvertreter erneut um
Sistierung des Asylwiderrufsverfahren bis zum Abschluss des Asylverfah-
rens von H._
Q.
Mit Entscheid vom 28. Februar 2020 lehnte das SEM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers ab, sistierte das weitere Gesuch um Einbezug in die
Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau und wies darauf hin, dass die wei-
tere Aufenthaltsregelung in der Schweiz in die Zuständigkeit der kantona-
len Migrationsbehörden falle. Dieser Entscheid erwuchs in der Folge unan-
gefochten in Rechtskraft.
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Seite 6
R.
Mit Zwischenverfügung vom 3. März 2020 informierte die Vorinstanz die
Beschwerdeführerin, dass der Asylentscheid ihres Ehemannes nun ergan-
gen und die Abklärungen zur Sache nun abgeschlossen worden seien.
Gleichzeitig gewährte das SEM vollständige Einsicht in die Asylakten von
H._ (Anhörungsprotokoll, Entscheid vom 28. Februar 2020), stellte
die Gegenstandslosigkeit des Gesuches um Sistierung des vorliegenden
Verfahren fest und erstreckte letztmals die Frist zur Einreichung der Stel-
lungnahme zum beabsichtigten Asylwiderruf bis zum 6. April 2020. Eine
solche Stellungnahme wurde am 6. April 2020 eingereicht.
S.
Mit Entscheid vom 6. Juli 2020 (Eröffnung am 8. Juli 2020) aberkannte das
SEM in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG den Beschwerdefüh-
renden die Flüchtlingseigenschaft und widerrief das Asyl.
T.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe
ihres Rechtsvertreters vom 6. August 2020 an das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde. Sie beantragten die Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung, eventualiter sei die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung an
das SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um die Beiordnung
des Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand ersucht.
U.
Mit Schreiben vom 7. August 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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Seite 7
1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und
haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.4 Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde in Anwendung
von Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft ab-
erkannt und/oder das Asyl widerrufen, wenn die ausländische Person das
Asyl oder die Flüchtlingseigenschaft durch falsche Angaben oder Ver-
schweigen wesentlicher Tatsachen erschlichen hat. Dieser Inhalt korres-
pondiert mit der Pflicht der asylsuchenden Person aus Art. 8 Abs. 1 Bst. c
AsylG, die Gründe für das Asylgesuch anzugeben. Die Falschangabe oder
das Verschweigen wesentlicher Tatsachen muss kausal für die Gewäh-
rung von Asyl oder die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gewesen
sein. Verschweigt eine Person beispielsweise nur wesentliche Tatsachen,
die eine Asylunwürdigkeit begründen, ist aber die Flüchtlingseigenschaft
gemäss der Flüchtlingskonvention erfüllt, so kommt allein der Widerruf des
Asyls, nicht aber der Flüchtlingseigenschaft in Betracht (CONSTANTIN
HRUSCHKA in: Spescha et al. (Hrsg.), Kommentar zum Migrationsrecht,
5. Aufl. 2019, Art. 63 AsylG N. 2). Bei Aberkennung der Flüchtlingseigen-
schaft entfällt allerdings ohne Weiteres auch das Asyl.
3.2 Die Mitwirkungspflicht in Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG verlangt von Asyl-
suchenden, dass sie bei der Anhörung angeben, weshalb sie um Asyl
nachsuchen, wobei diese Angaben wahr sein müssen und dabei keine we-
sentlichen Tatsachen verschwiegen werden dürfen (vgl. SCHWEIZERISCHE
FLÜCHTLINGSHILFE SFH, Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren,
2. Aufl. 2015, S. 234 f.).
E-3945/2020
Seite 8
4.
Die Anwendung der Widerrufsbestimmung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG
ist auf Fallkonstellationen beschränkt, bei denen die Asylbehörden erst
nach der Asylgewährung Kenntnis von Sachverhaltselementen erhalten,
die zur Abweisung des Asyls geführt hätten, wären sie bereits während des
Asylverfahrens bekannt gewesen; diese Intention entspricht dem allgemei-
nen Prinzip des Verwaltungsrechts, dass eine gewährte Rechtsstellung wi-
derrufen wird, falls sich später herausstellt, dass die Voraussetzungen von
Anfang an nicht bestanden hatten und diese Rechtsstellung erschlichen
worden war (vgl. ALBERTO ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Hand-
buch des Asylrechts, 1991, S. 201; Botschaft zum Asylgesetz und zu einem
Bundesbeschluss betreffend den Rückzug des Vorbehaltes zu Art. 24 des
Übereinkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. August
1977, BBl 1977 III 135). Mit dem Terminus "erschleichen" weist der Gesetz-
geber – prägnanter als in den beiden anderen Amtssprachen (en faisant
de fausses déclarations ou en dissimulant des faits essentiels; grazie a
dichiarazioni false o alla dissimulazione di fatti essenziali) – darauf hin,
dass für einen Widerruf gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG eine verse-
hentlich oder unbewusste Falschaussage nicht genügt; vielmehr bedarf es
wissentlicher und willentlicher Falschangaben (vgl. ACHERMANN/HAUSAM-
MANN, a.a.O.).
5.
5.1
Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, dass das SEM, wäre es
bereits während des Asylverfahrens in Kenntnis der Aussagen des Ehe-
mannes H._ der Beschwerdeführerin zur infrage stehenden Verfol-
gungssituation gewesen, das Asylgesuch der Beschwerdeführerin infolge
Unglaubhaftigkeit ihrer Asylvorbringen abgewiesen hätte.
5.2 Einleitend sei festzuhalten, dass ihr Ehemann H._ seine be-
hauptete Verfolgung nicht habe glaubhaft machen können. Sein Asylge-
such sei daher abgewiesen worden. Dieses sei unangefochten in Rechts-
kraft erwachsen. Angesichts der als unglaubhaft erachteten Verfolgung von
H._ sei den Asylvorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei in Erit-
rea wegen der Desertion ihres Ehemannes einer Reflexverfolgung ausge-
setzt gewesen, schlicht die Grundlage entzogen. Zusätzlich habe ein Ver-
gleich der Verfahrensdossiers von ihr (der Beschwerdeführerin) und ihrem
Ehemann H._ auch massive Unstimmigkeiten in zentralen Aspek-
ten der Asylvorbringen zutage geführt. Herauszustreichen seien u.a. die
folgenden Punkte:
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Seite 9
5.2.1 Die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Anhörung vom 1. Mai
2014 angegeben, dass ihr Ehemann zwei Monate Urlaub erhalten und den
Urlaub um etwa sieben Monate überzogen habe. Ihr Ehemann habe in Wi-
derspruch hierzu zunächst ausgeführt, dass er zwei Wochen Urlaub erhal-
ten habe und diesen um zwei Wochen überzogen habe. In der Anhörung
habe er sodann ausgeführt, dass er einen Monat Urlaub erhalten und noch
während des Urlaubs – und ohne diesen zu überziehen – in Richtung
Grenze gereist sei.
5.2.2 In Bezug auf die Geburt des Sohnes K._ lägen auch klare Wi-
dersprüche vor. So habe die Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Anhörung
angegeben, dass im Zeitpunkt, als ihr Ehemann von der Einheit zuhause
aufgesucht und mitgenommen worden sei, ihr Sohn K._ circa drei
Monate alt gewesen sei. Ihr Ehemann habe aber anlässlich der letzten An-
hörung angegeben, dass zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea die
Beschwerdeführerin noch schwanger gewesen sei und er seinen Sohn als
Baby gar nicht gesehen habe.
5.2.3 Auch in Bezug auf die zeitlichen Geschehnisse im Nachgang der
Ausreise des Beschwerdeführers sei es zu klaren Unstimmigkeiten gekom-
men. Die Beschwerdeführerin habe in ihrer Anhörung angegeben, dass ihr
eigener Vater (also jener der Beschwerdeführerin) an ihrer Stelle inhaftiert
worden sei. Demgegenüber habe ihr Ehemann ausgeführt, dass sein eige-
ner Vater (also jener des Ehemannes) an ihrer Stelle inhaftiert worden sei.
5.2.4 Letztlich lägen auch offene Widersprüche hinsichtlich der Ausreise
des Ehemannes aus Eritrea vor. Während die Beschwerdeführerin ange-
geben habe, dieser sei nach Äthiopien ausgereist, habe dieser angegeben
Eritrea in Richtung Sudan verlassen und nie in Äthiopien gewesen zu sein.
5.3 Die Sachangaben der Beschwerdeführerin seien somit in zentralen
Aspekten widersprüchlich ausgefallen. In der Stellungnahme vom 6. April
2020 lasse sich keine nachvollziehbare Begründung für diese Widersprü-
che finden. Der Erklärungsversuch, wonach es sich bei den Ungereimthei-
ten nicht um die asylrechtlich relevanten Kernaussagen handle, vermöge
nicht zu überzeugen, da es sich bei den festgestellten Abweichungen sehr
wohl um Kernvorbringen handle, welche zur Anerkennung der Beschwer-
deführerin als Flüchtling und zur Asylgewährung geführt hätten. Die unter-
schiedlichen Aussagen zur Haftdauer und zur Ausreise von H._ be-
stärkten die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwer-
deführerin. Zudem habe die Beschwerdeführerin entgegen der Auffassung
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Seite 10
der Rechtsvertretung in der Anhörung nicht den Eindruck gemacht, dass
es sich bloss um ihre Annahme gehandelt habe, in welche Richtung
H._ ausgereist sei. So habe die Beschwerdeführerin angegeben:
«In der Zeit, als er von mir getrennt gelebt hat, ist er zuerst nach Äthiopien
gegangen und hat von dort versucht, illegal in den Sudan zu gelangen»
(vgl. A16 S. 16).
5.4 Angesichts der Unglaubhafigkeit der Desertion von H._ und den
dargelegten Widersprüchen sei davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führerin unwahre Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen ver-
schwiegen habe. Das SEM habe mit den Aussagen von H._ Kennt-
nis von Sachverhaltselementen erhalten, die zur Abweisung des Asylgesu-
ches geführt hätten, wären diese bereits während ihres Asylverfahrens be-
kannt gewesen. Die Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der An-
hörung vom 1. Mai 2014 zur angeblichen Haft in Eritrea würden diese Ein-
schätzung nicht umzustossen vermögen, zumal die Umstände und der
Kontext der geltend gemachten Haft aufgrund der derzeitigen Aktenlage
als unglaubhaft zu erachten seien. Es lägen keine Anhaltspunkte dafür vor,
die auf versehentliche oder unbewusste Falschaussagen der Beschwerde-
führerin hindeuteten. Daher sei davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führerin wissentlich und willentlich Falschangaben gemacht habe, um die
Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung zu erschleichen. Die Aus-
führungen in der Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs än-
derten an dieser Einschätzung nichts. Die geltend gemachte Desertion,
welche zur Verfolgung der Beschwerdeführerin geführt haben soll, habe
H._ nicht glaubhaft machen können. Entsprechend habe er gegen
den ablehnenden Asylentscheid keine Beschwerde erhoben.
5.5 Zusammenfassend sei daher festzuhalten, dass die ursprünglich gel-
tend gemachten Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführerin, aufgrund
der Desertion ihres Ehemannes H._ Verfolgung ausgesetzt gewe-
sen zu sein, den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG
nicht genügten. Aus den Akten seien im Übrigen keine anderen Gründe
ersichtlich, wonach die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Erit-
rea einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt wäre. Die
illegale Ausreise alleine vermöge eine flüchtlingsrechtlich relevante Ge-
fährdung nicht zu begründen (vgl. Urteil des BVGer E-7898/2015 vom 30.
Januar 2017 E.5). Somit sei der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 63
Abs. 1 Bst. a AsylG – und ebenso deren Kindern – die Flüchtlingseigen-
schaft abzuerkennen und das gewährte Asyl zu widerrufen.
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Seite 11
6.
6.1 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, der Beschwerdeführer
habe mit seinen Angaben im Rahmen der BzP vom 28. August 2014 zu-
mindest im Resultat diejenigen der Beschwerdeführerin, wonach ihr Ehe-
mann seinen Heimatstaat im Oktober 2006 verlassen habe und der ge-
meinsame Sohn damals bereits auf der Welt gewesen sei, bestätigt. Er
habe indessen bereits damals nicht erwähnt, dass er von Soldaten zu-
hause aufgesucht und mitgenommen worden sei. Diese Aussagen sei nur
vier Monate nach der Anhörung der Beschwerdeführerin festgehalten wor-
den, weshalb die Vorinstanz – hätte sie die geltend gemachten Asylgründe
der Beschwerdeführerin angezweifelt – den Sachverhalt zeitnah hätte er-
gänzend abklären müssen, was sie, obwohl dazu in der Lage, nicht getan
habe. Das SEM habe denn auch der Beschwerdeführerin die Flüchtlings-
eigenschaft anerkannt und Asyl gewährt, ohne ihre Aussagen zu würdigen.
Auch sei vorerst kein Aberkennungsverfahren eingeleitet worden.
6.2 Im Weiteren habe sich das SEM in Bezug auf H._ die Zustän-
digkeit zur Durchführung eines Asylverfahrens «angeeignet», obwohl dies-
bezüglich ein rechtskräftiger Nichteintretensentscheid vorgelegen habe.
Mangels Zuständigkeit sei das SEM daher gar nicht berechtigt gewesen,
in Bezug auf H._ ein neues Asylverfahren durchzuführen bezie-
hungsweise dieses wiederaufzunehmen. Dementsprechend seien auch
die anlässlich dieses Verfahrens gemachten Aussagen von H._ im
Rahmen der Anhörung vom 22. Februar 2017 nicht rechtmässig erhoben
worden und dürften im vorliegenden Verfahren nicht zum Nachteil der Be-
schwerdeführerin verwertet werden. Ohnehin wäre das SEM verpflichtet
gewesen, den Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen darüber zu
unterrichten, dass sich seine Aussagen gegebenenfalls nachteilig auf den
Flüchtlingsstatus seiner Ehefrau auswirken könnten. Mit diesem Vorgehen
habe das SEM den Grundsatz von Treu und Glauben (vgl. Art. 9 BV) ver-
letzt. Darüber hinaus dürften die im Rahmen der Anhörung gemachten
Aussagen von H._ nicht als Indiz für die Unglaubhaftigkeit der Asyl-
gründe der Beschwerdeführerin dienen. Dieser sei aufgrund einer Trauma-
tisierung wohl nicht in der Lage gewesen, die mit der Flucht verbundenen
Erlebnisse detailliert abzurufen. Schliesslich seien die vom SEM festge-
stellten Widersprüche und Ungereimtheiten nicht genügend relevant, um
die Angaben der Beschwerdeführerin als unwahr zu begründen. Sollten die
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Seite 12
Aussagen von H._ anlässlich der Anhörung vom 22. Februar 2017
im vorliegenden Verfahren als verwertbar betrachtet werden, so wäre die
Sache – im Sinne eines Eventualantrags – zu weiteren Abklärung des
Sachverhalts an das SEM zurückzuweisen (Einholung weiterer Angaben
von Familienangehörigen beider Eheleute, Begutachtung von H._
auf das Vorliegen einer möglichen psychotraumatischen Belastungsstö-
rung).
7.
7.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch vom 2. August
2012 ausschliesslich damit, dass sie wegen ihres Ehemannes Probleme
bekommen habe und sie nur wegen ihrem Mann ausgereist sei (A3, Ziffer
7.01). Ihre Probleme würden direkt mit ihrem Ehemann zusammenhängen
(A16, F39). Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch somit zent-
ral damit, aufgrund der Desertion ihres Ehemannes H._ einer Ver-
folgung ausgesetzt gewesen zu sein. Nach Durchführung der Befragung
zur Person (BzP) vom 6. September 2012 und der Anhörung vom 1. Mai
2014 anerkannte das SEM mit Entscheid vom 1. Mai 2014 – offenbar von
der Glaubhaftigkeit der Reflexverfolgung ausgehend – die Beschwerdefüh-
rerin (und ihre Kinder) in der Schweiz als Flüchtling an und gewährte ihnen
Asyl.
7.2 Ob dieses Vorgehen zu diesem Zeitpunkt, wie in der Beschwerde be-
hauptet, Ausdruck der damaligen Praxis des SEM gewesen sei, im Fall ei-
ner Desertion von eritreischen Asylsuchenden ohne «restriktive Würdigung
des Sachverhalts» die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen, bedarf keiner
abschliessender Beurteilung. Auch bei Vorliegen einer solchen Praxis wäre
selbstredend eine tatsächlich erfolgte Desertion und damit die Glaubhaf-
tigkeit dieses Vorbringens Voraussetzung für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführerin gewesen. Die Anwendung der
Widerrufsbestimmung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG bezieht sich auf Fall-
konstellationen, bei denen die Asylbehörden erst nach der Asylgewährung
Kenntnis von Sachverhaltselementen erhalten haben, die zur Abweisung
des Asyls geführt hätten, wären sie bereits während des Asylverfahrens
bekannt gewesen. Dies ist vorliegend klar der Fall. Der Ehemann der Be-
schwerdeführerin H._ reiste erst am 8. August 2014 und damit erst
nach dem Abschluss des Asylverfahrens der Beschwerdeführerin (Ergehen
des gutheissenden Entscheides vom 1. Mai 2014) in die Schweiz ein und
wurde somit auch erst nach dem Abschluss des Asylverfahrens der Be-
schwerdeführerin überhaupt erstmals zu seinen Asylgründen befragt. Erst
im Rahmen seines eigenen Asylverfahrens konnten sich somit aufgrund
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Seite 13
dessen unglaubhaften Angaben bezüglich seiner Desertion Zweifel an der
geltend gemachten Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin ergeben.
Unbehelflich ist die in der Beschwerde erhobene Rüge, wonach das SEM
aufgrund der Angaben von H._ im Rahmen der BzP vom 28. August
2014 den Sachverhalt in Bezug auf die Beschwerdeführerin zeitnaher hätte
ergänzend abklären müssen. Hierzu ist mit aller Deutlichkeit darauf hinzu-
weisen, dass dies für die Frage der Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a
AsylG nicht relevant ist, zumal keine Verwirkungsfrist besteht. Zusätzlich
ist zu berücksichtigen, dass der Ausgang des Aberkennungsverfahren di-
rekt vom Ausgang des Asylverfahrens des Ehemannes abhängt und dass
dieses erst im Februar 2020 rechtskräftig abgeschlossen wurde. Ferner
geht aus den Akten auch hervor, dass die Beschwerdeführerin zuvor gar
selber eine Sistierung ihres eigenen Aberkennungsverfahrens bis zum Ab-
schluss des Asylverfahrens ihres Ehemannes beantragt hat (vgl. Eingaben
vom 14. Januar 2020 und 13. Februar 2020).
7.3 Hinsichtlich des Einwandes in der Beschwerde, wonach das SEM auf-
grund des Nichteintretensentscheides vom 5. August 2015 mangels Zu-
ständigkeit nicht berechtigt gewesen wäre, in Bezug auf H._ ein
neues Asylverfahren durchzuführen beziehungsweise dieses wiederaufzu-
nehmen, ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer einen sol-
chen Einwand im Rahmen des in Rechtskraft erwachsenen Asylverfahrens
hätte vorbringen müssen. Immerhin ist in diesem Zusammenhang festzu-
halten, dass das SEM aufgrund des Gesuches des Beschwerdeführers um
Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau eine Prüfung der ei-
genen Asylgründe des Beschwerdeführers vornahm, was absolut nachvoll-
ziehbar erscheint, weil ja die geltend gemachte Verfolgungslage der Be-
schwerdeführerin direkt von derjenigen ihres Ehemannes (und nicht umge-
kehrt) abhängt. Im Übrigen kann das SEM gemäss Art. 29a AsylV ein Asyl-
gesuch auch dann behandeln, wenn die Zuständigkeit eines anderen Staa-
tes festgestellt wurde. Bei der genannten Sachlage erweist sich auch das
weitere Vorbringen in der Beschwerde, entsprechend der aus der Sicht der
Beschwerdeführerin bestehenden Unzuständigkeit des SEM seien die an-
lässlich dieses Verfahrens gemachten Aussagen von H._ (im Rah-
men der Anhörung vom 22. Februar 2017) nicht verwertbar, als unbehelf-
lich. Dasselbe gilt für die Behauptung, dass H._ angeblich aufgrund
einer Traumatisierung im Rahmen der Anhörung nicht in der Lage gewesen
sei, die mit der Flucht verbundenen Erlebnisse detailliert abzurufen, wes-
halb die entsprechenden Angaben nicht als Indiz für die Unglaubhaftigkeit
der Asylgründe der Beschwerdeführerin dienen könnten. Dies findet in den
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Akten keine Stütze. Entgegen der Auffassung in der Beschwerde ist im
Weiteren festzuhalten, dass das SEM auch nicht verpflichtet war, den Be-
schwerdeführer anlässlich der Befragungen darüber zu unterrichten, dass
sich seine Aussagen nachteilig auf den Flüchtlingsstatus seiner Ehefrau
auswirken könnten, unterliegt dieser der allgemeinen Wahrheitspflicht, wo-
mit eine Verletzung von Treu und Glauben im Sinne von Art. 9 BV vorlie-
gend klar zu verneinen ist.
7.4 Wie bereits festgestellt, ist angesichts der als unglaubhaft erachteten
Verfolgung von H._ der geltend gemachten Reflexverfolgung der
Beschwerdeführerin wegen H._ direkt die Grundlage entzogen. Im
Weiteren hat das SEM im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum beabsich-
tigten Aberkennungs- und Widerrufsverfahrens mit Schreiben vom 19. No-
vember 2019 die Beschwerdeführerin ausführlich und mit entsprechenden
Quellenangaben damit konfrontiert, dass ihre Angaben im Asylverfahren
von denjenigen ihres Ehemannes H._ in zentralen Punkten abwei-
chen würden. Die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz erweisen
sich als absolut zutreffend und betreffen zentrale Aspekte der Asylvorbrin-
gen.
Wie das SEM zutreffend festhielt, liegen unüberbrückbare Widersprüche in
der Darstellung vor, ob der Ehemann des Beschwerdeführers noch wäh-
rend der Dauer seines Urlaubs aus Eritrea ausgereist ist oder ob er – wie
von der Beschwerdeführerin behauptet – noch über ein halbes Jahr (sie-
ben Monate, vgl. A16, F46) irregulär über die Urlaubsdauer bei ihr verblie-
ben und sogar noch von der Truppe bei ihr zuhause zwangsweise abgeholt
und eingezogen worden sei (A16, F48).
Als geradezu lebensfremd und als nicht logisch zu erklären erweist sich
der offene Widerspruch zwischen den Angaben der Beschwerdeführerin
und ihrem Gatten, ob der gemeinsame Sohn K._ im Zeitpunkt der
Ausreise des Ehemannes schon geboren war oder ob die Beschwerdefüh-
rerin zum damaligen Zeitpunkt erst schwanger gewesen ist. Die Geburt des
eigenen Kindes stellt einen der zentralsten Augenblicke im Leben von El-
tern dar. Dies gilt noch im verstärkten Masse, wenn es sich wie vorliegend
um die Geburt des ersten Kindes handelt. Der Umstand, dass der Ehe-
mann H._ angegeben hat, seine Ehefrau sei zum Zeitpunkt seiner
Ausreise noch schwanger gewesen und er habe sein Kind als Baby über-
haupt nie gesehen (vgl. A46, F35, F36, F88), während die Beschwerdefüh-
rerin hierzu angab, das Baby sei damals drei Monate alt gewesen, als die
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Truppen den Ehemann zuhause abgeholt hätten, stellt einen unüberbrück-
baren Widerspruch dar.
Auch die angeblichen Geschehnisse im zeitlichen Nachgang der Ausreise
des Ehemannes sind widerspruchsbehaftet. So bringt die Beschwerdefüh-
rerin vor, aufgrund ihrer Schwangerschaft habe sich ihr eigener Vater frei-
willig gemeldet, an ihrer Stelle ins Gefängnis zu gehen (vgl. A16, F59).
Demgegenüber behauptet der Ehemann der Beschwerdeführerin, sein ei-
gener Vater (also jener des Ehemannes) habe anstelle seiner Ehefrau ins
Gefängnis gehen müssen (vgl. A46, F41 und F96). Die Angaben, welche
Person im Nachgang zu einer Desertion in Haft versetzt wurde, stellt ein
zentrales Geschehen dar. Widersprüche hierzu wiegen schwer. Die ent-
sprechenden Widersprüche können denn auch nicht einfach mit sprachli-
chen Ungenauigkeiten erklärt werden. Dies umso mehr, als der Ehemann
der Beschwerdeführerin die entsprechenden Angaben mehrfach tätigte
und sogar mit den Widersprüchen zu den Schilderungen seiner Ehefrau
direkt konfrontiert wurde (vgl. A46, F96).
Auch die übrigen von der Vorinstanz aufgezeigten Widersprüche sind zu
bestätigen und werden nicht aufgelöst. So hat der Ehemann H._
abweichend von der Aussage der Beschwerdeführerin, dass ihr Ehemann
nach Äthiopien ausgereist sei (vgl. A16 S. 16), selber angegeben, Eritrea
in Richtung Sudan verlassen zu haben und nie in Äthiopien gewesen zu
sein (vgl. A46 S. 8). Der im Rahmen der Stellungnahme vom 6. April 2020
vorgebrachte Erklärungsversucht, wonach es sich bei der Aussage der Be-
schwerdeführerin lediglich um eine Annahme gehandelt habe, vermag
nicht zu überzeugen. Dies gilt auch für die Entgegnung in der Beschwerde,
wonach H._ bloss von seiner Ehefrau erfahren habe, dass diese
zwei oder drei Monate in Haft gewesen sei, gab die Beschwerdeführerin
doch an, sechs Monate inhaftiert gewesen zu sein, was eine deutliche zeit-
liche Differenz darstellt.
7.5 Die vorgenannten Widersprüche betreffen wesentliche Vorbringen und
betreffen zentrale Aspekte der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin. Die
mehrfachen offenen Widersprüche können weder im Rahmen des rechtli-
chen Gehörs noch auf Beschwerdeebene entkräftet werden. Angesichts
der Unglaubhaftigkeit der Desertion von H._ und den dargelegten
Widersprüchen ist somit erstellt, dass die Beschwerdeführerin unwahre An-
gaben gemacht hat. Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, die auf bloss
versehentliche oder unbewusste Falschaussagen der Beschwerdeführerin
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hindeuten. Aufgrund der Aktenlage geht hervor, dass die Beschwerdefüh-
rerin wissentlich und willentlich Falschangaben gemacht hat, um die
Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung zu erschleichen. Das Even-
tualbegehren um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständi-
gen Sachverhaltsfeststellung ist im Übrigen mangels Notwendigkeit abzu-
weisen, da die Sachlage ausreichend erstellt ist.
7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die in Art. 63 Abs. 1 Bst. a
AsylG statuierten Voraussetzungen erfüllt sind, weshalb die Vorinstanz den
Beschwerdeführenden zu Recht gestützt darauf die Flüchtlingseigenschaft
aberkannt und das Asyl widerrufen hat.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen sind die mit
der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG, da die Rechtsbegehren
nicht zum Vornherein aussichtslos erschienen und die Nachweise der Be-
dürftigkeit erbracht wurden, gutzuheissen. Somit sind keine Verfahrenskos-
ten zu erheben.
9.2 Den Beschwerdeführenden wird die unentgeltliche Rechtsverbeistän-
dung im Sinne von Art. 102m AsylG zugesprochen und lic. iur. Thomas
Grossen, Rechtsanwalt, advokaturbüro kernstrasse, 8021 Zürich, als amt-
licher Rechtsbeistand eingesetzt.
9.3 Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Indessen lässt sich
der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Aktenlage zuverlässig
abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet werden
kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massge-
benden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) und der Entschädigungs-
praxis in vergleichbaren Fällen wird zulasten der Gerichtskasse ein amtli-
ches Honorar von insgesamt Fr. 1’200.– (inkl. Auslagen und allfälliger
MwSt.) zugesprochen.
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