Decision ID: 24945775-6e17-44c3-bb04-20fdc05f468d
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Sozialamt der Stadt St. Gallen, Brühlgasse 1, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ war vom 4. bis 23. Januar 2006 notfallmässig in der Psychiatrischen Klinik
B._ hospitalisiert. Die dort behandelnden Ärztinnen diagnostizierten im
Austrittsbericht vom 24. Januar 2006 eine psychische und eine Verhaltensstörung,
verursacht durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum sonstiger psychotroper
Substanzen, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung (ICD-10:
F19.21), sowie eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und
Sozialverhalten (ICD-10: F43.25). Der Versicherte sei bei gutem und stabilem
psychischem Zustand ausgetreten und verfüge bei Austritt über eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Insgesamt imponiere er durch einen parasitären Lebensstil mit
deutlich dissozialen Merkmalen. Für die von ihm gewünschte IV-Anmeldung finde sich
aktuell "kein wie immer geartetes Substrat" (act. G 3.13-3 ff.).
A.b Am 30. September 2008 (Eingang bei SVA: 10. November 2008) meldete sich der
Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen an (act. G 3.1). Vom 13. November bis
26. November 2008 war er im Rahmen eines angeordneten fürsorgerischen
Freiheitsentzugs erneut in der Psychiatrischen Klinik B._ hospitalisiert. Die dort
behandelnden Arztpersonen diagnostizierten im Austrittsbericht vom 25. November
2008 eine psychische und eine Verhaltensstörung durch multiplen Substanzgebrauch
und Konsum anderer psychotroper Substanzen, mit schizophreniformer, psychotischer
Störung (ICD-10: F19.50). Als Differentialdiagnose führten sie eine
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischer, emotional instabiler, unreifer und abhängiger
Akzentuierung (ICD-10: F61.0) an. Somatischerseits bestehe eine Hyperbilirubinämie.
Auffallend sei die rezidivierende Nachfrage für eine IV-Rente gewesen. Die Entlassung
sei auf Wunsch des Versicherten bei fehlender Selbst- und Fremdgefährdung erfolgt
(act. G 3.13-20 ff.).
A.c Am 15. Dezember 2008 fand zwischen Dr. med. C._, Facharzt für
Arbeitsmedizin FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz und dem
behandelnden Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, ein
Frühinterventionsgespräch statt. Der behandelnde Arzt berichtete, der Versicherte leide
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an einer paranoiden Schizophrenie und an einer passageren Polytoxikomanie (Heroin,
Cannabis). Er sei beruflich nicht integrierbar und könne einem Arbeitgeber nicht
zugemutet werden (Gesprächsprotokoll vom 17./18. Dezember 2008, act. G 3.13.1 f.).
A.d Die RAD-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
kam in der Stellungnahme vom 29. Januar 2009 zum Schluss, dass beim Versicherten
vermutlich eine sekundäre Polytoxikomanie vorliege. Psychiatrisch sei ein Zustand
nach akuter schizophreniformer Störung im Rahmen einer Polytoxikomanie, DD
kombinierte Persönlichkeitsstörung, festgestellt worden. Insgesamt sei die Diagnose
noch unklar und könne erst nach einer Drogenabstinenz von mindestens sechs
Monaten beurteilt werden (act. G 3.16). Im Schreiben vom 3. Februar 2009 forderte die
IV-Stelle den Versicherten unter Hinweis auf die ihm obliegenden Mitwirkungs- und
Schadenminderungspflichten sowie auf die Konsequenzen bei deren Missachtung zu
einer sechsmonatigen Drogen- und Alkoholabstinenz auf (act. G 3.17). Der Versicherte
verlangte am 20. Februar 2009 bezüglich der verlangten Drogen- und Alkoholabstinenz
den Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung. Er brachte vor, dass er grosse
psychische Probleme habe, die kausal für seine Erwerbsunfähigkeit seien. Er sei seit
Dezember 2008 in Behandlung bei Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie (act. G 3.23).
A.e Im von der IV-Stelle eingeholten Bericht vom 15. Mai 2009 diagnostizierte
Dr. F._ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine psychische Störung durch
multiplen Substanzgebrauch (Heroin, Kokain und Alkohol) mit vorwiegender
Verhaltensstörung und fraglicher schizophreniformer psychotischer Störung (ICD-10:
F19.2) sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit asozialen und narzisstischen
Anteilen (ICD-10: F61). Während des Erstgespräches am 29. Dezember 2008 habe der
Versicherte geäussert, er sei nur deshalb gekommen, weil er ein
Arbeitsunfähigkeitszeugnis für das Sozialamt brauche. Die Arbeitsfähigkeit sei aktuell
nicht beurteilbar, zumal der Versicherte ständig intoxikiert sei. Unabhängig der
Suchtproblematik bestehe eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, die sich vor allem
dadurch äussere, dass der Versicherte schon seit etlichen Jahren durch eine parasitäre
Lebensweise und durch eine ständige Verletzung der Gesellschaftsregeln auffalle,
wenig oder gar keine Bemühungen zeige, sich in das Arbeitsleben zu integrieren sowie
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ziemlich zielstrebig eine IV-Rente anstrebe. Bei dieser Haltung sei mit einer
Arbeitsfähigkeit kaum zu rechnen (act. G 3.30).
A.f Der RAD beschloss am 23. Juni 2009 die Durchführung einer RAD-ärztlichen
psychiatrischen Untersuchung, da eine Psychose durchaus für die Situation des
Versicherten verantwortlich sein könne (Stellungnahme vom 23. Juni 2009, act. G 3.31).
Die RAD-ärztliche Untersuchung fand am 21. Oktober 2009 durch Dr. med. G._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, statt. Im Untersuchungsbericht vom
10. November 2009 diagnostizierte der Experte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit antisozialen, emotional instabilen und
impulsiven Anteilen (ICD-10: F61.0). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bestünden ein Abhängigkeitssyndrom bei multiplem Substanzgebrauch (Cannabis,
Kokain, Morphin), gegenwärtiger Konsum vorgenannter Substanzen (aktive
Abhängigkeit; ICD-10: F19.24) sowie durch Alkohol und psychotrope Substanzen
bedingte psychische und Verhaltensstörungen (ICD-10: F19.8), DD: schizophreniforme
psychotische Störung (ICD-10: F19.50). So wie sich der Versicherte zum
Drogenkonsum und dessen Beginn einlasse, sei von einer primären Sucht auszugehen.
Hinweise auf eine zu süchtigem Verhalten hinführende traumatische Schädigung im
Kindes- und Jugendalter ergäben sich nicht. Für alle körperlich dauernd
mittelschweren und vorübergehend schweren körperlichen Tätigkeiten bestehe eine
100%ige Arbeitsfähigkeit. Die Drogenabhängigkeit und die dadurch bedingten
psychischen Störungen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (act.
G 3.38-10).
A.g Am 3. Dezember 2009 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie auf den
Nachweis einer Drogen- und Alkoholabstinenz verzichte. Die entsprechende
Aufforderung vom 3. Februar 2009 sei in diesem Sinn "nichtig" (act. G 3.40).
A.h Im Vorbescheid vom 5. Januar 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen, da er für alle körperlich dauernd
mittelschweren und vorübergehend schweren Tätigkeiten über eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit verfüge (act. G 3.43). Dagegen erhob der Versicherte am 29. Januar
2010 Einwand (act. G 3.44). Die behandelnde Dr. F._ berichtete der IV-Stelle am
15. Februar 2010 über den aktuellen Zustand des Versicherten, ohne sich zur
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Arbeitsfähigkeit zu äussern. Sie diagnostizierte eine psychische Störung durch
multiplen Substanzgebrauch (Heroin, Cannabis, Alkohol) mit intermittierenden
psychotischen Symptomen und Verhaltensstörung (ICD-10: F19.2) sowie eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit passiv aggressiven, narzisstischen und
asozialen Anteilen (ICD 10: F61; act. G 3.46).
A.i Nach Rücksprache mit dem RAD (vgl. dessen Stellungnahme vom 6. April 2010,
act. G 3.47) wies die IV-Stelle das Rentengesuch des Versicherten in der Verfügung
vom 6. April 2010 ab (act. G 3.48).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 6. April 2010 richtet sich die vorliegende Beschwerde.
Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren
Aufhebung und die Zusprache einer Rente. Sofern notwendig sei ein medizinisches
Gutachten zu erstellen und gestützt darauf eine Rente zuzusprechen. Zur Begründung
bringt er im Wesentlichen vor, dass die behandelnde Dr. F._ die Meinung vertrete, er
sei nicht in der Lage, einer Arbeit nachzugehen. Es stehe daher fest, dass er nicht nur
aufgrund seines Drogenkonsums nicht arbeitsfähig sei, sondern dass er eine
gravierende psychische Störung aufweise. Selbst wenn er wenigstens einer
Teilzeitarbeit nachgehen könnte, sei nicht nachvollziehbar, wie er als ungelernter
Hilfsarbeiter ein Invalideneinkommen von Fr. 61'464.-- erzielen könnte (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 21. Juni 2010
die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, dass von einer primären
Sucht auszugehen sei. Die Drogensucht des Beschwerdeführers begründe kein
invalidisierendes Leiden (act. G 3).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 29. Juni 2010 wird dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung entsprochen
(act. G 4).
B.d Der Beschwerdeführer verzichtet auf eine Replik (act. G 6).

Erwägungen:
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1.
Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers umstritten.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).
1.2 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinn von Art. 4 Abs. 1 IVG in
Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant
gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei
Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten,
abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv
bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur
soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die
Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-
praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 50 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3 Gemäss ständiger Rechtsprechung begründet eine Drogensucht (wie auch eine
Alkoholsucht) für sich allein keine Invalidität im Sinn des Gesetzes. Vielmehr wird diese
invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall
bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbs
fähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selbst
Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem
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Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 268 E. 3c). Dabei ist das Ganze für die
Drogensucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung
einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist
(Urteil des Bundesgerichts vom 30. Mai 2011, 8C_951/2010, E. 4.1 mit Hinweis).
2.
Aus der medizinischen Aktenlage ergibt sich, dass dem Suchtgeschehen des
Beschwerdeführers keine relevante Erkrankung zugrunde liegt.
2.1 Zunächst bestehen keine Auffälligkeiten in der Kindheit des Beschwerdeführers
(act. G 3.13-20). Geburtskomplikationen, Entwicklungsprobleme, schwere Krankheiten
oder Unfälle mit möglichen Folgen für das Zentralnervensystem ergeben sich nicht aus
den Akten (act. G 3.13-27, G 3.30-2 und G 3.38-1; zur ausdrücklichen Verneinung von
Hinweisen auf eine zu süchtigem Verhalten hinführende traumatische Schädigung im
Kindes- und Jugendalter durch den RAD-Experten vgl. act. G 3.38-9). Zwar sei der
Beschwerdeführer ein schlechter Schüler gewesen. Indessen besuchte er im Ausland
während sieben Jahren die Schule, danach in der Schweiz eine Deutschklasse und
schliesslich die Realschule (act. G 3.22-3). Eine Lehre zum Maurer musste er
abbrechen, weil er in der Schule schlecht gewesen sei. Hingegen bestehen keine
Anhaltspunkte für einen krankheitsbedingten Abbruch. Vielmehr scheint dieser Abbruch
auf den täglichen Cannabis- und hohen Alkoholkonsum (4 Liter Bier pro Tag; act.
G 3.13-27) zurückzuführen zu sein. Damit geht einher, dass der Drogenkonsum
"spontan" aufgenommen worden sei (act. G 3.38-2). Im Übrigen absolvierte der
Beschwerdeführer im Februar 1999 einen Kurs in Materialbewirtschaftung (40
Lektionen) mit dem Prädikat sehr gut (act. G 3.22). Bereits seit dem 14. Lebensjahr
habe er Cannabis konsumiert (fast täglich 5 Joints/Tag). Von 1996 bis 1999 habe er an
den Wochenenden Ecstasy eingenommen, seit 2006 Heroin (nasal 2-3 Mal/Woche) und
LSD konsumiert (act. G 3.13-21).
2.2 Mangels Anhaltspunkte für eine dem Suchtgeschehen zugrunde liegende
Erkrankung und mit Blick auf die genannte Suchtmittelbiographie ist die
Suchtmittelerkrankung nicht als Folge eines psychischen Gesundheitsschadens und
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daher - mit dem RAD-Experten (act. G 3.38-9) - als von primärer Natur zu qualifizieren.
Damit geht einher, dass auch Dr. F._ die festgestellten psychischen Einschränkungen
auf den Suchtmittelkonsum zurückführte (act. G 3.30-3). Deren Folgen und
Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers haben daher
invalidenversicherungsrechtlich unberücksichtigt zu bleiben.
3.
Zu prüfen bleibt, ob eine von der Sucht unabhängige Erkrankung oder Folgeerkrankung
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit für eine leidensangepasste Tätigkeit besteht.
3.1 Dr. F._ führte im Bericht vom 15. Mai 2009 aus, dass unabhängig von Drogen-
und Alkoholkonsum seit mindestens fünf Jahren eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung bestehe, die sich vor allem dadurch äussere, dass der
Beschwerdeführer schon seit etlichen Jahren durch eine "parasitäre Lebensweise" und
durch eine ständige Verletzung der Gesellschaftsregeln auffalle, wenig oder gar keine
Bemühungen zeige, sich in das Arbeitsleben zu integrieren sowie ziemlich zielstrebig
(was sich auch in den Austrittsberichten der zwei stationären Aufenthalte widerspiegle)
eine IV-Rente anstrebe. Bei dieser Haltung sei mit einer Arbeitsfähigkeit kaum zu
rechnen (act. G 3.30-4). Aus diesen Äusserungen kann indessen nicht auf eine
invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden. Denn
Dr. F._ begründet ihre Auffassung einzig mit der Haltung des Beschwerdeführers und
benennt keine objektiven Gesichtspunkte, welche die Verwertung einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit als unzumutbar erscheinen lassen würden. Hinzu kommt, dass sie die
Umstände, die aus ihrer Sicht zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit führen, einzig
auf den Suchtmittelkonsum zurückführte (act. G 3.30-3). Der RAD-Experte bestätigte
im Untersuchungsbericht vom 10. November 2009 die Diagnose einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung, verneinte indessen eine quantitative Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit und ging von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus (act. G 3.38-8 ff.).
Die RAD-ärztliche Sichtweise wird durch die Austrittsberichte der Psychiatrischen Klinik
B._ bestätigt. Im Bericht vom 24. Januar 2006 gaben die damals behandelnden
Ärztinnen an, dass sich für eine IV-Anmeldung kein wie immer geartetes Substrat
finden lasse. Sie bescheinigten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bei Austritt (act.
G 3.13-15 f.). Während des Aufenthaltes im November 2008 diagnostizierten die
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Arztpersonen der Psychiatrischen Klinik B._ differentialdiagnostisch eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung, die jedoch auf den multiplen Substanzgebrauch zurückgeführt
(act. G 3.13-22), mithin nicht als unabhängige Folgeerkrankung beschrieben wurde,
was ebenfalls gegen eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit
spricht.
4.
Zusammenfassend bestehen keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten, vom
Suchtgeschehen unabhängigen Folgeerkrankungen bzw. Erkrankungen. Doch selbst
wenn - neben den durch das primäre Suchtgeschehen verursachten Beschwerden -
von einem psychiatrischen Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen
wäre, so ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von dessen Überwindbarkeit
auszugehen (vgl. hierzu vorstehende E. 1.2), dies umso mehr, als der
Beschwerdeführer über einen aktiven Alltag (Laufen und Velofahren; Ausgang,
Kinobesuche und gemeinsames Fernsehen mit Kollegen, "oft" Diskothekenbesuche in
Zürich; act. G 3.38-3) und über hinreichende kognitive Fähigkeiten verfügt, stundenlang
am PC zu spielen (Kartenspiele, Autorennen; act. G 3.38-3). Es ist daher nicht zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf die überzeugende RAD-
Beurteilung vom 10. November 2009 ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
keinen rentenbegründenden Invaliditätsgrad ermittelt hat. Ein Anlass für weitere
medizinische Abklärungen, wie sie vom Beschwerdeführer gefordert werden (act. G 1),
gibt es nicht, zumal keine Zweifel am RAD-Bericht vom 10. November 2009 bestehen
und auch der Beschwerdeführer gegen dessen Beweiskraft keine konkreten Mängel
benennt.
5.
Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten ist
der Invaliditätsgrad zu bestimmen. Da bezüglich des Valideneinkommens keine
verlässliche Grundlage vorhanden und betreffend das Invalideneinkommen auf die
Tabellenlöhne abzustellen ist, rechtfertigt sich das Vorgehen der Beschwerdegegnerin,
die Vergleichseinkommen (Validen- und Invalideneinkommen) auf der gleichen
Grundlage zu erheben (act. G 3.48). In derartigen Fällen, wo zur Bestimmung des
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Validen- und Invalideneinkommens dieselbe Vergleichsgrösse herangezogen wird,
kann ein sogenannter Prozentvergleich vorgenommen werden. Diesfalls entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges
vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 9. März 2007, I 697/05, E. 5.4 mit
Hinweis). Die Frage, ob überhaupt und gegebenenfalls in welcher Höhe sich vorliegend
ein Tabellenabzug rechtfertigen würde, kann offen gelassen werden, weil selbst bei
Berücksichtigung des höchstzulässigen Tabellenabzugs ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultiert. Die Rentenabweisung der Beschwerdegegnerin erfolgte
damit zu Recht.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Prozessführung am 29. Juni
2010 bewilligt (act. G 4). Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse dem Beschwerdeführer
es gestatten, kann er jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden
(Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG i.V.m. Art. 404 ZPO/CH).
6.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP