Decision ID: 843432b8-2a4c-5ac6-9b11-91bbc8b0bde1
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger und eth-
nischer Hazara – verliess gemäss eigenen Angaben sein Heimatland im
(...) 2015. Über den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien,
Kroatien, Slowenien und Österreich sei er am 1. November 2015 in die
Schweiz gelangt, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 16. Novem-
ber 2015 wurde er zu seiner Person und zum Reiseweg befragt (Befragung
zur Person [BzP]). Am 6. November 2017 wurde er eingehend zu den Asyl-
gründen angehört.
A.b Dabei gab er im Wesentlichen an, er sei in B._ (Distrikt
C._, Provinz D._) geboren und – mit Ausnahme einiger
Jahre, als seine Familie in E._ gelebt habe – aufgewachsen. Eine
Schule habe er nie besucht; er habe aber in Kursen etwas Lesen und
Schreiben gelernt. Sein Vater sei (...) gewesen und im Jahre 1998/1999
von den Taliban entführt und vermutlich umgebracht worden. Die letzten
sieben Jahre vor seiner Ausreise habe er mit Geschäftspartnern ein (...) in
E._ betrieben. Im Jahre 2009 habe er geheiratet und sei Vater (...)
Kinder. Sodann habe er sich im Jahre 2011 zehn Tage lang in Indien auf-
gehalten, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen.
Er habe sich mit F._, einem Kommandanten der Lokalpolizei Arbaki,
angefreundet. Dieser und seine Leute hätten bei ihm (...). F._ und
er seien manchmal auch zusammen nach Hause gefahren. Bei einer krie-
gerischen Auseinandersetzung der Taliban mit den Arbaki unter Komman-
dant F._ seien mehrere Talibankämpfer getötet worden. Dabei sei
ein Verwandter eines paschtunischen (...)nachbarn ums Leben gekom-
men. Letzterer habe ihn (den Beschwerdeführer) in der Folge bei den Tali-
ban als Unterstützer von F._ denunziert. Der Talibanführer
G._ habe ihn daraufhin angerufen und ihm vorgeworfen, er würde
F._ finanziell unterstützen, und er sei aufgefordert worden, sich von
F._ fernzuhalten und sich den Taliban zu stellen. Die Taliban hätten
auch realisiert, dass sein Vater ein (...) gewesen sei. Wenig später sei
Kommandant F._ aus einem Hinterhalt angegriffen und getötet wor-
den. Danach habe G._ wieder angerufen, ihn (den Beschwerdefüh-
rer) bedroht und ihn erneut aufgefordert, sich zu stellen. Wegen der Bedro-
hungen habe er bei den lokalen Sicherheitsbehörden Anzeige erstattet ge-
gen die Taliban und G._. In der Folge hätten ihn die Taliban zu
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Hause gesucht, als er nicht zu Hause gewesen sei. Sie hätten sich gegen-
über seiner Mutter als Freunde ausgegeben. Glücklicherweise sei er da-
mals nicht zu Hause gewesen, denn seine Mutter habe durch das abge-
schlossene Tor gehört, wie die Männer gesagt hätten, sie hätten ihn (den
Beschwerdeführer) ansonsten an Ort und Stelle fertiggemacht. Seine Frau
habe ihm telefonisch davon berichten können, worauf er zu Freunden ge-
fahren sei. Ein Bekannter habe ihn vor der Rache der Taliban gewarnt und
zur Flucht geraten. Nach seiner Ankunft in der Schweiz habe er erfahren,
dass sein Schwager, zu dem seine Frau mit den Kindern nach E._
geflüchtet sei, seinetwegen von Paschtunen getötet worden sei. Er (der
Beschwerdeführer) habe danach dafür gesorgt, dass seine Familie sich zu
einem Verwandten in den Iran habe begeben können.
A.c Zum Beleg seiner Identität und zur Untermauerung seiner Vorbringen
reichte der Beschwerdeführer im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens
folgende Beweismittel zu den Akten:
- Abgelaufener Reisepass
- Afghanischer Führerausweis
- Tazkara
- 8 Fotos
- Anzeige wegen Bedrohung durch die Taliban mit angefügten Bemerkungen und An-
weisungen von Sicherheitsbehörden, "geprüft" am (...)2015
- Bestätigungsschreiben der (...) vom (...) 2016
B.
Mit Schreiben vom 30. November 2017 zeigte der rubrizierte Rechtsvertre-
ter dem SEM die Mandatsübernahme an. Gleichzeitig liess er dem SEM
eine Stellungnahme des Beschwerdeführers zukommen, wonach dieser
keine weiteren Beweismittel habe beschaffen können.
C.
Am 21. Dezember 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Übersetzung
der oben erwähnten Anzeige nach (vgl. Bst. A.c).
D.
Mit Eingabe vom 29. August 2018 liess der Beschwerdeführer dem SEM
einen Aufnahmebericht der Spital (...) vom (...) 2018 und einen ärztlichen
Bericht der Spital (...) vom (...) 2018 zukommen. Diesen Unterlagen sei zu
entnehmen, dass bei ihm ein Status nach (...) im Zusammenhang mit Ver-
letzungen aufgrund eines Bombenanschlags in Afghanistan im Jahre 2008
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bestehe. Auch gehe daraus hervor, dass er unter einer mittelgradigen de-
pressiven Episode mit somatischem Syndrom leide. Zudem sei von einer
posttraumatischen Belastungsstörung auszugehen. Eine medikamentöse
Behandlung sowie eine psychiatrische Begleitung seien notwendig.
E.
Am 3. September 2018 teilte der Rechtsvertreter dem SEM mit, es sei im
Arztbericht ein Fehler unterlaufen. Der erwähnte Bombenanschlag habe im
Jahr 2001 stattgefunden.
F.
Mit Verfügung vom 29. Oktober 2018 – eröffnet am 30. Oktober 2018 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz an. Den Wegweisungsvollzug schob es jedoch infolge Unzu-
mutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
G.
Mit Eingabe vom 29. November 2018 erhob der Beschwerdeführer mittels
seines Rechtsvertreters gegen die Verfügung des SEM beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei ihm Einsicht in die Ak-
ten A2/2, A4/10 und A6/1 zu gewähren, eventualiter sei ihm das rechtliche
Gehör betreffend die genannten Akten zu gewähren. Nach der Gewährung
der Akteneinsicht beziehungsweise nach der Gewährung des rechtlichen
Gehörs sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwer-
deergänzung anzusetzen. Des Weiteren sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Ab-
klärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neu-
beurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu
gewähren. Schliesslich wurde um Erlass der Verfahrenskosten und um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, eine Fürsorgebestä-
tigung vom (...) 2018 sowie zwei Schreiben der Spital (...) vom (...) 2018
und (...) 2018 bei.
H.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 7. Dezember 2018 den Ein-
gang der Beschwerde.
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I.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2018 wies der Instruktionsrich-
ter das SEM an, dem Beschwerdeführer in geeigneter Weise Einsicht in
das Aktenstück A4/10 zu gewähren oder eine allfällige Verweigerung der
Einsichtnahme zu begründen. Im Übrigen wurde der Antrag auf Aktenein-
sicht abgewiesen. Das SEM wurde weiter angewiesen, das Aktenstück
A2/2 in aussagekräftiger Weise in das Aktenverzeichnis aufzunehmen und
dem Beschwerdeführer eine Kopie des geänderten Verzeichnisses zukom-
men zu lassen. Die Anträge um Gewährung des rechtlichen Gehörs sowie
um Fristansetzung zur Beschwerdeergänzung wurden abgewiesen. So-
dann wurden die Gesuche um Erlass der Verfahrenskosten und um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses unter Vorbehalt einer
nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwer-
deführers gutgeheissen. Schliesslich wurde dem SEM Gelegenheit zur
Vernehmlassung eingeräumt.
J.
Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer beziehungsweise dessen
Rechtsvertreter mit Schreiben vom 8. Januar 2019 "ergänzende und modi-
fizierte Akteneinsicht". In der Folge teilte der Rechtsvertreter dem SEM mit
Schreiben vom 14. Januar 2019 mit, dass ihm das ergänzte Aktenverzeich-
nis nicht zugestellt worden sei. Die Korrespondenz mit dem SEM liess er
am 14. Januar 2019 in Kopie dem Gericht zukommen. Mit Schreiben vom
23. Januar 2019 stellte das SEM dem Rechtsvertreter das ergänzte Akten-
verzeichnis zu.
K.
Das SEM liess sich innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 15. Januar
2019 zur Beschwerde vernehmen.
L.
Mit Verfügung vom 17. Januar 2019 wurde der Beschwerdeführer eingela-
den, eine Replik zur Vernehmlassung des SEM einzureichen.
M.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
1. Februar 2019, welcher ein Schreiben der Spital (...) vom (...) 2019 bei-
lag.
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N.
Mit Schreiben vom 2. September 2019 liess der Beschwerdeführer ein ei-
genes Schreiben vom 8. August 2019 an seinen Rechtsvertreter die Situa-
tion seiner Familie betreffend nachreichen. Diese sei unterdessen nach
Griechenland gelangt, wo sie in einem Flüchtlingslager untergebracht sei.
O.
Mit Zwischenverfügung vom 18. August 2020 forderte der Instruktionsrich-
ter den Beschwerdeführer auf, dem Gericht seine aktuellen finanziellen
Verhältnisse offenzulegen.
P.
Mit Eingabe vom 2. September 2020 liess der Beschwerdeführer das aus-
gefüllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege", eine Beschei-
nigung ausbezahlter Sozialleistungen des (...) vom (...) 2020 (inklusive Kli-
entenkontoauszug), einen Lebenslauf sowie zwei Arbeitsverträge vom (...)
2020 und (...) 2020 einreichen.
Q.
Nachdem die Schweizer Behörden dem Übernahmeersuchen Griechen-
lands gestützt auf Art. 9 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-
fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem
Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(Dublin-III-VO) am 16. Dezember 2019 ausdrücklich zugestimmt hatten,
reiste die Ehefrau mit den Kindern am 8. Juli 2020 in die Schweiz ein. Ihre
am 13. Juli 2020 gestellten Asylgesuche wurden mit Verfügung des SEM
vom 12. August 2020 abgelehnt, wobei gleichzeitig anstelle des Vollzugs
der verfügten Wegweisung eine vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs verfügt wurde. Gegen diese Verfügung er-
hob die Ehefrau mittels des rubrizierten Rechtsvertreters mit Eingabe vom
10. September 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, welche
unter der Verfahrensnummer D-4488/2020 geführt wird. In jenem Verfah-
ren wurde um Vereinigung beziehungsweise Koordination mit dem vorlie-
genden Beschwerdeverfahren ersucht.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Das vorliegende Verfahren wird mit jenem der Ehefrau, H._, und
der Kinder (D-4488/2020) koordiniert geführt (vgl. Bst. Q).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des
Anspruchs auf Akteneinsicht, des Anspruchs auf rechtliches Gehör (welche
gleichzeitig eine Verletzung der Abklärungspflicht darstelle), der Pflicht zur
vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts,
des Willkürverbots und des Fairnessgrundsatzes geltend.
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4.2 Der Beschwerdeführer rügt, es sei ihm nicht korrekt Akteneinsicht ge-
währt worden beziehungsweise das SEM sei seiner Paginierungs- und Ak-
tenführungspflicht nicht ausreichend nachgekommen.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2018 wurde diese formelle
Rüge behandelt und die Vorinstanz angewiesen, teilweise Akteneinsicht zu
gewähren (vgl. Bst. I), welcher Aufforderung die Vorinstanz mit Schreiben
an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vom 8. Januar 2019 und
23. Januar 2019 nachkam (vgl. Bst. J). Die aus der unvollständig gewähr-
ten Akteneinsicht entstandene Verletzung des rechtlichen Gehörs ist als
geheilt zu betrachten. Inwiefern die erfolgte Heilung auf Beschwerdeebene
vorliegend relevant für den Kostenentscheid ist, ist im Kostenpunkt zu be-
urteilen.
4.3 Weiter wird moniert, das SEM habe es weitgehend unterlassen, die
eingereichten Beweismittel zu würdigen. Dies stelle eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör und des Willkürverbots dar. Das SEM
hätte die bewiesenen Tatsachen im Zusammenhang mit den nicht bewie-
senen Vorbringen in einer Gesamtbetrachtung würdigen müssen.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die eingereichten Be-
weismittel im Sachverhalt erwähnte und sich damit auch in den Erwägun-
gen rechtsgenüglich auseinandersetzte (vgl. angefochtene Verfügung
Ziff. II.2 und II.4). Wie die Beweismittel bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zu
gewichten sind, ist sodann eine Frage der materiellen rechtlichen Würdi-
gung. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder des Willkürverbots ist
nicht zu erkennen.
4.4 Der Beschwerdeführer erblickt eine weitere Gehörsverletzung darin, in-
dem das SEM in der Verfügung nicht erwähnt habe, dass seine Mutter die
Sprache Paschtu verstehe und deshalb die Taliban vor dem Tor habe ver-
stehen können, womit diese nicht hätten rechnen können.
Das SEM setzte sich in der angefochtenen Verfügung mit den wesentlichen
Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug auf seine Asylgründe ausei-
nander und bestritt nicht, dass die Mutter Paschtu verstehe. Dass die Tali-
ban nicht mit solchen Kenntnissen hätten rechnen können, ist dem Befra-
gungsprotokoll nicht zu entnehmen, sondern stellt eine neue Behauptung
auf Beschwerdeebene dar (vgl. Akten SEM A16/20 F69). Die Rüge ist so-
mit unbegründet.
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4.5 Eine Verletzung der Abklärungspflicht, weil das SEM sich im Wesentli-
chen darauf beschränkt habe zu behaupten, die Vorbringen seien nicht
glaubhaft beziehungsweise nicht asylrelevant, obwohl es zwingend weitere
Abklärungen, insbesondere eine weitere Anhörung, hätte durchführen
müssen, ist zu verneinen. Das SEM hat sich mit den wesentlichen Äusse-
rungen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt und die eingereichten
Beweismittel gewürdigt. Inwiefern der Sachverhalt nicht vollständig oder
nicht richtig abgeklärt worden sein sollte, ist nicht ersichtlich.
4.6 Weiter habe das SEM die Abklärungspflicht verletzt, indem es be-
haupte, die eingereichten Beweismittel – insbesondere die Anzeige bei den
Sicherheitsbehörden – hätten keinen Beweiswert, da diese leicht käuflich
seien. Ohne die Durchführung einer Dokumentenanalyse könne das SEM
nicht pauschal behaupten, dass es sich bei den eingereichten Beweismit-
teln um Fälschungen handle. Dieses Vorgehen sei willkürlich und rechts-
widrig.
Das SEM begründete in seiner Verfügung, worauf seine Zweifel an der Au-
thentizität der Anzeige bei den Sicherheitsbehörden beruhen, und hielt (un-
ter anderem) zutreffend fest, leicht käuflich erwerbbare Schreiben und Be-
stätigungen dieser Art seien aufgrund ihres niedrigen Beweiswerts nicht
geeignet, einen Sachverhalt zu belegen, der sich aus anderen Gründen als
unglaubhaft erwiesen habe (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. II.2). Die Vo-
rinstanz ist im Weiteren nicht verpflichtet, eine Dokumentenanalyse vorzu-
nehmen, wenn es davon ausgeht, dass die beigebrachten Beweismittel
leicht käuflich sind, und daher selbst die Feststellung der Echtheit keine
Aussagekraft hätte (vgl. etwa Urteil des BVGer D-5016/2018 vom 15. April
2020 E. 5.3).
4.7 Ferner wird eine Verletzung des Grundsatzes auf ein faires Verfahren
und der Abklärungspflicht gerügt, da die Anhörung mit sieben Stunden zu
lange gedauert habe. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts komme der Anhörung im Asylverfahren eine herausragende Be-
deutung zu.
Die Anhörung begann um 9:40 Uhr und dauerte bis 16:40 Uhr, wobei neben
einer Mittagspause von 40 Minuten zwei zusätzliche Pausen von je 20 Mi-
nuten eingelegt wurden, womit sich eine tatsächliche Anhörungsdauer von
fünf Stunden und 40 Minuten ergibt. Überdies waren die einzelnen Anhö-
rungsabschnitte zwischen den Pausen nicht übermässig lang (vgl. Akten
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SEM A16/20: Einmal knapp über zwei Stunden, im Übrigen deutlich darun-
ter). Im Übrigen ist festzuhalten, dass seitens des Beschwerdeführers kein
Rechtsanspruch auf eine kurze Anhörung und einen Abbruch besteht,
wenn sich ein höherer Zeitbedarf abzeichnet. In erster Linie ist massge-
bend, ob die angehörte Person in der Lage ist, der Anhörung zu folgen,
was nicht vordringlich anhand von starren zeitlichen Kriterien, sondern im
Rahmen einer individuellen Einschätzung ihrer Befindlichkeit zu beurteilen
ist. Aus dem Anhörungsprotokoll sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die
darauf hindeuten, dass aufgrund der Anhörungsdauer die Konzentration
des Beschwerdeführers beeinträchtigt gewesen wäre. Auch aus dem Un-
terschriftenblatt der Hilfswerksvertretung ergeben sich keine diesbezügli-
chen Hinweise. Es ist somit nicht ersichtlich, dass der Grundsatz des fairen
Verfahrens oder die Abklärungspflicht verletzt worden wären.
4.8 Schliesslich wird geltend gemacht, das SEM habe es unterlassen, den
Beschwerdeführer ausführlich zu den eingereichten Fotos zu befragen,
womit es die Abklärungspflicht, das Willkürverbot und den Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt habe.
Dies trifft nicht zu. Dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit eingeräumt,
sich zu den eingereichten Fotos zu äussern (vgl. Akten SEM A16/20 F39 f.,
42, 44 ff. und 49). Inwiefern eine ausführlichere Befragung oder anderwei-
tige Abklärungen angezeigt gewesen wären, ist nicht ersichtlich.
4.9 Nachdem sich die Rügen betreffend die Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs – mit Ausnahme des geheilten Mangels im Zusammenhang mit dem
Akteneinsichtsrecht – sowie der Abklärungspflicht als unbegründet erwie-
sen haben, stösst auch der Einwand ins Leere, damit liege zugleich eine
Verletzung des Willkürverbots sowie von Art. 7 AsylG vor. Soweit schliess-
lich wegen der Verletzung von Art. 7 AsylG die Aufhebung der Verfügung
und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz verlangt wird, wird verkannt,
dass es bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit um die materielle Würdi-
gung des Sachverhalts geht.
4.10 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der einzige Mangel der ange-
fochtenen Verfügung im Rahmen des Instruktionsverfahrens geheilt wor-
den ist, alle weiteren Rügen formeller Natur unbegründet sind und auch
kein Bedarf an weiteren Sachverhaltsabklärungen besteht. Bei dieser
Sachlage fällt eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung aus formellen
Gründen ausser Betracht, womit das Gericht einen Entscheid in der Sache
zu treffen hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
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5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Zur Begründung seines Entscheides führt das SEM aus, es erachte die
geltend gemachten Verfolgungsvorbringen einerseits als nicht glaubhaft
gemacht nach Art. 7 AsylG und andererseits auch als nicht asylrelevant
nach Art. 3 AsylG. Hätten die Taliban tatsächlich ein Verfolgungsinteresse
am Beschwerdeführer gehegt, so hätten diese ihn erwartungsgemäss be-
reits bedeutend früher zu behelligen begonnen, zumal er angegeben habe,
seine Verbindung zu F._ habe 2012/2013 – knapp drei bis vier
Jahre vor seiner Flucht ins Ausland – begonnen. Er selbst habe erklärt,
dass es in jedem Distrikt Afghanistans Taliban gebe und die Leute im Um-
feld seines Dorfes alles Paschtunen gewesen seien. Die Taliban würden
bekanntlich über vielfältige nachrichtendienstliche Möglichkeiten verfügen.
Zwar habe der Beschwerdeführer sinngemäss ausgeführt, er sei (erst
dann) bei den Taliban denunziert worden, als bei einem von F._
Truppen relativ kurz vor seiner Ausreise geführten Gefecht mehrere Taliban
getötet worden seien. Deswegen habe ein Verwandter eines der Gefalle-
nen ihn bei den Taliban denunziert. Diese Ausführungen würden indes an
der obenstehenden Würdigung nichts Grundlegendes ändern. Sodann
wirke angesichts der vom Beschwerdeführer beschriebenen Verankerung
der Taliban in der afghanischen Gesellschaft das von ihm geschilderte Ver-
halten wenig plausibel. Es werde nämlich nicht klar, weshalb er trotz dieser
soziopolitischen Verhältnisse überhaupt Anzeige erstattet und sich dadurch
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einer zusätzlichen Gefahr ausgesetzt haben sollte. Sodann seien seine
Schilderungen, nach seiner Anzeige bei der örtlichen Polizei durch mut-
massliche Taliban zu Hause gesucht worden zu sein, als fingiert zu qualifi-
zieren. Erwartungsgemäss hätten die Taliban angesichts ihrer nachrichten-
dienstlichen Möglichkeiten sein Wohnhaus beobachten lassen und seine
Ankunft abgewartet, um dann zuzuschlagen. Sie hätten sodann wohl kaum
ihre tatsächlichen Absichten (seine Liquidierung) offenbart, da sie damit
hätten rechnen müssen, ihn dadurch zu warnen und zur Flucht zu veran-
lassen. Sodann habe er gemäss dem von ihm eingereichten spitalärztli-
chen Aufnahmebericht vom (...) 2018 Afghanistan zusammen mit seiner
Familie verlassen. Nach einem kurzen Zwischenhalt im Iran sei er alleine
in die Schweiz migriert. Diese Angaben liessen sich indes nicht mit seinen
Ausführungen im Asylverfahren vereinbaren. Schliesslich falle auf, dass er
gegenüber der spitalärztlichen Institution zwar die lange zurückliegende
Verfolgung seines Vaters durch die Taliban, nicht aber die eigene (angebli-
che) Verfolgung durch diese Miliz erwähnt habe. Erwartungsgemäss hätte
er von seiner angeblichen, mit dieser Verfolgung verbundenen Gefähr-
dung, welche ihn zur fluchtartigen Ausreise gezwungen haben soll, auch
der Ärzteschaft berichtet. All diese Ungereimtheiten würden in einer Ge-
samtwürdigung zum Schluss führen, dass er sich auf eine konstruierte
Asylbegründung abstütze. Es erübrige sich, noch auf weitere Unstimmig-
keiten näher einzugehen.
Was die eingereichte Anzeige anbelange, stelle sich zunächst die Frage,
wie er über einen Mittelsmann überhaupt an das Originaldokument habe
kommen können, zumal dieses auch behördeninterne Bemerkungen und
Anweisungen enthalte. Allein schon deswegen würden sich erste Zweifel
am Aussagegehalt des Dokuments ergeben. Ausserdem seien gemäss
Einschätzung der Asylbehörden Schreiben und Bestätigungen dieser Art
leicht käuflich erwerbbar und würden somit grundsätzlich einen niedrigen
Beweiswert aufweisen. Dies habe zur Folge, dass sie nicht geeignet seien,
einen Sachverhalt zu belegen, der sich aus anderen Gründen als unglaub-
haft erwiesen habe. Zu den Fotos gelte es zu bemerken, dass durch sie
(mit Ausnahme der Fotos des Beschwerdeführers und wohl seiner Kinder)
nicht ausreichend belegt sei, dass überhaupt die von ihm angegebenen
Personen darauf abgebildet seien. Zudem könnten mit ihnen auch keine
asylrelevanten Sachverhaltselemente dokumentiert werden. Gleiches
gelte für die beiden übermittelten ärztlichen Berichte. Schliesslich bestehe
angesichts der Aktenlage auch kein Anlass, auf den Entscheid in der An-
hörung, die von ihm als Beweis für die telefonischen Drohungen offerierte
SIM-Karte wegen fehlender Relevanz abzulehnen, zurückzukommen. Er
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selbst habe zudem damals eingeräumt, dass die Anrufer ihre Rufnummer
jeweils unterdrücken würden.
Sodann sei aus seinem Vorbringen, während der Herrschaft der Taliban sei
seine Umgebung bombardiert worden, wobei er einmal erheblich verletzt
worden sei und sich deswegen im Jahre 2011 in Indien medizinisch habe
behandeln lassen müssen, zu folgern, dass die von der Asylpraxis gefor-
derten Ansprüche an die Qualität des Kausalzusammenhangs weder in
zeitlicher noch in sachlicher Hinsicht erfüllt seien. Soweit er sinngemäss
geltend mache, er werde auch deshalb von Verfolgung bedroht, weil sein
Vater (...) gewesen sei, könne diese Auffassung nicht geteilt werden. Die
Aktivitäten und die Verschleppung des Vaters würden bereits rund
20 Jahre und mehr zurückliegen. Ausserdem sei dieser Umstand den Leu-
ten in seinem Wohngebiet bekannt gewesen. Gemäss seinen sinngemäs-
sen Angaben sei ihm deswegen bis kurz vor der Ausreise nichts gesche-
hen. Schliesslich habe sich die angebliche fluchtauslösende Verfolgung
durch die Taliban als unglaubhaft erwiesen.
6.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, der Beschwerdeführer
habe eindeutig festgehalten, sein Freund F._ sei ab dem Jahr 1391
(2012/2013) in seinen (...) gekommen. Somit sei ersichtlich, dass von der
ersten Begegnung bis zur Flucht maximal zwei bis drei und nicht drei bis
vier Jahre vergangen seien. Er habe zwar den Kontakt zu F._ ge-
pflegt, allerdings sei er in keine von dessen kriegerischen Auseinanderset-
zungen oder sonstigen Beziehungen verwickelt gewesen. Die Beziehung
sei freundschaftlicher und geschäftlicher Art gewesen. Er habe anlässlich
der Anhörung glaubhaft geschildert, dass er (...) an F._ Leute ver-
kauft und manchmal mit F._ gemeinsam nach Hause gefahren sei.
Allerdings habe er sich nicht täglich, sondern nur gelegentlich mit
F._ getroffen. Es sei offensichtlich, dass er (der Beschwerdeführer)
den Taliban nicht von vornherein bekannt gewesen sei, insbesondere da
sich die Beziehung zu F._ erst kurz vor seiner Flucht intensiviert
habe. Er habe anlässlich der Anhörung detailliert geschildert, dass die Ver-
folgung durch die Taliban angefangen habe, nachdem – während des Kon-
flikts mit F._ – mehrere Taliban getötet worden seien, darunter auch
ein Verwandter seines Nachbarn I._. Es sei offensichtlich, dass sein
Kontakt zu F._ den Taliban erst durch die Aussage des Nachbarn
bekannt geworden sei, zumal die Taliban ihn erst nach dieser Meldung kon-
taktiert hätten. Daraus ergebe sich ebenfalls, dass die Taliban ihn durchaus
auf dem Radar gehabt hätten, der erwähnte Konflikt mit F._ aller-
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dings erst der Anstoss zur Verfolgung gewesen sei. Angesichts seiner de-
taillierten Aussagen sei nicht verständlich, weshalb diese als konstruiert
gelten sollten. Insbesondere sei willkürlich, dass das SEM zwar erwähne,
er sei bei den Taliban denunziert worden, als bei einem von F._
Truppen relativ kurz vor der Ausreise geführten Gefecht mehrere Taliban
getötet worden seien, es diesen Umstand allerdings nicht entsprechend
würdige und lediglich ausführe, diese Ausführungen vermöchten an der
Würdigung nichts zu ändern. Sodann sei nicht ersichtlich, weshalb sein
Verhalten nicht plausibel sein solle. Es stelle eine völlig normale Reaktion
dar, dass eine Bedrohung bei der Polizei gemeldet werde. Seine Aussage,
die afghanische Regierung würde zur Hälfte aus Taliban bestehen bezie-
hungsweise viele Leute hätten Beziehungen sowohl zur Regierung als
auch zur Taliban, habe sich nie auf die Polizei bezogen. Er habe eine ge-
wisse Hoffnung gehegt, als er bei der Polizei Anzeige erstattet habe, ins-
besondere da er auch den Kommandanten J._ gekannt habe, wel-
cher später ebenfalls von den Taliban getötet worden sei. Zudem habe die
Verfolgung der Taliban nicht erst nach der Anzeige bei der Polizei angefan-
gen, sondern bereits ab dem Konflikt zwischen den Taliban und F._.
Er habe erst nach der zweiten telefonischen Drohung und nachdem sein
Freund F._ bereits getötet worden sei, Anzeige bei der Polizei er-
stattet. Es sei offensichtlich, dass die Gefahr somit bereits vor der Anzeige
bei der Polizei bestanden habe und er sich nicht zusätzlicher Gefahr aus-
gesetzt habe. Weiter sei offensichtlich, dass die Ausführungen des SEM
nicht vollständig seien. Aus seinen (des Beschwerdeführers) Aussagen
gehe hervor, dass seine Mutter die Sprache Paschtu verstehe. Die Taliban
hätten sie offensichtlich auf Farsi angesprochen und seien davon ausge-
gangen, dass die Mutter die Sprache Paschtu nicht verstehe. Aus diesem
Grund hätten sie die entsprechende Aussage gegen ihn auch auf Paschtu
geäussert. Somit sei offensichtlich, dass die Taliban ihre Absichten – seine
Liquidierung – nicht offenbart und ihn dadurch auch nicht gewarnt hätten,
da sie im Glauben gewesen seien, es würde sie niemand verstehen. Es sei
davon auszugehen, dass das SEM entweder nicht in der Lage gewesen
sei, den Sachverhalt korrekt festzustellen und zu merken, dass in der Situ-
ation zwei verschiedene Sprachen gesprochen worden seien, oder das
SEM habe die Argumente selber konstruiert. Ausserdem behaupte das
SEM zu Unrecht und willkürlich, dass das angeblich unlogische Verhalten
von Drittpersonen (Taliban vor dem Tor) für die Unglaubhaftigkeit seiner
Aussagen spreche. Das angeblich unglaubhafte Verhalten Dritter könne
nicht zu seinen Ungunsten verwendet werden. Schliesslich gehe aus den
Schreiben der Spital (...) hervor, dass die erwähnten Berichte fehlerhaft
seien. Die Korrigenda würden eindeutig festhalten, dass er alleine, ohne
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die Familie ausgereist sei, und es sei offensichtlich, dass seine Ausführun-
gen anlässlich des Asylverfahrens korrekt seien. Zudem habe es offen-
sichtlich Verständigungsprobleme gegeben, aus welchen die besagten
Fehler resultiert hätten. Er trage an diesem Fehlverhalten Dritter allerdings
keine Schuld. Dass im erwähnten Arztbericht die eigene Verfolgung nicht
aufgenommen worden sei, könne ihm ebenfalls nicht vorgeworfen werden.
Aufgrund der Missverständnisse sei es zu einem massiven Zerwürfnis mit
den zuständigen medizinischen Fachpersonen gekommen. Was die Be-
weismittel anbelange, hätte das SEM zwingend eine Dokumentenanalyse
durchführen müssen. Zweitens habe das SEM willkürlich und zu Unrecht
behauptet, das eingereichte Dokument stelle eine Fälschung dar. Er habe
geschildert, wie er dieses Dokument erhalten habe. Es gehe nicht an, dass
das SEM das eingereichte Originaldokument derart pauschal ignoriere und
abschmettere. Vielmehr belege es die von ihm erlittene asylrelevante Ver-
folgung. Zudem würden die eingereichten Fotos sehr wohl das Umfeld der
erlittenen Verfolgung zeigen. Das SEM sei zu Unrecht von der Unglaubhaf-
tigkeit der Vorbringen ausgegangen. Er habe ausführlich und glaubhaft ge-
schildert, dass er von den Taliban mit dem Tod bedroht werde. Er sei ins
Visier der Taliban geraten und würde im Fall der Rückkehr nach Afghanis-
tan gezielt asylrelevant verfolgt. Die afghanischen Behörden seien weder
schutzfähig noch schutzwillig, um ihn vor der Verfolgung durch die Taliban
zu schützen. Die Verfolgung durch die Taliban sei ethnisch-politischer Na-
tur, da er Hazara sei. Sodann sei bereits sein Vater von den Taliban ermor-
det worden. Das SEM habe es unterlassen, diese Vorverfolgung im Ge-
samtzusammenhang zu würdigen. Die Verfolgung der Hazara betreffend
sei auf verschiedene Berichte zu verweisen, welche die anhaltend beste-
hende Diskriminierung, Marginalisierung und Gewaltanwendung gegen
Angehörige der Hazara-Minderheit aufzeigen würden. Aus diesen Berich-
ten gehe klar hervor, dass Angehörige der Hazara ernsthaften Nachteilen
aufgrund ihrer Ethnie und Religion (Shi'a) ausgesetzt seien und dass er als
Hazara somit zusätzlich begründete Furcht habe, ernsthaften, asylrelevan-
ten Nachteilen ausgesetzt zu sein, müsste er nach Afghanistan zurückkeh-
ren.
6.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM an seinen Erwägungen in der
angefochtenen Verfügung fest und führt ergänzend aus, gemäss seiner
Praxis würden als Beweismittel eingereichte Dokumente in der Regel kei-
ner materiellen Prüfung unterzogen, wenn sie erfahrungsgemäss käuflich
leicht erhältlich seien. Angesichts der käuflichen Erwerbbarkeit bestehe
nämlich auch die Möglichkeit, dass das Dokument zwar formal echt, inhalt-
lich jedoch falsch sei. Sodann würden im spitalärztlichen Schreiben vom
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(...) 2018 Abweichungen korrigiert und an die Aussagen des Beschwerde-
führers im Asylverfahren angepasst. Die Akten würden den Schluss zulas-
sen, dass diese Anpassungen auf Anweisung des Beschwerdeführers er-
folgt seien. Dadurch indes würden die im Entscheid angeführten Unge-
reimtheiten nicht ausreichend beseitigt. Im spitalärztlichen Bericht vom (...)
sei nämlich festgehalten worden, dass der Patient über ausreichende
Deutschkenntnisse für ein oberflächliches Gespräch verfüge. Diese Be-
merkung vermöge wohl kleinere Abweichungen, nicht aber derart gravie-
rende Unstimmigkeiten, wie sie im vorliegenden Fall aufgetreten seien, zu
erklären.
6.4 In der Replik wird geltend gemacht, die Argumentation des SEM, es sei
von der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts mittels einer Dokumentenanalyse befreit, sei willkürlich
und insbesondere von Voreingenommenheit und Befangenheit geprägt.
Erstens gehe das SEM in befangener Weise davon aus, das entspre-
chende Dokument sei käuflich erworben worden. Zweitens behaupte das
SEM – immer unter derselben willkürlichen Prämisse – dass die Dokumen-
tenanalyse ergeben könnte, dass das Dokument echt sei, aber der Inhalt
falsch. Gerade diese Argumentation illustriere die Wichtigkeit, eine ent-
sprechende Dokumentenanalyse durchzuführen, zumal das SEM selber
einräume, dass die Analyse die Echtheit des Dokuments ergeben könne.
Das SEM habe in Anbetracht von Art. 7 AsylG und aufgrund des Vorrangs
von Beweismitteln keinen Spielraum, die Durchführung einer Dokumen-
tenanalyse zu unterlassen. Es mache auch nicht geltend, eine solche sei
nicht möglich. Es stehe fest, dass der Beschwerdeführer ein Originalbe-
weismittel eingereicht habe und somit einen Anspruch habe – und das SEM
die Pflicht –, dieses Beweismittel vollumfänglich zu würdigen und einer Do-
kumentenanalyse zu unterziehen. Hinsichtlich des Arztberichts sowie des
spitalärztlichen Schreibens vom (...) 2018 versteige sich das SEM auf will-
kürliche und aktenwidrige Behauptungen. Die von Befangenheit geprägte
Argumentation des SEM impliziere, dass die entsprechenden ärztlichen
Fachpersonen beim Verfassen des Schreibens vom (...) 2019 aus Gefäl-
ligkeit sowie unter Einfluss des Beschwerdeführers gehandelt hätten. Aus
dem Schreiben gehe jedoch hervor, dass beim Gespräch mit dem Be-
schwerdeführer festgestellt worden sei, dass die Deutschkenntnisse nicht
für eine spezifischere, psychiatrische Behandlung genügen würden. Dem-
nach seien auch die Korrigenda nicht aus Gefälligkeit erfolgt, sondern wür-
den der fachspezifischen Beurteilung des Patienten entsprechen. Es stehe
somit fest, dass der Argumentation des SEM die Grundlage entzogen sei.
Es sei schlicht absurd, dass das SEM die angebliche Unglaubhaftigkeit der
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Vorbringen des Beschwerdeführers mit angeblichen Unglaubhaftigkeiten in
einem Kurzbericht gestützt auf ein Erstgespräch ohne Dolmetscher be-
haupte. Umso frappanter wirke diese Argumentation angesichts der bereits
weiter oben kritisierten Weigerung des SEM, eine Dokumentenanalyse
durchzuführen.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
7.2 Die Vorinstanz hat die Vorbringen des Beschwerdeführers in der ange-
fochtenen Verfügung im Grundsatz mit ausführlicher und überzeugender
Begründung als unglaubhaft beziehungsweise nicht asylrelevant qualifi-
ziert. Diesbezüglich kann, um Wiederholungen zu vermeiden, vorab auf die
zutreffende Argumentation in der angefochtenen Verfügung verwiesen
werden. In Ergänzung und Präzisierung dazu ist Folgendes festzustellen:
7.3 Dem Beschwerdeführer ist insoweit zuzustimmen, als vom ersten Be-
such seines Freundes F._ im (...) bis zur Flucht maximal zwei bis
drei Jahre vergangen sind. Dennoch vermag der Einwand, er sei in keine
kriegerischen Auseinandersetzungen oder in sonstige Beziehungen von
F._ verwickelt gewesen und sie hätten sich nur gelegentlich getrof-
fen, nicht zu erklären, weshalb er nicht bereits früher aufgrund seiner
Freundschaft zu F._ in den Fokus der Taliban geraten sei, zumal er
in der Anhörung ausführte: "(...) Seine Leute kamen zu mir (...) kaufen und
ich habe ihm und seinen Freunden (...) verkauft. (...) Überall in Afghanistan
gibt es Taliban überall in jedem Distrikt. Und die Leute in unserm Gebiet
dachten, ich würde den Kommandant F._ unterstützen. Ich bin ja
Hazara und die Leute in dem Umfeld von unserem Dorf waren alle
Paschtunen. Der Mensch hat mich oft besucht, ich meine den Komman-
danten F._. (...)" (vgl. Akten SEM A16/20 F39). Dass sich seine Be-
ziehung zu F._ erst kurz vor seiner Flucht intensiviert haben soll, ist
dem Anhörungsprotokoll nicht zu entnehmen (vgl. etwa Akten SEM A16/20
F53). Hätten die Taliban den Beschwerdeführer tatsächlich "auf dem Ra-
dar" gehabt, hätten sie zweifellos auch Kenntnis von dessen Beziehung zu
F._ gehabt. Vor diesem Hintergrund erscheint nicht nur das Vorbrin-
gen wenig glaubhaft, wonach der Kontakt des Beschwerdeführers zu
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F._ den Taliban erst durch die Aussage des Nachbarn bekannt ge-
worden sei. Auch wäre anzunehmen, dass der Beschwerdeführer deutlich
früher durch die Taliban behelligt worden wäre. Der Verweis auf die entge-
gen der Ansicht in der Beschwerde nicht besonders detaillierte Schilderung
der Kontaktaufnahme durch die Taliban ist nicht geeignet, das Gericht vom
Gegenteil zu überzeugen (vgl. Akten SEM A16/20 F39). Eine angeblich
fehlende Würdigung der Vorbringen zu den Umständen der Denunziation
durch die Vorinstanz ist ebenfalls nicht ersichtlich.
7.4 Sodann kann im afghanischen Kontext dem Einwand in der Be-
schwerde, es stelle eine völlig normale Reaktion dar, dass eine Bedrohung
der Polizei gemeldet werde, nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer
begründete in der freien Erzählung die Notwendigkeit seiner Ausreise denn
auch gerade mit der erfolgten Anzeigeerstattung: "Ich hatte ja auch eine
Anzeige gemacht, das heisst, ich habe der Polizei auch Bescheid gesagt.
Auf der Anzeige gab es Stempel und Unterschrift vom Distriktverwalter und
Sicherheitskommandanten. Die hätten mich überall gefunden" (vgl. Akten
SEM A16/20 F39). Er betrachtete die Anzeigeerstattung demnach eindeu-
tig als zusätzlichen Gefährdungsfaktor und wusste gleichzeitig um deren
geringe Erfolgsaussichten. Entsprechend wenig überzeugend fiel seine
Antwort zur Frage aus, was er sich von der Anzeige bei der Polizei erhofft
habe: "Ich dachte vielleicht. Obwohl eine hundertprozentige Hoffnung habe
ich nicht gehabt, weil ich viel gesehen habe und viel zugesehen habe, viel
kamen vor meinen Augen ums Leben und keiner hat sich darum geküm-
mert. (...) Hier in der Schweiz habe ich erfahren, dass die Taliban auch ihn
[unseren Kommandanten] getötet haben" (vgl. Akten SEM A16/20 F74).
7.5 Weitere Zweifel ergeben sich aufgrund der Widersprüche in der chro-
nologischen Einordnung der Anzeigeerstattung. In der freien Erzählung
sprach der Beschwerdeführer davon, nach der zweiten telefonischen Dro-
hung und der Tötung von F._, jedoch vor der Suche zu Hause, die
Anzeige erstattet zu haben: "Ich habe danach bei uns in dem Dorf bei der
Dorfverwaltung bei der Kommandantur (Polizei) C._ eine Anzeige
gemacht. (...) Ab dem Zeitpunkt habe ich mich nur mit Vorsicht bewegt.
(...) Danach kamen sie zu uns nach Hause" (vgl. Akten SEM A16/20 F39).
In der Folge fragte der SEM-Mitarbeiter den Beschwerdeführer – entgegen
dessen zuvor gemachten Aussage –, wie viel Zeit nach der Suche der Ta-
liban bei ihm zu Hause bis zur Anzeigeerstattung vergangen sei, worauf
der Beschwerdeführer antwortete: "Erst sind sie nach Hause gekommen
und dann habe ich eine Anzeige erstattet" (vgl. Akten SEM A16/20 F78).
Nachdem dem Befrager die Divergenzen in der Chronologie offensichtlich
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bewusstgeworden waren, bat er den Beschwerdeführer, die Chronologie
der Ereignisse (Telefonanrufe, Anzeige, Suche zu Hause) nochmals darzu-
legen. Der Beschwerdeführer bestätigte daraufhin wiederum, dass er (erst)
nach den beiden Telefonanrufen und der Suche zu Hause zur Polizei ge-
gangen sei (vgl. Akten SEM A16/20 F85 f.).
7.6 Inwiefern die Ausführungen des SEM im Zusammenhang mit der Su-
che durch die Taliban zu Hause nicht vollständig sein sollen, ist nicht er-
sichtlich. Zwar ist der Verfügung nicht zu entnehmen, ob das SEM davon
ausging, dass die Taliban die Mutter auf Farsi angesprochen hätten. Unab-
hängig davon ist festzuhalten, dass die Taliban von möglichen Paschtu-
Kenntnissen der Mutter hätten ausgehen müssen, zumal – wie der Be-
schwerdeführer selber ausführte – sie in einer sehr gemischten Region ge-
wohnt hätten (vgl. Akten SEM A16/20 F39). Vor diesem Hintergrund kann
nicht geglaubt werden, dass die Taliban unmittelbar hinter dem Tor laut
über ihre Absichten gesprochen hätten. Zwar kann dem Beschwerdeführer
das Verhalten von Drittpersonen nur bedingt entgegengehalten werden
und sollte eine Verfügung nicht alleinig auf solches abgestellt werden. Die
unplausiblen Aussagen im Zusammenhang mit den Aussagen zur Suche
zu Hause reihen sich jedoch vorliegend ein in eine insgesamt konstruiert
erscheinende Fluchtgeschichte.
7.7 Was die vom SEM angeführten Ungereimtheiten hinsichtlich der Aus-
reise mit respektive ohne Familie anbelangt (vgl. Aufnahmebericht der Spi-
tal (...) vom (...) 2018), ergibt sich aufgrund der Schreiben der Spital (...)
vom (...) 2018, (...) und (...) 2019, dass es zu sprachlichen Missverständ-
nissen gekommen sein könnte, was nicht dem Beschwerdeführer anzulas-
ten wäre. Dass hingegen im erwähnten Aufnahmebericht von seiner Ar-
beitstätigkeit und der Entführung des Vaters, jedoch mit keinem Wort von
der eigenen Verfolgungssituation die Rede ist, ist kaum auf Verständi-
gungsschwierigkeiten zurückzuführen. Dieser Umstand wirft trotz des Hin-
weises im Schreiben vom (...) 2018, eine genauere Anamneseerhebung
ergebe sich erst im Verlauf der Behandlung, was dazu führe, dass erst
dann spezifischere Details geklärt würden, zumindest Fragen auf.
7.8 Hinsichtlich der eingereichten Anzeige bei der Polizei hat die Vo-
rinstanz hinreichend begründet, weshalb es dieses Dokument als nicht ge-
eignet qualifizierte, den vom Beschwerdeführer behaupteten Sachverhalt
zu belegen. Vor dem Hintergrund der unglaubhaften Aussagen des Be-
schwerdeführers musste sich das SEM mit Verweis auf die Erwägung 4.6
nicht veranlasst sehen, eine Dokumentenanalyse vorzunehmen. Zudem ist
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kaum vorstellbar, dass die Polizei das Original der Anzeige herausgegeben
hätte. Von einem pauschalen Ignorieren und Abschmettern sowie von Will-
kür, Voreingenommenheit und Befangenheit des SEM kann nicht die Rede
sein. Auch ist mit Verweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vo-
rinstanz nicht ersichtlich, inwiefern die eingereichten Fotos geeignet sein
könnten, eine asylrelevante Verfolgung zu belegen.
7.9 Der Vater verschwand gemäss den Angaben des Beschwerdeführers
im Jahre 1998/99 und wurde wahrscheinlich von den Taliban umgebracht
(vgl. Akten SEM A16/20 F18). Nachdem die Verfolgungsvorbringen des Be-
schwerdeführers als unglaubhaft zu qualifizieren sind, ist nicht ersichtlich,
weshalb er wegen der über 20 Jahre zurückliegenden Aktivitäten und Ver-
schleppung des Vaters von Verfolgung bedroht sein könnte.
7.10 Soweit der Beschwerdeführer auf generelle Nachteile und Diskrimi-
nierung von ethnischen Hazara in Afghanistan hinweist, ist festzustellen,
dass die Zugehörigkeit zu den Hazara für sich allein keinen Asylgrund im
Sinne von Art. 3 AsylG darstellt (vgl. etwa die Urteile des BVGer
D-7433/2018 vom 5. Dezember 2019 E. 6.5. und D-1181/2017 vom 8. Ja-
nuar 2019 E. 5.4). Die für die Annahme einer Kollektivverfolgung gestellten
hohen Anforderungen (vgl. dazu ausführlich BVGE 2013/12 E. 6; 2013/11
E. 5.3.2) sind im Fall der Hazara in Afghanistan nicht erfüllt.
7.11 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Asylgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrele-
vante Verfolgung oder eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begrün-
den. Eine Verletzung des Willkürverbots oder eine Voreingenommenheit
der Vorinstanz sind nicht ersichtlich. Demnach hat das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und das Asylge-
such abgelehnt.
8.
Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-
net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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9.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes-
recht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach
abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Vorliegend wurde in-
des der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 20. Dezember 2018 gutgeheissen. Den
mit Eingabe vom 2. September 2020 eingereichten Unterlagen zur finanzi-
ellen Situation des Beschwerdeführers ist zu entnehmen, dass er seit dem
(...) 2015 vom (...) finanziell unterstützt und seit dem (...) 2020 teilunter-
stützt wird. Es ist nicht ersichtlich, dass sich seine finanzielle Lage durch
die erst am 1. September 2020 angetretene und mit monatlich (...) brutto
entlöhnte (zusätzliche) Teilzeitarbeitsstelle bis heute grundlegend verbes-
sert hätte. Darüber hinaus befinden sich nun auch die Ehefrau und Kinder,
für die der Beschwerdeführer grundsätzlich unterhaltspflichtig ist, in der
Schweiz. Es sind daher nach wie vor keine Verfahrenskosten aufzuerle-
gen.
11.
Praxisgemäss ist eine anteilmässige Parteientschädigung zuzusprechen,
wenn, wie vorliegend, eine Verfahrensverletzung auf Beschwerdeebene
geheilt wird. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfakto-
ren (Art. 9–13 VGKE) ist die vom SEM auszurichtende Parteientschädi-
gung auf Fr. 150.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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