Decision ID: 8d75c3b7-1c04-5faf-a898-363df48cf80d
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
P._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Stephanie Bialas, c/o Glaus Jacober & Partner,
Oberer Graben 44, Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision (Einstellung der Rente)
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Sachverhalt:
A.
A.a Der 1952 geborene P._ meldete sich am 25. Juni 2003 zum Leistungsbezug bei
der Invalidenversicherung an. Dr. med. A._, Innere Medizin FMH, diagnostizierte bei
ihm am 14. Juli 2003 eine seit Mai 2002 bestehende depressive Verstimmung (IV-act.
9). Dr. med. B._, Psychiatrie/Psychotherapie, Klinik Gais, bescheinigte am 3.
September 2003 eine volle Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen (IV-act. 11).
Mit Verfügung vom 5. Februar 2004 sprach die IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem
Versicherten ab 1. Mai 2003 eine ganze Rente bei einem IV-Grad von 100% zu (IV-act.
17).
A.b Im Juni 2005 leitete die IV-Stelle eine Rentenrevision ein. Der Versicherte gab im
entsprechenden Fragebogen an, sein Gesundheitszustand habe sich verschlimmert; er
leide an Gelenkentzündungen und hohem Blutdruck (IV-act. 21). Am 23. Januar 2006
informierte das Justiz- und Polizeidepartement des Kantons St. Gallen die IV-Stelle,
dass der Versicherte seit 15. November 2004 eine mehrjährige Zuchthausstrafe
verbüsse. Eine vorzeitige Entlassung werde frühestens auf 14. April 2008 geprüft. In der
halboffenen Strafanstalt sei der Versicherte grundsätzlich zur Arbeit verpflichtet, die
ihm zugewiesen werde; hiefür erhalte er einen Verdienstanteil. Aufgrund seines
Gesundheitszustandes (100 %ige Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten) werde er
gegenwärtig und bis auf weiteres im Programm für Individualförderung beschäftigt (IV-
act. 30). Im Nachgang zu einer Begutachtung des Versicherten in der Ärztlichen
Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), Basel, stellte die IV-Stelle im Vorbescheid vom 20.
August 2007 die Rentenaufhebung in Aussicht. Nach den Unterlagen habe sich der
Gesundheitszustand verbessert. Eine körperlich schwer belastende Tätigkeit sei nicht
mehr zumutbar. Körperliche leichte bis intermittierend mittelschwere Arbeiten seien
demgegenüber zumutbar (IV-act. 51). Nach Prüfung des Einwandes der
Rechtsvertreterin des Versicherten (IV-act. 53, 55) und weiteren Abklärungen (IV-act.
58, 59) hob die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 26. November 2007 auf Ende
des der Verfügungszustellung folgenden Monats auf (IV-act. 61).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwältin lic. iur. Stephanie Bialas, St. Gallen,
für den Versicherten am 14. Januar 2008 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung
sei aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer weiterhin eine ganze IV-Rente
auszurichten. Zur Begründung legte die Rechtsvertreterin unter anderem dar, die
Gutachter des ABI hätten dieselben Diagnosen gestellt wie diejenigen, welche
ursprünglich zur Berentung geführt hätten. Gemäss Dr. B._ sei der Beschwerdeführer
zwar im geschützten Rahmen zu beschäftigen, aber in der freien Wirtschaft sei er nicht
mehr arbeitsfähig. Er sei im Strafvollzug keiner eigentlichen Arbeit nachgegangen, die
auch in der freien Wirtschaft verrichtet werden könnte. Er habe dort an je zwei Stunden
vormittags und nachmittags Tiere betreut. Eine solche Tätigkeit sei nicht vergleichbar
mit leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt.
Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer dieser Aufgabe inzwischen nicht mehr
nachgehen könne, da es die Tiere nicht mehr gebe bzw. ein Pilotprojekt mit Eseln
begonnen habe, was zur Folge gehabt habe, dass der Beschwerdeführer die
Eselbetreuung an andere habe abgeben müssen. Der Entzug dieser Aufgabe habe den
Beschwerdeführer schwer getroffen. Weder die Beschwerdegegnerin noch die ABI-
Gutachter hätten sich mit der Frage beschäftigt, welchen Einfluss die Beschäftigung im
geschützten Rahmen des Strafvollzugs auf die psychische Erkrankung des
Beschwerdeführers habe. Das ABI-Gutachten sei in diesem Punkt unvollständig. Weiter
sei zu prüfen, ob der psychische Zustand des Beschwerdeführers auf dem freien
Arbeitsmarkt weiterhin stabil bleiben würde. Dazu sei ein psychiatrisches Gutachten
einzuholen. Sodann sei Dr. B._, da er regelmässig auch für die IV tätig sei, durchaus
zuzutrauen, dass seine Beurteilung auch im Fall des Beschwerdeführers die nötige
Objektivität aufweise. Die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers sei so erheblich
eingeschränkt, dass ihm auch die Verwertung einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit auf
dem Arbeitsmarkt nicht zumutbar sei. Zudem sei er aufgrund seiner
Persönlichkeitsstörung keinem Arbeitgeber zuzumuten. Selbst wenn von einer (Rest-)-
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde, sei dem Umstand der "sozialen
Arbeitsunfähigkeit" Rechnung zu tragen. Indem dem Beschwerdeführer eine Tätigkeit
nur unter unrealistischem Entgegenkommen eines Arbeitgebers möglich wäre, sei die
wirtschaftliche Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit zu verneinen.
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B.b In der Beschwerdeantwort vom 14. April 2008 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Auf die Begründung wird in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
B.c Mit Replik vom 2. Juni 2008 hielt die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin an
ihren Anträgen und Ausführungen fest. Im weiteren machte sie eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs geltend, indem ihr vor Erlass der Verfügung die im Nachgang zum
Einwand eingeholten Akten nicht zugestellt worden seien (act. G 9). Die
Beschwerdegegnerin bestätigte am 9. Juni 2008 ihren Standpunkt.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin liess der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers die
Ergebnisse der im Nachgang zum Einwand vom 24. Oktober 2007 (IV-act. 55)
veranlassten Abklärungen - d.h. die Stellungnahme des RAD-Arztes vom 7. November
2007 (IV-act. 57) und diejenige (undatiert) der ABI-Gutachter (Eingang bei
Beschwerdegegner am 22. November 2007, IV-act. 59) vor Erlass der angefochtenen
Verfügung unbestrittenermassen nicht zukommen. Dies stellt - wie die
Rechtsvertreterin zu Recht rügt - eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar (Art. 42
ATSG). Sie beantragt jedoch nicht die Rückweisung der Streitsache an die
Beschwerdegegnerin zur formgerechten Durchführung des Beweisverfahrens, sondern
einen Entscheid in der Sache. Die Heilung einer Verletzung der nach Art. 42 ATSG
geltenden Verfahrensregeln soll die Ausnahme bleiben. Richtet sich das Interesse der
betroffenen Person nicht auf eine möglichst beförderliche Beurteilung ihres Anspruchs,
sondern auf die Durchsetzung eines in formeller Hinsicht korrekten Verfahrens, sind die
Verfügungen und der angefochtene Gerichtsentscheid aufzuheben, ohne dass es
darauf ankäme, ob Aussicht besteht, dass nach einem richtig durchgeführten
Beweisverfahren anders entschieden würde (BGE 119 V 208 Erw. 6). Eine Abweichung
von dieser Praxis erscheint jedenfalls dann als gerechtfertigt und sinnvoll, wenn die
versicherte Person einer materiellen Beurteilung vor einer Zurückweisung den Vorzug
gibt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 31. Oktober
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2002 i.S. H. A. - R. [IV 2001/181]), wie das hier der Fall ist. Folgerichtig ist der materielle
Streitpunkt zu prüfen.
2.
2.1 In materieller Hinsicht streitig ist vorliegend ausschliesslich, ob sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der ursprünglichen Rentenzusprache
erheblich verbesserte. Die Frage einer allfälligen Rentensistierung während des
Strafvollzugs bildet nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung und somit auch
nicht des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. - Ändert sich der Invaliditätsgrad einer
Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes
wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt nach der
Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die
Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. Erw. 3.5). Bei der Rentenrevision (auf Gesuch hin
oder von Amtes wegen) ist zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer
anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades die letzte rechtskräftige
Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 Erw. 5). Zum Vergleich heranzuziehen
ist der Sachverhalt zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 Erw. 2;
ZAK 1984 S. 350 Erw. 4a; ZAK 1987 S. 36).
2.2 Im Übrigen erfolgt die Ermittlung des Invaliditätsgrades im Revisionsverfahren
nach den allgemeinen, für die Invaliditätsbemessung geltenden Vorschriften (Rz 5015
des vom Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über Invalidität
und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH), nach der allgemeinen Methode
für vollzeitlich Erwerbstätige, nach der spezifischen Methode namentlich für im
Haushalt tätige versicherte Personen und nach der gemischten Methode für
Versicherte, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben in einem Aufgabenbereich nach
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Art. 8 Abs. 3 ATSG tätig wären (BGE 125 V 146; BGE 117 V 194; SVR 1996 IV Nr. 76 S.
222 Erw. 2c; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] i/S Z. vom 15. Juni
2004 [I 634/03] Erw. 4.1). Nach der ab 1. Januar 2004 in Kraft stehenden Fassung von
Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer ohne Eintritt des
Gesundheitsschadens trotz unklarer früherer Arbeitsverhältnisse ausschliesslich als
Erwerbstätiger zu betrachten wäre und der IV-Grad deshalb nach der allgemeinen
Methode zu ermitteln ist. Als Vergleichsbasis ist zum einen der Sachverhalt zu
betrachten, wie er im Zeitpunkt der die ganze Rente zusprechenden Verfügung vom 5.
Februar 2004 bestanden hatte. Zum andern ist der Sachverhalt im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung vom 26. November 2007 massgeblich.
Dr. med. B._, Psychiatrie/Psychotherapie, Klinik Gais, bescheinigte beim
Beschwerdeführer am 3. und 5. September 2003 eine Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion bei emotional instabiler narzisstischer Persönlichkeitsstörung
sowie eine daraus resultierende volle Arbeitsunfähigkeit seit dem 22. Juni 2002 bis auf
weiteres (IV-act. 11). Im Verlaufsbericht vom 26. September 2005 bestätigte Dr. A._
einen stationären Gesundheitszustand. Im Vordergrund stehe weiterhin die depressive
Verstimmung, weswegen der Patient bei Dr. B._ in Behandlung sei (IV-act. 26). Dr.
B._ bestätigte am 11. Oktober 2005 ebenfalls einen stationären Gesundheitszustand
bei unveränderter Diagnose (IV-act. 27). Eine ABI-Begutachtung ergab gemäss Bericht
vom 1. Juni 2007 die Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eines Status
nach Implantation einer Bauchaortenprothese am 30. Oktober 2005 bei Status nach
infrarenalem, symptomatischem Bauchaortenaneurysma, deutlicher arterieller
Hypertonie, erheblichem kardiovaskulärem Risikoprofil, Koronarographie im Jahr 2004
mit blandem Befund und persistierender postoperativer erektiler Dysfunktion.
Körperlich schwer belastende Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer nicht mehr
zumutbar. Körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten, so auch die
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zuletzt ausgeübte, seien demgegenüber zu 100% zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht
sei derzeit - bei Status nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion -
keine Einschränkung mehr nachweisbar. Medizinische Massnahmen würden der
Erhaltung des Gesundheitszustandes dienen. Berufliche Massnahmen seien derzeit
nicht zu empfehlen (IV-act. 43). Gestützt auf dieses Gutachten kam der RAD-Arzt Dr.
C._ zum Schluss, der Gesundheitszustand habe sich namhaft verbessert; ein
medizinischer Revisionsgrund sei zu bejahen (IV-act. 44). Dr. B._ legte am 2. Oktober
2007 unter anderem dar, er habe den Beschwerdeführer seit dem 22. Juni 2002 bis zur
Inhaftierung ambulant behandelt. Es habe sich eine rezidivierende Störung mit einem
phasenförmigen Verlauf entwickelt. Anfänglich habe er die Diagnose einer
narzisstischen Persönlichkeitsstörung gestellt, wobei der bisherige Verlauf eher auf eine
emotional instabile Persönlichkeitsstörung hindeute. Es sei bekannt, dass die
geschützten und stützenden Rahmen bei Patienten mit solchen Diagnosen eine
positive Wirkung hätten. Der Beschwerdeführer werde je zwei Stunden vormittags und
nachmittags gefängnisintern beschäftigt. Diese Beschäftigung (Betreuung von drei
Eseln, drei Schafen, zwei Gänsen und zwei Enten) führe offenbar zur Beruhigung seines
Zustandes. Deswegen könne er (der Arzt) sich vorstellen, dass während der Exploration
in Basel die depressive Symptomatik nicht im Vordergrund gestanden habe. Die
akzentuierten Persönlichkeitszüge könne er nicht bestätigen, weil der
Beschwerdeführer abgesehen von seiner subjektiven Krankheitsüberzeugung keine
Überwertung seines psychischen Leidens gezeigt habe. Er sei auf dem freien
Arbeitsmarkt nicht mehr arbeitsfähig. Der gute Verlauf im geschützten Rahmen
bestätige, dass der Beschwerdeführer nach dem Strafvollzug unbedingt ein
Beschäftigungsprogramm in geschütztem Rahmen benötige (IV-act. 56). Hiezu nahmen
die ABI-Gutachter am 22. November 2007 (Eingangsstempel) Stellung (IV-act. 59). Der
RAD-Arzt Dr. D._ bestätigte im Bericht vom 23. November 2007 die früher
geäusserte Einschätzung des RAD (IV-act. 60).
2.4 Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Es liegen - für die Zeit nach Einleitung der streitigen
Rentenrevision - sich widersprechende Einschätzungen vor. Während Dr. B._ eine
volle Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen und eine Beschäftigungsmöglichkeit
des Beschwerdeführers lediglich in geschütztem Rahmen bestätigte (IV-act. 56),
bescheinigten die ABI-Gutachter die uneingeschränkte Zumutbarkeit einer körperlich
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leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit (IV-act. 43). Daraus kann nicht
ohne weiteres auf die Notwendigkeit weiterer Sachverhaltsabklärung geschlossen
werden. Dies wäre nur dann der Fall, wenn keine der Schätzungen zu überzeugen
vermöchte. Für die Überzeugungskraft der Arbeitsfähigkeitsschätzungen der
behandelnden Ärzte wird regelmässig vorgebracht, diese hätten sich lange und intensiv
um die Gesundheitsbeeinträchtigungen ihrer Patienten gekümmert und könnten sie
deshalb besser beurteilen als jene Ärzte, die sich nur ganz kurz gutachterlich mit den
Patienten befasst hätten. Die lange Beschäftigung mit den Gebrechen der Patienten
kann aber auch gegen die Überzeugungskraft der Schätzung des behandelnden Arztes
ins Feld geführt werden. Die (pessimistische) subjektive Einschätzung eines Patienten
schlägt sich nämlich in der Arbeitswelt sofort nieder. Dies wiederum erweckt den
Anschein, dass die Selbsteinschätzung richtig sei, sie bestätigt sich sozusagen selbst.
Bei den behandelnden Ärzten muss deshalb damit gerechnet werden, dass sie sich
aufgrund der Umstände von der Einschätzung ihrer Patienten überzeugen lassen (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 27. März 2003 i/S M. [IV 2002/10]). Die
psychiatrische Exploration kann sodann von der Natur der Sache her nicht
ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater praktisch immer
einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische
Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem
Behandlungs- und Abklärungsauftrag (BGE 124 I 175 Erw. 4; Urteil des EVG i/S P. vom
13. Juni 2001 [I 506/00]) kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder
Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen
Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten abweichenden
Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hingegen, wenn der behandelnde Arzt
objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringt, welche im Rahmen der psychiatrischen
Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet sind, zu einer abweichenden
Beurteilung zu führen (Urteil des EVG vom 13. März 2006 i/S G. [I 676/05] Erw. 2.4).
2.5 Zu prüfen ist, ob das von der Verwaltung in Auftrag gegebene Gutachten inhaltlich
vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des Eidgenösssischen
Versicherungsgerichts vom 24. Mai 2006 i/S R. [I 954/05], Erw. 3.2.1). Der
Beschwerdeführer war nach Lage der Akten im Jahr 2000 straffällig geworden (IV-act.
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43 S. 8). In der Folge stand er seit dem 22. Juni 2002 bis zur Inhaftierung am 15.
November 2004 bei Dr. B._ in Behandlung (IV-act. 30, 56). Die ABI-Gutachter führten
die von Dr. B._ anlässlich der ursprünglichen Rentenzusprache bestätigten
psychiatrischen Diagnosen (Status nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion; akzentuierte Persönlichkeitszüge, narzisstisch) als solche ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit auf (IV-act. 43 S. 11). Sie begründeten dies einleuchtend mit dem
Hinweis darauf, dass vorübergehend wohl unter den Belastungen der
Untersuchungshaft und des Gerichtsverfahrens mit leichten depressiven
Verstimmungen eine Einschränkung bestanden habe, welche sich in der Zwischenzeit
vollständig zurückgebildet habe (IV-act. 43 S. 9 und 11). In ihrer Stellungnahme vom
22. November 2007 (Eingangsstempel) zum Schreiben von Dr. B._ vom 2. Oktober
2007 führten die ABI-Gutachter im weiteren aus, der Beschwerdeführer sei in der Lage
gewesen, während mehr als zwanzig Jahren konstante Arbeitsleistungen zu erzielen.
Die erste Ehe habe zwölf Jahre gedauert. Bis zum Delikt seien keine handgreiflichen
Auseinandersetzungen bekannt. Es seien also keinerlei Symptome einer emotionalen
Persönlichkeitsstörung bekannt. Aufgrund eines einmaligen Ereignisses könne nicht
eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden. Dass sich die
depressiven Verstimmungen zurückgebildet hätten, werde auch vom behandelnden
Psychiater bestätigt. Dass der Explorand im ruhigen Rahmen des Strafvollzuges sich
psychisch einigermassen wohlfühle, sei nachzuvollziehen. Allerdings sei er auch bis
2002 in der Lage gewesen, konstante Arbeitsleistungen zu erzielen. Er habe also nicht
während Jahren an einer schweren depressiven Störung gelitten. Die Befürchtung des
Exploranden, auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen zu haben angesichts seines Alters,
seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen und seiner Vorgeschichte, könne
möglicherweise zu einer gewissen psychischen Überlagerung der körperlichen
Beschwerden führen. Allerdings könne daraus keine Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht abgeleitet werden (IV-act. 59). Diese Ausführungen stimmen mit
den aus den Akten ersichtlichen Gegebenheiten überein und sind von der Begründung
her überzeugend. Bei der Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
handelt es sich denn auch um eine in aller Regel zeitlich (auf etwa zwei Jahre)
begrenzte Gesundheitsbeeinträchtigung (vgl. WHO, Internationale Klassifikation
psychischer Störungen, ICD-10, Kap. V, Bern 2005, 172). Einzig der von Dr. B._
angeführte - an sich unbestrittene - Umstand, dass der geschützte Rahmen auf die
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Gesundheit des Beschwerdeführers eine positive Wirkung hat (IV-act. 56), vermag noch
nicht darzutun, dass er lediglich unter solchen Gegebenheiten eine Arbeitstätigkeit
auszuüben in der Lage ist. Eine Unvollständigkeit des ABI-Gutachtens lässt sich somit
auch aus der Tatsache nicht ableiten, dass sich die Gutachter nicht explizit zum
Einfluss der Beschäftigung im geschützten Rahmen auf den Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers äusserten. Weitere Gesichtspunkte, aufgrund welcher das Resultat
der ABI-Begutachtung anzuzweifeln wäre, werden weder geltend gemacht noch sind
solche aus den Akten ersichtlich. Eine erhebliche Verbesserung des psychischen
Gesundheitszustandes seit der ursprünglichen Rentenzusprache ist demgemäss -
jedenfalls bezogen auf das Datum der angefochtenen Verfügung (26. November 2007) -
als überwiegend wahrscheinlich gegeben zu erachten. Wenn der Beschwerdeführer
ausführen lässt, seit seiner - soweit ersichtlich im Jahr 2008 erfolgten (vgl. IV-act. 30;
act. G 1.13) - bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug leide er unter schweren
Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und Depressionen (act. G 9 S. 4), so ist festzuhalten,
dass konkret die Verhältnisse bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung (26.
November 2007) zu prüfen sind (BGE 121 V 362 Erw. 1b). Anhaltspunkte dafür, dass
sich seit der ABI-Begutachtung bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung eine
erhebliche gesundheitliche Verschlechterung ergeben hätte, sind den Akten nicht zu
entnehmen. Bei Zumutbarkeit einer leichten bis intermittierend mittelschweren
Tätigkeit, einschliesslich der vor dem Unfall ausgeübten Arbeit als Chauffeur und
Verkäufer, ist ein Rentenanspruch zu verneinen. Für allfällige gesundheitliche
Verschlechterungen im Nachgang zur angefochtenen Verfügung besteht ein
Neuanmelde-Recht (vgl. Art. 17 ATSG).
2.6 Der Beschwerdeführer lässt schliesslich die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
in Frage stellen. - Bei der verwertbaren Restarbeitsfähigkeit darf nicht von
realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann von
einer zumutbaren Tätigkeit dort nicht gesprochen werden, wo diese nur in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht
kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle deshalb zum vornherein als ausgeschlossen erscheint. Ferner beinhaltet der
Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht
zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet einen
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Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen
hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 3. Dezember 2003 i/S E.H, mit Hinweisen
[I 349/01]). Nach der Rechtsprechung darf auf eine medizinisch-theoretische
Restarbeitsfähigkeit von 50% nicht abgestellt werden, wenn sie praktisch nicht
ausgenützt werden kann. Besteht nämlich die 50%ige Arbeitsfähigkeit nur für eine
Arbeit ohne ständiges Bücken, Heben oder Tragen schwerer Lasten, ist es
beispielsweise einem Maurer nicht möglich, in seinem angestammten Beruf tätig zu
sein. Auch kann von einem immer als Maurer tätig gewesenen Versicherten in einem
gewissen Alter vernünftigerweise nicht verlangt werden, auf eine andere Tätigkeit
umzusteigen. Ebenso kann nicht auf eine Restarbeitsfähigkeit von 25% abgestellt
werden, wenn diese praktisch nicht verwertbar ist (A. Rumo-Jungo, Bundesgesetz über
die Unfallversicherung, 3. A., S. 115 und 116, mit Hinweisen; zur Frage der
sozialpraktischen Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit vgl. auch Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 12. Oktober 2004 i/S D. [I 299/04], Erw.
4.3.1 mit Hinweisen). Bei dem im Verfügungszeitpunkt 55jährigen Beschwerdeführer
liegt eine medizinisch-theoretisch uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor. Sodann
erscheint es zumutbar, dass der Beschwerdeführer, welcher zuvor eine ungelernte
Arbeit als Chauffeur, Verkäufer und Betreiber einer Cafeteria ausübte, nunmehr eine
vergleichbare oder eine andere, seinem Gesundheitsschaden angepasste Arbeit
ausübt. Nach ständiger Rechtsprechung ist davon auszugehen, dass solche Stellen in
zureichender Zahl vorhanden sind, auch wenn zusätzliche Einschränkungen zu
berücksichtigen sind (bereits erwähntes EVG-Urteil vom 3. Dezember 2003 [I 349/01]
Erw. 6.1).
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung der
Verfügung vom 26. November 2007 abzuweisen. Der vollumfänglich unterliegende
Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten grundsätzlich zu tragen. Diese bemessen
sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr.
600.-- erscheint als angemessen. Die Gehörsverletzung und deren Heilung können
jedoch nicht ohne Folgen für die Verfahrenskostenauferlegung bleiben, zumal diese
bis
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unter anderem Anlass für die Anhebung dieses Beschwerdeverfahrens bildete (vgl. act.
G 9 S. 2 und BVR 2008, 97). Es rechtfertigt sich unter diesen Umständen, der
Beschwerdegegnerin die Hälfte der Gerichtsgebühr zu auferlegen. Dementsprechend
hat der Beschwerdeführer auch Anspruch auf Parteientschädigung (vgl. Lorenz
Kneubühler, Gehörsverletzung und Heilung, ZBl 1998, 97ff, 119; Benjamin Schindler,
die "formelle Natur" von Verfahrensgrundrechten, ZBl 2005, 169ff, 193). Ausgehend
von einer "mittleren" Entschädigung bei vollem Obsiegen von Fr. 3'500.-- erscheint die
Zusprechung einer Parteientschädigung von pauschal Fr. 1'750.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) konkret angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG