Decision ID: 0b7da78e-99c4-4f24-baa9-e6e901e737b9
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Im vorliegenden Verfahren ficht Rechtsanwalt A. die Höhe seiner Ausla-
genentschädigung im Urteil der Strafkammer des Bundesstrafge-
richts SK.2012.46 vom 7. November 2013 an. Er strebt an, dass ihm die
Kosten eines privaten Übersetzers von Fr. 2'961.-- (nachfolgend "die Über-
setzungskosten") ersetzt werden. Die Übersetzung betrifft das Dokument
"Bericht des italienischen Ministeriums für Inneres" vom 15. April 2010
(nachfolgend "der Bericht"; cl. 14 pag. 14 410 007–024 [17 Seiten]). Dazu
kam es folgendermassen:
B. Mit Urteil vom 22. Juli 2011 (SK.2011.6) sprach die Strafkammer des Bun-
desstrafgerichts (hernach "Strafkammer") B., C. und D. der strafbaren Vor-
bereitungshandlungen zu Brandstiftung gemäss Art. 260 bis
Abs. 1 StGB
sowie des Verbergens und Weiterschaffens von Sprengstoffen gemäss
Art. 226 Abs. 2 StGB schuldig und verhängte gegen sie unbedingte Frei-
heitsstrafen. RA A. ist der amtliche Verteidiger von B.
Das Verfahren wurde in deutscher Sprache geführt. B. ist italienischer Mut-
tersprache und ohne Deutschkenntnisse. In der Hauptverhandlung befragte
ihn ein italienischsprachiges Gerichtsmitglied. Eine anwesende Dolmet-
scherin übersetzte die Einvernahme von zwei Zeugen ins Italienische, wie
auch den Beweisbeschluss des Gerichts. Das am Ende der Verhandlung
mündlich verkündete Urteilsdispositiv und die mündliche Begründung des
Urteils wurden nicht entsprechend übersetzt (aus dem Urteil des Bundes-
gerichts 6B_722/2011 vom 12. November 2012, E. 2.1).
Die Strafkammer entschädigte RA A. für das Verfahren SK.2011.6 mit se-
paratem Urteil SN.2011.16 vom 5. Oktober 2011 (E. I). Dieser Entscheid ist
rechtskräftig.
C. Das Bundesgericht hob das Urteil SK.2011.6 am 12. November 2012 auf
und wies die Sache zur neuen Entscheidung an die Strafkammer zurück
(Urteil des Bundesgerichts 6B_722/2011; act. 1.1 S. 4 E. D und E). Aus-
schlaggebend war, dass sich unter anderem der Bericht nicht in den Straf-
akten befunden hatte.
Daraufhin forderte die Strafkammer von der Bundeskriminalpolizei den Be-
richt ein. RA A. erhielt am 28. Januar 2013 umfassend Einsicht. Er stellte
danach Beweisanträge und Anträge zum Verfahren (act. 1.1 S. 4 E. F).
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D. Das Urteil der Strafkammer vom 7. November 2013 (SK.2012.46) entschä-
digte RA A. für die amtliche Verteidigung seit der Rückweisung und zwar
mit Fr. 4'000.-- (inkl. MwSt.; act. 1.1 S. 42 Ziff. VI.1. Abs. 1). Frühere Kos-
ten und Entschädigungen, wie gemäss Urteil SK.2011.6 vom 22. Juli 2011
zugesprochen, blieben unverändert (act. 1.1 S. 34 E. 5.1 und 6.1). Anders
als beantragt, entschädigte das Urteil keine Übersetzungskosten (act. 1.1
S. 34 f. E. 6.2).
E. Dagegen reichte RA A. am 2. Dezember 2013 Beschwerde ein (act. 1) und
beantragt:
"1. Dispositiv-Ziffer IV.1. Abs. 1 (richtig: Ziffer VI.1. Abs. 1) des Urteils vom
7. November 2013 im Verfahren SK.2012.46 sei aufzuheben;
2. dem Beschwerdeführer sei zusätzlich zur ausgerichteten Entschädigung für
seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger von B. im Betrag von CHF 4'000.-
(inkl. MwSt) eine Entschädigung für die Auslagen im Betrag von CHF 2'961.-
auszurichten;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten Beschwerdegegnerin."
Eingeladen zur Stellungnahme, reichte die Strafkammer am
12. Dezember 2013 eine Vernehmlassung ein (act. 3). Sie wurde dem Be-
schwerdeführer zur Kenntnis zugestellt (act. 4).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug ge-
nommen.

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie gegen Verfahrenshandlungen
der Strafkammer des Bundesstrafgerichts als erstinstanzliches Gericht des
Bundes kann – ausser gegen verfahrensleitende Entscheide – bei der Be-
schwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde nach den Vor-
schriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden (hernach "StPO-
Beschwerde"; Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 35 Abs. 1 und Art. 37
Abs. 1 StBOG und Art. 19 Abs. 1 des Organisationsreglements vom
31. August 2010 für das Bundesstrafgericht [Organisationsreglement
BStGer, BStGerOR; SR 173.713.161]).
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Zur Beschwerde berechtigt sind jede Partei oder anderen Verfahrensbetei-
ligten, welche ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder
Änderung des angefochtenen Entscheides haben (Art. 382 Abs. 1 StPO;
Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozess-
rechts, BBl 2006 S. 1308). Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich
eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet einzu-
reichen (Art. 396 Abs. 1 StPO).
1.2 Zu entscheiden ist vorab, ob die Beschwerdekammer nach der Recht-
sprechung des Bundesgerichts für die Beschwerde funktionell zuständig ist.
Dem amtlichen Verteidiger steht gegen den Entschädigungsentscheid des
erstinstanzlichen Gerichts im Sinne von Art. 135 Abs. 2 StPO lediglich die
StPO-Beschwerde offen. Dies, da der amtliche Verteidiger (wie auch der
unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerschaft) nicht Verfahrenspar-
teien sind (Art. 104 Abs. 1 StPO). Was ihr Honorar betrifft, gründet die
Rechtsmittellegitimation nicht in Art. 382 StPO, sondern in der besonderen
Regelung des Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO bzw. Art. 138 Abs. 1 i.V.m.
Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO (BGE 139 IV 199 E. 5.2).
Allerdings ist die Berufung ein reformatorisches Rechtsmittel und die StPO-
Beschwerde im Verhältnis zur Berufung subsidiär. Tritt das Berufungsge-
richt auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erstin-
stanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO). Damit entfällt das Anfechtungsob-
jekt des parallelen Beschwerdeverfahrens. Ist dies der Fall, sind die Ein-
wände des amtlichen Verteidigers gegen die Höhe seiner Entschädigung
mit der Berufung zu behandeln (BGE 139 IV 199 E. 5.6).
1.3 Das vorliegend gegen das Urteil der Strafkammer mögliche Rechtsmittel
ans Bundesgericht ist allerdings keine Berufung nach StPO, sondern eine
Beschwerde nach Bundesgerichtsgesetz (BGG; SR 173.110).
Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG legitimiert zur Beschwerde in Strafsachen an das
Bundesgericht (hernach "BGG-Beschwerde"), wer ein rechtlich geschütztes
Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids
hat; dazu zählt nach Ziffer 5 insbesondere die Privatklägerschaft, wenn der
angefochtene Entscheid sich auf die Beurteilung ihrer Zivilansprüche aus-
wirken kann. Nicht speziell erwähnt ist der amtliche Verteidiger.
BGE 139 IV 199 E. 2 und 5.4 behandelt für gewissen Fragen private und
amtliche Verteidigungen gleich. Gegen Entscheide über Entschädigungen
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gestützt auf Art. 429 Abs. 1 StPO (darunter also für die Kosten des privaten
Verteidigers) ist für die Verfahrensparteien die BGG-Beschwerde gegeben
(BGE 139 IV 206 E. 1).
1.4 Zwischen der BGG-Beschwerde und der StPO-Beschwerde (gleichgültig ob
letztere sich gegen Entscheide der Strafkammer oder Berufungsurteile rich-
tet) ist das Verhältnis gesetzlich nicht geregelt. Es kann nicht gesagt wer-
den, die StPO-Beschwerde sei a priori auch zur BGG-Beschwerde subsidi-
är. Ebenso sind die Wirkungen eines Urteils der Berufungsinstanz und des
Bundesgerichts verschieden: Ein Berufungsgericht fällt ein neues Urteil,
welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (so ausdrücklich Art. 408 StPO).
Weniger apodiktisch ist Art. 107 Abs. 2 BGG, der nicht zwingend zu einem
reformatorischen Entscheid führt. Folglich entfällt das Anfechtungsobjekt
eines parallelen StPO-Beschwerdeverfahrens nur, falls das Bundesgericht
über die Entschädigung des amtlichen Verteidigers entscheidet resp. auf
diese Frage eintritt.
Bei der Rückweisung des ersten Urteils der Strafkammer (SK.2011.6) äus-
serte sich der bundesgerichtliche Entscheid nicht zur Entschädigung des
amtlichen Verteidigers (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 6B_722/2011
vom 12. November 2012, Dispositiv Ziff. 1). Dementsprechend war im neu-
en Urteil der Strafkammer SK.2012.46 nicht mehr die Entschädigung des
ganzen Verfahrens strittig (S. 34; Dispositiv Ziff. VI.1. Abs. 1; die Verfah-
renskosten wurden neu, jedoch unverändert, verteilt, Ziff. V.).
1.5 Allerdings: Gegen Urteile der Strafkammer nimmt die BGG-Beschwerde die
Funktion der Berufung nach StPO wahr. Entschied zudem das Bundesge-
richt, dass u.a. die Staatsanwaltschaft die Höhe der Entschädigung der pri-
vaten wie auch amtlichen Verteidigung mit Berufung und hernach BGG-
Beschwerde in Strafsachen anfechten kann (BGE 139 IV 199 E. 2/4), so
lägen überschneidende Zuständigkeiten vor (BGE 139 IV 199 E. 5.6), die
zur Zuständigkeit des Bundesgerichts führten, falls es auf eine erhobene
BGG-Beschwerde einträte. Mit der Kompetenzattraktion beim Bundesge-
richt – analog derjenigen kantonaler Berufungsinstanzen – entfiele mit die-
ser Rechtsprechung die funktionelle Zuständigkeit der Beschwerdekam-
mer.
1.6 Dies stünde in einer gewissen Spannung zur Funktion eines höchsten Ge-
richts, dessen primäre Aufgaben (anders als bei einer Berufungsinstanz) in
der letztinstanzlichen Beantwortung von Rechtsfragen und in der Gewähr-
leistung einer einheitlichen Anwendung des Bundesrechts liegen (Urteil des
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Bundesgerichts 1B_595/2011 vom 21. März 2012, E. 2.3). Dies drückt sich
juristisch u.a. im eigenen Verfahrenserlass (BGG) des Bundesgerichts aus.
Ein Spannungsverhältnis besteht ebenso zu den Aufgaben, für welche die
StPO Beschwerdeinstanzen schuf, nämlich für Rechtsmittel gegen (Zwi-
schen-)Entscheide ohne unmittelbaren Befund über Schuld und Strafe.
Art. 135 Abs. 3 StPO sieht ausdrücklich eine StPO-Beschwerde vor. Dass
das Bundesgericht erstinstanzlich Aufgaben einer StPO-Beschwerde-
instanz an die Hand nehmen müsste, erscheint nicht von vornherein als
sachgerecht.
1.7 Die Unterschiede der anwendbaren Verfahrenserlasse und der Funktion
der Gerichte sprechen vorliegend – wenngleich nicht in klaren Tönen – für
die Zuständigkeit der Beschwerdekammer. Dies entspricht auch der