Decision ID: 8384e1ad-f9f0-499e-b148-6341fe486d4a
Year: 2015
Language: de
Court: CH_EDÖB
Chamber: CH_EDÖB_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: public_law

I. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte stellt fest:
1. Der Zugangsgesuchsteller (Journalist) hat am 10. November 2014 gestützt auf das
Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ; SR
152.3) beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) um Zugang zu Dokumenten verlangt, die
Auskunft geben über die im Rahmen der indirekten Presseförderung von der Post gewährten
Zustellermässigungen1 (Rabatte) für Zeitungen und Zeitschriften an Verlagsunternehmen für die
Jahre 2000-2013.
2. Auf Nachfrage des BAKOM hat der Zugangsgesuchsteller sein Gesuch mit Telefonat vom
18. November 2014 insofern präzisiert, als er sich auf die Titel der Regional- und Lokalpresse
beschränkte.
3. Mit Schreiben vom 27. November 2014 teilte das BAKOM dem Zugangsgesuchsteller mit, dass
es mit Inkrafttreten des neuen Postgesetzes am 1. Oktober 2012 einerseits zu einem
Systemwechsel hinsichtlich der Ausschüttung der Bundesbeiträge von einem fixen
Vorzugspreis zu einer Zustellermässigung auf dem ordentlichen Zustellpreis pro Exemplar und
andererseits zu einem Zuständigkeitswechsel für den Vollzug der indirekten Presseförderung
von der Post an das BAKOM gekommen sei. Das BAKOM verfüge lediglich für den Zeitraum
2013 und 2014 über die Jahresversandmenge (jeweils Oktober bis September), die ein Titel im
Tageszustellungskanal der Post zum ermässigten Tarif verteilen liess.
Weiter teilte das BAKOM dem Zugangsgesuchsteller mit, dass sein Gesuch sich auf
Dokumente beziehe, die Personendaten enthalten würden, und es daher gemäss Art. 11 BGÖ
gehalten sei, die Verleger der ca. 140 betroffenen Titel2 sowie die Post anzuhören.
1 Art. 16 Abs. 4 des Postgesetzes (PG; SR 783.0) und Art. 36f. der Postverordnung (VPG; SR 783.01). 2 Gemäss Unterlagen des BAKOM 146 Titel.
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Daher werde die Frist zur Stellungnahme des BAKOM zu seinem Gesuch gemäss Art. 12 Abs.
2 BGÖ um die erforderliche Dauer verlängert.
4. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2014 wandte sich das BAKOM an die betroffenen Verleger
sowie die Post, orientierte diese über den Eingang des Zugangsgesuches und räumte ihnen
eine 10-tägige Frist ein, um sich zu der vom BAKOM beabsichtigten Herausgabe der verlangten
Informationen insbesondere im Hinblick auf Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ (Offenbarung von Berufs-,
Geschäfts- und Fabrikationsgeheimnisse) sowie auf Art. 7 Abs. 2 BGÖ (Beeinträchtigung der
Privatsphäre Dritter) zu äussern.
Daraufhin gingen beim BAKOM zwischen dem 11. Dezember 2014 und dem 15. Januar 2015
Stellungnahmen zu insgesamt 111 Titeln ein, wovon in Bezug auf 52 Titel die Zustimmung zur
Bekanntgabe der verlangten Informationen erteilt und in Bezug auf 59 Titel einer
Datenbekanntgabe widersprochen wurde. In Bezug auf 35 Titel blieb eine Stellungnahme aus.
5. Mit Schreiben vom 24. Februar 2015 orientierte das BAKOM die Verleger der Betroffenen
Pressetitel über die Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen im Rahmen der Anhörung
nach Art. 11 BGÖ und teilte ihnen in Anwendung von Art. 11 Abs. 2 BGÖ mit, es sei weiterhin
der Ansicht, dass der Zugang zu den verlangten Informationen zur indirekten Presseförderung
nach den Bestimmungen des Öffentlichkeitsgesetzes zu gewähren sei. Jene Verleger, welche
sich gegen eine Herausgabe ausgesprochen haben, hätten nun die Möglichkeit, innerhalb von
20 Tagen mit einem Schlichtungsantrag gemäss Art. 13 BGÖ an den Eidgenössischen
Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Beauftragter) zu gelangen.
6. Ebenfalls mit Schreiben vom 24. Februar 2015 wandte sich das BAKOM an den
Zugangsgesuchsteller und teilte diesem mit, dass die Ergebnisse der Anhörungen nun
ausgewertet worden seien. Das BAKOM komme zum Schluss, dass der Zugang zu den von
ihm verlangten Daten zu gewähren sei. Eine vertiefte Prüfung des Sachverhaltes habe ergeben,
dass durch eine Zugangsgewährung weder Geschäftsgeheimnisse offenbart würden noch eine
Gefahr für die Privatsphäre der betroffenen Verleger entstünde. Auch sei das Postgeheimnis,
an welches das BAKOM selbst ohnehin nicht gebunden wäre, auf den vorliegenden Fall nicht
anwendbar. Die angehörten Verleger sowie die Post hätten nun die Möglichkeit, sich innerhalb
von 20 Tagen mit einem Schlichtungsantrag an den Beauftragten zu wenden. Bis zur Klärung
der Rechtslage sei der Zugang aufzuschieben (Art. 12 Abs. 3 BGÖ).
7. Zwischen dem 9. und 18. März 2015 reichten elf verschiedene Verleger (Antragsteller) in Bezug
auf 34 betroffene Pressetitel Schlichtungsanträge beim Beauftragten ein. Dabei wurde von allen
Antragstellern darauf hingewiesen, dass eine Gewährung des Zugangs zu den verlangten
Informationen der indirekten Presseförderung zur Offenbarung von Geschäftsgeheimnissen
i.S.v. Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ führen würde. Von einigen Antragstellern wurde darüber hinaus
eingewendet, dass die Offenlegung der verlangten Informationen eine Beeinträchtigung ihrer
Privatsphäre gemäss Art. 7 Abs. 2 BGÖ zur Folge hätte.
8. In der Folge bestätigte der Beauftragte gegenüber den Antragstellern den Eingang ihrer
Schlichtungsanträge und forderte das BAKOM per E-Mail vom 9. April 2015 dazu auf, die
betroffenen Dokumente sowie eine ausführliche und detailliert begründete Stellungnahme
einzureichen.
9. Am 16. April 2015 reichte das BAKOM die betroffenen Dokumente und eine Stellungnahme ein.
Darin teilte es dem Beauftragten mit, dass es insbesondere geprüft habe, ob es sich bei den
verlangten Daten um Geschäftsgeheimnisse nach Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ handle. Dies sei
nach Ansicht des BAKOM jedoch nicht der Fall. Weiter habe das BAKOM eine
Interessenabwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Zugänglichkeit der verlangten
Informationen und dem privaten Interesse der jeweiligen Verleger am Schutz ihrer Privatsphäre
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vorgenommen. Diese Interessenabwägung falle zugunsten des öffentlichen Interesses aus. Im
Ergebnis komme das BAKOM damit zum Schluss, dass der Zugang zu den verlangten Daten
zu gewähren sei.
10. Auf die weiteren Ausführungen der Antragsteller und des BAKOM sowie auf die eingereichten

Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen eingegangen.
II. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte zieht in Erwägung:
A. Formelle Erwägungen: Schlichtungsverfahren und Empfehlung gemäss Art. 14 BGÖ
11. Die Antragsteller wurden nach Art. 11 Abs. 1 BGÖ angehört. Als betroffene Dritte nahmen sie
an einem vorangegangenen Gesuchsverfahren teil und sind somit zur Einreichung eines
Schlichtungsantrags berechtigt (Art. 13 Abs. 1 Bst. c BGÖ). Die Schlichtungsanträge wurden
formgerecht (einfache Schriftlichkeit) und fristgerecht (innert 20 Tagen nach Empfang der
Stellungnahme der Behörde) beim Beauftragten eingereicht (Art. 13 Abs. 2 BGÖ).
12. Das Schlichtungsverfahren findet auf schriftlichem Weg oder konferenziell (mit einzelnen oder
allen Beteiligten) unter Leitung des Beauftragten statt, der das Verfahren im Detail festlegt.3
Kommt keine Einigung zustande oder besteht keine Aussicht auf eine einvernehmliche Lösung,
ist der Beauftragte gemäss Art. 14 BGÖ gehalten, aufgrund seiner Beurteilung der
Angelegenheit eine Empfehlung abzugeben.
13. Die vorliegend zu beurteilenden Schlichtungsanträge der verschiedenen Antragsteller beziehen
sich alle auf dasselbe Zugangsgesuch beim BAKOM und betreffen damit exakt dieselben
Fragestellungen. Damit rechtfertigt es sich, die einzelnen Schlichtungsverfahren zu vereinigen
und in einer gemeinsamen Empfehlung zu erledigen.
B. Materielle Erwägungen
14. Der Beauftragte prüft nach Art. 12 Abs. 1 der Verordnung über das Öffentlichkeitsprinzip der
Verwaltung (Öffentlichkeitsverordnung, VBGÖ; SR 152.31) die Rechtmässigkeit und die
Angemessenheit der Beurteilung des Zugangsgesuches durch die Behörde. Er prüft damit im
Schlichtungsverfahren einerseits beispielsweise, ob die für das Zugangsgesuch zuständige
Behörde den Begriff des amtlichen Dokumentes (Art. 5 BGÖ) sowie die in Art. 7 f. BGÖ
vorgesehenen Ausnahmeklauseln oder die Bestimmungen in Bezug auf den Schutz der
Personendaten (Art. 9 BGÖ) rechtmässig angewendet hat. Andererseits prüft er in jenen
Bereichen, in denen das Öffentlichkeitsgesetz der Behörde bei der Bearbeitung eines
Zugangsgesuches einen gewissen Ermessensspielraum verleiht (z.B. Art der Einsichtnahme in
amtliche Dokumente), ob die von der Behörde gewählte Lösung auf die Umstände des
jeweiligen Falls abgestimmt und angemessen ist. Dabei kann der Beauftragte entsprechende
Vorschläge im Rahmen des Schlichtungsverfahrens machen (Art. 12 Abs. 2 VBGÖ) oder
gegebenenfalls eine entsprechende Empfehlung erlassen (Art. 14 BGÖ).4
15. Die Antragsteller wehren sich vorliegend gegen die Bekanntgabe der vom Zugangsgesuch-
steller verlangten, sie bzw. ihre Presseerzeugnisse betreffenden Informationen zur indirekten
Presseförderung für die Jahre 2013 und 2014. Dabei stützen sie ihre Schlichtungsanträge auf
3 Botschaft zum Bundesgesetz über die Öffentlichkeit der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ) vom 12. Februar 2003,
BBl 2003 1963 (zitiert BBl 2003), BBl 2003 2024. 4 GUY-ECABERT, in: Brunner/Mader [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum BGÖ, Bern 2008 (zit. Handkommentar BGÖ),
Art. 13, Rz 8.
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die Ausnahmebestimmungen in Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ (Offenbarung von Geschäfts-
geheimnissen) sowie teilweise auf Art. 7 Abs. 2 BGÖ (Beeinträchtigung der Privatsphäre
Dritter).
16. Im Hinblick auf Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ wird von den Antragstellern im Wesentlichen
vorgebracht, dass die verlangten Informationen per se Geschäftsgeheimnisse darstellen
würden. Dies unter anderem deshalb, weil aus den entsprechenden Informationen
Rückschlüsse auf die Position eines bestimmten Titels im Pressemarkt sowie auf Ergebnisse
und Margen im Werbemarkt eines Titels möglich seien, was einen Einfluss auf den
wirtschaftlichen Erfolg eines Verlages haben könne und damit Wettbewerbsnachteile mit sich
bringe.
17. In seiner Stellungnahme vom 16. April 2015 an den Beauftragten vertritt das BAKOM
demgegenüber die Haltung, dass die verlangten Informationen zwar in einem direkten
Zusammenhang mit den betroffenen Verlegern stehen und noch unbekannt seien und dass
hinsichtlich der verlangten Informationen ein subjektiver Geheimhaltungswille gewisser Verleger
bestehe.5 Hingegen würde eine Bekanntgabe der verlangten Informationen alleine weder eine
Marktverzerrung bewirken noch dazu führen, dass den jeweiligen Verlegern ein
Wettbewerbsvorteil genommen werde. Daher sei in vorliegendem Fall das objektive
Geheimhaltungsinteresse nicht erfüllt, weshalb die zu beurteilenden Informationen kein
Geschäftsgeheimnis darstellen würden.
Selbst wenn dies der Fall wäre und die verlangten Informationen ein Geschäftsgeheimnis
darstellten und eine entsprechende Bekanntgabe Rückschlüsse auf das jeweilige Unternehmen
zuliesse, wären nach Ansicht des BAKOM die Bedingungen für eine Verweigerung des
Zugangs gemäss Öffentlichkeitsgesetz nicht erfüllt, da kein ernsthaftes Risiko bestehe, dass
dem jeweiligen Verleger durch die Bekanntgabe der verlangten Informationen ein substanzieller
Schaden entstehen würde.
18. Nach Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ wird der Zugang zu amtlichen Dokumenten eingeschränkt,
aufgeschoben oder verweigert, wenn durch seine Gewährung Berufs-, Geschäfts- oder
Fabrikationsgeheimnisse offenbart werden können. Dabei handelt es sich nicht um alle
Geschäftsinformationen, über welche die Verwaltung verfügt, sondern nur um wesentliche
Daten, deren Kenntnisnahme durch die Konkurrenz Marktverzerrungen bewirken bzw. dazu
führen würden, dass dem betroffenen Unternehmen ein Wettbewerbsvorteil genommen wird. Es
wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass es sich um Informationen handelt, die das
Unternehmen als Geheimnisherr berechtigterweise geheim halten möchte.6 Das Bestehen von
Geschäftsgeheimnissen kann nur bejaht werden, wenn vier kumulative Tatbestandsvoraus-
setzungen erfüllt sind:7 Es besteht (a) eine Beziehung der Information zum Unternehmen, (b)
die Information ist relativ unbekannt, (c) der Geheimnisherr hat einen Geheimhaltungswillen
(subjektives Geheimhaltungsinteresse) und (d) es liegt ein berechtigtes Geheimhaltungsinteres-
se (objektives Geheimhaltungsinteresse) vor.
19. Die vorliegend zu beurteilenden Informationen betreffend die indirekte Presseförderung haben
offensichtlich einen Bezug zu den förderberechtigten Titeln der betroffenen Verleger. Weiter
sind diese Informationen relativ unbekannt, das heisst sie sind weder offenkundig noch
allgemein zugänglich. Darüber hinaus geht der Geheimhaltungswille der Geheimnisherren
(subjektiver Geheimhaltungswille) explizit aus den vorliegend zu beurteilenden
5 Zu den einzelnen Voraussetzungen von Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ siehe unten Ziffer 18 f. 6 Vgl. Urteil des BVGer A-6291/2013 vom 28. Oktober 2014 E. 7.4.3. 7 Ausführlich dazu Bundesamt für Justiz und Eidg. Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, Umsetzung des
Öffentlichkeitsprinzips in der Bundesverwaltung: Häufig gestellte Fragen, 7. August 2013, Ziff. 5.2.1, m.w.H.
https://www.edoeb.admin.ch/oeffentlichkeitsprinzip/00901/00911/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDdnx9hGym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A-- https://www.edoeb.admin.ch/oeffentlichkeitsprinzip/00901/00911/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDdnx9hGym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A--
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Schlichtungsanträgen der betroffenen Verleger hervor, mit welchen sich diese gegen eine
Bekanntgabe der verlangten Informationen wehren. Die ersten drei Tatbestandsvoraus-
setzungen von Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ sind damit nach Ansicht des Beauftragten erfüllt.
Was hingegen die vierte und letzte Tatbestandsvoraussetzung von Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ
betrifft, nämlich das Vorliegen von berechtigten objektiven Geheimhaltungsinteressen, ist für
den Beauftragten trotz den entsprechenden Ausführungen der betroffenen Verleger in deren
Stellungnahmen an das BAKOM im Rahmen der Anhörung nach Art. 11 BGÖ (vgl. oben Ziffer
16) nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, weshalb bzw. inwiefern die Bekanntgabe der
verlangten Informationen zur indirekten Presseförderung zu einer Marktverzerrung führen sollte.
Dabei ruft der Beauftragte in Erinnerung, dass eine solche Beeinträchtigung der Interessen der
betroffenen Verleger von einer gewissen Erheblichkeit sein muss und ein ernsthaftes Risiko
bestehen muss, dass eine solche Beeinträchtigung eintritt. Mit anderen Worten muss der
befürchtete Schaden (in casu die Marktverzerrung) nach dem üblichen Lauf der Dinge eintreten
und dies mit hoher Wahrscheinlichkeit.8
20. Alleine der Hinweis, wonach die verlangten Informationen der indirekten Presseförderung per
se Geschäftsgeheimnisse i.S.v. Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ darstellen würden, reicht nicht, um
eine Zugangsverweigerung zu rechtfertigen. Dass aus den entsprechenden Informationen
Rückschlüsse auf die Position eines bestimmten Titels im Pressemarkt sowie auf Ergebnisse
und Margen im Werbemarkt eines Titels möglich seien, stellt der Beauftragte nicht grundsätzlich
in Abrede. Allerdings gilt es zu beachten, dass alleine die Möglichkeit solcher Rückschlüsse für
sich alleine genommen noch nicht ausreicht, um auch eine Marktverzerrung i.S.e. wesentlichen
Wettbewerbsnachteils anzunehmen, welche mit grosser Wahrscheinlichkeit eintreten würde.
Der Beauftragte weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es jedem Verlag in Bezug auf
jene Pressetitel, welche die Voraussetzungen erfüllen, offen steht, Förderbeiträge der indirekten
Presseförderung zu beantragen oder nicht. In Bezug auf die Wettbewerbssituation ist zudem zu
berücksichtigen, dass die förderberechtigten Verlage gerade nicht vollständig in einem
klassischen Wettbewerbsverhältnis zu allen anderen Branchenteilnehmern stehen, sondern
durch die Bundesfördermittel der indirekten Presseförderung einen bedeutenden
wirtschaftlichen Vorteil erlangen, welcher ihre Wettbewerbsfähigkeit zu ihren Gunsten
beeinflusst. Dabei käme es nach Ansicht des Beauftragten einem nicht unerheblichen
Wertungswiderspruch gleich, wenn förderberechtigte Verlage einerseits von bedeutenden
finanziellen Fördermitteln, welche ihre Wettbewerbsfähigkeit begünstigen bzw. unter
Umständen erst ermöglichen, profitieren, andererseits jedoch deren Umfang unter Hinweis auf
das Geschäftsgeheimnis und allfällige Marktverzerrungen im Falle einer entsprechenden
Bekanntgabe einem Zugang entziehen könnten. Nach dem Gesagten kommt der Beauftragte
zum Schluss, dass das objektive Geheimhaltungsinteresse der betroffenen Verleger vorliegend
zu verneinen ist.
21. Der Vollständigkeit halber weist der Beauftragte schliesslich darauf hin, dass von den
insgesamt 146 betroffenen Pressetiteln anlässlich der Anhörungen durch das BAKOM lediglich
in Bezug auf 59 Titel eine negative bzw. ablehnende Stellungnahme eingegangen ist. Die
Verleger von 52 Titeln waren hingegen mit einer Bekanntgabe der verlangten Informationen
einverstanden und im Fall von 35 Titeln erfolgte gar keine Reaktion (vgl. oben Ziffer 4). Da das
BAKOM auch nach den Anhörungen an einer Zugangsgewährung festhielt, haben sich in der
Folge lediglich elf Verleger in Bezug auf 34 Titel mit einem Schlichtungsantrag an den
Beauftragten gewandt (vgl. Ziffer 7). Diese Zahlen lassen nach Ansicht des Beauftragten den
Schluss zu, dass offensichtlich der überwiegende Teil der betroffenen Verleger in Bezug auf
8 COTTIER/SCHWEIZER/WIDMER, in: Handkommentar BGÖ, Art. 7, Rz 4, m.w.H.; Urteil des BVGer A-3621/2014 vom
2. September 2015 E. 5.2.4.
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einen Grossteil der betroffenen Pressetitel selbst nicht der Ansicht sind, dass es sich bei den
vom Zugangsgesuchsteller verlangten Informationen um schützenswerte
Geschäftsgeheimnisse handelt, von welchen im Falle einer Bekanntgabe mit grosser
Wahrscheinlichkeit eine Marktverzerrung für die betroffenen Verlage ausgehen würde. Auch vor
diesem Hintergrund muss das objektive Geheimhaltungsinteresse der Verleger verneint
werden.
22. Zusammengefasst gelangt der Beauftragte damit zu folgendem Zwischenergebnis:
Die vom Zugangsgesuchsteller verlangten Informationen zu den subventionierten
Versandmengen der Regional- und Lokalpresse sind nicht als Geschäftsgeheimnis i.S.v.
Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ der betroffenen Verleger zu qualifizieren.
23. In Bezug auf Art. 7 Abs. 2 BGÖ bringen einige Antragsteller vor, dass der Schutz der
Privatsphäre sich selbstredend auch auf juristische Personen erstrecke. Zudem würden die
verlangten Informationen der Vermutung nach in geschäftsschädigender Absicht verwendet
werden, was bereits in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. Weiter liege den verlangten
Informationen von vornherein kein überwiegendes öffentliches Interesse zugrunde. Schliesslich
werde im Bereich der indirekten Presseförderung mit den bereits öffentlich zugänglichen
Informationen9 ausreichend Transparenz geschaffen.
24. Das BAKOM ist hingegen der Auffassung, dass eine Interessenabwägung zwischen dem
öffentlichen Interesse an der Zugänglichkeit der verlangten Informationen und der privaten
Interessen der Verleger am Schutz ihrer Privatsphäre zugunsten des öffentlichen Interesses
ausfalle. Die förderberechtigten Verleger stünden dabei zu einer dem Öffentlichkeitsgesetz
unterstehenden Behörde in einer rechtlichen Beziehung, aus welcher ihnen bedeutende
Vorteile erwachsen würden. Diese Vorteile lägen darin, dass der Bund jährlich 30 Millionen
Franken an die förderberechtigten Verleger der Regional- und Lokalpresse leiste (Stand
1.1.2013: 140 Titel bzw. 1.1.2014: 142 Titel). Dabei würden die Verleger von einer Ermässigung
pro Exemplar auf dem Zustellpreis der Post profitieren. Diese Ermässigung stelle eine
bedeutende Finanzhilfe dar, weshalb ein überwiegendes öffentliches Interesse an der
Zugänglichkeit i.S.v. Art. 6 Abs. 2 Bst. c VBGÖ vorliege. Überdies bestehe nach Auffassung des
BAKOM immer dann, wenn der Bund Unternehmen finanziell bevorteile, ein grundsätzliches
Interesse an erhöhter Transparenz. In diesem Zusammenhang hob das BAKOM schliesslich
hervor, dass im Kontext der in Frage gestellten Medienpolitik des Bundes eine erhöhte
Transparenz zur politischen und demokratischen Debatte positiv beitragen könne. Damit über
die Effektivität der Medienförderung in Kenntnis der Sachlage diskutiert werden könne, sei ein
besseres Verständnis des Mechanismus der indirekten Presseförderung und deren Folgen
wertvoll. Deshalb erachte es das BAKOM als gerechtfertigt, dem Zugangsgesuchsteller die
verlangten Informationen aus einer zurückliegenden Periode bekannt zu geben.
25. Nach Art. 7 Abs. 2 BGÖ ist der Zugang zu amtlichen Dokumenten einzuschränken,
aufzuschieben oder zu verweigern, wenn durch seine Gewährung die Privatsphäre Dritter
beeinträchtigt werden kann. Ausnahmsweise kann jedoch das öffentliche Interesse am Zugang
überwiegen. Die Gefahr einer Beeinträchtigung der Privatsphäre ist in aller Regel in der
Bekanntgabe von Personendaten begründet, da eine Verletzung nur stattfinden kann, sofern
9 Bereits öffentlich zugänglich sind das jährliche Gesamtvolumen der indirekten Presseförderung hinsichtlich der Regional-
und Lokalpresse (CHF 30 Mio. gem. Art. 16 Abs. 7 Bst. a PG), die Zahl der von der indirekten Presseförderung
profitierenden Titel der Regional- und Lokalpresse (ab 1. Januar 2015 143 Titel, vgl. Medienmitteilung BAKOM vom 5.
Dezember 2014, abrufbar unter folgendem Link:
http://www.bakom.admin.ch/dokumentation/medieninformationen/00471/index.html?lang=de&msg-id=55534, zuletzt besucht
am 7. Oktober 2015) sowie die Liste der förderberechtigten Titel der Regional- und Lokalpresse (Stand per 1. Dezember
2014, abrufbar unter folgendem Link: http://www.bakom.admin.ch/themen/04073/04075/index.html?lang=de, zuletzt besucht
am 7. Oktober 2015).
http://www.bakom.admin.ch/dokumentation/medieninformationen/00471/index.html?lang=de&msg-id=55534 http://www.bakom.admin.ch/themen/04073/04075/index.html?lang=de
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die betroffene (natürliche oder juristische) Person bestimmt oder bestimmbar ist.10 Zu diesem
Zweck sieht Art. 9 Abs. 1 BGÖ vor, dass amtliche Dokumente, welche Personendaten
enthalten, nach Möglichkeit vor der Einsichtnahme zu anonymisieren sind. Eine
Anonymisierung ist vorliegend jedoch nicht möglich, da einerseits die Namen der
förderberechtigten Pressetitel bereits publiziert und damit öffentlich zugänglich sind (s. Fn. 9)
und andererseits der Zugangsgesuchsteller explizit um Bekanntgabe der förderberechtigten
Titel und deren Versandmengen ersuchte. Ist eine Anonymisierung nicht möglich, so kommt
eine Zugangsgewährung nur in Anwendung von Art. 19 des Bundesgesetzes über den
Datenschutz (Datenschutzgesetz, DSG; SR 235.1) in Betracht (Art. 9 Abs. 2 BGÖ).
26. Nach Art. 19 Abs. 1bis DSG können Bundesorgane im Rahmen der behördliche Information von
Amtes wegen (aktive Information) oder gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz (passive
Information) Personendaten bekannt geben, wenn die betreffenden Personendaten im
Zusammenhang mit der Erfüllung öffentlicher Aufgaben stehen (Bst. a) und an deren
Bekanntgabe ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht (Bst. b). Der Zusammenhang
mit der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe ist vorliegend unstreitig und ergibt sich bereits aus
der Qualifikation der verlangten Unterlagen als amtliche Dokumente im Sinne des
Öffentlichkeitsgesetzes. Im Rahmen der unter Bst. b von Art. 19 Abs. 1bis DSG geforderten
Interessenabwägung ist Art. 6 Abs. 2 VBGÖ heranzuziehen, wonach das öffentliche Interesse
am Zugang unter anderem etwa dann überwiegen kann, wenn die Person, deren Privatsphäre
durch die Zugänglichmachung beeinträchtigt werden könnte, zu einer dem Öffentlichkeitsgesetz
unterstehenden Behörde in einer rechtlichen oder faktischen Beziehung steht, aus der ihr
bedeutende Vorteile erwachsen (Bst c).
27. Das BAKOM hat eine Interessenabwägung nach Art. 19 Abs. 1bis Bst. b DSG vorgenommen
und ist dabei zum Ergebnis gelangt, dass das öffentliche Interesse am Zugang zu den
verlangten Informationen die Interessen der Verleger am Schutz der Privatsphäre der
betroffenen Verlage überwiegt (vgl. oben Ziffer 24). Dies v.a. deshalb, weil die mittels indirekter
Presseförderung gewährte Zustellermässigung eine bedeutende Finanzhilfe i.S.v. Art. 6 Abs. 2
Bst. c VBGÖ für die Verlage darstelle und weil im Falle von finanziellen Bevorteilungen von
bestimmten Unternehmen durch den Bund ein grundsätzliches Interesse an erhöhter
Transparenz bestehe.
Diesen Überlegungen schliesst sich der Beauftragte an. Ergänzend weist er darauf hin, dass er
auf Seiten des privaten Interesses am Schutz der Privatsphäre der Verleger ganz grundsätzlich
in Zweifel zieht, ob die verlangten Versandmengen mit den daraus allenfalls ableitbaren
Rückschlüssen überhaupt geeignet sind, die Privatsphäre der betroffenen Verleger ernsthaft zu
beeinträchtigen. Seiner Ansicht nach ist es zumindest keinem der sich gegen eine Herausgabe
der verlangten Informationen zur Wehr setzenden Verleger gelungen, eine solche konkrete
Beeinträchtigung anlässlich der Stellungnahme an das BAKOM im Rahmen der Anhörung bzw.
anlässlich des Schlichtungsantrages an den Beauftragten nachvollziehbar darzulegen.
Hingegen ist das öffentliche Interesse an einer Zugangsgewährung zu den verlangten
Informationen aufgrund der besonderen Beziehung zwischen dem Bund und den
förderberechtigten Unternehmen im Hinblick auf Art. 6 Abs. 2 Bst. c VBGÖ in der Tat als
besonders gewichtig zu betrachten. Wie das BAKOM zu Recht darauf hinwies, ist dem
öffentlichen Interesse im Falle von Subventionen an bestimmte Personen, Unternehmen oder
Einrichtungen regelmässig ein besonderes Gewicht beizumessen. Im Ergebnis überwiegt das
öffentliche Interesse im vorliegenden Fall das private Interesse der Verleger am Schutz ihrer
Privatsphäre.
10 COTTIER/SCHWEIZER/WIDMER, in: Handkommentar BGÖ, Art. 7, RZ 66.
8/9
28. Auch hinsichtlich der Interessen am Schutz der Privatsphäre weist der Beauftragte der
Vollständigkeit halber darauf hin, dass offensichtlich eine deutliche Mehrheit der betroffenen
Verleger in Bezug auf die klare Mehrheit der betroffenen Pressetitel selbst nicht von einer
Beeinträchtigung der Privatsphäre ausgeht. Auch hieraus ist für den Beauftragten ersichtlich,
dass der Grad der Wahrscheinlichkeit einer Beeinträchtigung der Privatsphäre bereits aus der
Sicht der Mehrheit der betroffenen Verleger als gering eingestuft wird.
29. Zusammengefasst gelangt der Beauftragte damit zu folgendem Zwischenergebnis:
Die vorliegend zu beurteilenden Informationen sind nicht geeignet, die Privatsphäre der
betroffenen Verleger zu beeinträchtigen. Zudem ist auch der Grad der Wahrscheinlichkeit einer
solchen Beeinträchtigung als gering einzustufen. Letztlich liegt der Bekanntgabe der verlangten
Informationen ohnehin aufgrund der Sonderbeziehung zwischen den förderberechtigten
Pressetitel und den finanziellen Vorteilen für die entsprechenden Verlage ein überwiegendes
öffentliches Interesse zugrunde, weshalb der Zugang – wie vom BAKOM vorgesehen – zu
gewähren ist.