Decision ID: 42f0c2ba-f0ef-5c01-a011-d34ca7417ec2
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 2/6
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A.- A._ leidet seit Jahren an einer multiplen Substanzabhängigkeit und bezieht
deshalb eine IV-Rente (100%) sowie Ergänzungsleistungen. Zudem wurde für ihn am
13. November 2013 die altrechtliche Beistandschaft in eine Vertretungsbeistandschaft
mit Einkommens- und Vermögensverwaltung umgewandelt; seit 1. Oktober 2020 waltet
B._ als Beiständin von A._. Seit dem 5. Oktober 2020 ist A._, gestützt auf eine
Verfügung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) vom 1. Oktober 2021
und begründet durch seinen Alkohol- und Medikamentenkonsum sowie seine zum
damaligen Zeitpunkt desolate Wohnsituation, im Wohnheim W._ in C._ fürsorgerisch
untergebracht.
B.- Mit Verfügung der KESB vom 31. März 2021 wurde die fürsorgerische
Unterbringung von A._ erstmalig überprüft und bestätigt. Die nächste Überprüfung der
Massnahme wurde bis spätestens 1. August 2021 vorgesehen. Die Beiständin von A._
wurde überdies beauftragt, die Möglichkeiten eines Übertritts in ein betreutes
Wohnsetting zu prüfen und einen allfälligen Übertritt zu planen. (...)
C.- Mit Verfügung vom 28. Juli 2021 bestätigte die KESB die fürsorgerische
Unterbringung von A._ per 1. August 2021 erneut und setzte eine Frist zur nächsten
Überprüfung der Massnahme bis zum 1. Dezember 2021 an. (...). Gegen die Verfügung
der KESB vom 28. Juli 2021 erhob A._, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. R._, am
9. August 2021 Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons
St. Gallen (VRK). Er beantragte die Aufhebung Ziffern 1 bis 3 der angefochtenen
Verfügung vom 28. Juli 2021 und damit sinngemäss der fürsorgerischen Unterbringung
im Wohnheim W._. Den Antrag auf Aufhebung von Ziffer 3 der Verfügung zog der
Beschwerdeführer anlässlich der mündlichen Verhandlung zurück. Der Rechtsvertreter
beantragte zudem die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
D.- Am 18. August 2021 fand die mündliche Verhandlung im Wohnheim W._ in C._
statt, (...).
Auf weitere tatsächliche Gegebenheiten und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten ist, soweit erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.

Erwägungen:
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1. (...)
2. (...)
3. (...)
4.- a) (...)
b) Der Beschwerdeführer hat ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung gestellt; darüber hat die Abteilungspräsidentin zu befinden
(Art. 13 lit. d des Reglements über den Geschäftsgang der VRK [sGS 941.223]). Die
Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall erfüllt. Dementsprechend ist Rechtsanwalt
Dr. iur. R._, als unentgeltlicher Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zu bestimmen.
c) Das Honorar des unentgeltlichen Vertreters in Ehe-, Familien-, Verwandtschafts- und
Strafsachen und des amtlichen Verteidigers wird grundsätzlich als Pauschale
bemessen (Art. 10 Abs. 1 der Honorarordnung, sGS 963.75; abgekürzt: HonO). Vor der
VRK beträgt diese zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO). In
Kindes- und Erwachsenenschutzverfahren ist Art. 20 Abs. 1 lit. b HonO als
Vergleichsnorm beizuziehen. Danach beträgt das Honorar in diesen Verfahren pauschal
Fr. 1'000.– bis Fr. 7'500.–. Innerhalb dieses Rahmens wird das Honorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten
bemessen (Art. 19 HonO). Massstab ist der erfahrene Anwalt, der ein Mandat
zielgerichtet führt und die notwendigen Vorkehrungen und Verfahrenshandlungen
effizient vornimmt. Nur in aussergewöhnlich aufwendigen Fällen kann das Honorar um
höchstens 50 Prozent erhöht werden (Art. 10 Abs. 2 HonO). Das Honorar wird bei
unentgeltlicher Prozessführung oder amtlicher Verteidigung um einen Fünftel
herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Folglich beträgt der
Rahmen für die ordentliche Pauschale in Kindes- und Erwachsenenschutzverfahren
noch Fr. 800.– bis Fr. 6'000.–. Mit dem Höchstbetrag des ordentlichen
Pauschalhonorars von Fr. 6'000.– müssen rechtlich und tatsächlich sehr schwierige
Fälle abgedeckt werden können. Der Anspruch einer Rechtsvertretung im Rahmen der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung geht soweit, wie dies zur Wahrung der Rechte
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der betroffenen Person notwendig ist; es geht dabei nur um die rechtliche und nicht
auch um die persönliche oder fürsorgerische Betreuung (vgl. BGer 4A_20/2011 vom
11. April 2011 E. 8.2.1; Emmel in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO
Komm., 3. Aufl., Art. 118 N 5). Massstab der Beurteilung ist, ob eine vernünftige Person
guten Glaubens und mit den erforderlichen Mitteln entsprechende Bemühungen eines
Anwalts veranlassen würde (vgl. BGer 5A_244/2014 vom 25. Juni 2014 E. 4.2.1). Von
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gedeckt werden demnach nicht einfach
sämtliche Leistungen, die eine Rechtsvertretung erbringt, sondern nur diejenigen, die
im Rahmen der Rechtswahrung tatsächlich erforderlich sind. Bei der Festsetzung der
Honorarpauschale ist die eingereichte Kostennote zu berücksichtigen, die Gründe für
Kürzungen der Kostennote müssen jedoch nur summarisch dargelegt werden (vgl.
R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Diss. St. Gallen 2004, S. 208).
Im Verfahren der fürsorgerischen Unterbringung gelten spezielle Regeln (insbesondere
kurze Fristen, keine Begründungspflicht). Das Gericht muss innert kurzer Zeit aufgrund
der Akten und der während der mündlichen Verhandlung erhobenen Beweise
entscheiden. Dies muss – im Vergleich zu anderen Verfahren – grundsätzlich auch zu
einem geringeren Aufwand des Rechtsvertreters führen. Dementsprechend liegt das
Anwaltshonorar bei der Überprüfung der Rechtmässigkeit einer fürsorgerischen
Unterbringung praxisgemäss bei pauschal Fr. 1'200.– bis Fr. 1'500.–. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht in seiner Kostennote bei einem
Zeitaufwand von etwa 14.5 Stunden ein – bereits um einen Fünftel herabgesetztes –
Honorar in der Höhe von Fr. 2'906.70 (exkl. effektive Barauslagen von Fr. 90.60 und
7.7 % Mehrwertsteuer) geltend (act. 12) und liegt damit deutlich über dem üblichen
Anwaltshonorar. Im vorliegenden Verfahren stellten sich keine schwierigen
tatsächlichen oder rechtlichen Fragen. Der Aktenumfang ist im Rahmen einer
behördlich verfügten fürsorgerischen Unterbringung zudem eher gering und der
Betreuungsaufwand durch den Rechtsvertreter als durchschnittlich zu bezeichnen.
Eine schriftliche Begründung der Beschwerde und eine vorgängige Besprechung vor
Ort – eine telefonische Instruktion muss genügen – sind im Verfahren der
fürsorgerischen Unterbringung nicht notwendig und dementsprechend nicht zu
entschädigen. Die Beweise, insbesondere die Befragung des Beschwerdeführers und
der Auskunftspersonen des Wohnheims W._ sowie das mündliche
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Sachverständigengutachten, werden vielmehr direkt vor Gericht abgenommen,
weshalb die Vorbereitung eines schriftlichen Plädoyers in den wenigsten Fällen als
sinnvoll erscheint. Besprechungen mit der Beiständin sind ebenfalls nicht vom Staat zu
vergüten. Die Wegzeit für die Verhandlung von D._ nach C._ sowie die geschätzte
Dauer der mündlichen Gerichtsverhandlung sind des Weiteren den tatsächlichen
Gegebenheiten bzw. der effektiven Dauer anzupassen. Unter Berücksichtigung, dass
dem Rechtsvertreter die dargelegte Entschädigungspraxis bei fürsorgerischen
Unterbringungen offenbar nicht bekannt war, rechtfertigt es sich vorliegend
ausnahmsweise, das bereits um einen Fünftel reduzierte (vgl. Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70) Honorar auf pauschal Fr. 2'000.– festzulegen.
Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von Fr. 80.– (4% von Fr. 2'000.–; Art. 28 Abs. 1
HonO) sowie die Mehrwertsteuer von Fr. 160.15 (7.7% von Fr. 2'080.–; Art. 29 HonO).
Der Staat entschädigt den unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
demnach mit Fr. 2'240.15. Der unentgeltliche Rechtsvertreter darf von seinem
Mandanten keine zusätzliche Entschädigung für Tätigkeiten fordern, welche von der
unentgeltlichen Rechtspflege erfasst sind (Art. 11 HonO).
Der Beschwerdeführer wird darauf hingewiesen, dass er zur Nachzahlung der vorläufig
vom Staat übernommenen Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
verpflichtet ist, sobald dies seine wirtschaftliche Lage zulässt (Art. 99 Abs. 2 VRP und
Art. 123 Abs. 1 ZPO).
Präsidialverfügung:
1.
(...)
2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird hinsichtlich der
amtlichen Kosten als erledigt abgeschrieben.
3.
bis
bis
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Dem Beschwerdeführer wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwalt Dr. iur. R._ gewährt.