Decision ID: d75558cb-b20a-51b9-a56a-dcc4b9962349
Year: 2019
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Vorbemerkung
Die vorliegende Streitsache hängt eng mit dem zurzeit sistierten Verfahren O2S 15 15
zusammen. Zum besseren Verständnis wird in der nachfolgenden Übersicht auf den bei-
den Verfahren gemeinsam zugrunde liegenden Sachverhalt eingegangen, wie das im
Übrigen auch der Beschwerdeführer macht und beantragt (O2S 18 13 act. B 1, S. 2).
B. Übersicht
a) Am 4. Februar 2008 setzte O_, die Mutter von M_, ein Testament auf (O2S 15
15 act. B 6/2); am 10. März 2014 verstarb sie (O2S 15 15 act. B 6/1a und B 7/7.1).
b) Mit Schreiben vom 14. November 2014 ersuchte das Erbschaftsamt der Gemeinde
X_ M_ im Zusammenhang mit der Erbteilung um Beibringung einer Vollmacht
mit amtlich beglaubigter Unterschrift (O2S 15 15 act. B 6/3). Am 24. November 2014
trat M_ den zu erwartenden Erbanteil aus dem Nachlass seiner verstorbenen
Mutter bis zur Deckung der ab Stichtag 22. November 2014 bis zum Tag des
Empfangs des Erbes vom Sozialamt zu leistenden Unterstützung an das Sozialamt
X_ ab (O2S 15 15 act. B 6/12). Die Sozialen Dienste Y_ setzten das
Erbschaftamt der Gemeinde X_ am 26. November 2014 vom Tod von O_ sel.
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sowie der Tatsache, dass M_ von der Sozialhilfe unterstützt wird, in Kenntnis
(O2S 15 15 act. B 6/5).
c) Am 25. November 2014 trat M_ einen längeren Auslandsaufenthalt an (O2S 15
15 act. B 6/8). Am 6. Dezember 2014 stattete er seine Tochter H_ mit einer
Spezialvollmacht aus (O2S 15 15 act. B 2/1), welche am 23. Februar 2015 um die
Möglichkeit, Anzeigen zu erstatten, ergänzt wurde (O2S 15 15 act. B 7/4.2).
d) Mit E-Mail vom 15. Dezember 2014 erhob M_ bei der Staatsanwaltschaft Appen-
zell Ausserrhoden gegen sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des
Erbschaftsamtes X_ samt der dazugehörigen Kommission Strafantrag wegen
Amtsmissbrauch, Nötigung, Begünstigung und Betrug und erklärte gleichzeitig, dass
er sich als Privatkläger am Verfahren beteiligen wolle (O2S 15 15 act. B 6/1a). Den
Strafantrag wiederholte er am 2. Februar 2015 auf dem Postweg und weitete ihn auf
die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Sozialamtes und der dazugehörigen
Kommission aus (O2S 15 15 act. B 6/6a).
e) Mit Beschluss vom 2. Februar 2015 stellte die Gemeinde X_ die sozial-
hilferechtliche Unterstützung für M_ wegen der Erbschaft seiner Mutter per 31.
Dezember 2014 ein und entzog einem allfälligen Rekurs gegen den Beschluss die
aufschiebende Wirkung (O2S 15 15 act. B 6/7).
f) Am 23. Februar 2015 stellte M_ erneut Strafantrag wegen Amtsmissbrauch, Nöti-
gung, Begünstigung und Betrug gegen sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
des Erbschaftsamtes X_ und gegen das Sozialamt X_ samt den
dazugehörigen Kommissionen (O2S 15 15 act. B 7/5.1).
g) Aus dem Schreiben der Erbteilungskommission X_ vom 4. März 2015 an die
Staatsanwaltschaft ergibt sich, dass der Leiter des Erbschaftsamtes als Willens-
vollstrecker amtiert (O2S 15 15 act. B 7/8).
h) Mit Schreiben vom 19. März 2015 gewährte die Gemeinde X_ M_ betreffend
Rückerstattung von unrechtmässig bezogener Sozialhilfe das rechtliche Gehör (O2S
15 15 act. B 7/11.1).
i) Mit Beschluss vom 1. April 2015 verpflichtete die Gemeinde X_ M_, die seit
dem 10. März 2014 bis 31. Dezember 2014 bezogenen Sozialhilfeleistungen im
Umfang von CHF 20‘936.10 aus dem Netto-Erbanteil aus dem Nachlass seiner am
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10. März 2014 verstorbenen Mutter zurückzuerstatten, sobald sein Erbanteil
realisierbar ist (O2S 15 15 act. B 6/10).
j) Mit E-Mail vom 9. April 2015 teilte M_ der Staatsanwaltschaft Appenzell
Ausserrhoden mit, das Verfahren Nr. U 15 168 sei um die Tatbestände der Unter-
schlagung und Veruntreuung zu erweitern (O2S 15 15 act. B 7/9).
k) Am 17. April 2015 liess das Erbschaftsamt X_ H_ den Entwurf für die
Erbschaftsteilung zugehen (O2S 15 15 act. B 6/11).
l) Am 22. April 2015 liess M_ gegen den Beschluss der Gemeinde X_ vom 1.
April 2015 Rekurs beim Departement Inneres und Kultur erheben und ersuchte um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung sowie um Aufhebung seiner
Verpflichtung, der Gemeinde X_ die bezogenen Sozialhilfeleistungen von CHF
20‘936.10 zurückzahlen zu müssen (O2S 15 15 act. B 7/10).
m) Am 25. April 2015 informierte M_ die Staatsanwaltschaft darüber, dass im Enwurf
für die Erbschaftsteilung zu Unrecht erwähnt worden sei, dass er Sozialhilfe
beziehe; dies stelle eine (erneute) Amtsgeheimnisverletzung dar (O2S 15 15 act. B
6/13).
n) Am 2. Mai 2015 schickte H_ im Auftrag ihres Vaters einen von diesem ange-
passten Erbteilungsvorschlag an Hanni Hofstetter (O2S 15 15 act. B 6/14).
o) Am 22. Mai 2015 teilte M_ R_ mit, der von ihm erstellte Erbteilungsvertrag sei
in dieser Form nicht akzeptabel (O2S 15 15 act. B 6/18). Der Letztere hielt jedoch
an dem von ihm redigierten Vertrag fest und sah keinen Anlass, diesen abzuändern
(O2S 15 15 act. B 6/22).
p) Mit E-Mail vom 3. Juni 2015 erklärte M_ gegenüber Jennifer Rissi von der
Staatsanwaltschaft, er sehe sich gezwungen, seine Tochter zu veranlassen, den
unkorrekten Erbteilungsvertrag am 4. Juni 2015 zu unterzeichnen. Weiter führte er
aus, dass im Strafverfahren deshalb eine zivilrechtliche Forderung in Höhe von
CHF 3‘829.75 hinzukomme. Es handle sich um den Differenzbetrag zwischen dem
Entwurf der Gemeinde X_ und seiner korrigierten Version (O2S 15 15 act B 6/23).
q) Am 9. Juni 2015 erkundigte M_ sich bei R_, wann mit der Auszahlung des
Erbes gerechnet werden könne (O2S 15 15 act. B 6/24b). Dieser antwortete
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umgehend, dass damit zugewartet werden müsse, bis das Departement für Inneres
und Kultur den Rekurs gegen den Beschluss vom 1. April 2015 beurteilt habe (O2S
15 15 act. 6/24a).
r) Am 17. Juni 2015 erhob H_ namens und im Auftrag ihres Vaters Strafantrag
wegen Sachentziehung und Veruntreuung gegen R_ in seiner Funktion als
Willensvollstrecker von O_ sel. (act. B 2/1).
s) Mit Eingabe vom 18. Juni 2015 stellte M_ Strafantrag gegen R_ wegen
Nötigung sowie eventuell Erpressung und Amtsmissbrauch; gleichzeitig erklärte er,
dass er sich als Privatkläger am Verfahren beteiligen wolle und eine zivilrechtliche
Forderung von CHF 5‘825.75 geltend mache. Dieser Betrag sei von R_ zu
Unrecht gefordert und im Erbteilungsvertrag als Abtretung bezeichnet worden (O2S
15 15 act. B 7/16.1).
t) Am 11. August 2015 verfügte Staatsanwalt Dr. Bruno Werlen die Einstellung des
Strafverfahrens U 15 168 betreffend Amtsmissbrauch, Nötigung, Begünstigung,
Betrug und Veruntreuung gegen das Erbschaftsamt X_, das Sozialamt X_
sowie R_ (O2S 15 15, B 7/17). Ebenfalls am 11. August 2015 stellte der
Staatsanwalt das Verfahren U 15 804 betreffend Sachentziehung gegen R_ ein
(O2S 15 15 act. B 7/18).
C. Prozessgeschichte
a) Gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft in Sachen Staat gegen das Erb-
schaftsamt X_, das Sozialamt X_ sowie R_ betreffend Amtsmissbrauch,
Nötigung, Begünstigung, Betrug und Veruntreuung (U 15 168) liess M_ am 24.
August 2015 durch seine Tochter H_ Beschwerde beim Obergericht Appenzell
Ausserrhoden erheben. Die Beschwerde wurde unter der Prozessnummer O2S 15
15 eingeschrieben und mit Beschluss vom 31. Oktober 2017 sistiert, bis über den
Antrag von M_ auf Kostenübernahme für die Sicherheitsleistung durch die
Gemeinde X_ endgültig entschieden ist (O2S 15 15 act. B 23). In der
Zwischenzeit wurde betreffend die Kostenübernahme durch die Gemeinde X_
zwar eine Vereinbarung geschlossen, auf explizites Ersuchen von M_ vom 13.
Mai 2019 (O2S 15 15 act. B 26) bleibt das Verfahren O2S 15 15 indessen solange
sistiert, bis die vorliegende Streitsache mit der Verfahrens-Nr. O2S 18 13 endgültig
abgeschlossen ist
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b) Mit Eingabe vom 6. Juni 2018 gelangte M_ an das Obergericht und machte
geltend, er habe am 28. Mai 2018 im Rahmen der Akteneinsicht im Verfahren O2S
15 15 erstmals Kenntnis von der Einstellungsverfügung gegen R_ vom 11.
August 2015 betreffend Sachentziehung (U 15 804) erhalten und erhebe
Beschwerde gegen die erwähnte Einstellungsverfügung (O2S 18 13 act. B 1).
c) Mit Schreiben vom 20. Mai 2019 erklärte M_, dass er an den Beschwerden O2S
15 15 und O2S 18 13 ungeachtet seiner Verpflichtung aus der Vereinbarung mit der
Gemeinde X_ vom 12./13. Dezember 2018 festhalte. Die Sistierung bezüglich
der Einstellungsverfügung in Sachen U 15 168 vom 11. August 2015
(Beschwerdeverfahren O2S 15 15) sei aufrecht zu halten bis rechtskräftig über die
vorliegende Beschwerde O2S 18 13 bezüglich der Einstellungsverfügung U 15 804
entschieden sei (act. B 6).
d) Am 13. Juni 2019 wurden dem Beschwerdegegner und der Staatsanwaltschaft je
eine Kopie der Beschwerdeschrift samt Beilagen zugestellt und ihnen Gelegenheit
zur Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme eingeräumt, die Erledigung der
Beschwerde an einer der nächsten Sitzungen der 2. Abteilung zur Kenntnis
gebracht und die Parteien gebeten, allfällige Entschädigungsforderungen innert
10 Tagen schriftlich geltend zu machen (act. B 7). Innert der angesetzten Frist
gingen keine Entschädigungsforderungen ein.
Auf die Ausführungen in den vorstehend aufgeführten Eingaben kann verwiesen
werden; soweit für die Beurteilung der Beschwerde erforderlich, ist darauf im Rah-
men der nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
D. Beschluss des Obergerichts
Das Obergericht führte seine Beratung am 20. August 2019 durch und eröffnete den Par-
teien seinen Entscheid anschliessend im Dispositiv (act. B 10).
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Erwägungen
1. Formelles
1.1 Bezüglich der im Kanton Appenzell Ausserrhoden seit 1. Januar 2011 für die Strafrechts-
pflege zuständigen Behörden nach StPO ist auf Art. 26 des Justizgesetzes vom 13. Sep-
tember 2010 (JG, bGS 145.31) hinzuweisen. Nach Art. 26 JG ist das Obergericht Beru-
fungs- und Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Rechtspflege.
1.2 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft ist die
Beschwerde gegeben (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Eine Einstellungsverfügung der
Staatsanwaltschaft stellt eine solche Verfahrenshandlung dar (Art. 393 Abs. 1 lit. a in Ver-
bindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO; PATRICK GUIDON, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl.
2014, N. 10 zu Art. 393 StPO; ANDREAS J. KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.],
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 16 zu Art. 393
StPO). Ausschlussgründe nach Art. 394 StPO liegen keine vor.
1.3 Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen
schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO).
Vorliegend wurde die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft frühestens am
11. August 2015 zugestellt (O2S 18 13 act. B 3). Dies geschah entgegen Art. 85 Abs. 2
StPO mit normaler Post (O2S 18 13 act. B 9), so dass nicht überprüft werden kann, ob
überhaupt und allenfalls wann der Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung
erhalten hat. Mithin ist mangels anderer Grundlagen von der Darstellung des
Beschwerdeführers auszugehen, nämlich dass er erst am 28. Mai 2018, im Rahmen der
Aktensicht im Verfahren O2S 15 15, Kenntnis von der Einstellungsverfügung U 15 804
erhalten hat. In Berücksichtigung dieser Umstände erweist sich die Erhebung der
Beschwerde am 6. Juni 2018 als fristgerecht (Art. 396 Abs. 1 StPO).
1.4 Sodann stellt sich die Frage nach der Legitimation von M_ zur Beschwerdeeinreichung.
Die Legitimation für die Ergreifung der Beschwerde gegen die Einstellung eines
Strafverfahrens richtet sich nach Art. 382 StPO, wobei die Privatklägerschaft einen Ent-
scheid hinsichtlich der ausgesprochenen Sanktion nicht anfechten kann (Art. 382 Abs. 2
StPO). Hat sich der Geschädigte oder das Opfer nicht als Privatklägerschaft im Strafpunkt
konstituiert (obschon sie dafür Gelegenheit hatten), sind sie nicht beschwerdelegitimiert
(LANDSHUT/BOSSHARD, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweize-
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rischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 322 StPO). Es stellt sich daher
die Frage, ob M_ im Verfahren gegen R_ Privatkläger im Sinne von Art. 104 Abs. 1
lit. b StPO ist. Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt,
sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen. Der Strafantrag ist dieser
Erklärung gleichgestellt. Die Erklärung ist gegenüber einer Strafverfolgungsbehörde
spätestens bis zum Abschluss des Vorverfahrens abzugeben (Art. 118 Abs. 1-3 StPO).
Privatkläger im Strafpunkt ist M_ bereits aufgrund seines Strafantrages betreffend die
Sachentziehung (Art. 118 Abs. 2 StPO; O2S 18 13 act. B 2/1).
Weiter macht M_ im vorliegenden Verfahren geltend, ihm sei ein Schaden entstanden,
indem R_ sich geweigert habe, ihm den Erbanteil auszuzahlen und er deshalb
gezwungen gewesen sei, bei der Schweizer Botschaft um ein Rückflugticket in die
Schweiz zu ersuchen (O2S 18 13 act. B 2/1). Ein Schaden sei auch insoweit entstanden,
als er zum Unterschreiben des Erbteilungsvertrages genötigt worden sei, obwohl ein
überhöhter Betrag zur Verrechnung gestellt worden sei (CHF 5‘825.75 statt
CHF 1‘996.00; O2S 18 13 act. B 1, S. 2).
Die Strafanzeige/der Strafantrag von M_ vom 17. Juni 2015 richtet sich explizit gegen
R_ in seiner Funktion als von O_ sel. eingesetztem Willensvollstrecker (act. B
2/1). Gemäss Lehre haftet der Willensvollstrecker gestützt auf Art. 394 ff. OR und/oder
Art. 97 OR (http://www.voser.ch/sites/default/files/dateiuploads/ notariat-
lexpress_voser_maerz2014.pdf; https://www.ius.uzh.ch/dam/jcr:92984dfb-c47b-4ef9-
8d5b-ebc498d3c3e6/1.4%20Willensvollstreckung_Aktuelle%20Praxis%202016_ L%C3%
B6sungen%203.pdf).
Wird gegen einen Willensvollstrecker gestützt auf sein Tätigwerden eine Forderung erho-
ben, stützt diese sich somit auf das Zivilrecht und M_ ist demzufolge im
Beschwerdeverfahren O2S 18 13 als Privatkläger im Zivilpunkt zu betrachten.
Somit ist M_ zur Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung in Sachen Staat gegen
R_ legitimiert.
1.5 In der Beschwerde vom 6. Juni 2019 verlangt M_, die angefochtene Verfügung sei
vollumfänglich aufzuheben und die Untersuchung gegen den Willensvollstrecker R_
wegen Sachentziehung und Veruntreuung unverzüglich voranzutreiben (O2S 18 13 act. B
1, S. 1). Lediglich in der Begründung wird dann erwähnt, es müsse auch noch der
Straftatbestand der Amtsgeheimnisverletzung geprüft werden (O2S 18 13 act. B 1, S. 3).
Gemäss Eingabe vom 20. Mai 2019 (O2S 18 13 act. B 26) beantragt der
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Beschwerdeführer, das Verfahren gegen R_ wegen Sachentziehung und Veruntreuung
weiterzuverfolgen und um die Tatbestände des Amtsmissbrauchs, der Nötigung, der
Begünstigung und des Betrugs im Zusammenhang mit seiner Amtsführung als
Willensvollstrecker zu erweitern.
Nach der Lehre (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 9b und 9e zu Art. 396 StPO; ANDREAS J.
KELLER, a.a.O., N. 15 zu Art. 396 StPO) ist eine nachträgliche Ergänzung der Beschwerde
nicht möglich. Ebenso wenig kann diese auf Tatbestände ausgeweitet werden, welche in
der angefochtenen Verfügung nicht behandelt wurden (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 9b zu
Art. 396 StPO; PATRICK GUIDON Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozess-
ordnung, 2011, Rz. 390 und 543 mit weiteren Hinweisen).
Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 11. August 2015 erwähnt lediglich
den Tatbestand der Sachentziehung (O2S 18 13 act. B 3), nicht jedoch denjenigen der
Veruntreuung, welchen der Beschwerdeführer gleichzeitig zur Anzeige gebracht hat. Weil
aus der angefochtenen Verfügung nicht klar hervorgeht, ob die Staatsanwaltschaft den
Tatbestand der Veruntreuung ebenfalls geprüft hat (und dies nur nicht explizit erwähnt
hat) oder ob diesbezügliche Abklärungen unterlassen wurden, wird das Obergericht im
Folgenden diesen Straftatbestand ebenfalls in seine Beurteilung miteinbeziehen. Hinge-
gen darf das beschliessende Gericht nach dem soeben Gesagten nur die in der ange-
fochtenen Verfügung behandelten Tatbestände überprüfen und eine Ausweitung der
Beschwerde auf weitere Delikte ist nicht zulässig. Die Tatbestände der Amtsgeheimnis-
verletzung, des Amtsmissbrauchs, der Nötigung, der Begünstigung und des Betrugs im
Zusammenhang mit der Funktion als Willensvollstrecker, welche erst nach Ergehen der
Einstellungsverfügung ins Spiel gebracht wurden (O2S 18 13 act. B 1 und B 6/2), können
somit nicht behandelt werden. Auf die Beschwerde kann also nur eingetreten werden,
soweit es um die Tatbestände der Sachentziehung bzw. Veruntreuung geht.
1.6 Die Beschwerde ist schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen
(Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen, einschliesslich
Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzö-
gerung (lit. a); die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b);
Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden (Art. 398 Abs. 2 StPO). Neue Tatsachenbe-
hauptungen und Beweise sind zulässig (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 16 zu Art. 393 StPO;
siehe auch ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 42 zu Art. 393 StPO). Die Beschwerde wird in
einem schriftlichen Verfahren behandelt. Heisst das Obergericht die Beschwerde gut, so
fällt es einen neuen Entscheid oder hebt den angefochtenen Entscheid auf und weist ihn
zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück (Art. 397 Abs. 1 und 2 StPO). Refor-
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matorische Entscheide gemäss Art. 397 Abs. 2 StPO machen Sinn, wenn nach der kon-
kreten Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt des Beschwerdeentscheids ein Entscheid in
der Sache möglich ist (ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 7 zu Art. 397 StPO). Kassatorische
Entscheide kommen namentlich infrage, wenn der Entscheid auf einer unvollständigen
Sachverhaltsfeststellung beruht, ungenügend begründet ist oder Widersprüche enthält,
die nicht durch Auslegung beseitigt werden können (ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 7 zu
Art. 397 StPO). Der kantonale Beschwerdeentscheid, der die Einstellung des Verfahrens
schützt, kann mit Strafrechtsbeschwerde an das Bundesgericht angefochten werden.
Beschwerdeentscheide, welche die Weiterführung des Verfahrens bewirken, sind nicht
anfechtbar (LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 13 zu Art. 322 StPO).
1.7 Schliesslich ist zu prüfen, ob auf das in der Beschwerdeeingabe vom 6. Juni 2018 enthal-
tene Rechtsbegehren eingetreten werden kann. Der (Beschwerde-)Antrag muss auf
Änderung bzw. Aufhebung einer oder mehrerer Dispositivpunkte lauten, sofern solche
vorhanden sind (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 9b zu Art. 396 StPO). Das fragliche Begeh-
ren richtet sich gegen die Einstellung des Verfahrens U 15 804 gegen R_ wegen
Sachentziehung und ist nach dem Gesagten zulässig.
2. Materielles
2.1 Sachentziehung
2.1.1 Die Staatsanwaltschaft sieht kein unrechtmässiges Verhalten von R_. Ihres Erachtens
durften die Sozialhilfeleistungen zurückgefordert und auch eine Abtretung verlangt werden
(O2S 18 13 act. B 3, S. 3). Ihres Erachtens wird auch durch das Verlangen einer allenfalls
nicht erforderlichen Vollmacht kein Straftatbestand erfüllt (O2S 18 13 act. B 3, S. 4).
Ebenso wenig dadurch, dass R_ die Auszahlung des Erbanteils vom Ausgang des
Rekursverfahrens gegen die Gemeinde X_ (Vorwurf der Verletzung der Meldepflicht
durch M_ gegenüber der Gemeinde X_ betreffend den Tod seiner Mutter) abhängig
machte (O2S 18 13 act. B 3, S. 4).
2.1.2 Der Beschwerdeführer bringt vor (O2S 18 13 act. B 1, S. 2), er sei während der Zeit von
der Unterzeichnung der Abtretung am 24. November 2014 bis zur Einstellung der Unter-
stützungszahlungen am 31. Dezember 2014 erwiesenermassen mit CHF 1‘996.00 unter-
stützt worden. Mit betrügerischen Argumenten seien im Erbteilungsvertrag Unterstüt-
zungszahlungen im Betrag von CHF 5‘825.75 für die 38 Tage von seinem Erbanteil abge-
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zogen worden, was eine illusorische Zahl sei. Mit dem E-Mail von R_ vom 2. Juni 2015
sei er zur Unterzeichnung des betrügerischen Erbteilungsvertrages gezwungen worden.
Sodann habe R_ sich geweigert, seinen Erbanteil auszuzahlen, bis das Departement
des Innern und Kultur über den Rekurs gegen die Verfügung der Gemeinde X_ vom 1.
April 2015 entschieden habe (O2S 18 13 act. B 1, S. 3). Es sei nicht nachvollziehbar,
dass eine Auszahlung erst erfolgen solle, wenn andere Verfahren, welche mit der
Erbteilung nichts zu tun hätten, entschieden seien.
2.1.3 Der Beschwerdegegner und die Staatsanwaltschaft liessen sich - wie erwähnt (oben C.d)
- nicht vernehmen.
2.1.4 Wer dem Berechtigten ohne Aneignungsabsicht eine bewegliche Sache entzieht und ihm
dadurch einen erheblichen Nachteil zufügt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren oder Geldstrafe bestraft.
Der Tatbestand der Sachentziehung (Art. 141 StGB) fordert seit der Revision 1994 eine
bewegliche Sache als Tatobjekt, wobei der Sachbegriff demjenigen bei den Aneig-
nungsdelikten entspricht. Es kommen nur körperliche Sachen in Frage. Forderungen,
Rechte, Erfindungen haben demzufolge keine Sachqualität, wohl aber die sie verkörpern-
den Urkunden (PHILIPPE WEISSENBERGER, Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auf. 2019,
N. 1 ff. zu Art. 141 StGB; TRECHSEL/CRAMERI, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches
Strafgesetzbuch, 3. Aufl. 2018, N. 1 f. zu Art. 141 StGB). Die frühere Kontroverse, ob
auch nicht verkörperte Forderungen als „Sachen“ zu behandeln sind, hat der Gesetzgeber
mit der Schaffung eines separaten Tatbestands (Art. 141 bis
StGB) beigelegt (TRECH-
SEL/CRAMERI, a.a.O., N. 2 vor Art. 137 StGB). Art. 141 bis
StGB kann hier jedoch nicht
angewendet werden, weil dieser sich auf Vermögenswerte bezieht, die jemanden ohne
seinen Willen zugekommen sind.
2.1.5 Der Vorwurf an R_ lautet, dass er den Erbanteil von M_ trotz unterzeichnetem
Erbteilungsvertrag nicht umgehend auszahlte, sondern eine Überweisung vom Ausgang
eines beim Departement des Innern und Kultur anhängigen Rekurses abhängig machte
resp. einen zu hohen Betrag vom Erbanteil abzog. Beim Erbanteil von M_ handelte es
sich nicht um eine bewegliche Sache im Sinne des Gesetzes, sondern lediglich um einen
geldwerten Anspruch, eine Forderung. Somit kann bereits der objektive Tatbestand der
Sachentziehung, d.h. von Art. 141 StGB nicht gegeben sein.
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2.2 Veruntreuung
2.2.1 Wie oben (E. 1.5) ausgeführt, hat die Staatsanwaltschaft den Tatbestand der Veruntreu-
ung in der Einstellungsverfügung vom 11. August 2015 nicht explizit abgehandelt (O2S 18
13 act. B 3). Weil dieser Vorwurf gegen R_ in seiner Funktion als Willensvollstrecker
erhoben wurde (O2S 18 13 act. B 2/1) und ein Versehen nicht ausgeschlossen werden
kann, wird im Folgenden trotzdem kurz darauf eingegangen.
2.2.2 Die Staatsanwaltschaft sieht kein unrechtmässiges Verhalten von R_. Ihres Erachtens
durften die Sozialhilfeleistungen zurückgefordert und auch eine Abtretung verlangt werden
(O2S 18 13 act. B 3, S. 3). Ihres Erachtens wird auch durch das Verlangen einer allenfalls
nicht erforderlichen Vollmacht kein Straftatbestand erfüllt (O2S 18 13 act. B 3, S. 4).
Ebenso wenig dadurch, dass R_ die Auszahlung des Erbanteils vom Ausgang des
Rekursverfahrens gegen die Gemeinde X_ (Vorwurf der Verletzung der Meldepflicht
durch M_ gegenüber der Gemeinde X_ betreffend den Tod seiner Mutter) abhängig
machte (O2S 18 13 act. B 3, S. 4).
2.2.3 M_ begründete seinen Strafantrag/seine Strafanzeige damit (O2S 18 13 act. B 1), dass
er den Erbteilungsvertrag am 4. Juni 2015 unterzeichnet habe und dieser somit -
nachdem alle Erben zugestimmt hatten - rechtsgültig gewesen sei. Auf seine Frage, wann
das Geld ausbezahlt werde, habe R_ geantwortet, dass der Ausgang des Rekurses
von M_ gegen den Beschluss des Gemeinderates X_ vom 1. April 2015 betreffend
Rückerstattung bezogener Sozialhilfe abgewartet werden müsse. Weiter sei er während
der Zeit von der Unterzeichnung der Abtretung am 24. November 2014 bis zur Einstellung
der Unterstützungszahlungen am 31. Dezember 2014 erwiesenermassen mit CHF
1‘996.00 unterstützt worden. Mit betrügerischen Argumenten seien im Erbteilungsvertrag
Unterstützungszahlungen im Betrag von CHF 5‘825.75 für die 38 Tage von seinem
Erbanteil abgezogen worden, was eine illusorische Zahl sei.
2.2.4 Eine Veruntreuung begeht, wer sich eine ihm anvertraute fremde bewegliche Sache
aneignet, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern oder wer ihm
anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines andern Nutzen ver-
wendet (Art. 138 Abs. 1 StGB). In subjektiver Hinsicht sind Vorsatz und Absicht unrecht-
mässiger Bereicherung erforderlich. Der Vorsatz muss sich auf die Unrechtmässigkeit der
Verwendung beziehen (ANDREAS DONATSCH, in: Donatsch [Hrsg.], Kommentar Schweize-
risches Strafgesetzbuch, 20. Aufl. 2018, N. 21 zu Art. 138 StGB).
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2.2.5 Die Veruntreuung einer fremden beweglichen Sache ist hier ebenso wenig gegeben, wie
eine Entziehung einer Sache (siehe zum Sachbegriff die Ausführungen unter Sachentzie-
hung, auch TRECHSEL/CRAMERI, a.a.O., N. 2 zu Art. 138 StGB).
Die unrechtmässige Verwendung von Vermögenswerten im Nutzen des Täters oder eines
andern besteht in einem Verhalten, durch welches der Täter eindeutig seinen Willen
bekundet, den obligatorischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln (ANDREAS
DONATSCH, a.a.O., N. 19 zu Art. 138 StGB). Diese Tatbestandsvariante scheitert nach
Auffassung des beschliessenden Gerichts daran, dass die Gemeinde X_, jederzeit in
der Lage war, M_ seinen Anspruch zu ersetzen resp. ihn schadlos zu halten. Zudem
war der Anspruch von M_ der Gemeinde oder R_ nicht im Sinne von Art. 138 StGB
anvertraut worden, denn „massgeblich ist allemal, dass die Verfügungsmacht über den
Vermögenswert dem Täter von einem anderen bewusst und rechtlich gültig übertragen
wird (NIGGLI/RIEDO, Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auf. 2019, N. 93 zu Art. 138
StGB). Auch der objektive Tatbestand der Veruntreuung ist somit nicht gegeben.
Sind bereits die objektiven Tatbestände der Sachentziehung bzw. der Veruntreuung nicht
erfüllt, hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren Nr. U 15 804 zu Recht gestützt auf Art.
319 Abs. 1 StPO eingestellt und die Beschwerde ist - soweit darauf eingetreten werden
kann - abzuweisen.
3. Unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
3.1 Gleichzeitig mit der Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung Nr. U 15 804 hat M_
am 6. Juni 2018 auch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ersucht
(Verfahren ERS 18 7, act. 1).
3.2 Die Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege für die Privatklägerschaft sind in
Art. 136 StPO geregelt. Dieser lautet wie folgt:
Die Verfahrensleitung gewährt der Privatklägerschaft für die Durchsetzung ihrer  ganz oder teilweise die unentgeltliche Rechtspflege, wenn:
a. die Privatklägerschaft nicht über die erforderlichen Mittel verfügt; und b. die Zivilklage nicht aussichtslos erscheint.
Die unentgeltliche Rechtspflege umfasst:
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a. die Befreiung von Vorschuss- und Sicherheitsleistungen; b. die Befreiung von Verfahrenskosten; c. die Bestellung eines Rechtsbeistands, wenn dies zur Wahrung der Rechte der Privat-
klägerschaft notwendig ist.
Die Voraussetzungen von Art. 136 Abs. 1 lit. a und b müssen dabei kumulativ erfüllt sein
(MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, Basler Kommentar, StPO, 2. Auf. 2014, N. 14 zu Art. 136 StPO),
wobei das Gesuch während des erst- oder oberinstanzlichen Verfahrens jederzeit gestellt
werden kann (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 10 zu Art. 136 StPO).
Die unentgeltliche Rechtspflege wird lediglich für die als Zivilklägerin auftretende Privat-
klägerschaft gewährt, die im Strafverfahren Zivilansprüche im Sinne von Art. 122 ff. StPO
anmelden will. Für die nur als Strafklägerin auftretende geschädigte Person (auch nicht
das Opfer) kommt sie nicht in Frage, was nicht ausschliesst, dass der für den Zivilpunkt
bestellte Rechtsbeistand auch im Strafpunkt tätig wird (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 2 zu
Art. 136 StPO).
3.3 Die Voraussetzung der Mittellosigkeit kann aufgrund der eingereichten Unterlagen (ERS
18 7 act. 6 und 9) bejaht werden.
3.4 Oben (E. 1.4) wurde ausgeführt, dass M_ gegen R_ in dessen Funktion als
Willensvollstrecker adhäsionsweise privatrechtliche Ansprüche geltend macht. Weil der
Willensvollstrecker gemäss herrschender Lehre gestützt auf das Zivilgesetzbuch (Art. 97
oder Art. 394 ff. OR) haftet, handelt es sich dabei um eine Zivilklage im Sinne des
Gesetzes.
Als aussichtslos sind Begehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich
geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet wer-
den können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaus-
sichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind
als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei ver-
nünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Pro-
zess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb
anstrengen können, weil er sie nichts kostet. Ob im Einzelfall genügende Erfolgsaussich-
ten bestehen, beurteilt sich aufgrund einer vorläufigen und summarischen Prüfung der
Prozessaussichten, wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs
massgebend sind (BGE 138 III 218 E. 2.2.4, 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen;
SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 6 zu Art. 136 StPO).
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Auch wenn die Strafbestände der Veruntreuung (Art. 138 StGB) resp. der Sachentziehung
(Art. 141 StGB) nach Auffassung des beschliessenden Gerichts nicht erfüllt sind (vgl. E.
2.1 und 2.2) bedeutet das nicht zwingend, dass die Zivilklage aussichtslos ist, da für die
zivilrechtliche Haftung andere Voraussetzungen als im Strafrecht gelten bzw. erfüllt sein
müssen. Eine konkrete Prüfung dieser Voraussetzungen würde den Rahmen des vorlie-
genden Verfahrens sprengen und ist nach dem oben Gesagten (es wird eine vorläufige
und summarische Prüfung verlangt) auch nicht erforderlich. Für den Zeitpunkt der Einrei-
chung des Gesuchs kann die Aussichtslosigkeit der Zivilforderung damit nicht klar bejaht
werden, weshalb die unentgeltliche Rechtspflege im Zweifelsfall zu gewähren ist (VIKTOR
LIEBER, a.a.O., N. 6 zu Art. 136 StPO mit weiteren Hinweisen).
Daran ändert auch nichts, dass M_ seine Zivilforderung gegenüber R_ gemäss der
Vereinbarung mit der Gemeinde X_ vom 12./13. Dezember 2018 im Stadium der
Vermittlung zurückgezogen hat (Verfahren KR1 18 61). Die Zivilprozessordnung sieht die
Fortführungslast nach Art. 65 ZPO nämlich erst mit der Zustellung der Klage an die
Gegenpartei vor (DOMINIK INFANGER, in: Basler Kommentar, ZPO, 3. Aufl. 2017, N. 2 ff. zu
Art. 65 ZPO). Das heisst, dass die Zivilklage trotz des Rückzugs im Vermittlungsverfahren
ohne weiteres nochmals eingereicht werden könnte und somit noch besteht.
3.5 Ein unentgeltlicher Rechtsbeistand ist zu bewilligen, wenn einerseits die Voraussetzungen
von Art. 136 Abs. 1 lit. a und b StPO erfüllt sind, anderseits, wenn dies zur Wahrung der
Rechte notwendig ist (Art. 136 Abs. 2 lit. c StPO). Dies bedeutet, dass die Privatkläger-
schaft auf sich selbst gestellt, nicht fähig wäre, ihre Anliegen vor den Strafbehörden wirk-
sam zu vertreten, d.h. ohne Rechtsbeistand nicht in der Lage wäre, ihre Zivilklage effizient
einzubringen und zu vertreten. Dies gilt vorab, wenn komplizierte Sach- oder Rechtsfra-
gen anstehen, also beispielsweise nicht, wenn in einem Fall nach Art. 217 StGB ein
rechtskräftiges Zivilurteil vorliegt, welches Unterhaltsbeiträge ausweist. Waffengleichheit,
d.h. wenn der Beschuldigte verteidigt ist, ist allein kein Grund (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O.,
N. 4 zu Art. 136 StPO). Nach der (restriktiven) Praxis des Bundesgerichts zu Art. 29 Abs.
3 BV kann im Adhäsionsprozess der geschädigten Person in der Regel zugemutet wer-
den, ihre privatrechtlichen Ansprüche ohne anwaltliche Vertretung geltend zu machen.
Das soll insbesondere bei Ansprüchen auf Schadenersatz und Genugtuung gelten, da im
Normalfall der unmittelbare Schaden leicht belegt werden kann (BGE 131 I 354 E. 2.4;
128 I 225 E. 2.5.2; 116 Ia 459 E. 4 lit. e).
Der Sachverhalt bietet vorliegend keine besonderen Schwierigkeiten. Dazu kommt, dass
der Beschwerdeführer und seine Tochter, welche ihn unterstützt, sehr prozesserfahren
sind, was seine umfangreichen Ausführungen denn auch belegen, und die Hürden im
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strafprozessualen Beschwerdeverfahren nicht hoch sind. Schliesslich ist der Beschwer-
deführer durch die untersuchten Delikte nicht in schwerwiegender Weise betroffen wor-
den, sondern es geht lediglich um finanzielle Differenzen in maximal vierstelliger Höhe. Es
ist mithin von einem Bagatellfall auszugehen und das Ersuchen um Bestellung eines
Rechtsbeistandes ist abzuweisen (VIKTOR LIEBER, a.a.O., N. 11 zu Art. 136 StPO).
4. Kosten und Entschädigungen
4.1 Art. 428 StPO regelt die Kostentragungspflicht im Rechtsmittelverfahren. Gemäss dessen
Abs. 1 tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens.
Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die
das Rechtsmittel zurückzieht. Da die Beschwerde abgewiesen resp. nicht darauf einge-
treten wird und der Beschwerdeführer somit vollumfänglich unterlegen ist, sind ihm die
Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gebühr von CHF 500.00 (Art. 29 Abs. 1 lit. a
Gebührenordnung, bGS 233.3), aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der einfachen unent-
geltlichen Rechtspflege an den Beschwerdeführer werden sie vorläufig auf die Staats-
kasse genommen (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 4 zu Art. 138 StPO; VIKTOR LIEBER,
in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, 2. Aufl. 2014, N. 2 zu Art. 138 StPO).
4.2 Der unterlegene Beschwerdeführer hat, schon mangels eines entsprechenden Antrags
(act. B 7; SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 9 f. zu Art. 433 StPO), aber auch gestützt auf Art.
436 Abs. 1 i.V.m. Art. 433 Abs. 1 StPO keinen Anspruch auf eine Entschädigung im
Beschwerdeverfahren.
Der Beschwerdegegner hat im Beschwerdeverfahren obsiegt, weshalb er gestützt auf Art.
436 Abs. 1 i.V.m. Art. 432 Abs. 2 StPO gegenüber der Privatklägerschaft Anspruch auf
eine angemessene Entschädigung hätte. Mangels entsprechenden Antrags muss in casu
jedoch nicht darüber entschieden werden (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 14 zu Art. 429
StPO). .
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