Decision ID: 5c563a40-bba5-4fd6-8feb-e38f3a0737c2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958,
arbeitete
bis Ende 2007
als Maurer
(
Urk.
6/5,
Urk.
6/26 S. 2
,
Urk.
6/30
)
.
Nach einer Rückenoperation
meldete
er
sich
im
Dezember 2005 (
Urk.
6/2) und
e
rneut
im Februar 2008
(
Urk.
6/26 S. 7,
Urk.
6/22)
zum Leistungsbezug
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle)
, an
.
Ein Rentenanspruch wurde
aber
mals
verneint
(
Urk.
6/20,
Urk.
6/43)
.
Die dritte Anmeldung erfolgte im Juli 2010 nach einem
U
nfall mit nachfolgender Schulteroperation
(
Urk.
6/57 S.
39
,
Urk.
6/52)
.
G
estützt
auf ein
interdisziplinäres Gutachten
des
Zentrums Y._
(
Urk.
6/74)
sprach die IV-Stelle
mit Verfügungen vom August 2012
dem Versicherten
nunmehr
eine halbe Rente
rückwirkend
ab 1.
Januar 2011 zu (
Urk.
6/
8
3
,
Urk.
6/86
)
.
Im März 2013 leitete d
ie
IV-Stelle
von Amtes wegen
ein Revisionsverfahren ein (
Urk.
6/117 S. 1).
M
it Fragebogen und Schreiben vom
April 2013
beantragte der Versicherte mit sofortiger Wirkung
eine
Dreiviertelsrente
(
Urk.
6/107).
Nach einigen Abklärungen
(
Urk.
6/108
,
6/109, 6/114
,
6/116
und 6/117 S. 3 f.
)
teilte ihm die IV-Stelle
am 1
2.
September 2013
formlos mit,
man habe keine
renten
relevante
Änderung des
Invaliditätsgrades
festgestellt
(
Urk.
6/119).
Da
der Ver
sicherte
mit
Eingabe vom 1.
Oktober 2013 an
seinem Antrag
fest
hielt
(
Urk.
6/120)
,
setzte
ihm die IV-Stelle Frist zur
Glaubhaftmachung eine
r wesent
lichen Tatsachenänderung
und
Einreichung von Beweismitteln
an
(
Urk.
6/121)
.
Nach mehreren Telefongesprächen und Schreiben (
Urk.
6/121-123 und
6/125-128)
unterzeichnete
de
r
Versicherte
am 16.
März 2014
schliesslich
eine
von der IV-Stelle vorbereitete
Rückzugserklärung
(
Urk.
6/131)
, verlangte
aber
gleichzei
tig e
ine
100%-
R
ent
e ab
April 2014 (
Urk.
6/130
, Beilage
n
Urk.
6/129)
.
Di
e IV-Stelle
setzte ihm
hierauf
wiederum
Frist
zur
Glaubhaftmachung eines Revisionsgrundes
an
(
Urk.
6/
133
-
134)
und erliess nach Vorliegen weiterer Unterlagen (
Urk.
6/135-136) am 20. Juni 2014 einen negativen Vorbescheid
(
Urk.
6/137)
. Dagegen erhob der Versicherte keinen Einwand.
Mit Verfügung vom 18. September 2014
w
ies die IV-Stelle das
Erhöhungsgesuch
ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diese
Verfügung
erhob der Versicherte am 8. Oktober 2014 Beschwerde (
Urk.
1)
unter Beilage von zwei
Arztzeugnisse
n
(
Urk.
3/1-2). In der Beschwerde
antwort vom 17. November 2014 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5).
Nachdem das hiesige Gericht den
Versicherten
mit Verfü
gung vom 13. Oktober 2014 auf seine Mitwirkungspflicht gemäss
§
18
Abs.
2
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hingewiesen hatte (
Urk.
4), reichte er d
iverse medizinische Unterlagen ein
(
Urk.
8 und
8/1
-4
)
.
Die
diesbezügliche
Stellungnahme der IV-Stelle
vom 1
2.
August 2015
(
Urk.
11)
wurde
dem
Versicherten
zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Anlass zur
Ren
tenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan
des erheblich verändert haben (BGE 1
30 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Z
eitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachver
haltsabklärung
, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensver
gleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis).
1.2
Gemäss
Art.
88a
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist e
ine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat. Die Erhöhung der Rente erfolgt dann gemäss
Art.
88
bis
Abs.
1 IVV frühestens von dem Monat an, in dem das Revisionsbegehren gestellt wurde, sofern der Versicherte die Revi
sion verlangt (
lit
. a), und bei einer Revision von Amtes wegen von dem für diese vorgesehenen Monat an (
lit
. b
; BGE 105 V 262, Urteil des Bundes
-
gerichts
8C_394/2013 vom 18. Februar 2014
).
Dabei kommt es – im Sinne der Kausalität – grundsätzlich darauf an, ob die Verwaltung oder der Versicherte das
Revi
sionsverfahren
in Gang setzte. Das Revisionsgesuch eines Renten
-
bezügers, das in Kenntnis des schon von Amtes wegen eingeleiteten Revisions
-
verfahrens ein
gereicht wurde, vermag die Anwendbarkeit von
lit
. b nicht zugunsten von
lit
. a zu verdrängen (vgl.
Ulrich
Meyer/
Marco
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bun
desgerichts zum IVG,
3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014,
Art.
30-31 N 111).
1.3
Ferner
sieht
Art.
87
Abs.
2
IVV vor, dass
der Versicherte im Falle eines
Revisions
gesuchs
die massgebliche Tatsachenänderung zunächst glaubhaft machen muss
, ihm gemäss Bundesgericht mithin ausnahmsweise eine
Beweis
führungslast
zukommt (
BGE 1
30 V 64 E.
5.2.5
). Erst wenn die Verwaltung a
uf das erneute Leistungsbegehren ein
tritt
, hat sie gestützt auf den
ansonsten all
gemein geltenden
Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3
a).
Die von Amtes wegen durchgeführte Revision beinhaltet demgegenüber stets eine materielle Überprüfung des Rentenanspruchs (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungs
gerichts
I_526/2002 vom 27. August 2003 E. 2.3 mit Hinweis).
1.
4
Schliesslich
ist darauf hinzuweisen, dass
die
IV-Stelle
nach
Art.
49
Abs.
1 ATSG
verpflichtet ist,
über Leistungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist,
eine schriftliche Verfügung
im Sinne von
Art.
5
Abs.
1 des Bundesgesetz
es
über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
)
zu erlassen
. Bei periodischen Leistungen ist die Erheblichkeit zu bejahen, wes
halb die Zusprechung einer Invalidenrente
und ebenso
die Verneinung eines entsprechenden Anspruchs
grundsätzlich
formell zu verfügen
sind
(vgl. Urs Müller
, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung,
Bern 2010, S.
431
Rz
2199, BGE 132 V 417 E. 4, vgl. ferner auch BGE 119 V 475 E. 1c zur Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG).
Dessen
ungeachtet
erliess der Bundesrat gestützt auf
Art.
58 IVG in
Art.
74
ter
IVV
einen (abschliessenden)
Katalog bestimmter
erheblicher
Leistungen
, für
die das formlose Verfahren nach
Art.
51 ATSG
möglich ist („Kann-Vorschrift“)
. So können gemäss
Art.
74
ter
lit
. f
IVV
Renten nach einer von Amt
es wegen durch
geführten Revision
ohne Erlass eines Vorbescheids oder einer Verfügung wei
terhin ausgerichtet werden, sofern keine leistungsbeeinflussende Änderung der
Verhältnisse festgestellt wurde, und dem Begehren der versicherten Person voll
umfänglich entsprochen wurde.
Der entsprechende Beschluss ist dem Versicherte
n
schriftlich mitzuteilen
und er ist
darauf aufmerksam zu machen, dass er den Erlass einer Verfügung verlangen kann, wenn er mit dem Beschluss nicht einverstanden ist (
Art.
74
quarter
IVV;
vgl. Urs Müller
,
a.a.O.,
S.
434
Rz
2198 und 2222 ff.).
Wurde zu Unrecht das formlose Verfahren gewählt, aber
keine Verfügung verlangt, ist
die formlose
Mitteilung
im Sinne von
Art.
74
quater
IVV
in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt
bei späteren Revisionen
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundes
-
gerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte
in der angefochtenen Verfügung unter Bezug
nahme auf
das Gesuch vom Oktober 2013 aus, dass aufgrund der beschriebenen Zunahme der Schulterbeschwerden
rechts
keine Verschlechterung des Gesund
heitszustandes oder der Restarbeitsfähigkeit vorliege (
Urk.
2). In ihrer Stellung
nahme vom 1
2.
August 2015 machte sie demgegenüber geltend, die Mitteilung vom 1
2.
September 2013 sei zufolge Rückzug des Gesuchs vom Oktober 2013 in Rechtskraft erwachsen und somit das Gesuch vom März 2014 massgebend. Zu prüfen sei eine relevante Sachverhaltsänderung zwischen der
Rentenzuspre
chung
im August 2012 und dem Erlass der angefochtenen Verfügung. Berück
sichtigt werden könne daher nur die Schulteroperation vom 3. Juni 2014. Ohnehin habe der Eingriff vom 1. Oktober 2014 zu einer deutlichen Verbesse
rung der Handbeschwerden geführt, während die medizinische Massnahme vom 7. Oktober 2014 zwar keine Besserung der Rückenbeschwerden bewirkt habe, sich dem entsprechenden Bericht aber auch keine massgebliche Verschlechte
rung entnehmen lasse. Im Hinblick auf das funktionelle Belastungsprofil sei insgesamt von einem im Wesentlichen unveränderten Sachverhalt auszugehen (
Urk.
11).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dem in der Beschwerde
schrift
entgegen, die Rücken
schmerzen, Schulterbeschwerden und die Arthrose im Knie würden ihn zur Ein
nahme von täglich zehn - teils
morphiumhaltigen
– Tabletten zwingen. Seine Schmerzen und die Nebenwirkungen der Medikamente würden keine Erwerbs
tätigkeit mehr zulassen (
Urk.
1).
3.
3.1
Um beurteilen zu können, ob eine massgebliche Tatsachenänderung im Sinne von
Art.
17 ATSG eingetreten ist, muss zunächst die
zeitlic
he
Vergleichsbasis
festgelegt werden.
Dies erfordert eine Ausein
andersetzung mit den
prozessualen Handlungen der Parteien im vorinstanzlichen
Verwaltungs
verfahren
.
3.2
Die Zusprechung der Rente
wurde auf drei Seiten unter dem Titel
„
Verfügungs
teil
2: Zusprache einer Invalidenrente“
formell verfügt
(
Urk.
6/83)
.
Dieser „Ver
fügungsteil“
ist
weder
datiert
noch wird
er
ausdrücklich als Bestandteil der
an den Beschwerdeführer adressierten Verfügung vom 8. August 2012
erwähnt (
Urk.
6/86)
.
Letztere enthält
im Titel
jedoch
einen Hinweis auf
die Anzahl der Seiten
und ausserdem geht aus dem
Begleit
schreiben (
Urk.
6/80) zum Vorbe
scheid vom 23. März 2012 (6/81)
hervor
, dass
beabsichtigt war,
er
st
nach der
Berechnung des Geldbetrages
durch die Ausgleichskasse
eine beschwerdefähig
e
Rentenverfügung zu erlassen.
Es ist daher mit der Beschwerdegegnerin, welche den August 2012 al
s zeitliche Vergleichsbasis der Revision
bezeichnete (
Urk.
11), davon auszugehen,
dass
die rentenzusprechende Verfügung
im August 2012 erlassen und dem Beschwerdeführer eröffnet wurde.
3.
3
Das Revisionsverfahren wurde gemäss
Feststell
ungsblatt zum Beschluss vom 12.
September 2013
von Amtes wegen
im März 20
13 eingeleitet
(
Urk.
6/117). Dies entspricht
auch
de
n
vorgängigen Revisionsvermerken
auf
dem
Fes
tstel
lungsblatt
zum Vorbescheid
(
Urk.
6/78 S. 6)
und dem Schreiben betreffend Schadenminderungspflicht (
Alkoholabstinenz,
Urk.
6/79
)
, beide datiert vom 23. März 201
2.
In den nachfolgenden Monaten
prüfte die IV-Stelle den Sach
verhalt materiell gestützt
auf die
Untersuchungsmaxime
, indem sie
einen Aus
zug aus dem
I
ndividuellen Konto (
Urk.
6/108)
,
Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
6/109,
Urk.
6/114,
Urk.
6/116)
sowie eine Stellungnahme des
R
egionalen
Ä
rztlichen Dienstes (RAD;
Urk.
6/117 S. 3 f.)
ein
holte
.
Schliesslich
teilte si
e
dem B
eschwerdeführer
am 12. September 2013
formlos
mit,
man habe keine
renten
relevante
Änderung des Invaliditätsgrades festgestellt (
Urk.
6/119
; zur Formlo
sigkeit vgl. BGE 134 V 148 E. 3.2
).
Eine solche Ausnahme von der
Verfügungs
pflicht
nach
Art.
49
Abs.
1 ATSG ist nur bei Revisionen von Amtes wegen möglich (
Art.
74
ter
lit
. f IVV; vgl. E. 1.4).
Demnach
ging das Gesuch des Beschwerdeführers um Rentenerhöhung
im
April 2013 (
Urk.
6/107) während
eines bereits an die Hand genommenen, von Amtes wegen eingeleiteten
Revi
sionsverfahrens
bei de
r Beschwerdegegnerin ein.
Im Zusammenhang mit
Art.
74
ter
lit
. f IVV
ist
festzuhalten
, dass diese
A
usnahme
bestimmung
weder die
in
Art.
49
Abs.
1 ATSG
verankerte Verpflich
tung des Versicherungsträgers, bei fehlendem Einverständnis der betroffenen Person schriftlich zu verfüg
e
n, noch deren
Befugnis, gestützt auf
Art.
51
Abs.
2 ATSG den Erlass einer Verfügung zu verlangen
,
tangiert
(vgl. BGE 133 V 188
E. 3.3)
.
Auf
das Letztere
wies
die Beschwerdegegnerin
in der Mitteilung
vom 12.
September 2013
vorschriftsgemäss
auch
hin (
Art. 74
quater
Abs.
1 IVV;
Urk.
6/119 S. 2).
Hinsichtlich des fehlenden Einverständnisses des Beschwerdeführers
kann d
ahin
gestellt bleiben
,
ob
ein formloser Entscheid
nach dem Erhöhungsgesuch vom April 2013 ü
berhaupt
noch
zulässig war.
Einerseits lässt d
er
Wortlaut von
Art.
49
Abs.
1 ATSG
ohnehin
offen
, ob der Versicherungsträger
(1)
bereits bei Kenntnisnahme des fehlenden Einverständnisses
des Versicherten
oder
(2)
erst auf besonderes Verlangen hin formell verfügen muss
, d.h. vorerst hoffen kann, der Versicherte lasse sich dennoch im formlosen Verfahren überzeugen
(vgl.
dazu Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 20
15
,
N
27
zu
Art.
49).
Andererseits
ist
nach
der Rechtsprechung
auch
ein
zu
Unrecht bloss formlos ergangene
r
Entscheid
nicht einfach nichtig
.
Unabhängig von der Zulässigkeit der formlosen Mitteilung
vom September 2013 musste
der Beschwerdeführer
somit
innert angemessener
Überprüfungs- und
Überlegungs
frist
bei der Beschwerdegegnerin
dagegen
inte
rvenieren,
um zu verhindern, dass
die Mitteilung
in gleicher Weise wie eine formelle Verfügung Rechtswirkung entfalte
t
. Das Bundesgericht gewährt bei formlosen Mitteilungen im
Sozialver
-
si
cherungsrecht
in der Regel eine
Anfechtungsfrist
von einem Jahr
, die Frage ist jedoch nicht abschliessend geklärt
(
vgl.
Urs Müller
,
a.a.O.,
S.
432
Rz
2202 und S. 435
f.
Rz
2232
f
f
.
je mit Hinweis auf BGE 134 V 145
und Urteil des Bundes
gerichts 9C_1010/2008 vom 9. März 2009
E. 1
;
Ulrich Meyer/Marco
Reichmuth
, a.a.O.,
Art.
58 N 3; a. M.
Ueli
Kieser
,
a.a.O.,
N
18 ff.
zu
Art.
51: Praxis IV-Stelle 14 Tage, angemessen 90 Tage
).
Mit der
innert weniger
Tage erfolgten
Eingabe vom 1. Oktober 2013
ist
die Frist
aber
zweifel
l
os
gewahrt.
In dieser Eingabe
brachte
d
er
Beschwerdeführer
unter Bezugnahme auf die Mittei
lung vom September 2013 sowie sein Gesuch vom April 2013
unmissver
ständlich
zum Ausdruck, mit dem Vorgehen
und Entscheid
der Beschwerdegeg
nerin nicht einverstanden
zu sein
und weiterhin an der beantragten 75%-Rente festzuhalten
(
Urk.
6/120)
.
Als Reaktion auf die Mitte
i
lung vom September 2013 war
dieses
Schreiben
eines Rechtsunkundigen
als Begehren um Erlass einer
beschwerdefähigen
Verfügung
auszulegen
.
Dementsprechend
machte die Beschwerdegegnerin
in ihrer
Stellungnahme
vom 1
2.
August 2015
selbst
geltend, [
erst
]
mit der Rückzugserklärung sei die Mitteilung vom September 2013 in Rechtskraft erwachsen (
Urk.
11 S. 1).
3.
4
In einem nächsten Schritt
setzte die Beschwerdegegnerin
dem
Beschwerdeführer
Frist an, um
eine Tatsachenänderung
im Sinne von
Art.
87
Abs.
2 IVV
glaub
haft zu machen
– unter der Androhung
, an
sonsten
nicht auf sein Begehren
ein
zutreten
(Urk.
6/121)
.
Mit ihrem Vorgehen knüpfte die Beschwerdegegnerin
an die
mit BGE 99 V 103 und
103 V 23 begründete Praxis an,
wonach die formelle Mitteilung des Ergeb
nisses eines von Amtes wegen durchgeführten Revisionsverfahrens, dessen Datum dem Versicherten nicht im Voraus bekanntgegeben worden war, und welche am Status quo festhielt, nicht den Weg zum Beschwerdeverfahren öffnete, sondern eine allfällige
da
gegen gerichtete „Beschwerde“ des Versicher
ten als Revisionsgesuch zu betrachten war
.
Diese
Rechtsprechung
war nach Inkrafttreten der
Art.
74
ter
IVV und
Art.
74
quarter
IVV im Jahre 1992 bereits unter der Geltung des früheren
Vorbescheidverfahrens
(
bis
2003
)
nicht mehr einschlä
gig
. Sie kann daher auch
aktuell –
n
ach
Wiedereinführung
des
Vorbescheid
verfahrens
im Jahr 2006
– keine Anwendung finden
(
Art.
73
bis
ff. IVV
;
vgl.
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I_526/2002 vom
27. August 2003 insbesondere E.
2.6;
zu den Gesetzesänderungen vgl.
Urs Müller
,
a.a.O.,
S.
407
Rz
2056 ff.).
Dass
die
Beschwerdegegnerin
ihrer
Verfügungspflicht
gemäss
Art.
49
Abs.
1
ATSG
bzw.
Art.
51
Abs.
2
ATSG
auf Verlangen
nicht nachkam,
stellte
eine
formelle
Rechtsverweigerung
dar
.
Diese
war für den
rechtsunkundigen
Beschwerdeführer
aufgrund der irreführenden Angaben der zuständigen Behörde
zu seiner Beweisführungslast
allerdings
nicht ohne weiteres erkennbar
.
3.5
Am 20. November 2013 erklärte der Beschwerdeführer
der Beschwerdegegnerin
am Telefon, er könne die Beweismittel noch nicht einreichen und es stehe noch eine Operation bevor. Er wolle daher
sein
Gesuch zurückziehen
und
im April 2014 mit Beweismitteln
neu einreichen
(
Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin,
Urk.
6/123
). Die Beschwerdegegnerin liess ihm daher eine vorformulierte
Rück
zugserklärung
zur Unterzeichnung zukommen (
Urk.
6/125). Da der Beschwer
deführer diese nicht retournierte (
Urk.
6/126), schickte sie ihm am 4.
März 2014 eine schriftliche „letzte Aufforderu
ng“. Darin verwies sie auf Art.
43
Abs.
3 ATSG und schloss mit dem Satz: „Damit Ihnen keine nachteiligen Folgen ent
stehen, fordern wir Sie ein letztes Mal auf, uns die gewünschte Mitteilung der Rückzugserklärung bis spätestens 20. März 2014 unterzeichnet zuzustellen“ (
Urk.
6/127). Am 11. März 2013 informierte der Beschwerdeführer
sie
mündlich, das Gesuch
nun
doch nicht zurück
zu
ziehen,
zumal er
noch einen Sehnenabriss erlitten
habe
(
Urk.
6/128). Fünf Tage später reichte er gleichzeitig die unter
zeichnete Rückzugserklärung
zur
„Anmeldung vo
m 3.
Oktober 2013“ (
Urk.
6/131 S. 2) und
gleichzeitig
ein
en A
ntrag auf eine 100%-Rente ab 1.
April 2014 ein (
Urk.
6/130).
Zur
Zulässigkeit des Rückzugs
der Eingabe vom Oktober 2013
verwies die Beschwerdegegnerin
in einem Begleitbrief
auf
Art.
23 ATSG.
Gemäss dieser Bestimmung
kann die berechtigte Person
schriftlich
auf Versicherungsleistun
gen
verzichten
,
es sei denn, der Verzicht beeinträchtige schutzwürdige Dritt
-
interessen
oder bezwecke eine
Gesetzesumgehung.
Diesfalls
ist
er
nichtig.
Die
Rechtsprechung
verlangt
zu
dem
ein schutzwürdiges Interesse der berechtigten Person (Urs Müller
,
a.a.O.,
S.
470
Rz
2406; Urteil des Bundesgerichts 8C_130/2015 E.2.2.2).
Art.
23 ATSG
ist
nur
auf feststehende
Versicherungsleis
tungen
direkt anwendbar,
analog
aber
auch
auf den Rückzug
d
er
Anmeldung
während des
laufenden Verfahrens
(Urteil des Bundesgerichts 9C_1051/2012 vom 21. Mai 2013, E. 3.1 und 3.2)
.
D
er Beschwerdeführer
erwähnte
in der
Eingabe vom 1. Oktober 2013, die bishe
rige
R
ente sei viel zu wenig, um seine Lebenshaltungskosten zu decken (
Urk.
6/120 S. 2).
Das
schutzwürdige Interesse der Sozialhilfebehörde
bewirkt zwar
die
Nichtigkeit des Verzichts
eines
(potentiellen)
Sozialhilfeempfängers
(Urteil des Bundesgerichts 8C_130/2015 vom 18. Juni 2015 E. 2.2.2)
, doch ge
ben d
ie
vorliegenden
Akten
hierfür zu wenig Aufschluss ü
ber die
tatsächlichen finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers.
Vorliegend stand
indessen
nie ein Verzicht auf die zugesprochene Leistung,
d.h.
die halbe Rente, zur Diskus
sion.
Ebenso wenig
kann
der
Rückzug
des Begehrens um Erlass einer Verfügung
mit dem Rückzug einer Anmeldung gleichgesetzt werden
.
Ohne Anmeldung entfällt
die Möglichkeit, den Rentenanspruch mater
iell zu prüfen und zu bejahen, so dass Drittinteressen gefährdet sind. V
orliegend fanden hingegen bereits mehrere Rentenprüfung
en
statt und
der Anspruch auf eine halbe Rente
wurde bejaht.
Dritte können ihre Interessen gemäss
Art. 74
quater
Abs.
2 IVV
selbst wahren, soweit sie nicht ohnehin bereits durch den
Untersuchungs
grundsatz
geschützt
sind
.
D
er Rückzug
d
es
Begehrens um Erlass einer Verfügung
führt letztlich dazu
,
dass kein
e Beschwerde
mehr möglich ist und
die
dem Begehren
zugrunde liegende
formlose Mitteilung Rechtswirkung entfaltet
.
Seine
Zulässigkeit
muss sich daher wie beim Rechtsmittelverzicht
bzw. Beschwerderückzug
bereits aus der
Disposi
tionsmaxime
ergeben und die entsprechende Erklärung
ausdrücklich, unmiss
verständlich und bedingungslos
erfolg
en
(vgl.
zum Beschwerderückzug:
Alfred
Kölz
/Isabelle
Häner
/Martin
Bertschi
, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungs
rechtspflege
des Bundes, 3. Aufl. 2013,
Rz
1147
;
vgl.
zur ZPO
:
Urteil des Bundesgerichts 5A_811/2013 vom 29. Januar 2015 E. 3
).
Die
vom Beschwerde
führer unterzeichnete
Rückzugserklärung vom 16. März 2014 erfüllt diese Voraussetzungen.
3.6
In ihrer Telefonnotiz vom 21. März 2014 hielt die Beschwerdegegnerin
später
fest: „Die uns zugestellte unterzeichnete Rückzugserklärung vom 16.03.2014 können wir als nichtig ansehen.
vP
[versicherte Person] wünscht eine
Neubeur
teilung
seines Anspruchs“ (
Urk.
6/133). Im nachfolgenden Vorbescheidverfah
ren, der Verfügung vom 18. September 2014 und dem dazugehörigen
Feststel
lungsblatt
bezog
sich die Beschwerdegegnerin dementsprechend
wieder auf das „Gesuch vom 03.10.2013“ (
Urk.
6/137-139), nachdem sie dem Beschwerdeführer kurz zuvor noch unter Bezugnahme auf sein Gesuch vom 16. März 2014 erneut Frist zur Glaubhaftmachung einer Tatsachenänderung angesetzt hatte (
Urk.
6/132). Erst mit Eingabe vom 12. August 2015 erklärte sie, die Mitteilung
vom 12. September 2013 sei mit der Rückzugserklärung in Rechtskraft erwach
sen
und das Gesuch vom März 2014 massgebend (
Urk.
11 Ziff. 2)
.
Nach Rechtsprechung und Lehre ist
der Widerruf eines Rechtsmittelverzichts
zulässig, wenn nachgewiesen wird, dass er unter Willensmängeln, insbesondere aufgrund irreführender Angaben der Behörde, zustande gekommen ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U_139/2002 vom 20. November 2002, E. 2.3
).
Dies entspricht auch dem allgemeinen Rechtsgrundsatz im Ver
waltungsrecht, d
ass
Willensmängel von rechtserheblicher Bedeutung sein können,
sofern die betroffene Person diese nicht selbst verschuldete
(BGE 98 V 225 E. 2).
Die Unterzeichnung der Rückzugserklärung stand
vorliegend
in einem direkten Zusammenhang mit der
mehrfachen
,
falschen Auskunft
der Beschwerdegegne
rin
,
es
müsse eine Tatsachenänderung glaubhaft
gemacht werden
unter
gleich
zeitiger
Androhung von Nachteilen
. Neben
Urk.
6/123 lassen auch
d
as gleich
zeitig neu eingereichte
Revisionsgesuch
im März 2014
und die jeweils kurze
Zeit zwischen Aufforderung der Beschwerdegegnerin und Reaktion des Beschwerdeführers
keinen anderen Schluss zu.
Der Irrtum über das Bestehen einer
Eintretensvoraussetzung
mit Beweisführungslast
ist
als wesentlich
zu qua
lifizieren
.
Zudem gibt es keine
Anhaltspunkte
dafür, dass der
rechtsunkundige
und nicht anwaltlich vertretene
Beschwerdeführer
den Irrtum hätte erkennen können, d.h. den Willensmangel selbst verschuldete.
Damit
war der gemäss Telefonnotiz mündlich erfolgte
Widerruf zulässig.
Indem die Beschwerdeführe
rin diesen zunächst akzeptierte und später
ignorierte
, verstiess sie zudem gegen das in
Art.
9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) verankert
e
Verbot widersprüchlichen Verhaltens. Nach diesem Grundprinzip dürfen Verwaltungsbehörden einen einmal in einer bestimmten Angelegenheit eingenommenen Standpunkt ohne sachlichen Grund nicht ändern
(vgl.
Wieder
kehr/
Richli
, Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Bd. I,
Bern
2012,
Rz
2122)
.
3.
7
Wie erwähnt
setzte
die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
alsdann
am 19. März 2014 erneut Frist
zur
Glaubhaftmachung einer Tatsachenänderung a
n (
Urk.
6/13
2).
Dieser
brachte
einen weiteren Arztbericht bei
(
Urk.
6/135).
Die Beschwerdegegnerin selbst holte einen aktuellen Auszug aus dem
I
ndividuellen Konto
ein
(
Urk.
6/136)
und
unterbreitete die Akten dem RAD zur Stellungnahme
mit
dem
Hinweis, man prüfe ein Nichteintreten.
Der RAD-Arzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
O
rthopädische Chirurgie
und Traumatologie
,
stellte
am 8. Mai 2014
fest
, d
ie
beschriebene
Zunahme der Schulterbeschwerden sei mit dem bisherigen funktionellen Belastungsprofil durchaus noch vereinbar. Schlussendlich sei
dieser Sachverhalt kurativ medizinisch offenbar neu, unter versicherungsmedizinischer Optik der Gesundheitszustand im Wesentlichen aber unverändert (
Urk.
6/13
8 S. 3)
.
Im
Vorbescheid vom
20. Juni 2014 (
Urk.
6/137)
sowie in
der
Verfügung vom 18. September 2014
(
Urk.
2)
stützte sich die Beschwerdegegnerin vollumfänglich auf die RAD-Stellungnahme.
Konkret
führte
sie aus, ihre Abklärungen hätten ergeben, dass keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes und der Restarbeitsfähigkeit vorliege und der Invali
ditätsgrad weiterhin 57
%
betrage.
Die Beschwerdegegnerin hat den Rentenanspruch mit Verfügung vom 18. September 2013
somit
materiell beurteilt.
Trotz mehrfacher Aufforderung zur Einreichung neuer Beweismittel ergeben sich letztlich weder aus dem Titel,
den
erwähnten
Gesetzesartikeln noch
den Erwägungen
der Verfügung
Anhalts
punkte
für eine auf die
Eintretensvoraussetzung
nach
Art.
87
Abs.
2 IVV beschränkte
Prüfung (vgl.
Urk.
2)
.
Dasselbe gilt für die Ausführungen auf dem
dazugehörigen Feststellungsblatt
(
Urk.
6/138 S. 3).
3.8
Zusammenfassend ist
f
estzuhalten,
dass die Rückzugserklärung vom 16. März 2014 als widerrufen gilt. Dem Begehren des Beschwerdeführers vom 1. Oktober 2013 um Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung ist die Beschwerdegegnerin
mit Vorbescheid vom 20. Juni 2014 und
Verfügung vom
18. September 2014 nachgekommen.
Die formlose Mitteilung vom 1
2.
September 2013
konnte
k
eine Rechtswirkung entfalte
n
, weshalb die massgeblichen Referenzzeitpunkte für die anspruchserhebliche Tatsachenänderung 8. August 2012 (
Rentenzusprache
) und 18. September 2014 (Verfügungszeitpunkt) sind
(vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts I_526/2002 vom 27. August 2003 E.3.2)
.
Da in der angefochte
nen Verfügung Bezug auf das „Gesuch vom 03.10.2013“ genommen und einzig auf die Beschwerden der rechten Schulter eingegangen wird,
ist anzunehmen
, dass sie
fälschlicherweise
nur den Zeitraum nach der formlosen Mitteilung vom 1
2.
September 2013 berücksichtigt (
Urk.
2).
4.
4.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können,
sind
Verwaltung und
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfä
hig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
4.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
allgemein
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizi
nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
4.3
Die Funktion von
Berichte
n
der
R
egionalen
Ä
rztlichen Dienste (RAD) besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medi
zinischen Laien in Verwaltung und Gerichten – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei wider
sprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurtei
len, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzli
che Untersuchung vorzunehmen sei.
RAD-Ärzte
würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
D
er
Beweiswert von RAD-Berich
ten
ist
bei eigener Untersuchung (
Art. 49 Abs. 2 IVV
)
mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den
praxis
gemässen
Anfor
-
derungen
an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Selbst dann
kann
jedoch – da es
sich
um
ver
sicherungsinterne
ärztliche Abklärung
e
n handelt –
nicht
auf das Ergebnis
abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an
der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
der Berichte
bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
5.
5.1
5.1.1
Nachdem der Beschwerdeführer im Juli 2010 zum dritten Mal eine Rente bean
tragt ha
tte
(
Urk.
6/52), holte die Beschwerdegegnerin ein interdisziplinäres
(
all
gemeinmedizinisch-internistisch
, orthopädisch und psychiatrisch) Gutachten bei der
Y._
ein. Dieses datiert vom
14. Februar 2012 (
Urk.
11/74).
5.1.2
Die Gutachter
stellten darin
als Result
at der Konsenskonferenz vom 22.
Dezember 2011 folgende Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfä
higkeit
:
(1)
chronis
ches
lumbospondylogenes
Syndrom
,
(2) beidseitige
v
arusbe
tonte
Gonarthrose
,
(3)
chronische
s
Schmerzsyndrom linke
Schulter und
(4)
Alkoholabhängigkeitssyndrom
mit Entzugssymptomatik, k
ognitiven Störungen, akustischen
Halluzinationen und Gleichgewichtsstörungen
.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie unter anderem eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtiger Remission sowie akzentuierte (ängstlich-vermeidende) Persönlichkeitszüge (
Urk.
11/ 74 S. 36 f.).
Aus internistischer Sicht
bestünden
einige
kardiovas
k
uläre Risikofaktoren
sowie eine
äthylische
Hepatopathie, wobei die Leberfunktion als kompensiert zu betrachten sei. Die periphere Polyneuropa
th
ie könne differenzialdiagnostisch als
äthylisch
oder diabetisch angesehen werden. Ferner hätten sich deutliche Zeichen von Gleichgewichtsstörungen, eine Gangataxie, ein Fingertremor beid
seits sowie Zeichen einer peripheren Neuropathie gefunden. Zu denken sei an eine Entzugssymptomatik
. B
ei den Gleichgewichtsproblemen sei auch eine
äthylisch
bedingte
Cerebellopathie
möglich.
T
ätigkeiten in Höhe bzw. mit
Sturz
gefahr
seien
nicht möglich (
Urk.
6/74 S. 37 f.)
.
Von
orthopädischer Seit
e
bestehe bezüglich des Rückens
e
in chronisches
lumbos
pondylogenes
Syndrom mit einem
residuellen
sensiblen Ausfallsyndrom L5 links mit
einem
Status nach zweimaligen wirbelsäulenchirurgischen Ein
griffen. Klinisch sei die
lumbosacrale
Dehnbarkeit eingeschränkt
. Es
finde sich ein deutlicher Muskelhartspann mit
lumbosacraler
Klopfdolenz
. Bei
einem
Status nach Dekompressionsoperation L2 bis S1 sei für die Zukunft
ausserdem
mit einer
lu
m
bosacralen
Instabilität zu rechnen.
Seitens
der linken Schulter sei
von einer schmerzhaften Periarthritis
humeroscapularis
auszugehen. Es bestehe eine schmerzhafte Funktionseinschränkung, die Bewegungseinschränkung
sei
deutlich sichtbar. Heben und Tragen von Lasten über 5 bis 10 kg mit dem lin
ken Arm sowie repetitive Überkopfarbeiten seien nicht zumutbar. Seitens der Kniegelenke bestehe eine be
idseitige
varusbetonte
Gonarthros
e. Die Beweglich
keit sei beidseits in der Flexion eingeschränkt. Ferner bestehe eine leichte seitli
che Instabilität
,
links mehr als rechts
(
Urk.
6/74 S. 38)
.
Schliesslich sei aus psychiatrischer Sicht das
Alkohlabhängigkeitssyndrom
zu nennen. Es sei
anzunehmen
, dass sich der Alkoholkonsum nach dem
Stellen
verlust
2008 intensiviert und der Beschwerdeführer vorübergehend
zur
Depres
sivität geneigt habe, die derzeit als remittiert zu betrachten sei.
Aufgefallen sei
en
auch in dieser Untersuchung
eine Gangataxie sowie eine kognitive Störung mit vor
wiegend
mnestischer
Funktionsstörung
. Auffällig gewesen sei
die deutlich sichtbare Entzugssymptomatik mit Fingertremor, zittriger Stimme, innerer Nervosität und
Unruhe
. Aus rein psychiatrischer Sicht sei der
Beschwer
deführer
für kognitiv wenig anspruchsvolle Tätigkeiten weitgehend arbeitsfähig (
Urk.
6/74 S.
38 f.
).
A
ls Maurer sei der Beschwerdeführer somit nicht mehr arbeitsfähig, da diese
Tätigkeit
körperlich mittelschwere bis schwere Arbeiten sowie Überkopfarbeiten
beinhalte
, welche aufgrund der orthopädischen Probleme nicht mehr möglich seien. Es sei von einer deutlich vermindert belastbaren Wirbelsäule auszugehen. Aufgrund der kognitiven Störungen seien
ihm
sodann keine kognitiv anspruchsvollen Tätigkeiten zumutbar, aufgrund der Gleichgewichtsstörungen
ferner
keine Tätigkeiten mit Gefahrenpotential (gefährliche
oder
laufende Maschinen, Sturzgefahr bei Leitern und Gerüsten). Wegen der rezidivierenden Rückenbeschwerde
n
sei
er
darüber hinaus
auf längere Pausen angewiesen, so dass sich auch für adaptierte
,
körperlich leichte, rück
enschonende, wechselbe
lastende und
nicht ganztags stehende Tätigkeiten eine zusätzliche Einschrän
kung rechtfertige. Gesamthaft sei er aus somatischer Sicht
somit in adaptierten Tätigkeiten zu
50
%
arbeitsfähig. Auch aus orthopädischer Sicht
betrage
die A
rbeitsfähigkeit
50
%
: Wegen des Rückens könne er nicht lange sitzen, wegen der Schulter sei seine Tätigkeit auf Tischhöhe sehr limitiert und auch gehen
sowie
stehen könne er wegen seiner Gonarthrose nur sehr beschränkt. Wich
tigste M
assnahme sei die Alkoholabstinenz. Es könne gehofft werden, da
ss
sich damit die kognitiven Störungen sowie die Gleichgewichtsstörungen verbessern (
Urk.
8/74 S. 39 f.).
5.
1.3
Der RAD-Arzt
Dr.
Z._
kam in seiner Stellungnahme
vom
23. Februar 2012
sinngemäss
zum Schluss,
d
a
s Gutachten
erfülle die vom Bundesgericht entwickelten
formellen und inhaltlichen
Kriterien, so dass darauf abzustellen s
ei (
Urk.
11/78 S. 5).
Infolgedessen zog die Beschwerdegegnerin in der
Verfügung vom 8. August 2012
in Erwägung,
es sei
dem Beschwerdeführer zumutbar, zu 50 % in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
wie C
allcenter-Mitarbeiter, Bürohilfe oder Sachbearbeiter
zu arbeiten
. Bei einem
Invaliditätsgrad von 57
%
bestehe
daher
Anspruch auf eine halbe Rente
(
Urk.
11/83,
Urk.
11/86).
5.
2
5.
2
.1
Im März 2013 stellte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer einen Frage
bogen betreffend Revision der Rente zu. Dieser
gab im April 2013 an
,
der
zeit wegen Knie-, Rücken- und Schulterbeschwerden
sowie
Probleme
n
mit der Halswirbelsäule und Hautallergien
in ärztlicher Behandlung zu sein
(
Urk.
6/107 S. 3)
.
Dem Fragebogen legte er eine als
„Arzt-Liste“ betitelt
e
Kopie von
Termin
karten
behandelnder Ärzte und Therapeuten
(
Urk.
6/107 S. 5)
sowie eine
Medi
kamentenliste
bei
(
Urk.
6/107 S. 7).
Die Beschwerdegegnerin fo
r
derte hierauf
drei
Bericht
e
an.
5.
2
.2
Dr.
med.
A._
, Oberarzt am S
pital
D.
_
berich
tete am
19.
April 201
3,
der Beschwerdeführer sei zu 100
%
arbeitsunfähig
und e
ine relevante Änderung nicht abzusehen.
Der Beschwerdeführer
habe
multiloku
t
äre
Schmerzen am Bewegungsapparat sowie eine langjährige chroni
sche Schmerzstörung mit somatischen und p
s
ychischen Symptomen, insbeson
dere einer Alkoholabhängigkeit
sowie
einer
depressiven Störung.
Schmerzen bestünden
an beiden Händen
bei Fingerpolyarthrose und Tendov
a
ginitis
stenosans
(Schnappfinger). Hinzu kämen chronische Lumbalgien mit Ausstrah
lung in
die
Beine linksbetont, Schulterschmerzen links bei einem Status n
ach
Supraspinatusrekonstruktion
und Re-Ruptur
sowie
eine sym
pt
omatische Gon
arthrose in beiden Knien rechtsbetont.
Ei
ne
Verbesserung der aktuellen Situa
tion könne vor allem noch von psychischer Seite erwartet werden. Aus rheu
matologischer Sicht bestehe seit Monaten ein stabiler Z
ust
and auf tiefem Niveau mit nur noch geringem Verbesserungspotential.
Dr.
A._
empfahl
einen Kniegelenkersatz, eine orthopädische Re-Beurteilung der Re-Ruptur der
Supra
spinatussehne
und eine handchirurgische Behandlung respektive Infiltration der Tendovaginitis
stenosans
. Ferner riet er
, die Unterstützung
bei der Alkohol
-
abstinenz
fortzuführen
,
die
analgetische Medikation
zu optimieren
sowie
die
psychiatrische Behandlung
fortzusetzen
(
Urk.
6/109 S. 6-9).
Ergänzend
dazu
ist
seiner
Berichterstattung
an einen der Hausärzte
vom 19.
Juni 2013
zusammengefasst
zu entnehmen, dass
unter der aktuellen Thera
pie ein akzeptabler Beschwerdezustand erreicht worden
sei. Er kontrolliere den Beschwerdeführer alle drei Monate, insbesondere zur wiederholten Infiltration der symptomatischen
Gonarthrosen
beidseits. Aktuell bestehe eine Re-Ruptur der
Supraspinatussehne
mit tropfenförmigem Erguss um die lange
Biszepssehne
.
A
ufgrund chronische
r
zervikovertebrale
r
Schmerze
n
sei der Beschwerdeführer
zudem
neu
in
chiropraktischer
Behandlung
.
Ferner sei dieser
seit
neun Monaten alkoh
o
labstinent
, während d
ie psycho
soziale Belastungssituation
(Beziehung, Finanzen) andauere
(
Urk.
6/114 S. 7 f.).
5.
2
.3
Dr.
med.
B._
, Fac
härztin für Innere Medizin und
Hausärztin
des Beschwerde
führers
,
führte
in ihrem
Bericht vom 13. Juli 2013
aus
, das Rückenleiden mit multisegmentalen degenerativen
disk
ogenen
Beschwerden sei bereits im Alltag einschrän
kend/limitierend. Komplizierend
seien im Verlauf Schulterschmerzen dazu gekommen.
Residuell
bestehe eine Einschränkung der Beweglichkeit und der Kraft. Die Gonarthrose linksbetont sei symptomatisch.
Die Knie müsste
n
wiederholt infiltriert werden. Ebenso bestünden Schmerzen an den Händen bei bekannte
n
rezidivierende
n
Tendovaginiti
den
. Auch hier sei Kortison gespritzt worden. Die depressive Symptomatik sei unter medikamentöser Therapie und begleitenden therapeutischen Gesprächen gut behandelt. Schliesslich sei der Beschwerdeführer sei
t
August 2012 alkoholabstinent, Blutbild und Leberwerte seien normal.
Auf die Frage nach alternativen Tätigkeiten antwortete
Dr.
B._
:
„Teilzeit-Chauffeur-Taxidienste?“
(
Urk.
6/114 S. 5 f.).
5.
2
.4
Schliesslich diagnostizierte der
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
C._
,
im
Bericht vom 21. Juli 2013 ein
e
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig unter pharmakologischer Behandlung leichte Episode (ICD10: F33.0), eine selbstunsichere Persönlichkeitsstörung (ICD10: F60.6) sowie ein sekundäres Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD10: F10.20).
Aus diversen
Unterlagen
sei bekannt, dass
1983/1984
wegen einer Adoleszenten-Störung mit Psychose und Angstzuständen
und erneut 1986/1987 wegen Depressionen und Angstzustände
n
eine psychiatrische Behandlung statt
gefunden habe
. Sodann
sei es
in den letzten Jahren
zu einer
reaktiv depressive
n
Entwicklung wegen multipler somatischer Beschwerden und
der
Arbeitsunfä
higkeit
gekommen
.
Derzeit
besuche
der Beschwerd
e
führer
mindestens
einmal pro Monat eine stützende Psychotherapie und werde medikamentös behandelt (täglich 40
mg Citalopram
)
.
Er
zeige
sich
verhalten, ratlos, unbeholfen, mit gedrückter Stimmung, eingeschränkter affektiver Modulationsfähigkeit, deutli
chem Interessenverlust, Rückzugstendenz, reduziertem Selbstwertgefühl
sowie
ängstlich bezüglich seiner Zukunftsperspektiven. Psychomotorisch sei er gehemmt
.
Ei
ngeschränkt
sei er
bezüglich
Konzentrationsvermögen
,
Anpas
sungsfähigkeit und
insbesondere B
elastbarkeit
.
Aktuell sei er psychisch kom
pensiert. Bezüglich der mittel- und langfristigen Perspektive sei die Situation in einem halben bis einem Jahr neu zu prüfen. Im Übrigen habe die A
lkohol
-
abstinenz nicht zu einer Verbesseru
ng der Arbeitsfähigkeit geführt
(
Urk.
6/116
S.
1-
8
).
5.
2.5
Gestützt auf die Bericht
e
von
Dr.
C._
und
Dr.
B._
schlussfolgerte der
RAD-Arzt
Dr.
Z._
a
m
9. September 2012
, es
könne
von einem
im Wesentlichen
unveränderten Gesundheitsschaden
sowie
der bisherigen
Arbeits
fähigkeitseinschätzung
ausgegangen werden. Die Schadenminderungspflicht sei wohl erfüllt
(
Urk.
6/117 S. 3 f.)
. Infolgedessen bestätigte
die Beschwerdegegne
rin
am 1
2.
September 2013 formlos die bisherige
halbe
Rente (
Urk.
6/119).
Keine Erwähnung
fanden
in der Stellungnahme von
Dr.
Z._
die Bericht
e
von
Dr.
A._
.
Der
RAD-
Arzt setzte sich auch nicht
mit den neu
aufgetretenen
Handbeschwerden, den chronischen
zervikovertebralen
Schmerzen und den
nunmehr
notwendige
n
/
empfohlenen Therapien wie Infiltrationen,
chiroprakti
sche
Behandlung
oder
Kniegelenkersatz
auseinander. Dasselbe gilt für die depressive Episode, auch wenn diese
von
Dr.
C._
als leicht qualifiziert wurde
und
Dr.
A._
a
uf die psychosoziale Belastungssituation
hinwies.
Gesamthaft
betrachtet indizieren diese Tatsachen
eine Verschlechterung des Gesundheitszu
standes
sowie eine Verringerung der
Ressourcen, die dem Beschwerdeführer zur Überwindung seines Leidens zur Verfügung stehen.
Dabei könnte vorliegend bereits eine
geringe Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit r
entenrelevant sein
(vgl. dazu BGE 133 V 545 E. 6)
, zum
al der
bisherige Invaliditätsgrad nahe der 60%-Grenze
für eine Dreiviertelsrente
liegt
u
nd
das
Belastungsprofil
bereits bei der
Rentenzusprache
stark eingeschränkt war
(
z.B.
erhöhter
Pausenbedarf trotz Wechselposition, kognitiv wenig anspruchsvoll
e Tätigkeit und keine Tätigkeiten über Kopf
/
nur limitiert auf Tischhöhe
, kein Gefahrenpotential wegen
Sturzge
fahr
)
.
Im Übrigen
ist
auch
e
ine gewisse Verbesserung
durch die Alkohol
-
abstinenz
nicht auszuschliessen. Zumindest wird eine solche im Gutachten der
Y._
für möglich erachtet und die neuen Arztberichte geben
keinen Aufschluss darüber, wie es sich aktuell mit den kognitiven Fähigkeiten und Gleichge
wichtsstörungen
des Beschwerdeführers verhält.
Die Aktenbeurteilung des RAD-Arztes berücksichtigt
weder
alle Vorakten
noch vermag ihr Ergebnis ohne nähere Begründung restlos zu überzeugen. Es
kann deshalb nicht auf dieses versicherungsinterne Dokument abgestellt werden.
5.
3
5.
3
.1
In der Folge reichte der
Beschwerdeführer Arztzeugnisse, ausgestellt von verschie
denen Ärzten des
Spitals D._,
ein
.
Diese
attestier
t
en ihm eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für
März
2014 bis Mitte Januar 2015 (
Urk.
3/1-2,
Urk.
8/1
,
Urk.
6/129
).
5.
3
.
2
Diesbezüglich ist dem
Bericht des
Spital D._
vom 21. März 2014 zu entnehmen, dass
neu
an der rechten Schulter Beschwerden auftraten
. Konkret wurden (1) eine
Rot
at
orenmanschettenläsion
mit
transmuraler
Ruptur
Supra
spinatus
sowie hochgradiger
Tendinopathie
und P
ar
tialläsion
Subscapularis
und konsekutiver
Tendinopathie
sowie Subluxation der langen
Bizepssehne
und ferner (2) eine beginnende Degeneration
sowohl
glenohumeral
als auch im Bereich de
s
AC-Gelenks diagnostiziert. Die Indikation für ein operatives Vorgehen sei prinzipiell gegeben. Unter Berücksichtigung der bereits generalisierten Zeichen der Dege
neration und Gesamtsituation seien die Erfolgschancen auf die Wiederherstel
lung von Funktion und Belastbarkeit der Schulter jedoch eher mässig (
Urk.
6/135 S. 2 f.).
5.3.3
Der RAD-Arzt
Dr.
Z._
führte
dazu
am 8. Mai 2014 aus, dass die neuen
Schulterbeschwerden
mit dem bisherigen fu
n
ktionellen Bela
s
tungsprofil noch durchaus vereinbar und aus versicherungsmedizinischer Optik nach wie vor ein unveränderter Gesundheit
szustand bestehe (
Urk.
6/138 S. 3).
Vorweg ist anzumerken, dass die Beschwerdegegnerin den RAD-Arzt fälschlicher
weise darauf hinwies, dass man ein Nichteintreten nach der letzten Mitteilung vom 12. September 2013 prüfe (
Urk.
6/138 S. 3). Er ging deshalb von einem falschen Referenzzeitpunkt aus und berücksichtigte nicht alle Verände
rung.
Seine Beurteilung mag
sodann
hinsichtlich
der bisherigen Einschränkun
gen wie
Gewichtslimit, Überkopfarbeit und Tätigkeiten auf Tischhöhe
durchaus
zutreffen, stellt aber keine Gesamtwürdigung der
gesundheitlichen
Beschwerden dar. So wird
damit
beispielsweise de
m
Umstand, dass der Beschwerdeführer nun objektivierbar mehr Schmerzen
verspürt
und Defizite der linken Seite nicht mehr mit der rechten Seite ausgleichen kann
, keine Rechnung getragen.
Es
ist schwer
lich
nachvollziehbar, dass
bezüglich Art und Umfang der möglichen Tätigkeiten
mit einem gesunden und einem beeinträchtigten Arm
im Vergleich zu zwei beeinträchtigten Armen
mit
zusätzlichen Handbeschwerden kein
Unterschied bestehen soll.
5.
4
5.4.1
Damit
bestanden bereits
bei Erlass der angefochte
nen Verfügung vom 18. September
20
14 zahlreiche Anhaltspunkte für eine möglicherweise
renten
relevante
Änderung
des Gesundheitszustandes.
Aufgrund der damaligen Aktenlage wäre der medizinische Sachverhalt somit – unabhängig von der Ein
leitung der Revision von Amtes wegen oder durch Gesuch –
gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz
weiter abzuklären gewesen (
Art.
43
Abs.
1 ATSG).
5.4
.2
I
m Übrigen
sind
die CT-gesteuerte
periradikuläre
Therapie (nachfolgend:
PRT
)
der Nervenwurzel L5 sowie die Ringbandspaltung
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (
Urk.
11
Ziff.
4.b) nicht unbeachtlich,
nur
weil sie erst im Oktober 2014 durchgeführt wurden
.
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind zwar grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses der angefochtenen Verwaltungsverfügung massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen
(BGE 99 V 98 E.4, Urteil des Bundesgerichts 9C_67/2012 vom
2.
Juli 2012 E.2.2).
Relevant
ist
daher
nicht
der Zeitpunkt der Eingriffe
, sondern
dass sich aus der
en
Notwen
digkeit Rückschlüsse auf den Krankheitsverlauf vor Verfügungserlass ziehen lassen.
Dem
im Gerichtsverfahren eingereichten Bericht des
Spitals D._
vom 2
3.
Oktober 2014
ist
diesbezüglich
zu entnehmen, dass bei persistierendem
lumboradikulä
rem
Schmerzsyndrom und im Verlauf der
vorangegangenen
Monate progre
dienten
sensomotorischen Ausfallsyndrom L5 links
mit neu aufgetretener Fuss- und
Zehenheberschwäche
am 1
5.
September 2014 ein MRI und am
7.
Oktober 2014 eine PRT ohne Wirkung durchgeführt wurde
n
. Aufgrund der ausgeprägten multiplen
Stenosierung
sowie Voroperationen sei ein operatives Vorgehen sicher problematisch. Bei sich weiter verschlechternder Neurologie müsse aber über ein Dekompression der
Foramenstenosen
und eine
Spondylodese
nachge
dacht werden.
Die Restbeschwerden nach der offenen Rekonstruktion der
Rota
torenmanschette
rechts am
3.
Juni 2014 würden noch ca. ein halbes Jahr andauern. Mit der A1-Ringbandspaltung
Dig
II und IV der linken Hand am
1.
Oktober 2014 sei der Beschwerdeführer sehr zufrieden. Für
diesen stünden nun
nahezu permanent stromartige Schmerzausstrahlungen von tieflumbal in die linke Gesässhälfte und von dort in das linke
dorsolaterale
Bein bis auf den Fussrücken und insbesondere die Grosszehe
im Vordergrund
. Dort bestehe mittlerweile ein nahezu persistierendes Taubhei
t
sgefühl mit deutlichem Hinken und erschwertem Treppensteigen
(
Urk.
8/2).
6
.
Zusammenfassend ergibt sich
somit
, dass über den strittigen Leistungsanspruch nicht ohne zusätzliche medizinische Abklärun
gen entschieden werden kann.
Dabei
ist eine Gesamtwürdigung der gesundheitlichen Beschwerden vorzuneh
men,
nachdem zwischen A
ugust 2012
und September 2014 zahlreiche (mehr
heitlich negative) Veränderungen
eingetreten sind. Resultiert daraus ein neues Belastungsprofil, sind die realen Einsatzmöglichkeiten bzw. die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sorgfältig zu prüfen.
Da die Beschwerdegegnerin der angefochtenen Verfügung
offenbar
einen
falschen Referenzzeitpunkt
zugrunde legte
, die Abklärungen grundsätzlicher Natur
sind
und allenfalls schwierige Ermessensentscheide
getroffen werden müssen
, ist die Sache zur Durchführung der notwendigen Abklärungen und neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweise
n
(
§ 26 Abs. 1
GSVGer
;
vgl.
Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheis
sen und die angefochtene Verfügung aufzuheben.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1‘000.– festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.– anzusetzen. Nach ständiger
Rechtsprechung gilt die
Rückwei
sung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57
E. 2.2), weshalb
der
die
die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass d
i
e angefochtene
Verfügung
vom 1
8.
September 2014 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Rentenanspruch de
s Beschwerdefüh
rers
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA)
Spida
AHV Ausgleichskasse, Personalvorsorgestiftung, Be
r
gstr. 21, 8044 Zürich
4.