Decision ID: 2ec5e550-e2f8-4213-9608-0ec86b5cd843
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1980 geborene und
an zwei verschiedenen Stellen
als
Hauswart erwerbstä
tig gewesene
X._
meldete sich
am 11. Juli 2012
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf verschiedene
Knochenbrüche
sowie auf die Exzision eines benignen Tumors thorakal und eine Depression zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/2)
.
Daraufhin führte die IV-Stelle Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht
durch
. Insbesondere beauftragte sie die über
SuisseMED@P
zugeteilte
(
Urk.
7/41)
MEDAS
Y._
GmbH mit einer polydisziplinären Abklärung (Gutachten vom 8. Dezember 2014, Urk. 7/52/
1-25). Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 7/55 ff.) verneinte sie mit
Verfügung vom 15. Dezember 2015 den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1. Februar 2016 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Aufhebung der Verfügung vom 15. Dezember 2015, Festlegung des Invaliditätsgrades unter Einbezug der psychischen Gesund
heitsbeschwerden und Ausrichtung der ihm gesetzlich zustehenden Leistun
gen. Eventualiter beantragte
der Beschwerdeführer
die
Rückweisung der Sa
che an die Verwaltung zur ergänzenden Abklärung und Neuverfügung. Da
neben ersuchte
er
um
Bewilligung
der unentgeltlichen
Prozessführung
und
Gewährung der
unentgeltliche
n
Rechtsvertretung
(Urk. 1 S. 2). Mit Be
schwerdeantwort vom 1. März 2016 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Lei
den mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Er
werbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18.
No
-
vember
2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom
25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
1.4
Die Wartezeit im Sinne Art. 28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfä
higkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen).Unter relevanter Arbeitsunfä
higkeit im Sinne dieser
Bestimmung ist eine Einbusse an funktio
nellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch ei
nen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermah
nung des Arbeitsgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende ge
sundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungsein
busse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Ar
beitsunfähigkeit genügt nicht. Umgekehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr be
darf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen Einschätzung, die
ordentlicherweise
echtzeitlicher Natur ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungs
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hin
weisen).
Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Artikel 28
Abs.
1
lit
. b IVG liegt gemäss Art. 29
ter
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufei
nanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war.
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und ge
gebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneint
e
den Rentenanspruch des Beschwerdefüh
rers mit der Begründung, dass
das Wartejahr nicht erfüllt sei. V
om 15. Juni 2013 bis 20. März 2014
sei der Beschwerdeführer
in seiner Arbeitsfähigkeit
erheblich eingeschränkt gewesen
. Ab 21. März 2014 habe sich sein Gesund
heitszustand
jedoch
soweit verbessert, dass er seiner Tätigkeit als Haus
wart/Lagerist wiede
r vollschichtig
h
ab
e
nachgehen könne
n
(Urk. 2 S. 1)
.
2.2
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf dem Standpunkt, weiter
hin arbeitsunfähig zu sein
. Insbesondere bemängelte er die Nichtberücksich
tigung
der psychischen Gesundheitsbeschwerden und die fehlende Abklärung der Beckenprobleme
, die am 5. Februar 2016 operativ angegangen würden
(Urk. 1 S. 3
f.
)
.
Aufgrund der Erkrankung fehlten ihm die Schlüsselfunktio
nen, um auf dem primären Arbeitsmarkt zu reüssieren (Urk. 1 S. 5).
3.
3.1
Am 14. März 2012 trat der Beschwerdeführer ins Zentrum
A._
der
Z._
zur stationären Entzugsbehandlung ein. Infolge positiven Kokaintests wurde er am 21. März 2012
jedoch
vorzeitig aus der Behandlung entlassen (Bericht vom 22. März 2012, Urk. 7/17/6-8).
Vom 28. März bis 4. Mai 2012 hielt sich der Beschwerdeführer
erneut
im Zentrum
A._
zum Alkohol- und Kokainentzug auf. Im Bericht vom 8. Mai 2012 an den Krankentaggeldversicherer (Urk. 7/15/22-23) wurden folgende Diagnosen gestellt:
-
Störungen durch Kokain, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F14.20)
-
Störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20)
-
St. n. benigner Tumorex
s
tirpation am 07.03.12
Für die Zeit des Klinikaufenthaltes attestierten die berichtenden Ärzte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und wiesen auf die geplante Arbeitswiederauf
nahme mit voller Arbeitsfähigkeit per 1. August 2012 ev. bereits 1. Juli 2012 hin.
3.2
Die weitere ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung wurde von der
B._
, Zentrum für Ab
hängigkeitserkrankungen,
übernommen. Im Bericht vom
25. Oktober 2012
(Urk. 7/18)
wurden folgende
psychiatrische
n
Diagnosen genannt:
-
Vd
. a. ADHS/einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
DD e
motional-instab
ile Persönlichkeitsstörung
i
mpulsiver Typ (ICD-10 F60.30)
-
Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
Kokainabhängigkeitssyndrom,
ggw
. abstinent (ICD-10 F14.20)
Die Behandlung bestehe
in ein- bis zweimal wöchentlichen psychotherapeuti
schen Gespräche
n
und zweimal
wöchentlicher Urinkontrolle auf Kokain. Eine Therapie mit Psychopharmaka werde vom Beschwerdeführer derzeit nicht gewünscht.
Sodann wurde dem Beschwerdeführer b
is 31.
Oktober
2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Ab 1. November 2012 wurde die Arbeitsfähig
keit als Hauswart auf wahrscheinlich 50 % geschätzt
(
Ziff.
1.6)
.
Es bestünden eine instabile Stimmungslage sowie eine Neigung zu emotionalen Ausbrü
chen und Schwierigkeiten,
impulshaftes
Verhalten zu kontrollieren und konsekutiv wiederkehrend Konflikte. Insgesamt bestehe aus psychiatrischer Sicht eine reduzierte Belastbarkeit. Aufgrund von mangelnden Selbstregula
tionsfähigkeiten könne es zu Überlastung und damit verbundenen Impuls
durchbrüchen sowie gegebenenfalls längerfristig zu einer erneuten psychi
schen Dekompensation kommen. Ferner sei davon auszugehen, dass die Störung der Impulskontrolle die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorge
setzten erschweren könnte. Konzentrationsvermögen und Anpassungsfähig
keit seien leicht, die Belastbarkeit mittelgradig eingeschränkt
(
Ziff.
1.7)
.
Weiter führten die berichtenden Ärzte aus, ein Pensum von 60 % ab Novem
ber 2012 erscheine aktuell als realistisch. Eine Steigerung auf 80 % im Laufe des Jahres 2013 sei gut denkbar. Eine 100%ige Arbeitsfähigkeit sei nicht ab
zusehen
(
Ziff.
1.8-9)
.
3.3
In dem zuhanden des Krankentaggeldversicherers verfassten psychiatrischen
Gutachten vom 14. November 2012 (Urk. 7/20/2-17)
stellte Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende
Diagnosen
(S. 15)
:
-
Anpassungsstörung mit sonstigen näher bezeichneten vorwiegenden Sympto
men (ICD-10 F43.28) vorwiegend
somatoformer, emotional-insta
biler sowie neurasthenischer Ausrichtung
-
Kokain- und Alkoholabhängigkeit, gegenwärti
g abstinent (ICD-10 F10.20/F14.
20)
Laut Gutachten
gab der Beschwerdeführer an, sämtliche Medikamente (
Sero
quel
,
Zoloft
und
Temesta
) bei Bedarf einzunehmen, ohne die Dosierung zu beachten (S. 10).
A
ufgrund der an der Untersuchung noch spürbaren emotionalen Labilität
empfahl Dr.
C._
die umgehende Aufnahme einer tagesklinischen Behand
lung. Diese Massnahme leitete er mit Einwilligung des Beschwerdeführers sofort ein (S. 14 f.). Während der auf drei Monate geschätzten
Dauer
der ta
gesklinischen Behandlung
attestierte er ihm eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
. Danach schätzte er die Arbeitsfähigkeit auf 100 % ein
(S
.
15 f.).
3.4
Am 25. Juli 2013 berichteten die behandelnden Ärzte der
B._
, Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen
(Urk. 7/30)
,
der Beschwerdeführer habe sich von Mai bis Oktober 2012 in ambulanter Behandlung befunden. Zu Beginn sei er zuverlässig zu den Ge
sprächsterminen erschienen, habe therapeutische Hausaufgaben erledigt und unaufgefordert zirka zweimal wöchentlich Urinkontrollen abgegeben, die seine Abstinenz in Bezug auf Kokain bestätigt hätten. Im Oktober 2012 sei aufgrund einer Verschlechterung des psychischen Zustandes mit zunehmen
den Stimmungsschwankungen und Impulskontrollstörungen die tagesklini
sche Behandlung zur Therapieintensivierung eingeleitet worden. Zu Beginn habe der Patient sehr profitieren können. Im November 2012 sei es jedoch infolge vermehrter Zukunftsängsten bei finanziellen Schwierigkeiten und zu
nehmenden Eheproblemen zu einer rapiden, nach einem Kokainrückfall es
kalierenden Verschlechterung seines Befindens mit ausgeprägten Stim
mungsschwankungen, Impulsdurchbrüchen, vegetative
n
Anspannungs- und somatischen Symptomen wie Schwächegefühle und Schwindel gekommen. Nach einer krisenhaften Zuspitzung Ende des Jahres 2012 sei der Beschwer
deführer am
15. Januar 2013 für einen elektiven psychotherapeutischen Auf
enthalt in die
Klinik
D._
eingetreten. Nachdem dort die Situation aufgrund fremdgefährdender Momente eskaliert sei, habe der Beschwerde
führer zwischenzeitlich auf die geschlossene Station verlegt werden müssen. Nach der Entlassung im Februar 201
3
habe sich eine klinische Besserung ge
zeigt, die jedoch nur kurzzeitig angedauert habe. Der Beschwerdeführer leide weiterhin unter massiver innerer Anspannung, die wiederholt in Selbstverlet
zungen münde. Weiterhin bestünden Panikattacken und Herzklopfen, Schlafstörungen, depressive
Stimmungslage, Ängste und Suizidgedanken. Ei
nen weiteren stationären Aufenthalt habe er jedoch abgelehnt.
V
or diesem Hintergrund sei eine engmaschige Therapie in der Tagesklinik geplant gewe
sen, die jedoch vom Patienten nicht habe eingehalten werden können
.
Im Juni 2013 sei es in seinem Heimatland zu einem schweren Autounfall mit multiplen Frakturen gekommen
(S. 2)
.
Weiter wurden im Bericht folgende
Diagnosen
gestellt
(S. 1)
:
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung impulsiver Typ (ICD-10 F60.30), seit jungem Erwachsenenalter
-
Mittelgradig depressive Episode (ICD-10 F32.1), seit ca. Herbst 2011
-
Kokainabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F14)
-
St.n
. Verkehrsunfall 06/2013 mit eigenanamnestisch multiplen Frakturen
Längerfristig
gingen
die behandelnden Ärzte von einer guten Prognose in Bezug auf die Abhängigkeitserkrankung aus. Sie bemerkten aber, dass dabei die emotional-instabile Problematik weiter fortbestehen werde. Der Be
schwerdeführer verfüge aber über gute Ressourcen, um einen Umgang mit den Symptomen zu erlernen. Bei Kooperation und Durchführung einer suffi
zienten antidepressiven Therapie erscheine eine mittelfristig deutliche Ver
besserung des psychischen Zustandsbildes
wahrscheinlich
(S. 2)
. Gestützt darauf attestierten die Klinikärzte eine
seit Mai 2012
fortdauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(S. 3)
. Eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei noch nicht exakt absehbar. Sie hänge auch von der Schwere und der Bewäl
tigung des Verkehrsunfalles ab
(S. 4)
.
Das Konzentrationsvermögen sei deut
lich, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit
dagegen
mittelgradig einge
schränkt
(S. 6)
.
3.5
Nach dem am 15. Juni 2013
im Ausland
erlittenen Verkehrsunfall wurde der Beschwerdeführer am 21. Juni 2013 repatriiert und im
E._
, Klinik für Unfallchirurgie,
stationär
weiter behandelt. Im Bericht vom 18
. Februar 2014 (Urk. 7/34/6-11)
wurden folgende
Diagnosen
gestellt
(S. 1)
:
1.
Acetabulumfraktur
Typ
Transvers
/Hinterwand rechts vom 15.06.2013
-
offene Reposition und Plattenosteosynthese der Hinterwand
Azetabulum
rechts (Kocher-
Langenbeck
-Zug
ang, 9-Loch
Rekostahlplatte
3,5
mm) am 01.07.2013
2.
Femoroacetabuläres
Impingement
bds
.
3.
Patellalängsfraktur
rechts vom 15.06.2013
-
Wundexzision Knie und proximaler Unterschenkel, offene Reposition und Schraubenosteosynthese Patella li
nks (40 und 42 mm
kanülierte
3,5
mm Schrauben) am 01.07.2013
4.
Mehrfragmentäre Spiralfraktur proximale Phalanx
Dig
. III Hand links vom 15.06.2013
-
offene Reposition sowie Platten- und Schraubenosteosynthese Grund
pha
lanx Mittelfinger links (1,5
mm, Compact Hand) am 25.06.2013
5.
Schwellungsbedinge Re-
Urethrastriktur
-
Urethrale
Meatotomie
nach Otis am 01.10.2012 bei
peniler
Struktur
-
Urethrabougierung
bis
Charr
. 20 am 24.08.2012 bei
peniler
Struktur
-
Traumatische DK-Einlage bei
Alkoholintox
.
04/2012 in
G._
6.
Condylomata
acuminata
(
Penisschaft
, Mons
pubis
)
-
Laservaporisation am 24.08.2012
7.
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion bei psychosozialer Belas
tungssituation am 27.05.2012
8.
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
Typus
-
4 Selbstverletzungen in der Jugend
-
Vd
. a.
ADHS
9.
Sistierter
Kokainabusus
seit 2008
Dem Bericht lässt sich sodann entnehmen, dass der Beschwerdeführer bis 10. Juli 2013 hospitalisiert war und anschliessend in die Rehaklinik
F._
zur stationären Rehabilitation verlegt wurde. Die ambulante Behandlung dauere weiterhin an
(S. 3)
. Für gehende Tätigkeiten sei mit einer verminder
ten Leistungsfähigkeit zu rechnen. Der Beschwerdeführer könne nicht länger als zwei Stunden durchgehend laufen.
Aktuell sei die Ausübung des bisheri
gen Berufes als Hauswart nicht möglich.
Eine sitzende Tätigkeit sei durchaus möglich. Wenn durch die Physiotherapie die Schmerzen vermindert und die Belastbarkeit verbessert würde, könnte die berufliche Tätigkeit wie
der in Be
tracht gezogen werden
(S. 4)
.
Am
5.
Februar 2014 hielten dies die Chirurgen jedoch für unwahrscheinlich (
Urk.
7/34/13).
3.6
Im MEDAS-
Gutachten vom 8. Dezember 2014 (Urk. 7/52/1-25)
wurden fol
gende
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
(S. 21 f.)
:
1.
Chronische rechtsseitige Becken-Oberschenkelschmerzen rechts (ICD-10 M79.65)
-
Status nach offener Reposition und Osteosynthese am 01.07.2013 bei
Aze
tabulumfraktur
Typ
Transvers
/Hinterwand vom 15.06.2013 (ICD-10 Z98.8/T91.2)
2.
Chronische, belastungsabhängige Knieschmerzen rechts (ICD-10 M25.56)
-
klinischer Verdacht auf mediale Meniskuspathologie (ICD-10 M23.2)
-
Status nach offener Reposition und Osteosynthese am 01.07.2013 bei Pa
tella-Längsfraktur vom 15.06.2013 (ICD-10 Z98.8/T93.2)
3.
Weitgehend
eingesteiftes
PIP-Gelenk Mittelfinger links (ICD-10 M25.64)
-
Status nach offener Reposition und Osteosynthese am 25.06.2013 bei mehrfragmentärer, intraartikulärer Grundphalanx-Spiralfraktur Phalanx vom 15.06.2013 (ICD-10 Z98.8/T92.2)
Folgenden weiteren
Diagnosen
massen die Gutachter keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bei (S. 22):
1.
Rezidivierende depressive Störungen gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
2.
Störung durch multiplen Substanzkonsum, episodisch Alkohol und gelegent
lich Kokain (ICD-10F19.25)
3.
Akzentuierte impulsive Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
4.
Geringgradige
Bewegungseinschränkung oberes Sprunggelenk rechts (ICD-10 M25.67)
-
Status nach Osteosynthese und OSME bei wahrscheinlich stattgehabter
Bi
malleolarfraktur
etwa 2008 (ICD-10 Z98.8/Z47.0/T93.2)
5.
Status nach Hepatitis B Infektion (ICD-10 B18)
6.
Hyperurikämie (ICD-10 E79.0)
Laut Gutachten gab der Beschwerdeführer
vor allem
Beschwerden in Becken, Knie und Schienbein rechts sowie psychische Probleme
an
(S. 22)
. Aus or
thopädischer Sicht sei die Belastungsfähigkeit des Bewegungsapparates auf
grund der objektiven
B
efunde
e
ingeschränkt.
Kö
rperliche schwere Tätigkeiten und
feinmotorisch
bimanuell
auszuübende Tätig
keiten seien dem Exploran
den nicht mehr zu
m
utbar. In einer körperlich leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit bestehe aus orthopädischer
Sicht keine Ein
schränkung der Arb
e
i
ts-
und Leistungsfähigkeit.
Bei der allgemeininternistischen Untersuchung seien unauffällige Befunde erhoben worden. Die leicht pathologischen Laborwerte hätten keinen Krank
heitswert. Die Arbeitsfähigkeit des Exploranden sei aus allgemeinmedizini
scher Sicht nicht eingeschränkt
(S. 2
3
).
Aus psychiatrischer Sicht sei die depressive Symptomatik nur leichtgradig ausgeprägt und schränke den Exploranden nicht ein. Eine chronische Sucht
problematik, welche durch ein psychisches Leiden verursacht werde, bestehe nicht. Ebenso könne keine eigentliche Persönlichkeitsstörung festgestellt werden.
Es bestünden zwar etwas auffällige impulsive Persönlichkeitszüge, vor allem anamnestisch. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit könne aber nicht gestellt werden, vor allem auch aufgrund des Längsverlaufs mit vor der
Erkrankung sonst voller Leis
tungsfähigkeit. Die Diagnose
eines
ADHS könne aufgrund der gutachterli
chen Untersuchung wegen der Störung durch Substanzkonsum, wodurch Konzentrationsstörungen verstärkt werden könn
t
en, nicht mit Sicherheit be
stätigt werden. Menschen mit ADHS fielen im Gespräch durch eine deutliche Unruhe auf. Sie könnten nicht gut stillsitzen, nagten an den Fingernägeln, blickten im Raum umher, seien rasch gelangweilt und beg
ä
nnen zu gähnen oder seien, wenn die Störung stärker ausgeprägt sei, überschwänglich mit lauter Kontaktaufnahme. Dies sei beim Exploranden nicht deutlich ausge
prägt
(S. 13)
.
Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit des Exploran
den nicht eingeschränkt.
Zusammenfassend sei er aus polydisziplinärer Sicht für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit, ohne Notwendigkeit von feinmotori
schen
bimanuellen
Tätigkeiten zu 100 % arbeits- und
l
eistungsfähig. Körper
lich schwere Tätigkeiten seien ihm nicht mehr zumutbar (
S.
23
).
Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde, der vorlie
genden Dokumente sowie der früher attestierten Arbeitsunfähigkeiten gingen die Gutachter davon aus, dass von somatischer Seite her nach dem Unfall vom 15. Juni 2013 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten
während
mehreren Monaten bestanden habe. Die Belastbarkeit habe wahrscheinlich bis zum Frühjahr 2014 wieder auf die bei der Begut
achtung festgestellten Möglichkeiten gesteigert werden können. Aus psy
chiatrischer Sicht könne eine Arbeitsunfähigkeit während den Klinikaufent
halten vom März bis Mai 2012
im Zentrum
A._
und 2013 in der
Klinik
D._
bestätigt werden. Wegen der damals diagnostizierten mittel
gradigen depressiven Episode habe wahrscheinlich eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestanden, dies allerdings nur für wenige Wochen. Zusammenge
fasst könne aus polydi
s
ziplinärer Sicht eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten von Januar 2013 bis März 2014 bestätigt werden. Anschliessend
könne von der in der MEDAS festgestellten Arbeitsfähigkeit
(von 100
%
in einer Verweistätigkeit)
ausgegangen werden. Sicher bestehe diese Arbeitsfähigkeit seit der gutachterlichen Untersuchung im September 2014
(S. 23)
.
Mit Bezug auf die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers gaben die Gut
achter an, dieser
habe keine konkreten Vorstellungen über seine Arbeitsfä
higkeit. Er sehe für sich aber eigentlich keine Möglichkeiten. Diese Einschät
zung sei sicher durch die psychosoziale Situation mit finanziellen Problemen und ohne feste Anstellung beeinflusst. Auch der intermittierende Substanz
konsum von Kokain, Benzodiazepinen und Alkohol wirke sich negativ auf die subjektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus. Ein psychisches Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehe nicht. Dem Exploranden könne es daher zugemutet werden, die notwendige Willensanstrengung aufzubrin
gen, um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Aus somatischer Sicht sollte es bei einer angepassten Tätigkeit nicht zu e
iner wesentlichen
Beschwerde
exaz
erbation
gegenüber den Alltagsaktivitäten kommen (S. 23 f.).
Zu den früheren medizinischen Stellungnahmen führten die Gutachter aus, dass von Seiten des Bewegungsapparates Übereinstimmung mit den Befun
den der Klinik für Unfallchirurgie am
E._
bestehe. Zur Arbeitsfähigkeit hätten die behandelnden Ärzte keine konkreten Vorschläge gemacht. Aus allgemeininternistischer Sicht lägen keine eingehenden Stel
lungnahmen vor. Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit durch ein internisti
sches Leiden seien in den anderen Berichten nicht erwähnt worden. Aus psy
chiatrischer Sicht sei vo
m Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen
der
B._
eine Störung durch Alkohol und Ko
kain sowie eine emotional instabile
Persönlich
keitsstörung und Verdacht auf ADHS diagnostiziert worden. Im Weiteren habe eine leichte depressive Epi
sode bestanden. Die Diagnose
n
einer Persönlichkeitsstörung und eines ADHS könnten nicht bestätigt werden. Eine rez
idivierende depressive Störung
be
stehe mit der spät
er mittelgradigen depressiven E
pisode in der
Klinik
D._
. Bei der gutachterlichen Untersuchung sei wieder eine leichte De
pression festgest
e
llt worden. Nach der
Hospitalisation
sei ein Wi
edereinstieg mit steigender Arb
e
i
tsfähigkeit angegeben worden, was mit der gutachterli
che
n Be
u
r
teilung übereinstimme. Dr.
C._
habe Symptome einer emotional instabilen u
nd neurasthenischen Persönlichkeit mit Kokain und Alk
oholab
hängigkeit angegeben. Er habe eine Arbeitsunfähigkeit für maximal drei
M
o
nate während der
tagesklinischen Be
h
a
ndlung
bestätigt. Diese Einschätzu
n
g
könne ebenfalls bestätig
t
werden
(S. 24)
.
3.7
Seit dem 3. Dezember 2014 steht der Beschwerdeführer
im Rahmen eines Strafverfahrens
in der
Z._
,
in ambulanter Behandlung. Im
Schreiben
vom 22. Dezember 2015
an dessen Rechtsvertreter
(Urk. 7/76
)
wurden folgende
Diagnosen
gestellt
:
1.
Rezidivierende depressive Störung,
ggw
. mittelgradige bis schwere
Episode (ICD-10 F33.1 / F33.2)
(im Rahmen oder als Folge- bzw., Begleiterkrankung von
Dg
.
2.
und
Dg
. 3., seit 2007)
2.
ADHS (ICD-10 F90.0), ED bei uns im Januar 2015
3.
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen, narzisstischen und emo
tional instabilen Anteilen (ICD-10 F61.0), seit Jahren
4.
Kokainabhängigkeitssyndrom,
ggw
. ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F14.25), seit 2007
5.
Schädlicher Gebrauch von Alkohol,
ggw
. unregelmässiger Substanzge
brauch (ICD-10 F10.25), seit ca. 2007
Der berichtende Arzt gab
an, da die Delikte in Zusammenhang mit einer Sucht
problematik gestanden hätten, habe sich der Beschwerdeführer bereits am Anfang der Behandlung motiviert gezeigt, an seiner Sucht zu arbeiten, so dass er zunächst eine Abstinenz
von Kokain erreicht habe. Bis August 2015 habe er nur zwei Rückfälle mit Kokain gehabt, seit August bis zum Eintritt ins Vollzugszentrum (sechsmonatige Freiheitsstrafe) am 7. Dezember 2015 habe er noch drei weitere Rückfälle mit Kokain gehabt. Alkohol habe er im
mer wieder konsumiert, jedoch als Absturztrinker. Ein paar Mal seien Not
fallzuweisungen ins Spital aufgrund von Mischintoxikationen in suizidaler Absicht notwendig geworden.
Im Januar 2015 sei aufgrund des klinischen Bildes mit Verdacht auf ein ADHS eine ausführliche Abklärung mit zusätzlich fremdanamnestischen An
gaben sowie dem HASE-Batterietest durchgeführt und ein A
DH
S diagnosti
ziert worden. Unter medikamentöser Therapie mit
Concerta
seien die Symp
tome teilweise zurückgegangen.
Es sei kein SKID I oder SKID II
[Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV, Achse I und II]
bezüglich kombinierter Persönlichkeitsstörung durchge
führt worden. Aber aufgrund der anamnestischen Daten mit traumatisieren
den und gewalttätigen Ereignissen in der Kindheit und im Verlauf der Ju
gendjahre bis heute zeigten sich die Symptome einer kombinierten Persön
lichkeitsstörung.
Die depressiven Episoden kämen oft und immer wieder im Rahmen der Diag
nosen 2 und 3 als Folge- oder Begleiterkrankung. Es seien oft Mischintoxi
kationen in suizidaler Absicht geschehen, nachdem der Beschwerdeführer keinen Ausweg in Stresssituationen gefunden habe.
Abschliessend attestierte der behandelnde Arzt eine 100%ige Tätigkeit seit Beginn der Behandlung und ging von der Notwendigkeit einer
langjährigen
Behandlung aus.
4.
4.1
Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten
vom
8. Dezember 2014 (E. 3.6
)
ent
spricht den praxisgemässen Anforderun
gen an den Beweiswert
einer Exper
tise vollumfänglich
. So ist das Gutachten für die streitigen Belange umfas
send, beantwortet es doch die Frage nach den gesundheitlichen Beeinträchti
gungen und der Arbeitsfähigkeit de
s Beschwerdeführers
. Es beruht sodann auf de
n notwendigen allseitigen Unter
suchungen in
psychiatrischer,
rheu
matologischer und
internistischer Hinsicht und berücksich
tigt die geklagten Beschwerden
und das Verhalten des Beschwerdeführers während der Unter
suchung
. Die Gutachter schilderten ausführlich die vo
m Beschwerdeführer
erwähnten Leid
en und Einschränkungen und setz
ten sich detailliert damit auseinander. Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
und in Auseinan
dersetzung mit den
früheren medizinischen Stellungnahmen abge
geben und sie leuchtet in der Da
rlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati
on ein. In diesem Sinne
erweisen sich
die Sc
hlussfolgerungen als begründet.
4.2
4.2.1
Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers
(Urk. 1)
ist eine Arbeitsunfähig
keit
mit Bezug auf eine den körperlichen Leiden angepasste Tätigkeit nach März 2014 nicht erstellt, denn
angesichts der genannten Di
agnosen ist
eine dauerhafte
,
psychisch begründete
Arbeitsunfähigkeit nicht
(mehr) ausgewiesen, was folgend darzulegen sein wird.
4.2.2
Mit Bezug auf die Drogensucht ist festzuhalten, dass diese als solche nach der Rechtsprechung nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes führt.
Da
gegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines
körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c).
Nach Lage der Akten ist dies beim Beschwerdeführer jedoch nicht der Fall
und wird auch nicht behauptet
.
4.
2.
3
Leicht- bis mittelgradige Episoden einer
Depression
und selbst mittelgradige depressive Episoden sind rechtsprechungsgemäss regelmässig als eine von depressiven Verstimmungszuständen nicht klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens zu be
trachten. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hinter
grund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_195/2014 vom 12. Juni 2014 E. 4.4 mit Hin
weisen). Auch wenn eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren de
pressiven Störung nicht schlechthin auszuschliessen ist, bedingt deren An
nahme jedoch, dass eine konsequente
Depression
stherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist. Fehlt es daran, ist in der Regel keine invalidisierende Wirkung des Gesundheitsschadens anzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 4.4 mit Hinweisen).
Dies
ist
beim Beschwerdeführer
nicht
der Fall. So lehnte er nach der Entlas
sung aus der Klinik
D._
im Februar 2013
trotz
der ärztlichen Empfehlung
einen weiteren stationären Aufenthalt ab. Auch hielt er die da
raufhin geplante engmaschige Therapie in der Tagesklinik der
B._
nicht ein
(E. 3.4)
.
Bereits 2012
befolgte
der Beschwerdeführer
die
Behandlungsempfehlungen nicht genau
.
Dem
Vertrau
ensarzt des Krankentaggeldversicherers, Dr.
C._
,
gegenüber gab er an,
die verordneten Medikamente nach Bedarf ein
zunehmen
, ohne die Dosierung zu beachten (E. 3.3). Darüber
hinaus
war
die depressive Störung 2012 nicht gra
vierend, denn
die
behandelnden Ärzte der
B._
(E. 3.2)
gingen
von einer
lediglich
leichtgradigen depressiven
Symp
tomatik aus.
Eine schwere
re depressive
Symptomatik vermochte auch Dr.
C._
nicht fest
zustellen (E. 3.3). Die
von ihm diagnostizierte Anpass
ungsstörung stellt d
efi
nitionsgemäss ein lediglich vorübergehendes Leiden dar, beziehungsweise bildet keine hinreichend ausgeprägte Psychopathologie. Vielmehr liegt sie im Grenzbereich dessen, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potenziell invalidisierendes Leiden gelten kann (vgl. etwa Bun
desgerichtsurteil 8C_76/2014 vom 30. April 2014 E. 3.2 mit Hinweis auf das Urteil 9C_153/201
2 vom 15. Oktober 2012 E. 4.3).
Die im Rahmen des Strafverfahrens behandelnden Ärzte des
Z._
diagnostizier
ten zwar eine depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger bis schweren Episode (E. 3.7), doch setzten sie sich mit den abweichenden
Vorakten
nicht auseinander. Für den Rechtsanwender leuchtet daher nicht ein, weshalb sie eine andere Diagnose stellten als die Gutachter und
Dr.
C._
, zumal sie diesbezüglich auch keine Veränderungen beschrieben.
Unter diesen Umständen ist der depressiven Störung keine invalidisierende Wirkung zuzuerkennen
.
4.
2.
4
Der psychiatrische Konsiliararzt der MEDAS
fasste
die Persönlichkeits
-
sympto
matik
als akzentuierte impulsive Persönlichkeitszüge gemäss ICD-10 Z73.
1.
Akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) ver
mögen keinen rechtserheblichen Gesundheitsschaden zu begründen (Urteil des Bundes
-
gerichts
8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hin
weis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1). Dazu bedürfte es zumindest einer Persönlichkeitsstörung (Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.5 mit Hinweisen). Dass der Gutachter mit Bezug auf die Persönlichkeitssymptomatik einen Krankheitswert verneint, kann mit Blick auf die vollzeitliche Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers bis zur psychi
schen Dekompensation im Jahr 2012 und
der bis dahin
offenbar klaglosen Erfüllung des Pflichtenhefts
nachvollzogen werden.
Gleiches gilt für d
as
gemäss Gutachten
nicht sicher zu bestätigende ADHS
. Dass diese Diagnose im Rahmen der Behandlung in der
Z._
nach ausführli
cher Abklärung bestätigt werden konnte
(E. 3.7)
, vermag nichts daran zu än
dern
. Denn es ist nicht anzunehmen
, dass ein
jahrelang unbemerktes ADHS
allein durch die Diagnosestellung
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu
bewirken
vermag.
4.
3
4.3.1
Vor dem Hintergrund der zitierten Rechtsprechung vermag die von den behan
delnden Ärzten der
B._
(E. 3.2 und E. 3.4) sowie der
Z._
(E. 3.7) attestierte
dauerhafte
Arbeitsunfähigkeit
nicht zu überzeugen
.
4.3.2
Indem die Beschwerdegegnerin
betreffend
die
Eröffnung der Wartezeit auf de
n
Tag des Verkehrsunfalls vom 15. Juni 2013 abstellte, wich sie von der von den MEDAS-Gutachtern im Rahmen der Gesamtbeurteilung attestierten Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten vom Januar 2013 bis März 2014 ab (Urk. 7/52/1-25 S. 23). Dies
ist nicht zu beanstanden
, denn der psychiat
rische
Gutachter
der MEDAS
kam zum Schluss, dass eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nur für die Zeit der
Hospitalisationen
anerkannt werden könne (Urk. 7/52/1-25 S. 13). Damit
nahm
er
Bezug
auf
die stationären Be
handlungen im Zentrum
A._
(14. März bis 4. Mai 2012; E. 3.1) und in der Klinik
D._
(15. Januar bis Februar 2013; vgl. dazu E. 3.4
), was auch in der interdisziplinären Würdigung entsprechend aufgenommen wurde (Urk. 7/52/1-25 S. 23).
Mit anderen Worten verneinte er eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht ab dem Austritt aus der Klinik
D._
im Februar 201
3.
Aus somatischer Sicht bestand eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit erst ab dem Unfall vom 15. Juni 2013
(Urk. 7/52/1-25 S. 20 und S. 23)
.
Weshalb
trotz diesen klaren Aussagen
in den Teilgutachten
in der Gesamtbeurteilung
eine ununterbrochene Arbeits
unfähigkeit vom Januar 2013 bis März 2014
attestiert wurde
, k
ann nicht nachvollzogen werden.
Nach Entlassung aus der Klinik
D._
im Februar 2013 wurde die ambulante Behandlung in der
O._
wieder auf
genommen. Der behandelnde
Psychiater
(E. 3.4)
stellte klinisch eine (kurz
fristige) Besserung fest. Dass der Beschwerdeführer
in der Folge
dessen The
rapieempfehlungen nicht
eingehalten hatte
,
deutet
auf einen geringeren Lei
densdruck
hin
.
Anhalt
s
punkte
für eine Besserung der psychischen Sympto
matik können auch darin erblickt werden, dass der Beschwerdeführer in der Lage
war,
zweimal nach
G._
zu reisen, wobei es
dort
zu dem für die Eröffnung der Wartezeit massgebenden Verkehrsunfall mit verschiedenen Verletzungen
kam
.
Unter diesen Umständen kann
aus invalidenversiche
rungsrechtlicher Sicht für die Zeit zwischen der Klinikentlassung im Februar 2013 und dem Unfall vom 15. Juni 2013 keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bestätigt werden.
Die Wartefrist wurde dadurch jeweils un
terbrochen
(Art. 29
ter
IVV)
und begann neu zu laufen.
4.4
Aufgrund der medizinischen Akten steht nach dem Gesagten fest, dass
der Beschwerdeführer
ab dem Verkehrsunfall vom 15. Juni 2013
für jegliche Tä
tigkeit
arbeitsunfähig war.
Damit war das Wartejahr im Juni 2014 abgelau
fen.
Bereits ab 21. März 2014
wäre ihm zumutbar gewesen, eine angepasste, leichte bis mittelschwere wechselbelastende
Tätigkeit
ohne feinmotorische,
bimanuelle
Arbeiten
vollzeitlich auszuüben
.
5.
5.1
Es bleibt zu prüfen, wie sich die
nunmehr auf eine den somatischen Be
schwerden angepasste
Tätigkeit
eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Be
schwerdeführers in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensver
gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Validen
einkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu er
folgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Der Beschwerdeführer verlor 2012 seine beiden Stellen als Hauswart. Gemäss Angaben der Arbeitgeberin
H._
AG wurde die vollzeitli
che Anstellung als Hauswart wegen Veruntreuung beziehungsweise Diebstahl gekündigt
(Urk.
7/12). Bei der zweiten Anstellung hatte der Beschwerdeführer ein Pensum von 30 % inne. Laut Arbeitgeberfragebogen vom 22. August 2012 wurde die Arbeit vom Anfang an mindestens teilweise von Familienan
gehörigen ausgeführt. Die Arbeitgeberin
I._
,
gab als Kündigungsgrund die nicht mehr pflichtgemässe Ausführung der Arbeit an (Urk. 7/11).
Hinweise dafür, dass gesundheitliche Gründe zu den Stellenverlusten geführt hätten, ergeben sich aus den Akten nicht, weshalb das
Valideneinkommen
bei dem über keine berufliche Ausbildung verfügenden Beschwerdeführer anhand des statistischen Lohnes eines
Hilfsarbeiters zu ermitteln ist. Da der
selbe Tabellenlohn auch für die Bestimmung des Invalideneinkommens massgebend ist (Prozentvergleich; vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 9C_734/2016 vom 2
7.
Januar 2017 E. 4.1 mit Hinweis), bestimmt der recht
sprechungsgemäss vorzunehmende leidensbedingte Abzug (vgl. dazu
BGE 126 V 75
) den Invaliditätsgrad. Selbst unter Vornahme des
vorliegend al
lerdings in keiner Weise gerechtfertigten
maximalen Abzuges von 25 % würde somit kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 % resultieren, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5
.
3
Sollte aus der vom Beschwerdeführer erwähnten, am 5. Februar 2016 geplan
ten Operation am Becken (Urk. 1 S. 4)
nach Erlass der hier angefochtenen Verfügung
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultieren, müsste dies im Rahmen einer Neuanmeldung geltend gemacht werden.
6
.
6
.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
6
.2
Mit seiner Beschwerde vom
1. Februar 2016
beantragte der Beschwerdefüh
rer
, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und es sei ihm
Fürsprecher
Arquint
als
unentgeltlicher Rechtsvertreter für das Beschwerde
verfahren zu bestellen (Urk. 1
S. 2
). Mit Eingabe vom
13. April 2016
reichte
Fürsprecher
Arquint
das ausgefüllte Formular zur Abklärung der prozessua
len Bedürftigkeit
ein
, ohne seine Angaben zu belegen,
und stellte die rasch
möglichste Nachreichung der Bestätigung der zuständigen Sozialbehörde in Aussicht
(Urk. 9, Urk. 10)
.
Bis zum heutigen Datum sind weder dieses Doku
ment noch weitere Unterlagen zu finanziellen Situation des Beschwerdefüh
rers ins Recht gelegt worden, weshalb androhungsgemäss davon auszugehen ist, dass keine prozessuale Bedürftigkeit besteht (vgl.
dazu die
Verfügung des hiesigen Gerichts vom 8. Februar 2016 Dispositiv-Ziffer 2; Urk. 4
; vgl. auch Urt
eil des Bundesgerichts 8C_173/2
016 vom 1
7.
Mai 2016 E. 5)
.
Demzufolge sind
beim Beschwerdeführer die Voraussetzungen zur Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und zur Bestellung eines unent
geltlichen Rechtsvertreters gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht (
GSVGer
) nicht erfüllt
, weshalb das Gesuch abzu
weisen ist
.
6
.3
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen und ausgangsge
mäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).