Decision ID: ae86681b-f1f0-5c64-b48b-8f67345b62cd
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
B._ (Beschwerdeführerin) und A._ (Beschwerdeführer),
beide sri-lankische Staatsangehörige tamilischer Ethnie, ersuchten am
25. August respektive am 1. September 2012 in der Schweiz um Asyl.
B.
Am 3. September 2012 befragte das Staatssekretariat für Migration (SEM,
Vorinstanz) die Beschwerdeführerin (Protokoll in SEM-Akte A5) und am
12. September 2012 den Beschwerdeführer (Protokoll in SEM-Akte A13)
summarisch.
C.
C.a Am 5. Februar 2013 trat die Vorinstanz im Rahmen eines Dublin-Ver-
fahrens auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein und wies
sie nach E._ weg. Die Verfügung trat unangefochten in Rechtskraft.
C.b Mit Verfügung vom 6. Juni 2014 wies die Vorinstanz das Wiedererwä-
gungsgesuch der Beschwerdeführenden vom 14. Februar und vom
21. März 2014 ab und stellte fest, die Verfügung vom 5. Februar 2013 sei
rechtskräftig und vollstreckbar.
C.c Mit Urteil E-3274/2014 vom 28. April 2016 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die gegen die Verfügung der Vorinstanz vom 6. Juni 2014 ge-
richtete Beschwerde vom 14. Juni 2014 gut, soweit es darauf eintrat. Das
Gericht hob die Verfügungen der Vorinstanz vom 6. Juni 2014 und vom
5. Februar 2013 auf und wies die Sache an die Vorinstanz zurück mit der
Anweisung, das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren durchzufüh-
ren und über die Asylgesuche der Beschwerdeführenden zu entscheiden.
D.
Am 5. Oktober 2016 hörte die Vorinstanz die Beschwerdeführerin (Proto-
koll in SEM-Akte A100) und den Beschwerdeführer (Protokoll in SEM-Akte
A101) vertieft zu ihren Asylgründen an.
E.
Mit Verfügung vom 15. Dezember 2017 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft (Ziff. 1), die Beschwer-
deführerin und die beiden Kinder hingegen nicht (Ziff. 2). Gleichzeitig be-
zog sie die Beschwerdeführerin und die Kinder in die Flüchtlingseigen-
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schaft des Beschwerdeführers ein (Ziff. 3). Weiter lehnte sie die Asylgesu-
che der Beschwerdeführenden ab (Ziff. 4) und wies sie aus der Schweiz
weg (Ziff. 5). Aufgrund der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nahm
sie die Beschwerdeführenden vorläufig in der Schweiz auf (Ziff. 6).
F.
Am 23. Januar 2018 reichten die Beschwerdeführenden beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde ein. Sie beantragen, die Ziffern 4 und 5 der
Verfügung der Vorinstanz vom 15. Dezember 2017 seien aufzuheben und
ihnen sei Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung und Beiordnung ihres
Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 2. Februar 2018 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Es
hiess auch das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung gut und be-
stellte den Beschwerdeführenden den im Rubrum aufgeführten Rechtsver-
treter als amtlichen Rechtsbeistand.
H.
Am 5. Februar 2018 teilten die Beschwerdeführenden dem Bundesverwal-
tungsgericht mit, dass am (...) ihr Sohn F._ zur Welt gekommen sei.
I.
Mit Verfügung vom 12. Februar 2018 anerkannte die Vorinstanz den Sohn
der Beschwerdeführenden auf deren Antrag vom 6. Februar 2018 hin als
Flüchtling und nahm ihn aufgrund der Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs vorläufig in der Schweiz auf.
J.
Am 19. Mai 2020 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein, in der
sie implizit die Abweisung der Beschwerde beantragt.
K.
Am 2. Juni 2020 nahmen die Beschwerdeführenden zur Vernehmlassung
der Vorinstanz Stellung.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS
2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 1 AsylG [in der Fassung vom 1. Oktober 2016], Art. 48
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Nicht Partei im vorliegenden Verfahren ist der am (...) zur Welt gekom-
mene Sohn der Beschwerdeführenden. Die Beschwerdeführenden ersuch-
ten die Vorinstanz am 6. Februar 2018 um Einbezug ihres Sohnes in die
Flüchtlingseigenschaft, woraufhin die Vorinstanz den Sohn mit Verfügung
vom 12. Februar 2018 in die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers aufnahm und seine vorläufige Aufnahme anordnete. Die Beschwerde-
führenden reichten weder bei der Vorinstanz ein Gesuch um Gewährung
von Asyl für ihren Sohn ein, noch ersuchten sie um seinen Einbezug in das
vorliegende Verfahren oder erhoben Beschwerde gegen die Verfügung der
Vorinstanz vom 12. Februar 2018. Entsprechend ist der Sohn nicht in das
vorliegende Beschwerdeverfahren einzubeziehen.
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
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Seite 5
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Soweit das Ausländerrecht anzuwenden
ist, kann zudem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 Abs. 1 AIG
[SR 142.20] i.V.m. Art. 49 VwVG).
3.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend einzig die Frage, ob den Beschwerde-
führenden Asyl zu gewähren ist.
Die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers wurde von der Vo-
rinstanz aufgrund seiner politischen Aktivitäten nach der Ausreise aus
Sri Lanka anerkannt. Exilpolitische Aktivitäten stellen sogenannte subjek-
tive Nachfluchtgründe dar und führen gemäss Art. 54 AsylG entgegen der
allgemeinen Regel von Art. 49 AsylG nicht zur Asylgewährung. Erfüllt der
Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft jedoch auch unabhängig von
seinen exilpolitischen Aktivitäten, ist ihm Asyl zu gewähren (vgl. BVGE
2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Es ist deshalb vorliegend zu prüfen, ob der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auch unabhängig von
seinen exilpolitischen Aktivitäten einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ver-
folgung ausgesetzt wäre. Ist dies der Fall, ist ihm Asyl zu gewähren und
die Beschwerdeführerin sowie die beiden Töchter sind in sein Asyl einzu-
beziehen. Die Anerkennung der originären Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführerin wird nicht beantragt.
4.
4.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer
Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten
muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt
zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen
Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils
m.w.H.). Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind
über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus
so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merk-
male, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers ver-
bunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.3).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
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erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichen-
den Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft
gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 AsylG). Glaubhaftmachung bedeutet
im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-
stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-
richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für
wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht es
für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar
möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und
überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung
sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die
Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len. Vorbringen sind grundsätzlich dann glaubhaft, wenn sie genügend
substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in
vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich
sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder
der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-
suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere
dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann,
wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im
Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5
E. 2.2, jeweils m.w.H.).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei (...) aus Sri Lanka, wo er im
Distrikt (...) gelebt habe, ausgereist und nach E._ gegangen. Dort
habe er ein Asylgesuch eingereicht und anschliessend eine Aufenthalts-
und Arbeitsbewilligung erhalten. Im August (...) sei er nach Sri Lanka zu-
rückgereist, um die Beschwerdeführerin zu heiraten, die anschliessend im
Juli (...) zu ihm nach E._ gezogen sei. In E._ habe er sich
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Seite 7
in zwei Organisationen für die Rechte der tamilischen Bevölkerung enga-
giert, in der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) und bei der (...). Er
habe unter Tamilen Geld für humanitäre Zwecke gesammelt, Transporte zu
Demonstrationen organisiert, Flyer verteilt und sei 2010 zu einer für die
Region G._ zuständigen Person gewählt worden.
Am 22. Juli (...) sei sein Vater gestorben. Für die Beerdigung seien er und
die Beschwerdeführerin am 23. Juli (...) nach Sri Lanka gereist. Am dritten
Tag seines Aufenthaltes bei seiner Mutter sei er von zivil gekleideten Män-
nern entführt worden. Die Männer hätten ihn irgendwohin gefahren und in
einem Zimmer verhört und geschlagen. Er sei vor allem nach seinen Akti-
vitäten in E._ gefragt und aufgefordert worden, die Namen von dort
aktiven Tamilen zu nennen und nach seiner Rückkehr nach E._
Filmaufnahmen von Demonstrationen auszuhändigen. Es sei ihm gedroht
worden, wenn er dies nicht tue, werde seine Familie umgebracht. Am
nächsten Morgen sei er freigelassen worden. Als er bei seiner Mutter an-
gekommen sei, habe er die Beschwerdeführerin sofort aufgefordert, die
Sachen zu packen. Sie seien noch am gleichen Tag nach Colombo aufge-
brochen. Ihren Flug nach E._, der eigentlich für den 19. August (...)
gebucht gewesen sei, hätten sie vorverlegt und seien am 12. August (...)
aus Colombo abgeflogen.
Kurz nachdem sie an ihrem Wohnort G._ angekommen seien, habe
er einen Drohanruf eines Singhalesen bekommen, der sich mit ihm habe
treffen und die versprochenen Informationen in Empfang nehmen wollen.
Daraufhin habe er die Beschwerdeführerin, die zu diesem Zeitpunkt
schwanger gewesen sei, am 25. August (...) mit dem Zug in die Schweiz
geschickt. Er selber sei wenige Tage später ebenfalls in die Schweiz ge-
kommen.
Der Beschwerdeführer bringt zudem vor, sein jüngerer Bruder H._
sei LTTE-Kämpfer gewesen und (...) während zwei Jahren in Sri Lanka im
Gefängnis und anschliessend in einem Rehabilitationslager inhaftiert ge-
wesen. Er sei während der Haft auch über ihn, den Beschwerdeführer, be-
fragt worden. Er wisse jedoch nicht, was sein Bruder genau über ihn gesagt
habe.
5.2 Die Vorinstanz führt aus, die Aussagen des Beschwerdeführers und der
Beschwerdeführerin dazu, wie die Entführung des Beschwerdeführers vor
sich gegangen sei, seien widersprüchlich. Da es sich dabei um einen gro-
ben Widerspruch in einem zentralen Punkt des Vorbringens handle, sei
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nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka entführt worden
sei. Der Beschwerdeführer erfülle jedoch die Flüchtlingseigenschaft auf-
grund seiner exilpolitischen Aktivitäten in E._. Da es sich dabei je-
doch um einen subjektiven Nachfluchtgrund handle, werde er von der Asyl-
gewährung ausgeschlossen. (...). Die Beschwerdeführerin erfülle die
Flüchtlingseigenschaft nicht, werde jedoch in die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers einbezogen, ebenso die beiden Töchter.
5.3 Der Beschwerdeführer macht im Beschwerdeverfahren geltend, er sei
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka unabhängig von seinen exilpolitischen
Tätigkeiten (auch) alleine aufgrund seiner Entführung in Sri Lanka (...) ge-
fährdet. Deshalb sei ihm Asyl zu gewähren.
6.
6.1 Obwohl der sri-lankische Bürgerkrieg im Mai 2009 zu Ende ging, wurde
für die Zeit danach und bis heute wiederholt von Verhaftungen und Folter
von rückkehrenden Tamilen durch die sri-lankischen Behörden berichtet.
Dies dürfte damit zusammenhängen, dass die sri-lankischen Behörden ih-
ren Fokus bezüglich ihrer Befürchtung, die LTTE könnte wiederaufleben,
in den vergangenen Jahren verstärkt vom Inland auf die grosse tamilische
Diaspora verschoben haben (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juni 2016 E. 8.1.1).
Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Referenzurteil E-1866/2015 eine
Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vor und stellte
fest, dass aus der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht
generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter aus-
gesetzt seien (Referenzurteil E-1866/2015 E. 8.3). Das Gericht orientiert
sich deshalb bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer
ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an ver-
schiedenen Risikofaktoren. Stark risikobegründend sind dabei die folgen-
den Faktoren: tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindungen zur LTTE; die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen
Handlungen; sowie das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lan-
kischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächli-
chen oder vermuteten Verbindung zur LTTE (Referenzurteil E-1866/2015
E. 8.4.1–8.4.3). Schwach risikobegründende Faktoren sind zudem bei Per-
sonen anzunehmen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri
Lanka einreisen wollen, zwangsweise zurückgeführt werden oder die über
die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurück-
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kehren. Schliesslich stellen auch gut sichtbare Narben einen schwach risi-
kobegründenden Faktor dar (Referenzurteil E-1866/2015 E. 8.4.4 und
8.4.5). Es ist im Einzelfall abzuwägen, ob die konkret glaubhaft gemachten
Risikofaktoren eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung der betref-
fenden Person darstellen. Dabei ist zu beachten, dass insbesondere jene
Rückkehrerinnen und Rückkehrer eine begründete Furcht vor einer flücht-
lingsrechtlich relevanten Verfolgung haben, denen von den sri-lankischen
Behörden ein Bestreben unterstellt wird, den tamilischen Separatismus
wiederaufleben lassen zu wollen (Referenzurteil E-1866/2015 E. 8.5.1).
6.2
6.2.1 Der Beschwerdeführer macht erstens geltend, seine Entführung
durch sri-lankische Sicherheitskräfte im Sommer (...) zeige, dass er in Sri
Lanka unabhängig von seinen exilpolitischen Tätigkeiten einer flüchtlings-
rechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt sei.
6.2.2 Es ist vorab festzustellen, dass sich die Schilderungen des Be-
schwerdeführers und der Beschwerdeführerin dazu, wie der Beschwerde-
führer im Sommer (...) in Sri Lanka von sri-lankischen Sicherheitskräften
entführt worden sei, wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, wesentlich un-
terscheiden, was starke Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens
auslöst. Andererseits ist festzuhalten, dass auch Hinweise vorliegen, die
für die Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens sprechen, so insbesondere,
dass die Schilderungen der Rückkehr der Beschwerdeführenden von Sri
Lanka nach E._ im Anschluss an die Freilassung des Beschwerde-
führers grundsätzlich glaubhaft ausgefallen sind (vgl. SEM-Akte A100 F31,
F35 und F57), dass die Umbuchung des Rückfluges von Sri Lanka nach
E._ vom 19. August (...) auf den 12. August (...) belegt ist, und dass
der Umstand, dass der Beschwerdeführer offensichtlich seit seiner Rück-
kehr aus Sri Lanka psychisch stark leidet, dafür spricht, dass er dort etwas
Einschneidendes erlebt hat (vgl. beispielsweise SEM-Akte A101 F5, F155
und die Anmerkung der Hilfswerkvertretung, sowie die Aussagen der Be-
schwerdeführerin in SEM-Akte A5 Ziff. 8.01 und SEM-Akte A100 F31, F35
und F60 ff.).
6.2.3 Selbst unter der Annahme der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens ist
jedoch festzustellen, dass daraus keine unabhängig von den exilpoliti-
schen Tätigkeiten des Beschwerdeführers existierende, flüchtlingsrechtlich
relevante Verfolgungsgefahr abgeleitet werden kann. Subjektive Nach-
fluchtgründe liegen gemäss Art. 54 AsylG (insbesondere) vor, wenn eine
Person erst «wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise» («en raison de
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Seite 10
son comportement ultérieur»; «in ragione del comportamento dopo la par-
tenza») Flüchtling wurde. Diese Ausnahmebestimmung stellt auf den
Grund dafür ab, aus dem eine bestimmte Person verfolgt wird. Liegt der
Grund für die Verfolgung im Verhalten der Person nach ihrer Ausreise aus
dem Heimatstaat, also in ihrem Verhalten im Ausland, liegt ein subjektiver
Nachfluchtgrund vor. Von subjektiven Nachfluchtgründen sind einerseits
objektive Nachfluchtgründe und andererseits Vorfluchtgründe zu unter-
scheiden. Objektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine Person die
Flüchtlingseigenschaft erst nach ihrer Ausreise aus ihrem Heimatstaat er-
füllt, die Gründe dafür jedoch nicht in ihrem eigenen Verhalten liegen, son-
dern in von der Person unabhängigen Umständen, insbesondere einer ver-
änderten Situation in ihrem Heimatstaat. Vorfluchtgründe liegen demge-
genüber vor, wenn eine Person bereits vor ihrer Ausreise aus ihrem Hei-
matland ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat,
solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden.
Der Beschwerdeführer reiste (...) aus Sri Lanka nach E._ aus, wo
er eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung erhielt. In E._ war er ab
2007 oder 2008 bis zu seiner Reise nach Sri Lanka im Juli (...) politisch
tätig. Diese politischen Aktivitäten fanden alle ausserhalb von Sri Lanka, in
E._, und nach seiner Ausreise aus Sri Lanka (...) statt (SEM-Akte
A101 F25 f. und F29). Der Beschwerdeführer macht weder geltend, er
habe sich vor (...) in Sri Lanka politisch betätigt, noch, er habe sich bei
seiner ersten Reise nach Sri Lanka im August (...) (Heirat der Beschwer-
deführerin) oder seiner zweiten Reise im Juli (...) (Beerdigung des Vaters)
in Sri Lanka politisch betätigt. Die behauptete Entführung im Sommer (...)
in Sri Lanka stellt demgegenüber nicht einen Grund dar, aus dem der Be-
schwerdeführer verfolgt wird, sondern ist – sofern sie als glaubhaft anzu-
sehen ist – Teil der Verfolgung, welcher der Beschwerdeführer aufgrund
seiner exilpolitischen Tätigkeiten ausgesetzt ist. Der Vorfall zeigt in dem
Sinn die Gefährdung des Beschwerdeführers in Sri Lanka auf. Der Grund
für diese Gefährdung sind jedoch die politischen Aktivitäten des Beschwer-
deführers ausserhalb von Sri Lanka. Dies macht auch der Beschwerdefüh-
rer selber klar, wenn er ausführt, die Entführer hätten ihn zu seinen politi-
schen Aktivitäten in E._ befragt (vgl. SEM-Akte A101 F108 und
F128). Der Vorfall in Sri Lanka im Sommer (...) ändert deshalb nichts da-
ran, dass die Verfolgungsgefahr des Beschwerdeführers auf seinen exilpo-
litischen Aktivitäten ausserhalb Sri Lankas beruht und damit einen subjek-
tiven Nachfluchtgrund im Sinne von Art. 54 AsylG darstellt.
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Seite 11
6.2.4 Unabhängig von der Frage, ob die Entführung des Beschwerdefüh-
rers im Sommer (...) glaubhaft ist oder nicht, ist daraus damit auf keinen
Fall eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung abzuleiten, die unabhän-
gig von den exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers existieren
würde. Die Frage der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens kann damit offen-
bleiben.
6.3
6.3.1 Der Beschwerdeführer macht zweitens geltend, er sei bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka heute – wiederum unabhängig von seinen exilpoliti-
schen Aktivitäten – einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausge-
setzt, da sein Bruder, der (...) bei der LTTE gewesen sei, (...) [in Sri Lanka]
verhaftet, befragt und zwei Jahre im Gefängnis und in einem Rehabilitati-
onslager interniert worden sei. In den Befragungen durch die sri-lankischen
Sicherheitskräfte habe der Bruder auch den Namen des Beschwerdefüh-
rers genannt.
6.3.2 (...)
6.3.3 Dass die Beschwerdeführenden aufgrund der Erlebnisse des Bru-
ders des Beschwerdeführers Angst vor einer Rückkehr nach Sri Lanka ha-
ben, ist nachvollziehbar. Zu beurteilen ist, ob dieser Vorfall auch geeignet
ist eine objektiv begründete Verfolgungsfurcht im Sinne der Flüchtlingskon-
vention und des Asylgesetzes darzustellen.
6.3.4 Mit seinem Vorbringen macht der Beschwerdeführer insbesondere
einen objektiven Nachfluchtgrund in der Form einer Reflexverfolgung auf-
grund der Inhaftierung seines Bruders (...) geltend. Damit aufgrund dieses
Vorbringens objektive Nachfluchtgründe des Beschwerdeführers festge-
stellt werden könnten, müsste überwiegend wahrscheinlich sein, dass der
Beschwerdeführer allein aufgrund seiner Verbindung zu seinem Bruder
heute bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Verfolgung ausgesetzt wäre. Diese Gefahr müsste sich hypothetisch
und unabhängig von den exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers
ergeben (die ihrerseits unbestrittenermassen eine flüchtlingsrechtlich rele-
vante Gefährdung des Beschwerdeführers darstellen).
Es erscheint zwar grundsätzlich objektiv nachvollziehbar, dass die Internie-
rung des Bruders des Beschwerdeführers durch die sri-lankischen Sicher-
heitskräfte ein gewisses Gefährdungspotential für den Beschwerdeführer
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Seite 12
darstellt, da auch die Verbindung zu ehemaligen LTTE-Mitgliedern ein ge-
wisses Risiko bedeutet (...) (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 8.4.1). Dass der Bruder aus der Rehabilitationshaft
entlassen wurde, hebt auf jeden Fall, entgegen der Ansicht der Vorinstanz,
die Gefahr für den Beschwerdeführer grundsätzlich nicht auf, sind doch
auch aus der Rehabilitation entlassene Tamilen oft weiterhin zumindest ei-
ner Überwachung durch die sri-lankischen Sicherheitskräfte ausgesetzt,
wie die Vorinstanz in ihrem Lagebild vom 5. Juli 2016 und einem weiteren
Bericht vom 15. März 2019 selber ausführt (SEM, Focus Sri Lanka, Lage-
bild, 5. Juli 2016, Version vom 16. August 2016, S. 43 f.,
<https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/internationales/herkunftsla-
endhe/asien-nahost/lka/LKA-lagebild-2016-d.pdf>, und SEM, Focus
Sri Lanka, Lage ehemaliger Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE), 15. März 2019, S. 25 ff. <https://www.sem.ad-
min.ch/dam/data/sem/internationales/herkunftslaender/asien-nah-
ost/lka/LKA-ex-ltte-d.pdf>, beide abgerufen am 06.07.2020). Gleichzeitig
ist jedoch festzustellen, dass keine konkreten Hinweise dafür vorliegen,
dass die sri-lankischen Sicherheitskräfte aufgrund der Festhaltung und In-
ternierung seines Bruders heute ein Interesse am Beschwerdeführer ha-
ben könnten. Insbesondere war der Beschwerdeführer selber vor seiner
Ausreise aus Sri Lanka nie für die LTTE tätig. Zudem erscheint es wenig
wahrscheinlich, dass die sri-lankischen Sicherheitskräfte heute ein Inte-
resse daran haben könnten, über den Beschwerdeführer an Informationen
zu seinem Bruder zu kommen, da dieser bereits während zwei Jahren in-
terniert und befragt wurde, und die sri-lankischen Behörden auch wissen,
wo er sich zurzeit aufhält. Zudem führt der Beschwerdeführer zwar an, sein
Bruder sei während seiner Internierung auch nach ihm gefragt worden, er
macht jedoch keine weiteren Ausführungen, wozu der Bruder konkret be-
fragt worden sei (SEM-Akte A101 F144 f.). Soweit es sich dabei um Fragen
bezüglich der exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers handelte,
stellt dies keinen objektiven Nachfluchtgrund dar, sondern ist Teil der – be-
reits anerkannten – Gefährdung des Beschwerdeführers aufgrund seiner
subjektiven Nachfluchtgründe. (...) Insbesondere macht der Beschwerde-
führer nicht geltend, seine Mutter und seine Schwester, die beide weiterhin
in Sri Lanka leben, hätten aufgrund der Festhaltung seines Bruders Nach-
teile erlitten, oder sie seien nach ihm, dem Beschwerdeführer, gefragt wor-
den.
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Seite 13
Insgesamt ist damit nicht davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka allein aufgrund der Verhaftung und In-
ternierung seines Bruders eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
droht.
6.3.5 Auch im Zusammenhang mit weiteren potentiellen Risikofaktoren –
unter Auslassung derjenigen Risikofaktoren, die subjektive Nachflucht-
gründe darstellen, also insbesondere die exilpolitischen Aktivitäten – ist
keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsgefahr des Beschwerdefüh-
rers festzustellen. So war der Beschwerdeführer (...) während seiner Zeit
in Sri Lanka und bis zu seiner Ausreise (...) nicht Mitglied der LTTE und er
hat sich in dieser Zeit auch nicht anderweitig politisch betätigt (SEM-Akte
A101 F46). Seine einmalige Verhaftung durch die sri-lankische Armee im
Jahr (...) vermag zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls keine flüchtlingsrecht-
lich relevante Verfolgung nahezulegen, zumal der Beschwerdeführer die-
sen Vorfall nicht in Zusammenhang mit seiner Ausreise (...) nennt und er
aussagt, er habe nach diesem Vorfall bis zu seiner Ausreise keine weiteren
Probleme mit den Behörden gehabt (SEM-Akten A101 F147 ff. und A13
Ziff. 7.02). Schliesslich genügt auch der Umstand, dass neben seinem Bru-
der H._ auch [Geschwister] des Beschwerdeführers Mitglieder der
LTTE waren nicht, um eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung des
Beschwerdeführers anzunehmen, zumal der Beschwerdeführer Sri Lanka
bereits (...) verliess.
6.3.6 An dieser Einschätzung ändert auch der Ausgang der Präsident-
schaftswahlen in Sri Lanka im November 2019 und der darauf folgende
Regierungswechsel nichts. Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Raja-
paksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt. Gotabaya Rajapaksa
war unter seinem älteren Bruder Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis
2015 Präsident war, Verteidigungsminister und wurde in diesem Zusam-
menhang zahlreicher Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten
sowie Aktivistinnen und Aktivisten angeklagt. Zudem wird er von Beobach-
tern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen im Zusam-
menhang mit dem Ende des Bürgerkrieges 2009 verantwortlich gemacht
(vgl. HANNAH ELLIS-PETERSEN, The Guardian, Gotabaya Rajapaksa elec-
ted president of Sri Lanka, 17. November 2020, <https://www.theguar-
dian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-
premadas-count-continues> und Human Rights Watch: World Report 2020
– Sri Lanka, 14.1.2020, <https://www.hrw.org/world-report/2020/country-
chapters/sri-lanka>, beide abgerufen am 06.07.2020). Kurz nach der Wahl
ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister
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und berief auch einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regie-
rung. Die drei Brüder kontrollieren in der neuen Regierung zahlreiche Mi-
nisterien und Departemente (vgl. HANNAH ELLIS-PETERSEN, The Guardian,
Sri Lanka’s president Rajapaksa cements family power as brothers join ca-
binet, 22. November 2019, <https://www.theguar-
dian.com/world/2019/nov/22/sri-lankas-president-rajapaksa-cements-fa-
mily-power-as-brothers-join-cabinet>, abgerufen am 06.07.2020). Be-
obachter sowie ethnische und religiöse Minderheiten befürchten aufgrund
dieser Macht der Familie Rajapaksa verstärkte Repression und die ver-
mehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten,
Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen
Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel
weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019, <https://www.fluechtlings-
hilfe.ch/publikationen/im-fokus/sri-lanka-regierungswechsel-weckt-a-
engste-bei-minderheiten>, abgerufen am 06.07.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst und beobachtet die Entwicklungen laufend. Zwar ist beim derzei-
tigen Kenntnisstand eine Akzentuierung der Gefährdungslage für Perso-
nen mit gewissen Risikofaktoren möglich (vgl. z.B. Human Rights Watch,
Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020,
<https://www.hrw.org/news/2020/02/16/sri-lanka-families-disappeared-
threatened>, abgerufen am 06.07.2020). Vorliegend besteht jedoch kein
persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zur Präsidentschaftswahl vom
16. November 2019 respektive zu deren Folgen. Dafür, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen oder Rückkehrer
tamilischer Ethnie aus der Schweiz generell, das heisst ohne weitere indi-
viduelle Gefährdungskomponente, einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt
wären, gibt es aber zudem heute keine Anzeichen. Deshalb ändern diese
Umstände nichts an der Risikoeinschätzung bezüglich des Beschwerde-
führers.
6.4 Entsprechend kommt das Gericht zum Schluss, dass der Beschwerde-
führer unabhängig von seinen exilpolitischen Aktivitäten heute bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka keiner flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt wäre. Entsprechend erfüllt er die Flüchtlingseigen-
schaft nur aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe, weshalb ihm kein Asyl
zu gewähren ist. Die Vorinstanz hat damit sein Asylgesuch zu Recht abge-
wiesen, ebenso das Asylgesuch der Beschwerdeführerin und ihrer beiden
Töchter. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
8.1 Die Verfahrenskosten sind in der Regel der unterliegenden Partei auf-
zuerlegen. Da den Beschwerdeführenden die unentgeltliche Prozessführung
gewährt worden ist, sind keine Kosten zu erheben (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
8.2 Dem vom Gericht bestellten unentgeltlichen Rechtsbeistand der Be-
schwerdeführenden ist eine Entschädigung zu Lasten des Gerichts auszu-
richten (Art. 65 Abs. 5 VwVG und Art. 12 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 8 ff VGKE). Der Rechtsbeistand
reichte keine Kostennote ein. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt
sich indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb pra-
xisgemäss auf die Einholung einer solchen verzichtet wird (Art. 14 Abs. 2
VGKE). In Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Berück-
sichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) ist
das amtliche Honorar auf Fr. 1’700.– festzusetzen.
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