Decision ID: d6ccaf48-5e8a-41e2-bc96-08382c6fb24f
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt (Zusammenfassung):
A. (nachfolgend: Klägerin) ist Eigentümerin des unbebauten Grundstücks Nr. 1a im
Grundbuch G., das im Osten an die bebaute Parzelle Nr. 1b von B. (nachfolgend:
Beklagte) grenzt. Beide Grundstücke stossen im Süden an eine Gemeindestrasse
dritter Klasse. Die bebaute Parzelle Nr. 2a im Grundbuch C., die sich vormals im
Eigentum der Klägerin befand, grenzt im Norden ebenfalls an diese Gemeindestrasse.
In der südwestlichen Ecke der Parzelle Nr. 1b steht eine Gruppe von fünf Tannen, die
wegen ihres Grenzabstands zum Grundstück Nr. 1a spätestens seit 22. Mai 2013 zu
Differenzen zwischen den Parteien führte, da die Klägerin von der Beklagten die
Entfernung bzw. Versetzung der Tannen verlangte. Mit Klage vom 23. Januar 2015
beantragte die Klägerin, die Beklagte sei unter Androhung einer Busse gemäss Art. 292
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StGB im Ungehorsamsfalle und der Ersatzvornahme durch einen Dritten zu
verpflichten, die im Grenzabstand gemäss Art. 98 Abs. 4 aEG-ZGB befindlichen
hochstämmigen Bäume (fünf Tannen) zu entfernen. Die Beklagte setzte sich dagegen
zur Wehr und berief sich dabei einerseits auf Rechtsmissbrauch und andererseits auf
öffentlich-rechtliche Schutzvorschriften, welche einer Beseitigung der strittigen Tannen
entgegenstehen würden; die Grenzabstandsverletzung bestritt sie demgegenüber
nicht. Mit Entscheid vom 24. April 2015 hiess der Einzelrichter des zuständigen
Kreisgerichts die Klage teilweise gut. Anstelle des beanspruchten direkten Vollzugs
fällte er einen bedingten Entscheid, indem er die Beseitigungspflicht der Beklagten an
die Vollstreckbarkeit und Rechtskraft einer vom Gemeinderat G zu erlassenden
Bewilligung zum Fällen der Bäume bzw. eines von diesem zu erlassenden Entscheid,
dass es dafür keiner solchen bedarf, knüpfte. Gegen diesen Entscheid des
Einzelrichters erhob die Beklagte mit Eingabe vom 24. Oktober 2015 Berufung beim
Kantonsgericht. Im Hinblick auf ein mittlerweile anhängig gemachtes öffentlich-
rechtliches Verfahren, dessen von den Parteien vorgebrachte Entscheide
(Gemeinderat, Rekursinstanz) zulässige echte Noven darstellten, wurde das
Berufungsverfahren zwischenzeitlich sistiert und alsdann – nachdem Ersteres rund zwei
Jahre später noch keinen rechtskräftigen Abschluss gefunden hatte, was der
Berufungsinstanz in Form eines Rückweisungsentscheids des Verwaltungsgerichts und
eines eingeholten Amtsberichts im Rekursverfahren wiederum zulässigerweise zur
Kenntnis gebracht wurde – wieder an die Hand genommen.

Erwägungen (Auszug):
III.
[...]
2. Die Beklagte wendet zunächst ein, dass sich die Klägerin bis vor kurzem nie an
den Tannen gestört habe. Der Beseitigungsanspruch werde ohne rechtliches Interesse
und damit schikanös erhoben. Überdies verhalte sich die Klägerin widersprüchlich und
überspitzt formalistisch. Insgesamt erweise sich der Beseitigungsanspruch deshalb als
rechtsmissbräuchlich und nicht schützenswert. Die Klägerin bestreitet den Vorwurf des
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Rechtsmissbrauchs. Das Grundstück Nr. 1a sei erst vor kurzem der Bauzone zugeteilt
worden und sie beabsichtige nun, die Parzelle zu veräussern.
a) Das Verbot des Rechtsmissbrauchs erstreckt sich auf die gesamte
Rechtsordnung mit Einschluss des öffentlichen Rechts sowie des Prozess- und
Zwangsvollstreckungsrechts. Es gilt von Amtes wegen und soll die Durchsetzung bloss
formaler Rechte verhindern, wenn diese in offensichtlichem Widerspruch zu
elementaren ethischen Anforderungen stehen (BGE 131 V 97 E. 4.3.1; BGE 128 III 201
E. 1.c). Ein Rechtsmissbrauch kann dabei, wie von der Beklagten vorgebracht, unter
anderem bei interessenloser, schikanöser oder verzögerter Rechtsausübung sowie bei
widersprüchlichem Verhalten vorliegen (vgl. BSK ZGB I-Honsell, Art. 2 N 37 ff.;
Hausheer/Aebi-Müller, Berner Kommentar, N 198 ff. zu Art. 2 ZGB). Der Rechtsschutz
wird indes nur bei offenbarem Rechtsmissbrauch verweigert (Art. 2 Abs. 2 ZGB; BSK
ZGB I-Honsell, Art. 2 N 27).
aa) Bei der Geltendmachung von kantonalen Abstandsvorschriften gilt bei
behaupteter interessenloser, schikanöser Rechtsausübung der Grundsatz, dass der
Nachbar, der die Einhaltung der kantonalen Abstandsvorschriften verlangt, kein
besonderes Interesse nachzuweisen hat und sich in der Regel auch keine
Interessenabwägung gefallen lassen muss, da bereits der kantonale Gesetzgeber mit
der Festsetzung der Abstandsvorschriften die Abwägung der nachbarlichen Interessen
vorgenommen hat (Entscheid des Kantonsgerichts vom 24. September 1999 i.S. RZ.
1999.38; Roos, Pflanzen im Nachbarrecht, S. 56; Lindenmann, Bäume und Sträucher
im Nachbarrecht, S. 55). Der Beseitigungsanspruch ist insbesondere nicht vom
Nachweis übermässiger Einwirkungen abhängig, sondern beruht grundsätzlich allein
darauf, dass der vorgeschriebene Mindestabstand unterschritten wird (BGE 126 III 452
E. 3.c/bb). Die Geltendmachung der kantonalen Abstandsvorschriften ist deshalb nur
ganz ausnahmsweise rechtsmissbräuchlich, wenn sie den vom Nachbar vorgebrachten
Interessen nicht oder in rein schädigender Absicht dient (Roos, a.a.O., S. 57). Unterliegt
der Beseitigungsanspruch, wie im Kanton St.Gallen, keiner Verjährung (Kley-Struller,
Kantonales Privatrecht, S. 200), so bildet das Fehlen einer Beeinträchtigung in der
gegenwärtigen Grundstücksnutzung aber immerhin ein Indiz für eine interessenlose,
schikanöse Rechtsausübung (Roos, a.a.O., S. 57).
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bb) Bei der verzögerten Rechtsausübung, die eine Unterfallgruppe des
widersprüchlichen Verhaltens darstellt, gilt der Grundsatz, dass das blosse Zuwarten
mit der Geltendmachung eines Anspruchs nach konstanter bundesgerichtlicher
Rechtsprechung keinen Rechtsmissbrauch begründet, da kein Gebot zügiger
Rechtsausübung besteht (BGE 125 I 14 E. 3.g; BGE 110 II 273 E. 2; BGE 105 II 39 E. b;
BSK ZGB I-Honsell, Art. 2 N 49; BK-Hausheer/Aebi-Müller, N 280 ff. zu Art. 2 ZGB).
Selbst für den Fall, dass das kantonale Recht, wie im Kanton St.Gallen, keine
Verjährung des Beseitigungsanspruchs vorsieht, begründet ein langes Tolerieren einer
Pflanze für sich allein noch keinen Rechtsmissbrauch. Langes Zuwarten mit der
Geltendmachung kann deshalb höchstens ein Indiz für ein fehlendes schützenswertes
Interesse des Nachbars sein (Roos, a.a.O., S. 62 f.; Entscheid des Kantonsgerichts
vom 24. September 1999 i.S. RZ.1999.38). Damit Rechtsmissbrauch bejaht werden
kann, müssen aber besondere Umstände hinzutreten, welche die Rechtsausübung mit
der früheren Untätigkeit des Berechtigten in einem unvereinbaren Widerspruch
erscheinen lassen (BGE 129 III 493 E. 5.1; BGE 127 III 357 E. 4.c/bb; BK-Hausheer/
Aebi-Müller, N 283 zu Art. 2 ZGB; BSK ZGB I-Honsell, Art. 2 N 49, jeweils mit weiteren
Hinweisen; Roos, a.a.O., S. 63).
[...]
b/aa) Nach dem Gesagten hat die Klägerin kein besonderes Interesse an der Fällung
der den Grenzabstand verletzenden fünf Tannen nachzuweisen. Sie hat sich –
entgegen dem, was die Beklagte hier anzunehmen scheint – grundsätzlich nicht dafür
zu rechtfertigen, dass sie die Einhaltung der kantonalen Abstandsvorschriften verlangt.
Ebenso wenig muss sie sich eine Interessenabwägung gefallen lassen oder dartun,
inwiefern der Schutzzweck von Art. 98 aEG-ZGB durch die fünf Tannen tangiert wird.
Hätte der kantonale Gesetzgeber eine Regelung treffen wollen, die den gegenläufigen
Interessen und der konkreten Schutzbedürftigkeit in jedem Einzelfall Rechnung trägt,
hätte er mit unbestimmten Gesetzesbegriffen operiert, auf das "Ermessen" verwiesen
oder die Bestimmung als "Kann-Vorschrift" ausgestaltet und dadurch dem
Rechtsanwender Tatbestands- (vgl. etwa Art. 684 Abs. 1, Art. 736 Abs. 1 ZGB) und/
oder Rechtsfolgeermessen eingeräumt (vgl. etwa Art. 736 Abs. 2 ZGB, Art. 112 und
Art. 112 EG-ZGB). Stattdessen hat er sich mit Art. 98 aEG-ZGB (s. auch
Art. 98 -98 EG-ZGB) für eine allgemeine Regelung der bei Pflanzen
bis
ter
bis sexies
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einzuhaltenden Grenzabstände entschieden, von der aufgrund des dispositiven
Charakters der Rechtsnorm nur – aber immerhin – in beidseitigem Einverständnis
abgewichen werden kann. Somit ist dieser Bestimmung im Streitfall und mit Blick auf
die Interessenlage nur dann ausnahmsweise die Anwendung zu versagen, wenn sie
ohne irgendein sachliches Interesse angerufen wird oder zu einem krassen
Missverhältnis der Interessen führt (BSK ZGB I-Honsell, Art. 2 N 39 und 41; BK-
Hausheer/Aebi-Müller, N 207 ff. und N 213 ff. zu Art. 2 ZGB). Für beides ist die
Beklagte beweispflichtig, wobei die Gegenpartei – insbes. weil eine unbestimmte
negative Tatsache in Frage steht – nach Treu und Glauben bei der Beweisführung
mitzuwirken hat, indem sie Gründe für das Bestehen eines Interesses anführt (zur
Beweislast: BGE 138 III 425 E. 5.2 und 5.4 f.; BGE 135 III 162 E. 3.3.1; zur
Mitwirkungspflicht: BGE 138 II 465 E. 6.3; BGE 137 II 313 E. 3.5.2).
Abgesehen davon, dass sich die beweisbelastete Beklagte somit nicht mit der blossen
Bestreitung der von der Klägerin behaupteten und zum Beweis verstellten Interessen
begnügen durfte, fällt vorliegend eine interessenlose Rechtsausübung – ein krasses
Missverhältnis machte die Beklagte nicht geltend – ausser Betracht, da der Verbleib
des Grundstücks Nr. 1a in der Bauzone erst seit dem Jahre 2014 endgültig feststeht
und die Klägerin nunmehr offenbar den Verkauf beabsichtigt. Dass im Grenzabstand
befindliche hochstämmige Bäume die Gestaltungsmöglichkeiten einer künftigen
Überbauung des angrenzenden Grundstücks einschränken und damit auch den
Verkehrswert vermindern können, ist als gerichtsnotorisch anzusehen. Ein
Rechtsschutzinteresse besteht damit, wie die Vorinstanz bereits festgestellt hat, auch
ohne Prüfung der konkreten Verkaufsabsicht der Klägerin. Daran vermag auch nichts
zu ändern, dass das betreffende Grundstück zurzeit offenbar landwirtschaftlich genutzt
wird und die Tannen diese Nutzung nicht stören. Zwar kann das Fehlen einer
Beeinträchtigung in der gegenwärtigen Grundstücksnutzung ein Indiz für einen
Rechtsmissbrauch sein, vorliegend befindet sich das Grundstück Nr. 1a aber definitiv
nicht mehr in der Landwirtschaftszone und soll dementsprechend in Zukunft auch nicht
mehr landwirtschaftlich genutzt, sondern überbaut werden. Irrelevant ist sodann, dass
die Klägerin nicht mehr Eigentümerin des Grundstücks Nr. 2a ist, da die vorliegende
Klage auf einer Verletzung des Grenzabstands zum Grundstück Nr. 1a beruht.
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bb) Auch das lange Tolerieren der Tannen durch die Klägerin begründet für sich
alleine noch keinen Rechtsmissbrauch. Zwar ist der Beseitigungsanspruch vorliegend
unverjährbar. Zusätzliche besondere Umstände, welche die Rechtsausübung mit der
früheren Untätigkeit der Klägerin in einem unvereinbaren Widerspruch erscheinen
lassen, sind jedoch, wie bereits die Vorinstanz festgestellt hat, nicht ersichtlich. Dies
gilt insbesondere im Hinblick auf den erst im Jahr 2014 richterlich bestätigten Verbleib
des klägerischen Grundstücks in der Bauzone, aufgrund dessen sich die Auswirkungen
der Grenzabstandsverletzung der streitigen Tannen und damit auch das Interesse der
Klägerin an deren Fällung verfestigt haben. Das Alter der zu fällenden Bäume ist in
diesem Zusammenhang, insbesondere wegen der veränderten Interessenlage,
irrelevant.
[...]
c) Zusammenfassend mag zwar zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststehen, ob
und inwieweit die fünf Tannen der Verkaufs- und Überbauungsabsicht der Klägerin
tatsächlich zuwiderlaufen würden, was wohl auch die Vorinstanz meinte, indem sie das
Verhalten der Klägerin aufgrund der noch fehlenden konkreten Überbauungsabsicht als
"fraglich" bezeichnete. Die hohen Anforderungen an einen Rechtsmissbrauch werden
durch die Geltendmachung des Beseitigungsanspruchs aber klarerweise nicht erfüllt,
da sich die im Grenzabstand befindlichen Tannen jedenfalls abstrakt dazu eignen, die
Verwirklichung der von der Klägerin angeführten Interessen zu erschweren, indem sie
namentlich die Verkäuflichkeit beeinträchtigen.
3. Die Beklagte wendet zudem ein, die zu fällende Tannengruppe sei ohnehin als
charakteristisches Element der Landschaft geschützt. Die ausdrücklich gestützt auf
Art. 98 Abs. 4 aEG-ZGB erhobene Klage sei abzuweisen, da ihr ein öffentlich-
rechtliches Fällverbot entgegenstehe. Die Klägerin stellt sich hingegen auf den
Standpunkt, dass die fünf fraglichen Tannen weder im Plan noch im Anhang zur
Schutzverordnung als geschützter Baumbestand ausgeschieden und folglich von der
Bestimmung gar nicht angesprochen seien. Eine Bewilligung zur Fällung sei deshalb
nicht notwendig. Hierzu legte die Klägerin eine – noch nicht rechtskräftige –
Feststellungsverfügung des Gemeinderates G. vom 31. August 2015 ins Recht, wonach
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keine Bewilligungspflicht bestehe. Jedenfalls sei das Fällen der fünf Bäume aber
bewilligungsfähig.
a/aa) Dem kantonalen Privatrecht und damit Art. 98 aEG-ZGB vorbehalten bleiben
besondere Vorschriften des öffentlichen Rechts (Art. 702 ZGB; Art. 117 EG-ZGB).
Vorschriften wie die öffentlich-rechtlichen Bestimmungen über den Waldabstand
(Art. 91 PBG, sGS 731.1), den Gewässerabstand (Art. 90 PBG) oder die Grenzabstände
zu öffentlichen Strassen und Plätzen (Art. 104-108 StrG, sGS 732.1) können die
privatrechtlichen Regeln von Art. 98 aEG-ZGB verdrängen. Gleiches gilt auch für ein
öffentlich-rechtliches Fällverbot (Roos, a.a.O, S. 228; Kley-Struller, S. 206). Keinesfalls
verdrängen öffentlich-rechtliche Vorschriften das Privatrecht aber vollständig, wie die
Beklagte anzudeuten scheint. Privatrechtliche und öffentlich-rechtliche Vorschriften
sind vielmehr jedenfalls im Grundsatz selbstständig nebeneinander anwendbar
(Schmid/Hürlimann-Kaup, Sachenrecht, N 951, mit Verweis auf BGE 126 III 223 E. 3.c);
lediglich im Konfliktfall gehen öffentlich-rechtliche Bestimmungen und somit auch die
Vorschriften des kantonalen öffentlichen Rechts über die Unterschutzstellung von
Bäumen dem kantonalen Zivilrecht vor (BGE 132 III 6 E. 3.1 f. = Pra 2006 Nr. 144; BGer
1C_69/2017 E. 3.2; Roos, a.a.O., S. 228). So führt beispielsweise eine
Bewilligungspflicht für das Fällen von Bäumen entgegen der Auffassung der Beklagten
(noch) nicht dazu, dass die privatrechtlichen Grenzabstandsvorschriften verdrängt
werden. Die Auferlegung einer Bewilligungspflicht bewirkt zunächst einmal bloss eine
"formelle Unterschutzstellung" – Bäume dürfen nicht gefällt werden, ohne dass zuvor
die erforderliche Erlaubnis eingeholt wurde. Sie soll es der zuständigen Behörde
ermöglichen, das beabsichtigte Fällvorhaben vorgängig auf seine Übereinstimmung mit
den öffentlich-rechtlichen Schutzbestimmungen zu überprüfen (vgl. Häfelin/Müller/
Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, N 2650, 2654 und 2661; Heer, St.Gallisches
Bau- und Planungsrecht, N 855 und 1048; vgl. auch Art. 146 PBG).
bb) Zu einem Normkonflikt mit Vorrang des öffentlichen Rechts kommt es hingegen
dann, wenn ein Eigentümer nach (kantonalem) Privatrecht zur Beseitigung eines
Baumes verpflichtet ist, dessen Erhaltung zugleich durch eine materielle Vorschrift des
(kantonalen oder kommunalen) öffentlichen Rechts oder durch einen in
konkretisierender Anwendung einer solchen ergangenen behördlichen Akt
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vorgeschrieben wird ("materielle Unterschutzstellung"), wodurch der nachbarrechtliche
Abwehranspruch – zumindest solange, wie die Unterschutzstellung bestehen bleibt –
aufgehoben wird (vgl. Roos, a.a.O., S. 228). Denn Eigentumsrechte, die das Privatrecht
verleiht, können nur soweit ausgeübt werden, als es die Rechtsordnung, insbesondere
das öffentliche Recht mit seinen Eigentumseinschränkungen, zulässt (Art. 641 Abs. 1;
BGer 1C_69/2017 E. 3.2; Roos, a.a.O., S. 228; Kley-Struller, a.a.O, S. 205, mit Hinweis
auf GVP 1983 Nr. 33, S. 74). Öffentlich-rechtliche Regelungen zum Schutz von
Pflanzen schränken daher auch die Eigentumsbefugnisse von Nachbarn ein und
überlagern deren zivilrechtliche Abwehransprüche.
cc) Liegt eine nachbarrechtliche Eigentumsüberschreitung vor, die an sich nach
Art. 679 Abs. 1 ZGB abwehrfähig ist, verbietet aber das öffentliche Recht das dafür
notwendige Fällen der Bäume, darf es dem Pflanzeneigentümer dann nicht möglich
sein, sich hinter diesem Verbot zu verschanzen, wenn öffentlich-rechtlich Ausnahmen
zugelassen sind, die mit Erfolgsaussicht beantragt werden können (vgl. Roos, a.a.O.,
S. 231 f.). Dies gilt umso mehr, wenn das Fällen von Bäumen gar nicht generell
verboten, sondern unter Umständen bloss eine behördliche Prüfung der Auswirkungen
auf einen weitläufigeren Schutzgegenstand voraussetzt. Denn zur Beseitigung i.S.v.
Art. 679 ZGB kann neben der tatsächlichen Abholzung der Bäume auch und als
notwendige Vorbereitungshandlung vorweg die Erlangung der erforderlichen Befugnis
bzw. die Beseitigung des rechtlichen Verbots durch Stellung eines entsprechenden
Antrags gehören. Ist es dem Pflanzeneigentümer möglich, eine Genehmigung zu
erlangen, hängt das Schicksal der Beseitigung der Grenzabstandsverletzung (auch) von
seinem Willen ab. Demzufolge gilt es zunächst zu prüfen, ob eine Unterschutzstellung
besteht und gegebenenfalls ob eine Befreiung durch Erlangung einer
(Ausnahme-)Bewilligung möglich ist. Einer solchen Prüfung durch den Zivilrichter steht
– entgegen der Auffassung der Vorinstanz – nicht entgegen, dass es insoweit um die
Anwendung öffentlich-rechtlicher Normen geht und die Fällbewilligung selbst nur von
der zuständigen Behörde erteilt werden kann. Ein rechtskräftiger Entscheid der hierfür
zuständigen Verwaltungsinstanzen liegt (noch) nicht vor. Dann aber ist das Zivilgericht
im Rahmen eines Zivilprozesses befugt, die entsprechende Vorfrage selbstständig zu
prüfen (BGE 138 III 49 E. 4.4.3; BGE 90 II 158 E. 3; BGer 5A_676/2017 E. 5). Ergibt die
vorfrageweise Prüfung, dass eine Unterschutzstellung ohne Befreiungsmöglichkeit
besteht, scheidet eine Verurteilung zur Beseitigung aus, weil die Beklagte nicht zu
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Massnahmen gezwungen werden kann, die ihr durch natur- und
heimatschutzrechtliche Bestimmungen verboten sind.
b/aa) Vorliegend befinden sich die betroffenen Grundstücke Nr. 1a und Nr. 1b im
Landschaftsschutzgebiet der Gemeinde G., weshalb die Schutzverordnung Ortsbilder,
Kultur- und Naturobjekte, Kulturlandschaften, Natur- und Landschaftsschutzgebiete
der Gemeinde G. vom 21. April 1993 (nachfolgend: Schutzverordnung) anwendbar ist.
Diese Schutzverordnung geht als öffentlich-rechtliche Vorschrift der privatrechtlichen
Bestimmung von Art. 98 aEG-ZGB im Konfliktfall vor. Gemäss Art. 1 gilt die
Schutzverordnung unter anderem für die im Plan bezeichneten sowie das im Anhang
der Verordnung aufgeführte Verzeichnis der Schutzgebiete und Schutzobjekte. Gemäss
Art. 9 der Schutzverordnung, welcher sich im Einzelnen mit den
Landschaftsschutzgebieten befasst, ist das charakteristische Bild der Landschaft zu
erhalten (Abs. 1) und dürfen Eingriffe in die Landschaft sowie land- und
forstwirtschaftliche Massnahmen wie Strassenbau, Entwässerungen, Aufforstungen,
Rodungen usw. nur bewilligt werden, wenn sie sich gut ins Landschaftsbild einfügen
und dem Schutzzweck nicht widersprechen (Abs. 2). Zuständig für eine allfällige
Bewilligung ist der Gemeinderat G. (Art. 15 Schutzverordnung).
bb) Nach zutreffender Ansicht der Vorinstanz sind die streitigen Tannen zwar nicht im
Anhang der Schutzverordnung als einzelne Schutzobjekte aufgeführt, werden als Teil
des charakteristischen und erhaltenswürdigen Landschaftsbildes aber dennoch von
der Schutzverordnung erfasst. Darüber hinaus hat sich die Vorinstanz einer Prüfung
des Schutzumfangs und der Erfolgsaussichten einer Befreiung davon mit Hinweis auf
die öffentlich-rechtliche Natur der Schutzverordnung entzogen, obschon sie als
Zivilgericht in Ermangelung eines Entscheids der zuständigen Behörde befugt – und im
Rahmen des vorgetragenen Tatsachenfundaments (Art. 55 Abs. 1 ZPO) – auch dazu
verpflichtet gewesen wäre, die entsprechende Vorfrage selbstständig zu prüfen. Ob die
Schutzverordnung neben den exemplarisch genannten, durchaus erheblichen
Eingriffen in die Landschaft – insbes. der Rodung (Zweckentfremdung von Waldboden
[vgl. Art. 4 WaG, SR 921.0]), wovon hier entgegen der anderslautenden Behauptungen
der Beklagten offenkundig keine Rede sein kann – auch das Fällen der isolierten
Tannengruppe auf Grundstück Nr. 1b für bewilligungspflichtig erklärt, erscheint
fraglich, kann indessen offenbleiben, da der angefochtene Entscheid ohnehin nicht zu
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Ungunsten der Beklagten als Berufungsklägerin abgeändert werden kann. Fest steht
aber, dass durch die Schutzverordnung eine öffentlich-rechtliche Unterschutzstellung
in Form eines Erhaltungsgebots der (umliegenden) Landschaft in ihrem
Gesamtcharakter besteht. Ein generelles Verbot, Bäume im entsprechenden
Landschaftsschutzgebiet zu fällen, besteht jedoch offensichtlich nicht, was sich bereits
aus dem Wortlaut der Schutzverordnung ergibt. Auch die Beklagte selber erwähnt, die
Fällung der Tannen sei bewilligungspflichtig und unter der Voraussetzung, dass damit
keine Beeinträchtigung oder Beseitigung des Schutzgegenstandes ("Erhaltung des
charakteristischen Bilds der Landschaft") verbunden sei, auch bewilligungsfähig
(Art. 15 Abs. 3 Schutzverordnung). Doch vermag ihre teilweise auf unzulässigen Noven
basierende Argumentation, wonach die auf Grundstück Nr. 1b befindliche
Tannengruppe "als Waldfläche" derart prägend wirke, dass durch deren Beseitigung
das charakteristische Bild des Landschaftsschutzgebiets Z. beeinträchtigt werde, nicht
zu überzeugen. Zur Begründung kann im Wesentlichen auf die von der Klägerin mit
Berufungsantwort dagegen vorgebrachten Einwendungen verwiesen werden. Vor
diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Schutzverordnung einer Fällung
der fraglichen Tannen nicht entgegenstehen dürfte. Das gilt umso mehr, als der
Gemeinderat G. in der von der Klägerin mit Berufungsantwort ins Recht gelegten und
noch nicht rechtskräftigen Feststellungsverfügung festgehalten hat, dass für das Fällen
der fünf Tannen auf der westlichen Seite des Grundstücks Nr. 1b überhaupt keine
Bewilligung benötigt werde, da die Tannen unter keinem Schutz stünden und deshalb
auch nicht in der Schutzverordnung eingetragen seien. Bestätigt wird dieser Eindruck
auch durch den im öffentlich-rechtlichen Rekursverfahren eingeholten und von der
Klägerin noch am Tag des Erhalts mit Noveneingabe vom 27. April 2018 eingereichten
Amtsbericht des Amts für Natur, Jagd und Fischerei vom 3. April 2018, in welchem der
Fichtengruppe als monotone Garten- bzw. Parzellenrandbepflanzung jegliche
Schutzbedürftigkeit abgesprochen wird.
4. Weiter wendet die Beklagte ein, die Bewilligung sei keine Bedingung, über deren
Eintritt der Zivilrichter zu urteilen berufen sei. Der Vollstreckungsantrag auf Fällung
könne deshalb auch unter angeblicher Bedingung nicht geschützt werden, da dies im
Zivilrecht nicht vorgesehen sei. Die Klägerin entgegnet, der Erlass eines bedingten
Entscheids sei gerade eine mögliche Lösung, wenn vom Grundeigentümer der Einwand
vorgebracht werde, eine öffentlich-rechtliche Bestimmung würde einer Beseitigung
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entgegenstehen. Eventualiter verlangte sie eine Sistierung des Verfahrens, bis
rechtskräftig über die Frage der Bewilligungspflicht entschieden sei, welchem Anliegen
zwischenzeitlich entsprochen wurde.
a/aa) Besteht, wie vorliegend, selbst für den Fall einer gewissen Unterschutzstellung
die Möglichkeit, dass dem Pflanzeneigentümer durch Erlangung einer Bewilligung die
Befugnis zum Fällen der Tannen erteilt wird, so stellt sich die Frage, wie der Zivilrichter
über einen nachbarrechtlichen Beseitigungsanspruch zu entscheiden hat, wenn das zur
Erlangung einer allenfalls vorgeschriebenen Genehmigung notwendige
Verwaltungsverfahren noch nicht angestrengt oder rechtskräftig abgeschlossen wurde.
In der Lehre werden hierzu verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen. Dazu gehört –
neben der Abweisung der Klage, der vorfrageweisen Prüfung der Befreiung durch den
Zivilrichter (s. hierzu E. 3.a-b vorne) sowie der Sistierung des Verfahrens bis zum
Entscheid der zuständigen Behörde – auch der Erlass eines bedingten Entscheids,
welcher den Pflanzeneigentümer unter Vorbehalt einer (vom Kläger zu erwirkenden)
Bewilligung zur Beseitigung verpflichtet (Roos, a.a.O., S. 231 f.).
bb) Der Erlass eines bedingten Entscheids, dessen gänzliche Wirksamkeit oder
Vollstreckbarkeit vom Eintritt einer Bedingung abhängig ist, ist unter der
Schweizerischen Zivilprozessordnung ausdrücklich zulässig (vgl. Art. 342 ZPO). Mit
Bedingung ist dabei in erster Linie die aufschiebende (suspensive) Bedingung i.S.v.
Art. 151 Abs. 1 OR gemeint (BSK ZPO-Zinsli, Art. 342 N 6). Durch Erlass eines
bedingten Entscheids kann dem Grundsatz der Prozessökonomie Rechnung getragen
werden, indem der obsiegenden Partei das Vollstreckungsverfahren bereits für die
Frage des Bedingungseintritts zur Verfügung gestellt wird und es ihr dadurch erspart
bleibt, diesbezüglich einen zweiten ordentlichen Prozess einzuleiten (Jenny, DIKE-
Komm-ZPO, Art. 342 N 4; Kellerhals, Berner Kommentar, N 2 zu Art. 342 ZPO). Da
über den Eintritt einer Bedingung neuer Streit entstehen kann, sind bedingte
Entscheide im Interesse der Rechtssicherheit allerdings nur in begründeten
Ausnahmefällen zulässig. Ebenso sollte ein Entscheid nur dann bedingt erlassen
werden, wenn der Eintritt der Bedingung im summarischen Verfahren festgestellt
werden kann (Staehelin, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm.,
Art. 236 N 21 f.; Staehelin/Staehelin/Grolimund, Zivilprozessrecht, § 23 N 14). Aus dem
materiellen Recht ergibt sich schliesslich, unter welchen Voraussetzungen eine
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Verurteilung zu einer bedingten Leistung erfolgen kann (BK-Kellerhals, N 6 zu Art. 342
ZPO; Jenny, DIKE-Komm-ZPO, Art. 342 N 3; BSK ZPO-Zinsli, Art. 342 N 7 mit Verweis
auf Leuch/Marbach/Kellerhals/Sterchi, § 397 ZPO/BE N 5.a). Gemeint ist dabei aber
keineswegs, dass es sich um eine Bedingung des materiellen Zivilrechts handeln muss,
wie die Beklagte behauptet. Vielmehr soll damit klargestellt werden, dass sich aus dem
materiellen öffentlichen oder Zivilrecht und nicht aus dem Prozessrecht ergibt, ob die
Bedingung eingetreten ist oder welche Anforderungen an das gehörige Anbieten,
Erfüllen oder Sicherstellen der Gegenleistung durch die obsiegende Klägerin zu stellen
sind (vgl. BK-Kellerhals, N 6 zu Art. 342 ZPO).
b/aa) Die Kritik der Beklagten, wonach die Vorinstanz den Vorrang des öffentlichen
Rechts missachtet habe, läuft ins Leere. Vielmehr trug die Vorinstanz diesem Vorrang
und dem Umstand, dass nur die zuständigen Behörden, nicht aber die Zivilgerichte,
eine allfällige (formelle) Unterschutzstellung der Tannen aufheben können, gerade
dadurch Rechnung, dass sie die Verurteilung zur Beseitigung unter die Bedingung der
rechtskräftigen Erteilung einer Bewilligung (bzw. Feststellung, dass es keiner solchen
Bewilligung bedarf) stellte. Es ist denn auch nicht ersichtlich, inwiefern mit dem
bedingten Entscheid der Vorinstanz der Fall, dass keine Bewilligung erteilt wird, "nicht
bestrichen" werden soll, wie die Beklagte geltend macht. Wenn eine Bewilligung für
das Fällen der Tannen benötigt und diese Bewilligung von der zuständigen Behörde
verweigert wird, mitunter also ein Fällverbot besteht, kann der bedingte Entscheid nicht
vollstreckt werden. Ein allfälliges Fällverbot findet somit ohne weiteres Niederschlag in
Dispositiv-Ziff. 1 des angefochtenen Entscheids.
bb) Wenn die Beklagte im Weiteren einwendet, das öffentliche Recht sei keine
Bedingung des Privatrechts, übersieht sie, dass insoweit es zur Fällung der strittigen
Tannen tatsächlich einer behördlichen Bewilligung bedarf, das Bestehen bzw. die
Durchsetzbarkeit des nachbarrechtlichen Beseitigungsanspruchs sehr wohl vom Eintritt
einer ungewissen Tatsache, nämlich der Erteilung der entsprechenden Bewilligung
abhängt. Basierend darauf ergibt sich sodann das Vorliegen eines begründeten
Ausnahmefalls, der den Erlass eines bedingten Entscheids oder unter Umständen die
Sistierung des Verfahrens bis zum rechtskräftigen Entscheid der zuständigen Behörde
über die Bewilligung(spflicht) rechtfertigt. Einerseits kann nämlich das Zivilgericht den
Entscheid der zuständigen Behörde über die Beseitigung eines (allenfalls bestehenden)
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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Erlaubnisvorbehalts durch Erteilung der Bewilligung nicht vorwegnehmen und
andererseits soll im Sinne der Prozessökonomie verhindert werden, dass sich die
Beklagte hinter einem beseitigbaren bzw. gar nicht erst bestehenden öffentlich-
rechtlichen Verbot verschanzen kann (vgl. dazu Roos, a.a.O., S. 231 f.). Während im
vorinstanzlichen Verfahren mangels Einleitung eines Verwaltungsverfahrens noch kein
Anlass für eine Sistierung bestand, hat auch die während mehr als zwei Jahren
aufrechterhaltene Sistierung des Berufungsverfahrens aufgrund des Ausbleibens eines
rechtskräftigen Endentscheids der angerufenen Verwaltungsinstanzen nicht zur
erwarteten Vereinfachung des Verfahrens geführt, womit sich die Verurteilung zur
Beseitigung unter dem Vorbehalt der Erteilung einer Bewilligung (bzw. Feststellung,
dass es keiner solchen Bewilligung bedarf) auch ex post als zweckmässig erwies. Der
Zivilrichter ist sodann zwar nicht zum Entscheid über die Erteilung, wohl aber zur
Feststellung des Vorliegens einer Bewilligung bzw. Feststellungsverfügung als
Vollstreckungsvoraussetzung berufen (Art. 342 ZPO). Eine derartige Feststellung hätte
schliesslich auch dann zu erfolgen, wenn eine Bewilligung der zuständigen Behörde
(bzw. eine Bestätigung, dass es keiner Bewilligung bedarf) bereits bei Erhebung der
Klage vorgelegen hätte. Sie kann dabei vorliegend ohne weiteres im summarischen
Verfahren erfolgen, welches für die Vollstreckung einer bedingten Leistung vorgesehen
ist (Art. 339 Abs. 2 ZPO), lässt sich der Nachweis einer rechtskräftigen Bewilligung der
zuständigen Behörde bzw. einer rechtskräftigen Feststellungsverfügung doch allemal
durch Urkunden erbringen (vgl. Art. 254 Abs. 1 ZPO). Im Übrigen gilt für die
Feststellung des Bedingungseintritts nach herrschender Lehre ohnehin keine
Beweismittelbeschränkung (statt Vieler: Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., N 13.23, mit
Hinweis auf Art. 254 Abs. 2 lit. b ZPO).
cc) Zusammenfassend zeigt sich somit, dass der Erlass eines bedingten Entscheids
zulässig war und der besonderen Fallgestaltung, insbesondere dem Vorrang des
öffentlichen Rechts, gerecht wird. Darüber, ob die Klage aufgrund der sich bei einer
vorfrageweisen Prüfung ergebenden Zweifel an der Bewilligungspflicht auch hätte
vorbehaltlos gutgeheissen werden können, braucht in Ermangelung einer Berufung
bzw. Anschlussberufung seitens der Klägerin nicht entschieden zu werden (vgl. hierzu
immerhin die Möglichkeiten gemäss Art. 337 Abs. 2 und Art. 341 Abs. 3 ZPO; BK-
Kellerhals, N 26 ff. zu Art. 341 ZPO). Die Berufung ist damit abzuweisen.
[...]
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 06.07.2018 Art. 2 Abs. 2 ZGB (SR 210); Art. 98 Abs. 4 aEG-ZGB (sGS 911.1): Die Klägerin hat sich nicht dafür zu rechtfertigen, dass sie die Einhaltung der kantonalen Abstandsvorschriften verlangt; die Anrufung dieser ist nur ganz ausnahmsweise rechtsmissbräuchlich, so beispielsweise, wenn sie ohne irgendein sachliches Interesse erfolgt, was – unter Mitwirkung der Klägerin – von der Gegenpartei zu beweisen ist.Art. 641 Abs. 1, Art. 679 Abs. 1 und Art. 702 ZGB: Privatrechtliche und öffentlich-rechtliche Vorschriften sind im Grundsatz selbstständig nebeneinander anwendbar; lediglich im Konfliktfall können öffentlich-rechtliche Bestimmungen dem Zivilrecht vorgehen.Art. 342 ZPO (SR 272): Hängt die Durchsetzbarkeit eines nachbarrechtlichen Beseitigungsanspruchs von der Erteilung einer öffentlich-rechtlichen Bewilligung ab, kann dies einen begründeten Ausnahmefall darstellen, der den Erlass eines bedingten Entscheids oder unter Umständen die Sistierung des Zivilverfahrens rechtfertigt (Kantonsgericht, I. Zivilkammer, 6. Juli 2018, BO.2015.34).
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