Decision ID: dd2b449e-fbe7-518f-86f8-e4c74232d916
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer, procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich nach Erleidung diverser Unfälle erstmals 2005 bei der
Invalidenversicherung an und ersuchte um Wiedereinschulung in die bisherige Tätigkeit
sowie um eine Rente (IV-act. 1-1 ff.). Im Auftrag der IV-Stelle wurde durch die Ärztliche
Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH in Basel am 21. Mai 2007 ein polydisziplinäres
psychiatrisches Gutachten erstellt, welches eine Arbeitsfähigkeit des Versicherten von
70 % in der bisherigen Tätigkeit als CNC-Mechaniker wie auch jeder anderen ähnlich
gelagerten, mittelschweren Tätigkeit festlegte. Einschränkend sei dabei das psychische
Leiden (IV-act. 43-25 ff.). Mit Schreiben vom 1. Februar 2008 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, eine Arbeitsvermittlung sei zur Zeit nicht möglich;
Eingliederungsmassnahmen seien nicht durchführbar (IV-act. 62-1 f.). Mit Verfügung
vom 22. Mai 2008 verneinte die IV-Stelle auch den Rentenanspruch des Versicherten
(IV-act. 70-1 ff.). Mit Schreiben vom 23. Juni 2008 kündigte der Versicherte seinen
Verzicht auf eine Anfechtung der Verfügung vom 22. Mai 2008 an. Er führte aus, dass
er sich Eingliederungsmassnahmen ernsthaft unterziehen werde, und stellte das
Gesuch an die IV-Stelle, entsprechende Bemühungen in die Wege zu leiten (IV-act.
72-1). Die Verfügung vom 22. Mai 2008 erwuchs mithin unangefochten in Rechtskraft.
Mit Schreiben vom 4. Juli 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die Ein
gliederungsberatung beauftragt worden sei, die Eingliederungsbemühungen wieder an
die Hand zu nehmen (IV-act. 73-1, 77-1). Am 22. August 2008 meldete sich der
Versicherte im Umfang einer Vermittlungsfähigkeit von 50 % beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) an (IV-act. 89-1).
A.b Am 21. Oktober 2008 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf
rezidivierende Kollapszustände, chronischen Schwindel und Gangunsicherheit,
Rücken- und Nackenschmerzen sowie Depressionen erneut zum Bezug einer Rente bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 83-1 ff.).
A.c In der Zeit vom 3. November 2008 bis 31. Dezember 2008 besuchte der
Versicherte das Verzahnungsprogramm der Durchführungsstelle Z._. Am 19. Januar
2009 erfolgte der entsprechende Abklärungsbericht (IV-act. 89-1 ff.). Darin wurde unter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anderem festgelegt, was bei einer Tätigkeit des Versicherten in der freien Wirtschaft
speziell beachtet werden müsse: "Wechselbelastung am Arbeitsplatz, sich
wiederholende leichte Tätigkeiten im grobmanuellen, ev. maschinellen Bereich.
Erhöhter Pausenbedarf bei sitzender oder stehender Tätigkeit. A._ möchte eigentlich
wieder in sein gelerntes Berufsfeld (CNC) zurückfinden und sich auf dem Gebiet der
Programmierung spezialisieren (CNC-Fachkraft). Seit seinem Unfall im 2004 war er auf
diesem Gebiet nicht mehr berufstätig". Es wurde zur weiteren Abklärung ein
Einsatzprogramm mit CNC Automaten empfohlen (IV-act. 89-7). In der Folge
absolvierte der Versicherte vom 2. März 2009 bis 31. Juli 2009 das Einsatzprogramm
Y._, welches unter anderem seine CNC-Kenntnisse wieder auffrischen und ihn an
einen regelmässigen Arbeitsrhythmus gewöhnen sollte (IV-act. 96-1). Im
Tätigkeitsbericht des Einsatzprogrammes vom 1. Juli 2009 (IV-act. 96-1 f., 103-2 f.)
wurde unter anderem ausgeführt, der Versicherte habe durch seine Motivation einige
Fachkenntnisse auffrischen und vertiefen können. Jedoch werde es für ihn, bedingt
durch seine aktuelle Gesundheitseinschränkung und 50 %ige Anwesenheit, sehr
schwierig, eine Festanstellung zu finden. Vor allem als CNC-Operator werde der
Versicherte kaum eine Stelle finden, da der Beruf fast überall in Schichtarbeit und zu
100 % angeboten werde (IV-act. 103-3).
A.d Im Schlussbericht der beruflichen Eingliederung der IV-Stelle stellte die
zuständige Eingliederungsverantwortliche am 8. Juli 2009 fest, dass es dem
Versicherten innerhalb eines Jahres nicht gelungen sei, einerseits eine stabile
Arbeitsleistung zu erbringen und andererseits eine Anstellung zu finden. Daher werde
der Fall für die IEB abgeschlossen (IV-act. 98-1). Mit Schreiben vom 20. August 2009
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die Arbeitsvermittlung abgeschlossen
werde (IV-act. 100-1).
A.e In einem ärztlichen Bericht vom 15. September 2009 führten die behandelnden
Ärzte med. prakt. B._, Assistenzarzt, und Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie, im Wesentlichen aus, der Versicherte befinde sich seit dem
21. August 2008 im Psychiatrie-Zentrum in ambulanter psychiatrischer Behandlung.
Aus ärztlicher Sicht stelle sich heute der Gesundheitszustand des Versicherten im
Vergleich zum Zeitpunkt der damaligen Begutachtung in der ABI GmbH vom 25. Mai
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2007 deutlich verschlechtert dar. Der Versicherte sei als mindestens 50 %
eingeschränkt in seiner Leistungsfähigkeit anzusehen (IV-act. 106-1 f.).
A.f Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die ABI GmbH am 24. November 2009 ein
psychiatrisches Verlaufsgutachten mit Untersuchungsdatum vom 27. Oktober 2009.
Der Gutachter Dr. med. D._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellte
folgende, die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden psychiatrischen Diagnosen: Eine leichte
bis mittelgradige depressive Episode sowie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung. Er führte aus, dass aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 30 % bestehe. Dies sei durch die leichte bis mittelgradige
depressive Episode und die anhaltende somatoforme Schmerzstörung bedingt. Dem
Versicherten könne es trotz der geklagten Schmerzen aus psychiatrischer Sicht
zugemutet werden, in einer seinen körperlichen Einschränkungen angepassten
Tätigkeit zu 70 % zu arbeiten. Im idealsten Falle würde es sich dabei um ein
ganztägiges Pensum mit wenig Publikumskontakten und der Möglichkeit zu
vermehrten Pausen handeln (IV-act. 112-1 ff.).
A.g Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz hielt am 27. November 2009 in
einer internen Stellungnahme fest, dass auf das ABI-Gutachten abgestützt werden
könne. Es könne weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % ausgegangen werden
(IV-act. 113-1).
A.h Ebenfalls am 27. November 2009 hielt die Sachbearbeiterin der IV-Stelle in einer
internen Telefonnotiz fest, sie habe den ehemaligen Vorgesetzten des Versicherten
telefonisch kontaktiert. Die Tätigkeit als CNC-Mechaniker/Programmierer könne an
ergonomischen Maschinen in aufrechtem Stehen mit gelegentlichem Vorlehnen
ausgeübt werden. Insgesamt könne die Tätigkeit als leicht bis mittelschwer bewertet
werden (IV-act. 114-1).
A.i Mit Vorbescheid vom 4. Dezember 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Leistungsgesuchs in Aussicht (IV-act. 118-1 f.). Der Invaliditätsgrad
betrage 30 % (Valideneinkommen Fr. 71'832.--, Invalideneinkommen Fr. 50'283.--).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.j Der Versicherte liess am 2. Februar 2010 Einwand gegen den Vorbescheid
erheben (IV-act. 122-1). Dem Einwand wurde ein Bericht von Dr. B._, Oberarzt, des
Psychiatrischen Dienstes E._ vom 28. Januar 2010 beigelegt, welcher das ABI-
Gutachten vom 24. November 2009 in diverser Hinsicht bemängelte (IV-act. 122-2 f.).
A.k Im Auftrag der IV-Stelle wurde seitens der ABI GmbH am 2. März 2010 eine
Stellungnahme zu den Ausführungen von Dr. B._ im Bericht vom 28. Januar 2010
verfasst. In der Stellungnahme wird ausgeführt, dass die Einwände von Dr. B._
unbegründet seien und vor allem keine fachliche Auseinandersetzung mit dem
Gutachten zeigten (IV-act. 126-1 f.).
A.l Mit Verfügung vom 5. März 2010 wies die IV-Stelle das Rentengesuch des
Versicherten ab (IV-act. 128-1 ff.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die am 19. April 2010 erhobene Beschwerde.
Darin wird beantragt, es sei die Verfügung vom 5. März 2010 aufzuheben und dem
Beschwerdeführer eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit
zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 1). In der
Beschwerdebegründung vom 27. Mai 2010 wird im Wesentlichen ausgeführt, der
Gutachter Dr. D._ habe sich lediglich 20 Minuten mit dem Beschwerdeführer
unterhalten, was absolut ungenügend sei. Der behandelnde Arzt Dr. B._ habe eine
erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes bestätigt. Dr. B._ habe
ausgeführt, dass die gestellten Diagnosen, insbesondere auch im Rahmen der zu
sätzlich vorliegenden Impulskontrollstörung, "in Stresssituationen in der Regel zu
selbst- und fremdgefährdenden impulsiven Verhaltensmustern" führten. Aufgrund der
schnellen Überforderung in Verbindung mit der kombinierten Persönlichkeitsstörung sei
die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers zur Hälfte reduziert. Bei der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit müsse auch berücksichtigt werden, dass der
Beschwerdeführer während mehrerer Monate im geschützten Rahmen zweier
Einsatzprogramme nicht in der Lage gewesen sei, die Arbeitsfähigkeit auf 70 % zu
steigern. Die diametral verschiedenen Einschätzungen der medizinischen Fachleute
hätten sich von der Beschwerdegegnerin auch im Einwandverfahren nicht lösen lassen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Es sei unumgänglich, zur Klärung dieser Widersprüche ein Obergutachten einzuholen.
Wie aus dem beigelegten Auszug aus dem Jahreslohnkonto aus dem Jahr 2004
ersichtlich sei, habe der Beschwerdeführer neben dem Grundlohn Überstunden sowie
zwei Sonderprämien ausbezahlt erhalten. Daher belaufe sich der Validenlohn auf
Fr. 83'756.70 (pro 2004) plus Teuerung. Das Invalideneinkommen dürfe nicht auf der
Basis des Valideneinkommens berechnet werden, da der Beschwerdeführer diese
Stelle nicht mehr habe. Daher sei auf Durchschnittslöhne zurückzugreifen. Aufgrund
der fehlenden Stressresistenz und der dazukommenden Teilarbeitsfähigkeit müsse das
Durchschnittseinkommen angepasst werden. Es müsse auf die Basis des
Hilfsarbeiterlohnes abgestellt werden und zudem mit dem Abzug von mindestens 20 %
berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer im Vergleich zum Durchschnitt eine
Lohneinbusse hinzunehmen habe (act. G 3).
B.b Mit der Beschwerdeantwort vom 18. August 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im
Wesentlichen aus, die Aussage des Beschwerdeführers, er sei lediglich 20 Minuten
exploriert worden, werde bestritten. Es komme im Übrigen nicht auf die Dauer, sondern
darauf an, ob ein Gutachten inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sei. Im
Weiteren sei Dr. B._ als behandelnden Arzt, zu welchem der Beschwerdeführer in
einem Vertrauensverhältnis stehe, eindeutig weniger unabhängig als ein ABI-Gutachter
anzusehen. Den Einschätzungen Dr. B._s komme daher sicher kein grösseres
Gewicht als jenen des Gutachters zu. Dr. D._ vom ABI habe in einer ausführlichen
Stellungnahme nachvollziehbar dargetan, dass er im Gutachten die
Impulskontrollstörungen behandelt und dargelegt habe, warum er davon ausgehe, dass
keine Persönlichkeitsstörung vorliege. Im Zeitpunkt der Begutachtung habe der
Beschwerdeführer zudem vor allem über Schmerzen geklagt; dies habe Dr. D._
ebenfalls diagnostisch eingeordnet. Dr. D._ habe festgehalten, dass die Einwände
von Dr. B._ keine fachliche Auseinandersetzung mit dem Gutachten enthalten
würden. Auch habe der RAD den Fall mehrere Male beurteilt und sei in den
Stellungnahmen vom 27. November 2009 und 9. Februar 2010 zum Schluss
gekommen, dass auf die Einschätzung des ABI-Gutachters abgestellt werden könne.
Da der Beschwerdeführer schliesslich in seiner angestammten Tätigkeit zu 30 %
eingeschränkt sei, erübrige sich die Durchführung eines Einkommensvergleichs
eigentlich, da die Einschränkung selbst somit den IV-Grad darstelle. Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Berücksichtigung eines Leidensabzugs komme überdies nicht in Frage, da der
Beschwerdeführer immer noch mittelschwere Arbeiten ausführen könne (act. G 6).
B.c In der Replik vom 3. September 2010 hält der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest. Er führt im Wesentlichen aus, es bleibe offen, woher die
Beschwerdegegnerin die Kenntnis nehme, die kurze Gesprächsdauer bei der
Begutachtung zu bestreiten. Es sei zudem völlig unklar, wie ein psychiatrischer
Gutachter in der Lage sei, innert so kurzer Zeit zu einer umfassenden Einschätzung zu
kommen. Richtigerweise müsse dem psychiatrischen Gutachten der Beweiswert
abgesprochen werden, da in einer so kurzen Zeit der Untersuchung eine seriöse
Begutachtung nicht möglich sei. Der IV-Grad müsse im Weiteren mittels einer
Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen ermittelt werden. Da der
Beschwerdeführer die bisherige Arbeitsstelle nicht mehr habe, müsse auf die
Tabellenlöhne abgestellt werden. Da der Beschwerdeführer vornehmlich leichte
Tätigkeiten verrichten könne, müsse vom anwendbaren statistischen Lohn eines
Hilfsarbeiters ein Abzug von 20 % gewährt werden. Eine mittelschwere Tätigkeit sei nur
noch ausnahmsweise möglich. Dazu komme, dass er bei seiner Arbeitsfähigkeit starke
Schwankungen aufweise und sich häufige Krankheitstage auf das Einkommen
auswirkten (act. G 8):
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2012 sind die im Zug des ersten Teils der 6. Revision revidierten
Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20)
und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten.
In materiell-rechtlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angefochtene Verfügung am 5. März 2010 (IV-act. 128-1 ff.) und somit vor Inkrafttreten
der 6. IV-Revision erlassen. Die übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen im
vorliegenden Fall keine materiell-rechtlichen Folgen, weshalb nachfolgend die zum
Zeitpunkt des Verfügungserlasses anwendbaren Bestimmungen wiedergegeben
werden.
2.
2.1 Als Invalidität gelten gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende
oder länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG
hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu
70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente,
wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu
40 % invalid ist.
2.2 Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und
somit den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die
Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar
erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten,
die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange
nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V
351 E. 3b/bb).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.3 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, wird
eine neue Anmeldung nach Art. 87 Abs. 4 IVV nur geprüft, wenn die Voraussetzungen
gemäss Abs. 3 erfüllt sind. Danach ist von der versicherten Person im Gesuch
glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Die Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung
in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten sein könnte, beurteilt
sich durch den Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ersten
Ablehnungsverfügung (bzw. bei mehreren Ablehnungen seit der letzten unangefochten
gebliebenen Ablehnung des Leistungsgesuchs) bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit
der streitigen neuen Verfügung (BGE 130 V 73 E. 3.1). Tritt die Verwaltung (nach
erfolgter Glaubhaftmachung) auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell
abzuklären und zu prüfen, ob nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu
bejahen sei (Entscheid des Bundesgerichts vom 3. April 2008, 9C_733/2007, E. 1).
3.
3.1 Vorliegend trat die Beschwerdegegnerin nach der erneuten Anmeldung vom
21. Oktober 2008 auf das Gesuch ein und holte diverse ärztliche Berichte ein. Das
psychiatrische Verlaufsgutachten des ABI vom 24. November 2009 sowie die
Stellungnahme des RAD Ostschweiz vom 27. November 2009 hielten eine objektive
Verschlechterung des Gesundheitszustandes grundsätzlich für nicht ausgewiesen. In
der Folge führte die Beschwerdegegnerin einen erneuten Einkommensvergleich durch,
wobei sie neu das Jahr 2009 (IV-act. 115-2) anstatt 2007 (IV-act. 61-2) als Jahr des
Einkommensvergleichs heranzog. Die Berechnung erfolgte wiederum ohne Aner
kennung eines Tabellenlohnabzugs; bei beiden Berechnungen resultierte ein IV-Grad
von 30 %. Demgegenüber beanstandet der Beschwerdeführer sowohl die medizinische
Würdigung des psychiatrischen Verlaufsgutachtens der ABI GmbH vom 24. November
2009 als auch die Berechnung des Invaliditätsgrades. Unbestritten ist, dass die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten ist.
3.2 Der Beschwerdeführer moniert, der ABI-Gutachter habe sich am 27. Oktober
2009 lediglich 20 Minuten mit dem Beschwerdeführer unterhalten. Diese Zeit sei
absolut ungenügend, um eine umfassende Beurteilung im Rahmen eines psychischen
Guachtens, auch eines Verlaufsgutachtens, abgeben zu können. Zudem habe der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
behandelnde Arzt Dr. B._ am 15. September 2009 eine erhebliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes bestätigt. Aufgrund der schnellen Überforderung in
Verbindung mit der kombinierten Persönlichkeitsstörung sei die Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers zur Hälfte reduziert. Dies bestätige auch die IV-
Eingliederungsverantwortliche in ihrem Schlussbericht. Aufgrund der diametral
verschiedenen Einschätzungen der medizinischen Fachleute sei zur Klärung der
Widersprüche ein Obergutachten einzuholen.
3.3 Die Beschwerdegegnerin stützt die angefochtene Verfügung in erster Linie auf
das psychiatrische Verlaufsgutachten der ABI GmbH vom 24. November 2009 mit
ambulanter psychiatrischer Untersuchung vom 27. Oktober 2009. Die ABI GmbH zählt
zu den medizinischen Abklärungsstellen im Sinn von Art. 72 IVV. Angesichts der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist sie als unbefangene Abklärungsstelle zu
qualifizieren (BGE 137 V 210).
3.4 Was die Dauer der psychiatrischen Untersuchung betrifft, hatte das
Bundesgericht selbst bei einer nur 20 bzw. 25 minütigen Untersuchung nicht von
vornherein eine Sorgfaltswidrigkeit des Gutachters angenommen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_55/2009 vom 1. April 2009 E. 3.3, I 1094/06 vom 14. November
2007 E. 3.1.1). Es führte aus, dass es für den Aussagegehalt eines medizinischen
Gutachtens grundsätzlich nicht auf die Dauer der Untersuchung ankomme. Angaben
zur Dauer seien zwar wünschbar, ihr Fehlen falle aber jedenfalls dann nicht
entscheidend ins Gewicht, wenn – auch im Gesamtkontext des medizinischen Dossiers
– keinerlei Hinweise auf materielle Mängel des Berichts bestünden. Massgebend sei
vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sei (Urteile des
Bundesgerichts 9C_664/2009 vom 6. November 2009 E. 3, 9C_55/2009 vom 1. April
2009 E 3.3, 9C_531/2007 vom 3. Juni 2008 E. 2.2.4). In Bezug auf die behauptete
Untersuchungsdauer von 20 Minuten ist festzuhalten, dass es sich um eine
Verlaufsbegutachtung handelte und der Gutachter den Beschwerdeführer bereits
einmal exploriert hatte. Die Dauer allein lässt vorliegend jedenfalls noch keine
Rückschlüsse auf den Beweiswert des Gutachtens zu.
3.5 Aus dem von der Eingliederungsverantwortlichen festgestellten unbefriedigenden
Leistungsgrad des Beschwerdeführers während seiner Absolvierung des
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verzahnungsprogramms in der Zeit vom 3. November 2008 bis 31. Dezember 2008 und
im vom 2. März 2009 bis 31. Juli 2009 geleisteten Einsatzprogramm (je im 50 %-
Arbeitspensum, IV-act. 98-1) kann entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht
ohne Weiteres auf eine höhere als im Verlaufsgutachten der ABI GmbH attestierte
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers geschlossen werden, fühlt sich dieser doch
subjektiv überhaupt nicht mehr in der Lage, einer Arbeit nachzugehen (vgl. IV-act.
112-7). Es ist davon auszugehen, dass die tiefe Selbsteinschätzung sich in der
gezeigten Leistung niedergeschlagen hat.
3.6 Was die von Dr. D._ abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch den
den Beschwerdeführer frühestens seit dem 21. August 2008 ambulant behandelnden
Arzt Dr. B._ anbelangt, ist Folgendes zu bemerken: Dr. B._ diagnostizierte eine
gravierende kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und histrionischen
Anteilen, die aus psychiatrischer Sicht aufgrund einhergehender
Impulskontrollstörungen einen invalidisierenden Charakter habe. Der invalidisierende
Teil der Erkrankung im Sinne der kombinierten Persönlichkeitsstörung trete nun nach
Verschwinden der Symptomverschiebung zu Somatisierung und Depression klarer zu
Tage. Im Rahmen der zusätzlich vorliegenden Impulskontrollstörungen komme es in
Stresssituationen regelhaft zu selbst- und fremdgefährdenden impulsiven
Verhaltensmustern, die eine mindestens 50 % Rente begründen würden. Der
Beschwerdeführer sei als mindestens 50 % eingeschränkt in seiner Leistungsfähigkeit
anzusehen (IV-act. 106-1 f.). Hinsichtlich dieser Ausführungen von Dr. B._, welche er
in seinem Bericht vom 28. Januar 2010 bestätigte (IV-act. 122-2 f.), ist festzustellen,
dass seine Befunderhebung bezüglich Persönlichkeitsstörung mit damit
einhergehender Impulskontrollstörung knapp und nicht sonderlich auffällig ist. Es sind
auch keine Kriterien für die Diagnosestellung ersichtlich. Im Weiteren nimmt Dr. B._
keine Auseinandersetzung mit der Frage der zumutbaren Willensanstrengung zur
Überwindung der geklagten Probleme vor. Es ist ebenfalls darauf hinzuweisen, dass
behandelnde Ärzte erfahrungsgemäss die Arbeitsfähigkeit ihrer Patienten
pessimistischer einschätzen als unabhängige medizinische Sachverständige. Dies
beruht unter anderem auf dem Therapieverhältnis, das den Arzt dazu neigen lässt, die
Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten zu hoch zu gewichten und deren subjektive
Selbsteinschätzung zu übernehmen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen IV 2009/106 vom 7. Oktober 2010 E. 5.3). Mit Blick auf die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag kann daher im Streitfall
häufig nicht auf die Sicht des behandelnden (Fach-)Arztes abgestellt werden (vgl. statt
vieler: Urteil des Bundesgerichts I 701/05 vom 5. Januar 2007, E. 2 mit zahlreichen
Hinweisen).
3.7 Im ABI-Gutachten vom 24. November 2009 führte Dr. D._ Folgendes aus: Wie
bereits im Gutachten 2007 gezeigt worden sei, könne die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung nicht gestellt werden. Der Beschwerdeführer sei weder selbst-
noch fremdgefährlich. Wenn dies vorliegen würde, wäre eine stationäre Behandlung
notwendig. Es sei zwar anamnestisch zu Impulskontroll-Verlusten gekommen, indem
der Beschwerdeführer auch Geschirr auf den Boden geworfen habe. Im
Untersuchungsgespräch habe er sich aber zusammennehmen können. Sein Verhalten
mit wiederholten gereizten und aggressiven Äusserungen sei deshalb auch
demonstrativ gewesen. Zu tätlicher Aggressivität sei es nach Angaben des
Beschwerdeführers nie gekommen. Innerhalb der Familie bestünden gute Kontakte. Es
bestehe auch kein schweres psychisches Leiden. Die fehlende Besserung und der
chronische Verlauf seien aber vor allem auch durch die ausgeprägte subjektive
Krankheitsüberzeugung des Beschwerdeführers bedingt. Ein wesentlicher Grund für
das Scheitern der beruflichen Massnahmen 2008 bestehe auch darin. Der psychische
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers gegenüber dem Gutachten 2007 habe
sich mit Blick auf die psychosomatischen Symptome verändert, indem aktuell mehr die
Schmerzen im Vordergrund stünden und indem sich die Depression mehr in
aggressiver Gestimmtheit zeige, gleich geblieben sei aber im Verlauf der Grad der
Arbeitsunfähigkeit. Im Psychiatrie-Zentrum seien die genannten Kriterien nicht genau
beachtet worden, vor allem sei nicht beachtet worden, dass die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung nie alleine aufgrund des Querschnittbefundes gestellt werden
dürfe, sondern dass dabei auch der Längsverlauf beachtet werden müsse. Wenn auch
von einer Persönlichkeit mit narzisstischen und histrionischen Anteilen ausgegangen
werde, so könne daraus schon deshalb keine Arbeitsunfähigkeit abgleitet werden, da ja
der Beschwerdeführer früher mehrere Jahre voll arbeitsfähig gewesen sei und eine
Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 eben auch dadurch gekennzeichnet sei, dass sich
deren Symptomatik im Verlauf nicht stark verändert habe. Möglicherweise sei auch die
Gesamtsituation des Beschwerdeführers höher gewichtet als die genaue Einschätzung
der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit, wie sie im Rahmen einer Begutachtung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erfolgen müsse. Deshalb sei die Beurteilung im Psychiatrie-Zentrum anders ausgefallen
(IV-act. 112-8 f.). Dr. D._ setzte sich mithin nachvollziehbar mit der durch Dr. B._
diagnostizierten kombinierten Persönlichkeitsstörung mit damit einhergehender
Impulskontrollstörung und der durch Dr. B._ attestierten 50 %igen Arbeitsunfähigkeit
auseinander; der Impulskontrollstörung wurde - entgegen der Ansicht von Dr. B._ -
genügend Gewicht beigemessen. Insgesamt erscheinen die Ausführungen von Dr.
D._ bezüglich Verneinung der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit damit
einhergehenden Impulskontrollstörung, insbesondere auch unter Berücksichtigung der
Stellungnahme des RAD Ostschweiz, schlüssig und plausibel. Dies, zumal Dr. B._
ausser der Schilderung des vom Beschwerdeführer getätigten Beförderns des
gesamten Abendessens der Familie mitsamt des Geschirrs auf den Küchenboden (IV-
act. 106-2) keine weiteren konkreten Beispiele von Impulskontrollstörungsäusserungen
mit selbst- und fremdgefährdenden impulsiven Verhaltensmustern des
Beschwerdeführer nennt und solche auch in den Akten nicht zu finden sind.
3.8 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist das Verlaufsgutachten der ABI GmbH
vom 24. November 2009 als vollständig und nachvollziehbar zu betrachten, so dass
darauf abzustellen ist. Vor diesem Hintergrund ist auf die Einholung eines
Obergutachtens zu verzichten.
3.9 Bei der durchgeführten psychiatrischen Untersuchung in der ABI GmbH vom
27. Oktober 2009 ergab sich, dass dem Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht
zugemutet werden kann, in einer seinen körperlichen Einschränkungen angepassten
Tätigkeit zu 70 % zu arbeiten. Im idealsten Fall könnte es sich gemäss Dr. D._ um ein
ganztägiges Pensum mit wenig Publikumskontakten und der Möglichkeit zu
vermehrten Pausen handeln (IV-act. 112-7). Bereits im polydisziplinären
psychiatrischen Gutachten der ABI GmbH vom 21. Mai 2007 war festgelegt worden,
dass der Beschwerdeführer für die bisherige wie auch für jede andere ähnlich
gelagerte, mittelschwere Tätigkeit zu 70 % arbeits- und leistungsfähig sei (IV-act.
43-25).
3.10Zusammenfassend belegen die nach der Verfügung vom 22. Mai 2008 erstellten
ärztlichen Berichte von Dr. B._ vom 15. September 2009 und 28. Januar 2010 keine
erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes, welche eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anspruchsbegründende Invalidität zur Folge hätte. Zumindest bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 5. März 2010 ist folglich gemäss dem ABI-
Verlaufsgutachten von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer körperlich leichten bis
mittelschweren Tätigkeit auszugehen.
4.
4.1 Was die erwerblichen Auswirkungen der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
betrifft, wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
4.2 Gemäss ABI-Verlaufsgutachten vom 24. November 2009 und Stellungnahme des
RAD-Arztes vom 27. November 2009 besteht in einer körperlich leichten bis
mittelschweren Tätigkeit eine 70 %ige Arbeitsfähigkeit. Da die angestammte Tätigkeit
des Beschwerdeführers als CNC-Mechaniker/Programmierer als leicht bis mittelschwer
bewertet werden kann (vgl. Telefonnotiz vom 27. November 2009, IV-act. 114-1),
rechtfertigt sich daher in Übereinstimmung mit der Einschätzung im ersten ABI-
Gutachten vom 21. Mai 2007 (IV-act. 43-23 f.) die Annahme, dass das
Invalideneinkommen ungefähr bei 70 % des Valideneinkommens liegt. In Fällen, in
denen zur Bestimmung des Validen- und Invalideneinkommens dieselbe
Vergleichsgrösse herangezogen wird, kann ein sogenannter Prozentvergleich
vorgenommen werden (Bundesgerichtsentscheid i/S H. vom 10. Juli 2009, 9C_360/09).
Selbst wenn zudem ein Abzug vom Invalideneinkommen von 10 % vorgenommen
würde, resultiert lediglich ein Invaliditätsgrad von 37 % (1 – [0.7 x 0.9] x 100 %). Da
dieser Invaliditätsgrad unter 40 % liegt, besteht kein Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung.
5.
5.1 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Ver
sicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95
Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren
ganz oder teilweise abgewiesen werden. Angesichts des vollen Unterliegens des
Beschwerdeführers rechtfertigt es sich, ihm die Gerichtskosten unter Anrechnung des
von ihm in selbiger Höhe geleisteten Kostenvorschusses gesamthaft aufzuerlegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP