Decision ID: 1dcfb1cb-c972-4f33-983e-d5f4036458ea
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:
A.
Die Beschwerdeführerin heiratete am 26. Juli 2019 im Kosovo einen in der
Schweiz niederlassungsberechtigten Landsmann, reiste am 21. Juni 2020
in die Schweiz ein und erhielt am 6. August 2020 im Rahmen des Fami-
liennachzugs eine bis am 21. Juni 2021 gültige Aufenthaltsbewilligung.
Nachdem der Ehemann dem Amt für Migration und Integration Kanton
Aargau (MIKA) mitgeteilt hatte, dass er am 5. April 2021 aus der ehelichen
Wohnung ausgezogen, sein Ehewille erloschen sei und er sich so rasch als
möglich scheiden lassen wolle, gewährte das MIKA der Beschwerde-
führerin das rechtliche Gehör und verfügte am 27. Oktober 2021 die Nicht-
verlängerung der zwischenzeitlich abgelaufenen Aufenthaltsbewilligung
der Beschwerdeführerin und deren Wegweisung unter Ansetzung einer
Ausreisefrist von 30 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung (act. 2).
B.
Gegen die Verfügung des MIKA vom 27. Oktober 2021 erhob die Be-
schwerdeführerin mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 17. November
2021 beim Rechtsdienst des MIKA (Vorinstanz) Einsprache.
Die Vorinstanz erliess am 18. Januar 2022 folgenden Einspracheentscheid
(act. 1 ff.):
1. Die Einsprache wird abgewiesen.
2. Das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege wird .
3. Es werden keine Gebühren erhoben.
4. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen
eingegangen.
C.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 18. Februar 2022 erhob die Be-
schwerdeführerin beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Verwal-
tungsgericht) Beschwerde und stellte folgende Anträge (act. 10 ff.):
- 3 -
1. Der Entscheid des Amtes für Migration vom 18.01.2022 sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin sei zu verlängern.
3. Die Beschwerdeführerin sei nicht aus der Schweiz wegzuweisen.
4. Eventualiter sei der Entscheid des Amtes für Migration vom 18.01.2022 vollumfänglich aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz .
5. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MWST) zu Lasten des Staates. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin die vollumfängliche  Rechtspflege zu erteilen und ihr der Unterzeichnende als Rechtsbeistand beizustellen.
Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden
Erwägungen.
Mit Instruktionsverfügung vom 21. Februar 2022 wurde die Vorinstanz zur
Beschwerdeantwort und Einreichung der Vorakten aufgefordert und fest-
gehalten, dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege nach Eingang der Vorakten entschieden werde. Die
Vorinstanz reichte am 2. März 2022 die Vorakten ein und verzichtete auf
eine Beschwerdeantwort. Diese Eingabe wurde der Beschwerdeführerin
zur Kenntnisnahme zugestellt und kein weiterer Schriftenwechsel angeord-
net (act. 101 ff.).
Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden (vgl.
§ 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG;
SAR 155.200]).

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
I.
1.
Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung
mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9
Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November
2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen
- 4 -
und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-
tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen
und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-
rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]).
Die Beschwerdeführerin beantragt mit ihrer Beschwerde unter anderem,
ihre Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern. Das Verwaltungsgericht
kann jedoch keine Aufenthaltsbewilligungen erteilen oder verlängern. Der
Antrag ist daher so zu verstehen, dass das MIKA anzuweisen sei, die ab-
gelaufene Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin zu verlängern
bzw. ihr eine neue Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.
Nachdem sich die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der
Vorinstanz vom 18. Januar 2022 richtet, ist die Zuständigkeit des Verwal-
tungsgerichts gegeben und auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist, unter Beachtung der vorstehenden Präzisierung, einzutreten.
2.
Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder Best-
immungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwaltungsge-
richt einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Miss-
brauch des Ermessens, und unrichtige oder unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhaltes gerügt werden. Die Ermessensüber-
prüfung steht dem Gericht jedoch grundsätzlich nicht zu (§ 9 Abs. 2 EGAR;
vgl. auch § 55 Abs. 1 VRPG). Schranke der Ermessensausübung bildet
das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: MARTINA
CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Hand-
kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer
[AuG], Bern 2010, N. 7 zu Art. 96 mit Hinweisen). In diesem Zusammen-
hang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss Art. 96
des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrationsgesetz,
AIG; SR 142.20) relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, persönliche
Verhältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechtsfehlerfrei
gewichtet wurden (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, a.a.O., N. 9 zu Art. 96).
Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entscheiden, ob
die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches Interesse
gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren Sinn).
II.
1.
Die Vorinstanz hat im angefochtenen Einspracheentscheid zutreffend fest-
gestellt, dass die durch das MIKA verfügte Nichtverlängerung der Aufent-
haltsbewilligung der Beschwerdeführerin und deren Wegweisung aus der
- 5 -
Schweiz nicht zu beanstanden sind (act. 3 ff.). Was die Beschwerde-
führerin in ihrer Beschwerde dagegen vorbringt, deckt sich inhaltlich im We-
sentlichen mit ihren Vorbringen im vorinstanzlichen Einspracheverfahren
(Akten des Amtes für Migration und Integration [MI-act.] 139 ff.) und vermag
am zutreffenden Entscheid der Vorinstanz nichts zu ändern.
2.
2.1.
Aufenthaltsbewilligungen sind befristet und erlöschen mit Ablauf ihrer Gül-
tigkeitsdauer (Art. 33 Abs. 3 i.V.m. Art. 61 Abs. 1 lit. c AIG). Spricht jedoch
nichts gegen eine Bewilligungsverlängerung, wird diese praxisgemäss ver-
fügt. Das AIG enthält keine Bestimmungen, welche die Kriterien für die
Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung festlegen. Art. 33 Abs. 3
AIG normiert lediglich, dass eine Aufenthaltsbewilligung verlängert werden
kann, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1 AIG vorliegen. Wie
mit Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.346 vom 28. März 2022,
Erw. II/2.1 festgehalten, setzt die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbe-
willigung einen Nichtverlängerungsgrund voraus. Dieser kann entweder in
einem Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 AIG bestehen oder sich aus
einer ständigen, rechtsgleich gehandhabten Praxis des MIKA ergeben.
2.2.
Wird die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung damit begründet,
dass der Aufenthaltszweck dahingefallen sei, besteht der Nichtverlänge-
rungsgrund darin, dass die betroffene Person eine mit der Bewilligungs-
erteilung verbundene Bedingung nicht mehr erfüllt, womit der Widerrufs-
bzw. Nichtverlängerungsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG erfüllt ist (Ent-
scheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.346 vom 28. März 2022,
Erw. II/2.2).
2.3.
Wie jede behördliche Massnahme müssen auch die Nichtverlängerung
einer Aufenthaltsbewilligung und die gemäss Art. 64 Abs. 1 lit. c AIG damit
verbundene Wegweisung verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV und
Art. 96 Abs. 1 AIG; vgl. BGE 135 II 377, Erw. 4.3) und verlangen folglich
nach einer Interessenabwägung unter den Gesichtspunkten von Art. 96
Abs. 1 AIG.
Da sich die Prüfung der Verhältnismässigkeit der Nichtverlängerung und
Wegweisung erübrigt, wenn die betroffene Person einen Anspruch auf Er-
teilung einer Bewilligung hat oder ihr ermessensweise eine Bewilligung zu
erteilen ist, ist die Verhältnismässigkeitsprüfung zunächst zurückzustellen
und es ist vorab zu klären, ob der betroffenen Person gestützt auf eine An-
spruchs- oder Ermessensbestimmung eine Bewilligung zusteht (zum
Ganzen Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.346 vom 28. März
2022, Erw. II/2.3 f.).
- 6 -
3.
In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob ein Nichtverlängerungsgrund vor-
liegt (siehe vorne Erw. 2.1).
Die Beschwerdeführerin verfügte aufgrund ihres Aufenthalts als Ehegattin
eines Niederlassungsberechtigten ab August 2020 über eine abgeleitete
Aufenthaltsbewilligung. Zulassungsgrund war die Eheschliessung und das
Zusammenleben in ehelicher Gemeinschaft war Aufenthaltszweck und
gleichsam Bedingung für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Da
die Beschwerdeführerin seit April 2021 von ihrem Ehemann getrennt lebt
und keine Aussicht auf Wiedervereinigung besteht (vgl. act. 10 ff., wo die
Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde von ihrem "Ex-Ehemann" spricht),
wird der Aufenthaltszweck bzw. die mit der Bewilligungserteilung verbun-
dene Bedingung nicht mehr eingehalten, womit der Widerrufsgrund von
Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG erfüllt ist. Nach dem Gesagten steht fest, dass ein
Nichtverlängerungsgrund vorliegt.
4.
Wie durch die Vorinstanz korrekt ausgeführt wurde, hat die Beschwerde-
führerin infolge der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft sowie des
weniger als dreijährigen Bestehens der Ehegemeinschaft weder gestützt
auf Art. 43 Abs. 1 AIG noch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG einen An-
spruch auf Verlängerung ihrer bisherigen bzw. auf Erteilung einer neuen
Aufenthaltsbewilligung (act. 3 f.).
5.
5.1.
Auch die Ausführungen der Vorinstanz, wonach die Beschwerdeführerin
aus Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AIG keinen Anspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung ableiten kann (act. 4 f.), sind nicht zu beanstanden.
5.2.
5.2.1.
Gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG besteht ein Anspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung und deren Verlängerung im Rahmen eines nach-
ehelichen Härtefalls, wenn wichtige persönliche Gründe vorliegen, die
einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen, bzw. wenn
dem betroffenen Ehegatten aufgrund seiner Ausreiseverpflichtung eine be-
sondere Härte widerfahren würde.
5.2.2.
5.2.2.1.
Das Bundesgericht hat seine Rechtsprechung diesbezüglich wie folgt zu-
sammengefasst (Urteil des Bundesgerichts 2C_830/2010 vom 10. Juni
2011, Erw. 3.1), wobei die zitierten Bestimmungen des Bundesgesetzes
- 7 -
über die Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember 2005 (AuG;
SR 142.20) – soweit relevant – mit den entsprechenden Bestimmungen
des AIG in der hier anwendbaren Fassung übereinstimmen:
3.1.1 Neben Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG (Ehedauer und erfolgreiche ) hat der Gesetzgeber als nachehelichen ausländerrechtlichen  einen Rechtsanspruch auf Erteilung und Verlängerung der  für den Fall vorgesehen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG), dass " persönliche Gründe" einen "weiteren Aufenthalt in der Schweiz  machen". Dabei geht es darum, Härtefälle bei der  nach der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft zu vermeiden (vgl. BGE 136 II 1 E. 5.3 S. 4). Der nacheheliche Härtefall knüpft an den abgeleiteten Anwesenheitsanspruch nach Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 AuG an; bei der Beurteilung der "wichtigen persönlichen Gründe" sind in der Folge aber sämtliche Umstände des Einzelfalles . Im Gegensatz zur Ermessensbewilligung nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG, wonach die kantonale Bewilligungsbehörde unter Zustimmung des Bundesamts von den Zulassungsvoraussetzungen (Art. 18 - 29 AuG) abweichen kann, um "schwerwiegenden persönlichen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen" (allgemeiner  Härtefall), ist hier nicht von Bedeutung, wie stark der  Kanton das öffentliche Interesse an einer restriktiven  gewichtet, sondern allein, wie sich die Pflicht des Ausländers, die Schweiz verlassen zu müssen, nach der gescheiterten Ehe auf seine persönliche Situation auswirkt. Während Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG in  von Art. 13 lit. f BVO als Ermessensbewilligung für sämtliche ausländerrechtliche Härtefälle gilt, hat der Gesetzgeber in Art. 50 AuG den nachehelichen Härtefall als Anspruchsbewilligung geregelt, wobei sich die jeweils zu berücksichtigenden Interessen oder wichtigen Gründe mit den anderen Härtefallregeln überschneiden können (Dauer der Anwesenheit, Integration, Zumutbarkeit der Rückkehr usw.).
3.1.2 Der Härtefall nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist für Situationen , in denen die Voraussetzungen der Litera a nicht erfüllt sind, sei es, dass der Aufenthalt während der Ehe von kürzerer Dauer war oder dass die Integration nicht fortgeschritten ist oder es an beidem fehlt (BGE 137 II 1 ff.), aber - aufgrund sämtlicher weiterer Umstände - eine  vorliegt, welche früher im Rahmen von Art. 13 lit. f BVO hätte  werden können. Der Gesetzgeber wollte mit Art. 50 AuG die diesbezüglich unterschiedlichen kantonalen Praxen vereinheitlichen ( AuG, BBl 2002 3709 Ziff. 1.3.7.6 S. 3754). Der ursprünglich vom schweizerischen bzw. niedergelassenen Ehepartner abgeleitete  soll in Ausnahmesituationen unter einheitlichen  Kriterien verselbständigt weiter bestehen, wobei für den  Erwerb der Niederlassungsberechtigung die allgemeinen Regeln (Art. 50 Abs. 2 i.V.m. Art. 34 AuG) und nicht mehr die speziellen  von Art. 42 Abs. 3 bzw. Art. 43 Abs. 2 AuG gelten.
3.1.3 Die "wichtigen persönlichen Gründe" nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG müssen den weiteren Aufenthalt erforderlich machen. Nach Art. 50 Abs. 2 AuG und der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dazu (BGE 136 II 1 E. 5 S. 3 ff.) kann dies namentlich der Fall sein, wenn die ausländische Person mit abgeleitetem Aufenthaltsrecht Opfer ehelicher Gewalt  ist oder wenn ihre soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint. Der Verbleib in der Schweiz kann sich zudem dann
- 8 -
als "erforderlich" erweisen, wenn der Ehegatte, von dem sich die  ableitet, verstirbt (vgl. BGE 137 II 1 E. 3 u. 4). Im  von Art. 50 AuG ist auch den Interessen gemeinsamer Kinder  zu tragen, soweit eine enge Beziehung zu ihnen besteht und sie in der Schweiz ihrerseits gut integriert erscheinen (so ausdrücklich die  zum AuG, BBl 2002 3709 Ziff. 1.3.7.6 S. 3754). Bei der Anwendung von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist entscheidend, ob die persönliche,  und familiäre Wiedereingliederung der betroffenen ausländischen  bei einer Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hat und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre und bevorzugt würde (Urteil 2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 3). Ein persönlicher,  Härtefall setzt aufgrund der gesamten Umstände des Einzelfalls eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und  voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der  auf Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 AuG abgeleiteten  verbunden sind (vgl. das Urteil 2C_781/2010 vom 16. Februar 2011 E. 2.2). Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein  auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute  im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt (Botschaft AuG, BBl 2002 3709 Ziff. 1.3.7.6 S. 3754).
5.2.2.2.
Bei der Beurteilung, ob wichtige Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b
AIG vorliegen, sind insbesondere die Konkretisierungen in Art. 31 VZAE zu
beachten. Diese Bestimmung umschreibt in allgemeiner Form, dass bei
Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls eine Aufent-
haltsbewilligung erteilt werden kann. Sie bezieht sich gemäss Klammer-
verweis im Titel sowohl auf Art. 14 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998
(AsylG; SR 142.31) als auch auf den Anwendungsbereich des AIG (Art. 30
Abs. 1 lit. b, Art. 50 Abs. 1 lit. b und Art. 84 Abs. 5 AIG). In Art. 31 Abs. 1
VZAE werden folgende zu berücksichtigende Kriterien aufgelistet:
- die Integration anhand der Kriterien von Art. 58a Abs. 1 AIG (Beach-
tung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, Respektierung der Werte
der Bundesverfassung, Sprachkompetenzen und Teilnahme am Wirt-
schaftsleben oder am Erwerb von Bildung; Art. 31 Abs. 1 lit. a VZAE),
- die familiären Verhältnisse unter besonderer Beachtung des Zeitpunkts
der Einschulung und der Dauer des Schulbesuchs der Kinder (lit. c),
- die finanziellen Verhältnisse (lit. d),
- die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e),
- der Gesundheitszustand (lit. f) und
- die Möglichkeiten der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat (lit. g).
Die Kriterien gemäss Art. 31 Abs. 1 VZAE beziehen sich einerseits auf här-
tefallbegründende Umstände und andererseits auf Aspekte des öffent-
lichen Interesses, die der Erteilung einer Härtefallbewilligung entgegen-
stehen können. Mit Blick auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG sind nur die härtefall-
begründenden bzw. privaten Interessen massgebend, da es lediglich um
- 9 -
die Frage geht, ob wichtige persönliche Gründe vorliegen, die einen weite-
ren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen und somit einen An-
spruch auf Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und deren Ver-
längerung begründen. Besteht ein Anspruch im Sinne von Art. 50 Abs. 1
lit. b AIG und liegen keine Erlöschensgründe im Sinne von Art. 51 Abs. 2
AIG vor, ist die Aufenthaltsbewilligung grundsätzlich zu erteilen bzw. zu
verlängern (Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2016.545 vom 8. Mai
2018, Erw. II/3.1.2).
Im Hinblick auf die in Art. 31 Abs. 1 VZAE aufgeführten härtefallbegründen-
den Kriterien kann an die vom Bundesgericht massgebend mitgeprägte
Praxis zum schwerwiegenden persönlichen Härtefall gemäss Art. 13 lit. f
der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer vom 6. Okto-
ber 1986 (BVO; aufgehoben am 1. Januar 2008) angeknüpft werden, wobei
den Aspekten der Integration unter dem geltenden Recht verstärktes Ge-
wicht beizumessen ist (Botschaft vom 8. März 2002 zum Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer [Botschaft AuG], Bundesblatt
[BBl] 2002 3709 ff., 3786; vgl. zum Ganzen PETER UEBERSAX, Einreise und
Aufenthalt, in: PETER UEBERSAX/BEAT RUDIN/THOMAS HUGI YAR/THOMAS
GEISER [Hrsg.], Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, Ausländer-
recht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.191 ff.; vgl. auch Art. 3 Abs. 1 sowie
Art. 96 Abs. 1 AIG).
5.3.
5.3.1.
Vorab ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte dafür
vorliegen, dass die Beschwerdeführerin die Ehe nicht aus freiem Willen ge-
schlossen hätte oder Opfer ehelicher Gewalt geworden wäre, und sie sol-
ches auch nicht geltend macht (act. 4), weshalb sich weitere Ausführungen
hierzu erübrigen.
5.3.2.
Wie die Vorinstanz richtig ausgeführt hat, ist sodann auch ein nachehe-
licher Härtefall aufgrund einer fortgeschrittenen Integration der Beschwer-
deführerin in der Schweiz oder aufgrund einer starken Gefährdung der so-
zialen Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin im Kosovo zu vernei-
nen (act. 4 f.).
Dass die Beschwerdeführerin nach ihrem mittlerweile rund zweijährigen
Aufenthalt in der Schweiz derart stark verwurzelt wäre, dass infolgedessen
ein weiterer Verbleib angezeigt erschiene, ist – trotz ihrer im zu erwarten-
den Mass erfolgten Integration und ihres unstrittigen Wohlverhaltens – nicht
ersichtlich und wird auch nicht substanziiert dargetan. Insbesondere ver-
mag auch die nach dem Scheitern der Ehe aufgenommene Arbeitstätigkeit
keinen nachehelichen Härtefall zu begründen, sondern ist als normaler
Schritt in die Arbeitswelt zu betrachten. Es handelt sich bei ihrer Tätigkeit
- 10 -
als Verpackerin (Beschwerdebeilage 7) auch nicht um eine qualifizierte
Tätigkeit, die nur in der Schweiz ausgeübt werden könnte.
Ebenso wenig ist davon auszugehen, dass die soziale Wiedereingliede-
rung der Beschwerdeführerin – die im Kosovo aufgewachsen und soziali-
siert worden ist und dort nach unbestritten gebliebener Feststellung der
Vorinstanz ein Universitätsstudium absolviert hat – bei einer Rückkehr in
ihr Herkunftsland ernsthaft gefährdet wäre. Daran ändert auch nichts, dass
die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben im Kosovo keine Familien-
angehörigen mehr hat, zumal sie nicht darlegt, dass die Familienangehöri-
gen den Kosovo nach ihrer Einreise in die Schweiz verlassen hätten und
sich die Situation im Kosovo anders präsentieren würde, als bei ihrer Aus-
reise. Zu Recht weist die Vorinstanz auf ihre im Kosovo erworbene höhere
Berufsbildung als Primarlehrerin mit gutem Abschluss hin, welche ihr beim
Finden einer geeigneten Anstellung zu Nutze kommen dürfte. Ebenso
wenig hat die Beschwerdeführerin substanziiert dargelegt, inwiefern sie als
geschiedene Frau besonders gefährdet wäre. Insbesondere ist Beschwer-
debeilage 5 (Sorgerechtsregelung und Rückkehrperspektive für eine allein-
erziehende Frau aus Kosovo, Gutachten der Schweizerischen Flüchtlings-
hilfe, Bern 2004) einerseits nicht einschlägig und anderseits veraltet. Rich-
tig ist, dass die wirtschaftliche Situation im Kosovo schwierig ist (Beschwer-
debeilage 2: Wirtschaftsbericht Kosovo 2020, Schweizerische Botschaft
Mai 2021). Dies wurde durch die Vorinstanz auch nicht verkannt, führt aber
weder einzeln betrachtet noch bei Berücksichtigung sämtlicher Aspekte
dazu, dass bei der Beschwerdeführerin ein nachehelicher Härtefall vorlie-
gen würde. Dies umso weniger, als ihr als Primarlehrerin intakte berufliche
Wiedereingliederungschancen zu attestieren sind.
5.4.
Auch sonst sind keine Anhaltspunkte aus den Akten ersichtlich oder wer-
den substanziiert geltend gemacht, welche für die Annahme wichtiger per-
sönlicher Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AIG i.V.m.
Art. 31 Abs. 1 VZAE sprechen würden.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist für das Vorliegen
wichtiger persönlicher Gründe im Sinne der genannten Bestimmungen ins-
besondere auch nicht relevant, dass ihr Ehemann die eheliche Wohnung
grundlos verlassen und im Scheidungsverfahren einen äusserst schlechten
Eindruck hinterlassen habe (act. 14 f.). Die einseitige Beendigung der ehe-
lichen Beziehung durch den nachziehenden Ehegatten begründet für sich
allein keinen nachehelichen Härtefall im Sinne der Rechtsprechung.
6.
Unter den dargelegten Umständen ist sodann nicht zu beanstanden, wenn
die Vorinstanz die Erteilung einer Härtefallbewilligung im Sinne von Art. 30
Abs. 1 lit. b AIG verneint (act. 6). Liegen keine wichtigen persönlichen
- 11 -
Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG vor und werden bei der Prüfung dieser
Frage die Kriterien gemäss Art. 31 VZAE berücksichtigt, liegt regelmässig
auch kein schwerwiegender persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 30
Abs. 1 lit. b AIG vor. Es sind denn auch keine Umstände ersichtlich oder
werden vorgebracht, die unabhängig von der Ehe auf das Bestehen einer
solchen Härtefallsituation hindeuten würden.
7.
Erweist sich unter Berücksichtigung der Kriterien von Art. 31 VZAE, dass
bei einer ausländischen Person nach Wegfall ihres abgeleiteten Bewilli-
gungsanspruchs zwecks Verbleibs beim (früheren) Ehegatten weder ein
nachehelicher Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG noch ein
schwerwiegender persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b
AIG vorliegt, ist damit gleichsam erstellt, dass das private Interesse der be-
troffenen Person an einem weiteren Verbleib in der Schweiz das öffentliche
Interesse an der Beendigung ihres Aufenthalts nach Auflösung der anwe-
senheitsberechtigenden Ehegemeinschaft nicht aufzuwiegen vermag. Dies
gilt auch in jenen Fällen, in denen sich das öffentliche Interesse in migra-
tionsregulatorischen Überlegungen erschöpft (vgl. zum Ganzen Art. 31
Abs. 1 VZAE mit Art. 96 Abs. 1 AIG; Entscheid des Verwaltungsgerichts
WBE.2021.84 vom 12. August 2021, Erw. II/5).
Im Rahmen der vorstehenden Erwägungen wurde unter Berücksichtigung
der Kriterien von Art. 31 VZAE festgestellt, dass bei der Beschwerde-
führerin, die ihren abgeleiteten Bewilligungsanspruch zwecks Verbleibs bei
ihrem früheren Ehemann verloren hat, weder ein nachehelicher Härtefall
noch ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt. Damit steht fest,
dass die Nichtverlängerung der bisherigen sowie die Verweigerung einer
neuen Aufenthaltsbewilligung und die Wegweisung der Beschwerde-
führerin aus der Schweiz auch vor dem Gebot der Verhältnismässigkeit
standhalten. Auf eine erneute Darlegung und detaillierte Bemessung der
zu berücksichtigenden Interessen kann unter diesen Umständen verzichtet
werden.
8.
Hinsichtlich der Prüfung, ob die Verweigerung des weiteren Aufenthalts der
Beschwerdeführerin in der Schweiz und die damit verbundene Wegwei-
sung vor Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) standhalten,
kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden. Eine Verletzung von Art. 8 EMRK ist nicht ersichtlich und
wird auch nicht behauptet (act. 6, 16).
9.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (act. 17 f.) stehen der
Wegweisung auch keine Hindernisse im Sinne von Art. 83 AIG entgegen.
- 12 -
Namentlich lässt weder die Wirtschaftslage im Kosovo noch ihre Situation
als alleinstehende, geschiedene Frau den Vollzug der Wegweisung als un-
zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG erscheinen.
10.
Hinsichtlich der implizit beantragten Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege für das vorinstanzliche Einspracheverfahren ist festzuhalten,
dass die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen hat, die Beschwerdefüh-
rerin habe ihre Bedürftigkeit nicht nachgewiesen, da sie nicht belegt habe,
dass sie von ihrem Ehemann keinen Prozesskostenvorschuss hätte erwir-
ken können. Dies gilt umso mehr, als aus den Akten nicht hervorgeht, dass
die Beschwerdeführerin bereits geschieden wäre. Überdies ist die Beurtei-
lung der Einsprache als aussichtsloses Rechtsmittel nicht zu beanstanden.
Bereits aus der erstinstanzlichen Verfügung ging klar hervor, dass die
Chancen eines Obsiegens beträchtlich geringer waren als die Verlustge-
fahr.
11.
Zusammenfassend steht fest, dass die Nichtverlängerung der bisherigen
sowie die Verweigerung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und die Weg-
weisung der Beschwerdeführerin gemäss nationalem Recht nicht zu bean-
standen sind und vor Art. 8 EMRK standhalten. Nachdem auch dem Voll-
zug der Wegweisung keine Hindernisse entgegenstehen, ist der Entscheid
der Vorinstanz nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Die Beschwerdeführerin offeriert in ihrer Beschwerde mehrfach eine Par-
teibefragung als Beweis und macht sinngemäss geltend, sie habe einen
Anspruch, persönlich angehört zu werden (act. 19). Diesbezüglich ist fest-
zuhalten, dass es dem Verwaltungsgericht freisteht, im Rahmen einer anti-
zipierten Beweiswürdigung auf eine Partei- und/oder Zeugenbefragung zu
verzichten, wenn dies zur Abklärung des Sachverhalts nicht notwendig er-
scheint (BGE 136 I 229, Erw. 5.3; BGE 134 I 140, Erw. 5.3; Aargauische
Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2008, S. 312, Erw. 3.1,
und 2004, S. 154, Erw. 1a, je mit Hinweisen). Vorliegend ergibt sich die In-
teressenlage der Beschwerdeführerin vollumfänglich aus den Akten und es
bestehen keine Unklarheiten hinsichtlich des rechtserheblichen Sachver-
halts, welche die Durchführung einer Parteibefragung erforderlich erschei-
nen lassen würden. Dass sich die Sachlage aufgrund einer Parteibefragung
anders präsentieren würde, als sie aus den Akten hervorgeht und den vor-
liegenden Erwägungen zu Grunde liegt, und demzufolge zu einem anderen
Entscheid führen würde, ist nicht ersichtlich. Überdies besteht kein auf
Art. 6 Ziff. 1 EMRK gestützter Anspruch auf Durchführung einer mündlichen
Verhandlung und auch der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29
Abs. 2 BV räumt grundsätzlich keinen Anspruch auf eine mündliche Ver-
handlung bzw. Anhörung ein (Urteil des Bundesgerichts 2C_578/2009 vom
- 13 -
23. Februar 2010, Erw. 2.3 mit Hinweis). Auf die Durchführung einer Par-
teibefragung wird daher verzichtet.
III.
1.
Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten nach Massgabe
des Obsiegens und Unterliegens auf die Parteien verlegt (§ 31 Abs. 2
VRPG). Nachdem die Beschwerdeführerin unterliegt, gehen die Kosten des
verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zu ihren Lasten. Ein Parteikostener-
satz fällt ausser Betracht (§ 32 Abs. 2 VRPG).
2.
Hinsichtlich der eventualiter beantragten Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters ist
auf die Ausführungen unter Erw. II/10 zu verweisen. Das Gesuch ist sowohl
wegen nicht nachgewiesener Bedürftigkeit als auch wegen Aussichtslosig-
keit der Beschwerde abzulehnen.