Decision ID: 84d5e9fe-38c0-4c43-8b2d-16d1fac8b98b
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Mit Eingabe vom 10. Mai 2021 setzte sich A._ gegen die Verfügung
vom 29. März 2021 der Gemeinde G._ in Sachen "Änderung der
Grundordnung" beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden zur
Wehr. Diese Eingabe wurde als 'Klageschrift/Beschwerde' bezeichnet.
2. Mit prozessleitender Verfügung vom 21. Mai 2021 teilte der zuständige
Instruktionsrichter A._ – sowie den von ihm bezeichneten Personen
(angeblich Beteiligte/Mitstreiter) – mit, dass nach Art. 15 Abs. 1 lit. c des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) die
Rechtsvertretung nur durch eine Person, die im kantonalen
Anwaltsregister eingetragen ist, möglich sei. Nachdem A._ diese
Voraussetzungen offensichtlich nicht erfülle, sei er zur Vertretung der von
ihm erwähnten Personen (Mitstreiter) nur mit Bewilligung des
Vorsitzenden berechtigt. Alle die von ihm genannten Personen müssten
beim hiesigen Gericht ein Gesuch um Vertretungsbefugnis bis 1. Juni
2021 einreichen, andernfalls auf die jeweilige Beschwerde nicht
eingetreten werde (Fettdruck: Fristansetzung mit Androhung auf
Nichteintreten bei Säumnis). Im Weiteren machte ihn der
Instruktionsrichter auf die Formerfordernisse betreffend Inhalt einer
Beschwerdeschrift nach Art. 38 VRG [Rechtsbegehren, Sachverhalt,
Begründung] aufmerksam, mit dem Hinweis, dass bei allfällig erneutem
Ungenügen der nachgereichten Beschwerdeschrift nicht darauf
eingetreten werde. In der Folge zählte der Instruktionsrichter die
verschiedenen Mängel der Eingabe vom 10. Mai 2021 detailliert auf, die
bis 1. Juni 2021 allesamt zu beheben seien, um die Beschwerde materiell
vor Gericht beurteilen zu können; andernfalls darauf nicht eingetreten
werde. Zur Information aller aufgeführten Personen verwies der
Instruktionsrichter auf Art. 40 Abs. 2 VRG, wonach – wer am Verfahren
teilnehme – auch mit Kosten belegt werden könne. Schliesslich zitierte der
Instruktionsrichter auch noch Art. 18 VRG (Disziplinarverfahren) und
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behielt sich explizit vor, gegenüber der Beschwerdeführerschaft ein
solches Verfahren einzuleiten.
3. Am 31. Mai 2021 beauftragte A._ Rechtsanwalt lic. iur. Vedat Erduran
mittels Vollmacht mit seiner Rechtsvertretung. Der genannte Anwalt stellte
noch gleichentags ein Gesuch um Erstreckung der Frist zur Behebung der
in der prozessleitenden Verfügung vom 21. Mai 2021 geschilderten
Mängel bis 24. Juni 2021 und teilte dem Gericht mit, es sehe danach aus,
dass er nicht nur A._, sondern auch die anderen fünf
Beschwerdeführer im gerichtlichen Verfahren vertreten werde.
4. Am 2. Juni 2021 teilte die Gemeinde G._ dem Gericht mit, dass
Rechtsanwalt MLaw Christian Fey mit ihrer Rechtsvertretung im Verfahren
R 21 45 beauftragt worden sei.
5. Mit (zweiter) prozessleitender Verfügung vom 7. Juni 2021 erwog der
Instruktionsrichter, dass alle fünf (angeblichen) Beschwerdeführer innert
gesetzter Frist und bis dato beim Gericht keine Gesuche um Einräumung
der Vertretungsbefugnis an A._ eingereicht hätten. Sie hätten sich
auch nicht selbst an das Gericht gewandt und dem Gericht auch nicht die
Bestellung einer Rechtsanwältin/eines Rechtsanwalts zu ihrer Vertretung
mitgeteilt. Der Nachweis der Aktivlegitimation dieser fünf Personen fehle
daher in jeder Beziehung. Rechtsanwalt Erduran habe nur in anwaltlicher
Vertretung von A._ eine Fristerstreckung zur Behebung der Mängel
in der Beschwerdeschrift vom 10. Mai 2021 bis am 24. Juni 2021
beantragt. Er habe dies mit der kurzfristigen Mandatierung und dem
Umstand begründet, dass er eventuell die anderen fünf Beteiligten
ebenfalls im Verwaltungsgerichtsverfahren vertreten werde. Für letztere
Behauptung fehle bis dato jeglicher Nachweis und es sei somit davon
auszugehen, dass die Mandatierung von Rechtsanwalt Erduran durch die
fünf übrigen (angeblichen) Beschwerdeführer nicht zustande gekommen
sei. Dass diese Mandatierung kurzfristig erfolgt sei, habe sich A._
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selber anrechnen zu lassen, sei doch unbestritten, dass die Zustellung auf
dem normalen Postweg erfolgt und somit davon auszugehen sei, dass die
Verfügung spätestens am 25. Mai 2021 (Dienstag) bei A._
eingetroffen sei resp. in seinen Herrschaftsbereich gelangt sei und ihm
somit eine angemessene Zeit zur Behebung der Mängel zur Verfügung
gestanden habe. Somit sei das Fristerstreckungsgesuch vom 31. Mai
2021 abzuweisen, soweit überhaupt darauf einzutreten sei. Die Kosten
blieben beim Verfahren. Gegen diese Verfügung könne
Prozessbeschwerde nach Art. 42 und Art. 52 Abs. 2 VRG erhoben werden.
6. Mit Schreiben vom 22. Juni 2021 teilte das Gericht dem C._, der den
an ihn gerichteten Brief innert Frist nicht abgeholt hatte, was folgt mit:
"Nachdem Sie den eingeschriebenen Brief vom 7. Juni 2021 mit der
Aufgaben-Nummer 98.45.101533.10638394 nicht abgeholt haben, lassen
wir Ihnen das Schreiben nochmals mit A-Post Plus zukommen.
Grundsätzlich gelten eingeschriebene Sendungen am letzten Tag der
Abholfrist (7 Tage) als zugestellt und sind für die Berechnung der
Rechtsmittelfrist massgebend."
7. Bis dato (28. Juni 2021) gingen dazu beim Gericht keine (neuen) Eingaben
oder Reaktionen – weder vom Rechtsanwalt noch von sonst wem – ein.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Nach Art. 38 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100) sind Rechtsschriften in einer Amtssprache abzufassen und
haben das Rechtsbegehren, den Sachverhalt und eine Begründung zu
enthalten (Abs. 1). Sie sind zu unterzeichnen und im Doppel unter Beilage
der verfügbaren Beweismittel und des angefochtenen Entscheids
einzureichen. Weitere Beweismittel sind genau zu bezeichnen (Abs. 2).
Genügt eine Eingabe den gesetzlichen Erfordernissen nicht oder ist sie in
ungeziemlicher Form abgefasst, unleserlich oder unnötig umfangreich,
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wird eine angemessene Frist zur Behebung des Mangels angesetzt mit
der Androhung, dass auf die Eingabe sonst nicht eingetreten werde (Abs.
3).
1.2. Vorliegend ist sachverhaltsmässig erstellt, dass weder der
Beschwerdeführer A._ noch sein mit Vollmacht vom 21. Mai 2021
korrekt mandatierter Rechtsvertreter (RA Erduran) innerhalb der vom
Instruktionsrichter mit Verfügung vom 21. Mai 2021 gesetzten
(Nachbesserungs-)Frist (siehe Art. 38 Abs. 3 VRG) bis 1. Juni 2021 eine
überarbeitete Beschwerdeschrift – im Sinne der im Detail aufgelisteten
Mängelbehebung – einreichten. Diese gesetzte Nachfrist wurde deshalb
zweifelsfrei verpasst. Androhungsgemäss kann daher überhaupt nicht auf
die Beschwerde materiell eingetreten werden, weil es dafür bereits an den
erforderlichen Prozessvoraussetzungen für eine Beschwerde nach Art. 38
Abs. 1 VRG fehlt.
1.3. Das Begehren des Rechtsvertreters im Schreiben vom 31. Mai 2021,
wonach er eine Fristerstreckung bis zum 24. Juni 2021 benötige, weil er
erst sehr kurzfristig von A._ mit diesem Mandat betraut worden sei,
erweist sich hier als unbehelflich, da versäumte Fristen nur
wiederhergestellt werden können, wenn die Partei beweisen kann, dass ihr
oder ihrem Vertreter die Einhaltung der Frist infolge eines unverschuldeten
Hindernisses nicht möglich war (Art. 10 Abs. 1 VRG). Das Gesuch um
Wiederherstellung ist innert zehn Tagen seit Wegfall des Hindernisses
einzureichen (Art. 10 Abs. 2 VRG). Materiell wird dafür fehlendes
Verschulden für die nicht rechtzeitige Ausführung einer fristgebundenen
Handlung verlangt. In Frage kommen objektive und subjektive Ursachen
für die Unmöglichkeit, rechtzeitig zu handeln. Es gilt dabei eine strenge
Praxis. Massgeblich sind danach nur solche Gründe, welcher einer Person
die Wahrung ihrer Interessen auch bei Einsatz der gehörigen Sorgfalt
gänzlich verunmöglichen oder in unzumutbarer Weise erschweren; wie z.B.
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Naturkatastrophen, Militärdienst, schwerwiegende Erkrankung – nicht
dagegen Arbeitsüberlastung, organisatorische Unzulänglichkeiten
[inklusive "verspätete Mandatierung" des Rechtsvertreters] oder Ferien.
Die Verhinderung muss zudem derart unvorhergesehen auftreten, dass es
nicht mehr möglich ist, die Vornahme der geforderten Handlung durch eine
Drittperson zu bewirken. Subjektive Gründe für eine Entschuldigung
können psychischer Natur, Irrtum oder mangelnde Kenntnisse sein.
Vorwerfbar ist das Versäumnis immer dann, wenn es der Pflichtige an der
nach Treu und Glauben zumutbaren Aufmerksamkeit hat fehlen lassen
(vgl. AUER/MÜLLER/SCHINDLER, Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2019, Art. 24, N
1-12, S. 369 ff.; WALDMANN/WEISSENBERGER, Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 24, N
4-15, S. 497 ff.).
Im konkreten Fall hat der Beschwerdeführer A._ (oder sein
Rechtsvertreter) weder einen objektiven noch einen subjektiven Grund für
das Versäumnis (der rechtzeitigen Mängelbehebung) genannt, weshalb die
verpasste Frist auch nicht wiederherstellbar ist. Objektiv ist dem
Beschwerdeführer ein Mangel an Sorgfalt bezüglich organisatorischer
Unzulänglichkeiten (zu späte Anwaltsmandatierung) vorzuwerfen, subjektiv
kann sich der Beschwerdeführer nicht auf Unkenntnis oder Irrtum berufen,
weil die missliebige "Änderung der Grundordnung" in der betreffenden
Gemeinde bereits seit längerer Zeit thematisiert und auch öffentlich
diskutiert wurde.
1.4. Zusammengefasst ergibt sich, dass auf die Eingabe des
Beschwerdeführers vom 10. Mai 2021 infolge verpasster Rügefrist nicht
eingetreten werden kann. Für eine Wiederherstellung dieser Frist fehlen
sodann die dafür erforderlichen Gründe nach Art. 10 VRG ("unverschuldete
Hindernisse").
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2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 72 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 73 Abs. 1 VRG dem Beschwerdeführer
A._ aufzuerlegen, da er das vorliegende Verfahren veranlasst und
folgerichtig die infolge des zum Nichteintretensentscheid führenden
Verfahrens anfallenden Gerichtskosten verursacht hat.