Decision ID: 97e3f461-11db-52a1-8eac-0d3dae43b0a9
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
J._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Hannelore Fuchs, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
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Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
J._, Jahrgang 1968, bezog ab 1. November 2003 eine Viertelsrente der
Invalidenversicherung (IV) und ab 1. August 2006 wegen Todes seiner geschiedenen
Frau eine ganze Rente sowie eine Kinderzusatzrente. Im April 2007 meldete er sich
zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) zur Rente an (EL-act. 19). Mit zwei
Verfügungen vom 15. November 2007 wurden ihm vom 1. Oktober 2004 bis 31. Juli
2006 EL zugesprochen, und von Juli bis September 2004 sowie ab August 2006 wurde
ein EL-Anspruch verneint. Ab Oktober 2004 rechnete die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten ein hypothetisches Erwerbseinkommen an (EL-act. 5; 8-11). Eine gegen
die Abweisungen gerichtete Einsprache vom 20. Dezember 2007 von Rechtsanwältin
Hannelore Fuchs in Vertretung des Versicherten wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) mit Entscheid vom 1. April
2008 ab. Der Einsprecher habe sich im Rahmen des IV-Verfahrens mit der Rentenhöhe
bzw. dem Invaliditätsgrad einverstanden erklärt. Demnach bestehe von Vornherein kein
Anlass, von der Vermutung des Art. 14a ELV abzuweichen. Im Übrigen seien ohnehin
nur die Abweisungen formell angefochten worden und nicht die Höhe bei den EL-
Zusprachen. Weil der Versicherte IV-rechtlich als Vollerwerbstätiger qualifiziert sei und
sich früher und auch jetzt nicht allein um seine Tochter kümmere, sei die Anwendung
von Art. 14b ELV nicht angebracht. Die Tochter sei in die EL-Berechnung ihrer
ebenfalls eine Rente beziehenden Mutter einbezogen (act. G 1.1).
B.
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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde der
Rechtsvertreterin des Versicherten vom 29. April 2008. Sie beantragt die Aufhebung
der Verfügung (richtig: des Einspracheentscheids). Dem Beschwerdeführer seien
angemessene EL zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Sie
ersuchte um Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung. Der Therapeut und
der Hausarzt des Beschwerdeführers würden bestätigen, dass der Versicherte durch
den Krieg in seiner Heimat vollständig aus der Bahn geworfen worden sei. Er sei seither
von Unruhe und Aggressivität beherrscht. Eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit sei
ihm aus diesen Gründen nicht zumutbar. Der Beschwerdeführer lebe mit seiner
Adoptivtochter in Wohngemeinschaft. Unter dem Aspekt der Gleichberechtigung von
Mann und Frau komme für ihn also Art. 14b ELV zum Zug (act. G 1).
B.b Mit der Beschwerdeergänzung vom 3. Juli 2008 lässt der Beschwerdeführer
weitere Unterlagen einreichen. Der Leistungsansprecher könne zur Widerlegung der
gesetzlichen Vermutung des Art. 14a Abs. 2 ELV Umstände geltend machen, die bei
der Bemessung der Invalidität unerheblich gewesen seien, ihm jedoch verunmöglichen
würden, seine theoretische Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich zu nutzen. Neben den
von der IV-Stelle anerkannten Diagnosen seien beim Versicherten weitere persönliche
Umstände gegeben, die sich ungünstig auf seine Arbeitsfähigkeit auswirken würden.
Gemäss Dr. phil. A._ sei er eine emotional instabile Persönlichkeit vom impulsiven
Typus und zeige ein gering organisiertes Strukturniveau und ein misstrauisches
Sozialverhalten. Nach Ansicht der Rechtsvertreterin hat der Beschwerdeführer offenbar
eine Persönlichkeit mit geringem Selbstwert- und bedrohtem Lebensgefühl. Daraus
resultiere ein labiles Sozialverhalten, durch das auch Arbeitsverhältnisse übermässig
belastet würden. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer durch die familiären
Verluste, die er im Balkankrieg erlitten habe, und durch die schweren Gewaltereignisse,
die er zwar von Weitem, aber intensiv verfolgt habe, schwer belastet sei. Nach
Auffassung seines Therapeuten spiele die indirekte Traumatisierung beim
Beschwerdeführer mittlerweise eine zentrale Rolle. Beim Beschwerdeführer bestehe
also nicht nur eine schwer steuerbare Aggressivität, sondern gleichzeitig eine hohe
Verletzlichkeit und Empfindsamkeit. Diese Eigenschaften würden in einer
Wechselwirkung stehen und ihn zu einer schwierigen Persönlichkeit machen. In seinem
Arbeitsbereich, nämlich jenem der einfachen Hilfsarbeit, dürfte er deshalb kaum
integrierbar sein. Dr. A._ bezeichne den Beschwerdeführer als vollumfänglich
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arbeitsunfähig. Die in der Beschwerde vorgebrachte Rüge, Art. 14b ELV sei zu Unrecht
nicht auf den Beschwerdeführer angewendet worden, werde fallen gelassen, nachdem
der Beschwerdeführer bestätigt habe, dass das Kind vorwiegend von seiner Partnerin
betreut werde (act. G 7).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. Juli 2008
die Abweisung der Beschwerde. Die medizinischen Grundlagen der
Invaliditätsbemessung seien im vorliegenden Verfahren nicht überprüfbar. Die EL-
Durchführungsstelle sei an die Feststellungen der IV schlicht gebunden. Die genannten
Einschränkungen seien bei der Festlegung des Invaliditätsgrads bereits vollumfänglich
berücksichtigt worden. Der Bericht von Dr. A._ vom 1. Juli 2008 könne an der
Einschätzung der IV-Stelle rückwirkend nichts ändern und folglich auch nicht an der
Vermutung des Art. 14a ELV. Gemäss der letzten Bemerkung des Arztes sei allenfalls
von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands auszugehen, die im Rahmen
eines Revisionsverfahrens bei der IV geltend zu machen wäre. Das angerechnete
hypothetische Einkommen von Fr. 23'000.- liege weit unter dem statistischen
Durchschnittseinkommen von Hilfsarbeitern. Der Beschwerdeführer hätte seine ihm
verbleibende Arbeitskraft also zu einem deutlich unterdurchschnittlichen "Preis"
anbieten können, womit er auch seiner Schadenminderungspflicht nachgekommen
wäre (act. G 9).
B.d Der Beschwerdeführer lässt in der Replik vom 15. September 2008 an seinen
Anträgen festhalten. Im medizinischen Gutachten vom 10. Juni 2005 sei nicht
berücksichtigt worden, dass dieselben Ursachen, die die somatoforme
Schmerzstörung bewirkt hätten, gleichzeitig für eine schwere Beziehungsstörung
verantwortlich seien. Die Selbstwahrnehmung des Beschwerdeführers sei die eines
gefährdeten, erfolglosen und gedemütigten Menschen. Das Bild kontrastiere mit seiner
ethnisch gefärbten Vorstellung von Männlichkeit. Die Ärzte der psychiatrischen Klinik
Wil hätten im Austrittsbericht vom 5. März 2007 festgehalten, für den
Beschwerdeführer sei jede Demütigung unerträglich und aktiviere beängstigende
Rachefantasien. Trotz seines Bedrohtheitsgefühls und im Bewusstsein seiner eigenen
Schwäche versuche der Beschwerdeführer, wenigstens den äusseren Anschein einer
Männlichkeit zu wahren. Zur Abwehr vor Anfechtungen habe er dabei eine
Aggressivität entwickelt, die er nicht mehr zu steuern vermöge und zwar umso weniger,
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als der Alkoholmissbrauch und ein grundsätzliches Sozialmisstrauen zusätzliches
Konfliktpotential beitragen würden. Dr. A._ halte die persönlichen Auffälligkeiten des
Beschwerdeführers insgesamt für so schwerwiegend, dass die Hoffnung, ein
Arbeitsverhältnis könnte zustande kommen und aufrechterhalten werden, reines
Wunschdenken darstelle (act. G 13).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 22. September 2008 auf das Einreichen
einer Duplik (act. G 15).
B.f Das Gericht zog die IV-Akten bei, die ihm am 27. November 2008 zugestellt
wurden (act. G 17). Die Parteien verzichteten auf Einsicht und eine weitere
Stellungnahme (act. G 18).
B.g Auf weitere Vorbringen der Parteien wird, sofern entscheidwesentlich, im Rahmen
der Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Der Beschwerdeführer liess nur die EL-Abweisungen ab 1. August 2006 anfechten,
wendete sich also nicht explizit gegen die EL-Zusprache bzw. die Höhe der EL im
Zeitraum 1. Oktober 2004 bis 31. Juli 2006. Die Beschwerdegegnerin rechnete dem
Beschwerdeführer bereits ab Oktober 2004 ein hypothetisches Erwerbseinkommen an.
Analog der rückwirkenden abgestuften Rentenzusprache darf auch die EL nicht für
bestimmte Perioden je getrennt verfügt werden (vgl. BGE 131 V 164 ff., Erw. 2.3). Die
beiden Verfügungen vom 15. November 2007 bilden deshalb nur Teile ein und
derselben Verfügung. Somit ist anzunehmen, der Beschwerdeführer habe mit der
Einsprache vom 20. Dezember 2007 bzw. der Beschwerde vom 29. April 2008 die EL-
Verfügung insgesamt angefochten. Anfechtungsgegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens bildet somit der EL-Anspruch für den gesamten Zeitraum ab
1. Juli 2004.
2.
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2.1 Der Beschwerdeführer erhielt vom 1. Juli 2004 bis zum 30. September 2004 noch
Krankentaggelder, sodass in der EL-Berechnung für diesen Zeitraum ein
Einnahmenüberschuss resultierte (EL-act. 7). Während dieser Zeit hat die
Beschwerdegegnerin einen EL-Anspruch folglich zu Recht verneint, was auch der
Beschwerdeführer nicht bestreitet.
2.2 Den Antrag, ihm sei mit Blick auf Art. 14b ELV als Witwer mit minderjährigem Kind
kein Erwerbseinkommen anzurechnen, hat der Beschwerdeführer zu Recht fallen
gelassen, zumal sein Adoptivkind überwiegend von dessen leiblicher Mutter betreut
wird.
3.
3.1 Die jährliche Ergänzungsleistung hat dem Betrag zu entsprechen, um den die
anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 3a Abs. 1
aELG; Art. 9 Abs. 1 des seit 1. Januar 2008 in Kraft stehenden ELG). Als Einnahmen
anzurechnen sind nach Art. 3c Abs. 1 aELG bzw. Art. 11 Abs. 1 ELG unter anderem
Erwerbseinkünfte in Geld oder Naturalien (lit. a) und Einkünfte, auf die verzichtet
worden ist (lit. g). Eine Verzichtshandlung liegt etwa vor, wenn die versicherte Person
aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und
zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (Entscheid P 18/02 des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 9. Juli 2002; BGE 121 V 205 Erw. 4a; AHI 2001 S. 133
Erw. 1b).
3.2 Basierend auf Art. 3a Abs. 7 lit. c aELG betreffend die Anrechnung von
Einkommen aus einer zumutbaren Erwerbstätigkeit bei Teilinvaliden sieht Art. 14a ELV
vor, dass Invaliden als Erwerbseinkommen grundsätzlich der Betrag angerechnet wird,
den sie im massgebenden Zeitraum tatsächlich verdient haben (Abs. 1), dass Invaliden
unter 60 Jahren aber bei einem Invaliditätsgrad von 40% bis unter 50% mindestens der
um einen Drittel erhöhte Höchstbetrag für den Lebensbedarf von Alleinstehenden nach
Art. 3b Abs. 1 lit. a ELG anzurechnen ist (Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV).
3.3 Nach der Rechtsprechung kann im Hinblick auf die berechtigten Interessen der
Vereinfachung und der rascheren Behandlung von Einzelfällen grundsätzlich davon
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ausgegangen werden, dass es einer teilinvaliden versicherten Person vermutungsweise
möglich und zumutbar ist, im Rahmen ihres von den Organen der
Invalidenversicherung festgestellten verbliebenen Leistungsvermögens die in Art. 14a
ELV festgelegten Grenzbeträge zu erzielen. Die gesetzliche Vermutung kann durch den
Beweis des Gegenteils umgestossen werden, indem der Ansprecher auch Umstände
geltend machen kann, die bei der Bemessung der Invalidität ohne Bedeutung waren,
ihm jedoch verunmöglichen, seine theoretische Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich zu
nutzen. Bei der Prüfung der Frage, ob der teilinvaliden versicherten Person die
Ausübung einer Tätigkeit in grundsätzlicher wie masslicher Hinsicht möglich und
zumutbar ist, sind – entsprechend der Zielsetzung der EL – sämtliche Umstände zu
berücksichtigen, welche die Realisierung eines Einkommens verhindern oder
erschweren, wie Alter, mangelnde Ausbildung oder Sprachkenntnisse, aber auch
persönliche Umstände, die es dem Leistungsansprecher verunmöglichen, seine
verbliebene Erwerbsfähigkeit in zumutbarer Weise auszunützen (BGE 117 V 156
Erw. 2c).
3.4 Die Vermutung des Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV ist allerdings nur teilweise
widerlegbar. Die im Invaliditätsgrad zum Ausdruck kommende Resterwerbsfähigkeit
steht rechtsprechungsgemäss definitiv fest (vgl. Urs Müller, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Aufl., 2006, S. 152, Rz. 489). Das bedeutet, dass
eine EL-Durchführungsstelle weder berechtigt noch verpflichtet ist, Einwände einer
invaliden Person gegen die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens zu
prüfen, die sich auf die Invaliditätsbemessung durch die IV-Stelle beziehen oder die
eine seither eingetretene Veränderung des Invaliditätsgrades behaupten. Dies setzt
allerdings eine verbindliche Invaliditätsbemessung durch die IV-Stelle voraus. Deshalb
ist im vorliegenden Fall zunächst zu prüfen, ob tatsächlich gestützt auf Art. 14a Abs. 2
lit. b ELV von einem verbindlichen Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers von
zwischen 40% und 49% auszugehen ist.
4.
4.1 Im Gerichtsverfahren IV 2006/271 wurde die Invaliditätsbemessung (41%) nicht
beanstandet. Der Beschwerdeführer rügte also nicht, dass auf die
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Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss MZR-Gutachten vom 10. Juni 2005 abgestellt
wurde. Von der Zuverlässigkeit der MZR-Beurteilung im Zeitpunkt der Begutachtung ist
weiterhin auszugehen. Die Invaliditätsbemessung der IV-Stelle wäre jedoch dann nicht
bindend für die EL-Durchführungsstelle, wenn sich seit Erstellung des Gutachtens eine
den Invaliditätsgrad beeinflussende Änderung des Gesundheitszustands ergeben hätte.
Einem Revisionsgesuch bei der IV-Stelle wäre bei einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands nämlich von Vornherein kein Erfolg beschert. Der
Beschwerdeführer bezieht infolge Witwerschaft bereits seit 1. August 2006 eine ganze
Rente und würde auch bei einer Gutheissung des Revisionsgesuchs weiterhin die
gleiche Rente beziehen. Damit hat er aber – im Verhältnis zur Invalidenversicherung –
kein schützenswertes Interesse daran, bei der Invalidenversicherung ein
Rentenrevisionsverfahren anzustrengen. Diese muss sich in einer Konstellation wie der
vorliegenden weigern, ein für sie im Vornherein unfruchtbares Rentenrevisionsverfahren
zu eröffnen (vgl. den Entscheid IV 2006/20 vom 15. Februar 2006, Erw. 3).
4.2 Wenngleich nun aber für die IV-Stelle die exakte Invaliditätsbemessung des
Versicherten mangels Auswirkungen auf die Rente nicht notwendig ist, so kann dies für
die EL-Durchführungsstelle nicht ebenfalls gelten. Für die Beantwortung der Frage des
anrechenbaren hypothetischen Erwerbseinkommens ist der exakte Invaliditätsgrad
nämlich sehr wohl von Belang. Die EL-Durchführungsstelle ist also entgegen ihrer
Ansicht verpflichtet, selbstständig eine sorgfältige Invaliditätsbemessung vorzunehmen,
wozu sie nötigenfalls medizinische Abklärungen zu veranlassen hat. Im Folgenden ist
somit die medizinische Aktenlage zu würdigen.
5.
5.1 Das MZR anerkannte im Gutachten vom 10. Juni 2005 allein aus psychiatrischen
Gründen eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit des Versicherten von 30%. Die
Diagnosen enthalten eine somatoforme Schmerzstörung und eine leichte depressive
Episode ohne somatisches Syndrom. Klinisch wurde ein chronifiziertes
lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei einer Chondrose L5/S1 mit
Symptomausweitung im Bereich der Beine und des rechten Arms sowie des
Schultergürtels erkannt. Dabei falle eine demonstrative Schmerzbekundung auf, die mit
den objektiven Befunden keineswegs in Übereinstimmung zu bringen sei. Die
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radiologisch diskrete Chondrose vermöge keines der Symptome des Versicherten zu
erklären. Das Gehen an Stöcken entspreche einer demonstrativen Komponente, wobei
zweifellos ein ganz erheblicher bewusstseinsnaher Faktor bestehe. Bei der
psychiatrischen Exploration bestünden keine Zwänge, aber im formalen
Gedankengang ein gewisses Gedankenkreisen und Grübeln, vor allem über die Familie
und die Kriegsereignisse. Anhaltspunkte für Wahnideen, Halluzinationen oder Ich-
Störungen würden sich nicht finden. In der Affektivität sei der Beschwerdeführer etwas
gereizt und deprimiert. Suizidgedanken würden bejaht. Es bestünden Ein- und
Durchschlafstörungen sowie eine Appetitverminderung und Potenzverlust (IV-
act. 27-16 ff.).
5.2 Dr. A._ kritisierte das MZR-Gutachten mit Schreiben vom 15. Dezember 2005.
In jenem Schreiben ging er bereits von einer Arbeitsunfähigkeit von 100% aus und
sprach von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands (act. G 7.3). Der MZR-
Gutachter PD Dr. med. B._ hatte sich am 3. Mai 2006 mit diesen Einwänden
auseinandergesetzt und festgehalten, die Kriegserlebnisse, die Dr. A._ stärker
berücksichtigt haben wolle, würden nicht für eine posttraumatische Belastungsstörung
ausreichen, zumal der Versicherte selbst nicht im Krieg gewesen sei. Der Versicherte
habe normal gearbeitet. Wesentlich seien dagegen die Kränkungen, die ihm durch
Arbeitgeber und Ex-Frau zugefügt worden seien, an sich banale Ereignisse. Diese
hätten zu einem psychosozialen Druck geführt, der jedoch invaliditätsfremd sei. Weiter
betonte Dr. B._ erneut, man habe eine leichte depressive Episode bescheinigt.
Solche Patienten dürften auf keinen Fall aus dem Arbeitsprozess herausgenommen
werden (IV-act. 65).
5.3 Dr. med. C._, lic. phil. D._, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, und die
Psychologin lic. phil. E._ von der Psychiatrischen Klinik Wil berichteten im
Austrittsbericht vom 5. März 2007 von einem stationären Aufenthalt vom 27. November
2006 bis 22. Dezember 2006 sowie vom 9. Januar 2007 bis 1. März 2007. Der
Beschwerdeführer sei wegen depressiver Symptomatik mit Impulsivität und Suizidalität
sowie Alkoholabusus in die Akutstation eingewiesen worden. Genannt werden die
Diagnosen der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (F33.1), Störung durch Alkohol-Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent,
aber in beschützender Umgebung (F10.21), Schmerzen im Bewegungsapparat nach
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Unfällen und Überbeanspruchung des Körpers (F45.9) auf dem Hintergrund einer
emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus bei gering
organisiertem Strukturniveau (F60.30). Für den Beschwerdeführer scheine Demütigung
unerträglich und aktiviere beängstigende Rachefantasien. Um nicht gedemütigt zu
werden, sei es daher für ihn unabdingbar, dass er die Kontrolle habe in
zwischenmenschlichen Situationen. Jedes "Sich-Öffnen" bedeute für den
Beschwerdeführer ein "Sich-Ausliefern" und Abgeben von Kontrolle an feindlich
fantasierte Gegenüber, was von paranoiden Ängsten begleitet sei. Der
Beschwerdeführer habe in der Schweiz eine ungeheure Anpassung zu leisten versucht.
Die in ihrer Strenge und Rigidität böse wirkenden inneren Strukturen, denen er sich
sklavisch unterworfen habe, hätten ihn in selbstausbeuterischer Weise arbeiten lassen;
der Lohn dafür seien ein narzisstisch hoch aufgeladenes Bild der eigenen
Leistungsfähigkeit sowie materiell-finanzielle Entschädigungen gewesen. Kündigungen
und Unfälle und schliesslich langdauernde Arbeitslosigkeit sowie zunehmende
Spannungen innerhalb der Partnerschaft hätten den Beschwerdeführer so sehr
labilisiert, dass er der Einweisung in eine psychiatrische Klinik zugestimmt habe. Im
Rahmen der Therapien habe der Beschwerdeführer Mühe gehabt, sich verbindlich an
Abmachungen und Stationsregeln zu halten. Dadurch seien die Regeln der
Psychotherapiestation wiederholt ins Zentrum gerückt, wodurch er sich mitunter in
massiver Weise gedemütigt und kontrolliert gefühlt habe. Er habe sich zudem rasch
provoziert gefühlt, sei ärgerlich geworden und habe sich in der Folge aufbrausend
verhalten, wobei er Äusserungen von sich gegeben habe, die er im Nachhinein bereut
habe (act. G 7.2).
5.4 Der behandelnde Arzt Dr. A._ attestierte dem Beschwerdeführer am 1. Juli
2008 noch immer eine volle Arbeitsunfähigkeit. Es sei von einer symptomatischen
Verschlechterung auszugehen. Dr. A._ schliesst sich den Diagnosen der Ärzte der
Klinik Wil an. Darüber hinaus könne auch er bestätigen, dass der Beschwerdeführer
zwar im therapeutisch geschützten Rahmen freundlich und zugewandt auftreten könne,
allerdings mit sehr geringer Frustrationstoleranz. Ausserhalb der Stunden mangle es
ihm aber so sehr an Strukturniveau, dass es trotz vertrauensvoller Therapiebeziehung
nicht gelungen sei, eine regelmässige ambulante Therapie aufzubauen. Unter diesen
Umständen an eine regelmässige, den Anforderungen des Arbeitsmarkts
entsprechende Tätigkeit zu denken, sei reines Wunschdenken. Die beschriebenen
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Defizite seien Teil des Krankheitsbilds und seien keineswegs als Verletzung der
Schadenminderungspflicht zu werten. Er halte es für sinnvoll, gelegentlich eine IV-
Rentenrevision vorzuschlagen (act. G 7.1).
5.5 Der Beschwerdeführer ist seit längerem aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden.
Nach dem Zeitpunkt der MZR-Begutachtung im Mai 2005 kam es offenbar zu einer
mindestens vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustands, war doch
ein knapp drei Monate dauernder stationärer Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik
Wil (unterbrochen von zwei Urlaubswochen über Weihnachten/Neujahr) notwendig.
Dem Klinikeintritt vorausgegangen war anscheinend ein Streit mit der Lebenspartnerin,
die ihn schliesslich aus der gemeinsamen Wohnung "rausgeworfen" habe (vgl.
act. G 7.2). Ob sich die von den Ärzten der Psychiatrischen Klinik Wil diagnostizierte
depressive Störung, damals mittelgradige Episode, schliesslich wieder besserte, lässt
sich den vorhandenen medizinischen Akten nicht entnehmen. Über ein Jahr nach dem
Austritt aus der Klinik berichtete Dr. A._ noch immer über volle Arbeitsunfähigkeit
(act. G 7.1). Auf seine Einschätzung allein kann jedoch nicht abgestellt werden. Nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu
tragen, dass es wegen der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung der behandelnden
Ärzte mitunter vorkommt, dass diese in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (so etwa der Entscheid I 329/06 des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
vom 6. Dezember 2006; BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc). Bei behandelnden Ärzten muss
auch damit gerechnet werden, dass sie sich durch die "Macht des Faktischen" von der
pessimistischen subjektiven Einstellung ihrer Patienten überzeugen lassen (so etwa der
Entscheid IV 2007/235 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
12. September 2008, Erw. 2.7). Dr. A._ hatte bereits vor der MZR-Begutachtung eine
volle Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers attestiert (so etwa im Schreiben vom
29. Juli 2003 an Dr. med. F._, Wiedergabe in IV-act. 27-3). Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. A._ vom 15. Dezember 2005 (IV-act. 56-2 f.) hatte
Dr. B._ vom MZR am 3. Mai 2006 nachvollziehbar widerlegt (IV-act. 65). Ohne
weitere Abklärungen erscheint eine anhaltende Verschlechterung des
Gesundheitszustands somit nicht als überwiegend wahrscheinlich.
5.6 Zusammenfassend fehlt eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung, die es
erlauben würde, die Frage nach der Möglichkeit des Beschwerdeführers, ein
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Erwerbseinkommen zu erzielen, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu beantworten. Deshalb ist wie erläutert die üblicherweise
bestehende Bindung an das Ergebnis der Invaliditätsbemessung durch die
Invalidenversicherung zumindest für die Zeit ab etwa Sommer 2005 nicht gegeben (vgl.
den Entscheid EL 2006/27 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
23. Januar 2007, Erw. 2b unten). Da eine Verschlechterung der psychischen Situation
seit der MZR-Begutachtung als möglich erscheint, sind diesbezüglich weitere
Abklärungen angezeigt. Weil für eine Verschlechterung der somatischen Situation keine
Anhaltspunkte bestehen und eine solche vom Beschwerdeführer auch nicht geltend
gemacht wird, erscheint es als ausreichend, dass die Beschwerdegegnerin eine
psychiatrische Begutachtung in Auftrag gibt. Dies könnte etwa im Rahmen einer
Verlaufsbegutachtung beim MZR geschehen. Da für ein eingehendes IV-
Rentenrevisionsverfahren aufgrund der laufenden ganzen Rente keine Veranlassung
besteht, hat die EL-Durchführungsstelle die angezeigten Abklärungen
notwendigerweise selbst zu veranlassen.
5.7 Zumindest für die Zeiten, in denen der Beschwerdeführer sich stationär in
psychiatrischer Therapie befand, ist unabhängig vom Ergebnis der weiteren
Abklärungen kein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen.
6.
6.1 Die Beschwerde wird im Sinn der Erwägungen unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 1. April 2008 teilweise gutgeheissen. Die
Sache wird an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit diese eine
psychiatrische Begutachtung des Beschwerdeführers veranlasse und anschliessend
über die Frage der Anrechenbarkeit eines hypothetischen Erwerbseinkommens seit
1. Oktober 2004 neu entscheide. Dabei hat sie nicht nur die Arbeitsfähigkeitsschätzung
gemäss neuer Begutachtung zu berücksichtigen, sondern gegebenenfalls auch die
Frage zu beurteilen, ob der Beschwerdeführer mit seiner Persönlichkeitsstruktur
(berichtet wurde von sehr geringer Frustrationstoleranz, Aggressivität, mangelndem
Strukturniveau, Rachefantasien bei Demütigung, paranoiden Ängsten etc.) einem
Arbeitgeber noch zumutbar ist (vgl. etwa den Entscheid EL 2006/46 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. August 2007, Erw. 4a).
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6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Da die Rückweisung zur Neubeurteilung praxisgemäss als volles Obsiegen gilt
(ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a), hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine ungekürzte
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG