Decision ID: 33f7eaac-e0b8-4ef6-9cd8-b05e3827d72a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Freiheitsberaubung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 4. Juli 2017 (GG160030)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 14. Dezember
2016 (Urk. 22) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 62 S. 57 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1
Abs. 1 StGB, der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB sowie der versuch-
ten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der weiteren versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage
im Sinne von Art. 179septies StGB wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu
Fr. 400.–, wovon 2 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten, sowie mit einer
Busse von Fr. 800.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.
6. Die Zivilklage der Privatklägerschaft wird vorbehältlich einer Prozessentschädigung
abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'400.– Gebühr Vorverfahren
Verlangt keine der Parteien eine Begründung, ermässigt sich die Entscheidgebühr
um einen Drittel. Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerschaft für das gesamte
Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 7'500.– zu bezahlen.
10. (Mitteilung)
11. (Rechtsmittel) "
Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 63 S. 1 f.; Urk. 89 S. 2)
1. Ziff. 1 sowie Ziff. 3 bis und mit Ziff. 9 des Urteils des Bezirksgerichts Horgen
vom 4. Juli 2017 seien aufzuheben;
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Freiheitsberaubung im Sinne von
Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1
StGB sowie der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB i.V.m.
Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen;
3. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien vollumfänglich abzuweisen;
4. Dem Beschuldigten sei für die erstandene Untersuchungshaft vom
10. August 2016 bis und mit 12. August 2016 (3 Tage) eine Genugtuung von
Fr. 600.– zuzusprechen;
5. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, des Berufungsverfahrens so-
wie die Kosten der erbetenen Verteidigung für das erstinstanzliche Verfah-
ren und das Berufungsverfahren (zzgl. 8% MwSt) seien auf die Staatskasse
zu nehmen.
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b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 68; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Privatklägerschaft:
(Urk. 86; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Untersuchungs- und erstinstanzliches Verfahren
1.1. Die Privatklägerin B._ wandte sich am 8. August 2016 per Mail ratsu-
chend an die Gemeindepolizei C._ und gab an, sie versuche seit Wochen
A._ klar zu machen, dass sie keinen Kontakt mehr mit ihm wolle. Dieser se-
he es einfach nicht ein und bedrohe sie (Urk. 2/4). Am 9. August 2016 meldete
sich die Privatklägerin bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich und teilte
mit, es stehe ein Mann bei ihr vor der Türe und läute Sturm. In der Folge stellte
B._ Strafantrag wegen Tätlichkeiten und Missbrauch einer Fernmeldeanlage
und beschuldigte A._, sie während rund zwölf Stunden in seiner Wohnung
festgehalten zu haben. Ferner erklärte die Privatklägerin, dieser habe ihr mit der
Veröffentlichung von Nacktfotos etc. gedroht, um sie zu bewegen, seine Telefon-
nummer sowie seinen Facebook-Account zu deblockieren (Urk. 1 und 2/1).
1.2. Nach durchgeführter Untersuchung erhob die Staatsanwaltschaft Limmattal/
Albis am 14. Dezember 2016 Anklage wegen Freiheitsberaubung, mehrfacher
versuchter Nötigung, Tätlichkeiten und Missbrauch einer Fernmeldeanlage
(Urk. 22). Zum erstinstanzlichen Verfahrensgang kann auf die Ausführungen im
Urteil der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 60 = Urk. 62 S. 5).
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1.3. Mit eingangs wiedergegebenem Urteil des Bezirksgericht Horgen, Einzel-
gericht, vom 4. Juli 2017 wurde der Beschuldigte der Freiheitsberaubung im Sinne
von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
sowie der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Vom Vorwurf der weiteren versuchten Nöti-
gung im Sinne von Art. 181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Vorwurf betref-
fend versuchte Nötigung im Juli 2016 in D._, vgl. Anklageschrift S. 3 Ziff. 2.,
von der Vorinstanz als Sachverhaltskomplex 2 bezeichnet) sowie des Miss-
brauchs einer Fernmeldeanlage im Sinne von Art. 179septies StGB wurde der Be-
schuldigte frei gesprochen. Er wurde bestraft mit einer Geldstrafe von 70 Tagess-
ätzen zu Fr. 400.–, wovon 2 Tagessätze als durch Haft geleistet galten, sowie mit
einer Busse von Fr. 800.–. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und
die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezah-
lung der Busse wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen ausgesprochen. Die
Zivilklage der Privatklägerin wurde mit Ausnahme der Prozessentschädigung,
welche auf CHF 7'500.– festgesetzt wurde, abgewiesen. Die Kosten der Untersu-
chung und des gerichtlichen Verfahrens wurden dem Beschuldigten auferlegt
(Urk. 62 S. 57 f.).
2. Berufungsverfahren
2.1. Gegen das gleichentags mündlich eröffnete und im Dispositiv übergebene
Urteil vom 4. Juli 2017 (Prot. I S. 48 ff. und Urk. 55), meldete der amtliche Ver-
teidiger des Beschuldigten vor Schranken mündlich (Prot. I S. 48) sowie schriftlich
mit Eingabe vom 12. Juli 2017 (Urk. 58) innert Frist die Berufung an. Das be-
gründete Urteil wurde am 6. Dezember 2017 versandt und den Parteien am
7. Dezember 2017 zugestellt (Urk. 60 und 61/1-3).
2.2. Der Beschuldigte legte die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3
StPO mit Schreiben vom 18. Dezember 2017 fristgerecht ein. Beweisanträge
wurden keine gestellt (Urk. 63). Mit Präsidialverfügung vom 27. Dezember 2017
wurde der Staatsanwaltschaft sowie der Privatklägerin Frist zur Erhebung einer
Anschlussberufung angesetzt (Urk. 66). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit
Eingabe vom 8. Januar 2018 auf Anschlussberufung, beantragte die Bestätigung
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des vorinstanzlichen Urteils, verzichtete auf das Stellen von Beweisanträgen und
erklärte sinngemäss, sie werde sich am weiteren Verfahren nicht aktiv beteiligen
(Urk. 68). Die Privatklägerin erhob mit Eingabe vom 26. Januar 2018 Anschluss-
berufung, verlangte die Schuldigsprechung des Beschuldigten im Sinne der An-
klage und ersuchte um Gutheissung der Zivilforderung (Urk. 70). Mit Eingabe vom
28. März 2018 teilte der Rechtsvertreter der Privatklägerin mit, diese verzichte de-
finitiv auf Anschlussberufung (Urk. 77). Mit Eingabe vom 11. Mai 2018 teilte
Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._ mit, dass er die Privatklägerin nicht mehr vertrete
(Urk. 80). Mit Eingabe vom 28. Juni 2018 (Urk. 82) und Vollmacht vom 26. Juni
2018 (Urk. 84) zeigte Rechtsanwalt lic. iur. Y._ seine Mandatierung an und
erklärte gleichzeitig den Widerruf des Rückzugs der Anschlussberufungserklärung
infolge eines Willensmangels. Mit Eingabe vom 4. Juli 2018 erklärte Rechtsanwalt
lic. iur. Y._, dass die Privatklägerin von ihrer Widerrufserklärung Abstand
nehme, hingegen die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantrage
(Urk. 86). Die Anschlussberufung der Privatklägerin ist somit als durch Rückzug
erledigt abzuschreiben.
2.3. Am 5. Juli 2018 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit des Be-
schuldigten, des Verteidigers des Beschuldigten sowie der Privatklägerin statt
(Prot. II S. 5). Vorfragen waren keine zu entscheiden und – abgesehen von der
Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 88) – auch keine Beweise abzunehmen
(Prot. II S. 7).
3. Umfang der Berufung
Im Rahmen der Berufungserklärung wurde das erstinstanzliche Urteil mit Aus-
nahme des Freispruchs vom Vorwurf der weiteren versuchten Nötigung (Sach-
verhaltskomplex 2: Versuchte Nötigung in D._) sowie des Missbrauchs einer
Fernmeldeanlage (Ziffer 2), der Abweisung der Zivilklage sowie der Kostenfest-
setzung in allen Punkten angefochten (Urk. 63 und Prot. II S. 7). Damit kann fest-
gehalten werden, dass die Dispositiv-Ziffern 2, 6 und 7 in Rechtskraft erwachsen
sind, was vorab festzustellen ist (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 402 und
437 StPO). Im übrigen Umfang steht der angefochtene Entscheid im Rahmen des
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Berufungsverfahrens unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes gesamthaft
zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
4. Formelles
4.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
4.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1; mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren
Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
II. Sachverhalt
1. Allgemeine Beweisgrundsätze
Die erstinstanzliche Richterin hat die Grundsätze der Sachverhaltserstellung und
insbesondere, dass die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beteilig-
ten das zentrale Element darstellt, zutreffend dargestellt; es kann zur Vermeidung
von Wiederholungen darauf verwiesen werden. Auch den Ausführungen zur
Glaubwürdigkeit des Beschuldigten sowie der Privatklägerin kann grundsätzlich
zugestimmt werden (Urk. 62 S. 8 ff., Ziff. 3, 4 und 5). Ergänzend ist betreffend die
Glaubwürdigkeit der Privatklägerin festzuhalten, dass es klare Hinweise darauf
gibt, dass die Privatklägerin eifersüchtig war. Als der Beschuldigte am 9. August
2016 bei der Wohnung der Privatklägerin sturm läutete, wollte er der Privatkläge-
rin beweisen, dass er "alleine war in diesem Hotel" (vgl. Urk. 3 S. 3 F/A 15). Dies
lässt sich nur so interpretieren, dass es um den Hotelaufenthalt des Beschuldig-
ten in E._ [Stadt in Österreich] ging nach der inkriminierten Freiheitsberau-
bung vom 1./2. August 2016. Auch die Auseinandersetzung am 1. August 2016
fand mit grosser Wahrscheinlichkeit statt, weil die Privatklägerin sich angelogen
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fühlte (vgl. Urk. 6 S. 9 F/A 39). Aussagekräftig betreffend dieser Eifersuchtssitua-
tion ist auch die Aussage der Privatklägerin bei der Staatsanwaltschaft am
29. November 2016. Aus dieser erhellt, dass sich auch im Zeitraum vom 2. Au-
gust 2016 bis zum 8. August 2016 die Konversation zwischen dem Beschuldigten
und dem Privatkläger immer wieder um die Freundin des Beschuldigten namens
F._ drehte (Urk. 6 S. 11 F/A 57). In die gleiche Richtung geht folgende Aus-
sage der Privatklägerin: "Ich hatte die Beziehung nie öffentlich gemacht, weil ich
wusste, dass er mit ihr zusammen ist. Und für mich war klar, dass solange er mit
ihr zusammen ist, dass ich das nicht veröffentliche" (Urk. 6 S. 12 F/A 64). Sodann
weist auch eine Whatsapp-Nachricht der Privatklägerin vom 3. August 2016 auf
eine nach wie vor bestehende Eifersucht hin (Urk. 10/3). Eine Nachricht der Pri-
vatklägerin an die russische Freundin des Beschuldigten vom 13. August 2016 –
also nach Anzeigeerstattung – spricht dieselbe Sprache (Urk. 10/7). Im Zusam-
menhang mit einer Befragung zu einer E-Mail, welche die Privatklägerin an den
Beschuldigten geschrieben hat, sagte die Privatklägerin zudem: "Ich wusste, er
lügt mich an und dass er nicht alleine ist. Das sagten mir meine Gefühle" (Urk. 6
S. 14 F/A 77).
Es finden sich auch Übertreibungen in den Aussagen der Privatklägerin. So sagte
sie bei der Polizei: "[...]. In meinen Augen ist er ein gefährlicher Mensch, welcher
mir über andere Mensch versuchen könnte mir Schaden zuzufügen oder mir
Angst einzujagen" (Urk. 3 S. 3 F/A 18). Wie sie zu dieser negativen Einschätzung
kommt, wird in keiner Weise erläutert. Es ist auch überhaupt nicht nachvollzieh-
bar, weshalb die Privatklägerin dem Beschuldigten plötzlich mit der Polizei drohte
(Urk. 3 S. 3 F/A 14). Vor dem Hintergrund dieser grossen Emotionalität sind die
Aussagen der Privatklägerin mit besonderer Vorsicht zu würdigen. Auf einzelne
Angaben der Beteiligten und ihr Aussageverhalten ist im Rahmen der Beweis-
würdigung zurück zu kommen.
2. Sachverhaltskomplex 1: Freiheitsberaubung und Tätlichkeit
2.1. Dem Beschuldigten wird von der Anklagebehörde vorgeworfen, am
1. August 2016 nach der im persönlichen Gespräch erfolgten Mitteilung durch die
Privatklägerin, sie wolle den Kontakt mit ihm abbrechen, die Wohnungstüre abge-
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schlossen und den Schlüssel an sich genommen zu haben. Weiter habe er diese
mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. In der Folge habe der Beschuldigte
die Privatklägerin bis am anderen Morgen in seiner Wohnung festgehalten
(Urk. 22 S. 2).
2.2. Aussagen der Beteiligten
Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten einerseits (Urk. 62 S. 11 ff.
Ziff. 5.1.1) und der Privatklägerin andererseits (Urk. 62 S. 13 ff. Ziff. 5.1.2) zu-
treffend zusammengefasst; auf diese Zusammenfassung kann vorab verwiesen
werden. Der Beschuldigte stellte den ihm gemachten Vorwurf der Freiheitsbe-
raubung sowie der Tätlichkeit kontinuierlich – so auch heute (Urk. 88 S. 5 ff.) – in
Abrede. Entscheidend ist es somit, ob sich der Sachverhalt aufgrund der übrigen
Beweismittel, so der Aussage der Privatklägerin sowie dem Nachrichten-Verkehr
zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten erstellen lässt. Darauf ist
nachfolgend einzugehen.
2.3. Glaubhaftigkeit der Angaben der Privatklägerin
Die Privatklägerin sagte zwar im Grundsatz gleichlautend aus. Bei näherer Be-
trachtung zeigen sich jedoch Ungereimtheiten in ihren Schilderungen:
2.3.1. Nicht nachvollziehbar ist, dass die Privatklägerin zwar mitbekommen haben
will, wie der Beschuldigte die Wohnung abgeschlossen und den Schlüssel abge-
zogen hat (Urk. 3 S. 4 F/A 21), aber nicht gesehen haben will, wo der Beschuldig-
te den Schlüssel in der Folge hingetan oder versteckt hat (Prot. I S. 26). Nachdem
sie in einen gewissen Erklärungsnotstand kam, korrigierte sie diese Aussage und
erwähnte, sie habe nicht gewusst, wo der Wohnungsschlüssel gewesen sei, er sei
einfach nicht mehr da gewesen (Prot. I S. 29 oben). Sie habe nicht sehen können,
wie der Beschuldigte die Wohnungstüre abgeschlossen habe (Prot. I S. 30 oben).
Gleiches gilt bezüglich ihrem Handy und ihrem Autoschlüssel. Sie bemerkte zwar
offenbar, dass der Beschuldigte diese Gegenstände weggenommen habe, habe
aber nicht gesehen, wo er sie hingetan habe – dies obwohl sie im gleichen Raum
gewesen sei wie der Beschuldigte (Urk. 3 S. 4 F/A 24). Bei der damaligen Woh-
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nung des Beschuldigten handelte es sich um eine Loft, das heisst sie bestand nur
aus einem grossen Raum (vgl. Urk. 6 S. 9 F/A 45; Prot. I S. 30 und 34). In der
Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft konnte sie nicht mehr sagen, in welchem
Zeitpunkt der Beschuldigte ihr den Fahrzeugschlüssel und das Handy weg-
genommen hatte (Urk. 6 S. 9 F/A 42 f.). Abweichend hiervon erklärte sie vor der
Vorinstanz, der Beschuldigte habe ihr das Handy und die Autoschlüssel weg-
genommen, als sie bereits im Bett gewesen sei (Prot. I S. 30). Und noch mehr
konnte sie später gar sagen, von wo er ihr das Handy und die Autoschlüssel weg-
genommen hat (Prot. I S. 34). Dies mutet doch eher seltsam an.
2.3.2. Sodann ist es nur schwer vorstellbar, dass eine Person, welche gegen ih-
ren Willen in einer Wohnung festgehalten wird, sich dann dort nackt auszieht, sich
zum Täter ins Bett legt und sogar teilweise noch schläft. Mit einer Erschöpfung
lässt sich dies zumindest nur schwerlich erklären (vgl. Urk. 3 S. 5 F/A 30). Es fällt
auch auf, dass die Privatklägerin ihre Aussagen dem Verlauf des Verfahrens an-
passt. So war ihre erste Aussage – am zeitnächsten –, dass der Beschuldigte
schon so früh ausgerastet sei, dass es nicht zum Nachtessen gekommen sei
(Urk. 3 S. 4 F/A 23). Nachdem die Fragen bei der Vorinstanz auf eine gewisse
Skepsis schliessen liessen, korrigierte sie ihre Version dahingehend, dass sie
seine Aussagen zum Verbleiben in der Wohnung zu Beginn gar nicht ernst ge-
nommen habe. Der Beschuldigte habe es lustig gemeint. Er habe mehr als Witz
gesagt, dass sie heute nicht mehr raus komme (Prot. I S. 27). Interessant ist in
diesem Zusammenhang auch, dass sie bei der Staatsanwaltschaft noch aussag-
te, dass sie ihr Kleid selber ausgezogen habe (Urk. 6 S. 17 F/A 98). Das wieder-
holte sie vorerst auch bei der Vorinstanz (Prot. I S. 27), nur um kurze Zeit später
zu korrigieren, dass der Beschuldigte sie ausgezogen habe (Prot. I S. 32). Weiter
vermag auch die Begründung, weshalb sie sich nicht wieder angezogen habe,
nachdem die Situation eskaliert sei, in keiner Art und Weise zu überzeugen
(Prot. I S. 28).
2.3.3. Ungenauigkeiten ergeben sich auch bei den zeitlichen Angaben der Privat-
klägerin, wann sie beim Beschuldigten eingetroffen ist. Bei der zeitlich nächsten
Einvernahme zum Geschehen sprach sie davon, dass sie an besagtem 1. August
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um 19:30 Uhr bei der Wohnung des Beschuldigten eingetroffen sei (Urk. 3 S. 3
F/A 21). Bei der Vorinstanz hingegen führte sie aus, sie sei um 21:00 Uhr beim
Beschuldigten eingetroffen (Prot. I S. 31) und zwar eine Stunde bevor sie ins Bett
gegangen seien (Prot. I S. 30).
Ungereimtheiten bestehen weiter im Zusammenhang mit den Bildern, welche der
Beschuldigte am 1. August 2016 von der Privatklägerin gemacht haben soll. Zu-
erst schilderte die Privatklägerin, der Beschuldigte habe am 1. August 2016 heim-
lich von ihr Bilder gemacht, die er ihr nachher geschickt habe, um ihr zu zeigen,
was er gegen sie in der Hand habe (Urk. 3 S. 3 F/A 20). Wenig später will sie
dann aber doch etwas mitbekommen haben von den Bildern. Er habe sie zu sich
rüber gezogen, um Fotos zu machen. Er habe mehrere Selfies gemacht und auch
noch gesagt "Komm zu mir hinüber" (Urk. 3 S. 5 F/A 33). Bei der Staatsanwalt-
schaft wiederum führte sie aus, sie habe nicht mitbekommen, wann der Beschul-
digte am 1./2. August 2016 ein Nacktbild von ihr gemacht habe (Urk. 6 S. 17 F/A
94 ff.).
2.3.4. Was die Ohrfeige betrifft, welche der Beschuldigte der Privatklägerin gege-
ben haben soll, schilderte die Privatklägerin in der ersten Einvernahme, dass ihr
bei der Ohrfeige ein Ohrring weggeflogen sei (Urk. 3 S. 5 F/A 36). Weshalb sie
dann bei der Staatsanwaltschaft nicht einmal mehr sagen konnte, auf welche Sei-
te des Gesichtes der Beschuldigte sie geschlagen habe, erschliesst sich nicht.
Obwohl es offenbar nur zu einer Ohrfeige gekommen ist, wusste sie auch nicht
mehr, wo sie gelegen hatte, als er ihr die Ohrfeige gegeben habe (Urk. 6 S. 18
F/A 107 ff.).
Erwähnenswert sind schliesslich auch ihre Aussagen bei der Staatsanwaltschaft,
dass der Beschuldigte am 8. August 2016 noch ein zweites Mal an ihre Wohnung
gekommen sei und wiederum geklingelt habe, als die Polizei schon dort gewesen
sei. Dass die Polizei dem Beschuldigten die Türe geöffnet habe und ihn einfach
gehen gelassen habe, obwohl sie eigentlich wegen der Belästigungen des Be-
schuldigten zur Privatklägerin gerufen worden sind, erscheint nicht plausibel
(Urk. 6 S. 7 F/A 27).
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Unerklärlich ist schliesslich, wie die Privatklägerin an ihren Wohnungsschlüssel
gekommen ist. So sagte sie konstant aus, dass sie ihre Tasche in ihrem Fahrzeug
zurückgelassen habe und nur den Autoschlüssel und das Handy in die Wohnung
des Beschuldigten mitgenommen habe (Prot. I S. 28). Dass sie den Wohnungs-
schlüssel für ihre Wohnung auf sich getragen haben muss, ergibt sich nur schon
aus dem Umstand, dass sie am Morgen des 2. August 2016 mit dem Beschuldig-
ten zuerst in ihre Wohnung gefahren ist, wo sie sich für die Arbeit umgezogen hat.
Die Türe schloss sie mit ihrem eigenen Schlüssel auf. Dies musste auch so ge-
wesen sein, da der Beschuldigte nie einen Schlüssel zur Wohnung der Privat-
klägerin besessen hat (Urk. 88 S. 15).
2.3.5. Nichts zur Erhellung des Sachverhaltes kann die Nachricht der Privatkläge-
rin an den Beschuldigten vom 2. August 2016 beitragen, in welcher diese dem
Beschuldigten unter anderem schrieb, "Is so sad what you did yesterday night..."
(Urk. 51/1 S. 474). So bleibt es unklar, was der Beschuldigte in der Nacht vom
1. August 2016 getan haben soll, was die Privatklägerin traurig gemacht hat. Je-
denfalls erschliesst sich daraus nicht einmal ansatzweise, dass der Beschuldigte
die Privatklägerin gegen ihren Willen in seiner Wohnung festgehalten oder ihr ei-
ne Ohrfeige verpasst hätte.
2.3.6. Insgesamt weisen die Aussagen der Privatklägerin so viele Ungereimthei-
ten und Widersprüche auf, dass nicht auf diese abgestellt werden kann. Da sich
nur schon aufgrund der Aussagen der Privatklägerin und der ausgetauschten
Nachrichten der anklagerelevante Sachverhalt nicht erstellen lässt, kann auf eine
Würdigung der Aussagen des Beschuldigten an dieser Stelle verzichtet werden.
Was am 1. August 2016 in der Wohnung des Beschuldigten passiert ist, lässt sich
aufgrund der Akten nicht mehr erstellen. Es kann zwar davon ausgegangen wer-
den, dass der Abend auch nicht so "harmonisch" abgelaufen ist, wie der Beschul-
digte dies ausgeführt hat. Allerdings lässt sich ebenso wenig erstellen, dass sich
der Sachverhalt so zugetragen hat, wie dem Beschuldigten dies in der Anklage-
schrift vorgeworfen wird. Der Beschuldigte ist deshalb in dubio pro reo vom Vor-
wurf der Freiheitsberaubung sowie der Tätlichkeit freizusprechen.
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3. Sachverhaltskomplex 2: versuchte Nötigung per E-Mail
3.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe, nachdem
die Privatklägerin ihn auf Facebook blockiert habe, der Privatklägerin am
8. August 2016, 11:31 Uhr, eine E-Mail geschrieben, in welcher er ihr ankündigte,
er werde nun eine Weile warten und dann gemeinsame Fotos von ihnen beiden
auf Facebook posten (Urk. 22 S. 3). Auch betreffend diesen Sachverhaltskomplex
fasste die Vorinstanz sowohl die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 62 S. 27 f.
Ziff. 5.3.1) als auch der Privatklägerin (Urk. 62 S. 28 f. ff. Ziff. 5.3.2), welche diese
in der Untersuchung als auch anlässlich der Hauptverhandlung deponiert haben,
zutreffend zusammen; somit kann wiederum grundsätzlich auf diese Zusammen-
fassung verwiesen werden. Der Beschuldigte räumte grundsätzlich ein, am
8. August 2016 um 11.31 Uhr der Geschädigten eine E-Mail mit dem Wortlaut: "
now I will stop for a little while then i will post all our pictures together in our
FB page ..." gesendet zu haben (Urk. 62 S. 8 Ziff. 2.4 und S. 27 mit Verweis auf
Prot. I S. 18 f.).
3.2. Dass er diese E-Mail geschrieben hat, bestätigte der Beschuldigte sodann
auch heute (Urk. 88 S. 16 f.). Indessen stellt der Beschuldigte in Abrede, dass er
die Privatklägerin mit der E-Mail habe nötigen wollen, ihn zu deblockieren (Urk. 88
S. 17). Der Sachverhalt ist diesbezüglich zu erstellen.
3.3. Der Beschuldigte führte an der heutigen Berufungsverhandlung aus, die
Privatklägerin und er hätten diskutiert, eine Facebookseite zu machen, um ge-
meinsame Erinnerungen zu behalten. Das sei nicht das einzige Mal gewesen,
dass gemeinsame Fotos "geposted" worden seien. Die Privatklägerin hätte eine
Pinterest-Seite gemacht und gemeinsame Fotos "geposted". Die Idee der ge-
meinsamen Facebookseite sei es gewesen, dass sie gemeinsame Fotos "pos-
ten", nicht Fotos von ihnen alleine. Der Zweck der fraglichen E-Mail sei gerade ei-
ne Nachfrage gewesen, ob die Privatklägerin mit dem "Posten" einverstanden sei
oder nicht. Es sei eine offene Frage gewesen. Darüber hätten sie gesprochen. Er
könne sich nicht erinnern, ob er eine Antwort erhalten habe, er glaube es nicht. Es
sei weder ein "Ja" noch ein "Nein" gewesen. Er habe einfach keine Antwort erhal-
ten. Dass die Privatklägerin ihn auf Facebook blockiert habe, sei irrelevant. Sie
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habe viele Fotos gehabt, er habe viele Fotos gehabt. Sie hätten einen gemeinsa-
men Platz dafür haben wollen. Viele hätten von ihrer Beziehung gewusst, so die
Schwester der Privatklägerin und auch Freunde. Es hätte keinen Sinn gemacht,
Fotos zu "posten", auf denen sie beide am Lächeln seien (Urk. 88 S. 16 f.).
3.4. Der Beschuldigte gab zum Inhalt des E-Mails, worin er ankündigte, er wer-
de nun eine Weile warten und dann "unsere Bilder auf unserer FB Seite" ver-
öffentlichen, nicht nur anlässlich der Berufungsverhandlung sondern schon in
der Untersuchung konstant an, es sei eine (romantische) Idee von ihnen beiden
gewesen, eine gemeinsame Facebook-Seite aufzubauen und Bilder über ihre Be-
ziehung hochzuladen. Es sei darum gegangen, eine gemeinsame Seite zu kreie-
ren, um die gemeinsamen Bilder zu sammeln. Die Idee sei es auch gewesen, mit
der Zeit engen Kollegen und Familienmitgliedern den Zugang zur Seite zu geben
(Urk. 4 S. 5 F/A 33 ff.; Urk. 5 S. 2 und 8 F/A 7 und 35; Prot. I S. 19 f.; Urk. 88
S. 15 f.)
3.5. Diese Version des Beschuldigten lässt sich nicht umstossen. Vorab ist da-
rauf hinzuweisen, dass Gegenstand der Anklage nur die E-Mail vom 8. August
2016, 11:31 Uhr, ist. Kein Bestandteil ist die E-Mail vom 8. August 2016,
10:12 Uhr. Diese zweite E-Mail darf – worauf die Verteidigung zu Recht hinweist
(Urk. 89 S. 19) – deshalb nicht zur Begründung der Tatbestandsmässigkeit, und
insbesondere zur Begründung der Androhung ernstlicher Nachteile, herange-
zogen werden, selbst wenn diese E-Mail einen bedrohlichen Inhalt haben sollte
resp. die Privatklägerin diese als bedrohlich empfunden hat (Prot. I S. 37 ff.). Aber
auch sonst kann dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, dass es ihm bei
dieser Nachricht um etwas anderes gegangen ist, als das Einverständnis der Pri-
vatklägerin zur Veröffentlichung von gemeinsamen Bildern. Seine Aussagen dies-
bezüglich erweisen sich entgegen der Vorinstanz als konstant.
Sodann ist es zwar a priori nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschuldigte erst
anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung Aussagen über ein gemeinsames
E-Mail-Konto mit der Privatklägerin machte, über welches sie nach Anhebung des
Verfahrens unbemerkt hätten miteinander kommunizieren können (Urk. 88 S. 16).
Dennoch erweist sich diese Aussage des Beschuldigten als glaubhaft, zumal er
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diese Aussage in Gegenwart der Privatklägerin tätigte und von dieser un-
widersprochen geblieben ist (Urk. 88 S. 16 f.). Dadurch entfällt aber ein mögliches
Motiv für den Beschuldigten, die Privatklägerin zur Deblockierung seiner Person
auf Facebook zu nötigen, da er damit die Möglichkeit hatte über einen gemeinsam
kreierten Kanal mit der Privatklägerin zu kommunizieren.
3.6. Der Beschuldigte ist auch vom Vorwurf der versuchten Nötigung in dubio
pro reo freizusprechen.
III. Kosten und Entschädigung
1. Kosten der ersten Instanz
Die Vorinstanz hat – dem damaligen Ausgang des Verfahrens entsprechend – die
Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens dem Beschuldig-
ten auferlegt (Urk. 62 S. 57). Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung an sich ist
nicht angefochten (Prot. II S. 7) und zu bestätigen. Aufgrund des heutigen vollum-
fänglichen Freispruches des Beschuldigten sind diese Kosten im Sinne von
Art. 426 Abs. 1 StPO ausgangsgemäss auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Kosten der Berufungsinstanz
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– anzu-
setzen.
2.2. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte bean-
tragte einen Freispruch mit den entsprechenden Nebenfolgen. Sowohl die Staats-
anwaltschaft als auch die Privatklägerin beantragten hingegen eine Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils. Nachdem der Beschuldigte freizusprechen ist und
die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin demnach mit ihrem Antrag unter-
liegen, sind die Kosten des Berufungsverfahrens zur Hälfte auf die Gerichtskasse
zu nehmen und zur Hälfte der Privatklägerin aufzuerlegen.
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3. Entschädigung
3.1. Der Beschuldigte hat Anspruch auf Entschädigung seiner Aufwendungen für
die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte, wenn er freigesprochen
wird (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Zu den Entschädigungen für Aufwendungen zur
Wahrung der Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO) gehören primär die
Kosten der frei gewählten Verteidigung, wenn die Verbeiständung angesichts der
tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität des Falls geboten war (Schmid, Hand-
buch StPO, 2. Aufl., N. 1810). Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO sind die Bestimmun-
gen nach Art. 429 ff. StPO auch für das Rechtsmittelverfahren anwendbar. Vor-
liegend war der Beizug einer anwaltlichen Verteidigung gerechtfertigt. Die Vertei-
digung machte mit zwei Honorarnoten (Urk. 50/8 und Urk. 87) einen Aufwand für
beide Verfahren von Fr. 25'106.– und Fr. 6'060.90, somit gesamthaft
Fr. 31'166.90 geltend. Da die Berufungsverhandlung im Vergleich zur Schätzung
der Verteidigung länger ausgefallen ist, sich der geltend gemachte Aufwand im
Übrigen aber als angemessen erweist, ist dem Beschuldigten für das erstinstanz-
liche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 25'106.– und für das Berufungsver-
fahren eine Entschädigung von Fr. 6'400.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
3.2. Der Privatklägerin ist ausgangsgemäss – entgegen Dispositiv-Ziffer 9 des
erstinstanzlichen Urteils – keine Prozessentschädigung zuzusprechen.
4. Genugtuung
4.1. Der Beschuldigte beantragt, es sei ihm eine Genugtuung von Fr. 600.– für
die erstandene Untersuchungshaft vom 10. August 2016 bis und mit 12. August
2016 zuzusprechen (Urk. 89 S. 24).
4.2. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat die beschuldigte Person Anspruch
auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhält-
nisse, insbesondere bei Freiheitsentzug, wenn sie freigesprochen wird. Voraus-
gesetzt ist, dass eine besonders schwere Verletzung im Sinne von Art. 28 Abs. 2
ZGB oder Art. 49 OR vorliegt. Als Beispiele können neben der ungerechtfertigten
Untersuchungs- und Sicherheitshaft die publik gewordene Hausdurchsuchung
oder eine sehr lange Verfahrensdauer genannt werden. Der Freiheitsentzug muss
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im Gegensatz zum Fall von Art. 431 StPO allerdings nicht widerrechtlich gewesen
sein. Die Festlegung der Höhe der Genugtuung beruht auf richterlichem Er-
messen. Bei dessen Ausübung ist den Besonderheiten des Einzelfalls Rechnung
zu tragen. Zu berücksichtigen sind alle Umstände, auch die Schwere des vorge-
worfenen Delikts sowie die Auswirkungen der Haft auf die persönliche Situation
des Verhafteten und die Belastung durch das Verfahren. Das Bundesgericht geht
davon aus, dass im Falle einer ungerechtfertigten Haft von kurzer Dauer grund-
sätzlich ein Betrag von Fr. 200.– pro Tag eine angemessene Entschädigung dar-
stellt, sofern nicht besondere Umstände gegeben sind, welche die Zahlung eines
tieferen oder höheren Betrages rechtfertigen könnten (BSK StPO-WEHRENBERG/
FRANK, Art. 429 N 28, vgl. BGE 139 IV 243 = Pra 102 (2013) Nr. 108, Entscheid
des Bundesgerichts 6B_506/2015 vom 6. August 2015).
4.3. Der Beschuldigte wurde an seinem Arbeitsort in G._/SZ verhaftet. Die
Festnahme und auch die Haft stellten für ihn ein einschneidendes Erlebnis dar.
Eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 600.– erscheint den Umständen angemes-
sen, weshalb der Beschuldigte mit einer solchen aus der Gerichtskasse zu ent-
schädigen ist.