Decision ID: 15264b5f-65b6-5809-a353-4705ddef6083
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ lebte seit dem 13. August 2006 aufgrund einer Fremdplatzierung durch die
Vormundschaftsbehörde im Sozialpädagogischen Kleinheim für Kinder und
Jugendliche B._ im Kanton Thurgau und hatte ihren Wohnsitz in C._ (TG). Gemäss
einem Schreiben der IV-Stelle des Kantons St. Gallen hatte sie ab dem 1. Februar 2015
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einen Kinderrentenanspruch zur ganzen IV-Rente ihrer Mutter (act. G 3.2/8-1). Die
Mutter der Versicherten lebte im Kanton St. Gallen und bezog dort
Ergänzungsleistungen zu ihrer ganzen IV-Rente. Aufgrund des Kinderrentenanspruchs
war auch die Versicherte seit dem 1. Februar 2015 grundsätzlich in die EL-
Anspruchsberechnung ihrer Mutter einzubeziehen. Weil jedoch aufgrund der
unterschiedlichen Wohnsitze der Versicherten und ihrer Mutter eine gesonderte
Berechnung des EL-Anspruchs der Versicherten vorgenommen werden musste,
musste auch die Anmeldung separat stattfinden. Die Versicherte wurde deshalb von
den Sozialen Diensten der Gemeinde C._ am 27. Juni 2016 bei der EL-
Durchführungsstelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Ergänzungsleistungen
angemeldet (act. G 3.2/7). Die Gemeinde C._ stellte ein Gesuch um Drittauszahlung
(act. G 3.2/12). Den dem EL-Anmeldeformular beigelegten Akten ist zu entnehmen,
dass sich die Tagestaxe für den Heimaufenthalt im Jahr 2015 auf Fr. 226.85 belaufen
hatte. Seit 2016 betrug sie Fr. 240.66 (act. G 3.2/10). Der Vater der Versicherten zahlte
im Jahr 2016 einen Unterhalt von monatlich Fr. 712.-- sowie Ausbildungszulagen in
Höhe von Fr. 250.-- (act. G 3.2/8 S. 4 und 6). Laut einer internen Notiz der EL-
Durchführungsstelle zog die Mutter der Versicherten per 1. April 2016 vom Kanton St.
Gallen in den Kanton Zürich, weshalb der EL-Anspruch der Versicherten per 1. April
2016 durch die EL-Durchführungsstelle des Kantons Zürich zu prüfen war (act. G
3.2/5).
A.b Mit einer Verfügung vom 15. Juli 2016 lehnte die EL-Durchführungsstelle den
Anspruch auf Ergänzungsleistungen vom 1. Februar 2015 bis 31. März 2016 ab. Zur
Begründung führte sie aus, bei einem Aufenthalt in einem Kinder- oder Jugendheim
könne aufgrund der im st. gallischen Verordnungsrecht in einem solchen Fall
vorgesehenen Beschränkung der Tagespauschalen lediglich eine Pauschale von Fr.
33.-- pro Tag berücksichtigt werden. Der EL-Anspruch ab dem 1. April 2016 sei
aufgrund des Wegzugs der Mutter durch die EL-Durchführungsstelle des Kantons
Zürich zu prüfen (act. G 3.2/3)
A.c Dagegen erhob die Gemeinde C._ eine Einsprache. Sie beantragte die
Aufhebung der Verfügung vom 15. Juli 2016 sowie die Zusprache der gesondert
berechneten Ergänzungsleistungen zur IV unter Anrechnung der jeweils vollen
Tagestaxe in Höhe von Fr. 226.85 (2015) bzw. Fr. 240.66 (2016). Zur Begründung führte
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sie an, dass das B._ in D._ vom Kanton Thurgau als Heim anerkannt und der
Interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE) unterstellt sei, weshalb
die Beschränkung der Tagestaxe nicht zu einer Sozialhilfeabhängigkeit der
Versicherten führen dürfe. Der Kanton Thurgau sehe zur Deckung eines aufgrund einer
Herabsetzung der Tagestaxe entstehenden Ausfalls - anders als der Kanton St. Gallen
- in seinem Sozialhilfegesetz keine nicht rückerstattungspflichtigen Staatsbeiträge vor.
Vielmehr müsse die Gemeinde C._ mittels wirtschaftlicher Sozialhilfe einspringen.
Ausserdem habe die EL-Durchführungsstelle einem in einer thurgauischen, nicht als
IVSE-Einrichtung anerkannten Pflegefamilie fremdplatzierten Kind die volle Tagestaxe
gewährt und deshalb im vorliegenden Fall das Rechtsgleichheitsgebot verletzt. Als
Grund für diese Ungleichbehandlung könne insbesondere nicht vorgebracht werden,
dass es sich aufgrund der kurzen Berechnungsperiode um einen Einzelfall handle.
Insgesamt sei auch gegen das Legalitätsprinzip und das Willkürverbot verstossen
worden (act. G 3.1/7).
A.d Am 17. November 2016 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache der
Versicherten ab. Zur Begründung führte sie aus, der Kanton St. Gallen habe von seiner
Kompetenz, die Höhe der Kosten für den Heimaufenthalt zu begrenzen, Gebrauch
gemacht. Dies sei insbesondere auch im konkreten Fall nicht bundesrechtswidrig, weil
Kindesschutzmassnahmen, insbesondere Fremdplatzierungen, durch die Eltern und
subsidiär durch die Gemeinde und nicht durch das Kind selbst zu finanzieren seien. Da
die Kosten für die Unterbringung also durch die Gemeinde erbracht würden, gingen
diese Kosten nicht zu Lasten der Versicherten. Hinzu komme, dass das
Sozialhilfegesetz keine Rückerstattungspflicht dieser Leistungen bis zur Mündigkeit
vorsehe und die Versicherte somit bis zum Heimaustritt keine Sozialhilfe beantragen
müsse. Somit sei die Finanzierung des Heimaufenthalts gesichert. Da es sich bei dem
Fall, auf den die Gemeinde C._ unter der Berufung einer Verletzung des
Rechtsgleichheitsgebots durch die EL-Durchführungsstelle gestützt habe, um einen
Fehlentscheid gehandelt habe, sei zu bemerken, dass kein Anspruch auf eine
Gleichbehandlung im Unrecht bestehe. Die Rügen betreffend das Legalitätsprinzip und
das Willkürverbot seien nicht substantiiert worden, weshalb nicht weiter darauf
einzugehen sei (act. G 3.1/4).
B.
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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Gemeinde C._ (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 28. November 2016 eine Beschwerde; sie liess die Aufhebung
des angefochtenen Einspracheentscheids vom 17. November 2016 und die Zusprache
der sich unter der Berücksichtigung der tatsächlichen Tagestaxen ergebenden
Ergänzungsleistungen beantragen. Zur Begründung erklärte sie ergänzend zu ihren
Ausführungen in der Einsprache, dass die Versicherte bereits seit längerem laufend
sozialhilferechtlich unterstützt werden müsse. Deshalb sei es unter der zusätzlichen
Berücksichtigung dessen, dass das thurgauische Sozialhilfegesetz für Kinder in Kinder-
und Jugendheimen der IVSE keine Staats- und Gemeindebeiträge bzw. Subventionen
vorsehe, nicht nachvollziehbar, warum die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) davon ausgehe, die zu niedrig angerechnete Tagestaxe führe
nicht zur Sozialhilfebedürftigkeit der Versicherten. Zudem habe die
Beschwerdegegnerin das Rechtsgleichheitsgebot sehr wohl verletzt, da in dem in der
Einsprache genannten Fall eben gerade bundesrechtskonform gehandelt worden sei
und deshalb nicht von einer Gleichbehandlung im Unrecht die Rede sein könne (act. G
1).
B.b In einer Beschwerdeantwort vom 20. Januar 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Ergänzend zu ihren Erwägungen
im Einspracheentscheid führte sie aus, dass es sich beim B._ nicht um ein durch den
Kanton St. Gallen anerkanntes Heim handle und die von der Beschwerdeführerin
erwähnte IVSE nur bei interkantonalen Sachverhalten anwendbar sei. Wenn der Kanton
St. Gallen dem Kanton Thurgau den vollen Heimtagessatz zahle, ohne die Möglichkeit
zu haben, bei der Festsetzung der Tagestaxe des Heimes mitwirken zu können, könne
dies zu überhöhten Tarifen führen. Der Kanton Thurgau selbst sehe übrigens lediglich
einen maximalen Tagessatz von Fr. 205.-- vor, weshalb ohnehin nicht der volle
Tagessatz von Fr. 226.85 bzw. Fr. 240.66 berücksichtigt werden könne (act. G 3).
B.c In ihrer Replik vom 6. Februar 2017 erklärte die Beschwerdeführerin, das B._ sei
durch den Kanton Thurgau als Heim anerkannt und eine zusätzliche Anerkennung
durch einen anderen Kanton sei nicht erforderlich. Zudem sei die thurgauische
Bestimmung, nach welcher ein maximaler Tagessatz von Fr. 205.-- anzurechnen sei, im
Gegensatz zur st. gallischen Regelung bundesrechtskonform, da sie nicht zu einer
Sozialhilfeabhängigkeit der Versicherten führe (act. G 5).
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B.d In der Duplik vom 1. März 2017 führte die Beschwerdegegnerin aus, dass gemäss
der Bundesgerichtsrechtsprechung nur diejenigen EL-Bezüger von einer
Sozialhilfeabhängigkeit zu bewahren seien, die sich in einem Pflegeheim aufhielten. Da
dieser Schutz nicht auch für andere Heime gelte und da es sich beim B._ um ein
Kinder- und Jugendheim und nicht um ein vom Kanton St. Gallen anerkanntes
Pflegeheim handle, sei eine durch die bei Weitem nicht gedeckte Tagestaxe
verursachte Sozialhilfeabhängigkeit zulässig und hinzunehmen (act. G 7).
B.e Am 6. März 2017 lud die Verfahrensleitung die Versicherte ein, dem
Beschwerdeverfahren als Partei beizutreten (act. G 8). Die Versicherte liess sich innert
der ihr angesetzten Frist nicht vernehmen.
B.f Nach dem Abschluss des Schriftenwechsels (act. G 9) reichte die
Beschwerdeführerin am 4. Oktober 2017 eine ergänzende Stellungnahme ein und
erklärte zunächst, an dem mit der Beschwerdeschrift gestellten Rechtsbegehren und
der Replik vollumfänglich festzuhalten. Zur Praxis des Bundesgerichts führte sie
sinngemäss aus, diese führe zu einer verfassungswidrigen Ungleichbehandlung, indem
behinderte Personen, alte Menschen und Kinder, die auf eine Heimumgebung
angewiesen seien, gegenüber den pflegebedürftigen Personen schlechter gestellt
seien. Diese Rechtsprechung ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass die st.
gallische Maximaltagestaxe mit Fr. 33.-- zu beanstanden sei, weil sie die elementarsten
Bedürfnisse der betroffenen Kinder nicht zu decken vermöge. Das fremdplatzierte Kind
benötige nämlich nicht, wie beispielsweise ein Arbeitnehmer im Betrieb und im
Hausdienst, lediglich eine Verpflegung und eine Unterkunft, sondern zusätzlich auch
eine Betreuung. Letztere sei mit der Tagestaxe von Fr. 33.-- nicht gedeckt, womit diese
Begrenzung der Tagestaxe dem eigentlichen Zweck der Ergänzungsleistungen
zuwiderlaufe, indem die absolut notwendigen Kosten eines minderjähren Kindes nicht
gedeckt würden. Im Übrigen würde so auch eine Schlechterstellung der
fremdplatzierten Kinder gegenüber der zuhause lebenden Kinder geschaffen (act. G
10).
B.g Am 18. Dezember 2017 lud die Verfahrensleitung auch die Mutter der Versicherten
ein, dem Beschwerdeverfahren als Partei beizutreten (act. G 13). Die Mutter der
Versicherten liess sich innert der ihr angesetzten Frist nicht vernehmen.
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Erwägungen
1.
1.1 Gemäss Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) ist jede Person beschwerdelegitimiert, die
durch den Einspracheentscheid berührt ist und die ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung hat. Die Beschwerdelegitimation ist nicht auf die
anspruchsberechtigten Personen beschränkt. Gemäss dem Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 113/05 vom 8. Juni 2005 ist die Sozialhilfebehörde, die einen
Versicherten regelmässig (in casu: seit fünf Jahren) unterstützt, legitimiert, die den
Rentenanspruch ablehnende Verfügung der IV-Stelle in eigenem Namen mit Einsprache
anzufechten und gegen den Einspracheentscheid Beschwerde zu führen (vgl.
Entscheid des Bundesgerichtes vom 8. Januar 2007, BGE 133 V 188 S. 193). Weil die
Versicherte durch die Beschwerdeführerin sozialhilferechtliche Unterstützungen
bekommt, die sich, sollte ein Anspruch auf Ergänzungsleistungen zu ihrer IV-
Kinderrente bestehen, im Umfang dieses Anspruchs vermindern würden, ist das
schutzwürdige Interesse der Beschwerdeführerin im konkreten Fall zu bejahen. Die
Beschwerdeführerin ist somit beschwerdelegitimiert, weshalb auf die Beschwerde
einzutreten ist.
1.2 Die Mutter der minderjährigen Versicherten sowie die Versicherte selbst sind
beigeladen worden (act. 8, 13). Weil sie sich nicht haben vernehmen lassen, sind sie
nicht Partei dieses Beschwerdeverfahrens. Trotzdem haben sie nach Abschluss dieses
Beschwerdeverfahrens einen Anspruch auf die Zustellung des Urteils.
2.
2.1 Kinder, die einen Kinderrentenanspruch begründen, haben gemäss Art. 9 Abs. 2
des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (SR 831.30; ELG) keinen eigenen EL-Anspruch. Die jährliche EL
für sie wird, wenn sie nicht bei den Eltern leben, gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. c der
Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (SR 831.301; ELV) gesondert berechnet. Auch bei gesonderter
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Berechnung werden ihre Ausgaben und Einnahmen aber wie die eines
Anspruchsberechtigten nach Massgabe der Art. 9 ff. ELG eingesetzt (RALPH JÖHL,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Band
XIV Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz 48). Die jährliche Ergänzungsleistung
entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren
Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG). Gemäss Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG ist bei
Personen, die dauernd oder längere Zeit in einem Heim oder Spital leben, die
Tagestaxe als Ausgabe anzurechnen. Dabei können die Kantone die Kosten
begrenzen, die wegen des Aufenthaltes in einem Heim oder einem Spital berücksichtigt
werden, wenn sie dafür sorgen, dass durch den Aufenthalt in einem anerkannten
Pflegeheim in der Regel keine Sozialhilfeabhängigkeit begründet wird. Im Rahmen der
Verfügung vom 15. Juli 2016 hat die Beschwerdegegnerin nicht die tatsächliche
Tagestaxe, sondern nur den sich aus Art. 1a Abs. 2 der st. gallischen Verordnung über
die nach Ergänzungsleistungsgesetz anrechenbare Tagespauschale (sGS 351.52,
nachfolgend Tagespauschalenverordnung) auf ein Jahr hochgerechneten
Maximalbetrag berücksichtigt. Gemäss Art. 1a Abs. 2 der Tagespauschalenverordnung
entspricht die anrechenbare Tagespauschale bei Kindern, die einen Anspruch auf eine
Kinderrente der Alters- oder Invalidenversicherung begründen, bei einem Aufenthalt im
Kinder- oder Jugendheim höchstens dem Ansatz für Verpflegung und Unterkunft nach
Art. 11 Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (SR
831.101; AHVV). Gemäss Art. 11 Abs. 1 AHVV werden Verpflegung und Unterkunft der
Arbeitnehmer im Betrieb und im Hausdienst unter Vorbehalt der Beiträge für
mitarbeitende Familienmitglieder mit Fr. 33.-- im Tag bewertet.
2.2 Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Tagestaxe zu Recht nach Art. 1a Abs. 2
der Tagespauschalenverordnung bzw. nach Art. 11 Abs. 1 AHVV auf Fr. 33.-- pro Tag
begrenzt hat. Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, das B._ sei als Heim im
Sinne des Art. 25a ELV zu betrachten, weil es durch den Kanton Thurgau anerkannt sei
und sich auf der Liste der IVSE befinde. Weil die durch die Beschwerdegegnerin
angerechnete Tagestaxe die tatsächliche Tagestaxe stark unterschreite, führe die
Begrenzung gemäss Art. 1a Abs. 2 der Tagespauschalenverordnung zu einer
Sozialhilfeabhängigkeit der Versicherten. Deshalb sei die durch den Kanton St. Gallen
festgesetzte Maximaltagestaxe bundesrechts- und verfassungswidrig (act. G 1). Das
Bundesgericht hat in seinem Entscheid vom 13. Januar 2017 festgehalten, Art. 10 Abs.
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2 lit. a ELG verpflichte die Kantone nicht dazu, die Tagestaxen auch bei anderen
Einrichtungen als den nach Art. 39 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die
Krankenversicherung (SR 832.10; KVG) anerkannten Pflegeheimen so festzusetzen,
dass die dort lebenden EL-Bezüger - in der Regel - keine Sozialhilfe beantragen
müssten (vgl. Entscheid des Bundesgerichtes vom 13. Januar 2017, BGE 143 V 9, E
6.1). Pflegeheime sind gemäss Art. 39 Abs. 3 KVG Geburtshäuser sowie Anstalten,
Einrichtungen oder ihre Abteilungen, die der Pflege und medizinischen Betreuung
sowie der Rehabilitation von Langzeitpatienten und -patientinnen dienen. Das B._ ist
hingegen ein sozialpädagogisches Kleinheim für Kinder und Jugendliche (zuletzt
aufgerufen am 1. Oktober 2018). Es dient also weder der Pflege noch der
medizinischen Betreuung oder Rehabilitation von Langzeitpatienten, sondern ist auf die
sozialpädagogische Förderung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen
ausgerichtet.
2.3 Der Zweck des Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG ist es, den Missbrauch der
Ergänzungsleistungen durch die Heimbewohner durch Kosten für Leistungen, die nicht
der Gewährleistung des Existenzbedarfs dienen, zu verhindern (JÖHL, a.a.O., Rz 81).
Der st. gallische Verordnungsgeber hat im Rahmen der ihm mit Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG
übertragenen Kompetenz in Art. 1a Abs. 2 der Tagespauschalenverordnung für Kinder
und Jugendliche in Kinderheimen eine Maximaltagestaxe festgesetzt, die dem
entspricht, was Arbeiternehmern im Betrieb und im Hausdienst gemäss Art. 11 Abs. 1
AHVV zugestanden wird. Wie die Beschwerdeführerin jedoch korrekt ausgeführt hat,
berücksichtigt der Art. 11 Abs. 1 AHVV lediglich die Kosten für die Verpflegung und die
Unterkunft. Anders als Arbeitnehmer sind minderjährige Kinder aber
betreuungsbedürftig, weshalb bei einem Heimaufenthalt eines Kindes regelmässig
auch Betreuungskosten anfallen. Weil die Betreuung eines Kindes zwingend notwendig
ist, kann es sich bei Kosten für eine Kinderbetreuung nicht um sogenannte
"Luxuskosten" handeln, die mittels des letzten Teilsatzes des Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG
durch die Kantone von der Abzugsfähigkeit ausgeschlossen werden können. Nun hat
der Kanton St. Gallen aber eine Verschiebung der Kostenübernahme vorgesehen,
indem die Betreuungskosten von Kindern in st. gallischen Heimen nicht durch die
Ergänzungsleistungen, sondern indirekt durch staatliche Leistungen an die Heime
gedeckt werden. Bei einem zivilrechtlich angeordneten Aufenthalt in einem IVSE
Kinder- oder Jugendheim des Kantons St. Gallen wird der Ausfall der EL durch die
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Beschränkung der abzugsfähigen Tagestaxe in Art. 1a Abs. 2 der
Tagespauschalenverordnung also durch (nicht rückerstattungspflichtige) Staatsbeiträge
an die Heime aufgefangen (Art. 41 bis 43 des st. gallischen Sozialhilfegesetzes [SHG;
sGS 381.1]). Somit kann, solange ein Kind in einem st. gallischen Kinder- oder
Jugendheim untergebracht ist, trotz der Beschränkung der Kostenübernahme durch
die EL auf die Kosten für Verpflegung und Unterkunft in Höhe von Fr. 33.-- pro Tag
keine Sozialhilfeabhängigkeit entstehen, da die übrigen Kosten (und somit auch jene,
die für die Betreuung eines Kindes anfallen) vom Staat getragen werden. Im Kanton
Thurgau gibt es keine vergleichbare Aufteilung der Kostentragung. Stattdessen hat der
Kanton Thurgau in § 6 Abs. 1 Ziff. 1 der Verordnung des Regierungsrates zum Gesetz
über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (RB 831.31; TG ELV) bei einem
Aufenthalt in einem Kinderheim oder einer heimähnlichen Institution, die eine
professionelle Betreuung von Kindern garantiert, eine maximal anrechenbare
Tagestaxe in Höhe von Fr. 205.-- vorgesehen. Ein Staatsbeitrag, wie der Kanton St.
Gallen ihn für die IVSE-anerkannten Kinder- und Jugendheime vorsieht, existiert im
Kanton Thurgau nicht. Die Finanzierung läuft stattdessen über die
Ergänzungsleistungen oder über die Sozialhilfe (vgl. dazu § 17 des thurgauischen
Gesetzes über die öffentliche Sozialhilfe). Würde also der Art. 1a der st. gallischen
Tagespauschalenverordnung auf ein vom Kanton Thurgau anerkanntes ISVE-
Kinderheim angewandt, würde dies dazu führen, dass eine planwidrige Leistungslücke
entstünde, die durch die zuständige thurgauische Wohnsitzgemeinde im Rahmen der
Sozialhilfe zu füllen wäre. Dass die Unterstützungsbeiträge im Kanton Thurgau erst
zurückbezahlt werden müssen, wenn sie nach dem vollendeten 18. Altersjahr bezogen
worden sind (vgl. § 18 Abs. 2 SHG TG), ändert daran nichts.
2.4 Im vorliegenden Fall geht es also nicht darum, ob Art. 10 Abs. 2 lit. a 2. Halbsatz
ELG die Kantone bei der Begrenzung der Tagestaxen in Bezug auf die Pflegeheime im
Sinne des Art. 39 KVG oder allgemein in Bezug auf Heime im Sinne des Art. 25 ELV
einschränken will. Vielmehr stellt sich die Frage, ob Art. 10 Abs. 2 lit. a 2. Halbsatz ELG
zulässt, dass eine kantonalrechtlich festgelegte Maximaltagestaxe in einem fremden
Kanton zu einer Sozialhilfeabhängigkeit führt. Zu prüfen ist im konkreten Fall deshalb,
ob die infolge der Aufteilung der Kostentragung im Kanton St. Gallen rechtmässige
Beschränkung der durch die Ergänzungsleistungen zu übernehmende Tagestaxe eines
im eigenen Kanton liegenden Kinderheimes auf Fr. 33.-- auch bei einem
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ausserkantonalen Heimaufenthalt, bei dem sie zu einer Sozialhilfeabhängigkeit führt,
rechtmässig ist. Der Art. 10 Abs. 2 lit. a 2. Halbsatz ELG ist gemäss den Materialien
allein deshalb nicht auf alle Heime ausgedehnt worden, weil "der alters- und
sozialpolitische Bereich die eigene Domäne der Kantone" sei und ein "unnötiger Eingriff
in die kantonalen Kompetenzen" vermieden werden solle (AB 2006 N 1249 ff.). Jeder
Kanton soll also selbst bestimmen können, wie die Finanzierung der Heime im eigenen
Kanton ausgestaltet werden soll. Folgt man der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(vgl. E 2.2), so dürften betreffend die in Art. 39 KVG nicht genannten Heime die in den
jeweiligen kantonalen Bestimmungen festgelegten Maximaltagespauschalen
unabhängig vom EL-Bezug zu Sozialhilfeabhängigkeiten führen. Diese Rechtsprechung
kann sich jedoch - wenn überhaupt - nur auf innerkantonale Sachverhalte beziehen.
Soll nämlich die Kompetenz der Kantone in Bezug auf die Regelung der alters- und
sozialpolitischen Fragen im jeweils eigenen Kanton nicht durch bundesrechtliche
Normen eingeschränkt werden, so darf eine solche Einschränkung erst Recht nicht
durch fremde kantonalrechtliche Normen geschehen, indem diese zu einer ungewollten
und unkontrollierbaren Belastung des Sozialhilfesystems eines anderen Kantons
führen. Ein unter Ausnutzung der mit Art. 10 Abs. 2 lit. a 2. Halbsatz ELG gewährten
Freiheit entstandenes, innerkantonal funktionierendes Finanzierungssystem darf
deshalb gestützt auf Art. 10 Abs. 2 lit. a 2. Halbsatz ELG auf keinen Fall das
Sozialhilfesystem eines anderen Kantons belasten.
3.
3.1 Der st. gallische Verordnungsgeber hat mit der in Art. 1a der
Tagespauschalenverordnung vorgenommenen Beschränkung der Tagespauschale
bzw. mit der damit einhergehenden Verschiebung der Kostenübernahme auf einen
staatlichen Kostenträger erreichen wollen, dass die jeweils kostengünstigere Lösung
bei der Unterbringung gesucht werde (Protokoll der Regierung des Kantons St. Gallen,
Sitzung vom 20. Dezember 2011/ Nr. 874 betreffend den II. Nachtrag zur Verordnung
über die nach Ergänzungsleistungsgesetz anrechenbare Tagespauschale; Erlass).
Allenfalls könnte man daher im konkreten Fall argumentieren, dass die Versicherte sich
aus freien Stücken im thurgauischen Kinderheim B._ befinde und dass darin eine
Verzichtshandlung gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG in der Form der Inkaufnahme
unnötiger anerkannter Ausgaben zu erblicken sei. Die Versicherte lebt jedoch seit 2006
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aufgrund einer Fremdplatzierung durch die Vormundschaftsbehörde im B._ (vgl. act.
3.2/8 S. 8). Ein Umzug zum Zeitpunkt des Beginns des IV-Kinderrentenanspruchs (vgl.
act. G 3.2/8 S. 1) aus der vertrauten Umgebung in ein st. gallisches Kinderheim im
Wohnkanton der Mutter wäre deshalb nicht ohne Weiteres möglich und wohl auch
nicht sinnvoll gewesen, da die Mutter bereits im April 2016 in einen anderen Kanton
gezogen ist (vgl. act. G 3.2/5) und die Versicherte dann erneut das Kinderheim hätte
wechseln müssen, um den ergänzungsleistungsrechtlichen Eigenheiten des neuen
Wohnortkantons ihrer Mutter Rechnung zu tragen. Deshalb liegt keine
Verzichtshandlung vor.
3.2 Der Sinn und Zweck der Ergänzungsleistungen besteht darin, den Existenzbedarf
der versicherten Personen zu decken, indirekt also darin, eine Sozialhilfeabhängigkeit
zu vermeiden. Interpretiert man den gestützt auf Art. 10 Abs. 2 lit. a 2. Halbsatz ELG
erlassenen Art. 1a Abs. 2 der st. gallischen Tagespauschalenverordnung rein
grammatikalisch, führt die darin vorgesehene Beschränkung der Tagespauschale bei
Kindern in Kinderheimen auf Fr. 33.-- dank der innerkantonalen Finanzierung bei im
Kanton St. Gallen liegenden Heimen nicht zu einer Sozialhilfeabhängigkeit (vgl. E 2.3).
Sobald ein EL-Bezüger oder eine in die Anspruchsberechnung einbezogene Person
bzw. eine Person mit einem Drittauszahlungsanspruch jedoch in einem
ausserkantonalen Kinderheim lebt, besteht die Gefahr, dass sie aufgrund der im
Kanton St. Gallen niedrig angesetzten Maximaltagespauschale in eine
Sozialhilfeabhängigkeit geraten könnte. Der Art. 1a Abs. 2 der st. gallischen
Tagespauschalenverordnung würde in diesem Fall sowohl Bundesrecht (vgl. Art. 2 Abs.
1 ELG) als auch Verfassungsrecht (Art. 8 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [SR 101; BV]) verletzen. Es existiert nämlich keine gesetzliche
Grundlage, die den Kanton St. Gallen dazu legitimieren würde, von dem Grundsatz des
ELG abzuweichen, nach dem die Ergänzungsleistungen der Deckung des
Existenzbedarfs dienen und vor einer Sozialhilfeabhängigkeit bewahren sollen. Art. 10
Abs. 2 lit. a ELG gibt den Kantonen nämlich nur die Kompetenz, die durch die EL zu
übernehmenden Tagestaxen der kantonseigenen Heime zu begrenzen (bzw. die
Finanzierung nach Belieben zu verschieben; vgl. E 2.4). Er ist vorliegend also nicht
anwendbar. Abgesehen davon liegt eine Verletzung des
Gleichbehandlungsgrundsatzes vor, wenn Kinder, die auf eine Heimumgebung in
einem fremden Kanton angewiesen sind, aufgrund einer kantonalrechtlich
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vorgesehenen Beschränkung der maximalen Tagestaxe in eine Sozialhilfeabhängigkeit
geraten, während Kinder in einem kantonseigenen Kinderheim eben davor bewahrt
werden. Weil Art. 1a Abs. 2 der Tagespauschalenverordnung keine
Ausnahmebestimmung für Kinder in ausserkantonalen Kinderheimen vorsieht, liegt eine
ausfüllungsbedürftige Lücke im st. gallischen Verordnungsrecht vor. Um den
Existenzbedarf des Kindes abzudecken, muss die Ergänzungsleistung so hoch sein,
dass trotz des Heimaufenthaltes keine Sozialhilfeabhängigkeit entsteht. Dies kann nur
dadurch gewährleistet werden, dass die massgeblichen Ansätze betreffend die
Maximalbeträge der Tagespauschalen des Kantons, in dem sich das vom EL-Bezüger
bewohnte Heim befindet, übernommen werden. Die die Lücke in Art. 1a Abs. 2 der st.
gallischen Tagespauschalenverordnung füllende Norm muss deshalb etwa
folgendermassen lauten: "Sind Kinder, die einen Anspruch auf eine Kinderrente der
Alters- oder Invalidenversicherung begründen, in einem ausserkantonalen, IVSE-
anerkannten Kinder- oder Jugendheim untergebracht, entspricht die anrechenbare
Tagespauschale höchstens dem Maximalansatz, der im EL-Recht des Kantons, in dem
sich das Heim befindet, vorgesehen ist." Im vorliegenden Fall muss also lückenfüllend
der § 6 Abs. 1 Ziff. 1 TG ELV als st. gallisches "Ersatzrecht" angewendet werden. Die
konkrete Tagestaxe des B._ liegt zwar über der vom Kanton Thurgau in § 6 Abs. 1
Ziff. 1 TG ELV vorgesehenen Maximaltaxe von Fr. 205.--, aber es ist davon
auszugehen, dass der thurgauische Verordnungsgeber bei der Festsetzung der
Maximaltagestaxe in Höhe von Fr. 205.-- unter der Berücksichtigung der Art. 10 Abs. 2
lit. a 2. Halbsatz ELG den innerkantonalen wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung
getragen hat. Ausserdem wäre es stossend, wenn der Versicherten allein aufgrund der
Tatsache, dass ihre Mutter im Kanton St. Gallen lebt, eine höhere Tagespauschale
durch die EL finanziert würde als den anderen Heimbewohnern, die im Kanton Thurgau
Ergänzungsleistungen beziehen. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb bei der EL-
Berechnung der Versicherten unter analoger Anwendung des § 6 Abs. 1 Ziff. 1 TG ELV
eine maximale Tagespauschale von Fr. 205.-- zu berücksichtigen.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 17.
November 2016 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Die Sache ist zur
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Neuberechnung der Ergänzungsleistungen im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.
4.3 Grundsätzlich handelt es sich bei der verwaltungsverfahrensrechtlichen
Parteientschädigungspflicht um eine Kausalhaftung, die im Wesentlichen einzig an das
Unterliegen des Ersatzpflichtigen knüpft und nicht nach dem Verschulden fragt. Sie hat
den Zweck, die obsiegende Partei schadlos zu halten (MARTIN BERNET, Die
Parteientschädigung in der schweizerischen Verwaltungsrechtspflege, Rz 154a, 163).
Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde führende Person einen Anspruch auf den
Ersatz der Parteikosten. Mit der Beschränkung des Wortlauts auf die "Beschwerde
führende Person" soll der Beschwerdegegner - also der Versicherungsträger - vom
Parteientschädigungsanspruch ausgeschlossen werden. Diese Ausnahmeregelung soll
die Einhaltung des im Sozialversicherungsrecht geltenden Grundsatzes des
kostenlosen Verfahrens (Art. 61 lit. a ATSG) gewährleisten und ausserdem zur
Waffengleichheit zwischen den (privaten und den behördlichen) Parteien beitragen
(UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage 2015, Rz 199 zu Art. 61, vgl. BERNET
a.a.O., Rz 199, vgl. auch BGE 126 V 149 E. 4a f.). Der Grundsatz des kostenlosen
Verfahrens trägt nämlich der Tatsache Rechnung, dass das Ziel der materiellen
Richtigkeit der Entscheide im Sozialversicherungsrecht ein hohes Gewicht hat.
Versicherte Personen, die aufgrund ihrer meist obligatorischen Zugehörigkeit zu einer
Sozialversicherung Beschwerde führen wollen, die Prozessaussichten aber angesichts
der Komplexität der Fragestellung oft nur schwer abschätzen können, sollen deshalb
nicht durch die Kostenpflichtigkeit des Verfahrens vor der Ergreifung eines
Rechtsmittels abgeschreckt werden (KIESER, a.a.O., Rz 54 zu Art. 61). Vielmehr soll
jede versicherte Person unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation ihre Rechte
geltend machen können (vgl. AB 1999 N 1247 ff., insb. das Votum Suter). Die
Einschränkung des Art. 61 lit. g ATSG kann deshalb nicht absolut, sondern nur für den
Fall gelten, dass die aus sozialen Überlegungen schutzwürdige Partei, nämlich die
private Beschwerdeführerin/ der private Beschwerdeführer, unterliegt und Gefahr läuft,
den Versicherungsträger mit der Bezahlung einer Parteientschädigung schadlos halten
zu müssen. Stehen sich hingegen im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens vor dem
Versicherungsgericht zwei Versicherungsträger gegenüber, besteht offensichtlich kein
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Grund, aus sozialen Überlegungen die Parteientschädigungspflicht auszuschliessen.
Weil es keinen privaten Versicherten gibt, der aufgrund seiner
sozialversicherungsspezifischen Schutzwürdigkeit vor der Tragung der Parteikosten
des obsiegenden Versicherungsträgers bewahrt werden müsste, greift der
Sozialgedanke nämlich nicht mehr. Übrig bleibt also nur noch der Grundgedanke der
Schadloshaltung der obsiegenden und somit im Ergebnis zu Unrecht in ein
Beschwerdeverfahren involvierten Partei. Würde auch in einem solchen Fall der Art. 61
lit. g ATSG zur Anwendung gelangen, würde dies zu einer zweckfremden Überdehnung
der Norm führen. Die Parteikosten des obsiegenden müssen deshalb durch den
unterliegenden Versicherungsträger übernommen werden. Dasselbe muss erst recht
auch dann gelten, wenn es - wie im vorliegenden Fall - um eine extrasystemische
Streitigkeit geht und eine Behörde oder ein Gemeinwesen involviert ist, die bzw. das
gar nicht mit der Ausrichtung von Sozialversicherungsleistungen betraut ist. Offenbar
wird Art. 61 lit. g ATSG jedoch in Übereinstimmung mit Art. 68 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht (SR 173.110; BGG) ausgelegt, was dazu
führt, dass Bund, Kantonen und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen wird,
wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen (UELI KIESER, a.a.O., Rz 200 zu
Art. 61). Dass im kantonalen Beschwerdeverfahren eine analoge Anwendung dieser im
Verfahren vor Bundesgericht anzuwendenden Norm erforderlich sein soll, ist nicht
nachvollziehbar. Aufgrund der vorangehenden Ausführungen ist vielmehr anzunehmen,
dass der Gesetzgeber in Art. 61 lit. g ATSG bewusst einzig unter der Berücksichtigung
des Sozialgedankens eine Parteientschädigung für die obsiegende
Beschwerdegegnerin ausgeschlossen hat. Über dieses Ziel schiesst der Art. 68 Abs. 3
BGG jedoch deutlich hinaus. Der Gesetzgeber hat in Art. 61 lit. g ATSG weder auf den
Art. 68 Abs. 3 BGG verwiesen noch hat er anderweitig Anlass zur Annahme gegeben,
dass der Sozialgedanke nicht nur die versicherte Person, sondern in unsachgemässer
Weise auch die unterliegenden Behörden vor der Zahlung einer Parteientschädigung an
eine obsiegende Behörde bewahren müsste. Auch das st. gallische Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1; VRP) legt der Parteientschädigung den
Sozialgedanken zugrunde (vgl. GVP 1987 Nr. 90). Weil gemäss Art. 98 f. VRP
grundsätzlich ein Anspruch auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten besteht, der nach
Obsiegen und Unterliegen auferlegt wird, würde auch im Anwendungsbereich des VRP
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eine Parteientschädigung zugesprochen, wenn zwei Behörden einander in einem
Verfahren gegenüberstünden und der Sozialgedanke gar nicht zum Zuge käme.
Ausserdem ist nicht einzusehen, weshalb eine obsiegende Behörde keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung haben soll, wenn sie "in ihrem amtlichen Wirkungskreis
obsiegt hat". Unabhängig davon, ob der angefochtene Entscheid der unterliegenden
Behörde den amtlichen Wirkungskreis der obsiegenden betroffen hat, fallen nämlich
aufgrund des Beschwerdeverfahrens Kosten an, die nicht durch die
Versichertengemeinschaft des obsiegenden Sozialversicherungsträgers bzw. wie hier
durch die Steuerpflichtigen der obsiegenden Gemeinde zu tragen sind. Es besteht also
kein Grund, Art. 61 lit. g ATSG in Übereinstimmung mit Art. 68 Abs. 3 BGG auszulegen
und somit auch Behörden untereinander von der Bezahlung einer Parteientschädigung
zu befreien.
4.4 Im konkreten Fall hat sich die Beschwerdeführerin gegen die Anwendung einer
kantonalen sozialversicherungsrechtlichen Regelung wehren müssen, die ansonsten zu
einer Belastung im Bereich der Sozialhilfe geführt hätte. Die betroffene versicherte
Person selbst sowie deren Mutter sind lediglich beigeladen und laufen nicht Gefahr,
Parteikosten tragen zu müssen. Deshalb ist der obsiegenden Beschwerdeführerin eine
volle Parteientschädigung durch die Beschwerdegegnerin zuzusprechen (Art. 61 lit. g
ATSG i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. c des st. gallischen Anwaltsgesetzes [sGS 963.70; SG
AnwG]). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vorn Versicherungsgericht
nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten
(sGS 963.75; HonO) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsagent der
Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Der massgebende Sachverhalt
hat keine Probleme und angesichts des geringen Aktenanteils auch wenig zeitlichen
Aufwand bereitet. Zudem ist lediglich eine einzelne Rechtsfrage zu beantworten
gewesen. Der Vertretungsaufwand ist deshalb trotz des doppelten Schriftenwechsels
als unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weshalb eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 2'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen
erscheint.