Decision ID: 98470a06-c00f-57be-b2dc-6b854ccff100
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Benno Lindegger, Wildeggstrasse 24, Postfach
27, 9011 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Integritätsentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Dünnschicht-Operateurin bei der B._ AG angestellt und dadurch
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen Unfälle
versichert (UV-act. 1). Am 25. Oktober 2003 wurde sie als Fahrzeuglenkerin bei einem
Überholmanöver auf der Autobahn vom nachfolgenden, mit übersetzter
Geschwindigkeit fahrenden Personenwagen gerammt, in das Fahrzeug auf der
Normalspur und danach in Betonelemente bei der Mittelleitplanke katapultiert (UV-act.
5, 23, 101). Sie erlitt dabei eine Stauchungsfraktur des 1. Lendenwirbelkörpers (LWK1)
mit Hinterkantenfragment, die konservativ mittels Gipskorsett behandelt wurde (UV-act.
5), sowie eine Verstauchung der Halswirbelsäule (HWS-Distorsion; vgl. UV-act. 20). Im
weiteren Verlauf traten psychische Beschwerden auf, die erstmals während des
stationären Aufenthalts in der Rehaklinik C._ (vom 18. Februar bis 17. März 2004) als
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) diagnostiziert wurden (UV-act. 39,
47, 65). Im Austrittsbericht der Klinik D._, wo die Versicherte vom 11. Juli bis
8. August 2005 weilte, führte Dr. med. E._, Praktische Ärztin mit Fähigkeitsausweis
für Psychosomatische und Psychosoziale Medizin, als zusätzliche Diagnosen eine
chronische Schmerzstörung sowie eine reaktive depressive Störung an, derzeit
mittelschwerer bis schwerer Episode (ICD-10: F32.1; UV-act. 150). Die Suva erbrachte
die gesetzlichen Leistungen (Heilungskosten und Taggelder).
A.b Die stationäre Rehabilitation in der Klinik D._ hatte keine Besserung ihres
Zustands bewirkt und es wurde festgestellt, dass die (psychischen)
Gesundheitsbeeinträchtigungen situationsunabhängig persistierten (UV-act. 169,
psychiatrische Beurteilung vom 8. Dezember 2005). Daraufhin liess die Suva die
Versicherte am 2. Februar 2006 durch Kreisarzt Dr. med. F._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, abschliessend
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untersuchen (UV-act. 180). Als Unfallrestfolgen hielt der Kreisarzt einen Status nach
Kompressionsfraktur von LWK1 mit Hinterkantenfragment, die Frakturkonsolidation mit
Keilwirbeldeformität von 10 , eine thoraco-lumbale Ostechondrose sowie eine
verminderte Belastbarkeit und eine verminderte Beweglichkeit der Wirbelsäule fest. Die
dadurch bedingte Integritätseinbusse schätzte er auf total 15% ein; 10% für die
posttraumatische Keilwirbelbildung von LWK1 und 5% für die thoraco-lumbale
Ostechondrose (UV-act. 181).
A.c Mit Verfügung vom 6. März 2006 wurde der Versicherten ab 1. März 2006 eine
Invalidenrente für einen Invaliditätsgrad von 100% und eine Integritätsentschädigung
für eine Integritätseinbusse von 15% zugesprochen. Letzteres unter Vorbehalt einer
allfälligen Einbusse der psychischen Integrität, die erst in zwei Jahren beurteilt werden
könne (UV-act. 191). Nachdem gegen die Integritätsentschädigung Einsprache erhoben
worden war (UV-act. 197), hob die Suva die diesbezügliche Verfügung am
13. November 2006 vollumfänglich auf und stellte die Neubeurteilung der gesamten
Integritätseinbusse fünf Jahre nach dem Unfall in Aussicht (UV-act. 210).
A.d Die Suva beauftragte Dr. med. G._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie mit Fähigkeitsausweis für Psychosomatische und Psychosoziale
Medizin, mit einer konsiliarischen Untersuchung der Versicherten und Stellungnahme
zur allfälligen psychischen Integritätseinbusse (UV-act. 229). Aufgrund der
Untersuchung vom 14. August 2009 erstattete Dr. G._ am 5. Dezember 2009 ein
psychiatrisches Gutachten (UV-act. 236). Er verneinte die Vordiagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung und führte statt derselben an: Chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, F45.42, sowie
Persönlichkeits- und Verhaltensstörung mit Merkmalen der Verbitterungsstörung und
der histrionischen Verhaltensstörung, F68.8 (Nummern nach ICD-10 [gemäss S. 39 des
Gutachtens offenbar Version 2009]). Er bezifferte die Einbusse der psychischen
Integrität auf 35%, wobei nur 20% auf den Unfall zurückzuführen seien. Die chronische
Schmerzstörung mit dem organischen Kern der unfallkausalen
Lendenwirbelkörperfraktur sei in der Beurteilung von Dr. F._ bereits berücksichtigt.
Unfallbedingt resultiere eine Integritätseinbusse von insgesamt 35%. - Dr. F._ führte
am 6. Januar 2010 aus, dass sich aus den Berichten des Hausarztes vom 10. Oktober
2006 (UV-act. 208) und vom 19. Dezember 2008 (UV-act. 228) keine Hinweise auf eine
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Verschlechterung des Gesundheitszustands ergeben würden. Die Einschätzungen vom
2. Februar 2006 (UV-act. 180 f.) seien daher nach wie vor gültig (UV-act. 241). Gestützt
auf die Beurteilungen von Dr. G._ und Dr. F._ wurde der Versicherten mit
Verfügung vom 5. Februar 2010 eine Integritätsentschädigung für eine
Integritätseinbusse von 35% zugesprochen und ihr mitgeteilt, dass die Rentenrevision
keine Änderung der Rente zur Folge habe.
B.
Am 8. März 2010 liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Benno
Lindegger, St. Gallen, gegen die Festlegung der Integritätseinbusse Einsprache
erheben und die Ausrichtung einer Integritätsentschädigung von 100% beantragen
(UV-act. 245). Die Einsprache wurde mit Entscheid vom 23. August 2010 abgewiesen.
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 23. September 2010 mit den Anträgen,
der Einspracheentscheid der Suva vom 23. August 2010 und die Verfügung vom
5. Februar 2010 betreffend Integritätsentschädigung seien aufzuheben; es sei der
Beschwerdeführerin aus dem Unfall vom 25. Oktober 2003 eine
Integritätsentschädigung von 100% auszurichten, d.h. eine Entschädigung von
CHF 106'800.00 zuzüglich 5% Verzugszinsen seit 5. Februar 2010; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung wird zusammengefasst angeführt, die Suva
habe sich mit ihren Einwendungen in der Einsprache nicht auseinandergesetzt und
mithin ihren Anspruch auf das rechtliche Gehör verletzt. Bereits 2006 hätte die
Beeinträchtigung der physischen Integrität auf 50% festgelegt werden müssen, da die
Beschwerdeführerin trotz andauernder Medikamenteneinnahme an äusserst
nachhaltigen Kopf- und Rückenschmerzen leide, die bereits für sich eine vollständige
Erwerbsunfähigkeit bedingten. Da die Beurteilung durch Dr. F._ bereits 2006 erfolgt
sei, müsse ihr aktueller physischer Zustand neu abgeklärt werden, wozu sie ein
ärztliches Gutachten beantrage. Durch Dr. F._ sei explizit zu verifizieren, ob und
inwiefern er die psychischen Belastungen, die mit dem Schmerz verbunden seien, bei
seiner Schätzung berücksichtigt habe; es könne dazu nicht allein auf die Annahme von
Dr. G._ abgestellt werden, diese sei so zu "lesen". Die Beurteilung von Dr. G._, es
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liege lediglich eine Persönlichkeits- und Verhaltensstörung mit konstitutioneller
Verletzlichkeit vor, sei falsch. Es müsse aufgrund der bekannten Umstände und der
Erkenntnisse aus dem Bericht von Dr. G._ von einer schweren Störung ausgegangen
werden. Auch lasse sich nicht nachvollziehen, worin die unfallfremden Aspekte
bestehen sollten, die Dr. G._ mit 15% bemessen und in Abzug gebracht habe. Die
Beschwerdeführerin beantrage, sowohl den psychischen Gesamtschaden als auch den
Abzug für die unfallfremden Aspekte, die sie in Abrede stelle, durch eine neutrale Stelle
begutachten zu lassen. Die Integritätseinbusse aus psychiatrischer Sicht sei im
Ergebnis auf 50% zu veranschlagen.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 28. Oktober 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im
Wesentlichen an, die Rüge, im Einspracheverfahren sei das rechtliche Gehör verletzt
worden, weise sie als unzutreffend zurück. Die Integritätsentschädigung von 15% für
die bleibenden physischen Unfallfolgen sei korrekt, nämlich abstrakt, egalitär und ohne
Berücksichtigung subjektiver Faktoren anhand der medizinischen Befunde bestimmt
worden. Der Kreisarzt habe alle Facetten der strukturellen Schädigung, d.h. die
Verformung des Achsenskeletts, die Schmerzproblematik wie auch die mit den
Schmerzen einhergehenden psychischen Belastungen berücksichtigt. Sie verweist
dazu auf die Stellungnahme von Dr. F._ vom 18. Oktober 2010 (UV-act. 258). Da die
schmerzbedingten psychischen Belastungen in der Schätzung des physisch bedingten
Integritätsschadens bereits mitberücksichtigt seien, sei es korrekt, dass Dr. G._
ergänzend lediglich den Integritätsschaden in Bezug auf die Persönlichkeits- und
Verhaltensstörung ermittelt habe. Die Einwendungen dagegen entbehrten jeglicher
Berechtigung. Das externe Gutachten von Dr. G._ sei schlüssig, nachvollziehbar
begründet und widerspruchsfrei und es geniesse zweifelsohne volle Beweiskraft.
Nachvollziehbare und medizinisch substantiierte Einwände habe die
Beschwerdeführerin dagegen nicht vorzutragen vermocht. Im Übrigen könne die 2006
rechtskräftig festgesetzte Integritätsentschädigung von 15% nur im Ausnahmefall
abgeändert werden; ein solcher liege nicht vor.
C.c Mit Replik vom 11. Januar 2011 lässt die Beschwerdeführerin ihre Argumentation
weiter unterstreichen. Sie verwahrt sich ausdrücklich gegen die Behauptung der Suva,
die Integritätsentschädigung sei 2006 "rechtskräftig" festgesetzt worden. Weiter lässt
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sie eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands seit 2006 betonen. Sie leide
unter starken Dauerschmerzen, die keine Zusatzbelastung erlaubten und auch nachts
und in Ruhe auftreten würden. Diese Schmerzintensität sei von Dr. F._ 2006 nicht
berücksichtigt worden.
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet. Auf die
Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften, sowie den Inhalt der übrigen Akten
wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Integritätseinbusse der Beschwerdeführerin,
bestehend aus physischen und psychischen Anteilen, von den medizinischen
Fachpersonen, besonders von Dr. F._ und Dr. G._, richtig eingeschätzt worden
und die gestützt darauf zugesprochene Integritätsentschädigung von 35%
angemessen ist.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung ihres Anspruchs auf das
rechtliche Gehör durch den angefochtenen Einspracheentscheid geltend. Diese Rüge
ist vorab zu beurteilen.
2.2 Mit der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin lite pendente bei Dr. F._ eine
zusätzliche Stellungnahme zur Schätzung des Integritätsschadens vom 2. Februar
2006 eingeholt hat (UV-act. 258, Stellungnahme vom 18. Oktober 2010), gesteht sie
selbst ein, dass die Ausführungen durch den Kreisarzt bei Erlass des
Einspracheentscheids unvollständig waren. Indem Dr. F._ festhält, in der Schätzung
des Integritätsschadens von 15% seien alle Facetten dieser strukturellen Schädigung
(Verformung des Achsenskeletts, Schmerzproblematik, psychische Folgebelastung) mit
eingeschlossen, bestätigt er, was davor nur als Interpretation seiner Einschätzung vom
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2. Februar 2006 (UV-act. 181) durch Dr. G._ im Gutachten vom 5. Dezember 2009
ausgedrückt worden war (UV-act. 236 S. 52).
2.3 Wie in der weiteren Begründung dieses Entscheides auszuführen sein wird (vgl.
besonders E. 5 bis 7), ist die Beschwerdegegnerin ihrer Abklärungspflicht der
Integritätseinbusse aus medizinischer Sicht - auch über die Präzisierung der
Einschätzung von Dr. F._ hinaus - nicht genügend nachgekommen. Bereits die
Einsprache vom 8. März 2010 und die Einspracheergänzung vom 8. Juni 2010 zielten
auf eingehendere Abklärung des medizinischen Sachverhalts und einlässlichere
Begründungen durch die einschätzenden Ärzte (UV-act. 245, 254). Indem diese
Einwände auf einer halben Seite abgetan wurden, ohne sich eingehend damit zu
befassen (E. 2, 2. Abschnitt), kam die Beschwerdegegnerin weder ihrer
Abklärungspflicht noch ihrer Begründungspflicht genügend nach und verletzte den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf das rechtliche Gehör.
2.4 Bei der festgestellten Verletzung des Gehörsanspruchs handelt es sich um eine
nicht besonders schwerwiegende. Diese kann geheilt werden, da das Gericht im
vorliegenden Verfahren Sachverhalt und Rechtslage frei überprüft (vgl. BGE 133 I 204
E. 2.2 sowie Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2008, 8C_424/2008, E. 2.3,
je mit Hinweisen; Art. 46 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP;
sGS 951.1]; René Wiederkehr, Die Begründungspflicht nach Art. 29 Abs. 2 BV und die
Heilung bei Verletzung, ZBl 2010, S. 499 f.).
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
rechtlichen Voraussetzungen für die Ausrichtung einer Integritätsentschädigung
(Art. 24 f. des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20], Art. 36
der Verordnung über die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202] und Anhang 3 zur UVV
sowie die einschlägige Gerichtspraxis) zutreffend dargelegt (E. 1 des
Einspracheentscheids). Darauf kann verwiesen werden. Zutreffend sind auch die
Ausführungen über die medizinisch-theoretische Ermittlung der Integritätseinbussen
sowie die Tabellen der Medizinischen Abteilung der Suva (sogenannte Feinraster;
wobei für die Integritätseinbusse der Beschwerdeführerin die Tabellen 7
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"Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen" sowie 19 "Integritätsschaden bei
psychischen Folgen von Unfällen" [abrufbar unter http://www.suva.ch/startseite-suva/
unfall-suva/versicherungsmedizin-suva/integritaetsentschaedigung-suva.htm]
einschlägig sind). Weiter ist auf die Ausführungen im angefochtenen
Einspracheentscheid betreffend das Zusammenfallen von mehreren körperlichen oder
geistigen Integritätsschäden gemäss Art. 36 Abs. 3 UVV zu verweisen (E. 1 letzter
Abschnitt S. 3).
3.2 Ergänzend ist Art. 36 Abs. 2 UVG anzuführen. Danach können
Integritätsentschädigungen angemessen gekürzt werden, wenn die
Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalls ist (vgl. auch BGE 116 V
157 f. E. 3c und BGE 113 V 57 ff. E. 2). Das Mass der Kürzung richtet sich laut Art. 47
UVV beim Vorliegen unfallfremder Ursachen nach deren Bedeutung für die
Gesundheitsschädigung, wobei den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen
der berechtigten Person ebenfalls Rechnung getragen werden kann. Während das
Gesetz für eine allfällige Kürzung Angemessenheit vorsieht, nicht Prozentualität (der
unfallfremden zu den unfallbedingten Anteilen), wodurch die Kürzung in aller Regel
geringer ausfällt (vgl. auch Alexandra Rumo-Jungo, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. Aufl. 2003, S. 185, sowie Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. unveränderte Aufl. 1989, S. 469), spricht sich die
Verordnungbestimmung eher für eine proportionale Kürzung aus, sieht aber gleichzeitig
mit einem "Kann"-Nebensatz Ausnahmen vor. Das Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts) hat mit BGE 116 V 156 zu den verschiedenen
Kürzungstatbeständen der Integritätsentschädigung Stellung genommen und sich in
E. 3c bei nicht nach Ursachen trennbaren Beschwerdebildern für die Kürzung
entsprechend dem Kausalanteil der nichtversicherten Ereignisse (z.B. unfallfremde
Faktoren) am Integritätsschaden entschieden, nachdem dieser in einem ersten Schritt
gesamthaft festgelegt worden ist. In der Literatur herrscht bezüglich Vorgehen bei der
Kürzung Uneinigkeit: Maurer (a.a.O.) betont aufgrund des Gesetzestexts auf Seite 469,
die Kürzung habe angemessen zu sein, während er aufgrund des Verordnungstexts auf
Seite 476 eher die proportionale Kürzung bevorzugt, jedenfalls aber einen weiten
Ermessensspielraum der Rechtsanwendenden feststellt. Thomas Frei (Die
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Integritätsentschädigung nach Art. 24 und 25 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1998, S. 127) hält aufgrund der Konzeption und
Ausgestaltung der Integritätsentschädigung als abstrakte (und egalitäre) Entschädigung
dafür, die individuellen Verhältnisse bei der Kürzung nur sehr zurückhaltend zu
berücksichtigen. Jedenfalls sei (durch medizinische Expertise) abzuklären, welchen
Anteil der Unfall einerseits und die unfallfremden Faktoren andererseits an der
Gesamtheit der Ursachen ausmachten.
3.3
3.3.1 Das Sozialversicherungsverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach hat die Verwaltung (vgl. Art. 43 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) und im
Beschwerdefall das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) von Amtes wegen für die richtige
und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser
Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2 und BGE 122 V 158 E. 1a, je mit
Hinweisen, vgl. auch BGE 130 I 183 f. E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst
die Beweislast im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregeln
greifen jedoch erst dann Platz, wenn die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht dem Untersuchungsgrundsatz rechtsgenüglich nachgekommen sind bzw. es
sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen;
RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b).
3.3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
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stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruchs gestatten (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N 33 ff.
zu Art. 43).
3.3.3 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist
grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten,
sondern dessen Inhalt (BGE 134 V 232 E. 5.1 und BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
Auch den Berichten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V
353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Eine ärztliche Beurteilung aufgrund der Akten, wie sie
vorliegend von Dr. F._ am 6. Januar 2010 (UV-act. 241) erstellt wurde, ist gleichfalls
nicht an sich unzuverlässig. Für die Beweistauglichkeit entscheidend ist, ob die Akten
ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und
diese Daten unbestritten sind. Der Untersuchungsbefund muss lückenlos vorliegen,
damit der Experte oder die Expertin imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen
Unterlagen ein vollständiges Bild zu verschaffen (in RKUV 1988 Nr. U 56 S. 366 publ.
E. 5b von BGE 114 V 109, Urteile des Bundesgerichts vom 1. Februar 2010,
8C_792/2009, E. 5, und vom 26. Januar 2010, 8C_833/2009, E. 5.1).
4.
Vorliegend geht es um die erstmalige Festsetzung der gesamten Integritätseinbusse,
die die Beschwerdeführerin durch den Unfall vom 25. Oktober 2003 erlitt. Die
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Beschwerdegegnerin hatte durch den formlosen Einspracheentscheid vom
13. November 2006 die Verfügung vom 6. März 2006 bezüglich Integritätsschaden
vollumfänglich aufgehoben (UV-act. 191, 210). Mit jener Verfügung war (neben der
Invalidenrente) die Integritätseinbusse festgelegt worden, die durch die
Lendenwirbelfraktur verursacht worden war, und die Festlegung einer allfälligen
weiteren psychisch bedingten Integritätseinbusse wurde aufgeschoben. Die
Beschwerdegegnerin ist bei der vollumfänglichen Aufhebung der Verfügung vom
6. März 2006 bezüglich Integritätsschaden zu behaften. Es trifft somit nicht zu, dass
mit Verfügung vom 5. Februar 2010 und (angefochtenem) Einspracheentscheid vom
23. August 2010 eine Revision betreffend der durch die Lendenwirbelfraktur
verursachten Integritätseinbusse stattfand, die 2006 rechtskräftig festgesetzt worden
sei, wie die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort ausführt. Eine Revision der
Integritätsentschädigung wäre lediglich in den engen Grenzen von Art. 36 Abs. 4 Satz 2
UVV möglich. Diese Verordnungsbestimmung ist aus den genannten Gründen jedoch
nicht anwendbar. - Ausdrücklich festzuhalten ist auch die Zusicherung der
Beschwerdegegnerin im formlosen Einspracheentscheid, sie werde die Frage der
Integritätsentschädigung fünf Jahre nach dem Unfall gesamthaft neu beurteilen (UV-
act. 210).
5.
5.1 Die Skala der Integritätsentschädigungen im Anhang 3 zur UVV enthält für eine
"sehr starke schmerzhafte Funktionseinschränkung der Wirbelsäule" den Wert von
50%. An diesem Wert orientiert sich ausdrücklich auch die Integritätsschaden-
Tabelle 7 (vgl. auch vorstehende E. 3.1). Nach Ziff. 1 Abs. 2 der Bemessungskriterien
von Anhang 3 zur UVV wird eine Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte
Integritätsschäden nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet. Dieses
Vorgehen ist auch gegenüber der Beschwerdeführerin zu wählen, bzw. es ist
grundsätzlich auf die Leitlinien bietende Tabelle 7 abzustellen. Schmerzhaftigkeit und
eine Funktionseinschränkung ihrer Wirbelsäule sind aufgrund der Akten ausgewiesen,
allerdings kann nicht von einer sehr schweren Funktionseinschränkung ihrer
Wirbelsäule gesprochen werden (vgl. UV-act. 42, 180 f., 241). Demnach greift ihre
Forderung, ihre Integritätseinbusse, die durch die Lendenwirbelfraktur verursacht
worden sei, sei mit 50% zu bemessen, zu hoch.
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5.2 Die Festlegung der durch die Lendenwirbelfraktur verursachten
Integritätseinbusse auf 15% erfolgte am 2. Februar 2006 anlässlich der kreisärztlichen
Abschlussuntersuchung (UV-act. 181). Dr. F._ standen auch die vollständigen
(medizinischen) Akten sowie die vorhandenen Röntgenbilder zur Verfügung. Aus
seinem Bericht vom 2. Februar 2006 geht hervor, dass ihm als Röntgenbefund
derjenige vom 6. April 2004 vorlag, angefertigt anlässlich der Abschlusskontrolle am
Kantonsspital St. Gallen vom gleichen Tag (UV-act. 180, 42). Dr. F._ führte in seiner
Beurteilung im genannten Bericht über die Untersuchung 21⁄3 Jahre nach dem Unfall
unter anderem aus: "Es wird jetzt ein Panvertebralsyndrom beklagt mit Ruhe- und
deutlichen Bewegungsschmerzen. Dementsprechend hält sich die Versicherte steif und
zeigt im Bereich des gesamten Rumpfes eine hochgradig eingeschränkte
Beweglichkeit. Aus somatischer Sicht ist der Zustand nach Fraktur von LWK1
objektivierbar. Die Ausheilung erfolgte unter einer Keilwirbeldeformität und unter
Entwicklung einer Osteochondrose thoraco-lumbal. Anamnese und klinische Befunde
sind bei dem ausgeprägten Fehlverhalten zur Erfassung eines Dauerschadens nicht
verwertbar. Nachdem die bildgebende Abklärung der HWS keine pathologischen
Veränderungen als Traumafolge ergab, kann bezüglich HWS von keinem
Dauerschaden ausgegangen werden. (...)" Die durch den Status nach
Kompressionsfraktur von LWK1 mit Hinterkantenfragment, Frakturkonsolidation mit
Keilwirbeldeformität von 10 , thoraco-lumbale Osteochondrose sowie verminderte
Belastbarkeit und verminderte Beweglichkeit der Wirbelsäule bedingte
Integritätseinbusse schätzte Dr. F._ auf total 15% ein; 10% für die posttraumatische
Keilwirbelbildung von LWK1 und 5% für die thoraco-lumbale Osteochondrose (UV-act.
181). Zur Begründung führte er an: "Tabelle 7 'Integritätsentschädigung gemäss UVG'
sieht für den Zustand nach Wirbelfraktur bei Keilwirbeldeformität von 10 eine
Integritätsentschädigung von 5 bis 10% vor bei geringgradigen Dauerschmerzen mit
Verstärkung durch Belastung aber auch Ruheschmerzen; bei der gleichen
Schmerzfunktionseinheit für die Osteochondrose ebenfalls einen Spielraum von 5 bis
10%." Nach der Abschlussuntersuchung vom 2. Februar 2006 hatte Dr. F._ am
6. Januar 2010 und - lite pendente - am 18. Oktober 2010 nochmals Stellung
genommen zur Integritätseinbusse, die durch die Lendenwirbelfraktur verursacht
worden war; beide Male aufgrund der Akten (UV-act. 241, 258). Eine Untersuchung der
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Beschwerdeführerin im Hinblick auf diese Einschätzung fand nicht mehr statt.
Röntgenaufnahmen nach dem 6. April 2004 sind in den Akten nicht dokumentiert.
5.3 Nachdem die Röntgenbilder bereits bei der Einschätzung der Integritätseinbusse
durch Dr. F._ am 2. Februar 2006 knapp zwei Jahre alt waren und bis zur Verfügung
(vom 5. Februar 2010) weitere vier Jahre verstrichen, kann bezüglich der durch die
Lendenwirbelfraktur verursachten Integritätseinbusse nicht von aktuellen medizinischen
Grundlagen gesprochen werden. Zwar berücksichtigte Dr. F._ in seiner
Stellungnahme vom 6. Januar 2010 die Berichte vom 10. Oktober 2006 (UV-act. 208)
und vom 19. Dezember 2008 (UV-act. 228) von Hausarzt Dr. med. H._, Facharzt FMH
für Allgemeine Medizin, und schloss, dass darin keine Angaben auf eine wesentliche
Verschlechterung des Gesundheitszustands seit 2006 hinweisen würden (UV-act. 241).
Keiner der beiden Berichte befasste sich jedoch mit der Integritätseinbusse, der ältere
(vom 10. Oktober 2006 [UV-act. 208]) bejahte auf dem Formular Zwischenbericht der
Suva einen bleibenden Nachteil, der jüngere (vom 19. Dezember 2008 [UV-act. 228])
beantwortete die gezielten Fragen der Haftpflichtversicherung, von denen keine auf die
Integritätseinbusse gerichtet war (UV-act. 227). Eine rechtskonforme Einschätzung der
durch die Lendenwirbelfraktur verursachten Integritätseinbusse ist nur mit
aktualisierten medizinischen Grundlagen möglich, die aufgrund aktueller Röntgenbilder
und durch eine aktuelle körperliche Untersuchung der Beschwerdeführerin zu
beschaffen sind. Nur so kann die materielle Unbill, die die versicherte Person über den
Zeitraum der medizinischen Behandlung hinaus dauernd erleidet und die durch die
Integritätsentschädigung abgegolten werden soll, eingeschätzt werden (vgl. BGE 133 V
224 Regeste und E. 5 S. 230 sowie Gustavo Scartazzini, Neuere Fragen zur
Integritätsentschädigung, SZS 2007 S. 291). Das Ausmass der Keilwirbeldeformität ist
nach den Richtwerten der Integritätsschaden-Tabelle 7 für die Beurteilung der
Integritätseinbusse wesentlich. Aufgrund der Röntgenbilder vom 6. April 2004 wurde
sie mit 10 bemessen (UV-act. 42, 180 f.). Aktuelle Röntgenbilder würden den aktuellen
Zustand der Wirbelsäule zeigen, offenbaren, ob sich die Keilwirbeldeformität allenfalls
vergrössert hat, und mit dem Vergleich zu den Voraufnahmen die voraussehbaren
Verschlimmerungen des Integritätsschadens, die nach Art. 36 Abs. 4 Satz 1 UVV zu
berücksichtigen sind, einzuschätzen helfen. Die körperliche Untersuchung der
Beschwerdeführerin würde die aktuelle Funktionseinschränkung ihrer Wirbelsäule
dokumentieren, die nach den Richtwerten der Integritätsschaden-Tabelle 7 für die
o
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Beurteilung der Integritätseinbusse ebenfalls wesentlich ist. Auch diese
Untersuchungsergebnisse würden im Vergleich mit den Befunden, die bei der
kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 2. Februar 2006 erhoben worden waren,
die voraussehbaren Verschlimmerungen des Integritätsschadens einzuschätzen helfen.
Zur Vornahme dieser Abklärungen - Röntgen und körperliche Untersuchung - wird die
Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, die damit vorzugsweise
eine anstaltsunabhängige orthopädische Fachperson beauftragt.
5.4 Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Schmerzen hätten seit 2006
nachweisbar zugenommen. Heute seien sie als mehr oder weniger starke
Dauerschmerzen auch nachts und in Ruhe, die keine Zusatzbelastung erlaubten,
gemäss Schmerzfunktionsskala der Integritätsschaden-Tabelle 7 mit +++
einzuschätzen. Die Qualifikation von Dr. F._ mit ++ als geringe Dauerschmerzen sei
klar zu tief. Im Rahmen der mit vorstehender Erwägung (5.3) angeordneten
Untersuchung wird auch die Schmerzintensität zu berücksichtigen sein. Vorgängig ist
beim Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. H._, ein Verlaufsbericht einzuholen und
dabei die Frage zu stellen, welche Schmerzintensität ihm geklagt worden sei und ob
sich diese im Verlauf der Zeit und in welchem Ausmass verändert habe. Der Hausarzt
ist auch nach dem Analgetikakonsum der Beschwerdeführerin und dessen allfälliger
Veränderung zu befragen. Auch zu diesen Abklärungen wird die Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
6.
6.1 Neben der Integritätseinbusse, die durch die Lendenwirbelfraktur verursacht
worden ist, wird auch eine solche durch die weiteren psychischen Störungen geltend
gemacht. Bei Beeinträchtigungen der psychischen Integrität besteht ebenfalls ein
Anspruch auf eine Integritätsentschädigung, wie das EVG 1998 mit BGE 124 V 29 und
BGE 124 V 209 grundsätzlich entschieden hat. In beiden Regesten wird festgehalten:
Psychogene Störungen nach Unfällen geben Anspruch auf Integritätsentschädigung,
wenn eine eindeutige individuelle Langzeitprognose gestellt werden kann, welche für
das ganze Leben eine Änderung durch Heilung oder Besserung des Schadens
praktisch ausschliesst. Ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung ist vor dem
Hintergrund der herrschenden psychiatrischen Lehrmeinung, wonach nur
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Unfallereignisse von aussergewöhnlicher Schwere zu einer dauerhaften
Beeinträchtigung der Integrität zu führen vermögen, allerdings nur selten gegeben (vgl.
Scartazzini, a.a.O., S. 298 f. sowie BGE 124 V 39 ff. E. 5, besonders E. 5c; Urteile des
Bundesgerichts vom 9. August 2011, 8C_198/2011, E. 8.8., und vom 1. Februar 2010,
8C_792/2009, E. 7.2.2). Die Regeln für die Beurteilung der Adäquanz psychischer
Unfallfolgen gemäss BGE 115 V 133 finden entsprechende Anwendung für den
Entscheid über die Dauerhaftigkeit des Integritätsschadens und die Notwendigkeit
einer entsprechenden psychiatrischen Abklärung. Leitlinien für die rechtsgleiche
Bemessung von Integritätsentschädigungen bei psychischen Folgen von Unfällen
enthält die Integritätsschaden-Tabelle 19 (vgl. auch vorstehende E. 3.1).
6.2
6.2.1 Dr. med. I._, Assistenzarzt, und Dr. med. J._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, hatten aufgrund zweier psychiatrischer
Untersuchungen während des stationären Aufenthalts der Beschwerdeführerin in der
Rehaklinik C._ im Bericht vom 4. März 2004 die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung ICD-10 F43.1 gestellt (UV-act. 39). Die psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung, die seit 21. April 2004 von Dr. med. K._, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, durchgeführt wurde, stützte sich auf diese
Diagnose (vgl. UV-act. 47, 56, 64 f.,). Dr. med. L._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie und für Allgemeine Medizin sowie beratender Psychiater der
involvierten Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung, bestätigte am 16. bzw. 22.
September 2004 die Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung ausdrücklich,
indem er unter anderem auführte: "Der protrahierte Verlauf kann nicht durch die
körperlichen Befunde erklärt werden. Dagegen besteht kein Zweifel am Vollbild einer
ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung. (...)" (UV-act. 81). An der Klinik
M._ wurden als zusätzliche Diagnosen diejenige einer chronischen Schmerzstörung
sowie einer reaktiv depressiven Störung, derzeit mittelschwerer bis schwerer Episode,
genannt (ICD-10: F32.1; vgl. Gesuch um Verlängerung der Kostengutsprache für den
stationären Rehabilitationsaufenthalt vom 28. Juli 2005 und Austrittsbericht von
Dr. E._ vom 24. August 2005 [UV-act. 145, 150]). Der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin konnte auch während der zweiten Rehabilitation nicht verbessert
werden, die Weiterführung der psycho- und physiotherapeutischen Massnahmen
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wurde dringend empfohlen. Dr. K._ stabilisierte in der Folge durch seine
psychiatrisch-psychotherapeutische Begleitung die psychische Situation der
Beschwerdeführerin und stand ihr in Krisensituationen zur Seite (vgl. Berichte vom
14. Mai 2005 [Beilage zu UV-act. 125], vom 16. August 2005 [telefonisch, UV-act. 146],
vom 16. Oktober 2006 [UV-act. 209] und vom 24. Juni 2007 [UV-act. 214]).Im
Zwischenbericht vom 4. Juni 2008 (UV-act. 222) diagnostizierte der behandelnde
Psychiater neben der posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), die
chronifiziert worden sei, eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung (ICD-10: F62) und stellte der Patientin eine ungünstige Prognose.
6.2.2 Zur Beurteilung der psychischen Beschwerden und zur Bestimmung der
allfälligen psychisch bedingten Integritätseinbusse wurde die Beschwerdeführerin am
27. Januar 2009 zu einer konsiliarischen Untersuchung durch Dr. G._ angemeldet
(UV-act. 224 f., 229). Die Untersuchung fand am 14. August 2009 statt (UV-act. 232).
Seinen Bericht erstattete der Konsiliararzt am 5. Dezember 2009 als Gutachten (UV-
act. 236). Er schloss sich darin der bisherigen Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung nicht an (Gutachten S. 41 ff.) und führte aus, dass die von Dr. K._
neu diagnostizierte andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung nicht
den Kriterien der ICD-10 entspreche, weshalb davon vorliegend nicht die Rede sein
könne (Gutachten S. 47). Dr. G._ diagnostizierte neben einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, F45.42, eine
Persönlichkeits- und Verhaltensstörung mit Merkmalen der Verbitterung sowie der
histrionischen Verhaltensstörung, F68.8 (Gutachten S. 48 f.). Während die
Integritätseinbusse durch die chronische Schmerzstörung auch bezüglich psychischen
Belastungen laut Schätzung von Dr. F._ durch die Integritätsentschädigung von 15%
abgegolten sei, hielt der begutachtende Psychiater die Integritätseinbusse durch die
Persönlichkeits- und Verhaltensstörung mit 20 bis 35% bei leichter bis mittelschwerer
Beeinträchtigung fest und kam unter Abzug eines Anteils für unfallfremde Aspekte und
Beantwortung der Frage nach dem natürlich kausalen Anteil in Antwort 4A auf einen
Schätzwert von 20% und einen Integritätsschaden von insgesamt 35% (Gutachten
S. 51 ff.). Mit Antwort 4B hielt er - ohne einlässliche Begründung - einen
teilursächlichen Zusammenhang mit dem Unfall lediglich für möglich und verneinte
einen Anspruch auf eine psychiatrisch begründbare Integritätsentschädigung.
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6.2.3 Das Gutachten von Dr. G._ sowie die erneute Stellungnahme von
Dr. F._ wurden dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht
(UV-act. 237, 241 f.). Die Möglichkeit, sich dazu zu äussern, wurde nicht genutzt. Am
5. Februar 2010 verfügte die Suva die gesamte Integritätseinbusse der
Beschwerdeführerin mit 35% und stützte sich dabei auf die Antwort 4A von Dr. G._
(UV-act. 244). Eine eigenständige Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs
durch die Unfallversicherung wurde weder laut der Verfügung noch dem vorliegend
angefochtenen Einspracheentscheid durchgeführt.
6.3
6.3.1 Die Beschwerdegegnerin führte im Einspracheentscheid an, die (ärztlichen)
Beurteilungen würden schlüssig, nachvollziehbar und überzeugend erscheinen und
abweichende ärztliche Beurteilungen seien nicht vorhanden. Sofern sie damit zum
Ausdruck brachte, abweichende Schätzungen der Integritätseinbusse seien nicht
vorhanden, trifft diese Äusserung zwar zu; allerdings wurden auch lediglich Dr. F._
und Dr. G._ - je für den eigenen Fachbereich - nach der Integritätseinbusse der
Beschwerdeführerin gefragt. Betreffend psychiatrischer Diagnose bestehen jedoch
sehr wohl abweichende ärztliche Beurteilungen. Dr. G._ verneinte mit dem Gutachten
vom 5. Dezember 2009 entgegen den Bewertungen aller übrigen psychiatrischen
Fachleute die bisherige Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung. Mit
seinem Gutachten wurde die bisherige Kausalitätsbeurteilung der psychischen
Beeinträchtigungen und von deren Behandlung umgestossen.
6.3.2 Am 27. Januar 2009 war Dr. G._ lediglich mit einer konsiliarischen
Untersuchung beauftragt worden (UV-act. 229). Mit dem Gutachten vom 5. Dezember
2009 schoss er über seinen Auftrag hinaus und verunmöglichte es der
Unfallversicherung, vorgängig zum Auftrag das gesetzlich gebotene Verfahren zur
Gutachterbestimmung nach Art. 44 ATSG durchzuführen. Der Gutachter begründete
seinen Standpunkt und die neue Diagnose einer Persönlichkeits- und
Verhaltensstörung eingehend; dennoch enthält das Gutachten vom 5. Dezember 2009
(UV-act. 236) verschiedene Ungereimtheiten:
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6.3.3 Dr. G._ bezeichnet Dr. I._, der die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung zusammen mit Dr. J._ stellte, als damals neurologischen
Assistenzarzt (und heute Oberarzt an der Psychiatrischen Poliklinik in Zürich). Fakt ist,
dass Dr. I._ sowohl den Bericht vom 4. März 2004 über die psychiatrische
Untersuchung der Beschwerdeführerin an der Rehaklinik C._ zusammen mit dem
Psychiater und leitenden Arzt Psychosomatik, Dr. J._, als auch den Austrittsbericht
vom 22. März 2004 zusammen mit dem damaligen leitenden Arzt Neurorehabilitation,
Dr. med. N._, Facharzt FMH für Neurologie, Physikalische Medizin und
Rehabilitation, unterzeichnete, beide Male unter der Bezeichnung "Rehaklinik C._,
Ärztlicher Dienst, Assistenzarzt" (UV-act. 39 f.). Gegenüber der Suva war Dr. I._ zuvor
als Alleinunterzeichner des Kurzberichts vom 17. März 2004 und bei einem klärenden
Telefongespräch am 24. März 2004 als behandelnder Arzt der Beschwerdeführerin
aufgetreten (UV-act. 37 f.). Laut Ärzteverzeichnis der FMH (abrufbar unter
www.doctorfmh.ch; Abfrage vom 16. September 2011) hatte Dr. I._ 2005 den FMH-
Facharzttitel Psychiatrie und Psychotherapie erworben und ist aktuell als Oberarzt an
der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsspitals Zürich (USZ) tätig.
Es ist kaum anzunehmen, dass Dr. I._ während seiner Ausbildung zum Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie und ein gutes Jahr vor dieser Prüfung als
neurologischer Assistenzarzt tätig war, der zusammen mit Dr. J._ über psychiatrische
Untersuchungen berichtete. Der Hinweis von Dr. G._ erweist sich als nicht fundierte,
unzutreffende fachliche Qualifikation.
6.3.4 Obwohl Dr. G._ im Gutachten die verschiedenen Äusserungen der
Beschwerdeführerin über den Hergang, das Erleben und die Verarbeitung des Unfalls
sowie zu verschiedenen Aspekten wie Schmerzempfinden, Emotionalisierung usw.
minutiös zusammenträgt und detailliert darstellt, erscheint dieses Vorgehen
ausschliesslich auf das Ergebnis einer anderen psychiatrischen Diagnose als der
bisherigen posttraumatischen Belastungsstörung orientiert zu sein und setzt sich der
Gutachter kaum mit Darlegungen auseinander, die für eine andere Beurteilung
sprechen. Verschiedene indirekte Schilderungen der Beschwerdeführerin, die zu ganz
andern Zwecken als zur Dokumentation ihrer psychischen Befindlichkeit erstellt
wurden, z.B. die polizeiliche Befragung am Tag nach dem Unfall (Befragungsprotokoll
vom 26. Oktober 2003, UV-act. 9), werden ohne kritische Würdigung oder
Berücksichtigung der Befragungssituation und ihres jeweiligen Hauptzwecks im
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Gutachten als direkte Aussagen der Beschwerdeführerin widergegeben (Gutachten
S. 41 unten ohne Erwähnung der geltend gemachten Erinnerungslücke). Damit wird der
Eindruck von Genauigkeit erweckt, der so nicht zutrifft. Dieser wiederum verleitet
fälschlicherweise zur Würdigung des Gutachtens als schlüssig, nachvollziehbar und
überzeugend.
6.3.5 Wie die übrigen Beurteilenden kommt Dr. G._ im Gutachten vom
5. Dezember 2009 zum Schluss, dass der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer
Sicht keinerlei Arbeitsfähigkeit attestiert werden kann. Dennoch beurteilt er ihre
psychische Störung als leicht bis mittelschwer und verneint kaum oder jedenfalls
konstante Beeinträchtigungen. Die Integritätsschaden-Tabelle 19 führt demgegenüber
bei den leichten bis mittelschweren psychischen Störungen aus, dass sich die
Symptomatik unter starken Belastungen im Alltag und im Beruf manifestiere. Störungen
mit reduzierter oder gänzlich fehlender Arbeitsfähigkeit werden demgegenüber als
mindestens mittelschwer eingestuft. Bei gegebener vollständiger Arbeitsunfähigkeit
kann demnach nicht von einer lediglich leichten bis mittelschweren psychischen
Störung ausgegangen werden. Das Gutachten von Dr. G._ ist daher bezüglich
Einstufung der psychischen Störung widersprüchlich.
6.3.6 Die Beschwerdeführerin lässt zu Recht geltend machen, Dr. G._ habe die
Kürzung des psychisch bedingten Integritätsschadens wegen unfallfremder (von 20 bis
35% auf 20%) ohne Begründung vorgenommen. Er führt in Antwort 4A aus, dass
unfallfremde Faktoren das Störungsbild in hohem Mass prägten (Gutachten S. 52 f.).
Welche Faktoren der Begutachter meint und wodurch sie das Störungsbild prägen,
geht weder aus der Fragebeantwortung noch aus der übrigen Begründung im
Gutachten hervor. Das Ausmass der Kürzung in der Schätzung des Integritätsschadens
ist damit nicht nachvollziehbar.
6.4 Zusammenfassend kommt dem Gutachten von Dr. G._ keine volle Beweiskraft
zu und ist die psychisch bedingte Integritätseinbusse der Beschwerdeführerin nicht
nachvollziehbar beurteilt. Die Streitsache ist auch diesbezüglich zu weiteren
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die psychiatrische
Diagnose, die dadurch bedingte dauerhafte Beeinträchtigung der Integrität der
Beschwerdeführerin sowie der Anteil allfälliger unfallfremder Faktoren sind nochmals
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neu zu beurteilen, vorzugsweise durch eine anstaltsunabhängige psychiatrische
Fachperson.
7.
Für das Zusammenfallen von mehreren Integritätsschäden aus einem Unfall (oder aus
mehreren Ereignissen) sieht Abs. 3 Satz 1 von Art. 36 UVV die Festsetzung der
Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung vor. Stehen die
Integritätseinbussen aufgrund der Lendenwirbelfraktur einerseits und aufgrund der
weiteren psychischen Beeinträchtigung fest, können die beiden Prozentzahlen nicht
nur zusammengezählt werden. Vielmehr ist die Summe einer Gesamtwürdigung zu
unterziehen und zu überprüfen, ob diese der gesamten Integritätseinbusse der
versicherten Person entspricht (vgl. Philipp Portwich, Die Integritätsentschädigung für
psychische Unfallfolgen nach dem schweizerischen Bundesgesetz über die
Unfallversicherung: Grundlagen und Hinweise für die gutachterliche Praxis, SZS 2009
S. 349 ff. [Kapitel 3.2.4 Vorgehen bei mehreren Integritätsschäden]). Auch für die
Durchführung einer begründeten Gesamtwürdigung ist die Streitsache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, wobei diese durch entsprechenden Austausch
der beiden Fachpersonen mit begründeter Stellungnahme vorgenommen werden kann.
8.
8.1 Zusammenfassend ist die Beschwerde vom 23. September 2010 gutzuheissen,
der Einspracheentscheid vom 23. August 2010 aufzuheben und die Angelegenheit zu
weiteren Abklärungen im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Anschliessend hat diese über die Integritätseinbusse und die dafür
geschuldete Integritätsentschädigung neu zu verfügen.
8.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat die
Beschwerdeführerin bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine
Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts (Art. 61 lit. g ATSG). Eine
Entschädigung von pauschal CHF 4'000.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
erscheint angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP